CELEX: 31996M0803
Language: de
Date: 1996-08-27 00:00:00
Title: Entscheidung der Kommission vom 27/08/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.803 - REWA / BILLA) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)

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31996M0803

Entscheidung der Kommission vom 27/08/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.803 - REWA / BILLA) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 306 vom 15/10/1996 S. 0004

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 27/08/1996 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.803 - REWA / BILLA)  gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der Deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des  Amtes für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. ÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6(1)(b) ENTSCHEIDUNG Einschreiben mit Empfangsbestätigung An die anmeldenden Parteien Betrifft :<ind> Fall Nr. IV/M. 803  Rewe/Billa <ind> Ihre Anmeldung vom 23.07.1996 gemäß Art. 4 der Ratsverordnung (EWG)  Nr. 4064/89 (Fusionsverordnung). 1.<ind> Am 23.07.1996 erhielt die Kommission die Anmeldung eines  beabsichtigten Zusammenschlusses nach Artikel 4 der Ratsverordnung (EG)  Nr. 4064/89 [ABl Nr. L 395 vom 30.12.1989; Corrigendum : ABL Nr. L 252 vom  21.09.1990, p. 13] (Fusionsverordnung), wonach die von der ReweGruppe  kontrollierte Rewe Internationale Beteiligungs Gesellschaft mbH, Köln  durch Aktienkauf (100%) die Kontrolle über die Gesamtheit der BML  Vermögensverwaltung AG, Wien (BillaGruppe) erwirbt. 2.<ind> Nach Prüfung der Anmeldung hat die Kommission festgestellt, daß  das angemeldete Vorhaben in den Anwendungsbereich der Verordnung (EWG) Nr.  4064/89 des Rates fällt und hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem  Gemeinsamen Markt und dem Funktionieren des  EWRAbkommens keinen Anlaß zu  ernsthaften Bedenken gibt. I.<ind> Die Parteien 3.<ind> Die ReweGruppe bildet einen Gleichordnungskonzern aus der  ReweZentralfinanz eG, Köln, mit deren unmittelbaren und mittelbaren  Beteiligungsunternehmen und der Rewe Zentral AG,  Köln, mit deren  unmittelbaren und mittelbaren Beteiligungsunternehmen.  Sie ist im Erwerb,  der Finanzierung und mit dem Betreiben von Unternehmen im Groß und  Einzelhandel, insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) tätig.  Der  Konzernumsatz der ReweGruppe liegt bei 20004,3 MECU (1995) und wird nahezu  ausschließlich in Deutschland erzielt. 4.<ind> Dïe über BML erworbene BillaGruppe ist ebenfalls ein  Handelskonzern mit Schwerpunkt LEH, der nahezu ausschließlich in  Österreich tätig ist.  Der Gesamtumsatz liegt bei 3050 MECU (1995), wovon  131 MECU in Italien erzielt werden.  Die Konzernunternehmen sind mit Billa  und Emma im Supermarktsegment (736 Filialen), mit Merkur im  Verbrauchermarktsegment (57 Filialen), als Diskontunternehmen (154 Mondo  Filialen) und mit einer Drogeriekette (314 Bipa Filialen) im  österreichischen Markt tätig. II.<ind> Zusammenschluß 5.<ind> Der Erwerb von 100% der BML Vermögensverwaltung Aktiengesellschaft  durch die Rewe umfasst 17 BML  100%  Tochtergesellschaften und die Billa  Polen sp.z.o.o., Warschau (75% Billa).  Die bisherigen BMLUnternehmen  Billareal Immobilieninvest AG und die Buchhandelskette Libro wurden  ausgegliedert und sind daher nicht von dem angemeldeten Vorhaben erfasst.   Das Vorhaben stellt einen Zusammenschluß im Sinne von Artikel 3 Absatz  1(b) der Fusionsverordnung dar. III.<ind> Gemeinschaftsweite Bedeutung 6.<ind> Die beteiligten Unternehmen haben gemeinsam einen weltweiten  Umsatz von mehr als 5000 MECU und erzielen jeweils einen  gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 MECU.  