CELEX: 51982PC0646
Language: de
Date: 1982-10-15
Title: VORSCHLAG FUER EINE RICHTLINIE DES RATES ZUM SCHUTZ DER ARBEITNEHMER VOR DER GEFAEHRDUNG DURCH CHEMISCHE, PHYSIKALISCHE UND BIOLOGISCHE AGENZIEN BEI DER ARBEIT: LAERM

5. 11.82                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                           Nr. C 289/1
                                                         II
                                             (Vorbereitende Rechtsakte)
                                            KOMMISSION
              Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zum Schutz der Arbeitnehmer vor der Gefährdung
                   durch chemische, physikalische und biologische Agenzien bei der Arbeit: Lärm
                          (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 18. Oktober 1982)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN                                     rialien, Arbeitsverfahren und -methoden einfacher
GEMEINSCHAFTEN —                                             und effizienter zu erreichen. Die Expositionsminde-
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europä-            rung muß vornehmlich an der Lärmquelle einset-
ischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf             zen.
Artikel 100,                                                 Lärm ist eines der Agenzien, auf das die Richtlinie
auf Vorschlag der Kommission, nach Anhörung des              80/1107/EWG des Rates vom 27. November 1980
Beratenden Ausschusses für Sicherheit, Arbeitshy-            zum Schutz der Arbeitnehmer vor der Gefährdung
giene und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz,                 durch chemische, physikalische und biologische
                                                             Agenzien bei der Arbeit (2) Anwendung findet. Arti-
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,              kel 3 und 4 dieser Richtlinie sehen die Möglichkeit
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-           der Festsetzung von Höchstwerten sowie anderer
schusses,                                                    spezieller Vorschriften für die betreffenden Agen-
                                                             zien vor.
in Erwägung nachstehender Gründe:
                                                             Einige technische Maßnahmen sollten näher be-
Die Entschließung des Rates vom 29. Juni 1978 über           stimmt und können aufgrund der Erfahrungen und
ein Aktionsprogramm der Europäischen Gemein-                 Fortschritte von Wissenschaft und Technik auf den
schaften für Sicherheit und Gesundheitsschutz am             neuesten Stand gebracht werden —
Arbeitsplatz (!) sieht die Schaffung spezieller verein-
heitlichter Verfahren zum Schutz der Arbeitnehmer
gegen Lärm vor. Die in diesem Bereich beschlosse-
nen Maßnahmen sind von Staat zu Staat unter-                 HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:
schiedlich. Es ist allgemein anerkannt, daß eine An-
näherung und Verbesserung der Bestimmungen                                          Artikel 1
dringend erforderlich ist.
                                                             (1) Unbeschadet der Bestimmungen der Richtlinie
An vielen Arbeitsplätzen ist ein hoher Lärmpegel             80/1107/EWG bezweckt die vorliegende Richtlinie
festzustellen. Gesundheit und Sicherheit zahlreicher         den Schutz der Arbeitnehmer vor Gefährdungen ih-
Arbeiter sind dadurch potentiell gefährdet.                  res Gehörs und ihrer Sicherheit einschließlich der
 Eine Verringerung der Lärmexposition soll insbe-            Prävention derartiger Risiken, denen sie durch
sondere der Gefahr eines lärmbedingten Gehörver-             Lärmexposition bei der Arbeit ausgesetzt sind oder
lustes entgegenwirken.                                       ausgesetzt sein können, durch die Festlegung von
                                                             Höchstwerten und anderer spezieller Vorschriften.
Wo Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer
durch den Lärmpegel am Arbeitsplatz gefährdet                (2) Die Befugnis der Mitgliedstaaten, Rechts- oder
werden, wird diese Gefahr — unbeschadet der gel-             Verwaltungsvorschriften zur Gewährleistung eines
tenden Bestimmungen über die zulässige Geräusch-             weitergehenden Schutzes der Arbeitnehmer und/
emission — durch eine Begrenzung der Lärmexposi-             oder zur Verringerung des Lärmpegels bei der Ar-
tion verringert.                                             beit durch vornehmlich an der Lärmquelle wirkende
                                                             Maßnahmen anzuwenden bzw. einzuführen, um
 Die Herabsetzung des Lärmpegels während der Ar-             Werte zu erzielen, die für die Arbeitnehmer weder
beit ist durch die Anwendung von Präventivmaß-               eine Gefahr noch eine Belästigung darstellen, wird
nahmen bereits bei der Planung von Anlagen sowie             durch diese Richtlinie nicht berührt.
durch die Wahl von weniger lärmintensiven Mate-
(') ABl. Nr. C 165 vom 11.7. 1978, S. 1.                     (2) ABl. Nr. L 327 vom 3. 12. 1980, S. 8.
