CELEX: 62005TO0195(01)
Language: de
Date: 2005-09-20 00:00:00
Title: Beschluss des Präsidenten des Gerichts Erster Instanz vom 20. September 2005.#Deloitte Business Advisory NV gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes - Gemeinschaftliches Ausschreibungsverfahren - Verlust einer Chance - Dringlichkeit - Interessenabwägung.#Rechtssache T-195/05 R.

Rechtssache T-195/05 R
      Deloitte Business Advisory NV
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes – Gemeinschaftliches Ausschreibungsverfahren – Verlust einer Chance – Dringlichkeit – Interessenabwägung“
      Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 20. September 2005 
      Leitsätze des Beschlusses
      1.     Vorläufiger Rechtsschutz – Aussetzung des Vollzugs – Voraussetzungen – Schwerer und nicht wieder gutzumachender Schaden –
            Entscheidung über den Ausschluss eines Bieters von einem Ausschreibungsverfahren – Beeinträchtigung seines Rufes – Nicht finanzieller
            Schaden, der nicht als nicht wieder gutzumachend betrachtet werden kann
      (Artikel 242 EG; Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 104 § 2)
      2.     Vorläufiger Rechtsschutz – Aussetzung des Vollzugs – Voraussetzungen – Schwerer und nicht wieder gutzumachender Schaden –
            Finanzieller Schaden – Schaden, der später durch Zahlung einer Entschädigung oder durch Erhebung einer Schadensersatzklage
            ausgeglichen werden kann – Schaden nicht als nicht wieder gutzumachend zu betrachten
      (Artikel 242 EG und 288 EG; Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 104 § 2)
      3.     Vorläufiger Rechtsschutz – Aussetzung des Vollzugs – Voraussetzungen – Schwerer und nicht wieder gutzumachender Schaden –
            Finanzieller Schaden – Bemessung – Berücksichtigung der Größe des Unternehmens
      (Artikel 242 EG und 288 EG; Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 104 § 2)
BESCHLUSS DES PRÄSIDENTEN DES GERICHTS
      20. September 2005(*)
      
      „Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes – Gemeinschaftliches Ausschreibungsverfahren – Verlust einer Chance – Dringlichkeit – Interessenabwägung“
      In der Rechtssache T‑195/05 R
      Deloitte Business Advisory NV mit Sitz in Brüssel (Belgien), vertreten durch D. Van Heuven, S. Ronse und S. Logie, avocats, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch L. Pignataro‑Nolin und E. Manhaeve als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      betreffend einen Antrag auf einstweilige Anordnung, erstens den Vollzug der Kommissionsentscheidung, mit der das Angebot der
         Antragstellerin im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens SANCO/2004/01/041 abgelehnt wurde, und den Vollzug der Entscheidung
         über die Vergabe des fraglichen Auftrags an einen Dritten auszusetzen und zweitens der Kommission unter Androhung eines Zwangsgeldes
         zu untersagen, die Entscheidung über die Vergabe des fraglichen Auftrags dem Auftragnehmer zuzustellen und den betreffenden
         Vertrag zu unterzeichnen, 
      
      erlässt
      DER PRÄSIDENT DES GERICHTS ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
      
      folgenden
      Beschluss
       Rechtlicher Rahmen
      1       Die Vergabe von Dienstleistungsaufträgen durch die Kommission unterliegt den Bestimmungen des Titels V des Ersten Teils der
         Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1605/2002 des Rates vom 25. Juni 2002 über die Haushaltsordnung für den Gesamthaushaltsplan der
         Europäischen Gemeinschaften (ABl. L 248, S. 1, im Folgenden: Haushaltsordnung) sowie den Bestimmungen der Verordnung (EG,
         Euratom) Nr. 2342/2002 der Kommission vom 23. Dezember 2002 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung Nr. 1605/2002 (ABl. L 357,
         S. 1, im Folgenden: Durchführungsbestimmungen).
      
      2       In Artikel 94 der Haushaltsordnung heißt es:
      „Von der Auftragsvergabe ausgeschlossen werden Bewerber oder Bieter, die im Zeitpunkt des Vergabeverfahrens
      a)      sich in einem Interessenkonflikt befinden …“
      3       Artikel 138 der Durchführungsbestimmungen bestimmt:
      „(1)      Für die Erteilung des Zuschlags bestehen zwei Möglichkeiten:
      a)      Bei der Vergabe im Preiswettbewerb erhält das unter allen ordnungsgemäßen und anforderungsgerechten Angeboten preisgünstigste
         Angebot den Zuschlag;
      
      b)      bei der Vergabe im Leistungswettbewerb erhält das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag.
      (2)      Das wirtschaftlich günstigste Angebot ist das Angebot mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, das anhand von Kriterien
         wie vorgeschlagener Preis, technischer Wert, Ästhetik und Zweckmäßigkeit, Umweltaspekte, Betriebskosten, Ausführungs- oder
         Lieferfrist, Kundendienst und technische Unterstützung ermittelt wird. 
      
      … “
      4       In Artikel 146 Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen heißt es: 
      „Teilnahmeanträge und Angebote, die nicht alle in den Ausschreibungsunterlagen verlangten wesentlichen Angaben enthalten oder
         die nicht den darin enthaltenen spezifischen Anforderungen entsprechen, werden abgelehnt.
      
      Der Bewertungsausschuss kann jedoch den betreffenden Bewerber oder Bieter auffordern, binnen einer von ihm festgesetzten Frist
         die Unterlagen, die die Ausschluss- und Auswahlkriterien betreffen, durch weitere Unterlagen zu ergänzen oder zu präzisieren.
      
      … “
      5       Artikel 147 Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen lautet: 
      „Der öffentliche Auftraggeber fasst ... einen Beschluss, der mindestens Folgendes enthält:
      a)      seinen Namen und seine Anschrift sowie den Gegenstand und den Wert des Auftrags bzw. des Rahmenvertrags;
      b)      die Namen der ausgeschlossenen Bewerber oder Bieter und die Gründe für den Ausschluss;
      c)      die Namen der Bewerber oder Bieter, deren Angebot geprüft wird, und die Gründe für ihre Auswahl;
      d)      die Gründe für die Ablehnung der ungewöhnlich niedrigen Angebote;
      e)      die Namen der ausgewählten Bewerber oder des ausgewählten Auftragnehmers und die Begründung dieser Wahl anhand der vorher
         bekannt gegebenen Auswahl- bzw. Zuschlagskriterien sowie – falls bekannt – der Teil des Auftrags oder des Rahmenvertrags,
         den der Auftragnehmer an Dritte weiterzuvergeben beabsichtigt;
      
      f)      bei Verhandlungsverfahren die Umstände gemäß Artikel 126, 127, 242, 244, 246 und 247, die den Rückgriff auf diese Verfahrensart
         rechtfertigen;
      
      g)      gegebenenfalls die Gründe für den Verzicht des öffentlichen Auftraggebers auf die Vergabe eines bestimmten Auftrags.“
       Sachverhalt und Verfahren
      6       Am 14. Dezember 2004 veröffentlichte die Kommission im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union (ABl. 2004, S 243) eine Ausschreibung für die Vergabe eines Rahmenvertrags mit der Bezeichnung „Rahmenvertrag zur Bewertung
         der politischen Tätigkeitsbereiche der GD SANCO, Los Nr. 1 (öffentliche Gesundheit) – Ausschreibung Sanco/2004/01/141“ (der
         Rahmenvertrag und das Vergabeverfahren werden im Folgenden als „Rahmenvertrag“ und „Ausschreibungsverfahren“ bezeichnet).
         
      
      7       Aus den Punkten 7.1.3 und 7.1.4 der Verdingungsunterlagen zum Ausschreibungsverfahren geht hervor, dass sich der Rahmenvertrag
         insbesondere auf die Bewertung des Aktionsprogramms der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit beziehen muss,
         das durch den Beschluss Nr. 1786/2002/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. September 2002 über ein Aktionsprogramm
         der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit (2003–2008) (ABl. L 271, S. 1) eingeführt wurde. 
      
      8       In den Verdingungsunterlagen werden die für den Rahmenvertrag auszuführenden Aufgaben in zwei Hauptaufgaben unterteilt. Die
         erste Aufgabe (im Folgenden: 1. Hauptaufgabe) besteht in der Durchführung bestimmter Untersuchungen und Dienstleistungen hinsichtlich
         der Konzeption und der Vorbereitung gemeinschaftlicher Programme und Politiken, ihrer Ex-ante-Bewertung und der „Organisation
         von Bewertungstätigkeiten“. Die zweite Aufgabe (im Folgenden: 2. Hauptaufgabe) besteht in der Durchführung bestimmter Zwischen-,
         Abschluss- und Ex-post-Bewertungen von Programmen, Politiken und sonstigen Tätigkeiten. 
      
      9       Der Rahmenvertrag muss den Abschluss von Verträgen ermöglichen, die speziell auf die Bedürfnisse der Kommission ausgerichtet
         sind. Im Übrigen muss er grundsätzlich für eine Dauer von 24 Monaten geschlossen werden und zwei mögliche Verlängerungen für
         einen Zeitraum von jeweils 12 Monaten vorsehen.
      
      10     Die Verdingungsunterlagen enthalten im Übrigen verschiedene Gründe für den Ausschluss von Bietern. Einer dieser Gründe greift
         Artikel 94 der Haushaltsordnung auf:
      
      „Von der Auftragsvergabe ausgeschlossen werden Bewerber oder Bieter, die im Zeitpunkt des Vergabeverfahrens
      a)      sich in einem Interessenkonflikt befinden …“
      11     Deloitte Business Advisory NV (im Folgenden: Antragstellerin) schloss sich mit der London School of Hygiene and Tropical Medicine
         (Londoner Hochschule für Hygiene und Tropenmedizin), der Nederlandse Organisatie voor toegepast‑natuurwetenschappelijk onderzoek
         (Niederländisches Wissenschaftszentrum für angewandte Forschung, TNO) und dem Istituto superiore di sanità (Oberstes Gesundheitsinstitut
         Italiens) zusammen, um ein Angebot für den fraglichen Auftrag einzureichen. Die vier Organisationen schlossen sich zur Arbeitsgruppe
         zur Bewertung der europäischen öffentlichen Gesundheit (European Public Health Evaluation Task Force, im Folgenden: Euphet)
         zusammen. Euphet sah vor, gegebenenfalls bestimmte Sachverständige aus anderen Einrichtungen hinzuzuziehen.
      
      12     Am 10. Februar 2005 reichte Euphet bei der Kommission im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens ein Angebot ein. Das Angebot
         von Euphet enthält folgenden Absatz mit der Überschrift „Unabhängigkeit“:
      
      „Euphet ist sich darüber im Klaren und erkennt an, dass sich keine der Bewertungseinrichtungen und keiner ihrer Vertreter
         bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Rahmen der Durchführung des Rahmenvertrags in einem tatsächlichen oder potenziellen Interessenkonflikt
         befinden darf. Wir bestätigen, dass alle Mitglieder von Euphet vollkommen unabhängig von der Kommission sind und uns in dieser
         Hinsicht keine tatsächliche Gefahr bekannt ist. Ferner verpflichten wir uns für jeden gesonderten Vertrag zur Durchführung
         einer genauen Vorprüfung, um sicherzustellen, dass die von uns vorgeschlagenen Teams aus Mitgliedern bestehen, die vollkommen
         unabhängig arbeiten und eine objektive und unabhängige Bewertung von außen liefern können. Sofern während der Durchführung
         der Projekte auch nur das geringste Problem auftritt, das sich auf diesen wichtigen Grundsatz auswirken könnte, werden wir
         die Kommission unverzüglich in Kenntnis setzen und in Abstimmung mit ihr eine Lösung erarbeiten.“
      
      13     Mit Schreiben vom 22. April 2005 (im Folgenden: Ablehnungsentscheidung) setzte die Kommission die Antragstellerin davon in
         Kenntnis, dass der mit dem Auftrag befasste Bewertungsausschuss zu dem Schluss gekommen sei, dass bei Euphet die Gefahr eines
         Interessenkonflikts bestehe. In der Ablehnungsentscheidung führte die Kommission aus, dass bestimmte Mitglieder und Partner
         von Euphet Begünstigte von Subventionsvereinbarungen „im Bereich SANCO“ (Gesundheit und Verbraucherschutz) seien und daher
         erheblich an der Durchführung des gemeinschaftlichen Aktionsprogramms im Bereich der öffentlichen Gesundheit beteiligt seien.
         Die Kommission war daher der Auffassung dass, „angesichts der erheblichen Gefahr [eines Interessenkonflikts] eine ausführliche
         und konkrete Erläuterung erforderlich gewesen wäre, um die Frage, wie [Interessenkonflikte] gelöst und die damit verbundenen
         Gefahren beseitigt werden könnten, hinreichend zu beantworten“. Im vorliegenden Fall war jedoch nach Ansicht der Kommission
         „das geplante Vorgehen nicht ausreichend, und der Bieter hat keine hinreichende Garantie für die Beseitigung der [Interessenkonflikte]
         geliefert“.
      
