CELEX: 51974PC2285
Language: de
Date: 1975-01-08
Title: PROGRAMM FUR DIE BEWIRTSCHAFTUNG UND LAGERUNG RADIOAKTIVER ABFÄLLE (von der Kommission dem Rat vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (74) 2285
Vol. 1974/0386
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983
concernant l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique
européenne et de la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983,
p. 1), tel que modifié par le règlement (CE, Euratom) n° 1700/2003 du 22 septembre 2003
(JO L 243 du 27.9.2003, p. 1), ce dossier est ouvert au public. Le cas échéant, les documents
classifiés présents dans ce dossier ont été déclassifiés conformément à l'article 5 dudit
règlement.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983
concerning the opening to the public of the historical archives of the European Economic
Community and the European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as
amended by Regulation (EC, Euratom) No 1700/2003 of 22 September 2003 (OJ L 243,
27.9.2003, p. 1), this file is open to the public. Where necessary, classified documents in this
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983,
S. 1), geändert durch die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1700/2003 vom 22. September 2003
(ABI. L 243 vom 27.9.2003, S. 1), ist diese Datei der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit
erforderlich, wurden die Verschlusssachen in dieser Datei in Übereinstimmung mit Artikel 5
der genannten Verordnung freigegeben.
 ---pagebreak--- KOMMISSION DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                   KOM(7^) 2285 endg .
                                           Brüssel . 8 januar 1975
                  PROGRAMM FÜR DIE BEWIRTSCHAFTUNG UND
                     LAGERUNG RADIOAKTIVER ABFÄLLE
                ( von der Kommission dem Rat vorgelegt )
    K0M(?4 ) 2285 endg .
 ---pagebreak---                                       -1 -              K0M(74) 2285 endg.
                      INHALTSVERZEICHNIS
PROGRAMM                                                         Seite
          1 . Begründung                       ...»                   2
          2 . Programmvorschlâge         »                            5
              - Aufarte itung fester radioaktiver Abfälle
              - Lagerung und Endbeseitigung hochaktiver und/oder
                langlebiger Abfälle
              - Untersuchimg eines Modells für eine fortschritt- _
                liehe Bewirt schaftung (Abtrennung und Umwandlung
                der Aktiniden)
              - Bestandsaufnahme der durch die Bewirt schaf-tung
                radioaktiver Abfälle aufgeworfenen Probleme
              - Untersuchung der Leitlinien zur Behandlung radio­
                aktiver Abfälle
          3 . Zusammenfassung und Aufschlüsselung der vorge­
              schlagenen Kittelbindungen                    ....... 11
          4* Technische Anhänge (A und B)                      .... 12
            \
VORSCHLAG PUR EUTEüT EESCKLUSS DES RATES                           30
AHHANGE                                                        ... 32
 ---pagebreak---                                        - 2 -               KOîi(74 ) 2?ô end -. -.)
Programm " Bewirtschaftung und Lagerung radioaktiver Abfälle"
1 . Motivations
    Im Rahmen des Aktionsprogramms der Europäischen Gemeinschaften für den
    Umweltschutz hat der Rat am 22 . November 1973 das Prinzip einer Fünf-
    punkteaktion zur Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle gebilligt
    (ABl « C 112 vom 20.12.1973 ) und hat die Kommission ersucht , ihm bis
    zum 31 « Dezember 1974 einen diesbezüglichen Vorschlag vorzulegen .
    In seiner Entschließung vom 7 « November 1974 ( R/2996/74 ENV 137/E'TER.48 )
    hat der Rat die Notwendigkeit einer derartigen Aktion bekräftigt und die
    Auffassung vertreten , daß es Aufgabe der Gemeinschaften und der Mitglied­
    staaten ist , die überwiegend mit der Entwicklung der Kernenergie zusam­
    menhängenden Probleme und insbesondere die Frage der radioaktiven Abfälle
    zu untersuchen .
    In diesem Zusammenhang ist an die Gründe und Zielsetzungen einer Gemein­
    schaftsaktion in diesem Bereich zu erinnern :
    - Zu den technischen Begründungen muß man einräumen , daß die Entwick­
      lung der Kernenergie , die die Deckung eines wachsenden Anteils des
      Elektrizitätsbedarfs der Gemeinschaft ermöglicht , auch eine negativen
      Aspekt aufweist ; Das Volumen der radioaktiven Industrieabfälle nimmt
      proportional zur Nuklearstromerzeugung zu . Anhang A enthält einige
      Prognosen über die bis Ende des Jahrhunderts voraussichtlich anfallen­
      den Aktivitäten und Volumen radioaktiver Abfälle .
      Die Bewirtschaftung dieser Abfälle , insbesondere der hochaktiven und
      langlebigen Abfälle der Brennstoffaufarbeitungsanlagen , wirft für die
      Gemeinschaftsländer mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte schwierige
      Probleme auf . Es müssen daher unbedingt wirksame Lösungen gefunden
      werden , mit denen die Abfälle nach einer geei^eten Aufarbeitving und
      einem eventuellen Transport    - über Zeiträume , die in einigen Fällen
      die der geologischen Perioden erreichen können -     von der Umwelt
      isoliert ( und/oder vernichtet ) werden können .
 ---pagebreak---                                     - 3 -               KOM ( 74) 2235 endg .-D
    Parallel hierzu ist ein rechtliches , administratives und' finanzielles
    Rahmenprogramm aufzustellen , durch das die Bewirtschaftung der Abfälle
    unter gleichzeitiger Wahrung der Sicherheit und des Schutzes der Be­
    völkerung und der Umwelt gewährleistet werden kann .
  - Bedeutung einer Aktion auf Gemeinschaftsebenei
    An einigen Lösungen , zumindest an Teillösungen , wird bereits in ver­
    schiedenen Ländern der Gemeinschaft mit unterschiedlichem Aufwand ge­
    arbeitet } der Austausch der Kenntnisse und die Zusa.mmenlegung bestimm­
    ter Arbeiten müßte zeitliche und finanzielle Einsparungen bei der Er­
    reichung der Lösungen ermöglichen . Der öffentliche Dienstleistungs-
    cliarakter einer derartigen Aktion und die nebensächliche Bedeutung
    der gewerblichen Interessen erfordert , daß sie auf Gemeinschaftsebene >
    durchgeführt wird.
    Andererseits treten innerhalb großer regionaler Komplexe wie der
    Gemeinschaft zahlreiche mit den radioaktiven Avällen zusammenhängende
    industrielle , wirtschaftliche und soziale Probleme zutage . So wendet
    sich beispielsweise der Industriezweig, der die größten Abfallmengen
    erzeugt - die Brennstoffaufarbeitungsanlagen - an einen Harkt , der
 • über die nationalen Grenzen hinausgeht | die Lösungen sind also in
    einem größeren Rahmen zu suchen .                                     : '
    Die gewählten Lösungen können die Entwicklung der. Kernenergie auch
    durch ihr wirtschaftliches Gewicht und die Aufnahme , beeinflussen, die
    sie in der Öffentlichkeit finden werden) ein Vorgehen auf Gemeinschafts­
    ebene müßte diese davon überzeugen , daß unabhängig von den Technolo­
    gien, mit denen aufgrund der besonderen Charakteristiken der einzelnen
    Staatsgebiete oder der Dringlichkeit der Uuklearprogramme gearbeitet
    wird, ein gleicher Schutz der Menschen und der Umwelt gewährleistet
    wird; hierdurch dürfte in allen Ländern der Gemeinschaft zugleich eine
    harmonische Entwicklung der Kernenergie gefördert werden .
 ~ Zeitplan :   Es muß darauf hingewiesen werden , daß die Entwicklung und
    die experimentelle Überprüfung von Lösungen, die geeignet sind, die
    durch die Bewirtschaftung und insbesondere die Endbe3eitigung*      -
    der radioaktiven Abfälle in einer hochentwickelten ÜTuklearwirt schaft
    aufgeworfenen Probleme optimal zu beherrschen , nach Ansicht der Sach­
    verständigen noch mindestens zehnjährige Bemühungen erfordern.
Siehe Anmerkung Seite 5
 ---pagebreak---                                               - 4 -       K0M(74 ) 2205 cndj.-D
Angesichts der 1990-2000 anstehenden Entscheidungen ist es daher nicht zu
früh , schon jetzt einen Beschluss über ein gemeinsames Programm zu fassen .
