CELEX: 62004TJ0500
Language: de
Date: 2007-05-22 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite Kammer) vom 22. Mai  2007. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen IIC Informations-Industrie Consulting GmbH. # Schiedsklausel - Zuständigkeit des Gerichts - Rückzahlung eines Vorschusses, den die Gemeinschaft für von ihr finanzierte Vorhaben im Bereich der transeuropäischen Telekommunikationsnetze gezahlt hat - Verwirkung - Erstattungsfähigkeit der angeblich entstandenen Kosten. # Rechtssache T-500/04.

Rechtssache T-500/04
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      IIC Informations-Industrie Consulting GmbH
      „Schiedsklausel – Zuständigkeit des Gerichts – Rückzahlung eines Vorschusses, den die Gemeinschaft für von ihr finanzierte Vorhaben im Bereich der transeuropäischen Telekommunikationsnetze
         gezahlt hat – Verwirkung – Erstattungsfähigkeit der angeblich entstandenen Kosten“
      
      Urteil des Gerichts (Zweite Kammer) vom 22. Mai 2007 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Haushalt der Europäischen Gemeinschaften – Gemeinschaftszuschuss – Verpflichtung des Empfängers, die Voraussetzungen für die
            Gewährung des Zuschusses einzuhalten
      (Art. 274 EG)
      2.     Haushalt der Europäischen Gemeinschaften – Gemeinschaftszuschuss – Verpflichtung des Empfängers, die Voraussetzungen für die
            Gewährung des Zuschusses einzuhalten
      1.     Nach Art. 274 EG ist die Kommission zur wirtschaftlichen Haushaltsführung im Hinblick auf die Gemeinschaftsmittel verpflichtet.
         Im System der finanziellen Zuschüsse der Gemeinschaft unterliegt die Verwendung dieser Zuschüsse Vorschriften, die zur teilweisen
         oder vollständigen Rückzahlung eines bereits gewährten Zuschusses führen können. Ein Zuschussempfänger, dessen Antrag die
         Kommission stattgegeben hat, erwirbt dadurch keinen endgültigen Anspruch auf volle Auszahlung des Zuschusses, wenn er die
         an die Unterstützung geknüpften Bedingungen nicht eingehalten hat.
      
      In diesem Zusammenhang kann die Gemeinschaft nach einem wesentlichen Grundsatz der Gemeinschaftsförderung nur tatsächlich
         entstandene Kosten bezuschussen. Damit die Kommission Kontrollen vornehmen kann, müssen die durch solche Zuschüsse Begünstigten
         daher nachweisen, dass die Kosten, die im Rahmen der subventionierten Vorhaben abgerechnet worden sind, tatsächlich entstanden
         sind. Denn die Erteilung zuverlässiger Auskünfte seitens dieser Begünstigten ist für das ordnungsgemäße Funktionieren des
         Kontroll- und Beweissystems unerlässlich, das zur Überprüfung des Vorliegens der Voraussetzungen für die Gewährung dieser
         Zuschüsse eingeführt worden ist. Der Nachweis, dass ein Vorhaben durchgeführt worden ist, genügt daher nicht, um die Gewährung
         eines spezifischen Zuschusses zu rechtfertigen. Der Beihilfeempfänger hat überdies nachzuweisen, dass ihm die Kosten entstanden
         sind, die er nach den für die Gewährung des betreffenden Zuschusses festgelegten Bedingungen deklariert hat, wobei nur ordnungsgemäß
         belegte Kosten zuschussfähig sind. Seine Verpflichtung, die festgelegten finanziellen Bedingungen einzuhalten, stellt sogar
         eine seiner Hauptpflichten und damit eine Bedingung für die Gewährung des Gemeinschaftszuschusses dar.
      
      (vgl. Randnrn. 93-94)
      2.     In einem Verfahren, das die Kommission eingeleitet hat, um die Rückzahlung von Vorschüssen zu erreichen, die im Rahmen eines
         Vertrags über die Gewährung einer finanziellen Unterstützung der Gemeinschaft gezahlt worden sind, kann es nicht als formalistisch
         erachtet werden, wenn sie darauf besteht, dass die Beklagte ihre Vertragspflichten hinsichtlich der Aufstellung und des Nachweises
         der Kosten strikt einhält. Es obliegt vielmehr der Beklagten, nachzuweisen, dass diese Rechnungsführungspflichten tatsächlich
         eingehalten worden sind.
      
      Diese Schlussfolgerung wird nicht durch die Regeln über die Beweislast entkräftet. Danach hat zwar die Kommission als Klägerin
         nachzuweisen, dass ihr Rückzahlungsanspruch gegeben ist, so dass sie schlüssig darlegen und im Bestreitensfall beweisen muss,
         dass ihre Zahlungen den geschuldeten Finanzbeitrag überschritten. Die Kommission muss jedoch nur die Kosten bezuschussen,
         die den vertraglichen Bestimmungen entsprechend entstanden und vor allem ordnungsgemäß belegt worden sind. Nur wenn die Beklagte
         die entsprechenden Kostenaufstellungen vorgelegt hat, muss die Kommission gegebenenfalls nachweisen, dass sie für die entstandenen
         Kosten keine Erstattung schuldet, weil die vertragliche Leistung mangelhaft ist oder die Kostenaufstellungen unrichtig sind.
      
      (vgl. Randnrn. 97-99)
URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)
      22. Mai 2007(*)
      
      „Schiedsklausel – Zuständigkeit des Gerichts – Rückzahlung eines Vorschusses, den die Gemeinschaft für von ihr finanzierte Vorhaben im Bereich der transeuropäischen Telekommunikationsnetze
         gezahlt hat – Verwirkung – Erstattungsfähigkeit der angeblich entstandenen Kosten“
      
      In der Rechtssache T‑500/04
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch G. Braun, W. Wils und N. Knittlmayer als Bevollmächtigte,
      
      Klägerin,
      gegen
      IIC Informations-Industrie Consulting GmbH mit Sitz in Königswinter (Deutschland), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte E. Rott und J. Wolff,
      
      Beklagte,
      wegen einer Klage nach Art. 238 EG auf Rückzahlung eines Teils des Vorschusses, den die Gemeinschaft in Erfüllung zweier Finanzierungsverträge
         im Rahmen von Kulturprogrammen gezahlt hatte,
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZ DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Pirrung sowie der Richter N. J. Forwood und S. Papasavvas,
      Kanzler: K. Andová, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 7. November 2006
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen und Sachverhalt des Rechtsstreits 
       Anwendbares Gemeinschaftsrecht
      1       Gemeinschaftszuschüsse für transeuropäische Netze werden nach der Verordnung (EG) Nr. 2236/95 des Rates vom 18. September
         1995 über die Grundregeln für die Gewährung solcher Zuschüsse (ABl. L 228, S. 1) gewährt.
      
      2       Nach den Art. 1, 2 und 5 dieser Verordnung kann für Vorhaben von gemeinsamem Interesse, insbesondere im Bereich der transeuropäischen
         Netze für Telekommunikationsinfrastrukturen, ein Gemeinschaftszuschuss gewährt werden, der den für die Einleitung des Vorhabens
         als erforderlich angesehenen Mindestbetrag nicht übersteigen darf.
      
      3       Art. 11 der Verordnung Nr. 2236/95 bestimmt, dass der Gemeinschaftszuschuss nur zur Deckung von Ausgaben verwendet werden
         darf, die direkt mit der Durchführung des Vorhabens zusammenhängen und von den Empfängern oder mit der Durchführung beauftragten
         Dritten getätigt werden. Im Allgemeinen werden die Zahlungen in Form von Vorschüssen, Zwischenzahlungen und einer Restzahlung
         geleistet. 
      
      4       Art. 13 der Verordnung Nr. 2236/95 regelt die Voraussetzungen für die Kürzung, Aussetzung oder Streichung des Zuschusses.
         So kann die Kommission den Zuschuss zu der betreffenden Aktion kürzen, aussetzen oder streichen, wenn die Prüfung des Falls
         ergibt, dass eine Unregelmäßigkeit gegeben ist oder eine der in der Entscheidung zur Gewährung des Zuschusses genannten Bedingungen
         nicht erfüllt wurde. Zu Unrecht mehrfach gezahlte Gemeinschaftszuschüsse sind wiedereinzuziehen. Zu Unrecht gezahlte Beträge,
         die wiedereingezogen worden sind, sind an die Kommission zurückzuzahlen.
      
       Sachverhalt
      5       Mit Beschluss vom 4. April 1996 rief der Rat dazu auf, Kunst und Kultur stärker in die EU-Förderung der Informationsgesellschaft
         einzubeziehen. Die Kommission ergriff daraufhin mit dem sogenannten Memorandum of Understanding on Europe’s cultural heritage eine Initiative in Bezug auf den Multimediazugang zum europäischen Kulturerbe. Im Rahmen dieser Initiative bezuschusste sie
         u. a. zwei grenzüberschreitende Vorhaben, mit denen in verschiedenen Ländern der Gemeinschaft ansässige Personen über eine
         gemeinsame elektronische Plattform in einem europäischen Kuturraum vernetzt werden sollten, nämlich die Vorhaben „DCC – Digital
         Content for Culture“ (im Folgenden: DCC) und „Donna – Art Design und Fashion Online“ (im folgenden: Donna).
      
      6       Das Projekt DCC diente der Digitalisierung ausgewählter kultureller Inhalte und deren Präsentation, Kommunikation und Verkauf
         über das Internet. Auf diese Weise sollten im Hinblick auf die Erschließung des europäischen Kulturerbes neue kulturwirtschaftliche
         Dienstleistungen und Produkte generiert werden. Damit sollten neue Arbeitsplätze, insbesondere für Künstler und Designer,
         und neue Geschäftsfelder für innovative kleine und mittlere Unternehmen entstehen.
      
      7       Das Projekt Donna sollte kreativen Frauen (Künstlerinnen und Designerinnen) die Möglichkeit bieten, ihre Werke aus den Bereichen
         Kunst, Design und Mode mit Hilfe einer softwarebasierten Informations- und Kommunikationsstruktur digital zu präsentieren
         und dadurch eine interaktive Kommunikation mit dem Betrachter zu erreichen. Dieses Pilotprojekt war insgesamt als ein virtuelles
         Forum gedacht, in dem sich Künstlerinnen und Designerinnen aus den verschiedensten Bereichen (Industrieprodukte, Mode, TV,
         Architektur usw.) treffen und austauschen sowie Kontakte mit Zulieferern, Kunden, Kooperationspartnern und Medien knüpfen
         können sollten.
      
      8       Für diese Vorhaben schloss die Europäische Gemeinschaft, vertreten durch die Kommission, jeweils einen Vertrag über die Gewährung
         eines Zuschusses, und zwar zum einen mit der Gesellschaft mit beschränkter Haftung deutschen Rechts IIC Informations-Industrie
         Consulting, die im Sektor strategische Planung, Marketing und Consulting im Bereich der Informationsindustrie tätig ist, und
         zum anderen mit der Aktiengesellschaft deutschen Rechts CSC Ploenzke (im Folgenden: Ploenzke). Der Vertrag für das Projekt
         DCC (Vertrag Nr. 45 528) datiert vom 18. Dezember 1996, der Vertrag für das Projekt Donna (Vertrag Nr. 20 730) vom 30. Dezember
         1996.
      
      9       Mit diesen Verträgen, deren einschlägige Bestimmungen weitgehend identisch sind, verpflichtete sich die Kommission zur Gewährung
         eines Zuschusses in Höhe von 50 % der zulässigen Projektkosten. 
      
      10     Nach Art. 4 der Verträge wurden die voraussichtlichen Projektkosten für das Projekt DCC auf 3 360 000 ECU und für das Projekt
         Donna auf 980 000 ECU geschätzt. Nach Art. 2 der Verträge war die Dauer des Projekts DCC mit 12 Monaten und die des Projekts
         Donna mit 9 Monaten veranschlagt, gerechnet ab dem ersten Tag des auf die letzte Unterschrift der Vertragsparteien folgenden
         Monats, d. h. ab dem 1. Januar 1997.
      
      11     Die Verträge, die auf Englisch abgefasst sind und eine Schiedsklausel zugunsten des Gerichts im Sinne von Art. 238 EG enthalten
         (Art. 12.2), unterliegen deutschem Recht (Art. 12.1). Sie enthalten folgende Bestimmungen:
      
      „Article 1 …
      1.1.      The Contractors shall carry out this contract jointly and severally towards the Commission for the work set out in Annex I
         (‚the Project‘).
      
      …
      1.3./1.4. The Coordinator shall be the channel for submitting all documents and for general liaison between the Contractors and the
         Commission. All general communications with the Commission will be through the Coordinator.
      
      …
      Article 4 …
      4.5.  All payments by the Commission shall be made to the … bank account of the Coordinator …
      The Coordinator shall be responsible for immediately transferring the appropriate amount of the financial contribution of
         the Commission to each Contractor. The Coordinator shall not be the beneficial owner of any payment, except by agreement between
         the Contractors who shall agree appropriate arrangements concerning any transfer to the Coordinator’s own account.
      
      Article 5 …
      5.1      The Contractors may enter into Subcontracts subject to the prior written approval of the Commission being required. In any
         case, the Contractors shall not be released from their obligations under the contract. The Contractors shall impose on any
         Subcontractor the same obligations as apply to themselves under the contract.“
      
      12     Im Anhang I der Verträge wird das jeweilige Projektprogramm dargestellt. Nach Anhang I.3 des DCC‑Vertrags und Anhang I des
         Donna-Vertrags setzt sich das professional team der Beklagten u. a. aus Herrn B., ihrem ehemaligen Geschäftsführer, Herrn F., Herrn M., Frau D. D., Frau B. D. und Frau L.
         zusammen.
      
      13     Die Voraussetzungen für die Erstattung der zulässigen Kosten ergeben sich für beide Projekte aus Anhang II der Verträge. Darin
         heißt es:
      
      „1.2      Allowable costs are those actual costs defined hereafter, which are necessary for the Project, can be substantiated and are
         incurred during the period specified in Article 2.1 of the contract. …
      
      Allowable costs may include all or any of the following categories of costs:
      –      personnel
      –      equipment
      –      third party assistance
      –      travel and subsistence
      –      consumables and computing
      –      other costs
      –      overheads
      …      
      1.3.1 – Personnel
      The costs of actual hours worked on the Project by personnel directly employed by the Contractor may be charged.
      …
      All personnel time charged must be recorded and certified. This requirement will be satisfied by, at the minimum, the maintenance
         of time records, certified at least monthly by the designated technical manager, or an authorised senior employee of the Contractor.
      
