CELEX: 62007FJ0128
Language: de
Date: 2009-04-02 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts für den öffentlichen Dienst (Zweite Kammer) vom 2. April  2009. # Andreas Menidiatis gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Öffentlicher Dienst - Beamte - Einstellung. # Rechtssache F-128/07.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST 
      (deuxième chambre)
      2. April 2009
      Rechtssache F‑128/07
      Andreas Menidiatis
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften 
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Einstellung – Wahl des Verfahrens – Leiter einer Vertretung – Freie Stelle – Abordnung im dienstlichen Interesse – Unzuständigkeit – Anwendungsbereich des Abordnungsverfahrens“
      Gegenstand:      Klage von Herrn Menidiatis gemäß Art. 236 EG und Art. 152 EA auf Aufhebung der Entscheidung der Kommission vom 21. Dezember
         2006, mit der seine Bewerbung auf die freie Stelle eines Leiters der Vertretung der Kommission in Athen (Griechenland) abgelehnt
         und Herr P. auf diese Stelle ernannt worden ist
      
      Entscheidung: Die Entscheidung der Kommission vom 21. Dezember 2006, mit der die Bewerbung des Klägers auf die freie Stelle eines Leiters
         der Vertretung der Kommission in Athen (Griechenland) abgelehnt und Herr P. auf diese Stelle ernannt worden ist, wird aufgehoben.
         Die Kommission trägt die gesamten Kosten. 
      
      Leitsätze
      1.      Beamte – Abordnung im dienstlichen Interesse
      (Beamtenstatut, Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich)
      2.      Beamte – Klage – Rechtsschutzinteresse – Klage gegen die Ablehnung einer Bewerbung auf die Stelle eines Leiters einer Vertretung
            der Kommission – Im Stadium der Vorauswahl abgelehnte Bewerbung – Zulässigkeit
      1.      Die „politische und sensible Natur“ der Aufgaben der Leiter von Vertretungen kann als solche den Rückgriff auf die Abordnung
         eines Beamten nicht rechtfertigen. Eine solche Auslegung von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts würde
         dazu führen, dass alle Beamte, die innerhalb eines Organs „politische und sensible“ Aufgaben wahrnehmen, die normalerweise
         in die Zuständigkeit der höheren Führungskräfte fallen, an die betreffenden Kommissionsmitglieder abgeordnet werden könnten,
         wodurch die Struktur selbst des europäischen öffentlichen Dienstes, wie sie in Art. 35 des Statuts festgelegt ist, beeinträchtigt
         würde, da insbesondere die Transparenz der Hierarchieverhältnisse in Frage gestellt würde.
      
      Darüber hinaus setzt eine Abordnung im dienstlichen Interesse „zu einer Person, die ein in den Verträgen vorgesehenes Amt
         innehat“, ein Vertrauensverhältnis intuitu personae zwischen dieser Person und dem abgeordneten Beamten voraus, das den Aufbau einer ständigen unmittelbaren und engen Beziehung
         zwischen den Beteiligten nach Maßgabe der jeweiligen Arbeitsweise des betreffenden Mitglieds und seines gesamten Kabinetts
         impliziert. Der Umstand, dass Berichte des Leiters einer Vertretung unmittelbar an das zuständige Kommissionsmitglied adressiert
         sind, Telefonate, E-Mail-Korrespondenz und Treffen zwischen dem Leiter einer Vertretung und dem Kommissionsmitglied oder den
         Mitgliedern seines Kabinetts stattfinden und der Inhalt dieser Gespräche und Schriftwechsel vertraulich ist, kann für sich
         genommen nicht als Nachweis dafür dienen, dass zwischen dem Kommissionsmitglied und dem Leiter einer Vertretung eine Arbeitsbeziehung
         intuitu personae vorliegt. 
      
      Die Anwendbarkeit von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts hängt ausschließlich von den Voraussetzungen
         ab, die in dieser Bestimmung aufgeführt sind, und in keiner Weise von den administrativen Folgen, die sich aus der Anwendung
         ergeben würden. Jede andere Auslegung würde dazu führen, dass Art. 37 des Statuts für einen anderen als den ursprünglich vorgesehenen
         Zweck und folglich zur Rechtfertigung eines Verfahrensmissbrauchs eingesetzt werden könnte.
      
      (vgl. Randnrn. 70, 73, 75 und 77)
      2.      Der Umstand, dass die Bewerbung eines Klägers auf die Stelle eines Leiters einer Vertretung der Kommission im Stadium der
         Vorauswahl ausgeschlossen wurde, nimmt ihm nicht das Interesse, die Rechtmäßigkeit des anschließenden Einstellungsverfahrens
         zu beanstanden, wenn die Beurteilung durch die Vorauswahlkomitees die endgültige Beurteilung durch die Anstellungsbehörde
         nicht vorwegnehmen konnte. Außerdem hat ein solcher Kläger weiterhin ein Rechtsschutzinteresse in Bezug darauf, dass sich
         der in Frage stehende Rechtsverstoß nicht im Rahmen eines vergleichbaren Auswahlverfahrens wiederholt. 
      
      (vgl. Randnr. 81)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 7. Juni 2007, Wunenburger/Kommission, C-362/05 P, Slg. 2007, I‑4333, Randnr. 50
      Gericht erster Instanz: 5. Juli 2005, Wunenburger/Kommission, T-370/03, Slg. ÖD 2005, I‑A‑189 und II‑853, Randnr. 20
URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST DER EUROPÄISCHEN UNION (Zweite Kammer)
      2. April 2009(*)
      
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Einstellung – Wahl des Verfahrens – Leiter einer Vertretung – Freie Stelle – Abordnung im dienstlichen Interesse – Unzuständigkeit – Anwendungsbereich des Abordnungsverfahrens“
      In der Rechtssache F‑128/07
      betreffend eine Klage nach den Art. 236 EG und 152 EA,
      Andreas Menidiatis, Beamter der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, wohnhaft in Rhode-Saint-Genèse (Belgien), Prozessbevollmächtigter:
         Rechtsanwalt S. A. Pappas,
      
      Kläger,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch G. Berscheid und K. Herrmann als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten H. Kanninen sowie der Richter H. Kreppel und S. Van Raepenbusch (Berichterstatter),
      Kanzler: R. Schiano, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 9. Oktober 2008
      folgendes
      Urteil
      1        Mit Klageschrift, die am 31. Oktober 2007 per Telefax (der Eingang der Urschrift ist am 7. November 2007 erfolgt) bei der
         Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, beantragt Herr Menidiatis die Aufhebung der Entscheidung vom 21. Dezember 2006, mit
         der seine Bewerbung auf die freie Stelle eines Leiters der Vertretung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften in Athen
         (Griechenland) abgelehnt und Herr P. auf diese Stelle ernannt worden ist.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Abordnung im dienstlichen Interesse
      2        Art. 35 des Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften (im Folgenden: Statut) bestimmt:
      
       „Der Beamte befindet sich in einer der nachstehend aufgeführten dienstrechtlichen Stellungen:
      a)      aktiver Dienst,
      b)      Abordnung,
      c)      Urlaub aus persönlichen Gründen,
      d)      einstweiliger Ruhestand,
      e)      Beurlaubung zum Wehrdienst,
      f)      Elternurlaub und Urlaub aus familiären Gründen.“
      3        Art. 36 des Statuts bestimmt:
      
      „Aktiver Dienst ist die dienstrechtliche Stellung des Beamten, der nach Maßgabe des Titels IV die Obliegenheiten des von ihm
         ständig oder vorübergehend besetzten Dienstpostens wahrnimmt.“
      
      4        Art. 37 Abs. 1 des Statuts bestimmt:
      
       „Abordnung ist die dienstrechtliche Stellung des Beamten auf Lebenszeit, der durch eine Abordnungsverfügung der Anstellungsbehörde
      a)      im dienstlichen Interesse 
      –        beauftragt worden ist, vorübergehend eine Stelle außerhalb des Organs, dem er angehört, zu bekleiden, oder
      –        beauftragt worden ist, bei einer Person, die ein in den Verträgen vorgesehenes Amt innehat, oder bei dem gewählten Präsidenten
         eines Organs oder einer Einrichtung der Gemeinschaften oder bei einer Fraktion des Europäischen Parlaments oder des Ausschusses
         der Regionen [der Europäischen Union] oder bei einer Gruppe des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vorübergehend
         Aufgaben wahrzunehmen;
      
