CELEX: 51982PC0637
Language: de
Date: 1982-10-21
Title: Entwurf ENTSCHLIESSUNG DES RATES über die Berufsbildungspolitik in den Europäischen Gemeinschaften während der 80er Jahre (von der Kommission dem Rat vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (82) 637
Vol. 1982/0199
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983
concernant l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique
européenne et de la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983,
p. 1), tel que modifié par le règlement (CE, Euratom) n° 1700/2003 du 22 septembre 2003
(JO L 243 du 27.9.2003, p. 1), ce dossier est ouvert au public. Le cas échéant, les documents
classifiés présents dans ce dossier ont été déclassifiés conformément à l'article 5 dudit
règlement.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983
concerning the opening to the public of the historical archives of the European Economic
Community and the European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as
amended by Regulation (EC, Euratom) No 1700/2003 of 22 September 2003 (OJ L 243,
27.9.2003, p. 1), this file is open to the public. Where necessary, classified documents in this
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983,
S. 1), geändert durch die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1700/2003 vom 22. September 2003
(ABI. L 243 vom 27.9.2003, S. 1), ist diese Datei der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit
erforderlich, wurden die Verschlusssachen in dieser Datei in Übereinstimmung mit Artikel 5
der genannten Verordnung freigegeben.
 ---pagebreak---     KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                             KOM(82)637 endg.
                                                             Brüssel , den 15 . Oktober 1982
                Π                          \:
                fo 4
                \^\ Serti du Secrétariat
                 vxK      Généra/
                                                  Entwurf
                                         ENTSCHLIESSUNG DES RATES
             über die Berufsbildungspolitik in den Europäischen Gemeinschaften
                                          während der 80er Jahre
                           ( von der Kommission dem Rat vorgelegt )
K0M(82 ) 637 endg .
 ---pagebreak---                           INHALTSVERZEI CHNI S
                                                   Ziffer
  I.  DER GEMEINSCHAPTSKONTEXT                     1-7
 II . DIE BES CHAFTI GUNGSLAGE                     8-11
III . DIE FORDERUNGEN DER BERUFSBILDUNG AN
      DIE POLITIK                                  12
 IV . LEITLINIEN UND AKTIONSBEREICHE FÜR DIE
      GEMEINSCHAFTSPOLITIK                         13-18
      A. Ausbildungspolitik für Jugendliche        19 - 34
      B. Ausbildung und Chancengleichheit          35 - 49
      C. Konzipierung und Organisation der Ausbil­
         dung auf lokaler und regionaler Ebene
                                                   50 - 64
      D. Informations- und Erfahrungsaustausch     65 - 66
  V.  SCHLUSSFOLGERUNG                             67
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I.    DER GEMEINSCHAFTSKONTEXT
      1 . Die Berufsbildung ist einer der vielen politischen Bereiche , denen im
          Rahmen der globalen Bestrebungen zur Verringerung der derzeit unannehmbar
          hohen Arbeitslosigkeit in der Erwerbsbevölkerung besondere Aufmerksamkeit
          zu widmen ist . Ziel dieser Mitteilung ist es , dem Rat Leitlinien für eine
          gemeinsame Ausbildungspolitik vorzuschlagen , die insbesondere den wirt­
          schaftlichen , sozialen und demographischen Veränderungen Rechnung tragen ,
          die die Lage in den Mitgliedstaaten während der 80er Jahre beeinflussen
          dürften , und eine Reihe gezielter Vorschläge für ein Vorgehen auf
          Gemeinschaftsebene zu unterbreiten .
     2 . Seit Beginn der Wirtschaftsrezession war die Deckung des Ausbildungsbedarfs
          der Jugendlichen eines der politischen Hauptanliegen . So stellte auch der
          Präsident zum Ende der Tagung des Europäischen Rates vom 29 . und 30 . März
          1982 in seinen Schlußfolgerungen fest , daß die Mitgliedstaaten als Beitrag
          zur schrittweisen Festlegung einer europäi sehen Sozialpolitik Maßnahmen
          ergreifen , die im besonderen auf die Berufsbildung     der Jugendlichen
          gerichtet sind und darauf abzielen , im Verlauf der nächsten fünf Jahre
          allen Jugendlichen , die neu auf den Arbeitsmarkt kommen , eine Berufsaus­
          bildung bzw . eine erste Erfahrung am Arbeitsplatz zu sichern ( 1 ).
     3 . Daß die Berufsbildung allgemein zu verbessern ist , wurde im Rat zu wieder­
          holten Malen betont . Am deutlichsten sind hier die Schlußfolgerungen des
          Präsidenten anläßlich der gemeinsamen Ratstagung der Wirtschafts -, Finanz-
          und Sozialminister vom Juni 1981 ( 2 ), in denen unter anderem gefordert
          wurde , daß Schritte zur Verbesserung der Berufsbildung unternommen werden
          und daß der besseren Abstimmung der allgemeinen und beruf l i chen Bi Idung auf die
          Erfordernisse des Arbeitsmarkts größere Aufmerksamkeit gewidmet wird . In
          seiner am 27 . Mai 1982 angenommenen Entschließung über eine Gemeinschafts­
          aktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ( 3 ) hat der Rat hervorgehoben ,
          daß die Ausbildungspolitik als integraler Bestandteil einer Globalstrategie
          zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu verstehen ist und deshalb in
          Einklang mit politischen Maßnahmen in anderen Bereichen stehen muß .
  ( 1 ) Bull . EG 3-1982 , Ziff . 1.3.5
  ( 2 ) Bull . EG 6-1981 , Ziff . 1.3.3
  ( 3 ) ABl . Nr . C 186 vom 21.7.1982
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  4 . Ferner hat das Europäische Parlament ebenfalls wiederholt betont , wie
      notwendig ein energisches Vorgehen auf Gemeinschaftsebene im Bereich
      der Berufsbildung ist , wobei auch der Bi Idungsur laub für Jugendliche
      und Erwachsene stärker zum Zuge kommen sollte und Maßnahmen zur über­
      brückung der Kluft zwischen Schule und Erwerbsleben gefördert werden
      sol Iten (1 ) .
  5 . Die Kommission ihrerseits hat im Vorwort zum Entwurf des Fünften Programms
      für mittelfristige Wirtschaftspolitik ( 2 ) und in ihrer Mitteilung über
      die Arbeitsplatzschaffung hervorgehoben , daß es dringend erforderlich ist ,
      die Berufsbildung auszubauen sowie ihre Qualität und Relevanz zu verbessern -
      insbesondere indem gewährleistet wird , daß in den nächsten fünf Jahren allen
      Jugendlichen unter 18 Jahren eine Alternative zur Arbeitslosigkeit in Form
      von allgemeiner oder beruflicher Bildung oder Arbeitserfahrung geboten
      wird . In diesem Zusammenhang hat die Kommission auch unterstrichen ,
      welchen Beitrag die Ausbildung zum Wachstum auf seiten der Produktivität ,
      Innovation und Investitionen sowie zur Arbeitsplatzsicherheit leisten kann .
      Diese Auffassung ist außerdem vor dem Hintergrund der Schlußfolgerungen
      des Ständigen Ausschusses für Beschäftigungsfragen vom 9 . Oktober 1979 ( 3 )
      und der vom Rat am 27 . Juni   1980 beschlossenen Leitlinien für eine Arbeits-
      marktpolitik der Gemeinschaft ( 4 ) zu sehen , in denen festgestellt wird ,
      daß sowohl eine räumliche als auch quantitative Unausgewogenhei t bei Aus­
      bildung , Qualifikationen und Arbeitsbedingungen besteht .
  6 . Daß die Berufsbildungspolitik einen wichtigen Beitrag leisten kann , wird auch
      ausdrücklich in Artikel 128 des Vertrags von Rom anerkannt , der bestimmt ,
      daß der Rat die al Igemeinen Grundsätze für die Entwicklung einer gemeinsamen
      Berufsbildungspolitik aufstellt . In seinem Beschluß vom 1 . April 1963 ( 5 )
      schuf der Rat einen ersten Rahmen mit allgemeinen Grundsätzen . Diese zehn
      Grundsätze wurden dann ein wertvoller Bezugsrahmen , innerhalb dessen gemein-
      schaftsweit die Berufsbildungspolitik entwickelt wurde . Die weitgespannten
      Maßnahmen der Mitgliedstaaten und der Europäischen Gemeinschaft , mit denen
      die Auswirkungen der Massenarbeitslosigkeit bewältigt werden sollen und
      insonderheit die Maßnahmen und Initiativen , die seit Mitte der 70er Jahre im
      Hinblick auf die berufliche Vorbereitung und die alternierende Ausbildung er­
      griffen wurden , haben den ursprünglichen Bezugsrahmen ergänzt .
(1 )  EP . 74.712 vom 17.9.1981
( 2 ) K0M(81 ) 344 endg . vom 22.7.1981
( 3 ) Bull . EG 10-1979 , Ziff . 2.1.44-2.1.46
( 4 ) ABl . Nr . C 168 vom 8.7.1980
( 5 ) ABl . Nr . 63 vom 30.4.1963
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     7 . Die in dieser Mitteilung enthaltenen Kommissionsvorschläge berücksichtigen
         die Stellungnahme , die der Beratende Ausschuß für die Berufsausbildung
         in seiner Sitzung am 12 . und 13 . Mai 1982 abgegeben hat , und die bisheri­
         gen Arbeiten des CEDEFOP , des Europäischen Zentrums für die Förderung
         der Berufsbildung . Auch laufen sie parallel zu den Vorschlägen für die
         Revision des Europäischen Sozialfonds , der das wichtigste Finanzinstrument
         der Gemeinschaft im Bereich der Berufsbildung darstellt .
II . DIE BESCHÂFTIGUNGSLAGE
     8 . In der Europäischen Gemeinschaft sind zur Zeit rund 11 Millionen Menschen
         arbeitslos . Das sind etwa 9,7 % der Erwerbsbevölkerung . Dies vor allem ist
         der Zusammenhang , in den die derzeitigen Kommissionsvorschläge gestellt
         werden müssen , insbesondere weil es wahrscheinlich ist , daß die Zahl
         der Arbeitslosen wegen der Zunahme der Zahl der Erwerbspersonen und
         dem relativ niedrigen Niveau der arbeitsplatzschaffenden Investitionen
         weiter steigen wird .
     9 . Die Jugendlichen sind von der Arbeitslosigkeit besonders stark betroffen .
         Jugendliche im Alter von 25 Jahren oder darunter stellen insgesamt fast
         40 % aller Arbeitslosen - insgesamt über 4 Millionen -, wobei junge Frauen
         sogar noch größere Schwierigkeiten als junge Männer haben , einen Arbeits­
         platz zu finden . Auch die deprimierende Wirkung einer wachsenden Zahl von -
         besonders jungen und älteren - Arbeitnehmern , die lange Zeit arbeitslos
         sind , ist ein anderes hervorstechendes Merkmal der augenblicklichen Lage .
         Im September 1982 erreichte in der Gemeinschaft ( ohne Griechenland)der Antei l
         derjenigen , die über 12 Monate lang arbeitslos waren , insgesamt 37,2 % .
         Diese bedauerliche Situation ist unvermeidlich der Keim für soziale Unruhen
         und Unzufriedenheit in den kommenden Jahren , ganz zu schweigen von dem
         massiven Mißerfolg , den potentiellen Beitrag so vieler Menschen zur sozialen
         und wirtschaftlichen Entwicklung zu mobilisieren .
    10 . Von den Auswirkungen der Wi rtschaftsrezession abgesehen haben sich in den
         letzten zehn Jahren zahlreiche qualitative und strukturelle Veränderungen
         vollzogen , die den Arbeitsmarkt stark beeinflußt haben :
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              (l)  Die Umstrukturierung der Wirtschaft , die zu einem Rückgang der
                   Beschäftigungsmöglichkeiten im primären Sektor und auch in den
                   traditionellen Verarbeitungssektoren sowie bei nicht-marktbestimmten
                   Dienstleistungen führt , setzt die Jugendlichen , relativ gesehen ,
                   sehr großen Gefahren aus ;
            ( ii ) die größere Starrheit und Segmentierung des Arbeitsmarktes und der
                   zunehmende Wettbewerb um einen Platz am Arbeitsmarkt vermindern
                   erheblich die Chancen für die weniger befähigten und weniger quali­
                   fizierten Arbeitnehmergruppen - insbesondere der Jugendlichen , die
                   das Bi ldungs- / Ausbi Idungssystem ohne Grundkenntnisse oder - fertig­
                   keiten verlassen ;
          ( iii )  der Anstieg der Zahl der arbeitenden oder arbeitsuchenden oder
                   wieder eine Beschäftigung aufnehmenden Frauen ;
            ( iv ) die Zunahme der verschiedenen Formen der prekären , unstabilen und
                   kurzfristigen Beschäftigungsmöglichkeiten , die wenig Aussicht auf
                   Ausbildung und berufliches Fortkommen bieten .
     11 . Ebenso sind die demographischen Entwicklungen in den Mitgliedstaaten zu
          berücksichtigen , insbesondere die prognostizierte Zahl der Jugendlichen ,
          die im nächsten Jahrzehnt am Arbeitsmarkt erscheinen werden .      In diesem
          Zusammenhang sollten drei Haupttrends erwähnt werden :
              (i)  ein Rückgang - insbesondere nach 1985 - des Anteils der jugendlichen
                   Arbeitnehmer unter 19 Jahren ;
            ( ii ) ein Anstieg - insbesondere nach 1985 - des Anteils der jungen
                   Arbeitnehmer zwischen 20 und 25 Jahren ;
          ( iii )  die Tatsache , daß der Anteil der weiblichen jugendlichen Arbeitnehmer
                   ( unter 25 Jahren ) an der Gesamtzahl der Frauen in der Erwerbsbe-
                   völkerung entschieden größer sein wird , als es bei den jungen
                   männlichen Arbeitnehmern der      Fall ist .
II . DIE FORDERUNGEN DER BERUFSBILDUNG AN DIE POLITIK
     12 . Obwohl die Berufsbildung keinesfalls als Allheilmittel für die Lösung der
          sozialen Fragen und Arbeitslosigkeitsprobleme , denen die Gemeinschaft gegen­
          übersteht , betrachtet werden sollte , glaubt die Kommission , daß der Ausbil-
          dungspolitik eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Zukunftsaus­
          sichten für den einzelnen und die Gesellschaft insgesamt zukommt . Hohe
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 Investitionen in die Ausbildung werden sich mittel- und langfristig lohnen ,
 und aus diesem Grund ist es notwendig , nochnals zu betonen , welch außer­
 ordentlich wichtigen Platz die Ausbildung innerhalb der staatlichen Politik
 im allgemeinen einnimmt , vor allem        in dem derzeitigen Zusammenhang der
 gedrückten Wirtschaftslage und des Konkurrierens um knappe Ressourcen .
 Insbesondere folgende Faktoren sind komplexe Herausforderungen für die
 Konzipierung von Ausbildungssystemen für die Zukunft .
 ( a ) Das rasche Tempo und die weitreichende Wirkung des wirtschaftlichen und
       technologischen Wandels erfordern , daß die Ausbildung als kontinuierlicher
       Prozeß zur Auffrischung der Qualifikationen konzipiert wird, eine Auf­
       frischung , die in immer stärkerem Maße mehr als einmal im Leben des ein­
       zelnen notwendig ist , um so die Anpassungsfähigkeit , die Flexibilität
       und die Innovationsfähigkeit sowohl beim einzelnen als auch in der
       Industrie im allgemeinen zu vergrößern . Die Auswirkungen der neuen Infor­
       mationstechnologien sind für die Systeme der allgemeinen und beruflichen
       Bildung sowohl Herausforderungen als auch günstige Gelegenheiten . Wesent­
       lich für die Reaktion auf diese Herausforderungen sind gemeinsame Bemühun­
       gen der Regierungen , der Sozialpartner und anderer Gruppen in der Gesell­
       schaft , einschließlich privater Einrichtungen .
( b ) Die Schaffung neuer Tätigkeiten und Arbeitsplätze bedarf einer weiteren
       Förderung , die sich mehr als früher auf unternehmerische Initiativen
       und lokale Tätigkeiten ( z.B. Klein- und Mittelbetriebe , Genossenschaften
       usw .) stützt , um das lokale Wirtschaftspotential zu erschließen und
       weiterzuentwickeln , und die nicht so sehr auf neue Industrieinvestitionen
       aus externen Quellen angewiesen ist . Ausbildungs - und Beratungsdienste
       zur Stützung dieser unternehmerischen Tätigkeiten sind heute nur in
       begrenztem Umfang vorhanden und müssen in viel größerem Maßstab gefördert
       werden .
< c ) Soziale Entwicklungen und wirtschaftliche Zwänge haben Forderungen nach
       größerer Flexibilität in der Arbeitszeit und den Laufbahnstrukturen ent­
       stehen lassen . Es wird weithin anerkannt , daß eine Diskrepanz zwischen
       den traditionellen Arbeitsmustern und den Ansprüchen des einzelnen be­
       steht , und diese Diskrepanz wird noch verschärft durch die starren
       Strukturen , die die Bevölkerung in Beschäftigte und Arbeitslose teilen .
       Die Ausbildung sollte als ein Instrument eingesetzt werden , mit dem dem
       einzelnen geholfen wird , sein eigenes Arbeitsleben mit größerer Flexibi­
       lität zu steuern und auf andere Veränderungen in Arbeitsorganisation und
       in Arbeitszeit zu reagieren ; dabei sollte man das klassische " Arbeits-
       kräftekonzept " aufgeben , in dem der einzelne tatsächlich oft nur als
       Produktionsfaktor gesehen wird .
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( d ) Die Wirtschaftsrezession und hohe ArbeitsLosenquoten führen zu einer
       wachsenden Polarisierung in der Gesellschaft . Eine immer größere
       Anzahl von Menschen aller Altersgruppen und aller Qualifikationsstufen
       werden durch die Arbeitslosigkeit in die Armut getrieben . In Regionen
       und Ortschaften , in denen wirtschaftliche und soziale Probleme eine
       vielfältige Verarmung bewirkt haben , wird jede Aussicht auf eine Rückkehr
       zu einem hohen Niveau sicherer und lohnender Beschäftigung umso geringer ,
       je mehr sich die wirtschaftlichen Bedingungen verschlechtern . Die Aus­
       bildung kann nicht länger bloß als eine Investition betrachtet werden ,
       die zu tätigen ist , wenn die Arbeitsplatzaussichten erfolgversprechend
       sind . Ausbildung und Fortbildung müssen als ein individuelles Recht
       und als ein Ausdruck des Glaubens der Gesellschaft an die Bedeutung
       von Humaninvestitionen in Ressourcen für die wirtschaftliche Regenerierung
       und als eine wesentliche Komponente des Fortschritts auf dem Wege zur
       Chancengleichheit für alle betrachtet werden . Ausbi Idung und Fortbildung
       sind auch unbedingt als wesent Ii che Voraussetzung für die mittel- und lang­
       fristige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft auzuerken-
       nen .
( e ) Die Wirtschaftsrezession hat das traditionelle System der Heranführung
       von Neulingen an den Arbeitsmarkt geschwächt . Der gesamte Prozeß des
       Übergangs der Jugendlichen von der Schule ins Erwachsenen- und Arbeits­
       leben muß neu durchdacht werden ; dabei sind ad hoc-Lösungen zu vermeiden ;
       auch sind das frühere Heranreifen der Jugendlichen ebenso wie die bereits
       erwähnten Faktoren zu berücksichtigen . Diese Umgestaltung der Angebote
       für Jugendliche ist dringend notwendig , da der Wohlstand der Gemeinschaft
       in den kommenden Jahrzehnten weitgehend von den Fähigkeiten ihrer künftigen
       Erwerbsbevölkerung - der heutigen jungen Generation - abhängen wird .
