CELEX: 52008XG0606(01)
Language: de
Date: 2008-06-06 00:00:00
Title: Schlussfolgerungen des Rates vom 22. Mai 2008 zu einem europäischen Konzept für die Medienkompetenz im digitalen Umfeld

6.6.2008   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               C 140/8
            
         Schlussfolgerungen des Rates vom 22. Mai 2008 zu einem europäischen Konzept für die Medienkompetenz im digitalen Umfeld
   (2008/C 140/08)
   DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —
   In Erwägung nachstehender Gründe:
   
               —
            
            
               die neue Richtlinie über audiovisuelleMediendienste fordert die „Entwicklung der Medienkompetenz in allen Gesellschaftsschichten“ und eine aufmerksame Beobachtung der Fortschritte auf dem Gebiet der Medienkompetenz. Sie sieht eine Berichterstattungspflicht der Kommission in Bezug auf das Niveau der Medienkompetenz in allen Mitgliedstaaten vor (1). Daher müssen Kriterien für die Bewertung des Niveaus der Medienkompetenz festgelegt werden,
            
         
               —
            
            
               das Europäische Parlament hat den Rat und die Kommission ersucht, „Medienkompetenz-Programme zu entwickeln und durchzuführen, um eine aktive und bewusste Bürgerschaft in Europa zu fördern“ (2),
            
         
               —
            
            
               die entscheidende Bedeutung der Medienkompetenz ist auch von der UNESCO beispielsweise in der „Grünwald Declaration on Media Education“ (1982) und in der Paris-Agenda — Zwölf Empfehlungen für die Medienerziehung (2007) sowie vom Europarat in der „Recommendation of the Committee of Ministers to member states on empowering children in the new information and communications environment“ (2006) hervorgehoben worden,
            
         
               —
            
            
               die Kommission hat eine öffentliche Konsultation zur Medienkompetenz (3) sowie eine Studie über „Aktuelle Trends und Konzepte der Medienkompetenz in Europa“ (4) durchgeführt,
            
         
               —
            
            
               in der Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen (2006) werden die Kenntnisse, Fähigkeiten und Einstellungen im Zusammenhang mit der Computerkompetenz aufgeführt,
            
         
               —
            
            
               die Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über den Schutz Minderjähriger und den Schutz der Menschenwürde und über das Recht auf Gegendarstellung im Zusammenhang mit der Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriezweiges der audiovisuellen Dienste und Online-Informationsdienste (2006) enthält bereits eine Reihe möglicher Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz —
            
         1.   BEGRÜSST
   
               —
            
            
               die Mitteilung der Kommission „Ein europäisches Konzept für die Medienkompetenz im digitalen Umfeld“ als weiteren Baustein für eine europäische Politik im audiovisuellen Bereich.
            
         2.   UNTERSTÜTZT
   
               —
            
            
               den von der Europäischen Kommission vertretenen strategischen Gesichtspunkt, wonach die Medienkompetenz ein wichtiger Faktor für ein aktives Bürgerengagement in der heutigen Informationsgesellschaft ist und einen Beitrag zur Erreichung der Ziele der Lissabon-Agenda leisten kann.
            
         3.   ANERKENNT
   
               —
            
            
               die Bedeutung der Medienkompetenz und deren Rolle bei der Förderung einer aktiven Beteiligung der Bürger am wirtschaftlichen, kulturellen und demokratischen Leben der Gesellschaft,
            
         
               —
            
            
               dass die Medienkompetenz, insbesondere die Fähigkeit, Inhalte kritisch zu beurteilen, weitgehend bestimmend ist für das Vertrauen der Nutzer in digitale Technologien und Medien und somit auch für die Verbreitung der IKT und der Medien, die im strategischen Rahmen „i2010“ als vorrangige Anliegen definiert sind,
            
         
               —
            
            
               die Bedeutung medienkompetenter Nutzer für Medienvielfalt und inhaltliche Qualität,
            
         
               —
            
            
               die vielfältigen Bemühungen, welche die Mitgliedstaaten derzeit unternehmen, um die Medienkompetenz zu verbessern und zu fördern, auch wenn es zwischen ihnen Unterschiede in der Vorgehensweise und im Niveau gibt,
            
         
               —
            
            
               das Fehlen gemeinsamer Kriterien und Indikatoren zur Messung der Medienkompetenz,
            
         
               —
            
            
               die Bedeutung der Ermittlung und Förderung bewährter Verfahren für die Entwicklung von Medienkompetenz,
            
         
               —
            
            
               die Bedeutung der Aus- und Weiterbildung für die Entwicklung einer größeren Medienkompetenz und die sich daraus ergebende Notwendigkeit einer verbesserten Lehrerausbildung und einer Sensibilisierung der Ausbilder auf allen Ebenen der Aus- und Weiterbildung.
            
