CELEX: 51986PC0430
Language: de
Date: 1986-08-01
Title: VORSCHLAG FUER EINE VERORDNUNG ( EWG ) DES RATES UEBER EIN GEMEINSCHAFTLICHES RAHMENPROGRAMM IM BEREICH DER FORSCHUNG UND TECHNOLOGISCHEN ENTWICKLUNG 1987-1991

Nr. C 275/4                               Amtsblau der Europäischen Gemeinschaften                                 31.10.86
                                                  KOMMISSION
               Vorschlag für eine Verordnung (EWG) des Rates über ein gemeinschaftliches Rahmen-
                     programm im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung 1987—1991
                                                       KOM(86) 430 endg.
                                  (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 1. August 1986)
                                                         (86/C 275/03)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                         Es ist angezeigt, eine ausgewogene wissenschaftliche und
                                                                  technische Entwicklung in der Gemeinschaft zu fördern,
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäi-                um die wirtschaftliche und soziale Kohärenz zu stärken.
schen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf die
Artikel 43, 75 und 235 (>),                                       Es ist wichtig, die Durchführung der wissenschaftlichen
                                                                  und technischen Gemeinschaftsstrategie mit der Vollen-
                                                                  dung des Binnenmarktes zu verknüpfen.
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäi-
schen Atomgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 7,               Um eine möglichst vollständige Gesamtsicht ihrer Strate-
                                                                  gie im Bereich der Wissenschaft und Technologie, ein-
auf Vorschlag der Kommission,                                     schließlich des Nuklearbereichs vorzulegen, beabsichtigt
                                                                  die Gemeinschaft, mehrjährige Rahmenprogramme zu
                                                                  erlassen, in denen die wissenschaftlichen und technischen
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
                                                                  Zielsetzungen ihrer Aktionen festgelegt, ihre jeweiligen
                                                                  Prioritäten definiert, die großen Linien der vorgesehenen
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-                Aktionen aufgezeigt, die erforderlichen Mittel veran-
schusses,                                                         schlagt und die Modalitäten der finanziellen Beteiligung
                                                                  der Gemeinschaft am Gesamtprogramm sowie die Vertei-
nach Stellungnahme des Ausschusses für Wissenschaft               lung dieser Mittel auf die verschiedenen vorgesehenen
und Technik,                                                      Aktionen festgelegt werden; indessen führt die Kommis-
                                                                  sion im Bereich Kohle und Stahl autonome Aktionen
in Erwägung nachstehender Gründe:                                 durch, die nicht über den Haushalt der Gemeinschaften
                                                                  finanziert werden.
Nach Artikel 2 des Vertrages zur Gründung der Europäi-            Am 25. Juli 1983 (2) hat der Rat ein im Verlauf seiner
schen Wirtschaftsgemeinschaft ist es unter anderem Auf-           Durchführung zu revidierendes erstes Vierjahres-
gabe der Gemeinschaft, eine harmonische Entwicklung               Rahmenprogramm 1984—1987 erlassen; ein Zeitraum
der wirtschaftlichen Tätigkeiten der gesamten Gemein-             von fünf Jahren (1987—1991) erscheint im Lichte der
schaft, eine kontinuierliche und ausgewogene Entwick-             Erfahrungen für das zweite Rahmenprogramm angemes-
lung, sowie eine beschleunigte Anhebung des Lebens-               sener.
standards zu fördern.
                                                                  Die Durchführung des Rahmenprogramms muß mittels
Im Hinblick auf die Förderung der Entwicklung der in-             spezifischer Programme erfolgen, welche innerhalb einer
ternationalen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen In-           jeden Aktionslinie zu entwickeln sind, wobei die Modali-
dustrie ist es wichtig, die wissenschaftliche Forschung           täten, die Laufzeit und der geschätzte Mittelbedarf bei
und die technologische Entwicklung in der Gemeinschaft            der Verabschiedung dieser Programme festgelegt werden
zu stimulieren, um die wissenschaftlichen und technolo-           können.
gischen Grundlagen ihrer Industrie zu stärken.
                                                                  Es könnte zweckmäßig sein vorzusehen, daß verschie-
Es besteht die Notwendigkeit, die Unternehmen — die               dene dieser Programme die Form von ergänzenden Pro-
kleinen und mittleren Unternehmen, Forschungszentren              grammen erhalten.
und Hochschulen eingeschlossen — bei ihren Bemühun-
                                                                  In diesem Sinne ist auch vorzusehen, daß die spezifi-
gen auf dem Gebiet der Forschung und der technologi-
                                                                  schen und die ergänzenden Programme eine Beteiligung
schen Entwicklung zu ermutigen und ihre Anstrengun-
                                                                  der Gemeinschaft an Forschungs- und Entwicklungspro-
gen im Bereich der Zusammenarbeit im Hinblick insbe-
                                                                  grammen, die von mehreren Mitgliedstaaten durchge-
sondere auf die volle Nutzung der Möglichkeiten des
                                                                  führt werden, sowie eine Zusammenarbeit im FtE-Be-
Binnenmarktes zu unterstützen.
                                                                  reich mit Drittländern oder internationalen Organisatio-
                                                                  nen mit sich bringen können.
(') Mit Inkrafttreten der Einheitlichen Europäischen Akte ist
    diese rechtliche Grundlage „Artikel 235" durch den neuen
    mit der genannten Akte eingeführten Artikel 130 Q Absatz 1
    des EWG-Vertrags zu ersetzen.                                 O ABl. Nr. C 208 vom 4. 8. 1983, S. 1.
 ---pagebreak--- 31.10.86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. C 275/5
Bei den oben vorgesehenen Modalitäten der Durchfüh-            ben Milliarden siebenhunderfünfundreißig          Millionen
rung des Rahmenprogramms darf nicht ausgeschlossen             ECU festgesetzt.
werden, daß die Gemeinschaft mit Drittländern oder in-
ternationalen Organisationen im Hinblick auf die Ver-          (4)    Die Verteilung des geschätzten Mittelbedarfs auf
folgung der im Rahmenprogramm festgelegten wissen-             die vorgesehenen Aktionen ist in Anlage 1 festgelegt.
schaftlichen und technischen Zielsetzungen zusammenar-
beitet.                                                        (5)    Die großen vorgesehenen Aktionslinien sind in
                                                               Anlage 2 aufgeführt, die auch ihre wissenschaftlichen
Die Verabschiedung eines fünfjährigen Rahmenpro-               und technischen Zielsetzungen festgelegt.
gramms schließt in keiner Weise aus, daß es je nach dem
sich stetig weiter entwickelnden wissenschaftlichen und                                 Artikel 2
technischen Kontext angepaßt oder ergänzt wird; auf je-
den Fall erscheint es wünschenswert, daß die Kommis-           Die Durchführung des Rahmenprogramms erfolgt inner-
sion ab dem dritten Jahr der Laufzeit des Programms            halb jeder einzelnen Aktionslinie mittels spezifischer Pro-
eine Bewertung der Arbeiten und eine allgemeine Über-          gramme. Sofern erforderlich, kann sie auch mittels er-
prüfung vornimmt.                                              gänzender Programme erfolgen. Die spezifischen und
                                                               die ergänzenden Programme können eine Beteiligung
Der Ausschuß für Wissenschaftliche und Technische              der Gemeinschaft an Aktionen verschiedener Mitglied-
Forschung (AWTF) ist gehört worden.                            staaten sowie eine Zusammenarbeit mit verschiedenen
                                                               Drittländern oder internationalen Organisationen vorse-
Im Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschafts-          hen.
gemeinschaft sind keine spezifischen Befugnisse für die
Verabschiedung der vorliegenden Verordnung vorgese-            In jedem einzelnen Programm sind seine Durchfüh-
hen — zumindest was andere Bereiche als Landwirt-              rungsmodalitäten sowie die Laufzeit festgelegt und die
schaft, Fischerei und Verkehrswesen betrifft —                 erforderlichen Mittel veranschlagt.