      14     In der Ablehnungsentscheidung wies die Kommission dennoch darauf hin, dass sie vor Ablauf einer Frist von zwei Wochen mit
         dem Bieter, dem der Auftrag erteilt werde, keinen Rahmenvertrag abschließen werde.
      
      15     Mit Schreiben vom 3. Mai 2005 widersprach Euphet der Auffassung der Kommission und setzte ihr u. a. eine Frist zur Erwiderung
         bis zum 4. Mai 2005, andernfalls sie das Gericht anrufen werde.
      
      16     Mit Telefax vom 4. Mai 2005 bestätigte die Kommission den Erhalt des Schreibens von Euphet mit dem folgenden Hinweis:
      „Da wir für die Klärung der in Ihrem Schreiben aufgeworfenen Fragen mehr Zeit benötigen, werden wir vor Ablauf einer zusätzlichen
         Frist von fünfzehn Tagen ab Versand dieses Schreibens keinen Vertrag unterzeichnen.“ 
      
      17     Mit Telefax vom 19. Mai 2005 nahm die Kommission zum Vorbringen der Antragstellerin in deren Schreiben vom 3. Mai 2005 Stellung.
         
      
      18     Mit Telefax vom selben Tag hat die Antragstellerin beim Gericht eine Nichtigkeitsklage erhoben, mit der sie die Rechtmäßigkeit
         der Ablehnungsentscheidung und der Entscheidung über die Vergabe des Auftrags an einen dritten Bieter bestreitet (im Folgenden:
         Vergabeentscheidung). 
      
      19     Am selben Tag hat die Antragstellerin einen Antrag auf einstweilige Anordnung gestellt und im Wesentlichen beantragt,
      –       den Vollzug der Ablehnungsentscheidung und der Vergabeentscheidung auszusetzen;
      –       der Kommission unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu untersagen, die Vergabeentscheidung dem
         Auftragnehmer zuzustellen und den betreffenden Vertrag zu unterzeichnen; 
      
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      20     In ihrem Antrag auf einstweilige Anordnung beantragt die Antragstellerin darüber hinaus, der Antragsgegnerin vorsorglich und
         möglichst vor der Entscheidung über die Aussetzung des Vollzugs unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 2,5 Millionen Euro
         je Verstoß bis zum Erlass des Urteils zu untersagen, dem Auftragnehmer die Vergabeentscheidung zuzustellen und den Rahmenvertrag
         zu unterzeichnen.
      
      21     Mit Schreiben vom 23. Mai 2005 hat die Kommission das Gericht informiert, dass der fragliche Vertrag im Verfahren SANCO/2004/01/041
         noch nicht unterzeichnet worden sei. In diesem Schreiben hat die Kommission darauf hingewiesen, dass der Rahmenvertrag dem
         ausgewählten Bieter mit einer Frist zur Unterzeichnung bis zum 1. Juni 2005 zugestellt worden sei und der Vertrag gemäß den
         geltenden Verfahrensregeln nach Rücksendung durch den Vertragspartner vom Bevollmächtigten der Kommission unterzeichnet werde,
         ohne dass dafür eine Frist vorgesehen sei.
      
      22     Am 26. Mai 2005 hat der Präsident des Gerichts auf der Grundlage von Artikel 105 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts der
         Kommmission untersagt, den Rahmenvertrag vor der Entscheidung über den Antrag auf einstweilige Anordnung zu unterzeichnen.
      
      23     Am 30. Mai 2005 hat die Kommission zu dem Antrag auf einstweilige Anordnung Stellung genommen. Sie hat die Zurückweisung des
         Antrags und die Verurteilung der Antragstellerin zur Kostentragung beantragt.
      
      24     Auf Ersuchen des Präsidenten des Gerichts hat die Antragstellerin am 13. Juni 2005 eine Antwort auf die Stellungnahme eingereicht.
         Auf diese Antwort hat wiederum die Kommission am 23. Juni 2005 geantwortet.
      
       Rechtliche Würdigung
      25     Nach Artikel 104 § 2 der Verfahrensordnung müssen die Anträge auf einstweilige Anordnung den Streitgegenstand bezeichnen und
         die Umstände anführen, aus denen sich die Dringlichkeit ergibt; ferner ist die Notwendigkeit der beantragten Anordnung in
         tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht glaubhaft zu machen (fumus boni juris). Diese Voraussetzungen sind kumulativ, so dass
         der Antrag auf einstweilige Anordnung zurückzuweisen ist, sofern eine von ihnen fehlt (Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes
         vom 14. Oktober 1996 in der Rechtssache C‑268/96 P [R], SCK und FNK/Kommission, Slg. 1996, I‑4971, Randnr. 30). Im Verfahren
         der einstweiligen Anordnung ist gegebenenfalls auch eine Abwägung der widerstreitenden Interessen vorzunehmen (Beschluss des
         Präsidenten des Gerichtshofes vom 23. Februar 2001 in der Rechtssache C‑445/00 R, Österreich/Rat, Slg. 2001, I‑1461, Randnr. 73).
      
      26     Außerdem verfügt der Präsident des Gerichts im Rahmen dieser Gesamtprüfung über ein weites Ermessen, und er kann im Hinblick
         auf die Besonderheiten des Einzelfalls die Art und Weise, in der diese verschiedenen Voraussetzungen zu prüfen sind, sowie
         die Reihenfolge dieser Prüfung frei bestimmen, da keine Vorschrift des Gemeinschaftsrechts ihm ein feststehendes Prüfungsschema
         für die Beurteilung der Erforderlichkeit einer vorläufigen Entscheidung vorschreibt (Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes
         vom 19. Juli 1995 in der Rechtssache C‑149/95 P [R], Kommission/Atlantik Container Line u. a., Slg. 1995, I‑2165, Randnr. 23).
      
      27     Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze ist der vorliegende Antrag auf einstweilige Anordnung zu prüfen.
      1.     Vorbringen der Parteien
       Zur Zulässigkeit des Antrags auf einstweilige Anordnung
      28     In ihrer Stellungnahme vom 30. Mai 2005 weist die Kommission darauf hin, dass sie den Auftragnehmer des fraglichen Auftrags
         mit Schreiben vom 22. April 2005 informiert habe, dass sein Angebot ausgewählt worden sei. Die Kommission ist daher der Auffassung,
         dass der Antrag der Antragstellerin, der Kommission die Zustellung der Vergabeentscheidung an den Auftragnehmer zu untersagen,
         gegenstandslos ist.
      
       Zum fumus boni juris
       Vorbringen der Antragstellerin
      29     Die Antragstellerin stützt ihre Klage auf zwei Klagegründe. 
      –       Zum ersten Klagegrund
      30     Im Rahmen ihres ersten Klagegrundes trägt die Antragstellerin im Wesentlichen vor, der Ausschluss der Euphet vom Ausschreibungsverfahren
         verstoße gegen Artikel 94 der Haushaltsordnung, die Bestimmungen der Ausschreibungsunterlagen, den Grundsatz des Vertrauensschutzes,
         die allgemeine Begründungspflicht sowie die Artikel 147 Absatz 3 und 138 der Durchführungsbestimmungen.
      
      31     Die Antragstellerin ist erstens der Auffassung, es sei rechtswidrig, sie mit der alleinigen Begründung vom Ausschreibungsverfahren
         auszuschließen, ihr Vorschlag zur Lösung etwaiger Interessenkonflikte biete keine ausreichende Garantie. 
      
      32     Zunächst sei der Begriff des Interessenkonflikts weder in der Ausschreibung noch in Artikel 94 der Haushaltsordnung definiert.
         Vielmehr habe die Kommission diesen Begriff in ihrer Ablehnungsentscheidung durch Bezugnahme auf den Rahmenvertragsentwurf
         definiert. Nach diesem Entwurf stellten ein Interessenkonflikt und erst recht die bloße Gefahr eines Interessenkonflikts an
         sich keine Ausschlussgründe dar.
      
      33     Schließlich sehe kein Dokument des Ausschreibungsverfahrens einen ausdrücklichen Ausschlussgrund für den Fall vor, dass ein
         Mitglied oder mehrere Mitglieder eines Bieters an laufenden Projekten aus den Bereichen Gesundheit und Verbraucherschutz beteiligt
         sein sollten. Im Übrigen rechtfertigten weder Artikel 94 der Haushaltsordnung noch die Rechtsprechung des Gerichtshofes einen
         solchen Ausschlussgrund. 
      
      34     Da es sich darüber hinaus um die Gefahr eines Interessenkonflikts handle, genüge die Verpflichtung des Bieters, die Kommission
         zu informieren und gegebenenfalls die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Der von Euphet dazu eingereichte Vorschlag (oben,
         Randnr. 12) habe ausgereicht, da die Antragstellerin im Übrigen sogar eine Vorprüfung der abzuschließenden Einzelverträge
         nach Art und Gegenstand vorgeschlagen habe. Mehr könne von Euphet nicht verlangt werden, zumal der Inhalt der abzuschließenden
         einzelnen Verträge bislang nicht bekannt sei. 
      
      35     Für die Antragstellerin könne ein Interessenkonflikt nämlich höchstens im Zeitpunkt des Abschlusses der einzelnen Verträge
         entstehen. Im Übrigen habe die Gemeinschaftsrechtsprechung bestätigt, dass der abstrakte Ausschluss eines Bieters ohne konkrete
         Prüfung einer Beseitigung des Interessenkonflikts unzulässig sei (Urteil des Gerichtshofes vom 3. März 2005 in den Rechtssachen
         C‑21/03 und C‑34/03, Fabricom, Slg. 2005, I‑1559, Urteil des Gerichts vom 17. März 2005 in der Rechtssache T‑160/03, AFCon
         Management Consultants u. a./Kommission, Slg. 2005, II‑0000, Randnrn. 75 bis 78). 
      
      36     In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2005 fügt die Antragstellerin hinzu, angesichts der Zustimmung der Kommission zur weiteren
         Durchführung eines Auftrags durch einen Bieter, der während der Durchführung des Rahmenvertrags einem Interessenkonflikt ausgesetzt
         gewesen sei, sofern dieser geeignete Maßnahmen durchführe, stelle die Verweigerung dieser Möglichkeit gegenüber einem Bieter,
         der vor Auftragsvergabe einem Interessenkonflikt ausgesetzt sei und vergleichbare Maßnahmen ergreifen könne, einen Verstoß
         gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung nach Artikel 89 Absatz 1 und Artikel 99 der Haushaltsordnung dar.
      
