CELEX: 62002TJ0210
Language: de
Date: 2006-09-13 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite erweiterte Kammer) vom 13. September 2006. # British Aggregates Association gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Staatliche Beihilfen - Umweltabgabe auf Granulate im Vereinigten Königreich - Entscheidung der Kommission, keine Einwände zu erheben - Nichtigkeitsklage - Zulässigkeit - Individuell betroffene Person - Selektivität - Begründungspflicht - Sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung. # Rechtssache T-210/02.

Rechtssache T-210/02
      British Aggregates Association
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Staatliche Beihilfen – Umweltabgabe auf Granulate im Vereinigten Königreich – Entscheidung der Kommission, keine Einwände zu erheben – Nichtigkeitsklage – Zulässigkeit – Individuell betroffene Person – Selektiver Charakter – Begründungspflicht – Sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung“
      Urteil des Gerichts (Zweite erweiterte Kammer) vom 13. September 2006 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen
      (Artikel 88 Absatz 2 EG und 230 Absatz 4 EG)
      2.     Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen
      (Artikel 88 Absätze 2 und 3 EG und 230 Absätze 2 und 4 EG)
      3.     Staatliche Beihilfen – Begriff – Selektiver Charakter der Maßnahme
      (Artikel 87 Absatz 1 EG)
      4.     Staatliche Beihilfen – Begriff
      (Artikel 6 EG, 87 Absatz 1 EG und 88 Absätze 2 und 3 EG)
      5.     Staatliche Beihilfen – Begriff
      (Artikel 87 Absatz 1 EG)
      6.     Staatliche Beihilfen – Entscheidung der Kommission, im Anschluss an die Vorprüfungsphase keine Einwände gegen eine sektorielle
            Ökoabgabe zu erheben
      (Artikel 88 Absätze 2 und 3 EG und 253 EG)
      7.     Staatliche Beihilfen – Begriff – Selektiver Charakter der Maßnahme
      (Artikel 87 Absatz 1 EG und 91 EG)
      8.     Staatliche Beihilfen – Prüfung durch die Kommission – Vorprüfungsphase und kontradiktorische Phase
      (Artikel 88 Absätze 2 und 3 EG; Verordnung Nr. 659/1999 des Rates, Artikel 4 Absatz 4 und 13 Absatz 1)
      9.     Staatliche Beihilfen – Verwaltungsverfahren – Verpflichtungen der Kommission – Sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung der
            Beschwerden
      (Artikel 88 Absatz 3 EG)
      1.     Der Umstand, dass ein Unternehmensverband bei der Kommission eine Beschwerde gegen eine angebliche staatliche Beihilfe eingereicht
         und den Wunsch einer Teilnahme am Verfahren als Beteiligter im Sinne des Artikels 88 Absatz 2 EG geäußert hat, reicht nicht,
         um ihm als solchem Klagebefugnis zu verleihen, aufgrund deren er eine Nichtigkeitsklage gegen die angefochtene Entscheidung,
         das förmliche Prüfverfahren nicht einzuleiten, einreichen könnte. Insbesondere kann dieser Verband nicht aufgrund des Umstands,
         dass die betreffende Beschwerde zusammen mit anderen die Kommission zur Prüfung der staatlichen Maßnahme in der angefochtenen
         Entscheidung veranlasst hat, mit einem Verhandlungsführer gleichgestellt werden, dessen Position von dieser Entscheidung beeinträchtigt
         worden wäre.
      
      (vgl. Randnr. 46)
      2.     Im Rahmen des in Artikel 88 EG vorgesehenen Verfahrens zur Prüfung der staatlichen Beihilfen ist zu unterscheiden zwischen
         der Vorprüfungsphase nach Artikel 88 Absatz 3 EG, die nur dazu dient, der Kommission eine erste Meinungsbildung über die teilweise
         oder völlige Vereinbarkeit der fraglichen Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt zu ermöglichen, und der in Artikel 88 Absatz
         2 EG geregelten Prüfungsphase. Nur in dieser Phase, die es der Kommission ermöglichen soll, sich umfassende Kenntnis von allen
         Gesichtspunkten des Falles zu verschaffen, sieht der EG-Vertrag die Verpflichtung der Kommission vor, den Beteiligten Gelegenheit
         zur Äußerung zu geben.
      
      Stellt die Kommission, ohne das förmliche Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG einzuleiten, durch eine Entscheidung auf
         der Grundlage des Artikels 88 Absatz 3 EG fest, dass eine Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist, so können diejenigen,
         denen entsprechende Verfahrensgarantien zugutekommen, deren Beachtung nur durchsetzen, wenn sie die Möglichkeit haben, diese
         Entscheidung vor dem Gemeinschaftsrichter anzufechten. Deshalb erklärt dieser eine Klage auf Nichtigerklärung einer solchen
         Entscheidung, die von einem Beteiligten im Sinne des Artikels 88 Absatz 2 EG erhoben wird, für zulässig, wenn der Kläger mit
         der Erhebung der Klage die Verfahrensrechte wahren möchte, die ihm nach der letztgenannten Bestimmung zustehen. Beteiligte
         im Sinne von Artikel 88 Absatz 2 EG, die nach Artikel 230 Absatz 4 EG Nichtigkeitsklage erheben können, sind die durch die
         Gewährung einer Beihilfe eventuell in ihren Interessen verletzten Personen, Unternehmen oder Vereinigungen, d. h. insbesondere
         die mit den Beihilfebegünstigten im Wettbewerb stehenden Unternehmen und die Berufsverbände.
      
      Stellt der Kläger dagegen die Begründetheit der Entscheidung selbst, mit der die Beihilfe beurteilt wird, in Frage, so kann
         der Umstand, dass er als Beteiligter im Sinne von Artikel 88 Absatz 2 EG betrachtet werden kann, nicht für die Annahme der
         Zulässigkeit der Klage ausreichen. Er muss daher dartun, dass ihm eine besondere Stellung zukommt, d. h., dass die Entscheidung
         ihn wegen bestimmter persönlicher Eigenschaften oder besonderer, ihn aus dem Kreis aller übrigen Personen heraushebender Umstände
         berührt und ihn dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer solchen Entscheidung. Dies ist insbesondere
         dann der Fall, wenn die Marktstellung des Klägers durch die Beihilfe, die Gegenstand der streitigen Entscheidung ist, spürbar
         beeinträchtigt wird.
      
      Deshalb ist die Klage eines Unternehmensverbands zulässig, mit der die Begründetheit einer Entscheidung der Kommission, im
         Anschluss an das Vorprüfungsverfahren keine Einwände gegen eine staatliche Maßnahme zu erheben, in Frage gestellt wird, wenn
         diese Maßnahme die Marktstellung zumindest eines seiner Mitglieder spürbar beeinträchtigen kann. In diesem Fall kann sich
         der Verband auf jeden der in Artikel 230 Absatz 2 EG aufgezählten Rechtwidrigkeitsgründe berufen und nicht nur darauf, dass
         die Pflicht zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens verletzt worden sei.
      
      (vgl. Randnrn. 49-54, 68)
      3.     Voraussetzung dafür, dass eine Maßnahme eine staatliche Beihilfe im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG darstellt, ist u. a.,
         dass sie so geartet ist, dass sie einen selektiven Vorteil gewährt, der ausschließlich bestimmten Unternehmen oder bestimmten
         Tätigkeitssektoren vorbehalten ist. Diese Bestimmung stellt nämlich auf die Beihilfen ab, die „durch die Begünstigung bestimmter
         Unternehmen oder Produktionszweige“ den Wettbewerb verfälschen oder zu verfälschen drohen. Insoweit unterscheidet die genannte
         Bestimmung nicht nach den Gründen oder Zielen einer Maßnahme, mit der die normale Belastung eines Unternehmens erleichtert
         wird, sondern beschreibt diese Maßnahme nach ihren Wirkungen. Folglich genügen weder der Abgabencharakter noch die wirtschaftliche
         oder soziale Zielsetzung oder die Ziele des Umweltschutzes oder der Sicherheit von Personen, die eine solche Maßnahme haben
         mag, dafür, dass diese von vornherein aus dem Anwendungsbereich des vorgenannten Artikels ausscheidet.
      
      Bei der Prüfung der Selektivität einer Maßnahme überprüft der Gemeinschaftsrichter, ob die Kommission zu Recht zu der Ansicht
         gelangt ist, dass die durch die betreffende Maßnahme eingeführte Unterscheidung zwischen Unternehmen bei Vorteilen oder Belastungen
         in der Natur oder im Aufbau des geltenden allgemeinen Systems angelegt ist. Ist diese Unterscheidung auf andere als die mit
         dem allgemeinen System verfolgten Ziele zurückzuführen, wird grundsätzlich angenommen, dass die fragliche Maßnahme das in
         Artikel 87 Absatz 1 EG vorgesehene Merkmal der Selektivität erfüllt.
      
      (vgl. Randnrn. 105-107)
      4.     Eine Umwelt- oder Ökoabgabe ist eine eigenständige Steuermaßnahme, die durch ihre Umweltziele und ihre spezifische Bemessungsgrundlage
         gekennzeichnet ist. Sie sieht die Abgabenerhebung auf bestimmte Gegenstände oder Dienstleistungen vor, damit die Umweltkosten
         in deren Preis einfließen und/oder die aufbereiteten Erzeugnisse wettbewerbsfähiger werden und damit die Hersteller und die
         Verbraucher zu umweltfreundlicherem Verhalten hingeführt werden. Den Mitgliedstaaten, die beim gegenwärtigen Stand des Gemeinschaftsrechts
         mangels einer Koordination auf diesem Gebiet nach wie vor für die Umweltpolitik zuständig sind, steht es frei, sektorielle
         Ökoabgaben einzuführen, um bestimmte Umweltziele zu erreichen. Insbesondere können sie bei der Abwägung der verschiedenen
         bestehenden Interessen ihre Prioritäten im Umweltschutz definieren und entsprechend die Gegenstände oder Dienstleistungen
         bestimmen, die sie einer Ökoabgabe zu unterwerfen beschließen.
      
      Der bloße Umstand, dass eine Ökoabgabe eine punktuelle Maßnahme darstellt, die bestimmte Gegenstände oder spezifische Dienstleistungen
         betrifft und nicht auf ein allgemeines Abgabensystem zurückgeführt werden kann, das für sämtliche ähnliche Tätigkeiten mit
         vergleichbarer Umweltauswirkung gilt, lässt daher grundsätzlich nicht die Annahme zu, dass ähnliche, dieser Ökoabgabe nicht
         unterliegende Tätigkeiten von einem selektiven Vorteil profitieren. Insbesondere kann der Umstand, dass solche ähnlichen Tätigkeiten
         einer Ökoabgabe, die auf einige spezifische Erzeugnisse erhoben wird, nicht unterworfen sind, nicht mit einer von dem System
         der normalerweise auf den Unternehmen lastenden Kosten abweichenden Entlastungsmaßnahme gleichgestellt werden, da eine Ökoabgabe
         gerade durch den ihr eigenen Anwendungsbereich und die ihr eigene Zielsetzung gekennzeichnet ist und deshalb grundsätzlich
         nicht auf ein allgemeines System zurückgeführt werden kann.
      
      Da die Ökoabgaben naturgemäß spezifische Maßnahmen darstellen, die die Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Umweltpolitik ergreifen,
         für die sie zuständig bleiben, solange es keine Harmonisierungsmaßnahmen gibt, hat die Kommission in diesem rechtlichen Rahmen
         bei der Beurteilung einer Ökoabgabe anhand der Gemeinschaftsvorschriften über staatliche Beihilfen die in Artikel 6 EG genannten
         Erfordernisse des Umweltschutzes zu berücksichtigen. Denn nach diesem Artikel müssen diese Erfordernisse bei der Festlegung
         und Durchführung u. a. eines Systems einbezogen werden, das den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarktes vor Verfälschungen
         schützt.
      
      Im Übrigen muss sich das Gericht bei seiner Überprüfung einer Entscheidung der Kommission über die Nichteinleitung des förmlichen
         Prüfverfahrens nach Artikel 88 Absatz 2 EG in Anbetracht des weiten Ermessens der Kommission bei der Anwendung des Artikels
         88 Absatz 3 EG auf die Prüfung beschränken, ob die Vorschriften über das Verfahren und die Begründung eingehalten worden sind,
         ob der Sachverhalt, der der beanstandeten Entscheidung zugrunde gelegt wurde, zutreffend festgestellt worden ist und ob keine
         offensichtlich fehlerhafte Würdigung dieses Sachverhalts oder ein Ermessensmissbrauch vorliegt.
      
      (vgl. Randnrn. 114-118)
      5.     Geht es darum, eine von einem Mitgliedstaat eingeführte Ökoabgabe, die im Prinzip auf die gewerbliche Verwertung von Virgin-Granulat
         – also körnige, im Hoch- und Tiefbau verwendete Materialien aus erstem Abbau – erhoben wird und auf die Maximierung der Verwendung
         von aufbereitetem Granulat oder anderen Ersatzmaterialien für Virgin-Granulat, auf die Förderung einer effizienten Verwendung
         von Virgin-Granulat und nach dem Verursacherprinzip auf die Sicherstellung der Internalisierung der Umweltkosten der Granulatgewinnung,
         denen mit der Abgabe entgegengewirkt werden soll, abzielt, anhand der Gemeinschaftsvorschriften über staatliche Beihilfen
         zu beurteilen, so liegt darin, dass diejenigen Materialien, die nicht zur Verwendung als Granulat in den Verkehr gebracht
         werden, nicht zu dem dieser Abgabe unterliegenden Sektor gehören, kein Beihilfeelement. Denn die Befreiung dieser Materialien
         hat keinen Ausnahmecharakter im Verhältnis zum System der betreffenden Ökoabgabe. Insbesondere fällt die Entscheidung, eine
         Ökoabgabe allein im Granulatsektor einzuführen – und nicht allgemein in allen Sektoren, in denen Steinbrüche und Minen betrieben
         werden, die die gleichen Umweltauswirkungen wie die Granulatgewinnung haben –, in die Befugnis des betreffenden Mitgliedstaats,
         seine Prioritäten in den Bereichen Wirtschafts-, Finanz- und Umweltpolitik festzulegen. Eine solche Wahl ist deshalb, auch
         wenn sie vom Bemühen um die Erhaltung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Sektoren geleitet sein mag, kein
         Grund, die Kohärenz zwischen der Ökoabgabe und den verfolgten Umweltzielen in Frage zu stellen.
      
      Außerdem darf der betreffende Mitgliedstaat im Rahmen seiner Umweltpolitik die zur Verwendung als Granulat dienenden Materialien,
         deren Besteuerung er für angebracht hält, frei bestimmen und unter Berücksichtigung der verfolgten Umweltziele bestimmte Materialien
         selbst dann vom Anwendungsbereich der Ökoabgabe ausnehmen, wenn sie nach ihrer Gewinnung als Granulat verwendet werden, soweit
         die Befreiung dieser Materialien im Hinblick auf die verfolgten Umweltziele ihre Verwendung als Substitut für von der Ökoabgabe
         erfasstes Virgin-Granulat gestattet und damit zu einer Rationalisierung der Gewinnung und Verwendung von Virgin-Granulat beitragen
         kann.
      
      Schließlich kann die Erhebung der Ökoabgabe auf bestimmte Materialien, für die es keine Ersatzerzeugnisse gibt, nachvollziehbar
         dem Ziel der Ökoabgabe, die mit der Herstellung von Virgin-Granulat verbundenen Umweltkosten zu internalisieren, Rechnung
         tragen, wenn ihr Betrag annähernd den mit der Gewinnung von Granulat verbundenen durchschnittlichen Umweltkosten entspricht.
      
      Die Abgabeerhebung auf die Nebenerzeugnisse der Gewinnung von Materialien, für die es keine Ersatzerzeugnisse gibt, lässt
         sich auch durch das Verursacherprinzip sowie das Ziel der Ökoabgabe rechtfertigen, eine wirtschaftlichere Granulatgewinnung
         und -bearbeitung zu fördern, damit der Anteil von Granulat minderer Güte zurückgeht.
      
      (vgl. Randnrn. 124, 127-128, 130, 135-137, 139)
      6.     Das Erfordernis, eine Entscheidung über staatliche Beihilfen zu begründen, kann sich nicht nur nach dem Informationsinteresse
         bestimmen, das der Mitgliedstaat hat, an den diese Entscheidung gerichtet ist. Insbesondere obliegt es der Kommission, wenn
         sie eine Maßnahme im Anschluss an die Vorprüfungsphase des Artikels 88 Absatz 3 EG billigt, einen Überblick über die wesentlichen
         Gründe für diese Billigung zu geben, damit die betroffenen Dritten wissen können, warum die Entscheidung getroffen wurde,
         und damit sie beurteilen können, ob es angebracht ist, Klage dagegen einzureichen, um die Verletzung der ihnen durch Artikel
         88 Absatz 2 EG verliehenen Verfahrensrechte zu rügen.
      
      Was insbesondere eine Entscheidung der Kommission über den Abschluss des Vorprüfungsverfahrens anbelangt, mit der das Vorliegen
         einer von einem Beschwerdeführer gerügten staatlichen Beihilfe verneint wird, so hat die Kommission dem Beschwerdeführer jedenfalls
         in hinreichender Weise die Gründe darzulegen, aus denen die in der Beschwerde angeführten rechtlichen und tatsächlichen Gesichtspunkte
         nicht zum Nachweis des Vorliegens einer staatlichen Beihilfe genügt haben. Sie braucht jedoch nicht zu Gesichtspunkten Stellung
         zu nehmen, die offensichtlich neben der Sache liegen oder keine oder eindeutig untergeordnete Bedeutung haben.
      
      Werden in einer Entscheidung der Kommission, im Anschluss an die Vorprüfungsphase keine Einwände gegen eine sektorielle Ökoabgabe
         zu erheben, die wesentlichen der Entscheidung zugrunde liegenden Erwägungen knapp ausgeführt, so kann die Entscheidung unter
         Berücksichtigung der Freiheit der Mitgliedstaaten, ihre Steuer- und Umweltpolitik unter Rückgriff auf die Einführung einer
         Ökoabgabe zu gestalten, nicht als mit einem Begründungsmangel gegenüber einem klagenden Verband, in dem erfahrene Wirtschaftsteilnehmer
         zusammengeschlossen sind, behaftet angesehen werden.
      
      (vgl. Randnrn. 142-143, 146)
      7.     Da eine Ökoabgabe auf die gewerbliche Verwertung von Granulat eine die Erzeugnisse und nicht die Einnahmen der Erzeuger belastende
         indirekte Abgabe ist, für die als solche im Sinne des Artikels 91 EG der Grundsatz der Besteuerung im Bestimmungsland gilt,
         ist die Befreiung, in deren Genuss die Ausführer kommen, durch die innere Logik des Steuersystems gerechtfertigt, so dass
         sie nicht als selektive Vorteilsgewährung für die Ausführer gelten kann und der Anwendung von Artikel 87 Absatz 1 EG entzogen
         ist.
      
      Mit der Gewährung einer solchen Befreiung macht der betreffende Mitgliedstaat von der ihm zustehenden Möglichkeit Gebrauch,
         den Überlegungen im Zusammenhang mit der Struktur der fraglichen Abgaberegelung Vorrang gegenüber den verfolgten Umweltzielen
         einzuräumen, und es kommt nicht darauf an, dass andere Mitgliedstaaten andere Entscheidungen treffen.
      
      (vgl. Randnrn. 151-153)
      8.     Die Verpflichtung der Kommission, eine etwaige rechtswidrige Beihilfe vorab unter Einbeziehung des betreffenden Mitgliedstaats,
         gegebenenfalls durch die Einholung von Informationen bei ihm, zu prüfen, kann ihre Verpflichtung zur Einleitung des förmlichen
         Prüfverfahrens namentlich dann nicht entfallen lassen, wenn sie im Licht der erhaltenen Auskünfte weiterhin ernsthaften Schwierigkeiten
         bei der Beurteilung der betreffenden Maßnahme gegenübersteht. Eine solche Verpflichtung ergibt sich nämlich unmittelbar aus
         Artikel 88 Absatz 3 EG und findet im Übrigen, wenn die Kommission nach einer vorläufigen Prüfung feststellt, dass die betreffende
         Maßnahme Anlass zu Bedenken hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit gibt, ausdrückliche Bestätigung in Artikel 4 Absatz 4 in Verbindung
         mit Artikel 13 Absatz 1 der Verordnung Nr. 659/1999 über besondere Vorschriften für die Anwendung von Artikel [88 EG].
      
      Denn das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG ist unerlässlich, sobald die Kommission bei der Beurteilung der Vereinbarkeit
         einer Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt auf ernsthafte Schwierigkeiten stößt. Die Kommission darf sich also für den Erlass
         einer positiven Entscheidung über eine staatliche Maßnahme nur dann auf die Vorprüfungsphase des Artikels 88 Absatz 3 EG beschränken,
         wenn sie nach einer ersten Prüfung die Überzeugung gewinnt, dass diese Maßnahme entweder keine Beihilfe im Sinne des Artikels
         87 Absatz 1 EG darstellt oder, falls sie als Beihilfe eingestuft wird, mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist. Gelangt die
         Kommission dagegen aufgrund dieser ersten Prüfung zur gegenteiligen Überzeugung oder hat sie damit nicht alle Schwierigkeiten
         ausräumen können, die sich bei der Beurteilung der Vereinbarkeit der betreffenden Maßnahme mit dem Gemeinsamen Markt ergeben
         haben, so ist sie verpflichtet, alle erforderlichen Stellungnahmen einzuholen und zu diesem Zweck das Verfahren des Artikels
         88 Absatz 2 EG einzuleiten.
      
      Der Umstand, dass die Kommission dem Interesse des betroffenen Mitgliedstaats an einer raschen Entscheidung Rechnung getragen
         hat, rechtfertigt für sich allein nicht die Annahme, dass sich die Kommission bei der Entscheidung, das förmliche Prüfverfahren
         nicht einzuleiten, auf andere Kriterien gestützt hätte als auf dasjenige des Fehlens ernsthafter Beurteilungsschwierigkeiten.
      
      (vgl. Randnrn. 165-166, 168)
      9.     Die Kommission hat, wenn betroffene Dritte bei ihr Beschwerden eingereicht haben, die sich auf staatliche Maßnahmen beziehen,
         die nicht gemäß Artikel 88 Absatz 3 EG angemeldet wurden, im Rahmen der in dieser Bestimmung vorgesehenen Vorprüfungsphase
         die Beschwerden im Interesse einer ordnungsgemäßen Anwendung der grundlegenden Vorschriften des EG-Vertrags auf dem Gebiet
         der staatlichen Beihilfen sorgfältig und unvoreingenommen zu prüfen.
      
      In Ermangelung sonstiger Hinweise lässt der bloße Umstand, dass die angefochtene Entscheidung rasch erlassen wurde, nicht
         auf eine unzureichende Prüfung schließen.
      
      (vgl. Randnrn. 177-178)
URTEIL DES GERICHTS (Zweite erweiterte Kammer)
      13. September 2006(*)
      
      „Staatliche Beihilfen – Umweltabgabe auf Granulate im Vereinigten Königreich – Entscheidung der Kommission, keine Einwände zu erheben – Nichtigkeitsklage – Zulässigkeit – Individuell betroffene Person – Selektivität – Begründungspflicht – Sorgfältige und unvoreingenommene Prüfung“
      In der Rechtssache T‑210/02
      British Aggregates Association mit Sitz in Lanark (Vereinigtes Königreich), Prozessbevollmächtigte: C. Pouncey, Solicitor, und Rechtsanwalt L. Van Den Hende,
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch J. Flett und S. Meany als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, vertreten zunächst durch P. Ormond, dann durch T. Harris und R. Caudwell als Bevollmächtigte im Beistand zunächst von J. Stratford
         und M. Hall, Barristers, dann von M. Hall,
      
      Streithelfer,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung der Entscheidung C (2002) 1478 final der Kommission vom 24. April 2002 betreffend die staatliche
         Beihilfe N 863/01 – Vereinigtes Königreich/Granulatabgabe
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite erweiterte Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Pirrung sowie der Richter A. W. H. Meij und N. J. Forwood, der Richterin I. Pelikánová
         und des Richters S. Papasavvas,
      
      Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 13. Dezember 2005
      folgendes
      Urteil
       Dem Rechtsstreit zugrunde liegender Sachverhalt
      1       Die British Aggregates Association ist ein Verband, in dem sich kleine unabhängige Unternehmen zusammengeschlossen haben,
         die im Vereinigten Königreich Steinbrüche und sonstige Abbaustellen betreiben. Sie hat 55 Mitglieder, die über 100 Steinbrüche
         und sonstige Abbaustellen betreiben.
      
      2       Granulate sind körnige, chemisch inaktive Materialien, die im Hoch-, Tief- und Straßenbausektor verwendet werden. Sie können
         als solche, z. B. als Aufschüttmasse oder als Schotter, oder vermischt mit Bindemitteln wie Zement (zur Gewinnung von Beton)
         oder Bitumen verwendet werden. Bestimmte von Natur aus körnige Materialien wie Sand und Kies können durch Sieben gewonnen
         werden. Andere Materialien wie Felsgestein müssen vor dem Sieben zerkleinert werden. Die verschiedenen Verwendungszwecken
         dienenden Granulate müssen den jeweiligen Spezifikationen entsprechen; die physikalischen Eigenschaften des Ausgangsmaterials
         sind ausschlaggebend dafür, ob es sich für die beabsichtigte Verwendung eignet. So sind die Spezifikationen bei Aufschüttungen
         weniger streng als die für die unteren Schichten von Straßen, die ihrerseits weniger streng als die für stark beanspruchte
         Oberflächen wie Fahrbahnbeläge von Straßen oder Bahngleisschotter sind. Für Verwendungszwecke mit niedrigeren Anforderungen
         eignen sich viele Materialien als Granulat, während die Materialien, die höheren Anforderungen entsprechen, weniger zahlreich
         sind.
      
       Finance Act 2001
      3       Die Sections 16 bis 49 des zweiten Teils des Finance Act (Finanzgesetz) 2001 (im Folgenden: Gesetz) und dessen Anhänge 4 bis
         10 führen die Aggregates Levy (Granulatabgabe, im Folgenden: AGL oder Abgabe) im Vereinigten Königreich ein.
      
      4       Nach der Durchführungsverordnung zum Gesetz traten die Bestimmungen über die Einführung der AGL am 1. April 2002 in Kraft.
      5       Das Gesetz wurde durch die Sections 129 bis 133 und Anhang 38 des Finance Act (Finanzgesetz) 2002 geändert. Die damit geänderten
         Bestimmungen sehen Befreiungen für Abraum (spoils) aus dem Abbau bestimmter Minerale, insbesondere von Tonschiefer, Schiefer,
         Töpferton und Porzellanerde, vor. Außerdem schaffen sie einen Übergangszeitraum für die Einführung der Abgabe in Nordirland.
      
      6       Die AGL wird in Höhe von 1,60 GBP pro Tonne gewerblichen Zwecken dienenden Granulats erhoben (Section 16 Subsection 4 des
         Gesetzes).
      
      7       Nach Section 16 Subsection 2 des Gesetzes in seiner geänderten Fassung fällt die AGL an, sobald abgabepflichtiges Granulat
         nach dem Inkrafttreten des Gesetzes im Vereinigten Königreich gewerblichen Zwecken zugeführt wird. Sie betrifft somit gleichermaßen
         eingeführtes wie im Vereinigten Königreich abgebautes Granulat.
      
      8       Nach Regulation 13 Absatz 2 Buchstabe a der Durchführungsverordnung steht dem Gewerbetreibenden eine Abgabeentlastung zu,
         wenn abgabepflichtiges Granulat ohne weitere Behandlung ausgeführt oder aus dem Vereinigten Königreich verbracht wird.
      
      9       Section 17 Subsection 1 des Gesetzes in seiner geänderten Fassung bestimmt:
      „‚Granulat‘ im Sinne dieses Teils sind (vorbehaltlich nachstehender Section 18) Fels, Kies oder Sand zusammen mit allen Materialien,
         die vorläufige oder natürliche Bestandteile davon sind.“
      
      10     Nach Section 17 Subsection 2 des Gesetzes unterliegt Granulat in vier Fällen nicht der Abgabe: bei ausdrücklicher Befreiung,
         wenn es bereits baulich verwendet wurde, wenn die Granulatabgabe darauf bereits erhoben wurde oder wenn es vor Inkrafttreten
         des Gesetzes von seinem Ursprungsort verbracht wurde.
      
      11     Section 17 Subsections 3 und 4 des Gesetzes in seiner geänderten Fassung sieht bestimmte Abgabebefreiungen vor.
      12     Außerdem bezeichnet Section 18 Subsections 1, 2 und 3 des Gesetzes in seiner geänderten Fassung die abgabebefreiten Verfahren
         und die davon betroffenen Materialien.
      
       Verwaltungsverfahren und Rechtsstreit vor dem nationalen Gericht
      13     Mit Schreiben vom 24. September 2001 richteten zwei Unternehmen eine Beschwerde (im Folgenden: erste Beschwerde) an die Kommission,
         die keine Verbindung zur Klägerin haben und darum ersuchten, gemäß Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 659/1999 des
         Rates vom 22. März 1999 über besondere Vorschriften für die Anwendung von Artikel [88] des EG-Vertrags (ABl. L 83, S. 1) ihre
         Identität dem betreffenden Mitgliedstaat nicht bekanntzugeben. Die Beschwerdeführer vertraten im Wesentlichen die Auffassung,
         dass der Ausschluss bestimmter Materialien vom Anwendungsbereich der AGL, die Ausfuhrbefreiung und die Ausnahmen in Bezug
         auf Nordirland staatliche Beihilfen darstellten.
      
      14     Mit Schreiben vom 20. Dezember 2001 meldete das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland bei der Kommission die
         staatliche Beihilferegelung „Schrittweise Einführung der Granulatabgabe in Nordirland“ an.
      
      15     Mit Schreiben vom 6. Februar 2002 übermittelte die Kommission diesem Mitgliedstaat eine Zusammenfassung der ersten Beschwerde
         und forderte ihn auf, dazu Stellung zu nehmen und Zusatzinformationen zur AGL zu liefern, was dieser mit Schreiben vom 19.
         Februar 2002 tat.
      
      16     Am 11. Februar 2002 erhob die Klägerin Klage gegen die AGL beim High Court of Justice (England & Wales), Queen’s Bench Division.
         Sie machte u. a. die Verletzung der Gemeinschaftsvorschriften über staatliche Beihilfen geltend. Mit Urteil vom 19. April
         2002 wies der High Court of Justice die Klage ab und ließ ein Rechtsmittel der Klägerin an den Court of Appeal (England &
         Wales) zu. Nachdem die Klägerin Rechtsmittel eingelegt hatte, setzte der Court of Appeal das Verfahren in Anbetracht der Erhebung
         der vorliegenden Klage beim Gericht aus.
      
      17     Währenddessen hatte die Klägerin mit Schreiben vom 15. April 2002 bei der Kommission eine Beschwerde gegen die AGL (im Folgenden:
         Beschwerde der Klägerin) eingereicht. Sie machte im Wesentlichen geltend, der Ausschluss bestimmter Materialien vom Anwendungsbereich
         der AGL und die Befreiung von Ausfuhren stellten staatliche Beihilfen dar. Die von den Behörden des Vereinigten Königreichs
         angemeldeten Ausnahmen in Bezug auf Nordirland seien mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar.
      
       Angefochtene Entscheidung
      18     Am 24. April 2002 erließ die Kommission eine Entscheidung, keine Einwände gegen die AGL zu erheben (im Folgenden: angefochtene
         Entscheidung).
      
      19     Am 2. Mai 2002 wurde die angefochtene Entscheidung der Klägerin von den Behörden des Vereinigten Königreichs mitgeteilt. Förmlich
         bekannt gegeben wurde sie ihr von der Kommission mit Schreiben vom 27. Juni 2002.
      
      20     In ihrer Entscheidung (Begründungserwägung 43) ist die Kommission der Ansicht, dass die Abgabe kein Element einer staatlichen
         Beihilfe im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG enthalte, weil ihr Anwendungsbereich durch die Logik und die Natur der Abgaberegelung
         gerechtfertigt sei. Im Übrigen sei die bei der Kommission angemeldete Freistellung für Nordirland mit dem Gemeinsamen Markt
         vereinbar.
      
      21     Bei der Beschreibung des Anwendungsbereichs der AGL hebt die Kommission im Wesentlichen hervor, dass diese Abgabe auf Virgin-Granulat
         erhoben werde, das „definiert [wird] als Granulat, das beim ersten Abbau aus natürlichen Mineralablagerungen erzeugt wird“,
         und „aus Fragmenten von Fels, Sand oder Kies [besteht], die in ihrem natürlichen Zustand oder nach mechanischer Bearbeitung
         wie Zerstoßen, Waschen und Sortierung verwendet werden können“ (Begründungserwägungen 8 und 9). Zu den ausgenommenen Materialien
         und den verfolgten Zielen führt sie in den Begründungserwägungen 11 bis 13 der angefochtenen Entscheidung aus:
      
      „Die AGL wird nicht auf Materialien erhoben, die Neben- oder Abfallprodukte anderer Verfahren sind. Nach Aussage der Behörden
         des Vereinigten Königreichs gehören dazu Schieferausschuss, Porzellanerdenabfall, Zechenabraum, Asche, Hochofenschlacke, Altglas
         und Gummi. Sie wird auch nicht auf aufbereitetes Granulat erhoben, wozu Fels, Sand oder Kies gehören, die bereits mindestens
         einmal verwendet wurden (üblicherweise für Hoch- und Tiefbauzwecke).
      
      Nach Angaben der Behörden des Vereinigten Königreichs werden solche Erzeugnisse vom Anwendungsbereich der AGL ausgenommen,
         damit ihre Verwendung als Baumaterial attraktiv und der unnötige Abbau von Virgin-Granulat verringert wird, was zu einer wirksamen
         Ressourcenbewirtschaftung anhalten soll.
      
      Nach ersten Entwürfen der Behörden des Vereinigten Königreichs soll die AGL die Nachfrage nach Virgin-Granulat bei einer jährlichen
         Gesamtnachfrage im Vereinigten Königreich von etwa 230 bis 250 Millionen Tonnen um durchschnittlich 20 Millionen Tonnen pro
         Jahr verringern.“
      
      22     Hinsichtlich der Beurteilung des Anwendungsbereichs der AGL heißt es in den Begründungserwägungen 29 und 31 der angefochtenen
         Entscheidung:
      
      „Die Kommission stellt fest, dass die AGL nur auf die gewerbliche Verwertung von Fels, Sand und Kies, die als Granulat verwendet
         werden, erhoben wird. Sie wird auf solche Materialien nicht erhoben, wenn sie nicht als Granulat verwendet werden. Sie wird
         nur auf Virgin-Granulat erhoben. Sie wird weder auf Granulat erhoben, das als Neben- oder Abfallprodukt anderer Verfahren
         gewonnen wird (Sekundär-Granulat), noch auf aufbereitetes Granulat. Entsprechend ist die Kommission der Ansicht, dass die
         AGL nur bestimmte Sektoren und bestimmte Unternehmen betrifft. Sie stellt somit fest, dass zu erörtern ist, ob der Anwendungsbereich
         der AGL durch die Logik und die Natur der Abgaberegelung gerechtfertigt ist.
      
      … [d]as Vereinigte Königreich [hat] in Ausübung seiner Steuerhoheit die AGL so gestaltet …, dass die Verwendung von aufbereitetem
         Granulat und anderen Ausweichmöglichkeiten zu Virgin-Granulat maximiert und die effiziente Verwendung von Virgin-Granulat,
         das ein nicht erneuerbarer natürlicher Rohstoff ist, gefördert werden soll. Die durch die Granulatgewinnung verursachten Umweltbeeinträchtigungen,
         denen das Vereinigte Königreich mit der AGL entgegenwirken möchte, umfassen Lärm, Staub, Beeinträchtigung der Biodiversität
         und Sichtbeeinträchtigungen.“
      
      23     Die Kommission schließt daraus in der 32. Begründungserwägung, dass „die AGL eine spezifische Abgabe mit einem sehr engen
         Anwendungsbereich ist, die von dem Mitgliedstaat anhand der spezifischen Merkmale des betreffenden Sektors genau abgegrenzt
         wurde“, und dass „[d]ie Struktur und der Umfang der Abgabe … die deutliche Unterscheidung zwischen der Gewinnung von Virgin-Granulat
         mit ihren unerwünschten Umweltauswirkungen und der Herstellung von Sekundärgranulat oder aufbereitetem Granulat wider[spiegeln],
         die erheblich zur Verarbeitung von Fels, Kies und Sand beiträgt, die bei Aushebungen oder sonstigen Arbeiten oder Verfahren
         abfallen, die rechtmäßig zu verschiedenen Zwecken durchgeführt werden“.
      
