CELEX: 52003XG0607(01)
Language: de
Date: 2003-05-05 00:00:00
Title: Schlussfolgerungen des Rates vom 5. Mai 2003 über europäische Durchschnittsbezugswerte für allgemeine und berufliche Bildung (Benchmarks)

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52003XG0607(01)

Schlussfolgerungen des Rates vom 5. Mai 2003 über europäische Durchschnittsbezugswerte für allgemeine und berufliche Bildung (Benchmarks)  

Amtsblatt Nr. C 134 vom 07/06/2003 S. 0003 - 0004

Schlussfolgerungen des Ratesvom 5. Mai 2003über europäische Durchschnittsbezugswerte für allgemeine und berufliche Bildung (Benchmarks)(2003/C 134/02)DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION -unter Berücksichtigung1. der Feststellung des Europäischen Rates (Lissabon), dass Europas Bildungs- und Ausbildungssysteme sich auf den Bedarf der Wissensgesellschaft und die Notwendigkeit von mehr und besserer Beschäftigung einstellen müssen;2. des vom Europäischen Rat (Lissabon) an den Rat (Bildung) erteilten Auftrags, "als Beitrag zum Luxemburg-Prozess und zum Cardiff-Prozess und im Hinblick auf die Vorlage eines umfassenderen Berichts auf der Tagung des Europäischen Rates im Frühjahr 2001, allgemeine Überlegungen über die konkreten künftigen Ziele der Bildungssysteme anzustellen und sich dabei auf gemeinsame Anliegen und Prioritäten zu konzentrieren, zugleich aber die nationale Vielfalt zu respektieren" (Schlussfolgerungen des Vorsitzes, Nummer 27);3. des Berichts über die konkreten künftigen Ziele der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung(1), der drei konkrete strategische Ziele und 13 zugeordnete Einzelziele enthält, sowie des detaillierten Arbeitsprogramms(2), das der Europäische Rat auf seiner Tagung in Barcelona am 15./16. März 2002 gebilligt hat;4. der Aufforderung des Europäischen Rates (20./21. März 2003) zur "Verwendung von Benchmarks, um bewährte Praktiken zu ermitteln und für effiziente Investitionen in die Humanressourcen zu sorgen";5. der offenen Koordinierungsmethode, die in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates (Lissabon) als "Mittel für die Verbreitung der bewährten Praktiken und die Herstellung einer größeren Konvergenz in Bezug auf die wichtigsten Ziele der EU" beschrieben wird, wobei die offene Koordinierungsmethode mit Instrumenten wie Indikatoren oder Benchmarks sowie Erfahrungsaustausch, gegenseitiger Bewertung (Peer Reviews) und Verbreitung bewährter Praktiken umgesetzt wird;6. der Mitteilung der Kommission "Europäische Benchmarks für die allgemeine und berufliche Bildung: Follow-up der Tagung des Europäischen Rates von Lissabon" (KOM(2002) 629) -BEKRÄFTIGT,dass im Bericht für die Frühjahrstagung des Europäischen Rates im Jahr 2004- hervorgehoben werden sollte, dass es zur Umsetzung der Zielsetzung von Lissabon, Europa zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen, konzertierter und andauernder Bemühungen bedarf;- die Schlüsselrolle von Indikatoren und Bezugswerten bei den Weichenstellungen und bei der Messung der Fortschritte im Hinblick auf die Verwirklichung der dreizehn Ziele aus dem Ziele-Bericht anerkannt werden sollte;- eine erste Liste von Indikatoren und europäischen Durchschnittsbezugswerten vorgeschlagen werden sollte, die dann bei der Beobachtung der Fortschritte, die im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung bei der Verwirklichung der Lissabonner Ziele erreicht wurden, herangezogen werden sollen;HEBT DIE FOLGENDEN PUNKTE HERVOR:Im Rahmen der Lissabonner Strategie hat der Rat vereinbart, eine Reihe von europäischen Durchschnittsbezugswerten festzulegen, die dann - unter Berücksichtigung der Ausgangssituation der einzelnen Mitgliedstaaten - neben anderen Instrumenten für die Beobachtung der Fortschritte im Rahmen des "Detaillierten Arbeitsprogramms zur Umsetzung der Ziele der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa" herangezogen werden sollen. Die europäischen(3) Durchschnittsbezugswerte- sollten sich auf vergleichbare Daten stützen;- enthalten keine Festlegung einzelstaatlicher Ziele;- geben keine Entscheidungen vor, die von den jeweiligen Regierungen getroffen werden müssen, wenngleich nationale Maßnahmen auf der Grundlage nationaler Prioritäten zum Erreichen der Bezugswerte beitragen werden.Frühzeitige SchulabgängerEin Mindestwissen ist erforderlich, um in der heutigen Wissensgesellschaft bestehen zu können. Personen mit abgebrochener Schulausbildung nehmen folglich in der Regel weniger effizient am Prozess des lebenslangen Lernens teil und laufen Gefahr, in der heutigen zunehmend wettbewerbsorientierten Gesellschaft auf der Strecke zu bleiben. Deswegen ist eine Verringerung der Zahl der frühzeitigen Schulabgänger von entscheidender Bedeutung, um Vollbeschäftigung und einen stärkeren sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten.- Daher sollte bis 2010 ein EU-Durchschnittswert von höchstens 10 % frühzeitiger Schulabgänger(4) erreicht werden.Mathematik, Naturwissenschaften und TechnikDie Europäische Union benötigt eine ausreichende Zahl wissenschaftlicher Fachkräfte, um zum dynamischsten und wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu werden. Der Bedarf an einer größeren Zahl von Naturwissenschaftlern wird auch in den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates (Barcelona, 2002) unterstrichen, wonach "die Gesamtausgaben für F &  E und für Innovation in der Union erhöht werden sollten, so dass sie 2010 ein Niveau von nahezu 3 % des BIP erreichen".Das Geschlechtergleichgewicht stellt in diesem Bereich eine besonders große Herausforderung dar. Es sind relativ weniger Frauen als Männer, die Studiengänge in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften oder Technik wählen, und noch weniger Frauen entscheiden sich für eine Karriere in der Forschung.- Daher sollte die Gesamtzahl der Absolventen des tertiären Bereichs in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik(5) in der Europäischen Union bis 2010 um mindestens 15 % steigen, wobei gleichzeitig das Geschlechterungleichgewicht abnehmen sollte.Abschluss der Sekundarstufe IIDer Abschluss der Sekundarstufe II ist zunehmend von Bedeutung, nicht nur für den erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern auch, um Schülern den Zugang zu den Hochschulangeboten im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung zu ermöglichen. Die erfolgreiche Teilnahme an der Wissensgesellschaft erfordert die in der Sekundarstufe vermittelte Wissensbasis.- Daher sollten bis 2010 mindestens 85 % der 22-Jährigen in der Europäischen Union die Sekundarstufe II abgeschlossen haben(6).Grundlegende FertigkeitenAlle Menschen benötigen für Beschäftigung, Eingliederung, späteres Lernen wie auch persönliche Entfaltung und Entwicklung einen Grundkomplex von Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen.- Daher sollte bis 2010 der Anteil der 15-Jährigen in der Europäischen Union, die im Bereich der Lesekompetenz schlechte Leistungen erzielen, im Vergleich zu 2000 um mindestens 20 % gesunken sein.(7).Lebenslanges LernenIn einer Wissensgesellschaft müssen die Menschen ihre Kenntnisse, Kompetenzen und Fertigkeiten während des gesamten Lebens auf dem neuesten Stand halten und vervollständigen, um so ihre persönliche Entwicklung zu optimieren und ihre Stellung auf dem Arbeitsmarkt zu sichern und zu verbessern.- Daher sollte bis 2010 der EU-Durchschnitt der Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter (Altersgruppe 25 - 64 Jahre), die sich am lebenslangen Lernen beteiligen, mindestens 12,5 % betragen.(8).Investitionen in das menschliche PotenzialDie Bildung gehört zu den Bereichen, in denen Investitionen langfristige Erträge sowie unmittelbare und mittelbare Vorteile erbringen, weswegen die meisten Regierungen der Auffassung sind, dass solche Investitionen in mehreren politischen Schlüsselbereichen - wie sozialer Zusammenhalt, internationaler Wettbewerb und nachhaltiges Wachstum - positive Wirkungen zeitigen.Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung in Lissabon dazu aufgefordert "die Humankapitalinvestitionen pro Kopf von Jahr zu Jahr substanziell zu steigern". Die Europäische Kommission hat in ihrer Mitteilung "Wirkungsvoll in die allgemeine und berufliche Bildung investieren: eine Notwendigkeit für Europa" eine Reihe von Fragen erörtert, die für die Effizienz von Investitionen in allgemeine und berufliche Bildung von Bedeutung sind und die im Einzelnen analysiert werden sollten. Der Rat sieht den Ergebnissen der laufenden Arbeiten mit Interesse entgegen; er wird nach Vorlage dieser Ergebnisse über weitere Maßnahmen beschließen.(1) Bericht des Rates (Bildung) an den Europäischen Rat, vom Rat (Bildung) am 12. Februar 2001 angenommen.(2) "Detailliertes Arbeitsprogramm zur Umsetzung der Ziele der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa", vom Rat und von der Kommission am 14. Februar 2002 gemeinsam angenommen (ABl. C 142 vom 14. Juni 2002).(3) Bezieht sich auf die EU-Mitgliedsländer und die Beitrittsländer.(4) Anteil der Bevölkerung im Alter von 18 bis 24 Jahren ohne weiterführenden Bildungsabschluss, der an keiner Aus- oder Weiterbildung teilnimmt (struktureller Indikator) - Quelle: Eurostat; Arbeitskräfteerhebung.(5) Gesamtzahl der Absolventen der Tertiarstufe (ISCED-Stufen 5 und 6) in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik - Quelle: gemeinsamer Fragebogen von UNESCO, OECD und Eurostat.(6) Anteil der 22-Jährigen, die mindestens die Sekundarstufe II (ISCED-Stufe 3) abgeschlossen haben - Quelle: Eurostat; Arbeitskräfteerhebung.(7) Lesekompetenzstufe 1 oder darunter - Quelle: PISA (OECD 2000).(8) Anteil derjenigen in der Altersgruppe 25 - 64 Jahre, die in den vier Wochen vor der Erhebung an Maßnahmen der allgemeinen oder beruflichen Bildung teilgenommen haben - Quelle: Eurostat; Arbeitskräfteerhebung. Eine Projektgruppe von Eurostat arbeitet zurzeit an einer neuen Erhebung über Erwachsenenbildung, die ein besseres Bild über die Teilnahme vermitteln soll.