      1.3.2 …
      Equipment purchased or leased may be charged as a direct cost. The allowable costs for leased equipment shall not exceed any
         allowable costs for its purchase. …
      
      1.3.3 – Third party assistance
      Costs of Subcontracts and external services shall be allowable costs in accordance with Article 5 of the contract.
      …
      1.3.5 …
      Consumables … may be charged as direct costs.
      …
      1.4      …
      For Contractors using full costs, overheads (indirect general costs) relating to the Project, calculated in accordance with
         their normal accounting conventions, policies and principles considered by the Commission to be reasonable, may be charged
         for items such as internal own funded research (subject to a maximum of 10 % of the personnel costs), administration, support
         personnel, office supplies, infrastructure, utilities and services.
      
      …
      For Contractors using additional costs, a contribution up to 20 % of the actual allowable costs in respect of all the direct
         costs under point 1.3 of this Annex may be charged in respect of such overheads.
      
      …
      4.3      Where the total financial contribution due for the Project, including the results of any audit, is less than the payments
         made for the Project, the Contractors shall immediately reimburse the difference, in ECU, to the Commission.
      
      5.      Justification of costs
      The Contractors shall maintain, on a regular basis and in accordance with the normal accounting conventions of the State in
         which it (they) is (are) established, proper books of account and appropriate documentation to support and justify the costs
         and the hours reported.“
      
      14     Aufgrund der genannten Verträge leistete die Kommission an Ploenzke als Koordinatorin beider Projekte folgende Vorauszahlungen:
         980 472 DM für das Projekt DCC und 317 745 DM für das Projekt Donna. Nach Art. 4.5 der Verträge war Ploenzke verpflichtet,
         die von der Kommission gezahlten Beträge, auf die die Beklagte Anspruch hatte, an diese weiterzuleiten. Ploenzke leitete daher
         293 328 DM für das Projekt DCC und 107 493 DM für das Projekt Donna an die Beklagte weiter. Diese erhielt 1997 somit insgesamt
         400 821 DM (204 936,52 Euro) als Vorauszahlung auf die Zuschüsse.
      
      15     Mit der Durchführung der beiden Vorhaben wurde am 1. Januar 1997 begonnen. Nach ihrem Abschluss beantragten Ploenzke und die
         Beklagte Kostenerstattung in Höhe von insgesamt 6 144 287 DM für das Projekt DCC und 1 906 934 DM für das Projekt Donna, wobei
         der Anteil der Beklagten beim Projekt DCC 1 960 943 DM und beim Projekt Donna 646 809 DM betrug.
      
      16     Die von der Beklagten für das Projekt DCC beanspruchten Kosten verteilen sich auf Personalkosten (834 568 DM), Subunternehmerkosten
         (618 631 DM), Kosten für Ausrüstungsgegenstände (384 018 DM), Reisekosten (32 682 DM), Verbrauchsgüterkosten (35 017 DM) und
         laufende Geschäftskosten (56 027 DM).
      
      17     Für das Projekt Donna machte die Beklagte Personalkosten (227 998,39 DM), Subunternehmerkosten (257 659 DM), Kosten für Ausrüstungsgegenstände
         (106 871 DM), Reisekosten (22 659 DM), Verbrauchsgüterkosten (9 312,53 DM) und laufende Geschäftskosten (22 385 DM) geltend.
      
      18     Die Kommission beauftragte externe Sachverständige mit der Erstellung technischer Prüfberichte. So wurden mit Datum vom 10.
         Dezember 1997 ein In-depth review panel Report für das Projekt DCC und mit Datum vom 26. Juni 1998 ein Report of Assessors für das Projekt Donna erstellt. Beide Berichte kamen zu dem Ergebnis, dass die festgelegten Qualitätskriterien nicht erreicht
         worden seien und die Voraussetzungen für die Kostenerstattung nach den Verträgen DCC und Donna überwiegend nicht vorlägen.
      
      19     Der In-depth review panel Report wurde am 17. Dezember 1997 an die Beteiligten des Projekts DCC verschickt. Anschließend kündigte die Kommission mit an Ploenzke
         (und in Kopie an die Beklagte) gerichtetem Schreiben vom 23. Dezember 1997 den Vertrag DCC und forderte Ploenzke auf, ihre
         Partner davon zu unterrichten; die Kündigung wurde nach Art. 9.1 des Vertrags einen Monat später wirksam.
      
      20     Der Report of Assessors für das Projekt Donna, das am 30. September 1997 abgeschlossen worden war, wurde vor allem auf der Grundlage einer Zusammenkunft
         („technical review“) am 26. Juni 1998 in Brüssel erstellt, bei der Vertreter der Beklagten die Fragen der von der Kommission
         bestellten Gutachter beantworteten.
      
      21     Außerdem prüften Bedienstete der Kommission am 10. und 11. März 1998 die Finanzierung der beiden Vorhaben. Im Anschluss an
         diese Prüfung übersandte die Kommission der Beklagten die Prüfberichte vom 28. April 1998 (über das Projekt DCC) und vom 27.
         Mai 1998 (über das Projekt Donna) im Entwurf. In diesen Draft Reports wurde nach Aufstellung und Bewertung der einzelnen Projektkosten ausgeführt, dass der größte Teil der geltend gemachten Kosten
         wegen Nichteinhaltung der vertraglichen Ziele nicht erstattungsfähig sei.
      
      22     Nachdem die Kommission die Stellungnahme der Beklagten vom 30. Juni 1998 erhalten hatte, übersandte sie dieser mit Begleitschreiben
         vom 29. Juli 1998 die endgültige Fassung der Prüfberichte. Darin stellte die Kommission fest, dass Ploenzke für das Projekt
         DCC einen Anspruch auf Erstattung von nur 51 506 DM und für das Projekt Donna von nur 37 679 DM habe, die Beklagte dagegen
         für das Projekt DCC keinen Erstattungsanspruch habe und für das Projekt Donna lediglich eine Erstattung von 46 300,18 DM verlangen
         könne.
      
      23     Die Kommission verlangte daraufhin sowohl von Ploenzke als auch von der Beklagten die Rückzahlung der Differenzbeträge gegenüber
         der Vorauszahlung für beide Projekte. Ploenzke zahlte die von ihr geforderten Beträge an die Kommission zurück, während die
         Beklagte jegliche Rückzahlung verweigerte.
      
      24     Am 12. August 1998 übersandte die Kommission der Beklagten einen Zahlungsbescheid und anschließend eine am 8. September 1998
         zugegangene Lastschriftanzeige über den bis zum 31. Oktober 1998 zurückzuzahlenden Differenzbetrag in Höhe von 179 337 ECU
         (354 520,82 DM). Bisher hat die Beklagte diesen Betrag nicht gezahlt.
      
      25     Mit Schreiben vom 30. November 1998 forderte die Beklagte ihrerseits von der Kommission zusätzliche Zahlungen in Höhe von
         352 800 ECU für das Projekt DCC und in Höhe von 110 781,45 ECU für das Projekt Donna. Die Kommission hat diese Beträge bisher
         ebenfalls nicht gezahlt.
      
      26     Schließlich legte die Beklagte 1999 beim Europäischen Bürgerbeauftragten eine Beschwerde gegen die Kommission ein. Dieses
         Verfahren wurde am 27. April 2000 abgeschlossen. In seinem Bescheid führte der Bürgerbeauftragte aus, dass er keine Missstände
         bei der Kommission habe feststellen können.
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      27     Mit Klageschrift, die am 24. Dezember 2004 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Kommission die vorliegende
         Klage erhoben.
      
      28     Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht (Zweite Kammer) beschlossen, eine informelle Besprechung mit den Parteien
         durchzuführen. Diese Besprechung hat am 2. Februar 2006 in Anwesenheit des Berichterstatters stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit
         haben die Parteien Verhandlungen mit dem Ziel aufgenommen, innerhalb von zwei Monaten zu einer gütlichen Einigung zu gelangen.
         Nachdem diese Frist zweimal verlängert worden war, hat die Beklagte dem Gericht am 29. Juni 2006 mitgeteilt, dass die Bemühungen
         um eine gütliche Einigung gescheitert seien.
      
      29     Daraufhin hat das Gericht (Zweite Kammer) beschlossen, das mündliche Verfahren zu eröffnen.
      30     Die Parteien haben in der Sitzung vom 7. November 2006 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      31     Die Kommission beantragt,
      –       die IIC Informations-Industrie Consulting zu verurteilen, an sie 181 236,61 Euro nebst 4 % Zinsen seit dem 1. November 1998
         zu zahlen;
      
      –       der IIC Informations-Industrie Consulting die Kosten aufzuerlegen.
      32     Die Beklagte beantragt,
      –       die Klage abzuweisen;
      –       hilfsweise, ihr Vollstreckungsschutz zu gewähren und ihr zu gestatten, eine eventuelle Zwangsvollstreckung durch eine Sicherheitsleistung,
         die auch in Form einer Bankbürgschaft erbracht werden kann, abzuwenden;
      
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
       Entscheidungsgründe
      33     Die Kommission macht geltend, dass die Kosten, für die der Beklagten ein Zuschuss gewährt worden sei, größtenteils nicht erstattungsfähig
         seien. Aus den Prüfberichten (Randnrn. 18 bis 20 des vorliegenden Urteils) ergebe sich, dass die Beklagte die ihr als Vorschuss
         gezahlten Beträge nach Ziff. 4.3 des Anhangs II der Verträge DCC und Donna zurückzahlen müsse, weil sie keinen Anspruch auf
         Erstattung ihrer Kosten habe.
      
      34     Dem hält die Beklagte zweierlei entgegen. Zum einen sei der von der Kommission geltend gemachte Anspruch nicht einklagbar.
         Ihr fehle die Passivlegitimation, der geltend gemachte Anspruch sei verjährt und die Kommission habe ihren Rückzahlungsanspruch
         verwirkt. Zum anderen seien die mit den beiden Vorhaben verfolgten Ziele erreicht worden und die aufgeführten Kosten tatsächlich
         entstanden. Die Kommission verhalte sich widersprüchlich, wenn sie versuche, sich im Nachhinein unter Berufung auf Formalitäten
         ihrer vertraglichen Verpflichtungen zu entziehen.
      
       Zur Passivlegitimation derBeklagten
       Vorbringen der Parteien
      35     Die Kommission ist der Ansicht, dass sie ihren Anspruch gegen die Beklagte gerichtlich durchsetzen könne, da die Verträge
         DCC und Donna diese als Schuldnerin des Rückzahlungsanspruchs bezeichneten. Jeder Vertragspartner sei nämlich individuell
         verpflichtet, überzahlte Beträge zurückzuerstatten.
      
      36     Die Beklagte macht geltend, dass es der Kommission ausweislich der Verträge darauf angekommen sei, im Fall von Schwierigkeiten
         bei der Vertragsabwicklung lediglich einen Vertragspartner zu haben, mit dem sämtliche Angelegenheiten unmittelbar abgewickelt
         werden könnten. Daher sei die Stellung von Ploenzke als Koordinatorin über die einer bloßen Geldempfangsbevollmächtigten hinausgegangen.
         Eine andere Betrachtung ergebe sich auch nicht aus Ziff. 4.3 des Anhangs II der Verträge, wonach die Vertragspartner zur Rückzahlung
         der überzahlten Beträge verpflichtet seien, da nicht angegeben sei, wie die Rückabwicklung erfolgen solle. Ziff. 4.3 sei dahin
         auszulegen, dass Ploenzke der Vertragspartner gewesen sei, über den die Abwicklung der Verträge habe erfolgen sollen. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      37     Die Verträge DCC und Donna wurden zwischen der Kommission sowie Ploenzke und der Beklagten, die als „Contractors“ (im Folgenden
         auch Vertragspartner) bezeichnet werden, geschlossen, wobei Ploenzke außerdem als „Coordinator“ gemäß Art. 1.3 der Verträge
         DCC und Donna fungierte. Nach Art. 1 dieser Verträge waren die Vertragspartner der Kommission gegenüber verpflichtet, die
         Verträge hinsichtlich der in deren Anhang I genannten Arbeiten gesamtschuldnerisch zu erfüllen.
      
      38     Als Koordinatorin war Ploenzke zwar für die Übermittlung aller Unterlagen an die Kommission und die allgemeinen Beziehungen
         zwischen den Vertragspartnern und der Kommission verantwortlich; auf Seiten der Vertragspartner war Ploenzke außerdem der
         ausschließliche Ansprechpartner der Kommission. Die diese Koordinationsrolle vorsehende Vertragsbestimmung ist jedoch gemäß
         dem einschlägigen deutschen Recht, d. h. § 242 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), nach den zwischen Vertragsparteien allgemein
         anerkannten Geboten von Treu und Glauben auszulegen.
      
      39     Aus Ziff. 4.3 des Anhangs II der Verträge ergibt sich eindeutig, dass es den „Contractors“ als solchen und nicht dem etwaigen
         Koordinator obliegt, die Differenz zwischen dem tatsächlich geschuldeten Zuschuss und den Überzahlungen an die Kommission
         zurückzuzahlen. Darüber hinaus hat die Kommission zu Recht darauf hingewiesen, dass sich die Ploenzke obliegende Koordination
         auf einige zusätzliche organisatorische Aufgaben beschränkte, insbesondere auf die Weiterleitung der von der Kommission gezahlten
         Beträge an den anderen Vertragspartner.
      
      40     Demnach lassen sich die streitigen Verträge nicht dahin auslegen, dass Ploenzke als Koordinatorin Beträge zurückzahlen müsste,
         deren Empfängerin nach Art. 4.5 Abs. 2 der Verträge allein die Beklagte als Vertragspartnerin und Schuldnerin war. Die Verträge
         enthalten daher keine Bestimmung, die Ploenzke dazu verpflichten würde, höhere Beträge zurückzuzahlen als die, die sie selbst
         als Vertragspartnerin erhalten hat.
      
      41     Die Verpflichtung zur Rückzahlung der Vorschüsse, die die Beklagte zu viel erhalten haben soll, obliegt daher, sofern diese
         Verpflichtung tatsächlich besteht, der Beklagten.
      
