CELEX: 51979PC0273
Language: de
Date: 1979-06-05
Title: Vorschlag für einen Beschluss des Rates über ein technisches Forschungsprogramm auf dem Gebiet der Tonminerale und technischen Keramik (Von der Kommission dem Rat vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (79) 273
Vol. 1979/0106
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983
concernant l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique
européenne et de la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983,
p. 1), tel que modifié par le règlement (CE, Euratom) n° 1700/2003 du 22 septembre 2003
(JO L 243 du 27.9.2003, p. 1), ce dossier est ouvert au public. Le cas échéant, les documents
classifiés présents dans ce dossier ont été déclassifiés conformément à l'article 5 dudit
règlement.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983
concerning the opening to the public of the historical archives of the European Economic
Community and the European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as
amended by Regulation (EC, Euratom) No 1700/2003 of 22 September 2003 (OJ L 243,
27.9.2003, p. 1), this file is open to the public. Where necessary, classified documents in this
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983,
S. 1), geändert durch die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1700/2003 vom 22. September 2003
(ABI. L 243 vom 27.9.2003, S. 1), ist diese Datei der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit
erforderlich, wurden die Verschlusssachen in dieser Datei in Übereinstimmung mit Artikel 5
der genannten Verordnung freigegeben.
 ---pagebreak---   KOMMISSION DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                                  KOM(79 ) 273 endg .
                                                                  Brüssel den 5 Juni 1979 »
                             ΓΤΓ"–Α. ■' ' V 5Γ?     ■<..% 4' VjîU
                                                                                       i » i. . . . . .
                                          Vorschlag
                für einen Beschluss des Rates über ein technisches
                Forschungsprogramm auf dem Gebiet der Tonminerale
                            und technischen Keramik
                    ( Von der Kommission dem Rat vorgelegt )
                                             /-•     -
                        V.'
                                                         ·;ν           β/
K0M(79 ) 273 endg .
 ---pagebreak---                            INHALT DES DOKUMENTS
                                                     Seite
Beschreibung des Programms                              1
Inhalt des Programms                                    3
Finanziele vorausschutzungen                            6
Verwirklichung und Betreuung des Programms              7
Verbreitung der Information                             8
ANHAENGE :
Anhang 1 : Finanzbogen                                  9
Anhang 2 : Technischer Anhang                          13
Anhang 3 : Kenntnisse und Erfindungen                  25
Anhang 4 : Vorschlag für einen Beschluss des Rates
           zur Festlegung eines technologischen
           Forschungsprogramms auf dem Gebiet der
           Tonminerale und der technischen Keramik     27
Anhang 5 : Situation der Keramikindustrie in der
           Gemeinschaft                            '   31
 ---pagebreak---  BESCHREIBUNG DES PROGRAMMS
           Die Kommission legt ein kollektives Mehrjahresprogramm für Forschung
und Entwicklung über einen Zeitraum von vier Jahren vor , dessen Kosten für die
Gesamtdauer der Aktionen auf 8 ,2 Mio ERE veranschlagt sind ( 4|5 Mio ERE zu
Lasten der Kommission ).
           Das in Abstimmung mit der Keramikindustrie der Gemeinschaft ausge­
arbeitete Programm wird in Form von Forschungsverträgen auf der Basis der Kosten-
teilung – was die technische Keramik angeht – einerseits mit CERAME-UNIE -
was die Tonminerale angeht - mit GROUPISOL durchgeführt .
           An diesem Forschungsprogramm beteiligen sich sowohl nationale
Forschungsgremien als auch die Privat industrie durch Bereitstellung von 20
Forschern und 22 Hilfskräften je Thema . Das Programm , das im wesentlichen auf
die Förderung und Vertiefung einer integrierten Forschung und Entwicklung auf
diesem Industriesektor ausgerichtet ist , erstreckt sich auf zwei Themen :
- Technologie der Tonminerale ( i )           ( siehe technischer Anhang)
- Technologie der technischen Keramik ( il )
          Seine Begründung ergibt sich aus folgenden Erwägungen :
          Die Grundeigenschaften der Keramikerzeugnisse : Widerstandsfähigkeit
gegen hohe Temperaturen und Verschleiss , chemische Trägheit , elektrisches Ver­
halten und neuerdings noch höhere mechanische Festigkeit haben dazu beigetragen ,
dass sie bei einer breiten Skala industrieller Erzeugnisse von der Industrie
für elektrische Haushaltsgeräte bis hin zu zukunftsweisenden Technologien Ver­
wendung finden . Mehrere andere Industriesektoren sind in ihrer Entwicklung und
ihrem Wachstum von keramischen Komponenten abhängig , so dass ein koordiniertes
Forschungsprogramm nicht nur dem Keramiksektor insgesamt zugute kommt , sondern
auch die technologischen Grundlagen der Gemeinschaftsindustrie im allgemeinen
gefestigt werden .
          Auf dem Gebiet der Tonminerale gelten folgende Argumente :
- Die herkömmliche Keramikindustrie profitiert von den Verbesserungen der Tech­
   nologie der Tonminerale .
»• Da sich der Sektor aus einer Reihe von kleinen und mittleren Betrieben zusam­
   mensetzt , werden mit den neuen Technologien weitere interne und externe Märkte
   für die keramischen GrunderzeugniBse erschlossen .
- Die Keramikunternehmen sind meist in Gebieten angesiedelt , in denen der Rohstoff
   an Ort und Stelle oder in der Nähe vorhanden ist , die jedooh häufig wirtschaft­
   lich benachteiligt sind ; demzufolge spielt die Keramikindustrie eine wichtige
   Rolle in der regionalen Wirt schaft .
- In Anbetracht der relativ umgeordneten Struktur der Industrie ist es wichtig ,
   dass die Forschung kollektiv durchgeführt wird , damit der bereits begrenzte
   Beitrag der Industrie optimal genutzt und sichergestellt wird , dass die Ergeb­
   nisse möglichst vielen zugute kommen . Die Beteiligung der Gemeinschaft wird
   eine für den gemeinsamen Einsatz des Forschungspotentials unerlässliche
   Katalysatorwirkung ausüben .
- Eine bessere Qualität der Erzeugnisse und die Entwicklung neuer Erzeugnisse
   bilden die Voraussetzung dafür , dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie auf
   Gemeinschafts- und internationaler Ebene erhalten bleibt .
 ---pagebreak--- - Eine bessere Kenntnis der Technologie der Tonminerale würde durch die
  Entwicklung und Herstellung besserer feuerfester Erzeugnisse zu einem geringeren
  Energieverbrauch und somit zu einer rationelleren Energienutzung beitragen.
– Durch eine intensivere Nutzung der in der Natur vorkommenden Tonminerale würde
  die Wiederverwertung mineralischer Industrieabfälle möglich , so dass die
  Belastung der Umwelt mit Abfällen und Abraumhalden verringert würde »
           Auf dem Gebiet der technischen Keramik gelten folgende Argumentes
- Die Erzeugnisse der technischen Keramik können dank ihrer Widerstandsfähigkeit
  gegen hohe Temperaturen besonders unter schwierigen Betriebsbedingungen
  oder aber in chemischen Anlagen als Substitution für Edelmetalle eingesetzt
  werden® Ihre Verwendung ermöglicht einen höheren Wirkungsgrad , wo sonst Werk­
  st offeigens chaften einschränkend wirken .
– Bei der Herstellung herkömmlicher keramischer Erzeugnisse , wie z.B. Isolatoren ,
  kann die Wettbewerbsfähigkeit der Gerne ins chaftsindustrie nur durch die Ent­
  wicklung von Spitzenerzeugnissen erhalten werden .
- Die halbleitenden Eigenschaften einiger Keramikerzeugnisse können nicht nur
  in elektronischen Schaltkreisen genutzt werden , sondern auch noch viel
  häufiger bei einer Reihe von Verfahren mit Ausrüstungskomponenten , wie Heiz-
  elementen und Pestelektrolyten . Dank dieser Eigenschaften können ferner spezi­
  fische Ortungsgeräte entwickelt werden , die zur Verbesserung des Wirkungsgrads
  von Geräten und Anlagen beitragen .
           Die Stimulierung der kollektiven Forschung auf diesen Gebieten wird
die Industrie stärken und die Abhängigkeit der Gemeinschaft von eingeführter
Technologie verringern .
 ---pagebreak---                                         3
INHALT DES PROGRAMMS
I. Tonminerale :
   1 . Ermittlung der kennzeichnenden Eigenschaften von Tonmineralen ( che­
       mische Zusammensetzung , Oberf lächenzustand , Porosität und Porenver-
       teilung , morphologische Eigenschaften usw .) und Untersuchung ihres
       Einflusses auf das Verhalten der Tone bei ihrer Formgebung . Das setzt
       voraus :
       1 . eine Untersuchung der Wechselwirkung in wässrigen Tonmineralsuspen-
            sionen ( Bindung von Ionen und Molekülen , Oberflächenwasser , Ionen-
            austausch , ...);
       2 . eine Untersuchung der elektrochemischen und elektrokineti sehen
            Eigenschaften der Tonminerale .
       Zweck dieses Vorhabens :
       - die Erarbeitung von technologischen Grundlagen zur Aufwertung mindei
          wertiger Tonminerale und zur Anpassung des keramischen Produktions­
          prozesses an die Anforderungen minderwertiger Tonminerale und von
          tonmineralischen Abfällen anderer Industriezweige unter Berücksich­
          tigung der Notwendigkeit :
          - der Wirtschaftlichkeit der Prozesse ,
          - der Steigerung des technologischen Niveaus der Industrie ,
          - der Forderungen des Marktes an die keramischen Produkte ,
          - der wirtschaftlichen Verwendung der Produktionsenergie ,
          - des Schutzes der Umwelt ,
          - der Verbesserung der Arbeitsplätze ,
          - der optimalen Ausnutzung der Bodenschätze der Gemeinschaft ,
          - der Erhaltung der Arbeitsplätze ,
          - der Erweiterung der Basis für Innovationen der Unternehmen .