                                                               Die einzelnen Programme auf der Grundlage des Eura-
HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:                              tom-Vertrags werden auf Vorschlag der Kommission
                                                               und nach Anhörung des Europäischen Parlaments vom
                          Artikel 1                            Rat mit qualifizierter Mehrheit angenommen.
(1)      Das Gemeinschaftliche Rahmenprogramm für
                                                                                        Artikel 3
Forschung und technologische Entwicklung erstreckt
sich über den Zeitraum 1987—1991.                              Die Modalitäten für die finanzielle Beteiligung der Ge-
                                                               meinschaften an dem gesamten Rahmenprogramm sind
(2)      Es sieht die Durchführung folgender acht Aktio-       die des Artikels 87 der Haushaltsordnung für den Ge-
nen vor:                                                       samthaushaltsplan der Europäischen Gemeinschaften,
1. Die Lebensqualität                                          unbeschadet der Einstellung von Mitteln in den Haushalt
                                                               für mögliche Beteiligungen der Gemeinschaften an natio-
2. Auf dem Weg zu einer Informationsgesellschaft               nalen oder internationalen Aktionen oder Projekten.
3. Der Wirtschaftskreislauf      im gemeinsamen Binnen-
    markt                                                                               Artikel 4
4. Die Anwendung neuer Technologien bei der indu-              Die Kommission wird im dritten Jahr der Laufzeit des
    striellen Modernisierung                                   Rahmenprogramms den Stand seiner Verwirklichung
                                                               prüfen. Sie wird vor allem bewerten, ob seine Zielsetzun-
5. Die Fortsetzung der Aktualisierung der Aktion im            gen, deren jeweilige Prioritäten und die vorgesehenen
    Energiebereich                                             Aktionen sowie die Finanzmittel noch immer der tatsäch-
                                                               lichen Entwicklung entsprechen. Im Lichte dieser Prü-
6. Die Biotechnologie: ein neuer technologischer Brenn-
                                                               fung wird sie Vorschläge zur Revision des Rahmenpro-
    punkt
                                                               gramms unterbreiten.
7. Die Nutzung des Meeresbodens und der Meeresres-
    sourcen                                                                              Artikel 5
8. Das Europa der Forscher.                                    Diese Verordnung tritt am dritten Tag nach dem Tag
                                                               ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Ge-
(3)      Der geschätzte Mittelbedarf im Hinblick auf die       meinschaften in Kraft.
Eintragung der Kredite in den allgemeinen Haushalt der
Gemeinschaften für ihre Beteiligung an der Durchfüh-           Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich
rung des Rahmenprogramms 1987—1991 wird auf sie-               und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedsstaat.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/6                                Amtsblatt d e r Europäischen Gemeinschaften                              3 1 . 1 0 . 86
                                                             ANHANG    1
                     R A H M E N P R O G R A M M FÜR DIE FtE-GEMEINSCHAFTSAKTIONEN 1987—1991
                    Aufteilung des für notwendig erachteten Betrags auf die verschiedenen geplanten Aktionen
                                                                                                       (MM. ECU)
            1.   Die Lebensqualität                                                                             575
            1.1. Die Gesundheit                                                                        150
            1.2. Die Umwelt                                                                            425
            2.   Au/dem Weg zu einer Informationsgesellscbaß                                                  2 050
            2.1. Informationstechnologien                                                            2 050
            3.   Der Wirtscbafiskreislauf im gemeinsamen Binnenmarkt                                          1 120
            3.1. Telekommunikation                                                                     800
            3.2. Integration der Telekommunikationstechnologien mit denen der Informa-
                 tion und der Audiovision in neue Anwendungen und Dienstleistungen von
                 gemeinsamem Interesse                                                                 300
            3.3. Verkehrswesen                                                                          20
            4.   Die Anwendung neuer Technologien bei der industriellen Modernisierung                         1110
            4.1. Technologien für die verarbeitenden Industrien                                        500
            4.2. Wissenschaften und Technologien für Werkstoffe und Rohstoffe                          370
            4.3. Technische Normen, Meßmethoden und Referenzmaterialien                                240
            5.   Die Fortsetzung und Aktualisierung der Aktion im Energiebereich                              1 890
            5.1. Kernspaltung                                                                          580
            5.2. Kernfusion                                                                          1 100
            5.3. Nichtnukleare Energie und rationelle Energienutzung                                   210
            6.   Die Biotechnologie: Ein neuer technologischer Brennpunkt                                       450
            6.1. Biotechnologien, Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Ressourcen,
                 agrarindustrielle Technologien, Wissenschaft und Technik im Dienste der
                 Entwicklung                                                                           450
            7.   Die Nutzung des Meeresbodens und der Meeresressourcen                                           80
            7.1. Meereswissenschaften und -technologien                                                 80
            8.   Das Europa der Forscher                                                                        460
            8.1. Verwirklichung des Europas der Forscher                                               460
                                                                                                              7 735
 ---pagebreak--- 31.10.86                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       Nr. C 275/7
                                                        ANHANG        2
         DIE    GRUNDZÜGE          DER   GEPLANTEN AKTIONEN U N D                 WISSENSCHAFTLICHE            UND
                                                  T E C H N I S C H E ZIELE
         1.   DIE LEBENSQUALITÄT
         1.1. Gesundheit
              Das allgemeine Ziel besteht darin, die Koordinierung der Forschung in Medizin und Gesundheits-
              wesen in Europa fortzusetzen sowie die Vorsorgemedizin weiterzuentwickeln und neuartige Thera-
              pien zu finden durch den Einsatz der modernen Biotechnologie mit ihren fortschrittlichsten Mitteln im
              medizinischen Bereich und hier insbesondere zur Früherkennung und Behandlung von bisher unheil-
              baren Erkrankungen.
              Die Koordinierung der Forschung in Medizin und Gesundheitswesen wird sich auf die wichtigsten,
              sämtliche Mitgliedstaaten betreffenden Gesundheitsprobleme konzentrieren und auch die neuen Ge-
              biete Krebs und AIDS einschließen. Die Aktionen, die sich mit altersbedingten (einschließlich Invalidi-
              tät) sowie mit umweit- und lebensstilbedingten Gesundheitsproblemen befassen, werden fortgesetzt.
              Außerdem werden die Aktionen zur Verbesserung und effizienten Nutzung der Mittel für das Ge-
              sundheitswesen fortgeführt, die sowohl FtE-Arbeiten auf dem Gebiete der Medizintechnik als auch
              Forschungsarbeiten über die Gesundheitsdienste (Durchführung und Organisation der Gesundheitsfür-
              sorge) einschließen.
              Die Entwicklung der Vorsorgemedizin und neuartiger Therapien wird hauptsächlich auf bessere Kennt-
              nisse der menschlichen Erbmasse, Immuntechnologie (anwendbar bei Krebs und Autoimmun- und In-
              fektionskrankheiten) Gentechnikverfahren zur Reparatur von DNS-Fehlern (beispielsweise bei ange-
              borenen Gendefekten) sowie die Entwicklung von Instrumenten zur Früherkennung (beispielsweise bei
              AIDS) ausgerichtet sein. Ein besonderer Aspekt der Gesundheit ist der des Schutzes gegen Strahlun-
              gen.
              Die Arbeiten über Strahlenschutz werden sich auf leistungsfähige, wirtschaftliche Methoden, mit denen
              das Strahlenrisiko (durch natürliche, medizinische oder industrielle Strahlenbelastungen) begrenzt
              werden kann, auf Forschungen über „Grundnormen" für den Strahlenschutz und ihre Anwendung
              sowie auf die radiologischen Folgen und Maßnahmen bei Unfällen konzentrieren. Der Vergleich der
              Meßmethoden, einschließlich der Zusammenstellung aussagefähiger Daten, wird auf Gemeinschafts-
              ebene durchgeführt werden.