      37     Schließlich weist die Antragstellerin hilfsweise darauf hin, dass die Ausschreibung nur eine Mindestzahl von sieben Sachverständigen
         vorschreibe, während das Angebot der Antragstellerin 65 Lebensläufe enthalte, von denen sich 45 auf Personen bezögen, die
         keine Verbindung zu den Einrichtungen aufwiesen, die nach Auffassung der Kommission von einem Interessenkonflikt betroffen
         seien. Ferner könnten den 20 Personen, die zu diesen Einrichtungen Verbindungen aufwiesen, dennoch ohne die Gefahr eines Interessenkonflikts
         Bewertungsaufgaben zugewiesen werden. Was die Auffassung der Kommission betreffe, bei den betroffenen Sachverständigen handle
         es sich um diejenigen mit den höchsten Qualifikationen, so seien ausreichend sonstige hoch qualifizierte Sachverständige vorhanden,
         die die Aufgaben der betroffenen Personen ausführen könnten, selbst wenn all diese Personen bei einer bestimmten Aufgabe einem
         Interessenkonflikt ausgesetzt seien. 
      
      38     Zweitens müsse der Bewertungsausschuss einem Bieter vor dessen Ausschluss zumindest eine Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen,
         was im vorliegenden Fall nicht erfolgt sei. 
      
      39     Drittens sei die Kommission unter Verstoß gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes von ihrer bisherigen Praxis abgewichen,
         indem sie das von anderen Generaldirektionen der Kommission bereits akzeptierte Verfahren zur Beseitigung der Interessenkonflikte
         abgelehnt habe. 
      
      40     Viertens sei die Ablehnungsentscheidung nicht hinreichend begründet, da sie u. a. nicht erläutere, weshalb der Vorschlag von
         Euphet unzureichend sei. Im Übrigen sei die Begründung der Entscheidung fehlerhaft, da Euphet die spezifischen Erfahrungen
         einiger seiner Mitglieder nicht verschwiegen habe und die durch den Rahmenvertragsentwurf vorgesehene Beseitigung von Interessenkonflikten
         berücksichtigt habe. Wegen der fehlenden Begründung stelle die Ablehnungsentscheidung eine Verletzung von Artikel 147 Absatz 3
         der Durchführungsbestimmungen dar. 
      
      41     Fünftens könne die Kommission den Auftrag nicht ohne Verstoß gegen Artikel 138 der Durchführungsbestimmungen an einen Dritten
         vergeben, da sie das Angebot von Euphet zu Unrecht abgelehnt habe. Die Antragstellerin bestreite nicht, dass eine Zulassung
         ihres Angebots nicht zwangsläufig zu einer Auftragsvergabe geführt hätte. Sie ist jedoch der Auffassung, dass das Angebot
         von Euphet angesichts der Erfahrung und Kenntnisse des von ihr vorgeschlagenen Teams auf jeden Fall eine hohe Bewertung erzielt
         hätte. 
      
      –       Zum zweiten Klagegrund
      42     Im Rahmen ihres zweiten Klagegrundes trägt die Antragstellerin vor, die Kommission habe gegen Artikel 146 Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen,
         die Rechtsprechung des Gerichtshofes auf dem Gebiet der Ausschreibungen (Urteil Fabricom, oben, Randnr. 35) und den Grundsatz
         des Vertrauensschutzes verstoßen, indem sie Euphet nicht zur Einreichung zusätzlicher Informationen aufgefordert habe. 
      
      43     Soweit die Kommission im Rahmen des fraglichen Auftrags anderen Bietern die Möglichkeit zur Einreichung zusätzlicher Informationen
         eröffnet habe, habe sie darüber hinaus gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung und das Diskriminierungsverbot gemäß Artikel 89
         Absatz 1 und Artikel 99 der Haushaltsordnung verstoßen. 
      
      44     Die Kommission sei zwar gemäß Artikel 94 und 146 Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen nicht verpflichtet, neben den eingereichten
         Informationen zusätzliche Angaben von den Bietern anzufordern. Dennoch habe die Kommission bestimmten Bietern im Rahmen anderer
         Verfahren und auch im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens diese Möglichkeit eingeräumt. Die Antragstellerin beantragt die
         Vorlage der darüber ausgetauschten Schreiben sowie des Protokolls der Eröffnungssitzung durch die Kommission. 
      
      45     Im Übrigen ergebe sich aus dem oben in Randnummer 35 angeführten Urteil Fabricom, dass der öffentliche Auftraggeber im Fall
         eines potenziellen Interessenkonflikts den betreffenden Bieter nicht automatisch ausschließen dürfe, sondern den Fall stets
         auf der Grundlage der konkreten Umstände prüfen müsse, was impliziere, dass dem Bieter die Möglichkeit eingeräumt werden müsse,
         die Unmöglichkeit eines Interessenkonflikts nachzuweisen. Die Kommission habe bezüglich der Antragstellerin die erforderliche
         konkrete Würdigung nicht vornehmen können, ohne zusätzliche Informationen von Euphet anzufordern. Die Kommission habe somit
         zum einen keine Prüfung auf der Grundlage der konkreten Umstände des Einzelfalls vorgenommen, da eine solche Würdigung für
         jeden einzelnen Vertrag hätte durchgeführt werden müssen. Zum anderen könne sich die Kommission ebenso wenig auf die Vornahme
         einer konkreten Würdigung auf der Grundlage des Rahmenvertrags berufen, da sie selbst vorgetragen habe, dass der Vorschlag
         der Antragstellerin zur Durchführung nachgelagerter Korrekturmaßnahmen sehr allgemein formuliert worden sei. 
      
       Vorbringen der Kommission
      46     Die Kommission bestreitet das Vorbringen der Antragstellerin zum Vorliegen eines fumus boni juris.
      –       Zum ersten Klagegrund
      47     Die Kommission ist erstens der Auffassung, dass das Vorliegen eines Interessenkonflikts vor Auftragsvergabe gemäß dem Wortlaut
         von Punkt 9.1.3 der Verdingungsunterlagen, der eine wörtliche Wiedergabe von Artikel 94 der Durchführungsbestimmungen darstelle,
         ein Ausschlussgrund sei. Obgleich die Lebensläufe mehrerer Partner von Euphet deren Beteiligung an der Durchführung des gemeinschaftlichen
         Aktionsprogramms im Bereich der öffentlichen Gesundheit zutage gebracht hätten, habe es die Antragstellerin nicht für nötig
         befunden, die Kommission auf die Gefahr eines Interessenkonflikts hinzuweisen.  
      
      48     Die von der Antragstellerin zur Verringerung der Gefahr eines Interessenkonflikts vorgeschlagene „a priori“ durchzuführende
         Korrekturmaßnahme sei in dem fraglichen Absatz des Angebots der Antragstellerin zu allgemein formuliert gewesen. 
      
      49     Ferner habe der Bewertungsausschuss entgegen den Behauptungen der Antragstellerin sehr wohl das Vorliegen eines Interessenkonflikts
         konkret im Hinblick auf das Angebot der Antragstellerin und die Art des zu vergebenden Auftrags geprüft, und ein Konflikt
         könne sowohl im Hinblick auf Zwischen- und Ex-post-Bewertungen als auch im Hinblick auf Ex-ante-Bewertungen auftreten. 
      
      50     Zum Vorbringen der Antragstellerin, das Angebot von Euphet habe 45 Lebensläufe von Personen enthalten, die keine Verbindung
         zur Kommission aufwiesen, trägt Letztere vor, einerseits habe nicht jeder der vorgeschlagenen Sachverständigen dieselbe spezifische
         Bedeutung, und andererseits habe das Angebot der Antragstellerin alle fraglichen Partner und Sachverständigen als Teil eines
         Gesamtteams dargestellt. 
      
      51     Zweitens ist die Kommission bezüglich ihrer angeblichen Verpflichtung zur Anhörung der Antragstellerin der Auffassung, eine
         solche Verpflichtung bestehe nur für den Fall, dass die Kommission verwaltungsrechtliche oder finanzielle Sanktionen gemäß
         Artikel 96 der Haushaltsordnung verhängen wolle.
      
      52     Drittens trägt die Kommission bezüglich der angeblichen Verletzung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes vor, die Antragstellerin
         habe keinen Nachweis für ihre Behauptungen erbracht, dass andere Dienststellen der Kommission in der Vergangenheit und unter
         vergleichbaren Umständen zu Ergebnissen gekommen seien, die den Ergebnissen dieses Verfahrens widersprächen. 
      
      53     Viertens habe die Kommission in der Ablehnungsentscheidung eindeutig begründet, weshalb sich die Antragstellerin ihrer Auffassung
         nach in einem Interessenkonflikt befinde. 
      
      54     Fünftens habe die Kommission nicht gegen Artikel 138 der Haushaltsordnung verstoßen, da die Zulassung des Angebots von Euphet
         für die Auswahl- und Zuschlagsphasen nicht bedeute, dass der Auftrag zwangsläufig an Euphet vergeben werden müsse. 
      
      –       Zum zweiten Klagegrund
      55     Die Kommission ist der Auffassung, dass auch der zweite Klagegrund zurückgewiesen werden müsse.
      56     Erstens ruft die Kommission in Erinnerung, dass sie nicht verpflichtet sei, einen Bieter vor dessen Ausschluss von einer Ausschreibung
         anzuhören. 
      
      57     Zweitens habe die Antragstellerin nicht dargelegt, inwiefern die unterbliebene Anforderung zusätzlicher Informationen einen
         Verstoß gegen die angebliche Praxis der Kommission in vergleichbaren Fällen darstelle. Was die Behauptungen der Antragstellerin
         betreffe, die Kommission habe gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, indem sie bestimmten Bietern erlaubt habe,
         einen Nachweis für den fristgemäßen Versand zu erbringen, so weist die Kommission darauf hin, dass sie tatsächlich lediglich
         eine sachliche Überprüfung einer zwingenden Frist vorgenommen habe, was mit der Situation der Antragstellerin nicht vergleichbar
         sei. 
      
      58     Drittens sei der Verweis der Antragstellerin auf das oben in Randnummer 35 angeführte Urteil Fabricom ohne Bedeutung, da die
         Kommission im vorliegenden Fall das Bestehen eines Interessenkonflikts auf der Grundlage der Angaben des Angebots und im Hinblick
         auf die Art des zu vergebenden Auftrags konkret geprüft habe. 
      
      59     Viertens sei nach Öffnung der Angebote keiner der Bieter aufgefordert worden, zusätzliche Informationen oder nähere Angaben
         zu Umständen einzureichen, die einen Interessenkonflikt nahe legten. 
      
       Zur Dringlichkeit
       Vorbringen der Antragstellerin
      60     Die von ihr behauptete Dringlichkeit der beantragten einstweiligen Anordnung begründet die Antragstellerin damit, dass es
         ab dem Zeitpunkt des fraglichen Vertragsschlusses zwischen der Antragsgegnerin und dem Auftragnehmer Euphet nicht mehr möglich
         sei, die Aufgabe tatsächlich auszuführen. Praktisch sei es Euphet nämlich unmöglich, nach Abschluss des Rahmenvertrags dessen
         Aufhebung zu bewirken. Darüber hinaus werde der Auftrag zum Zeitpunkt des Urteils des Gerichts bereits – zumindest größtenteils
         – ausgeführt sein, wenn keine einstweilige Anordnung erlassen würde, da der Auftrag bis Ende 2006 ausgeführt sein müsse. 
      
      61     Aufgrund der erheblichen Bedeutung des Auftrags, der Ehre und des Prestiges, die damit verbunden seien, sowie der Erfahrung,
         die die Antragstellerin durch die Ausführung des Vertrages erlangen könne, stelle eine tatsächliche Ausführung des Vertrages
         für sie jedoch eine bei weitem zufriedenstellendere Entschädigung dar als die Gewährung von Schadensersatz. 
      
      62     In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2005 erläutert die Antragstellerin dazu, die Tatsache, dass der Auftrag nicht an sie vergeben
         und ihr Angebot darüber hinaus als unzulässig abgelehnt worden sei, werde von ihren Kunden als Zeichen fehlender Kompetenz
         gewertet. Soweit die Kommission betone, dass Ausschreibungsverfahren für die Bieter Risiken beinhalteten, so dass die Nichtvergabe
         eines Auftrags nicht als Schaden betrachtet werden könne, so gelte eine solche Argumentation nur unter der Voraussetzung,
         dass ein Bieter zu Recht ausgeschlossen worden sei. Im vorliegenden Fall habe für die Antragstellerin jedoch die Möglichkeit
         bestanden, ausgewählt zu werden. 
      
