CELEX: C1999/352/19
Language: de
Date: 1999-12-04 00:00:00
Title: Rechtssache C-238/99 P: Rechtsmittel der Limburgse Vinyl Maatschappij NV gegen das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Dritte erweiterte Kammer) vom 20. April 1999 in den verbundenen Rechtssachen T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94, T-314/94, T-315/94,T-316/94, T-318/94, T-325/94, T-328/94, T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij NV, Elf Atochem SA, BASF AG, Shell International Chemical Company Ltd, DSM NV und DSM Kunststoffen BV, Wacker-Chemie GmbH, Hoechst AG, Société artésienne de vinyle, Montedison SpA, Imperial Chemical Industries plc, Hüls AG sowie Enichem SpA gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften, eingelegt am 24. Juni 1999

4.12.1999              DE                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      C 352/9
            BESCHLUSS DES GERICHTSHOFES                                Europäischen Gemeinschaften (Bevollmächtigter: Richard Lyal)
                                                                       betreffend ein Rechtsmittel gegen den Beschluß des Gerichts
                         vom 2. Juli 1999                              erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Dritte Kam-
                                                                       mer) vom 16. März 1998 in der Rechtssache T-235/95
in der Rechtssache C-158/99 (Vorabentscheidungsersu-                   (Goldstein/Kommission, nicht in der amtlichen Sammlung
chen des Tribunal Tributário de Primeira Instância Faro):             veröffentlicht) wegen Aufhebung dieses Beschlusses hat der
Corticeira Amorium — Algarve, Lda., gegen Fazenda                      Gerichtshof (Vierte Kammer) unter Mitwirkung des Kam-
                             Pública (1)                              merpräsidenten P.J.G. Kapteyn sowie der Richter J.L. Murray
                                                                       (Berichterstatter) und H. Ragnemalm — Generalanwalt: J. Mi-
                                                                       scho, Kanzler: R. Grass — am 8. Juli 1999 einen Beschluß mit
                         (Unzulässigkeit)                              folgendem Tenor erlassen:
                         (1999/C 352/17)                               1. Das Rechtsmittel wird zurückgewiesen.
                                                                       2. Der Rechtsmittelführer trägt die Kosten.
                 (Verfahrenssprache: Portugiesisch)
                                                                       (1) ABl. C 234 vom 25.7.1998, S. 18.
In der Rechtssache C-158/99 betreffend ein dem Gerichtshof
nach Artikel 234 EG (früher Artikel 177 EG-Vertrag) vom
Tribunal Tributário de Primeira Instância Faro (Portugal) in
dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit Corticeira Amorim
— Algarve, Lda., gegen Fazenda Pública vorgelegtes Ersuchen
um Vorabentscheidung über die Auslegung der Richtlinie
69/335/EWG des Rates vom 17. Juli 1969 betreffend die                  Rechtsmittel der Limburgse Vinyl Maatschappij NV gegen
indirekten Steuern auf die Ansammlung von Kapital (ABl. 249,           das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen
S. 25) in der Fassung der Richtlinie 85/303/EWG des Rates              Gemeinschaften (Dritte erweiterte Kammer) vom
vom 10. Juni 1985 (ABl. L 156, S. 23) hat der Gerichtshof              20. April 1999 in den verbundenen Rechtssachen
unter Mitwirkung des Präsidenten G.C. Rodrı́guez Iglesias, der         T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94, T-314/94,
Kammerpräsidenten P.J.G. Kapteyn, J.-P. Puissochet, G. Hirsch          T-315/94, T-316/94, T-318/94, T-325/94, T-328/94,
und P. Jann sowie der Richter J. C. Moitinho de Almeida,               T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij
C. Gulmann, J.L. Murray, D.A.O. Edward, H. Ragnemalm (Be-              NV, Elf Atochem SA, BASF AG, Shell International
richterstatter), L. Sevón, M. Wathelet und R. Schintgen —             Chemical Company Ltd, DSM NV und DSM Kunststoffen
Generalanwalt: G. Gosmas, Kanzler: R. Grass — am 2. Juli               BV, Wacker-Chemie GmbH, Hoechst AG, Société artésien-
1999 einen Beschluß mit folgendem Tenor erlassen:                      ne de vinyle, Montedison SpA, Imperial Chemical In-
                                                                       dustries plc, Hüls AG sowie Enichem SpA gegen Kommis-
Das vom Tribunal Tributário de Primeira Instância Faro vorgelegte     sion der Europäischen Gemeinschaften, eingelegt am
Ersuchen um Vorabentscheidung ist unzulässig.                                                   24. Juni 1999
(1) ABl. C 188 vom 3.7.1999, S. 22.                                                       (Rechtssache C-238/99 P)