 ( f ) Haushaltskürzungen und damit einhergehende Zwänge , die sich aus der Wirt-
        schaf tsrezession ergeben, haben die Besorgnis des Staats um die Ressourcen
        allokation und die Notwendigkeit , die Wirksamkeit der öffentlichen Ausgaben
        zu verbessern , vergrößert . Es wird jedoch in zunehmendem Maße anerkannt ,
        daß es erforderlich ist , bereichsübergreifende Lösungen zu finden , die
        Ressourcen staatlicher Behörden ( Bildung , Arbeit , Industrie , Landwirt
        schaft usw .) zusammenzulegen und auch den Beitrag der privaten und frei­
        willigen Einrichtungen zu berücksichtigen . Ebenso rückt die Notwendigkeit
        immer mehr ins Bewußtsein, daß die Diagnose der Arbeitsmarktlage qualitativ
        zu verbessern ist und daß ein transparenterer Fluß von Informationen über
        derzeitige und künftige Berufsaussichten und die damit verbundenen Aus­
        bildungsmöglichkeiten zu schaffen ist . Es sollte größeres Schwergewicht
        darauf gelegt werden, daß die nichttraditionellen Lernquellen genutzt
        werden müssen, insbesondere Kombinationen von Fernstudium und Heimstudium,
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                und daß Mittel und Wege zur Konzipierung und Durchführung von Ausbildungs-
                programmen gefunden werden müssen , die in stärkerer Beziehung zum lokalen
                Bedarf und zur lokalen Bevölkerung stehen , um so die Schranken niederzu-
                reißen , die mit den traditionellen Ausbildungsstrukturen entstanden sind .
          ( g ) Außerdem wird auf Gemeinschaftsebene zu beachten sein , daß Stützungs-
                systeme zu konzipieren sind , um den Bedarf städtischer und ländlicher
                Gebiete zu decken , in denen die Ausbildungsinfrastrukturen noch zu schwach
                sind . Ganz abgesehen von der jeweiligen Größe der Mitgliedstaaten hat das
                Bemühen um die Schaffung von Ausbildungseinrichtungen auf lokaler und
                regionaler Ebene , oft kombiniert mit lokalen- Beschäftigungsmaßnahmen ,
                eine neue Diskussion über die Ausbildungsstrategie und die Qualität des
                Ausbildungsangebots in Gang gesetzt .   In einigen Mitgliedstaaten bemüht
                man sich zunehmend darum , die Zuständigkeit für die Entscheidungen im
                Bereich der Berufsbildung durch neue Regelungen auf nationaler , regionaler
                und lokaler Ebene räumlich zu verlagern .
          ( h ) Die Schwierigkeiten in Stadtzentren und sonstigen Gebieten,' in denen der
                traditionelle Arbeitsmarkt zusammengebrochen ist und eine Bevölkerung
                zurückgelassen hat , die entweder keine-Ausb4Xdung hat oder über spezifi­
                sche , aber nicht länger gefragte Qualifikationen und Arbeitsgewohnheiten
                verfügt , beweisen ganz deutlich , wie notwendig es ist , angemessene Ausbi l-
                dungs - und Entwicklungsmöglichkeiten zu konzipieren und anzubieten . In
                ländlichen Gebieten müssen die Bestrebungen , die Landflucht der Jugend­
                lichen abzustellen , Hand in Hand gehen mit spezifischen Maßnahmen im Be­
                reich der Wohnungs- und Sozialdienste sowie der Bildungs - und Ausbildungs-
                einrichtungen . In allen diesen Gebieten , die immer mehr von den Beschäfti-
                gungszentren isoliert werden , muß dringend die Frage geprüft werden , wie
                durch den vollen Einsatz der neuen Informationstechnologien bestimmte
                Arten von Arbeitsplätzen weg von großen zentralisierten Einrichtungen um­
                verteilt werden und neue kleine Arbeitseinheiten geschaffen werden können .
IV . LEITLINIEN UND AKTIONSBEREICHE FÜR DIE GEMEINSCHAFTSPOLITIK
     13 . Aus diesen verschiedenen Gründen hält es die Kommission für notwendig , daß der
          Rat auf seinen ersten 1963 aufgestellten Leitlinien ( siehe Anhang 1 ) für die
          Verfolgung einer Berufsbildungspolitik in den 80er Jahren aufbaut ,
          um dem gemeinsamen Vorgehen innerhalb der Gemeinschaft als Reaktion auf die
          sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Jahrzehnts einen neuen
          Impuls zu geben . Nach dem Willen der Kommission sollten die in dieser Mittei­
          lung vorgeschlagenen Leitlinien und vorrangigen Maßnahmen als Bezugsrahmen
          für das künftige Funktionieren des Europäischen Sozialfonds dienen .
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14 . Nach Ansicht der Kommission ist ein neuer Wille erforderlich , um in der
     gesamten Gemeinschaft konvergierende Politiken zu entwickeln , mit denen ein
     größeres Gewicht auf Humaninvestitionen gelegt wird . Die wichtigste natürliche
     Ressource der Gemeinschaft sind ihre Bürger ; aus diesem Grund ist die Berufs-
     bildungspolitik eng mit der Globalpoltiik der Gemeinschaft zur sozialen und
     wirtschaftlichen Entwicklung zu verknüpfen . Die Kommission ist sich voll
     bewußt , daß zeitweilige und ad hoc-Strukturen zu vermeiden und die Grundlagen
     für hochwertige und flexible Ausbildungssysteme , die Bestand haben , zu schaffen
     sind . In dieser Sicht hebt die Kommission mit Nachdruck hervor , daß ein
     neuer Rahmen mit Leitlinien für die Berufsbildungspolitik , die auf Gemein­
      schaftsebene in den 80er Jahren zu verfolgen ist , aufgestellt werden
     muß .
     Die    grundlegenden Funktionen der Berüf sbi Idung können kurz folgendermaßen
     zusammengefaßt werden :
     - als ein Instrument einer aktiven Beschäftigungspolitik , insbesondere in einer
        Zeit raschen wirtschaftlichen , sozialen und technologischen Wandels , indem
        den Investitionen in Humanressourcen ein neues Gewicht gegeben wird ,
        zur Förderung und Unterstützung von Arbeitsplatzbeschaffung und Unternehmer-
        initiativen , zur Verbesserung der Produktivität und um den Herausforderungen
       des internationalen Wettbewerbs begegnen zu können ;
     - als ein Instrument zur Unterstützung der wirtschaftlichen Anpassung , in dem
        die Umstrukturierung der in Schwierigkeiten geratenen Wirtschaftssektoren
        durch die Entwicklung von Umschulungsprogrammen erleichtert wird , die unter
        anderem dazu bestimmt sind , das Potential der technologischen Innovation
        zu nutzen und die innovativen Fertigkeiten aller Erwerbspersonen zu ent­
        wickeln , damit sie eine kreative Rolle in diesem Prozeß spielen können ;
     - als ein Instrument , mit dem sichergestellt werden soll , daß allen Jugendli­
        chen die notwendige soziale und berufliche Vorbereitung auf das Erwachsenen-
        und Arbeitsleben vermittelt werden kann ; diese Vorbereitung hat sowohl die
        Entwicklungen am Arbeitsmarkt als auch die Wünsche der Jugendlichen zu
        berücksichtigen ;
     - als Instrument einer weitgefaßten Sozialpolitik , mit der alle Menschen in
        die Lage versetzt werden sollen , ihr Potential durch ständige allgemeine
        und berufliche Bildung während des ganzen Lebens zu entfalten , damit sie
        die sozialen und wirtschaftlichen Nachteile , die unter Umständen ihre
        frühere Vorbereitung auf das Erwachsenenleben gekennzeichnet haben , ausglei­
        chen und überwinden können ;
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     - als ein Instrument zur Förderung der Chancengleichheit für Männer und
         Frauen und ihrer Betei lung am sozialen , wi rt schaf Ii chen und politischen
        Leben .
15 . Maßnahmen für Jugendliche müssen unbedingt integraler Bestandteil einer
     Berufsbildungspolitik für alle Erwachsenen sein ; die derzeitige politische
     Betrachtung des Beschäft igungs- und Ausbildungsbedarfs Jugendlicher läuft
     Gefahr , diesem Bedarf hohe Priorität einzuräumen und den Ausbildungsbedarf
     älterer Erwachsener zu vernachlässigen und somit die zur Deckung ihres Bedarfs
     notwendigen Mittel als zweitrangig einzustufen .
16 . Die Kommission hat den besonderen Merkmalen und der Unterschiedlichkeit der
     Berufsbildungssysteme in den einzelnen Mitgliedstaaten Rechnung getragen .
     Die von ihr in dieser Mitteilung vorgeschlagenen Maßnahmen sollen Neuerungen
     und qualitative Verbesserungen in den Ausbildungssystemen der Mitgliedstaaten
     dadurch fördern , daß die einzelstaatlichen Politiken und Initiativen gemein-
     schaftsweit folgendermaßen ergänzt und gestützt werden :
     ( a ) Aufstellung gemeinsamer Ziele und Leitlinien , um dem Bedarf an größerer
           Konvergenz der Politik in diesem Bereich gerecht zu werden , wobei gleich­
           zeitig die Unterschiedlichkeit der Ausbildungssituationen in den Mitglied­
           staaten und die Notwendigkeit einer flexiblen Gemeinschaftsaktion
           anerkannt werden ;
     Cb ) einen Beitrag zur Hebung der Qualität des Ausbildungsangebots zu leisten ,
           indem ein Bezugsrahmen für die einschlägigen Tätigkeiten des Europäischen
           Sozialfonds geschaffen wird ;
     ( c ) Förderung von Versuchen , die die einzelstaatlichen Politiken und Praktiken ,
           insbesondere durch einen geregelteren Prozeß des Austausch und der
           Prüfung von Erfahrungen auf Gemeinschaftsebene verbessern können ;
     ( d ) Ausweitung der Regelungen für die Verbreitung der Informationen und
           Erfahrungen von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat als Hilfe der politischen
           Entscheidungsträger und Praktiker und als ein Mittel dazu , die Aufmerksam­
           keit auf erfolgversprechende Ausbi Idugnsinitiativen zwecks umfassenderer
           Anwendung zu lenken .
17 . Im Lichte dieser globalen Leitlinien schlägt die Kommission vor , daß der Rat
     ein fünfjähriges Aktionsprogramm annimmt , das sich auf die folgenden drei
     großen prioritären Bereiche , in denen ein gemeinsames Anliegen besteht ,
     konzentriert ; Ziel ist dabei , die Bemühungen der einzelnen Mitgliedstaaten
     zu ergänzen und zu verstärken :
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      Ca ) Die soziale und berufliche Vorbereitung der Jugendlichen auf das
             Erwachsenenleben und auf den Eintritt in das Arbeitsleben in der Zeit
             nach Ende der Vollzeit-Schulpflicht ( in den meisten Mitgliedstaaten im
             Alter von 16 Jahren ) bis zum Alter von 18 Jahren in Verbindung mit der
             Intensivierung der Ausbildungsmaßnahmen für Jugendliche bis 25 Jahre
             als integraler Bestandteil einer globalen Sozial - und Beschäftigungs-
             politik ;
       ( b ) Die Ausbildungsaspekte der Strategien für größere Chancengleichheit ,
             besonders im Hinblick auf die Verbesserung der Grundfertigkeiten und die
             Disaggregation des Arbeitsmarktes durch energische Maßnahmen zur Förderung
             der Beteiligung von Frauen an Ausbildungsprogrammen ; und
       ( c ) die Planung und Durchführung von Ausbildungsmaßnahmen zur Stützung der
             sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und insbesondere des Prozesses
             der Arbeitsplatzschaffung auf lokaler und regionaler Ebene , sowie die
             Verbesserung des Beratungs - und Unterstützungangebots für alle Arbeit­
             nehmer , die die Probleme des Wandels und des Übergangs zu bewältigen
             haben , einschließlich derjenigen , die sich dem Rentenalter nähern .
18 . Außerdem sollte- hervorgehoben werden , daß die Kommission dem Rat(1 ) bereits
       eine Mitteilung über die Folgen und Möglichkeiten der neuen Informationstech­
      nologien für die Berufsbildungssysteme vorgelegt hat ; die Mitteilung enthielt
      auch eine Reihe von Aktionsvorschlägen für den Zeitraum 1983-1987 . Die Kom­
      mission hält es für notwendig , diese Initiativen mit den Aktionsvorschlägen
       in dieser Mitteilung eng zu koordinieren und die Ausbildung in den neuen
       Informationstechnologien innerhalb dieses Gesamtrahmens der Ausbildungspolitik
      als hoch prioritär zu betrachten . Bei der Anpassung der Ausbildung an den
      technologischen Wandel und bei der Prüfung seiner Auswirkungen auf Be­
       schäftigung und Qualifikationen sollte nicht nur diesen Technologien - so ein­
       schneidend und überzeugend sie auch sein mögen - Rechnung getragen werden ,
       sondern es sollten auch andere aufkommende Technologien berücksichtigt werden ,
      wie Biotechnologie , Rohstoffe , die künftig entscheide Bedeutung für
      die Fertigungsverfahren , die Personalorganisation und die beruflichen Anfor­
      derungen haben können . In diesem Zusammenhang betont die Kommission , daß die
      Strategien der ständigen allgemeinen und beruflichen Bildung so konzipiert
      werden sollten , daß sie die Politik der industriellen Innovation und Umstruk­
      turierung erleichtern und verstärken und sich nicht auf kurzfristige Anpassun­
      gen infolge des unmittelbaren Bedarfs am Arbeitsmarkt beschränken .
    C1 ) K0MC82 ) 296 endg ., 3 . Juni 1982
 ---pagebreak---                                       - 11 -
A » AUSBILDUNGSPOLITIK FÜR JUGENDLICHE
    19* Mit der Wirtschaftsrezession traten die Probleme zutage , denen sich Jugend­
        liche gegenübersehen , wenn sie im Erwachsenenleben Fuss fassen wollen , doch
        hat das Ausmass der Rezession die Fähigkeit der Mitgliedstaaten geschwächt,
        zufriedenstellende langfristige Lösungen zu finden. Die Jugendlichen sind
        Opfer der inhärenten Schwäche des sozialen Systems , das einen abrupten un­
        mittelbaren Übergang von der Abhängigkeit als Kind auf die Verantwortung
        eines Erwachsenen vorsieht , die durch den erfolgreichen Eintritt des Schul-
        abgängers in das Arbeitsleben gekennzeichnet ist . Der Abgang von der Schule ,
        ob er mit 16 Jahren oder früher erfolgt , sollte nicht als der einzige Punkt
        des Übergangs der Jugendlichen in das Arbeitsleben betrachtet werden. Mit
        zunehmender Arbeitslosigkeit gab es nicht nur einen disproportionalen Anstieg
        der Jugendarbeitslosigkeit , sondern mehr und mehr Jugendliche sind auch ge­
        zwungen , eine Reihe prekärer unqualifizierter Arbeitsplätze anzunehmen , die
        ihre Fähigkeit sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren , nur wenig fördern .
        Sie sind lange Zeit oder wiederholt arbeitslos , wodurch sie in eine Spirale
        der Abhängigkeit von der sozialen Sicherheit , wenn nicht gar in eine margi­
        nale Existenz ausserhalb des Wohlfahrt ssytems geraten . Jugendliche leben heute
        mehrere Jahre mit der bestürzenden Unsicherheit hinsichtlich der künftigen
        Aussichten , einen Arbeitsplatz zu finden .
   20 . Die grundlegenderen wirtschaftlichen Ursachen der Jugendarbeitslosigkeit
        sollten selbstverständlich im Zusammenhang einer Globalstrategie zur Stimu­
        lierung der Arbeitsplatzbeschaffung und zur gerechteren Umverteilung der
        Beschäftigungsmöglichkeiten behandelt werden . Dies gilt für die Gemeinschaft
        als erste Priorität , wie vom Rat im Mai 1982 bekräftigt wurde . Innerhalb
        dieser Strategie ist eine aktive Politik der Unterstützung und Beratung er­
        forderlich , um allen Jugendlichen bei der Vorbereitung auf die Beschäftigung
        zu helfen , einschliesslich derjenigen , im allgemeinen die mit den Mindest-
        qualifikationen nach Schulabschluss , die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt
        finden , und derjenigen , denen es gelungen ist , einen Arbeitsplatz zu finden ,
        der aber prekäre Aussichten bietet und dessen Inhalt keine Chance zur Aus­
        bildung oder zur persönlichen Entfaltung gibt . Es müssen weiterhin alle
        Anstrengungen unternommen werden , um diejenigen zu unterstützen , und zwar
        ungeachtet ihres Alters , die Arbeit finden möchten. Noch dieses Jahr soll
       dem Rat als Ergänzung zu dieser Mitteilung ein Memorandum der Kommission
       unterbreitet werden , das eine Beurteilung der spezifischen Massnahmen enthält ,
       die zur Förderung der Schaffung stabiler Beschäftigungsmöglichkeiten für
       Jugendliche notwendig sind .
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21 . In allen Mitgliedstaaten wird, weitgehend anerkannt , dass die Grundlage einer
     effektiven Ausbildungspolitik für Jugendliche schon im letzten Abschnitt der
     Vollzeit–Schulpflicht geschaffen werden nruss und den Bildungsbehörden hier
     die Haupt Verantwortung zufällt .    Mit dem Gespenst der Arbeitslosigkeit , der
     sich so viele Schulabgänger gegenübersehen , immer mehr auch diejenigen , die
     angemessene Abschlussergebnisse erzielt haben , wurden sich die Bildungssys-
     terae mehr und mehr bewusst , dass ebensoviel Gewicht auf die Entwicklung per­
     sönlicher und sozialer Fähigkeiten , insbesondere auf grundlegende Sprach-
     und Kommunikationskenntnisse , gelegt werden muss .     Bemühungen , eine
     ausgewogenere Beziehung zwischen allgemeiner theoretischer und beruflicher
     oder fachlicher Bildung in den Schulen herzustellen , haben in den jüngsten
     Jahren zu dem weitergehenden Bestreben geführt , sicherzustellen , dass die
     Schule den Jugendlichen geregelte Möglichkeiten bietet , in ihrem Gemeinwe­
     sen Kontakte mit Leben und Arbeit herzustellen und einschlägige Erfahrungen
     zu sammeln .
22 . Das zunehmende Gewicht , das auf eine Partnerschaft zwischen Schulsystemen
     und Eltern gelegt wird , an der sich auch Arbeitgeber und Gewerkschaften
     sowie Sozial–, Jugend– und Freiwilligeneinrichtungen beteiligen , wird
     sich längerfristig auf die Ausbildungsmuster auswirken , die nach Beendigung
     der Vollzeit–Schulpflicht vorgesehen sind , indem eine derartige Zusammen­
     arbeit bei dem Angebot an Ausbildung in der Zeit nach der Schulpflicht ge­
     fördert wird .     In ihrer EntSchliessung vom 24 . Mai 1982 verpflichteten sich
     der Rat und die im Rat vereinigten Bildungsminister ( l ) kollektiv , in
     diesem Sinne Mittel für eine qualitative Verbesserung der Politik der Mit–
     gliedstaaten,was die Zeit vor Beendigung der Pflichtschule betrifft , zu
     prüfen . Sie kamen auch überein , ihre Zusammenarbeit mit anderen politischen
     ( 1 ) ABL . Nr .C 193 vom 28.7.1982
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     Bereichen , insbesondere Beschäftigung , im Hinblick auf die Bewältigung
     der Probleme der Jugendarbeitslosigkeit zu verstärken , und begrüssten
     die Absicht der Kommission , ein bereichsübergreifendes Treffen mit hohen
     Beamten zu veranstalten , um zu ermitteln , wie die Zusammenarbeit verstärkt
     werden kann , und die Grundlagen für eine gemeinsame Tagung der Arbeits-,
     Bildungs- und Ausbildungsminister zu diesem Thema zu schaffen .
