CELEX: 51990PC0592
Language: de
Date: 1990-11-30
Title: GEAENDERTER VORSCHLAG FUER EINEN ENTSCHEIDUNG DES RATES UEBER EIN SPEZIFISCHES PROGRAMM FUER FORSCHUNG UND TECHNOLOGISCHE ENTWICKLUNG IM BEREICH DER UMWELT ( 1991 - 1994 )

Nr. C 327/22                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  29. 12. 90
                                                               II
                                                   (Vorbereitende    Rechtsakte)
                                                 KOMMISSION
              Geänderter Vorschlag für eine Entscheidung des Rates über ein spezifisches Programm für
                    Forschung und technologische Entwicklung im Bereich der Umwelt (1991—1994) (')
                                              KOM(90)     592 endg. — SYN 263
               (Gemäß Artikel 149 Absatz 3 des EWG-Vertrags von der Kommission vorgelegt am 30. November
                                                              1990)
                                                        (90/C 327/13)
 DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                           Zusätzlich zu dem spezifischen Programm „Mensch und
                                                                     Mobilität" ist die Ausbildung von Wissenschaftlern in je-
 gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europä-                   dem einzelnen der strategischen Forschungsbereiche des
 ischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel            Rahmenprogramms sicherzustellen.
  130q, Absatz 2,
 auf Vorschlag der Kommission,                                       Eine Vorausschätzung der zur Durchführung dieses spe-
                                                                     zifischen Programms notwendigen finanziellen Mittel
                                                                     der Gemeinschaft ist erforderlich. Die endgültigen jährli-
 in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament,
                                                                    chen Beträge werden von der Haushaltsbehörde unter
                                                                     Einhaltung der finanziellen Vorausschau für den Zeit-
 nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-                 raum 1988—1992, im Anhang zur interinstitutionellen
 schusses,                                                          Vereinbarung vom 29. Juni 1988 (3) und entsprechender
                                                                    noch zu verabschiedender finanzieller Vorausschauen für
 in Erwägung nachstehender Gründe:                                   1993 und 1994 festgelegt.
 Mit dem Beschluß 90/221/Euratom, EWG (2), hat der
 Rat ein drittes gemeinschaftliches Rahmenprogramm im               Gemäß Artikel 4 und Anhang 1 des Beschlusses
 Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung              90/221/Euratom, EWG enthält der für das gesamte
 (1990—1994) angenommen, das u. a. Maßnahmen zur                    Rahmenprogramm als notwendig erachtete Betrag eine
Entwicklung der wissenschaftlichen Kenntnisse und tech-             Summe von 57 Millionen ECU für die zentralisierten
nischen Kompetenzen vorsieht, die die Gemeinschaft                  Maßnahmen zur Verbreitung und Verwertung der Er-
braucht, um ihre Aufgaben insbesondere auf dem Gebiet               gebnisse, die porportional zu dem für jede Aktion vorge-
des Umweltschutzes laut Titel VII EWG-Vertrag wahr-                 sehenen Betrag zu verteilen ist. Der Umfang dieses spe-
zunehmen. Die vorliegende Entscheidung muß im Lichte                zifischen Programms innerhalb der Aktion „Umwelt"
der Begründung in der Präambel zu dem genannten Be-                 führt zu einer Verringerung der zur Durchführung die-
schluß ergehen.                                                     ses Programms erforderlichen geschätzten Finanzmittel
                                                                    um 2,6 Millionen ECU für die genannten zentralisierten
Gemäß Artikel 130k des Vertrages erfolgt die Durchfüh-              Maßnahmen, um Artikel 130p Absatz 2 zweiter Satz des
rung des Rahmenprogramms im Wege spezifischer Pro-                  Vertrages einzuhalten.
gramme, die innerhalb einer jeden Aktion entwickelt
werden.
                                                                    Die Durchführung des vorliegenden Programms obliegt
                                                                    der Kommission. Um dieser die Erfüllung ihrer Aufgabe
Die Gemeinsame Forschungsstelle trägt mit ihrem eige-
                                                                    zu erleichtern, sind die Mitgliedstaaten gemäß Artikel 5
nen Programm zur Durchführung der genannten Aktio-
                                                                    des Vertrages gehalten, ihr dafür jede erforderliche Hil-
nen bei.                                                            festellung zu gewähren, insbesondere im Rahmen eines
                                                                   Ausschusses.
In jedem einzelnen der strategischen Forschungsbereiche
des Rahmenprogramms ist spezifisch die Grundlagenfor-
schung gemeinschaftsweit zu fördern.                                Das vorliegende Programm wird hauptsächlich durch
                                                                   Auswahl von Forschungs- und Entwicklungvorhaben
                                                                    durchgeführt, damit diesen eine Beteiligung der Gemein-
(») ABl. Nr. C 174 vom 16. 7. 1990, S. 40.
(2) ABl. Nr. L 117 vom 8. 5. 1990, S. 28.                           (3) ABl. Nr. L 185 vom 15. 7. 1988, S. 33.
 ---pagebreak--- 29. 12. 90                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            Nr. C 327/23
schaft zugute kommt. Die Kommission hat dafür zu sor-         HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
gen, daß solche Vorhaben auf dem üblichen Wege —
nämlich der im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaf-
ten veröffentlichten Aufforderungen zur Einreichung von                                Artikel 1
Vorschlägen — vorgelegt werden. Ferner ist ein Ausnah-
                                                              Ein spezifisches Programm der Europäischen Wirt-
meverfahren, das zwischen den Aufforderungen zur Ein-
                                                              schaftsgemeinschaft für Forschung und technologische
reichung von Vorschlägen wirksam wird, im Hinblick
                                                              Entwicklung im Bereich der Umwelt gemäß Anhang I
auf die Wahrung einer gewissen Flexibilität vorzusehen,
                                                              wird für den Zeitraum vom Zeitpunkt der Veröffentli-
damit die Kommission angesichts der ständigen Weiter-
                                                              chung dieses Beschlusses im Amtsblatt der Europäischen
entwicklung und des immer schnelleren wissenschaftli-
                                                               Gemeinschaften bis 31. Dezember 1994 beschlossen.
chen und technischen Fortschritts auch spontane Vor-
schläge berücksichtigen kann, die den Zielen des Pro-
gramms entsprechen.