              (Die EGKS-Aktionen auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin sind auf Gesundheitsprobleme und Berufser-
              krankungen im Zusammenhang mit der spezifischen Umgebung der Stahlwerke, Kokereien, Kohle-
              und Eisenbergwerke ausgerichtet.)
         1.2. Umwelt
              Die Ziele der Gemeinschaftsforschung in diesem Bereich sind 1. die Lösung anstehender Probleme bei
              der Vorbereitung und Umsetzung der Umweltpolitik der Gemeinschaft, 2. Feststellung und Unter-
              suchung von Umweltproblemen der vorausschaubaren Zukunft (z. B. der atmosphärische „Gewächs-
              hauseffekt"), 3. Verständnis der grundlegenden Aspekte der ökologischen und klimatischen Prozesse
              und 4. gesunde Lebensbedingungen im Zusammenhang mit bestimmten industriellen oder individuellen
              Tätigkeiten zu schaffen und zu erhalten. In diesem Rahmen wird die Forschung im Zeitraum 1987—
               1991 die Bereiche Umweltschutz, Schutz des kulturellen Erbes sowie die natürlichen Risiken und kli-
              mabedingten sowie technologischen Gefahren umfassen.
              Die Forschung im Bereich Umweltschutz wird folgende Schwerpunkte setzen: Verfahren zur Erfas-
              sung, Messung, Analyse und Überwachung von Schadstoffen (einschließlich Fernerkundung aus dem
              Luft- und Weltraum), Wirkungen von Schadstoffen auf die Gesundheit und auf Ökosysteme, Bewer-
              tung chemischer Produkte, Auswirkungen der menschlichen Aktivitäten auf die Umweltqualität, Un-
              tersuchungen der Grundprinzipien von Umweltvorgängen und der Funktionsweise von Ökosystemen,
              Abfallwirtschaft, Entwicklung von Verfahren zur Schadstoffminderung und Emissionsverhütung und
              Beseitigung von Umweltschäden. Die Fernerkundung aus dem Luft- und Weltraum befindet sich in
              schneller Entwicklung und ihre Anwendung für den Umweltschutz wird zunehmend Beachtung fin-
              den.
              Die Forschung zum Schutz des kulturellen Erbes wird sich konzentrieren auf die Untersuchung von
              Veränderungsmechanismen, auf die Entwicklung von Schadensverhütungsmethoden, auf die Anhal-
              tung der vom Menschen verursachten Beschleunigung des natürlichen Alterungsprozesses und auf die
              Entwicklung von Methoden zur Restaurierung unersetzlicher Kulturgüter.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/8                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      31.10.86
                 Die Forschung über Klimatologie und natürliche Risiken wird sich auf das Verständnis der entspre-
                 chenden Mechanismen konzentrieren, z. B. durch Entwicklung von leistungsfähigen Modellen, die es
                 gestatten, Ort und Zeit solcher Phänomene so genau vorherzusagen, daß Planung und Vorbeugung
                 möglich sind, und zwar durch verfeinerte Abschätzung ihrer Auswirkungen in bestimmten geographi-
                 schen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereichen und Lieferung verläßlicher wissenschaftlicher Grundla-
                 gen für alle Verhütungs- oder Wiederherstellungsmaßnahmen.
                 Die Forschungen über größere technologische Risiken sind auf das Verständnis, die Vorbeugung und
                 die Verminderung der Folgen großer chemischer/petrochemischer Unfälle ausgerichtet.
                 Im Mittelpunkt der Aktionen auf dem Gebiet der Brandsicherheit in Gebäuden verschiedener Art steht
                 die Risikoanalyse, die Brandentstehung und -ausbreitung sowie Maßnahmen zur Schadensminderung.
                 Außerdem sollen Forschungsarbeiten über Fernsteuerungstechnologien durchgeführt werden, die in
                 menschenfeindlicher oder gefährlicher Umgebung zur Anwendung kommen, wie z. B. an strahlenver-
                 seuchten oder durch biologisch gefährliche Stoffe kontaminierten Orten oder unter extremen Druck-
                 und/oder Temperaturverhältnissen.
                 Bei den Forschungen über Gefahrenminderung im Alltagsleben liegt das Schwergewicht auf dem Schutz
                 der Verbraucher gegen gefährliche Erzeugnisse, gegen Unfälle aufgrund der Einführung neuer Tech-
                 nologien und gegen neue Arten von Haushaltsgeräten, Spezialerzeugnisse für ältere oder behinderte
                 Personen, Kinder.
                 (Die EGKS-Aktionen über die Sicherheit am Arbeitsplatz sind auf Probleme der Ergonomie, Sicher-
                 heit und Hygiene in der spezifischen Umgebung der Stahlwerke, Kokereien, Kohle- und Eisenberg-
                 werke ausgerichtet.)
            2.   AUF DEM WEG ZU EINER INFORMATIONSGESELLSCHAFT
            2.1. Informationstechnologien
                 Diese Aktion stellt ab auf:
                 — die Bereitstellung der Grundlagentechnologien für die europäische IT-Industrie, die für den Wett-
                     bewerb in den neunziger Jahren erforderlich sind;
                 — die Förderung der europäischen industriellen Zusammenarbeit in der vorwettbewerblichen FtE im
                     IT-Bereich;
                 — den Beitrag zur Entwicklung internationaler Normen.
                 Diese Aktion umfaßt vorwettbewerbliche FtE in Mikroelektronik und Peripheriegerätetechnologien,
                 Informationsverarbeitungssysteme, die Integration von IT in Anwendungssysteme und einige Grund-
                 lagenforschung im IT-Bereich.
                 Die hauptsächlichen FtE-Themen schließen ein: Hochintegrierte Schaltkreise, integrierte Hochge-
                 schwindigkeitsschaltkreise, mehrfunktionale integrierte Schaltkreise, Peripheriegeräte, für den System-
                 entwurf, Wissensverarbeitung, Systemarchitektur, Signalverarbeitung, Büroorganisation, integrierte In-
                 formationssysteme und die Automatisierung von Fertigungsprozessen.
            3.   DER WIRTSCHAFTSKREISLAUF IM GEMEINSAMEN BINNENMARKT
            3.1. Telekommunikation
                 Das Ziel ist, eine Führungsposition für Europa bei fortgeschrittenen Kommunikationstechnologien
                 und -dienstleistungen sicherzustellen durch die fortschreitende Einführung, auf der Ebene der Ge-
                 meinschaft, von IBC-Dienstleistungen gegen 1995. Die Aktion umfaßt die folgenden drei Bereiche:
                 — Strategien zur Entwicklung und Implementierung integrierter Breitbandkommunikation (IBC): Ent-
                     wicklung funktionaler Spezifikationen, Systemuntersuchungen und „Operations Research" für die
                     Definition von IBC Normvorschlägen, Konzepten und Vereinbarungen, die eine offene Systement-
                     wicklung zulassen, sowie analytische Arbeiten, die dem Ziel dienen, die Kompatibilität der IBC-
                     Geräte und -Dienste sicherzustellen;
                 — IBC Technologien: Technologische FtE-Kooperation in den Bereichen, die eine Schlüsselrolle für
                     die Entwicklung kostengünstiger IBC-Geräte und -Dienste spielen;
                 — Projekte der Funktionsintegration: „Pränormative" Realisierung von Forschungs-Prototypen, die
                     dem Offenen Systemkonzept entsprechen und die entsprechenden Arbeiten zur Entwicklung, Er-
                     probung und Verbesserung für IBC-Geräte, -Funktionen und -Dienste beinhalten.