      24     Zur Befreiung von Granulat, das ohne vorherige Bearbeitung im Vereinigten Königreich ausgeführt wird, heißt es in der 33.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung:
      
      „Eine solche Regelung ist … dadurch gerechtfertigt, dass Granulat im Vereinigten Königreich befreit sein kann, wenn es für
         befreite Verfahren (z. B. die Herstellung von Glas, Plastik, Papier, Düngemittel und Pestizide) verwendet wird. Da die Behörden
         des Vereinigten Königreichs keine Kontrolle über die Verwendung von Granulat außerhalb ihres Hoheitsbereichs haben, ist die
         Befreiung von Ausfuhren notwendig, um Granulatausführern Rechtssicherheit zu gewährleisten und eine ungleiche Behandlung von
         Granulatausfuhren zu verhindern, die sonst für eine Befreiung im Vereinigten Königreich in Frage kämen.“
      
      25     In der 34. Begründungserwägung zieht die Kommission folgende Schlussfolgerung:
      „[E]s [liegt] in der Natur und im allgemeinen Aufbau einer solchen Abgabe …, dass sie nicht für Sekundärgranulat oder aufbereitetes
         Granulat gilt. Die Erhebung einer Abgabe auf die Gewinnung von Virgin-Granulat wird zu einem Rückgang der Gewinnung von Primärgranulat,
         zu einer geringeren Verwendung nicht erneuerbarer Rohstoffe und zur Verringerung von Umweltbeeinträchtigungen beitragen. Die
         Kommission ist demzufolge der Ansicht, dass etwaige Vorteile, die für manche Unternehmen aus der Abgrenzung des Anwendungsbereichs
         der AGL entstehen, durch die Natur und den allgemeinen Aufbau der Abgaberegelung gerechtfertigt sind.“
      
       Verfahren
      26     Mit Klageschrift, die am 12. Juli 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende Klage
         eingereicht.
      
      27     Mit besonderem Schriftsatz, der am selben Tag bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin einen Antrag
         auf Entscheidung der Rechtssache im beschleunigten Verfahren gemäß Artikel 76a der Verfahrensordnung des Gerichts gestellt.
         Das Gericht hat diesen Antrag am 30. Juli 2002 zurückgewiesen.
      
      28     Mit am 29. Oktober 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangenem Schriftsatz haben die Behörden des Vereinigten Königreichs
         beantragt, als Streithelfer im vorliegenden Verfahren zur Unterstützung der Anträge der Beklagten zugelassen zu werden. Mit
         Beschluss vom 28. November 2002 hat der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts die Streithilfe zugelassen. Der Streithilfeschriftsatz
         des Streithelfers und die Stellungnahmen der anderen Beteiligten dazu sind fristgemäß eingegangen.
      
      29     Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht (Zweite erweiterte Kammer) beschlossen, die mündliche Verhandlung ohne vorherige
         Beweisaufnahme zu eröffnen. Die Beteiligten haben fristgemäß schriftliche Fragen des Gerichts beantwortet und angeforderte
         Unterlagen vorgelegt.
      
      30     Die Beteiligten haben in der Sitzung vom 13. Dezember 2005 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
       Anträge der Beteiligten
      31     Die Klägerin beantragt,
      –       die angefochtene Entscheidung, soweit sie nicht die Freistellung für Nordirland betrifft, für nichtig zu erklären;
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      32     Die Kommission und der Streithelfer beantragen,
      –       die Klage als unzulässig oder unbegründet abzuweisen;
      –       der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
       Zur Zulässigkeit
       Vorbringen der Beteiligten
      33     Die Kommission stellt, ohne eine förmliche Einrede der Unzulässigkeit zu erheben, die Zulässigkeit der Klage in Abrede. Sie
         macht geltend, die angefochtene Entscheidung betreffe die Klägerin nicht individuell im Sinne des Artikels 230 Absatz 4 EG.
      
      34     Eine Entscheidung wie die angefochtene, mit der eine Beihilferegelung genehmigt werde, sei ein normativer Akt mit allgemeiner
         Geltung. Nach dem klassischen Kriterium der individuellen Anknüpfung (Urteil des Gerichtshofes vom 25. Juli 2002 in der Rechtssache
         C‑50/00 P, Unión de Pequeños Agricultores/Rat, Slg. 2002, I‑6677) sei die Klägerin somit von der Entscheidung, im Anschluss
         an das Vorprüfverfahren des Artikels 88 Absatz 3 EG keine Einwände zu erheben, nicht individuell betroffen.
      
      35     Insbesondere habe die Klägerin nicht nachgewiesen, dass mindestens eines ihrer Mitglieder von der angefochtenen Entscheidung
         individuell betroffen sei.
      
      36     In ihrer Klagebeantwortung vertritt die Kommission die Ansicht, dass, wenn sie wie im vorliegenden Fall entscheide, das förmliche
         Prüfverfahren nicht einzuleiten, die Feststellung einer individuellen Anknüpfung den Nachweis erfordere, dass die fragliche
         Beihilfe in die Wettbewerbsstellung eines Mitglieds der Klägerin eingreife. Sie stützt sich auf die Urteile des Gerichts vom
         5. Juni 1996 in der Rechtssache T‑398/94 (Kahn Scheepvaart/Kommission, Slg. 1996, II‑477, Randnrn. 43 und 50), vom 16. September
         1998 in der Rechtssache T‑188/95 (Waterleiding Maatschappij/Kommission, Slg. 1998, II‑3713, Randnrn. 60 bis 65) und vom 21.
         März 2001 in der Rechtssache T‑69/96 (Hamburger Hafen- und Lagerhaus u. a./Kommission, Slg. 2001, II‑1037, Randnr. 41).
      
      37     In der Gegenerwiderung ist die Kommission schließlich der Ansicht, dass das zur Beurteilung der individuellen Anknüpfung anzuwendende
         Kriterium sowohl bei einer Entscheidung der Kommission, keine Einwände zu erheben, als auch bei einer das förmliche Prüfverfahren
         abschließenden Entscheidung darin liege, ob spürbar in die Wettbewerbsstellung des Klägers eingegriffen werde (Urteil des
         Gerichtshofes vom 28. Januar 1986 in der Rechtssache 169/84, COFAZ u. a./Kommission, Slg. 1986, 391).
      
      38     Die Kommission macht insoweit geltend, das Gericht sei im Urteil Waterleiding Maatschappij/Kommission und im Urteil vom 5.
         Dezember 2002 in der Rechtssache T‑114/00 (Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum/Kommission, Slg. 2002, II‑5121) fälschlicherweise
         davon ausgegangen, dass der Gerichtshof in den Urteilen vom 19. Mai 1993 in der Rechtssache C‑198/91 (Cook/Kommission, Slg.
         1993, I‑2487) und vom 15. Juni 1993 in der Rechtssache C‑225/91 (Matra/Kommission, Slg. 1993, I‑3203) danach unterschieden
         habe, ob die Entscheidung im Anschluss an das Vorprüfverfahren oder an das förmliche Prüfverfahren ergangen sei. Auf die Aufforderung
         in der mündlichen Verhandlung hin, zur Bedeutung des Urteils des Gerichtshofes vom 13. Dezember 2005 in der Rechtssache C‑78/03 P
         (Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Slg. 2005, I‑10737) Stellung zu nehmen, hat die Kommission die Ansicht
         geäußert, dass dieses Urteil im Licht der Schlussanträge von Generalanwalt Jacobs das Kriterium eines spürbaren Eingriffs
         in die Wettbewerbsstellung des Klägers durch die betreffende Beihilferegelung bestätige.
      
      39     Im vorliegenden Fall habe die Klägerin in der Klageschrift keine genaue Auskunft über ihre Mitglieder gegeben, so dass nicht
         festgestellt werden könne, dass zumindest eines davon klagebefugt sei.
      
      40     Außerdem sei der erst in der Erwiderung erfolgte Vortrag neuer tatsächlicher Gesichtspunkte in Bezug auf vier Mitglieder der
         Klägerin nicht zulässig.
      
      41     Jedenfalls hätten es diese neuen tatsächlichen Gesichtspunkte nicht erlaubt, davon auszugehen, dass durch die angefochtene
         Entscheidung spürbar in die Wettbewerbsstellung der betroffenen Unternehmen eingegriffen worden sei. Insoweit zeigten die
         von der Klägerin genannten Zahlen, dass der wichtigste Teil der Geschäftstätigkeit von zwei ihrer Mitglieder, nämlich der
         Torrington Stone Ltd und der Cloburn Quarry Co. Ltd, nicht der Abgabe unterliege. Außerdem genüge es nicht, dass ein Unternehmen
         gezwungen sei, sich eines Teils seiner Sekundärmaterialien als Abfall zu entledigen.
      
      42     Schließlich sei, selbst wenn das Gericht die Klägerin für klagebefugt halten sollte, angesichts dessen, dass die angefochtene
         Entscheidung im Anschluss an das Vorprüfverfahren ergangen sei, der einzige zulässige Nichtigkeitsgrund derjenige, der auf
         die Nichteinleitung des förmlichen Prüfverfahrens gestützt sei. In der Tat könnte einem Verfahrensfehler dieser Art durch
         die Einleitung des förmlichen Verfahrens abgeholfen werden. Die Klägerin wäre jedoch gegen die abschließende Entscheidung
         nicht klagebefugt.
      
      43     Die Klägerin macht geltend, die angefochtene Entscheidung betreffe sie in Anbetracht sowohl der Klagebefugnis ihrer Mitglieder
         als auch ihrer Rolle als Beschwerdeführerin unmittelbar und individuell. Eines der Hauptziele der AGL – die insbesondere zur
         Verwendung von aufbereitetem Granulat und anderen Substituten für die abgabebelasteten Materialien anhalten solle – bestehe
         nämlich in der Einwirkung auf die Marktstruktur. Somit wirke sich diese Abgabe nachteilig auf die Wettbewerbsstellung aller
         Mitglieder der Klägerin aus, die sämtlich der AGL unterworfene Materialien erzeugten. Zur Veranschaulichung dessen hat die
         Klägerin in der Erwiderung die Wettbewerbsstellung mehrerer ihrer Mitglieder dargestellt.
      
      44     Die Klägerin fügt hinzu, die von der Kommission vorgenommene Unterscheidung in Bezug auf die Zulässigkeit der verschiedenen
         Klagegründe sei künstlich. Wenn nämlich ein Kläger nachweise, dass der Kommission ein offenkundiger Beurteilungsfehler unterlaufen
         sei, bedeute dies zwangsläufig, dass sie auf Schwierigkeiten gestoßen sei, die die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens
         geboten hätten.
      
       Würdigung durch das Gericht
      45     Nach der Rechtsprechung können andere Personen als die Adressaten einer Entscheidung nur dann individuell betroffen sein,
         wenn diese Entscheidung sie wegen bestimmter persönlicher Eigenschaften oder besonderer, sie aus dem Kreis aller übrigen Personen
         heraushebender Umstände berührt und sie dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer solchen Entscheidung
         (Urteile des Gerichtshofes vom 15. Juli 1963 in der Rechtssache 25/62, Plaumann/Kommission, Slg. 1963, 213, 238, Cook/Kommission,
         Randnr. 20, Matra/Kommission, Randnr. 14, und zuletzt Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Randnr. 33).
      
      46     Hier genügt der vom klagenden Verband geltend gemachte Umstand, dass er bei der Kommission eine Beschwerde gegen die AGL eingereicht
         und den Wunsch einer Teilnahme am Verfahren als Beteiligter im Sinne des Artikels 88 Absatz 2 EG geäußert habe, nicht, um
         ihm eine eigene Klagebefugnis gegen die angefochtene Entscheidung, das förmliche Prüfverfahren nicht einzuleiten, zu verleihen.
         Insbesondere kann die Klägerin nicht aufgrund des Umstands, dass ihre Beschwerde und die erste, von dritten Unternehmen eingereichte
         Beschwerde die Kommission zur Prüfung des Anwendungsbereichs der AGL in der angefochtenen Entscheidung veranlasst haben mag,
         mit einem Verhandlungsführer gleichgestellt werden, dessen Position von dieser Entscheidung beeinträchtigt worden wäre (vgl.
         in diesem Sinne Urteil Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Randnrn. 56 und 57).
      
      47     Dagegen weist die Klägerin zu Recht darauf hin, dass die Klage eines Verbands zulässig ist, der anstelle eines oder mehrerer
         seiner Mitglieder handelt, die selbst eine zulässige Klage hätten erheben können (Urteile des Gerichts vom 6. Juli 1995 in
         den Rechtssachen T‑447/93 bis T‑449/93, AITEC u. a./Kommission, Slg. 1995, II‑1971, Randnr. 60, und vom 22. Oktober 1996 in
         der Rechtssache T‑266/94, Skibsværftsforeningen u. a./Kommission, Slg. 1996, II‑1399, Randnr. 50).
      
      48     Deshalb hat das Gericht zu prüfen, ob im vorliegenden Fall die Mitglieder der Klägerin oder zumindest manche von ihnen als
         von der angefochtenen Entscheidung individuell betroffen gelten können.
      
      49     Insoweit ist daran zu erinnern, dass im Rahmen des in Artikel 88 EG vorgesehenen Verfahrens zur Prüfung der staatlichen Beihilfen
         zu unterscheiden ist zwischen der Vorprüfungsphase nach Artikel 88 Absatz 3 EG, die nur dazu dient, der Kommission eine erste
         Meinungsbildung über die teilweise oder völlige Vereinbarkeit der fraglichen Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt zu ermöglichen,
         und der in Artikel 88 Absatz 2 EG geregelten Prüfungsphase. Nur in dieser Phase, die es der Kommission ermöglichen soll, sich
         umfassende Kenntnis von allen Gesichtspunkten des Falles zu verschaffen, sieht der EG-Vertrag die Verpflichtung der Kommission
         vor, den Beteiligten Gelegenheit zur Äußerung zu geben (Urteile des Gerichtshofes Cook/Kommission, Randnr. 22, Matra/Kommission,
         Randnr. 16, vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr.
         38, und Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Randnr. 34).
      
      50     Stellt die Kommission, ohne das förmliche Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG einzuleiten, durch eine Entscheidung auf
         der Grundlage des Artikels 88 Absatz 3 EG fest, dass eine Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist, so können diejenigen,
         denen die Verfahrensgarantien des Artikels 88 Absatz 2 EG zugute kommen, deren Beachtung nur durchsetzen, wenn sie die Möglichkeit
         haben, diese Entscheidung vor dem Gemeinschaftsrichter anzufechten (Urteile Cook/Kommission, Randnr. 23, Matra/Kommission,
         Randnr. 17, und Kommission/Sytraval und Brink’s France, Randnr. 40).
      
      51     Deshalb erklärt dieser eine Klage auf Nichtigerklärung einer auf Artikel 88 Absatz 3 EG gestützten Entscheidung, die von einem
         Beteiligten im Sinne des Artikels 88 Absatz 2 EG erhoben wird, für zulässig, wenn der Kläger mit der Erhebung der Klage die
         Verfahrensrechte wahren möchte, die ihm nach der letztgenannten Bestimmung zustehen (Urteil Kommission/Aktionsgemeinschaft
         Recht und Eigentum, Randnr. 35).
      
      52     Beteiligte im Sinne von Artikel 88 Absatz 2 EG, die nach Artikel 230 Absatz 4 EG Nichtigkeitsklage erheben können, sind die
         durch die Gewährung einer Beihilfe eventuell in ihren Interessen verletzten Personen, Unternehmen oder Vereinigungen, d. h.
         insbesondere die mit den Beihilfebegünstigten im Wettbewerb stehenden Unternehmen und die Berufsverbände (Urteil Kommission/Sytraval
         und Brink’s France, Randnr. 41).
      
      53     Stellt der Kläger dagegen die Begründetheit der Entscheidung selbst, mit der die Beihilfe beurteilt wird, in Frage, so kann
         der Umstand, dass er als Beteiligter im Sinne von Artikel 88 Absatz 2 EG betrachtet werden kann, nicht für die Annahme der
         Zulässigkeit der Klage ausreichen. Er muss daher dartun, dass ihm eine besondere Stellung im Sinne des Urteils Plaumann/Kommission
         zukommt. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn die Marktstellung des Klägers durch die Beihilfe, die Gegenstand der betreffenden
         Entscheidung ist, spürbar beeinträchtigt würde (Urteil Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Randnr. 37).
      
      54     Mit der vorliegenden Klage beschränkt sich die Klägerin nicht darauf, die Weigerung der Kommission, das förmliche Prüfverfahren
         einzuleiten, anzufechten, sondern sie stellt auch die Begründetheit der angefochtenen Entscheidung in Frage. Deshalb ist zu
         prüfen, ob sie in schlüssiger Weise angegeben hat, weshalb die AGL die Stellung mindestens eines ihrer Mitglieder auf dem
         Granulatmarkt spürbar beeinträchtigen kann.
      
      55     Im vorliegenden Fall geht, was erstens die Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs der AGL anbelangt, aus der angefochtenen
         Entscheidung (Begründungserwägungen 12 und 13) klar hervor, dass diese Abgabe eine Verlagerung eines Teils der Nachfrage von
         Virgin-Granulat hin zu anderen Erzeugnissen bezweckt, die abgabebefreit sind, damit sie verstärkt als Granulat verwendet werden
         und die Gewinnung von Virgin-Granulat zurückgeht. Nach den in der angefochtenen Entscheidung wiedergegebenen und nicht bestrittenen
         Entwürfen der britischen Behörden würde diese Abgabe einen Rückgang der Nachfrage nach Virgin-Granulat um durchschnittlich
         etwa 8 % bis 9 % pro Jahr ermöglichen.
      
      56     Da mit der AGL eine allgemeine Umverteilung auf dem Markt zwischen abgabepflichtigem Virgin-Granulat und befreiten Ersatzerzeugnissen
         angestrebt wird, ist noch zu prüfen, ob sie die Wettbewerbsstellung von Mitgliedern der Klägerin tatsächlich ändern kann.
      
      57     In diesem Zusammenhang können die Klarstellungen der Klägerin in der Erwiderung hinsichtlich insbesondere der Situation einiger
         ihrer Mitglieder entgegen der Auffassung der Kommission nicht als gemäß Artikel 48 § 1 der Verfahrensordnung verspätet angesehen
         werden. Mit ihnen wird nämlich die Erörterung zwischen den Parteien fortgesetzt. Sie beschränken sich darauf, in Erwiderung
         auf das Unzulässigkeitsvorbringen der Kommission das Vorbringen aus der Klageschrift zu ergänzen, wonach die AGL in die Wettbewerbsstellung
         der Unternehmen eingreife, die – wie die Mitglieder der Klägerin – abgabepflichtige Materialien in den Verkehr brächten. Jedenfalls
         hindert den Gemeinschaftsrichter, der die Zulässigkeitsvoraussetzungen der Klage jederzeit von Amts wegen prüfen kann, nichts
         daran, in der Erwiderung gemachte zusätzliche Angaben zu berücksichtigen.
      
      58     Nach diesen in der Erwiderung gemachten zusätzlichen Angaben, deren Richtigkeit im Übrigen weder von der Kommission noch vom
         Streithelfer bestritten wird, stehen manche Mitglieder der Klägerin, darunter die Torrington Stone, die Sherburn Stone Co.
         Ltd und die Cloburn Quarry, in unmittelbarem Wettbewerb mit Herstellern von befreiten Materialien, die aufgrund der Einführung
         der AGL wettbewerbsfähig geworden sind.
      
      59     Insbesondere hat die Klägerin ausgeführt, dass die Torrington Stone, die einen Steinbruch in Devon betreibe, unbehauenen Mauerstein
         und Verblendstein herstelle, die durchschnittlich für … GBP pro Tonne ab Steinbruch verkauft würden, sowie gehauenen Mauerstein
         für durchschnittlich … GBP pro Tonne ab Steinbruch. Diese Erzeugnisse machten 3 % bis 5 % des Felsabbauvolumens aus. Die übrigen
         95 % entfielen auf Neben- oder Abfallerzeugnisse, die hier aus gewöhnlichem Auffüllmaterial (verkauft zu durchschnittlich
         … GBP pro Tonne ab Steinbruch) und zerkleinertem Auffüllmaterial (verkauft zu durchschnittlich … GBP pro Tonne ab Steinbruch)
         bestünden. Lediglich der gehauene Mauerstein unterliege nicht der AGL. Vor Einführung dieser Abgabe seien die Auffüllmaterialien
         in einem Umkreis von 50 Kilometer verkauft worden. Seit der Einführung stünden sie in diesem Gebiet im Wettbewerb mit nicht
         der AGL unterliegenden Sekundärmaterialien, die u. a. aus mehr als 80 Kilometer entfernten Porzellanerdeabbaustellen stammten.
      
      60     Was die u. a. den Barton-Steinbruch in Yorkshire betreibende Sherburn Stone angeht, so hat die Klägerin ausgeführt, diese
         stelle Materialien mit gehobenen technischen Spezifikationen her, die für die Herstellung von Hochleistungsbeton bestimmt
         seien. Diese Erzeugnisse, die 50 % des abgebauten Felsgesteins ausmachten und deren durchschnittlicher Verkaufspreis sich
         auf … GBP pro Tonne ab Steinbruch belaufe, unterlägen der AGL. Aus den übrigen 50 % abgebauten Felsgesteins stelle die Sherburn
         Stone Abrieb und tonige Rückstände her, die für Auffüllmaterial verwendbar seien und zu durchschnittlich … GBP pro Tonne ab
         Steinbruch verkauft würden. Seit Einführung der AGL werde der Verkauf dieser Nebenerzeugnisse immer schwieriger, und ihre
         Lagerbestände seien unverwaltbar geworden.
      
      61     Zu der einen Steinbruch in Schottland betreibenden Cloburn Quarry hat die Klägerin erklärt, diese habe ihre Herstellung auf
         hochwertiges Granulat ausgerichtet, bei dem höhere Beförderungskosten anfielen. Alle ihre Erzeugnisse unterlägen der AGL.
         Der rote Splitt und der Granit gehobener technischer Spezifikation, die von diesem Unternehmen hergestellt und u. a. als Schotter
         oder in Hochleistungsbeton und zusammen mit Asphalt verwendet würden, würden zu einem Durchschnittspreis von … GBP pro Tonne
         ab Steinbruch verkauft und stünden nicht im Wettbewerb mit nicht abgabepflichtigen Materialien, die bei der Erzeugung von
         Porzellanerde oder Tonschiefer abfielen. Dagegen stünden die 25 % Nebenerzeugnisse, die im Steinbruch der Cloburn Quarry gewonnen
         würden und vor allem aus Abrieb bestünden, der zu einem Durchschnittspreis von … GBP pro Tonne ab Steinbruch als Auffüllmaterial
         verkauft werde, im Wettbewerb mit nicht abgabepflichtigen Materialien.
      
      62     In diesem Zusammenhang ist der Umstand, den die Kommission als Beleg dafür geltend macht, dass nicht in die Wettbewerbsstellung
         der oben genannten Unternehmen eingegriffen werde, nämlich, dass sich der am Umsatz bemessen größte Teil ihrer Tätigkeit nicht
         auf Granulat beziehe und somit nicht der Abgabe unterliege, ohne Bedeutung, weil die Tätigkeit dieser Unternehmen auf dem
         Granulatmarkt keine bloße Nebentätigkeit im Verhältnis zu ihrer Haupttätigkeit ist. Jedenfalls ergibt sich aus den genannten
         bezifferten Angaben, dass die gewerbliche Verwertung der Nebenerzeugnisse als Granulat einen relativ wichtigen Teil der Tätigkeit
         dieser Unternehmen ausmacht.
      
      63     Daher hat die Klägerin mit den verschiedenen von ihr vorgebrachten und oben angesprochenen Gesichtspunkten nicht nur dargelegt,
         dass die streitige staatliche Maßnahme die Wettbewerbsstellung einiger ihrer Mitglieder beeinträchtigen konnte, die somit
         gegen die Entscheidung der Kommission, das förmliche Prüfverfahren nicht einzuleiten, klagebefugt sind, sondern auch, dass
         diese Beeinträchtigung spürbar war.
      
      64     Daraus folgt, dass der Antrag der Kommission auf Abweisung der vorliegenden Klage als unzulässig, soweit sie die Billigung
         der Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs der AGL in der angefochtenen Entscheidung betrifft, zurückzuweisen ist.
      
      65     Was zweitens die Ausfuhrbefreiung anbelangt, macht die Klägerin geltend, auch diese Befreiung wirke sich nachteilig auf die
         Wettbewerbsstellung ihrer Mitglieder aus, die im Gegensatz zu ihren bedeutendsten Mitbewerbern auf dem Markt im Vereinigten
         Königreich kaum oder gar nicht im Ausfuhrgeschäft tätig seien. Die Ausfuhrbefreiung verschaffe nämlich diesen Mitbewerbern,
         vor allem dem Betreiber des Glensanda-Steinbruchs, aus dem über 90 % des ausgeführten Granulats stammten, den Vorteil, dass
         sie keine Verluste hätten, die sie auf die Preise ihrer im Vereinigten Königreich in den Verkehr gebrachten Erzeugnisse abwälzen
         müssten. Ihre Mitglieder würden dagegen veranlasst, ihr abgabenbelastetes Granulat mit Verlust zu verkaufen und die Abgabelast
         auf alle ihre Erzeugnisse umzulegen.
      
      66     Die von der Klägerin in Beantwortung der schriftlichen Fragen des Gerichts gegebenen Zusatzinformationen lassen den Schluss
         zu, dass die Wettbewerbsstellung zumindest eines ihrer Mitglieder durch die Ausfuhrbefreiung spürbar beeinträchtigt werden
         kann. Sie weist nämlich – ohne Widerspruch übrigens durch die Kommission oder den Streithelfer – darauf hin, dass die Cloburn
         Quarry auf dem Markt für Granit hoher technischer Spezifikation, der u. a. als Bahngleisschotter verwendet werde (und der
         AGL unterliege), in unmittelbarem Wettbewerb mit dem Glensanda-Steinbruch stehe, der wie der von der Cloburn Quarry betriebene
         Steinbruch in Schottland liege. Wie die Klägerin aber in ihrer Erwiderung unwidersprochen durch die anderen Beteiligten vorbringt,
         führt der Glensanda-Steinbruch 50 % seiner Erzeugung aus. Die Klägerin leitet daraus in schlüssiger Weise ab, dass die Ausfuhrbefreiung
         für Materialien, die niedrigen technischen Spezifikationen entsprächen, dem Unternehmen, das diesen Steinbruch betreibe, somit
         einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt für Granulat hoher technischer Spezifikation in Schottland insoweit verschaffe, als
         – im Gegensatz zum Fall der Cloburn Quarry, die ihr Granulat niedriger technischer Spezifikation im Vereinigten Königreich
         mit Verlust verkaufe und diesen Verlust auf die Preise für Materialien hoher technischer Spezifikation umlege – der Gesamtbetrag
         der AGL, den der Glensanda-Steinbruch auf dem innerstaatlichen Markt auf seine Kunden abwälzen müsse, verglichen mit dem Betrag,
         den ein nicht im Ausfuhrgeschäft tätiger Mitbewerber abwälze, in der Relation gesehen um die Hälfte niedriger sei.
      
      67     Folglich ist auch der Antrag der Kommission auf Abweisung der vorliegenden Klage als unzulässig, soweit sie die Billigung
         der Ausfuhrbefreiung in der angefochtenen Entscheidung betrifft, zurückzuweisen.
      
      68     Nach alledem ist auch das Hilfsvorbringen der Kommission zurückzuweisen, wonach im Rahmen einer Klage auf Nichtigerklärung
         einer Entscheidung der Kommission, im Anschluss an die Vorprüfungsphase in Bezug auf staatliche Beihilfen keine Einwände gegen
         eine staatliche Maßnahme zu erheben, nur der Nichtigkeitsgrund einer Verletzung der Pflicht zur Einleitung des förmlichen
         Prüfverfahrens zulässigerweise geltend gemacht werden könne. Hier kann sich die Klägerin in Anbetracht der spürbaren Beeinträchtigung
         der Marktstellung einiger ihrer Mitglieder auf jeden der in Artikel 230 Absatz 2 EG aufgezählten Rechtwidrigkeitsgründe berufen
         (vgl. Urteil Kommission/Aktionsgemeinschaft Recht und Eigentum, Randnr. 37).
      
      69     Die Klage ist daher mit allen Klagegründen für zulässig zu erklären.
       Zur Begründetheit
      70     Die Klägerin stützt ihre Klage erstens auf einen Verstoß gegen Artikel 87 Absatz 1 EG, zweitens auf einen Begründungsmangel,
         drittens auf eine Verletzung der Pflicht zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens durch die Kommission und viertens auf
         die Missachtung der Pflichten bei der Vorprüfung durch dieses Organ. Das Gericht hält eine Zusammenfassung der ersten beiden
         Klagegründe für angebracht.
      
       Zu den Klagegründen eines Verstoßes gegen Artikel 87 Absatz 1 EG und eines Begründungsmangels
       Vorbringen der Beteiligten
      71     Die Klägerin erinnert zunächst daran, dass die Voraussetzung der Selektivität der Beihilfe erfüllt sei, wenn ein Abgabesystem
         Wirtschaftsteilnehmer, die sich im Hinblick auf die mit diesem System verfolgten Ziele in einer vergleichbaren Lage befänden,
         einer unterschiedlichen Behandlung unterwerfe, die nicht durch das Wesen oder die allgemeinen Zwecke des Systems gerechtfertigt
         sei (Urteil des Gerichtshofes vom 8. November 2001 in der Rechtssache C‑143/99, Adria-Wien Pipeline und Wietersdorfer & Peggauer
         Zementwerke, Slg. 2001, I‑8365, Randnrn. 41 und 42).
      
      72     Der Gerichtshof habe im Urteil Adria-Wien Pipeline und Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke entschieden, dass die Freistellung
         von einer Ökoabgabe auf den Energieverbrauch, die Unternehmen gewährt worden sei, deren Verbrauch bestimmte Schwellenwerte
         überschritten habe, deshalb Elemente einer staatlichen Beihilfe aufgewiesen habe, weil diese Freistellung nur für Unternehmen
         gegolten habe, die körperliche Wirtschaftsgüter hergestellt hätten. Die Adria-Wien Pipeline sei eine Dienstleistungsgesellschaft
         gewesen, die mit den Unternehmen, denen die Freistellung zugute gekommen sei, nicht im Wettbewerb gestanden habe.
      
      73     Hier sei die Qualifizierung der AGL als besondere Abgabenbelastung anstatt als besondere Abgabenvergünstigung rein formaler
         Natur und ändere nichts an der Beurteilung. Insoweit nähere sich das auf die sektorielle Anwendung der AGL gestützte Vorbringen
         der Kommission sehr der Auffassung von Generalanwalt Mischo in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Adria-Wien Pipeline
         und Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke (Slg. 2001, I‑8369) an. Der Gerichtshof sei aber in seinem Urteil der Auffassung
         des Generalanwalts nicht gefolgt, der die Selektivität des fraglichen Abgabesystems deshalb verneint habe, weil erstens die
         Nichterhebung keine Ausnahme von einer allgemeinen Regel dargestellt, zweitens die unterschiedliche Behandlung verschiedene
         Sektoren betroffen und drittens der Anwendungsbereich der Abgabe auf objektiven Kriterien beruht habe.
      
      74     Im vorliegenden Fall sei der Kommission ein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie entschieden habe, dass
         sich die Abgrenzung des materiellen und des räumlichen Anwendungsbereichs der AGL durch die Logik und die Natur dieser Abgaberegelung
         rechtfertige, so dass die AGL keine staatliche Beihilfe im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG umfasse.
      
      75     Was erstens die Unterscheidung zwischen abgabepflichtigen Materialien und befreiten Materialien angeht, beanstandet die Klägerin
         zunächst, die Kommission habe in der angefochtenen Entscheidung den betroffenen Virgin-Granulat-Markt nicht objektiv definiert.
      
      76     Sodann stützt sie sich hauptsächlich auf die unbearbeitetes Material betreffende Unterscheidung zwischen Primärmaterial, das
         das in einem Steinbruch abgebaute Haupterzeugnis sei, und Sekundärmaterial, das ein geringwertiges und zwangsläufiges Nebenprodukt
         des Abbaus von Primärmaterial sei.
      
      77     Nach Ansicht der Klägerin hätte die Logik der streitigen Abgaberegelung die Anwendung der AGL auf Primärmaterial impliziert,
         das als Granulat verwendet werde und für das es Ersatzerzeugnisse gebe (Sekundärerzeugnisse aus Steinbrüchen oder Minen, aufbereitete
         Erzeugnisse oder andere Ersatzmaterialien). Dagegen müssten nicht austauschbares Primärmaterial sowie Sekundärmaterial, das
         beim Abbau solchen Primärmaterials erzeugt werde, befreit sein. Denn die Abgabepflichtigkeit dieser beiden Materialkategorien
         bewirke in Ermangelung von Substituten für das Primärmaterial keine Verlagerung der Nachfrage hin zu weniger umweltschädlichen
         Substituten.
      
      78     Die Klägerin räumt ein, dass das Gesetz – das abgabepflichtige Materialien und befreite Materialien auflistet – nicht die
         Begriffe „Primär“- und „Sekundär“-Material verwende und dass die oben erwähnten Definitionen nicht die einzig möglichen seien.
         Gleichwohl rügt sie, dass die Kommission diese Begriffe, ohne sie zu definieren, in der angefochtenen Entscheidung verwendet
         und dadurch Verwirrung gestiftet habe.
      
      79     Außerdem habe die Kommission in der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägung 29) fälschlicherweise behauptet, dass
         die AGL „[nicht] auf Granulat erhoben [wird], das als Neben- oder Abfallprodukt anderer Verfahren gewonnen wird (Sekundär-Granulat)“.
         Die Abgabe werde aber auf bestimmtes Sekundär-Granulat (wie die Nebenprodukte von Kalkstein, der zur Erzeugung von Kalk oder
         Zement abgebaut werde, oder die Nebenprodukte des Abbaus von Quarzsand, der bei der Herstellung von Glas verwendet werde)
         erhoben. In der vorstehenden Behauptung komme also eine offensichtlich falsche Beurteilung der Natur der AGL durch die Kommission
         zum Ausdruck. Außerdem stütze sich die angefochtene Entscheidung auf eine Beurteilung der AGL in ihrer anfänglichen Ausgestaltung
         durch das Gesetz.
      
      80     Was im Übrigen die Zwecke der AGL angehe, so beziehe sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung – genau wie der
         Streithelfer – allein auf die Umweltbedenken, die mit dem Abbau der als Granulat verwendeten Materialien verbunden seien.
      
      81     Im Gegensatz zur Auffassung der Kommission spiegele aber die Abgrenzung des Anwendungsbereichs der Abgabe nicht das damit
         verfolgte Ziel wider und bezwecke im Wesentlichen die Internalisierung der Umweltkosten der Herstellung von Granulat und die
         Begünstigung der Verwendung aufbereiteter Materialien oder anderer Ersatzmaterialien, um die schädlichen Auswirkungen des
         Abbaus auf die Umwelt zu verringern. Unter diesem Gesichtspunkt stelle das Gesetz eine unterschiedliche Behandlung vergleichbarer
         Situationen her.
      
