CELEX: 61992CJ0050
Language: de
Date: 1993-03-18 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 18. März 1993. # Firma Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KG gegen Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung. # Ersuchen um Vorabentscheidung: Verwaltungsgericht Frankfurt am Main - Deutschland. # Verarbeitung von Butter - Verfall der Kaution - Höhere Gewalt. # Rechtssache C-50/92.

Rechtssache C-50/92 Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KGgegenBundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung (BALM)(Vorabentscheidungsersuchendes Verwaltungsgerichts Frankfurt am Main)
         
            «Verarbeitung von Butter – Verfall der Kaution – Höhere Gewalt»
            
               
                  Sitzungsbericht 
                     
                
               
            
                   
               
               
            
               
                  Schlußanträge des Generalanwalts Carl Otto Lenz vom 9. Februar 1993 
                     
                
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 18. März 1993  
                     
                
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  
                  Landwirtschaft – Gemeinsame Marktorganisation – Milch und Milcherzeugnisse – Butter aus öffentlichen Lagerbeständen – Verkauf zu herabgesetzten Preisen an die Verarbeitungsbetriebe – Kautionsregelung – Höhere Gewalt – Begriff – Versäumung der Frist für die Vorlage der Nachweise für die Verarbeitung in einem anderen Mitgliedstaat, die auf die Untätigkeit
                     der Behörden dieses Mitgliedstaats zurückzuführen ist – Fall höherer Gewalt – Voraussetzungen – Gebotener Nachdruck des Wirtschaftsteilnehmers – Versäumnis, einen Antrag auf Anerkennung anderer gleichwertiger Unterlagen zu stellen – Auswirkung, die nach dem konkreten Nutzen eines solchen Schritts zu beurteilen ist
                  (Verordnungen Nr. 1687/76 der Kommission, Artikel 14 und Nr. 262/79 der Komission, Artikel 22 Absatz 4)Da unter höherer Gewalt ungewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse zu verstehen sind, auf die der betroffene Wirtschaftsteilnehmer
         keinen Einfluß hatte und deren Folgen trotz Anwendung der gebotenen Sorgfalt nicht hätten vermieden werden können, kann ein
         Fall höherer Gewalt im Sinne des Artikels 22 Absatz 4 der Verordnung Nr. 262/79 über den Verkauf von Butter zu herabgesetzten
         Preisen für die Herstellung von Backwaren, Speiseeis und anderen Lebensmitteln nur angenommen werden, wenn die Versäumung
         der Frist für die Vorlage der Nachweise für die Verarbeitung der Butter in einem anderen Mitgliedstaat darauf beruht, daß
         die Verwaltungsbehörden dieses Staates die Überprüfung der Verarbeitung und die Rücksendung des Kontrollexemplars an die Behörden
         des Ursprungsstaats mit Verzögerung vorgenommen haben und der betreffende Wirtschaftsteilnehmer die Verwaltungsbehörden des
         Staates der Verarbeitung mit dem gebotenen Nachdruck zur Vornahme dieser Handlungen angehalten hat oder hat anhalten lassen.Hat der Wirtschaftsteilnehmer kein Antragsverfahren wegen Anerkennung anderer gleichwertiger Unterlagen gemäß Artikel 14 der
         Verordnung Nr. 1687/76 zur Festlegung der gemeinsamen Durchführungsbestimmungen für die Überwachung der Verwendung und/oder
         Bestimmung von Erzeugnissen aus den Beständen der Interventionsstellen eingeleitet, so kann ihm dies nur entgegengehalten
         werden, wenn er nicht durch das Verhalten der betreffenden Verwaltung daran gehindert war, seine Rechte durch dieses Verfahren
         zu wahren.
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Zweite Kammer)18. März 1993  (1)
         
         
            
         
               „Verarbeitung von Butter – Verfall der Kaution – Höhere Gewalt“
               
            In der Rechtssache C-50/92 
            betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 177 EWG-Vertrag vom Verwaltungsgericht Frankfurt am Main in dem bei diesem anhängigen
            Rechtsstreit
            
            
            
             Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KG 
            
            
            gegen
            
             Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung (BALM) 
            