Dieses Fünfjahresprogramm ( 1975-1930 ) ist daher a.l_3_ erste Phase eines
l_angfrj._ st igen Programm s_ an zu sph en .
Das mit Hilfe einer aus nationalen Sachverständigen bestehenden Arbeits­
gruppe von der Kommission ausgearbeitete Programm umfaßt sowohl t echnolo¬
gische Arbeiten als auch generelle Untersuchungen zur Erarbeitung der not­
wendigen technischen Lösungen und des notwendigen rechtlichen , administra­
tiven und finanziellen Rahmens , damit die Bewirtschaftung der radioaktiven
Abfälle      - zum Schutz der Umwelt und des Menschen -   rechtzeitig in die
Aktivitäten der Industrie für Kernbrennstoffkreisläufe einbezogen werden
kann .
Alle Arbeiten und Untersuchungen worden zum überwiegenden Teil von der
Kommission finanziert und mit Unterstützung eines aus Vertretern der Ilit–
gliedstaaten und Beamten der Kommission bestehenden Programmausschusses
koordiniert , der sofort nach der Annahme dieses Programms zusammentreten
muß . Sie sind von qualifizierten öffentlichen oder privaten       Organisationen
der Mitgliedstaaten durchzuführen .
Der Programmvorschlag berücksichtigt die laufenden Fo r schungsarbe i t en der
Gemeinsamen Forschungsstelle der Gemeinschaft , deren Ergebnisse zur Unter­
stützung dieses Programms herangezogen werden .
Um etwaige Überschneidungen zu vermeiden , berücksichtigt das Programm
ferner die Tätigkeit der internationalen Organisationen und schlägt insbe­
sondere eine finanzielle Beteiiigang der Gemeinschaft bei der Ueiterver-
folgung bestimmter technologischer Arbeiten vor , die von dem gemeinsamen
Unternehmen " Eurochemic" der OECD eingeleitet wurden .
Das Programm wird nach zwei Jahren überarbeitet , tun gegebenenfalls be­
stimmte Aktionen neu auszurichten oder nach Maßgabe der Ergebnisse zu
ergänzen .
 ---pagebreak---                                          - 5 -               K0M(74) 2285 end.-D
                                                                                     /
   2 . Procramm
       Das Programm* umfaßt : .     . i
       - Arbeiten über die Aufarbeitung radioaktiver Abfälle im Hinblick auf
          ihre Lagerung** und ihre Endbeseitigung***;
       - Arbeiten über die Lagerung radioaktiver Abfälle sowie eine Gerne in schafts-
          aktion über ihre Endbeseitigung in geologischen Formationen ;
       - Strategiestudien , mit denen die Bedeutung eines Modells für eine
          fortschrittliche Bewirtschaftung abgeschätzt werden soll (Abtrennung
          und Umwandlung der Aktinide );
       - Untersuchungen , mit denen die durch die Bewirtschaftung der radioj-
          aktiven Abfälle aufgeworfenen Probleme , für die im Rahmen der gegen­
          wärtigen rechtlichen , administrativen und finanziellen Regelungen auf
          internationaler Ebene keine Lösung vorgesehen ist , erfaßt und Lösungen
          vorgeschlagen werden sollen ;
       - die Untersuchung der für die Bewirtschaftung der radioaktiven Abfälle
          geltenden technischen Grundsätze .
2.1 . Aufarbeitung fester radioaktiver Abfäl le
       Die Aufarbeitung der einzelnen Kategorien radioaktiver Abfälle , wird
       - wenn auch mit ungleichen Mitteln -    in den meisten Mitgliedstaaten
       untersucht . Für bestimmte Abfallarten und die mittelfristige Lagerung
       liegen sohr gut geeignete Losungen vor , doch müssen die Verfahren , die
       eine Endbeseitigung (Endlagerung) der Abfälle ermöglichen , noch ver­
       bessert   werden .
       Die Kommission und die nationalen Sachverständigen waren daher der Auf­
       fassung, daß das Programm der Gemeinschaft als ergänzende Aktion zu den
       Arbeiten der Kitgliedstaaten folgende Punkte enthalten sollte .
       Mit diesen Aktionen sollen Aufarbeitungsverfahren entwickelt werden ,
       durch die die Sicherheit der Handhabung und der Überführung bestimmter
       kritischer Abfallkategorien in die Lager verbessert und die Anwendung
       sicherer langfristiger oder definitiver (Endbeseitigang) Lagerverfahren
       gefördert wird , die an die Stelle der gegenwärtigen provisorischen Lager-
       verfahren treten sollen .
      * Siehe auch Anhang Br
    ** Lagerung: Deponie von Abfällen in rückholbarer Form .
  *** Endbeseiti. ung ( oder Endlagerung): Deponie von Abfällen, die auf eine
         Art und VTeise oder an einer Stelle erfolgt , daß sie praktisch nicht   /
         zurückgewonnen werden können - Ref . OECD " Management of radioactive waste
         disporal in Western Europe", September 1971 *
 ---pagebreak---                                          - J5 - ..                κοι:(74) 22·ο5
So sind die Sicherheit der Lagerung und die ITatur der verpackten Stoffe weit­
gehend komplementär und aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen dem Ein-
lagerungsmilieu und dem konditionierten Stoff bis zu einem gewissen Grad
voneinander abhängig.
a.  Mittelaktive Festabfalle
    Unt ersuchimg der Ummant elun,s: durch Kunstharze         ( Programmbogen Nr . l )
    anstelle der Bituminierung, wodurch gegenüber anderen Verfahren eine
    bedeutende Volumensreduktion erreicht werden kann .
b.  Hochaktive Festabfalle
    Unter suchimi^ der Djsko^tam^ini^e^un^ und der Konditionierimg von Hüllen
    bestrahlt er Brenne 1 ement e   ( Programmbogen Kr . 2 ) , um die zur Zeit
    praktizierte vorläufige Unterwasserlagcrung durch ein sicheres lang­
    fristiges Lagerverfahren zu ersetzen . :
    Untersuchung der Einbettung der Kai z.ini^jc^^sj^ro^kt^e hochaktiver
    Abfälle aus T'Ti ederaufarbe itungsanla^en jln e iner Metallmatrize
    ( Programmbogen 3 ) anstelle von Glas , dessen Strahlenschutz langfristig
    nur schwer zu beurteilen ist und das die radioaktive Zerfallswärme nur
    schlecht abgibt , wodurch die Lagerprobleme erschwert werden .
c.  Alphakontaminierte Festabfalle
    Unt er suchung e ine s Veraschun^s\r_e_rfahren s ( Programmbohen Hr . 4 ;» das eine
    geeignete Konditionierung der Asche für eine langfristige Lagerung ermo ,^-
    licht .
d.  Me s_£rang und Vergleich der Eigenschaften der verschi eden en Unmantelungen
    für yerfe st igt e Produkt e  ( Programmbogen Hr . 5 )
    Dieses in den Laboratorien der Gemeinschaft durchzuführende Programm
    soll es ermöglichen , die Charakteristiken der derzeit entwickelten
    Ummantelungsprodukte im Hinblick auf die spätere Auswahl der vielver-
    sprechendsten Verfahren auf einer gemeinsamen Grundlage zu vergleichen .
Beteiligung der Gemeinschaft :
                   a                                        0 , 5 Mio RE
                   b                                        3 » 5 Mio RE
                   c                                        1,5 Mio KE
                   d                                        0,3 Mio RE
                   Summe                                    5 » 8 Mio RE über fünf Jahre
 ---pagebreak---                                        - 7 -                 KOM(74) 2285 endg.-D
2 . Lagerun,'? und Endbeseitigung hochaktiver und/oder langlebiger Abfälle
    Nach der Konditionierung in einer geeigneten festen Form werden die
    hochakt iven Abfälle nach Angaben der Sachverständigen mehrere Jahr­
     zehnte lang in geeigneten Eauwerken gelagert ( engineered storage ) , um
    eine teilweise Abkühlung durch radioaktiven Zerfall zu ermöglichen ;
    durch diese Abkühlung werden die späteren Arbeitsgänge Handhabung,
    Transport und Beseitigung vereinfacht .
    In der Zwischenzeit sind mit der notwendigen Sorgfalt Verfahren zur
    Endbeseitigung (Endlagerung) radioaktiver Abfälle einschließlich der
    langlebigen* Strahlenquellen ( hochaktive Abfälle aus Miederaufarbei-
    tungsanlagenf Abfälle der Werke , die Plutonium-Brennelemente herstellen )
    zu entwickeln , da sie än sehr schwieriges Problem darstellen**: Sie
    müssen diese Produkte über außerordentlich lange Zeiträume hinweg von
    der Urnwelt isolieren .            !