23 . In Anbetracht der Zahl der Jugendlichen , die Zugang zum Arbeitsmarkt suchen ,
     aber praktisch keine Qualifikation oder Kenntnis des Arbeitslebens haben ,
     wurde immer mehr eingesehen , dass eine weitere sowohl sozial als auch beruf­
     lich ausgerichtete Stufe der Vorbereitung und des Übergangs vorzusehen ist ,
     und zwar für eine Mindestzeit nach Abschluss der gesetzlichen Vollzeit-
     Schulpflicht . Diese Idee wurde als soziale Garantie für Jugendliche bezeichnet .
     Bis jetzt jedoch wurde dieser Begriff vor allem im Rahmen der kurzfristigen
     arbeitsmarktpolitischen Massnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit
     entwickelt . Er wurde verwechselt mit den vielen ad hoc– oder Dringlichkeits–
     massnahmen für Ausbildung oder Arbeitserfahrung , die in den meisten Mitglied­
     staaten seit Kitte der siebziger Jahre eingeführt wurden , die jedoch meist
     parallel zu den Ausbildungsregelungen nach Abschluss der Pflichtschule liefen ,
     anstatt in diese integriert zu sein . Obwohl diese Massnahmen viele wertvolle
     Neuerungen in Organisations struktur und Inhalt der Ausbildung für Jugendli­
     che gebracht haben mögen , wurden mit ihnen häufig die Symptome der Jugend-
     arbeitslosigkeit und nicht die Ursachen bekämpft : Mit ihnen wurde oft ver­
     sucht , die Jugendlichen in den Augen der Industrie beschäftigungsfähiger zu
     machen , ohne zu einem Anstieg der tatsächlich freien Stellen beizutragen
     oder auch zu einer echten Verbesserung der sozialen Kenntnisse und berufli­
     chen Qualifikationen der Jugendlichen . Insbesondere auf das Problem der
     Unangemessenheit im Ausbildungsangebot abzielend schlägt die Kommission vor ,
     dass gemeinschaftsweit eine soziale Garantie für Jugendliche als integraler
     Bestandteil einer gerechteren und rationelleren Berufsbildungspolitik ein­
     geführt werden sollte . Die Hauptmerkmale dieser Garantie werden in den
     folgenden Ziffern beschrieben .
24 . Die soziale Garantie
     Das allgemeine Ziel der sozialen Garantie sollte es sein , allen Jugendlichen
     Gelegenheit zu geben , zwischen dem Ende der Vollzeit –Schulpflicht und der
     Aufnahme der Erwerbstätigkeit eine Übergangsphase zu durchlaufen , in der
     sie in der Lage sein sollten , zu wählen , wie sie ihre sozialen und beruf­
     lichen Fertigkeiten entwickeln und sich selbst auf das Arbeitsleben als
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     Erwachsene vorbereiten können .   Das unmittelbare Ziel der sozialen Garantie
     sollte es sein sicherzustellen , dass allen Jugendlichen nach Beendigung der
      Vollzeit –Schulpflicht eine Alternative zur Arbeitslosigkeit geboten wird .
     Ganz grundsätzlich sollten alle Jugendlichen Anspruch haben auf wenigstens
     zwei Jahre allgemeiner Weiterbildung , Berufsausbildung oder Arbeitserfahrung
     nach Verlassen der Vollzeit–Pflichtschule . Pur diejenigen Jugendlichen , die
     aus irgendeinem Grund ihre theoretische Ausbildung innerhalb des bestehenden
     Rahmens der formalen     allgemeinen und beruflichen Bildung oder der Lehr-
     lingsausbildung nicht fortsetzenkönnen oder wollen , sollten vielfältige zu­
     sätzliche Möglichkeiten angeboten werden , um die unterschiedlichen Bedürfnis­
     se und Wünsche der Jugendlichen zu berücksichtigen . Es sollten qualitativ
     angemessene Ausbildungs- und Arbeitserfahrungsmöglichkeiten dieser Art geschaf­
     fen werden , damit zu einem bestimmten Zeitpunkt , zum Beispiel nach fünf
     Jahren , alle Jugendlichen , die dies wünschen , bedingungslosen Zugang haben zu :
     a ) einem Vollzeitprogramm der sozialen und beruflichen Vorbereitung auf
         das Arbeitsleben während eines anfänglichen einjährigen Zeitraums , der
         sich unmittelbar an die Schulpflicht anschliesst , und
     b ) einem Anspruch auf das Äquivalent eines weiteren einjährigen Zeitraums
         beruflicher Bildung auf Vollzeit- oder Teilzeitbasis vor Erreichen des
         25 . Lebensjahrs .
25 . Dies würde der Mindestausbildungsanspruch aller Jugendlichen sein .
     Die soziale Garantie würde jedoch keinerlei Zwang beinhalten . Durch die
     Kombination zweier Arten von Regelungen sollte sie besonders den verwund-
     bareren und benachteiligteren Jugendlichen in den zwei Jahren nach Beendigung
     des Vollzeit–Schulpflicht einen gewissen Schutz bieten , gleichzeitig bei den
     Jugendlichen einen Sinn für Initiative entstehen lassen , das Bewusstsein für
     ihre Verantwortung fördern , ihre ursprüngliche Berufsbildung zu ergänzen ,
     und das Interesse an einem lebenslangen Lernen wecken .
26 . Die zu treffenden Vorkehrungen bestehen in einer Erweiterung der Ausbil–
     dungskapazität der Mitgliedstaaten , um den Bedarf aller Jugendlichen der
     Altersgruppe zu decken , und in besonderen Massnahmen , um die Ausbildungs–
     qualität zu steigern. Dies sollte nicht nur zu einer einfachen Ausweitung
     des bestehenden Angebots an Ausbildungsplätzen , insbesondere an Lehrstellen ,
     führen .
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     Jugendliche in diesem Alter sind keine homogene Gruppe ; weitgefächerte
     Ausbildungsprogramme sind notwendig, um ihren unterschiedlichen Bedarf
     zu decken . Die Programme sollten eine solche Vielfalt Meten , dass
     diejenigen zur Beteiligung motiviert werden , die keine Arbeit finden
     können , die geringe schulische Qualifikationen besitzen , die zunächst
     nicht auf eine weitere allgemeine und berufliche Bildung eingestellt sind
     und die damit auf grosse Hindernisse für ihre flexible Teilnahme am sozialen
     Leben als Erwachsene stossen dürften . Ungeachtet des unmittelbaren Arbeits–
     marktbedarfs sollte die Ausbildung daher so flexibel wie möglich gestaltet
     werden , um den Jugendlichen weitestgefächerte Möglichkeiten zu bieten ,
     die Fertigkeiten zu erwerben , auf denen sie in ihrem späteren Leben auf­
     bauen können .    Im Keim ist dieser Wille bereits in der vom Rat im Jahre
     1979 verabschiedeten EntSchliessung ( l ) zur Förderung der alternierenden
     Ausbildung (Kombination von Arbeit und Ausbildung ) enthalten , auf die die
     Mitgliedstaaten sehr positiv reagiert haben . Diese Investitionen in
     die Ausbildung Jugendlicher sind von entscheidender Bedeutung, da die
     Jugendlichen in den nächsten vierzig Jahren den Kern der Arbeitnehmerschaft
     in der Gemeinschaft stellen werden ; ohne diese Investitionen wird die
     internationale Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft ernstlich beein­
     trächtigt werden .
27 . Inhalt
     Was den Inhalt der vorzusehenden Ausbildungs-und Arbeit serfahrungsmöglich-
     keiten betrifft , so enthält die Ratsentschliessung über die alternierende
     Ausbildung ( 2 ) bereits einen Bezugsrahmen. Es sollten zahlreiche Kombina­
     tionen von praktischer Erfahrung und formalerem Lernen möglich sein , um
     die verschiedenartigen Qualifikationen und Motivationen der betroffenen
     Jugendlichen auf der einen Seite und die in einem Ort vorhandenen Gelegen­
     heiten zur Ausbildung und Arbeitserfahrung auf der anderen Seiten zu berück­
     sichtigen . Die Programme für die soziale und berufliche Vorbereitung können
     zum Beispiel folgendes beinhalten : neue Kurse , die von den Bildungs- und
     Ausbildungsbehörden veranstaltet werden , zusätzliche Ausbildungsplätze in
     öffentlichen oder privaten Unternehmen , spezielle Arbeitsbeschaffungspro–
     jekte , die für das lokale Gemeinwesen von Nutzen sind, oder Lehr–/Produktions–
     Werkstätten , die sich zu selbsttragenden Kleinbetrieben oder Genossenschaften
     entwickeln können. Alle Programme sollten darauf abzielen , die Jugendlichen
     ( 1 ) ABl . Nr. C 1 vom 3.1.1980
      (2 ) ABl . Nr.Cl vom 3.1.1980
 (2)
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     in die Lage zu versetzen , eine Vorstellung vom Arbeit sieben zu bekommen
     und etwas über die Auswirkungen des technischen Fortschritts und der neuen
     Technologien zu   erfahren .  Insbesondere ist darauf zu achten , dass Mädchen
     und junge Frauen nicht automatisch in stereotype Ausbildungs- und Arbeitser-
     fahrungsbereiche gelenkt werden .   Die Jugendlichen sollten so gefordert
     werden ,  dass sie ihre eigenen kreativen und unternehmerischen Fähigkeiten
     entwickeln , dass sie die ihnen offenstehenden Möglichkeiten selbst gestalten
     und auch etwas über die Methoden für den Aufbau eines selbständigen Unter­
     nehmens und die Leitung eines Kleinunternehmens lernen .
28 . Die Lehr–/Produktionswerkstätten könnten die erfolgversprechendste Form
     der Ausbildung sein ; sie könnten so gestaltet werden , dass eine   ganze
     Skala verschiedener Bedürfnisse und Ziele abgedeckt wird , einschliesslich
     des allgemeineren Ziels , dass die Investitionen in die Ausbildung einen
     unmittelbaren Beitragzur lokalen Wirtschaftsentwicklung leisten .    Eine
     derartige Initiative , die bereits in einigen Mitgliedstaaten ergriffen
     wurde , könnte die Form von Produktionswerkstätten in Verbindung mit Ausbil-
     dungswerkstätten annehmen ; daran sollten sich die lokalen Behörden und
     die Sozialpartner voll beteiligen , und es sollten am gleichen Standort
     Kombinationen von Arbeitserfahrung und Ausbildung möglich sein .    Diese
     Standorte könnten auch als zentrale Punkte für Experimente und für die Aus­
     bildung der Ausbilder in der Ortschaf t oder Region ebenso wie für den Aus­
     tausch von Erfahrungen mit den benachbarten Ausbildungszentren im Rahmen des
     Systems dienen .  Diese Massnahmen zur Verbindung von Produktion und Aus­
     bildung könnten getroffen werden , um in prioritären Bereichen innerhalb
     der Strategie zur Förderung von Innovation und Wirtschaftswachstum tätig
     zu werden , zum Beispiel die Entwicklung von Anwendungsmöglichkeiten für
     die grösstmögliche Skala neuer Informationstechnologien .   Ebenso könnten sie
     auf die besonderen Schwierigkeiten abgestellt werden , auf die Frauen tref­
     fen , insbesondere in den nicht –traditionellen Bereichen der Frauenarbeit .
     Womöglich wären deshalb weitere Versuche und ein Inf ormations– und Erfahrungs­
     austausch in diesem Bereich sowohl innerhalb eines Mitgliedstaats als auch
     zwischen den Mitgliedstaaten durchzuführen .
29 » Zeugnisse
     Die angebotenen Programme müssen unbedingt als integraler Bestandteil
     eines umfassende Ausbildungsplans für die Altersgruppe konzipiert werden .
     Es wird dann einfacher zu gewährleisten sein , dass die Einführung neuer
     Arten der Beurteilung und Kredite sich in das globale System der Zeugnisse
     für schulische und berufliche Qualifikationen einfügt . Damit wird nach und
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      nach das Akkumulieren von Erfahrung und. Krediten möglich ;  diese Zeugnisse
     wären auch der Schlüssel für die Fortbildung zu einem späteren Zeitpunkt .
     Daraus sollte jedoch kein paralleles oder abgeschottetes System werden , das
      ausschliesslich Jugendlichen vorbehalten ist , sonst würde es etwas Zweit­
      rangiges und wäre zum Scheitern verurteilt .    Ohne ein solches Kredit-
      system , das in das Hauptsystem eingepasst ist , gibt es nur wenig Garantie
     für die Qualität der angebotenen Programme oder die Bereitschaft der Arbeit­
      geber , bei der Einstellung oder in der Laufbahnpolitik die Ausbildungs­
     zeiten anzuerkennen . Was breiter angelegte Qualifikationen betrifft , so
     haben einige Mitgliedstaaten    erhebliche Fortschritte dabei  erzielt , neue
     Qualifikationsgruppen zusammenzustellen , besonders im Zusammenhang mit
     der Lehrlingsausbildung .   Ausserdem werden die neuen Technologien schritt­
     weise , jedoch ungleichmässig in die Ausbildung einbezogen .   Es wird von
     Bedeutung sein , den Elan solcher Entwicklungen zu erhalten und diese Verän­
     derungen zu nutzen , um die Vergleichbarkeit der Qualifikationen auf Gemein­
     schaftsebene zu vergrössern .
30 . Ausbilder und Betreuungspersonal
     Grössere Investitionen erfordert die Ausbildung derjenigen , die für die
     Konzipierung und den Inhalt der neuen    Programme der sozialen und beruf­
     lichen Vorbereitung verantwortlich sind .   Stärkere Zusammenarbeit ist
     zwischen den Lehrern nötig , die in der Schlussphase der Pflichtschule
     unterrichten und die Ausbildung der Jugendlichen nach der Pflichtschule
     übernehmen , und denjenigen , die in der Erwachsenenausbildung tätig sind ,
     um immer mehr Übergänge zwischen den verschiedenen Ausbildungsstufen zu
     schaffen und die Kontinuität des Ausbildungsangebots zu verbessern .     Da
     die ständige Erneuerung des Ausbildungsinhalts von wesentlicher Bedeutung
     ist ,   wobei den Jugendlichen eine weite Skala attraktiver Optionen zu lassen
     ist , ist eine besondere Förderung der Ausbildung der Ausbilder und des
     leitenden Betreuungspersonals notwendig .
31 . Koordinierung , Beratung und Unterrichtung
     Die zahlenmässige Zunahme der verschiedenen Regelungen für allgameine und
     berufliche Bildung , Arbeit serfahrung , Beschäftigung und Freiwilligendienst
     hat schon sichtbar gemacht , dass den Jugendlichen , denen diese Regelungen
     zugute kommen sollen , in stärkerem Masse eine koordinierte Unterrichtung
 ---pagebreak---                                      - 18 -
     und Beratung zuteil werden muss . Je mehr Ausbildungs– und Arbeit serfahrungs–
     pläne auf Ebene der lokalen Gemeinwesen durch die Mobilisierung der Ressour­
     cen der einzelnen Arbeitgeber , der lokalen Regierung und der privaten Ein­
     richtungen entwickelt werden , desto notwendiger wird es auch , besondere Koor­
     dinierungsstellen auf lokaler Ebene vorzusehen , die als Konzentrations-
     punkt und Katalysator für all diejenigen dienen können , die den Jugendlichen
     Leistungen anbieten .   Wenig Aufmerksamkeit wurde bisher den Arten von Quali­
     fikationen und Erfahrungen gewidmet ^ie das Fachpersonal braucht , das sich
     mit dieser neuen Form der lokalen Betreuung und Koordinierung befasst , da
     dieses entscheidend für den Erfolg aller Versuche    ist , die soziale Garantie
     voll wirksam werden zu lassen .   Die Regelungen für die verwaltungsmässige
     lind finanzielle Erfassbarkeit der Ausbildungs–
     Politik für Jugendliche wird auch überprüft werden müssen , um die kollektive
     Verpflichtung der auf lokaler Ebene Tätigen herbeizuführen , die Möglichkei­
     ten der Ausbildung und Arbeitserfahrung für Jugendliche im Rahmen der auf
     Landesebene festgelegten grossen Leitlinien zu erweitern . Obwohl die Einzelre-
     gelungen je nach Ortschaft verschieden sein können , und zwar mit Rücksicht
     auf die besonderen Traditionen und vorhandenen Strukturen , wäre es nützlich ,
     die komparative Erfahrung der Mitgliedstaaten im Bereich der verwaltungsmässigen
     Erneuerung auf lokaler Ebene in den nächsten fünf Jahren zu prüfen und zu
     beurteilen .
32 . Der soziale und materielle Status der Jugendlichen
     Da die soziale und berufliche Vorbereitung ein automatisches Recht für
     Schulabgänger wird und nicht nur ein letzter Ausweg für diejenigen , die
     keine Arbeit finden , wird es immer notwendiger , den sozialen und materiellen
     Status der Jugendlichen im Lichte    der Trends im Angebot für Jugendliche zu
     überprüfen , die andere Arten der Ausbildung durchlaufen , ob als Lehrlinge
     oder im eher allgemeinbildenden Bereich . Die Jugendlichen sollten ermutigt
     werden , ihre Wahl zwischen verschieden Ausbildungsarten auf der Grundlage
      des Ausbildungsinhaltes und seiner Relevenz für ihre Interessen und Tätig­
      keiten zu treffen , und sich nicht von den relativen materiellen Vorteile
      oder dem Prestige beeinflussen lassen , die gemeinhin mit bestimmten Arten
      von Ausbildung verbunden werden . Eingehend geprüft werden muss deshalb die
      Möglichkeit , ob in jedem Mitgliedstaat ein vergleichbarer Status für die­
      jenigen Jugendlichen geschaffen werden soll , im Prinzip handelt es sich
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     dabei um die grosse Mehrheit innerhalb der Altersgruppe , die sich
     dafür entscheiden , den Unterrichtsbesuch und die Vorbereitung auf
     das Arbeitsleben nach Ende der Schulpflicht mit eingeschobenen
     Zeiträumen der Vollzeitbeschäftigung fortzusetzen .     Eine integrierte
     Strategie konnte auf dem Konzept einer Übergangszeit beruhen , in
     der die Jugendlichen schrittweise an die Rechte und Verantwortlich­
     keiten des Erwachsenenlebens herangeführt werden .
33 . Der genaue soziale und materielle Status der Jugendlichen wird in
     den nächsten fünf Jahren schrittweise definiert werden müssen ,
     wobei je nach Mitgliedstaat in Anbetracht seiner Sozialversiche-
     rungssysteme unterschiedliche Formeln vorzusehen sind .     Insbesondere
     muss die Wirkung dieser Regelungen auf die Einstellungspraxis der
     Arbeitgeber - was Jugendliche angeht – stärker berücksichtigt werden .
