CELEX: 61999TJ0065
Language: de
Date: 2003-12-11
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Fünfte Kammer) vom 11. Dezember 2003. # Strintzis Lines Shipping SA gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Wettbewerb - Verordnung (EWG) Nr. 4056/86 - Nachprüfung in den Räumlichkeiten einer anderen Gesellschaft als derjenigen, die Adressatin der Nachprüfungsentscheidung ist - Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 Absatz 1 EG) - Staatliche Regelung über den Seeverkehr und Praxis der Behörden - Anwendbarkeit des Artikels 85 EG-Vertrag - Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung - Geldbuße - Anwendung der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen. # Rechtssache T-65/99.

Rechtssache T-65/99 Strintzis Lines Shipping SAgegenKommission der Europäischen Gemeinschaften
            «Wettbewerb – Verordnung (EWG) Nr. 4056/86 – Nachprüfung in den Räumlichkeiten einer anderen Gesellschaft als derjenigen, die Adressatin der Nachprüfungsentscheidung ist – Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 Absatz 1 EG) – Staatliche Regelung über den Seeverkehr und Praxis der Behörden – Anwendbarkeit des Artikels 85 EG-Vertrag – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Geldbuße – Anwendung der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen»
            
               
                  Urteil des Gerichts (Fünfte Kammer) vom 11. Dezember 2003  
                     
                
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  1..
                  Nichtigkeitsklage – Gründe – Rechtswidrigkeit einer Nachprüfung durch die Kommission – Einräumung bestimmter Tatsachen durch das klagende Unternehmen, die durch bei der Nachprüfung erlangte Dokumente ans Licht
                     gebracht wurden – Keine Auswirkung auf das Interesse an der Geltendmachung des Klagegrundes  
                  (Artikel 230 EG) 
         
                  2..
                  Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Herabsetzung der Geldbuße als Gegenleistung für eine Zusammenarbeit – Nichtigkeitsklage – Keine Neubewertung des Umfangs der Herabsetzung  (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15) 
         
                  3..
                  Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Wahrung im Rahmen von Verwaltungsverfahren  (Verordnungen des Rates Nr. 17, Artikel 14, und Nr. 4056/86, Artikel 18) 
         
                  4..
                  Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Nachprüfungsbefugnisse der Kommission – Grenzen – Schutz gegen willkürliche oder unverhältnismäßige Eingriffe der öffentlichen Gewalt  (Verordnungen des Rates Nr. 17, Artikel 14, und Nr. 4056/86, Artikel 18) 
         
                  5..
                  Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Nachprüfungsbefugnisse der Kommission – Umfang – Zugang zu den Räumlichkeiten der Unternehmen – Grenzen – Angabe von Gegenstand und Zweck der Nachprüfung – Recht auf Anrufung des Gemeinschaftsrichters  (Verordnungen des Rates Nr. 17, Artikel 14, und Nr. 4056/86, Artikel 18) 
         
                  6..
                  Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Nachprüfungsbefugnisse der Kommission – Zugang zu den Räumlichkeiten der Unternehmen – In der Nachprüfungsentscheidung nicht genanntes Unternehmen – Zugangsvoraussetzungen  (Verordnung Nr. 4056/86 des Rates, Artikel 18) 
         
                  7..
                  Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Nachprüfungsbefugnisse der Kommission – Freiwillige Mitarbeit des Unternehmens – Auswirkungen in Bezug auf die Möglichkeit, einen übermäßigen Eingriff der öffentlichen Gewalt zu rügen  (Verordnung Nr. 4056/86 des Rates, Artikel 18) 
         
                  8..
                  Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Sachlicher Geltungsbereich – Durch staatliche Maßnahmen aufgezwungenes Verhalten – Ausschluss – Voraussetzungen  (EG-Vertrag, Artikel 85 und 86 [jetzt Artikel 81 EG und 82 EG]) 
         
                  9..
                  Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – In den Leitlinien der Kommission festgelegte Kriterien – Anwendbarkeit auf Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln auf dem Gebiet des Seeverkehrs  (EGKS-Vertrag, Artikel 65 § 5; Verordnungen des Rates Nr. 17, Artikel 15 Absatz 2, und Nr. 4056/86, Artikel 19 Absatz 2) 
         