   2 . Wissenschaftliche Untersuchung der Trocknung , wozu unter anderem fol­
       gende Kenntnisse notwendig sind : die Wechselwirkung tonhaltiger Teil­
        chen in technischen Aufschwämmungen mit den verschiedenen Komponenten
       wie Feldspat oder Quartz mit dem Ziel der Aufklärung des Mechanismus
       der Wasserabsorption und Trocknung .
 ---pagebreak---                                      _ L  -
    Die wichtigsten energieverbrauchenden Vorgänge in der keramischen Indu­
    strie sind die Vorbereitung der Ausgangsprodukte , die Trocknung , das
    Brennen und das Schmelzen der Feuerfeststoffe . Ferner wird die Rolle der
    verschiedenen Techniken geprüft : Trocknen durch Strahlung oder Wärme-
    pumpe bei diesen Vorgängen , ihre Durchführbarkeit , der energiepolitische
    Aspekt und der Qualitätsaspekt .
3 . Untersuchung des Brennens der ausgewählten Tone getrennt oder in Mischung .
    Es werden insbesondere der Gewichtsverlust , die Zusammensetzung der
    Gase , die energetische Bilanz und die mineralogischen Veränderungen fest­
    gestellt .
    Ferner werden die Schnelligkeit der Glasbildung , die Materialspannungen ,
    der thermische Schock und die schwarzen Kerne in keramischen Massen sowie
    die Möglichkeiten der Energieeinsparung analysiert .
    Zur Energieeinsparung werden zahlreiche technische Lösungen vorgeschla­
    gen , wie die Anwendung eines Ofenbaus mit geringerer Dichte , Wärmerück-
    gewinnung , Verbesserung der Isothermie und der Brennzyklen .
4 . Untersuchung der Eigenschaften der gebrannten Massen vom mechanischen ,
    physikalischen , elektrischen und chemischen Standpunkt .
5 . Untersuchung des Einflusses der mineralogischen Sauberkeit der Tonmine-
    rale auf das Verhalten des Erzeugnisses während der verschiedenen Pha­
    sen der Fabrikationstechnologie ( Verformen - Trocknen - Brennen ) sowie
    auf ihre Fertigprodukteigenschaften .                                      ,
    Schliesslich werden die wechselseitigen Beziehungen zwischen allen bei
    den Untersuchungen über die verschiedenen oben genannten Punkte ge­
    sammelten Daten festgestellt .
 ---pagebreak---                                        - 5 -
II . Was das Programm zur Entwicklung technischer keramischer Werkstoffe an­
       belangt , so haben die Sachverständigen der Industrie und der Forschungs
       Laboratorien nachstehende sechs Studien vorgeschlagen ( siehe techni­
       scher Anhang ) :
       1 . Ausweitung der Produktionstechnologie für die Herstellung produkt-
           und zweckoptimierter Pulver aus Oxiden und Mischoxiden als Ausgangs­
           stoffe für technische keramische Erzeugnisse .
       2 . Vergütung der Oberfläche keramischer Halbzeuge und Produkte aus Alu­
           miniumoxid zur Erhöhung ihrer mechanischen Festigkeit .
       3 . Ausweitung der Anwendungstechnologie keramischer Produkte aus Zirkon
           oxid durch Erhöhung ihrer mechanischen Festigkeit .
       4 . Ausweitung der Anwendungstechnologie keramischer Werkstoffe aus
           elektrisch leitendem Zirkonoxid .
       5 . Entwicklung der Nutzungsmöglichkeiten der elektrischen Eigenschaften
           von Zinnoxid .
       6 . Ausweitung der Technologie für die Weiterverarbeitung und Anwendung
           keramischer Fasern und Erarbeitung der technologischen Grundlagen
           für neue Produktionsverfahren und gegebenenfalls die Erfindung neuer
           Produkte .
       Die oben aufgezählten Aktionen setzen voraus , dass die technologische
       Forschung nicht nur in einzelstaatlichem Rahmen erfasst wird , sondern
       dass anschliessend Gemeinschaftsaspekte festgestellt und Leitlinien
    ' skizziert werden , damit die gegeneinander abgeschotteten Forschungs-
     . Systeme , unter denen bisher nur ein sporadischer Austausch stattfand ,
       in ein globales und wirksames System umgewandelt werden können . Dieses
       kollektive Forschungsprogramm , das Gegenstand des vorliegenden Vor­
       schlags der Kommission bildet , öffnet den Weg für diese vielversprechen
       de Entwicklung .
 ---pagebreak---                                      - ó -
Finanziele vorausschutzungen .
Der Höchstbetrag der EWG für die Durchführung des vorgeschlagenen Pro­
gramms beträgt 4,50 Mio ERE ( siehe Anhang : Finanzbogen ).
Die detaillierte Aufschlüsselung der Finanzierung nach Themen und Vorhaben
wird von dem für die Betreuung des Programms zuständigen Gremium vorge­
nommen ( siehe nachstehend ).
Die Gemeinschaftsmittel dienen :
1 . zur Finanzierung der Forschungsverträge auf Kostenteilungsbasis mit
    den Forschungsinstituten , mit der Industrie und den Universitäten der
    Mitgliedstaaten , d.h . zu 50 % der tatsächlichen Kosten der durchgeführ­
    ten Forschungen mit einem Höchstbetrag von 2,05 Mio ERE für jedes der
    beiden Themen .
2 . zur Betreuung des Programms    mit einem Betrag von 0,40 Mio ERE .
 ---pagebreak--- BETREUUNG DES PROGRAMMS
Die Kommission führt das Forschungsprogramm durch Verträge aus . Die Dienst­
stellen der Kommission stellen die Kollaboration mit dem Vertragspartner
( CERAMIE-UNIE und GROUPISOL ) und ihrem Verwaltungsrat des Programms sicher
und werden dem beratenden Ausschuss Uber den Ablauf der Aktionen für das
Forschungs– und Entwicklungsprogramm berichten , gemäss Beschluss des Rates
vom 18 . Juli 1977 Uber die beratenden Ausschlisse fUr die Verwaltung des
Forschungsprogramms . (AB No . C 192 vom 11.8.1977 » S. l )
 ---pagebreak---                                        - 8 -
- Ueberwachung des Fortschritts der laufenden Forschungen und gegebenen­
   falls Erteilung von Empfehlungen für die Fortsetzung der Arbeiten ;
- regelmässige Fortschrei bung des laufenden Programms und gegebenenfalls
  Aenderungsvor schlage .
VERBREITUNG DER INFORMATION
Die Verbreitung der Kenntnisse aus dem Programm unterliegt der Verordnung
EWG Nr . 2380 / 74 des Rates vom 17 . September 1974 .
Die für Kenntnisse und Erfindungen zutreffenden Vertragsklauseln stützen
sich auf die im Anhang 3 festgelegten Grundsätze .
 ---pagebreak--- MEMG 1
                                      FIITMZBOGEN
NEUE VORHABEN
1 . Stelle im Haushaltsplan : Posten '3720
2 . Bezeichnung der Stelle im Haushaltsplan : vorhaven auf dem Sektor der
    . technischen Keramik                   •                            '
3 . Rechtsgrundlage : Vorschlag für einen Beschluß des Rates gemäss
      Artikel 235 des EWG-Vertrages über ein technisches Forschungsprogram
      auf dem Gebiet der Tonminerale und technischen Keramik -      _ _
4 . Beschreibung , Ziel und Begründung des Vorhabens
     4*0.   Beschreibung der Aktion - beteiligte Personen
            4*0.0. Beschreibung: Durchführung von 2 Forschungsvorhaben über die
                    Technologie der Tonminerale ( i ) und über die Technologie der
                    Spezialkeramiken (il).
            4*0*1 * Beteiligte Personen
                    4.0.1.1 . Keramikindustrie
                    4*0.1.2 .  die gesamte Gemeinschaft *
     4.1 *  Ziel des Vorhabens
            4*1*0* Allgemeines Ziel
                    – Verbesserung der Technologie für die Verwendung von Ton-
                      mineralen ( i )
                    – Ausweitung der Bedeutung der technischen Keramik ( il ).
            4*1*1 * Spezifische Ziele
                    – Verwendung von Tonmineralen minderer Qualität ; Verbesserung
                      der technologischen Bedingungen für die Rohstoffversorgung
                      und Innovation der Erzeugnisse und Herstellungsverfahren im
                      Rahmen der Wirtschafts-, Umwelt- und Energiepolitik ( i ).
                    – Schaffung der für die Produktion erforderlichen Ausgangs­
                      stoffe ; Substitution seltener Metalle durch Keramikerzeug1-
                      nisse ; Entwicklung der technischen Keramik durch Förderung
                      von Innovationen im Rahmen der Wirtschafts-, Umwelt- und
                      Energiepolitik (il ).
 ---pagebreak---                                              - 10 -
     4*2 . Begründung des Vorhabens
           Die Durchführung des Programms wird gemeinsam von der Gemeinschaft
           und der Industrie finanziert . Durch die Form der kollektiven Forschung
           wird eine wirtschaftlichere Nutzung öffentlicher Mittel möglich und
           die Privatinitiative insbesondere in Ergänzungsprogrammen , die von
           einigen Unternehmen auf ihre Kosten durchgeführt werden , gefördert .
           Zweck dieser Vorhaben ist im wesentlichen die Förderung einer weite­
           ren Integration dieses Industriesektors und seine Festigung gegenüber
           der Konkurrenz .