      42     Das Vorbringen der fehlenden Passivlegitimation ist daher zurückzuweisen.
       Zur Verjährung
       Vorbemerkungen
      43     Was das für die Verjährung maßgebliche deutsche Recht betrifft, so finden die entsprechenden Bestimmungen des BGB im vorliegenden
         Fall Anwendung, obwohl die streitigen Verträge als „öffentlich-rechtliche Verträge“ im Sinne von Art. 238 EG anzusehen sind.
         Denn nach § 62 des Verwaltungsverfahrensgesetzes des Bundes (VwVfG) vom 25. Mai 1976 (BGBl. 1976 I S. 1253 und 2003 I S. 102),
         das u. a. die öffentlich-rechtlichen Verträge regelt, zu den Verjährungsfragen jedoch schweigt, gelten ergänzend die Vorschriften
         des BGB entsprechend.
      
      44     Vor der im Jahr 2002 in Kraft getretenen Reform des deutschen Schuldrechts sahen die Verjährungsvorschriften der §§ 195 und
         196 BGB eine regelmäßige Verjährungsfrist von 30 Jahren und eine Verjährungsfrist von zwei bzw. vier Jahren für eine Reihe
         bestimmter Ansprüche spezifischer Wirtschaftsteilnehmer vor.
      
      45     Seit der Reform des deutschen Schuldrechts sieht § 195 BGB in seiner neuen Fassung eine regelmäßige Verjährungsfrist von drei
         Jahren vor.
      
      46     Mit Art. 229 § 6 Abs. 4 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch (EGBGB) wurde im Rahmen der Schuldrechtsreform
         eine Überleitungsregelung eingeführt; danach wird, wenn die Verjährungsfrist nach dem BGB in der seit dem 1. Januar 2002 geltenden
         (neuen) Fassung kürzer ist als nach dem BGB in der bis zu diesem Tag geltenden (alten) Fassung, die kürzere Frist vom 1. Januar
         2002 an berechnet.
      
       Vorbringen der Parteien
      47     Die Kommission meint, ihr Rückzahlungsanspruch sei nicht verjährt. Gemäß § 195 BGB a. F. habe der Anspruch ursprünglich einer
         Verjährungsfrist von 30 Jahren unterlegen. Nach § 195 BGB n. F. in Verbindung mit Art. 229 § 6 Abs. 4 EGBGB verjähre er nunmehr
         innerhalb von drei Jahren. Die Verjährungsfrist habe am 1. Januar 2002 zu laufen begonnen und sei vor ihrem Ablauf am 31. Dezember
         2004 durch die Einreichung der Klage beim Gericht unterbrochen worden.
      
      48     § 196 BGB a. F., auf den sich die Beklagte berufe, enthalte eine abschließende Aufzählung, so dass sämtliche Ansprüche, die
         nicht ausdrücklich erfasst würden, von der kurzen Verjährungsfrist ausgeschlossen seien. Der Grundgedanke dieser Vorschrift
         – Geschäfte des täglichen Lebens, bei denen selten Zahlungsbelege erteilt würden, einer kurzen Verjährungsfrist zu unterwerfen
         – sei nicht analog auf die streitigen Projektfinanzierungen durch die Kommission anwendbar.
      
      49     Die Beklagte erwidert, der Anspruch der Kommission sei erloschen, da die Verjährung im vorliegenden Fall vor Klageerhebung
         eingetreten sei. Kulturinitiativen wie die mit den streitigen Projekten ins Leben gerufenen hingen weitgehend von der Vergabe
         von Subventionen ab. In diesem Bereich bestehe ein besonderes Bedürfnis nach Rechtssicherheit, da Rückforderungen von Subventionen
         für deren Empfänger eine erhebliche finanzielle Belastung darstellten. Daher sei es sachgerecht, die Vorschriften des § 196
         BGB a. F. über kürzere Verjährungsfristen analog anzuwenden. 
      
      50     Ihre Interessenlage sei mit derjenigen von Schuldnern vergleichbar, gegen die sich die in dieser Vorschrift genannten Ansprüche
         richteten, d. h. Ansprüche aus dem allgemeinen Wirtschaftsverkehr, die über kürzere Verjährungsfristen Rechtssicherheit benötigten.
         Ihr Engagement bei den streitigen Kulturprojekten sei mit nicht unerheblichen wirtschaftlichen Interessen und konkreten finanziellen
         Auswirkungen verbunden gewesen. Das deutsche Recht kenne den Grundsatz einer analogen Anwendung von § 196 BGB a. F.; das Verjährungsrecht
         enthalte keine abschließende Aufzählung, da der Gesetzgeber die Besonderheiten der europäischen Subventionsvergabe nicht im
         Detail habe regeln können.
      
       Würdigung durch das Gericht
      51     Für die Prüfung, ob § 196 BGB a. F. im vorliegenden Fall unmittelbar oder entsprechend angewandt werden kann, ist daran zu
         erinnern, dass diese Bestimmung eine verkürzte Verjährungsfrist für eine Reihe von Ansprüchen vorsieht, die im Einzelnen aufgeführt
         sind.
      
      52     Sie erwähnt jedoch weder den Anspruch auf Rückzahlung von Gemeinschaftssubventionen noch den auf Rückzahlung von insoweit
         gezahlten Vorschüssen. Daher kann sie hier keine unmittelbare Anwendung finden.
      
      53     Eine analoge Anwendung ist nach deutschem Recht zulässig, wenn die fragliche Regelung eine „planwidrige“ Lücke aufweist, wobei
         die zu beurteilende Sach- und Rechtslage der im Gesetz geregelten ähnlich sein muss. Eine analoge Anwendung setzt insbesondere
         voraus, dass der Gesetzgeber, wenn er diese Lücke unter Abwägung der jeweiligen Interessen hätte füllen müssen, dies sehr
         wahrscheinlich durch Erstreckung der fraglichen Regelung auf den streitigen Fall getan hätte (BGHZ 105, 140, 143; 110, 183,
         193; 120, 239, 252).
      
      54     Wie sich aus den Motiven des BGB ergibt, beruht § 196 BGB a. F. auf dem Gedanken, dass bei Geschäften des täglichen Lebens
         in der Regel bald bezahlt und Belege oft nicht erteilt oder bald vernichtet werden, so dass den Beteiligten nicht zugemutet
         werden kann, Beweismittel über Abschluss und Erfüllung eines derartigen Vertrags 30 Jahre lang aufzubewahren.
      
      55     Demnach kann im vorliegenden Fall keine Lücke im Gesetzestext festgestellt werden.
      56     § 196 BGB a. F. sieht nämlich nur für die Rückzahlung von Vorschüssen im Rahmen eines Vertrags mit einem Angestellten, einem
         Arbeiter oder einem Rechtsanwalt eine verkürzte Verjährungsfrist vor. Die Beklagte als Handelsgesellschaft kann diesen genau
         abgegrenzten Personengruppen nicht gleichgestellt werden. Als Handelsgesellschaft kann sie auch nicht als durch verkürzte
         Verjährungfristen besonders schutzbedürftig angesehen werden.
      
      57     Darüber hinaus ist die Finanzierung der streitigen Kulturprojekte durch die Gemeinschaft kein Geschäft des täglichen Lebens.
         Denn diese Vorhaben von erheblichem finanziellen Umfang sind auf komplexe Verträge mit umfangreichen Anhängen gestützt, die
         technische Kontrollen und Finanzprüfungen vorsehen und die Beklagte verpflichten, ihre Ausgaben im Einzelnen zu belegen, um
         deren Erstattung zu erlangen.
      
      58     Das Vorbringen, der von der Kommission geltend gemachte Anspruch sei verjährt, ist daher ebenfalls zurückzuweisen.
       Zur Verwirkung
       Vorbringen der Parteien
      59     Die Kommission hält ihren Anspruch entgegen dem Vorbringen der Beklagten nicht für verwirkt. Denn die Beklagte habe sich nach
         dem gesamten Verhalten der Kommission nicht darauf einrichten dürfen, dass diese ihren Anspruch nicht geltend machen werde.
         Die Beklagte habe auch kein schutzwürdiges Vertrauen gehabt, da die Kommission in den oben erwähnten technischen Prüfberichten
         deutlich gemacht habe, dass die streitigen Projekte den Qualitätsansprüchen nicht genügten. Folglich habe die Beklagte mit
         der Rückforderung der fraglichen Beträge rechnen müssen.
      
      60     Die Beklagte trägt vor, sie habe berechtigterweise darauf vertrauen können, dass die Kommission ihren Rückzahlungsanspruch
         nicht mehr geltend machen werde. Die Kommission habe diesen Anspruch daher verwirkt. In Anbetracht des gesamten Verhaltens
         der Kommission habe sich die Beklagte darauf einrichten dürfen, dass diese auf ihren Anspruch verzichte, da sie fast sieben
         Jahre lang, nämlich zwischen der Erstellung der Prüfberichte und Ende Dezember 2004, nichts zur gerichtlichen Geltendmachung
         des Rückzahlungsanspruchs unternommen habe. Zudem habe die Beklagte auch deshalb auf diesen Verzicht vertrauen dürfen, weil
         die Kommission die betreffenden Projekte seit sieben Jahren auf der Internetseite der Europäischen Union erwähne und dabei
         die Projektergebnisse für ihre eigenen Zwecke nutze. Außerdem müsse berücksichtigt werden, dass die Projekte ohne die finanziellen
         Hilfen der Kommission nicht durchführbar gewesen wären und dass das finanzielle Wohlergehen der Beklagten davon abhänge, dass
         sie die Subventionen behalten dürfe. In diesem Zusammenhang hebt die Beklagte die besondere Natur der streitigen Subventionen
         als „verlorene Zuschüsse“ hervor. Hieraus ergebe sich, dass ihre Rückzahlung zeitnah gefordert werden müsse, was im vorliegenden
         Fall nicht geschehen sei.
      
      61     Der Verweis auf die Prüfberichte sei nicht stichhaltig, da die von der Kommission ausgesuchten und bestellten Sachverständigen
         keine unabhängige und fachgerechte Begutachtung durchgeführt hätten. Insbesondere habe keine substantiierte Auseinandersetzung
         mit den von der Beklagten während der Durchführung der beiden Projekte vorgetragenen Argumenten stattgefunden.
      
      62     Was das Projekt Donna betreffe, so deute die Vorlage des Report of Assessors am 26. Juni 1998 darauf hin, dass die Kommission eine Auseinandersetzung mit den Argumenten der Beklagten habe vermeiden
         wollen. Bei der Zusammenkunft, die an diesem Tage stattgefunden habe, hätten die Vertreter der Beklagten nämlich die Fragen
         der Kommissionsgutachter beantwortet. Die Kommission habe das Protokoll dieser Sitzung jedoch erst kurz vor der Zustellung
         der Erstattungsforderung übermittelt. Ähnlich sei es beim Projekt DCC gewesen: Am 17. Dezember 1997 habe die Kommission den
         technischen Prüfbericht an die Betroffenen gesandt, am 23. Dezember 1997 habe sie den Vertrag gekündigt.
      
      63     In diesem Zusammenhang trägt die Beklagte vor, sie habe die Beträge, auf die sie selbst im Wege der Kostenerstattung (352 800
         ECU für das Projekt DCC und 110 781,45 ECU für das Projekt Donna) Anspruch habe, deshalb noch nicht gefordert, weil sie davon
         ausgegangen sei, dass auch die Kommission ihren Rückzahlungsanspruch nicht mehr geltend machen werde. Beide Parteien seien
         damals nämlich stillschweigend übereingekommen, die Sache auf sich beruhen zu lassen, um eine für beide Seiten akzeptable
         Lösung zu erzielen (pactum de non petendo). Das Verhalten der Beklagten sei ein Beweis für ihr Vertrauen darauf, dass die Kommission insoweit nichts unternehmen werde.
         
      
       Würdigung durch das Gericht
      64     Die Behauptung der Beklagten, beide Parteien seien damals stillschweigend übereingekommen, die Sache auf sich beruhen zu lassen,
         um eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu erzielen, ist von vornherein zurückzuweisen. Für diese Behauptung findet sich
         nämlich in den Akten keine Stütze. Obwohl die Kommission die Behauptung kategorisch bestritten hat, hat die Beklagte keinen
         konkreten Beweis vorgelegt, der auf einen stillschweigenden gegenseitigen Verzicht schließen ließe.
      
      65     Zudem erscheint in Anbetracht der unterschiedlichen Höhe der streitigen Beträge – nämlich einerseits 180 000 Euro, die die
         Kommission zurückfordert, und andererseits 650 000 Euro, die die Beklagte an Kostenerstattung fordert – der Abschluss eines
         solchen pactum de non petendo jedenfalls nicht glaubhaft. Darüber hinaus hat die Beklagte nicht einmal vor Gericht eine Aufrechnung ihrer behaupteten Forderung
         mit derjenigen der Kommission geltend gemacht, sondern sich lediglich, „vor[behalten], die ... Restbeträge ... gegenüber der
         Klägerin gerichtlich geltend zu machen“, obwohl sie nach § 215 BGB n. F. durch eine etwaige Verjährung ihrer Forderung nicht
         daran gehindert gewesen wäre, diese mit der Forderung der Kommission aufzurechnen.
      
      66     Der Grundsatz der Verwirkung im deutschen Recht ist von der Rechtsprechung im Rahmen von § 242 BGB entwickelt worden, der
         die Vertragsparteien verpflichtet, ihren Vertrag nach den im Rechtsverkehr allgemein anerkannten Geboten von Treu und Glauben
         zu erfüllen. Nach dieser Rechtsprechung hat der Gläubiger seinen vertraglichen Anspruch verwirkt, wenn er ihn über einen längeren
         Zeitraum nicht geltend gemacht hat und der Schuldner sich aufgrund des allgemeinen Verhaltens des Gläubigers darauf einrichten
         durfte, dass der Anspruch nicht mehr geltend gemacht werde (BGHZ 91, 62, 71; 105, 290, 298 und insbesondere 146, 217, 220
         f.).
      
      67     Es ist daher erstens zu prüfen, wie lange der Gläubiger seinen Anspruch nicht geltend gemacht hat, wobei die Bedeutung der
         Dauer der Untätigkeit vom Einzelfall abhängt. Zweitens sind die Art und die Höhe der Forderung, die privatrechtlicher oder
         öffentlich-rechtlicher Natur sein kann, und schließlich die Intensität des durch das Verhalten des Gläubigers begründeten
         Verhaltens sowie der Umfang der Schutzbedürftigkeit des Schuldners zu berücksichtigen.
      
      68     Der Beginn des Zeitraums, während dessen die Kommission vorliegend untätig geblieben ist, ist auf den 1. November 1998 festzusetzen.
         Denn mit dem Zahlungsbescheid und der Lastschriftanzeige (Randnr. 24 des vorliegenden Urteils) hat die Kommission die Beklagte
         in Form einer Mahnung klar und endgültig zur Rückzahlung von 179 337 ECU bis zum 31. Oktober 1998 aufgefordert.
      