                 Die geplanten Aktionen haben nicht den Charakter von Demonstrationsvorhaben oder Feldtests. Be-
                 vor ein harmonisiertes System von IBC-Diensten funktionsfähig ist, müssen Prototypanlagen errichtet
                 oder solche Tests durchgeführt werden. Diese gehen jedoch über die im Rahmen der Gemeinschafts-
                 aktion vorgesehenen Anstrengungen hinaus.
 ---pagebreak--- 31.10.86                                 Amtsblatt d e r Europäischen Gemeinschaften                                   Nr. C 275/9
         3.2. Integration der Telekommunikationstechnologien mit denen der Information und der Audiovision in
              neue Anwendungen und Dienstleistungen von gemeinsamem Interesse
              Ziel ist die Nutzung der Vorteile der bei Informations-, Telekommunikations- und Audiovisionstech-
              nologien erreichten Fortschritte durch die Integration dieser technologischen Fortschritte zum Nutzen
              neuer Anwendungen, die einem gemeinsamen wirtschaftlichen und sozialen Bedarf entsprechen.
              Dies schließt zum Beispiel die kombinierte Nutzung dieser Technologien zugunsten von Erziehung
              und Ausbildung, der Verbesserung der Verkehrssicherheit und des Gesundheitswesens, der Einführung
              neuer Dienstleistungen im Finanzwesen auf der Ebene der gesamten Gemeinschaft ein.
              Die Anstrengungen betreffen die vorwettbewerblichen und pränormativen Aspekte in folgenden Berei-
              chen:
              — Entwicklung von Referenzmodellen, mit denen die technisch-wirtschaftlichen Charakteristika jedes
                   einzelnen Anwendungsbereichs (Ausbildung, Gesundheitswesen,              Straßenverkehrssicherheit,
                   Finanzdienste) beschrieben werden;
              — Unterstützung der Normungsarbeiten in jedem Anwendungsbereich;
              — Integration der Informations-, Telekommunikations- und audiovisuellen Technologien — auf
                   Systemebene — im Hinblick auf die Schaffung neuer Anwendungsmöglichkeiten und neuer Dien-
                   ste;
              — ergänzende anwendungsspezifische technologische Anstrengungen.
         3.3. Verkehrswesen
              Allgemeine     Aktion
              Die Aktion der Gemeinschaft auf diesem umfassenden Gebiet soll im wesentlichen der Erhaltung und
              Verstärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie dienen sowie einen Beitrag zur De-
              finition von gemeinsamen Normen und Standards leisten, die zur Vollendung des Binnenmarkts not-
              wendig sind.
              Diese Aktion wird vorrangig folgende Bereiche abdecken:
              — Spurgefiibrte Verkehrssysteme: Automatisierung der Verkehrsüberwachung, der Signalgebung und
                   der Schienenausrüstung, Simulation der Zugführung, Lärmminderung und Aerodynamik von Fahr-
                   zeugen; Linearmotoren, Auswirkungen auf Fahrgäste (z. B. Tunneldurchfahrten) und die Umwelt
                   (z. B. Lärm und optische Störungen);
              — Straßenverkehr: Analyse von Straßenunfällen; Verbesserung der Sicherheit im Güter- und Perso-
                   nenkraftverkehr; Optimierung von elektrischen Fahrzeugen;
              — Seeverkehr: Management, Wartung, Funktion und Zustand des Schiffes, sowie wirtschaftliche
                   Kursführung; Konfiguration und Verhalten von Schiffen, Rauheit des Rumpfes, Fahrtwiderstand,
                   neue Schiffstypen und unkonventionelle Antriebsausrüstung für den Handelsbedarf; Management
                   des Seeverkehrs; System Schiff— Mensch;
              — Luftverkehr: Entzündlichkeit und Toxizität von beim Kabinenbau verwendeten Werkstoffen; Ra-
                   tionalisierung und Modernisierung von Luftverkehrskontrollen.
              Luftfahrttechnologie
              Der Inhalt dieser Aktion wird noch geprüft, und es können nur versuchsweise Hinweise gegeben wer-
              den. Die wesentlichen Aktionslinien, die vernünftigerweise in Betracht gezogen werden können, sind
              folgende:
              — Entwicklung eines für Europa modernen gemeinsamen Plans fiir den luftfahrttechnologichen Bedarf
                   an vorwettbewerblicher Forschung, wie er für die Erhaltung einer Weltniveaukapazität für grund-
                   legende Schlüsseltechnologien erforderlich ist;
              — Durchführung von kooperativer Forschung über Schlüsselelemente des europäischen Technologiebe-
                   darfsplans: die zu bearbeitenden Bereiche schließen ein die Aerodynamik, Flugmechanik, Struktu-
                   ren und Werkstoffe, Systemintegration, Informationstechniken, elektronische Systeme, Antriebssy-
                   steme, fortgeschrittene Bau- und Herstellungstechniken, Zuverlässigkeit und Sicherheit;
              — Entwicklung von wissenschaftlichen und technischen Grundlegungen fiir Normen und Standards, an-
                  wendbar auf die Beschaffung und die Spezifikationen von Luftfahrt-Bauelementen.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/10                                 Amtsblatt d e r Europäischen Gemeinschaften                                31.10.86
            4.    DIE A N W E N D U N G NEUER T E C H N O L O G I E N BEI DER INDUSTRIELLEN
                  MODERNISIERUNG
            4.1. Technologien für die verarbeitenden Industrien
                  Die Entwicklung und Anwendung fortgeschrittener Technologien für die verarbeitende Industrie stellt
                  einen wesentlichen Faktor der Wettbewerbsfähigkeit dar. Durch gegenseitige Befruchtung der auf in-
                  dustrieller und Forschungsebene vorhandenen Kompetenzen wird die Gemeinschaft weiterhin die Ent-
                  wicklung verschiedener sektorüberschreitender Bereiche unterstützen, die zur Zeit höchste Priorität
                  genießen, wie z. B.:
                  — die Zuverlässigkeit von Werkstoffen und Komponenten, die Werkstoffabnutzung (Korrosion, Ver-
                       schleiß, biologischer Abbau), die Tribologie mechanischer Systeme und spezifische Anwendungen
                       von Werkstoffen;
                  — fortschrittliche Entwurfs- und Herstellungsverfahren, Laser-Technologie, Verbindungstechniken,
                       Anwendung neuer Technologien in Fertigungsprozessen mit Sonderproblemen (z. B. Fertigungs-
                       verfahren unter Verwendung flexibler Werkstoffe), zerstörungsfreies Prüfen, On-Line- und com-
                       putergestütztes Testen;
                 — Membranwissenschaft und -technologie, Katalyse und Partikeltechnologie.
                 Auf der Grundlage der Erfahrungen in diesen Bereichen wird die strategische Planung der Aktion
                  durch eingehende Bearbeitung neuer Bereiche konzentriert werden, die in Konsultation mit der Indu-
                  strie bestimmt werden, einschließlich:
                 — Einführung neuer sektorübergreifender Technologien in der Fertigung zahlreicher neuer oder
                       technologisch verbesserter Produkte, einschließlich Möbel und Textilien, Produkten auf Papier-
                       basis, Werkzeugmaschinen;
                 — Die Nutzung und die Verfahren zur Nutzung neuer Werkstoffe, einschließlich aller Aspekte wirt-
                       schaftlicher Herstellung, wie z. B. Entwurf, Handhabung, Herstellung, Inspektion, Normen und
                      Ausbildung.
                 Die Gemeinschaft wird ferner Aktionen einleiten, um groß- oder originalmaßstäblich die technische
                 Durchführbarkeit der entwickelten, Verfahren nachzuweisen und damit ihre schnelle Übernahme
                 durch die europäische Industrie, speziell durch KMB, zu ermutigen.