                                                                                              (1999/C 352/19)
                                                                       Die Limburgse Vinyl Maatschappij NV hat am 24. Juni 1999
                                                                       ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Gerichts erster Instanz
                                                                       der Europäischen Gemeinschaften (Dritte erweiterte Kammer)
            BESCHLUSS DES GERICHTSHOFES                                vom 20. April 1999 in den verbundenen Rechtssachen
                                                                       T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94, T-314/94,
                        (Vierte Kammer)                                T-315/94, T-316/94, T-318/94, T-325/94, T-328/94,
                                                                       T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij NV,
                         vom 8. Juli 1999                              Elf Atochem SA, BASF AG, Shell International Chemical
                                                                       Company Ltd, DSM NV und DSM Kunststoffen BV, Wacker-
                                                                       Chemie GmbH, Hoechst AG, Société artésienne de vinyle,
in der Rechtssache C-199/98 P, Anthony Goldstein gegen                 Montedison SpA, Imperial Chemical Industries plc, Hüls AG
     Kommission der Europäischen Gemeinschaften (1)                    sowie Enichem SpA gegen Kommission der Europäischen
                                                                       Gemeinschaften, eingelegt. Prozeßbevollmächtigter der Rechts-
(Rechtsmittel — Klage, die offensichtlich unzulässig und               mittelführerin ist Rechtsanwalt I. G. F. Cath, zugelassen beim
                 offensichtlich unbegründet ist)                       Hoge Raad der Nederlanden; Zustellungsanschrift: Kanzlei
                                                                       des Rechtsanwalts L. Dupong, 4-6, rue de la Boucherie,
                         (1999/C 352/18)                               Luxemburg.
                                                                       Die Rechtsmittelführerin beantragt,
                    (Verfahrenssprache: Englisch)
                                                                       1. das mit dem Rechtsmittel angefochtene Urteil des Gerichts
In der Rechtssache C-199/98 P, Anthony Goldstein, wohnhaft                 erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Dritte
in Harrow (Vereinigtes Königreich) (Prozeßbevollmächtiger:                 erweiterte Kammer) vom 20. April 1999 ganz oder teilwei-
Solicitor Raymond St John Murphy, Merriman White, 3, King’s                se aufzuheben und den Rechtsstreit endgültig zu entschei-
Bench Walk, Inner Temple, London), gegen Kommission der                    den,
 ---pagebreak--- C 352/10              DE                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  4.12.1999
2. hilfsweise das mit dem Rechtsmittel angefochtene Urteil           — Zeitablauf (angemessene Frist): Die Rechtsmittelführerin
    ganz oder teilweise aufzuheben und die Sache an das                 habe ausführlich — sogar durch den speziellen Klagegrund
    Gericht zurückzuverweisen,                                          IV in der Klageschrift — dargelegt, warum Artikel 6
                                                                        EMRK als solcher auf das Wettbewerbsverfahren der
3. die angefochtenen Entscheidung der Kommission vom                    Gemeinschaft anwendbar sei. Indem es (ohne Begründung)
    27. Juli 1994 ganz oder teilweise aufzuheben bzw. für               nicht auf dieses wesentliche Argument eingegangen sei,
    nichtig zu erklären,                                                habe das Gericht gegen Artikel 6 EMRK verstoßen. Zu
                                                                        Unrecht habe das Gericht in Randnummer 123 des
4. die gegen die Rechtsmittelführerin mit Entscheidung der              agefochtenen Urteils entschieden, daß der Zeitraum, in
    Kommission vom 27. Juli 1994 verhängte Geldbuße                     dem die Entscheidung von 1988 Gegenstand des Verfah-
    aufzuheben oder herabzusetzen,                                      rens vor dem Gericht gewesen sei, bei der Bestimmung
                                                                        der Dauer des Verfahrens vor der Kommission nicht
                                                                        berücksichtigt werden könne. Bei der Berechnung der Frist
5. alle weiteren Maßnahmen zu erlassen, die der Gerichtshof             müsse ein Zeitraum zugrunde gelegt werden, der — nach