         1.
          Dass ein Unternehmen bestimmte Tatsachen in Bezug auf einen potenziellen Verstoss gegen die Wettbewerbsregeln eingeräumt hat,
         bedeutet keineswegs, dass es darauf verzichtet hätte oder daran gehindert wäre, die Rechtmäßigkeit der Nachprüfungen durch
         die Kommission, anlässlich deren ihr Unterlagen, die Beweismittel für die fragliche Zuwiderhandlung darstellen können, in
         die Hände gefallen sind, in Frage zu stellen. vgl. Randnr. 28
         
         2.
          Die Gefahr, dass ein Unternehmen, dessen Geldbuße als Gegenleistung für seine Zusammenarbeit herabgesetzt wurde, später eine
         Nichtigkeitsklage gegen die Entscheidung erhebt, mit der die Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln festgestellt und
         das dafür verantwortliche Unternehmen mit einer Sanktion belegt wurde, und dass es mit dieser Klage in erster Instanz vor
         dem Gericht oder im Rechtsmittelverfahren vor dem Gerichtshof Erfolg hat, ist eine normale Folge der Inanspruchnahme der im
         Vertrag und in der Satzung des Gerichtshofes vorgesehenen Rechtsschutzmöglichkeiten. Die bloße Tatsache, dass ein Unternehmen,
         das mit der Kommission zusammengearbeitet hat und dessen Geldbuße deshalb herabgesetzt wurde, mit einer Klage Erfolg hat,
         kann somit keine Neubewertung des Umfangs der bei ihm vorgenommenen Herabsetzung rechtfertigen. vgl. Randnr. 29
         
         3.
          In allen Verfahren zur Anwendung der Wettbewerbsregeln des Vertrages ist der Anspruch auf rechtliches Gehör von der Kommission
         sowohl in den Verwaltungsverfahren, die zu Sanktionen führen können, als auch in den Voruntersuchungsverfahren zu beachten,
         da verhindert werden muss, dass dieser Anspruch in Voruntersuchungsverfahren in nicht wieder gutzumachender Weise beeinträchtigt
         wird; insbesondere gilt dies bei Nachprüfungen, die für die Erbringung von Beweisen für rechtswidrige Verhaltensweisen von
         Unternehmen, die geeignet sind, deren Haftung auszulösen, von entscheidender Bedeutung sein können. vgl. Randnrn. 37-38
         
         4.
          Was die der Kommission durch Artikel 14 der Verordnung Nr. 17 übertragenen Nachprüfungsbefugnisse und die Frage angeht, inwieweit
         diese Befugnisse durch die Verteidigungsrechte eingeschränkt werden, so stellt das Erfordernis eines Schutzes vor willkürlichen
         oder unverhältnismäßigen Eingriffen der öffentlichen Gewalt in die Sphäre der privaten Betätigung einer natürlichen oder juristischen
         Person einen allgemeinen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts dar. In allen Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten bedürfen Eingriffe
         der öffentlichen Gewalt in die Sphäre der privaten Betätigung einer natürlichen oder juristischen Person nämlich einer Rechtsgrundlage
         und müssen aus den gesetzlich vorgesehenen Gründen gerechtfertigt sein; diese Rechtsordnungen sehen daher, wenn auch in unterschiedlicher
         Ausgestaltung, einen Schutz vor willkürlichen oder unverhältnismäßigen Eingriffen vor. vgl. Randnr. 39
         