    Die Sachverständigen sind sich praktisch alle darin einig , daß die Be­
    seitigung in geeigneten geologischen Formationen eine endgültige
    Lösung dieses Problems darstellt und daß diese Lösung überall und so­
    bald es in Kenntnis der Sachlage möglich ist , praktiziert werden
    sollte .
    So darf die Bedeutung einer endgültigen und nicht rückgängig zu machen­
    den Entscheidung zur tiefen Vergrabung dieser Abfälle nicht unterschätzt
    werden . Nur eine Zusammenlegung der Informationen und der Untersuchungs-
    ergebnisse sowie ein ständiger Vergleich der Versuche der einzelnen
    Staaten auf der Ebene eines großen geographischen und industriellen
    Komplexes wie dem der Gemeinschaft bieten eine Gewähr dafür , daß diese
    Entscheidung rechtzeitig getroffen wird .
    Die Kommission und die nationalen Sachverständigen vertraten ange sichts
    de sjffli^le ichen und o ft begrenzten Standes, -der in den_M it gl iedStaaten
    bisher durchgeführt en Arbeit en die Auffassung. daß dieser _Te il de s Pro-
    i^amms den _ent sehe idcndsn Beitrag e ine_r_ Akt ion _der Gemeinschaft zum
    Umwelt schutz auf dem Gebiet jler Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle
    unddami t zuglaich der harmon i sehen Entwicklung der Kernenergie dar_-
     s tei lt .
 Strahlenquellen , deren Aktivität über sehr lange Zeiträume (Jahrtausende )
 hinweg abklingt - Aktinide wie Plutonium-, Americium-, Curiumisotope usw .
 Bestimmte chemische Abfälle ( z.B. Quecksilber) werfen ähnliche Probleme
 auf .
 ---pagebreak---                                              - 8 -                 KOM(74) 2235 endg.-D
 Folgende Aktionen werden vorgeschlagen :
 a•     Austausch von Informationen undjyergleich der JKonzep£e_von Anlagen für
         die Z_wischenlagerunf? ( engineered storage) $_ Unternuchim^ der Aufgaben
        .einer derartigen Lagerimg im Rahmen . e iner Gesamt stratGgieT zur Eohand-
         lungrder Abfälle ( Programmbogen ITr . 6) .                -
 b.      Geme inschaft saktion "Endbe se it i gung radioaktiver Abfal le in geologisch en
        Formationen ( Programmbogen lir. 7)t
                          - Erstellung e_ines V erzeichn isses ( oder einer Karte) der
    ■ auf den Hoheit sgebieten, der; JV|it^lj.edstaa.ten d er Gemeinschaft gel egenen
        geologischen Format ipnen ,, di e _s ich für eine Endlagorur.g eign en durch
      • Fachorganisationen der Gemeinschaft ; ..
                  r     '       J^hl und die Untersuchung bestimmter Standorte mit
        möglichst unterschiedlicher geologischer IJatur , die mit Billigung der
         zuständigen nationalen Behörden als Ver suchszone für , d ie Bndlageruiig*
        verwendet werden könnt enj
 y                        - Die Err ichtung dieser Versuchs zonen auf der Grundlage
         der Ergebnisse der früheren Untersuchungen und ihre technische Verwal­
         tung durch einen Ausschuß der dem auf Seite 3 genannten und unter der
        Ägide der Kommission stehenden Programmausschuß untersteht ; ( eine )
        bereits bestehende Versuchs zone(n ) kann ( können auf Wunsch der zuständi-
         geri Regierung(en)' an dem Projekt (**) beteiligt werden .
 c.     Außerdem wird unter Berücksichtigung der potentiellen Bedeutung der
        aus den Punkten a . und b . für ihre Lösung und ihren multinationalen
         Charakter resultierenden Informationen eine das spezi fische Probl_em
         der Lagerung jga sformiger AbfM,ll e betreffende Aktion (Programmbogen Nr . 8 )
        vorgeschlagen.             ,                                  ■   ■     ,
        Beteiligung der Gemeinschaft :- t
               a.   ........................           0,2 Mio RE
               b.                                     12   Mio RE
               c.                                      0,2 Mio RE
               Summe. ;                   ,         . 12,4 Mio . RE
 * Versuchs zonen , in denen die Verfahren einer endgültigen Lagerung erprobt
    würden und in denen die Möglichkeit einer Rückgewinnung der Abfälle gewahrt
    bliebe , solange eine Entscheidung über die endgültigen Verfahren noch nicht
    getroffen wurde . "
** Die Verahtwortung für die Versufehszonen trägt in dieser Phase der betreffen­
    de Staat .
 ---pagebreak---                                           - 9 -                  KOM(74) 2285 endg.-D
2 . 3 » Unt ersuchung eines Modell 3_ für eine fort sehr i tt 1 icha Bew irt 3 chafjtung
        ^Abtrennung und Umwandlung der AktinidenJ
         Die Aktionen 2.1 . und 2.2 . dieses Programms sind Teil eines extra­
         polierten Modells für die Bewirtschaftung radioaktiver Abfallstoffe ,
         das auf den bei der Lagerung gegenwärtig üblichen Praktiken aufbaut ;
         es handelt sich insofern um eine " globale" Bewirtschaftung, als die
        Abfälle so behandelt , gelagert und beseitigt', würden , wie sie in den
        kerntechnischen Anlagen anfallen , d.h . in Form von Gemischen radio­
        aktiver Stoffe mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften und insbeson­
         dere mit Toxizitäten und Zerfall zeiten , die um Größenordnungen von
         1 Million variiren können .
        ITun haben aber nur die Aktiniden sehr lange Hai bwert zeiten und ein®
        Alpha-Radiotoxizität , die das Problem ihrer Isolierung von der Umwelt
        für vielleicht 1 Million Jahre aufwerfen .
        Da3 Problem der Abfallbeseitigung wäre demnach theoretisch einfacher ,
        wenn die Aktiniden von den anderen Abfällen abgetrennt und als Zusatz-
        brennstoffe in Kernreaktoren vernichtet werden könnten .
        Trotz dem a priori verlockenden Aspekt einer derartigen " selektiven"
        Bewirtschaftung können sich die Sachverständigen heute nicht darüber
        äußern , ob sie effektiv von Interesse ist und die in sie gesetzten
        Erxrartungen erfülj 2x1 könnte . So ist es möglich , daß einerseits die
        Gefahren , die eine endgültige Lagerung der Aktiniden für die Umwelt
        mit sich bringt , viel zu hoch eingeschätzt werden und eingehend ana­
        lysiert werden müssen und daß man mit den neu .hinzukommenden technischen
        Arbeitsgängen   - der Abtrennung und der Vernichtung der Aktiniden -
        andererseits Gefahr läuft , die Liste der zu lösenden Probleme zu ver­
        längern und neue Abfälle zu erzeugen , da auch diese Arbeitsgänge nicht
        100-prozentig perfekt sein können .
        Aua diesem Grund und angesichts dessen , was hier auf dem Spiel steht ,
        halten die Kommission und die nationalen Sachverständigen eine Koordi­
        nierung der in der Gemeinschaft laufenden Arbeiten , insbesondere in den
        Laboratorien der Gemeinsamen Forschungsstelle der Kommission (Kehrjähres-
        Forschungsprogramm - direkte Aktion) und eine begrenzte finanzielle
        Unterstützung der Gemeinschaft für Ad-hoc-Eewertungsstudien für not­
        wendig ( Programmbogen Nr . 9 )«
        Beteiligung der Gemeinschaft                                0,7 Mio EE
                                                          über fünf Jahre .
 ---pagebreak---                                          - 10 -               KOM(74) 2285 endg .-D
2.4 « Bestand, saufnähme dar durch _die j^ewirt schaftuiig radioaktiver Abfälle
       aufgeworfenen Problerne t für die im ^Jimcn der Ge genwart i gen inter­
       nat ionalen jrechtl ichen ,_ admini strat iven und finanzi ellen Strukturen
       ke in e Lösung gefunden würde
       Die Bewirtschaftung der radioaktiven Abfälle , insbesondere der hoch­
       aktiven und langlebigen Abfälle , erfordert iluklearanlagen mit unge­
       wöhnlichen technischen Ei gen Schriften , d.h . Standorte für die Lagerung
       und Endbeseitigung der Abfälle . Diese Anlagen müßten im Prinzip die
       Isolierung der Abfälle von der Umwelt über unterschiedliche und zum
       Teil außerordentlich lange Zeiträume gewährleisten .
