CELEX: 51992PC0486
Language: de
Date: 1992-12-24
Title: Vorschlag für eine EMPFEHLUNG DES RATES über den Zugang zur beruflichen Weiterbildung

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                      K0MC92) 486 endg.
                                      Brüssel, den 25. November 1992
                       Vorschlag für eine
                      EMPFEHLUNG DES RATES
         über den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
                (von der Kommission vorgelegt)
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                                   Begründung
I.  EIN VORRANGIGES ZIEL FUR DIE GEMEINSCHAFT
Die Investition    in die Humanressourcen    ist eine  Schlüssel frage für die
Gemeinschaft
1.  Die Qualifikation und die Motivation der Arbeitskräfte sind Ecksteine
    der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft          in der sich
    verschärfenden weltweiten Konkurrenz. Sie stellen auch die Weichen für
    den weiteren Aufbau der Gemeinschaft. Angesichts der derzeitigen und
    der noch zu erwartenden demographischen Entwicklungen in den Ländern
    der Gemeinschaft wird die Entwicklung der verfügbaren beruflichen
    Qualifikationen in zunehmendem Maße von den Kenntnissen und Fähigkeiten
    abhängen, die die bereits berufstätigen Arbeitnehmer besitzen und
    erwerben, sowie vom Zugang dieser Arbeitnehmer zur Fortbildung im Laufe
    ihres Erwerbslebens.
2.  Für die Unternehmen stellt die Qualifikation ihrer Arbeitskräfte die
    Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und qualitative
    Leistungsfähigkeit dar. Die Arbeitnehmer in allen Sektoren müssen über
    eine solide Allgemeinbildung und Grundausbildung verfügen, die sie zur
    Teilnahme     an    Weiterbildungsmaßnahmen    während    ihres    gesamten
    Erwerbslebens befähigen. Die berufliche Weiterbildung ist nun als
    vorrangiges Ziel für ein gerneinsamens Vorgehen und eine gemeinsame
    Investition der öffentlichen Hand und der Unternehmen in Verbindung mit
    den Sozialpartnern anerkannt:
        Die Regierungskonferenz der OECD vom Juni 1991 über zukünftige
        Bildung und Ausbildung der Arbeitskräfte hat betont, daß "les
        qualifications et les compétences de la main d'oeuvre, des
        travailleurs de production au management supérieur, deviennent le
        facteur déterminant de productivité et de compétitivité"            (die
        Qualifikationen    und die Fähigkeiten der Arbeitskräfte,      von den
        Arbeitern in der Produktion bis zum oberen Management, werden zum
        entscheidenden Faktor für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit."
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          In dem auf der Round-table-Konferenz europäischer Industrieller vom
         September 1991 verabschiedeten Bericht "Reshaping Europe" wird
         folgendes betont: "Life                 long learning         Is now a prime           requirement
         for a full       and happy life.            Nowhere Is this more Important                 than at
         work...     To remain effective               each person has to learn and                   re-learn
         throughout       his or her working               11fe."LebensIanges          Lernen Ist       heute
         eine wesentliche           Voraussetzung           für ein erfülltes           und      glücklIches
         Leben. Nirgends           trifft        dies     mehr zu als         am Arbeltsplatz...           Um
         effizient      zu bleiben,          muß Jede Arbeitskraft            während Ihres        gesamten
         Erwerbslebens        stets dazulernen            und      umlernen."
          In    ihrem      kürzlich          erschienenen          Weißbuch      "People, Jobs and
         Opportunity" weist                 die britische Regierung darauf                      hin, daß
         "Businesses        are now putting              training      higher     than ever on            their
         agendas,      and people            are putting          a higher      value      on      continuing
         learning      throughout          their      careers.      Training       therefore     needs       to
         feature     more prominently              in the relationship            between         individuals
         and their       employers."(Unternehmen                schätzen     die berufliche           Bildung
         höher     ein     denn je,          und Arbeitnehmer            legen      größeren     Wert      auf
         ständige      WeiterbiIdung           während ihrer         gesamten Berufs lauf bahn.             Die
         BerufsbiI dung muß daher in der Arbeitgeber-Ar                          be it    nehmer-Beziehung
         eine größere Rolle                spielen."
          In ihrer Mitteilung KOM(90) 556 endg. über die "Industriepolitik
          in einem offenen und wettbewerbsorientierten Umfeld" hat die
         Kommission betont, daß die Anpassungsfähigkeit und die Qualität des
         Humankapitals die entscheidenden Faktoren für die industrielle
         Wettbewerbsfähigkeit geworden sind und daher die entwickelten
         Wirtschaftseinheiten in Zukunft auf diese Faktoren setzen müssen.
3. Die Aus- und Weiterbildung ist demnach sowohl für die Unternehmen, die
   daraus die Ressourcen für Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität
   schöpfen, als auch für die Einzelpersonen von                                       Interesse, deren
   Beschäftigungs- und Karrierebedingungen immer mehr an den Zugang zur
   Berufsbildung geknüpft sind. So entstehen Konsens und übereinstimmende
    Interessen, die von den Beteiligten weiterentwickelt und bereichert
   werden (vergl. Gemeinsame Stellungnahme) und aus denen sich neue
   Vertragsbeziehungen, zum Beispiel                           in Form von Ausbil dungs- und
   Beschäftigungsverträgen, ergeben können.
4.  Im Rahmen      des    Sozialen        Dialogs      haben    die    Sozialpartner         in ihrer       Ge-
   meinsamen Stellungnahme                vom 21. September             1991 über einen            möglichst
   breiten      und wirksamen Zugang zur berufIIchen                       WeiterbiIdung        die große
   Bedeutung         der        beruflichen             Weiterbildung           hervorgehoben.             Die
   Sozialpartner haben betont, daß der Erfolg des Binnenmarktes zu einem
   großen Teil von der Erweiterung der Kenntnisse und Fähigkeiten der
   Arbeitnehmer und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen abhängen
   wird. Dies bestätigt ihrer Ansicht nach, wie wichtig es für die
   Arbeitnehmer in der Gemeinschaft ist, einen möglichst breiten Zugang zu
   beruflichen Weiterbildungsangeboten zu haben, um so die vorhandenen
   Qualifikationen auszubauen und neue zu erwerben.
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Der Zugang zur beruflichen Weiterbildung entscheidet                          über die Entwicklung
der Humanressourcen
5.  Für die Unternehmen setzt die Entwicklung des Zugangs zur beruflichen
    Weiterbildung           die       enge       Verknüpfung        zwischen            ihrer       Unter-
    nehmensstrategie            zur Förderung          der Wettbewerbsfähigkeit                 und der
    Durchführung von Weiterbildungsplänen, die in die globale Unterneh-
    mensstrategie          integriert werden müssen, voraus. Die Arbeitnehmer
     ihrerseits       müssen        ihre     Qualifikationen        erweitern,           anpassen und
    weiterentwickeln.             Die     Entwicklung       des     Zugangs         zur     beruflichen
    Weiterbildung beschränkt sich nicht auf ein zusätzliches Erlernen von
    Know-how,        sondern       stellt      viel     tiefergreifend           einen      Prozeß der
    Weiterentwicklung und der Erschließung der Fähigkeiten des Einzelnen in
    seinem Erwerbsleben dar.
6.   In der von den Staats- und Regierungschefs von 11 Mitgliedstaaten auf
    der     Tagung       des      Europäischen         Rats     von     Straßburg          angenommenen
    Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer wird
    unter Ziffer 15 das Ziel des Zugangs zur Berufsbildung festgelegt:
    Tour travalIleur           de la Communauté européenne dolt pouvoir                     avoir     accès
    à la format Ion professionnel             le et en bénéficier          tout au long de sa vie
    active.      Il   ne peut        y avoir       dans les conditions              d'accès     à      cette
    formation       de discrimination          fondée sur la nationalité.                Les       autorités
    publiques       compétentes,        les entreprises         ou les partenaires                 sociaux,
    chacun dans la sphère de leurs compétences,                      devraient        mettre en place
    les disposltifs           de formation         continue     et permanente,            permettant       à
    toute    personne       de se recycler,          notamment en bénéficiant                de     congés-
    formation,         de      se     perfectionner         et    d'acquérir            de        nouvelles
    connaissances,        compte tenu notamment de l'évolution                      technique."
    (Jeder    Arbeitnehmer         in der Europäischen           Gemeinschaft         muß Zugang zur
    berufIichen       Bildung      haben und ihn während seines                    gesamten        Erwerbs-
    lebens behalten.         Die Bedingungen für den Zugang zur berufIIchen                         Bildung
    dürfen     nicht      aufgrund       der    Staatsangehörigkeit            diskriminieren.           Die
    zuständigen       öffentlichen         Gebietskörperschaften,            die Unternehmen           oder
    die Sozialpartner          müßten in ihrem JewelIIgen            Zuständigkeitsbereich               die
    Voraussetzung        für eine Fort-         und WefterbiIdung         schaffen,       die es jedem
    er mögt icht,     sich    insbesondere        durch einen BfIdungsurlaub                 umzuschulen,
    sich weiterzubt/den           und vor allem im Zuge der technischen                     Entwicklungen
    neue Kenntnisse        zu      erwerben.)
7.  In ihrem Memorandum (KOM 91 397 endg. vom 12. Dezember 1991) über die
    BerufsbiIdung        in der Europäischen          Gemeinschaft       in den neunziger            Jahren
    hat die Kommission die Herausforderungen des anbrechenden Jahrzehnts
    ermittelt und die grundlegende Rolle von Qualifikation und Zugang zur
    beruflichen Weiterbildung erläutert. Die ständigen Veränderungen, die
    neuen      Organisationsformen               der     Arbeit,      die         Auswirkungen          der
    Bevölkerungsentwicklung                     sowie          das            Ausgleichen               der
    Qualifikationsdefizite               verleihen        der     Politik          der      beruflichen
    Weiterbildung eine zentrale Stellung. Es muß ein neues Berufs-
    bildungskonzept entwickelt werden, in dem die in der beruflichen
    Grundausbildung           verankerte          Weiterbildung        während          des     gesamten
    Erwerbslebens fortgesetzt wird.
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8.  In ihrer Mitteilung          KOM (92) 2000 "Von der EinheitIIchen               Akte zu der
    Zeit    nach Maastricht        : Ausreichende       Mittel      für    unsere      ehrgeizigen
    Ziele"    hebt die Kommission hervor, daß die Anpassung der Arbeitnehmer
    an    den     wirtschaftlichen         Wandel     und     die     Weiterentwicklung         der
    Produktionssysteme           in den neunziger           Jahren       im Mittelpunkt         der
    Veränderungen auf dem europäischen Arbeitsmarkt stehen werden. Die
    derzeitige und zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beruht
     insbesondere auf der Qualität der Arbeitskräfte und ihrer Fähigkeit zur
    Anpassung an ein sich ständig veränderndes technologisches und
    wirtschaftliches Umfeld. Für die neuen Formen der Arbeitsorganisation
     ist eine berufliche Weiterbildung erforderlich, die diese Fähigkeit
    zur Anpassung und Initiative vermittelt.
9.  Die Maßnahmen zur Verminderung der Arbeitslosigkeit stehen ebenfalls
     in Zusammenhang mit der Weiterentwicklung der Qualifikationen und dem
    Zugang zur beruflichen Bildung während des gesamten Erwerbslebens. Es
     ist festzustellen, daß die Länder, die die vorausschauendste Haltung
    und      die      größte      Dynamik      gegenüber        strukturellen        Wandlungen,
     insbesondere im Bereich der Qualifikation, der Weiterbildung und der
    Arbeitsorganisation,            an      den     Tag        legen,      gleichzeitig         die
    Arbeitslosigkeit am besten in den Griff bekommen. Die Länder hingegen,
    die sich weniger auf diese qualitativen Veränderungen vorbereitet
    haben, verzeichnen eine breitere und dauerhaftere Kluft zwischen
    Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Das Qualifikationsniveau
    und     die     Fachkenntnisse        der    Erwerbstätigen         stehen     in direktem
    Zusammenhang mit dem Ausschluß bestimmter Gruppen vom Arbeitsmarkt,
    was eine schwer umkehrbare Tendenz zur Langzeitarbeitslosigkeit mit
    sich br ingen kann.