    für notwendig erachtet,                                             dem Urteil des Gerichts — im November 1983 beginne
                                                                        und nach der Rechtsprechung des EuGHMR zunächst
6. der Kommission als unterliegender Partei die Kosten beider           einmal mit dem Erlaß des angefochtenen Urteils, das
    Instanzen aufzuerlegen.                                             heißt am 20. April 1999, also nach einem Zeitraum von
                                                                        insgesamt 15 Jahren und fünf Monaten, ende. Dem sei
                                                                        noch die Dauer des vorliegenden Rechtsmittelverfahrens
Rechtsmittelgründe und wesentliche Argumente                            hinzuzurechnen. Selbst wenn das Urteil des Gerichtshofes
                                                                        vom 15. Juni 1994 als Ende des Zeitraums angesehen
— Materiele Rechtskraft von Urteilen: Die Rechtsprechung                würde, der im November 1983 begonnen habe, mit dem
    des Gerichtshofes, die — sozusagen — bestimmte, bereits             Datum der Entscheidung der Kommission vom 27. Juli
    entschiedene Punkte „außerhalb der Diskussion“ stelle, da           1994 als Beginn der neuen Frist, so ergebe sich mit dem
    über diese Punkte abschließend entschieden worden sei               angefochtenen Urteil als vorläufigem Schlußpunkt (das
    oder dagegen kein Rechtsmittel eingelegt worden sei,                Rechtsmittelverfahren unberührt gelassen) ein Zeitraum
    könne nicht, wie das Gericht dies tue, mit der Begründung           von 4 Jahren und neun Monaten. Nach ständiger Recht-
    „auf den Kopf gestellt werden“, alle anderen Punkte, über           sprechung des EuGHMR dürfe die angemessene Frist im
    die noch nicht entschieden worden sei, blieben daher in der         Falle einer „strafrechtlichen Anklage“ zwei Jahre nicht
    Diskussion. Damit werde der Kommission ein „Freibrief“              überschreiten, es sei denn, es würden besondere Umstände
    verliehen, um nach jeder Nichtigerklärung einer (beschwe-           nachgewiesen. Dies bedeute, daß unaghängig davon, wie
    renden) Entscheidung solange eine neue Entscheidung zu              die Frist berechnet werde, diese in allen Fällen nicht die
    erlassen, bis die Entscheidung durch die (gemeinsame)               „Zweijahresregel“ des EuGHMR erfülle und somit jedenfalls
    Anstrengung von Klägern und Gemeinschaftsrichter „feh-              übermäßig gewesen sei. Indem das Gericht dies (ohne
    lerlos“ geworden sei. Das gemeinschaftliche Wettbewerbs-            Angabe von Gründen) unberücksichtigt gelassen habe,
    verfahren, das zur Verhängung einer Geldbuße führe, sei             liege auch insoweit eine Rechtsverletzung durch das
    als „criminal charge“ (strafrechtliche Anklage) im Sinne            Gericht vor.
    von Artikel 6 Absatz 1 der Europäischen Konvention zum
    Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK)            — Ungültigkeit von Verfahrenshandlungen im Vorfeld der
    anzusehen. Wie sich aus dem Urteil vom 15. Juni 1994 (1)            Entscheidung
    ergebe, sei es der Kommission bis in die höchste Instanz
    nicht gelungen, die Begründetheit der von ihr betriebenen        — Art und Weise des Erlasses der Entscheidung vom 27. Juli
    „strafrechtlichen Anklage“ nachzuweisen. Damit sei über             1994
    diese „strafrechtlige Anklage“ abschließend entschieden,
    ungeachtet der Gründe, aus denen die betriebene „straf-             — Wahrung der Rechte der Verteidigung: Vor dem Erlaß
    rechtliche Anklage“ als unbegründet angesehen worden                    der Entscheidung vom 27. Juli 1994 im Anschluß an
    sei. Im Urteil vom 15. Juni 1994 habe der Gerichtshof                   die Nichtigerklärung der Entscheidung vom 22. De-
    die Sache nicht zur Heilung des „Formfehlers“ an die                    zember 1988 sei den Unternehmen keine Gelegenheit
    Kommission zurückverwiesen. Im Gegenteil habe der                       gegeben worden, sich hiergegen zur Wehr zu setzen:
    Gerichtshof dadurch, daß er die Sache durch Nichtigerklä-               Den Betroffenen sei weder im Zusammenhang mit
    rung der Entscheidung und Verurteilung der Kommission                   dem Vorhaben des Erlasses dieser Entscheidung als
    in die Kosten beider Instanzen selbst entschieden habe,                 solcher noch im Hinblick auf hiergegen eventuell zu
    nicht nur deutlich gemacht, daß er die Sache als abschließend           erhebende Beschwerden von der Kommission Gelegen-
    entschieden ansehe, sondern zugleich die Möglichkeit von                heit gegeben worden, sich zu äußern. Damit habe die
    Schadensersatz ausdrücklich ausgeschlossen.                             Kommission die Verteidigungsrechte der Unternehmen
