CELEX: 62001TJ0210
Language: de
Date: 2005-12-14
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite erweiterte Kammer) vom 14. Dezember 2005.#General Electric Company gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Nichtigkeitsklage - Wettbewerb - Entscheidung der Kommission zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt - Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 - Luftfahrtmärkte - Erwerb von Honeywell durch General Electric - Vertikale Integration - Paketabschlüsse - Abschottungswirkung - Horizontale Überschneidungen - Verfahrensrechte.#Rechtssache T-210/01.

Rechtssache T‑210/01
      General Electric Company
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Nichtigkeitsklage – Wettbewerb – Entscheidung der Kommission zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt – Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 – Luftfahrtmärkte – Erwerb von Honeywell durch General Electric – Vertikale Integration – Paketabschlüsse – Abschottungswirkung – Horizontale Überschneidungen – Verfahrensrechte
      Urteil des Gerichts (Zweite erweiterte Kammer) vom 14. Dezember 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Nichtigkeitsklage – Gegenstand – Entscheidung auf dem Gebiet der Kontrolle von Zusammenschlüssen – Entscheidung, die auf mehreren
            Begründungspfeilern ruht, von denen jeder den verfügenden Teil tragen würde – Erfüllung der Kriterien für die Unvereinbarkeit
            mit dem Gemeinsamen Markt zumindest im Hinblick auf einen der betroffenen Märkte – Klage unbegründet
      (Artikel 230 EG; Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2 Absätze 1 Buchstabe a und 3)
      2.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Prüfung durch die Kommission – Wirtschaftliche Beurteilungen – Ermessen bei der Beurteilung
            – Gerichtliche Überprüfung – Umfang – Grenzen 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2)
      3.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse– Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Keine Vermutung 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      4.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Vorausschauende Untersuchung der
            möglichen Entwicklungen auf dem betroffenen Markt – Notwendigkeit einer gründlichen Untersuchung – Umfang
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2 Absätze 2 und 3) 
      5.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Zusammenschluss des Konglomerattyps
            – Begriff – Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit, dass auf dem Referenzmarkt eines der am Zusammenschluss beteiligten Unternehmen
            eine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt wird – Zulässigkeit – Möglichkeit für die Kommission, sich auf das voraussichtliche
            Verhalten der durch den Zusammenschluss entstandenen Einheit zu stützen – Voraussetzungen – Vornahme einer gründlichen, auf
            eindeutige Beweise gestützten Untersuchung
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2 Absätze 2 und 3)
      6.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Zusammenschluss des Konglomerattyps
            – Berücksichtigung voraussichtlicher wettbewerbswidriger Verhaltensweisen – Zulässigkeit – Keine Pflicht der Kommission, die
            Wahrscheinlichkeit solcher Verhaltensweisen eines Unternehmens im Hinblick auf die mit ihnen verbundenen Risiken zu beurteilen
      (Artikel 82 EG; Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2 Absätze 2 und 3) 
      7.     Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Kriterien – Begründung oder Verstärkung
            einer beherrschenden Stellung, die den wirksamen Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert – Kumulativer Charakter
            – Wechselwirkung – Keine Verpflichtung, Erwägungen betreffend das erste Kriterium, die auch in Bezug auf das zweite von Bedeutung
            sind, förmlich mit Letzterem zu verbinden 
      (Artikel 82 EG und 253 EG; Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 2 Absätze 2 und 3)
      8.     Wettbewerb – Beherrschende Stellung – Begriff 
      (Artikel 82 EG)
      9.     Wettbewerb – Beherrschende Stellung – Kennzeichnung durch den Besitz eines besonders hohen Marktanteils – Beurteilung der
            Steigerung des Marktanteils auf einem Ausschreibungsmarkt, der durch den Abschluss einer begrenzten Anzahl hochwertiger Verträge
            gekennzeichnet ist
      (Artikel 82 EG)
      10.   Wettbewerb – Beherrschende Stellung – Vorliegen – Auswirkung eines lebhaften Wettbewerbs auf dem betreffenden Markt – Fehlen
            im Fall eines Unternehmens, das sein Verhalten bestimmen kann, ohne hierauf Rücksicht nehmen zu müssen – Finanzielle Konzessionen,
            die gemacht werden, um bestimmte Ausschreibungen betreffend hochwertiger Waren zu gewinnen – Unbeachtlich
      (Artikel 82 EG)
      11.   Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Anwendung durch die Kommission – Selbständigkeit gegenüber den Beurteilungen der
            Behörden von Drittländern
      12.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Wettbewerbswidrige Auswirkungen,
            die sich aus einer unmittelbaren vertikalen Beziehung ergeben – Auswirkungen, die von der künftigen Verhaltensweise der neu
            entstehenden Unternehmenseinheit abhängen – Verpflichtung der Kommission, sich hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit des behaupteten
            Verhaltens auf solide Beweise zu stützen – Freie Beweiswürdigung
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      13.   Wettbewerb – Beherrschende Stellung für den Verkauf wesentlicher Bestandteile – Lieferverweigerung – Missbrauch 
      (Artikel 82 EG)
      14.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Prüfung durch die Kommission – Nachweis, dass in absehbarer Zeit ein Verhalten eintreten wird,
            das eine beherrschende Stellung begründen oder verstärken wird – Verpflichtung, sich auf solide Beweise zu stützen 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      15.   Verfahren – Vorbringen neuer Angriffs- und Verteidigungsmittel im Laufe des Verfahrens – Neues Vorbringen – Begriff – Antwort
            auf eine vom Gericht als prozessleitende Maßnahme gestellte Frage – Ausschluss 
      (Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 48 und 64 § 3)
      16.   Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Von einer Entscheidung in einer früheren Sache, die sich auf eine ähnliche oder
            gleiche Situation bezog oder bei der es sich um dieselben Wirtschaftsakteure handelte, abweichende Entscheidung – Umfang
      (Artikel 253 EG)
      17.   Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Durchführung – Von der Kommission zu diesem Zweck erlassene Regeln – Bindungswirkung
            für die Kommission – Bekanntmachung über die Definition des Marktes – Umfang 
      (Artikel 82 EG; Mitteilung 97/C 372/03 der Kommission)
      18.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Prüfung durch die Kommission – Definition des relevanten Marktes – Kriterien – Substituierbarkeit
            der Waren – Begriff 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates; Mitteilung 97/C 372/03 der Kommission, Nummer 36)
      19.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Beurteilung der Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt – Markt mit einem indirektem und verhältnismäßig
            schwachen Wettbewerb – Übernahme des einzigen Mitbewerbers durch ein Unternehmen, das eine beherrschende Stellung innehat
            – Zulässigkeit – Voraussetzungen – Nachweis, dass vor dem Zusammenschluss kein effektiver Wettbewerb auf dem betreffenden
            Markt bestanden hat
      (Artikel 82 EG; Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      20.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Prüfung durch die Kommission – Verpflichtungszusagen der betroffenen Unternehmen, die geeignet
            sind, das angemeldete Vorhaben mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar zu machen 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      21.   Verfahren – Klageschrift – Formerfordernisse – Bestimmung des Streitgegenstands – Kurze Darstellung der Klagegründe 
      (Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 44 § 1)
      22.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Wahrung der Verteidigungsrechte – Grenzen 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates)
      23.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Unterscheidung nach belastenden und entlastenden Umständen
      24.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Wahrung der Verteidigungsrechte – Grenzen 
      25.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Verweigerung der Akteneinsicht zwischen der Entscheidung
            über die Einleitung des Verfahrens und der Mitteilung der Beschwerdepunkte – Keine Verletzung der Verteidigungsrechte
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c)
      26.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Kein Anspruch der am Zusammenschluss Beteiligten, während
            des Verfahrens abschnittsweise Einsicht in ihre Akte zu erhalten 
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Artikel 18 Absatz 1)
      27.   Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Kürze der Zwischenfristen des Verfahrens – Berücksichtigung des Beschleunigungsgebots
            bei der Beurteilung der Einhaltung der Verfahrensrechte
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates; Verordnung Nr. 447/98 der Kommission, Artikel 13 und 21)
      28.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Tätigwerden des Anhörungsbeauftragten – Beschluss, durch den seine Stellung während des
            Verfahrens verändert wird – Unmittelbare Ersetzung der früheren Funktion durch die neue Funktion 
      (Beschluss 2001/462 der Kommission, Artikel 2 Absätze 1 und 2)
      29.   Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Grundrechte – Wahrung durch den Gemeinschaftsrichter – Berücksichtigung der Europäischen
            Menschenrechtskonvention
      (Artikel 6 Absatz 2 EU)
      1.     Können bestimmte Gründe einer Entscheidung bereits für sich allein diese Entscheidung rechtlich hinreichend rechtfertigen,
         so haben Mängel, mit denen andere Gründe des betreffenden Rechtsakts gegebenenfalls behaftet sind, jedenfalls keinen Einfluss
         auf dessen verfügenden Teil. 
      
      Stützt die Kommission den verfügenden Teil einer Entscheidung auf mehrere Teile ihrer Würdigung, wovon jeder allein ausreichen
         würde, um die Verfügung zu begründen, so ist ein derartiger Rechtsakt grundsätzlich nur dann für nichtig zu erklären, wenn
         jede dieser Stützen fehlerhaft ist. In einem derartigen Fall kann ein Fehler oder ein anderer Mangel, der nur eine der genannten
         Stützen betrifft, nicht genügen, um die Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung herbeizuführen, da dieser Fehler den
         von dem betreffenden Organ erlassenen verfügenden Teil der Entscheidung nicht entscheidend beeinflussen kann. 
      
      Diese Regel findet bei Entscheidungen über die Kontrolle von Zusammenschlüssen Anwendung. Hierbei ist zu bedenken, dass die
         Kommission einen Zusammenschluss verbieten muss, wenn dieser die Kriterien von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4064/89
         erfüllt. Nach Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe a dieser Verordnung berücksichtigt die Kommission bei der Beurteilung eines Zusammenschlusses
         vor allem die Notwendigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Struktur aller betroffenen Märkte im Gemeinsamen Markt wirksamen
         Wettbewerb aufrechtzuerhalten und zu entwickeln. So muss die Kommission die Frage, ob ein Zusammenschluss eine oder mehrere
         beherrschende Stellungen begründet oder verstärkt, durch die wirksamer Wettbewerb erheblich behindert würde, unter Zugrundelegung
         der Bedingungen beurteilen, die auf den einzelnen gegebenenfalls vom angemeldeten Zusammenschluss betroffenen Märkten bestehen.
         Stellt sie somit bereits bei einem einzigen der betroffenen Märkte fest, dass die genannten Kriterien erfüllt sind, muss der
         Zusammenschluss daher für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt werden. 
      
      Demgemäß kann eine solche Entscheidung nur dann für nichtig erklärt werden, wenn nicht nur festzustellen ist, dass bestimmte
         Gründe derselben fehlerhaft sind, sondern auch, dass etwaige nicht fehlerhafte Gründe nicht ausreichen, um die Unvereinbarkeit
         des angemeldeten Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt zu rechtfertigen. Dies entbindet jedoch nicht von der Notwendigkeit,
         zu prüfen, ob bestimmte in der angefochtenen Entscheidung festgestellte Wettbewerbsaspekte sich gegenseitig verstärken, so
         dass es gekünstelt wäre, wollte man jeden dieser Aspekte getrennt beurteilen. 
      
      (vgl. Randnrn. 42-45, 48, 734)
      2.     Die Kommission verfügt in Wirtschaftsfragen über einen Beurteilungsspielraum bei der Anwendung der Grundregeln der Verordnung
         Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen, insbesondere des Artikels 2 dieser Verordnung. Daher beschränkt
         sich die Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter auf die Nachprüfung der materiellen Richtigkeit des Sachverhalts und auf
         offensichtliche Beurteilungsfehler. 
      
      Was die Art dieser Kontrolle anbelangt, so besteht ein wichtiger Unterschied zwischen den fachlichen Gegebenheiten und Feststellungen
         einerseits, deren etwaige Unrichtigkeit der Richter anhand der ihm unterbreiteten Argumente und Beweise feststellen kann,
         und den Beurteilungen wirtschaftlicher Art andererseits. 
      
      Auch wenn der Kommission bei der Anwendung der Grundregeln der Verordnung Nr. 4064/89 ein Beurteilungsspielraum zusteht, bedeutet
         dies nicht, dass der Gemeinschaftsrichter eine Kontrolle der rechtlichen Auslegung von Wirtschaftsdaten durch die Kommission
         unterlassen muss. Er muss nämlich nicht nur insbesondere die sachliche Richtigkeit der angeführten Beweise, ihre Zuverlässigkeit
         und ihre Kohärenz prüfen, sondern auch kontrollieren, ob diese Beweise alle relevanten Daten darstellen, die bei der Beurteilung
         einer komplexen Situation heranzuziehen waren, und ob sie die aus ihnen gezogenen Schlüsse zu stützen vermögen. 
      
      (vgl. Randnrn. 60, 62-63, 253)
      3.     Die Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen gibt keine Vermutung hinsichtlich der Vereinbarkeit
         eines angemeldeten Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt vor; es ist daher nicht davon auszugehen, dass die Kommission
         zur Genehmigung eines Zusammenschlusses, mit dem sie befasst ist, tendieren muss, wenn sie Zweifel hat. Sie muss sich eine
         klare Meinung über die Vereinbarkeit bilden und entsprechend entscheiden.
      
      (vgl. Randnr. 61)
      4.     Angesichts des Beurteilungsspielraums, der der Kommission bei der Anwendung der Grundregeln der Verordnung Nr. 4064/89 über
         die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen in wirtschaftlicher Hinsicht zusteht, ist eine wirksame gerichtliche Kontrolle
         besonders erforderlich, wenn die Kommission eine Untersuchung der voraussichtlichen Marktentwicklung vornimmt, die sich aus
         dem geplanten Zusammenschluss ergeben könnte. 
      
      Eine solche vorausschauende Untersuchung muss mit großem Bedacht durchgeführt werden, da es nicht darum geht, vergangene Ereignisse,
         in Bezug auf die häufig zahlreiche Anhaltspunkte vorliegen, die ein Verständnis ihrer Ursachen ermöglichen, oder auch gegenwärtige
         Ereignisse zu prüfen, sondern darum, Ereignisse vorherzusehen, die künftig mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit
         eintreten werden, wenn keine Entscheidung ergeht, mit der der Zusammenschluss zu den geplanten Bedingungen untersagt wird
         oder diese näher festgelegt werden. Die Untersuchung der voraussichtlichen Entwicklung, bei der zu prüfen ist, inwieweit ein
         Zusammenschluss die für den Stand des Wettbewerbs auf einem bestimmten Markt maßgebenden Faktoren verändern könnte, um zu
         ermitteln, ob sich daraus ein erhebliches Hindernis für einen wirksamen Wettbewerb ergeben würde, erfordert es, sich die verschiedenen
         Kausalketten vor Augen zu führen und von denjenigen mit der größten Wahrscheinlichkeit auszugehen. 
      
      (vgl. Randnr. 64)
      5.     Zusammenschlüsse des Konglomerattyps sind solche, die nicht zu horizontalen Überschneidungen zwischen den Tätigkeiten der
         Fusionsparteien oder zu vertikalen Beziehungen zwischen diesen Parteien im engeren Sinne führen. Sie wirken sich zwar im Allgemeinen
         nicht wettbewerbswidrig aus, können jedoch in bestimmten Fällen solche Auswirkungen haben. Kommt die Kommission im Rahmen
         einer Untersuchung der voraussichtlichen Auswirkungen eines Zusammenschlusses des Konglomerattyps zu dem Ergebnis, dass wegen
         der von ihr festgestellten Konglomerat‑Wirkungen aller Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft eine beherrschende Stellung
         begründet oder verstärkt würde, durch die wirksamer Wettbewerb auf dem betreffenden Markt erheblich behindert würde, so muss
         sie diesen Zusammenschluss folglich untersagen. 
      
      Hierbei bringen Zusammenschlüsse des Konglomerattyps bestimmte spezifische Probleme mit sich, da insbesondere zum einen die
         Untersuchung eines derartigen Zusammenschlusses mit einer Untersuchung der voraussichtlichen Entwicklung verbunden sein kann,
         bei der ein künftiger Zeitraum zu berücksichtigen ist, und zum anderen die Auswirkungen des Zusammenschlusses großenteils
         vom Verhalten der aus ihm hervorgehenden Einheit abhängen können. Demgemäß können die Kausalketten eines derartigen Zusammenschlusses
         schlecht erkennbar, ungewiss und schwer nachweisbar sein. In diesem Zusammenhang ist die Beschaffenheit der von der Kommission
         zum Nachweis der Erforderlichkeit einer Entscheidung, mit der der Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt
         erklärt wird, vorgelegten Beweismittel besonders bedeutsam, da diese Beweise die Auffassung der Kommission stützen sollen,
         dass ohne den Erlass einer solchen Entscheidung das Szenario der wirtschaftlichen Entwicklung, von dem sie ausgeht, plausibel
         wäre. 
      
      (vgl. Randnrn. 65-66)
      6.     Bei der Untersuchung der Auswirkungen eines Zusammenschlusses des Konglomerattyps durch die Kommission muss die Wahrscheinlichkeit
         bestimmter künftiger Verhaltensweisen umfassend geprüft werden, d. h. unter Berücksichtigung sowohl der Anreize für solche
         Verhaltensweisen als auch der Faktoren – einschließlich der etwaigen Rechtswidrigkeit der Verhaltensweisen –, die diese Anreize
         verringern oder sogar beseitigen könnten.
      
      Es widerspräche jedoch dem Präventionszweck der Verordnung Nr. 4064/89, wenn verlangt würde, dass die Kommission bei jedem
         geplanten Zusammenschluss prüft, inwieweit die Anreize für ein wettbewerbswidriges Verhalten aufgrund der Rechtswidrigkeit
         der fraglichen Verhaltensweisen, der Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung, ihrer Verfolgung durch die zuständigen Behörden
         sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf nationaler Ebene und möglicher daraus erwachsender Sanktionen verringert oder sogar
         beseitigt würden. Folglich muss die Kommission grundsätzlich den gegebenenfalls rechtswidrigen und somit sanktionierbaren
         Charakter einer Verhaltensweise als Faktor berücksichtigen, der die Anreize eines Unternehmens für ein bestimmtes Verhalten
         verringern oder sogar beseitigen kann. Dies erfordert hingegen keine umfassende und eingehende Prüfung der Regelungen der
         verschiedenen möglicherweise anwendbaren Rechtsordnungen und der dort praktizierten Verfolgungspolitik, da eine Analyse, die
         darauf abzielt, die Wahrscheinlichkeit einer Zuwiderhandlung zu belegen und sich zu vergewissern, dass sie in mehreren Rechtsordnungen
         mit einer Sanktion belegt wäre, zu spekulativ wäre. 
      
      Somit muss die Kommission, sofern sie ohne entsprechende spezifische und eingehende Untersuchung die Rechtswidrigkeit des
         fraglichen Verhaltens im Hinblick auf Artikel 82 EG oder andere in ihren Zuständigkeitsbereich fallende gemeinschaftsrechtliche
         Bestimmungen identifizieren kann, dies feststellen und bei ihrer Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines derartigen Verhaltens
         der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit berücksichtigen. 
      
      Wenngleich sich die Kommission demnach auf eine summarische Analyse der Rechtmäßigkeit der fraglichen Verhaltensweise und
         des Wahrscheinlichkeitsgrads einer Ahndung derselben anhand der Anhaltspunkte, über die sie bei Erlass ihrer Entscheidung
         auf dem Gebiet der Fusionskontrolle verfügt, stützen kann, muss sie andererseits bei ihrer Beurteilung die von ihr vorausgesehenen
         Verhaltensweisen feststellen und gegebenenfalls die abschreckende Wirkung beurteilen und berücksichtigen, die eine allfällige,
         klare oder sehr wahrscheinliche Gemeinschaftsrechtswidrigkeit solcher Verhaltensweisen ausüben könnte. 
      
      (vgl. Randnrn. 70-75, 303-304, 424-425, 468)
      7.     Nach Artikel 2 Absätze 2 und 3 der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen müssen zwei
         kumulative Voraussetzungen vorliegen, nämlich, erstens, die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung und,
         zweitens, eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs im Gemeinsamen Markt. Folglich kann ein Zusammenschluss nur untersagt
         werden, wenn die beiden in Artikel 2 Absatz 3 vorgesehenen Kriterien erfüllt sind.
      
      Ein Missbrauch einer beherrschenden Stellung kann jedoch vorliegen, wenn ein Unternehmen in beherrschender Stellung diese
         dergestalt verstärkt, dass der erreichte Beherrschungsgrad den Wettbewerb wesentlich behindert, dass also nur noch Unternehmen
         auf dem Markt bleiben, die in ihrem Marktverhalten von dem beherrschenden Unternehmen abhängig sind. Folglich kann die Verstärkung
         einer beherrschenden Stellung als solche den Wettbewerb erheblich behindern, und zwar so, dass sie bereits allein einen Missbrauch
         dieser Stellung darstellt. 
      
      Umso mehr kann die Verstärkung oder Begründung einer beherrschenden Stellung im Sinne von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 4064/89 in bestimmten Fällen eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs zum Ausdruck bringen. Dies bedeutet indessen
         nicht, dass das zweite in Artikel 2 der Verordnung Nr. 4064/89 enthaltene Kriterium rechtlich mit dem ersten verschmilzt,
         sondern lediglich, dass ein und dieselbe sachliche Untersuchung eines bestimmten Marktes ergeben kann, dass beide Kriterien
         erfüllt sind. 
      
      Die Umstände, auf die sich die Kommission berufen kann, um darzutun, dass die Handlungsfreiheit der Mitbewerber eines Unternehmens
         so weit eingeschränkt wird, dass von der Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung dieses Unternehmens auszugehen
         ist, sind häufig auch relevant, um zu beurteilen, ob diese Begründung oder Verstärkung zur Folge hat, dass ein wirksamer Wettbewerb
         im Gemeinsamen Markt erheblich behindert wird. Ein Umstand, der die Freiheit der Mitbewerber hinsichtlich der Selbstbestimmung
         ihrer Handelspolitik erheblich beeinträchtigt, kann nämlich auch bewirken, dass ein wirksamer Wettbewerb behindert wird. 
      
      Ergibt sich also aus den Begründungserwägungen einer Entscheidung, die die Unvereinbarkeit eines angemeldeten Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt feststellt – mag es sich dabei auch um Begründungserwägungen handeln, die förmlich mit einer Untersuchung
         der Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung zu tun haben –, dass der betreffende Zusammenschluss erhebliche
         wettbewerbswidrige Wirkungen mit sich bringen wird, so ist diese Entscheidung nicht allein deshalb als rechtswidrig anzusehen,
         weil die Kommission ihre Darlegung dieser Umstände nicht ausdrücklich und spezifisch mit dem zweiten Kriterium des Artikels
         2 der Verordnung Nr. 4064/89 verbunden hat; dies gilt sowohl in Bezug auf die Begründungspflicht des Artikels 253 EG als auch
         in materiell-rechtlicher Hinsicht. Anderenfalls würde der Kommission die rein förmliche Verpflichtung auferlegt, eine Reihe
         von Erwägungen zweifach wiederzugeben, nämlich, erstens, in ihrer Untersuchung über die Begründung oder Verstärkung einer
         beherrschenden Stellung auf einem bestimmten Markt und, zweitens, im Zusammenhang mit der erheblichen Behinderung des Wettbewerbs
         im Gemeinsamen Markt. 
      
      (vgl. Randnrn. 84, 86-89)
      8.     Eine beherrschende Stellung liegt vor, wenn ein Unternehmen eine wirtschaftliche Machtposition innehat, die es in die Lage
         versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Möglichkeit
         verschafft, sich seinen Wettbewerbern, seinen Abnehmern und letztlich den Verbrauchern gegenüber in nennenswertem Umfang unabhängig
         zu verhalten. Für den Nachweis einer beherrschenden Stellung muss die Kommission nicht dartun, dass die Mitbewerber eines
         Unternehmens, sei es auch nur kurzfristig, vom Markt verdrängt werden. 
      
      (vgl. Randnrn. 85, 114, 243)
      9.     Wenngleich die Bedeutung der Marktanteile von einem Markt zum anderen unterschiedlich sein kann, stellen besonders hohe Anteile
         – von außergewöhnlichen Umständen abgesehen – ohne weiteres den Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung dar.
         Dies kann bei einem Marktanteil von 50 % der Fall sein.
      
      Bei einem durch den Abschluss einer begrenzten Anzahl hochwertiger Verträge gekennzeichneten Markt bedeutet indessen der Umstand,
         dass ein bestimmtes Unternehmen die letzten Ausschreibungen gewonnen hat, nicht zwangsläufig, dass einer seiner Mitbewerber
         nicht bei der nächsten Ausschreibung siegreich sein kann. Vorausgesetzt, er hat ein wettbewerbsfähiges Erzeugnis, und vorausgesetzt,
         dass nicht andere Faktoren vorrangig für das erstgenannte Unternehmen sprechen, kann ein Mitbewerber jederzeit einen wichtigen
         Auftrag erlangen und seine Marktanteile mit einem Mal erheblich steigern. 
      
      Dadurch verlieren die Marktanteile jedoch nicht ihre Bedeutung für die Beurteilung der Stärke der verschiedenen Hersteller
         auf einem derartigen Markt, zumal wenn diese Anteile verhältnismäßig stabil sind oder eine tendenzielle Stärkung der Position
         eines Unternehmens erkennen lassen. Auch auf einem Ausschreibungsmarkt ist die Tatsache, dass ein Hersteller seine Marktanteile
         in mehreren aufeinanderfolgenden Jahren hält und sogar ausbaut, ein Zeichen der Marktstärke. Es kommt nämlich zwangsläufig
         der Zeitpunkt, zu dem der Unterschied zwischen den Marktanteilen eines Herstellers und seiner Mitbewerber nicht mehr der begrenzten
         Anzahl von Ausschreibungen, die die Nachfrage auf dem Markt darstellen, zugeschrieben werden kann. 
      
      (vgl. Randnrn. 115, 149-151, 540, 571)
      10.   In der Regel ist es mit der Unabhängigkeit des Verhaltens, die für eine beherrschende Stellung charakteristisch ist, unvereinbar,
         wenn ein Unternehmen unter dem Druck der Preissenkungen seiner Mitbewerber ebenfalls die Preise senken muss. 
      
      Jedoch schließt ein selbst lebhafter Wettbewerb auf einem Markt eine beherrschende Stellung auf diesem Markt nicht aus, da
         eine solche Stellung wesentlich durch die Fähigkeit gekennzeichnet ist, dass man sein Verhalten in der Marktstrategie ohne
         Rücksichtnahme auf diesen Wettbewerb bestimmen kann, ohne aufgrund dieser Haltung Nachteile hinnehmen zu müssen. Somit ist
         ein Wettbewerb auf dem Markt insbesondere bei der Beurteilung, ob eine beherrschende Stellung vorliegt, zwar ein relevanter
         Umstand, er ist jedoch als solcher in dieser Hinsicht nicht ausschlaggebend. 
      
      So sind in einem Markt für Erzeugnisse, die im Rahmen gelegentlicher Ausschreibungen abgesetzt werden, wobei jeweils hochwertige
         Aufträge vergeben werden, die durch iterative Verhandlungen gekennzeichnet sind, zwangsläufig finanzielle Konzessionen der
         einen oder anderen Art von Seiten der Anbieter erforderlich, da dies Bestandteil eines derartigen Verhandlungsprozesses ist.
         In einem solchen Zusammenhang ist der bloße Umstand, dass ein Unternehmen Preisnachlässe angeboten hat, um bestimmte Ausschreibungen
         zu gewinnen, als solcher nicht mit dem Vorliegen einer beherrschenden Stellung dieses Unternehmens unvereinbar. 
      
      (vgl. Randnrn. 116-117, 184, 215, 249)
      11.   Dass die zuständigen Behörden eines oder mehrerer Drittländer im Rahmen ihrer eigenen Verfahren eine Frage in bestimmter Weise
         beurteilen, genügt für sich allein nicht, um eine gegebenenfalls davon abweichende Beurteilung durch die zuständigen Gemeinschaftsbehörden
         zu entkräften. Die im Verwaltungsverfahren der Gemeinschaft vorgebrachten Faktoren und Argumente sind ebenso wie die geltenden
         rechtlichen Regeln nicht zwangsläufig die gleichen wie diejenigen, die von den Behörden der betreffenden Drittländer zu berücksichtigen
         sind, so dass die jeweiligen Beurteilungen voneinander abweichen können. Ist eine Partei der Auffassung, dass die Überlegungen
         zur Begründung des Standpunkts der Behörden eines Drittlandes besonders zutreffen und auf ein Gemeinschaftsverfahren übertragbar
         sind, so kann sie diese stets inhaltlich heranziehen, jedoch können derartige Überlegungen keine entscheidende Beweiskraft
         erlangen. 
      
      (vgl. Randnr. 179)
      12.   Die wettbewerbswidrigen Auswirkungen eines Zusammenschlusses, die sich aus der unmittelbaren vertikalen Beziehung zwischen
         Lieferant und Abnehmer ergeben, hängen von der künftigen Verhaltensweise der neu entstehenden Unternehmenseinheit ab, ohne
         die dieser Aspekt der Fusion keine schädlichen Folgen hätte. Die Kommission muss daher aussagekräftige Beweise für die Wahrscheinlichkeit
         dieses Verhaltens erbringen. 
      
      Diese Beweise können in bestimmten Fällen aus Wirtschaftsstudien bestehen, die die voraussichtliche Entwicklung der Marktsituation
         aufzeigen und erkennen lassen, dass für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit der Anreiz besteht, sich in bestimmter
         Weise zu verhalten. 
      
      Da jedoch im Gemeinschaftsrecht der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gilt, ist das Fehlen eines Beweises dieser Art als
         solches nicht entscheidend. Insbesondere wenn offensichtlich ist, dass das Geschäftsinteresse eines Unternehmens überwiegend
         ein bestimmtes Verhalten erwarten lässt, wie etwa die Ausnutzung einer Möglichkeit zur Störung eines Konkurrenzunternehmens,
         begeht die Kommission keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler mit dem Schluss, dass die durch den Zusammenschluss entstehende
         Einheit das erwartete Verhalten voraussichtlich in die Tat umsetzen wird. Unter diesen Umständen können die bloßen wirtschaftlichen
         und geschäftlichen Realitäten des Einzelfalls den nach der Rechtsprechung erforderlichen aussagekräftigen Beweis darstellen.
         
      
      (vgl. Randnrn. 295-297, 433)
      13.   Eine beherrschende Stellung nimmt einem Unternehmen zwar nicht das Recht, seine eigenen Interessen zu wahren, doch sind bestimmte
         Verhaltensweisen missbräuchlich, wenn damit spezifisch bezweckt wird, diese beherrschende Stellung zu verstärken und sie zu
         missbrauchen. Somit begründet die Weigerung eines sich in einer beherrschenden Stellung befindlichen Unternehmens, eine wesentliche
         Komponente an die Mitbewerber zu verkaufen, als solche einen Missbrauch dieser Stellung. 
      
      (vgl. Randnr. 306)
      14.   Bei der Untersuchung der Auswirkungen eines Zusammenschlusses muss die Kommission im Hinblick auf die künftige Entwicklung
         des Marktes anhand aussagekräftiger Beweise und mit hinreichender Wahrscheinlichkeit betreffend diese Entwicklung nicht nur
         nachweisen, dass ein etwaiges von ihr vorausgesehenes Verhalten in absehbarer Zeit eintreten wird, sondern auch, dass dieses
         Verhalten in absehbarer Zeit eine beherrschende Stellung begründen oder verstärken wird. Es genügt nicht, dass die Kommission
         eine Reihe logischer, jedoch hypothetischer Schritte aufzeigt, bei denen sie befürchtet, dass ihre praktische Umsetzung abträgliche
         Folgen für den Wettbewerb auf einer Anzahl verschiedener Märkte mit sich bringen wird. Sie muss vielmehr spezifisch die voraussichtliche
         Entwicklung jedes Marktes untersuchen, für den sie ihres Erachtens die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung
         infolge des Zusammenschlusses aufzeigt, und hierfür aussagekräftige Beweise liefern. 
      
      (vgl. Randnrn. 327, 429, 433, 464)
      15.   Wenn das Gericht die Antworten berücksichtigt, die eine Partei auf Fragen erteilt, die als prozessleitende Maßnahmen nach
         Artikel 64 § 3 der Verfahrensordnung des Gerichts gestellt wurden, und die andere Partei gegebenenfalls die Möglichkeit hatte,
         in der mündlichen Verhandlung zu diesem Punkt Stellung zu nehmen, so wird dadurch Artikel 48 der Verfahrensordnung nicht verletzt.
         
      
      (vgl. Randnr. 505)
      16.   Daraus, dass die Kommission sich – anders als bei einer Entscheidung, die eine ständige Entscheidungspraxis fortsetzt – nicht
         auf eine summarische Begründung beschränken kann, sondern eine ausdrückliche Begründung geben muss, wenn sie eine Praxis erweitern
         möchte, kann nicht geschlossen werden, dass sie über eine Begründung ihrer Entscheidung unter Bezugnahme auf die einschlägigen
         Unterlagen der Sache hinausgehen und speziell die Gründe darlegen muss, aus denen sie zu einem anderen Schluss gelangt ist
         als in einer früheren Sache, die sich auf eine ähnliche oder gleiche Situation bezog oder bei der es sich um dieselben Wirtschaftsakteure
         handelte. 
      
      (vgl. Randnr. 513)
      17.   Die Kommission kann nicht von den Regeln abweichen, die sie sich selbst gegeben hat. Soweit demnach die Bekanntmachung über
         die Definition des relevanten Marktes im Sinne des Wettbewerbsrechts der Gemeinschaft verbindlich die Methode angibt, mit
         der die Kommission die Märkte künftig zu definieren hat, und keinen Beurteilungsspielraum freigibt, muss die Kommission dem
         Wortlaut dieser Bekanntmachung effektiv Rechnung tragen. 
      
      Äußert sich die Kommission in einer Bekanntmachung in einer Weise, die es ihr ermöglicht, unter den theoretisch relevanten
         Arten von Anhaltspunkten oder Beurteilungsgrundlagen diejenigen zu wählen, die unter den Umständen des jeweiligen Falles am
         geeignetsten sind, so verfügt sie über eine weitgehende Handlungsfreiheit. 
      
      Die Kommission hat sich, was dies angeht, in der Bekanntmachung über die Definition des Marktes nicht dazu verpflichtet, eine
         bestimmte und besondere Methode anzuwenden, um die Nachfragesubstituierbarkeit zu beurteilen. Sie hat vielmehr festgestellt,
         dass ihr Vorgehen je nach den Umständen des Einzelfalls variieren muss, und sie hat sich einen großen Teil ihres Beurteilungsspielraums
         erhalten, um jeden einzelnen Fall in geeigneter Weise behandeln zu können. 
      
      (vgl. Randnrn. 516, 519)
      18.   In Bezug auf die Prüfung der Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinschaftsrecht ergibt sich aus Nummer 36 der
         Bekanntmachung über die Definition des relevanten Marktes im Sinne des Wettbewerbsrechts der Gemeinschaft, wonach „[funktionale]
         Austauschbarkeit oder ähnliche Merkmale als solche [unter Umständen] noch keine ausreichenden Kriterien [sind], da die Kundenreaktion
         auf Änderungen bei den relativen Preisen auch von anderen Faktoren abhängen kann“, im Umkehrschluss, dass Erzeugnisse, die
         funktional austauschbar sind und ähnliche Merkmale aufweisen, in bestimmten Fällen oder sogar im Allgemeinen substituierbar
         sind, abgesehen von besonderen Umständen, aus denen das Gegenteil hervorgeht. 
      
      (vgl. Randnr. 524)
      19.   In Bezug auf die Anwendung von Artikel 82 EG beinhaltet die Feststellung, dass eine marktbeherrschende Stellung gegeben ist,
         für sich allein keinen Vorwurf gegenüber dem betreffenden Unternehmen, sondern bedeutet nur, dass dieses unabhängig von den
         Ursachen dieser Stellung eine besondere Verantwortung dafür trägt, dass es durch sein Verhalten einen wirksamen und unverfälschten
         Wettbewerb im Gemeinsamen Markt nicht beeinträchtigt. Zudem ist der Begriff der missbräuchlichen Ausnutzung im Sinne von Artikel
         82 EG ein objektiver Begriff; er erfasst die Verhaltensweisen eines Unternehmens in beherrschender Stellung, die die Struktur
         eines Marktes beeinflussen können, auf dem der Wettbewerb gerade wegen der Anwesenheit des fraglichen Unternehmens bereits
         geschwächt ist, und die die Aufrechterhaltung des auf dem Markt noch bestehenden Wettbewerbs oder dessen Entwicklung durch
         die Verwendung von Mitteln behindern, welche von den Mitteln eines normalen Produkt‑ oder Dienstleistungswettbewerbs auf der
         Grundlage der Leistungen der Marktteilnehmer abweichen. 
      
      Ist der einzige gegenwärtige Wettbewerb auf einem Markt indirekt und bereits verhältnismäßig schwach, so ist es besonders
         schädlich, wenn ein Unternehmen den einzigen Wettbewerber, der noch einen Absatz auf diesem Markt aufzuweisen hat, übernimmt.
         Die Grundsätze, die im Hinblick auf das Verbot der Ausnutzung einer beherrschenden Stellung erstellt wurden, sind entsprechend
         auf den verwandten rechtlichen Rahmen der Fusionskontrolle anzuwenden; je ausgeprägter hierbei die beherrschende Stellung
         eines Unternehmens ist, desto mehr trägt es eine besondere Verantwortung dafür, dass es alles unterlässt, was den auf dem
         Markt noch bestehenden Wettbewerb weiter schwächen oder gar beseitigen könnte. 
      
      Folglich müssen unter solchen Umständen die Fusionsparteien nachweisen, dass vor dem Zusammenschluss kein effektiver Wettbewerb
         auf dem betreffenden Markt bestanden hat. 
      
      (vgl. Randnrn. 549-551)
      20.   Die Kommission ist im Rahmen der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen nur befugt, solche
         Verpflichtungserklärungen anzunehmen, die das angemeldete Vorhaben mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar machen können. Von
         den Unternehmen vorgeschlagene strukturelle Verpflichtungen erfüllen diese Voraussetzung nur, wenn die Kommission mit Sicherheit
         davon ausgehen kann, dass sie umgesetzt werden können, und wenn die dadurch entstehenden neuen Unternehmensstrukturen so existenzfähig
         und beständig sind, dass sie in absehbarer Zeit keine Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung oder Behinderungen
         eines wirksamen Wettbewerbs, die durch die Verpflichtungen verhindert werden sollen, ergeben können. 
      
      (vgl. Randnrn. 555, 612)
      21.   Zur Gewährleistung der Rechtssicherheit und einer ordnungsgemäßen Rechtspflege ist es für die Zulässigkeit einer Klage erforderlich,
         dass sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf die sich die Klage stützt, zumindest in gedrängter
         Form, jedoch zusammenhängend und verständlich unmittelbar aus der Klageschrift ergeben. Zwar kann der Text der Klageschrift
         zu bestimmten Punkten durch Bezugnahmen auf in der Anlage beigefügte Aktenauszüge untermauert und ergänzt werden, doch kann
         eine pauschale Bezugnahme auf andere Schriftstücke, auch wenn sie der Klageschrift als Anlage beigefügt sind, nicht das Fehlen
         der wesentlichen Bestandteile der rechtlichen Ausführungen ausgleichen, die in der Klageschrift enthalten sein müssen. 
      
      (vgl. Randnr. 592)
      22.   Das Verfahren der Akteneinsicht in Wettbewerbssachen soll die Empfänger einer Mitteilung der Beschwerdepunkte in die Lage
         versetzen, die Beweisstücke in der Akte der Kommission zur Kenntnis zu nehmen, damit sie sich sinnvoll zu den Schlussfolgerungen
         äußern können, zu denen die Kommission aufgrund dieser Beweisstücke gelangt ist. Das Recht auf Akteneinsicht soll sicherstellen,
         dass sich die betroffenen Unternehmen wirkungsvoll gegen die ihnen gegenüber in der Mitteilung der Beschwerdepunkte erhobenen
         Beanstandungen verteidigen können. 
      
      Die Einsicht in bestimmte Schriftstücke kann jedoch verweigert werden, insbesondere in Schriftstücke oder Teile davon, die
         Geschäftsgeheimnisse anderer Unternehmen enthalten, in interne Schriftstücke der Kommission, in Angaben, die die Identifizierung
         von Beschwerdeführern ermöglichen, die ihre Identität nicht preisgeben lassen möchten, sowie in Auskünfte, die der Kommission
         mit der Bitte um vertrauliche Behandlung übermittelt wurden. 
      
      Zwar haben die Unternehmen Anspruch auf Schutz ihrer Geschäftsgeheimnisse, doch muss dieses Recht mit der Gewährleistung der
         Verfahrensrechte in Einklang gebracht werden. So kann die Kommission gehalten sein, die gegensätzlichen Interessen dadurch
         miteinander in Einklang zu bringen, dass sie nichtvertrauliche Fassungen von Schriftstücken anfertigt, die Geschäftsgeheimnisse
         oder andere sensible Gegebenheiten enthalten. Die gleichen Grundsätze gelten für die Akteneinsicht bei Zusammenschlüssen im
         Rahmen der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen, obwohl die Anwendung dieser Grundsätze
         mit dem Beschleunigungsgebot in Einklang gebracht werden muss, das für die allgemeine Systematik dieser Verordnung kennzeichnend
         ist. In Bezug auf die Verfahrensrechte ist bei der Fusionskontrolle kein anderer oder umfassenderer Schutz geboten als bei
         Verfahren, die Verstöße betreffen. 
      
      (vgl. Randnrn. 629-631)
      23.   In einem Verwaltungsverfahren auf dem Gebiet des Wettbewerbs ist bei der Akteneinsicht zwischen ausschließlich belastenden
         Umständen und entlastenden Schriftstücken oder Schriftstücken zu unterscheiden, die entlastende Umstände enthalten. Belastende
         Umstände sind nur relevant, wenn sie die Kommission verwertet, so dass es in diesem Fall wesentlich ist, dass sie mitgeteilt
         werden; werden sie jedoch nicht verwertet, so wird die Rechtmäßigkeit des Verfahrens nicht dadurch beeinflusst, dass sie nicht
         mitgeteilt werden. Hatte hingegen ein Unternehmen im Verwaltungsverfahren keine Einsicht in ein entlastendes Schriftstück,
         d. h. in einen Umstand, der seiner Verteidigung hätte dienlich sein können und durch den das Verwaltungsverfahren somit möglicherweise
         zu einem anderen Ergebnis geführt hätte, wenn dieses Unternehmen den fraglichen Umstand hätte geltend machen können, so ist
         der durch dieses Schriftstück betroffene Teil der Entscheidung grundsätzlich als fehlerhaft anzusehen. 
      
      (vgl. Randnr. 649)
      24.   Ein Antrag auf vertrauliche Behandlung in Wettbewerbsverfahren kann die Verweigerung der Einsicht in von Dritten stammende
         Schriftstücke, wie etwa Beschwerden, rechtfertigen. Ein marktbeherrschendes Unternehmen könnte nämlich Vergeltungsmaßnahmen
         gegenüber Mitbewerbern, Lieferanten oder Abnehmern ergreifen, die bei der Untersuchung der Kommission mitgewirkt haben, und
         Drittunternehmen, die der Kommission im Zuge ihrer Ermittlungen Schriftstücke übergeben, deren Übergabe nach Ansicht dieser
         Unternehmen Vergeltungsmaßnahmen ihnen gegenüber auslösen könnten, können daher zu dieser Übergabe nur bereit sein, wenn sie
         die Gewissheit haben, dass ihr Antrag auf vertrauliche Behandlung berücksichtigt wird. 
      
      (vgl. Randnr. 650)
      25.   Das Anhörungsrecht in Wettbewerbsverfahren bezieht sich nur auf die Beanstandungen, die die Kommission zu berücksichtigen
         gedenkt.
      
      Da mit einer Einleitungsentscheidung nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von
         Unternehmenszusammenschlüssen den Parteien keine Beanstandungen übermittelt werden sollen, sondern durch sie lediglich vorläufig
         zum Ausdruck gebracht werden soll, dass die Kommission erhebliche Bedenken hat, die sie dazu veranlassen, zur zweiten Untersuchungsstufe
         überzugehen, kann ein Unternehmen nicht geltend machen, dass die vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte unterbliebene Akteneinsicht
         seine Verteidigungsmöglichkeit beeinträchtigt habe. Indem das Unternehmen Gelegenheit hatte, sich nach Einsicht in die Verwaltungsakte
         der Kommission schriftlich und mündlich zur Mitteilung der Beschwerdepunkte zu äußern, konnte es seinen Standpunkt hinsichtlich
         der berücksichtigten Beschwerdepunkte rechtzeitig zum Ausdruck bringen. 
      
      (vgl. Randnrn. 692-693)
      26.   Wenn die Parteien eines Zusammenschlusses nach dem Wortlaut von Artikel 18 Absatz 1 der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle
         von Unternehmenszusammenschlüssen in der Lage sein müssen, sich von der Einleitung des Verfahrens an zu äußern, so bedeutet
         dies nicht, dass die Kommission in diesem vorzeitigen Stadium Einsicht in ihre Verwaltungsakte geben müsste. Dass die Parteien
         Einsicht in die Verwaltungsakte der Kommission nehmen können müssen, um sich letztlich gegen die Einwände der Kommission in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte verteidigen zu können, kann nicht dahin ausgelegt werden, dass die Kommission verpflichtet
         wäre, ihnen während des gesamten Verfahrens abschnittsweise Einsicht in ihre Akte zu gewähren, wodurch die Kommission unverhältnismäßig
         belastet würde.
      
      (vgl. Randnr. 694)
      27.   Damit die Kommission den Zeitplan der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen einhalten
         kann, müssen die je Verfahrensabschnitt festgelegten Zwischenfristen ebenfalls kurz sein. Dadurch werden naturgemäß die Arbeitsbedingungen
         für alle Verfahrensbeteiligten erschwert; der Gesetzgeber hat jedoch den Zeitgewinn für das Verfahren als Ganzes als Rechtfertigung
         für diesen Nachteil betrachtet, um insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Parteien eines angemeldeten Zusammenschlusses
         aus geschäftlichen Gründen an einer möglichst schnellen Umsetzung ihres Vorhabens interessiert sind. Insoweit muss bei der
         Beurteilung behaupteter Verletzungen der Verfahrensrechte in Verfahren nach der Verordnung Nr. 4064/89 das Beschleunigungsgebot
         berücksichtigt werden, das für die allgemeine Systematik dieser Verordnung kennzeichnend ist. 
      
      Nach Artikel 21 der Verordnung Nr. 447/98 über die Anmeldungen, über die Fristen sowie über die Anhörung nach der Verordnung
         Nr. 4064/89, der u. a. auf die nach Artikel 13 dieser Verordnung festzusetzende Frist für die Erwiderung auf eine Mitteilung
         der Beschwerdepunkte Anwendung findet, trägt die Kommission überdies dem für die Äußerung erforderlichen Zeitaufwand und der
         Dringlichkeit des Falles Rechnung. Demnach muss die Kommission die Verfahrensrechte der Anmelder und das Erfordernis einer
         baldigen endgültigen Entscheidung nach Möglichkeit miteinander in Einklang bringen. 
      
      Folglich können sich die Anmelder eines Zusammenschlusses nur dann auf die Kürze der ihnen in einem derartigen Verfahren eingeräumten
         Fristen berufen, wenn diese Fristen nicht im Verhältnis zur Dauer des gesamten Verfahrens stehen. 
      
      (vgl. Randnrn. 701-703)
      28.   Wenngleich der Beschluss 2001/462 über das Mandat von Anhörungsbeauftragten in bestimmten Wettbewerbsverfahren die Stellung
         des Anhörungsbeauftragten insbesondere dadurch verändert hat, dass er nach Artikel 2 Absatz 2 dieses Beschlusses nunmehr verwaltungstechnisch
         dem für Wettbewerb zuständigen Mitglied der Kommission und nicht mehr der Generaldirektion Wettbewerb untersteht, geht klar
         aus dem Beschluss hervor, dass die neue Funktion „Anhörungsbeauftragter“ unmittelbar an die Stelle der früheren im Beschluss
         94/810 vorgesehenen gleichnamigen Funktion tritt. Somit ist der frühere Anhörungsbeauftragte in Ermangelung einer Entscheidung
         zur Beendigung seines Mandats nach Artikel 2 Absatz 1 des Beschlusses 2001/462 nach Inkrafttreten dieses Beschlusses im Amt
         geblieben.
      
      Diese Auslegung der vorgenannten Texte wird bestärkt durch die objektive Notwendigkeit, für die Tätigkeit des Anhörungsbeauftragten
         eine funktionale Kontinuität nach dem Grundsatz einer ordnungsgemäßen Verwaltung zu gewährleisten. Der Beschluss 2001/462
         ist zwangsläufig in Kraft getreten, als bestimmte Verfahren schon im Gange waren. Würde das Inkrafttreten des Beschlusses
         2001/462 ohne Ernennung eines neuen Anhörungsbeauftragten bewirken, dass niemand mit dieser Funktion betraut wäre, so könnten
         die laufenden Verfahren nicht fortgeführt werden, wodurch sowohl die Vorschriften der Verordnung Nr. 4064/89 als auch die
         Bestimmungen des Beschlusses 2001/462 bei diesen Verfahren unwirksam würden. Folglich bleibt ein bei Inkrafttreten des Beschlusses
         2001/462 bereits berufener Anhörungsbeauftragter befugt, diese Funktion bis auf Weiteres wahrzunehmen, um zumindest Verfahren,
         mit denen er bereits befasst war, abzuschließen. 
      
      (vgl. Randnrn. 719-720)
      29.   Die Grundrechte gehören zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, deren Wahrung der Gemeinschaftsrichter zu sichern hat. Dabei
         lassen sich der Gerichtshof und das Gericht von den gemeinsamen Verfassungstraditionen der Mitgliedstaaten sowie von den Hinweisen
         leiten, die die völkerrechtlichen Verträge über den Schutz der Menschenrechte geben, an deren Abschluss die Mitgliedstaaten
         beteiligt waren oder denen sie beigetreten sind. Insoweit kommt der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte
         besondere Bedeutung zu. Nach Artikel 6 Absatz 2 EU „[achtet zudem] die Union die Grundrechte, wie sie in der … Europäischen
         Konvention zum Schutze der Menschenrechte … gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen
         der Mitgliedstaaten ergeben[, als allgemeine Grundsätze des Gemeinschaftsrechts]“. 
      
      (vgl. Randnr. 725)
URTEIL DES GERICHTS (Zweite erweiterte Kammer)
      14. Dezember 2005(*)
      
      „Nichtigkeitsklage – Wettbewerb – Entscheidung der Kommission zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt – Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 – Luftfahrtmärkte – Erwerb von Honeywell durch General Electric – Vertikale Integration – Paketabschlüsse – Abschottungswirkung – Horizontale Überschneidungen – Verfahrensrechte“
      In der Rechtssache T-210/01
      General Electric Company mit Sitz in Fairfield, Connecticut (Vereinigte Staaten), Prozessbevollmächtigte: N. Green, C. Booth, QC, J. Simor, K. Bacon,
         Barristers, S. Baxter, Solicitor, und Rechtsanwälte L. Vogel, J. Vogel und M. Van Kerckhove, dann J. O’Leary, Solicitor, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg, 
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften,  vertreten durch R. Lyal, P. Hellström und F. Siredey-Garnier als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Rolls‑Royce plc mit Sitz in London (Vereinigtes Königreich), Prozessbevollmächtigter: A. Renshaw, Solicitor,
      
      und
      Rockwell Collins, Inc., mit Sitz in Cedar Rapids, Iowa (Vereinigte Staaten), Prozessbevollmächtigte: T. Soames, J. Davies und A. Ryan, Solicitors,
         und Rechtsanwalt P. D. Camesasca, 
      
      Streithelferinnen,
      wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 2004/134/EG der Kommission vom 3. Juli 2001 zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines
         Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR‑Abkommen (Sache COMP/M.2220 — General Electric/Honeywell) (ABl. 2004,
         L 48, S. 1)
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite erweiterte Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Pirrung, der Richterin V. Tiili sowie der Richter A. W. H. Meij, M. Vilaras und N. J. Forwood,
      Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 27. Mai 2004
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1       Die Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (ABl.
         L 395, S. 1, Berichtigung ABl. 1990, L 257, S. 13), zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97 des Rates vom 30.
         Juni 1997 (ABl. L 180, S. 1, im Folgenden in der berichtigten und geänderten Fassung: Verordnung Nr. 4064/89), bestimmt in
         Artikel 2 Absätze 2 und 3:
      
      „(2)      Zusammenschlüsse, die keine beherrschende Stellung begründen oder verstärken, durch die wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen
         Markt oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindert würde, sind für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt zu
         erklären. 
      
      (3)      Zusammenschlüsse, die eine beherrschende Stellung begründen oder verstärken, durch die wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen
         Markt oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindert würde, sind für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt
         zu erklären.“
      
       Vorgeschichte
      2       Die General Electric Company (im Folgenden: Klägerin) ist ein diversifiziertes Industrieunternehmen mit Aktivitäten u. a.
         in den Bereichen Flugzeugtriebwerke, Elektrogeräte, Informationsdienste, Antriebssysteme, Lichtsysteme, Industriesysteme,
         medizinische Systeme, Kunststoffe, Rundfunk, Finanzdienstleistungen und Transportausrüstungen.
      
      3       Honeywell International Inc. ist ein Unternehmen mit Aktivitäten u. a. in den Bereichen Luftfahrtsystemlösungen, industrielle
         Automatisierung, Elektronik, Spezialchemikalien, Hochleistungspolymere, Energie‑ und Transportprodukte sowie Gebäudetechnik
         und Domotiksysteme.
      
      4       Am 22. Oktober 2000 schlossen die Klägerin und Honeywell eine Vereinbarung, wonach die Klägerin das gesamte Kapital von Honeywell
         übernimmt (im Folgenden: Zusammenschluss) und Honeywell dadurch eine 100%ige Tochtergesellschaft der Klägerin wird.
      
      5       Am 5. Februar 2001 wurde der Zusammenschluss bei der Kommission gemäß Artikel 4 der Verordnung Nr. 4064/89 angemeldet.
      6       Am 1. März 2001 beschloss die Kommission in der Annahme, dass der Zusammenschluss unter die Verordnung Nr. 4064/89 fällt,
         das Prüfungsverfahren gemäß Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c dieser Verordnung und Artikel 57 des Abkommens über den Europäischen
         Wirtschaftsraum (EWR) einzuleiten (im Folgenden: Einleitungsentscheidung).
      
      7       Am 15. März 2001 gaben die Klägerin und Honeywell gemeinsam bei der Kommission ihre Erklärungen zu der Einleitungsentscheidung
         ab. 
      
      8       Am 8. Mai 2001 versandte die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte an die Klägerin, auf die Letztere am 24. Mai
         2001 erwiderte.
      
      9       Am 29. und 30. Mai 2001 führte die Kommission eine Anhörung der Klägerin und von Honeywell durch.
      10     Am 14. und 28. Juni 2001 schlugen die Klägerin und Honeywell gemeinsam zwei Bündel von Verpflichtungen vor, um den Zusammenschluss
         für die Kommission akzeptabel zu machen.
      
      11     Am 3. Juli 2001 erließ die Kommission die Entscheidung 2004/134/EG zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR‑Abkommen (Sache COMP/M.2220 – General Electric/Honeywell) (ABl. 2004, L 48, S. 1, im
         Folgenden: angefochtene Entscheidung). 
      
       Angefochtene Entscheidung
      12     Im verfügenden Teil der angefochtenen Entscheidung heißt es: 
      „Artikel 1
      Der Zusammenschluss, bei dem [die Klägerin] das Unternehmen Honeywell International Inc. übernimmt, wird für mit dem Gemeinsamen
         Markt und dem EWR-Abkommen unvereinbar erklärt.
      
      Artikel 2
      Diese Entscheidung ist gerichtet an:
      [die Klägerin]
      ...“
      13     Die Gründe der angefochtenen Entscheidung lassen sich wie folgt zusammenfassen.
      14     Die Klägerin verfügte nach Meinung der Kommission bereits vor dem Zusammenschluss alleine über eine beherrschende Stellung
         auf den Weltmärkten für Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge und große Regionalflugzeuge (vgl. 45. bis 83. und 84. bis 87.
         sowie 107. bis 229. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Marktstärke des Unternehmens gehörte zusammen
         mit der wirtschaftlichen Hebelwirkung seiner Finanzkraft und seiner vertikalen Verflechtung im Leasingbetrieb der Luftfahrt
         zu den Faktoren, die auf eine beherrschende Stellung der Klägerin auf den genannten Märkten schließen ließen. Die Untersuchung
         habe auch gezeigt, dass Honeywell bereits der größte Anbieter von Luft‑ und Raumfahrtausrüstungen (241. bis 275. Begründungserwägung)
         sowie von Triebwerken für Geschäftsflugzeuge (88. und 89. Begründungserwägung) und von Triebwerksstartern, insbesondere für
         große Verkehrsflugzeuge, sei, wobei die Triebwerksstarter als ein Schlüsselprodukt bei der Herstellung von Triebwerken anzusehen
         seien (331. bis 340. Begründungserwägung).
      
      15     Eine Zusammenlegung der Geschäftsfelder der beiden Gesellschaften würde nach Ansicht der Kommission beherrschende Stellungen
         auf mehreren Märkten begründen oder verstärken. Insbesondere resultiere daraus eine Verstärkung der bereits weltweit bestehenden
         beherrschenden Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge in Anbetracht der „vertikalen“ Effekte des
         Zusammenschlusses, die sich aus einer Verflechtung der Herstellung der genannten Triebwerke durch die Klägerin mit der Starterherstellung
         für diese Triebwerke durch Honeywell ergäben (419. bis 427. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Zudem entstünden
         durch zwei Arten von so genannten „Konglomerat“‑Wirkungen beherrschende Stellungen in den verschiedenen Segmenten des Weltmarktes
         für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse, in denen Honeywell bereits vor dem Zusammenschluss eine Führungsposition innegehabt
         habe. Diese Wirkungen resultierten, erstens, aus einem Prozess der „Marktanteilsverlagerung“ (share shifting), wobei auf die
         vorerwähnten Marktsegmente die Finanzkraft von GE Capital, einer der Unternehmensgruppe der Klägerin angehörenden Gesellschaft,
         und die kommerziellen Vorteile übergingen, die sich aus der vor allem von GE Capital Aviation Services (GECAS), einer ebenfalls
         zur GE‑Unternehmensgruppe gehörenden Gesellschaft, betriebenen Kauf‑ und Leasingtätigkeit für Flugzeuge ergäben (342. bis
         348. und 405. bis 411. Begründungserwägung). Zweitens verweist die Kommission auf Auswirkungen aus der künftigen Praxis der
         neuen Unternehmenseinheit in Form von Paketabschlüssen – mit reiner, technischer oder Mischbündelung –, die Triebwerke der
         früheren GE zum einen und Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse der früheren Honeywell zum anderen umfassen würden (349.
         bis 404. Begründungserwägung). Derartige künftige Paketabschlüsse würden nach Ansicht der Kommission ebenfalls die bereits
         bestehende beherrschende Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge verstärken.
      
      16     Ferner verweist die Kommission vor allem angesichts „horizontaler Überschreitungen“ auf eine Verstärkung der bereits bestehenden
         beherrschenden Stellung der Klägerin auf dem Weltmarkt für Triebwerke für große Regionalflugzeuge und auf die Begründung einer
         beherrschenden Stellung der neuen Unternehmenseinheit auf dem Weltmarkt für Triebwerke für Geschäftsflugzeuge, da sowohl die
         Klägerin als auch Honeywell bereits vor dem Zusammenschluss als Hersteller auf diesen Märkten präsent seien (428. bis 431.
         und 435. bis 437. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Nach Ansicht der Kommission entstünde insbesondere
         durch die horizontale Überschneidung der beiden Fusionsparteien auch eine weltweit beherrschende Stellung bei kleinen Schiffsgasturbinen
         (468. bis 477. Begründungserwägung).
      
      17     Die Kommission gelangte zu dem Schluss, dass die von den Fusionsparteien vorgeschlagenen Verpflichtungen nicht ausreichten,
         um alle Wettbewerbsprobleme des Zusammenschlusses auszuräumen (500. bis 533. und 546. bis 563. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung). Sie stellte demgemäß in der 567. Begründungserwägung ihrer Entscheidung fest, dass der Zusammenschluss mehrere
         beherrschende Stellungen begründen oder verstärken würde, wodurch ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich
         behindert würde, und dass der geplante Zusammenschluss daher gemäß Artikel 8 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4064/89 für mit dem
         Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt werden müsse.
      
       Verfahren
      18     Mit Klageschrift, die am 12. September 2001 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende
         Klage erhoben. Honeywell hat am selben Tag ebenfalls eine Klage gegen die angefochtene Entscheidung erhoben (Rechtssache T‑209/01).
      
      19     Die Rolls‑Royce plc, die Rockwell Collins Inc. (im Folgenden: Rockwell) und die Thales SA haben mit Schriftsätzen, die am
         11., 15. bzw. 16. Januar 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, beantragt‚ im vorliegenden Verfahren als Streithelferinnen
         zur Unterstützung der Anträge der Kommission zugelassen zu werden.
      
      20     Die Klägerin hat beantragt, bestimmte Informationen in ihren Schriftsätzen und in den Schriftsätzen der Kommission gegenüber
         den Streithelferinnen vertraulich zu behandeln.
      
      21     Mit Beschluss vom 26. Juni 2002 hat der Präsident der Ersten Kammer des Gerichts Rolls‑Royce und Rockwell als Streithelferinnen
         zugelassen. Er hat mit demselben Beschluss die von der Klägerin beantragte vertrauliche Behandlung vorbehaltlich der Erklärungen
         der genannten Streithelferinnen zugelassen. Thales ist gemäß Artikel 116 § 6 der Verfahrensordnung des Gerichts auf der Grundlage
         des Sitzungsberichts als Streithelferin in der mündlichen Verhandlung zugelassen worden.
      
      22     Aufgrund der durch Beschluss des Gerichts vom 13. September 2004 (ABl. C 251, S. 12) geänderten Zusammensetzung der Kammern
         ist der Berichterstatter der Zweiten Kammer zugeteilt worden, die daher die vorliegende Rechtssache übernommen hat.
      
      23     Nach Anhörung der Parteien gemäß Artikel 51 der Verfahrensordnung hat das Gericht auf Vorschlag der Zweiten Kammer gemäß Artikel
         14 der Verfahrensordnung beschlossen, die Rechtssache an die erweiterte Kammer zu verweisen.
      
      24     Mit Schreiben, das am 2. Februar 2004 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat Thales auf die Streithilfe verzichtet.
         Mit Beschluss vom 23. März 2004 hat der Präsident der Zweiten erweiterten Kammer des Gerichts nach Anhörung der anderen Parteien
         von diesem Verzicht Kenntnis genommen.
      
      25     Mit Schreiben vom 17. März 2004 hat die Klägerin die Verbindung der vorliegenden Rechtssache mit der Rechtssache T‑209/01
         beantragt. Der Präsident der Zweiten erweiterten Kammer hat die Entscheidung über eine Verbindung gemäß Artikel 50 der Verfahrensordnung
         diesem Gremium übertragen.
      
      26     Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen. Es hat im Zuge prozessleitender
         Maßnahmen gemäß Artikel 64 der Verfahrensordnung Fragen an die Parteien gerichtet und die Kommission aufgefordert, bestimmte
         Unterlagen vor der mündlichen Verhandlung vorzulegen. Die Parteien sind dem nachgekommen.
      
      27     Die Parteien haben in der Sitzung vom 27. Mai 2004 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet. Am Ende dieser
         Sitzung ist die mündliche Verhandlung geschlossen worden.
      
      28     Mit Schriftsatz vom 8. Juni 2004 hat die Klägerin bei der Kanzlei des Gerichts einen Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen
         Verhandlung gestellt und zusätzliche Erklärungen zu bestimmten Aspekten der Rechtssache mit verschiedenen neuen Unterlagen
         eingereicht. Das Gericht hat am 8. Juli 2004 gemäß Artikel 62 der Verfahrensordnung die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung
         beschlossen.
      
      29     Das Gericht hat nach Anhörung der Parteien als prozessleitende Maßnahme gemäß Artikel 64 der Verfahrensordnung die von der
         Klägerin am 8. Juni 2004 eingereichten Unterlagen und Erklärungen zu den Akten genommen. Die Stellungnahmen der Kommission
         und der Streithelferinnen zur Relevanz dieser Aktenstücke sind ebenfalls zu den Akten genommen worden.
      
      30     Die Partien haben auf Verlangen des Gerichts weitere Erklärungen und Unterlagen im Zusammenhang mit Fragen vorgelegt, die
         die Klägerin mit ihren ursprünglichen Erklärungen aufgeworfen hatte. Diese Unterlagen sind ebenfalls zu den Akten genommen
         worden.
      
      31     Die mündliche Verhandlung ist sodann am 23. November 2004 erneut geschlossen worden.
       Anträge der Parteien
      32     Die Klägerin beantragt,
      –       die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären;
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      33     Die Kommission, unterstützt von Rolls‑Royce und Rockwell, beantragt,
      –       die Klage abzuweisen;
      –       der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
       Rechtliche Würdigung
      34     Die Klägerin wirft in ihren Schriftsätzen eine Reihe von Fragen auf, die die Tragweite ihrer Klage, den Umfang der Kontrolle
         durch das Gericht und die allgemeinen Kriterien betreffen, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung anwendet.
         Diese Fragen werden vorab behandelt.
      
      35     Die Klägerin bestreitet die als Ausgangspunkt für andere Aspekte der Wettbewerbsuntersuchung dienende Feststellung der Kommission
         in der angefochtenen Entscheidung, dass die Klägerin bereits vor dem Zusammenschluss eine beherrschende Stellung auf dem Triebwerksmarkt
         für große Verkehrsflugzeuge innegehabt habe. Dieser Gesichtspunkt wird an erster Stelle geprüft.
      
      36     Sie widerspricht zudem den Schlussfolgerungen der Kommission hinsichtlich der vertikalen Überschneidungen, der Konglomerat‑Wirkungen
         und der horizontalen Überschneidungen, die durch den Zusammenschluss hervorgerufen würden. Diese Punkte werden sodann an zweiter,
         dritter und vierter Stelle behandelt.
      
      37     Ferner macht die Klägerin Verfahrensmängel bei der angefochtenen Entscheidung geltend. Dies wird zuletzt geprüft.
      A –  Vorfragen
      1.     Zum Verbindungsantrag
      38     Eine Verbindung zweier Rechtssachen mit unterschiedlichen Klägern darf die Tragweite der jeweils erhobenen Klagen nicht verändern,
         um die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit der Klagen nicht zu beeinträchtigen (Urteil des Gerichtshofes vom 21. Juni 2001
         in den verbundenen Rechtssachen C‑280/99 P bis C‑282/99 P, Moccia Irme u. a./Kommission, Slg. 2001, I‑4717, Randnrn. 61 bis
         68, insbesondere Randnr. 66). 
      
      39     Eine Verbindung der vorliegenden Rechtssache mit der Rechtssache T‑209/01 ist insbesondere in Anbetracht der unterschiedlichen
         Tragweite der beiden Klagen nicht vorzunehmen. Der entsprechende Antrag, den die Klägerin mit Schreiben vom 17. März 2004
         gestellt hat, wird daher zurückgewiesen.
      
      2.     Zum Zusammenhang der verschiedenen Umstände, auf die die Kommission ihre Feststellung hinsichtlich der Unvereinbarkeit des
            Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt stützt
      a)     Vorbringen der Parteien
      40     Die Klägerin trägt vor, die Kommission habe in der Klagebeantwortung betont, dass die einzelnen Punkte ihrer Überlegungen
         in der angefochtenen Entscheidung sich gegenseitig verstärkten, so dass es willkürlich wäre, jeden dieser Punkte getrennt
         zu beurteilen. Demnach könne im vorliegenden Fall nicht analog die Lösung herangezogen werden, die sich aus dem Urteil des
         Gerichts vom 22. Oktober 2002 in der Rechtssache T‑310/01 (Schneider Electric/Kommission, Slg. 2002, II‑4071) ergebe, dass
         Fehler bei der Analyse bestimmter Märkte durch die Kommission nicht ausreichten, um die Nichtigerklärung einer Entscheidung
         zu rechtfertigen, sofern diese Entscheidung auch auf einer Analyse anderer Märkte beruhe, die begründet sei. Die Klägerin
         hat hierzu in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass eine Beurteilung des Zusammenschlusses durch das Gericht nicht an die
         Stelle der Beurteilung durch die Kommission treten dürfe. Würde also festgestellt, dass bestimmte in der angefochtenen Entscheidung
         enthaltene Gründe fehlerhaft seien, während dies bei anderen nicht der Fall sei, so sei es nicht Sache des Gerichts, zu beurteilen,
         ob die begründeten Teile der Würdigung genügten, um die Schlussfolgerung der Kommission bezüglich der Unvereinbarkeit des
         angemeldeten Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt zu stützen.
      
      41     Die Kommission führt aus, die angefochtene Entscheidung beruhe auf einer Verbindung von tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkten,
         die sich gegenseitig ergänzten und wozu horizontale, vertikale und konglomerate Effekte gehörten. Jeder dieser Gesichtspunkte
         begründe indessen selbständig ein Verbot des Zusammenschlusses.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      42     Können – so ist zunächst festzustellen – bestimmte Gründe einer Entscheidung bereits für sich alleine diese Entscheidung rechtlich
         hinreichend rechtfertigen, so haben Mängel, mit denen andere Gründe des betreffenden Rechtsakts gegebenenfalls behaftet sind,
         keinen Einfluss auf dessen verfügenden Teil (vgl. entsprechend Urteil des Gerichtshofes vom 12. Juli 2001 in den verbundenen
         Rechtssachen C‑302/99 P und C‑308/99 P, Kommission und Frankreich/TF1, Slg. 2001, I‑5603, Randnrn. 26 bis 29). 
      
      43     Stützt die Kommission den verfügenden Teil einer Entscheidung auf mehrere Teile ihrer Würdigung, wovon jeder alleine ausreichen
         würde, um die Verfügung zu begründen, so ist ein derartiger Rechtsakt grundsätzlich nur dann für nichtig zu erklären, wenn
         jede dieser Stützen fehlerhaft ist. In einem derartigen Fall kann ein Fehler oder ein anderer Mangel, der nur eine der genannten
         Stützen betrifft, nicht genügen, um die Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung herbeizuführen, da dieser Fehler den
         verfügenden Teil der Entscheidung nicht entscheidend beeinflussen kann (vgl. entsprechend Urteil des Gerichts vom 14. Mai
         2002 in der Rechtssache T‑126/99, Graphischer Maschinenbau/Kommission, Slg. 2002, II‑2427, Randnrn. 49 bis 51 und die dort
         zitierte Rechtsprechung). 
      
      44     Diese Regel findet bei Entscheidungen über die Kontrolle von Zusammenschlüssen Anwendung (vgl. in diesem Sinne Urteil Schneider
         Electric/Kommission, oben zitiert in Randnr. 40, Randnrn. 404 bis 420). 
      
      45     Hierbei ist zu bedenken, dass die Kommission einen Zusammenschluss verbieten muss, wenn dieser den Tatbestand des Artikels
         2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4064/89 erfüllt. Nach Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe a dieser Verordnung berücksichtigt die Kommission
         bei der Beurteilung eines Zusammenschlusses vor allem die Notwendigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Struktur aller betroffenen
         Märkte im Gemeinsamen Markt wirksamen Wettbewerb aufrechtzuerhalten und zu entwickeln. So muss die Kommission die Frage, ob
         ein Zusammenschluss eine oder mehrere beherrschende Stellungen begründet oder verstärkt, durch die wirksamer Wettbewerb erheblich
         behindert würde, unter Zugrundelegung der Bedingungen beurteilen, die auf den einzelnen gegebenenfalls vom angemeldeten Zusammenschluss
         betroffenen Märkten bestehen. Stellt sie somit bereits bei einem einzigen der betroffenen Märkte fest, dass die genannten
         Kriterien erfüllt sind, muss sie den Zusammenschluss daher für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar erklären.
      
      46     In der 567. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung heißt es dementsprechend: „Die Kommission stellt aus den dargelegten
         Gründen fest, dass der geplante Zusammenschluss zur Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Position auf den Märkten
         für Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge, Triebwerke für große Regionalflugzeuge, Triebwerke für Geschäftsflugzeuge, Avionikprodukte
         und sonstige Erzeugnisse sowie kleine Schiffgasturbinen führen würde, durch die wirksamer Wettbewerb erheblich behindert würde.“
         
      
      47     Die angefochtene Entscheidung enthält keine Rangfolge der Wettbewerbsprobleme, die auf den einzelnen Märkten festgestellt
         wurden, die die Kommission geprüft hat und die sodann in der vorstehend wiedergegebenen Schlussfolgerung aufgeführt werden.
         Das Gegenteil ist der Fall, und die genannte Schlussfolgerung kann insbesondere in Anbetracht des Wortlauts von Artikel 2
         der Verordnung Nr. 4064/89 nur in dem Sinne verstanden werden, dass der angemeldete Zusammenschluss auf jedem der aufgeführten
         Märkte zur Begründung oder gegebenenfalls zur Verstärkung einer beherrschenden Stellung geführt hätte, durch die wirksamer
         Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde.
      
      48     Demgemäß kann die angefochtene Entscheidung nur dann für nichtig erklärt werden, wenn nicht nur festzustellen ist, dass bestimmte
         Gründe derselben fehlerhaft sind, sondern auch, dass etwaige nicht fehlerhafte Gründe nicht ausreichen, um die Unvereinbarkeit
         des angemeldeten Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt zu rechtfertigen. Dies entbindet jedoch nicht von der Notwendigkeit,
         zu prüfen, ob – wie die Kommission in ihrer Klagebeantwortung ausführt – bestimmte in der angefochtenen Entscheidung festgestellte
         Wettbewerbsaspekte sich gegenseitig verstärken, so dass es willkürlich wäre, jeden dieser Aspekte getrennt zu beurteilen.
         
      
      3.     Zu den vorgeschlagenen Verpflichtungen
      49     Was die Gültigkeit der zweiten Serie von Verpflichtungserklärungen vom 28. Juni 2001 anbelangt, so steht zunächst fest, dass
         die Fusionsparteien am 14. Juni 2001 ein erstes Bündel von Verpflichtungsvorschlägen vorgelegt haben (siehe 485. bis 533.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission erklärt hierzu, ohne dass die Klägerin dem widerspräche,
         dass dieser Tag gemäß Artikel 18 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 447/98 der Kommission vom 1. März 1998 über die Anmeldungen,
         über die Fristen sowie über die Anhörung nach der Verordnung Nr. 4064/89 (ABl. L 61, S. 1) der letztmögliche für Verpflichtungsvorschläge
         gewesen sei. Die Fusionsparteien haben jedoch die zweite Serie von Verpflichtungserklärungen am 28. Juni 2001 vorgeschlagen
         (siehe 534. bis 566. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung) und dabei dargelegt, dass diese Erklärungen diejenigen
         vom 14. Juni 2001 ersetzten.
      
      50     Die einzigen Unterschiede zwischen den beiden Verpflichtungsserien betreffen jedoch eine verhaltensbezogene Zusage für GECAS
         und strukturelle Zusagen zur geplanten Beendigung bestimmter Tätigkeiten von Honeywell bei verschiedenen Avionikprodukten
         und sonstigen Erzeugnissen. Die etwaige Auswirkung dieser Unterschiede wird nachstehend bei der materiell‑rechtlichen Untersuchung
         der Konglomerat‑Wirkungen geprüft. 
      
      51     Die Klägerin hat in ihrer Klageschrift der Weigerung der Kommission widersprochen, verhaltensbezogene Zusagen zu berücksichtigen.
         In der mündlichen Verhandlung hat sie zudem erklärt, die Kommission habe durch diese Weigerung das gesamte Verwaltungsverfahren
         verfälscht und den Fusionsparteien die Möglichkeit vorenthalten, Verpflichtungen vorzuschlagen, mit denen sich insbesondere
         die Wettbewerbsprobleme lösen ließen, die sich aus den von der Kommission festgestellten horizontalen Überschneidungen ergäben.
         In Anbetracht der weitgehenden Bedeutung dieser Behauptung ist diese im Zuge der gegenwärtigen Vorfragen zu prüfen.
      