10. Im Rahmen des sozialen Dialogs haben die Sozialpartner                              in ihrer
    gemeinsamen Stellungnahme über die Zugangsmodalitäten darauf hinge-
    wiesen, daß über 80 % der Arbeitskräfte des Jahres 2000 bereits jetzt
     in Beschäftigung           sind.     Es    werden     umfangreiche         Erwachsenenbil-
    dungsmaßnahmen erforderlich sein, soll die Lücke zwischen dem Bedarf an
    qualifizierten Arbeitskräften und dem Qui ifikationsniveau der auf dem
    Arbeitsmarkt verfügbaren Arbeitskräfte nicht noch größer werden. In der
    Tat verläßt derzeit ein hoher Anteil der erwachsenen Bevölkerung die
    Schule ohne geeignete Ausbildung oder                        hat noch nie an einer
    systematischen           weiterführenden         Ausbildung           teilgenommen.         Die
    Sozialpartner haben festgestellt, daß für eine erfolgreiche berufliche
    Weiterbildung mehrere Voraussetzungen erfüllt sein müssen:
         Vorausschau und Planung:
         "die      Bedürfnisse       von    Unternehmen        und    Einzelpersonen       müssen
         offengelegt       und in WeiterblI dungs planen             oder   -Programmen        fest-
         gelegt     werden, die auf die Unternehmensgröße                 abgestimmt    sind und
         sich      in    den   Rahmen einer         Gesamtstrategie          des    Unternehmens
         einfügen";
         Berücksichtigung der Bedürfnisse:
         "die      Bedürfnisse        der    Arbeitnehmer         zur     Verbesserung        ihrer
         Qual ifikatIonen      entsprechend      den ArbeItsplatzanforderungen            und der
         Bereitschaft       für eine Mobilität        innerhalb     des Unternehmens,        sowie
         die    jetzigen      und künftigen        Anforderungen        des Unternehmens         zu
         berücksicht     I gen";
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         Information    und    Konsultation    der   Beschäftigten     und   ihrer
        Vertretungen:
         "daß die Arbeitgeber, In Übereinstimmung mit den einzelStaatIichen
        Gesetzen und Verfahren, die Arbeitnehmer und Ihre Vertreter über
        die von dem Unternehmen durchgeführten We fterbiIdungsprogramme
         informieren und konsultieren"". •
Eine Herausförderung im internationaJen Wettbewerb
11. Das Ziel der Verbesserung und Weiterentwicklung von Qualifikationen in
    den    Unternehmen    scheint    sich    in   allen    europäischen    Ländern
    durchzusetzen, womit ein bereits in anderen Wirtschaftsräumen, wie z.B.
     in Japan (laut verfügbarer Angaben bieten dort 85 % der Unternehmen
    Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Beschäftigten an) oder den USA (die
    berufliche Weiterbildung genießt Priorität im Bericht America 2000: an
    education strategty), entstandener Trend übernommen wird. Folglich
    wird die Weiterentwicklung des Zugangs zur beruflichen Weiterbildung
    eine besonders zentrale Roi le in den Unternehmensstrategien der
    neunziger Jahre spielen.
12. Bei den persönlichen Vorhaben der Arbeitnehmer stellen die in einigen
    EFTA-Ländern (Schweden und Finnland) angewandten Regelungen für das
    Recht auf Arbeitsbefreiung ebenfalls einen Bezugspunkt dar, wobei
    Jedoch berücksichtigt werden muß, daß bei diesen Regelungen die
    Fortzahlung des Arbeitsentgelts nicht unbedingt gewährleistet ist, und
    daß von den Einzelpersonen zunehmend die Leistung eigener Beträge
    erwartet wird.
Hinsichtlich des Zugangs bestehen weiterhin beträcht Iiche Hindernisse
13. Zu wenige Unternehmen verfügen überW6iterbiIdungspläne, wodurch ihre
    Möglichkeiten    zur    Entwicklung    der   Humanressourcen     eingeschränkt
    werden. Erfolgreiche Beispiele sowie Tar ifVereinbarungen sind nicht
    ausreichend bekannt, obwohl solche Vereinbarungen in großen Unternehmen
    und einzelnen Branchen ausgehandelt werden. Die kleinen und mittleren
    Unternehmen    haben besondere Schwierigkeiten bei           der   Entwicklung
    geeigneter We iterberufsbiIdungsstrategien. Weiterbildungsangebote für
    ihre Arbeitnehmer sind weniger zahlreich als in großen Unternehmen:
    einerseits ist der Zugang zur beruflichen Weiterbildung für die
    Beschäftigten der KMU stärker begrenzt, andererseits organisieren die
    KMU weniger BerufsbiIdungsmaßnahmen für ihre Arbeitnehmer.
14. Bei den Einzelpersonen weisen die bereits erwerbstätigen Arbeitnehmer,
    insbesondere    die    älteren   unter    ihnen,   oft   eine    unzureichende
    Grundausbildung und häufig eine unangemessene AIIgemeinbiIdung auf.
    Männer    und   Frauen    nehmen   in sehr     unterschiedlichem     Maße   an
    Weiterbildungsmaßnahmen teil. Aus verschiedenen Gründen              läßt die
    Motivation der Arbeitnehmer zur Weiterbildung manchmal zu wünschen
    übrig und bedarf der Anregung.
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Die Mitgliedstaaten streben nach größerer Effizienz
15. Die Entwicklung der Bevölkerung und der Erwerbsfähigenzahl sowie die
    Notwendigkeit einer umfassenden Einführung von Innovationen machen in
    allen Mitgliedstaaten eine beschleunigte Anpassung der Qualifikationen
    der bereits erwerbstätigen Arbeitskräfte erforderlich. Dazu muß eine
    entsprechende Politik der beruflichen Weiterbildung entwickelt werden.
     Informationen aus allen Ländern zeigen, daß die Mittel für die
    Weiterbildung aufgestockt werden und eine effizientere Nutzung dieser
    Mittel anstrebt wird, die derzeitigen "Erfolge" der nationalen
    Regelungen sich jedoch als begrenzt und sehr ungleichmäßig erweisen.
    Der auf die berufliche Weiterbildung verwandte Anteil des BIP bewegt
    sich zwischen weniger als 1 % und höchstens 2 % und ist noch sehr weit
    entfernt von den Beträgen, die in die Erstausbildung und in die
    Förderung von Forschung und Entwicklung fließen.
16. Die Untersuchung der Situation in den einzelnen Mitgliedstaaten zeigt,
    daß die Ausbildungsmöglichkeiten für die erwachsenen Arbeitnehmer in
    der Gemeinschaft weiterhin unsicher und unzusammenhängend sind, so daß
    die Bemühungen um die Weiterbildung in den neunziger Jahren quantitativ
    und qualitativ verstärkt werden müssen. Die Indikatoren für den Zugang
    weisen wachsende Möglichkeiten auf, meist jedoch für Maßnahmen von
    kurzer Dauer, wodurch der Einfluß auf die Qualifikationen gering
    bleibt.
17. Aufgrund ihrer begrenzten quantitativen Wirkung können die Arbeits-
    befreiungs- und die Bildungsurlaubsregelungen weder als Hauptgrund läge
    für eine Anwendung des unter Ziffer 15 der Charta der sozialen
    Grundrechte der Arbeitnehmer ausgeführten Grundsatzes dienen noch als
    Modalität für eine allgemeine Weiterentwicklung des Zugangs zur
    beruflichen Weiterbildung betrachtet werden. Sie stellen         jedoch
    unverzichtbare zusätzliche Möglichkeiten für die Verwirklichung der
    persönlichen Berufsbildungsvorhaben der Arbeitnehmer dar.
18. In den Schlußfolgerungen der Regierungskonferenz der OECD über "Further
    Education and Training of the Labour Force" (Juni 1991) wurde der
    Gedanke der Partnerschaft unterstrichen und die Notwendigkeit betont,
    die Verantwortlichkeit jedes einzelnen Partners zu definieren. Zu
    diesem Zweck hat die Konferenz eine Reihe von Zielen entwickelt, die
    mit Hilfe der betrieblichen Weiterbildung und Fernlernsystemen verfolgt
    werden sollen, insbesondere durch die Schaffung von Anreizen zur
    Erleichterung der Finanzierung der Weiterbildung und durch die
    Maßnahmen, die auf Initiative der öffentlichen Hand zu entwickeln sind.
Das Aktionsprogramm zur Anwendung der Sozialcharta
19. In dem von der Kommission am 29. November 1989 (K0M(89) 568 endg.)
    angenommenen Aktionsprogramm zur Anwendung der Sozialcharta ist die
    Schaffung eines Gemeinschaftsinstruments zur Regelung des Zugangs zur
    beruflichen Weiterbildung vorgesehen. Dabei müssen die Ergebnisse des
    sozialen Dialogs bezüglich des Rechts auf den Zugang zur beruflichen
    Weiterbildung berücksichtigt werden.
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20. Das Aktionsprogramm sieht folgendes vor: "Damit jeder Arbeitnehmer sich
    während der Dauer seines gesamten Erwerbslebens fortbilden kann, müssen
    die Mitgliedstaaten, die Unternehmen und die Sozialpartner Maßnahmen
    ergreifen; dazu gehört der BiIdungsurlaub."
II. UNTERSCHIEDLICHE SITUATIONEN IN DEN EINZELNEN MITGLIEDSTAATEN UND DEREN
    WEITERENTWICKLUNG
Die nationalen Regelungen für die berufliche Weiterbildung befinden sich
zur Zeit im Auf- oder Umbau
21. Der Begriff der beruflichen Weiterbildung wird in den einzelnen
    Mitgliedstaaten    unterschiedlich   ausgelegt    und    unterliegt   sehr
    vielfältigen Regelungen und Modalitäten. Die berufliche Weiterbildung
    umfaßt hauptsächlich BiIdungsmaßnahmen, die auf die Initiative von
    Unternehmen hin durchgeführt werden oder den Arbeitnehmern direkt
    zugute kommen. Die Abgrenzung gegen die Grundausbildung bereitet
    einige Probleme, z. B. bei Lehren oder alternierenden Ausbildungen
    sowie unter dem Gesichtspunkt der Verantwortung der Betel I igten und
    der Finanzierungsmodalitäten.
22. Die nationalen Weiterbildungssysteme sind        sehr    unterschiedlichen
    Datums. Einige Mitgliedstaaten haben in diesem Bereich bereits eine
    relativ lange Tradition (z. B.: Frankreich mit den Abkommen von 1970
    und dem Gesetz von 1971), wogegen andere Mitgliedstaaten entsprechende
    Regelungen erst wesentlich später eingeführt haben (z. B.: Spanien und
    Portugal). Die Länder mit bereits länger bestehenden Systemen streben
    eine Weiterentwicklung dieser Strukturen sowie die Verbesserung der
    praktischen Umsetzung an, während andere Staaten dabei sind, die ersten
    Grundsteine für ihre Regelungen zu legen.
23. In den letzten Jahren haben zahlreiche Mitgliedstaaten die Grundlagen
    ihrer nationalen Regelungen reformiert oder mit einer Umstrukturierung
    begonnen:
        branchenübergreifendes Abkommen in Belgien über die Einführung
        einer Abgabe von 0,25 X für die Wiedereingliederung von Risiko-
        gruppen;
        obligatorische    Abführung  von   0,2 %   der    Bruttolohnsumme   in
        Griechenland seit 1988; im Tarifabkommen von 1991 wurde ein Beitrag
        von 0,45 % der Bruttolohnsumme festgelegt;
        Rahmengesetz von Juni 1991 über die berufliche Weiterbildung in den
        Niederlanden zur Förderung einer durchstrukturierten Finanzierung
        der Erwachsenenbildung;
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         neues branchenübergreifendes Abkommen in Frankreich vom 3. Juli
         1991 zur Neuordnung der Regelungen von 1970-, neues Gesetz vom
         31. Dezember   1991 zur Absicherung des Abkommens. Wichtigste
         Neuerungen: Der bislang auf Unternehmen mit mehr als zehn Be-
         schäftigten begrenzte Grundsatz der obligatorischen Mitwirkung wird
         auf Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ausgeweitet;
         die Beschäftigten leisten einen Finanzbeitrag zu Bildungsmaßnahmen
         mit Diplomabschluß; Bilanzen der Kenntnisse und Fähigkeiten werden
         zum Nutzen der Beschäftigten eingeführt.
         Einrichtung von dreigliedrigen Ausschüssen          in den Provinzen
         Spaniens 1990 zur Begleitung der beruflichen Weiterbildung sowie
         Einführung   von Verträgen      zwischen   den    Sozialpartnern über
         dreijährige Programme zur beruflichen Weiterbildung, laufende
         Diskussionen über Änderungen der Finanzierungsverfahren;
         neues Gesetz von September 1991 über die berufliche Weiterbildung
         in Luxemburg zur erneuten Festlegung der Grundsätze und der
         Modalitäten der Weiterbildung der Arbeitnehmer;
         1991 mehrere Gesetze in Portugal zur Festlegung des rechtlichen
         Rahmens der beruflichen Bildung sowie Regelungen des Zugangs zur
         BerufsbiIdung;
         laufende Gespräche über einen Gesetzesvorschlag für die berufliche
         Weiterbildung in Italien.
    Auch bei fehlenden     institutionellen Reformen    zeichnen sich   Entwick-
     lungen ab:
         starke   Zunahme der Unternehmensausgaben        für die berufliche
         Weiterbildung in Deutschland, wo die für die Qualifizierung der
         erwerbstätigen Arbeitskräfte aufgewandten Beträge bereits über
         denen für die Finanzierung des Dualsystems liegen;
         Einrichtung weiterer TECs (Training and Enterprises Councils) im
         Vereinigten Königreich mit beträchtlichen Auswirkungen auf die
         regionalen Angebotsstrukturen.