                                                                            verletzt. Der Grundsatz der Wahrung des rechtlichen
— Ne bis in idem: Das Urteil des Gerichts sei ungerecht                     Gehörs lasse sich gewiß nicht durch die äußerst
    und stehe im Widerspruch zum Kerngedanken dieses                        beschränkte Bedeutung einschränken, die das Gericht
    Grundsatzes, der nicht nur den Angeklagten vor doppelter                ihm gebe, nämlich daß die Kommission zwecks Wah-
    Verfolgung und Bestrafung im Zusammenhang mit Strafta-                  rung dieser Rechte nicht „zu mehr verpflichtet“ sei,
    ten, in bezug auf die in höchster (gerichtlicher) Instanz               als diesen Unternehmen im Laufe des Verfahrens
    festgestellt werde, daß hierfür kein Beweis erbracht worden             Gelegenheit zu geben, „zum Vorliegen und zur Er-
    sei, schützen wolle, sondern ihn auch vor dem bloßen                    heblichkeit der behaupteten Tatsachen und Umstände
    Faktum einer doppelten Verfolgung und Bestrafung                        sowie zu den von der Kommission für ihre Behauptung
    schützen wolle, ungeachtet der Gründe, aus denen das                    einer Verletzung des Gemeinschafsrechts herangezoge-
    erste Verfahren nicht zu einer „Verurteilung“ geführt habe.             nen Unterlagen gebührend Stellung zu nehmen“. Die
 ---pagebreak--- 4.12.1999             DE                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    C 352/11
       Antragstellerin und die anderen Unternehmen hätten                beschwerenden Maßnahmen führen könne, ihrer vollstän-
       eine große Zahl von Punkten benannt, zu denen sie                 digen Wirkung beraubt. Die Möglichkeit einer nachträgli-
       vor Erlaß der Entscheidung vom 27. Juli 1994 Stellung             chen Heilung mache dieses Verteidigungsrecht großenteils
       nehmen hätten wollen und können müssen. Unrichtig                 illusorisch.
       sei auch die Feststellung in Randnr. 252 des angefoch-
       tenen Urteils, daß die Entscheidung von 1994 gegen-          — Verjährung: Daß in der Auflistung in Artikel 2 Absatz 1
       über der von 1988 keinen neuen Beschwerdepunkt                    der Verordnung Nr. 2988/74 die Entscheidung, durch die
       enthalte.                                                         eine Geldbuße verhängt werde, nicht genannt sei, sei kein
                                                                         Zufall oder eine Unterlassung, sondern entspreche dem
       Das richtige, durch die Rechtsprechung des Gerichtsho-            System der Verordnung Nr. 2988/74 und sei insofern
       fes vorgeschriebene Verfahren in einer Situation wie              Ausdruck der ausdrücklichen Zielsetzung des Gemein-
       derjenigen, die dem Erlaß der Entscheidung von 1994               schaftsgesetzgebers. Da durch die Klage der Unternehmen,
       vorausgegangen sei, sei deshalb, das Verfahren „unter             darunter der Rechtsmittelführerin, gegen die Entscheidung
       Beachtung der Zuständigkeits- und Verfahrensregeln“               vom 21. Dezember 1988 kein Ruhen der Verjährung des
       wiederaufzunehmen (und unter anderem „den Beteilig-               Verfolgungsrechts der Kommission eingetreten sei, bedeute
       ten eine Frist zur Äußerung zu setzen“) und hierbei „alle        dies, daß nach der letzten in Artikel 2 Absatz 1 der
       einschlägigen Umstände gegebenenfalls einschließlich              Verordnung Nr. 2988/74 genannten Handlung, d. h. der
       des bereits in einer vorhergehenden Entscheidung                  Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 5. April 1988,
       beurteilten Zusammenhangs“ zu prüfen.                             die Unterbrechung der Verjährung am 5. April 1993
                                                                         abgelaufen sei. Der Ablauf dieser Frist habe nicht geruht,
                                                                         so daß die Kommission am 27. Juli 1994 nicht mehr
   — Anhörung des Berantenden Ausschusses: Das Gericht                   berechtigt gewesen sei, eine Entscheidung zu erlassen,
       vertrete zu Unrecht die Auffassung, vor Erlaß der                 durch die (wiederum) eine Geldbuße verhängt werde.
       Entscheidung vom 27. Juli 1994 habe keine Verpflich-              Dieser „systemkonformen“ Auslegung der Artikel 1 bis 3
       tung bestanden, den Beratenden Ausschuß erneut                    der Verordnung Nr. 2988/74 habe das Gericht eine
       anzuhören. Die Pflicht zur Anhörung des Beratenden                Begründung entgegengestellt, die nicht nur unrichtig,
       Ausschusses ergebe sich aus Artikel 10 der Verordnung             sondern sogar unverständlich sei.