           4.2. Wissenschaften und Technologien für Werkstoffe und Rohstoffe
                  Werkstoffe
                 Mit dieser Aktion soll durch Zusammenlegung der Kompetenzen und Intensivierung der Zusammen-
                 arbeit zwischen der Industrie und den Universitäten die wissenschaftliche und technologische Basis der
                 Gemeinschaft auf einem für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit wesentlichen Gebiet verstärkt wer-
                 den.
                 Sie umfaßt die Grundlagenforschung (über Eigenschaften und Phänomene) und die technischen
                 Aspekte und Verfahren auf folgenden Gebieten: technische Keramik, Polymere, Verbundwerkstoffe,
                 fortgeschrittene Metallegierungen, amorphe und fehlgeordnete Werkstoffe und Biowerkstoffe, supra-
                 leitende Werkstoffe (und andere Werkstoffe mit spezifischen elektrischen Eigenschaften) und Mikro-
                 gravitation.
                 Besondere Aufmerksamkeit wird Werkstoffen gewidmet, die unter extremen Beanspruchungen einge-
                 setzt werden und für die Datenbasen betrieben werden.
                 Andere Materialforschungsgebiete könnten ebenfalls auf Gemeinschaftsebene untersucht werden. Dies
                 hängt lediglich von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab (z. B. fortschrittliche Baumaterialien). Es
                 ist vorgesehen, ein europäisches Pilotlaboratorium zur Synthese und Behandlung von Werkstoffen zu
                 erstellen. Diese metallurgische Ionen-/Laser-/Elektronenschmelzanlage soll als Demonstrationsprojekt
                 für die Industrie und Forscher aus allen Mitgliedstaaten zur Verfügung stehen.
                 Rohstoffe
                 Die wichtigste Zielsetzung ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft in den Metall- und
                 Holzindustrien zu erhalten bzw. zu stärken, insbesondere durch Verringerung von Betriebs- und Inve-
                 stitionskosten. Die Forschung über primäre Rohstoffe wird sich auf Probleme von gemeinschaftlichem
                 Interesse konzentrieren: in der Exploration (Vorbereitung von Konzepten und Methoden im Hinblick
                 auf eine Wiederbelebung der Explorationstätigkeit), in der Bergbautechnik (Verbesserung der Wirt-
                 schaftlichkeit bestehender Bergwerke und Entwicklung fortgeschrittener Technologien für zukünftige
                 Bergwerke, z. B. Robotik) und in der Mineralaufbereitung (z. B. Verarbeitung komplexer Erze und
                von Erzen, die Metalle für Werkstoffe der neuen Technologien enthalten).
 ---pagebreak--- 31. 10.86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    Nr. C 275/11
                 Die Rückfiihrung ist eine weitere Zielsetzung für die Forschung, mit dem Schwerpunkt auf neuen
                Werkstoffen wie besondere Legierungen und Verbundwerkstoffe, die zunehmend in den fortgeschrit-
                tenen Technologien verwendet werden. Die Wiederverwertung und Verwendung von rückgewon-
                nenen Produkten aus Hausmüll ist ebenfalls ein Schlüsselgebiet.
                 Holzforschung sollte die ganze „Holzkette" einschließen, von Saatgutproduktion bis zum Endver-
                brauch von Holz und anderen Waldprodukten, einschließlich genetischer Verbesserungen, Baum-
                physiologie, Schutz gegen Krankheiten und Umweltbelastung, Holzverwendung als Strukturmaterial,
                Faserlieferant und chemischer Grundstoff.
          4.3. Technische Normen, Meßmethoden und Referenzmaterialien
                Die Aktion soll die wissenschaftliche und technologische Grundlage zur Ausarbeitung von einheitli-
                chen Normen und Standards legen, die in der gesamten Gemeinschaft anwendbar sind.
                Diese Aktion wird sich in dreierlei Hinsicht entwickeln:
                — Förderung der Zusammenarbeit zwischen nationalen Laboratorien zur Verbesserung von Meßver-
                    fahren (angewandte Metrologie und chemische Analysen) und zur Entwicklung geeigneter Verifika-
                     tionsmittel (Referenzmaterialien), die auf Gemeinschaftsebene anerkannt werden, für verschiedene
                     Bereiche einschließlich Umwelt, Gesundheitswesen, Nahrungsmittel, Industrieprodukte;
               — Verbesserung von kerntechnischen Messungen (neutronen-induzierte Reaktionen, radioaktiver Zer-
                    fall, Neutronenfluß, Dosis, usw.) und Bereitstellung von nuklearen Referenzmaterialien für Spaltung
                    und Fusion;
               — Vornormungsforschung über die Zuverlässigkeit der Strukturen und Werkstoffe. Nachdruck wird
                    auf Zuverlässigkeitsmethodologien und Modelle des Verhaltens von fortschrittlichen Werkstoffen
                    und industriellen Strukturen in Hinsicht auf die Verbesserung von Verwendungscodes gelegt.
          5.    DIE FORSETZUNG U N D AKTUALISIERUNG DER AKTION IM ENERGIEBEREICH
          5.1. Kernspaltung
                Das Ziel ist die Verstärkung der Sicherheitsaspekte der Kernspaltung, unter besonderer Berücksichti-
               gung der Auswirkungen des Reaktorunfalls von Tschernobyl, sowie die Lieferung objektiver Informa-
               tionen, die den nationalen Rahmen überschreiten und so mithelfen, nationale Ansätze auf dem Gebiet
               der nuklearen Sicherheit aufeinander abzustimmen.
               Die Reaktorsicherheitsforschung wird sich sowohl auf Leichtwasserreaktoren als auch auf flüssigmetall-
               gekühlte schnelle Brutreaktoren erstrecken und in beiden Fällen Bezug auf das beobachtete Verhalten
               von im Betrieb befindlichen Anlagen nehmen. Die experimentelle Arbeit wird die Vorbeugung und die
               Begrenzung der Folgen schwerer Unfälle behandeln.
               Darüber hinaus werden sich Arbeiten mit der Angleichung der nuklearen Sicherheit und der Wechsel-
               wirkung von Sicherheitsforschung und Vorschriften befassen.
               Die Arbeiten über die Bewirtschaftung und Lagerung radioaktiver Abfälle werden sich auf die Abfallbe-
               handlung, Konditionierung und Qualitätssicherung sowie auf die Demonstration sicherer Langzeit-
               Endlagermöglichkeiten in geologischen Formationen wie Salz, Granit oder Ton konzentrieren. Ferner
               werden Bemühungen unternommen, einen europäischen Konsens zu erreichen und die Verfahrenswei-
               sen auf dem Gebiet der Lagerung radioaktiver Abfälle zu harmonisieren.
               Die Arbeiten über die Stillegung von Kernanlagen werden die Demonstration diesbezüglicher Techno-
                logien und die Abstimmung von Ansätzen und Verfahrensweisen innerhalb der Gemeinschaft umfas-
               sen.
               Die Methoden und Verfahren der Sicherheitsüberwachung für Spaltstoffund die Verfahren für die Inte-
               gration der Überwachung werden weiterentwickelt.
               Schließlich könnten die Bemühungen der Gemeinschaft — in Bereichen, die sich auf die nukleare
               Sicherheit beziehen — den Mitgliedstaaten bei den Entwicklungsarbeiten für fortgeschrittene Reaktorsy-
               steme und deren Brennstoffkreisläufe behilflich sein.
          5.2. Kernfusion
               Das Ziel ist letzten Endes der Bau von Fusionsreaktoren für die Energieerzeugung. Der Weg dorthin
               kann schematisch in drei Abschnitte eingeteilt werden: Nachweis der wissenschaftlichen Durchführ-
               barkeit, der technischen und schließlich der wirtschaftlichen Durchführbarkeit. Zur Zeit ist man mit
               JET, den mittelgroßen Tokamaks und ihren ausländischen Gegenstücken noch weitgehend in der wis-
               senschaftlichen Phase. Der „Next European Torus" (NET), der sich gegenwärtig in der Vorent-
               wurfsphase befindet, wird derzeit als eine Anlage aufgefaßt, die in einer ersten Phase die wissenschaft-
               liche Durchführbarkeit der Kernfusion bestätigen und in einer zweiten Phase das Problem der techni-
               schen Durchführbarkeit angehen sollte.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/12                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     3 1 . 1 0 . 86
                  Die Hauptaktionen für die Jahre 1987—1991 sind:
                  — Erarbeitung der für den Detailentwurf von N E T erforderlichen physikalischen und technologi-
                       schen Grundlagen; dies bedingt die Nutzung der äußersten Möglichkeiten von JET und mehrerer
                       mittelgroßer spezialisierter Tokamaks, die bereits bestehen oder im Bau sind, die Verlängerung der
                       Dauer des Gemeinsamen Unternehmens JET bis Ende 1992 und die Stärkung des Technologiepro-
                       gramms;
                  — gegebenenfalls 1989—1990 Beginn des detaillierten Entwurfs von NET, wenn die erforderliche
                       Datenbasis bis dahin existiert;
                  — Erkundung des Reaktorpotentials einiger alternativer Baureihen (Stellarator und Pinch mit umge-
                       kehrtem Feld);
                  — Methoden für die sichere Handhabung von Tritiummengen zu entwickeln, die für den Betrieb der
                       Kernfusionsanlage notwendig sind. Bau eines Laboratoriums für Tritiumhandhabung.
             5.3. Nichtnukleare Energien (fossile, neue und erneuerbare Energiequellen) und rationelle Energienutzung
                  Das Hauptziel dieser Aktion ist es, einen Beitrag zur Verwirklichung der Energiestrategie der Kom-
                  mission zu leisten, deren wesentliches Ziel es ist, auf mittlere und lange Sicht den Energiebedarf der
                  Gemeinschaft unter politisch sicheren, wettbewerbsfähigen und umweltschonenden Bedingungen zu
                  decken. Auf diese Weise wird die Weiterentwicklung der europäischen Gesellschaft und der Wett-
                  bewerbsaspekt seiner Industrie verbessert werden.
                  In diesem Rahmen werden sich die Arbeiten auf die Sonnenenergie (insbesondere photovoltaische
                  Stromerzeugung, passive Solartechnologie und die Materialprüfung), auf Biomasse, heißes Trockenge-
                  stein und verwandte Technologien, auf die saubere Nutzung fester Brennstoffe, auf Gewinnung und
                  Nutzung von Kohlenwasserstoffen, auf neue Energieträger, auf kritische Probleme der Windenergie,
                  auf Energiespeicherung (einschließlich Brennstoffzellen und Batterien) sowie auf Energie-Systemana-
                  lyse konzentrieren.
                  Im Verlaufe der Aktion wird das Schwergewicht immer mehr auf die Stimulation der technologischen
                  Fähigkeiten der Gemeinschaft in einer Reihe von grundlegenden Gebieten (Brennstoffwissenschaft,
                  Tiefengeologie der Energiequellen, fortschrittliche Brennstoffzellentechnologie usw.), auf zielgerich-
                  tete Forschungsprojekte in Verlängerung früherer Grundlagenforschungen (z. B. magnetohydrodyna-
                  mische Stromerzeuger) und auf Tätigkeiten, die eine Kombination von Bemühungen mehr oder weni-
                  ger industrialisierter Bereiche der Gemeinschaft verlangen (z. B. Modelle für Energiesysteme, inte-
                  grierte Projekte zur Nutzung der Biomasse usw.) gelegt.
             6.   DIE BIOTECHNOLOGIE: EIN NEUER TECHNOLOGISCHER BRENNPUNKT
             6.1. Biotechnologien, Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Ressourcen, agrarindustrielle Technologien,
                  Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung
                  Die auf dem Gebiet der Biowissenschaften und ihrer technologischen Anwendungen erzielten raschen
                  und kontinuierlichen Fortschritte schaffen eine neue Art von Beziehungen und Möglichkeiten in der
                  Landwirtschaft und Industrie und an den Schnittstellen zwischen diesen beiden Bereichen.
                  Diese neuen Möglichkeiten können nur dann wirksam genutzt werden, wenn ein integriertes Konzept
                  für die Planung der Forschungsarbeiten auf den Gebieten der Biotechnologie, der Landwirtschaft und
                  der agrarindustriellen Technologien angenommen wird.
                  Biotechnologie
                   Dieser Tätigkeitsbereich hat zum Ziel, durch Forschung, Ausbildung und Konzertierung, die Wett-
                  bewerbsfähigkeit der Mitgliedstaaten gegenüber Drittländern auf den Gebieten der Biotechnologie zu
                  verbessern, welche mittel- und langfristig für die europäische Industrie und Landwirtschaft essentiell
                  sind. Die Herausforderung ist enorm, und die FtE muß dazu beitragen, sie anzunehmen, um so mehr,
                   als aufgrund einer vielversprechenden Entwicklung nunmehr die Verwendung von Agrarprodukten —
                  als Ausgangsstoffe für organische chemische Erzeugnisse — als Rohstoff für die Industrie vorzusehen
                  ist.
                  Er soll ebenfalls einen Beitrag zur Schaffung neuer Methoden der Einschätzung biologischer Aktivität
                  und potentieller Risiken liefern, und damit zur einheitlichen und abgestimmten Ausarbeitung der Poli-
                  tiken und Vorschriften, welche die Förderung der modernen Biotechnologien in der Gemeinschaft
                  bestimmen. Diese Ziele werden verfolgt durch:
                  — Erstellung von gemeinschaftlichen FtE-Netzen, welche den Bestrebungen der Mitgliedstaaten eine
                       transnationale Dimension geben sollen und den Technologietransfer zur Industrie und zur Land-
                       wirtschaft auf den folgenden Gebieten erleichtern soll:
                       — flankierende Maßnahmen zur Verbesserung der FtE-Infrastruktur            (Bio-Informationstechnik
                           und Sammlungen);
                       — Basis-Biotechnologie zur Lösung der wissenschaftlichen und technischen Probleme, welche der
                           praktischen Nutzung der Ergebnisse der Grundlagenforschung im Wege stehen.
 ---pagebreak--- 31.10.86                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   Nr. C 275/13
             Die Ausbildung der Forscher dank eines grenzüberschreitenden Einsatzes von Kompetenzen und
             Anlagen bildet einen festen und wesentlichen Bestandteil dieser Forschungsarbeiten.
         — Die angemessene wissenschaftliche und technische Entwicklung in der Biotechnologie setzt dank
             der Konzertierung eine kontinuierliche Bewertung der strategischen Bedeutung der neuen Ent-
             wicklungen in der Biotechnologie und die Förderung des unbedingt nötigen Zusammenhangs zwi-
             schen den verschiedenen Gebieten der Gemeinschaftspolitik voraus, welche die Biotechnologie be-
             treffen oder von ihr betroffen werden.
         Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen   Ressourcen
         Dieser Tätigkeitsbereich hat eine den neuen Marktrealitäten angepaßte bessere Bewirtschaftung der
         Agrarressourcen zum Ziel. Die Agrarforschungspolitik muß verstärkt werden. Sie soll, im Hinblick
         darauf, die Entwicklung einer wissenschaftlichen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Landwirtschaft in
         Europa fördern und die Forschung im Sinne der Anforderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik aus-
         richten.