         5.
          Sowohl aus dem Zweck der Verordnung Nr. 17 als auch aus der Aufzählung der den Bediensteten der Kommission eingeräumten Befugnisse
         in Artikel 14 dieser Verordnung ergibt sich, dass Nachprüfungen sehr weit gehen können. Die Ausübung dieser weitreichenden
         Befugnisse unterliegt jedoch Voraussetzungen, die die Wahrung der Rechte der betroffenen Unternehmen gewährleisten. Die Verpflichtung der Kommission, Gegenstand und Zweck einer Nachprüfung anzugeben, stellt dabei ein grundlegendes Erfordernis
         dar, als dadurch nicht nur die Berechtigung des beabsichtigten Eingriffs in den betroffenen Unternehmen aufgezeigt werden
         soll, sondern auch diese Unternehmen in die Lage versetzt werden sollen, den Umfang ihrer Mitwirkungspflicht zu erkennen und
         zugleich ihre Verteidigungsrechte zu wahren. Zudem hat die Kommission in der Nachprüfungsentscheidung möglichst genau anzugeben, wonach gesucht wird, und die Punkte aufzuführen,
         auf die sich die Nachprüfung beziehen soll. Dieses Erfordernis dient dem Schutz der Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen,
         da diese Rechte in schwerwiegender Weise beeinträchtigt würden, wenn die Kommission den Unternehmen bei einer Nachprüfung
         erlangte Beweise entgegenhalten könnte, die in keinem Zusammenhang mit dem Gegenstand und dem Zweck dieser Nachprüfung stehen.
         Schließlich kann das Unternehmen, das Adressat der Entscheidung ist, diese vor dem Gemeinschaftsrichter anfechten; wird der
         Klage stattgegeben, so ist die Kommission gehindert, Unterlagen oder Beweisstücke zu verwenden, die im Zuge der betreffenden
         Nachprüfung zusammengetragen wurden. vgl. Randnrn. 41, 44-46
         
         6.
          Die Kommission muss bei ihrer Nachprüfungstätigkeit die Beachtung der Grundsätze der Rechtmäßigkeit des Handelns der Gemeinschaftsorgane
         und des Schutzes vor willkürlichen Eingriffen der öffentlichen Gewalt in die Sphäre der privaten Betätigung einer natürlichen
         oder juristischen Person sicherstellen. Es wäre unverhältnismäßig und verstieße gegen die Verordnung Nr. 4056/86 über die
         Einzelheiten der Anwendung der Artikel 85 und 86 des Vertrages auf den Seeverkehr und gegen tragende Rechtsgrundsätze, würde
         der Kommission auf der Grundlage einer an eine bestimmte rechtliche Einheit gerichteten Nachprüfungsentscheidung ein allgemeines
         Recht zuerkannt, die Räumlichkeiten einer anderen rechtlichen Einheit zu betreten und dort Nachprüfungen durchzuführen, nur
         weil diese angeblich mit dem Adressaten der Nachprüfungsentscheidung eng verbunden ist oder die Kommission glaubt, sie könne
         dort Unterlagen des Adressaten finden. Die Kommission überschreitet ihre Untersuchungsbefugnisse jedoch nicht, wenn sie sorgfältig und unter umfassender Beachtung
         ihrer Pflicht handelt, sich vor der Nachprüfung im Rahmen des Möglichen zu vergewissern, dass die Geschäftsräume, die sie
         durchsuchen will, tatsächlich die Geschäftsräume derjenigen rechtlichen Einheit sind, der ihre Ermittlung gilt. Ihr Verhalten
         bleibt rechtmäßig, wenn sie, nachdem sie festgestellt hat, dass die Geschäftsräume, in denen die Nachprüfung stattfindet,
         nicht die Geschäftsräume des in der Entscheidung genannten Unternehmens sind, davon ausgehen kann, dass diese gleichwohl von
         dem ursprünglich in der Entscheidung genannten Unternehmen bei der Abwicklung seiner Geschäfte genutzt werden, da die dort
         untergebrachte Gesellschaft, obwohl sie rechtlich von der Adressatin der Entscheidung unabhängig ist, deren Vertreterin und
         Alleinverwalterin der von der Untersuchung betroffenen Tätigkeiten ist. Dem Recht, alle Räumlichkeiten, Grundstücke und Transportmittel
         der Unternehmen zu betreten, kommt nämlich besondere Bedeutung zu, da der Kommission damit ermöglicht werden soll, das Beweismaterial
         für Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln an den Orten zu sammeln, an denen es sich normalerweise befindet, d. h.
         in den Geschäftsräumen der Unternehmen. Die Kommission darf deshalb bei der Ausübung ihrer Nachprüfungsbefugnisse berücksichtigen,
         dass die Chancen, Beweismaterial für die vermutete Zuwiderhandlung zu finden, größer sind, wenn sie in den Räumlichkeiten
         sucht, von denen aus die von ihr untersuchte Gesellschaft in der Praxis für gewöhnlich ihre unternehmerische Tätigkeit betreibt.
         vgl. Randnrn. 66-67, 71-72, 76
         