      52     Die Kommission hat hierzu in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 8. Mai 2001 klar die Bedenken zu allen wettbewerbswidrigen
         Folgen des Zusammenschlusses, insbesondere auch die Bedenken bezüglich der sich aus dem Zusammenschluss ergebenden horizontalen
         und vertikalen Effekte, angegeben, die später in die angefochtene Entscheidung aufgenommen wurden (siehe insbesondere Nrn.
         118 bis 122, 124 bis 126, 459 bis 468, 469 bis 471, 473, 474, 578 bis 586 und 612 bis 633 der Mitteilung der Beschwerdepunkte).
         Um den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegten Bedenken der Kommission gerecht zu werden, hat die Klägerin am 14.
         Juni 2001 insbesondere strukturelle Zusagen vorgeschlagen, die die Kommission geprüft und sodann zurückgewiesen hat, da praktische
         Gesichtspunkte der Realisierung dieser Zusagen entgegenstünden. Die Klägerin hat dem Gericht keine Gründe oder Argumente vorgetragen,
         die näher erklärt hätten, weshalb die Zurückweisung dieser Zusagen rechtswidrig oder ungerechtfertigt gewesen sein soll (siehe
         insbesondere nachstehende Randnrn. 487, 555 ff., 564 a. E. und 610). Sofern die betreffenden Zusagen technische oder kommerzielle
         Lücken aufgewiesen haben sollten, so dass sie die Kommission nicht als ausreichend angesehen hat, um eine Genehmigung des
         geplanten Zusammenschlusses zu ermöglichen, könnten diese Lücken nicht der Kommission zur Last gelegt werden, und sie sind
         auch nicht einem etwaigen Vorbehalt der Kommission gegenüber einer potenziellen Wirksamkeit anderer Verhaltenszusagen zuzuschreiben.
         Es oblag nämlich den Fusionsparteien, grundsätzlich bis 14. Juni 2001 in jeder Hinsicht vollständige und wirksame Verpflichtungserklärungen
         vorzulegen.
      
      53     Die Klägerin hat in ihren Erklärungen nach der Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung ihre Antwort auf eine in Letzterer
         gestellte Frage dahin gehend berichtigt, dass ihr die Kommission am 22. Juni 2001 die Gründe mitgeteilt habe, aus denen ihre
         am 14. Juni 2001 unterbreiteten Verpflichtungserklärungen zurückzuweisen seien. Sie hat sodann ausgeführt, die Kommission
         habe ihr den Eindruck vermittelt, es genüge, ihre Verpflichtung bezüglich des künftigen Verhaltens von GECAS zu verstärken,
         damit der Zusammenschluss für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklärt werden könne. Zur Stützung ihrer Behauptung hat
         die Klägerin in diesem späten Stadium des Verfahrens zwei Pressemitteilungen vom 14. und 18. Juni 2001 und einen Artikel vom
         11. Februar 2002 vorgelegt, in dem der Inhalt eines Gesprächs mit dem damals für den Wettbewerb zuständigen Mitglied der Kommission
         wiedergegeben wird. Die Klägerin behauptet der Sache nach, die Kommission habe ihr gegenüber Versicherungen abgegeben, die
         bei ihr zu einem berechtigten Vertrauen geführt hätten. 
      
      54     Zunächst ist festzustellen, dass die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung hinsichtlich der Verpflichtungserklärungen
         von der Klägerin nur beantragt worden war, um den vorstehend dargelegten Sachverhaltsirrtum zu berichtigen. Wenn sie nunmehr
         auf ihre Kontakte mit der Kommission zurückgreift, sind ihre Ausführungen verspätet und folglich unzulässig. Zudem stellt
         die erstmals in der mündlichen Verhandlung vorgetragene Argumentation bezüglich des berechtigten Vertrauens ein neues Angriffsmittel
         dar, das gemäß Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung zurückzuweisen ist.
      
      55     Jeder Wirtschaftsteilnehmer, bei dem ein Gemeinschaftsorgan begründete Erwartungen geweckt hat, kann sich auf den Grundsatz
         des Vertrauensschutzes berufen (Urteile des Gerichtshofes vom 11. März 1987 in der Rechtssache 265/85, Van den Bergh en Jurgens/Kommission,
         Slg. 1987, 1155, Randnr. 44, und vom 26. Juni 1990 in der Rechtssache C‑152/88, Sofrimport/Kommission, Slg. 1990, I‑2477,
         Randnr. 26). Im vorliegenden Fall konnten die von der Klägerin herangezogenen Kontakte zwischen ihr und der Kommission, die
         nach der Unterbreitung der ersten Serie von Verpflichtungserklärungen am 14. Juni 2001 bezüglich eines etwaigen neuen Zusagebündels
         mit einigen Abweichungen von der ersten Zusageserie stattgefunden haben, indessen keine derartigen Erwartungen und daher auch
         kein berechtigtes Vertrauen hervorrufen.
      
      56     Somit sind die Argumente bezüglich der Verpflichtungserklärungen, die die Klägerin in der mündlichen Verhandlung nach deren
         Wiedereröffnung vorgetragen hat, zurückzuweisen.
      
      4.     Zu den Beweisanforderungen und dem Umfang der Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter
      a)     Vorbringen der Parteien
      57     Nach Auffassung der Klägerin bewirkt ein Zusammenschluss des Konglomerattyps, wie er hier gegeben sei, im Gegensatz zu Zusammenschlüssen
         horizontaler oder vertikaler Art nur selten die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung. Daher erfordere
         jede gegenteilige Behauptung einen besonders überzeugenden Nachweis eines spezifischen Mechanismus, der zu einer Beeinträchtigung
         des Wettbewerbs führe.
      
      58     In ihrer Stellungnahme zu den Streithilfeschriftsätzen und in der mündlichen Verhandlung hat sich die Klägerin hierbei auf
         das Urteil des Gerichts vom 25. Oktober 2002 in der Rechtssache T‑5/02 (Tetra Laval/Kommission, Slg. 2002, II‑4381) gestützt,
         um zu betonen, dass es zum Nachweis von Konglomerat‑Wirkungen einer genauen, durch eindeutige Beweise untermauerten Überprüfung
         bedürfe, dass bei einer Berücksichtigung besondere Vorsicht geboten sei und dass die Analyse der Kommission besonders überzeugend
         sein müsse, wenn es sich um Auswirkungen handele, die erst später in Erscheinung träten. Die Klägerin hat zudem erklärt, dass
         die Kommission nach diesem Urteil die abschreckende Wirkung berücksichtigen müsse, die das in Artikel 82 EG enthaltene Verbot
         des Missbrauchs einer beherrschenden Stellung auf ein Unternehmen ausüben könne.
      
      59     Nach Ansicht der Kommission und der Streithelferinnen erfordert weder die Verordnung Nr. 4064/89 noch die Rechtsprechung einen
         strengeren Beweis für einen Zusammenschluss des Konglomerattyps.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
       Allgemeine Erwägungen
      60     Die Kommission verfügt in Wirtschaftsfragen bei der Anwendung der Grundregeln der Verordnung Nr. 4064/89, insbesondere von
         deren Artikel 2, über einen Beurteilungsspielraum. Daher beschränkt sich die Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter auf
         die Nachprüfung der materiellen Richtigkeit des Sachverhalts und auf offensichtliche Beurteilungsfehler (Urteile des Gerichtshofes
         vom 31. März 1998 in den verbundenen Rechtssachen C‑68/94 und C‑30/95, Frankreich u. a./Kommission, so genanntes Urteil Kali & Salz,
         Slg. 1998, I‑1375, Randnrn. 223 und 224, und vom 15. Februar 2005 in der Rechtssache C‑12/03 P, Kommission/Tetra Laval, Slg.
         2005, I‑987, Randnr. 38).
      
      61     Zudem stellt die Verordnung Nr. 4064/89 keine Vermutung hinsichtlich einer Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit eines angemeldeten
         Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt auf. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Kommission zur Genehmigung eines
         in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Zusammenschlusses tendieren muss, wenn sie Zweifel hat; sie muss sich vielmehr stets
         positiv in dem einen oder anderen Sinne entscheiden (vgl. in diesem Sinne Urteil Tetra Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr.
         58, Randnr. 120).
      
      62     Was die Art der Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter anbelangt, so ist der wichtige Unterschied hervorzuheben zwischen
         den faktischen Gegebenheiten und Feststellungen einerseits, deren etwaige Unrichtigkeit der Richter anhand der ihm unterbreiteten
         Argumente und Beweise feststellen kann, und den Beurteilungen wirtschaftlicher Art andererseits. 
      
      63     Auch wenn der Kommission bei der Anwendung der Grundregeln der Verordnung Nr. 4064/89 ein Beurteilungsspielraum zusteht, bedeutet
         dies nicht, dass der Gemeinschaftsrichter die rechtliche Auslegung von Wirtschaftsdaten durch die Kommission nicht überprüfen
         dürfte. Er muss nämlich nicht nur insbesondere die sachliche Richtigkeit der angeführten Beweise, ihre Zuverlässigkeit und
         ihre Kohärenz prüfen, sondern auch kontrollieren, ob diese Beweise alle relevanten Daten darstellen, die bei der Beurteilung
         einer komplexen Situation heranzuziehen waren, und ob sie die aus ihnen gezogenen Schlüsse zu stützen vermögen (Urteil Kommission/Tetra
         Laval, oben zitiert in Randnr. 60, Randnr. 39).
      
      64     Obgleich diese Grundsätze für alle Beurteilungen wirtschaftlicher Art gelten, ist eine wirksame gerichtliche Kontrolle besonders
         erforderlich, wenn die Kommission eine Untersuchung der voraussichtlichen Marktentwicklung vornimmt, die sich aus dem geplanten
         Zusammenschluss ergeben könnte. Wie der Gerichtshof im oben in Randnummer 60 genannten Urteil Kommission/Tetra Laval (Randnrn.
         42 und 43 dieses Urteils) erklärt hat, muss eine Untersuchung der voraussichtlichen Entwicklung, wie sie im Bereich der Kontrolle
         von Zusammenschlüssen erforderlich ist, sorgfältig durchgeführt werden, da es nicht darum geht, vergangene Ereignisse, für
         die häufig zahlreiche Anhaltspunkte vorliegen, die ein Verständnis ihrer Ursachen ermöglichen, oder auch gegenwärtige Ereignisse
         zu prüfen, sondern darum, Ereignisse vorherzusehen, die künftig mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit eintreten
         werden, wenn keine Entscheidung ergeht, mit der der Zusammenschluss zu den geplanten Bedingungen untersagt wird oder dessen
         Bedingungen näher festgelegt werden (vgl. in diesem Sinne Urteil Tetra Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr. 58, Randnr.
         155). Die Untersuchung der voraussichtlichen Entwicklung, bei der zu prüfen ist, inwieweit ein Zusammenschluss die für den
         Stand des Wettbewerbs auf einem bestimmten Markt maßgebenden Faktoren verändern könnte, um zu ermitteln, ob sich daraus ein
         erhebliches Hindernis für einen wirksamen Wettbewerb ergeben würde, erfordert es, sich die verschiedenen Kausalketten vor
         Augen zu führen und von denjenigen mit der größten Wahrscheinlichkeit auszugehen.
      
       Behandlung der Konglomerat‑Wirkungen
      65     Zusammenschlüsse des Konglomerattyps sind solche, die nicht zu horizontalen Überschneidungen zwischen den Tätigkeiten der
         Fusionsparteien oder zu vertikalen Beziehungen zwischen diesen Parteien im engeren Sinne führen. Sie wirken sich zwar im Allgemeinen
         nicht wettbewerbswidrig aus, können jedoch in bestimmten Fällen solche Auswirkungen haben (Urteil Tetra Laval/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 58, Randnr. 142). Kommt die Kommission im Rahmen einer Untersuchung der voraussichtlichen Auswirkungen
         eines Zusammenschlusses des Konglomerattyps zu dem Ergebnis, dass wegen der von ihr festgestellten Konglomerat‑Wirkungen aller
         Wahrscheinlichkeit nach in naher Zukunft eine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt würde, durch die wirksamer Wettbewerb
         auf dem betreffenden Markt erheblich behindert würde, so muss sie diesen Zusammenschluss folglich untersagen (Urteil Tetra
         Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr. 58, Randnr. 153 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      66     Hierbei bringen Zusammenschlüsse des Konglomerattyps, wie der Gerichtshof ebenfalls im oben in Randnummer 60 genannten Urteil
         Kommission/Tetra Laval festgestellt hat, bestimmte spezifische Probleme mit sich, da insbesondere zum einen die Untersuchung
         eines derartigen Zusammenschlusses mit einer Untersuchung der voraussichtlichen Entwicklung verbunden sein kann, bei der ein
         künftiger Zeitraum zu berücksichtigen ist, und zum anderen die Auswirkungen des Zusammenschlusses großenteils vom Verhalten
         der aus ihm hervorgehenden Einheit abhängen können. Demgemäß können die Kausalketten eines derartigen Zusammenschlusses schlecht
         erkennbar, ungewiss und schwer nachweisbar sein. In diesem Zusammenhang ist die Beschaffenheit der von der Kommission zum
         Nachweis der Erforderlichkeit einer Entscheidung, mit der der Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt
         wird, vorgelegten Beweismittel besonders bedeutsam, da diese Beweise die Auffassung der Kommission stützen sollen, dass ohne
         den Erlass einer solchen Entscheidung das Szenario der wirtschaftlichen Entwicklung, von dem sie ausgeht, plausibel wäre (Urteil
         Kommission/Tetra Laval, oben zitiert in Randnr. 60, Randnr. 44; vgl. in diesem Sinne auch Urteil Tetra Laval/Kommission, oben
         zitiert in Randnr. 58, Randnr. 155).
      
      67     Im vorliegenden Fall hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Auffassung vertreten, dass der Zusammenschluss
         in erster Linie eine unmittelbare vertikale Verflechtung zwischen der Herstellung von Triebwerksstartern und Triebwerken,
         in zweiter Linie Konglomerat‑Wirkungen und an dritter Stelle horizontale Überschneidungen auf bestimmten Märkten mit sich
         bringe.
      
      68     Aus der Beschreibung der Konglomerat‑Wirkungen in der angefochtenen Entscheidung geht im Wesentlichen hervor, dass der Zusammenschluss
         nach Ansicht der Kommission unmittelbar oder zumindest kurzfristig die Wettbewerbsbedingungen auf bestimmten Märkten durch
         diese Wirkungen verändern würde und somit in Anbetracht der Marktstärke und der kommerziellen Möglichkeiten, die sich aus
         der bereits auf dem ursprünglichen Markt bestehenden beherrschenden Stellung ergeben, zur Begründung oder Verstärkung einer
         beherrschenden Stellung auf diesen Märkten führen würde (vgl. nachstehende Randnrn. 325 ff. und 399 ff.). Diese Folgen ergeben
         sich aus dem Zusammenschluss jedoch nur, wenn die durch ihn entstehende Einheit sich nach der Fusion in bestimmter Weise verhält,
         was die Kommission für wahrscheinlich hält. Es geht dabei nach Meinung der Kommission darum, dass infolge des Zusammenschlusses
         voraussichtlich bestimmte wettbewerbsschädliche Handelspraktiken, die die Kommission vor dem Zusammenschluss bei der einen
         oder anderen Fusionspartei festgestellt hat, auf weitere Märkte ausgeweitet werden.
      
      69     Damit musste die Kommission überzeugende Beweise für ihre Schlussfolgerung erbringen, dass die durch den Zusammenschluss entstehende
         Einheit sich wahrscheinlich wie vorausgesehen verhalten werde. Ohne dieses Verhalten könnte die Verbindung der Positionen
         der beiden Fusionsparteien auf verwandten, jedoch getrennten Märkten nicht zur Begründung oder Verstärkung beherrschender
         Stellungen führen, da sich diese Positionen kommerziell nicht gegenseitig beeinflussen würden.
      
       Behandlung der Faktoren, die die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit davon abhalten könnten, sich wie in der angefochtenen
         Entscheidung vorausgesehen zu verhalten
      
      70     Nach dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) des Gerichts ist es zwar angebracht, den objektiven Anreizen
         für wettbewerbswidriges Verhalten Rechnung zu tragen, die durch einen Zusammenschluss entstehen, muss die Kommission jedoch
         andererseits prüfen, inwieweit diese Anreize aufgrund der Rechtswidrigkeit der fraglichen Verhaltensweisen, insbesondere in
         Anbetracht des verbotenen Missbrauchs beherrschender Stellungen nach Artikel 82 EG, der Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung,
         ihrer Verfolgung durch die zuständigen Behörden sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf nationaler Ebene und möglicher
         daraus erwachsender finanzieller Sanktionen, verringert oder sogar beseitigt werden (Randnr. 159 des Urteils). Die Klägerin
         hat sich in ihrer Stellungnahme zu den Streithilfeschriftsätzen auf diese Rechtsprechung zur Stützung ihres Vorbringens berufen,
         dass bestimmte Praktiken, die nach Meinung der Kommission beherrschende Stellungen begründen oder verstärken könnten, in Wahrheit
         nicht umgesetzt würden.
      
      71     Der Gerichtshof hat hierzu im Rechtsmittelverfahren in den Randnummern 74 bis 78 des Urteils Kommission/Tetra Laval (oben
         zitiert in Randnr. 60) erklärt, das Gericht habe zu Recht die Ansicht vertreten, dass die Wahrscheinlichkeit bestimmter künftiger
         Verhaltensweisen umfassend geprüft werden müsse, d. h. unter Berücksichtigung sowohl der Anreize für solche Verhaltensweisen
         als auch der Faktoren – einschließlich der etwaigen Rechtswidrigkeit der Verhaltensweisen –, die diese Anreize verringern
         oder sogar beseitigen könnten.
      
      72     Er hat jedoch auch festgestellt, dass es dem Präventionszweck der Verordnung Nr. 4064/89 widerspräche, wenn verlangt würde,
         dass die Kommission bei jedem geplanten Zusammenschluss prüfe, inwieweit die Anreize für ein wettbewerbswidriges Verhalten
         aufgrund der Rechtswidrigkeit der fraglichen Verhaltensweisen, der Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung, ihrer Verfolgung durch
         die zuständigen Behörden sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf nationaler Ebene und möglicher daraus erwachsender Sanktionen
         verringert oder sogar beseitigt würden. Der Gerichtshof ist daher zu dem Schluss gelangt, dass dem Gericht ein Rechtsfehler
         unterlaufen sei, als es die Ergebnisse der Kommission zu den betreffenden wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen der neuen Unternehmenseinheit
         in dieser Rechtssache zurückgewiesen habe (Urteil Kommission/Tetra Laval, oben zitiert in Randnr. 60, Randnrn. 76 und 77).
      
      73     Demgemäß muss die Kommission grundsätzlich den gegebenenfalls rechtswidrigen und somit sanktionierbaren Charakter einer Verhaltensweise
         als Faktor berücksichtigen, der die Anreize eines Unternehmens für ein bestimmtes Verhalten verringern oder sogar beseitigen
         kann. Dies erfordert hingegen keine umfassende und eingehende Prüfung der Regelungen der verschiedenen möglicherweise anwendbaren
         Rechtsordnungen und der dort praktizierten Verfolgungspolitik, da eine Analyse, die darauf abziele, die Wahrscheinlichkeit
         einer Zuwiderhandlung zu belegen und sich zu vergewissern, dass sie in mehreren Rechtsordnungen mit einer Sanktion belegt
         wäre, zu spekulativ wäre.
      
      74     Somit muss die Kommission, sofern sie ohne entsprechende spezifische und eingehende Untersuchung den wettbewerbswidrigen Charakter
         des fraglichen Verhaltens gegenüber Artikel 82 EG oder anderen in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden gemeinschaftsrechtlichen
         Bestimmungen identifizieren kann, dies feststellen und bei ihrer Beurteilung der Wahrscheinlichkeit eines derartigen Verhaltens
         der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit berücksichtigen (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Tetra Laval, oben
         zitiert in Randnr. 60, Randnr. 74).
      
      75     Wenngleich sich die Kommission demnach auf eine summarische Analyse der Rechtmäßigkeit der fraglichen Verhaltensweise und
         des Wahrscheinlichkeitsgrads einer Ahndung derselben anhand der Anhaltspunkte, über die sie bei Erlass ihrer Entscheidung
         auf dem Gebiet der Fusionskontrolle verfügt, stützen kann, muss sie andererseits bei ihrer Beurteilung die von ihr vorausgesehenen
         Verhaltensweisen feststellen und gegebenenfalls die abschreckende Wirkung beurteilen und berücksichtigen, die eine allfällige,
         klare oder sehr wahrscheinliche Gemeinschaftsrechtswidrigkeit solcher Verhaltensweisen ausüben könnte. 
      
      76     Somit ist im Folgenden zu prüfen, ob die Kommission ihre prospektive Untersuchung der Wahrscheinlichkeit von Konglomerat‑Wirkungen
         auf hinreichend gesicherte Nachweise gestützt hat, wobei die vorerwähnten Regeln zu berücksichtigen sind.
      
      5.     Zum fehlenden Nachweis einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs
      a)     Vorbringen der Parteien
      77     Die Klägerin trägt vor, die Kommission müsse nach Artikel 2 Absätze 2 und 3 der Verordnung Nr. 4064/89 für die Untersagung
         eines Zusammenschlusses, erstens, dartun, dass dieser eine beherrschende Stellung begründe oder verstärke und, zweitens, dass
         diese beherrschende Stellung einen wirksamen Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindere. Der kumulative Charakter
         dieser beiden Kriterien ergebe sich auch aus den Materialien der Verordnung Nr. 4064/89, aus denen hervorgehe, dass das zweite
         Kriterium auf Vorschlag des Wirtschafts‑ und Sozialausschusses und auf Wunsch der französischen Regierung aufgenommen worden
         sei. Das sei vom Gericht bestätigt worden, insbesondere in den Urteilen vom 19. Mai 1994 in der Rechtssache T‑2/93 (Air France/Kommission,
         Slg. 1994, II‑323, Randnr. 79) und Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58).
      
      78     Die Kommission müsse nachweisen, dass jedes dieser Kriterien erfüllt sei. Sie müsse insbesondere nachweisen, dass wettbewerbswidrige
         Auswirkungen mit hoher Wahrscheinlichkeit einträten, nicht nur, dass sie eintreten könnten, sie müsse diese Auswirkungen quantifizieren
         und beweisen, dass sie aus dem Zusammenschluss und nicht aus vorbestehenden Marktgegebenheiten hervorgehen würden. Diese Anforderungen
         seien besonders relevant, wenn es sich, wie im vorliegenden Fall, um einen Zusammenschluss des Konglomerattyps handele, der
         bekanntlich selten wettbewerbswidrige Effekte zeitige.
      
      79     Die angefochtene Entscheidung lasse erkennen, dass die Kommission nicht geprüft habe, ob der Zusammenschluss eine erhebliche
         Behinderung eines wirksamen Wettbewerbs mit sich bringen würde. Bei allen Märkten, für die die Kommission die Begründung oder
         Verstärkung einer beherrschenden Stellung voraussehe, beschränke sie sich mit unklaren, nicht bezifferten Behauptungen auf
         die Aussage, dass die jeweiligen Mitbewerber verdrängt würden und eine negative Wirkung auf den Wettbewerb zu gewärtigen sei.
      
      80     Das zweite Kriterium des Artikels 2 der Verordnung Nr. 4064/89 werde in der angefochtenen Entscheidung lediglich in der Gesamtschlussfolgerung
         der 567. Begründungserwägung erwähnt. Die Kommission habe offensichtlich einfach vermutet, dass die angebliche Begründung
         oder Verstärkung beherrschender Stellung auf den betreffenden Märkten automatisch die wettbewerbswidrigen Wirkungen mit sich
         bringe, die das zweite Kriterium des Artikels 2 der genannten Verordnung voraussetze.
      
      81     Die Kommission könne nicht davon ausgehen, dass das zweite Kriterium mit der Prüfung der Begründung oder Verstärkung beherrschender
         Stellungen stillschweigend nachgewiesen sei. Es könnten nicht einfach die für die Feststellung einer beherrschenden Stellung
         verwendeten Umstände „wiederverwertet“ und ohne weitere Untersuchung eingesetzt werden, um ein Ergebnis hinsichtlich einer
         erheblichen Behinderung zu stützen. Die unvermeidbare Konsequenz eines derartigen Untersuchungsfehlers sei die Nichtigerklärung
         der angefochtenen Entscheidung. Letztere müsse sich selbst genügen. Daher seien die von der Kommission und den Streithelferinnen
         nach Erlass dieser Entscheidung vorgetragenen Beweismittel nicht zu berücksichtigen.
      
      82     Das gänzliche Fehlen von Erwägungen zur Anwendung des zweiten Kriteriums des Artikels 2 der Verordnung Nr. 4064/89 stelle
         überdies eine schwerwiegende Verletzung der Begründungspflicht dar, da die Klägerin somit nicht wissen könne, weshalb die
         Kommission der Ansicht sei, dass der Zusammenschluss tatsächlich eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs darstelle.
      
      83     Die Kommission räumt ein, dass eine akademische Debatte über die ein‑ oder zweiseitige Natur des Artikels 2 der Verordnung
         Nr. 4064/89 stattgefunden habe; die Bedeutung dieser Debatte sei jedoch begrenzt. Ihres Erachtens ist Gewicht auf das Kriterium
         der Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung zu legen und die Wettbewerbsverzerrung als deren Folge zu betrachten.
         Selbst wenn von einem zweiseitigen Kriterium auszugehen sei, seien nach Ansicht der Kommission und von Rockwell die voraussichtlichen
         Auswirkungen des Zusammenschlusses im vorliegenden Fall umfassend und eingehend geprüft worden.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      84     Nach der ständigen Rechtsprechung des Gerichts müssen nach Artikel 2 Absätze 2 und 3 der Verordnung Nr. 4064/89 zwei kumulative
         Voraussetzungen vorliegen, nämlich, erstens, die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung und, zweitens,
         eine erhebliche Behinderung des Wettbewerbs im Gemeinsamen Markt (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts Air France/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 77, Randnr. 79, vom 27. November 1997 in der Rechtssache T‑290/94, Kaysersberg/Kommission, Slg. 1997,
         II‑2137, Randnr. 156, und Tetra Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr. 58, Randnr. 146). Folglich kann ein Zusammenschluss
         nur untersagt werden, wenn die beiden in Artikel 2 Absatz 3 vorgesehenen Kriterien erfüllt sind.
      
      85     Hierbei ist zu bedenken, dass mit einer beherrschenden Stellung nach Artikel 2 Absätze 2 und 3 der Verordnung Nr. 4064/89
         die wirtschaftliche Machtstellung eines oder mehrerer Unternehmen gemeint ist, die diese(s) in die Lage versetzt, einen wirksamen
         Wettbewerb auf dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihnen die Möglichkeit verschafft, sich ihren Konkurrenten, ihren
         Kunden und letztlich den Verbrauchern gegenüber in nennenswertem Umfang unabhängig zu verhalten (Urteil des Gerichts vom 25.
         März 1999 in der Rechtssache T‑102/96, Gencor/Kommission, Slg. 1999, II‑753, Randnr. 200).
      
      86     Im Zusammenhang mit dem Missbrauch einer beherrschenden Stellung im Sinne von Artikel 82 EG hat der Gerichtshof zudem erklärt,
         dass ein derartiger Missbrauch vorliegen kann, wenn ein Unternehmen in beherrschender Stellung diese dergestalt verstärkt,
         dass der erreichte Beherrschungsgrad den Wettbewerb wesentlich behindert, dass also nur noch Unternehmen auf dem Markt bleiben,
         die in ihrem Marktverhalten von dem beherrschenden Unternehmen abhängig sind (Urteil des Gerichtshofes vom 21. Februar 1973
         in der Rechtssache 6/72, Europemballage und Continental Can/Kommission, Slg. 1973, 215, Randnr. 26). Nach dieser Rechtsprechung
         kann die Verstärkung einer beherrschenden Stellung als solche den Wettbewerb erheblich behindern, und zwar so, dass sie bereits
         alleine einen Missbrauch dieser Stellung darstellt.
      
      87     Umso mehr kann die Verstärkung oder Begründung einer beherrschenden Stellung im Sinne von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 4064/89 in bestimmten Fällen eine erhebliche Behinderung wirksamen Wettbewerbs zum Ausdruck bringen. Dies bedeutet indessen
         nicht, dass das zweite in Artikel 2 der Verordnung Nr. 4064/89 enthaltene Kriterium rechtlich mit dem ersten verschmilzt,
         sondern lediglich, dass ein und dieselbe sachliche Untersuchung eines bestimmten Marktes ergeben kann, dass beide Kriterien
         erfüllt sind.
      
      88     Die Umstände, auf die sich die Kommission berufen kann, um darzutun, dass die Handlungsfreiheit der Mitbewerber eines Unternehmens
         so weit eingeschränkt wird, dass von der Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung dieses Unternehmens auszugehen
         ist, sind häufig auch relevant, um zu beurteilen, ob diese Begründung oder Verstärkung zur Folge hat, dass ein wirksamer Wettbewerb
         im Gemeinsamen Markt erheblich behindert wird. Ein Umstand, der die Freiheit der Mitbewerber hinsichtlich der Selbstbestimmung
         ihrer Handelspolitik erheblich beeinträchtigt, kann nämlich auch bewirken, dass ein wirksamer Wettbewerb behindert wird.
      
      89     Ergibt sich also aus den Begründungserwägungen einer Entscheidung, die die Unvereinbarkeit eines angemeldeten Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt feststellt – mag es sich dabei auch um Begründungserwägungen handeln, die förmlich mit einer Untersuchung
         der Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung zu tun haben –, dass der betreffende Zusammenschluss erhebliche
         wettbewerbswidrige Wirkungen mit sich bringen wird, so ist diese Entscheidung nicht alleine deshalb als rechtswidrig anzusehen,
         weil die Kommission ihre Darlegung dieser Umstände nicht ausdrücklich und spezifisch mit dem zweiten Kriterium des Artikels
         2 der Verordnung Nr. 4064/89 verbunden hat; dies gilt sowohl in Bezug auf die Begründungspflicht des Artikels 253 EG als auch
         in materiell‑rechtlicher Hinsicht. Anderenfalls würde der Kommission die rein förmliche Verpflichtung auferlegt, eine Reihe
         von Erwägungen zweifach wiederzugeben, nämlich, erstens, in ihrer Untersuchung über die Begründung oder Verstärkung einer
         beherrschenden Stellung auf einem bestimmten Markt und, zweitens, im Zusammenhang mit der erheblichen Behinderung des Wettbewerbs
         im Gemeinsamen Markt.
      
      90     Im vorliegenden Fall hat die Kommission in der 567. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich erklärt,
         dass der geplante Zusammenschluss „aus den dargelegten Gründen“ zur Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung
         auf mehreren unterschiedlichen Märkten führen würde, wodurch wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert
         würde (für den vollständigen Wortlaut siehe oben, Randnr. 46). Entgegen der Behauptung der Klägerin und entsprechend der von
         der Kommission vor dem Gericht, insbesondere in der mündlichen Verhandlung, zum Ausdruck gebrachten Auffassung geht aus dieser
         Gesamtschlussfolgerung hervor, dass die beiden Kriterien des Artikels 2 der Verordnung Nr. 4064/89 im Verhältnis zu jedem
         der ausdrücklich erwähnten Märkte und nicht aufgrund einer kumulierten Wirkung der Feststellungen zu all diesen Märkten erfüllt
         sind (vgl. oben, Randnr. 47).
      
      91     Zudem hat die Kommission an manchen Stellen der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich festgestellt, dass die Begründung
         oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung auf bestimmten Märkten durch die aus dem Zusammenschluss hervorgehende Einheit
         den Wettbewerb erheblich behindern würde. Insbesondere die in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen spezifischen Erwägungen
         zu den unmittelbaren Auswirkungen des Zusammenschlusses auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge zeigen hinreichend,
         dass eine Verstärkung der beherrschenden Stellung der Klägerin auf diesem Markt zur Folge hätte, dass ein wirksamer Wettbewerb
         im Gemeinsamen Markt erheblich behindert wird (vgl. Begründungserwägung 428 ff. der angefochtenen Entscheidung).
      
      B –  Zur bereits bestehenden beherrschenden Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
      1.     Einleitung
      92     Die Kommission vertritt in der angefochtenen Entscheidung die Auffassung, dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine beherrschende
         Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge innegehabt habe, was die Klägerin bestreitet. Die Kommission stützt sich
         im Wesentlichen auf den bedeutenden Marktanteil, über den die Klägerin zusammen mit dem Gemeinschaftsunternehmen CFMI verfügte,
         an dem sie mit Snecma beteiligt sei (45. bis 83. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), auf die kommerziellen
         Vorteile aus der vertikalen Verflechtung der Triebwerkherstellung für große Verkehrsflugzeuge mit der Finanzkraft von GE Capital
         und der Flugzeugkauf‑ und Leasingtätigkeit von GECAS (107. bis 145. Begründungserwägung), auf eine Analyse der Wettbewerbssituation
         auf dem Markt (163. bis 170. Begründungserwägung) und schließlich auf den fehlenden Wettbewerbs‑ und Kundendruck der Mitbewerber
         und Abnehmer der Klägerin (173. bis 228. Begründungserwägung). Diese bereits bestehende beherrschende Stellung der Klägerin
         ist ein wesentlicher Faktor der von der Kommission durchgeführten Untersuchung, da mehrere der in der angefochtenen Entscheidung
         dargelegten Erwägungsbereiche – insbesondere die in der nachfolgenden Randnummer aufgeführten – davon abhängen.
      
      93     Erstens würde die aus dem Erwerb der Honeywell‑Starterherstellung durch die Klägerin resultierende vertikale Verflechtung
         nach Ansicht der Kommission zu einer Verstärkung der bereits bestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin bei Triebwerken
         für große Verkehrsflugzeuge führen. Zweitens hängt die Analyse der Kommission bezüglich der Begründung einer beherrschenden
         Stellung auf den verschiedenen Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse aufgrund des Einflusses, den die Klägerin
         durch die kommerzielle Machtstellung ihrer Tochtergesellschaften ausüben könne, von der beherrschenden Stellung der Klägerin
         bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge ab. Drittens hängt die nach Ansicht der Kommission gegebene Möglichkeit künftiger
         Paketabschlüsse von der genannten beherrschenden Stellung ab und würde insbesondere eine Verstärkung dieser beherrschenden
         Stellung nach sich ziehen.
      
      94     Demgemäß ist hier zu prüfen, ob die angefochtene Entscheidung in Bezug auf eine beherrschende Stellung der Klägerin bei Triebwerken
         für große Verkehrsflugzeuge begründet ist, und in der Folge jeweils getrennt festzustellen, ob die drei vorerwähnten Bereiche
         der angefochtenen Entscheidung begründet sind.
      
      2.     Vorbringen der Parteien
      95     Nach Ansicht der Klägerin ist die Kommission zu Unrecht der Auffassung, dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine beherrschende
         Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge (d. h. für Flugzeuge mit mehr als 100 Sitzplätzen, einer Reichweite von
         über 2 000 Seemeilen und Kosten von mehr als 35 Mio. USD) innegehabt habe. Die Klägerin weist darauf hin, dass eine beherrschende
         Stellung aus der Marktmacht eines Unternehmens hervorgehe, die diesem ein unabhängiges Handeln auf dem Markt ermögliche. Die
         auf dem betreffenden Markt anzutreffende Lage, wie sie in jüngeren Entscheidungen der Kommission auf dem Gebiet der Luftfahrt
         festgestellt worden sei, zeige indessen, dass die Klägerin nicht zu einem unabhängigen Handeln in der Lage gewesen sei und
         dass die wichtigsten Mitbewerber der Klägerin, insbesondere Rolls‑Royce und Pratt & Whitney (im Folgenden: P & W), nicht vom
         Markt hätten verdrängt werden können. Wegen des Fehlens einer bestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin breche die
         gesamte Analyse der Kommission in sich zusammen. 
      
      96     Zu den von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung herangezogenen bezifferten Marktanteilen führt die Klägerin, erstens,
         aus, Marktanteile seien von begrenztem Nutzen, wenn es um die Beurteilung einer beherrschenden Stellung auf einem Ausschreibungsmarkt
         gehe. Wie die Praxis der Kommission auf dem Gebiet der Luftfahrt erkennen lasse, sei der Triebwerksmarkt für Flugzeuge ein
         Ausschreibungsmarkt, auf dem die Anbieter ihre Angebote für wenige hochwertige Verträge abgeben müssten. Die Flugzeughersteller
         wählten für jeden neuen Flugzeugtyp ein oder mehrere Triebwerke aus, die speziell dafür entwickelt würden. Daher sei jeder
         Bewerber, der ein Produkt anzubieten habe, unabhängig von vergangenen Gewinnen erheblich interessiert, bei der nächsten Ausschreibung
         ein Angebot abzugeben. Somit gäben frühere Marktanteile nicht mit der erforderlichen Genauigkeit die aktuelle Wettbewerbsstärke
         auf dem Markt wieder, wie die jüngste Entwicklung dieses Industriezweigs erkennen lasse. Die Klägerin weist das Untersuchungsergebnis
         zurück, dass ein 50%iger Marktanteil bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge eine beherrschende Stellung belege.
      
      97     Zweitens sei die Berechnung der Marktanteile der Klägerin in der angefochtenen Entscheidung willkürlich, da die Kommission
         hierfür bestimmte Maßstäbe verwendet und andere außer Acht gelassen habe. Die Kommission und Rolls‑Royce stützten sich insbesondere
         zu Unrecht auf Zahlen über Triebwerke für Flugzeuge, die zur Zeit hergestellt würden, denn hierdurch würden die Triebwerke
         von P & W für nicht mehr hergestellte Flugzeuge und Bestellungen von Triebwerken für noch nicht in Betrieb genommene Flugzeuge
         ausgenommen, wobei zu betonen sei, dass dieser letztgenannte Faktor für die Untersuchung des Wettbewerbs auf dem betreffenden
         Markt besonders wichtig sei. 
      
      98     Zudem habe die Kommission zu Unrecht die Marktanteile der Klägerin, die verhältnismäßig niedrig seien, den Marktanteilen des
         Gemeinschaftsunternehmens CFMI („50/50 Gemeinschaftsunternehmen“, 15. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung;
         vgl. auch 45. und 46. Begründungserwägung), einer von der Klägerin mit dem französischen Unternehmen Snecma eingegangenen
         Verbindung, zugeschlagen. Überdies resultiere, wie das amerikanische Justizministerium festgestellt habe, der angeblich große
         Marktanteil der Klägerin hauptsächlich aus der Alleinlieferung der Triebwerke durch CFMI für einen einzigen Flugzeugtyp, nämlich
         Boeing B737, dem der größte Geschäftserfolg der Luftfahrtgeschichte zuteil geworden sei. Die Kommission begehe außerdem einen
         Fehler, indem sie der Klägerin die gesamten künftigen Gewinnzuflüsse aus ihren Marktanteilen zuschreibe. Ferner könne die
         Kommission nicht rechtens die Marktanteile von CFMI mit ihrer Theorie von Paketabschlüssen mit Mischbündelung in Verbindung
         bringen, da es nicht im Interesse der Snecma liege, eine Preispolitik gutzuheißen, mit der die Erzeugnisse von Honeywell begünstigt
         würden. Dies stehe auch im Widerspruch zur Vorgehensweise der Kommission in der Entscheidung 2000/182/EG vom 14. September
         1999 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag (Sache IV/36.213/F2 – GEA/P & W) (ABl. 2000, L 58, S. 16, im Folgenden:
         Entscheidung Engine Alliance), wo die Klägerin und CFMI als getrennte Unternehmen behandelt worden seien.
      
      99     Drittens bemerkt die Klägerin schließlich in Bezug auf die Marktanteile, dass die Bedeutung dieser früheren Anteile von der
         Kommission überschätzt werde, die zu Unrecht annehme, dass diese Anteile der Klägerin eine Weiterentwicklung ermöglichten.
         Hierbei widerspricht die Klägerin der These der Kommission von einer Standardisierung der Flotten der Fluggesellschaften,
         wonach Letztere dazu neigten, ihre Triebwerke von einem einzigen Hersteller zu beziehen, um die Kosten für die Unterhaltung
         der Triebwerke ihrer Flugzeuge zu reduzieren. Sie führt aus, dass der Standardisierungseffekt selbst im Rahmen einer Triebwerksfamilie
         sehr begrenzt sei und dass zudem der Erfolg des Triebwerks CFMI56 bei Boeing B737 keineswegs einen Familienbezug von Triebwerken
         CF6 oder GE90 begünstige. Die an die Kommission gerichteten Antworten der Fluggesellschaften bestätigten, dass die Standardisierung
         einen sekundären Faktor für den Triebwerksbezug darstelle.
      
      100   Hinsichtlich der Auffassung, die Klägerin könne auf dem fraglichen Markt unabhängig handeln, bemängelt diese zudem, die Kommission
         habe keine wesentliche Änderung in der Luftfahrtindustrie aufgezeigt, rechtfertigen könnte, dass die Schlussfolgerungen der
         Kommission in der angefochtenen Entscheidung in direktem Widerspruch zu dem Ergebnis stünden, zu dem die Kommission 1999 in
         der Entscheidung Engine Alliance gelangt sei. Die Klägerin gehöre indessen seit Jahrzehnten zu den 500 weltweit stärksten
         Gesellschaften, und GECAS kaufe bereits seit 1996 spekulativ und präferenziell Flugzeuge, ohne dass die Konkurrenz dadurch
         ausgegrenzt worden sei.
      
      101   Die angefochtene Entscheidung enthalte zahlreiche Beispiele dafür, dass die Klägerin nicht habe unabhängig handeln können.
         Die Kommission erkenne an, dass häufig eine Auswahl an Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge bestehe, so dass die Abnehmer
         den Wettbewerb für sich nutzen könnten. So habe die Klägerin erhebliche Preisabschläge einräumen müssen, um den Auftrag für
         die Ausstattung von Boeing‑777X zu erlangen, nachdem ihr Triebwerk weniger wettbewerbsfähig gewesen sei als die Modelle von
         P & W und Rolls‑Royce in der klassischen Ausführung dieses Flugzeugs. Auch bei Airbus A330 habe die Klägerin gegenüber einer
         Fluggesellschaft ebenso verfahren müssen, um die gegenüber den Mitbewerbern weniger gute technische Reputation eines ihrer
         Triebwerke auszugleichen, so dass sie ein neues Triebwerk habe entwickeln müssen. Diese von allen praktizierten Preissenkungen
         seien Beweis dafür, dass ein wirksamer Wettbewerb bestehe. Die Klägerin beruft sich hierfür auf das Urteil des Gerichtshofes
         vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache 85/76 (Hoffmann‑La Roche/Kommission, Slg. 1979, 461, Randnr. 71). 
      
      102   Ferner bestreitet die Klägerin die Auffassung der Kommission, die Klägerin habe vor dem Zusammenschluss kraft Ihrer Finanzkraft
         Preisnachlässe anbieten und somit ihre Mitbewerber verdrängen können. Die Kommission habe nicht dargetan, inwiefern diese
         Nachlässe eine beherrschende Stellung hätten erkennen lassen oder zur Schwächung oder Verdrängung der Mitbewerber geführt
         hätten.
      
      103   Zur angeblichen Rolle der GECAS auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge sei die Theorie der „Marktanteilsverlagerung“,
         die die Kommission verspätet im Laufe des Verfahrens aufgestellt habe, angesichts des geringen Marktanteils (weniger als 10 %)
         der GECAS nicht glaubhaft. Eine andere Leasing‑Gesellschaft, ILFC, sei ein viel wichtigerer Käufer großer Verkehrsflugzeuge
         als die GECAS. Die Kommission habe nicht berücksichtigt, dass die anderen Leasing‑Gesellschaften die Präferenz der GECAS für
         Triebwerke der Klägerin oder der CFMI ausglichen, um den Präferenzen der Nutzer Rechnung zu tragen. Wenn Rolls‑Royce erkläre,
         GECAS nicht „nachahmen“ zu können, widerlege dieses Unternehmen nicht die Feststellung, dass Rolls‑Royce selbst und die anderen
         Mitbewerber trotz der Existenz von GECAS wettbewerbsfähig blieben.
      
      104   Die vorerwähnte heterodoxe Theorie sei nicht durch Tatsachen gestützt. Die Kommission und Rolls‑Royce betrachteten GECAS zu
         Unrecht als Pilotkunden, der die Einführung eines Flugzeugs ermögliche (launch customer), und sie gingen zu Unrecht davon
         aus, dass die angeblichen Pilotbestellungen von GECAS entscheidend für die Entscheidung der Flugzeughersteller zugunsten der
         Triebwerke der Klägerin gewesen seien. Dieser Schluss verkenne die Aussagen der Hersteller (Bombardier, Embraer, BAe, Airbus,
         Fairchild Dornier und Boeing).
      
      105   Der einzige praktische Nachweis der Kommission beruhe auf der Feststellung, dass die Verkäufe von GE‑Triebwerken an Leasing‑Gesellschaften
         nach der Gründung von GECAS um 60 % zugenommen hätten, während der Absatz dieser Triebwerke bei Fluggesellschaften nur um
         10 % abgenommen habe. Diese Feststellung lasse jedoch für sich alleine keine Änderung des Gesamtanteils der Klägerin an diesen
         Märkten erkennen und verdeutliche schon gar nicht die Rolle, die GECAS dabei gespielt habe.
      
      106   Die Kommission stehe überdies im Widerspruch zu dem Prüfungsergebnis der Entscheidung Engine Alliance, wonach P & W und Rolls‑Royce
         echte Konkurrenten seien und die Fähigkeit besäßen, neue Triebwerke zu entwickeln. Mit der Entscheidung Engine Alliance sei
         eine eingehende Untersuchung des Triebwerksmarktes für große Verkehrsflugzeuge verbunden gewesen, und die Kommission habe
         nicht erklärt, weshalb sie von ihrer Einschätzung in dieser Entscheidung abweiche. Sie habe demnach das im Urteil Europemballage
         und Continental Can/Kommission (oben zitiert in Randnr. 86) dargelegte Kriterium verkannt, dass sie eine beherrschende Stellung
         rechtlich nur hinreichend dartun könne, wenn sie belege, dass die verbleibenden Wettbewerber kein ausreichendes Gegengewicht
         darstellen könnten.
      
      107   Die Analyse der Wettbewerbslage auf dem Markt durch die Kommission stehe auch im Widerspruch zu anderen jüngeren Entscheidungen
         im Luftfahrtsektor, nämlich der Entscheidung 2001/417/EG der Kommission vom 1. Dezember 1999 zur Erklärung der Vereinbarkeit
         eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem Funktionieren des EWR‑Abkommens (Sache COMP/M.1601 – AlliedSignal/Honeywell,
         ABl. 2001, L 152, S. 1, im Folgenden: Entscheidung AlliedSignal/Honeywell) und der Entscheidung vom 11. Mai 2000 zur Vereinbarkeit
         eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Sache COMP/M.1745 – EADS, im Folgenden: Entscheidung EADS), in denen die
         Kommission festgestellt habe, dass sowohl die Flugzeughersteller als auch die Fluggesellschaften über eine Abnehmermacht verfügten.
         Die gegenseitige Abhängigkeit der Anbieter und Abnehmer verleihe Letzteren eine echte Ausgleichskraft, die einen wichtigen
         Wettbewerbsfaktor darstelle. Die Kommission besitze auch Beweise – insbesondere die Erklärungen von Airbus und IAE, einem
         Gemeinschaftsunternehmen von P & WE und Rolls‑Royce –, die eine derartige Abnehmermacht bestätigten. Dass sich die Flugzeughersteller
         dem Zusammenschluss nicht widersetzt hätten, sei in dieser Hinsicht von Belang.
      
      108   Zudem führe die Kommission keine Daten oder Beweise an, die erkennen ließen, inwiefern, weshalb und wann Rolls‑Royce, P & W
         und IAE nicht mehr zu einem derzeitigen oder künftigen wirksamen Wettbewerb in der Lage seien. Die Glaubwürdigkeit und Stärke
         dieser drei Unternehmen stellten die wichtigste Grundlage für die Intensität des Wettbewerbs bei Triebwerken für Flugzeuge
         dar. Die Klägerin habe in Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein Sachverständigengutachten vorgelegt, aus
         dem hervorgehe, dass weder sie selbst noch P & W oder Rolls‑Royce in der Lage seien, unabhängig voneinander zu handeln. Rolls‑Royce
         mache lediglich geltend, nicht über die Finanzkraft der Klägerin zu verfügen, sie berufe sich jedoch nicht darauf, dass ihre
         eigene Finanzkraft oder ihr Kapitalzugang unzureichend sei, wobei bemerkt werden müsse, dass das Unternehmen finanziell gesund
         sei, was einer der Sachverständigen, Professor Shapiro, bestätigt habe. Bei dem Argument von Rolls‑Royce bezüglich […](1) sei festzustellen, dass es sich dabei um ein Zeichen guter Gesundheit handele.
      
      109   Die einzige wirtschaftliche Stütze für die These der Kommission, dass Rolls‑Royce und P & W künftig der Klägerin keinen wirksamen
         Wettbewerb entgegensetzen könnten, sei das indessen von der Kommission fallen gelassene Wirtschaftsmodell des Professors Choi
         gewesen, das Rolls‑Royce über das Sachverständigenbüro Frontier Economics bestellt habe (im Folgenden: Modell Choi). Zudem
         habe die Kommission nicht die Untersuchungsergebnisse der Gegensachverständigen widerlegt, die zu gegenteiligen Schlüssen
         gelangt seien. Außerdem hätten weder Rolls‑Royce noch P & W im Verwaltungsverfahren zu verstehen gegeben, dass sie infolge
         des Zusammenschlusses den Markt verlassen würden.
      
      110   Die Kommission verweist auf die gerichtliche Definition einer beherrschenden Stellung und vertritt die Auffassung, sie habe
         zu Recht festgestellt, dass eine derartige Stellung auf dem relevanten Markt bereits bestehe. Sie wird hierbei von Rolls‑Royce
         unterstützt. 
      
      111   Sie erklärt, die Klägerin sei im Triebwerksabsatz bei weitem führend und verzeichne die höchste Zuwachsrate des Marktes. Die
         Klägerin baue diesen Vorteil ausweislich des Auftragsbestands noch aus.
      
      112   Wenn bei den Marktanteilen der Klägerin verhältnismäßig viel auf einen einzigen Flugzeugtyp zurückzuführen sei, nämlich auf
         B737, so verliere die Beurteilung von deren Marktstärke dadurch nicht an Relevanz.
      
      113   Nach Meinung der Kommission und von Rolls‑Royce sind Preisnachlässe für den Kauf bestimmter Triebwerke kein Zeichen eines
         vorteilhaften Wettbewerbs, da der Kaufpreis nicht die Gesamtkosten der Triebwerke einschließlich der Unterhaltungskosten wiedergebe.
         Insbesondere B777X sei kein Beispiel für einen gesunden Wettbewerb, sondern verdeutliche vielmehr die kommerziellen Mittel,
         über die die Klägerin vor allem in Anbetracht der Stärke von GE Capital und GECAS im Vergleich zu den Mitbewerbern verfüge.
      
      3.     Würdigung durch das Gericht
      a)     Vorbemerkungen
      114   Wie vorab festzustellen ist, liegt nach ständiger Rechtsprechung eine beherrschende Stellung vor, wenn ein Unternehmen eine
         wirtschaftliche Machtposition innehat, die es in die Lage versetzt, die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf
         dem relevanten Markt zu verhindern, indem sie ihm die Möglichkeit verschafft, sich seinen Wettbewerbern, seinen Abnehmern
         und letztlich den Verbrauchern gegenüber in nennenswertem Umfang unabhängig zu verhalten (vgl. z. B. Urteil des Gerichtshofes
         vom 9. November 1983 in der Rechtssache 322/81, Michelin/Kommission, Slg. 1983, 3461, Randnr. 30, und Urteil des Gerichts
         vom 23. Oktober 2003 in der Rechtssache T‑65/98, Van den Bergh Foods/Kommission, Slg. 2003, II‑4653, Randnr. 154). Für den
         Nachweis einer beherrschenden Stellung muss die Kommission nicht dartun, dass die Mitbewerber eines Unternehmens, sei es auch
         nur kurzfristig, vom Markt verdrängt werden. 
      
      115   Wenngleich die Bedeutung der Marktanteile von einem Markt zum anderen unterschiedlich sein kann, stellen zudem besonders hohe
         Anteile – von außergewöhnlichen Umständen abgesehen – ohne weiteres den Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung
         dar (Urteil des Gerichtshofes Hoffmann‑La Roche/Kommission, oben zitiert in Randnr. 101, Randnr. 41, und Urteil des Gerichts
         vom 28. April 1999 in der Rechtssache T‑221/95, Endemol/Kommission, Slg. 1999, II‑1299, Randnr. 134). Der Gerichtshof hat
         in seinem Urteil vom 3. Juli 1991 in der Rechtssache C‑62/86 (AKZO/Kommission, Slg. 1991, I‑3359, Randnr. 60) entschieden,
         dass dies bei einem Marktanteil von 50 % der Fall ist. 
      
      116   Ferner geht, wie die Klägerin ausführt, aus dem Urteil Hoffmann‑La Roche/Kommission (oben zitiert in Randnr. 101, Randnr.
         71) hervor, dass es in der Regel mit der Unabhängigkeit des Verhaltens, die für eine beherrschende Stellung charakteristisch
         ist, unvereinbar ist, wenn ein Unternehmen unter dem Druck der Preissenkungen seiner Mitbewerber ebenfalls die Preise senken
         muss.
      
      117   Jedoch schließt ein selbst lebhafter Wettbewerb auf einem Markt eine beherrschende Stellung auf diesem Markt nicht aus, da
         eine solche Stellung wesentlich durch die Fähigkeit gekennzeichnet ist, dass man sein Verhalten in der Marktstrategie ohne
         Rücksichtnahme auf diesen Wettbewerb bestimmen kann, ohne aufgrund dieser Haltung Nachteile hinnehmen zu müssen (Urteil Hoffmann‑La
         Roche/Kommission, oben zitiert in Randnr. 101, Randnr. 70, und Urteil des Gerichtshofes vom 14. Februar 1978 in der Rechtssache
         27/76, United Brands/Kommission, Slg. 1978, 207). Somit ist ein Wettbewerb auf dem Markt insbesondere bei der Beurteilung,
         ob eine beherrschende Stellung vorliegt, zwar ein relevanter Umstand, er ist jedoch als solcher in dieser Hinsicht nicht ausschlaggebend.
         
      
      118   Weiter kann ein Kläger, wenn die Kommission über die Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt anhand
         einer diesem Zusammenschluss eigenen Anmeldung und Aktenlage entscheidet, gegen die Feststellungen der Kommission nicht einwenden,
         dass sie von früher in einer anderen Sache anhand einer anderen Anmeldung und anderer Unterlagen getroffenen Feststellungen
         abweichen; dies gilt selbst dann, wenn die betreffenden Märkte in den beiden Fällen ähnlich oder sogar identisch sind. Somit
         ist das Vorbringen der Klägerin, das sich auf Untersuchungsergebnisse der Kommission in früheren Entscheidungen, insbesondere
         in der Entscheidung Engine Alliance, stützt, unbeachtlich.
      
      119   Selbst wenn bei derartigen Rügen davon ausgegangen würde, dass sie auch eine Verletzung des Vertrauensschutzes bemängeln,
         könnten die Wirtschaftsteilnehmer kein berechtigtes Vertrauen in die Beibehaltung einer früheren Entscheidungspraxis setzen,
         die Änderungen unterworfen ist (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑347/94, Mayr‑Melnhof/Kommission,
         Slg. 1998, II‑1751, Randnr. 368, und vom 30. September 2003 in der Rechtssache T‑203/01, Michelin/Kommission, Slg. 2003, II‑4071,
         Randnrn. 254, 255, 292 und 293). Dies gilt umso mehr, wenn der Vertrauensschutz herangezogen wird, um Feststellungen oder
         Würdigungen in einem Verfahren anhand von Feststellungen oder Würdigungen anzufechten, die in nur einer früheren Sache getroffen
         wurden.
      
      120   Weder die Kommission noch gar das Gericht ist demnach im vorliegenden Fall durch Sachfeststellungen und wirtschaftliche Beurteilungen
         in der Entscheidung Engine Alliance gebunden. Würde im Übrigen angenommen, dass die Analyse in den beiden Entscheidungen unterschiedlich
         ist, ohne dass dieser Unterschied objektiv gerechtfertigt wäre, müsste das Gericht die angefochtene Entscheidung im vorliegenden
         Verfahren nur dann für nichtig erklären, wenn diese und nicht die Entscheidung Engine Alliance fehlerhaft wäre.
      
      121   Zudem ist bei der Prüfung der Rechtmäßigkeit der Untersuchungsergebnisse der Kommission bezüglich des Vorliegens einer bereits
         bestehenden beherrschenden Stellung zwischen dem festgestellten Sachverhalt und dessen rechtlicher Qualifizierung zu unterscheiden,
         die unter die Beurteilungsbefugnis der Kommission fällt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Kommission über einen Beurteilungsspielraum
         hinsichtlich der Frage verfügt, ob sie anhand des ordnungsgemäß festgestellten Sachverhalts zu dem Schluss gelangen kann,
         dass eine beherrschende Stellung eines Unternehmens auf einem bestimmten Markt vorliegt (vgl. oben, Randnrn. 60 ff.).
      
      122   Die Kommission hat im vorliegenden Fall ihre Feststellung bezüglich der bereits bestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin
         bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge zunächst im Hinblick auf die Marktanteile der Klägerin (vgl. 38. bis 83. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung) und sodann im Hinblick auf eine Reihe anderer Faktoren (107. bis 229. Begründungserwägung)
         gerechtfertigt. Die Klägerin widerspricht nicht der von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung aufgezeigten Definition
         des Weltmarktes für Triebwerke für diese Flugzeuge (10. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und oben, Randnr.
         95). Sie erklärt indessen, die Kommission vertrete zu Unrecht die Auffassung, dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine
         beherrschende Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge innegehabt habe.
      
      123   Demgemäß sind anhand des Vorbringens der Klägerin gegen diese Auffassung die Anhaltspunkte zu prüfen, auf die die Kommission
         in der angefochtenen Entscheidung ihre Schlussfolgerung hinsichtlich des Vorliegens der fraglichen beherrschenden Stellung
         stützt. Untersucht werden die Erwägungen der Kommission, erstens, hinsichtlich der Marktanteile der Klägerin, zweitens, hinsichtlich
         der vertikalen Verflechtung der Klägerin und, drittens, hinsichtlich der Wettbewerbslage auf dem Triebwerksmarkt für große
         Verkehrsflugzeuge.
      
      b)     Zu den Marktanteilen
      124   Die Kommission legt in der 41. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung dar, weshalb „der Triebswerks‑ und Auftragsbestand
         bei noch hergestellten Flugzeugtypen der beste Ausgangspunkt ist, um die Position von Wettbewerbern in dieser Branche zu messen
         und zu interpretieren“. Sie führt ferner aus, dass die Klägerin und CFMI sowohl für geschäftliche als auch für wettbewerbsrelevante
         Zwecke als Einheit zu betrachten seien und dass es daher angemessen sei, bei der Beurteilung der beherrschenden Stellung der
         Klägerin dieser den gesamten Marktanteil von CFMI zuzuordnen (65. und 66. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      125   Demgemäß kommt die Kommission in der 70. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu dem Schluss, dass der Marktanteil
         der Klägerin und von CFMI am Triebwerksbestand für noch hergestellte große Verkehrsflugzeuge 51 % bei Schmalrumpfflugzeugen
         und 54 % bei Großraumflugzeugen sowie 52,5 % insgesamt betrage, während P & W auf 26,5 % und Rolls‑Royce/IAE auf 21 % kämen.
         Zudem erklärt sie in der 74. bis 76. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, dass sich der Triebwerksbestand in
         den letzten fünf Jahren zugunsten der Klägerin entwickelt habe. Für den Auftragsbestand bei noch hergestellten Flugzeugen
         bringt die Kommission in der 77. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung eine Tabelle, aus der hervorgeht, dass
         die Klägerin nach diesem Maßstab einen Marktanteil von 65 % innehatte.
      
      126   Somit ist im Folgenden, erstens, festzustellen, ob die Kommission unter den gegebenen Umständen zu Recht die Marktanteile
         von CFMI der Klägerin zuordnen konnte, und, zweitens, zu prüfen, ob die weiteren Feststellungen der Kommission bezüglich der
         Marktanteile und die daraus gezogenen Schlüsse begründet sind.
      
       Zur Frage, ob die Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen sind
      –       Einleitung
      127   Die Klägerin bemängelt, dass die Kommission ihren Marktanteil mit dem gesamten Marktanteil von CFMI zusammengefasst habe (vgl.
         46. bis 66. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      128   Sie macht hierbei geltend, dass sich der Marktanteil nur auf […] % und derjenige von CFMI auf […] % belaufen habe (die Zahlen
         beruhen auf dem Auftragsbestand im Jahr 2000) und dass ihr Marktanteil mit […] % weit unter dem Grenzwert von 40 % gelegen
         hätte, wenn ihr die Kommission die Hälfte des Anteils des Gemeinschaftsunternehmens und nicht dessen gesamten Anteil zugeordnet
         hätte, wie sie es für das Gemeinschaftsunternehmen ihrer Mitbewerber Rolls‑Royce und P & W getan habe.
      
      129   Da die Kommission in der 65. und 66. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung die Auffassung vertritt, dass die
         Klägerin und CFMI „sowohl für geschäftliche als auch für wettbewerbsrelevante Zwecke als Einheit zu betrachten“ seien und
         es daher angemessen sei, bei der Beurteilung der Position der Klägerin auf den relevanten Märkten diesem Unternehmen den Marktanteil
         von DFMI zuzuordnen, ist zum einen zu prüfen, ob die Feststellungen der Kommission zur internen Organisation des Gemeinschaftsunternehmens
         den Schluss zulassen, dass die genannten Unternehmen „geschäftlich“ eine Einheit darstellen, und zum anderen, ob die Feststellungen
         der Kommission zum Marktverhalten der Klägerin, von CFMI und Snecma den Schluss rechtfertigen, dass die Klägerin und CFMI
         „wettbewerbsrelevant“ eine Einheit bilden.
      
      130   In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass die sachbezogenen Feststellungen in der angefochtenen Entscheidung bezüglich
         der Funktionsweise des Gemeinschaftsunternehmens CFMI, der Beziehungen zwischen dessen Anteilseignern und dessen Marktverhalten
         eine Frage des Sachverhalts darstellen, wobei die Kommission über einen Beurteilungsspielraum in der Frage verfügte, ob die
         Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen sind.
      
      –       Untersuchung der internen Organisation von CFMI
      131   Nach Ansicht der Kommission lassen die Organisationsweise des Gemeinschaftsunternehmens hinsichtlich der technischen und finanzwirtschaftlichen
         Aufteilung (53. bis 55. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung) sowie Absatz und Vermarktung der CFMI‑Triebwerke
         (57. und 58. Begründungserwägung) die vorherrschende Rolle der Klägerin im Gemeinschaftsunternehmen erkennen.
      
      132   Die Klägerin widerspricht dem jedoch und trägt insbesondere vor, dass die in der 82. Begründungserwägung dargelegte Auffassung
         der Kommission bezüglich der vermutlichen Reinvestierung der Einnahmen von CFMI in die Entwicklung neuer Triebwerke nicht
         den Tatsachen entspreche, da CFMI insbesondere keine Geldmittel zurücklege, um sie in die Entwicklung eines künftigen Triebwerks
         zu investieren, sondern ihre Einnahmen regelmäßig an die Klägerin und Snecma abführe.
      
      133   Die Kommission bestreitet diese Tatsachenbehauptung der Klägerin vor dem Gericht nicht, und es ist davon auszugehen, dass
         sie sich in dieser Hinsicht in der angefochtenen Entscheidung sachlich geirrt hat. Dieser Irrtum ist im vorliegenden Zusammenhang
         insofern von Belang, als er die gegenseitige Abhängigkeit zwischen der Klägerin und Snecma im Rahmen des Gemeinschaftsunternehmens
         CFMI verdeutlicht, während die Kommission den vorherrschenden Einfluss der Klägerin unterstreicht. Da die Einnahmen von CFMI
         an deren Anteilseigner abgeführt werden, hängt die Entwicklungsfähigkeit von CFMI notwendigerweise vom Willen dieser Anteilseigner
         ab.
      
      134   Zudem räumt die Kommission selbst in der 56. Begründungserwägung ein, dass der Präsident und Chief Executive Officer (CEO)
         von CFMI in der Praxis immer von Snecma gestellt wurde. Aus der Beschreibung dieser Gesichtspunkte der Funktionsweise von
         CFMI in der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass die funktionelle Teilnahme der beiden Partner zwar nicht in allen
         Bereichen genau dem jeweils 50%igen Kapitalanteil entspricht, dass CFMI jedoch als echtes Gemeinschaftsunternehmen und nicht
         gleichsam als Tochtergesellschaft der Klägerin anzusehen ist.
      
      135   Hierzu hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zu Recht dargelegt, dass die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen
         der Klägerin und Snecma im Rahmen von CFMI sehr eng sei und dies auch, insbesondere für den Absatz von CFMI‑Triebwerken, für
         die geschäftliche Zusammenarbeit zwischen der Klägerin und CFMI zutreffe (57. und 58. Begründungserwägung). Es wäre für Snecma
         sehr schwierig, auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge anders als mit Hilfe ihrer Teilnahme am Gemeinschaftsunternehmen
         CFMI präsent zu bleiben. Daneben zeigt die Untersuchung der Funktionsweise von CFMI in der angefochtenen Entscheidung, dass
         Erhöhungen des Marktanteils von CFMI stets im Geschäftsinteresse der Klägerin und von Snecma gelegen haben, was die Klägerin
         vor dem Gericht nicht bestreitet. Somit werden der oben in Randnummer 133 aufgezeigte Sachfehler und die Feststellung zur
         Person des Präsidenten und CEO von CFMI durch den im Übrigen festzustellenden hohen Grad geschäftlicher Verflechtung zwischen
         CFMI und deren Anteilseignern stark relativiert.
      
      136   Da jedoch der andere Anteilseigner von CFMI, nämlich Snecma, als von der Klägerin unabhängiges Unternehmen ebenfalls eine
         wichtige Rolle bei der Führung von CFMI spielt und einen Teil der Einnahmen dieses Unternehmens erhält, steht CFMI außerhalb
         der GE‑Gruppe und kann nicht als voll zum Unternehmen der Klägerin gehörend angesehen werden. Demnach hat die Kommission die
         Rolle der Klägerin im Gemeinschaftsunternehmen CFMI in gewissem Maß übertrieben dargestellt, als sie ausführte, dass CFMI
         mit der Klägerin geschäftlich eine Einheit bildet.
      
      –       Untersuchung der wettbewerbsrelevanten Stellung der Klägerin, von CFMI und Snecma
      137   Die Kommission erklärt in der angefochtenen Entscheidung, ohne dass die Klägerin dem widerspricht, dass Snecma gegenwärtig
         und auch potenziell keine Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge unabhängig von CFMI absetze und dass die Triebwerke von CFMI
         und der Klägerin untereinander nicht in Wettbewerb stünden (50. bis 52. und 59. bis 61. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      138   Ferner führt die Kommission in der 64. Begründungserwägung, ohne dass die Klägerin dem widerspricht, aus, dass GECAS als Tochtergesellschaft
         der Klägerin in Verfolgung ihrer Präferenzbezugspolitik („Nur‑GE“‑Politik), die nachstehend in den Randnummern 191 ff. im
         Einzelnen geprüft wird, nach Möglichkeit ausschließlich GE‑ oder CFMI‑Triebwerke auswähle (Begründungserwägung 121 ff. der
         angefochtenen Entscheidung, insbesondere 132. Begründungserwägung). Die These der Kommission wird dadurch untermauert, dass
         GECAS die Triebwerke von CFMI in gleicher Weise behandelt wie die Triebwerke der Klägerin. 
      
      139   Zudem macht die Kommission, ohne dass die Klägerin dem widerspricht, geltend, dass diese in ihren Jahresberichten seit 1995
         ihre Marktanteile selbst mit denjenigen von CFMI zusammenlege und dass die führenden Finanzanalysten in gleicher Weise verführen
         (65. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung sowie Fußnoten 22 und 23 derselben).
      
      140   Die Kommission konnte anhand dieser im vorliegenden Verfahren nicht bestrittenen Sachfeststellungen, ohne einen offensichtlichen
         Fehler zu begehen, zu dem Schluss gelangen, dass die Klägerin und CFMI sich auf dem Markt als Einheit gegenüber ihren Mitbewerbern
         und Abnehmern verhalten. 
      
      –       Zusammenfassung und Ergebnis hinsichtlich der Frage, ob die Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen sind
      141   Zunächst ist in Erinnerung zu bringen, dass der Umstand, dass die Marktanteile von CFMI der Klägerin zugeordnet werden, zum
         einen hauptsächlich der Beurteilung des etwaigen Vorliegens einer beherrschenden Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         dient und dass mit dieser Zuordnung zum anderen zusätzlich weitere Aspekte des Zusammenschlusses, wie etwa die Konglomerat‑Wirkungen,
         beurteilt werden sollen.
      
      142   Soweit die genannte Zuordnung eine Beurteilung der beherrschenden Stellung bezweckt, fällt sie in den Rahmen einer Analyse
         zur Klärung der Wettbewerbsbeziehungen auf dem Markt und nicht der Geschäftsbeziehungen zwischen den betreffenden Unternehmen
         in anderer Hinsicht.
      
      143   Im Rahmen dieser spezifischen Klärung ist die Feststellung der Kommission, dass CFMI und die Klägerin wettbewerbsrelevant
         eine Einheit darstellen (vgl. oben, Randnr. 129) von wesentlicher Bedeutung. Der genaue Charakter der internen Beziehungen
         zwischen den Anteilseignern von CFMI und der Grad ihrer geschäftlichen Verflechtung sind im Gesamtkonzept dieses Teils der
         angefochtenen Entscheidung hingegen von zweitrangiger Bedeutung, zumal die Feststellung der Kommission hinsichtlich eines
         hohen Verflechtungsgrads in den Beziehungen zwischen der Klägerin und CFMI im Wesentlichen bestehen bleibt.
      
      144   Zudem würde die von der Klägerin für die Marktanteile vorgeschlagene Berechnungsmethode, dass die Hälfte des Marktanteils
         von CFMI, nämlich […] %, der Klägerin nicht zuzurechnen wäre, einen falschen Eindruck der Marktposition der Klägerin vermitteln.
         Demgegenüber gibt die von der Kommission vorgenommene Zuweisung der Marktanteile von CFMI an die Klägerin, die damit begründet
         wird, dass die Klägerin im Unterschied zu ihrem Partner Snecma auch ein unabhängiger Hersteller von Triebwerken für große
         Verkehrsflugzeuge ist, die in der angefochtenen Entscheidung genau festgestellten Wettbewerbsrealitäten des Marktes wieder.
         
      
      145   Da die Kommission überdies die Marktanteile des Gemeinschaftsunternehmens IAE, an dem die Mitbewerber der Klägerin, Rolls‑Royce
         und P & W, beteiligt sind, entsprechend behandelt hat, indem sie jedem dieser beiden Unternehmen die Hälfte des Marktanteils
         von IAE mit der Begründung zuordnete, dass sie unter den Anteilseignern von IAE die Einzigen seien, die eine eigene Tätigkeit
         auf dem Markt ausübten (67. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), hat sie hinsichtlich der Zuweisung der Marktanteile
         der Gemeinschaftsunternehmen schlüssig gehandelt, so dass hierbei kein offensichtlicher Fehler festzustellen ist.
      
      146   Somit kann weder der bereits erwähnte Sachfehler bezüglich der Behandlung der Einnahmen von CFMI (oben, Randnr. 133) noch
         die verhältnismäßig übertriebene Rolle der Klägerin bei der Führung des Gemeinschaftsunternehmens CFMI (oben, Randnr. 134)
         – im Ganzen oder einzeln betrachtet – der Feststellung der Kommission entgegenstehen, dass die Klägerin und CFMI als Einheit
         zu betrachten sind. Nach alledem ist der Kommission mit der Feststellung, dass die Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen
         seien, daher kein offensichtlicher Fehler bei der Beurteilung der betreffenden Umstände unterlaufen, der die weitergehende
         Beurteilung des Vorliegens einer beherrschenden Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge sowohl hinsichtlich
         des Triebwerks‑ als auch des Auftragsbestands beeinflusste.
      
      147   Sofern diese Zuordnung von Marktanteilen hingegen andere Aspekte berührt, bemerkt die Klägerin zu Recht, dass es nicht im
         Interesse von Snecma liege, finanzielle Opfer zu erbringen, um der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit eine Förderung
         der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnissen von Honeywell zu ermöglichen. Dieses Vorbringen ist bei der nachfolgenden Prüfung
         der Teile der angefochtenen Entscheidung zu berücksichtigen, die sich mit den genannten anderen Aspekten der Sache, insbesondere
         den Konglomerat‑Wirkungen, befassen. Soweit der hiermit von der Klägerin geltend gemachte Umstand einen Einfluss auf die wirtschaftliche
         und wettbewerbsbezogene Analyse der vorerwähnten anderen Aspekte haben konnte, musste ihm die Kommission nämlich Rechnung
         tragen (vgl. insbesondere Untersuchung des Cournot‑Effekts in der Begründungserwägung 374 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
       Zu den von der Kommission zur Beurteilung der Marktstärke der Hersteller von Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge herangezogenen
         Marktanteilen
      
      –       Erwägungen zur Art des Marktes der Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge
      148   Die Klägerin macht geltend, dass es in Anbetracht der Art des Marktes, der einen Ausschreibungsmarkt darstelle, unangemessen
         sei, in der angefochtenen Entscheidung ihre Marktanteile heranzuziehen, um darzutun, dass sie eine beherrschende Stellung
         bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge innehabe.
      
      149   Es ist in der Tat zu bedenken, dass die zu einem gegebenen Zeitpunkt vorliegenden Marktanteile für die Untersuchung eines
         Marktes, wie er bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge besteht, weniger aufschlussreich sind als z. B. für die Analyse
         eines Marktes von Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs. Ohne förmlich anzuerkennen, dass Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge
         einem „Ausschreibungsmarkt“ angehören, räumt die Kommission vor dem Gericht ein, dass der betreffende Triebwerksmarkt durch
         den Abschluss einer begrenzten Anzahl hochwertiger Verträge gekennzeichnet ist. Hierbei bedeutet der Umstand, dass ein bestimmtes
         Unternehmen die letzten Ausschreibungen gewonnen hat, nicht zwangsläufig, dass einer seiner Mitbewerber nicht bei der nächsten
         Ausschreibung siegreich sein kann. Vorausgesetzt, er hat ein wettbewerbsfähiges Erzeugnis und vorausgesetzt, dass nicht andere
         Faktoren vorrangig für das erstgenannte Unternehmen sprechen, kann ein Mitbewerber jederzeit einen wichtigen Auftrag erlangen
         und seine Marktanteile mit einem Mal erheblich steigern.
      
      150   Dadurch verlieren die Marktanteile jedoch nicht ihre Bedeutung für die Beurteilung der Stärke der verschiedenen Hersteller
         auf einem derartigen Markt, zumal wenn diese Anteile verhältnismäßig stabil sind und eine tendenzielle Stärkung der Position
         eines Unternehmens erkennen lassen. Die Kommission schließt zu Recht aus den in der angefochtenen Entscheidung aufgezeigten
         und oben in Randnummer 125 genannten Werten, dass es der Klägerin in den letzten fünf Jahren vor Erlass der angefochtenen
         Entscheidung „nicht nur gelungen [ist], [ihre] führende Stellung als Anbieter zu halten, sondern auch [ihren] Marktanteil
         am stärksten auszubauen“ (74. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). 
      