      69     Daraus folgt, dass alle vor diesem Zeitpunkt liegenden Faktoren, insbesondere die von der Beklagten beanstandete Art und Weise
         der Erstellung der in den Randnrn. 18 bis 22 des vorliegenden Urteils erwähnten Prüfberichte, für die Beantwortung der Frage,
         ob die Kommission ihren zum 31. Oktober 1998 geltend gemachten Rückzahlungsanspruch allein dadurch verwirkt hat, dass sie
         ihn erst am 24. Dezember 2004 gerichtlich geltend gemacht hat, irrelevant sind.
      
      70     Sodann ist festzustellen, dass die Kommission mit der Erhebung der vorliegenden Klage über sechs Jahre nach der Zahlungsaufforderung
         zum 31. Oktober 1998 die hier anwendbare besondere Verjährungsfrist von zunächst 30, dann drei Jahren (vgl. Randnrn. 44 bis
         46 des vorliegenden Urteils) eingehalten hat. Ein Gläubiger ist in der Regel nicht daran gehindert, die Verjährungsfrist auszunutzen,
         insbesondere dann nicht, wenn sie im Verhältnis zu der Frist von 30 Jahren relativ kurz ist.
      
      71     Darüber hinaus war die Beklagte nach § 257 Abs. 1 Nr. 4 und Abs. 4 des Handelsgesetzbuchs (HGB) und § 147 Abs. 1 Nr. 4 und
         Abs. 3 der Abgabenordnung (AO) verpflichtet, die Buchungsbelege betreffend die Durchführung der Projekte DCC und Donna zehn
         Jahre aufzubewahren. Die Pflicht zur Aufbewahrung dieser Buchungsbelege ist zwar erst mit den §§ 2 und 4 des Steueränderungsgesetzes
         vom 19. Dezember 1998 (BGBl. 1998 I S. 3816) auf einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckt worden; diese neue Frist war aber
         nach den §§ 3 und 5 dieses Gesetzes dann anwendbar, wenn die für diese Unterlagen geltende alte Aufbewahrungsfrist Ende 1998
         noch nicht abgelaufen war. Da die Projekte DCC und Donna 1997 durchgeführt wurden, waren die entsprechenden Buchungsbelege
         nach den früheren Bestimmungen des HGB und der AO sechs Jahre aufzubewahren, so dass diese Frist Ende 1998 noch nicht abgelaufen
         war.
      
      72     Die Beklagte hat vor Gericht nicht behauptet, besonderen kürzeren Aufbewahrungsfristen zu unterliegen, die vor Klageerhebung
         bereits abgelaufen gewesen wären. Sie hat sich vielmehr auf § 45 des Sozialgesetzbuchs X vom 18. August 1980 (BGBl. 1980 I
         S. 1469 und 2001 I S. 130) und § 48 VwVfG (vgl. Randnr. 43 des vorliegenden Urteils) berufen, nach denen die Behörden dem
         Empfänger gegenüber grundsätzlich nur über eine Frist von einem Jahr für die Rücknahme eines rechtswidrigen begünstigenden
         Verwaltungsakts verfügen.
      
      73     Hierzu genügt die Feststellung, dass diese Frist von einem Jahr eine Besonderheit von Verwaltungsverfahren ist, in deren Rahmen
         die öffentliche Verwaltung durch einseitigen Verwaltungsakt handeln kann. Die von der Beklagten geltend gemachten Bestimmungen
         sind dagegen hier irrelevant, weil die Kommission und die Beklagte es vorgezogen haben, vertragliche Beziehungen ohne die
         Befugnis der Kommission zum Erlass von Verwaltungsakten zu begründen.
      
      74     Folglich erscheint der Zeitraum von gut sechs Jahren zwischen der Zahlungsaufforderung an die Beklagte und der Klageerhebung
         unter den hier gegebenen Umständen nicht so lang, dass daraus eine Verwirkung des von der Kommission geltenden gemachten Anspruchs
         folgte.
      
      75     Was die Art und die Höhe dieses Anspruchs betrifft, so hat die Beklagte nichts dafür vorgetragen, dass die Kommission ihren
         Anspruch wegen der Besonderheiten oder des Betrags des in Rede stehenden Rückzahlungsanspruchs verwirkt hätte.
      
      76     Zu der Frage, ob das Verhalten der Kommission bei der Beklagten ein Vertrauen entstehen lassen konnte, ist festzustellen,
         dass die Akten keinen Hinweis auf ein positives Handeln enthalten, durch das die Kommission – über ihr bloßes mehrjähriges
         Nichthandeln hinaus – den Willen, auf ihren Rückzahlungsanspruch zu verzichten, zum Ausdruck gebracht hätte. Ganz im Gegenteil
         hat die Kommission, wie sich aus dem Bescheid des Europäischen Bürgerbeauftragten vom 27. April 2000 ergibt, mit dem das von
         der Beklagten angestrengte Beschwerdeverfahren abgeschlossen wurde, vor dem Bürgerbeauftragten ausdrücklich erklärt, dass
         sie ihren Rückzahlungsanspruch gerichtlich geltend machen werde.
      
      77     Darüber hinaus musste die Beklagte als umsichtige und besonnene Wirtschaftsteilnehmerin über das Inkrafttreten der deutschen
         Schuldrechtsreform 2002 im Bilde sein. Sie konnte daher damit rechnen, dass die Kommission die neue Verjährungsfrist, die
         am 31. Dezember 2004 (vgl. Randnrn. 44 bis 46 des vorliegenden Urteils) ablaufen würde, voll ausschöpfen würde. Dass sie selbst
         sich entschieden hatte, ihren eigenen Anspruch gegenüber der Kommission nicht gerichtlich durchzusetzen, konnte bei ihr keinesfalls
         ein schutzwürdiges Vertrauen darauf begründen, dass die Kommission ihren Rückzahlungsanspruch nicht geltend machen werde.
         Die Beklagte hat jedenfalls nicht behauptet, die Kommission habe sie durch ihr Verhalten daran gehindert, rechtzeitig eine
         Zahlungsklage zu erheben.
      
      78     Was schließlich die Schutzbedürftigkeit der Beklagten angeht, so behauptet diese, als Gesellschaft mit beschränkter Haftung
         der Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen anzugehören, so dass insoweit klar zwischen ihr und der weltweit tätigen
         Aktiengesellschaft Ploenzke zu unterscheiden sei.
      
      79     Hierzu ist festzustellen, dass der Anspruch eines Gläubigers nicht allein deshalb für verwirkt erklärt werden kann, weil die
         schuldnerische Gesellschaft klein ist, sofern der Gläubiger nicht durch sein Verhalten dazu beigetragen hat, dass die Schuldnerin
         in eine schlechte Finanzlage geraten ist. Die Akten enthalten aber keinen Hinweis darauf, dass sich die Kommission in der
         Zeit vom 1. November 1998 bis zur Klageerhebung dergestalt verhalten hätte.
      
      80     Im Übrigen kann sich die Beklagte nicht darauf berufen, dass es ihr als kleinem Unternehmen bei der Durchführung der beiden
         von der Kommission finanzierten Projekte an Erfahrung gemangelt hätte. Herr B., der ehemalige Geschäftsführer der Beklagten
         und Mitglied ihres an beiden Projekten beteiligten professional teams (vgl. Randnr. 12 des vorliegenden Urteils), hatte nämlich die Verträge DCC und Donna als Abteilungsleiter von Ploenzke in
         deren Namen unterzeichnet. Ferner ist Herr B. im Anhang des Vertrags DCC als einer der Vertreter von Ploenzke und im Anhang
         des Vertrags Donna als der alleinige Vertreter von Ploenzke aufgeführt. In Anbetracht dieser persönlichen Verbindungen zwischen
         den beiden Unternehmen ist nicht ersichtlich, dass die Beklagte dem Rückzahlungsanspruch der Kommission gegenüber objektiv
         besonders schutzbedürftig wäre.
      
      81     Unter Berücksichtigung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles geht das Vorbringen der Verwirkung daher fehl.
      82     Nach alledem ist der erste Teil des Vorbringens der Beklagten zurückzuweisen. Der von der Kommission geltend gemachte Anspruch
         ist daher einklagbar. Es bleibt jedoch zu prüfen, welche Kosten im Rahmen der beiden in Rede stehenden Vorhaben erstattungsfähig
         sind.
      
       Zu den im Rahmen der Projekte DCC und Donna erstattungsfähigen Kosten
       Vorbemerkungen
      83     Der von der Kommission geltend gemachte Anspruch auf Rückzahlung der ausgezahlten Vorschüsse ergibt sich aus Ziff. 4.3 des
         Anhangs II der Verträge. Denn danach besteht ein solcher Anspruch, wenn die für die Vorhaben bereits geleisteten Zahlungen
         den Finanzbeitrag übersteigen, den die Kommission unter Berücksichtigung des Ergebnisses einer eventuellen Buchprüfung insgesamt
         zu leisten hat. Nach Ziff. 4.3. ist also zu prüfen, ob der Betrag der Zuschüsse, die die Beklagte erhalten hat, den Betrag
         der erstattungsfähigen Kosten übersteigt.
      
      84     Die Kommission hat keine der ihr von der Beklagten im Rahmen des Projekts DCC vorgelegten Kostenpunkte anerkannt. Die Beklagte
         hatte die Erstattung eines Betrags von insgesamt 1 960 943 DM gefordert, der sich aus Personalkosten (834 568 DM), Subunternehmerkosten
         (618 631 DM), Kosten für Ausrüstungsgegenstände (384 018 DM), Reisekosten (32 682 DM), Verbrauchsgüterkosten (35 017 DM) und
         laufenden Geschäftskosten (56 027 DM) zusammensetzte.
      
      85     Im Rahmen des Projekts Donna hat die Kommission lediglich einen Betrag in Höhe 46 300,18 DM als erstattungsfähig anerkannt,
         während die Beklagte einen Betrag von insgesamt 646 809 DM gefordert hatte, der sich aus Personalkosten (227 998,39 DM), Subunternehmerkosten
         (257 659 DM), Kosten für Ausrüstungsgegenstände (106 871 DM), Reisekosten (22 659 DM), Verbrauchsgüterkosten (9 236 DM) und
         laufenden Geschäftskosten (22 385 DM) zusammensetzte.
      
      86     In diesem Zusammenhang wirft die Beklagte der Kommission vor, sich widersprüchlich zu verhalten, da deren Rückzahlungsaufforderung
         nicht damit vereinbar sei, dass alle vertraglichen Leistungen ordnungsgemäß erbracht worden seien. Sämtliche Kosten, die sie
         bei der Kommission zur Erstattung angemeldet hatte, seien erstattungsfähig.
      
       Zu dem an die Kommission gerichteten Vorwurf widersprüchlichen Verhaltens
      –       Vorbringen der Parteien
      87     Die Kommission hält ihr Verhalten, nämlich die Rückforderung der an die Beklagte geleisteten Vorschüsse, nicht für widersprüchlich.
         Die streitigen Vorhaben seien nicht erfolgreich verlaufen, da die Qualitätskriterien nicht erreicht worden seien.
      
      88     Jedenfalls komme es für die Erstattung der verauslagten Kosten nicht auf den Erfolg oder Misserfolg der Vorhaben an. Die Beklagte
         verkenne nämlich, dass die Kommission unabhängig vom Erfolg der Vorhaben einen Rückzahlungsanspruch habe, weil die geltend
         gemachten Kosten keine zulässigen Kosten im Sinne der Ziffern 1 und 5 des Anhangs II der Verträge seien. Allein entscheidend
         sei daher, dass die Beklagte die Zulässigkeit der Kosten nachweisen könne, was ihr jedoch nicht gelungen sei.
      
      89     Die Beklagte bekräftigt, sie habe die in den beiden Verträgen vereinbarten Leistungen ordnungsgemäß und vollständig erbracht.
         In der Tat nutze die Kommission heute die Ergebnisse beider Projekte auf der Internetseite der Europäischen Union für eigene
         Werbezwecke. Diese Seite verweise auf das Memorandum of Understanding on Europe’s cultural heritage, in dem die Kommission Herrn B. für den geleisteten Einsatz danke, der zur Verwirklichung der Ziele des Memorandum of Understanding beigetragen habe. Das Projekt DCC werde zur Verdeutlichung der Verdienste von Herrn B. genannt. Außerdem habe die Kommission
         in ihrem Schreiben vom 16. März 1998 der Beklagten für ihre Mitwirkung im Rahmen des Memorandum of Understanding und somit bei den beiden Projekten gedankt. Entscheidend sei, dass die Kommission die Verweise auf die beiden Projekte im
         Internet nicht gelöscht und sich somit nicht von den beiden Vorhaben und den in deren Rahmen erreichten Zielen distanziert
         habe.
      
      90     Darüber hinaus seien die Projektberichte, die Programme und das für die Vorhaben hergestellte digitale und analoge Material
         geliefert worden und die geltend gemachten Personalkosten tatsächlich entstanden. Während der Durchführung der Vorhaben sei
         der Beklagten keine der Beschwerden mitgeteilt worden, die nunmehr in der Klageschrift erhoben würden. Die von der Kommission
         angeführten Vertragsbestimmungen hätten lediglich den Zweck, den Nachweis und die Kontrolle der im Rahmen der beiden Vorhaben
         entstandenen erstattungsfähigen Kosten zu ermöglichen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      91     Nach Ansicht der Beklagten schließt der Erfolg der Projekte DCC und Donna für sich allein schon den von der Kommission geltend
         gemachten Rückzahlungsanspruch aus, da dieser auf rein formalistischen Erwägungen beruhe.
      
      92     Dieser Auffassung ist nicht zu folgen.
      93     Nach Art. 274 EG ist die Kommission nämlich zur wirtschaftlichen Haushaltsführung im Hinblick auf die Gemeinschaftsmittel
         verpflichtet. Im System der finanziellen Zuschüsse der Gemeinschaft unterliegt die Verwendung dieser Zuschüsse Vorschriften,
         die zur teilweisen oder vollständigen Rückzahlung eines bereits gewährten Zuschusses führen können. Ein Zuschussempfänger,
         dessen Antrag die Kommission stattgegeben hat, erwirbt dadurch keinen endgültigen Anspruch auf volle Auszahlung des Zuschusses,
         wenn er die an die Unterstützung geknüpften Bedingungen nicht eingehalten hat (Urteile des Gerichts vom 14. Juli 1997, Interhotel/Kommission,
         T‑81/95, Slg. 1997, II‑1265, Randnr. 62, und vom 29. September 1999, Sonasa/Kommission, T‑126/97, Slg. 1999, II‑2793, Randnr. 59).
      