      –        beauftragt worden ist, vorübergehend eine Stelle zu bekleiden, die in dem Stellenplan für das aus Forschungs- und Investitionsmitteln
         besoldete Personal enthalten und von der Haushaltsbehörde zur Planstelle auf Zeit erklärt worden ist;
      
      …“
      5        Art. 38 des Statuts bestimmt:
      
      „Für die Abordnung im dienstlichen Interesse gelten folgende Vorschriften:
      a)      sie wird von der Anstellungsbehörde nach Anhörung des Beamten verfügt;
      b)      die Dauer der Abordnung wird durch die Anstellungsbehörde bestimmt;
      c)      nach Ablauf von jeweils sechs Monaten kann der Beamte die Beendigung seiner Abordnung beantragen;
      d)      der gemäß Artikel 37 [Abs. 1 Buchst. a] erster Gedankenstrich abgeordnete Beamte hat Anspruch auf Gehaltsausgleich, falls
         die Gesamtbezüge aus der Tätigkeit während seiner Abordnung niedriger als die Dienstbezüge nach seiner Besoldungsgruppe und
         Dienstaltersstufe bei seinem Stammorgan sind; er hat ferner Anspruch auf Ausgleich aller zusätzlichen finanziellen Belastungen,
         die ihm durch seine Abordnung entstehen;
      
      e)      der gemäß Artikel 37 [Abs. 1 Buchst. a] erster Gedankenstrich abgeordnete Beamte entrichtet weiter Versorgungsbeiträge unter
         Zugrundelegung der Dienstbezüge, die seiner Besoldungsgruppe und seiner Dienstaltersstufe bei seinem Stammorgan entsprechen;
      
      f)      der abgeordnete Beamte behält seine Planstelle sowie seinen Anspruch auf Aufsteigen in den Dienstaltersstufen und seine Anwartschaft
         auf Beförderung; 
      
      g)      nach Beendigung der Abordnung wird der Beamte unverzüglich auf dem Dienstposten wiederverwendet, den er vorher innehatte.“
      6        Die Übersicht über die Anstellungsbehörden für aus dem Verwaltungshaushalt besoldetes Personal der Kommission in Anhang I
         des Beschlusses der Kommission vom 16. Juni 2005 über die Ausübung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im Statut und
         der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen Bediensteten
         übertragen sind (veröffentlicht in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 47-2005 vom 24. Juni 2005), zuletzt geändert durch den Beschluss C(2006) 2318 der Kommission vom 13. Juni 2006 (im Folgenden:
         Beschluss über die Anstellungsbehörde), bestimmt in Teil III („Laufbahnentwicklung“) Nr. 5 zur Abordnung im dienstlichen Interesse
         u. a. Folgendes: 
      
      „Kabinettchef, stellvertretender Kabinettchef und Leiter einer Vertretung: Bei Abordnungen an ein Kommissionsmitglied wird
         diese Befugnis [zur Anstellung] im Einvernehmen mit dem Präsidenten auf das für Personal und Verwaltung zuständige Kommissionsmitglied
         übertragen. Die Herkunftsgeneraldirektion wird unterrichtet.“
      
       Der Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene
      7        Am 28. April 2004 erließ die Kommission den Beschluss C(2004) 1597 betreffend die mittlere Führungsebene, der in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 73-2004 vom 23. Juni 2004 veröffentlicht wurde (im Folgenden: Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene).
      
      8        Art. 2 Abs. 1 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene bestimmt:
      
       „Funktionen des mittleren Managements und mittlere Führungskräfte
      Für eine Funktion des mittleren Managements sind die beiden folgenden Kriterien maßgeblich:
      –        sie beinhaltet die ständige und kontinuierliche Leitung einer Verwaltungseinheit;
      –        sie ist im amtlichen Organisationsplan der Kommission ausgewiesen.
      Dem mittleren Management gehören Personen an, die gleichzeitig beide Kriterien erfüllen.
      Folglich gehören die Funktion eines Referatsleiters, des Leiters einer Delegation …, eines Büros oder einer Vertretung in
         den Mitgliedstaaten sowie die Funktion eines stellvertretenden Delegationsleiters der Besoldungsgruppen AD 13/AD 14 … zur
         mittleren Führungsebene … und sind in diesem Beschluss erfasst.
      
      Diese Posten sind den Besoldungsgruppen AD 9/AD 12 bzw. AD 13/AD 14 zugeordnet.“
      9        Art. 14 Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene bestimmt:
      
      „Leiter von Büros oder Vertretungen in den Mitgliedstaaten
      2.1. Auslese
      Die Gespräche gemäß Artikel 8 Absatz 1.3 und Artikel 10 Absatz 1 werden vom Generaldirektor für Presse und Information, vom
         Generaldirektor für Personal und vom Generalsekretär oder – auf Ersuchen des Letzteren – von einem bestellten Berichterstatter
         (s. Artikel 8 Absatz [1.]3) geführt.
      
      2.2. Ernennung
      Bei Planstellen der Besoldungsgruppen AD 9/AD 12 fungiert der Generaldirektor für Presse und Information als Anstellungsbehörde.
      Bei Planstellen der Besoldungsgruppen AD 13/AD 14 fungiert der Generaldirektor für Presse und Information im Einvernehmen
         mit dem Präsidenten und dem für Personal sowie dem für Presse und Information zuständigen Mitglied der Kommission als Anstellungsbehörde.
      
      …“
      10      Nr. 9.2 des Verwaltungshandbuchs vom 10. Dezember 2004 über Funktion, Aufgaben, Auswahl und Ernennung mittlerer Führungskräfte
         bei der Kommission (A*9 - A*12 und A*13 - A*14) (im Folgenden: Verwaltungshandbuch) bestimmt:
      
      „Auswahl: Die Gespräche zur endgültigen Auswahl werden bei der Besetzung [der] Stellen [von Leitern eines Büros oder einer
         Vertretung in den Mitgliedstaaten] vom Generaldirektor für Presse und Information, vom Generaldirektor der GD ADMIN, dem Generalsekretär
         oder, auf Ersuchen des Letzteren, von einem bestellten Berichterstatter … geführt.
      
      Ernennung: Bei Planstellen der Besoldungsgruppen AD 9 bis AD 12 fungiert der Generaldirektor für Presse und Information als
         Anstellungsbehörde.
      
      Bei Planstellen der Besoldungsgruppen AD 13 und AD 14 fungiert der Generaldirektor für Presse und Information im Einvernehmen
         mit dem Präsidenten und den Kommissionsmitgliedern, die für Personal und für Presse und Information zuständig sind, als Anstellungsbehörde.“
      
       Der Beschluss über die Modalitäten der Besetzung der Stellen von Leitern von Vertretungen
      11      Die Kommission hat außerdem am 7. Juli 2004 den Beschluss C(2004) 2662 über die Modalitäten der Besetzung der Stellen von
         Leitern von Vertretungen (im Folgenden: Beschluss betreffend Vertretungsleiter) erlassen, dessen Art. 1 bestimmt:
      
      „Die Stellen von Leitern einer Vertretung der Kommission in den Mitgliedstaaten werden entweder durch Abordnung eines Beamten
         (gemäß Art. 37 [Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich und Art.] 38 des Statuts) oder durch Einstellung eines Bediensteten
         auf Zeit [gemäß Art. 2 Buchst. c] der BSB auf der Grundlage der Besoldungsgruppe A*/AD 12 besetzt.“
      
      12      Das Verfahren, das für Entscheidungen über die Abordnung eines Beamten als Leiter einer Vertretung gilt, wurde vom Generaldirektor
         der Generaldirektion (GD) Personal und Verwaltung durch Noten vom 20. April 2005 und 26. Mai 2005 festgelegt. Das Verfahren
         besteht aus mehreren Stufen: 
      