            
            vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung des Artikels 22 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 262/79 der
            Kommission vom 12. Februar 1979 über den Verkauf von Butter zu herabgesetzten Preisen für die Herstellung von Backwaren, Speiseeis
            und anderen Lebensmitteln (ABl. L 41, S. 1) in der Fassung der Verordnung (EWG) Nr. 3021/85 der Kommission vom 30. Oktober
            1985 (ABl. L 289, S. 14)erläßt
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer),
            
            unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten J. L. Murray, der Richter G. F. Mancini und F. A. Schockweiler, 
            
            Generalanwalt: C. O. Lenz Kanzler: Lynn Hewlett, Verwaltungsrätin 
            
            
            unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen
               
               
               ─
               der Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KG, vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Festge, Hamburg, 
               
               
               ─
               der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch Rechtsberater Dierk Booß als Bevollmächtigten, Beistand: Rechtsanwalt
               Walter G. Grupp, Brüssel, 
               
               
            
            
            aufgrund des Sitzungsberichts,
            
            nach Anhörung der mündlichen Ausführungen der Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KG und der Kommission in der Sitzung vom 10.
               Dezember 1992,
            
            
            nach Anhörung der Schlußanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 9. Februar 1993,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
         Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main hat mit Beschluß vom 28. Januar 1992, beim Gerichtshof eingegangen am 20. Februar
         1992, gemäß Artikel 177 EWG-Vertrag zwei Fragen nach der Auslegung des Artikels 22 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 262/79
         der Kommission vom 12. Februar 1979 über den Verkauf von Butter zu herabgesetzten Preisen für die Herstellung von Backwaren,
         Speiseeis und anderen Lebensmitteln (ABl. L 41, S. 1) in der Fassung der Verordnung (EWG) Nr. 3021/85 der Kommission vom 30.
         Oktober 1985 (ABl. L 289, S. 14) zur Vorabentscheidung vorgelegt. 
         
         
         2
            
         Diese Fragen stellen sich in einem Rechtsstreit zwischen der Molkerei-Zentrale Süd GmbH & Co. KG (im folgenden: Molkerei-Zentrale)
         und der Bundesanstalt für landwirtschaftliche Marktordnung (BALM), der im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik zuständigen
         nationalen Interventionsstelle, wegen Rückzahlung einer Kaution für die Verarbeitung von Butter. 
         
         
         3
            
         Nach Artikel 16 Absatz 2 der Verordnung Nr. 262/79 muß derjenige, dem der Zuschlag für die Butter erteilt wird, eine Kaution
         stellen, durch die die Verarbeitung dieses Erzeugnisses sichergestellt werden soll. Nach Artikel 22 Absatz 4 dieser Verordnung
         verfällt diese Kaution außer im Falle höherer Gewalt je nach den Mengen, für die die Nachweise für die Verarbeitung binnen
         18 Monaten nach Ablauf der Angebotsfrist nicht erbracht worden sind. Werden die Nachweise jedoch innerhalb der 18 Monate erbracht,
         die auf diese Frist folgen, so werden 85 % des verfallenen Betrages zurückerstattet. 
         
         
         4
            
         Mit der Verordnung (EWG) Nr. 1687/76 der Kommission vom 30. Juni 1976 zur Festlegung der gemeinsamen Durchführungsbestimmungen
         für die Überwachung der Verwendung und/oder Bestimmung von Erzeugnissen aus den Beständen der Interventionsstellen (ABl. L 190,
         S. 1) wurde für Butter für die Zeit von ihrer Auslagerung bis zu ihrer Verarbeitung in einem anderen Mitgliedstaat als dem,
         in dem der Verkauf erfolgt, eine Zoll- oder Verwaltungskontrolle eingeführt, für die das Exemplar T5 verwendet wird, das an
         die Abgangszollstelle oder an die zentrale Stelle des Mitgliedstaats, aus dem das Erzeugnis stammt, zurückzusenden ist. 
         
         
         5
            
         Gelangt das Exemplar aus von dem betroffenen Wirtschaftsteilnehmer nicht zu vertretenden Gründen nicht dorthin zurück, kann
         dieser nach Artikel 14 der Verordnung Nr. 1687/76 bei der zuständigen Dienststelle einen Antrag auf Anerkennung anderer gleichwertiger
         Unterlagen stellen. Diesem muß eine Bestätigung der Zollstelle des Mitgliedstaats der Verarbeitung beigefügt sein, daß der
         für das betreffende Erzeugnis vorgesehenen Verwendung und/oder Bestimmung entsprochen worden ist. 
         