5 * Finanzielle Auswirkungen des Vorhabens ( in Mio . ERE zu jeweiligen Preisen)
     5.0 . Auswirkung auf die Ausgaben
           5.0*1 . Mehrjähriger Fälligkeitsplan
                   Mehrjährige Vorhaben , für die im Haushaltsplan nur eine Ver-
                   pflichtungsermächtigung für die gesamte Dauer der Vorhaben und
                   Zahlungsermächtigungen einzusetzen ist :          (TABELLE i )
                                         I
                     Fäl 1 i gkeit splan       Fälligkeitsplan der voraussichtlichen
                     der Verpflich­            Zahlungen – Bedarf an Zahlungsermäch-
                     tungen                    tigungen
                                           1 . Jahr  2 . Jahr  3 » Jahr
                                                                           Spatere Haus­
                                                                           halts jähre
 Verpflichtungs-
  ermächtigung
  ( eine einzige             4,50            0,90       1,70       1-10           0,80
  für die Dauer
  der Vorhaben)
     INSGESAMT                                      4,50 Mio . ERE
Diese Vorhaben laufen "bis 1983 J Tabelle II enthält den Falligkeitsplan der
möglichen Zahlungen .
 ---pagebreak---                                          - 11 -
                   Thema Is            Thema IIj          Betreuung des I
                 Tonminerale       Spezialkeramiken         Programms
1 . Jahr             0,40                 0,40                0,10           0.90
2 . Jahr             0,80                 0,80                0,10           1,70
                                                                         I
                                                                         I
3 . Jahr             0,50                 0,50                0,10      I    1,10
4 . Jahr             0,35                 0,35                0,10           0,80
   INSGE­
   SAMT              2,05                 2,05                0,40           4,50
                                                                           Mio . ERE
          5.0.2 . Zeitplan für die Inanspruchnahme der Zahlungsermächtigungen
                  im Haushaltsjahr :
                  I. Halbjahr : 30         2 . Halbjahr : 70 %.
    5.1 . Etwaige Auswirkungen auf die Einnahmen .
          5.1.1 . Rechnungsweise , Ausgaben nach Verträgen .
                  Je nach Art der Themen und der Qualifikation der Vertragspartner
                  kann eine einheitliche Rechnugsweise nicht festgelegt werden . In
                  jedem Fall wird der zu bildende Programm ausschuss fUr Forschung
                  und Entwicklung auf den Gebiet der Tonminerale und der Techni­
                  schen Keramik , dessen Mandat und Zusammensetzung in der Ent Schlies-
                  sung des Rates vom 18 . Juli 1977 Uber beratende Programmauss chtiss e
                  des Forschungsprogramms festgelegt sind (AB n° . C 192 vom
                  II.8.1977 » S. l ) Uber die Zuteilung der Mittel befragt werden .
                  Gemeinschaft     Industrie   i Insgesamt
 Programm
 Thema I : +          4,1            4,1          8,2 Mio IRE
 Thema II
6.   Vorgesehenes Kontrollsystem
     6.1   Kontrolle der Durchführung der Forschungsvertrage durch die Dienst­
           stellen der Kommission und den Programmlenkungsausschuss .
 ---pagebreak---                                        - 12 -
7 . Gesamte finanzielle Auswirkungen des Vorhabens während der voraussicht­
    lichen Gesamtdauer ( in Mio ERE)
          7.0.1 . Ausgaben (Kosten) zu Lasten des Haushaltsplans
                  der Gemeinschaft ( einschliesslich Verwaltungs-  4,50
                  kosten für das Programm )
          7.0.3 . Ausgaben (Kosten) zu Lasten anderer Sektoren
                  auf einzelstaatlicher Ebene                      4,10
                                              Insgesamt            8.60 Mio ERE
8 . Angaben über Personal und Verwaltungsmittel , die für die Durchführung des
    Vorhabens erforderlich sind
    8.0 . Erforderliches Personal
          1 A)    (Bedienstete auf Zeit für die Dauer         =    0 40 Mo ERE
          1 C)    des Programms )
9 . Finanzierung des Vorhabens
    9.3 . In künftige Haushaltspläne einzusetzende Mittel .
 ---pagebreak---                                     - 13 -
MHAKG 2
                              TECHNISCHER ANHANG
 I.  Die Technologie der Tonminerale im keramischen Herstellungsverfahren .
II . Die Studien des kollektiven Forschungsprogramms der Industrie für
     technische Keramik .
 ---pagebreak---                                         - i4 -
I. TONMNERALE
   Ziels
   Eingehende wissenschaftliche Untersuchung der Eigenschaften des Tonteilchens
   im Hinblick aufs
   1»  grundlegende Portschritte in den häufig empirischen Kenntnissen der
       Eigenschaften und Wechselwirkungen der Ausgangsstoffe der Keramik-
       industrie j
   2.  bessere Verarbeitung }
   3.  bessere Beherrschung der Fabrikationsteohnologie ;
   4.  die Verfügbarkeit geeigneter wissenschaftlicher Elemente , auf deren
       Basis neue Technologien und gegebenenfalls neue Erzeugnisse erfunden
       werden können ;
   5.  Verwendung der im Boden der Gemeinschaft vorhandenen Rohstoffe , die
       gegenwärtig mangels genügender Kenntnisse verworfen werden ;
   6.  eine Repertorisierung der für die keramische Industrie der EWG in Fra­
       ge kommenden Rohstoffe .
   Inhalt des Programms :
   1«  Bestimmung der charakteristischen Eigenschaften von Tonmineralen
        ( chemisohe Zusammensetzung, Zustand der Oberfläohe , Porosität und
       Porenverteilung, morphologische Eigenschaften , usw.) und Untersuchung
       ihres Einflusses auf das Verhalten der Tone bei der Verformung . Das
       bedingt
       1 ) die Untersuchung der Wechselwirkung in wässrigen Tonmineral Suspen­
            sionen ( Bindung von Ionen , Molekülen , Oberflächenwasser , Ionenaus-
            tausch . . . ) ;
       2 ) Untersuchung der elektrochemischen und elektrokinetischen Eigen­
            schaften der Tonmineral e ; Wechselwirkung der tonhaltigen Teilchen
            in technischen Aufschlämmungen mit verschiedenen Komponenten wie
            Feldspath oder Quart z , mit dem Ziel der Aufklärung des Mechanismus
            der Wasserabsorption und Trocknung .
 ---pagebreak---                                         - 15 -
      2 . Untersuchung des Brennens der Tonminerale einzeln oder in Mischung .
          Dabei werden insbesondere der Gewichtsverlust , die Gas Zusammensetzung,
          die energetische Bilanz , die mineralogischen Veränderungen bestimmt .
          Ferner wird eine Klärung der Schnelligkeit der Glasbildung, der Material-
          spannungen , des thermischen Schocks und der schwarzen Kerne in den Ke-
          ramikmassen vorgenommen sowie die Möglichkeit von Energieeinsparungen
          geprüft .
     3 . Peststellung der Eigenschaften der gebrannten Massen vom mechanischen ,
          physikalischen , elektrischen und chemischen Standpunkt .
     4.   Untersuchung des Einflusses der mineralogischen Eigenschaften der Ton-
          minerale auf das Verhalten des Produktes bei den verschiedenen Phasen
          der Produktionstechnologie (Verformung – Trocknen - Brennen) sowie auf
          die Eigenschaften der Endprodukte .
     Schließlich werden die allgemeinen Korrelationen zwischen all diesen in den
     Untersuchungen über die verschiedenen .obengenannten Punkte gesammelten Daten
     festgestellt .
II . DIE STUDIEN DES KOLLEKTIVEN FORSCHUNGSPROGRAMMS DER INDUSTRIE FÜR TECHNISCHE
     KERAMIK
     Forschungsstudie I :
     Ausweitung der Produktionstechnologie für die Herstellung produkt- und
     zweckoptimierten Pulvers aus Oxiden und Mischoxiden als Ausgangsstoffe
     für spezielle keramische Erzeugnisse .
     Die bisherige Praxis , keramische Ausgangsstoffe vor allem durch Zersetzung
     von Hydroxiden und Karbonaten (Bayer-Verfahren zur Aluminiumoxidherstel-
     lung) zu produzieren , entspricht nioht mehr in allen Fällen den gesteiger­
     ten Anforderungen . Verschiedene in letzter Zeit bekannt gewordene Herstel­
     lungsverfahren könnten die Möglichkeiten erweitern , für bestimmte Zwecke
     optimierte Ausgangsmassen zu produzieren , wie z.B. :
 ---pagebreak--- - smterfahige Siliziumka.rbidpulver ,
- Pulver für isostatisches Verpressen ,
- Pulver mit vorgegebener Korngröße für Elektrowerkstoffe ,
- optimal phasenstabilisiertes und dotiertes Zirkoniumoxid,
- Beta-Aluminiumoxid ,
- homogene Perritmaterialien .
Unter den neuen Herstellungsverfahren für Pulver sind zu nennen «
das Sol–Gelverfahren , z.B. geeignet zur Herstellung von Pulvern aus hoch­
schmelzenden Oxiden ( Thoriumoxid), die bei verhältnismäßig geringen Tempe­
raturen , also unter Verminderung des Energieverbrauchs und der Umweltbela­
stung, gesintert werden können ;
die Ko–Fällung (Ko–Präzipitation ) für die Herstellung von ultrafeinen Pul­
vern , z.B. aus Aluminiumoxid oder Bariumtitanat , die sich als Ausgangsmassen
für extrem homogene und mikrokristalline keramische Produkte eignen ;
das Heißversprühen von Lösungen in der Flamme oder von Lichtbogenplasma und
das Verblasen von Lösungen gegen eine heiße Platte oder in einen Ofen , wo­
durch ähnlich feine Pulver wie bei der Ko-Fällung mit variierbaren Neben-
eigenschaften gewonnen werden können ;
die Hydrolyse metallorganischer Verbindungen mit besonders leichten Mög­
lichkeiten der Verfahrenssteuerung in Richtung spezifisoher Pulvereigen-
schaften .
