CELEX: 31971R1539
Language: de
Date: 1971-07-19 00:00:00
Title: Verordnung (EWG) Nr. 1539/71 der Kommission vom 19. Juli 1971 zur Bestimmung gemeinsamer Analysemethoden für den Weinsektor

21 . 7. 71                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                       Nr. L 163 / 41
                                VERORDNUNG (EWG) Nr. 1539/71 DER KOMMISSION
                                                     vom 19. Juli 1971
                          zur Bestimmung gemeinsamer Analysemethoden für den Weinsektor
DIE KOMMISSION DER EUROPAISCHEN                                  in Anbetracht der Erfodernisse und Möglichkeiten
GEMEINSCHAFTEN —                                                 des Handels ist es jedoch angebracht, eine be­
                                                                 schränkte    Anzahl   vereinfachter Verfahren   zuzu­
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europä­
ischen Wirtschaftsgemeinschaft,                                  lassen, die eine schnelle und ausreichend sichere Be­
                                                                 stimmung der gesuchten Faktoren ermöglichen.
gestützt auf die Verordnung (EWG ) Nr. 816/70 des
Rates vom 28 . April 1970 zur Festlegung ergänzender             Die angenommenen Methoden sollten allgemein an­
Vorschriften für die gemeinsame Marktorganisation                erkannt sein ; unter diesen Bedingungen wäre es
für Wein ( 1 ), zuletzt geändert durch die Verordnung            angebracht, soweit wie irgend möglich von den Ver­
(EWG ) Nr. 2612/70 (2), insbesondere auf Artikel 20              fahren Gebrauch zu machen, die im Rahmen der
Absatz 4 und Artikel 39,                                        Internationalen Konvention zur Vereinheitlichung
                                                                 der Analyse- und Bewertungsmethoden für Weine
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 817/70 des                 von 1954 aufgestellt wurden.
Rates vom 28 . April 1970 zur Festlegung besonderer
Vorschriften für Qualitätsweine bestimmter Anbau­                Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnah­
gebiete (3), insbesondere auf Artikel 11 Absatz 4,               men entsprechen der Stellungnahme des Verwal­
in Erwägung nachstehender Gründe :                               tungsausschusses für Wein —
Artikel 39 der Verordnung (EWG) Nr. 816/70                       HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN :
schreibt die Festlegung der erforderlichen Einzel­
heiten für die Durchführung der Bestimmungen der                                        Artikel 1
Anhänge I und II, insbesondere die Analysemetho­
den, vor.                                                        (1)     Die Analysemethoden für die Durchführung
Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung (EWG) Nr.
                                                                 der Verordnungen (EWG) Nrn. 816/70 und 817/70
                                                                 sind im Anhang dieser Verordnung angegeben .
817/70 sieht eine analytische Prüfung vor, die sich
mindestens     auf die Werte der charakteristischen             Außer bei den in diesem Anhang ausdrücklich ge­
Faktoren des betreffenden Qualitätsweins b.A. er­                nannten Fällen erfolgt die Anwendung dieser Me­
streckt, die zu denen gehören, die im Anhang der                 thoden nach der Beschreibung im Anhang des Ver­
genannten Verordnung aufgeführt sind . Artikel 11                zeichnisses der internationalen Weinanalysemetho­
Absatz 3 sieht die Festsetzung gemeinsamer Me­                   den , die im Rahmen der Internationalen Konven­
thoden vor .                                                     tion zur Vereinheitlichung der Analyse- und Bewer­
                                                                 tungsmethoden für Weine von 1954 aufgestellt und
Die Regeln über önologische Verfahren und das                    ergänzt worden ist.
Inverkehrbringen erfordern eine wirksame Kontrolle
der betreffenden Erzeugnisse. Die einheitliche Durch­            (2)     Auf den Gebieten , für welche Referenzme­
führung dieser Kontrolle und die Überwachung der                 thoden und gebräuchliche Methoden festgesetzt wer­
Angaben in den für die fraglichen Erzeugnisse er­                den , sind allein die durch die Anwendung der Refe­
stellten Dokumenten machen die Einführung ein­                   renzmethoden gewonnenen Ergebnisse maßgebend .
heitlicher Analysemethoden zur Sicherstellung prä­                                      Artikel 2
ziser und vergleichbarer Angaben notwendig. Diese
Methoden müssen demnach für alle Handelsge­                      Diese Verordnung tritt am 1 . September 1971 in
schäfte und Kontrolloperationen obligatorisch sein ;             Kraft .
               Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
               Mitgliedstaat.
               Brüssel, den 19 . Juli 1971
                                                                           Für die Kommission
                                                                              Der Präsident
                                                                          Franco M. MALFATTI
(») ABl. Nr. L 99 vom 5 . 5 . 1970, S. 1 .
(2 ) ABl . Nr. L 281 vom 27. 12. 1970, S. 6.
     ABl . Nr. L 99 vom 5 . 5 . 1970, S. 20.
 ---pagebreak--- Nr . L 163 /42                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              21 . 7 . 71
                                                            ANHANG
               1 . Für die Bestimmung der Dichte und der Volumenmasse kommt
                    a) als Referenzmethode die Bestimmung mit dem Pyknometer,
                    b) als gebräuchliche Methode die Bestimmung mit dem Aräometer
                    zur Anwendung.
                    Diese Methoden sind unter A 1 c) im Anhang der in Artikel 1 genannten Sammlung
                    angegeben.
               2. Für die Bestimmung des vorhandenen Alkoholgehalts werden angewandt :
                    a) bei Weinen :
                         aa) als Referenzmethode die doppelte Destillation und die Messung der Dichte des
                             Destillats mit dem Pyknometer,
                         bb) als gebräuchliche Methode die einfache Destillation der neutralisierten Flüssigkeit
                              und die Messung des Alkoholgrads mit dem Aräometer ;
                    b) bei Mosten und teilweise gegorenen Mosten mit einem Gehalt an vorhandenem Alkohol
                         von 6° oder weniger :
                         aa) als Referenzmethode die chemische Alkoholbestimmung,
                         bb) als gebräuchliche Methode das unter a) bb) angegebene Verfahren.
                    Diese Methoden sind unter A 2 c) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben.
               3 . Der Gesamttrockenextrakt wird indirekt aus der Dichte des Destillationsrückstands von
                    der Alkoholbestimmung berechnet.
                    Diese Methode ist unter A 3 c) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben.
               4. Die Bestimmung des Gehalts an reduzierenden Zuckern wird wie folgt vorgenommen :
                    a ) Klärung :
                         — bei Rotweinen : durch basisches Bleiacetat,
                         — bei anderen Erzeugnissen : durch Zinkferrocyanid .
                    b) Die Bestimmung erfolgt in der Weise, daß eine bestimmte Menge einer alkalischen
                         Kupfersalzlösung mit dem geklärten Wein reagiert und der Überschuß an Kupferionen
                         jodometrisch bestimmt wird .
                     Diese Methoden sind unter A 4 d ) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben.
                5 . Für die Bestimmung des Saccharosegehalts werden angewandt :
                     a ) als Referenzmethode
                         aa) für die qualitativen Nachweise : Dünnschichtchromatographie und Papierchromato­
                              graphie,
                         bb) für die Bestimmung nach Inversion : das in Punkt 4 angegebene Verfahren ;
                     b) als gebräuchliche Methode
                          aa) für die qualitativen Untersuchungen : die Kolorimetrie,
                          bb) für die Dosierung nach Inversion : das in Punkt 4 angegebene Verfahren .
                     Diese Methoden werden unter A 5 f) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                     angegeben.
 ---pagebreak--- 2 . 7 . 71                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                           Nr . L 163 /43
                Liegt das bei der Bestimmung des Gehalts an Saccharose erhaltene Ergebnis bei trockenen
                Weinen unter 1 g/1 und bei süßen Weinen unter 2 g/1, so ist der qualitative Nachweis
                anzuschließen. Ergibt dieser ein negatives Ergebnis, so gilt der gefundene Wert nicht
                als Saccharose.
            6. Die Bestimmung der Asche erfolgt durch Veraschung des Trockenextrakts bis zur voll­
                ständigen Verbrennung des Kohlenstoffs bei 500" bis 550" C.
                Diese Methode ist unter A 6 a) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                angegeben.
            7. Für die Bestimmung der Aschenalkalität werden angewandt :
                a ) für die Gesamtalkalität : Rücktitration der Schwefelsäure nach Erhitzen unter Verwen­
                    dung von Methylorange als Indikator, dem eventuell ein Tropfen Methylenblau zuge­
                    setzt wurde,
                b ) für die Teilalkalität : Rücktitration der Schwefelsäure in Gegenwart eines geringen
                    Überschusses von Cer-III-Ionen unter Verwendung eines bei pH 4,5 umschlagenden
                    Indikators .
                Diese Methoden sind unter A 7 a) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                angegeben.
            8 . Die Bestimmung der Gesamtsäure erfolgt :
                Nach vorheriger Entfernung der Kohlensäure und der schwefeligen Säure :
                a ) nach der Referenzmethode durch potentiometrische Titration,
                b ) der gebräuchlichen Methode durch Endpunktbestimmungen mit Bromthymolblau als
                    Indikator .
                Die Gesamtsäure wird in Milliäquivalenten in 1 Liter angegeben .
                Diese Methoden sind unter A 10 a ) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                 angegeben .
            9. Die Bestimmung der flüchtigen Säuren erfolgt durch Abtrennung der flüchtigen Säuren
                durch Wasserdampfdestillation. Als Indikator dient Phenolphtalein .
                Die flüchtige Säure wird in Milliäquivalenten in 1 Liter angegeben .
                 Diese Methode ist unter A 11 a ) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                 angegeben .
           10. Die Bestimmung der nicht flüchtigen Säure ergibt sich aus der Differenz der Gehalte an
                Gesamtsäure und flüchtigen Säure.
           11 . Bei der Bestimmung der Weinsäure werden angewandt :
                a ) als Referenzmethode die kolorimetrische Bestimmung der über einer Anionenaustausch­
                    säule isolierten Weinsäure im Eluat durch Messung der mit Vanadinsäure entstehenden
                    Rotfärbung.
                 b) als gebräuchliche Methode die acidimetrische Bestimmung als Kaliumhydrogentartrat
                    unter Bedingungen, die seine Löslichkeit auf ein Minimum verringern .
                 Diese Methoden sind unter A 12 g) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                 angegeben .
           12. Die Citronensäure wird mit den übrigen Säuren durch einen Ionenaustauscher bestimmt.
                 Durch fraktionierte Eluierung wird die Citramalsäure getrennt. Die Citronensäure wird
                 durch vorsichtige Oxydation in Aceton übergeführt, welches durch Destillation abge­
                 trennt wird. Das Aceton wird jodometrisch bestimmt.
 ---pagebreak--- Nr . L 163 /44                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            21 . 7. 71
                    Diese Methode ist unter A 29 e) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben .
               13 . Für die Bestimmung der schwefeligen Säure werden angewandt :
                    a) als Referenzmethode die Bestimmung der durch einen Luft- oder Stickstoffstrom über­
                       getriebenen gesamten schwefeligen Säure mit einer eingestellten Natronlauge ;
                    b) als gebräuchliche Methode
                        aa) zur Bestimmung der freien schwefeligen Säure die direkte jodometrische Titration
                            mit Korrekturtitration des gleichen Weines, dessen freie schwefelige Säure durch
                            einen Überschuß an Äthanol oder Propanol gebunden wurde ;
                       bb) zur Bestimmung der gebundenen schwefeligen Säure die jodometrische Titration
                            nach doppelter alkalischer Hydrolyse des Weines, dessen freie schwefelige Säure
                            durch jodometrische Titration oxydiert wurde ;
                        cc) der Gehalt an gesamter schwefeliger Säure ergibt sich aus der Addition der Ergeb­
                            nisse der beiden unter aa) und bb) genannten Analysen.
                    Diese Methoden sind unter A 17 e ) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben .
               14. Der pH-Wert des Weins und des Mostes wird durch Messung der. Potentialdifferenz zwi­
                    schen zwei Elektroden, die in die zu untersuchende Flüssigkeit tauchen, bestimmt. Eine
                    der Elektroden besitzt ein Potential, welches eine bestimmte Funktion des pH-Wertes
                    dieser Lösung darstellt, die andere Elektrode ist die Referenzelektrode mit einem festen
                    und bekannten Potential .
                    Diese Methode ist unter A 31 f) im Anhang des in Artikel 1 genannten Verzeichnisses
                    angegeben .