      „–      Bestellung eines Berichterstatters durch die GD [Personal und Verwaltung];
      –        Übermittlung der Bewerbungen an die GD [Kommunikation];
      –        Vorauswahlverfahren, Erstellung einer Auswahlliste;
      –        Gespräch mit dem Generaldirektor der GD [Kommunikation] und dem Berichterstatter;
      –        Übermittlung des Auswahlberichts an die GD [Personal und Verwaltung; d]er Bericht sollte die Vorauswahlphase und die Aufstellung
         der Auswahlliste umfassen;
      
      –        schriftliches Verfahren des [Beratungsausschusses für Ernennungen (CCN)];
      –        endgültige Wahl des Generaldirektors der GD [Kommunikation];
      –        vereinfachtes Verfahren (Zustimmung der Kabinette des Präsidenten sowie des Vizepräsidenten Wallström und des Vizepräsidenten
         Kallas);
      
      –        Entscheidung des Vizepräsidenten Kallas.“ (Übersetzung aus dem Englischen)
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      13      Am 9. März 2006 veröffentlichte die Kommission die Stellenausschreibung KOM/2006/961 über die Abordnung eines Beamten oder
         die Einstellung eines Bediensteten auf Zeit für die Wahrnehmung der Aufgaben eines Leiters der Vertretung der Kommission in
         Griechenland.
      
      14      In der Stellenausschreibung heißt es u. a.:
      
      „Die Stellenausschreibung richtet sich an Beamte und Bedienstete auf Zeit der Funktionsgruppe A*, die im Zeitpunkt des Ablaufs
         der Bewerbungsfrist im aktiven Dienst der Kommission stehen. Die Bewerber müssen die folgenden Zulassungsvoraussetzungen erfüllen:
      
      1.       mindestens zehn Jahre [postuniversitäre] Berufserfahrung vorzugsweise im Bereich Information, Kommunikation, Medien und/oder
         politische und wirtschaftliche Angelegenheiten, davon mindestens fünf Jahre in der Koordinierung und/oder Leitung eines Teams,
      
      2.       gründliche Kenntnisse der griechischen Sprache, sowohl schriftlich als auch mündlich, und ausreichende Kenntnisse einer weiteren
         Amtssprache der Europäischen Union. Gute Französisch- und/oder Englischkenntnisse wären von Vorteil.
      
      Die Stellen von Leitern einer Vertretung der Kommission werden entweder durch Abordnung eines Beamten (gemäß Art. 37 [Abs. 1
         Buchst. a zweiter Gedankenstrich und Art.] 38 des Statuts) oder durch Einstellung eines Bediensteten auf Zeit [gemäß Art. 2
         Buchst. c] der BSB auf der Grundlage der Besoldungsgruppe A*12 besetzt. Die Dauer des ersten Mandats … beträgt drei Jahre
         und kann einmal um höchstens zwei Jahre verlängert werden. 
      
      Ist der ausgewählte Bewerber ein Beamter, dessen Besoldungsgruppe über der Besoldungsgruppe A*12 liegt, wird er/sie mit seiner
         aktuellen Besoldungsgruppe und Dienstaltersstufe abgeordnet.“
      
      15      Der Kläger bewarb sich mit elf weiteren Kandidaten um die Stelle eines Leiters der Vertretung der Kommission in Athen. In
         der ersten Stufe des Auswahlverfahrens wählte ein Vorauswahlkomitee nach Prüfung der Bewerbungsunterlagen sieben Bewerber
         für Vorauswahlgespräche aus. Der Name des Klägers befand sich nicht unter den ausgewählten Bewerbern.
      
      16      Die Vorauswahlgespräche mit dem Vorauswahlkomitee fanden am 15. und 18. Mai 2006 statt. Von den sieben Teilnehmern der Auswahlgespräche
         wählte das Vorauswahlkomitee vier Bewerber aus, die es dem Generaldirektor der GD Kommunikation für die Gespräche zur endgültigen
         Auswahl vorschlug. 
      
      17      Die vier vorausgewählten Bewerber wurden zu einem Gespräch mit einem Auswahlkomitee eingeladen, das aus Herrn Sørensen, Generaldirektor
         der GD Kommunikation, Herrn K. als Berichterstatter und Herrn R. als Schriftführer bestand. Die Gespräche fanden am 7. Juli
         2006 statt.
      
      18      In den Gesprächen zur endgültigen Auswahl erzielte Herr P. die Note 82/100, und die drei übrigen Bewerber wurden mit 65/100
         bzw. 69/100 und 74/100 bewertet.
      
      19      Mit Stellungnahme vom 6. September 2006 entschied der CCN, dass „angesichts der Bewerbungen der Bewerber auf der Grundlage
         von Art. 37 [Abs. 1 Buchst. a und von Art. 38 des Statuts] und ihrer Personalakten … die Bewerbungen von Herrn Y., Herrn K.
         und Herrn P. berücksichtigt werden könnten“. Es wurde jedoch darauf hingewiesen, dass „die Bewerbung von Herrn P. besondere
         Berücksichtigung finden könnte“.
      
      20      Mit Entscheidung des Vizepräsidenten der Kommission, Herrn Kallas, vom 20. Dezember 2006 wurde Herr P. im dienstlichen Interesse
         mit Wirkung zum 1. Januar 2007 für einen Zeitraum von drei Jahren als Leiter der Vertretung der Kommission in Athen abgeordnet.
         In der Entscheidung wurde Herr P. für die Dauer seiner Abordnung in die Besoldungsgruppe AD 12 eingestuft.
      
      21      Mit Schreiben vom 21. Dezember 2006 wurde dem Kläger mitgeteilt, dass seine Bewerbung abgelehnt und Herr P. zum Leiter der
         Vertretung der Kommission in Athen ernannt worden sei (im Folgenden: angefochtene Entscheidung).
      
      22      Am 28. Februar 2007 reichte der Kläger gemäß Art. 90 Abs. 2 des Statuts beim Generaldirektor der GD Kommunikation eine Beschwerde
         gegen die angefochtene Entscheidung ein. Die Beschwerde wurde der zuständigen Dienststelle der GD Personal und Verwaltung
         übermittelt und am 17. April 2007 in das Register eingetragen.
      
      23      Mit Entscheidung vom 25. September 2007, die dem Kläger am 1. Oktober 2007 mitgeteilt wurde, wies die Kommission die Beschwerde
         zurück.
      
       Anträge der Parteien und Verfahren
      24      Der Kläger beantragt,
      
      –        die Klage für zulässig und begründet zu erklären;
      –        die angefochtene Entscheidung aufzuheben;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      25      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage als unbegründet abzuweisen;
      –        über die Kosten nach Rechtslage zu entscheiden.
      26      Am Ende der mündlichen Verhandlung hat das Gericht die Kommission aufgefordert, ihm faktische Angaben zu liefern, die geeignet
         sind, die persönliche Verbindung zu beschreiben, die nach Ansicht der Kommission zwischen den Leitern von Vertretungen und
         dem für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglied bestehen und die Anwendung von Art. 37 des Statuts im Sinne
         des Beschlusses betreffend Vertretungsleiter rechtfertigen soll. Die Kommission ist dieser Aufforderung mit Schreiben vom
         31. Oktober 2008 nachgekommen, das am gleichen Tag per Telefax (der Eingang der Urschrift ist am 3. November 2008 erfolgt)
         bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen und dem Kläger am 4. November 2008 zur Stellungnahme übermittelt worden ist. Der
         Kläger hat der Kanzlei des Gerichts seine schriftliche Stellungnahme am 14. November 2008 per Telefax übermittelt (der Eingang
         der Urschrift ist am 19. November 2008 erfolgt). An dem zuletzt genannten Datum ist die mündliche Verhandlung geschlossen
         und mit der Beratung der vorliegenden Rechtssache begonnen worden.
      