Rechtsvorschriften und Tar ifabkommen bestimmen     gemeinsam   den Zugang zur
beruflichen Weiterbildung
24. Die nationalen Weiterbildungssysteme rufen zahlreiche Organisationen
    und    Einrichtungen    auf    den    Plan:   Unternehmen,     Berufszweige,
    Sozialpartner, nationale und regionale Behörden,             Industrie- und
    Handelskammern, öffentliche und private AusbiI dungs institutionen,
    Beratungseinrichtungen usw.
25. Die Grundlagen für die Gestaltung der nationalen Regelungen sind recht
    unterschiedlich. Einige Systeme sind stark formalisiert und durch
    detaillierte Rechtsvorschriften festgelegt (F, E, G R ) , während andere
    vor allem auf Tarifabkommen beruhen (DK, D, NL). Teilweise gibt es auf
    nationaler Ebene keinerlei formale Regelung (VK). Außerdem sind in
    dieser Hinsicht beträchtliche Unterschiede zwischen den Regionen der
    Gemeinschaft festzustellen.
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26. Die    Bedingungen    für    den     Zugang    zur   beruflichen Weiterbildung
    (Rechtslage, Finanzierung, Maßnahmen) hängen demnach - Je nach Land -
    von Tar ifabkommen, Rechtsvorschriften oder auch einer Kombination aus
    beiden ab. Das Weiterbildungsangebot wird, selbst bei Tätigwerden
    öffentlicher Einrichtungen, im allgemeinen von den Gesetzen des Marktes
    bestimmt.
27. Der Zugang der Arbeitnehmer zur Weiterbildung sowie die Ausbildung von
    Arbeitslosen unterliegen in allen Ländern unterschiedlichen Regelungen
    und Verfahren. Im allgemeinen ist die Ausbildung von Arbeitnehmern
    Sache der Unternehmen, während die Ausbildung von Arbeitslosen von
    Behörden wahrgenommen wird.
28. Der Zugang der Arbeitnehmer zur beruflichen Weiterbildung hängt
    hauptsächlich von der          Initiative der Unternehmen        in Form ihrer
    Ausbildungspläne, von Tarifabkommen zur Festlegung der Zugangsmoda-
     litäten oder von den Finanzbeiträgen der Unternehmen zu Maßnahmen wie
    dem Bildungsurlaub ab. Die Behörden greifen, insbesondere in Fragen der
    direkten Finanzierung, ergänzend oder unterstützend ein.
29. In letzter Zeit sind Entwicklungen                in den Beziehungen zwischen
    Unternehmen und Behörden            festzustellen, die sich        in Form der
    unterschiedlichsten Anreizsysteme (Information, Beratung, steuerliche
    Erleichterungen, Verträge usw.) niederschlagen. Die Bildung von
    Partnerschaften zwischen Unternehmen und Behörden in Zusammenarbeit mit
    den Sozialpartnern        ist    für    die Erarbeitung     der    entsprechenden
    Regelungen offenbar von zentraler Bedeutung.
30. Beim Eingreifen der öffentlichen Hand werden die Kompetenzen häufig von
    der zentralen Ebene auf die regionalen Akteure verlagert (B, NL, DK, F,
     I).
31. Auch die Zusammenarbeit der Sozialpartner untereinander sowie der
    Behörden mit den Sozialpartnern auf verschiedenen Ebenen scheint sich
    allgemein durchzusetzen. Sie manifestiert sich auf unterschiedliche
    Weise bei der Aushandlung von Zielsetzungen, der Planung von Maßnahmen
    und den Modalitäten bei der Verwaltung der Mittel.
Der "Bildungsurlaub" wirkt sich nur auf wenige Arbeitnehmer aus
32. Das IAO-Abkommen 140 über den Bildungsurlaub ist von neun                    Mit-
    gliedstaaten ratifiziert, jedoch nicht Überali angewandt worden.
33. Einige     Länder    haben      auf     zentraler    oder    dezentraler    Ebene
    Rechtsinstrumente      für    ein     "Recht    auf   Bildungsurlaub"    erlassen
    (Bildungsurlaub      in    einigen      deutschen    Bundesländern,     bezahlter
    Bildungsurlaub in Belgien, 150 Stunden in Italien, individueller
    Bildungsurlaub     in    Frankreich).      Solche    Maßnahmen    stellen   einen
    begrenzten und spezifischen Teil der allgemeinen Möglichkeiten des
    Zugangs zur Weiterbildung dar.
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34. Diese Regelungen stoßen in der Praxis schnell an ihre Grenzen. Die Zahl
    der betroffenen Beschäftigten und Arbeitnehmer bleibt relativ gering.
    Die Regelungen werden zur Zeit nur auf weniger als 1 % der potentiellen
    Teilnehmer (in Frankreich und Deutschland) angewandt. Die Grenzen sind
    finanzieller    Natur,   rühren    jedoch    auch    vom    Verhalten  der
    Einzelpersonen und der Unternehmen her. Die Regelungen werden von den
    Arbeitnehmern   für unmittelbar berufliche Zwecke oder persönliche
    kulturelle Interessen genutzt.
Besondere Probleme der KMU
35. Die Rolle und die Bedeutung der KMU als Quelle für die Schaffung neuer
    Arbeitsplätze und als Stütze der regionalen Entwicklungspotentiale
    sind vereinbar mit dem Ziel, den Zugang zur Weiterbildung in diesen
    Unternehmen zu erweitern. Die KMU, die mehr als 90 % der Unternehmen in
    der Gemeinschaft ausmachen, sind in den meisten Regionen, insbesondere
    in den am wenigsten entwickelten, der Hauptfaktor des wirtschaftlichen
    Wachstums.
36. Die mangelnde Qualifikation ihrer Arbeitskräfte stellt für die KMU ein
    beträchtliches Hemmnis für die Einführung von Innovationen und die
    betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten dar. Angesichts der Tatsache,
    daß die KMU im allgemeinen größere finanzielle Risiken in Kauf nehmen
    müssen als große Unternehmen und sensibler auf Marktschwankungen
    reagieren, bereitet ihnen die Mobilisierung von Finanzmitteln für die
    Ausbildung zusätzlich Probleme. Daher müssen die verschiedenen Arten
    der Unterstützung geprüft werden, mit deren Hilfe die KMU ihre
    Bemühungen verstärken können (Zuschüsse, Steuererleichterungen usw.).
37. Soweit die Arbeitsorganisation zu einem SehlüsseIfaktor der Wettbe-
    werbsfähigkeit wird, sind die KMU entsprechend ihrer Größe flexibel und
    anpassungsfähig. Bei einer solchen Organisationsform nehmen die
    Arbeitnehmer mehrere Aufgaben wahr und haben häufig einen allgemeinen
    Überblick über die Arbeitsorganisation. Unter diesem Gesichtspunkt
    besteht der Hauptvorteil der KMU darin, daß sie schnell und flexibel
    auf Veränderungen der Umgebung und der Nachfrage reagieren können, wozu
    ein besonders guter Zugang zu Informationsnetzen und angemessene
    Qualifikationen erforderlich sind.
38. Die Situation der KMU hinsichtlich der Ausbildung ist durch mehrere
    besondere Faktoren gekennzeichnet. Die Perspektiven der KMU sind
    hauptsächlich auf die nähere Umgebung beschränkt, und ihr Potential an
    Humanressourcen    ist  knapp.    Die    Teilnahme     des   Personals  an
    Weiterbildungsmaßnahmen ist daher nicht nur eine Frage der Kosten einer
    solchen Weiterbildung, sondern auch ein Problem der PersonaIknappheit
    und der Schwierigkeit der - selbst zeitweisen - Begrenzung des
    Arbeitsvolumens.    Die   Entwicklung     von     Instrumenten    für  den
    Fernunterricht und das fexible Lernen wäre hier eine mögliche Lösung.
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39. Die Entwicklung von Weiterbildungsmöglichkeiten für ein KMU setzt
    voraus, daß das betreffende Unternehmen            informiert    ist und die
    Bedeutung solcher Maßnahmen erkannt hat, was häufig erst geschieht,
    wenn ein konkretes Problem auftritt. Das Unternehmen müßte außerdem
    Zugang zu den Informationen haben, die ihm eine seinen Mitteln und
    seiner Organisation entsprechende Lösung aufzeigen. Die Infrastruktur
    spielt dabei häufig eine entscheidende Rolle. Für die Durchführung der
    Maßnahmen muß außerdem eine Unterstützung bereitgestellt werden, die
    die optimale Nutzung der Investitionen in die Weiterbildung und die
    Auswahl der geeignetsten Verfahren ermöglicht.
40. Damit die KMU die positiven Auswirkungen des Binnenmarktes nutzen
    können, muß eine Berufsbildungspolitik entwickelt werden, die die
    besonderen Bedürfnisse dieser Unternehmen berücksichtigt. Die KMU
    müssen Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Beschäftigten so organisieren
    können,    daß    die  besonderen    zeitlichen    und   funktionellen     Ein-
    schränkungen, die Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Rolle von
    Einrichtungen     wie   der   Industrie- und      Handelskammern     oder   der
    Handwerkskammer berücksichtigt werden. Außerdem muß die Zusammenarbeit
    von KMU erleichtert sowie die Beziehungen zwischen KMU und großen
    Unternehmen verbessert werden.
Bedeutende Entwicklungen
41. In den Unternehmen und bei den Behörden entwickelt sich eine neue
    Einstellung zur Weiterbildung der Arbeitnehmer. Die zunehmende Be-
    schäftigung mit dieser Frage steht in Verbindung mit den allgemeinen
    wirtschaftlichen und       technologischen Bedingungen,       dem    intensiven
    Streben nach verbesserter Qualität von Produkten und Dienstleistungen
    für die Einführung flexiblerer und leistungsfähigerer Formen der
    Arbeitsorganisation.
42. Die neuen      Initiativen für die       in der Entwicklung befindlichen
    Unternehmen beruhen zu einem sehr großen Teil auf Tarifabkommen und
    Unternehmensvereinbarungen. In den allgemeinen Verhandlungen wird
    insbesondere auf der Ebene der Sektoren und Unternehmen                   immer
    deutlicher über Weiterbildungsfragen gesprochen. Das entspricht der
    wachsenden Bedeutung der Weiterbildung in den Unternehmen und ihrer
    neuen Rolle als Investitionsmaßnahme. Die öffentlichen Initiativen
    konzentrieren     sich   hauptsächlich     auf  Risikogruppen     und    andere
    Zielgruppen in schwierigen Situationen.Die Arbeitnehmer ergreifen immer
    häufiger selbst die Initiative und erreichen so eine berufliche
    Qualifikation oder eine Erweiterung ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten.
43. Die Neuerungen im Bereich der allgemeinen Gestaltung der              Maßnahmen
    sowie im Rahmen von Tar ifabkommen zielen auf folgendes ab:
        stärkere     Berücksichtigung    der    Bedürfnisse    der    Arbeitnehmer
        (Ausbildungsbilanz, regelmäßige Gespräche, Tutorien usw.) in den
        Ausb iIdungspIänen;
        Entwicklung der Ausbildungspolitik von Unternehmen in stärkerer
        Abstimmung mit den Sozialpartnern (Anhörung, Verhandlung) für eine
        zweckmäßigere Deckung der Bedürfnisse;
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         Verstärkung    des sozialen Dialogs        innerhalb der      Unternehmen,
         insbesondere über die Analyse der Qualifikationen, die Ausbil-
         dungsbilanzen oder die Planung von Maßnahmen;
         Weiterentwicklung des Zugangs zur beruflichen Weiterbildung im
         Zusammenhang mit den allgemeinen Arbeitsbedingungen (Arbeits-
         zeitverkürzung) und       der Arbeitsorganisation       (Einrichtung   von
         Qual ifikationsinstanzen bei der Arbeit, mit der Arbeit alter-
         nierende Weiterbildungsmaßnahmen, neue Zugangsmöglichkeiten zur
         Weiterbildung durch Fernlernen oder individuelles Lernen);
         weitere Aufteilung der Weiterbildungsbemühungen und -kosten durch
         eine Annäherung der Beiträge von Unternehmen und Arbeitnehmern:
         Weiterbildung sowohl während als auch außerhalb der Arbeitszeit,
         Finanzierung der Weiterbildung sowohl durch das Unternehmen als
         auch durch den Arbeitnehmer, Ausbildungsverträge usw.;
         bessere Abstimmung der Organisationsformen der Weiterbildung und
         somit bessere Kostendeckung: Bildungszusammenschlüsse für die KMU,
         Zentren mit individuel lern Zugang, Fern lernen usw.;
         Schaffung einer neuen Synergie von privatem und öffentlichem Sektor
         zur Verstärkung der Dynamik und zur Gewährleistung der allgemeinen
         Ausgewogenheit        des     Systems:      allgemeine       Vorschriften,
         Ausgleichsmaßnahmen zugunsten bestimmter Zielgruppen, Unterstützung
         der KMU bei der Ausbildungsberatung, Maßnahmen für die Qualität des
         Angebots.
