CELEX: 51993PC0342
Language: de
Date: 1993-12-03
Title: Vorschlag für eine VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES über das Gemeinschaftsgeschmacksmuster

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        KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                 KOM(93)342         endg.-C0D463
                                                 B r ü s s e l , den 3  . Dezember 1993
                                   Vorschlag fur eine
            VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
                       fiber das Gemeinschaftsgeschmacksmuster
                             (von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---                                  INHALTSVERZEICHNIS
                                                                             Seite
ERLÄUTERUNGEN                                                                    1
VORSCHLAG FUR EINE VERORDNUNG DES
EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES                                           60
TITEL I       ALLGEMEINE BESTIMMUNGEN
Artikel 1     Gemeinschaftsgeschmacksmuster                                     65
Artikel 2     Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft                              65
TITEL H       MATERIELLES MUSTERRECHT
1. Abschnitt: Schutzvoraussetzungen
Artikel 3     Begriffe                                                          66
Artikel 4     Allgemeine Schutzvoraussetzungen                                  66
Artikel 5     Neuheit                                                           66
Artikel 6     Eigenart                                                          67
Artikel 7     Stichtag                                                          67
Artikel 8     Unschädliche Offenbarungen                                        67
Artikel 9     Nicht willkürlich gewählte technische Muster sowie Muster
              von Verbindungselementen                                          68
Artikel 10    Muster, die gegen die öffentliche Ordnung verstoßen               68
2. Abschnitt: Schutz und Dauer des Schutzes
Artikel 11    Schutzumfang                                                      68
Artikel 12    Beginn und Laufzeit des Schutzes des nicht eingetragenen
              Gemeinschaftsgeschmacksmusters                                    69
Artikel 13    Beginn und Laufzeit des Schutzes des eingetragenen
              Gemeinschaftsgeschmacksmusters                                    69
3. Abschnitt: Zur Anmeldung und Erlangung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
              Berechtigte
Artikel 14    Recht auf das Gemeinschaftsgeschmacksmuster                       69
Artikel 15    Mehrere Entwerfer                                                 69
Artikel 16    Ansprüche der zur Anmeldung und Erlangung des
              Gemeinschaftsgeschmacksmusters Berechtigten                       70
Artikel 17    Wirkungen des Urteils über die zur Anmeldung und Erlangung
              des Gemeinschaftsgeschmacksmusters Berechtigten                   70
Artikel 18    Vermutung zugunsten des Eingetragenen                             71
Artikel 19    Besondere Rechte des Entwerfers                                   71
 ---pagebreak--- 4. Abschnitt:  Wirkung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
Artikel 20     Recht aus dem nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster 71
Artikel 21     Recht aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster       71
Artikel 22     Beschränkung des Rechts aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster   72
Artikel 23     Verwendung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
               zu Reparaturzwecken                                             72
Artikel 24     Erschöpfung                                                     73
Artikel 25     Vorbenutzungsrecht betreffend das eingetragene
               Gemeinschaftsgeschmacksmuster                                   73
5. Abschnitt:  Nichtigkeit
Artikel 26     Erklärung der Nichtigkeit                                       73
Artikel 27     Nichtigkeitsgründe                                              74
Artikel 28     Wirkung der Nichtigkeit                                         74
TITEL m        DAS GiMEINSOIAFTSGESCHMACKSMUSTER ALS
               GEGENSTAND DES VERMÖGENS
Artikel 29     Gleichstellung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters mit dem
               Musterrecht eines Mitgliedstaats                                75
Artikel 30     Rechtsübergang                                                  75
Artikel 31     Dingliche Rechte an einem eingetragenen
               Gemeinschaftsgeschmacksmuster                                   76
Artikel 32     Zwangsvollstreckung in das eingetragene Gemeinschafts-
               geschmacksmuster                                                76
Artikel 33     Konkursverfahren oder konkursähnliche Verfahren                 76
Artikel 34     Lizenz                                                          77
Artikel 35     Wirkung gegenüber Dritten                                       77
Artikel 36     Die Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
               als Vermögensgegenstand                                         78
TITEL IV       DIE ANMELDUNG DES EINGETRAGENEN GEMEEMSCHAFTS-
               GESCHMACKSMUSTERS
 1. Abschnitt: Einreichung und Erfordernisse der Anmeldung
Artikel 37     Einreichung der Anmeldung                                       78
Artikel 38     Übermittlung der Anmeldung                ,                     79
Artikel 39     Erfordernisse der Anmeldung                                     79
Artikel 40     Sammelanmeldungen                                      .        80
Artikel 41     Anmeldetag                                                      80
Artikel 42     Klassifikation                                                  81
2. Abschnitt:  Priorität
Artikel 43     Prioritätsrecht                                                  81
Artikel 44     Inanspruchnahme der Priorität                                   82
Artikel 45     Wirkung des Prioritätsrechts                                     82
Artikel 46     Wirkung wie eine nationale Anmeldung                            82
Artikel 47      Ausstellungspriorität                                           82
                                               ii
 ---pagebreak--- TITEL V       EINTRAGUNGSVERFAHREN
Artikel 48    Prüfung auf Formerfordernisse                                83
Artikel 49    Behebbare Mängel                                             83
Artikel 50    Eintragung                                                   83
Artikel 51    Bekanntmachung                                               84
Artikel 52    Aufgeschobene Bekanntmachung                                 84
TITEL VI      SCHUTZDAUER DES EINGETRAGENEN GEMEINSCHAFIS-
              GESCHMACKSMUSTERS
Artikel 53    Schutzdauer                                                  85
Artikel 54    Verlängerung                                                 85
TITEL VD      VERZICHT AUF DAS EINGETRAGENE GEMEINSCHAFTS-
              GESCHMACKSMUSTER UND NICHTIGKEIT
Artikel 55    Verzicht                                                     86
Artikel 56    Antrag auf Nichtigkeitserklärung                             86
Artikel 57    Prüfung des Antrags                                          87
Artikel 58    Beteiligung des angeblichen Rechtsverletzers, der Kommission
              und der Mitgliedstaaten am Verfahren                         87
TITEL V m     BESCHWERDE GEGEN ENTSCHEIDUNGEN DES AMTES
Artikel 59    Beschwerdefahige Entscheidungen                              88
Artikel 60    Beschwerdeberechtigte und Verfahrensberechtigte              88
Artikel 61    Frist und Form der Beschwerde                                88
Artikel 62    Abhilfe                                                      88
Artikel 63    Prüfung der Beschwerde                                       88
Artikel 64    Entscheidung über die Beschwerde                             89
Artikel 65    Klage beim Gerichtshof                                       89
TITEL IX      VERFAHREN VOR DEM AMT
1. Abschnitt: Allgemeine Vorschriften
Artikel 66    Begründung der Entscheidungen                                90
Artikel 67    Ermittlung des Sachverhalts von Amts wegen                   90
Artikel 68    Mündliche Verhandlung                                        90
Artikel 69    Beweisaufnahme                                               91
Artikel 70    Zustellung                                                   91
Artikel 71    Wiedereinsetzung in den vorigen Stand                        91
Artikel 72    Heranziehung allgemeiner Grundsätze                          92
Artikel 73    Beendigung von Zahlungsverpflichtungen                       93
2. Abschnitt: Kosten
Artikel 74    Kostenverteilung                                             93
Artikel 75    Vollstreckung der Entscheidungen, die Kosten festsetzen      94
                                             m
 ---pagebreak--- 3. Abschnitt: Unterrichtung der Öffentlichkeit und der Behörden der Mitgliedstaaten
Artikel 76    Register                                                               94
Artikel 77    Regelmäßig erscheinende Veröffentlichungen                             95
Artikel 78    Akteneinsicht                                                          95
Artikel 79    Amts- und Rechtshilfe                                                  96
Artikel 80    Austausch von Veröffentlichungen                                       96
4. Abschnitt: Vertretung
Artikel 81    Allgemeine Grundsätze der Vertretung                                   96
Artikel 82    Zugelassene Vertreter                                                  97
TITEL X       ZUSTÄNDIGKEIT UND VERFAHREN FÜR KLAGEN, DIE
              GEMEmSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER BETREFFEN
1. Abschnitt: Vollstreckung
Artikel 83    Anwendung des Vollstreckungsübereinkommens                             98
2. Abschnitt Streitigkeiten über die Verletzung und Rechtsgültigkeit der
              Gemeinschaftsgeschmacksmuster
Artikel 84     Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte                                 99
Artikel 85    Zuständigkeit für Verletzung und Rechtsgültigkeit                      99
Artikel 86    Internationale Zuständigkeit                                          100
Artikel 87    Reichweite der Zuständigkeit für Verletzungen                         100
Artikel 88    Klage oder Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit des
              Gemeinschaftsgeschmacksmusters                                        101
Artikel 89    Vermutung der Rechtsgültigkeit - Einreden                             101
Artikel 90    Entscheidungen über die Rechtsgültigkeit                              102
Artikel 91    Wirkungen der Entscheidung über die Rechtsgültigkeit                  103
Artikel 92    Anwendbares Recht                                                     103
Artikel 93    Sanktionen bei Verletzungsverfahren                                   103
Artikel 94    Einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen             104
Artikel 95    Besondere Vorschriften über im Zusammenhang stehende Verfahren        104
Artikel 96    Zuständigkeit der Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte
              zweiter bistanz - weitere Rechtsmittel                                105
3. Abschnitt: Sonstige Streitigkeiten über Gemeinschaftsgeschmacksmuster
Artikel 97    Ergänzende Vorschriften über die Zuständigkeit der nationalen
              Gerichte, die keine Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte sind        105
Artikel 98    Bindung des nationalen Gerichts                                       106
TITEL XI      AUSWIRKUNGEN AUF DAS RECHT DER MITGLIEDSTAATEN
Artikel 99    Parallele Klagen aus Gemeinschaftsgeschmacksmustern und aus
              nationalen Musterrechten                                              106
Artikel 100   Verhältnis zu anderen Schutzformen nach nationalem Recht              106
                                              IV
 ---pagebreak--- TITEL XII     DAS GESCHMACKSMUSTERAMT DER GEMEINSCHAFT
1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen
Artikel 101   Rechtsstellung                                               107
Artikel 102   Verwaltungsdienstellen                                       107
Artikel 103   Personal                                                     107
Artikel 104   Vorrechte und Immunitäten                                    108
Artikel 105   Haftung                                                      108
Artikel 106   Zuständigkeit des Gerichtshofs                               108
2. Abschnitt: Leitung des Amtes
Artikel 107 Befugnisse des Präsidenten                                     109
Artikel 108 Ernennung hoher Beamter                                        109
3. Abschnitt: Verwaltungsrat
Artikel 109   Errichtung und Befugnisse                                    110
Artikel 110   Zusammensetzung                                              110
Artikel 111   Vorsitz                                                      110
Artikel 112   Tagungen                                                     111
4. Abschnitt: Durchführung der Verfahren
Artikel 113   Zuständigkeit                                                111
Artikel 114   Formalprüfungsabteilungen                                    111
Artikel 115   Musterverwaltungs- und Rechtsabteilung                       112
Artikel 116   Nichtigkeitsabteilungen                                      112
Artikel 117   Beschwerdekammern                                            112
Artikel 118   Unabhängigkeit der Mitglieder der Beschwerdekammern          112
Artikel 119   Ausschließung und Ablehnung                                  113
Artikel 120   Ernennung der Mitglieder der Nichtigkeitsabteilungen und der
              Beschwerdekammern während einer Übergangsfrist               113
5. Abschnitt: Finanzbestimmungen
Artikel 121 Haushalt                                                       114
Artikel 122 Gebühren                                                       115
TITEL XIH     SCHLUSSBESTIMMUNGEN
Artikel 123   Amtssprachen                                                 115
Artikel 124   Gemeinschaftliche Durchführungsbestimmungen                  115
Artikel 125   System für den Informationsaustausch                         115
Artikel 126   Einsetzung eines Ausschusses und Verfahren für die Annahme
              der Durchführungsvorschriften                                116
Artikel 127   Gebührenordnung                                              116
Artikel 128   Inkrafttreten                                                117
 ---pagebreak---  ---pagebreak---                                    ERLÄUTERUNGEN
                                1. TEIL: ALLGEMEINES
1.  Einführung
1.1 Die vorliegende Verordnung hat das Ziel, ein gemeinschaftsweites System für den
    rechtlichen Schutz gewerblicher Muster zu schaffen.
1.2 Derzeit entsteht der rechtliche Schutz von Mustern durch Eintragung. Abgesehen vom
    Benelux-Gebiet, wo seit 1975 ein regionales Schutzsystem in Kraft ist, ist der Muster-
    schutz auf nationaler Ebene geregelt. Ein Schutz erfolgt aufgrund einer Anmeldung in
    den einzelnen Mitgliedstaaten. Die rechtliche Wirkung des Schutzes beschränkt sich auf
    das Gebiet des Staates, in dem der Schutz verliehen wurde.
1.3 Konflikte, die zu Hindernissen für den freien Warenverkehr führen, sind unvermeidlich.
    Ein Muster, das in einem Mitgliedstaat schutzfahig ist, erfüllt möglicherweise in einem
    anderen Mitgliedstaat die Schutzvoraussetzungen nicht. Wenn Waren, die rechtmäßig von
    einem Wettbewerber in einem Land hergestellt wurden, in dem es keinen Musterschutz
    gibt, in dem Land in den Verkehr gebracht werden sollen, in dem Musterschutz besteht,
    kann die Einfuhr in diesen Staat oder die Durchfuhr durch ihn kraft Artikel 36 EWGV
    verboten werden. Auch kann aufgrund des rein nationalen Charakters des Musterschutzes
    ein und dasselbe Muster in verschiedenen Mitgliedstaaten für verschiedene Rechtsinhaber
    eingetragen sein. Der Inhaber des Rechts im einen Land kann kraft Artikel 36 EWGV
    die Einfuhr von Waren, die seine Rechte verletzen würden, in diesen Staat selbst dann
    ver hindern, wenn das in den Waren verwendete Muster in einem anderen Mitgliedstaat
    für einen anderen Rechtsinhaber eingetragen ist.
1.4 Musterrechte sind im letzten Jahrzehnt zunehmend wichtig geworden, da Design als
    Marketinginstrument an Bedeutung gewonnen hat. Viele Waren werden von den
    Verbrauchern nicht nur aufgrund ihrer Funktion begehrt, sondern auch, oder sogar in
    stärkerem Maße, wegen ihres Designs. Die Arten von Waren, in denen Muster Ver-
    wendung finden, lassen sich nicht leicht aufzählen. Die Palette der "Designwaren" ist
    äußerst breit und reicht von Gebrauchsgegenständen und Schmuck bis zu hochentwickel-
    ten Maschinen, Werkzeugen, Elektronik und Unterhaltungselektronik, Kraftfahrzeugen,
    Yachten, Möbeln und Büroausstattung, Sportartikeln, Mode und Bekleidung und
    Haushaltgeräten, um nur einige Beispiele von Bereichen zu erwähnen, die typisch für die
    zeitgenössische gewerbliche Designtätigkeit sind. Künstliche Handelsschranken werden
    daher Auswirkungen auf den Handel mit den meisten Waren haben und sind deshalb mit
    dem Funktionieren des Binnenmarktes unvereinbar.
 ---pagebreak--- 1.5 Damit Waren, in denen Muster verwendet werden, in einem Binnenmarkt frei verkehren
    können, ist ein Schutzsystem auf der Ebene der Gemeinschaft notwendig. Ein gemein-
    schaftsweites Schutzsystem kann durch die Angleichung der Rechtsvorschriften der
    Mitgliedstaaten nicht ersetzt werden. Selbst einzelstaatliche Schutzsysteme einheitlicher
    Art würden den Bedürfnissen des Binnenmarkts nicht genügen, weil der Schutz an den
    Grenzen des Staates, in dem der Schutz erworben wurde, enden würde. Somit wäre trotz
    der Angleichung der Rechtsvorschriften die Gefahr, daß entgegenstehende Rechte in
    anderen Mitgliedstaaten bestehen könnten, nach wie vor tatsächlich gegeben.
1.6 Maßnahmen zur Schaffung eines Gemeinschaftssystems für den Musterschutz können nur
    auf der Ebene der Gemeinschaft ergriffen werden und können in keinerlei Weise durch
    Maßnahmen ersetzt werden, welche die Mitgliedstaaten innerhalb ihrer Gebiete ergreifen.
    Ein supranationales Schutzsystem kann nur durch supranationale Maßnahmen geschaffen
    werden. Das dafür vorgesehene Rechtsinstrument ist eine Verordnung.
1.7 Deshalb steht die Verordnung in Übereinstimmung mit dem Grundsatz der Subsidiarität.
    Die Gemeinschaft muß Rechtsvorschriften erlassen, denn die betreffenden Rechtsvor-
    schriften sind notwendig, um die Ziele des Binnenmarktes zu erreichen. Die im Hinblick
    auf dieses Ziel notwendigen Rechtsvorschriften können nur auf der Ebene der Gemein-
    schaft und nicht auf der Ebene der Mitgliedstaaten erlassen werden.
2.  Die Rechtsgrundlage
2.1 Die vorgeschlagene Verordnung verfolgt im Hinblick auf gewerbliche Muster und auf
    die Waren, in denen gewerbliche Muster verwendet werden, ähnliche Zwecke wie andere
    Initiativen der Gemeinschaft auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes und
    Urheberrechts, nämlich die Errichtung und das Funktionieren eines gemeinsamen Marktes
    für Erzeugnisse, in denen Muster verwendet werden, und somit freien Verkehr,
    unverfälschten Wettbewerb und angemessenen Schutz dieser Form des gewerblichen und
    kommerziellen Eigentums. (Artikel 2, Artikel 3 Buchstaben a und f, sowie Artikel 36 des
    EWG-Vertrags).
2.2 Artikel 8a des EWG-Vertrags sieht vor, daß die Gemeinschaft gemäß den Vorschriften
    des Vertrags, u.a. Artikel 100a Maßnahmen mit dem Ziel trifft, den Binnenmarkt zu
    verwirklichen, der einen Raum ohne Binnengrenzen umfaßt, in dem der freie Verkehr
    von Waren wie zum Beispiel von Erzeugnissen, in denen Muster verwendet werden,
    gewährleistet ist. Artikel 100a EWG ermächtigt die Gemeinschaft, die "Maßnahmen" zur
    Angleichung zu erlassen, die notwendig sind, um die Ziele des Binnenmarktes zu
    erreichen. Maßnahmen ist der Ausdruck für jede Art von rechtlichem Instrument. Daher
    bedeutet "Maßnahmen ergreifen" das Erlassen aller angemessenen Rechtsvorschriften.
    Angemessene Vorschriften im Sinne des Artikels 100a sind Vorschriften, mit denen die
    in Artikel 8a festgelegten Ziele verfolgt werden, und die daher die Errichtung und das
    Funktionieren des Binnenmarktes zum Ziel haben. Die Wahl des Instruments hängt davon
    ab, wie geeignet und notwendig es für die Erreichung des Ziels ist.
 ---pagebreak--- 2.3 Das mit der Maßnahme verfolgte Ziel ist die Schaffung eines gemeinschaftsweiten
    Rechts, das für die gesamte Gemeinschaft zur selben Zeit entsteht und erlischt und
    seinem Inhaber ein einheitliches Recht verleiht. Dieses Ziel läßt sich durch eine
    Richtlinie nicht erreichen. Mittels einer Richtlinie läßt sich zwar eine Angleichung der
    Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten erreichen, wodurch gesetzliche Regelungen
    geschaffen werden, mit denen Muster nach denselben Bedingungen, für einen ein-
    heitlichen Zeitraum und mit demselben Umfang und Inhalt des Schutzes in allen
    Mitgliedstaaten der Gemeinschaft geschützt werden. Eine Richtlinie aber kann die
    unterschiedlichen einzelstaatlichen Schutzsysteme mit ihrer ausschließlich territorialen
    Geltung, welche den Benutzern die Bürde der mehrfachen Anmeldung, der Zahlung
    unterschiedlicher Gebühren in den verschiedenen Mitgliedstaaten und der Überwachung
    der Rechte in den verschiedenen Mitgliedstaaten auferlegen, nicht durch ein einziges, in
    der gesamten Gemeinschaft geltendes Recht ersetzen. Zu diesem Zweck ist eine
    Verordnung notwendig. Aus der Einführung ergibt sich, daß die derzeitige Lage, bei der
    der Musterschutz national und auf die Rechtsordnung, in der er verliehen wurde,
    beschränkt ist, Hindernisse für den zwischenstaatlichen Handel schafft. Wenn kein
    gemeinschaftsweites Recht eingeführt wird, dann wird der Rückgriff auf Artikel 36 als
    legitime Rechtfertigung für die Beibehaltung von Einfuhrbeschränkungen für Waren ad
    infinitum andauern. Die vorgeschlagene Maßnahme ist daher notwendig, um die Ziele
    des Binnenmarkts zu erreichen.
2.4 Die Harmonisierung im Sinne des Artikels 100a beschränkt sich nicht auf Änderungen
    der einzelstaatlichen Rechtsvorschriften, sondern umfaßt auch die Ergänzung oder den
    Ersatz einzelstaatlicher Vorschriften. Die Schaffung eines Gemeinschaftsgeschmacks-
    musters ergänzt die einzelstaatlichen Rechtsvorschriften über den Musterschutz und kann
    deshalb als "Angleichung" der Gesetze der Mitgliedstaaten in diesem Bereich im Sinne
    des Artikel 100a EWGV betrachtet werden.
2.5 Das nach Maßgabe von Artikel 2 der Verordnung zu errichtende Amt sollte aus
    Kostengründen gemeinsame Verwaltungsstrukturen mit dem Markenamt der Gemein-
    schaft haben, das im Rahmen der Verordnung über die Gemeinschaftsmarke geschaffen
    wird, die vor der endgültigen Annahme dieser Verordnung angenommen werden soll.
3.  Die Bedeutung des Musterschutzes für die Gemeinschaft
3.1 Ein Musterschutz, der den Bedürfnissen der Wirtschaft Rechnung trägt, ist für die
    Gemeinschaft, ihre Mitgliedstaaten und ihre Unternehmen, insbesondere für die kleinen
    und mittleren Unternehmen von herausragender Bedeutung.
3.2 Mit steigendem Lebensstandard werden die Verbraucher gegenüber der Qualität des
    Designs immer anspruchsvoller und sie haben damit eine Entwicklung in Gang gebracht,
    als deren Folge das Design zu einem äußerst wichtigen Marketinginstrument wird. In
    vielen Bereichen der Wirtschaft führen die Unternehmen den Wettbewerbskampf in erster
    Linie mit Hilfe des Designs. Die wirtschaftliche Betätigung in einigen Sektoren käme
    zum Erliegen, wenn die Unternehmen nicht in der Lage wären, die Nachfrage nach ihren
 ---pagebreak---     Erzeugnissen mit Hilfe von neuen Mustern anzuregen. In vielen Fällen ist es das Design,
    das über den kaufmännischen Erfolg oder Mißerfolg der Tätigkeit entscheidet. Mit der
    Vollendung des Binnenmarkts wird sich diese Entwicklung wahrscheinlich noch
    verstärken. Unternehmen, die mit Hilfe von Mustern erfolgreich Verbraucher anlocken,
    werden durch die Nutzung der kommerziellen Gegebenheiten eines Binnenmarkts häufig
    den Marktanteil für ihre Erzeugnisse gegenüber den Wettbewerbern ausbauen können.
    In der wirtschaftlichen Landschaft der Gemeinschaft finden sich viele Denkmäler, die den
    kommerziellen Erfolg von designorientierten Unternehmen bezeugen. Diese Unternehmen
    sind in vielen Wirtschaftszentren der Gemeinschaft vertreten, und ihre Erzeugnisse sind
    dort immer häufiger zu finden.
3.3 Hochwertiges Design ist einer der wichtigsten Aktivposten von in der Gemeinschaft
    ansässigen Unternehmen in ihrem Wettbewerb mit Konkurrenten aus Drittländern, deren
    Arbeitskosten oft niedriger liegen. Viele aus der Gemeinschaft stammende Erzeugnisse,
    in denen Muster verwendet werden, genießen einen beneidenswerten Ruf am Markt. Die
    Grundlage dieses Rufs zu wahren, den Wert dieser Designtätigkeiten noch weiter zu
    steigern und die Investitionen in Muster durch deren Schutz vor parasitärem Verhalten
    zu fördern, ist eines der Ziele der Verordnung.
3.4 Muster sind oft leicht nachzubilden. In vielen Fällen bedarf die Nachbildung von
    Erzeugnissen, in denen Muster verwendet werden, keines Know-hows. Daher ist das
    Nachahmen von Mustern innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft weit verbreitet, und
    die Wirtschaftsteilnehmer fordern rechtliche Vorschriften, die zumindest ein gewisses
    Maß an Schutz vor der unzulässigen Verwendung von Mustern bieten.
3.5 Das Schutzsystem für das Gemeinschaftsgeschmacksmuster wird auf internationaler
    Ebene als Vorbild wirken und wird es der Gemeinschaft leichter machen, ihren Einfluß
    zugunsten eines gerechten Musterschutzes außerhalb des Bereichs der rechtlichen
    Zuständigkeit der Gemeinschaft zur Geltung zu bringen.
4.  Der Musterschutz in den Mitgliedstaaten
4.1 Mit Ausnahme von Griechenland haben alle Mitgliedstaaten Gesetze für den rechtlichen
    Schutz von Mustern durch besonderen Schutz erlassen. Der Schutz durch besondere
    Musterschutzvorschriften wird häufig kumulativ zusammen mit dem Schutz nach
    Maßgabe der urheberrechtlichen Vorschriften in Anspruch genommen. Die Voraus-
    setzungen für die Anwendung des Urheberrechts und der Umfang, in dem dieses
    Rechtsinstrument verwendet wird, sind von einem Mitgliedstaat zum anderen unter-
    schiedlich. In einigen Mitgliedstaaten wird das Urheberrecht in großem Umfang
    angewandt. Als Folge davon beruft sich eine Reihe von Wirtschaftszweigen in geringe-
 ---pagebreak---     rem Maße auf den besonderen Musterschutz. Selbst in diesen Ländern aber ist man recht
    oft bestrebt, die funktionelleren Muster unter dem Dach der besonderen Musterschutz-
    vorschriften schützen zu lassen. Auch andere Rechtsinstrumente, wie zum Beispiel das
    Markenrecht und das Recht des unlauteren Wettbewerbs, können entsprechend den in den
    verschiedenen Rechtsbereichen des gewerblichen und des geistigen Eigentums anwendba-
    ren Rechtsvorschriften herangezogen werden.
4.2 Elf Mitgliedstaaten haben ein System gemein, bei dem die Muster durch Eintragung
    geschützt werden. Vor kurzem hat das Vereinigte Königreich mit Wirkung vom 1.
    Januar 1989 auch den Schutz für nicht eingetragene Muster eingeführt. Ältere Muster
    kommen lediglich in den Genuß der gesetzlichen Vorschriften, die vor dem Inkrafttreten
    des neuen Gesetzes galten, vorbehaltlich allerdings gewisser Einschränkungen des
    urheberrechtlichen Schutzes, für den Übergangsregelungen geschaffen wurden. Die
    Auswirkung des britischen Rechts für nicht eingetragene Muster auf das Verhalten der
    Marktteilnehmer läßt sich noch nicht abschätzen.
4.3 Die derzeitigen Musterschutzgesetze der Mitgliedstaaten unterscheiden sich ihrem Alter
    nach beträchtlich. Einige von ihnen sind jüngeren Datums, wie zum Beispiel die
    rechtliche Regelung im Vereinigten Königreich. Andere Gesetze sind sogar sehr alt. Das
    französische Gesetz über Muster und Modelle geht beispielsweise auf das Jahr 1909
    zurück und wurde erst 1991 in technischer Hinsicht novelliert. Vom Standpunkt der
    Benutzer des Systems aus gesehen ist jedoch der Tag des Inkrafttretens der Gesetze
    unerheblich. Der Ursprung der Rechtsvorschriften über den Musterschutz liegt in der Zeit
    der Industrialisierung. Während dieser Zeit wurden die ersten Musterschutzgesetze
    erlassen, die eindeutig von den Grundsätzen des Patentrechts inspiriert waren. Trotz
    späterer Novellierungen oder neuer gesetzgeberischer Initiativen blieben die Beson-
    derheiten des frühen Patent- und Musterschutzrechts erhalten. Damit war das einzel-
    staatliche Recht zum Nachteil der Benutzer des Systems nicht in der Lage, sich der
    gewerblichen und wirtschaftlichen Entwicklung voll anzupassen. Gerade dieses Erbe der
    frühindustriellen Gesellschaft bedauern viele Wirtschaftszweige heute.
4.4 Die Verbindung mit dem frühen Patentrecht kommt in erster Linie durch die Schutzvor-
    aussetzungen zum Ausdruck, bei denen es in vielen Fällen um ein Neuheitskonzept geht,
    das mit den Besonderheiten von Mustern nicht ganz vereinbar ist, in einigen Fällen um
    eine Prüfung vor der Eintragung, wodurch die Bedeutung älterer Eintragungen in einem
    gegebenen geographischen Gebiet und ein Musterkonzept, welches die Verzierung von
    Erzeugnissen begünstigt, ohne die Merkmale des zeitgenössichen industriellen Designs,
    nämlich die Verschmelzung von Form und Funktion ausreichend zu berücksichtigen, über
    Gebühr betont werden.
4.5 Die Verordnung zielt darauf ab, ein an die Realität der Designtätigkeit und an den Bedarf
    der Benutzer des Systems angepaßtes gänzlich modernes Musterschutzsystem bereitzu-
    stellen.
 ---pagebreak--- 5.     Handlungsbedarf
5.1    Parallel mit der Entwicklung der Gemeinschaft und der Vollendung des Binnenmarkts
       müssen die gewerblichen Schutzrechte, die in einer bestimmten Rechtsordnung mit der
       Eintragung entstehen, durch gemeinschaftsweite Rechte ersetzt werden oder diese müssen
       allmählich an ihre Stelle treten. Nur durch die Einführung gemeinschaftsweiter Rechte
       können die Auswirkungen der nationalen Gültigkeit des gewerblichen Rechtsschutzes
       überwunden werden. Für Patente bemüht sich die Gemeinschaft, die Vereinbarung über
       Gemeinschaftspatente vom 15. Dezember 1989(1) möglichst bald in Kraft zu setzen. Für
       Marken dürfte die Annahme des Vorschlags für eine Verordnung über die Gemeinschafts-
       marke in Reichweite sein. Der vorliegende Vorschlag fügt ein weiteres Steinchen in das
       Mosaik ein, das die gewerblichen Schutzrechte bilden.
5.2    Wenn es der gewerblichen Wirtschaft ermöglicht werden soll, die Vorteile eines
       Binnenmarktes zu nutzen, müssen gemeinschaftsweite Rechte allmählich an die Stelle
       einzelstaatlicher Rechte treten. Inbesondere mittelständische Unternehmen und einzelne
       Entwerfer sind nicht dafür ausgerüstet, in zwölf verschiedenen Mitgliedstaaten den
       Schutz ihrer Investitionen in Muster sicherzustellen und zu überwachen. Selbst für
       Unternehmen, die in der Lage sind, die verschiedenen einzelstaatlichen Systeme für den
       Musterschutz zu nutzen, ist das eine überaus beschwerliche und kostspielige Angelegen-
       heit. Als Folge davon beschränken die Unternehmer häufig ihre Anmeldungen auf ihre
       jeweils wichtigsten Märkte, was die reale Gefahr späterer Auswirkungen auf ihre
       kommerziellen Aussichten in anderen Ländern und beträchtliche negative Folgen für den
       freien Warenverkehr mit sich bringt.
5.3    Daher wurde von der überwältigenden Mehrheit der Wirtschaftszweige betont, daß
       Handlungsbedarf vorliegt.
6.     Die Wirkungen der Verordnung auf internationaler Ebene
6.1    Auf internationaler Ebene leidet der Musterschutz unter dem Fehlen internationaler
       Übereinkünfte, die ein gewisses Maß an Harmonisierung mittels Bestimmungen über
       Mindestrechte herbeiführen.
        Artikel 5^uin,»ulcs der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutze des gewerblichen
       Eigentums besagt zwar "Die gewerblichen Muster und Modelle werden in allen
       Verbandsländern geschützt", aber er enthält keine materiellrechtlichen Vorschriften. Die
        Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und der Kunst überläßt es den
        Verbandsländern der Berner Übereinkunft, "Werke der angewandten Kunst und die
        gewerblichen Muster" entweder mittels des Urheberrechts oder mittels besonderer
        Rechtsvorschriften (oder mittels beider) zu schützen. Aufgrund des Fehlens bindender
        Vorschriften in den internationalen Übereinkünften unterscheiden sich die Muster-
 et) 89/695/EWG, ABl. Nr. L 401 vom 30.12.1989, S. 1
                                                 6
 ---pagebreak---     Schutzgesetze in weit stärkerem Maße voneinander als beispielsweise Urheberrechts-
    gesetze und Patentgesetze. Die Sicherstellung von Rechten und die Überwachung von
    Rechten in Drittländern ist daher für die in der EWG ansässigen Unternehmen nicht
    einfach, und für die mittelständischen Unternehmen handelt es sich dabei um eine nahezu
    unlösbare Aufgabe.
6.2 Das Haager Abkommen über die internationale Hinterlegung gewerblicher Muster und
    Modelle verfolgt das Ziel, es seinen Benutzern zu erleichtern, den Musterschutz in einer
    Anzahl von Ländern zu beantragen, indem es ein zentralisiertes System der inter-
    nationalen Hinterlegung vorsieht. Durch eine bei der WIPO eingereichte Anmeldung ist
    es möglich, Schutz in einem oder mehreren oder allen der dem Abkommen angehörenden
    Staaten zu erlangen. Dabei ist jedoch zu betonen, daß der Schutz rein national ist und
    den Bedingungen unterliegt, die in den Gesetzen der in der Anmeldung benannten
    Ländern vorgesehen sind. Die in der Anmeldung benannten Länder können den Schutz
    verweigern, wenn die von ihrem nationalen Recht vorgeschriebenen Schutzvoraus-
    setzungen nicht erfüllt sind. Dieses internationale Eintragungssystem könnte trotzdem
    selbst nach dem Inkrafttreten des Musterschutzsystems der Gemeinschaft von großem
    Wert für die in der EWG ansässigen Unternehmen sein, wenn da nicht die Tatsache
    wäre, daß abgesehen von sieben Mitgliedstaaten der Gemeinschaft (Benelux-Länder,
    Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien) die meisten Industrieländer derzeit dem
    Abkommen nicht angehören. Zwar gehören zwanzig Länder dem Abkommen an, aber
    abgesehen von der Schweiz kein großer Industriestaat und insbesondere nicht die Länder,
    die die wichtigsten Ausfuhrmärkte der Gemeinschaft bilden. Derzeit wird in der WIPO
    eine Revision des Abkommens diskutiert, die unter anderem darauf abzielt, die
    Teilnahme weiterer Staaten und insbesondere der USA und Japans zu erleichtern.
6.3 Wenn das Musterschutzsystem der Gemeinschaft in Kraft tritt, kann es notwendig
    werden, eine Verbindung zwischen dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster und dem
    (revidierten) Haager Abkommen herzustellen. Eine solche Verbindung würde es
    Staatsangehörigen und Unternehmen gestatten, ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster
    durch eine Eintragung nach dem Haager System zu bekommen, und würde es den
    Unternehmen in der Gemeinschaft erlauben, die internationale Eintragung mittels der
    Eintragung bei der Gemeinschaft zu erlangen. Ein Vorbild für eine solche Verbindung
    kann man in dem PROTOKOLL ZUM MADRIDER ABKOMMEN ÜBER DIE INTER-
    NATIONALE REGISTRIERUNG VON MARKEN finden, das eine Verbindung
    zwischen der Gemeinschaftsmarke und dem Madrider Abkommen herstellt.
6.4 Was in Absatz 4.3 über die Nachteile gesagt wurde, die sich aus der Tatsache ergeben,
    daß die Musterschutzgesetze von den Grundsätzen des patentrechtlichen Schutzes
    inspiriert wurden, gilt in noch weit stärkerem Maße für einige Länder, die zu den
    wichtigsten Handelspartner der Gemeinschaft zählen und von denen einige ihre patent-
    rechtlichen Vorschriften unmittelbar auf "Musterpatente" genannte Muster anwenden. Die
    Rechtsvorschriften in Ländern außerhalb der Gemeinschaft betreffen dann die
    Gemeinschaft, wenn Unternehmen aus der Gemeinschaft aufgrund von Rechtsvorschriften
 ---pagebreak---     benachteiligt werden könnten, die, ohne in irgendeiner Weise diskriminierend zu sein,
    keine Möglichkeiten für einen einfachen Schutz der Besonderheiten der Erzeugnisse von
    Unternehmen aus der Gemeinschaft bieten.
6.5 Wenn die Gemeinschaft innerhalb ihres eigenen Zuständigkeitsbereichs angemessene
    Rechtsvorschriften schafft, verstärkt das erheblich ihre Möglichkeit, die Entwicklung in
    der übrigen Welt zu beeinflussen.
6.6 Die Vorschriften der Verordnung stehen in Einklang mit den Vorschriften über gewerb-
    liche Muster des Entwurfs des TRIPS-Abkommens, über das derzeit verhandelt wird.
7.  Vorbereitung und Konsultation
7.1 Die Verordnung gründet sich auf umfassende Vorarbeiten und gründliche Konsultationen
    der interessierten Kreise. Im Juni 1991 brachten die Dienststellen der Gemeinschaft ein
    Dokument zu Konsultationszwecken mit dem Titel GRÜNBUCH ÜBER DEN RECHT-
    LICHEN SCHUTZ GEWERBLICHER MUSTER UND MODELLE (m/F/5131/91)
    heraus.
7.2 Nach der Veröffentlichung des Grünbuchs erhielten die Kommissionsdienststellen
    Stellungnahmen einer beträchtlichen Zahl von Organisationen der gewerblichen Wirt-
    schaft sowie von im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes tätigen Anwälten und von
    Entwerfern. In einer Reihe von Fällen schufen die Organisationen der gewerblichen
    Wirtschaft branchenübergreifende Arbeitsgruppen mit dem Ziel, die in dem Grünbuch
    dargelegten ersten Ideen zu erörtern und der Kommission Anmerkungen und Anregungen
    vorzulegen. Solche im Namen äußerst wichtiger Organisationen, die einen Querschnitt
    der Wirtschaftszweige in allen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft vertreten, vorgelegten
    Anmerkungen verdienen natürlich große Aufmerksamkeit.
7.3 Die Sammlung von Stellungnahmen wurde durch eine Anhörung am 25. und 26.
    Februar 1992 ergänzt, an der viele interessierte Kreise, Verbraucherorganisationen,
    internationale Organisationen und Vertreter der Mitgliedstaaten beteiligt waren. Die
    Kommissionsdienststellen haben im Juli 1992 ein ausführliches Protokoll der Anhörung
    vorgelegt (m/F/5252/92). Im Verlaufe einer Anhörung am 25. März 1992 wurden die
    Regierungssachverständigen für gewerblichen Rechtsschutz der Mitgliedstaaten in ihrer
    persönlichen Eigenschaft konsultiert. Schließlich wurde eine Anhörung über die
    umstrittenste Frage, nämlich den Rechtsschutz von Mustern im Zusammenhang mit
    Kraftfahrzeugteilen, am 16. Oktober 1992 veranstaltet. Zur Teilnahme an dieser
    Anhörung wurden nur die am stärksten interessierten Kreise eingeladen.
7.4 Der Inhalt der vorliegenden Verordnung berücksichtigt die zahlreichen eingegangenen
    Stellungnahmen.
 ---pagebreak--- 8.  Die grundlegenden Merkmale des Musterschutzsystems der Gemeinschaft
8.1 Der Geschmacksmusterschutz der Gemeinschaft ist ein zweistufiges System, mit dem
    einerseits ein auf die Eintragung gegründeter Schutz und andererseits ein automatischer
    Schutz eingeführt wird, der dadurch entsteht, daß das Muster der Öffentlichkeit zugäng-
    lich gemacht wird.
8.2 Muster sind Erscheinungsformen, die mit den menschlichen Sinnen wahrgenommen
    werden können. Ästhetische Kriterien werden nicht angewandt. Ästhetische und
    funktionelle Muster sind gleichermaßen schutzfähig. Merkmale aber, die notwendig sind,
    um eine technische Funktion zu erreichen, und die keinen Spielraum hinsichtlich
    willkürlich gewählter Elemente belassen, sind nicht schutzfähig, um nicht technische
    Funktionen mittels des Musterschutzes zu monopolisieren. Solche Merkmale können nach
    den Vorschriften des Patentrechts oder des Gebrauchsmusterrechts schutzfähig sein,
    vorausgesetzt, die Erfordernisse für einen solchen Schutz sind erfüllt.
    Um die Interoperabilität von Erzeugnissen zu ermöglichen, sind Muster von Ver-
    bindungselemente mit Ausnahme der Verbindungselemente von Kombinationsteilen selbst
    dann nicht schutzfähig, wenn sie willkürlich gewählt sind.
8.3 Die grundsätzlichen Schutzvoraussetzungen sind, daß das Muster neu ist und Eigenart
    hat, was bedeutet, daß sich das Muster in den Augen des informierten Benutzers von
    anderen, auf dem Markt befindlichen Mustern unterscheidet.
8.4 Das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster gewährt seinem Inhaber Schutz
    vor Nachbildung, wogegen das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster dem
    Rechtsinhaber ein echtes ausschließliches Recht zur Verwendung des Musters verleiht.
8.5 Die Laufzeit des Schutzes beträgt drei Jahre für das nicht eingetragene Gemeinschafts-
    geschmacksmuster und fünf Jahre, verlängerbar bis auf höchstens 25 Jahre, für das
    eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster.
8.6 Für Entwerfer und Unternehmen ist es wichtig, daß sie das Muster auf dem Markt testen
    können, ohne dadurch - wie das in vielen geltenden Musterschutzgesetzen vorgesehen
    ist - den Neuheitscharakter des Musters zu gefährden. Daher legt die Verordnung fest,
    daß vom Entwerfer selbst oder seinem Rechtsnachfolger innerhalb eines bestimmten
    Zeitraums vorgenommene Offenbarungen dem Neuheitscharakter seines Musters nicht
    schaden.
8.7  In Übereinstimmung mit den Auffassungen der interessierten Kreise beruht das Ein-
    tragungssystem nicht auf einer materiellrechtlichen Prüfung, ob die Schutzvoraus-
     setzungen vor der Eintragung erfüllt sind. Dieser Aspekt dürfte zu einer raschen und
    preiswerten Eintragung beitragen.
 ---pagebreak--- 8.8  Nach der Eintragung werden die Muster bekanntgemacht. Manchen Branchen muß jedoch
     die Möglichkeit gegeben werden, Muster eine Zeit lang geheim zu halten. Anderen
     Branchen, insbesondere der Textilbranche, die eine große Anzahl von Mustern in kurzen
     Abständen hervorbringen, muß die Möglichkeit gegeben werden, die Kosten durch eine
     Aufschiebung der Bekanntmachung zu senken.
8.9  Die Verordnung führt die Sammelanmeldung aus Kostenersparnisgründen ein. Durch ein
     und dieselbe Anmeldung kann eine unbegrenzte Zahl miteinander zusammenhängender
     Muster eingetragen werden.
8.10 Da das Geschmacksmusteramt Verwaltungsstrukturen mit dem Markenamt teilen wird,
     können Verwaltungs- und Betriebskosten eingespart werden. Ferner er scheint es ratsam,
     Bestimmungen über die Gerichtsbarkeit, die Verwaltungsverfahren und die Finanz-
     ordnung aus der Markenverordnung zu übernehmen, sofern nicht besondere Merkmale
     der Muster im Gegensatz zu Marken andere Lösungen erfordern.
9.   Musterschutz und Wettbewerb
9.1  Rechte an geistigem und gewerblichem Eigentum verleihen dem Inhaber ausschließliche
     Rechte. Angesichts der Ziele der Rechte an geistigem und gewerblichem Eigentum
     betreffend Investitionen in Innovation und Kreativität liefert dieser Aspekt des geistigen
     und gewerblichen Eigentums normalerweise aus wettbewerbspolitischer Sicht keinen
     Anlaß zu Befürchtungen, vorausgesetzt, die Rechte werden billigerweise ausgeübt, und
     vorausgesetzt, der Wettbewerb am Markt wird nicht durch die Schaffung von Monopolen
     für generische Erzeugnisse gelähmt.
9.2  Die Verordnung entspricht voll diesen Leitlinien. Der Musterschutz monopolisiert nicht
     bestimmte Erzeugnisse, sondern schützt das jeweilige, einem Erzeugnis durch seinen
     Entwerfer verliehene Aussehen. Der Schutz des Designs einer Uhr behindert nicht den
     Wettbewerb auf dem Markt für Uhren.
9.3  In sehr seltenen Fällen kann ein in seinem Umfang so umfassender Musterschutz wie der
     des Gemeinschaftsgeschmacksmusters sekundäre, unerwünschte Nebenwirkungen, wie
     einen Ausschluß vom Markt oder eine Wettbewerbsbeschränkung am Markt, haben. Dies
     trifft insbesondere für kostspielige, komplexe Erzeugnisse mit langer Lebensdauer wie
     Kraftfahrzeuge zu, wo der Musterschutz für Muster der Einzelteile, aus denen sich das
     komplexe Erzeugnis zusammensetzt, zu einem relevanten Markt für Ersatzteile führen
     könnte.
9.4  Für diese Erzeugnisse wurde eine Reparaturklausel eingeführt, die die Nachbildung von
     Mustern zum Zwecke der Herstellung von Ersatzteilen drei Jahre nach dem erstmaligen
     Inverkehrbringen des Erzeugnisses, bei dem das Muster verwendet wird, gestattet. Somit
     wird dem Hersteller mittels eines ausschließlichen Rechts während eines Zeitraums von
     drei Jahren die Möglichkeit zugestanden, ohne daß der Verbraucher auf unbestimmte Zeit
     an einen einzigen Hersteller gebunden wird.