                                                                                       Artikel 2
                                                              (1)     Der Gesamtbetrag der Gemeinschaftsausgaben für
                                                              die Durchführung des den Gegenstand dieser Entschei-
Bei der Auswahl der im Rahmen des Programms durch-            dung bildenden spezifischen Programms beträgt 414
zuführenden Vorhaben ist dem Grundsatz des wirt-              Millionen ECU. Dieser Betrag enthält 260 Millionen
schaftlichen und sozialen Zusammenhalts, dem grenz-           ECU zur Durchführung der in dieser Entscheidung vor-
überschreitenden Charakter der Vorhaben sowie der Un-         gesehenen Aktionen, und 154 Millionen ECU, die für
terstützung für die kleinen und mittleren Unternehmen         Aktivitäten bestimmt sind, mit denen die GFS zu diesem
besondere Aufmerksamkeit zu widmen.                           Programm beitragen wird. Dies wird durch eine geson-
                                                              derte Entscheidung des Rates festgelegt.
Erst aufgrund der bei der Durchführung des laufenden          (2)     Von dem genannten Betrag von 260 Millionen
Programms gewonnenen Erfahrungen kann die Kommis-             ECU werden 2,6 Millionen ECU für die Zentralisierte
sion unter Inanspruchnahme der in den Artikeln 1301,          Aktion der Verbreitung und Bewertung abgezogen. Der
130m oder 130o des Vertrages vorgesehenen Möglich-            somit auf 257,4 Millionen ECU reduzierte Betrag enthält
keiten ergänzende Programmteile vorschlagen, über die         die Personalausgaben, die sich auf höchstens 4 % belau-
der Rat beschließt, wenn sie zur Verwirklichung der           fen dürfen.
Programmziele gemäß der in Artikel 2 Absatz 2 des Be-
schlusses 90/221/Euratom, EWG beitragen.                      (3)     Die vorläufige Aufschlüsselung dieser Mittel ist in
                                                              Anhang II festgelegt.
                                                              (4)     Faßt der Rat einen Beschluß in Anwendung von
Gemäß Artikel 130g des Vertrages gehört zu den Maß-
                                                              Artikel 1 Absatz 4 des Beschlusses 90/221/Euratom,
nahmen der Gemeinschaft zur Verstärkung der wissen-
                                                              EWG, so wird diese Entscheidung angepaßt, um jenem
schaftlichen und technischen Grundlagen der europäi-
                                                              Beschluß Rechnung zu tragen.
schen Industrie und zur Förderung der Entwicklung ih-
rer Wettbewerbsfähigkeit im Hinblick auf eine ökolo-
gisch orientierte Entwicklung die Förderung der Zusam-        (5)     Die Haushaltsbehörde entscheidet über die für je-
menarbeit auf dem Gebiet der FTE mit Drittländern und         des Haushaltsjahr zur Verfügung stehenden Mittel.
internationalen Organisationen; eine solche Zusammen-
arbeit kann sich für die Entwicklung dieses Programms
als besonders fruchtbar erweisen und sollte Länder mit                                 Artikel 3
unterschiedlichem Entwicklungsstand einschließen.
                                                              Die Einzelheiten der Durchführung des Programms sind
                                                              in Anhang III festgelegt.
Es ist notwendig, wie in Anhang II des Beschlusses
90/221 /Euratom, EWG vorgesehen, den Umweltschutz                                      Artikel 4
und die Lebensqualität zu berücksichtigen durch die           Die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft wird gemäß
Ausrichtung der Forschungsaktivitäten auf das Verständ-       Anhang IV des Beschlusses 90/221/EWG, Euratom fest-
nis der grundlegenden Umweltmechanismen und auf die           gelegt.
Entwicklung und die Durchführung von Präventivstrate-
gien, die in sämtliche menschliche Tätigkeitsbereiche in-
tegriert sind, und dabei zur Ausarbeitung von Qualitäts-                               Artikel 5
und Sicherheitsnormen beizutragen.
                                                              (1)     Im Jahr 1992 überprüft die Kommission das Pro-
                                                              gramm und legt dem Rat und dem Europäischen Parla-
                                                              ment einen Bericht über die Ergebnisse dieser Prüfung
Der Ausschuß für wissenschaftliche und technische For-        vor, dem gegebenenfalls Änderungsvorschläge beigefügt
schung (CREST) ist gehört worden —                            sind.
 ---pagebreak--- Nr. C 327/24                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               29. 12. 90
(2)    Nach Abschluß des Programms bewertet die                                           Artikel 8
Kommission die Ergebnisse. Sie übermittelt dem Rat und
                                                               Das in Artikel 7 festgelegte Verfahren gilt für:
dem Europäischen Parlament einen entsprechenden Be-
richt.
                                                               — die Erstellung und Aktualisierung des in Artikel 6
                                                                    Absatz 3 genannten Arbeitsprogramms,
(3)    Die Berichte werden unter Berücksichtigung der in
Anhang I festgelegten Ziele und gemäß Artikel 2 Absatz
4 des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG erstellt. In die-        — den Inhalt der in Anhang III genannten Aufforderun-
sen Berichten wird festgestellt, inwieweit die meßbare              gen zur Einreichung von Vorschlägen,
Durchführung des Programms mit den in Anhang II des
Beschlusses 90/221/Euratom, EWG des Rates festgeleg-
ten sechs großen Zielen übereinstimmt.                         — die Beteiligung der in Artikel 10 genannten Organi-
                                                                    sationen und Unternehmen aus Drittländern an Vor-
                                                                    haben,
                         Artikel 6
                                                               — Anpassungen der indikativen Aufschlüsselung         der
(1)    Die Kommission sorgt für die Durchführung des                Mittel gemäß Anhang II,
Programms. Sie wird dabei von einem Ausschuß mit be-
ratender Funktion — nachstehend „Ausschuß" genannt
— unterstützt, der sich aus Vertretern der Mitgliedstaa-       — die Bewertung der in Anhang III genannten Vorha-
ten zusammensetzt und dessen Vorsitz der Vertreter der              ben einschließlich jener, die im Rahmen des Ausnah-
Kommission führt.                                                   meverfahrens unterbreitet wurden,
(2)    Die von der Kommission geschlossenen Verträge           — die für die Bewertung des Programms erforderlichen
regeln die Rechte und Pflichten aller Parteien, ein-                Maßnahmen,
schließlich der Verbreitung, des Schutzes und der Ver-
wertung der Forschungsergebnisse sowie gegebenenfalls          — flankierende Maßnahmen und Vereinbarungen zur
der Ausbildungs- und Bewertungsverfahren gemäß den                 Verbreitung, zum Schutz und zur Verwertung der
in Anwendung von Artikel 130k Absatz 2 des Vertrages               Ergebnisse der im Rahmen des Programms durchge-
erlassenen Vorschriften.                                           führten Forschungen sowie zur Förderung der
                                                                   Grundlagenforschung, der Ausbildung von Wissen-
                                                                   schaftlern und zur Bewertung der im Rahmen des
(3)    Es wird beim Anlaufen des Programms ein Ar-                 Programms getroffenen Technologiewahl,
beitsprogramm festgelegt und regelmäßig überprüft, in
dem Ziele und Art der durchzuführenden Vorhaben so-
wie die entsprechenden finanziellen Bestimmungen ge-           — die unter Ziffer 2 des Anhangs III vorgesehenen kon-
nau festgelegt werden. Aufgrund des jährlichen Arbeits-            zertierten Aktionen.