44. In den einzelnen Ländern entwickelt sich ein Bewußtsein für die
    Bedeutung eines gerechter geregelten Zugangs der Arbeitnehmer zur
    Ausbildung. Die Chancen für den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
    sind dem Niveau der Erstausbildung und des Beschäftigungsstands
    entgegengesetzt     proportional. Je schiechter         die Ausbildung beim
    Eintritt ins Erwerbsleben, desto geringer die Chancen für den Zugang
    zur    beruflichen    Weiterbildung;    die   am    wenigsten    qualifizierten
    Arbeitnehmer haben die geringsten Zugangsmöglichkeiten. Frauen werden
    schlechter ausgebildet als Männer, und die älteren Arbeitnehmer sind
    den jüngeren gegenüber benachteiligt.
45. Das Angehen gegen die Ungleichbehandlung beim Zugang dient einem
    doppelten    Zweck. Einerseits entspricht          es der     Zielsetzung   der
    Sozialcharta, nach der der Zugang zur beruflichen Weiterbildung allen
    Arbeitnehmern     in der Gemeinschaft       offenstehen muß. Andererseits
    entwickelt es sich mehr und mehr zu einem vorrangigen wirtschaftlichen
    Ziel, da die Steigerung des Qualifikationsniveaus aller Arbeitnehmer
    eine    notwendige     Bedingung    für   die    Tätigkeit     leistungsfähiger
    Unternehmen     im    wirtschaftlichen     (kurze    Serien,     Flexibilität),
    technologischen      (lean    production,   Reduzierung     der    Liegezeiten,
    Qualitätssteigerung) und sozialen Kontext (Kommunikation, Recht auf
    Meinungsäußerung) geworden ist.
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46. Dialog und Verhandlungen zwischen und mit den Sozialpartnern auf allen
     Ebenen - Gemeinschaft, Einzel Staaten, Branchen und Unternehmen - sind
     sehr günstige Voraussetzungen für die Festlegung der Modalitäten einer
     Entwicklung der beruflichen Weiterbildung. Die Entwicklung von Dialog
     und Verhandlungen garantiert         auch eine stärkere Annäherung der
     Bedürfnisse der Unternehmen und der Arbeitnehmer im Rahmen der vom
     Unternehmen geplanten oder unterstützten Ausbildungsmaßnahmen.
 III. DER ENTWURF EINER EMPFEHLUNG
Die Rolle der Gemeinschaft als Katalysator
47. Die meisten Mitgliedstaaten streben zur Zeit eine Weiterentwicklung
     oder    Umstrukturierung    ihres   Instrumentariums für die berufliche
     Weiterbildung an, um deren Wirksamkeit und Qualität zu verbessern. Dies
     schlägt sich in den zahlreichen Initiativen nieder, die in letzter Zeit
     in den Mitgliedstaaten sowohl in Form öffentlicher Maßnahmen als auch
     durch Tar ifabkommen ergriffen wurden.
48. Vor diesem Hintergrund wird die Kommission dem Rat einen Entwurf einer
     Empfehlung vorlegen, die zur Dynamisierung der Entwicklungen auf
     nationaler Ebene beitragen und ihnen eine globale Kohärenz verleihen
     soll. Dies dient dem Ziel eines allgemeinen Zugangs zur beruflichen
     Weiterbildung in der gesamten Gemeinschaft, damit jedem Arbeitnehmer
     gemäß Artikel 15 der Sozialcharta und Punkt 20 der gemeinsamen
     Stellungnahme der Sozialpartner im Rahmen des sozialen Dialogs vom
     21.9.90 während seines Erwerbslebens der Zugang zur beruflichen
     Weiterbildung offensteht.
49. Für die Kommission fügt sich dieser Entwurf einer Empfehlung des Rates
     in eine globale Strategie für Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene ein,
     die in direktem Zusammenhang mit dem Ziel der Förderung des Zugangs zur
     beruflichen Weiterbildung stehen:
          Festlegung eines Rahmens gemeinsamer Ziele für die Mitgliedstaaten
          in der Empfehlung des Rates. Aufgabe der Mitgliedstaaten wird es
          sein,     in    Zusammenarbeit      mit     den   Sozialpartnern    die
          Durchführungsmodalitäten in Übereinstimmung mit den nationalen
          Rechtsvorschriften und Praktiken zu bestimmen.
          Schaffung günstiger Bedingungen, unter denen die Sozialpartner auf
          Gemeinschaftsebene, wie in ihrer Vereinbarung von 31. Oktober 1991
          vorgesehen,    ihre   gemeinsame     Stellungnahme   zur   Zugangsfrage
         erweitern können. Außerdem sollen, wenn die Sozialpartner es
         wünschen, Tarifgespräche und entsprechende Abkommen angestrebt
         werden.
          Entwicklung    grenzübergreifender      Maßnahmen   in   der   gesamten
         Gemeinschaft, die durch grenzübergreifende Zusammenarbeit die
          Erweiterung des Zugangs und die Weiterentwicklung der Synergie der
         Mittel,    insbesondere    im Rahmen der Durchführung        des F0RCE-
         Programms, fördern und fortsetzen sollen.
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Anwendung des Prinzips der Subsidiarität
50. Das vorgeschlagene Rechtsinstrument liegt in Form einer Empfehlung des
    Rates auf der Grundlage von Artikel 128 vor. Dies dient dem Ziel eines
    möglichst lockeren Gesetzesrahmens auf Gemeinschaftsebene und damit
    der Anwendung des vom Europäischen Rat in Birmingham definierten
    Prinzips     der    Subsidiarität.    Die   konkreten   Maßnahmen   und   die
    Organisation der nationalen Maßnahmen bleiben nach wie vor allein
    Sache der Mitgliedstaaten, damit die Besonderheiten der nationalen
    Rechtssysteme und Praktiken, die Kompetenzen der betreffenden Parteien
     im internen Recht und die Tar ifautonomie unter Wahrung des Prinzips der
    Subsidiarität erhalten bleiben. Es ist jedoch zu unterstreichen, daß
    die nationalen Maßnahmen zahlreichen           Evolutionen und    Initiativen
    seitens der verschiedenen Akteure erfahren haben. Diese Entwicklung
    soll    im Hinblick auf die Gemeinschaftscharta über die sozialen
    Grundrechte der Arbeitnehmer und unter Berücksichtigung des Prinzips
    der Subsidiarität durch eine Gemeinschaftsaktion, die die Dringlichkeit
    und die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung einschließt, ge-
    schehen. Die vorliegende Empfehlung liefert den Gesamtrahmen, um diese
    auseinanderlaufenden Anforderungen zu befriedigen.
51. Die Empfehlung umfaßt Sonderregelungen zur Förderung der Fortsetzung
    des sozialen Dialogs mit Blick auf Tarifgespräche auf europäischer
    Ebene entsprechend den Bedingungen der Vereinbarung der Sozialpartner
    vom 31. Oktober 1991. Sie ist gleichermaßen an die Mitgliedstaaten und
    die Sozialpartner auf europäischer Ebene gerichtet, womit der wichtigen
    Rolle der Sozialpartner und der Tarifabkommen im Bereich des Zugangs
    zur beruflichen Weiterbildung Rechnung getragen wird.
Die empfohlenen Maßnahmen
52. Damit der Zugang wirkungsvoll und möglichst breit angelegt wird,
    empfiehlt der Rat den Mitgliedstaaten, unterschiedliche Maßnahmen mit
    folgender Zielsetzung zu ergreifen bzw. zu verstärken:
    (i)    Die Ausbildungspläne und -programme der Unternehmen:
           Das Ziel der Umsetzung der Ausbildungspläne und -programme durch
           die Unternehmen ist von den Sozialpartnern in ihrer Stellungnahme
           vom 19. Juni 1990 angenommen werden. Sie hat auch zum Ziel, daß
           die Unternehmen Weiterbildungsstrategien in die Praxis umsetzen
           und Investitionen in ihre Humanressourcen durchführen, die es
            ihnen    ermöglichen,    dem    technologischen   Wandel   und    den
           Marktveränderungen Rechnung zu tragen.
    (ii)   Spezifische Hilfsmaßnahmen für KMUs
            In allen Ländern der Gemeinschaft stellen die KMUs ein zentrales
           Problem dar. Ihre Größe, ihre spezifischen Organisations- und
           Operationsformen sind Faktoren, die es bei der Entwicklung der
           Weiterbildungsstrategien zu berücksichtigen gilt. Unterschiedli-
           che Methoden oder Hilfsmaßnahmen, die sich als effizient erwiesen
           haben, sind z.B. Zusammenschlüsse von KMUs für Weiterbildungs-
           zwecke, die Beziehungen große Unternehmen - kleine Unternehmen
           als Untervertragsnehmer, die Intervention von Beratungseinrich-
           tungen, die Verbreitung von Fernunterrichtsmitteln oder multi-
           medialen Mitteln, sollten noch stärker gefördert werden.
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(iii) Hilfsmaßnahmen     für  Unternehmen,    die   mit   dem   Prozeß   des
      industriellen Wandels konfrontiert sind.
      Der industrielle Wandel und die Umschichtung der Sektoren stehen
       im Zentrum der wirtschaftlichen Veränderungen für die Gemein-
      schaft   in den neunziger Jahren. Es wird darum gehen, neue
      Organisationsformen der Arbeit und neue Beziehungen unter den
      Unternehmen zu fördern, um so die Wettbewerbsfähigkeit in diesem
      neuen Rahmen zu erhalten.
(iv)  Die berufliche Weiterbildung als Mittel der Regionalentwick lung.
      Als Teil bestimmter       Maßnahmen, die    in den Mitgliedstaaten
      durchgeführt wurden, ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und
      Nachfrage auf regionaler und lokaler Ebene eine ausreichende
      Garantie für eine verbesserte Effizienz der Mittel und für eine
      verbesserte und flexiblere Programmierung          der Weiterbildung
      angestrebt werden.
(v)   Weiterbildung für jeden Arbeitnehmer
      Jeder Arbeitnehmer sollte über die Zugangsbedingungen für die
      Weiterbildung oder über öffentliche, von den Sozialpartnern
      durchgeführte, Maßnahmen informiert werden. Falls es in seinem
      Unternehmen keine Weiterbildungspolitik gibt oder diese noch
      nicht entwickelt wurden, sollte er ebenfalls darüber informiert
      werden.
(vi)  Bewertung der Qualifikationen und des Qualifikationsbedarfs der
      Arbeitnehmer
      Eine    individuelle   Bewertung    der   Qualifikationen    und   der
      Ausbildungsbedarf erscheint im Hinblick auf die in den Mit-
      gliedstaaten gemachten Erfahrungen das beste Mittel, um die
       individuellen Weiterbildungsbedürfnisse der Arbeitnehmer und die
      Strategien der Unternehmen miteinander in Einklang zu bringen.
      Dennoch     erfordern    diese    Maßnahmen    einen    ausreichenden
      Datenschutz, der auf nationaler Ebene zu schaffen ist.
(vii) Konsultationen mit den Arbeitnehmervertretern
      Die berufliche Weiterbildung ist ein Gebiet, bei dem immer mehr
      Informations-     und   Konsultationsaktionen     mit   den    Arbeit-
      nehmbervertretern oder falls es diese nicht gibt, mit den
      Arbeitnehmern im Betrieb selbst auf Sektorebene oder sektor-
      übergreifend stattfinden. In einigen Mitgliedstaaten sind die
      Tarifverträge der Bezugspunkt für die Zugangsbedingungen zur
      beruflichen Weiterbildung. Dies sollte gefördert werden.
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(vi M ) Die Gestaltung der Weiterbildungsmaßnahmen
        Der Inhalt der Weiterbildungsmaßnahmen und ihre Gestaltung ist
        der    zentrale   Punkt   für    die   Effizienz     für    die   Weiter-
        bildungsstrategien der Unternehmen. Man kann beobachten, daß
        Entwicklungen sich abzeichnen, den WeiterbiI dungsinhaIt aus-
        zudehnen und Maßnahmen zu gestalten, daß sie eine Weiter-
        entwicklung     der     Arbeitsorganisationen-       und      Situationen
        ermöglichen.
  (ix)  Neue Instrumente und Mehtoden
        Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ermög-
         lichen die Entwicklung von neuen Instrumenten, Methoden und
        Ansätzen für die berufliche Weiterbildung. Ihre Verbreitung sowie
        vor allem ein vereinfachter Zugang zur beruflichen Weiterbildung
        für Arbeitnehmer, die die traditionellen Angebote nicht nutzen
        können, sollten gefördert        werden:   ländliche Gebiete, KMUs,
        Arbeitnehmer, die viel unterwegs sind.
        Benachteiligte Zielgruppen
  (x)   Ein unzureichendes Qualifikationsniveau ist einer der wichtigsten
        Gründe für den Verlust des Arbeitsplatzes für das Ausbleiben des
        beruflichen Aufstieges und für den erschwerten                beruflichen
        Wiedereinstieg im Falle von Arbeitslosigkeit. Ein Anheben des
        Qualifikationsgrundniveaus      der    Arbeitnehemr      ist    für   die
        Unternehmer oft die Voraussetzung, um neue Produktionsprozesse
        einführen zu können, vor allem wenn sie dabei auf die neuen
        Technologien zurückgreifen. Daher sollte allen Arbeitnehmern der
        Zugang zu einem Qualifikationsgrundniveau ermöglicht werden und
        es sollte ihnen ermöglicht werden, die neuen Technologien zu
        meistern.