      151   Auch auf einem Ausschreibungsmarkt ist die Tatsache, dass ein Hersteller seine Marktanteile in mehreren aufeinanderfolgenden
         Jahren hält und sogar ausbaut, ein Zeichen der Marktstärke. Es kommt nämlich zwangsläufig der Zeitpunkt, zu dem der Unterschied
         zwischen den Marktanteilen eines Herstellers und seiner Mitbewerber nicht mehr der begrenzten Anzahl von Ausschreibungen,
         die die Nachfrage auf dem Markt darstellen, zugeschrieben werden kann. Somit ist der dynamische Aspekt der jüngsten Zunahme
         des Marktanteils der Klägerin ein besonders überzeugender Gesichtspunkt bei der Analyse der Kommission, der somit nicht zur
         Last gelegt werden kann, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen zu haben.
      
      –       Erwägungen zum Anschlussmarkt (aftermarkets)
      152   Die Kommission führt aus, dass die Triebwerkhersteller immer mehr dazu übergingen, ihre Investitionen über den Anschlussmarkt
         und den Verkauf von Ersatzteilen an Stelle der ursprünglich aus dem Verkauf des Triebwerks erzielten Gewinnspanne hereinzuholen
         (79. bis 82. und 90. bis 106. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Diese Sachfeststellung der Kommission,
         die von der Klägerin nicht bestritten wird und sogar auf der eigenen Aussage der Parteien beruhen soll (39. und 95. Begründungserwägung),
         zeigt deutlich, dass die Höhe der gegenwärtigen Einnahmen eines Triebwerkherstellers großenteils von seinen früheren Verkäufen
         abhängt. 
      
      153   Soweit sich ein wesentlicher Teil des der Klägerin zugeordneten Marktanteils auf Triebwerkverkäufe von CFMI bezieht, sind
         die daraus resultierenden Einnahmen der Klägerin, wie sie zu Recht bemerkt, geringer, als wenn ihr diese Verkäufe unmittelbar
         zuzuschreiben wären (vgl. oben, Randnr. 147). Daher ist die wirtschaftliche Stärke, die sich für die Klägerin aus ihrem nach
         dem Triebwerkbestand bemessenen Marktanteil ergibt, weniger aussagekräftig als der von der Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung festgestellte Bruttowert des Marktanteils. Da es jedoch im beiderseitigen Interesse von Snecma und der Klägerin
         liegt, den künftigen Erfolg von CFMI zu sichern, ist der an Snecma abgeführte Anteil aus den Einnahmen von CFMI nicht vollständig
         außer Acht zu lassen. Letztlich schmälert diese Argumentation nicht die Relevanz des hohen Marktanteils der Klägerin am Auftragsbestand,
         wobei insbesondere der oben in Randnummer 140 dargelegte Umstand zu berücksichtigen ist, dass CFMI und die Klägerin wettbewerbsbezogen
         eine Einheit im Verhältnis zu Dritten, Mitbewerbern und Abnehmern darstellen. 
      
      154   Zudem bemerkt die Kommission in der 104. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ohne Widerspruch der Klägerin,
         dass diese Anschlussleistungen für Triebwerke ihrer Mitbewerber in größerem Umfang erbringe als Letztere. Dies ist in Anbetracht
         der oben aufgezeigten Bedeutung der Kapitalzuflüsse aus dem Anschlussmarkt wichtig, da sich daraus ergibt, dass der Marktanteil
         der Klägerin am Triebwerksbestand in gewissem Maß die Stärke dieses Unternehmens auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge
         in Bezug auf Anschlussleistungen zu gering erscheinen lässt.
      
      –       Erwägungen zum Begriff „Standardisierung“ bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
      155   Die Kommission befasst sich auch mit dem Begriff „Standardisierung“ (commonality), nach dem es für den Betreiber einer Luftflotte
         Einsparungen mit sich bringt, wenn er alle Flugzeuge mit demselben Triebwerk oder zumindest mit Triebwerken derselben Baureihe
         ausstattet (41. und 146. bis 162. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Sie führt hierzu aus, dass „die Triebwerk[‑Standardisierung]
         auch für eine Fluggesellschaft in verschiedenen Bereichen von Vorteil [ist] und somit unzweifelhaft einen Faktor dar[stellt],
         den Betreiber berücksichtigen, wenn sie Flugzeuge in Auftrag geben“ (161. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      156   Dies verdeutlicht den Vorteil, der sich für einen Triebwerkhersteller ergibt, wenn er eine große Anzahl von Flugzeugen oder
         Flugzeuge mit hoher Verkaufszahl bedient, so dass er künftig noch mehr dieser Triebwerke absetzen kann. Der Umfang des genannten
         Vorteils hängt für den Hersteller zwangsläufig vom Bestand seiner Triebwerke ab, insbesondere bei Flugzeugen, die noch hergestellt
         werden. Die Standardisierung ist somit bei der Analyse der Kommission ein besonders relevanter Faktor, der die Verwendung
         der Marktanteilswerte der Klägerin rechtfertigt, um deren Marktstärke aufzuzeigen. Die Klägerin bestreitet jedoch die sich
         aus der Standardisierung ergebenden Vorteile (oben, Randnr. 99).
      
      157   Die Kommission gibt bei ihrer Untersuchung der Rolle von GECAS in der 135. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         eine Stelle aus dem Jahresbericht der Klägerin von 1999 wieder, worin es heißt: „1999 sind wir [GECAS] im Rahmen unserer Verpflichtung,
         unseren Kunden beim Erreichen ihrer Flotten‑ und Bilanzziele zu helfen, ein gutes Stück vorangekommen. So hat GECAS beispielsweise
         China Eastern, einer der größten chinesischen Fluggesellschaften, geholfen, ihre kurzfristigen Kapazitäten abzubauen, ihre
         Flotte mit CFM[I]‑getriebenen Schmalrumpfflugzeugen von Airbus zu vereinheitlichen und Devisen zu erwirtschaften.“ Dieses
         Beispiel ist ein belang‑ und aufschlussreicher Hinweis auf die Realität der positiven Effekte der Triebwerksstandardisierung.
         Die Klägerin hält es in diesem Bericht anscheinend für selbstverständlich, dass die Standardisierung der Luftflotte für eine
         Fluggesellschaft bestimmte wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt.
      
      158   Entgegen der Behauptung der Klägerin widersprechen die meisten von Seiten der Fluggesellschaften zu dieser Frage eingegangenen
         Antworten nicht der Auffassung der Kommission (oben, Randnr. 99 a. E.).
      
      159   Lufthansa führt hierzu aus, dass die Standardisierung bei ihrem Bestand keinen großen Einfluss habe, da die Triebwerke von
         Dritten gewartet würden, dass indessen die Standardisierung für den Einsatz einer Flotte von Bedeutung sei. United Airlines
         erklärt unmissverständlich, dass die Standardisierung unter anderen Gesichtspunkten einen wichtigen Faktor bei der Auswahl
         eines Triebwerks darstelle. Nach Alitalia kann der Erwerb gleicher Triebwerke die durchschnittlichen Gesamtkosten aufgrund
         von Einsparungen bei der Wartung reduzieren, wenngleich sich auch aus einer ungleichen Luftflotte bestimmte andere Vorteile
         ergeben könnten. US Airways gibt an, eine Standardisierung der Flotte anzustreben; in der Vergangenheit habe das Unternehmen
         Triebwerke jedoch nach anderen Gesichtspunkten ausgewählt, so das die Standardisierung der Flotte zur Zeit gering sei und
         gegenwärtig keinen sehr großen Einfluss auf die Triebwerkauswahl habe. Nach Iberia kann nicht allgemein behauptet werden,
         dass die Standardisierung ausschlaggebend sei, da sie keinen wesentlichen Faktor darstelle, wenn die Wahl des Triebwerks wirtschaftlich,
         technisch und finanziell sowie risikomäßig klar sei. Das Unternehmen schätze hingegen die Vorteile, die sich aus einer Standardisierung
         der Betriebskomponenten ergäben, wenn die anderen genannten Faktoren ausgeglichen seien. Die Antwort von British Airways schließlich,
         die der Klageschrift beiliegt, bezieht sich ausschließlich auf Avionikprodukte, entspricht jedoch im Allgemeinen dem Gedanken,
         dass die Standardisierung der Betriebskomponenten Einsparungen erlaube. Somit geht insgesamt aus den Antworten, auf die sich
         die Klägerin beruft, nicht hervor, dass die Standardisierung der Triebwerke innerhalb einer Luftflotte keinen Einfluss auf
         die Triebwerkswahl einer Fluggesellschaft hat.
      
      160   Zudem bringt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung, insbesondere in der 154. und 155. Begründungserwägung, mehrere
         spezifische Beispiele dafür, dass Fluggesellschaften ausdrücklich ein Triebwerk bevorzugt haben, das in ihrer Flotte bereits
         verwendet wurde. Es wurde nicht behauptet und noch weniger dargetan, dass diese Beispiele nicht vorliegen, so dass sie die
         These der Kommission untermauern.
      
      161   Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung indessen nicht behauptet, dass die Standardisierung bei der Triebwerkswahl
         stets ausschlaggebend sei; in der 148. Begründungserwägung heißt es nämlich: „Auch wenn die Triebwerk[‑Standardisierung] nur
         ein Faktor ist, den Luftfahrtunternehmen beim Einkauf von Flugzeugen berücksichtigen, hat die Untersuchung der Kommission
         gezeigt, dass die Organisation der Wartungsarbeiten eine maßgebende Rolle spielt, wenn sich eine Fluggesellschaft für einen
         Triebwerkstyp entscheidet.“ Insoweit hat die Kommission keinen Sachfehler begangen, indem sie zu dem Schluss gelangt ist,
         dass zumindest im Rahmen einer gleichen Triebwerksfamilie die Standardisierung einer Flotte tatsächlich Vorteile bietet und
         diese Vorteile grundsätzlich dafür sprechen können, dass Fluggesellschaften an Stelle von Triebwerken, die sie noch nie gekauft
         haben, vorzugsweise Triebwerke erwerben, die sie in ihrer Flotte bereits verwendet haben. Auch mit der Auffassung, dass dies
         ebenfalls zur beherrschenden Stellung der Klägerin beiträgt, ist der Kommission kein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen.
      
      –       Zur Bemessung der von der Kommission für die Beurteilung der Marktstärke der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         festgestellten Marktanteile
      
      162   Die Kommission hat von ihrer Analyse des Marktanteils der Klägerin hinsichtlich des Triebwerksbestands Flugzeuge ausgenommen,
         die nicht mehr hergestellt werden, und dies damit begründet, dass derartige Flugzeuge „eine weniger bedeutende Einnahmequelle
         für Triebwerkhersteller als noch in der Produktion befindliche Flugzeuge [sind]“ (42. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung). Sie bemerkt insbesondere, ohne dass die Klägerin dem widerspricht, dass ältere Triebwerke einfacher seien als
         moderne Triebwerke, dass sie daher auf dem Anschlussmarkt geringere Einnahmen mit sich brächten und dass sie bei den Fluggesellschaften
         schrittweise außer Dienst gestellt würden. Im Licht dieser Erklärungen ist festzustellen, dass auch insoweit kein offensichtlicher
         Beurteilungsfehler der Kommission vorliegt, als sie beschlossen hat, diesen Teil des Triebwerksbestands bei der Beurteilung
         der gegenwärtigen Stärke der verschiedenen Hersteller auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge nicht zu berücksichtigen.
      
      163   Was die Bewertung des Auftragsbestands anbelangt, so führt die Klägerin aus, die Kommission habe in Bezug auf große Verkehrsflugzeuge
         nicht den Auftragsbestand für Flugzeuge berücksichtigt, die noch nicht in Dienst gestellt worden seien, obgleich sie diesem
         Teilbereich bei großen Regionalflugzeugen Rechnung getragen habe (85. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
         Die Klägerin verweist hierbei auf eine Tabelle in Anlage 8 ihrer Klageschrift („GE’s and Honeywell’s slides presentation at
         oral hearing“, Ordner 8/14, Index 3, Tabelle auf der neunten Seite mit dem Titel „Backlog of Engine Sales for Aircraft not
         Yet in Service“), wonach der Auftragsbestand für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge einen Marktanteil von 38 % für GE,
         21 % für P & W und 40 % für Rolls‑Royce aufweise.
      
      164   Zur Bemerkung der Klägerin, dass Zahlenwerte des Auftragsbestands für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge von der Kommission
         verwendet worden seien, um die Lage auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge zu beurteilen, ist festzustellen,
         dass die Klägerin die Verwendung der genannten Werte im Zusammenhang mit diesen Flugzeugen nicht beanstandet hat, so dass
         nicht geprüft zu werden braucht, ob es angemessen war, diese Werte für den genannten Markt heranzuziehen (unten, Randnr. 540).
         Die Berücksichtigung der betreffenden Zahlenwerte für große Regionalflugzeuge lässt sich jedenfalls durch das nachstehend
         in Randnummer 552 dargelegte schnelle Wachstum dieses Marktes rechtfertigen, was aus den im Folgenden unter Randnummer 165 ff.
         genannten Gründen bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge nicht der Fall ist. Somit lässt die unterschiedliche Behandlung
         des Auftragsbestands für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge auf diesen beiden Märkten kein widersprüchliches Vorgehen
         der Kommission und noch weniger einen offensichtlichen Beurteilungsfehler erkennen.
      
      165   Aus den Angaben der beiden Parteien in der mündlichen Verhandlung geht hervor, dass sich die in der vorgenannten Tabelle (oben,
         Randnr. 163) wiedergegebenen Zahlen und die in der Tabelle der 77. Begründungserwägung enthaltenen Zahlen für den Auftragsbestand
         bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge, die noch hergestellt werden, auf die Anzahl der Triebwerke beziehen. Demnach
         ist die Anzahl der Triebwerke bei Aufträgen für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge nach der von der Klägerin vorgelegten
         Tabelle (936 in Auftrag gegebene Triebwerke) sehr gering im Vergleich zur Anzahl der Triebwerke für auf Bestellung in Produktion
         befindliche Flugzeuge (5 466 in Auftrag gegebene Triebwerke). Somit hat der Umstand, dass Rolls‑Royce bei noch nicht in Dienst
         befindlichen Flugzeugen etwas mehr Aufträge als die Klägerin hat, nur einen geringen Einfluss auf das Wettbewerbsverhältnis
         zwischen den beiden Unternehmen, wenn die Aufträge insgesamt bewertet werden.
      
      166   Wird die oben in Randnummer 163 genannte Tabelle mit der in der 77. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung enthaltenen
         Tabelle verbunden, so entfällt im Auftragsbestand auf die Klägerin ein Marktanteil von 60,9 % (3 542 + 360 = 3 902 Triebwerke
         auf Bestellung), auf P & W ein Anteil von 17,0 % (887 + 200 = 1 087 Triebwerke auf Bestellung) und auf Rolls‑Royce ein Anteil
         von 22,1 % (1 037 + 376 = 1 413 Triebwerke auf Bestellung).
      
      167   Die Werte, die sich aus einer Verbindung dieser beiden Tabellen ergeben, liegen nahe genug bei den von der Kommission in der
         77. Begründungserwägung angegebenen Werten, um den Schluss zu erlauben, dass die geringfügige Differenz zwischen den betreffenden
         Zahlen keinen Einfluss auf das Ergebnis hatte, zu dem die Kommission gelangt ist, dass nämlich der Marktanteil der Klägerin
         bei auf Bestellung zu liefernden Triebwerken als Hinweis auf eine beherrschende Stellung anzusehen ist.
      
      168   Ferner hat die Kommission in der mündlichen Verhandlung in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts erklärt, dass
         die Zahlenwerte für Flugzeuge, die noch nicht in Dienst gestellt worden seien, die Wettbewerbslage auf dem Markt nicht kennzeichnend
         und zuverlässig wiedergäben. Hierzu ist hinsichtlich eines Flugzeugs mit Alternativbezug – es handelt sich dabei um große
         Verkehrsflugzeuge, für die der Flugzeughersteller zwei oder mehrere verschiedene Triebwerke zulässt, wobei die Fluggesellschaft
         das Triebwerk endgültig auswählt –, das noch nicht in Dienst gestellt ist, in der Tat festzustellen, dass die zugehörigen
         vorläufigen Marktanteile der verschiedenen Triebwerkhersteller sich in der Folge erheblich verändern können, wenn sich dieses
         Flugzeug in einem frühen Vermarktungsstadium befindet. Im Unterschied zu Geschäftsflugzeugen und großen Regionalflugzeugen,
         die stets nur eine Bezugsquelle in dem Sinne aufweisen, dass ein alleiniges Triebwerk je Flugzeug bereitgestellt wird, können
         bei großen Verkehrsflugzeugen nämlich beide Bezugsformen vorliegen. 
      
      169   Die Kommission weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass der Marktanteil von P & W in der oben in Randnummer 163 genannten
         Tabelle, den die Klägerin für die Triebwerke zur Ausstattung von A318‑100 herangezogen habe, nämlich 69 % (200 von 290 Aufträgen)
         auf nunmehr […] % zurückgefallen sei, während der Anteil der Klägerin seitdem einen Anstieg auf […] % zu verzeichnen habe.
         Ferner entspreche der in der Tabelle angegebene Anteil von Rolls‑Royce in Höhe von […] % an den Aufträgen für A380 nicht der
         späteren Marktentwicklung, da auf die Klägerin im März 2004 ein Anteil von […] % an den Aufträgen für dieses Flugzeug entfallen
         sei. Wenngleich diese Werte keinen unmittelbaren Einfluss auf die Analyse in der angefochtenen Entscheidung haben, da sie
         sich auf einen Zeitraum nach deren Erlass beziehen, untermauern sie die Auffassung der Kommission, dass es nicht angemessen
         gewesen wäre, die Aufträge für noch nicht in Dienst gestellte große Verkehrsflugzeuge zu berücksichtigen.
      
      170   Hierbei hat die Klägerin nicht den Sachverhalt der genannten Beispiele bestritten. Sie trägt lediglich vor, dass […] für A318‑100
         […], was den Rückgang des Anteils dieses Unternehmens an dem betreffenden Flugzeug erkläre, und dass die Kommission hierzu
         selektive Zahlen an Hand gegeben habe, da insbesondere „der im März 2004 festzustellende Marktanteil von Rolls‑Royce von […] %
         auf […] % angestiegen ist“. Die Klägerin hat nicht erklärt, auf welche Triebwerke sich der von ihr herangezogene prozentuale
         Wert in Höhe von […] % bezieht. Wenn anzunehmen ist, dass er sich – wie aus dem Kontext hervorzugehen scheint – auf die Triebwerksaufträge
         für zum Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung noch nicht in der Herstellung befindliche Flugzeuge bezieht, so entkräftet er
         nicht die These der Kommission, da aus den von ihr in der mündlichen Verhandlung vorgetragenen Beispielen hervorgeht, dass
         Zahlen bezüglich des vorläufigen Marktanteils eines Triebwerkherstellers für die Ausstattung von Flugzeugen mit Alternativbezug
         grundsätzlich verhältnismäßig wenig zuverlässig sind, da sie sich in der Folge radikal verändern können.
      
      171   Was die […] für A318‑100 betrifft, so bekräftigt dieses Vorbringen der Klägerin als Beispiel die These der Kommission, dass
         Zahlenwerte, die auf Aufträgen für noch nicht auf dem Markt befindliche Flugzeuge mit Alternativbezug beruhen, einen falschen
         Eindruck vom endgültigen Kräfteverhältnis zwischen den auf dem relevanten Markt präsenten Triebwerkherstellern vermitteln
         können. Angesichts des Zweckes, den die Kommission mit den betreffenden Beispielen verfolgt hat, nämlich zu erklären, weshalb
         Aufträge für künftige Flugzeuge nicht berücksichtigt wurden, entkräften die Gegenargumente der Klägerin nicht die in der vorstehenden
         Randnummer dargelegten Erwägungen.
      
      172   Nach alledem ist festzustellen, dass das Untersuchungsergebnis der Kommission nicht dadurch verfälscht wurde, dass sie in
         der angefochtenen Entscheidung nicht die Aufträge für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge berücksichtigt hat, so dass
         hier kein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission wegen des Ausschlusses der entsprechenden Zahlenwerte aus ihren
         Berechnungen vorliegt.
      
      –       Behandlung von Boeing 737
      173   Die Klägerin trägt weiter ein Argument vor, das spezifisch mit B737 von Boeing zusammenhängt. Wie das US‑Justizministerium,
         so erklärt die Klägerin, festgestellt habe, sei der hohe Marktanteil der Klägerin hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass
         CFMI Alleinlieferant des Triebwerks für einen einzigen Flugzeugtyp – die zweite und dritte Version von B737 – gewesen sei,
         der den größten Geschäftserfolg in der Geschichte der Zivilluftfahrt erzielt habe.
      
      174   Hierbei wird im Wesentlichen die oben geprüfte allgemeinere Behauptung wiederholt, dass die Marktanteile bei der Beurteilung
         der Wettbewerbslage auf einem Ausschreibungsmarkt unerheblich seien. Aus allen oben dargelegten Gründen, insbesondere in Anbetracht
         des Umstands, dass der Triebwerksbestand eines Herstellers dessen gegenwärtige und künftige Einnahmen beeinflusst, besteht
         die unmittelbare und mittelbare Auswirkung eines Geschäftserfolges auf einem derartigen Markt trotz eines erheblichen Zeitablaufs
         fort. 
      
      175   Die Triebwerkslieferung für B737 durch die Klägerin kann daher im vorliegenden Fall als relevant angesehen werden, da sie
         deren Marktanteil erhöht und es ihr noch heute ermöglicht, in den Genuss zusätzlicher Kapitalzuflüsse und der positiven Geschäftseffekte
         zu gelangen, die sich für einen bei einem Flugzeugtyp etablierten Triebwerkhersteller aus den vom Standpunkt der Fluggesellschaften
         aus betrachteten Vorteilen der Flottenstandardisierung ergeben.
      
      176   Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung ausgeführt, der von der Kommission zur Beratung ihrer Bediensteten im Verwaltungsverfahren
         herbeigezogene Wirtschaftssachverständige, Professor Vives, habe in einer E‑Mail, die die Kommission am 26. April 2004 in
         Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts vorgelegt habe, dargelegt, dass der von der Klägerin erzielte Auftrag
         für B737 „eher ein Glücksfall (mit enormer Auswirkung) als ein Beispiel für die Unbeweglichkeit der Marktanteile“ sei [„more
         a case of luck (with tremendous impact) than a case of market share inertia“]. Professor Vives hatte im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
         keinen eigenen Status, wenn er einen Standpunkt zum Ausdruck gebracht hat, der unter Umständen nicht mit der Auffassung in
         Einklang steht, die die Kommission letztlich in der angefochtenen Entscheidung vertreten hat, so kann dies die Stichhaltigkeit
         der Entscheidung nicht beeinträchtigen. Dies lässt vielmehr erkennen, dass die Kommission von sich aus verschiedene Standpunkte
         herangezogen hat.
      
      177   Die Kommission behauptet jedenfalls in der angefochtenen Entscheidung nicht, dass die Klägerin zur Zeit der betreffenden Auftragsvergabe
         Anfang der 1980er bzw. 1990er Jahre eine beherrschende Stellung innegehabt habe. Erheblich ist vielmehr im hier gegebenen
         Zusammenhang, dass dieser frühere Geschäftserfolg, wie oben beschrieben, seinerseits weiterhin Folgen für die jetzige Wettbewerbsposition
         der Klägerin hat.
      
      178   Wenn der Erfolg der Klägerin bei der Ausschreibung für B737 die Zahlenwerte bezüglich der Marktanteile der verschiedenen Triebwerkhersteller
         in dem Sinne „verzerrt“, dass er den Anteil der Klägerin erheblich steigert, konnte die Kommission zu Recht zu dem Schluss
         gelangen, dass der hohe Marktanteil der Klägerin, der sich zum Teil aus dem genannten Erfolg ergab, die Wettbewerbssituation
         auf dem Markt selbst zugunsten der Klägerin verändern konnte. Hätte die Kommission hingegen die von der Klägerin gewonnene
         Ausschreibung mit dem größten Geschäftserfolg auf dem relevanten Markt außer Acht gelassen, so hätte ihr einschlägiges Untersuchungsergebnis
         sicherlich verfälscht werden können.
      
      179   Wenn das US‑Justizministerium, wie die Klägerin erklärt, offenbar der Meinung war, die dem Absatz des genannten Flugzeugtyps
         zuzuordnenden Triebwerkverkäufe seien bei der Beurteilung der Marktstärke der Klägerin auf dem betreffenden Geschäftsfeld
         auszuschließen, so ist dies im vorliegenden Verfahren unerheblich. Dass die zuständigen Behörden eines oder mehrerer Drittländer
         im Rahmen ihrer eigenen Verfahren eine Frage in bestimmter Weise beurteilen, genügt für sich allein nicht, um eine gegebenenfalls
         davon abweichende Beurteilung durch die zuständigen Gemeinschaftsbehörden zu entkräften. Die im Verwaltungsverfahren der Gemeinschaft
         vorgebrachten Faktoren und Argumente sind ebenso wie die geltenden rechtlichen Regeln nicht zwangsläufig die gleichen wie
         diejenigen, die von den Behörden der betreffenden Drittländer zu berücksichtigen sind, so dass die jeweiligen Beurteilungen
         voneinander abweichen können. Ist eine Partei der Auffassung, dass die Überlegungen zur Begründung des Standpunkts der Behörden
         eines Drittlandes besonders zutreffen und auf ein Gemeinschaftsverfahren übertragbar sind, so kann sie diese stets inhaltlich
         heranziehen, wie es die Klägerin im vorliegenden Fall getan hat, jedoch können derartige Überlegungen keine entscheidende
         Beweiskraft erlangen. 
      
      180   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass der Kommission kein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen ist,
         als sie die Verkäufe von Triebwerken für B737 berücksichtigt hat. 
      
       Ergebnis hinsichtlich der Marktanteile
      181   Aus der vorstehenden Untersuchung ergibt sich, dass der Sachverhalt, den die Kommission bei ihrer Analyse der Marktanteile
         der Klägerin festgestellt hat, im Wesentlichen zutreffend ist. Die Kommission hat keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         mit der Feststellung begangen, dass der Marktanteil der Klägerin unter den gegebenen Umständen vor dem Zusammenschluss das
         Vorliegen einer beherrschenden Stellung derselben bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge erkennen lässt. Sie hat ihre
         Feststellung hinsichtlich des Vorliegens einer vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin in der angefochtenen Entscheidung
         auch auf andere Faktoren gestützt, die nachstehend geprüft werden.
      
      c)     Vertikale Integration – GE Capital und GECAS
       Einleitung
      182   Die Kommission stützt sich in der angefochtenen Entscheidung bei ihrer Analyse der Position der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt
         für große Verkehrsflugzeuge zum Nachweis einer beherrschenden Stellung auch auf die Wirtschaftskraft und kommerzielle Stärke
         zweier Tochtergesellschaften der Klägerin, nämlich GE Capital und GECAS. Sie erklärt in der 107. bis 120. Begründungserwägung,
         weshalb ihres Erachtens die Finanzkraft von GE Capital die beherrschende Stellung der Klägerin verstärkt, und in der 121.
         bis 139. Begründungserwägung, weshalb die Existenz und die Handelspolitik von GECAS ebenfalls dazu beitragen. In der 140.
         bis 145. Begründungserwägung wird sodann dargelegt, dass es für Mitbewerber der Klägerin unmöglich wäre, eine der Stärke der
         Klägerin entsprechende Machtposition zu reproduzieren. Die Kommission trägt schließlich in der 163. bis 172. Begründungserwägung
         unter dem Titel „GEs beherrschende Stellung“ eine Reihe von Beispielen und anderer Faktoren hinsichtlich des Einflusses von
         GE Capital und GECAS vor.
      
      183   Die Klägerin bemängelt diese Analyse insbesondere mit der Bemerkung, dass sie bereits insofern unlogisch sei, als sie sich
         in Bezug auf GECAS darauf stütze, dass ein Wirtschaftsteilnehmer, dessen Kaufanteil weniger als 10 % betrage, als Käufer angeblich
         eine Marktmacht ausübe (oben, Randnrn. 103 und 104). Die Meinung der Kommission beruhe auf keiner Wirtschaftsanalyse, die
         sie untermauern könne. Im Zusammenhang mit einer Reihe von Beispielen, die die Kommission zur Stützung ihrer Auffassung vorträgt,
         führt die Klägerin aus, dass die Interventionen ihrer Tochtergesellschaften zur Förderung des Absatzes ihrer Triebwerke ein
         Zeichen dafür seien, dass ein sehr lebhafter Wettbewerb bestehe.
      
      184   Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass ein bestimmtes Maß an Wettbewerb auf einen Markt nicht mit dem Vorliegen einer beherrschenden
         Stellung auf eben diesem Markt unvereinbar ist (vgl. Urteile Hoffmann‑La Roche/Kommission, oben zitiert in Randnr. 101, Randnrn.
         39 und 70, und United Brands/Kommission, oben zitiert in Randnr. 117, Randnr. 113). Die Kommission hat im vorliegenden Fall
         festgestellt, dass ein Wettbewerbsverhältnis zwischen den verschiedenen Herstellern von Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         vorliegt. Sie hat jedoch weiterhin festgestellt, dass die Klägerin im Unterschied zu ihren Mitbewerbern dank ihrer Tochtergesellschaften
         über Mittel verfügt, die es ihr ermöglichen, sich punktuell durchzusetzen, indem sie Aufträge erlangt, die sie nicht ohne
         weiteres lediglich aufgrund eines technischen oder preisbedingten Wettbewerbs hätte erlangen können. Somit sind die von der
         Klägerin geltend gemachten auf Wettbewerb beruhenden Ausschreibungen nicht mit der These der Kommission bezüglich der Relevanz
         dieser anderen Einflussmittel unvereinbar. 
      
      185   Andererseits sind die bloße Existenz von GE Capital und der Umstand, dass die GE-Gruppe daher die höchste Kreditwürdigkeit
         (AAA-Rating) aufweist (142. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), nicht als solche Hinweise auf eine beherrschende
         Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge. Die Klägerin bemerkt hierbei zu Recht, dass das Wettbewerbsrecht
         Unternehmen nicht einfach aufgrund ihrer Größe oder ihrer finanziellen Mittel bestrafe.
      
      186   Auch der Umstand, dass GECAS im Geschäftsfeld Kauf, Finanzierung und Leasing großer Verkehrsflugzeuge tätig ist, schadet als
         solcher nicht dem Wettbewerb. Ferner kann die bloße Tatsache, dass ein Unternehmen mit Hilfe einer seiner Tochtergesellschaften
         – im vorliegenden Fall GECAS – einer der wichtigsten Kunden seiner eigenen Kunden, nämlich Boeing und Airbus, ist, nicht ausreichen,
         um diesem Unternehmen eine Marktmacht zu verleihen, die eine beherrschende Stellung begründet.
      
      187   Die Kommission gibt jedoch in der angefochtenen Entscheidung keine Wirtschaftstheorie wieder, nach der ein Triebwerkkäufer
         mit 8 % bis 10 % der Gesamtkäufe allein aus diesem Grund eine Wirtschaftsmacht besitzt, die es ihm ermöglicht, den einen oder
         anderen Hersteller solcher Triebwerke vom Markt zu verdrängen. Sie behauptet auch nicht, dass ein Hersteller von Triebwerken
         für große Verkehrsflugzeuge, der finanziell besser ausgerüstet ist als seine Mitbewerber, Letztere allein deshalb vom Markt
         verdrängen könnte, und sie geht auch nicht davon aus, dass das Zusammenwirken der beiden genannten Faktoren zu diesem Schluss
         führen kann, wenn der Flugzeugkäufer und der Triebwerkhersteller derselben Unternehmensgruppe angehören.
      
      188   Die Kommission hat dagegen im Rahmen ihrer Analyse der bereits bestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin bemerkt, dass
         diese die Wirtschaftskraft ihrer Tochtergesellschaften „strategisch“ nutze, um die Machtposition auszubauen, die sie auf dem
         Triebwerksmarkt aufgrund des Umfangs ihrer Verkäufe bereits besitze. Aus der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass
         diese Sachfeststellung für Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge nicht auf einer wirtschaftlichen Analyse der Frage beruht,
         ob ein derartiges Vorgehen wirksam war und zugleich objektiv im Geschäftsinteresse der Klägerin lag, sondern auf im Verwaltungsverfahren
         erkennbaren Sachverhaltselementen, die zeigen, dass diese Vorgehensweise besteht und dass sie in der Praxis den Verkauf von
         Triebwerken der Klägerin im Vergleich zu deren Mitbewerbern fördert.
      
      189   Aus dem festgestellten Vorliegen dieses strategischen Vorgehens hat die Kommission geschlossen, dass die vertikale Verflechtung
         der Klägerin mit ihren Tochtergesellschaften GE Capital und GECAS zu ihrer vorbestehenden beherrschenden Stellung auf dem
         Triebwerksmarkt und insbesondere auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge beitrage (Begründungserwägungen 107 f.
         bzw. 121 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      190   Das Gericht hat in diesem Zusammenhang zu prüfen, ob der Kommission mit der Feststellung, dass die vorstehend dargelegte strategische
         Vorgehensweise besteht, Sachfehler unterlaufen sind und ob sie einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat, indem
         sie zu dem Schluss gelangt ist, dass diese Vorgehensweise zur vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin auf dem
         Markt für große Verkehrsflugzeuge beitrug. Die Erwägungen in Bezug auf diese beiden Fragen sind, insbesondere hinsichtlich
         der vorgetragenen spezifischen Beispiele, eng miteinander verknüpft und werden nachstehend gemeinsam im Rahmen der Untersuchung,
         erstens, des geschäftlichen Einflusses von GECAS, zweitens, der Finanzkraft von GE Capital, drittens, der Erwägungen zur Ausübung
         des Einflusses von GECAS und GE Capital auf die Abnehmer der Klägerin und, viertens, der Erwägungen zu den Zahlenwerten bezüglich
         der Entwicklung der Marktanteile der Klägerin nach der Gründung von GECAS in der GE‑Gruppe geprüft.
      
       Geschäftlicher Einfluss von GECAS
      –       Zur „GE-only“-Politik von GECAS 
      191   Es ist unstreitig, dass GECAS eine „GE-only“-Kaufpolitik betreibt, indem das Unternehmen ausschließlich GE‑getriebene Flugzeuge
         erwirbt. Die einzige Ausnahme von dieser Politik besteht im Kauf von acht B757 (unter 1 040 Flugzeugen, vgl. 122. und 132.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), für die kein GE-Triebwerk verfügbar ist. Somit besteht die GECAS-Flotte
         zu über 99 % aus Flugzeugen mit Triebwerken der Klägerin oder des Gemeinschaftsunternehmens CFMI.
      
      192   Nach Ansicht der Klägerin kann die Kommission nicht davon ausgehen, dass dies zu einer beherrschenden Stellung der Klägerin
         beiträgt. Hierbei verweist sie in der Klageschrift insbesondere auf ein dort beigefügtes Gutachten von Lexecon, in dem ausgeführt
         wird, dass es für ein mit einem Triebwerkhersteller zusammengeschlossenes Leasing‑Unternehmen selbstverständlich sei, dessen
         Triebwerke zu kaufen, da anderenfalls der Eindruck entstehen könnte, dass es in der Unternehmensgruppe an Vertrauen in die
         eigenen Triebwerke mangele, dass bestimmte mit dem Kauf verbundene Kosten geringer seien und dass es für ein derartiges Leasing‑Unternehmen
         schwierig wäre, bei unmittelbaren Wettbewerbern eines Unternehmens seiner eigenen Gruppe günstige Konditionen zu erlangen.
      
      193   Um ihre Auffassung hinsichtlich der Auswirkung der Vorgehensweise von GECAS auf den Markt für große Verkehrsflugzeuge zu begründen,
         braucht die Kommission nicht zu bestreiten, dass das Vorgehen von GECAS naheliegt, und nicht einmal darzutun, dass die Klägerin
         mit dem Eintritt in den Leasingmarkt eine Förderung des Verkaufs ihrer eigenen Triebwerke bezweckte. Steht nämlich fest, dass
         die Exklusivkaufpolitik von GECAS den Triebwerkabsatz der Klägerin auf dem Markt fördert, so genügt dies, damit die Kommission
         zu Recht zu der Feststellung gelangen konnte, dass dieser Gesichtspunkt zur beherrschenden Stellung der Klägerin beiträgt.
         Daher ist das Vorbringen, die Vorgehensweise von GECAS liege nahe, nicht erheblich.
      
      194   Die vorstehend in Randnummer 192 wiedergegebenen Argumente können nicht überzeugen, da die Beschränkung von GECAS auf Geschäftsvorgänge
         mit Triebwerken der Klägerin notwendigerweise eine bestimmte kaufmännische Belastung darstellt. Beschneidet ein Käufer nämlich
         aus freien Stücken seine Bezugsquellen aus Prinzip und nicht nach objektiven kaufmännischen Gesichtspunkten, so werden ihm
         damit per definitionem Kosten auferlegt, außer wenn ausnahmsweise die Erzeugnisse, auf die er sich beschränkt, systematisch
         besser und preiswerter wären als Alternativprodukte. Die von der Klägerin vorgetragenen angeblichen negativen Folgen einer
         neutralen Kaufpolitik von GECAS sind hingegen vage und spekulativ, zumal sie vor allem auf einem Geschäftsgebaren beruhen,
         das Drittakteure an den Tag legen würden, wenn GECAS eine derartige Politik verfolgen würde.
      
      195   Wäre die Auffassung der Klägerin zutreffend, dass die Präferenz von GECAS nicht zu einer Steigerung des Absatzes von Triebwerken
         der Klägerin im Ganzen führt, so würde also, abgesehen von den vorgenannten Argumenten, die eigene Geschäftspolitik der Klägerin
         in Bezug auf GECAS ihren Sinn verlieren. Der praktisch absolute Charakter der Präferenz von GECAS für GE‑Triebwerke ist nämlich
         bereits als solcher ein starker Hinweis auf die strategische Art der genannten Politik.
      
      –       Zur Geschäftsposition von GECAS
      196   Die Klägerin macht geltend, ILFC sei ein viel größerer Käufer großer Verkehrsflugzeuge als GECAS. Sie erklärt im Einzelnen,
         ILFC habe mit Stand vom 1. März 2001 einen fast doppelt so umfangreichen Auftragsbestand für große Verkehrsflugzeuge aufgewiesen
         als GECAS, nämlich 529 Einheiten im Vergleich zu 268 für GECAS. Die Kommission führt in der angefochtenen Entscheidung hingegen
         aus, dass GECAS weltweit der größte Flugzeugerwerber sei und mit insgesamt 1 040 Maschinen gegenüber [400 bis 500] für ILFC
         bezogen auf die Einheiten des Flottenbestands doppelt so groß sei wie ILFC. Die Kommission trägt auch Gesamtzahlen für alle
         Düsenflugzeuge vor, wonach sich mit Stand vom Jahresende 2000 der Auftragsbestand von GECAS auf 796 Einheiten gegenüber 535
         für ILFC belief. Zu den letztgenannten Zahlen ist zu bemerken, dass sie sich sowohl auf große Regional‑ als auch auf große
         Verkehrsflugzeuge beziehen, was den Unterschied gegenüber den von der Klägerin genannten Zahlen erklärt.
      
      197   In Anbetracht der Flottenstärke von GECAS hat der Umstand, dass ILFC nach anderen Parametern größer ist, nicht zur Folge,
         dass die Kommission einen Sachfehler oder einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat, indem sie zu der Feststellung
         gelangt ist, dass GECAS das größte Leasingunternehmen darstellt und in den Jahren vor dem Zusammenschluss weltweit der größte
         Flugzeugerwerber war.
      
      198   Ferner hängt die Richtigkeit der Darstellung der Kommission nicht davon ab, ob bei dem Erwerb großer Verkehrsflugzeuge und
         somit der dazu gehörenden Triebwerke der genaue Kaufanteil von GECAS 10 % betrug, wie die Kommission in der 122. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung behauptet, oder ob dieser Anteil zwischen 7 % und 8 % lag, wie die Klägerin erklärt. Der Unterschied
         zwischen diesen beiden Werten berührt das Untersuchungsergebnis der Kommission nicht wesentlich. Wichtig ist in diesem Zusammenhang
         vielmehr, ob GECAS aufgrund seiner Flugzeugkauf‑ und Leasingtätigkeit konkret in der Lage war, einen wesentlichen Einfluss
         auf die Triebwerkwahl der Flugzeughersteller und der Fluggesellschaften auszuüben.
      
      199   Hierbei stellte der Umstand, dass der Klägerin dank der Vorzugskaufpolitik von GECAS praktisch ein Marktanteil von 7 % bis
         10 % vorbehalten war, als solcher einen nicht unbeachtlichen Vorteil dar. Selbst wenn anzunehmen wäre, dass die Vorzugskäufe
         von GECAS in der Praxis zumindest in gewissem Umfang durch die Käufe der übrigen Leasingunternehmen ausgeglichen wurden, konnte
         die Klägerin im Unterschied zu ihren Mitbewerbern mit einem hohen Grad an Gewissheit mit einer bestimmten Absatzquote rechnen,
         während sich die etwaigen Ausgleichskäufe der übrigen Leasingunternehmen für die anderen Triebwerkhersteller bis zu ihrer
         Realisierung bestenfalls als potenzielle Käufe niederschlugen.
      
      200   Die Kommission legt zudem in der 140. bis 145. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung dar, dass es für die Mitbewerber
         der Klägerin nicht möglich wäre, ein mit GECAS vergleichbares Leasingunternehmen aufzubauen. In der 209. und 210. Begründungserwägung
         wird ausgeführt, dass Pembroke, ein Leasingunternehmen, an dem Rolls‑Royce mit 50 % beteiligt ist, nicht mit GECAS vergleichbar
         sei und keine Exklusivkaufpolitik zugunsten von Rolls‑Royce‑Triebwerken betreibe. Die Klägerin bestreitet diese Sachfeststellungen
         nicht, entgegnet jedoch, dass die Mitbewerber in der Lage seien, dem Wettbewerb der Klägerin trotz des Bestehens von GECAS
         standzuhalten. Somit sind die betreffenden Erwägungen richtig und zutreffend, soweit mit ihnen der Ausschluss einer der Möglichkeiten
         festgestellt wird, durch die die Mitbewerber der Klägerin mit dieser konkurrieren könnten.
      
       Finanzkraft von GE Capital
      201   Die Kommission hat, ohne dass die Klägerin dem widersprochen hat, dargelegt, dass die Finanzkraft von GE Capital der gesamten
         Gruppe zugute komme, der GE Capital angehöre, da die Unternehmen dieser Gruppe insbesondere von einem AAA‑Kreditwürdigkeits‑Rating
         profitierten, mit dessen Hilfe sie leichter Zugang zu den Finanzmärkten fänden als ihre Mitbewerber (vgl. 142. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung und dortige Fußnote 32).
      
      202   Das Gericht nimmt somit hiervon Kenntnis.
       Erwägungen zur Ausübung des Einflusses von GECAS und GE Capital auf die Abnehmer der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für
         große Verkehrsflugzeuge
      
      203   Die Kommission behandelt in ihrer Untersuchung zwei verschiedene Fälle, nämlich, erstens, die Möglichkeit, dass ein Flugzeughersteller
         für den Antrieb eines neuen Flugzeugs ausschließlich ein Triebwerk wählt, und, zweitens, die Möglichkeit, dass die Fluggesellschaft
         unter den verschiedenen für ein Flugzeug mit Alternativbezug bereitgestellten Triebwerken die endgültige Auswahl trifft. Nach
         Ansicht der Kommission ist im ersten Fall mit dem Einfluss der Tochtergesellschaften der Klägerin auf den Flugzeughersteller
         zu rechnen, während im zweiten Fall eher der Einfluss dieser Töchter bei den Fluggesellschaften zur Geltung kommt.
      
      204   Die Klägerin bestreitet diese Darstellung im Ganzen und erklärt insbesondere, dass ein Käufer mit weniger als 10 % des Auftragsbestands
         in einem bestimmten Segment nach der Wirtschaftstheorie keinen wesentlichen geschäftlichen Einfluss auf den betreffenden Markt
         ausüben könne. Daher seien die verschiedenen von der Kommission in dieser Hinsicht vorgetragenen Beispiele und Erwägungen
         völlig haltlos.
      
      –       Zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutze, den die GE‑Tochtergesellschaften durch ihre Machtposition auf die Flugzeughersteller
         ausübten
      
      205   Für den Einfluss von GE Capital und GECAS auf die Flugzeughersteller stützt sich die Kommission in Bezug auf große Verkehrsflugzeuge
         insbesondere auf ein Beispiel, das Boeing‑B777X (abgeleitete Version von B777) betrifft. Die Kommission führt in der 166.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, die Klägerin habe diesen Auftrag als Alleinlieferant dank einer Verknüpfung
         von Faktoren erlangt, die ihre Mitbewerber nicht hätten bieten können, obwohl sie technisch in der Lage gewesen seien, das
         Triebwerk zu liefern. Sie verweist hierbei auf interne GE‑Unterlagen, aus denen hervorgehe, dass das siegreiche kombinierte
         Angebot […] enthalten habe.
      
      206   Im Einzelnen heißt es in zwei Unterlagen vom 12. Mai 1999 mit den Zeichen 120 CID 000168 und 120 CID 000166: „[…]“ bzw. „[…]“.
         
      
      207   Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, dass GECAS bei der Auswahl des Triebwerks für dieses Flugzeug „eine
         Rolle gespielt“ hat, erklärt jedoch, dass der im Oktober 1999 zwischen der Klägerin und Boeing geschlossene Vertrag nicht
         den Inhalt dieser Unterlagen wiedergebe, wobei insbesondere die vorgesehenen Bestellungen von GECAS nicht als Pilotaufträge
         gedient hätten und Gegenstand späterer Verhandlungen hätten sein sollen. Der betreffende Vertrag ist dem Gericht indessen
         nicht vorgelegt worden. Die Kommission hat hingegen in der Klagebeantwortung, ohne dass die Klägerin dem widersprochen hat,
         hierzu ausgeführt, Boeing habe im Juli 2000 zu verstehen gegeben, dass GECAS […] habe, wodurch die Angaben in den beiden vorgenannten
         internen Unterlagen bekräftigt würden.
      
      208   Somit steht rechtlich hinreichend fest, dass sich GECAS vor der Einführung von Boeing‑B777X rechtlich bindend oder rein geschäftlich
         verpflichtet hat, zu […], und dass diese Verpflichtung der Klägerin zu Nutze kam, um den Auftrag für die Triebwerke der betreffenden
         Flugzeuge als Alleinlieferant zu erhalten.
      
      209   Bezüglich […] hat die Klägerin in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass GE Capital bei Verhandlungen über dieses Projekt
         keine Rolle gespielt habe, […]. Dies widerspricht nicht der Auffassung der Kommission, da Letztere in der angefochtenen Entscheidung
         nicht behauptet hat, dass GE Capital […]. Es ist unerheblich, welche juristische Person der GE‑Gruppe […], wenn feststeht,
         dass es sich um eine […] handelt.
      
      210   Die Kommission legt in Verbindung mit diesem Beispiel in der 160. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auch
         dar, dass GE „zwar in der Tat hinter [Rolls‑Royce] [lag] und bei den Triebwerksbestellungen für die klassische Version [von
         B777] dicht hinter P & W“, doch habe GE diese potenzielle Einschränkung des Standardisierungsvorteils behoben, indem sich
         das Unternehmen bei den Triebwerkslieferungen für B777X die Ausschließlichkeit gesichert habe. Die Vorgänge, die dazu geführt
         hätten, dass Boeing für B777X das Triebwerk der Klägerin gewählt habe, zeigten, dass die Klägerin dank der geschäftlichen
         Unterstützung ihrer Tochtergesellschaften in der Lage gewesen sei, diesen Auftrag als Alleinlieferant zu erhalten, obwohl
         bestimmte Schwächen hinsichtlich ihres Erzeugnisses vorgelegen hätten, deren Bestehen die Klägerin nicht bestreitet.
      
      211   Hierzu bemerkt die Klägerin selbst, dass sie bei B777X erhebliche Preisnachlässe habe einräumen müssen, da ihr Triebwerk für
         die klassische Version dieses Flugzeugs weniger wettbewerbsfähig gewesen sei als die Triebwerke von P & W und Rolls‑Royce.
         Sie schließt daraus, dass der Wettbewerb bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge sehr ausgeprägt sei.
      
      212   Wenn die Klägerin erklärt, sie habe Preisnachlässe gewähren müssen, um die Ausschreibung von B777X zu gewinnen, so ist der
         Umstand, dass ein Triebwerklieferant […] (vgl. oben, Randnr. 205), nicht damit gleichzusetzen, dass Preisnachlässe eingeräumt
         werden. Nämlich [...].
      
      213   Die Möglichkeit der Klägerin, Geschäftsbedingungen wie im vorliegenden Fall für Boeing anzubieten, zeigt die Unabhängigkeit
         der Klägerin gegenüber ihren Mitbewerbern im Sinne der oben in Randnummer 117 genannten Rechtsprechung. Die fehlende Entwicklung
         eines den Erzeugnissen der Mitbewerber objektiv gleichkommenden Triebwerks der Klägerin hat diese nämlich nicht daran gehindert,
         den Auftrag zu erhalten. Sie konnte sich bei einer Ausschreibung, aus der sie wahrscheinlich ausgeschieden wäre, wenn die
         Produktqualität und der Lieferpreis die einzigen relevanten Kriterien gewesen wären, dazu entschließen, diese Sachlage durch
         den Einsatz marktfremder Mittel umzukehren.
      
      214   Somit konnte die Klägerin im Hinblick auf diesen wesentlichen Aspekt ihrer Geschäftspolitik in unabhängiger Weise vorgehen.
         Die Kommission konnte daher in der angefochtenen Entscheidung (vgl. insbesondere Begründungserwägungen 121 f, 162 f. und 229)
         zu Recht zu der Auffassung gelangen, dass es als Ausdruck der kommerziellen Unabhängigkeit der Klägerin anzusehen sei, wenn
         sie im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern zumindest in höherem Maß derartige Zugeständnisse machen könne. Die Klägerin ist nämlich
         dank der verschiedenen ihr zur Verfügung stehenden geschäftlichen Möglichkeiten weitgehend gegen den unmittelbaren Wettbewerbsdruck
         von P & W und Rolls‑Royce abgeschirmt. Sie kann daher […], ohne deshalb nachteilige Folgen aufgrund dieser Vorgehensweise
         zu erleiden.
      
      215   Es ist hierbei auch zu bedenken, dass sich das Urteil Hoffmann‑La Roche/Kommission (oben, Randnr. 101) auf Waren des täglichen
         Bedarfs bezieht, während es sich im vorliegenden Fall um Erzeugnisse handelt, die im Rahmen gelegentlicher Ausschreibungen
         abgesetzt werden, wobei jeweils hochwertige Aufträge vergeben werden, die durch iterative Verhandlungen gekennzeichnet sind.
         Dies erfordert zwangsläufig finanzielle Konzessionen der einen oder anderen Art von Seiten der Anbieter, da dies Bestandteil
         eines derartigen Verhandlungsprozesses ist. Daher ist der bloße Umstand, dass die Klägerin Preisnachlässe angeboten hat, um
         bestimmte Ausschreibungen zu gewinnen, im hier gegebenen Zusammenhang als solcher nicht mit dem Vorliegen einer beherrschenden
         Stellung der Klägerin unvereinbar.
      
      216   Die Kommission konnte somit ohne einen offensichtlichen Beurteilungsfehler zu der Feststellung gelangen, dass es nicht als
         Hinweis auf den gesunden Charakter des Wettbewerbs, sondern auf die Marktstärke der Klägerin anzusehen sei, dass die Klägerin
         die Ausschreibung für den Alleinauftrag zur Lieferung des Triebwerks für B777X dank der geschäftlichen Unterstützung ihrer
         Tochtergesellschaften gewonnen habe.
      
      217   Die Klägerin bestreitet weiter die Behauptung der Kommission, dass GECAS insbesondere für [...] als „Pilotkunde“ (launch customer)
         oder als „Anschubkunde“ (boost customer) aufgetreten sei (133. und 193. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung),
         und macht geltend, dass in Ermangelung dessen die These der Kommission hinsichtlich des großen geschäftlichen Einflusses von
         GECAS der Grundlage entbehre. Sie erklärt ferner, die Aussagen von […] sowie von […] und von […] bestätigten, dass GECAS nicht
         als Pilotkunde handele. Nach Ansicht der Klägerin ist ein Pilotkunde ein Abnehmer, der Vorbestellungen aufgibt, auf die sich
         der Flugzeughersteller stützt, um zu entscheiden, ob er mit dem Bau einer bestimmten Maschine beginnen soll. Leasingunternehmen
         würden, so führt die Klägerin aus, allgemein nicht als Pilotkunden angesehen. Die Kommission bezeichnet die Einstellung von
         […] hierzu als „merkwürdig“. Sie bemerkt, dass […] ursprünglich angegeben habe, als Pilotkunde für mehrere Flugzeuge […] gehandelt
         zu haben und […] dass […] später jedoch anscheinend seine Meinung bezüglich dieses Begriffes geändert habe und diese Eigenschaft
         im Gegensatz zur Eigenschaft eines bloßen Teilnehmers am Pilotvorgang […] förmlich nur für […] anerkannt habe.
      
      218   Zunächst ist festzustellen, dass die Bezugnahmen der angefochtenen Entscheidung auf den Begriff des „Anschubkunden“ die in
         der Entscheidung enthaltenen Erwägungen nicht erweitern. Wenn GECAS später Flugzeuge bestellt, so kann dies zwar die Zahl
         der GE‑getriebenen Flugzeuge in den Flotten der Fluggesellschaften erhöhen, derartige Bestellungen erfolgen jedoch zu spät,
         um die Wahl des Flugzeugherstellers unmittelbar zu beeinflussen. Dieser entscheidet nämlich zu Beginn der Entwicklung eines
         Flugzeugs, welches Triebwerk eingesetzt wird oder gegebenenfalls welche Triebwerke für das Flugzeug bereitgestellt werden.
         Daher kann GECAS grundsätzlich die Wahl eines Triebwerks oder von Triebwerken durch den Flugzeughersteller nur bei der Entwicklung
         des Flugzeugs beeinflussen.
      
      219   Andererseits kommt jedoch der Frage, ob im Verhältnis zur Rolle der Leasingunternehmen im Allgemeinen und von GECAS im Besonderen
         gegenüber den Flugzeugherstellern die Formel „Pilotkunde“ zweckmäßig erscheint und ob dabei der Begriff „Anschubkunde“ sachdienlich
         ist oder nicht, im weitergefassten Kontext der Überlegungen der Kommission nur eine minimale Bedeutung zu. Wichtig ist in
         diesem Zusammenhang, ob GECAS in der Lage ist, die Triebwerkwahl des Flugzeugherstellers für die konkrete Ausrüstung bestimmter
         Flugzeuge zu beeinflussen. Aus dem vorstehend geprüften Beispiel B777X geht indessen konkret hervor, dass die Intervention
         von GECAS erheblich dazu beigetragen hat, dass sich Boeing für das Triebwerk der Klägerin im Alleinauftrag entschieden hat.
         Demgemäß verfügt GECAS effektiv über den von der Kommission festgestellten Einfluss, ohne dass festgestellt zu werden brauche,
         ob die Flugzeughersteller GECAS als „Pilotkunden“ oder als „Anschubkunden“ betrachtet haben.
      
      –       Zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutze, den die GE‑Tochtergesellschaften durch ihre Machtposition auf die Fluggesellschaften
         ausüben
      
      220   Zum Einfluss der Tochtergesellschaften der Klägerin auf die Fluggesellschaften führt die Kommission aus, dass der Einfluss
         von GECAS weit über die bloße Tatsache hinausgehe, dass GECAS ungefähr 10 % der weltweit verkauften großen Verkehrsflugzeuge
         abnehme, da dieses Unternehmen GE‑getriebene Flugzeuge auf spekulativer Basis erwerbe, also kaufe, bevor es einen bestimmten
         Endkunden für diese Flugzeuge gebe (123. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), so dass GECAS die „Saat“ (seed)
         für GE‑Triebwerke bei kleineren Fluggesellschafteen ausbringen könne, wodurch die Position der Klägerin insbesondere durch
         die oben bereits geprüften Standardisierungserwägungen begründet, aufrechterhalten und gestärkt werde (vgl. 125. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      221   Die Kommission erwähnt in diesem Zusammenhang in der 135. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung den vorstehend
         in Randnummer 157 in Verbindung mit dem Standardisierungseffekt beschriebenen Fall China Eastern. Aus der in dieser Begründungserwägung
         zitierten Stelle des GE‑Jahresberichts 1999 geht hervor, dass GECAS dieser Fluggesellschaft in mehrfacher Hinsicht geholfen
         hat, und zwar auch zum Zweck der Vereinheitlichung der Flotte „mit CFM[I]‑getriebenen Schmalrumpfflugzeugen von Airbus“. Eine
         derartige Flottenstandardisierung mit Hilfe von GECAS entspricht dem von der Kommission beschriebenen Vorgang der „Saatausbringung“,
         indem GECAS die Schaffung einer Situation fördert, in der die Standardisierung künftig für den Kauf von Triebwerken der Klägerin
         durch die betreffende Fluggesellschaft spricht. Somit untermauert die zitierte Stelle die These der Kommission bezüglich des
         Vorliegens des dargelegten Vorgangs.
      
      222   In der 136. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und insbesondere in der dortigen Fußnote 45 bringt die Kommission
         ein Beispiel für […], das sie in der 192. Begründungserwägung im Abschnitt über ihre P & W‑Analyse im Einzelnen darlegt. Aus
         einer in der 192. Begründungserwägung genannten internen E‑Mail der Klägerin geht insbesondere Folgendes hervor: „[…]“. Der
         Absender der betreffenden E‑Mail begrüßte auch, dass dieser Erfolg […] hatte. Er bemerkte zudem, dass „[…]“.
      
      223   Diese spezifischen Beispiele zeigen, dass auch nach Meinung der Klägerin selbst die Leasingdienste, die GECAS den Fluggesellschaften
         anbieten kann, in bestimmten Fällen eine wichtige Rolle gespielt haben, damit die Klägerin einen Auftrag für die Triebwerkslieferung
         an eine Fluggesellschaft erlangen konnte.
      
      224   Einen weiteren Anhaltspunkt stellt die interne GECAS‑Unterlage Nr. 702 CID 000080 dar, wie die Kommission im gerichtlichen
         Verfahren geltend gemacht hat, um die Erklärung der Klägerin zu widerlegen, dass GECAS nicht das strategische Ziel verfolge,
         die Triebwerke der Klägerin zu fördern; in dieser Unterlage heißt es: „[…]“. Sie bestätigt, dass ein derartiges strategisches
         Ziel gegeben ist.
      
      225   Hinsichtlich der strategischen Unterstützung durch GE Capital bei den Fluggesellschaften zitiert die Kommission in der 117.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auch einen Artikel folgenden Inhalts, den der zur Zeit des Sachverhalts
         tätige Präsident und CEO der Klägerin, Jack Welch, verfasst haben soll:
      
      „Und was erhält [die Klägerin] von [GE] Capital? Zuerst einmal wertvolle Kunden: [GE] Capital bietet Finanzierungen für die
         Kunden von GE‑Sparten wie Aircraft, Power Systems und Automotive, die mithelfen, für diese Sparten den Weg zu Großaufträgen
         frei zu machen. Einer der auffälligsten Hinweise auf eine mögliche Verknüpfung zeigte sich, als Continental Airlines 1993
         gegen den Konkurs ankämpfte. Mit Krediten von GE Capital konnte Continental wieder durchstarten. Als Nächstes folgte ein großer
         Auftrag von Continental für Neuflugzeuge, die meisten davon mit GE‑Triebwerken. Dazu Berater Tichy: ‚[GE] Capital gehört zum
         Waffenarsenal für den Industrieteil [der Klägerin], um die Konkurrenz zu schlagen.‘“
      
      226   Die Klägerin erklärt zur Wiedergabe desselben Artikels in der Klagebeantwortung, der Artikel sei von einem Journalisten der
         Zeitschrift „Fortune“ verfasst worden. Die Kommission hat jedoch, ohne dass die Klägerin dem widersprochen hat, insbesondere
         in den Fußnoten 37 und 38 der angefochtenen Entscheidung bemerkt, dass die Klägerin diesen Artikel selbst auf ihrer Website
         veröffentlicht habe. Aus dieser Internet‑Veröffentlichung geht hervor, dass die Klägerin die dort dargelegte Analyse nicht
         bestreitet und sogar einräumt.
      
      227   Die Kommission führt sodann in der 118. bis 120. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, dass sich Continental
         Airlines seit der in der zitierten Stelle beschriebenen Finanzhilfe stets für Triebwerke der Klägerin entschieden habe, wenn
         das Unternehmen große Verkehrsflugzeuge erworben habe, bei denen diese Wahl möglich gewesen sei. Daraus sei zu schließen,
         dass die finanzielle Unterstützung von Continental Airlines durch GE Capital wohl mit der Bedingung verbunden gewesen sei,
         dass Erstere vorzugsweise Triebwerke der Klägerin beziehe.
      
      228   Die Klägerin bestreitet nicht den Sachverhalt dieser Beispiele als solchen. Sie kommentiert nicht das Beispiel China Eastern,
         erklärt jedoch zu dem vorstehend in Randnummer 222 behandelten Beispiel, dass in der fraglichen E‑Mail auch gesagt werde,
         dass die betreffende Verkaufsaktion sehr schwierig gewesen sei. Bei dem Fall Continental Airlines gibt die Klägerin zu bedenken,
         dass es sich um einen Einzelfall handele und dass sich die Kommission auch nicht bemühe, die Bedeutung oder die Auswirkung
         der von ihr beschriebenen Praxis zu klären. Diese Argumente entkräften nicht die Darstellung der Kommission, die in der angefochtenen
         Entscheidung in geeigneter Weise die Relevanz der genannten Beispiele hinsichtlich der Rolle von GECAS und GE Capital bei
         der Förderung des Triebwerkabsatzes der Klägerin für große Verkehrsflugzeuge bei den Fluggesellschaften dargelegt hat.
      
      –       Ergebnis zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutzt, der sich aus der Machtposition der GE‑Tochtergesellschaften
         ergibt 
      
      229   Aufgrund all dieser Erwägungen, insbesondere aufgrund der konkreten Beispiele der Kommission, mit denen gezeigt wird, dass
         die Klägerin den Einfluss nutzt, der sich aus der Marktstärke der GE‑Tochtergesellschaften ergibt, und deren Wahrheitsgehalt
         und Relevanz im vorliegenden Verfahren nicht entkräftet wurden, ist die Rüge der Klägerin zurückzuweisen, mit der ein derartiger
         Einfluss bestritten wird. Auch das Vorbringen der Klägerin, das sich auf den in Anbetracht der Wirtschaftstheorie angeblich
         heterodoxen Charakter der Feststellungen der Kommission stützt, kann nicht den eindeutigen Beweisen der Kommission entgegengehalten
         werden.
      
       Erwägungen zu den Zahlenwerten bezüglich der Entwicklung der Marktanteile der Klägerin nach dem Beginn der Flugzeugkauf‑ und
         ‑leasingtätigkeit von GECAS
      
      230   Die Kommission vergleicht in der 138. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung die Marktposition der Klägerin vor
         Beginn der spekulativen Käufe von GECAS (1988 bis 1995) mit der Lage nach diesem Zeitpunkt (1996 bis 2000) und bemerkt hierbei,
         dass zwar der Triebwerkabsatz der Klägerin bei Leasingunternehmen (einschließlich GECAS) um über 20 Anteilspunkte (bzw. über
         60 %) zugenommen habe, die Direktkäufe von GE‑Triebwerken durch die Fluggesellschaften aber nur um weniger als 5 Anteilspunkte
         (bzw. weniger als 10 %) gesunken seien. Sie schließt daraus, dass andere Leasingunternehmen und Fluggesellschaften GECAS’
         einseitiges Kaufverhalten nicht ausgeglichen hätten und dass die Tätigkeit von GECAS daher zu einer Nettoverlagerung der Anteile
         auf dem Triebwerksmarkt zugunsten der Klägerin geführt habe.
      
      231   Die Klägerin bemerkt zu Recht, dass die vorstehende Darstellung keinen Vergleich der Größe des auf die Käufe der Leasinggesellschaften
         zurückzuführenden Marktbereichs mit der Größe des Teils zulasse, der auf den Direktkäufen der Fluggesellschaften beruhe. Somit
         hat die Kommission mit dieser Statistik nicht dargetan, dass der Marktanteil der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         im Ganzen durch GECAS zugenommen hat.
      
      232   Die Klägerin führt ferner aus, die von ihr selbst genannten Zahlen, insbesondere die Werte in der Anlage zur Klageschrift
         – es handele sich dabei um die Untersuchung durch Professor Nalebuff in Anlage 7.4 –, bezüglich der Käufe durch alle Leasingunternehmen,
         einschließlich GECAS, zeigten, dass sich die Tätigkeit von GECAS nicht positiv auf den Absatz der Klägerin auswirke und dass
         ein Ausgleichsprozess eingesetzt habe, der den Erwerb von Triebwerken anderer Hersteller als der Klägerin durch andere Leasingunternehmen
         als Reaktion auf die Vorzugspolitik von GECAS begünstige. Um zu zeigen, dass die Auffassung der Kommission in Bezug auf eine
         auf GECAS zurückzuführende Erhöhung des GE‑Marktanteils unzutreffend ist, verweist die Klägerin auf eine Darstellung der Kommission
         in deren Gegenerwiderung, wonach der Absatz der Klägerin durch die Käufe von GECAS zurückgegangen sei und sich auf […] % anstatt
         […] % belaufen habe.
      
      233   Die Zahlen im Gutachten von Professor Nalebuff beziehen sich nur auf Flugzeuge mit Alternativbezug, bei denen die Wahl zwischen
         einem CFMI/GE‑Triebwerk und einem anderen Triebwerk besteht. Dadurch werden alle Flugzeuge ausgenommen, für die ein alleiniges
         Triebwerk in Auftrag gegeben wurde, was insbesondere bei dem ausschließlich GE‑getriebenen Modell B737 der Fall war. Somit
         handelt es sich bei dem Hinweis der Klägerin, dass ihr Marktanteil selbst nach den Feststellungen der Kommission gesunken
         sei, um eine aus dem Zusammenhang gerissene Behauptung, die sich nur auf einen Teil des Triebwerksmarktes für große Verkehrsflugzeuge
         bezieht.
      
      234   Zudem bemängelt die Kommission die statistische Auswertung von Professor Nalebuff, insbesondere in Bezug auf seine Vermutung,
         dass sich die von den Endnutzern für eine begrenzte Anzahl von Flugzeugen bereits getroffene Wahl künftig in der Wahl für
         die anderen von den Leasinggesellschaften in Auftrag gegebenen Flugzeuge niederschlägt, für die das Triebwerk noch nicht ausgewählt
         wurde. Es ist nämlich festzustellen, dass für die letzten Jahre die Zahl der Aufträge mit noch nicht ausgewähltem Triebwerk
         bei den von Professor Nalebuff verwendeten Werten besonders hoch war. Dies ergibt sich zwar zwangsläufig, mindert indessen
         erheblich die Zuverlässigkeit des Zahlenmaterials. Da Professor Nalebuff durch einen Vergleich der drei letzten Jahre (1998,
         1999 und 2000) mit den Vorjahren 1991 bis 1997 zu dem Schluss gelangt ist, dass die anderen Leasingunternehmen auf die Präferenz
         von GECAS reagiert hätten, wird dieser Schluss ebenfalls durch die vorerwähnte Fragwürdigkeit in Mitleidenschaft gezogen.
      
      235   Eine bestimmte Zunahme des Anteils von Triebwerken, die von Mitbewerbern der Klägerin hergestellt und von den Leasingunternehmen
         gekauft werden, ergibt sich zwangsläufig, außer wenn davon auszugehen ist, dass der aus den Käufen von GECAS resultierende
         Verlagerungseffekt hinsichtlich der Marktanteile in dem Sinne voll durchschlägt, dass jedes von GECAS erworbene GE‑Triebwerk
         einen zusätzlichen Verkauf im Vergleich zu dem Absatz darstellt, der anderenfalls erzielt worden wäre. Es besteht insbesondere
         in Anbetracht der bereits erwähnten Standardisierungsvorteile notwendigerweise eine Nachfrage nach Triebwerken von Mitbewerbern
         der Klägerin, da sich einige Fluggesellschaften früher für diese Triebwerke entschieden hatten. Da GECAS einen erheblichen
         Teil des Leasingmarktes abdeckt und grundsätzlich keine Konkurrenztriebwerke erwirbt, wird diese Nachfrage nach anderen Triebwerken
         notwendigerweise von den anderen Leasingunternehmen aufgenommen.
      
      236   Was das Vorbringen der Klägerin anbelangt, die anderen Leasingunternehmen würden bewusst auf die Präferenz von GECAS reagieren
         und daher andere Triebwerke begünstigen, so kann es nur insoweit zutreffend sein, als diese Unternehmen selbst das Triebwerk
         für das betreffende Flugzeug aussuchen. Die Kommission stellt indessen in der angefochtenen Entscheidung in Bezug auf das
         letzte Kaufverhalten von ILFC fest, dass die Wahl des Triebwerks im Gegensatz zur „GE only“‑Politik von GECAS in den allermeisten
         Fällen „offen gelassen“ wurde, so dass sich die Fluggesellschaften als die künftigen Kunden von ILFC an der Wahl des Triebwerks
         beteiligen konnten (137. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Diese Sachfeststellung wird durch die von der
         Klägerin selbst genannten Zahlen bestätigt, die im Gutachten von Professor Nalebuff enthalten sind. 
      
      237   Wie oben dargelegt, führt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung aus, dass der Marktanteil der Klägerin, bezogen
         auf den Triebwerksbestand, ab Ende 1995 ausgebaut worden sei (74. bis 76. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         und Anlage derselben). Die Klägerin erklärt jedoch, dass die Zunahme ihres Triebwerksbestands ab 1995 nicht auf GECAS zurückzuführen
         sei, da von dieser Zunahme um […] Triebwerke nur […] Triebwerke auf Bestellung von GECAS zurückgingen. Die Kommission bestreitet
         dies nicht, macht jedoch in Bezug auf den Triebwerksbestand auf den Verzögerungseffekt der Aufträge aufmerksam, die nach Beginn
         der Tätigkeit von GECAS vergeben worden seien, da der genannte Bestand für den Marktanteil ein Bewertungsmaßstab sei, der
         von der effektiven Lieferung des Flugzeugs mit den dazugehörigen Triebwerken abhänge. Sie bemerkt ferner, dass der Triebwerksbestand
         der Klägerin seit 1999, also dem Jahr, von dem an der GECAS‑Effekt spürbar hatte werden können, deutlich zugenommen habe.
      
      238   Somit ist festzustellen, dass die von GECAS erworbenen Triebwerke zwar in gewissem Umfang zur in der angefochtenen Entscheidung
         dargelegten Erhöhung des Triebwerksbestands der Klägerin beitragen und dieser Beitrag wohl seinerseits schrittweise zunimmt,
         dass er jedoch als unerheblich anzusehen ist. Dies zeigt indessen nicht, dass sich GECAS nicht nennenswert auf das Kräfteverhältnis
         auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge auswirkt. Insbesondere in Anbetracht der in der vorstehenden Randnummer
         getroffenen Feststellungen ist es praktisch zu früh, um dem Umfang der Auswirkung von GECAS auf die zahlenbezogene Entwicklung
         des Triebwerksbestands abzuschätzen. Demgemäß geht aus der angefochtenen Entscheidung zwar hervor, dass hinsichtlich des Triebwerksbestands
         der Beginn der GECAS‑Käufe mit der Zunahme des Marktanteils der Klägerin zusammenfällt, die Kommission hat jedoch in der angefochtenen
         Entscheidung nicht nachgewiesen, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesen beiden Vorgängen besteht.
      
      239   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Kommission im Tatsächlichen nicht nachgewiesen hat, dass die Kauftätigkeit
         von GECAS eine Erhöhung des Gesamtanteils der Klägerin am Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge bewirkt hat. Die Klägerin
         konnte andererseits nicht dartun, dass von GECAS kein positiver Effekt auf den Gesamtanteil der Klägerin am Markt ausgegangen
         ist und dass die anderen Leasingunternehmen auf die Präferenz von GECAS mit einer Gegenpräferenz zugunsten von Konkurrenztriebwerken
         reagiert haben.
      
      240   Somit ist festzustellen, dass keine Partei die vorstehend geprüfte, auf statistischen Werten beruhende Erörterung für sich
         entscheiden konnte. Bei der Gesamtbeurteilung in Bezug auf die Stichhaltigkeit der Darstellung der Kommission ist der mangelnden
         statistischen Begründung durch die Kommission Rechnung zu tragen. Hingegen ist auch zu berücksichtigen, dass die gegenteilige
         Auffassung der Klägerin, wonach sich die Tätigkeit von GECAS nicht auf den Markt ausgewirkt hat, ebenfalls nicht durch einschlägige
         Zahlen untermauert wird.
      
       Ergebnis zur vertikalen Integration
      241   Die Kommission konnte anhand der oben dargelegten Nachweise zu Recht zu der Feststellung gelangen, dass die Klägerin aufgrund
         der Tätigkeit ihre Tochtergesellschaften über kommerzielle Mittel verfügte, die sie zumindest in bestimmten Fällen einsetzte,
         um Aufträge zu erlangen, die sie anderenfalls wahrscheinlich nicht erhalten hätte. GECAS und/oder GE Capital spielten nämlich
         in bestimmten Fällen eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Triebwerks durch den Flugzeughersteller oder durch die Fluggesellschaft.
         Zudem zeigen die von der Kommission angeführten Unterlagen, dass die Klägerin eine Geschäftspolitik betreibt, mit der von
         diesem Einflussvermögen Gebrauch gemacht wird, um die Machtposition der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge
         zu erweitern.
      
      242   Die Darstellung der Kommission bezüglich des von GECAS ausgeübten geschäftlichen Einflusses wird nicht dadurch entkräftet,
         dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht statistisch nachweisen konnte, dass sich die Nutzung des genannten
         Einflussvermögens durch die Klägerin positiv auf deren Gesamtanteil am Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge ausgewirkt
         hat. Da die Kommission anhand spezifischer Fälle gezeigt hat, dass die Klägerin bewusst die kommerziellen Möglichkeiten einsetzt,
         die sich für die Förderung ihres Triebwerkgeschäfts aus der Tätigkeit von GECAS und der Finanzkraft von GE Capital ergeben,
         und dass diese Politik Früchte trägt, hat sie rechtlich hineichend nachgewiesen, dass die Nutzung dieser geschäftlichen Hebelwirkung
         zur beherrschenden Stellung der Klägerin beiträgt.
      
      d)     Die Wettbewerbssituation auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge
      243   Die Klägerin widerspricht der Auffassung der Kommission, dass sie in der Lage sei, einen wirksamen Wettbewerb von P & W und
         Rolls‑Royce auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge zu unterbinden (163. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung und oben, Randnr. 109). Jedoch braucht die Kommission nicht darzutun, dass eine derartige Unterbindung aus der
         Position der Klägerin auf diesem Markt erwächst, um nachzuweisen, dass es sich bei dieser Position um eine beherrschende Stellung
         handelt (vgl. oben, Randnr. 114). Eine derartige Folge wäre zwar der extremste Ausdruck einer beherrschenden Stellung, sie
         muss jedoch nicht notwendigerweise daraus hervorgehen. Daher ist dieses Vorbringen der Klägerin, eine solche Verdrängung sei
         nicht nachgewiesen, im hier gegebenen Zusammenhang nicht von Belang.
      
      244   Die Kommission führt ferner in der 164. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, es sei der Klägerin gelungen,
         ihr Produkt bei zehn der letzten zwölf Flugzeugtypen zu platzieren, für die die Flugzeughersteller Alleinlieferverträge angeboten
         hätten. Hierzu erklärt die Kommission in der Klagebeantwortung, dass die Klägerin alle Ausschreibungen für Flugzeuge gewonnen
         habe, an denen sie teilgenommen habe. Die Klägerin bestreitet dies und gibt vielmehr zu bedenken, dass der Wettbewerb auf
         dem betreffenden Markt lebhaft sei.
      
      245   Die Klägerin bemerkt zu Recht, dass es sich dabei in mehreren Fällen nicht um große Verkehrsflugzeuge, sondern um große oder
         kleine Regionalflugzeuge gehandelt habe. Da die Kommission entsprechend diesen drei Flugzeugkategorien drei verschiedene Marktbereiche
         festgelegt hat, um das Vorliegen einer beherrschenden Stellung zu beurteilen, ist die betreffende Angabe als solche für jeden
         der drei Bereiche, insbesondere auch für große Verkehrsflugzeuge, irrelevant.
      
      246   Ebenso bezieht sich das Beispiel, das die Klägerin heranzieht, um darzutun, dass sie nicht alle Ausschreibungen für einen
         Alleinauftrag gewonnen hat, an denen sie teilgenommen hat, auf ein kleines Regionalflugzeug (ERJ‑145). Dieses Beispiel ist
         somit in der vorliegenden Rechtssache ohne Belang, da die Kommission diesen Markt in der angefochtenen Entscheidung nicht
         analysiert hat.
      
      247   Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung die letzten vier Ausschreibungen für den Antrieb großer Verkehrsflugzeuge analysiert.
         Sie weist darauf hin, dass für Airbus A318 ursprünglich ein einziges Triebwerk, nämlich von P & W in Auftrag gegeben worden
         sei und dass später ein Triebwerk von CFMI hinzugekommen sei. Nach ergebnislosen Verhandlungen zwischen der Klägerin und Airbus
         für den Antrieb von A340 500‑600 habe sich Airbus für Rolls‑Royce als Alleinlieferant entschieden. Für A380 stammten die beiden
         in Auftrag gegebenen Triebwerke von Rolls‑Royce und Engine Alliance. Für B777X schließlich sei die Klägerin trotz des heftigen
         Wettbewerbs von Rolls‑Royce siegreich aus der Ausschreibung hervorgegangen. Die Klägerin schließt im Ganzen gesehen aus diesen
         Beispielen, dass sie auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge keine beherrschende Stellung einnehme.
      
      248   Was speziell das Beispiel des Antriebs für A340 500‑600 anbelangt, so hat die Kommission die betreffende Ausschreibung in
         der 170. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung geprüft, worin sie feststellt, dass […]. Die Klägerin bestreitet
         dies nicht, erklärt jedoch, dass […]. Dieses Vorbringen […] entkräftet indessen nicht die Feststellung der Kommission, dass
         dieses Beispiel mit dem Erscheinungsbild der beherrschenden Stellung der Klägerin vereinbar sei.
      
      249   Allgemeiner betrachtet lassen die vier von der Klägerin in der mündlichen Verhandlung erörterten Ausschreibungen keinen offensichtlichen
         Fehler der Kommission im Hinblick auf das Vorliegen einer beherrschenden Stellung der Klägerin erkennen. Diese Beispiele zeigen
         effektiv, dass ein Wettbewerb auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge bestand. Das bloße Bestehen eines Wettbewerbs
         auf dem betreffenden Markt ist jedoch, wie oben dargelegt, nicht damit unvereinbar, dass einer der vorhandenen Wettbewerber
         über Mittel verfügt, mit deren Hilfe er weitgehend unabhängig von der Konkurrenz ist. Eine beherrschende Stellung ist nicht
         gleichbedeutend mit einem Monopol, so dass das Vorhandensein von Aufträgen für Mitbewerber des beherrschenden Unternehmens
         als solches nicht genügt, um die Feststellung zu entkräften, dass dieses Unternehmen eine beherrschende Stellung einnimmt.
      
      250   Zudem sind die oben in den Randnummern 244 und 245 getroffenen Feststellungen bezüglich der fehlenden Relevanz bestimmter
         Darstellung der angefochtenen Entscheidung nicht ausschlaggebend im Gesamtkonzept der Analyse der bereits bestehenden beherrschenden
         Stellung der Klägerin auf dem betreffenden Markt. Sie entkräften daher nicht die Schlussfolgerung der Kommission hinsichtlich
         des Vorliegens dieser vorbestehenden beherrschenden Stellung.
      
      e)     Fehlender oder schwacher Wettbewerbs‑ und Kundendruck
       Wettbewerbsdruck
      251   In Bezug auf die Mitbewerber der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge führt die Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung aus, dass die betreffenden Marktanteile von P & W unweigerlich schrumpften (174. bis 195. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung) und dass Rolls‑Royce ein technisch ernstzunehmender Mitbewerber sei, der jedoch insbesondere
         in Anbetracht seiner im Vergleich zur Klägerin geringen Größe […] (196. bis 223. Begründungserwägung).
      
      252   Die Klägerin trägt vor, dass die Kommission in der Entscheidung Engine Alliance die Auffassung vertreten habe, dass P & W
         und Rolls‑Royce ernsthafte und lebensfähige Mitbewerber der Klägerin seien. Jedoch ist weder die Kommission noch gar das Gericht
         an die Feststellungen in der genannten Entscheidung gebunden (vgl. oben, Randnrn. 118 und 120 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      253   Das Kräfteverhältnis zwischen den verschiedenen auf einem Markt miteinander konkurrierenden Unternehmen gehört grundsätzlich
         zur Beurteilung einer komplexern wirtschaftlichen Situation, für die die Kommission über einen Beurteilungsspielraum verfügt
         (vgl. insbesondere oben, Randnrn. 60 ff. und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      254   Die Kommission bestreitet nicht das Vorhandensein eines bestimmten Wettbewerbs durch P & W und Rolls‑Royce auf dem Triebwerksmarkt
         für große Verkehrsflugzeuge.
      
      –       Zur Position von P & W
      255   Bei näherer Betrachtung der Position von P & W trägt die Kommission auf Unterlagen gestützte Beweismittel sowie Zahlen vor,
         die zeigen, dass die von diesem Unternehmen hergestellten Triebwerke vor allem als Antrieb für Flugzeuge dienen, die nicht
         mehr hergestellt werden, und dass der Marktanteil des Unternehmens zurückgeht.
      
      256   Dieser verhältnismäßige Rückgang beruht insbesondere darauf, dass der Marktanteil von P & W am Triebwerksbestand bei Flugzeugen,
         die nicht mehr hergestellt werden, höher ist als der Marktanteil am Triebwerksbestand bei Flugzeugen, die noch in Produktion
         sind (81. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Außerdem ist der Anteil des Triebwerksbestands des Unternehmens
         bei Flugzeugen, die noch hergestellt werden (26,5 %), höher als sein Anteil am Auftragsbestand mit nur 16 %.
      
      257   Die Kommission verweist insbesondere auf von einem GE‑Mitarbeiter in einer internen Aufzeichnung wiedergegebene Äußerungen
         des Vorsitzenden von UTC, also der Muttergesellschaft von P & W, vom 22. September 1999, wonach gegenwärtig mehr P & W‑Triebwerke
         außer Dienst gestellt werden als Triebwerke von anderen Herstellern und die Hälfte der 450 im Jahr 1999 am Boden verbliebenen,
         also geparkten Flugzeuge mit P & W‑Triebwerken ausgestattet war (177. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
         Nach dem UTC‑Jahresbericht 2000 sind die Einnahmen von P & W 1999 gegenüber 1998 um 202 Mio. USD, also um 3 %, gesunken; Ursache
         dafür sind weniger Auslieferungen von militärischen und zivilen Triebwerken und geringere Mengen von zivilen Ersatzteilen,
         z. T. ausgeglichen insbesondere durch Zuwächse in den Bereichen der zivilen Wartung und Instandsetzung (181. Begründungserwägung).
         Die Kommission führt in der 183. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ferner aus, dass […].
      
      258   In der 185. bis 187. Begründungserwägung wird weiter dargelegt, dass anscheinend […]. Die Kommission schließt daraus, dass
         sich die unabhängigen Tätigkeiten von P & W in Zukunft hauptsächlich auf andere Triebwerksbereiche als auf den Triebwerksmarkt
         für große Verkehrsflugzeuge konzentrieren werden. 
      
      259   Die Klägerin bestreitet nicht unmittelbar die von der Kommission vorgetragenen Sachverhaltselemente, bemerkt jedoch, dass
         P & W weiter investiere, um die Triebwerke des Unternehmens zu verbessern, und mit der Klägerin an Engine Alliance teilgenommen
         habe, um ein völlig neues Triebwerk für A380 und B747‑400 zu entwickeln. Zudem sei der Absatz des P & W‑Triebwerks für den
         Antrieb von A318 stärker als derjenige des Alternativtriebwerks von CFMI für diesen Flugzeugtyp. Dies zeigt zwar, dass P & W
         weiterhin auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge tätig ist, es widerlegt jedoch nicht die Darstellung der Kommission.
      
      260   Es besteht zwar, wie die Klägerin unter Hinweis auf das Zitat in der 192. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         erklärt […], zwischen ihr und P & W auf bestimmten Märkten ein Wettbewerb, der punktuell sogar sehr lebhaft sein kann. Die
         Entwicklung und der Umfang des Marktanteils von P & W verdeutlichen jedoch den begrenzten Charakter dieses Wettbewerbs, wobei
         der oben erwähnte Umstand, dass die Klägerin indessen insbesondere dank der Intervention von GECAS trotz der Standardisierungserwägungen
         den betreffenden Auftrag für sich gewinnen konnte, aussagekräftiger ist als die Feststellung, dass der Markt umkämpft war.
         Wie der Verfasser der in der 192. Begründungserwägung genannten E-Mail ausgeführt hat, „[…]“; dieses Beispiel verdeutlicht
         konkret die Möglichkeit der Koexistenz eines bestimmten Wettbewerbs und der Vormacht eines der präsenten Wettbewerber.
      
      261   Im Licht der vorstehenden Erwägungen konnte die Kommission insbesondere anhand der von ihr in der angefochtenen Entscheidung
         ausdrücklich genannten Zahlen und auf Unterlagen beruhenden Nachweise in der 194. Begründungserwägung zu Recht zu der Feststellung
         gelangen, dass P & W auf einem Großteil des Triebwerksmarktes für große Verkehrsflugzeuge kein wirklicher direkter unabhängiger
         Wettbewerber für die Klägerin mehr ist.
      
      –       Zur Position von Rolls‑Royce
      262   In Bezug auf Rolls‑Royce erklärt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung, dass die Wettbewerbsposition des Unternehmens
         gegenüber der Klägerin durch […] beeinträchtigt sei (Begründungserwägung 196 ff.).
      
      263   Sie erwähnt insbesondere eine E-Mail des Präsidenten von GECAS, worin dargelegt wird […] (200. und 204. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      264   Die Kommission verweist auch auf eine interne Unterlage […] (205. Begründungserwägung).
      265   Sie führt aus, […] Rolls‑Royce habe mit Hilfe von Risk and Revenue Sharing Partner‑Programmen (RRSP) eine externe Finanzierung
         in Anspruch nehmen müssen, um neue Triebwerke zu entwickeln, und erwähnt hierbei Kommentare von Finanzanalysten von Schroder
         Salomon Smith Barney, aus denen hervorgehe, dass diese Programme für Rolls‑Royce sehr wichtig geworden seien. Nach Ansicht
         der Deutschen Bank sei es Besorgnis erregend, dass etwa 60 % des von Rolls‑Royce erzielten Reingewinnzuwachses vor Zinsen
         und Steuern aus den RRSP‑Programmen mit eingeschränkter Vorhersehbarkeit stamme, wobei die erwarteten Veränderungen im Kapitalflussgefüge
         der genannten Programme das Unternehmen zunehmend unter Druck setzen würden, da die Zuflüsse nach 2001 zurückgehen dürften
         (201. bis 203. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). 
      
      266   Die Kommission legt dar, dass […] (211. bis 214. Begründungserwägung).
      267   Ferner gibt die Kommission zu bedenken, dass die Klägerin der „etablierte Lieferant“ bei einer großen Anzahl von Fluggesellschaften
         in dem Sinne sei, dass ihre Triebwerke mehr als 60 % des Triebwerksbestands bei derzeit in Produktion befindlichen Flugzeugen
         ausmachten (215. bis 217. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Sie zitiert in der 218. Begründungserwägung
         eine Erklärung von Rolls‑Royce, aus der hervorgehe, dass […].
      
      268   Nach Ansicht der Klägerin ist Rolls‑Royce ein technisch sehr starker Mitbewerber, und so habe die Kommission in der Entscheidung
         Engine Alliance erklärt, dass „Rolls‑Royce seinen Marktanteil aus[baut] und die Kapazitäten zur Entwicklung neuer Triebwerke
         und Ableitungen bestehender Triebwerke [hat]“. Zudem sei es absurd, auf […] zu verwiesen, da dies in Wahrheit den erheblichen
         geschäftlichen Erfolg dieses Unternehmens kennzeichne.
      
      269   Die einschlägigen Feststellungen in der angefochtenen Entscheidung und die entsprechenden Darlegungen der Klägerin lassen
         erkennen, dass die Geschäftsgrundlage von Rolls‑Royce bei der Triebwerkherstellung für große Verkehrsflugzeuge als gesund
         anzusehen ist und hierbei keine unmittelbaren geschäftlichen oder finanziellen Schwierigkeiten auftreten. Zudem ist der Umstand
         […] in der Tat grundsätzlich ein Zeichen für geschäftlichen Erfolg und finanzielle Beständigkeit.
      
      270   Die Kommission hat jedoch den Geschäftserfolg von Rolls‑Royce in der angefochtenen Entscheidung nicht geleugnet. Sie hat insbesondere
         den Umstand […] nicht, wie die Klägerin behauptet, als kommerziellen Schwachpunkt betrachtet. Andererseits hat sie dargelegt,
         dass das Unternehmen trotz seiner Stärken […] und demnach nicht als angemessenes Gegengewicht auf dem Markt für große Verkehrsflugzeuge
         im Allgemeinen angesehen werden könne, um die Klägerin an einem weitgehend unabhängigen Vorgehen zu hindern.
      
      271   Die Kommission hat nämlich in der angefochtenen Entscheidung festgestellt, dass […] (211. bis 213. Begründungserwägung). Die
         Klägerin bestreitet in ihren Schriftsätzen nicht den Sachverhalt, auf dem diese Untersuchungsergebnisse beruhen, und bemerkt
         nur, dass […]. Diese Darlegung stützt indessen die spezifische Feststellung der Kommission in der 214. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung, wonach […]. 
      
      272   Was die finanzielle Situation von Rolls‑Royce anbelangt, so geht aus den oben in den Randnummern 263 bis 265 genannten Ausführungen
         der Kommission hervor […] und dass der Finanzierungsmodus für die jüngsten Projekte des Unternehmens, nämlich die Zuhilfenahme
         der RRSP‑Programme, einen negativen Einfluss auf die künftigen Einnahmen haben wird. Die Kommission stützt sich hierbei auf
         die Äußerungen unabhängiger Finanzanalysten, die sich speziell damit befasst haben, welche Folgen sich für Rolls‑Royce aus
         der genannten Finanzierung ergeben. Die Klägerin bemerkt hingegen lediglich, Rolls‑Royce sei allgemein in guter geschäftlicher
         Verfassung, ohne zu erklären, weshalb das Untersuchungsergebnis der Kommission bezüglich […] von Rolls‑Royce unrichtig sein
         soll.
      
      273   Somit ist kein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission bei der in der 196. Begründungserwägung enthaltenen Feststellung
         zu erkennen, worin es heißt: „Auch wenn [Rolls‑Royce] aus technischer Sicht ein sehr fähiger Lieferant ist, kann [das Unternehmen]
         deshalb nicht als glaubwürdiger Bieter für alle Triebwerke auf dem gesamten Markt auftreten, insbesondere wenn es um den Gewinn
         von Aufträgen als alleiniger Triebwerkslieferant geht.“
      
       Kundendruck
      274   In der angefochtenen Entscheidung (224. bis 228. Begründungserwägung) wird sodann dargelegt, weshalb kein ausgleichender Kundendruck
         durch die beiden einzigen Hersteller großer Verkehrsflugzeuge, Boeing und Airbus, und durch die Fluggesellschaften besteht.
      
      275   Die Kommission führt im Wesentlichen aus, dass eine große Anzahl von Fluggesellschaften dadurch von der Klägerin abhänge,
         dass sie die Position eines etablierten Lieferanten für die Flotten dieser Gesellschaften einnehme. Die Nachfrage der Fluggesellschaften
         als Endnutzer der Triebwerke sei überdies weit gestreut, da keine einzelne Gesellschaft auf mehr als 5 % der Bestellungen
         komme (226. Begründungserwägung), was die Klägerin nicht bestreitet.
      
      276   Auf die Flugzeughersteller habe die Klägerin durch deren Kunden einen großen Einfluss wegen des GE‑Triebwerksbestands in den
         Flotten dieser Kunden. Die Kommission erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass GECAS bei den Fluggesellschaften die „Saat“
         für eine Nachfrage nach GE‑getriebenen Flugzeugen ausbringen könne und dass GE Capital und GECAS die Triebwerkwahl dieser
         Gesellschaften sogar unmittelbar hätten beeinflussen können (228. Begründungserwägung).
      
      277   Die Klägerin bemängelt hierbei zwei Punkte. Sie bemerkt erstens, die Kommission habe in ihrer Entscheidung Allied Signal/Honeywell
         festgestellt, dass Boeing und Airbus mächtige Abnehmer seien, und in dieser Entscheidung sowie in der Entscheidung EADS erklärt,
         dass die Fluggesellschaften eine erhebliche Käufermacht besäßen. Hierbei genügt der auch von der Kommission vorgetragene Hinweis,
         dass die in den betreffenden Entscheidungen festgestellte Käufermacht gegenüber anderen Unternehmen als der Klägerin in Bezug
         auf andere Erzeugnisse bestand. Da sich die Kommission hier jedoch auf der Klägerin zugute kommende Vorteile und auf deren
         spezifische Situation auf den Triebwerksmärkten stützt, ist die genannte Argumentation ohne Belang.
      
      278   Zweitens führt die Klägerin aus, dass sich weder Boeing noch Airbus dem Zusammenschluss widersetzt hätten. Dies ist jedoch
         ohne Belang für die Frage, ob die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine beherrschende Stellung innehatte. Der fehlende Widerspruch
         gegen den Zusammenschluss könnte mehrere Gründe haben und insbesondere, wie die Kommission in der mündlichen Verhandlung erklärt
         hat, darauf beruhen, dass Boeing und Airbus kein ausgesprochenes Interesse an einer Preissenkung für Triebwerke haben, sofern
         beide in gleicher Weise von dem verhältnismäßig hohen Preisniveau betroffen sind. Würde man zudem einem fehlenden Widerspruch
         eine zu große Bedeutung beimessen, so könnte dies bedeuten, dass die Kunden eines Unternehmens durch eine Art privater Fusionskontrolle
         bestimmen könnten, ob ihr Lieferant auf dem betreffenden Markt eine beherrschende Stellung innehat.
      
      279   Folglich ist dieses Vorbringen der Klägerin zurückzuweisen. Im Licht der vorstehenden Feststellungen zur Machtposition der
         Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge liegt somit kein Sachfehler und kein offensichtlicher Beurteilungsfehler
         der Kommission vor, wenn sie festgestellt hat, dass Boeing, Airbus und die Fluggesellschaften keinen Kundendruck auf die Klägerin
         in einem Maß ausüben, das ihre Schlussfolgerung bezüglich des Bestehens einer beherrschende Stellung der Klägerin entkräften
         könnte.
      
      f)     Ergebnis zur beherrschenden Stellung
      280   In Anbetracht all dieser Erwägungen konnte die Kommission in der 229. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ohne
         offensichtlichen Beurteilungsfehler zu dem Ergebnis gelangen, dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine beherrschende
         Stellung auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge innehatte.
      
      C –  Zur vertikalen Verflechtung
      1.     Vorbringen der Parteien
      281   Was den Pfeiler der angefochtenen Entscheidung anbelangt, der sich auf die vertikale Verflechtung aufgrund der Verbindung
         stützt, die sich ergäbe, wenn die Triebwerksstarter von Honeywell und die Triebwerke der Klägerin zusammengelegt würden, so
         verkennt die Kommission nach Meinung der Klägerin, dass Honeywell die mit der Klägerin in Wettbewerb stehenden Triebwerkhersteller
         mit ihren Startern beliefert. Die Kommission liefere keinen Beweis dafür, dass der Zusammenschluss zur Verdrängung der Mitbewerber
         der durch die Fusion entstehenden Einheit führen würde, zumal ein Starter nur 0,2 % des Triebwerkpreises ausmache.
      
      282   Die Klägerin hat in ihrer schriftlichern Erwiderung auf die Stellungnahmen von Rolls‑Royce und Rockwell sowie in der mündlichen
         Verhandlung weiter ausgeführt, die Kommission hätte gemäß dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben, Randnr. 58) den Verpflichtungen
         der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit aus Artikel 82 EG Rechnung tragen müssen.
      
      283   Die Klägerin habe hinsichtlich der Verpflichtungen für die Starter vorgeschlagen, die Starterherstellung von Honeywell für
         Flugzeugtriebwerke aufzugeben. Die in der angefochtenen Entscheidung genannten Einwände gegen diese Verpflichtung entbehrten
         jeder Grundlage.
      
      284   Die Kommission, unterstützt von Rolls‑Royce, weist darauf hin, dass Honeywell nach Lage des Marktes der einzige unabhängige
         und glaubwürdige Anbieter von Triebwerksstartern für große Verkehrsflugzeuge sei und dass die Zusammenführung von Honeywell
         mit dem beherrschenden Triebwerkhersteller der neuen Unternehmenseinheit erlauben würde, in einer Weise unabhängig vorzugehen,
         die zuvor nicht möglich gewesen sei. Im Übrigen beschränke sich die Kritik der Klägerin an der Zurückweisung der Verpflichtungen
         hinsichtlich des betreffenden Marktsegments auf bloße Behauptungen.
      
      285   Rolls‑Royce betont insbesondere, dass die Starter einen wesentlichen Bestandteil aller Triebwerke darstellten und dass die
         Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses diese Komponente zu günstigeren Bedingungen erhalten könnte. Es wäre überdies
         finanziell und technisch schwierig, einen anderen Lieferanten als Honeywell zu wählen. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      286   Die Kommission beschreibt in der 331. bis 340. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung die Position von Honeywell
         bei einer Reihe von Triebwerkzubehör‑ und -steuerausrüstungen. Hierbei wird Honeywell ein Anteil von [50 bis 60] % am Markt
         eines dieser Erzeugnisse, nämlich der Triebwerksstarter, zugeschrieben, wobei Hamilton Sundstrand, eine Tochtergesellschaft
         von P & W, mit einem Anteil von [40 bis 50] % bezogen auf das Produktionsvolumen den zweiten Platz einnimmt (337. und 339.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      287   Die Kommission ist in der angefochtenen Entscheidung nicht davon ausgegangen, dass der Zusammenschluss zur Begründung oder
         Verstärkung einer beherrschenden Stellung von Honeywell führt.
      
      288   In der 419. Begründungserwägung heißt es hingegen: „Abgesehen von den Folgen der Paketangebote wird die geplante Fusion [die]
         beherrschende Stellung [der Klägerin] auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge auch verstärken, weil die konkurrierenden
         Triebwerkhersteller infolge der vertikalen Beziehung zwischen [der Klägerin] als Triebwerkhersteller und Honeywell als Lieferant
         von Triebwerksstartern an [die Klägerin] und [ihre] Mitbewerber vertikal vom Markt ausgeschlossen werden.“ In der 420. Begründungserwägung
         führt die Kommission weiter aus: „Nach der geplanten Fusion würde das neue Unternehmen daran interessiert sein, die Lieferungen
         von Honeywell‑Triebwerksstartern an konkurrierende Triebwerkhersteller zu verzögern oder zu unterbrechen, was bei Letzteren
         eine Beeinträchtigung bei Lieferung, Vertrieb, Rentabilität und Wettbewerb zur Folge hätte. Ebenso könnte das neue Unternehmen
         auch die Preise für Triebwerksstarter oder deren Ersatzteile anheben und auf diese Weise für eine Kostensteigerung bei seinen
         Konkurrenten sorgen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem neuen Unternehmen noch weiter aushöhlen.“
      
      289   Die Kommission hat sodann die verschiedenen Argumente der Klägerin gegen ihr Untersuchungsergebnis zurückgewiesen. Sie führt
         insbesondere aus, dass Hamilton Sundstrand Starter nur noch für P & W‑Triebwerke herstelle und nach eigener Aussage selbst
         im Fall einer Preiserhöhung kein Interesse am Verkauf seiner Starter an andere Triebwerkhersteller habe (338. und 421. Begründungserwägung).
         Nach Ansicht der Kommission ist Hamilton Sundstrand daher nicht als Wettbewerber von Honeywell zu betrachten (338. Begründungserwägung).
         Ihres Erachtens kann kein anderer Mitbewerber auf dem betreffenden Markt einen wirksamen Wettbewerbsdruck auf Honeywell ausüben,
         und zudem seien die Barrieren für Neueinsteiger sehr hoch, so dass auch die Möglichkeit des Einstiegs eines anderen Lieferanten
         in diesem Geschäftsbereich keinen echten Druck erzeuge (422. und 423. Begründungserwägung).
      
      290   Ferner hat die Kommission den im Verwaltungsverfahren vorgetragenen Einwand geprüft, dass Honeywell durch vertragliche Verpflichtungen
         daran gehindert werde, die Lieferung von Startern an bestimmte Abnehmer zu verweigern oder gar die Starterlieferung an Dritte
         einzustellen. Sie hält diese Verpflichtung nicht für wirksam, da trotz der genannten vertraglichen Regelungen eine Lieferverweigerung
         Honeywells erhebliche Störungen und Kosten für die mit der Klägerin konkurrierenden Triebwerkhersteller verursachen würde,
         zumal „eine derart strenge vertragliche Kontrolle, die beide Parteien in ihren Möglichkeiten der Marktabschottung ohne stichhaltigen
         Grund einschränkt, typisch für neuere Triebwerkprogramme [ist]. Ältere Programme beinhalten keine [derartigen] vertraglichen
         Regelungen …“ (424. Begründungserwägung).
      
      291   Die Kommission weist auch das Vorbringen zurück, dass es trotz Honeywells Anteil an Luftturbinenstartern bisher nicht zu einer
         Marktabschottung gekommen sei, und gibt hierbei zu bedenken, dass für diese kleinen Triebwerke Alleinlieferverträge geschlossen
         würden, so dass der Anreiz zum Ausschluss von Wettbewerbern viel geringer sei als dies für die Fusionseinheit bei großen Verkehrsflugzeugen
         der Fall wäre, wo Triebwerkaufträge an mehrere Lieferanten vergeben werden könnten (425. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung). Zu dem Vorbringen schließlich, dass Starter auch unmittelbar an die Flugzeughersteller geliefert werden könnten
         und dass die Verweigerung einer Lieferung an die Triebwerkhersteller durch Direktbestellungen von Startern durch die Flugzeughersteller
         umgangen werden könne, bemerkt die Kommission, dass die meisten Starter an die Triebwerklieferanten zum Zweck der Integration
         in das an den Flugzeughersteller fertig gelieferte Triebwerk verkauft würden (426. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      292   Die Klägerin hat vor dem Gericht keine Einwände dagegen vorgetragen, dass die Kommission aus den in der angefochtenen Entscheidung
         dargelegten und vorstehend wiedergegebenen Gründen das Vorbringen im Verwaltungsverfahren zurückgewiesen hat. Demgemäß ist
         im hier vorliegenden Verfahren davon auszugehen, dass die genannten Gründe diese Zurückweisung grundsätzlich rechtfertigen.
         Das Gericht hat hingegen das Vorbringen der Klägerin zu prüfen, das in den vorstehenden Randnummern 281 bis 283 zusammengefasst
         ist.
      
      293   Die Auffassung der Kommission hinsichtlich einer Verstärkung der bereits bestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin
         bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge beruht insbesondere darauf, dass die neue Unternehmenseinheit nach dem Zusammenschluss
         veranlasst wäre, „die Lieferung von Honeywell‑Triebwerksstartern an konkurrierende Triebwerkhersteller zu verzögern oder zu
         unterbrechen“, und dass sie in der Lage wäre, den Preis anzuheben. Die Kommission hat bei der Zurückweisung des Vorbringens
         bezüglich der vertraglichen Verpflichtungen, die eine Lieferungsverweigerung Honeywells verhindern würden, auch erwähnt, dass
         eine derartige Verweigerung in der Praxis erhebliche Störungen und Kosten für die konkurrierenden Triebwerkhersteller mit
         sich bringen würde.
      
      294   Die Triebwerkzubehör‑ und -steuerausrüstungen von Honeywell, einschließlich Starter, kommen unstreitig bei einer erheblichen
         Anzahl von Triebwerken der Wettbewerber der Klägerin, insbesondere bei Rolls‑Royce, zum Einsatz. In Anbetracht der von der
         Klägerin nicht bestrittenen Geschäftspolitik des wichtigsten Wettbewerbers von Honeywell (Hamilton Sundstrand), seine Starter
         nicht mehr frei zu verkaufen, hängt Rolls‑Royce nunmehr von Honeywell ab, so dass dessen [50 bis 60]%iger Marktanteil nicht
         angemessen den Umfang des geschäftlichen Einflusses wiedergibt, den Honeywell gegenüber Rolls‑Royce ausübt. Wie die Kommission
         in der 425. Begründungserwägung auch darlegt, bietet der Umstand, dass bei großen Verkehrsflugzeugen im Gegensatz zu Flugzeugen
         mit Luftturbinenantrieb häufig eine Triebwerkwahl besteht, für den Triebwerkhersteller einen besonderen, in einem anderen
         Zusammenhang nicht gegebenen Anreiz zum unmittelbaren Ausschluss seiner Mitbewerber.
      
      295   Die im vorliegenden Teil des Urteils behandelten Auswirkungen des Zusammenschlusses sind keine Konglomerat‑Wirkungen, da sie
         sich aus einer unmittelbaren vertikalen Beziehung zwischen Lieferant und Abnehmer ergeben. Aus der vorstehenden Darlegung,
         insbesondere aus Randnummer 293, geht indessen hervor, dass die These der Kommission in Bezug auf die durch diese Beziehung
         verursachten wettbewerbswidrigen Effekte des Zusammenschlusses von der künftigen Verhaltensweise der neu entstehenden Unternehmenseinheit
         abhängt, ohne die dieser Aspekt der Fusion keine schädlichen Folgen hätte. Die Kommission muss daher aussagekräftige Beweise
         für die Wahrscheinlichkeit dieses Verhaltens erbringen (vgl. entsprechend Urteil Tetra Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr.
         58, und vorstehende Randnrn. 65 f.).
      
      296   Diese Beweise können in bestimmten Fällen aus Wirtschaftsstudien bestehen, die die voraussichtliche Entwicklung der Marktsituation
         aufzeigen und erkennen lassen, dass für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit der Anreiz besteht, sich in bestimmter
         Weise zu verhalten. Wie die Klägerin bemerkt, hat die Kommission derartige Beweise nicht erbracht.
      
      297   Da jedoch im Gemeinschaftsrecht der Grundsatz der freien Beweiswürdigung gilt (vgl. in diesem Sinne Schlussanträge des zum
         Generalanwalt bestellten Richters Vesterdorf zum Urteil des Gerichts vom 24. Oktober 1991 in der Rechtssache T‑1/89, Rhône‑Poulenc/Kommission,
         Slg.1991, II‑867, 869 und 954, sowie die dort zitierte Rechtsprechung), ist das Fehlen eines Beweises dieser Art als solches
         nicht entscheidend. Insbesondere wenn offensichtlich ist, dass das Geschäftsinteresse eines Unternehmens überwiegend ein bestimmtes
         Verhalten erwarten lässt, wie etwa die Ausnutzung einer Möglichkeit zur Störung eines Konkurrenzunternehmens, begeht die Kommission
         keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler mit dem Schluss, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit das erwartete
         Verhalten voraussichtlich in die Tat umsetzen wird. Unter diesen Umständen können die bloßen wirtschaftlichen und geschäftlichen
         Realitäten des Einzelfalls den nach der Rechtsprechung erforderlichen aussagekräftigen Beweis darstellen.
      
      298   Im vorliegenden Fall hat die Kommission, erstens, festgestellt, dass das Angebot für Starter sehr begrenzt ist, wodurch die
         Klägerin und ihre Mitbewerber, insbesondere Rolls‑Royce, weitgehend von Honeywell abhängen, und, zweitens, dass der Zusammenschluss
         eine vertikal integrierte Unternehmensstruktur entstehen lässt, die die Herstellung einer wichtigen Komponente (Starter) mit
         der Herstellung des nachgelagerten Endprodukts verbindet, bei dem bereits eine beherrschende Stellung auf dem Markt vorliegt.
         Aufgrund dieser Marktbedingungen ist die Kommission zu dem Schluss gelangt, dass das Geschäftsinteresse der neuen Unternehmenseinheit
         diese – gegenwärtig abgesehen von etwaigen rechtlichen Verpflichtungen, die sich hierbei auswirken könnten – veranlassen würde,
         ihre Machtposition als in bestimmten Fällen unumgänglicher Lieferant eines preislich verhältnismäßig wenig ins Gewicht fallenden,
         aber für den Betrieb eines Triebwerks wesentlichen Bestandteils zu nutzen, um die Triebwerkherstellung ihrer Mitbewerber zu
         stören.
      
      299   Die einschlägige Analyse der Kommission ist auch ohne Wirtschaftsstudie überzeugend, da klar zu erkennen ist, dass das erwartete
         Verhalten, das der durch den Zusammenschluss entstehenden Unternehmenseinheit eine erhebliche Schädigung der Konkurrenzinteressen
         ermöglicht, im Geschäftsinteresse dieser neuen Einheit liegt. Es ist nämlich unstreitig, dass ein Starter nur einen sehr kleinen
         Teil der Kosten des Triebwerks ausmacht, nämlich 0,2 % nach Angabe der Klägerin in deren Erklärungen zur Streithilfe. Daher
         ist der Gewinn, den die neue Unternehmenseinheit mit dem Starterverkauf an Rolls‑Royce und P & W erzielen könnte, zweifellos
         unbedeutend im Vergleich zu dem Gewinn, der sich zu ihren Gunsten ergäbe, wenn sie ihren Marktanteil bei Triebwerken für große
         Verkehrsflugzeuge zu Lasten der genannten Mitbewerber ausweitet.
      
      300   In diesem Zusammenhang hat die Kommission bei ihrer Untersuchung der Möglichkeit, dass Hamilton Sundstrand seine Starter wieder
         frei verkauft, in der angefochtenen Entscheidung spezifisch dargelegt, dass „[d]ie erwarteten Gewinne auf dem vorgelagerten
         Markt, die mit dem Verkauf von Triebwerksstartern an [Rolls‑Royce] erzielt würden, jedoch kein Ausgleich für den Gewinnverlust
         [wären], den P & W auf dem nachgelagerten Markt für Triebwerke erleiden würde“ (338. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung; vgl. auch 421. Begründungserwägung). Diese schlüssigen kaufmännischen Gesichtspunkte stützen auch die Auffassung
         der Kommission in dem Sinne, dass ein Anreiz für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit besteht, ihre Starterlieferungen
         für Triebwerke großer Verkehrsflugzeuge an ihre Mitbewerber zu beschränken oder zu unterbrechen.
      
      301   Zu der Möglichkeit, dass rechtliche Verpflichtungen aus Verträgen das von der Kommission erwartete Verhalten verhindern, ist
         zunächst festzustellen, dass aus den vorstehend in den Randnummern 290 bis 292 genannten Gründen, insbesondere in Anbetracht
         der in Randnummer 292 erwähnten Nichtbestreitung vor dem Gericht, im vorliegenden Verfahren nicht feststeht, dass vertragliche
         Regelungen, die eine etwaige Verkaufsverweigerung untersagen sollen, das von der Kommission vorausgesehene wettbewerbsschädliche
         Verhalten der neuen Unternehmenseinheit verhindern können.
      
      302   Die Klägerin trägt jedoch weiter, gestützt auf die Erwägungen des Gerichts im nach Erhebung der vorliegenden Klage ergangenen
         Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58), vor, dass die Kommission die Verpflichtungen hätte berücksichtigen
         müssen, die sich für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit aus Artikel 82 EG ergeben (Randnrn. 156 bis 160 des
         Urteils). Nach Ansicht der Klägerin würde – vorausgesetzt, die Analyse der Geschäfts- und Wettbewerbssituation auf dem betreffenden
         Markt wäre zutreffend – das von der Kommission vorausgesehene Verhalten, bei dem die durch die Fusion entstehende Einheit
         aus freien Stücken die Herstellung von Konkurrenztriebwerken stören würde, offensichtlich einen Missbrauch der bereits bestehenden
         beherrschenden Stellung darstellen, die die Kommission bei Triebwerken für große Flugzeuge festgestellt hat. Da die Kommission
         den Abschreckungseffekt nicht geprüft habe, der sich im vorliegenden Fall aus einer etwaigen Anwendung von Artikel 82 ergeben
         könne, sei ihr Untersuchungsergebnis hinsichtlich eines bei der neuen Unternehmenseinheit zu erwartenden Anreizes für ein
         Verhalten der vorausgesehenen Art verfälscht.
      
      303   Wie der Gerichtshof in seinem Urteil Kommission/Tetra Laval (oben zitiert in Randnr. 60, Randnrn. 74 bis 78) im Rechtsmittelverfahren
         festgestellt hat, hat das Gericht im Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) zu Recht angenommen, dass
         die Wahrscheinlichkeit bestimmter künftiger Verhaltensweisen umfassend geprüft werden müsse, d. h. unter Berücksichtigung
         sowohl der Anreize für solche Verhaltensweisen als auch der Faktoren – einschließlich der etwaigen Rechtswidrigkeit der Verhaltensweisen
         –, die diese Anreize verringern oder sogar beseitigen könnten. Der Gerichtshof hat jedoch insbesondere auch festgestellt,
         dass es dem Präventionszweck der Verordnung Nr. 4064/89 widerspräche, wenn verlangt würde, dass die Kommission bei jedem geplanten
         Zusammenschluss prüft, inwieweit die Anreize für ein wettbewerbswidriges Verhalten aufgrund der Rechtswidrigkeit der fraglichen
         Verhaltensweisen sowie der Wahrscheinlichkeit ihrer Entdeckung und ihrer Verfolgung durch die zuständigen Behörden verringert
         oder sogar beseitigt würden (vgl. oben, Randnrn. 72 ff.).
      
      304   Demgemäß muss die Kommission grundsätzlich den gegebenenfalls rechtswidrigen und somit sanktionierbaren Charakter einer Verhaltensweise
         als Faktor berücksichtigen, der die Anreize eines Unternehmens für ein bestimmtes Verhalten verringern oder sogar beseitigen
         kann (vgl. oben, Randnr. 74). Sie muss hingegen nicht dartun, dass das voraussichtliche Verhalten tatsächlich einen bzw. keinen
         Verstoß gegen Artikel 82 EG begründet und dass dieser Verstoß gegebenenfalls festgestellt und geahndet werden kann, sondern
         kann sich auf eine kurz gefasste Analyse anhand der ihr vorliegenden Anhaltspunkte beschränken.
      
      305   Im vorliegenden Fall erwartete die Kommission für Triebwerksstarter Verhaltensweisen, die bezwecken und im Erfolgsfall bewirken,
         dass die beherrschende Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge spezifisch durch eine Schwächung der Mitbewerber
         der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit verstärkt wird. Die betreffenden Verhaltensweisen, d. h. eine Unterbrechung
         der Starterlieferungen an die Mitbewerber oder auch eine Verkaufsverweigerung für diesen Triebwerksbestandteil sowie Preiserhöhungen,
         würden nämlich nur dann eine Wirkung auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge entfalten, wenn sie der Triebwerkherstellung
         der Mitbewerber der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit erheblich schaden. 
      
      306   Hierzu ist zu bemerken, dass eine beherrschende Stellung einem Unternehmen zwar nicht das Recht nimmt, seine eigenen Interessen
         zu wahren, dass indessen aus einer gefestigten Rechtsprechung hervorgeht, dass dies missbräuchlich ist, wenn damit spezifisch
         bezweckt wird, diese beherrschende Stellung zu verstärken und sie zu missbrauchen (Urteil United Brands/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 117, Randnr. 189, und Urteil des Gerichts vom 1. April 1993 in der Rechtssache T‑65/89, BPB Industries und British
         Gypsum/Kommission, Slg. 1993, II‑389, Randnrn. 117 ff.; vgl. auch Urteil des Gerichts vom 8. Oktober 1996 in den verbundenen
         Rechtssachen T‑24/93 bis T‑26/93 und T‑28/93, Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission, Slg. 1996, II‑1201, Randnr.
         149). Somit begründet die Weigerung eines sich in einer beherrschenden Stellung befindlichen Unternehmens, eine wesentliche
         Komponente an die Mitbewerber zu verkaufen, als solche einen Missbrauch dieser Stellung (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes
         vom 6. März 1974 in den verbundenen Rechtssachen 6/73 und 7/73, Istituto Chemioterapico Italiano und Commercial Solvents/Kommission,
         Slg. 1974, 223, Randnr. 25). 
      
      307   Zur Möglichkeit einer Preiserhöhung für die Starter der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit ist zu bemerken, dass
         eine derartige Erhöhung, um sich materiell auf die Wettbewerbsfähigkeit von Rolls‑Royce bei Triebwerken für große Flugzeuge
         auszuwirken, so hoch sein müsste, dass sie in klarer Weise ein missbräuchliches Vorgehen darstelle. So würde etwa eine ohne
         ersichtlichen kaufmännischen Grund vorgenommene 50%ige Preisanhebung für die Starter nur einen 0,1%igen Preisanstieg für ein
         Triebwerk bedeuten und hätte daher praktisch keine Auswirkung auf den Triebwerksmarkt. Würde zudem eine Preisanhebung für
         Starter in nicht diskriminierender Weise vorgenommen, so könnte sie Kunden der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit
         verärgern und der neuen Unternehmenseinheit daher schaden. Sie könnte insbesondere die Beziehungen der neuen Einheit mit den
         Fluggesellschaften beeinträchtigen, da diese Gesellschaften Starter sowohl mittelbar als Flugzeugkäufer als auch unmittelbar
         auf dem Anschlussmarkt beziehen und überdies potenzielle Kunden der durch die Fusion entstehenden Einheit für Triebwerke sowie
         für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse sind. Würde hingegen eine derartige Preisanhebung in diskriminierender Weise
         auf die Mitbewerber der neuen Einheit angewendet, so wäre offensichtlich, dass damit eine Marktabschottung bezweckt wird und
         dies daher einen Missbrauch darstellt.
      
      308   Ebenso würde es die Kunden der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit verärgern, wenn diese nach der Fusion die Belieferung
         allgemein stören würde, und es läge ein klarer Missbrauch vor, wenn diese Störung in diskriminierender Weise, insbesondere
         gegenüber Rolls‑Royce, vorgenommen würde.
      
      309   Aus diesen Erwägungen geht hervor, dass die von der Kommission vorausgesehenen Verhaltensweisen einen Missbrauch einer beherrschenden
         Stellung darstellen können. Je überzeugender im vorliegenden Fall die These der Kommission hinsichtlich der Wirksamkeit der
         in Rede stehenden Verhaltensweisen ist und je klarer somit ein geschäftlicher Anreiz für die Umsetzung dieser Verhaltensweisen
         besteht, umso größer sind die Aussichten, dass sie als wettbewerbswidrig identifiziert werden. Gerade die extremsten von der
         Kommission vorausgesehenen Verhaltensweisen wären nämlich am wirksamsten, um eine Schädigung der Konkurrenzbetriebe zu erreichen,
         und zugleich am meisten dazu geschaffen, sichtbare und offensichtliche Missbräuche der beherrschenden Stellung der durch den
         Zusammenschluss entstehenden Einheit darzustellen und folglich geahndet zu werden.
      
      310   Hierbei steht der Umstand, dass der Missbrauch auf einem bestimmten Markt (hier auf dem Startermarkt) begangen würde, nicht
         der Annahme entgegen, dass es sich bei dem für die Beurteilung des Vorliegens einer beherrschenden Stellung relevanten Markt
         um den damit verbundenen nachgelagerten Markt (hier um den Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge) handelt, da das von
         der Kommission erwartete Verhalten auf dem erstgenannten Markt spezifisch darauf abzielt, die beherrschende Stellung des Unternehmens
         auf dem letztgenannten Markt aufrechtzuerhalten oder zu verstärken (vgl. in diesem Sinne Urteil AKZO/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 115, Randnrn 40 bis 45, und Urteil des Gerichts vom 17. Dezember 2003 in der Rechtssache T‑219/99, British Airways/Kommission,
         Slg. 2003, II‑5917, Randnrn. 270 bis 300).
      
      311   Somit verfügte die Kommission in Anbetracht der Feststellung, dass eine beherrschende Stellung der Klägerin bei Triebwerken
         für große Flugzeuge vor dem Zusammenschluss bestand (vgl. oben, Randnr. 280), zwangsläufig über alle erforderlichen Untersuchungselemente,
         um – ohne deshalb in dieser Hinsicht eine ins Einzelne gehende Untersuchung vornehmen zu müssen – zu beurteilen, inwieweit
         die von ihr erwarteten Verhaltensweisen auf dem Startermarkt Verstöße gegen Artikel 82 EG darstellen und als solche geahndet
         werden könnten. Sie hat daher einen Rechtsfehler begangen, als sie es unterlassen hat, die abschreckende Wirkung zu berücksichtigen,
         die sich daraus für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit ergeben könnte.
      
      312   Zudem hätte die Berücksichtigung dieser abschreckenden Wirkung wohl tatsächlich einen Einfluss auf die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit
         der betreffenden Verhaltensweisen durch die Kommission haben können. Unter diesen Umständen ist es nicht Sache des Gerichts,
         die von der Kommission vorzunehmende Beurteilung durch seine eigene zu ersetzen, indem es festzustellen versucht, was die
         Kommission getan hätte, wenn sie den genannten Abschreckungseffekt des Artikels 82 EG berücksichtigt hätte. Somit ist die
         Analyse der Kommission hinsichtlich dieses Teils der Sache mit einem offensichtlichen Beurteilungsfehler behaftet, da hierbei
         nicht der erhebliche Faktor berücksichtigt wurde, den der Abschreckungseffekt des Artikels 82 EG darstellt.
      
      3.     Schlussfolgerung
      313   Demnach ist der Pfeiler der angefochtenen Entscheidung, der sich darauf stützt, dass die vorbestehende beherrschende Stellung
         der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge durch die vertikale Überschneidung zwischen der Herstellung der genannten
         Triebwerke durch die Klägerin und der Herstellung von Startern für diese Triebwerke durch Honeywell verstärkt wird, rechtlich
         nicht hinreichend dargetan.
      
      314   Somit braucht im vorliegenden Verfahren nicht geprüft zu werden, ob die Kommission zu Recht die von den anmeldenden Parteien
         vorgeschlagene Verpflichtung bezüglich der Starter zurückgewiesen hat.
      
      D –  Zu den Konglomerat‑Wirkungen
      1.     Zur Finanzkraft und vertikalen Integration
      a)     Vorbringen der Parteien
      315   Zu dem Pfeiler der angefochtenen Entscheidung, der sich auf die Finanzkraft und auf die vertikale Integration aufgrund der
         Wirkung von GE Capital – einer GE‑Finanzgesellschaft –, von GECAS und von GE Capital Corporate Avisation Group (GECCAG) –
         einer GE‑Flugzeugleasinggesellschaft – stützt, erklärt die Klägerin, die Kommission weise für keinen Triebwerksmarkt und für
         keinen Markt von Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen nach, dass eine beherrschende Stellung durch diese Gesellschaften
         begründet oder verstärkt werde.
      
       Zur Finanzkraft
      316   Was GE Capital anbelange, so beruhten die Behauptungen der Kommission hinsichtlich der wettbewerbswidrigen Wirkungen der Verbindung
         der angeblichen Finanzkraft dieser Gesellschaft und Honeywells auf keinem rechtlichen, wirtschaftlichen oder sachlichen Grund.
         In Anbetracht des unüblichen Charakters dieser These unter dem Gesichtspunkt einer Wirtschaftsanalyse hätte die Kommission
         ein gründliches rechtliches und wirtschaftliches Untersuchungsergebnis vorlegen müssen.
      
      317   Die Kommission verweist auf die objektiven, in der 107. Begründungserwägung genannten Faktoren, die die beherrschende Stellung
         der Klägerin begünstigten. Sie habe die Klägerin wegen der Kapitalstärke jedoch nicht benachteiligt, sondern diese Finanzkraft
         im spezifischen Rahmen der Luftfahrtindustrie berücksichtigt. Höhe und Dauer der Investitionen in dieser Industrie machten
         die Finanzkapazität zu einem entscheidenden Faktor der Wettbewerbsfähigkeit. Die Finanzierungsmöglichkeiten der Klägerin stünden
         außer jedem Verhältnis zu denjenigen der Mitbewerber dieses Unternehmens.
      
      318   Diese objektiven Faktoren, die bereits vor dem Zusammenschluss insoweit zur beherrschenden Stellung der Klägerin beitrügen,
         als diese Machtposition zur Unterstützung der Geschäfts‑ und Unternehmenspolitik der Klägerin auf den Märkten für Flugzeugtriebwerke
         eingesetzt werden könne, würden die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit dabei unterstützen, eine beherrschende Stellung
         auch auf den Märkten der verschiedenen Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse zu erlangen. 
      
      319   Rockwell gibt dazu an, dass GE Capital als interne Bank und zugleich als Geldgeber für die Kunden der Klägerin diene. Rolls‑Royce
         erklärt, der Kommission mehrere Beispiele dafür geliefert zu haben, dass die Klägerin ihre Finanzkraft genutzt habe, um Alleinaufträge
         für Triebwerke zu erhalten.
      
       Zur vertikalen Integration
      320   Was GECAS und GECCAG anbelangt, so widerspricht die Klägerin der „Share‑Shifting“‑Theorie der Kommission, wonach diese beiden
         Gesellschaften den Kauf von Honeywell‑Erzeugnissen zu Lasten von Konkurrenzprodukten begünstigen würden. Selbst wenn sich
         die Tätigkeit von GECAS vor dem Zusammenschluss bei Triebwerken in dieser Weise ausgewirkt hätte, gebe es keinen Beweis dafür,
         dass dies nach dem Zusammenschluss auch zugunsten von Honeywell geschehen müsste, zumal es sich dabei um andersartige Geschäftsbereiche,
         nämlich Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse, handeln würde. Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung darauf hingewiesen,
         dass die Kommission die Situation nicht Markt für Markt analysiert habe und sich vielmehr auf allgemeine Behauptungen beschränkt
         habe, ohne auf die Unterschiede zwischen diesen Märkten einzugehen. 
      
      321   Die Kommission führt aus, dass GECAS mit einem Anteil von 10 % der größte Abnehmer großer Verkehrsflugzeuge sei und bereits
         zur beherrschenden Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge beitrage.
      
      322   Hinsichtlich der mit der vertikalen Integration verbundenen Auswirkungen in Bezug auf Honeywell verweist die Kommission auf
         die betreffenden Ausführungen in der angefochtenen Entscheidung und vertritt weiter, ebenso wie Rockwell, die Auffassung,
         es sei vorauszusehen, dass die Klägerin ihre Methoden auf die Erzeugnisse von Honeywell ausdehnen werde. Sie macht insbesondere
         darauf aufmerksam, dass SFE‑Erzeugnisse (supplier‑furnished equipment, Herstellerausrüstungen) ausschließlich vom Flugzeughersteller
         ausgewählt würden und eine langfristige Einnahmequelle garantierten. Nach Ansicht der Kommission und Rockwells würde Honeywell
         unmittelbar nach dem Zusammenschluss davon profitieren, dass GE Capital in der Lage ist und den Anreiz bietet, Honeywell‑Erzeugnissen
         mit Hilfe von GECAS Alleinaufträge zu verschaffen.
      
      323   Die Kommission behauptet nicht, dass GECAS ausschließlich „Honeywell‑only“‑Flugzeuge kaufen würde, sondern dass GECAS als
         Hebel verwendet würde, um Flugzeughersteller und Fluggesellschaften zu veranlassen, Honeywell zu wählen oder Honeywell Alleinaufträge
         zu erteilen. Hierbei unterstreicht die Kommission das ungleiche Verhältnis zwischen der durch den Zusammenschluss entstehenden
         Einheit und deren Abnehmern aufgrund des hohen von dieser Einheit zu liefernden Anteils am Flugzeug. Die Kommission und Rockwell
         bemerken, dass die Mitbewerber von Honeywell zusehends abgedrängt würden und gezwungen wären, auf Marktnischen auszuweichen,
         in denen Honeywell nicht präsent sei.
      
      324   In Bezug auf GECCAG räumt die Kommission ein, dass das Unternehmen bisher nicht an einer spekulativen Kaufpolitik interessiert
         gewesen sei. Dies würde sich ihres Erachtens radikal ändern, wenn Honeywell nach dem Zusammenschluss als wichtiger Lieferant
         von Ausrüstungen und Erbringer von Dienstleistungen für Geschäftsflugzeuge hinzukäme.
      
       b) Würdigung durch das Gericht
      
       Einleitung
      325   Wie zunächst festzustellen ist, konnte die Kommission aus den vorstehend in den Randnummern 182 ff. dargelegten Gründen zu
         Recht davon ausgehen, dass die Tätigkeit von GECAS und die kommerzielle Hebelwirkung, die sich aus der Machtposition der Klägerin
         aufgrund der Finanzkraft von GE Capital ergibt, zur vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin bei Triebwerken für
         große Verkehrsflugzeuge beitragen.
      
      326   Aus dieser Feststellung geht hingegen, wie die Klägerin zu Recht ausführt, nicht zwangsläufig hervor, dass die durch den Zusammenschluss
         entstehende Einheit nach dem Zusammenschluss den in der Vergangenheit bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge festgestellten
         Maßnahmen entsprechende Praktiken anwenden würde, um ihre Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse in der Weise zu fördern,
         dass auf den Märkten dieser Erzeugnisse eine beherrschende Stellung entstünde oder verstärkt würde.
      
      327   Nach dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58), das der Gerichtshof in dieser Hinsicht mit seinem Urteil
         Kommission/Tetra Laval (oben zitiert in Randnr. 60) bestätigt hat, musste die Kommission nicht nur nachweisen, dass die durch
         den Zusammenschluss entstehende Einheit in der Lage wäre, diese Praktiken auf dem Markt für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse
         umzusetzen, sondern auch anhand aussagekräftiger Beweise dartun, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit diese
         Verhaltensweise wahrscheinlich an den Tag legen wird. Zudem musste die Kommission dartun, dass die fraglichen Praktiken in
         verhältnismäßig kurzer Zeit zumindest auf einigen der betreffenden Märkte für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse eine
         beherrschende Stellung begründen würden (vgl. in diesem Sinne Urteil Tetra Laval/Kommission, oben zitiert in Randnr. 58, Randnrn.
         146 bis 162, in dieser Hinsicht bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes Kommission/Tetra Laval, oben zitiert in Randnr. 60,
         Randnrn. 37 bis 45, sowie oben, Randnrn. 60 ff.). Diese beiden Aspekte der Untersuchung, die die Kommission vornehmen musste,
         werden im Folgenden geprüft.
      
       Zur Wahrscheinlichkeit des von der Kommission erwarteten künftigen Verhaltens
      328   Die These der Kommission bezüglich der aus dem „Share‑Shifting“‑Prozess resultierenden „vertikalen“ Konglomerat‑Wirkungen
         variiert je nachdem, ob es sich zum einen um Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse der SFE‑Standard‑bezogenen Art (supplier‑furnished
         equipment, ausschließlich angebotene Hersteller‑Ausrüstungen) (342. bis 348. Begründungserwägung) oder zum anderen um BFE‑Erzeugnisse
         (buyer‑furnished equipment, Käufer‑Ausrüstungen) oder SFE‑Optionen (zwei oder mehr SFE werden alternativ angeboten) (405.
         bis 411. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung) handelt. SFE‑Standard‑Erzeugnisse werden vom Flugzeughersteller
         endgültig bei der Entwicklung des Flugzeugs ausgewählt, während die endgültige Wahl der BFE‑Komponente und die mindestens
         zwischen zwei vorgewählten Erzeugnissen zu treffende Wahl der SFE‑Options‑Komponente von der Fluggesellschaft bei Auftragserteilung
         vorgenommen werden.
      
      –       Zu den SFE‑Standard‑Erzeugnissen
      329   Hinsichtlich der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse der SFE‑Standard‑bezogenen Art weist die Kommission in der 343.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auf ihr Untersuchungsergebnis hin, wonach die Klägerin in der Lage sei,
         sich die Ausschließlichkeit für die Lieferung ihrer Triebwerke zu sichern. Sie erklärt sodann, dass Honeywell nach der geplanten
         Fusion sofort diese Möglichkeit nutzen könne. Die Kommission führt hierzu weiter aus, dass die Fluggesellschaften bei der
         Wahl der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse relativ unbeteiligt blieben, so dass „für die Flugzeughersteller die Vorteile,
         die sie in Form zusätzlicher Flugzeugkäufe durch GECAS erzielen könnten, stärker ins Gewicht fallen [würden] als die Vorteile
         eines von [der Klägerin] stammenden Angebots“ (344. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      330   In der angefochtenen Entscheidung heißt es: „Durch den Einsatz seiner Finanzkraft und vertikalen Integration (z. B. durch
         Finanzierungen und/oder Bestellungen durch GECAS) wird das aus der Fusion hervorgehende neue Unternehmen in der Lage sein,
         die Auswahl von Honeywell‑Produkten für Hersteller‑Ausrüstungen zu unterstützen und so Mitbewerber daran zu hindern, ihre
         Produkte bei neuen Flugzeugen zu platzieren“ (344. Begründungserwägung). Weiter wird dort ausgeführt: „Ferner wird Honeywell
         … nach der Fusion von [der] Finanzkraft [der Klägerin] und [ihren] Möglichkeiten für eine konzernweite Quersubventionierung
         profitieren können“ (345. Begründungserwägung). Die Kommission erwartet daher, dass die Mitbewerber von Honeywell durch den
         Zusammenschluss erheblich geschwächt werden (347. und 348. Begründungserwägung) und dass die „strategische Nutzung des Marktzugangs
         von GECAS und der Finanzstärke von GE Capital [durch die Klägerin] zur Begünstigung von Honeywell‑Produkten Honeywell zum
         dominierenden Anbieter auf den Märkten für Hersteller‑Ausrüstungen bei Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen werden
         lassen [wird], wo es bereits jetzt vordere Ränge einnimmt“ (346. Begründungserwägung). 
      
      331   Somit hat die Kommission in den vorgenannten Begründungserwägungen dargelegt, dass die durch den Zusammenschluss entstehende
         Einheit in der Lage sein würde, die von den Flugzeugherstellern zu treffende Wahl der SFE‑Komponenten zu beeinflussen und
         die Hersteller zur Wahl der Honeywell‑Erzeugnisse zu veranlassen. Hingegen ist aus ihrer Darlegung des Prozesses, durch den
         die Machtposition der GE‑Tochtergesellschaften ihres Erachtens eine beherrschende Stellung der Fusionseinheit entstehen lässt,
         nicht ersichtlich, aus welchen Gründen das „strategische“ Verhalten der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit, das
         diese Folgen mit sich bringen soll, mit hinreichender Wahrscheinlichkeit voraussehbar ist.
      
      332   Es oblag der Kommission jedoch, diese Wahrscheinlichkeit anhand aussagekräftiger Beweise darzutun. Da es sich darum handelte,
         vor dem Gericht darzutun, wie sich die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit infolge der Fusion auf Märkten verhalten
         würde, auf denen vor dem Zusammenschluss keine Möglichkeit eines Verhaltens der von der Kommission vorausgesehenen Art bestanden
         hatte, können solche Beweise grundsätzlich nicht ausschließlich aus Faktoren bestehen, die sich auf frühere Verhaltensweisen
         beziehen. Folglich kann die Analyse der Kommission, die vorstehend hinsichtlich der Rolle von GECAS und GE Capital im Geschäftsbereich
         der Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge für richtig befunden wurde, nicht ausreichen, um dem vorgenannten Erfordernis gerecht
         zu werden, wenngleich sie dazu beitragen kann.
      
      333   Somit bestünden aussagekräftige Beweise grundsätzlich aus Unterlagen mit dem Nachweis der festen Absicht der Unternehmensleitung
         der Klägerin und/oder Honeywells, die Machtposition von GECAS und GE Capital nach dem Zusammenschluss auch im Geschäftsfeld
         der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse in der Weise geschäftlich zu nutzen, die vorstehend in Bezug auf Triebwerke
         für große Verkehrsflugzeuge beschrieben wurde, oder aus einer Wirtschaftsanalyse, aus der hervorgeht, dass eine derartige
         Verhaltensweise objektiv im Geschäftsinteresse der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit liegen würde. Da die Kommission
         keine Anhaltspunkte dafür vorgetragen hat, dass die genannte Absicht besteht, die Praktiken der Klägerin im Segment der Triebwerke
         nach dem Zusammenschluss auf den Bereich der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse zu übertragen, ist zu prüfen, ob die
         angefochtene Entscheidung aufzeigt, dass eine derartige Übertragung im Geschäftsinteresse der durch den Zusammenschluss entstehenden
         Einheit liegen würde.
      
      334   Die Klägerin macht hierzu geltend, dass es nicht im Geschäftsinteresse der Fusionseinheit liegen würde, bei den Flugzeugherstellern
         darauf zu drängen, dass diese SFE‑Avionikprodukte und sonstige SFE‑Erzeugnisse des ehemaligen Unternehmens Honeywell auswählten.
         Es bestehe ein enormer Preisunterschied zwischen den von der Klägerin hergestellten Triebwerken für große Regional‑ und Verkehrsflugzeuge
         zum einen und den jeweiligen Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen zum anderen. Folglich läge es nicht im Geschäftsinteresse
         der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit, die Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse in der genannten Weise zu
         fördern.
      
      335   Die Kommission stellt in der Wirtschaftsanalyse der angefochtenen Entscheidung fest, dass ein bestimmter Wettbewerb bei Triebwerken
         für große Verkehrsflugzeuge besteht. Sie hat insbesondere bei der Darlegung der Ausschreibung für den Antrieb der Boeing‑B777X
         darauf hingewiesen, dass die Klägerin durch […] in der Lage gewesen sei, die Triebwerkwahl von Boeing zu beeinflussen (vgl.
         oben, Randnrn. 205 ff.)
      
      336   In diesem Zusammenhang war es für die Feststellung des Vorliegens einer vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin
         wichtig, dass diese zu einem bestimmten kurzfristigen geschäftlichen Opfer in der Lage war, um den Auftrag für ihr Triebwerk
         zu erhalten. Die betreffenden Praktiken beinhalten oder können beinhalten, dass für die Klägerin zumindest kurzfristig bestimmte
         Kosten entstehen, die im Fall der B777X in […] zu sehen waren. Derartige Kosten können sich durch die künftigen Einnahmen
         aus dem Anschlussmarkt nach der Triebwerklieferung rechtfertigen.
      
      337   Im vorliegenden Kontext kann nur dann davon ausgegangen werden, dass der Zusammenschluss potenziell einen Einfluss auf die
         Marktsituation für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse hat, wenn die neue Unternehmenseinheit die Flugzeughersteller
         veranlassen würde, Erzeugnisse des ehemaligen Honeywell‑Unternehmens insoweit zu wählen, als sie es ohne einen derartigen
         Geschäftsdruck nicht getan hätten. Da, wie bereits dargelegt, für die Klägerin bestimmte „Geschäfts‑Kosten“ mit dem Erhalt
         des Alleinauftrags für die Lieferung des Triebwerks für B777X verbunden waren, ist nicht auszuschließen, dass ein Flugzeughersteller
         verlangen könnte […], wenn die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit auch auf der Wahl ihrer SFE‑Avionikprodukte und
         sonstigen SFE‑Erzeugnisse bestehen würde, was die Kommission jedoch nicht ins Auge gefasst hat. Es ist indessen nicht sicher,
         dass diese Kosten durch künftige zusätzliche Einkünfte gedeckt würden. Die Kommission konnte jedenfalls nicht davon ausgehen,
         dass in diesem angenommenen Fall für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit keine zusätzlichen Kosten entstehen
         würden.
      
      338   Demnach wäre eine Übertragung der fraglichen Praktiken auf den Geschäftsbereich der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse
         der SFE‑Standard‑bezogenen Art nach dem Zusammenschluss nur dann als sinnvolles Geschäftsgebaren anzusehen, wenn die daraus
         für die neue Unternehmenseinheit erzielbaren Einnahmen die genannten gegebenenfalls anfallenden Kosten ausgleichen würden.
         Die Kommission konnte daher ihre Prognose, wonach die neue Unternehmenseinheit die in Rede stehenden Praktiken auf die Märkte
         für die Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse übertragen würde, nicht als selbstverständlich zwangsläufige Fortentwicklung
         betrachten.
      
      339   Somit hat die Kommission in Ermangelung wirtschaftlicher Studien für einen zumindest auf angemessenen Schätzungen beruhenden
         Vergleich der genannten Kosten und Einnahmen nicht festgestellt, welche geschäftlichen Folgen sich voraussichtlich aus einer
         derartigen Übertragung der GE‑Praktiken ergeben würden. Die angefochtene Entscheidung beantwortet weder die Frage, ob mit
         einer von der neuen Unternehmenseinheit verlangten Wahl ihrer SFE‑Erzeugnisse zusätzliche Geschäftskosten für sie verbunden
         wären, noch dementsprechend die Frage, ob die Einkünfte aus der Wahl ihrer Erzeugnisse durch die Flugzeughersteller diese
         etwaigen Kosten ausgleichen würden. Ohne diese Angaben lässt sich unter den hier gegebenen Umständen nicht feststellen, ob
         die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit sich dazu entschließen würde, die fraglichen Praktiken im Fall der Fusion
         auf die Märkte für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse der SFE‑Standard‑bezogenen Art zu übertragen.
      
      340   Die Kommission hat daher nicht auf der Grundlage aussagekräftiger Beweise und mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen,
         dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit die Marktstärke von GECAS und die aus der Position von GE Capital erwachsende
         Finanzkraft der Unternehmensgruppe nutzen würde, um künftig die SFE‑Avionikprodukte und sonstigen SFE‑Erzeugnisse des ehemaligen
         Honeywell‑Unternehmens zu fördern.
      
      –       Zu den BFE‑Erzeugnissen und SFE‑Options‑Erzeugnissen
      341   Bei Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen der BFE‑ und SFE‑Options‑bezogenen Art wird nach Ansicht der Kommission „auch
         die Verbindung von Honeywell mit der Finanzkraft und vertikalen Integration [der Klägerin] bei Finanzdienstleistungen, Flugzeugeinkauf
         und ‑leasing sowie auf den Anschlussmärkten zur abschottenden Auswirkung beitragen, wie sie bereits für Hersteller‑Ausrüstungen
         bei diesen Produkten beschrieben wurde“ (405. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission führt ferner
         aus: „Des Weiteren wird [die Klägerin] auch motiviert sein, den derzeitigen Trend bei Flugzeugherstellern, Käufer‑ gegen Hersteller‑Ausrüstungen
         auszutauschen, noch zu unterstützen, da [sie] später versuchen könnte, unter Anwendung der an anderer Stelle bereits beschriebenen
         Geschäftspraktiken hier Alleinlieferverträge zu erhalten“ (408. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      342   Nach Ansicht der Kommission „wird Honeywell in diesem Segment die Möglichkeiten von GE Capital zur Sicherung von Alleinverträgen
         bei Fluggesellschaften (siehe das Beispiel Continental Airlines) und von GECAS durch die Ausweitung seiner ‚Nur‑GE‘‑Politik
         auf Honeywell für sich nutzen können“ (406. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Weiter heißt es in der angefochtenen
         Entscheidung: „Für Honeywells Käufer‑Ausrüstungen wird [die] Palette von Produkten und Dienstleistungen [der Klägerin] auch
         von Vorteil sein … wenn es darum geht … die Komponenten von Wettbewerbern bei Auswechselungen, Auf‑ und Nachrüstungen mittels
         GECAS` Möglichkeiten zur Begünstigung von GE‑Produkten bei den Fluggesellschaften auszustechen“ (407. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      343   Die Kommission schließt daraus: „Somit gelangt Honeywell durch [den] strategischen Einsatz [der Klägerin] von GECAS und der
         Finanzkraft von GE Capital in die Position des marktbeherrschenden Anbieters von Käufer‑Ausrüstungen bei Avionikprodukten
         und sonstigen Erzeugnissen, wo es bereits führend ist“, wobei die Kommission einen zunehmenden Rückzug der konkurrierenden
         Hersteller vom Markt voraussieht (409. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      344   Zur Darlegung in der vorstehenden Randnummer 341 bezüglich auch der auch für BFE‑Erzeugnisse anzunehmenden Gültigkeit der
         bereits bei der Analyse der Marktsituation für SFE‑Avionikprodukte und sonstige SFE‑Erzeugnisse getroffenen Feststellungen
         ist zu bemerken, dass die letztgenannte Analyse vorstehend bereits als unzureichend angesehen wurde. Da BFE‑ und SFE‑Options‑Erzeugnisse
         bei den Fluggesellschaften abgesetzt werden, während die Bezieher von SFE‑Standard‑Erzeugnissen die Flugzeughersteller sind,
         kann ohnehin nicht für beide Fälle dieselbe kaufmännische Logik gelten. Was die Möglichkeit anbelangt, dass die durch den
         Zusammenschluss entstehende Einheit eine Ausweitung der SFE‑Gruppe fördert, so verliert diese Annahme, selbst wenn sie richtig
         wäre, durch die Zurückweisung der Ansicht der Kommission zu den SFE‑Erzeugnissen ihre Bedeutung.
      
      345   Bei den vorstehend in Randnummer 342 wiedergegebenen Begründungserwägungen, die spezifisch die Märkte für BFE‑ und SFE‑Options‑Erzeugnisse
         betreffen, konnte die Kommission zu Recht annehmen, dass GECAS nach dem Zusammenschluss in hohem Maß die Erzeugnisse des ehemaligen
         Honeywell‑Unternehmens bevorzugen würde, da beide Gesellschaften dann derselben Unternehmensgruppe angehören würden. Die Klägerin
         macht zu Recht geltend, dass diese Präferenz nicht absolut sein könne, da Honeywell nicht alle für ein Flugzeug erforderliche
         Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse der BFE‑ und SFE‑Options‑bezogenen Art herstelle, so dass kein Flugzeug „Honeywell‑only“
         sein könne. Dieses Argument entkräftet jedoch nicht die Auffassung der Kommission, da die Vorzugspolitik von GECAS, um wirksam
         zu sein, nicht unbedingt in dem von der Klägerin genannten Sinne absolut zu sein braucht, sofern GECAS systematisch die Erzeugnisse
         des ehemaligen Unternehmens Honeywell auswählt, wenn die Möglichkeit dafür besteht.
      
      346   Andererseits führt die Kommission in der 396. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, dass die Fusionsparteien
         im Verwaltungsverfahren geltend gemacht hätten, dass sich durch den geplanten Zusammenschluss kaum etwas am Kaufverhalten
         von GECAS ändern würde, da […] wegen einer Vereinbarung […]. Die Kommission widerspricht diesem Argument der Klägerin in der
         397. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, da der Zusammenschluss die betreffende Vereinbarung „aufnehme“ und
         der Zusammenschluss entgegen dieser Vereinbarung daher eine strukturelle Veränderung des Marktes bewirke. Sie stellt ferner
         fest, dass die Vereinbarung […]. Zudem bemerkt sie, dass […] (396. Begründungserwägung).
      
      347   Die von der Kommission genannten Faktoren stellen zwar eine teilweise Erwiderung auf das Vorbringen der Fusionsparteien dar,
         die Existenz der in Rede stehenden Vereinbarung schwächt indessen die These der Kommission in Bezug auf die BFE‑Erzeugnisse
         erheblich. Wenn infolge der Fusion nur wenige zusätzliche Verkäufe von BFE‑ und SFE‑Options‑Erzeugnissen aufgrund der Präferenzpolitik
         von GECAS getätigt würden, so zeigt dies ungeachtet der dafür verantwortlichen rechtlichen oder kommerziellen Gründe, dass
         sich der Zusammenschluss nur geringfügig auf die betreffenden Märkte auswirken würde.
      
      348   Ohne […] könnte, wie Rockwell im Streithilfeschriftsatz ausgeführt hat, davon ausgegangen werden, dass wegen der natürlichen
         Übertragung der Präferenz von GECAS für in der GE‑Unternehmensgruppe hergestellte Erzeugnisse der Erwerb von Honeywell durch
         die Klägerin automatisch zu einem zirka 5%igen Anstieg des Honeywell‑Anteils an einem BFE‑Erzeugnis führen würde, wenn der
         Anteil dieses Unternehmens an dem genannten Erzeugnis bereits 50 % betragen hat, da GECAS rund 10 % aller Flugzeugkäufe tätigt.
      
      349   Die Existenz der Vereinbarung jedoch […].
      350   Somit hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht beurteilt, inwieweit […]. Diese Unterlassung beeinträchtigt
         die Stichhaltigkeit ihrer Erwägungen bezüglich der genannten Erzeugnisse, und zwar auch in Bezug auf die Möglichkeit, dass
         GECAS bei den Fluggesellschaften die „Saat auslegt“ für BFE‑ und SFE‑Options‑Erzeugnisse des ehemaligen Unternehmens Honeywell.
      
      351   Zudem räumt die Kommission in der 410. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ein, dass bei BFE‑Erzeugnissen Kundenpräferenzen
         und Standardisierungseffekte bestehen. Ihres Erachtens ist dies jedoch nicht ausschlaggebend, denn „wegen ihrer begrenzten
         Gewinnspannen können die Fluggesellschaften keine kommerziellen Angebote ablehnen, die kurzfristige Kosteneinsparungen bedeuten“.
         In der genannten Begründungserwägung heißt es weiter: „Für Fluggesellschaften besitzen kurzfristige Kosteneinsparungen einen
         höheren Stellenwert als die Möglichkeit einer längerfristigen Schwächung des Wettbewerbs.“ Die Kommission erbringt keinen
         Nachweis für ihre Behauptung hinsichtlich des finanziellen Engpasses der Fluggesellschaften. Zudem trägt sie keine konkreten
         Anhaltspunkte vor, um ihre Auffassung zu untermauern, dass Präferenzen und durch Standardisierung der BFE‑Komponenten in der
         Flotte einer Fluggesellschaft bedingte Kostenreduzierungen bei der Wahl von BFE‑Erzeugnissen weniger wichtig seien als „kurzfristige
         Kosteneinsparungen“ durch die Kauf‑ oder Leasingbedingungen, die nach Ansicht der Kommission von GECAS geboten würden. Ohne
         eine wirtschaftliche Bewertung oder zumindest eine Schätzung des Vorteils, den diese Bedingungen darstellen, kann indessen
         nicht beurteilt werden, ob die Auffassung der Kommission in dieser Hinsicht plausibel ist.
      
      352   Somit beruht die Auffassung der Kommission ebenso wie bei den SFE‑Standard‑Erzeugnissen darauf, dass GECAS den Fluggesellschaften
         günstige Bedingungen anbietet, um sie zum Erwerb von Flugzeugen mit einer BFE‑Ausrüstung der Fusionseinheit zu bewegen, die
         sie nicht ausgewählt hätten, wenn sie frei hätten wählen können. Wird ein derartiger Anreiz geboten, so können damit bestimmte
         „Kosten“ für die Fusionseinheit verbunden sein, da eine Fluggesellschaft eine Ausrüstung oder gegebenenfalls ein bereits von
         GECAS gekauftes Flugzeug mit dieser Ausrüstung grundsätzlich nur dann akzeptieren wird, wenn das Gesamtangebot der Fusionseinheit
         so vorteilhaft ist, dass diese Wahl im Geschäftsinteresse der Fluggesellschaft liegt.
      