      27      Mit Beschluss vom 1. Dezember 2008 hat das Gericht die mündliche Verhandlung wiedereröffnet und die Kommission aufgefordert,
         gegebenenfalls eine kurze Stellungnahme zum genannten Schreiben des Klägers vom 14. November 2008 einzureichen. Die Kommission
         ist dieser Aufforderung nachgekommen und hat am 15. Dezember 2008 eine schriftliche Stellungnahme eingereicht.
      
       Rechtliche Würdigung
      28      Der Kläger macht für seine Klage mehrere Gründe geltend. Er rügt erstens die Rechtswidrigkeit des Auswahlverfahrens und den
         Verstoß gegen dessen Vorschriften, zweitens die Rechtswidrigkeit der Stellenausschreibung, drittens einen Verstoß gegen deren
         Bestimmungen, viertens einen Verstoß gegen Art. 11a des Statuts, fünftens die Rechtswidrigkeit der Herabsetzung der Besoldungsgruppe
         für die Stelle eines Leiters der Vertretung in Athen und die Rechtswidrigkeit des Beschlusses betreffend Vertretungsleiter,
         sechstens die späte Veröffentlichung der Stellenausschreibung, siebtens einen Verstoß gegen die Vorschriften über die Rotation
         von Mitarbeitern auf sensiblen Dienstposten, achtens das Fehlen einer Begründung für die Entscheidung, mit der dem Kläger
         der Zugang zu Dokumenten, die er in seiner Beschwerde angefordert hatte, verweigert wurde, und neuntens einen Ermessensmissbrauch.
      
      29      Es ist vor allem der erste Klagegrund zu prüfen, der sich auf die Rechtswidrigkeit des Auswahlverfahrens für die Stelle des
         Leiters der Vertretung und auf einen Verstoß gegen die Vorschriften des Auswahlverfahrens stützt.
      
       Vorbringen der Parteien
      30      Der Kläger unterteilt seinen ersten Klagegrund in zwei Teile.
      
      31      Im Rahmen des ersten Teils macht der Kläger geltend, es sei rechtswidrig, dass sich Mitglieder der Kommission am Verfahren
         zur Ernennung der  Leiter von Vertretungen beteiligten. In der vorliegenden Rechtssache sei der Leiter der Vertretung der
         Kommission in Athen durch eine Entscheidung des Vizepräsidenten Kallas ernannt worden, der die Kabinette des Präsidenten der
         Kommission, des Vizepräsidenten Wallström und des Vizepräsidenten Kallas zuvor zugestimmt hätten.
      
      32      Eine solche Einmischung der Kommissionsmitglieder in das fragliche Auswahlverfahren sei jedoch nicht objektiv gerechtfertigt,
         da die Kommissionsmitglieder keine Managementaufgaben bzw. ‑zuständigkeiten hätten und keine unmittelbaren Verbindungen mit
         den Leitern von Vertretungen pflegen müssten und die Leiter von Vertretungen unabhängig von der Amtszeit der Kommissionsmitglieder
         auf ihrem Posten verblieben. Die Vertretungen seien dezentralisierte Einheiten der GD Kommunikation ohne politischen Status.
         Die Auswahl der Leiter der Vertretungen nach dem intuitu-personae-Prinzip unter Anwendung desselben Verfahrens, das der Auswahl der Mitglieder der Kabinette der Kommissionsmitglieder zugrunde
         liege, könne sich auf keine Rechtsgrundlage stützen.
      
      33      In seiner Stellungnahme vom 14. November 2008 macht der Kläger geltend, dass eine Abordnung, die dem Zweck dient, „bei einer
         Person, die ein … Amt innehat, … vorübergehend Aufgaben wahrzunehmen“ im Sinne von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich
         des Statuts, voraussetze, dass der Beamte, der zu dieser Person abgeordnet werde, physisch präsent sei. Jedenfalls habe die
         Kommission nicht dargetan, dass zwischen dem Leiter einer Vertretung und speziell dem für Kommunikationsstrategie zuständigen
         Kommissionsmitglied häufige, regelmäßige und strukturierte Kontakte stattgefunden hätten, aus denen sich ein Vertrauensverhältnis
         ableiten lasse. Der Kläger betont in diesem Zusammenhang die organisatorische und hierarchische Eingliederung des Leiters
         einer Vertretung in die Dienste der GD Kommunikation.
      
      34      Die Kommission entgegnet, in der vorliegenden Rechtssache handle es sich nicht um eine Einstellung, sondern um eine Abordnung
         gemäß Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich, die aufgrund der Natur der Aufgaben gerechtfertigt sei.
      
      35      Der Vertretung obliege zum einen die Aufgabe, die nationalen und regionalen Medien sowie die breite Öffentlichkeit über die
         Politik der Kommission zu informieren und mit ihnen entsprechend zu kommunizieren, und zum anderen liefere sie der Kommission
         Analysen zur politischen Lage des betreffenden Mitgliedstaats. Somit fungiere sie als Vermittlerin zwischen der Kommission
         und den nationalen, regionalen und lokalen Behörden des betreffenden Mitgliedstaats, wobei der Leiter einer Vertretung im
         betreffenden Mitgliedstaat als ein Sprecher der Kommission auftrete und dabei eng mit dem für Kommunikation zuständigen Kommissionsmitglied
         zusammenarbeite.
      
      36      Diese Aufgaben seien zweifellos politischer und sensibler Natur, und daher sei die Amtszeit des Leiters einer Vertretung auf
         drei Jahre beschränkt.
      
      37      Unter diesen Umständen könne die Auswahl des Leiters einer Vertretung nicht in derselben Weise erfolgen wie die Auswahl eines
         Referatsleiters der Besoldungsgruppe AD 12, der seine Aufgaben in Brüssel wahrnehme. Aus diesem Grund habe die Kommission
         beschlossen, im dienstlichen Interesse „die Wahrnehmung der Aufgaben des Leiters einer Vertretung an das für Kommunikationsstrategie
         zuständige Kommissionsmitglied“ abzuordnen. Es handle sich um eine funktionale Abordnung der Leiter von Vertretungen, auch
         wenn die Vertretungen organisatorisch betrachtet der GD Kommunikation angehörten.
      
      38      Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts setze auch keine besondere Planstelle voraus, die dem Kabinett
         des Kommissionsmitglied zugewiesen und organisatorisch betrachtet einem anderen Organisationsplan als die Dienststellen der
         Kommission zugeordnet sei. Der Wortlaut dieser Bestimmung hebe ausdrücklich die wahrzunehmenden Aufgaben hervor, die in dem
         betreffenden Fall eine besondere Verbindung zwischen dem abgeordneten Beamten und dem Kommissionsmitglied voraussetzten (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichts erster Instanz vom 16. Juli 1998, Forcheri/Kommission, T‑162/96, Slg. ÖD 1998, I‑A‑421
         und II‑1203, Randnr. 65).
      
      39      Gerade die besonderen Aufgaben des Leiters einer Vertretung rechtfertigten, dass die Kabinette von drei Kommissionsmitgliedern
         an dem Verfahren beteiligt würden, mit dem ein Beamter für die Wahrnehmung dieser Aufgaben abgeordnet werde.
      
      40      Es sei nicht relevant, dass die Dauer der Abordnung des Leiters der Vertretung in Athen möglicherweise nicht der Dauer der
         Amtszeit des Kommissionsmitglieds entspreche, da allein die Anstellungsbehörde die Dauer der Abordnung nach Maßgabe des dienstlichen
         Interesses festlege (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts erster Instanz vom 23. Januar 2002, Reynolds/Parlament, T‑237/00,
         Slg. 2002, II‑163, Randnrn. 51 bis 53, und vom 8. Dezember 2005, Reynolds/Parlament, T‑237/00, Slg. ÖD 2005, I‑A‑385 und II‑1731,
         Randnrn. 64 bis 66).
      