      82     Erstens unterlägen eine wichtige Gruppe von Primärerzeugnissen – insbesondere Lehm, Tonschiefer, Porzellanerde, Töpferton
         und Schiefer – und die dazugehörigen Sekundärerzeugnisse nicht der AGL. Die Gewinnung dieser Abbauerzeugnisse habe auf die
         Umwelt die gleiche Auswirkung wie der Abbau der abgabepflichtigen Erzeugnisse wie Kalk oder Granit. Einige dieser Primärerzeugnisse
         wie der zur Kachelherstellung verwendete Töpferton oder der zur Herstellung von Ziegeln verwendete Schiefer könnten durch
         Materialien aus Abbaustellen in Gebieten mit weniger anfälliger Umwelt oder durch Sekundärmaterialien ersetzt werden, um andere
         Arten von Kacheln und Bausteine, die als Ziegelersatz dienten, herzustellen.
      
      83     Außerdem seien Materialien wie Schiefer und Tonschiefer minderer Güte sowie Lehm, Porzellanerde und Töpferton aus einer Vielzahl
         von Abbaustellen im Vereinigten Königreich, die in ihrer Eigenschaft als Primärmaterial als Granulat zum Einsatz kämen, befreit,
         obwohl es Ersatzerzeugnisse für sie gebe. Insoweit sei das Vorbringen der Kommission und des Streithelfers zurückzuweisen,
         dass diese Materialien befreit seien, weil sie kein Granulat seien. Der Begriff „Granulat“ stelle auf die Endbestimmung eines
         Materials ab und nicht auf eine besondere Materialgruppe. Die oben genannten befreiten Materialien seien bisher insbesondere
         wegen ihrer Beförderungskosten im Vereinigten Königreich wenig als Granulat verwendet worden. Ihre Freistellung fördere jedoch
         die Verwendung solcher Primärmaterialien als Granulat.
      
      84     Die Ausnahme dieser Materialien vom Anwendungsbereich der AGL sei deshalb weder durch das Wesen noch durch die allgemeinen
         Zwecke der AGL gerechtfertigt. Die Klägerin beruft sich insoweit auf das Urteil Adria-Wien Pipeline und Wietersdorfer & Peggauer
         Zementwerke (Randnrn. 52 und 53) und das Urteil des Gerichts vom 23. Oktober 2002 in den Rechtssachen T‑269/99, T‑271/99 und
         T‑272/99 (Diputación Foral de Guipúzcoa u. a. /Kommission, Slg. 2002, II‑4217, Randnr. 62).
      
      85     Zweitens unterlägen andere Primärmaterialien der AGL, obwohl es keine Ersatzerzeugnisse für sie gebe. Die Klägerin nennt roten
         Kies, der wegen seiner besonderen Farbe als Belag von Fuß- und Radwegen verwendet werde, Granulat hoher technischer Spezifikation
         wie die für Straßenbelag verwendeten Materialien oder der für Bahngleisschotter verwendete Granit hoher technischer Spezifikation
         und Granulat, das für die Herstellung von Beton mit geringem Schwindmaß oder hohem Haftverbund verwendet werde. Aufgrund der
         technischen Eigenschaften dieser verschiedenen Materialien gebe es kaum Ersatzerzeugnisse für sie. Da sie teuer seien, würden
         sie nicht als Füllmaterial verwendet.
      
      86     Drittens unterlägen der AGL die Sekundärerzeugnisse einer wichtigen Gruppe von ihrerseits befreiten Primärmaterialien – wie
         der für die Herstellung von Zement und Kalk bestimmte Kalkstein, behauener Bruchstein und Materialien wie Quarzsand oder Kalkstein
         für bestimmte industrielle Anwendungen (z. B. die Glasherstellung). Für diese Primärmaterialien gebe es aber keine Ersatzerzeugnisse.
      
      87     Diese Inkohärenz im Hinblick auf die von der Kommission geltend gemachte Logik und Natur der Abgaberegelung zeige, dass im
         Anwendungsbereich der AGL in Wirklichkeit der Wille zum Ausdruck komme, bestimmte Sektoren von der Abgabe freizustellen, um
         ihre Wettbewerbsfähigkeit zu schützen. Dies werde durch verschiedene Aussagen der Behörden des Vereinigten Königreichs bestätigt,
         und zwar insbesondere anlässlich einer der Klageschrift beigefügten Bewertung der Wirkungen einer Verordnung über die Besteuerung
         von Granulaten, nach der „manche der [befreiten] Materialien … wichtige Bestandteile weltweit gehandelter Erzeugnisse [sind]
         und ihre Hersteller im Vereinigten Königreich gegenüber Einführern und auf Ausfuhrmärkten einen Wettbewerbsnachteil erleiden
         würden“, sowie im Rahmen einer gleichfalls der Klageschrift beigefügten Studie über die Ökosteuern in der Europäischen Union.
      
      88     Zweitens macht die Klägerin geltend, die Ausfuhrbefreiung für Granulat stehe ebenfalls im Widerspruch zu den angeblich mit
         der AGL verfolgten Umweltzielen. Diese Befreiung ziele allein darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der britischen Erzeuger
         auf den Ausfuhrmärkten zu wahren. Auf dem Gebiet der Ökoabgaben stelle aber das Verursacherprinzip ein wesentliches Kriterium
         für die Beurteilung des Vorliegens einer Beihilfe dar (Schlussanträge von Generalanwalt Jacobs in der Rechtssache C‑126/01,
         GEMO, Urteil des Gerichtshofes vom 20. November 2003, Slg. 2003, I‑13769, I‑13772). Insoweit wendet sich die Klägerin gegen
         die von der Kommission in der Klagebeantwortung vorgebrachte Rechtfertigung, dass die AGL eine indirekte Verbrauchsteuer sei.
         Diese Rechtfertigung finde sich nicht in der angefochtenen Entscheidung und sei zudem unzutreffend. Außerdem legitimiere sie
         nicht die Ausfuhrbefreiung, wie z. B. die schwedische Granulatsteuer belege, von der Ausfuhren nicht befreit seien. Da mit
         den Granulatsteuern den mit der Erzeugung verbundenen Umweltbedenken Rechnung getragen werden solle, dürfte es normalerweise
         keine Gefahr einer Doppelbesteuerung geben. Die Begründung der angefochtenen Entscheidung, die sich darauf stütze, dass die
         Behörden des Vereinigten Königreichs keine Kontrolle über den Verwendungszweck des ausgeführten Granulats hätten, sei falsch.
         Aufgrund der jeweiligen chemischen Eigenschaften könne nämlich leicht zwischen Granulat, das für die Verwendung in befreiten
         Verfahren bestimmt sei, und Granulat, das der Abgabe unterliege, unterschieden werden.
      
      89     Schließlich macht die Klägerin geltend, die angefochtene Entscheidung leide unter einem Begründungsmangel. Die Kommission
         müsse zu den oben genannten Behandlungsunterschieden, die mit den angeblichen Zwecken der AGL unvereinbar seien, Stellung
         nehmen, weil sie nicht „offensichtlich neben der Sache [lägen] oder keine oder eindeutig untergeordnete Bedeutung [hätten]“
         (Urteil Kommission/Sytraval und Brink’s France, Randnr. 64).
      
      90     Die Kommission weist dieses Vorbringen zurück. Sie macht geltend, dass im Fall einer sektoriellen Maßnahme das Kriterium der
         Selektivität erfüllt sei, wenn diese Maßnahme einen Sondervorteil verleihe (Urteile des Gerichtshofes vom 17. Juni 1999 in
         der Rechtssache C‑75/97, Belgien/Kommission, „Maribel“, Slg. 1999, I‑3671, Randnrn. 32 und 33, und Adria-Wien Pipeline und
         Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke, Randnr. 48). Dagegen könne in einer Regelung, mit der in einem bestimmten Sektor eine
         Sonderbelastung geschaffen werde, keine staatliche Beihilfe liegen. Sie stelle nämlich keine Bedrohung für den Binnenmarkt
         dar, den die Vorschriften über die staatlichen Beihilfen schützen sollten.
      
      91     Eine Sonderabgabe enthalte somit kein Element einer staatlichen Beihilfe, vorausgesetzt, sie gelte für einen bestimmten Sektor
         oder die betreffenden Bestimmungen fügten sich in die Natur und den allgemeinen Aufbau des Systems ein.
      
      92     Hier stelle die AGL eine Sonderabgabenbelastung dar, die mit dem Sektor der gewerblichen Verwertung von Virgin-Granulat einen
         bestimmten und begrenzten Sektor treffe. Sie verleihe keinerlei selektiven Vorteil und locke folglich keine Anlagen oder neue
         Arbeitsplätze in das Vereinigte Königreich, schließe Granulat aus anderen Mitgliedstaaten nicht vom britischen Markt aus und
         subventioniere die Ausfuhren nicht. Die AGL falle somit nicht unter Artikel 87 Absatz 1 EG, der die staatlichen Beihilfen
         definiere, sondern unter die für den Bereich der Steuern geltenden Bestimmungen des EG-Vertrags. Das von der Klägerin angeführte
         Urteil Adria-Wien Pipeline und Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke sei deshalb hier nicht einschlägig.
      
      93     Zu der Gesetzesänderung nach Anmeldung des Vorhabens der fraglichen Beihilferegelung, auf die die Klägerin hinweist, stellt
         die Kommission klar, sie sei schriftlich und später mündlich von den Gesetzesänderungsvorhaben unterrichtet worden, bevor
         sie die angefochtene Entscheidung erlassen habe.
      
      94     Die AGL enthalte kein Beihilfeelement, weil sich die angesprochenen Ausnahmen für die befreiten Materialien in die Natur und
         den Aufbau der Regelung einfügten.
      
      95     Erstens bestreitet die Kommission die von der Klägerin beanstandeten Inkohärenzen hinsichtlich des Anwendungsbereichs der
         AGL. Sie macht geltend, allein Virgin-Granulat unterliege der AGL.
      
      96     Im Übrigen profitierten bestimmte Materialien, die vor allem aufgrund ihrer niedrigeren Preise als Granulat zum Einsatz kommen
         könnten, von einer der Natur und dem Aufbau der Regelung innewohnenden Befreiung, weil sie Virgin-Granulat ersetzen könnten.
      
      97     Dagegen könnten Kalkstein oder Sand, die als Erstgewinnungserzeugnisse als Granulat verwendet würden, durch aufbereitetes
         Granulat oder sonstige Substitute ersetzt werden, was die Erhebung der AGL auf sie rechtfertige. Außerdem spiegele ihre Besteuerung
         auch den Willen wider, die mit ihrer Gewinnung verbundenen Umweltkosten zu berücksichtigen.
      
      98     Da die Befreiung bestimmter Materialien durch die Natur oder den Aufbau der Regelung gerechtfertigt sei, könne der von der
         Klägerin geltend gemachte Umstand, dass diese Materialien im Wettbewerb mit der Abgabe unterliegendem Granulat stünden, nicht
         so gedeutet werden, dass die Abgabe Elemente einer staatlichen Beihilfe enthalte.
      
      99     Zweitens entspreche auch die Ausfuhrbefreiung der Logik der AGL.
      100   Schließlich sei die angefochtene Entscheidung hinreichend begründet.
      101   Der Streithelfer schließt sich den Ausführungen der Kommission an. Er betont, dass die AGL konzipiert worden sei, um sicherzustellen,
         dass sich die Umweltauswirkungen der Gewinnung von Virgin-Granulat auf die Preise niederschlügen. Das mit dieser Abgabe verfolgte
         vorrangige Ziel bestehe darin, zum Rückgriff auf Ersatzerzeugnisse wie aufbereitetes Granulat oder sonstige Ersatzmaterialien
         für Virgin-Granulat anzuhalten und eine wirtschaftliche Verwendung von Granulat sowie die Entwicklung von Ersatzerzeugnissen
         zu fördern. Ein untergeordnetes Ziel sei es, durch die Besteuerung von eingeführten Erzeugnissen und die Befreiung von Ausfuhren
         die Wettbewerbsfähigkeit des Vereinigten Königreichs zu erhalten.
      
      102   Struktur und Anwendungsbereich der AGL seien, wie vom High Court of Justice in seinem genannten Urteil vom 19. April 2002
         bestätigt, mit dem Aufbau oder der Natur des Abgabesystems vereinbar. Denn entsprechend ihren Zielen gelte die Abgabe für
         alle Virgin-Granulate. Sie gelte weder für Materialien, die nicht als Granulat verwendet würden, noch für Abfälle, die aus
         sonstigen Verarbeitungsverfahren herrührten.
      
      103   Insbesondere unterlägen Porzellanerde und Töpferton nicht der AGL, weil sie kein Granulat seien. Ihr Abraum und ihre sonstigen
         Nebenprodukte seien gleichfalls befreit, um ihre Verwendung als Substitute für Virgin-Granulat zu fördern. Tonschiefer, Kohle,
         Braunkohle und Schiefer seien kein Virgin-Granulat, das als solches verwendet werde. Ihr Abraum bestehe aus demselben Stoff
         und sei deshalb ebenfalls befreit. Kalkstein sei abgabepflichtig als Erzeugnis der Kategorie Virgin-Granulat. Auch auf seine
         aus mineralogischer Sicht gleichen Nebenprodukte werde deshalb die Abgabe erhoben. Nur Kalkstein, der zur Herstellung von
         Kalk oder Zement verwendet werde, falle unter ein befreites Verfahren.
      
       Würdigung durch das Gericht
      104   Im vorliegenden Fall dreht sich der Streit um die Anwendung des Kriteriums der Selektivität durch die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung, in der sie die Einstufung als staatliche Beihilfe mit der Begründung verneint hat, dass „sich der Anwendungsbereich
         der AGL durch die Logik und die Natur des Steuersystems rechtfertigt“ (Begründungserwägung 43).
      
      105   Voraussetzung dafür, dass eine Maßnahme eine staatliche Beihilfe im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG darstellt, ist u. a.,
         dass sie so geartet ist, dass sie einen selektiven Vorteil gewährt, der ausschließlich bestimmten Unternehmen oder bestimmten
         Tätigkeitssektoren vorbehalten ist. Diese Bestimmung stellt nämlich auf die Beihilfen ab, die „durch die Begünstigung bestimmter
         Unternehmen oder Produktionszweige“ den Wettbewerb verfälschen oder zu verfälschen drohen.
      
      106   Insoweit unterscheidet Artikel 87 Absatz 1 EG nach ständiger Rechtsprechung nicht nach den Gründen oder Zielen einer Maßnahme,
         mit der die normale Belastung eines Unternehmens erleichtert wird, sondern beschreibt diese Maßnahme nach ihren Wirkungen.
         Folglich genügen weder der Abgabencharakter noch die wirtschaftliche oder soziale Zielsetzung oder die Ziele des Umweltschutzes
         oder der Sicherheit von Personen, die eine solche Maßnahme haben mag, dafür, dass diese von vornherein aus dem Anwendungsbereich
         des vorgenannten Artikels ausscheidet (vgl. in Bezug auf selektive Befreiungen von Sozialabgaben Urteile des Gerichtshofes
         vom 2. Juli 1974 in der Rechtssache 173/73, Italien/Kommission, Slg. 1974, 709, Randnrn. 27 und 28, und Maribel, Randnr. 25,
         in Bezug auf eine selektive Zinsverbilligung für kleine und mittlere Unternehmen [KMU] mit Blick auf die Erneuerung des Nutzfahrzeugbestands
         im Interesse des Umweltschutzes und einer erhöhten Verkehrssicherheit Urteil des Gerichtshofes vom 13. Februar 2003 in der
         Rechtssache C‑409/00, Spanien/Kommission, Slg. 2003, I‑1487, Randnr. 46, und Urteil des Gerichts vom 29. September 2000 in
         der Rechtssache T‑55/99, CETM/Kommission, Slg. 2000, II‑3207, Randnr. 53). 
      
      107   Bei der Prüfung der Selektivität einer Maßnahme überprüft der Gemeinschaftsrichter, ob die Kommission zu Recht zu der Ansicht
         gelangt ist, dass die durch die betreffende Maßnahme eingeführte Unterscheidung zwischen Unternehmen bei Vorteilen oder Belastungen
         in der Natur oder im Aufbau des geltenden allgemeinen Systems angelegt ist. Ist diese Unterscheidung auf andere als die mit
         dem allgemeinen System verfolgten Ziele zurückzuführen, wird grundsätzlich angenommen, dass die fragliche Maßnahme das in
         Artikel 87 Absatz 1 EG vorgesehene Merkmal der Selektivität erfüllt (vgl. in diesem Sinne Urteile Italien/Kommission, Randnr.
         33, Maribel, Randnrn. 33 und 39, und Adria-Wien Pipeline und Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke, Randnr. 49). Es obliegt
         der Klägerin, ausreichende Beweise beizubringen (vgl. in diesem Sinne Urteil Spanien/Kommission, Randnr. 53, und Urteil des
         Gerichts vom 6. März 2002 in den Rechtssachen T‑127/99, T‑129/99 und T‑148/99, Diputación Foral de Álava u. a. /Kommission,
         Slg. 2002, II‑1275).
      
      108   Diese Rechtsprechung ist im Übrigen von der Kommission in ihre Mitteilung vom 10. Dezember 1998 über die Anwendung der Vorschriften
         über staatliche Beihilfen auf Maßnahmen im Bereich der direkten Unternehmens[be]steuerung (ABl. C 384, S. 3) übernommen worden.
      
      109   Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob die in Rede stehende Abgabe in Anbetracht ihrer Natur und ihrer Merkmale nach den in
         der vorstehend genannten Rechtsprechung herausgearbeiteten Kriterien selektiv ist. Um darzulegen, dass diese Kriterien erfüllt
         sind, beruft sich die Klägerin auf die Inkohärenz zwischen den vorgebrachten Umweltzielen und der Abgrenzung des materiellen
         Anwendungsbereichs der AGL zum einen sowie der Ausfuhrbefreiung zum anderen.
      
      –       Materieller Anwendungsbereich der AGL
      110   Zuerst ist die Rüge der Klägerin zu prüfen, die Kommission habe sich mit dem bloßen Verweis auf die vom Gesetz aufgestellte
         Liste der abgabepflichtigen Materialien in Wirklichkeit auf eine unzutreffende Definition des materiellen Anwendungsbereichs
         der AGL gestützt, was zu einer offensichtlich falschen Beurteilung der Natur dieser Abgabe in der angefochtenen Entscheidung
         geführt habe.
      