      Es ist notwendig, die ( finanziellen , administrativen und rechtlichen)
       Probleme zu untersuchen , denen sich die für diese Anlagen Verantwort­
       lichen aufgrund der Notwendigkeit einer Sicherung und Überprüfung
       ihres reibungslosen Funktionierend im Dauerbetrieb gegenübersehen .
      Dadurch würde es möglich , das Ausmaß der Verantwortung abzuschätzen
       und festzustellen , auf welcher Ebene ( privat , Regierung, Gemeinschaft )
       die Verantwortlichen auszuwählen sind , sowie die etwaigen Grenzen der
       geltenden internationalen Übereinkommen* zu beurteilen.
      Die Kommission beabsichtigt , zu diesem Zweck eine kleinere Sachver-
       ständigengruppe einzusetzen ( Techniker , Fachleute für Gesundheit ^ schütz
       und später Fachjuristen) , die Lösungen vorschlagen könnte . Die Konnis-
       sion müßte ferner über einen begrenzten Etat verfügen , der es ihr er­
       möglicht , im Vertragswege bestimmte Analysen durchführen zu lassen , die
       sich als notwendig erweisen sollten .
      Die Kommission hält diese Arbeiten für eine verläßliche Frf;änz_img der
      unter 2.2 . aufgeführten Arbeiten zur Suche nach einer generellen Losung
       des Problems der Lagerung und der Endbeseitigung radioaktiver Abfälle
      unter wahrung der Interessen der Umwelt und dor Bevölkerung, da es ihr
       logisch erscheint , derartige Arbeiten entsprechend der Entwicklung der
       technischen Probleme und in Koordinierung mit ihnen durch ;: l Jxren , da­
      mit sie auf einer realistischen Grundlage stehen und um zu vermeiden ,
       daß die Entwicklung der Kernenergie in der Gemeinschaft ns-.h Losung der
       technischen Probleme nicht durch einen fehlenden rechtlichen , admini­
       strativen und finanziellen Rahmen gebremst wird, in den sie sich ein­
       fügen muß .
      Kommunitäre Finanzierung ( 100 f )                       0,2 Mio RE über 5 Jahre .
*" Übereinkommen von Brüssel und Paris : Diese Übereinkommen regeln die
   Haftving gegenüber Dritten nur für einen sehr beschränkten Zeitraum nach
   einem Unfall .
 ---pagebreak---                                                 > 11 -          KOM(74) 2235 endg.-D
2 . 5 « Untersuchung der Lsitlinien zur Bewirtschaftung^ j?adioakt iver Abfälle
        Die vorstehend aufgeführten Arbeiten und Untersuchungen müßten es
        ermöglichen , erste Leitlinien für die Bewirt schaftung hochaktiver
        und/oder langlebiger Abfälle aufzustellen . Die Erstellung derartiger
        Kriterien wird von der Kommission zusammen mit einer Ad-hoc-Arbeits ­
        gruppe und in engem Kontakt mit der Internationalen Atomenergie-
        Organisation und der Kernenergie-Agentur der OECD vorbereitet .
    3 . Erforderliche Mittel
                                   Summe        1975                          i
                                ( Mio HS )    'Mio RE) Mio RE )     [ Mio RE)    (Mio RE )     ( Mio RE *
                                                                                                           1
                                                                                             -    1        1
                             l                                    I
         A. Ausgaben
            je Vertrag             18 , 4ο ι     2.40   5,00           5,60        3,90             2.50
                                           ι
         B. Personal- und
            Verwaltungs-
            ausgaben          |     0,76         0,12   0,13           0,15        0,17    !        0,19
                              I                                                            I ,
         Summe
                            ι
                              ;    19,16    | 2,52      5,13           4,75    | 4,07      : :
                                                                                                    2,6?!
                                                                                                           i
                            ΐ               I                                  ι
                                                                                                         . f
        Für diese Arbeiten sind vier Bedienstete notwendig.
 ---pagebreak---                                                                                          ΜΗΛΓΓσ  Α
                Voraussehet gun£ dor Erzeugung radioaktiver Abfäll q in der Europäischen                                             schalt
                                 (auf der Grundlage der neuen energiepolitischen Strategie)
             ta      |-  , r-i–- w (i ifir , ■ « i -   - ■■ um läi > n.«nw w . ■■■■»■■■ in ■
                                                                                                  1980                lc;90                      2000
                                                                                                               ι                            t
                         Volumen^'                                                            ^    350                2500                    ~  6000
 Hochaktive                                                  jährlich
 Abfâlle               !    (m3)                     !      kumuliert                         ~ 1500                 17000                    – 70000
 1 ) 2) 3)                                                                                                                                    ^ 1.1011 '
                         Aktivitât                           jährlich                         – 8.7.109           ^ 5.5.1010
                            ÏCi)                             kumul iert                        ~ 1.4 . 1010          1.1 . 1011               ^ 3.10
                                                                                                              I
                                                                                                  mehrere          > 100000                     mehrere
 Mittel- und
                         Voluraen                            jâhrlich
                                                                                                  10.000                                        100000
  schwachakt ive            (m3)                                                                                                                mehrere
 Abfälle 5)                                                  kumuliert                          > 100000         > 1.000.000
                                                                                                                                                Million 3n
                                                                                                                              -   I TB - -I
l ) Hiillen. Spaltprodukte und Aktiniden                                                                                                             . _
2) nur hei der ^iederaufarbeitungs Industrie                                                                .                   ....                   .
3) der Anteil der Aktiniden beträgt etwa 1 ^ de3 GesamtVolumens und 1 'J der Gesamtaktivität der hochakti /en
    Abfälle
4) behandelte (komprimierte oder verglaste) Abfålle
5 ) Kernreaktoren und VIiederaufarbeitungsanlagen
 ---pagebreak---             - 13 -             KOM(74) 2285 endg.-D
            ANHANG    B
Analysebogen der im Rahmen des
 Programms durchzuführenden
            Arbeiten
        ( Pro grammbo gen)
 ---pagebreak---                                      - 14 -              KOM(74) 2235 endg.-D
Fro grammbo een N r . 1
Mittelaktive Festabfälle : Untersuchung der Ummajite lung durch Kur^stharz e
Die aus der Aufarbeitung der radioaktiven Abwässer von Leistungsreaktoren
der Leichtwasser-Baulinie stammenden mittelaktiven Abfälle werden im Laufe
der nächsten Jahre , zumindest was das anfallende Volumen betrifft , den
Hauptanteil radioaktiver Abfälle stellen .
Diese Abwässer werden verdampft . . Das zurückbleibende Konzentrat wird zur
Zeit nahezu ausschließlich in Beton eingeschlossen . Das an sich zufrieden­
stellende Verfahren , das eine ausreichende Sicherheit bietet , weist in­
dessen mehrere Nachteile auf :
- die Herstellung homogener Blocks ist ein technologisch schwieriges
  Problem ,
- der Transport dieser Blocks erfordert Spezialeinrichtungen ( wie Transport­
   behälter ) , um die Verpackung an die Transportvorschriften anzupassen ,
- die Lagerung der Blocks erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen , um die
  Auswirkung brüsker Tempera tur Schwankungen zu vermeiden .
Durch die Bituminierung können diese Nachteile zwar ausgeglichen werden ,
doch macht die Verwendung dieses Materials wegen seiner Brennbarkeit andere
Vorsichtsmaßnahmen erforderlich .
Ein drittes Verfahren , das in den Vereinigten Staaten und in Europa ent-
wickel wird , besteht in einer Ummantelung durch Kunstharz . Die damit ge­
machten Erfahrungen sind zumindest in Europa noch nicht über das Versuchs­
stadium mit sehr schwachaktiven Abfällen hinaus gediehen . Ein wichtiger
Vorteil dieses Verfahrens ist ein im Vergleich zum Betonieren bedeutend
geringeres Volumen , was sich auf den Transport und die notwendigen Flächen
für die Zwischen- und Endlagerung sehr vorteilhaft auswirkt .