         7.
          Von einem übermäßigen Eingriff der öffentlichen Gewalt in die Betätigungssphäre eines Unternehmens kann keine Rede sein, wenn
         eine Nachprüfung im Zusammenwirken mit dem betroffenen Unternehmen durchgeführt wird und keine Anhaltspunkte dafür genannt
         werden, dass die Kommission über die von den Angestellten des untersuchten Unternehmens angebotene Zusammenarbeit hinausgegangen
         sei. vgl. Randnr. 82
         
         8.
          Die Artikel 85 und 86 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 EG und 82 EG) gelten nur für wettbewerbswidrige Verhaltensweisen, die die
         Unternehmen aus eigener Initiative an den Tag legen. Wird den Unternehmen ein wettbewerbswidriges Verhalten durch nationale
         Rechtsvorschriften vorgeschrieben oder bilden diese einen rechtlichen Rahmen, der selbst jede Möglichkeit eines Wettbewerbsverhaltens
         ihrerseits ausschließt, so sind die Artikel 85 und 86 nicht anwendbar. In einem solchen Fall findet die Wettbewerbsbeschränkung
         nicht, wie diese Vorschriften voraussetzen, in selbständigen Verhaltensweisen der Unternehmen ihre Ursache. Dagegen sind die Artikel 85 und 86 des Vertrages anwendbar, wenn sich herausstellt, dass die nationalen Rechtsvorschriften
         die Möglichkeit eines Wettbewerbs bestehen lassen, der durch selbständige Verhaltensweisen der Unternehmen verhindert, eingeschränkt
         oder verfälscht werden kann. Außerdem ist die Möglichkeit, ein bestimmtes wettbewerbswidriges Verhalten vom Anwendungsbereich
         des Artikels 85 Absatz 1 des Vertrages deshalb auszunehmen, weil es den betreffenden Unternehmen durch die geltenden nationalen
         Rechtsvorschriften vorgeschrieben wird oder diese jede Möglichkeit eines Wettbewerbsverhaltens ausschließen, von den Gemeinschaftsgerichten
         restriktiv behandelt worden. Fehlt es an einer zwingenden Rechtsvorschrift, die ein wettbewerbswidriges Verhalten vorschreibt, kann die Kommission somit
         nur dann auf eine fehlende Handlungsfreiheit der betroffenen Unternehmen schließen, wenn sich aufgrund objektiver, schlüssiger
         und übereinstimmender Indizien ergibt, dass diesen ihr Verhalten von den nationalen Behörden einseitig durch die Ausübung
         übermächtigen Drucks aufgezwungen wurde, etwa durch die Drohung mit dem Erlass staatlicher Maßnahmen, die ihnen erhebliche
         Verluste verursachen könnten. vgl. Randnrn. 119-122
         
         9.
          Die allgemeine Methode für die Berechnung von Geldbußen gemäß den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen,
         die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, ist auch
         auf Geldbußen nach Artikel 19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 über die Einzelheiten der Anwendung der Artikel 85 und 86
         des Vertrages auf den Seeverkehr anwendbar. Da die Berechnung der Geldbußen nach dieser Methode anhand der beiden in Artikel 19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 genannten
         Kriterien ─ Schwere des Verstoßes und Dauer der Zuwiderhandlung ─ unter Beachtung der dort festgelegten Obergrenze in Bezug
         auf den Umsatz jedes Unternehmens vorgenommen wird, gehen die Leitlinien nicht über den in der genannten Bestimmung vorgegebenen
         rechtlichen Rahmen für Sanktionen hinaus. vgl. Randnrn. 158, 167
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTS (Fünfte Kammer)11. Dezember 2003(1)
         
         
               „Wettbewerb – Verordnung (EWG) Nr. 4056/86 – Nachprüfung in den Räumlichkeiten einer anderen Gesellschaft als derjenigen, die Adressatin der Nachprüfungsentscheidung ist – Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 Absatz 1 EG) – Staatliche Regelung über den Seeverkehr und Praxis der Behörden – Anwendbarkeit des Artikels 85 EG-Vertrag – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Geldbuße – Anwendung der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen“
               
             In der Rechtssache T-65/99 
            
            
            Strintzis Lines Shipping SA mit Sitz in Piräus (Griechenland), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte K. Adamantopoulos, V. Akritidis und A. Papakrivopoulos,
            Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            
            Klägerin, 
            
            gegen
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch R. Lyal und D. Triantafyllou als Bevollmächtigte im Beistand von Rechtsanwalt G. Athanassiou, Zustellungsanschrift
            in Luxemburg,
            
            Beklagte, 
            
             wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 1999/271/EG der Kommission vom 9. Dezember 1998 in einem Verfahren nach Artikel 85
            EG-Vertrag (IV/34.466 ─ Griechische Fährschiffe) (ABl. 1999, L 109, S. 24)
             erlässt
            
            DAS GERICHT ERSTER INSTANZ DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Fünfte Kammer)
            
             unter Mitwirkung des Präsidenten J. D. Cooke sowie des Richters R. García-Valdecasas und der Richterin P. Lindh, 
            
             Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat, 
            
            
            aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 1. Juli 2002
         folgendes
         
         
         Urteil
            
               Sachverhalt
            
         
         1
            
          Die klagende Strintzis Lines SA ist eine griechische Gesellschaft, die Fährschiffe betreibt, mit denen sie Passagiere und
         Kraftfahrzeuge auf Strecken in Griechenland sowie im Ausland befördert, und zwar auch auf dem Markt der Routen zwischen Griechenland
         und Italien (im Folgenden: Markt Griechenland/Italien), wo sie die Routen zwischen Patras und Ancona über Korfu und Igoumenitsa,
         zwischen Patras und Brindisi sowie zwischen Patras und Bari bedient. 
         
         
         2
            
          Auf die im Jahr 1992 eingereichte Beschwerde eines Kunden, dass im Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien auf den einzelnen
         Strecken sehr ähnliche Fährpreise gälten, richtete die Kommission gemäß Artikel 16 der Verordnung (EWG) Nr. 4056/86 des Rates
         vom 22. Dezember 1986 über die Einzelheiten der Anwendung der Artikel 85 und 86 des Vertrages auf den Seeverkehr (ABl. L 378,
         S. 4) Auskunftsverlangen an bestimmte Fährdienstbetreiber. Anschließend nahm sie gemäß Artikel 18 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 4056/86 in den Geschäftsräumen von sechs Fährdienstbetreibern ─ fünf in Griechenland und einem in Italien ─ Nachprüfungen
         vor. 
         
         
         3
            
          Am 4. Juli 1994 erließ die Kommission die Entscheidung C(94) 1790/5, mit der der Gesellschaft Minoan Lines aufgegeben wurde,
         eine Nachprüfung zu dulden (im Folgenden: Nachprüfungsentscheidung). Am 5. und 6. Juli 1994 durchsuchten Bedienstete der Kommission
         die Geschäftsräume in der Leoforos Kifisias 64B, Marousi, Athen, die, wie sich im Nachhinein herausstellte, der Gesellschaft
         European Trust Agencies (im Folgenden: ETA) gehörten, einer anderen rechtlichen Einheit als der in der Nachprüfungsentscheidung
         genannten. Bei der Nachprüfung erlangte die Kommission Kopien zahlreicher Dokumente, die später als Beweise gegen die verschiedenen
         von der Untersuchung betroffenen Unternehmen verwendet wurden. 
         
         
         4
            
          In der Folge ergingen an die Klägerin und andere Reedereien weitere Auskunftsverlangen gemäß Artikel 16 der Verordnung Nr.
         4056/86 mit der Aufforderung, nähere Auskünfte zu den bei den Nachprüfungen aufgefundenen Unterlagen zu erteilen. 
         
         
         5
            
          Mit Entscheidung vom 21. Februar 1997 leitete die Kommission ein förmliches Verfahren ein, indem sie neun Gesellschaften,
         zu denen auch die Klägerin gehört, eine Mitteilung der Beschwerdepunkte übersandte. 
         
         
         6
            
          Am 9. Dezember 1998 erließ die Kommission die Entscheidung 1999/271/EG in einem Verfahren nach Artikel 85 EG-Vertrag (IV/34.466
         ─ Griechische Fährschiffe) (ABl. 1999, L 109, S. 24, im Folgenden: Entscheidung). 
         
         
         7
            
          Die Entscheidung enthält folgende Bestimmungen: Artikel 1
         (1)
          Minoan Lines, Anek Lines, Karageorgis Lines, Marlines SA und Strintzis Lines haben gegen Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag verstoßen,
         indem sie Preisabsprachen für Roll-on-/Roll-off-Fährdienste zwischen Patras und Ancona trafen. Die Verstöße fanden in folgendem
         Zeitraum statt:
         
         
         a)
          für Minoan Lines und Strintzis Lines vom 18. Juli 1987 bis zum Juli 1994; 
         
         
         b)
          für Karageorgis Lines vom 18. Juli 1987 bis zum 27. Dezember 1992; 
         
         
         c)
          für Marlines SA vom 18. Juli 1987 bis zum 8. Dezember 1989; 
         
         
         d)
          für Anek Lines vom 6. Juli 1989 bis zum Juli 1994. 
         
         
         (2)
          Minoan Lines, Anek Lines, Karageorgis Lines, Adriatica di Navigazione SpA, Ventouris Group Enterprises SA und Strintzis Lines
         haben gegen Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag verstoßen, indem sie Preisabsprachen für die Beförderung von Lkws auf den Routen
         von Patras nach Bari bzw. Brindisi trafen. Die Verstöße fanden in folgendem Zeitraum statt:
         
         
         a)
          für Minoan Lines, Ventouris Group Enterprises SA und Strintzis Lines vom 8. Dezember 1989 bis zum Juli 1994; 
         
         
         b)
          für Karageorgis Lines vom 8. Dezember 1989 bis zum 27. Dezember 1992; 
         
         
         c)
          für Anek Lines vom 8. Dezember 1989 bis zum Juli 1994; 
         
         
         d)
          für Adriatica di Navigazione SpA vom 30. Oktober 1990 bis zum Juli 1994. 
         Artikel 2 Gegen folgende Unternehmen werden wegen des in Artikel 1 festgestellten Verstoßes folgende Geldbußen festgesetzt:
         
         
         ─
             Minoan Lines: eine Geldbuße in Höhe von 3,26 Mio. ECU; 
          Minoan Lines: eine Geldbuße in Höhe von 3,26 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Strintzis Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1,5 Mio. ECU; 
          Strintzis Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1,5 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Anek Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1,11 Mio. ECU; 
          Anek Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1,11 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Marlines SA: eine Geldbuße in Höhe von 0,26 Mio. ECU; 
          Marlines SA: eine Geldbuße in Höhe von 0,26 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Karageorgis Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1 Mio. ECU; 
          Karageorgis Lines: eine Geldbuße in Höhe von 1 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Ventouris Group Enterprises SA: eine Geldbuße in Höhe von 1,01 Mio. ECU; 
          Ventouris Group Enterprises SA: eine Geldbuße in Höhe von 1,01 Mio. ECU; 
         
         
         
         ─
             Adriatica di Navigazione SpA: eine Geldbuße in Höhe von 0,98 Mio. ECU. 
          Adriatica di Navigazione SpA: eine Geldbuße in Höhe von 0,98 Mio. ECU. 
         ...
         