      111   Zunächst bringt die Klägerin keinen Anhaltspunkt von Gewicht dafür vor, dass die angefochtene Entscheidung auf eine Prüfung
         der AGL in der ursprünglichen gesetzlichen Fassung gestützt wäre. Zwar waren bei der Anmeldung der AGL mit Schreiben vom 20.
         Dezember 2001 die maßgeblichen Bestimmungen des Gesetzes zur Einführung dieser Abgabe noch nicht geändert, doch ist festzustellen,
         dass das Anmeldungsschreiben die Kommission deutlich darauf hinwies, dass durch den Finance Act 2002 Änderungen vorgenommen
         würden und dass das beabsichtigte Vorhaben, das diesem Schreiben zufolge Teil des Finance Act 2002 sein würde, noch nicht
         verwirklicht worden sei. Außerdem bestätigen die angefochtene Entscheidung sowie verschiedene Aktenstücke, dass die Kommission
         diese Änderungen später für die Zwecke des Erlasses der angefochtenen Entscheidung berücksichtigte, insbesondere, soweit sie
         eine Befreiung der Abfälle aus der Gewinnung von Kohle, Braunkohle, Tonschiefer oder Schiefer oder in Section 18 Subsection
         3 des Gesetzes aufgezählter Materialien einführen. In ihrem Schreiben an die Kommission vom 19. Februar 2002 erklärten nämlich
         die Behörden des Vereinigten Königreichs in Beantwortung einer Frage der Kommission, dass die Befreiung einiger dieser Materialien
         darauf abziele, den Weg für ihre Verwendung als Substitute für Virgin-Granulat frei zu machen. Im Übrigen geht aus der angefochtenen
         Entscheidung (insbesondere Begründungserwägungen 11 und 29) hervor, dass die Kommission die Befreiung dieser Abfälle berücksichtigt
         hat.
      
      112   Sodann ist auch das Vorbringen der Klägerin zurückzuweisen, dass insbesondere aus der Begründungserwägung 29 der angefochtenen
         Entscheidung der Fehler der Kommission ersichtlich sei, alle Neben- oder Abfallprodukte aus der Gewinnung von Fels, Sand oder
         Kies als befreit anzusehen. Das von der Klägerin vertretene Verständnis der streitigen Stelle in Begründungserwägung 29 –
         wo es heißt, dass die AGL „[nicht] auf Granulat erhoben [wird], das als Neben- oder Abfallprodukt anderer Verfahren gewonnen
         wird (Sekundär-Granulat)“ – stützt sich nämlich auf eine Auslegung des Begriffes „Sekundär-Granulat“, die sich von der Auslegung
         unterscheidet, die die Kommission in der gesamten angefochtenen Entscheidung zugrunde gelegt hat. Denn aus den Antworten der
         Beklagten auf die schriftlichen Fragen des Gerichts ergibt sich, dass sie den Begriff „Primär-Granulat“ zur Bezeichnung im
         Wesentlichen des der AGL unterliegenden Granulats und den Begriff „Sekundär-Granulat“ zur Bezugnahme im Wesentlichen auf befreites,
         gesetzlich genau aufgelistetes Granulat verwendet hat. Demgegenüber verwendet die Klägerin diese Begriffe – die, wie zwischen
         den Parteien unstreitig ist, unterschiedliche Konzepte abdecken können – zur Unterscheidung der Erzeugnisse, die Hauptgeschäftsgegenstand
         einer Abbaustelle sind (Primärmaterialien), von den Nebenerzeugnissen der Gewinnung von Primärmaterialien (Sekundärmaterialien).
         Unter diesen Umständen besagt die streitige Stelle in der Begründungserwägung 29 der angefochtenen Entscheidung in deren Gesamtzusammenhang
         und im Licht der von der Kommission gegebenen Erklärungen lediglich, dass die AGL nicht auf die Neben- oder Abfallprodukte
         der ersten Gewinnung erhoben wird, wenn sie nach dem Gesetz in seiner geänderten Fassung befreit sind. Dieses Verständnis
         der Begründungserwägung 29 wird dadurch bestätigt, dass die Behörden des Vereinigten Königreichs in ihrem Schreiben an die
         Kommission vom 19. Februar 2002 deutlich und genau die Gründe dargelegt hatten, aus denen Granulat minderer Güte, worum es
         sich bei den Nebenerzeugnissen bestimmter befreiter Materialien handelt (vgl. unten, Randnr. 137), der AGL unterliege.
      
      113   Unter diesen Umständen ist die Auffassung der Klägerin, dass sich die angefochtene Entscheidung auf eine falsche Definition
         des materiellen Anwendungsbereichs der AGL stütze, zurückzuweisen.
      
      114   Was die angebliche Inkohärenz zwischen dem Anwendungsbereich der AGL und ihren Umweltzielen angeht, ist zunächst darauf hinzuweisen,
         dass eine Abgabe, wie die Kommission in ihrer Mitteilung vom 26. März 1997 – Umweltsteuern und -gebühren im Binnenmarkt –
         (KOM[97] 9endg., Nr. 11) ausführt, als Umwelt- oder Ökoabgabe definiert werden kann, wenn „sich die als Besteuerungsgrundlage
         dienenden Eigenschaften eindeutig umweltschädigend auswirken“. Eine Ökoabgabe ist deshalb eine eigenständige Steuermaßnahme,
         die durch ihre Umweltziele und ihre spezifische Bemessungsgrundlage gekennzeichnet ist. Sie sieht die Abgabenerhebung auf
         bestimmte Gegenstände oder Dienstleistungen vor, damit die Umweltkosten in deren Preis einfließen und/oder die aufbereiteten
         Erzeugnisse wettbewerbsfähiger werden und damit die Hersteller und die Verbraucher zu umweltfreundlicherem Verhalten hingeführt
         werden.
      
      115   Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass es den Mitgliedstaaten, die beim gegenwärtigen Stand des Gemeinschaftsrechts mangels
         einer Koordination auf diesem Gebiet nach wie vor für die Umweltpolitik zuständig sind, freisteht, sektorielle Ökoabgaben
         einzuführen, um bestimmte Umweltziele zu erreichen, die in der vorstehenden Randnummer genannt worden sind. Insbesondere können
         sie bei der Abwägung der verschiedenen bestehenden Interessen ihre Prioritäten im Umweltschutz definieren und entsprechend
         die Gegenstände oder Dienstleistungen bestimmen, die sie einer Ökoabgabe zu unterwerfen beschließen. Der bloße Umstand, dass
         eine Ökoabgabe eine punktuelle Maßnahme darstellt, die bestimmte Gegenstände oder spezifische Dienstleistungen betrifft und
         nicht auf ein allgemeines Abgabensystem zurückgeführt werden kann, das für sämtliche ähnliche Tätigkeiten mit vergleichbarer
         Umweltauswirkung gilt, lässt daher grundsätzlich nicht die Annahme zu, dass ähnliche, dieser Ökoabgabe nicht unterliegende
         Tätigkeiten von einem selektiven Vorteil profitieren.
      
      116   Insbesondere kann der Umstand, dass solche ähnlichen Tätigkeiten einer Ökoabgabe, die auf einige spezifische Erzeugnisse erhoben
         wird, nicht unterworfen sind, nicht mit einer Entlastungsmaßnahme in diesen Tätigkeitssektoren gleichgestellt werden, die
         denjenigen Maßnahmen ähneln würde, um die es u. a. in den Urteilen Spanien/Kommission, CETM/Kommission und Diputación Foral
         de Álava u. a./Kommission ging. Denn im Unterschied zu einer Ökoabgabe, die gerade durch den ihr eigenen Anwendungsbereich
         und die ihr eigene Zielsetzung gekennzeichnet ist (vgl. oben, Randnr. 114) und deshalb grundsätzlich nicht auf ein allgemeines
         System zurückgeführt werden kann, wichen die vorgenannten Entlastungsmaßnahmen von einem System von normalerweise auf den
         Unternehmen lastenden Kosten ab. In den ersten beiden oben genannten Urteilen handelte es sich um eine in Form einer Zinsverbilligung
         erfolgende Entlastung von Kosten, die unter normalen wirtschaftlichen Bedingungen aus der für die Unternehmen bestehenden
         Notwendigkeit folgten, ihren Nutzfahrzeugpark zu erneuern. Im Kontext dieser Kostenregelung genügte der Umstand, dass diese
         im Übrigen allein den KMU gewährten Zinsverbilligungen im Interesse des Umweltschutzes und einer erhöhten Verkehrssicherheit
         die Erneuerung des Nutzfahrzeugbestands in dem betreffenden Mitgliedstaat fördern sollten, nicht, um anzunehmen, dass dieser
         Vorteil an ein von der Klägerin übrigens nicht einmal näher bezeichnetes System als solches anknüpfte (Urteil CETM/Kommission,
         Randnrn. 53 und 54). Im dritten oben genannten Urteil entschied der Gerichtshof, dass die betreffende Steuergutschrift, die
         nur Unternehmen mit erheblichen finanziellen Mitteln zugute kam, den Grundsätzen zuwiderlief, die dem Steuersystem des betroffenen
         Mitgliedstaats zugrunde lagen (Randnr. 166 des Urteils).
      
      117   Da die Ökoabgaben naturgemäß spezifische Maßnahmen darstellen, die die Mitgliedstaaten im Rahmen ihrer Umweltpolitik ergreifen,
         für die sie zuständig bleiben, solange es keine Harmonisierungsmaßnahmen gibt, hat die Kommission in diesem rechtlichen Rahmen
         bei der Beurteilung einer Ökoabgabe anhand der Gemeinschaftsvorschriften über staatliche Beihilfen die in Artikel 6 EG genannten
         Erfordernisse des Umweltschutzes zu berücksichtigen. Denn nach diesem Artikel müssen diese Erfordernisse bei der Festlegung
         und Durchführung u. a. eines Systems einbezogen werden, das den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarktes vor Verfälschungen
         schützt.
      
      118   Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass sich das Gericht bei seiner Überprüfung einer Entscheidung der Kommission über die
         Nichteinleitung des förmlichen Prüfverfahrens nach Artikel 88 Absatz 2 EG in Anbetracht des weiten Ermessens der Kommission
         bei der Anwendung des Artikels 88 Absatz 3 EG auf die Prüfung beschränken muss, ob die Vorschriften über das Verfahren und
         die Begründung eingehalten worden sind, ob der Sachverhalt, der der beanstandeten Entscheidung zugrunde gelegt wurde, zutreffend
         festgestellt worden ist und ob keine offensichtlich fehlerhafte Würdigung dieses Sachverhalts oder ein Ermessensmissbrauch
         vorliegt (Urteile Matra/Kommission, Randnr. 25, und Skibsværftsforeningen u. a./Kommission, Randnrn. 169 und 170).
      
      119   Im vorliegenden Fall hat das Gericht deshalb im Licht all dieser Überlegungen zu prüfen, ob die Kommission nicht die Grenzen
         ihres Ermessens überschritten hat, als sie in der angefochtenen Entscheidung die Ansicht vertreten hat, dass die Abgrenzung
         des Anwendungsbereichs der AGL durch die Verfolgung der vorgebrachten Umweltziele gerechtfertigt werden könne.
      
      120   Insoweit unterscheidet sich der vorliegende Rechtsstreit von der Streitigkeit, um die es im Urteil Adria-Wien Pipeline und
         Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke ging, auf das sich die Klägerin beruft. In dieser Rechtssache war der Gerichtshof nicht
         wie hier zur Prüfung der Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs einer Ökoabgabe aufgerufen, sondern zur Prüfung der
         allein für Hersteller körperlicher Wirtschaftsgüter geltenden teilweisen Freistellung von der Entrichtung einer solchen Abgabe,
         die in jenem Fall im Rahmen des österreichischen Strukturanpassungsgesetzes von 1996 auf den Verbrauch von Erdgas und elektrischer
         Energie durch die Unternehmen eingeführt worden war.
      
      121   In der genannten Rechtssache stellte die beanstandete Unterscheidung also nicht auf den Typ des der betreffenden Ökoabgabe
         unterliegenden Erzeugnisses ab, sondern auf die industriellen Verbraucher nach Maßgabe dessen, ob sie im Primär- oder im Sekundärsektor
         der nationalen Wirtschaft tätig waren oder nicht. Der Gerichtshof stellte fest, dass die Gewährung von Vorteilen an Unternehmen,
         deren Schwerpunkt in der Herstellung körperlicher Güter besteht, in dem Wesen oder den allgemeinen Zwecken des Steuersystems,
         das mit dem Strukturanpassungsgesetz eingeführt wurde, keine Rechtfertigung fand. Er befand im Wesentlichen, dass die Umweltschutzerwägungen,
         die dem Strukturanpassungsgesetz zugrunde lagen, keine unterschiedliche Behandlung des Sektors der gütererzeugenden Unternehmen
         und des Sektors der dienstleistenden Unternehmen rechtfertigten, da der Energieverbrauch beider Sektoren für die Umwelt gleichermaßen
         schädlich war. Vor diesem Hintergrund hat der Gerichtshof u. a. das vom Gedanken an die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit
         der gütererzeugenden Unternehmen geleitete Vorbringen der österreichischen Regierung zurückgewiesen, dass die teilweise Vergütung
         der fraglichen Umweltabgaben allein diesen Unternehmen gegenüber durch die Tatsache gerechtfertigt sei, dass sie im Vergleich
         zu anderen durch diese Abgaben überproportional belastet worden seien (Randnrn. 44, 49 und 52 des Urteils).
      
      122   Im vorliegenden Fall macht die Klägerin zur Stützung ihrer Klage geltend, dass die Bestimmung der der AGL unterworfenen Materialien
         nicht den vorgebrachten Umweltzielen entspreche, sondern in Wirklichkeit den Willen widerspiegele, bestimmte Sektoren von
         der Abgabe freizustellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu schützen.
      
      123   Deshalb sind die von der Klägerin behaupteten Inkohärenzen bei der Definition des materiellen Anwendungsbereichs der AGL zu
         untersuchen.
      
      124   Hier geht aus dem Anmeldungsschreiben und aus der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägungen 5, 16 und 31) ausdrücklich
         hervor, dass zum einen die AGL grundsätzlich auf die Maximierung der Verwendung von aufbereitetem Granulat oder anderen Ersatzmaterialien
         für Virgin-Granulat und auf die Förderung einer effizienten Verwendung von Virgin-Granulat als nicht erneuerbarem natürlichen
         Rohstoff abzielt. Zum anderen beziehen sich das Anmeldungsschreiben und die angefochtene Entscheidung auch, mehr implizit,
         auf die Internalisierung der Umweltkosten nach dem Verursacherprinzip, wenn es darin im Zusammenhang mit der Zielsetzung der
         AGL heißt: „Die Umweltkosten der Granulatgewinnung, denen mit der Abgabe entgegengewirkt werden soll, umfassen Lärm, Staub,
         Beeinträchtigungen der Biodiversität und Sichtbeeinträchtigungen.“ Diese Ziele werden im Schreiben der Behörden des Vereinigten
         Königreichs an die Kommission vom 19. Februar 2002 ausdrücklich genannt.
      
      125   In der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägung 8) wird Virgin-Granulat definiert als „Granulat, das beim ersten Abbau
         aus natürlichen Mineralablagerungen erzeugt wird“, und als „Fragmente von Fels, Sand oder Kies, die in ihrem natürlichen Zustand
         oder nach mechanischer Bearbeitung wie Zerstoßen, Waschen und Sortierung verwendet werden können“.
      
      126   Zwischen den Parteien ist unstreitig, dass der Begriff „Granulat“ nicht auf eine bestimmte Gruppe von Materialien abstellt,
         die allein durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften definiert sind. Die Verwendung eines Materials (Fels, Sand oder
         Kies) als Granulat hängt auch von seinem Preis und den Transportkosten ab. Weiter ist unstreitig, dass bestimmte von der Abgabe
         freigestellte Materialien wie Tonschiefer und Schiefer minderer Güte, Lehm, Porzellanerde und Töpferton in manchen Fällen
         nach der Gewinnung in Erstverwendung als Granulat zum Einsatz kommen.
      
      127   Die AGL ist somit eine Ökoabgabe, die im Prinzip auf die gewerbliche Verwertung von Virgin-Granulat – also körnige, im Hoch-
         und Tiefbau verwendete Materialien aus erstem Abbau – unter Ausschluss einiger im Gesetz bestimmter Materialien erhoben wird.
         Zu prüfen ist die Kohärenz zwischen diesem Anwendungsbereich und den verfolgten Umweltzielen (vgl. oben, Randnr. 124).
      
      128   Erstens ist festzustellen, dass diejenigen Materialien, die nicht zur Verwendung als Granulat in den Verkehr gebracht werden,
         nicht zu dem der AGL unterliegenden Sektor gehören. Entgegen der Ansicht der Klägerin hat ihre Befreiung deshalb keinen Ausnahmecharakter
         im Verhältnis zum System der betreffenden Ökoabgabe. Insbesondere fällt die Entscheidung, eine Ökoabgabe allein im Granulatsektor
         einzuführen – und nicht allgemein in allen Sektoren, in denen Steinbrüche und Minen betrieben werden, die die gleichen Umweltauswirkungen
         wie die Granulatgewinnung haben –, in die Befugnis des betreffenden Mitgliedstaats, seine Prioritäten in den Bereichen Wirtschafts-,
         Finanz- und Umweltpolitik festzulegen. Eine solche Wahl ist deshalb, auch wenn sie vom Bemühen um die Erhaltung der internationalen
         Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Sektoren geleitet sein mag, kein Grund, die Kohärenz zwischen der AGL und den verfolgten Umweltzielen
         in Frage zu stellen (vgl. oben, Randnr. 115).
      
      129   In diesem Rahmen ist das Vorbringen der Klägerin zur Befreiung von Materialien wie insbesondere Tonschiefer und Schiefer hoher
         Güte, Töpferton, Porzellanerde, Kohle und Braunkohle, die sich im Prinzip wegen ihrer physikalischen Eigenschaften oder ihres
         Preises nicht zur Verwendung als Granulat eignen, unerheblich.
      