     Dies wird die kollektive Verpflichtung erfordern , zu prüfen , wie die
     Mittel der verschiedenen Haushaltsposten ( z.B. Arbeitslosenunter­
     stützung ) umverteilt werden können , tun eine Reihe Einkommentransfers
     möglich zu machen , die dem politischen Ziel entsprechen , den Jugend­
     lichen einen grösseren Anreiz zu bieten , die Ausbildungsmöglichkeiten
     wahrzunehmen .    Die Mitgliedstaaten könnten die Ressourcen umdiri gieren ,
     um längerfristige Ziele auf einer gerechteren Grundlage zu erreichen ,
     wenn sie sich in diese Richtung bewegen wollen .
34 » Zu ergreifende Massnahmen
     a ) Die Kommission schlägt die schrittweise Ausweitung und Verbesserung
           der Ausbildungsmöglichkeiten in den Mitgliedstaaten vor , damit
           den Jugendlichen eine soziale Garantie gegeben werden kann .
           Nach Ansicht der Kommission kommt dem Europäischen Sozialfonds
           eine besondere Verantwortung dabei zu , entsprechende Entwick­
           lungen zu fördern ( l ).
      ( l ) Vgl . die Stellungnahme der Kommission zur Revision des
             Europäischen Sozialfonds (K0M(22 ) 485 final
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b ) Die obigen Leitlinien , vor allem die in Ziffer 25 bis 29 , werden von
    der Kommission als Bezugsrahmen betrachtet , wenn sie die Prioritäten
    einer Gemeinschaftsbeteiligung    zur Unterstützung der Massnahmen fest­
    legt , mit denen die Berufsbildung Jugendlicher verbessert und erweitert
    wird . Schätzungen über den Mangel an einschlägigen Ausbildungsangeboten
    werden regelmässig von allen Mitgliedstaaten verlangt und werden bei
    der Aufstellung von Plänen und Leitlinien für die Unterstützung seitens
    der Gemeinschaft berücksichtigt .
c ) Um imaginative Lösungen bei der Konzipierung von Programmen für Jugendliche
    zu fördern , schlägt die Kommission die Erweiterung ihrer Modellvorhaben
    für die alternierende Ausbildung vor , damit es gemeinschaftsweit syste­
    matisch möglich wird , in den nächsten fünf Jahren aus den Erfahrungen
    der anderen zu lernen .   Diese Vorhaben sollen sich insbesondere auf
    folgende prioritäre Aspekte des gemeinsamen Anliegens konzentrieren :
    – Die Ausweitung der Beratungs– und Unterstützungssysteme , um einen stän­
      digen Kontakt mit den beteiligten Jugendlichen herzustellen , einen
      Anreiz für ein koordiniertes und aktives Informationsangebot zu bieten
      und eine Beratung über Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten , insbe­
      sondere auf lokaler Ebene , durchzuführen ;
    - Die bereichsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Lehrern , Beratern und
      sonstigen öffentlichen und privaten Einrichtungen , die sich mit Jugend-
      fragen auf lokaler/regionaler Ebene befassen , um die Skala der Optionen
      für Jugendliche zu erweitern ;
    - Ausbildung der Ausbilder ,die an der Neukonz ipierung der Programme be­
      teiligt sind und die Lehrer und sonstiges Fachpersonel auf diese neuen
      Aufgaben vorbereiten ;
    – des Konzipieren von Beurteilungsystemen für diese auf Ausbildungsmodulen
       beruhenden Programme , die mit dem globalen Zeugni « System gekoppelt wer­
       den können und damit als Basis für die Aufnahme der Beschäftigung und
       Weiterbildung , anerkannt werden .
d ) Um Unterstützung beim Aufbau der in Ziffer 25 erwähnten Lehr–/Pr«duk–
    tionswerkstätten zu leisten , schlägt die Kommission eine zweite Gruppe
    von Vorhaben vor , die als Bezugspunkte innerhalb der Mitgliedstaaten
    ixnd für die vergleichende Evaluierung auf Gemeinschaftsebene dienen
     sollten .  Besondere Aufmerksamkeit sollten den Ausbildungs– und Führungs-
     qualifikationen sowie der Kompetenz des an diesen Projekten beteiligten
 ---pagebreak---                             %
                                 - 21 -
     Personals gewidmet werden , um einen praktischen Leitfaden für die Ausbildung
     der Ausbilder zu erstellen .
 e ) Nach Ansicht der Kommission sollten die schrittweise Verwirklichung der
      sozialen Garantie und insbesondere die Auswirkungen für neue Verwaltungs–
     und Koordinierungsregelungen auf lokaler Ebene ( siehe Ziffer 30 ) ständig
     auf Gemeinschaftsebene uberwacht werden . Zu diesem Zweck schlägt die Kom­
      mission vor , dass ab 1984 die Mit /Gliedstaaten aufgefordert werden , eine
      bestimmte Region oder Ortschaft zu bezeichnen , auf die sich die Kommission
      konzentrieren sollte und für die sie die fachliche Beratung einer externen
      Evaluierungseinheit anbieten sollte .   Uber die Portschritte bei der Ver­
      wirklichung der in Ziffer 23 bis 29 genannten Ziele sollten die Mitglieds­
      staaten und Kommission gemeinsam einen Bericht erstellen , der im Hinblick
      auf die Mittelzuweisung auch eine Veranschlagung des weiteren Bedarfs
      enthält . Besondere Aufmerksamkeit sollte der Beteiligung junger Frauen
      am schrittweisen Ausbau der Kapazität der Ausbildungssysteme in den Mit–
      gliedstaaten , um alle Jugendlichen zu erfassen , gewidmet werden .
f ) Um die Vergleichbarkeit der Qualifikationen verbessern zu helfen , besteht
    nach Ansicht der Kommission Raum für eine Rahmenpolitik , die die Mitglied­
     staaten vereinbaren können und die Regelungen für bestimmte Qualifikation–
    gruppen ermöglichen kann . Entsprechende       Vorschläge werden 1983 vorgelegt .
g ) Die Kommission schlägt vor , für Ausbildungsfachleute ein fünfjähriges
    Programm für Austauschaufenthalte aufzustellen, das auf den 1981 und
    1982 gesammelten Erfahrungen mit den Massnahmen für die an den neuen
    Programmen der alternierenden     Ausbildung Beteiligten beruht .  Dieses
    Programm sollte durch die Weiterentwicklung der vergleichenden Dokumen­
    tation über Ausbildungssyteme und Neuerungen in den Mit gliedstaaten
     gestützt werden .
 ---pagebreak---                                              - 22 -
B. AUSBILDUNG UND CHANCENGLEICHHEIT
   35 . Die Wirtschaftsrezession hat die meisten Mitgliedstaaten veranlasst , ihre Bemü­
        hungen zur Diversifizierung und Ausweitung des "bestehenden Ausbildungsangebots
         zu verstärken , um den gefährdetsten Gruppen zu helfen . Der unterschiedliche
        Ausbildungsbedarf der verschiedenen Gruppen muss im Rahmen einer Globalstra-
        tegie ge de dct werden , mit der neue Formen der Differenzierung am Arbeitsmarkt
        verhindert werden »     Die auf diese Gruppen zugeschnittenen Ausbildungsprogram-
        me sollten mit weiterreichenden sozialpolitischen Massnahmen in den Mitglied­
        staaten und auf Gemeinschaftsebene koordiniert werden , um ihre soziale und
        wirtschaftliche Integration zu erleichtern .     Daher wird zum Beispiel für
        Behinderte von der Kommission ein Sonderbericht Uber die Ausbildung im Rah­
        men der Durchführung des vor kurzem genehmigten Aktionsprogramms ( l ) erstellt .
        Was die Wanderarbeitnehmer betrifft , so werden die Ausbildungserfordernisse
        in einem Bericht aufgeführt , den die Kommission im Rahmen des ersten Aktions-
        programms der Gemeinschaft zugunsten der Wanderarbeitnehmer und ihrer Familien­
        angehörigen ( 2 ) ausarbeitet ,
   36 , In dieser Mitteilung hat sich die Kommission auf zwei prioritöre Hauptbereiche
        konzentriert : erstens müssen energisch die Bemühungen fortgesetzt werden , um
        die Grundkenntnisse einer grossen Zahl Erwachsener zu verbessern , die nicht
        lesen , schreiben oder andere grundlegende Verrichtungen ausführen können , die
        für das Erwachsenen– und Arbeitsleben nötig sind ; zweitens handelt es sich
        um den besonderen Ausbildungsbedarf der Frauen , der natürlich in anderen Teilen
        dieser Mitteilung geprüft wird , insbesondere im Rahmen der Massnahmen fUr
        Jugendliche ,
   37 » Grundfertigkeiten für alle Erwachsenen
        Die Arbeitslosigkeit hat wachsende Aufmerksamkeit auf die ganz grundlegenden
        Schwieri gkeiten vieler Erwachsenen gelenkt , die die Schule nicht nur
        ( 1 ) ABL . Nr . C 347 vom 31.12.1981
        ( 2 ) Bull . EG 3-76
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     ohne 'berufliche Qualifikationen verlassen haben , sondern die auch nicht
     lesen, schreiten oder die einfachsten Rechenaufgaben lösen können .
     Aufgrund dieser Schwierigkeiten sind sie nicht fähig, mit dem immer
     komplizierteren und umfangreicheren Schriftmaterial im Zusammenhang
     mit der Beschäftigung und den meisten anderen Aspekten ihres Lehens
     fertig zu werden .     Während die Menschen die Schule mit keinen schlech­
     teren (und vielleicht "besseren) Kenntnissen in Lesen und Schreiben ver­
     lassen mögen , sind die Anforderungen an sie so gestiegen, dass die Zahl
     der Erwachsenen , die praktisch Analphabeten sind, durchaus zunehmen
     kannte •
38. Mit dem alarmierenden Anstieg der langfristigen Arbeitslosigkeit kommt
     eine neue Gefahr auf : Diejenigen , die es in besseren Zeiten geschafft
     haben mögen, werden ihr Selbstvertrauen und ihre Motivation verlieren ,
     die so notwendig sind, um die Grundkenntnisse zu erwerben, die fllr eine
     effektive Beteiligung am wirtschaftlichen und sozialen Leben unerläss­
     lich sind .     Der Kreislauf der Deprivation und das Analphabetentum unter
     den Langzeitarbeitslosen wurden bereits in dem Schlussbericht der Kom­
     mission über das Aktionsprogramm zur Bekämpfung der Armut       ( l ) beschrie­
     ben .    Das Europäische Parlament hat ebenfalls kürzlich Sonde massnahmen
     auf gemeinschaftsweiter Basis zur Bekfimpfung des Analphabetentums gefor­
     dert ( 2 ).
39 * Äs Pehlen von Grundfertigkeiten ist ein grosses Handicap im Erwachsenen-
     leben und ein ernstzunehmendes Hindernis für den Zugang zu Arbeit und
     Weiterbildung.      Analphabetentum versperrt praktisch den Weg in die Berufs­
     bildung und damit zum grSssten Teil der qualifizierten Arbeit . Die Ausbil­
     dung in den Grundferti gkeiten sollte als erste Priorität anerkannt werden
     und als eine der wichtigsten Tätigkeiten betrachtet werden , die        mit der
     Ausbildung und Umschulung vieler älterer Arbeitnehmer zu verbinden Bind .
     Einige Neuansätze zur Ausbildung von Erwachsenen mit unzureichenden Quali­
     fikationen wurden bereits mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds
     erarbeitet ,     Massive Bemühungen sind jedoch noch erforderlich , um die
     Mängel zu beseitigen , die diese Erwachsenen zu einer unaufhaltsamen De-
     privation verurteilen .
40 . Die Kommission ist hierzu auch der Ansicht , dass Multimediasysteme in
     Verbindung mit dem Potential der neuen Infonnationstechnologien voll zu
     nutzen sind, um speziell zur Deckung dieses Bedarfs Aufhol– und Schnell­
      ( 1 ) K0M(8l ) 769 endg. vom I5.i2.i98l
      ( 2) ABL. Nr. C 149 vom 14.7.1982
 ---pagebreak---                                    - 24 -
     kurse sowie das entsprechende Material zu konzipieren .     Die Weitergabe
     des landesweiten Angebots durch Rundfunk an die lokalen Einrichtungen
     ( öffentliche und private ), die in ihren eigenen Gemeinwesen tätig sind ,
     schafft erheblichen Raum für die Erzielung erfolgversprechender Ergeb­
     nisse .    Das Fernstudium und andere Versuche , die die Möglichkeit des
     Heimstudiums mit lokaler Unterstützung durch Tutoren und andere soziale
     Dienste sowie Ausbildungspersonal kombinieren , müssen weiter gefordert
     werden .    Beratungsspezialisten , die oft die in Schwierigkeiten befind­
     lichen Erwachsenen nicht erreichen Können , sind ebenfalls fest in diese
     Programme zwecks kontinuierlicher Beratung einzubeziehen . In Anbetracht
     der schwierigen Probleme im Kontakt zwischen den Zielgruppen und den
     Ausbildungsdiensten müssen Ausbildungsressourcen auf die flexibelste
     Weise auf lokaler Ebene eingesetzt werden , wo der spezifische Bedarf
     und die angemessenen Mittel zu seiner Deckung am besten festgestellt
     werden können .
41 . Zu ergreifende Massnahmen
     Die Kommission schlägt vor , dass die Mitgliedstaaten kräftige Anstrengungen
     unternehmen , um die Zahl der Massnahmen zu erweitern , die notwendig sind ,
     um die Grundferti gkeiten der Erwachsenen zu verbessern , ihre Fähigkeit ,
     die berufliche Bildung zu nutzen , zu stärken und somit eine lohnendere
     Beschäftigung zu finden .    Um die Entwicklung einschlägiger neuer Ini­
     tiativen durch die Mitgliedstaaten zu unterstützen und den auf den der­
     zeitigen Tätigkeiten des Europäischen Sozialfonds basierenden Erfahrungs­
     austausch fortzusetzen , schlägt die Kommission vor, dass mit besonderer
     Bezugnahme auf die Schwierigkeiten der Langzeitarbeitslosen Modellvor-
     haben geplant werden .    Voll und ganz berücksichtigt werden auch die
     Möglichkeiten für die Zusammenarbeit mit den Rundfunkanstalten der Mit–
     gliedstaaten , und zwar sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene ,
     von denen bereits viele Bildungsprogramme zur Verbesserung der Grund­
     kenntnisse entwickelt haben oder gerade aktiv entwickeln .     Die Kommis­
     sion schlagt ferner vor , dass diejenigen , die diese Pläne konzipieren ,
     Gelegenheit haben sollten , Erfahrungen auszutauschen . Die ständige
     •«
     Überwachung der Fortschritte , die die Mitgliedstaaten erzielen , wird
     ebenso wichtig sein wie eine vergleichende Evaluierung gezielter Vorhaben ,
     die auf Gemeinschaftsebene unterstützt werden .
42 . Die Ausbildung der Frauen
     Dadurch , dass der Rat am 27 » Mai 1982 ein neues Aktionsprogramm der Gemein­
     schaft zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen ( l ) verabschiedet hat ,
     ( 1 ) ABL . Nr. C 186 vom 21.7.1982
 ---pagebreak---                                       - 25 -
      haben die gemeinsamen Anstrengungen in diesem Bereich einen neuen Impuls
      erhalten .     Soweit der uneingeschränkte Zugang zu und die Teilnahme an
      der Berufsbildung betroffen sind , werden diese Massnahmen von der Kommis­
      sion ausgearbeitet , im die 1976 verabschiedete Richtlinie über den
      gleichen Zugang zur Beschäftigung, zur Berufsau sbildung und zum beruf­
      lichen Aufstieg sowie die gleichen Arbeitsbedingungen ( l ) zu ergänzen .
43 . Der besonder Bedarf der Frauen wird auch in den laufenden Arbeiten der
     Kommission im Zusammenhang mit der Ausbildung infolge der Einführung
     neuer Informationstechnologien ( 2 ) entsprechend berücksichtigt .    Hier
     wird die Kommission besondere Aufmerksamkeit der Notwendigkeit widmen ,
     die Eingliederung der Frauen in den neuen Bereichen , die von den neuen
     Technologien erschlossen werden , zu fördern .     Ebenso wird sie sich mit
     der Umschulung derjenigen befassen , deren Arbeitsplätze durch die Ein­
      führung neuer Technologien bedroht sind .     Ständige Beachtung muss auch
     die technische Vorbildung finden , die notwendig ist , damit Frauen
     auf gleicher Basis von der mit der Einführung der neuen Technologien
     verbundenen Ausbildung profitieren können .
44» Es muss anerkannt werden , dass trotz des hohen Anteils junger Frauen an
     den Arbeitslosen und Ungelernten und trotz erheblicher Bemühungen , ihnen
     eine berufliche Vorbereitung und Bildung zu vermitteln , bei der Konzi­
     pierung neuer auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Kurse nur geringe und
     enttäuschende Fortschritte erzielt wurden . Die überwiegende Mehrheit
     der Kurse für junge Frauen sind meist noch darauf abgestellt , sie in
     traditionellen Frauenberufen auszubilden , die oft schlecht bezahlt sind
     und ein geringes Ansehen geniessen .
45* Die Ausbildung kann dazu beitragen , die traditionelle Konzentration von
     Frauen in bestimmten Sektoren zu beseitigen , die am risikoreichsten sind
     und nur geringe Ausbildung erfordern , und auch dazu , die schwache Betei­
     ligung von Frauen an der Ausbildung für Facharbeiterberufe , insbesondere
     für diejenigen mit hohen technologischen Qualifikationen , zu korrigieren .
     Es müssen Schritte unternommen werden , um die Arten der Ausbildung, die
     Frauen durchlaufen , zu diversifizieren , wenn sie in der Lage sein sollen ,
     sich den Zugang zu denjenigen Beschäftigungsbereichen zu sichern , in denen
     sie traditionellermassen unterrepräsentiert sind .      Besondere Aufmerksam­
     keit ist der Förderung und Unterstützung unternehmerischer Initiativen
     seitens der Frauen zu widmen , vor allem auf lokaler Ebene .
46 . Auchist besondere Aufmerksamkeit dem Angebot geeigneter Ausbildungsmöglich­
     keiten für Frauen zu widmen , die zu bestimmten Zeiten ihres Lebens
     ( 1 ) ABL . Nr . L 39 vom 14.1.1932
     ( 2 ) KOM ( 82 ) 296 vom 3.6.1982
 ---pagebreak---                                   - 26 -
     eine Ausbildung auf Teilzeitbasis wollen , einschliesslich Frauen , die ihre
     "berufliche Tätigkeit unterbrochen haben oder die ihre Qualifikationen wäh­
      rend der Zeit , in der sie vorübergehend zu arbeiten aufgehört haben, ver­
     bessern möchten. In den letzten fünf Jahren wurden in einigen Mitglied­
      staaten Modell-Ausbildungsmassnahmen durchgeführt , die fortgesetzt und
     intensiviert werden sollten «
47« Die nunmehr abgeschlossenen Forschungsarbeiten haben auch dazu beigetragen,
     den Blick der Regierungen und Sozialpartner für innovative Ausbildungsmass-
     nahmen zugunsten der Frauen zu schärfen. Diese Arbeit muss jedoch weiter
     ausgebaut werden, und die Kommission beabsichtigt , ihr eigenes Arbeits­
     programm zu intensivieren , um eine hilfreiche Dokumentation zusammenzu­
     stellen und Erfahrungen zu sammeln als Grundlage für die Förderung der
     notwendigen Erörterungen auf allen Ebenen, insbesondere auf der Ebene der
     politischen Entscheidungsträger, die schrittweise nicht nur zu geeigneteren
     Ausbildungsmöglichkeiten, sondern auch zu einem Wandel in der Einstellung
     der Bevölkerung im allgemeinen führen können .