      353   Da die Kommission festgestellt hat, dass Präferenzen der Fluggesellschaften für bestimmte Erzeugnisse bestehen, müsste die
         durch den Zusammenschluss entstehende Einheit nämlich in diesem Fall das Hindernis überwinden, dass eine Fluggesellschaft
         die Erzeugnisse eines anderen Herstellers von Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen vorzieht. Es ist möglich, dass die
         anfallenden Kosten geringfügig sind im Verhältnis zu den Einnahmen, die die Fusionseinheit durch den Verkauf der betreffenden
         BFE‑Komponenten erzielt, so dass diese Praxis für die Fusionseinheit sinnvoll wäre, die Kommission musste diese Frage unter
         den gegebenen Umständen jedoch prüfen.
      
       Zur Begründung künftiger beherrschender Stellungen auf den Märkten für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse
      354   Könnte im Gegensatz zu dem vorstehenden Untersuchungsergebnis angenommen werden, dass die Kommission rechtlich hinreichend
         dargetan hat, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit die Machtposition ihrer Tochtergesellschaften auf den
         Märkten für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse nutzen würde, so müsste sie zudem aufzeigen, dass dies eine beherrschende
         Stellung auf den betreffenden Märkten begründen würde. Die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung vertretene
         Auffassung besteht nämlich darin, dass Honeywell auf diesen Märkten führend gewesen sei, ohne indessen vor dem Zusammenschluss
         eine beherrschende Stellung innegehabt zu haben, dass aber durch den Zusammenschluss die Marktstärke des Unternehmens so sehr
         gesteigert würde, dass es dadurch eine beherrschende Stellung erlangte (241. bis 243. und 341. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung). Hierbei geht die Kommission in der angefochtenen Entscheidung davon aus, dass für jedes Avionikprodukt und
         sonstige Erzeugnisse ein gesonderter Markt besteht (242. Begründungserwägung und Fußnote 89), wobei sie je Avionikprodukt
         weiter zwischen dem Markt für große Verkehrsflugzeuge zum einen und dem Markt für Regional‑ und Geschäftsflugzeuge zum anderen
         unterscheidet (231. Begründungserwägung).
      
      355   Die Analyse der Kommission bezüglich der Machtposition der Tochtergesellschaften der durch den Zusammenschluss entstehenden
         Einheit berücksichtigt nicht die im Verhältnis zu den jeweiligen Flugzeugkategorien bestehenden Unterschiede zwischen den
         Tätigkeiten der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaften. Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung festgestellt,
         dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss eine beherrschende Stellung bei Triebwerken für große Flugzeuge und für große Regionalflugzeuge
         innehatte und auch auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge präsent war und dass GECAS große Verkehrs‑ und Regionalflugzeuge
         zu spekulativen Zwecken erwarb, die angefochtene Entscheidung enthält jedoch keine Angaben zu etwaigen Tätigkeiten dieser
         Unternehmen im Geschäftsbereich kleiner Regionalflugzeuge. Eine andere Tochtergesellschaft der Klägerin, nämlich GECCAG, die
         keine Flugzeuge zu spekulativen Zwecken erwarb, war als Käufer auf dem Markt für Geschäftsflugzeuge aktiv.
      
      356   Somit wäre etwa der Einfluss, den GECAS bei Avionikprodukten für Regional‑ und Geschäftsflugzeuge ausüben könnte, dadurch
         stark vermindert, dass das Unternehmen Flugzeuge grundsätzlich nur in einem der drei betreffenden Segmente kauft, nämlich
         im Bereich der großen Regionalflugzeuge. Da die Kommission diese verschiedenen Parameter im Hinblick auf die unterschiedlichen
         relevanten Märkte, und die Gründe, die diese Parameter infolge des Zusammenschlusses verändern könnten, nicht berücksichtigt
         hat, ist von ihr nicht rechtlich hinreichend nachgewiesen worden, dass auf diesen Märkten beherrschende Stellungen begründet
         würden.
      
      357   Zudem hat die Kommission in der 239. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung eine Unterscheidung vorgenommen zwischen
         SFE‑Standard‑Erzeugnissen, die vom Flugzeughersteller endgültig ausgewählt werden, und SFE‑Options‑Erzeugnissen, die vom Flugzeughersteller
         zugelassen werden, wobei die Endauswahl zwischen zwei oder auch drei verfügbaren Modellen von der Fluggesellschaft getroffen
         wird, sie hat indessen in der angefochtenen Entscheidung nicht angegeben, welche der dort geprüften SFE‑Avionikprodukte jeweils
         unter eine dieser beiden Gruppen fallen. Wie bereits dargelegt, ist jedoch die von der Kommission durchgeführte Analyse des
         Vorgangs, durch den sich der Einfluss der Tochtergesellschaften der Klägerin auswirken kann, sehr unterschiedlich, je nachdem,
         ob die endgültige Wahl des Avionikprodukts durch den Flugzeughersteller oder durch die Fluggesellschaft erfolgt (vgl. oben,
         Randnr. 328). Somit geht aus der angefochtenen Entscheidung nicht hervor, unter welchen Teil der Analyse der Kommission der
         jeweilige Markt für ein spezifisches SFE‑Erzeugnis fällt.
      
      358   Ebenso hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht angegeben, welche der geprüften sonstigen Erzeugnisse jeweils
         als SFE‑, SFE‑Options‑ oder BFE‑Ausrüstung verkauft werden. Auch hierbei lässt sich anhand der angefochtenen Entscheidung
         nicht feststellen, welcher Teil der Analyse der Kommission einen Markt für ein spezifisches Erzeugnis betrifft.
      
      359   Die Kommission und Rockwell haben in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts für die in Rede stehenden Avionikprodukte
         und sonstigen Erzeugnisse jeweils angegeben, ob sie unter die SFE‑Standard‑ oder SFE‑Options‑Gruppe oder, soweit es sich um
         die sonstigen Erzeugnisse handelt, unter die BFE‑Gruppe fallen. Würde das Gericht indessen die genannten Antworten verwerten,
         um diese Erzeugnisse auf die drei vorerwähnten Gruppen aufzuteilen und so zu bestimmen, welcher Kunde das Erzeugnis auswählt
         und welcher Teil der Analyse der Kommission somit darauf Anwendung findet, so würde dies über die Grenzen einer bloßen Auslegung
         der angefochtenen Entscheidung hinausgehen und bedeuten, dass das Gericht die Begründung an Stelle der Kommission vornimmt.
      
      360   Die in der vorstehenden Randnummer genannten Antworten der Kommission und von Rockwell lassen gleichwohl erkennen, dass nicht
         immer offensichtlich ist, welcher Produktgruppe (SFE‑Standard, SFE‑Option oder BFE) ein Erzeugnis jeweils zuzuordnen ist,
         da bei bestimmten Erzeugnissen Unterschiede zwischen den beiden Antworten vorliegen. Aus ihnen geht auch hervor, dass manche
         Avionikprodukte und vor allem sonstige Erzeugnisse Mischkomponenten sind, die je nach Flugzeugtyp zuweilen als SFE‑Standard
         und zuweilen als SFE‑Option abgesetzt werden. Daher sind die Angaben, die in der Entscheidung in Bezug auf die Zuordnung der
         einzelnen Erzeugnisse fehlen, selbst für Luftfahrtspezialisten nicht offenkundig.
      
      361   Ferner ist festzustellen, dass die Kommission die betreffenden Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse in der 245. bis 275.
         Begründungserwägung jeweils sehr kurz dargelegt hat. Sie hat im Wesentlichen je Erzeugnis dessen Art, die verschiedenen Hersteller
         und deren Marktanteil auf den beiden Märkten angegeben, die sich bei den Avionikprodukten nach der Größe des mit dem Produkt
         ausgerüsteten Flugzeugs bestimmen.
      
      362   Weder diese in der Entscheidung enthaltenen spezifischen Beschreibungen des jeweils vor dem Zusammenschluss bestehenden Marktes
         noch die allgemeinen vorstehend analysierten Darlegungen zur Nutzung der Marktstärke der Tochtergesellschaften der Klägerin
         auf den SFE‑Standard‑Märkten zum einen und den SFE‑Options‑ und BFE‑Märkten zum anderen lassen erkennen, wie sich dieser Aspekt
         des Zusammenschlusses auf den jeweiligen relevanten Märkten voraussichtlich auswirken würde. Aus der angefochtenen Entscheidung
         geht nämlich hervor, dass die Wettbewerbslage auf den jeweiligen Märkten unterschiedlich ist, wobei die entsprechende Position
         der Wettbewerber und selbst deren Präsenz je Markt variieren.
      
      363   Somit hat die Kommission rechtlich nicht hinreichend dargetan, dass die in der angefochtenen Entscheidung ins Auge gefassten
         Praktiken, selbst wenn sie in die Tat umgesetzt würden, eine beherrschende Stellung auf einem oder mehreren der betreffenden
         Märkte und umso weniger in der Gesamtheit dieser Märkte begründen würden.
      
       Ergebnis 
      364   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Kommission nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan hat,
         dass die durch die Fusion entstehende Einheit nach dem Zusammenschluss auf die Märkte der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse
         die Praktiken übertragen würde, die die Kommission auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge festgestellt hat und
         die darin bestehen, dass die auf die GE Capital beruhende Finanzkraft der GE‑Unternehmensgruppe und die auf die Flugzeugkäufe
         von GECAS zurückzuführende kommerzielle Hebelwirkung genutzt werden, um den Absatz der Klägerin zu fördern. Die Kommission
         hat zudem nicht in geeigneter Weise nachgewiesen, dass diese Praktiken, selbst wenn sie in die Tat umgesetzt würden, voraussichtlich
         beherrschende Stellungen auf den verschiedenen Märkten der betreffenden Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse begründen
         würden. Demnach ist der Kommission ein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie angenommen hat, dass die Finanzkraft
         und die vertikale Integration der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit zur Begründung oder Verstärkung beherrschender
         Stellungen auf den Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse führen würden.
      
      365   Somit braucht nicht geprüft zu werden, wie die Kommission auf die Zusagen hinsichtlich dieses Aspekts des vorliegenden Falles,
         insbesondere im Hinblick auf die Verpflichtung für das künftige Verhalten von GECAS, eingegangen ist.
      
      2.     Zum Verkauf von Produktpaketen
      a)     Vorbringen der Parteien
       Vorbemerkungen
      366   Die Klägerin erklärt zu dem Pfeiler der Erwägungen der Kommission, der darauf beruht, dass die durch die Fusion entstehende
         Einheit fähig und veranlasst wäre, Produktpakete zu verkaufen, dass diese Auffassung weder durch sachliche Nachweise noch
         wirtschaftswissenschaftlich gestützt werde.
      
      367   Nach Ansicht der Klägerin ist, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Auswirkungen, zwischen verschiedenen Arten von Paketabschlüssen
         zu unterscheiden, nämlich der „Mischbündelung“ (mixed bundling), der „reinen Bündelung“ (pure bundling) und der „technischen
         Bündelung“ (technical bundling).
      
      368   Reine und technische Bündelungen, die ein beherrschendes Unternehmen vornehme, würden, so führt die Klägerin aus, allgemein
         als wettbewerbswidrig angesehen, da das Unternehmen den Bezug von Waren oder Dienstleistungen eines Marktes, auf dem es eine
         starke Position einnehme (Verbindungsmarkt), aus rein kommerziellen Gründen und ohne finanziellen Gegenwert bzw. aus technischen
         Gründen an den Bezug von Waren oder Dienstleistungen eines weiteren Marktes (verbundener Markt) koppele.
      
      369   Hingegen würden Mischbündelungen, bei denen der Erwerb von Produktpaketen eine Senkung des Gesamtpreises bewirke, allgemein
         als wettbewerbsfördernd angesehen. Mischbündelungen könnten ausnahmsweise nur dann wettbewerbswidrig sein, wenn sie zur Verdrängung
         oder dauerhaften Abdrängung der Mitbewerber führten. Um solche Auswirkungen festzustellen, müsse jedoch eine eingehende Wirtschaftsanalyse
         vorgenommen werden.
      
      370   Die Kommission habe, so führt die Klägerin aus, in der Klagebeantwortung eine neue Theorie für die Konglomerat‑Wirkungen aufgestellt,
         indem sie eine „Hebelwirkung“ (leveraging) ins Feld führe, die eine strategische Nutzung der Machtposition auf einem Markt
         ermögliche, um die Mitbewerber auf einem anderen Markt zu verdrängen. Selbst wenn diese Theorie mit Feststellungen in der
         angefochtenen Entscheidung in Zusammenhang gebracht werden könnte, wäre es nicht möglich, sie vor dem Gericht geltend zu machen,
         da sie nicht in der Mitteilung der Beschwerdepunkte enthalten sei.
      
      371   Die in der Mitteilung der Beschwerdepunke vorgetragene Theorie bezüglich der Paketabschlüsse, die auf dem Choi‑Modell beruhe,
         falle hingegen nicht unter die Nutzung einer Hebelwirkung. Zudem behandle die angefochtene Entscheidung nicht, oder zumindest
         nicht angemessen, die mögliche Nutzung einer Hebelwirkung, enthalte hingegen eine Analyse der erwarteten wettbewerbswidrigen
         Auswirkungen, die nur unter dem Choi‑Modell erklärbar seien, obwohl dieses Modell angeblich nicht mehr verwendet werde.
      
      372   Zudem werde die Kampfpreispolitik in der angefochtenen Entscheidung nicht erwähnt, und die Kommission habe nicht nachgewiesen,
         dass die Klägerin zu dieser Politik veranlasst würde. Die Kommission habe auch nicht erklärt, inwiefern die in der angefochtenen
         Entscheidung enthaltenen Verweise auf angebliche wettbewerbswidrige Auswirkungen von Quersubventionierungen begründet seien.
         
      
      373   Die Kommission, Rolls‑Royce und Rockwell führen aus, dass die angefochtene Entscheidung überzeugende Beweise für den Verkauf
         von Produktpaketen und für die entsprechenden neuen Möglichkeiten der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit enthalte.
      
      374   Die Kommission legt die wichtigsten Merkmale der relevanten Märkte dar, die zeigten, dass die neue Unternehmenseinheit veranlasst
         und fähig sein werde, den Wettbewerb zu verdrängen. Zu diesen Merkmalen gehörten insbesondere die Marktanteile beider Fusionsparteien,
         der komplementäre Charakter der Flugzeugtriebwerke und der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse, die hohen Zutrittsschranken
         der betreffenden Märkte, die hohen Forschungs‑ und Entwicklungskosten, die langen Rentabilitätsfristen und das Fehlen eines
         Ausgleichsvermögens der Abnehmer oder eines erheblichen Geschäftsdrucks der Mitbewerber.
      
      375   Dank der Kombination einer großen Palette einander ergänzender Erzeugnisse könne die durch den Zusammenschluss entstehende
         Einheit durch Quersubventionierungen diskriminierende Preisnachlässe gegenüber Kunden gewähren, die sich für den Erwerb der
         vollständigen Palette entschieden. Dies könne sich kurzfristig günstig auf die Preise auswirken, führe aber mittel‑ und langfristig
         zur Verdrängung der Mitbewerber.
      
      376   Die Kommission erklärt, sie habe während des gesamten Verfahrens bedacht, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit
         im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern fähig und veranlasst sein werde, Produktpakete zu verkaufen, indem sie Preisnachlässe für
         von Pauschalangeboten erfasste GE‑ und Honeywell‑Erzeugnisse einräume. Dieses Untersuchungsergebnis sei nicht neu, da die
         genannte Problematik bereits im Mittelpunkt der Erörterungen vor der Anmeldung des Zusammenschlusses gestanden habe. Die Kommission
         und Rolls‑Royce betonen, dass die Theorie der Hebelwirkung bereits in der angefochtenen Entscheidung zu finden sei (415. Begründungserwägung).
      
      377   Die Kommission betont ferner, dass der Verkauf von Produktpaketen nur vorübergehend zu Preissenkungen bei bestimmten Produktverbindungen
         führe, da sich insbesondere kein größerer Effizienzgewinn aus dem Zusammenschluss ergebe. Letztlich verdränge dieses Vorgehen
         den Wettbewerb durch Vorteilnahme auf mehreren Märkten.
      
      378   Die angefochtene Entscheidung bezeichne in klarer Weise die verschiedenen Arten des Verkaufs von Produktpaketen. Die durch
         den Zusammenschluss entstehende Einheit sei in der Lage, ihre Marktstärke, ihre Finanzkraft und ihre Palette einander ergänzender
         Erzeugnisse insbesondere durch Quersubventionierung zu nutzen.
      
       Zum Vorliegen von Paketabschlüssen mit reiner oder technischer Bündelung
      379   Die Klägerin führt aus, die Kommission erwähne zwar zu Beginn ihrer Analyse in der angefochtenen Entscheidung den Verkauf
         von Produktpaketen mit reiner und technischer Bündelung, später beziehe sie sich jedoch nicht mehr auf die reine Bündelung
         und erwähne nur zweimal die technische Bündelung, ohne jedoch sachliche oder wirtschaftliche Beweise für deren Vorliegen vorzutragen.
      
      380   Was das Konzept des MEE‑Motors (More Electrical Engine) anbelange, so sei zu bemerken, dass dieses Beispiel nicht in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte enthalten sei und dieses Konzept sehr hypothetisch bleibe. Das von Rockwell genannte Beispiel des Avioniksystems
         Primus Epic betreffe nicht den Zusammenschluss und sei in der angefochtenen Entscheidung nicht berücksichtigt worden.
      
      381   Die Kommission trägt vor, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit in der Lage sei, den Verkauf von Avionikprodukten
         und sonstigen Erzeugnissen von Honeywell vom Verkauf von GE‑Triebwerken und umgekehrt abhängig zu machen und somit eine reine
         Produktbündelung vorzunehmen. Sie betont hierbei, dass der Zusammenschluss zu einer einzigartigen Angebotskonzentration führen
         würde, und verweist in diesem Zusammenhang auf den Bodenabstandsmelder EGPWS (Enhances Ground Proximity Warning System) von
         Honeywell. Rockwell nennt zwei Produktbeispiele, um die Integrationskapazität von Honeywell und die Verwendung geschlossener
         Schnittstellen durch dieses Unternehmen zu erläutern. Rockwell erwähnt weiter das Primus‑Epic‑System von Honeywell als Beispiel
         für den Verkauf von Produktpaketen durch dieses Unternehmen.
      
      382   Die Kommission weist darauf hin, dass nach Maßgabe der angefochtenen Entscheidung noch keine effektive Integration von Triebwerken
         und anderen Systemen erfolgt sei. Das MEE‑Konzept verdeutliche indessen die Integrationskapazität von Honeywell und die Bedeutung
         dieses Unternehmens als unabhängiger Anbieter für die Entwicklung dieses Konzepts.
      
       Zum Vorliegen von Paketabschlüssen mit Mischbündelung
      383   Da der Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung, so führt die Klägerin aus, allgemein als günstig für den Wettbewerb
         angesehen werde, müsse die Kommission zum einen nachweisen, dass die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit tatsächlich
         auf diese Praxis zurückgreife und zum anderen, dass dadurch die Mitbewerber effektiv verdrängt oder abgedrängt würden. Die
         angefochtene Entscheidung lasse jedoch weder das eine noch das andere erkennen.
      
      384   Die Klägerin betont, die Kommission erkläre ausdrücklich, es sei nicht erforderlich, das eine oder andere vorgetragene Modell
         heranzuziehen, um zu dem Schluss zu gelangen, dass die Paketangebote, die die neue Unternehmenseinheit nach der Fusion unterbreiten
         könne, zur Verdrängung der Mitbewerber auf den Märkten der Triebwerke und Avionikprodukte sowie sonstigen Erzeugnisse führen
         würde (352. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission habe insbesondere auf das Modell Choi verzichtet.
         Indem die Kommission zu verstehen gegeben habe, dass kein Wirtschaftsmodell erforderlich sei, um ihre Schlussfolgerungen zu
         stützen, habe sie in Wahrheit die von der Klägerin vorgetragenen auf den Arbeiten der Professoren Nalebuff, Rey und Shapiro
         beruhenden Beweise verkannt, obwohl diese begründet seien.
      
      385   Die Stellungnahmen der Streithelferinnen zu den nicht strategischen Verkäufen von Produktpaketen seien überdies unvereinbar
         mit dem Standpunkt der Kommission, wonach das statische Modell Choi zurückzuweisen sei. Die nachträgliche Begründung der angefochtenen
         Entscheidung durch die Theorie eines strategischen Verhaltens sei als unzulässig zurückzuweisen, da sie nicht in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte enthalten gewesen sei, die ausschließlich auf dem Modell Choi beruht habe (Urteil Schneider Electric/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 40). Zudem handele die Kommission missbräuchlich, wenn sie die Marktanteile von CFMI mit ihrer Theorie
         des Verkaufs von Produktpaketen mit Mischbündelung verbinde, da es nicht im Interesse von Snecma liege, eine Preispolitik
         zugunsten von Honeywell‑Erzeugnissen gutzuheißen.
      
      386   Jedenfalls seien die Voraussetzungen für die Nutzung einer Hebelwirkung nicht nachgewiesen worden, mag es sich dabei um Verkäufe
         von Produktpaketen mit Mischbündelung, um zusätzliche Theorien für eine Quersubventionierung oder um Kampfpreise handeln.
         Die Kommission habe nämlich die betreffenden Märkte nicht analysiert und auch nicht berücksichtigt, dass der Wert der Triebwerke
         weit über den Wert der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse hinausgehe und dass Verkäufe von Produktpaketen mit Mischbündelung
         nicht möglich seien, wenn zwischen dem Lieferanten und dem Flugzeughersteller bereits eine Vereinbarung bestehe, nach der
         Letzterer ein bestimmtes Erzeugnis zu einem Festpreis kaufen müsse.
      
      387   Ebenso fehlten genaue Angaben zu einem Auftreten von Konglomerat‑Wirkungen in absehbarer Zeit. Ferner habe die Kommission
         in dieser Hinsicht nicht der abschreckenden Wirkung des Artikels 82 EG Rechnung getragen.
      
      388   Die Klägerin macht weiter in ihrer Stellungnahme zu den Streithilfeschriftsätzen geltend, dass die Kommission selbst unter
         der Voraussetzung, dass ihre Theorie hinsichtlich des strategischen Verhaltens (Hebelwirkung) zulässig wäre, keine der im
         Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) festgelegten Voraussetzungen beachtet habe. 
      
      389   Das einzige in der angefochtenen Entscheidung (368. Begründungserwägung) gebrachte Beispiel für eine Mischbündelung von Triebwerken
         mit anderen Komponenten bestehe in einem Angebot von Honeywell für einen Flugzeugtyp eines Herstellers. Die Kommission habe
         in diesem Fall jedoch nicht von Preisnachlässen gesprochen. Zudem habe dieser Hersteller das Angebot von Honeywell für zusätzliche
         Systeme abgelehnt, was verdeutliche, dass die Flugzeughersteller die Möglichkeit hätten, Angebote verschiedener Lieferanten
         zu kombinieren.
      
      390   Die Kommission weist darauf hin, dass die ihr unterbreiteten Wirtschaftsmodelle umstritten gewesen seien. Sie habe außer ihrer
         eigenen Analyse das Modell Choi beurteilt und dieses in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragen, um eine Konfrontation
         zu ermöglichen. Sie habe sich nicht auf dieses Modell stützen können, da es vertrauliche bezifferte Angaben enthalten habe,
         die sie den Fusionsparteien nicht habe mitteilen können. Sie habe das Modell Choi weder angenommen noch abgelehnt, das nur
         zur Feststellung der Anreize für eine kurzfristige Gewinnoptimierung zugrunde gelegt worden sei. Sie wolle im Übrigen von
         diesem Modell Abstand nehmen, da es weder die strategische Absicht der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit noch
         die vorbestehende beherrschende Situation berücksichtige. Diese fehlende Berücksichtigung eines strategischen Verhaltens sei
         indessen sowohl bei dem Modell Choi als auch bei dem Modell Nalebuff festzustellen, die beide nur eine statische Sichtweise
         erkennen ließen. Beide Modelle prüften die Frage, ob Verkäufe von Produktpaketen eine kurzfristige Gewinnsteigerung für ein
         Unternehmen mit sich brächten und die Gewinne seiner Mitbewerber schmälerten, so dass es veranlasst werde, in dieser Weise
         vorzugehen.
      
      391   Verkäufe von Produktpaketen seien für die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit auch bei einer dynamischen Betrachtung
         von Interesse, selbst wenn damit ein kurzfristiges Gewinnopfer verbunden sei. Die Kommission und Rockwell führen aus, die
         neue Unternehmenseinheit habe in Anbetracht des Wertes der Triebwerke eine unvergleichliche Möglichkeit, Quersubventionierungen
         als Ausdruck eines strategischen Vorgehens zu praktizieren. Die Kommission bemerkt zudem, dass die neue Unternehmenseinheit
         effektiv in der Lage und daran interessiert wäre, Kampfpreise zu bieten. Eine derartige Praxis sei in der 369. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung erwähnt worden.
      
      392   Die Kommission erklärt, sie habe in der angefochtenen Entscheidung geprüft, ob die Merkmale des betreffenden Sektors Abschottungsmaßnahmen
         wie Verkäufe von Produktpaketen möglich und gewinnbringend machten. Diese Merkmale zeigten, dass es der Klägerin möglich wäre,
         ihre beherrschenden Stellungen bei Triebwerken auf die Machtpositionen von Honeywell bei Triebwerken für Geschäftsflugzeuge
         und Avionikprodukten sowie sonstigen Erzeugnissen auszudehnen. Die Kommission sei nie von dieser anerkannten Wirtschaftstheorie
         abgewichen.
      
      393   Sie habe in der angefochtenen Entscheidung, vor allem in der 359. bis 386. Begründungserwägung, auf die im Shapiro‑Gutachten
         enthaltenen Einwände erwidert, indem sie sich insbesondere auf frühere Beispiele gestützt habe. Somit habe sie den Standpunkt
         der Parteien vollständig analysiert.
      
      394   Rolls‑Royce führt aus, dass die Theorie des Verkaufs von Produktpaketen nicht neu sei und dass die Kommission sie bereits
         verwendet habe. Trotz der mangelnden Klarheit der Kritik der Klägerin an dem gewählten Wirtschaftsmodell lasse das Gutachten
         von Frontier Economics erkennen, dass die Kommission mit den Modellen Choi und Nalebuff im Einklang stehe, dass diese Modelle
         selbst miteinander übereinstimmten und, schließlich, dass sich die Kommission auf hinreichende empirische Nachweise gestützt
         habe.
      
      395   Die Kommission erklärt zudem, sie habe der Entscheidung AlliedSignal/Honeywell in vollem Maß Rechnung getragen, doch könnten
         die Schlussfolgerungen dieser Entscheidung nicht einfach auf den vorliegenden Fall übertragen werden, der durch die Machtposition
         der Klägerin und die Skala der betroffenen Erzeugnisse gekennzeichnet sei.
      
      396   Nach Ansicht von Rolls‑Royce ist die Tendenz zum Verkauf von Produktpaketen in dem betreffenden Bereich durchaus nachgewiesen,
         und zudem schaffe der Zusammenschluss neue Gelegenheiten und Anreize in dieser Hinsicht.
      
      397   Zum mangelnden Kausalzusammenhang zwischen der vorgeworfenen Praxis und dem Zusammenschluss bemerkt die Kommission, dass die
         Wirkung dieser Praxis mit der Fusion durch die danach erreichte Produktpalette und durch die Machtposition der Klägerin verstärkt
         werde. Die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit wäre dank ihrer beherrschenden Stellungen auf den Triebwerksmärkten
         in der Lage, diese Machtposition auf die Märkte der komplementären Erzeugnisse von Honeywell auszudehnen, bei denen sie noch
         nicht beherrschend sei, und ihre Mitbewerber zu verdrängen. Die Marktmerkmale erlaubten eine derartige Verdrängung zumindest
         zum Teil.
      
      398   Die Kommission weist überdies auf die Reihe von Beispielen hin, die in der angefochtenen Entscheidung für den Verkauf von
         Produktpaketen genannt würden.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
       Vorbemerkungen
      399   Die Kommission macht in der angefochtenen Entscheidung im Wesentlichen geltend, dass die Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses
         im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern die Möglichkeit hätte, den Kunden für große Verkehrsflugzeuge, große Regionalflugzeuge
         und Geschäftsflugzeuge Produktpakete (packages) anzubieten, die die Triebwerke und zugleich Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse
         umfassten. Sie vertritt ferner die Auffassung, dass dies in klarer Weise im Geschäftsinteresse der Fusionseinheit liege und
         daher voraussichtlich nach dem Zusammenschluss eintreten würde (350. bis 404., 412. bis 416., 432. bis 434., 443. und 444.
         sowie 445. bis 458. Begründungserwägung). Daher entstünde für das ehemalige Unternehmen Honeywell eine beherrschende Stellung
         auf den Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse, und die beherrschenden Stellungen der Klägerin würden insbesondere
         auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge verstärkt (458. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      400   Die These der Kommission beruht darauf, dass die Triebwerke zum einen und die Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse zum
         anderen komplementäre Erzeugnisse seien, da sie alle für den Bau eines Flugzeugs unbedingt benötigt würden. Der Endnutzer,
         nämlich der Betreiber des Flugzeugs, müsse sie folglich alle unmittelbar oder mittelbar vom Hersteller beziehen. Die Kommission
         ist in der angefochtenen Entscheidung davon ausgegangen, dass die Kunden für all diese Erzeugnisse im Wesentlichen dieselben
         seien, so dass sie gebündelt in Form eines Produktpakets abgesetzt werden könnten. Die Kommission weist ferner darauf hin,
         dass die Unternehmensgruppe der Klägerin im Verhältnis zu ihren wichtigsten Mitbewerbern sowohl auf den Triebwerksmärkten
         als auch auf den Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse finanziell sehr stark sei (vgl. in Bezug auf Letztere
         302. bis 304., 323. und 324. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung; vgl. auch Begründungserwägung 398 ff. der
         angefochtenen Entscheidung). Die Fusionseinheit sei daher in der Lage, ihre Gewinnspanne bei Avionikprodukten und sonstigen
         Erzeugnissen zu reduzieren, um ihren Marktanteil zu erhöhen und künftig größere Gewinne zu erzielen.
      
      401   Vorab ist festzustellen, dass das erwartete künftige Verhalten der Fusionseinheit einen unverzichtbaren Faktor der von der
         Kommission vorzunehmenden Analyse des Verkaufs von Produktpaketen darstellt. Da nämlich die Klägerin vor dem Zusammenschluss
         nicht auf den Märkten der Avionikprodukte und der sonstigen Erzeugnisse tätig war und Honeywell vor dem Zusammenschluss ebenso
         wenig auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge präsent war, würde der Zusammenschluss keine wettbewerbswidrigen
         Auswirkungen horizontaler Art auf den genannten Märkten mit sich bringen. Somit würde sich der Zusammenschluss grundsätzlich
         nicht auf diesen Märkten auswirken. 
      
      402   Ferner ist hinsichtlich der von der Kommission in der 443. und 444. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung vertretenen
         Auffassung, dass sich der Verkauf von Produktpaketen auf den Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge auswirken würde, festzustellen,
         dass sich der betreffende Marktanteil der Klägerin vor dem Zusammenschluss bezogen auf den Triebwerksbestand nur auf [10 bis
         20] % belief, während der entsprechende Anteil von Honeywell bei [40 bis 50] % lag, bei noch hergestellten Flugzeugen betrug
         der genannte Marktanteil der Klägerin nur [0 bis 10] % im Vergleich zu [40 bis 50] % für Honeywell (88. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung). Selbst wenn also anzunehmen wäre, dass die Fusionseinheit nachweislich nach dem Zusammenschluss
         Triebwerke und Avionikprodukte sowie sonstige Erzeugnisse gebündelt in Form von Produktpaketen verkaufen würde, wäre – abgesehen
         von den wenigen Fällen, in denen das ehemalige Unternehmen GE das Triebwerk herstellt – kein ursächlicher Zusammenhang zwischen
         dem Zusammenschluss und derartigen Paketangeboten gegeben. Zudem geht aus der angefochtenen Entscheidung nicht hervor, dass
         eine der beiden Fusionsparteien Triebwerke für kleine Regionalflugzeuge herstellt. Folglich könnten etwaige Paketabschlüsse
         der Fusionseinheit für Regionalflugzeuge ohnehin nur große Flugzeuge dieser Art betreffen. 
      
      403   Die Kommission ist in der angefochtenen Entscheidung davon ausgegangen, dass es einen einzigen Markt je Avionikprodukt für
         alle Regional‑ und Geschäftsflugzeuge und einen einzigen Markt je sonstiges Erzeugnis für alle Flugzeuge, einschließlich großer
         Verkehrsflugzeuge, gibt. Somit können ihre Erwägungen zur Begründung beherrschender Stellungen auf den Märkten der verschiedenen
         Avionikprodukte durch den Verkauf von Produktpaketen nicht in Bezug auf den jeweiligen Markt der verschiedenen Avionikprodukte
         für Geschäfts- und Regionalflugzeuge gelten. Der Verkauf von Produktpaketen dank des Zusammenschlusses – vorausgesetzt, er
         findet tatsächlich nach der Fusion statt – kann sich nämlich nur auf einen Teil dieser Märkte beziehen, und zwar auf den Markt
         für große Regionalflugzeuge. Ebenso wird die Darlegung der Kommission, allerdings in geringerem Maß, in Bezug auf die sonstigen
         Erzeugnisse abgeschwächt, für die die Kommission ungeachtet der Größe und der sonstigen Merkmale des belieferten Flugzeugs
         einen einzigen Markt je spezifisches Erzeugnis definiert hat.
      
      404   Folglich kann grundsätzlich die These der Kommission bezüglich des Verkaufs von Produktpaketen möglicherweise im Segment der
         großen Verkehrsflugzeuge gebilligt werden, für die die Kommission sowohl für Triebwerke als auch für die einzelnen Avionikprodukte
         unterschiedliche Märkte definiert hat. 
      
      405   Hinsichtlich der etwaigen Auswirkung des Zusammenschlusses auf die Triebwerksmärkte für große Verkehrsflugzeuge und große
         Regionalflugzeuge sowie auf die Märkte der Avionikprodukte für große Verkehrsflugzeuge und auf die Märkte der sonstigen Erzeugnisse
         ist zu prüfen, ob die Kommission nachgewiesen hat, dass die Fusionseinheit nicht nur materiell in der Lage wäre, die in der
         angefochtenen Entscheidung beschriebene Praxis der Paketabschlüsse durchzuführen, sondern auch unter Zugrundelegung aussagekräftiger
         Beweise diese Praxis voraussichtlich infolge des Zusammenschlusses anwenden würde, so dass eine beherrschende Stellung auf
         einem oder mehreren relevanten Märkten in absehbarer Zeit begründet oder verstärkt würde (Urteil Tetra Laval/Kommission, oben
         zitiert in Randnr. 58, Randnrn.146 bis 162).
      
      406   Ferner ist, wie die Klägerin zu Recht bemerkt, bei einem Verkauf von Produktpaketen zwischen drei Formen zu unterscheiden,
         nämlich zwischen der reinen Bündelung (pure bundling) – sie verpflichtet aus rein geschäftlichen Gründen zum gleichzeitigen
         Bezug zweier oder mehrerer Erzeugnisse –, der technischen Bündelung (technical bundling) – hierbei ist die Warenverbindung
         aufgrund einer technischen Integration der Erzeugnisse erforderlich – und der Mischbündelung (mixed bundling) – es werden
         mehrere Erzeugnisse zusammen zu günstigeren Bedingungen verkauft als im Fall eines Einzelbezugs. Die Analyse der Kommission
         hinsichtlich dieser drei einzelnen Formen wird nachstehend in drei getrennten Abschnitten geprüft. Zunächst sind jedoch bestimmte
         praktische Beschränkungen zu prüfen, die die Erwägungen der Kommission zu den Paketabschlüssen im Ganzen betreffen und sich
         aus der angefochtenen Entscheidung ergeben.
      
       Zum Verkauf von Produktpaketen im Allgemeinen
      407   Ein praktisches Problem hinsichtlich der Analyse der Paketabschlüsse durch die Kommission ist darin zu sehen, dass der Endnutzer
         der verschiedenen Triebwerke, Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse nicht immer derselbe ist.
      
      408   Wird vom Flugzeughersteller ein einziges Triebwerk ausgesucht, so dass es für das Flugzeug nur eine Bezugquelle gibt (sole
         source platform), so ist dieser Hersteller im Grunde der Kunde des Triebwerkfabrikanten; dies gilt auch für die Avionikprodukte
         und sonstigen Erzeugnisse der SFE‑Standard‑bezogenen Art. In diesem Fall besteht die Entscheidung der Fluggesellschaft von
         vornherein nur darin, ob sie das Flugzeug kaufen soll oder nicht.
      
      409   Lässt der Flugzeughersteller indessen mehrere Triebwerke für sein Flugzeug zu, wobei es sich also um ein Flugzeug mit Alternativbezug
         handelt (multi‑source platform), so wählt die Fluggesellschaft eines der verfügbaren Triebwerke aus, wie sie es auch bei Avionikprodukten
         und sonstigen Erzeugnissen der BFE‑ und SFE‑Options‑bezogenen Art tut. Demgemäß ist ein Verkauf von Produktpaketen von vornherein
         gegenüber dem Flugzeughersteller nur zwischen GE‑Triebwerken und SFE‑Standard‑Erzeugnissen von Honeywell bei Flugzeugen mit
         „Alleinbezugsquelle“ und gegenüber einer Fluggesellschaft nur zwischen GE‑Triebwerken und BFE/SFE‑Options‑Erzeugnissen von
         Honeywell bei Flugzeugen mit „Alternativbezug“ möglich.
      
      410   Somit ist ein Verkauf von Produktpaketen mit reiner Bündelung grundsätzlich nur in den vorgenannten Fällen möglich, so dass
         ein derartiger Verkauf ausgeschlossen ist, wenn das Triebwerk und das betreffende Avionikprodukt oder sonstige Erzeugnis nicht
         vom gleichen Kunden ausgesucht werden.
      
      411   Was die Verkaufsförderung von Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen der SFE‑Standard‑bezogenen Art bei Flugzeugen mit
         Alternativbezug durch Paketabschlüsse mit Mischbündelung anbelangt, so enthält die angefochtene Entscheidung keine Prüfung
         des vorstehend in Randnummer 408 festgestellten Problems. Die Kommission erklärt in der 349. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung lediglich: „Aufgrund der Komplementarität der Produktangebote [der Klägerin] und [von] Honeywell sowie ihrer
         jeweiligen Marktpositionen wird das neue Unternehmen in der Lage und aus wirtschaftlicher Sicht daran interessiert sein, Produkte
         zu bündeln oder Verkäufe an beide Kundengruppen durch Quersubventionierungen zu stützen“, wobei sie im Übrigen auf ihre Analyse
         der SFE‑Options‑ und BFE‑Erzeugnisse unter der Begründungserwägung 350 ff. verweist.
      
      412   Wenn die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit ihre BFE‑ oder SFE‑Options‑Erzeugnisse bei Flugzeugen mit Alleinbezugsquelle
         durch den Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung fördern will, ergeben sich ebenfalls Schwierigkeiten, da die neue
         Unternehmenseinheit gegenüber dem Flugzeughersteller grundsätzlich verpflichtet sein wird, ihr Triebwerk zu einem Festpreis
         zu liefern, und zwar unabhängig davon, wie die Wahl der Fluggesellschaft für BFE‑Avionikprodukte und sonstige BFE‑Erzeugnisse
         ausfällt.
      
      413   Nach der 391. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung schließt zwar ein im Voraus festgelegter Preis für ein Triebwerk
         nicht jede Möglichkeit eines Verkaufs von Produktpaketen mit Mischbündelung aus, diese Möglichkeit ist jedoch in dem genannten
         Fall, wenn die Bündelung das Triebwerk einschließt, erheblich eingeschränkt, so dass sie die neue Unternehmenseinheit weniger
         leicht nutzen kann.
      
      414   Die Fusionsparteien haben im Verwaltungsverfahren auch auf praktische Probleme hingewiesen, die sich daraus ergeben würden,
         dass das Triebwerk im Entwicklungsprozess eines neuen Flugzeugs grundsätzlich früher ausgewählt werde als die Avionikprodukte
         und sonstigen Erzeugnisse, selbst wenn es sich bei diesen um SFE‑Komponenten handele (vgl. 371. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung). In Erwiderung auf diese Kritik nennt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung Beispiele von Fällen,
         in denen die Triebwerke und die Avionikprodukte oder sonstigen Erzeugnisse mehr oder weniger zur gleichen Zeit ausgewählt
         worden seien (372. Begründungserwägung), wobei sie zu dem Schluss gelangt, dass „also nicht behauptet werden [kann], dass
         das Systemauswahlverfahren nicht an eine Frist angepasst werden kann, die eine Bündelung ermögliche“ (373. Begründungserwägung).
      
      415   Aus dieser Darlegung der Kommission in der angefochtenen Entscheidung, die die Klägerin vor dem Gericht nicht spezifisch in
         Frage gestellt hat, ergibt sich, dass der Verkauf von Produktpaketen nicht durch die Fristen für die Auswahl der verschiedenen
         Erzeugnisse unmöglich gemacht wird. Das fragliche Geschäftsgebaren entspricht indessen nicht ohne weiteres der üblichen Funktionsweise
         der betreffenden Märkte, so dass ein Unternehmen, das derartige Abschlüsse bei seinen Kunden durchsetzen will, zusätzliche
         geschäftliche Anstrengungen unternehmen muss.
      
      416   Wenngleich diese praktischen Probleme Verkäufe von Produktpaketen nicht unmöglich machen, so erschweren sie doch deren Durchführung,
         die dadurch weniger wahrscheinlich wird.
      
       Zum Verkauf von Produktpaketen mit reiner Bündelung
      417   Bei der reinen Bündelung geht die Kommission davon aus, dass das Triebwerk, ein Avionikprodukt oder ein sonstiges Erzeugnis
         das Bindungsprodukt, also die Komponente darstellen kann, die unbedingt gebraucht wird oder zumindest als erste Wahl anzusehen
         ist und die die Fusionseinheit nicht unabhängig von ihren anderen Erzeugnissen verkaufen würde (351. bis 415. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      418   Wenn eine reine Bündelung aus den vorstehend, insbesondere in den Randnummern 408 bis 410, genannten Gründen nur denkbar ist,
         sofern die Kunden für jedes Erzeugnis die gleichen sind, so ist darüber hinaus festzustellen, dass die Möglichkeit des Verkaufs
         von Produktpaketen mit reiner Bündelung sehr eingeschränkt ist, wenn es sich um ein Flugzeug mit „Alternativbezug“ für den
         Antrieb handelt und die betreffenden Avionikprodukte BFE‑ oder SFE‑Options‑Erzeugnisse sind. Eine Fluggesellschaft könnte
         nämlich nur dann unter Umständen zum Kauf eines BFE‑Avionikprodukts oder sonstigen BFE‑Erzeugnisses bei der Fusionseinheit
         gezwungen sein, wenn sie aus technischen oder anderen Gründen eine ausgesprochene Präferenz für das Triebwerk der durch den
         Zusammenschluss entstehenden Einheit hätte. Die Kommission hat jedoch in der angefochtenen Entscheidung nicht konkret geprüft,
         bei welchen Flugzeugen und/oder spezifischen Erzeugnissen sich eine derartige Geschäftspolitik als wirksam erweisen könnte.
         
      
      419   In diesem Zusammenhang ist auch auf das vorstehend, insbesondere in Randnummer 362, festgestellte Fehlen einer Analyse der
         Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die einzelnen von der Kommission definierten Märkte der Avionikprodukte und sonstigen
         Erzeugnisse hinzuweisen. Da die Präferenzen für ein Erzeugnis zumeist relativ, also nicht absolut sind, wäre es zudem bei
         einer derartigen Prüfung erforderlich gewesen, auch den etwaigen abträglichen geschäftlichen Folgen solcher Paketabschlüsse
         mit reiner Bündelung in dem Sinne Rechnung zu tragen, dass dadurch ein Käufer für das Triebwerk der Fusionseinheit trotz seiner
         – vielleicht leichten – Präferenz für dieses Triebwerk unter Umständen abgeschreckt wird. Da die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung keine eingehende Untersuchung dieser Art vorgenommen hat, hat sie nicht aufgezeigt, dass die Praxis der reinen
         Bündelung für die Fusionseinheit denkbar wäre, wenn deren Triebwerke für ein Flugzeug mit Alternativbezug das Bindungsprodukt
         darstellen würden.
      
      420   Zur etwaigen Koppelung des Verkaufs eines im Alleinauftrag für ein Flugzeug zu liefernden Triebwerks mit dem Verkauf von SFE‑Avionikprodukten
         und sonstigen SFE‑Erzeugnissen hat die Kommission kein konkretes Beispiel für die Funktionsweise des von ihr erwarteten künftigen
         Verhaltens gebracht. Auch hier fehlt eine spezifische Marktanalyse, um ihren Erwägungen die Genauigkeit zu verleihen, die
         erforderlich ist, um die daraus gezogenen Schlüsse zu stützen. Die Kommission hat bei ihrer Feststellung, dass eine beherrschende
         Stellung auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge vorliegt, nicht bestritten, dass noch ein restlicher Wettbewerb
         auf diesem Markt verbleibt, so dass ein von der Fusionseinheit auf den Flugzeughersteller ausgeübter „Zwang“ zur Wahl von
         SFE‑Avionikprodukten oder sonstigen SFE‑Erzeugnissen für die neue Unternehmenseinheit abträgliche geschäftliche Folgen haben
         könnte, da der Flugzeughersteller in bestimmten Fällen veranlasst sein könnte, sich für ein Konkurrenzerzeugnis zu entscheiden.
         Da die Kommission diese Möglichkeit in der angefochtenen Entscheidung nicht geprüft hat, hat sie nicht dargetan, dass Paketabschlüsse
         mit reiner Bündelung es ermöglichen würden, SFE‑Erzeugnisse zur Ausstattung großer Verkehrsflugzeuge abzusetzen.
      
      421   Hinsichtlich der Möglichkeit, dass ein Avionikprodukt oder sonstiges Erzeugnis des ehemaligen Unternehmens Honeywell als Bindungsprodukt
         dienen und Kunden zwingen könnte, das Triebwerk der Fusionseinheit zu kaufen, bringt die Kommission in der 415. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung ein einziges mögliches konkretes Beispiel für eine reine Produktbündelung. Sie trägt nämlich
         vor, dass es der Fusionseinheit „beispielsweise möglich [wird], den Verkauf von Produkten, bei denen Honeywell ein Marktmonopol
         hat (z. B. EGPWS), an den [ihrer] Triebwerke zu binden“. Weiter heißt es dort: „Wenn Flugzeuggesellschaften dann diese Produkte
         benötigen, haben sie keine andere Wahl, als das Triebwerk des neuen Unternehmens zu kaufen.“ Bei der Möglichkeit, einen ähnlichen
         Druck auf die Flugzeughersteller auszuüben, ist die Kommission weniger affirmativ, indem sie in der 416. Begründungserwägung
         lediglich erklärt, dass die Klägerin ihre „beherrschende Stellung bei Flugzeugherstellern durch Paketangebote oder Koppelungen
         verstärken [kann]“.
      
      422   Die Auffassung der Kommission setzt voraus, dass die Fusionseinheit zu einer Art geschäftlicher Erpressung gegenüber ihren
         Kunden in der Lage wäre, indem sie sich weigere, ein wesentliches, aber relativ billiges Avionikprodukt zu verkaufen, wenn
         die Kunden nicht bereit sind, die Triebwerke der Fusionseinheit zu kaufen. Wenngleich das Widerstandsvermögen der Kunden gegenüber
         der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge sowohl bei den Flugzeugherstellern als auch bei den Fluggesellschaften
         begrenzt ist (vgl. oben, Randnrn. 274 ff. und 224. bis 228. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung) und diese
         Begrenzung nach dem Zusammenschluss gegenüber der dadurch entstehenden Unternehmenseinheit noch ausgeprägter wäre, hat die
         Kommission nicht dargetan, dass diesen Kunden keinerlei Macht mehr verbliebe, um sich einem derartigen Geschäftsgebaren zu
         widersetzen.
      
      423   In Bezug auf das von der Kommission hierbei speziell erwähnte Erzeugnis EGPWS geht aus der 253. bis 256. Begründungserwägung
         hervor, dass es andere Erzeugnisse gibt, die das Honeywell‑Produkt ersetzen können. Die Kommission führt aus, dass keines
         dieser Erzeugnisse in nennenswertem Umfang abgesetzt worden sei und das sich nach Aussage von Thales eine noch mangelnde Reputation
         des Erzeugnisses dieses Unternehmens als sehr hohe Marktzutrittsschranke erwiesen habe. Würde indessen die Fusionseinheit
         geschäftlich zu dem äußersten Mittel einer reinen Produktbündelung greifen, d. h. in Wahrheit mit einer Verkaufsverweigerung
         drohen, so könnten die Kunden ein anderes, sogar weniger gutes Erzeugnis dem EGPWS des ehemaligen Unternehmens Honeywell vorziehen,
         anstatt ein Triebwerk zu akzeptieren, das nicht ihrer Wahl entspricht. Die Kommission musste diese Möglichkeit jedenfalls
         in Erwägung ziehen. Sie hat insbesondere nicht die Möglichkeit ausgeräumt, dass Kunden das TAWS‑System (Terrain Avoidance
         Warning System) von Universal Avionics wählen, wie es die Fluggesellschaft Airborne im Januar 2001 getan hat, und sich auf
         die Aussage beschränkt, dass sich Universal Avionics laut Rockwell nicht mit dem letztgenannten Unternehmen zusammengetan
         habe, um diesen Auftrag zu erhalten (256. Begründungserwägung). Dies ist ohne Belang für die Frage, ob das Erzeugnis von Universal
         Avionics eine tragbare Alternative zu dem Honeywell‑Erzeugnis darstellen würde.
      
      424   Nach dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58), das der Gerichtshof in dieser Hinsicht im Rechtsmittelverfahren
         mit seinem Urteil Kommission/Tetra Laval (oben zitiert in Randnr. 60) bestätigt hat, musste die Kommission auch berücksichtigen,
         wie sich die potenzielle Abschreckung des in Artikel 82 EG enthaltenen Verbotes der missbräuchlichen Ausnutzung einer beherrschenden
         Stellung auf den relevanten Märkten auswirken könnte. 
      
      425   In Anbetracht des unter kaufmännischem Gesichtspunkt extremen Charakters der vorstehend dargelegten Verhaltensweise, die hier
         für die Durchführung einer auf der reinen Produktbündelung beruhenden Strategie erforderlich wäre, musste die Kommission berücksichtigen,
         wie sich das gemeinschaftsrechtliche Verbot des Missbrauchs einer beherrschenden Stellung auf das Interesse der Fusionseinheit
         an einem derartigen Vorgehen auswirken könnte. Da sie dies unterlassen hat, liegt ein Rechtsfehler der Kommission vor, der
         ihre Analyse verfälscht, die folglich mit einem offensichtlichen Beurteilungsfehler behaftet ist.
      
      426   Demgemäß hat die Kommission rechtlich nicht hinreichend dargetan, dass die durch die Fusion entstehende Einheit infolge des
         Zusammenschlusses zum Verkauf von Produktpaketen mit reiner Bündelung übergehen würde; zudem ist festzustellen, dass die Analyse
         der Kommission in dieser Hinsicht mehrere offensichtliche Beurteilungsfehler aufweist. 
      
       Zum Verkauf von Produktpaketen mit technischer Bündelung
      427   Bei der technischen Bündelung stützt sich die Kommission auf die Integration zwischen den verschiedenen Avionikprodukten und
         auf die künftige Entwicklung des Projekts „Flugzeugtriebwerk mit mehr Elektronik“ (More Electrical Aircraft Engine, 291. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung), wobei sie jedoch einräumt, dass „noch keine effektive Integration von Triebwerk und Systemen
         erfolgt ist“. Sie glaubt, dass es aber im Rahmen dieses Projekts „in naher Zukunft“ dazu kommen dürfte, ohne indessen das
         genannte Programm näher darzulegen oder anzugeben, wann mit dieser Integration zu rechnen ist. Die Kommission stützt sich
         gleichwohl ausschließlich auf die künftige Entwicklung des genannten Projekts und gelangt dabei zu dem Schluss, dass das Ausscheiden
         von Honeywell als potenzieller Innovationspartner die beherrschende Stellung der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         noch verstärken werde (417. und 418. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      428   Diese bloße Erwähnung einer möglichen Entwicklung des Marktes ohne zumindest kurze nähere Darlegung des Projekts, das die
         genannte Entwicklung wahrscheinlich machen soll, genügt nicht, um die betreffende Auffassung der Kommission zu begründen.
      
      429   Nach dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58, Randnrn. 155 ff.), das der Gerichtshof in dieser Hinsicht
         im Rechtsmittelverfahren mit seinem Urteil Kommission/Tetra Laval (oben zitiert in Randnr. 60, Randnrn. 39 ff.) bestätigt
         hat, muss die Kommission für die künftige Entwicklung des Marktes anhand aussagekräftiger Beweise und mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
         für diese Entwicklung nicht nur nachweisen, dass ein etwaiges von ihr vorausgesehenes Verhalten in absehbarer Zeit eintreten
         wird, sondern auch, dass dieses Verhalten in absehbarer Zeit eine beherrschende Stellung begründen oder verstärken wird, was
         sie im vorliegenden Fall nicht getan hat. Das Fehlen einer eingehenden Untersuchung der technischen Verbindungen, die zwischen
         Triebwerken zum einen und Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen zum anderen entstehen könnten, und der voraussichtlichen
         Auswirkung dieser Verbindungen im Hinblick auf die Entwicklung der verschiedenen betroffenen Märkte beeinträchtigt ebenfalls
         die Überzeugungskraft der Auffassung der Kommission. Es genügt nicht, dass die Kommission eine Reihe logischer, jedoch hypothetischer
         Schritte aufzeigt, bei denen sie befürchtet, dass ihre praktische Umsetzung abträgliche Folgen für den Wettbewerb auf einer
         Anzahl verschiedener Märkte mit sich bringen wird. Sie muss vielmehr spezifisch die voraussichtliche Entwicklung jedes Marktes
         untersuchen, für den sie ihres Erachtens die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung infolge des Zusammenschlusses
         aufzeigt, und hierfür aussagekräftige Beweise liefern.
      
      430   Somit hat die Kommission nicht in angemessener Weise dargetan, dass die Fusionseinheit unmittelbar nach dem Zusammenschluss
         oder auch nur in absehbarer Zeit materiell in der Lage wäre, eine Koppelung des Verkaufs ihrer Avionikprodukte und/oder sonstigen
         Erzeugnisse an den Verkauf ihrer Triebwerke mittels technischer Vorkehrungen zu erzwingen.
      
       Zum Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung
      431   Zur Mischbündelung ist vorbehaltlich der Ausführungen über die Kundenidentität in den vorstehenden Randnummern 408 bis 411
         und über die Fristen bei der Bestellung der verschiedenen Komponenten eines Flugzeugs in den Randnummern 414 und 415 festzustellen,
         dass die Fusionseinheit in bestimmten Fällen bei bestimmten Erzeugnissen niedrigere Preise für ein Produktpaket anbieten könnte,
         sofern diese Produkte im Ganzen bezogen werden. Ein Wirtschaftsteilnehmer kann nämlich grundsätzlich stets ein Pauschalangebot
         unterbreiten, das mehrere Erzeugnisse umfasst, die üblicherweise getrennt verkauft werden.
      
      432   Ein derartiges Angebot entfaltet jedoch seinen Wirtschaftseffekt auf dem Markt nur, wenn es die Kunden annehmen und insbesondere
         nicht seine Aufteilung in die einzelnen Bestandteile verlangen. Die Kommission musste daher dartun, dass die Fusionseinheit
         in der Lage wäre, bei ihren Kunden die Angebotsbündelung durchzusetzen. Zudem musste die Kommission, wie vorstehend dargelegt,
         nachweisen, dass die Fusionseinheit diese Bündelungsmöglichkeit voraussichtlich nutzen würde. 
      
      433   Das Gericht hat im Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) die Frage verhältnismäßig streng gefasst, welche
         Nachweise die Kommission erbringen muss, wenn sie bei ihrer Untersuchung davon ausgeht, dass ein Unternehmen künftig ein bestimmtes
         Verhalten an den Tag legen wird, das eine beherrschende Stellung begründet. Es hat nämlich die Auffassung vertreten, dass
         die Kommission „aussagekräftige Beweise“ dafür liefern müsse (vgl. insbesondere Randnrn. 154 ff. des Urteils). Wie der Gerichtshof
         bei der Bestätigung dieses Teils des Urteils im Rechtsmittelverfahren festgestellt hat, hat das Gericht mit der Verwendung
         dieses Begriffes nicht die Beweisanforderungen erhöht, sondern lediglich an die Hauptfunktion des Beweises erinnert, von der
         Richtigkeit einer These oder, wie im vorliegenden Fall, einer Entscheidung im Bereich der Zusammenschlüsse zu überzeugen (Urteil
         Kommission/Tetra Laval, oben zitiert in Randnr. 60, Randnr. 41).
      
      434   Die Kommission hat sich in der angefochtenen Entscheidung im Wesentlichen auf drei verschiedene Überlegungen gestützt, um
         darzutun, dass die Fusionseinheit voraussichtlich in der Tat Mischbündelungen vornehmen würde.
      
      435   Erstens gibt sie zu bedenken, dass bereits früher, insbesondere von Honeywell, ähnliche Praktiken wie die von ihr erwarteten
         auf den relevanten Märkten verwendet worden seien (vgl. insbesondere 361. bis 380. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
         Die Kommission beruft sich hierbei auch auf „Honeywells Stärke bei der Produktintegration“ (289. bis 292. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung) und auf „Honeywells Stärke bei Paketangeboten“ (293. bis 297. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      436   Zweitens macht sie geltend, es gehe aus anerkannten wirtschaftswissenschaftlichen Theorien, insbesondere dem „Cournot‑Effekt“
         (vgl. insbesondere 374. bis 376. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung), hervor, dass die Fusionseinheit wirtschaftlich
         veranlasst wäre, die von der Kommission erwarteten Praktiken einzusetzen, ohne dass es erforderlich sei, sich dabei auf ein
         spezifisches Wirtschaftsmodell zu stützen.
      
      437   Drittens erklärt die Kommission, das strategische Ziel der Fusionseinheit sei der Ausbau ihrer Stärke auf den verschiedenen
         von ihr besetzten Märkten, so dass angesichts dieser Absicht Produktbündelungen für die neue Unternehmenseinheit eine wirtschaftlich
         rationelle Maßnahme und somit ein wahrscheinliches Vorgehen darstellen würden (vgl. insbesondere 353., 379., 391. und 398.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission hat in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts
         in der mündlichen Verhandlung erklärt, sie stütze sich auf das Zusammenwirken des ihres Erachtens aus der Geschäftssituation
         der Klägerin resultierenden Anreizes und der strategischen Wahl der Fusionseinheit.
      
      438   Die drei vorgenannten von der Kommission in diesem Teil der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Überlegungen werden nachstehend
         geprüft.
      
      –       Zur früheren Praxis
      439   Was die frühere Praxis anbelangt, so ist zunächst festzustellen, dass sich die von der Kommission genannten Beispiele im Wesentlichen
         auf Produktbündelungen beziehen, die Honeywell bei Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen vorgenommen haben soll (vgl.
         insbesondere 362. bis 365. und 367. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Selbst wenn anzunehmen wäre, dass
         diese Beispiele rechtlich hinreichend nachgewiesen sind, sind sie kaum relevant, um zu zeigen, dass die durch die Fusion entstehende
         Einheit infolge des Zusammenschlusses voraussichtlich in der Lage wäre, den Verkauf von Triebwerken mit dem Verkauf von Avionikprodukten
         und sonstigen Erzeugnissen zu bündeln, und dass ein geschäftlicher Anreiz hierzu besteht. Es ist nämlich unstreitig, dass
         der Preis des Triebwerks wesentlich höher ist als der Preis der einzelnen Avionik‑ oder sonstigen Komponenten, so dass die
         geschäftliche Dynamik eines Verkaufs von Produktpaketen mit Mischbündelung sehr unterschiedlich ist, je nachdem, ob es sich
         dabei nur um Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse zum einen oder um diese Erzeugnisse und ein Triebwerk zum anderen handelt.
         Somit lässt sich nicht allein anhand von Beispielen für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse nachweisen, dass Mischbündelungen,
         die auch Triebwerke umfassen, für die Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses praktikabel und geschäftlich vorteilhaft
         wären.
      
      440   Das einzige von der Kommission genannte konkrete Beispiel einer Produktbündelung, die ein Triebwerk und zugleich Avionikprodukte/sonstige
         Erzeugnisse umfasst, bezieht sich auf […], also ein Geschäftsflugzeug (vgl. 368. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
         Die Kommission räumt jedoch im letzten Satz der 368. Begründungserwägung selbst ein, dass der betreffende Flugzeughersteller
         […] hat. Somit beweist dieses Beispiel, das die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nennt, nicht, dass Honeywell
         effektiv Produktpakete, die Triebwerke für Geschäftsflugzeuge und Avionikprodukte/sonstige Erzeugnisse umfassen, verkaufen
         konnte. Der Umstand, dass […] widerspricht vielmehr sogar der hierbei von der Kommission vertretenen Auffassung.
      
      441   Die Kommission legt in der 366. und 367. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auch dar, dass umfassendere Produktbündelungen
         von Triebwerken mit Avionikprodukten/sonstigen Erzeugnissen für Honeywell erst in jüngerer Zeit, insbesondere seit der Fusion
         von Honeywell mit AlliedSignal im Jahr 1999, möglich geworden seien. Dies könnte erklären, weshalb die Kommission nur ein
         einziges Beispiel für eine derartige Bündelung finden konnte, dadurch wird jedoch der Mangel an stichhaltigen Beispielen nicht
         behoben, anhand deren das Gericht gegebenenfalls zu dem Schluss gelangen könnte, dass die frühere Praxis für ein ähnliches
         Verhalten in der Zukunft spricht.
      
      442   Zudem besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem Segment der großen Verkehrsflugzeuge, indem der Zusammenschluss der
         Fusionseinheit in Zukunft erstmals Paketabschlüsse ermöglichen würde, und dem Segment der Geschäftsflugzeuge, da Erstere insbesondere
         zuweilen Flugzeuge mit „Alternativbezug“ des Triebwerks sind, wobei die Fluggesellschaft Kunde des Triebwerkherstellers ist,
         während Geschäftsflugzeuge stets „nur eine Bezugsquelle“ aufweisen, wobei der Flugzeughersteller der Kunde ist.
      
      443   Somit bestätigen die von der Kommission vorgetragenen Beispiele für die frühere Praxis von Honeywell nicht, dass die Fusionseinheit
         infolge des Zusammenschlusses voraussichtlich Produktpakete mit Mischbündelung verkaufen würde, die Triebwerke des ehemaligen
         Unternehmens GE zum einen und Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse des früheren Unternehmens Honeywell zum anderen umfassen.
         
      
      –       Zu den Wirtschaftsanalysen
      444   Zu dem zweiten Teil der Erwägungen der Kommission, der die Wirtschaftsmodelle betrifft, bemerkt die Klägerin, dass sich die
         Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte auf das Modell Choi gestützt habe, wonach ein Unternehmen wie die Fusionseinheit
         mit einem umfangreichen Produktsortiment in der Lage wäre und daran interessiert sei, Produktpakete mit Mischbündelung zu
         verkaufen. Die Kommission habe sodann in der angefochtenen Entscheidung von diesem Modell Abstand genommen. Die Kommission
         hat indessen vor dem Gericht erklärt, sie habe dieses Modell weder angenommen noch abgelehnt, und ist der Auffassung, dass
         der für die Fusionseinheit bestehende Anreiz, Produktbündelungen nach dem Zusammenschluss vorzunehmen, ohnehin aus dem Wortlaut
         der angefochtenen Entscheidung hervorgehe (vgl. insbesondere 374. bis 376. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         zu den „Cournot‑Effekten“).
      
      445   Die Kommission hat im Übrigen in der 352. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung erklärt, es sei nicht erforderlich,
         das eine oder andere im Verwaltungsverfahren vorgetragene Modell heranzuziehen. Ferner hat der Anhörungsbeauftragte in seinem
         Bericht festgestellt, dass sich die Kommission in ihrem Entscheidungsentwurf nicht mehr auf das Modell Choi gestützt hat.
      
      446   Zudem hat sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht auf das Modell Choi bezogen, außer indirekt mit der
         in der 352. Begründungserwägung enthaltenen Aussage, dass die verschiedenen „Wirtschaftlichkeitsstudien ... Gegenstand theoretischer
         Auseinandersetzungen, insbesondere im Hinblick auf das Wirtschaftsmodell einer Drittpartei zur Mischbündelung [waren]“. Sie
         hat hingegen, wie die Klägerin feststellt, in der Mitteilung der Beschwerdepunkte den Inhalt des Modells Choi im Einzelnen
         dargelegt und dieses Modell ausdrücklich als Beweis für ihre Auffassung bezüglich des künftigen Verhaltens der Fusionseinheit
         und der daraus entstehenden wirtschaftlichen Folgen herangezogen. Somit hat die Kommission zwar nicht anerkannt, dass das
         Modell Choi keinen Beweiswert besitzt, sie hat sich jedoch in der angefochtenen Entscheidung nicht positiv auf dieses Modell
         berufen. Demnach ist im vorliegenden Verfahren davon auszugehen, dass sich die angefochtene Entscheidung auf kein Wirtschaftsmodell
         stützt, das anhand der spezifischen Gegebenheiten des vorliegenden Falles die voraussichtlichen Folgen des angemeldeten Zusammenschlusses
         analysiert.
      
      447   Daher ist zu prüfen, ob die Kommission ohne ein derartiges Wirtschaftsmodell dargetan hat, dass für die Fusionseinheit infolge
         des Zusammenschlusses ein Anreiz für Mischbündelungen besteht.
      
      448   In der 349. bis 355. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, worin die Kommission darlegt, wie die Produktbündelung
         beherrschende Stellungen auf den Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse begründen würde, beschränkt sie sich
         im Wesentlichen auf die Erklärung der Gründe, weshalb die Fusionseinheit ihres Erachtens infolge des Zusammenschlusses in
         der Lage wäre, Produktpakete zu verkaufen. So beruft sie sich in Bezug auf die FSE‑Standard‑Erzeugnisse darauf, „dass das
         neue Unternehmen den Flugzeugherstellern Paketangebote … unterbreiten kann“ (349. Begründungserwägung). Hinsichtlich der BFE‑
         und SFE‑Options‑Erzeugnisse behauptet sie, dass das neue Unternehmen „Produktpakete [wird] anbieten können, die bis dahin
         noch nicht in dieser Form kombiniert wurden und mit denen kein anderer Anbieter allein mithalten kann“ (350. Begründungserwägung),
         dass es „die Auswahl entsprechender Honeywell‑Erzeugnisse fördern [kann], indem es sie als Teil eines umfassenderen Pakets
         verkauft, das auch Triebwerke und Zusatzleistungen der Klägerin … beinhaltet“ (350. Begründungserwägung), und dass es „seine
         Produktpakete zu Preisen [wird] anbieten können, die die Abnehmer dazu bewegen sollen, den Triebwerken [der Klägerin] und
         den Produkten für Käufer‑Ausrüstungen und Hersteller‑Optionen von Honeywell den Vorzug gegenüber Konkurrenzangeboten zu geben“
         (353. Begründungserwägung). 
      
      449   Soweit sich die Kommission in der 349. bis 355. Begründungserwägung – im Gegensatz zur losen Fähigkeit der Fusionseinheit
         zur Umsetzung derartiger Praktiken – auf den dazu bestehenden Anreiz bezieht, liefert sie keinen Nachweis und kein Untersuchungsergebnis
         für die effektive Wahrscheinlichkeit, dass ein derartiger Anreiz infolge des Zusammenschlusses gegeben ist. So beschränkt
         sich die Kommission in der 349. Begründungserwägung auf die Behauptung, dass „[a]ufgrund der Komplementarität der Produktangebote
         [der Klägerin] und [von] Honeywell sowie ihrer jeweiligen Marktpositionen das neue Unternehmen in der Lage und aus wirtschaftlicher
         Sicht daran interessiert sein [wird], Produkte zu bündeln oder Verkäufe an beide Kundengruppen durch Quersubventionierungen
         zu stützen“, ohne zu erklären, weshalb sie der Auffassung ist, dass diese Umstände genügen, um diesen Anreiz auszulösen. In
         der 354. Begründungserwägung erklärt die Kommission, dass „[d]ie Motivation des neuen Unternehmens zur Bündelung von Produkten
         sich kurz‑ bis mittelfristig ändern [kann], wenn etwa neue Generationen von Flugzeugen und Luftfahrzeugausrüstungen entwickelt
         werden“, ohne indessen darzulegen, auf welchen Gründen diese Motivation beruht und worin ihr Unterschied vor bzw. nach der
         angenommenen Entwicklung besteht.
      
      450   Somit wird durch die Ausführungen in der 349. bis 355. Begründungserwägung nicht dargetan, dass die Fusionseinheit infolge
         des Zusammenschlusses zum Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung veranlasst würde. Die angefochtene Entscheidung enthält
         jedoch weitere Überlegungen der Kommission unter dem Titel „Die Argumente der Parteien in Bezug auf Paketangebote“. Ein Abschnitt
         dieses Kapitels lautet: „Der Cournot‑Effekt der Produktbündelung“. Der „Cournot‑Effekt“ beruht auf einer Wirtschaftstheorie,
         die im Wesentlichen von den Vorteilen ausgeht, die für ein Unternehmen mit einer breiten Warenpalette gegenüber seinen Mitbewerbern
         mit einem begrenzten Sortiment dadurch entstehen, dass es mit Preisnachlässen auf alle Waren dieser Palette und somit einer
         geringeren Gewinnspanne je Ware gleichwohl im Ganzen von dieser Praxis profitiert, indem es größere Mengen aller von ihm geführten
         Waren absetzt.
      
      451   Die Kommission geht unter diesem Abschnitt in der 374. bis 376. Begründungerwägung auf Argumente der Parteien ein, mit denen
         diese vorgebracht haben, dass „sie kaum einen Anlass für eine Preissenkung für die jeweiligen Produkte sähen, da die Nachfrage
         bei Flugzeugen verhältnismäßig unelastisch gegenüber den Preisen für Triebwerke und Komponenten sei und dass der Gesamtpreis
         für ein Flugzeug nur einen von vielen Faktoren darstelle, der bei der Entscheidung einer Fluggesellschaft über die Anschaffung
         eines weiteren Flugzeugs eine Rolle spielt“.
      
      452   Die Kommission entgegnet in der 375. Begründungserwägung, sie sei nicht der Meinung, dass die Nachfrage bei Flugzeugausrüstungen
         und ‑komponenten vollkommen „unelastisch“ sei, und führt in der 376. Begründungerwägung weiter aus, dass auf jeden Fall die
         Nachfrage für die Erzeugnisse der einzelnen Unternehmen elastisch sei. Sie schließt daraus: „Auch wenn sich eine Produktbündelung
         nicht auf das Gesamtvolumen der Nachfrage bei Flugzeugen, Triebwerken und Komponenten auswirken sollte, so hätte es doch eine
         Neuorientierung, d. h. eine Verschiebung von Marktanteilen zugunsten des neuen Unternehmens, zur Folge.“
      
      453   Demnach wäre die Fusionseinheit nach Meinung der Kommission infolge des Zusammenschlusses nach dem Cournot-Effekt zur Mischbündelung
         veranlasst, und zwar unabhängig davon, ob die Nachfrage bei den einzelnen Flugzeugausrüstungen elastisch ist oder nicht. Wie
         jedoch das von Rolls‑Royce hinzugezogene Beratungsbüro Frontier Economics in seinem der Klageschrift beigefügten Wettbewerbsbericht
         vom August 2001 ausführt, würde ein auf dem Cournot-Effekt beruhender Nachweis eine eingehende empirische Untersuchung sowohl
         des Umfangs der Preisnachlässe und der erwarteten Absatzbewegungen als auch der Kosten und der Restgewinne der verschiedenen
         Marktteilnehmer voraussetzen.
      
      454   Die Kommission hat im Stadium des Verwaltungsverfahrens anscheinend selbst für einen derartigen Nachweis eine Wirtschaftsanalyse
         für erforderlich gehalten. Die Nummern 526 bis 528 der Mitteilung der Beschwerdepunkte sind nämlich mit der 374. bis 376.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung identisch, abgesehen von einer in der Mitteilung der Beschwerdepunkte enthaltenen
         Fußnote 175 mit einem Verweis auf das Ende der Nummer 528 dieser Mitteilung, worin die Kommission erklärt, dass Professor
         Choi ein Modell mit einer Analyse des Falles einer unelastischen Nachfrage für die relevanten Erzeugnisse erstellt habe, woraus
         hervorgehe, dass die Produktbündelung wettbewerbswidrige Auswirkungen haben könne.
      
      455   Im Übrigen beruft sich die Klägerin auf die Gutachten anderer Wirtschaftswissenschaftler, insbesondere auf die Ausarbeitungen
         der Professoren Nalebuff, Rey und Shapiro in der Anlage zur Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte und zur Klageschrift,
         aus denen im Wesentlichen hervorgeht, dass die Fusionseinheit im Gegensatz zur Auffassung von Professor Choi nach dem Zusammenschluss
         voraussichtlich keinen Anlass zu Mischbündelungen, zumindest nicht in größerem Umfang, hätte. Die Professoren Nalebuff und
         Rey kritisieren insbesondere die Ausgangsposition von Professor Choi hinsichtlich der Natur des Marktes, und Professor Rey
         bemängelt u. a., dass das Modell Choi entsprechend seinen eigenen Parameterbegrenzungen je nach der verwendeten Reihe von
         Ausgangsparametern zu unterschiedlichen Ergebnissen führen könne.
      
      456   Daraus kann, ohne dass im vorliegenden Verfahren eine eingehende Beurteilung der Richtigkeit der Untersuchungsergebnisse der
         verschiedenen Wirtschaftsfachleute oder des relativen Gewichts der Analyse der Professoren Nalebuff, Rey und Shapiro im Verhältnis
         zu derjenigen des Professors Choi erforderlich wäre, geschlossen werden, dass die Frage, ob Cournot-Effekte die Fusionseinheit
         zu Mischbündelungen ihrer Erzeugnisse veranlassen würden, kontrovers ist. Der Schluss, zu dem die Kommission hinsichtlich
         der Wahrscheinlichkeit einer derartigen Veranlassung gelangt ist, ergibt sich gewiss nicht unmittelbar und zwangsläufig aus
         der Wirtschaftstheorie der Cournot-Effekte.
      
      457   Zudem steht ein weiterer Gesichtspunkt im Zusammenhang mit der Durchführung von Produktbündelungen der Möglichkeit entgegen,
         die Auffassung der Kommission auf den Cournot-Effekt zu stützen.
      
      458   Hierbei hat die Klägerin zu Recht im Stadium des Verwaltungsverfahrens und vor dem Gericht geltend gemacht, dass Snecma nicht
         daran interessiert sei, einen Teil seiner Gewinne durch Preisnachlässe zu opfern, um den Absatz von Erzeugnissen des ehemaligen
         Unternehmens Honeywell zu fördern, so dass Mischbündelungen unter Einbeziehung von CFMI‑Triebwerken ausgeschlossen wären.
         Die Kommission hat in der 393. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung mit ihrer Behauptung, dass kein Grund bestehe,
         weshalb Snecma, das nicht mit der Klägerin als unabhängiger Triebwerkhersteller in Wettbewerb stehe, diese Vorgehensweise
         nicht gutheißen sollte, den geschäftlichen Einfluss nicht angemessen berücksichtigt, den der vorgenannte Umstand notwendigerweise
         auf einen nach dem Zusammenschluss für die neue Unternehmenseinheit gegebenen Anreiz zur Produktbündelung ausüben würde. 
      
      459   Wäre Snecma mit einer Preissenkung für den Verkauf eines CFMI‑Triebwerks einverstanden, um einen Pauschalverkauf zu fördern,
         der dieses Triebwerk und von der Fusionseinheit hergestellte Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse umfasst, so würde es
         von diesem Vorgehen nur profitieren, wenn sein Triebwerkabsatz gesteigert würde. Somit würden keine Cournot-Effekte vorliegen,
         die für Snecma der Gewinnsteigerung bei einer gesamten Produktpalette dienen. Wenn die Cournot-Effekte nach der These der
         Kommission den Beweis für das Bestehen eines Anreizes zur Produktbündelung darstellen, so kann dies nicht den Schluss der
         Kommission in der 393. Begründungserwägung stützen, dass Snecma in dieser Hinsicht dasselbe Geschäftsinteresse wie die Fusionseinheit
         hätte.
      