      130   Zweitens ist festzustellen, dass der betreffende Mitgliedstaat im Rahmen seiner Umweltpolitik die zur Verwendung als Granulat
         dienenden Materialien, deren Besteuerung er für angebracht hielt, frei bestimmen und unter Berücksichtigung der verfolgten
         Umweltziele bestimmte Materialien – u. a. Schiefer und Tonschiefer minderer Güte, Lehm und die Abfälle von Porzellanerde und
         Töpferton – selbst dann vom Anwendungsbereich der AGL ausnehmen durfte, wenn sie nach ihrer Gewinnung als Granulat verwendet
         werden. Insoweit ist die vom Streithelfer und von der Kommission vorgebrachte Erklärung, dass die Befreiung dieser – wegen
         ihrer erhöhten Transportkosten bislang wenig als Granulat eingesetzten – Materialien ihre Verwendung als Substitut für von
         der Ökoabgabe erfasstes Virgin-Granulat gestatte und damit zu einer Rationalisierung der Gewinnung und Verwendung von Virgin-Granulat
         beitragen könne, im Hinblick auf die verfolgten Umweltziele akzeptabel. 
      
      131   Denn aus dem Anwendungsbereich der AGL sowie aus dem Schreiben der Behörden des Vereinigten Königreichs an die Kommission
         vom 19. Februar 2002 ergibt sich, dass mit der Einführung der AGL gerade darauf abgezielt wurde, die Gewinnung der üblicherweise
         als Granulat verwendeten Materialien, die 70 % der im Vereinigten Königreich geförderten Minerale ausmachen, zurückzuführen
         und zu rationalisieren, indem u. a. ihr Ersatz durch befreite aufbereitete Erzeugnisse oder sonstige Rohmaterialien wie die
         Überreste oder Abfälle von Tonschiefer, Schiefer, Lehm, Porzellanerde oder Töpferton begünstigt wird.
      
      132   Außerdem gibt es nach von der Klägerin unwidersprochener Aussage der Kommission erhebliche und oft alte Lager von Tonschieferüberresten
         (oder von Tonschiefer minderer Güte) in walisischen Grubenhalden und von Porzellanerde und Töpferton in Devon und in Cornwall.
         Diese Lager werden derzeit als Abfälle betrachtet und verunzieren die Landschaft. Ausweislich des Schreibens der Behörden
         des Vereinigten Königreichs vom 19. Februar 2002 liegen sie zum Teil in Nationalparks. Die Freistellung der gewerblichen Verwertung
         dieser Materialien zum Zwecke der Verwendung als Granulat macht sie im Verhältnis zu sonstigem Virgin-Granulat wettbewerbsfähig
         und gestattet somit einen Abbau der Lager. Zudem hat die Kommission in der mündlichen Verhandlung klargestellt, dass Kalkstein
         anders als der brüchige Tonschiefer, dessen Abbau unvermeidlich zu Abfällen in sehr beträchtlicher Menge führe, abgebaut werden
         könne, ohne viel Abfall zu erzeugen.
      
      133   In diesem Zusammenhang genügt das Vorbringen der Klägerin zum Umwelteinfluss der Gewinnung von Tonschiefer, Schiefer, Lehm,
         Porzellanerde und Töpferton nicht für die Schlussfolgerung, dass die Befreiung dieser Materialien den verfolgten Umweltzielen
         zuwiderliefe und den betreffenden Tätigkeitssektoren somit einen selektiven Vorteil verliehe. Insoweit bringt die Klägerin
         nichts Überzeugendes vor, was im Hinblick auf die angegebenen Ziele daran zweifeln lassen könnte, dass die Entscheidung des
         nationalen Gesetzgebers zulässig war, der AGL die gewerbliche Verwertung allein von Granulat zu unterwerfen, dessen Gewinnung,
         wie aus dem genannten Schreiben vom 19. Februar 2002 hervorgeht, als Hauptquelle für die Beeinträchtigung der Umwelt gilt.
      
      134   Unter diesen Umständen läuft die vom Gesetz in seiner geänderten Fassung vorgesehene Freistellung bestimmter als Granulat
         verwendeter Rohmaterialien nicht den vorgebrachten Umweltzielen zuwider und lässt sich nachvollziehbar durch die Natur und
         den Aufbau der AGL rechtfertigen.
      
      135   Zu prüfen ist drittens das Vorbringen der Klägerin zur Ungereimtheit der Erhebung der AGL insbesondere auf Granulat hoher
         technischer Spezifikation (als Straßenbelag verwendete Materialien, als Schotter eingesetzter Granit, Granulat, das zur Herstellung
         von Beton mit geringem Schwindmaß oder hohem Haftverbund verwendet wird) und auf roten Kies (der als Belag für Fuß- oder Radwege
         verwendet wird), für die es keine Ersatzerzeugnisse gebe. Zwar kann, wie die Klägerin vorträgt, die Abgabeerhebung auf diese
         – aufgrund ihres höheren Preises nicht als Füllmaterial eingesetzten – Materialien grundsätzlich nicht die Nachfrage hin zu
         Ersatzerzeugnissen wie aufbereitetem Granulat verlagern und damit die Gewinnung von Virgin-Granulat zurückgehen lassen. Doch
         konnte sie nachvollziehbar einem der Ziele der AGL Rechnung tragen, nämlich der Internalisierung der mit der Herstellung von
         Virgin-Granulat verbundenen Umweltkosten.
      
      136   Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass der Betrag der Abgabe in Höhe von 1,60 GBP pro Tonne abgabepflichtigen Granulats annähernd
         den mit der Gewinnung von Granulat im Vereinigten Königreich verbundenen durchschnittlichen Umweltkosten entspricht, die nach
         den Angaben im von der Klägerin vorgelegten Bericht der Ecotec Research & Consulting vom April 2001 mit dem Titel „Study on
         the Economic and Environmental Implications of the use of Environmental Taxes and Charges in the European Union and its Member
         States“ (Studie zu den Auswirkungen des Einsatzes von Umweltsteuern und -abgaben in der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten
         auf Wirtschaft und Umwelt) auf 1,80 GBP pro Tonne angesetzt werden. In diesem Bericht wird im Übrigen die Bedeutung eines
         ausreichend hohen Abgabebetrags betont. Die vorstehenden Angaben bestätigen somit, dass die Abgabeerhebung auf die betreffenden
         Materialien mit Blick auf die Anforderungen des Verursacherprinzips als zulässig angesehen werden kann.
      
      137   Durch das Verursacherprinzip ließ sich auch die Abgabeerhebung auf die Nebenerzeugnisse der Gewinnung von Materialien, für
         die es keine Ersatzerzeugnisse gibt, rechtfertigen, insbesondere die Abgabeerhebung auf Granulat minderer Güte, worum es sich
         bei den Nebenerzeugnissen der Gewinnung von für die Herstellung von Zement oder Kalk bestimmtem Kalkstein, von behauenem Bruchstein
         oder von bei der Herstellung von Glas verwendetem Quarzsand handelt, wie sich aus dem Schreiben der Behörden des Vereinigten
         Königreichs vom 19. Februar 2002 ergibt. Außerdem lässt sich die Abgabeerhebung auf diese Erzeugnisse auch durch das – vom
         Streithelfer im vorstehend genannten Schreiben ebenfalls angeführte – Ziel rechtfertigen, eine wirtschaftlichere Granulatgewinnung
         und -bearbeitung zu fördern, damit der Anteil von Granulat minderer Güte zurückgeht. Dieser Anteil ist nämlich, obwohl er,
         wie die Klägerin unterstreicht, von einer Abbaustelle zur anderen schwankt, doch je Abbaustelle beeinflussbar. In dieser Hinsicht
         hat die Kommission zumal in ihrer Klagebeantwortung – von der Klägerin unwidersprochen – auf den verhältnismäßig geringen
         Preisunterschied zwischen Granulat minderer Güte und den nicht ersetzbaren Materialien, deren Nebenerzeugnis es ist, hingewiesen.
      
      138   Daraus wird klar ersichtlich, dass das gesamte Vorbringen der Klägerin zur angeblichen Inkohärenz zwischen der Definition
         des materiellen Anwendungsbereichs der AGL und den verfolgten Umweltzielen jeder Grundlage entbehrt.
      
      139   Folglich hat die Klägerin nicht nachgewiesen, dass die angefochtene Entscheidung mit einem offensichtlichen Beurteilungsfehler
         behaftet ist, soweit darin festgestellt wird, dass die Definition des materiellen Anwendungsbereichs der AGL keine Elemente
         einer staatlichen Beihilfe enthält.
      
      140   In diesem Stadium ist der Klagegrund zu prüfen, dass die angefochtene Entscheidung hinsichtlich der Beurteilung des materiellen
         Anwendungsbereichs der AGL an einem Begründungsmangel leide. Die Klägerin beanstandet insoweit, die Kommission habe die vorstehend
         untersuchte unterschiedliche Behandlung in Bezug auf die Erhebung der AGL nicht begründet. 
      
      141   Nach ständiger Rechtsprechung muss die in Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts
         angepasst sein und die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck
         bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine
         Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem
         Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und nach dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere
         durch den Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen
         nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines
         Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch
         anhand seines Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden Gebiet (Urteile Kommission/Sytraval und Brink’s
         France, Randnr. 63, und Thermenhotel Stoiser Franz u. a./Kommission, Randnr. 94).
      
      142   Daraus folgt, dass sich das Erfordernis, eine Entscheidung über staatliche Beihilfen zu begründen, nicht nur nach dem Informationsinteresse
         bestimmen kann, das der Mitgliedstaat hat, an den diese Entscheidung gerichtet ist (Urteil des Gerichts vom 25. Juni 1998
         in den Rechtssachen T‑371/94 und T‑394/94, British Airways u. a. und British Midland Airways/Kommission, Slg. 1998, II‑2405,
         Randnr. 92). Insbesondere obliegt es der Kommission, wenn sie eine Maßnahme im Anschluss an die Vorprüfungsphase des Artikels
         88 Absatz 3 EG billigt, einen Überblick über die wesentlichen Gründe für diese Billigung zu geben, damit die betroffenen Dritten
         wissen können, warum die Entscheidung getroffen wurde, und damit sie beurteilen können, ob es angebracht ist, Klage dagegen
         einzureichen, um die Verletzung der ihnen durch Artikel 88 Absatz 2 EG verliehenen Verfahrensrechte zu rügen.
      
      143   Was insbesondere eine Entscheidung der Kommission über den Abschluss des Vorprüfverfahrens anbelangt, mit der das Vorliegen
         einer von einem Beschwerdeführer gerügten staatlichen Beihilfe verneint wird, so hat die Kommission dem Beschwerdeführer jedenfalls
         in hinreichender Weise die Gründe darzulegen, aus denen die in der Beschwerde angeführten rechtlichen und tatsächlichen Gesichtspunkte
         nicht zum Nachweis des Vorliegens einer staatlichen Beihilfe genügt haben. Sie braucht jedoch nicht zu Gesichtspunkten Stellung
         zu nehmen, die offensichtlich neben der Sache liegen oder keine oder eindeutig untergeordnete Bedeutung haben (Urteil Kommission/Sytraval
         und Brink’s France, Randnr. 64).
      
      144   Im vorliegenden Fall ergibt sich insbesondere aus den Begründungserwägungen 31, 32 und 34 der angefochtenen Entscheidung,
         dass die Kommission zu dem Ergebnis gekommen ist, dass der Anwendungsbereich der AGL durch die Logik und die Natur dieser
         Abgaberegelung gerechtfertigt sei, weil die AGL eine spezifische Ökoabgabe sei, deren sehr enger Anwendungsbereich vom betreffenden
         Mitgliedstaat, dem es freistehe, sein nationales Abgabensystem zu bestimmen, anhand der spezifischen Merkmale des entsprechenden
         Tätigkeitssektors abgegrenzt worden sei. Die Kommission hat im Wesentlichen hervorgehoben, dass sich die zwischen den abgabepflichtigen
         und den befreiten Sektoren vorgenommene Unterscheidung durch das Bemühen rechtfertige, zum einen einen Rückgang der Granulatgewinnung
         mit ihren unerwünschten Umweltauswirkungen zu erreichen und eine effiziente Verwendung dieses Granulats zu fördern und zum
         anderen den Einsatz aufbereiteten Granulats oder sonstiger Ersatzmaterialien zu begünstigen, um die Verwendung nicht erneuerbarer
         Rohstoffe und die damit verbundenen Umweltbeeinträchtigungen zu verringern.
      
      145   Die Kommission hat damit zusammenfassend, aber klar die Gründe dargestellt, aus denen sie die von der Klägerin in ihrer Beschwerde
         erhobenen Rügen – deren wesentlicher Inhalt in den Begründungserwägungen 14 und 15 der angefochtenen Entscheidung sehr knapp
         wiedergegeben ist – zurückgewiesen hat. Die Klägerin hatte nämlich die Unterscheidung zwischen der AGL unterworfenen Materialien
         wie bestimmten Nebenerzeugnissen minderer Güte (z. B. den Nebenerzeugnissen des zur Herstellung von Kalk oder Zement abgebauten
         Kalksteins) oder Sandstein, auf den die Abgabe erhoben werde, obwohl er nicht zur Verwendung als Granulat bestimmt sei, auf
         der einen Seite und bestimmten befreiten Nebenerzeugnissen (wie den als Granulat verwendeten Abfällen von Tonschiefer und
         Porzellanerde, die in der Begründungserwägung 11 der angefochtenen Entscheidung erwähnt werden) auf der anderen Seite beanstandet.
         Ihrer Auffassung nach war eine solche Unterscheidung geeignet, den Wettbewerb zwischen diesen verschiedenen Materialkategorien
         zu verfälschen, und nicht durch die Natur oder die Logik des Systems gerechtfertigt.
      
      146   Unter Berücksichtigung zum einen der – in der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägungen 31 und 32) erwähnten – Freiheit
         der Mitgliedstaaten, ihre Steuer- und Umweltpolitik wie hier unter Rückgriff auf die Einführung einer sektoriellen Ökoabgabe
         zu gestalten (vgl. oben, Randnrn. 115, 116, 128 und 130), und zum anderen des Umstands, dass die Klägerin ein Verband ist,
         in dem erfahrene Wirtschaftsteilnehmer zusammengeschlossen sind, kann unter diesen Umständen die angefochtene Entscheidung,
         in der knapp die wesentlichen ihr zugrunde liegenden Erwägungen ausgeführt werden, nicht als mit einem Begründungsmangel behaftet
         angesehen werden.
      
      –       Ausfuhrbefreiung
      147   Die Klägerin macht geltend, die Befreiung der Ausfuhr von Granulat stehe ebenfalls im Widerspruch zu den angeblich mit der
         AGL verfolgten Umweltzielen. Mit dieser Befreiung solle nur die Wettbewerbsfähigkeit der britischen Hersteller auf den Ausfuhrmärkten
         aufrechterhalten werden.
      
      148   Vorab ist daran zu erinnern, dass die AGL auf die Verwendung oder die gewerbliche Verwertung von Virgin-Granulat im Vereinigten
         Königreich erhoben wird. Die Einfuhr von Virgin-Granulat unterliegt der Abgabe, während die Ausfuhr davon befreit ist, um
         – den Behörden des Vereinigten Königreichs zufolge – „für Gerechtigkeit im Verhältnis zwischen im Vereinigten Königreich erzeugtem
         und in anderen Mitgliedstaaten erzeugtem Granulat [zu sorgen]“ (Begründungserwägung 22 der angefochtenen Entscheidung). Die
         Kommission rechtfertigt diese Befreiung in der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägung 33) damit, dass die Behörden
         des Vereinigten Königreichs keine Kontrolle über die Verwendung von Materialien als Granulat außerhalb ihres Hoheitsbereichs
         hätten.
      
      149   Vor dem Gericht haben die Kommission und der Streithelfer diese Begründung näher erläutert. Die Kommission hat u. a. darauf
         hingewiesen, dass die AGL eine indirekte Verbrauchsabgabe sei; eine solche sei grundsätzlich in den Mitgliedstaaten, in denen
         der Verbrauch erfolge, anwendbar, um eine etwaige Doppelbesteuerung von Ausfuhrerzeugnissen zu verhindern. Der Streithelfer
         hat ausgeführt, dass nach Artikel 91 EG bei einer Ausfuhr die Befreiung von einer internen Abgabe unter der Voraussetzung
         zulässig sei, dass der befreite Betrag nicht höher sei als der Betrag der entrichteten Abgabe.
      
      150   Diese Begründung, die auf die Natur der AGL als indirekte Abgabe gestützt ist, muss berücksichtigt werden, da sie entgegen
         der Auffassung der Klägerin an die Gründe anschließt, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung dargestellt hat,
         und deshalb nicht als zusätzliche, nach Erlass dieser Entscheidung vorgebrachte Begründung angesehen werden kann. Der Umstand,
         dass die Betonung auf der Kontrolle über die Verwendung der betroffenen Materialien als Granulat liegt, weist nämlich darauf
         hin, dass sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung darauf bezogen hat, dass die betreffende Maßnahme eine indirekte
         Abgabe ist, die die Erzeugnisse selbst und nicht die Unternehmen belastet.
      
      151   Hier ist festzustellen, dass die AGL, die entgegen der Auffassung der Klägerin auf die gewerbliche Verwertung von Granulat
         Anwendung findet und damit die Erzeugnisse und nicht die Einnahmen der Erzeuger belastet, durchaus eine indirekte Abgabe ist,
         für die im Sinne des Artikels 91 EG der Grundsatz der Besteuerung im Bestimmungsland gilt.
      
      152   Nach der Rechtsprechung ist aber eine spezifische steuerliche Maßnahme, die durch die innere Logik des Steuersystems gerechtfertigt
         ist, der Anwendung von Artikel 87 Absatz 1 EG entzogen (Urteile Diputación Foral de Álava u. a./Kommission, Randnr. 164, und
         Diputación Foral de Guipúzcoa u. a./Kommission, Randnr. 61).
      
      153   Im vorliegenden Fall kann die Ausfuhrbefreiung daher nicht als selektive Vorteilsgewährung für die Ausführer gelten, da sie
         sich durch die Natur der AGL als indirekte Steuer rechtfertigt. Dem betreffenden Mitgliedstaat stand es nämlich frei, den
         Überlegungen im Zusammenhang mit der Struktur der fraglichen Abgaberegelung Vorrang gegenüber den verfolgten Umweltzielen
         einzuräumen. Auf den von der Klägerin geltend gemachten Umstand, dass andere Mitgliedstaaten andere Entscheidungen treffen,
         kommt es nicht an.
      