  (xi)  Nach den Zahlen, haben im allgemeinen die Frauen weniger Zugang
        zur Weiterbildung als die Männer und dies steht im Verhältnis zu
        den Sektoren, in denen sie am stärksten vertreten sind, und zu
        den Beschäftigungsverhältnissen, zu denen sie Zugang haben.
        Maßnahmen, die darauf abzielen, derartige Ungleichheiten zu
        beseitigen, sollten daher gefördert werden.
  (xii) Die Weiterbildung von Arnehmer ist normalerweise die wichtigste
        Aufgabe der öffentlichen Instanzen. Aktivitäten jüngeren Datums,
        die     darauf    abzielen     die     Weiterbildungsmaßnahmen        für
        Arbeitssuchene     bei    der     Integration     oder      Reintegration
        effizienter zu machen, sollten gefördert werden.
(xiii)  Maßnahmen, die dazu beitragen, daß Arbeitnehmer nicht aufgrund
        von   persönlichen    Eigenheiten    und   vor   allem     aufgrund   von
        persönlichen    Eigenheiten     und    vor    allem    aufgrund     ihrer
        Nationalität, ihres ethnischen oder sozialen Ursprungs, ihrer
        Religion oder     ihrer Meinung beim Zugang zur Weiterbildung
        diskriminiert werden, sollten gefördert werden.
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Die Rolle der Sozialpartner
53. Zur Gesamtstrategie der Gemeinschaft zählen auch die Maßnahmen der
    Sozialpartner. Deren        im Rahmen des sozialen         Dialogs   abgegebene
    gemeinsame Stellungnahme zu den Modalitäten, die voraussichtlich den
    breitestmöglichen Zugang zur beruflichen Weiterbildung eröffnen, ist
    ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die in Artikel 2 des
    Entwurfs einer Empfehlung vorgesehenen Maßnahmen stützen sich in hohem
    Maße auf die Vorschläge der Sozialpartner im Rahmen ihrer gemeinsamen
    Stellungnahmen.
54. Auf dem Gebiet der beruflichen Weiterbildung spielen die Sozialpartner
    eine sehr aktive und häufig die entscheidende Rolle. Die Untersuchung
    der Situation in den einzelnen Mitgliedstaaten hat ergeben, daß die
    Dynamik     des    Zugangs    in  der    Gemeinschaft    vorwiegend    auf  den
    Betriebsvereinbarungen sowohl         auf branchenbezogener     als auch auf
    nationaler Ebene beruht. Die Komplementarität und die Synergie, die
    zwischen den öffentlichen Maßnahmen und             in den Beziehungen der
    Sozialpartner untereinander geschaffen werden müssen, sind im Hinblick
    auf den Zugang aller Arbeitnehmer             zur beruflichen Weiterbildung
    besonders wichtig. Die Komplementarität ist auf einzelstaatlicher Ebene
    stark ausgeprägt und scheint ein Grundprinzip für die Dynamik der
    Entwicklung     der   nationalen Systeme zu sein. Sie muß auch auf
    einzelstaatlicher Ebene angestrebt werden, um die Wirksamkeit der
    Maßnahmen aller beteiligten Gruppen besser zu gewährleisten.
55. In ihrer Vereinbarung vom 31. Oktober 1991            legen die Sozialpartner
    neue Bedingungen        für  die Konzipierung      und   die   Erstellung   der
    Gemeinschaftsmaßnahmen in diesem Gebiet fest, um so die Tätigkeit der
    Mitgliedstaaten und der Sozialpartner weiter auszubauen. Vor diesem
    neuen Hintergrund erscheint es besonders wichtig, Wege zu erforschen,
    auf denen die Sozialpartner auf europäischer Ebene zu tariflichen
    Beziehungen     und auch Abkommen        über   den Zugang    zur   beruflichen
    Weiterbildung gelangen können.
56. In Artikel 3 des Entwurfs einer Empfehlung sind die Bedingungen
    dargelegt, unter denen die Kommission aufgerufen ist, den Fortgang des
    sozialen Dialogs über die Zugangsfrage zu unterstützen. Der Artikel
    sieht außerdem die Perspektive eines Abkommens auf europäischer Ebene
    vor,    falls    die   Sozialpartner    dies   wünschen.Vom    Standpunkt   der
    Kommission aus wäre es für den Verlauf des sozialen Dialogs zu dieser
    Frage von großer Bedeutung, die mögliche Abdeckung der folgenden
    grundlegenden Punkte durch ein solches Abkommen zu untersuchen:
         die Bedingungen, unter denen die Arbeitnehmer von den Unternehmen
         über die verfügbaren Ausbildungsmaßnahmen und die entsprechenden
         Zugangsregelungen unterrichtet werden;
         die Bedingungen, unter denen die Arbeitnehmer Anspruch auf eine
         ordnundgsgemäße und regelmäßige Bewertung ihrer Kenntnisse und
         Fähigkeiten im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Qual ifi-
         kat ionen haben;
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        die Bedingungen, unter denen die Ausbildungspläne von Unternehmen
        erstellt und durchgeführt werden, sowie deren Übereinstimmung mit
        der Gesamtstrategie.
Begleitmaßnahmen
57. In dem Entwurf einer Empfehlung ist ebenfalls vorgesehen, daß die
    Kommission die Erreichung der gemeinsamen Ziele unterstützt, indem sie
    vergleichende    Informationen    weitergibt    und    den   Austausch   von
    Erfahrungen und Methoden sowie von Know-how zwischen den Mit-
    gliedstaaten fördert, und zwar insbesondere zugunsten der Regionen und
    Unternehmenskategorien,     in   denen    der    Zugang    zur   beruflichen
    Weiterbildung am wenigsten entwickelt ist.
Folgemaßnahmen
58. Die an die Mitgliedstaaten ergangene Aufforderung              zur Bericht-
    erstattung über die bereits ergriffenen Durchführungsmaßnahmen dient
    der regelmäßigen Beobachtung der Durchführung und der Auswirkungen auf
    den    Zugang   zur   beruflichen     Weiterbildung     im   Vergleich   zur
    Ausgangssituation, wie sie 1991 in Übersichtstabellen dargestellt
    wurde. Diese Berichte sollten         im einzelnen die neuen von den
    unterschiedlichen Akteuren (Unternehmen, öffentliche Instanzen und
    Einzelpersonen) angenommenen       Beiträge   und    deren   Synergieeffekte
    verdeutlichen. In Anwendung der Maßnahmen zur Koordinierung und
    Rationalisierung der Aktionsprogramme der Gemeinschaft im Bereich der
    beruflichen Bildung sowie zur Rationalisierung der Aufforderung der
    Mitgliedstaaten zur Berichterstattung wird empfohlen, die Berichte über
    die Umsetzung der Ziele der Empfehlung und die gemäß Artikel 11 Absatz
    2 des Beschlusses des Rates (90/267/EWG) zur Einsetzung des FORCE-
    Programms erstellten Berichte zusammenzufassen, falls dies zeitlich
    vereinbar ist. Außerdem wird der mit dem Beschluß des Rates 92/170/EWG
    eingesetzte Beratende Ausschuß um Stellungnahmen zu den Berichten
    gebeten.
59. Bis zum 30. Juni 1996 wird die Kommission dem Rat und dem Europäischen
    Parlament auf der Grundlage dieser Berichte einen Evaluierungsbericht
    über die Umsetzung der Ziele und die Entwicklung der Situation beim
    Zugang    der  Arbeitnehmer    in    der   Gemeinschaft    zur   beruflichen
    Weiterbildung vorlegen. Der Bericht soll auch der Gruppe Sozialer
    Dialog unterbreitet werden, wenn die Sozialpartner dies wünschen.
60. Vor   diesem  Hintergrund    ist die Kommission        aufgefordert, unter
    Berücksichtigung der Schlußfolgerungen geeignete Vorschläge für den
    Ausbau des Zugangs zur beruflichen Weiterbildung in der Gemeinschaft
    vorzulegen.
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Verbesserung der Qualität
61. Der vorgelegte Entwurf zielt vor allem auf die Verbesserung der
    Qualität    durch    die    Entwicklung   des    Zugangs    zur   beruflichen
    Weiterbildung in Verbindung mit der Förderung moderner Formen der
    Arbeitsorganisation ab. Die Empfehlung müßte sich so auswirken, daß die
    Voraussetzung für eine bessere Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und
    privatem    Sektor    sowie   für   mehr   Synergie    der   Bemühungen   und
     Investitionen geschaffen würde. Angesichts des Bedarfs an beruflicher
    Weiterbildung in den kommenden Jahren wird die Zusammenarbeit zwischen
    öffentlichem und privatem Sektor die Regelung des Angebots auf
    regionaler und lokaler Ebene sowie die optimale Nutzung der Ressourcen
    best immen.
Übereinstimmung mit den laufenden Gemeinschaftsaktionen
62. Der Entwurf einer Empfehlung wurde in Übereinstimmung mit und zur
    Ergänzung der bereits laufenden Gemeinschaftsaktionen im Bereich der
    beruflichen Weiterbildung erstellt. Der Entwurf einer              Empfehlung
    stützt sich auf die Errungenschaften der Aktionsprogramme im Bereich
    der    beruflichen     Weiterbildung,    insbesondere      FORCE    für   die
    Ausbildungspläne der Unternehmen, COMETT           für die Maßnahmen zur
    beruflichen    Weiterbildung     mittels   der    Partnerschaften    zwischen
    Hochschulen und Unternehmen auf regionaler und sektoraler Ebene,
    EUROTECNET für die Verbindung mit technologischen Innovationen und
    PETRA für die Verknüpfung von Erstausbildung und Weiterbildung.
63. Diese Programme haben zu einer Sensibilisierung der Unternehmen und der
    Akteure    der   beruflichen    Weiterbildung    für    die   Bedeutung   der
    Durchführung von Ausbildungsplänen und          ihrer   Integration    in die
    wirtschaftliche Gesamtstrategie der Unternehmen beigetragen. Die im
    Rahmen dieser Programme durchgeführten grenzübergreifenden Maßnahmen
    haben außerdem die Rolle der Zusammenarbeit des öffentlichen und des
    privaten Bereichs hinsichtlich eines besseren Eingehens auf den
    Berufsbildungsbedarf, insbesondere in den KMU, konkretisiert. Der
    Entwurf einer Empfehlung soll die Voraussetzungen für eine Erweiterung
    dieser Zielsetzung schaffen.
64. Es muß betont werden, daß der Vorschlag für ein Rechts instrument und
    die Förderung der Wirksamkeit der Aktionsprogramme, insbesondere von
    FORCE, einander ergänzen. Die Wirksamkeit der Programme und ihre
    Weiterentwicklung, entsprechend der Nachfrage der Promoter und dem
    Wunsch   zahlreicher    Beteiligter, werden durch die Umsetzung der
    allgemeinen Grundsätze gemäß dem Entwurf einer Empfehlung verbessert.
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65. Die im Rahmen der Programme entwickelten Aktionen (insbesondere die
    grenzübergreifenden Partnerschaften) haben reale Auswirkungen auf die
    Konvergenz und Veränderung der Verhaltensweisen. Diese Maßnahmen ebnen
    den Weg für und unterstützen die Verwirklichung der Grundsätze sowie
    eine stärkere Angleichung der nationalen Systeme im Hinblick auf den
    Zugang zur beruflichen Weiterbildung. Die Austauschtätigkeit und die
    Synergie, die durch ein Programm wie FORCE entwickelt werden, entstehen
    im Rahmen gemeinsamer Leitlinien, die die im Entwurf einer Empfehlung
    festgelegten gemeinsamen Ziele begleiten und stützen. Ebenso können die
    auf der Ebene der Mitgliedstaaten, und somit in einem größeren Maßstab
    als die durch die Programme geförderten Aktionen, festgelegten und
    angewandten Maßnahmen zur Verfolgung der gemeinsamen Ziele die
    Errungenschaften der Programme ausbauen und die Annäherung des Ansatzes
    oder der Methoden der einzelnen Akteure auf Gemeinschaftsebene fördern.
    Dieser Entwurf einer Empfehlung geht von dem Grundkonzept der
    Komplementarität zwischen Erst- und Weiterbildung in Übereinstimmung
    mit dem PETRA Programm aus; ferner hat sie zum Ziel, daß umfangreiche
    Anstrengungen in diesem Sinne unternommen werden, um die Maßnahmen für
    die Erstausbildung weiter zu entwickeln.