                                              10
 ---pagebreak--- 9.5   Auf jeden Fall bleiben die Artikel 85 und 86 des EWG-Vertrages anwendbar. Nach der
      Rechtsprechung des Gerichtshofs(2) stellt die bloße Ausübung eines Ausschließlichkeits-
      rechts durch den Rechtsinhaber des geschützten Musters an sich keinen Mißbrauch einer
      marktbeherschenden Stellung dar. Dennoch kann diese Ausübung einen solchen
      Mißbrauch darstellen - und daher gemäß Artikel 86 EWG-Vertrag verboten sein - wenn
      sie seitens eines marktbeherrschenden Unternehmens eine bestimmte mißbräuchliche
      Verhaltensweise beinhaltet, wie z.B. die willkürliche Weigerung, Ersatzteile an un-
      abhängige Reparaturwerkstätten zu liefern, die Festsetzung unangemessen hoher Preise
      oder die Entscheidung, Ersatzteile für ein bestimmtes, weiterhin im Umlauf befindliches
      Erzeugnis nicht mehr herzustellen, vorausgesetzt, daß dieses Verhalten den Handel
      zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist.
                          2. TEIL: EINZELNE VORSCHRIFTEN
                                           TITEL I
                            ALLGEMEINE BESTIMMUNGEN
                                           Artikel 1
Absätze 1-2
Die Bestimmung führt den Begriff "Gemeinschaftsgeschmacksmuster" für eingetragene Muster
und für nicht eingetragene Muster ein.
Absatz 3
Die Bestimmung legt das Grundprinzip fest: den einheitlichen Charakter des Gemeinschafts-
geschmacksmusters.
                                           Artikel 2
Die Einführung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters macht die Schaffung eines Ge-
schmacksmusteramtes der Gemeinschaft zum Zwecke der Eintragung von Mustern erforderlich.
(2)
    Rechtssache 53/87 Circa / Renault v. 5.10.1988, EuGH Slg. 1988, S.6039
    Rechtssache 238/87 Volvo / Veng v. 5.10.1988, EuGH Slg. 1988, S.6211
                                               11
 ---pagebreak---                                           TITEL n
                             MATERIELLES MUSTERRECHT
                                         1. Abschnitt
                                    Schutzvoraussetzungen
                                           Artikel 3
Die Bestimmung enthält zwei wichtige Definitionen: "Muster" und "Erzeugnis".
Mit der Definition von Muster soll angegeben werden, daß alle Merkmale der Erscheinungs-
form, die mit den menschlichen Sinnen, nämlich dem Auge und dem Tastsinn wahrgenommen
werden können, Merkmale des Musters sind. Es ist unerheblich, ob es ästhetisch oder funktional
ist und ob es für die Wahl des Erzeugnisses durch den Benutzer entscheidend ist.
Einige besondere Elemente, aus denen ein Muster bestehen kann, sind aufgezählt. Die
Aufzählung ist nicht erschöpfend. Gewicht und Biegsamkeit können zum Beispiel in manchen
Fällen Merkmale des Musters sein. Es versteht sich von selbst, daß eine Farbe für sich
genommen oder ein Werkstoff als solcher nicht schutzfähig sind. Aber die Wahl einer Farbe
in Verbindung mit anderen Elementen des Musters oder die Verbindung von Farben in einem
graphischen Muster kann zur Eigenart des Musters beitragen und dadurch bei Anwendung auf
ein bestimmtes Erzeugnis ein schutzfähiges Element darstellen. Ein Werkstoff oder eine
Struktur kann ebenfalls Ausdruck einer sehr originellen Idee und ein entscheidendes Element
für die Wahrnehmung des Vorliegens eines schutzfähigen Musters sein.
Erzeugnis bedeutet einen Gegenstand, bei dem ein Muster verwendet werden kann. Die
Aufzählung der erwähnten Gegenstände ist nur beispielhaft. Es erscheint jedoch nützlich, eine
Reihe von Erzeugnissen ausdrücklich aufzuführen, wie zum Beispiel typographische
Schriftbilder, die in einigen Rechtssystemen nicht als "Erzeugnisse" im Sinne des Muster-
schutzes gelten.
Auch die Muster von Teilen von Erzeugnissen können geschützt werden. Daher könnte für ein
bestimmtes Element eines Erzeugnisses Schutz begehrt werden, während alle anderen Elemente
der Erscheinungsform zugegebenermaßen banal sind. Bauteile oder Elemente, die zu einem
größeren komplexen Gegenstand zusammengebaut werden sollen, können jeweils als Erzeugnis
geschützt werden, vorausgesetzt, sie können getrennt vermarktet werden und ihre Muster erfül-
len die Schutzvoraussetzungen.
Computerprogramme und Halbleitererzeugnisse gelten im Sinne der Anwendung der
Musterverordnung nicht als "Erzeugnisse".
                                               12
 ---pagebreak--- Was Computerprogramme anbetrifft, so mag der Ausschluß überflüssig erscheinen, da
Computerprogramme so, wie sie in der Richtlinie über den Rechtsschutz von Computer-
programmen(3) definiert sind, nicht entworfen werden können. Es kann aber trotzdem nützlich
sein, ausdrücklich zu erklären, daß der unter dem Dach der erwähnten Richtlinie gewährte
urheberrechtliche Schutz nicht durch einen geschmacksmusterrechtlichen Schutz des "Aussehens
und Anfühlens" eines Computerprogramms ergänzt oder verstärkt werden kann. Dies schließt
nicht den Schutz bestimmter graphischer Muster aus, die beispielsweise auf Ikonen oder Menus
verwendet werden, vorausgesetzt, die üblichen Schutzvoraussetzungen sind erfüllt.
Was Halbleitererzeugnisse anbelangt, so ist der Ausschluß nicht selbstverständlich. Das Design
der Topographie von Halbleitererzeugnissen wäre wahrscheinlich nach den Bestimmungen der
Verordnung schutzfähig, wenn es nicht ausdrücklich ausgeschlossen würde. Es wurde jedoch
für notwendig gehalten, Halbleitererzeugnisse von dem Schutz auszunehmen, um nicht das
Gleichgewicht zu stören, das durch die jüngst erlassene Richtlinie über den Rechtsschutz der
Topographien von Halbleitererzeugnissen(4) hergestellt wurde.
                                           Artikel 4
Absatz 1
Dieser Artikel legt die Schutzvoraussetzungen fest.
Die Voraussetzungen sind zweifach: das Muster muß neu sein und Eigenart haben.
Absatz 2
Wenn es um Muster geht, die bei Erzeugnissen verwendet werden, die Teile eines komplexen
Erzeugnisses sind, muß das Muster eines jeden Einzelteils die Voraussetzungen um neu zu sein
und Eigenart zu haben, erfüllen. Sonst kann es keinen Schutz erhalten. Wenn ein neues
Kraftfahrzeugmodell auf den Markt gebracht wird, werden oft das Fahrzeug als solches und
eine Anzahl von Teilen, insbesondere Karosserieteile, geschützt. Das Erfordernis bedeutet, daß
die Neuheit und Eigenart beispielsweise eines Kotflügels allein auf diesen bezogen beurteilt
werden muß. Seine Eigenart kann nicht aus der Eigenart des ganzen Fahrzeugs abgeleitet
werden. Der in dieser Bestimmung zum Ausdruck gebrachte Grundsatz ist allgemein anerkannt
und entspricht Artikel 2 Absatz 2 der Richtlinie über den Rechtsschutz der Topographien von
Halbleitererzeugnissen.
 (3)
     Richtlinie des Rates 91/250/EWG, ABl. Nr. L 122 vom 17. 5.1991, S. 42
 (4)
     Richtlinie des Rates 87/54/EWG, ABl. Nr. L 24 vom 27. 1.1987, S. 36
                                               13
 ---pagebreak---                                            Artikel 5
Diese Bestimmung definiert den Begriff "Neuheit".
Absatz 1
In Übereinstimmung mit der von der Mehrheit der Wirtschaftszweige zum Ausdruck gebrachten
Auffassung ist die Grundvoraussetzung für den Schutz, daß das Muster neu ist. Das ist ein
objektives Kriterium. Es ist unerheblich, den Nachweis zu erbringen, ob das Muster das
Ergebnis einer unabhängigen Schöpfung des Entwerfers ist oder kopiert wurde. Die Neuheit ist
auf weltweiter Ebene zu beurteilen. Wenn es irgendwo auf der Welt eingetragen oder auf
sonstige Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist, ist es nicht neu. Aber nur
identische oder nahezu identische Vorwegnahmen machen die Neuheit zunichte, wogegen der
"Gesamteindruck der Ähnlichkeit" für diese Wirkung nicht ausreicht. Niefit identische
Vorwegnahmen sind jedoch möglicherweise im Sinne der Beurteilung der Eigenart des Musters
zu berücksichtigen.
Absatz 2
Der Begriff "der Öffentlichkeit zugänglich gemacht" wird definiert. Jede Offenbarung, die nicht
unter der Bedingung der Vertraulichkeit stattfindet, hat die Wirkung, daß das Muster als der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht gilt.
                                           Artikel 6
Absatz 1
Diese Bestimmung legt die zweite Schutzvoraussetzung fest, nämlich die Eigenart. Ein Muster
hat Eigenart, sofern es im Vergleich mit zuvor vorhandenen Mustern den Gesamteindruck der
Unähnlichkeit hervorruft. Es ist unerheblich, ob sich feststellen läßt, daß das zweite Muster sich
sogar in einer bedeutenden Anzahl von Einzelheiten von einem älteren Muster unterscheidet,
wenn der Gesamteindruck der der Ähnlichkeit ist ("déjà vu"). Die Person, bei der der
Gesamteindruck der Unähnlichkeit hervorgerufen werden muß, ist der "informierte Benutzer".
Das kann der Endverbraucher sein, ist es aber nicht zwangsläufig; ihm kann die Erscheinungs-
form beispielsweise eines Teils im Inneren einer Maschine oder eines im Verlaufe einer
Reparatur ersetzten mechanischen Bauteils völlig unbekannt sein. In solchen Fällen ist der
 "informierte Benutzer" die Person, die das Teil ersetzt. Je nach der Art des Musters wird ein
gewisses Maß an Kennmissen oder Designbewußtsein vorausgesetzt. Der Begriff "informierter
Benutzer" soll aber auch aufzeigen, daß die Ähnlichkeit nicht auf der Ebene von "Designexper-
ten" zu beurteilen ist.
Die Bestimmung führt eine hohe Schwelle für die Unähnlichkeit im Vergleich mit zuvor
vorhandenen Mustern ein, wodurch gleichzeitig ein weiter Schutzumfang geschaffen wird
 (Artikel 11). Würde ein Muster dieser Prüfung nicht unterworfen, so würde das bedeuten, daß
 Änderungen eines zuvor vorhandenen Musters als neue Muster schutzfähig wären, da das
 Neuheitskriterium des Artikels 5 nur identische Muster ausschließt. In einer Reihe von
 Rechtsordnungen ist die Recherche nach älteren Mustern tatsächlich auf identische oder nahezu
 identische Muster begrenzt, wodurch der Schutzumfang auf Null reduziert wird. Die
                                               14
 ---pagebreak--- gewerbliche Wirtschaft Europas aber braucht einen Schutz, der über den Schutz vor identischen
Nachbildungen hinausgeht und sehr viel umfassender ist. Das Gegenstück zu einem solchen
wirksamen Schutz aber ist eine hohe Schwelle bei der Eigenart.
Wegen der Möglichkeit, die hohe Schwelle aufrecht zu erhalten und durchzusetzen, siehe die
Artikel 56 und 58.
Als Folge davon werden weniger Muster als Gemeinschaftsgeschmacksmuster schutzfähig sein
als nach den Rechtsvorschriften einiger Mitgliedstaaten. Die meisten Wirtschaftszweige haben
aber im Verlaufe der Konsultation betont, daß die Voraussetzung angemessen erscheint und den
wahren Interessen der gewerblichen Wirtschaft der Gemeinschaft entspricht.
Absatz 2
Wenn die Eigenart im Vergleich mit allen älteren Mustern zu beurteilen wäre, könnte die
Schwelle zu einem unangemessenen Hindernis werden. Ferner dürfte es unangebracht sein,
wenn ein angeblicher Rechtsverletzer während eines Verletzungsverfahrens die Gültigkeit des
von ihm angeblich kopierten Musters unter Berufung auf ein mögliches älteres Muster angreifen
könnte, das schon vor langer Zeit vom Markt verschwunden und nur noch in einem
abgelegenen Museum zu finden ist. Eine solche Gefahr der mißbräuchlichen Recherche nach
älteren Mustern wurde tatsächlich von der Wirtschaft als Argument gegen das Erfordernis der
objektiven Neuheit angeführt. Dieser Gefahr des Mißbrauchs gilt es zu begegnen. Es wird auch
behauptet, die Wiederverwendung alter Muster könne in vielen Fällen verdienstvoll sein und
sei schutzwürdig. Daher definiert und begrenzt die Bestimmung jene älteren Muster, anhand
derer die Eigenart eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters beurteilt werden muß. Muster, die
bei Erzeugnissen verwendet wurden, welche nicht mehr auf dem Markt - innerhalb oder
außerhalb der Gemeinschaft - befindlich sind, bleiben unberücksichtigt. Das bedeutet, daß ein
Muster, dessen Schutz erloschen ist, einen Dritten daran hindert, ein ausschließliches Recht an
einem ähnlichen Muster zu erwerben, solange das Erzeugnis, bei dem es verwendet wird, noch
auf dem Markt ist. Doch müssen auch eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster und
einzelstaatliche eingetragene Muster berücksichtigt werden, die bekanntgemacht worden und
noch nicht erloschen sind, unabhängig davon, ob das Erzeugnis, bei dem das Muster verwendet
wird, vermarktet wird oder nicht. Eine Beschränkung auf Erzeugnisse, die tatsächlich vermarktet
werden, wäre mit den Verpflichtungen der Mitgliedstaaten nach der Pariser Verbandsüberein-
kunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums unvereinbar.
Absatz 3
Mit dieser Bestimmung soll den Gerichten bei ihrer Entscheidung darüber, ob ein Muster die
notwendige Eigenart hat, eine Orientierungshilfe gegeben werden. Gemeinsamkeiten ist mehr
Gewicht beizumessen als den Unterschieden, denn was zählt, ist der Gesamteindruck. Ferner
muß bei der Beurteilung der Eigenart der Grad der Gestaltungsfreiheit des Entwerfers
berücksichtigt werden (siehe auch Artikel 11 Absatz 2).
                                              15
 ---pagebreak---                                            Artikel 7
Absatz a
Der Zeitpunkt, zu dem die Kriterien erfüllt sein müssen, ist der "Stichtag". Dieser Tag ist für
eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster und für nicht eingetragene Gemeinschafts-
geschmacksmuster unterschiedlich. Für nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist
der Zeitpunkt der Tag, an dem das nicht eingetragene Muster entsteht, welcher der Tag ist, an
dem es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Artikel 12 definiert wie dieser Tag ermittelt
wird.
Absatz b
Für eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist der Stichtag der Tag der Anmeldung des
Musters zur Eintragung oder der Prioritätstag, wenn eine Priorität in Anspruch genommen wird.
                                           Artikel 8
Absatz 1
In der Bestimmung werden jene Arten von Offenbarung festgelegt, die nicht dazu führen, daß
der Neuheits- und Eigenartscharakter eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
zunichte gemacht wird.
In der Bestimmung wird festgelegt, daß in den Fällen, wo der Schutz des eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmusters in Anspruch genommen wird, Offenbarungen, die innerhalb
von zwölf Monaten vor dem Stichtag (Tag der Anmeldung oder möglicherweise ein früherer
Prioritätstag) vorgenommen wurden, dem Neuheits- und Eigenartscharakter des eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmusters nicht schaden, vorausgesetzt, die Offenbarung wurde vom
Entwerfer selbst oder von seinem Rechtsnachfolger vorgenommen oder die Offenbarung ist die
Folge einer mißbräuchlichen Handlung gegenüber dem Entwerfer oder seinem Rechtsnachfolger.
Das bedeutet erstens, daß der Entwerfer das Muster zwölf Monate lang verwenden und auf dem
Markt testen kann, ohne Gefahr zu laufen, den Neuheits- und Eigenartscharakter seines Musters
zunichte zu machen. Die Bestimmung wirkt wie eine "Schonfrist", wobei die Verwendung
dieses Begriffes vermieden wird, da er zu einer Verwechslung mit dem andersgearteten
patentrechtlichen Konzept einer Schonfrist führen könnte.
Zweitens wird in der Bestimmung der Grundsatz zum Ausdruck gebracht, daß alle anderen
Offenbarungen, abgesehen von den beschriebenen, die Wirkung haben, daß sie die Neuheit
eines späteren Musters zunichte machen, selbst wenn dem Entwerfer des späteren Muster das
ältere Muster unbekannt ist und gar nicht hätte bekannt sein können. Ein Muster, das zum
Beispiel in Sizilien offenbart wurde und nur dort lokal begrenzt vermarktet wird, hat theoretisch
                                               16
 ---pagebreak--- die Wirkung, daß es einen Entwerfer in Irland daran hindert, Schutz für ein identisches Muster
zu erlangen, selbst wenn das spätere Muster ohne Anlehnung an das ältere Muster entwickelt
wurde. In der Praxis aber sind die Wirkungen wahrscheinlich weniger dramatisch. Ein älteres
nicht eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster bietet nicht die Gewähr, daß ein später
unabhängig entwickeltes Muster nicht gutgläubig eingetragen wird und gültig bleibt, weil es
nicht angegriffen wird. Der Inhaber des Rechts an einem älteren Muster kann zwar in den
Fällen, wo er Kenntnis von dem späteren Gemeinschaftsgeschmacksmuster erlangt, durchaus
das ausschließliche Recht durch ein Verfahren vor dem Amt (Artikel 56) oder durch eine Klage
vor einem Gemeinschaftsmustergericht (Artikel 85 Buchstabe c oder d) zunichte machen, aber
er kann den späteren Entwerfer oder seinen Rechtsnachfolger nicht daran hindern, das
Erzeugnis, bei dem das Muster verwendet wird, gewerblich zu verwenden, weil das nicht
eingetragene Muster seinem Inhaber nur Schutz vor Nachahmung (Artikel 20) gewährt. Aus
diesen Gründen dürfte die Bestimmung in der Praxis keine unangemessen harten Folgen haben.
Absatz 2
Wenn ein im Sinne von Absatz 8.1 mißbräuchlich offenbartes Muster zu einem eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmuster oder zu einem eingetragenen Musterrecht eines Mitgliedstaats
geführt hat, kann die mißbräuchliche Art der Offenbarung nicht mehr geltend gemacht werden,
da der Grundsatz der Rechtssicherheit gelten muß. Der rechtmäßige Inhaber des Musters kann
jedoch in der in Artikel 16 vorgesehene Weise vorgehen und eine Übertragung des als Folge
der mißbräuchlichen Offenbarung erlangten eingetragenen Rechts verlangen.
                                           Artikel 9
Absatz 1
Zwischen ästhetischen und funktionellen Mustern wird in der Verordnung nicht unterschieden;
sie sind gleichermaßen schutzfahig. In äußerst seltenen Fällen folgt die Form der Funktion,
ohne daß es eine Möglichkeit zu Abweichungen gäbe. In solchen Fällen kann der Entwerfer
nicht behaupten, das Ergebnis gehe auf persönliche Kreativität zurück. Das Muster hat nämlich
keine Eigenart und ist nicht schutzfähig. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß das gesamte
Muster nicht schutzfahig ist. In den meisten Fällen sind nur bestimmte Merkmale ohne die
Möglichkeit der abweichenden Gestaltung funktionell bestimmt. Daher sieht die Bestimmung
nur insoweit keine Schutzfähigkeit vor, als bestimmte Elemente nicht frei gestaltet werden
können.
 Absatz 2
In dieser Bestimmung wird festgelegt, daß die Muster von Verbindungselementen, die
zwangsläufig in ihren genauen Formen und Abmessungen nachgebildet werden müssen, selbst
 dort nicht schutzfähig sind, wo das Muster des Verbindungselements willkürlich in dem Sinne
 ist, daß Form und Abmessung nicht ausschließlich durch die technische Funktion bestimmt sind.
 Der Zweck dieser Bestimmung ist es, die Interoperabilität von Erzeugnissen unterschiedlicher
Herkunft zu verbessern und zu verhindern, daß Hersteller von mit Mustern versehenen
 Erzeugnissen Märkte ohne Wahlmöglichkeit zum Beispiel für Peripheriegeräte schaffen, indem
 sie die Form und die Abmessungen von Verbindungselementen monopolisieren.
                                               17
 ---pagebreak--- Die Abmessungen beispielsweise der Verbindungsmuffen eines Auspuffrohrs, die von der
Notwendigkeit, das Auspuffrohr an ein bestimmtes Kraftfahrzeugmodell anzuschließen,
vorgegeben sind, können kein schutzfähiges Element eines Musters darstellen, da die
Abmessungen von jenen der Unterseite des Kraftfahrzeugs vorgegeben sind.
Absatz 3
Eine Ausnahme von der in Absatz 2 enthaltenen Bestimmung muß für die Verbindungselemente
von Kombiteilen vorgesehen werden, natürlich vorausgesetzt, daß die Verbindungselemente die
Schutzvoraussetzungen erfüllen, insbesondere das Erfordernis der Eigenart (Artikel 6). So wären
beispielsweise Verbindungselemente, die es ermöglichen, den Stuhl eines bestimmten Fabrikats
zu Reihen mit anderen Stühlen desselben Fabrikats zu verbinden oder Stühle zu stapeln, oder
die Verbindungselemente von Spielzeugteilen, die für den Zusammenbau entworfen sind,
grundsätzlich schutzfähig. Sonst wäre es Wettbewerbern möglich, auf einem Abkürzungsweg
auf einen bestimmten Markt zu gelangen, wo der innovative Charakter des fraglichen Musters
oft - wenn auch nicht ausschließlich - im Design von Verbindungselementen besteht, die eine
unbestimmte Zahl von Verbindungen innerhalb eines gegebenen Systems ermöglichen.
                                          Artikel 10
Eine ähnliche Bestimmung betreffend die öffentliche Ordnung und die guten Sitten findet sich
in zahlreichen einzelstaatlichen Musterschutzgesetzen und im Einheitlichen Benelux-Gesetz.
                                         2. Abschnitt
                                        Schutzumfang
                                          Artikel 11
Absatz 1
Der Artikel legt den Schutzumfang fest. Er stellt zwei wesentliche Grundsätze auf.
Erstens ist bei der Beurteilung, ob ein zweites Muster ein älteres Muster verletzt, der
Gesamteindruck der Ähnlichkeit entscheidend und nicht, ob Unterschiede im Hinblick auf
Einzelheiten oder besondere Aspekte nachgewiesen werden können. Dabei wird auf den
informierten Benutzer Bezug genommen. Der Begriff "informierter Benutzer" wird in den
Anmerkungen zu Artikel 6 erklärt. Der bei einem "informierten Benutzer" hervorgerufene
Gesamteindruck kann sich von dem bei einem gewöhnlichen Verbraucher hervorgerufenen
Gesamteindruck insofern unterscheiden, als der "informierte Benutzer" auffallende Unterschiede
feststellen mag, die der Aufmerksamkeit eines gewöhnlichen Verbrauchers völlig entgehen
würden. Viel hängt von der Art des Musters ab.
                                              18
 ---pagebreak--- Absatz 2
Mit Absatz 2 soll den Gerichten eine Orientierungshilfe in Verletzungsverfahren gegeben
werden. Was zählt, sind nicht die unwichtigen Veränderungen, die ein Wettbewerber einem
nachgebildeten Muster hinzugefügt hat ("intelligente Kopie"), sondern die gemeinsamen
Merkmale. Hochfunktionelle Muster, bei denen der Entwerfer gegebene Parameter beachten
muß, sind wahrscheinlich ähnlicher als Muster, bei deren Gestaltung der Entwerfer völlige
Freiheit genießt. Daher legt Absatz 2 auch den Grundsatz fest, daß der Freiheitsgrad des
Entwerfers berücksichtigt werden muß, wenn die Ähnlichkeit zwischen einem älteren und einem
jüngeren Muster beurteilt wird.
                                            Artikel 12
Der Artikel legt die Laufzeit des Schutzes für das nicht eingetragene - Gemeinschafts-
geschmacksmuster fest. Der Schutz entsteht, wenn das Muster der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht wird. Die Beweislast hinsichtlich des Tages, an dem das Muster der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht wurde, liegt beim Musterinhaber. In Fällen, in denen der Tag in Frage
gestellt werden könnte, kann es ratsam sein, Unterlagen über die Offenbarung des Musters zu
führen. Die geschäftsüblichen Praktiken sind von Branche zu Branche unterschiedlich und es
laßt sich keine allgemeine Regel dafür aufstellen, was als notwendig anzusehen ist, um den Tag
nachzuweisen, an dem das Muster der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.
                                            Artikel 13
Der Artikel legt die Laufzeit des Schutzes für das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster
fest. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre und kann um weitere vier Laufzeiten von je fünf Jahren
gerechnet vom Tag der Anmeldung an verlängert werden. Wenn das Muster den Schutz des
nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters genossen hat, für das am Ende des in
 Artikel 8 Absatz 1 beschriebenen Zeitraums von zwölf Monaten eine Anmeldung zur
Eintragung vorgenommen wurde, kann die Höchstdauer des Schutzes für ein Gemeinschafts-
 geschmacksmusters somit 26 Jahre betragen.
                                                19
 ---pagebreak---                                           3. Abschnitt
                                 Zur Anmeldung und Erlangung
                       des Gemeinschaftsgeschmacksmusters Berechtigte
                                           Artikel 14
Absatz 1
In der Bestimmung wird der wichtige Grundsatz festgelegt, daß das Musterrecht ursprünglich
dem Entwerfer zusteht. Nichts hindert jedoch den Entwerfer daran, sein Recht von Anfang an
einer anderen Person zu übertragen, dem "Rechtsnachfolger", üblicherweise dem Hersteller der
Erzeugnisse, in denen das Muster verwendet wird. Da mit dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster
nur wirtschaftliche, nicht aber "moralische Rechte" verliehen werden, ist die Übertragung des
Rechtes vom Entwerfer auf den Rechtsnachfolger vollständig mit Ausnahme des in Artikel 19
festgelegten Rechts, im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters vor dem Amt
als Entwerfer genannt zu werden.
Absatz 2
Wird das Muster von einem als Arbeitnehmer beschäftigten Entwerfer in Ausübung seiner
Aufgaben gemäß dem Arbeitsvertrag geschaffen, so steht das Recht dem Arbeitgeber zu, sofern
vertraglich nichts anderes vereinbart wurde. In der entsprechenden Bestimmung in der Richtlinie
über den Rechtsschutz von Computerprogrammen(5) beschränkt sich das Recht des Arbeitgebers
auf die Ausübung der wirtschaftlichen Rechte. Der Unterschied entstammt der Tatsache, daß
der von der angeführten Richtlinie vorgesehene Schutz Urheberrechtsschutz ist, der den
Rechtsvorschriften einiger Mitgliedstaaten zufolge dem Urheber einen Schutz verleiht, der in
seiner Gesamtheit nicht übertragen werden kann. Ähnliche Beschränkungen bestehen für die
Übertragung von Musterrechten nicht. Folglich wurde dieselbe Lösung wie in Artikel 3 Ab-
satz 2 Buchstabe a der Richtlinie über den Rechtsschutz der Topographien von Halbleiter-
erzeugnissen(6) vorgesehen. Im Rahmen dieser Richtlinie wird die angegebene Lösung nur
wahlweise geboten. Im Rahmen der vorliegenden Verordnung aber wurde es für notwendig
erachtet, eine einheitliche Lösung vorzusehen.
                                            Artikel 15
Wenn zwei oder mehr Entwerfer gemeinsam ein Muster entworfen haben, so steht ihnen das
Recht auf das Muster gemeinschaftlich zu. Wenn nicht vertraglich festgelegt wurde, wie das
Recht ausgeübt wird, wird es gemeinsam ausgeübt werden müssen. Diese letzte Regel wurde
nicht ausdrücklich in der Verordnung zum Ausdruck gebracht. Hinsichtlich des Falles, daß zwei
Entwerfer unabhängig voneinander ein Muster entworfen haben, siehe die Anmerkungen zu
Artikel 8 Absatz 1.
 (5)
     Richtlinie des Rates 91/250/EWG, ABl. Nr. L 122 vom 17. 5.1991, S. 42
 (6)
     Richtlinie des Rates 87/54/EWG, ABl. Nr. L 24 vom 27. 1.1987, S. 36
                                                20
 ---pagebreak---                                             Artikel 16
Absatz 1
Es kann vorkommen, daß eine Eintragung auf den Namen einer Person vorgenommen wird, die
nicht berechtigt ist, zum Beispiel, wenn ein angestellter Entwerfer auf seinen Namen ein Muster
eintragen läßt, dessen rechtmäßiger Inhaber nach Maßgabe von Artikel 14 Absatz 2 der
Arbeitgeber ist. In einem solchen Fall kann der Rechtsinhaber eine Umschreibung der
Eintragung verlangen ("Vindikationsklage"). Eine ähnliche Bestimmung findet sich in Artikel 23
des Gemeinschaftspatentübereinkommens vom 15. Dezember 1989(7).
Absatz 2
Wird in einer Eintragung nicht erwähnt, daß das Recht mehreren Entwerfern gemeinschaftlich
zusteht, kann jeder der Rechtsinhaber eine Berichtigung gemäß Absatz 1 verlangen.
Absatz 3
Mit Ausnahme der Fälle, in denen die Eintragung bösgläubig erlangt wurde, erscheint es
notwendig, die Möglichkeit der Berichtigung zeitlich zu begrenzen. Die Ausschlußfrist wurde
auf zwei Jahre ab dem Tag der Bekanntmachung festgelegt.
Absatz 4
Die Tatsache, daß ein gerichtliches Verfahren, in dem es um eine Berichtigung geht, eingeleitet
wurde, wird in das Register eingetragen. Dasselbe gilt für eine Entscheidung über die
Berechtigung oder für eine andere Beendigung des Verfahrens.
                                            Artikel 17
Absatz 1
In dieser Bestimmung werden die Wirkungen festgelegt, die eine gerichtliche Entscheidung hat,
mit der die Übertragung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters auf den rechtmäßigen Inhaber
als Folge der in Artikel 16 genannten Klage anerkannt wird. Auch diese Bestimmung lehnt sich
eng an die Bestimmung in Artikel 24 des Gemeinschaftspatentübereinkommens(8) an. Die
Wirkung besteht darin, daß Lizenzen und sonstige Rechte, die von einem Nichtberechtigten
gewährt wurden, erlöschen, wenn festgestellt wurde, daß sie von einem Nichtberechtigten
gewährt wurden.
Absatz 2
In den Fällen, in denen ernsthafte und wirkliche Vorbereitungen zur wirtschaftlichen
Verwertung der Lizenz oder eines sonstigen Rechts getroffen worden sind, kann die Wirkung
des Erlöschens vernichtend sein. Um diese Wirkung abzumildern, ist vorgesehen daß auf Antrag
eine Lizenz gewährt werden kann, in Anlehnung an das "Vorbenutzungsrecht" in Artikel 25.
 (7)
     89/695/EWG, ABl. Nr. L 401 vom 30.12.1989, S. 1
 (8)
     89/695/EWG, ABI. Nr. L 401 vom 30.12.1989, S. 1
                                                21
 ---pagebreak--- Absatz 3
Falls der Lizenznehmer oder der Inhaber eines sonstigen Rechts bösgläubig gehandelt hat, als
die Verwertung des Musters begann, sind alle Rechte verwirkt.
                                          Artikel 18
Diese Bestimmung berechtigt das Amt zu der Vermutung, daß demjenigen, auf dessen Namen
die Anmeldung eingereicht wird, das Recht an dem Musterrecht zusteht. Das Ziel dieser
Bestimmung, die sich an die ähnliche Bestimmung in Artikel 60 Absatz 3 des Europäischen
Patentübereinkommens anlehnt, ist es, zu vermeiden, daß in einem Verfahren vor dem Amt die
Frage der Berechtigung aufgeworfen werden könnte, wobei zu berücksichtigen ist, daß das Amt
für die Entscheidung über solche Fragen, die in die Zuständigkeit der nationalen Gerichte fallen,
nicht zuständig ist.
Sollte die Frage der Berechtigung während des Eintragungsverfahrens aufgeworfen werden,
müßte das Amt das Verfahren mit dem ursprünglichen Anmelder weiter verfolgen. Derjenige,
der behauptet, der rechtmäßige Inhaber des Rechts zu sein, könnte dann die Übertragung des
Rechts gemäß dem in Artikel 16 aufgeführten Verfahren verlangen. Wird die Frage während
eines Nichtigkeitsverfahrens aufgeworfen, so könnte das Amt, wenn es dies für angemessen
erachtet, das Verfahren aussetzen und denjenigen, der behauptet, der rechtmäßige Inhaber des
Rechts zu sein, auffordern, die Angelegenheit vor einem nationalen Gericht feststellen zu lassen.
                                          Artikel 19
Diese Bestimmung gewährt dem Entwerfer das Recht als Schöpfer des Musters im Rahmen der
Verfahren vor dem Amt und im Register für Gemeinschaftsgeschmacksmuster genannt zu
werden (siehe auch Artikel 14 Absatz 1).
In einer Reihe von Fällen werden Muster von Entwurfsabteilungen eines Unternehmens oder
von Entwerferteams geschaffen und es kann sehr beschwerlich, wenn nicht bisweilen unmöglich
sein, die Namen aller Teilnehmer an der Entwicklung eines Musters anzugeben. In diesen
Fällen ist beispielsweise der Hinweis ausreichend, daß das Muster von der Entwurfsabteilung
des fraglichen Unternehmens entworfen wurde. Einzelbestimmungen, die sicherstellen sollen,
daß das Recht des Entwerfers als Schöpfer genannt zu werden unter diesen Umständen gewahrt
wird, werden in der Durchführungsverordnung entwickelt werden.
Für einen nicht gangbaren Weg wurde erachtet, zu fordern den Namen des Entwerfers (oder des
Teams) darüber hinaus zu nennen, zum Beispiel auf dem Erzeugnis selbst oder auf der
Verpackung oder in der das Erzeugnis begleitenden Literatur.
                                               22
 ---pagebreak---                                           4. Abschnitt
                        Wirkung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                                           Artikel 20
Das Recht aus dem nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist nur ein Schutz vor
Nachbildung und kein monopolistisches Recht. Daher unterscheidet sich die Formulierung von
der des Artikel 21 Absatz 1, in dem es um die Rechte aus dem eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmuster geht, und zwar in dem Sinne, daß hinsichtlich der Verwendung des Musters
keine ausschließlichen Rechte gewährt werden. Im Falle der unbefugten Nachahmung kann der
Rechtsinhaber gegen sekundäre Rechtsverletzer wie zum Beispiel Importeure oder Händler
vorgehen, um die kommerzielle Verwendung von nachgeahmten Erzeugnissen zu unterbinden.
                                           Artikel 21
Absatz 1
Das Recht aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist ein monopolistisches
Recht. Der Rechtsinhaber hat das ausschließliches Recht auf die Benutzung des Musters und
er kann sein Recht gegen jedes ähnliche Muster selbst in den Fällen durchsetzen, in denen das
Plagiat gutgläubig entwickelt wurde.
Absatz 2
Ist jedoch ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster nicht bekanntgemacht worden,
weil der Rechtsinhaber von der Möglichkeit, die Bekanntmachung aufzuschieben, Gebrauch
gemacht hat, so verleiht das Gemeinschaftsgeschmacksmuster dem Rechtsinhaber lediglich den
Schutz vor Nachbildung. Nach der Bekanntmachung genießt er das volle Ausschließlichkeits-
recht. Es versteht sich von selbst, daß eine Rückwirkung nicht eintritt.
Ein Dritter, der unabhängig davon ein Muster entwickelt hat, das in den Schutzumfang des
eingetragenen und nunmehr veröffentlichten Gemeinschaftsgeschmacksmusters fällt, wird somit
von dem Ausschließlichkeitsrecht nicht berührt.
                                           Artikel 22
Die Bestimmung enthält eine Reihe von Beschränkungen der Rechte aus einem Gemein
Schaftsgeschmacksmuster.
                                               23
 ---pagebreak--- Absatz 1
Die Buchstaben a und b entsprechen den Bestimmungen in Artikel 27 der Vereinbarung
vom 15. Dezember 1989 über Gemeinschaftspatente(9). Der Buchstabe c enthält eine Bestim-
mung über die redliche Verwendung zu Ausbildungszwecken oder für Zitate, wobei das
wesentliche Element darin besteht, daß die Verwendung die normale Verwertung des Musters
nicht beeinträchtigt. Die Quelle muß angegeben werden.
Absatz 2
Die Buchstaben a bis c führen dieselben Ausnahmen für Muster ein, die sich für Patente in
Artikel 5** der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums finden.
                                            Artikel 23
Der Zweck dieser Vorschrift ist es, die Schaffung abgeschotteter Märkte für bestimmte
Ersatzteile zu vermeiden.
Nach Maßgabe von Artikel 9 Absatz 2 kann das Design mechanischer Verbindungselemente
nicht Gegenstand eines Musterschutzes sein. In der Praxis bedeutet das, daß alle Abmessungen
von Teilen eines komplexen Erzeugnisses nachgebildet werden dürfen. Ferner kann jedwedes
Teil eines solchen Erzeugnisses als unerheblich für den Benutzer gelten, wenn beispielsweise
das Ersatzteil nicht sichtbar ist. Das wird bei den Innenteilen einer Maschine, eines
Kraftfahrzeugmotors und dergleichen oft der Fall sein.
Befindet sich jedoch das fragliche Teil außen und soll es gesehen werden, und sollte es darüber
hinaus in den Augen des Endverbrauchers in idealer Weise zu der gesamten Erscheinungsform
des komplexen Erzeugnisses passen, dann wäre der Zugang zur Nachbildung der Abmessungen
und sonstigen Merkmale von mechanischen Verbindungselementen an sich unzureichend, um
einen Wettbewerb mit den fraglichen Teilen zu ermöglichen. Der Verbraucher, der ein
dauerhaftes und vielleicht teures Erzeugnis (zum Beispiel einen Personenkraftwagen) erworben
hat, wäre im Hinblick auf Außenteile auf unbestimmte Zeit an den Hersteller des komplexen
Erzeugnisses gebunden. Dies könnte letztlich zu ungesunden Bedingungen auf dem Markt
hinsichtlich des Wettbewerbs mit Teilen führen, könnte aber auch in der Praxis dem Hersteller
des komplexen Erzeugnisses ein Monopol verschaffen, das von längerer Dauer als der Schutz
seines Musters ist. Würde zum Beispiel den Wettbewerbern der Zugang zum Markt erst erlaubt,
nachdem der Musterschutz erloschen ist, ist die Annahme berechtigt, daß es kein Unternehmen
lohnend finden würde, zu diesem Zeitpunkt auf den Markt zu kommen. Wenn für Wettbewerb
gesorgt werden soll, dann muß der Zugang zum Markt zu der Zeit offen sein, zu der die
Investition in die Herstellung realistisch in Betracht gezogen werden kann.
Die Vorschrift ist ein Einbruch in die Rechte des Rechtsinhabers und sollte daher nur unter
strengen Bedingungen anwendbar sein.
(9)
     89/695/EWG, ABl. Nr. L 401 vom 30.12.1989, S. 1
                                                24
 ---pagebreak--- Erstens ist ein Zeitraum von drei Jahren von dem erstmaligen Inverkehrbringen des
Erzeugnisses ab vorgesehen, währenddessen der Inhaber des Rechts an dem Muster ein
ausschließliches Recht hat.
Zweitens muß das fragliche Muster bei einem Erzeugnis verwendet werden, das Teil eines
komplexen Erzeugnisses ist, von dessen Erscheinungsform es abhängig ist. Diese Bedingung
wird zum Beispiel vom Design einer Pkw-Türe erfüllt, die so gestaltet wurde, daß sie zwar zu
den anderen Türen des Pkw und zu der Karosserie insgesamt paßt, nicht aber notwendigerweise
auch zu allen anderen Teilen, die einer Zierfunktion dienen.
Ferner muß der Zweck der Nachbildung darin bestehen, eine Reparatur im Sinne einer
Wiederherstellung der ursprünglichen Erscheinungsform des komplexen Erzeugnisses zu
ermöglichen. Möglicherweise ist diese Bedingung in der Praxis schwer durchzusetzen. Die
Tatsache aber, daß die Nachbildung erst drei Jahre nach dem erstmaligen Inverkehrbringen
stattfinden kann, macht es unwahrscheinlich, daß ein unabhängiger Teilehersteller in den Markt
der Zulieferer, die Teile für die erstmalige Montage und Vermarktung des komplexen
Erzeugnisses liefern, eindringen kann.
Der Zweck dieser Vorschrift ist es, für lauteren Wettbewerb auf dem Markt zu sorgen. Daher
ist Voraussetzung, daß ein unabhängiger Teilehersteller der Öffentlichkeit gegenüber klarstellt,
daß sein Erzeugnis anderer Herkunft als das entsprechende Originalteil der komplexen
Erzeugnisse ist. Ein den Verbraucher möglicherweise irreführendes Passing-off darf es nicht
geben. So verstanden ist es auch klar, daß der ursprüngliche Hersteller des komplexen
Erzeugnisses für die Qualität des fraglichen Austauschteils keine Verantwortung trägt.
                                           Artikel 24
Diese Bestimmung enthält eine Kodifizierung der Rechtsprechung des Gerichtshofs zur
Erschöpfung der "Rechte an gewerblichem und kommerziellem Eigentum" im Sinne des
Artikels 36 EWGV. Die Bestimmung, in der es um das Inverkehrbringen in der Gemeinschaft
geht, lehnt sich an ähnliche Bestimmungen an, die in anderen Gesetzen der Gemeinschaft
enthalten sind, insbesondere im Gemeinschaftspatentübereinkommen und in dem Vorschlag für
eine Verordnung über die Gemeinschaftsmarke.
                                           Artikel 25
Mit der Einreichung der Anmeldung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters wird das fragliche
Muster Gegenstand eines ausschließlichen Rechts. In seltenen Fällen kann ein in den
Schutzumfang des Rechtsinhabers des Gemeinschaftsgeschmacksmusters fallendes Muster
unabhängig von einem Dritten entwickelt worden sein, der jedoch im Vergleich zum
Rechtsinhaber des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters zu spät das Muster der
Öffentlichkeit zugänglich macht oder es zur Eintragung anmeldet. Als allgemeine Regel muß
zwar vorgesehen werden, daß das Recht aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster alle anderen
Rechte ausschließt. In Ausnahmefällen aber kann sich diese Regel unnötig hart auswirken,
nämlich dann, wenn der zweite Entwerfer ernsthafte (finanzielle und sonstige) Vorbereitungen
                                               25
 ---pagebreak--- getroffen hat, um das fragliche Muster zu verwerten. Für diese vermutlich seltenen Fälle ist in
Anlehnung an das Patentrecht ein Vorbenutzungsrecht vorgesehen. Das Vorbenutzungsrecht ist
im Hinblick auf das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster nicht notwendig, da
der unabhängige Entwickler eines identischen Musters nicht als Rechtsverletzer gilt, vgl.
Artikel 20.
                                         5. Abschnitt
                                          Nichtigkeit
                                          Artikel 26
Abschnitt 1
Mit dieser Bestimmung wird der Grundsatz aufgestellt, daß die Nichtigkeit des Gemein-
schaftsgeschmacksmusters nur von den Gemeinschaftsmustergerichte genannten spezialisierten
nationalen Gerichten erklärt werden kann (siehe Artikel 84). Im Falle des eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmusters jedoch sind diese Gerichte nur unter der Bedingung
zuständig, daß die Klage auf Erklärung der Nichtigkeit im Wege der Widerklage im
Zusammenhang mit einer Verletzungsklage erhoben wurde (siehe Artikel 85 d), während der
unmittelbar auf Nichtigkeit gerichtete Antrag vor der zuständigen Dienststelle des Amtes
erhoben werden muß (siehe Artikel 56 ff.).
Abschnitt 2
In manchen Fällen könnte ein Interesse daran bestehen, eine Nichtigkeitserklärung selbst dann
noch zu erlangen, wenn das Muster erloschen ist oder darauf verzichtet wurde, zum Beispiel,
wenn das Musterrecht vor seinem Erlöschen oder vor dem Verzicht darauf einer Partei
gegenüber durch eine Entscheidung durchgesetzt wurde, die noch nicht rechtskräftig geworden
ist.
                                          Artikel 27
Diese wichtige Bestimmung enthält die abschließende Aufstellung der Gründe, aus denen das
Gemeinschaftsgeschmacksmuster für nichtig erklärt werden kann.
Absatz 1
Der erste und nächstliegende Fall ist der, daß die in Artikel 4 aufgeführten Voraussetzungen
für einen Schutz nicht erfüllt sind (Absatz 1 Buchstabe a).
Der zweite, in Absatz 1 Buchstabe b aufgeführte Nichtigkeitsgrund entspricht dem Fall, in dem
die besonderen Merkmale des Musters nicht schutzfahig sind, weil sie völlig funktionell
bestimmt sind, wobei keine Freiheit für eine willkürliche Gestaltung verbleibt, oder weil sie
Verbindungselemente bilden (Artikel 9 Absätze 1 und 2). Zu betonen ist, daß dieser
Nichtigkeitsgrund häufig lediglich zu einer Teilnichtigkeit führen wird. Die Bestimmung wird
sehr wahrscheinlich in Verletzungsverfahren herangezogen, in denen der angebliche
Rechtsverletzer behauptet, das Mustermerkmal, dessen Verletzung ihm vorgeworfen wird, stelle
ein nicht schutzfähiges Element dar.
                                              26
 ---pagebreak--- Die Regeln über Zuständigkeit und Verfahren einschließlich der Befugnis der Kommission, dem
Verfahren über die Erklärung der Nichtigkeit beizutreten (Artikel 56 und 58), sind auch auf den
Fall der Teilnichtigkeit anwendbar.
Bei dem dritten, in Absatz 1 Buchstabe c aufgeführten Nichtigkeitsgrund handelt es sich um
die Fälle, in denen ein Muster gegen die öffentliche Ordnung oder gegen die guten Sitten
verstößt. Diese Fälle werden sich zwar wahrscheinlich als äußerst selten erweisen, aber bei
ihnen geht es um eine schwierige Frage: soll der Verstoß gegen die öffentliche Ordnung oder
gegen die guten Sitten unter Heranziehung einer "gemeinschaftsweiten Vorstellung " oder durch
Rückgriff auf eine bestimmte nationale Sensibilität bewertet werden, die von einem Land zum
anderen höchst unterschiedlich sein kann. Unbeschadet der Tatsache, daß sowohl im Falle des
Gemeinschaftspatents als auch der Gemeinschaftsmarke der erstere Ansatz gewählt wurde,
bestand die Meinung, daß dies bei der Behandlung von Mustern gefährlich sein könnte, da es
entweder bedeuten würde, daß die Auslegung dieser Begriffe auf dem niedrigsten innerhalb der
Gemeinschaft vorhandenen Niveau stattfinden oder daß letztlich eine autonome Auslegung vom
Gerichtshof entwickelt werden müßte, was zu politischen Schwierigkeiten führen könnte. Aus
diesen Gründen wurde der Vorschlag gemacht, daß die Nichtigkeit nur für den Mitgliedstaat
oder die Mitgliedstaaten erklärt wird, in dem oder in denen dieser Nichtigkeitsgrund besteht,
wodurch die Gültigkeit des Gemeinschaftsgeschmacksmusters in allen anderen Mitgliedstaaten
erhalten bleibt (Absatz 3 Buchstabe a).
Ein vierter Nichtigkeitsgrund (Absatz 1 Buchstabe d) betrifft den Fall, in dem der Rechtsinhaber
nicht der rechtmäßig Berechtigte ist, sondern sich beispielsweise das Musterrecht mißbräuchlich
angeignet hat. Dieser Grund kann nur von dem rechtmäßig Berechtigten geltend gemacht
werden, der daher zunächst gemäß Artikel 16 vorgehen muß, um die Entscheidung eines
Gerichts zu erlangen, mit der sein Recht auf das Muster festgestellt wird. Diese Bestimmung
soll dem rechtmäßigen Rechtsinhaber in jenen Fällen helfen, in denen er lieber das miß-
bräuchlich angeignete Recht mit ex tunc-Wirkung zunichte macht, als daß er die Verwertung
des ausschließlichen Musterrechts im eigenen Namen auf der Grundlage der Entscheidung, mit
der seine Berechtigung anerkannt wird, fortsetzt.
Absatz 2
Ein spezieller Fall der Nichtigkeit wird in Absatz 2 behandelt und betrifft die sogenannten
"älteren Rechte". In dieser Bestimmung geht es um den Fall jener eingetragenen Musterrechte
oder die Anmeldungen solcher Rechte, die an dem Tag, an dem gemäß Artikel 7 die Neuheit
und die Eigenart eines jüngeren eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters beurteilt
 werden müssen, bereits bei einer Behörde für den gewerblichen Rechtsschutz eingereicht, aber
noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht waren. Dies ist kein auf die wenigen Monate,
die zwischen der Einreichung der Anmeldung und der Bekanntmachung des Musterrechts
verstreichen könnten, begrenztes theoretisches Problem: es betrifft auch die Fälle, in denen ein
eingetragenes Musterrecht von der zuständigen Behörde gemäß dem anwendbaren Recht geheim
 gehalten wird. Im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters jedoch, dessen
Bekanntmachung gemäß Artikel 52 aufgeschoben wurde, stellt sich das Problem nur im Falle
 der Nachbildung, siehe Artikel 21 Absatz 2.
                                                27
 ---pagebreak--- Solche Vorwegnahmen ("älteren Rechte") fallen nicht unter die Bestimmungen der Artikel 5
und 6 und können einem jüngeren Musterrecht nicht entgegengehalten werden, da sie keine
"Offenbarungen" im technischen Sinne sind. Andererseits wäre es unmöglich, solche älteren
Rechte ohne jeden Schutz vor jüngeren Eintragungen zu lassen: das wäre nicht nur in hohem
Maße unfair, sondern würde auch den Mechanismus der Aufschiebung der Bekanntmachung,
den verschiedene nationale Systeme kennen und der - wenn auch nur mit Schutz vor
Nachbildung - auch für das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmusters vorgesehen ist,
völlig sinnlos machen.
Die vorgeschlagene Lösung besteht daher darin, zuzulassen, daß die Rechtsinhaber solcher
älteren Rechte sie als Nichtigkeitsgrund gegen das jüngere eingetragene Gemeinschafts-
geschmacksmuster geltend machen könnten. Die Möglichkeit aber, solche älteren Rechte
geltend zu machen, wäre auf den Rechtsinhaber des älteren Rechts beschränkt und das ältere
Recht könnte nicht von einem dritten angeblichen Rechtsverletzer geltend gemacht werden.
Die Begünstigung, die das jüngere eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster gegenüber
solchen älteren Rechten verdient, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich waren, als die
Anmeldung erstmals eingereicht wurde, rechtfertigt eine weitere Begrenzung dieses
Nichtigkeitsgrunds in dem Fall, in dem die älteren Rechte Musterrechte eines Mitgliedstaats
oder mehrerer Mitgliedstaaten sind und daher eine territoriale Gültigkeit haben, die sich nicht
auf die gesamte Gemeinschaft erstreckt. In diesen Fällen wird die Nichtigkeit nur für einen
solchen Staat oder solche Staaten erklärt und der vom eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacks-
muster gebotene Schutz für das übrige Gebiet der Gemeinschaft bleibt unangetastet (Absatz 3
Buchstabe b).
                                            Artikel 28
In dieser Bestimmung wird der Grundsatz der ex tunc-Wirkung festgelegt. In Absatz 2 werden
zwei Fälle festgelegt, in denen diese Wirkung abgemildert wird: eine rechtskräftige gerichtliche
Entscheidung über eine Verletzung, die bereits vollstreckt worden ist, und eine vertragliche
Verpflichtung, die bereits erfüllt worden ist.
                                            TITEL DI
       DAS GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER ALS GEGENSTAND DES
                                         VERMÖGENS
                                          Artikel 29-36
In diesen Artikeln geht es um das Gemeinschaftsgeschmacksmuster (und die Anmeldung des
eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters) als Vermögensgegenstand. Die Bestimmungen
lehnen sich eng an ähnliche Bestimmungen an, die bereits für das Gemeinschaftspatent und die
Gemeinschaftsmarke erlassen wurden. Daher erscheint es überflüssig, sie alle im einzelnen zu
kommentieren.
                                                28
 ---pagebreak---                                           TITEL IV
    DIE ANMELDUNG DES EINGETRAGENEN GEMEINSCHAFTSGESCHMACKS-
                                          MUSTERS
                                         1. Abschnitt
                        Einreichung und Erfordernisse der Anmeldung
                                        Artikel 37-38
In diesen beiden Artikeln wird festgelegt, wo die Anmeldung des eingetragenen Gemein-
schaftsgeschmacksmusters vorgenommen werden muß.
Der Anmelder hat die Wahl zwischen der Anmeldung unmittelbar beim Geschmacksmusteramt
der Gemeinschaft oder bei der Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz eines
Mitgliedstaats. Diese Wahlmöglichkeit lehnt sich an jene an, die von der Verordnung über die
Gemeinschaftsmarke geboten wird.
Unter Berücksichtigung der geographischen Ausdehnung und der sprachlichen Vielfalt der
Gemeinschaft stellt die Möglichkeit der Anmeldung bei einer einzelstaatlichen Behörde eine
Erleichterung für jene Anmelder dar, die den ersten Kontakt lieber mit einer vertrauteren
Behörde herstellen wollen, die sich näher an ihrem Wohnsitz befindet.
Der Vorschlag verpflichtet jedoch den einzelnen Mitgliedstaat nicht dazu, seinen Einwohnern
die Möglichkeit der Anmeldung bei der einzelstaatlichen Behörde für den gewerblichen
Rechtsschutz einzuräumen, sondern erlaubt dies lediglich den Bewohnern, wenn dies nach dem
Recht eines Mitgliedstaats zulässig ist. Es erscheint wahrscheinlich, daß die meisten
Zentralbehörden, insbesondere ihre "Musterabteilungen" bereit sein werden, diese Aufgabe zu
übernehmen. Belgien, Luxemburg und die Niederlande könnten das Benelux-Markenamt in Den
Haag mit dieser Aufgabe betrauen.
Nach einer Anlaufzeit wird die Frage zu beurteilen sein, wie gut das vorgeschlagene System
funktioniert: Die Erfahrung wird zeigen, ob die Anmelder vorzugsweise eine zentralisierte oder
eine dezentralisierte Anmeldung vornehmen. Artikel 38 Absatz 3 verlangt von der Kommission
nach zehnjähriger Erfahrung einen Bericht über das Funktionieren des Systems, gegebenenfalls
zusammen mit Verbesserungsvorschlägen.
Wenn die Anmeldung bei einer einzelstaatlichen Behörde eingereicht wird, ist diese Behörde
verpflichtet, die Anmeldung innerhalb von zwei Wochen ab dem Tag der eigentlichen
Anmeldung an das Amt der Gemeinschaft weiterzuleiten. Die einzelstaatliche Behörde kann die
Entrichtung einer Gebühr verlangen, die die Verwaltungskosten für Entgegennnahme und
Weiterleitung deckt.
Die Gefahr, daß die Anmeldung das Amt der Gemeinschaft nicht erreicht, kann, so gering sie
auch sein mag, nicht außer acht gelassen werden (Verzögerung oder Verlust der Akte während
 der Übermittlung oder als Folge eines Fehlers des einzelstaatlichen Amtes). Um die Folgen
eines solchen Vorkommnisses möglichst gering zu halten, ist vorgesehen, daß das Amt der
                                              29
 ---pagebreak--- Gemeinschaft, sobald eine von einer einzelstaatlichen Behörde weitergeleitete Anmeldung
eingegangen ist, den Anmelder davon in Kenntnis setzt. Der Anmelder wird daher eine
mögliche Verzögerung oder den Verlust der Anmeldung sehr rasch feststellen können, wenn
er vom Amt der Gemeinschaft nicht innerhalb einer angemessenen Frist nach dem Tag der
Einreichung bei der einzelstaatlichen Behörde eine Empfangsbestätigung für die Anmeldung
bekommt. Eine mögliche Haftung der einzelstaatlichen Behörde, wenn aufgrund der
Verzögerung oder des Verlusts der Anmeldung der Anmelder gewisser Rechte verlustig geht,
würde sich nach dem auf den konkreten Fall anwendbaren einzelstaatlichen Recht bestimmen.
                                           Artikel 39
Dieser Artikel legt die Erfordernisse fest, denen die Anmeldung entsprechen muß.
Eine Anmeldung setzt sich aus einer Anzahl von Elementen zusammen. Einige davon müssen
vorliegen, wenn die Anmeldung gültig sein soll, andere sind fakultativ und von den Umständen
des Falles abhängig.
Absätze 1, 4
Die notwendigen Elemente sind die folgenden:
       der Antrag auf Eintragung, der in der Praxis aus einem mehrsprachigen Vordruck
       bestehen wird, der den Anmeldern vom Amt der Gemeinschaft und von den jeweiligen
       einzelstaatlichen Behörden zur Verfügung gestellt wird (Absatz 1 Buchstabe a),
       Angaben, aus denen die Identität des Anmelders hervorgeht Absatz 1 Buchstabe b),
       eine zur Reproduktion geeignete graphische oder photographische Wiedergabe des
       Musters. (Die Wiedergabe wird für die Bekanntmachung des Musters im Blatt für
       Gemeinschaftsgeschmacksmuster verwendet werden; da es sehr wahrscheinlich ist, daß
       Wiedergaben eingetragener Gemeinschaftsgeschmacksmuster vom Amt auf optischen
       Platten gespeichert werden, könnten in der Durchführungsverordnung technische Normen
       vorgegeben werden, mit denen festgelegt wird, was für die Reproduktion geeignet ist.)
       (Absatz 1 Buchstabe c).
       die Nennung des Namens des Entwerfers oder die Angabe des Entwerferteams (Absatz 4
       - siehe auch Artikel 16).                          '
Absatz 3
Die fakultativen Elemente sind die folgenden:
       eine Beschreibung mit einer Erläuterung der graphischen oder photographischen Wieder-
       gabe (solche Texte können eine Hilfe für die Feststellung der besonderen Merkmale der
       Erscheinungsform des Erzeugnisses sein, die das Wesen des Musters ausmachen und die
       in einem Bild oder einer Zeichnung nicht sehr gut herauskommen (Absatz 3 Buch-
       stabe a).
                                               30
 ---pagebreak---         die Angabe der Erzeugnisse, in die das Muster aufgenommen werden soll und die
        Klassifikation der Erzeugnisse gemäß dem Abkommen von Locarno (die Angabe und die
        Klassifikation würden nur der Klassifikation und der Recherche dienen und hätten keine
        Auswirkung auf den Schutzumfang des Musterrecht (Absatz 3 Buchstaben b und c).
        eine Probe oder ein Warenmuster des Erzeugnisses, in dem das Muster verwendet wird:
        die Proben oder Warenmuster könnten zweidimensionale (hauptsächlich Textilien) wie
        auch dreidimensionale Erzeugnisse betreffen. In der Durchführungsverordnung werden
        besondere Regeln über die Normen und zulässigen Höchstgrößen solcher Warenproben
        erlassen werden müssen, wobei zu berücksichtigen ist, daß sie vom Amt aufzubewahren
        und zu klassifizieren sind (Absatz 3 Buchstabe d).
        ein Antrag auf Aufschiebung der Bekanntmachung der Anmeldung (Absatz 3 Buch-
        stabe e - siehe Artikel 52).
Absatz 2
Die zur Reproduktion geeignete Wiedergabe des Musters kann unter den nachstehenden
Umständen durch eine Probe oder ein Warenmuster des Erzeugnisses ersetzt werden:
        wenn ein zweidimensionales Muster Gegenstand der Anmeldung ist und
        ein Antrag auf Aufschiebung der Bekanntmachung des Musters eingereicht wird.
Mit dieser Vorschrift soll einem besonderen Bedürfnis der Textilbranche entsprochen werden,
die das Instrument der aufgeschobenen Bekanntmachung dazu nutzen könnte, eine weit größere
Zahl von Anmeldungen einzureichen als die Zahl der Muster, für die sie letzlich Schutz
brauchen wird. Es wäre eine unnötige Härte, von dieser Branche in diesem sehr frühen Stadium
die Hinterlegung kostspieliger photographischer oder graphischer Wiedergaben für alle ihre
Anmeldungen zu verlangen, während die Einreichung einer Probe oder eines Warenmusters
leichter und billiger wäre. Bei Ablauf der Aufschiebungsfrist jedoch wird für diejenigen Muster,
deren Schutz aufrechterhalten wird, die Bekanntmachung im Blatt für Geschmacksmuster
stattfinden müssen und zu diesem Zweck wird die graphische oder photographische Wiedergabe
eingereicht werden müssen (sie Artikel 52 Absatz 4 Buchstabe b).
Absatz 5
Hinsichtlich der Gebühren wird vorgeschlagen, daß die Anmeldung nur gültig ist, wenn zwei
Gebühren entrichtet werden:
        eine Eintragungsgebühr,
        eine Bekanntmachungsgebühr.
Wird die Aufschiebung der Bekanntmachung beantragt, dann sollte in diesem Stadium an die
Stelle der Bekanntmachungsgebühr eine geringere Gebühr treten, die grundsätzlich die Kosten
für die Veröffentlichung des Hinweises auf die Aufschiebung decken sollte (siehe Artikel 52
Absatz 3).
Die Höhe dieser und anderer in der Verordnung vorgesehener Gebühren wird in einer
Gebührenordnung gemäß dem in Artikel 127 vorgesehenen Verfahren festgelegt.
                                                31
 ---pagebreak---                                             Artikel 40
Absatz 1
Das Instrument der "Sammelanmeldung" ist in verschiedenen einzelstaatlichen Systemen und
im Haager Abkommen über die internationale Hinterlegung gewerblicher Muster und Modelle
bekannt. Das Ziel ist die Erleichterung der Einreichung von Anmeldungen für jene Wirtschafts-
zweige, die eine große Anzahl von Mustern hervorbringen und für die die Kosten und die
administrative Bürde zu groß wären, wenn sie für jedes dieser Muster für sich ein Musterrecht
erwirken müßten. Das gemeinschaftliche Geschmacksmustersystem, das hochmodern sein und
mit dem Haager System für die internationale Hinterlegung zusammenwirken können sollte,
könnte gar nicht anders, als eine solche Möglichkeit vorzusehen.
Die Vorschrift gestattet es, eine Anzahl von eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmustern
in einer Sammelanmeldung zusammenzufassen. Im Gegensatz zu dem im Grünbuch enthaltenen
Vorschlag wird keine Obergrenze für diese Zahl festgelegt. Bedingung ist jedoch, daß alle
Erzeugnisse, in die die Muster aufgenommen werden sollen, derselben Unterklasse nach dem
Abkommen von Locarno oder derselben Serie oder bestimmten Anordnung von Gegenständen
angehören. Diese Einschränkungen erscheinen notwendig, um zu vermeiden, daß das Instrument
als Weg benutzt wird, niedrigere Eintragungs- und Bekanntmachungsgebühren dadurch zu
bezahlen, daß Muster zusammen vorgelegt werden, die für alle möglichen Arten von
Erzeugnissen gedacht sind. Eine Sammelanmeldung muß durch ein einheitliches Element
gekennzeichnet sein, das sich normalerweise in der Tatsache findet, daß alle Erzeugnisse
derselben Unterklasse angehören. (Die Klassen nach dem Abkommen von Locarno sind zu weit
gespannt, als daß sie dieser Notwendigkeit der Einheit innerhalb einer Anmeldung entsprächen).
Der Hinweis auf eine Unterklasse könnte jedoch in bestimmten Fällen zu unfairen Ergebnissen
führen: ein und dasselbe Muster könnte bei Erzeugnissen verwendet werden, diQ aufgrund ihrer
physischen Eigenschaften verschiedenen Unterklassen, ja sogar Klassen angehören. Man könnte
an ein Dekor denken, das ein Hersteller auf einer Serie unterschiedlicher Haushaltsartikel (Por-
zellan, Gläser, Gabeln, Löffel und Messer, Küchenmöbel usw.) anzubringen beabsichtigt. Es
dürfte angemessen erscheinen, einem solchen Hersteller zu gestatten, eine Sammelanmeldung
für all diese verschiedenen Verwendungen des Musters vorzunehmen. Mit der Vorschrift sollen
auch die verschiedenen Möglichkeiten der "Innenausstattung" erfaßt werden, die sich aus einer
 einheitlichen Designidee ergeben: das sollte durch den Hinweis auf "dieselbe bestimmte
Anordnung von Gegenständen" erfaßt werden.
 Absatz 2
 Die Behandlung der Sammelanmeldung im Hinblick auf die Gebühren läßt sich von den
 Anregungen leiten, die die WIPO für die derzeitige Überarbeitung des Haager Abkommens
 vorgelegt hat. Zusätzlich zur Entrichtung der Grundgebühr für Eintragung und Bekanntmachung
 muß der Anmelder eine zusätzliche Eintragungs- und Bekanntmachungsgebühr bezahlen, die
                                                32
 ---pagebreak--- einem Prozentsatz der Grundgebühren für jedes zusätzliche Muster entsprechen sollte. Durch
die Verwendung einer solchen Formel ist es möglich, die Einführung einer Obergrenze für die
Zahl der in einer Sammelanmeldung zusammengefaßten Muster zu vermeiden. Die Höhe und
eine mögliche Änderung dieses Prozentsatzes je nach der Anzahl der Muster wird in
Übereinstimmung mit der Gebührenpolitik festgelegt werden müssen, die die Behörde
einschlägt, welche die Gebührenordnung erläßt (siehe Artikel 127).
                                          Artikel 41
In dieser Vorschrift wird der Tag der Anmeldung (einschließlich der Sammelanmeldung) für
ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster als der Tag festgelegt, an dem die
Unterlagen mit den Angaben, die notwendigerweise in einer Anmeldung stehen müssen (siehe
Artikel 39 Absätze 1 und 2) entweder beim Amt oder bei einer einzelstaatlichen Behörde für
den gewerblichen Rechtsschutz (einschließlich des Benelux-Musteramtes) eingereicht werden.
Wie dieser Tag zuerkannt wird, ergibt sich aus den Artikeln 48 und 49.
                                          Artikel 42
Diese Vorschrift legt die allgemeine Verpflichtung fest, sich im Rahmen der Verordnung nach
der im Abkommen von Locarno von 1968 vorgesehenen Klassifikation zurichten.Es ist erneut
zu betonen, daß die Benutzung einer solchen Klassifikation, die von Erzeugnissen ausgeht,
keine Auswirkung auf den Schutzumfang des Gemeinschaftsgeschmacksmusters hat.
                                         2. Abschnitt
                                        Prioritätsrecht
                                         Artikel 43-47
In diesen Artikeln geht es um die Frage des Prioritätsrechts. Muster genießen gemäß der Pariser
Verbandsübereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums ein Prioritätsrecht von sechs
Monaten. Dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster, das aus einer regionalen
Vereinbarung zwischen den EWG-Mitgliedstaaten entsteht, die alle der Pariser Verbandsüber-
einkunft angehören, muß daher die Möglichkeit zugute kommen, daß eine Priorität geltend
gemacht wird, die aus einer älteren Anmeldung desselben Musters in einem oder für einen Staat
entsteht, der der Pariser Verbandsübereinkunft angehört.
Über die Möglichkeit, die Priorität einer Gemeinschaftsanmeldung geltend zu machen, um
Schutz in einem oder für einen der Pariser Verbandsübereinkunft angehörenden Staat geltend
zu machen, wird später mit der WIPO zu verhandeln sein; sie wird sich aus der Anerkennung
des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters als rechtswirksames Schutzinstrument
gemäß der Pariser Verbandsübereinkunft ergeben. Artikel 46 legt diesen Grundsatz bereits für
die EWG-Mitgliedstaaten fest, da der Anmeldung eines eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmusters, deren Anmeldetag feststeht, die Wirkung einer vorschriftsmäßigen
nationalen Hinterlegung zuerkannt wird.
                                               33
 ---pagebreak--- Die Artikel 43 bis 47 lehnen sich an die fast identischen Vorschriften im Gemeinschafts-
patentübereinkommen und in dem Entwurf einer Verordnung über die Gemeinschaftsmarke an.
Es dürfte daher kaum erforderlich sein, sie im einzelnen zu kommentieren.
                                           TITEL V
                                EINTRAGUNGSVERFAHREN
                                          Artikel 48
Wie oben im einführenden Teil hervorgehoben wurde, muß das Eintragungsverfahren vor dem
Amt einfach, billig und schnell sein. Weder ist eine materiellrechtliche Prüfung, ob das Muster
die Voraussetzungen für einen Schutz erfüllt, noch ist ein Einspruchsverfahren vor der
Eintragung vorgesehen. Das Amt hat lediglich eine Prüfung auf Formerfordernisse durch-
zufuhren, wobei die Kontrolle der materiellen Gültigkeit eines Musters Verfahren inter partes
vor den nationalen Gerichten oder dem Amt nach der Eintragung überlassen bleibt.
Absatz 1
Dieser allgemeine Grundsatz bedeutet, daß das Amt nicht prüft, ob eine Anmeldung den
Voraussetzungen für einen Schutz genügt, oder ob daraus Probleme wie das entstehen, daß
möglicherweise die technischen Merkmale, für die Schutz begehrt wird nicht willkürlich
gewählt sind und daher der Schutz nach Artikel 9 ausgeschlossen ist. Auch fuhrt es keine
Prüfung hinsichtlich eines Verstoßes des Musters gegen die Erfordernisse der Öffentlichen
Ordnung oder der guten Sitten gemäß Artikel 10 durch.
Das Amt untersucht zwar die materiellen Schutzvoraussetzungen nicht, aber man sollte von ihm
nicht verlangen, daß es eine formell korrekte Anmeldung von etwas einträgt, das offensichtlich
nicht unter die Definition des Musters fällt. Sollte ein Muster für ein musikalisches Thema
(nicht für die graphische Wiedergabe von ein paar Takten) oder einen Namen oder einen
Werbespruch (nicht deren graphische Wiedergabe) beantragt werden, rnuß das Amt befugt sein,
die Anmeldung von Anfang an abzulehnen. Der Anmelder kann gegen eine solche Entscheidung
Beschwerde nach Maßgabe der Artikel 59 ff. einlegen.
Absatz 2
Diese Vorschrift führt die Elemente auf, die bei der Prüfung der Formerfordernisse durch das
Amt in Betracht gezogen werden. Zunächst muß festgestellt werden, daß die Anmeldung die
notwendigen Elemente enthält, die es erlauben, einen Anmeldetag zuzuerkennen (die Elemente
sind in Artikel 39 Absätze 1 und 2 aufgeführt). Zweitens hat das Amt die Erfüllung aller
anderen, in Artikel 39 aufgeführten Erfordernisse zu prüfen (Nennung des Entwerfers oder des
Entwerferteams, fakultative Elemente, Entrichtung der Gebühren, Erfüllung der in der
Durchführungsverordnung enthaltenen Erfordernisse) und im Fall der Sammelanmeldung die
in Artikel 40 niedergelegten Erfordernisse (fakultative Elemente, Entrichtung der zusätzlichen
Gebühren, Erfüllung der in der Durchführungsverordnung enthaltenen Erfordernisse).
Schließlich muß das Amt die Erfordernisse bezüglich der Inanspruchnahme einer Priorität
prüfen, die sich aus Artikel 44 ergeben.
                                               34
 ---pagebreak---                                           Artikel 49
Dieser Artikel zeigt die Folgen des Vorhandenseins formaler Mängel der Anmeldung auf. In
diesem Fall fordert das Amt den Anmelder auf, die Mängel innerhalb einer gegebenen Frist zu
beseitigen.
Werden die Mängel rechtzeitig beseitigt, so erkennt das Amt einen Anmeldetag an, aber dieser
Tag wird je nach der Schwere der festgestellten Mängel unterschiedlich bestimmt. Betrafen die
Mängel das Vorliegen eines Antrags auf Eintragung, Angaben zur Feststellung der Identität des
Anmelders, die Darstellung des Musters oder, sofern zulässig, die ersatzweise Hinterlegung
einer Probe oder eines Warenmusters, so ist Anmeldetag der Tag, an dem die Mängel beseitigt
werden. Betreffen die Mängel andere Erfordernisse, denen die Anmeldung (oder die
Sammelanmeldung) genügen muß, so bleibt Anmeldetag der Tag, an dem die Anmeldung beim
Amt oder der einzelstaatlichen Behörde eingereicht wurde.
Werden die Mängel einschließlich der fälligen Entrichtung der Gebühren nicht rechtzeitig
beseitigt, dann wird die Anmeldung zurückgewiesen. Der Anmelder hat das Recht, gegen eine
solche Entscheidung des Amtes Beschwerde einzulegen (Artikel 59 ff.).
Was die Erfordernisse bezüglich des Prioritätsrechts anbetrifft, so führt die Tatsache, daß die
Mängel nicht beseitigt werden, lediglich zum Verlust des Prioritätsrechts für die Anmeldung,
die zwar weiter bearbeitet wird, die dann aber der Beurteilung der Erfüllung der materiellen
Erfordernisse am Anmeldetag und nicht an einem früheren Prioritätstag unterliegt.
                                          Artikel 50
Sobald der Anmeldetag einer Anmeldung feststeht, wird sie als eingetragenes Gemein-
schaftsgeschmacksmuster eingetragen. Der im Register zu nennende Tag ist der Anmeldetag.
Berücksichtigt man die Einfachheit der Prüfung auf Formerfordernisse und die kurzen Fristen,
die für die Weiterleitung der Anmeldung von einer einzelstaatlichen Behörde zum Amt oder
für die Beseitigung vorhandener Mängel vorgesehen sind, dann dürfte der Tag der Eintragung
grundsätzlich innerhalb einer Frist von sechs Monaten nach dem Tag der tatsächlichen
Anmeldung liegen.
                                          Artikel 51
Auf die Eintragung folgt so bald wie möglich die Bekanntmachung des eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmusters im Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster. Die Zeitspanne
zwischen Eintragung und Bekanntmachung hängt einerseits von der für die technische
Vorbereitung der Bekanntmachung benötigten Zeit und andererseits von der Erscheinungsweise
des Blattes (d.h. monatlich oder vierzehntäglich) ab. Die Vorschrift fuhrt auf, was die
Bekanntmachung enthalten muß, wobei sie es der Durchführungsverordnung überläßt, weitere
Einzelheiten festzulegen.
                                              35
 ---pagebreak--- Die Vorschrift geht von dem Gedanken aus, daß das Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster
in Form einer herkömmlichen, gedruckten Zeitschrift herauskommt, so wie das heute beim
einzelstaatlichen System verschiedener Mitgliedstaaten und beim Haager internationalen
Hinterlegungssystem der Fall ist. Es könnte sich jedoch im Lichte der technischen Innovation
zukünftig als nützlicher erweisen, dem Amt die Wahl einer effizienteren und zeitgemäßeren
Weise, "das Musterrecht der Öffentlichkeit bekannt zu machen", zu überlassen.
Im Hinblick auf die Rechtswirkung ist zu betonen, daß technisch gesehen das Muster der
Öffentlichkeit von dem Tag ab zugänglich ist, an dem es tatsächlich eingetragen wurde, und
nicht ab dem Tag seiner Bekanntmachung im Blatt: der Zugang der Öffentlichkeit zum Register
ist in der Tat von diesem früheren Tag ab gewährleistet.
                                            Artikel 52
Mit dieser Vorschrift wird die Möglichkeit eingeführt, ein eingetragenes Gemeinschafts-
geschmacksmuster während eines Zeitraums von höchstens 30 Monaten geheim zu halten. Dies
entspricht dem Bedürfnis verschiedener Wirtschaftszweige, die meinen, sie könnten es sich
nicht leisten, ihre Muster zu veröffentlichen, bevor die entsprechenden Erzeugnisse den Markt
erreichen. Insbesondere auf dem Gebiet der Mode (aber das Problem ist auch im Automobil-
bereich nicht ungewöhnlich) könnte der Erfolg einer auf den exklusiven Charakter einer
Kollektion gegründeten kommerziellen Operation gefährdet sein, wenn man die Mitbewerber
vorab die allgemeine Linie des Designs einer künftigen Kollektion wissen ließe, da der Schutz
des Know-hows in solchen Fällen nicht ausreichen würde, die Mitbewerber daran zu hindern,
zur selben Zeit wie der Rechtsinhaber oder sogar noch vor ihm ähnliche (möglicherweise
"intelligent ähnliche") Muster auf den Markt zu bringen. Geheimhaltung ist zwar in diesen
Fällen die notwendige Antwort, aber wenn die Geheimhaltung nur unternehmensinternen
Maßnahmen überlassen bliebe, wäre die Gefahr, den Schutz aufgrund einer verspäteten
 Anmeldung zu verlieren, allzu groß. Die aufgeschobene Bekanntmachung ist daher die richtige
 Antwort auf diesen Bedarf.
 Absatz 1
 Der Antrag auf Aufschiebung muß zum Zeitpunkt der Einreichung der Anmeldung gestellt
 werden. Das Eintragungsverfahren ist zu kurz, als daß es erlauben würde, den Antrag zu einem
 späteren Zeitpunkt zu stellen. Die Frist, während der das eingetragene Gemeinschafts-
 geschmacksmuster geheim gehalten werden kann, kann höchstens 30 Monate ab dem Tag der
 Anmeldung oder dem Prioritätstag betragen. Dieser Zeitraum dürfte einen Ausgleich zwischen
 dem dargelegten Geheimhaltungsbedarf und der Notwendigkeit der Rechtssicherheit und
 Transparenz bilden, die durch das Vorhandensein nicht bekanntgemachter und trotzdem
 rechtsgültiger Muster sicherlich beeinträchtigt werden.
                                                36
 ---pagebreak--- Absätze 2, 3
Wird der zusammen mit einem Antrag auf Aufschiebung der Bekanntmachung eingereichten
Anmeldung ein Anmeldetag zuerkannt, so wird das entsprechende Muster innerhalb derselben
Frist und nach demselben Verfahren wie ein normales eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacks-
muster eingetragen. Die eingetragene Darstellung des Musters und die Unterlagen im
Zusammenhang mit der Anmeldung werden jedoch der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht.
Die Öffentlichkeit wird über das Register und das Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster
von der Identität des Anmelders, der Dauer der Aufschiebung der Bekanntmachung der
Darstellung des Musters und dem Tag der Anmeldung in Kenntnis gesetzt.
Absätze 4, 5, 7
Bei Ablauf der Aufschiebungsfrist oder auf Antrag des Rechtsinhabers zu-einem früheren
Zeitpunkt werden die geheim gehaltenen Elemente der Öffentlichkeit durch das Amt über das
Register und das Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster zugänglich gemacht, und der Tag,
an dem dies geschieht, ist der Tag der Bekanntmachung. Eine Bedingung aber muß erfüllt
werden: der Rechtsinhaber muß die Bekanntmachungsgebühr entrichten, die ihm bei der
Einreichung der Anmeldung durch Zahlung der niedrigeren Gebühr für die aufgeschobene
Bekanntmachung erspart blieb. Hat ferner der Rechtsinhaber in den in Artikel 39 Absatz 2
aufgeführten Fällen ein Warenmuster anstelle einer Darstellung des Musters eingereicht, so muß
er im jetzigen Stadium die zur Abbildung geeignete Darstellung des Musters vorlegen, um die
Bekanntmachung im Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster zu ermöglichen. Wird eine
dieser Bedingungen nicht erfüllt, so führt das dazu, daß das Musterrecht seine Wirkungen von
Anfang an verliert.
Der Inhaber des Rechts an dem Muster kann sich jedoch für den Verzicht auf das Musterrecht
entscheiden. In diesem Fall findet keine Bekanntmachung statt und der Rechtsinhaber
vermeidet, daß das Muster seine Wirkung Schutz vor Nachahmung, cf. Artikel 21 Absatz 2 -
von Anfang an verliert.
Absatz 6
Aus den vorstehenden Darlegungen dürfte eindeutig hervorgehen, daß der Rechtsinhaber eines
eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters, dessen Bekanntmachung aufgeschoben wurde,
ein Recht genießt, das gegen Rechtsverletzer durchgesetzt werden kann. Angesichts der
Tatsache, daß man aufgrund der Geheimhaltung des Musters nicht davon ausgehen kann,
Rechtsverletzer hätten Kenntnis davon, schützt jedoch das verliehene Recht, solange keine
Bekanntmachung stattgefunden hat, nur vor Nachahmung, und eine auf Durchsetzung der
Rechte gerichtete Klage ist nur möglich, wenn alle in der Akte enthaltenen Angaben
einschließlich der Darstellung des Musters vorher dem angeblichen Rechtsverletzer mitgeteilt
wurden. Dies bedeutet nicht, daß die Informationen auch der Öffentlichkeit allgemein zur
Kenntnis gebracht werden sollten.
                                               37
 ---pagebreak---                                             TITEL VI
                         SCHUTZDAUER DES EINGETRAGENEN
                       GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTERS
                                            Artikel 53
Diese aus systematischen Gründen eingeführte Vorschrift bestätigt, was in Artikel 13 ausgeführt
wurde, d.h. daß die Schutzfrist des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters fünf Jahre
gerechnet vom Tag der Anmeldung beträgt und um jeweils fünf Jahre bis auf höchstens 25
Jahre verlängert werden kann.
                                            Artikel 54
Dieser Artikel lehnt sich an den parallelen Artikel in dem Verordnungsentwurf über die
Gemeinschaftsmarke an und legt das Verfahren fest, das jeweils am Ende eines Zeitraums von
fünf Jahren einzuschlagen ist, um den Schutz zu verlängern.
Die Verlängerung setzt einen Antrag des Rechtsinhabers oder einer von ihm hierzu ausdrücklich
ermächtigten Person voraus: die Auffassung dazu ist, daß die Verlängerung eine hinlänglich
wichtige Handlung ist, die ein solches persönliches Engagement des Rechtsinhabers fordert und
beispielsweise nicht allein der Initiative eines Lizenznehmers überlassen werden könnte. Die
Verlängerung setzt ferner die Entrichtung einer Verlängerungsgebühr voraus, die langfristig
gesehen die grundlegende Einnahmequelle des Amtes sein wird.
Das Amt organisiert die Unterrichtung des Rechtsinhabers rechtzeitig vor dem Ablauf des
Musterrechts. Der Antrag auf Verlängerung muß innerhalb von sechs Monaten vor dem Ablauf
gestellt und die Verlängerungsgebühr muß innerhalb dieses Zeitraums entrichtet werden. Eine
weitere Nachfrist von sechs Monaten nach dem Ablauf wird jedoch für die Einreichung des
Antrags und die Bezahlung der Verlängerungsgebühr eingeräumt, sofern eine Zuschlaggebühr
entrichtet wird.
                                           TITEL VII
  VERZICHT AUF DES EINGETRAGENE GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER
                                      UND NICHTIGKEIT
                                            Artikel 55
In dieser Vorschrift geht es um den Verzicht auf das eingetragene Gemeinschaftsge-
schmacksmuster auf Initiative oder mit Zustimmung des Rechtsinhabers. Die Vorschrift lehnt
sich an die ähnliche Vorschrift für die Gemeinschaftsmarke an.
                                                38
 ---pagebreak---                                           Artikel 56-58
Die Artikel 56 und 57 lehnen sich an die entsprechenden Vorschriften an, die ein Verfahren auf
Verfall oder Nichtigkeit der Gemeinschaftsmarke einführen, und legt ein zentrales Verfahren
vor dem Amt fest, das das grundlegende Instrument für die Durchführung der Kontrolle der
Rechtsgültigkeit eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters nach seiner Eintragung
bilden dürfte. Eingeleitet kann dieses Verfahren werden, sobald das Gemeinschaftsgeschmacks-
muster eingetragen worden ist oder jederzeit während seiner Laufzeit oder sogar nach seinem
Erlöschen. Es entspricht zwei Arten von Forderurij|fn:3fJer Forderung, daß Wettbewerber
unmittelbar nach der Eintragung auf die Inanspruchnahme eines Schutzes reagieren können,
(dieser Forderung wird in einigen Ländern durch ein Einspruchsverfahren Rechnung getragen)
und der Forderung, zu jedem späten Zeitpunkt das Musterrecht auf einmal mit Gültigkeit für
die gesamte Gemeinschaft angreifen zu können.
Im ersteren Fall würde bei Berücksichtigung des Artikels 95 Absatz 1 eine rasche Reaktion
eines interessierten Dritten gegen eine Eintragung die Durchsetzung des Musterrechts gegen ihn
durch ein einzelstaatliches Gericht vor Ergehen der endgültigen Entscheidung über die
Gültigkeitsfrage verhindern. Selbst wenn der Rechtsinhaber schneller als der Dritte handelt und
versucht, seine Rechte durchzusetzen, bevor ein Nichtigkeitsverfahren bei dem Amt anhängig
gemacht wird, bietet Artikel 95 Absatz 2 dem Dritten (der technisch gesehen zu einem
angeblichen Rechtsverletzer geworden ist) doch noch die Möglichkeit, ein solches Verfahren
anhängig zu machen und bei dem einzelstaatlichen Gericht die Aussetzung des Verletzungsver-
fahrens zu beantragen, bis das Amt über die Rechtsgültigkeitsfrage entschieden hat (diese
Vorschrift beläßt dem einzelstaatlichen Gericht Ermessensfreiheit, um rechtsmißbräuchliche
Verfahren zu vermeiden). Auch ist zu betonen, daß die Länge der Verfahren vor dem Amt
allgemein durch die Art überwacht werden kann, in der der Präsident die Tätigkeit des Amtes
führt. Dadurch dürfte sich vermeiden lassen, daß Verfahren unnötig in die Länge gezogen
werden.
Im zweiten Fall würde die Nichtigkeitserklärung nur für die Vergangenheit wirksam, aber sie
könnte trotzdem nützlich sein, zum Beispiel um Schadensersatz für eine ungerechtfertigte
Durchsetzung des Rechts zu erlangen. Die internationale Zusammensetzung der Dienststellen
des Amtes und die Qualifikation ihrer Mitglieder werden starke Garantien für den Wert und die
Unparteilichkeit der Entscheidungen des Amtes in diesem Bereich sein.
Das Verfahren kann von jeder natürlichen oder juristischen Person einschließlich der
 Kommission und der Mitgliedstaaten eingeleitet werden, nach deren Auffassung ein guter Grund
besteht, die Nichtigkeitserklärung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
 herbeizuführen. In zwei Fällen jedoch setzt die Berechtigung ein Verfahren einzuleiten voraus,
 daß ein besonderes Interesse glaubhaft gemacht wird: wenn der geltend gemachte Nichtigkeits-
 grund die fehlende Berechtigung des Rechtsinhabers (Artikel 27 Absatz 1 Buchstabe d) ist oder
 wenn der geltend gemachte Grund das Vorhandensein eines "älteren Rechts" im Sinne des
 Artikels 27 Absatz 2 ist.
                                                39
 ---pagebreak--- Das Verfahren ist ein Verfahren inter partes, das vor einer Nichtigkeitsabteilung des Amtes
geführt wird. Es dürfte überflüssig erscheinen, im einzelnen die Vorschriften über die Art der
Einleitung eines solchen Verfahrens und die Prüfung des Antrags auf Nichtigkeit durch die
Dienststelle des Amtes zu beschreiben, da sich diese Vorschriften eng an ähnliche Vorschriften
anlehnen, die bereits als solche inter partes Verfahren für das Europäische Patent (Einspruchs-
verfahren), das Gemeinschaftspatent (Nichtigkeitsverfahren) und die Gemeinschaftsmarke
(Verfalls- und Nichtigkeitsverfahren) beschlossen worden sind.
Gegen die Entscheidung des Amtes kann die unterliegende Partei Beschwerde einlegen
(Artikel 59 ff.).
Artikel 58 erleichtert den Zugang zu einem Nichtigkeitsverfahren, so lange es vor dem Amt
anhängig ist, für einen angeblichen Rechtsverletzer, gegen den der Rechtsinhaber seine Rechte
durchzusetzen versucht. Er hat das Recht, dem Verfahren beizutreten und vor dem Amt seinen
eigenen Fall zu fuhren.
Ferner erhalten die Kommission und die Mitgliedstaaten das Recht, dem Verfahren beizutreten.
Dies würde beispielsweise dem Fall Rechnung tragen, daß die Parteien sich außergerichtlich
einigen, ohne daß eine rechtskräftige Entscheidung ergeht. Wenn dem öffentlichen Interesse am
besten damit gedient wäre, den Fall bis zu einer solchen rechtskräftigen Entscheidung fortzuset-
zen, wird der Kommission und den Mitgliedstaaten somit die Möglichkeit gegeben, dies
herbeizuführen.
Die Kommission beabsichtigt die Schaffung eines beratenden Ausschusses, um die Kommission
bei der Überwachung der intragungen beim Amt zu unterstützen. Die Kommission hat hierzu
die Befugnisse.
Der Ausschuß, der unter dem Vorsitz eines Vertreters der Kommission stehen wird, setzt sich
aus Vertretern der Mitgliedstaaten und aus Vertretern der Industrie, die ad hoc bestimmt
werden, zusammen.
Auf diese Weise soll sichergestellt werden, daß die Eintragungspraxis dem Sinn und Zweck der
Verordnung entspricht.
                                                40
 ---pagebreak---                                           TITEL VOI
                 BESCHWERDE GEGEN ENTSCHEIDUNGEN DES AMTES
                                         Artikel 59-65
In diesen Artikeln geht es um das Beschwerdeverfahren, das denjenigen offen steht, die an
einem Verfahren vor dem Amt beteiligt waren und durch eine Entscheidung des Amtes
beschwert sind. Das Beschwerderecht besteht daher gegen Entscheidungen, die während des
Eintragungsverfahrens (Verfahren ex parte) oder während des Nichtigkeitsverfahrens (Verfahren
inter partes) gefallt wurden, sowie auch gegen andere Arten von Entscheidungen, die das Amt
nach Maßgabe der Verordnung zu treffen hat (z.B. Entscheidungen über die zugelassenen
Vertreter, Entscheidungen über die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand usw.).
Diese Gruppe von Vorschriften lehnt sich eng an ähnliche Vorschriften an, die für die
Gemeinschaftsmarke ausgearbeitet wurden. Da zur Zeit der Erarbeitung des vorliegenden
Vorschlags die Erörterungen innerhalb des Rates über diese Vorschriften noch nicht
abgeschlossen waren, gilt es festzuhalten, daß eine Änderung des Inhalts des vorliegenden
Vorschlags notwendig werden wird, um Änderungen in der Verordnung über die Gemein-
schaftsmarke Rechnung zu tragen, die sich in diesem Fall für die Kommission als annehmbar
erweisen. Es braucht kaum betont zu werden, wie wichtig es für die Benutzer des Gemein-
schaftsmarken- und des Gemeinschaftsgeschmacksmustersystems ist, daß sich die Beschwerde-
vorschriften genau entsprechen.
Unter Berücksichtigung des im vorstehenden Gesagten dürfte es überflüssig erscheinen, jede
Vorschrift über Beschwerden im einzelnen zu kommentieren. Es dürfte genügen, daran zu
erinnern, daß die Beschwerde vor eine der Beschwerdekammern kommt, die innerhalb des
Amtes gebildet werden und quasi-gerichtlicher Natur sind (siehe auch die Artikel 117 bis 120).
Entscheidungen der Beschwerdekammern sind mit der Klage vor dem Gerichtshof anfechtbar.
Es ist jedoch zu erwarten, daß der Gerichtshof den Rat ersuchen wird, nach Maßgabe des
 Artikels 168a EWGV diese Fälle dem Gericht erster Instanz mit der Möglichkeit zuzuweisen,
dessen Entscheidungen über Rechtsfragen zu überprüfen ("contrôle de cassation"). Sollte eine
 Entscheidung einer Beschwerdekammer als nicht mit dem Gemeinschaftsrecht übereinstimmend
 erachtet werden, aber nicht von dem betreffenden Beteiligten angefochten worden sein und
 somit Bestandskraft erlangt haben, könnte die Kommission oder ein Mitgliedstaat eine
 "Beschwerde im Interesse des Rechts" beim Gerichtshof einlegen. Die Entscheidung des
 Gerichtshofs über eine solche Beschwerde hätte keine Auswirkung auf die fragliche
 Entscheidung, sollte aber die bindende Auslegung geben, die künftig in ähnlichen Fällen zu
 beachten ist.
                                               41
 ---pagebreak---                                            TITEL IX
                                VERFAHREN VOR DEM AMT
                                          1. Abschnitt
                                    Allgemeine Vorschriften
                                          2. Abschnitt
                                             Kosten
                                          3. Abschnitt
            Unterrichtung der Öffentlichkeit und der Behörden der Mitgliedstaaten
                                         Artikel 66-80
Diese Artikel enthalten eine Reihe von Vorschriften, mit denen allgemeine Regeln aufgestellt
werden, die in jedem Verfahren vor dem Amt einzuhalten sind. Vorbehaltlich einiger weniger
Ausnahmen, die nachstehend dargelegt werden, wurden diese Regeln wörtlich von den
ähnlichen Regeln übernommen, die in der Verordnung über die Gemeinschaftsmarke aufgestellt
wurden. Bei den meisten von ihnen wäre es leichter gewesen, ihre Wirkung auf das
Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft zu erstrecken, indem auf die entsprechenden
Vorschriften in der Markenverordnung Bezug genommen worden wäre und sie mutatis mutandis
für im Rahmen dieser Verordnung anwendbar erklärt worden wären. Nach näherer Überlegung
aber gelangte man zu dem Ergebnis, daß es den Benutzern des Geschmacksmustersystems der
Gemeinschaft helfen würde, die ganze Gruppe der anwendbaren Regeln in einem Gesetzestext
vorgelegt zu bekommen, ohne auf eine andere Verordnung zurückgreifen zu müssen. Diese
Erläuterungen beschränken sich auf eine Betrachtung derjenigen Vorschriften, in denen
besondere Regeln vorgesehen sind, nämlich auf die Artikel 76, 77 und 78.