      94     In diesem Zusammenhang hat der Gerichtshof entschieden, dass die Gemeinschaft nach einem wesentlichen Grundsatz der Gemeinschaftsförderung
         nur tatsächlich entstandene Kosten bezuschussen kann. Damit die Kommission Kontrollen vornehmen kann, müssen die durch solche
         Zuschüsse Begünstigten daher nachweisen, dass die Kosten, die im Rahmen der subventionierten Vorhaben abgerechnet worden sind,
         tatsächlich entstanden sind. Denn die Erteilung zuverlässiger Auskünfte seitens dieser Begünstigten ist für das ordnungsgemäße
         Funktionieren des Kontroll- und Beweissystems unerlässlich, das zur Überprüfung des Vorliegens der Voraussetzungen für die
         Gewährung dieser Zuschüsse eingeführt worden ist. Der Nachweis, dass ein Vorhaben durchgeführt worden ist, genügt daher nicht,
         um die Gewährung eines spezifischen Zuschusses zu rechtfertigen. Der Beihilfeempfänger hat überdies nachzuweisen, dass ihm
         die Kosten entstanden sind, die er nach den für die Gewährung des betreffenden Zuschusses festgelegten Bedingungen deklariert
         hat, wobei nur ordnungsgemäß belegte Kosten zuschussfähig sind. Seine Verpflichtung, die festgelegten finanziellen Bedingungen
         einzuhalten, stellt sogar eine seiner Hauptpflichten und damit eine Bedingung für die Gewährung des Gemeinschaftszuschusses
         dar (vgl. in diesem Sinn Urteil des Gerichtshofs vom 19. Januar 2006, Comunità montana della Valnerina/Kommission, C‑240/03 P,
         Slg. 2006, I‑731, Randnrn. 69, 76, 78, 86 und 97).
      
      95     Der Gerichtshof hat ferner entschieden, dass die in einem Vertrag über eine Gemeinschaftssubvention vorgesehene Verpflichtung,
         der Kommission form- und fristgemäß Aufstellungen der Kosten vorzulegen, die erstattungsfähig sein sollen, zwingender Natur
         ist und dass das Erfordernis, diese Aufstellungen ordnungsgemäß vorzulegen, allein dazu dient, der Kommission die notwendigen
         Angaben zu verschaffen, damit sie prüfen kann, ob die Gemeinschaftsmittel im Einklang mit den Bestimmungen des Vertrags verwendet
         worden sind (vgl. in diesem Sinn Urteil des Gerichtshofs vom 26. Januar 2006, Implants/Kommission, C‑279/03 OP, nicht in der
         amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnrn. 36 und 37).
      
      96     Im Rahmen der Finanzierung durch den Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft hat der Gerichtshof
         ebenfalls die Bedeutung des Grundsatzes hervorgehoben, dass allein die im Einklang mit den Gemeinschaftsvorschriften vorgenommenen
         Ausgaben zu Lasten des Gemeinschaftshaushalts gehen, so dass die Kommission einen Gemeinschaftszuschuss im Fall von Unregelmäßigkeiten
         kürzen, aussetzen oder streichen kann. Auch Unregelmäßigkeiten rein „technischer“ Natur, die keine konkreten finanziellen
         Auswirkungen haben, können die finanziellen Belange der Union und die Einhaltung des Gemeinschaftsrechts ernsthaft beeinträchtigen
         und damit die Vornahme finanzieller Korrekturen durch die Kommission rechtfertigen (Urteil des Gerichtshofs vom 15. September
         2005, Irland/Kommission, C‑199/03, Slg. 2005, I‑8027, Randnrn. 26, 27, 29 und 31).
      
      97     Aus dieser Rechtsprechung ergibt sich, dass es nicht als formalistisch erachtet werden kann, wenn die Kommission darauf besteht,
         dass die Beklagte ihre Vertragspflichten hinsichtlich der Aufstellung und des Nachweises der Kosten strikt einhält. Es obliegt
         vielmehr der Beklagten, nachzuweisen, dass diese Rechnungsführungspflichten tatsächlich eingehalten worden sind.
      
      98     Diese Schlussfolgerung wird nicht durch die Regeln über die Beweislast entkräftet. Danach hat zwar die Kommission als Klägerin
         nachzuweisen, dass ihr Rückzahlungsanspruch gegeben ist (Urteil des Bundesgerichtshofs vom 14. Januar 1991, II ZR 190/89,
         BGHZ 113, 222, 226), so dass sie schlüssig darlegen und im Bestreitensfall beweisen muss, dass ihre Zahlungen den geschuldeten
         Finanzbeitrag überschreiten.
      
      99     Die Kommission muss jedoch nur die Kosten bezuschussen, die den vertraglichen Bestimmungen entsprechend entstanden und vor
         allem ordnungsgemäß belegt worden sind. Nur wenn die Beklagte die entsprechenden Kostenaufstellungen vorgelegt hat, muss die
         Kommission gegebenenfalls nachweisen, dass sie für die entstandenen Kosten keine Erstattung schuldet, weil die vertragliche
         Leistung mangelhaft ist oder die Kostenaufstellungen unrichtig sind (vgl. in diesem Sinn Schlussanträge der Generalanwältin
         Kokott in der Rechtssache C‑294/02, Kommission/AMI Semiconductor Belgium u. a., Urteil des Gerichtshofs vom 17. März 2005,
         Slg. 2005, I‑2175, I‑2178, Randnrn. 174 ff.).
      
      100   Im Übrigen hat die Beklagte, was den behaupteten Erfolg der in Rede stehenden Vorhaben angeht, in der Sitzung eingeräumt,
         dass sich in den Akten kein einziger Computerausdruck findet, der die erfolgreiche Digitalisierung der im Rahmen des Projekts
         DCC ausgewählten kulturellen Inhalte oder der Einrichtung eines virtuellen Forums im Rahmen des Projekts Donna belegen würde.
         Die Beklagte hat in der Sitzung sogar von einem Misserfolg der Vorhaben gesprochen, der darauf zurückzuführen sei, dass es
         1997 noch nicht genügend Nutzer mit einem schnellen Internetzugang gegeben habe und dass völlig ungeeignete Modems hätten
         verwendet werden müssen.
      
      101   Zwar behauptet die Beklagte dennoch, dass die Ergebnisse der beiden Vorhaben auf der Internetseite der Europäischen Union
         zu Werbezwecken genutzt würden; die Kommission hat in ihrer Erwiderung (Rz. 21 bis 29) jedoch dargetan, dass sich die auf
         dieser Seite verfügbaren Informationen auf den Beginn der Durchführung der Vorhaben (im Jahr 1997) beziehen und nichts über
         deren etwaiges Ergebnis aussagen. Auch die Auszüge aus dem Memorandum of Understanding on Europe’s cultural heritage und insbesondere die Danksagungen, auf die die Beklagte Bezug nimmt, treffen keine Aussage über den Erfolg der Vorhaben.
      
      102   Im Zusammenhang mit dem Memorandum of Understanding on Europe’s cultural heritage wird der Name des damaligen Geschäftsführers der Beklagten, Herrn B., im Rahmen einer „Workgroup 4 – Priorities in Digital
         Content for Culture“ zwar in der Tat erwähnt. Doch wird dabei, wie die Kommission zu Recht ausgeführt hat, im Rahmen einer
         allgemeinen Danksagung an alle am Projekt DCC Beteiligten lediglich festgestellt, dass Herr B. an dem Projekt „Multi-Media
         for education and employments for an integrated culture initiative“ persönlich mitgearbeitet hat. Auch der „Final Report of
         Working Group 4“ kann kein objektives Ergebnis des Projekts DCC bescheinigen, da dieser Bericht von Herrn B. selbst erstellt
         worden ist. Schließlich ist die von der Kommission in ihrem Schreiben vom 16. März 1998, in dem der Beklagten für ihre Bemühungen
         gedankt wird, verwendete Formulierung eine reine Höflichkeitsformel und enthält keine Aussage dahin, dass die „Workgroup 4“
         konkret und tatsächlich erfolgreich gewesen ist. 
      
      103   Nach alledem ist das Vorbringen, die Kommission habe sich widersprüchlich verhalten, zurückzuweisen.
       Zur Erstattungsfähigkeit der geltend gemachten Kosten
      104   Was die Arten von Kosten betrifft, die im Rahmen der Durchführung der Projekte DCC und Donna angesetzt werden konnten, d. h.
         die direkten Kosten (für Personal, Subunternehmer, Ausrüstungsgegenstände, Reisen und Verbrauchsgüter) und die indirekten
         Kosten (laufende Geschäftskosten), so sind als erstattungsfähige Kosten in Ziff. 1.2 des Anhangs II der Verträge die tatsächlich
         entstandenen Kosten definiert, die für die Durchführung des Vorhabens unumgänglich waren, nachgewiesen werden können und während
         der Laufzeit des Vorhabens angefallen sind.
      
      105   Demnach hatte die Beklagte den Nachweis zu erbringen (vgl. Randnr. 99 des vorliegenden Urteils), dass es sich bei den der
         Kommission gegenüber geltend gemachten Kosten um tatsächliche Kosten handelte, die unumgänglich waren und während der Laufzeit
         der Vorhaben für deren Durchführung angefallen sind. Ferner musste sie bei der Erbringung dieses Beweises die für jede Kostenart
         spezifischen vertraglichen Anforderungen erfüllen.
      
      106   In diesem Zusammenhang wirft die Beklagte der Kommission vor, sie verhalte sich treuwidrig, wenn sie nach fast sieben Jahren
         die Beibringung detaillierter Unterlagen verlange, da diese entweder nicht mehr vorhanden oder wegen des Todes des damaligen
         Geschäftsführers der Beklagten, Herrn B., im Jahr 1999 nur noch schwer zu rekonstruieren seien. Die Beklagte habe der Kommission
         sämtliche Unterlagen, die für den Nachweis der Erstattungsfähigkeit aller verauslagten Kosten erforderlich gewesen seien,
         während der Durchführung der beiden Vorhaben oder unmittelbar danach vorgelegt. Mit den eingereichten Unterlagen, die zum
         Teil in der Klageschrift erwähnt und dieser beigefügt seien, seien die erstattungsfähigen Kosten hinreichend belegt.
      
      107   Dieses Vorbringen ist jedoch nicht geeignet, die Beklagte von den Pflichten nach Ziff. 1.2 des Anhangs II der Verträge zu
         entbinden. Überdies war die Beklagte nach den einschlägigen Bestimmungen des deutschen Rechts verpflichtet, sämtliche die
         Durchführung der Projekte DCC und Donna betreffenden Buchungsbelege (vgl. Randnr. 71 des vorliegenden Urteils) zehn Jahre
         aufzubewahren.
      
      108   Hinsichtlich der Erstattungsfähigkeit der von der Beklagten geltend gemachten Kosten kommt es entscheidend darauf an, ob es
         ihr gelungen ist, diese Kosten 1997 und 1998, d. h. nach Beendigung der beiden Projekte, zu belegen. Die entsprechenden Belege
         sind den von den Parteien beim Gericht eingereichten Schriftsätzen beigefügt. Insbesondere sind sie in den Anlagen zur Klageschrift
         enthalten. Die Beklagte hat in ihrer Klagebeantwortung (Rz. 24) ausdrücklich auf diese Anlagen verwiesen, ohne der Kommission
         vorzuwerfen, einschlägige Schriftstücke vernichtet oder absichtlich nicht vorgelegt zu haben, die ihr die Beklagte rechtzeitig
         übermittelt habe, nun aber nicht erneut vorlegen könne. Die Bemerkung der Beklagten, diese Schriftstücke seien der Klageschrift
         nur „zum Teil“ beigefügt gewesen, ist jedenfalls zu vage, um die Beklagte von ihrer Pflicht zu entbinden, die geltend gemachten
         Kosten zu belegen.
      
      109   Die Erstattungsfähigkeit der verschiedenen Kostenarten ist daher auf der Grundlage der zwischen den Parteien gewechselten
         Schriftsätze einschließlich der der Klageschrift und der Klagebeantwortung beigefügten Schriftstücke zu prüfen.
      
      –       Personalkosten
      110   Im Rahmen des Projekts DCC hat die Beklagte 834 568 DM geltend gemacht, und zwar für folgende Personen: Herrn C. (Micro Computer
         DOS Systemhaus), Frau D., Herrn E., Herrn F., Herrn G. (FORSA), Herrn M. (Leonardo) und Herrn W. (Innovative Software).
      
      111   Im Rahmen des Projekts Donna hat sie 227 998,39 DM für Herrn F., Herrn E. und Frau L. geltend gemacht.
      112   Zu den im Rahmen des Projekts DCC geltend gemachten Kosten trägt die Kommission vor, die einzelnen Kostenpunkte hätten nicht
         anerkannt werden können, weil die angeblich in die Verwirklichung des Vorhaben eingebundenen Personen nicht bei der Beklagten
         angestellt gewesen seien. Gleiches gelte für das Projet Donna. Jedenfalls hätten die von der Beklagten vorgelegten Unterlagen
         nicht den Formerfordernissen der Ziff. 1.3.1 des Anhangs II der Verträge entsprochen.
      
      113   Die Beklagte entgegnet, die Weigerung, die Personalkosten anzuerkennen, widerspreche dem Sinn und Zweck der vertraglichen
         Vereinbarungen. Was den Vorwurf betreffe, die betreffenden Personen seien nicht unmittelbar bei ihr angestellt gewesen, sei
         Ziff. 1.3.1 des Anhangs II in dem Sinne auszulegen, dass ausgeschlossen werden solle, dass Kosten für Personen abgerechnet
         würden, die überhaupt nichts mit den Projekten zu tun hätten. Darüber hinaus habe sie der Kommission Arbeitszeitnachweise
         vorgelegt, aus denen das Datum, die Arbeitszeit, der Tätigkeitsbereich und das Projekt selbst ersichtlich gewesen seien. Wenn
         die Kommission verlange, dass die Arbeitszeitnachweise mindestens einmal im Monat erstellt und vom Projektleiter gegengezeichnet
         würden, verkenne sie den rein formalen Charakter der Ziff. 1.3.1 des Anhangs II.
      