 48 . Eine grössere Diversifizierung des Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen
       ist wichtig , um nach und nach die traditionelle Vorstellung zu beseitigen ,
       dass bestimmte Berufe ausschliesslich für Männer gedacht sind , und damit
       Frauen ihr eigenes Leben je nach ihren eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen
       gestalten können . In dieser Hinsicht muss in den Mitgliedstaaten die Er­
       ziehung der Eltern unterstützt werden , insbesondere in sozial benachtei­
       ligten Gruppen , wo die Mädchen zweifach benachteiligt sind, und in den
       Gruppen , in denen die Ausbildung stark von der Tradition bestimmt wird
       (z.B. Familien in ländlichen Gemeinwesen und Ausländerfamilien ).
49. Zu ergreifende Massnahmen
      (a ) Ohne die Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Durchführung der
           Richtlinie über gleichen Zugang zur Beschäftigung, zur Berufsbildung
           und zum beruflichen Aufstieg sowie über gleiche Arbeitsbedingungen
           schmälern zu wollen , muss nach Ansicht der Kommission unbedingt die
           Weiterentwicklung aktiver Programme zur beruflichen Bildung der Frauen
           nach Artikel 2 ( 4) der Richtlinie unterstützt werden . Die Kommission
           schlägt daher vor, dass aufbauend auf die Erfahrung des Europäischen
           Sozialfonds von den Mitgliedstaaten substantielle Investitionen in
 ---pagebreak---      Ausbildungsprogramme fttr Frauen vorgenommen werden, die zu einem
     Wandel der Einstellungen und Erwartungen auf mittlere und längere
     Sicht "beitragen kennen .
("b) Zusätzlich zu der gesamten Skala von Massnahmen zur Ausbildung von
     Frauen in Berufen , in denen sie traditionell unterrepräsentiert sind -
     Massnahmen die immer mehr in die globalen Ausbildungsregelungen der Mit­
     gliedstaaten eingegliedert werden sollten–, schlägt die Kommission vor,
     innovative Vorhaben im kleinen Massstab zu unterstützen , die insbeson­
     dere dazu gedacht sind, stärkeren Einblick in die Art und Weise zu
     vermitteln , wie die Ausbildung auf lokaler Ebene organisatorisch auf
     bestimmte Gruppen von Frauen , z.B. auf diejenigen, die an das Haus
     gebunden oder isoliert in ländlichen Gebieten leben , abgestellt
     werden kann,
( c) Nach Ansicht der Kommission sollten alle Möglichkeiten genutzt werden,
     um die Ergebnisse der verschiedenen Versuche möglichst weit zu verbrei­
     ten und Informationen über beispielhafte erfolgversprechende Massnahmen
     weiterzugeben . Dieses Material kann bei der Ausbildung der Ausbilder
     und Berater herangezogen werden , damit sie dem spezifischen und beruf­
     lichen Bedarf der Frauen besser gerecht werden Können.   Daher schlägt
     die Kommission vor, den einschlägigen Information®- und Erfahrungsaus­
     tausch zu verstärken .
 ---pagebreak---                             - 28 -
C. KONZIPIERUNG UND ORGANISATION DER AUSBILDUNG AUF LOKALER UND REGIONALER
   EBENE
   50 . Das Konzept einer integrierten Entwicklungskonzeption für die regionale
        und lokale Ebene , einschliesslich der Ausbildungsdimension , gewinnt in der
         gesamten Gemeinschaft rasch an Boden .  Ausserdem war in den letzten Jahren
         in einigen Mitgliedstaaten ein ausgeprägter Trend festzustellen , die Be­
         rufsbildung auf die regionale Entscheidungsebene zu dezentralisieren , so
         dass sie dem Bedarf räumlich näherrückt . Dieser Trend , der allerdings
        nicht allen Mitgliedstaaten gemeinsam ist , muss parallel zu dem wachsenden
        Bemühen laufen , die Ausbildungspolitik mit der weiteren sozialen und wirt­
         schaftlichen Strategie zur Neubelebung benachteiligter Regionen zu ver­
        knüpfen . Da im allgemeinen jedoch die Bildungs-, Ausbildungs-, Beschäftigungs-
        und Wirtschaftsstrukturen immer noch eher getrennt gestaltet werden , ins­
        besondere auf nationaler Ebenen , bleibt die effektive Durchführung inte­
        grierter Massnahmen in den meisten Fällen weitgehend Theorie .
  51 . Mit zunehmender Verschlechterung der Beschäftigungslage haben sich die
       Mitgliedstaaten immer mehr bemüht , Mittel und Wege zu finden , um die
       kreative Energie derjenigen freizusetzen und zu unterstützen , die in
       ihren Wohnorten zur sozialen -und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen
       wollen . Einige Mitgliedstaaten haben schon verschiedenartige Ausbildungs-
       maßnahmen auf lokaler und regionaler Ebene gefördert , die dazu gedacht
       sind , die Entstehung neuer wirtschaftlicher Tätigkeiten zu stimulieren ,
       vor allem durch die Mobilisierung des lokalen Wirtschaftspotentials . Zum
       Beispiel konnte mit den Maßnahmen des Europäischen Sozialfonds zur
       " entwicklungsorientierten Ausbildung" gezeigt werden , daß derartige
       Ausbildungsmaßnahmen meist auf die Tätigkeit spezieller Berater zurück­
       zuführen sind , die als " Entwicklungsberater"   lokale Maßnahmen zur För­
       derung der Arbeit splatzschaffung in kleinem Maßstab betreuen , koordi­
       nieren und unterstützen .
  52 . Die Tätigkeit dieser Entwicklungs berat er fällt zwischen die traditio­
       nellen Verantwortungsbereiche der Ausbildungs- und Arbeitsmarktbehörden .
       Sie dürfte in Zukunft immer wichtiger werden und immer weiter in die
       Verantwortungsbereiche der Berufsberater und der Bediensteten der lo­
       kalen Arbeitsverwaltungen hineinragen . Die Anforderungen an die Ausbil­
       dung dieser Bediensteten werden überprüft werden müssen , um das
 ---pagebreak---                                     - 29 -
     Vorhandensein einiger gemeinsamer Elemente zu sichern , so daß sie unge­
     achtet ihres Dienstortes auf Teamarbeit vorbereitet werden können , um
     denjenigen zu helfen , die der Hilfe bedürfen , und auch denjenigen , die
     ein der Einführung von Arbeitsplatzbeschaffungsregelungen beteiligt sind .
     Eine berufsübergreifende Ausbildung könnte auch vermeiden helfen , daß
     sich überschneidende , kostspielige oder sogar kollidierende Beratungs-
     systeme entstehen ; durch eine derartige Entwicklung könnte auch eine
     gewisse Mobilität und Wechselwirkung zwischen Bildungs-, Ausbildungs-
     und Arbeitsverwaltungen gefördert werden , ohne daß die Aufstiegs- und
     Laufbahnaussichten der beteiligten Spezialisten gefährdet werden .
     Ebenso müssen die Mitgliedstaaten gewährleisten , daß die Ausbilder
     derart gerüstet sind , daß sie diese Neuentwicklungen berücksichtigen
     können und sich aller Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahmen und Qualifi-
     kationsänderungen bewußt sind sowie direkte Erfahrungen mit berufs-
     übergreifenden Entwicklungen haben , die das an ihren Ausbildungspro-
     grammen beteiligte Fachpersonal berühren .
53 . Je mehr die Nachfrage nach lokalen Beschäftigungsinitiativen zunimmt ,
     desto notwendiger wird es sein , ein Ausbildungssystem zu konzipieren ,
     das die notwendige Unterstützung liefern kann . Im Rahmen dieser lokalen
     Initiativen besteht auch die einzigartige Gelegenheit , Ausbildung und
     Arbeitsplatzbeschaffung zu verknüpfen und somit dem derzeitigen Dilemma
     entgegenzuwirken , daß ein hoher Prozentsatz von Teilnehmern an befriste­
     ten Ausbildungsprogrammen nach der Ausbildung keinen Arbeitsplatz findet .
     Dies führt wiederum zu der Frage der Mittelzuweisung aus den Budgets der
     Mitgliedstaaten für Berufsbildung und Arbeitsplatzschaffung ? außerdem ist
     es wichtig, diese Mittel dorthin zu lenken , wo sie innerhalb einer Global-
     strategie die größte Wirkung erzielen können . Durch die Förderung lokaler
     Beschäftigungsinitiativen können Weiterbildungs– und Hochschuleinrichtungen –
     insbesondere Wirtschaftsfachschulen , Abteilungen für Design und Technologie -
     eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung einer Ausbildving für unternehmerische
     Initiativen - als Teil einer Strategie der ständigen Bildung - spielen und so
     die Fähigkeit der einzelnen – insbesondere der Führungskräfte – verstärken ,
     neue Unternehmen zu errichten . Durch das Angebot von Ausbildung und sonstigen
     Leistungen ( z.B. Pro jektberatung, Markt erhebungen, Produkt gestaltung/-bewertur
     könnten diese Einrichtungen einen entscheidenden Beitrag zur Stärkung der
     Wirtschaftsinfrastruktur und zu einer wachsenden Zusammenarbeit zwischen
     Ausbildungs– und Arbeitsmarktbehörden leisten .
 ---pagebreak---                                      - 30 -
  54 » An vielen dieser lokalen Initiativen sind relativ wenig Personen betei­
        ligt . Diese Gruppen benötigen Beratung und Ausbildung auf den verschie­
       denen Stufen des Anlaufens und der Konsolidierung ihrer Vorhaben . Die
       Unterstützung ist auf ihre spezifischen Ziele zuzuschneiden ) dies er­
       fordert einen neuen Inhalt der Ausbildung, die zur rechten Stelle zur
       rechten Zeit durch speziell konzipierte neue Ausbildungs strukturen zu
       vermitteln ist , die die Qualität des vorhandenen Ausbildungsangebots
       verbessern . Die traditionellen Ausbildungssysteme sind nicht dergestalt ,
       daß sie eine Leistung erbringen , die dem spezifischen Bedarf von Initia­
       tiven an der Basis gerecht wird. Diese Diskrepanz zwischen Ausbildungs-
       bedarf und Ausbildungsangebot verstärkt sich in ländlichen Gebieten ,
       insbesondere in denen mit ruckläufiger Entwicklung, wo oft ein zusätz­
       liches Problem darin besteht , daß die Ausbildungseinrichtungen in weiter
       Entfernung von den Gemeinwesen liegen , in denen neue Initiativen entstehen .
55 . Besonders sorgfältig zu prüfen ist auch die Frage der Umschulung und Auf­
     frischung innerhalb von Kleinbetrieben , insbesondere in denjenigen , in denen
     eine angemessene Reaktion auf die Schliessungj Neufinanzierungs– und Neu–
     strukturierungsmassnahmen , die auch zu einer Erweiterung der Beteiligung
     an der Geschäft sführung und an deren Kontrolle führen können , sowie die Ein­
     führung neuer Produkte oder Dienstleistungen umfasst .   Aus auf Gemeinschafts–
     ebene und in einigen Mitgliedstaaten durchgeführten Forschungsarbeiten er­
     gibt sich der Ausbildungsbedarf derjenigen , die an der Errichtung einer Ge­
     nossenschaft interessiert sind oder die schon in einer Genossenschaft arbei­
     ten : Die Ausbildung sollte während der Vorbereitungsphase und während der
     operationeilen Phase angeboten werden mit einem Ausbildungsinhalt wie be­
     rufliche Qualifikationen , Finanzierung , Marketing und Management .  Bei der
     Aufstellung von Ausbildungsprogrammen sollten besondere Vorkehrungen für
     den Bedarf einzelner Zielgruppen , insbesondere der Frauen , getroffen werden ;
     die Beteiligung anderer Risikogruppen wie Anderarbeitnehmer und Behinderte
     sollte auch gründlich bedacht werden .
 56 . Diese lokalen Initiativen sind auch ein nützlicher Rahmen , in dem die
      Probleme geprüft werden können , vor denen immer mehr erwachsene Arbeit­
      nehmer mitten in ihrer Laufbahn oder gegen Ende ihres Berufslebens stehen }
 ---pagebreak---                                       - 31 -
          sie mußten wegen der rückläufigen Beschäftigung entlassen werden , ins­
         besondere in Sektoren wie Stahl , Schiffbau, Kraftfahrzeugbau, Textil
         und Bekleidung . Der persönliche Schock der Arbeit slosigkeit sowie die
         wirtschaftlichen und psychologischen Auswirkungen auf ihre Familien
         erschweren es oft diesen älteren Arbeitnehmern noch weiter , ihren Be­
         darf mit effektiven Umschulungsmöglichkeiten in Einklang zu bringen,
         die zu sinnvollen neuen Aufgaben im lokalen Gemeinwesen wie auch zur
         Eröffnung neuer Berufsmöglichkeiten führen können . Der Inhalt und die
         pädagogischen Methoden der traditionellen Ausbildungsprogramme sind im
         allgemeinen für diese Zwecke nicht geeignet , und es dürfte unter den
         Ausbildern große Unsicherheit hinsichtlich der Arten der Umschulung
         herrschen , die anzubieten ist , um dem sozialen und wirtschaftlichen
         Bedarf dieser Erwachsenen wirklich zu entsprechen . In der gesamten Ge­
         meinschaft sind unablässige Anstrengungen notwendig, tun den Erfahrungs-
         schatz dieser älteren Arbeitnehmer zu erhalten und sie mit einer ange­
         messenen Umschulung in -die Lage zu versetzen , neue Beschäftigungsmög­
         lichkeiten zu finden . Diese Dimension der Ausbildungsprogramme sollte
         energisch gefördert werden , und auf Gemeinschaftsebene sollten syste­
         matisch Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden , um erfolg­
         versprechenden Initiativen weitere Impulse zu geben .
    57 * Die ständige Anleitung und Beratung wird in den Mitgliedstaaten weithin
         als eine wesentliche Leistung anerkannt , die während der verschiedenen
         Lebensabschnitte sowohl in Verbindung mit der allgemeinen Bildung als
         auch mit der Beschäftigung beanspruchbar sein sollte . Die Aufgaben der
         Beratungssysteme wurden in den letzten Jahren wegen der anhaltenden Un-
         gewißheit am Arbeitsmarkt komplexer und anspruchsvoller . In den Mitglied­
         staaten gibt es verschiedene Strukturen für die Zusammenarbeit und die
         Zuständigkeitsverteilung sowie die Finanzierung der Beratung; beteiligt
         sind normalerweise die Bildungs- und Arbeitsministerien auf landesweiter
         Ebene ebenso wie lokale und regionale Behörden . Ungeachtet dieser Struk–
         turunt erschiede zwischen den Mitgliedstaaten liegt es jedoch auf der
         Hand, daß der Beratung und Unterstützung von Arbeitnehmern , die sich
         den Problemen des Wandels und des Übergangs gegenübersehen , und ins­
         besondere der auf das Rentenalter zugehenden Arbeitnehmer nicht genü­
         gend Aufmerksamkeit gewidmet wurde .
(3)
 ---pagebreak---                                     - 32 -
58 . Abgesehen von den verschiedenen Verbesserungen , die in dieser Mitteilung
     für die Ausbildungsregelungen vorgeschlagen werden , wird es notwendig
     sein , weitere Schritte zu unternehmen , um die Hindernisse für die Teil­
     nahme einzelner Arbeitnehmer an Ausbildungsmaßnahmen zu beseitigen und
     das Volumen der Ausbildung , die derzeit von der Erwerbsbevölkerung ins­
     gesamt durchlaufen wird , zu steigern . In den letzten zehn Jahren wurden
     in einigen Mitgliedstaaten Fortschritte mit Regelungen für einen bezahl­
     ten Urlaub zwecks Teilnahme an Ausbildungsprogrammen erzielt . Bisher
     gibt es jedoch wenige Beweise dafür , daß der Ausbau dieser Systeme im
     Rahmen der Politik zur Neugestaltung der Arbeitszeit angemessen berück­
     sichtigt wurde . Die Notwendigkeit konvergierender Politiken und gemein­
     samer Maßstäbe in der Gemeinschaft ist von erstrangiger Bedeutung , wenn
     der erforderliche Grundstein für die künftige soziale und wirtschaftli­
     che Entwicklung gelegt werden soll . Das IAO-Übereinkommen über bezahlten
     Bildungsurlaub , das vier Mitgliedstaaten unterzeichnet haben , könnte als
     Ausgangspunkt für die Aufstellung einschlägiger Mindestnormen    in der Ge­
     meinschaft nützlich sein . In Anbetracht der wachsenden Zahl derjenigen , die
     von den bestehenden Bildungsurlaubsregelungen nicht profitieren können , sollte
     das umfassendere Problem einer gerechtener Verteilung der Ausbildungs–
     möglichkeiten geprüft werden .   Der Ausbildungsanspruch und die Teilnahrne-
     quoten Jugendlicher zwischen 15 und 25 Jahren sind besonders wichtig , da
     dies die kritische Zeit ist , um die Erwachsenen zu motivieren , wieder
     eine Ausbildung aufzunehmen .
59 . Zu ergreifende Maßnahmen
     Dadurch , daß die Kommission die Neuausrichtung der Ausbildungspolitik
     der Mitgliedstaaten auf den Bedarf der wirtschaftlichen und sozialen
     Entwicklung auf lokaler und regionaler Ebene unterstützt , betont die
     Kommission die wichtige Verbindung zwischen diesen politischen Leit­
     linien und der künftigen Anwendung der Regeln des Europäischen Sozial-
     fonds . Die in den Mitgliedstaaten geplanten politischen Entwicklungen
     sollten mit der Kommission jährlich geprüft werden , und zwar parallel
     zu den Erörterungen mit den einzelstaatlichen Behörden über den Euro­
     päischen Sozialfonds . Die Ergebnisse dieses Meinungsaust auschs könnten
     die Grundlage für eine umfassendere Darstellung der Entwicklungen in der
     Berufsbildungspolitik sein , die die Kommission regelmäßig mit Unter­
     stützung des Beratenden Ausschusses für die Berufsausbildung überprüfen
     könnte .
 ---pagebreak---                                      - 33 -
60. Die Kommission schlägt vor, daß den Mitgliedstaaten für die Evaluierung
      und Planung von Ausbildungsregelungen mit besonderem Schwergewicht auf
      denjenigen - speziell ländlichen - Regionen , in denen die Ausbildungs-
      infrastruktur durch den Mangel an industrieller Entwicklung geschwächt
      wird, Unterstützung gewährt wird . Vorrangig sollte diese Tätigkeit "be­
      sonders in Griechenland als Teil der Reaktion der Kommission auf das
      griechische Memorandum ebenso wie in Portugal und Spanien im Hinblick
      auf die neuerliche Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft durchge­
      führt werden .
61 . Die Kommission beabsichtigt sicherzustellen , daß der Europäische Sozial-
      fonds weiterhin Versuchs- und Modellvorhaben im Bereich der entwicklungs-
      orientierten Ausbildung unterstützt , die den in einem lokalen Gemeinwesen
      Zuständigen helfen , Projekte zur Schaffung neuer Wirtschaftstätigkeiten
      oder zur Neubelebung bestehender Tätigkeiten zu konzipieren und durchzu­
      führen ( l ). Besondere Aufmerksamkeit sollte der vergleichenden Evaluierung
      dieser Vorhaben und dem Erfahrungsaustausch innerhalb der Mitgliedstaaten
      und auf Gemeinschaftsebene gewidmet werden .
62 . Auf der Grundlage der Erfahrung mit den in Ziffer 61 erwähnten Vorhaben
      wird die Kommission den Ausbildungsbedarf der Entwicklungs berat er und
      sonstigen Ausbildungsspezialisten prüfen . Auch wird die Kommission Leit­
      linien für den Status und die Aufgaben der Berufs- und Arbeitsberater ,
      ihre Arbeitsbedingungen und Aussichten für die Laufbahnmobilität auf­
      stellen .
63 . Die Kommission schlägt vor , daß dem Beratungsbedarf älterer Arbeitnehmer
      besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird . In diesem Zusammenhang wird die
      Kommission auch die derzeitigen Entwicklungen prüfen und sich dabei auf
      Regelungen konzentrieren ait denen Sltere Arbeitnehmer ermutigt werden sollen ,
      nach Eintritt in den Ruhestand eine aktive Rolle in ihrem Gemeinwesen zu
      spielen. , Nach Ansicht der Kommission wäre es nützlich , wenn vergleichendes
      Material hierzu besser zugänglich gemacht würde .
( l ) Stellungnahme der Kommission zur Revision des ESP, Seite 6 .
 ---pagebreak---                                 - 34 -
   64 . Die Kommission schlägt vor , in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern den
         Ausbildungsanspruch für Erwachsene in den Kitgliedstaaten sowie die der­
         zeitigen und geplanten Regelungen für bezahlten Bildungsurlaub zu prüfen .
D. INFORMATI ONS– UND ERFAHRUNGSAUSTAUSCH
   65 . Die Kommission hebt hervor , dass es in den nächsten Jahren auf Gemein–
         schaftsebene zusätzlich zu den verschiedenen für die drei prioritären Be­
         reiche bereits beschriebenen Aktionsvorschlägen von Bedeutung ist , den
         ständigen Austausch von Ideen und Informationen zwischen den politischen
         Entscheidungsträgern auszubauen .    Deshalb regt sie an , dass von jedem
         Mitgliedstaat eine besondere Stelle bezeichnet wird , die , wenn angezeigt ,
         innerhalb der bestehenden Strukturen arbeiten , notfalls im Rahmen einer
         Zusammenarbeit zwischen den Ministerien , und die den politischen Entschei­
         dungsträgern als innerhalb eines gemeinschaftsweiten Netzes arbeitende
         Stelle für die Zentralisierung und die Verbreitung von Informationen
         über die Entwicklungen in der Ausbildung dient .    Diese Stellen wären ins­
         besondere für die Verbindung zu den regionalen Zentren zuständig , die oft
         einfach keinen Zugang zu Informationen über erfolgversprechende Entwicklungen
         in einem anderen Teil der Gemeinschaft haben .    Sie sollten in die beste­
         henden einzelstaatlichen Verfahren für die politische Koordinierung im
         Ausbildungsbereich einbezogen und so ausgerüstet werden , dass die In­
         formationen über die gemeinschaftsweite Tätigkeit tatsächlich von den
         einzelstaatlichen politischen Entscheidungsträgern auf lokaler , regio­
         naler und nationaler Ebene genutzt werden können .
    66 . Dieses gemeinschaftsweite Netz von Informationsstellen , das mit der
         Kommission zusammenarbeitet , sollte sich auf die in dieser Mitteilung
         genannten prioritären Ziele konzentrieren :
          ( a ) die soziale und berufliche Integration Jugendlicher ;
          ( b ) die Ausbildungsaspekte der Strategien für grössere Chancengleichheit ;
          ( c ) Ausbildung zur Unterstützung lokaler Massnahmen zur Arbeitsplatz-
                schaffung
          ( d ) Die Polgen der Einführung neuer Informationstechnologien für die
                Ausbildung .
 ---pagebreak---   Die Kommission schlägt vor , daß für Berufsbildungsexperten ein beschei­
  denes Programm mit Studienaufenthalten aufgestellt wird , damit diese
  die Erfahrungen in den anderen Mitgliedstaaten prüfen können , um so
  engere Beziehungen zwischen den Berufsbildungssystemen der Mitglied­
  staaten herzustellen und ein besseres gegenseitiges Verständnis zu
  bewirken .
. SCHLUSSFOLGEKUNG
  Der Rat wird hiermit aufgefordert , die in dieser Mitteilung darge­
  legten Vorschläge anzunehmen und ihre finanziellen Auswirkungen im
  Rahmen der für den jährlichen Haushaltsplan der Gemeinschaft gelten­
  den Regeln und Verfahren zur Kenntnis zu nehmen .
 ---pagebreak---                                Entwurf
                     ENTSCHLIESSUNG DES RATES
  DIE BERUFSBILDUNOSPOLITIK IN DEN EUROPA ISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                       WÄHREND DER 80ER JAHRE
DER RAT DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft ,
nach Kenntnisnahme von dem Entsch Ließungsentwurf der Kommission ^
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments ( l ),
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses ( 2 ),
in Erwägung nachstehender Gründe :
Im Beschluss 63 / 266 / EWG des Rates wurden allgemeine Grundsätze für
die Durchführung einer gemeinsamen Politik der Berufsausbildung aufgestellt
( 3 ); der Beratende Ausschuss für die Berufsausbildung hat sich für die Wei­
terentwicklung dieser Politik ausgesprochen »
Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung vom März 1982 in den Schlußfolge­
rungen festgestellt , daß die Mitgliedstaaten als Beitritt zur schritt­
weisen Festlegung einer europäischen Sozialpolitik Massnahmen ergreifen ,
die im "besonderen auf die Berufsausbildung der Jugendlichen gerichtet sind und
 sich als erstes bemühen werden , im Verlauf der nächsten
fünf Jahre allen Jugendlichen , die neu auf den Arbeitsmarkt kommen , im Rahmen
besonderer Programme zugunsten der Jugendlichen oder im Rahmen von Beschäfti-
gungsverträgen eine Berufsausbildung bzw , eine erste Erfahrung am Arbeits­
markt zu sichern ( 4)«
Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung im Juni 1982 den gemeinsamen Rat
( Minister für Finanzen , Wirtschaft und Soziale Angelegenheiten ) aufgefordert ,
konkrete Beschlüsse über einen Vorschlag der Kommission für eine spezifische
Aktion der Gemeinschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit , insbesondere
der Jugendarbeitslosigkeit , zu fassen ( 5 )*
(1)
  2
( 3 ) ABL. Nr. 63 vom 20.4.1963 . S. 1338 /63
( 4) Bull . EG 3-1982 , Ziff. 1.3 . .5 .
( 5 ) Bull . EG 6-1982 , Ziff. 1.5.3 .
 ---pagebreak--- Der Rat hat zum Schluss seiner Tagung vom 27 . Mai 1982 eine Entschliessung
tfber eine Gemeinsohaftsaktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit angenom­
men und dabei hervorgehoben , dass die Gemeinschaft der Berufsbildung und
Integration der Jugendlichen Vorrang einräumen sollte ( l )} ferner hat er
ein neues Aktionsprogramm der Gemeinschaft zur Förderung der Chancengleich­
heit der Frauen ( 1982-1985 ) gebilligt       ( 2 ).
Das Europäische Parlament hat am 22# April 1982 eine Entschliessung über
die Jugendarbeitslosigkeit angenommen ( 3 ), in der es besonders die Notwen­
digkeit betont hat , die Ausbildung an die technologische Entwicklung an­
zupassen , und hervorgehoben hat , dass die Finanzinstrumente der Gemein­
schaft einen grösseren Beitrag zu Arbeitsplatzschaffungsprogrammen leisten
sollten »     Diese Entschliessung untermauert die Entschliessung des Euro­
päischen Parlaments ( 4) über sozialpolitische Prioritäten und sonstige Ent-
schliessungen,vor allem die Uber ein Gemeinschaftsprogramm im Bildungs-
bereich ( 5)» Uber die alternierende Ausbildung von Jugendlichen in der
Gemeinschaft ( 6 ), Uber die wirtschaftliche , soziale und berufliche Integra­
tion Behinderter in der Europäischen Gemeinschaft ( 7) und Uber Massnahmen
zur Bekämpfung des Analphabetentums ( 8 ),
Bekräftigend, dass die berufliche Bildung ein Grundbestandteil einer So­
zialpolitik ist , die es jedem Menschen ermöglichen soll , seine PShig^
keiten während des Erwachsenenlebens zu entfalten , und mit der insbeson­
dere die Chancengleichheit fUr Männer und Frauen gefördert werden soll «
Die Bedeutung der Berufsbildungspolitik für die Bekämpfung der Arbeits­
losigkeit          betonend , kommt der Berufsbildungspolitik eine besonders
wichtige Rolle bei der Bewältigung und Nutzung der Möglichkeiten der neuen
Informationstechnologien (9 ) zu ,       vor allem im Hinblick auf die Unter­
stützung von Politiken , deren Ziel es ist , die Schaffung von Arbeits­
plätzen , die industrielle Umstrukturierung und Innovation sowie die
Wiederbelebung benachteiligter Gebiet zu fördern «
( 1 ) ABL. Nr. C 186 vom 21 . 7.1982. s . %
( 2 ) ABL. Nr. C 186 vom 21.7.1982 . S. 3
   3 ) ABL. Nr. C 125 vom 17.5.1982 . S. 74
   4 PE 74.858 .
( 5)   ABL.  Nr.  C 87 vom 5.4.1982.    s. 90
( 6)   ABL.  Nr.  C 77 vom 6.4.1981 .   S. 71
 ( 7)  ABL . Nr.  C 77 vom 6.4.1981 .   S. 27
   8)  ABL.  Nr.  C 149 vom 14.6 .1982. s. 149
   9 ) KOM ( 82 ) 296 endg.
 ---pagebreak---                                - 3 -
     Bestätigend, dass in Verbindung mit den Sozialpartnern auf einzel­
     staatlicher und Gemeinschaftsebene weitere Schritte unternommen
     werden sollten, um die Durchführung einer gemeinsamen Politik der
     Berufsausbildung zu gewährleisten ; in diesem Zusammenhang werden die
     Mitteilung der Kommission Uber die "Entwicklung der Berufsbildungs-
     politik in den Europäischen Gemeinschaften während der 80er Jahre "
     lind die darin enthaltenen Leitlinien von Nutzen sein –
     NIMMT FOLGENDE ENTSCHLIESSUNG AN :
     •*
 I. Uber die bereits vom Rat in seinem Beschluss     63 / 266 / EWG an­
     genommenen Grundsätze hinaus werden die Mitgliedstaaten aufgefordert ,
     ihre Berufsbildungspolitik insbesondere
     – als Instrument einer aktiven Beschäftigungspolitik zur Förderung
        der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung,
     – als Mittel , um Jugendlichen eine umfassende soziale und "berufliche
        Vorbereitung auf ihre Verantwortung als Erwachsene und auf das
        Arbeitslosen zu sichern ,
     – als Mittel zur Förderung der Chancengleichheit
     auszubauen .
II , Damit diese Ziele erreicht werden , werden von den Mitgliedstaaten
     unter Berücksichtigung der Zuständigkeiten der Sozialpartner wachsende
     Bemühungen gefordert , um :
      (i)   sowohl Qualität als auch Umfang der Berufsbildung für Arbeitnehmer
            aller Altersgruppen zu verbessern «  Während unmittelbarer Vorrang
            den Jugendlichen und den Langzeitarbeitslosen eingeräumt werden
            könnte > sollte ständige Aufmerksamkeit dem Ausbildung»- und Um-
            schulungsbedarf anderer Arbeitnehmer gewidmet werden , insbesondere
            derjenigen , die durch die Veränderungen am Arbeitsmarkt am stärk­
            sten gefährdet sind.
 ---pagebreak---                                   -4-
 ( ii )    Ausbildungsprogramme zu entwickeln, die auf einer immer "breiteren Basis
           stehen und die Begünstigten in die Lage versetzen, weitgefächerte prak­
           tische Fertigkeiten mit dem Ziel zu erwerben, ihre Fähigkeit zur Anpassung
           an den technologischen Wandel zu steigern, ihre soziale und "berufliche
           Mobilität zu verbessern und sie zu ermutigen, eine aktive und unabhän­
           gige Rolle in der Gesellschaft zu Übernehmen.
 ( iii ) zu gewährleisten, dass die Ausbildungsprogramme zu anerkannten Qualifika­
           tionen führen. Die ZeugnisSysteme sollten ein Höchstmass an Flexibili­
           tät bieten , um die Entwicklung modularer Ausbildungslö-
           sungen     zu erleichtern und tun zum Beispiel Ausbildungsprogramme vor­
           zusehen, die im wesentlichen auf praktischer Arbeitserfahrung beruhen»
 ( iv)     ein tatsächliches Recht auf ständige berufliche Bildung und Umschulung
           zu verankern , die allen Arbeitnehmern während ihres Arbeitslebens offen-
           stehen , insbesondere durch die               Gewährung von Bildungsurlaub«
        .. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Problemen derjenigen Arbeitnehmer
           gewidmet werden, die nicht über Grundkenntnisse und -fertigkeiten verfügen,
           die im allgemeinen für die Zulassung zu Ausbildungsprogrammen gefordert
           werden «
 (v)        die Zahl der Ausbildungsmöglichkeiten zu erhöhen, die besonders dazu
           bestimmt sind, den Zugang der Frauen zu Berufen , in denen sie tradi-
           tionnellermassen unterrepräsentiert sind, und zu qualifizierten Tätig­
           keiten mit hohen technischen Anforderungen zu erleichtern«
 ( vi )    zm gewährleisten, dass das Ausbildungsangebot zur Entfaltung lokaler
           Massnahmen zur Förderung neuer wirtschaflicher Tätigkeiten und der
           Arbeitsplatzbeschaffung genutzt werden kann« Die Ausbildung zwecks kaufmän­
           nischer und Führungsqualifikationen sowie für die Einleitung unternehme­
           rischer Initiativen sollte in grösserem IMfange angeboten werden, um die
           Gründling von Kleinbetrieben , einschliesslich Genossenschaften, zu er­
           leichtern«
 (vii )     die Qualität und den Umfang der Ausbildung von Ausbildern und Berufs-
           und Arbeitsberatern zu verbessern und besondere Aufmerksamkeit dem Aus-
           bildungsbedarf lokaler Entwicklungsarbeiter und –berater zu widmen«
4)
 ---pagebreak---                                  - 5 -
      ( viii ) die aktive Zusammenarbeit aller im Bereich der Berufsbildung betroffe­
               nen Parteien , einschliesslich öffentlicher Stellen , Sozialpartner und
               privater Einrichtungen , auf landesweiter und lokaler Ebene weiterzu­
               entwickeln ,   Es sollten Fortschritte in Richtimg auf eine integriertere
               Konzeption des Ausbi Ldungsangebots auf regionaler und Lokaler Ebene er­
                zielt werden , wobei der spezielle Bedarf der benachteiligten Gebiete
               "besonders zu berücksichtigen ist ,
III , Die Mitgliedstaaten werden besonders           aufgefordert , die notwendigen Mass-
      nahmen zu ergreifen , tun sicherzustellen , dass allen Jugendlichen , die es
      wahrnehmen wollen , mindestens angeboten werden :
      ( a ) ein Vollzeitprogramm der sozialen und beruflichen Vorbereitung auf das
            Arbteit sieben wahrend einer einjährigen Anfangsphase unmittelbar nach
            Ende der Vollzeit– Schulpflicht ze i t ;
      ( b) ein Anspruch auf das Äquivalent eines weiteren Jahres der Berufsbildung,
            wobei dieser Anspruch auf Vollzeit– oder Teilzeitbasis vor Erreichung
            des 25 « Lebensjahres wahrgenommen werden kann .
      Bei der Verwirklichung dieser Ziele verfolgen die Mitgliedstaaten die die
      soziale Garantie für Jugendliche betreffenden Leitlinien , die von der Kom­
      mission in ihrer Mitteilung dargelegt wurden .         Die Kommission wird aufge­
      fordert , rechtzeitig zur Vorlage während des Internationalen Jahrs der
      Jugendlichen ( 1985 ) einen vergleichenden Bericht Uber die von den Mitglied­
      staaten erzielten Fortschritte und einen weiteren Bericht zum Ende eines
      Fünfjahreszeitraums auszuarbeiten ,
 IV, Der Rat fordert die Kommission auf, ihre Massnahmen fortzusetzen , die darauf
      gerichtet sind , die Erneuerung und die qualitative Verbesserung der Ausbildungs-
      systeme in den Mitgliedstaaten dadurch zu fördern , dass
      ( a ) gemeinsame Ziele oder Leitlinien aufgestellt werden, tun der Notwendigkeit
            einer grösseren Konvergenz der Politiken in diesem Bereich zu entsprechen ,
            während gleichzeitig die Unterschiedlichkeit der Ausbildungssituationen
            in den Mitgliedstaaten und die Notwendi^ceit einer flexiblen Gemeinschafts­
            aktion anerkannt werden ;
 ---pagebreak---                                - 6 -
      ("b ) ein Beitrag zur Steigerung der Qualität des Ausbildungsangebots
            geleistet wird , indem ein Rahmen geschaffen wird, der als Bezugs­
            rahmen für die einschlägigen Täti^ceiten des Europäischen Sozial-
            fonds dienen könnte ;
      ( c ) Versuche unterstützt werden , die dazu "beitragen können , die einzel­
            staatliche Politik und Praxis durch einen geregelteren Prozess des
            Erfahrungsaustausche und der Erfahrungsanalyse auf Gemeinschafts–
            ebene zu inspirieren ;
      ( d ) die Regelungen für die Verbreitung der Informationen und Erfahrungen
            zwischen den Mitgliedstaaten als Hilfe für die politischen Entschei­
            dungsträger und Praktiker erweitert werden , um auf den Wert erfolg­
            versprechender Ausbildungsmassnahmen zwecks weitergehender Anwendung
            hinzuweisen .
 V. Der Rat fordert daher die Kommission auf , die Maßnahmen
     gemäß ihrer Mitteilung , die in folgen­
     de drei prioritäre Bereiche fallen , in denen ein gemeinsames Anliegen
     "besteht     durchzuführen :
                /
      ( a ) Die soziale und "berufliche Vorbereitung Jugendlicher auf das Erwachsenen-
            leben und den Eintritt in die Arbeitswelt     am Ende der Vollschul-
            pflichtzeit   ( in den meisten Mitgliedstaaten mit dem 16 » Lebensjahr)
            bis zum 18 . Lebensjahr in Verbindung mit der Intensivierung der Aus-
            bildungsmassnahmen für Jugendliche bis zum 25. Lebensjahr als inte­
            graler Bestandteil einer globalen Sozial- und Beschäftigungspolitik ;
      ( b ) Ausbildungsaspekte der Strategien für eine grössere Chancengleich­
            heit , besonders im Hinblick auf die Verbesserung der Grundfertigkeiten
            und die Desaggregation des Arbeitsmarktes , durch positive Massnahmen
            zur Förderung der Teilnahme von Frauen an Ausbildungsprogrammen ; und
      ( c ) die Planung und Durchführung von Ausbildungsmassnahmen zur Unterstüt­
            zung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und insbesondere
            des Prozesses der Arbe i tsplatz schaffung auf lokaler und regionaler
            Ebene und die Verbesserung der Beratung und Betreuung aller Arbeit­
            nehmer, die Problemen des Wandels und des Übergangs gegenüberstehen ,
            einschliesslich derjenigen , die sich dem Rentenalter nähern .
     Die Kommission wird gebeten , den Rat regelmässig über die Fortschritte
     bei der Durchführung dieser Massnahmen zu unterrichten .
VI . Die Mittel zur Finanzierung der auf Gemeinschaftsebene durchzuführenden
      Massnahmen werden im Rahmen der für den Haushaltsplan der Gemeinschaft
       geltenden Regeln und Verfahren aufgebracht .