      63     Ferner könnten der Schaden für den Ruf der Antragstellerin und die entgangenen Erfahrungen als Folge der unterbliebenen Ausführung
         des Vertrages finanziell nicht beziffert werden. 
      
      64     In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2005 führt die Antragstellerin schließlich aus, ihrem Antrag könne die Dringlichkeit nicht
         mit der bloßen Begründung abgesprochen werden, dass eine spätere Gewährung von Schadensersatz möglich sei. Eine solche Auffassung
         wäre nämlich unvereinbar mit der Ratio legis der Richtlinie 89/665/EWG des Rates vom 21. Dezember 1989 zur Koordinierung der
         Rechts- und Verwaltungsvorschriften für die Anwendung der Nachprüfungsverfahren im Rahmen der Vergabe öffentlicher Liefer-
         und Bauaufträge (ABl. L 395, S. 33) in der Fassung der Richtlinie 92/50/EWG des Rates vom 18. Juni 1992 über die Koordinierung
         der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Dienstleistungsaufträge (ABl. L 209, S. 1). 
      
      65     Die Ratio legis der Richtlinie 89/665 sei nämlich, den von einem Ausschreibungsverfahren ausgeschlossenen Bietern die tatsächliche
         Ausführung des fraglichen Auftrags zu ermöglichen. Die Auffassung der Antragstellerin werde durch die Rechtsprechung des Gerichtshofes
         bestätigt (Urteil des Gerichtshofes vom 28. Oktober 1999 in der Rechtssache C‑81/98, Alcatel Österreich u. a., Slg. 1999,
         I‑7671). Zwar seien die Bestimmungen der Richtlinie 89/665 nur auf Mitgliedstaaten anwendbar, die Verletzung dieser Bestimmungen
         durch Gemeinschaftsorgane stelle jedoch einen offensichtlichen Verstoß gegen den Vertrauensgrundsatz, den Grundsatz der Gleichbehandlung
         und Artikel 2 EG dar. 
      
       Vorbringen der Kommission
      66     Die Kommission ist der Auffassung, dass die Antragstellerin die Dringlichkeit der einstweiligen Anordnung nicht nachgewiesen
         habe. 
      
      67     Erstens ist die Kommission der Auffassung, falls das Gericht der Nichtigkeitsklage stattgebe, habe es die Maßnahmen zu erlassen,
         die für den Schutz der Interessen der Antragstellerin erforderlich seien, was zu einer Aufhebung des bereits teilweise ausgeführten
         Vertrages und einem erneuten Ausschreibungsverfahren führen könne, wobei diese Maßnahmen gegebenenfalls mit der Zahlung einer
         Entschädigung verbunden werden könnten (Beschlüsse des Präsidenten des Gerichts vom 20. Juli 2000 in der Rechtssache T‑169/00 R,
         Esedra/Kommission, Slg. 2000, II‑2951, Randnr. 51, vom 27. Juli 2004 in der Rechtssache T‑148/04 R, TQ3 Travel Solutions Belgium/Kommission,
         Slg. 2004, II‑0000, Randnr. 55, und vom 10. November 2004 in der Rechtssache T‑303/04 R, European Dynamics/Kommission, Slg.
         2004, II‑0000, Randnr. 83). 
      
      68     Die Antragstellerin habe aber keinen Umstand genannt, der es ausschließen könnte, dass ihre Interessen auf diese Weise gewahrt
         würden. 
      
      69     Zweitens weist die Kommission in ihrer Stellungnahme vom 23. Juni 2005 das Vorbringen der Antragstellerin zurück, wonach eine
         Nichtigerklärung durch Urteil erst zu einem Zeitpunkt stattfinden könne, an dem der Vertrag bereits ausgeführt sei. Die Antragstellerin
         verwechsle die Ausführung des Rahmenvertrags mit der Vornahme der spezifischen Zwischenbewertung, die in Artikel 12 des Beschlusses
         Nr. 1786/2002 vorgesehen sei. 
      
      70     Drittens ruft die Kommission in Erinnerung, sofern sich die Antragstellerin auf einen finanziellen Schaden berufe, so könne
         dieser nicht als nicht oder auch nur schwer wieder gutzumachen angesehen werden, da er Gegenstand eines späteren finanziellen
         Ausgleichs sein könne (Beschluss Esedra/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 43). Ebenso wenig habe die Antragstellerin nachgewiesen,
         inwiefern ihr ein Schaden entstehen könne, der ihre Existenz gefährden oder ihre Position auf dem Markt irreversibel verändern
         könnte. 
      
      71     Viertens erinnert die Kommission bezüglich des von der Antragstellerin angeführten nicht finanziellen Schadens daran, dass
         die Teilnahme an einer öffentlichen Ausschreibung, die ihrer Natur nach ausgeprägten Wettbewerbscharakter habe, Risiken für
         alle Teilnehmer mit sich bringe und der Ausschluss eines Bieters aufgrund der Ausschreibungsbedingungen als solcher nichts
         Schädigendes habe (Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 5. August 1983 in der Rechtssache 118/83 R, CMC/Kommission,
         Slg. 1983, 2583, Randnr. 51; Beschlüsse Esedra/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 48, und European Dynamics/Kommission,
         oben, Randnr. 67, Randnr. 82). Im Übrigen habe die Antragstellerin in keiner Weise nachgewiesen, inwiefern die Ablehnung ihres
         Antrags ihren Ruf beeinträchtigen und sie um eine Erfahrung berauben werde, und ebenso wenig habe sie nachgewiesen, welche
         Auswirkungen dieser Schaden auf sie hätte. 
      
      72     Fünftens führt die Kommission bezüglich der Ratio legis der Richtlinie 89/665 aus, dass die Antragstellerin für einen Erfolg
         ihres Antrags auf einstweilige Anordnung nachweisen müsse, dass alle auf sie anwendbaren Voraussetzungen gemäß Artikel 104
         § 2 der Verfahrensordnung und gemäß der Rechtsprechung erfüllt seien. Die Kommission sei nicht an die Richtlinie 89/665 gebunden,
         und Artikel 230 Absatz 4 EG sowie die Artikel 242 und 243 EG gewährleisteten einen wirksamen Schutz gegen Handlungen der Gemeinschaftsorgane.
         Was schließlich den Verweis der Antragstellerin auf das oben in Randnummer 65 angeführte Urteil Alcatel Österreich u. a. betreffe,
         so verkenne die Antragstellerin die Tatsache, dass dem Antrag auf einstweilige Anordnung nur stattgegeben werden könne, wenn
         die anwendbaren Voraussetzungen erfüllt seien. 
      
       Zur Interessenabwägung
       Vorbringen der Antragstellerin
      73     In ihrer Stellungnahme vom 13. Juni 2005 trägt die Antragstellerin zunächst vor, die Kommission lege nicht die Art des Schadens
         dar, den sie im Fall einer einstweiligen Anordnung erleiden würde.
      
      74     Ferner sehe der Beschluss Nr. 1786/2002 für den Fall der verspäteten Vornahme der in Artikel 12 vorgesehenen Bewertung keine
         Sanktion vor. Jedenfalls könne die Kommission die fraglichen Entscheidungen widerrufen und das Angebot der Antragstellerin
         berücksichtigen, wie dies Artikel 101 der Haushaltsordnung vorsehe. Im Übrigen komme es bei der Durchführung von Bewertungsaufträgen,
         die dem fraglichen Auftrag ähnelten, häufiger vor, dass die Kommission die vereinbarte Frist nicht einhalte. 
      
      75     Schließlich müsse man berücksichtigen, dass die Kommission für eine etwaige verspätete Durchführung des Auftrags verantwortlich
         sei.
      
       Vorbringen der Kommission
      76     Die Kommission ist der Auffassung, dass die Abwägung der bestehenden Interessen zu einer Zurückweisung des Antrags führen
         müsse. Die Kommission müsse nämlich gemäß Artikel 12 des Beschlusses Nr. 1786/2002 bis spätestens Ende 2006 eine externe Zwischenbewertung
         der Durchführung des gemeinschaftlichen Aktionsprogramms im Bereich der öffentlichen Gesundheit vornehmen lassen. 
      
      77     Ferner würde eine Aussetzung der Entscheidung in der Hauptsache vorgreifen, da das Angebot des Auftragnehmers zum Zeitpunkt
         des Urteils nicht mehr gültig und das von diesem vorgeschlagene Team nicht mehr verfügbar sein werde. 
      
      2.     Richterliche Würdigung
      78     Da die Schriftsätze der Parteien alle Informationen enthalten, die für die Entscheidung über den Antrag auf einstweilige Anordnung
         erforderlich sind, besteht kein Anlass, die Parteien mündlich anzuhören.
      
       Zur Zulässigkeit einzelner Teile des Antrags auf einstweilige Anordnung
      79     Die Antragstellerin beantragt, der Kommission die Zustellung der Vergabeentscheidung an den Auftragnehmer zu untersagen.
      80     Ohne dass die Antragstellerin dem widersprochen hätte oder die zu den Akten gegebenen Schriftstücke dies widerlegen würden,
         hat die Kommission jedoch in ihrer Stellungnahme vom 2. Juni 2005 darauf hingewiesen, dass sie den Auftragnehmer bereits mit
         Schreiben vom 22. April 2005 informiert habe, dass sein Angebot ausgewählt worden sei. 
      
      81     Daher war der Antrag der Antragstellerin, der Kommission die Zustellung der Entscheidung zu untersagen, von vornherein gegenstandslos.
         Der Antrag muss daher als unzulässig zurückgewiesen werden (vgl. in diesem Sinne Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom
         2. Juni 2005 in der Rechtssache T‑125/05 R, Umwelt- und Ingenieurtechnik Dresden/Kommission, Slg. 2005, II‑0000, Randnr. 36).
      
       Zu den übrigen Teilen des Antrags auf einstweilige Anordnung
      82     Im vorliegenden Fall ist zunächst zu prüfen, ob die Voraussetzung des fumus boni juris erfüllt ist.
       Zum fumus boni juris
      –       Zum ersten Klagegrund
      83     Im Rahmen ihres ersten Klagegrundes trägt die Antragstellerin im Wesentlichen vor, der Ausschluss der Euphet vom Ausschreibungsverfahren
         verstoße gegen Artikel 94 der Haushaltsordnung, die Bestimmungen der Ausschreibungsunterlagen, den Vertrauensgrundsatz, die
         allgemeine Begründungspflicht sowie die Artikel 147 Absatz 3 und 138 der Durchführungsbestimmungen.
      
      84     Zunächst ist das Vorbringen der Antragstellerin zu untersuchen, die Kommission habe gegen Artikel 94 der Haushaltsordnung
         und die Bestimmungen der Ausschreibungsunterlagen verstoßen.
      
      85     Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission ihre Ablehnungsentscheidung mit der „großen Gefahr“ eines Interessenkonflikts
         gerechtfertigt hat, die nach ihrer Auffassung durch die von Euphet angebotenen Garantien nicht zufrieden stellend habe beseitigt
         werden können. 
      
      86     Wie die Antragstellerin hervorgehoben hat, sieht Artikel II.3.1 des Rahmenvertragsentwurfs, der den Verdingungsunterlagen
         beigefügt war, Maßnahmen zur Beseitigung möglicher Interessenkonflikte eines Auftragnehmers vor. Es kann jedoch zum einen
         auf den ersten Blick nicht ausgeschlossen werden, dass diese Bestimmung nur auf Interessenkonflikte anwendbar sein soll, die
         bei der Ausführung des Rahmenvertrags auftreten, nicht aber auf solche, die bereits in der Phase des Ausschreibungsverfahrens
         bestehen. Zum anderen kann diese Bestimmung jedenfalls auf den ersten Blick nicht der Anwendung von Artikel 94 der Haushaltsordnung
         entgegenstehen.
      