Die Beteiligten  erzielen nicht mehr als zwei Drittel ihres gemeinschaftsweiten Umsatzes in  einem und demselben Mitgliedsstaat.  Das angemeldete Vorhaben hat daher  gemeinschaftsweite Bedeutung. IV.<ind> Vereinbarkeit mit dem gemeinsamen Markt. A.<ind> Relevanter Produktmarkt 7.<ind> Der vorliegende Zusammenschluß betrifft im wesentlichen den  Lebensmitteleinzelhandel.  Unter dem Gesichtspunkt möglicher   wettbewerblicher Auswirkungen sind hier im Grundsatz zwei Gesamtmärkte zu  unterscheiden : <ind> <ind> der Handelsmarkt, auf dem die Unternehmen des  Lebensmitteleinzelhandels als Anbieter den Endverbrauchern  gegenüberstehen; <ind> <ind> der Beschaffungsmarkt ("Nachfragemarkt"), auf dem  dieseUnternehmen als Nachfrager den Herstellern der Produkte  gegenüberstehen, die zum Sortiment des Lebensmitteleinzelhandels gehören  (Die Großhandelsstufe kann für die wettbewerbliche Prüfung im vorliegenden  Fall ausser Betracht bleiben, da die grossen Einzelhandelsketten weitgehend  selbst die Großhandelsfunktion übernehmen). 8.<ind> Zwischen dem Handelsmarkt und dem Beschaffungsmarkt besteht eine  enge Interdependenz.  Die Marktanteile der Einzelhandelsunternehmen auf  dem Handelsmarkt bestimmen ihr Einkaufsvolumen, das der entscheidende  Parameter für ihre Position auf dem Beschaffungsmarkt ist.  Umgekehrt ist  ihre Position auf dem Beschaffungsmarkt ein maßgeblicher Faktor für die  Einkaufskonditionen, die den Handelsunternehmen von den Herstellern  eingeräumt werden.  Diese Einkaufskonditionen sind ihreseits ein  maßgeblicher Faktor für die Preissetzung der Handelsunternehmen gegenüber  den Endverbrauchern und haben daher einen maßgeblichen Einfluß auf ihre  Wettbewerbschancen  gegenüber den Konkurrenten auf dem Handelsmarkt. 1)<tab> Handelsmarkt 9.<ind> Zwar bestehen im Lebensmitteleinzelhandel verschiedene  Vertriebsformen, die sich etwa nach Breite und Tiefe des Sortiments und  Grösse der Verkaufsfläche unterscheiden (z.B. Discountmärkte mit 600 bis  700 Artikeln und Beschränkung auf das Trockensortiment, Supermärkte mit  5000 bis 10000 Artikeln, FrischeAbteilung und einer Verkaufsfläche von 400   1000 m2, Verbrauchermärkte mit einer Verkaufsfläche von mindestens 1.000  m2).  Wegen der bestehenden Wettbewerbsbeziehungen zwischen diesen  unterschiedlichen Vertriebsformen wird im folgenden, wie schon in  bisherigen Entscheidungen der Kommission [zuletzt Fall IV/M.558 La  Rinascente/Cedis Migliarini v. 15.3.95  Fall IV/M.471  Delhaize/P.G. v.  22.8.94  Fall IV/M.320  Ahold/Jeronimo Martins v. 19.4.93  Fall IV/M.301   Tesco/Catteau v. 4.2.93l], von einem Gesamtmarkt für den  Lebensmitteleinzelhandel  ausgegangen, der alle Einzelhandelsgeschäfte mit  einem für den Lebensmitteleinzelhandel typischen Sortiment von Food  und  Nonfood  Produkten umfasst (d.h. unter Einschluß von Discountmärkten, aber  Ausschluß von Spezialgeschäften wie etwa Metzgereien und Bäckereien). 2)<ind> Beschaffungsmarkt 10.<ind> Für die Prüfung der wettbewerblichen Auswirkungen auf der  Nachfrageseite wird im folgenden ebenfalls von einem Gesamtmarkt für die  Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels ausgegangen.  Zwar könnte hier  möglicherweise daran zu denken sein, zwischen der Nachfrage nach  bestimmten Produktgruppen zu differenzieren.  So werden zum Beispiel  Waschmittel und Körperpflegemittel zu einem wesentlichen Teil auch über  Drogeriemärkte vertrieben.  Die Frage kann jedoch im vorliegenden Fall  dahingestellt bleiben.  