         
         6
            
         Am 22. September 1987 erhielt die Molkerei-Zentrale den Zuschlag für eine Partie Butter und hinterlegte eine Verarbeitungskaution.
         Nach einer Erstverarbeitung in Deutschland wurde ein Teil dieser Partie im Auftrag der Molkerei-Zentrale von einem anderen
         Unternehmen zur Endverarbeitung nach Italien ausgeführt. 
         
         
         7
            
         Da die italienischen Behörden die Freigabe erst am 31. März 1989, d. h. nach Ablauf der in Artikel 22 Absatz 4 der Verordnung
         Nr. 262/79 vorgesehenen Frist von 18 Monaten, auf dem Kontrollexemplar T5 erteilten, erklärte die BALM, der die Verarbeitungsnachweise
         erst am 6. April 1989 zugingen, 15 % der Kaution für verfallen. 
         
         
         8
            
         Das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main, bei dem die Molkerei-Zentrale Klage auf Aufhebung des betreffenden Bescheids und
         Rückzahlung des einbehaltenen Teils der Kaution erhoben hat, hat das Verfahren ausgesetzt, bis der Gerichtshof eine Vorabentscheidung
         über folgende Fragen erlassen hat: 
         
         1)
         Liegt ein Fall höherer Gewalt im Sinne von Artikel 22 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 262/79 vor, wenn 
         
         a)
         die Versäumung der Nachweisfrist darauf beruht, daß die Verwaltungsbehörden eines anderen Mitgliedstaats die Überprüfung der
         verordnungskonformen Verwendung, die Ausstellung der Bestätigung auf dem Kontrollexemplar und die Rücksendung des Kontrollexemplars
         an die Abgangszollstelle bzw. die zentrale Stelle so zögerlich vorgenommen haben, daß die den Verwaltungsbehörden vom Verordnungsgeber
         für die Bestätigung der Verarbeitung eingeräumte Frist von 8 Monaten deutlich überschritten wurde und 
         
         
         b)
         der in dem anderen Mitgliedstaat ansässige Vertreter der von der Käuferin der Interventionsware mit der Abwicklung beauftragten
         Exportfirma die Verwaltungsbehörden des anderen Mitgliedstaats beginnend etwa acht Monate vor Ablauf der Nachweisfrist wiederholt,
         teilweise wöchentlich um Bestätigung der verordnungskonformen Verwendung und Rücksendung des Kontrollexemplars gebeten hat
         und 
         
         
         c)
         der Käufer der Interventionsware es unterlassen hat, nach näherer Maßgabe von Artikel 14 der Verordnung (EWG) Nr. 1687/76
         die Anerkennung anderer gleichwertiger Unterlagen zu beantragen, nachdem das Kontrollexemplar binnen drei Monaten nach Ablauf
         der für den Abschluß der Maßnahme festgesetzten Frist nicht an die Abgangszollstelle bzw. die zentrale Stelle zurückgelangt
         war. 
         
         
         
         Für den Fall der Verneinung der Frage 1.
         
         2)
         Ist Artikel 22 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 262/79 insoweit ungültig, als er, abgesehen von höherer Gewalt, den Verfall
         der Verarbeitungskaution auch dann vorsieht, wenn die Nichteinhaltung der Nachweisfrist auf Gründe zurückzuführen ist, die
         der Zuschlagsempfänger nicht zu vertreten hat. 
         
         
         
         
         9
            
         Wegen weiterer Einzelheiten des Sachverhalts des Ausgangsrechtsstreits, des Verfahrensablaufs und der beim Gerichtshof eingereichten
         schriftlichen Erklärungen wird auf den Sitzungsbericht verwiesen. Der Akteninhalt wird im folgenden nur insoweit wiedergegeben,
         als die Begründung des Urteils dies erfordert. 
         