         4.   BETONT
   
               —
            
            
               die Relevanz europäischer Programme und Initiativen wie des Programms MEDIA 2007, des Programms für lebenslanges Lernen 2007-2013 und des Programms „Mehr Sicherheit im Internet“ (Safer Internet Plus),
            
         
               —
            
            
               dass sich die künftige Arbeit im Hinblick auf das Ziel einer stärkeren Sensibilisierung der Bürger für die Bedeutung der Medienkompetenz auf diese und ähnliche Initiativen stützen sollte,
            
         
               —
            
            
               die Notwendigkeit eines regelmäßigen Austauschs von Informationen, von bewährten Verfahren und, im Bereich der Bildung, von pädagogischen Methoden zwischen den Mitgliedstaaten.
            
         5.   NIMMT KENNTNIS VON
   
               —
            
            
               der Absicht der Kommission, eine weitere Studie durchzuführen, um Kriterien und Indikatoren zur Messung des Medienkompetenzniveaus auszuarbeiten, unter gebührender Berücksichtigung aller relevanten Arbeiten, die derzeit in anderen internationalen Organisationen stattfinden,
            
         
               —
            
            
               der Absicht der Kommission, die Entwicklung und den Austausch bewährter Praktiken im Bereich der Medienkompetenz im digitalen Umfeld auch weiterhin zu fördern.
            
         6.   ERSUCHT DIE KOMMISSION
   
               —
            
            
               die Entwicklungen auf diesem Gebiet aufmerksam zu verfolgen und dabei beständig zu prüfen, ob weitere politische Maßnahmen auf europäischer Ebene erforderlich sind,
            
         
               —
            
            
               den im Rahmen der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste eingerichteten Kontaktausschuss — in der entsprechenden Zusammensetzung — als Forum für den Austausch von Informationen und bewährten Verfahren zur Medienkompetenz und für Beiträge zur Ausarbeitung der politischen Agenda in diesem Bereich zu nutzen. Experten des Privatsektors und andere Beteiligte sollten aufgefordert werden, zu dieser Arbeit beizutragen.
            
         7.   ERSUCHT DIE MITGLIEDSTAATEN
   
               —
            
            
               die entsprechenden Behörden — beispielsweise die für die Regulierung der audiovisuellen und elektronischen Kommunikation zuständigen Behörden — zur Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Medienkompetenz anzuhalten,
            
         
               —
            
            
               die Ausarbeitung und Anwendung von Verhaltenskodizes und anderen Ko- und Selbstregulierungsinitiativen in Zusammenarbeit mit allen interessierten Stellen auf nationaler Ebene zu fördern und zu erleichtern,
            
         
               —
            
            
               alle Beteiligten, insbesondere jene in den Medien und im IKT-Sektor, dazu anzuhalten, die unterschiedlichen Aspekte und Dimensionen der Medienkompetenz regelmäßig selbst zu untersuchen und zu beobachten,
            
         
               —
            
            
               Initiativen zur Schärfung des Problembewußtseins zu fördern, einschließlich jener, die speziell auf die Verwendung von IKT abzielen und auf junge Menschen und ihre Eltern zugeschnitten sind, und Jugendorganisationen ebenso wie die Medien einzubeziehen,
            
         
               —
            
            
               die Medienkompetenz im Rahmen der Strategien für lebenslanges Lernen zu fördern und das kollegiale Lernen („peer learning“) sowie den Austausch bewährter Praktiken zwischen Lehrkräften in Bezug auf diesen Aspekt der Bildung zu unterstützen.
            
         
      (1)  Artikel 26: Die Kommission übermittelt „einen Bericht über die Anwendung dieser Richtlinie und macht erforderlichenfalls Vorschläge zu ihrer Anpassung an die Entwicklungen im Bereich der audiovisuellen Mediendienste, und zwar insbesondere im Lichte neuerer technologischer Entwicklungen, der Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors und des Niveaus der Medienkompetenz in allen Mitgliedstaaten“.
   
      (2)  Entschließung vom 6. September 2005 zur Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen“ (89/552/EWG).
   
      (3)  Siehe den Bericht über die Ergebnisse der öffentlichen Konsultation zur Medienkompetenz:
   http://ec.europa.eu/avpolicy/media_literacy/docs/report_on_ml_2007.pdf
   
      (4)  Siehe: http://ec.europa.eu/avpolicy/media_literacy/index_en.htm