programms erstellt die Kommission Aufforderungen zur
Einreichung von Vorschlägen.
                                                                                         Artikel 9
                                                               Für die Durchführung des Programms können gegebe-
                         Artikel 7                             nenfalls auch Zusatzprogramme im Sinne von Artikel
(1)    In den in Artikel 8 Absatz 1 genannten Fällen un-       1301, Beteiligungen im Sinne von Artikel 130m und ge-
terbreitet der Vertreter der Kommission dem Ausschuß           meinsame Unternehmen oder andere Strukturen im
einen Entwurf der zu treffenden Maßnahmen. Der Aus-            Sinne von Artikel 130o des Vertrages beschlossen wer-
schuß gibt eine Stellungnahme zu diesem Entwurf inner-         den.
halb einer Frist ab, die der Vorsitzende nach der Dring-
lichkeit der betreffenden Frage gegebenenfalls durch Ab-
stimmung festsetzen kann.                                                                Artikel 10
                                                               Sofern die Zusammenarbeit mit den Drittländern und
                                                               mit internationalen Organisationen zur Erreichung der
(2)    Die Stellungnahme wird in den Sitzungsbericht           Ziele des Programms die Eingehung rechtlicher Ver-
aufgenommen; jeder Mitgliedstaat hat das Recht zu ver-         pflichtungen zwischen der Gemeinschaft und den betei-
langen, daß sein Standpunkt in dem Bericht wiedergege-         ligten dritten Parteien erfordert, ist die Kommission er-
ben wird.                                                      mächtigt, gemäß Artikel 130n des Vertrages internatio-
                                                               nale Abkommen auszuhandeln, in denen die Modalitäten
                                                               dieser Zusammenarbeit festgelegt werden.
(3)    Die Kommission trägt der Stellungnahme des Aus-
schusses weitestgehend Rechnung. Sie teilt dem Aus-
schuß mit, in welcher Form sie diese Stellungnahme be-         Vorrangig berücksichtigt werden die Zusammenarbeit
rücksichtigt hat.                                              mit den EFTA-Staaten und europäischen Drittländern
 ---pagebreak--- 29. 12. 90                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   Nr. C 327/25
entsprechend den zwischen dem Rat und dem Europäi-                     schritt als eines der Ziele der Zusammenarbeit ausdrück-
schen Parlament vereinbarten Leitlinien, die während des               lieh genannt sind. Die Entscheidung über den Abschluß
Konzertierungsverfahrens vor Annahme des dritten Rah-                  dieser internationalen Abkommen wird nach dem in Ar-
menprogramms ausgearbeitet wurden.                                     tikel 130q Absatz 2 des Vertrages vorgesehenen Verfah-
                                                                       ren getroffen.
Verhandlungen über solche internationale Abkommen
können nur mit den Drittländern eingeleitet werden, die
bereits ein Kooperationsabkommen mit der Gemein-                                                  Artikel 11
schaft unterzeichnet haben, in dem Forschung und tech-
nologische Entwicklung oder wissenschaftlicher Fort-                   Diese Entscheidung ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
                                                             ANHANG I
                              WISSENSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE ZIELE UND INHALT
             Dieses spezifische Programm entspricht vollauf den Ansätzen des dritten Rahmenprogramms, sowohl was
             die wissenschaftlichen und technischen Ziele betrifft, als auch die grundlegende Zielsetzung.
             Die Paragraphen 3A, 3B, 3D und 3E von Anhang II des Rahmenprogramms sind ein integraler Teil dieses
             spezifischen Programms.
             Die vorgesehenen Maßnahmen sollen die Durchführung umfangreicher Vorhaben zur Ergänzung und
             Stärkung der laufenden Umweltforschungsprogramme ermöglichen. Hauptziel ist dabei die Berücksichti-
             gung der Umwelt und der Lebensqualität durch eine Ausrichtung der Forschungsaktivitäten auf das Ver-
             ständnis der grundlegenden Umweltmechanismen und auf die Entwicklung und Durchführung von Präven-
             tivstrategien, die in sämtliche menschliche Tätigkeitsbereiche integriert sind, und insbesondere rasch den
             wissenschaftlichen Anforderungen zu genügen, die sich aus der globalen Umweltveränderung ergeben.
             Die menschliche Lebensweise trägt dazu bei, die Ordnung der verschiedenen Ökosysteme aus dem Gleich-
             gewicht zu bringen. Die Beschleunigung der wissenschaftlichen, technologischen, wirtschaftlichen und so-
             zialen Entwicklungen in der Gemeinschaft und in der übrigen Welt kann zu einer Gefahrenquelle für die
             Biosphäre und somit auch für den Menschen werden.
             Es ist daher Aufgabe der gemeinschaftlichen Forschung, die Erkundung dieser Risiken zu ermöglichen, um
             sie wirksamer verhüten und so die genannten Entwicklungen beherrschen zu können. Auf diese Weise
             wirkt die gemeinschaftliche Forschung als treibende Kraft an der Entwicklung unseres Systems mit. Die
             Gemeinschaft muß sich deshalb eine multidisziplinäre Forschung geben, die fähig ist, alle Bereiche der
             Biosphäre und ihre historische Entwicklung zu untersuchen. Mit dieser Forschung sollen sowohl das Ver-
             hältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt als auch die Beziehungen zu seinem wirtschaftlichen,
             sozialen, kulturellen Umfeld usw., die zusammen ein untrennbares Ganzes bilden, erkundet werden.