Wie weiter unten dargelegt, wirft der vorliegende  Zusammenschluß auch dann keine durchgreifenden Bedenken auf, wenn die  Nachfragemacht der beteiligten Unternehmen am Maßstab der Gesamtnachfrage  des Lebensmitteleinzelhandels gemessen wird und damit ausser Betracht  bleibt, daß bestimmte Produktgruppen auch über andere Distributionskanäle  vertrieben werden. B<ind> Geographischer Markt 1)<ind> Handelsmarkt 11.<ind> Aus der unmittelbaren Sicht des Verbrauchers sind die  geographischen Märkte,  die von einem Zusammenschluß im  Lebensmitteleinzelhandel betroffen sind, jeweils die lokalen Märkte, in  denen die beteiligten Unternehmen Verkaufsstellen unterhalten.  Diese  lokalen Märkte können dahingehend definiert werden, daß sie jeweils einen  Kreis mit einem Radius von ca. 20 Autominuten, gemessen ab der jeweiligen  Verkaufsstelle abdecken.  Allerdings würde eine auf derartige lokale  Märkte beschränkte Prüfung den wettbewerblichen Auswirkungen eines  Zusammenschlusses im Lebensmitteleinzelhandel zumindest dann nicht  gerecht, wenn eine Vielzahl lokaler Märkte die von dem Zusammenschluß  betroffen sind, derart zusammenhängen, daß sie sich jeweils überschneiden  und nahtlos eine grössere  Region oder gar das gesamte Gebiet eines  Mitgliedsstaates abdecken. 12.<ind> In diesem Zusammenhang ist insbesondere zu berücksichtigen, daß  die Wettbewerbsbeziehungen zwischen den grossen Einzelhandelsketten nicht  auf den lokalen Wettbewerb beschränkt sind, sondern sich vielmehr in einer  weit umfassenderen geographischen Dimension abspielen.  Dies kommt etwa  darin zum Ausdruck, daß bei grossen Einzelhandelsketten  dieSortimentsgestaltung weitgehend zentral gesteuert und insoweit auf den  einzelnen lokalen Märkten gleichartig ist. 13.<ind> Im vorliegenden Fall wirkt sich die Übernahme von Billa durch  Rewe im wesentlichen auf den Lebensmitteleinzelhandel in Österreich aus.   Da die Verkaufsstellen von Billa, wenn auch teilweise mit  unterschiedlichen regionalen Schwerpunkten, das Gesamtgebiet von  Österreich abdecken, wird bei der wettbewerblichen Prüfung des Vorhabens  daher im folgenden von dem Gesamtmarkt des Lebensmitteleinzelhandels in  Österreich ausgegangen.  Ein Eingehen auf lokale oder regionale Märkte  erübrigt sich schon deswegen, weil Rewe bisher in Österreich nicht tätig  ist und es daher auf keinem denkbaren geographischen Markt zu  Marktanteilsadditionen kommt.  Für die Prüfung relevant kann daher nur  eine mögliche Verstärkung der Marktstellung von Billa durch einen  Ressourcenzuwachs oder verbesserte Einkaufsbedingungen sein.  Diese  Gesichtspunkte sind aber sachgerecht in erster Linie mit Bezug auf den  gesamten Lebensmitteleinzelhandel in Österreich zu beurteilen. 2)<ind> Beschaffungsmarkt 14.<ind> Aus der Sicht der Hersteller bildet Österreich derzeit noch einen  eigenen Beschaffungsmarkt für die im Lebensmittelhandel vertriebenen  Produkte. Dies gilt jedenfalls für kleine und mittlere österreichische  Produzenten, deren Absatzgebiet vorwiegend Österreich ist. Aber auch  internationale Grossunternehmen, die über österreichische  Tochterunternehmen in diesem Absatzgebiet tätig sind, haben die Auffassung  vertreten, daß Österreich für sie einen gesonderten Absatzmarkt darstellt.  Allerdings besteht innerhalb der Gemeinschaft generell eine Tendenz,  insbesondere im NonfoodBereich durch die Einführung von "Eurobrands"  Absatzmärkte zu schaffen, die über das Gebiet eines Mitgliedstaates  hinausgehen. Im FoodBereich dürfte dies wegen der unterschiedlichen  Verbrauchs und Geschmacksgewohnheiten ungleich schwieriger sein. Im Fall  von Österreich besteht allerdings generell die Besonderheit, daß wegen des  Fehlens einer Sprachbarriere zu Deutschland und weitgehend  übereinstimmender Kennzeichnungspflichten die Bildung von Absatzmärkten,  die Deutschland und Österreich umfassen, erleichtert wird.  Auch wenn  derzeit noch ein auf Österreich beschränkter Beschaffungsmarkt besteht,  könnte sich nach dem EUBeitritt Österreichs im Laufe der Zeit eine Tendenz  zu einen umfassenderen Markt ergeben. C<tab> Wettbewerbliche Beurteiling <ind>  15.<ind> Der Zusammenschluß wirkt sich vor allem auf die  Wettbewerbsposition von Billa im österreichischen Markt aus.  Unter dem  Gesichtspunkt der Nachfragemacht ist allerdings auch die  Wettbewerbsposition der Gruppe Rewe/Billa insgesamt zu sehen (vgl. Rn.  20,21). <ind>  1)<tab> Struktur des Lebensmitteleinzelhandels in Österreich 16.<ind> Nach Auswertung der von den Parteien gemachten Angaben, den  Angaben anderer Marktteilnehmer sowie bestehender Statistiken ist die  Kommission zu folgender Einschätzung der Marktanteile im österreichischen  Lebensmitteleinzelhandel gelangt: <tab> Billa <tab> <ind> 25% <tab> Spar <ind> <ind> Grössenordnung 20% <ind> ADEG <ind> Hofer <tab> >  <ind> Grössenordnung jeweils 10% <tab> Meinl <tab> > <ind> Löwa <tab> <ind> Grössenordnung 5% <tab> Sonstige <tab> <ind> Grössendordnung 20% <ind> Hofer ist eine Kette von Discountmärkten und gehört zur deutschen  AldiGruppe. Löwa ist ein Tochterunternehmen des deutschen  Grossunternehmerns Tengelmann. Meinl sowie ein Grossteil der unter Sonstige  angeführten Unternehmen gehören der österreichischen Einkaufsgemeinschaft  ZEV an. 2)<ind> Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die Wettbewerbsposition von  Billa. 17.<ind> Da Rewe bisher in Österreich nicht tätig ist, kommt es durch den  Zusammenschluß  nicht zu einer Marktanteilsaddition im österreichischen  Lebensmitteleinzelhandel. Allerdings wird die Wettbewerbsposition der  BillaGruppe, die bereits Marktführer ist, dadurch verbessert, daß Billa  nunmehr auf die Ressourcen der ReweGruppe zurückgreifen kann und  insbesondere auch Möglichkeiten zum gemeinsamen Einkauf mit Rewe nutzen  kann. Ebenso ist es auch denkbar, daß Billa ihren Handelsmarkenanteil  gestützt auf dieVerbindung mit Rewe steigern kann und damit verstärkt in  diesem preisaktiven Segment tätig sein wird. Der Handelsmarkenanteil liegt  bei Rewe deutlich über dem Branchendurchschnitt. 18.<ind> Der Möglichkeit eines gemeinsamen Einkaufs mit Rewe und damit der  Erzielung verbesserter Einkaufskonditionen für Billa sind jedoch insoweit  Grenzen gesetzt, als Billa auf Verbraucherpräferenzen für in Österreich  eingeführte Produkte Rücksicht zu nehmen hat. Ebenso könnte auch eine  Sortimentspolitik, die zu einer nachhaltigen  Erhöhung des  Handelsmarkenanteils führt, auf negative Reaktionen der Verbraucher  stossen, wenn dadurch die Zahl der eingeführten Markenartikel erheblich  verringert wird. 3)<tab> Beurteilung der Auswirkungen auf den Handelsmarkt 19.<ind> Zwar ist Billa mit einem Marktanteil von ca. 25% der Marktführer  im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel. Angesichts der oben  dargestellten Marktstruktur kann jedoch eine beherrschende Stellung von  Billa nicht angenommen werden. Es ist auch nicht davon auszugehen, daß  eine solche Stellung durch den Zusammenschluß aufgrund der verbesserten  Wettbewerbsposition von Billa entstehen wird. Die besseren  Einkaufkonditionen, die Billa bei bestimmten Produktgruppen durch einen  gemeinsamen Einkauf mit Rewe erlangen mag, rechtfertigen nicht die  Annahme, daß die BillaGruppe einen solchen Vorsprung vor ihren  Wettbewerbern erlangen wird, daß ihr Verhaltensspielraum nicht mehr vom  Wettbewerb kontrolliert wird. Es wird allgemein erwartet, daß der  Zusammenschluß zu einem schärferen Preiswettbewerb im österreichischen  Lebensmitteleinzelhandel führen wird. Es bestehen jedoch keine  Anhaltspunkte dafür, daß durch den Zusammenschluß ermöglichte niedrigere  Ladenverkaufspreise von Billa etwa zu einer Verdrängung der  Hauptwettbewerber von Billa führen würden. In diesen Zusammenhang ist auch  zu berücksichtigen, daß Hofer (Aldi) und Löwa (Tengelmann) zu  international tätigen Grossunternehmen des Einzelhandels gehören, die  ebenfalls bei den Produktgruppen, bei denen dies möglich ist, jeweils ihre  Nachfrage auf internationalen Beschaffungsmärkten bündeln können. Der  zweitstärkste Wettbewerber, die österreichischer Spar, verfügt neben  seiner Mitgliedschaft in der europäischen Einkaufskooperation BIGS  insbesondere auch über Verbindungen zur deutschen SparGruppe und hat seit  dem EUBeitritt Österreichs Eigenmarken der deutschen Spar in sein  Sortiment aufgenommen. 4)<ind> Beurteilung der Auswirkungen auf dem Beschaffungsmarkt 20.<ind> Die Nachfragemacht eines Einzelhandelunternehmens bestimmt sich  danach, in welchem Maß die Hersteller darauf angewiesen sind, ihre  Produkte über das Handelsunternehmen abzusetzen. Dabei kann es im Rahmen  der Fusionskontrolle nicht auf eine möglicherweise gegebene Abhängigkeit  einzelner individueller Hersteller ankommen. Entscheidend ist vielmehr,  inwieweit die Hersteller im Durchschnitt die Möglichkeit haben,  Lieferungen an das in Frage stehende Einzelhandelsunternehmen durch  Lieferungen an andere Abnehmer zu substituieren. Dies ist im wesentlichen  eine Frage des Marktanteils, den das Einzelhandelsunternehmen auf dem  Handelsmarkt hält. Allerdings ist gegebenenfalls auch zu berücksichtigen,  daß sich die durch den Marktanteil im Lebensmitteleinzelhandel  ausgedrückte Nachfragemacht bei bestimmten Produktgruppen unterschiedlich  auswirken kann, je nach dem ob auch noch andere Distributionsschienen  bestehen. Ebenso kann auch von der Marktposition bestimmter Erstmarken,  die im Sortiment des Einzelhandels unverzichtbar sind, eine Gegenmacht  ausgehen [vgl. etwa Entscheidung der Kommission Procter &  Gamble/Schickedanz, ABL. Nr. L 354 vom 31.12.1994, Rn. 166 ff.]. 21.<ind> Im vorliegenden Fall führt der Zusammenschluß nicht zu einer  Marktanteilsaddition im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel, sodaß  sich an der Bedeutung von Billa als Abnehmer auf einem auf Österreich  beschränkten Beschaffungsmarkt unmittelbar nichts ändert. Allerdings  bietet der Zusammenschluß, wie oben dargelegt, wahrscheinlich in  begrenzten Maß die Möglichkeit, daß Rewe und Billa bei bestimmten  Produktgruppen den Einkauf gemeinsam vornehmen. Unmittelbar betroffen  wären von einer solchen Bündelung der Nachfrage jene Hersteller, die mit  ihren Produkten sowohl den österreichischen wie den deutschen Markt  beliefern. Aus der Sicht dieser Hersteller würde sich für die gemeinsam  eingekauften Produkte in Zukunft ein Beschaffungsmarkt ergeben, der  Deutschland und Österreich umfasst. 22.<ind> Der durch den Zusammenschluß ermöglichte gemeinsame Einkauf würde  die Position von Rewe/Billa  als Nachfrager in einem solchen Markt nicht  erheblich erhöhen. Nach Angaben im Geschäftsbericht 1995hält Rewe im  deutschen Lebensmitteleinzelhandel einen Marktanteil von ca. 16%. Der  deutsche Markt umfasst ca. 80 Millionen Einwohner. Billa hält auf dem  österreichischen Markt, der nur ca. 8 Millionen Einwohner umfasst, einen  Marktanteil von ca. 25%.   Auf einen 88 Millionen Einwohner umfassenden  Markt Deutschland / Österreich läge der Marktanteil von Rewe bei 14,5% und  der Anteil von Billa bei 2,3%, sodaß sich ein zusammengefasster Marktanteil  von 16,8% ergäbe (unterstellt, daß das Verhältnis von Marktvolumen und  Einwohnerzahl in beiden Ländern in etwa gleich ist).  Aus der Sicht der  Hersteller, die bereits heute den deutschen wie den österreichischen Markt  mit gleichen Produkten beliefern, würde sich demnach bei einer Bündelung,  der Nachfrage von Rewe und Billa der Abhängigkeitsgrad von der ReweGruppe  um 2,3 Prozentpunkte erhöhen.  Für diejenigen Marken, die nach gemeinsamem  Einkauf von Rewe und Billa neu in den österreichischen Markt eingeführt  würden, würde sich der Abhängigkeitsgrad von 16% auf 16,8% erhöhen  (unterstellt, daß diese Marken sich auf dem österreichischen Markt in  gleichem Umfang wie auf dem deutschen Markt durchsetzen ließen).  In  diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, daß der tatsächliche  durchschnittliche Abhängigkeitsgrad niedriger ist, als in den genannten  Zahlen zum Ausdruck kommt.  Wie oben dargelegt (Rn 10), bestehen für eine  Reihe von Produktgruppen auch noch andere Distributionskanäle als der  Lebensmitteleinzelhandel.  Insbesondere ist bei den genannten Zahlen auch  nicht der "Cash and Carry"  Großhandel (vor allen die MetroGruppe)  berücksichtigt.  Sowohl für Food  wie für Nonfood  Hersteller ist der  "Cash and Carry"  Großhandel ein wichtiger Absatzmittler, der in  erheblichem Umfang an kleinere Gewerbetreibende verkauft, die nicht dem  Lebensmitteleinzelhandel zuzurechnen sind (z.B. Spezialgeschäfte,  Gastronomie). 23.<ind> Für diejenigen österreichischen Hersteller, die keine  Tochterunternehmen internationaler Grossunternehmen sind und die vorwiegend  den österreichischen Markt beliefern, kommt eine Bündelung der Nachfrage  von Rewe und Billa nicht in Betracht. Allerdings könnte Billa versuchen,  von diesen Herstellern verbesserte Einkaufskonditionen unter Hinweis  darauf zu erlangen, daß andernfalls verstärkt zusammen mit Rewe bezogene  ausländische Marken gelistet würden. Wie oben dargelegt (Rn. 14), ist eine  internationale Beschaffung oder eine Verlagerung auf ausländische Marken  am ehesten im NonfoodBereich möglich. Dieser Bereich ist jedoch im  wesentlichen eine Domäne internationaler Grossunternehmen. Kleine und  mittlere österreichische Hersteller sind vor allem im FoodBereich tätig,  in dem eine entsprechende Umschichtung des Sortiments weitaus schwieriger  sein dürfte. 24.<ind> Insgesamt kann aus den vorstehenden Erwägungen nicht erwartet  werden, daß der Zusammenschluß zur Entstehung oder Verstärkung einer  beherrschenden Stellung von Rewe/Billa als Nachfrager führt. V<ind> Nebenabreden 25.<ind> In § 14 des Aktienkaufvertrages wurde zu Lasten des Veräusserers  ein Wettbewerbsverbot  vereinbart, das zeitlich auf fünf Jahre und  sachlich sowie räumlich auf die Gebiete begrenzt ist, in denen Billa  bereits bisher tätig war. Es gewährleistet, daß Rewe den vollständigen  Wert des übertragenen Vermögens erhält, und sichert den dazu  erforderlichen Schutz vor Wettbewerbshandlungen des Veräusserers.  Es steht  daher in unmittelbarer Verbindung mit dem Zusammenschluß und ist auch für  seine Durchführung erforderlich. VI<ind> Ergebnis 26.<ind> Aufgrund der oben getroffenen Feststellungen ist die Kommission  zu dem Ergebnis gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben keinen Anlaß zu  ernsthaften Bedenken mit dem Gemeinsamen Markt gibt. <ind> Aus diesen Gründen hat die Kommission entschieden, den  Zusammenschluß für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und mit dem  Funktionieren des EWRVertrages zu erklären. Diese Entscheidung beruht auf  Art. 6(1)(b) der Fusionsverordnung und Artikel 57 des EWRVertrages. Für die Kommission