Durch Erweiterung des technologischen Spielraums für die Darstellung von
produktions- oder zweckoptimierten keramischen Ausgangspulvern wird die
Grundlage für neue und verbesserte Produkte gelegt , die technologische
Schlüsselfunktionen übernehmen können und wirtschafts- und gesellschafts­
politisch von Bedeutung sind . Als Beispiele sind zu nennen :
- Substrate , Trägerkörper und Gehäuse für elektrische Schaltungen ,
- piezoelektrische Sensoren ,
- Feststoffelektrolyt aus Beta-Aluminiumoxid für Akkumulatoren elektrischer
   Energie ( elektrischer Antrieb , nukleare Energie , Niederspannungsnetze für
   die Elektrizitätsverteilung),
- biokeramische Werkstoffe (Knochennägel , Knochenersatz , Behältnisse für
  Implantationen, Bauelemente für künstliche Organe),
 ---pagebreak---                                  –
                                 –
                                   * n
                                   J, . –
- Ersatz für Werkstoffe aus wertvollen Rohstoffen , z.B.
   • Ersatz von Vanadium- und Wolframkarbiden für Schneidplättchen , Präs-
     und Bohrköpfe durch Aluminiumoxid ,
   . Ersatz von Platintiegeln durch Aluminium- oder Zirkonoxid ,
   . Ersatz von Molybdänstählen durch Siliziumkarbid ,
– Bauelemente von höchstbeanspruchten Maschinen , wie die Schaufeln von Gas­
  turbinen aus Siliziumnitrid oder Siliziumkarbid .
Die Untersuchung behandelt Schwerpunkt gemäß die Herstellungstechnologie
für Pulver aus Zirkoniumoxid , Zinnoxid , Aluminitunoxid und Beta-Aluminium-
oxid sowie Mischoxiden von Zirkoniumoxid , Siliziumoxid und Aluminiumoxid
bzw . Titanoxid . Sobald die Produktionstechnologie der genannten Oxide er­
arbeitet ist , kann die Untersuchung auf weitere Pulver ausgedehnt werden ,
wie auf Siliziumnitrid , Siliziumkarbid , Kohlenstoff , Titanate , Zirkonate ,
Hiobate und Ferrite .
Die Untersuchung erstreckt sich bei jedem Pulver auf die Erarbeitung
– der Produktionstechnologie der Pulver ,
– der Verwendungstechnologie der Pulver ,
– der Produkttechnologie der aus den Pulvern gefertigten Werkstoffe .
Begründung:
In der Herstellung von Pulvern besitzen die USA aufgrund ihrer technischen
Entwicklung in der Raumfahrt , in der Verteidigung tuid in der gesamten
Elektronik einen erheblichen Vorsprung gegenüber den Ländern der EG .
Selbst Japan hat frühzeitig mit parallelen Entwicklungen begonnen , ist in
die Mengenproduktion ■ gegangen und hat damit ebenfalls einen Vorsprung ge­
genüber der Gemeinschaft errungen .
Den USA ist es durch diesen Vorsprung möglich , hochwertige Pulver an ihre
in der Gemeinschaft gegründeten Pilialunternehmen zu überlassen , die daraus
hochentwickelte Produkte für die in Europa ansässigen Hersteller von elek­
tronischen Bauteilen und Geräten liefern . Firmen , die keine US-Filialen sind ,
erhalten die hochentwickelten Pulver entweder überhaupt nicht oder nur in
minderer Qualität , jedoch zudem noch zu ungünstigeren Preisen . Diese Bevor­
zugung vermittelt den US-Filialen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den
Herstellern von Oxidkeramik der Gemeinschaft .
 ---pagebreak--- *
                                    - 18 -
  Es besteht dadurch die akute Gefanr , daß die in der EG ansässigen Hersteller
  von technisch-keramischen Erzeugnissen zwangsläufig in eine Abhängigkeit von
  den USA-Zulieferern geraten .
  Die in der Gemeinschaft ansässigen \7erarbeiter von elektronischen Bauteilen ,
  die infolge der marktbeherrschenden Stellung der US-Lieferer von Spezial-
  keramiken bereits weitgehend von US–Firmen abhängen , würden sich jedoch von
  dieser Abhängigkeit befreien , wenn die Hersteller von technisch–keramischen
  Produkten in der Gemeinschaft in der Lage wären, die entsprechenden Quali­
  täten zu liefern .
  Indem die Firmen der technischen Keramik der Gemeinschaft diese notwendigen
  pulverförmigen Werkstoffe selbst entwickeln , versetzen sie sich in die Lage ,
  die nötigen Qualitäten keramischer Erzeugnisse zu garantieren .
  Forschunffsstudie II :
  Vergütung der Oberfläche keramischer Halbzeuge und Produkte aus Aluminium-
  oxid_zur Erhöhung ihrer mechanischen Festigkeit
  Die Vergütung der Oberfläche von Glas zur Erhöhung der mechanischen bzw .
  Bruchfestigkeit hat dem Glas in den letzten 20 Jahren neue Anwendungsbe­
  reiche erschlossen . Die Vergütung der Glasoberfläche erfolgt durch Säure-
  politur , Feuerpolitur , mechanische Politur , thermisches Härten , chemisches
  Härten oder Beschichtung mit Zinnoxid . Bei den keramischen Produkten sind
  entsprechende Verfahren noch nicht bis zur technischen Reife entwickelt ,
  obwohl bisherige experimentelle Ergebnisse gute Aussichten auf praktische
  Anwendungsmöglichkeiten bieten :
  – Durch Abschrecken dichtgesinterter Aluminiumoxide in bestimmten Ölen kann
    die Zugfestigkeit des Prüflings bedeutend erhöht werden .
  – Im Dampfgemisch von Titantetrachlorid , Methan und Wasserstoff kann auf
    Aluminiumoxid eine festhaftende Schicht aus Titanoxid und darüber aus
    Titankarbid niedergeschlagen und damit die Festigkeit des keramischen
    Werkstoffs erhöht werden . Die Behandlung läßt sich mit der Reaktions–
    temperatur steuern, da sich unter 1000° C Titazioxid, über 1000° C
    Titankarbid bildet .
 ---pagebreak---                                   - 19 -
 Die Untersuchung wird, bekannte und diesen verwandt e Verfahren an keramischen
Werkstoffen anwenden , feststellen , welche strukturellen , thermischen , che­
mischen und mechanischen Änderungen in der Oberfläche des Werkstoffes durch
 sie bewirkt werden und. als Basis für die größtmögliche Ausweitung des tech­
nologischen Spielraums der Oberflächenvergütung ebenfalls den physikalischen
und chemischen Mechanismus der Behandlung aufklären . Dem keramischen Werk­
stoff Aluminiuxnoxid neue Anwendungsgebiete wie z.B. Kugellager oder Pumpen-
kolben zu erschließen , wäre das Endziel der Aufgabe .
Begründung :
Das Projekt soll der künftigen Verknappung einiger hochwertiger Metalle
durch Entwicklung von Substitutionswerkstoffen begegnen . Mit der ange­
strebten Vergütung der Oberflächen von keramischen Produkten kann erreicht
werden , daß besonders hoch beanspruchte Bauteile für Maschinen und Gas­
turbinen usw . aus hochwertigen Metallen in weit größerem Umfang als bisher
aus keramischen Werkstoffen angefertigt werden . Infolge der hohen Tempera-
turfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit des Aluminiumoxids kann dadurch
sogar die Funktion der Maschinen und Aggregate erheblich gesteigert werden .
Allerdings dem keramischen Werkstoff die gleiche mechanische Festigkeit zu
vermitteln , die das zu ersetzende Metall besitzt , ist das noch ungelöste
zentrale Problem aller Hersteller von Oxidkeramik der EG . Die zur Lösung
der Aufgabe notwendigen Unt ersuchungen sind von so grundlegender Art und
allgemeiner Bedeutung , daß die Kompetenz und die materiellen Möglichkeiten
einzelner Hersteller überschritten werden .
Forschungsstudie III :
Ausweitung der Anwendungstechnologie keramischer Produkte aus Zirkonoxid
durch Erhöhung ihrer mechanischen Festigkeit
Zirkoniumoxid hat gegenüber .Aluminiumoxid einige so hervorragende Eigen­
schaften ( z.B. hoher Schmelzpunkt und hohe Harte), daß man eine wesentlich
umfangreichere Verwendung dieses Werkstoffes erwarten könnte . Die bisheri­
ge Anwendung ist jedoch auf schmelzgegossene und gesinterte feuerfeste Steine
für Öfen und chemische Anlagen oder auf gesinterte Maschinenelemente , bei­
spielsweise Fadenleit organe in der Textilindustrie , Strangpreßmatrizen in
der metallurgischen und plastischen Industrie und als Mahlkörper in der
industriellen Zerkleinerungstechnik beschränkt .
 ---pagebreak---                                    20 -
  as Hindernis für eine "breitere Anwendung lag bisher in der mangelnden
 Bruchfestigkeit , so daß größere Werkstücke aus Zirkonoxid "bei mechanischer
 Beanspruchung zu' sehr gefährdet waren .
 Neuerdings sind jedoch Möglichkeiten bekannt geworden , die Festigkeit des
 Zirkonoxids bedeutend zu erhöhen , indem z.B. durch Beigabe von Stabiiisie–
 rungszusätzen in der kubischen Phase des Materials monokline oder tetrago–
nale Ausscheidungen bewirkt werden. Die bisher dadurch erreichten Festig-
keitserhöhungen eröffnen bereits eine Reihe neuer Anwendungsmöglichkeiten .