 ---pagebreak--- Nr. C 289/2                                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            5. 11. 82
                               Artikel 2                                                      Artikel 3
Im Sinne der vorliegenden Richtlinie bedeuten die fol-                 Diese Richtlinie ist anwendbar auf alle Arbeitneh-
genden Ausdrücke:                                                      mer, deren Lärmexposition bei der Arbeit die in
                                                                       Artikel 4 festgelegten Grenzwerte ohne Berücksichti-
Lärmexpositionspegel L E X > T:                                        gung der etwaigen Verwendung von persönlichen
                                                                       Gehörschutzmitteln überschreiten kann.
Der Lärmexpositionspegel während einer Zeit T wird in
dB(A) durch folgende Gleichung ausgedrückt:
                                                                                              Artikel 4
                                    J>l(t)dt
              L E X , T = 10 log IO
                                           E0                          (1) Der Spitzenwert des Schalldrucks, der während
Dabei ist:                                                             der Arbeit auf das Ohr einwirkt, darf den Höchst-
E0      = 1,152 x l ( T 5 P a 2 S ,                                    wert P = 200 Pa (140 dB bezogen auf 20 \L Pa) nicht
                                                                       überschreiten.
T       = Meßdauer in Sekunden,
                                                                       (2) Der tägliche Lärmexpositionspegel, dem das
P A (t) = momentaner Wert des A-bewerteten                             Ohr eines Arbeitnehmers während der Arbeit ausge-
            Schalldrucks in Pa.                                        setzt ist, darf den Höchstwert von LEX,<I = 85 dB(A)
                                                                       nicht überschreiten.
Der tägliche Lärmexpositionspegel LEX,d ergibt sich, in-
dem die Dauer der Exposition T in der allgemeinen                      Ist jedoch die Einhaltung dieses Höchstwertes ab
Gleichung gleich der effektiven täglichen Arbeitsdauer                 dem Datum, zu dem die in dieser Richtlinie vorgese-
gesetzt wird.                                                          henen Maßnahmen angewendet werden müssen,
                                                                       nicht zumutbar, so kann der Höchstwert während
                                                                       einer Übergangszeit von höchstens fünf Jahren ab
Der wöchentliche Mittelwert der täglichen Lärmexposi-                  diesem Datum ausnahmsweise bei LEX,d = 90
tionspegel ist                                                         dB(A) liegen.
                                     M
                                            | Q 0 , 1 LEX,k
           LEx,w= 10 log 0,2 2                                         Die zuständige Behörde des Mitgliedstaats berück-
                                    k= 1
                                                                       sichtigt bei der Genehmigung dieser Ausnahme die
Dabei sind LEx,k die Werte des täglichen Lärmexposi-                   bei der Planung und Errichtung der betreffenden
tionspegels für jeden der M Arbeitstage der betreffen-                 Anlage getroffenen Präventivmaßnahmen.
den Woche.
                                                                       (3) Bei den in den Absätzen 1 und 2 genannten
                                                                       Höchstwerten werden die gemäß Artikel 6 getroffe-
A-bewerteter äquivalenter Dauerschalldruckpegel,                       nen Maßnahmen berücksichtigt.
Der A-bewertete äquivalente Dauerschalldruckpegel
während eines Zeitraums T ist durch die Gleichung                                             Artikels
                                          T
          LAeq.T = 10 logi(
                                    1 f [PA(t)                  dt      (1) Bewertung und Messung des Lärms werden un-
                                                                       ter der Verantwortung des Arbeitgebers program-
 in dB(A) gegeben.                                                      miert und durchgeführt, um die in Artikel 3 bezeich-
                                                                        neten Arbeitnehmer festzustellen und zu prüfen, ob
 Dabei sind:                                                            die in Artikel 4 festgesetzten Höchstwerte — unter
                                                                        Berücksichtigung der Schwankungen und Ungenau-
 P 0 = Referenzschalldruck von 20 (x Pa,
                                                                        igkeiten — nicht überschritten worden sind.