66. In Zukunft muß die Gemeinschaftsaktion bezüglich des Zugangs zur
    beruflichen Weiterbildung auch in Einklang stehen mit den Maßnahmen zur
    Anpassung an den industriellen Wandel und die Weiterentwicklung der
    Produktionssysteme, wie es in Artikel 123 und 127 des zur Zeit in der
    Ratifizierungsphase befindlichen Vertrages sowie in der Mitteilung der
    Kommission über die Zeit nach Maastricht (KOM(92)2000) angeregt wird.
    Die Erweiterung des Zugangs zur beruflichen Weiterbildung für alle
    qualifizierten oder ungelernten Arbeitnehmer ist für die Unternehmen
    offensichtlich eine unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg eines
    Anpassungsprozesses. Die Vorausschätzung des Bedarfs und der allgemeine
    Zugang zur Weiterbildung sind unverzichtbare Stationen für die
    Gewährleistung des industriellen Wandels und die Förderung einer
    modernen und    biIdungsorientierten Arbeitsorganisation, durch     die
    Qualität und Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden können.
 ---pagebreak---                                        - 22 -
                                Vorschlag für eine
                               EMPFEHLUNG DES RATES
                 über den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemein-
schaft, insbesondere auf Artikel 128,
auf Vorschlag der Kommission,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses,
 in Erwägung nachstehender Gründe:
Der Beschluß 63/266/EWG des Rates vom 2. April 1963 über die Aufstellung
allgemeiner Grundsätze für die Durchführung einer gemeinsamen Politik der
BerufsausbiIdung^1)    legt   im ersten   Grundsatz   fest, daß  die allgemeinen
Grundsätze jedem einzelnen eine angemessene Ausbildung ermöglichen müssen.
Dies betrifft vor allem die Notwendigkeit, die berufliche Grund- und Fort-
bildung   und   gegebenenfalls   eine   für  die   verschiedenen  Abschnitte  des
Erwerbslebens    angemessene   Umschulung   zu  fördern,  sowie  jedem  einzelnen
durch    ständige   Einrichtungen     zur   beruflichen   Weiterentwicklung   die
Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg oder zur Qualifizierung für eine neue
Berufsaufgabe auf höherer Ebene zu bieten.
Gemäß   dem  genannten   Beschluß   obliegt   die  Anwendung  dieser  allgemeinen
Grundsätze    im  Rahmen   des   EWG-Vertrages    den  Mitgliedstaaten   und  den
zuständigen Gemeinschaftseinr ichtungen.
(1) Abi. Nr.     63 vom 20. 4.1963, S. 1338/63
 ---pagebreak---                                           - 23 -
Die Förderung von Humanressourcen durch berufliche Bildung wird als wesent-
liches Element    zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit            der  europäischen
Wirtschaft   anerkannt,    und  der    Europäische   Rat   hat   auf  seiner  Tagung   in
Hannover am 27. und 28. Juni 1988 die Auffassung vertreten, daß die Vollen-
dung des Binnenmarktes mit einer Verbesserung des Zugangs zur beruflichen
Bildung einhergehen muß.
 In der von den Staats- und Regierungschefs aus 11 Mitgliedstaaten auf der
Tagung des Europäischen Rates in Straßburg am 9. Dezember 1989 angenommenen
Gemeinschaftscharta     der   sozialen     Grundrechte    der   Arbeitnehmer   heißt   es
unter Ziffer 15:
"Jeder Arbeitnehmer    in der Europäischen Gemeinschaft muß Zugang zur Berufs-
ausbildung haben und      ihn während      seines gesamten     Erwerbslebens behalten.
Die Bedingungen für den Zugang zur Berufsausbildung dürfen nicht                aufgrund
der Staatsangehörigkeit diskriminieren.
Die   zuständigen  öffentlichen      Gebietskörperschaften, die        Unternehmen   oder
die   Sozialpartner   müßten    in    ihrem   jeweiligen    Zuständigkeitsbereich     die
Voraussetzungen    für eine    Fort- und Weiterbildung         schaffen,   die es  jedem
ermöglicht, sich    insbesondere durch einen Bildungsurlaub umzuschulen, sich
weiterzubilden und     vor   allem    im Zuge der    technischen     Entwicklungen   neue
Kenntnisse zu erwerben."
Gemäß   der  Richtlinie    91/533/EWG    des   Rates^ 2 ) sind   die   Arbeitgeber   ver-
pflichtet,   die Arbeitnehmer      über   die arbeitsvertraglichen Bedingungen         zu
unterr ichten.
Die berufliche Weiterbildung        ist ein ständiges Anliegen der Sozialpartner
im Rahmen des Sozialen Dialogs.
(2) Abi. Nr. L 288 vom 18.10.1991, S. 32
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So haben die Sozialpartner       in ihrer gemeinsamen Stellungnahme vom 6. März
 1987 über Ausbildung und Motivation, Information und Konsultation erklärt,
 daß betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen den Arbeitnehmern eine rasche und
 ständige  Anpassung    an   die  strukturellen     Veränderungen   des  Unternehmens
ermöglichen müssen. Dieser Gedanke wurde          in der Gemeinsamen Stellungnahme
 vom 13. Februar 1990 zur Schaffung eines Europäischen Raumes der berufli-
 chen und geographischen Mobilität und zur Verbesserung der Funktionsweise
des Arbeitsmarktes in Europa aufgegriffen. Außerdem wurde dieses Konzept in
der Stellungnahme vom 19. Juni 1990 über allgemeine Bildung, Erstausbil-
dung, berufliche und Erwachsenenbildung weiterentwickelt.
Am 21. September 1991 haben die Sozialpartner eine gemeinsame Stellungnahme
zu   den  Maßnahmen    abgegeben,    die   für  den   breitestmöglichen    Zugang  zur
beruflichen Bildung notwendig sind, wobei sich diese Stellungnahme auf die
gemeinsame Stellungnahme über Bildung und berufliche Bildung vom 19. Juni
1990 stützt.
Die Vereinbarung der      Sozialpartner auf europäischer Ebene vom 31. Oktober
1991   sieht  die Möglichkeit einer Verlängerung der           gemeinsamen   Stellung-
nahmen vor, und der Soziale Dialog kann zu vertraglichen Beziehungen ein-
schließlich solcher Abkommen führen.
Am   6. September    1990   haben   der   Europäische    Gewerkschaftsbund    und  der
Europäische    Zentral verband   der   öffentlichen Wirtschaft      eine  europäische
Rahmenvereinbarung über Ausbildung          in Unternehmen    der öffentlichen    Hand
geschlossen.
Der Wirtschafts- und Sozialausschuß hat am 22. Oktober 1992 einen Informa-
tionsbericht    über    "berufliche    Bildung:   die   Förderung   der   beruflichen
Qualifikation als strategisches Instrument zur wirtschaftlichen und sozia-
len Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft" angenommen.
Auf europäischer Ebene wurden Aktionen grenzübergreifender Kooperation ein-
geleitet .
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Diese Aktionen sind im Beschluß 90/267/EWG des Rates vom 29. Mai 1990 über
ein Aktionsprogramm     zur   Förderung     der   beruflichen Weiterbildung       in der
                                          3
Europäischen    Gemeinschaft    (FORCE)< >      sowie   im  Beschluß    89/657/EWG    des
Rates vom 18. Dezember       1989 über ein Aktionsprogramm          zur   Förderung von
 Innovationen in der BerufsbiIdung in der Folge des technologischen Wandels
 in  der  Europäischen     Gemeinschaft      (EUROTECNET)*4),     geändert    durch   den
Beschluß 92/170< 5 ), vorgesehen.
Weiterhin sind diese Aktionen auch            im Beschluß 89/27/EWG des Rates vom
16. Dezember 1988 über die Verabschiedung der zweiten Phase des Programms
über Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Wirtschaft             im Bereich der Aus-
und Weiterbildung auf dem Gebiet der Technologie (COMETT               ll)<6) sowie im
Beschluß    91/387/EWG   des  Rates   vom    22. Juli    1991  zur   Änderung    des Be-
schlusses    87/569/EWG    über   ein   Aktionsprogramm       für   die   Berufsbildung
Jugendlicher und zur Vorbereitung der Jugendlichen auf das Erwachsenen- und
Erwerbsleben (PETRA)^7) vorgesehen.
Derartige Maßnahmen sind auch in der Verordnung (EWG) 4255/88 des R a t e s t
vom 19. Dezember 1988 vorgesehen, die Ausführungsbestimmungen für die Ver-
ordnung    (EWG)   Nr.  2052/88    enthält,      was  den   Europäischen     Sozial fonds
betrifft.
Die demographische Entwicklung wird zu einer deutlichen Verringerung der
Zahl der jugendlichen Arbeitsmarktneulinge in der Gemeinschaft führen, was
im Zusammenhang mit den Veränderungen           in der Arbeitsumwelt     letztlich eine
Aktualisierung und verstärkte Anpassung der Qualifikationen der Erwerbs-
bevöikerung zur Folge haben muß.
(3)    ABI.  Nr. L  156 vom  21. 6.1990,    S.  1
(4)    ABI.  Nr. L  393 vom  30.12.1989,    S.   29
(5)    ABI.  Nr. L   75 vom  21. 3.1992,    S.  51
(6)    ABI.  Nr. L   13 vom  17. 1.1989,    S.   28
(7)    ABI.  Nr. L  214 vom   2. 8.1991,    S.  69
(8)    ABI.  Nr. L  374 vom  31.12.1988,    S.  21
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Auf   europäischer      Ebene    ist   festzustellen,     daß   die   Schwierigkeiten     der
Frauen    beim   Zugang    zur   Beschäftigung    zum   großen    Teil   auf  einen   einge-
schränkten     Zugang   zur beruflichen Bildung zurückzuführen             sind.   Besondere
Anstrengungen sind daher einem effektiven Zugang zur beruflichen Weiter-
b iI dung zu w i dmen.
Die Zusammenarbeit        im Bereich der beruflichen Bildung muß sich auf die in
den Mitgliedstaaten bereits verfügbaren             Instrumente stützen, unter Berück-
sichtigung der Unterschiede in den nationalen Rechtssystemen und Gepflogen-
heiten, der rechtlichen Befugnisse der Beteiligten und der Vertragsautono-
mie.    Die    von   den    Mitgliedstaaten      zu   ergreifenden      Maßnahmen    sollten
möglichst     vielfältig     und   zahlreich    sein,    im   Hinblick    auf  die   Gemein-
schaftscharta über die sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer und                    in Anbe-
tracht    der   länderübergreifenden Dimension der Aktion              sollten   sich   diese
Maßnahmen     in den Gesamtrahmen einfügen und auf Gemeinschaftsebene unter-
stützt werden. Es ist schließlich von wesentlicher Bedeutung, ein Zusammen-
wirken der Mittel        und den Partnerschaftsbeziehungen zwischen dem öffent-
 lichen und dem privaten Sektor zu erreichen.
Der Beratende Ausschuß für die berufliche Bildung wurde gehört. Er hat die
strategische      Bedeutung    der    betrieblichen     Weiterbildung      sowohl   für   die
Mitgliedstaaten als auch für die Gemeinschaft als auch die Notwendigkeit,
daß   die   Gemeinschaft     eine    aktive  Rolle    in diesem     Bereich   spielen    muß,
erkannt -
EMPFIEHLT:
I.     daß die Mitgliedstaaten,          ihre Politik    der   beruflichen Bildung       ver-
      stärken, um sicherzustellen, daß jeder Arbeitnehmer                 der  Gemeinschaft
      Zugang    zur   beruflichen     Weiterbildung     hat   und   diese   während   seines
      gesamten Erwerbslebens fortsetzen kann;
 ---pagebreak---                                          - 27 -
II. damit   der   Zugang    wirkungsvoll      und   möglichst     breit    angelegt   wird,
    sollten    die    Mitgliedstaaten      Maßnahmen      mit    folgender     Zielsetzung
    ergreifen bzw. verstärken:
    (i)      Es    sollte    sichergestellt      werden,     daß   die   Unternehmen    den
             Qualifikationen und der beruflichen Weiterbildung ihrer Beleg-
              schaft Vorrang einräumen,         indem sie der Unternehmensgröße und
              den Unternehmenszielen angemessene Ausbildungspläne und -pro-
              gramme     entwickeln.     Bei    der    Erstellung     dieser    Pläne   und
              Programme        ist    den     verfügbaren        Humanressourcen,       der
             Arbeitsorganisation, den in Zukunft benötigten Qualifikationen
              und    dem   zu    erwartenden     industriellen      und    technologischen
             Wandel Rechnung zu tragen.
    (ii)      Insbesondere       zugunsten     kleiner    und    mittlerer     Unternehmen
              sollten     besondere     Anreize     und    Hilfen    vorgesehen     werden.
              Darunter    fallen z.B. Hilfen für die Ausbildungsberatung sowie
              finanzielle      und   Steuer Iiche    Anreize.    Diese    sollen  den   KMU
              helfen,         ihre      Bedürfnisse          zu      ermitteln,        eine
              Ausbildungsstrategie auszuarbeiten,             anzuwenden     und diese zu
              beurteilen. Die KMU sollten           ferner   die für     ihre  Entwicklung
              notwendige      und   der  speziellen      Situation     der   Beschäftigten
              solcher      Unternehmen       angepaßte      berufliche       Weiterbildung
              sicherste!Ien können, was vor            allem gewährleisten soll,        daß
              die    in   den    folgenden    Abschnitten      beschriebenen     Maßnahmen
              ausreichend berücksichtigt werden.