 ---pagebreak---                                  FINANZBOGEN
1 . Die in der Mitteilung an den Rat aufgeführten Maßnahmen der Gemeinschaft
    sollten in dem Zeitraum 1984 bis 1989 in vollem Umfang durchgeführt werden .
    Die Vorarbeiten , mit denen unter anderem die Einzelheiten der Versuchs-,
    Demonstrations- und Modellvorhaben festgelegt werden und das Verbundsnetz
    errichtet wird , erstrecken sich über die Jahre 1983 und 1984 .
2 . Geplant ist , daß die Netze der Versuchs-, Demonstrations- und Modellvorhaben
    aus dem Sozialfonds finanziert werden , und zwar entweder nach den ESF-Vor-
    schriften für Modellvorhaben und Vorstudien und normale Beteiligungen
    ( Kapitel 60-62 des Haushaltsplans ) oder eventuell nach einem Ratsbeschluß
    gemäß Artikel 3(2 ) des Kommissionsentwurfs für einen Ratsbeschluß zur
    Überprüfung der Aufgaben des Europäischen Sozialfonds ; der Fonds schlägt
    die Schaffung einer gesonderten Fondsabteilung für spezifische innovatorische
    Maßnahmen vor . Für den Fall , daß die Finanzierung innerhalb der bestehenden
    Fondsregeln erfolgt , werden in Tabelle A , Abschnitt I , die entsprechenden
    Haushaltslinien aufgeführt . Werden jedoch die Kommissionvorschläge für die
    Reform des Sozialfonds vom Rat angenommen , so ist davon auszugehen , daß die
    Finanzierung innerhalb einer besonderen Fondsabteilung für spezifische
    innovatorische Maßnahmen erfolgt .
    Was andere verwandte Tätigkeiten betrifft , so werden sie aus Artikel 6330
    für Gemeinschaftsmaßnahmen zur Berufsausbildung sowie zur Berufs- und Arbeits-
    beratung finanziert .
3 . Eine vorläufige Schätzung der Ausgaben für die Netze der Versuchs-, Demonstra-
    tions- und Modellvorhaben sowie für andere damit verbundene Tätigkeiten sind
    aus Tabelle A zu entnehmen ( in ECU    des Jahres 1982> Aus Tabelle B geht
    hervor , wie sich die Vorhaben über den Zeitraum 1984 bis 1989 verteilen .
 ---pagebreak---                            TABELLE A - VORLÄUFIGE SCHÄTZUNGEN FÜR DEN ZEITRAUM 1984-1989 ( in ECU des Jahres 1982 ; in 1.000 ECU )
                                                                                  1984        1985    1986      1987      1988      1989
 I.  NETZE DER VERSUCHS-, DEMONSTRATIONS - UND MODELLVORHABEN
     A. Erweiterung der Demonstrai ionsvorhaben für die alternierende
        Ausbildung ( Ziff . 26-27 und 34(c )) ( Posten 6010 )                      170       8 300   8 500     8 700     8 700       450
     B. Ausarbeitung einer Gruppe von Vorhaben als Hilfe bei der
        Konzipierung von Lehr- / Produktionswerkstätten
        ( Ziff . 28 und 34(d ))  ( Artikel 620 )                                   170       3 570   6 770     6 770     3 800       200
     C. Demonstrationsvorhaben zur Verbesserung der Grundfertigkeiten
        Erwachsener mit besonderer Bezugnahme auf die Probleme der
        Langzeitarbeitslosen ( Ziff . 39 und 41 ) ( Artikel 620 )                  115       8 300  13 500    13 500     6 000       300
     D. Unterstützung innovatorischer Vorhaben im kleinen Maßstab
        für die Ausbildung besonderer Gruppen von Frauen
        ( Ziff . 45 und 49(c ))  ( Artikel 620 )                                    85       4 425   5 800     5 800     2 200       200
     E. Unterstützung von Versuchs- und Modellvorhaben zur entwicklungs-
        orientierten Ausbildung ( Ziff . 53 und 61 ) ( Posten 6100 )               200       4 200   6 000     6 000     3 500       300
                                                       ZWISCHENSUMME  I            740     28 795   40 670    40 770    24 200     1 450
II . SONSTIGE TÄTIGKEITEN IM ZUSAMMENHANG MIT DER VERWIRKLICHUNG
     DER RATSENTSCHLIESSUNG ( Artikel 633 )
     A. Berichte und Studien über die prioritären Themen
        1 . Überwachung der Fortschritte in den Mitgliedstaaten beim Ausbau
            ihrer Fähigkeit , allen Jugendlichen etwas zu bieten » Ziff . 34(e )   100         140     190        170      190       200
        2 . Prüfung der Einsatzmöglichkeiten von Multimediasystemen zur
            Verbesserung der Grundfertigkeiten der Erwachsenen ( Ziff . 29 und 41   60          60      40
        3 . Analyse des entstehenden Ausbildungsbedarfs der Entwicklungsar-
            beiter und sonstig®· Ausbi Idungsspezialisten ( Ziff . 54 und 62 )      30      '
                                                                                                70
        4 . Übersicht über die Entwicklungen und Regelungen , die es älteren
            Arbeitnehmern ermöglichen , nach Eintritt in den Ruhestand eine
            aktive Rolle im Gemeinwesen zu übernehmen ( Ziff . 57 und 63 )          40          60      80 –
        5 . Übersicht über die Ausbildungsansprüche Erwachsener in den Mit-
            gliedstaaten , einschl . Bestimmungen über bezahlten Urlaub
            ( Ziff . 58 und 64 )                                                    60          60
                                                       ZWISCHENSUMME II(A )        290         390     360
 ---pagebreak---                                                                    - 2 -
                                                                                   1984   1985   1986   1987 1988 1989
II .    ANDERE TÄTIGKEITEN IM ZUSAMMENHANG MIT DER VERWIRKLICHUNG DER
        RATSENTSCHLIESSUNG
        B. Technische Unterstützung der Mitqliedstaaten bei den
           prioritären Themen
           1 . Technische Unterstützung bei der Evaluierung und Planung von
( Artikel
               Ausbildungsregelungen mit besonderem Schwergewicht auf den-
  633 )
               jenigen Regionen , in denen die Ausbildungsinfrastruktur durch
               einen Mangel an industrieller Entwicklung geschwächt ist .
               ( Ziff . 53-55 und 60 )                                               90    120    150    130  170  pm
           2.  Technische Unterstützung bei der berufsübergreifenden Ausbildung
( Artikel
               von Ausbildern , Berufsberatern und Entwicklungsarbeitern zur
  633 )
               Förderung der Arbeitsplatzschaffung in kleinem Maßstab
               ( Ziff . 51 )                                                                50    150    150
                                                           ZWISCHENSUMME 1KB )       90    170    300    280
II . C. Austausch und Verbreitung ( Artikel 633 )
          1.  Aufstellung eines Programms für Studienaufenthalte von Aus-
              bildungsexperten , die an den neuen Programmen der alternieren-                         I
              den Ausbildung beteiligt sind ( Ziff . 34(g ))                         50     90    120    140   80     60
          2.  Informations - und Erfahrungsaustausch über erfolgversprechende
              Ausbildungsmaßnahmen für Frauen ( Ziff . 49(c ))                       45     70     90     90   60     50
          3.  Zentralisierung und Verbreitung von Informationen über die
              wichtigsten Ausbildungsentwicklungen als Hilfe für politische
              Entscheidungsträger ( Ziff . 65 )                                     120    140    170    170  140   140
          4.  Programm mit Studienkurzaufentha Iten für Berufsbildungs-
              experten ( Ziff . 66 )                                                 70    150    200    200  200   180
                                                             ZWISCHENSUMME 11(C )   285    450    580    600  480   430
                                                GESAMTSUMME II(A ) + ( B ) + ( C )  665 1  010 1  240
 ---pagebreak---                                         Tabelle B : ZAHL DER IN DER ZEIT VON 1984-1989 EINZULEITENDEN VORHABEN
                                                             1984         1985           1986             1987   1988            1989
A. Netz von Vorhaben für die alternierende
     Ausbildung Jugendlicher im Alter von
                                                         Vorarbeiten       30             30               30     30              Evaluierung
     18-25 Jahren
     Ziff .  26-27 und 34(c )
B. Netz von Vorhaben , die als Demonstra-                 II
                                                                         ■ 10( Phase l )  10               10 - Evaluierungs-
     tionsmodelle für die Entwicklung von                                                                       phase 1
     Lehr -/ Produkt i ons i nit iati ven dienen
                                                                                          10(Phase 2 )     10      10             Eval «phase 2
     Ziff . 28 und 34(d )
                                                                           10             20               20      10
                                                          tl
                                                                           30(Phase l )   30               30   Evalui e rung s-
C. . Netz von Vorhaben , die als Demonstra-
                                                                                                                phase 1
     tionsmodelle für die Verbesserung der
     Grundfertigkeiten Erwachsener dienen                                                 20 ( Phase 2 )   20      20             E val . phase 2
     Ziff . 39 und 41
                                                                           30             50               50      20
                                                          ft
                                                                           15( Phase l )  15               15   Evalui erungs-
D. Netz von Vorhaben zur Verbesserung der
                                                                                                                phase 1
     Ausbildung der Frauen und ihres Zugangs
     zur  Arbeit                                                                           5 ( Phase 2 )    5     ' 5             Eval , phase 2
     Ziff . 45 und 49(c )
                                                                           15             20               20       5
                                                          fi
                                                                           15             15               15   Evaluierung
E. Versuchs - und Modellvorhaben für die
     entwi ck lung so ri ent i erte Ausbi Idung                                             5 ( Phase 2 )    5      5             Eval . phase 2
     Ziff . 53 und 61
                                                                           15             20               20       5
 ---pagebreak---                                                                                 ANIAGE I
133S.63                      AMTSBLATT DF.R EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                      20. 4 . 63
                EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT
                                              INFORMATIONEN
                                                     DER RAT
                                                BESCHLUSS DES RATS
                                                   vom 2. April 1 9f»3
                      über die Aufstellung allgemeiner Cru,,iils.:ilzc für die Durchführung einer
                                     gemeinsamen Politik t|er Berufsausbildung
                                                      ( 6.V266/EWG)
 DER RAT DER EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS­                          einer gemeinsamen Agrarpolitik dringende Probleme
 GEMEINSCHAFT –                                                 der Berufsausbildung und Umschulung auf.
                                                                     Eine gemeinsame Politik der Berufsausbildung,
      gestützt auf den Vertrag zur Gründung der                 die nach Artikel 128 des Vertrages zu einer harmo­
 Europaischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbeson­                nischen Entwicklung sowohl der einzelnen Volks­
 dere auf Artikel 128 ,                                         wirtschaften als auch des gemeinsamen Marktes
      auf Vorschlag der Kommission ,                            beitragen kann , muß unter Berücksichtigung der
                                                                allgemeinen Ziele des Vertrages, insbesondere der
      nach Anhörung des Wirtschafts- und Sozialaus-             Präambel und des Artikels 2, festgelegt werden.
 sil.usses,
                                                                     Die Durchführung einer gemeinsamen Politik
      nach Anhörung des Europäischen Parlaments ( ')             wirksamer Berufsausbildung wird die Herstellung
 und                                                            der Freizügigkeit der Arbeitnehmer fördern .
      in Erwägung nachstellender Gründe :                            Das Grundrecht jedes einzelnen auf freie Wahl
                                                                 des Berufs, der Atisbildungsstätte sowie des Ausbil-
      Wtnn die Mitgliedstaaten die ihnen durch den
 Vertrag auferlegte Verpflichtung, durch ihre Wirt­
                                                                 dungs- und Beschäftigungsorts muß gewahrt bleiben.
 schaftspolitik insbesondere einen anhaltend hohen                   Jeder muß während der verschiedenen Ab­
 Besehäftigungsstand zu gewährleisten, erfüllen                  schnitte seines Erwerbslebens die Möglichkeit einer
 sollen, so müssen entsprechende Maßnahmen zur                   angemessenen Ausbildung, der Fortbildung und
 Anpassung der beruflichen Fähigkeiten der Arbeits­              einer etwa erforderlichen Umschulung haben.
 kräfte an den jeweiligen Stand der allgemeinen wirt­
 schaftlichen Entwicklung und der Entwicklung der                    Die allgemeinen Grundsätze für die Durchfüh­
 technischen Produktionsbedingungen getroffen wer­               rung einer geineinsamen Politik der Berufsausbil­
 den .                                                           dung müssen auf die gesamte berufliche Ausbildung
                                                                 der Jugendlichen und Erwachsenen Anwendung
      Der sich zur Zeit in einigen Wirtschaftsbereichen          finden , die für eine Berufstätigkeit bis zu mittleren
 vollziehende Strukturwandel wirft im Hinblick auf               Stellungen in Betracht kommen oder eine solche
 die beschleunigte Verwirklichung des gemeinsamen                Tätigkeit bereits ausüben ; hierbei ist der Aus- und
  Marktes in Verbindung mit der Koordinierung der                Fortbildung der Lehrer und Ausbilder besondere
  Regionalpolitik sowie der schrittweisen Einführung             Bedeutung beizumessen.
 (' ) Amtsblatt der europäischen Geirwinscruiftcn Nr. 31 vom 26. April 1962, S. 103-1/62.
 ---pagebreak---                                                                                                       1339 /63
     Die Verwirklichung der in den nachstehenden             a) Schaffung der Voraussetzungen, die jedem
allgemeinen Grundsätzen genannten Ziele erfordert        eine angemessene Berufsausbildung gewährleisten ;
nicht    nur   ein /clstaatliche Maßnahmen , sondern
setzt auch voraus, daß die Kommission dem Rat lind           b) rechtzeitige Schaffung geeigneter Ausbil-
den Mitgliedstaaten im Rahmen des Vertrages ge­          dungseinrichtungen, damit die in den einzelnen
eignete Maßnahmen vorschlagen kann ; sie bedingt         Wirtschaftsbereichen benötigten Arbeitskräfte zur
ferner eine enge Zusammenarbeit zwischen den             Verfügung stehen ;
Mitgliedstaaten sowie zwischen den Mitgliedstaaten
und den zuständigen' Organen der Gemeinschaft .
                                                             c) eine auf der Grundlage der allgemeinen
     Es ist zweckmäßig, die Zusammenarbeit der in        Schulbildung so umfassend gestaltete Berufsaus­
den Mituliedstaaten an der Berufsausbildung be­          bildung. daß sie die harmonische Entwicklung der
sonders interessierten öffentlichen lind privaten      - Persönlichkeit - fördert und den Erfordernissen des
Stellen insbesondere durch Einsetzung eines be­          technischen Fortschritts, der neuen Produktions­
ratenden Ausschusses bei der Kommission zu ge­           methoden sowie der sozialen und wirtschaftlichen
währleisten .                                            Entwicklung gerecht wird ;
     Die nachstehenden allgemeinen Grundsätze ste­            d ) Möglichkeit für jeden, die zur Ausübung
hen im Einklang mit der derzeitigen wirtschaftlichen     einer bestimmten Berufstätigkeit notwendigen fach­
und sozialen Lage der Gemeinschaft ; sie können          lichen Kenntnisse und Fertigkeiten sowie die höchst­
später je nach den Erfordernissen, die sich in der       mögliche Ausbildung zu erwerben, wobei die
Gemeinschaft ergeben, schrittweise ergänzt wer­          geistige und sittliche Entwicklung, die staatsbürger­
den –
                                                         liche Erziehung und die körperliche Entwicklung
                                                         insbesondere der Jugendlichen zu fördern sind.
BESCHLIESST :                                        .
                                                             e)-Vefmeidung jeder nachteiligen Unterbre­
                                                         chung zwischen dem Abschluß der allgemeinen
     Die allgemeinen Grundsätze fiir die Durchfüh­       Schulbildung und dem Beginn der Berufsausbildung
rung einer gemeinsamen Politik der Berufsausbil­         sowie während der Berufsausbildung ;
dung werden wie folgt aufgestellt :
                                                             f) Förderung einer den Erfordernissen angepaß-
                 ERSTER GRUNDSATZ
                                                         ten Berufsausbildung und -fortbildung sowie ge­
                                                         gebenenfalls einer Umschulung während der ver­
                                                         schiedenen Abschnitte des Erwerbslebens ;
     Unter gemeinsamer Politik der Berufsausbildung
ist ein gemeinsames zusammenhängendes und
                                                              g) Zugang jedes einzelnen zu einer höheren
schrittweises Vorgehen zu verstehen, das bedingt,        Stellung im Beruf oder seine Vorbereitung auf eine
daß jeder Mitgliedstaat Programme aufstellt und          neue, gehobenere Tätigkeit entsprechend seinen
Vorhaben verwirklicht, die mit diesen allgemeinen         Neigungen , Fähigkeiten, Kenntnissen und Berufs-
Grundsätzen und den sich daraus ergebenden Durch-        erfahrungen durch ständige Maßnahmen zur För­
 führungsmaßnahmen im Einklang stehen .                  derung des beruflichen Aufstiegs ;
      Die allgemeinen Grundsätze müssen jedem ein­
 zelnen eine angemessene Ausbildung bei freier                h) Herstellung engster Beziehungen zwischen
 Wahl des Berufs, der Ausbildungsstätte sowie des         den verschiedenen Formen der Berufsausbildung
 Ausbildungs- und Beschäftigungsorts ermöglichen.         und den Wirtschaftsbereichen , damit die Berufs­
                                                          ausbildung möglichst weitgehend den Erfordernissen
      Sie gelten für die Ausbildung Jugendlicher und      der Wirtschaft sowie den Interessen der in der
  Erwachsener, die für eine Berufstätigkeit bis zu        Ausbildung stehenden Personen gerecht wird und
 mittleren Stellungen in Betracht kommen oder eine        damit die Wirtschafts- und Fachkreise den Proble­
  solche Tätigkeit bereits ausüben.                      men der Berufsausbildung überall das nötige Inter­
                                                          esse entgegenbringen .
      Die Anwendung dieser allgemeinen Grundsätze
 obliegt im Rahmen des Vertrages den Mitglied­
 staaten und den zuständigen Organen der Gemein­                        DRITTER GRUNDSATZ
  schaft
                                                              Bei der Durchführung der gemeinsamen Politik
                ZWEITER GRUNDSATZ                         der Berufsausbildung {st besonderer Wert zu legen
                                                          auf :
      Die gemeinsame Politik der Berufsausbildung hat
  die Erreichung folgender grundlegender Ziele anzu­          – die Vorausberechnung und Schätzung des
  streben :                                               quantitativen und qualitativen Bedarfs an Arbeits-
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kräften in den verschiedenen Erwerbszweigen auf           dern, trifft die Kommission alle geeigneten Vorkeh­
einzelstaatlichcr und auf Gemcinschaltscbcne ;            rungen für die Sammlung, die Verbreitung und den
                                                          Austausch aller.. zweckdienlichen Informationen , Aus­
     – ständige Berufsberatungs- und Berufsaufklii-       bildungsunterlagen und Lehrmittel 7,wischen den
rungsstcllen für Jugendliche und Erwachsene, die          Mitgliedstaaten . Sic sorgt insbesondere für die syste­
über Kenntnisse der persönlichen Eignung sowie            matische Verbreitung «1er Unterlagen über die ein-
der Ausbildung»- und BcschäftigungMiiöglichkciten         eiiigeführten oder ein/ul ührenden Neuerungen. Die
verlüden und eng mit den Wirtschal tszweigen der          Mitglicdstaaten lassen ihrerseits der Kommission jede
Produktion und Verteilung, den an der Berufsaus­          zur Erfüllung dieser Aufgaben notwendige Hilfe und
bildung interessierten Stellen und den allgemein­         Unterstützung zuteil werden und übermitteln ihr
bildenden Selmlen zusammenarbeiten :                      insbesondere     alle  zweckdienlichen    Informationen
                                                          über die Lage und Entwicklung der Berufsausbil­
     – die Möglichkeit, daß jeder einzelne vor seiner     dung in ihren Ländern .