Allerdings ist die Grenze der möglichen Festigkeitserhöhungen bisher noch
nicht in Sicht .
Um weitere Festigkeitserhöhungen zu gewinnen , müssen unter den vielfältigen
Stabilisierungszusätzen neue angewandt , Gefügeunt ersuchungen durchgeführt
und die Technik der Herstellung anwendungsnaher Probekörper erweitert wer­
den . In Verbindung damit wäre auch theoretisch und experimentell zu prüfen ,
wie weit als zusätzliche Möglichkeit die Härtung der Oberfläche zu inter­
essanten anwendungstechnologischen Materialeigenschaften führt .
Forschunffsstudie IV :
Ausweitung_der_Anwendungstechnologien von keramischen Werkstoffen aus
elektrisch leitendem Zirkonoxid
Zirkonoxid ist bei höheren Temperaturen ein elektrischer Leiter . Die Leit­
fähigkeit beruht auf der Beweglichkeit der Elektronen und Säuerst offionen .
Dieser Eigenschaft zufolge haben sich Zirkonoxidröhren als elektrische
Heizelemente in Öfen bereits auf dem Markt bewährt . Als Sauerstoffionen-
leiter eignet sich dieses Material auch zur Messung des Sauerstoffge-
haltes in heißen Gasen und Schmelzen . Beispielsweise sind bereits Sauer­
stoffsonden aus Zirkonoxid beim Verschmelzen von Stahl in großem Umfang
im Einsatz .
 ---pagebreak--- Allerdings sind die Möglichkeiten des Einsatzes von Zirkonoxid als Heiß-
leiter und Meßwande noch keineswegs ausgeschöpft , da die technologischen
Grundlagen dieses Werkstoffes noch nicht hinreichend erarbeitet sind . Ein
Einsatz zur automatischen Energieoptimierung von Ölheizungsanlagen , Ver-
brennungskraftmaschinen und thermo-chemischen Produkt ionsanlagen scheint
möglich . Das potentielle Anwendungsfeld darüber hinaus ist sicherlich nicht
klein , jedoch noch nicht überblickbar » Es ist wesentlich bestimmt durch her­
vorragende Eigenschaften des Zirkonoxids , darunter besonders durch seinen
hohen Schmelzpunkt und seine chemische Reaktionsträgheit . Somit handelt es
sich bei diesem Material um ein noch latentes Element der technologischen
und wirtschaftlichen Entwicklung der Industrie , der Rationalisierung der
Energieverwendung und des Umweltschutzes .
Um dieses Anwendungspotential aufzuschließen , ist es nötig, die technologi­
schen Grundlagen dieses Produktes zu erarbeiten . Es muß beispielsweise
systematisch untersuoht werden , in welcher Weise die mechanischen , thermi­
schen , elektrischen und elektro-chemischen Eigenschaften von der Temperatur ,
der Umgebungsatmosphäre ( z.B. Sauerstoffpartialdruck) und der Dotierung
( z.B. Wertigkeit der Kationen) abhängt .
Begründung:
Durch dieses Projekt wird die Voraussetzung für wichtige technische Neuerun­
gen geschaffen , z.B. für die Herstellung von Sensoren zur Überprüfung von
Funktionen bei Kraftwerkzeugen , bei Öfen und bei Abgasanlagen . Die durch
die Anwendung dieser Prüfsensoren möglich werdenden Regulierungen ziehen
eine erhebliche Einsparung von Energie nach sich.
Eine besondere Bedeutung haben diese Sensoren im Automobilbau, weil durch
entsprechende Regulierungen der Bleizusatz im Kraftstoff entfallen kann ,
was einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz darstellt . Volkswirtschaft­
lich wichtig ist auch die Untersuchung, wie weit es mit Zirkonoxid-Sensoren
möglich ist , den Kohl enst offmonoxidgehalt in Abgasen von Verbrennungsmotoren
herabzusetzen . Wenn die Gesetzgebung dies fordern sollte , würde die Indu­
strie der technischen Keramik heute unvorbereitet getroffen und wäre von
den Einfuhren aus den USA abhängig, da dort schon entsprechende Bestimmungen
 ---pagebreak--- bestehen und aie Industrie demgemäß "bereits Entwicklungen eingeleitet
hau . Das in der Gemeinsc/iaf c vorhandene größere Risiko für die Amorti­
sation der Entwicklungskosten wird durch die kollektive Aktion auf die
gesamte Branche verteilt .
Forschtm^rsstudie V :
Entwicklung der Nut z^gsmöglichkeiten der elektrischer). Eigenschaften von
Zinnoxid
Zinnoxid wird seit langer Zeit als Trübungsmittel für Glasuren und Emaille
sowie als Komponente im Mattglas verwendet .
In jüngster Zeit wurden außerordentliche elektrische Eigenschaften des
Zinnoxids bekannt . So werden Zinnoxidelektroden für die elektrische Be­
 heizung von Glasschmelzwannen an Stelle von Molybdänelektroden verwendet ,
 wenn die Gläser Oxide enthalten , die nach der elektro-chemischen Spannungs-
 reihe edler als Molybdän sind ( z.B. FbO, AlgO^, CuO, FegO^).
 Zinnoxidhalt ige Schichten oder Glasuren dienen zur Oberflächenvergütung.
 Sie sind elektrisch leitfähig und daher für Operationssäle , organische
 Laboratorien , explosionsgefährdete Räume oder für Hochspannungsisolatoren
 geeignet und ersetzen hierbei bleihaltige Glasuren , die als umweltgefähr-
 dend gelten . Zinnoxid als n–Halbleiter kann sioh als elektronischer und
 optoelektrischer Werkstoff bewähren .
Voraussetzung für die Entwicklung neuer Anwendungen ist eine bessere Be­
herrschung der Technik , Zinnoxide oder zinnoxidhaltige glasförmige und
keramische Mischsysteme mit gewünschten Eigenschaften herzustellen , so­
wie diese Werkstoffe systematisch auf Pestkörper physikalischer Eigen­
schaften und Reaktionen zu untersuchen .
 ---pagebreak--- Forschung studie VT :
Ausweitung_der_Teclpologie__füri_die Weiterverarbeitung und Anwendung
keramischer Fasern -und Erarbeitung der technologischen Grundlagen für
neue Produktionsverfahren
Keramische Fasern aus Aluminiumoxid und Zirkonoxid haben in jüngster Zeit
in Amerika ihren Ausgang genommen . Inzwischen hat auch ein europäischer
Hersteller solche Fasern auf den Markt gebracht .
Diese Fasern sind gegen Chemikalien und hohe Temperaturen sehr beständig
und können als Wärmedämmstoff nooh dort eingesetzt werden , wo andere
Stoffe infolge geringerer Resistenz versagen , jedoch eine Dämmwirkung
besonders angebracht ist . Dies ist beim metallurgischen Ofenbau oder beim
thermochemi sehen Apparatebau der Fall .
Allein mit Rücksicht auf die aus volkswirtschaftlichen Gründen notwendige
Ökonomie der Energie ist es daher geboten , die Produktion und Verwendung
von keramischen Faserstoffen zu fördern .
Keramische Fasern in Form eines Flieses haben sich bereits als Ofenausklei-
dung bewährt . Diese Anwendung könnte erheblich vereinfacht und andere An­
wendungen könnten hinzugewonnen werden , wenn die Fasern zu kompakten kera­
mischen Leichtwerkstoffen weiterverarbeitet würden , indem keramische Massen
aus Fasern angemacht , verpresst oder vergossen und schließlich gesintert
werden . Das Produkt wäre also ein fester Baustoff von extremer Leichtigkeit
                                                                       1
Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit . Er wäre mechanisch bearbeitbar ,
jedoch auch in einer fast unbeschränkten Formenvielfalt herzustellen .
Es ist von volkswirtschaftlichem und technologiepolitischem Interesse , die
Technologie der Herstellung und Verwendung eines solchen Werkstoffs kennen­
zulernen und auszubauen , der zudem für viele andere Zwecke einsetzbar ist ,
wie z.B. als Rohrleitung für sehr heiße , chemisch agressive Flüssigkeiten
und Gase , als Bauelemente für Reaktionsbehälter in der chemischen Industrie
als Filtermaterial , Träger für Katalysatoren , zur Abkapselung hoher Tempera
turen auf kleinstem   Raum usw .
 ---pagebreak---                                    - 24 -
Keramische Fasern wurden "bisher durch Ziehen oder Verblasen aus der Schmelze
gewonnen . Im Hinblick auf die Bedeutung der Pasern für die Öffentli c /uceit
wäre es auch angeor3.cht , technologische Produkt ionsgrundlagen für andere
Produktionsprozesse zu erarbeiten . Einen größeren Freiheit sraum in der Aus­
wahl der Ausgangsstoffe würden einige unkonventionelle Methoden gestatten .
Man sollte beispielsweise untersuchen , wie weit durch Tränken von Textil-
fasern in keramischen Suspensionen oder durch elektrophoretischen Nieder­
schlag keramischer Pulver auf Metall- oder Kohlefasern brennfähige kerami­
sche Rohfasern gewonnen werden können .
Begründung^
Die Verwendungs- und Herstellungstechnologie eines im Rahmen der Energie-
politik so bedeutsamen Werkstoffs wie der keramischen Faser muß so stark
wie möglich ausgeweitet werden . Im Hinblick auf verschiedene zu lösende
grundsätzliche Fragen dürften allerdings hierbei einzelne Firmen auf zu
große Schwierigkeiten stoßen . Indem jedoch kollektiv die technologischen
Grundlagen , insbesondere der Verwendimg, erarbeitet werden , wird eine für
die Industrie der technischen Keramik bessere Ausgangsposition geschaffen ,
um neuen Absatz zu erschließen und zugleich zur volkswirtschaftlich wün­
 schenswerten Energieeinsparung beizutragen .