         
         10
            
         Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht im wesentlichen wissen, ob ein Fall höherer Gewalt im Sinne des Artikels
         22 Absatz 4 der Verordnung Nr. 262/79 angenommen werden kann, wenn die Versäumung der Frist für die Vorlage der Nachweise
         für die Verarbeitung der Butter in einem anderen Mitgliedstaat darauf beruht, daß die Verwaltungsbehörden dieses Staates die
         Überprüfung der Verarbeitung und die Rücksendung des Kontrollexemplars an die Behörden des Ursprungsstaats mit Verzögerung
         vorgenommen haben und der betreffende Wirtschaftsteilnehmer die Verwaltungsbehörden des Staates der Verarbeitung mit dem gebotenen
         Nachdruck zur Vornahme dieser Handlungen angehalten hat oder hat anhalten lassen, aber kein Verfahren auf Anerkennung anderer
         gleichwertiger Unterlagen gemäß Artikel 14 der Verordnung Nr. 1687/76 eingeleitet hat. 
         
         
         11
            
         Im Hinblick auf diese Frage ist darauf hinzuweisen, daß unter höherer Gewalt nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofes
         ungewöhnliche und unvorhersehbare Ereignisse zu verstehen sind, auf die der betroffene Wirtschaftsteilnehmer keinen Einfluß
         hatte und deren Folgen trotz Anwendung der gebotenen Sorgfalt nicht hätten vermieden werden können (Urteil vom 7. Mai 1991
         in der Rechtssache C-338/89, Danske Slagterier, Slg. 1991, I-2315; Urteil vom 22. Januar 1986 in der Rechtssache C-266/84,
         Denkavit France, Slg. 1986, 149). 
         
         
         12
            
         Nimmt die Verwaltung eines Mitgliedstaats die Überprüfung der Verarbeitung der Butter und die Rücksendung des Kontrollexemplars
         an die Behörden des Ursprungsstaats mit Verzögerung vor, so ist dies ein Ereignis, auf das der Wirtschaftsteilnehmer keinen
         Einfluß hat, da er keine Möglichkeit hat, auf die Vornahme dieser Handlungen einzuwirken. 
         
         
         13
            
         Die Voraussetzung der Ungewöhnlichkeit und Unvorhersehbarkeit der Ereignisse, die die für den Wirtschaftsteilnehmer nachteiligen
         Folgen ausgelöst haben, ist nachgewiesen, wenn der Wirtschaftsteilnehmer im Rahmen einer Regelung über die Verwaltung der
         Agrarmärkte durch das Verhalten einer Verwaltung, deren Dienste er zwangsläufig in Anspruch nehmen muß, daran gehindert wird,
         seinen Verpflichtungen aus der Gemeinschaftsregelung nachzukommen. 
         
         
         14
            
         Die Ungewöhnlichkeit und Unvorhersehbarkeit der unzulänglichen Arbeitsweise dieser Verwaltung kann nicht mit der Begründung
         verneint werden, daß eine Gemeinschaftsregelung wie die Verordnung Nr. 1687/76 im Ausgangsrechtsstreit dem Wirtschaftsteilnehmer
         das Recht gibt, im Fall von Verzögerungen, die die Verwaltung zu vertreten hat, die Anerkennung anderer gleichwertiger Unterlagen
         zu beantragen; dieses Recht ist aber für die Feststellung bedeutsam, ob der betreffende Wirtschaftsteilnehmer die nachteiligen
         Folgen der mangelhaften Tätigkeit der Verwaltung hätte abwenden können. 
         
         
         15
            
         Was diese letztgenannte Voraussetzung der höheren Gewalt betrifft, so ist es Sache des nationalen Gerichts, zu ermitteln,
         ob der betreffende Wirtschaftsteilnehmer tatsächlich die gebotene Sorgfalt aufgewandt hat. 
         
         
         16
            
         Dazu ist jedoch festzustellen, daß diese Voraussetzung erfüllt ist, wenn der Wirtschaftsteilnehmer persönlich oder durch einen
         Vertreter regelmäßig bei der zuständigen Verwaltung vorstellig geworden ist, um sie zu den erforderlichen Handlungen zu veranlassen.
         
         
         
         17
            
         Das Versäumnis, die Anerkennung gleichwertiger Unterlagen zu beantragen, kann dem Wirtschaftsteilnehmer nur entgegengehalten
         werden, wenn er nicht durch das Verhalten der betreffenden Verwaltung daran gehindert war, seine Rechte durch dieses Verfahren
         zu wahren. 
         