      87     Artikel 94 der Haushaltsordnung sieht den Ausschluss von Bietern vor, die sich „im Zeitpunkt des Vergabeverfahrens ... in
         einem Interessenkonflikt befinden“. Der Präsident des Gerichts ist der Auffassung, dass auf den ersten Blick nicht ausgeschlossen
         werden kann, dass sich die Wendung „sich in einem Interessenkonflikt befinden“ u. a. auf die Gefahr von Interessenkonflikten
         bezieht, die bereits in der Phase des Vergabeverfahrens bestehen und die Durchführung des Auftrags beeinträchtigen können.
         
      
      88     In einem solchen Fall stellt sich dennoch die Frage, welcher Grad von Gewissheit erforderlich ist, um einen Ausschluss vom
         Ausschreibungsverfahren zu rechtfertigen, und welchen Ermessensspielraum die Kommission bei der Feststellung der Gefahr eines
         Interessenkonflikts hat. Der Präsident des Gerichts ist der Auffassung, dass die Beantwortung dieser Fragen Aufgabe des Gerichts
         erster Instanz ist und dass das Vorbringen der Antragstellerin daher in diesem Stadium nicht als völlig unbegründet zurückgewiesen
         werden kann.
      
      89     Gleichwohl erscheint es in diesem Stadium angesichts des Vorbringens im Verfahren der einstweiligen Anordnung zweifelhaft,
         dass die Kommission zu Unrecht festgestellt haben könnte, dass sich der Leiter einer Einrichtung, die zum einen Gemeinschaftssubventionen
         im Bereich der öffentlichen Gesundheit erhält und zum anderen anschließend an der Bewertung der gemeinschaftlichen Politik
         in diesem Bereich beteiligt wird, in einem Interessenkonflikt befindet. Auf den ersten Blick ist nämlich klar, dass sich diese
         Einrichtung in einer Lage befindet, in der zumindest ihre Objektivität beeinträchtigt sein kann.
      
      90     Im vorliegenden Fall geht aus den Nummern 7.1.3 und 7.1.4 der Verdingungsunterlagen zum Ausschreibungsverfahren hervor, dass
         sich der Rahmenvertrag u. a. auf bestimmte Bewertungen des Aktionsprogramms der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit
         bezieht. Ferner geht aus der Ablehnungsentscheidung hervor, dass nach Auffassung der Kommission die von bestimmten Euphet-Mitgliedern
         erhaltenen Subventionen die große Gefahr eines Interessenkonflikts schaffen. 
      
      91     Angesichts dieser Erwägungen ist in diesem Stadium zu bezweifeln, dass die Kommission einen Ermessensfehler begangen hat,
         als sie wegen des Erhalts von Subventionen im Bereich der öffentlichen Gesundheit bei bestimmten Euphet-Mitgliedern die große
         Gefahr eines Interessenkonflikts festgestellt und hiermit den Ausschluss vom Ausschreibungsverfahren gerechtfertigt hat.
      
      92     Ferner geht aus dem Vorbringen im Verfahren der einstweiligen Anordnung nicht eindeutig hervor, dass die Kommission von einer
         konkreten Prüfung der Gefahr eines bei Euphet bestehenden Interessenkonflikts abgesehen hätte, weil ihr der genaue Inhalt
         der abzuschließenden einzelnen Verträge nicht bekannt gewesen wäre. Die Ablehnungsentscheidung bezieht sich nämlich zum einen
         auf das gemeinschaftliche Aktionsprogramm im Bereich der öffentlichen Gesundheit, dessen Bewertung gerade zum Inhalt des Rahmenvertrags
         gehörte. Es zeigt sich in diesem Stadium nicht klar, dass die Kommission keine konkrete Prüfung der Gefahr des von ihr hinsichtlich
         des Vertragsgegenstands festgestellten Interessenkonflikts vorgenommen hätte. Zum anderen konnte die Objektivität bestimmter
         Euphet-Mitglieder aufgrund der ihnen gewährten Subventionen auf den ersten Blick ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Folglich
         ist in diesem Stadium zweifelhaft, dass es zur Feststellung der großen Gefahr eines Interessenkonflikts erforderlich ist,
         den Inhalt der abzuschließenden einzelnen Verträge im Detail zu kennen.
      
      93     Diese Frage wird jedoch im Verfahren zur Hauptsache eingehend zu untersuchen sein.
      94     Ebenso bestehen auf den ersten Blick Zweifel, ob sich die Antragstellerin auf die oben in Randnummer 35 angeführten Urteile
         Fabricom und AFCon Management Consultants u. a./Kommission berufen kann.
      
      95     Zum einen war der Gerichtshof im oben in Randnummer 35 angeführten Urteil Fabricom nämlich der Ansicht, dass die gemeinschaftlichen
         Richtlinien über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge einer Bestimmung entgegenstehen, nach der
         eine Person, die mit Forschungs-, Erprobungs-, Planungs- oder Entwicklungsarbeiten für Bauleistungen, Lieferungen oder Dienstleistungen
         betraut war, nicht zur Einreichung eines Antrags auf Teilnahme an einem öffentlichen Bau-, Liefer- oder Dienstleistungsauftrag
         oder eines Angebots für einen solchen Auftrag zugelassen ist, ohne dass ihr die Möglichkeit gegeben wird, zu beweisen, dass
         nach den Umständen des Einzelfalls die von ihr erworbene Erfahrung den Wettbewerb nicht hat verfälschen können. 
      
      96     In diesem Stadium ist jedoch nicht klar dargetan, dass die Antragstellerin im Rahmen ihres Angebots keine Möglichkeit hatte,
         die fehlende Relevanz der Subventionen zu beweisen, die einige der Sachverständigen erhalten haben, die Euphet hinzuziehen
         wollte.
      
      97     Zum anderen ist hinsichtlich des Verweises der Antragstellerin auf das oben in Randnummer 35 angeführte Urteil AFCon Management
         Consultants u. a./Kommission festzustellen, dass das Gericht in diesem Urteil im Wesentlichen der Ansicht war, dass die Kommission,
         wenn sie eine Interessenkollision zwischen einem Mitglied des Bewertungsausschusses und einem Bieter festgestellt hat, verpflichtet
         ist, beim Erlass ihrer Entscheidung über den Ausgang des fraglichen Vergabeverfahrens mit aller erforderlichen Sorgfalt vorzugehen
         und die Entscheidung auf der Grundlage aller einschlägigen Informationen zu treffen, und bei der Entscheidung darüber, welche
         Maßnahmen zu ergreifen sind, über einen gewissen Spielraum verfügt (Randnrn. 75 und 77). In jenem Verfahren war das Gericht
         angesichts der konkreten Umstände der Ansicht, dass die Kommission einen Beurteilungsfehler begangen hatte, indem sie es unterlassen
         hatte, Nachforschungen zu den Beziehungen anzustellen, die zwischen einem Bieter und einem Mitglied des Bewertungsausschusses
         bestanden.
      
      98     In diesem Stadium ist jedoch zweifelhaft, ob der Sachverhalt, der diesem Verfahren zugrunde liegt, und der Sachverhalt des
         oben in Randnummer 35 angeführten Urteils AFCon Management Consultants u. a./Kommission gleichgelagert sind. Denn im Gegensatz
         zu den Umständen, die dem oben in Randnummer 35 angeführten Urteil AFCon Management Consultants u. a./Kommission zugrunde
         lagen, gibt es in diesem Verfahren auf den ersten Blick keinen Grund, im Ausschluss von Euphet eine Ungleichbehandlung zu
         sehen. Auf den ersten Blick befanden sich alle Bieter in derselben Lage, in ihren jeweiligen Angeboten das Fehlen eines Interessenkonflikts
         nachzuweisen.
      
      99     Diese Frage wird jedoch im Verfahren zur Hauptsache eingehend zu untersuchen sein.
      100   Schließlich muss angesichts des Vorbringens im Verfahren der einstweiligen Anordnung bezweifelt werden, dass das Angebot von
         Euphet jede Gefahr eines Interessenkonflikts ausschließen konnte. 
      
      101   Erstens zeigt sich in diesem Stadium nicht, dass die Kommission einen eindeutigen Fehler begangen hätte, als sie die von Euphet
         vorgeschlagenen Garantien für unzureichend befunden hat. Wie die Kommission hervorhebt, war die vorgeschlagene Korrekturmaßnahme
         in allgemeinen Wendungen formuliert, die sich nicht speziell auf die von der Kommission festgestellte Gefahr eines Interessenkonflikts
         bezogen. Darüber hinaus hat die Antragstellerin im Verfahren der einstweiligen Anordnung keine Stelle aus ihrem Angebot angeführt,
         in der sie darauf hingewiesen hätte, dass ihr die spezifische und von der Kommission in ihrer Ablehnungsentscheidung festgestellte
         Gefahr bewusst war und von ihr berücksichtigt wurde. Stattdessen weist Euphet in ihrem Angebot darauf hin, dass „alle Mitglieder
         von Euphet vollkommen unabhängig von der Kommission sind“ und ihr „in dieser Hinsicht keine tatsächliche Gefahr bekannt ist“.
      
      102   Zweitens weist die Antragstellerin zwar zutreffend darauf hin, dass nicht alle von ihr im Angebot vorgeschlagenen Sachverständigen
         aus Einrichtungen stammen, die von der Gefahr eines Interessenkonflikts, wie sie von der Kommission festgestellt wurde, betroffen
         sind. In diesem Stadium zeigt sich jedoch nicht klar, dass die Kommission diese Tatsache für ausreichend hätte halten müssen,
         um jegliche Gefahr eines Interessenkonflikts auszuschließen, insbesondere hinsichtlich der jeweiligen Beziehungen und Positionen
         der Euphet-Mitglieder. Wie die Kommission hervorhebt, geht insoweit u. a. aus dem Angebot von Euphet hervor, dass jedes Mitglied
         einem „Vertragsausschuss“ angehört, der mit der Verwaltung und Überwachung der Bewertungsdienstleistungen von Euphet befasst
         ist. 
      
      103   Aus im Wesentlichen gleichen Erwägungen ist zu bezweifeln, dass die Kommission davon hätte ausgehen müssen, dass Angehörige
         einer Einrichtung, die von einem Interessenkonflikt betroffen ist, selbst nicht persönlich von diesem Konflikt betroffen sind.
         Es besteht nämlich guter Grund zu der Annahme, dass ein Sachverständiger und die Einrichtung, die ihn beschäftigt, dieselben
         beruflichen Interessen haben. In diesem Stadium hat die Antragstellerin jedoch keine Tatsachen vorgetragen, die diese Annahme
         widerlegen würden.
      
      104   Drittens ist auch zu bezweifeln, dass die Ablehnung des Angebots der Antragstellerin deshalb einen Verstoß gegen den Grundsatz
         der Gleichbehandlung nach den Artikeln 89 Absatz 1 und 99 der Haushaltsordnung darstellen kann, weil ein Bieter, der während
         der Durchführung des Rahmenvertrags einem Interessenkonflikt ausgesetzt ist, zur Durchführung des Auftrags berechtigt ist,
         sofern er geeignete Maßnahmen durchführt. Wie bereits oben (Randnrn. 100 bis 103) festgestellt wurde, zeigt sich nämlich in
         diesem Stadium nicht klar, dass die Kommission einen Fehler begangen hätte, als sie das Angebot von Euphet für nicht geeignet
         gehalten hat, bereits in der Phase des Ausschreibungsverfahrens die Gefahr eines Interessenkonflikts zu vermeiden. Auf den
         ersten Blick kann die Antragstellerin folglich nicht mit Erfolg geltend machen, sie befinde sich in einer ähnlichen Situation
         wie ein Bieter, der erst während der Ausführung des Rahmenvertrags in einen Interessenkonflikt gerate.
      
      105   Folglich bleibt zwar einerseits das Vorbringen der Antragstellerin in mehrfacher Hinsicht im Verfahren zur Hauptsache zu prüfen,
         so dass es in diesem Stadium nicht als völlig unbegründet angesehen werden kann, andererseits ist jedoch zu bezweifeln, dass
         die Kommission gegen Artikel 94 der Haushaltsordnung oder die Bestimmungen der Ausschreibungsunterlagen verstoßen haben könnte.
      