Berufswahl, während seiner Berufsausbildung und
während seines gesamten Erwerbslebens die vor­
stehend genannten Stellen jederzeit in Anspruch                          SEGHSTER GRUNDSATZ
nehmen kann .
                                                               Die Kommission fördert in Zusammenarbeit mit
                VIERTER GRUNDSATZ                         den Mitgliedstaat'jn jeden direkten Erfahrungsaus­
                                                           tausch über die Berufsausbildung, der den für die
      Die Kommission kann dem Rat oder den Mit­            Berufsausbildung zuständigen Stellen sowie den
 gliedstaaten im Einklang mit diesen allgemeinen           Fachleuten aul .liesem Gebiet die Möglichkeit ver­
 Grundsätzen für die Verwirklichung der darin ge­          schaffen kann , verwirklichte Vorhaben und Neuerun­
 nannten Ziele im Rahmen des Vertrages geeignete           gen anderer Länder der Gemeinschaft auf dem Ge­
 Maßnahmen vorschlagen, die sich als erforderlich          biet der Berufsausbildung kennenzulernen und zu
 erweisen könnten .                                        studieren .
      Ferner führt die Kommission in enger Zusam­               Zur Durchführung dieses Austauschs werden ins­
 menarbeit mit den Mitgliedstaaten auf dem Gebiet          besondere Studienseminare und Programme für Be­
 der Berufsausbildung Studien und Forschungsarbei­         suche und Aufenthalte bei Einrichtungen der Berufs­
 ten durch, um die Verwirklichung der gemeinsamen       - ausbildung vorgesehen.
 Politik zu gewährleisten und insbesondere die beruf­
 liche Verwendbarkeit und die örtliche und berufliche
 Freizügigkeit der Arbeitskräfte innerhalb der Ge­                       SIEBENTER GRUNDSATZ
 meinschaft zu fördern .
                                                                Die zweckentsprechende Ausbildung der Lehrer
      Sie stellt außerdem ein Verzeichnis der Atisbil-     und Ausbilder, deren Zahl zu erhöhen und deren
 dungseinrichtungen in den Mitgliedstaaten auf, ver­       fachliche und pädagogische Fähigkeiten zu entwik-
 gleicht diese Einrichtungen mit - dem vorhandenen         keln sind , ist eine wichtige Voraussetzung für jede
 Bedarf, um die den Mitglicdstaaten z.u empfehlen­         wirksame Politik der Berufsausbildung.
 den Maßnahmen zu bestimmen, und gibt im Be­
 darfsfall eine Dringlichkeitsordnung an ; gegebenen­           Die Mitgliedstaaten unterstützen – gegebenen­
 falls fördert sie den Abschluß zwei- oder mehrseitiger    falls unter Mitwirkung der Kommission – alle Maß­
  Abkommen .                                                nahmen, die zu einer Verbesserung und Entwicklung
                                                            dieser Ausbildung beitragen können , insbesondere
       Die Kommission verfolgt die Durchführung die­        solche, die geeignet sind, eine ständige Anpassung an
  ser Maßnahmen, vergleicht deren Ergebnisse und            die Fortschritte auf dem Gebiet der Wirtschaft und
  teilt sie den Mitgliedstaaten mit.                        der Technik zu gewährleisten.
       Die Kommission wird bei der Erfüllung der Auf­           Die Heranbildung besonders befähigter Arbeit­
  gaben, die ihr auf dem Gebiet der Berufsausbildung        nehmer zu Ausbildern ist zu fördern .
  obliegen, von einem beratenden dreigliedrigen Aus-
   schuß unterstützt, dessen Zusammensetzung und                Es ist eine Angleichung in der Her. -lbildung von
  Satzung der Rat nach Anhörung der Kommission              Ausbildern anzustreben ; hierzu können 'ede Art von
  fe* Üegt.                                                 Erfahrungsaustausch und andere in gier -her Weise
                                                            geeignete Mittel, wie sie insbesondere im sechsten
                                                            Grundsatz genannt sind, beitragen.
                 FÜNFTER GRUNDSATZ
                                                                In den Ländern der Gemeinschaft werden be­
       Um die bessere Kenntnis aller Einzelheiten und       sondere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbildung
   Veröffentlichungen über die Lage und Entwicklung         und Fortbildung der Lehrer und Ausbilder zu för­
   der Berufsausbildung in der Gemeinschaft sowie die       dern, die ihre Tätigkeit in weniger begünstigten Ge­
   Modernisierung der verwendeten Lehrmittel zu för­        bieten der Gemeinschaft sowie in Entwicklungslän-
 ---pagebreak--- 2(). 4. f,3                AMTSBLATT DER EUROrlilSClIEN GEMEINSCHAFTEN                             1341 /63
dem und -gebieten, insbesondere in t|encn, die mit     schaft beizutragen, können die Mitgliedstaaten und
der Gemeinschaft assoziiert sind , ausüben sollen .    die Kommission unter Berücksichtigung der zu die­
                                                       sem Zweck vorgenommenen Vorausberechnungen
              ACHTER GRUNDSATZ                         gemeinsam zweckdienliche Maßnahmen ergreifen,
                                                       insbesondere damit geeignete Ausbildungsprogramme
     Die gemeinsame Politik der Berufsausbildung       aufgestellt werden .
muß insbesondere so beschaffen sein , daß sie die
schrittweise Aimlekhwng der Ausliildunesniveaus er­         Diese Maßnahmen und Programme müssen die
möglicht.                                               beschleunigte Ausbildung Erwachsener sowie die
     Die Kommission verfaßt je nach Bedarf zusam­       Umschulung unter Berücksichtigung der Verhältnisse
men mit den Mitgliedstaaten für verschiedene, eine      anstreben, die durch wirtschaftlichen Aufschwung
bestimmte " Ausbildung erfordernde Berufe aufein­       oder Rückgang, technische Umstellungen, struktu­
ander abgestimmte Beschreibungen der Grundanfor-        relle Wandlungen oder besondere Erfordernisse be­
derungen für den Zugang zu den verschiedenen Aus-       stimmter Berufe, Berufsgruppen oder Gebiete be­
bildungsstufen .                                        dingt sind .
     An Hand dieser Beschreibungen wird eine An­
gleichung der objektiven Bedingungen für das Be­
stehen der Abschlußprüfungen angestrebt, um eine                      ZEHNTER GRUNDSATZ
gegenseitige Anerkennung der Zeugnisse und sonsti­
 gen Urkunden über den Abschluß der Berufsausbil­            Bei der Anwendung der allgemeinen Grundsätze
 dung zu erreichen .                                     der gemeinsamen Politik der Berufsausbildung sind
     Die Mitgliedstaaten und die Kommission fördern      die Sonderprobleme bestimmter Tätigkeitsbereiche
 die Durchführung europäischer Leistungswettbe-          oder Personengruppen besonders zu berücksichtigen ;
 werbe und Prüfungen .                                   zu diesem Zweck können besondere Maßnahmen
                                                         eingeleitet werden.
             NEUNTER GRUNDSATZ
                                                             Die Maßnahmen zur Verwirklichung der Ziele
     Um zu einem Gesamtausgleich zwischen Arbeits-       der gemeinsamen Politik der Berufsausbildung kön­
 angebot und -nachfrage im Rahmen der Gemein­            nen gemeinsam finanziert werden.
                  Geschehen zu Brüssel am 2. April 1963.
                                                                           Im Kamen des Rats
                                                                              Der Präsident
                                                                             Eugine SCHAUS
 ---pagebreak---                                                                         ANIAGE II
Stellungnahme des beratenden Ausschusses . für die Berufsausbildung
zu den Rahmenvorschlägen für eine Aktion auf Gemeinschaftsebene ,
die in der von den Kommissionsdienststellen vorgelegten Arbeits­
unterlage "Berufsausbildung in den 80er Jahren" enthalten sind
Der Beratende Ausschuss für die Berufsausbildung -
– gestützt auf Artikel 118 , 125 und 128 des EWG-Vertrags {
– gestützt auf den Beschluss des Rates vom 2» April 1963^^ über die
    Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Durchführung einer gemein­
    samen Politik der Berufsausbildung ;
– unter Berücksichtigung der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des
                                                  2
    Europäischen Rates vom 29» und 30 . März 1982    und der Schlussfolgerungen
    der gemeinsamen Ratstagung der Wirtschaft-, Finanz- und Sozialminister
    vom Juni 1981 ^^;
- angesichts der Bedeutung , welche das Europäische Parlament der Berufs­
    ausbildung beimisst ^^;
- unter Berücksichtigung der Beratungen seiner eigenen Vollsitzungen und
    Arbeitsgruppen ;
- gestützt auf die Analyse und die Rahmenvorschläge für eine Gerne inschafts-
    aktion , die in der von den Kommissionsdienststellen vorgelegten Arbeits-
                                                    (5)
    unterläge "Berufsausbildung in den 80er Jahren" K ' enthalten sind –
hat in einer Vollsitzung vom 12 . und 13 . Mai 1982 folgende Stellungnahme
angegeben :
( i ) Die Berufsausbildung ist kein Allheilmittel für alle Beschäftigungs-
       und Sozialprobleme ; sie muss als Teil einer Gesamtstrategie zur
       Bekämpfung der Arbeitslosigkeit konzipiert werden und auf die Politik
       in anderen Sektoren abgestimmt sein . Dabei kBnneh die unterschiedlichen
       Verhaltnisse in der Mitgliedsstaaten verschiedene Strategien und unter*-
       schiedliche Schwerpunkte erfordern#
( 1)AB1 . Nr . 63 vom 20.4 . 19&3
  ?
(3 )EG–Bulletin 6/l 981 , Ziffer 1.3.3
(4)EP 74.712 vom 17.9.1982 und 5464/82 vom 11.3.1982
( 5)V/576/82 vom 19.4.1982
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 ( ii ) Die Ausbildung erfüllt mehrere Punktionen :
        - Sie ist das Instrument einer vorausschauenden und aktiven
           Beschäftigungspolitik und trägt somit durch die Steigerung der
          Leistungsfähigkeit seiner Wirtschaft zum Wohlstand "bei .
        - Sie kann zur Förderung von Wachstum und     Investitionen
          in Gebieten mit rückläufiger Wirtsctei ftstätigfceit
          "beitragen . Obwohl die Ausbildung nicht unmittelbar
          neue Arbeitsplätze schafft , kann sie doch neue
          Denkweisen und Motivationen auslösen , die ihrerseits zur Schaffung
          von Arbeitsplätzen führen ,
        - Sie ist ein sozialpolitisches Instrument zur PersÖnliohkeits-
          förderung die durch Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten •
          die sozialen und wirtschaftlichen Verhaltnisse bewältigen
           können und die Mitwirkung in einer demokratischen Gesell--
          schaft sichern können
(iii ) Die Ausbildungsstrategien sollten auch auf den
        Bedarf spezifischer Risikogruppen abstellen :
        - Den Jugendlichen ist      eine wichtige Priorität einzuräumen
           Daneben muss sich die Wirtschaft aber auch auf andere
           Risikogruppen konzentrieren und somit den Ausbildungs–
          bedarf der erwachsenen Arbeitnehmer berücksichtigen «
        - Die Ausbildungsqualität von Facharbeitern muss kontinuierlich
          verbessert werden
        - Ausserdem müssen Ausbildungsmassnahmen für Langzeitarbeitslose
          stärker berücksichtigt werden#
        - Den Bedürfnissen der Frauen und ihrem gleichen Recht auf Zugang
          zur Berufsausbildung ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen «
        - Ein ausgewogenes und flexibles Vorgehen ist vor allem im Hinblick
          auf die Auswirkungen der demographischen Veränderungen und der
          wirtschaftlichen Entwicklung in der Gemeinschaft als Ganzes in
          den kommenden Jahren von wesentlicher Bedeutung ,
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( iv) Zwischen den verschiedenen Stufen der allgemeinen und der
       beruflichen Bildung , einschliesslich der Vorbereitung der
       Jugendlichen auf das Erwachsenen- und Erwerbsleben in den
       AbschlussklasBen der Pflichtschule müssen engere Verbindungen
       geschaffen werden .
       - Es müssen mehr Brücken zwischen Schule und Arbeitswelt sowie
         der Gesellschaft im allgemeinen geschaffen werden .
       - Es sind Vorkehrungen zur sozialen und beruflichen Vorbereitung
         aller Jugendlichen unter 18 Jahren in einer Übergangszeit nach
         Abschluss der Pflichtschule vorzusehen .
       - Ausserdem muss die Zusammenarbeit zwischen den Lehrern , die
         16-bis 18 jährige Jugendliche in den Abschlussklassen der
         Pflichtschule unterrichten , und den Lehrkräften , die in der
         Berufsausbildung Erwachsener tätig sind , gefördert werden .
         Dabei ist eine praktische Unterstützung dieser Gruppen des
         Ausbildungspersonals von entscheidender Bedeutung . Von
         grösserer Bedeutving ist jedoch die Zusammenarbeit beider Gruppen
         von Lehrern mit der betrieblichen Praxis und ihro Vertrautheit
         mit dessen Problemen . Sie ist zu fordern « Es besteht ein Be­
         darf an Modellversuchen ftlr neue Formon der Ausbildung und des
         Einsatzes von Fachkräften , die eine Eorufoausbildung auf breiter
         Basis vermitteln .
       - Die Ausbildungsinhalte müssen ständig überarbeitet werden ; dies
         ist jedoch nur möglich , wenn fortlaufend in die Qualität der
         Ausbildung der Ausbilder investiert wird .
  (v ) Das Konzept einer sozialen Garantie für Jugendliche unter 18 Jahren ,
       um die drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden , fand weitgehende
       Zustimmung ; dabei soll von den vorhandenen Möglichkeiten für
       eine Kombination der allgemeinen und beruflichen Bildung , der
       alternierenden Ausbildung , der Arbeitserfahrung und sonstiger
       Formen einer gemeinnützigen Tätigkeit ausgegangen v/ erden . Einige
       Vertreter der Regierungen und der Arbeitgeber betonten , dass dies
       keine gesetzliche Verpflichtung oder keinen Rechtsanspruch bedeuten
       dürfe .
       - Der Ausschuss unterstreicht , dass die Jugendlichen selbst ent­
         scheiden sollten , ob sie die angebotenen Bildungs- und Aus­
         bildungsmoglichkeiten nutzen und welche Kombinationen sie in
         Anspruch nehmen wollen .
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         - Von entscheidender Bedeutung ist ausserdem die Entwicklung eines
            Partnerschaftsdenkens , das auf einer Abstimmung zwischen den
            Regierungen, den Arbeitgebern und der Gewerkschaften beruht ,
            damit – vor allem durch den Ausbau der beruflichen Bildungs–
            Systeme – die erforderlichen Massnahmen getroffen werden , um
            alle Jugendlichen erfassen zu können«
   (vi ) Per Ausschuss beurteilt die regionalen RahmenplSne für den Ausbau
         der Berufsausbildung eher skeptisch , spricht sich jedoch nach­
         drücklich für flankierende Initiativen auf lokaler und regionaler
         Ebene aus , die gegebenenfalls in den einzelnen Hitgliedstaaten
         festzulegen sind , sowie für die Einleitung von Massnahmen , um zu
         gewährleisten , dass die allgemeine und die berufliche Bildung in
         die wirtschaftlichen und industriellen Anstrengungen auf regionaler
         und lokaler Ebene einbezogen und auf die Ausbildungspolitik und
         -Programme auf Landesebene abgestimmt werden. Die Sozialpartner
         sollten an diesen integrierenden Planungsmassnahmen eng beteiligt
         werden .
  (vii ) Die Finanzierung der Berufsausbildung und der neuen Initiativen
         ist von entscheidender Bedeutung. Daher ist eine Verzettelung
         der knappen Mittel zu vermeiden , damit sie auf ausgewählte Ziele
         konzentriert werden können . Der Ausschuss spricht sich ausserdem
         dafür aus , zu prüfen , inwieweit Mittelübertragungen innerhalb
         der einzelstaatlichen Haushaltspläne vorgenommen werden können ,
         um die beruflichen Ausbildungsmassnahmen und -einrichtungen zu
         verstärken .
(viii ) Der Beratende Ausschuss begrüsst es , dass die Kommission folgende
         Probleme vorrangig behandeln will :
         (a ) die soziale und berufliche Vorbereitung der Jugendlichen unter
              18 Jahren auf das Erwachsenen- und Erwerbsleben nach Abschluss
              der Vollzeit-Pflichtschule;
         (b ) die Ausbildung im Rahmen von Programmen zur Schaffung von
              Arbeitsplätzen auf örtlicher Ebene sowie zur Förderung der
              sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung in benachteiligten
              Gebieten:                     1
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             ( c ) die Ausbildung als ein Instrument , um die Chancengleichheit
                   in der Gesellschaft zu verbessern .
     ( ix ) Der Beratende Ausschußs unterstreicht , dass die Kommission bei der
            Entwicklung von Massnahmen in diesen vorrangigen Gebieten ihre
            Rolle in folgender Hinsicht verstärken sollte :
            – als Katalysator , um Innovationen und Entwicklungen zu fördern ,
                welche die Anpassung der nationalen Ausbildungspolitik an die
                neuen wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten erleichtern ;
            – durch die Förderung von Modellvorhaben , um die Entwicklung
                 effektiver Aktionsmodelle zu beschleunigen ;
            – durch die Verbreitung von Informationen und Daten über Aus–
                bildungsmassnahmen ;
            – durch eine Erleichterung von Austausch und Transfer von Informa­
                tionen über erfolgreiche Erfahrungen und Praktiken zugunsten
                aller .
            In dieser Hinsicht hebt der Beratende Ausschuss hervor , wie
            wichtig eine Verbindung mit einzelstaatlichen Massnahmen und
            erfolgversprechenden Initiativen und Instrumenten in den Mitglied-
            Staaten ist . Ausserdem betont der Beratende Ausschuss , dass wirk­
            samere Mittel gefunden werden müssen , um Informationen über Mass-
            nahmen und Praktiken zu verbreiten und den Austausch innerhalb
            eines interaktiven Prozesses , vor allem über Erfahrungen , die bei
            Modellversuchen auf Gemeinschaftsebene gesammelt Vierden , zu
            erleichtern .
      ( x) Die Gemeinschaftsaktionen , die im Bereich der Berufsausbildung ,
            vor allem hinsichtlich der sozialen und beruflichen Vorbereitung
            der Jugendlichen unter 18 Jahren zu entwickeln sind , sollten bei
            der Reform des Europäischen Sozialfonds berücksichtigt werden ,
            wobei auch zu beachten ist , wie wichtig engere Beziehungen zu
            dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und den übrigen
            Finanzinstrumenten der Gemeinschaft sind .
  ( xi ) Der Ausschuss begrüest es , dass die Kommisaion beabsichtigt ,
            ihn über die Entwicklungen in diesem Bereich eingehend zu
            unterrichten und ihn regelmässig über die Fortschritte zu
            informieren , die bei der Durchführung der vorgeschlagenen
            Massnahmen erzielt werden .
( xii ) Der Ausschuss bittet die Kommission , diese Stellungnahme bei
            der Abfassung ihrer Vorschläge an den Rat zu berücksichtigen .