      460   Somit müssten die Preisnachlässe für das Triebwerk, die den Kunden im Rahmen von Mischbündelungen unter Einbeziehung eines
         CFMI‑Triebwerks angeboten würden, im Grundsatz ausschließlich von der Klägerin finanziert werden. Demnach wäre ein dem absoluten
         Wert eines derartigen Preisnachlasses entsprechender Betrag von ungefähr der Hälfte des Preises eines DFMI‑Triebwerks abzuziehen,
         der der Klägerin aufgrund ihrer Beteiligung am Gemeinschaftsunternehmen zukommt, da Snecma kein mit dem der Klägerin vergleichbares
         Geschäftsinteresse an einer nennenswerten Teilnahme an der Finanzierung eines derartigen Preisnachlasses hätte. Demzufolge
         wäre der „Hebel“, über den die Fusionseinheit bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge zur Förderung des Verkaufs von Produktpaketen
         verfügen würde, bei CFMI‑Triebwerken grundsätzlich kleiner als bei von der Klägerin allein hergestellten Triebwerken.
      
      461   Daher wären Paketangebote mit Mischbündelung unter Einbeziehung von CFMI‑Triebwerken für die Fusionseinheit geschäftlich wesentlich
         weniger ertragreich, als wenn die Klägerin der alleinige Hersteller dieser Triebwerke wäre. Selbst wenn also ein Cournot-Effekt
         bei Mischbündelungen unter Einbeziehung von Triebwerken des ehemaligen Unternehmens GE hätte nachgewiesen werden können, hätte
         die Kommission unter Berücksichtigung der in der vorstehenden Randnummer dargelegten Gegebenheiten eine eigene Untersuchung
         vornehmen müssen, um festzustellen, ob ein derartiger Effekt bei einer Mischbündelung unter Einbeziehung eines CFI‑Triebwerks
         bestünde.
      
      462   Demgemäß kann anhand der kurzen Bezugnahme der Kommission auf den Begriff des Cournot-Effekts in der angefochtenen Entscheidung
         nicht ohne eine eingehende Wirtschaftsanalyse, bei der diese Theorie auf die spezifischen Gegebenheiten des vorliegenden Falles
         angewendet wird, geschlossen werden, dass die Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses voraussichtlich zu Paketverkäufen
         mit Mischbündelung übergehen würde. Die Kommission konnte nämlich unter Berufung auf die Cournot-Effekte aussagekräftige Beweise
         im Sinne des Urteils Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) nur durch den Nachweis erbringen, dass diese Effekte
         konkret anwendbar sind. Somit hat die Kommission mit einer bloßen Beschreibung der wirtschaftlichen Bedingungen, die ihres
         Erachtens nach dem Zusammenschluss auf dem Markt vorliegen werden, nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit dargetan, dass
         die Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses zum Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung übergehen würde. 
      
      –       Zum strategischen Charakter des erwarteten Verhaltens
      463   Die Kommission hat, drittens, vor dem Gericht geltend gemacht, dass bei ihrer Darstellung der Paketabschlüsse und der Wahrscheinlichkeit
         der tatsächlichen Durchführung derselben davon auszugehen sei, dass die Fusionseinheit ihre Fähigkeit zur Abgabe von Paketangeboten
         strategisch als „Hebel“ mit dem speziellen Ziel der Abdrängung ihrer Mitbewerber nutzen würde. Diese Auslegung der angefochtenen
         Entscheidung ist nach Ansicht der Klägerin „unzulässig“, da es sich hier um eine Erklärung handele, die erstmals vor dem Gericht
         vorgetragen worden sei. Die Klägerin rügt im Wesentlichen, dass die Kommission versuche, im Stadium des gerichtlichen Verfahrens
         einen Begründungsaustausch vorzunehmen. Jedoch hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, die Fusionseinheit
         würde ihre Bündelungsfähigkeit künftig strategisch nutzen, um ihre Mitbewerber insbesondere durch Quersubventionierungen zu
         verdrängen (vgl. insbesondere 353., 379., 391. und 398. Begründungserwägung). Somit sind die weiteren Argumente der Klägerin
         zu prüfen.
      
      464   Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof im Urteil Kommission/Tetra Laval (oben zitiert in Randnr. 60) ebenso
         wie das Gericht entschieden hat, dass die Kommission, sofern sie sich auf ein künftiges Verhalten stützt, das sie von einer
         Fusionseinheit infolge des Zusammenschlusses erwartet, anhand aussagekräftiger Beweise und mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
         dartun muss, dass dieses Verhalten tatsächlich eintreten wird (vgl. auch oben, Randnr. 64), 
      
      465   Wie bereits in Randnummer 462 (vgl. auch Randnr. 432) dargelegt, hat die Kommission nicht unter Bezugnahme auf die objektiven
         kommerziellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des vorliegenden Falles nachgewiesen, dass Produktabschlüsse mit Mischbündelung
         nach dem Zusammenschluss notwendigerweise im Interesse der Fusionseinheit liegen würden. Dieser würden sich nach dem Zusammenschluss
         verschiedene Geschäftsstrategien eröffnen. Die von der Kommission vorausgesehene strategische Wahl wäre zwar eine mögliche
         Option der neuen Unternehmenseinheit, eine kurzfristige Gewinnmaximierung durch Erlangung der größtmöglichen Gewinnspanne
         bei jedem einzelnen Erzeugnis wäre indessen gleichfalls eine Möglichkeit.
      
      466   In Ermangelung eines rechtlich hinreichend nachgewiesenen wirtschaftlichen Anreizes für die Fusionseinheit oblag es somit
         der Kommission, in der angefochtenen Entscheidung andere Anhaltspunkte vorzutragen, die den Schluss zulassen, dass die Fusionseinheit
         die strategische Wahl einer kurzfristigen Gewinnopferung treffen würde, um zu Lasten ihrer Mitbewerber ihren Marktanteil in
         Erwartung größerer künftiger Gewinne zu erweitern. Einen derartigen Nachweis könnten z. B. interne Unterlagen darstellen,
         aus denen hervorgeht, dass dies das Ziel der Geschäftsleitung der Klägerin war, als der Erwerb von Honeywell geplant wurde.
         Entsprechend den einschlägigen Ausführungen der Klägerin ist indessen festzustellen, dass die Kommission hierzu nichts vorgetragen
         hat, was den Nachweis erlaubte, dass die Fusionseinheit tatsächlich die genannte strategische Wahl treffen würde. Die Kommission
         beschränkt sich in der angefochtenen Entscheidung nämlich auf die Behauptung, dass es der Fusionseinheit möglich wäre, ihre
         Produktpakete zu strategischen Preisen anzubieten oder Quersubventionierungen vorzunehmen, oder dass sie tatsächlich in dieser
         Weise vorgehen würde, ohne indessen darzulegen, auf welche Gründe sich diese Behauptung stützt (vgl. insbesondere 353., 379.,
         391. und 398. Begründungserwägung). Dass die Fusionseinheit eine derartige strategische Wahl treffen könnte, genügt jedoch
         nicht, um darzutun, dass dies tatsächlich der Fall wäre und dass dadurch eine beherrschende Stellung auf den verschiedenen
         Märkten der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse begründet würde.
      
      467   Die Kommission hat schließlich vor dem Gericht erklärt, es sei erforderlich, das strategische Ziel des von ihr erwarteten
         künftigen Verhaltens der Klägerin zu berücksichtigen, um die Wahrscheinlichkeit dieses Verhaltens zu beurteilen. Diese Argumentation
         könnte zwar unter Umständen erklären, weshalb sich die Kommission nicht spezifisch auf ein Wirtschaftsmodell gestützt hat,
         sie kann jedoch nicht den fehlenden Nachweis ersetzen, dass die Klägerin voraussichtlich eine Geschäftspolitik mit dem genannten
         strategischen Ziel betreiben würde.
      
      468   Ferner ist festzustellen, dass die Kommission nach dem Urteil Tetra Laval/Kommission (oben zitiert in Randnr. 58) effektiv
         die abschreckende Wirkung hätte berücksichtigen müssen, die sich für eine durch Fusion entstehende Unternehmenseinheit aus
         wirklichen Sanktionen wegen Missbrauchs einer beherrschenden Stellung nach Artikel 82 EG ergeben könnte (vgl. oben, Randnrn.
         70 ff). Diese fehlende Berücksichtigung in der angefochtenen Entscheidung beeinträchtigt des Weiteren die Beurteilung der
         Kommission in Bezug auf den Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung.
      
      469   Somit kann dem Vorbringen der Kommission, das auf einer künftigen „strategischen“ Geschäftspolitik beruht, nicht gefolgt werden,
         da aussagekräftige Beweise für die Wahrscheinlichkeit dieser Annahme fehlen.
      
       Ergebnis 
      470   Aus all diesen Erwägungen ergibt sich, dass die Kommission rechtlich nicht hinreichend dargetan hat, dass die durch die Fusion
         entstehende Unternehmenseinheit infolge des Zusammenschlusses zum Verkauf von Produktpaketen übergehen würde, die Triebwerke
         des ehemaligen Unternehmens GE und zugleich Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse des ehemaligen Unternehmens Honeywell
         umfassen. In Ermangelung derartiger Verkäufe genügt der bloße Umstand, dass diese Unternehmenseinheit über eine breitere Produktpalette
         verfügen würde als ihre Mitbewerber, nicht, um zu der Feststellung zu gelangen, dass eine beherrschende Stellung der genannten
         Einheit auf den verschiedenen relevanten Märkten begründet oder verstärkt würde.
      
      471   In Anbetracht dieses Ergebnisses ist es nicht erforderlich, das Vorbringen der Klägerin in Bezug auf die von der Kommission
         behauptete Verdrängung der Mitbewerber vom Markt zu prüfen, da die Feststellungen der Kommission zum Verkauf von Produktpaketen
         ohnehin nicht hinreichend begründet sind.
      
      472   Zudem braucht nicht geprüft zu werden, wie die Kommission auf die Zusagen zu diesem Aspekt des vorliegenden Falles eingegangen
         ist; dies gilt insbesondere für die Ablehnung der verhaltensbezogenen Zusage in Bezug auf die Produktbündelung durch die Kommission.
         Da auch nicht die strukturellen Zusagen für die Tätigkeiten von Honeywell bei verschiedenen Avionikprodukten und sonstigen
         Erzeugnissen und die Zusage für das künftige Verhalten von GECAS geprüft zu werden brauchen (vgl. oben, Randnr. 365), wird
         die Frage, welche der beiden Verpflichtungsserien von der Kommission zu berücksichtigen war, unerheblich. Wie bereits vorstehend
         in Randnummer 50 dargelegt, betreffen nämlich die einzigen Unterschiede zwischen den beiden Verpflichtungsserien diese beiden
         Aspekte der von den Fusionsparteien vorgeschlagenen Zusagen.
      
      473   Der Kommission ist somit ein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, indem sie zu der Auffassung gelangt ist, dass
         künftige Verkäufe von Produktpaketen durch die Fusionseinheit beherrschende Stellungen auf den Märkten der Avionikprodukte
         und sonstigen Erzeugnisse begründen oder verstärken oder die vorstehende beherrschende Stellung der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt
         für große Verkehrsflugzeuge verstärken würden.
      
      E –  Zu den horizontalen Überschneidungen
      474   Die Klägerin ist hinsichtlich der Begründung der angefochtenen Entscheidung zu horizontalen Produktüberschneidungen der Fusionsparteien
         bei Triebwerken für große Regionalflugzeuge, Triebwerken für Geschäftsflugzeuge und kleinen Schiffgasturbinen der Auffassung,
         die Kommission sei zu Unrecht zu dem Schluss gelangt, dass dadurch beherrschende Stellungen mit wettbewerbswidrigen Auswirkungen
         begründet oder verstärkt würden.
      
      1.     Zu den Triebwerken für große Regionalflugzeuge
      475   Nach Ansicht der Klägerin ist die Analyse der Kommission bezüglich der horizontalen Überschneidung bei Triebwerken für große
         Regionalflugzeuge mit zwei grundlegenden Fehlern behaftet, indem die Kommission davon ausgegangen sei, dass die betreffenden
         Triebwerke der Klägerin und Honeywells demselben Markt zuzuordnen seien, und indem sie zudem die Auswirkung des Zusammenschlusses
         auf den Markt dieser Triebwerke nicht richtig beurteilt habe.
      
      a)     Vorbringen der Parteien
       Zur Definition des Marktes und zum Vorliegen einer vorbestehenden beherrschenden Stellung auf dem relevanten Markt
      476   Die Klägerin bestreitet, vor dem Zusammenschluss eine beherrschende Stellung auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge
         innegehabt zu haben.
      
      477   Ihres Erachtens ist eine angemessene Festlegung des relevanten Marktes eine notwendige Voraussetzung für jede Beurteilung
         des Einflusses eines Zusammenschlusses auf den Wettbewerb (Urteil des Gerichtshofes vom 31. März 1998 in den verbundenen Rechtssachen
         C‑68/94 und C‑30/95, Frankreich u. a./Kommission, Slg. 1998, I‑1375). Nach der Bekanntmachung der Kommission über die Definition
         des relevanten Marktes im Sinne des Wettbewerbsrechts der Gemeinschaft (ABl. 1997, C 372, S. 13, im Folgenden: Bekanntmachung
         über die Definition des Marktes) seien die wesentlichen bei der Definition eines Marktes zu berücksichtigenden Faktoren die
         Nachfragesubstituierbarkeit und die Angebotssubstituierbarkeit, die anhand empirischer Nachweise festzustellen seien. Die
         Kommission habe die Bestimmungen dieser Bekanntmachung im vorliegenden Fall nicht angewandt.
      
      478   Wie die Kommission in der Entscheidung Engine Alliance festgestellt habe, entspreche bei Flugzeugtriebwerken jede Triebwerk‑„Familie“
         im Großen und Ganzen einem einzigen Bestand von Betriebsmerkmalen, wie etwa Schubkraft, Gewicht usw., durch den sie sich für
         ein bestimmtes Flugzeug qualifizieren. Die GE‑Triebwerke seien jedoch wesentlich stärker, schwerer und komplexer als die Honeywell‑Triebwerke.
      
      479   Der einzige Umstand, der eine Substituierbarkeit zwischen GE‑ und Honeywell‑Triebwerken vermuten lasse, bestehe darin, dass
         einige Käufer der mit Honeywell‑Antrieb ausgestatteten Avro andere Flugzeuge kaufen könnten, die GE‑getrieben seien. Diese
         Art der indirekten Substituierbarkeit auf „zweiter Ebene“ setze voraus, dass die Kommission diese neue Verfahrensweise erkläre
         und hierbei dartue, inwiefern die genannte Substituierbarkeit auf zweiter Ebene erheblich sei und wie sie zur Verdrängung
         der Mitbewerber führen könne. Zudem müsse die Kommission nach der Bekanntmachung über die Definition des Marktes empirische
         Nachweise für eine derartige Austauschbarkeit erbringen, was sie nicht getan habe.
      
      480   Ohnehin seien die Marktanteile nur von begrenztem Nutzen für die Beurteilung einer beherrschenden Stellung auf einem Ausschreibungsmarkt,
         wie er bei Triebwerken für große Regionalflugzeuge vorliege. Die Klägerin habe auf diesem Markt vor dem Zusammenschluss keine
         beherrschende Stellung innegehabt, da sie nicht in der Lage gewesen sei, sich vor dem Zusammenschluss unabhängig gegenüber
         ihren Mitbewerbern zu verhalten.
      
      481   Die Kommission verweist auf ihre Schlussfolgerungen in der Entscheidung, wonach die Klägerin bezogen auf den Triebwerksbestand
         und den Auftragsbestand für große Regionalflugzeuge eine beherrschende Stellung innehabe. Die Klägerin und Honeywell hätten
         zusammen einen Marktanteil, der die Gesamtheit der Triebwerke für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge und [90 bis 100] %
         des Triebwerksbestands ausmache. Ein derartiges Monopol oder Quasi‑Monopol könne nicht in absehbarer Zeit gebrochen werden,
         insbesondere in Anbetracht des Verkaufs von Produktpaketen mit reiner oder technischer Bündelung.
      
       Zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den relevanten Markt
      482   Selbst wenn anzunehmen wäre, so führt die Klägerin aus, dass es nur einen einzigen Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge
         gebe, habe die Kommission doch in Bezug auf die vorhandenen Flugzeugtypen eingeräumt, dass „sich der Marktanteil durch die
         Fusion … nur eher geringfügig [erhöht]“ (429. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Gleichwohl behaupte die
         Kommission im Widerspruch dazu, dass der Zusammenschluss den Preiswettbewerb unterbinde. Sie liefere jedoch kein Beispiel
         für einen Wettbewerb zwischen den Triebwerken der Klägerin und von Honeywell und auch keinen Nachweis für eine Auswirkung
         des Zusammenschlusses auf dem Markt, wenngleich sich die Avro‑Produktion auf nicht mehr als 20 Honeywell‑getriebene Einheiten
         pro Jahr belaufe. 
      
      483   Die Faktoren, auf die sich die Kommission stütze, seien nicht relevant. Die aus der Position auf dem betreffenden Markt gezogenen
         Gewinne seien in Anbetracht der geringen Avro‑Produktion unerheblich. Indem sie sich auf das Bestehen von GE Capital und GECAS
         stütze, gründe sich die Kommission auf die zum Nachweis einer beherrschenden Stellung herangezogenen Faktoren, um eine Verstärkung
         dieser Stellung darzutun. 
      
      484   In Bezug auf die zukünftigen Flugzeugtypen erbringe die Kommission keinen Nachweis für eine Schwächung des Wettbewerbs. Zum
         einen könnten die Klägerin und Honeywell schon jetzt nicht miteinander in Wettbewerb treten. Zum anderen seien Rolls‑Royce
         und P & W glaubwürdige Mitbewerber, was die Beispiele der Flugzeuge von AI(R), Embraer und Fairchild Dornier verdeutlichten.
         Die Kommission begnüge sich hier mit einer Wiederholung ihrer Argumente zum Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung,
         zu Quersubventionierungen und zur vertikalen Integration.
      
      485   Nach Ansicht der Kommission verhindert die auf dem betreffenden Markt geltende Regel des Alleinauftrags für die Lieferung
         des Triebwerks nicht einen Wettbewerb zwischen Triebwerkherstellern gegenüber dem Endabnehmer. Die Triebwerkhersteller seien
         daran interessiert, die mit ihrem Triebwerk ausgestatten Flugzeuge zu fördern, indem sie insbesondere leistungsstarke Triebwerke
         und attraktive Angebote für Ersatztriebwerke oder für Produkte und Dienstleistungen des Anschlussmarktes bereithielten. Der
         Zusammenschluss verdränge diese Wettbewerbsart. Der geringe Avro‑Auftragsbestand bedeute nicht, dass jeglicher Wettbewerb
         auf zweiter Ebene auf jeden Fall vom Markt verschwinden müsse.
      
      486   Wie in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, würden Rolls‑Royce und P & W durch die Finanzkraft und durch die vertikale
         Integration der aus dem Zusammenschluss hervorgehenden Einheit vom relevanten Markt ausgeschlossen, da diese Unternehmen dadurch
         das Interesse an der Penetration eines Marktes verlieren würden, auf dem sie nicht präsent seien.
      
       Zur Ablehnung der strukturellen Zusage in Bezug auf Triebwerke für große Regionalflugzeuge
      487   Die Klägerin weist darauf hin, dass die Fusionsparteien trotz ihrer mangelnden Übereinstimmung mit der Kommission vorgeschlagen
         hätten, die Honeywell‑Produktion der gegenwärtigen und künftigen Triebwerke für die Flugzeuge der Avro‑Serie abzugeben. Die
         Einwände, die die Kommission hierzu in der angefochtenen Entscheidung vorgetragen habe, entbehrten indessen jeder Grundlage.
      
      488   Die Kommission bemerkt, dass sich insbesondere in diesem Zusammenhang die Kritik der Klägerin in Bezug auf die Ablehnung der
         Zusagen auf bloße Behauptungen beschränke und sich nicht zur Gültigkeit der angefochtenen Entscheidung äußere.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
       Zur Definition des Marktes
      489   Zunächst ist festzustellen, dass die Frage, ob ein Unternehmen unter Zugrundelegung des ordnungsgemäß nachgewiesenen oder
         nicht bestrittenen Sachverhalts eine beherrschende Stellung auf einem bestimmten Markt innehat, im Sinne der vorstehend in
         den Randnummern 62 ff. genannten Rechtsprechung eine Frage der wirtschaftlichen Beurteilung darstellt, bei der die Kommission
         über einen weiten Ermessensspielraum verfügt. Das Gericht hat hierbei nur zu kontrollieren, ob diese wirtschaftliche Beurteilung
         frei von offensichtlichen Fehlern ist.
      
      490   Die Kommission verfügt hingegen über keinen Ermessensspielraum bei Fragen des Sachverhalts. Bestreitet die Klägerin eine Sachfeststellung
         der angefochtenen Entscheidung, so kann grundsätzlich nicht bemängelt werden, dass die Kommission in Erwiderung darauf vor
         dem Gericht den Nachweis für die Richtigkeit dieser Sachfeststellung erbringt, sofern der in der angefochtenen Entscheidung
         vorgegebene sachbezogene Rahmen dadurch nicht verändert wird.
      
      491   Somit sind die Argumente der Klägerin zu prüfen, mit denen die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgelegte
         Definition des Triebwerksmarktes für große Regionalflugzeuge bestritten wird, um zu klären, ob diese Argumente für die Feststellung
         von Sachfehlern oder eines offensichtlichen Beurteilungsfehlers genügen.
      
      492   Die Kommission führt in der 9. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, dass im Rahmen ihrer Beschreibung der
         allgemeinen Marktstruktur für Triebwerke der Wettbewerb auf diesen Märkten auf zwei Ebenen stattfinde, nämlich zum einen,
         wenn die Triebwerkhersteller in Wettbewerb träten, um eine Zulassung für ein bestimmtes in Entwicklung befindliches Flugzeug
         zu erhalten (im Folgenden: Wettbewerb auf erster Ebene), und zum anderen, wenn Fluggesellschaften beim Kauf eines Flugzeugs
         eines der verfügbaren zugelassenen Triebwerke auswählten oder wenn sie sich zum Erwerb von Flugzeugen mit anderen Triebwerken
         entschlössen (im Folgenden: Wettbewerb auf zweiter Ebene). Im ersten Fall stünden Triebwerke miteinander technisch und kommerziell
         um den Antrieb des jeweiligen Flugzeugs in Wettbewerb, und das Vorhandensein eines derartigen Wettbewerbs hänge im Wesentlichen
         von einer Angebotssubstituierbarkeit ab. Im zweiten Fall stünden die Triebwerke ebenfalls technisch und kommerziell in Wettbewerb,
         um von der Fluggesellschaft ausgewählt zu werden, womit dieser Wettbewerb umgekehrt von einer Nachfragesubstituierbarkeit
         abhänge.
      
      493   Im vorliegenden Fall ist jeder Flugzeugtyp, den die Kommission dem Markt der großen Regionalflugzeuge zuordnet, unstreitig
         mit einem einzigen Triebwerktyp verfügbar, so dass der Enderwerber des Flugzeugs keine direkt eigene Triebwerkwahl hat, weil
         die Wahl des Triebwerks untrennbar mit der Wahl des Flugzeugs verbunden ist. Ein Wettbewerb auf zweiter Ebene, wie er in der
         vorstehenden Randnummer beschrieben wurde, kann also auf dem betreffenden Markt nur indirekt im Sinne eines Wettbewerbs zwischen
         Flugzeugen vorhanden sein, die mit den verschiedenen Triebwerken ausgestattet sind. 
      
      494   Hierzu bemerkt die Kommission ebenfalls in der 9. Begründungserwägung, dass Flugzeug und Triebwerk Komplementärprodukte seien,
         so dass der Erwerb des einen ohne den Erwerb des anderen offenkundig wertlos sei. Folglich sei bei der Definition der Triebwerksmärkte
         der Wettbewerb auf dem Flugzeugmarkt zu berücksichtigen. Die Kommission hat daher die verschiedenen Märkte für Triebwerke
         nach Maßgabe der verschiedenen Märkte für die Flugzeuge definiert, die mit diesen Triebwerken ausgestattet werden, wobei die
         letztgenannten Märkte ihrerseits unter Zugrundelegung der zugehörigen „Einsatzprofile“ definiert werden (10. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      495   Zu diesem Zweck hat die Kommission drei wesentlichen Merkmalen des Flugzeugs Rechnung getragen, nämlich der Sitzkapazität,
         der Reichweite und dem Preis. Sie hat zunächst als Regionalflugzeuge die Flugzeuge mit 30 bis 90 Sitzplätzen, einer Reichweite
         von unter 2 000 Seemeilen und Kosten von bis zu 30 Mio. USD qualifiziert (10. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
         Sodann hat sie innerhalb dieser Kategorie zwischen zwei verschiedenen Klassen unterschieden, nämlich zwischen kleinen Regionalflugzeugen
         mit 30 bis 50 Sitzen und großen Regionalflugzeugen mit 70 bis 90 Sitzen, mit der Begründung, dass „[a]ufgrund ihrer unterschiedlichen
         Sitzplatzkapazität, Reichweite und der entsprechenden Betriebskosten (d. h. der Kosten pro Sitzmeile) diese beiden Regionalflugzeugarten
         verschiedene Einsatzprofile [erfüllen] und nicht untereinander substituierbar [sind]“ (20. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      496   Die Klägerin erklärt, ohne dass dies von der Kommission bestritten wird, die Schubkraft ihrer Triebwerke weiche so stark von
         derjenigen der Honeywell‑Triebwerke ab, dass jeder direkte Wettbewerb auf erster Ebene in Bezug auf den Antrieb ein und desselben
         geplanten Flugzeugtyps ausgeschlossen sei, zumal ihre eigenen Triebwerke für zweimotorige Flugzeuge geeignet seien, während
         die Honeywell‑Triebwerke nur für viermotorige Flugzeuge genutzt werden könnten. 
      
      497   Hierzu ist indessen festzustellen, dass ein Flugzeughersteller, der sich für ein zweimotoriges oder viermotoriges Flugzeug
         entschieden hat, zwar keine Triebwerkwahl mehr hat, dass jedoch, wie aus der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, diese
         beiden Lösungen, wie von der Kommission definiert, konkret auf dem Markt für große Regionalflugzeuge bestanden haben. Da diese
         Wahl möglich war, bestand notwendigerweise ein gewisses Maß an Angebotssubstituierbarkeit zwischen den Triebwerken der Klägerin
         und Honeywells, wobei freilich ein Flugzeughersteller, der einen neuen Flugzeugtyp entwickeln wollte, diese Wahl in einem
         frühen Entwicklungsstadium des betreffenden Typs treffen musste. Die Kommission hat ohnehin weder in der angefochtenen Entscheidung
         noch vor dem Gericht behauptet, dass ein direkter Wettbewerb auf erster Ebene zwischen der Klägerin und Honeywell in Bezug
         auf den Antrieb ein und desselben geplanten Flugzeugtyps bestanden habe. Selbst wenn also die Auffassung der Klägerin hinsichtlich
         eines nicht vorhandenen direkten Wettbewerbs auf erster Ebene als richtig anzusehen wäre, beeinträchtigt das die Gültigkeit
         der angefochtenen Entscheidung nicht.
      
      498   Somit ist zu prüfen, ob die Klägerin einen Sachfehler oder offensichtlichen Beurteilungsfehler der Kommission darin nachweisen
         konnte, dass sich die Kommission auf den vorstehend dargelegten Begriff des indirekten Wettbewerbs auf zweiter Ebene, d. h.
         einen Wettbewerb zwischen den mit GE‑ bzw. Honeywell‑Triebwerken ausgestatteten Flugzeugen, gestützt hat und hierbei zu dem
         Schluss gelangt ist, dass die Triebwerke der beiden Unternehmen miteinander in Wettbewerb stünden.
      
      499   Die Klägerin widerspricht der Auffassung der Kommission, dass ein indirekter Wettbewerb auf zweiter Ebene zwischen diesen
         Triebwerken bestehe, mit zwei Argumenten. Sie bemängelt, erstens, dass diese Auffassung auf einer unorthodoxen Analyse der
         Substituierbarkeit beruhe. Daher hätte die Kommission diese neue Verfahrensweise darlegen und insbesondere erklären müssen,
         inwiefern diese Substituierbarkeit zweiten Grades erheblich sei und wie sie zur Verdrängung der Mitbewerber führen könne.
         Zweitens macht die Klägerin geltend, die Kommission habe selbst unter der Voraussetzung, dass der genannte Wettbewerb auf
         zweiter Ebene vorliege, in der angefochtenen Entscheidung nicht nachgewiesen, dass die GE‑getriebenen Flugzeuge zum entscheidungserheblichen
         Zeitpunkt mit den Honeywell‑getriebenen Flugzeugen in Wettbewerb gestanden hätten.
      
      500   Die in der 9. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung enthaltene Beschreibung (vgl. oben, Randnrn. 492 und 494)
         kann unter den hier gegebenen Umständen als ausreichende Darlegung der These der Kommission angesehen werden. Die Kommission
         hat nämlich ausgeführt, dass die Triebwerke auf der zweiten Wettbewerbsebene „technisch und kommerziell in Wettbewerb [stehen],
         um von der Fluggesellschaft ausgewählt zu werden“. Wenn die technische Leistung eines wesentlichen Bestandteils des Flugzeugs,
         wie des Triebwerks, das dem Antrieb dient, erheblich besser ist als die Leistung einer entsprechenden Komponente anderer Flugzeugtypen
         derselben Kategorie, so hat das erstgenannte Flugzeug natürlich grundsätzlich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen.
      
      501   Des Weiteren ist der Preis des Triebwerks ein Faktor, der den Gesamtpreis des Flugzeugs beeinflussen kann, wozu die Kommission
         im Rahmen ihrer Darlegung der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Wettbewerb bei großen Regionalflugzeugen in der 429.
         Begründungserwägung ausdrücklich erklärt hat, dass durch die Fusion der Klägerin und von Honeywell „den Abnehmern die Möglichkeit
         genommen [wird], Vorteile eines Preiswettbewerbs (z. B. in Form von Nachlässen) zwischen Lieferanten zu nutzen“.
      
      502   Die Klägerin bestreitet die Möglichkeit eines Preiswettbewerbs zwischen den Triebwerkherstellern bei Triebwerken für große
         Regionalflugzeuge, da der Endpreis des Flugzeugs einschließlich des Triebwerks im Ganzen vom Flugzeughersteller festgelegt
         werde. Die Kommission hat jedoch im ersten Satz der 391. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung im Abschnitt über
         Paketangebote, der sowohl große Regionalflugzeuge als auch große Verkehrsflugzeuge betrifft, erklärt, dass auch in Fällen,
         in denen keine Wahl des Triebwerks für einen bestimmten Flugzeugtyp bestehe – was bei großen Regionalflugzeugen stets der
         Fall sei –, der Triebwerkhersteller die Möglichkeit habe, den Preis für sein Triebwerk oder für die damit verbundenen Dienstleistungen
         des Anschlussmarktes zu senken, um den Absatz des Gesamterzeugnisses Flugzeug/Triebwerk zu fördern.
      
      503   Die Kommission hat anlässlich ihrer Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts zur Klärung der in der 391. Begründungserwägung
         genannten Möglichkeit von Preisvergünstigungen in der mündlichen Verhandlung drei interne Unterlagen der Klägerin mit den
         Referenznummern 120‑CID‑000167, 334‑DOC‑000827 und 321‑DOC‑000816 vorgelegt. Diese drei Unterlagen stützen die Auffassung
         der Kommission in Bezug auf das Bestehen eines Triebwerkwettbewerbs auf zweiter Ebene.
      
      504   Insbesondere das Dokument 321‑DOC‑000816 zeigt speziell in Bezug auf ein GE‑getriebenes großes Regionalflugzeug, dass [...]
         war. Somit war der Wettbewerb auf zweiter Ebene, insbesondere der von der Kommission in der 9. Begründungserwägung beschriebene
         Preiswettbewerb, trotz einer Alleinausstattung durch ein Triebwerk je Flugzeugtyp auf den Triebwerksmärkten im Allgemeinen
         und auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge im Besonderen Realität.
      
      505   Hierbei sind die von der Klägerin in ihrem Antrag vom 8. Juni 2004 auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung vorgetragenen
         und in ihren Erklärungen vom 21. Juli 2004 wiederholten Argumente zurückzuweisen, dass die drei vorstehend in Randnummer 503
         genannten Unterlagen unzulässige Beweismittel seien. Die Klägerin hat nämlich der Vorlage der Unterlagen in der mündlichen
         Verhandlung nicht widersprochen und damit auch keinen Einwand dagegen erhoben, dass sie zu den Akten gegeben wurden. Wenn
         des Weiteren, wie der Gerichtshof entschieden hat, das Gericht die Antworten berücksichtigt, die eine Partei auf Fragen erteilt,
         die als prozessleitende Maßnahmen nach Artikel 64 § 3 der Verfahrensordnung des Gerichts gestellt wurden, und die andere Partei
         gegebenenfalls die Möglichkeit hatte, in der mündlichen Verhandlung zu diesem Punkt Stellung zu nehmen, so wird dadurch Artikel
         48 der Verfahrensordnung nicht verletzt (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache
         C‑259/96 P, Rat/De Nil und Impens, Slg. 1998, I‑2915, Randnr. 31). Zudem wurde der Grundsatz des kontradiktorischen Verfahrens
         gewahrt, da die Klägerin zu diesen Beweismitteln nicht nur in der mündlichen Verhandlung, sondern auch schriftlich nach der
         von ihr selbst beantragten Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung Stellung nehmen konnte.
      
      506   Die Klägerin macht jedoch geltend, dass die genannten Unterlagen nicht in den Akten der Kommission enthalten gewesen seien,
         zu denen sie Zugang gehabt habe, und beruft sich auf das Urteil des Gerichtshofes vom 25. Oktober 1983 in der Rechtssache
         107/82 (AEG/Kommission, Slg. 1983, 3151, Randnrn. 22 bis 25), aus dem sie schließt, dass diese Beweismittel auszuschließen
         seien. Hierzu ist festzustellen, dass die Kommission in ihren Erklärungen vom 17. September 2004 die Aktenseitenzahl angegeben
         hat, unter der diese Unterlagen jeweils zu finden sind, und in der Anlage Auszüge aus den Listen von Unterlagen beigefügt
         hat, die eingesehen werden konnten. Sie hat überdies erklärt, dass zwei der in Rede stehenden Unterlagen mit den Referenznummern
         120‑CID‑000167 und 321‑DOC‑000816 sogar ausdrücklich in der Mitteilung der Beschwerdepunkte erwähnt worden seien. Somit ist
         das Argument der Klägerin, dass diese drei Unterlagen nicht in den Akten des Verwaltungsverfahrens enthalten gewesen seien,
         zurückzuweisen.
      
      507   Diese Feststellung wird auch nicht durch das von der Klägerin in ihren letzten Erklärungen vom 15. Oktober 2004 vorgetragene
         Argument entkräftet, dass die Kommission mit dem Zeichen „P“ angegeben habe, dass ihr diese Unterlagen durch die Fusionsparteien
         selbst zugeleitet worden seien, während sie sie in Wahrheit vom US‑Justizministerium erhalten haben müsse. Die Kommission
         erklärt, die Fusionsparteien hätten sie nicht um Übermittlung von Abschriften dieser Unterlagen gebeten. Hierzu ist festzustellen,
         dass die Klägerin diese Übermittlung hätte verlangen können, wenn sie es gewünscht hätte, da die genannten Unterlagen in der
         Liste von Schriftstücken enthalten sind, die zu den Akten des Verwaltungsverfahrens gehören und von den Parteien eingesehen
         werden konnten.
      
      508   Die drei genannten Unterlagen sind ohnedies interne Dokumente der Klägerin, die ihr daher bekannt sein dürften. Es wäre widersinnig,
         eine Verletzung der Verfahrensrechte festzustellen oder der Kommission zu verbieten, dem Gericht bestimmte interne Unterlagen
         einer Partei vorzulegen, und dies damit zu begründen, dass die Kommission dieser Partei keine Abschriften ihrer eigenen Unterlagen
         übermittelt hat. 
      
      509   Wenn sich die Kommission auf diese drei Unterlagen in Bezug auf eine rein sachliche Frage stützt – nämlich ob der Flugzeughersteller
         den Preis des Flugzeugs unabhängig vom Preis des Triebwerks festsetzt oder, wie die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         behauptet, ob der Triebwerkhersteller noch die Möglichkeit hat, Preisvergünstigungen anzubieten, um den Absatz des Flugzeugtyps
         und damit seines als dessen Antrieb dienenden Triebwerks zu fördern –, so ist festzustellen, dass sie diese Beweismittel dem
         Gericht vorlegen konnte, um der Bestreitung des fraglichen Sachverhalts durch die Klägerin zu entgegnen (vgl. hierzu oben,
         Randnr. 490).
      
      510   Somit ist der Kommission kein Sachfehler oder offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie sich bei der Definition
         des Marktes für große Regionalflugzeuge auf einen auf zweiter Ebene bestehenden Wettbewerb zwischen Triebwerken aufgrund eines
         Wettbewerbs zwischen den von diesen getriebenen Flugzeugen stützt.
      
      511   Im Rahmen ihrer zweiten vorstehend in Randnummer 499 genannten Argumentation macht die Klägerin geltend, dass der Ermessensspielraum
         der Kommission bei der Definition der Märkte, erstens, durch ihre eigene frühere Entscheidungspraxis, insbesondere in der
         Entscheidung Engine Alliance, und, zweitens, durch die Bekanntmachung über die Definition des Marktes, die sie hierfür veröffentlicht
         habe, begrenzt sei. Die Darlegung, mit der die Kommission festgestellt habe, dass die GE‑getriebenen Flugzeuge und die Flugzeuge
         mit Honeywell‑Antrieb auf demselben Markt miteinander in Wettbewerb stünden, sei mit diesen beiden Rechtsakten unvereinbar.
      
      512   Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Wirtschaftsteilnehmer nach ständiger Rechtsprechung kein berechtigtes Vertrauen in
         die Beibehaltung einer früheren Entscheidungspraxis setzen können, die im Rahmen der Ermessensbefugnis der Gemeinschaftsorgane
         Änderungen unterworfen ist (vgl. oben, Randnrn. 118 und 119 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      513   Soweit sich die Klägerin auf Randnummer 15 des Urteils des Gerichtshofes vom 14. Februar 1990 in der Rechtssache C‑350/88
         (Delacre u. a./Kommission, Slg. 1990, I‑395) beruft, um darzutun, dass die Kommission zu einer besonderen Begründung verpflichtet
         sei, wenn sie von ihrer früheren Entscheidungspraxis abweiche, genügt der Hinweis, dass sich diese Randnummer ebenso wie das
         Urteil des Gerichtshofes vom 26. November 1975 in der Rechtssache 73/74 (Fabricants de papiers peints u. a./Kommission, Slg.
         1975, 1491, Randnr. 31) auf die bei einer Erweiterung einer Praxis der Kommission gegebene Ausnahme von der üblichen Regel
         beziehen, dass die Kommission eine Entscheidung summarisch begründen kann, die eine ständige Entscheidungspraxis fortsetzt.
         Wenn die Kommission eine derartige Entscheidung auch ausdrücklich begründen muss, kann indessen aus dieser Rechtsprechung
         nicht geschlossen werden, dass sie über eine Begründung ihrer Entscheidung unter Bezugnahme auf die einschlägigen Unterlagen
         der Sache hinausgehen und speziell die Gründe darlegen muss, aus denen sie zu einem anderen Schluss gelangt ist als in einer
         früheren Sache, die sich auf eine ähnliche oder gleiche Situation bezog oder bei der es sich um dieselben Wirtschaftsakteure
         handelte. 
      
      514   Somit kann sich die Klägerin nicht deswegen auf Vertrauensschutz berufen, weil die Kommission in einer früheren Entscheidung
         Märkte in bestimmter Weise definiert hat, insbesondere indem sie in der Entscheidung Engine Alliance die Schubkraft der Triebwerke
         berücksichtigt hat. Die Feststellungen in der Entscheidung Engine Alliance binden nämlich weder die Kommission noch gar das
         Gericht.
      
      515   Die Kommission führt zu Recht aus, sie habe mit der Entscheidung Engine Alliance eine Vereinbarung geprüft, durch die es der
         Klägerin und P & W ermöglicht werden sollte, gemeinsam ein Triebwerk für den Antrieb von Flugzeugen zu entwickeln, die sich
         ihrerseits im Entwicklungsstadium befunden hätten, wobei es sich um den Airbus A380 und die Streckversion des Modells Boeing
         B747‑400 gehandelt habe. Demgemäß sei in dieser Sache nur die erste in der 9. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         erwähnte Wettbewerbsebene, nämlich der Wettbewerb der Triebwerkhersteller um die Zulassung zum Antrieb eines Flugzeugtyps,
         relevant gewesen. Dies stellt eine schlüssige und ausreichende Entgegnung auf das betreffende Vorbringen der Klägerin dar.
      
      516   Zur angeblichen Nichtbeachtung der Bekanntmachung über die Definition des Marktes ist zunächst zu bemerken, dass die Kommission
         nicht von den Regeln abweichen kann, die sie sich selbst gegeben hat (Urteile des Gerichtshofes vom 30. Januar 1974 in der
         Rechtssache 148/73, Louwage/Kommission, Slg. 1974, 81, Randnr. 12, und analog vom 5. Juni 1973 in der Rechtssache 81/72, Kommission/Rat,
         Slg. 1973, 575, Randnr. 9, sowie Urteil des Gerichts vom 17. Dezember 1991 in der Rechtssache T‑7/89, Hercules Chemicals/Kommission,
         Slg. 1991, II‑1711, Randnr. 53, vom Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache
         C-51/92 P, Hercules Chemicals/Kommission, Slg. 1999, I‑4235, und die dort zitierte Rechtsprechung). Soweit demnach die Bekanntmachung
         über die Definition des Marktes verbindlich die Methode angibt, mit der die Kommission die Märkte künftig zu definieren hat,
         und keinen Beurteilungsspielraum freigibt, muss die Kommission dem Wortlaut dieser Bekanntmachung effektiv Rechnung tragen.
      
      517   Die Klägerin trägt vor, dass nach der Bekanntmachung über die Definition des Marktes die Nachfragesubstituierbarkeit einen
         der wichtigsten Faktoren darstelle, die zu berücksichtigen seien, und dass eine derartige Substituierbarkeit im vorliegenden
         Fall nicht bestehe (vgl. oben, Randnr. 496). Hierzu genügt der Hinweis, dass in Nummer 13 der Bekanntmachung nach der Feststellung,
         dass die drei wichtigen Quellen der Wettbewerbskräfte, denen die Unternehmen unterliegen, in der Nachfragesubstituierbarkeit,
         der Angebotssubstituierbarkeit und im potenziellen Wettbewerb zu sehen sind, Folgendes ausgeführt wird: „Aus wirtschaftlicher
         Sicht – im Hinblick auf die Definition des relevanten Marktes – stellt die Möglichkeit der Nachfragesubstitution die unmittelbarste
         und wirksamste disziplinierende Kraft dar, die auf die Anbieter eines gegebenen Produkts einwirkt, vor allem was ihre Preisentscheidungen
         anbetrifft.“ Somit geht aus dem Wortlaut der Bekanntmachung über die Definition des Marktes nicht hervor, dass die im vorliegenden
         Fall nicht gegebene direkte Angebotssubstituierbarkeit zwischen den Triebwerken der Klägerin und Honeywells die von der Kommission
         in der angefochtenen Entscheidung festgehaltene Definition des Marktes entkräftet, da die Kommission zu Recht zu dem Schluss
         gelangt ist, dass eine Nachfragesubstituierbarkeit gegeben sei. 
      
      518   Die Klägerin bemängelt, dass die Kommission die Nachfragesubstituierbarkeit nicht anhand empirischer Nachweise oder wirtschaftlicher
         Studien festgestellt habe, wie es die Bekanntmachung über die Definition des Marktes erfordere. Hierbei ist darauf hinzuweisen,
         dass die Kommission in Nummer 25 der Bekanntmachung unter dem Titel „Kriterien und Nachweise für die Definition relevanter
         Märkte“ Folgendes darlegt:
      
      „Es gibt eine ganze Reihe von Nachweisen, anhand deren sich beurteilen lässt, in welchem Maß Substitution stattfinden würde.
         Je nach den Merkmalen und Besonderheiten der betreffenden Wirtschaftszweige und Erzeugnisse oder Dienstleistungen sind im
         Einzelfall bestimmte Informationen ausschlaggebend. Erkenntnisse über bestimmte Aspekte mögen in bestimmten Fällen wesentlich,
         in anderen bedeutungslos sein. Zumeist wird bei einer Entscheidung von unterschiedlichen Kriterien und Belegen ausgegangen
         werden müssen. Die Kommission ist allen Formen des empirischen Nachweises gegenüber offen; sie ist bestrebt, alle verfügbaren
         Angaben zu nutzen, die im Einzelfall von Bedeutung sein können. Sie folgt also keiner starren Rangordnung für die verschiedenen
         Informationsquellen und Nachweisformen.“
      
      519   Äußert sich die Kommission in einer Bekanntmachung in einer Weise, die es ihr ermöglicht, unter den theoretisch relevanten
         Arten von Anhaltspunkten oder Beurteilungsgrundlagen diejenigen zu wählen, die unter den Umständen des jeweiligen Falles am
         geeignetsten sind, so verfügt sie über eine weitgehende Handlungsfreiheit (vgl. analog Urteil des Gerichts vom 8. Juli 2004
         in der Rechtssache T‑48/00, Corus UK/Kommission, Slg. 2004, II‑2325, Randnrn. 179 bis 182 und die dort zitierte Rechtsprechung).
         Die Kommission hat sich somit in der Bekanntmachung über die Definition des Marktes nicht dazu verpflichtet, eine bestimmte
         und besondere Methode anzuwenden, um die Nachfragesubstituierbarkeit zu beurteilen. Sie hat vielmehr festgestellt, dass ihr
         Vorgehen je nach den Umständen des Einzelfalls variieren muss, und sie hat sich einen großen Teil ihres Beurteilungsspielraums
         erhalten, um jeden einzelnen Fall in geeigneter Weise behandeln zu können.
      
      520   Die Argumente, die die Klägerin aus anderen Punkten der Bekanntmachung über die Definition des Marktes ableitet, sind unter
         Berücksichtigung des weitgehenden Beurteilungsspielraums zu prüfen, der der Kommission verblieben ist.
      
      521   Die von der Klägerin herangezogene Nummer 36 der Bekanntmachung über die Definition des Marktes lautet:
      „Durch die Untersuchung der Merkmale und des Verwendungszwecks des Produkts kann die Kommission in einem ersten Schritt den
         Umfang der Untersuchung möglicher Substitute eingrenzen. Produktmerkmale und Verwendungszweck reichen jedoch nicht aus, um
         zu entscheiden, ob zwei Produkte Nachfragesubstitute sind. Funktionale Austauschbarkeit oder ähnliche Merkmale sind als solche
         noch keine ausreichenden Kriterien, da die Kundenreaktion auf Änderungen bei den relativen Preisen auch von anderen Faktoren
         abhängen kann. So können auf dem Markt für Original‑Kfz‑Ausrüstungen bei Erstausrüstung und Ersatzteilen unterschiedliche
         Wettbewerbskräfte am Wirken sein, so dass hier zwei relevante Märkte zu unterscheiden sind. Umgekehrt sind unterschiedliche
         Produktmerkmale noch nicht als solche ausreichend, um Nachfragesubstitutionen auszuschließen, da diese in hohem Maß davon
         abhängen, wie die Merkmalsunterschiede von den Kunden eingeschätzt werden.“
      
      522   In den Nummern 37 bis 43 der Bekanntmachung legt die Kommission sodann die verschiedenen Informationsquellen dar, die sie
         nutzen will, um eine bestehende Substitutionsmöglichkeit festzustellen.
      
      523   Wären die Nummern 36 ff. der Bekanntmachung dahin auszulegen, dass die Kommission in jedem von ihr geprüften Wettbewerbsfall
         bestimmte Arten spezifischer Faktoren zusammenstellen und berücksichtigen müsste, so bestünde ein offensichtlicher Widerspruch
         zwischen dieser Verpflichtung und dem vorstehend in den Randnummern 518 und 519 genannten Beurteilungsspielraum, über den
         die Kommission verfügt, um eine bestehende Substitutionsmöglichkeit jeweils anhand der Besonderheiten des Einzelfalls festzustellen.
      
      524   Wenn in Nummer 36 der Bekanntmachung über die Definition des Marktes erklärt wird, dass „[funktionale] Austauschbarkeit oder
         ähnliche Merkmale als solche [unter Umständen] noch keine ausreichenden Kriterien [sind], da die Kundenreaktion auf Änderungen
         bei den relativen Preisen auch von anderen Faktoren abhängen kann“, so ergibt sich daraus im Umkehrschluss, dass Erzeugnisse,
         die funktional austauschbar sind und ähnliche Merkmale aufweisen, in bestimmten Fällen oder sogar im Allgemeinen substituierbar
         sind, abgesehen von besonderen Umständen, aus denen das Gegenteil hervorgeht, wie etwa bei den im anschließenden Teil dieser
         Nummer als Beispiel genannten Ersatzteilen.
      
      525   Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass die Klägerin im Verwaltungsverfahren zwei konkrete Einwände
         gegen die von der Kommission vorgenommene Definition des Marktes erhoben habe (23. Begründungserwägung). Erstens sei das von
         BAe Systems hergestellte Flugzeug mit Honeywell‑Antrieb und der Bezeichnung Avro kein vollwertiger Wettbewerber auf dem Markt
         der großen Regionalflugzeuge, sondern vielmehr ein „Nischen“‑Produkt. Zweitens müssten zu diesem Markt auch die Kleinen Schmalrumpfflugzeuge
         von Airbus und Boeing (A318 und B717) gezählt werden.
      
      526   Die Kommission hat zwar kein treffendes konkretes Beispiel für den Wettbewerb zwischen großen viermotorigen Regionalflugzeugen
         mit Honeywell‑Antrieb und großen zweimotorigen Regionalflugzeugen mit GE‑Antrieb genannt, sie hat jedoch im Rahmen ihrer Erwiderung
         auf den ersten vorstehend dargelegten Einwand spezifische Fälle funktionaler Austauschbarkeit zwischen diesen Flugzeugen aufgezeigt,
         indem sie auf die Verwendung der Avro, insbesondere durch Sabena, hingewiesen hat. Die Kommission schließt daraus in der 25.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung: „Wie die Marktuntersuchung zeigte, schätzen die Fluggesellschaften zwar
         die besonderen Fähigkeiten der Avro, nutzen sie jedoch im Grunde wie jedes andere große Regionalflugzeug und begrenzen die
         Flugoperabilität der Maschine nicht allein auf Nischenbedingungen. Somit ist die Avro mit Honeywell‑Triebwerken eine Wettbewerbsalternative
         zu den anderen großen Regionalflugzeugen mit GE‑Triebwerken.“ Folglich ist festzustellen, dass sich die Kommission nicht auf
         eine theoretische Analyse mit Hilfe ihrer Marktdefinition nach Maßgabe eines abstrakten Einsatzprofils beschränkt hat, sondern
         der Frage einer realen Austauschbarkeit zwischen Avro und GE‑getriebenen Flugzeugen nachgegangen ist. Insoweit stützt sich
         ihre Schlussfolgerung in Bezug auf die Marktdefinition für große Regionalflugzeuge effektiv auf empirische Nachweise mit konkreten
         Beispielen.
      
      527   Der zweite vorstehend in Randnummer 525 genannte Einwand wird in der 27. bis 29. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         mit der Begründung zurückgewiesen, dass der Kaufpreis der beiden von der Klägerin erwähnten Flugzeugtypen wesentlich höher
         sei als für andere Flugzeuge, die zu den großen Regionalflugzeugen gezählt würden.
      
      528   Die Klägerin hat vor dem Gericht die auf der Marktuntersuchung der Kommission beruhenden Sachfeststellungen zur Austauschbarkeit
         zwischen Avro und anderen großen Regionalflugzeugen nicht bestritten und auch nicht das Argument aufgegriffen, dass die A319
         und B717 als große Regionalflugzeuge anzusehen seien. Sie beschränkt sich in dieser Hinsicht darauf, das Fehlen konkreter
         Beispiele für die Substituierbarkeit und wirtschaftlicher Studien der Kommission zu bemängeln, da sich die Kommission auf
         derartige Faktoren stützen wolle.
      
      529   Wenn die Klägerin auf dieses Fehlen hinweist, ohne konkret zu erklären, inwiefern ihres Erachtens die Marktdefinition der
         Kommission fehlerhaft ist, so kann dadurch die Beweislast nicht in dem Sinne umgekehrt werden, dass die Kommission derartige
         Beispiele vortragen müsste, um die Richtigkeit ihrer Marktdefinition nachzuweisen. Da die Kommission ihre einschlägige Marktdefinition
         grundsätzlich durch ausreichende Erwägungen gestützt hatte, indem sie insbesondere Kriterien in Bezug auf das Einsatzprofil
         der Flugzeuge vorgetragen hatte, musste die Klägerin dartun, dass diese Kriterien im vorliegenden Fall nicht für die Definition
         des Marktes der großen Regionalflugzeuge geeignet sind.
      
      530   Somit konnte die Kommission ohne offensichtlichen Beurteilungsfehler für die Definition des Marktes der großen Regionalflugzeuge
         auf ihre Analyse der Einsatzprofile der verschiedenen Flugzeugtypen zurückgreifen. Sie hat daher ihre Schlussfolgerung hinsichtlich
         der Definition dieses Marktes rechtlich hinreichend begründet.
      
      531   Überdies ist jedenfalls aufgrund der vor dem Gericht vorgetragenen Argumente und Sachverhaltselemente festzustellen, dass
         die Flugzeuge der Avro‑Familie nicht nur theoretisch, sondern auch konkret in Wettbewerb mit den GE‑getriebenen großen Regionalflugzeugen
         gestanden haben.
      
      532   Die Kommission hat vor dem Gericht ohne Widerspruch der Klägerin erklärt, dass die großen Regionalflugzeuge von BAe Systems
         offenbar 1994 als erste auf den Markt gebracht worden seien. Demnach standen die mit Honeywell‑Triebwerken ausgestatteten
         Flugzeuge notwendigerweise mit den neuen GE‑getriebenen Modellen in Wettbewerb, als Letztere auf den Markt gebracht wurden.
         Später hatten diese anderen Modelle offenbar einen so großen Erfolg zu verzeichnen, dass die Marktanteile von BAe Systems
         erheblich zurückgegangen sind, so dass BAe Systems das neue Avro‑Modell Avro RJX mit dem neuen Honeywell‑Triebwerk AS 900
         entwickelt hat. Unter diesen Umständen wäre es sinnwidrig, anzunehmen, dass die Avro‑Flugzeuge und die großen Regionalflugzeuge
         mit GE‑Triebwerk deshalb nicht miteinander in Wettbewerb stehen, weil Erstere ihre starke Marktposition wegen des Markteintritts
         der Letzteren und des daraus entstandenen Wettbewerbs verloren haben.
      
      533   Die Kommission hat zudem mit drei der Gegenerwiderung beigefügten Unterlagen Nachweise erbracht, dass die „Avro“ effektiv
         mit den anderen großen Regionalflugzeugen in Wettbewerb standen. Wenngleich diese Nachweise nicht erstmals vor dem Gericht
         herangezogen werden können, um die Richtigkeit der Würdigung der Kommission in der angefochtenen Entscheidung unmittelbar
         darzutun, so kann sich die Kommission doch auf sie beziehen, um auf sachlicher Ebene den Argumenten der Klägerin zu entgegnen,
         wonach die Kommission keine Beispiele für einen Wettbewerb zwischen den „Avro“ und den anderen großen Regionalflugzeugen habe
         beibringen können, da ein derartiger Wettbewerb nicht bestanden habe. Somit ist der Inhalt dieser Nachweise kurz zu prüfen.
      
      534   Die erste dieser drei Unterlagen ist eine Pressemitteilung von BAe Systems vom 16. Februar 1999, worin das Unternehmen sein
         neues Flugzeug Avro RJX mit Triebwerk von AlliedSignal – dieses Unternehmen hat sich später mit Honeywell zusammengeschlossen
         – als „Projekt mit geringem Risiko für Lieferanten und potenzielle Kunden im Vergleich zu den ehrgeizigen vollständig neuen
         über eine Milliarde USD hinausgehenden Luftfahrtprogrammen, die andere Hersteller vorschlagen“ („low risk for suppliers and
         potential customers compared with the ambitious, all new $1 billion-plus airframe programmes which other manufacturers are
         proposing“) vorstellt. 
      
      535   Die zweite Unterlage besteht aus einer Reihe kurzer Artikel über die großen Regionalflugzeuge von BAe Systems aus einem Nachrichtenblatt
         namens „Smiliner“ für das Jahr 2001. Aus einem dieser Artikel vom 29. Januar 2001 geht insbesondere hervor, dass nach dem
         Magazin Flight International eine europäische Fluggesellschaft im Wege der Ausschreibung eine Bestellung von bis zu 100 Regionalflugzeugen vorgesehen
         hat, wofür sie Avro RJX (mit Triebwerk von Honeywell) sowie Bombardier CRJ 700/900, Embraer 170/190 und Fairchild Dornier
         728JET/928JET (alle mit Triebwerk von GE) in Betracht gezogen hat. Nach einem anderen Artikel vom 30. Oktober 2001 steht Embraer 170
         in direktem Wettbewerb mit Avro RJX‑70 (für die noch keine Bestellung vorliegt) sowie mit den älteren BAe 146‑100 und Avro RJ70.
      
      536    Die dritte Unterlage besteht ebenfalls aus einer Reihe kurzer Artikel aus „Smiliner“, und zwar für das Jahr 1999. In einem
         dieser Artikel heißt es: „Während BAe Regional Aircraft vor einer förmlichen Einführungsentscheidung mit der Ausgestaltung
         der mit neuem Triebwerk ausgestatteten Avro RJX beschäftigt ist, haben Konkurrenten zwei ihrer Vorzeigekunden abgeworben“
         („[w]hile BAe Regional Aircraft completes final design on the reengined Avro RJX in anticipation of a formal launch decision,
         competitors have poached two of its high-profile customers“). In dem Artikel werden weiterhin zwei größere Aufträge von Fluggesellschaften
         beschrieben, wovon ein Auftrag für Fairchild Dornier 728 JET und der andere für ERJ‑170 und ERJ‑190/200 von Embraer erteilt
         wurde.
      
      537   Aus diesen drei Unterlagen geht im Ganzen gesehen hervor, dass die Flugzeuge der Avro‑Familie mit Honeywell‑Antrieb effektiv
         in Wettbewerb mit den Flugzeugen von Embraer, Fairchild Dornier und Bombardier mit GE‑Antrieb in Wettbewerb standen. Somit
         wird die Behauptung der Klägerin, es bestehe kein Wettbewerb zwischen den Avro und den anderen großen Regionalflugzeugen nicht
         nur nicht durch die von ihr vorgetragenen Faktoren untermauert, sondern zudem durch die Nachweise entkräftet, die die Kommission
         vor dem Gericht erbracht hat.
      
      538   Nach all diesen Erwägungen ist nicht festzustellen, dass der Kommission ein Sachfehler unterlaufen ist, indem sie zu dem Schluss
         gelangt ist, dass die großen viermotorigen Regionalflugzeuge mit Honeywell‑Triebwerk und die großen zweimotorigen Regionalflugzeuge
         mit GE‑Triebwerk miteinander in Wettbewerb stünden. Zudem ist nicht festzustellen, dass die Kommission einen offensichtlichen
         Beurteilungsfehler begangen hat, indem sie ihr Marktdefinitionssystem nach Maßgabe des Einsatzprofils des jeweiligen Flugzeugs
         angewandt hat und damit zu dem Schluss gelangt ist, dass die von Honeywell und der Klägerin hergestellten Triebwerke demselben
         Markt der Triebwerke für große Regionalflugzeuge zuzuordnen seien.
      
       Zur vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin
      539   Nach dieser Definition des Marktes der großen Regionalflugzeuge ist die Kommission der Auffassung, dass die Klägerin auf diesem
         Markt eine beherrschende Stellung innegehabt habe und dass diese Position durch den Zusammenschluss verstärkt würde. Sie führt
         hierzu aus, dass die Klägerin durch den Zusammenschluss bezogen auf den Triebwerksbestand bei allen Flugzeugen dieser Kategorie
         von einem Marktanteil von [40‑50] % zu einem Marktanteil von [90‑100] % und bezogen auf den entsprechenden Triebwerksbestand
         allein bei den Flugzeugen, die noch hergestellt würden, von [60‑70] % zu 100 % gelangen könnte (84. Begründungserwägung der
         angefochtenen Entscheidung). Bei den Aufträgen für Flugzeuge, die noch nicht in Dienst gestellt seien, würde die Klägerin
         von einem Marktanteil von [90‑100] % zu einem Marktanteil von 100 % gelangen (85. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).
      
      540   In Bezug auf das Vorliegen einer vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin genügt der Hinweis, dass nach ständiger
         Rechtsprechung zwar die Bedeutung der Marktanteile von einem Markt zum anderen unterschiedlich sein kann, jedoch zu Recht
         anzunehmen ist, dass besonders hohe Anteile – von außergewöhnlichen Umständen abgesehen – ohne weiteres den Beweis für das
         Vorliegen einer beherrschenden Stellung liefern (Urteile Hoffmann‑La Roche/Kommission, oben zitiert in Randnr. 101, Randnr.
         41, und Endemol/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 134). Das von der Klägerin in Bezug auf ihre vorbestehende
         beherrschende Stellung vorgetragene Argument, dass der Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge ein Ausschreibungsmarkt
         sei, bei dem die früheren Marktanteile weniger wichtig seien als bei anderen Märkten, entkräftet diese Feststellung in Anbetracht
         des weit überwiegenden Marktanteils der Klägerin bei Flugzeugen, die zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung
         noch nicht in Dienst gestellt waren, [90 bis 100] %, nicht. Die Klägerin widerspricht im Zusammenhang mit großen Regionalflugzeugen
         der Verwendung von Zahlen in Bezug auf die noch nicht in Dienst gestellten Flugzeuge nicht und greift bei ihren Argumenten
         zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses auf diesen Markt spezifisch auf sie zurück. Die Berücksichtigung der genannten Zahlen
         war für den Markt der großen Regionalflugzeuge in Anbetracht des in der 431. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         festgestellten schnellen Wachstums dieses Marktes besonders begründet.
      
      541   Gegenüber dem Argument der Klägerin, P & W und Rolls‑Royce seien glaubwürdige Mitbewerber auf dem Markt der großen Regionalflugzeuge,
         genügt die Feststellung, dass diese Triebwerkhersteller zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung keinen Verkauf
         von Triebwerken für große Regionalflugzeuge getätigt hatten. Ihre Teilnahme an Ausschreibungen für den Antrieb bestimmter
         großer Regionalflugzeuge scheint nicht zum Erfolg geführt zu haben. Die Kommission konnte daher, ohne einem offensichtlichen
         Beurteilungsfehler zu unterliegen, trotz des Umstands, dass der Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge durch nicht häufig
         stattfindende Ausschreibungen gekennzeichnet ist, davon ausgehen, dass der potenzielle künftige Wettbewerb von Triebwerkherstellern,
         die zum maßgeblichen Zeitpunkt keinen Absatz auf dem relevanten Markt zu verzeichnen hatten, gegenwärtig keinen ernsthaften
         Ausgleichsfaktor darstellt, der die Feststellung erlauben würde, dass die Klägerin auf diesem Markt keine beherrschende Stellung
         innehätte.
      
      542   Die Kommission konnte aufgrund des weit überwiegenden Marktanteils der Klägerin vor dem Zusammenschluss in der 86. und 87.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu Recht das Vorliegen einer beherrschenden Stellung der Klägerin auf dem
         genannten Markt feststellen, ohne dass das Gericht den Einfluss der verschiedenen Faktoren zu prüfen braucht, die nach Ansicht
         der Kommission zu dieser vor dem Zusammenschluss bestehenden beherrschenden Stellung beitragen (107. bis 229. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung, vgl. auch oben, Randnrn. 114 ff.).
      
       Zur Verstärkung der beherrschenden Stellung
      543   Die Klägerin führt aus, dass eine vorbestehende beherrschende Stellung durch einen auf den Auftragsbestand bezogenen hinzukommenden
         Marktanteil von [10 bis 20] % bei vorhandenen Flugzeugtypen, die noch hergestellt würden, nur unbedeutend verstärkt würde,
         wobei sie sich darauf beruft, dass die Kommission selbst in der 429. Begründungserwägung eingeräumt habe, dass diese Zunahme
         „eher geringfügig“ sei. Zunächst ist festzustellen, dass die Zunahme des Marktanteils in Höhe von [30 bis 40] % dieses Marktes
         in Bezug auf den Triebwerksbestand bei noch hergestellten Flugzeugen erheblich größer ist als die vorerwähnten [10 bis 20] %.
         Ferner ist die Zunahme der Marktanteile in Höhe von [10 bis 20] % des Marktes bezogen auf den Auftragsbestand für vorhandene
         Flugzeugtypen, die noch hergestellt werden, als bedeutsam anzusehen, da sie den Marktanteil der durch den Zusammenschluss
         entstehenden Einheit auf 100 % anhebt (vgl. 428. und 429. Begründungserwägung). Dasselbe gilt für die Zunahme in Höhe von
         [0 bis 10] % des Marktes, die bei den Aufträgen für noch nicht in Dienst gestellte Flugzeuge festgestellt wurde (oben, Randnr.
         539). Andererseits ist im Kontext des Artikels 2 der Verordnung Nr. 4064/89 eine weitergehende unabdingbare Forderung in der
         zweiten, umfassenderen Voraussetzung enthalten, wonach die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung zur Folge
         haben muss, dass ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt oder in einem wesentlichen Teil desselben erheblich behindert
         würde. Diese Voraussetzung wird im Zusammenhang mit den großen Regionalflugzeugen nachstehend unter dem Titel „Auswirkungen
         auf den Wettbewerb“ geprüft.
      
      544   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Kommission keinen Rechtsfehler oder offensichtlichen Beurteilungsfehler
         begangen hat, als sie zu der Feststellung gelangt ist, dass der Zusammenschluss die bereits bestehende beherrschende Stellung
         der Klägerin auf dem Markt der großen Regionalflugzeuge verstärken würde.
      
       Zu den Auswirkungen der Verstärkung der beherrschenden Stellung auf den Wettbewerb
      545   Zur Rüge der Klägerin, die Kommission habe nicht gemäß den Anforderungen des zweiten in Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 4064/89 enthaltenen Kriteriums (vlg. oben, Randnrn. 84 bis 91) die Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den Triebwerksmarkt
         für große Regionalflugzeuge geprüft, ist zunächst festzustellen, dass die Kommission in Bezug auf die horizontale Überschneidung
         bei Triebwerken für große Regionalflugzeuge ausdrücklich die Auffassung zum Ausdruck gebracht hat, dass sich diese Überschneidung
         bei vorhandenen Flugzeugtypen unmittelbar wettbewerbswidrig auswirken würde. Sie erklärt insbesondere in der 429. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung, dass „sich der Marktanteil durch die Fusion zwar nur eher geringfügig (um etwa [10‑20] % bezogen
         auf den Auftragsbestand) [erhöht]“, dass aber den Abnehmern die Möglichkeit genommen werde, Vorteile eines Preiswettbewerbs
         bei Triebwerken in Bezug auf die gegenwärtig auf dem Markt verfügbaren großen Regionalflugzeuge zu nutzen. Da die Kommission
         bereits in der 84. bis 87. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung festgestellt hat, dass die Fusionseinheit bezogen
         auf den Triebwerksbestand einen 100%igen Marktanteil bei Triebwerken für gegenwärtig hergestellte Flugzeugtypen und bei Triebwerken
         für Flugzeugtypen hätte, für die das Triebwerk bereits ausgewählt wurde, die jedoch noch nicht in Dienst gestellt waren, bedeutet
         dies, dass der genannte Verlust der sich aus diesem Wettbewerb ergebenden Vorteile absolut wäre.
      
      546   Wie bereits vorstehend in den Randnummern 502 ff. im Zusammenhang mit der Definition des Marktes der großen Regionalflugzeuge
         ausgeführt, ist das Argument der Klägerin zurückzuweisen, dass ein Preiswettbewerb bei den Triebwerken praktisch unmöglich
         sei, da jedes Flugzeug ausschließlich mit einem alleinigen Triebwerk ausgestattet sei und der Preis des Flugzeugs bereits
         feststehe. Aus auf Unterlagen beruhenden Nachweisen (vgl. oben insbesondere Randnr. 504) geht nämlich hervor, dass der Triebwerkhersteller
         zur Förderung des Flugzeugabsatzes und damit des Absatzes seines Triebwerks Preisvergünstigungen insbesondere bei Leistungen
         des Anschlussmarktes und Ersatzteilen selbst dann noch anbieten kann, wenn ein alleiniger Triebwerktyp für ein Flugzeugmodell
         ausgewählt wurde und der Flugzeughersteller den Preis für das Triebwerk festgelegt hat (vgl. auch 391. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung). Somit hat die Kommission entgegen der Behauptung der Klägerin keinen Sachfehler begangen,
         als sie das Bestehen einer realen Möglichkeit indirekten Preiswettbewerbs bei Triebwerken für bereits auf dem Markt befindliche
         große Regionalflugzeuge festgestellt und darauf hingewiesen hat, dass diese Möglichkeit entfallen würde, wenn der Zusammenschluss
         zustande käme.
      
      547   Zudem hat die Kommission in der 9. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass der Wettbewerb zweiten
         Grades auf den verschiedenen Triebwerksmärkten „technisch und kommerziell“ stattfinde, „um von der Fluggesellschaft ausgewählt
         zu werden“. Die Kommission hat im gerichtlichen Verfahren erklärt, dass Honeywell vor dem Zusammenschluss großes Interesse
         daran gehabt habe, die Abnehmer für Avro RJ und RJX zu gewinnen, indem es bestrebt gewesen sei, für sein Triebwerk sowohl
         preislich als auch technologisch eine im Vergleich zu den GE‑getriebenen großen Regionalflugzeugen möglichst wettbewerbsfähige
         Position herbeizuführen, dass aber dieses Interesse durch den Zusammenschluss entfallen würde. Somit geht aus der angefochtenen
         Entscheidung hervor, dass sich die horizontale Überschneidung auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge zusätzlich
         zu den in der 429. Begründungserwägung festgestellten Auswirkungen in Bezug auf den Preiswettbewerb auch allgemeiner negativ
         auf den Wettbewerb dieses Marktes auswirken würde.
      
      548   Das Vorbringen der Klägerin, dass sich der Zusammenschluss nur unwesentlich auf den relevanten Markt auswirken würde, ist
         ebenfalls zurückzuweisen. Wenn nämlich die Erhöhung des Marktanteils im Vergleich zum Marktanteil, den die Klägerin bereits
         besessen hat, verhältnismäßig gering ist, so beruht dies gerade darauf, dass die Klägerin bereits einen sehr großen Marktanteil
         aufzuweisen hatte und dadurch in den Genuss der oben beschriebenen sehr ausgeprägten vorbestehenden beherrschenden Stellung
         gelangen konnte und dass Honeywell der einzige Mitbewerber war, der zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung
         einen Triebwerkabsatz auf diesem Markt zu verzeichnen hatte. Der von der Kommission zu Recht festgestellte Umstand, dass der
         Zusammenschluss durch die Herbeiführung eines Monopols der Fusionseinheit bei gegenwärtig noch hergestellten Flugzeugen oder
         bei Flugzeugen, die noch nicht in Dienst gestellt waren, für die der Flugzeughersteller jedoch das Triebwerk ausgewählt hatte,
         sofort jeden Preiswettbewerb ausschalten würde, hat zur Folge, dass die Auswirkung des Zusammenschlusses auf den Markt über
         den Einfluss hinausgehen würde, der sich normalerweise aus einer Marktanteilserhöhung von [10 bis 20] % auf der Basis eines
         niedrigen Marktanteils ergeben würde. Das endgültige Ausscheiden von Honeywell als selbständiger Triebwerkhersteller würde
         nicht nur das Kräfteverhältnis, sondern auch die Eigenart der Wettbewerbssituation auf dem Markt verändern, indem die Marktstruktur
         nachhaltig oder sogar permanent verändert würde. Der einzige – rein potenzielle – Wettbewerb, der für den Antrieb künftiger
         großer Regionalflugzeuge verbliebe, würde auf die Triebwerkhersteller entfallen, die gegenwärtig nur einen Absatz auf anderen,
         indessen verwandten Märkten zu verzeichnen haben. In Anbetracht der Dauer des für einen Flugzeugtyp benötigten Entwicklungsprozesses
         könnte ein derartiger Wettbewerb hypothetisch seine positive Wirkung für die Abnehmer großer Regionalflugzeuge erst mehrere
         Jahre nach dem Erlass der angefochtenen Entscheidung entfalten.
      
      549   Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung in Bezug auf die Anwendung von Artikel 82 EG die Feststellung,
         dass eine marktbeherrschende Stellung gegeben ist, für sich allein keinen Vorwurf gegenüber dem betreffenden Unternehmen beinhaltet,
         sondern nur bedeutet, dass dieses unabhängig von den Ursachen dieser Stellung eine besondere Verantwortung dafür trägt, dass
         es durch sein Verhalten einen wirksamen und unverfälschten Wettbewerb im Gemeinsamen Markt nicht beeinträchtigt (vgl. z. B.
         Urteil Michelin/Kommission, oben zitiert in Randnr. 114, Randnr. 57, und Urteil des Gerichts vom 30 September 2003 in den
         verbundenen Rechtssachen T‑191/98, T‑212/98 und T‑214/98, Atlantic Container Line u. a./Kommission, Slg. 2003, II‑3275, Randnr.
         1109). Zudem ist der Begriff der missbräuchlichen Ausnutzung im Sinne von Artikel 82 EG ein objektiver Begriff. Er erfasst
         die Verhaltensweisen eines Unternehmens in beherrschender Stellung, die die Struktur eines Marktes beeinflussen können, auf
         dem der Wettbewerb gerade wegen der Anwesenheit des fraglichen Unternehmens bereits geschwächt ist, und die die Aufrechterhaltung
         des auf dem Markt noch bestehenden Wettbewerbs oder dessen Entwicklung durch die Verwendung von Mitteln behindern, welche
         von den Mitteln eines normalen Produkt‑ oder Dienstleistungswettbewerbs auf der Grundlage der Leistungen der Marktteilnehmer
         abweichen (Urteil Hoffmann-La Roche/Kommission, oben zitiert in Randnr. 101, Randnr. 91).
      
      550   Ist indessen, wie im vorliegenden Fall, der einzige gegenwärtige Wettbewerb auf einem Markt indirekt und bereits verhältnismäßig
         schwach, so ist es besonders schädlich, wenn ein Unternehmen den einzigen Wettbewerber, der noch einen Absatz auf diesem Markt
         aufzuweisen hat, übernimmt. Die vorerwähnten Grundsätze, die im Hinblick auf das Verbot der Ausnutzung einer beherrschenden
         Stellung erstellt wurden, sind entsprechend auf den verwandten rechtlichen Rahmen der Fusionskontrolle anzuwenden; je ausgeprägter
         hierbei die beherrschende Stellung eines Unternehmens ist, desto mehr trägt es eine besondere Verantwortung dafür, dass es
         alles unterlässt, was den auf dem Markt noch bestehenden Wettbewerb weiter schwächen oder gar beseitigen könnte.
      