 T = Meßdauer in Sekunden.
                                                                        Die verwendete Meßeinrichtung muß den am Ar-
 Das Verhältnis des Lärmexpositionspegels zum A-be-                     beitsplatz herrschenden Verhältnissen angepaßt
 werteten äquivalenten Dauerschalldruckpegel ist gege-                  sein.
 ben durch                                    m                         (2) Die Referenzmethode für die Lärmmessung ist
             LEx,i = LAeq,i + 10 logio —                                in Anlage 1 beschrieben. Ihre technischen Spezifika-
                                                                        tionen können nach dem in Artikel 15 vorgesehenen
                                     • N
                                               1 Q 0 , 1 L EX j         Verfahren ergänzt oder dem technischen Fortschritt
              L E X ,T = 10 log 10
                                      i= 1                              angepaßt werden. Es können auch andere Verfah-
                                                                        ren, insbesondere ortsgebundene Methoden ange-
 Dabei sind:                                                            wandt werden, vorausgesetzt, daß sich mit ihrer
       LAeq,i: Wert von L Aeq im Zeitraum Ti5                           Hilfe jeweils bestimmen läßt, ob die Höchstwerte
        LEx,i '• Wert von L EX im Zeitraum Ti,                          nicht überschritten werden.
        N
  T = 2 T;: Gesamtdauer der Exposition,
       i= l                                                                                    Artikel 6
            N : Gesamtzahl der Zeiträume,
            T 0 : Referenzdauer von 28,8 x 103 s                        (1) Die Lärmexposition der in Artikel 3 bezeichne-
                     (8 Stunden).                                       ten Arbeitnehmer muß ständig durch technische
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 oder arbeitsorganisatorische Maßnahmen so weit             — eine audiometrische Kontrolluntersuchung in-
 gesenkt werden, wie dies in zumutbarer Weise mög-              nerhalb einer zur Feststellung einer besonderen
 lich ist.                                                      Lärmempfindlichkeit geeigneten Frist;
 (2) Unbeschadet der Vorschrift des Absatzes 1 wer-         — regelmäßige audiometrische Untersuchungen im
 den persönliche Gehörschutzmittel eingesetzt, wenn             Abstand von höchstens drei Jahren.
 die in Artikel 4 festgesetzten Höchstwerte durch die       (3) Die Referenzmethode für die audiometrische
 Anwendung dieser Vorschrift nicht eingehalten wer-         Untersuchung ist in Anlage 2 beschrieben. Ihre Spe-
 den können.                                                zifikationen können gemäß dem in Artikel 15 vorge-
 (3) Haben der Lärm bei der Arbeit und/oder die             sehenen Verfahren ergänzt und dem technischen
 Anwendung der Absätze 1 und 2 ein Unfallrisiko             Fortschritt angepaßt werden.
 zur Folge, so muß dieses unbeschadet des Artikels 4        Andere Verfahren können unter der Voraussetzung
 durch geeignete Maßnahmen so weit verringert wer-          angewandt werden, daß die in Absatz 1 genannten
 den, wie dies in zumutbarer Weise möglich ist.             Grundsätze beachtet werden.
                                                            (4) Jedem Arbeitnehmer müssen die Ergebnisse
                                                            der Untersuchungen, denen er sich aufgrund dieser
                        Artikel 7                           Richtlinie unterziehen mußte, sowie deren Auswer-
                                                           tung zugänglich sein.
 Der Arbeitgeber ist gehalten, in jedem Arbeitsbe-          (5) Hat der für die Gesundheitsüberwachung ver-
 reich, in dem ein Expositionsrisiko gemäß Artikel 3        antwortliche Arzt Anlaß zu der Vermutung, daß
 besteht, geeignete Kennzeichnungen vorzunehmen            während der Arbeit Risiken für das Gehör bestehen,
 oder entsprechende Informationsmaßnahmen in               so setzt er den Arbeitgeber nach den einzelstaatli-
 Übereinstimmung mit den geltenden Bestimmungen            chen Rechtsvorschriften oder Praktiken davon in
zu ergreifen.                                               Kenntnis und wirkt bei der Festlegung von Maßnah-
                                                           men zur Risikominderung mit.
