CELEX: 
Language: de
Date: 2020-07-17 00:00:00
Title: DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) .../... DER KOMMISSION zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick auf Mindeststandards für EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte

EUROPÄISCHE
                           KOMMISSION
                                                 Brüssel, den 17.7.2020
                                                 C(2020) 4757 final
             DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) .../... DER KOMMISSION
                                     vom 17.7.2020
   zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des
   Rates im Hinblick auf Mindeststandards für EU-Referenzwerte für den klimabedingten
                   Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte
DE                                                                                    DE
 ---pagebreak---                                               BEGRÜNDUNG
   1.        KONTEXT DES DELEGIERTEN RECHTSAKTS
   1.1.      Allgemeiner Hintergrund
   Im Jahr 2015 unterzeichnete die Europäische Union das Übereinkommen von Paris. Das
   Übereinkommen von Paris gibt das Ziel vor, entschlossener gegen den Klimawandel
   vorzugehen, unter anderem, indem die Investitionsströme mit dem Übergang zu einer
   hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen
   widerstandsfähigen Entwicklung in Einklang gebracht werden.
   In der Mitteilung über den europäischen Grünen Deal wird bestätigt, dass langfristige Signale
   erforderlich sind, um Finanz- und Kapitalströme auf grüne Investitionen auszurichten und
   „verlorene“ Vermögenswerte zu vermeiden. Der vorliegende delegierte Rechtsakt trägt zur
   Erreichung dieses spezifischen Ziels bei. Er knüpft zudem an den bereits im März 2018
   vorgelegten Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ an, mit dem eine
   ehrgeizige und umfassende Strategie zur nachhaltigen Finanzierung auf den Weg gebracht
   wurde und der darauf abzielt, die Kapitalströme neu auf nachhaltige Investitionen
   auszurichten, um ein nachhaltiges und inklusives Wachstum zu erreichen.
   Im weiteren Sinne ist der europäische Grüne Deal die Antwort der Europäischen Union auf
   die Klima- und Umweltprobleme, deren Bewältigung die entscheidende Aufgabe dieser
   Generation ist. Beim Grünen Deal handelt sich um eine neue Wachstumsstrategie, die die EU in
   eine faire und wohlhabende Gesellschaft umwandeln soll, mit einer modernen,
   ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft, in der es im Jahr 2050 keine Netto-
   Treibhausgasemissionen mehr gibt, in der die Umwelt und die Gesundheit der Bürgerinnen und
   Bürger geschützt sind und das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung abgekoppelt ist.
   Da der Großteil der nachhaltigen Investitionen im kommenden Jahrzehnt von Unternehmen und
   Haushalten bereitgestellt werden muss, ist es von entscheidender Bedeutung, klare, langfristige
   Signale zu setzen, um Investoren zu nachhaltigen Investitionen zu bewegen.
   Mit der Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates 1 (im
   Folgenden „Benchmark-Verordnung“) wurde ein gemeinsamer Rahmen eingeführt, um die
   Genauigkeit und Integrität der Referenzwerte sicherzustellen, die bei Finanzinstrumenten,
   Finanzkontrakten oder Investmentfonds in der Europäischen Union als Bezugsgrundlage
   dienen. Auf diese Weise soll zum Funktionieren des Binnenmarkts beigetragen und
   gleichzeitig ein hohes Maß an Verbraucher- und Anlegerschutz gewährleistet werden.
   Am 24. Mai 2018 veröffentlichte die Kommission ihren Vorschlag zur Änderung der
   Benchmark-Verordnung im Einklang mit dem Aktionsplan „Finanzierung nachhaltigen
   Wachstums“ mit dem Ziel, Standards für die Methodik von Referenzwerten für CO2-arme
   Investitionen in der Union einzuführen.
   Die Verordnung (EU) 2019/2089 des Europäischen Parlaments und des Rates2 führt eine neue
   Kategorie von Referenzwerten ein, die so genannten EU-Referenzwerte für den Klimaschutz
   1
           Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2016 über
           Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der
           Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden, und zur Änderung der Richtlinien
           2008/48/EG und 2014/17/EU sowie der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 (ABl. L 171 vom 29.6.2016,
           S. 1).
   2
           Verordnung (EU) 2019/2089 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. November 2019 zur
           Änderung der Verordnung (EU) 2016/1011 hinsichtlich EU-Referenzwerten für den klimabedingten
           Wandel, hinsichtlich auf das Übereinkommen von Paris abgestimmter EU-Referenzwerte sowie
DE                                                    1                                                   DE
 ---pagebreak---    (die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten EU-
   Referenzwerte), sowie nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen für alle Referenzwerte.
   1.2.      Ziele der delegierten Verordnung
   Ziel dieser delegierten Verordnung ist es, die Mindeststandards festzulegen, die die EU-
   Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten EU-
   Referenzwerte erfüllen müssen, um als solche gekennzeichnet zu werden, und die
   Transparenzanforderungen an die Methodik für beide Referenzwerte festzulegen.
   1.3.      Rechtlicher Hintergrund
   Die vorliegende delegierte Verordnung stützt sich auf die in Artikel 19a Absatz 2 der
   Benchmark-Verordnung festgelegte Befugnisübertragung.
   2.        KONSULTATIONEN VOR ANNAHME DES RECHTSAKTS
   Im Juni 2018 setzte die Kommission eine Sachverständigengruppe für ein nachhaltiges
   Finanzwesen (Technical Expert Group on Sustainable Finance, TEG) ein. Die TEG wurde
   damit befasst, Empfehlungen für die Kommission bezüglich der technischen
   Mindestanforderungen an die Methodik der EU-Referenzwerte für den Klimaschutz zu
   erarbeiten.
   Im Juni 2019 veröffentlichte die TEG eine Zwischenversion des Berichts, zu der im Sommer
   2019 Rückmeldungen eingeholt wurden.
   Am 30. September 2019 veröffentlichte die die TEG ihren Abschlussbericht. Dieser
   Abschlussbericht                           ist                     verfügbar                      unter
   https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/business_economy_euro/banking_and_finance/docum
   ents/190930-sustainable-finance-teg-final-report-climate-benchmarks-and-disclosures_en.pdf.
   Die Bediensteten der Kommission kamen im Herbst 2019 und in der ersten Hälfte des Jahres
   2020 mit Interessenträgern zusammen, um die künftigen delegierten Maßnahmen zu erörtern.
   In Übereinstimmung mit den Regelungen für eine bessere Rechtsetzung wurden die Entwürfe
   delegierter Rechtsakte auf dem Portal für bessere Rechtsetzung für einen vierwöchigen
   Rückmeldungszeitraum zwischen April und Mai 2020 veröffentlicht. Insgesamt beteiligten
   sich 36 Interessenträger an der Konsultation. Darüber hinaus wurden die Entwürfe delegierter
   Rechtsakte auf der Sitzung der Sachverständigengruppe des Europäischen
   Wertpapierausschusses (Expert Group of the European Securities Committee, EGESC) im
   Mai 2020 den Sachverständigen der Mitgliedstaaten vorgelegt und mit Beobachtern des
   Europäischen Parlaments erörtert.
   3.        FOLGENABSCHÄTZUNG
   Nach der durch die Verordnung (EU) 2019/2089 geänderten Benchmark-Verordnung ist die
   Kommission befugt, nachhaltigkeitsbezogene Maßnahmen für Referenzwerte festzulegen.
   Dies umfasst drei Themenbereiche: Mindestanforderungen für die Konzipierung von EU-
   Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmter EU-Referenzwerte,
   den Mindestinhalt der Erläuterung, wie die wichtigsten Elemente der Referenzwerte-
   Methodik die ESG-Faktoren berücksichtigen, sowie die vom Referenzwert-Administrator in
   der Referenzwert-Erklärung, wie ESG-Faktoren berücksichtigt werden, zu liefernden
   Informationen.
           hinsichtlich nachhaltigkeitsbezogener Offenlegungen für Referenzwerte (ABl. L 317 vom 9.12.2019,
           S. 17).
DE                                                      2                                                   DE
 ---pagebreak---    Die TEG wurde von der Kommission beauftragt, technische Empfehlungen zu all diesen
   Aspekten abzugeben. Die TEG veröffentlichte ihren Abschlussbericht zu den Klima-
   Referenzwerten und den ESG-bezogenen Offenlegungsanforderungen für Referenzwerte im
   September 2019, nachdem im Sommer 2019 zahlreiche Gespräche mit Interessenträgern im
   Rahmen von Diskussionsforen, Workshops und einem sechswöchigen Aufruf für
   Rückmeldungen geführt worden waren.
   Bericht der TEG
   Der Abschlussbericht der TEG enthält eine Reihe von Mindestanforderungen für die
   Konzipierung von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und von Paris-
   abgestimmten EU-Referenzwerten sowie Mindestanforderungen für die ESG-bezogene
   Offenlegung, die bis auf einige Ausnahmen für alle Referenzwerte gelten sollen.
   Die Kommission hat alle eingegangenen Stellungnahmen berücksichtigt, einschließlich des
   Berichts der TEG und der Rückmeldungen in diesem Zusammenhang, sowie die Beiträge, die
   der Kommission von den Interessenträgern bei bilateralen Treffen oder Konferenzschaltungen
   übermittelt wurden.
   Obgleich die Kommission dem Ansatz der TEG im Allgemeinen zustimmt, weichen die
   delegierten Rechtsakte dennoch in mehreren Punkten vom Bericht der TEG ab, insbesondere
   im Zusammenhang mit den ESG-bezogenen Offenlegungsanforderungen. Ziel ist es, den
   Ansatz der TEG zu straffen und zu vereinfachen, um mehr Klarheit über die Indikatoren und
   über die Informationen zu schaffen, die von den Referenzwert-Administratoren offengelegt
   werden sollen. Die Änderungen sind einfach formuliert und verdeutlichen die technischen
   Empfehlungen der TEG, verbessern den Grad der Transparenz und bieten den Referenzwert-
   Administratoren mehr Vorhersehbarkeit.
   Bei der Festlegung der Mindestkriterien für die Konzipierung von EU-Referenzwerten für den
   klimabedingten Wandel und von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten sowie von ESG-
   bezogenen Offenlegungsanforderungen hat die Kommission den übergeordneten Grundsatz
   der Verhältnismäßigkeit berücksichtigt und gleichzeitig den Referenzwert-Administratoren
   weiterhin ein gewisses Maß an Flexibilität eingeräumt.
   Verhältnismäßigkeit
   In den delegierten Rechtsakten werden die Befugnisse im Hinblick auf die neuen EU-
   Referenzwerte für den Klimaschutz und die ESG-bezogenen Offenlegungsanforderungen, die
   in der Benchmark-Verordnung enthalten sind, weiter präzisiert, wodurch deren
   verhältnismäßige Anwendung gewährleistet wird.
   Unter Berücksichtigung des TEG-Berichts und der Rückmeldungen der Interessenträger hat
   die Kommission versucht, einen verhältnismäßigen Ansatz für die Mindestanforderungen bei
   der Konzipierung von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und Paris-
   abgestimmter EU-Referenzwerte sowie Mindestanforderungen für die ESG-bezogene
   Offenlegung für Referenzwert-Administratoren einzuführen.
   Im Einklang mit den in der Benchmark-Verordnung enthaltenen Befugnissen ist die
   Kommission der Ansicht, dass zwischen den ESG-bezogenen Offenlegungsanforderungen im
   Zusammenhang mit der Methodik und den ESG-bezogenen Offenlegungsanforderungen in
   der Referenzwert-Erklärung unterschieden werden muss, da sie nicht dieselben Ziele in Bezug
   auf die Anleger verfolgen.
   Die Referenzwert-Administratoren sind derzeit nicht verpflichtet, eine Liste von ESG-
   Faktoren offenzulegen, obwohl eine Reihe von ihnen dies bereits in sogenannten
   „Informationsblättern“ tut. Daher wird diese Vorgehensweise nur für einige von ihnen neu
DE                                               3                                             DE
 ---pagebreak---    sein. Ziel der Kommission ist es, sich so weit wie möglich an bereits bestehenden
   Marktpraktiken und -indikatoren zu orientieren, um unverhältnismäßig hohe Kosten zu
   vermeiden. Aus diesem Grund basieren die ESG-Faktoren auf der Empfehlung des TEG-
   Berichts, der Gegenstand einer umfassenden Marktkonsultation war. Die Kommission schlägt
   außerdem vor, den von der TEG vorgeschlagenen Ansatz weiter zu verfeinern und dabei
   insbesondere die Liste der offenzulegenden ESG-Faktoren zu optimieren, die verwendete
   Terminologie zu vereinfachen und gegebenenfalls auf internationale Standards, Verträge und
   Konventionen zu verweisen.
   Darüber hinaus beabsichtigt die Kommission nicht, die Offenlegung von ESG-Ratings für alle
   Referenzwerte vorzuschreiben, da diese Frage in einem separaten und gleichzeitig
   stattfindenden Arbeitsablauf im Rahmen des Aktionsplans für ein nachhaltiges Finanzwesen
   behandelt wird.
   Abschließend wird im Bericht der TEG zwar die Verwendung einer Quote für „grüne“ und
   „braune“ Aktien empfohlen, eine solche Kennzahl ist jedoch nicht in den delegierten
   Rechtsakten enthalten, da diese Begriffe auf EU-Ebene noch nicht definiert wurden und in
   einem separaten und gleichzeitig stattfindenden Arbeitsablauf im Rahmen der bevorstehenden
   Taxonomieverordnung geprüft werden.
   Flexibilität
   Die im delegierten Rechtsakt festgelegten Anforderungen in Bezug auf Mindeststandards für
   die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und für Paris-abgestimmte EU-
   Referenzwerte ermöglichen weiterhin ein gewisses Maß an Flexibilität bei der Gestaltung der
   Methodik der Referenzwerte, um dem Markt Raum für die Entwicklung innovativer
   Strategien und die Anpassung an die spezifischen Bedürfnisse der Investoren zu geben.
   Im Hinblick auf den delegierten Rechtsakt über den Mindestinhalt der Erläuterung, wie ESG-
   Faktoren in der Referenzwertmethodik berücksichtigt werden, sollten Referenzwert-
   Administratoren nur über die ESG-Faktoren berichten, die sie bei der Verfolgung von ESG-
   Zielen verwenden, und darüber, wie sie diese umsetzen.
   Was schließlich den delegierten Rechtsakt zur Referenzwert-Erklärung betrifft, so sind
   Referenzwert-Administratoren, die keine ESG-Ziele verfolgen, nicht an die Anforderungen
   gebunden, wenn sie dies im entsprechenden Muster im Anhang zur Referenzwert-Erklärung
   ausdrücklich angeben.
   3.1       Kosten-Nutzen-Analyse
   In einem der delegierten Rechtsakte werden Mindeststandards für die Ausgestaltung der EU-
   Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und der Paris-abgestimmten EU-
   Referenzwerte festgelegt. Bei beiden Referenzwerten handelt es sich um freiwillige
   Kennzeichnungen, und daher gelten die im entsprechenden delegierten Rechtsakt festgelegten
   Anforderungen nur für Referenzwert-Administratoren, die sich für die Regelungen
   entscheiden. Da der delegierte Rechtsakt Mindeststandards festlegt, wird den Referenzwert-
   Administratoren ein gewisses Maß an Flexibilität bei der Gestaltung zugestanden, sodass die
   Kosten für die Einhaltung der Vorschriften im Rahmen bleiben. Allgemeiner ausgedrückt:
   Mit diesem Ansatz würden klare und harmonisierte Vorschriften für die Ausgestaltung
   solcher Referenzwerte bereitgestellt, die die Möglichkeit einräumen dürften, bei Bedarf die
   Kosten für die Entwicklung interner Richtlinien zu senken, dem Markt aber gleichzeitig Raum
   für die Entwicklung innovativer Strategien lassen und der Nachfrage von Investoren gerecht
   werden, die klimabewusste Anlagestrategien verfolgen wollen.
DE                                               4                                             DE
 ---pagebreak---    Die beiden delegierten Rechtsakte über die Mindestangaben für die ESG-bezogene
   Offenlegung hinsichtlich der Methodik bzw. über die Mindestangaben für die ESG-bezogene
   Offenlegung in der Referenzwert-Erklärung erfordern, dass die Referenzwert-Administratoren
   ihre IT-Infrastruktur an den neuen Informationsfluss und die Offenlegungsanforderungen
   anpassen. Es sei hervorgehoben, dass es bereits gängige Marktpraxis ist, dass Referenzwert-
   Administratoren ESG-Informationen in sogenannten „Informationsblättern“ offenlegen,
   weshalb die Kosten für die Einhaltung der neuen Vorschriften voraussichtlich begrenzt sein
   werden.
   Die ESG-Informationen, die von den Referenzwert-Administratoren offenzulegen sind,
   werden die Vergleichbarkeit zwischen den Referenzwerten verbessern und Klarheit für
   Investoren schaffen, die bereit sind, sachkundig klimabezogene Investitionen zu tätigen.
   3.2       Subsidiarität
   Die Benchmark-Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
   Mitgliedstaat. Die Benchmark-Verordnung enthält eine Übergangsfrist für kritische
   Referenzwerte und Referenzwerte von Drittstaaten, die in der Union bis Ende 2021 ohne
   Genehmigung weiter verwendet werden dürfen. Die Rechtsgrundlage für die Benchmark-
   Verordnung ist Artikel 114 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union, und
   alle Änderungen dieser Verordnung müssen im Einklang mit der genannten Rechtsgrundlage
   stehen.
   Immer mehr Anleger setzen auf Strategien für CO2-arme Investitionen und verwenden
   entsprechende Referenzwerte zur Messung der Wertentwicklung ihrer Anlageportfolios.
   Um das ordnungsgemäße Funktionieren des Binnenmarkts zugunsten der Anleger
   sicherzustellen, das Funktionieren des Binnenmarktes weiter zu verbessern und ein hohes
   Maß an Verbraucher- und Anlegerschutz zu gewährleisten, wird mit der geänderten
   Benchmark-Verordnung ein Regulierungsrahmen eingeführt, in dem Mindestanforderungen
   an EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und an Paris-abgestimmte EU-
   Referenzwerte festgelegt werden. Die Festlegung von EU-Referenzwerten für den
   klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmter EU-Referenzwerte, die durch eine Methodik
   untermauert werden, die mit den im Übereinkommen von Paris festgelegten Verpflichtungen
   in Bezug auf CO2-Emissionen verknüpft ist, wird dazu beitragen, die Transparenz zu erhöhen
   und Grünfärberei zu verhindern.
   Da es bislang keinen harmonisierten Rahmen zur Gewährleistung der Genauigkeit und
   Integrität der wichtigsten Kategorien von Referenzwerten für CO2-arme Investitionen gibt, die
   in individuellen und kollektiven Anlageportfolios verwendet werden, ist es wahrscheinlich,
   dass durch unterschiedliche Ansätze in den Mitgliedstaaten Hindernisse für das reibungslose
   Funktionieren des Binnenmarkts entstehen.
   4.        RECHTLICHE ASPEKTE DES DELEGIERTEN RECHTSAKTS
   Das Recht zur Annahme delegierter Rechtsakte ist in Artikel 49 der Benchmark-Verordnung
   festgeschrieben.
            In Artikel 1 werden die in            der   vorliegenden  Verordnung       geltenden
             Begriffsbestimmungen festgelegt.
            In Artikel 2 wird das Referenztemperatur-Szenario für die Konzipierung von EU-
             Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmter EU-
             Referenzwerte festgelegt.
DE                                                5                                               DE
 ---pagebreak---     In Artikel 3 werden Mindestanforderungen in Bezug auf die Beschränkungen
     hinsichtlich der Aktienallokation festgelegt.
    In     Artikel 4    werden      Anforderungen     an      die   Berechnung       der
     Treibhausgasemissionsintensität (Treibhausgas, THG) oder der absoluten THG-
     Emissionen festgelegt.
    In Artikel 5 werden Mindestanforderungen in Bezug auf die Einbeziehung und
     schrittweise Einführung von Scope-3-THG-Emissionsdaten festgelegt.
    In Artikel 6 werden Vorschriften festgelegt, nach denen Unternehmen Ziele für die
     Reduzierung von THG-Emissionen festlegen und veröffentlichen.
    In     Artikel 7   werden      Mindestanforderungen      in    Bezug     auf     den
     Dekarbonisierungszielpfad für die EU-Referenzwerte für den klimabedingten
     Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte festgelegt.
    In Artikel 8 sind die Vorschriften festgelegt, die bei einer Änderung der
     Berechnungsmethode für die THG-Emissionen anzuwenden sind.
    In Artikel 9 wird der Referenzwert für die Reduktion der THG-Emissionen in Bezug
     auf die Referenzwerte für den klimabedingten Wandel im Vergleich zum
     Anlageuniversum festgelegt.
    In Artikel 10 werden die Ausnahmen für die EU-Referenzwerte für den
     klimabedingten Wandel festgelegt.
    In Artikel 11 wird der Referenzwert für die Reduktion der THG-Emissionen in
     Bezug auf die Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte im Vergleich zum
     Anlageuniversum festgelegt.
    In Artikel 12 werden die Ausnahmen für die Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte
     festgelegt.
    In Artikel 13 werden Vorschriften bezüglich der Transparenzanforderungen für
     Schätzungen festgelegt.
    In Artikel 14 werden Regeln für die Offenlegung des Dekarbonisierungszielpfads
     festgelegt.
    In Artikel 15 werden Vorschriften für die Genauigkeit der Datenquellen festgelegt.
DE                                          6                                             DE
 ---pagebreak---                 DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) .../... DER KOMMISSION
                                             vom 17.7.2020
     zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des
    Rates im Hinblick auf Mindeststandards für EU-Referenzwerte für den klimabedingten
                       Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte
   DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION —
   gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union,
   gestützt auf die Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
   8. Juni 2016 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert
   oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden, und zur
   Änderung der Richtlinien 2008/48/EG und 2014/17/EU sowie der Verordnung (EU)
   Nr. 596/20143, insbesondere auf Artikel 19a Absatz 2,
   in Erwägung nachstehender Gründe:
   (1)     Das im Rahmen des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über
           Klimaänderungen geschlossene Übereinkommen von Paris, das die Union am
           5. Oktober 2016 angenommen hat4 (im Folgenden „Übereinkommen von Paris“), zielt
           darauf ab, die Maßnahmen zur Bewältigung des Klimawandels zu verstärken, indem
           unter anderem die Investitionsströme mit dem Übergang zu einer hinsichtlich der
           Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen
           Entwicklung in Einklang gebracht werden.
   (2)     Am 11. Dezember 2019 veröffentlichte die Kommission ihre Mitteilung an das
           Europäische Parlament, den Europäischen Rat, den Rat, den Europäischen
           Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen – „Der
           europäische Grüne Deal“5. Der europäische Grüne Deal stellt eine neue
           Wachstumsstrategie dar, mit der die Union zu einer fairen und wohlhabenden
           Gesellschaft mit einer modernen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen
           Wirtschaft werden soll, in der im Jahr 2050 keine Netto-Treibhausgasemissionen mehr
           freigesetzt werden und das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung
           abgekoppelt ist. Die Umsetzung des europäischen Grünen Deals erfordert, dass klare,
           langfristige Signale für Investoren gesetzt werden, damit „verlorene“ Vermögenswerte
           vermieden und nachhaltige Finanzmittel mobilisiert werden.
   (3)     In der Verordnung (EU) 2016/1011 werden EU-Referenzwerte für den klimabedingten
           Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte festgelegt. Die Methodik dieser
           Referenzwerte beruht auf den im Übereinkommen von Paris festgelegten
           Verpflichtungen. Es ist erforderlich, die für beide Arten von Referenzwerten geltenden
           Mindeststandards festzulegen. Mit den EU-Referenzwerten für den klimabedingten
           Wandel und den Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten werden ähnliche Ziele
   3
           ABl. L 171 vom 29.6.2016, S. 1.
   4
           Beschluss (EU) 2016/1841 des Rates vom 5. Oktober 2016 über den Abschluss des im Rahmen des
           Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen geschlossenen
           Übereinkommens von Paris im Namen der Europäischen Union (ABl. L 282 vom 19.10.2016, S. 1).
   5
           COM(2019) 640 final.
DE                                                  7                                                  DE
 ---pagebreak---        verfolgt, die jedoch unterschiedlich ehrgeizig ausfallen. Der Großteil der
       Mindeststandards sollte daher für beide Arten von Referenzwerten gelten, wobei die
       Schwellenwerte jedoch je nach Art des Referenzwerts variieren sollten.
   (4) Derzeit gibt es nicht genügend Daten, um den CO2-Fußabdruck zu bewerten, der sich
       aus den Entscheidungen staatlicher Einrichtungen ergibt. Öffentliche Emissionen
       sollten daher nicht als Bestandteile der EU-Referenzwerte für den klimabedingten
       Wandel und der Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte in Frage kommen.
   (5) Da die Methodik der EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Paris-
       abgestimmten EU-Referenzwerte auf den im Übereinkommen von Paris festgelegten
       Verpflichtungen beruht, ist es notwendig, das im Sonderbericht „1,5 °C globale
       Erwärmung“ des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC)6
       erläuterte 1,5 °C-Szenario (im Folgenden „IPCC-Szenario“) ohne oder nur mit
       begrenzter Überschreitung anzuwenden. Dieses IPCC-Szenario steht im Einklang mit
       dem Ziel der Kommission, bis zum Jahr 2050 Treibhausgasneutralität zu erreichen,
       wie im Rahmen des europäischen Grünen Deals festgelegt. Um dem IPCC-Szenario zu
       entsprechen, sollten Investitionen von Tätigkeiten, die von fossilen Brennstoffen
       abhängen, auf grüne oder erneuerbare Tätigkeiten verlagert werden, und die
       Klimaauswirkungen dieser Investitionen sollten sich von Jahr zu Jahr verbessern.
   (6) Die in den Abschnitten A bis H und Anhang I Abschnitt L der Verordnung (EG)
       Nr. 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates7 aufgeführten Sektoren,
       darunter Öl, Gas, Bergbau und Verkehr, sind Wirtschaftszweige, die in hohem Maße
       zum Klimawandel beitragen. Um zu gewährleisten, dass die EU-Referenzwerte für
       den klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte ein
       wirklichkeitstreues Bild der Realwirtschaft vermitteln, einschließlich der Sektoren, die
       ihre THG-Emissionen aktiv reduzieren sollten, um die Ziele des Übereinkommens von
       Paris erreichbar zu machen, sollte die Risikoposition der genannten Referenzwerte
       gegenüber diesen Sektoren nicht geringer sein als die einschlägige Risikoposition ihres
       zugrunde liegenden Anlageuniversums. Diese Anforderung sollte jedoch nur für die
       EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und für Paris-abgestimmte EU-
       Referenzwerte gelten, die Referenzwerte für Aktien sind, um sicherzustellen, dass
       Aktienanleger, denen die Ziele des Übereinkommens von Paris ein Anliegen sind,
       weiterhin durch Interaktion und Abstimmung ihren Einfluss auf den Übergang des
       Unternehmens hin zu nachhaltigeren Tätigkeiten geltend machen.
   (7) Die Berechnungsmethode der THG-Emissionen sollte vergleichbar und einheitlich
       sein. Es ist daher notwendig, Vorschriften darüber festzulegen, wie oft diese
       Berechnungen aktualisiert werden sollten, und gegebenenfalls über die zu
       verwendende Währung.
   (8) Eine Dekarbonisierung, die nur auf THG-Emissionen der Kategorien Scope 1 und
       Scope 2 basiert, könnte zu kontraintuitiven Ergebnissen führen. Es sollte daher
       präzisiert werden, dass die Mindeststandards für die EU-Referenzwerte für den
       klimabedingten Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte nicht nur die
   6
       IPCC, 2018: Global Warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of
       1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context
       of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and
       efforts to eradicate poverty.
   7
       Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006
       zur Aufstellung der statistischen Systematik der Wirtschaftszweige NACE Revision 2 und zur
       Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des Rates sowie einiger Verordnungen der EG über
       bestimmte Bereiche der Statistik (ABl. L 393 vom 30.12.2006, S. 1).
DE                                                   8                                                       DE
 ---pagebreak---         direkten Emissionen von Unternehmen, sondern auch anhand des
        Lebenszykluskonzepts bewertete Emissionen und damit auch die THG-Emissionen der
        Kategorie Scope 3 berücksichtigen sollten. Aufgrund der unzureichenden Qualität der
        derzeit verfügbaren Daten zu den THG-Emissionen der Kategorie Scope 3 ist es
        jedoch notwendig, einen angemessenen Einführungszeitplan festzulegen, um die
        Nutzung der Reserven fossiler Brennstoffe für einen begrenzten Zeitraum zu
        ermöglichen. Dieser Einführungszeitplan sollte sich auf das in der Verordnung (EG)
        Nr. 1893/2006 enthaltene Verzeichnis der Wirtschaftszweige stützen.
   (9)  Referenzwert-Administratoren sollten die Möglichkeit haben, Unternehmen auf der
        Grundlage der von den Unternehmen festgelegten Dekarbonisierungszielen zu
        gewichten. Daher sollten spezifische Vorschriften in Bezug auf die von den einzelnen
        Unternehmen gemeldeten Dekarbonisierungsziele festgelegt werden.
   (10) Die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten
        EU-Referenzwerte sollten unter Beweis stellen, dass sie in der Lage sind, sich
        innerhalb eines Jahres zu dekarbonisieren. Dieser minimale Dekarbonisierungszielpfad
        sollte unter Verwendung des IPCC-Szenarios berechnet werden. Um Grünfärberei zu
        verhindern, sollten darüber hinaus die Bedingungen für die Abweichung vom
        Dekarbonisierungszielpfad und für das Recht, einen Referenzwert weiterhin als EU-
        Referenzwert für den klimabedingten Wandel oder als Paris-abgestimmten EU-
        Referenzwert zu kennzeichnen, festgelegt werden.
   (11) Hauptparameter für die Berechnung des Dekarbonisierungszielpfads sollte die THG-
        Emissionsintensität sein, da dieser Parameter die Vergleichbarkeit zwischen den
        Wirtschaftszweigen sicherstellt und nicht zugunsten oder zulasten eines bestimmten
        Wirtschaftszweigs verzerrt ist. Zur Berechnung der THG-Emissionsintensität wird die
        Marktkapitalisierung des betreffenden Unternehmens benötigt. Wenn jedoch
        Referenzwerte für festverzinsliche Unternehmensinstrumente herangezogen werden,
        liegt die Marktkapitalisierung für Unternehmen, die über keinerlei börsennotierte
        Dividendenwerte verfügen, möglicherweise nicht vor. Es sollte daher festgelegt
        werden, dass in den Fällen, in denen für festverzinsliche Unternehmensinstrumente
        EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel oder Paris-abgestimmte EU-
        Referenzwerte herangezogen werden, den Referenzwert-Administratoren gestattet
        werden sollte, THG-Emissionen zu verwenden, die auf absoluten Werten statt auf der
        THG-Emissionsintensität basieren.
   (12) Um die Vergleichbarkeit und Einheitlichkeit der THG-Emissionsdaten zu
        gewährleisten, sollten Vorschriften für die Berechnung von Änderungen der THG-
        Emissionsintensität oder der absoluten THG-Emissionen festgelegt werden.
   (13) Zur Erreichung der Ziele des Übereinkommens von Paris ist es erforderlich, dass
        sowohl die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel als auch die Paris-
        abgestimmten EU-Referenzwerte eine prozentuale Verringerung des Ausgangswerts
        für die Risikoposition gegenüber THG-intensiven Anlagen im Vergleich zu den
        Referenzwerten der Muttergesellschaft oder den zugrunde liegenden Anlageuniversen
        aufweisen. Diese prozentuale Verringerung sollte jedoch bei den Paris-abgestimmten
        EU-Referenzwerten, die ehrgeiziger ausgestaltet sind als die EU-Referenzwerte für
        den klimabedingten Wandel, bedeutender sein.
   (14) Die Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte sollten nicht zur Förderung von
        Investitionen in Finanzinstrumente beitragen, die von Unternehmen begeben werden,
        die gegen internationale Standards wie die Grundsätze der Initiative „Global
        Compact“ der Vereinten Nationen (UNGC) verstoßen. Es ist daher notwendig,
DE                                             9                                             DE
 ---pagebreak---           spezifische Kriterien festzulegen, die auf klimabezogenen oder anderen Erwägungen
          zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (environmental, social and
          governance, ESG) beruhen. Die EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel
          sollten diese Ausschlusskriterien bis zum 31. Dezember 2022 gemäß dem in der
          Verordnung (EU) 2016/1011 festgelegten Zeitplan erfüllen.
   (15)   Um einen Rückgang der Nutzung umweltschädlicher Energiequellen und einen
          ordnungsgemäßen Übergang zu erneuerbaren Energiequellen zu unterstützen, ist es
          ebenfalls zweckmäßig, dass Unternehmen, die mehr als einen bestimmten Prozentsatz
          ihrer Einnahmen mit Kohle, Öl oder Gas erzielen, von den Paris-abgestimmten
          Referenzwerten ausgeschlossen werden. Die im IPCC-Szenario erwarteten
          Veränderungen des Anteils dieser Energieträger an der weltweiten
          Primärenergieversorgung zwischen 2020 und 2050 sollten bei der Festlegung dieser
          spezifischen Ausschlüsse berücksichtigt werden. Insbesondere werden gemäß der
          Tabelle 2.6 des IPCC-Sonderberichts „1,5°C globale Erwärmung“ zwischen 2020 und
          2050 ein Rückgang des Kohleverbrauchs um 57 % bis 99 %, ein Rückgang des
          Ölverbrauchs um 9 % bis 93 % sowie entweder ein Anstieg des Gasverbrauchs um
          85 % oder ein Rückgang um 88 % erwartet. Gas kann während des Übergangs zu einer
          CO2-armen Wirtschaft insbesondere als Ersatz für Kohle verwendet werden, was die
          breitere erwartete Entwicklungsspanne erklärt, obwohl der erwartete mittlere
          Rückgang des Gasverbrauchs bei 40 % liegt. Aus demselben Grund ist es notwendig,
          Unternehmen auszuschließen, die mehr als einen bestimmten Prozentsatz ihrer
          Einnahmen durch Stromerzeugungstätigkeiten erzielen.
   (16)   Um die Transparenz hinsichtlich der Methodik zu gewährleisten, die für die EU-
          Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten EU-
          Referenzwerte verwendet wird, ist es zweckmäßig, Vorschriften über die
          erforderlichen Offenlegungen in Bezug auf den Dekarbonisierungszielpfad und die
          Datenquellen für beide Kategorien von Referenzwerten festzulegen. Aus demselben
          Grund ist es zweckmäßig, Offenlegungsanforderungen für Referenzwert-
          Administratoren festzulegen, die Schätzungen für THG-Emissionsdaten verwenden,
          unabhängig davon, ob die geschätzten Daten von externen Datenlieferanten
          bereitgestellt werden.
   (17)   Um die Harmonisierung der Methodik für die EU-Referenzwerte für den
          klimabedingten Wandel und die Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte zu
          unterstützen, ist es zweckmäßig, Vorschriften über die Qualität und Genauigkeit der
          Datenquellen festzulegen —
   HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
                                          KAPITEL I
                            BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
                                              Artikel 1
                                      Begriffsbestimmungen
   Für die Zwecke dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck
DE                                               10                                           DE
 ---pagebreak---    a)       „Treibhausgasemissionen“ Emissionen von Treibhausgas im Sinne von Artikel 3
            Ziffer 1 der Verordnung (EU) 2018/842 des Europäischen Parlaments und des
            Rates8;
   b)       „absolute Treibhausgasemissionen“ Tonne(n) CO2-Äquivalent im Sinne von
            Artikel 2 Ziffer 7 der Verordnung (EU) Nr. 517/2014 des Europäischen Parlaments
            und des Rates9;
   c)       „Treibhausgas-Emissionsintensität“ die absoluten THG-Emissionen geteilt durch
            Millionen von Euro an Unternehmenswert einschließlich Barmitteln;
   d)       „Unternehmenswert einschließlich Barmittel“ oder „EVIC“ (enterprise value
            including cash) die Summe der Marktkapitalisierung der Stammaktien, der
            Marktkapitalisierung der Vorzugsaktien und des Buchwerts der Gesamtverschuldung
            und des Anteils ohne beherrschenden Einfluss am Ende des Geschäftsjahres, ohne
            Abzug der Barmittel oder der Barmitteln gleichgestellten Mittel;
   e)       „Anlageuniversum“ die Gesamtheit aller Anlageinstrumente in einer bestimmten
            Anlageklasse oder Gruppe von Anlageklassen;
   f)       „Referenzjahr“ das erste einer Reihe von Jahren eines Referenzwerts.
                                              KAPITEL II
        MINDESTSTANDARDS FÜR DIE GESTALTUNG DER
                            REFERENZWERT-METHODIK
                                             ABSCHNITT 1
                GEMEINSAME MINDESTSTANDARDS FÜR DIE EU-
      REFERENZWERTE FÜR DEN KLIMABEDINGTEN WANDEL UND
              DIE PARIS-ABGESTIMMTEN EU-REFERENZWERTE
                                                   Artikel 2
                                     Referenztemperatur-Szenario
   Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und die
   Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten ziehen bei der Ausarbeitung der
   Methodik zur Konzipierung dieser Referenzwerte das 1,5 °C-Szenario der
   Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimafragen (IPCC), auf das im IPCC-
   Sonderbericht „1,5°C globale Erwärmung“ Bezug genommen wird, ohne oder nur mit
   begrenzter Überschreitung als Referenztemperatur-Szenario heran.
   8
          Verordnung (EU) 2018/842 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2018 zur
          Festlegung verbindlicher nationaler Jahresziele für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im
          Zeitraum 2021 bis 2030 als Beitrag zu Klimaschutzmaßnahmen zwecks Erfüllung der Verpflichtungen
          aus dem Übereinkommen von Paris sowie zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 525/2013 (ABl.
          L 156 vom 19.6.2018, S. 26).
   9
          Verordnung (EU) Nr. 517/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 über
          fluorierte Treibhausgase und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 842/2006 (ABl. L 150 vom
          20.5.2014, S. 195).
DE                                                     11                                                   DE
 ---pagebreak---                                              Artikel 3
                         Beschränkung hinsichtlich der Aktienallokation
   EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und Paris-abgestimmte EU-
   Referenzwerte, die auf Dividendenwerten basieren, die an einem öffentlichen Markt in der
   Union oder außerhalb zugelassen sind, müssen in Bezug auf die in Anhang I Abschnitte A bis
   H und Abschnitt L der Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 aufgeführten Wirtschaftszweige eine
   aggregierte Risikoposition aufweisen, die mindestens der aggregierten Risikoposition des
   zugrunde liegenden Anlageuniversums in diesen Wirtschaftszweigen entspricht.
                                             Artikel 4
        Berechnung der THG-Emissionsintensität oder der absoluten THG-Emissionen
   (1)     Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
           die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten berechnen die
           THG-Emissionsintensität oder, falls zutreffend, die absoluten THG-Emissionen
           dieser Referenzwerte unter Verwendung derselben Währung für alle zugrunde
           liegenden Vermögenswerte.
   (2)     Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
           die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten berechnen die
           THG-Emissionsintensität und die absoluten THG-Emissionen dieser Referenzwerte
           jährlich.
                                             Artikel 5
       Einführung von THG-Emissionsdaten der Kategorie Scope 3 in die Referenzwert-
                                            Methodik
   (1)     Die Referenzwert-Methodik für EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel
           und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte umfasst THG-Emissionsdaten der
           Kategorie Scope 3 in folgender Weise:
           a)     Ab dem Datum des Inkrafttretens der vorliegenden Verordnung: THG-
                  Emissionsdaten der Kategorie Scope 3 mindestens für die in den
                  Abteilungen 05 bis 09 sowie 19 und 20 des Anhangs I der Verordnung (EG)
                  Nr. 1893/2006 genannten Wirtschaftszweige Energie und Bergbau;
           b)     innerhalb von zwei Jahren ab dem Datum des Inkrafttretens der vorliegenden
                  Verordnung: THG-Emissionsdaten der Kategorie Scope 3 mindestens für die in
                  den Abteilungen 10 bis 18, 21 bis 33, 41, 42 und 43 sowie 49 bis 53 und 81 des
                  Anhangs I der Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 genannten Wirtschaftszweige
                  Verkehr, Baugewerbe, Hochbau, Werkstoffe und Industrie;
           c)     innerhalb von vier Jahren ab dem Datum des Inkrafttretens der vorliegenden
                  Verordnung: THG-Emissionsdaten der Kategorie Scope 3 für alle anderen, in
                  Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 1893/2006 genannten Wirtschaftszweige.
   (2)     Für die Zwecke des Absatzes 1 Buchstabe a können die Administratoren der EU-
           Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die Administratoren der Paris-
           abgestimmten EU-Referenzwerte vom Datum des Inkrafttretens der vorliegenden
           Verordnung bis zum 31. Dezember 2021 fossile Brennstoffreserven verwenden,
           wenn sie nachweisen können, dass sie die THG-Emissionsdaten der Kategorie
           Scope 3 weder berechnen noch schätzen können.
DE                                              12                                               DE
 ---pagebreak---                                              Artikel 6
         Festlegung und Veröffentlichung von THG-Emissionsreduktionszielen durch
                                          Unternehmen
   Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und die
   Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten können bei diesen
   Referenzwerten die Gewichtung von Emittenten von Wertpapieren, die Bestandteil des
   Referenzwerts sind, und die THG-Emissionsreduktionsziele festlegen und veröffentlichen,
   erhöhen, sofern die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
   a)      die Emittenten der Wertpapiere, die Bestandteil des Referenzwerts sind,
           veröffentlichen kontinuierlich und präzise ihre THG-Emissionen der Kategorien
           Scope 1, 2 und 3;
   b)      die Emittenten von Wertpapieren, die Bestandteil des Referenzwerts sind, haben ihre
           THG-Emissionsintensität oder gegebenenfalls ihre absoluten THG-Emissionen,
           einschließlich der THG-Emissionen der Kategorien Scope 1, 2 und 3, in mindestens
           drei aufeinanderfolgenden Jahren um durchschnittlich mindestens 7 % jährlich
           verringert.
   Für die Zwecke des Unterabsatzes 1 werden die THG-Emissionen der Kategorie Scope 3 in
   Übereinstimmung mit dem in Artikel 5 festgelegten Umsetzungszeitraum berechnet.
                                             Artikel 7
                           Festlegung eines Dekarbonisierungszielpfads
   (1)     Mit dem Dekarbonisierungszielpfad für die EU-Referenzwerte für den
           klimabedingten Wandel und für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte werden
           folgende Ziele verfolgt:
           a)    für Dividendenwerte, die an einem öffentlichen Markt in der Union oder
                 außerhalb zugelassen sind, eine durchschnittliche jährliche Verringerung der
                 THG-Emissionsintensität um mindestens 7 %;
           b)    für Schuldverschreibungen, die nicht von einem öffentlichen Emittenten
                 begeben werden, wenn der Emittent dieser Schuldverschreibungen
                 Dividendenwerte besitzt, die an einem öffentlichen Markt in der Union oder
                 außerhalb zugelassen sind, eine durchschnittliche jährliche Verringerung der
                 THG-Emissionsintensität um mindestens 7 % oder eine durchschnittliche
                 jährliche Verringerung der absoluten THG-Emissionen um mindestens 7 %;
           c)    für Schuldverschreibungen, die nicht von einem öffentlichen Emittenten
                 begeben werden, wenn der Emittent dieser Schuldverschreibungen nicht über
                 Dividendenwerte verfügt, die an einem öffentlichen Markt in der Union oder
                 außerhalb zugelassen sind, eine durchschnittliche jährliche Verringerung der
                 absoluten THG-Emissionen um mindestens 7 %.
   (2)     Die in Absatz 1 genannten Ziele werden geometrisch berechnet, was bedeutet, dass
           die jährliche Verringerung der THG-Emissionsintensität oder der absoluten THG-
           Emissionen um mindestens 7 % für das Jahr „n“ auf der Grundlage der THG-
           Emissionsintensität oder der absoluten THG-Emissionen für das Jahr n-1 in einer
           geometrischen Progression vom Referenzjahr aus berechnet wird.
   (3)     Wenn der durchschnittliche EVIC der Wertpapiere, die Bestandteile des
           Referenzwerts sind, während des letzten Kalenderjahres gestiegen oder gesunken ist,
           wird der EVIC jedes Bestandteils angepasst, indem er durch einen
DE                                              13                                             DE
 ---pagebreak---           Inflationsanpassungsfaktor für den Unternehmenswert geteilt wird. Dieser
          Inflationsanpassungsfaktor für den Unternehmenswert wird berechnet, indem der
          durchschnittliche EVIC der Bestandteile der Referenzwerte am Ende eines
          Kalenderjahres durch den durchschnittlichen EVIC der Referenzwert-Bestandteile
          am Ende des vorangegangenen Kalenderjahres geteilt wird.
   (4)    Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
          die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten gleichen für jedes
          Jahr, in dem die in Absatz 1 festgelegten Ziele nicht erreicht werden, diese
          Abweichungen vom Ziel aus, indem sie die Ziele in ihrem
          Dekarbonisierungszielpfad für das folgende Jahr nach oben anpassen.
   (5)    Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
          die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten können ihre
          Referenzwerte nicht mehr als solche kennzeichnen, falls Folgendes eintritt:
          a)     Die in Absatz 1 festgelegten Ziele werden in einem bestimmten Jahr nicht
                 erreicht, und die Abweichung vom Ziel wird im folgenden Jahr nicht
                 ausgeglichen; oder
          b)     die in Absatz 1 festgelegten Ziele werden in einem                   beliebigen
                 zusammenhängenden Zehnjahreszeitraum dreimal nicht erreicht.
          Die Referenzwert-Administratoren können einen Referenzwert erneut als EU-
          Referenzwert für den klimabedingten Wandel oder als Paris-abgestimmten EU-
          Referenzwert        kennzeichnen,      wenn      dieser      Referenzwert          den
          Dekarbonisierungszielpfad in zwei aufeinanderfolgenden Jahren nach dem Verlust
          der Kennzeichnung erfüllt, es sei denn, dieser Referenzwert hat die Kennzeichnung
          bereits zweimal verloren.
                                            Artikel 8
       Veränderung der THG-Emissionsintensität und der absoluten THG-Emissionen
   (1)    Die Veränderung der THG-Emissionsintensität oder der absoluten THG-Emissionen
          wird berechnet als prozentuale Veränderung zwischen einerseits der gewichteten
          durchschnittlichen THG-Emissionsintensität oder den absoluten THG-Emissionen
          aller Bestandteile des EU-Referenzwerts für den klimabedingten Wandel oder des
          Paris-abgestimmten EU-Referenzwerts am Ende des Jahres „n“ und andererseits der
          gewichteten durchschnittlichen THG-Emissionsintensität oder den absoluten THG-
          Emissionen aller Bestandteile der Referenzwerte am Ende des Jahres „n-1“.
   (2)    Die Referenzwert-Administratoren verwenden immer dann ein neues Referenzjahr,
          wenn es zu wesentlichen Veränderungen in der Berechnungsmethodik der THG-
          Emissionsintensität oder der absoluten THG-Emissionen kommt.
          Für die Zwecke des Unterabsatzes 1 ist ein neues Referenzjahr das Jahr, anhand
          dessen der in Artikel 7 genannte Dekarbonisierungszielpfad berechnet wird.
          Die Wahl eines neuen Referenzjahres erfolgt unbeschadet der in Artikel 7 Absatz 5
          festgelegten Vorschriften.
DE                                             14                                                DE
 ---pagebreak---                                          ABSCHNITT 2
       MINDESTSTANDARDS FÜR DEN EU-REFERENZWERT FÜR DEN
                              KLIMABEDINGTEN WANDEL
                                              Artikel 9
   Referenzwert für die Reduktion der THG-Emissionsintensität oder der absoluten THG-
              Emissionen für EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel
   Die THG-Emissionsintensität oder, falls zutreffend, die absoluten THG-Emissionen für die
   EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel, einschließlich der THG-Emissionen der
   Kategorien Scope 1, 2 und 3, müssen mindestens 30 % niedriger sein als die THG-
   Emissionsintensität oder die absoluten THG-Emissionen des Anlageuniversums.
   Für die Zwecke des Unterabsatzes 1 werden die THG-Emissionen der Kategorie Scope 3 in
   Übereinstimmung mit dem in Artikel 5 festgelegten Umsetzungszeitraum berechnet.
                                             Artikel 10
       Ausschlüsse im Zusammenhang mit EU-Referenzwerten für den klimabedingten
                                              Wandel
   (1)     Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel
           müssen in ihrer Methodik offenlegen, ob und wie sie Unternehmen ausschließen.
   (2)     Bis zum 31. Dezember 2022 müssen die Administratoren der EU-Referenzwerte für
           den klimabedingten Wandel die in Artikel 12 Absatz 1 Buchstaben a, b und c sowie
           die in Artikel 12 Absatz 2 festgelegten Anforderungen erfüllen.
                                         ABSCHNITT 3
            MINDESTSTANDARDS FÜR PARIS-ABGESTIMMTE EU-
                                     REFERENZWERTE
                                             Artikel 11
   Referenzwert für die Reduktion der THG-Emissionsintensität oder der absoluten THG-
                     Emissionen für Paris-abgestimmte EU-Referenzwerte
   Die THG-Emissionsintensität oder, falls zutreffend, die absoluten THG-Emissionen für Paris-
   abgestimmte EU-Referenzwerte, einschließlich der THG-Emissionen der Kategorien Scope 1,
   2 und 3, müssen mindestens 50 % niedriger sein als die THG-Emissionsintensität oder die
   absoluten THG-Emissionen des Anlageuniversums.
   Für die Zwecke des Unterabsatzes 1 werden die THG-Emissionen der Kategorie Scope 3 in
   Übereinstimmung mit dem in Artikel 5 festgelegten Umsetzungszeitraum berechnet.
                                             Artikel 12
         Ausschlüsse im Zusammenhang mit Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten
   (1)     Die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten schließen alle
           folgenden Unternehmen von diesen Referenzwerten aus:
           a)    Unternehmen, die an Aktivitäten im Zusammenhang mit umstrittenen Waffen
                 beteiligt sind;
           b)    Unternehmen, die am Anbau und der Produktion von Tabak beteiligt sind;
DE                                               15                                            DE
 ---pagebreak---         c)      Unternehmen, die nach Ansicht der Referenzwert-Administratoren gegen die
                Grundsätze der Initiative „Global Compact“ der Vereinten Nationen (UNGC)
                oder die Leitsätze der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
                Entwicklung (OECD) für multinationale Unternehmen verstoßen;
        d)      Unternehmen, die 1 % oder mehr ihrer Einnahmen mit der Exploration, dem
                Abbau, der Förderung, dem Vertrieb oder der Veredelung von Stein- und
                Braunkohle erzielen;
        e)      Unternehmen, die 10 % oder mehr ihrer Einnahmen mit der Exploration, der
                Förderung, dem Vertrieb oder der Veredelung von Erdöl erzielen;
        f)      Unternehmen, die 50 % oder mehr ihrer Einnahmen mit der Exploration, der
                Förderung, der Herstellung oder dem Vertrieb von gasförmigen Brennstoffen
                erzielen;
        g)      Unternehmen, die 50 % oder mehr ihrer Einnahmen mit der Stromerzeugung
                mit einer THG-Emissionsintensität von mehr als 100 g CO2 e/kWh erzielen.
        Für die Zwecke von Buchstabe a bezeichnet der Ausdruck „umstrittene Waffen“ die
        im Sinne der internationalen Verträge und Übereinkommen, der Grundsätze der
        Vereinten Nationen und, soweit anwendbar, der innerstaatlichen Rechtsvorschriften
        definierten umstrittenen Waffen.
   (2)  Die Administratoren Paris-abgestimmter EU-Referenzwerte schließen alle
        Unternehmen von diesen Referenzwerten aus, bei denen sie oder externe
        Datenlieferanten im Einklang mit den in Artikel 13 Absatz 2 der vorliegenden
        Verordnung festgelegten Vorschriften über Schätzungen feststellen oder vermuten,
        dass die Unternehmen eines oder mehrere Umweltziele nach Artikel 9 der
        Verordnung (EU) 2020/852 des Europäischen Parlaments10 und des Rates erheblich
        beeinträchtigen.
   (3)  Die Administratoren Paris-abgestimmter EU-Referenzwerte müssen in ihrer
        Referenzwert-Methodik alle zusätzlichen Ausschlusskriterien offenlegen, die sie
        verwenden und die auf klimabezogenen oder anderen Umwelt-, Sozial- und
        Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) beruhen.
                                        KAPITEL III
                    TRANSPARENZ UND GENAUIGKEIT
                                            Artikel 13
                         Transparenzanforderungen für Schätzungen
   (1)  Zusätzlich zu den Anforderungen, die in Anhang III der Verordnung (EU) 2016/1011
        festgelegt sind, müssen die Administratoren von EU-Referenzwerten für den
        klimabedingten Wandel und die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-
        Referenzwerten die folgenden Anforderungen erfüllen:
        a)      Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel
                und die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten, die
                Schätzungen verwenden, die nicht auf Daten eines externen Datenlieferanten
   10
       Verordnung (EU) 2020/852 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2020 über die
       Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der
       Verordnung (EU) 2019/2088 (ABl. L 198 vom 22.6.2020, S. 13).
DE                                              16                                                   DE
 ---pagebreak---             beruhen, formalisieren, dokumentieren und veröffentlichen die Methodik, auf
            der diese Schätzungen basieren, einschließlich:
            i)    des Ansatzes, den sie zur Berechnung der THG-Emissionen verwendet
                  haben, sowie der Hauptannahmen und Vorsorgeprinzipien, die diesen
                  Schätzungen zugrunde liegen;
            ii)   der Forschungsmethodik zur Schätzung fehlender oder nicht gemeldeter
                  oder nicht vollständig gemeldeter THG-Emissionen;
            iii)  der externen Datensätze, die bei der Schätzung fehlender oder nicht
                  gemeldeter oder nicht vollständig gemeldeter THG-Emissionen
                  verwendet werden.
       b)   Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel
            und die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten, die
            Schätzungen verwenden, die auf Daten eines externen Datenlieferanten
            beruhen, müssen alle folgenden Informationen formalisieren, dokumentieren
            und veröffentlichen:
            i)    den Namen und die Kontaktdaten des Datenlieferanten;
            ii)   die angewandte Methodik und               die  Hauptannahmen      und
                  Vorsorgeprinzipien, soweit verfügbar;
            iii)  einen Hyperlink zur Website des Datenlieferanten und zur angewandten
                  Methodik, falls vorhanden.
   (2) Für die Zwecke von Artikel 12 Absatz 2 müssen die Administratoren von Paris-
       abgestimmten EU-Referenzwerten folgende Anforderungen erfüllen:
       a)   Die Administratoren Paris-abgestimmter EU-Referenzwerte, die Schätzungen
            verwenden, die nicht auf Daten eines externen Datenlieferanten beruhen,
            formalisieren, dokumentieren und veröffentlichen die Methodik, auf der diese
            Schätzungen basieren, einschließlich:
            i)    des Ansatzes und der Forschungsmethodik, die sie verwendet haben,
                  sowie der Hauptannahmen und Vorsorgeprinzipien, die diesen
                  Schätzungen zugrunde liegen;
            ii)   der bei der Schätzung verwendeten externen Datensätze;
       b)   Die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten, die
            Schätzungen verwenden, die auf Daten eines externen Datenlieferanten
            beruhen, müssen alle folgenden Informationen formalisieren, dokumentieren
            und veröffentlichen:
            i)    den Namen und die Kontaktdaten des Datenlieferanten;
            ii)   die angewandte Methodik und               die  Hauptannahmen      und
                  Vorsorgeprinzipien, soweit verfügbar;
            iii)  einen Hyperlink zur Website des Datenlieferanten und zur angewandten
                  Methodik, falls vorhanden.
DE                                         17                                            DE
 ---pagebreak---                                                  Artikel 14
                            Offenlegung des Dekarbonisierungszielpfads
   Die Administratoren der EU-Referenzwerte für den klimabedingten Wandel und die
   Administratoren der Paris-abgestimmten EU-Referenzwerte formalisieren, dokumentieren
   und veröffentlichen die Dekarbonisierungszielpfade dieser Referenzwerte, das Referenzjahr,
   das für die Bestimmung dieser Dekarbonisierungszielpfade verwendet wird, und falls die im
   Dekarbonisierungszielpfad festgelegten Ziele nicht erreicht werden, die Gründe für dieses
   Versäumnis sowie die Schritte, die sie unternehmen werden, um das angepasste Ziel gemäß
   Artikel 7 Absatz 4 zu erreichen.
                                                 Artikel 15
                                      Genauigkeit der Datenquellen
   (1)       Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
             die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten stellen sicher, dass
             die Daten zu den THG-Emissionen der Kategorien Scope 1, 2 und 3 im Einklang mit
             globalen oder europäischen Normen wie dem Umweltfußabdruck von Produkten
             (Product Environmental Footprint, PEF), den Methoden des Umweltfußabdrucks von
             Organisationen       (Organisation      Environmental      Footprint,      OEF)11,      dem
             Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandard für die Wertschöpfungskette von
             Unternehmen (Scope 3)12, der DIN EN ISO 14064 oder der DIN EN ISO 14069
             korrekt sind.
   (2)       Für die Zwecke des Absatzes 1 legen die Administratoren von EU-Referenzwerten
             für den klimabedingten Wandel und die Administratoren von Paris-abgestimmten
             EU-Referenzwerten in ihrer Methodik die angewandte Norm offen.
   (3)       Die Administratoren von EU-Referenzwerten für den klimabedingten Wandel und
             die Administratoren von Paris-abgestimmten EU-Referenzwerten müssen die
             Vergleichbarkeit und Qualität der THG-Emissionsdaten gewährleisten.
                                            KAPITEL IV
                               SCHLUSSBESTIMMUNGEN
                                                 Artikel 16
                                      Inkrafttreten und Anwendung
   Die vorliegende Verordnung tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im
   Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.
   11
           Empfehlung 2013/179/EU der Kommission vom 9. April 2013 für die Anwendung gemeinsamer
           Methoden zur Messung und Offenlegung der Umweltleistung von Produkten und Organisationen (ABl.
           L 124 vom 4.5.2013, S. 1).
   12
           Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandard für die Wertschöpfungskette von Unternehmen
           (Scope 3) (September 2011), Ergänzung zum Rechnungslegungs- und Berichterstattungsstandard des
           THG-Protokolls für Unternehmen.
DE                                                   18                                                   DE
 ---pagebreak---    Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
   Mitgliedstaat.
   Brüssel, den 17.7.2020
                                          Für die Kommission
                                          Die Präsidentin
                                          Ursula VON DER LEYEN
DE                                          19                                          DE