      41      Schließlich trägt die Kommission in der Stellungnahme, die sie – wie in Randnr. 26 des vorliegenden Urteils dargelegt ? am
         31. Oktober 2008 in Beantwortung der Frage des Gerichts eingereicht hat, zur Rechtfertigung der Anwendung von Art. 37 des
         Statuts vor, dass die Intensität der Kontakte zwischen dem für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglied und
         den Leitern von Vertretungen von den politischen Ereignissen und der Agenda des Kommissionskollegiums abhänge. Angesichts
         der räumlichen Entfernung zwischen dem Sitz der Kommission und dem jeweiligen Sitz ihrer 27 Vertretungen sei es unmöglich,
         wöchentlich oder auch nur monatlich direkte Treffen zwischen dem betreffenden Kommissionsmitglied und den 27 Leitern von Vertretungen
         durchzuführen. Die Häufigkeit des unmittelbaren Kontakts zwischen der Person, an die abgeordnet werde, und der abgeordneten
         Person sei jedoch für sich genommen keine Voraussetzung für die Anwendung von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich
         des Statuts, da die Beurteilung der Frage, ob ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis vorliege, nicht unbedingt auf quantifizierbaren
         Kriterien beruhe, z. B. der Zahl direkter Treffen oder von Telefonaten. Entscheidend sei die inhaltliche Ausgestaltung des
         Verhältnisses, die meist vertraulicher Art sei.
      
      42      Ein direkter Kontakt zwischen dem Leiter einer Vertretung und dem für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglied
         könne unterschiedlich ausgestaltet sein. Im Allgemeinen handle es sich um
      
      –        Telefonkontakte oder E-Mail-Korrespondenz zwischen dem Kommissionsmitglied und seinen Kabinettsmitgliedern zum einen und den
         Leitern der Vertretungen zum anderen; diese Kontakte seien je nach den nationalen und gemeinschaftlichen Ereignissen unterschiedlich
         ausgestaltet und vor den Besuchen des Kommissionsmitglieds in dem betreffenden Mitgliedstaat besonders intensiv;
      
      –        Besuche des Kommissionsmitglieds im betreffenden Mitgliedstaat, bei denen er vom Leiter der Vertretung begleitet werde;
      –        Dienstreisen des Leiters der Vertretung nach Brüssel, bei denen ein Treffen mit dem Kommissionsmitglied obligatorisch sei;
      –        die Teilnahme des Kommissionsmitglieds an den Besprechungen der Leiter von Vertretungen in Brüssel mindestens zwei Mal pro
         Jahr;
      
      –        Berichte der Leiter von Vertretungen, die unmittelbar an das Kommissionsmitglied adressiert seien.
      43      Im Rahmen des zweiten Teils seines ersten Klagegrundes bestreitet der Kläger die Zuständigkeit des Vizepräsidenten der Kommission,
         Herrn Kallas, als Anstellungsbehörde für die Abordnung eines Beamten als Leiter einer Vertretung. Hierzu beruft er sich auf
         Art. 14 Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene, wonach der Generaldirektor der GD Kommunikation als
         Anstellungsbehörde den Leiter einer Vertretung mit der Besoldungsgruppe AD 12 ernenne. In der vorliegenden Rechtssache habe
         der genannte Generaldirektor die Ernennung von Herrn P. jedoch lediglich vorgeschlagen und die Entscheidung über die Ernennung
         sei schließlich vom Vizepräsidenten Kallas getroffen worden. 
      
      44      Der Anwendungsbereich des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene dürfe nicht auf die Fälle der Versetzung und Ernennung
         gemäß den Art. 7 und 29 des Statuts beschränkt werden. Der Beschluss, der alle mittleren Führungskräfte betreffe und, wie
         aus Art. 1 des Beschlusses hervorgehe, auf alle Dienststellen der Kommission und die der Kommission verwaltungsmäßig zugeordneten
         Dienststellen Anwendung finde, habe nämlich allgemeine und weite Geltung: Er regle das Auswahl- und Ernennungsverfahren der
         Leiter der Büros und Vertretungen unabhängig davon, ob das fragliche Verfahren eine Ernennung, Versetzung, Übernahme, Beförderung
         oder ein externes Auswahlverfahren „betreffe“. Aus Art. 2 Abs. 1 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene gehe
         außerdem hervor, dass die Leiter von Vertretungen von dem Beschluss erfasst seien, ohne dass die Art ihrer Ernennung näher
         bestimmt werde.
      
      45      Der Beschluss betreffend Vertretungsleiter stehe der Anwendbarkeit des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene nicht
         entgegen. Die beiden Dokumente seien miteinander vereinbar. Daher sei irrelevant, dass der Beschluss betreffend Vertretungsleiter
         nach dem Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene ergangen sei.
      
      46      Im Übrigen bestimme Nr. 9 des Verwaltungshandbuchs, das nach dem Beschluss betreffend Vertretungsleiter herausgegeben worden
         sei, dass die Auswahl- und Ernennungsregeln für Leiter von Vertretungen im Allgemeinen mit den Auswahl- und Ernennungsregeln
         für die sonstigen mittleren Führungsposten identisch seien, auch wenn hinsichtlich der Anstellungsbehörde und des Mitwirkens
         anderer Ausschüsse als des CCN, der gemäß Art. 14 Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene beteiligt werde,
         einige Unterschiede bestünden.
      
      47      Im Übrigen könne das Vorbringen der Kommission nicht auf Teil III Nr. 5 der Übersicht über die Anstellungsbehörden für aus
         dem Verwaltungshaushalt besoldetes Personal in Anhang I des Beschlusses über die Anstellungsbehörde gestützt werden, da aus
         dieser Bestimmung hervorgehe, dass das für Personal und Verwaltung zuständige Kommissionsmitglied nur dann als Anstellungsbehörde
         fungiere, wenn es sich um eine Abordnung an ein Kommissionsmitglied handle, was vorliegend nicht der Fall sei.
      
      48      Schließlich sei die Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde des Klägers vom Kommissionskollegium getroffen worden,
         das nicht die Anstellungsbehörde gewesen sei, der die Entscheidung oblegen habe. An dieser Regelwidrigkeit werde deutlich,
         dass das gesamte Verfahren zur Einstellung von Beamten, die in die Besoldungsgruppe AD 12 einzustufen seien, in nicht akzeptabler
         Weise politisiert sei. Dieser Verstoß gegen die Vorschriften über die Verteilung der auf die Anstellungsbehörde übergegangenen
         Befugnisse verletze den Grundsatz der Unparteilichkeit des Verfahrens und werfe Zweifel auf, ob die Verdienste der Bewerber
         um eine freie Stelle tatsächlich einer vergleichenden Bewertung unterzogen würden. Eine solche vergleichende Bewertung sei
         jedoch die Garantie für die Einhaltung des Grundsatzes der Gleichbehandlung der Beamten und des Grundsatzes der Anwartschaft
         auf eine Laufbahn. 
      
      49      Die Kommission macht erstens geltend, dass der Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene seinem zweiten Erwägungsgrund
         zufolge auf die Art. 2, 4, 5, 7 und 29 des Statuts gestützt sei und sein Anwendungsbereich folglich die Besetzung von mittleren
         Führungsposten im dienstlichen Interesse im Wege der Versetzung gemäß Art. 7 des Statuts oder die Ernennung eines Beamten
         gemäß Art. 29 des Statuts betreffe. Die Art. 37 und 38 des Statuts seien nicht in Bezug genommen.
      
      50      Die Kommission trägt zweitens vor, dass der Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene nicht auf das streitige Verfahren
         angewandt werden könne, da aus der Übersicht über die Anstellungsbehörden für aus dem Verwaltungshaushalt besoldetes Personal
         im Anhang des Beschlusses über die Anstellungsbehörde hervorgehe, dass das für Personal und Verwaltung zuständige Kommissionsmitglied
         für die Entscheidung über die im dienstlichen Interesse erfolgende Abordnung eines Beamten im Hinblick auf die Wahrnehmung
         der Aufgaben des Leiters einer Vertretung zuständig sei. Daher sei es unerlässlich gewesen, ein anderes Auswahlverfahren festzulegen,
         was mit dem Erlass der Entscheidungen des Generaldirektors der GD Personal und Verwaltung vom 20. April und vom 26. Mai 2005
         erfolgt sei. 
      