                        Artikel 8                          (6) Stellt der Arzt fest, daß ein Arbeitnehmer nur
                                                           unter bestimmten Bedingungen der Lärmexposition
 (1) Werden persönliche Gehörschutzmittel ver-             medizinisch unbeschränkt arbeitstauglich ist, muß
 wendet, so müssen diese den Arbeitsbedingungen            der Arbeitgeber dies berücksichtigen.
 angepaßt sein und insbesondere eine ausreichende          Jeder Arbeitnehmer, der aufgrund der vorliegenden
 Schalldämpfung zur Einhaltung der in Artikel 4 fest-       Bestimmungen und gemäß den einzelstaatlichen
 gesetzten Höchstwerte bewirken. Sie müssen in aus-         Rechtsvorschriften und Praktiken von seinem Ar-
 reichender Zahl vom Arbeitgeber bereitgestellt wer-       beitsplatz entfernt wird, muß im Rahmen des Mögli-
 den, der die Wahl des Modells soweit möglich dem          chen in einen anderen Arbeitsplatz eingewiesen wer-
 betreffenden Arbeitnehmer überläßt.                       den.
 (2) Das Tragen der in Absatz 1 bezeichneten Ge-           (7) Die betreffenden Arbeitnehmer sowie ihr Ar-
 hörschutzmittel darf nicht zu einer Erhöhung des          beitgeber können verlangen, daß eine zuständige
 Gesundheits- und Sicherheitsrisikos des betreffen-        Stelle die in Absatz 6 erwähnte Beurteilung des Ge-
 den Arbeitnehmers führen.                                 sundheitszustands überprüft.
                        Artikel 9                                                Artikel 10
(1) Arbeitnehmer, für die gemäß Artikel 6 Absatz 2         (1) In den Unternehmen, die die in Artikel 3 be-
persönliche Gehörschutzmittel verwendet werden,            zeichneten Arbeitnehmer beschäftigen, legt der Ar-
unterliegen einer Gesundheitsüberwachung. Diese            beitgeber eine Kartei an, in der:
Überwachung umfaßt eine audiometrische Kon-                — die gemäß Artikel 5 gewonnenen Informatio-
trolle und ist Teil der allgemeinen Gesundheitsüber-            nen,
wachung, sofern eine solche besteht; sie wird nach
den üblichen arbeitsmedizinischen Grundsätzen              — die gemäß Artikel 6 ergriffenen Maßnahmen
durchgeführt, um frühzeitig eine lärmbedingte Ver-              und
minderung der Hörfähigkeit festzustellen und das           — die ihm gemäß Artikel 9 mitgeteilten Ergebnisse
Empfindungsvermögen des Ohres zu erhalten.                 eingetragen werden.
(2) Die audiometrische Kontrolle umfaßt:                   (2) Die Arbeitnehmer und/oder, soweit vorhan-
— eine audiometrische Erstuntersuchung, sobald             den, ihre in den Unternehmen oder Betrieben täti-
    Absatz 1 Anwendung findet, außer wenn der be-          gen Vertreter erhalten Zugang zu diesen Daten.
    treffende Arbeitnehmer bereits einer audiometri-       (3) Die persönliche Gesundheitskartei jedes in Ar-
    schen Überwachung unterliegt, die dann weiter-         tikel 9 genannten Arbeitnehmers enthält die ihn be-
    geführt wird;                                          treffenden oder in Absatz 1 aufgefahren Daten.
 ---pagebreak--- Nr. C 289/4                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            5, 11. 82
                      Artikel 11                         nem Arbeitstag zum anderen bedingen, können die
                                                         Mitgliedstaaten Ausnahmen von Artikel 4 Absatz 2
Die in Artikel 3 bezeichneten Arbeitnehmer müssen        zulassen, vorausgesetzt, daß der wöchentliche
— über die durch die Lärmexposition bedingten ge-        Durchschnittswert der täglichen Lärmexpositions-
    sundheitlichen Risiken,                              pegel den in diesem Artikel festgelegten Höchstwert
— die gemäß Artikel 6 durchgeführten Maßnahmen           nicht überschreitet.
    und                                                  (2) Außerdem können die Mitgliedstaaten Aus-
— die Bedeutung der Einhaltung der technischen           nahmen von Artikel 4 vorsehen, wenn die Anwen-
    Vorschriften und Verhaltensmaßregeln                 dung der Bestimmungen von Artikel 6 Absatz 2 zu
belehrt werden und hierzu eine geeignete Unterwei-       einer Erhöhung des gesamten — nicht nur des auf
sung erhalten.                                           die Hörfähigkeit beschränkten — Risikos für die
                                                         Gesundheit und/oder Sicherheit der betreffenden
                                                         Arbeitnehmer führt.
                      Artikel 12                         Für jede dieser Ausnahmen wird festgelegt, mit wel-
                                                         chen Maßnahmen im Einzelfall das Gesamtrisiko
(1) Der Arbeitgeber muß sich bei der Einrichtung         möglichst gering gehalten und insbesondere die in
neuer Tätigkeiten oder neuer Arbeitsorte oder bei        Artikel 9 vorgesehene Gesundheitsüberwachung ver-
der Neugestaltung von bestehenden Tätigkeiten            stärkt werden kann. Jede der Ausnahmen wird in
oder Arbeitsorten vergewissern, daß die Planer,          regelmäßigen Abständen überprüft und, sobald dies
Hersteller und/oder Ausführenden die Bestimmun-          zumutbar ist, aufgehoben.
gen von Artikel 6 Absatz 1 einhalten.
                                                         Die Mitgliedstaaten führen ein Verzeichnis der auf-
(2) Wenn die sachgemäße Benutzung bzw. Bedie-            grund dieses Absatzes genehmigten Ausnahmen;
nung eines Gerätes (Werkzeug, Maschine, Appara-          eine Zusammenfassung dieser Informationen wird
tur usw.), das bei der Arbeit eingesetzt werden soll,    der Kommission jedes Jahr übermittelt.
eine Überschreitung der in Artikel 4 festgelegten
Höchstwerte zur Folge haben kann, muß der Kon-
strukteur, Hersteller, Importeur oder Lieferant die-
ses Gerätes die erforderlichen Maßnahmen ergrei-                               Artikel 15
fen, um sachdienliche Informationen über diese Ex-
position sowie über die Maßnahmen zu ihrer Verrin-       (1) Die nötigen Vorschriften zu den in den Anla-
gerung zu erhalten und zur Verfügung zu stellen.         gen 1 und 2 genannten technischen Maßnahmen
                                                         sowie deren Anpassung an den technischen Fort-
Bei der Beurteilung der sachgemäßen Benutzung
                                                         schritt werden von dem in Artikel 9 der Richtlinie
oder Bedienung im Sinne dieses Absatzes wird die
                                                         80/1107/EWG genannten Ausschuß gemäß den in
mögliche Verwendung von persönlichen Gehör-              Artikel 10 dieser Richtlinie genannten Verfahren be-
schutzmitteln nicht berücksichtigt.                      schlossen.
                                                         (2) Die Anwendung des Absatzes 1 darf jedoch
                      Artikel 13                         keine Änderung der Bedeutung der Höchstwerte zur
                                                         Folge haben.
Die aufgrund dieser Richtlinie ergriffenen Maßnah-
men richten sich nach dem Gefährdungsgrad; sie
werden vom Arbeitgeber nach Anhörung der Arbeit-                               Artikel 16
nehmer und/oder, soweit vorhanden, ihrer in den
Unternehmen oder Betrieben tätigen Vertreter, die        (1) Die Mitgliedstaaten setzen die erforderlichen
sich von ihrer Durchführung überzeugen oder daran        Rechts- und Verwaltungsvorschriften in Kraft, um
beteiligt werden können, festgelegt und angewen-         dieser Richtlinie bis spätestens 31. Dezember 1984
det.                                                     nachzukommen, und setzen die Kommission unmit-
                                                         telbar davon in Kenntnis.
Die mit der Durchführung beauftragten Personen
müssen eine geeignete Sachkenntnis besitzen, und         (2) Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission fer-
die Arbeitnehmer sind gehalten, mit den Arbeitge-        ner den Wortlaut der nationalen Rechtsvorschriften
bern bei der Durchführung der Maßnahmen zusam-           mit, die sie auf dem von der Richtlinie erfaßten
menzuarbeiten.                                           Gebiet erlassen.
                      Artikel 14                                               Artikel 17
(1) Wo die Gegebenheiten des Arbeitsplatzes eine          Diese Richtlinie ist an alle Mitgliedstaaten gerich-
erhebliche Schwankung der Lärmexposition von ei-         tet.
 ---pagebreak--- 5. 11. 82                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. C 289/5
                                                       ANLAGE 1
                                         Referenzverfahren für die Lärmmessung
           Bei Anwendung dieses Referenzverfahrens muß die Lärmmessung wie folgt durchgeführt wer-
          den.
                                                  1.   Meßeinrichtungen
           Der tägliche Lärmexpositionspegel (LEX,d) oder der A-bewertete äquivalente Dauerschalldruck-
          pegel für eine Dauer von 8 Stunden (LAeq,8h) werden direkt mit einem Integrator gemessen, der
           während der gesamten effektiven Arbeitsdauer die Berücksichtigung der Schallenergie gewährlei-
           stet, der das Ohr der risikoexponierten Arbeitnehmer entsprechend der unter Artikel 2 gegebenen
           Definitionen ausgesetzt ist.
          Das Gerät muß zumindest den Normen der IEC-Publikation 651 Klasse 1 entsprechen, und der
          Dynamikbereich muß (um eine Überlagerung des Spitzenschalldrucks zu vermeiden) so groß
          sein, daß der momentane Schalldruck in angemessener Weise integriert wird; außerdem sollte
          das Gerät mit einer Überlagerungsanzeige ausgestattet sein.
          Der Höchstwert des momentanen Schalldrucks (Spitzenschalldruck) wird direkt mit Hilfe eines
          Gerätes (entsprechend der IEC-Publikation 651) gemessen, das mit einer Anzeigevorrichtung aus-
          gestattet ist, die den Spitzenwert dieses Schalldrucks oder seines Pegels, bezogen auf den Refe-
          renzschalldruck von 20 uPa, anzeigt; die Zeitkonstante beim Steigen dieses Instruments darf
          nicht mehr als 100 jxS betragen.
                                             2. Anbringung des Mikrofons
          Das Mikrofon wird, sofern dies möglich ist, an der Stelle des Kopfes des Arbeitnehmers ange-
          bracht.
          Muß das Meßgerät, oder das Mikrofon allein, an einer Person befestigt werden, so ist das Mikro-
          fon in einem Abstand von mindestens 10 cm an der Seite des Kopfes des Arbeitnehmers anzu-
          bringen, an der die stärkste Lärmexposition festgestellt wurde.
                                3. Lärmdämpfung durch persönliche Gehörschutzmittel
          Werden persönliche Gehörschutzmittel verwendet, so ist die ohne Berücksichtigung der Benut-
          zung von Gehörschutzmitteln bestimmte Lärmexposition (momentaner Schalldruck einerseits,
          tägliche Lärmexpositionspegel andererseits) um den entsprechenden Dämpfungsfaktor zu korri-
          gieren.
                                                      4.   Protokoll
          Im Protokoll sind sachdienliche Einzelheiten über die Meßmethode und -gerate einzutragen,
          sowie die während der Messung herrschenden Bedingungen; es muß außerdem eine Schätzung
          der Meßungenauigkeiten enthalten.
                                                       ANLAGE 2
                                  Referenzverfahren für die audiometrische Überwachung
          Bei Anwendung dieses Referenzverfahrens erfolgt die audiometrische Überwachung nach den
          Bestimmungen des Normentwurfs ISO DIS 6189.2-1981, die wie folgt ergänzt werden:
          Das Audiometer muß zumindest die Frequenzen 500, 1000, 2000, 3000, 4000, 6000 und 8000 Hz
          aufweisen.
          Der Umweltlärmpegel muß die Messung eines Schwellenhörpegels gleich 0 dB, bezogen auf die
          Norm ISO 389-1975, ermöglichen.
 ---pagebreak--- Nr. C 289/6                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              5. 11. 82
            Die Person darf 14 Stunden lang vor der audiometrischen Untersuchung keinem Schalldruckpe-
            gel von mehr als 80 dB(A) (ggf. unter Berücksichtigung der Verwendung von individuellen
            Gehörschutzmitteln) ausgesetzt gewesen sein.
            Der audiometrischen Untersuchung geht eine otoskopische Untersuchung voran; falls Ohren-
            schmalz den Gehörkanal verstopft, wird dieses entfernt und die audiometrische Überwachung
            erst nach einem angemessenen Zeitraum durchgeführt, den der verantwortliche Arzt der Gesund-
            heitsüberwachung bestimmt.