Mit Artikel 76 wird das Register für Gemeinschaftsgeschmacksmuster festgelegt. Er stellt klar,
daß die Eintragungen im Register mit Ausnahme jener Eintragungen, die gemäß Artikel 52
Absatz 2 Gegenstand der aufgeschobenen Bekanntmachung sind, für die öffentliche
Einsichtnahme zugänglich sein müssen.
In Artikel 77 sind zwei regelmäßig erscheinende Veröffentlichungen des Amtes vorgesehen: das
Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster, in dem die Bekanntmachung der eingetragenen
Gemeinschaftsgeschmacksmuster stattfindet, und das Amtsblatt des Geschmacksmusteramtes
der Gemeinschaft, das allgemeine Bekanntmachungen und Mitteilungen für die Benutzer des
Systems enthält. Es ist nicht auszuschließen, daß angesichts der Ähnlichkeit des Inhalts und des
Leserkreises in Zukunft das Amtsblatt des Geschmacksmusteramtes der Gemeinschaft mit dem
Amtsblatt des Markenamtes der Gemeinschaft vereinigt wird.
Artikel 78, in dem es um die Akteneinsicht geht, enthält einige von den Eigenheiten des
Musterschutzes vorgegebene Besonderheiten.
                                               42
 ---pagebreak--- Der allgemeine Grundsatz (Artikel 78 Absatz 1) ist, daß die Akten von Anmeldungen für
eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster, die noch nicht bekanntgemacht worden sind,
ohne Zustimmung des Anmelders nicht zur öffentlichen Einsichmahme offenliegen. Diese
Vorschrift wird dadurch ergänzt, daß die Akten von eingetragenen Gemeinschaftsge-
schmacksmustern, die Gegenstand der aufgeschobenen Bekanntmachung sind, von der
Einsichmahme ohne Zustimmung des Rechtsinhabers ausgenommen sind. Diese Ausnahme
bleibt bis zum Ablauf der Aufschiebung in Kraft. Sollte vor oder bei Ablauf der Aufschiebung,
jedenfalls aber vor der Bekanntmachung, auf das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster
verzichtet werden, bliebe die Akte auf unbestimmte Zeit geheim. Es gibt in der Tat keinen
Grund, eine Akte von einem Muster zur öffentlichen Einsichtnahme aufzulegen, für das der
Rechtsinhaber jeden Anspruch auf Schutz von Anfang an fallengelassen hat. Auf der Grundlage
eines solchen eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters können keine Rechte
durchgesetzt werden und es erscheint daher fair, daß derjenige, der auf das Recht verzichtet hat,
das Recht wiedererlangen sollte, die in dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster,
auf das verzichtet wurde, enthaltenen Muster und Ideen für die Öffentlichkeit unzugänglich zu
halten. Abgesehen von diesen Fällen sollten die Akten grundsätzlich öffentlich einsichtbar sein,
Artikel 78 Absatz 2 legt eine Ausnahme von der Regel fest, die den Zugang zur Akte einer
 Anmeldung oder eines Musterrechts, die oder das noch nicht bekanntgemacht worden ist oder
zu einem Musterrecht, auf das verzichtet wurde, bevor die Bekanntmachung stattgefunden hat,
verhindert. Die Einsicht ohne Zustimmung des Anmelders oder des Rechtsinhabers kann
aufgrund einer Entscheidung des Amtes vorgenommen werden, wenn derjenige, der die Akten-
 einsicht wünscht, ein legitimes Interesse daran glaubhaft machen kann. Dies gilt insbesondere
 dann, wenn vom Anmelder oder vom Rechtsinhaber Maßnahmen mit dem Ziel unternommen
 worden sind, gegen den Betreffenden das Recht aus dem eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmuster geltend zu machen: es wäre unter diesen Umständen nur fair, daß die mit
 einer Klage bedrohte Person Zugang zum Beweismaterial hat, welches entscheidend sein wird,
wenn schließlich Klage erhoben wird.
                                           4. Abschnitt
                                            Vertretung
                                          Artikel 81-82
 In diesen Artikeln geht es um die Frage der Vertretung vor dem Amt. Die in Artikel 81
 enthaltenen allgemeinen Grundsätze lehnen sich an die Vorschrift in der Verordnung über die
 Gemeinschaftsmarke (und, ebenso wie die Verordnung, auch an die Vorschrift im Europäischen
 und im Gemeinschaftspatentübereinkommen) an. In ähnlicher Weise legt Artikel 82 den auch
 in jener Verordnung und den Übereinkommen enthaltenen Grundsatz fest, daß die Vertretung
 vor dem Amt nur von Personen wahrgenommen werden kann, die in einer beim Amt geführten
 Liste der zugelassenen Vertreter eingetragen sind. Alternativ dazu kann die Vertretung auch von
 Anwälten wahrgenommen werden, die in einem der Mitgliedstaaten zugelassen sind, soweit sie
 in diesem Staat die Vertretung auf dem Gebiet des Musterschutzes ausüben können.
                                                43
 ---pagebreak--- Die für die Eintragung in der Liste zu erfüllenden Bedingungen wurden unter Berücksichtigung
der besonderen Voraussetzungen erarbeitet, die an jemanden zu stellen sind, der vor einem mit
Musterrecht befaßten Amt tätig werden will. Neben dem Erfordernis eines Geschäftssitzes oder
Arbeitsplatzes in der Gemeinschaft muß der Anwärter, um in die Liste eingetragen zu werden,
zur Vertretung auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes vor der Zentralbehörde des
Mitgliedstaates befugt sein, in dem er seinen Geschäftssitz oder Arbeitsplatz hat. Unter dieses
sehr breit gefaßte Erfordernis fallt auch die Befugnis zur Vertretung auf dem Gebiet des Patent-
bzw, des Markenwesens. Eine logische Erweiterung dieses breit gefaßten Ansatzes bestand
darin, auch Personen einzuschließen, die in der Liste der zugelassenen Vertreter eingetragen
sind, die zur Vertretung vor dem Europäischen Patentamt befugt sind, ebenso wie Personen, die
auf der beim Markenamt der Gemeinschaft geführten Liste der zugelassenen Vertreter
eingetragen sind.
In den Mitgliedstaaten, in denen die Befugnis zum Auftreten vor der Zentralbehörde für den
gewerblichen Rechtsschutz nicht dem Erfordernis einer besonderen beruflichen Befähigung
unterliegt, was für die Vertretung auf dem Gebiet des Markenwesens häufig der Fall ist, tritt
an die Stelle dieses Erfordernisses eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung, es sei denn,
diese Befugnis der fraglichen Person ist nach dem Recht des betreffenden Mitgliedstaates
amtlich festgestellt.
                                             TTTELX
                   ZUSTÄNDIGKEIT UND VERFAHREN FÜR KLAGEN,
                DIE EMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER BETREFFEN
                                            1. Abschnitt
                        Anwendung des Vollstreckungsübereinkommens
                                            2. Abschnitt
                     Streitigkeiten über die Verletzung und Rechtsgültigkeit
                               der Gemeinschaftsgeschmacksmuster
                                            3. Abschnitt
                  Sonstige Streitigkeiten über Gemeinschaftsgeschmacksmuster
                                           Artikel 83-98
In den Artikeln 83 bis 98 geht es um das prozessuale System im Zusammenhang mit
Gemeinschaftsgeschmacksmustern. Sie lehnen sich weitgehend an die entsprechenden
Vorschriften des Verordnungsentwurfs über die Gemeinschaftsmarke an, da es in diesem
Bereich, ebenso wie im Bereich der Verfahren vor dem Amt, für die Benutzer äußerst wichtig
 ist, möglichst einheitliche Regeln vorgelegt zu bekommen. Diese Reihe von Vorschriften
berücksichtigt so weit wie möglich das sehr ähnliche prozessuale System, das durch das
 Streitregelungsprotokoll geschaffen wurde, welches sich im Anhang zum Gemeinschaftpa-
tentübereinkommen befindet, allerdings aus naheliegenden Gründen mit Ausnahme der
 Vorschriften über die Rolle des COPAC.
                                                 44
 ---pagebreak--- Diese Erläuterungen beschränken sich daher auf Anmerkungen zu den besonderen Merkmalen
des prozessualen Systems für Musterrechte, ohne auf Einzelheiten im Zusammenhang mit
Vorschriften einzugehen, die in einem anderen Zusammenhang bereits von der Gemeinschaft
oder den Mitgliedstaaten angenommen wurden. Aus diesem Grund finden sich hier keine
Anmerkungen zu den Artikeln 90, 91, 92, 95, 96 und 97.
Allgemein gesprochen dürfte es ausreichen, daran zu erinnern, daß das prozessuale System die
Regeln über Zuständigkeit und Verfahren für Klagen festlegt, die ein Musterrecht betreffen,
dessen Wirkungen sich auf die Gemeinschaft als Ganzes erstrecken und dessen Durchsetzung
grundsätzlich den Gerichten der Mitgliedstaaten übertragen ist. Dieses System ist in drei
Abschnitte gegliedert:
       In Abschnitt 1 ist der Grundsatz der Anwendung des Brüsseler Übereinkommens über
       die gerichtliche Zuständigkeit und Vollstreckung verankert.
       Abschnitt 2 enthält eine Gruppe von Regeln, die die entsprechenden Regeln des Brüsseler
       Übereinkommens ersetzen oder vervollständigen und die auf Streitigkeiten über die
       Verletzung und Rechtsgültigkeit des Gemeinschaftsgeschmacksmusters anwendbar sind.
       Abschnitt 3 enthält einige besondere Regeln, die die allgemeinen Regeln des Brüsseler
       Übereinkommens ergänzen und die auf andere Streitigkeiten über das Gemeinschafts-
       geschmacksmuster anwendbar sind.
Artikel 83, in dem der Grundsatz der Anwendung des Brüsseler Übereinkommens vom 27.
September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher
Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen festgelegt wird, stimmt völlig mit den parallelen
Vorschriften über die Gemeinschaftsmarke und das Gemeinschaftspatent überein.
Die in Absatz 2 festgelegten (oft eher formellen als materiellen) Abweichungen vom Brüsseler
Übereinkommen sind nötig, um eine völlig einheitlich Vorschriftenreihe über Zuständigkeit und
Vollstreckung einzuführen, die auch jene Fälle erfaßt, die nach dem Brüsseler Übereinkommen
den verschiedenen nicht harmonisierten Regeln des internationalen Privatrechts der Mitglied-
staaten überlassen blieben (z.B. wenn der Beklagte keinen Wohnsitz in der Gemeinschaft hat).
Gäbe es kein vollständiges und einheitliches System, so wäre die Gefahr groß, daß ein
(positiver oder negativer) Zuständigkeitsstreit zwischen Gerichten verschiedener Mitgliedstaaten
entstünde, daß einander widersprechende Entscheidungen zum selben Fall ergingen, und
schließlich, daß "Forum Shopping" in einem Umfang vorgenommen würde, der mit dem
Funktionieren eines integrierten Marktes unvereinbar wäre.
Die Verordnung sieht keine Übergangsbestimmung für den Fall vor, daß das Brüsseler
Übereinkommen für einige Mitgliedstaaten bei Anwendung der Verordnung noch nicht in Kraft
ist. Wenn man die raschen Fortschritte bei der Ratifizierung des Übereinkommens von San
Sebastian von 1989 über den Beitritt Spaniens und Portugals zum Brüsseler Übereinkommen
                                                 45
 ---pagebreak--- (das bereits zwischen den anderen zehn Mitgliedstaaten in Kraft ist) berücksichtigt, erscheint
diese Aussicht so unwahrscheinlich, daß es politisch ungeschickt erschiene, eine solche
Hypothese in der Verordnung ins Auge zu fassen. Probleme, die im Zusammenhang mit
künftigen Mitgliedern der Gemeinschaft oder im Rahmen einer Ausdehnung der Verordnung
auf den Europäischen Wirtschaftsraum entstehen könnten, könnten in den jeweils zu führenden
Verhandlungen behandelt werden.
Artikel 84 verlangt von den Mitgliedstaaten, daß sie eine beschränkte Anzahl nationaler
Gerichte erster und zweiter Instanz benennen, die als "Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte"
tätig werden, d.h. die für Verletzungs- und Rechtsgültigkeitssachen im Zusammenhang mit
Gemeinschaftsgeschmacksmustem ausschließlich zuständig sind. Die Vorschrift lehnt sich ganz
an die entsprechenden Vorschriften für die Errichtung der Gemeinschaftspatentgerichte und der
Gemeinschaftsmarkengerichte an. Es wird der Wunsch zum Ausdruck gebrächt, daß die
Mitgliedstaaten bei der Benennung solcher Gerichte sich auf die im Anhang zum Streitrege-
lungsprotokoll betreffend Gemeinschaftspatente genannten Gerichte beschränken (vorbehaltlich
der notwendigen Ergänzung für Spanien, Portugal und die neuen Länder der Bundesrepublik
Deutschland).
Die Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte (Artikel 85) sind für Klagen wegen Verletzung
eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters, aber auch, soweit solche Klagen nach dem Recht des
Staates, in dem sich das Gericht befindet, zulässig sind, für Klagen wegen drohender Verletzung
und für Klagen auf Feststellung der NichtVerletzung ausschließlich zuständig. Was die
Rechtsgültigkeit betrifft, so muß ein Unterschied zwischen nicht eingetragenen und eingetrage-
nen Gemeinschaftsgeschmacksmustem gemacht werden.
Für eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist nach Maßgabe der Artikel 56 ff. der
Verordnung ein unmittelbar gestellter Antrag auf Nichtigkeitserklärung vor dem Amt zulässig.
Um dieses zentrale Vorgehen zu fördern, sollte keine auf Erklärung der Nichtigkeit eines
eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters gerichtete unmittelbar erhobene Klage vor den
 Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichten zulässig sein: der Beklagte in einem Verletzungsver-
fahren sollte jedoch diese Frage vor den Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichten aufwerfen
dürfen, sofern dies im Wege der Widerklage geschieht. Man könnte sich fragen, Warum diese
Einschränkung, die für das Gemeinschaftspatent und die Gemeinschaftsmarke beschlossen
wurde, beibehalten werden sollte, wenn es um einen Schutztitel geht, der, wie im Falle des
eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters, ohne vorausgehende materielle Prüfung und
 ohne Widerspruchsmöglichkeit Dritter gewährt wurde. Die Kommission ist der Auffassung, daß
zwar zweifellos das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster kein so starker Titel wie ein
 Gemeinschaftspatent oder eine Gemeinschaftsmarke ist, daß es aber nicht unbillig wäre, von
                                                46
 ---pagebreak--- demjenigen, der aufgrund eines solchen Rechts angegriffen wird, zu verlangen, er müsse mit
einer Widerklage reagieren und nicht einfach mit dem Einwand der Nichtigkeit als Einrede
ohne gleichzeitig beim Gericht eine Entscheidung mit Wirkung erga omnes über die
Rechtsgültigkeit des Musterrechts zu beantragen. Der Vorteil, der darin liegt, das Register für
Gemeinschaftsgeschmacksmuster von Rechten "sauber" zu halten, die von einem zuständigen
Gericht für ungültig erklärt wurden, dürfte die begrenzte verfahrensmäßige Belastung
überwiegen, die dem Beklagten durch die Forderung auferlegt wird, eine Widerklage zu
formulieren.
Für das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist kein Verfahren vor zentralen
Instanzen vorgesehen: daher ist es notwendig, Regeln über die Zuständigkeit für die Fälle
aufzustellen, in denen eine Klage auf Nichtigkeitserklärung angestrengt werden muß. Artikel 85
Buchstabe c erkennt die ausschließliche Zuständigkeit für eine solche unmittelbar erhobene
Klage den Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichten zu, die natürlich auch ausschließlich
zuständig wären, wenn die Frage der Nichtigkeit im Wege der Widerklage in einem
Verletzungsprozeß erhoben würde. In diesem Fall ließe sich zwar der Ausschluß der nicht im
Wege der Widerklage erhobenen Einrede nicht durch den Hinweis auf das "saubere" Register
rechtfertigen, aber es dürfte im Interesse der Öffentlichkeit allgemein liegen, daß ein nicht
eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster, das von einem zuständigen Richter für ungültig
befunden wurde, keiner zweiten Prüfung auf seine Rechtsgültigkeit mehr bedarf, wenn es unter
anders gelagerten Umstanden gegen Dritte geltend gemacht wird.
Die Artikel 86, 87, die die Regeln für die internationale Zuständigkeit aufstellen, lehnen sich
völlig an die entsprechenden Vorschriften über das Gemeinschaftspatent und die Gemein-
schaftsmarke an. Es sei lediglich daran erinnert, daß Artikel 86 - wie die beiden entsprechenden
Vorschriften über das Gemeinschaftspatent und die Gemeinschaftsmarke - Verhandlungen mit
den EFTA-Ländern, die Angehörige des Vollstreckungsübereinkommens von Lugano von 1988
sind, erforderlich macht, da er Regeln enthält, die mit den aus diesem Übereinkommen
erwachsenden Verpflichtungen der Mitgliedstaaten im Widerspruch stehen, falls der Beklagte
seinen Wohnsitz in einem solchen EFTA-Land hat. Es ist zu hoffen, daß sich im Rahmen des
Europäischen Wirtschaftsraums eine Lösung für diese Schwierigkeiten finden läßt.
Zu betonen ist auch, daß die Anwendung von Artikel 86 auf unmittelbar gestellte Anträge auf
Feststellung der Nichtigkeit nicht eingetragener Gemeinschaftsgeschmacksmuster (eine beim
Gemeinschaftspatent oder der Gemeinschaftsmarke unbekannte Situation) dazu führen wird, daß
 innerhalb der Gemeinschaft ein einziges "Forum" zur Verfügung steht, da das für Verlet-
zungshandlungen typische alternative Forum des Ortes, an dem die unerlaubte Handlung
begangen wurde, einfach nicht anwendbar wäre. Die Klage auf Feststellung der Nichtigkeit ist
 daher ausschließlich in dem Mitgliedstaat zu erheben, in dem der Beklagte (der Rechtsinhaber)
 seinen Wohnsitz hat. Mangelt es an diesem Kriterium, so ist die Zuständigkeit in dem Mitglied-
staat gegeben, in dem der Rechtsinhaber eine Niederlassung oder, als nächstes, in dem der
 Kläger (der die Rechtsgültigkeit angreift) seinen Wohnsitz oder eine Niederlassung hat, oder
 schließlich in dem Mitgliedstaat, in dem das Amt seinen Sitz hat.
                                                47
 ---pagebreak--- Artikel 89 schließt im wesentlichen die Möglichkeit aus, daß in einem Verletzungsverfahren
die Nichtigkeit als Einrede und nicht im Wege der Widerklage geltend gemacht wird.
Anmerkungen dazu wurden bereits unter Artikel 85 gemacht. Absatz 3 jedoch sieht eine
Ausnahme von diesem Ausschluß dann vor, wenn die Einrede der Nichtigkeit sich daraufstützt,
daß ein "älteres einzelstaatliches Recht" im Sinne von Artikel 27 Absatz 2 vorliegt. Da solche
Rechte gegen Gemeinschaftsgeschmacksmuster nur von ihren Rechtsinhabern geltend werden
können, versteht es sich von selbst, daß ein solche Einrede nur vom Rechtsinhaber des älteren
Rechts geltend gemacht werden könnte. Der Grund, weshalb zugelassen wird, daß in einem
solchen Fall die Nichtigkeit ohne Widerklage geltend gemacht wird, liegt darin, daß das
Ergebnis einer möglichen Feststellung, das Gemeinschaftsgeschmacksmuster sei nichtig, nur
eine teilweise Nichtigkeit wäre, weil sie auf das Gebiet des Mitgliedstaats oder der Mitglied-
staaten beschränkt wäre, wo der Grund für die Nichtigkeit besteht.
Mit der Vorschrift des Artikels 89 Absatz 1 soll einer rechtsmißbräuchlichen Geltendmachung
der Nichtigkeit des Musters Einhalt geboten werden. Sie muß jedoch durch eine Vorschrift
ergänzt werden, die die Beweislast in den Fällen umkehrt, in denen der Rechtsinhaber den
Nachweis erbringt, daß sein Muster in dem Sinne Eigenart besitzt, daß es sich wesentlich von
anderen auf dem Markt befindlichen Mustern unterscheidet. Wenn dies der Fall ist; dann ist es
höchst wahrscheinlich, daß das fragliche Muster vom Entwerfer selbst geschaffen und nicht
nachgeahmt wurde. Daher ist es auch wahrscheinlich, daß es neu ist. In diesem Falle erscheint
es angemessen, von dem angeblichen Verletzer, der die Gültigkeit des Gemeinschafts-
geschmacksmusters mit der Behauptung angreift, es sei nicht neu, zu verlangen, Beweise dafür
vorzulegen, daß es nicht neu ist.
Eine entsprechende Vorschrift dürfte bei Nichtigkeitsverfahren vor dem Amt nicht notwendig
sein. Stellt ein Dritter vor dem Amt einen Antrag betreffend die Nichtigkeit, so versteht es sich
von selbst, daß das Amt ihn auffordern wird, weitere Informationenen vorzulegen, um seine
Behauptung zu erhärten.
In Artikel 93 geht es um die Frage der Sanktionen bei Verletzungsverfahren. Dies ist eine
besonders heikle Frage. Die interessierten Kreise haben wiederholt daraufhingewiesen, daß eine
wirksame Durchsetzung der Rechte aus Gemeinschaftsgeschmacksmustem und ein höheres Maß
an Einheitlichkeit in den Reaktionen der einzelstaatlichen Gerichte auf Rechtsverletzungen
grundlegend für den Erfolg des Projektes Gemeinschaftsgeschmacksmuster wären.
Anzuerkennen ist, daß es beim jetzigen Stand der europäischen Integration schwierig ist, in
Angelegenheiten einzugreifen, bei denen sich die Traditionen sowie die materiellrechtlichen und
verfahrensrechtlichen Regeln des von den Gerichten der Mitgliedstaaten angewendeten
Zivilrechts grundlegend unterscheiden. Grundregel sollte daher bleiben, daß jedes einzel-
staatliche Gericht zur Durchsetzung der von einer Verletzungshandlung betroffenen Rechte die
                                               48
 ---pagebreak--- vom Recht des Mitgliedstaats, in dem es sich befindet, vorgesehenen Sanktionen anwendet.
Dies gilt insbesondere für den "Schadensersatz", bei dem die Unterschiede im Ansatz zwischen
den verschiedenen Rechtsordnungen so groß sind, daß der Versuch sinnlos wäre, auf dem
begrenzten Spezialgebiet des Musterschutzes einen gemeinsamen Nenner zu finden. Das ganze
Problem einheitlicherer Sanktionen bei außervertraglicher Haftung sollte auf der Ebene der
Gemeinschaft in allgemeinerer Form mit dem Blick auf das Funktionieren des Binnenmarkts
gelöst werden.
Bis zu weiteren Initiativen in dieser Hinsicht wird an die Verpflichtungen der Mitgliedstaaten
betreffend die Durchsetzung gewerblicher Schutzrechte aufgrund von bestehenden inter-
nationalen Verträgen und aufgrund von derzeit zur Diskussion stehenden Verträgen erinnert.
Ungeachtet der Schwierigkeiten können auf diesem Gebiet gewisse Fortschritte dadurch erzielt
werden, daß gewisse gemeinsame Instrumente vorgesehen und die Richter angehalten werden,
sich dieser Instrumente zu bedienen, wenn die in der Vorschrift dargelegten Voraussetzungen
gegeben sind. In der Vorschrift werden drei gemeinsame Sanktionen erwähnt:
       das gerichtliche Verbot gegenüber dem Rechtsverletzer, die Verletzungshandlungen
       fortzusetzen,
       die Beschlagnahme der nachgeahmten Erzeugnisse,
       die an den Rechtsverletzer gerichtete Anordnung, Informationen betreffend den Ursprung
       der nachgeahmten Erzeugnisse und die Kanäle, über die sie vermarktet werden, vor-
       zulegen.
Das Verbot, die Verletzungshandlungen fortzusetzen, wurde bereits als gemeinsame Sanktion
für das Gemeinschaftspatent und die Gemeinschaftsmarke beschlossen. Stellt das Gericht fest,
daß der Beklagte ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster verletzt hat oder zu verletzen droht, muß
es ein solches Verbot aussprechen, wenn dem nicht besondere Gründe entgegenstehen. Die
rechtlichen Mittel, um die Einhaltung eines solchen Verbots sicherzustellen, bestimmen sich
nach der Lex fori.
Die Beschlagnahme der nachgeahmten Erzeugnisse und die Anordnung, Informationen
vorzulegen, müssen, wenn dem nicht besondere Gründe entgegenstehen, ebenfalls vom Richter
ausgesprochen werden, wenn nach seinen Feststellungen ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster
verletzt wurde (drohende Verletzung spielt in einem solchen Fall keine Rolle). Solche
besonderen Gründe könnten beispielsweise vorliegen, wenn unter den obwaltenden Umständen
eine Beschlagnahme der Erzeugnisse sinnlos oder eine unangemessene Härte wäre. In ähnlicher
Weise könnte in bestimmten Fällen die Anordnung, Informationen vorzulegen, bedeutungslos
sein, wenn zum Beispiel der Rechtsverletzer der Hersteller der nachgeahmten Waren ist. Der
Richter muß jedoch bei jeder Entscheidung begründen, warum er der Auffassung war, daß es
unter den gegebenen Umständen nicht angemessen gewesen wäre, diese beiden Sanktionen oder
eine von ihnen anzuwenden, wodurch eine rechtliche Nachprüfung der Anwendung dieser
Vorschrift durch die höheren Instanzen möglich wird.
                                               49
 ---pagebreak--- In Artikel 94 geht es um einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen. Die
Absätze 1 und 3 entsprechen wörtlich den ähnlichen für das Gemeinschaftspatent und die
Gemeinschaftsmarke beschlossenen Vorschriften abgesehen davon, daß das Recht, Informatio-
nen über den Ursprung der angeblich nachgeahmten Erzeugnisse (Artikel 93 Absatz 2
Buchstabe a) zu verlangen, ausdrücklich für anwendbar erklärt wurde. Zu Absatz 2, der neu ist,
bedarf es einer Anmerkung.
Das Verbot, den Einwand der Nichtigkeit eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters als Einrede
und nicht im Wege der Widerklage zu erheben (siehe Artikel 89) soll im Verlaufe des
Hauptverfahrens wegen Verletzung Anwendungfinden.Normalerweise aber gehen Anträge auf
einstweilige Maßnahmen, die in der Verfahrenstaktik eine außerordentlich wichtige Rolle
spielen, den Verletzungsklagen voraus oder begleiten sie. Einem Beklagten aufzuerlegen, die
Einrede der Nichtigkeit im Wege der Widerklage im Rahmen eines auf einstweilige
Maßnahmen gerichteten Verfahrens zu erheben, wäre schlicht unfair. Ferner ist es in vielen
Rechtssystemen nicht zulässig, eine Widerklage während eines Verfahrens zu erheben, das
definitionsgemäß schnell und auf Überlegungen nach dem Anscheinsbeweis gegründet sein
muß. Andererseits wäre es nicht gerechtfertigt, dem Beklagten zu verbieten, die Nichtigkeit des
Gemeinschaftsgeschmacksmusters als Einrede geltend zu machen, da die Argumente, die er
aufführen könnte, für die Entscheidungsfindung des Richters äußerst nützlich sein könnten. Aus
diesen Gründen wurde speziell ausgeführt, daß die Einrede der Nichtigkeit in diesen Verfahren
vom Beklagten auch dann geltend gemacht werden kann, wenn dies nicht im Wege der
Widerklage geschieht. Die Vorschrift des Artikels 89 Absatz 2 über die Beweislast ist jedoch
in diesem Fall gleichermaßen anwendbar.
Artikel 98, bei dem es um Klagen geht, die nicht Klagen wegen Verletzung oder Klagen auf
Erklärung der Nichtigkeit sind, erstreckt das Verbot, die Nichtigkeit des Gemeinschafts-
geschmacksmuster als Einrede und nicht im Wege der Widerklage geltend zu machen, ebenso
wie die beiden für die Fälle "älterer einzelstaatlicher Rechte" und "einstweiliger Maßnahmen
einschließlich Sicherungsmaßnahmen" vorgesehenen Ausnahmen, auch auf solche Klagen.
                                          TITEL XI
             AUSWIRKUNGEN AUF DAS RECHT DER MITGLIEDSTAATEN
                                          Artikel 99
Die Schaffung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters         wirft die Frage der Beziehung dieses
neuen Schutztitels zu den bestehenden nationalen        eingetragenen Musterrechten auf, die
Gegenstand eines Vorschlags für eine Richtlinie zur      Angleichung der auf sie anwendbaren
grundlegenden materiell-rechtlichen Vorschriften ist.    Die Kommission hofft zwar, daß das
                                               50
 ---pagebreak--- gemeinschaftliche Geschmacksmustersystem Dank seiner modernen Konzeption und seinen
preiswerten und benutzerfreundlichen Verfahrensmechanismen rasch eine vorherrschende
Stellung einnehmen wird, aber die Annahme wäre illusorisch, daß die vorhandenen und
erprobten nationalen Rechtsinstrumente alsbald aufgegeben werden könnten. Nationale
eingetragene Musterrechte und Gemeinschaftsgeschmacksmuster werden daher in den nächsten
Jahren nebeneinander bestehen und die Frage ihrer Beziehungen zueinander muß geklärt
werden.
Im Gegensatz zu dem, was im Grünbuch vorgeschlagen wurde, hat sich die Kommission durch
die Bemerkungen der interessierten Kreise davon überzeugen lassen, daß in den Fällen, in
denen die beiden Formen des Schutzes nebeneinander bestehen, kein stichhaltiger Grund für
die Vorschrift besteht, daß dann, wenn dasselbe Muster sowohl durch ein Gemeinschafts-
geschmacksmuster als auch durch ein nationales Musterrecht geschützt wird, letzteres unwirk-
sam werden sollte. Für den Rechtsinhaber könnte es allerdings sinnlos sein, für dasselbe Muster
parallele Schutzarten beizubehalten, die im selben Gebiet gültig sind und nach der Angleichung
auch identischen materiell-rechtlichen Regeln unterliegen und einen identischen Schutzumfang
gewähren. Die Entscheidung aber, einen überflüssigen nationalen Schutz aufzugeben, sollte den
Rechtsinhabern überlassen bleiben und nicht vom Gesetzgeber vorgegeben werden. Die
Schlußfolgerung lautet, daß es für einen Rechtsinhaber durchaus möglich sein wird, für dasselbe
Muster parallele Schutzformen beizubehalten, die aus einem Gemeinschaftsgeschmacksmuster
und einem oder mehreren nationalen eingetragenen Musterrechten bestehen. Diese "Kumu-
lierung" des Schutzes desselben Musters durch verschiedene Rechtstitel, die ihrem Wesen nach
gleichartig sind, hat einen Präzedenzfall im Entwurf einer Verordnung über die Gemeinschafts-
marke, der auch das Bestehen identischer nationaler Marken und Gemeinschaftsmarken
nebeneinander in den Händen desselben Rechtsinhabers zuläßt.
Nach Festlegung dieser grundsätzlichen Linie aber war die Kommission der Auffassung, daß
es sich wie im Falle der Gemeinschaftsmarke vermeiden lasse, daß der Rechtsinhaber
mißbräuchliche Klagen erhebt, bei denen es um dieselben Handlungen zwischen denselben
Parteien geht, indem er eines der gleichzeitig bestehenden Rechte geltend macht, nachdem ein
zuständiges Gericht bereits aufgrund des parallelen Rechts in der Sache entschieden hat. Arti-
kel 99, der sich an einen ähnlichen Artikel im Entwurf einer Verordnung über die Gemein-
schaftsmarke anlehnt, ermächtigt die Gerichte, die Folgen solcher rechtsmißbräuchlicher Klagen
zu verhindern.
                                           Artikel 100
Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Vorschrift, in der die Regeln über das Verhältnis
zwischen dem sich aus dem gemeinschaftlichen Geschmacksmustersystem ergebenden Schutz
und dem Schutz, den ein Muster gemäß anderen, von den Vorschriften der Gemeinschaft oder
von einzelstaatlichen Gesetzen vorgesehenen Rechtsinstrumenten erlangen kann, niedergelegt
sind.
                                               51
 ---pagebreak--- Der allgemeine Grundsatz, auf den sich diese Vorschrift stützt, ist die "Kumulierung": wenn
ein durch ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster geschütztes Muster nach Gemeinschaftsrecht
oder einzelstaatlichem Recht auch durch ein anderes Rechtsinstrument geschützt werden kann,
dann sollte der bestehende Schutz nach dem Geschmacksmustersystem der Gemeinschaft den
Rechtsinhaber nicht daran hindern, einen solchen zusätzlichen Schutz geltend zu machen.
Während Absatz 1 diesen Grundsatz für eine Reihe besonderer Schutzformen festlegt, geht es
in den Absätzen 2 und 3 um die wichtigste und üblichste Form des gleichzeitigen Schutzes,
nämlich den urheberrechtlichen Schutz.
Absatz 1
Absatz 1 führt als typische Formen des Schutzes, der unter bestimmten Umständen gleichzeitig
neben dem Schutz aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster bestehen könnte, Marken oder
sonstige geschützte Unterscheidungszeichen, Patente und Gebrauchsmuster, Schriftbilder,
zivilrechtliche Haftung und Haftung wegen unlauteren Wettbewerbs.
Unter Marken sind in erster Linie nationale Marken der Mitgliedstaaten einschließlich jener
aufgrund einer internationalen Anmeldung nach dem Madrider Abkommen zu verstehen. Die
Kumulierung des Schutzes eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters mit einer Gemeinschafts-
marke, deren Schaffung nahe bevorsteht, ist ebenfalls möglich. Der Hinweis auf sonstige
Unterscheidungszeichen dürfte eine Anzahl von Rechten abdecken, die von den einzelstaatlichen
Rechtssystemen anerkannt sind, zum Beispiel Handelsnamen und "enseignes".
Der Hinweis auf Patente erstreckt sich sowohl auf nationale als auch auf europäische Patente,
in denen Mitgliedstaaten benannt sind, und deckt auch Gemeinschaftspatente ab. Der Hinweis
auf Gebrauchsmuster betrifft jene Mitgliedstaaten, die ein solches Instrument vorsehen (derzeit
nur Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien und Portugal und seit kurzem Dänemark), aber
darunter sollte auch das "nicht eingetragene Musterrecht" fallen, das mit dem Gesetz über
Urheberrecht, Muster und Patente von 1988 im Vereinigten Königreich eingeführt wurde und
das eine andere Art der Antwort auf die Notwendigkeit des Schutzes technischer Neuerungen,
die die für Patente erforderliche Höhe nicht erreichen, darstellt.
Schriftbilder wurden aufgeführt, um sicherzustellen daß der besondere Schutz, der diesen
Mustern in einigen Mitgliedstaaten, insbesonder jenen, die das Wiener Abkommen von 1973
ratifiziert haben, gewährt wird, mit erfaßt wird.
Schließlich wurden zivilrechtliche Haftung und Haftung wegen unlautereren Wettbewerbs
aufgeführt, die sehr nützliche Rechtsinstrumente für die Ergänzung des besonderen Muster-
schutzes sein können.
Die Kumulierung des Schutzes der Topographien von Halbleitererzeugnissen wurde aus den in
den Anmerkungen zu Artikel 3 aufgeführten Gründen nicht aufgeführt.
                                               52
 ---pagebreak--- Absatz 2
Absatz 2 enthält die Grundregel für die Kumulierung des Schutzes nach dem gemein-
schaftlichen Geschmacksmustersystem und des urheberrechtlichen Schutzes.
Die Haltung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten zum urheberrechtlichen Schutz des
Designs weist gewaltige Unterschiede auf, wie dies im Grünbuch gezeigt und von allen
ergleichenden Untersuchungen, die zu diesem Thema durchgeführt wurden, bestätigt wurde.
Die Kommission möchte betonen, daß sie weiterhin an der Politik festhält, die in dieser
Hinsicht im Grünbuch dargelegt wurde. Das reibungslose Funktionieren des Binnenmarkts für
Erzeugnisse, in denen Muster verwendet werden, läßt sich nur dann in vollem Umfang
erreichen, wenn das gemeinschaftliche Geschmacksmustersystem durch harmonisierte nationale
urheberrechtliche Regeln zum Schutz von Design ergänzt wird. Dabei handelt es sich jedoch
um eine gewaltige Aufgabe, die der intensiven Vorbereitung, weiterer vergleichender
Untersuchungen und der Kontakte mit den einzelstaatlichen Behörden und den interessierten
oder akademischen Kreisen bedarf. Sollte die Einführung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
der Verwirklichung einer solchen Rechtsangleichung untergeordnet werden, dann könnte die
dringende Notwendigkeit, der Muster verwendenden Wirtschaft ein wirksames Werkzeug für
den Binnenmarkt in die Hand zu geben, nicht innerhalb einer angemessen kurzen Zeit befriedigt
werden. Es ist aber wichtig, daß die Mitgliedstaaten die Absicht der Kommission kennen, in
der aufgezeigten Richtung weiter voranzukommen: Die Akzeptanz des Grundsatzes der
"Kumulierung" des Schutzes, so wie in diesem Absatz definiert, könnte ihren ersten Beitrag in
dieser Richtung bilden. Es ist ferner zu betonen, daß es schwierig wäre, von den Mitgliedstaa-
ten, die, wie Frankreich und die Behelux-Staaten, traditionell dem Schutz von Design nach dem
Urheberrecht überragende Bedeutung beimessen, zu verlangen, den "marktorientierten Ansatz"
dieser Verordnung zu akzeptieren, wenn sie nicht hinlänglich davon überzeugt wären, daß auf
Gemeinschaftsebene harmonisierte urheberrechtliche Bestimmungen festgelegt werden, um den
Kreativitätsaspekt der Designtätigkeit zu schützen.
Die Annahme des Grundsatzes der "Kumulierung" sollte jedoch die Mitgliedstaaten, die einen
solchen Grundsatz bereits unter restriktiven Bedingungen anwenden (Deutschland, Spanien,
Portugal, Dänemark, Irland), nicht daran hindern, dies auch weiterhin zu tun: bis auf weiteres
würden Umfang und Bedingungen des Schutzes einschließlich der erforderlichen Gestaltungs-
höhe nach wie vor vom jeweiligen Mitgliedstaat autonom festgelegt. Die Einführung des
Grundsatzes der "Kumulierung" in die Verordnung hätte hingegen eine sofortige Wirkung für
Italien, wo der Grundsatz der "Kumulierung" nach den geltenden Rechtsvorschriften
ausgeschlossen ist.
Zusätzlich zur Annahme des Grundsatzes der "Kumulierung" fordert dieser Absatz von den
betreffenden Mitgliedstaaten die Abschaffung einiger urheberrechtlicher Vorschriften, die die
Anwendung der Kumulierung gefährden würden, weil sie ihrem Wesen nach veraltet sind.
                                               53
 ---pagebreak--- Die Common-Law-Länder wenden eine Regel an (die Rechtsinstrumente sind in Irland und im
Vereinigten Königreich verschieden, aber das Ergebnis ist dasselbe), der zufolge die
Möglichkeit, ein Muster urheberrechtlich zu schützen, mit der Anzahl der Erzeugnisse verknüpft
ist, in denen das Muster verwendet werden soll. Sollte diese Zahl fünfzig übersteigen, könnte
der urheberrechtliche Schutz nicht mehr gewährt werden (Irland) oder die Schutzdauer würde
dramatisch verkürzt (Vereinigtes Königreich). Eine derart willkürliche Zahl, die ihre historische
Erklärung in der Praxis der nationalen Behörden für den gewerblichen Rechtsschutz in den
ersten Jahren dieses Jahrhunderts findet, sollte im heutigen Schutz von Werken der
angewandten Kunst keinen Platz mehr haben.
Nach dem Urheberrecht Italiens ist der Schutz von der Bedingung der "scindibilità" (der
Möglichkeit, das Werk der angewandten Kunst von dem Erzeugnis zu trennen, in dem es
verwendet wird) abhängig. Die Auslegung, die die Rechtsprechung diesem Begriff verliehen
hat, hatte zur Folge, daß es für modernes gewerbliches Design in Italien unmöglich ist,
urheberrechtlichen Schutz zu genießen, selbst wenn es sich dabei um die berühmtesten und
maßgeblichsten Schöpfungen zeitgenössischer Künstler handelt, wohingegen zweidimensionalen
Ziermustern der Schutz selbst dann zuerkannt werden kann, wenn sie eine sehr niedrige
Gestaltungshöhe aufweisen. Die Kommission hält es für angebracht, und sie wird in dieser
Auffassung in der Tat von der sehr nachdrücklichen Bitte in diesem Sinne unterstützt, die von
allen interessierten Kreisen zum Ausdruck gebracht wurde, daß eine solche Vorschrift
abgeschafft werden sollte, ohne die künftige Rechtsangleichung abzuwarten.
Absatz 3
In Absatz 3 geht es um ein weiteres dringendes Problem im Zusammenhang mit der
Anwendung des Grundsatzes der Kumulierung des Musterschutzes und des urheberrechtlichen
Schutzes. Im Grünbuch wird das Problem dargestellt, das sich aus einer Vorschrift der Berner
Übereinkunft ergibt, die es den dieser Übereinkunft angehörenden Staaten gestattet, Mustern,
die ihren Ursprung in einem anderen, der Übereinkunft angehörenden Staat haben, den
urheberrechtlichen Schutz nur dann zu gewähren, wenn die Voraussetzung der "Gegenseitigkeit"
erfüllt ist. Kann im Ursprungsland des Musters der Schutz nur in der besonderen Form des
eingetragenen Musterrechts gewährt werden, so kann auch nur in dieser Form der Schutz in den
anderen Staaten geltend gemacht werden, die Vertragspartner der Bemer Übereinkunft sind,
nicht aber in Form des urheberrechtlichen Schutzes.
Diese Vorschrift, die in einem internationalen Zusammenhang, wo es in Ermangelung sorgfältig
ausgearbeiteter Regeln wie im Bereich der Patente oder Warenzeichen schwierig ist, sich völlig
auf den Grundsatz der "Inländerbehandlung" zu verlassen, legitim ist, führt bei Anwendung im
 innergemeinschaftlichen Zusammenhang zu einer Schwierigkeit. Es liegt auf der Hand, daß
diese Vorschrift zu einer Diskriminierung bei der Behandlung der Schutzsuchenden je nach dem
                                               54
 ---pagebreak--- Land führt, in dem das Muster seinen Ursprung hat. Einem italienischen Unternehmen - aber
oft auch ebenso einem deutschen Unternehmen - wird in Frankreich oder den Benelux-Ländern
der urheberrechtliche Schutz für seine Muster mit der Begründung verweigert werden, daß
solche Muster nach den gültigen italienischen Rechtsvorschriften nicht (oder nur in sehr
seltenen Fällen nach deutschem Recht) durch italienisches (oder deutsches) Urheberrecht
geschützt werden können. Dieselben Muster aber kämen in den Genuß des vollen urheberrecht-
lichen Schutzes in Frankreich oder in den Benelux-Ländern, wenn ihr Ursprung sich in diesen
Ländern befunden hätte.
Die Einführung des Grundsatzes der "Kumulierung" in Absatz 2 und die Beseitigung der
eklatantesten Beschränkung des urheberrechtlichen Schutzes in Italien durch die Abschaffung
der Bedingung der "scindabilità" dürfte diejenigen Länder, die nach ihrem Urheberrecht dem
Design einen sehr großzügigen Schutz gewähren, dazu bewegen, diese Praxis der Dis-
kriminierung in innergemeinschaftiichen Beziehungen aufzugeben.
                                         TITEL XD
                DAS GESCHMACKSMUSTERAMT DER GEMEINSCHAFT
                                         1. Abschnitt
                                 Allgemeine Bestimmungen
                                         2. Abschnitt
                                     Leitung des Amtes
                                         3. Abschnitt
                                       Verwaltungsrat
                                       Artikel 101-112
Diese Artikel behandeln allgemeine Fragen zum und die Leitung des Geschmacksmusteramts
der Gemeinschaft, jenem Organ der Gemeinschaft, das die Aufgabe haben wird, die im
Zusammenhang mit dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster stehenden Verfahren
gemäß dieser Verordnung zu überwachen.
Die Vorschriften ähneln den entsprechenden Vorschrift der Verordnung über die Gemein-
schaftsmarke. Der Status seiner Mitarbeiter, seine Vorrechte und Immunitäten, seine
Verfahrenssprachen werden beispielsweise dieselben sein wie diejenigen, die für das Markenamt
beschlossen werden. Das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft wird seinen Sitz am Sitz des
Markenamtes der Gemeinschaft haben.
                                              55
 ---pagebreak---                                           4. Abschnitt
                                  Durchführung der Verfahren
                                        Artikel 113-119
In diesen Vorschriften werden die Dienststellen des Geschmacksmusteramtes der Gemeinschaft
aufgezählt, die für die Durchführung der Verfahren nach Maßgabe dieser Verordnung zuständig
sind.
Vier Dienststellen sind vorgesehen:
       die Formalprüfungsabteilungen, die für die Prüfung der Anmeldung eines eingetragenen
       Gemeinschaftsgeschmacksmusters auf Formerfordernisse bis zur Entscheidung über die
       Eintragung zuständig sind,
       die Musterverwaltungs- und Rechtsabteilung, die für Entscheidungen aufgrund dieser
       Verordnung zuständig ist, die nicht in die Zuständigkeit einer Formalprüfungsabteilung
       oder einer Nichtigkeitsabteilung fallen. Sie befaßt sich insbesondere mit Entscheidungen
       über Eintragungen im Register und mit der Führung der Liste der zugelassenen Vertreter,
       die Nichtigkeitsabteilungen, zuständig für Verfahren, in denen es um die Erklärung der
       Nichtigkeit geht,
       die Beschwerdekammern, zuständig für Entscheidungen über Beschwerden gegen Ent-
       scheidungen anderer Dienststellen des Amtes.