      114   Zwischen den Parteien ist unstreitig, dass die Beklagte die Voraussetzungen der Ziff. 1.3.1 des Anhangs II der Verträge nicht
         erfüllt hat. Nach dieser Bestimmung müssen alle geltend gemachten Arbeitszeiten erfasst und bestätigt sein, wobei die Arbeitszeitnachweise
         mindestens einmal im Monat vom Projektleiter oder einem bevollmächtigten leitenden Angestellten des Vertragspartners zu bestätigen
         sind.
      
      115   Die von der Beklagten vorgelegten Arbeitszeitnachweise (Anlagen 9 und 10 zur Klagebeantwortung) tragen jedoch keinerlei Unterschrift
         und lassen ihren Urheber nicht erkennen. Es handelt sich um einen Stoß von Computerausdrucken, deren Zusammenhang mit den
         erbrachten Leistungen mangels jeder Erläuterung oder jedes zusätzlichen Beweises nicht nachgewiesen ist. Denn kein Vertreter
         der Beklagten hat durch eine zeitnah datierte Unterschrift die Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit dieser Zeitnachweise
         übernommen.
      
      116   Entgegen dem Vorbringen der Beklagten widerspricht das in Ziff. 1.3.1 des Anhangs II aufgestellte Erfordernis weder dem Sinn
         noch dem Zweck der Verträge. Diese Bestimmung soll nämlich eine regelmäßige und zeitnahe Vorlage (mindestens einmal im Monat)
         verlässlicher, von qualifizierten Vertretern der Beklagten unterzeichneter Belege über die von deren Angestellten für die
         fraglichen Vorhaben tatsächlich aufgewendete Zeit gewährleisten. Der Kommission, die an den vereinbarten Arbeiten nicht beteiligt
         war, stehen keine anderen Mittel zur Verfügung, um die Richtigkeit der geltend gemachten Personalkosten zu prüfen.
      
      117   Daraus folgt, dass die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der von ihr behaupteten Personalkosten hat; dabei braucht die
         Frage, ob und gegebenenfalls nach welchen Modalitäten selbständige Mitarbeiter nach deutschem Recht als zum Personal ihres
         Auftraggebers gehörig anzusehen sind, nicht geprüft zu werden.
      
      –       Subunternehmerkosten
      118   Im Rahmen des Projekts DCC hat die Beklagte 618 631 DM geltend gemacht, die sich auf folgende Einzelpositionen verteilen:
         McDOS, Christian Liepe Photodesign und IIC zugewiesene Kosten von Ploenzke.
      
      119   Im Rahmen des Projekts Donna hat die Beklagte 257 659 DM geltend gemacht, die sich auf folgende Einzelpositionen verteilen:
         Fink & Partner, Frau D. D, Frau B. D. und Casper Casting and Styling Agency.
      
      120   Zum Projekt DCC trägt die Kommission vor, sie habe nicht die nach Art. 5 Abs. 1 des Vertrags erforderliche vorherige Zustimmung
         zur Untervergabe gegeben. Jedenfalls sei die Beklagte ihrer Pflicht nicht nachgekommen, ihre Verpflichtungen gegenüber der
         Kommission, insbesondere die zur Vorlage von Arbeitszeitnachweisen, in die Subunternehmerverträge zu übernehmen.
      
      121   In Bezug auf das Projekt Donna weist die Kommission darauf hin, dass sie nur die Kosten für Frau D. D. und Frau B. D. in Höhe
         von 46 300,18 DM als erstattungsfähig anerkannt habe. Die Erstattung der sonstigen Subunternehmerkosten habe sie in Ermangelung
         einer vorherigen schriftlichen Zustimmung abgelehnt.
      
      122   Die Beklagte trägt vor, es sei zwischen den Parteien unstreitig, dass die Unternehmen, für die diese Kosten geltend gemacht
         worden seien, für das Projekt DCC tätig gewesen seien, so dass die vorherige Zustimmung der Kommission nicht erforderlich
         gewesen sei. Art. 5 des DCC‑Vertrags stelle eine bloße Ordnungsvorschrift dar. Außerdem habe die Kommission die Subunternehmer
         bereits akzeptiert, als sie eine entsprechende Liste erhalten habe. Die Beklagte sei nicht verpflichtet gewesen, qualifizierte
         Zeitnachweise vorzulegen. Die Zuweisung der Kosten von Ploenzke an IIC beruhe auf einer internen Vereinbarung mit Ploenzke.
      
      123   Beim Projekt Donna seien sämtliche Subunternehmerkosten erstattungsfähig. Mit der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding durch Fink & Partner sei dem Sinn und Zweck des Art. 5.1 des Vertrags Donna Genüge getan. Was die Kosten der Casper Casting
         and Styling Agency betreffe, sei eine schriftliche Zustimmung der Kommission nicht erforderlich gewesen.
      
      124   Insoweit ist daran zu erinnern, dass die Beklagte nach Art. 5 Abs. 1 der beiden Verträge unter dem Vorbehalt einer vorherigen
         schriftlichen Zustimmung der Kommission berechtigt war, Subunternehmerverträge abzuschließen, wobei sie den Subunternehmern
         die gleichen Verpflichtungen auferlegen musste, denen sie selbst nach den mit der Kommission geschlossenen Verträgen unterlag.
      
      125   Die von der Beklagten vertretene Auffassung, dass diese Bestimmung eine bloße Ordnungsvorschrift sei, deren Verletzung die
         Erstattungsfähigkeit der fraglichen Kosten nicht berühre, ist zurückzuweisen.
      
      126   Das vertragliche Erfordernis einer vorherigen Zustimmung der Kommission zur Einschaltung von Subunternehmern ist gerechtfertigt
         und notwendig, weil die Durchführung der vereinbarten Verpflichtungen grundsätzlich allein und gerade dem Unternehmen obliegt,
         das die Kommission als Vertragspartner individuell ausgewählt hat. Die Kommission muss daher die etwaige Einschaltung eines
         Subunternehmers prüfen und gegebenenfalls ausschließen können. Der Verstoß der Beklagten gegen das Erfordernis einer vorherigen
         schriftlichen Zustimmung genügt daher für die Ablehnung der Erstattung der entsprechenden Kosten durch die Kommission.
      
      127   Darüber hinaus steht jedenfalls fest, dass die Beklagte für ihre Subunternehmer keine den Formvorgaben in Ziff. 1.3.1 des
         Anhangs II der Verträge entsprechenden Arbeitszeitnachweise vorgelegt hat. Nach Art. 5 Abs. 1 der Verträge war sie jedoch
         verpflichtet, Subunternehmern die gleichen Verpflichtungen aufzuerlegen, denen sie selbst unterlag. Jeder von der Beklagten
         zur Durchführung der Vorhaben eingeschaltete Subunternehmer war daher verpflichtet, Ziff. 1.3.1 dieses Anhangs II einzuhalten,
         d. h., alle Arbeitszeiten seines beteiligten Personals zu erfassen und die Arbeitszeitnachweise mindestens einmal im Monat
         von einem bevollmächtigten leitenden Angestellten bestätigen zu lassen.
      
      128   Das vertragliche Erfordernis, Subunternehmern die gleichen Verpflichtungen aufzuerlegen, die für die Beklagte galten, war
         gerechtfertigt und notwendig, um eine vollständige Überprüfung der geltend gemachten Kosten zu gewährleisten und auszuschließen,
         dass sich die Beklagte durch die bloße Einschaltung von Subunternehmern Kosten erstatten lassen konnte, die sonst nicht erstattungsfähig
         gewesen wären.
      
      129   Keiner der von der Beklagten mit ihrer Klagebeantwortung vorgelegten Arbeitzeitnachweise genügt diesem Erfordernis. Aus den
         in den Randnrn. 115 und 116 des vorliegenden Urteils genannten Gründen hat sie daher keinen Anspruch auf Erstattung der fraglichen
         Subunternehmerkosten.
      
      130   Was die Kosten betrifft, die Ploenzke der Beklagten aufgrund einer angeblich internen Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen
         zugewiesen hat, so hat Ploenzke – anders als die Beklagte – sämtliche Vorschüsse, die die Kommission zurückgefordert hatte,
         aus freien Stücken zurückgezahlt (vgl. Randnr. 23 des vorliegenden Urteils). Die Kommission kann daher nicht verpflichtet
         sein, auf dem Umweg über die Beklagte Kosten zu erstatten, auf deren Erstattung Ploenzke durch Rückzahlung der erhaltenen
         Vorschüsse verzichtet hat.
      
      131   Die Beklagte kann somit nicht die Erstattung der von ihr behaupteten Subunternehmerkosten verlangen (mit Ausnahme der für
         Frau B. D. und Frau D. D. im Rahmen des Projekts Donna enstandenen, die die Kommission bereits anerkannt hat), weil diese
         Kosten nicht ordnungsgemäß belegt worden sind.
      
      –       Reisekosten
      132   Im Rahmen des Projekts DCC hat die Beklagte 32 682 DM für folgende Personen gelten gemacht: Frau D., Herrn E., Herrn F., Frau L.,
         Herrn M. (Leonardo) und Herrn C. (McDOS). 
      
      133   Im Rahmen des Projekts Donna hat sie 22 659 DM für folgende Personen gelten gemacht: Frau D. D., Herrn E., Herrn F., Frau L.
         und Herrn M.
      
      134   Nach Ansicht der Kommission hat die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der Reisekosten, weil sie entgegen den Bestimmungen
         der Ziff. 1.3.4 in Verbindung mit Ziff. 1.2 des Anhangs II der Verträge den konkreten Bezug dieser Kosten zu den beiden Vorhaben
         nicht nachgewiesen habe.
      
      135   Beim Projekt DCC seien alle aufgeführten Firmen und Personen – mit Ausnahme von Frau L. – Subunternehmer gewesen, deren Einschaltung
         die Kommission nicht zuvor zugestimmt habe. Die Kosten von Frau L. seien nicht erstattungsfähig, weil der Beklagten für sie
         keine Personalkosten entstanden seien.
      
      136   Zum Projekt Donna trägt die Kommission zu den für Herrn M. entstandenen Kosten vor, die Beklagte habe insoweit keine Personalkosten
         geltend gemacht. Herr F. und Herr E. seien als Subunternehmer nicht durch eine vorherige Zustimmung der Kommission gedeckt.
         Für Frau L. habe die Beklagte keine Arbeitszeitnachweise vorgelegt. Die Kosten von Frau D. D. könnten nicht anerkannt werden,
         weil die vorgelegten Unterlagen nicht ausreichten, um die Notwendigkeit ihrer Reisen zu belegen.
      
      137   Die Beklagte wiederholt ihre im Zusammenhang mit der Untervergabe vorgetragenen Argumente und macht geltend, der Umstand,
         dass sie keine Personalkosten geltend gemacht habe, stehe der Erstattung von Reisekosten für die betreffende Person nicht
         entgegen, sofern diese Kosten tatsächlich entstanden seien. In Bezug auf Herrn F. und Herrn E. sei keine Zustimmung erforderlich
         gewesen. Was die Kosten von Frau L. betreffe, so sei der Umfang ihrer Tätigkeit durch die der Kommission vorgelegten Arbeitszeitnachweise
         belegt. Zu den Kosten von Frau D. D. verweist die Beklagte auf Zusatzvereinbarungen über die Erstattung ihrer Reisekosten.
      
      138   Hierzu ist festzustellen, dass Reisekosten im Hinblick auf ihre Erstattungsfähigkeit typische Nebenkosten in dem Sinne sind,
         dass nur die Reisen von Personen, deren tatsächlich erbrachte Leistungen als im Rahmen der Vorhaben erforderlich anerkannt
         worden sind, als für die betreffenden Vorhaben erforderlich betrachtet werden können. Die Erstattung von Reisekosten ist,
         mit anderen Worten, nur dann gerechtfertigt, wenn die Person, für die diese Kosten geltend gemacht werden, an der Verwirklichung
         des fraglichen Vorhabens ordnungsgemäß, d. h. in einer von der Kommission anerkannten Form, beteiligt war.
      
      139   Wie oben ausgeführt, war die Kommission jedoch berechtigt, die Erstattung sämtlicher von der Beklagten als Personalkosten
         und Subunternehmerkosten geltend gemachter Ausgaben zu verweigern (mit Ausnahme derjenigen für Frau B. D. und Frau D. D. für
         das Projekt Donna). Da die Leistungen, die die fraglichen Personen erbracht haben sollen, daher keinen bezifferbaren Wert
         für die Kommission haben, können die etwaigen Reisen, die sie zur Erbringung dieser Leistungen unternommen haben, nicht als
         für die Projekte DCC und Donna erforderlich betrachtet werden. Die Kommission hat sich demnach insoweit zu Recht auf Ziff. 1.2
         des Anhangs II der Verträge berufen, wonach nur die tatsächlich entstandenen Kosten erstattungsfähig sind, die für die Durchführung
         des Vorhabens unumgänglich waren, nachgewiesen werden können und während der Laufzeit der Vorhaben angefallen sind.
      
      140   Hinzu kommt, dass die Beklagte nach Ziff. 5 des Anhangs II der beiden Verträge verpflichtet war, zum Nachweis der geltend
         gemachten Kosten ordnungsgemäß Buch zu führen und die entsprechenden Unterlagen bereitzuhalten. Keine der als Anlagen A 7
         bis A 23 zur Klageschrift und B 9 bis B 14 zur Klagebeantwortung eingereichten Kopien kann jedoch im Hinblick auf den Zweck
         und die Notwendigkeit jeder einzelnen Reise als gültiger und geeigneter Nachweis dafür angesehen werden, dass die Reisekosten
         tatsächlich für die Zwecke der Projekte DCC und Donna angefallen sind. Der Beklagten ist es daher entgegen den Vorgaben der
         Ziffern 1.2 und 5 des Anhangs II der Verträge nicht gelungen, den erforderlichen Zusammenhang zwischen den Reisekosten, die
         für die betreffenden Personen angefallen sein sollen, und deren Einsatz im Rahmen der Vorhaben nachzuweisen.
      
      141   Bei Frau B. D. und Frau D. D. hat die Kommission die im Rahmen des Projekts Donna für sie angefallenen Subunternehmerkosten
         als erstattungsfähig anerkannt. Dies hat jedoch nicht automatisch die Anerkennung der geltend gemachten Reisekosten zur Folge.
      