 ---pagebreak---                                     - 15 -                KOM(74) 2285 endg.-D
Es wird vorgeschlagen , eine Pilotanlage zu entwickeln , die mittelaktive
Abfälle aufarbeiten kann . Der Bau einer derartigen Pilotanlage am Stand­
ort von Leistungsreaktoren wäre vermutlich schwierig und nur schlecht mit
der Behandlung der Reaktorabfälle zu vereinbaren , es sei denn , es würden
große Lagerkapazitäten gebaut . Es wird daher vorgeschlagen , diese Pilot-
anlagen neben den Kläranlagen von Niederaufarbeitungsanlagen für bestrahlte
Brennstoffe zu bauen , falls die jeweiligen Eigenschaften der Abfälle dies
ermöglichen .
Programm
- Bau einer Pilotanlage zur Ummantelung mittelaktiver Abwässer mit •
  Kunstharzen neben einer Fi e deraufarbe itungsanl age für bestrahlte
  Brennstoffe .
- Betrieb dieser Versuchsanlage .
- Vergleich des Verfahrens mit den anderen bestehenden Verfahren .
B^eiiynin£jler Gemeinschaft :     0,5 Mio HE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                              - 16 -                 K0ïï(74 ) 2285 endg.-D
Programmbogen Nr . 2
Hochakt ive _F e s tabjrall e ; __Dekontam in i erurtg und Konditioni erung von Hi&len
best rah lt er Brennele mente
Die nach der Bestrahlung aus den Leichtwasserreaktoren entladenen Brenn-
elementhüllen stehen hinsichtlich der Gesamtradioaktivität der Abfälle an
zweiter Stelle . Sie weisen eine sehr hohe spezifische Aktivität und einen
hohen Gehalt an Transuranen auf , weshalb sie unter die hochaktiven Abfälle
eingestuft werden .
Die gegenwärtige Lösung einer Unterwasser-Lagerung in Betonsilos am
Standort der " iederaufarbeitungsanlage ist langfristig nicht befriedigend .
Demnach wäre ein Verfahren zur Dekontaminierung und zur Konditionierung von
Hüllen zu entwickeln , das eine langfristige Lagerung ermöglicht .
Programm
- Übersicht über die verschiedenen Hüllenarten .
- Physikalische und chemische Eigenschaften der Hüllen .
- Vergleichende Untersuchung der Dekontaminationsverfahren .
- Entwicklung eines Verfahrens zur Konditionierung dieser Hüllen ,
  mit dessen Hilfe eine langfristige Lösung möglich ist ? Berück­
  sichtigung der Möglichkeit einer Zirkonium-Rezyklierung.
- Vergleichende Untersuchung der Umwandlungsrisiken und Kosten der
  einzelnen Verfahren .
Beteiligung der Gemeinschaft :           0,8 Mio RE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                     - 17 -               KOM(74) 2285 endg.-D
Pro^ammbogen Mr . 3
Hochaktive Festabfälle ; E inschließung der ka^zijiierjeji _5pai tprodukt e
in einer M etallmatr ix
Die Aufarbeitung bestrahlter Brennstoffe ermöglicht es , das ungespaltene
Uran und. das Plutonium im Hinblick auf eine spätere Verwendung zurückzu­
gewinnen . Bei diesen Arbeiten werden die Spaltprodukte in Form Von
flüssigen Abfällen sehr hoher Aktivität abgetrennt , die nach der Konzen­
tration durch Verdampfung am Standort der "erke in Behältern gelagert
werden .
Diese kurzfristig vollständig zufriedenstellende Lösung wirft langfristige
Probleme auf , da es wegen der Korrosionsgefahr notwendig wäre , diese Be­
hälter regelmäßig auszutauschen . Außerdem kann die Lagerung über sehr lange
Zeiträume hinweg nicht immer am Standort deB Werks durchgeführt werden , so
daß ein Transport notwendig wird , der unter besseren Bedingungen erfolgt ,
wenn die Produkte in fester Form vorliegen . Daher müssen für den Transport
und die Lagerung geeignete Verfestigungs- und Einschließungsverfahren in
Matrices verfügbar sein , um im Laufe des nächsten Jahrzehnts       -d.h . zu einer
Zeit , in der sich die ^iederaufarbeitungsindustrie in ihrer Hauptwachstums-
phase befindet -   in großem Umfang in Europa eingesetzt zu werden .
Das einzige in Europa bisher von der Labor- bis zur Pilotreife entwickelte
Verfahren ist die Verglasung, die ein hohes Maß an Sicherheit bietet , je­
doch zxrei Nachteile aufweist :
- Glas ist ein Werkstoff mit einer schlechten Wärmeleitfähigkeit , wodurch
  die Lagerarbeiten erschwert werden ;
- Glas ist ein Werkstoff , der ziemlich schwer zu handhaben wäre , wenn es
  sich in einigen Jahren als notwendig erweisen sollte , die konditionierten
  Produkte beispielsweise zur Abtrennung der Transurane aufzuarbeiten .
Außerdem besteht eine gewisse Unsicherheit bezüglich des Langzeitverhaltens
verglaster Produkte .
 ---pagebreak---                                       - 18 -             KOM(74) 2285 endg.-D
  Es wird vorgeschlagen , innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ein anderes
  Verfahren zu entwickeln , das darin besteht , die kalzinierten Spaltprodukte
                                 \
  oder die bei der Verglasung anfallenden Glaskugeln mit Metall zu ummanteln .
1 Mit diesem Verfahren können die obenerwähnten Kachteile allem Anschein nach
  ausgeglichen werden . Das Verfahren wurde im Laborstadium von der Firma
  Eurochemic untersucht , die Patente hierüber angemeldet hat . Die Versuche
  sind indessen nicht weiter als bis zur inaktiven Phase gediehen , und die
  Einstellung der Fiederaufarbeitungstätigkeit der Firma hat die Aufgabe
  der von ihr finanzierten ergänzenden Forschungsarbeiten zur Folge .
  Die von der Kommission in diesem Bereich durchzuführenden Arbeiten müßten
  in einer Wiederaufarbeitungsanlage ausgeführt werden , die über konzentrier­
  te Spaltprodukte verfügt . Die von Eurochemic geleisteten Vorarbeiten schei­
  nen für eine Fortsetzung der Untersuchung am Standort dieser Firma zu'
  sprechen .
  Programm
  Die Kommission wird ersucht , einen Vertrag mit Eurochemic zu schließen ,
  um die Untersuchung dieses Verfahrens mit aktiven Abfällen sicherzustellen .
  Das Programm würde folgende Punkte umfassen:
  - Vorstudien an aktiven Abfällen in heißen Zellen }
  - Bau einer kleinen Pilotanlage für aktive Abfälle ;
  - Betrieb dieser Pilotanlage über etwa zwei Jahre .
                                                             1
  Beteiligung der Gemeinschaft :   2,7 Mio HE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                        - 19 -               K0ïï(74) 2235 endg.-D
 Programmbogen Ur . 4
Plutoniixnikontaminierte feste Brennst off e ; Vera schungsvcrfahren
Plutoniumhalt ige Festabfälle fallen in einigen Kernbrennstoffwerken und
"bei dem "Tail- enrV'-Verfahren der '-'iederaufarbeitungsanlagen in verhältnis­
mäßig großen Mengen an . Sie bestehen meist aus Papier , Filtern , Handschuhen ,
Ölen und einer Reihe weiterer , in den Alpha-Zellen verwendeter Materialien.
Zur Zeit werden diese Abfälle komprimiert und verpackt bzw . komprimiert und
mit Bitumen bzw . Beton ummantelt . Die konditionierten Stoffe werden auf
Lagerplätzen oder unter Tage gelagert oder im Rahmen der durch die SiEA orga­
nisierten Aktionen ins Meer verklappt .
Langfristig befriedigt diese Lösimg aus folgenden Gründen nicht :
- das Volumen ist unnötig groß ,
- die Konditionierung ist ziemlich rudimentär , wodurch die Lager- lind
   Verklappungrmögl ichkeiten begrenzt werden ,
- die .Möglichkeiten einer Rückgewinnung sind zu begrenzt .
Aus diesem Grund sind besondere Bemühungen notwendig:
l ) für eine bessere Konditionierung der schwach kontaminierten Abfalle
    im Hinblick auf eine s tarke Volumensreduktion und bessere Sndlagernngs-
    bzw . Verklappungsmö gl ichkeiten im Meer;
                                                                               /
2) für eine maximale Plutonitun-Rückgewinnung.