      551   Folglich ist grundsätzlich das Vorbringen zurückzuweisen, dass die Übernahme des einzigen gegenwärtig auf einem Markt vorhandenen
         Mitbewerbers durch ein Unternehmen, das eine beherrschende Stellung innehat, diese beherrschende Stellung nicht in der Weise
         verstärken würde, dass ein wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde, da die Marktposition des Mitbewerbers
         ohnehin schwach und der von ihm geleistete Wettbewerb rein indirekter Art sei, also auf zweiter Ebene stattfindet. Unter solchen
         Umständen müssen die Fusionsparteien nachweisen, dass vor dem Zusammenschluss kein effektiver Wettbewerb auf dem betreffenden
         Markt bestanden hat. In Ermangelung dessen kann der Gemeinschaftsrichter nicht zu dem Schluss gelangen, dass die Kommission
         einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat, indem sie auf das Ausscheiden des letzten gegenwärtigen Wettbewerbers
         die Auffassung gestützt hat, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde.
      
      552   Die Kommission hat in der 431. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auf das starke Wachstum des Marktes der
         großen Regionalflugzeuge und auf die künftige Bedeutung dieses Marktes für die Luftfahrt hingewiesen. Sie hat in der 20. Begründungserwägung
         auch zu bedenken gegeben, dass diese Flugzeuge 1992 14 % des europäischen Flugzeugbestands ausgemacht hätten und dieser Anteil
         1998 bereits auf 33 % angewachsen sei. Ein derartiges Wachstum bei den Flugzeugen schlägt sich natürlich unmittelbar auf die
         Triebwerke nieder, die für deren Antrieb gebraucht werden. Die Kommission konnte also bei ihrer Feststellung, dass sich der
         Zusammenschluss in erheblichem Maß abträglich auf den Wettbewerb im Gemeinsamen Markt auswirken würde, die im umfassenderen
         allgemeinen Kontext der Flugzeug‑ und Triebwerksmärkte zunehmende Bedeutung des spezifischen Marktes, auf dem ein Monopol
         durch den Zusammenschluss begründet würde, beachten und berücksichtigen. 
      
      553   Somit hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung in angemessener Weise die wettbewerbswidrigen Auswirkungen dargelegt,
         die der Zusammenschluss auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge vor allem in unmittelbarer Zukunft aufgrund der
         horizontalen Überschneidung der Tätigkeiten der Fusionsparteien auf diesem Markt mit sich bringen würde. Die angefochtene
         Entscheidung weist daher in dieser Hinsicht weder einen Rechtsfehler in Bezug auf die Anwendung der beiden in Artikel 2 Absatz
         3 der Verordnung Nr. 4064/89 genannten Kriterien noch einen Begründungsfehler auf. Der Kommission ist auch kein Sachfehler
         oder offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie zu dem Schluss gelangt ist, dass der Wettbewerb auf diesem Markt
         somit erheblich behindert würde.
      
      554   Es ist daher nicht erforderlich, die 432. bis 434. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu prüfen, die sich
         mit den Auswirkungen – insbesondere den Konglomerat‑Wirkungen – des Zusammenschlusses auf künftige Ausschreibungen für diesen
         Markt befassen. Die genannte Prüfung erübrigt sich, da die Kommission in der angefochtenen Entscheidung deutlich dargetan
         hat, dass die beiden Kriterien des Artikels 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4064/89 in Bezug auf den Triebwerksmarkt für große
         Regionalflugzeuge wegen der in unmittelbarer Zukunft zu erwartenden Auswirkung der horizontalen Überschneidung aufgrund des
         Zusammenschlusses erfüllt sind.
      
       Zur Ablehnung der Verpflichtungserklärung für große Regionalflugzeuge durch die Kommission
      555   Die Kommission ist im Rahmen der Verordnung Nr. 4064/89 nur befugt, solche Verpflichtungserklärungen anzunehmen, die das angemeldete
         Vorhaben mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar machen können (vgl. in diesem Sinne Urteil Gencor/Kommission, oben zitiert in
         Randnr. 85, Randnr. 318). Von den Parteien vorgeschlagene strukturelle Verpflichtungen erfüllen diese Voraussetzung nur, wenn
         die Kommission mit Sicherheit davon ausgehen kann, dass sie umgesetzt werden können, und wenn die dadurch entstehenden neuen
         Unternehmensstrukturen so existenzfähig und beständig sind, dass sie in absehbarer Zeit keine Begründung oder Verstärkung
         einer beherrschenden Stellung oder Behinderungen eines wirksamen Wettbewerbs, die durch die Verpflichtungen verhindert werden
         sollen, ergeben können.
      
      556   Nach der 519. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung würde die von den Parteien vorgeschlagene Ausgliederung der
         Honeywell‑Produktion von Triebwerken für große Regionalflugzeuge im Fall ihrer Realisierbarkeit im Grunde genügen, um das
         für diesen Markt festgestellte Wettbewerbsproblem auszuräumen.
      
      557   Die Kommission stellt jedoch fest, dass eine derartige Ausgliederung schwierig zu realisieren wäre, da dem vor allem […] aus
         praktischen und kommerziellen Gründen entgegenstünde, insbesondere wegen der mangelnden Lebensfähigkeit des Unternehmens,
         das aus der geplanten Ausgliederung hervorgehe.
      
      558   Sie führt hierzu in der 520. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, […] und dass es daher ungewiss sei, ob
         die vorgeschlagene Abhilfemaßnahme wirklich geeignet sei, das festgestellte Wettbewerbsproblem auszuräumen. Sie gibt auch
         zu bedenken, dass die Zusage keine Ausgliederungsalternative vorsehe. In der 522. Begründungserwägung werden – wohl hilfsweise
         – mehrere praktische Probleme aufgezählt, die mit der Zusage ohnehin nicht hinreichend geklärt seien.
      
      559   Da sich die Klägerin im gerichtlichen Verfahren auf die Behauptung beschränkt hat, dass die von der Kommission festgestellten
         Schwierigkeiten, die mit dieser Zusage verbunden seien, jeder Grundlage entbehrten, hat sie keine konkreten Argumente oder
         Beweise vorgetragen, die die Beurteilung der Kommission hinsichtlich der Undurchführbarkeit der vorgeschlagenen Ausgliederung
         widerlegen könnten.
      
      560   Hervorzuheben ist insbesondere der von der Kommission in der 520. Begründungserwägung erwähnte und von der Klägerin nicht
         bestrittene Umstand, dass […]. Aus der Stelle […] der Unterlage, in der die am 14. Juni 2001 vorgeschlagenen Verpflichtungserklärungen
         dargelegt werden, geht nämlich hervor, dass […]. Im Fall […] wäre die Fusionseinheit demnach von ihrer Verpflichtung gegenüber
         der Kommission entbunden, ohne dass die Ausgliederung durchgeführt wäre, sofern […]. 
      
      561   Somit konnte die Kommission zu Recht feststellen, dass die Verpflichtungserklärung in der vorgeschlagenen Weise nicht angenommen
         werden kann. Diese Verpflichtungserklärung ist daher im vorliegenden Verfahren nicht zu berücksichtigen.
      
       Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge
      562   In Bezug auf die Auffassung der Kommission, dass die verschiedenen Teile ihrer Entscheidung sich gegenseitig verstärkten,
         so dass es sachwidrig wäre, jeden einzelnen Markt getrennt zu beurteilen (vgl. oben, Randnrn. 40 und 48), ist festzustellen,
         dass dieser Behauptung allgemeiner Art im Zusammenhang mit den im vorliegenden Abschnitt des Urteils geprüften Faktoren jedenfalls
         keine Bedeutung zukommt. Insbesondere haben die vorstehend vom Gericht festgestellten Fehler der Kommission bei der Beurteilung
         der vertikalen Überschneidung zwischen Startern und Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge und bei der Beurteilung in Bezug
         auf die verschiedenen Konglomerat‑Wirkungen keinen Einfluss auf die Feststellung des Gerichts zur Verstärkung der beherrschenden
         Stellung der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge aufgrund der sich aus dem Zusammenschluss ergebenden
         horizontalen Überschneidung mit der Folge, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde.
      
      563   Somit ist die in der angefochtenen Entscheidung als Pfeiler der dortigen Erwägungen geltend gemachte, sich aus der horizontalen
         Überschneidung der Produktionstätigkeiten der beiden Fusionsparteien auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge ergebende
         Verstärkung einer beherrschenden Stellung der Klägerin, durch die der Wettbewerb in diesem Marktsegment des Gemeinsamen Marktes
         erheblich behindert würde, rechtlich hinreichend dargetan.
      
      2.     Zu den Triebwerken für Geschäftsflugzeuge
      a)     Vorbringen der Parteien
      564   Nach Ansicht der Klägerin enthält die Analyse der Kommission hinsichtlich der Definition des Triebwerksmarktes für Geschäftsflugzeuge
         dieselben Fehler wie das Untersuchungsergebnis in Bezug auf die Triebwerke für große Regionalflugzeuge. Die Triebwerke der
         Klägerin und von Honeywell seien, so führt die Klägerin aus, in Anbetracht unterschiedlicher Schubkraft und Konzeption weder
         gegenwärtig noch künftig untereinander austauschbar. Die Kommission stütze sich sodann auf die nicht nachgewiesenen Auswirkungen
         der vertikalen Integration in Bezug auf GECCAG. Zudem habe sie zu Unrecht die Verpflichtungserklärungen hinsichtlich des Triebwerksmarktes
         für Geschäftsflugzeuge abgelehnt.
      
      565   Die Kommission verweist entsprechend auf ihr Untersuchungsergebnis bei Triebwerken für große Regionalflugzeuge und erklärt,
         dass der Zusammenschluss insbesondere wegen der unterschiedlichen Größe des Marktanteils der Fusionseinheit und deren Mitbewerber
         eine beherrschende Stellung bei Geschäftsflugzeugen begründen würde. Sie bemerkt ferner, dass sich die Kritik der Klägerin
         an der Ablehnung der Verpflichtungserklärungen für diesen Markt auf bloße Behauptungen beschränke und sich nicht zur Gültigkeit
         der angefochtenen Entscheidung äußere.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      566   Die Kommission hat in diesem Rahmen einen alleinigen Markt festgelegt, der alle Geschäftsflugzeuge umfasst, sie hat in der
         32. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung jedoch auch festgestellt, dass „die drei Flugzeuggruppen [schwere,
         mittlere und leichte Flugzeuge] nachfrageseitig nicht untereinander austauschbar [sind]. Der Grund dafür sind die Unterschiede
         im Preis und bei den Betriebskosten sowie die unterschiedlichen Einsatzprofile, für die die jeweilige Gruppe geeignet ist.“
         Zur Einteilung dieses Marktsegments in drei „Gruppen“ (sectors) bemerkt die Kommission, es bestehe keine Notwendigkeit einer
         endgültigen Stellungnahme zu der Frage, ob die drei Gruppen getrennten Märkten zuzuordnen seien, da die wettbewerbsrechtliche
         Würdigung davon nicht berührt werde.
      
      567   In der 436. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung werden die Argumente der Fusionsparteien zur Definition des
         Marktes mit der Behauptung zurückgewiesen, dass sie auf einem Wettbewerb für den jeweiligen Flugzeugtyp beruhten. Die Kommission
         führt aus: „Dies ist jedoch nicht die Art und Weise, in der Produktmärkte im Falle von Geschäftsflugzeugen definiert worden
         sind, entspricht sie doch nicht den Grundsätzen der Marktdefinition, da sie die Substituierbarkeit auf der Angebots‑ und Nachfrageseite
         außer Acht lässt.“
      
      568   Das Vorbringen der Klägerin im gerichtlichen Verfahren besteht im Wesentlichen in einer Wiederholung der Kritik an der Marktdefinition
         für große Regionalflugzeuge, wobei namentlich gerügt wird, dass die Kommission die Märkte für die Triebwerke nach Maßgabe
         der von diesen getriebenen Flugzeuge und nicht entsprechend den eigenen Merkmalen der Triebwerke definiert habe. Wie bereits
         vorstehend in den Randnummern 492 ff. im Zusammenhang mit den großen Regionalflugzeugen dargelegt, hat die Kommission in der
         9. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung erklärt, weshalb der Wettbewerb zwischen den Flugzeugen bei der Definition
         der Märkte für die diesen als Antrieb dienenden Triebwerke zu berücksichtigen ist.
      
      569   Dem Gericht liegen keine genauen Angaben der Klägerin zur Definition des Marktes der Geschäftsflugzeuge vor. Da sich der Umfang
         der sachlichen Kontrolle des Gemeinschaftsrichters grundsätzlich nach den Klagegründen und dem Vorbringen des Klägers in der
         Klageschrift bestimmt, ist diese Frage im vorliegenden Fall nicht zu prüfen. Da keine spezifischen Anhaltspunkte vorliegen,
         die im Widerspruch dazu stehen, dass das Untersuchungsergebnis der Kommission hinsichtlich des Wettbewerbs auf zweiter Ebene
         auf Geschäftsflugzeuge Anwendung findet, ist festzustellen, dass der Kommission bei der Definition des Triebwerksmarktes für
         Geschäftsflugzeuge kein Sachfehler oder offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen ist. Soweit die Klägerin im Ganzen
         auf ihr Vorbringen gegen die Definition des Triebwerksmarktes für große Regionalflugzeuge verweist, ist dieses Vorbringen
         aus denselben Gründen entsprechend zurückzuweisen (vgl. oben, Randnrn. 492 ff.).
      
      570   Zur Begründung einer beherrschenden Stellung auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge stützt sich die Kommission in
         der 435. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausschließlich auf die Größe der Marktanteile der Fusionseinheit,
         um zu dem Schluss zu gelangen, dass eine beherrschende Stellung auf diesem Markt begründet würde. Sie erklärt dort: „Die unmittelbare
         Auswirkung der geplanten Fusion auf den Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge ist die Entstehung einer horizontalen Überschneidung,
         die zur Begründung einer beherrschenden Stellung führen wird.“ Die Kommission nennt hierbei folgende Anteile: [50 bis 60] %
         (GE: [10 bis 20] %, Honeywell: [40 bis 50] %) am gesamten Triebwerksbestand dieses Marktes und [80 bis 90] % (GE: [10 bis
         20] %, Honeywell: [70 bis 80] %) am Triebwerksbestand allein bei mittleren Geschäftsflugzeugen, die noch hergestellt werden;
         dieser Ausgangspunkt für den Marktanteil ist nach Ansicht der Kommission geeignet, um die Stärke der Triebwerkhersteller auf
         dem relevanten Markt zu beurteilen.
      
      571   Ein Anteil von [50 bis 60] % am gesamten Triebwerksbestand bei Geschäftsflugzeugen deutet grundsätzlich auf eine beherrschende
         Stellung hin. Wenn die Bedeutung der Marktanteile auch von einem Markt zum anderen unterschiedlich sein kann, so kann man
         nämlich nach ständiger Rechtsprechung doch zu Recht annehmen, dass besonders hohe Anteile – von außergewöhnlichen Umständen
         abgesehen – ohne weiteres den Beweis für das Vorliegen einer beherrschenden Stellung liefern (Urteile Hoffmann-La Roche/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 101, Randnr. 41, und Endemol/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 134). Dies ist, wie
         der Gerichtshof in Randnummer 60 des Urteils AKZO/Kommission (oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 60) festgestellt hat, bei
         einem Marktanteil von 50 % der Fall.
      
      572   Die Klägerin hat für den Markt der Geschäftsflugzeuge keine „außergewöhnlichen Umstände“ im Sinne des vorgenannten Urteils
         AKZO/Kommission nachgewiesen oder auch nur vorgetragen, durch die die Schlussfolgerung entkräftet werden könnte, zu der die
         Kommission in der angefochtenen Entscheidung anhand des Marktanteils der Fusionseinheit am gesamten Triebwerksbestand in Bezug
         auf die Begründung einer beherrschenden Stellung auf dem genannten Markt gelangt ist.
      
      573   Der Anteil von [80 bis 90] %, der in der 88. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung für den Triebwerksbestand
         allein bei mittleren Geschäftsflugzeugen, die noch hergestellt werden – dieser Ausgangspunkt ist nach Ansicht der Kommission
         für die Beurteilung der Marktstärke eines Triebwerkherstellers besonders geeignet (41. Begründungserwägung) –, angegeben wird,
         zeigt jedenfalls klar, dass die Fusionseinheit diesen Sektor nach dem Zusammenschluss beherrschen würde. Da die Kommission
         diese Flugzeuggruppe nicht als getrennten Markt eingestuft hat, wird durch die vorstehende Feststellung nicht das Vorliegen
         einer beherrschenden Stellung als solcher auf einem gesonderten Markt im Sinne von Artikel 2 der Verordnung Nr. 4064/89 dargetan.
         Der betreffende Marktanteil lässt jedoch erkennen, dass die Fusionseinheit auf bestimmten Sektoren des relevanten Marktes
         stärker wäre als auf dem Markt im Allgemeinen, wodurch die Schlussfolgerung der Kommission in Bezug auf das nach dem Zusammenschluss
         zu erwartende Vorliegen einer beherrschenden Stellung der Fusionseinheit auf dem im Ganzen betrachteten Markt gefestigt wird.
      
      574   Somit ist der Kommission kein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie zu dem Schluss gelangt ist, dass durch
         den Zusammenschluss aufgrund der horizontalen Überschneidung der Triebwerkherstellung der Klägerin und von Honeywell für Geschäftsflugzeuge
         eine beherrschende Stellung begründet würde.
      
      575   Im Übrigen rügt die Klägerin ausdrücklich die Erwägungen der Kommission zum Markt der Geschäftsflugzeuge in Bezug auf den
         angeblichen Einfluss von GECCAG als Käufer aufgrund einer Präferenzkaufpolitik. Es ist festzustellen, dass die wesentlichen
         empirischen Elemente, die die Analyse der Kommission hinsichtlich des früheren Verhaltens von GECAS (Begründungserwägung 121 ff.
         der angefochtenen Entscheidung sowie oben, Randnrn. 182 ff.) stützen, in Bezug auf GECCAG fehlen. In Ermangelung einer eingehenden
         Untersuchung in der angefochtenen Entscheidung, aus der hervorgeht, dass es im Geschäftsinteresse der Fusionseinheit liegen
         würde, eine Politik spekulativer Flugzeugkäufe durch GECCAG mit einer starken Präferenz für Flugzeuge mit Triebwerken der
         neuen Unternehmenseinheit oder gar eine Politik ausschließlicher Käufe dieser Art zu betreiben, und dass daher ein derartiges
         Vorgehen wahrscheinlich ist, muss dieser Teil der Erwägungen der Kommission als nicht begründet angesehen werden.
      
      576   Zu der in der 443. und 444. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung enthaltenen und von der Klägerin ebenfalls
         bemängelten Darlegung der Möglichkeit des Verkaufs von Produktpaketen beim Absatz von Geschäftsflugzeugen ist zu bemerken,
         dass derartige Verkäufe bereits vor dem Zusammenschluss möglich waren, da sich Honeywell auf dem Markt der Geschäftsflugzeuge
         und zudem auf mehreren Märkten von Avionikprodukten und sonstigen Erzeugnissen für diese Flugzeuge bereits in einer Führungsposition
         befand. Der Marktanteil der Klägerin bei Triebwerken für Geschäftsflugzeuge war vor dem Zusammenschluss hingegen gering. Selbst
         wenn also feststünde, dass künftige Verkäufe von Produktpaketen beim Absatz von Geschäftsflugzeugen wahrscheinlich sind, wäre
         nicht nachgewiesen, dass der Zusammenschluss die Hauptursache hierfür wäre oder dass er sich in dieser Hinsicht erheblich
         auswirken würde. 
      
      577   Somit ist festzustellen, dass die Kommission aus den vorstehend in den Randnummern 339 ff. dargelegten Gründen keine aussagekräftigen
         Beweise dafür erbracht hat, dass die Fusionseinheit voraussichtlich in dieser Weise vorgehen würde. Daher kann dieser Teil
         des Vorbringens der Kommission, der sich auf die künftige Praxis des Verkaufs von Produktpaketen beim Absatz von Geschäftsflugzeugen
         bezieht, nicht als eine Folge des angemeldeten Vorhabens anerkannt werden, die zur Begründung der beherrschenden Stellung
         der Fusionseinheit auf dem relevanten Markt beitragen würde.
      
      578   Aus dem in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Abschnitt über die Analyse der wettbewerbsbezogenen Auswirkungen auf
         dem Markt der Geschäftsflugzeuge (435. bis 444. Begründungserwägung), insbesondere aus dem Wortlaut der 437. Begründungserwägung,
         ergibt sich klar, dass jeder der drei getrennten Teile, die sich jeweils mit der horizontalen Überschneidung (435. bis 437.
         Begründungserwägung), der vertikalen Integration (438. bis 442. Begründungserwägung) bzw. der Bündelung von Produkten (443.
         und 444. Begründungserwägung) befassen, selbständig ist und nach dem Untersuchungsergebnis der Kommission bereits für sich
         genommen genügt, um die Schlussfolgerung der Kommission in Bezug auf die Begründung einer beherrschenden Stellung auf dem
         relevanten Markt infolge des Zusammenschlusses zu begründen. Somit wird die oben in Randnummer 574 getroffene Feststellung
         zur Richtigkeit des Untersuchungsergebnisses der Kommission bezüglich der horizontalen Überschneidung auf diesem Markt durch
         die Feststellungen in den vorstehenden Randnummern 575 bis 577 nicht beeinträchtigt.
      
      579   Was die Frage anbelangt, ob die somit begründete beherrschende Stellung zur Folge hätte, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen
         Markt erheblich behindert würde, genügt die Feststellung, dass die Klägerin zwar die Eigenständigkeit des zweiten Kriteriums
         abstrakt betont hat (vgl. oben, Randnrn. 84 ff.), dass sie jedoch nicht bestritten hat, dass sich die vorstehend dargelegte
         horizontale Überschneidung erheblich auf den Markt auswirken würde.
      
      580   Aus dem Gesamtergebnis in der 567. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, in der jeder der von dem angemeldeten
         Vorhaben betroffenen Märkte ausdrücklich erwähnt wird, geht zudem hervor, dass die Kommission nicht nur festgestellt hat,
         dass eine beherrschende Stellung auf jedem dieser Märkte begründet oder verstärkt würde, sondern auch zu dem Schluss gelangt
         ist, dass dadurch „wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde“ (vgl. oben, Randnr. 90). Der Wortlaut
         dieser Begründungserwägung schließt die Feststellung der Kommission ein, dass die Begründung einer beherrschenden Stellung
         auf dem Markt der Geschäftsflugzeuge aufgrund eines [50 bis 60]%igen Marktanteils der Fusionseinheit am Triebwerksbestand
         (88. Begründungserwägung) zur Folge hätte, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde. In Ermangelung
         spezifischer Argumente oder Beweise für das Fehlen einer derartigen Behinderung ist zu schließen, dass bei dieser Feststellung
         kein offensichtlicher Beurteilungsfehler vorliegt.
      
      581   Wie die beiden Parteien vor der mündlichen Verhandlung in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts erklärt haben,
         ist unter den von der Klägerin am 14. Juni 2001 vorgeschlagenen Verpflichtungserklärungen diejenige, die die Ausgliederung
         der Honeywell‑Produktion des Triebwerksmodells ALF502/507 vorsieht, auch für die Beurteilung des Geschäftsflugzeugmarktes
         relevant, da diese Triebwerke nicht nur für die großen Regionalflugzeuge von BAe Systems, sondern auch für ein Geschäftsflugzeug
         […] verwendet werden.
      
      582   Hierzu genügt der Hinweis, dass sich die Klägerin auch in diesem Fall auf die Behauptung beschränkt hat, dass die in der angefochtenen
         Entscheidung enthaltenen Einwände der Kommission gegen die betreffende Verpflichtungserklärung jeder Grundlage entbehrten.
         Somit konnte die Kommission diese Zusage aus den vorstehend in den Randnummern 555 ff. genannten Gründen ablehnen.
      
      c)     Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge
      583   Trotz der von der Kommission geäußerten Auffassung, dass die verschiedenen Teile ihrer Entscheidung sich gegenseitig verstärkten,
         so dass es sachwidrig wäre, jeden einzelnen Markt getrennt zu beurteilen (vgl. oben, Randnrn. 40 und 48), ist festzustellen,
         dass dieser Behauptung allgemeiner Art im Zusammenhang mit den im vorliegenden Abschnitt des Urteils geprüften Faktoren jedenfalls
         keine Bedeutung zukommt. Insbesondere haben die vorstehend vom Gericht festgestellten Fehler der Kommission bei der Beurteilung
         der vertikalen Überschneidung zwischen Startern und Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge und bei der Beurteilung in Bezug
         auf die verschiedenen Konglomerat‑Wirkungen keinen Einfluss auf die Feststellung des Gerichts zur Begründung der beherrschenden
         Stellung der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge aufgrund der sich aus dem Zusammenschluss ergebenden
         horizontalen Überschreitung mit der Folge, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde.
      
      584   Somit ist die in der angefochtenen Entscheidung als Pfeiler der dortigen Erwägungen geltend gemachte, sich aus der horizontalen
         Überschneidung der Produktionstätigkeiten der beiden Fusionsparteien auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge ergebende
         Begründung einer beherrschenden Stellung der durch den Zusammenschluss entstehenden Einheit, durch die der Wettbewerb in diesem
         Marktsegment des Gemeinsamen Marktes erheblich behindert würde, rechtlich hinreichend dargetan.
      
      3.     Zu den kleinen Schiffsgasturbinen
      a)     Zur Definition des Marktes
       Vorbringen der Parteien
      585   Die Feststellung der Kommission bezüglich der Begründung einer beherrschenden Stellung auf diesem Sektor beruht nach Ansicht
         der Klägerin auf einer fehlerhaften Definition des Marktes. Die Turbinen der Klägerin und von Honeywell, so führt die Klägerin
         aus, seien nämlich nicht untereinander austauschbar. Die Kommission habe für einen Wettbewerb zwischen der Klägerin und Honeywell
         kein Beispiel als Beweis genannt.
      
      586   Die Kommission weist darauf hin, dass die angefochtene Entscheidung in der 472. bis 474. Begründungserwägung bereits die Antwort
         auf die einschlägigen Argumente der Klägerin enthält, und erklärt, dass diese Argumente nicht dem wahren Sachverhalt entsprächen.
         Die Gasturbinenmärkte könnten nur nach Leistung – im vorliegenden Fall bis 10/15 Megawatt (MW) – und nach Industrie‑ oder
         Schiffsanwendung definiert werden. Der zugeordnete Markt lasse sich nicht weiter aufteilen, und durch den Zusammenschluss
         entstünde ein Marktakteur, der viel größer wäre als sein stärkster Mitbewerber.
      
       Würdigung durch das Gericht
      587   Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich der Umfang der sachlichen Kontrolle des Gemeinschaftsrichters grundsätzlich nach
         den Klagegründen und dem Vorbringen des Klägers in der Klageschrift bestimmt. Die Definition des Marktes ist der einzige Teil
         der Darlegung der Kommission bezüglich der kleinen Schiffsgasturbinen, der in der Klageschrift bestritten wird. Somit ist
         zu prüfen, ob aufgrund der von der Klägerin hierzu vorgetragenen Argumente festzustellen ist, dass ein Sachfehler oder ein
         offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission bei der Definition des relevanten Marktes vorliegt.
      
      588   Hingegen stellen die Erklärungen im Schreiben der Klägerin vom 21. Juli 2004, mit denen eine Erweiterung der Erörterungen
         durch eine Stellungnahme zu anderen Aspekten dieses Erwägungsbereichs der Kommission als zur Definition des relevanten Marktes
         angestrebt wird, ein neues Angriffsmittel im Sinne von Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung dar; sie sind daher unzulässig,
         wie die Kommission zu Recht in ihren Erklärungen vom 17. September 2004 ausgeführt hat.
      
      589   Die Kommission legt in der 460. bis 467. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung dar, weshalb sie davon ausgegangen
         ist, dass der relevante Markt im weltweiten Markt der kleinen Gasturbinen im Leistungsbereich 0,5 MW bis 10 MW für Schiffsanwendungen
         zu sehen ist. In der 472. bis 474. Begründungserwägung wird sodann erklärt, weshalb diese Feststellung nicht durch die spezifischen
         Argumente widerlegt wird, die die Fusionsparteien im Verwaltungsverfahren vorgetragen haben.
      
      590   Die Klägerin führt aus, dass ihre Turbinen und die Honeywell‑Turbinen nicht untereinander austauschbar seien und dass es zwischen
         diesen Turbinen keinen Wettbewerb im Sinne einer Teilnahme der beiden Unternehmen an denselben Ausschreibungen gebe. 
      
      591   Zur Stützung ihrer Auffassung verweist die Klägerin in der Fußnote 185 der Klageschrift auf die Anlage 22 ihrer Erwiderung
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte; diese Erwiderung ist mit ihren Anlagen der Klageschrift als Anlage beigefügt.
      
      592   Zu dem Verweis der Klägerin auf die genannte Anlage in der Klageschrift ist festzustellen, dass es nach gefestigter Rechtsprechung
         zur Gewährleistung der Rechtssicherheit und einer ordnungsgemäßen Rechtspflege für die Zulässigkeit einer Klage erforderlich
         ist, dass sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf die sich die Klage stützt, zumindest in gedrängter
         Form, jedoch zusammenhängend und verständlich unmittelbar aus der Klageschrift ergeben (Urteil des Gerichtshofes vom 9. Januar
         2003 in der Rechtssache C‑178/00, Italien/Kommission, Slg. 2003, I‑303, Randnr. 6, sowie Urteile des Gerichts vom 6. Mai 1997
         in der Rechtssache T‑195/95, Guérin automobiles/Kommission, Slg. 1997, II‑679, Randnr. 20, und vom 24. Februar 2000 in der
         Rechtssache T‑145/98, ADT Projekt/Kommission, Slg. 2000, II‑387, Randnr. 66, Beschluss des Gerichts vom 25. Juli 2000 in der
         Rechtssache T‑110/98, RJB Mining/Kommission, Slg. 2000, II‑2971, Randnr. 23 mit der dort zitierten Rechtsprechung, sowie Urteile
         des Gerichts vom 10. April 2003 in der Rechtssache T‑195/00, Travelex Global and Financial Services und Interpayment Services/Kommission,
         Slg. 2003, II‑1677, Randnr. 26, und vom 16. März 2004 in der Rechtssache T‑157/01, Danske Busvognmænd/Kommission, Slg. 2004,
         II-917, Randnr. 45; vgl. in diesem Sinne auch Urteile des Gerichtshofes vom 15. Dezember 1961 in den verbundenen Rechtssachen
         19/60, 21/60, 2/61 und 3/61, Fives Lille Cail u. a./Hohe Behörde, Slg. 1961, 613, 644, und vom 5. März 1991 in der Rechtssache
         C‑330/88, Grifoni/EAG, Slg. 1991, I‑1045, Randnrn. 17 und 18). Zwar kann der Text der Klageschrift zu bestimmten Punkten durch
         Bezugnahmen auf in der Anlage beigefügte Aktenauszüge untermauert und ergänzt werden, doch kann eine pauschale Bezugnahme
         auf andere Schriftstücke, auch wenn sie der Klageschrift als Anlage beigefügt sind, nicht das Fehlen der wesentlichen Bestandteile
         der rechtlichen Ausführungen ausgleichen, die gemäß den genannten Vorschriften in der Klageschrift enthalten sein müssen (Beschluss
         des Gerichts vom 21. Mai 1999 in der Rechtssache T‑154/98, Asia Motor France u. a./Kommission, Slg. 1999, II‑1703, Randnr.
         49). Sofern also die Kritik der Klägerin in dem genannten Schriftstück als eigenständige Rüge anzusehen wäre, die sich gegen
         andere Aspekte des in der Mitteilung der Beschwerdepunkte enthaltenen Untersuchungsergebnisses richtete als gegen die Definition
         des relevanten Marktes, so wäre diese Rüge demnach nicht zu berücksichtigen.
      
      593   Die Klägerin hat zudem in der mündlichen Verhandlung die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung genannten Zahlen
         für den Marktanteil der Klägerin angezweifelt und hierbei erklärt, dass ein in der 470. Begründungserwägung herangezogener
         Anteil von [10 bis 20] % für einen Markt, der sich gegebenenfalls nach einer Leistung von 0,5 bis 5 MW bestimme, keinesfalls
         mit einem Anteil von 25 % bis 30 % für einen umfassenderen Markt mit Einheiten von 0,5 bis 10 MW (470. Begründungserwägung
         a. E.) in Einklang gebracht werden könne, da die Klägerin nur eine Turbine, nämlich die unter diese beiden Märkte fallende
         LM 500 mit 4,5 MW herstelle.
      
      594   Hierzu genügt der Hinweis, dass sich dieses Vorbringen von dem in der Klageschrift vorgebrachten Angriffsmittel unterscheidet,
         mit dem die Definition des Marktes der kleinen Gasturbinen bestritten wird, und dass es nicht einmal im Ansatz in der Klageschrift
         enthalten ist. Es stellt somit ein eigenständiges Mittel dar. Dieses Angriffsmittel, das erstmals in der mündlichen Verhandlung
         vorgetragen wurde, ist daher gemäß Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung unzulässig, wonach die Parteien keine neuen Angriffsmittel
         im Laufe des Verfahrens vorbringen können. Im Übrigen widerspricht sich die Kommission in der 470. Begründungserwägung nicht,
         da sie die Angabe bezüglich eines Anteils von 25 % bis 30 % im Bereich 0,5 bis 10 MW ausdrücklich den Mitbewerbern von Honeywell
         zuschreibt.
      
      595   Demgegenüber können die in der Anlage 22 der Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragenen Faktoren, die
         in Verbindung mit der Definition des Marktes stehen, als Stütze und Ergänzung des in der Klageschrift zu diesem Markt vorgebrachten
         Angriffsmittels angesehen werden.
      
      596   Zur Bestreitung der von der Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte festgelegten Marktdefinition haben die Fusionsparteien
         in der Anlage 22 ihrer Erwiderung auf diese Mitteilung die Unterschiede zwischen dem LM 500‑Turbinenmodell der Klägerin und
         den Honeywell‑Turbinen in Bezug auf den Preis, die Größe, das Gewicht und die Leistung unterstrichen.
      
      597   Aus der 473. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ergibt sich, dass sich die Kommission insbesondere auf ihre
         Marktuntersuchung gestützt hat, um das Vorbringen der Klägerin zu Unterschieden zwischen den Turbinen der Fusionsparteien
         zurückzuweisen. Sie erklärt in der 473. Begründungserwägung insbesondere: 
      
      „Wie die Marktuntersuchung jedoch eindeutig belegt hat, stehen [die Klägerin] und [Honeywell] auf dem oben definierten Markt
         im Wettbewerb. Aus der Marktuntersuchung ging nicht hervor, dass die Unterschiede zwischen den kleinen Schiffsgasturbinen
         (bis 10 MW) [der Klägerin und von Honeywell] hinreichend relevant sind, um verschiedene Produktmärkte zu unterscheiden.“ 
      
      598   Da die auf dieser Untersuchung beruhende Schlussfolgerung im vorliegenden Verfahren bestritten wird, hat das Gericht zu prüfen,
         ob der Kommission ein Sachfehler oder offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen ist, indem sie aus den Ergebnissen ihre
         Untersuchung geschlossen hat, dass die genannten Unterschiede ihre Marktdefinition nicht beeinträchtigen können. Zu diesem
         Zweck hat das Gericht im Wege einer prozessleitenden Maßnahme die Kommission aufgefordert, ihre Unterlagen vorzulegen, die
         die Klägerin einsehen konnte und die die beiden vorgenannten Sätze stützen oder in anderer Weise für diese relevant sind.
      
      599   Die Kommission hat hierzu drei Unterlagen vorgelegt, nämlich die Antworten von Rolls‑Royce, UTC und Solar Turbines. Sie erklärt,
         dass diese Antworten „repräsentativ“ seien für die Ergebnisse ihrer Marktuntersuchung, da sie die Meinung der drei wichtigsten
         Mitbewerber der Fusionspartien auf dem relevanten Markt wiedergäben. Die Klägerin hat den repräsentativen Charakter dieser
         Antworten nicht bestritten und sich darauf beschränkt, Divergenzen zwischen ihnen festzustellen und ihren Beweiswert anzuzweifeln.
         Sie hat sich insbesondere nicht auf Antworten anderer Mitbewerber bezogen, die die genannte Feststellung der Kommission widerlegen
         könnten. 
      
      600   Die Antwort von Rolls‑Royce ist – zumindest in ihrer dem Gericht vorliegenden nichtvertraulichen Fassung – unklar, da darin
         in Beantwortung der Frage Nr. 38 des genannten Schriftstücks erklärt wird, dass nur die Klägerin und Rolls‑Royce selbst auf
         dem betreffenden Markt vertreten seien. Honeywell war indessen unstreitig auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen präsent
         und besaß dort sogar einen bedeutenden Marktanteil. Es handelt sich hierbei also um ein offensichtliches Versäumnis von Rolls‑Royce.
         In der Antwort auf die Frage Nr. 40 des Schriftstücks gibt das Unternehmen einen Wettbewerb zwischen der Klägerin und Honeywell
         nur für den Markt kleiner Gasturbinen für industrielle Zwecke an. Die Antworten von Rolls‑Royce auf diese beiden Fragen ermöglichen
         keine Klärung der Frage, ob die Klägerin und Honeywell auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen miteinander in Wettbewerb
         standen.
      
      601   Aus den Antworten von Rolls‑Royce auf die Fragen Nrn. 32, 34 und 36 der Kommission geht indessen hervor, dass die von der
         Kommission vorgesehene Definition eines Marktes für kleine Schiffsgasturbinen in der Leistungsklasse 0,5 bis 10 MW angemessen
         war und dass nach Ansicht dieses Unternehmens kein „anderer Faktor“ und kein „anderes Merkmal“ für die Definition des relevanten
         Marktes zutreffend gewesen wäre. Diese Teile der Antwort von Rolls‑Royce bekräftigen somit die Auffassung der Kommission.
      
      602   Die Antwort von UTC, der Muttergesellschaft von P & W, stützt die Auffassung der Kommission, da sie das Vorliegen eines Wettbewerbs
         zwischen den Fusionsparteien bestätigt. Das Unternehmen hat in Beantwortung der Frage Nr. 50 ausdrücklich angegeben, dass
         die Klägerin und Honeywell bei Schiffs‑ und Industriegasturbinen mit einer Leistung von 0,5 bis 15 MW unmittelbar und mittelbar
         miteinander in Wettbewerb stünden.
      
      603   Zu einer angemessenen Marktdefinition erklärt UTC in Beantwortung der Frage Nr. 43, dass Industrieturbinen nicht für Schiffsanwendungen
         geeignet seien, und in Beantwortung der Frage Nr. 44, dass jeder Grenzwert zur Unterscheidung zwischen kleinen und großen
         Schiffsgasturbinen verhältnismäßig subjektiv und etwas willkürlich sei, dass hierfür jedoch zuweilen ein Wert von 13 MW verwendet
         werde. In der Antwort auf die Frage Nr. 46 in Bezug auf eventuelle „andere Faktoren“, die die Definition des Marktes beeinflussen
         könnten, gibt das Unternehmen an, dass die von der Kommission genannten Kriterien bezüglich der Endnutzung und der Leistung
         der Turbinen für die Definition des Marktes relevant seien. Somit stützen diese Antworten die Unterscheidung zwischen kleinen
         Schiffsgasturbinen und Industriegasturbinen und bestätigen die Zweckmäßigkeit einer leistungsbezogenen Unterscheidung zwischen
         kleinen und großen Schiffsturbinen, wobei ein angemessener Grenzwert knapp über 10 MW liegen könnte.
      
      604   Die Antwort von Solar Turbines schließlich ist insofern mit der Marktdefinition der Kommission unvereinbar, als nach Ansicht
         dieses Unternehmens nicht zwischen Schiffs‑ und Industriegasturbinen (Seiten‑Nr. 03812) oder je nach Turbinenleistung (Seiten‑Nr.
         03809) zu unterscheiden ist. Da sich Solar Turbines für eine sehr weite Definition des Marktes ausspricht, ist die Meinung
         dieses Unternehmens auch mit der Auffassung der Klägerin unvereinbar, dass die Größen‑ und Gewichtsunterschiede zwischen den
         kleinen Turbinen der Klägerin und Honeywells bewirken, dass diese Erzeugnisse nicht demselben Markt zuzuordnen sind.
      
      605   Zudem erklärt Solar Turbines in Beantwortung der Frage Nr. 8 der Kommission, dass die Klägerin und Honeywell bei Gasturbinen
         für Industrie‑ und Schiffsanwendungen miteinander in Wettbewerb gestanden hätten. Hinsichtlich des in der mündlichen Verhandlung
         vorgetragenen Arguments der Klägerin, dass Solar Turbines bei der Aufzählung der verschiedenen Turbinen der beiden Fusionsparteien
         die einzige kleine Schiffsgasturbine der Klägerin, nämlich die LM 500, ausgelassen habe, genügt der Hinweis, dass diese Aufzählung
         von Erzeugnissen ausdrücklich nicht erschöpfend ist, da sie mit dem Zusatz „u. a.“ endet. Somit kann daraus nicht geschlossen
         werden, dass sich Solar Turbines im Gegensatz zu seiner ausdrücklichen Angabe ausschließlich auf andere Turbinen bezieht als
         auf die von der Kommission als kleine Schiffsgasturbinen eingestuften Einheiten.
      
      606   Aus der vorgenannten Anlage 22 der Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte geht im Übrigen hervor, dass die Klägerin
         und Honeywell in den letzten fünf Jahren einmal an derselben Ausschreibung teilgenommen haben, wobei das Angebot der Klägerin
         jedoch mit der Begründung abgelehnt wurde, dass es nicht den technischen Anforderungen entspreche. In dieser Hinsicht ist
         zu bedenken, dass es auf dem betreffenden Markt sehr wenige Ausschreibungen gibt, da Honeywell nach derselben Anlage in dem
         genannten Zeitraum an insgesamt sechs Ausschreibungen teilgenommen und hierbei zweimal den Zuschlag erhalten hat. Wenn die
         Fusionsparteien nur einmal an derselben Ausschreibung teilgenommen haben, so kann dies somit als solches nicht als Anzeichen
         dafür gewertet werden, dass ihre Erzeugnisse nicht demselben Markt angehörten.
      
      607   Anhand des im Ganzen betrachteten Inhalts der drei vorstehend geprüften Antworten und des in Anlage 22 der Erwiderung auf
         die Mitteilung der Beschwerdepunkte enthaltenen Schriftstücks ist nicht festzustellen, dass der Kommission ein offensichtlicher
         Beurteilungsfehler unterlaufen ist, als sie aufgrund der in ihren Unterlagen enthaltenen Daten zu der Feststellung gelangt
         ist, dass ein weltweiter Markt für Schiffsgasturbinen mit einer Leistung von 0,5 bis 10 MW vorliegt und dass sowohl die Klägerin
         als auch Honeywell auf diesem Markt tätig sind.
      
      608   Eine Frage des Gerichts in der mündlichen Verhandlung und ein Schriftwechsel im Rahmen der Wiedereröffnung der mündlichen
         Verhandlung haben ergeben, dass der einzige Abnehmer mit Sitz im EWR auf dem Weltmarkt kleiner Gasturbinen, der Kunde beider
         Fusionsparteien ist, von der Kommission nicht befragt wurde, obwohl ihn die Klägerin auf dem Anmeldebogen „CO“ angegeben hatte.
         Dieser Umstand, auf den die Klägerin nach der mündlichen Verhandlung hingewiesen hat, beeinträchtigt indessen nicht die Feststellung
         in der vorstehenden Randnummer, da die Klägerin nicht dargetan und auch nicht behauptet hat, dass die fehlende Befragung ihres
         Kunden oder des Abnehmers von Honeywell die Marktdefinition der Kommission in der angefochtenen Entscheidung verfälschen konnte.
      
      609   Somit liegt kein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission in der Weise vor, in der sie ihre Untersuchung zur Definition
         des Marktes der kleinen Schiffsgasturbinen durchgeführt hat. 
      
      b)     Zu den Verpflichtungserklärungen
       Vorbringen der Parteien
      610   Die Klägerin hat vorgeschlagen, den Anteil Honeywells an Vericor, dem Vertriebsunternehmen für die Honeywell‑Turbinen abzugeben.
         Sie hat sich hierbei im gerichtlichen Verfahren auf die Behauptung in der Klageschrift beschränkt, dass die Einwände der Kommission
         gegen die Verpflichtungserklärung in der angefochtenen Entscheidung jeder Grundlage entbehrten. Die Klägerin erklärt jedoch
         nicht, weshalb diese Einwände unbegründet sind, und sie trägt keine Beweise hierfür vor.
      
      611   Die Kommission erklärt, dass sich die Kritik der Klägerin an der Ablehnung der Verpflichtungserklärungen auf bloße Behauptungen
         beschränke und sich zur Gültigkeit der angefochtenen Entscheidung nicht äußere.
      
       Würdigung durch das Gericht
      612   Wie vorstehend in Randnummer 555 ausgeführt, können von den Parteien vorgeschlagene strukturelle Verpflichtungen nur angenommen
         werden, wenn die Kommission davon ausgehen kann, dass sie umgesetzt werden können.
      
      613   Für kleine Gasturbinen haben die Parteien des angemeldeten Zusammenschlusses mit der ersten Reihe von Verpflichtungserklärungen
         vom 14. Juni 2001 vorgeschlagen, Honeywells 50%‑Anteil an Vericor zu veräußern, einem 50/50‑Gemeinschaftsunternehmen, über
         das Honeywell seine kleinen Schiffsgasturbinen vertreibt und an dem MTU die restlichen 50 % hält (vgl. 494. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      614   Da die Einwände der Kommission gegen diese Verpflichtungserklärung ausschließlich praktischer Art sind, ist festzustellen,
         dass die Kommission in der 518. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung stillschweigend davon ausgeht, dass durch
         eine von Honeywell an MTU übertragene ausschließliche Kontrolle des Vertriebsunternehmens für seine Turbinen die Begründung
         einer beherrschenden Stellung auf dem Markt mit abträglichen Folgen für den Wettbewerb vermieden werden könnte. Das Vorbringen
         der Kommission in der mündlichen Verhandlung, wonach die horizontale Überschneidung auf diesem Markt durch die genannte Verpflichtungserklärung
         nicht beseitigt würde, ändert nichts an dieser Feststellung aufgrund des Inhalts der angefochtenen Entscheidung.
      
      615   Die Kommission führt jedoch in der 518. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aus, dass die zugesagte Ausgliederung
         „allen erforderlichen Genehmigungen“ im Rahmen der US‑Exportkontrollvorschriften unterliegen würde. Somit könne die Zusage
         in der vorgeschlagenen Form nicht angenommen werden, da im Fall einer Genehmigungsverweigerung der zuständigen US‑Behörden
         die Verpflichtung in dem Sinne eingehalten würde, dass die Fusionseinheit alles getan hätte, wozu sie verpflichtet sei, obgleich
         die Ausgliederung nicht stattgefunden hätte. Die Kommission weist auch darauf hin, dass bei der Zusage nicht angegeben worden
         sei, welcher Art die betreffenden Genehmigungsvorschriften seien und insbesondere, ob es sich dabei um eine gebundene Kompetenz
         oder eine Ermessensfrage handele. Ein weiteres Problem sei „der erwartete Anstieg der Einsatzkosten für das ausgegliederte
         Geschäft, wenn der Käufer [im Gegensatz zu Honeywell] keine Hubschraubermotoren herstellt“.
      
      616   Da sich die Klägerin im gerichtlichen Verfahren auf die Behauptung beschränkt hat, dass die von der Kommission festgestellten
         Schwierigkeiten, die mit dieser Zusage verbunden seien, jeder Grundlage entbehrten, hat sie keine konkreten Argumente oder
         Beweise vorgetragen, die die Beurteilung der Kommission hinsichtlich der Möglichkeit einer Umsetzung des Ausgliederungsvorschlags
         widerlegen könnten.
      
      617   Die Kommission konnte die von den Fusionsparteien vorgeschlagene Verpflichtung insbesondere deshalb ablehnen, weil diese Zusage
         in Anbetracht ihres hypothetischen Charakters keinen praktischen Wert besitzt, da ihre Umsetzung gänzlich von der Entscheidung
         der Behörden eines Drittlandes abhängt. Wenn die Klägerin die Erfüllung der Bedingungen nicht gewährleisten konnte, hätte
         sie eine weitere Verpflichtung für den Fall anbieten müssen, dass die Ausgliederung nicht durchführbar ist.
      
      618   Somit ist der Kommission kein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie zu der Feststellung gelangt ist, dass
         die von den Parteien des angemeldeten Zusammenschlusses vorgeschlagene Verpflichtungserklärung unter den gegebenen Umständen
         nicht angenommen werden kann. Daher ist diese Verpflichtungserklärung nicht zu berücksichtigen, so dass sie die Marktanalyse
         für die kleinen Schiffsgasturbinen, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung vorgenommen hat, nicht beeinflussen
         kann. 
      
      c)     Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen
      619   Trotz der von der Kommission geäußerten Auffassung, dass die verschiedenen Teile ihrer Entscheidung sich gegenseitig verstärkten,
         so dass es sachwidrig wäre, jeden einzelnen Markt getrennt zu beurteilen (vgl. oben, Randnrn. 40 und 48), ist festzustellen,
         dass dieser Behauptung allgemeiner Art im Zusammenhang mit den im vorliegenden Abschnitt des Urteils geprüften Faktoren jedenfalls
         keine Bedeutung zukommt. Insbesondere haben die vorstehend vom Gericht festgestellten Fehler der Kommission bei der Beurteilung
         der vertikalen Überschneidung zwischen Startern und Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge und bei der Beurteilung in Bezug
         auf die verschiedenen Konglomerat‑Wirkungen keinen Einfluss auf die Feststellung des Gerichts zur Begründung der beherrschenden
         Stellung der Klägerin auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen aufgrund der sich aus dem Zusammenschluss ergebenden horizontalen
         Überschneidung mit der Folge, dass wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt erheblich behindert würde.
      
      620   Somit ist die in der angefochtenen Entscheidung als Pfeiler der dortigen Erwägungen geltend gemachte, sich aus der horizontalen
         Überschneidung der Produktionstätigkeiten der beiden Fusionsparteien auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen ergebende
         Begründung einer beherrschenden Stellung der Klägerin, durch die der Wettbewerb in diesem Marktsegment des Gemeinsamen Marktes
         erheblich behindert würde, rechtlich hinreichend dargetan.
      
      F –  Zu den Verfahrensrügen
      621   Die Klägerin trägt vier getrennte Rügen vor, die auf einer angeblichen Verletzung ihres Rechts auf Einsicht in bestimmte Schriftstücke,
         einem verspäteten Zugang zu bestimmten Schriftstücken, der Kürze der ihr für die Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         gesetzten Frist und angeblichen Verfahrensfehlern in Bezug auf das Mandat des Anhörungsbeauftragten beruhen.
      
      1.     Vorbemerkungen
      a)     Vorbringen der Parteien
      622   Die Klägerin weist zunächst darauf hin, dass nach den Gemeinschaftsvorschriften, der Rechtsprechung und der am 7. Dezember
         2000 in Nizza verkündeten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. C 364, S. 1, im Folgenden: Charta) die Wahrung
         der Verfahrensrechte einen fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts darstelle, der in allen Verfahren, einschließlich
         der Fusionsverfahren bei der Kommission, gewährleistet werden müsse. Hierbei sei es erforderlich, dass die betroffenen Unternehmen
         bereits im Stadium des Verwaltungsverfahrens in die Lage versetzt würden, in geeigneter Weise zur Realität und Relevanz der
         von der Kommission vorgebrachten Sachverhalte, Beanstandungen und Umstände Stellung zu nehmen.
      
      623   Die Akteneinsicht sei eine der Verfahrensgarantien zur Gewährleistung einer wirksamen Ausübung des Anhörungsrechts. Zudem
         setze der Grundsatz der Waffengleichheit voraus, dass das betroffene Unternehmen die Akten genauso kenne wie die Kommission,
         wobei Letztere nicht zu entscheiden habe, welche Schriftstücke der Verteidigung dienlich sein könnten.
      
      624   Die Verfahrensgarantien seien bei Zusammenschlüssen von besonderer Bedeutung. Erstens gehe es hierbei um die grundrechtliche
         Eigentumsgarantie. Zweitens habe die Entscheidung der Kommission de facto in Anbetracht der begrenzten Wirksamkeit einer gerichtlichern
         Klage wegen des Zeitablaufs und der Tatsache, dass die Entscheidung der Kommission praktisch den Erfolg eines Zusammenschlusses
         bestimme, endgültige Folgen. Drittens würden bei der Aussetzung eines Zusammenschlusses die Interessen der Fusionsparteien
         durch ein entsprechendes Verfahren negativ beeinflusst. Viertens seien die Parteien eines Zusammenschlusses gegenüber den
         Beanstandungen der Mitbewerber verwundbar, die ihre eigenen Interessen verteidigten. Fünftens könnten die durch eine widerrechtliche
         Untersagung eines Zusammenschlusses entstandenen Verluste nicht gänzlich ausgeglichen werden. Sechstens sei praktisch keine
         vorläufige Maßnahme möglich, da die Unternehmen nicht provisorisch fusionieren könnten.
      
      625   Eine unter Verletzung dieser wesentlichen Verfahrensgarantien erlassene Entscheidung müsse für nichtig erklärt werden, wenn
         die Parteien einen potenziellen Schaden erlitten hätten (Urteil des Gerichts vom 20. April 1999 in den verbundenen Rechtssachen
         T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij
         u. a./Kommission, Slg. 1999, II‑931), da anderenfalls gegen Artikel 6 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte
         und Grundfreiheiten (EMRK) verstoßen würde. Zum einen sei die Kommission nämlich bei Zusammenschlüssen nicht als unabhängig
         und unparteiisch anzusehen, da sie gleichzeitig Gesetzgeber, Ausführungsorgan, Beschwerdeführer und Richter in eigener Sache
         sei. Zum anderen könnten Verfahrensunregelmäßigkeiten im gerichtlichen Verfahren nicht mehr geheilt werden, das sich auf eine
         richterliche Kontrolle beschränke (Urteil des Gerichts vom 29. Juni 1995 in der Rechtssache T‑30/91, Solvay/Kommission, Slg. 1995,
         II‑1775, Randnr. 98).
      
      626   Die Klägerin unterstreicht in Erwiderung auf die Klagebeantwortung der Kommission die besondere Natur der Fusionsverfahren,
         die ein anderes, jedoch nicht notwendigerweise höheres oder niedrigeres Schutzniveau als bei Verstößen erfordere. Die Kommission
         habe insbesondere hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem die unmittelbar Beteiligten angehört werden könnten, und des nötigen
         Gleichgewichts bei dem Schutz der Geschäftsgeheimnisse die betreffenden Interessen nicht richtig eingeschätzt.
      
      627   Die Kommission ist sich der Bedeutung der Verfahrensrechte bei Wettbewerbsverfahren bewusst. Sie bemerkt jedoch, die Klägerin
         fühle sich anscheinend eher durch das eigentliche Fusionskontrollverfahren und das Verfahren der richterlichen Kontrolle beeinträchtigt
         als durch die Art und Weise, wie die Kommission das Verwaltungsverfahren im vorliegenden Fall durchgeführt habe.
      
      628   Zudem berufe sich die Klägerin zu Unrecht auf Artikel 6 EMRK. Zum einen würden nämlich die Grundsätze der EMRK durch die allgemeinen
         gemeinschaftsrechtlichen Grundsätze gewährleistet. Zum anderen stelle das Recht auf Durchführung eines Zusammenschlusses kein
         Grundrecht dar, und wenn es einer Unterscheidung bedürfe, so sei ein derartiges Recht nicht schutzbedürftiger als dies bei
         einem Verfahren der Fall sei, das zu Sanktionen führen könne.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      629   Vorab ist darauf hinzuweisen, dass das Verfahren der Akteneinsicht in Wettbewerbssachen die Empfänger einer Mitteilung der
         Beschwerdepunkte in die Lage versetzen soll, die Beweisstücke in der Akte der Kommission zur Kenntnis zu nehmen, damit sie
         sich sinnvoll zu den Schlussfolgerungen äußern können, zu denen die Kommission aufgrund dieser Beweisstücke gelangt ist. Das
         Recht auf Akteneinsicht soll sicherstellen, dass sich die betroffenen Unternehmen wirkungsvoll gegen die ihnen gegenüber in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte erhobenen Beanstandungen verteidigen können (Urteil Endemol/Kommission, oben zitiert in
         Randnr. 115, Randnr. 65). 
      
      630   Die Einsicht in bestimmte Schriftstücke kann jedoch verweigert werden, insbesondere in Schriftstücke oder Teile davon, die
         Geschäftsgeheimnisse anderer Unternehmen enthalten, in interne Schriftstücke der Kommission, in Angaben, die die Identifizierung
         von Beschwerdeführern ermöglichen, die ihre Identität nicht preisgeben möchten, sowie in Auskünfte, die der Kommission mit
         der Bitte um vertrauliche Behandlung übermittelt wurden (Urteil BPB Industries und British Gypsum/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 306, Randnr. 29, im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes vom 6. April 1995 in der Rechtssache
         C‑310/93 P, BPB Industries und British Gypsum/Kommission, Slg. 1995, I‑865, Randnrn. 26 und 27). 
      
      631   Andererseits hat das Gericht auch festgestellt, dass die Unternehmen zwar Anspruch auf Schutz ihrer Geschäftsgeheimnisse haben,
         dass dieses Recht jedoch mit der Gewährleistung der Verfahrensrechte in Einklang gebracht werden muss (Urteil des Gerichts
         vom 29. Juni 1995 in der Rechtssache T‑36/91, ICI/Kommission, Slg. 1995, II‑1847, Randnr. 98). So kann die Kommission gehalten
         sein, die gegensätzlichen Interessen dadurch miteinander in Einklang zu bringen, dass sie nichtvertrauliche Fassungen von
         Schriftstücken anfertigt, die Geschäftsgeheimnisse oder andere sensible Gegebenheiten enthalten (vorgenanntes Urteil ICI/Kommission,
         Randnr. 103). Nach Auffassung des Gerichts gelten die gleichen Grundsätze für die Akteneinsicht bei Zusammenschlüssen im Rahmen
         der Verordnung Nr. 4064/89, obwohl die Anwendung dieser Grundsätze mit dem Beschleunigungsgebot in Einklang gebracht werden
         muss, das für die allgemeine Systematik dieser Verordnung kennzeichnend ist (Urteile Kaysersberg/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 84, Randnr. 113, und Endemol/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnrn. 67 und 68). Entgegen der Auffassung
         der Klägerin ist in Bezug auf die Verfahrensrechte bei der Fusionskontrolle kein anderer oder umfassenderer Schutz geboten
         als bei Verfahren, die Verstöße betreffen.
      
      632   Ferner geht aus der Rechtsprechung hervor, dass die Verfahrensrechte durch eine Verfahrensunregelmäßigkeit nur dann verletzt
         werden, wenn diese sich konkret auf die Verteidigungsmöglichkeit der betroffenen Unternehmen ausgewirkt hat (vgl. in diesem
         Sinne Urteil des Gerichts vom 15. März 2000 in den verbundenen Rechtssachen T‑25/95, T‑26/95, T‑30/95 bis T‑32/95, T‑34/95
         bis T‑39/95, T‑42/95 bis T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95, T‑87/95, T‑88/95, T‑103/95 und T‑104/95,
         Cimenteries CBR u. a./Kommission, so genanntes Urteil Zement, Slg. 2000, II‑491, Randnrn. 852 bis 860). Somit kann bei einer
         Nichtbeachtung der geltenden Regeln für den Schutz der Verfahrensrechte das Verwaltungsverfahren nur dann mit einem Fehler
         behaftet sein, wenn nachgewiesen ist, dass dieses Verfahren anderenfalls möglicherweise zu einem anderen Ergebnis geführt
         hätte (vgl. in diesem Sinne Urteile Hercules Chemicals/Kommission, oben zitiert in Randnr. 516, Randnr. 56, und Atlantic Container
         Line u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 549, Randnrn. 340 und 430).
      
      633   Soweit die geltend gemachte Verletzung der Verfahrensrechte mit denjenigen Pfeilern der Würdigung der Kommission in Verbindung
         steht, bei denen das Gericht vorstehend festgestellt hat, dass sie rechtlich nicht hinreichend begründet sind, kann die Entscheidung
         im vorliegenden Verfahren durch diese Verletzung nicht beeinflusst werden. Selbst wenn nämlich eine derartige Verletzung feststünde,
         könnte sie nur die Pfeiler der Erwägung der Kommission berühren, auf die sie sich beziehen und die das Gericht bereits aus
         anderen Gründen verworfen hat. Folglich ist bei den Rügen der Klägerin jeweils festzustellen, auf welchen Erwägungsaspekt
         der Kommission sie sich beziehen.
      
      2.     Zur Einsicht in bestimmte Schriftstücke
      a)     Vorbringen der Parteien
      634   Die Klägerin erklärt, die Kommission habe ihr keine Einsicht in entscheidende Schriftstücke oder bestimmte Teile derselben
         gewährt und dies damit begründet, dass diese Schriftstücke vertraulich seien. Die Kommission habe die angefochtene Entscheidung
         auf nicht bekannt gegebene Schriftstücke gestützt und keine Einsicht in Schriftstücke gegeben, die der Verteidigung dienlich
         sein könnten (Urteile AEG/Kommission, oben zitiert in Randnr. 506, Randnrn. 24 bis 30, und Zement, oben zitiert in Randnr.
         632). Die Kommission sei verpflichtet, ein vollständiges Verzeichnis aller eingegangenen Schriftstücke zu erstellen. Trotz
         der Anträge der Klägerin habe die Kommission jedoch zu keiner Zeit versichern können, dass die Akte vollständig sei. Es gehe
         nicht an, dass die Kommission nur Einsicht in die Schriftstücke gewähre, auf die sie sich stütze, und die Einsicht in Schriftstücke
         verweigere, die der Verteidigung dienlich sein könnten.
      
      635   Insbesondere habe die Kommission, erstens, erst nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitgeteilt, dass Beschwerden vorlägen,
         und sie habe Einsicht in den Inhalt dieser Beschwerden nur über eine Zusammenfassung von elf Zeilen gegeben, worin die Besorgnisse
         bestimmter Fluggesellschaften, jedoch nicht der anderen Wirtschaftsteilnehmer wiedergegeben worden seien. Diese Zusammenfassung
         anonymer angeblich belastender Aussagen habe es der Klägerin nicht ermöglicht, deren Inhalt oder Verwendung anzufechten. Die
         entscheidende Rolle dieser Beschwerden in der endgültigen Entscheidung gehe indessen klar aus der Erklärung der Kommission
         und aus der 391. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung hervor. Zudem hätten die genannten Beschwerden Faktoren
         enthalten können, die für die Verteidigung der Klägerin hätten verwendet werden können. Es sei der Klägerin und dem Gericht
         nicht möglich, genau zu erkennen, welche Rolle diese Nachweise in der angefochtenen Entscheidung gespielt hätten. Daher müsse
         die angefochtene Entscheidung schon allein aus diesem Grund für nichtig erklärt werden (Urteil Solvay/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 625, Randnrn. 93 ff.).
      
      636   Zweitens habe die Klägerin nicht Einsicht in die Äußerungen nehmen können, die Dritte bei der Kommission abgegeben hätten,
         insbesondere nicht in die Äußerungen von Rolls‑Royce vom 2. April 2001 und von UTC vom 30. Januar, 21. Februar und 22. März
         2001. Es hätten wohl auch andere Dritte derartige Äußerungen abgegeben, ohne dass dies der Klägerin zur Kenntnis gebracht
         worden sei.
      
      637   Drittens habe die Kommission die Vertraulichkeit bei zahlreichen der Klägerin mitgeteilten Äußerungen Dritter zu sehr ausgeweitet,
         da diese Mitteilungen in einer Weise unkenntlich gemacht worden seien, die es der Klägerin praktisch unmöglich gemacht habe,
         die betreffenden Schriftstücke zweckdienlich zu prüfen oder zu beurteilen. Davon betroffen seien insbesondere die Antwort
         von Rolls‑Royce auf das Schreiben der Kommission vom 21. März 2001, die Stellungnahme von UTC vom 24. April 2001 und die Stellungnahmen
         von ILFC. Es sei höchst zweifelhaft, dass alle diese unkenntlich gemachten Informationen tatsächlich als Geschäftsgeheimnisse
         angesehen werden könnten.
      
      638   Viertens habe die Klägerin nicht vollständig Einsicht in das Gutachten von Professor Choi nehmen können, auf das sich die
         Theorie der Kommission bezüglich des Verkaufs von Produktpaketen mit Mischbündelung gründe. Dies verliere nicht dadurch an
         Bedeutung, dass die Kommission letztlich von diesem Modell Abstand genommen habe. Zum einen habe die Kommission die Schlussfolgerungen
         aus dem genannten Modell in der angefochtenen Entscheidung beibehalten (349. bis 355. Begründungserwägung), obgleich sie keinen
         anderen alternativen Nachweis für diese Schlussfolgerungen erbracht habe. Zum anderen habe die Klägerin zwar die Kommission
         davon überzeugen können, dass von dem Modell Choi Abstand zu nehmen sei, aufgrund der begrenzten Einsicht in das Gutachten
         sei sie jedoch nicht in die Lage versetzt worden, die Kommission von der Unanwendbarkeit der Mischbündelungstheorie zu überzeugen,
         der in der angefochtenen Entscheidung jedoch eine wesentliche Bedeutung zukomme. Zum dritten habe das Modell Choi als Grundlage
         für die an Dritte übermittelten Fragen gedient.
      
      639   Trotz wiederholter Anträge und des Vorschlags, dass ihren Wirtschaftsfachleuten eine vertrauliche Behandlung auferlegt werde,
         habe die Klägerin wegen der Weigerung von Rolls‑Royce als Teilhaber am Modell Choi nicht erreichen können, dass ihr die Gegebenheiten,
         die in diesem Modell zum Tragen kämen, mitgeteilt würden. Die Kommission sei jedoch nach ihrer Mitteilung über interne Verfahrensvorschriften
         für die Behandlung von Anträgen auf Akteneinsicht in Fällen einer Anwendung der Artikel [81] und [82] EG‑Vertrag, der Artikel
         65 und 66 EGKS‑Vertrag und der Verordnung Nr. 4064/89 (ABl. 1997, C 23, S. 3, im Folgenden: Mitteilung über Akteneinsicht),
         insbesondere nach den Abschnitten I A 2, II A 1.3 und I B dieser Mitteilung verpflichtet, den Vertraulichkeitsantrag von Rolls‑Royce
         nicht zu berücksichtigen, um die Verfahrensrechte zu gewährleisten.
      
      640   Zudem habe die Klägerin nicht die Identität externer von der Kommission mit der Prüfung des Modells Choi beauftragter Wirtschaftssachverständiger
         erfahren können, und es seien ihr nicht die von diesen Sachverständigen erstellten Gutachten übermittelt worden, deren Vorliegen
         aus der Fußnote 175 und den Nummern 567 und 568 der Mitteilung der Beschwerdepunkte hervorgehe. Die Kommission hat in Beantwortung
         einer Frage des Gerichts im Rahmen ihrer Antworten vom 26. April 2004 das Gutachten eines Wirtschaftssachverständigen, nämlich
         des Professors Vives, den sie zur Beratung im Verwaltungsverfahren der vorliegenden Sache hinzugezogen hatte, sowie E‑Mails
         zwischen Professor Vives und Bediensteten der Kommission und ihren Beratervertrag mit Professor Vives vorgelegt. Die Klägerin
         hat in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass diese Schriftstücke ihrer Verteidigung hätten dienlich sein können, insbesondere
         da Professor Vives bestimmte Aspekte der Darlegung der Kommission kritisiert habe.
      
      641   Die Kommission habe der Klägerin überdies wiederholt die Einsicht in Angaben (oder Marktstudien) verweigert, die sich aus
         an Konkurrenzunternehmen unter Zugrundelegung des Modells Choi gerichteten Fragen ergeben hätten und auf die sich offenbar
         die Nummern 567 und 568 der Mitteilung der Beschwerdepunkte stützten. Es sei auch eine gewisse Einsicht in Daten mit sensiblen
         Informationen selbst mit etwaiger Verschlüsselung verweigert worden.
      
      642   Fünftens sei es der Klägerin nicht möglich gewesen, einen Anspruch auf ordnungsgemäße Einsicht in Bezug auf Unterlagen wahrzunehmen,
         die als interne Schriftstücke bezeichnet worden seien. Von den 96 Schriftstücken, die die Kommission aus diesem Grund als
         nicht einsehbar eingestuft habe, hätten sich zehn als Fax‑Mitteilungen Dritter herausgestellt, so dass ihre vertrauliche Behandlung
         rechtswidrig sei. Die Kommission hat am 18. Mai 2004 in Beantwortung einer Frage des Gerichts elf nichtvertrauliche Schriftstücke
         und nichtvertrauliche Zusammenfassungen von drei vertraulichen Schriftstücken vorgelegt, die versehentlich als interne Schriftstücke
         eingestuft worden waren. Die Klägerin hat sich in der mündlichen Verhandlung auf einige dieser Unterlagen bezogen und erklärt,
         die Tatsache, dass sie hierzu im Verwaltungsverfahren keinen Zugang gehabt habe, stelle eine unannehmbare Verletzung ihrer
         Verfahrensrechte dar, die zur Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung führen müsse.
      
      643   Sechstens sei die Klägerin nicht in die Lage versetzt worden, sich zu den von Dritten bei der Markteinschätzung abgegebenen
         Stellungnahmen zu äußern, unter deren Zugrundelegung die Kommission die strukturellen Verpflichtungserklärungen insbesondere
         in Bezug auf Triebwerke für große Regionalflugzeuge, kleine Schiffsgasturbinen und Starter zurückgewiesen habe. Die Klägerin
         betont hierbei, dass alle Ausgliederungen aufgrund der Äußerungen ihrer Mitbewerber abgelehnt worden seien.
      
      644   Die Kommission erklärt, die Klägerin habe, insbesondere aufgrund der Mitteilung der Beschwerdepunkte, alle Beanstandungen
         gekannt, die die Kommission ihr gegenüber vorgebracht habe, was im Übrigen ausgereicht habe, um ihr eine wirksame Verteidigung
         zu ermöglichen. 
      
      645   Was die bei der Kommission eingegangenen Beschwerden anbelange, so sei die Klägerin vom wesentlichen Inhalt der erhobenen
         Vorwürfe unterrichtet worden. Die Kommission könne sich zudem nur auf die Nachweise stützen, die sie erwähnte. Eine Offenlegung
         der Identität ihrer Erbringer und des Inhalts der Beschwerden hätte überdies nichts Wesentliches zur Sachkenntnis der Klägerin
         und ihrer Verteidigungsmöglichkeit beigetragen. Dies treffe insbesondere auf die Erwähnung einer Fluggesellschaft in der 391.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu, wobei nur der Inhalt der Äußerung von Interesse sei.
      
      646   Zu dem Modell Choi sei zu bemerken, dass die Kommission gerade wegen der von der Klägerin geltend gemachten Verfahrensprobleme
         von diesem Modell Abstand genommen habe, dessen verschlüsselte Daten dem Geschäftsgeheimnis unterlägen.
      
      647   Was die Äußerungen Dritter anbelange, so seien die von der Klägerin genannten Ausführungen von Rolls‑Royce und UTC nichts
         anderes gewesen als eine Zusammenfassung der Besorgnisse, die diese Unternehmen bereits zum Ausdruck gebracht hätten, und
         sie hätten keine Faktoren enthalten, die der Klägerin hätten an Hand gegeben werden können. Hinsichtlich der Streichung bestimmter
         vertraulicher Stellen sei es aufgrund des Wettbewerbs zwischen den Fusionsparteien zum einen und ILFC, Rolls‑Royce und UTC
         zum anderen erklärlich, dass bestimmte Informationen unter das Geschäftsgeheimnis fielen.
      
      648   Zur Markteinschätzung erklärt die Kommission, sie habe in Anbetracht des ungenügenden Charakters der Verpflichtungserklärungen
         insbesondere bei Dritten eine einfache technische Überprüfung vorgenommen, deren Ergebnisse der Klägerin mitgeteilt worden
         seien. Zudem müsse die Klägerin nicht auf die Besorgnisse Dritter, sondern auf die Beanstandungen der Kommission eingehen.
         
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      649   Die Kommission bemerkt zu Recht, es sei bei der Akteneinsicht zwischen ausschließlich belastenden Umständen und entlastenden
         Schriftstücken oder Schriftstücken zu unterscheiden, die entlastende Umstände enthielten. Belastende Umstände sind nur relevant,
         wenn sie die Kommission verwertet, so dass es in diesem Fall wesentlich ist, dass sie mitgeteilt werden; werden sie jedoch
         nicht verwertet, so wird die Rechtmäßigkeit des Verfahrens nicht dadurch beeinflusst, dass sie nicht mitgeteilt werden. Hatte
         hingegen ein Kläger im Verwaltungsverfahren keine Einsicht in ein entlastendes Schriftstück, d. h. in einen Umstand, der seiner
         Verteidigung hätte dienlich sein können und durch den das Verwaltungsverfahren somit möglicherweise zu einem anderen Ergebnis
         geführt hätte, wenn der Kläger den fraglichen Umstand hätte geltend machen können, so ist der durch dieses Schriftstück betroffene
         Teil der angefochtenen Entscheidung grundsätzlich als fehlerhaft anzusehen. 
      
      650   Ferner kann nach der Rechtsprechung ein Antrag auf vertrauliche Behandlung in Wettbewerbsverfahren die Verweigerung der Einsicht
         in von Dritten stammende Schriftstücke, wie etwa Beschwerden, rechtfertigen. Der Gerichtshof hat nämlich im Urteil BPB Industries
         und British Gypsum/Kommission vom 6. April 1995 (oben zitiert in Randnr. 630) festgestellt, dass ein marktbeherrschendes Unternehmen
         Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Mitbewerbern, Lieferanten oder Abnehmern ergreifen könnte, die bei der Untersuchung der Kommission
         mitgewirkt haben, und dass daher Drittunternehmen, die der Kommission im Zuge ihrer Ermittlungen Schriftstücke übergeben,
         deren Übergabe nach Ansicht dieser Unternehmen Vergeltungsmaßnahmen ihnen gegenüber auslösen könnten, zu dieser Übergabe nur
         bereit sein können, wenn sie die Gewissheit haben, dass ihr Antrag auf vertrauliche Behandlung berücksichtigt wird. Der Gerichtshof
         hat daher festgestellt, dass das Gericht zu Recht zu der Auffassung gelangt war, dass die Kommission die Einsichtnahme unter
         Berufung auf die Vertraulichkeit habe verweigern können (vgl. auch Urteil Endemol/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115,
         Randnrn. 66 ff.).
      
      651   Im Folgenden sind die einzelnen von der Klägerin geltend gemachten Fälle fehlender Einsichtmöglichkeit zu prüfen.
      652   Erstens ist zunächst zu bemerken, dass die Beschwerden der Fluggesellschaften ihrer Natur nach belastende Umstände enthalten
         mussten. Nach der vorstehend getroffenen Unterscheidung waren diese Beschwerden nur relevant, soweit die Kommission ihren
         Inhalt in die Mitteilung der Beschwerdepunkte übernommen hat. Zudem hat die Kommission im vorliegenden Verfahren, insbesondere
         in ihren schriftlichen Antworten vom 26. April 2004 auf die Fragen des Gerichts erklärt, dass alle diese Fluggesellschaften
         ausnahmslos die Anonymität beantragt hätten. Daher sei nur Einsicht in eine Zusammenfassung dieser Informationen gewährt worden
         (vgl. Nr. 3 des Berichts des Anhörungsbeauftragten).
      