             Diese Vorgehensweise entspricht dem Subsidiaritätsprinzip, denn die ihrem Wesen nach integrative Um-
             weltforschung kommt in internationalen Strukturen zu voller Entfaltung, und die Gemeinschaft bietet auf-
             grund ihres spezifischen Charakters einen besonders günstigen Rahmen für ihre Entfaltung.
             Auf der Grundlage und im Lichte der vorgenannten Elemente wird im folgenden der Inhalt des spezifi-
             schen Programms analytisch beschrieben.
             Gebiet 1: Beteiligung an den Programmen zur Erforschung der globalen Umweltveränderung
             Das Ziel besteht darin, zu einem besseren Verständnis der Umweltveränderungsprozesse beizutragen und
             den Einfluß der menschlichen Tätigkeiten zu beurteilen. Die Kenntnis der Phänomene durch das Studium
             der physikalischen und chemischen Indikatoren muß maßgeblich durch die Untersuchung der biologischen
             Indikatoren ergänzt werden, die den Vorteil bieten, daß sie eine integrierte Antwort auf alle Faktoren der
             Veränderung ermöglichen. Die Beteiligung der Gemeinschaft soll sich auf Probleme konzentrieren, die
             einen Einfluß auf die Umweltpolitik auf den Gebieten ausüben, auf denen die Gemeinschaft am besten die
             europäische Koordinierung im Rahmen großer internationaler Programme unter Berücksichtigung der ein-
             zelstaatlichen Programme und unter Vermeidung des Konkurrierens mit bereits bestehenden Vorhaben
             wahrnehmen kann.
 ---pagebreak--- Nr. C 327/26                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    29. 12. 90
            Natürliche   Klimaveränderungen
            Das Ziel besteht darin, die Entwicklung des Klimas in der Vergangenheit zu rekonstruieren und diesbezüg-
            liche Modelle auszuarbeiten, um die Weiterentwicklung des Klimasystems unter dem Einfluß anthropoge-
            ner Einflüsse besser vorhersagen zu können.
           Dank der Untersuchung von Eisproben aus tiefen Schichten, die im Laufe der nächsten Jahre zum Beispiel
           in Grönland entnommen werden sollen, ist die Forschung auf die Rekonstruktion und Modellbildung der
           Klimazyklen des Quartärs ausgerichtet. Insbesondere sollte der letzte Klimazyklus genau rekonstruiert
           werden, um das Verständnis und die Modellierung der jüngsten Eiszeit zu ermöglichen.
           Anthropogene     Klimaänderungen
           Das Ziel besteht darin, das Verständnis, die Beschreibung und Vorhersage von Klimaänderungen infolge
           menschlicher Tätigkeiten zu ermöglichen, um eine wissenschaftliche Grundlage für Verhütungs- und An-
           passungsmaßnahmen zu schaffen. Ein größeres Vorhaben ist vorgesehen auf dem Gebiet der Entwicklung,
           Prüfung und des Vergleichs integrierter hochauflösender Modelle der globalen Umweltveränderung unter
           Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre (einschließlich der Wolken), Ozean, Bio-
           sphäre und Kryosphäre — insbesondere des Austauschs zwischen den Ozeanen und der Atmosphäre. Da-
           für sollen neueste Rechnertechniken, wie die Verwendung von Supercomputern und Computer-Vernet-
           zungstechniken angewandt werden.
            Wirkung der Klimaänderungen
           Das Ziel besteht in der Vorhersage von Auswirkungen der zu erwartenden Klimaänderungen auf Mensch
           und Umwelt in der Europäischen Gemeinschaft.
           Das Schwergewicht wird gelegt auf die quantitative Bewertung und Modellierung von Auswirkungen der
           zu erwartenden Klimaänderungen, insbesondere auf den Anstieg des Meeresspiegels und dessen Folgen für
           europäische Städte und Küstenniederungen, Auswirkungen auf die europäische Landwirtschaft, die Was-
           serressourcen und weitere Bereiche der europäischen Wirtschaft (Tourismus, Bodennutzung, Energie, Ver-
           kehr usw.).
           Stratosphärische Ozonschicht
           Das Ziel besteht im Verständnis und der Vorhersage der Prozesse und der Ursachen für den Abbau der
           Ozonschicht in der Stratosphäre. Zu diesem Zweck werden die modernsten wissenschaftlichen Untersu-
           chungsmethoden angewandt und zwar sowohl theoretisch-mathematische als auch empirische Verfahren.
           Die geplanten Aktivitäten umfassen Meßkampagnen in der Arktik in den Jahren 1991/92 und 1992/93, um
           u. a. Trends im Verhalten der Ozonschicht festzustellen. Parallel dazu wird die Datenerfassung innerhalb
           eines europäischen Meßnetzes koordiniert. Messungen, die mit mobilen Stationen erhoben werden und
           Laboruntersuchungen zu relevanten chemischen und photochemischen Reaktionen werden zur Ergänzung
           herangezogen. Ferner sollen die stratophärischen Prozesse modelliert, Szenarios über die Auswirkung ver-
           schiedener Emissionen auf die stratosphärische Ozonschicht erstellt und die ökologischen und gesundheitli-
           chen Folgen einer erhöhten UV-B-Strahlung untersucht werden.
           Physik und Chemie der Troposphäre
           Das Ziel besteht in der Erforschung wichtiger physikalisch-chemischer Prozesse in der Troposphäre als
           Grundlage für die Ausarbeitung von Präventivmaßnahmen. Neue Ansätze zum Verständnis der Chemie des
           Ozons, O H und NOy sowie H C (als Feststoffe und Gase) in der Troposphäre sollen koordinierte Rein-
           luft-Meßkampagnen sowie Modellbildungsarbeiten einschließen, bei denen meteorologische und chemische
           Modelle kombiniert werden. Diese Vorgehensweise soll auf die Erforschung natürlicher Emissionen wie
           z. B. Terpene und andere Kohlenwasserstoffe sowie Schwefel- und halogenhaltige Verbindungen ausge-
           dehnt werden.