      106   Zweitens führt die Antragstellerin im Rahmen dieses Klagegrundes bezüglich der behaupteten Verpflichtung des Bewertungsausschusses
         zur Anhörung eines Bieters vor Ausschluss von dessen Angebot keine Rechtsgrundlage an, aus der sich eine solche Verpflichtung
         der Kommission ergäbe. Sofern sich die Antragstellerin stillschweigend auf den Grundsatz der Verteidigungsrechte beruft, ist
         daran zu erinnern, dass die Beachtung der Verteidigungsrechte in allen Verfahren, die zu einer den Betroffenen beschwerenden
         Maßnahme führen können, ein fundamentaler Grundsatz des Gemeinschaftsrechts ist, der auch dann sichergestellt werden muss,
         wenn eine Regelung für das betreffende Verfahren fehlt. Dieser Grundsatz gebietet es, dass die Adressaten von Entscheidungen,
         die deren Interessen spürbar beeinträchtigen, in die Lage versetzt werden, ihren Standpunkt in sachdienlicher Weise vorzutragen
         (Urteil des Gerichtshofes vom 24. Oktober 1996 in der Rechtssache C‑32/95 P, Kommission/Lisrestal u. a., Slg. 1996, I‑5373,
         Randnr. 21). Die Antragstellerin hat im vorliegenden Fall auf den ersten Blick jedoch kein Argument dafür vorgebracht, dass
         das Ausschreibungsverfahren zu ihrem Nachteil eröffnet worden wäre.
      
      107   Drittens hat die Antragstellerin bezüglich des Vorwurfs, die Kommission habe durch die Ablehnung eines von ihr bereits akzeptierten
         Verfahrens zur Beseitigung von Interessenkonflikten gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes verstoßen, auf den ersten Blick
         in diesem Stadium keine bisherige Praxis dargetan, die derartige Erwartungen rechtlich hinreichend stützen könnte.
      
      108   Viertens ist in diesem Stadium zu bezweifeln, dass die Ablehnungsentscheidung unzureichend begründet war, wie dies von der
         Antragstellerin behauptet wird. Nach ständiger Rechtsprechung hängt der Umfang der Begründungspflicht nämlich von der Art
         des in Rede stehenden Rechtsakts und dem Kontext ab, in dem er erlassen wurde. Die Begründung muss die Überlegungen des Organs
         so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass es den Betroffenen möglich ist, Kenntnis von den Gründen für die getroffene
         Maßnahme zu erlangen, damit sie ihre Rechte verteidigen und prüfen können, ob die Entscheidung in der Sache begründet ist
         oder nicht, und dass der Gemeinschaftsrichter die ihm obliegende Rechtmäßigkeitskontrolle vornehmen kann (Urteil des Gerichtshofes
         vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 63; Urteile
         des Gerichts vom 6. März 2003 in den Rechtssachen T‑228/99 und T‑233/99, Westdeutsche Landesbank Girozentrale/Kommission,
         Slg. 2003, II‑435, Randnr. 278, und vom 14. Januar 2004 in der Rechtssache T‑109/01, Fleuren Compost/Kommission, Slg. 2004,
         II‑127, Randnr. 119). 
      
      109   Die Ablehnungsentscheidung wurde mit der Gefahr eines Interessenkonflikts begründet, der zum einen auf die Subventionen zurückzuführen
         sei, die einige Mitglieder von Euphet und einige Sachverständige, die Euphet für die Ausführung des Rahmenvertrags hinzuziehen
         könnte, erhalten hatten, und zum anderen mit den unzureichenden Garantien, die Euphet insoweit angeboten habe.
      
      110   Was die angebliche Fehlerhaftigkeit der Begründung angeht, wonach Euphet die Beteiligung einiger Sachverständiger an der Durchführung
         des gemeinschaftlichen Programms im Bereich der öffentlichen Gesundheit nicht eingeräumt habe, so führt die Antragstellerin
         keine Stelle ihres Angebots an, in der sie konkret eingeräumt oder auch nur angedeutet hätte, dass einige der Sachverständigen,
         auf die sie zurückgreifen wollte, in diesem Bereich Gemeinschaftssubventionen erhielten. 
      
      111   Fünftens macht die Antragstellerin mit diesem Klagegrund hinsichtlich einer Verletzung von Artikel 138 der Durchführungsbestimmungen
         durch die Kommission offenbar im Wesentlichen geltend, dass ihr rechtswidriger Ausschluss zur Vergabe des Auftrags an einen
         Bieter führe, der nicht das wirtschaftlich günstigste Angebot eingereicht habe. In diesem Stadium zeigt sich jedoch nicht,
         dass die Kommission das Angebot von Euphet zwangsläufig ausgewählt hätte, wenn es zum Ausschreibungsverfahren zugelassen worden
         wäre.
      
      –       Zum zweiten Klagegrund
      112   Im Rahmen ihres zweiten Klagegrundes trägt die Antragstellerin im Wesentlichen vor, die Kommission habe gegen Artikel 146
         Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen, die Rechtsprechung des Gerichtshofes auf dem Gebiet der Ausschreibungen (Urteil Fabricom,
         oben, Randnr. 35), den Vertrauensgrundsatz, den Grundsatz der Gleichbehandlung sowie die Artikel 89 Absatz 1 und 99 der Haushaltsordnung
         verstoßen, indem sie Euphet nicht zur Einreichung zusätzlicher Informationen aufgefordert habe.
      
      113   Erstens ist in diesem Stadium ernsthaft zu bezweifeln, dass die Kommission gegen Artikel 146 Absatz 3 der Durchführungsbestimmungen
         verstoßen haben könnte. Wie die Antragstellerin nämlich selbst einräumt, bietet diese Bestimmung der Kommission lediglich
         eine Möglichkeit. 
      
      114   Zweitens ist in diesem Stadium ebenso zu bezweifeln, dass sich die Antragstellerin wirksam auf das oben in Randnummer 35 angeführte
         Urteil Fabricom stützen kann, um darzutun, dass die Kommission keine konkrete Beurteilung des Interessenkonflikts vornehmen
         durfte, ohne von der Antragstellerin zusätzliche Informationen anzufordern. 
      
      115   Zum einen hat die Antragstellerin in diesem Stadium nämlich nicht klar dargetan, dass die Kommission ohne Kenntnis des genauen
         Inhalts der abzuschließenden einzelnen Verträge keine konkrete Prüfung der Gefahr eines bei Euphet bestehenden Interessenkonflikts
         vornehmen konnte. Wie daher bereits im Rahmen der Prüfung des ersten Klagegrundes (oben, Randnr. 92) festgestellt wurde, zeigt
         sich in diesem Stadium nicht klar, dass die Kommission keine konkrete Prüfung der Gefahr des von ihr hinsichtlich des Gegenstands
         des Rahmenvertrags festgestellten Interessenkonflikts vorgenommen hat. Ebenso wenig zeigt sich in diesem Stadium klar, dass
         die Prüfung nicht ausgereicht hätte, um die große Gefahr eines Interessenkonflikts festzustellen, und dass es erforderlich
         gewesen wäre, den Inhalt der abzuschließenden einzelnen Verträge im Detail zu kennen. 
      
      116   Zum anderen impliziert die Tatsache, dass die vorgeschlagene Korrekturmaßnahme nach Auffassung der Kommission zu allgemein
         formuliert war, auf den ersten Blick nicht, dass die Kommission keine konkrete Prüfung der Situation von Euphet hinsichtlich
         eines Interessenkonflikts vornehmen konnte. Die allgemeine Formulierung des Angebots von Euphet ist nämlich gerade Teil der
         Beurteilung, die die Kommission in ihrer Ablehnungsentscheidung vorgenommen hat, um zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass
         die Korrekturmaßnahme von Euphet in der im Angebot enthaltenen Form für eine Beseitigung der von der Kommission festgestellten
         Gefahr eines Interessenkonflikts nicht ausreicht.
      
      117   Diese Frage wird jedoch im Verfahren zur Hauptsache eingehend zu untersuchen sein.
      118   Soweit die Antragstellerin sich drittens auf eine Verletzung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes beruft, so beziehen sich
         die E-Mails in der Anlage zu der Antwort der Antragstellerin vom 13. Juni 2005 nur auf ein einziges Ausschreibungsverfahren,
         so dass sie in diesem Stadium nicht als Nachweis für eine ständige Praxis der Kommission dienen können, wonach diese von den
         Bietern zusätzliche Informationen anfordere.
      
      119   Viertens hat die Antragstellerin in diesem Stadium nicht klar dargetan, dass die Kommission durch die Anforderung zusätzlicher
         Informationen bei anderen Bietern gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung oder gegen die Artikel 89 Absatz 1 und 99 der Haushaltsordnung
         verstoßen hat. 
      
      120   Tatsächlich geht aus der Stellungnahme der Kommission hervor, dass die Bieter zum Nachweis des Eingangsdatums ihrer jeweiligen
         Angebote aufgefordert wurden, da der auf den Umschlägen der Angebote angebrachte Poststempel schwer lesbar war. In diesem
         Stadium ist jedoch zu bezweifeln, dass sich die Antragstellerin in einer ähnlichen Lage wie diese Bieter befunden haben könnte.
         Im Gegensatz zur Lage Letzterer war der von der Kommission im Angebot von Euphet festgestellte Mangel auf den ersten Blick
         nämlich nicht Umständen zuzuschreiben, die vom Willen der Antragstellerin unabhängig sind, sondern er beruhte auf einer Unzulänglichkeit
         des Angebots selbst. 
      
      121   Diese Frage wird jedoch im Verfahren zur Hauptsache eingehend zu untersuchen sein.
      122   Angesichts des Vorbringens im Verfahren der einstweiligen Anordnung müssen einige Punkte des Vortrags der Antragstellerin
         bezweifelt werden. Ihr Vorbringen wird jedoch im Verfahren zur Hauptsache eingehend zu untersuchen sein.
      
      123   Ohne der Entscheidung des Gerichts im Verfahren zur Hauptsache vorzugreifen, kann das Vorbringen der Antragstellerin daher
         in diesem Stadium nicht als völlig unbegründet zurückgewiesen werden. Folglich ist die Voraussetzung des fumus boni juris
         erfüllt. 
      
       Zur Dringlichkeit
      124   Nach ständiger Rechtsprechung bemisst sich die Dringlichkeit eines Antrags auf einstweilige Anordnung nach der Notwendigkeit,
         vorläufig zu entscheiden, um zu verhindern, dass dem Antragsteller ein schwerer und nicht wieder gutzumachender Schaden entsteht.
         Der Antragsteller hat daher zu beweisen, dass er die Entscheidung im Verfahren zur Hauptsache nicht abwarten kann, ohne einen
         derartigen Schaden zu erleiden (Beschlüsse Esedra/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 43, und TQ3 Travel Solutions Belgium/Kommission,
         oben, Randnr. 67, Randnr. 41).
      
      125   Im vorliegenden Fall besteht das Vorbringen der Antragstellerin im Wesentlichen aus zwei Teilen; zum einen führe ihr Ausschluss
         vom fraglichen Ausschreibungsverfahren zu einer Beeinträchtigung ihres Rufes, und zum anderen werde das Fehlen einer einstweiligen
         Anordnung im Fall der Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidungen sie am Erhalt und an der späteren Ausführung des fraglichen
         Auftrags des Ausschreibungsverfahrens und folglich an der Inanspruchnahme der damit verbundenen Vorteile bezüglich Prestige,
         Erfahrungsgewinn und Einnahmen hindern. Die beiden Teile sind nacheinander zu prüfen.
      