Angesichts des gerichtsähnlichen Wesens der Beschwerdekammem legt Artikel 118 Garantien
für die Unabhängigkeit ihrer Mitglieder fest, die sich an jene anlehnen, die in der Verordnung
über das Markenamt für die Mitglieder der durch dieses Rechtsinstrument geschaffenen
Beschwerdekammern enthalten sind.
                                           Artikel 120
Während der Anlaufzeit des Geschmacksmusteramtes der Gemeinschaft wird die Anzahl der
von den Nichtigkeitsabteilungen und den Beschwerdekammern zu bearbeitenden Fälle
zwangsläufig bescheiden sein und danach wird sie, möglicherweise mit unterschiedlicher
Geschwindigkeit für die beiden Dienststellen, progressiv ansteigen, bis sie die Besetzung dieser
Dienststellen mit ständigem Personal des Amtes rechtfertigt.
Es wurde für angemessen erachtet, dem Präsidenten des Amtes bis zur Erreichung dieser Stufe
die Möglichkeit zu geben, auf der Grundlage von Verträgen mit kurzer Laufzeit Personen für
die Bewältigung der Aufgaben dieser beiden Dienststellen zu ernennen, die Erfahrung in Fragen
des Musterrechts haben. Die Anforderungen, denen solche Personen entsprechen müssen, sind
für die beiden Dienststellen unterschiedlich und sind natürlich für die Funktion als Mitglied
einer Beschwerdekammer höher. Um den Grundsatz der Unabhängigkeit der Mitglieder zu
wahren, muß auch im letzteren Fall der Vertrag mit kurzer Laufzeit über mindestens ein Jahr
laufen.
                                                56
 ---pagebreak--- Die Zuständigkeit für die Entscheidung darüber, wann die Übergangsfrist für diese beiden
Dienststellen abläuft, so daß auch sie mit Vollzeitmitgliedern besetzt werden müssen, liegt bei
der Kommission auf Vorschlag des Präsidenten des Amtes.
                                           5. Abschnitt
                                      Finanzbestimmungen
                                         Artikel 121-122
In diesen Artikeln geht es um die auf das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft anwend-
baren Haushalts- und Finanzregeln.
                                           TITEL X m
                                  SCHLUSSBESTIMMUNGEN
                                           Artikel 123
Die Amtssprachen und Verfahrenssprachen vor dem Amt stimmen mit denjenigen des
Markenamts der Gemeinschaft überein. Die Vorschriften wie eine Sprache für die Verfahren
vor dem Amt ausgewählt werden kann, wird für das Gemeinschaftsgeschmacksmusteramt etwas
einfacher sein, da es kein Widerspruchsverfahren gibt. Diese Vorschriften werden in den
Durchfuhrungsverordnungen festgelegt werden, sobald die Verordnung über die Gemeinschafts-
marke endgültig festgelegt ist.
                                           Artikel 124
In dieser Vorschrift geht es um die Durchfuhrungsverordnung. Eine Durchführungsverordnung
ist unerläßlich für die rationelle und klare Handhabung der verschiedenen Verfahren vor dem
Amt. Eine Anzahl von Verfahrenseinzelheiten (Dauer gewisser Fristen, Einzelheiten der
Gestaltung der Anmeldungen usw.) muß festgelegt werden, damit die Benutzer des Systems
wissen, wie sie im Rahmen der von der Verordnung selbst vorgegebenen grundlegenden Regeln
praktisch vorzugehen haben. Die Praxis, eine Durchführungsverordnung nach einem weniger
strengen Verfahren als dem für das zentrale Rechtsinstrument verwendeten zu erlassen, um die
Annahme von Änderungen zur Anpassung der Regeln an künftige Bedürfnisse zu erleichtern,
ist im Bereich des gewerblichen Rechtsschutzes üblich und fand bereits im Falle des
Europäischen Patents, des Gemeinschaftspatents und der Gemeinschaftsmarke Anwendung.
Es wird vorgeschlagen, aus den unten zu den Artikeln 126 und 127 ausgeführten Gründen für
den Erlaß der Durchführungsverordnung dieselbe Zuständigkeit und dasselbe Verfahren wie für
die Gebührenordnung vorzusehen.
                                                57
 ---pagebreak---                                             Artikel 125
Ein System für den Austausch von Informationen über die von den verschiedenen Gemein-
schaftsgeschmacksmustergerichten und den Dienststellen des Amtes getroffenen Entscheidungen
betreffend die Auslegung der Voraussetzungen des Musterschutzes dürfte wesentlich zur
vereinheitlichenden Wirkung der künftigen Rechtsprechung des Gerichtshofs in diesem Bereich
beitragen. Es würde sich auf Gemeinschaftsgeschmacksmuster ebenso wie auch auf
Musterrechte von Mitgliedstaaten erstrecken. Die aus diesem System hervorgehenden
Informationen wären Gegenstand des in regelmäßigen Abständen im Verwaltungsrat statt-
findenden Meinungsaustauschs (Artikel 109). Auf diese Weise könnte die Kommission in voller
Kenntnis der Stellungnahme des Verwaltungsrats abschätzen, ob und wann eine neue Initiative
zur Anpassung der Regeln über die Voraussetzungen des Musterschutzes nützlich wäre.
                                         Artikel 126-127
In Artikel 127 geht es um die Gebührenordnung. Darin ist das grundlegende Prinzip verankert,
die Höhe der Gebühren sei so zu bemessen, daß die Einnahmen des Geschmacksmusteramtes
der Gemeinschaft grundsätzlich ausreichen, um die Einnahmen und die Ausgaben des Amtes
auszugleichen. Die finanziell unabhängige Stellung des Geschmacksmusteramtes der
Gemeinschaft muß daher durch eine entsprechende Höhe der Gebühren gewährleistet werden.
Wie schon hervorgehoben wurde, kommt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung der
Verlängerungsgebühr zu, deren möglicherweise progressive Struktur von der Behörde festgelegt
werden muß, die die Gebührenordnung erläßt.
Es steht mit dem institutionellen System der Gemeinschaft, wie es sich aus der sogenannten
"Komitologie"-Entscheidung ergibt, in Einklang, daß der Erlaß der Gebührenordnung angesichts
ihrer Eigenschaft als sekundäre Gesetzgebung bezogen auf die vorliegende Grundverordnung
gemäß Artikel 126 Aufgabe der Kommission ist.
                                            Artikel 128
Mit dieser Schlußbestimmung wird ein Unterschied zwischen dem Augenblick, an dem die
Verordnung in Kraft tritt, das heißt, zu einem Gesetz mit Rechtskraft in der Gemeinschaft wird,
und dem Augenblick, an dem die tatsächliche Anwendung ihrer Regeln beginnt, insbesondere,
wann das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft seine Tore für die Allgemeinheit öffnet,
eingeführt.
Das formelle Inkrafttreten kann auf den sechzigsten Tag nach der Veröffentlichung der
Verordnung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften gelegt werden. Für die
Vorbereitung der Öffnung des Amtes ist eine längere Frist notwendig. Zu diesem Zweck muß
erhebliche Vorbereitungsarbeit geleistet werden: Ausarbeitung und Erlaß der Durchführungsver-
ordnung, Wahl der wichtigsten Mitarbeiter, die die Tätigkeit des Amtes beginnen, an erster
Stelle des Präsidenten, Wahl und Einrichtung des Gebäudes, in dem das Geschmacksmusteramt
der Gemeinschaft untergebracht wird: das sind nur einige der vielen Aufgaben, die geleistet
werden müssen, bevor das Amt für die Allgemeinheit geöffnet werden kann. Die Last der
                                                 58
 ---pagebreak--- der Gemeinschaft untergebracht wird: das sind nur einige der vielen Aufgaben, die geleistet
werden müssen, bevor das Amt für die Allgemeinheit geöffnet werden kann. Die Last der
Vorbereitung der Eröffnung wird den Kommissionsdienststellen zufallen, die die Unterstützung
der Fachleute aus den verschiedenen Mitgliedstaaten brauchen werden.
Die Kommission hofft, daß es möglich ist, das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft drei
Jahre nach dem Tag des endgültigen Erlasses dieser Verordnung für die Allgemeinheit zu
öffnen.
                                            59
 ---pagebreak---                                        Vorschlag für eine
        VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
                           über das Gemeinschaftsgeschmacksmuster
DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere auf
Artikel 100a,
auf Vorschlag der Kommission(1),
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses(2),
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)    Zu den im Vertrag festgelegten Zielen der Gemeinschaft gehört es, einen immer engeren
       Zusammenschluß der europäischen Völker zu schaffen, engere Beziehungen zwischen den
       in der Gemeinschaft zusammengeschlossenen Staaten zu fördern und durch gemeinsames
       Handeln zur Beseitigung der Europa trennenden Schranken den wirtschaftlichen und
       sozialen Fortschritt der Länder der Gemeinschaft zu fördern. Zu diesem Zweck sieht der
       Vertrag die Errichtung eines Binnenmarktes vor, wozu die Beseitigung der Hindernisse
       für den freien Warenverkehr und die Errichtung eines Systems gehören, das den
       Wettbewerb innerhalb des Gemeinsamen Marktes vor Verzerrungen schützt. Ein
       einheitliches System für die Erlangung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters, dem
       einheitlicher Schutz mit einheitlicher Wirkung für die gesamte Gemeinschaft verliehen
       wird, würde diese Ziele fördern.
(2)    Nur die Benelux-Länder haben bisher ein einheitliches Musterschutzgesetz erlassen. Der
       ansonsten in der Gemeinschaft bestehende Musterschutz ist Gegenstand einschlägiger
       einzelstaatlicher Gesetze und beschränkt sich auf das Gebiet des jeweiligen Mitglied-
       staats. In einem Mitgliedstaat gibt es derzeit kein derartiges einschlägiges Gesetz.
       Identische Muster können in den verschiedenen Mitgliedstaaten unterschiedlich und
       zugunsten verschiedener Inhaber geschützt werden. Dies führt beim Handel zwischen den
       Mitgliedstaaten zwangsläufig zu Konflikten.
 (1)
     ABl. Nr.
 (2)
     ABl. Nr.
                                               60
 ---pagebreak--- (3) Die erheblichen Unterschiede zwischen den Musterschutzgesetzen der Mitgliedstaaten
    verhindern und verzerren den gemeinschaftsweiten Wettbewerb zwischen den Herstellern
    geschützter Waren, Im Vergleich zum innerstaatlichen Handel und Wettbewerb mit
    Erzeugnissen, in denen ein Muster Verwendung findet, werden nämlich der innerge-
    meinschaftliche Handel und Wettbewerb durch eine große Zahl von Anmeldungen,
    Behörden, Verfahren, Gesetzen, einzelstaatlich begrenzten ausschließlichen Rechten, den
    Verwaltungsaufwand und entsprechend hohen Kosten und Gebühren für den Anmelder
    verhindert und verzerrt.
(4) Der auf das Gebiet der einzelnen Mitgliedstaaten beschränkte Musterschutz führt
    - unabhängig davon, ob deren Rechtsvorschriften angeglichen sind oder nicht - bei
    Erzeugnissen, bei denen ein Muster verwendet wird, in Gebieten, wo diese für unter-
    schiedliche Rechtsinhaber geschützt sind, zu einer möglichen Spaltung des Binnenmark-
    tes.
(5) Daher sind ein in den einzelnen Mitgliedstaaten unmittelbar anwendbares gemeinschaftli-
    ches Musterrecht und ein gemeinsames Geschmacksmusteramt mit gemeinschaftsweiten
    Befugnissen notwendig; denn nur auf diese Weise ist es möglich, durch eine Anmeldung
    bei einem gemeinsamen Geschmacksmusteramt aufgrund eines einzigen Verfahrens nach
    Maßgabe eines Gesetzes ein Musterrecht für ein alle Mitgliedstaaten umfassendes Gebiet
    zu erlangen.
(6) Es ist daher Sache der Gemeinschaft, Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Ziele zu
    ergreifen, die von den Mitgliedstaaten im Alleingang nicht erreicht werden, und aufgrund
    der Tragweite der Schaffung eines Geschmacksmusterrechts und einer Geschmacks-
    musterbehörde der Gemeinschaft nur von der Gemeinschaft erreicht werden können.
(7) Hochwertiges Design kennzeichnet den Wettbewerb der gewerblichen Wirtschaft der
    Gemeinschaft mit der gewerblichen Wirtschaft anderer Länder und ist in vielen Fällen
    für den kommerziellen Erfolg des Erzeugnisses entscheidend. Ein verbesserter Schutz für
    gewerbliche Muster fördert nicht nur den Beitrag einzelner Entwerfer zu der heraus-
    ragenden Gesamtleistung der Gemeinschaft auf diesem Gebiet, sondern ermutigt auch zur
    Innovation und zur Entwicklung neuer Erzeugnisse sowie zu Investitionen für ihre
    Herstellung. Ein besser zugängliches Musterschutzsystem, das den Bedürfnissen des
    Binnenmarktes angepaßt ist, ist daher für die gewerbliche Wirtschaft der Gemeinschaft
    unerläßlich.
(8) Ein solches Musterschutzsystem ermöglicht es, auf den wichtigsten Ausfuhrmärkten der
    Gemeinschaft auf einen entsprechenden Musterschutz hinzuwirken.
(9) Alle Muster sollten diesen Schutz genießen, es sei denn, sie dienen ausschließlich
     funktionellen Zwecken und lassen keinen Freiraum für zusätzliche und willkürlich
    gewählte Merkmale.
                                             61
 ---pagebreak--- (10) Die Interoperabilität von Erzeugnissen unterschiedlicher Herkunft sollte nicht dadurch
     behindert werden, daß der Schutz sich auf das Design mechanischer Verbindungs-
     elemente erstreckt.
(11) Abweichend hiervon können mechanische Verbindungselemente ein wichtiger Faktor der
     innovativen Besonderheiten von Kombinationsteilen sein, die speziell dafür entworfen
     werden, damit eine beliebige Anzahl dieser Teile, die identisch oder verschieden, aber
     austauschbar sein können, gleichzeitig zu einem Kombinationssystem verbunden werden
     können; diese sollten daher schutzfähig sein. Dies verhindert aber nicht, daß ein Teil, das
     nicht einem Kombinationssystem angehört, nicht durch ein Teil eines anderen Herstellers
     ersetzt werden kann, nur weil das ersetzende Teil eine bestimmte Form oder Anordnung
     haben muß, damit die Teile die für das System erforderliche Wirkung erzielen.
(12) Der rechtliche Schutz von Mustern könnte unter bestimmten Umständen die Verbraucher
     unangemessen an ein bestimmtes Fabrikat eines Erzeugnisses binden und somit zur
     Bildung von Monopolen bei Massengütern und abgeschotteten Märkten führen. Deshalb
     ist die Einführung einer Vorschrift notwendig, um unter besonderen Bedingungen die
     Nachbildung von bei Teilen komplexer Erzeugnisse verwendeten Mustern zu Reparatur-
     zwecken zu ermöglichen.
(13) Die Vorschriften dieser Verordnung lassen die Anwendbarkeit der Wettbewerbsvor-
     schriften der Artikel 85 und 86 des Vertrages unberührt.
(14) Ein gemeinschaftliches Musterrecht sollte den Bedürfnissen aller Wirtschaftszweige in
     der Gemeinschaft entsprechen, und diese Wirtschaftszweige sind zahlreich und
     verschiedenartig.
(15) Einige dieser Wirtschaftszweige bringen zahlreiche Muster für Erzeugnisse hervor, die
     häufig nur eine kurze Lebensdauer auf dem Markt haben; für sie ist ein Schutz ohne
     Eintragungsformalitäten vorteilhaft und die Schutzdauer von geringerer Bedeutung.
     Andererseits gibt es Wirtschaftszweige, die die Vorteile der Eintragung wegen ihrer
     größeren Rechtssicherheit schätzen und der Möglichkeit einer längeren, der absehbaren
     Lebensdauer ihrer Erzeugnisse auf dem Markt entsprechenden Schutzdauer bedürfen.
(16) Hierfür sind zwei Schutzformen notwendig, nämlich ein kurzfristiges nicht eingetragenes
     Musterrecht und ein längerfristiges eingetragenes Musterrecht.
(17) Ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmusterrecht macht die Schaffung und
     Führung eines Registers erforderlich, in das alle Anmeldungen eingetragen werden, die
      den formalen Erfordernissen entsprechen und deren' Anmeldetag feststeht. Für die
      Durchführung dieser Angaben ist ein Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft erforder-
      lich. Das Eintragungssystem sollte nicht auf eine materiellrechtliche Prüfung der
      Erfüllung der Schutzvoraussetzungen vor der Eintragung gegründet sein. Dadurch wird
      die Belastung der Anmelder durch Eintragungs- und andere Verfahrensvorschriften auf
      ein Minimum beschränkt.
                                             62
 ---pagebreak--- (18) Das Recht am Gemeinschaftsgeschmacksmuster soll nur dann bestehen, wenn das Muster
     neu ist im Sinne von nicht identisch mit anderen Mustern, die der Öffentlichkeit früher
     zugänglich gemacht wurden, und wenn es außerdem eine Eigenart im Vergleich zu
     anderen Mustern besitzt, die derzeit auf dem Markt verwertet werden oder die früher
     nach ihrer Eintragung als weiterhin gültige Gemeinschaftsgeschmacksmuster oder als
     nach wie vor gültige Musterrechte eines Mitgliedstaats bekanntgemacht wurden.
(19) Es ist auch notwendig, daß der Entwerfer oder sein Rechtsnachfolger die Erzeugnisse,
     in denen das Muster verwendet wird, vor der Entscheidung darüber, ob der Schutz durch
     ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster wünschenswert ist, auf dem Markt
     testen können. Daher ist vorzusehen, daß Offenbarungen des Musters durch den
     Entwerfer oder seinen Rechtsnachfolger oder mißbräuchliche Offenbarungen während
     eines Zeitraums von 12 Monaten vor dem Tag der Einreichung der Anmeldung eines
     eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters bei der Beurteilung der Neuheit oder der
     Eigenart des fraglichen Musters nicht schaden.
(20) Der ausschließliche Charakter des Rechts aus dem eingetragenen Gemeinschafts-
     geschmacksmuster steht mit seiner größeren Rechtssicherheit im Einklang. Indessen ist
     es angemessen, daß das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster nur das
     Recht verleiht, Nachahmungen zu verhindern, wobei sich dieses Recht auch auf den
     Handel mit Erzeugnissen erstrecken sollte, in denen nachgeahmte Muster verwendet
     werden.
(21) Die Durchsetzung dieser Rechte muß den einzelstaatlichen Rechten überlassen bleiben.
     Daher sind in allen Mitgliedstaaten einige grundlegende Sanktionen vorzusehen, damit
     unabhängig von der Rechtsordnung, in der die Durchsetzung verlangt wird, den
     Rechtsverletzungen Einhalt geboten, Informationen über die Quelle und die Vertriebs-
     kanäle des Rechtsverletzers eingeholt und die rechtsverletzenden Erzeugnisse be-
     schlagnahmt werden können.
(22) Ein Klageverfahren betreffend die Rechtsgültigkeit eines eingetragenen Gemeinschafts-
     geschmacksmusters an einem einzigen Ort wäre gegenüber Verfahren vor unterschiedli-
     chen einzelstaatlichen Gerichten kosten- und zeitsparend. Wenn allein ein Gericht in dem
     Lande zuständig wäre, in dem der Inhaber des Musterrechts seinen Wohnsitz hat, könnten
     demjenigen, der die Rechtsgültigkeit von einem anderen Land aus angreift, nach wie vor
     unangemessene Kosten und Schwierigkeiten entstehen. Unter diesen Umständen ist es
     angebracht, daß über die von der Kommission, von Mitgliedstaaten und von Dritten
     unmittelbar gegen die Rechtsgültigkeit erhobenen Klagen vor dem Amt selbst verhandelt
     wird.
(23) Insbesondere würde ein Verfahrensbeitritt der Kommission und der Mitgliedstaaten ein
      wichtiger Beitrag sein, um eine gleichbleibende Praxis hinsichtlich der Schutzvoraus-
     setzungen zu gewährleisten.
                                             63
 ---pagebreak--- (24) In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Möglichkeit der Beschwerde vor einer
     Beschwerdekammer und in letzter Instanz vor dem Gerichtshof der Europäischen
     Gemeinschaften zu gewährleisten. Auf diese Weise würde sich eine einheitliche Aus-
     legung der Voraussetzungen für die Rechtsgültigkeit von Gemeinschaftsgeschmacks-
     mustem herausbilden.
(25) Ein grundlegendes Ziel besteht darin, daß das Verfahren zur Erlangung eines eingetra-
     genen Gemeinschaftsgeschmacksmusters für die Anmelder mit den geringstmöglichen
     Kosten und Schwierigkeiten verbunden ist, damit es sowohl für kleine und mittlere
     Unternehmen als auch für einzelne Entwerfer leicht zugänglich ist.
(26) Wirtschaftszweige, die sehr viele möglicherweise kurzlebige Muster während kurzer
     Zeiträume hervorbringen, von denen vielleicht nur einige tatsächlich vermarktet werden,
     werden das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster vorteilhaft finden. Für
     diese Wirtschaftszweige besteht ferner der Bedarf, leichter auf das eingetragene
     Gemeinschaftsgeschmacksmuster zugreifen zu können. Die Möglichkeit, eine Vielzahl
     von Mustern in einer Sammelanmeldung zusammenzufassen, würde diesem Bedürfnis
     abhelfen.
(27) Die normale Bekanntmachung nach Eintragung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters
     könnte in manchen Fällen den kommerziellen Erfolg des Musters zunichte machen oder
     gefährden. Die Möglichkeit, die Bekanntmachung um eine angemessene Zeit auf-
     zuschieben, schafft in solchen Fällen Abhilfe dar.
(28) Es ist von wesentlicher Bedeutung, daß die Rechte aus dem Gemeinschaftsgeschmacks-
     muster in der gesamten Gemeinschaft wirksam durchgesetzt werden können. Um dies zu
     gewährleisten, müssen besondere Regeln für Rechtsstreitigkeiten aufgrund von Gemein-
     schaftsgeschmacksmustem vorgesehen werden. Durch eine Begrenzung der Zahl der
     nationalen Gerichte, die für Verletzungsklagen und für Klagen auf Feststellung der
     Nichtigkeit zuständig sind, würde die Sachkunde der Richter zusätzlich gefördert.
(29) Die prozessualen Regelungen sollten so weit wie möglich ein "forum shopping"
     verhindern. Daher sind klare Regeln über die internationale Zuständigkeit erforderlich.
(30) Diese Verordnung schließt nicht aus, daß auf Muster, die durch Gemeinschaftsge-
     schmacksmuster geschützt werden, andere einschlägige Rechtsvorschriften der Mit-
     gliedstaaten Anwendung finden, die sich beispielsweise auf den durch Eintragung
     erlangten Musterschutz oder auf nicht eingetragene Musterrechte, Marken, Patente und
     Gebrauchsmuster, unlauteren Wettbewerb oder zivilrechtliche Haftung beziehen.
                                            64
 ---pagebreak--- (31) Bis zu einer Angleichung des Urheberrechts ist es wichtig, den Grundsatz des kumula-
      tiven Schutzes als Gemeinschaftsgeschmacksmuster und nach dem Urheberrecht
      festzulegen, während es den Mitgliedstaaten freigestellt bleibt, den Umfang des
      urheberrechtlichen Schutzes und die Voraussetzungen festzulegen, unter denen dieser
      Schutz gewährt wird. Im Verhältnis zu den Mitgliedstaaten verbietet bereits das
      Gemeinschaftsrecht den Mitgliedstaaten, einen urheberrechtlichen Schutz nur unter der
      Voraussetzung der Gegenseitigkeit zu gewähren. Es erscheint notwendig, daß hiermit
      unvereinbare nationale Rechtsvorschriften und Praktiken abgeschafft werden -
HABEN FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
                                           TITEL I
                             ALLGEMEINE BESTIMMUNGEN
                                           Artikel 1
                               Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1)   Die den Bedingungen und Anforderungen dieser Verordnung entsprechenden Muster
      werden durch ein gemeinschaftliches System von Rechten geschützt und im folgenden
      "Gemeinschaftsgeschmacksmuster" genannt.
(2)   Ein Muster wird nach dieser Verordnung
      a) formlos durch ein "nicht eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster",
      b) wenn es in der in dieser Verordnung vorgesehenen Weise eingetragen ist, durch ein
            "eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster"
      geschützt.
(3)   Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist einheitlich. Es hat einheitliche Wirkung für die
      gesamte Gemeinschaft; es kann nur für dieses gesamte Gebiet eingetragen oder über-
      tragen werden oder Gegenstand eines Verzichts oder einer Entscheidung über die
      Nichtigkeit sein. Dieser Grundsatz gilt, sofern in der Verordnung nichts anderes bestimmt
      ist.
                                           Artikel 2
                           Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft
Es wird ein Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft, nachstehend "das Amt" genannt, errichtet.
                                                65
 ---pagebreak---                                             TITEL II
                              MATERIELLES MUSTERRECHT
                                           1. Abschnitt
                                    Schutzvoraussetzungen
                                             Artikel 3
                                             Begriffe
Im Sinne dieser Verordnung
a)    ist ein "Muster" die Erscheinungsform eines ganzen Erzeugnisses oder eines Teils davon,
      die sich aus den besonderen Merkmalen der Linien, Konturen, Farben, der Gestalt
      und/oder der Werkstoffe des Erzeugnisses selbst und/oder seiner Verzierung ergibt;
b)    ist ein "Erzeugnis" ein industrieller oder handwerklicher Gegenstand einschließlich von
      Teilen, die zu einem komplexen Gegenstand zusammengebaut werden sollen, von Serien
      oder von bestimmten Anordnungen von Gegenständen, Verpackung, Ausstattung, graphi-
      schen Symbolen und typographischen Schriftbildern; ein Computerprogramm oder ein
      Halbleitererzeugnis gilt jedoch nicht als Erzeugnis.
                                             Artikel 4
                              Allgemeine Schutzvoraussetzungen
(1)   Ein Muster wird durch ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster geschützt, soweit es neu ist
      und Eigenart hat.
(2)   Das Muster eines Erzeugnisses, welches Teil eines komplexen Gegenstandes ist, gilt nur
      dann als neu und hat nur dann Eigenart, wenn das für das Teil verwendete Muster selbst
      die Voraussetzungen der Neuheit und Eigenart erfüllt.
                                             Artikel 5
                                              Neuheit
(1)   Ein Muster gilt als neu, wenn der Öffentlichkeit vor dem Stichtag kein identisches
      Muster zugänglich gemacht worden ist. Muster gelten als identisch, wenn sich ihre
      besonderen Merkmale nur in unwesentlichen Einzelheiten unterscheiden.
(2)   Ein Muster gilt als der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wenn es nach der Eintragung
      oder auf sonstige Weise bekanntgemacht, ausgestellt, im Verkehr verwendet oder auf
      sonstige Weise offenbart wurde. Es gilt jedoch nicht als der Öffentlichkeit zugänglich
      gemacht, wenn es lediglich einem Dritten unter der ausdrücklichen oder stillschweigen-
      den Bedingung der Vertraulichkeit offenbart wurde.
                                                66
 ---pagebreak---                                            Artikel 6
                                           Eigenart
(1)  Ein Muster hat Eigenart, wenn sich der Gesamteindruck, den es beim informierten
      Benutzer hervorruft, wesentlich von dem Gesamteindruck unterscheidet, den eines der
      in Absatz 2 angeführten Muster bei einem solchen Benutzer hervorruft.
(2)   Um bei der Anwendung von Absatz 1 in Betracht gezogen zu werden, muß ein Muster
      a) am Stichtag in der Gemeinschaft oder anderswo vermarktet werden oder
      b) nach der Eintragung als eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster oder als
           Musterrecht eines Mitgliedstaats bekanntgemacht sein, vorausgesetzt, der Schutz ist
           am Stichtag nicht erloschen.
(3)   Bei der Beurteilung der Eigenart ist grundsätzlich den vorhandenen Gemeinsamkeiten
      mehr Gewicht beizumessen als den Unterschieden; außerdem ist der Grad der Gestal-
      tungsfreiheit des Entwerfers bei der Entwicklung des Musters zu berücksichtigen.
                                           Artikel 7
                                            Stichtag
Der Stichtag im Sinne von Artikel 5 Absatz 1 Satz 1 und von Artikel 6 Absatz 2 ist
a)    im Falle des nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters der Tag, an dem das
      Muster, für das Schutz geltend gemacht wird, vom Entwerfer oder seinem Rechts-
      nachfolger oder von einem Dritten aufgrund von Informationen oder Handlungen des
      Entwerfers oder seines Rechtsnachfolgers zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich
      gemacht wurde,
b)    im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters der Tag der Anmeldung
      des Musters zur Eintragung oder der Prioritätstag, wenn eine Priorität in Anspruch
      genommen wird.
                                           Artikel 8
                                 Unschädliche Offenbarungen
( 1)    Wenn ein Muster, für das der Schutz des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
       in Anspruch genommen wird, vom Entwerfer oder von seinem Rechtsnach folger oder
      von einem Dritten als Folge von Informationen oder von Handlungen des Entwerfers
      oder seines Rechtsnachfolgers oder als Folge einer mißbräuchlichen Handlung gegenüber
       dem Entwerfer oder seinem Rechtsnachfolger während der zwölf Monate vor dem Tag
      der Anmeldung oder, wenn Priorität in Anspruch genommen wird, vor dem Prioritätstag
       der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, bleibt eine solche Offenbarung bei der
       Anwendung der Artikel 5 und 6 außer Betracht.
 (2)   Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn Gegenstand der mißbräuchlichen Offenbarung
       ein Muster ist, aus dem ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster oder ein
       Musterrecht eines Mitgliedstaats hervorgegangen ist.
                                               67
 ---pagebreak---                                           Artikel 9
                        Nicht willkürlich gewählte technische Muster
                          sowie Muster von Verbindungselementen
(1)   Ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster besteht an einem Muster insoweit nicht, als die
      Verwirklichung einer technischen Funktion dem Entwerfer keinen Spielraum hinsichtlich
      willkürlich gewählter Erscheinungsmerkmale beläßt.
(2)   Ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster besteht an einem Muster insoweit nicht, als es
      zwangsläufig in seiner genauen Form und in seinen genauen Abmessungen nachgebildet
      werden muß, damit das Erzeugnis in das das Muster aufgenommen oder bei dem es
      verwendet wird, mit einem anderen Erzeugnis mechanisch zusammengebaut oder
      verbunden werden kann.
(3)   Abweichend von Absatz 2 besteht ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster unter den in den
      Artikeln 5 und 6 festgelegten Voraussetzungen an einem Muster, das dem Zweck dient,
      gleichzeitig den Zusammenbau oder die Verbindung einer unbegrenzten Zahl oder einer
      Vielzahl von identischen oder gegenseitig austauschbaren Erzeugnissen innerhalb eines
      Systems von Kombinationsteilen zu ermöglichen.
                                          Artikel 10
                     Muster, die gegen die öffentliche Ordnung verstoßen
Ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster besteht an einem Muster nicht, wenn dessen Verwertung
oder Bekanntmachung gegen die öffentliche Ordnung oder gegen die guten Sitten verstößt.
                                         2. Abschnitt
                               Umfang und Dauer des Schutzes
                                          Artikel 11
                                        Schutzumfang
(1)   Der Umfang des Schutzes aus dem Gemeinschaftgeschmacksmuster erstreckt sich auf
      jedes Muster, das beim informierten Benutzer einen im wesentlichen ähnlichen Gesamt-
      eindruck hervorruft.
(2)   Bei der Beurteilung des Schutzumfangs ist grundsätzlich den vorhandenen Gemeinsam-
      keiten mehr Gewicht beizumessen als den Unterschieden; außerdem ist der Grad der
      Gestaltungsfreiheit des Entwerfers bei der Entwicklung seines Musters zu berücksichti-
      gen.
                                              68
 ---pagebreak---                                            Artikel 12
                               Beginn und Laufzeit des Schutzes
                  des nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
Ein Muster, das die im 1. Abschnitt genannten Voraussetzungen erfüllt, wird durch ein nicht
eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster formlos für eine Frist von drei Jahren, begin-
nend mit dem in Artikel 7 Buchstabe a genannten Tag, geschützt.
                                           Artikel 13
                               Beginn und Laufzeit des Schutzes
                     des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
Nach Eintragung durch das Amt wird ein Muster, das die im 1. Abschnitt genannten
Voraussetzungen erfüllt, für eine Frist von fünf Jahren, beginnend mit dem Tag der Anmeldung
als eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster geschützt. Die Schutzfrist kann gemäß
Artikel 53 verlängert werden.
                                          3. Abschnitt
      Zur Anmeldung und Erlangung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters Berechtigte
                                           Artikel 14
                       Recht auf das Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1)    Das Recht auf das Gemeinschaftsgeschmacksmuster steht dem Entwerfer oder seinem
       Rechtsnachfolger zu.
(2)    Wird ein Muster von einem Arbeitnehmer in Ausübung seiner Aufgaben oder nach den
       Weisungen seines Arbeitgebers entworfen, so steht das Recht auf das Gemeinschafts-
       geschmacksmuster dem Arbeitgeber zu, sofern vertraglich nichts anderes vereinbart
       wurde.
                                            Artikel 15
                                       Mehrere Entwerfer
Haben mehrere gemeinsam ein Muster entworfen, so steht ihnen das Recht auf das Gemein-
schaftsgeschmacksmuster gemeinschaftlich zu.
                                                69
 ---pagebreak---                                             Artikel 16
     Ansprüche der zur Anmeldung und Erlangung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                                           Berechtigten
(1)    Wird das Recht auf das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster von einer
       Person geltend gemacht, die hierzu nach Artikel 14 nicht berechtigt ist, oder ist ein
       eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster auf den Namen einer solchen Person
       eingetragen worden, so kann der nach dieser Bestimmung Berechtigte unbeschadet
       anderer Ansprüche verlangen, daß das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ihm
       übertragen wird.
(2)    Steht einer Person das Recht auf das Gemeinschaftsgeschmacksmuster gemeinsam mit
       anderen zu, so kann sie nach Absatz 1 verlangen, daß ihr die Mitinhaberschaft an dem
       Geschmacksmuster eingeräumt wird.
(3 )   Im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters kann die Übertragung nach
       Absatz 1 nur innerhalb einer Ausschlußfrist von zwei Jahren nach dem Tag der
       Bekanntmachung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters gerichtlich geltend
       gemacht werden. Dies gilt nicht, wenn der Inhaber des eingetragenen Gemeinschafts-
       geschmacksmusters bei der Eintragung des Musters oder bei seiner Übertragung auf ihn
       Kenntnis davon hatte, daß ihm das Recht darauf nicht zustand.
(4)    Im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters wird die Einleitung eines
       gerichtlichen Verfahrens nach Absatz 1 in das Register eingetragen. Die rechtskräftige
       Entscheidung über die Klage oder eine andere Beendigung des Verfahrens wird gleich-
       falls eingetragen.
                                            Artikel 17
               Wirkungen des Urteils über die zur Anmeldung und Erlangung des
                          Gemeinschaftsgeschmacksmusters Berechtigten
(1)    Bei vollständigem Wechsel der Rechtsinhaberschaft am eingetragenen Gemeinschafts-
       geschmacksmuster infolge eines in Artikel 16 Absatz 1 genannten gerichtlichen Ver-
       fahrens erlöschen mit der Eintragung des Berechtigten in das Register Lizenzen und
       sonstige Rechte.
(2)    Hat vor der Einleitung des gerichtlichen Verfahrens nach Artikel 16 Absatz 1 der Inhaber
       des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters oder ein Lizenznehmer das Muster
       in der Gemeinschaft verwertet oder dazu tatsächliche und ernsthafte Vorkehrungen
       getroffen, so kann er diese Verwertung fortsetzen, wenn er bei dem in das Register
       eingetragenen neuen Inhaber innerhalb der in der Durchführungsverordnung vorgeschrie-
       benen Frist eine einfache Lizenz beantragt. Die Lizenz ist für einen angemessenen
       Zeitraum zu angemessenen Bedingungen zu gewähren.
                                                70
 ---pagebreak--- (3)    Absatz 2 findet keine Anwendung, wenn der Rechtsinhaber oder der Lizenznehmer zu
       dem Zeitpunkt, als er mit der Verwertung des Musters begonnen oder Vorkehrungen dazu
       getroffen hat, bösgläubig gehandelt hat.
                                           Artikel 18
                            Vermutung zugunsten des Eingetragenen
Im Verfahren vor dem Amt gilt derjenige als berechtigt, auf dessen Namen das eingetragene
Gemeinschaftsgeschmacksmuster angemeldet wurde.
                                           Artikel 19
                               Besondere Rechte des Entwerfers
Der Entwerfer hat gegenüber dem Anmelder oder Inhaber des eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmusters das Recht, vor dem Amt oder im Register als Entwerfer genannt zu werden.
Ist das Muster das Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit, so kann die Angabe des Entwerferteams
an die Stelle der Nennung der einzelnen Entwerfer treten.
                                          4. Abschnitt
                        Wirkung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                                           Artikel 20
              Recht aus dem nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
Das nicht eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster gewährt seinem Inhaber das Recht, es
Dritten zu verbieten, das Muster ohne seine Zustimmung nachzuahmen, oder, ein Muster zu
verwenden, das in den Schutzumfang des nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
fallt und das Ergebnis einer solchen Nachahmung ist. Die erwähnte Verwendung schließt
insbesondere die Herstellung, das Anbieten, Inverkehrbringen oder die Benutzung eines Er-
zeugnisses, in das das Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird, oder die Einfuhr,
die Ausfuhr oder den Besitz zu den genannten Zwecken ein.
                                           Artikel 21
                 Recht aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1)    Das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster gewährt seinem Inhaber das aus-
       schließliche Recht, das Muster zu benutzen und es Dritten zu verbieten, ein in den
        Schutzumfang des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters fallendes Muster ohne
        seine Zustimmung zu benutzen. Die erwähnte Benutzung schließt insbesondere die
       Herstellung, das Anbieten, Inverkehrbringen oder die Benutzung eines Erzeugnisses, in
       das das Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird, oder die Einfuhr, die
        Ausfuhr oder den Besitz zu den genannten Zwecken ein.
                                                71
 ---pagebreak--- (2)   Abweichend von Absatz 1 gewährt das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster,
      solange dessen Bekanntmachung gemäß Artikel 52 aufgeschoben ist, seinem Inhaber die
      in Artikel 20 aufgeführten Rechte.
                                          Artikel 22
            Beschränkung des Rechts aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1)   Das Recht aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster erstreckt sich nicht auf:
      a) Handlungen, die im privaten Bereich zu nichtgewerblichen Zwecken vorgenommen
           werden,
      b) Handlungen zu Versuchszwecken,
      c) die Wiedergabe des Musters zum Zwecke der Erwägung oder zum Zwecke der
           Lehre, vorausgesetzt, solche Handlungen sind mit den Gepflogenheiten des redli-
           chen Geschäftsverkehrs vereinbar, beeinträchtigen die normale Verwertung des
           Musters nicht über Gebühr, und die Quelle wird angegeben.
(2)   Das Recht aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster erstreckt sich femer nicht auf:
      a) Einrichtungen in Schiffen und Luftfahrzeugen, die in einem dritten Land zugelassen
           sind und vorübergehend in das Hoheitsgebiet der Gemeinschaft gelangen,
      b) die Einfuhr von Ersatzteilen und Zubehör für die Reparatur solcher Fahrzeuge in
           die Gemeinschaft,
      c) die Durchführung von Reparaturen an solchen Fahrzeugen.
                                         Artikel 23
              Verwendung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                                    zu Reparaturzwecken
Das Recht aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann nicht gegen Dritte
ausgeübt werden, die drei Jahre nach dem erstmaligen Inverkehrbringen eines Erzeugnisses, in
das das Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird, das Muster nach Artikel 21
verwenden, vorausgesetzt,
a)    das Erzeugnis, in das das Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird, ist Teil
      eines komplexen Erzeugnisses, von dessen Erscheinungsform das geschützte Muster
      abhängig ist,
b)    der Zweck dieser Verwendung besteht darin, die Reparatur des komplexen Erzeugnisses
      so zu ermöglichen, daß seine ursprüngliche Erscheinungsform wieder hergestellt wird,
c)    die Öffentlichkeit wird hinsichtlich der Herkunft des für die Reparatur verwendeten
      Erzeugnisses nicht irregeführt.
                                              72
 ---pagebreak---                                            Artikel 24
                                         Erschöpfung
Das Recht aus dem Gemeinschaftsgeschmacksmuster erstreckt sich nicht auf Handlungen,
welche ein Erzeugnis betreffen, in welches ein unter den Schutzumfang des Gemeinschafts-
geschmacksmusters fallendes Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird, wenn das
Erzeugnis vom Inhaber des Gemeinschaftsgeschmacksmusters oder mit seiner Zustimmung in
der Gemeinschaft in den Verkehr gebracht worden ist.
                                           Artikel 25
                       Vorbenutzungsrecht betreffend das eingetragene
                               Gemeinschaftsgeschmacksmuster
Die Rechte aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster werden gegenüber einem
Dritten nicht wirksam, der glaubhaft machen kann, daß er
a)     vor dem Tag der Anmeldung oder,
b)     wenn eine Priorität in Anspruch genommen wird, vor dem Prioritätstag
innerhalb der Gemeinschaft ein in den Schutzumfang des eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmusters fallendes Muster, das unabhängig von diesem, welches zu diesem Zeitpunkt
noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war, entwickelt wurde, gutgläubig in
Benutzung genommen oder ernsthafte Vorkehrungen dazu getroffen hat. Der Betreffende ist
befugt, das Muster für die Bedürfhisse des Unternehmens zu verwerten, in dem die Benutzung
vorgenommen wurde oder vorgesehen war. Dieses Recht kann nicht getrennt von dem
Unternehmen übertragen werden.
                                          5. Abschnitt
                                          Nichtigkeit
                                           Artikel 26
                                   Erklärung der Nichtigkeit
(1)    Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann nur von einem Gemeinschaftsgeschmacks-
       mustergericht für nichtig erklärt werden. Das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacks-
       muster kann auch gemäß dem in Titel VII beschriebenen Verfahren vom Amt für nichtig
       erklärt werden.
(2)    Der Antrag auf Nichtigerklärung kann auch nach dem Erlöschen des Gemeinschafts-
       geschmacksmusters oder dem Verzicht darauf gestellt werden.
                                               73
 ---pagebreak---                                           Artikel 27
                                    Nichtigkeitsgründe
(1) Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann nur in folgenden Fällen für nichtig erklärt
    werden:
    a) wenn das geschützte Muster die in Artikel 4 genannten Voraussetzungen nicht
          erfüllt oder
    b) soweit seine besonderen technischen und/oder verbindenden Merkmale nach den in
          Artikel 9 Absätze 1 und 2 genannten Voraussetzungen nicht schutzfähig sind oder
    c) soweit seine Verwertung oder Bekanntmachung gegen die öffentliche Ordnung oder
          gegen die guten Sitten verstößt oder
    d) der Inhaber des Rechts auf das Gemeinschaftsgeschmacksmuster einer Gerichtsent-
          scheidung zufolge nach den Artikeln 14 und 15 Nichtberechtigter ist.
(2) Das Gemeinschaftgeschmacksmuster kann auch für nichtig erklärt werden, wenn ein
    kollidierendes Muster, das der Öffentlichkeit nach dem Stichtag im Sinne von Artikel 7
    Buchstabe a oder b zugänglich gemacht wurde, durch ein eingetragenes Gemeinschaftge-
    schmacksmuster oder ein eingetragenes Musterrecht eines oder mehrerer Mitgliedstaaten
    oder die Anmeldung eines solchen Rechts von einem Tag an geschützt ist, der vor dem
    erwähnten Stichtag liegt.
(3) Abweichend von Artikel 1 Absatz 3 wird
    a) im Falle des Absatzes 1 Buchstabe c die Nichtigkeit nur für den Mitglied Staat oder
          die Mitgliedstaaten erklärt, in dem oder in denen die Nichtigkeitsgründe bestehen,
    b) im Falle des Absatzes 2, soweit die fraglichen Rechte oder Anmeldungen solcher
          Rechte nur für einen Mitgliedstaat oder mehrere Mitgliedstaaten wirksam sind, die
          Nichtigkeit nur für diesen Mitgliedstaat oder diese Mitgliedstaaten erklärt.
                                          Artikel 28
                                 Wirkung der Nichtigkeit
(1) Die in dieser Verordnung vorgesehenen Wirkungen eines Gemeinschaftsgeschmacks-
    musters gelten als von Anfang an nicht eingetreten, wenn es für nichtig erklärt wurde.
(2) Vorbehaltlich der nationalen Rechtsvorschriften über Klagen auf Ersatz des Schadens, der
    durch fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln des Inhabers des Gemeinschaftsge-
    schmacksmusters verursacht worden ist, sowie vorbehaltlich der nationalen Rechtsvor-
    schriften über ungerechtfertigte Bereicherung berührt die Rückwirkung der Nichtigkeit
    des Gemeinschaftsgeschmacksmusters nicht
    a) Entscheidungen in Verletzungsverfahren, die vor der Entscheidung über die Nichtig-
          keit rechtskräftig geworden und vollstreckt worden sind,
    b) vor der Entscheidung über die Nichtigkeit geschlossene Verträge insoweit, als sie
          vor dieser Entscheidung erfüllt worden sind; es kann jedoch verlangt werden, daß
          in Erfüllung des Vertrages gezahlte Beträge aus Billigkeitsgründen insoweit
          zurückerstattet werden, als die Umstände dies rechtfertigen.
                                              74
 ---pagebreak---                                        TITEL HI
    DAS GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER ALS GEGENSTAND DES
                                     VERMÖGENS
                                       Artikel 29
                  Gleichstellung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                        mit dem Musterrecht eines Mitgliedstaats
(1) Soweit in den Artikeln 30 bis 34 nichts anderes bestimmt ist, wird das Gemeinschafts-
    geschmacksmuster in seiner Gesamtheit als Vermögensgegenstand und für das gesamte
    Gebiet der Gemeinschaft wie ein nationales Musterrecht des Mitgliedstaates behandelt,
    in dem
    a) der Inhaber zum jeweils maßgebenden Zeitpunkt seinen Wohnsitz oder Sitz hat,
         oder
    b) wenn Buchstabe a nicht anwendbar ist, der Inhaber zum jeweils maßgebenden Zeit-
         punkt eine Niederlassung hat.
(2) Im Falle eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters findet Absatz 1 ent-
    sprechend den Eintragungen im Register Anwendung.
(3) Wenn im Falle gemeinsamer Inhaber zwei oder mehr von ihnen der in Absatz 1
    Buchstabe a genannten Bedingung oder, falls diese Bestimmung keine Anwendung findet,
    der in Absatz 1 Buchstabe b genannten Bedingung genügen, bestimmt sich der nach
    Absatz 1 maßgebende Mitgliedstaat
    a) im Falle des nicht eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters durch Bezug-
         nahme auf den maßgebenden gemeinsamen Inhaber, der von ihnen einvernehmlich
         bestimmt wurde,
    b) im Falle des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters durch Bezugnahme
         auf den ersten der maßgebenden gemeinsamen Inhaber in der Reihenfolge, in der
         sie im Register genannt sind.
(4) Liegen die Voraussetzungen der Absätze 1, 2 und 3 nicht vor, so ist der nach Absatz 1
    maßgebende Mitgliedstaat der Staat, in dem das Amt seinen Sitz hat.
                                       Artikel 30
                                     Rechtsübergang
(1) Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann Gegenstand eines Rechtsübergangs sein.
(2) Der Übergang der Rechte an einem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
    unterliegt folgenden Bestimmungen:
    a) Der Rechtsübergang wird auf Antrag eines Beteiligten in das Register eingetragen
         und bekanntgemacht.
                                           75
 ---pagebreak---     b)   Solange der Rechtsübergang nicht in das Register eingetragen ist, kann der Rechts-
         nachfolger seine Rechte aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
         nicht geltend machen.
    c)   Sind gegenüber dem Amt Fristen zu wahren, so können, sobald der Antrag auf Ein-
         tragung des Rechtsübergangs beim Amt eingegangen ist, die entsprechenden Erklä-
         rungen gegenüber dem Amt von dem Rechtsnachfolger abgegeben werden.
    d)   Alle Dokumente, die der Zustellung an den Inhaber des eingetragenen Gemein-
         schaftsgeschmacksmusters bedürfen, sind an den als Inhaber Eingetragenen oder an
         seinen Vertreter zu richten, wenn ein solcher bestimmt wurde.
                                        Artikel 31
       Dingliche Rechte an einem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1) Das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann verpfändet werden oder
    Gegenstand eines sonstigen dinglichen Rechts sein.
(2) Die in Absatz 1 genannten Rechte werden auf Antrag eines Beteiligten in das Register
    eingetragen und bekanntgemacht.
                                        Artikel 32
       Zwangsvollstreckung in das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster
(1) Das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann Gegenstand von Maßnahmen
    der Zwangsvollstreckung sein.
(2) Für die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen in das eingetragene Gemeinschaftsge-
    schmacksmuster sind die Gerichte und Behörden des nach Artikel 29 maßgebenden
    Mitgliedstaats ausschließlich zuständig.
(3) Die Zwangsvollstreckungsmaßnahmen werden auf Antrag eines Beteiligten in das
    Register eingetragen und bekanntgemacht.
                                        Artikel 33
                    Konkursverfahren oder konkursähnliche Verfahren
(1) Bis zum Inkrafttreten gemeinsamer Vorschriften für die Mitgliedstaaten auf diesem
    Gebiet wird ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster von einem Konkursverfahren oder
    einem konkursähnlichen Verfahren nur in dem Mitgliedstaat erfaßt, in dem seinen
    Rechtsvorschriften oder den geltenden einschlägigen Übereinkünften zufolge das
    Verfahren zuerst eröffnet wird.
(2) Wird ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster von einem Konkursverfahren
    oder einem konkursähnlichen Verfahren erfaßt, so wird dies auf Ersuchen der zuständigen
    nationalen Stelle in das Register eingetragen und bekanntgemacht.
                                             76
 ---pagebreak---                                           Artikel 34
                                            Lizenz
(1)  Das Gemeinschaftsgeschmacksmuster kann für das gesamte Gebiet oder einen Teil der
     Gemeinschaft Gegenstand von Lizenzen sein. Eine Lizenz kann ausschließlich oder nicht
     ausschließlich sein.
(2)  Unbeschadet der Bestimmungen des Lizenzvertrags kann der Lizenznehmer ein Verfahren
     wegen Verletzung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters nur mit Zustimmung des
     Rechtsinhabers anhängig machen. Jedoch kann der Inhaber einer ausschließlichen Lizenz
     ein solches Verfahren anhängig machen, wenn der Rechtsinhaber des Gemeinschafts-
     geschmacksmusters, nachdem er dazu aufgefordert wurde, innerhalb einer angemessenen
     Frist nicht selbst ein Verletzungsverfahren anhängig macht.
(3 ) Jeder Lizenznehmer kann einer vom Rechtsinhaber des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
     erhobenen Verletzungsklage beitreten, um den Ersatz seines eigenen Schadens geltend
     zu machen.
(4)  Im Falle eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters wird die Erteilung oder
     der Übergang einer Lizenz an einem solchen Recht auf Antrag eines Beteiligten in das
     Register eingetragen und bekanntgemacht.
                                          Artikel 35
                                 Wirkung gegenüber Dritten
(1)  Die Wirkungen der in den Artikeln 30, 31, 32 und 34 bezeichneten Rechtshandlungen
     gegenüber Dritten richten sich nach dem Recht des nach Artikel 29 maßgebenden
     Mitgliedstaats.
(2)  Die in den Artikeln 30, 31 und 34 bezeichneten Rechtshandlungen hinsichtlich eines
     eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters haben jedoch gegenüber Dritten in allen
     Mitgliedstaaten erst Wirkung, wenn sie in das Register eingetragen worden sind.
     Gleichwohl kann eine Rechtshandlung, die noch nicht eingetragen ist, Dritten entgegen-
     gehalten werden, die Rechte an dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster nach
     dem Zeitpunkt der Rechtshandlung erworben haben, aber zum Zeitpunkt des Erwerbs
     dieser Rechte von der Rechtshandlung Kenntnis hatten.
 (3) Absatz 2 gilt nicht für eine Person, die das eingetragene Gemeinschaftgeschmacksmuster
     oder ein Recht daran im Wege des Rechtsübergangs des Unternehmens in seiner
     Gesamtheit oder einer anderen Gesamtrechtsnachfolge erwirbt.
                                               77
 ---pagebreak--- (4) Bis zum Inkrafttreten gemeinsamer Vorschriften für die Mitgliedstaaten betreffend das
    Konkursverfahren richtet sich die Wirkung eines Konkursverfahrens oder eines konkurs-
    ähnlichen Verfahrens gegenüber Dritten nach dem Recht des Mitgliedstaats, in dem
    seinen Rechtsvorschriften oder den geltenden einschlägigen Übereinkünften zufolge das
    Verfahren zuerst eröffnet wird.
                                        Artikel 36
           Die Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
                                als Vermögensgegenstand
(1) Die Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters als Vermögens-
    gegenstand wird in seiner Gesamtheit und für das gesamte Gebiet der Gemeinschaft wie
    ein nationales Musterrecht des Mitgliedstaates behandelt, der sich nach Artikel 29
    bestimmt.
(2) Die Artikel 30 bis 35 finden auf Anmeldungen eingetragener Gemeinschaftsgeschmacks-
    muster entsprechende Anwendung. Ist die Wirkung einer dieser Bestimmungen von der
    Eintragung ins Register abhängig, muß diese Formvorschrift bei der Eintragung des
    entstehenden Gemeinschaftsgeschmacksmusters erfüllt werden.
                                        TITEL IV
                     DIE ANMELDUNG DES EINGETRAGENEN
                    GEMEmSOUFISGESCHMACKSMUSTERS
                                       1. Abschnitt
                     Einreichung und Erfordernisse der Anmeldung
                                        Artikel 37
                               Einreichung der Anmeldung
(1) Die Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters kann nach Wahl
    des Anmelders eingereicht werden
    a) beim Amt oder                                   '
    b) bei der Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz eines Mitgliedstaats oder
          beim Benelux-Musteramt, wenn dies nach dem Recht eines Mitgliedstaats zulässig
          ist.
(2) Eine bei der Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz eines Mitgliedstaats oder
    beim Benelux-Musteramt eingereichte Anmeldung hat dieselbe Wirkung, als wäre sie an
    demselben Tag beim Amt eingereicht worden.
                                            78
 ---pagebreak---                                         Artikel 38
                              Übermittlung der Anmeldung
(1) Wird die Anmeldung bei der Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz eines
    Mitgliedstaats oder beim Benelux-Musteramt eingereicht, so trifft diese Behörde alle
    erforderlichen Maßnahmen, damit die Anmeldung binnen zwei Wochen nach Einreichung
    an das Amt weitergeleitet wird. Die Zentralbehörde beziehungsweise das Benelux-
    Musteramt kann vom Anmelder eine Gebühr verlangen, die die Verwaltungskosten für
    Entgegennahme und Weiterleitung der Anmeldung nicht übersteigen darf.
(2) Sobald das Amt eine von einer Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz oder
    vom Benelux-Musteramt weitergeleitete Anmeldung erhalten hat, setzt es den Anmelder
    davon in Kenntnis, wobei es den Tag des Eingangs beim Amt angibt.J
(3) Zehn Jahre nach Inkrafttreten dieser Verordnung erstellt die Kommission einen Bericht
    über das Funktionieren des Systems zur Einreichung von Anmeldungen für eingetragene
    Gemeinschaftsgeschmacksmuster und unterbreitet dabei etwaige Änderungsvorschläge,
    die sie für zweckdienlich erachtet.
                                        Artikel 39
                              Erfordernisse der Anmeldung
(1) Die  Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters muß enthalten:
    a)    einen Antrag auf Eintragung;
    b)    Angaben, die es erlauben, die Identität des Anmelders festzustellen;
    c)    eine zur Reproduktion geeignete Wiedergabe des Musters.
(2) Ist ein zweidimensionales Muster Gegenstand der Anmeldung und enthält die Anmeldung
    den Antrag, die Bekanntmachung der Anmeldung gemäß Artikel 52 aufzuschieben, kann
    die Wiedergabe des Musters durch eine Probe oder ein Warenmuster des Erzeugnisses
    ersetzt werden, in das das Muster aufgenommen werden oder bei dem es verwendet
    werden soll.
(3) Darüber hinaus kann die Anmeldung enthalten:
    a) eine Beschreibung mit einer Erläuterung der Wiedergabe,
    b) die Angabe der Erzeugnisse, in die das Muster aufgenommen oder bei denen es ver-
          wendet werden soll,
    c) die Klassifikation der Erzeugnisse, in die das Muster aufgenommen oder bei denen
          es verwendet werden soll nach Klasse und Unterklasse,
    d) eine Probe oder ein Warenmuster des Erzeugnisses, in das das in der Wiedergabe
          reproduzierte Muster aufgenommen oder bei dem es verwendet wird,
    e) einen Antrag auf Aufschiebung der Bekanntmachung der Anmeldung gemäß Arti-
           kel 52.
                                            79
 ---pagebreak--- (4)   In der Anmeldung ist der Entwerfer zu nennen oder das Entwerferteam anzugeben. Ist
      der Anmelder nicht der Entwerfer oder nicht der einzige Entwerfer, so muß die Nennung
      eine Erklärung enthalten, aus der der Ursprung des Rechts auf das Gemeinschafts-
      geschmacksmuster hervorgeht.
(5)   Die Anmeldung ist nur gültig, falls die Eintragungsgebühr und die Bekanntmachungs-
      gebühr entrichtet werden. Wird ein Antrag auf Aufschiebung der Bekanntmachung gemäß
      Absatz 3 Buchstabe e gestellt, so tritt die Gebühr für die Aufschiebung der Bekannt-
      machung an die Stelle der Bekanntmachungsgebühr.
(6)   Die Anmeldung muß den in der Durchführungsverordnung enthaltenen Erfordernissen
      genügen.
                                          Artikel 40
                                    Sammelanmeldungen
(1)   Mehrere Muster können in einer Sammelanmeldung für eingetragene Gemeinschafts-
      geschmacksmuster zusammengefaßt werden. Außer im Falle von Verzierungen besteht
      diese Möglichkeit vorbehaltlich des Erfordernisses, daß alle Erzeugnisse, in die die
      Muster aufgenommen oder bei denen sie verwendet werden sollen, derselben Unterklasse
      oder derselben Serie oder bestimmten Anordnung von Gegenständen angehören müssen.
(2)   Die Sammelanmeldung ist nur gültig, falls neben den in Artikel 39 Absatz 5 bezeichne-
      ten Gebühren eine zusätzliche Eintragungsgebühr und eine zusätzliche Bekanntma-
      chungsgebühr entrichtet werden. Sofern die Sammelanmeldung einen Antrag auf
      Aufschiebung der Bekanntmachung enthält, tritt die zusätzliche Gebühr für die Auf-
      schiebung der Bekanntmachung an die Stelle der zusätzlichen Bekanntmachungsgebühr.
      Die zusätzlichen Gebühren entsprechen einem Prozentsatz der Grundgebühren für jedes
      zusätzliche Muster.
(3)   Die Sammelanmeldung muß den in der Durchführungsverordnung enthaltenen Erforder-
      nissen darüber, wie die Anmeldung einzureichen ist, genügen.
                                          Artikel 41
                                         Anmeldetag
Der Anmeldetag eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters ist der Tag, an dem die
Unterlagen mit den Angaben nach Artikel 39 Absatz 1 oder 2 vom Anmelder beim Amt oder,
wenn die Anmeldung bei der Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz eines
Mitgliedstaats oder beim Benelux-Musteramt eingereicht worden ist, bei der Zentralbehörde
bzw. beim Benelux-Musteramt eingereicht worden sind, falls innerhalb von zwei Monaten nach
der Einreichung der im vorstehenden angeführten Unterlagen die in Artikel 39 Absatz 5 und
gegebenfalls die in Artikel 40 Absatz 2 aufgeführten Gebühren entrichtet werden.
                                              80
 ---pagebreak---                                            Artikel 42
                                         Klassifikation
Im Sinne dieser Verordnung wird die Klassifikation für Muster und Modelle benutzt, die sich
im Anhang zu dem in Locarno am S. Oktober 1968 unterzeichneten Abkommen zur Errichtung
einer Internationalen Klassifikation für gewerbliche Muster und Modelle befindet.
                                          2. Abschnitt
                                            Priorität
                                           Artikel 43
                                         Prioritätsrecht
(1)    Derjenige, welcher in einem oder mit Wirkung für einen Vertragsstaat der Pariser
       Verbandsübereinkunft zum Schutze des gewerblichen Eigentums, nachstehend "Pariser
       Verbandsübereinkunft" genannt, ein Muster vorschriftsmäßig angemeldet hat, oder sein
       Rechtsnachfolger genießt hinsichtlich der Anmeldung desselben Musters als eingetragenes
       Gemeinschaftsgeschmacksmuster ein Prioritätsrecht von sechs Monaten nach Einreichung
       der ersten Anmeldung.
(2)    Als prioritätsbegründend wird jede Anmeldung anerkannt, der nach dem innerstaatlichen
       Recht des Staates, in dem sie eingereicht worden ist, oder nach zwei- oder mehrseitigen
       Verträgen die Bedeutung einer vorschriftsmäßigen nationalen Anmeldung zukommt.
(3)    Unter vorschriftsmäßiger nationaler Anmeldung ist j ede Anmeldung zu verstehen, die zur
       Festlegung des Tages ausreicht, an dem sie eingereicht worden ist, wobei das spätere
       Schicksal der Anmeldung ohne Bedeutung ist.
(4)    Als die erste Anmeldung, von deren Einreichung an die Prioritätsfrist läuft, wird auch
       eine jüngere Anmeldung angesehen, die dasselbe Muster betrifft wie eine erste ältere in
       demselben oder für denselben Staat eingereichte Anmeldung, sofern diese ältere
       Anmeldung bis zur Einreichung der jüngeren Anmeldung zurückgenommen, fallengelas-
       sen oder zurückgewiesen worden ist, ohne zur öffentlichen Einsichmahme ausgelegt zu
       sein und ohne daß Rechte bestehen geblieben sind, und sofern sie nicht bereits als
       Grundlage für die Inanspruchnahme des Prioritätsrechts gedient hat. Die ältere Anmel-
       dung kann in diesem Fall nicht mehr als Grundlage für die Inanspruchnahme des
       Prioritätsrechts dienen.
(5)    Ist die erste Anmeldung in einem nicht zu den Vertragsstaaten der Pariser Verbands-
       übereinkunft gehörenden Staat eingereicht worden, so finden die Vorschriften der
       Absätze 1 bis 4 nur insoweit Anwendung, als dieser Staat veröffentlichten Feststellungen
       zufolge aufgrund einer Anmeldung beim Amt ein Prioritätsrecht gewährt, und zwar unter
       Voraussetzungen und mit Wirkungen, die denen dieser Verordnung vergleichbar sind.
                                                81
 ---pagebreak---                                              Artikel 44
                                 Inanspruchnahme der Priorität
Der Anmelder eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters, der die Priorität einer
früheren Anmeldung in Anspruch nehmen will, hat eine Prioritätserklärung und eine Abschrift
der früheren Anmeldung einzureichen. Ist letztere nicht in einer der Verfahrenssprachen des
Amtes abgefaßt, kann die Übersetzung der früheren Anmeldung in eine der Verfahrenssprachen
des Amtes verlangt werden. Das zur Ausführung dieser Bestimmung zu befolgende Verfahren
ist in der Durchführungsverordnung festgelegt.
                                             Artikel 45
                                  Wirkung des Prioritätsrechts
Das Prioritätsrecht hat die Wirkung, daß für die Bestimmung des Vorrangs von Rechten der
Prioritätstag als Tag der Anmeldung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters im
Sinne der Artikel 5, 6, 8, 25 und 27 Absatz 2 gilt
                                             Artikel 46
                            Wirkung wie eine nationale Anmeldung
Die Anmeldung eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters, deren Anmeldetag
feststeht, hat in den Mitgliedstaaten die Wirkung einer vorschriftsmäßigen nationalen
Anmeldung, mit der gegebenenfalls für die besagte Anmeldung in Anspruch genommenen
Priorität.
                                             Artikel 47
                                       Ausstellungspriorität
(1)    Hat der Anmelder eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters Erzeugnisse,
       in die das Muster aufgenommen ist oder bei denen es verwendet wird, auf einer
       amtlichen oder amtlich anerkannten internationalen Ausstellung nach den Vorschriften
       des am 22. November 1928 in Paris unterzeichneten und zum letzten Mal am 30.
       November 1972 überarbeiteten Übereinkommens über Internationale Ausstellungen
       gezeigt und reicht er die Anmeldung innerhalb einer Frist von sechs Monaten ab dem
       Tag ein, an dem solche Erzeugnisse zum ersten Mal gezeigt wurden, so kann er ein
       Prioritätsrecht ab diesem Tag im Sinne des Artikels 45 in Anspruch nehmen.
(2)    Der Anmelder, der nach Absatz 1 Priorität in Anspruch nehmen will, muß gemäß den
        in der Durchführungsverordnung festgelegten Erfordernissen Beweismaterial dafür vor-
        legen, daß die Erzeugnisse, in die das Muster aufgenommen ist oder bei denen es
        verwendet wird, gezeigt wurden.
(3)     Eine Ausstellungspriorität, die in einem Mitgliedstaat oder einem Drittstaat gewährt
        wurde, verlängert die Prioritätsfrist des Artikels 43 nicht.
                                                 82
 ---pagebreak---                                             TITEL V
                                 EINTRAGUNGSVERFAHREN
                                            Artikel 48
                                  Prüfung auf Formerfordernisse
( 1)   Die Anmeldung eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster, deren Gegenstand
      offenkundig von der in Artikel 3 aufgeführten Definition nicht gedeckt ist, wird vom Amt
      zurückgewiesen.
(2)   Das Amt prüft, ob
      a) die Anmeldung den in Artikel 39 Absätze 1 und 2 aufgeführten Erfordernis sen für
             die Zuerkennung eines Anmeldetags genügt;
      b) die Anmeldung den sonstigen in Artikel 39 bzw. im Falle einer Sammelanmeldung
             in Artikel 40 vorgesehenen Erfordernissen genügt,
      c) die Erfordernisse für die Inanspruchnahme der Priorität erfüllt sind, wenn Priorität
             in Anspruch genommen wird.
                                            Artikel 49
                                        Behebbare Mängel
(1)   Entspricht die Anmeldung nicht den in Artikel 48 Absatz 2 Buchstaben a und b
      genannten Erfordernissen, so fordert das Amt den Anmelder auf, innerhalb der vor-
       geschriebenen Frist die Mängel zu beseitigen oder den Zahlungsverzug im Hinblick auf
       die Gebühren zu beheben.
(2)   Kommt der Anmelder der Aufforderung des Amtes fristgerecht nach, so erkennt das Amt
       als Anmeldetag den Tag an, an dem die mit den Mängeln behaftete Anmeldung
       ursprünglich eingereicht worden ist. Betrifft jedoch die Aufforderung des Amtes Mängel
       der in Artikel 39 Absätze 1 oder 2 aufgeführten Erfordernisse, so erkennt das Amt als
       Anmeldetag den Tag an, an dem die Mängel beseitigt werden.
(3)    Werden die nach Absatz 1 festgestellten Mängel oder der Zahlungsverzug nicht innerhalb
       der vorgeschriebenen Frist behoben, so wird die Anmeldung vom Amt zurückgewiesen.
(4)    Wird den Vorschriften über die Inanspruchnahme der Priorität nicht entsprochen, so
       erlischt der Prioritätsanspruch für die Anmeldung.
                                            Artikel 50
                                           Eintragung
Die Anmeldung, deren Anmeldetag feststeht, wird unverzüglich als eingetragenes Gemein-
schaftsgeschmacksmuster eingetragen. Die Eintragung erfolgt unter dem Datum des
Anmeldetags.
                                                83
 ---pagebreak---                                            Artikel 51
                                       Bekanntmachung
Nach der Eintragung macht das Amt das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster im Blatt
für Gemeinschaftsgeschmacksmuster nach Artikel 77 Buchstabe a) bekannt. Die Bekannt-
machung enthält:
a)    Angaben, die es erlauben, die Identität des Inhabers des eingetragenen Gemeinschafts-
      geschmacksmusters festzustellen,
b)    die Nummer und den Anmeldetag und, falls Priorität in Anspruch genommen wurde, den
      Prioritätstag,
c)    die Nennung des Entwerfers oder die Angabe des Entwerferteams,
d)    die Abbildung der Darstellung des Musters,
e)    wurde eine Probe oder ein Warenmuster eingereicht, einen Hinweis auf diese Ein-
      reichung,
f)    sonstige in der Durchführungsverordnung festgelegte Angaben.
                                           Artikel 52
                              Aufgeschobene Bekanntmachung
(1)   Der Anmelder eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters kann mit der
      Anmeldung beantragen, die Bekanntmachung des eingetragenen Gemeinschaftsge-
      schmacksmusters um höchstens 30 Monate ab dem Tag der Anmeldung oder, wenn
      Priorität in Anspruch genommen wird, ab dem Prioritätstag aufzuschieben.
(2)   Wird der Antrag gestellt, so trägt das Amt, wenn der Anmeldetag feststeht, das eingetra-
      gene Gemeinschaftsgeschmacksmuster zwar ein, aber vorbehaltlich des Artikels 78
      Absatz 2 werden weder die Darstellung des Musters noch sonstige Unterlagen im
      Zusammenhang mit der Anmeldung zur öffentlichen Einsichtnahme ausgelegt.
(3)   Das Amt veröffentlicht im Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster einen Hinweis auf
      die aufgeschobene Bekanntmachung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters.
      Begleitet wird der Hinweis von Angaben, die es zumindest erlauben, die Identität des
      Inhabers des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters festzustellen, von der
      Angabe des Tages der Anmeldung und der Frist, für die die Aufschiebung beantragt
      wurde, und von sonstigen in der Durchführungsverordnung festgelegten Angaben.
(4)   Bei Ablauf der Aufschiebungsfrist oder auf Antrag des Rechtsinhabers zu einem früheren
      Zeitpunkt legt das Amt alle Eintragungen im Register und die Akte betreffend die
      Anmeldung zur öffentlichen Einsichmahme aus und macht das eingetragene Gemein-
      schaftsgeschmacksmuster im Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster bekannt,
      vorausgesetzt, daß innerhalb der in der Durchfuhrungsverordnung festgelegten Frist
      a) die Bekanntmachungsgebühr und im Falle einer Sammelanmeldung die zusätzliche
            Bekanntmachungsgebühr entrichtet werden,
                                               84
 ---pagebreak---       b)    der Rechtsinhaber eine zur Abbildung geeignete Darstellung des Musters beim Amt
            eingereicht hat, falls von der in Artikel 39 Absatz 2 gebotenen Möglichkeit
            Gebrauch gemacht wurde.
      Entspricht der Rechtsinhaber diesen Erfordernissen nicht, so wird das eingetragene Ge-
     meinschaftsgeschmacksmuster, sofern darauf nicht nach Maßgabe des Artikel 55 ver-
      zichtet wurde, so behandelt, als habe es die in dieser Verordnung festgelegten Wirkungen
      von Anfang an nicht gehabt.
(5)   Im Falle einer Sammelanmeldung ist es möglich, die Bestimmungen dieses Artikels auf
     nur einige der in der Sammelanmeldung enthaltenen Muster anzuwenden.
(6)   Die Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens auf der Grundlage eines eingetragenen
      Gemeinschaftsgeschmacksmusters während der Frist der Aufschiebung der Bekannt-
      machung ist nur möglich, wenn die im Register und in der den Antrag betreffenden Akte
      enthaltenen Angaben der Person mitgeteilt wurden, gegen die der Prozeß angestrengt
      wird.
(7)   In dieser Verordnung enthaltene Hinweise auf den Tag der Bekanntmachung des
      eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters sind so zu verstehen, daß sie sich im
      Fall des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters, dessen Bekanntmachung
      aufgeschoben wurde, auf den Tag beziehen, an dem das Amt die in Absatz 4 angeführte
      Handlung vornimmt
                                           TITEL VI
                         SCHUTZDAUER DES EINGETRAGENEN
                       GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTERS
                                           Artikel 53
                                          Schutzdauer
Die Laufzeit des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters beträgt fünf Jahre gerechnet
vom Tag der Anmeldung an. Sie kann gemäß Artikel 54 um jeweils fünf Jahre bis zu einer
Gesamtdauer von 25 Jahren gerechnet vom Tag der ersten Anmeldung an verlängert werden.
                                           Artikel 54
                                         Verlängerung
(1)    Die Eintragung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters wird auf Antrag des
      Rechtsinhabers oder einer von ihm hierzu ausdrücklich ermächtigten Person verlängert,
      sofern die Verlängerungsgebühr entrichtet worden ist.
(2)   Das Amt unterrichtet den Inhaber des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
      und die im Register eingetragenen Inhaber von Rechten an dem eingetragenen Gemein-
      schaftsgeschmacksmuster rechtzeitig vor dem Ablauf der Eintragung. Das Unterbleiben
      dieser Untenichtung hat keine Haftung des Amtes zur Folge.
                                               85
 ---pagebreak--- (3)  Der Antrag auf Verlängerung ist innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten vor
     Ablauf des letzten Tages des Monats, in dem die Schutzdauer endet, einzureichen. Auch
     die Verlängerungsgebühr ist innerhalb dieses Zeitraums zu entrichten. Der Antrag und
     die Gebühr können noch innerhalb einer Nachfrist von sechs Monaten nach Ablauf des
     in Satz 1 genannten Tages eingereicht bzw. gezahlt werden, sofern innerhalb dieser
     Nachfrist eine Zuschlaggebühr entrichtet wird.
(4)  Die Verlängerung wird am Tage nach Ablauf der Eintragung wirksam. Sie wird
     eingetragen.
                                         TITEL VII
  VERZICHT AUF DAS EINGETRAGENE GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER
                                    UND NICHTIGKEIT
                                         Artikel 55
                                          Verzicht
(1)  Der Verzicht auf das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster ist vom Rechts-
     inhaber dem Amt schriftlich zu erklären. Er wird erst wirksam, wenn er eingetragen ist.
(2)  Ist im Register eine Person als Inhaber eines Rechts eingetragen, so wird der Verzicht
     nur mit Zustimmung dieser Person eingetragen. Ist eine Lizenz im Register eingetragen,
     so wird der Verzicht erst eingetragen, wenn der Inhaber des eingetragenen Gemein-
     schaftsgeschmacksmusters glaubhaft macht, daß er den Lizenznehmer von seiner
     Verzichtsabsicht unterrichtet hat; die Eintragung wird nach Ablauf der in der Durch-
     führungsverordnung vorgeschriebenen Frist vorgenommen.
                                         Artikel 56
                                Antrag auf Nichtigerklärung
(1)   Die Kommission, Mitgliedstaaten und jede andere natürliche oder juristische Person kann
     beim Amt einen Antrag auf Nichtigerklärung eines eingetragenen Gemeinschafts-
     geschmacksmusters stellen; in dem in Artikel 27 Absatz 1 Buchstabe d genannten Falle
     kann jedoch der Antrag nur von dem oder den Berechtigten und in dem in Artikel 27
     Absatz 2 genannten Falle nur von dem Rechtsinhaber des älteren Rechts gestellt werden.
(2)  Der Antrag ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als gestellt, wenn
     die Gebühr entrichtet worden ist.
(3)  Der Antrag auf Nichtigkeitserklärung ist unzulässig, wenn ein Gemeinschaftsge-
     schmacksmustergericht über einen Antrag wegen desselben Anspruchs zwischen
     denselben Parteien bereits rechtskräftig entschieden hat.
                                             86
 ---pagebreak---                                          Artikel 57
                                    Prüfung des Antrags
(1) Ist der Antrag auf Nichtigkeitserklärung zulässig, so prüft das Amt, ob die in Artikel 27
    genannten Nichtigkeitsgründe der Aufrechterhaltung des eingetragenen Gemeinschafts-
    geschmacksmusters entgegenstehen.
(2) Bei der Prüfung des Antrags, die nach Maßgabe der Durchführungsverordnung durch-
    zuführen ist, fordert das Amt die Beteiligten so oft wie erforderlich auf, innerhalb einer
    von ihm zu bestimmenden Frist eine Stellungnahme zu seinen Mitteilungen oder zu den
    Schriftsätzen anderer Beteiligter einzureichen.
(3) Die Entscheidung, durch die das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster für
    nichtig erklärt wird, wird in das Register eingetragen, nachdem sie bestandskräftig
    geworden ist.
                                         Artikel 58
                        Beteiligung des angeblichen Rechtsverletzers,
                   der Kommission und der Mitgliedstaaten am Verfahren
(1) Wurde ein Antrag auf Erklärung der Nichtigkeit eines eingetragenen Gemeinschafts-
    geschmacksmusters gestellt und wurde von der Nichtigkeitsabteilung noch keine
    bestandskräftige Entscheidung getroffen, so kann ein Dritter, der glaubhaft macht, daß
    ein Verfahren wegen der Verletzung desselben Gemeinschaftsgeschmacksmusters gegen
    ihn eingeleitet worden ist, dem Nichtigkeitsverfahren beitreten, wenn er den Beitritt zum
    Verfahren innerhalb von drei Monaten ab dem Tag der Einleitung des Verletzungsver-
    fahrens erklärt Dasselbe gilt für jeden Dritten, der glaubhaft macht, daß der Rechts-
    inhaber des Gemeinschaftsgeschmacksmusters ihn aufgefordert hat, eine angebliche
    Verletzung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters zu beenden, und daß er ein Verfahren
    eingeleitet hat, um eine Gerichtsentscheidung darüber herbeizuführen, daß er das
    Gemeinschaftsgeschmacksmuster nicht verletzt.
(2) Die Kommission und die Mitgliedstaaten sind berechtigt, dem Verfahren als Partei gemäß
     den hierfür in der Durchführungsverordnung vorgesehenen Bestimmungen beizutreten.
(3) Die Erklärung des Beitritts zum Verfahren oder der Antrag auf Beitritt zum Verfahren
     ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Diese Erklärung gilt erst dann als
     abgegeben bzw. dieser Antrag gilt erst als gestellt, wenn die in Artikel 56 Absatz 2
     genannte Gebühr entrichtet worden ist. Danach wird der Beitritt oder der Antrag
     vorbehaltlich in der Durchführungsverordnung aufgeführter Ausnahmen als Antrag auf
     Nichtigerklärung behandelt.
                                             87
 ---pagebreak---                                             TITEL Vin
                BESCHWERDE GEGEN ENTSCHEIDUNGEN DES AMTES
                                             Artikel 59
                                Beschwerdefähige Entscheidungen
(1)    Die Entscheidungen der Formalprüfungsabteilungen, der Musterverwaltungs- und
       Rechtsabteilung und der Nichtigkeitsabteilungen sind mit der Beschwerde anfechtbar. Die
       Beschwerde hat aufschiebende Wirkung.
(2)    Eine Entscheidung, die ein Verfahren gegenüber einem Beteiligten nicht abschließt, ist
       nur zusammen mit der Endentscheidung anfechtbar, sofern nicht in der Entscheidung die
       gesonderte Beschwerde zugelassen ist.
                                             Artikel 60
                       Beschwerdeberechtigte und Verfahrensberechtigte
Die Beschwerde steht denjenigen zu, die an dem Verfahren beteiligt waren, das zu der
Entscheidung geführt hat, soweit sie durch die Entscheidung des Amtes beschwert sind. Die
übrigen an diesem Verfahren Beteiligten sind am Beschwerdeverfahren beteiligt.
                                             Artikel 61
                                 Frist und Form der Beschwerde
Die Beschwerde ist innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Entscheidung schriftlich
beim Amt einzulegen. Die Beschwerde gilt erst als eingelegt, wenn die Beschwerdegebühr
entrichtet worden ist. Innerhalb von vier Monaten nach Zustellung der Entscheidung ist die
Beschwerde schriftlich zu begründen.
                                             Artikel 62
                                              Abhilfe
(1)    Erachtet die Dienststelle, deren Entscheidung angefochten wird, die Beschwerde als
       zulässig und begründet, so hat sie ihr abzuhelfen. Dies gilt nicht, wenn dem Beschwer-
       deführer ein anderer an dem Verfahren Beteiligter gegenübersteht.
(2)    Wird der Beschwerde innerhalb eines Monats nach Eingang der Begründung nicht
       abgeholfen, so ist sie unverzüglich ohne sachliche Stellungnahme der Beschwerdekammer
       vorzulegen.
                                             Artikel 63
                                     Prüfung der Beschwerde
(1)    Ist die Beschwerde zulässig, so prüft die Beschwerdekammer, ob die Beschwerde
       begründet ist.
                                                 88
 ---pagebreak--- (2) Bei der Prüfung der Beschwerde fordert die Beschwerdekammer die Beteiligten so oft
    wie erforderlich auf, innerhalb einer von ihr zu bestimmenden Frist eine Stellungnahme
    zu ihren Bescheiden oder zu den Schriftsätzen der anderen Beteiligten einzureichen.
                                           Artikel 64
                             Entscheidung über die Beschwerde
(1) Nach der Prüfung, ob die Beschwerde begründet ist, entscheidet die Beschwerdekammer
    über die Beschwerde. Die Beschwerdekammer wird entweder im Rahmen der Zuständig-
    keit der Dienststelle tätig» die die angefochtene Entscheidung erlassen hat, oder verweist
    die Angelegenheit zur weiteren Entscheidung an diese Dienststelle zurück.
(2) Verweist die Beschwerdekammer die Angelegenheit zur weiteren Entscheidung an die
    Dienststelle zurück, die die angefochtene Entscheidung erlassen hat, so ist diese
    Dienststelle durch die rechtliche Beurteilung der Beschwerdekammer, die der Ent-
    scheidung zugrunde gelegt ist, gebunden, soweit der Tatbestand derselbe ist.
(3) Die Entscheidungen der Beschwerdekammer werden erst mit dem Ablauf der in
    Artikel 65 Absatz 5 genannten Frist oder, wenn innerhalb dieser Frist eine Klage beim
    Gerichtshof eingereicht wurde, mit dem Tag der Abweisung dieser Klage wirksam.
                                           Artikel 65
                                    Klage beim Gerichtshof
(1) Gegen die von den Beschwerdekammern des Amtes getroffenen Entscheidungen ist die
    Klage beim Gerichtshof zulässig.
(2) Die Klage kann auf die Behauptung der Unzuständigkeit, der Verletzung wesentlicher
    Verfahrensvorschriften, der Verletzung des Vertrages, dieser Verordnung und einer bei
    ihrer Durchführung anzuwendenden Rechtsnorm oder auf Ermessensmißbrauch gestützt
    werden.
(3) Der Gerichtshof kann die angefochtene Entscheidung aufheben oder abändern.
(4) Das Klagerecht steht den an dem Verfahren vor der Beschwerdekammer Beteiligten zu,
    soweit sie durch die Entscheidung beschwert sind.
(5) Die Klage ist innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung der Entscheidung der
    Beschwerdekammer beim Gerichtshof zu erheben.
(6) Das Amt hat die Maßnahmen zu ergreifen, die sich aus dem Urteil des Gerichtshofs
    ergeben.
                                               89
 ---pagebreak---                                             TITEL K
                                VERFAHREN VOR DEM AMT
                                           1. Abschnitt
                                    Allgemeine Vorschriften
                                            Artikel 66
                                 Begründung der Entscheidungen
Die Entscheidungen des Amtes sind mit Gründen zu versehen. Sie dürfen nur auf Gründe
gestützt werden, zu denen die Beteiligten sich äußern konnten.
                                            Artikel 67
                          Ermittlung des Sachverhalts von Amts wegen
(1)    In dem Verfahren vor dem Amt ermittelt das Amt den Sachverhalt von Amtswegen.
       Soweit es sich jedoch um Verfahren bezüglich einer Nichtigkeitserklärung handelt, ist
       das Amt bei dieser Ermittlung auf das Vorbringen und die Anträge der Beteiligten
       beschränkt.
(2)    Das Amt braucht Tatsachen und Beweismittel, die von den Beteiligten verspätet
       vorgebracht werden, nicht zu berücksichtigen.
                                            Artikel 68
                                    Mündliche Verhandlung
(1)    Das Amt ordnet von Amts wegen oder auf Antrag eines Verfahrensbeteiligten eine
       mündliche Verhandlung an, sofern es dies für sachdienlich erachtet.
(2)    Die mündliche Verhandlung, einschließlich der Verkündung der Entscheidung, ist
       öffentlich, sofern das Amt nicht in Fällen anderweitig entscheidet, in denen insbesondere
       für eine am Verfahren beteiligte Partei die Öffentlichkeit des Verfahrens schwerwiegende
       und ungerechtfertigte Nachteile zur Folge haben könnte.
                                                90
 ---pagebreak---                                            Artikel 69
                                       Beweisaufnahme
(1)    In den Verfahren vor dem Amt sind insbesondere folgende Beweismittel zulässig:
       a) Vernehmung der Beteiligten,
       b) Einholung von Auskünften,
       c) Vorlegung von Urkunden und Beweisstücken,
       d) Vernehmung von Zeugen,
       e) Begutachtung durch Sachverständige,
       f) schriftliche Erklärungen, die unter Eid oder an Eides statt abgegeben werden oder
            nach den Rechtsvorschriften des Staates, in dem sie abgegeben werden, eine
            ähnliche Wirkung haben.
(2)    Die befaßte Dienststelle des Amtes kann eines ihrer Mitglieder mit der Durchführung der
       Beweisaufnahme beauftragen.
(3)    Hält das Amt die mündliche Vernehmung eines Beteiligten, Zeugen oder Sachver-
       ständigen für erforderlich, so wird der Betroffene zu einer Vernehmung vor dem Amt
       geladen.
(4)    Die Beteiligten werden von der Vernehmung eines Zeugen oder eines Sachverständigen
       vor dem Amt benachrichtigt. Sie sind berechtigt, an der Zeugenvernehmung teilzunehmen
       und Fragen an den Zeugen oder Sachverständigen zu richten.
                                           Artikel 70
                                           Zustellung
Das Amt stellt von Amts wegen alle Entscheidungen und Ladungen sowie die Bescheide und
Mitteilungen zu, durch die eine Frist in Lauf gesetzt wird oder die nach anderen Vorschriften
dieser Verordnung oder nach der Durchführungsverordnung zuzustellen sind oder für die der
Präsident des Amtes die Zustellung vorgeschrie
ben hat.
                                           Artikel 71
                            Wiedereinsetzung in den vorigen Stand
(1)    Der Anmelder, der Rechtsinhaber des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
       oder jeder andere an einem Verfahren vor dem Amt Beteiligte, der trotz Beachtung aller
       nach den gegebenen Umständen gebotenen Sorgfalt verhindert worden ist, gegenüber dem
       Amt eine Frist einzuhalten, wird auf Antrag wieder in den vorigen Stand eingesetzt,
       wenn die Verhinderung nach dieser Verordnung den Verlust eines Rechts oder eines
       Rechtsmittels zur unmittelbaren Folge hat.
                                               91
 ---pagebreak--- (2)   Der Antrag ist innerhalb von zwei Monaten nach Wegfall des Hindernisses schriftlich
      einzureichen. Die versäumte Handlung ist innerhalb dieser Frist nachzuholen. Der Antrag
      ist nur innerhalb eines Jahres nach Ablauf der versäumten Frist zulässig. Ist der Antrag
      auf Verlängerung der Eintragung nicht eingereicht worden oder sind die Verlängerungs-
      gebühren nicht entrichtet worden, so wird die in Artikel 54 Absatz 3 Satz 2 vorgesehene
      Nachfrist von sechs Monaten in die Frist von einem Jahr eingerechnet.
(3)   Der Antrag ist zu begründen, wobei die zur Begründung dienenden Tatsachen glaubhaft
      zu machen sind. Er gilt erst als gestellt, wenn die Wiedereinsetzungsgebühr entrichtet
      worden ist.
(4)   Über den Antrag entscheidet die Dienststelle des Amtes, die über die versäumte
      Handlung zu entscheiden hat.
(5)   Dieser Artikel ist nicht anzuwenden auf die Fristen des Absatzes 2 sowie des Artikels 43
      Absatz 1.
(6)   Wird dem Anmelder oder dem Rechtsinhaber des eingetragenen Gemein-
      schaftsgeschmacksmusters die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gewährt, so kann
      er Dritten gegenüber, die in der Zeit zwischen dem Eintritt des Rechtsverlusts an der
      Anmeldung oder dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster und der Bekannt-
      machung des Hinweises auf die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand Erzeugnisse, in
      die ein Muster aufgenommen ist oder bei denen es verwendet wird, das unter den Schutz-
      umfang des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters fallt, gutgläubig in den
      Verkehr gebracht haben, keine Rechte geltend machen.
(7)   Dritte, die sich auf Absatz 6 berufen können, können gegen die Entscheidung über die
      Wiedereinsetzung des Anmelders oder des Rechtsinhabers des eingetragenen Gemein-
      schaftsgeschmacksmusters in den vorigen Stand binnen zwei Monaten nach dem
      Zeitpunkt der Bekanntmachung des Hinweises auf die Wiedereinsetzung in den vorigen
      Stand Drittwiderspruch einlegen.
(8)   Dieser Artikel läßt das Recht eines Mitgliedstaats omberührt, Wiedereinsetzung in den
      vorigen Stand in bezug auf Fristen zu gewähren, die in dieser Verordnung vorgesehen
      und den Behörden dieses Staats gegenüber einzuhalten sind.
                                          Artikel 72
                             Heranziehung allgemeiner Grundsätze
Soweit diese Verordnung, die Durchführungsverordnung, die Gebührenordnungen oder die
Verfahrensordnung der Beschwerdekammern Vorschriften über das Verfahren nicht enthalten,
berücksichtigt das Amt die in den Mitgliedstaaten im allgemeinen anerkannten Grundsätze des
Verfahrensrechts.
                                              92
 ---pagebreak---                                           Artikel 73
                        Beendigung von Zahlungsverpflichtungen
(1) Ansprüche des Amtes auf Zahlung von Gebühren erlöschen nach vier Jahren nach Ablauf
    des Kalenderjahres, in dem die Gebühr fällig geworden ist.
(2) Ansprüche gegen das Amt auf Rückerstattung von Gebühren oder von Geldbeträgen, die
    bei der Entrichtung einer Gebühr zuviel gezahlt worden sind, erlöschen nach vier Jahren
    nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Anspruch entstanden ist.
(3) Die in den Absätzen 1 und 2 vorgesehene Frist wird im Falle des Absatzes 1 durch eine
    Aufforderung zur Zahlung der Gebühr und im Falle des Absatzes 2 durch eine schriftli-
    che Geltendmachung des Anspruchs unterbrochen. Sie beginnt mit der Unterbrechung
    erneut zu laufen und endet spätestens sechs Jahre nach Ablauf des Jahres, in dem sie
    ursprünglich zu laufen begonnen hat, es sei denn, daß der Anspruch gerichtlich geltend
    gemacht worden ist; in diesem Fall endet die Frist frühestens ein Jahr nach der Rechts-
    kraft der Entscheidung.
                                         2. Abschnitt
                                            Kosten
                                          Artikel 74
                                      Kostenverteilung
(1) Der im Verfahren zur Erklärung der Nichtigkeit des eingetragenen Gemeinschafts-
    geschmacksmusters oder im Beschwerdeverfahren unterliegende Beteiligte trägt die von
    dem anderen Beteiligten zu entrichtenden Gebühren sowie alle für die Durchführung des
    Verfahrens notwendigen Kosten, die dem anderen Beteiligten entstehen, einschließlich
    der Reise- und Aufenthaltskosten und der Kosten der Bevollmächtigten, Beistände und
    Anwälte im Rahmen der Tarife, die für jede Kostengruppe gemäß der Durchführungs-
    verordnung festgelegt werden.
(2) Soweit jedoch die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen oder
    soweit es die Billigkeit erfordert, beschließt die Nichtigkeitsabteilung oder Beschwerde-
    kammer eine andere Kostenverteilung.
(3) Der Beteiligte, der ein Verfahren dadurch beendet, daß er auf das eingetragene Gemein-
    schaftsgeschmacksmuster verzichtet oder dessen Eintragung nicht verlängert oder den
    Antrag auf Erklärung der Nichtigkeit oder die Beschwerde zurücknimmt, trägt die
    Gebühren sowie die Kosten des anderen Beteiligten gemäß Absatz 1 und Absatz 2.
(4) Im Falle der Einstellung des Verfahrens entscheidet die Nichtigkeitsabteilung oder
    Beschwerdekammer über die Kosten nach freiem Ermessen.
                                              93
 ---pagebreak--- (5)   Vereinbaren die Beteiligten vor der Nichtigkeitsabteilung oder Beschwerdekammer eine
      andere als die in den vorstehenden Absätzen vorgesehene Kostenregelung, so nimmt das
      Amt diese Vereinbarung zur Kenntnis.
(6)   Die Geschäftsstelle der Nichtigkeitsabteilung oder Beschwerdekammer setzt auf Antrag
      den Betrag der nach den vorstehenden Absätzen zu erstattenden Kosten fest. Gegen die
      Kostenfestsetzung der Geschäftsstelle ist der innerhalb der in der Durchführungsverord-
      nung festgelegten Frist gestellte Antrag auf Entscheidung durch die Nichtigkeitsabteilung
      oder Beschwerdekammer zulässig.
                                           Artikel 75
                  Vollstreckung der Entscheidungen, die Kosten festsetzen
(1)   Jede Endentscheidung des Amtes, die Kosten festsetzt, ist ein vollstreckbarer Titel.
(2)   Die Zwangsvollstreckung erfolgt nach den Vorschriften des Zivilprozeßrechts des Staates,
      in dessen Hoheitsgebiet sie stattfindet. Die Vollstreckungsklausel wird nach einer
      Prüfung, die sich lediglich auf die Echtheit des Titels erstrecken darf, von der staatlichen
      Behörde erteilt, welche die Regierung jedes Mitgliedstaats zu diesem Zweck bestimmt
      und dem Amt und dem Gerichtshof benennt.
(3)   Sind diese Förmlichkeiten auf Anttag der die Vollstreckung betreibenden Partei erfüllt,
      so kann diese die Zwangsvollstreckung nach innerstaatlichem Recht betreiben, indem sie
      die zuständige Stelle unmittelbar anruft.
(4)   Die Zwangsvollstreckung kann nur durch eine Entscheidung des Gerichtshofs ausgesetzt
      werden. Für die Prüfung der Ordnungsmäßigkeit der Vollstreckungsmaßnahmen sind
      jedoch die Rechtsprechungsorgane des betreffenden Mitgliedstaats zuständig.
                                          3. Abschnitt
           Unterrichtung der Öffentlichkeit und der Behörden der Mitgliedstaaten
                                           Artikel 76      >
                                            Register
Das Amt führt ein Register mit der Bezeichnung Register für Gemeinschaftsgeschmacksmuster,
in dem alle Angaben vermerkt werden, deren Eintragung in dieser Verordnung oder in der
Durchführungsverordnung vorgeschrieben ist. Jedermann kann in das Register Einsicht nehmen,
sofern nicht Artikel 52 Absatz 2 bezüglich Angaben zu eingetragenen Gemeinschafts-
geschmacksmustem, die Gegenstand der aufgeschobenen Bekanntmachung sind, anderes
vorsieht.
                                               94
 ---pagebreak---                                          Artikel 77
                       Regelmäßig erscheinende Veröffentlichungen
Das Amt gibt regelmäßig folgende Veröffentlichungen heraus:
a)   ein "Blatt für Gemeinschaftsgeschmacksmuster", welches die Eintragungen im Register
     wiedergibt, die zur öffentlichen Einsichmahme bestimmt sind sowie sonstige Angaben
     enthält, deren Veröffentlichung in dieser Verordnung oder in der Durchführungsverord-
     nung vorgeschrieben ist;
b)   ein "Amtsblatt des Geschmacksmusteramtes der Gemeinschaft", das allgemeine Bekannt-
     machungen und Mitteilungen des Präsidenten sowie sonstige diese Verordnung oder ihre
     Anwendung betreffende Veröffentlichungen enthält.
                                         Artikel 78
                                       Akteneinsicht
(1)  Einsicht in die Akten von Anmeldungen für eingetragene Gemeinschaftsgeschmacks-
     muster, die noch nicht bekanntgemacht worden sind, oder in die Akten von eingetragenen
     Gemeinschaftsgeschmacksmustem, die Gegenstand der aufgeschobenen Bekanntmachung
     gemäß Artikel 52 sind, oder die Gegenstand der aufgeschobenen Bekanntmachung waren
     und auf die bei oder vor Ablauf der Frist für die Aufschiebung der Bekanntmachung
     verzichtet wurde, wird nur mit Zustimmung des Anmelders oder des Rechtsinhabers des
     eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters gewährt.
(2)  Wer ein legitimes Interesse an der Akteneinsicht glaubhaft macht, kann sie in dem in
     Absatz 1 geregelten Fall vor der Bekanntmachung der Anmeldung oder nach dem
     Verzicht auf das eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster und ohne Zustimmung
     des Anmelders oder des Rechtsinhabers des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacks-
     musters verlangen. Dies gilt insbesondere, wenn er nachweist, daß der Anmelder oder
     Inhaber des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters Maßnahmen mit dem Ziel
     unternommen hat, die Rechte aus dem eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmuster
     gegen ihn geltend zu machen.
(3)  Nach der Bekanntmachung des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters wird auf
     Antrag Einsicht in die Akte gewährt.
(4)  Im Falle einer Akteneinsicht entsprechend den Absätzen 2 oder 3 können jedoch Teile
     der Akten gemäß der Durchführungsverordnung von der Einsicht ausgeschlossen werden.
                                             95
 ---pagebreak---                                            Artikel 79
                                    Amts- und Rechtshilfe
Das Amt und die Gerichte oder Behörden der Mitgliedstaaten unterstützen einander auf Antrag
durch die Erteilung von Auskünften oder die Gewährung von Akteneinsicht, soweit nicht
Vorschriften dieser Verordnung oder des nationalen Rechts dem entgegenstehen. Gewährt das
Amt Gerichten, Staatsanwaltschaften oder Zentralbehörden für den gewerblichen Rechtsschutz
Akteneinsicht, so unterliegt diese nicht den Beschränkungen des Artikels 78.
                                           Artikel 80
                              Austausch von Veröffentlichungen
(1)    Das Amt und die Zentralbehörden für den gewerblichen Rechtsschutz der Mitgliedstaaten
      übermitteln einander auf entsprechendes Ersuchen kostenlos für ihre eigenen Zwecke ein
      oder mehrere Exemplare ihrer Veröffentlichungen.
(2)   Das Amt kann Vereinbarungen über den Austausch oder die Übermittlung von Ver-
      öffentlichungen treffen.
                                          4. Abschnitt
                                           Vertretung
                                           Artikel 81
                            Allgemeine Grundsätze der Vertretung
(1)   Vorbehaltlich des Absatzes 2 ist niemand verpflichtet, sich vor dem Amt vertreten zu
      lassen.
(2)   Unbeschadet des Absatzes 3 zweiter Satz müssen natürliche oder juristische Personen,
      die weder Wohnsitz noch Sitz noch eine tatsächliche und nicht nur zum Schein beste-
      hende gewerbliche oder Handelsniederlassung in der Gemeinschaft haben, in jedem durch
      diese Verordnung geschaffenen Verfahren mit Ausnahme der Einreichung einer
      Anmeldung für ein eingetragenes Gemeinschaftsgeschmacksmuster gemäß Artikel 82
      Absatz 1 vor dem Amt vertreten sein.
(3)   Natürliche oder juristische Personen mit Wohnsitz oder Sitz oder einer tatsächlichen und
      nicht nur zum Schein bestehenden gewerblichen oder Handelsniederlassung in der
      Gemeinschaft können sich vor dem Amt durch einen ihrer Angestellten vertreten lassen,
      der eine unterzeichnete Vollmacht zu den Akten einzureichen hat; die entsprechenden
      Einzelheiten sind in der Durchführungsverordnung geregelt. Angestellte einer juristischen
      Person im Sinne dieses Absatzes können auch andere juristische Personen, die mit der
      erstgenannten Person wirtschaftlich verbunden sind, vertreten, selbst wenn diese anderen
      juristischen Personen weder Wohnsitz noch Sitz noch eine tatsächliche und nicht nur zum
      Schein bestehende gewerbliche oder Handelsniederlassung in der Gemeinschaft haben.
                                               96
 ---pagebreak---                                           Artikel 82
                                    Zugelassene Vertreter
(1) Die Vertretung natürlicher oder juristischer Personen vor dem Amt kann nur wahr-
    genommen werden
    a) durch einen Anwalt, der in einem der Mitgliedstaaten zugelassen ist und seinen Ge-
          schäftssitz in der Gemeinschaft hat, soweit er in diesem Staat die Vertretung auf
          dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes ausüben kann, oder
    b) durch zugelassene Vertreter, die in einer beim Amt geführten Liste eingetragen sind.
    Die vor dem Amt auftretenden Vertreter haben eine unterzeichnete Vollmacht zu den Ak-
    ten einzureichen; die entsprechenden Einzelheiten sind in der Durchführungsverordnung
    geregelt.
(2) In die Liste der zugelassenen Vertreter kann jede natürliche Person eingetragen werden,
    die folgende Voraussetzungen erfüllt:
    a) sie muß ihren Geschäftssitz oder Arbeitsplatz in der Gemeinschaft haben;
    b) sie muß befugt sein, natürliche oder juristische Personen
          - auf dem Gebiet des Patentwesens vor dem Europäischen Patentamt, oder
          - auf dem Gebiet des Markenwesens vor dem Markenamt der Gemeinschaft, oder
          - auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes einschließlich der Ge-
              schmacksmusterangelegenheiten vor der Zentralbehörde für den gewerblichen
              Rechtsschutz des Mitgliedstaates, in dem sie ihren Geschäftssitz oder Arbeits-
              platz hat, zu vertreten. Unterliegt in diesem Staat die Befugnis nicht dem Erfor-
              dernis einer besonderen beruflichen Befähigung, so muß der Antragsteller die
              Vertretung auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes einschließlich der
              Geschmacksmusterangelegenheiten vor der Zentralbehörde für den gewerblichen
              Rechtsschutz dieses Staates mindestens fünf Jahre lang regelmäßig ausgeübt ha-
              ben. Die Voraussetzung der Berufsausübung gilt jedoch nicht für Personen, de-
              ren berufliche Befähigung, natürliche oder juristische Personen auf dem Gebiet
              der Geschmacksmusterangelegenheiten vor der Zentralbehörde für den gewerbli-
              chen Rechtsschutz eines Mitgliedstaates zu vertreten, nach den Vorschriften die-
              ses Staats amtlich festgestellt worden ist.
(3) Die Eintragung erfolgt auf Antrag, dem eine Bescheinigung der Zentralbehörde für den
    gewerblichen Rechtsschutz des betreffenden Mitgliedstaates oder des Europäischen
    Patentamts beizufügen ist, aus der sich die Erfüllung der in Absatz 2 genannten
    Voraussetzungen ergibt.
(4) Der Präsident des Amtes kann vom Erfordernis nach Absatz 2 Buchstabe b dritter
    Spiegelstrich zweiter Satz befreien, wenn der Antragsteller nachweist, daß er die
    erforderliche Befähigung auf andere Weise erworben hat.
(5) In der Durchführungsverordnung wird festgelegt, unter welchen Bedingungen eine Person
    von der Liste der zugelassenen Vertreter gestrichen werden kann.
                                               97
 ---pagebreak---                                         TTTELX
                 ZUSTÄNDIGKEIT UND VERFAHREN FÜR KLAGEN,
            DIE GEMEINSCHAFTSGESCHMACKSMUSTER BETREFFEN
                                      1. Abschnitt
                                     Vollstreckung
                                       Artikel 83
                     Anwendung des Vollstteckungsübereinkommens
(1) Soweit in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, ist das am 27. September 1968
    in Brüssel unterzeichnete Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die
    Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen mit den
    Änderungen, die durch die Übereinkommen über den Beitritt der den Europäischen
    Gemeinschaften beitretenden Staaten zu diesem Übereinkommen vorgenommen worden
    sind, - dieses Übereinkommen und diese Beitrittsübereinkommen zusammen werden
    nachstehend "Vollstreckungsübereinkommen" genannt - auf Verfahren betreffend
    Gemeinschaftsgeschmacksmuster und Anmeldungen von eingetragenen Gemeinschafts-
    geschmacksmustem anzuwenden. Dies gilt auch für Verfahren bezüglich Klagen auf der
    Grundlage von Gemeinschaftsgeschmacksmustem und nationalen Musterrechten, die
    gleichzeitigen Schutz genießen.
(2) Auf Verfahren, welche durch die in Artikel 85 genannten Klagen und Widerklagen
    anhängig gemacht werden,
    a) sind Artikel 2, Artikel 4, Artikel 5 Nummern 1, 3, 4 und 5 sowie Artikel 24 des
         Vollstreckungsübereinkommens nicht anzuwenden;
    b) sind Artikel 17 und 18 des Vollstreckungsübereinkommens vorbehaltlich der Ein-
          schränkungen in Artikel 86 Absatz 4 dieser Verordnung anzuwenden;
    c) sind die Bestimmungen des Titels II des Vollstreckungsübereinkommens, die für die
          in einem Mitgliedstaat wohnhaften Personen gelten, auch auf Personen anzuwenden,
          die keinen Wohnsitz, jedoch eine Niederlassung in einem Mitgliedstaat haben.
(3) Artikel 16 Nr. 3 des Vollstreckungsübereinkommens ist dadurch zu befolgen, daß
    Verfahren betreffend die in Artikel 85 Buchstaben c und d genannten Klagen oder
    Widerklagen vor einem gemäß Artikel 86 zuständigen Gemeinschaftsgeschmacks-
    mustergericht anhängig gemacht werden.
                                            98
 ---pagebreak---                                           2. Abschnitt
                    Streitigkeiten über die Verletzung und Rechtsgültigkeit
                              der Gemeinschaftsgeschmacksmuster
                                           Artikel 84
                            Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte
(1)  Die Mitgliedstaaten benennen für ihr Gebiet eine möglichst geringe Anzahl nationaler
     Gerichte erster und zweiter Instanz ("Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte"), die die
     ihnen durch diese Verordnung zugewiesenen Aufgaben wahrnehmen.
(2)  Jeder Mitgliedstaat übermittelt der Kommission innerhalb von drei Jahren ab Inkrafttreten
     dieser Verordnung eine Aufstellung der Gemeinschaftsgeschmacksmüstergerichte mit
     Angaben ihrer Bezeichnungen und örtlichen Zuständigkeit.
(3)  Änderungen der Anzahl, der Bezeichnung oder der örtlichen Zuständigkeit der Gemein-
     schaftsgeschmacksmustergerichte, die nach der in Absatz 2 genannten Übermittlung
     eintreten, teilt der betreffende Mitgliedstaat unverzüglich der Kommission mit.
(4)  Die in den Absätzen 2 und 3 genannten Angaben werden von der Kommission den
     Mitgliedstaaten notifiziert und im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften ver-
     öffentlicht.
(5)  Solange ein Mitgliedstaat die in Absatz 2 vorgesehene Übermittlung nicht vorgenommen
     hat, sind Verfahren, welche durch die in Artikel 85 genannten Klagen und Widerklagen
     anhängig gemacht werden und für die die Gerichte dieses Mitgliedstaates nach Artikel 86
     zustandig sind, vor demjenigen Gericht dieses Mitgliedstaates anhängig zu machen, das
     örtlich und sachlich zuständig wäre, wenn es sich um Verfahren handelte, die ein
     nationales Musterrecht dieses Staats betreffen.
                                            Artikel 85
                       Zuständigkeit für Verletzung und Rechtsgültigkeit
Die Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte sind ausschließlich zuständig
a)   für Klagen wegen Verletzung und - falls das nationale Recht dies zuläßt - wegen
     drohender Verletzung eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters;
b)   für Klagen auf Feststellung der NichtVerletzung von Gemeinschaftsgeschmacksmustem,
     falls das nationale Recht diese zuläßt;
c)   für Klagen auf Erklärung der Nichtigkeit eines nicht eingetragenen Gemeinschafts-
     geschmacksmusters;
d)   für Widerklagen auf Erklärung der Nichtigkeit eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters,
      die im Zusammenhang mit den unter Buchstabe a genannten Klagen erhoben werden.
                                                99
 ---pagebreak---                                          Artikel 86
                                Internationale Zuständigkeit
(1) Vorbehaltlich der Vorschriften dieser Verordnung sowie der nach Artikel 83 anzuwen-
    denden Bestimmungen des Vollstreckungsübereinkommens sind für die Verfahren, die
    durch eine in Artikel 85 genannte Klage oder Widerklage anhängig gemacht werden, die
    Gerichte des Mitgliedstaats zuständig, in dem der Beklagte seinen Wohnsitz oder in
    Ermangelung eines Wohnsitzes in einem Mitgliedstaat - eine Niederlassung hat.
(2) Hat der Beklagte weder einen Wohnsitz noch eine Niederlassung in einem der Mitglied-
    staaten, so sind für diese Verfahren die Gerichte des Mitgliedstaats zuständig, in dem der
    Kläger seinen Wohnsitz oder - in Ermangelung eines Wohnsitzes in einem Mitgliedstaat -
     eine Niederlassung hat.
(3) Hat weder der Beklagte noch der Kläger einen Wohnsitz oder eine Niederlassung in
    einem der Mitgliedstaaten, so sind für diese Verfahren die Gerichte des Mitgliedstaats
    zuständig, in dem das Amt seinen Sitz hat.
(4) Ungeachtet der Absätze 1, 2 und 3 ist
    a) Artikel 17 des Vollstreckungsübereinkommens anzuwenden, wenn die Parteien ver-
          einbaren, daß ein anderes Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht zuständig sein
          soll,
    b) Artikel 18 des Vollstteckungsübereinkommens anzuwenden, wenn der Beklagte sich
          auf das Verfahren vor einem anderen Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht ein-
          läßt.
(5) Die Verfahren, welche durch die in Artikel 85 Buchstaben a und d genannten Klagen und
    Widerklagen anhängig gemacht werden, können auch bei den Gerichten des Mitglied-
    staats anhängig gemacht werden, in dem eine Verletzungshandlung begangen worden ist
    oder droht.
                                          Artikel 87
                       Reichweite der Zuständigkeit für Verletzungen
(1) Ein Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht, dessen Zuständigkeit auf Artikel 86
    Absätze 1, 2, 3 oder 4 beruht, ist für die in jedem Mitgliedstaat begangenen oder
    drohenden Verletzungshandlungen zuständig.
                                             100
 ---pagebreak--- (2) Ein nach Artikel 86 Absatz 5 zuständiges Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht ist nur
    für die Verletzungshandlungen zuständig, die in dem Mitgliedstaat begangen worden sind
    oder drohen, in dem das Gericht seinen Sitz hat.
                                        Artikel 8 8 , »
                   Klage oder Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit
                          des Gemeinschaftsgeschmacksmusters
(1) Die Klage oder Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit eines Gemeinschaftsge-
    schmacksmusters kann nur auf die in Artikel 27 genannten Nichtigkeitsgründe gestützt
    werden.
(2) Im Falle des Artikels 27 Absatz 1 Buchstabe d kann die Klage oder Widerklage nur von
    demjenigen oder denjenigen erhoben werden, dem oder denen das Recht an dem
    Gemeinschaftsgeschmacksmuster zusteht, und im Fall des Artikels 27 Absatz 2 nur von
    dem Rechtsinhaber des älteren Rechts.
(3) Wird die Widerklage in einem Rechtsstreit erhoben, in dem der Inhaber des Gemein-
    schaftsgeschmacksmusters noch nicht Partei ist, so ist er hiervon zu unterrichten und
    kann dem Rechtsstreit nach Maßgabe der Vorschriften des nationalen Rechts des
    Mitgliedstaats beitreten, in dem das Gericht seinen Sitz hat.
(4) Die Rechtsgültigkeit eines Gemeinschaftsgeschmacksmusters kann nicht durch eine Klage
    auf Feststellung der NichtVerletzung angegriffen werden.
                                        Artikel 89
                        Vermutung der Rechtsgültigkeit - Einreden
(1) In Verfahren betreffend eine Verletzungsklage oder eine Klage wegen drohender
    Verletzung haben die Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte von der Rechtsgültigkeit
    des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters auszugehen, sofern dieses nicht
    durch den Beklagten mit einer Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit angegriffen
    wird.
(2) In Verfahren betreffend eine Verletzungsklage oder eine Klage wegen drohender
    Verletzung haben die Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte das Muster als neu im
     Sinne von Artikel 5 zu behandeln, wenn der Rechtsinhaber den Beweis erbringt, der
    seine Behauptung erhärtet, das Muster habe Eigenart, es sei denn, in einer Widerklage
    auf Erklärung der Nichtigkeit wird von dem Beklagten der Hauptklage der Gegenbeweis
     angetreten.
                                            101
 ---pagebreak--- (3)  In den in Absatz 1 genannten Verfahren ist der nicht im Wege der Widerklage erhobene
     Einwand der Nichtigkeit des Gemeinschaftsgeschmacksmusters nur insoweit zulässig, als
     sich der Beklagte darauf beruft, daß das Gemeinschaftsgeschmacksmuster wegen eines
     ihm zustehenden nationalen Mustenrechts im Sinne des Artikels 27 Absatz 2 für nichtig
     erklärt werden sollte.
                                         Artikel 90
                          Entscheidungen über die Rechtsgültigkeit
(1)  In einem Verfahren vor einem Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht, in dem die
     Rechtsgültigkeit des Gemeinschaftsgeschmacksmusters mit einer Widerklage auf
     Erklärung der Nichtigkeit angegriffen wurde
     a) erklärt das Gericht das Gemeinschaftsgeschmacksmuster für nichtig, wenn nach
           seinen Feststellungen einer der in Artikel 27 genannten Gründe der Aufrechterhal-
           tung des Gemeinschaftsgeschmacksmusters entgegensteht;
     b) weist das Gericht die Widerklage ab, wenn nach seinen Feststellungen keiner der
           in Artikel 27 genannten Gründe der Aufrechterhaltung des Gemeinschafts-
           geschmacksmusters entgegensteht.
(2)  Das Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht, bei dem Widerklage auf Erklärung der
     Nichtigkeit des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters erhoben worden ist, teilt
     dem Amt den Tag der Erhebung der Widerklage mit. Das Amt vermerkt diese Tatsache
     im Register.
(3)  Das mit einer Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit des eingetragenen Gemein-
     schaftsgeschmacksmusters befaßte Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht kann auf
     Antrag des Inhabers des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters nach Anhörung
     der anderen Parteien das Verfahren aussetzen und den Beklagten auffordern, innerhalb
      einer zu bestimmenden Frist beim Amt die Erklärung der Nichtigkeit zu beantragen. Wird
      der Antrag nicht innerhalb der Frist gestellt, wird das Verfahren fortgesetzt; die
     Widerklage gilt als zurückgenommen. Artikel 95 Absatz 3 findet Anwendung.
(4)  Ist die Entscheidung des Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichts über eine Widerklage
      auf Erklärung der Nichtigkeit des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters
      rechtskräftig geworden, so wird eine Ausfertigung dieser Entscheidung dem Amt
      zugestellt. Jede Partei kann darum ersuchen, von der Zustellung unterrichtet zu werden.
      Das Amt trägt nach Maßgabe der Durchführungsverordnung einen Hinweis auf die
      Entscheidung im Register ein.
 (5)  Die Widerklage auf Erklärung der Nichtigkeit des eingetragenen Gemeinschaftsge-
      schmacksmusters ist unzulässig, wenn das Amt über einen Antrag wegen desselben
      Anspruchs zwischen denselben Parteien bereits eine bestandskräftige Entscheidung
      erlassen hat.
                                              102
 ---pagebreak---                                            Artikel 91
                     Wirkungen der Entscheidung über die Rechtgültigkeit
Ist die Entscheidung eines Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichts, mit der ein Gemein-
schaftsgeschmacksmuster für nichtig erklärt wird, rechtskräftig geworden, so hat sie
vorbehaltlich des Artikels 27 Absatz 3 in allen Mitgliedstaaten die in Artikel 28 aufgeführten
Wirkungen.
                                            Artikel 92
                                       Anwendbares Recht
(1)     Die Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte wenden die Vorschriften dieser Verordnung
       an.
(2)    In allen Fragen, die nicht durch diese Verordnung erfaßt werden, wendet das Gemein-
       schaftsgeschmacksmustergericht sein nationales Recht einschließlich seines internationa-
       len Privatrechts an.
(3)    Soweit in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, wendet das Gemeinschafts-
       geschmacksmustergericht die Verfahrensvorschriften an, die in dem Mitgliedstaat, in dem
       es seinen Sitz hat, auf gleichartige Verfahren betreffend nationale Musterrechte
       anwendbar sind.
                                            Artikel 93
                              Sanktionen bei Verletzungsverfahren
(1)    Stellt ein Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht in einem Verfahren wegen Verletzung
       oder drohender Verletzung fest, daß der Beklagte ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster
       verletzt hat oder zu verletzen droht, so verbietet es dem Beklagten, die Handlungen, die
       das Gemeinschaftsgeschmacksmuster verletzen oder zu verletzen drohen, fortzusetzen.
(2)    Stellt ein Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht in einem Verfahren wegen Verletzung
       fest, daß der Beklagte ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster verletzt hat, so
       a) erlegt es dem Rechtsverletzer auf, unverzüglich Informationen betreffend den Ur-
             sprung der nachgeahmten Erzeugnisse und die Kanäle, über die sie vermarktet
             werden, vorzulegen;
       b) ordnet es an, die nachgeahmten Erzeugnisse zu beschlagnahmen,
       wenn dem nach seiner Feststellung nicht gute Gründe entgegenstehen.
 (3)   Das Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht trifft nach Maßgabe seines innerstaatlichen
       Rechts die erforderlichen Maßnahmen, die darauf abzielen, sicherzustellen, daß die in den
       Absätzen 1 und 2 genannten Anordnungen befolgt werden.
                                                103
 ---pagebreak--- (4) In bezug auf alle anderen Fragen wendet das Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht das
    Recht des Mitgliedstaates an, in dem die Verletzungshandlung begangen wurde oder die
    Begehung der Verletzung droht, einschließlich dessen internationalen Privatrechts.
                                        Artikel 94
             Einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen
(1) Bei den Gerichten eines Mitgliedstaates - einschließlich der Gemeinschaftsgeschmacks-
    mustergerichte - können in bezug auf ein Gemeinschaftsgeschmacksmuster alle einst-
    weiligen Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen beantragt werden, die in dem
    Recht dieses Staates für nationale Musterrrechte vorgesehen sind, oder die sich aus der
    Anwendung des Artikel 93 Absatz 2 Buchstabe a ergeben, auch wenn für die Ent-
    scheidung in der Hauptsache aufgrund dieser Verordnung ein Gemeinschaftsge-
    schmacksmustergericht eines anderen Mitgliedstaates zuständig ist.
(2) In Verfahren betreffend einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen
    ist der nicht im Wege der Widerklage erhobene Einwand der Nichtigkeit des Gemein-
    schaftsgeschmacksmusters zulässig. Artikel 88 Absatz 2 gilt entsprechend.
(3) Ein Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht, dessen Zuständigkeit auf Artikel 86
    Absätze 1, 2, 3 oder 4 beruht, kann einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungs-
    maßnahmen anordnen, die vorbehaltlich des gegebenenfalls gemäß Titel III des Voll-
    streckungsübereinkommens erforderlichen Anerkennungs- und Vollstreckungsverfahrens
    in jedem Mitgliedstaat anwendbar sind. Hierfür ist kein anderes Gericht zuständig.
                                        Artikel 95
                                Besondere Vorschriften über
                          im Zusammenhang stehende Verfahren
(1) Ist vor einem Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht eine Klage im Sinne des Arti-
    kels 85 - mit Ausnahme einer Klage auf Feststellung der NichtVerletzung - erhoben
    worden, so setzt es das Verfahren, soweit keine besonderen Gründe für dessen Fort-
    setzung bestehen, von Amts wegen nach Anhörung der Parteien oder auf Antrag einer
    Partei nach Anhörung der anderen Parteien aus, wenn die Rechtsgültigkeit des Gemein-
    schaftsgeschmacksmusters bereits aufgrund einer Widerklage vor einem anderen
    Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht angegriffen worden ist oder wenn beim Amt
    bereits ein Antrag auf Erklärung der Nichtigkeit des eingetragenen Gemeinschafts-
    geschmacksmusters gestellt worden ist.
(2) Ist beim Amt ein Antrag auf Erklärung der Nichtigkeit des eingettagenen Gemein-
    schaftsgeschmacksmusters gestellt worden, so setzt es das Verfahren, soweit keine
    besonderen Gründe für dessen Fortsetzung bestehen, von Amts wegen nach Anhörung
    der Parteien oder auf Antrag einer Partei nach Anhörung der anderen Parteien aus, wenn
    die Rechtsgültigkeit des eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters bereits aufgrund
    einer Widerklage vor einem Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht angegriffen worden
                                            104
 ---pagebreak---      ist. Das Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht kann jedoch auf Antrag einer Partei des
     bei ihm anhängigen Verfahrens nach Anhörung der anderen Parteien das Verfahren
     aussetzen. In diesem Fall setzt das Amt das bei ihm anhängige Verfahren fort.
(3)  Setzt das Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht das Verfahren aus, kann es für die
     Dauer der Aussetzung einstweilige Maßnahmen einschließlich Sicherungsmaßnahmen
     treffen.
                                           Artikel 96
                        Zuständigkeit der Gemeinschaftsmustergerichte
                            zweiter Instanz - weitere Rechtsmittel
(1)  Gegen Entscheidungen der Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte erster Instanz über
     Klagen und Widerklagen nach Artikel 85 findet die Berufung bei den Gemeinschafts-
     geschmacksmustergerichten zweiter Instanz statt.
(2)  Die Bedingungen für die Einlegung der Berufung bei einem Gemeinschaftsgeschmacks-
     mustergericht zweiter Instanzrichtensich nach dem nationalen Recht des Mitgliedstaates,
     in dem dieses Gericht seinen Sitz hat.
(3)  Die nationalen Vorschriften über weitere Rechtsmittel sind auf die Entscheidungen der
     Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte zweiter Instanz anwendbar.
                                          3. Abschnitt
                 Sonstige Streitigkeiten über Gemeinschaftsgeschmacksmuster
                                           Artikel 97
               Ergänzende Vorschriften über die Zuständigkeit der nationalen
              Gerichte, die keine Gemeinschaftsgeschmacksmustergerichte sind
(1)  Innerhalb des Mitgliedstaates, dessen Gerichte nach Artikel 83 Absatz 1 zuständig sind,
     sind andere als die in Artikel 85 genannten Klagen betreffend Gemeinschaftsge-
      schmacksmuster vor den Gerichten zu erheben, die örtlich und sachlich zuständig wären,
      wenn es sich um Klagen handelte, die ein nationales Musterrecht in diesem Staat
      betreffen.
 (2)  Ist nach Artikel 82 Absatz 1 und nach Absatz 1 dieses Artikels kein Gericht für die
     Entscheidung über andere als die in Artikel 85 genannten Klagen, die ein Gemein-
      schaftsgeschmacksmuster betreffen, zuständig, so kann die Klage vor den Gerichten des
      Mitgliedstaates erhoben werden, in dem das Amt seinen Sitz hat.
                                               105
 ---pagebreak---                                            Artikel 98
                               Bindung des nationalen Gerichts
Das nationale Gericht, vor dem eine nicht unter Artikel 85 fallende Klage betreffend ein
Gemeinschaftsgeschmacksmuster anhängig ist, hat von der Rechtsgültigkeit des Gemeinschafts-
geschmacksmusters auszugehen. Artikel 89 Absatz 2 und Artikel 94 Absatz 2 finden jedoch
entsprechende Anwendung.
                                           TITEL XI
             AUSWIRKUNGEN AUF DAS RECHT DER MITGLIEDSTAATEN
                                           Artikel 99
                   Parallele Klagen aus Gemeinschaftsgeschmacksmustem
                               und aus nationalen Musterrechten
(1)     Werden Klagen wegen Verletzung oder drohender Verletzung wegen derselben Handlun-
      gen und zwischen denselben Parteien bei Gerichten verschiedener Mitgliedstaaten
       anhängig gemacht, von denen das eine Gericht wegen Verletzung eines Gemeinschafts-
      geschmacksmusters und das andere Gericht wegen der Verletzung eines Musterrechts, das
      gleichzeitigen Schutz gewährt, angerufen wird, so hat sich das später angerufene Gericht
      von Amts wegen zugunsten des zuerst angerufenen Gerichts für unzuständig zu erklären.
      Das Gericht, das sich für unzuständig zu erklären hätte, kann die Entscheidung aussetzen,
       wenn die Unzuständigkeit des anderen Gerichts geltend gemacht wird.
(2)   Das wegen Verletzung oder drohender Verletzung eines Gemeinschaftsgeschmacks-
       musters angerufene Gemeinschaftsgeschmacksmustergericht weist die Klage ab, wenn
       wegen derselben Handlungen zwischen denselben Parteien ein rechtskräftiges Urteil in
       der Sache aufgrund eines Musterrechts, das gleichzeitigen Schutz gewährt, ergangen ist.
(3)    Das wegen Verletzung oder drohender Verletzung eines nationalen Musterrechts
       angerufene Gericht weist die Klage ab, falls wegen derselben Handlungen zwischen
       denselben Parteien ein rechtskräftiges Urteil in der Sache aufgrund eines Gemeinschafts-
       geschmacksmusters, das gleichzeitigen Schutz gewährt, ergangen ist.
(4)    Die vorstehenden Absätze gelten nicht für einstweilige Maßnahmen, einschließlich
       Sicherungsmaßnahmen.
                                           Artikel 100
                  Verhältnis zu anderen Schutzformen nach nationalem Recht
(1)    Diese Verordnung läßt das Recht unberührt, Klagen betreffend Muster, die als Gemein-
       schaftsgeschmacksmuster geschützt sind, auf Rechtsvorschriften der Gemeinschaft oder
       eines Mitgliedstaats über Marken oder sonstige Unterscheidungszeichen, Patente und
       Gebrauchsmuster, Schriftbilder, zivilrechtliche Haftung und unlauteren Wettbewerb zu
       stützen.
                                               106
 ---pagebreak--- (2)   Bis zu einer weiteren Angleichung der Urheberrechte der Mitgliedstaaten ist ein als
      Gemeinschaftsgeschmacksmuster geschütztes Muster ab dem Tage der Schaffung des
      Musters oder dem Tag seiner Festlegung in irgendeiner Form, unabhängig von der
      Anzahl der Erzeugnisse, in die dieses Muster aufgenommen oder bei denen es verwendet
      werden soll, und unabhängig davon, ob sich das Muster von den Erzeugnissen, in die es
      aufgenommen oder bei denen es verwendet werden soll, trennen läßt, auch nach diesen
      Urheberrechten schutzfähig. In welchem Umfang und unter welchen Bedingungen ein
      solcher Schutz gewährt wird, wird einschließlich der erforderlichen Gestaltungshöhe vom
      jeweiligen Mitgliedstaat festgelegt.
(3)   Ein Mitgliedstaat gewährt einem als Gemeinschaftsgeschmacksmuster geschützten
      Muster, das die Voraussetzungen seines Urheberrechtes erfüllt, den daraus folgenden
       Schutz selbst dann, wenn es in einem anderen Mitgliedstaat, der das Ursprungsland des
      Musters ist, die Voraussetzungen für den Schutz nach Maßgabe des Urheberrechts dieses
       Staates nicht erfüllt.
                                           TITEL XII
                DAS GESCHMACKSMUSTERAMT DER GEMEINSCHAFT
                                          1. Abschnitt
                                  Allgemeine Bestimmungen
                                           Artikel 101
                                         Rechtsstellung
(1)    Das Amt ist eine Einrichtung der Gemeinschaft mit Rechtspersönlichkeit.
(2)    Das Amt hat seinen Sitz am Sitz des Markenamtes der Gemeinschaft.
(3)    Es besitzt in jedem Mitgliedstaat die weitestgehende Rechts- und Geschäftsfähigkeit, die
      juristischen Personen nach dessen Rechtsvorschriften zuerkannt ist; es kann insbesondere
       bewegliches und unbewegliches Vermögen erwerben und veräußern sowie vor Gericht
       stehen. Zu diesem Zweck wird es von seinem Präsidenten vertreten.
                                           Artikel 102
                                   Verwaltungsdienststellen
Das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft kann sich nach den Voraussetzungen der nach
der Verordnung des Rates über die Gemeinschaftsmarke (EWG) Nr. .../...(3) erlassenen
Durchführungsverordnung und nach denen dieser Verordnung an die Verwaltungsstellen des
Markenamtes der Gemeinschaft wenden.
 (3)
     ABl. Nr. L
                                               107
 ---pagebreak---                                           Artikel 103
                                            Personal
(1)    Die Vorschriften des Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften, der
       Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen Bediensteten und der im gegenseitigen
       Einvernehmen der Organe dieser Gemeinschaften erlassenen Regelungen zur Durch-
       führung dieser Vorschriften gelten für das Personal des Amtes, unbeschadet der
       Anwendung des Artikels 118 auf die Mitglieder der Beschwerdekammern.
(2)    Das Amt übt unbeschadet der Anwendung von Artikel 108 die der Ausstellungsbehörde
       im Statut und in den Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen Bediensteten
       übertragenen Befugnisse gegenüber seinem Personal aus.
                                          Artikel 104
                                  Vorrechte und Immunitäten
Das Protokoll über die Vorrechte und Befreiungen der Europäischen Gemeinschaften gilt für
das Amt.
                                          Artikel 105
                                            Haftung
(1)    Die vertragliche Haftung des Amtes bestimmt sich nach dem Recht, das auf denbetref-
       fenden Vertrag anzuwenden ist.
(2)    Der Gerichtshof ist für Entscheidungen aufgrund einer Schiedsklausel zuständig, die in
       einem vom Amt geschlossenen Vertrag enthalten ist.
(3)    Im Bereich der außervertraglichen Haftung ersetzt das Amt den durch seine Dienststellen
       oder Bediensteten in Ausübung ihrer Amtstätigkeit verursachten Schaden nach den
       allgemeinen Rechtsgrundsätzen, die den Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten gemeinsam
       sind.
(4)    Für Streitigkeiten über den Schadensersatz gemäß Absatz 3 ist der Gerichtshof zuständig.
(5)    Die persönliche Haftung der Bediensteten gegenüber dem Amt bestimmt sich nach den
       Vorschriften ihres Statuts oder der für sie geltenden Beschäftigungsbedingungen.
                                          Artikel 106
                                 Zuständigkeit des Gerichtshofs
Der Gerichtshof ist für die gegen das Amt gerichteten Klagen unter den Voraussetzungen der
 Artikel 173 und 175 des Vertrages zuständig, soweit die fragliche Entscheidung nicht
Gegenstand einer Beschwerde an die Beschwerdekammer nach den Vorschriften dieser
Verordnung ist.
                                               108
 ---pagebreak---                                           2. Abschnitt
                                     Leitung des Amtes
                                          Artikel 107
                                 Befugnisse des Präsidenten
(1)  Das Amt wird von einem Präsidenten geleitet.
(2)  Zusätzlich zu den dem Präsidenten durch diese Verordnung übertragenen Befugnissen
     a) trifft er alle für die Tätigkeit des Amtes zweckmäßigen Maßnahmen, einschließlich
          des Erlasses interner Verwaltungsvorschriften und der Veröffentlichung von
          Mitteilungen;
     b) kann er der Kommission nach Anhörung des Verwaltungsrates Entwürfe für Ände-
          rungen dieser Verordnung, soweit sie sich auf das eingetragene Gemeinschaftsge-
          schmacksmuster erstreckt, der Durchführungsverordnung, der Verfahrensordnung der
          Beschwerdekammern, der Gebührenordnung und jeder anderen Regelung, die auf
          eingetragene Gemeinschaftsgeschmacksmuster Anwendung findet, vorlegen;
     c) legt er der Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Verwaltungsrat
          jedes Jahr einen Tätigkeitsbericht vor;
     d) übt er gegenüber seinem Personal die in Artikel 103 Absatz 1 niedergelegten Befug-
          nisse aus;
     e) kann er seine Befugnisse übertragen.
(3 ) Der Präsident wird von mehreren Vizepräsidenten unterstützt. Ist der Präsident verhindert,
     wird er nach dem vom Verwaltungsrat festgelegten Verfahren von einem Vizepräsidenten
     vertreten.
                                          Artikel 108
                                  Ernennung hoher Beamter
(1)  Der Präsident des Amtes wird aus einer Liste von drei Kandidaten, die der Verwaltungs-
     rat aufstellt, von der Kommission ausgewählt und ernannt. Der Präsident wird von der
     Kommission auf Vorschlag des Verwaltungsrates entlassen.
(2)  Die Amtszeit des Präsidenten beträgt nicht mehr als fünf Jahre. Die Wiederwahl ist
     zulässig.
(3)  Der Vizepräsident oder die Vizepräsidenten des Amtes werden nach Anhörung des
     Präsidenten nach dem in Absatz 1 vorgesehenen Verfahren ernannt und entlassen.
(4)  Die Kommission übt die Disziplinargewalt über die in den Absätzen 1 und 3 genannten
     Bediensteten aus.
                                              109
 ---pagebreak---                                          3. Abschnitt
                                        Verwaltungsrat
                                          Artikel 109
                                  Errichtung und Befugnisse
Beim Amt wird ein Verwaltungsrat gebildet.
Zusätzlich zu den durch andere Vorschriften dieser Verordnung eingeräumten hat er die
nachfolgend festgelegten Befugnisse.
(a)   Er legt den Tag fest, an dem gemäß Artikel 128 Absatz 3 Anmeldungen von eingetrage-
      nen Gemeinschaftsgeschmacksmustem erstmals eingereicht werden können.
(b)   Er berät den Präsidenten in Fragen, die in den Zuständigkeitsbereich des Amtes fallen.
(c)   Er wird vor der Genehmigung von Leitlinien für das vom Amt durchgeführte Verfahren
      der Prüfung auf Formerfordernisse und das Nichtigkeitsverfahren sowie in den anderen
      in dieser Verordnung vorgesehenen Fällen gehört.
(d)   Er führt in regelmäßigen Abständen einen Meinungsaustausch über die im Rahme des
      nach Maßgabe des Artikels 125 geschaffenen Systems für den Informationsaustausch
      mitgeteilte Entwicklung der Rechtsprechung durch.
(e)   Soweit er es für notwendig erachtet, kann er Stellungnahmen abgeben und den Präsiden-
      ten und die Kommission um Auskunft ersuchen.
                                          Artikel 110
                                      Zusammensetzung
(1)   Der Verwaltungsrat besteht aus je einem Vertreter der Regierung jedes Mitgliedstaats und
      einem Vertreter der Kommission sowie aus je einem Stellvertreter.
(2)   Die Mitglieder des Verwaltungsrates können im Rahmen der Geschäftsordnung Berater
      oder Sachverständige hinzuziehen.
                                          Artikel 111
                                            Vorsitz
(1)   Der Verwaltungsrat wählt aus seinen Mitgliedern einen Vorsitzenden und einen stellver-
      tretenden Vorsitzenden. Ist der Vorsitzende verhindert, so nimmt der stellvertretende
      Vorsitzende seine Stelle ein.
(2)   Die Amtszeit des Vorsitzenden und des stellvertretenen Vorsitzenden beträgt drei Jahre.
      Die Wiederwahl ist zulässig.
                                              110
 ---pagebreak---                                            Artikel 112
                                           Tagungen
(1)    Der Verwaltungsrat wird von seinem Vorsitzenden einberufen.
(2)    Der Präsident des Amtes nimmt, sofern der Verwaltungsrat nicht anders entscheidet, an
       den Beratungen teil. Er hat kein Stimmrecht.
(3)    Der Verwaltungsrat hält jährlich eine ordentliche Tagung ab; außerdem tritt er auf
       Veranlassung seines Vorsitzenden oder auf Antrag der Kommission oder eines Drittels
       seiner Mitglieder zusammen.
(4)    Er gibt sich eine Geschäftsordnung.
(5)    Der Verwaltungsrat faßt seine Beschlüsse mit der einfachen Mehrheit der Vertreter der
       Mitgliedstaaten. Jedoch ist eine Dreiviertelmehrheit der Vertreter der Mitgliedstaaten für
       die Beschlüsse erforderlich, zu denen der Verwaltungsrat nach Artikel 108 Absatz 1 und
       Absatz 3 befugt ist. In beiden Fällen hat jeder Mitgliedstaat eine Stimme.
(6)    Der Verwaltungsrat kann Beobachter zu seinen Tagungen einladen.
(7)    Das Sekretariat für den Verwaltungsrat wird vom Amt gestellt.
                                          4. Abschnitt
                                  Durchführung der Verfahren
                                           Artikel 113
                                          Zuständigkeit
Die folgenden Dienststellen des Amtes sind für Entscheidungen im Zusammenhang mit den in
dieser Verordnung vorgeschriebenen Verfahren zuständig:
a)     die Formalprüfungsabteilungen;
b)     die Musterverwaltungs- und Rechtsabteilung;
c)     die Nichtigkeitsabteilungen;
d)     die Beschwerdekammern.
                                           Artikel 114
                                   Formalprüfungsabteilungen
Die Formalprüfungsabteilungen sind für Entscheidungen im Zusammenhang mit der Anmeldung
 des eingettagenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters zuständig.
                                                111
 ---pagebreak---                                          Artikel 115
                          Musterverwaltungs- und Rechtsabteilung
(1) Die Musterverwaltungs- und Rechtsabteilung ist zuständig für Entscheidungen aufgrund
    dieser Verordnung, die nicht in die Zuständigkeit einer Formalprüfungsabteilung oder
    einer Nichtigkeitsabteilung fallen. Sie ist insbesondere zuständig für Entscheidungen über
    Eintragungen und Löschungen von Angaben im Register.
(2) Sie ist auch für die Führung der in Artikel 82 genannten Liste der zugelassenen Vertreter
    zuständig.
(3) Entscheidungen der Abteilung ergehen durch eines ihrer Mitglieder.
                                         Artikel 116
                                  Nichtigkeitsabteilungen
(1) Die Nichtigkeitsabteilungen sind zuständig für Entscheidungen im Zusammenhang mit
    einem Antrag auf Erklärung der Nichtigkeit eines eingetragenen Gemeinschaftsge-
    schmacksmusters.
(2) Eine Nichtigkeitsabteilung setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen. Mindestens zwei
    Mitglieder müssen rechtskundig sein.
                                         Artikel 117
                                    Beschwerdekammern
(1) Die Beschwerdekammem sind zuständig für Entscheidungen über Beschwerden gegen
    Entscheidungen der Formalprüfungsabteilungen, der Musterverwaltungs- und Rechts-
    abteilung und der Nichtigkeitsabteilungen.
(2) Eine Beschwerdekammer setzt sich aus drei Mitgliedern zusammen. Mindestens zwei
    Mitglieder müssen rechtskundig sein.
                                         Artikel 118
                 Unabhängigkeit der Mitglieder der Beschwerdekammem
(1) Die Mitglieder der Beschwerdekammem einschließlich ihrer Vorsitzenden werden nach
    dem in Artikel 108 vorgesehenen Verfahren für einen Zeitraum von fünf Jahren ernannt.
    Sie können während dieses Zeitraums ihrer Funktion nicht enthoben werden, es sei denn,
    daß schwerwiegende Gründe vorliegen und der Gerichtshof auf Antrag des Organs, das
    sie ernannt hat, einen entsprechenden Beschluß faßt. Ihre Wiederernennung ist zulässig.
(2) Die Mitglieder der Kammern genießen Unabhängigkeit. Bei ihren Entscheidungen sind
    sie an keinerlei Weisung gebunden.
                                              112
 ---pagebreak--- (3) Die Mitglieder der Kammern dürfen weder Mitglieder einer anderen Dienststelle des
    Amtes noch Mitglieder einer Dienststelle des Markenamtes der Gemeinschaft mit
    Ausnahme seiner Beschwerdekammem sein.
                                        Artikel 119
                               Ausschließung und Ablehnung
(1) Die Mitglieder der Nichtigkeitsabteilung und der Beschwerdekammem dürfen nicht an
    einem Verfahren mitwirken, an dem sie ein persönliches Interesse haben oder an dem sie
    vorher als Vertreter eines Beteiligten tätig gewesen sind. Die Mitglieder der Be-
    schwerdekammem dürfen nicht an Beschwerdeverfahren mitwirken, wenn sie an der
    Entscheidung, gegen die Beschwerde erhoben wurde, mitgewirkt haben.
(2) Glaubt ein Mitglied der Nichtigkeitsabteilung oder einer Beschwerdekammer, aus einem
    der in Absatz 1 genannten Gründe oder aus einem sonstigen Grund an einem Verfahren
    nicht mitwirken zu können, so teilt es dies der Abteilung oder der Kammer mit.
(3) Die Mitglieder der Nichtigkeitsabteilung oder der Beschwerdekammem können von
    jedem Beteiligten aus einem der in Absatz 1 genannten Gründe oder wegen Besorgnis
    der Befangenheit abgelehnt werden. Die Ablehnung ist nicht zulässig, wenn der Beteiligte
    im Verfahren Anträge gestellt oder Stellungnahmen abgegeben hat, obwohl er bereits den
    Ablehnungsgrund kannte. Die Ablehnung kann nicht mit der Staatsangehörigkeit der Mit-
    glieder begründet werden.
(4) Die Nichtigkeitsabteilung und die Beschwerdekammem entscheiden in den Fällen der
    Absätze 2 und 3 ohne Mitwirkung des betroffenen Mitglieds. Bei dieser Entscheidung
    wird das Mitglied, das glaubt, nicht mitwirken zu können, oder abgelehnt wird, durch
     seinen Vertteter ersetzt.
                                        Artikel 120
              Ernennung der Mitglieder der Nichtigkeitsabteilungen und der
                    Beschwerdekammem während einer Übergangsfrist
(1) Während einer Übergangsfrist, deren Ablauf von der Kommission auf Vorschlag des
     Präsidenten des Amtes festgelegt wird, kann der Präsident bei den Zentralbehörden für
     den gewerblichen Rechtsschutz eines Mitgliedstaats oder beim Benelux-Musteramt oder
     bei den Gerichten oder anderen Behörden der Mitgliedstaaten beschäftigte Personen, die
     über Erfahrung in Fragen betreffend die Rechtsgültigkeit von Musterrechten oder die
     Anmeldung solcher Rechte in den Mitgliedstaaten verfügen, auf der Grundlage von
     Verträgen mit kurzer Laufzeit zu Mitgliedern der Nichtigkeitsabteilungen ernennen. Diese
     Personen dürfen ihr bestehendes Beschäftigungverhältnis fortsetzen. Ihre Wieder-
     emennung ist zulässig.
                                             113
 ---pagebreak--- (2)  Während einer Übergangsfrist, deren Ablauf von der Kommission auf Vorschlag des
     Präsidenten des Amtes festgelegt wird, kann die Kommission Mitglieder von Gerichten
     oder anderen Behörden der Gemeinschaft oder der Mitgliedstaaten, die ihre Tätigkeit in
     dem ursprünglichen Gericht oder der ursprünglichen Behörde fortsetzen dürfen, zu
     Mitgliedern der Beschwerdekammem ernennen. Diese Personen können für einen
     Zeitraum von weniger als fünf Jahren, nicht aber für einen Zeitraum von weniger als
     einem Jahr ernannt werden. Ihre Wiederernennung ist zulässig.
                                        5. Abschnitt
                                   Finanzbestimmungen
                                        Artikel 121
                                          Haushalt
(1)  Die Einnahmen des Amtes setzen sich aus den Gebühren zusammen, die nach den
     Vorschriften dieser Verordnung bezahlt werden, und soweit erforderlich aus einem
     Beitrag der Gemeinschaft.
(2)  Die Ausgaben umfassen die Personal-, Verwaltungs-, Infrastruktur- und Betriebskosten.
(3)  Spätestens bis zum 15. Februar jedes Jahres erstellt der Präsident einen Vorentwurf des
     Haushaltsplans mit den Betriebskosten sowie das Arbeitsprogramm für das folgende
     Haushaltsjahr und legt diesen Vorentwurf zusammen mit einem Organisationsplan dem
     Verwaltungsrat vor.
(4)  Der Haushaltsplan ist in Einnahmen und Ausgaben auszugleichen.
(5)  Spätestens bis zum 31. März jedes Jahres stellt der Verwaltungsrat den Entwurf des
     Haushaltsplans auf und legt ihn zusammen mit dem Organisationsplan der Kommission
     vor, die auf dieser Grundlage die entsprechenden Voranschläge im Vorentwurf des
     Gesamthaushaltsplans der Europäischen Gemeinschaften vornimmt.
(6)  Der Verwaltungsrat nimmt den entgültigen Haushaltsplan des Amtes vor Beginn des
     Haushaltsjahrs an, wenn nötig unter Anpassung an den Beitrag der Gemeinschaft und an
     die anderen Mittel des Amtes.
(7)  Der Präsident führt den Haushaltsplan des Amtes aus.
 (8) Die Kontrolle der Mittelbindungen und Zahlungen bezüglich aller Ausgaben des Amtes
     sowie die Kontrolle der Feststellung und Einziehung aller Einnahmen des Amtes erfolgen
     durch den Finanzkontrolleur der Kommission.
 (9) Spätestens bis zum 31. März jedes Jahres legt der Präsident der Kommission, dem
     Verwaltungsrat und dem Rechnungshof die Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben
     des Amtes während des vorangegangenen Haushaltsjahres vor.
                                            114
                                                                                             (8
 ---pagebreak---        Der Rechnungshof prüft diese in Übereinstimmung mit Artikel 206a des Vertrages.
(10) Der Verwaltungsrat erteilt dem Präsidenten Entlastung zur Ausführung des Haushalts-
       plans.
(11) Nach Rücksprache mit der Kommission und dem Rechnungshof verabschiedet der
       Verwaltungsrat die internen Finanzvorschriften.
                                         Artikel 122
                                          Gebühren
Die Höhe der Gebühren nach dieser Verordnung wird von der Kommission nach Anhörung des
in Artikel 126 genannten Ausschusses festgelegt.
                                         TITEL Xm
                                SCHLUSSBESTIMMUNGEN
                                         Artikel 123
                                        Amtssprachen
Die Amtssprachen und die Verfahrenssprachen vor dem Amt stimmen mit denjenigen des
Markenamts der Gemeinschaft überein.
                                         Artikel 124
                      Gemeinschaftliche Durchführungsbestimmungen
Die Einzelheiten der Anwendung dieser Verordnung, insbesondere die Bestimmungen zur
Einreichung der Anmeldungen, Sammelanmeldungen, Überprüfung der Formvorschriften,
Eintragungen, Bekanntmachung, Aufschiebung der Bekanntmachung und die Verfahrensvor-
schriften der Beschwerdekammem, werden in einer Durchführungsverordnung in Überein-
stimmung mit dem in Artikel 126 festgelegten Verfahren geregelt
                                         Artikel 125
                            System für den Informationsaustausch
Ein System für den Austausch von Informationen über Entscheidungen, die die Erfüllung der
Schutzvoraussetzungen sowohl für Gemeinschaftsgeschmacksmuster als auch für Musterrechte
von Mitgliedstaaten betreffen, wird hiermit geschaffen. In der Durchführungsverordnung wird
festgelegt, wie und von welcher Behörde dieses System betrieben wird.
                                             115
 ---pagebreak---                                          Artikel 126
                              Einsetzung eines Ausschusses und
                  Verfahren für die Annahme der Durchführungsvorschriften
Die Kommission wird von einem Ausschuß mit beratender Funktion bei den Gebühren, der
Durchführungsordnung und der Verfahrensordnung der Beschwerdekammem unterstützt, der
sich aus den Vertretern der Mitgliedstaaten zusammensetzt und in dem der Vertreter der
Kommission den Vorsitz führt.
Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden
Maßnahmen. Der Ausschuß gibt eine Stellungnahme zu diesem Entwurf innerhalb einer Frist
ab, die der Vorsitzende unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der betreffenden Frage
erforderlichenfalls durch eine Abstimmung - fetsetzen kann.
Die Stellungnahme wird in das Protokoll aufgenommen; darüber hinaus hat jeder Mitgliedstaat
das Recht zu verlangen, daß sein Standpunkt im Protokoll festgehalten wird.
Die Kommission berücksichtigt soweit wie möglich die Stellungnahme des Ausschusses. Sie
unterrichtet den Ausschuß darüber, inwieweit sie seine Stellungnahme berücksichtigt hat.
                                          Artikel 127
                                       Gebührenordnung
(1)   Die Gebührenordnung bestimmt insbesondere die Höhe der zu zahlenden Gebühren und
       die Art und Weise, wie sie zu entrichten sind.
(2)    Außer den in dieser Verordnung bereits vorgesehenen Gebühren werden Gebühren für
       die nachstehend aufgeführten Tatbestände nach Maßgabe der Durchführungsverordnung
       erhoben:
       a) verspätete Bezahlung der Eintragungsgebühr,
      b) verspätete Bezahlung der Bekanntmachungsgebühr,
       c) verspätete Bezahlung der Gebühr für die Aufschiebung der Bekanntmachung,
       d) verspätete Bezahlung der zusätzlichen Gebühren für Sammelanmeldungen,
       e) Ausstellung einer Kopie der Eintragungsurkunde,
       f) Eintragung der Übertragung eines eingettagenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters,
       g) Eintragung einer Lizenz oder eines anderen Rechts an einem eingetragenen Gemein-
             schaftsgeschmacksmuster,
       h) Löschung der Eintragung einer Lizenz oder eines anderen Rechts,
       i)    Ausstellung eines Registerauszugs,
      j)     Akteneinsicht,
       k) Ausstellung von Kopien von Unterlagen aus den Akten,
       1) Mitteilung von Informationen aus einer Akte,
       m) Überprüfung der Festsetzung der zu erstattenden Verfahrenskosten,
       n) Ausstellung von beglaubigten Kopien der Anmeldung.
                                              116
 ---pagebreak--- (3)   Die Höhe der Gebühren ist so zu bemessen, daß die diesbezüglichen Einnahmen
       grundsätzlich ausreichen, damit Einnahmen und Ausgaben des Amtes ausgeglichen sind.
                                          Artikel 128
                                         Inkrafttreten
(1)   Diese Verordnung tritt am 60. Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der
      Europäischen Gemeinschaften in Kraft.
(2)    Anmeldungen von eingettagenen Gemeinschaftsgeschmacksmustem können von dem
       vom Verwaltungsrat auf Empfehlung des Präsidenten festgelegten Tag an beim Amt
       eingereicht werden.
(3)    Anmeldungen von eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmustem, die in den letzten
       drei Monaten vor dem Stichtag gemäß Absatz 2 eingereicht werden, gelten als an diesem
       Tag eingereicht.
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
Mitgliedstaat.
Geschehen zu Brüssel am
                             Im Namen des Europäischen Parlaments      Im Namen des Rates
                             Der Präsident                             Der Präsident
                                              117
 ---pagebreak---                                    FINANZBOGEN
1.  TM
    Vorschlag für eine Verordnung (EWG) des Rates über das Gemeinschaftsgeschmacks-
    muster
2.  Haushaltslinie
    B5-305, neu einzuführen
3.  Rechtsgrundlage
    Artikel 100 a EWG-Vertrag
4.  Beschreibung des Vorhabens
4.1 Besondere Ziele
    Mit der vorgeschlagenen Verordnung wird ein gemeinschaftsweites einheitliches Schutz-
    system für die Arbeit von Gestaltem geschaffen, wobei es zwei Arten von Gemein-
    schaftsgeschmacksmustem - ein eingetragenes und ein nicht eingetragenes Geschmacks-
    muster geben wird. Ein solches Musterrecht gibt dem Gestalter die Möglichkeit, eine
    Verletzung seines Musters durch Dritte abzuwehren. Ein Gemeinschaftssytem wirkt dem
    Problem entgegen, das sich aus den geltenden einzelstaatlichen Geschmacksmustergeset-
    zen ergibt und insbesondere darin besteht, daß in verschiedenen Mitgliedstaaten kollidie-
    rende Rechte bestehen können, die sich sicherlich negativ auf das Funktionieren des
    Binnenmarktes auswirken.
    Die Einführung eines eingetragenen Gemeinschaftsgeschmacksmusters macht die Errich-
    tung eines Geschmacksmusteramtes der Gemeinschaft erforderlich, das über die
    notwendige Rechts-, Verwaltungs- und Finanzautonomie verfügt, um die mit der
    Eintragung verbundenen Aufgaben wahrzunehmen. Dieses Amt soll eine ähnliche
    Struktur haben wie das Markenamt der Gemeinschaft, das in der Mitteilung der
    Kommission an den Rat vom 25. November 1980 über eine Verordnung über die
    Gemeinschaftsmarke, geändert am 9. August 1984 (ABI. C 230 vom 31.8.1984),
    vorgeschlagen wurde.
                                           118
 ---pagebreak---     Das Amt wird aus insgesamt vier Abteilungen bestehen, und zwar einer Abteilung für
    die Formalprüfung, einer Nichtigkeitsabteilung, einer Musterverwaltungs- und
    Rechtsabteilung sowie Beschwerdekammem. In vielen Fällen dürften sich die
    Verwaltungsaufgaben des Geschmacksmusteramts mit denen des Markenamts über-
    schneiden, so daß zum Beispiel in der Verwaltung deutliche Einsparungen möglich
    wären, falls beide Ämter sich einige Verwaltungsdienste teilen würden.
4.2 Zeitplan
    Die Durchführung der Verordnung wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Bis das
    Geschmacksmusteramt in Dienst gestellt werden kann, dürften bis zu zwei Jahre
    vergehen. Voll einsatzfähig wird das Amt voraussichtlich nach weiteren drei bis fünf
    Jahren nach seiner Errichtung sein. Dieser Zeitraum sollte im Idealfall vier Jahre betragen
    - s.u. Absatz 7.4. Die mit dem Amt verbundenen Kosten dürften dann durch Eintragungs-
    gebühren und andere Gebühren gedeckt werden.
    Zum jetzigen Zeitpunkt kann jedoch weder gesagt werden, wann mit den Arbeiten
    begonnen wird, noch wann das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft in Dienst
    gestellt werden wird. In jedem Fall werden die Arbeiten nicht vor 1996 aufgenommen.
4.3 Betroffener Personenkreis
    Der Geschmacksmusterschutz auf Gemeinschaftsebene betrifft sowohl die Anmelder und
    Inhaber von Gemeinschaftsgeschmacksmustem als auch die Personen, die mit Mustern
    handeln oder Muster verletzen. Das Vorhaben ist daher für zahlreiche Industriezweige
    der Mitgliedstaaten relevant.
    Abgesehen vom neuen Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft wird sich das Vorhaben
    auch auf andere Institutionen der Gemeinschaft auswirken, d.h. auf das Markenamt der
    Gemeinschaft, den Gerichtshof (der in der Verordnung als Rechtsmittelinstanz vorgesehen
    ist) und die Kommission, da sie zur Teilnahme an bestimmten Musterschutzverfahren vor
    dem Geschmacksmusteramt berechtigt ist.
5.  Bestimmung der Einnahmen und Ausgaben
5.1 NOA
5.2 Getrennte Mittel
                                            119
 ---pagebreak--- 6.  Art der Einnahmen und Ausgaben
6.1 Zuschuß von 100 %
    In den ersten zwei Jahren vor Eröffnung des Geschmacksmusteramts werden die
    Ausgaben im ersten Jahr mit 1.570.000 ECU und im zweiten Jahr mit 2,254.540 ECU
    veranschlagt. Davon sollen die Kosten für die Errichtung und Indienststellung des Amts
    bestritten werden. Da dem Amt in dieser Zeit keine Gebühren zufließen, müssen die
    erforderlichen Mittel durch Zuschüsse aufgebracht werden. Es wird davon ausgegangen,
    daß das Markenamt der Gemeinschaft zu diesem Zeitpunkt bereits bestehen wird, so daß
    die Kosten für die Errichtung des Geschmacksmusteramts niedriger sein könnten, als dies
    sonst der Fall wäre.
6.2 Kofinanzierung
    Nach seiner Eröffnung werden dem Amt bereits Einnahmen in Form von Gebühren
    zufließen, so daß Zuschüsse zur Deckung der Ausgaben nur für einen Zeitraum von etwa
    vier Jahren notwendig sein werden. Danach dürfte das Amt voll einsatzfähig sein und
    sich selbst tragen. Nur wenn dies nicht der Fall sein sollte, müßte die Gemeinschaft ihre
    Bezuschussung so lange fortsetzen, bis ein Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben
    erreicht ist. Diese Zuschüsse werden aufjeden Fall schrittweise gesenkt, um sicherzustel-
    len, daß das Amt seine Kosten aus den Gebühreneinnahmen deckt, sobald dies tatsächlich
    möglich ist. Durch eine angemessene Festlegung der Gebührenhöhe kann auf den Zeit-
    punkt, wann Ein- und Ausgaben ausgeglichen sein werden, in einem gewissen Umfang
    Einfluß genommen werden. Dies wird in Absatz 7.4 eingehender erklärt. Gleichzeitig
    wird aber darauf hingewiesen, daß die Sicherheit einer solchen Annahme begrenzt ist,
    zumal Verlängerungsgebühren erst ab dem fünften Jahr bezahlt werden müssen und diese
    eine Haupteinnahmequelle darstellen.
6.3 Zinsen
    Keine
6.4 Sonstiges
    Nein
6.5 Rückzahlung
    Nein
6.6 Änderung der Einnahmenhöhe
    Nein
                                            120
 ---pagebreak--- 7.  Finanzielle Auswirkungen
7.1 Gesamtkosten des Vorhabens
    Die Anfangskosten für die Errichtung des Geschmacksmusteramts werden mit 1.570.000
    ECU bzw. 2.254.540 ECU für die ersten zwei Jahre vor Indienststellung des Amts
    (insgesamt 3.824.540 ECU) veranschlagt. Wann das Amt tatsächlich eröffnet wird, ist
    allerdings noch unklar. Die vorstehenden Zahlen ergeben sich aus den direkten
    Personalkosten, d.h. Löhnen und Gehältern, den Personalnebenkosten wie Arbeitslosen-,
    Renten-, Krankenversicherung usw., der Erbringung von Dienstleistungen für das
    Geschmacksmusteramt und der Erstausstattung mit u. a. Computern.
    Hierzu gehören nicht nur der Computer, der die allgemeinen Verwaltungsaufgaben des
    Amtes zu erledigen hat. Ein Großcomputer wird das Hauptinstrument für die Musterein-
    tragung sein, welche die Daseinsberechtigung des Amtes ist, und muß mit größter
    Zuverlässigkeit die vielen Aufgaben in Verbindung mit der Eintragung und allen nachfol-
    genden Vorgängen, einschließlich Rechtsklagen, übernehmen, die sich möglicherweise
    während eines langen Zeitraums aus der Eintragung ergeben können. Soll das Amt
    effizient und kostengünstig arbeiten, so braucht es einen leistungsfähigen Computer, der
    dem neuesten Stand der Technik entspricht und in der Lage ist, Schriftzeichen und Bilder
    optisch abzulesen und zu speichern und diese mit verschiedenen Daten in Verbindung
    zu bringen und auf verschiedene Weise der Nachfrage entsprechend widerzugeben.
    Die Kosten werden daher unvermeidbar hoch sein und werden vor Eröffnung des Amts
    anfallen. Es handelt sich jedoch um eine einmalige Anschaffung.
                                             121
 ---pagebreak--- 7.2          Mittelbedarf in ECU
   Jahr                                                           -2                                             -1                                                         1                                                            2
  Personalkosten                                                  10                                             14                                                    22                                                              45
  insgesamt
  Personalkosten                               670.000                                                    966.140                                        1.564.200                                                        3.294.000
   (i.i)
   Personalkosten                              200.000                                                    288.400                                              466.400                                                         983.250
   (1.2)
   Ausstattung (2)                              700.000                                                1.000.000                                               750.000                                          '            "250.000
   insgesamt                                  1.570.000                                               2.254.540                                         2.780.600                                                         4.527.250
             Das Jahr "-2" ist das erste der beiden Jahre vor Eröffnung des Amtes. Der frühestmögli-
             che Termin für "-2" wäre 1996; aller Wahrscheinlichkeit ist dieser Termin jedoch nicht
             einzuhalten. In den Zahlen wurde eine jährliche Inflationsrate berücksichtigt.
7.3          Voraussichtlicher Zeitplan
                                 ECU                                                                                 VE                                                                                                     ZE
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   Jahr          -2              (1996?)                                                                   1.570.000                                                                                       1.570.000
   Jahr
  11
                 -1              (1997?)                                                                  2.254.540                                                                                        2.254.540
          !•••!•   I i in il i i i um » •—— m    P •• » • ! • • • um «•»>  - i i m  i — i l — ^  ••••        "•'   • •' i —•• "       •'"       • " ^ " * •"•' •*'*'    "••• - " • • um. • • • • •*•*«•»•• . « i . * » .           i •   u   • n»ii^-   n.     -i.i
   Jahr          +1               (1997?)                                                                 2.780.600                                                                                        2.780.600
               .                                                          .I    p »                              M                    ,            . i i                     —        •           • - -   -                            -   -                 •
   Jahr          +2               (1998?)                                                                 4.527.250                                                                                        4.527.250
Usaaeasa           i t\ mmtaœmmmÊmmmmÊmmÊmmmme*sgsBssesxaszass ». < i, ••                                                                 i'„, .                     i»       ; • r„", t                       •               . ' ',-.,         • , ,•, • / i
             Als Jahr -2 wird das Jahr 1996 angenommen, doch wie bereits erläutert, ist ein späterer
             Zeitpunkt durchaus wahrscheinlich. Ab dem Jahr +1 werden sich die Gebühreneinnahmen
             den Ausgaben stärker annähern, bis ein vollständiger Ausgleich erzielt ist.
7.4          Voraussichtliche Gebuhreneinnahmen
             Es besteht eine Vielzahl verschiedener Gebühren. Interessant ist das fünfte Jahr nach der
             Eröffnung des Amts (das Jahr der Eröffnung plus fünf Jahre), weil dann zum ersten Mal
             Verlängerungsgebühren gezahlt werden müssen. Die Verlängerungsgebühren werden
             relativ hoch angesetzt, so daß sie eine bedeutende Einnahmequelle darstellen. Bis dahin
                                                                                                             122
 ---pagebreak---     werden die wichtigsten Gebühren die im Zusammenhang mit der Eintragung sein; diese
    umfassen die Eintragung selbst, die Bekanntmachung, mögliche Sammelanmeldungen
    usw. Im Rahmen der vorliegenden Schätzung werden diese Gebühren unter dem Begriff
    der allgemeinen Einttagungsgebühr zusammengefaßt. Aus der nachstehenden Tabelle geht
    zusammenfassend hervor, wie sich eine Gebühr von 200, 300 bzw. 400 ECU auf die
    Höhe des Gemeinschaftszuschusses auswirken wird. Dabei wird von einem mehr oder
    weniger linearen Anstieg der Eintragungen während der ersten fünf Jahre ausgegangen.
    Sicherlich werden auch Gebühren anfallen, wenn die Gültigkeit von Eintragungen
    angegriffen wird, doch fallen diese wahrscheinlich für die vorliegende Berechnung
    weniger ins Gewicht als die Eintragungsgebühren.
JAHR             -2         -1              +1        +2        +3           +4           +5
Zuschuß     1.570.000   2.254.540    1.735.600    3.247.250 2.507.250   1.967.250    - 192.750
200 ECU
Zuschuß     1.570.000   2.254.540    2.040.600    2.747.250 1.707.250     967.250    -1.192.750
300 ECU
Zuschuß     1.570.000   2.254.540    1.335.600    2.247.250   907.250    - 32.750    -2.192.750
400 ECU
                                   SSBBBatt    =s
    Sollte die allgemeine Einttagungsgebühr sich auf 300 ECU belaufen, so würde dies fünf
    Jahre nach dem Eröffnungsjahr des Amtes zu einem Oberschuß führen, und kein Zuschuß
    würde mehr benötigt. Würden die Eintragungsgebühren auf 200 ECU festgesetzt, würde
    es erst fünf Jahre nach dem Eröffnungsjahr zu einem Ausgleich kommen, ohne daß un-
    vorhergesehene Ereignisse berücksichtigt werden könnten. Die Gebühr, wenn Gültigkeit
    von Eintragungen angegriffen wird, darf nich zu hoch angesetzt werden, da hieraus
    politische Schwierigkeiten resultieren könnten. Werden jedoch die Eintragungsgebühren
     auf 400 ECU festgesetzt, so würde vier statt fünf Jahre nach dem Eröffnungsjahr des
     Amts ein Ausgleich zwischen Einnahmen und Ausgaben hergestellt, obwohl im fünften
     Jahr, wenn Verlängerungsgebühren gezahlt werden müssen, ein übermäßiger Einnahmen-
     überschuß entstehen würde. Ein derartiger Überschuß könnte gegenüber den Gebühren-
     zahlern schwer zu rechtfertigen sein, jedoch stellt er die Bestlösung dar, weil hierdurch
     ein vollständiger Ausgleich so rasch wie möglich erzielt würde. Falls erforderlich könnten
     die Gebühren zu diesem Zeitpunkt geprüft und der Reaktion der Öffentlichkeit Rechnung
     getragen werden.
                                               123
 ---pagebreak--- 8.  Kontrollmaßnahmen
    Der Präsident des Geschmacksmusteramtes muß der Kommission und dem Rechnungshof
    jedes Jahr die Rechnung für alle Einnahmen und Ausgaben des Geschmacksmusteramts
    im abgelaufenen Haushaltsjahr vorlegen. Die Haushaltsordnung für den Gesamthaushalts-
    plan der Europäischen Gemeinschaften gilt auch für das Geschmacksmusteramt.
    Maßnahmen zur Betrugsbekämpfung sind daher als Bestandteil dieser Regeln vorgesehen.
9.   Kostenwirksamkeit
9.1 Ziele
    Mit dem geplanten Vorhaben wird dem Bedarf einer Gemeinschaftsregelung entsprochen,
    die es Unternehmen ermöglichen soll, im Wege eines einzigen Verfahrens ein Ge-
    schmacksmuster eintragen zu lassen, das in der gesamten Gemeinschaft den gleichen
     Schutz genießt. Nach einer Anlaufzeit von fünf Jahren nach Eröffnung soll das Ge-
    schmacksmusteramt der Gemeinschaft voll einsatzfähig sein und kostendeckend arbeiten.
    Es wird mit 8.000 Geschmacksmustereintragungen jährlich gerechnet. Auf Antrag wird
     das Amt darüber hinaus jährlich die Gültigkeit Von schätzungsweise 3.600 Eintragungen
    überprüfen. Die Zahl der Beschwerden gegen Entscheidungen des Amtes, mit denen die
    Beschwerdekammem befaßt werden, wird mit 500 veranschlagt.
9.2 Begründung des Vorhabens
     Die Gründe für die finanzielle Unterstützung durch die Gemeinschaft sind bereits in
     Absatz 4.1 erwähnt worden und werden nachstehend im einzelnen dargelegt. Ein ein-
     heitliches System ist der einzige Weg, um die Hemmnisse zu beseitigen, die aufgrund
     verschiedener kollidierender einzelstaatlicher Geschmacksmusterrechte bestehen. Mit
     Harmonisierungsmaßnahmen allein kann dieses Ziel nicht verwirklicht werden. Außerdem
     ist die Feststellung von Bedeutung, daß die finanzielle Unterstützung durch die Gemein-
     schaft nur während einer relativ geringen Anzahl von Jahren notwendig sein wird, weil
     das Amt, sobald es voll einsatzfähig ist, mit Hilfe einer angemessenen Berechnung der
     Gebühren sich selber tragen soll.
     Ziel der Verordnung ist die Einführung eines gemeinschaftsweiten Verfahrens zur
     Erteilung eines einheitlichen Geschmacksmusters mit gleicher Wirkung in allen Teilen
     der Gemeinschaft. Zwischen den Geschmacksmustergesetzen der Mitgliedstaaten bestehen
     derzeit erhebliche Unterschiede. Dies fuhrt dazu, daß der Handel und Wettbewerb mit
     Erzeugnissen, die ein Muster beinhalten, durch die Vielzahl von Anträgen, Verfahren,
     Gesetzen, durch die auf den einzelnen Mitgliedstaat bezogenen ausschließlichen Rechte
     und durch die dementsprechend hohen Kosten und Gebühren für Entwerfer, die ihr
     Muster schützen lassen wollen, behindert bzw. verfälscht werden.
                                            124
 ---pagebreak---       Die Annäherung der nationalen Geschmacksmustergesetze ist zwar wünschenswert, doch
      ist dies kein Ersatz für ein gemeinschaftsweites Schutzsystem und im Binnenmarkt auch
      nicht ausreichend, da der Schutz immer noch an den Grenzen der Staaten enden würde,
      in denen er erlangt wurde. Auch könnte eine Harmonisierung der nationalen Gesetze die
      Gefahr nicht ausschließen, daß in anderen Mitgliedstaaten kollidierende Rechte bestehen.
      Die einzige Lösung besteht daher in einem supranationalen Schutzsystem. Erforderlich
      ist ein Musterrecht, das in jedem Mitgliedstaat unmittelbar anwendbar ist, sowie eine
      Geschmacksmusterbehörde der Gemeinschaft mit gemeinschaftsweiten Befugnissen, da
      ein Entwerfer nur auf diese Weise durch eine Anmeldung bei nur einem Geschmacks-
      musteramt entsprechend einem Verfahren nach einem Gesetz ein Geschmacksmusterrecht
      erlangen kann, welches im gesamten Gebiet der Mitgliedstaaten gültig ist.
      Die vorliegende Verordnung ist hierfür das geeignete Rechtsinstrüment. Diese
      Verordnung ist eindeutig notwendig, da das Problem der kollidierenden Rechte im
      Binnenmarkt nicht im Wege nationaler Verfahren supranational gelöst werden kann.
9.3   Folgemaßnahmen und Bewertung:
9.3.1 Leistungsindikatoren
      Hierzu zählen:
            Anzahl der vom Amt eingettagenen Muster
            Anzahl der Anträge auf Nichtigkeitsfeststellung
            Anzahl der bei den Beschwerdekammem erhobenen Beschwerden gegen Ent-
            scheidungen des Musteramts.
9.3.2 Bewertung
      Das Amt hat der Kommission und dem Verwaltungsrat des Amts jährlich einen Bericht
      über die Geschäftsführung vorzulegen.
9.4   Kohärenz
9.4.1 Finanzplan der GD XV (EX GD 111)
      Die Vorarbeiten sind im Finanzplan der GD XV (EX GD III) vorgesehen.
9.4.2 Übereinstimmende Ziele
       Das Geschmacksmusteramt der Gemeinschaft und das Markenamt der Gemeinschaft
       sollen Verwaltungsdienste teilen. Das Haushaltsverfahren und die Finanzkontrolle des
       Geschmacksmusteramts werden gemäß Titel XII Abschnitt 5 des Verordnungsvorschlags
       geregelt. Die Einnahmen und Ausgaben des Geschmacksmusteramts der Gemeinschaft
       werden jährlich veranschlagt. Dies geschieht völlig getrennt vom Haushalt des Marken-
       amtes der Gemeinschaft.
                                               125
 ---pagebreak---       Die Errichtung des Markenamts der Gemeinschaft und des Geschmacksmusteramts liegt
      daher im allgemeinen Interesse. Dennoch muß das Geschmacksmusteramt als unabhängi-
      ge Einrichtung geschaffen werden, so daß die weitere Behandlung des vorliegenden
      Vorschlags nicht durch Verzögerungen beim Vorschlag über die Gemeinschaftsmarke
      behindert wird.
9.4.3 Unsicherheitsfaktoren
      Derzeit sind keine anderen Unsicherheitsfaktoren, die den Erfolg des Vorhabens in Frage
      stellen könnten, ersichtlich.
10.   Verwaltungsaufwand
10.1 Kommissionspersonal
      Zusätzliches Personal ist nicht erforderlich. Das Vorhaben beansprucht gegenwärtig die
      gesamte Arbeitszeit zweier A-Beamte sowie einen Teil der Arbeitszeit eines B-Beamten
      und des Referatsleiters. Dieser Einsatz ist nach wie vor notwendig, um die Arbeiten an
      dem Vorschlag weiter voranzubringen, z.B. zur Teilnahme an Sitzungen der Arbeits-
      gruppen des Rates und zum Dialog mit den Interessengruppen.
10.2 Verwaltungsausgaben
      Zusätzliche Ausgaben können entstehen durch:
      Dienstreisen - (Haushaltslinie A 1300) .
      Etwa zehn Dienstreisen im Jahr für eine Person von durchschnittlich zwei Tagen in eine
      der größeren EG-Hauptstädte; veranschlagte Kosten pro Jahr: 7.000 ECU (ab 1993).
      Sondersitzungen (z.B. mit Sachverständigen) - (Haushaltslinie A 2500)
      Die Kosten für zwei Sitzungen jährlich in Brüssel mit jeweils 20 Teilnehmern werden
      mit 24.000 ECU pro Jahr veranschlagt (ab 1993).
                                              126
 ---pagebreak---             AUSWIRKUNGEN DES VORSCHLAGS AUF DIE UNTERNEHMEN
                                   (insbesondere auf die KMU)
1. Gründe für eine Gemeinschaftsregelung
   Ein gemeinschaftsweiter Rechtsschutz für Geschmacksmuster soll
   (a) gewährleisten, daß Musterentwerfer im Wege eines einzigen Verfahrens, mit direkter und
        einheitlicher Geltung in der gesamten Gemeinschaft ihre Muster besser schützen können;
   (b) das Funktionieren des Binnenmarkts verbessern;
   (c) die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Designindustrie durch Unterstützung der
        unbestreitbaren Überlegenheit der Erzeugnisse europäischer Gestalter gegenüber
        Konkurrenzerzeugnissen aus anderen Teilen der Welt verbessern.
2. Betroffene Unternehmen
   (a) Von der Regelung betroffen ist in erster Linie das verarbeitende Gewerbe, dessen
        Produkte eine kommerziell wertvolle äußere Gestalt aufweisen.
   (b) Betroffen sind Unternehmen jeder Größe: von multinationalen Unternehmen, für die
        Design nur ein Aspekt eines weit komplexeren Produkts oder Produktbereichs ist, bis zu
        KMU mit nur wenigen Beschäftigten, für die die Formgebung des Produkts der
        wichtigste Absatzfaktor sein kann.
   (c) Es besteht kein Grund zur Annahme, daß bestimmte geographische Gebiete dominieren
        werden.
3. Was müssen Unternehmen tun, um der Regelung nachzukommen?
   Unternehmen brauchen für jedes Muster nur ein einziges Gemeinschaftsmuster zu beantragen.
   Anträge bei den einzelnen nationalen Ämtern in den Ländern, wo ein potentieller Markt für
   das Erzeugnis besteht, sind nicht mehr erforderlich. Da das Muster zudem in der Anfangszeit
   als nicht eingetragenes Gemeinschaftsmuster automatisch geschützt ist, wird für viele
   Unternehmen das Leben sehr viel leichter.
   Andererseits haben mehrere Vertreterorganisationen kleiner und mittlerer Kfz-Erstazteilher-
   steller die Ansicht vertreten, das entgegen der Absicht der Kommission die Auslegung der
    für Eigenart und Neuheit maßgeblichen Kriterien durch das Musteramt und in letzter Instanz
   durch den Europäischen Gerichtshof zu einem niedrigeren Schutzstandard führen könnte.
                                                127
 ---pagebreak---    Dies könnte nach Auffassung der Ersatzteilhersteller bedeuten, daß eine Vielzahl von
   Erzeugnissen mit überwiegend funktionellem Design und geringem oder überhaupt keinem
   ästhetischen Charakter sowie weitgehend vorherbestimmter äußerer Gestaltung möglicherwei-
   se aufgrund der Verordnung geschützt werden.
4. Voraussichtliche wirtschaftliche Auswirkungen der Regelung
   (a) auf die Beschäftigung:
   Ein leichterer Zugang zu einem gemeinschaftsweiten Musterschutz dürfte sowohl die
   Aktivitäten der Gestalter als auch den Absatz der Produkte auf anderen Märkten fördern.
   Dies wiederum wird sich vor allem auf die Beschäftigungslage in kleineren Unternehmen
   positiv auswirken.
   Der Musterschutz muß von Dritten, zum Beispiel von konkurrierenden Verarbeitungsunter-
   nehmen, und von denjenigen respektiert werden, die mit geschützten Erzeugnissen anderer
   Handel treiben. Der Vorschlag sieht jedoch Bestimmungen vor, die vermeiden sollen, daß
   der Handel der kleinen und mittleren Unternehmen mit Ersatzteilen komplexer Erzeugnisse
   wie von Kraftfahrzeugen übermäßig belastet wird.
   fb) auf Investitionen und Unternehmensneugründungen:
   Ein gemeinschaftsweiter Musterschutz gibt den Unternehmen eine größere Sicherheit, daß
   sich ihr Aufwand lohnt, und fördert auf diese Weise die Investitionstätigkeit. Es ist
   schwierig, genau abzuschätzen, wie sich der Musterschutz auf große Verarbeitungsunter-
   nehmen auswirken wird, in denen die Formgebung unter Umständen nur eines von vielen
   Produktmerkmalen ist. Die Gründung kleinerer Unternehmen hingegen, die sich in erster
   Linie mit Produktdesign befassen, dürfte dadurch gefördert werden.
   Für Unternehmen, die mit geschützten Erzeugnissen Handel treiben, sind Bestimmungen
   vorgesehen, die den Schutz gegenüber denjenigen, die auf dem Ersatzteilmarkt tätig sind, wie
   Lieferanten, Reparaturbetrieben und Versicherungsunternehmen im Kraftfahrzeug-An-
   schlußmarkt, in gewissem Umfange einschränken. Während also genug Schutz geboten wird,
   um kreatives Schaffen zu fördern, sorgen die Bestimmungen gleichzeitig für ein aus-
   reichendes Maß an Wettbewerb durch die selbständigen Hersteller.
   (c) auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen:
   Die Sicherheit, die ein leicht erhältlicher gemeinschaftsweiter Musterschutz bietet, dürfte zu
   einer Zunahme der Design-Tätigkeit und einer umfassenderen Verwertung der sich hieraus
   ergebenden Rechte führen. Geschützte Muster nehmen darüber hinaus anderen Gestaltem
   nicht die Möglichkeit, in einem bestimmten Produktbereich weitere Muster zu entwerfen. Der
   sich hieraus entwickelnde Wettbewerb kommt Unternehmen jeder Größe zugute und bedeutet
   auch für Kleinstunternehmen keine ernsthafte Gefahr.
                                                 128
 ---pagebreak--- 5. Enthält der Vorschlag spezifische Maßnahmen für KMU?
   Die Gebühren für die Eintragung von Gemeinschaftsmustern sollen möglichst niedrig
   angesetzt werden. Obwohl die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht eigens für kleine und
   mittlere Unternehmen gedacht sind, werden diese verhältnismäßig mehr davon profitieren als
   Großunternehmen, da der leichtere Zugang und die niedrigeren Kosten eines gemeinschafts-
   weiten Musterschutzes für KMU von größerer Bedeutung sein dürften. Viele der heute
   kreativsten und originellsten Designer werden darum vielleicht gerade in kleineren KMU
   arbeiten.
   Durch den Vorschlag werden Ausschließlichkeitsrechte für Gestalter und ihre Rechts-
   nachfolger eingeführt, und diese Rechte müssen von den Wettbewerbern respektiert werden.
   Was den Handel kleiner und mittlerer Unternehmen mit geschützten Erzeugnissen anderer
   betrifft, so sollten die Rechtsvorschriften über den gewerblichen Rechtsschutz keine
   Ausnahmen für bestimmte Industriesektoren enthalten. Aus den vorerwähnten Gründen aber
   ist die Möglichkeit vorgesehen, daß Hersteller von und Händler mit Ersatzteilen im gewissen
   Umfange von der Wahrnehmung der in bezug auf diese Ersatzteile möglicherweise
   bestehenden Rechte verschont bleiben. Da der Schutz ohne vorherige Prüfung gewährt wird,
   muß das gemeinschaftliche Musteramt ein preiswertes Verfahren für die anbieten, die die
   Gültigkeit von gegen sie geltend gemachten oder einklagbaren Rechten anfechten. Der
   Vorschlag sieht im Laufe dieses Verfahrens ausdrücklich die Möglichkeit einer aktiven
   Beteiligung der Kommission und der Mitgliedstaaten vor, um zu gewährleisten, daß die ein-
   schlägigen Vorschriften zweckentsprechend angewandt werden.
   In einigen Kreisen sind Befürchtungen wegen der Entstehung derartiger Rechte ohne
   vorherige Prüfung laut geworden. Es wurde die Ansicht vertreten, daß dies zu einer Vielzahl
   von Streitigkeiten führen könnte. Angesichts der Erfahrungen in Mitgliedstaaten wie
   Frankreich und Deutschland scheinen diese Befürchtungen aber unbegründet zu sein.
   Streitigkeiten können nicht völlig ausgeschlossen werden und dürften kostspielig sein.
6. Konsultation
   Von der Kommission wurde ein Grünbuch über den "rechtlichen Schutz gewerblicher Muster
   und Modelle" (III/F/5131/91) herausgegeben. Mit über 500 Adressaten fand das Grünbuch
   eine weite Verbreitung. Auf der Grundlage zahlreicher schriftlicher Stellungnahmen fand am
   25. und 26. Februar 1992 eine Anhörung der Fachkreise in Brüssel statt. Die Reaktion war
   im allgemeinen positiv. Zahlreiche Einzelfragen sind zwar noch zu erörtern, doch sind nur
   wenige Punkte streitig. Zu klären ist in erster Linie, welche Kriterien ein schutzfähiges
   Muster erfüllen muß und welche Art von Mustern nicht schutzfähig ist.
   Einige Branchen haben die Befürchtung geäußert, daß die Herstellung bestimmter
    funktioneller Erzeugnisse wegen der fehlenden Unterscheidung zwischen ästhetischem und
   funktionellem Design durch das Bestehen eines Musterschutzes monopolisiert werden könnte.
    Die Erfahrung lehrt jedoch, daß dies eine eher willkürliche Unterscheidung ist und daß für
    funktionelles Design auf jeden Fall irgendeine Art des Schutzes bestehen muß. Da die
    Musterschutzverordnung den Schutz von einem unterscheidungskräftigen Erscheinungsbild
    abhängig macht, dürften sich diese Befürchtungen als unbegründet herausstellen.
                                              129
 ---pagebreak---     Einige Branchen haben geltend gemacht, daß der Ersatzteilmarkt vom Wegfall des Rechts-
    schutzes für Muster profitieren würde, die ausschließlich durch die Notwendigkeit der
    Verbindung mit einem anderen Erzeugnis oder dessen Integration bestimmt werden. Vor
    allem unabhängige Ersatzteilhersteller aus der Kfz- und Computerindustrie haben auf diesen
    Punkt hingewiesen und gegen die Monopolstellung der Originalteilhersteller argumentiert.
    Der Verband der Automobilhersteller ACEA(1) vertritt die feste Auffassung, daß die
    Automobilhersteller für bestimmte Kraftfahrzeugteile einen Musterschutz verdienen und
    verlangen, damit sich ihr Aufwand für das Design lohnt. Sie hätten genügend Konzessionen
    gemacht, indem sie die Vorschriften über die Schutzunfähigkeit eines Erzeugnisses akzeptiert
    haben, dessen Design völlig durch seine Integration mit einem anderen Erzeugnis bestimmt
    wird. Die Vertreterorganisationen der Kraftfahrzeugteil- und Ersatzteilhersteller EAPA(2),
    CLEDIPA(3), AIRC(4) und CLEPA(5) wenden sich nach wie vor nicht nur gegen den Schutz
    dieser integrationsfähigen Muster, sondern auch gegen den Schutz anderer-Muster, die sich
    in ein komplexes Erzeugnis sichtbar einfügen müssen. Sie haben verschiedene Lösungen vor-
    geschlagen, zum Beispiel eine "must-matclT-Schutzausnahme oder eine gesetzliche Lizenz-
    vertragsklausel, die besagt, daß sie sich der Zahlung von Gebühren nicht widersetzen, ihnen
    die Herstellung und den Vertrieb von Ersatzteilen aber nicht untersagt werden kann.
    Vertreterorgansationen des Versicherungsgewerbes und der Verbraucher behaupten außerdem,
    daß der Musterschutz für derartige Ersatzteile höhere Reparaturkosten und Versiche-
    rungsprämien zur Folge haben wird.
(1)
     ACEA:       Association des Constructeurs Européens d'Automobiles
(2)
    EAP A:       European Automotive Panel Association
(3)
     CLEDIPA: Comité de Liaison Européen de la Distribution Indépendante de Pièces de
                 rechange et Equipements pour Automobiles
(4)
     AIRC:       Association Internationale des Réparateurs en Carrosserie
(5)
     CLEPA:      Verbindungsausschuß der Kraftfahrzeugteile- und -Zubehörindustrie
                                                 130
 ---pagebreak---                                                                    ISSN 0254-1467
                                                          KO M (93) 342 endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                            08
                                Katalogmimmer : CB-CO-93-414-DE-C
                                                          ISBN 92-77-58373-8
Amt fur amtliche VeroffeatHcbuûgen der Europäischen Gemeinschaften
Lr2985 Luxemburg