Da3 Programm sieht die Entwicklung einer Hochtemperaturanlage (Minimum
1400°C ) zur Vera-schung plutoniumkontaminierter Abfälle vor , die mit einer
sicheren Vorrichtung zur Gasreinigung ausgestattet sind.
 ---pagebreak---                                     - 20 -               KOM(74) 2205 cndg.-D
Die industrielle Erfahrung mit Höchsttemperaturöfen weist zwei wichtige
Vorteile auf :
a) die gut abgekühlten Verbrennungsgase sind leicht filtrierbar ,
    da sie nahezu keine unver"brannt cn Bestandteile enthalten !
b) die in geschmolzener Form gesammelten Aschen sind bereits konditioniert
  ■ für die Endlagerung oder Verklappung,
Dieses Programm entspricht hauptsächlich Ziel l ) und kann auch den Aus­
gangspunkt für die Verwirklichung von Ziel 2) darstellen.
Programm                                                         .     '    . '
- eine Phase Planung und Bau der Pilotanlage ?
- eine Phase Forschung und Versuchsbetrieb der Anlagej
- eine Phase technisch-wirtschaftliche Vergleichsstudien mit anderen
   Verbrennungsöfen . Daneben wären sie auch mit Naßverfahren zur Be­
   handlung plutoniumhaltiger Abfälle zu vergleichen;
- Vorversuche zur Rückgewinnung des in der Asche enthaltenen Plutoniums .
Beteiligung der Gemeinschaft i   1»5 Mio HE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                       - 21 -               K0M(74) 2285 endg.-D
Programmbo^en Nr . ?
Prüfling und Vergl eich der Ei^en schaft en der für die B indung hochaktiver
Abfäll e _in_ fe st er Form in Betracht^ kommenden Materialien
Mehrere Länder der Gemeinschaft arbeiten an Programmen zur langfristigen
Bindung hochaktiver Abfalle ( Spaltprodukte ) in Glas oder ähnlichen Merk-
stoffen . Diese Arbeit macht die Beurteilung der voraussichtlichen
physikalisch-chemischen Beständigkeit auf sehr lange Sicht erforderlich .
Die Beurteilung ist nur mit Verfahren möglich , die " beschleunigte" Terrts
anwenden . Diese Verfahren sind schwierig und kostspielig. Eine gewicse
Zusammenfassung der Erfahrungen einer begrenzten Zahl von Laboratorien
würde Überschneidungen vermeiden helfen und wirklich vergleichbare Er­
gebnisse ermöglichen .
Programm
1.    Die Entwicklung einer gemeinsamen Vorrichtung zur Messung:
    . - des Auslaugungsgrades der Spaltproduktc und der Aktiniden ?
      - des Verflüchtigungsgrades der Spaltprodukte und der Aktiniden
        bei einer Feststoffphasenlagerung.
2.    Eine Gemeinschaftsstudie des Einflusses :
      - der Temperatur ,
      - des Temperaturgefailes ,
      - der Temperaturschwankungen ,
      - der (Keutronon , Alpha , Beta , Gamma) Strahlungan ,
      - der Strahlungen und der Temperatur auf die Bindungswerkstoffa
        ( Matrices).                                 '                       '
Be teiligung der Gemeinschaft :     0,3 Mio ES über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                      - 22 -              K0M(74) 2235 endg.-D
Progranrntogen lir . 6
La^erunfe; verfe stij^srradioaktivar Abfal le in jgeeigneten Bauwcrken
( engineered storage )
Sofort nach der Konditionierung in einer geeigneten festen Form werden
die hochaktiven Abfälle den Sachverständigem zufolge mehrere Jahrzehnte
lang in Spezialkonstruktionen , sogenannten " engineered storage" am Stand­
ort der K'iederaufarbeitungsanlagen , in der die Abfälle* anfallen , gelagert .
Dadurch wird ihre teilweise Abkühlung durch radioaktiven Zerfall möglich
und die späteren Arbeitsgänge der Handhabung, des Transports zu den End-
lagerplätzen und die Beseitigung vereinfacht .
Diese Konstruktionen müssen die Isolierung der gelagerten Abfälle über
den Bezugs Zeitraum hinweg sicherstellen , die radioaktive Zerfal ] R.Tärae
dieser Produkte     abführen und ihre Rückgewinnung im Hinblick PUT .Lre
Beseitigung ermöglichen» Sie sollen mit einem Minimum an Überwachung ein
Maxiraum an Zuverlässigkeit bieten .
In einigen Mitgliedstaaten und bei der Kommission laufen Konzept- oder
                                 .        ...       /
Vorstudien zur . Bewertung der einzelnen Lösungen Linzel-, Kodulnr-- o.ler
Kollektivstrukturen für die Aufnahme der Behälter , Luft- oder Kusserl-rühlung
usw. ) .
Das nachstehend vorgeschlagene Programm müßte es ermöglichen , Informationen
über die in den einzelnen Ländern laufenden Arbeiten auszutauschen -und die
Phase der Lagerung (" engineered storage") optimal in die versclu edenon Ver­
fahren der Behandlung radioaktiver Abfälle zu integrieren und würde zugleich
die notwendigen Grundlagen für die Definition von Gemeinschaftskrx terien
für diese Anlagen schaffen .               '  .
* Die jährliche Erzeugung verfestigter Abfälle ist gering und liegt
   in der Größenordnung von 30 m^ für ein T-'erk mit einem Durchsatz von
   500 jato .
 ---pagebreak---                                     23 -                KOM(74) 2285 endg.-D
Programm
- Vergleich der durchgeführten oder laufenden Konzept studien in den
  Mitgliedstaaten , bei der Kommission oder außerhalb der Gemeinschaft .
  Fichtige Schlußfolgerungen .
                                     V          .
- Untersuchung dor verschiedenen Strategien über die zeitliche Einbeziehung
  der Phase " engineered storage" in die Reihe der Verfahren , die mit der
  Erzeugung flüssiger hochaktiver Abfälle in den Wiederaufbearbeitungsan-
  lagen beginnt und mit der Endlag^rung in geologischen Formationen endet .
- Empfehlungen .
Beteiligung der Gemeinschaft :  0,2 Mio EE über 5 Jahre .                '
 ---pagebreak---                                      - 24 -              KOM(74) 2235 endg.-D
Programmbo gen ITr . 7
Sne' ljV^eron£jier r^di<wkt iv©\ AbfålJLe in ^eolo^iochpn Format ionen
1.    Die Sachverständigen sind praktisch einstimmig der Auffassung , daß
die Endlagerung hochaktiver Abfälle in geeigneten geologischen Strukturen
erfolgen muß . Einige geologische Strukturen scheinen a priori die notwen­
digen Voraussetzungen für die Realisation derartiger Lager zu bieten .
Zu erwähnen sind :
- Salzformationen
- Granité
- Basalte
- Tone .
Selbstverständlich eignen sich hierfür nicht alle geologischen Strukturen
dieser Formationen . Sie müssen auch einer Reihe von Kriterien , wie dem
einer ausreichenden Festigkeit der die Formationen isolierenden undurch­
lässigen Schichten , der Festigkeit der Struktur gegen Hohlraumbildung usw .
gerecht werden .
Außerdem sind die vorliegenden Daten nicht ausreichend und befinden sich ,
was die einzelnen geologischen Strukturen angeht , nicht auf dem gleichen
Stand . Ein letzter Punkt ist darin zu sehen , daß in einem Ilitgliedstaat
der Gemeinschaft bereits ein Lager bestellt und daß es interessant v.Täre ,
aus den mit ihm gemachten Erfahrungen zu lernen .
2.    Es wäre daher angebracht :
- zunächst die in den Mitgliedctaaten der Gemeinschaft bestehenden Forma­
   tionen zu erfassen , die für eine Lagerung geeignet sein könnten ,
- unter diesen Lagern und unter Berücksichtigung der anderen Faktoren und
   innbesondere der wirtschaftlich-sozialen Gegebenheiten die Zahl und die
   Art der geeignetsten Standorte zu bestimmen ,
- zu bestimmen , ob derartige Standorte in ein bis zwei Jahrzehnten unter
   normalen Bedingungen verwendet werden können oder ob man sich über einen
   relativ langen Zeitraum ( 50 bis 100 Jahre ) mit provisorischen Lagerplätzen
   begnügen muß ,
- die Lagerbedingungen und die Möglichkeit einer Rückholung der Abfälle
   zu untersuchen , die an derartigen Standorten gelagert werden .