         Die FtE-Gemeinschaftsaktionen werden sich auf die folgenden Orientierungen stützen:
         — wirksamer Einsatz der personellen und finanziellen Mittel;
         — Diversifizierung, qualitative Verbesserung und Verringerung der Kosten der Produktion;
         — Entwicklung neuer Anwendungen und neuer Absatzmärkte;
         — Nutzung von Boden und Wasser;
         — Förderung der Forstwirtschaft;
         — wirksamer Schutz der ländlichen Umgebung;
         — regionales Gleichgewicht und integrierte Agrarentwicklung.
         Die zu diesem Zweck eingesetzten Techniken umfassen auch die Fernerkundung.
         Agrarindustrieüe    Technologien
         Zur Ergänzung der FtE-Aktivitäten auf dem Gebiet der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Res-
         sourcen und der Biotechnologie wird der Tätigkeitsbereich der Gemeinschaft auch folgende Aktionen
         umfassen:
         — Forschung auf dem Gebiet der Qualität und der Wettbewerbsfähigkeit von Nahrungsmitteln;
         — Forschungsarbeiten über den menschlichen und industriellen Verbrauch;
         — Entwicklungsarbeiten zum Aufzeigen von möglichen Neuerungen aufgrund von Forschungsergeb-
             nissen in der Biotechnologie und der Landwirtschaft. (Beitrag der Industrie zur Landwirtschaft
             und neue Produktions- oder Transformationsmöglichkeiten durch agrar-industrielle Technolo-
             gien.)
         Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung
         Die Biotechnologie ist ein wesentliches Element für den Fortschritt in zwei für die Entwicklungsländer
         vorrangigen Bereichen, und zwar Landwirtschaft sowie Medizin, Gesundheit und Ernährung.
         —     Landwirtschaß
             Die in diesem Bereich vorgesehenen Forschungsvorhaben betreffen vor allem die folgenden vier
             Themen:
             — die Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion auf pflanzlicher oder tierischer Basis,
                  über ihre verschiedenen Komponenten (Verbesserung der Arten oder Rassen, ihres Schutzes
                  insbesondere durch die Nutzung biotechnologischer Verfahren, Verbesserung des Ertrags, Ver-
                  besserung der Anbauverfahren, usw.);
             — die Erhaltung und die Verbesserung der Umwelt. Dabei geht es insbesondere um die Bewer-
                  tung der natürlichen Ressourcen, die Wasserwirtschaft sowie Bewirtschaftung und die Erhal-
                  tung des Bodens; alles unverzichtbare Mittel im Kampf gegen die Verödung;
             — die Agrartechnik und die Nach-Erntetechniken. Hier geht es um Forschungsaktionen auf den
                  Gebieten landwirtschaftliche Technik, Mechanisierung, Konservierung sowie Be- und Verarbei-
                  tung von Erzeugnissen;
             — die Anbau- und Produktionssysteme. Hier geht es um multidisziplinäre Forschungen zur Un-
                  tersuchung der Wechselwirkungen der die Entwicklung pflanzlicher und tierischer Produktion
                  in einem gegebenen Milieu bestimmenden Faktoren.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/14                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       31.10.86
                  — Medizin, Gesundheit und Ernährung
                      Die Forschung betrifft auf diesem Gebiet insbesondere drei Themenbereiche:
                      — die tropischen Krankheiten, übertragbar oder nicht, unter Einbeziehung der Entwicklung bzw.
                          der Verbesserung von Impfstoffen, von Diagnose- und Behandlungsmethoden, und der Über-
                          wachung der Krankheitsträger;
                      — Operations research in bezug auf Systeme der Gesundheitspflege, die auf die ländliche bzw.
                          städtische Umwelt der Entwicklungsländer abgestimmt sind;
                      — die Ernährungsforschung, die auf der Schnittstelle verschiedener Disziplinen angesiedelt ist und
                          zwar der Medizin, der Landwirtschaft, der Volkswirtschaft und der Sozialwissenschaften.
            7.    DIE N U T Z U N G DES MEERESBODENS U N D DER MEERESRESSOURCEN
            7.1. Meereswissenschaften und -technologien
                  Die Gemeinschaftsforschung auf diesem Gebiet soll Grundlagen- und angewandte Forschung, die Ent-
                  wicklung mariner Technologie sowie verschiedene unterstützende Tätigkeiten umfassen. Die For-
                  schungsziele der Grundlagen- und angewandten Forschung im Bereich der marinen Wissenschaften be-
                  stehen darin, die Kenntnisse und das Verständnis der europäischen Küsten- und Randmeere zu vertie-
                  fen, um Änderungen in diesen Meeresgebieten vorherzusagen, sowie die wissenschaftlichen Grundla-
                  gen für ihre Ausbeutung, ihr Management und ihren Schutz zu liefern., Die Aktion erstreckt sich auf
                  die Entwicklung mathematischer Modelle auf verschiedenen Ebenen sowie ihre Validierung durch
                  Meßkampagnen.
                  Auf dem Gebiet der marinen Technologien bestehen die Ziele darin, auf der vorwettbewerblichen
                  Ebene neue Instrumente und Geräte zu entwickeln, die für die Erreichung der im vorausgegangenen
                  Abschnitt genannten Ziele notwendig sind: Sensoren, Aufnahme- und Übermittlungsgeräte für Daten,
                  Bojen, schwimmende Forschungsplattformen, Unter- und Überwasserfahrzeuge. Weiterhin wird sich
                  die Europäische Gemeinschaft an der Spezifizierung neuer Großgeräte bzw. -anlagen, wie beispiels-
                  weise eines Tiefseebohrschiffs beteiligen.
                  Zusätzlich soll eine Reihe unterstützender Aktivitäten durchgeführt werden, wie die Schaffung eines
                  Forums mit dem Zweck, die effektivste Ausnutzung der vorhandenen Forschungsschiffe und anderer
                  bedeutsamer, von den Mitgliedstaaten betriebenen Großgeräte zu gewährleisten, die Standardisierung
                  von Methoden durch Vergleichsmessungen und die Kalibrierung von Instrumenten zu fördern und die
                  Referenzmaterialien zur Verfügung zu stellen, die Datenaufnahme und -Wandlung zu standardisieren
                  sowie schließlich zur Verbreitung von Kenntnissen und zum Austausch von Wissenschaftlern, zur
                  Fortbildung, usw., beizutragen.
                  Was das spezifische Gebiet der marinen Ressourcen anbelangt, wird das Schwergewicht der Gemein-
                  schaftsforschung auf der Bewirtschaftung von Fischbeständen, den Fangtechniken, der Aquakultur
                  und auf der Verarbeitung der Fischprodukte liegen.
             8.   DAS EUROPA DER FORSCHER
             8.1. Die Verwirklichung des Europas der Forscher
                  Hauptziel ist der schrittweise Aufbau eines Europas der Forscher. Als Beitrag zur Erreichung dieses Ziels
                  dienen sämtliche geplanten Aktionen dazu, die Ausbildungs-, Integrations- und Forschungsbedingun-
                  gen der europäischen Wissenschaftler sowie die Nutzung der großen Forschungsanlagen unter Nut-
                  zung der europäischen Dimension zu verbessern.
                   Die Aktion umfaßt folgendes:
                   Hinsichtlich der Forscher
                  — Forschungsausbildung, Spezialisierung, Integration der Forscher, Verbesserung von Fortbildung
                      und Umschulung mit Hilfe von Stipendien und Forschungsbeihilfen;
                  — Entwicklung der innereuropäischen Zusammenarbeit im Bereich von Wissenschaft und Technik
                      sowie der Mobilität der Forscher durch Verträge über Laborpartnerschaften und Entwicklungsauf-
                      träge;
                  — Maßnahmen, die darauf abzielen, hochkarätige Forscher in Europa zu halten und zu fördern
                      durch Einführung eines „Karrierebonus", d. h. eines Systems, das den ausgewählten Wissenschaft-
                      lern materielle Vorteile verschafft, ausgedehnt über mehrere Jahre, unter der Voraussetzung, daß
                      die Arbeiten innerhalb der Gemeinschaft durchgeführt werden.