         
         18
            
         Dazu ist aber festzustellen, daß die Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 14 der Verordnung Nr. 1687/76 nicht erfüllt
         waren. Nach dieser Vorschrift ist nämlich eine Bestätigung der Zollstelle des Staates der Verarbeitung vorzulegen, daß der
         vorgesehenen Verwendung und/oder Bestimmung entsprochen worden ist; eine solche Bestätigung konnte der Wirtschaftsteilnehmer
         aber gerade wegen des Verhaltens dieser Behörde nicht bekommen. 
         
         
         19
            
         Somit ist auf die erste Frage zu antworten, daß ein Fall höherer Gewalt im Sinne des Artikels 22 Absatz 4 der Verordnung Nr.
         262/79 angenommen werden kann, wenn die Versäumung der Frist für die Vorlage der Nachweise für die Verarbeitung der Butter
         in einem anderen Mitgliedstaat darauf beruht, daß die Verwaltungsbehörden dieses Staates die Überprüfung der Verarbeitung
         und die Rücksendung des Kontrollexemplars an die Behörden des Ursprungsstaats mit Verzögerung vorgenommen haben und der betreffende
         Wirtschaftsteilnehmer die Verwaltungsbehörden des Staates der Verarbeitung mit dem gebotenen Nachdruck zur Vornahme dieser
         Handlungen angehalten hat oder hat anhalten lassen. Hat der Wirtschaftsteilnehmer kein Antragsverfahren wegen Anerkennung
         anderer gleichwertiger Unterlagen gemäß Artikel 14 der Verordnung Nr. 1687/76 eingeleitet, so kann ihm dies nur entgegengehalten
         werden, wenn er nicht durch das Verhalten der betreffenden Verwaltung daran gehindert war, seine Rechte durch dieses Verfahren
         zu wahren. 
         
         
         20
            
         Angesichts der Antwort auf die erste Frage erübrigt sich die Beantwortung der zweiten Frage. 
         
         Kosten
         21
            
         Die Auslagen der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, die Erklärungen beim Gerichtshof eingereicht hat, sind nicht
         erstattungsfähig. Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden
         Gericht anhängigen Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. 
         
         Aus diesen Gründen hat 
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
         
         
         auf die ihm Verwaltungsgericht Frankfurt am Main mit Beschluß vom 28. Juli 1992 vorgelegten Fragen für Recht erkannt: 
          Ein Fall höherer Gewalt im Sinne des Artikels 22 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 262/79 der Kommission vom 12. Februar 1979
               über den Verkauf von Butter zu herabgesetzten Preisen für die Herstellung von Backwaren, Speiseeis und anderen Lebensmitteln
               kann angenommen werden, wenn die Versäumung der Frist für die Vorlage der Nachweise für die Verarbeitung der Butter in einem
               anderen Mitgliedstaat darauf beruht, daß die Verwaltungsbehörden dieses Staates die Überprüfung der Verarbeitung und die Rücksendung
               des Kontrollexemplars an die Behörden des Ursprungsstaats mit Verzögerung vorgenommen haben und der betreffende Wirtschaftsteilnehmer
               die Verwaltungsbehörden des Staates der Verarbeitung mit dem gebotenen Nachdruck zur Vornahme dieser Handlungen angehalten
               hat oder hat anhalten lassen. Hat der Wirtschaftsteilnehmer kein Antragsverfahren wegen Anerkennung anderer gleichwertiger
               Unterlagen gemäß Artikel 14 der Verordnung (EWG) Nr. 1687/76 der Kommission vom 30. Juni 1976 zur Festlegung der gemeinsamen
               Durchführungsbestimmungen für die Überwachung der Verwendung und/oder Bestimmung von Erzeugnissen aus den Beständen der Interventionsstellen
               eingeleitet, so kann ihm dies nur entgegengehalten werden, wenn er nicht durch das Verhalten der betreffenden Verwaltung daran
               gehindert war, seine Rechte durch dieses Verfahren zu wahren. 
                  Murray
               
               
                  Mancini 
               
               
                  Schockweiler 
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 18. März 1993. 
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident der Zweiten Kammer
               
            
         
         
         
                  J.-G. Giraud 
               
               
                  J. L. Murray  
               
            
      
      
          1 –
            
             Verfahrenssprache: Deutsch.