 ---pagebreak---                                     - 25-               K0M(74) 2235 endg.-D
Nur durch eine konkrete Untersuchung bestimmter geologischer Stukturen
und ihre mehrjährige experimentelle Überprüfung scheint die Erreichung
dieser Ziele möglich zu sein . Außerdem könnte durch eine gemeinsame Unter­
suchung vermieden werden , daß jeder Mitgliedstaat schon jetzt die Unter­
suchung und die Realisation dieser Lager in Angriff nehmen muß . Sie könnte
gegebenenfalls sogar einen ersten Schritt zur Schaffung gemeinschaftlicher
Standorte sein , und zwar insbesondere einen versuchsweisen Austausch von
Abfällen zwischen den Ländern , in denen sich diese Demonstrationslager
befinden .
3«   Es wird eine Gemeinschaftsaktion " Endlagerung radioaktiver Abfälle in
geologischen Formationen" vorgeschlagen , die zum Teil von der Gemeinschaft
finanziert wird und unter der Ägide der Kommission von einem Ad-hoc-
Ausschuß verwaltet wird , der dem in der Einführung erwähnten Programmaus-
schuß untersteht .
Programm
- Erstellung eines Verzeichnisses ( oder einer Karte ) der auf den Hoheits­
   gebieten der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft gelegenen geologischen
   Formationen , die sich für eine Endlagerung eignen , durch Fachorganisatio-
   nen der Gemeinschaft . Diese Arbeiten könnten auf einer von Euratom zwischen
   1963 und 1963 durchgeführten kartographischen Studie aufbauen .
- Durchführung von Voruntersuchungen der gewählten Standorte unter Berück­
   sichtigung des unterschiedlichen Kenntnisstandes und mit Hilfe der vor­
   stehenden Untersuchung in möglichst verschiedenartigen geologischen For­
   mationen , die mit Billigung der zuständigen nationalen Behörden als
   Standort für ein Versuchslager verwendet werden könnten. Diese Unter­
   suchungen sollten sich gegebenenfalls dazu eignen , dem für die Gewäh­
   rung der erforderlichen Genehmigungen notwendigen Sicherheitsbericht bei­
   gefügt zu worden .
- Einrichtung der Standorte auf der Grundlage der Untersuchungen . Die
   Standorte sollen von Anfang an so ausgelegt werden , als ob die Lagerung
   endgültig wäre , sollten aber die Möglichkeit bieten , die Abfälle über
   einen gewissen Zeitraum hinweg zurückzuholen . Sie werden technisch    - unter
   der Ägide der Kommission -   von einem Ad-hoc-Ausschuß verwaltet , der dem in
   der Einführung genannten Pro grammaus schuß untersteht . Die Verantwortung
   für die Versuchszone verbliebe in dieser Phase bei den betreffenden Staaten .
 ---pagebreak---                                        26              " XOîl(74> 2285 encLgr-D
- Die in den Mit gl ledstaaten bestehenden Standorte könnten auf Wunsch der
  Rejierungen an diesem Projekt "beteiligt werden ,
- Diese Real isationerr.verfo Igen im wesentlichen das-Ziel« -eine- mit einem
  ständigen Austausch der Kenntnisse verknüpfte und allen Mitgliedstaaten
  zugute kommende praktische Erfahrung zu gewinnen , die technischen und
  wirtschaftlichen Vorausset zungen derartiger Lager festzulegen und die er­
  forderlichen geologischen Kenntnisse zu vertiefen . Sie würden es schließ­
  lich einfacher machen , die Zustimmung der öffentlichen Meinung zur End-,
  lagerung der Abfälle in geologischen Formationen zu erreichen .
  Beteiligung der Gemeinschafts     12 Mio HE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                     - 27 -             K0M(74 ) 2285 endg.-D
Programmbogen Nr . 8    -                                            ■
Lagerung ganförmiger Abfäll e               ■ - ■
Die in den Kernanlagen erzeugten gasförmigen Abfälle werden zum großen Teil
an die Luft abgegeben , wo sie sich verdünnen und durch radioaktiven Zerfall
rasch verschwinden . Die Halbwertszeit und die erzeugte Menge von Krypton 85
und Tritium zeigt , daß verhältnismäßig bald eine Aktion eingeleitet werden
sollte , um die Einwirkung dieser Elemente auf die Umwelt zu verringern .
Es sind daher Verfahren zu entwickeln , mit denen Krypton und Tritium zurück­
gehalten und isoliert und in einer für die Sicherheit der Umwelt zufrieden­
stellenden Art und Weise langfristig gelagert werden können . Zu diesem Zweck
ist ein Verfahren zur Einschließung der Gasblasen in den Poren gasdichter
fester Matrices zu untersuchen , um schließlich die in fester Form zu lagern­
den Produkte zu erhalten. Die Sicherheit einer derartigen Technologie is-!;
mit der einer landgebundenen oder marinen Lagerung in Druckbehältern zu ver­
gleichen .
Diese Untersuchungen sind bei Tritium durch Arbeiten über die Rückgewinnung
von Tritium aus tritiumhalt igem wa3ser zu ergänzen , da dieses Gas zur Zeit
von den Kernanlägen entweder zusammen mit den anderen gasförmigen Abfällen
oder  - zum größten Teil -    gelöst in Abwässern abgeleitet wird.
Programm
- Untersuchung eines Verfahrens zur Abtrennung von Kryprton 85 und
  von Tritium von anderen gasförmigen Abfällen .
- Untersuchung der Rückgewinnung de3 gelösten Tritiums aus Abwässern .
- Entwicklung und Bewertung eines Verfahrens zur Einschließung von
  Krypton 85 und von Tritium in einer festen Matrix*
- Vergleichende Untersuchung und Bewertung der Umweltrisiken :
                   - der Lagerung in festen Matrices
                   - der landgebundenen Lagerung in Druckbehältern
                   - der marinen Verklappung in Druckbehältern .
Beteiligung der Gemeinschaft :   0,2 Mio RE über 5 Jahre .
 ---pagebreak---                                                         1
                                     - 28 -                 KOM(74 ) 2285 endg. -D
Proprammbo /ren Nr « 9
Abtrennung und Rückführung langlebiger Abfälle ( Alctinide )
Die von der Kernindustrie erzeugten radioaktiven Abfälle bestehen aus Spalt-
produkten , Aktiniden* und Aktivierungsprodukten . Nur die Aktiniden werfen
 infolge ihrer sehr langen Halbwertszeiten das Problem ihrer Isolierung von
der menschlichen Umwelt über Jahrmillionen auf .
Das Problem der Abfall beseitigung würde demzufolge vereinfacht , wenn die
Aktiniden von den anderen Abfällen abgetrennt und durch Bestrahlung zer­
stört , d.h . nach einer Umwandlung in Zusatzbrennstoff für Kernkraftwerke
in Produkte mit kurzer Halbwertszeit oder inaktive Produkte verwandelt wer­
den könnten .
Eine derartige Strategie setzt voraus :
a) Forschungen im Bereich der Kernchemie zur Entwicklung eines Trennverfah-
    rens , das praktisch hundertprozentig zwischen Aktiniden einerseits und
    Uran aowie Spaltprodukten andererseits unterscheidet , wobei sicherzu­
    stellen ist , daß sich der Gesamtanfall an Abfall Stoffen nicht nennenswert
    erhöht .
b) Forschungen über die Herstellverfahren von Aktiniden-Brennelementen .
c ) Forschungen auf dem Gebiet der Reaktorphysik , um den Stand unserer
    Kenntnisse über die reaktorinterne Zerstörung dieser Erzeugnisse* zu
    verbessern und eine bessere Prognose hinsichtlich der potentiellen Zu­
    nahme dieser Isotope in verschiedenen Reaktoren zu ermöglichen .
Die. Kommission und die nationalen Sachverständigen empfehlen daher :
- die Bemühungen der verschiedenen Organisationen der Gemeinschaft .ein­
   schließlich der der Kommissionslaboratorisn , die im Rahmen des Mehrjahres-
   Forschungsprogramms der GFS auf dem Gebiet der chemischen Trennung und
   der Umwandlung arbeiten , zusammenzufassen ;
- die technischen Auflagen einer derartigen Strategie und ihrer Erfolgs­
   möglichkeiten eingehend zu prüfen und im einzelnen festzustellen , inwie­
   weit diese   - falls sie tatsächlich erfolgversprechend ist -      einen lang­
   fristigen Schutz der Biosphäre ermöglichen würden .