      142   Für Frau B. D. findet sich in den Akten nämlich keinerlei Reisekostenrechnung. Was Frau D. D. angeht, enthalten die als Anlage
         A 23 zur Klageschrift eingereichten Rechnungen, die diese an die Beklagte gerichtet hat, so allgemeine und vage Angaben, dass
         sie nicht als hinreichende Nachweise im Sinne der Ziffern 1.2 und 5 des Anhangs II der Verträge angesehen werden können. Sie
         ermöglichen insbesondere keine Überprüfung, ob die Reisen von Frau D. D. dem Projekt Donna und ihrer persönlichen Tätigkeit
         im Rahmen dieses Vorhabens dienten.
      
      143   Daraus folgt, dass die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der von ihr behaupteten Reisekosten hat.
      –       Kosten für Ausrüstungsgegenstände
      144   Im Rahmen des Projekts DCC hat die Beklagte 384 018 DM als Aufwendungen der Firma Digivision und ihr von Ploenzke zugewiesene
         Kosten geltend gemacht. Im Rahmen des Projekts Donna hat sie Kosten in Höhe von 106 871 DM geltend gemacht, die auf einer
         Rechnung der Firma Fink & Partner beruhen.
      
      145   Die Kommission lehnt die Erstattung der im Rahmen des Projekts DCC geltend gemachten Kosten ab. Die für die Firma Digivision
         angegebenen Kosten seien nicht erstattungsfähig. Entgegen den Vorgaben der Ziff. 5 des Anhangs II des Vertrags ermögliche
         der Briefwechsel zwischen der Beklagten und der Firma Digivision nämlich weder die Beurteilung der Notwendigkeit dieser Aufwendungen,
         noch die Prüfung, ob die Kosten für die Anmietung der Ausrüstung nicht die eines potenziellen Kaufs überstiegen. Die der Beklagten
         von Ploenzke zugewiesenen Kosten seien nicht erstattungsfähig, weil es darüber keine Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen
         gebe.
      
      146   Für das Projekt Donna lehnt die Kommission die Erstattung ab, weil die Beklagte den mit der Firma Fink & Partner geschlossenen
         Mietvertrag nicht vorgelegt habe. Die eingereichten Unterlagen enthielten keine Angaben über das gemietete Material und entsprächen
         nicht den vertraglichen Anforderungen an die Substantiierung der Kosten.
      
      147   Die Beklagte trägt vor, die bei der Kommission zum Kostennachweis eingereichten Unterlagen seien insgesamt geeignet, einen
         substantiierten Nachweis der Kosten zu erbringen. Die Verträge verlangten keinen detaillierten Nachweis der verauslagten Kosten.
         Die beiden Vorhaben hätten jedenfalls ohne die Anmietung von Ausrüstungsgegenständen nicht durchgeführt werden können. Es
         gebe keinen Grund für die Annahme der Kommission, dass die Rechnungen überhöht seien, zumal sie nicht dargelegt habe, aus
         welchen konkreten Gründen sie davon ausgehe, dass die Kosten für die Anmietung der Ausrüstung die Kosten für deren Kauf übersteigen
         könnten. Darüber hinaus sei die Kommission selbst häufig im Bereich von Kulturinitiativen tätig gewesen und müsste daher wissen,
         dass die geltend gemachten Kosten angemessen seien. Es sei mithin unerheblich, welche exakte technische Ausrüstung Gegenstand
         des Mietvertrags gewesen sei. Die Rechnung der Subunternehmerin Fink & Partner schließlich sei ein geeigneter Nachweis.
      
      148   In diesem Zusammenhang ist auf die in den Ziffern 1.2, 1.3.2 und 5 des Anhangs II der Verträge enthaltene Regelung hinzuweisen.
         Nach diesen Bestimmungen dürfen die erstattungsfähigen Kosten für gemietete Ausrüstungen die erstattungsfähigen Kosten für
         den Kauf derartiger Ausrüstungen nicht übersteigen. Ferner ist die Beklagte verpflichtet, zum Nachweis der geltend gemachten
         Kosten ordnungsgemäß Buch zu führen und die entsprechenden Unterlagen bereitzuhalten. Schließlich sind nur die tatsächlich
         entstandenen Kosten erstattungsfähig, die für die Durchführung der Vorhaben unumgänglich waren, nachgewiesen werden können
         und während der Laufzeit der Vorhaben angefallen sind.
      
      149   Dieses Erfordernis, möglichst detaillierte Belege vorzulegen, soll es der Kommission ermöglichen, die im Rahmen der beiden
         Vorhaben ausgezahlten Beträge sowie die Richtigkeit und Erforderlichkeit der angeblich entstandenen Ausrüstungskosten zu überprüfen.
         Die Beklagte war daher verpflichtet, Unterlagen vorzulegen, aus denen genau hervorging, welche Art von Ausrüstung zu welchem
         Preis gemietet worden war.
      
      150   Die Beklagte hat diese Verpflichtung jedoch offenkundig nicht erfüllt, da sie vorträgt, die bei der Kommission eingereichten
         Unterlagen seien „insgesamt“ geeignet, die Ausrüstungskosten zu belegen, und es gebe „keinen Grund“ für die Behauptung der
         Kommission, die vorgelegten Rechnungen seien überhöht, denn diese habe nicht dargelegt, aus welchen konkreten Gründen sie
         davon ausgehe, dass die Kosten für die Anmietung der Ausrüstung die Kosten für deren Kauf übersteigen könnten. Die Beklagte
         konnte sich auch nicht auf die Behauptung beschränken, die Kommission verfüge über hinreichende Erfahrung mit Kulturprojekten
         und müsste daher wissen, dass die entstandenen Kosten angemessen seien, so dass unerheblich sei, welches technische Material
         genau angemietet worden sei.
      
      151   Was die der Beklagten zugewiesenen Kosten von Ploenzke betrifft, enthalten die Akten nichts, was die Prüfung von deren Richtigkeit
         und Notwendigkeit zuließe. Der Umstand, dass Ploenzke sämtliche Vorschüsse, die die Kommission zurückgefordert hatte, zurückgezahlt
         hat, schließt zudem aus, dass die Kommission verpflichtet sein könnte, auf dem Umweg über die Beklagte Kosten zu erstatten,
         die Ploenzke entstanden und der Beklagten aufgrund einer internen Vereinbarung zuzurechnen sein sollen (vgl. Randnr. 130 des
         vorliegenden Urteils).
      
      152   Was die für die Firma Digivision geltend gemachten Ausrüstungskosten angeht, sind die Angaben auf den entsprechenden Rechnungen
         so vage, dass sich nicht mit Sicherheit feststellen lässt, dass die angegebenen Ausrüstungskosten für die Vorhaben notwendig
         waren.
      
      153   Insbesondere ist die Rechnung in Anlage A 16 zur Klageschrift keine echte und endgültige Rechnung. Es handelt sich um eine
         Pro-forma-Rechnung, die nur dazu dient, den Kunden über die Einzelheiten des Kaufs zu informieren oder es ihm zu ermöglichen,
         vor der Lieferung bestimmte Formalitäten zu erledigen. Außerdem trägt diese Pro-forma-Rechnung keine Unterschrift. Sie beschreibt
         die gemietete Ausrüstung nur ganz allgemein, ohne die einzelnen Geräte aufzuführen oder genauer zu bezeichnen, obwohl diese
         auf dem Markt in – was Funktionalität, Qualität und Preis betrifft – großer Vielfalt verfügbar sind. Deshalb ist es objektiv
         unmöglich, die Notwendigkeit der Kosten zu beurteilen, die der Beklagten im Verhältnis zur Firma Digivision entstanden sein
         sollen.
      
      154   Diese fehlende Spezifizierung wird auch nicht durch die der Klagebeantwortung als Anlage B 11 beigefügte Rechnung der Firma
         Digivision behoben. Denn diese Rechnung enthält zwar eine Liste der angeblich gelieferten Hard- und Software, sie ist aber
         nicht unterzeichnet und – anders als die Pro-forma-Rechnung – nicht auf dem Kopfbogen der Firma Digivision gedruckt. Mangels
         jeder Erläuterung oder jedes zusätzlichen Beweises hat dieses Schriftstück keinerlei Beweiswert hinsichtlich der Richtigkeit
         und der Notwendigkeit der betreffenden Kosten.
      
      155   Die in Bezug auf die Firma Fink & Partner geltend gemachten Ausrüstungskosten beziehen sich auf die Anmietung eines HIS Studiosystems,
         einschließlich der Hardwareplattform, der Vernetzung und der Softwaresysteme (Bildarchiv, Bildflussmanagement und ISDN-Zugriff).
      
      156   Wie sich aus den Akten ergibt, werden diese Kosten erstmals schriftlich im Draft Audit Report (Anlage A 6 zur Klageschrift) erwähnt, dessen Ziff. 3.2 auf Rechnungen Bezug nimmt, die als unzureichender Beleg für die
         Notwendigkeit des gemieteten Materials angesehen werden (weil die technischen Komponenten der angeblich gemieteten Ausrüstung
         nicht aufgeführt sind), wobei der Beklagten zur Last gelegt wird, den entsprechenden Mietvertrag nicht vorgelegt zu haben.
         In ihrer Stellungnahme zu diesem Draft Audit Report (Anlage A 9 zur Klageschrift) beschränkt sich die Beklagte in Ziff. 3.1 darauf, der Nichtanerkennung dieser Rechnungen zu
         widersprechen, ohne sie jedoch in Kopie vorzulegen, ebenso wenig wie im Übrigen den Mietvertrag. Auch der endgültige Audit Report (Anlage A 12 zur Klageschrift) hält in Ziff. 3.2 die Ausrüstungskosten in Bezug auf die Firma Fink & Partner für nicht erstattungsfähig.
      
      157   Die Beklagte hat erst als Anlage B 14 zur Klagebeantwortung Unterlagen über die Anmietung der fraglichen Ausrüstung vorgelegt.
         Dabei handelt es sich jedoch um drei „Rechnungen“, die nicht unterzeichnet sind und die – anders als die als Anlagen A20 bis
         A22 zur Klageschrift vorgelegten Originalrechnungen von Fink & Partner – nicht auf dem Kopfbogen dieser Firma gedruckt sind.
         Mangels jeder Erläuterung oder jedes zusätzlichen Beweises hat dieses Schriftstück keinerlei Beweiswert hinsichtlich der Richtigkeit
         und der Notwendigkeit der betreffenden Kosten.
      
      158   Nach alledem hat die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der geltend gemachten Ausrüstungskosten.
      –       Verbrauchsgüter
      159   Im Rahmen der Projekte DCC und Donna hat die Beklagte 35 017 DM und 9 312,53 DM für Verbrauchsgüter geltend gemacht. 
      160   Die Kommission trägt vor, dass die im Rahmen des Projekts DCC geltend gemachten Kosten von der Beklagten weder erläutert noch
         dokumentiert worden seien. Daher hätten sie nicht anerkannt werden können. Zum Projekt Donna führt die Kommission aus, dass
         die vorgelegten Unterlagen, d. h. drei Rechnungen der Firma Fink & Partner, nicht ausreichten, um die Notwendigkeit der angeblich
         entstandenen Kosten beurteilen zu können. Außerdem seien die angemeldeten Kosten im Rahmen des Subunternehmervertrags mit
         der Firma Fink & Partner entstanden. Die Kommission habe jedoch dem Abschluss dieses Vertrags nicht zugestimmt.
      
      161   Die Beklagte hält das Vorbringen der Kommission zum Projekt DCC für zu pauschal, als dass sie dazu Stellung nehmen könne.
         Der Kommission müsse klar sein, dass bei der Durchführung des Projekts auch Kosten für Verbrauchsgüter entstanden seien, deren
         Erforderlichkeit außer Zweifel stehe. In Bezug auf das Projekt Donna seien die vorgelegten Belege ausreichend.
      
      162   Hierzu ist festzustellen, dass die im Rahmen des Projekts DCC für Verbrauchsgüter angesetzten Kosten offensichtlich nicht
         als erstattungsfähig angesehen werden können. Die Beklagte, die sich auf eine rein ausweichende Argumentation beschränkt,
         räumt im Kern das völlige Fehlen entsprechender Belege ein. Die Kommission war daher nicht in der Lage, die Erforderlichkeit
         der Kosten nach Ziff. 1.2 des Anhangs II des DCC‑Vertrags zu prüfen.
      
      163   Hinsichtlich der Verbrauchsgüter im Rahmen des Projekts Donna verweist die Beklagte auf drei Rechnungen vom 1. Juni, 17. November
         und 1. Dezember 1997 als Nachweis für die im Verhältnis zur Firma Fink & Partner entstandenen Kosten (Anlagen A 20 bis A 22
         zur Klageschrift). Aus diesen ergibt sich, dass Fink & Partner der Beklagten als „Rendering für 3D‑Objekte … einschließlich
         Materialverbrauch“ beschriebene Leistungen in Rechnung gestellt hat. Wie die Kommission zur Recht vorgetragen hat, hat die
         Beklagte weder dieses Rendering noch das verbrauchte Material spezifiziert, so dass es nicht möglich ist, den genauen Gegenstand
         dieser Rechnungen festzustellen. Außerdem hat die Beklagte keine wertmäßig bezifferte Unterscheidung zwischen den Verbrauchsgütern
         und dem Rendering vorgenommen.
      
      164   Diese drei Rechnungen sind daher nicht detailliert genug, um nach Ziff. 1.2 des Anhangs II des Vertrags Donna als ordnungsgemäße
         Belege für die Erforderlichkeit der geltend gemachten Verbrauchsgüterkosten und deren konkreten Bezug zum Projekt Donna angesehen
         werden zu können.
      
      165   Hinzu kommt, dass die Beklagte keinen Anspruch auf Erstattung der Personal-, der Subunternehmer- und der Ausrüstungskosten
         hat, die sie in Bezug auf die Firma Fink & Partner geltend gemacht hat (vgl. insbesondere die Randnrn. 155 bis 157 des vorliegenden
         Urteils). Auch aus diesem Grund ist es ausgeschlossen, dass ihr die Verbrauchsgüterkosten erstattet werden können. Diese Kosten
         sind nämlich reine Nebenkosten in dem Sinne, dass sie nur im Zusammenhang mit einer Hauptleistung entstehen können und dass
         ihre Erforderlichkeit und damit ihre Erstattungsfähigkeit von derjenigen der Hauptleistung abhängt. Im vorliegenden Fall hat
         die Kommission jedoch zu Recht im Verhältnis zur Firma Fink & Partner keine Hauptleistung anerkannt.
      
      166   Daraus folgt, dass die Verweigerung der Erstattung der Verbrauchsgüterkosten, die der Beklagten entstanden sein sollen, begründet
         ist.
      