                  (Diese Aktionen werden ergänzt durch Bemühungen, die der Mobilität der Forscher entgegenstehen-
                  den administrativen und sozialen Hindernisse durch Verordnungsmaßnahmen der Gemeinschaft abzu-
                  bauen.)
 ---pagebreak--- 31.10.86                            Amtsblatt d e r Europäischen Gemeinschaften                                 Nr. C 275/15
         Hinsichtlich der Ausstattung
         — Abbau der Hindernisse und Erleichterung des freien Verkehrs von wissenschaftlichem und techni-
             schem Material durch Verordnungsmaßnahmen der Gemeinschaft;
         — Optimierung des Nutzungsgrades der großen wissenschaftlichen und technischen Einrichtungen
             durch gemeinschaftliche Förderung der Großanlagen, die eine Verbesserung, Anpassung und Spe-
             zialisierung solcher Einrichtungen erlaubt, die dafür während bestimmter Zeiten von allen For-
             schern der Gemeinschaft benutzt werden könnten.
         Ein echtes Europa der Forscher kann ohne die Durchführung einer Reihe von solchen horizontalen
         Begleitmaßnahmen nicht verwirklicht werden, welche die Erhaltung seiner Kreativität und die Effizienz
         seiner Aktionen sicherstellt.
         a) Aussichten und Bewertung von Wissenschaft und Technologie
            Ziel ist eine Analyse der langfristigen Folgen der wissenschaftlichen und technischen Änderungen
            als Beitrag zur Festlegung der Leitlinien und vorrangigen Bereiche für die Wissenschafts- und
            Technologiepolitik.
            Allgemein gesagt, wird der horizontale Charakter dieser Tätigkeiten verstärkt, und ihr Ziel ist —
            noch mehr als in der Vergangenheit — die globale Entwicklung von Wissenschaft und Technolo-
            gie. Hauptlinien sind:
            — Untersuchung neuer wissenschaftlicher und menschlicher Grenzgebiete wie Bio-Wissenschaften,
                 Kommunikation zwischen Mensch und Maschine, kognitive Wissenschaften und künstliche In-
                telligenz durch ein Mehrjahresforschungsprogramm;
            — Festlegung der Hauptausrichtung neuer Aktivitäten im Rahmen der Gemeinschaftspolitik (d. h.
                positive Technologiebewertung);
            — Entwicklung eines europäischen Instruments
                — für die Beschaffung und Verwendung wissenschaftlicher und technischer Indikatoren in
                     Europa und der übrigen Welt,
                — für die Zusammenstellung des aktuellen Wissensstandes in den verschiedenen Gebieten von
                     Wissenschaft und Technologie und
                — für die Erstellung von Informations- und Dokumentationsunterlagen über die wissenschaft-
                     lich-technische Entwicklung in der Welt, speziell in den USA und Japan.
            — Durchführung einer Reihe von Ad-hoc-Studien auf Wunsch der Gemeinschaftsorgane über den
                unmittelbaren oder auftauchenden Bedarf im Zusammenhang mit neuen wissenschaftlich-tech-
                nischen Entwicklungen.
         b) Bewertung
            Bezüglich der Bewertung wird die Kommission die Entwicklung neuer Methoden fortsetzen, mit
            denen vor allem Aspekte im Zusammenhang mit der industriellen Innovation und den sozio-öko-
            nomischen Auswirkungen der FtE untersucht werden sollen. Außerdem wird sie für eine Gegen-
            überstellung dieser Methoden auf der Ebene der Mitgliedstaaten sorgen, und zwar im Rahmen
            eines gemeinschaftlichen Bewertungsnetzes.
         c) Statistische Instrumente
            Ziel dieser Tätigkeit ist es, die Produktion statistischer Informationen durch ihre Anpassung an die
            Bedürfnisse des Benutzers zu verbessern. Dies wird im Rahmen einer grundlegenden Untersuchung
            der dem Aufbau von Expertensystemeri im statistischen Bereich zugrundeliegenden Probleme ge-
            schehen, der zur Gewährleistung der Kompatibilität zukünftiger Tätigkeiten in diesem Bereich an-
            zuwendenden Normenvorschläge sowie der für ausgewählte Bereiche funktionell vorgesehenen
            vollständigen Prototypsysteme. Außer spezifischen Ergebnissen im statistischen Bereich wird es
            auch angebracht sein, einige allgemeinere Anwendungserfahrungen zu sammeln, die im erweiterten
            Bereich der Forschung und Entwicklung von Expertensystemen zu nutzen sein werden.
         d) Umsetzung der FtE-Ergebnisse
            Das Ziel ist, die Verwertung der FtE-Ergebnisse für alle betroffenen Wirtschaftskreise der Gemein-
            schaft, vor allem für die KMU so zu erleichtern, daß die FtE-Arbeiten ihre volle wirtschaftliche
            Effizienz entfalten können. Die Tätigkeiten umfassen insbesondere:
            — die Verbreitung der Ergebnisse von Forschung, Entwicklung und Demonstrationstätigkeiten der
                Gemeinschaft;
            — Verwertung der Ergebnisse der Gemeinsamen Forschungsstelle;
            — Förderung der Verwertung von Ergebnissen aller anderen Forschungsarbeiten der Gemeinschaft
                sowie der Entwicklungs- und Demonstrationstätigkeiten.
 ---pagebreak--- Nr. C 275/16                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31.10.86
             e) Sprachprobleme
                Langfristiges Ziel ist es, über schnelle, billige und zuverlässige Übersetzungs- und Dolmetscher-
                dienste verfügen zu können.
                Geplant sind folgende Hauptaktionen:
                — 1990 Fertigstellung eines ersten Prototyps eines mehrsprachigen automatischen Übersetzungssy-
                    stems, das in allen neun offiziellen Gemeinschaftssprachen arbeiten kann und das sich auf
                    einige Fachbereiche beschränkt;
                — Unterstützung der industriellen Entwicklung eines automatischen Übersetzungssystems, das in
                    einer Vielzahl von Fachbereichen und Zusammenhängen angewandt werden kann;
                — Entwicklung von Methoden und Werkzeugen zur Wiederverwendung lexikalischer Ressourcen
                    bei rechnergestützten Anwendungen und Schaffung von Normen für lexikalische und termino-
                    logische Daten;
                — Langfristige Grundlagenforschung im Hinblick auf die nächste Generation von automatischen
                    Übersetzungssystemen und anderen Systemen zur Bearbeitung von natürlicher Sprache.
             f) Kommunikations-    und Informationsnetze, wissenschaftliche Datenbanken
                Die Errichtung von Kommunikations- und Informationsnetzen europäischen Ausmaßes ist ein ent-
                scheidendes Element für den Ausbau der europäischen Infrastruktur in der Forschung und im Hin-
                blick auf eine Verbesserung des Innovationsprozesses sowie eine Anregung für die industrielle Ver-
                wertung der Forschungsergebnisse.
                Das Ziel dieser Aktion besteht darin, über eine rechnerintegrierte Kommunikationsinfrastruktur
                und die dazugehörigen Dienste zu verfügen, zu denen die verschiedenen öffentlichen und privaten
                Forschungszentren in Europa Zugang haben.
                Diese Infrastruktur wird sich sowohl auf Bemühungen stützen, die darauf abgestimmt sind, die
                OSI-Normen zu entwickeln und einzuführen und der EWG die Dienstleistungen einer Hochge-
                schwindigkeits- und/oder Breitbandkommunikation bereitzustellen, als auch auf die Nutzungsmög-
                lichkeit der Assoziation RARE.