      51      Das Vorbringen des Klägers zum Verwaltungshandbuch und zum Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene gehe unter diesen
         Umständen ins Leere, da das Kommissionsmitglied jedenfalls nicht die Einhaltung eines Auswahlverfahrens überwachen könne,
         an dessen Abschluss eine Entscheidung stehe, für die dieses Kommissionsmitglied nicht als die zuständig Anstellungsbehörde
         fungiere.
      
      52      Auf das Vorbringen des Klägers, wonach die Beteiligung der Kabinette von drei Kommissionsmitgliedern an der Ernennung des
         Leiters der Vertretung in Athen nicht gerechtfertigt sei, erwidert die Kommission drittens, dass sich die Beteiligung der
         betreffenden Kommissionsmitglieder in der vorletzten Stufe des Auswahlverfahrens aus der Natur der Aufgaben des Leiters einer
         Vertretung und der in diesem Bereich dem Vizepräsidenten Kallas zukommenden Eigenschaft als Anstellungsbehörde ergebe.
      
      53      Zum Vorbringen schließlich, dass das Kommissionskollegium nicht befugt gewesen sei, über die Zurückweisung der Beschwerde
         zu entscheiden, weist die Kommission darauf hin, dass die Fußnote auf S. 2 zu Nr. 12 („Beschwerden“) von Teil V der Übersicht
         über die Anstellungsbehörden für aus dem Verwaltungshaushalt besoldetes Personal im Anhang des Beschlusses über die Anstellungsbehörde
         bestimme: 
      
      „[W]urde die beanstandete Entscheidung von dem für Personal und Verwaltung zuständigen Kommissionsmitglied oder der Kommission
         getroffen, ist die Kommission die Anstellungsbehörde …“
      
      54      Da in der vorliegenden Rechtssache die angefochtene Entscheidung vom Vizepräsidenten der Kommission, Herrn Kallas, getroffen
         worden sei, müsse das Kommissionskollegium über die Beschwerde gegen diese Entscheidung befinden.
      
      55      Jedenfalls sei der erste Klagegrund im Interesse des Gesetzes geltend gemacht worden und folglich unzulässig.
      
      56      Da nämlich der Kläger im Stadium der Prüfung der Bewerbungsunterlagen durch das Vorauswahlkomitee vom Auswahlverfahren ausgeschlossen
         worden sei, könne die Frage, ob das Verfahren zur Abordnung von Herrn P. nach Maßgabe des Beschlusses betreffend die mittlere
         Führungsebene oder nach Maßgabe anderer Beschlüsse hätte durchgeführt werden müssen, die persönliche Situation des Klägers
         nicht berühren, da auch bei Anwendung des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene im Hinblick auf den Kläger dieselbe
         Entscheidung ergangen wäre, weil sich die Zusammensetzung des Vorauswahlkomitees auch bei einem anderen Verfahren nicht geändert
         hätte.
      
      57      Die Kommission hat in der mündlichen Verhandlung gegenüber dem Klagegrund der Unanwendbarkeit von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a
         zweiter Gedankenstrich des Statuts eine Einrede der Unzulässigkeit erhoben und hierzu vorgetragen, der Klagegrund sei weder
         in der Beschwerde noch in der Klageschrift, sondern erstmals in der mündlichen Verhandlung in Beantwortung der Fragen des
         Gerichts geltend gemacht worden.
      
      58      Außerdem hat die Kommission in der mündlichen Verhandlung geltend gemacht, dass der Leiter einer Vertretung gemäß Art. 38
         Buchst. g des Statuts nach Beendigung seiner Abordnung unverzüglich auf dem Dienstposten wiederverwendet werden könne, den
         er vorher innegehabt habe. Diese Möglichkeit sei bestens mit den Erfordernissen der Stelle vereinbar, da zwischen dem Betroffenen
         und dem für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglied eine persönliche Verbindung bestehe und das Ende der Amtszeit
         des Kommissionsmitglieds zur Beendigung der Abordnung führen könne. Schließlich hat die Kommission geltend auf die Schwierigkeiten
         hingewiesen, zwischen den in den Mitgliedstaaten befindlichen Vertretungen der Kommission ein Mobilitätsverfahren, wie es
         zwischen den Delegationen bestehe, zu organisieren, denn die Stelle des Leiters einer Vertretung unterliege sprachlichen Anforderungen,
         und der Leiter einer Vertretung besitze im Übrigen meist die Staatsangehörigkeit des Gastlands.
      
       Würdigung durch das Gericht
      59      Zunächst ist die Zulässigkeit der Rüge zu prüfen, die sich auf die Unanwendbarkeit von Art. 37 des Statuts stützt, und anschließend
         ist zu untersuchen, ob die Anwendung der Bestimmungen des Statuts über die Abordnung im dienstlichen Interesse an eine Person,
         die ein in den Verträgen vorgesehenes Amt innehat, durch die Kommission in der vorliegenden Rechtssache im Hinblick auf die
         Einstellung des Leiters der Vertretung in Athen rechtmäßig war.
      
       Zur Zulässigkeit der Rüge bezüglich der Unanwendbarkeit von Art. 37 des Statuts
      60      Die Kommission hat in der mündlichen Verhandlung gegenüber der Rüge der Unanwendbarkeit von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter
         Gedankenstrich des Statuts im vorliegenden Fall eine Unzulässigkeitseinrede erhoben und hierzu vorgetragen, diese Rüge sei
         in der Klageschrift nicht geltend gemacht worden.
      
      61      Diese Einrede greift nicht durch. Die Kommission hat nämlich auf den Klagegrund, der sich auf die Rechtswidrigkeit des vorliegend
         angewandten Verfahrens zur Auswahl des Leiters der Vertretung im Hinblick auf die Art. 7 und 29 des Statuts sowie Art. 14
         Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene stützt, geltend gemacht, dass sie im Rahmen des genannten Auswahlverfahrens
         Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts habe anwenden müssen, so dass die Rechtmäßigkeit des streitigen
         Auswahlverfahren nach dem Vorbringen der Kommission im Hinblick auf die zuletzt genannte Bestimmung und nicht auf die Art. 7
         und 29 des Statuts zu beurteilen ist.
      
      62      Unter diesen Umständen hat das Gericht im Rahmen der Prüfung der Begründetheit des ersten Klagegrundes notwendigerweise zunächst
         die Anwendbarkeit von Art. 37 des Statuts im vorliegenden Fall zu prüfen.
      
      63      Jedenfalls stellt der Kläger mit seinem Vorbringen letztlich die Zuständigkeit des für Personal- und Verwaltungsangelegenheiten
         verantwortlichen Kommissionsmitglieds für die Ernennung des Leiters der Vertretung in Athen sowie den Geltungsbereich des
         von der Kommission angewandten Art. 37 des Statuts in Frage. Hierbei handelt es sich um Gesichtspunkte, die zwingendes Recht
         betreffen und in jeder Lage des Verfahrens vor dem Gericht von Amts wegen geprüft werden können.
      
      64      Die Einrede der Unzulässigkeit der Rüge, mit der die Unanwendbarkeit von Art. 37 des Statuts geltend gemacht wird, ist folglich
         zurückzuweisen.
      
       Zur Begründetheit der Rüge bezüglich der Unanwendbarkeit von Art. 37 des Statuts
      65      Zunächst ist in Erinnerung zu rufen, dass sich der Beamte gemäß Art. 35 des Statuts in einer der nachstehend aufgeführten
         dienstrechtlichen Stellungen befindet: Aktiver Dienst, Abordnung, Urlaub aus persönlichen Gründen, einstweiliger Ruhestand,
         Beurlaubung zum Wehrdienst oder Elternurlaub oder Urlaub aus familiären Gründen. Es ist klar, dass der aktive Dienst, der
         nach Art. 36 des Statuts „die dienstrechtliche Stellung des Beamten [ist], der nach Maßgabe des Titels IV [über die Arbeitsbedingungen
         des Beamten] die Obliegenheiten des von ihm ständig oder vorübergehend besetzten Dienstpostens wahrnimmt“, die gewöhnliche
         dienstrechtliche Stellung des Beamten darstellt, während die übrigen dienstrechtlichen Stellungen außergewöhnlichen Charakter
         haben. Im Übrigen kann sich der Beamte in einer der übrigen dienstrechtlichen Stellungen nur dann befinden, wenn er die besonderen
         Voraussetzungen erfüllt, die das Statut für sie festlegt.
      