      154   Folglich ist der Kommission kein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie in der angefochtenen Entscheidung
         festgestellt hat, dass die Ausfuhrbefreiung keine staatliche Beihilfe begründe.
      
      155   Im Übrigen hat die Kommission, was die Begründung der angefochtenen Entscheidung anbelangt, durch die Berufung auf die Struktur
         der AGL die Zurückweisung der von der Klägerin in ihrer Beschwerde erhobenen Rügen hinsichtlich des den Ausführern durch die
         Ausfuhrbefreiung angeblich gewährten selektiven Vorteils rechtlich hinreichend begründet.
      
      156   Nach alledem sind die Klagegründe eines Verstoßes gegen Artikel 87 Absatz 1 EG und eines Begründungsmangels zurückzuweisen.
       Zum Klagegrund einer Verletzung der Pflicht zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens
       Vorbringen der Beteiligten
      157   Die Klägerin bringt vor, die angesprochenen Inkohärenzen bei der Abgrenzung des Anwendungsbereichs der AGL führten zwangsläufig
         zu der Schlussfolgerung, dass die Einstufung der AGL ernsthafte Schwierigkeiten aufgeworfen habe. Diese Schwierigkeiten seien
         auch durch die umfangreichen Ausführungen des High Court of Justice zu diesem Punkt in seinem oben genannten Urteil vom 19.
         April 2002 und durch die Erklärungen der Behörden des Vereinigten Königreichs bestätigt worden, nach denen der Anwendungsbereich
         der AGL so gestaltet worden sei, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der befreiten Sektoren geschützt werde. Außerdem
         stehe die Befreiung von Schiefer und Tonschiefer sowie der Ausfuhren im Widerspruch zum Verursacherprinzip. Die Kommission
         selbst habe im Übrigen in ihrer Klagebeantwortung eingeräumt, dass die Einstufung der AGL im Hinblick auf Artikel 87 Absatz
         1 EG eine Vielzahl komplexer Fragen, u. a. in Bezug auf die Abgrenzung des betroffenen Marktes, aufwerfe.
      
      158   Zudem zeige das von den Behörden des Vereinigten Königreichs am 9. Dezember 2002 veröffentlichte Konsultationsdokument, dass
         diese Zweifel hinsichtlich der Kohärenz zwischen dem Anwendungsbereich der AGL und den verfolgten Umweltzielen gehabt hätten.
      
      159   Im Übrigen zeige die Berufung in der Klagebeantwortung auf das Interesse des betroffenen Mitgliedstaats an einer raschen Entscheidung
         sowie auf die Gefahr eines Nichtfunktionierens des Beihilfekontrollsystems, dass sich die Kommission auf andere Kriterien
         als das der „ernsthaften Schwierigkeiten“ gestützt habe.
      
      160   Unter diesen Umständen litte die angefochtene Entscheidung auch dann, wenn sie nicht mit einem offensichtlichen Beurteilungsfehler
         behaftet sein sollte, was in Abrede gestellt werde, an einem Verstoß gegen Artikel 88 Absatz 3 EG, nach dem der Kommission
         die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens oblegen habe.
      
      161   Die Kommission erwidert, es sei klar gewesen, dass die AGL eine nicht unter die Vorschriften über staatliche Beihilfen fallende
         Sonderabgabenbelastung darstelle, dass der Ausschluss der Substitute für Virgin-Granulat durch die Natur oder den allgemeinen
         Aufbau der Regelung gerechtfertigt sei und dass der gewöhnliche bei indirekten Verbrauchsabgaben Anwendung findende Mechanismus
         nicht in den Bereich der staatlichen Beihilfen falle.
      
      162   Der Streithelfer erläutert, dass die am 9. Dezember 2002 angelaufene Konsultation zu aus Abraum stammenden Granulaten darauf
         abgezielt habe, Informationen über die Granulate zu erhalten, um zu prüfen, ob deren Freistellung angebracht sei, ob eine
         solche Freistellung der Industrie zugute komme und ob sie ohne übermäßige Belastung für die Unternehmen und ohne Missbrauchsgefahr
         vollzogen werden könne. Das von der Klägerin angeführte Konsultationsdokument lege nicht nahe, dass die Behandlung des Abraums
         mit den Zielen der Abgabe unvereinbar sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      163   Eingangs ist das Vorbringen der Kommission zu prüfen, dass sie entgegen der Auffassung der Klägerin, die sich auf die Rechtsprechung
         vor Inkrafttreten der Verordnung Nr. 659/1999 im April 1999 stütze, beim Vorliegen ernsthafter Schwierigkeiten bei der Beurteilung
         einer Beihilfemaßnahme nicht mehr das förmliche Prüfverfahren einleiten müsse. Die Kommission macht insbesondere geltend,
         nach Artikel 10 Absatz 2 der Verordnung Nr. 659/1999 dürfe sie im Fall einer nicht angemeldeten Beihilfe, ohne das Verfahren
         des Artikels 88 Absatz 2 EG einzuleiten, vorab die erforderlichen Informationen beim betreffenden Mitgliedstaat einholen.
      
      164   Im vorliegenden Fall wurde die streitige staatliche Maßnahme nur angemeldet, soweit sie eine Freistellung zugunsten von Nordirland
         vorsah, und nicht in Bezug auf die Definition des Anwendungsbereichs der AGL, um die allein es in der vorliegenden Rechtssache
         geht.
      
      165   Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Verpflichtung der Kommission, eine etwaige rechtswidrige Beihilfe vorab unter Einbeziehung
         des betreffenden Mitgliedstaats, gegebenenfalls durch die Einholung von Informationen bei ihm, zu prüfen (Urteil des Gerichtshofes
         vom 10. Mai 2005 in der Rechtssache C‑400/99, Italien/Kommission, Slg. 2005, I‑3657, Randnrn. 29 und 30), ihre Verpflichtung
         zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens namentlich dann nicht entfallen lassen kann, wenn sie im Licht der erhaltenen
         Auskünfte weiterhin ernsthaften Schwierigkeiten bei der Beurteilung der betreffenden Maßnahme gegenübersteht. Eine solche
         Verpflichtung ergibt sich nämlich unmittelbar aus Artikel 88 Absatz 3 EG in seiner Auslegung durch die Rechtsprechung und
         findet im Übrigen, wenn die Kommission nach einer vorläufigen Prüfung feststellt, dass die betreffende Maßnahme Anlass zu
         Bedenken hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit gibt, ausdrückliche Bestätigung in Artikel 4 Absatz 4 in Verbindung mit Artikel
         13 Absatz 1 der Verordnung Nr. 659/1999 (Urteil des Gerichts vom 30. April 2002 in den Rechtssachen T‑195/01 und T‑207/01,
         Government of Gibraltar/Kommission, Slg. 2002, II‑2309, Randnrn. 69 und 72).
      
      166   Denn nach ständiger Rechtsprechung ist das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG unerlässlich, sobald die Kommission bei der
         Beurteilung der Vereinbarkeit einer Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt auf ernsthafte Schwierigkeiten stößt. Die Kommission
         darf sich also für den Erlass einer positiven Entscheidung über eine staatliche Maßnahme nur dann auf die Vorprüfungsphase
         des Artikels 88 Absatz 3 EG beschränken, wenn sie nach einer ersten Prüfung die Überzeugung gewinnt, dass diese Maßnahme entweder
         keine Beihilfe im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG darstellt oder, falls sie als Beihilfe eingestuft wird, mit dem Gemeinsamen
         Markt vereinbar ist. Gelangt die Kommission dagegen aufgrund dieser ersten Prüfung zur gegenteiligen Überzeugung oder hat
         sie damit nicht alle Schwierigkeiten ausräumen können, die sich bei der Beurteilung der Vereinbarkeit der betreffenden Maßnahme
         mit dem Gemeinsamen Markt ergeben haben, so ist sie verpflichtet, alle erforderlichen Stellungnahmen einzuholen und zu diesem
         Zweck das Verfahren des Artikels 88 Absatz 2 EG einzuleiten (Urteile Matra/Kommission, Randnr. 33, und Kommission/Sytraval
         und Brink’s France, Randnr. 39; Urteile des Gerichts vom 10. Mai 2000 in der Rechtssache T‑46/97, SIC/Kommission, Slg. 2000,
         II‑2125, Randnr. 71, und vom 15. März 2001 in der Rechtssache T‑73/98, Prayon-Rupel/Kommission, Slg. 2001, II‑867, Randnr.
         42).
      
      167   Diese Verpflichtung zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens gilt insbesondere, wenn die Kommission nach einer ausreichenden
         Prüfung der streitigen staatlichen Maßnahme auf der Grundlage der vom betroffenen Mitgliedstaat übermittelten Informationen
         noch Zweifel am Vorliegen von Beihilfeelementen im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG sowie an deren Vereinbarkeit mit dem
         Gemeinsamen Markt hat (Urteil vom 10. Mai 2005, Italien/Kommission, Randnrn. 47 und 48).
      
      168   Im vorliegenden Fall ist darauf hinzuweisen, dass der Umstand, dass die Kommission dem Interesse des betroffenen Mitgliedstaats
         an einer raschen Entscheidung Rechnung getragen hat, entgegen dem Vorbringen der Klägerin für sich allein nicht die Annahme
         rechtfertigt, dass sich die Kommission bei der Entscheidung, das förmliche Prüfverfahren nicht einzuleiten, auf andere Kriterien
         gestützt hätte als auf dasjenige des Fehlens ernsthafter Beurteilungsschwierigkeiten.
      
      169   Das zeitlich nach dem Erlass der angefochtenen Entscheidung liegende Konsultationsdokument vom 9. Dezember 2002 kann bei der
         Beurteilung der Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung keine Berücksichtigung finden. Denn nach ständiger Rechtsprechung sind
         im Rahmen einer Nichtigkeitsklage die komplexen Würdigungen, die die Kommission vorgenommen hat, nur anhand der Informationen
         zu prüfen, über die diese bei der Vornahme dieser Würdigungen verfügte (Urteile des Gerichts vom 6. Oktober 1999 in den Rechtssachen
         T‑110/97, Kneissl Dachstein/Kommission, Slg. 1999, II‑2881, Randnr. 47, und T‑123/97, Salomon/Kommission, Slg. 1999, II‑2925,
         Randnr. 48).
      
      170   Somit decken sich die einzigen von der Klägerin zur Stützung des vorliegenden Klagegrundes vorgebrachten und auch zu berücksichtigenden
         Argumente, die sich auf die angebliche Inkohärenz bei der Abgrenzung des Anwendungsbereichs der AGL beziehen, mit denjenigen,
         die sie im Rahmen des Klagegrundes eines Verstoßes gegen Artikel 87 Absatz 1 EG geltend gemacht hat.
      
      171   Wie das Gericht aber bereits entschieden hat, fiel die Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs einer Ökoabgabe wie der
         AGL in die Zuständigkeit des betreffenden Mitgliedstaats, dem es freisteht, seine umweltpolitischen Prioritäten festzulegen
         (vgl. oben, Randnrn. 115 und 116). In diesem Zusammenhang folgt aus den oben angestellten Erwägungen (vgl. oben, Randnrn.
         138 und 139), dass die Kommission, ohne einen offensichtlichen Beurteilungsfehler zu begehen, davon ausgehen durfte, dass
         die Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs der AGL zweifellos kein Element einer staatlichen Beihilfe enthalte. Im
         Übrigen ließ sich die Ausfuhrbefreiung unbestreitbar durch die Natur der AGL als indirekte Abgabe rechtfertigen (vgl. oben,
         Randnrn. 152 und 153). Unter diesen Umständen belegen weder die Ausführungen im Urteil des High Court of Justice vom 19. April
         2002 noch die Erklärungen des Streithelfers zu seiner Entscheidung, bestimmte Materialien zwecks der Erhaltung der internationalen
         Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Sektoren nicht der AGL zu unterwerfen, noch die angebliche Komplexität der Abgrenzung
         des betroffenen Marktes, die von der Klägerin angeführt werden, dass es im Hinblick auf die Einstufung der AGL anhand des
         Kriteriums der Selektivität ernsthafte Schwierigkeiten gegeben hätte.
      
      172   Daher ist festzustellen, dass die Kommission nicht die Grenzen ihres Ermessens überschritten hat, als sie davon ausging, dass
         die Prüfung sowohl der Abgrenzung des materiellen Anwendungsbereichs der AGL als auch der Ausfuhrbefreiung am Maßstab des
         Artikels 87 Absatz 1 EG keine ernsthafte Schwierigkeit aufweise, aufgrund deren sie das förmliche Prüfverfahren hätte einleiten
         müssen.
      
      173   Folglich ist der Klagegrund einer Verletzung der Pflicht, das förmliche Prüfverfahren einzuleiten, zurückzuweisen.
       Zum Klagegrund, dass die Kommission ihre Pflichten bei der Vorprüfung verletzt habe
       Vorbringen der Beteiligten
      174   Die Klägerin macht geltend, ihre Beschwerde sei von der Kommission nicht sorgfältig und unvoreingenommen geprüft worden. Die
         Kommission habe im Übrigen in ihrer Klagebeantwortung eingeräumt, dass sie die angefochtene Entscheidung auf Bitte des Streithelfers
         rasch erlassen habe.
      
      175   Außerdem habe die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Gründe für die Zurückweisung dieser Beschwerde nicht hinreichend
         dargestellt. Es werde nicht auf die von der Klägerin in ihrer Beschwerde hervorgehobenen Inkohärenzen wie die Abgabeerhebung
         auf die Sekundärmaterialien aus der Erzeugung nicht der Abgabe unterworfenen Kalksteins und die Nichtabgabeerhebung auf zur
         Verwendung als Granulat abgebauten Schiefer eingegangen. Zudem werde in der angefochtenen Entscheidung in Bezug auf die Ausfuhren
         nicht die Frage der Ausfuhrbefreiung für Materialien minderer Güte geprüft.
      
      176   Die Kommission weist dieses Vorbringen zurück. Sie erwidert, dass sämtliche in dieser Beschwerde aufgeworfenen Fragen, die
         sich im Übrigen mit denen deckten, die in der ersten Beschwerde angesprochen worden seien, in der angefochtenen Entscheidung
         geprüft worden seien. Die Nichterwähnung der Beschwerde der Klägerin in der dritten Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung, in der auf die erste Beschwerde Bezug genommen werde, erkläre sich allein durch den zeitlichen Ablauf.
      
       Würdigung durch das Gericht
      177   Nach ständiger Rechtsprechung hat die Kommission, wenn betroffene Dritte bei ihr Beschwerden eingereicht haben, die sich auf
         staatliche Maßnahmen beziehen, die nicht gemäß Artikel 88 Absatz 3 EG angemeldet wurden, im Rahmen der in dieser Bestimmung
         vorgesehenen Vorprüfungsphase die Beschwerden im Interesse einer ordnungsgemäßen Anwendung der grundlegenden Vorschriften
         des EG-Vertrags auf dem Gebiet der staatlichen Beihilfen sorgfältig und unvoreingenommen zu prüfen (Urteile Kommission/Sytraval
         und Brink’s France, Randnr. 62, und SIC/Kommission, Randnr. 105).
      
      178   Im vorliegenden Fall bringt die Klägerin keinen Anhaltspunkt von Gewicht dafür vor, dass die Kommission die Akte nicht hinreichend
         geprüft hätte. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass die Kommission die Behörden des Vereinigten Königreichs aufforderte,
         zu den in der ersten Beschwerde erhobenen Hauptrügen – die im Wesentlichen den Rügen in der Beschwerde der Klägerin gleichen
         – Stellung zu nehmen, und sie um zusätzliche Informationen ersuchte, die mit dem oben genannten Schreiben vom 19. Februar
         2002 vorgelegt wurden. In diesem Zusammenhang und in Ermangelung sonstiger Hinweise lässt der bloße Umstand, dass die angefochtene
         Entscheidung rasch erlassen wurde, nicht auf eine unzureichende Prüfung schließen.
      
      179   Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission der Klägerin die an den betreffenden Mitgliedstaat gerichtete angefochtene
         Entscheidung gemäß dem Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung mitgeteilt hat. In dieser Entscheidung werden aber, wie bereits
         entschieden (vgl. oben, Randnrn. 144, 145 und 155), die Gründe für die Zurückweisung der in der Beschwerde der Klägerin erhobenen
         Rügen hinreichend dargestellt.
      
      180   Somit ist der Klagegrund, dass die Kommission ihre Pflichten bei der Vorprüfung verletzt habe, zurückzuweisen.
      181   Nach alledem ist die Klage insgesamt abzuweisen.
       Kosten
      182   Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Klägerin mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr entsprechend dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      183   Nach Artikel 87 § 4 Absatz 1 der Verfahrensordnung tragen die Mitgliedstaaten, die dem Rechtsstreit als Streithelfer beigetreten
         sind, ihre eigenen Kosten. Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland trägt somit seine eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite erweiterte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Klägerin trägt neben ihren eigenen Kosten die Kosten der Kommission.
      3.      Der Streithelfer trägt seine eigenen Kosten.
      
               Pirrung 
            
            
                Meij 
            
            
                Forwood
            
         
               Pelikánová 
            
             
            
                      Papasavvas
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 13. September 2006.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                      J. Pirrung
            
         Inhaltsverzeichnis
      
      Dem Rechtsstreit zugrunde liegender Sachverhalt
      Finance Act 2001
      Verwaltungsverfahren und Rechtsstreit vor dem nationalen Gericht
      Angefochtene Entscheidung
      Verfahren
      Anträge der Beteiligten
      Zur Zulässigkeit
      Vorbringen der Beteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Begründetheit
      Zu den Klagegründen eines Verstoßes gegen Artikel 87 Absatz 1 EG und eines Begründungsmangels
      Vorbringen der Beteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      – Materieller Anwendungsbereich der AGL
      – Ausfuhrbefreiung
      Zum Klagegrund einer Verletzung der Pflicht zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens
      Vorbringen der Beteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum Klagegrund, dass die Kommission ihre Pflichten bei der Vorprüfung verletzt habe
      Vorbringen der Beteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.