           Elektromagnetisches Umfeld
           Ziel der Arbeiten ist die Erfassung der Auswirkungen der Veränderungen des elektromagnetischen Umfelds
           aufgrund menschlicher Tätigkeiten im Bereich der Niederfrequenzstrahlungen (50-60 Hz), der Hertzschen
           Strahlungen (Radio, Fernsehen) sowie der Mikrowellen (Radar, Satellitenverbindungen, Mikrowellen-
           herde) auf Klima, Ökosysteme und die Lebewesen, insbesondere den Menschen.
 ---pagebreak--- 29. 12. 90                              Amtsblatt der E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                       Nr. C 327/27
            Biogeocbemische Zyklen
            Das Ziel besteht in einer Vertiefung des Verständnisses biogeochemischer Zyklen und ihrer Störungen
            durch anthropogene Einflüsse sowie in der Schaffung der wissenschaftlichen Grundlagen für Präventiv-
            und Abhilfsmaßnahmen.
            In einem Netz von Inland-Wassereinzugsgebieten auf dem Festland soll die Stoffbilanz der chemischen
            Elemente ermittelt werden.
            Diese Aktivitäten bestehen ferner in der Untersuchung der Verbreitungs- und Umwandlungsprozesse na-
            türlicher und anthropogener Substanzen in europäischen Mündungs- und Küstengebieten und werden vom
            Mittelmeer auf andere Küstengebiete ausgedehnt.
            Diese Maßnahme ist aufgrund ihres Charakters in enger Zusammenarbeit mit dem Programm Meereswis-
            senschaften und -technologien (MAST) durchzuführen, wobei das Hauptaugenmerk auf Themenbereichen
           von hoher ökologischer Bedeutung liegen muß.
            Dynamik der Ökosysteme
           Das Ziel besteht in einem vertieften Verständnis und in der Vorhersage von Wechselwirkungen zwischen
           globalen Veränderungen und der Dynamik kontinentaler Ökosysteme sowie in der Schaffung wissenschaft-
           licher Grundlagen für eine Präventivpolitik und Anpassungsmaßnahmen. Neu ist der holistische Ansatz zur
           Untersuchung wichtiger Ökosystemtypen wie Feuchtgebiete und anderer naturnaher Ökosysteme. Der glo-
           balen Auswirkung der Nutzung und Abholzung des tropischen Regenwalds, dem Rückgang der Gras-
           steppen und dem Verlust biologischer und genetischer Vielfalt soll besondere Aufmerksamkeit gewidmet
           werden; eine enge Koordinierung mit dem Biotechnologieprogramm ist vorgesehen.
           Gebiet 2: Technologien und technische Verfahren für den Umweltschutz
           Mittels technologischer Neuerung auf vorwettbewerblicher Ebene soll ein höherer Stand der Umweltquali-
           tätsnormen erreicht werden. Hierzu konzentriert sich die Forschung auf die Umweltüberwachung, ein-
           schließlich der Fernerkundung, die Erarbeitung eines Präventivkonzepts durch Entwicklung sauberer Tech-
           nologien und Erzeugnisse sowie die Entwicklung von Verfahren und Systemen zum Schutz und zur Wie-
           derherstellung der Umwelt. Die Aktivitäten der geplanten Europäischen Umweltagentur sollen in diesem
           Rahmen unterstützt werden.
           Beurteilung der Umweltqualität und des    Umweltmonitoring
           Die Erforschung und Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden im Hinblick auf die Umweltqualität soll
           gefördert werden. Die Entwicklung wirksamerer und umfassenderer Systeme für das Umweltmonitoring
           und die Verbesserung der Meßverfahren und -instrumente, sowohl am Boden als auch in der Luft, werden
           dabei vorrangig sein. Der Messung von atmosphärischen Spurenschadstoffen, der Analyse von Emissionen,
           von Abfällen, des Wassers oder flüssiger Abfälle wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet, u. a. auch dem
           Verhalten von Schadstoffen im Untergrund bis hin zum Grundwasser. Die Entwicklung und Prüfung von
           Überwachungs- und Warnsystemen für natürliche Gefahren wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Erdrutsche,
           Sturm- und Flutereignisse sowie Waldbrände fallen ebenfalls in den Tätigkeitsbereich.
           Schließlich werden fortschrittliche Monitoring-Systeme (z. B. chemische Bilanz der Schadstoffpartikel zur
           Ermittlung der Verursacher) zur Überwachung der Luftqualität in den Großstädten und zur Bewertung der
           quantitativen Beziehungen zwischen Schadstoffen und Verursachern (Verkehr, Heizung, Emissionen aus
           Industrieanlagen usw.) entwickelt.
            Technologien zum Schutz und zur Sanierung der Umwelt
           Das Ziel besteht in einem Beitrag zur Entwicklung von Technologien zum Schutz und zur Sanierung der
           Umwelt, einschließlich aller wesentlichen Aspekte der städtischen Umwelt und der Sanierung der Böden.
           Forschungen auf dem Gebiet der Behandlung und Entsorgung toxischer Abfälle und von Abwässern auf
           chemischem, physikalischem oder biologischem Wege sowie der Wiederverwertung von kommunalen und
           Industrieabfällen werden durch die Entwicklung von Technologien mit niedrigeren Emissionen und gerin-
           gerem Abfallaufkommen für ausgewählte Industriezweige ergänzt. Deshalb werden Untersuchungen zur
           mikrobiologischen Sanierung verschmutzter Gebiete eingeleitet. Die Forschung ist auf die Verhütung grö-
           ßerer Unfälle in Industrie und Transport durch besseres Verständnis der Gefahrenphänomene ausgerichtet
           und soll auf die Validierung von Methodologien und die Gefahrenbeurteilung unter besonderer Berück-
 ---pagebreak--- Nr. C 327/28                              Amtsblatt d e r E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                       29. 12. 90
           sichtigung der sozialen und institutionellen Faktoren erweitert werden; sie erstreckt sich ferner auf die
           Entwicklung von Alternatiwerfahren mit niedrigem Risiko und fortschrittlicher Fertigungskontroll- und
           Nachweissysteme.