      126   Erstens trägt die Antragstellerin vor, dass ihr Ruf durch ihren Ausschluss vom Ausschreibungsverfahren beeinträchtigt würde.
         Dazu führt die Kommission zutreffend aus, dass die Teilnahme an einer öffentlichen Ausschreibung, die ihrer Natur nach ausgeprägten
         Wettbewerbscharakter hat, Risiken für alle Teilnehmer mit sich bringt und dass der Ausschluss eines Bieters aufgrund der Ausschreibungsbedingungen
         als solcher nichts Schädigendes hat (Beschlüsse CMC/Kommission, oben, Randnr. 71, Randnr. 51, und European Dynamics/Kommission,
         oben, Randnr. 67, Randnr. 82). Das Vorbringen der Antragstellerin, wonach diese Rechtsprechung nicht für Fälle gelte, in denen
         ein Bieter rechtswidrig ausgeschlossen worden sei, ist zu verwerfen. Diese Rechtsprechung bezieht sich nämlich auf Verfahren,
         in denen die Antragsteller, wie die Antragstellerin im vorliegenden Fall, die Rechtmäßigkeit des oder der mit der Klage angefochtenen
         Rechtsakte bestritten hatten. Darüber hinaus gibt es im Fall des rechtswidrigen Ausschlusses eines Unternehmens von einem
         Ausschreibungsverfahren umso weniger Anlass, von der Gefahr einer schweren und nicht wieder gutzumachenden Beeinträchtigung
         des Rufes auszugehen, als zum einen der Ausschluss in keinem Zusammenhang mit den Kompetenzen des Unternehmens steht und zum
         anderen ein anschließendes Nichtigkeitsurteil grundsätzlich die Wiederherstellung eines eventuell geschädigten Rufes ermöglicht.
      
      127   Zweitens trägt die Antragstellerin vor, dass es ihr im Fall der Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidungen ohne einstweilige
         Anordnung unmöglich sein werde, den fraglichen Auftrag des Ausschreibungsverfahrens zu erhalten und auszuführen und folglich
         daraus bestimmte Vorteile bezüglich Prestige, Erfahrungsgewinn und Einnahmen zu ziehen.
      
      128   Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass im Fall der Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidungen durch das Gericht die Kommission,
         unbeschadet der Verpflichtungen, die sich aus der Anwendung des Artikels 288 Absatz 2 EG ergeben, gemäß Artikel 233 Absatz 1 EG
         die sich aus dem Urteil ergebenden Maßnahmen zu ergreifen hat. 
      
      129   Ferner ist darauf hinzuweisen, dass gemäß Artikel 233 EG das Organ, dem das für nichtig erklärte Handeln zur Last fällt, die
         sich aus dem Urteil des Gerichts ergebenden Maßnahmen zu ergreifen hat. Folglich ist zum einen das die Nichtigkeit aussprechende
         Gericht nicht befugt, dem Organ, dem das für nichtig erklärte Handeln zur Last fällt, die sich aus dem Urteil ergebenden Maßnahmen
         vorzugeben (Beschluss des Gerichtshofes vom 26. Oktober 1995 in den Rechtssachen C‑199/94 P und C‑200/94 P, Pevasa und Inpesca/Kommission,
         Slg. 1995, I‑3709, Randnr. 24), und zum anderen darf mit der Entscheidung im Verfahren der einstweiligen Anordnung nicht den
         Maßnahmen vorgegriffen werden, die in der Folge eines etwaigen Nichtigkeitsurteils ergriffen werden könnten. Die sich aus
         einem Nichtigkeitsurteil ergebenden Maßnahmen hängen nicht nur von der für nichtig erklärten Bestimmung und der Tragweite
         des Urteils ab, die sich anhand der Gründe des Urteils bestimmt (Urteil des Gerichtshofes vom 26. April 1988 in den Rechtssachen 97/86,
         99/86, 193/86 und 215/86, Asteris u. a./Kommission, Slg. 1988, 2181, Randnr. 27; Urteil des Gerichts vom 20. April 1999 in
         den Rechtssachen T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Limburgse
         Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Slg. 1999, II‑931, Randnr. 184), sondern auch von den jeweiligen Umständen des Einzelfalls,
         wie dem zeitlichen Abstand, mit dem die Nichtigerklärung des angefochtenen Handelns erfolgt, oder den Interessen der betroffenen
         Dritten.
      
      130   Im vorliegenden Fall hätte die Kommission bei einer Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidungen unter Berücksichtigung
         der Umstände der vorliegenden Rechtssache die Maßnahmen zu erlassen, die für einen angemessenen Schutz der Interessen der
         Antragstellerin erforderlich sind (vgl. in diesem Sinne Beschlüsse des Präsidenten des Gerichts vom 2. Mai 1994 in der Rechtssache
         T‑108/94 R, Candiotte/Rat, Slg. 1994, II‑249, Randnr. 27, und vom 31. Januar 2005 in der Rechtssache T‑447/04 R, Capgemini
         Nederland/Kommission, Slg. 2005, II-0000, Randnr. 96).
      
      131   Folglich darf durch die Entscheidung im Verfahren der einstweiligen Anordnung nicht den Maßnahmen vorgegriffen werden, die
         die Kommission zur Umsetzung eines etwaigen Nichtigkeitsurteils ergreifen könnte.
      
      132   Dennoch verlangt der allgemeine Grundsatz des Anspruchs auf umfassenden und effektiven gerichtlichen Rechtsschutz, dass dem
         Einzelnen vorläufiger Schutz gewährt werden kann, wenn dieser für die volle Wirksamkeit der künftigen Endentscheidung erforderlich
         ist, um eine Lücke in dem von den Gemeinschaftsgerichten gewährten Rechtsschutz zu verhindern (vgl. in diesem Sinne Beschluss
         des Präsidenten der Ersten Kammer des Gerichtshofes vom 12. Dezember 1968 in der Rechtssache 27/68 R, Renckens/Kommission,
         Slg. 1969, 274, 276, Urteile des Gerichtshofes vom 19. Juni 1990 in der Rechtssache C‑213/89, Factortame u. a., Slg. 1990,
         I‑2433, Randnr. 21, und vom 21. Februar 1991 in den Rechtssachen C‑143/88 und C‑92/89, Zuckerfabrik Süderdithmarschen und
         Zuckerfabrik Soest, Slg. 1991, I‑415, Randnrn. 16 bis 18, sowie Beschlüsse des Präsidenten des Gerichtshofes vom 3. Mai 1996
         in der Rechtssache C‑399/95 R, Deutschland/Kommission, Slg. 1996, I‑2441, Randnr. 46, und Österreich/Rat, oben, Randnr. 25,
         Randnr. 111).
      
      133   Daher ist zu prüfen, ob mit hinreichender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen wurde, dass der Antragstellerin ein schwerer und
         nicht wieder gutzumachender Schaden droht, wenn die beantragte einstweilige Anordnung nicht erlassen wird (vgl. in diesem
         Sinne Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 17. Juli 2001 in der Rechtssache C‑180/01 P[R], Kommission/NALOO, Slg. 2001,
         I‑5737, Randnr. 53).
      
      134   Vom Problem des Interessenkonflikts, der von der Kommission festgestellt wurde und von der Antragstellerin bestritten wird
         und der Gegenstand des Verfahrens zur Hauptsache ist, abgesehen, ist festzustellen, dass Euphet eine Chance hatte, den fraglichen
         Auftrag zu erhalten. Zum einen geht aus den Akten nämlich hervor, dass Euphet unabhängig vom wirtschaftlichen Wert ihres Angebots
         und ausschließlich wegen der Gefahr eines sie betreffenden Interessenkonflikts vom Ausschreibungsverfahren ausgeschlossen
         wurde. Zum anderen enthält die Akte nichts, was den Schluss zuließe, dass Euphet unabhängig von der von der Kommission festgestellten
         Gefahr eines Interessenkonflikts keine Chance hatte, den fraglichen Auftrag zu erhalten und durchzuführen. 
      
      135   Durch ihren Ausschluss vom Ausschreibungsverfahren wurde Euphet jedoch die Chance genommen, den Auftrag zu erhalten und daraus
         die verschiedenen – finanziellen und immateriellen – Vorteile zu ziehen, die gegebenenfalls mit der Ausführung des Rahmenvertrags
         verbunden wären. Folglich ist zum einen zu untersuchen, ob die Möglichkeit eines neuen, von der Kommission nach einem eventuellen
         Nichtigkeitsurteil durchzuführenden Ausschreibungsverfahrens zur Wiedergutmachung dieses Schadens führen würde; zum anderen
         ist bei Verneinung dieser Frage zu beurteilen, ob die Antragstellerin hierfür entschädigt werden könnte.
      
      136   Was die Möglichkeit der Durchführung eines neuen Ausschreibungsverfahrens durch die Kommission betrifft, so besteht selbst
         unter der Annahme, dass für Euphet wieder Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden könnten, die der Wettbewerbssituation
         beim Ausschreibungsverfahren vergleichbar sind, eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich der Gegenstand des neuen, von der
         Kommission durchzuführenden Verfahrens vom Gegenstand des ersten Verfahrens unterscheiden würde.
      
      137   Gemäß den Nummern 7.1.3 und 7.1.4 der Verdingungsunterlagen bezieht sich der Rahmenvertrag u. a. auf eine Bewertung des Aktionsprogramms
         der Gemeinschaft im Bereich der öffentlichen Gesundheit, das durch den Beschluss Nr. 1786/2002 eingeführt wurde. Gemäß Artikel 12
         Absatz 3 des Beschlusses muss die externe Bewertung jedoch „[b]is zum Ende des vierten Programmjahres“, d. h. bis zum 31. Dezember 2006,
         durchgeführt werden. 
      
      138   Auch wenn die Kommission zutreffend hervorhebt, dass sich der Rahmenvertrag nicht notwendig nur auf diese eine Bewertung bezieht,
         ist es somit sehr wahrscheinlich, dass ohne einstweilige Anordnung zumindest ein Teil der gemäß dem Rahmenvertrag zu erbringenden
         Leistungen bereits erbracht sein wird, wenn das Gericht im Verfahren zur Hauptsache entscheidet. 
      
      139   Selbst wenn unterstellt wird, dass erstens die Kommission die Durchführung eines neuen Ausschreibungsverfahrens beschließt
         oder ihr dies auferlegt wird, zweitens für Euphet wieder Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden können, die der Wettbewerbssituation
         beim Ausschreibungsverfahren vergleichbar sind, und drittens die Kommission das Angebot von Euphet auswählt, ist es folglich
         wenig wahrscheinlich, dass Euphet in der praktischen Umsetzung weiterhin die Chance hätte, die Gesamtheit der Leistungen zu
         erbringen, die sie erbracht hätte, wenn sie von Anfang an den Zuschlag erhalten hätte.
      
      140   Unter den Umständen des vorliegenden Falles ist es daher wenig wahrscheinlich, dass der Antragstellerin die Chance, den fraglichen
         Auftrag des Ausschreibungsverfahrens zugeteilt zu bekommen und auszuführen und daraus die verschiedenen, gegebenenfalls damit
         verbundenen Vorteile zu ziehen, allein dadurch erhalten bliebe, dass die Kommission ein neues Ausschreibungsverfahren durchführen
         kann. 
      
      141   Wie jedoch oben (Randnr. 135) entschieden worden ist, muss auch berücksichtigt werden, dass im Fall der Nichtigerklärung der
         mit der Klage angefochtenen Entscheidungen die Möglichkeit besteht, dass die Kommission der Antragstellerin einen eventuellen
         Schaden ersetzt oder dass die Antragstellerin, falls die Kommission beschließt, keinen Schadensersatz zu leisten, eine Schadensersatzklage
         gemäß Artikel 288 EG erhebt. Wenn nämlich der gegebenenfalls von der Antragstellerin erlittene Schaden Gegenstand eines späteren
         finanziellen Ausgleichs sein kann, kann er nicht als nicht wieder gutzumachen angesehen werden (vgl. in diesem Sinne Beschlüsse
         Esedra/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 44, und TQ3 Travel Solutions Belgium/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 43).
      
      142   Die Kommission macht in ihrer Stellungnahme geltend, dass die Interessen der Antragstellerin im Fall der Nichtigerklärung
         der angefochtenen Entscheidungen angemessen geschützt werden könnten, u. a. durch Zahlung einer Entschädigung. Die Akten enthalten
         jedoch keinen Hinweis darauf, dass im Fall der Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidungen mit hinreichender Sicherheit
         gewährleistet wäre, dass die Kommission die Antragstellerin auch ohne Erhebung einer Schadensersatzklage entschädigen würde.
         
      
      143   Daher ist zu prüfen, ob die Antragstellerin eine Klage gemäß Artikel 288 EG erheben könnte.
      144   Nach ständiger Rechtsprechung muss der Schaden, für den im Rahmen einer Klage gemäß Artikel 288 EG Ersatz verlangt wird, tatsächlich
         und sicher sein (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 15. September 1998 in der Rechtssache T‑54/96, Oleifici Italiani
         und Fratelli Rubino/Kommission, Slg. 1998, II‑3377, Randnr. 66, und vom 9. Juli 1999 in der Rechtssache T‑231/97, New Europe
         Consulting und Brown/Kommission, Slg. 1999, II‑2403, Randnr. 29).
      
      145   Wie bereits entschieden worden ist (oben, Randnr. 134), ist im vorliegenden Fall als erwiesen anzusehen, dass Euphet die Chance
         hatte, den fraglichen Auftrag zu erhalten und auszuführen. Folglich muss der Schaden, der für die Antragstellerin aus dem
         Verlust dieser Chance besteht, in diesem Stadium und angesichts des Vorbringens im Verfahren der einstweiligen Anordnung als
         tatsächlich und sicher im Sinne der in der vorstehenden Randnummer angeführten Rechtsprechung angesehen werden.
      
      146   Dagegen muss festgestellt werden, dass es sehr schwierig ist, den Wert dieser Chance zu quantifizieren. Das Angebot von Euphet
         wurde nämlich zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Verfahrens ausgeschlossen, ohne dass sich der Bewertungsausschuss zu dessen
         wirtschaftlichem Wert geäußert hätte. Selbst wenn der Bewertungsausschuss das Angebot bewertet hätte, wäre der Auftraggeber
         jedenfalls nicht an dessen Vorschlag gebunden gewesen, sondern er hätte über einen weiten Spielraum bei der Beurteilung der
         Gesichtspunkte verfügt, die bei einer Entscheidung über die Erteilung des Auftrags zu berücksichtigen gewesen wären (vgl.
         in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 29. Oktober 1998 in der Rechtssache T‑13/96, TEAM/Kommission, Slg. 1998, II‑4073,
         Randnr. 76, und AFCon Management Consultants u. a./Kommission, oben, Randnr. 35, Randnr. 113).
      
      147   Somit ist es sehr schwer, wenn nicht unmöglich, die Chance zu quantifizieren und somit den mit ihrem Verlust verbundenen Schaden
         zu bewerten. Nach ständiger Rechtsprechung kann jedoch ein Schaden, der bei seinem Eintritt nicht beziffert werden könnte,
         als nicht wieder gutzumachen angesehen werden (vgl. in diesem Sinne Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 23. Mai 1990
         in den Rechtssachen C‑51/90 R und C‑59/90 R, Comos Tank u. a./Kommission, Slg. 1990, I‑2167, Randnr. 31; Beschlüsse des Präsidenten
         des Gerichts vom 21. März 1997 in der Rechtssache T‑41/97 R, Antillean Rice Mills/Rat, Slg. 1997, II‑447, Randnr. 47, und
         vom 7. Juli 1998 in der Rechtssache T‑65/98 R, Van den Bergh Foods/Kommission, Slg. 1998, II‑2641, Randnr. 65).
      
      148   Der Verlust dieser Chance kann folglich als nicht wieder gutzumachender Schaden angesehen werden.
      149   Der Erlass einer einstweiligen Anordnung ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn es sich bei dem vom Antragsteller geltend gemachten
         Schaden um einen schweren Schaden handelt (vgl. in diesem Sinne Beschlüsse Esedra/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 43,
         und TQ3 Travel Solutions Belgium/Kommission, oben, Randnr. 67, Randnr. 41).
      
      150   Der Verlust der Chance, einen öffentlichen Auftrag zu erhalten und auszuführen, ergibt sich jedoch zwangsläufig aus dem Ausschluss
         vom fraglichen Ausschreibungsverfahren und kann als solcher, unabhängig von einer konkreten Würdigung der Schwere der im Einzelfall
         behaupteten spezifischen Schmälerung der Rechte, keinen schweren Schaden darstellen (vgl. entsprechend Beschluss des Präsidenten
         des Gerichts vom 8. Dezember 2000 in der Rechtssache T‑237/99 R, BP Nederland u. a./Kommission, Slg. 2000, II‑3849, Randnr. 52).
      
      151   Folglich würde der Verlust der Chance, den fraglichen Auftrag zu erhalten und auszuführen, im vorliegenden Fall einen schweren
         Schaden darstellen, wenn die Antragstellerin rechtlich hinreichend nachgewiesen hätte, dass sie aus der Vergabe und der Ausführung
         des Auftrags im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens hinreichend bedeutende Vorteile hätte ziehen können.
      
      152   Daher sind die verschiedenen Vorteile, die der Antragstellerin nach ihrer Ansicht bei Vergabe und Ausführung des fraglichen
         Auftrags im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens zugefallen wären, konkret zu prüfen.
      
      153   Erstens macht die Antragstellerin geltend, dass die Ausführung des Rahmenvertrags ihr bedeutende Vorteile bezüglich Erfahrungsgewinn
         und Prestige verschafft hätte. Ihr Vorbringen hierzu ist jedoch zu allgemein, zu vage und zu wenig substanziiert, um die Wahrscheinlichkeit
         und erst recht die Bedeutung dieser Vorteile rechtlich hinreichend darzutun. Bezüglich der Ehre und des Prestiges, die mit
         der Ausführung der Aufgaben verbunden seien, beruft sich die Antragstellerin auf den Wert des Rahmenvertrags, auf „Gegenstand,
         Laufzeit, internationalen und groß angelegten Charakter des Auftrags“ und auf die Tatsache, dass sie für die Ausführung des
         Auftrags ein Team von 65 Personen zusammengestellt habe. Mangels konkreterer Nachweise, die die Bewertung der Auswirkungen
         einer Ausführung des Rahmenvertrags – u. a. auf Kunden, Prestige und Erfahrungen der Antragstellerin – erlauben, ist dieses
         Vorbringen allein jedoch zu vage, um die Wahrscheinlichkeit und erst recht die Bedeutung der behaupteten Vorteile rechtlich
         hinreichend darzutun.
      
      154   Was zweitens die mit der Ausführung des Rahmenvertrags verbundenen finanziellen Vorteile angeht, so ist deren Bestehen klar
         dargetan. Offenkundig würden daher der Antragstellerin bei Nichtausführung des Vertrages Einnahmen entgehen, die sie bei Vergabe
         des Auftrags an sie erzielt hätte. Aus diesem Grund droht der Antragstellerin ein nicht wieder gutzumachender Schaden wegen
         des Verlustes der Chance zur Erzielung dieser Einnahmen.
      
      155   Was die Schwere dieses Verlustes betrifft, so ist angesichts des Gegenstands des Rahmenvertrags darauf hinzuweisen, dass dieser
         Vertrag Aufgaben mit erheblichem Wert betrifft. Hierzu geht u. a. aus den Verdingungsunterlagen hervor, dass dem Auftragnehmer
         drei bis fünf Aufträge pro Jahr zugeteilt werden sollen und dass der Wert der zu vergütenden Leistungen im ersten Jahr bis
         zu 1 Million Euro betragen könnte. 
      
      156   Handelt es sich bei einem Antragsteller um ein Unternehmen, muss die Schwere eines materiellen Schadens jedoch u. a. im Hinblick
         auf die Größe des Unternehmens bewertet werden (vgl. in diesem Sinne Beschluss Comos Tank u. a./Kommission, oben, Randnr. 147,
         Randnrn. 26 und 31, und Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 22. Dezember 2004 in der Rechtssache T‑201/04 R, Microsoft/Kommission,
         Slg. 2004, II‑0000, Randnr. 257).
      
      157   Im vorliegenden Fall ist darauf hinzuweisen, dass die Antragstellerin nichts vorgetragen hat, was insbesondere angesichts
         ihrer Größe den Schluss zuließe, dass der ihr drohende Verlust schwer genug wäre, um den Erlass einer einstweiligen Anordnung
         zu rechtfertigen.
      
      158   So geht aus einer dem Angebot von Euphet beigefügten Anlage hervor, dass die Antragstellerin im Jahr 2004 einen Umsatz von
         über 27 Millionen Euro erzielt hat. Ferner gehen die Informationen, die im Angebot von Euphet aufgeführt sind, dahin, die
         Bedeutung der Gruppe darzutun, der die Antragstellerin angehört. Im Angebot wird u. a. darauf hingewiesen, dass weltweit über
         130 000 Personen für diese Gruppe arbeiten, davon etwa 20 000 in der Europäischen Union. 
      
      159   Daher reicht das Vorbringen im Rahmen des Antrags auf einstweilige Anordnung nicht aus, um für die Antragstellerin den Verlust
         der Chance, die mit der Ausführung des Rahmenvertrags verbundenen Einnahmen zu erzielen, als schwerwiegend genug anzusehen,
         um den Erlass einer einstweiligen Anordnung zu rechtfertigen.
      
      160   Folglich kann die Voraussetzung der Dringlichkeit nicht als erfüllt angesehen werden.
      161   Schließlich ist festzustellen, dass jedenfalls die Interessenabwägung gegen den Erlass einer einstweiligen Anordnung spricht.
         
      
      162   Wie bereits festgestellt, droht der Antragstellerin ohne einstweilige Anordnung ein Schaden, der im Verlust der Chance zur
         Erzielung der mit der Ausführung des Rahmenvertrags verbundenen Einnahmen besteht.
      
      163   Dagegen wäre es der Kommission unmöglich, den Rahmenvertrag abzuschließen, wenn die beantragte einstweilige Anordnung erginge.
         Aus der Begründungserwägung 44 des Beschlusses Nr. 1786/2002 ergibt sich, dass die Bewertungen des Aktionsprogramms der Gemeinschaft
         im Bereich der öffentlichen Gesundheit gegebenenfalls die Anpassung oder Abänderung des Programms bezwecken. An der Durchführung
         der Bewertungen besteht demnach ein erhebliches allgemeines Interesse. 
      
      164   Ferner müssen die Interessen des Bieters berücksichtigt werden, der nach dem Abschluss des Ausschreibungsverfahrens den Auftrag
         erhalten hat und bei Aussetzung des Vollzugs den ihm erteilten Auftrag nicht ausführen könnte.
      
      165   Schließlich ergibt sich aus der Prüfung des fumus boni juris (oben, Randnrn. 83 bis 123), dass dieser angesichts des Vorbringens
         im Verfahren der einstweiligen Anordnung nicht besonders ausgeprägt und nicht geeignet ist, die Interessenabwägung zugunsten
         des Erlasses der einstweiligen Anordnung ausfallen zu lassen. 
      
      166   Daher spricht die Interessenabwägung angesichts dieses Vorbringens gegen den Erlass der beantragten einstweiligen Anordnung.
      167   Folglich ist der Antrag auf einstweilige Anordnung zurückzuweisen, ohne dass über den Antrag der Antragstellerin auf Hinterlegung
         der zwischen der Kommission und den übrigen Bietern ausgetauschten Schreiben bei der Kanzlei entschieden werden müsste.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DER PRÄSIDENT DES GERICHTS
      beschlossen:
      1.      Der Antrag auf einstweilige Anordnung wird zurückgewiesen.
      2.      Die Kostenentscheidung bleibt vorbehalten.
      Luxemburg, den 20. September 2005
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               H. Jung
            
             
            
                     B. Vesterdorf
            
         * Verfahrenssprache: Niederländisch.