CELEX: 62005CJ0274
Language: de
Date: 2008-10-23 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 23. Oktober  2008. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Hellenische Republik. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Richtlinie 89/48/EWG - Arbeitnehmer - Anerkennung der Diplome. # Rechtssache C-274/05.

Rechtssache C‑274/05
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Hellenische Republik
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinie 89/48/EWG – Arbeitnehmer – Anerkennung der Diplome“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Arbeitnehmer – Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
            Berufsausbildung abschließen – Richtlinie 89/48
      (Richtlinie 89/48 des Rates, Art. 1 und 3)
      2.        Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Arbeitnehmer – Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
            Berufsausbildung abschließen – Richtlinie 89/48
      (Richtlinie 89/48 des Rates, Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 und Art. 10)
      3.        Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Arbeitnehmer – Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
            Berufsausbildung abschließen – Richtlinie 89/48
      (Richtlinie 89/48 des Rates, Art. 8 Abs. 1)
      4.        Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Arbeitnehmer – Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
            Berufsausbildung abschließen – Richtlinie 89/48
      (Richtlinie 89/48 des Rates, Art. 3)
      1.        Ein Mitgliedstaat, der Diplome nicht anerkennt, die von den zuständigen Behörden eines anderen Mitgliedstaats nach einer Ausbildung
         ausgestellt wurden, die im Rahmen einer Vereinbarung erfolgte, nach der eine von einer privaten Einrichtung in diesem Mitgliedstaat
         erbrachte Ausbildung von den genannten Behörden anerkannt wird, verstößt gegen seine Verpflichtungen aus der Richtlinie 89/48
         über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen,
         in der durch die Richtlinie 2001/19 geänderten Fassung. Vorbehaltlich des Art. 4 der Richtlinie 89/48 ist nach ihrem Art. 3
         Abs. 1 Buchst. a jeder Antragsteller, der Inhaber eines „Diploms“ im Sinne dieser Richtlinie ist, das ihm die Ausübung eines
         reglementierten Berufs in einem Mitgliedstaat erlaubt, berechtigt, diesen Beruf in jedem anderen Mitgliedstaat auszuüben.
      
      Die Definition des Begriffs „Diplom“ in Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 sieht zwar bestimmte Vorbehalte in Bezug auf
         die Geltung dieser Richtlinie für in Drittstaaten erworbene Qualifikationen vor, jedoch enthält weder Art. 1 Buchst. a noch
         eine andere Bestimmung dieser Richtlinie irgendeine Beschränkung in Bezug auf den Mitgliedstaat, in dem ein Antragsteller
         seine beruflichen Qualifikationen erworben haben muss. Aus Art. 1 Buchst. a Abs. 1 ergibt sich nämlich ausdrücklich, dass
         es ausreicht, wenn die Ausbildung „überwiegend in der Gemeinschaft“ absolviert wurde. Dieser Ausdruck deckt sowohl eine Ausbildung,
         die in vollem Umfang in dem Mitgliedstaat erworben wurde, der den betreffenden Ausbildungsnachweis ausgestellt hat, als auch
         eine teilweise oder in vollem Umfang in einem anderen Mitgliedstaat erworbene Ausbildung ab.
      
      Außerdem wäre eine solche Beschränkung durch nichts gerechtfertigt, da es für die Entscheidung über die Geltung der Richtlinie
         89/48 maßgeblich darauf ankommt, ob der Antragsteller befugt ist, einen reglementierten Beruf in einem Mitgliedstaat auszuüben.
         Nach der mit dieser Richtlinie geschaffenen Regelung wird ein Diplom nicht aufgrund des Wertes anerkannt, der der damit bescheinigten
         Ausbildung innewohnt, sondern weil es in dem Mitgliedstaat, in dem es ausgestellt oder anerkannt worden ist, den Zugang zu
         einem reglementierten Beruf eröffnet. Unterschiede in der Dauer oder im Inhalt der in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen
         Ausbildung im Verhältnis zur Ausbildung im Aufnahmestaat können daher nicht ausreichen, um eine Ablehnung der Anerkennung
         der betreffenden beruflichen Qualifikation zu rechtfertigen. Allenfalls können diese Unterschiede, wenn sie wesentlich sind,
         es nach Art. 4 der Richtlinie rechtfertigen, dass der Aufnahmestaat vom Antragsteller verlangt, dass er einer der beiden in
         dieser Vorschrift vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen nachkommt.
      
      Überdies muss die Ausbildung nach dem Wortlaut der Richtlinie 89/48 nicht unbedingt an einer Universität oder einer Hochschule
         erworben worden sein. Nach Art. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich dieser Richtlinie reicht es vielmehr aus, dass es sich
         um eine „Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau“ handelt. Die in dieser Bestimmung aufgestellte Voraussetzung soll
         also nicht gewährleisten, dass die Ausbildungseinrichtung förmliche Voraussetzungen in Bezug auf ihren Status erfüllt, sondern
         bezieht sich hauptsächlich auf das Niveau der erbrachten Ausbildung. Diese Voraussetzung steht in engem Zusammenhang mit den
         Merkmalen des ausgestellten Diploms. Die Beurteilung dieser Frage hat demzufolge die zuständige Behörde vorzunehmen, die das
         Diplom ausstellt; sie muss sich Gewissheit darüber verschaffen, dass das Diplom nur Personen ausgestellt wird, die zur Ausübung
         des reglementierten Berufs, zu dem es Zugang eröffnet, hinreichend qualifiziert sind.
      
      Die in der Richtlinie 89/48 vorgesehene allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome beruht nämlich auf dem gegenseitigen
         Vertrauen, das die Mitgliedstaaten den von ihnen gewährten beruflichen Qualifikationen entgegenbringen. Diese Regelung stellt
         im Kern eine Vermutung auf, wonach die Qualifikationen eines Antragstellers, der zur Ausübung eines reglementierten Berufs
         in einem Mitgliedstaat befugt ist, für die Ausübung desselben Berufs in den anderen Mitgliedstaaten ausreichen. Aus dem Wesen
         dieser Regelung, die keine Harmonisierung der Ausbildungen vornimmt, die Zugang zu den reglementierten Berufen eröffnen, folgt,
         dass es allein Sache der zuständigen Stellen, die einen solchen Zugang eröffnende Diplome ausstellen, ist, anhand der im Rahmen
         ihres Berufsausbildungssystems geltenden Normen zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung dieser Diplome erfüllt
         sind. Der Aufnahmemitgliedstaat wird in Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 89/48 ausdrücklich dazu verpflichtet, die von den zuständigen
         Behörden der anderen Mitgliedstaaten ausgestellten Bescheinigungen in jedem Fall als Nachweis dafür anzuerkennen, dass die
         Voraussetzungen für die Anerkennung eines Diploms erfüllt sind. Ein Aufnahmemitgliedstaat, der Diplome nicht anerkennt, die
         von den zuständigen Behörden eines anderen Mitgliedstaats nach einer Ausbildung ausgestellt wurden, die im Rahmen einer Vereinbarung
         erfolgte, nach der eine von einer privaten Einrichtung im Aufnahmemitgliedstaat erbrachte Ausbildung von den genannten Behörden
         anerkannt wird, verstößt gegen seine Verpflichtungen aus den Art. 1 und 3 der Richtlinie 89/48.
      
      (vgl. Randnrn. 26-31, 34-35, 76, Tenor 1)
      2.        Ein Mitgliedstaat, der Ausgleichsmaßnahmen in mehr Fällen vorschreibt, als die Richtlinie 89/48 über eine allgemeine Regelung
         zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen, in der durch die Richtlinie
         2001/19 geänderten Fassung zulässt, verstößt gegen seine Verpflichtungen aus dieser Richtlinie.
      
      Ungeachtet des Art. 3 der Richtlinie 89/48 kann der Aufnahmemitgliedstaat nach Art. 4 der Richtlinie vom Antragsteller bei
         bestimmten dort festgelegten Fallgestaltungen verlangen, dass er Berufserfahrung von einer bestimmten Dauer nachweist, einen
         höchstens dreijährigen Anpassungslehrgang absolviert oder eine Eignungsprüfung ablegt.
      
      Nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 der Richtlinie 89/48 muss der Aufnahmestaat, der derartige Ausgleichsmaßnahmen vorschreibt,
         dem Antragsteller grundsätzlich die Wahl zwischen dem Anpassungslehrgang und der Eignungsprüfung lassen. Abweichend von diesem
         Grundsatz kann der Aufnahmestaat einen Anpassungslehrgang oder eine Eignungsprüfung vorschreiben, wenn es sich um Berufe handelt,
         „deren Ausübung eine genaue Kenntnis des nationalen Rechts erfordert und bei denen die Beratung und/oder der Beistand in Fragen
         des innerstaatlichen Rechts ein wesentlicher und ständiger Bestandteil der beruflichen Tätigkeit ist“. Abweichungen von der
         Wahlmöglichkeit des Antragstellers bei anderen Berufen sind von der Anwendung des Verfahrens des Art. 10 der Richtlinie abhängig,
         das insbesondere eine Übermittlung des Entwurfs der Ausnahmeregelung an die Kommission voraussetzt, die sich innerhalb einer
         Frist von drei Monaten ab ihrer Benachrichtigung dagegen aussprechen kann.
      
      Eine nationale Vorschrift, die von dem Grundsatz abweicht, wonach die Wahl der Art der Ausgleichsmaßnahme Sache des Antragstellers
         ist, und zwar nicht nur bei Berufen, die Kenntnisse des nationalen Rechts voraussetzen, sondern auch bei „allen anderen Berufen,
         für die etwas anderes bestimmt ist“, verstößt daher gegen Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 und Art. 10 der Richtlinie 89/48.
      
      (vgl. Randnrn. 42-43, 76, Tenor 1)
      3.        Ein Mitgliedstaat, der eine Stelle des Aufnahmemitgliedstaats damit betraut, zu prüfen, ob „die Bildungseinrichtung, in der
         der Antragsteller seine Berufsausbildung erhalten hat, zur Hochschulausbildung gehört“ und inwieweit „der Antragsteller über
         die erforderliche Berufserfahrung in dem Fall verfügt, dass die Dauer der Ausbildung um mindestens ein Jahr unter der Dauer
         liegt, die in [dem fraglichen Mitgliedstaat] für die Ausübung des betreffenden Berufs gefordert wird“, verstößt gegen seine
         Verpflichtungen aus der Richtlinie 89/48 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens
         dreijährige Berufsausbildung abschließen, in der durch die Richtlinie 2001/19 geänderten Fassung.
      
      Der Aufnahmestaat erkennt gemäß Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 89/48 die von den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten ausgestellten
         Bescheinigungen, die der Antragsteller mit seinem Antrag auf Ausübung des betreffenden Berufs vorzulegen hat, als Nachweis
         dafür an, dass die in den Art. 3 und 4 genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Eine nationale Rechtsvorschrift ist daher unvereinbar
         mit Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 89/48, soweit sie eine Stelle des Aufnahmemitgliedstaats ermächtigt, tatsächliche Gegebenheiten
         zu prüfen, die nach dieser Vorschrift aufgrund von Bescheinigungen, die von den zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats
         ausgestellt wurden, endgültig feststehen.
      
      (vgl. Randnrn. 46-47, 76, Tenor 1)
      4.        Ein Mitgliedstaat, der es in der öffentlichen Verwaltung Personen, die in einem niedrigeren Dienstgrad als dem eingestellt
         wurden, den sie hätten beanspruchen können, wenn ihre Diplome gemäß Art. 3 der Richtlinie 89/48 anerkannt worden wären, nicht
         ermöglicht, ohne Vorbedingung in einen höheren Dienstgrad eingestuft zu werden, verstößt gegen seine Verpflichtungen aus der
         Richtlinie 89/48 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung
         abschließen, in der durch die Richtlinie 2001/19 geänderten Fassung.
      
      Die Bestimmungen einer Richtlinie müssen nämlich mit unbestreitbarer Verbindlichkeit und mit der Konkretheit, Bestimmtheit
         und Klarheit umgesetzt werden, die notwendig sind, um den Erfordernissen der Rechtssicherheit zu genügen. Daher verstößt eine
         nationale Rechtsvorschrift gegen Art. 3 der Richtlinie 89/48, wenn sie den Betroffenen, die auf einer niedrigeren als der
         Stufe eingestellt wurden, die sie hätten beanspruchen können, wenn ihre Diplome nach Art. 3 der Richtlinie 89/48 anerkannt
         worden wären, insofern nicht die erforderliche Rechtssicherheit bietet, als ein Beamter, der fehlerhaft in einen bestimmten
         Dienstgrad eingestuft wurde, acht Jahre ab dem Zeitpunkt seiner Einstellung warten muss, bevor er in einen Dienstposten einer
         höheren Laufbahn eingestuft werden kann, und seine Neueinstufung erst beantragen kann, wenn bei demselben Ministerium oder
         derselben juristischen Person des öffentlichen Rechts ein Dienstposten einer höheren Laufbahn frei wird.
      
      (vgl. Randnrn. 54-59, 76, Tenor 1)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Zweite Kammer)
      23. Oktober 2008(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinie 89/48/EWG – Arbeitnehmer – Anerkennung der Diplome“
      In der Rechtssache C-274/05
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Art. 226 EG, eingereicht am 4. Juli 2005,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch G. Zavvos und H. Støvlbæk als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Hellenische Republik, vertreten durch E. Skandalou als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans sowie der Richter J.-C. Bonichot, K. Schiemann (Berichterstatter),
         J. Makarczyk und L. Bay Larsen,
      
      Generalanwalt: Y. Bot,
      Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 18. Januar 2007,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 19. April 2007
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass die Hellenische Republik
         dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 1, 3, 4, 7, 8 und 10 der Richtlinie 89/48/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988
         über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen
         (ABl. 1989, L 19, S. 16), in der durch die Richtlinie 2001/19/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Mai 2001
         (ABl. L 206, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 89/48) verstoßen hat, dass sie
      
      –        Diplome nicht anerkannt hat, die von den zuständigen Behörden eines anderen Mitgliedstaats im Rahmen von Studien aufgrund
         von Franchiseabkommen ausgestellt worden sind,
      
      –        Ausgleichsmaßnahmen in mehr Fällen vorgeschrieben hat, als die Richtlinie zulässt,
      –        den Rat für die Anerkennung der beruflichen Gleichwertigkeit von Befähigungsnachweisen der Hochschulausbildung (Symvoulio
         Anagnoriseos Epangelmatikis Isotimias Titlon Tritovathmias Ekpaidefsis, im Folgenden: Saeitte) damit betraut hat, zu prüfen,
         ob „die Bildungseinrichtung, in der der Antragsteller seine Berufsausbildung erhalten hat, zur Hochschulausbildung gehört“
         und inwieweit „der Antragsteller über die erforderliche Berufserfahrung in dem Fall verfügt, dass die Dauer der Ausbildung
         um mindestens ein Jahr unter der Dauer liegt, die in Griechenland für die Ausübung des betreffenden Berufs gefordert wird“,
      
      –        die berufliche Anerkennung von Qualifikationen, was die Beschäftigung in der öffentlichen Verwaltung und die Einschreibung
         bei der Griechischen Ingenieurkammer angeht, nicht berücksichtigt hat und
      
      –        für die Einschreibung bei der Griechischen Ingenieurkammer die Vorlage von Belegen verlangt hat, die von einer griechischen
         Konsulatsbehörde geprüft und vom Außenministerium oder von einem Rechtsanwalt übersetzt worden sind.
      
      2        Die im Mittelpunkt der vorliegenden Rechtssache stehende Rechtsfrage entspricht derjenigen, die im Rahmen des Urteils vom
         heutigen Tag in der Rechtssache Kommission/Spanien (C‑286/06, Slg. 2008, I‑0000) behandelt wurde. In beiden Rechtssachen geht
         es darum, inwieweit die Vorschriften der Richtlinie 89/48 geltend gemacht werden können, um einen Mitgliedstaat zu verpflichten,
         Diplome anzuerkennen, die nach Studien in seinem eigenen Hoheitsgebiet von Behörden eines anderen Mitgliedstaats ausgestellt
         wurden. 
      
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht 
      3        Die Richtlinie 89/48 hat gemäß ihrem dritten und ihrem vierten Erwägungsgrund zum Ziel, eine allgemeine Regelung zur Anerkennung
         der Hochschuldiplome einzuführen, die den europäischen Bürgern die Ausübung aller beruflichen Tätigkeiten, die in einem Aufnahmestaat
         von einer weiterführenden Bildung im Anschluss an den Sekundarabschnitt abhängig sind, erleichtert, sofern sie Diplome besitzen,
         die sie auf diese Tätigkeiten vorbereiten, die einen wenigstens dreijährigen Studiengang bescheinigen und die in einem anderen
         Mitgliedstaat ausgestellt wurden.
      
       Der Begriff „Diplom“
      4        Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 bestimmt:
      
      „Im Sinne dieser Richtlinie gelten
      a)      als Diplome alle Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstige Befähigungsnachweise bzw. diese Diplome, Prüfungszeugnisse oder
         sonstigen Befähigungsnachweise insgesamt, 
      
      –        die in einem Mitgliedstaat von einer nach seinen Rechts- und Verwaltungsvorschriften bestimmten zuständigen Stelle ausgestellt
         werden,
      
      –        aus denen hervorgeht, dass der Diplominhaber ein mindestens dreijähriges Studium oder ein dieser Dauer entsprechendes Teilzeitstudium
         an einer Universität oder einer Hochschule oder einer anderen Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau absolviert
         und gegebenenfalls die über das Studium hinaus erforderliche berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, und
      
      –        aus denen hervorgeht, dass der Zeugnisinhaber über die beruflichen Voraussetzungen verfügt, die für den Zugang zu einem reglementierten
         Beruf oder dessen Ausübung in diesem Mitgliedstaat erforderlich sind, 
      
      wenn die durch das Diplom, das Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis bescheinigte Ausbildung überwiegend
         in der Gemeinschaft erworben wurde oder wenn dessen Inhaber eine dreijährige Berufserfahrung hat, die von dem Mitgliedstaat
         bescheinigt wird, der ein Diplom, ein Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis eines Drittlands anerkannt
         hat.
      
      Einem Diplom im Sinne von Unterabsatz 1 sind alle Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstigen Befähigungsnachweise bzw. diese
         Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstigen Befähigungsnachweise insgesamt gleichgestellt, die von einer zuständigen Stelle
         in einem Mitgliedstaat ausgestellt wurden, wenn sie eine in der Gemeinschaft erworbene und von einer zuständigen Stelle in
         diesem Mitgliedstaat als gleichwertig anerkannte Ausbildung abschließen und in diesem Mitgliedstaat in Bezug auf den Zugang
         zu einem reglementierten Beruf oder dessen Ausübung dieselben Rechte verleihen;
      
      …“
       Die Pflicht zur Anerkennung
      5        In Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 89/48 heißt es, dass der Aufnahmestaat, wenn er den Zugang zu einem Beruf von dem Besitz eines
         Diploms abhängig macht, einem Angehörigen eines Mitgliedstaats den Zugang zu diesem Beruf nicht wegen mangelnder Qualifikation
         verweigern kann, wenn der Antragsteller auf bestimmte in dieser Vorschrift genannte Qualifikationen verweist. Das gilt insbesondere
         dann, wenn der Antragsteller das Diplom besitzt, das in einem anderen Mitgliedstaat erforderlich ist, um Zugang zu diesem
         Beruf in seinem Hoheitsgebiet zu erhalten oder ihn dort auszuüben, und wenn dieses Diplom in einem Mitgliedstaat erworben
         wurde.
      
       Ausgleichsmaßnahmen 
      6        Ungeachtet des Art. 3 der Richtlinie 89/48 kann der Aufnahmemitgliedstaat nach Art. 4 der Richtlinie vom Antragsteller bei
         bestimmten dort festgelegten Fallgestaltungen verlangen, dass er Berufserfahrung von einer bestimmten Dauer nachweist, einen
         höchstens dreijährigen Anpassungslehrgang absolviert oder eine Eignungsprüfung ablegt (im Folgenden: Ausgleichsmaßnahmen).
      
      7        Nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 der Richtlinie 89/48 muss der Aufnahmestaat, der Ausgleichsmaßnahmen vorschreibt,
         dem Antragsteller grundsätzlich die Wahl zwischen dem Anpassungslehrgang und der Eignungsprüfung lassen. Abweichend von diesem
         Grundsatz kann der Aufnahmestaat einen Anpassungslehrgang oder eine Eignungsprüfung vorschreiben, wenn es sich um Berufe handelt,
         „deren Ausübung eine genaue Kenntnis des nationalen Rechts erfordert und bei denen die Beratung und/oder der Beistand in Fragen
         des innerstaatlichen Rechts ein wesentlicher und ständiger Bestandteil der beruflichen Tätigkeit ist“. Abweichungen von der
         Wahlmöglichkeit des Antragstellers bei anderen Berufen sind von der Anwendung des Verfahrens des Art. 10 der Richtlinie abhängig,
         das insbesondere eine Übermittlung des Entwurfs der Ausnahmeregelung an die Kommission voraussetzt, die sich innerhalb einer
         Frist von drei Monaten ab ihrer Benachrichtigung dagegen aussprechen kann.
      
       Vorschriften über die von staatlich anerkannten Verbänden oder Organisationen reglementierten Berufe 
      8        Art. 1 Buchst. d der Richtlinie 89/48 unterscheidet zwischen beruflichen Tätigkeiten, die direkt oder indirekt vom Staat reglementiert
         werden, und solchen, die von staatlich anerkannten Verbänden oder Organisationen reglementiert werden. Nach dieser Bestimmung
         gilt
      
      „als reglementierte berufliche Tätigkeit eine berufliche Tätigkeit, deren Aufnahme oder Ausübung oder eine ihrer Arten der
         Ausübung in einem Mitgliedstaat direkt oder indirekt durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften an den Besitz eines Diploms
         gebunden ist. Als Art der Ausübung einer reglementierten beruflichen Tätigkeit gilt insbesondere
      
      –        die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit in Verbindung mit der Führung eines Titels, der nur von Personen geführt werden darf,
         die ein Diplom besitzen, das in einschlägigen Rechts- und Verwaltungsvorschriften festgelegt ist;
      
      –        die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen, wenn die Vergütung dieser Tätigkeit und/oder eine diesbezügliche
         Erstattung durch das einzelstaatliche System der sozialen Sicherheit an den Besitz eines Diploms gebunden ist.
      
      Eine berufliche Tätigkeit, auf die Unterabsatz 1 nicht zutrifft, wird einer reglementierten beruflichen Tätigkeit gleichgestellt,
         wenn sie von Mitgliedern eines Verbandes oder einer Organisation ausgeübt wird, dessen bzw. deren Ziel insbesondere die Förderung
         und Wahrung eines hohen Niveaus in dem betreffenden Beruf ist und der bzw. die zur Verwirklichung dieses Ziels von einem Mitgliedstaat
         in besonderer Form anerkannt wird und 
      
      –        seinen bzw. ihren Mitgliedern ein Diplom ausstellt, 
      –        sicherstellt, dass seine bzw. ihre Mitglieder die von ihm bzw. ihr festgelegten Regeln für das berufliche Verhalten beachten
         und 
      
      –        ihnen das Recht verleiht, einen Titel zu führen bzw. bestimmte Kennbuchstaben zu verwenden oder einen diesem Diplom entsprechenden
         Status in Anspruch zu nehmen. 
      
      Ein nicht erschöpfendes Verzeichnis von Verbänden oder Organisationen, die zum Zeitpunkt der Genehmigung dieser Richtlinie
         die [Bedingungen] des Unterabsatzes 2 erfüllen, ist im Anhang enthalten. Wenn ein Mitgliedstaat einen Verband oder eine Organisation
         nach den Bestimmungen des Unterabsatzes 2 anerkennt, setzt er die Kommission davon in Kenntnis. Die Kommission veröffentlicht
         diese Information im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften“. 
      
      9        Art. 7 Abs. 3 der Richtlinie 89/48, der eine Sonderregelung für die von einem Verband oder einer Organisation reglementierten
         Berufe im Sinne von Art. 1 Buchst. d Abs. 2 der Richtlinie enthält, lautet: 
      
      „Wird ein Beruf in dem Aufnahmestaat durch einen Verband oder eine Organisation gemäß Artikel 1 Buchstabe d) reglementiert,
         so sind Staatsangehörige der Mitgliedstaaten zur Führung der Berufsbezeichnung oder der Kennbuchstaben, die von dem betreffenden
         Verband oder der betreffenden Organisation verliehen werden, nur berechtigt, wenn sie ihre Mitgliedschaft bei diesem Verband
         oder dieser Organisation nachweisen können.
      
      Sofern der Verband oder die Organisation die Aufnahme von Qualifikationsanforderungen abhängig macht, kann er bzw. sie dies
         gegenüber Angehörigen anderer Mitgliedstaaten, welche über ein Diplom im Sinne von Artikel 1 Buchstabe a) oder eine Berufsbefähigung
         im Sinne von Artikel 3 Buchstabe b) verfügen, nur unter den in dieser Richtlinie, insbesondere in den Artikeln 3 und 4, niedergelegten
         Bedingungen tun.“
      
       Nachweise, die der Aufnahmestaat verlangen kann
      10      Der Aufnahmestaat erkennt gemäß Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 89/48 die von den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten ausgestellten
         Bescheinigungen, die der Antragsteller mit seinem Antrag auf Ausübung des betreffenden Berufs vorzulegen hat, als Nachweis
         dafür an, dass die in den Art. 3 und 4 genannten Voraussetzungen erfüllt sind.
      
       Nationales Recht
      11      Zur Umsetzung der Richtlinie 89/48 in die griechische Rechtsordnung wurde das Präsidialdekret Nr. 165/2000 vom 28. Juni 2000
         (FEK A’ 149) in der durch die Präsidialdekrete Nrn. 373/2001 vom 22. Oktober 2001 (FEK A’ 251) und 385/2002 vom 23. Dezember
         2002 (FEK A’ 334) geänderten Fassung (im Folgenden: Dekret Nr. 165/2000) erlassen.
      
      12      Nach Art. 10 des Dekrets Nr. 165/2000 ist das Saeitte, das nach Art. 11 dieses Dekrets zur Aufgabe hat, über die Anträge auf
         Anerkennung von in den Geltungsbereich der Richtlinie 89/48 fallenden Diplomen zu entscheiden, hierfür ausschließlich zuständig.
      
      13      Soweit die Kommission in ihren Rügen spezifische Vorschriften des nationalen Rechts in Frage stellt, werden diese im Rahmen
         der rechtlichen Würdigung der Rügen genannt.
      
       Vorverfahren
      14      Die Kommission war, nachdem sie Beschwerden von 37 Einzelpersonen erhalten hatte, der Ansicht, dass die griechische Regelung
         in mehreren Punkten mit der Richtlinie 89/48 unvereinbar sei. Sie richtete deshalb am 27. Juli 2001 ein Mahnschreiben und
         am 21. Dezember 2001 ein ergänzendes Mahnschreiben an die Hellenische Republik. Diese beantwortete die Schreiben mit Schreiben
         vom 12. Oktober 2001 und vom 13. März 2002.
      
      15      Aus der Sicht der Kommission waren diese Antworten unzureichend. Sie richtete deshalb am 1. Juli 2002 eine mit Gründen versehene
         Stellungnahme und am 9. Juli 2004 eine ergänzende mit Gründen versehene Stellungnahme an die Hellenische Republik, in denen
         sie diese aufforderte, binnen zwei Monaten ab Zustellung der Stellungnahmen die Maßnahmen zu treffen, die erforderlich sind,
         um diesen Stellungnahmen nachzukommen. Die Hellenische Republik antwortete auf diese Stellungnahmen mit Schreiben vom 3. September
         2002, vom 26. August 2004 und vom 7. April 2005. 
      
      16      Die Kommission erkannte zwar an, dass die von der Hellenischen Republik erteilten Informationen bestimmte Rügen beantworteten,
         blieb aber bei ihrem Standpunkt, dass die Hellenische Republik nicht alle zur Umsetzung der Richtlinie 89/48 erforderlichen
         Maßnahmen ergriffen habe. Sie hat daher beschlossen, die vorliegende Klage zu erheben.
      
       Zur Klage
      17      Die Kommission stützt ihre Vertragsverletzungsklage in der Klageschrift auf sieben Rügen. Aufgrund des Vorbringens und der
         Erläuterungen der griechischen Regierung in ihrer Klagebeantwortung hat die Kommission in ihrer Erwiderung die vierte und
         die siebte Rüge zurückgenommen, so dass diese nicht mehr geprüft werden müssen.
      
       Erste Rüge: Keine Anerkennung der Ausbildungen, die im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erfolgen
      18      Die erste Rüge der Kommission richtet sich gegen die systematische Weigerung, Diplome anzuerkennen, die nach einer Ausbildung
         ausgestellt wurden, die im Rahmen einer Vereinbarung erfolgte, nach der eine von einer privaten Einrichtung in Griechenland
         erbrachte Ausbildung von der zuständigen Stelle in einem anderen Mitgliedstaat anerkannt und den Studenten, die diese Ausbildung
         absolviert haben, ein Diplom ausgestellt wird (im Folgenden: Homologationsvereinbarung).
      
      19      Insoweit steht fest, dass die Hellenische Republik die Universitäts‑ und Hochschulbildung ausschließlich den öffentlichen
         Einrichtungen vorbehält. Sie lehnt es daher ab, Ausbildungen, die im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erfolgt sind,
         und Diplome anzuerkennen, die am Ende dieser Ausbildungen von den zuständigen Stellen anderer Mitgliedstaaten ausgestellt
         wurden.
      
      20      Nach Ansicht der Kommission verstößt diese Weigerung gegen Art. 1 Buchst. a und Art. 3 der Richtlinie 89/48. Ein Diplom, das
         am Ende einer im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erfolgten Ausbildung verliehen worden sei, sei ein von einer zuständigen
         Stelle in einem anderen Mitgliedstaat ausgestelltes Diplom im Sinne von Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 und müsse daher
         von der Hellenischen Republik gemäß Art. 3 der Richtlinie anerkannt werden.
      
      21      Die Hellenische Republik vertritt dagegen die Ansicht, dass ein Aufnahmemitgliedstaat nicht verpflichtet sei, ein von einer
         zuständigen Stelle in einem anderen Mitgliedstaat ausgestelltes Diplom anzuerkennen, wenn durch dieses Diplom eine ganz oder
         teilweise im Aufnahmemitgliedstaat absolvierte Ausbildung bescheinigt werde, die nach den Rechtsvorschriften dieses Aufnahmestaats
         nicht als Hochschulbildung anerkannt sei.
      
      22      Zum einen fielen nach den Art. 149 EG und 150 EG Inhalte und Gestaltung sowohl des Bildungssystems als auch der beruflichen
         Bildung in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Für eine Ausbildung, die im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erbracht
         werde, gelte demzufolge das nationale Recht dieses Staates, dem es freistehe, insbesondere die Rechtsform der Hochschuleinrichtungen
         sowie Inhalte und Niveau der von den öffentlichen oder privaten Einrichtungen in seinem Hoheitsgebiet erbrachten Universitäts‑
         und Hochschulausbildung festzulegen. Die Verpflichtung eines Mitgliedstaats dazu, eine in seinem Hoheitsgebiet absolvierte
         Ausbildung als Universitäts‑ und Hochschulausbildung anzuerkennen, obwohl es sich nach dem nationalen Recht nicht um eine
         solche Ausbildung handele, verstoße gegen die sich aus den Art. 149 EG und 150 EG ergebende Zuständigkeitsverteilung. 
      
      23      Hinzu komme, dass die Universitäts‑ und Hochschulausbildung nach Art. 16 der griechischen Verfassung in Griechenland ausschließlich
         von öffentlichen Einrichtungen erbracht werde und die Errichtung von Hochschulen durch Privatpersonen ausdrücklich verboten
         sei. Deshalb sei jede Möglichkeit, einen von irgendeiner privaten Schule mit Sitz in Griechenland ausgestellten Studiennachweis
         als Universitäts‑ oder Hochschuldiplom anzuerkennen, ausgeschlossen.
      
      24      Was zum anderen die spezifischen Vorschriften der Richtlinie 89/48 angehe, sei die Frage, ob eine Bildungseinrichtung mit
         Sitz in einem Mitgliedstaat „eine Universität oder eine Hochschule“ oder „eine andere Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem
         Niveau“ im Sinne von Art. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich der Richtlinie 89/48 sei, nur nach dem Recht des Mitgliedstaats
         zu beurteilen, in dessen Gebiet die Ausbildung erfolge. Im vorliegenden Fall sei daher die Qualität der fraglichen Einrichtungen
         allein nach dem griechischen Recht zu beurteilen. Soweit die Ausbildungen, die von Einrichtungen mit Sitz in Griechenland
         im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erbracht würden, den nach griechischem Recht bestehenden Anforderungen nicht genügten,
         seien die am Ende dieser Ausbildungen ausgestellten Diplome folglich keine Diplome im Sinne von Art. 1 Buchst. a der Richtlinie
         89/48. Daher ergebe sich aus der Richtlinie 89/48 keine Verpflichtung zur Anerkennung dieser Befähigungsnachweise. 
      
      25      Die Kommission entgegnet darauf, dass eine Ausbildung, die im Rahmen von Homologationsvereinbarungen erfolge, sowie die am
         Ende einer solchen Ausbildung verliehenen Diplome voll und ganz dem Bildungssystem des Mitgliedstaats unterlägen, in dem die
         Einrichtung, die das Diplom ausstelle, ihren Sitz habe, unabhängig von der Frage, in welchem Mitgliedstaat der Unterricht
         stattgefunden habe. Es sei daher nach den Art. 149 EG und 150 EG Sache des Mitgliedstaats, in dem die Einrichtung, die das
         Diplom ausstelle, ihren Sitz habe, Inhalte und Gestaltung der Ausbildungen festzulegen und das Niveau des erteilten Unterrichts
         zu beurteilen. Außerdem gelte Art. 16 der griechischen Verfassung nicht für Ausbildungen, die im Rahmen von Homologationsvereinbarungen
         gewährt würden, da sie nicht unter das griechische Bildungssystem fielen. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      26      Vorbehaltlich des Art. 4 der Richtlinie 89/48 ist nach ihren Art. 3 Abs. 1 Buchst. a jeder Antragsteller, der Inhaber eines
         „Diploms“ im Sinne dieser Richtlinie ist, das ihm die Ausübung eines reglementierten Berufs in einem Mitgliedstaat erlaubt,
         berechtigt, diesen Beruf in jedem anderen Mitgliedstaat auszuüben.
      
      27      Die Definition des Begriffs „Diplom“ in Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 sieht bestimmte Vorbehalte in Bezug auf die
         Geltung dieser Richtlinie für in Drittstaaten erworbene Qualifikationen vor. 
      
      28      Dagegen enthält weder Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 noch eine andere Bestimmung dieser Richtlinie irgendeine Beschränkung
         in Bezug auf den Mitgliedstaat, in dem ein Antragsteller seine beruflichen Qualifikationen erworben haben muss. Aus Art. 1
         Buchst. a Abs. 1 ergibt sich nämlich ausdrücklich, dass es ausreicht, wenn die Ausbildung „überwiegend in der Gemeinschaft“
         absolviert wurde. Der Gerichtshof hat bereits entschieden, dass dieser Ausdruck sowohl eine Ausbildung, die in vollem Umfang
         in dem Mitgliedstaat erworben wurde, der den betreffenden Ausbildungsnachweis ausgestellt hat, als auch eine teilweise oder
         in vollem Umfang in einem anderen Mitgliedstaat erworbene Ausbildung abdeckt (Urteil vom 29. April 2004, Beuttenmüller, C‑102/02,
         Slg. 2004, I‑5405, Randnr. 41).
      
      29      Außerdem wäre eine solche Beschränkung durch nichts gerechtfertigt, da es für die Entscheidung über die Geltung der Richtlinie
         89/48 maßgeblich darauf ankommt, ob der Antragsteller befugt ist, einen reglementierten Beruf in einem Mitgliedstaat auszuüben.
         Nach der mit der Richtlinie geschaffenen Regelung wird ein Diplom nicht aufgrund des Wertes anerkannt, der der damit bescheinigten
         Ausbildung innewohnt, sondern weil es in dem Mitgliedstaat, in dem es ausgestellt oder anerkannt worden ist, den Zugang zu
         einem reglementierten Beruf eröffnet. Unterschiede in der Dauer oder im Inhalt der in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen
         Ausbildung im Verhältnis zur Ausbildung im Aufnahmestaat können daher nicht ausreichen, um eine Ablehnung der Anerkennung
         der betreffenden beruflichen Qualifikation zu rechtfertigen. Allenfalls können diese Unterschiede, wenn sie wesentlich sind,
         es nach Art. 4 der Richtlinie rechtfertigen, dass der Aufnahmestaat vom Antragsteller verlangt, dass er einer der beiden in
         dieser Vorschrift vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen nachkommt (vgl. in diesem Sinne Urteile Beuttenmüller, Randnr. 52, und
         vom 19. Januar 2006, Colegio, C‑330/03, Slg. 2006, I‑801, Randnr. 19).
      
      30      Die in der Richtlinie 89/48 vorgesehene allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome beruht nämlich auf dem gegenseitigen
         Vertrauen, das die Mitgliedstaaten den von ihnen gewährten beruflichen Qualifikationen entgegenbringen. Diese Regelung stellt
         im Kern eine Vermutung auf, wonach die Qualifikationen eines Antragstellers, der zur Ausübung eines reglementierten Berufs
         in einem Mitgliedstaat befugt ist, für die Ausübung desselben Berufs in den anderen Mitgliedstaaten ausreichen. 
      
      31      Aus dem Wesen dieser Regelung, die keine Harmonisierung der Ausbildungen vornimmt, die Zugang zu den reglementierten Berufen
         eröffnen, folgt, dass es allein Sache der zuständigen Stellen, die einen solchen Zugang eröffnende Diplome ausstellen, ist,
         anhand der im Rahmen ihres Berufsausbildungssystems geltenden Normen zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ausstellung
         dieser Diplome erfüllt sind. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass der Aufnahmemitgliedstaat in Art. 8 Abs. 1
         der Richtlinie 89/48 ausdrücklich dazu verpflichtet wird, die von den zuständigen Behörden der anderen Mitgliedstaaten ausgestellten
         Bescheinigungen in jedem Fall als Nachweis dafür anzuerkennen, dass die Voraussetzungen für die Anerkennung eines Diploms
         erfüllt sind. Demzufolge kann der Aufnahmemitgliedstaat nicht prüfen, auf welcher Grundlage diese Bescheinigungen ausgestellt
         wurden; er hat jedoch die Möglichkeit, Kontrollen hinsichtlich derjenigen Voraussetzungen in Art. 1 Buchst. a der Richtlinie
         89/48 durchzuführen, die in Ansehung des Wortlauts dieser Bescheinigungen offenbar nicht bereits erfüllt sind.
      
      32      Deshalb ist die Frage, ob die Bildungseinrichtung, in der der Diplominhaber seine Ausbildung absolviert hat, „eine Universität
         oder eine Hochschule“ oder „eine andere Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau“ im Sinne von Art. 1 Buchst. a Abs. 1
         der Richtlinie 89/48 ist, ebenfalls nur anhand der Vorschriften zu prüfen, die im Rahmen des Berufsausbildungssystems des
         Mitgliedstaats gelten, zu dem die zuständige Behörde, die ein Diplom ausstellt, gehört.
      
      33      Der von der Hellenischen Republik insoweit vertretene Ansatz, die Vorschriften des Mitgliedstaats anzuwenden, in dem die Ausbildung
         absolviert wurde, würde nämlich darauf hinauslaufen, dass die zuständigen Behörden, die Diplome ausstellen, verpflichtet wären,
         Personen, die qualitativ gleichwertige Ausbildungen absolviert haben, je nachdem, in welchem Mitgliedstaat die Ausbildung
         erfolgt ist, unterschiedlich zu behandeln.
      
      34      Außerdem ist zu bemerken, dass die Ausbildung nach dem Wortlaut der Richtlinie 89/48 nicht unbedingt an einer Universität
         oder einer Hochschule erworben worden sein muss. Nach Art. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich dieser Richtlinie reicht es
         vielmehr aus, dass es sich um eine „Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau“ handelt. Die in dieser Bestimmung aufgestellte
         Voraussetzung soll also nicht gewährleisten, dass die Ausbildungseinrichtung förmliche Voraussetzungen in Bezug auf ihren
         Status erfüllt, sondern bezieht sich hauptsächlich auf das Niveau der erbrachten Ausbildung. Diese Voraussetzung steht in
         engem Zusammenhang mit den Merkmalen des ausgestellten Diploms. Die Beurteilung dieser Frage hat demzufolge die zuständige
         Behörde vorzunehmen, die das Diplom ausstellt; sie muss sich Gewissheit darüber verschaffen, dass das Diplom nur Personen
         ausgestellt wird, die zur Ausübung des reglementierten Berufs, zu dem es Zugang eröffnet, hinreichend qualifiziert sind.
      
      35      Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Art. 1 Buchst. a und 3 der Richtlinie 89/48 dahin auszulegen sind, dass ein
         Aufnahmemitgliedstaat vorbehaltlich der Anwendung des Art. 4 dieser Richtlinie verpflichtet ist, ein von einer Behörde eines
         anderen Mitgliedstaats ausgestelltes Diplom auch dann anzuerkennen, wenn mit diesem Diplom auch eine ganz oder teilweise in
         dem Aufnahmemitgliedstaat erworbene Ausbildung bescheinigt wird und diese Ausbildung nach den Rechtsvorschriften des Aufnahmemitgliedstaats
         nicht als Hochschulausbildung anerkannt wird.
      
      36      Hinzuzufügen ist, dass diese Auslegung der Verantwortung der Hellenischen Republik für die Unterrichtsinhalte und die Gestaltung
         des Bildungssystems nicht entgegensteht.
      
      37      Dazu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Richtlinie 89/48 nicht die Anerkennung akademischer Ausbildungsnachweise, sondern
         nur die beruflichen Qualifikationen betrifft, die Zugang zu reglementierten Berufen eröffnen. 
      
      38      Sodann bezweckt die Richtlinie 89/48 im Gegensatz zu den sektorbezogenen Richtlinien für bestimmte Berufe nicht, die Bedingungen
         für den Zugang zu den von ihr erfassten Berufen und deren Ausübung zu harmonisieren; die Mitgliedstaaten sind daher für die
         Festlegung dieser Bedingungen innerhalb der vom Gemeinschaftsrecht vorgegebenen Grenzen weiterhin zuständig (Urteil vom 7.
         September 2006, Price, C‑149/05, Slg. 2006, I‑7691, Randnr. 54).
      
      39      Schließlich führt das mit der Richtlinie 89/48 eingeführte Anerkennungsverfahren nicht zu einer automatischen und bedingungslosen
         Anerkennung der betreffenden Diplome und beruflichen Qualifikationen. Art. 4 dieser Richtlinie sieht nämlich ausdrücklich
         die Möglichkeit vor, Ausgleichsmaßnahmen vorzuschreiben, wenn sich erweist, dass sich die von einem Antragsteller absolvierte
         Ausbildung im Hinblick auf ihre Dauer oder ihren Inhalt von der Ausbildung unterscheidet, die in Griechenland verlangt wird.
      
      40      Außerdem fallen Diplome, die eine im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erfolgte Ausbildung bescheinigen, im Kontext der
         Richtlinie 89/48 nicht unter das griechische Bildungssystem, da sie von den zuständigen Behörden anderer Mitgliedstaaten allein
         nach den im Rahmen ihres jeweiligen Berufsausbildungssystems geltenden Vorschriften ausgestellt werden. Das Ziel, bei der
         griechischen Universitätsausbildung ein hohes Niveau zu gewährleisten, wird daher nicht in Frage gestellt durch diese Ausbildungen,
         deren Qualität zu gewährleisten Sache der zuständigen Behörden der anderen Mitgliedstaaten ist, die die Diplome ausstellen,
         mit denen diese Ausbildungen bescheinigt werden.
      
      41      Aufgrund dieser Erwägungen ist festzustellen, dass die erste Rüge der Kommission begründet ist.
      
       Zweite Rüge: Keine Wahl zwischen den verschiedenen Arten von Ausgleichsmaßnahmen
      42      In Art. 5 Abs. 1 Buchst. b bb des Dekrets Nr. 165/2000 ist der Grundsatz festgelegt, dass ein Antragsteller, dem Ausgleichsmaßnahmen
         aufzuerlegen sind, die Wahl zwischen einem Anpassungslehrgang und einer Eignungsprüfung hat. Dieselbe Vorschrift enthält zu
         diesem Grundsatz folgende Ausnahmeregelung:
      
      „Diese Wahlmöglichkeit gilt nicht für Berufe, deren Ausübung eine genaue Kenntnis des nationalen Rechts erfordert und bei
         denen die Beratung und/oder der Beistand in Fragen des innerstaatlichen Rechts ein wesentlicher und ständiger Bestandteil
         der beruflichen Tätigkeit ist, und auch nicht für alle anderen Berufe, für die etwas anderes bestimmt ist.“
      
      43      Nach Ansicht der Kommission verstößt diese Vorschrift gegen Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 und Art. 10 der Richtlinie
         89/48, weil sie von dem Grundsatz abweiche, wonach die Wahl der Art der Ausgleichsmaßnahme Sache des Antragstellers sei, und
         zwar nicht nur bei Berufen, die Kenntnisse des nationalen Rechts voraussetzten, sondern auch bei „allen anderen Berufen, für
         die etwas anderes bestimmt ist“.
      
      44      Es ist festzustellen, dass die zweite Rüge der Kommission aus dem von ihr dargelegten Grund begründet ist.
      
      45      Die Hellenische Republik erkennt im Übrigen die Begründetheit dieser Rüge an und weist darauf hin, dass die streitige Vorschrift
         auf einem „legistischen Versehen“ beruhe. Ein Präsidialdekret, mit dem der betreffende Satzteil gestrichen werde, werde demnächst
         verabschiedet. 
      
       Dritte Rüge: Die Befugnisse des Saeitte
      46      Das Saeitte ist gemäß Art. 10 Abs. 1 Buchst. b aa und bb des Dekrets Nr. 165/2000 zuständig u. a. für
      
      „die Beurteilung aller für die Anerkennung der beruflichen Gleichwertigkeit maßgeblichen Fragen, insbesondere für die Frage,
      aa)      ob die Bildungseinrichtung, in der der Antragsteller seine Berufsausbildung erhalten hat, zur Hochschulausbildung gehört,
      bb)      inwieweit der Antragsteller über die erforderliche Berufserfahrung in dem Fall verfügt, dass die Dauer der Ausbildung um mindestens
         ein Jahr unter der Dauer liegt, die in Griechenland für die Ausübung des betreffenden Berufs gefordert wird“.
      
      47      Nach Ansicht der Kommission ist diese Vorschrift unvereinbar mit Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 89/48, soweit sie eine Stelle
         des Aufnahmemitgliedstaats ermächtige, tatsächliche Gegebenheiten zu prüfen, die nach Art. 8 Abs. 1 aufgrund von Bescheinigungen,
         die von den zuständigen Behörden des Herkunftsmitgliedstaats ausgestellt worden seien, endgültig feststünden. 
      
      48      Es ist festzustellen, dass die dritte Rüge der Kommission aus dem von ihr dargelegten Grund begründet ist.
      
      49      Die Hellenische Republik erkennt im Übrigen die Begründetheit dieser Rüge an und weist darauf hin, dass ein Präsidialdekret,
         mit dem Art. 10 Abs. 1 Buchst. b aa und bb des Dekrets Nr. 165/2000 aufgehoben werde, demnächst verabschiedet werde. 
      
       Fünfte Rüge: Keine Anerkennung der Diplome von Personen, die in der öffentlichen Verwaltung eingestellt wurden
      50      Die Kommission hat unter dem vierten Gedankenstrich ihrer Klageanträge eine fünfte Rüge erhoben, die sich auf die Entwicklung
         der Gehälter und der Laufbahn von Personen bezieht, die in der öffentlichen Verwaltung eingestellt wurden.
      
      51      Sie hält die Verwaltungspraxis des Saeitte und der einzelnen Dienststellen der öffentlichen Verwaltung in Griechenland für
         unvereinbar mit Art. 3 der Richtlinie 89/48, soweit Inhabern von Diplomen im Sinne der Richtlinie, die in der öffentlichen
         Verwaltung beschäftigt seien, die Möglichkeit einer Anerkennung der beruflichen Gleichwertigkeit ihrer Befähigungsnachweise
         im Hinblick auf die Einstufung in einen höheren Dienstrang oder eine höhere Gehaltsstufe verwehrt werde, so dass sie ihren
         Beruf nicht unter denselben Bedingungen ausüben könnten wie die Inhaber inländischer Diplome. 
      
      52      Die Hellenische Republik bestreitet dies. In ihrer Gegenerwiderung hat sie geltend gemacht, dass das Gesetzbuch für den öffentlichen
         Dienst in der Fassung des Gesetzes Nr. 2683/1999 (FEK A’19) Personen, die nach Inkrafttreten des Dekrets Nr. 165/2000 eingestellt
         und ihrer Ansicht nach fehlerhaft in eine bestimmte Beamtenlaufbahn eingestuft worden seien, die Möglichkeit biete, eine Neueinstufung
         in Dienstposten höherer Dienstgrade zu beantragen, sofern sie die nach den geltenden Vorschriften vorgesehenen Voraussetzungen
         erfüllten. 
      
      53      Die Hellenische Republik hat auf eine Frage des Gerichtshofs geantwortet, dass der Anspruch auf Neueinstufung sowohl für Personen
         gelte, die vor Inkrafttreten des Dekrets Nr. 165/2000 eingestellt worden seien, als auch für Personen, die danach eingestellt
         worden seien.
      
      54      Art. 70 Abs. 1 und 2 des von der Hellenischen Republik in diesem Zusammenhang angeführten Gesetzbuchs für den öffentlichen
         Dienst lautet:
      
      „Neueinstufung in einen Dienstposten der höheren Laufbahn
      1.      Ein Beamter kann auf Antrag in einen freien Dienstposten einer höheren Laufbahn bei demselben Ministerium oder derselben juristischen
         Person des öffentlichen Rechts eingestuft werden. Der Beamte muss die formellen und materiellen Voraussetzungen erfüllen,
         die für den Posten, in den er eingestuft wird, verlangt werden. Ein Beamter auf Probe kann nicht neu eingestuft werden.
      
      2.      Beamte, die im Zeitpunkt der Stellung ihres Einstellungsantrags die formellen Voraussetzungen für eine Einstellung auf einem
         Dienstposten einer höheren Laufbahn erfüllt haben, können nicht vor Ablauf von acht Jahren ab ihrer Einstellung neu eingestuft
         werden.“
      
      55      Die Kommission hat in der mündlichen Verhandlung geltend gemacht, dass diese Vorschrift den Betroffenen, die vor Inkrafttreten
         des Dekrets Nr. 165/2000 auf einer niedrigeren als der Stufe eingestellt worden seien, die sie hätten beanspruchen können,
         wenn ihre Diplome nach Art. 3 der Richtlinie 89/48 anerkannt worden wären, nicht die erforderliche Rechtssicherheit biete.
         Insbesondere müsse ein Beamter, der fehlerhaft in einen bestimmten Dienstgrad eingestuft worden sei, gemäß Art. 70 Abs. 2
         des Gesetzbuchs für den öffentlichen Dienst acht Jahre ab dem Zeitpunkt seiner Einstellung warten, bevor er in einen Dienstposten
         einer höheren Laufbahn eingestuft werden könne.
      
      56      Außerdem hat die Hellenische Republik auf eine Frage des Gerichtshofs in der mündlichen Verhandlung bestätigt, dass nach Art. 70
         Abs. 1 des Gesetzbuchs für den öffentlichen Dienst Personen, die nicht ordnungsgemäß eingestuft worden seien, ihre Neueinstufung
         erst beantragen könnten, wenn bei demselben Ministerium oder derselben juristischen Person des öffentlichen Rechts ein Dienstposten
         einer höheren Laufbahn frei werde.
      
      57      Zu diesen Punkten hat die Hellenische Republik in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass sie „sich dafür einsetze, alle
         Anträge auf Neueinstufung bestmöglich zu erledigen“, und sich stets bemühe, diejenigen neu einzustufen, die nach dem Gemeinschaftsrecht
         neu eingestuft werden müssten. Die nach Art. 70 Abs. 2 des Gesetzbuchs für den öffentlichen Dienst vorgesehene Wartefrist
         von acht Jahren betreffe nicht diejenigen, die aufgrund eines Fehlers der Verwaltung nicht von Anfang an in den Dienstgrad
         eingestuft worden seien, den sie hätten beanspruchen können. Außerdem hat sich die Hellenische Republik bereit erklärt, die
         Situation derjenigen, die aufgrund der verspäteten Umsetzung der Richtlinie 89/48 in das nationale Recht nicht in einen solchen
         Dienstgrad eingestuft worden seien, rückwirkend zu bereinigen.
      
      58      Es ist daran zu erinnern, dass die Bestimmungen einer Richtlinie mit unbestreitbarer Verbindlichkeit und mit der Konkretheit,
         Bestimmtheit und Klarheit umgesetzt werden müssen, die notwendig sind, um den Erfordernissen der Rechtssicherheit zu genügen.
         In dieser Hinsicht können bloße Erklärungen wie die der Hellenischen Republik in der mündlichen Verhandlung nicht akzeptiert
         werden, die die betroffenen Rechtssubjekte angesichts ausdrücklicher Vorschriften des Gesetzbuchs für den öffentlichen Dienst
         über den Umfang ihrer Rechte und Pflichten in einem gemeinschaftsrechtlich geregelten Bereich im Ungewissen lassen (vgl. in
         diesem Sinne u. a. Urteile vom 24. März 1994, Kommission/Belgien, C‑80/92, Slg. 1994, I‑1019, Randnr. 20, vom 26. Oktober
         1995, Kommission/Luxemburg, C‑151/94, Slg. 1995, I‑3685, Randnr. 18, und vom 27. Februar 2003, Kommission/Belgien, C‑415/01,
         Slg. 2003, I‑2081, Randnr. 21).
      
      59      Es ist daher festzustellen, dass die fünfte Rüge der Kommission begründet ist, soweit mit ihr geltend gemacht wird, dass die
         Hellenische Republik es in der öffentlichen Verwaltung Personen, die in einem niedrigeren Dienstgrad als dem eingestellt wurden,
         den sie hätten beanspruchen können, wenn die zuständige Behörde ihre Diplome gemäß Art. 3 der Richtlinie 89/48 anerkannt hätte,
         nicht ermöglicht, in einen höheren Dienstgrad eingestuft zu werden.
      
       Sechste Rüge: Die Modalitäten der Einschreibung bei der Griechischen Ingenieurkammer 
      60      Die Kommission hat unter dem vierten Gedankenstrich ihrer Klageanträge außerdem eine sechste Rüge erhoben, die sich auf die
         Modalitäten der Einschreibung bei der Griechischen Ingenieurkammer (Techniko Epimelitirio Ellados, im Folgenden: TEE) bezieht.
         
      
      61      In Griechenland ist der Beruf des Ingenieurs ein reglementierter Beruf, dessen Ausübung den Mitgliedern des TEE vorbehalten
         ist. Dieses ist eine unter der Aufsicht des Ministeriums für öffentliche Arbeiten stehende juristische Person des öffentlichen
         Rechts, die durch Präsidialdekret vom 27. November/14. Dezember 1926 zur Kodifizierung der Vorschriften betreffend die Zusammensetzung
         des TEE (FEK A’ 430) in der durch Gesetz Nr. 1486/1984 (FEK A’ 161) und Präsidialdekret Nr. 512/1991 vom 30. November/12.
         Dezember 1991 (FEK A’ 190) geänderten Fassung errichtet wurde. 
      
      62      Art. 4 Abs. 3 des Gesetzes Nr. 1486/1984 sieht insbesondere vor, dass das TEE Prüfungen veranstaltet, die Erlaubnis für die
         Ausübung des Ingenieurberufs gemäß den geltenden Bestimmungen erteilt und die Ingenieurregister führt. 
      
      63      Der Gemeinsame Ministerialerlass ED 5/4/3399 des Ministeriums für öffentliche Arbeiten und des Ministeriums für Bildung und
         Glaubensgemeinschaften vom 14. September 1984 (FEK B’ 713) regelt das Verfahren für die Erteilung der Erlaubnis zur Ausübung
         des Ingenieurberufs durch das TEE. Der einzige Artikel Abs. 1 und 2 dieses Gemeinsamen Ministerialerlasses bestimmt:
      
      „1.      Das TEE erteilt den Inhabern von Ingenieurdiplomen inländischer Hochschulen oder gleichwertiger Hochschulen mit Sitz im Ausland
         nach Ablegung einer mündlichen Prüfung die Erlaubnis zur Berufsausübung.
      
      2.      Die Betroffenen haben dem TEE folgende Belege vorzulegen:
      …
      d)      (für Inhaber eines ausländischen Diploms): Bescheinigung der Konformität des vorgelegten Diploms, erteilt vom interuniversitären
         Zentrum für die Anerkennung ausländischer Studienzeugnisse (Diapanepistimiako Kentro Anagnoriseos Titlon Spoudon tis Allodapis,
         im Folgenden: Dikatsa);
      
      …“
       Vorbringen der Parteien
      64      Die Kommission trägt vor, dass das TEE die Aufnahme von Ingenieuren, die sich in einem anderen Mitgliedstaat qualifiziert
         hätten und Inhaber eines Diploms im Sinne der Richtlinie 89/48 seien, in ihre Ingenieurregister zum einen vom Bestehen eines
         Auswahlverfahrens und zum anderen von der Vorlage einer vom Dikatsa ausgestellten Bescheinigung der Konformität dieses Diploms
         abhängig mache. Sie stützt sich insoweit auf den Wortlaut des Gemeinsamen Ministerialerlasses ED 5/4/3399 und erwähnt Beschwerden,
         wonach Dutzende von Anträgen auf Einschreibung beim TEE unbeantwortet geblieben seien. 
      
      65      Diese Anforderungen sind nach Ansicht der Kommission unvereinbar mit Art. 7 Abs. 3 der Richtlinie 89/48, da nach dieser Bestimmung
         ein Verband oder eine Standesorganisation den Erwerb der Mitgliedseigenschaft nur unter den in dieser Richtlinie, insbesondere
         Art. 3 und 4, vorgesehenen Bedingungen von bestimmten Qualifikationen abhängig machen könne.
      
      66      Die Hellenische Republik erkennt ausdrücklich an, dass das TEE die Aufnahme von Ingenieuren, die ein Diplom im Sinne der Richtlinie
         89/48 besitzen, in seine Register nicht von dem Bestehen eines Auswahlverfahrens oder der Vorlage einer vom Dikatsa ausgestellten
         Bescheinigung abhängig machen könne. Sobald das in dieser Hinsicht ausschließlich zuständige Saeitte das betreffende Diplom
         anerkannt habe, sei das TEE verpflichtet, den Betroffenen von Amts wegen in seine Register einzutragen.
      
      67      Dagegen tritt die Hellenische Republik der von der Kommission erhobenen Rüge in tatsächlicher Hinsicht entgegen. Die Praxis
         des TEE habe sich nach dem Erlass des Dekrets Nr. 165/2000 geändert; die Betroffenen würden seither aufgrund einer Anerkennung
         des Diploms durch das Saeitte ohne Weiteres eingeschrieben.
      
      68      Der Gemeinsame Ministerialerlass ED 5/4/3399 gelte nicht für Inhaber von Diplomen, die in den Geltungsbereich der Richtlinie
         89/48 fielen und gemäß dem Dekret Nr. 165/2000 anerkannt seien. Die fraglichen Auswahlverfahren beträfen nur andere Gruppen
         von Antragstellern, die den Ingenieurberuf in Griechenland ausüben wollten. Inhaber von Diplomen, die in den Geltungsbereich
         der Richtlinie 89/48 fielen, seien nach dem Dekret Nr. 165/2000 anerkannt und brauchten sich daher keinem Auswahlverfahren
         zu unterziehen. Daher könne der bloße Umstand, dass in der Bekanntmachung des Auswahlverfahrens die Inhaber derartiger Diplome
         nicht ausdrücklich erwähnt würden, nicht zu einem Verstoß gegen die Richtlinie 89/48 führen. In ihrer Gegenerwiderung fügt
         die Hellenische Republik dem hinzu, dass das TEE die Absicht habe, die Bekanntmachungen der Auswahlverfahren zu ändern, damit
         kein Zweifel bestehe. 
      
      69      Zu den Beschwerden, die die Kommission erhalten habe, sei zu bemerken, dass jeder Fall besonders gelagert sei. Darüber hinaus
         führt die Hellenische Republik sechs Einzelfälle an, in denen das TEE auf den Antrag unmittelbar reagiert und den Betroffenen
         in sein Register aufgenommen habe.
      
      70      Die Kommission hält dem entgegen, dass Art. 1 des Gemeinsamen Ministerialerlasses ED 5/4/3399 allgemein auf „Inhaber von Ingenieurdiplomen
         inländischer Hochschulen oder gleichwertiger ausländischer Hochschulen“ Bezug nehme, ohne danach zu unterscheiden, ob die
         fraglichen Diplome gemäß dem Dekret Nr. 165/2000 anerkannt worden seien. Selbst wenn sich die Praxis des TEE geändert habe,
         führe die derzeitige Situation zu Rechtsunsicherheit für die Wanderarbeitnehmer.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      71      Wie die Hellenische Republik anerkennt und sich auch aus der Rechtsprechung ergibt, kann das TEE die Aufnahme von Ingenieuren,
         die ein Diplom im Sinne der Richtlinie 89/48 besitzen, in seine Register nicht von dem Bestehen eines Auswahlverfahrens oder
         der Vorlage einer vom Dikatsa ausgestellten Bescheinigung abhängig machen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 14. Juli 2005,
         Pedros, C‑141/04, Slg. 2005, I‑7163, Randnrn. 35 und 39). Solche Erfordernisse sind unvereinbar mit Art. 3 Abs. 1 Buchst. a
         der Richtlinie 89/48.
      
      72      Die Kommission stützt ihre Rüge insoweit jedoch ganz auf Art. 7 Abs. 3 der Richtlinie 89/48.
      
      73      Art. 7 Abs. 3 gilt aber nur für Berufe, die im Aufnahmemitgliedstaat durch einen Verband oder eine Organisation im Sinne von
         Art. 1 Buchst. d Abs. 2 der Richtlinie 89/48 reglementiert sind.
      
      74      Dazu ist festzustellen, dass die beruflichen Tätigkeiten, die der Verantwortung des TEE unterstellt sind, nicht unter Art. 1
         Buchst. d Abs. 2, sondern unter Art. 1 Buchst. d Abs. 1 der Richtlinie 89/48 fallen. In Griechenland sind nämlich die Aufnahme
         und die Ausübung des Ingenieurberufs direkt durch Rechtsvorschriften an den Besitz eines Diploms gebunden.
      
      75      Unter diesen Umständen kann die sechste Rüge der Kommission keinen Erfolg haben, da sie sich nur auf eine im vorliegenden
         Fall nicht einschlägige Bestimmung der Richtlinie 89/48 stützt. Die sechste Rüge der Kommission ist infolgedessen zurückzuweisen.
         
      
      76      Nach alledem ist festzustellen, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 1, 3, 4, 8 und
         10 der Richtlinie 89/48 verstoßen hat, dass sie
      
      –        Diplome nicht anerkannt hat, die von den zuständigen Behörden eines anderen Mitgliedstaats nach einer Ausbildung ausgestellt
         wurden, die im Rahmen einer Homologationsvereinbarung erfolgte;
      
      –        Ausgleichsmaßnahmen in mehr Fällen vorgeschrieben hat, als die Richtlinie 89/48 zulässt;
      –        das Saeitte damit betraut hat, zu prüfen, ob „die Bildungseinrichtung, in der der Antragsteller seine Berufsausbildung erhalten
         hat, zur Hochschulausbildung gehört“ und inwieweit „der Antragsteller über die erforderliche Berufserfahrung in dem Fall verfügt,
         dass die Dauer der Ausbildung um mindestens ein Jahr unter der Dauer liegt, die in Griechenland für die Ausübung des betreffenden
         Berufs gefordert wird“, und
      
      –        es in der öffentlichen Verwaltung Personen, die in einem niedrigeren Dienstgrad als dem eingestellt wurden, den sie hätten
         beanspruchen können, wenn ihre Diplome gemäß Art. 3 der Richtlinie 89/48 anerkannt worden wären, nicht ermöglicht hat, in
         einen höheren Dienstgrad eingestuft zu werden.
      
       Kosten
      77      Gemäß Art. 69 § 3 der Verfahrensordnung kann der Gerichtshof die Kosten teilen, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt.
         Außerdem wird nach Art. 69 § 5 der Verfahrensordnung die Partei, die die Klage zurücknimmt, auf Antrag zur Tragung der Kosten
         verurteilt. Unter diesen Umständen sind der Hellenischen Republik zwei Drittel der Kosten der Kommission aufzuerlegen; im
         Übrigen trägt jede Partei ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Hellenische Republik hat dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 1, 3, 4, 8 und 10 der Richtlinie 89/48/EWG des
            Rates vom 21. Dezember 1988 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
            Berufsausbildung abschließen, in der durch die Richtlinie 2001/19/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Mai
            2001 geänderten Fassung verstoßen, dass sie
      –        Diplome nicht anerkannt hat, die von den zuständigen Behörden eines anderen Mitgliedstaats nach einer Ausbildung ausgestellt
            wurden, die im Rahmen einer Vereinbarung erfolgte, nach der eine von einer privaten Einrichtung in Griechenland erbrachte
            Ausbildung von den genannten Behörden anerkannt wird; 
      –        Ausgleichsmaßnahmen in mehr Fällen vorgeschrieben hat, als die Richtlinie 89/48 in der durch die Richtlinie 2001/19 geänderten
            Fassung zulässt;
      –        den Rat für die Anerkennung der beruflichen Gleichwertigkeit von Befähigungsnachweisen der Hochschulausbildung damit betraut
            hat, zu prüfen, ob „die Bildungseinrichtung, in der der Antragsteller seine Berufsausbildung erhalten hat, zur Hochschulausbildung
            gehört“ und inwieweit „der Antragsteller über die erforderliche Berufserfahrung in dem Fall verfügt, dass die Dauer der Ausbildung
            um mindestens ein Jahr unter der Dauer liegt, die in Griechenland für die Ausübung des betreffenden Berufs gefordert wird“,
            und
      –        es in der öffentlichen Verwaltung Personen, die in einem niedrigeren Dienstgrad als dem eingestellt wurden, den sie hätten
            beanspruchen können, wenn ihre Diplome gemäß Art. 3 der Richtlinie 89/48 in der durch die Richtlinie 2001/19 geänderten Fassung
            anerkannt worden wären, nicht ermöglicht hat, in einen höheren Dienstgrad eingestuft zu werden.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Die Hellenische Republik trägt zwei Drittel der Kosten der Kommission der Europäischen Gemeinschaften und ihre eigenen Kosten.
      4.      Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt ein Drittel ihrer eigenen Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.