            Im Bereich der Denkmäler und Objekte, die zum kulturellen Erbe Europas gehören, soll die Forschung
           eine Quantifizierung der Schädigungsursachen und -mechanismen ermöglichen; neue Methoden zur Scha-
           densbewertung sollen entwickelt und die wissenschaftliche Grundlage für Behandlungsverfahren und Mate-
           rialien für die Erhaltung verbessert werden.
           Die Aktivitäten auf diesem Gebiet werden mit dem EUREKA-Vorhaben Euro-Environ kombiniert und die
           aus Programmitteln unterstützten Forschungsteams beteiligen sich am EUREKA-Vorhaben Eurocare.
           Gebiet 3: Forschung über wirtschaftliche und soziale Aspekte von Umweltfragen
           Die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen bergen sehr große Risiken für die Umwelt von morgen.
           Durch Heranziehung aller Wissenschaften — der „exakten" Wissenschaften und der Humanwissenschaf-
           ten — im Rahmen eines interdisziplinären Vorgehens wirkt die Forschung an der Gestaltung einer langfri-
           stigen Entwicklung mit.
           Angestrebt wird daher eine verbesserte Kenntnis und Einsicht in bestehende und potentielle Wechselwir-
           kungen zwischen dem natürlichen, gesundheitlichen, rechtlichen, sozialen, wirtschaftlichen, ethischen und
           kulturellen Umfeld des Menschen sowie die Entwicklung dieser Wechselwirkungen in der Zeit. Die For-
           schung soll sich die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sowie alle anderen Fachbereiche zunutze ma-
           chen, die zur Klärung ökologischer Probleme beitragen können. Dabei sollen Methoden und Konzepte
           sowie deren Anwendungsmöglichkeiten entwickelt werden, bis hin zu ihrer konkreten Einbindung in die
           verschiedenen Sektoren der Gemeinschaftspolitik und in die Umweltforschungsprogramme.
           Angestrebt wird insbesondere eine Einbeziehung bereits laufender und verfügbarer Forschungs- und Ent-
           wicklungsprogramme in den Mitgliedstaaten sowie eine enge Zusammenarbeit mit ähnlichen internationa-
           len Programmen.
            Sozioökonomische Beurteilung veränderter     Umweltbedingungen
           Ziel ist, in einer ersten Phase unter den Veränderungen der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen Ordnung
           usw. nach möglichen Ursachen für den Wandel der menschlichen Umwelt zu suchen und dann in einer
           zweiten Phase zu ermitteln, inwieweit die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und sonstige Fachbereiche
           zur Gestaltung einer langfristig umweltverträglichen Entwicklung und zur Entscheidungsfindung unter un-
           sicheren Umständen beitragen können. Folgende Forschungsthemen sollen unter anderem abgedeckt wer-
           den:
            1. Auswirkungen der demographischen Entwicklungen auf die Umwelt und historische Aspekte der Boden-
               nutzung;
           2. Einbeziehung des Verhältnisses Wirtschaft/Umwelt in die Entwicklung von Modellen und Erstellung
               von Szenarien, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung und die Untersuchung wirtschaftspolitischer
               Instrumente. Wechselwirkungen Wirtschaft/Energie/Umwelt, Bewertung der Ressourcen, Verknüpfung
               dieses Programms mit der gemeinschaftlichen Forschung im Gebiet der Energieressourcen und ihrer
               Nutzung;
           3. Sozialökologie (Urbanisation und Urbanistik, Erforschung der sozialen Innovation);
           4. politische und Naturwissenschaften; Aufgaben des Rechts, der Institutionen, internationaler, staatlicher
               und lokaler Strukturen; Bedeutung der Übertragung von Begriffen der „exakten" Wissenschaften (unsi-
               cher, unvorhergesehen) in die Humanwissenschaften;
           5. Ethik und Umwelt; Zustimmung und Beteiligung (Bewußtwerdung, Verhaltensmuster, Motivationen)
               der Bevölkerung an einer langfristig umweltverträglichen Entwicklung; die Rolle der Medien und der
               Information;
           6. Aufklärung über die Rolle von Technologie und Wissenschaft und die mit ihrer Entwicklung verbunde-
               nen Veränderungen, Sensibilisierung für ökologische Probleme;
 ---pagebreak--- 29. 12. 90                               Amtsblatt der E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                     Nr. C 327/29
           7. Berücksichtigung des Nord-Süd-Gefälles, Überlegungen zur Übernahme des Wachstumsmodells durch
               die Länder Mittel- und Osteuropas.
           Sozioökonomische Auswirkungen der Umweltpolitik und -forschung
           Das Ziel besteht darin, die sozioökonomischen Umweltfaktoren in der EG-Politik zu berücksichtigen und
           der Umwelt-FuE der EG eine sozioökonomische Dimension zu geben. Die Arbeiten in diesem Themenbe-
           reich sollen in Übereinstimmung mit der Einheitlichen Europäischen Akte sicherstellen, daß die Umwelt-
           faktoren in den sektoral-politischen Maßnahmen der EG und in der beibehörenden FuE ausreichend be-
           rücksichtigt werden. Wegen der engen gegenseitigen Abhängigkeit wissenschaftlicher und sozioökonomi-
           scher Parameter bei einer Anzahl von Forschungsthemen dieses Programms soll die Arbeit in diesem The-
           menbereich sicherstellen, daß sozioökonomische Erwägungen und Parameter in den betreffenden koordi-
           nierten Forschungsvorhaben ausreichend berücksichtigt werden.
           Beispiele hierfür sind die integrierten Systeme zum Recycling von Abfällen im Rahmen des Binnenmarktes,
           ökologische Folgen demographischer Veränderungen und Verschiebungen innerhalb der Bevölkerung (z. B.
           Alpen und sonstige Berggebiete), Umweltauswirkungen des Tourismus.
           Gebiet 4: Integrierte Forschungsvorhaben
           Zur Bewältigung der komplexen Umweltproblematik ist eine multidisziplinäre Vorgehensweise erforder-
           lich, um die traditionelle Aufspaltung der Wissenschaften zu überwinden, die ein Hindernis auf dem Weg
           zu einem umfassenden Verständnis der Umweltprobleme ist.