 ---pagebreak--- ANHANG 3
                           KEM'TNI SSE UND ERFINDUNGEN
A – Kenntnisse
    Die in Durchführung dieses Beschlusses abgeschlossenen Verträge enthalten
    Klauseln mit folgenden Möglichkeiten :
    1 . Die Mitteilung der aus den Vertragspartnern übertragenen Forschungen
        hervorgegangenen Kenntnisse an die Kommission mit dem Recht , sie für
        ihren eigenen Bedarf , insbesondere für die Betreuung des Programms , zu
        nutzen .
    2 . Der vertrauliche Austausch aller für eine gute Abwicklung der Forschung
        notwendigen Informationen zwischen den Vertragspartnern , die Forschungen
        über ein und dasselbe Thema durchführen , die ihnen frei zur Verfügung
        stehen .
    3 . Die Erstellung jährlicher Fort schrittsberichte für jedes Forschungs–
        thema , die die Kommission dem Betreuungsausschuß mitteilen kann .
    4 » Auf Initiative des Vertragspartners oder auf Ersuchen der Kommission
        die Erstellung von spezifischen Berichten für Mitgliedstaaten sowie
        Personen und Unternehmen , die auf dem Hoheitsgebiet eines Mitglied-
        staates eine Forschungs- oder Produktionstätigkeit ausüben , die ihren
        Zugang zu diesen Berichten rechtfertigt .
    5 * Die Erstellung eines Schlußberichts für die Veröffentlichung über jedes
        Forschungsthema, wobei selbstverständlich auf begründeten Antrag des
        Vertragspartners die Verbreitung des gesamten Berichts oder eines Teils
        auf die Mitgliedstaaten sowie auf Personen und Unternehmen beschränkt
        werden kann , die auf dem Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaates eine For-
        schungs- oder Produktionstätigkeit ausüben , die ihren Zugang zu diesem
        Bericht rechtfertigt .
B – Erfindungen
    1 . Nach der Verordnung ( EWG) Nr . 2380/74 des Rates vom 17«9*1974 sind die
        aus der Durchführung des Programms hervorgegangenen patentfähigen oder
        nioht patentfähigen Erfindungen Eigentum des Vertragspartners oder
        können auf Wunsch an eine von ihnen geschaffene juristische Person
        übertragen werden . Verzichtet der Vertragspartner auf diese Erfindungen ,
        so kann die Kommission ihr Eigentum für die Gemeinschaft beanspruchen .
 ---pagebreak---                                 - 26 -
    Der "Vertragspartner ist verpflichtet , diese Erfindungen unter Bedin­
    gungen , die mit den Interessen der Gemeinschaft in Einklang stehen, zu
    verwerten oder verwerten zu lassen , wie in Artikel 3 der obigen Verord­
    nung beschrieben , Als nicht mit den Interessen der Gemeinschaft in Ein­
    klang stehend gilt insbesondere a priori die Verteilung von Lizenzen
    zur Einfuhr von in einem Drittland hergestellten Erzeugnissen oder Aus­
    rüstungen in die Gemeinschaft . Sie unterliegt der vorherigen Genehmi­
    gung durch die Kommission s
2 . Bei der Wahl der Vertragspartner bevorzugt die Kommission solche , die
    untereinander ein Abkommen über die koordinierte Verwertung der Erfin­
    dungen und Kenntnisse aus den Forschungen über ein und dasselbe Thema
    abgeschlossen haben oder abschließen wollen » Dieses Abkommen muß die
    Erteilung von Lizenzen auf- andere Erfindungen oder den Beitrag anderer
    Kenntnisse vorsehen , die den Vertragspartnern frei zur Verfügung stehen ,
    soweit dies für diese koordinierte Verwertung notwendig ist .
 ---pagebreak---                                     - 27 -
ANHANG 4
Vorschlag für einen Beschluß des Rates zur Festlegung eines Forschungspro-
gramms auf dem Gebiet der Technologie der Tonminerale und technischen Keramik .
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN" -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemein­
schaft , insbesondere auf Artikel 235 »
auf Vorschlag der Kommission ,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments ,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses ,
in Erwägung nachstehender Gründe :
Der Rat hat am 14 * Januar 1974 eine Entschließung über die Koordinierung der
einzelstaatlichen Politik    und die Definition der Aktionen von gemeinschaft­
lichem Interesse im Bereich der Wissenschaft und Technologie angenommen .
Nach Artikel 2 des Vertrages hat die Gemeinschaft unter anderem die Aufgabe ,
eine harmonische Entwicklung des Wirtschaftslebens innerhalb der gesamten
Gemeinschaft sowie eine beständige und ausgewogene Wirt schaft sausweitung zu
fördern .
Die aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen erforderlichen Verbesserungen
der Technologie . der Tonminerale sowie der Technologie der Produktion und Ver­
wendung der Erzeugnisse der technischen Keramik , die einen Beitrag zur Ver­
wirklichung der vorgenannten Ziele des Vertrages darstellen , setzen die Durch­
führung von bestimmten größeren technologischen Forschungsarbeiten voraus »
Für die Entwicklung der keramischen Industrie spielt die kollektive Forschung
dieses Industriesektors eine große Rolle , da sich der Industriezweig überwie­
gend aus kleinen und mittleren Unternehmen zusammensetzt , die eigene Forschung
nicht oder in nicht ausreichendem Maße durchführen können .
Die Herstellung der herkömmlichen Keramikerzeugnisse wie zum Beispiel Isolar-
toren entwickelt sich immer mehr in den Schwellenländern außerhalb der Gemein­
schaft , so daß die europäische Industrie unbedingt an der Technologie und Her­
stellung von hochtechnischen Erzeugnissen arbeiten muß .
 ---pagebreak---                                     - 28 -
Infolge der beschränkten nationalen Möglichkeiten auf den Gebieten der Tech­
nologie der Tonminerale und der technischen Keramik und des geraeinsamen Inter­
esses des Sektors an der Ausweitung dieser Technologie sowie in der Absicht ,
das in der Gemeinschaft hierfür vorhandene Forschungspotential optimal einzu­
setzen , hat die keramische Industrie ein kollektives Forschungsprogramm auf
Gemeinschaftsebene über einen finanziellen Gesamtaufwand von 8,2 Millionen RE
konzipiert .
Ziel des Gemeinschaft sprogramms ist es , das technologische Niveau anzuheben ,
die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen zu
verbessern , die energie- und umweltpolitischen Ziele der Gemeinschaft zu
fördern »
Dieses Programa soll ferner die Versorgung mit Ausgangsstoffen für die Spe-
zialkeramik fördern , Neuerungen auf dem Gebiet der Erzeugnisse und Produktion
erleichtern , ein wirtschaftliches Wachstum des Sektors ermöglichen und demzu­
folge Arbeitsplätze schaffen und schließlich die Entwicklung der wirtschaft­
lich schwachen Gebiete stärken .
Ferner stellt dieses Gemeinschaftsprogramm mit der Bestimmung, sich in das
vorgenannte kollektive Programm einzugliedern „und seine Durchführung zu er­
leichtern , einen wichtigen integrierenden Faktor für die keramische Industrie
dar .
Das kollektive Forschungsprogramm ist das Ergebnis einer bereits über Jahre
andauernden Zusammenarbeit der keramischen Industrie und bietet aufgrund die­
ser Tatsache die Gewähr einer rationellen und erfolgreichen Durchführung*
Die Gegenstand dieses Beschlusses bildenden Forschungsmaßnahmen scheinen not­
wendig, um die vorgenannten Ziele der Gemeinschaft im Rahmen des Gemeinsamen
Marktes zu verwirklichen .
Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hat die
hierfür erforderlichen Handlungsbefugnisse nicht vorgesehen .
Nach Stellungnahme des CREST zu dem Vorschlag der Kommission -
 ---pagebreak---                                         _ 29 -
 BESCHLIESST :
                                      Artikel 1
 Für einen Zeitraum von 4 Jahren wird nach Massgäbe des Anhangs ein Forschungs­
 programm der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Technologie der Tonminerale und
 der technischen Keramik festgelegt .
                                      Artikel 2
   Die globalen Etforderniss für die gesamte Dauer des Programms werden auf
; 4,5 MIO ERE und zwei Bedienteste veranschlagt .      Die europäische Rechnungs-
   einheit ist gemäss Artikel 10 der Finanzordnung vom 2 . Dezember 1977
   festgelegt . Dieze Zahlenangaben sind nur richtungsweisend .
                                      Artikel 3
   Die Kommission führt dieses Programm auf Vertragsbasi s durch . Zu ihrer
   Unterstützung wird ein Beratender Programmausseschuss für Forschung und
   Entwicklung auf dem Gebiet der "primären Grundstoffe " der infolge Rats­
   beschluss vom 6 . Marz 1978 gegründet worde , gebildet , dessen Mandat und
   Zusammensetzung in der Entschliessung des Rates vom 18 . Juli 1977 über
   Beratende Programmausschüsse des Forschungsprogramms festgelegt sind .
                                       Artikel 4
 Für die Verbreitung der Kenntnisse , die bei der Durchführung des Programms gewon­
 nen werden , gilt die Verordnung ( EWG ) Nr . 2380/ 74 des Rates vom
  17 » September 1974 über die Regelung über die Verbreitung der Kenntnisse im
  Rahmen der Forschungsprogramme der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft .
 ( ABl . Nr . L 255 vom 20.9.1074 ? S. 1 )
  Geschehen zu Brüssel am                                Im Kamen des Rates
                                                           Der Präsident
 ---pagebreak---                                     - 30 -
ANHAKG :
Forschungsprogramm auf dem Geriet- der Technologie der Tonminerale
Hauptziele : Nutzung von Tonmineralen minderer Qualität , Verbesserung der
technologischen Bedingungen für die Rohstoffversorgung der keramischen In­
dustrie sowie für wirtschaits– , umweit– und energiepolitisch wünschenswerte
Produkt ions- und Produkt Innovationen «
Programm: Zunächst Koordinierung der Forschung auf dem Gebiet der Tonminerale ,
dann Durchführung technologischer Forschungsarbeiten im Rahmen einer kollek­
tiven Aktion der keramischen Industrie , hierbei : umfassende Untersuchung und
Weiterentwicklung der technologischen Grundlagen der Veredelung und Verwen­
dung von Tonminöralen , Ausarbeitung von Vorschlägen für eine intensivere
Rohstoffverwendung und für Verbesserungen der keramischen Produktionsver-
fahren .
Forschungsprogramm auf dem Gebiet der Technologie der technischen Keramik
Hauptziele : Beschaffung von Ausgangsstoffen für die technische Keramik ,
Substitution seltener Metalle durch keramische Produkte , Entwicklung der
technischen Keramik durch Förderung wirtschafts-, gesellschafts-, umwelt-
und energiepolitisch wünschenswerter Produkt ions- und Produktinnovationen .
Programm : Zunächst Koordination der Forschung auf dem Gebiet der technischen
Keramik , dann Durchführung technologischer Forschungsarbeiten im Rahmen einer
kollektiven Aktion der Industrie für technische Keramik , hierbei : Ausarbei­
tung von Methoden für die Herstellung und Verarbeitung von spezialkeramischen
Ausgangsmassen , Vergütung von spezialkeramischen Werkstoffen und Ausweitung
ihrer Anwendungstechnologie .
 ---pagebreak--- MHANG 5
SITUATION DER KERAMISCHEN INDUSTRIE IU PER GEMEINS CHAFT
1.    STRUKTUR
Die keramische Industrie kann man einteilen in :
Baukeramik :
Sanitäre Geräte , Bauteile . Fliesen , Steinzeugröhren .
Hausnal t skeramik :
Geschirr , Ziergegenstände .
Technische Keramik :
Bauteile für elektrische und chemische Geräte und Anlagen , für Werkzeuge
und Werkzeugmaschinen sowie sonstige technische , beispielsweise medizini­
sche Zwecke .
Feuerf e stkeramik :
Feuerfeste Bauteile für Öfen und metallurgische Aggregate .
Z i e ge 1 mdust ríe :-
Dachziegel , Backsteine .
Die keramische Industrie der Gemeinschaft zählt ca . 1.200 Unternehmen mit
zusammen ca. 250.000 Beschäftigten . Etwa zehn Unternehmen arbeiten mit mehr
als 2.000 Personen . Etwa die Hälfte der Unternehmen , im Bereich der Fliesen–
herstellung sogar drei Viertel , "beschäftigen weniger als 100 Personen . Der ,
Anteil der Frauen ist relativ groß , bei der Produktion von Geschirr und
Zierkeramik über $0
Die keramische Industrie ist weitgehend auf bestimmte Regionen konzentriert ,
die sich durch das ( einstmalige ) Vorhandensein des keramisohen Rohstoffes aus
zeichnen oder auf im 18 . Jahrhundert errichtete staatliche Manufakturen zu­
rückgehen . Einige dieser Regionen sind wirtschaftlich nicht sehr begünstigt ,
so daß der keramischen Industrie eine besondere Verantwortung für die Ent­
wicklung dieser Regionen zukommt .
 ---pagebreak--- 2 * REGION ALS AUFTEEUJITG DER KERAMISCHEM INDUSTRIE IN DER EG
DEUTSCHLAND :
Die Produktion von Porzellan für Geschirr und die technische Keramik sind im
Nordosten Bayerns konzentriert . Die dortige Produktion von Isolatoren macht
40 io der Gemeinschaft aus . Der Anteil Deutschlands an d9r Geschirrproduktion
der Gemeinschaft belauft sich auf 50
Eine "bedeutende Region für die Fabrikation von Steingutgeschirr und Sanitär-
geraten liegt mit dem Zentrum Mettlaoh/Merzig im Saargebiet . Im Westerwald
(Rheinland-Pfalz ) gibt es zahlreiche Firmen für Fliesen , Spaltplatten, rusti­
kale Keramik und Sanitärgerate .
GROSSBRITMNTEN ;
Die Produktion von Steingut und Porzellan für Haushalt -und Industrie ist im
Gebiet von St oke-on–Trent ( Staffordshire) konzentriert . Dieses Gebiet wird
daher häufig "the potteries" genannt . Die Produktion von Geschirr aus engli­
schem Steinzeug macht ungefähr 60 fo der Produktion der Gemeinschaft aus .
ET EDERLANDE :
Die keramische Industrie findet sich gehäuft in den Gebieten von Maastricht
und Delft , wo der größte Teil an Fliesen , Sanit ärgerät en und Geschirr pro­
duziert wird .
BELGIERï
Die keramische Industrie hat sich im allgemeinen in den Regionen der
Borinage , des Centre , von Charleroi und Lüttich angesiedelt «
DÄKEHARK :
Porzellan für Geschirr und Isolatoren wird praktisch ausschließlich, im Ge­
biet von Kopenhagen angefertigt .
 ---pagebreak---  ITALI UT j
Die Fertigung von Porzellangeschirr und Sanitärgeraten verteilt sich auf
die Lombardei und gewisse Gegenden im Süden des Landes . Steingutgeschirr
kommt hauptsächlich aus dem Gebiet von Civita Castellana . Die Fliesenpro-
duktion ist abgesehen von der Lombardei sehr stark in der Emilia Romagna
( Zone von Sassuolo ) konzentriert , wo 5 i° der werktätigen Bevölkerung in
der Fliesenindustrie arbeiten . 90 % der Fliesenhersteller der Europäischen
Gemeinschaft liegen in Italien } die dortige Produktion macht $0 % der EG
aus .
FRANKREICH :
Die Fabrikanten für sanitäre Keramik sind über das ganze Land verstreut .
Im Norden , insbesondere im Gebiet von Lille und Maubeuge , liegt eine be­
trächtliche Anzahl von Fabriken für Fliesen und Feuerfestkeramik . Letztere
sind auch im Rhonetal konzentriert .
Verschiedene ostliche Regionen , besonders bei Sarreguemines , weisen eine
konzentrierte Produktion von Steingutgeschirr , Fliesen und Feuerfestmaterial
auf .
Mehrere Firmen für technische Keramik liegen im Pyrenäengebiet ( z.B. Tarbes) .
In Burgund und im Zentrum des Landes gibt es Hersteller für Fliesen und
Steingutgeschirr .
Die Herstellung von Porzellangeschirr ist in der Haute-Vienne mit Schwer­
punkt in Limoges und im Cher ( Region Berry) konzentriert . Diese beiden Ge­
genden fertigen 90 $ des französischen Porzellans , davon 3/4 allein in
Limoges .                                                                    ,
In der Bretagne gibt es eine Anzahl von Steingutfabriken , die Geschirr und
Zierkeramik herstellen .
Sieht man von der Sanitärkeramik ab , sind die südliohen Teile des Landes
im Bereich der Keramik weniger industriell entwickelt . Fast alle Unternehmen
werden handwerkmäßig betrieben . Ihre wirtschaftliche Lage , besonders die der
Hersteller von Zierfliesen im Languedoo , ist sehr angespannt .
 ---pagebreak---                                      - 34 -
3 . Organisation der Industrie :   Die keramische Industrie ist national nicht
    einheitlich organisiert . Teils gibt es einen Gesamtverband der keramis \en
    Industrien , teils fachbezogene Parallelverbände . Die technische Keramik ,
    welche sich vorwiegend mit der Fabrikation elektrischer Isolatoren befaßt ,
    gehört aus diesem Grunde in einigen Fällen dem Verband der elektrischen
    Industrie an .
    Auf Gemeinschaftsebene besitzen die Branchen Feuerfestkeramik, Sanitär-
    keramik , Geschirrkeramik, Fliesenindustrie und technische Keramik eigene
    Fachverbände , die sich aus den entsprechenden nationalen Fachverbänden
    zusammensetzen und sich in der CERAWE-UNIE (Bureau de liaison des indus­
    tries ceramiques du Marche Commun) zusammengeschlossen haben . Der Fach–
    verband der Gemeinschaft für technische Keramik führt die Bezeichnung
    GROUPISOL . Mitglieder von CERAME-UUIE sind auch die nationalen Dach- oder
    Gesamtverbände der keramischen Branche . Der gemeinschaftliche Fachverband
    für die Ziegel industrie ist nicht in CERAME-TJNTE vertreten .
4 . Produktion und Handel :   Der Produktionswert der keramischen Industrie
     liegt bei 4 Milliarden RS. Sie bestreitet ca. 0,5 $ des Bruttosozial­
     produkts der Gemeinschaft und steht , dicht gefolgt von Japan , in der
     Welt an erster Stelle . Die Produktion erlitt zwar 1974 auf 1975 einen
     Rückgang um 13     bei Geschirr und Kacheln sogar um 21 $ bzw . 25 %,
     stieg jedoch von 1971 - 1975 um 20 bis 25
     Der Export der Gemeinschaft an keramischen Erzeugnissen stieg in den
     letzten Jahren ( 1970-1975 ) jährlich um 32 % und macht zur Zeit 20 $ der '
     Produktion aus . Die Importe haben einen Wert von 6 % der Produktion und
     steigen jährlich durchschnittlich tun 18
     Als stärkste Konkurrenten der keramischen Industrie der Gemeinschaft       i
     gelten die europäischen Staatshandelsländer und China , verschiedene klei­
     nere ostasiatische Länder ( Südkorea, Singapur , Taiwan) sowie Spanien ,
     Brasilien und vor allem Japan . Ein Teil der Konkurrenten ist infolge
     ihres niedrigen Lohnniveaus und staatlicher Unterstützung im Vorteil .     1
     Als besonders marktstörend werden Staatshandelsländer angesehen , die
     oft weit unterhalb der in der Gemeinschaft anfallenden Gestehungskosten
     anbieten können .