      66      So kann ein Beamter gemäß Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts im dienstlichen Interesse abgeordnet
         werden, um „bei einer Person, die ein in den Verträgen vorgesehenes Amt innehat, … vorübergehend Aufgaben wahrzunehmen“, z.
         B. bei einem Mitglied der Kommission.
      
      67      Wie der Gerichtshof im Urteil vom 11. Juli 2006, Kommission/Cresson (C‑432/04, Slg. 2006, I‑6387, Randnr. 137) festgestellt
         hat, soll mit der Abordnung an ein Kommissionsmitglied allgemein Personen, die zuvor aufgrund ihrer Verdienste, oft durch
         Auswahlverfahren, eingestellt wurden und die ihre Sachkunde nachgewiesen haben, die Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Sachkunde
         in den Dienst der Kabinette zu stellen. Der Gerichtshof hat außerdem festgestellt, dass die Einstellung dieser Mitarbeiter
         personenbezogen erfolgt, d. h. mit großem Ermessensspielraum, da sie sowohl wegen ihrer fachlichen und charakterlichen Qualitäten
         als auch wegen ihrer Fähigkeit ausgewählt werden, sich der jeweiligen Arbeitsweise des betreffenden Kommissionsmitglieds und
         seines gesamten Kabinetts anzupassen (Urteil Kommission/Cresson, Randnr. 130; vgl. in diesem Sinne auch zur Ernennung der
         Rechtsreferenten in die Kabinette der Richter des Gerichtshofs Urteil des Gerichts vom 4. September 2008, Duta/Gerichtshof,
         F‑103/07, Slg. ÖD 2008, I‑A‑1‑0000 und II‑A‑1‑0000, Randnr. 26, Rechtsmittel beim Gericht erster Instanz der Europäischen
         Gemeinschaften anhängig, Rechtssache T-475/08 P).
      
      68      Der Ermessensspielraum der Person oder Dienststelle, zu deren Gunsten die Abordnung erfolgt, sowie das gegenseitige Vertrauen,
         das in dem Verhältnis zwischen dieser Person oder Dienststelle und dem abgeordneten Beamten während der gesamten Dauer der
         Abordnung vorherrschen muss, sind vom Gerichtshof und vom Gericht erster Instanz ebenfalls hervorgehoben worden in Bezug auf
         die Einstellung eines Beamten bei einer Fraktion des Europäischen Parlaments; die Anstellungsbehörde kann danach die Abordnung
         jederzeit beenden, wenn das gegenseitige Vertrauensverhältnis nicht mehr besteht (Urteil des Gerichtshofs vom 29. April 2004,
         Parlament/Reynolds, C‑111/02 P, Slg. 2004, I‑5475, Randnrn. 54 bis 56; Urteil des Gerichts erster Instanz vom 8. Dezember
         2005, Reynolds/Parlament, Randnr. 66). Ebenso kann der Beamte gemäß Art. 38 des Statuts nach Ablauf von jeweils sechs Monaten
         die Beendigung seiner Abordnung beantragen, was belegt, wie ungewiss das Arbeitsverhältnis zwischen dem Betroffenen und der
         Person, an die er abgeordnet wurde, ist. 
      
      69      Vorliegend macht die Kommission erstens geltend, dass schon die Natur der Aufgaben, die der Leiter einer Vertretung als Vermittler
         zwischen der Kommission und den nationalen, regionalen und lokalen Behörden des Aufnahmemitgliedstaats wahrnehme, den Rückgriff
         auf die Abordnung im dienstlichen Interesse gemäß Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts rechtfertige.
      
      70      Dieser Rechtfertigung kann nicht gefolgt werden. Die von der Kommission geltend gemachte „politische und sensible Natur“ der
         Aufgaben der Leiter von Vertretungen, so real sie auch sein mag, kann als solche nämlich den Rückgriff auf die Abordnung eines
         Beamten nicht rechtfertigen. Eine solche Auslegung von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts würde dazu
         führen, dass alle Beamte, die innerhalb eines Organs „politische und sensible“ Aufgaben wahrnehmen, die normalerweise in die
         Zuständigkeit der höheren Führungskräfte fallen, an die betreffenden Kommissionsmitglieder abgeordnet werden könnten, wodurch
         die Struktur selbst des europäischen öffentlichen Dienstes, wie sie in Art. 35 des Statuts festgelegt ist, beeinträchtigt
         würde, da insbesondere die Transparenz der Hierarchieverhältnisse in Frage gestellt würde.
      
      71      Im Übrigen zählt der Beschluss betreffend die mittlere Führungsebene in Art. 2 Abs. 1 auch die Leiter von Vertretungen zur
         mittleren Führungsebene.
      
      72      Die Kommission macht zweitens geltend, Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich des Statuts setze nicht voraus, dass
         der Beamte, der an ein Mitglied eines Organs abgeordnet werde, seine Aufgaben tatsächlich in dessen Kabinett ausübe oder dem
         Organisationsplan dieses Kabinetts zugeordnet sei.
      
      73      Hierzu ist in Erinnerung zu rufen, dass ? wie in den Randnrn. 68 und 69 des vorliegenden Urteils festgestellt ? eine Abordnung
         im dienstlichen Interesse „bei einer Person, die ein in den Verträgen vorgesehenes Amt innehat“, ein Vertrauensverhältnis
         intuitu personae zwischen dieser Person und dem abgeordneten Beamten voraussetzt, das den Aufbau einer ständigen unmittelbaren und engen Beziehung
         zwischen den Beteiligten nach Maßgabe der jeweiligen Arbeitsweise des betreffenden Mitglieds und seines gesamten Kabinetts
         impliziert.
      
      74      Selbst wenn unterstellt wird, dass die räumliche Entfernung den Aufbau persönlicher Beziehungen zwischen den Leitern von Vertretungen
         und dem für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglied grundsätzlich nicht unmöglich macht oder besonders erschwert,
         ist festzustellen, dass die Kommission in der vorliegenden Rechtssache keine solche Beziehung nachgewiesen hat.
      
      75      Vielmehr geht aus den Akten und insbesondere dem Organisationsplan der GD Kommunikation hervor, dass die direkten Ansprechpartner
         der Leiter von Vertretungen in erster Linie der Direktion B „Vertretungen“ der genannten Generaldirektion entstammen und dem
         Generaldirektor unterstellt sind. Die Kommission hat in ihren Schriftsätzen selbst dargelegt, dass die Kontakte zu dem für
         Kommunikation zuständigen Kommissionsmitglied oder den Mitgliedern seines Kabinetts je nach den aktuellen politischen Ereignissen,
         z. B. einem Besuch des Kommissionsmitglieds im betreffenden Mitgliedstaat, von unterschiedlicher Intensität seien. Der Umstand,
         dass die Kontaktaufnahmen des Leiters einer Vertretung unmittelbar an das zuständige Kommissionsmitglied adressiert sind,
         Telefonate, E-Mail-Korrespondenz und Treffen zwischen dem Leiter einer Vertretung und dem Kommissionsmitglied oder den Mitgliedern
         seines Kabinetts stattfinden und der Inhalt dieser Gespräche und Schriftwechsel vertraulich ist, kann für sich genommen nicht
         als Nachweis dafür dienen, dass zwischen dem für Kommunikation verantwortlichen Kommissionsmitglied und dem betreffenden Leiter
         einer Vertretung eine Arbeitsbeziehung intuitu personae vorliegt. Die gleichen Umstände können auch die Beziehungen zwischen einem Generaldirektor der Kommission und einem Kommissionsmitglied
         kennzeichnen, auch wenn der Generaldirektor nicht im dienstlichen Interesse an das Mitglied abgeordnet ist. Ferner geht aus
         den Akten hervor, dass die Leiter von Vertretungen in Wirklichkeit allen Kommissionsmitgliedern Unterstützung zu bieten haben,
         insbesondere wenn diese sich im Aufnahmemitgliedstaat aufhalten.
      
      76      Schließlich ist die Dauer der Abordnung des Leiters der Vertretung der Kommission in Athen in der streitigen Stellenbeschreibung
         zwar auf drei Jahre beschränkt, doch diese Laufzeit, die einmal um höchstens zwei Jahre verlängert werden kann, entspricht
         nicht unbedingt der Dauer der Amtszeit des für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglieds, und es ist nicht
         nachgewiesen worden, dass der Ablauf der Amtszeit des Mitglieds im Allgemeinen zu einer Beendigung der Abordnung der Leiter
         von Vertretungen führt.
      
      77      Die Kommission hat drittens geltend gemacht, die Regelung des Art. 38 Buchst. g des Statuts, wonach der Beamte nach Beendigung
         der Abordnung unverzüglich auf dem Dienstposten, den er vorher innegehabt habe, wiederverwendet werde, löse die Probleme,
         die auf dem Umstand beruhten, dass kein Mobilitätsverfahren, wie es für in Drittstaaten diensttuende Beamte bestehe, eingeführt
         werden könne. Ohne die praktischen Schwierigkeiten, die mit der Mobilität der Leiter von Vertretungen verbunden sind, in Zweifel
         zu ziehen, kann aber die Anwendbarkeit der Abordnungsregelung nicht davon abhängig gemacht werden, welchen operativen Nutzen
         die Anwendung der Regelung auf eine bestimmte Kategorie von Beamten hat. Die Anwendbarkeit von Art. 37 Abs. 1 Buchst. a zweiter
         Gedankenstrich des Statuts hängt ausschließlich von den Voraussetzungen ab, die in dieser Bestimmung aufgeführt sind, und
         in keiner Weise von den administrativen Folgen, die sich aus der Anwendung ergeben würden. Jede andere Auslegung würde dazu
         führen, dass Art. 37 des Statuts für einen anderen als den ursprünglich vorgesehenen Zweck und folglich zur Rechtfertigung
         eines Verfahrensmissbrauchs eingesetzt werden könnte.
      
      78      Viertens ist festzustellen, dass ? wie die Kommission im Übrigen in der mündlichen Verhandlung eingeräumt hat ? das Verfahren
         zur Auswahl der Leiter von Vertretungen, die an das für Kommunikationsstrategie zuständige Kommissionsmitglied abgeordnet
         werden, so wie es durch die Vermerke vom 20. April und 26. Mai 2005 vom Generaldirektor der GD Personal und Verwaltung organisiert
         wurde, sich aufgrund seiner Schwerfälligkeit nicht so sehr von dem Verfahren zur Auswahl mittlerer Führungskräfte im Sinne
         der Art. 8 und 14 Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene unterscheidet und der wesentliche Unterschied
         in der Bestimmung der Anstellungsbehörde besteht. Anstellungsbehörde ist im ersten Fall, der die Ernennung eines der Besoldungsgruppe
         AD 12 angehörigen Leiters einer Vertretung betrifft, das für Personal und Verwaltung zuständige Kommissionsmitglied im Einvernehmen
         mit den Kabinetten des Kommissionspräsidenten und des für Kommunikationsstrategie zuständigen Kommissionsmitglieds; im zweiten
         Fall ist gemäß Art. 14 Abs. 2 des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene der Generaldirektor für Presse und Information
         die Anstellungsbehörde.
      
      79      Die systematische Organisation eines Auswahlverfahrens für die Abordnung eines Beamten an ein Kommissionsmitglied, das den
         Verfahren zur Besetzung von Stellen der mittleren Führungsebene vergleichbar ist, lässt sich jedoch nur schwer mit dem Ermessen
         vereinbaren, das grundsätzlich die von einem Kommissionsmitglied vorgenommene Auswahl seiner an ihn abgeordneten Mitarbeiter
         kennzeichnet.
      
      80      Die Kommission trägt fünftens und letztens vor, da der Kläger schon im Stadium der Prüfung der Bewerbungsunterlagen durch
         das Vorauswahlkomitee vom Auswahlverfahren ausgeschlossen worden sei, habe er jedenfalls kein Interesse an einer Aufhebung
         der angefochtenen Entscheidung, da die Anwendung des Beschlusses betreffend die mittlere Führungsebene an der Zusammensetzung
         des Vorauswahlkomitees nichts geändert hätte.
      
      81      Hierzu ist festzustellen, dass die Kommission sowohl in ihrer Klagebeantwortung als auch in der mündlichen Verhandlung vorgetragen
         hat, dass alle Bewerbungen auch nach der Beteiligung des Vorauswahl- und des Auswahlkomitees dem CCN und den Kabinetten der
         drei betroffenen Kommissionsmitglieder vorgelegt worden seien, so dass die Beurteilung durch die genannten Komitees die endgültige
         Beurteilung durch die Anstellungsbehörde nicht habe vorwegnehmen können. Angesichts dieser Sachlage steht der Umstand, dass
         die Bewerbung des Klägers im Stadium der Vorauswahl ausgeschlossen wurde, seinem Interesse, die Rechtmäßigkeit des anschließenden
         Verfahrens zu beanstanden, nicht entgegen, da über die Ernennung erst nach Beteiligung der Kabinette der drei Kommissionsmitglieder
         entschieden wird. Außerdem hat der Kläger weiterhin ein Rechtsschutzinteresse in Bezug darauf, dass sich der in Frage stehende
         Rechtsverstoß nicht im Rahmen eines vergleichbaren Auswahlverfahrens wiederholt (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs
         vom 7. Juni 2007, Wunenburger/Kommission, C‑362/05 P, Slg. 2007, I‑4333, Randnr. 50; Urteil des Gerichts erster Instanz vom
         5. Juli 2005, Wunenburger/Kommission, T‑370/03, Slg. ÖD 2005, I‑A‑189 und II‑853, Randnr. 20).
      
      82      Nach alledem, und ohne dass es erforderlich wäre, die weiteren Rügen des ersten Klagegrundes und die anderen Klagegründe zu
         prüfen, hat die Kommission im vorliegenden Fall für die Einstellung des Leiters der Vertretung in Athen rechtswidrig Art. 37
         Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich anstelle der Art. 7 und 29 des Statuts angewandt; die angefochtene Entscheidung ist
         daher aufzuheben, da sie aufgrund eines rechtswidrigen Verfahrens ergangen ist, und insbesondere wegen mangelnder Zuständigkeit.
         
      
       Kosten
      83      Gemäß Art. 122 der Verfahrensordnung des Gerichts finden die Bestimmungen des Achten Kapitels des Zweiten Titels der Verfahrensordnung
         über die Prozesskosten und Gerichtskosten nur auf die Rechtssachen Anwendung, die ab dem Inkrafttreten der Verfahrensordnung,
         d. h. ab dem 1. November 2007, beim Gericht anhängig gemacht werden. Die insoweit geltenden Bestimmungen der Verfahrensordnung
         des Gerichts erster Instanz finden weiterhin entsprechende Anwendung auf die Rechtssachen, die beim Gericht vor diesem Zeitpunkt
         anhängig waren. 
      
      84      Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts erster Instanz ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der
         Kosten zu verurteilen. Da die Kommission mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag des Klägers die gesamten
         Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 21. Dezember 2006, mit der die Bewerbung von Herrn Menidiatis
            auf die freie Stelle eines  Leiters der Vertretung der Kommission in Athen (Griechenland) abgelehnt und Herr P. auf diese
            Stelle ernannt worden ist, wird aufgehoben.
      2.      Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt die gesamten Kosten des Verfahrens.
      
               Kanninen 
            
            
                Kreppel 
            
            
                Van Raepenbusch
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 2. April 2009.
      
               Die Kanzlerin 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               W. Hakenberg 
            
             
            
                      H. Kanninen
            
         
         Die vorliegende Entscheidung sowie die darin zitierten und noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlichten Entscheidungen
            der Gemeinschaftsgerichte sind auf der Internetseite des Gerichtshofs verfügbar: www.curia.europa.eu
         
      
      * Verfahrenssprache: Französisch.