      653   Soweit die Fluggesellschaften speziell die Anonymität und Vertraulichkeit ihrer Beschwerden beantragt haben, hatte die Kommission
         das Recht, den Fusionsparteien Einsicht in diese Beschwerden in Form einer Zusammenfassung zu gewähren. Diese begrenzte Einsicht
         stellt nämlich eine ausgewogene Lösung dar, die überdies die Rechtsprechung gebilligt hat und die es erlaubt, die gegensätzlichen
         Interessen der Fusionsparteien zum einen und der Kommission sowie der Beschwerdeführer zum anderen so weit wie möglich miteinander
         in Einklang zu bringen (vgl. entsprechend Urteil Zement, oben zitiert in Randnr. 632, Randnrn. 142 bis 144 und 147 mit der
         dort genannten Rechtsprechung). Ob die Behauptung der Klägerin, diese Beschwerden hätten unter den belastenden Faktoren auch
         punktuelle Umstände enthalten können, die sie zu ihrer Entlastung hätte geltend machen können, zutreffend ist, ließe sich
         nicht ohne Verletzung der Vertraulichkeit der betreffenden Beschwerden und somit des vorgenannten Gleichgewichts feststellen,
         da die Vorlage der Beschwerden bei dem Gericht grundsätzlich auch erfordern würde, dass sie der Klägerin gemäß Artikel 67
         § 3 Absatz 1 der Verfahrensordnung übermittelt werden.
      
      654   Die bloße Behauptung der Klägerin, dass die betreffenden Beschwerden Umstände enthalten könnten, die ihrer Entlastung dienten,
         kann die ausgewogene Lösung nicht in Frage stellen, die die Kommission im vorliegenden Fall gewählt hat und die darin besteht,
         dass Einsicht in eine Zusammenfassung der von den Beschwerdeführern dargelegten Probleme gewährt wird. Wenn die Klägerin zudem
         den angemessenen Charakter der Zusammenfassung von elf Zeilen bestreitet, die sie am 24. Mai 2001 einsehen konnte, so ist
         hierbei zu bemerken, dass die Kommission, falls sie möglicherweise andere in den genannten Beschwerden enthaltene Beanstandungen
         außer Acht gelassen hat, sich nicht auf Letztere stützen konnte, da sie diese Beanstandungen nicht in die Zusammenfassung
         einbezogen hat. Somit stand nichts im Widerspruch dazu, dass die Kommission wegen der Vertraulichkeit die Einsicht in die
         Beschwerden der Fluggesellschaften verweigert, die grundsätzlich belastende Umstände enthalten, wobei der Gemeinschaftsrichter
         nicht seinerseits den Inhalt dieser Beschwerden zu überprüfen hat.
      
      655   Demnach ist die kurze von der Kommission bereitgestellte Zusammenfassung der von den Fluggesellschaften in ihren Beschwerden
         zum Ausdruck gebrachten Besorgnisse insbesondere in Anbetracht des in einem derartigen Fall notwendigen Ausgleichs der gegensätzlichen
         Interessen der Fusionsparteien und Dritter den Verfahrensrechten der Fusionsparteien gerecht geworden. 
      
      656   Die Klägerin trägt jedoch in Bezug auf die Beschwerde einer Fluggesellschaft eine spezifische Rüge vor, die gesondert zu prüfen
         ist. Sie erklärt nämlich, die Kommission habe sich in der 391. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich
         auf eine Auskunft einer großen europäischen Fluggesellschaft (a major European airline) in einem von der Klägerin nicht einsehbaren
         Schriftstück gestützt, wonach die Klägerin „jedes Mal, wenn Boeing den Preis für eine B737 festsetzt, mit attraktiven Angeboten
         für zusätzliche Triebwerksprodukte und ‑leistungen, Ersatzteile, Finanzhilfen und andere GE‑Erzeugnisse [erscheint], um die
         Fluggesellschaft dazu zu bringen, sich für den GE‑Antrieb zu entscheiden“. Da sich die Kommission entschieden hat, diese Auskunft
         in der angefochtenen Entscheidung zu verwenden, hätte sie den Fusionsparteien im Verwaltungsverfahren normalerweise eine nichtvertrauliche
         Fassung oder eine spezifische Zusammenfassung des Schriftstücks liefern müssen, aus dem diese Information stammt.
      
      657   Die Kommission hat indessen in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts im Rahmen ihrer Antworten vom 26. April
         2004 eine nichtvertrauliche Fassung des Protokolls vorgelegt, das ein Bediensteter der Kommission anlässlich der Sitzung erstellt
         hat, in der sich Vertreter der betreffenden Fluggesellschaft in der genannten Weise geäußert haben. Die Klägerin hat, nachdem
         sie aufgefordert worden war, anzugeben, inwiefern die fehlende Einsicht in diese Zusammenfassung sie in diesem Fall in ihrer
         Verteidigung behindert habe, in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass das genannte Schriftstück viel weniger affirmativ
         sei als die Behauptung, die es stützen solle.
      
      658   Es ist in der Tat festzustellen, dass die Kommission diesen Nachweis in der angefochtenen Entscheidung übertrieben dargestellt
         hat, indem sie daraus schließt, dass die Klägerin „jedes Mal“, wenn Boeing einer Fluggesellschaft einen Preis mitteilt, bei
         den Fluggesellschaften interveniert und dabei attraktive Angebote für eine ganze Reihe von Erzeugnissen und Dienstleitungen
         unterbreitet. In Wahrheit geht aus dem genannten Protokoll nur hervor, dass CFMI der betreffenden Fluggesellschaft ein attraktives
         Angebot in Bezug auf Teile der zusätzlichen Erzeugnisse und Dienstleistungen unterbreitet hat, die bei einem Auftrag für die
         B737 nicht präzisiert worden waren, und dass ein Alleinauftrag für das Triebwerk einen Triebwerkhersteller nicht notwendigerweise
         daran hindert, bei einer Bestellung Zugeständnisse oder ein Angebot in Bezug auf Zusatzleistungen zu machen.
      
      659   In Anbetracht dieser Übertreibung ist festzustellen, dass eine Einsicht in die fragliche Unterlage im Verwaltungsverfahren
         der Klägerin ermöglicht hätte, zu bemerken, dass die Kommission nicht zu der genannten spezifischen Behauptung bezüglich der
         B737 berechtigt war.
      
      660   Andererseits ist diese Behauptung im umfassenderen Rahmen der gesamten angefochtenen Entscheidung völlig marginal und zweifellos
         nicht als für den verfügenden Teil dieser Entscheidung erforderliche Stütze anzusehen, zumal sie in der angefochtenen Entscheidung
         ausdrücklich auf ein einziges Beweiselement zurückgeführt wird und daher ein Beispiel und nicht eine allgemeingültige Feststellung
         darstellt. Somit ist, ohne dass das Gericht dazu Stellung zu nehmen braucht, ob die fehlende Möglichkeit einer weitergehenden
         Einsicht in diese Unterlage unter den gegebenen Umständen eine Verletzung der Verfahrensrechte darstellen konnte, festzustellen,
         dass eine derartige Verletzung weder den Ablauf des Verwaltungsverfahrens noch gar dessen Ausgang hätte verändern können.
      
      661   Was die Behauptung der Klägerin anbelangt, es lägen auch Äußerungen anderer „Wirtschaftsteilnehmer“ (other industry players)
         vor, die sie nicht habe einsehen können, so hat die Kommission in ihren schriftlichen Antworten vom 26. April 2004 auf die
         Fragen des Gerichts bestätigt, dass alle diese Äußerungen den Fusionsparteien zumindest in einer nichtvertraulichen Fassung
         zugänglich gemacht worden seien, abgesehen von einer einzigen Unterlage, nämlich der Darlegung in Bezug auf die Auskunft eines
         dieser Wirtschaftsteilnehmer, der sich geweigert habe, eine nichtvertrauliche Fassung seiner Auskunft zu liefern. Die Kommission
         hat im gerichtlichen Verfahren mitgeteilt, dass sie sich nicht spezifisch auf die Besorgnisse des betreffenden Unternehmens
         gestützt habe, die sich ohnehin mit den von den Fluggesellschaften geäußerten Besorgnissen gedeckt hätten, und dass sie mit
         den genannten Antworten vom 26. April 2004 eine Zusammenfassung in Bezug auf diese Besorgnisse vorgelegt habe. Die Klägerin
         hat anhand dieser Zusammenfassung nicht angegeben, inwiefern die fehlende Einsicht in sie im Verwaltungsverfahren den Ablauf
         dieses Verfahrens oder gar dessen Ausgang hätte verändern können. 
      
      662   Bezüglich des Zugangs zu den Äußerungen, die Dritte, insbesondere Rolls‑Royce am 2. April 2001 und UTC am 30. Januar, 21.
         Februar und 22. März 2001, bei der Kommission abgegeben haben, erklärt die Kommission, zweitens, im gerichtlichen Verfahren,
         dass diese mündlichen Darlegungen keine gegenüber den anderen Äußerungen derselben Unternehmen, die die Klägerin habe einsehen
         können, zusätzlichen Umstände enthalten hätten, wobei zu bemerken sei, dass die genannten Darlegungen nur eine Zusammenfassung
         der Besorgnisse darstellten, die schon in den schriftlichen Äußerungen der betreffenden Unternehmen zum Ausdruck gebracht
         worden seien. Die Kommission betont erneut, die Klägerin müsse jedenfalls nur auf die Beanstandungen eingehen, die in der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte enthalten seien. Es ist in der Tat festzustellen, dass diese Darlegungen weder in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte noch in der angefochtenen Entscheidung geltend gemacht wurden. Zudem geht aus dem von der Klägerin genannten
         Schreiben von UTC vom 3. Mai 2001 ausdrücklich hervor, dass dieses Unternehmen für die betreffenden Darlegungen ausdrücklich
         eine vertrauliche Behandlung beantragt hat. 
      
      663   In Anbetracht der gesamten in der vorstehenden Randnummer festgestellten Umstände des vorliegenden Falles und der Tatsache,
         dass die beiden in Rede stehenden Unternehmen Mitbewerber der Klägerin sind, die sich in ihren schriftlichen Äußerungen entschieden
         gegen den Zusammenschluss ausgesprochen haben, besteht kein Grund, die Behauptung der Kommission zu bezweifeln, dass die vorgenannten
         Darlegungen Zusammenfassungen sind, durch die den Umständen, die die Klägerin einsehen konnte, nichts hinzugefügt wird. Darüber
         hinaus besteht kein Grund zu der Annahme, dass diese Schriftstücke entlastende und nicht allein belastende Umstände enthalten
         könnten. Die Klägerin stellt auch eine derartige Behauptung nicht auf, indem sie in ihrer Erwiderung im Gegenteil erklärt,
         dass diese Darlegungen Nachteile für sie mit sich bringen könnten. Unter den gegebenen Umständen und insbesondere in Anbetracht
         der Tatsache, dass die Vorlage bestimmter in Rede stehender Schriftstücke die von den Verfassern bei der Kommission beantragte
         Vertraulichkeit verletzt hätte, kann somit die Behauptung der Kommission bezüglich des Inhalts dieser Unterlagen vom Gericht
         als wahr unterstellt werden. Nach der vorstehend in Randnummer 649 getroffenen Unterscheidung zwischen be‑ und entlastenden
         Schriftstücken war es nicht erforderlich, dass die Klägerin Einsicht in diese Unterlagen erhielt, um sich bei der Kommission
         wirksam verteidigen zu können, da sie die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte und auch später in der angefochtenen
         Entscheidung nicht geltend gemacht hat.
      
      664   Die Behauptung schließlich, es hätten wohl noch andere Dritte derartige Stellungnahmen abgegeben, ohne dass die Klägerin davon
         unterrichtet worden sei, wird nur durch eine nicht näher umrissene Bezugnahme auf eine Anlage der Klageschrift mit mehr als
         30 verschiedenen Unterlagen gestützt, so dass das Gericht nicht feststellen kann, worauf diese Behauptung beruht oder um welche
         Unterlagen es sich handelt. Die genannte, nicht durch spezifische Angaben untermauerte Behauptung kann daher nicht berücksichtigt
         werden.
      
      665   Drittens ist zu den Äußerungen Dritter, in die die Kommission in nichtvertraulicher Form Einsicht gewährt hat, wobei es sich
         insbesondere um die Antwort von Rolls‑Royce auf das Schreiben der Kommission vom 21. März 2001, die Äußerungen von UTC vom
         24. April 2001 und die Äußerungen von ILFC handelt, zunächst festzustellen, dass die Kommission in ihrer Klageerwiderung ausdrücklich
         erklärt hat, dass die mündlichen Darlegungen von Rolls‑Royce und UTC (der Muttergesellschaft von P & W) die Besorgnisse dieser
         Unternehmen betroffen hätten und daher belastende Umstände seien. Die Kommission hat in der Klagebeantwortung ferner ausgeführt,
         dass diese drei Unternehmen, die alle Mitbewerber der Klägerin seien, eine vertrauliche Behandlung für die unkenntlich gemachten
         Angaben beantragt hätten.
      
      666   Nach dem Urteil BPB Industries und British Gypsum/Kommission (oben zitiert in Randnr. 630) und den vorstehenden Ausführungen
         in den Randnummern 650 und 652 ff. war die Kommission berechtigt, die Einsicht in die betreffenden Angaben in der Weise zu
         begrenzen, wie sie es getan hat. Somit hat sie die Verfahrensrechte der Fusionsparteien auch nicht durch die Art ihrer Behandlung
         der Einsicht in diese Darlegungen und andere von Dritten stammende Schriftstücke verletzt.
      
      667   Viertens genügt zur Behauptung der Klägerin, sie habe nicht vollständig Einsicht in das Gutachten von Professor Choi nehmen
         können, auf das sich die Theorie der Kommission bezüglich des Verkaufs von Produktpaketen mit Mischbündelung gründe, die auch
         vom Anhörungsbeauftragten in dessen Bericht vom 28. Juni 2001 getroffene Feststellung, dass die Kommission sich entschieden
         hat, sich nicht auf das Modell Choi zu stützen, gerade weil sie die darin verwendeten Daten in Anbetracht ihrs vertraulichen
         Charakters in Bezug auf Rolls‑Royce als Mitbewerber der Klägerin der Letzteren nicht bekannt geben konnte (vgl. Nr. 2 des
         Berichts des Anhörungsbeauftragten vom 28. Juni 2001, ABl. 2004, C 42, S. 1). Daher hatte die auf einem Vertraulichkeitsantrag
         von Rolls‑Royce beruhende Weigerung der Kommission, Einsicht in die diesem Modell zugrunde liegenden Daten zu gewähren, keinen
         Einfluss auf den Ausgang des Verwaltungsverfahrens. Da das Gericht zudem bereits festgestellt hat, dass der vom Modell Choi
         betroffene Teil der Würdigung der Kommission nicht begründet ist, kann die vorliegende Behauptung der Klägerin, selbst wenn
         sie rechtlich hinreichend nachgewiesen wäre, nicht zur Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung führen (vgl. oben,
         Randnr. 633).
      
      668   Die Klägerin erklärt vor dem Gericht, sie habe nicht die Identität externer von der Kommission in der vorliegenden Sache hinzugezogener
         Wirtschaftssachverständiger erfahren können und es seien ihr auch nicht die von diesen Sachverständigen erstellten Gutachten
         übermittelt worden, deren Vorliegen aus der Fußnote 175 und den Nummern 567 und 568 der Mitteilung der Beschwerdepunkte hervorgehe.
         Die Kommission hat in Beantwortung einer Frage des Gerichts im Rahmen ihrer Antworten vom 26. April 2004 das Gutachten eines
         Wirtschaftssachverständigen, nämlich des Professors Vives, den sie zur Beratung im Verwaltungsverfahren der vorliegenden Sache
         hinzugezogen hatte, sowie E‑Mails zwischen Professor Vives und Bediensteten der Kommission und ihren Beratervertrag mit Professor
         Vives vorgelegt.
      
      669   Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass diese Schriftstücke ihrer Verteidigung hätten dienlich sein können,
         insbesondere da Professor Vives bestimmte Aspekte der Darlegung der Kommission kritisiert habe. In dieser Hinsicht stellten
         diese Schriftstücke entlastende Umstände dar.
      
      670   Aus dem Wortlaut und Ton der betreffenden E‑Mails sowie aus dem Vertrag der Kommission mit Professor Vives, insbesondere aus
         der Anlage III desselben, geht indessen hervor, dass die Rolle dieses Sachverständigen nicht darin bestand, Beweise zu liefern,
         die von der Kommission eigenständig oder gegebenenfalls sogar als Teil des Verwaltungsverfahrens geltend gemacht werden könnten,
         sondern darin, die anderen wirtschaftlichen Beweise und die Feststellungen wirtschaftlicher Art in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         zu kommentieren. Die Kommission hat in der mündlichen Verhandlung mitgeteilt, dass diese Rolle nun von ihrem eigenen leitenden
         Wirtschaftsfachmann, der bei ihr tätig sei, wahrgenommen werde. In Ermangelung einer derartigen Stelle zur maßgeblichen Zeit
         habe sie hierfür jedoch die Dienste eines externen Wirtschaftssachverständigen in Anspruch nehmen müssen. Die Kommission bemerkt
         zu Recht, es wäre formalistisch, wollte man den Status der hier geleisteten Beratung allein von der Frage abhängig machen,
         ob der betreffende Wirtschaftsfachmann gegenüber der Kommission extern oder intern gewesen sei.
      
      671   Die Kommission kann verschiedene Stellungnahmen, u. a. auch Gutachten externer Sachverständiger, einholen, um die Genauigkeit
         ihrer Untersuchungsergebnisse nachprüfen zu lassen. Sofern sich die Kommission nicht in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und in ihrer endgültigen Entscheidung auf die Stellungnahme eines derartigen Sachverständigen als Faktor stützt, der eine
         gegenüber einem Unternehmen vertretene Auffassung untermauert, bleibt diese Stellungnahme eine einfache Meinung, die allein
         von einer Person geäußert wurde und der im Rahmen des Verwaltungsverfahrens keinerlei besondere Bedeutung zukommt. Eine derartige
         Meinung kann daher, selbst wenn sie von einem Sachverständigen ausgesprochen wird, nicht als be‑ oder entlastender Umstand
         betrachtet werden.
      
      672   Wären die betreffenden Unterlagen als Teil der eigentlichen Akte der Kommission angesehen worden, so wären sie dort aufgrund
         ihrer Eigenschaft und ihres Inhalts zudem als interne Unterlagen aufgenommen worden, so dass die Klägerin sie nicht hätte
         einsehen können. Überdies bestehen die einzigen Argumente, die die Klägerin aus den Professor Vives betreffenden Unterlagen
         im vorliegenden Verfahren abgeleitet hat, im Grunde darin, dass Professor Vives bestimmte Argumente aufgegriffen habe, die
         die Klägerin selbst im Verwaltungsverfahren und im gerichtlichen Verfahren vorgetragen hat. Eine Einsicht der Klägerin in
         diese Unterlagen hätte ihr somit nicht ermöglicht, andere materiell‑rechtliche Argumente als die von ihr bereits geltend gemachten
         vorzubringen. Die meisten dieser Argumente beziehen sich ohnehin auf das Modell Choi, von dem die Kommission Abstand genommen
         hat, und zu dem auf den Teil der angefochtenen Entscheidung, der den Verkauf von Produktpaketen betrifft und bei dem das Gericht
         bereits festgestellt hat, dass er nicht begründet ist (vgl. hierzu oben, Randnr. 633).
      
      673   Somit wurden die Verfahrensrechte der Klägerin nicht dadurch verletzt, dass ihr die Unterlagen bezüglich der Stellungnahme
         von Professor Vives in dem genannten Gedankenaustausch mit den Bediensteten der Kommission und das Gutachten von Professor
         Vives im Verwaltungsverfahren nicht übermittelt wurden.
      
      674   Fünftens hat die Kommission in Bezug auf interne Schriftstücke, die aus Mitteilungen Dritter bestehen sollen, am 18. Mai 2004
         in Beantwortung einer Frage des Gerichts elf nichtvertrauliche Schriftstücke und nichtvertrauliche Zusammenfassungen von drei
         vertraulichen Schriftstücken vorgelegt, die versehentlich als interne Schriftstücke eingeordnet worden waren. Die drei vertraulichen
         Schriftstücke sollen belastende Unterlagen sein, da sie von Dritten stammen, die sich dem Zusammenschluss widersetzen. In
         Bezug auf die elf nichtvertraulichen Schriftstücke hat die Kommission eingeräumt, dass einige derselben als entlastend angesehen
         werden könnten, da es sich dabei um Schreiben von Flugzeugherstellern und Fluggesellschaften handele, die der Meinung seien,
         dass sich der Zusammenschluss nicht abträglich auf den Wettbewerb auswirken würde. Die Kommission bemerkt jedoch, diese Schriftstücke
         enthielten keine spezifischen Angaben, aus denen konkret hervorgehen könnte, dass derartige Auswirkungen nicht gegeben seien,
         wobei es sich bei den meisten dieser Schriftstücke um sehr kurze, fast gleichlautende Schreiben handele.
      
      675   Das Gericht hat die Klägerin in der mündlichen Verhandlung aufgefordert, die Argumente anzugeben, die sie im Verwaltungsverfahren
         hätte vorbringen können, wenn sie die in Rede stehenden Schriftstücke hätte einsehen können. Die Klägerin hat erklärt, sie
         stütze sich mit einer einzigen Ausnahme nicht auf die Argumente, die sie hätte geltend machen können, sondern darauf, dass
         die Kommission Schriftstücke, wie diejenigen, die hier in Rede stünden, nicht berücksichtigt habe, die ihrer These von der
         Unvereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt widersprochen hätten. Die Klägerin hatte in der mündlichen
         Verhandlung insbesondere dargelegt […], im Gegensatz zu dem von der Kommission vermittelten Eindruck […] in der Begründungserwägung
         […] der angefochtenen Entscheidung.
      
      676   Es genügt hierzu die Feststellung, dass die betreffenden Schriftstücke zur Akte der Kommission gehörten und dass die Behauptung
         der Klägerin, die Kommission habe sie nicht berücksichtigt, durch keinen Nachweis untermauert wird. Daraus, dass die Schriftstücke
         bei der Zusammenstellung der Akte, in die Einsicht gegeben wurde, als interne und nicht als von Dritten stammende Schriftstücke
         eingeordnet wurden, kann nämlich nicht geschlossen werden, dass sie die Kommission nicht berücksichtigt hätte. Wenn die Klägerin
         durch diesen Klassifizierungsfehler gegebenenfalls die Möglichkeit verlieren konnte, bestimmte Argumente vorzubringen, so
         hat die Kommission ihrerseits dadurch nicht die Gelegenheit verloren, diese Schriftstücke ebenso wie alle anderen Schriftstücke
         der Akte zu berücksichtigen. Somit kann aufgrund dieser Argumentation der Klägerin nicht eine Verletzung der Verfahrensrechte
         festgestellt werden.
      
      677   Was die spezifische Feststellung in der Begründungserwägung […] der angefochtenen Entscheidung anbelangt, so bezieht sie sich
         auf den von der Klägerin nicht bestrittenen Umstand, dass […]. Der Umstand […], wie ihn die Klägerin darlegt, […] steht dem
         nicht entgegen, dass die Kommission den betreffenden Artikel in der angefochtenen Entscheidung zitiert, um den Teil ihrer
         These zu untermauern, der […] betrifft.
      
      678   Die Klägerin erklärt hingegen in Bezug auf ein einziges Schriftstück, nämlich das Schreiben von […] an das damals für Wettbewerbsfragen
         zuständige Mitglied der Kommission, dass es ihr für ihre Verteidigung im Verwaltungsverfahren konkret dienlich gewesen wäre.
         Sie führt aus, ein wichtiger Kunde der Klägerin und von Honeywell vertrete in diesem Schreiben den Standpunkt, dass die 1999
         von der Kommission bei dem Zusammenschluss von Allied Signals mit Honeywell angenommene verhaltensbezogene Verpflichtung Honeywell
         nach diesem Zusammenschluss in der Tat daran gehindert habe, Paketabschlüsse zu tätigen.
      
      679   Hierzu genügt der Hinweis, dass oben in Randnummer 470 bereits festgestellt wurde, dass der Teil der Würdigung der Kommission,
         der den Verkauf von Produktpaketen betrifft, im Ganzen nicht begründet ist. Da die Würdigung der Kommission, in Bezug auf
         die die Klägerin ihres Erachtens eine bessere Angriffsposition gehabt hätte, wenn sie das Schreiben von […] hätte einsehen
         können, bereits für nicht begründet befunden wurde, kann die hierzu von der Klägerin geltend gemachte Verletzung der Verfahrensrechte
         das Ergebnis des vorliegenden Verfahrens nicht beeinflussen. 
      
      680   Sechstens trägt die Klägerin vor, sie habe keine Einsicht in die bei der technischen Überprüfung und Markteinschätzung der
         Verpflichtungserklärungen abgegebenen Äußerungen Dritter nehmen können, unter deren Zugrundelegung die Kommission die strukturellen
         Verpflichtungserklärungen insbesondere in Bezug auf Triebwerke für große Regionalflugzeuge, kleine Schiffsgasturbinen und
         Starter zurückgewiesen habe. Daher sei es ihr nicht möglich gewesen, auf die Behauptungen einzugehen, die ihre Mitbewerber
         im Rahmen ihrer Antworten aufgestellt hätten und wonach insbesondere die Unternehmen, die in Durchführung bestimmter struktureller
         Verpflichtungen hätten gegründet werden sollen, nicht existenzfähig gewesen wären.
      
      681   Zunächst ist festzustellen, dass die Kommission nur eine einfache technische Überprüfung der Verpflichtungserklärungen und
         keine Marktuntersuchung vorgenommen hat, da ihres Erachtens die Verpflichtungserklärungen im Ganzen keineswegs ausreichten,
         um die Wettbewerbsprobleme des angemeldeten Zusammenschlusses auszuräumen.
      
      682   Zudem erklärt die Kommission, sie habe der Klägerin mit E‑Mail vom 22. Juni 2001 eine der Klagebeantwortung als Anlage beigefügte
         Zusammenfassung der Ergebnisse ihrer technischen Überprüfung für die verschiedenen von den Fusionsparteien vorgeschlagenen
         Verpflichtungen und insbesondere für die strukturellen Verpflichtungen bezüglich der horizontalen Überschneidungen übermittelt.
         Die Klägerin bemerkt hierzu, sie habe auf diese E‑Mail am 26. Juni 2001 mit einem Schriftstück von sechzehn Seiten geantwortet
         und sie habe mit Schriftstücken vom 14. und 22. Juni 2001 auch die Fragen der Kommission beantwortet, die diese im Rahmen
         ihrer technischen Überprüfung gestellt habe.
      
      683   Unter diesen Umständen hat die Klägerin effektiv Gelegenheit gehabt, auf diejenigen von Dritten gegen die Verpflichtungserklärungen
         vorgetragenen Einwände, die die Kommission berücksichtigt hat, einzugehen, bevor die Kommission sie in die angefochtene Entscheidung
         aufgenommen hat. Wie die Kommission zu Recht ausführt, sind derartige Einwände nur dann relevant, wenn sie die Kommission
         übernimmt und gegebenenfalls verwendet, um die Ablehnung von Verpflichtungserklärungen zu begründen.
      
      684   Überdies war die Kommission in Anbetracht des späten Verfahrensabschnitts, in dem die in Rede stehenden Stellungnahmen eingegangen
         sind, nämlich nach Ablauf der Frist für die Abgabe von Verpflichtungserklärungen, nicht gehalten, in diesem Stadium des Verfahrens
         Einsicht in die neuen Aktenteile zu geben. Würde eine derartige Verpflichtung nach dem Endzeitpunkt für die Abgabe der Verpflichtungserklärungen
         auferlegt, so würde nämlich aufgrund des strikten Zeitplans der Verordnung Nr. 4064/89 und des Beschleunigungsgebots, das
         die Verfahren dieser Verordnung kennzeichnet, der Kommission gegebenenfalls nicht die erforderliche Reflexionszeit zur Verfügung
         stehen, um die gesamte Akte zu analysieren und ihre endgültige Entscheidung abzufassen. Indem die Kommission den Fusionsparteien
         die vorgenannte Zusammenfassung übermittelt hat, hat sie diese in die Lage versetzt, ihre Interessen unter den gegebenen Umständen
         in angemessener Weise wahrzunehmen, und sie hat somit die Verfahrensrechte in vollem Maß beachtet.
      
      685   Zudem hat die Klägerin dem Gericht keines der drei oben in Randnummer 682 genannten Schriftstücke vorgelegt, die sie nach
         eigenem Bekunden im Verwaltungsverfahren eingereicht hat. Ferner hat die Klägerin, wie oben ausgeführt (vgl. insbesondere
         Randnrn. 555 ff., 581 ff. und 612 ff.), im gerichtlichen Verfahren keine Argumente vorgebracht, aus denen hervorgehen könnte,
         inwiefern die Ablehnung der strukturellen Verpflichtungserklärungen, insbesondere in Bezug auf Triebwerke für große Regionalflugzeuge,
         kleine Schiffsgasturbinen und Starter, nicht begründet war, wobei sie sich auf die alleinige Behauptung beschränkt hat, dass
         diese Ablehnung völlig ungerechtfertigt sei.
      
      686   Demnach ist festzustellen, dass die unterbliebene Einsicht in die genannten Äußerungen Dritter keinen Einfluss auf die Verteidigungsmöglichkeit
         der Klägerin hatte, da die Klägerin im gerichtlichen Verfahren nicht einmal Argumente für die Widerlegung der Gründe vorgebracht
         hat, die in der Zusammenfassung der technischen Überprüfung genannt und im Wesentlichen in die angefochtene Entscheidung aufgenommen
         wurde, um die in Rede stehenden strukturellen Verpflichtungserklärungen abzulehnen.
      
      687   Somit ist aufgrund der von der Klägerin geltend gemachten Mängel in Bezug auf ihre Einsichtnahme in die Verwaltungsakte der
         Kommission keine Verletzung der Verfahrensrechte mit einer möglichen Auswirkung auf den Ausgang des Verwaltungsverfahrens
         festzustellen.
      
      3.     Zum verspäteten Aktenzugang
      a)     Vorbringen der Parteien
      688   Die Klägerin führt vorab aus, die Verordnung Nr. 4064/89 sehe insbesondere in Artikel 18 Absätze 1 und 3 das Recht vor, sich
         in allen Abschnitten des Verfahrens, also ab Einleitung des Verfahrens nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c dieser Verordnung,
         zu äußern und somit Einsicht in die Akten zu nehmen. Die Einleitungsentscheidung sei nicht einfach eine Vorbereitungshandlung,
         sondern eine rechtliche Entscheidung mit Rechtswirkungen. Dieser gesetzlich garantierte Anspruch auf rechtliches Gehör in
         allen Verfahrensabschnitten entspreche der Verpflichtung der Kommission nach Artikel 10 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4064/89,
         das Verfahren nicht länger aufrechtzuerhalten als unbedingt nötig, und dem allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen Grundsatz
         bezüglich beschwerender Entscheidungen sowie dem Grundsatz der Waffengleichheit.
      
      689   Die Weigerung der Kommission gegenüber den Anträgen der Klägerin auf Einsichtnahme in den zwei Monaten vor Erlass der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte sei als eine Verletzung der Rechte der Klägerin mit potenziell erheblichen negativen Folgen anzusehen.
         Erstens habe insbesondere im ersten Abschnitt des Verfahrens nach dessen Eröffnung keine Waffengleichheit bestanden, wodurch
         die Klägerin daran gehindert worden sei, geeignete Beweise zu erbringen oder Verpflichtungserklärungen abzugeben, die einen
         baldigen Abschluss des Verfahrens ermöglicht hätten. Zweitens sei diese fehlende Waffengleichheit dadurch verschärft worden,
         dass die Kommission von der Klägerin eine vollständige Erwiderung auf die Einleitungsentscheidung verlangt habe, ohne dass
         die Klägerin die Akte habe einsehen können, und auch dadurch, dass die Kommission die Fragen der Klägerin nicht beantwortet
         habe. Drittens sei die Klägerin wegen der mangelnden Kenntnis der Einstellung der Kommission und des Akteninhalts nicht in
         der Lage gewesen, geeignete Verpflichtungserklärungen abzugeben, um das Verfahren zu beenden. Viertens hätten die Mitbewerber
         im entscheidenden Zeitraum der Monate März und April 2001 unmittelbare Verbindungen zur Kommission gehabt, obwohl ihre Rechte
         nach Artikel 18 Absatz 4 der Verordnung Nr. 4064/89 begrenzter seien als die Rechte der Parteien. Fünftens habe sich die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte auf die Erwiderung der Klägerin auf die Einleitungsentscheidung gegründet, die abgegeben worden sei,
         ohne dass die Klägerin Einsicht in die Akte hätte nehmen können. Diese Mitteilung der Beschwerdepunkte sei indessen in Wahrheit
         eine Endentscheidung gewesen, da sie mit der endgültigen Entscheidung fast identisch sei. Somit hätten die Verfahrensgarantien
         für die Klägerin nur einfach in der Beachtung einer technischen Bedingung bestanden und praktisch nicht einer echten Gelegenheit
         zur Herbeiführung einer Meinungsänderung der Kommission entsprochen.
      
      690   Obwohl der Kommission vor der Einleitungsentscheidung zahlreiche von Dritten stammende Schriftstücke vorgelegen hätten, habe
         sie diese Unterlagen trotz vorheriger Anträge der Klägerin erst nach dem 8. Mai 2001 offengelegt. Die Kommission könne sich
         hierbei nicht auf ihre Mitteilung über Akteneinsicht berufen, wonach „Anträge auf Akteneinsicht, die vor dem Datum der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte gestellt werden, grundsätzlich unzulässig [sind]“, da sie die Bestimmungen der Verordnung Nr. 4064/89
         einhalten müsse.
      
      691   Nach Ansicht der Kommission verkennt die Klägerin die Natur und den Zweck der Akteneinsicht bei Sachen, die Zusammenschlüsse
         betreffen. Sowohl nach den Rechtsvorschriften als auch nach der Rechtsprechung des Gerichts beziehe sich das Anhörungsrecht
         nur auf die Beanstandungen, die die Kommission berücksichtigen wolle. Mit einer Einleitungsentscheidung sollten den Parteien
         keine Beanstandungen übermittelt werden, sie solle vielmehr vorläufig zum Ausdruck bringen, dass die Kommission erhebliche
         Bedenken habe, die sie dazu veranlassten, zur zweiten Untersuchungsstufe überzugehen.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      692   Zur Zurückweisung dieses Arguments der Klägerin genügt entsprechend den Ausführungen der Kommission der Hinweis, dass sich
         nach gefestigter Rechtsprechung das Anhörungsrecht in Wettbewerbsverfahren nur auf die Beanstandungen bezieht, die die Kommission
         zu berücksichtigen gedenkt (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 18. Dezember 1992 in den verbundenen Rechtssachen
         T‑10/92 bis T‑12/92 und T‑15/92, Cimenteries CBR u. a./Kommission, Slg. 1992, II‑2667, Randnr. 38, und Endemol/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 65). 
      
      693   Da mit einer Einleitungsentscheidung nach Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe a der Verordnung Nr. 4064/89 den Parteien keine Beanstandungen
         übermittelt werden sollen, sondern durch sie lediglich vorläufig zum Ausdruck gebracht werden soll, dass die Kommission erhebliche
         Bedenken hat, die sie dazu veranlassen, zur zweiten Untersuchungsstufe überzugehen, kann die Klägerin nicht geltend machen,
         dass die vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte unterbliebene Akteneinsicht ihre Verteidigungsmöglichkeit beeinträchtigt
         habe. Indem die Klägerin Gelegenheit hatte, sich nach Einsicht in die Verwaltungsakte der Kommission schriftlich und mündlich
         zur Mitteilung der Beschwerdepunkte zu äußern, konnte sie ihren Standpunkt hinsichtlich der berücksichtigten Beschwerdepunkte
         rechtzeitig zum Ausdruck bringen. 
      
      694   Ferner ist das Vorbringen der Klägerin zurückzuweisen, die Fusionsparteien seien nach Artikel 18 Absätze 1 und 3 der Verordnung
         Nr. 4064/89 und nach dem Urteil Kaysersberg/Kommission (oben zitiert in Randnr. 84, Randnrn. 105 bis 107) in jedem Stadium
         des Fusionskontrollverfahrens berechtigt, ihren Standpunkt geltend zu machen. Wenn die Parteien nach dem Wortlaut von Artikel
         18 Absatz 1 dieser Verordnung tatsächlich in der Lage sein müssen, sich von der Einleitung des Verfahrens an zu äußern, so
         bedeutet dies nicht, dass die Kommission in diesem vorzeitigen Stadium Einsicht in ihre Verwaltungsakte geben müsste. Dass
         die Parteien Einsicht in die Verwaltungsakte der Kommission müssen nehmen können, um sich letztlich gegen die Einwände der
         Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte verteidigen zu können, kann nicht dahin ausgelegt werden, dass die Kommission
         verpflichtet wäre, ihnen während des gesamten Verfahrens abschnittsweise Einsicht in ihre Akte zu gewähren, wodurch die Kommission
         unverhältnismäßig belastet würde.
      
      695   Zudem kann aus den von der Klägerin festgestellten Ähnlichkeiten zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen
         Entscheidung nicht geschlossen werden, dass diese Mitteilung in Wahrheit eine Endentscheidung gewesen sei. Dies würde bedeuten,
         dass die Kommission bei ihrer endgültigen Entscheidung nie der Meinung sein könnte, dass ihre zur Zeit der Übersendung der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte vorläufig vertretene Auffassung beizubehalten sei.
      
      696   Zu dem Argument der Klägerin, es sei ihr in Ermangelung einer früheren Akteneinsicht nicht möglich gewesen, geeignete Verpflichtungserklärungen
         abzugeben, um das Verfahren zu beenden, ist in erster Linie festzustellen, dass die Klägerin vor allem nach der Einleitungsentscheidung
         gemäß Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c bereits die wichtigsten Bedenken der Kommission hinsichtlich der Vereinbarkeit des Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt kannte, so dass sie bereits damit beginnen konnte, Verpflichtungsvorschläge auszuarbeiten oder sogar
         vorzulegen. Die Klägerin behauptet im Übrigen, sie habe solche Vorschläge effektiv in einem frühen Stadium des Verfahrens
         vorgelegt. Sodann hatte die Klägerin Gelegenheit zur Abgabe von Verpflichtungserklärungen, nachdem sie die Mitteilung der
         Beschwerdepunkte erhalten und nachdem sie Einsicht in die Verwaltungsakte genommen hatte, wobei ihr nach eigenem schriftlichem
         Bekunden eine weitere Frist von dreizehn Tagen nach dem Zeitpunkt der Anhörung zur Verfügung stand. 
      
      4.     Zur Kürze der Frist, die der Klägerin für die Prüfung der Akte zur Verfügung stand
      a)     Vorbringen der Parteien
      697   Nach Ansicht der Klägerin war die Frist für ihre Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte in Anbetracht der späten
         Möglichkeit einer Akteneinsicht, des Umfangs der zu prüfenden Schriftstücke und des Ausmaßes der Sache unannehmbar kurz. Die
         Kommission habe der Klägerin nur folgende Fristen eingeräumt: elf Arbeitstage und einen zusätzlichen Tag für die Prüfung der
         in der Akte der Kommission enthaltenen 3 500 Seiten umfassenden Äußerungen Dritter, vier weitere Arbeitstage für die Vorbereitung
         auf die mündliche Anhörung und dreizehn weitere Tage für die Abgabe geeigneter Verpflichtungserklärungen. Die Nutzung dieser
         Frist sei überdies eingeschränkt worden durch die Zeit, die verloren gegangen sei, um eine vollständige Akteneinsicht zu erlangen,
         durch die Verweigerung einer derartigen Einsicht durch die Kommission, durch die mangelnde Anpassung des Dokumentenverzeichnisses
         an die Schriftstücke sowie durch die vielen fehlenden Aktenseiten und dadurch, dass die Kommission ihr eigenes in der Mitteilung
         über Akteneinsicht aufgezeigtes internes Verfahren für die Klassifizierung der Schriftstücke nicht eingehalten habe, einschließlich
         der fehlenden Lieferung einer Zusammenfassung des Inhalts der unter die Kategorie der nicht einsehbaren Unterlagen fallenden
         Schriftstücke.
      
      698   Diese Frist habe nicht ausgereicht, um der Klägerin eine Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, die Vorbereitung
         auf die Anhörung und die Abgabe geeigneter Verpflichtungserklärungen zu ermöglichen. Die Kürze der Frist sei unlauter und
         widerspreche dem Grundsatz der Waffengleichheit, da sie der Klägerin nicht gestattet habe, ihre Verfahrensrechte in jedem
         Abschnitt des Verfahrens auszuüben. Die Kommission habe zudem die Kürze der fraglichen Frist im gerichtlichen Verfahren nicht
         begründet. 
      
      699   Die Kommission weist auf das Beschleunigungserfordernis hin, das das Verfahren bei Zusammenschlüssen kennzeichne. Die der
         Klägerin eingeräumte Frist von zwei Wochen, zu der entsprechend ihrem Antrag ein Tag hinzugekommen sei, müsse unter diesem
         Gesichtspunkt betrachtet werden; sie stelle auch keine Verletzung der Verfahrensrechte dar. Die Behauptung der Klägerin, die
         Kommission hätte ihre Einwände früher bekannt geben müssen, lasse sich nicht damit vereinbaren, dass ein Großteil der Besorgnisse
         der Kommission bereits vor der Anmeldung bekannt gewesen sei und dass die Klägerin auf die Einleitungsentscheidung erwidert
         habe.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      700   Die Verordnung Nr. 4064/89 erlegt der Kommission strikte Fristen für eine endgültige Entscheidung über einen angemeldeten
         Zusammenschluss auf. So müssen insbesondere nach Artikel 10 Absatz 1 dieser Verordnung die in Artikel 6 Absatz 1 genannten
         Entscheidungen zur Einleitung eines Verfahrens der so genannten „Stufe II“ gegenüber einem angemeldeten Zusammenschluss innerhalb
         einer Frist von höchstens einem Monat ergehen. Zudem müssen Entscheidungen, die am Ende eines derartigen Verfahrens nach Artikel
         8 Absatz 3 ergehen, innerhalb einer Frist von höchstens vier Monaten nach der Einleitung des Verfahrens erlassen werden.
      
      701   Damit die Kommission diesen Zeitplan der Verordnung Nr. 4064/89 einhalten kann, müssen die je Verfahrensabschnitt festgelegten
         Zwischenfristen ebenfalls kurz sein. Dadurch werden naturgemäß die Arbeitsbedingungen für alle Verfahrensbeteiligten erschwert.
         Der Gesetzgeber hat jedoch den Zeitgewinn für das Verfahren als Ganzes als Rechtfertigung für diesen Nachteil betrachtet,
         um insbesondere dem Umstand Rechnung zu tragen, dass die Parteien eines angemeldeten Zusammenschlusses aus geschäftlichen
         Gründen an einer möglichst schnellen Umsetzung ihres Vorhabens interessiert sind. Hierzu hat das Gericht bereits festgestellt,
         dass bei der Beurteilung behaupteter Verletzungen der Verfahrensrechte in Verfahren nach der Verordnung Nr. 4064/89 das Beschleunigungsgebot
         berücksichtigt werden muss, das für die allgemeine Systematik dieser Verordnung kennzeichnend ist (vgl. in diesem Sinne Urteile
         Kaysersberg/Kommission, oben zitiert in Randnr. 84, Randnr. 113, und Endemol/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnr.
         68).
      
      702   Nach Artikel 21 der Verordnung Nr. 447/98, der u. a. auf die nach Artikel 13 dieser Verordnung festzusetzende Frist für die
         Erwiderung auf eine Mitteilung der Einwände Anwendung findet, trägt die Kommission dem für die Äußerung erforderlichen Zeitaufwand
         und der Dringlichkeit des Falles Rechnung. Demnach muss die Kommission die Verfahrensrechte der Anmelder und das vorstehend
         dargelegte Erfordernis einer baldigen endgültigen Entscheidung nach Möglichkeit miteinander in Einklang bringen.
      
      703   Folglich können sich die Anmelder eines Zusammenschlusses nur dann auf die Kürze der ihnen in einem derartigen Verfahren eingeräumten
         Fristen berufen, wenn diese Fristen nicht im Verhältnis zur Dauer des gesamten Verfahrens stehen.
      
      704   Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Fusionsparteien über eine Frist von elf Arbeitstagen und einem zusätzlichen ihrem
         Antrag gemäß gewährten Tag verfügten, um ihre schriftliche Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu erstellen.
         Zudem verfügte die Klägerin über vier weitere Arbeitstage zur Ausarbeitung ihrer Argumente vor der Anhörung am 29. und 30.
         Mai 2001. Sollte sie während dieses zusätzlichen Zeitraums festgestellt haben, dass ihr bei der Abfassung ihrer schriftlichen
         Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein wichtiger Umstand entgangen ist, so hätte sie ihn mündlich zur Sprache
         bringen können. 
      
      705   Zudem war, wie die Kommission bemerkt, ein erheblicher Teil der Besorgnisse der Kommission bereits vor der Anmeldung oder
         zumindest nach dem Erlass der in Artikel 6 Absatz 1 Buchstabe c der Verordnung Nr. 4064/89 vorgesehenen Entscheidung bekannt.
         Die Klägerin hätte daher auf diese Besorgnisse zunächst in ihrer Erwiderung auf diese Entscheidung – es handelt sich dabei
         um ein ausführliches Schriftstück von über 100 Seiten – unter Zugrundelegung der seinerzeit in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen
         eingehen können. Die Frist von zwölf Arbeitstagen für die Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ist demnach als
         Fortsetzung einer Erörterung anzusehen, die bereits seit einiger Zeit zwischen der Kommission und der Klägerin im Gange war,
         und nicht als Frist für eine Äußerung zu Einwänden zu betrachten, die vor der Übermittlung des genannten Schriftstücks völlig
         unbekannt und unerwartet waren.
      
      706   In Anbetracht all dieser Umstände ist festzustellen, dass die genannten Fristen gemessen am gesamten Zeitraum von vier Monaten,
         innerhalb dessen das Verfahren der zweiten Stufe im Ganzen abzuwickeln war, nicht unverhältnismäßig waren.
      
      707   Zudem hat die Klägerin nicht konkret und spezifisch erklärt, inwiefern die Kürze der ihr gesetzten Frist sie daran gehindert
         hat, sich sachdienlich zu verteidigen. 
      
      708   Die Klägerin hat in ihren Schriftsätzen insbesondere nicht angegeben, zu welchen Aspekten der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         sie in ihrer Erwiderung darauf nicht sachgerecht hat Stellung nehmen können. Sie hat sich in Beantwortung einer mündlichen
         Frage des Gerichts, mit der festgestellt werden sollte, in welchen speziellen Punkten die Klägerin sich nicht verteidigen
         konnte, in der mündlichen Verhandlung erneut auf die Äußerung beschränkt, dass ihre Rüge den unzureichenden Charakter der
         in Rede stehenden Frist im Allgemeinen betreffe.
      
      709   Hierzu ist auch festzustellen, dass die Erwiderung der Fusionsparteien auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte aus einem ausführlichen
         47 Seiten starken Schriftstück mit umfangreichen Anlagen besteht, wovon mehrere zusätzliche Argumente der Fusionsparteien
         zu einzelnen Märkten enthalten. Dies steht in Ermangelung spezifischer Ausführungen, aus denen das Gegenteil hervorgehen könnte,
         grundsätzlich im Widerspruch zu der Behauptung der Klägerin, sie sei nicht in der Lage gewesen, sachgerecht auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte einzugehen.
      
      710   In Bezug auf die angeblich schlechte Organisation der Akteneinsicht durch die Kommission trägt die Klägerin ebenfalls keine
         Beispiele oder spezifischen Argumente zur Stützung ihrer Behauptung vor, die mangelnde Anpassung des Dokumentenverzeichnisses
         an die Schriftstücke und „die vielen fehlenden Aktenseiten“ hätten praktisch die Zeit verkürzt, über die sie verfügt habe,
         um sich zur Mitteilung der Beschwerdepunkte zu äußern.
      
      711   Was die Argumente bezüglich der Akteneinsicht und einer fehlenden inhaltlichen Zusammenfassung der nicht einsehbaren Schriftstücke
         anbelangt, so sind sie im Rahmen der vorliegenden Rüge nur insoweit relevant, als die Klägerin daraus schließt, sie habe wegen
         ihres Versuchs einer Lösung dieser Probleme wertvolle Zeit verloren, die sie dem Aktenstudium hätte widmen müssen. Obwohl
         die Abfassung der verschiedenen Schreiben und E‑Mails, auf die die Klägerin Bezug nimmt, sicherlich einen ihrer Anwälte während
         einer bestimmten Zeit beschäftigt hat, wurde die Klägerin dadurch jedoch nicht an einer gleichzeitigen, gegebenenfalls durch
         andere Anwälte vorzunehmenden Prüfung der zahlreichen Schriftstücke gehindert, in die sie bereits Einsicht nehmen konnte.
      
      712   Das einzige Schriftstück, auf das sich die Klägerin hierbei speziell beruft, ist die Äußerung […], die sie ihrer Behauptung
         nach erst am 17. Mai 2001, also drei Tage vor Ablauf der Frist für die Einreichung ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der
         Beschwerdepunkte, erhalten hat. Abgesehen davon, dass die Klägerin zu diesem Schriftstück gegebenenfalls in ihrer Erwiderung
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte oder zumindest bei der Anhörung vor der Kommission sachgerecht Stellung nehmen konnte,
         genügt die Feststellung, dass sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht auf das genannte Schriftstück beruft.
         Selbst wenn also feststünde, dass die Klägerin nicht über genügend Zeit verfügte, um dieses Schriftstück vor ihrer Erwiderung
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu prüfen, hätte sich dies für die Klägerin nicht nachteilig auf den Ausgang des Verwaltungsverfahrens
         ausgewirkt.
      
      713   Somit ist erneut festzustellen, dass die Klägerin nicht konkret erklärt hat, welche Umstände oder Argumente sie wegen der
         angeblichen in diesem Kontext geltend gemachten Behinderung ihrer Verfahrensrechte nicht sachdienlich im Verwaltungsverfahren
         vorbringen konnte. Die Klägerin hat daher nicht dargetan, dass ihre Verfahrensrechte im vorliegenden Fall wegen der Kürze
         der ihr für die Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte gesetzten Frist verletzt wurden.
      
      5.     Zur Beachtung des Mandats des Anhörungsbeauftragten
      a)     Vorbringen der Parteien
      714   Nach Ansicht der Klägerin galten im vorliegenden Fall, wie der Anhörungsbeauftragte in seinem Schreiben vom 19. Juni 2001
         eingeräumt habe, die neuen Bestimmungen, die die Kommission am 23. Mai 2001 mit Beschluss 2001/462/EG, EGKS über das Mandat
         von Anhörungsbeauftragten in bestimmten Wettbewerbsverfahren (ABl. L 162, S. 21) erlassen hat. Die Klägerin trägt vor, sie
         hätte im Fall einer konkreten Anwendung dieser neuen Bestimmungen ihre Rechte nicht nur im Sinne eines objektiven Verfahrens,
         sondern auch in Bezug auf eine angemessene Einsicht in alle erforderlichen Schriftstücke besser wahrnehmen können. Das hiergegen
         von der Kommission vorgebrachte Argument der Unzulässigkeit beruhe auf keiner Rechtsgrundlage und müsse daher zurückgewiesen
         werden.
      
      715   Die Entscheidungen des Anhörungsbeauftragten seien rechtswidrig und nichtig, da er nach den alten Bestimmungen gehandelt habe
         und insbesondere nach ihnen ernannt worden sei. Dadurch werde die angefochtene Entscheidung nichtig, oder sie müsse zumindest
         für nichtig erklärt werden. Durch die Anwendung der alten Bestimmungen habe die Klägerin den Schutz der Charta und der EMRK
         verloren, die ihren Anspruch auf rechtliches Gehör gewährleisteten.
      
      716   Die Kommission führt aus, die vorliegende Rüge sei unzulässig, da die Klägerin nicht die Bestimmungen nenne, die nicht angewendet
         worden seien, und nicht erkläre, inwiefern diese Bestimmungen ihr eine wirksamere Verteidigung ermöglicht hätten. Die neuen
         Bestimmungen fänden Anwendung und seien ohnehin auch angewendet worden. Der Beschluss 2001/462 habe nicht das Mandat der Anhörungsbeauftragten
         beendet, die mit einer Sache befasst gewesen seien. Der Anhörungsbeauftragte müsse sicherstellen, dass die wesentlichen Regeln
         beachtet würden, und eine Verletzung derselben müsse nachgewiesen werden, was jedoch nicht geschehen sei. Der Irrtum sei darauf
         zurückzuführen, dass im letzten Moment keine Klausel in den Beschluss 2001/462 aufgenommen worden sei, nach der dieser am
         Tag nach seiner Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft treten solle. Daher sei der Beschluss im Gegensatz zum Vorhaben der
         Kommission mit seinem Erlass in Kraft getreten.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      717   Vorab ist festzustellen, dass die vorliegende Rüge den Anforderungen von Artikel 44 § 1 Buchstabe c der Verfahrensordnung
         entspricht und nicht als unzulässig zurückzuweisen ist. Wenngleich die Rüge in der Klageschrift nicht sehr eingehend dargelegt
         wurde, ist ihr Inhalt nämlich klar, und er wurde in der Erwiderung insbesondere durch eine begrenzte Anzahl von Tatsachenbehauptungen
         ergänzt.
      
      718   Es steht fest, dass der Beschluss 2001/462 am Tag seines Erlasses, also am 23. Mai 2001, in Kraft getreten ist, wodurch der
         Beschluss 94/810/EGKS, EG vom 12. Dezember 1994 über das Mandat des Anhörungsbeauftragten in Wettbewerbsverfahren vor der
         Kommission (ABl. L 330, S. 67) am selben Tag aufgehoben wurde. Artikel 1 des Beschlusses 2001/462 sieht vor, dass die Kommission
         „einen oder mehrere Anhörungsbeauftragte [ernennt]“, und in Artikel 2 Absatz 1 dieses Beschlusses heißt es: „Eine Aussetzung
         des Mandats, eine Abberufung oder Versetzung muss unabhängig von der Art des Verfahrens Gegenstand einer mit Gründen versehenen
         Entscheidung der Kommission sein.“ Der Beschluss sieht indessen nicht ausdrücklich Übergangsmaßnahmen für Anhörungsbeauftragte
         vor, die bei seinem Inkrafttreten tätig waren. 
      
      719   Wenngleich der Beschluss 2001/462 die Stellung des Anhörungsbeauftragten insbesondere dadurch verändert hat, dass er nach
         Artikel 2 Absatz 2 dieses Beschlusses nunmehr verwaltungstechnisch dem für Wettbewerb zuständigen Mitglied der Kommission
         und nicht mehr der Generaldirektion Wettbewerb untersteht, geht klar aus dem Beschluss hervor, dass die neue Funktion „Anhörungsbeauftragter“
         unmittelbar an die Stelle der früheren im Beschluss 94/810 vorgesehenen gleichnamigen Funktion tritt. Somit ist davon auszugehen,
         dass der frühere Anhörungsbeauftragte in Ermangelung einer Entscheidung zur Beendigung seines Mandats nach Artikel 2 Absatz
         1 des Beschlusses 2001/462 entgegen der Argumentation der Klägerin nach Inkrafttreten dieses Beschlusses im Amt geblieben
         ist.
      
      720   Diese Auslegung der vorgenannten Texte wird bestärkt durch die objektive Notwendigkeit, für die Tätigkeit des Anhörungsbeauftragten
         eine funktionale Kontinuität nach dem Grundsatz einer ordnungsgemäßen Verwaltung zu gewährleisten. Der Beschluss 2001/462
         ist zwangsläufig in Kraft getreten, als bestimmte Verfahren schon im Gange waren. Würde das Inkrafttreten des Beschlusses
         2001/462 ohne Ernennung eines neuen Anhörungsbeauftragten bewirken, dass niemand mit dieser Funktion betraut wäre, so könnten
         die laufenden Verfahren nicht fortgeführt werden, wodurch sowohl die Vorschriften der Verordnung Nr. 4064/89 als auch die
         Bestimmungen des Beschlusses 2001/462 bei diesen Verfahren unwirksam würden. Folglich ist davon auszugehen, dass ein bei Inkrafttreten
         des Beschlusses 2001/462 bereits berufener Anhörungsbeauftragter befugt bleibt, diese Funktion bis auf weiteres wahrzunehmen,
         um zumindest Verfahren, wie das hier in Rede stehende, mit denen er bereits befasst war, abzuschließen.
      
      721   Bezüglich der Anwendung der Bestimmungen des Beschlusses 2001/462 stellt die Kommission nicht in Abrede, dass der Anhörungsbeauftragte
         in dieser Hinsicht einen Rechtsfehler in Bezug auf die zum Zeitpunkt der Anhörung geltenden Bestimmungen begangen hat. Sie
         macht hingegen geltend, dass dieser Fehler keine rechtlichen oder konkreten Folgen gehabt habe, da das vom Anhörungsbeauftragten
         angewendete Verfahren praktisch sowohl den früheren Bestimmungen, die er anwenden zu müssen geglaubt habe, als auch den neuen
         Bestimmungen, die er hätte anwenden müssen, entsprochen habe.
      
      722   Die Kommission bemerkt zu Recht, die Klägerin sei nicht in der Lage gewesen, eine spezifische Bestimmung des Beschlusses 2001/462
         zu nennen, die der Anhörungsbeauftragte verletzt hätte, noch eine Bestimmung aufzuzeigen, anhand deren der Anhörungsbeauftragte,
         anders als er es getan habe, hätte handeln können, wenn er gewusst hätte, dass er den Beschluss 2001/462 anzuwenden habe.
      
      723   Die einzigen konkreten Fragen, die die Klägerin in dieser Hinsicht aufgeworfen hat, betreffen die Weigerung des Anhörungsbeauftragten,
         die vollständige Vorlage des Modells Choi und der darin verwendeten Angaben sowie die Vorlage der von Dritten stammenden Beschwerden
         und Äußerungen anzuordnen. Aus den vorstehend in den Randnummern 649 ff. dargelegten Gründen ist die Akteneinsicht in Bezug
         auf die betreffenden Beschwerden und Äußerungen unter den vorliegenden Umständen jedoch als ausreichend anzusehen. Daher hat
         der Standpunkt, den der Anhörungsbeauftragte in dieser Hinsicht eingenommen hat, die Klägerin nicht an ihrer Verteidigung
         gehindert. Was das Modell Choi anbelangt, so hat der Anhörungsbeauftragte in seinem Bericht vom 28. Juni 2001 festgestellt,
         dass sich die Kommission zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dieses Modell gestützt habe (vgl. hierzu auch Nrn. 2 und 3 des
         Berichts des Anhörungsbeauftragten vom 28. Juni 2001). Das Gericht hat ohnedies bereits in den Randnummern 399 ff. die Würdigung
         der Kommission bezüglich des Verkaufs von Produktpaketen zurückgewiesen, so dass eine etwaige Feststellung von Unregelmäßigkeiten
         bei der Einsicht in das Modell Choi den Ausgang des vorliegenden Verfahrens nicht beeinflussen kann. 
      
      724   Die Klägerin macht geltend, dass die Kommission nach der 2. Begründungserwägung des Beschlusses 2001/462 „dafür sorgen [muss],
         dass dieses Anhörungsrecht in ihren Wettbewerbsverfahren gewährleistet ist, wobei die Charta … zu berücksichtigen ist“. Sie
         betont hierbei insbesondere ihr Anhörungsrecht nach Artikel 41 Absatz 2 der Charta, ihr Recht auf Akteneinsicht nach den Artikeln
         41 und 42 der Charta, ihr Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf nach Artikel 47 der Charta und schließlich die ausdrückliche
         Verpflichtung zur Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit bei jeder Beschränkung der Grundrechte nach Artikel 52
         der Charta.
      
      725   Hierzu genügt der Hinweis, dass der tatsächliche Inhalt aller vorgenannten spezifischen Rechte im Gemeinschaftsrecht bereits
         vor dem Erlass der Charta geschützt war, die nach ihrer Präambel diese Rechte nur bekräftigt. Nach ständiger Rechtsprechung
         gehören die Grundrechte nämlich zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, deren Wahrung der Gemeinschaftsrichter zu sichern hat
         (vgl. insbesondere Gutachten 2/94 des Gerichtshofes vom 28. März 1996, Slg. 1996, I‑1759, Randnr. 33, und Urteil des Gerichtshofes
         vom 29. Mai 1997 in der Rechtssache C‑299/95, Kremzow, Slg. 1997, I‑2629, Randnr. 14). Dabei lassen sich der Gerichtshof und
         das Gericht von den gemeinsamen Verfassungstraditionen der Mitgliedstaaten sowie von den Hinweisen leiten, die die völkerrechtlichen
         Verträge über den Schutz der Menschenrechte geben, an deren Abschluss die Mitgliedstaaten beteiligt waren oder denen sie beigetreten
         sind. Insoweit kommt der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte besondere Bedeutung zu (Urteil des Gerichtshofes
         vom 15. Mai 1986 in der Rechtssache 222/84, Johnston, Slg. 1986, 1651, Randnr. 18, und vorgenanntes Urteil Kremzow, Randnr.
         14). Nach Artikel F Absatz 2 des Vertrages über die Europäische Union (jetzt Artikel 6 Absatz 2 EU) „[achtet zudem] die Union
         die Grundrechte, wie sie in der … Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte … gewährleistet sind und wie sie
         sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten ergeben [, als allgemeine Grundsätze des Gemeinschaftsrechts]“.
         
      
      726   Ebenso fest verankert ist im Gemeinschaftsrecht der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der zu den allgemeinen Grundsätzen
         des Gemeinschaftsrechts gehört und erfordert, dass die Handlungen der Gemeinschaftsorgane nicht über die Grenzen dessen hinausgehen,
         was angemessen und erforderlich ist, um die rechtmäßigen Ziele der betreffenden Regelung zu erreichen, wobei, wenn mehrere
         geeignete Maßnahmen zur Auswahl stehen, die am wenigsten belastende zu wählen ist und ferner die verursachten Nachteile in
         angemessenem Verhältnis zu den angestrebten Zielen stehen müssen (vgl. z. B. Urteile des Gerichtshofes vom 13. November 1990
         in der Rechtssache C‑331/88, Fedesa u. a., Slg. 1990, I‑4023, Randnr. 13, vom 5. Oktober 1994 in den verbundenen Rechtssachen
         C‑133/93, C‑300/93 und C‑362/93, Crispoltoni u. a., Slg. 1994, I‑4863, Randnr. 41, und vom 5. Mai 1998 in der Rechtssache
         C‑157/96, National Farmers’ Union u. a., Slg. 1998, I‑2211, Randnr. 60).
      
      727   Somit kann aus der Bezugnahme auf die Charta in der 2. Begründungserwägung des Beschlusses 2001/462 nicht geschlossen werden,
         dass der Anhörungsbeauftragte gehalten war, die von der Klägerin geltend gemachten Rechte nach Inkrafttreten dieses Beschlusses
         anders anzuwenden.
      
      728   Die Klägerin beruft sich ferner auf insbesondere im Grünbuch vor dem Erlass des Beschlusses 2001/462 enthaltene allgemeine
         Ausführungen der Kommission über eine Stärkung der Verfahrensrechte aufgrund der Reform des Mandats des Anhörungsbeauftragten.
         Aus diesen Ausführungen geht indessen nicht hervor, dass der Anhörungsbeauftragte bei der Anhörung vor der Kommission anders
         hätte handeln müssen, als er es getan hat. Der Anhörungsbeauftragte hat in seinem Schreiben an die Klägerin vom 19. Juni 2001
         selbst bestätigt, dass die Anforderungen des Beschlusses 2001/462 in Bezug auf die Wahrung der Verfahrensrechte bei der Anhörung
         beachtet wurden. Insbesondere ist festzustellen, dass der Anhörungsbeauftragte den Fusionsparteien nach Artikel 12 Absatz
         4 des Beschlusses 2001/462 Gelegenheit zur schriftlichen Äußerung nach der Anhörung gegeben hat.
      
      729   Das einzige spezifische Vorbringen der Klägerin in dieser Hinsicht betrifft die Möglichkeit, dass es der Anhörungsbeauftragte
         hätte für erforderlich halten können, das Modell Choi im Stadium der Anhörung vor der Kommission mit der Begründung von der
         Erörterung auszuschließen, dass die Fusionspartien die in diesem Modell verwendeten Angaben nicht hatten prüfen können. Da
         auf keine spezifischen Bestimmungen des Beschlusses 2001/462 Bezug genommen wird, durch die sich die Kriterien verändern,
         die der Anhörungsbeauftragte für seine einschlägige Entscheidung anzuwenden hatte, kann diesem Vorbringen nicht gefolgt werden.
         Wie bereits oben in Randnummer 723 erneut ausgeführt wurde, hat die Kommission von dem Modell Choi ohnehin vor Erlass der
         angefochtenen Entscheidung Abstand genommen.
      
      730   Obgleich sich der Anhörungsbeauftragte zum Zeitpunkt der Anhörung in der vorliegenden Sache am 29. und 30. Mai 2001 in der
         Tat in Bezug auf die anzuwendenden Bestimmungen geirrt hat, ist nicht festzustellen, dass sich daraus Folgen für die Verteidigungsmöglichkeit
         der Klägerin in der Weise ergeben haben, dass das Verfahren hätte anders verlaufen können.
      
      731   Was den Ablauf des Verwaltungsverfahrens nach der Anhörung anbelangt, so hat der Anhörungsbeauftragte die neuen Bestimmungen
         des Beschlusses 2001/462 bei der Erstellung seines Berichts vom 28. Juni 2001 angewendet. Er hat somit bei seiner endgültigen
         Stellungnahme zu den verschiedenen von den Anmeldern aufgeworfenen Verfahrensfragen die tatsächlich anzuwendenden Verfahrensregeln
         berücksichtigt. Da er in diesem Bericht erneut geprüft hat, ob die Verfahrensrechte beachtet wurden und, insbesondere, ob
         die Akteneinsicht den anzuwendenden Bestimmungen entsprach, hat er etwaige Fehler geheilt, die sich aus seinem früheren Irrtum
         vor dem Erlass der angefochtenen Entscheidung ergeben könnten.
      
       Gesamtergebnis
      732   Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens ist festzustellen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung rechtmäßig
         zu dem Schluss gelangt ist, dass infolge des Zusammenschlusses die bereits bestehende beherrschende Stellung der Klägerin
         auf dem Markt der Triebwerke für große Regionalflugzeuge verstärkt würde und beherrschende Stellungen der durch den Zusammenschluss
         entstehenden Einheit auf den Märkten der Triebwerke für Geschäftsflugzeuge und der kleinen Schiffgasturbinen begründet würden
         (vgl. oben, Randnrn. 489 ff., 566 ff. und 587 ff.). Aus der angefochtenen Entscheidung geht ferner hervor, dass auf jedem
         dieser Märkte durch die Begründung oder Verstärkung einer beherrschenden Stellung wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt
         erheblich behindert würde. Zudem ist keine dieser Schlussfolgerungen mit den von der Klägerin vorgetragenen Verfahrensmängeln
         behaftet (oben, Randnrn. 621 bis 731).
      
      733   Hingegen hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zwar rechtmäßig festgestellt, dass die Klägerin vor dem Zusammenschluss
         eine beherrschende Stellung auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge innehatte, sie hat jedoch rechtlich nicht
         hinreichend dargetan, dass beherrschende Stellungen der Fusionseinheit durch die vertikale Überschneidung zwischen den Startern
         von Honeywell und den Triebwerken der Klägerin für große Verkehrsflugzeuge, durch die Verbindung der Avionikprodukte und sonstigen
         Erzeugnisse von Honeywell mit der Finanzkraft und Marktstärke der GE‑Gruppe oder schließlich durch eine mögliche Bündelung
         des Verkaufs von Triebwerken der Klägerin mit dem Verkauf der Avionikprodukte und sonstigen Erzeugnisse von Honeywell begründet
         oder verstärkt würden (vgl. oben, Randnrn. 286 ff., 325 ff. und 399 ff.).
      
      734   Eine Entscheidung, mit der die Unvereinbarkeit eines angemeldeten Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt
         wird, ist indessen nicht mit der Begründung für nichtig zu erklären, dass die Klägerin das Vorliegen eines oder mehrerer Fehler
         der Analyse in Bezug auf einen oder mehrere Märkte nachgewiesen hat, sofern andererseits aus dieser Entscheidung hervorgeht,
         dass der angemeldete Zusammenschluss für einen oder mehrere Märkte den Unvereinbarkeitskriterien des Artikels 2 Absatz 3 der
         Verordnung Nr. 4064/89 entspricht (vgl. insbesondere oben, Randnrn. 45 bis 48). Da die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         rechtmäßig festgestellt hat, dass diese Kriterien für drei verschiedene Märkte, nämlich für Triebwerke für große Regionalflugzeuge,
         für Triebwerke für Geschäftsflugzeuge und für kleine Schiffgasturbinen, erfüllt sind, ist die angefochtene Entscheidung im
         vorliegenden Fall nicht für nichtig zu erklären. Die Klage ist daher abzuweisen.
      
       Kosten
      735   Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Klägerin mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr entsprechend den Anträgen der Beklagten sowie der Streithelferinnen
         Rolls‑Royce und Rockwell Collins ihre eigenen Kosten sowie die Kosten der Beklagten und der Streithelferinnen aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite erweiterte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Klägerin trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten der Kommission und der Streithelferinnen.
      
               Pirrung
            
            
               Tiili
            
            
               Meij
            
         
               Vilaras
            
             
            
                     Forwood
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 14. Dezember 2005.
      
               Der Kanzler
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               E. Coulon
            
             
            
                     J. Pirrung
            
         
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Vorgeschichte
      Angefochtene Entscheidung
      Verfahren
      Anträge der Parteien
      Rechtliche Würdigung
      A –  Vorfragen
      1.  Zum Verbindungsantrag
      2.  Zum Zusammenhang der verschiedenen Umstände, auf die die Kommission ihre Feststellung hinsichtlich der Unvereinbarkeit
         des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt stützt
      
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      3.  Zu den vorgeschlagenen Verpflichtungen
      4.  Zu den Beweisanforderungen und dem Umfang der Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Allgemeine Erwägungen
      Behandlung der Konglomerat‑Wirkungen
      Behandlung der Faktoren, die die durch den Zusammenschluss entstehende Einheit davon abhalten könnten, sich wie in der angefochtenen
         Entscheidung vorausgesehen zu verhalten
      
      5.  Zum fehlenden Nachweis einer erheblichen Behinderung wirksamen Wettbewerbs
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      B –  Zur bereits bestehenden beherrschenden Stellung bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
      1.  Einleitung
      2.  Vorbringen der Parteien
      3.  Würdigung durch das Gericht
      a)  Vorbemerkungen
      b)  Zu den Marktanteilen
      Zur Frage, ob die Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen sind
      –  Einleitung
      –  Untersuchung der internen Organisation von CFMI
      –  Untersuchung der wettbewerbsrelevanten Stellung der Klägerin, von CFMI und Snecma
      –  Zusammenfassung und Ergebnis hinsichtlich der Frage, ob die Marktanteile von CFMI der Klägerin zuzuordnen sind
      Zu den von der Kommission zur Beurteilung der Marktstärke der Hersteller von Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge herangezogenen
         Marktanteilen
      
      –  Erwägungen zur Art des Marktes der Triebwerke für große Verkehrsflugzeuge
      –  Erwägungen zum Anschlussmarkt (aftermarkets)
      –  Erwägungen zum Begriff „Standardisierung“ bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
      –  Zur Bemessung der von der Kommission für die Beurteilung der Marktstärke der Klägerin bei Triebwerken für große Verkehrsflugzeuge
         festgestellten Marktanteile
      
      –  Behandlung von Boeing 737
      Ergebnis hinsichtlich der Marktanteile
      c)  Vertikale Integration – GE Capital und GECAS
      Einleitung
      Geschäftlicher Einfluss von GECAS
      –  Zur „GE-only“-Politik von GECAS
      –  Zur Geschäftsposition von GECAS
      Finanzkraft von GE Capital
      Erwägungen zur Ausübung des Einflusses von GECAS und GE Capital auf die Abnehmer der Klägerin auf dem Triebwerksmarkt für
         große Verkehrsflugzeuge
      
      –  Zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutze, den die GE‑Tochtergesellschaften durch ihre Machtposition auf die
         Flugzeughersteller ausübten
      
      –  Zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutze, den die GE‑Tochtergesellschaften durch ihre Machtposition auf die
         Fluggesellschaften ausüben
      
      –  Ergebnis zur Behauptung, dass die Klägerin den Einfluss nutzt, der sich aus der Machtposition der GE‑Tochtergesellschaften
         ergibt
      
      Erwägungen zu den Zahlenwerten bezüglich der Entwicklung der Marktanteile der Klägerin nach dem Beginn der Flugzeugkauf‑ und
         ‑leasingtätigkeit von GECAS
      
      Ergebnis zur vertikalen Integration
      d)  Die Wettbewerbssituation auf dem Triebwerksmarkt für große Verkehrsflugzeuge
      e)  Fehlender oder schwacher Wettbewerbs‑ und Kundendruck
      Wettbewerbsdruck
      –  Zur Position von P & W
      –  Zur Position von Rolls‑Royce
      Kundendruck
      f)  Ergebnis zur beherrschenden Stellung
      C –  Zur vertikalen Verflechtung
      1.  Vorbringen der Parteien
      2.  Würdigung durch das Gericht
      3.  Schlussfolgerung
      D –  Zu den Konglomerat‑Wirkungen
      1.  Zur Finanzkraft und vertikalen Integration
      a)  Vorbringen der Parteien
      Zur Finanzkraft
      Zur vertikalen Integration
      b) Würdigung durch das Gericht
      Einleitung
      Zur Wahrscheinlichkeit des von der Kommission erwarteten künftigen Verhaltens
      –  Zu den SFE‑Standard‑Erzeugnissen
      –  Zu den BFE‑Erzeugnissen und SFE‑Options‑Erzeugnissen
      Zur Begründung künftiger beherrschender Stellungen auf den Märkten für Avionikprodukte und sonstige Erzeugnisse
      Ergebnis
      2.  Zum Verkauf von Produktpaketen
      a)  Vorbringen der Parteien
      Vorbemerkungen
      Zum Vorliegen von Paketabschlüssen mit reiner oder technischer Bündelung
      Zum Vorliegen von Paketabschlüssen mit Mischbündelung
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Vorbemerkungen
      Zum Verkauf von Produktpaketen im Allgemeinen
      Zum Verkauf von Produktpaketen mit reiner Bündelung
      Zum Verkauf von Produktpaketen mit technischer Bündelung
      Zum Verkauf von Produktpaketen mit Mischbündelung
      –  Zur früheren Praxis
      –  Zu den Wirtschaftsanalysen
      –  Zum strategischen Charakter des erwarteten Verhaltens
      Ergebnis
      E –  Zu den horizontalen Überschneidungen
      1.  Zu den Triebwerken für große Regionalflugzeuge
      a)  Vorbringen der Parteien
      Zur Definition des Marktes und zum Vorliegen einer vorbestehenden beherrschenden Stellung auf dem relevanten Markt
      Zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses auf den relevanten Markt
      Zur Ablehnung der strukturellen Zusage in Bezug auf Triebwerke für große Regionalflugzeuge
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Zur Definition des Marktes
      Zur vorbestehenden beherrschenden Stellung der Klägerin
      Zur Verstärkung der beherrschenden Stellung
      Zu den Auswirkungen der Verstärkung der beherrschenden Stellung auf den Wettbewerb
      Zur Ablehnung der Verpflichtungserklärung für große Regionalflugzeuge durch die Kommission
      Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Triebwerksmarkt für große Regionalflugzeuge
      2.  Zu den Triebwerken für Geschäftsflugzeuge
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      c)  Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Triebwerksmarkt für Geschäftsflugzeuge
      3.  Zu den kleinen Schiffsgasturbinen
      a)  Zur Definition des Marktes
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      b)  Zu den Verpflichtungserklärungen
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      c)  Ergebnis zur horizontalen Überschneidung auf dem Markt der kleinen Schiffsgasturbinen
      F –  Zu den Verfahrensrügen
      1.  Vorbemerkungen
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      2.  Zur Einsicht in bestimmte Schriftstücke
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      3.  Zum verspäteten Aktenzugang
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      4.  Zur Kürze der Frist, die der Klägerin für die Prüfung der Akte zur Verfügung stand
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      5.  Zur Beachtung des Mandats des Anhörungsbeauftragten
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Gesamtergebnis
      Kosten
      
      
      * Verfahrenssprache: Englisch.
      
      1 –	Nicht veröffentlichte Angaben.