CELEX: 62007CJ0459
Language: de
Date: 2009-04-02
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 2. April 2009.#Veli Elshani gegen Hauptzollamt Linz.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Unabhängiger Finanzsenat, Außenstelle Graz - Österreich.#Zollkodex der Gemeinschaften - Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d - Entstehung der Zollschuld - Vorschriftswidriges Verbringen von Waren - Beschlagnahme mit Einziehung - Erlöschen der Zollschuld - Zeitpunkt, zu dem die Beschlagnahme erfolgen muss.#Rechtssache C-459/07.

Rechtssache C‑459/07
      Veli Elshani
      gegen
      Hauptzollamt Linz
      (Vorabentscheidungsersuchen des 
      Unabhängigen Finanzsenats, Außenstelle Graz)
      „Zollkodex der Gemeinschaften – Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d – Entstehung der Zollschuld – Vorschriftswidriges Verbringen von Waren – Beschlagnahme mit Einziehung – Erlöschen der Zollschuld – Zeitpunkt, zu dem die Beschlagnahme erfolgen muss“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Zollunion – Entstehung einer Zollschuld infolge des vorschriftswidrigen Verbringens von Waren – Begriff und Zeitpunkt des
            vorschriftswidrigen Verbringens – Passieren der ersten Zollstelle, ohne dort die Zollformalitäten erfüllt zu haben
      (Verordnung Nr. 2913/92 des Rates, Art. 38 Abs. 1, Art. 40 und 202 Abs. 1)
      2.        Zollunion – Entstehung einer Zollschuld infolge des vorschriftswidrigen Verbringens von Waren – Erlöschen der Zollschuld –
            Zeitpunkt der Beschlagnahme von vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren
      (Verordnung Nr. 2700/2000 des Europäischen Parlaments und des Rates; Verordnung Nr. 2913/92 des Rates, Art. 202 und 233 Unterabs. 1
            Buchst. d)
      3.        Vorabentscheidungsverfahren – Zuständigkeit des Gerichtshofs – Grenzen – Offensichtlich unerhebliche Fragen und hypothetische
            Fragen, die in einem eine zweckdienliche Antwort ausschließenden Zusammenhang gestellt werden – Fragen, die in keinem Zusammenhang
            mit dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits stehen
      (Art. 234 EG)
      1.        Die Einfuhr von Waren, die die in der durch die Verordnung Nr. 2700/2000 geänderten Fassung vorgesehenen Etappen nicht einhält,
         in der Verordnung Nr. 2913/92 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften stellt ein vorschriftswidriges Verbringen in
         das Zollgebiet der Gemeinschaft dar. Erstens müssen die in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren nach Art. 38
         Abs. 1 des Zollkodex unverzüglich zu der angegebenen Zollstelle oder in eine Freizone befördert werden. Zweitens müssen die
         Waren, wenn sie bei der Zollstelle eintreffen, dort nach Art. 40 des Zollkodex gestellt werden.
      
      Demnach wurden solche Waren im Sinne des Art. 202 des Zollkodex der Gemeinschaften „vorschriftswidrig in das Zollgebiet der
         Gemeinschaft verbracht“, die sich, nachdem sie die Landaußengrenze der Gemeinschaft überschritten haben, in diesem Gebiet
         jenseits der ersten innerhalb des Zollgebiets der Gemeinschaft liegenden Zollstelle befinden, ohne dorthin befördert und ohne
         gestellt worden zu sein, mit dem Ergebnis, dass die Zollbehörden von den dazu Verpflichteten keine Mitteilung über das Verbringen
         der Waren erhalten haben. Zudem lässt der Vorgang der Einfuhr von Waren in das Zollgebiet der Gemeinschaft, der unter solchen
         Bedingungen stattfindet, eine Zollschuld u. a. in der Person des Einführers genau in dem Augenblick entstehen, in dem die
         Waren vorschriftswidrig verbracht werden, d. h. in dem Augenblick, in dem feststeht, dass die Formalitäten u. a. der Art. 38
         bis 41 des Zollkodex nicht erfüllt wurden. Somit fallen das vorschriftswidrige Verbringen und das Entstehen der Zollschuld
         zusammen.
      
       (vgl. Randnrn. 21, 26-28, Tenor 1)
      2.        Die Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d der Verordnung Nr. 2913/92 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften in der
         durch die Verordnung Nr. 2700/2000 geänderten Fassung sind dahin auszulegen, dass die Beschlagnahme von vorschriftswidrig
         in das Zollgebiet der Europäischen Gemeinschaft verbrachten Waren nur dann zum Erlöschen der Zollschuld führt, wenn sie erfolgt,
         bevor die Waren über die erste innerhalb dieses Gebiets liegende Zollstelle hinaus gelangt sind.
      
      Mit dem in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex vorgesehenen Erlöschen der Zollschuld soll nämlich vermieden werden,
         dass Zoll erhoben wird, wenn die Ware zwar vorschriftswidrig in die Gemeinschaft verbracht wurde, aber nicht vermarktet werden
         konnte und deshalb unter Wettbewerbsgesichtspunkten keine Gefahr für die Gemeinschaftswaren darstellte. Im Kontext des Zollkodex
         stellt die in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex genannte Beschlagnahme mit Einziehung von Waren bei deren vorschriftswidrigem
         Verbringen einen eng auszulegenden Erlöschensgrund der Zollschuld dar, der der Notwendigkeit Rechnung trägt, die Eigenmittel
         der Gemeinschaft zu schützen. Dies ist ein Ziel, das nicht durch die Einführung neuer Erlöschensgründe für die Zollschuld
         beeinträchtigt werden darf. Diese Notwendigkeit besteht erst recht bei der Bestimmung des Zeitpunkts, zu dem die Beschlagnahme
         von Waren stattfinden muss, die zum Erlöschen der Zollschuld für diese Waren führen kann. Daher kann die Beschlagnahme von
         unter Nichtbeachtung der Formalitäten der Art. 38 bis 41 des Zollkodex in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren,
         die jenseits der ersten innerhalb des Zollgebiets der Gemeinschaft liegenden Zollstelle praktisch zufällig stattfindet, nicht
         zum Erlöschen der Zollschuld im Sinne des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex führen.
      
       (vgl. Randnrn. 29-31, 34, Tenor 1)
      3.        Es ist allein Sache des mit dem Rechtsstreit befassten nationalen Gerichts, in dessen Verantwortungsbereich die zu erlassende
         gerichtliche Entscheidung fällt, im Hinblick auf die Besonderheiten der Rechtssache sowohl die Erforderlichkeit einer Vorabentscheidung
         zum Erlass seines Urteils als auch die Erheblichkeit der dem Gerichtshof von ihm vorgelegten Fragen zu beurteilen.
      
      Ungeachtet dessen kann der Gerichtshof jedoch nicht über eine von einem nationalen Gericht zur Vorabentscheidung vorgelegte
         Frage befinden, wenn offensichtlich ist, dass die Auslegung oder die Beurteilung der Gültigkeit einer Gemeinschaftsvorschrift,
         um die das vorlegende Gericht ersucht, in keinem Zusammenhang mit der Realität oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits
         steht, wenn das Problem hypothetischer Natur ist oder wenn er nicht über die tatsächlichen oder rechtlichen Angaben verfügt,
         die für eine zweckdienliche Beantwortung der ihm vorgelegten Fragen erforderlich sind. Das ist der Fall, wenn eine Vorlagefrage
         darauf abzielt, den Gerichtshof um die Prüfung der Gültigkeit einer Gemeinschaftsnorm zu ersuchen, die im Ausgangsverfahren
         nicht in Rede und auch offensichtlich in keinem Zusammenhang mit dem Gegenstand des Ausgangsverfahrens steht.
      
      (vgl. Randnrn. 40-45)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Dritte Kammer)
      2. April 2009(*)
      
      „Zollkodex der Gemeinschaften – Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d – Entstehung der Zollschuld – Vorschriftswidriges Verbringen von Waren – Beschlagnahme mit Einziehung – Erlöschen der Zollschuld – Zeitpunkt, zu dem die Beschlagnahme erfolgen muss“
      In der Rechtssache C‑459/07
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Unabhängigen Finanzsenat, Außenstelle Graz (Österreich),
         mit Entscheidung vom 20. September 2007, beim Gerichtshof eingegangen am 9. Oktober 2007, in dem Verfahren
      
      Veli Elshani
      gegen
      Hauptzollamt Linz
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas, der Richter J. Klučka und U. Lõhmus (Berichterstatter) sowie der Richterin
         P. Lindh und des Richters A. Arabadjiev,
      
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: B. Fülöp, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. September 2008,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der österreichischen Regierung, vertreten durch C. Pesendorfer als Bevollmächtigte,
      –        der dänischen Regierung, vertreten durch B. Weis Fogh als Bevollmächtigte,
      –        der polnischen Regierung, vertreten durch M. Dowgielewicz als Bevollmächtigten,
      –        der finnischen Regierung, vertreten durch J. Heliskoski als Bevollmächtigten,
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch S. Schønberg und M. Šimerdová als Bevollmächtigte im Beistand
         von Rechtsanwalt M. Núñez-Müller,
      
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 4. November 2008
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92
         des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften (ABl. L 302, S. 1) in der durch die Verordnung
         (EG) Nr. 2700/2000 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. November 2000 (ABl. L 311, S. 17) geänderten Fassung
         (im Folgenden: Zollkodex).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen Herrn Elshani und dem Hauptzollamt Linz (im Folgenden: Hauptzollamt)
         über die Entstehung und das Erlöschen einer Zollschuld.
      
       Rechtlicher Rahmen
      3        Art. 4 des Zollkodex bestimmt:
      
      „Im Sinne dieses Zollkodex ist oder sind
      …
      19.      Gestellung: die Mitteilung an die Zollbehörden in der vorgeschriebenen Form, dass sich die Waren bei der Zollstelle oder an
         einem anderen von den Zollbehörden bezeichneten oder zugelassenen Ort befinden;
      
      …“
      4        Art. 38 des Zollkodex sieht vor:
      
      „(1)      Die in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren sind vom Verbringer unverzüglich und gegebenenfalls unter Benutzung
         des von den Zollbehörden bezeichneten Verkehrsweges nach Maßgabe der von diesen Behörden festgelegten Einzelheiten zu befördern:
      
      a)      zu der von den Zollbehörden bezeichneten Zollstelle oder einem anderen von diesen Behörden bezeichneten oder zugelassenen
         Ort;
      
      …
      (2)      Übernimmt eine andere Person nach dem Verbringen der Waren in das Zollgebiet der Gemeinschaft die Beförderung dieser Waren,
         insbesondere infolge einer Umladung, so geht die Verpflichtung nach Absatz 1 auf diese andere Person über.
      
      …“
      5        Art. 40 des Zollkodex lautet:
      
      „Waren, die nach Maßgabe des Artikels 38 Absatz 1 Buchstabe a) bei der Zollstelle oder an einem anderen von den Zollbehörden
         bezeichneten oder zugelassenen Ort eintreffen, sind von der Person zu gestellen, welche die Waren in das Zollgebiet der Gemeinschaft
         verbracht hat oder die gegebenenfalls die Beförderung der Waren nach dem Verbringen übernimmt.“
      
      6        In Art. 202 des Zollkodex heißt es:
      
      „(1)      Eine Einfuhrzollschuld entsteht,
      a)      wenn eine einfuhrabgabenpflichtige Ware vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbracht wird oder
      …
      Im Sinne dieses Artikels ist vorschriftswidriges Verbringen jedes Verbringen unter Nichtbeachtung der Artikel 38 bis 41 und
         177 zweiter Gedankenstrich.
      
      (2)      Die Zollschuld entsteht in dem Zeitpunkt, in dem die Ware vorschriftswidrig in dieses Zollgebiet verbracht wird.
      (3)      Zollschuldner sind:
      –        die Person, welche die Ware vorschriftswidrig in dieses Zollgebiet verbracht hat;
      …“
      7        Art. 203 des Zollkodex bestimmt:
      
      „(1)      Eine Einfuhrzollschuld entsteht,
      –        wenn eine einfuhrabgabenpflichtige Ware der zollamtlichen Überwachung entzogen wird.
      (2)      Die Zollschuld entsteht in dem Zeitpunkt, in dem die Ware der zollamtlichen Überwachung entzogen wird.
      …“
      8        Art. 233 des Zollkodex sieht vor:
      
      „Unbeschadet der geltenden Vorschriften über die Verjährung der Zollschuld sowie über die Nichterhebung des Betrags der Zollschuld
         in den Fällen, in denen die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners gerichtlich festgestellt worden ist, erlischt die Zollschuld
      
      a)      durch Entrichtung des Abgabenbetrages;
      b)      durch Erlass des Abgabenbetrages;
      c)      wenn im Falle von Waren, die zu einem Zollverfahren angemeldet worden sind, das die Verpflichtung zur Entrichtung von Abgaben
         enthält,
      
      –        die Zollanmeldung für ungültig erklärt wird;
      –        die Waren vor der Überlassung beschlagnahmt und gleichzeitig oder später eingezogen werden, auf Anordnung der Zollbehörden
         vernichtet oder zerstört werden, gemäß Artikel 182 aufgegeben werden oder aus in ihrer Natur liegenden Gründen, durch Zufall
         oder höhere Gewalt vernichtet oder zerstört worden oder unwiederbringlich verloren gegangen sind;
      
      d)      wenn Waren, für die eine Zollschuld gemäß Artikel 202 entstanden ist, bei dem vorschriftswidrigen Verbringen beschlagnahmt
         und gleichzeitig oder später eingezogen werden.
      
      Bei Beschlagnahme und Einziehung der Ware gilt jedoch im Rahmen des auf Verstöße gegen Zollvorschriften anwendbaren Strafrechts
         die Zollschuld als nicht erloschen, wenn im Strafrecht eines Mitgliedstaats vorgesehen ist, dass die Zölle als Grundlage für
         die Verhängung von Strafmaßnahmen herangezogen werden oder dass aufgrund des Bestehens einer Zollschuld strafrechtliche Verfolgungen
         eingeleitet werden.“
      
      9        Hinsichtlich des Verbringens von Waren in die Gemeinschaft bestimmt Art. 163 der Verordnung (EWG) Nr. 2454/93 der Kommission
         vom 2. Juli 1993 mit Durchführungsvorschriften zu der Verordnung Nr. 2913/92 (ABl. L 253, S. 1) in der durch die Verordnung
         (EG) Nr. 2787/2000 der Kommission vom 15. Dezember 2000 (ABl. L 330, S. 1) geänderten Fassung:
      
      „(1)      Im Sinne des Artikels 32 Absatz 1 Buchstabe e) und des Artikels 33 Buchstabe a) des Zollkodex ist der Ort des Verbringens
         in das Zollgebiet der Gemeinschaft
      
      …
      c)      für im Eisenbahn-, Binnenschiffs- oder Straßenverkehr beförderte Waren der Ort der ersten Zollstelle;
      …“
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      10      Den Akten, die dem Gerichtshof vorliegen, ist zu entnehmen, dass die Gendarmerie des Landes Oberösterreich im Raum Eferding
         eine Telefonüberwachung im Zusammenhang mit einem Zigarettenschmuggel durchführte. Dabei ergab sich der Verdacht, dass Herr
         Elshani und sein Bruder in zwei Reisebussen Zigaretten vom Kosovo nach Österreich schmuggelten.
      
      11      Die Telefonüberwachung führte dazu, dass Herr Elshani in einem dieser Reisebusse, in dem im Mittelgang 150 Stangen Zigaretten
         versteckt waren, in unmittelbarer Nähe von Wels (Österreich) aufgegriffen wurde. Der Bus hatte das Reiseziel Eferding noch
         nicht erreicht. Die Zigaretten wurden von den österreichischen Zollbehörden beschlagnahmt sowie anschließend eingezogen und
         unter amtlicher Aufsicht vernichtet.
      
      12      Der Beschwerdeführer des Ausgangsverfahrens wird für die Zollschuldentstehung in der Zeit zwischen dem 19. und 21. Mai 2001
         herangezogen. Das genaue Datum bestimmt sich nach dem Zeitpunkt, in dem bei gegebener Reiseroute aus dem Kosovo über Albanien
         nach Brindisi (Italien) und in weiterer Folge nach Österreich die Zigarettenstangen vorschriftswidrig in das Zollgebiet der
         Gemeinschaft verbracht wurden.
      
      13      Das Hauptzollamt trug dem Beschwerdeführer des Ausgangsverfahrens mit Bescheid vom 13. November 2002 die Entrichtung der Eingangsabgaben
         in Höhe von 961,46 Euro für die genannten Zigarettenstangen auf.
      
      14      Dagegen wandte sich seine Berufung vom 13. Dezember 2002. Mit Entscheidung vom 7. Juli 2003 wies das Hauptzollamt die Berufung
         als unbegründet ab.
      
      15      Der mit der Beschwerde von Herrn Elshani gegen diese Entscheidung befasste Unabhängige Finanzsenat, Außenstelle Graz, hat
         das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Der Erlöschenstatbestand des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex stellt nicht auf den Zeitpunkt des Entstehens der
         Zollschuld, sondern auf einen Zeitraum nach dem Entstehen der Zollschuld ab, weil er eine nach Art. 202 des Zollkodex „entstandene“
         Zollschuld voraussetzt. Ist die Wortfolge „beim vorschriftswidrigen Verbringen“ im Sinne des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d
         des Zollkodex so auszulegen,
      
      –        dass das Verbringen einer Ware in das Zollgebiet der Gemeinschaft, für die eine Zollschuld nach Art. 202 des Zollkodex entstanden
         ist, bereits mit ihrem Verbringen zur Grenzzollstelle oder an einen anderen von den Zollbehörden bezeichneten Ort, spätestens
         jedoch mit dem Verlassen des Amtsplatzes der Grenzzollstelle oder des sonst bezeichneten Ortes endet, weil die Ware damit
         das Innere des Zollgebiets erreicht hat, so dass eine Beschlagnahme und Einziehung der Waren nach diesem Zeitpunkt nicht mehr
         zu einem Erlöschen der Zollschuld führt,
      
      oder so auszulegen,
      –        dass das Verbringen einer Ware in das Zollgebiet der Gemeinschaft, für die eine Zollschuld nach Art. 202 des Zollkodex entstanden
         ist, im Sinne einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise so lange andauert, so lange ihre Beförderung als einheitlicher Lebensvorgang
         im Anschluss an das Verbringen der Ware in das Zollgebiet noch andauert, die Ware im Zollgebiet demnach noch nicht an einem
         ersten Bestimmungsort eingetroffen und dort zur Ruhe gekommen ist, so dass eine Beschlagnahme und Einziehung der Waren noch
         bis zu diesem Zeitpunkt zu einem Erlöschen der Zollschuld führt?
      
       2.     Im Falle eines vorschriftswidrigen Verhaltens im Sinne von Art. 202 des Zollkodex, das bei dem Verbringen entdeckt wird, erlischt
         die Zollschuld zwingend. Die Beschlagnahme von Waren unmittelbar beim Entziehen aus der zollamtlichen Überwachung als vorschriftswidriges
         Verhalten im Sinne von Art. 203 des Zollkodex hingegen führt zu keinem sofortigen Erlöschen der Zollschuld. Ist Art. 233 Unterabs. 1
         Buchst. d des Zollkodex so auszulegen, dass dieses ausdrücklich auf Fälle der Entstehung der Zollschuld nach Art. 202 des
         Zollkodex eingeschränkte Erlöschen der Zollschuld dennoch dem Gebot der Gleichbehandlung vorschriftswidrigen Verhaltens entspricht?
      
      
       Zu den Vorlagefragen
       Zur ersten Frage
      16      Mit dieser Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob die Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex
         dahin auszulegen sind, dass die Beschlagnahme von vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren nur
         dann zum Erlöschen der Zollschuld führt, wenn sie erfolgt, bevor die Waren die Zollstelle verlassen, oder auch dann noch,
         wenn sie später während der Beförderung, aber vor Erreichen des ersten Bestimmungsorts stattfindet.
      
      17      Nach Auffassung der österreichischen Regierung ist die Wortfolge „bei dem vorschriftswidrigen Verbringen“ in Art. 233 Unterabs. 1
         Buchst. d des Zollkodex ein eigenständiger Begriff, der einen anderen Zeitraum umfasse als den des Verbringens in das Zollgebiet
         per se, der schon mit erfolgtem Überschreiten der Zollgrenze beendet sei.
      
      18      Die österreichische und die finnische Regierung vertreten die Ansicht, dass das Verbringen einer Ware, für die eine Zollschuld
         nach Art. 202 des Zollkodex entstanden sei, im Sinne einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise so lange andauere, so lange
         ihre Beförderung als einheitlicher Lebensvorgang noch andauere, also bis die Ware an ihrem ersten Bestimmungsort eintreffe,
         so dass die Beschlagnahme und Einziehung der Ware noch bis zu diesem Zeitpunkt zu einem Erlöschen der Zollschuld führe. Diese
         Auslegung entspreche auch dem Wirtschaftszollgedanken und dem Zweck von Zöllen, aus denen sich ergebe, dass die Zollschuld
         zu erlöschen habe, wenn die vorschriftswidrig verbrachten Waren beschlagnahmt und eingezogen worden seien, bevor sie in den
         Wirtschaftskreislauf eingegangen seien.
      
      19      Hierzu ist festzustellen, dass das Verbringen von Waren in das Zollgebiet der Gemeinschaft, wie es u. a. durch die Art. 37
         bis 57 des Zollkodex – Bestimmungen, die für in dieses Gebiet verbrachte Waren gelten, bis sie einer zollrechtlichen Bestimmung
         zugeführt wurden – geregelt ist, im Fall des Verbringens auf dem Landweg durch die bloße Grenzüberschreitung der Waren endet
         und dass dieser Begriff nicht mit dem Begriff „vorschriftswidriges Verbringen“ im Sinne des Art. 202 des Zollkodex übereinstimmt.
      
      20      Aus Art. 202 Abs. 1 des Zollkodex ergibt sich nämlich, dass „vorschriftswidriges Verbringen“ im Sinne dieser Bestimmung u. a.
         jedes Verbringen unter Nichtbeachtung der Art. 38 bis 41 des Zollkodex ist.
      
      21      Der Gerichtshof hat entschieden, dass die Einfuhr von Waren, die die folgenden – im Zollkodex vorgesehenen – Etappen nicht
         einhält, ein vorschriftswidriges Verbringen darstellt. Erstens müssen die in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren
         nach Art. 38 Abs. 1 des Zollkodex unverzüglich zu der angegebenen Zollstelle oder in eine Freizone befördert werden. Zweitens
         müssen die Waren, wenn sie bei der Zollstelle eintreffen, dort nach Art. 40 des Zollkodex gestellt werden. Die Gestellung
         der Waren ist in Art. 4 Nr. 19 des Zollkodex definiert als die Mitteilung an die Zollbehörden in der vorgeschriebenen Form,
         dass sich die Waren bei der Zollstelle oder an einem anderen von den Zollbehörden bezeichneten oder zugelassenen Ort befinden
         (Urteil vom 3. März 2005, Papismedov u. a., C‑195/03, Slg. 2005, I‑1667, Randnr. 26).
      
      22      Aus dem Wortlaut der Art. 38 bis 41 des Zollkodex ist ersichtlich, dass Waren nur dann vorschriftsmäßig in das Zollgebiet
         der Gemeinschaft verbracht werden, wenn sie zu einer Zollstelle oder in eine Freizone befördert und gestellt werden, sobald
         sie eingetroffen sind. Die letztgenannte Verpflichtung, die dem Verbringer oder demjenigen obliegt, der die Beförderung übernimmt,
         soll gewährleisten, dass die Zollbehörden nicht nur darüber informiert werden, dass die Waren eingetroffen sind, sondern auch
         über alle anderen einschlägigen Angaben betreffend die Art des betreffenden Artikels oder Erzeugnisses sowie die Menge dieser
         Waren. Dies sind nämlich die Angaben, die es ermöglichen, sie für die Zwecke ihrer Tarifierung und gegebenenfalls der Berechnung
         der Einfuhrabgaben korrekt zu erfassen (Urteil Papismedov u. a., Randnr. 27).
      
      23      Hierzu hat der Gerichtshof festgestellt, dass sich aus dem Wortlaut und der Systematik der Art. 4 Nr. 19, 38 Abs. 1 und 40
         des Zollkodex klar ergibt, dass alle in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren zu gestellen sind. Der Umstand,
         dass bestimmte Waren in Verstecken des Fahrzeugs, in dem sie befördert werden, verheimlicht werden, bewirkt nicht, dass sich
         diese Verpflichtung nicht auf sie erstreckt (Urteil vom 4. März 2004, Viluckas und Jonusas, C‑238/02 und C‑246/02, Slg. 2004,
         I‑2141, Randnr. 22).
      
      24      Dem ist hinzuzufügen, dass nach Art. 163 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 2454/93 in der durch die Verordnung Nr. 2787/2000
         geänderten Fassung für die Zwecke der Ermittlung des Zollwerts der eingeführten Waren der „Ort des Verbringens in das Zollgebiet
         der Gemeinschaft“ für im Straßenverkehr beförderte Waren der Ort der ersten Zollstelle ist.
      
      25      Daraus folgt, wie die Kommission der Europäischen Gemeinschaften zutreffend ausführt, dass das vorschriftswidrige Verbringen
         von Waren vollzogen ist, sobald die Waren über die erste innerhalb des Zollgebiets der Gemeinschaft liegende Zollstelle hinaus
         gelangt sind, ohne dort gestellt worden zu sein.
      
      26      Demnach ist davon auszugehen, dass solche Waren im Sinne des Art. 202 des Zollkodex „vorschriftswidrig in das Zollgebiet der
         Gemeinschaft verbracht“ wurden, die sich, nachdem sie die Landaußengrenze der Gemeinschaft überschritten haben, in diesem
         Gebiet jenseits der ersten Zollstelle befinden, ohne dorthin befördert und ohne gestellt worden zu sein, mit dem Ergebnis,
         dass die Zollbehörden von den dazu Verpflichteten keine Mitteilung über das Verbringen der Waren erhalten haben.
      
      27      Aus dem Wortlaut des Art. 202 Abs. 2 und 3 des Zollkodex ergibt sich zudem, dass der Vorgang der Einfuhr von Waren in das
         Zollgebiet der Gemeinschaft, der unter den in der vorstehenden Randnummer beschriebenen Bedingungen stattfindet, eine Zollschuld
         u. a. in der Person des Einführers genau in dem Augenblick entstehen lässt, in dem die Waren vorschriftswidrig verbracht werden,
         d. h. in dem Augenblick, in dem feststeht, dass die Formalitäten u. a. der Art. 38 bis 41 des Zollkodex nicht erfüllt wurden.
         Somit fallen das vorschriftswidrige Verbringen und das Entstehen der Zollschuld zusammen.
      
      28      Da aber die Beschlagnahme von Waren bei ihrem vorschriftswidrigen Verbringen oder ihre gleichzeitige oder spätere Einziehung
         nach Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex zum Erlöschen der Zollschuld führen, stellt sich die Frage, zu welchem Zeitpunkt
         die Beschlagnahme erfolgen muss, um schuldbefreiende Wirkung zu haben.
      
      29      Es ist festzustellen, dass mit dem in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex vorgesehenen Erlöschen der Zollschuld vermieden
         werden soll, dass Zoll erhoben wird, wenn die Ware zwar vorschriftswidrig in die Gemeinschaft verbracht wurde, aber nicht
         vermarktet werden konnte und deshalb unter Wettbewerbsgesichtspunkten keine Gefahr für die Gemeinschaftswaren darstellte.
      
      30      Im Kontext des Zollkodex stellen die in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex genannte Beschlagnahme mit Einziehung
         von Waren bei deren vorschriftswidrigem Verbringen ebenso wie die in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. a bis c vorgesehenen Fälle
         der Entrichtung des Abgabenbetrags, des Erlasses des Abgabenbetrags, der Ungültigerklärung der Zollanmeldung sowie der Beschlagnahme
         und Einziehung vor der Überlassung, der Vernichtung oder Zerstörung, der Aufgabe oder des unwiederbringlichen Verlusts der
         angemeldeten Waren einen eng auszulegenden Erlöschensgrund der Zollschuld dar.
      
      31      Dieser Befund wird durch die Rechtsprechung des Gerichtshofs bestätigt, der im Urteil vom 14. November 2002, SPKR (C‑112/01,
         Slg. 2002, I‑10655, Randnr. 31), entschieden hat, dass Art. 233 des Zollkodex der Notwendigkeit Rechnung trägt, die Eigenmittel
         der Gemeinschaft zu schützen, einem Ziel, das nicht durch die Einführung neuer Erlöschensgründe für die Zollschuld beeinträchtigt
         werden darf. Diese Notwendigkeit besteht erst recht bei der Bestimmung des Zeitpunkts, zu dem die Beschlagnahme von Waren
         stattfinden muss, die zum Erlöschen der Zollschuld für diese Waren führen kann.
      
      32      Das Vorhandensein von vorschriftswidrig verbrachten Waren im Zollgebiet der Gemeinschaft allein birgt eine sehr große Gefahr,
         dass diese Waren letztlich Eingang in den Wirtschaftskreislauf der Mitgliedstaaten finden; haben diese Waren erst einmal die
         Zone verlassen, in der sich die erste innerhalb dieses Gebiets liegende Zollstelle befindet, ist die Chance geringer, dass
         sie von den Zollbehörden im Rahmen von stichprobenartig durchgeführten Kontrollen zufällig entdeckt werden.
      
      33      Die Behörden sind nämlich in den Zollstellen, die strategisch an den Grenzübergängen der Außengrenzen liegen, am besten in
         der Lage, die in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren intensiv zu kontrollieren, um sowohl einen unlauteren Wettbewerb
         mit den Herstellern in der Gemeinschaft als auch die mit dem Einfuhrschmuggel verbundenen Einnahmeverluste zu verhindern.
      
      34      Daher kann die Beschlagnahme von unter Nichtbeachtung der Formalitäten der Art. 38 bis 41 des Zollkodex in das Zollgebiet
         der Gemeinschaft verbrachten Waren, die jenseits der ersten innerhalb des Zollgebiets der Gemeinschaft liegenden Zollstelle
         praktisch zufällig stattfindet, nicht zum Erlöschen der Zollschuld im Sinne des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex
         führen.
      
      35      Die finnische Regierung macht geltend, dass diese Auslegung des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz
         verstoße, da sich Personen, die Waren im Sinne des Art. 202 des Zollkodex vorschriftswidrig verbracht hätten, in einer unterschiedlichen
         Lage befänden, je nachdem, ob ihr Verhalten in der Grenzzollstelle oder jenseits derselben entdeckt werde.
      
      36      Nach ständiger Rechtsprechung besteht eine Diskriminierung in der Anwendung unterschiedlicher Vorschriften auf vergleichbare
         Sachverhalte oder in der Anwendung derselben Vorschrift auf unterschiedliche Sachverhalte (vgl. Urteil vom 22. Dezember 2008,
         Truck Center, C‑282/07, Slg. 2008, I‑0000, Randnr. 37 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      37      Hierzu ist festzustellen, dass die in Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex vorgesehene unterschiedliche Behandlung
         in Bezug auf das Erlöschen der Zollschuld je nachdem, ob die vorschriftswidrig verbrachten Waren bei dem Verbringen oder später
         beschlagnahmt werden, zwei Sachverhalte betrifft, die, wie sich aus den Randnrn. 32 und 33 des vorliegenden Urteils ergibt,
         hinsichtlich der Gefahr für die Interessen der Gemeinschaft, die von dem Vorhandensein dieser Waren im Zollgebiet der Gemeinschaft
         ausgeht, nicht objektiv vergleichbar sind.
      
      38      Demnach ist auf die erste Vorlagefrage zu antworten, dass die Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex dahin auszulegen
         sind, dass die Beschlagnahme von vorschriftswidrig in das Zollgebiet der Gemeinschaft verbrachten Waren nur dann zum Erlöschen
         der Zollschuld führt, wenn sie erfolgt, bevor die Waren über die erste innerhalb dieses Gebiets liegende Zollstelle hinaus
         gelangt sind.
      
       Zur zweiten Frage
      39      Mit seiner zweiten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d des Zollkodex
         dadurch dem Grundsatz der Gleichbehandlung zuwiderläuft, dass er das Erlöschen der Zollschuld auf den Fall der Beschlagnahme
         von Waren bei ihrem vorschriftswidrigen Verbringen beschränkt und eine Beschlagnahme in anderen Fällen vorschriftswidrigen
         Verhaltens wie das in Art. 203 des Zollkodex geregelte Entziehen aus der zollamtlichen Überwachung ausnimmt.
      
      40      Es ist daran zu erinnern, dass es nach ständiger Rechtsprechung allein Sache des mit dem Rechtsstreit befassten nationalen
         Gerichts ist, in dessen Verantwortungsbereich die zu erlassende gerichtliche Entscheidung fällt, im Hinblick auf die Besonderheiten
         der Rechtssache sowohl die Erforderlichkeit einer Vorabentscheidung zum Erlass seines Urteils als auch die Erheblichkeit der
         dem Gerichtshof von ihm vorgelegten Fragen zu beurteilen (vgl. Urteil vom 15. Juni 2006, Acereda Herrera, C‑466/04, Slg. 2006,
         I‑5341, Randnr. 47 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      41      Ungeachtet dessen kann der Gerichtshof jedoch nicht über eine von einem nationalen Gericht zur Vorabentscheidung vorgelegte
         Frage befinden, wenn offensichtlich ist, dass die Auslegung oder die Beurteilung der Gültigkeit einer Gemeinschaftsvorschrift,
         um die das vorlegende Gericht ersucht, in keinem Zusammenhang mit der Realität oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits
         steht, wenn das Problem hypothetischer Natur ist oder wenn er nicht über die tatsächlichen oder rechtlichen Angaben verfügt,
         die für eine zweckdienliche Beantwortung der ihm vorgelegten Fragen erforderlich sind (vgl. Urteil Acereda Herrera, Randnr. 48).
      
      42      Die Rechtfertigung einer Vorlagefrage liegt nämlich nicht im Interesse an Gutachten zu allgemeinen oder hypothetischen Fragen,
         sondern darin, dass die Frage für die tatsächliche Entscheidung eines Rechtsstreits erforderlich ist (vgl. Urteile vom 12.
         März 1998, Djabali, C‑314/96, Slg. 1998, I‑1149, Randnr. 19, und Acereda Herrera, Randnr. 49).
      
      43      Im vorliegenden Fall ersucht das vorlegende Gericht, wie sich aus dem Wortlaut der zweiten Frage und den Ausführungen dieses
         Gerichts zur Begründung dieser Frage ergibt, den Gerichtshof um die Prüfung der Gültigkeit des Art. 233 Unterabs. 1 Buchst. d
         des Zollkodex, weil die Tatsache, dass diese Bestimmung kein Erlöschen der Zollschuld auch in dem in Art. 203 des Zollkodex
         geregelten Fall des Entziehens aus der zollamtlichen Überwachung vorsieht, einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
         darstellen könne.
      
      44      Der Vorlageentscheidung und den beim Gerichtshof eingereichten Erklärungen ist jedoch zu entnehmen, dass das Entziehen aus
         der zollamtlichen Überwachung, das in Art. 203 des Zollkodex als ein die Zollschuld begründender Sachverhalt geregelt ist,
         im Ausgangsverfahren nicht in Rede steht.
      
      45      Wie die österreichische Regierung und die Kommission in ihren Erklärungen vorgetragen haben, steht die Frage demnach offensichtlich
         in keinem Zusammenhang mit dem Gegenstand des Ausgangsverfahrens, das eine Zollschuld betrifft, die nach Art. 202 des Zollkodex
         infolge eines vorschriftswidrigen Verbringens von Waren in das Zollgebiet der Gemeinschaft entstanden ist.
      
      46      Die zweite Frage ist daher nicht zu beantworten.
      
       Kosten
      47      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Die Art. 202 und 233 Unterabs. 1 Buchst. d der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung
            des Zollkodex der Gemeinschaften in der durch die Verordnung (EG) Nr. 2700/2000 des Europäischen Parlaments und des Rates
            vom 16. November 2000 geänderten Fassung sind dahin auszulegen, dass die Beschlagnahme von vorschriftswidrig in das Zollgebiet
            der Europäischen Gemeinschaft verbrachten Waren nur dann zum Erlöschen der Zollschuld führt, wenn sie erfolgt, bevor die Waren
            über die erste innerhalb dieses Gebiets liegende Zollstelle hinaus gelangt sind.
      2.      Die zweite Frage ist nicht zu beantworten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.