*   Isotope von Thorium , Protactinium , Uran , Neptunium ,
    Plutonium , Americium und Curium .
 ---pagebreak---                                     - 29 -              KCM(74) 2285 endg»~D
Diese Bowerlruzujen erfordern indessen die Kenntnis einer Reihe noch fehlender
Daten . Die hier vorgeschlagene Untersuchung einer Strategie muß sich daher
auf ein Versuchsprogranra abstützen , das sich in dieser Phare auf die Haupt­
punkte beschränkt . Das nachstehende Programm wird all diesen Anliegen ge­
recht .
Programm
- Bewertung der verschiedenen technischen Möglichkeiten zur Abtrennung
  der Aktiniden .
- Bestimmung der Menge der in den verschiedenen Reaktortypen erzeugten
  Aktiniden nach den einzelnen Bewirtschaftungsverfahren .
- Auswahl der notwendigen Voraussetzungen für die Vernichtung der zurück­
  geführten Aktiniden im Reaktor *
- Analyse der potentiellen Risiken der in den Abfällen enthaltenen Aktinide
  Vinter Verwendung der Hetzplantechnik .
- Ausarbeitung von Kriterien über das Niveau , auf das die Kontamination
  durch Plutonium vor der Lagerung zu reduaieren ist .
- Vergleich zwischen den Risiken einer Abtrennung der Aktiniden und dem
  potentiellen Gewinn .
Beteiligung der Gemeinschaft ?   0,76 Mio RS über fünf Jahre .
 ---pagebreak---                                          - 30 -                K0M(74) 2285 endg.-D
--VORSCHLAG FÜR EUTIN BESCHLUSS DES RATES UBER EILT PROGRAMM ZUR BEWIRT­
  SCHAFTUNG UND LAGERUNG RADIOAKTIVER ABFÄLLE IM RAHMEST DES AKTIONSPRO-
  GRAMMS DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN FÜR DM UMWELTSCHUTZ
  Der Rat der Europäischen Gemeinschaften -
  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft ,
  insbesondere auf Artikel 7 »
  auf Vorschlag der Kommission , die den Ausschuß für Wissenschaft und Technik
  angehört hat ,
  nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments ,
  nach Stellungnahme des l'Iirtschafts- und Cczialausschusses ,
  in Erwägung nachstehender Gründe :
  Das vom Rat der Europäischen Gemeinschaften und von den Vertretern der im
  Rat vereinigten Regierungen der Mitgliedstaaten in seiner Erklärung vom
  22 . November 1973* gebilligte Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaften
  für den Umweltschutz betont die Notwendigkeit einer Gemeinschaftsaktion auf
  dem Gebiet der Bewirtschaftung und Lagerung radioaktiver Abfälle und sieht
  den Inhalt und die Durchführungsbestimmungen dieser Aktion vor .
  Die Kernenergie ist dazu berufen , in naher Zukunft       - neben den traditionel­
  len Energieträgem -        eine der wichtigsten Energieversorgungsquellen zu werden ;
  ihre besondere Natur macht eine ständige Überwachung ihrer potentiellen Aus­
  wirkungen sowie eine Verstärkung von Aktionen und Forschungen zum Schutze der
  Umwelt** notwendig.
 Die Entwicklung der Kernenergie hat unweigerlich die Erzeugung radioaktiver
  Abfälle zur Folge . Es ist daher unbedingt notwendig, über wirksame Lösungen
  zu verfügen , durch die die Sicherheit und der Schutz der Bevölkerung und der
  Umwelt gegen die mit der Behandlung der Abfälle verbundenen Risiken gewähr­
  leistet werden kann .
   * ABl . C 112 vom 20.12.1973 » Kapitel 7 Abschnitt 2 .
  ** AB1 . Nr.      vom              R/299 6/74 (ETV 137/ENER 43 ), Tagung
      des Rats vom 1 . 11 . 1974 »
 ---pagebreak---                                    - 31 -               K0M(74) 2285 endg.-D
BESCHLIESSTî
                                   Artikel 1
Mit Wirkung vom 1 . Januar 1975 wird für die Dauer von fünf Jahren ein
Umweltprograrnm über die Bewirtschaftung und Lagerung radioaktiver Abfälle
aufgestellt , wie es in den Anhängen I und II festgelegt ist . Diese Anhänge
sind Bestandteil des vorliegenden Beschlusses .
                                   Artikel 2
Der Höchstbetrag der Mittelbindungen und der erforderliche Personalbestand
zur Durchführung dieses Programms wird auf 19 » 16 Millionen Rechnungseinhei-
ten bzw. auf vier Bedienstete festgelegt , wobei die Rechnungseinheit gemäß
Artikel 10 der Haushaltsordnung vom 25 . April 1973 für den Gesamthaushalts-
plan der Europäischen Gemeinschaften definiert wird.
                                   Artikel 3
Das in den Anhängen I und II festgelegte Programm wird zu Ende des zweiten
Jahres nach geeigneten Verfahren überprüft .
                              Geschehen zu Brüssel
                              Im Namen des Rates
                                                                       /
                                 Der Präsident
 ---pagebreak---                                            - 32 -                    KOM(74) 2235 endg.-D
AtTHMG I
UI.r-'ELTS CHTJTZAKTI GK . BEtJIRTSCHAFTUITG PJ3I OAKTTA'ÏÏ'R, J13FALL3
Für dieses Protamin wird ein Höchstbetrag von 19 » 16 Mi] J.ionen Rechnungsein-
heiten bereitgestellt und der Personalbestand auf vier Bedienstete festge­
legt .
Das Programm bezweckt ein geraeinsames Vorgehen bei der Bevrirt sc-haftung der
von der Kemindustrie erzeugten radioaktiven Abfälle bei gleichzeitiger
Gewährleistung des bestmöglichen Schutzes der Bevölkerung und der Umwelt .
Um es der Kommission zu ermöglichen , geeignete Vorschläge möglichst bald
vorzulegen , sieht das Programm folgendes vor :
A.    Arbeiten zur Lösung bestimmter technologischer Probleme ^, die bei der
      Bewirtschaftung, der Lagerung und der Endlagerung radioaktiver Abfälle
      anfallen .
      Behandlung:
      - Mittelaktive feste Abfälle ; Untersuchung der Ummantelung durch
         Kunstharze ;                                              .                *
      - Hochaktive feste Abfälle : De'rontaminierung und Konditionierung von
         Hüllen bestrahlter Brennelemente ;
      - Hochaktive feste Abfälle ? Einschließung der kalzinierten Spaltprodukte
         in einer metallischen Matrix;
         Plutoniumkontaminierte feste Brennstoffe : Veraschungsverfahren .
      - Prüfung und Vergleich der Eigenschaften der für die Bindung hoch-
         aktiver Abfälle in fester Form in Betracht kommenden Materialien .
       Lagenmg und Endlagerurg:
      - Lagerung verfestigter radioaktiver Abfålle in konstruierten Lager-
         anlagen ( engineored storage ),
      - Endlagerung radioaktiver Abfelle in geologischen Formationen,
      - Lagerung gasförmiger Abfälle .
 ---pagebreak---                                       - 33 -                K0M(74) 2285 endg.-D
   Untersuchung1 ein es Mode l 1 s für e in e fortgeschrittene Bewirtsjcha ftung
   - Abtrennung und Rückführung von Abfällen mit langer Halbwertszeit
      (Aktiniden ).
B. Arbeiten zur Definition eines allgemeinen ( rechtlichen , administrativen
   und finanziellen ) Rehmens für die Aktionen der Lagerung und der Endbe-
   seitigung radioaktiver Abfälle :
   - Bestandsaufnahme der durch die Bewirtschaftung radioaktiver Abfälle
      aufgeworfenen Probleme , für die im Rahmen der gegenwärtigen inter­
      nationalen rechtlichen , administrativen und finanziellen Strukturen
      keine Lösung gefunden wurde .
   - Untersuchung der Leitlinien zur Bev;irt schaftung radioaktiver Abfälle .
   AÎTHAÎTG II
   TABELLE ÜBER DIE HQCH5TBETMCE DER MITTELBLADUNGEN ( UND DEN PERSONALBESTAND )
                                         Mittelbindung       Personalbestand
            Programm                  ( in Millionen R3 )
            Bewirt schaf'tung
            radioaktiver Abfälle              19,16