 ---pagebreak---                                      - 35 -
    Als Abnehmer sind die USA mit Abstand der wichtigste Handelspartner . Für
    Produkte der technischen Keramik sind sie jedoch zusammen mit Japan die
    schärfsten Konkurrenten .
    Die Rohstoffe für keramische Erzeugnisse , von denen mengenmäßig die Ton-
    minerale am bedeutendsten sind , werden zum größten Teil in der Gemein­
    schaft gewonnen . Verschiedene Rohstoffe sind jedoch außerhalb der Gemein­
    schaft von besserer Qualität oder zu günstigeren Bedingungen zu erhalten .
    Eine Anzahl spezialkeramischer Ausgangsstoffe kann nur von wenigen außer-
    gemeinschaftlichen Ländern bezogen werden , da sie entweder in der Gemein­
    schaft in der Natur nicht vorkommen oder auf der Basis neuer , in der Ge­
    meinschaft noch nicht beherrschter Produktionstechniken zubereitet werden
    Die Produktionskosten der keramischen Industrie verteilen sich schätzungs
    weise zu 40 bis 65 $ auf Arbeitslohn , 10 bis 20 $ auf Rohstoffe und Hilfs
    stoffe , 10 $ auf Energie und 10 bis 20 $ auf Anlagen und Immobilien . Die
    Anlageninvestitionen haben sich von 19^4 bis 1970 ( 193 Mio RE) verdoppelt
    Der hohe Lohnanteil bringt verständlicherweise die keramische Industrie
    der Gemeinschaft in kommerzielle Schwierigkeiten gegenüber Niedriglohn-
    ländern . Andererseits ist die Werkzeugmaschinen- und Anlagenindustrie
    der Gemeinschaft für die Produktion keramischer Erzeugnisse weltweit
    eindeutig in führender Position . Sie ist deshalb exportintensiv und
    stattet in vielen Fällen auch die Konkurrenten der keramischen Industrie
    der Gemeinschaft mit den modernsten Produktionsmitteln aus .
5 . Technologische Entwicklung;   Die keramische Technologie ist im allgemei­
    nen in der Öffentlichkeit unterbewertet . Dies rührt daher , daß es sich
    bereits um eine prähistorische Technik handelt und der handwerkliche ,
    bzw . kunstgewerbliche Aspekt dieser Technik eine gewisse Suggestions- •
    kraft hat . Des weiteren hat sich erst in den letzten 25 Jahren ein Ent-
    wicklungssprung vollzogen , der , tiefgreifender als die technisohe Ent­
    wicklung von Jahrhunderten , die keramische Technik in eine Industrie ,
    in bestimmten Fällen sogar von sehr hohem Techno logiegehalt verwandelt
    hat .
 ---pagebreak--- Die Produktion ist generell weitgehend automatisiert , und die menschlichen
Arbeitsbedingungen sind wesentlich verbessert . Desgleichen tritt ei - B Ver­
schiebung des Personaleinsatzes vom Produktionsbetrieb weg in die Material-
kontrolle , Prozeßsteuerung und Produktveredelung ein .
Voraussichtliche zukünftige Entwicklung:     Die Qualitätsverbesserungen
der keramischen Produkte und die Erschließung neuer Anwendungsgebiete
ermöglichten es der keramischen Industrie , ihren Personalstand trotz
tiefgreifender Rationalisierung und weitgehender Automation zu halten .
Die zukünftige Entwicklung wird folgenden Forderungen genügen müssen :
– Da die derzeitige berufliche Qualifikation der Beschäftigten nicht
   immer den Forderungen der technologischen Entwicklung der keramischen
   Produktion entspricht , ist ein besonderes Augenmerk auf die Bildung
   eines beruflich hochstehenden Mitarbeiterstammes zu legen .
– Die keramische Produktion benötigt mehr und mehr Ausgangsmassen mit
   spezifischen Eigenschaften . Innovationen im Bereich der keramischen
   Massen sind daher erforderlich . Des weiteren muß eine intensivere
  Nutzung keramischer Rohstoffe angestrebt werden , indem auch heute noch
  verworfene minderwertige Rohstoffe verwendbar gemacht und Abfälle an­
   derer Industriezweige dem keramischen Prozeß zugeleitet werden .
– Da die Energie ein größerer Kostenfaktor wird , sind in Zukunft die
  wenn auch beschränkten Möglichkeiten einer rationelleren Energie-
  nutzung völlig auszuschöpfen .
– Unübersehbare Möglichkeiten bieten sich der keramischen Industrie durch
   Weiterführung des mit dem sehr jungen Zweig der technischen und Spezial–
   keramik beschrittenen Wegs » Hierzu ist , abgesehen von einer im inter­
   disziplinären Bereich ständig durchgeführten Exploration von Anwen­
   dungsmöglichkeiten , nötig :
      – Wissenschaft und Technologie der bekannten und zukünftigen ke­
        ramischen Werkstoffe zu beherrschen ,
      – Interdependenzen der Eigenschaften keramischer Werkstoffe mit . an­
        deren natur– und ingenieurwissenschaftlichen Phänomenen systema– .
        tisch zu untersuchen .
 ---pagebreak---         - interdisziplinäre Mischtechnologien zu entwickeln ,
        - sich der Verfügbarkeit seltener Spezialrohstoffe und technologisch
          hochgezüchteter Ausgangsstoffe für die technische Keramik zu ver­
          sichern .
. Allgemeine Bedeutung der keramischen Industrie :   Die Schöpfung eines hohen
  Mehrwertes aus im allgemeinen billigen Rohstoffen , der Produktionswert von
  4 Milliarden RE , die positive Außenhandelsbilanz , 250.000 Arbeitsplätze
  und 1,200 Unternehmen , davon der überwiegende Teil kleiner und mittlerer
  Größenordnung , sind bereits im Vorausgegangenen besprochene Elemente   der
  wirtschaftspolitischen Wertung des Industriezweigs . Hinzu kommt die ver-
  sorgungspolitisch interessante Tatsache , daß das keramische Produkt im
  allgemeinen aus heimischen Rohstoffen besteht und in der Lage ist , seltene
  metallische Rohstoffe in verschiedenen Fällen zu substituieren . Die leich­
  te Zerkleinerbarkeit keramischer Produkte ist umweltpolitisch von Bedeu­
  tung . Die keramische Industrie weist einen mäßig hohen Energieverbrauch
  auf . Doch tragen ihre Produkte in vielen Bereichen der Wirtschaft hervor­
  ragend zur Rationalisierung des Energieverbrauchs und zur Erhaltung der
  Energie bei . Soweit außerdem keramische Werkstoffe durch andere ersetzbar
  sind , werden diese Substitutionsprodukte in energieintensiven Verfahren
  hergestellt oder haben eine wesentlich kürzere Lebenszeit . Bei der Ab­
  schätzung des öffentlichen Interesses an der keramischen Industrie sollte
  man neben diesen wirtschaftlichen Elementen einige technologiepolitische
  und kulturpolitische Aspekte nicht übersehen .
  Die technologiepolitische Wertung beruht auf ihrer Zuliefererfunktion für
  andere Industriezweige oder technische Tätigkeiten . Es handelt sich hier
  um das Gebiet der technischen Keramik , die treibender und getriebener
  Paktor des technischen Portschritts , sogar im Bereich der Spitzentech–
  nologie , ist . Auch andere Zweige der keramischen Industrie besitzen ein
  hohes technologisches Innovationspotential , beispielsweise die Baukeramik ,
  die bei der Erneuerung und Rationalisierung des Bauwesens eine beachtliche
  Rolle spielen kann .
  Der kulturpolitische Aspekt ist mit der Tatsache verbunden , daß die Pro­
  dukte der Keramik zum großen Teil langlebige Investitionsgüter der Haus­
  halte darstellen , die über Generationen hinweg benutzt werden können .
  Ihre Formen und Gestaltung folgen nicht allein den wirtschaftlichen
 ---pagebreak---                                 - jb -
Zweckmäßigkeiten der Produktion oder des Gebrauchs , sondern auch dem
ästhetischen Empfinden und althergebrachten Überlieferungen . Insofb i
ist das keramische Produkt , insbesondere im Bereich der Zier-, Fliesen-
und Geschirrkeramik , zum Teil auch der Sanitär- und Baukeramik , ein
kultur- und sogar kunstvermittelndes Produkt von der außerordentlichen
Rezeptionspotenz eines langlebigen Haushaltsgegenstandes . Es stellt auch
eine Herausforderung der künstlerischen und gestaltenden Kreativitäten
vieler Menschen dar , die als Designer oder Kunst gewerbl er in den Unter­
nehmen oder als freischaffende Künstler und Amateure in unübersehbarer
Anzahl keramisch tätig sind . Sie alle geben individuellen , lokalen ,
regionalen , nationalen , europäischen , tradierten oder avantgardistischen
Empfindungen Gestalt, und prägen mittels ihres Produktes das Fühlen , Den­
ken und Handeln ihrer Um- und Nachwelt . Das keramische Produkt hat daher
auch bei kulturpolitischen Überlegungen Bedeutung.