    (iii)     Für   Unternehmen,     die mit    einem    Prozeß   industriellen Wandels
             konfrontiert sind, sollten spezifische Anreize und Hilfen vor-
             gesehen werden, um die Ausbildung und Umschulung der Beschäf-
              t igten zu fördern.
 ---pagebreak---                                 - 28 -
(iv)  Die berufliche Weiterbildung sollte zu einem entscheidenden
      Faktor  regionaler     Entwicklungen ausgebaut        werden.    In diesem
      Rahmen    sollten     ländliche    Gebiete     und     die   spezifischen
      Bedürfnisse     der    Arbeitnehmer     und    der     Unternehmen     dort
      besonders berücksichtigt werden. Außerdem wird empfohlen, die
      Schaffung      von     Ausbildungskonsortien         insbesondere       auf
      regionalem   und    lokalem Niveau zu unterstützen, die mit der
      Analyse    des   Ausbildungsbedarfs      des    Unternehmens      und   der
      Beschäftigten      beauftragt     wären     und     Informationen      über
      Ausbildungsmöglichkeiten weitergeben müßten, um so Angebot und
      Nachfrage so weit wie möglich anzunähern.
(v)   Die Arbeitnehmer sollten, insbesondere bei            ihrer Einstellung,
      über die Weiterbildungspolitik und -programme des Unternehmens
      unterrichtet    werden. Diese     Information müßte        vor  allem die
      Regeln  und    Bedingungen   für   den   Zugang    zur   vom   Unternehmen
      selbst  und/oder     in Zusammenarbeit      mit   öffentlichen     Stellen
      organisierten     beruflichen    Weiterbildung      betreffen.      In  den
      Bedingungen müssen auch die Regelungen für Abwesenheit wegen
      der Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen, der Ablegung
      von Prüfungen und wegen Bildungsurlaub enthalten sein.
(vi)  Die Arbeitnehmer sollte auf Wunsch die Möglichkeit haben, eine
      Bewertung ihres Ausbildungsbedarfs sowie ihrer Fähigkeiten und
      Kenntnisse vornehmen zu lassen. Diese Bewertung, deren Ergeb-
      nisse  Eigentum     des  Arbeitnehmers     sind   und    dem   Datenschutz
      unterliegen, sollte von dem Unternehmen und/oder             in Zusammen-
      arbeit   mit    spezialisierten     öffentlichen       Stellen    erstellt
      werden.
(vii) Die Arbeitnehmervertreter oder die Arbeitnehmer selbst sollten
      verstärkt     über     die   Erstellung      und     Durchführung       der
      Ausbildungspläne und -programme des Unternehmens unterrichtet
      und dazu gehört werden.
 ---pagebreak---                                - 29 -
(viii) Der Zugang von Arbeitnehmern zu beruflicher Weiterbildung von
       angemessener Dauer, die zu anerkannten Qualifikationen führt,
       sollte gefördert werden. Dabei ist besonders darauf zu achten,
       daß die Weiterbildung breit angelegt wird und dazu befähigt,
       die Weiterentwicklung der Produktionssysteme und der Arbeits-
       organisation    sowie  die Konsequenzen     der   Verwirklichung    des
       Binnenmarktes im Hinblick auf das wirtschaftliche, technologi-
       sche und soziale Umfeld des Unternehmens vorherzusehen und zu
       bewältigen.
(ix)   Fernunterricht, offenes Lernen, multimediale          Methoden    sowie
       autodidaktische Lehrmittel sollten unterstützt werden.
(x)    Den Arbeitnehmern mit dem niedrigsten Ausbildungsstand sollte,
       unabhängig   von   ihrem  Status,   die  Teilnahme    an  beruflichen
       Weiterbildungsveranstaltungen ermöglicht werden, damit sie ein
       erstes Qualifikationsniveau erreichen und ein Grundwissen er-
       halten, das es     ihnen ermöglicht, die neuen Technologien zu
       meistern. Besondere Aufmerksamkeit gebührt außerdem dem Zugang
       von   Arbeitnehmern,   die  seit   einer  gewissen    Zeit   nicht   an
       Weiterbildungsmaßnahmen       teilnehmen     konnten,     sowie     von
       Arbeitnehmern     mit   Behinderungen    und    solchen,    denen    am
       stärksten ein Arbeitsplatzverlust droht.
(xi)   Der Zugang von Frauen und ihre aktive Teilnahme an beruflichen
       Weiterbildungsveranstaltungen       sollten    verstärkt     gefördert
       werden. Dies     insbesondere  für   auf den Arbeitsmarkt       zurück-
       kehrende Frauen, um deren Erstausbildung zu erweitern und so
       die Auswahl der ihnen offenstehenden Berufe zu vergrößern.
(xii)  Der Zugang von Arbeitslosen zur beruflichen Weiterbildung und
       ihre Teilnahme daran sollten verstärkt gefördert werden. Be-
       sonderen Vorrang sollten dabei junge Arbeitslose und Langzeit-
       arbeitslose    genießen,   deren   berufliche    Eingliederung     bzw.
       Wiedereingliederung es zu fördern gilt, und zwar         insbesondere
       durch   die  Herstellung   einer   Verbindung    zwischen   der   Erst-
       ausbildung und der beruflichen Weiterbildung sowie durch die
       verstärkte Einbeziehung von Unternehmen in die Ausbildung.
 ---pagebreak---                                       - 30 -
    (xiii)  Beim    Zugang     aller    Arbeitnehmer      der     Gemeinschaft     zur
             beruflichen   Weiterbildung    darf   es  keinerlei      Diskriminierung
             geben.
II. Der Rat fordert die Kommission auf, die Kooperation mit den Mitglied-
    staaten und den Sozialpartnern       zu verstärken, um die Verwirklichung
    der unter Punkt M    genannten Ziele zu fördern.
    Hierzu wird   die Kommission     aufgefordert, unter       weitgehender    Nutzung
    der  Möglichkeiten   des Aktionsprogramms      und   der    Gemeinschaftsinjtia-
    tiven im Bereich der beruflichen Bildung:
             vergleichende    Informationen über die Systeme der beruflichen
             Weiterbildung sowie über die Maßnahmen und Methoden, die zur
             Integration   von   jungen  Arbeitsuchenden      und    Langzeitarbeits-
             losen eingesetzt werden, zu verbreiten und auszubauen;
             den Austausch    von Erfahrungen     und Verfahren       der  beruflichen
             Weiterbildung zu verstärken;
             den Wissenstransfer     zwischen den Mitgliedstaaten über          trans-
             nationale Partnerschaften und Netze insbesondere zugunsten der
             Regionen,    Sektoren,    Unternehmensgruppen        und    Arbeitnehmer-
             kategorien   zu   fördern,   für  die   der   Zugang    zur   beruflichen
             Weiterbildung am wenigsten entwickelt        ist.
    Die  Kommission   wird   weiterhin   aufgefordert,     den   Sozialpartnern    auf
    europäischer   Ebene   alle   nützlichen    Informationen      zur   Verfügung  zu
    stellen und   ihre Bemühungen    im Rahmen des Sozialen Dialogs zu unter-
    stützen, die Diskussion über den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
    zu  vertiefen und    ihre gemeinsamen     Standpunkte     zu   verlängern,   wobei
    dieser Dialog auch zu vertraglichen Beziehungen einschließlich Abkom-
    men führen kann.
 ---pagebreak---                                    - 31 -
IV.  Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, der Kommission einen Bericht
     vor dem 30. Juni 1995 zu übermitteln, der die Maßnahmen in Anwendung
     von Punkt   II beschreibt. Dieser Bericht müßte Teil     jedes Berichts
     gemäß Artikel 11 Absatz 2 des Beschlusses 90/267/EWG des Rates sein.
     Der  mit  Beschluß  92/170/EWG  eingesetzte  Beratende   Ausschuß  EURO-
     TECNET - FORCE müßte aufgefordert werden, zu diesen Berichten Stellung
     zu nehmen.
     Die Kommission wird aufgefordert, auf der Grundlage dieser Berichte
     und der Ergebnisse des sozialen Dialogs vor dem 30. Juni 1996 einen
     Gesamtbericht über den Stand des Zugangs zur beruflichen Weiterbildung
     in der Gemeinschaft vorzulegen, in dem die Ergebnisse aufgrund der
     Maßnahmen gemäß Punkt II aufgeführt werden. Dieser Bericht müßte dem
     Rat,  dem  Europäischen  Parlament  und  dem  Wirtschafts-  und  Sozial-
     ausschuß sowie dem Ausschuß für den sozialen Dialog vorgelegt werden,
     wenn die Sozialpartner dies wünschen.
     Der Rat fordert die Kommission     auf, auf der Grundlage der Schluß-
     folgerungen dieses Berichts alle geeigneten Vorschläge im Hinblick auf
     eine Verbesserung des Zugangs der Arbeitnehmer in der Gemeinschaft zur
     beruflichen Weiterbildung vorzulegen.
V.   Diese Empfehlung ist an die Mitgliedstaaten sowie an die Sozialpartner
     auf Gemeinschaftsebene gerichtet.
Geschehen zu Brüssel am                         Im Namen des Rates
                                                Der Präsident
 ---pagebreak---                                  - 32 -
                    FORMBLATT ZUR BEWERTUNG DER AUSWIRKUNGEN
              DIE AUSWIRKUNG DES VORSCHLAGS AUF DAS GESCHÄFTSLEBEN
          unter besonderer Berücksichtigung der kleinen und mittleren
                                Unternehmen (KMU)
Titel des Vorschlags
Empfehlung des Rates betreffend den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
Der Vorschlag
1.  Warum sind - unter Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips -
    Rechtsvorschriften der Gemeinschaft in diesem Bereich erforderlich und
    welche Hauptziele werden hiermit angestrebt?
    Im Hinblick auf die demographische Entwicklung (weniger junge Menschen
    stehen als Arbeitskräfte zur Verfügung) in den Mitgliedstaaten und die
    Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Qualifikationen (siehe
    Tabelle 1 für Deutschland) ist die Empfehlung darauf ausgerichtet, im
    Rahmen nationaler Bestimmungen die Entwicklung des Zugangs zur
    beruflichen Weiterbildung durch Aktionen der Mitgliedstaaten und der
    Sozialpartner zu unterstützen.
    In der Empfehlung werden die Mitgliedstaaten daher aufgefordert, den
    Zugang zur beruflichen Weiterbildung durch Festlegung von Maßnahmen zu
    erweitern, wodurch Hindernisse beseitigt werden, die gegenwärtig Firmen,
    Arbeitnehmer und Sondergruppen (beispielsweise Frauen, ungelernte
    Arbeiter) beeinträchigen. Diese Hindernisse sind entweder auf einen
    Mangel an Information und Konsultation zwischen den betroffenen Parteien
    oder auf mangelnde Motivation von seiten des Individuums, teilzunehmen
     (siehe Bestimmung II (vi) zur Bewertung der Fähigkeiten) und von Seiten
    des Unternehmens, in die berufliche Weiterbildung zu investieren,
    zurückzuführen (siehe Bestimmung II. (i) über Ausbildungspläne und
    -programme).
    Die Empfehlung sieht auch weiterführende Aktionen im Zusammenhang mit dem
    Arbeitsprogramm entsprechend der Sozialcharta und insbesondere Artikel 15
    vor.
 ---pagebreak---                                 - 33 -
Auswirkungen auf das Geschäftsleben
2.   Wer wird von dem Vorschlag betroffen?
     Die Empfehlung sieht keine diskriminierenden Maßnahmen zwischen
     Geschäftssektoren vor. Sie stellt jedoch den unzureichenden Zugang zur
     beruflichen Weiterbildung fest, der die KMU und die im Strukturwandel
     begriffene Industrie betrifft und empfiehlt den Mitgliedstaaten,
     entsprechende Maßnahmen in dieser Hinsicht zu ergreifen (siehe II (ii),
      (iii)).
3.   Was müssen die Unternehmen tun, um dem Vorschlag nachzukommen?
     In der Empfehlung werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, Maßnahmen
     festzulegen oder zu verstärken, durch die Möglichkeiten für eine
     berufliche Weiterentwicklung des Einzelnen sowie Anreize zur
     Verbesserung der Fähigkeiten in Verbindung mit der Geschäftsstrategie
     des Unternehmens und zum gegenseitigen Nutzen der Beteiligten geschaffen
     werden.
      In Abhängigkeit von den Maßnahmen, die die Mitgliedstaaten in Anwendung
     der im Empfehlungsentwurf enthaltenen Maßnahmen beschlossen haben,
     müssen die Unternehmen gegebenenfalls ihre Arbeitnehmer oder deren
     Vertreter über ihre Pläne für die berufliche Weiterbildung oder über die
     Bedingungen unterrichten, die den Zugang zur beruflichen Weiterbildung
      regeln.
     Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, die Unternehmen auf den
      Zusammenhang zwischen der Qualität der Qualifikationen ihrer
      Arbeitskräfte und dem Wettbewerbsvorteil des Unternehmens aufmerksam zu
      machen und die Erstellung von Weiterbildungsplänen durch die Firmen
      anzuregen.
      Zur Verbesserung der Effizienz und der Wirksamkeit der beruflichen
      Weiterbildung für die Unternehmen kann eine Bewertung der Weiterbildung
      bei einzelnen Arbeitnehmern erfolgen, um die durch die Weiterbildung zu
      erreichenden Ziele zu klären und die Motivation der einzelnen
      Arbeitnehmer zu verbessern.
      Im Rahmen der obengenannten Aktionen wird die Frage der beruflichen
      Weiterbildung als eine Investition für die Unternehmen hinsichtlich
      ihrer Auswirkung auf die Produktivität, die Wettbewerbsfähigkeit und die
      strukturelle Anpassungsfähigkeit angesehen.
 4.   Welche wirtschaftlichen Auswirkungen könnte der Vorschlag haben?
      WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE BESCHÄFTIGUNG.
      Der Vorschlag wird sich wahrscheinlich positiv auf die Beschäftigung
      auswirken, insbesondere aufgrund der Bestimmungen für Gruppen, die durch
      eine Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt gefährdet sind oder für Gruppen oder
      Unternehmen, die derzeit Behinderungen beim Zugang zur beruflichen
      Weiterbildung festgestellt haben (siehe beigefügte Tabelle 1 "Die
      Qualifikationsstruktur der Arbeitskräfte in Deutschland 1992/2000",
      Tabelle 2 "Unselbständige und selbständige Arbeitskräfte entsprechend
      den erworbenen Kenntnissen (in 1000) in Deutschland", Tabelle 5
      "Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung entsprechend dem
      Beschäftigungsstatus in Deutschland (1988)").
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   WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE INVESTITIONEN UND DIE GRÜNDUNG
   NEUER UNTERNEHMEN
   In dem Vorschlag wird die Bedeutung des Zugangs zur beruflichen
   Weiterbildung als eine Investition von Seiten der Unternehmen
   hervorgehoben und die Gründung neuer Unternehmen durch Maßnahmen im
   Zusammenhang mit II unterstützt, das heißt, es muß eine Grundlage an
   erforderlichen Fähigkeiten geschaffen werden, um das Wirtschafts-
   potential einer Region oder eines Ortes zu fördern.
   WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DES VORSCHLAGS AUF DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
   VON UNTERNEHMEN.
   Die zu schaffenden oder zu verstärkenden Maßnahmen werden zur Anhebung
   des Niveaus der Fachkenntnisse der Arbeitnehmer beitragen und hierdurch
   die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken.
5. Enthält der Vorschlag Maßnahmen zur Berücksichtigung der spezifischen
   Situation kleiner und mittlerer Unternehmen (geringere oder unter-
   schiedliche Anforderungen usw.)?
   MASSNAHMEN FÜR KMU
    In Teil II wird der zur Zeit bestehende unzureichende Zugang zur
   beruflichen Weiterbildung für KMU festgestellt und die Schaffung von
   besonderen Anreizmaßnahmen für diese Unternehmen unterstützt, wofür die
    Behörden auf entsprechender Ebene zuständig sind.
    In neueren Studien wird bestätigt, daß die Teilnahmequoten an der
    beruflichen Weiterbildung in KMU erheblich unter den Quoten in größeren
    Unternehmen liegen, sogar wenn diese Vergleiche für Arbeitnehmer
    ausgearbeitet wurden, die den gleichen Kenntnisstand haben. Dies gilt
    auch für die Ausgaben.
   Aus französischen Daten über die Teilnahme an der beruflichen
   Weiterbildung entsprechend der Unternehmensgröße und dem
    Beschäftigungsstatus (1988) geht hervor, daß die Teilnahmequote von
    ungelernten und angelernten Arbeitnehmern von Unternehmen mit 10 bis
    19 Arbeitnehmern 1,9 % beträgt, während bei der gleichen Arbeit-
    nehmergruppe, die in einem Unternehmen mit mehr als 2 000 Arbeitnehmern
    arbeitet, die Teilnahmequote 23,8 % beträgt. Das gleiche gilt für die
    Ausgaben, das heißt daß der relative Umfang der Ausgaben für die
    berufliche Weiterbildung entsprechend der Größe des Unternehmens zunimmt
    [siehe Tabelle 3 "Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung
    entsprechend der Größe der Unternehmen und dem Beschäftigungsstatus in
    Frankreich (1988)", Tabelle 4 "Kosten für amtlich zugelassene berufliche
    Weiterbildungsmaßnahmen in Frankreich entsprechend der Unternehmens-
    größe" (in absoluten Zahlen und in Prozent der Lohnliste (1989)].
    In einer regelmäßig durchgeführten, repräsentativen Erhebung in der
    Bundesrepublik Deutschland (Berichtsystem Weiterbildung) wurde
    festgestellt, daß die Teilnahmequoten von Arbeitnehmern in größeren
    Unternehmen (1 000+) erheblich höher lagen als in kleineren (weniger als
    100) Unternehmen (41 % im Vergleich zu 33 % ) . Was die eigentliche
    berufliche Weiterbildung anbelangt, ist diese Diskrepanz noch größer: in
    großen Unternehmen nehmen beinahe doppelt so viele Arbeitnehmer an der
    Weiterbildung teil wie in kleinen Unternehmen (31 % im Vergleich zu
    17 %) .
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     Das gleiche Bild ergibt sich aus zwei anderen Studien. Aus einer
     deutschen Umfrage von 1988, beruhend auf einer repräsentativen Auswahl
     von etwa 10 % aller Unternehmen, geht hervor, daß die Teilnahme in
     Unternehmen mit weniger als 50 Arbeitnehmern unter dem Durchschnitt lag,
     Die Teilnahme in Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern lag dagegen
     erheblich darüber. In konkreten Zahlen ergibt sich die folgende
     Situation: im Zeitraum 1980-1985 schlössen in Unternehmen mit weniger
     als 50 Arbeitnehmern 21 % der Arbeitnehmer ein Programm für Weiter-
     bildung oder berufliche Weiterbildung ab, während der Prozentsatz für
     Unternehmen mit 50 bis 500 Arbeitnehmern 25 % und für Unternehmen mit
     mehr als 500 Arbeitnehmern 29 % betrug (siehe Koch, Seite 185). In
     anderen Untersuchungen wurde bestätigt, daß kleinere Unternehmen im
     Zusammenhang mit der beruflichen Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer in
     wesentlich geringerem Umfang tätig werden (siehe von Bardlesleben und
     andere 1986).
Konsultation
6.   Liste der zum Vorschlag konsultierten Organisationen; Darlegung ihrer
     grundlegenden Ansichten.
6.1  Im Zusammenhang mit dem Sozialen Dialog und ihrer gemeinsamen
     Stellungnahme vom 21. September 1991 über die Erleichterung eines
     möglichst breiten und effektiven Zugangs zu Ausbildungsmöglichkeiten
     haben die Sozialpartner die Priorität der beruflichen Weiterbildung
     bestätigt.
6.2  Bei der Vorbereitung des Vorschlags hat eine drittelparitätische
     Konsultation unter der Schirmherrschaft der Generaldirektoren für
     berufliche Bildung auf nationaler Ebene in jedem der 12 Mitgliedstaaten
      stattgefunden (Juni 91).
6.3  Der gesetzliche und drittelparitätisch zusammengesetzte Beratende
     Ausschuß für berufliche Bildung hat seine Stellungnahme am 10. und
      11. September 1992 abgegeben.
 ---pagebreak---                                                  - 36 -
                                                   TABELLE 1
                   Die Qualifikationsstruktur der Arbeitekräfte in Deutschland      1982/2000
                                       Durchschnittliche Wachetumnvariable)
ART DER                                             QUALIFIKATIONSNIVEAU  (in %)
TÄTIGKEIT
                                  I                     II                   III                  IV
                                 ohne                berufsbe-           technische           Hochschul
                              Auebildung            zogene Lehre         Fachschule            bildung
Derzeitige
Struktur   1982(1*
1. Fertigung, Handwerk,
    Instandhaltung               38.1                 54.0                   6 .9                 1.0
2. Lagerhaltung,    Transport,
    Vertrieb                    30.1                  64.3                                        2.0
3. Bürotätigkeiten     (Schreib-
    kräfte, Sekretariat)        21.8                  71.9                   3.6                  2.7
4.  Führungstätigkeiten,
    Forschung,  Entwicklung        9.7                50.1                 16 .6                23.6
5. Pförtner, Hausangestellte,
    Lieferanten, Kellner        63.3                  34.0                   2.0                  0.7
6.  Dienstleistungstätigkeiten,
    freie Berufe, Lehrer,
    Gesundheitsversorgung        19.5                 39.4                   7.4                33.7
INSGESAMT 1982                   32.0                 52.9                   6.6                  8.5
Für das Jahr 2000
geplante Struktur
1. Fert igung, Handwerk,
    Instandhaltung               24.4                  65.8                  8.3                   1.5
2. Lagerhaltung,    Transport,
    Vertrieb                     16.8                  76.8                  2.9                   3 .5
3.  Bürotätigkeiten    (Schreib-
    tätigkeit,  Sekretariat)     11.6                  75.4                  3 .4
4.  Führungstätigkeiten,           2.3                 53.9                 16 .1                2 7 .7
    Forschung  und   Entwicklung
 5. Pförtner,  Hausangestellte,
    Lieferanten,   Kellner       49.3                  4 4 .6                2 .6                  3 .5
6.   Dienstleistungstätigkeiten,
    freie  Berufe,  Lehrer,
    Gesundheitsversorgung        14.7                  33.6                                      47.5
 INSGESAMT  2000                  19.8                 58 .7                 6.7                 14 .8
     (1) Teilweise geschätzt
          Quelle : von Rot hk i rr.h /Wpi <i i n           (IQft^s
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                                   Tabelle 2
                   Unselbständige Arbeitskräfte entsprechend
             den Ausbildungskenntnissen (in 1 000) in Deutschland
                                  1975                   1985
                              Anzahl      %          Anzahl      %
Ohne Berufsausbildung          8 851     34,4         7 239     27,2
Abgeschlossene Berufs-
ausbildung (Facharbeiter)     13 410     52,1        14 782     55,5
Mittleres Niveau
Grundkenntnisse                1 643      6,4         2 009      7,5
Mit Hochschul-/
Fachhochschulabschluß          1 848      7,2         2 597      9,7
Insgesamt                      5 752    100          26 626    100
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Wochenberichte Nr. 7,
Berlin 1988.
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                                  TABELLE 3
      Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung entsprechend der Größe
     des Unternehmens und dem Beschäftigungsstatus in Frankreich (1988)
Zahl der Arbeitnehmer        10-19     20-49   50-499   500-1 999   Mehr als
                                                                      2 000
                                                 %          %           %
Ungelernte und angelernte
Arbeitskrafte                 1,9       3,4     8,4      15,3         23,8
Facharbeiter                  4,8       6,2    14,3      23,2         40,9
Angestellte                  10,2      12,8    22,0      32,9         43,3
Techniker und mittleres
Management                   14,5      19,0    23,8      49,6         68,1
Ingenieure und
Fuhrungskrafte               16,5      21,7    37,1      57,7         67,2
Insgesamt                    14,6      16,3    25,6      35,1         48,8
Quelle: Anhang zu Loi de Finance 1990
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                                   TABELLE 4
      Kosten für amtlich zugelassene berufliche Weiterbildungsmaßnahmen
       entsprechend der Größe des Unternehmens (in absoluten Zahlen und
                       in Prozent der Lohnliste) (1989)
Anzahl der      10-19   20-49   50-499   500-1 999  Mehr als   Anzahl der
Arbeitnehmer                                           2 000    Unternehmen
                                                              mit mehr als 10
Ausgaben
(Millionen FF)   584     991    6 229      5 778      16 256      30 838
Ausgaben in
Prozent der      1,34    1,44   2,01       2,91        4,68        2,97
Lohnliste
Quelle: Anhang zu Loi de Finance 1990
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                                  Tabelle 5
                  Teilnahme an der beruflichen Weiterbildung
         entsprechend dem Beschäftigungsstatus in Deutschland (1988)
BESCHÄFTIGUNGSSTATUS                   PROZENTSATZ DER ARBEITNEHMER
Ungelernte und angelernte
Arbeitskräfte                                         6 %
Facharbeiter                                         16 %
Angestellte mit geringer
Verantwortung                                        20 %
Angestellte mit größerer
Verantwortung                                        31 %
Führungskräfte                                       32 %
Quelle: Berichtsystem Weiterbildungsverhalten (Seite 54).
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                                                                    ISSN 0254-1467
                                                          KO M (92) 486 endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                             04
                                 Katalognummer : CB-CO-92-611-DE-C
                                                           ISBN 92-77-51076-5
Amt fur amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg