CELEX: 31976R1831
Language: de
Date: 1976-07-28 00:00:00
Title: Verordnung (EWG) Nr. 1831/76 der Kommission vom 28. Juli 1976 zur Definition der Methode zur Bestimmung der zur Brotherstellung geeigneten Mindestqualität von Weichweizen, die für die Interventionsmaßnahmen im Wirtschaftsjahr 1976/1977 gefordert wird

Nr. L 203/20                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                29. 7. 76
                           VERORDNUNG (EWG) Nr. 1831 /76 DER KOMMISSION
                                                   vom 28 . Juli 1976
              zur Definition der Methode zur Bestimmung der zur Brotherstellung geeigneten
              Mindestqualität von Weichweizen , die iür die Interventionsmaßnahmen im
                                       Wirtschaftsjahr 1976/ 1977 gefordert wird
DIE KOMMISSION DER EUROPAISCHEN                                                         Artikel 2
GEMEINSCHAFTEN —
                                                               Um als nicht klebrig und maschinell verarbeitbar an­
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europä­              gesehen zu werden :
ischen Wirtschaftsgemeinschaft,
                                                               a) muß der Teig bei Öffnung des Knetkessels eine
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 2727/75 des                 Masse bilden, die praktisch nicht an den Kessel­
Rates vom 29. Oktober 1975 über die gemeinsame                    wänden und an der Achse des Kneters klebt ; diese
Marktorganisation für Getreide ('), zuletzt geändert              Masse muß sich mit den Händen leicht zusammen­
durch die Verordnung (EWG) Nr. 1 146/76 (2), insbe­               bringen und ohne beachtliche Verluste auf einmal
sondere auf Artikel 4 Absatz 3,                                   aus dem Kneter herausnehmen lassen ;
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 1621 /76 des             b) darf der Teig während der Bearbeitung im Rundwir­
Rates vom 22. Juni 1976 zur Festlegung der für die                 ker nicht oder nur geringfügig an den Wänden der
Intervention erforderlichen Mindestanforderungen für               Formkammer haften, so daß dieses Teigstück in
zur Brotherstellung geeigneten Weichweizen (3),                   ständiger Rotationsbewegung ist und die Ausfor­
                                                                   mung zur Kugel ermöglicht. Nach Beendigung des
in Erwägung nachstehender Gründe :                                Arbeitsganges darf beim Anheben des Deckels der
                                                                   Formkammer der Teig nirgends haften.
Für das Wirtschaftsjahr 1976/ 1977 wird Weichweizen
als von einer für die Brotherstellung geeigneten Min­
destqualität angesehen, wenn die maschinelle Verarbei­                                   Artikel 3
tung des Teigs aus diesem Weichweizen nach dem
Mahlen möglich ist. Um die Teigeigenschaften bei der           In Abweichung von Artikel 1 darf die italienische In­
maschinellen Verarbeitung im Hinblick auf die Brot­            terventionsstelle bis zum 30. September 1976 die Un­
herstellung zu beurteilen, erscheint es ausreichend,           terscheidung zwischen zur Brotherstellung geeigne­
nur den ersten Teil des Europäischen Backversuchs              tem und zur Brotherstellung nicht geeignetem Weich­
anzuwenden, der auf Verlangen der Kommission                   weizen auf Grund der Sortenqualitätsmerkmale vor­
durch eine Reihe von Laboratorien der Gemeinschaft             nehmen .
ausgearbeitet worden ist.
                              «ff
Der Verwaltungsausschuß für Getreide hat nicht inner­          Bei Streitfällen gilt allein die in dieser Verordnung de­
halb der ihm von seinem Vorsitzenden gesetzten Frist           finierte Methode zur Bestimmung der zur Brotherstel­
Stellung genommen —                                            lung geeigneten Qualität von Weichweizen.
                                                                                        Artikel 4
HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN :
                                                               Die Kosten des Backversuchs gehen zu Lasten des Ver­
                                                               käufers. Bei Streitfällen wird die Interventionsstelle
                       Artikel 1
                                                               den betreffenden Weichweizen einem erneuten Back­
                                                               versuch unterwerfen . Die dadurch entstehenden Ko­
Für das Wirtschaftsjahr 1976/ 1977 wird Weichweizen
als von zur Brotherstellung geeigneter Mindestqualität         sten hat die unterliegende Partei zu tragen .
angesehen, wenn der aus diesem Weizen nach dem
Mahlen erhaltene Teig nicht klebrig und maschinell
verarbeitbar ist. Diese Eigenschaften werden durch                                      Artikel 5
Anwendung des ersten Teils des Europäischen Back­
versuchs nach der Bezugsmethode im Anhang festge­              Diese Verordnung tritt am dritten Tag nach ihrer Ver­
stellt. '
                                                               öffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Ge­
                                                               meinschaften in Kraft.
(») ABl. Nr. L 281 vom 1 . 11 . 1975, S. 1 .
(2) ABl. Nr. L 130 vom 19. 5. 1976, S. 1 .
(J) ABl. Nr. L 180 vom 6. 7. 1976, S. 4.                       Sie ist ab 1 . August 1976 anwendbar.
 ---pagebreak--- 29 . 7. 76                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                    Nr. L 203/21
           Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
           Mitgliedstaat.
           Brüssel, den 28 . Juli 1976
                                                                 Für die Kommission
                                                                   P.J. LARDINOIS
                                                               Mitglied der Kommission
 ---pagebreak--- Nr. L 203/22                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 29 . 7. 76
                                                        ANHANG
           PRAKTISCHE BEZUGSMETHODE ZUR BESTIMMUNG DER ZUR BROTHERSTEL­
                         LUNG GEEIGNETEN MINDESTQUALITÄT VON WEICHWEIZEN
             1.    Titel
                   Vorschrift für den Weizenbackversuch
             2.    Anwendungsgebiet
                   Die Methode ist für Mehl anwendbar, das auf einer Versuchsmühle aus Weizen hergestellt ist,
                   zur Produktion von hefegelockertem Brot.
             3.    Verfahren
                   Ein Teig wird aus Mehl, Wasser, Hefe, Salz und Rohrzucker in einem spezifizierten Kneter
                   hergestellt. Nach dem Teilen und Rundwirken wird eine Teigruhezeit von 30 Minuten einge­
                   halten. Die Teige werden geformt, auf Backbleche gelegt und nach einer festgelegten Endgär­
                   zeit gebacken. Die Teigeigenschaften werden beurteilt. Die Brote werden nach Volumen, Kru­
                   stenfarbe, Porenbild und Krumenstruktur beurteilt.
             4.    Zutaten
             4.1 . Hefe
                   Engedura aktive Trockenhefe (Gist-Brocades NV) oder Zutaten mit den gleichen Eigenschaf­
                   ten .
             4.2.   Wasser
                   Leitungswasser.
             4.3. Zucker-Salz-Ascorbinsäure-Lösung
                   Man löst 30 ± 0,5 g Natriumchlorid (handelsübliche Qualität), 30 ± 0,5 g Rohrzucker (han­
                   delsübliche Qualität) und 0,040 ± 0,00 1 g Ascorbinsäure in 800 ± 5 g Wasser. Man bereitet
                   die Lösung täglich frisch.
             4.4. Zuckerlösung
                   Man löst 5 ± 0,1 g Rohrzucker (handelsübliche Qualität) in 95 ± 1 g Wasser.
             4.5. Enzymaktives Malzmehl
                   Handelsübliche Qualität.
             5.    Einrichtung und Geräte
             5.1 . —
             5.2   Kühlschrank,
                   um eine Temperatur von 4 ± 2 °C einzustellen.
             5.3.   Waage,
                   max. Belastung 2 kg, Genauigkeit 2 g.
             5.4.   Waage,
                   max. Belastung 0,5 kg, Genauigkeit 0,1 g.
             5.5. Analytische Waage,
                   Genauigkeit 0,1 • 10—3 g.
 ---pagebreak--- 29 . 7. 76                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. L 203/23
           5.6.    Kneter,
                   Stephan UMTA 10, mit Knetarm Modell „Detmold" oder ähnliche Geräte mit absolut glei­
                   chen Eigenschaften.
           5.7.    Gärschrank,
                   mit Regulierung, um eine Temperatur von 30 ± 1 °C und eine relative Luftfeuchte von 80
                   ± 5 % einzuhalten .
           5.8 .  Rundwirker,
                   Brabender Kugelhomogeniseur oder ähnliche Geräte mit absolut gleichen Eigenschaften.
           5.9 .  —
           5.10 . —
           5.11 . —
           5.12. —
           6.     —
           7.       Arbeitsweise
           7.1 . Bestimmung der Wasseraufnahme
                   Die Wasseraufnahme wird bestimmt entsprechend der Beschreibung, die auf diese Beschrei­
                  bung des Backversuchs folgt (I. C. C. Nr. 115).
           7.2. Bestimmung des Malzmehlzusatzes
                  Man bestimmt die Fallzahl des Mehles entsprechend ISO 3093-1974. Falls diese Fallzahl hö­
                  her als 250 liegt, bestimmt man — unter Zuhilfenahme einer Reihe von Mehlmischungen
                  mit steigenden Mengen von Malzmehl (4.5.) — die Menge des Malzmehlzusatzes, um eine
                  Fallzahl von 200 — 250 zu erhalten .
           7.3. Reaktivierung der aktiven Trockenhefe
                  Man stellt die Temperatur der Zuckerlösung (4.4.) auf 35 ± 1 C ein. Man gießt einen Ge­
                  wichtsteil der aktiven Trockenhefe in 4 Gewichtsteile der temperierten Zuckerlösung. Nicht
                   umrühren.
                  Man läßt sie für 10 ± 1 Minuten stehen, dann rührt man solange, bis eine homogene Suspen­
                  sion erhalten ist. Diese Suspension muß innerhalb von 10 Minuten verarbeitet werden.
           7.4.   Einstellung der Temperatur des Mehles und des Schüttwassers
                  Die Mehl- und Wassertemperatur sind so einzuregulieren, daß der Teig nach dem Kneten
                  eine Temperatur von 27 ± 1 °C aufweist.
           7.5.   Teigzusammensetzung
                  Mit einer relativen Genauigkeit von 0,2 % wiegt man 10 y/3 g Mehl mit der vorliegenden
                  Feuchtigkeit (entsprechend einem kg bei 14 % Feuchtigkeit) ein, wobei y die Mehlmenge dar­
                  stellt, die im Farinograph-Test verwendet ist (siehe die Beschreibung der „Methode für den
                  Einsatz des Brabender Farinographen", Absatz 9.1 .).
                  Mit einer Genauigkeit von 0,2 g wiegt man die Malzmehlmenge ab, um die Fallzahl in den
                  Bereich von 200 ± 250 zu bringen (7.2.).
                  Man wiegt 430 ± 5 g der Zucker-Salz-Ascorbinsäure-Lösung (4.3.) und fügt Wasser bis zu
                  einer Gesamtmasse von ( x-9) 10/3 g hinzu ; x enstpricht der Wassermenge, die im Farino­
                  graph-Test verwendet ist (siehe die Beschreibung der „Methode für den Einsatz des Brabender
                  Farinographen". Die Gesamtmasse (gewöhnlich zwischen 450 — 650 g) soll mit einer relati­
                  ven Genauigkeit von 0,3 % erreicht werden.
                  Man wiegt 90 ± 1 g der Hefesuspension ab.
                  Man notiert die gesamte Teigmasse (P), die sich aus der Summe der Massen des Mehles, der
                  Zucker-Salz-Ascorbinsäure-Lösung plus Wasser, der Hefesuspension und des Malzmehles zu­
                  sammensetzt .
 ---pagebreak--- Nr. L 203/24                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   29 . 7, 76
             7.6 . Kneten
                   Vor Gebrauch bringt man den Knetkessel mittels einer geeigneten Menge temperierten Was­
                   sers auf eine Temperatur von 27 ± 1 °C.
                   Dann gibt man die flüssigen Teigzutaten in den Kneter und schüttet das Mehl mit dem Malz­
                   mehl hinein .
                   Man schaltet den Kneter ein (Stufe 1 , 1 400 U/min) und läßt ihn 60 s laufen . Man schabt die
                   Teigteile, die an der Wand des Kneters haften, 20 s nach Beginn des Knetens ab, durch zwei
                   Umdrehungen des Schabers, der am Deckel der Knetschüssel befestigt ist.
                   Man mißt die Teigtemperatur. Liegt sie außerhalb des Bereiches von 26 — 28° C, so verwirft
                   man den Teig und knetet nach Einregulierung der Temperatur der Zutaten einen neuen Teig.
                   Die Teigeigenschaften werden beurteilt und durch eine der folgenden Bezeichnungen um­
                   schrieben :
                   — nicht klebrig und maschinell verarbeitbar : Bei Öffnung des Kneters klebt der Teig nicht
                        an den Wänden und an der Achse des Kneters. Der Teig kann ohne Schwierigkeiten mit
                        den Händen auf einmal aus dem Kneter ohne beachtliche Verluste herausgenommen wer­
                        den ;
                   — klebrig und maschinell nicht verarbeitbar : Bei Öffnung des Kneters haftet der Teig an
                        den Wänden und an der Achse des Kneters. Es ist praktisch unmöglich, den gesamten
                        Teig mit den Händen auf einmal aus dem Trog herauszunehmen, ein beachtlicher Teil
                        bleibt an den Wänden und an der Achse haften .
             7.7.  Teilen und Rundwirken
                   Mit einer relativen Genauigkeit von 0,5 % wiegt man 3 Teigstücke gemäß folgender Formel
                   ab :
                   p = 0,25 P
                   Darin bedeutet :
                   p = Gewicht des abzuwiegenden Teigstückes
                   P == die Gesamtmasse des Teigs.
                   Man wirkt die Teigstücke sofort für 15 s im Kugelhoinogeniseur (5.8 .) und bringt sie dann für
                   30 ± 2 Minuten auf einer geeigneten Unterstützung in den Gärschrank (5.7.).
            7.8 .  Formen
                   Man wirkt die Teigstücke wiedenim im Kugelhomogeniseur (5.8 .) für 15 s. Die Teigeigen­
                   schaften werden beurteilt und durch eine der folgenden Bezeichnungen umschrieben :
                   — nicht klebrig und maschinell verarbeitbar : Während der Apparat läuft, haftet der Teig
                        nicht oder nur geringfügig an den Wänden der Formkammer. Das Teigstück ist in ständi­
                        ger Rotationsbewegung, die Ausformung zur Kugel verläuft ohne Schwierigkeit. Nach
                        Beendigung des Arbeitsganges soll beim Anheben des Deckels und der Formkammer der
                        Teig nicht an diesen haften ;
                   — klebrig und maschinell nicht verarbeitbar : Während der Apparat läuft, haftet der Teig an
                        den Wänden . Das Teigstück kann keine wesentliche Drehbewegung ausführen, die Ausfor­
                        mung zu einer regelmäßigen Kugel ist nicht möglich . Nach Beendigung des Arbeitsgan­
                        ges klebt der Teig an dem Deckel, an den Formkammerwänden und an der Wirkplatte. In
                        Extremfällen bilden sich Teigstränge zwischen der Platte und der Formkammer.
            7.9 .  —
            7.10 . —
            8.     —
            9.     —
           10 .    Allgemeine Bemerkungen
           10.1 .  Die englische Beschreibung der Methode für den Einsatz des Brabender Farinographen ist
                   dem ICC Standard Nr. 115 identisch . Die französische und deutsche Veröffentlichung der
 ---pagebreak--- 29. 7. 76                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. L 203/25
                ICC sind nicht in Übereinstimmung mit dfem authentischen Text ; sie sollen deshalb nicht
                benutzt werden .
          10.2. —
          10.3. Die Methode ist bei Weizen nicht direkt anwendbar. Das Verfahren, das angewendet werden
                soll, um die Backeigenschaften des Weizens zu charakterisieren, ist folgendes :
                Der Weizen wird gereinigt und der Feuchtigkeitsgehalt des gereinigten Weizens wird be­
                stimmt. Wenn, der Feuchtigkeitsgehalt im Bereich von 15,0 — 16,0 % liegt, ist es nicht erfor­
                derlich, den Weizen zu konditionieren. Wenn der Feuchtigkeitsgehalt außerhalb diesem Be­
                reich liegt, muß der Feuchtigkeitsgehalt auf 1 5,5 ± 0,2 % eingestellt werden, wenigstens 3
                Stunden vor der Vermahlung.
                Der Weizen soll mit einer Böhler Labor Mühle MLU 202 oder mit einer Brabender Quadru­
                mat Senior Mühle zu Mehl vermählen werden oder ähnlichen Geräten mit absolut gleichen
                Eigenschaften.
                Man wählt ein Mahlverfahren, das ein Mehl mit einer Mindestausbeute von 72 % anfallen
                läßt, mit einem Aschegehalt zwischen 0,50 — 0,60 % i. Tr. Den Aschegehalt des Mehles be­
                stimmt man entsprechend der Anlage zur Verordnung Nr. 162/67/EWG vom 23. Juni 1967,
                und den Feuchtigkeitsgehalt entsprechend dem Anhang II zur Verordnung (EWG) Nr.
                2731 /75 vom 29. Oktober 1975. Die Mehlausbeute berechnet man nach der Gleichung :
                        (100 — f) F
                E -                     • 100 %
                        ( 100 — w) W
                Es bedeutet :
                 E — Mehlausbeute ;
                  f  —   Feuchtigkeitsgehalt des Mehles ;
                 w   »   Feuchtigkeitsgehalt des Weizens ;
                 F   »   Masse des angefallenen Mehles mit einem Feuchtigkeitsgehalt von f ;
                W    ■»  Masse des gemahlenen Weizens mit einem Feuchtigkeitsgehalt w.
                Bemerkung : Die näheren Bestimmungen über die zu benützenden Zutaten und Geräte ste­
                               hen in dem von TNO Instituut voor Graan, meel en brood, Lawichseallee 15,
                               Postbus 1 5, Wageningen, Nederland, veröffentlichten Dokument T 76 399 vom
                               31 . 5. 1976.