       Nr. 17 des Rates und habe ihre Grundlage in den
       Artikeln 87 bis 89 (namentlich Artikel 89) des Vertra-
       ges. Die Verpflichtung sei im Lichte dieser höherrangigen    (1) Rechtssache C-137/92 P, Slg. 1994, I-2555.
       und nicht, wie das Gericht meine, im Lichte einer            (2) EuGHMR, Urteil vom 17. Dezember 1996, Nr. 43/1994/490/572,
       niedrigerrangigen Regelung, der Verordnung Nr. 99/63             Randnr. 74.
       der Kommission, auszulegen.
— Unzureichende Begründung
— Schutz gegen Selbstbeschuldigung: Zu Unrecht sei das
   Gericht der Auffassung, die „Anerkennung“ eines Rechts
                                                                    Rechtsmittel der DSM NV und der DSM Kunststoffen
   auf uneingeschränkte Aussageverweigerung, das die Kläge-
                                                                    BV gegen das Urteil des Gerichts erster Instanz der
   rin geltend mache, ginge über das hinaus, was für die
                                                                    Europäischen Gemeinschaften (Dritte erweiterte Kam-
   Wahrung der Rechte der Verteidigung erforderlich sei, und
                                                                    mer) vom 20. April 1999 in den verbundenen Rechtssa-
   würde die Kommission bei der Erfüllung ihrer Aufgabe
                                                                    chen T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94, T-314/94,
   behindern. Nach artikel 6 EMRK in der Auslegung durch
                                                                    T-315/94, T-316/94, T-318/94, T-325/94, T-328/94,
   den EuGHMR im Urteil Saunders (2) könne dem (öffentli-
                                                                    T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij
   chen) „Ermittlungsinteresse“ keine Rechtfertigung für eine
                                                                    NV, Elf Atochem SA, BASF AG, Shell International
   Beschränkung des Aussageverweigerungsrechts entnom-
                                                                    Chemical Company Ltd, DSM NV und DSM Kunststoffen
   men werden. Irrelevant und der Rechtsprechung des
                                                                    BV, Wacker-Chemie GmbH, Hoechst AG, Société artésien-
   Gerichtshofes (und des EuGHMR) zuwiderlaufend sei ferner
                                                                    ne de vinyle, Montedison SpA, Imperial Chemical In-
   die weitere Begründung in Randnr. 448 des angefochtenen
                                                                    dustries plc, Hüls AG sowie Enichem SpA gegen Kommis-
   Urteils, daß die Unternehmen Gelegenheit hätten, sich
                                                                    sion der Europäischen Gemeinschaften, eingelegt am
   zu den Schriftstücken, die unter Verstoß gegen diesen
                                                                                             28. Juni 1999
   Grundsatz vorgelegt worden seien, bzw. zu in Widerspruch
   hierzu abgegebenen Erklärungen zu äußern. Damit sei der
   Schaden, vor dem dieser Grundsatz schützen solle, bereits                           (Rechtssache C-244/99 P)
   eingetreten.
                                                                                           (1999/C 352/20)
— Akteneinsicht: Artikel 6 EMRK gewähre dem „Angeklagten“
   ein Recht auf „gleichen Zugang“ zu den Akten. Diese              Die DSM NV und die DSM Kunststoffe BV haben am 28. Juni
   Garantie der Verteidigungsrechte auf gleichgestellten Zu-        1999 ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Gerichts erster
   gang könne nur Bedeutung haben, wenn die bloße Feststel-         Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Dritte erweiterte
   lung, daß die Kommission keine vollständige Akteneinsicht        Kammer) vom 20. April 1999 in den verbundenen Rechtssa-
   gewährt habe, zur Nichtigerklärung führe. Dadurch, daß in        chen T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94, T-314/94,
   diesem Zusammenhang zusätzlich die Feststellung verlangt         T-315/94, T-316/94, T-318/94, T-325/94, T-328/94,
   werde, daß die unterbliebene Offenlegung den Verfahrens-         T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij NV,
   ablauf und den Inhalt der Entscheidung zu Ungunsten der          Elf Atochem SA, BASF AG, Shell International Chemical
   Klägerin habe beeinflussen können, werde die Wahrung             Company Ltd, DSM NV und DSM Kunststoffen BV, Wacker-
   der Verteidigungsrechte in jedem Verfahren, das zu einer         Chemie GmbH, Hoechst AG, Société artésienne de vinyle,