           Das Ziel besteht darin, durch einen systemaren Ansatz und interdisziplinäre Forschung zur Lösung umfas-
           sender Probleme von überstaatlichem Interesse beizutragen. Regionale Probleme oder Fragen von direkter
           Bedeutung für die Umweltpolitik der Gemeinschaft sollen im Rahmen von integrierten Vorhaben unter-
           sucht werden. Beispiele hierfür sind:
           Natürliche Gefahren
           Das Ziel besteht darin, die Ursachen, Mechanismen und Folgen gefährlicher Umwelterscheinungen besser
           zu verstehen und die wissenschaftlichen Grundlagen zu erarbeiten für Eingriffe im Fall von Katastrophen
           (Bereitschaft, Vorhersage, Warnung, Milderung oder Verhütung, Sanierung und Neuentwicklung).
           Die integrierte Forschung auf diesem Gebiet soll einen europäischen Beitrag zur internationalen Dekade
           zur Verminderung natürlicher Gefahren darstellen. Sie erstreckt sich auf Erdbeben, meteorologische und
           hydrogeologische Gefahren einschließlich Waldbrände, Überschwemmungen und Hanginstabilität sowie
           die Phänomenologie extrem gefährlicher meteorologischer Erscheinungen. Forschungen über geogene Ge-
           fahren (Erdbeben und Vulkanausbrüche) sollen hauptsächlich aus theoretischen Untersuchungen der ein-
           schlägigen Phänomene und dem Verhalten von Baustrukturen während dieser Phänomene bestehen, mit
           dem Ziel der Einrichtung von Meßstationen im Gelände und eines Netzes in ausgewählten Gebieten der
           Gemeinschaft zum raschen Eingreifen bei natürlichen Gefahren.
           Technologische Risiken
           Das Ziel besteht im Verständnis der Folgen menschlicher Tätigkeiten, des Einsatzes von Technologien und
           der Verwendung von Produkten, für menschliche Gesundheit und die Umwelt, im Hinblick auf die Ent-
           wicklung von Vorbeugungsmaßnahmen und Rechtsvorschriften der Gemeinschaft. Forschung auf diesem
           Gebiet umfaßt die Entwicklung und Validierung von Systemen zur Prüfung und Beurteilung der Auswir-
           kungen chemischer Substanzen auf die Gesundheit und die Umwelt. Sie wird ergänzt durch Untersuchun-
           gen über die Auswirkung der Umweltverschmutzung auf die menschliche Gesundheit. Ferner sollen Gefah-
           ren untersucht werden, die sich aus der landwirtschaftlichen Technik und der Praxis der Landnutzung für
           die Qualität der Böden und des Grundwassers ergeben. Die vorgesehene Forschung soll auch die regionale
           Aspekte des Ökosystemschutzes einschließlich der Eutrophierung der Küstengewässer (in Verbindung mit
           dem spezifischen Programm für Meereswissenschaft und Technologie), den Schutz und die Erhaltung von
           Habitaten, das Waldsterben und die Versauerung der Gewässer berücksichtigen.
           Desertifikation im Mittelmeergebiet
           Das Ziel besteht in der Beurteilung der natürlichen und menschlichen Ursachen, der Mechanismen und der
           Auswirkungen einer Ausbreitung der Desertifikation im Mittelmeerraum. Die Forschung umfaßt Arbeiten
           über die historischen Gegebenheiten, die Ursachen (menschliche und klimatische) und die Folgen der De-
           sertifikationsprozesse. Strategien zur Bekämpfung dieses Phänomens sollen entwickelt und in ausgewählten
           Testgebieten angewandt werden.
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                                                          ANHANG      II
                                  VORLÄUFIGE AUFSCHLÜSSELUNG DER AUSGABEN
           für den Zeitraum 1991—1994
                                                                                                             (in %)
           Gebiet 1: Beteiligung an Programmen auf dem Gebiet der globalen Umweltveränderung                35—45
           Gebiet 2: Technologien und technische Verfahren für den Umweltschutz                             20—25
           Gebiet 3: Forschung über wirtschaftliche und soziale Aspekte von Umweltfragen                     8—12
           Gebiet 4: Integrierte Forschungsvorhaben                                                         23—33
           Die Aufschlüsselung nach Forschungsgebieten schließt gebietsübergreifende Projekte nicht aus.
           1. Ein Betrag von mindestens 25,7 Millionen ECU entsprechend 10 % des Gesamtbetrags wird für Vor-
              haben zur Förderung der Grundlagenforschung als nötig erachtet.
           2. Ein Betrag in Höhe von 5,1 Millionen ECU entsprechend 2 % des Gesamtbetrags wird für Vorhaben
              zur Förderung der Ausbildung von Wissenschaftlern in den von diesem spezifischen Programm erfaßten
              Gebieten als nötig erachtet.
                                                         ANHANG      III
           MODALITÄTEN DER D U R C H F Ü H R U N G DES PROGRAMMS U N D MASSNAHMEN                             ZUR
                                VERBREITUNG U N D VERWERTUNG DER ERGEBNISSE
           1. Die Kommission führt das Programm nach Maßgabe des in Anhang I festgelegten wissenschaftlichen
              und technischen Inhalts durch.
           2. Die Modalitäten der Durchführung des Programms gemäß Artikel 3 umfassen Vorhaben der Forschung
              und technologischen Entwicklung, flankierende Maßnahmen und konzertierte Aktionen.
              Die Tätigkeiten der von der GFS ausgeführten direkten Forschung sind Gegenstand einer gesonderten
              Entscheidung des Rates.
              Die Vorhaben sind Gegenstand von Verträgen im Bereich der Forschung und technologischen Entwick-
              lung auf Kostenteilungsbasis.
              Mit den flankierenden Maßnahmen sollen die Mittel eingesetzt werden, die eine gute technische Durch-
              führung, Verwaltung und Bewertung des Programms sowie eine entsprechende Verbreitung und Zu-
              gänglichkeit der Ergebnisse, die Koordinierung, Ausbildung und Unterrichtung der Teilnehmer am Pro-
              gramm ermöglichen.
              Die interne Koordinierung des Programms erfolgt durch Koordinierungsgruppen. Die verschiedenen
              Teilnehmer dieses spezifischen Programms müssen sich rasch und kontinuierlich über die anderen im
              Rahmen des Programms finanzierten Vorhaben informieren können, um so deren angesichts der kom-
              plexen und universellen Natur der Umweltprobleme unerläßliches Ineinandergreifen zu ermöglichen.
              Eine kleine Gruppe von Denkern und Wissenschaftlern, die aufgrund ihrer allgemein anerkannten Fach-
              kompetenz von der Kommission ausgewählt werden, hat die Aufgabe, geeignete Schnittstellen zwischen
              den gemeinschaftlichen Forschungsaktionen zu schaffen.
              Schwerpunkt im Bildungsbereich ist die transdisziplinäre Ausbildung. Angesichts des Mangels an pluri-
              disziplinären Forschern in Europa muß die Gemeinschaft die pluridisziplinäre Ausbildung der Forscher
              im Ökologiebereich fördern. Ein Forscher sollte außer seinem Fachgebiet noch eine Ausbildung in ei-
              nem oder mehreren zusätzlichen Fachbereichen erwerben, die zu einem ökologischen Gesamtkonzept
              beitragen.
              Die konzertierten Aktionen sind die in Artikel 92 der Haushaltsordnung festgelegten.
           3. Die Teilnehmer an den Vorhaben müssen natürliche oder juristische Personen mit Sitz in der Gemein-
              schaft sein, wie Hochschulen, Forschungsorganisationen und Industrieunternehmen, einschließlich klei-
 ---pagebreak--- 29. 12. 90                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      Nr. C 327/31
              ner und mittlerer Unternehmen oder ihrer Verbände, insbesondere Europäische wirtschaftliche Interes-
              senvereinigungen (EWIV).
              Natürliche oder juristische Personen mit Sitz in den Ländern, die mit der Gemeinschaft Abkommen
              geschlossen haben, in denen eine Zusammenarbeit im wissenschaftlichen und technischen Bereich vorge-
              sehen ist, können an den im Rahmen dieses Programms durchgeführten Vorhaben auf der Grundlage
              des wechselseitigen Vorteils teilnehmen. Die ausgewählten Auftragnehmer werden nicht der im Rah-
              menprogramm vorgesehenen finanziellen Beteiligung der Gemeinschaft teilhaftig. Sie leisten einen Bei-
              trag zu den allgemeinen Verwaltungskosten.
           4. Die Auswahl der Vorhaben erfolgt nach folgenden Prioritäten, wobei das erste Verfahren die Regel und
              das zweite die Ausnahme darstellt:
              Die Teilnehmer an den Vorhaben werden aufgrund des normalen Verfahrens der Aufforderung zur
              Einreichung von Vorschlägen (Artikel 6 Absatz 4) ausgewählt; diese Aufforderungen werden im Amts-
              blatt der Europäischen Gemeinschaften bekanntgegeben.
              Gemäß den zwischen dem Rat und dem Europäischen Parlament vereinbarten Leitlinien soll, soweit
              sonstige Kriterien wissenschaftlicher Güte erfüllt sind, im Falle von wissenschaftlich gleichwertigen Pro-
              jektvorschlägen solchen der Vorzug gegeben werden,
               i) an deren Durchführung Teilnehmer in benachteiligten Regionen und/oder im industriellen Nieder-
                  gang befindlichen Regionen, wie in den Artikeln 8 und 9 der Verordnung (EWG) Nr. 2052/88 des
                  Rates definiert, mitwirken;
              ii) bei denen kleine und mittlere Unternehmen oder ihre Verbände beteiligt sind.
              Die Kommission entscheidet in jedem Fall, ob die Verwaltung des Programms oder von Teilen davon
              von Organisationen oder Institutionen außerhalb der Kommission durchgeführt werden kann ohne
              Delegierung ihrer Entscheidungsgewalt.
              Die Kommission kann auch nach einem Ausnahmeverfahren und unter den nachfolgend genannten Be-
              dingungen Vorschläge annehmen, wenn sie besonders vielversprechende und wichtige Beiträge aufgrund
              der Originalität des vorgeschlagenen Themas, der Neuartigkeit des wissenschaftlichen und technischen
              Konzepts und der Durchführungsmethodologie sind, wobei der individuelle Charakter des Antragstel-
              lers berücksichtigt wird.
              Eine befürwortende technische Bewertung derartiger Vorschläge allein ist für die Annahme eines Vor-
              habens nicht ausreichend; das Ausnahmeverfahren kommt nämlich nur zur Anwendung, wenn der Cha-
              rakter des jeweiligen Vorhabens entsprechend der obigen Definition das Vorgehen nach dem normalen
              Verfahren (Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen) nachweislich nicht rechtfertigt.
              Das Ausnahmeverfahren setzt nach der ersten Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen ein und
              muß vor dem normalen Verfahren durchgeführt werden, und zwar dergestalt, daß der für die finanzi-
              elle Beteiligung der Gemeinschaft an den im Normalverfahren ausgewählten Vorhaben verfügbare Be-
              trag genau festgelegt werden kann. Die Frist für das Ausnahmeverfahren wird jedes Jahr im Amtsblatt
              der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht.
              Die Höhe der finanziellen Beteiligung der Gemeinschaft an allen im Ausnahmeverfahren ausgewählten
              Vorhaben wird jedes Jahr festgelegt, und zwar in Abhängigkeit von den nach besonders strengen tech-
              nischen Maßstäben ausgewählten Vorhaben. Auf keinen Fall darf dieser Betrag 15 % überschreiten; er
              kann jedes Jahr aufgrund der Erfahrung überprüft werden. Dieser Betrag darf in keinem Fall 15 °/o
              überschreiten; er kann jedes Jahr im Licht der Erfahrung revidiert werden.
              Die Kommission erstellt einen Leitfaden mit allen Vorschriften für das Ausnahmeverfahren um vollstän-
              dige Transparenz zu gewährleisten.
           5. Die Vorhaben müssen die Beteiligung von mindestens zwei voneinander unabhängigen Partnern mit Sitz
              in verschiedenen Mitgliedstaaten vorsehen.
           6. Die Kommission kann die Teilnehmer dazu ermutigen, beispielsweise für besonders große Vorhaben
              eine EWrV zu bilden oder sonstige Vereinbarungen zu treffen, die eine dezentralisierte, den Besonder-
              heiten des Vorhabens angepaßte Verwaltung ermöglichen.
           7. Die Verbreitung der bei der Abwicklung der Vorhaben erworbenen Kenntnisse erfolgt einerseits inner-
              halb des spezifischen Programms und andererseits in Übereinstimmung mit dem Beschluß gemäß
              Artikel 4 dritter Absatz des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG.