CELEX: 31977D0617
Language: de
Date: 1977-09-27 00:00:00
Title: 77/617/EWG: Beschluß des Rates vom 27. September 1977 über ein Vorhaben zur experimentellen Anwendung von Techniken der Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit

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31977D0617

77/617/EWG: Beschluß des Rates vom 27. September 1977 über ein Vorhaben zur experimentellen Anwendung von Techniken der Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit  

Amtsblatt Nr. L 255 vom 06/10/1977 S. 0028 - 0030 Griechische Sonderausgabe: Kapitel 16 Band 1 S. 0021 

BESCHLUSS DES RATES  vom 27. September 1977  über ein Vorhaben zur experimentellen Anwendung von Techniken der Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit  (77/617/EWG)  DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 235,  auf Vorschlag der Kommission,  nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments (1),  nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (2),  in Erwägung nachstehender Gründe:  Der Rat hat in seiner Entschließung vom 15. Juli 1974 über eine gemeinschaftliche Politik auf dem Gebiet der Datenverarbeitung (3) seinen Willen zum Ausdruck gebracht, im Hinblick auf eine gemeinschaftliche Gestaltung der Politik der Unterstützung und Förderung der Datenverarbeitung auf Vorschlag der Kommission gemeinsame Vorhaben von europäischen Interesse auf dem Gebiet der Informatikanwendungen zu erlassen.  Hierzu empfiehlt es sich, solchen Vorhaben Vorrang einzuräumen, die geeignet sind, den Bedarf der Benutzer zu decken und die Fähigkeit der europäischen Datenverarbeitungsindustrie zu stärken, diesem Bedarf auf dem europäischen und dem Weltmarkt gerecht zu werden.  Die Entwicklung der Datenübertragung mit Hilfe von Netzwerken bzw. über Satelliten erfordert die Entwicklung fortgeschrittener Techniken und Verfahren, um die für die Übertragung grosser Datenmengen bei hoher Geschwindigkeit erforderliche Zuverlässigkeit zu erreichen.  Ein entsprechendes Vorhaben erscheint notwendig, um bestimmte Ziele der Gemeinschaft im Rahmen des Funktionierens des Gemeinsamen Marktes zu erreichen.  Im Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sind die hierfür erforderlichen Befugnisse nicht vorgesehen -  BESCHLIESST:    Artikel 1 Es wird ein gemeinsames Vorhaben auf dem Gebiet der Datenverarbeitung beschlossen, das die experimentelle Anwendung von Techniken der Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit betrifft.  Dieses Vorhaben ist im Anhang unter Nummer II beschrieben.   Artikel 2 Die Laufzeit des in Artikel 1 genannten Vorhabens beträgt vier Jahre. Die zu seiner Durchführung erforderlichen Mittel, deren Betrag auf 420 000 Rechnungseinheiten festgesetzt wird, werden im Haushaltsplan der Europäischen Gemeinschaften eingesetzt.   Artikel 3 Die Kommission sorgt für die Durchführung des Vorhabens. Sie wird hierbei von dem Beratenden Programmausschuß für das gemeinsame Projektprogramm auf dem Gebiet der Datenverarbeitung unterstützt.  Die Kommission legt dem Rat jährlich einen Bericht vor.     Geschehen zu Brüssel am 27. September 1977.  Im Namen des Rates  Der Präsident  A. HUMBLET  (1)ABl Nr. C 28 vom 9.2.1976, S. 6. (2)ABl Nr. C 131 vom 12.6.1976, S. 8. (3)ABl Nr. C 86 vom 20.7.1974, S. 1.     ANHANG EXPERIMENTELLE ANWENDUNG VON TECHNIKEN DER DATENÜBERTRAGUNG BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT  I. EINLEITUNG    Das Vorhaben betrifft die experimentelle Entwicklung einer Computeranwendung und umfasst eine Reihe von Versuchen von Anwendern auf dem Gebiet der Übertragung von Computer zu Computer mit dem von der Europäischen Weltraum-Organisation (ESA) entwickelten Testsatelliten (OTS). Es sieht Versuche unter Einsatz fortgeschrittener Techniken der Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit vor, wobei die Einrichtungen der verschiedenen Teilnehmer des Vorhabens (ESA, Europäische Organisation für Kernforschung [CERN] sowie die mit diesen zusammenarbeitenden Laboratorien) in Anspruch genommen werden sollen.  Die neuen Datenübertragungstechniken wirken sich bereits in fast allen Bereichen des menschlichen Lebens aus. Die Durchführung von Versuchen unter Verwendung des Testsatelliten (OTS) der ESA auf dem Gebiet der Datenverarbeitung für die Hochenergiephysik verspricht für die beteiligten Stellen grossen Nutzen und dürfte wertvolle Informationen liefern.    1. Situation und Erfordernisse des OTS  Der Testsatellit (OTS) ist ein Fernmelde-Versuchssatellit der Europäischen Weltraum-Organisation (ESA). Er enthält zwei Schmalbandkanäle, die für Versuche auf dem Gebiet der Datenübertragung bei hohen Geschwindigkeiten benutzt werden können. Der OTS ist als Vorläufer eines europäischen Fernmeldesatelliten geplant und soll die Erprobung neuer Konzepte und Techniken, die bei diesem verwendet werden sollen, ermöglichen.  Die Entwicklung des Satelliten mit grosser Übertragungskapazität ist bereits von der ESA finanziert worden. Tatsächliche und potentielle Benutzer von Anwendungen von Computer zu Computer, die Bedarf an einer schnellen Datenübertragung haben, sind aufgefordert, die sich durch den OTS bietenden Möglichkeiten zu prüfen. Es müssten praktische Versuche auf dem Gebiet der Übertragung grosser Datenmengen durchgeführt werden, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Fehlerprüfung und der Fehlerkontrollverfahren. Diese Experimente könnten eine wertvolle Quelle für erste operationelle Daten sein, die sich auf die tatsächliche Verwendung einer Satellitenverbindung gründen und bei Planung und Entwurf von Standardausrüstungen durch die Industrie ausgewertet werden könnten. Einfache, billige Bodenstationen, die eine heute noch nicht übliche Datenmenge vermitteln, erfordern die Entwicklung geeigneter Antennen, von Verstärkern und Empfängern von Radiofrequenzen, von Datenübertragungsgeräten und Formaten.       2. Situation und Erfordernisse des CERN   Hunderte von Wissenschaftlern der Mitgliedstaaten suchen das CERN auf, um Hochenergieversuche durchzuführen. Jährlich werden beim CERN Versuchsdaten auf Blasenkammerfilmen und Zehntausenden von Magnetbändern gesammelt und meist auf Rechnern in den Heimatlaboratorien der Forscher ausgewertet. Gegenwärtig sind die Übertragungsmöglichkeiten für diese Daten (Flugzeug oder Strasse) noch unzureichend. Deshalb ist es unmöglich, die Rechner in den Heimatlaboratorien der Wissenschaftler zur laufenden Überprüfung ihrer Experimente beim CERN einzusetzen, um stichprobenweise Datenmengen von signifikantem Umfang auszuwerten und die Ergebnisse rechtzeitig zurückzumelden, so daß Fehler oder Funktionsstörungen behoben werden können. Solche Stichprobenberechnungen müssen daher beim CERN durchgeführt werden. Die Physiker sehen sich so gezwungen, zwei Programmsets - gegebenenfalls für verschiedene Computertypen - auszuarbeiten und zu warten, was mit erheblicher Mehrarbeit und zusätzlichen Fehlerquellen verbunden ist.  Ein hochentwickeltes und wirtschaftliches System der Datenübertragung zwischen den einzelnen Laboratorien, das den Einsatz ortsferner Computer ermöglicht, würde die Effizienz der Arbeit des CERN erhöhen und eine ausgeglichenere Arbeitsteilung zwischen Hochschulen und CERN ermöglichen.  Das CERN ist daher sehr an den derzeitigen Entwicklungen auf dem Gebiet internationaler Datennetze interessiert und ist bereit, hieran in jeder Weise mitzuarbeiten, soweit dies mit seiner Aufgabe und seinen Möglichkeiten irgendwie vereinbar ist. Mehrere andere Laboratorien der Hochenergiephysik haben ein ähnliches Interesse zum Ausdruck gebracht und sind daran interessiert, sich an internationalen Datenübertragungsexperimenten zu beteiligen.  Das CERN und die mit ihm zusammenarbeitenden Laboratorien sind für die Mitarbeit an Tests unter realistischen Bedingungen mit starkem Datenverkehr besonders geeignet, da die Hochenergiephysiker eine Gruppe darstellen, die mit der Auswertung grosser Datenmengen vertraut ist, obwohl sie mit Ausrüstungen und Diensten arbeiten müssen, die nicht die für öffentliche Dienste charakteristische Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit aufweisen. Es wird daher vorgeschlagen, daß das CERN und die betreffenden assoziierten Laboratorien die erforderliche Ausrüstung zur Herstellung einer Satellitenverbindung erhalten. Dies würde die Errichtung einer Empfangs-Übertragungs-Bodenstation beim CERN und geeignete Bodenstationen bei den einzelnen Laboratorien erfordern. Mehrere dem CERN verbundene Laboratorien haben Interesse an diesen Versuchen gezeigt, vor allem das Rutherford High Energy Laboratory (RHEL) in Großbritannien, das Deutsche Elektronen-Synchrotron (DESY) in Deutschland und das Zentrum in Saclay in Frankreich, die bereits weit fortgeschritten sind. Weitere Möglichkeiten bieten die Zentren in Amsterdam und Bologna.         II. BESCHREIBUNG UND ZEITPLAN DES VORHABENS       1. Beschreibung  Einrichtung einer Übertragungs- und Empfangsanlage beim CERN, mit der Daten bei hoher Geschwindigkeit vom CERN nach den assoziierten Laboratorien und bei niedriger Geschwindigkeit in umgekehrter Richtung übermittelt werden können.  Wichtigste Elemente:      - Entwicklung und Erprobung der erforderlichen Ausrüstung zur Errichtung einer Computer-Computer-Verbindung über das OTS-System für die Datenübertragung bei hoher Geschwindigkeit;           - versuchsweiser Einsatz des OTS-Satelliten für die Massenübertragung von Daten, wobei insbesondere Fehlerprüftechniken und Fehlerkontrollverfahren zu entwickeln wären. Das Vorhaben wäre in enger Zusammenarbeit mit den Post- und Fernmeldebehörden durchzuführen.             Ferner wäre von den Kompetenzen im Rahmen des COST-Projekts Nr. 11 - "Europäisches Datennetz" (EIN) - Gebrauch zu machen, um die Anpassung der Wahlmöglichkeiten an den künftigen Bedarf an Verbindungen zwischen Computern sowie an die Entwicklung von Datenübertragungstechniken im allgemeinen zu gewährleisten.  Der in Artikel 2 des Beschlusses vorgesehene Finanzbeitrag bezieht sich nur auf die Kosten für die gemeinsame Ausrüstung beim CERN sowie auf die Kosten für die Schnittstellen zwischen den Empfangs-Übertragungs-Stationen und den Datenverarbeitungsanlagen von RHEL, DESY und Saclay (die Empfangs-Übertragungs-Stationen bei diesen Zentren werden aus einzelstaatlichen Mitteln finanziert).       2. Zeitplan  Die Versuche durch CERN und seine Partner könnten innerhalb von sechs Monaten nach Start des OTS-Satelliten auf Teilzeitbasis aufgenommen werden. Die eigentlichen Datenübertragungsversuche würden dagegen erst später in Angriff genommen werden können. Die Laufzeit des Vorhabens beträgt vier Jahre.