      –       Laufende Geschäftskosten
      167   Im Rahmen der Projekte DCC und Donna hat die Beklagte 56 027 DM und 22 385 DEM als laufende Geschäftskosten geltend gemacht.
      168   Die Kommission führt aus, dass diese Kosten von der Beklagten weder spezifiziert noch belegt worden seien, so dass es nicht
         möglich gewesen sei, nach Ziff. 1.3.1 des Anhangs II der Verträge zu prüfen, ob sie angefallen und erforderlich gewesen seien.
         Jedenfalls könne die Beklagte nach Ziff. 1.4 dieses Anhangs die Erstattung laufender Kosten, bei denen es sich um indirekte
         Kosten handele, nur bis zu einer Höhe von 20 % der sonstigen als erstattungsfähig anerkannten Kosten verlangen.
      
      169   Die Beklagte erachtet ihre Belege als ausreichend, da es laufenden Kosten immanent sei, dass sie ständig anfielen, weshalb
         ihre Substantiierung nur in begrenztem Ausmaß möglich sei. Daher stoße der Nachweis, dass diese Kosten einen Bezug zu den
         Vorhaben aufwiesen, an Machbarkeitsgrenzen.
      
      170   Hierzu ist festzustellen, dass auch die laufenden Geschäftskosten oder indirekten Kosten („overheads“ im Sinne der Verträge
         DCC und Donna) ausdrücklich den Anforderungen der Ziff. 1.2 des Anhangs II der Verträge entsprechen müssen. Folglich können
         nur die Ausgaben zur Deckung der tatsächlich entstandenen laufenden Geschäftskosten, die für die Durchführung der Vorhaben
         unumgänglich waren, als erstattungsfähig angesehen werden. Denn die laufenden Geschäftskosten eines Unternehmens entsprechen
         den normalen Betriebskosten, die es aufgrund seiner üblichen, von der Durchführung eines einzelnen Vorhabens unabhängigen
         Tätigkeit ohnehin tragen muss (vgl. in diesem Sinn Urteil des Gerichts vom 13. März 2003, Comunità montana della Valnerina/Kommission,
         T‑340/00, Slg. 2003, II‑811, Randnr. 106), so dass nur die laufenden Geschäftskosten, die wirklich mit der Durchführung des
         fraglichen Vorhabens in Zusammenhang stehen, für dessen Finanzierung durch die Gemeinschaft in Anrechnung gebracht werden
         dürfen (vgl. in diesem Sinn Urteil vom 19. Januar 2006, Comunità montana della Valnerina/Kommission, oben in Randnr. 94 angeführt,
         Randnr. 87).
      
      171   Im vorliegenden Fall war die Kommission, wie oben ausgeführt, berechtigt, die Erstattung sämtlicher direkten Kosten zu verweigern,
         die die Beklagte im Rahmen des Projekts DCC geltend gemacht hatte. Es ist deshalb ausgeschlossen, dass die Beklagte einen
         Teil ihrer indirekten Kosten (für Verwaltung, Infrastruktur usw.) pauschal diesem Vorhaben zuschreibt, da diese Kosten im
         Verhältnis zu den direkten Kosten akzessorisch sind. Außerdem beruht der Betrag von 56 027 DM, den die Beklagte insoweit verlangt,
         nicht auf objektiven Faktoren, anhand deren seine Berechtigung überprüft werden könnte.
      
      172   Zum Projekt Donna hat die Beklagte nichts vorgetragen, was die Überprüfung der Berechtigung der als laufende Geschäftskosten
         geforderten 22 385 DM erlauben würde. Ferner ist daran zu erinnern, dass die Kommission zwar die Erstattung der Subunternehmerkosten
         für Frau D. D. und Frau B. D. in Höhe von 46 300,18 DM akzeptiert hat, dass sie aber nicht verpflichtet war, sonstige Ausgaben
         als erstattungsfähig anzuerkennen (vgl. Randnrn. 121 und 131 des vorliegenden Urteils). Zudem stehen die behaupteten laufenden
         Geschäftskosten in Höhe von 22 385 DM in keinem angemessenen Verhältnis zu den in Höhe von 46 300,18 DM anerkannten direkten
         Kosten.
      
      173   In Ziff. 1.4 des Anhangs II der beiden Verträge wird danach unterschieden, ob die Vertragspartner „full costs“ oder „additional
         costs“ abrechnen. Wie sich aus Ziff. 1.2 Abs. 2 des Anhangs II der beiden Verträge ergibt, gehört die Beklagte zur ersten
         Gruppe von Vertragspartnern („full costs“), weil die andere Gruppe nur Universitäten und Forschungszentren umfasst. Nach der
         genannten Ziff. 1.4 hatte die Beklagte nachzuweisen, dass ihre laufenden Geschäftskosten nach ihren üblichen, von der Kommission
         als angemessen erachteten Buchhaltungsregeln und ‑grundsätzen berechnet werden, wobei weder Kostenelemente, die direkt geltend
         gemacht werden können, noch Kosten, die von Dritten erstattet werden, als laufende Geschäftskosten angesetzt werden können.
         Mangels jeglicher Spezifizierung der von der Beklagten im Rahmen des Projekts Donna geltend gemachten laufenden Geschäftskosten
         war die Kommission nicht in der Lage, zu prüfen, ob diese Kosten den Anforderungen der Ziff. 1.4. entsprachen.
      
      174   Die Beklagte hat daher keinen Anspruch auf Erstattung der von ihr behaupteten laufenden Geschäftskosten.
      –       Ergebnis
      175   Nach alledem ist das Vorbringen der Beklagten zum Nachweis der Erstattungsfähigkeit der Kosten, die sie im Rahmen der Projekte
         DCC und Donna geltend gemacht hat, insgesamt zurückzuweisen.
      
       Zur Hauptforderung der Kommission und zu den Verzugszinsen
       Zur Hauptforderung
      176   Die Kommission verlangt die Rückzahlung von Vorschüssen in Höhe von 181 263,61 Euro. Sie trägt vor, dass sich dieser Betrag
         aus der Umrechnung von 179 337 ECU in 354 520,82 DM und dieses Betrags in Euro ergebe. Die Beklagte bestreitet den Betrag
         von 181 263,61 Euro. Sie sei 1998 lediglich aufgefordert worden, einen Betrag von 179 337 ECU zu zahlen.
      
      177   Insoweit steht fest, dass sich die an die Beklagte gezahlten Vorschüsse auf 400 821 DM belaufen, von denen die Kommission
         354 520,82 DM zurückverlangt. Es steht ebenfalls fest, dass die mit der vorliegenden Klage geforderten 181 263,61 Euro in
         Anbetracht des anwendbaren Wechselkurses von 1 Euro für 1,95583 DM genau diesen 354 520,82 DM entsprechen.
      
      178   In Ziff. 4 des Anhangs II der Verträge ist jedoch vorgesehen, dass sämtliche Zahlungen der Kommission in ECU geleistet werden
         und sämtliche Rückzahlungen durch die Vertragspartner ebenfalls in ECU zu leisten sind. Auch der Zahlungsbescheid und die
         Lastschriftanzeige, die die Kommission 1998 an die Beklagte versandt hatte (vgl. Randnr. 24 des vorliegenden Urteils), lauten
         – entsprechend dem damaligen Wechselkurs zwischen DM und ECU – auf 179 337 ECU.
      
      179   Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1103/97 des Rates vom 17. Juni 1997 über bestimmte Vorschriften im Zusammenhang
         mit der Einführung des Euro (ABl. L 162, S. 1) ist die Bezugnahme auf die ECU durch eine Bezugnahme auf den Euro zum Kurs
         von 1 Euro für 1 ECU zu ersetzen (vgl. in diesem Sinn Urteil des Gerichtshofs vom 12. Mai 2005, Kommission/Huhtamaki Dourdan,
         C‑315/03, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 5).
      
      180   Daraus folgt, dass der Rückzahlungsantrag der Kommission nur in Höhe von 179 337 Euro begründet ist. Im Übrigen ist er zurückzuweisen.
       Zu den Verzugszinsen
      181   Nach Ansicht der Kommission ist die Beklagte ab dem Zeitpunkt, zu dem sie in Schuldnerverzug geriet, zur Zahlung von Verzugszinsen
         verpflichtet. Die Kommission habe die Beklagte aufgefordert, bis zum 31. Oktober 1998 zu zahlen. Nach § 284 Absatz 1 Satz
         1 BGB a. F. sei die Beklagte somit zum 1. November 1998 in Verzug gesetzt worden. Die Forderung sei daher gemäß § 288 Absatz
         1 BGB a. F. mit 4 % jährlich zu verzinsen.
      
      182   Die Beklagte bestreitet lediglich, dass die Hauptforderung besteht.
      183   Die Verträge DCC und Donna enthalten nichts zur Frage, ab welchem Zeitpunkt und für welchen Zeitraum Verzugszinsen geschuldet
         sein könnten. Folglich sind die Vorschriften des deutschen Rechts über den Schuldnerverzug anzuwenden.
      
      184   Nach Art. 229 § 5 EGBGB, der vor dem 1. Januar 2002 entstandene Schuldverhältnisse betrifft, ist das BGB, soweit nichts anderes
         bestimmt ist, in der bis zu diesem Tag geltenden Fassung anzuwenden. Hinsichtlich der sich aus dem Verzug des Schuldners ergebenden
         Zinsen bestimmt Art. 229 § 1 EGBGB, dass § 288 BGB in der vor dem 1. Mai 2000 geltenden Fassung auf alle Forderungen anzuwenden
         ist, die vor diesem Zeitpunkt fällig geworden sind.
      
      185   Die Verträge DCC und Donna wurden 1996 geschlossen. Daher bleibt das BGB in seiner alten Fassung anwendbar. Die Vorschrift
         über den Verzug des Schuldners, d. h. § 284 Abs. 1 Satz BGB a. F., bestimmt, dass der Schuldner, wenn er auf eine Mahnung
         des Gläubigers, die nach Eintritt der Fälligkeit erfolgt, nicht leistet, durch die Mahnung in Verzug kommt. Nach Ziff. 4.3
         des Anhangs II der Verträge waren die Zuschüsse nach Mahnung unverzüglich („immediately“) an die Kommission zurückzuzahlen.
         Durch die Aufforderung der Kommission an die Beklagte, die fraglichen Beträge bis zum 31. Oktober 1998 zurückzuzahlen, ist
         die Beklagte daher zum 1. November 1998 in Verzug gesetzt worden.
      
      186   § 288 BGB a. F. sieht während des Verzugs eine jährliche Verzinsung in Höhe von 4 % vor. Zur Hauptforderung von 179 337 Euro
         kommen daher Verzugszinsen von 4 % ab dem 1. November 1998 bis zur vollständigen Begleichung dieser Forderung.
      
       Zum Antrag der Beklagten auf Vollstreckungsschutz
      187   Die Beklagte hat hilfsweise den Antrag gestellt, ihr Vollstreckungsschutz gegen das zu erlassende Urteil zu gewähren, indem
         ihr gestattet wird, eine eventuelle Zwangsvollstreckung durch eine Sicherheitsleistung, die auch in Form einer Bankbürgschaft
         erbracht werden kann, abzuwenden.
      
      188   Dazu ist festzustellen, dass das Gericht nach der Schiedsklausel in Art. 12.2 der Verträge nur für die Entscheidung über Streitigkeiten
         der Parteien über die Gültigkeit, die Anwendung und die Auslegung der Verträge zuständig ist, die nach ihrem Art. 12.1 dem
         deutschen Recht unterliegen.
      
      189   Das Gericht kann sich daher im Rahmen des vorliegenden Rechtsstreits nicht über die Modalitäten einer etwaigen Zwangsvollstreckung
         seines Urteils nach deutschem Recht äußern.
      
      190   Im Übrigen sind gemäß Art. 244 EG die Urteile des Gemeinschaftsrichters nach Maßgabe des Art. 256 EG vollstreckbar. Gemäß
         Art. 256 Abs. 4 EG kann die Zwangsvollstreckung nur durch eine Entscheidung des Gemeinschaftsrichters ausgesetzt werden. Nach
         Art. 110 § 1 der Verfahrensordnung des Gerichts finden auf Anträge, mit denen gemäß den Art. 244 EG und 256 EG die Aussetzung
         der Zwangsvollstreckung einer Entscheidung des Gerichts begehrt wird, die Art. 104 bis 110 der Verfahrensordnung Anwendung.
      
      191   Aus Art. 104 §§ 1 und 3 der Verfahrensordnung ergibt sich, dass ein solcher Antrag nach dem Erlass der betreffenden Entscheidung
         mit besonderem Schriftsatz einzureichen ist. Da diese Voraussetzungen im vorliegenden Fall nicht erfüllt sind, ist der Antrag
         der Beklagten auf Vollstreckungsschutz gegen das vorliegende Urteil zurückzuweisen.
      
       Kosten
      192   Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Beklagte unterlegen ist, sind ihr entsprechend dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die IIC Informations-Industrie Consulting GmbH wird verurteilt, 179 337 Euro zuzüglich Verzugszinsen in Höhe von 4 % jährlich
            ab dem 1. November 1998 bis zur vollständigen Begleichung des geschuldeten Betrags an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften
            zu zahlen.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Der Antrag der IIC Informations-Industrie Consulting GmbH auf Vollstreckungsschutz gegen das vorliegende Urteil wird zurückgewiesen.
      4.      Die IIC Informations-Industrie Consulting GmbH trägt die Kosten.
      
      
      
               Pirrung 
            
            
                Forwood 
            
            
                Papasavvas
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 22. Mai 2007.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                      J. Pirrung
            
         
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen und Sachverhalt des Rechtsstreits
      Anwendbares Gemeinschaftsrecht
      Sachverhalt
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Entscheidungsgründe
      Zur Passivlegitimation der Beklagten
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Verjährung
      Vorbemerkungen
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Verwirkung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zu den im Rahmen der Projekte DCC und Donna erstattungsfähigen Kosten
      Vorbemerkungen
      Zu dem an die Kommission gerichteten Vorwurf widersprüchlichen Verhaltens
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur Erstattungsfähigkeit der geltend gemachten Kosten
      – Personalkosten
      – Subunternehmerkosten
      – Reisekosten
      – Kosten für Ausrüstungsgegenstände
      – Verbrauchsgüter
      – Laufende Geschäftskosten
      – Ergebnis
      Zur Hauptforderung der Kommission und zu den Verzugszinsen
      Zur Hauptforderung
      Zu den Verzugszinsen
      Zum Antrag der Beklagten auf Vollstreckungsschutz
      Kosten
      
      * Verfahrenssprache: Deutsch.