         
         8
            
          Die Entscheidung war an sieben Unternehmen gerichtet: an Minoan Lines mit Sitz in Heraklion, Kreta (Griechenland) (im Folgenden:
         Minoan), Strintzis Lines mit Sitz in Piräus (Griechenland) (im Folgenden: Klägerin), Anek Lines mit Sitz in Chania, Kreta
         (im Folgenden: Anek), die Marlines SA mit Sitz in Piräus (im Folgenden: Marlines), Karageorgis Lines mit Sitz in Piräus (im
         Folgenden: Karageorgis), die Ventouris Group Enterprises SA mit Sitz in Piräus (im Folgenden: Ventouris Ferries) und die Adriatica
         di Navigazione SpA mit Sitz in Venedig (Italien) (im Folgenden: Adriatica). 
         Verfahren und Anträge der Parteien
         
         9
            
          Die Klägerin hat mit Klageschrift, die am 3. März 1999 in das Register der Kanzlei des Gerichts eintragen worden ist, Klage
         auf Nichtigerklärung der Entscheidung erhoben. 
         
         
         10
            
          Das Gericht hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und hat die Kommission
         im Rahmen prozessleitender Maßnahmen um schriftliche Beantwortung einer Frage und um Vorlage bestimmter Dokumente gebeten.
         Die Kommission hat diesem Ersuchen innerhalb der gesetzten Frist entsprochen. 
         
         
         11
            
          Die Parteien haben in der Sitzung vom 1. Juli 2002 mündlich verhandelt und mündliche Fragen des Gerichts beantwortet. 
         
         
         12
            
          Die Klägerin beantragt, 
         
         
         ─
             die Entscheidung insgesamt für nichtig zu erklären; 
          die Entscheidung insgesamt für nichtig zu erklären; 
         
         
         
         ─
             hilfsweise, Artikel 1 der Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit er die Dauer der zur Last gelegten Zuwiderhandlung
            betrifft, sowie die verhängte Geldbuße aufzuheben oder herabzusetzen; 
          hilfsweise, Artikel 1 der Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit er die Dauer der zur Last gelegten Zuwiderhandlung
         betrifft, sowie die verhängte Geldbuße aufzuheben oder herabzusetzen; 
         
         
         
         ─
             der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
          der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
         
         
         
         
         13
            
          Die Kommission beantragt, 
         
         
         ─
             die Klage in vollem Umfang abzuweisen; 
          die Klage in vollem Umfang abzuweisen; 
         
         
         
         ─
             der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
          der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
         
         
         Rechtliche Würdigung
         
         14
            
          Die Klägerin stützt ihren Antrag auf Nichtigerklärung der Entscheidung auf drei Klagegründe. Mit dem ersten Klagegrund macht
         sie die Rechtswidrigkeit der von der Kommission in den Geschäftsräumen von ETA vorgenommenen Nachprüfung geltend. Mit dem
         zweiten Klagegrund beanstandet sie, dass Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 Absatz 1 EG) aufgrund einer fehlerhaften
         und unvollständigen Beurteilung des Sachverhalts fehlerhaft auf den vorliegenden Fall angewandt worden sei. Mit ihrem dritten
         Klagegrund macht die Klägerin einen Begründungsmangel geltend. 
         
         
         15
            
          Ihren Hilfsantrag auf Nichtigerklärung oder Herabsetzung der Geldbuße stützt die Klägerin auf einen Klagegrund des Verstoßes
         gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Bestimmung der Höhe der Geldbuße, der in drei Teile aufgegliedert ist,
         mit denen eine fehlerhafte Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung, ihrer Dauer und der Höhe der Geldbuße gerügt wird.
         
         
         
         
         I ─
          Zum Antrag auf Nichtigerklärung der Entscheidung
          Erster Klagegrund: Rechtswidrigkeit der von der Kommission in den Geschäftsräumen von ETA vorgenommenen Nachprüfung
          Vorbringen der Parteien
         
         
         16
            
          Die Klägerin trägt vor, die von der Kommission im Juli 1994 in den Geschäftsräumen von ETA, des Agenten von Minoan, vorgenommene
         Nachprüfung sei rechtswidrig gewesen; das dabei gefundene Material könne daher nicht als Beweismittel verwendet werden. 
         
         
         17
            
          Die Klägerin rechtfertigt ihr berechtigtes Interesse an einer Feststellung der Rechtswidrigkeit dieser Nachprüfung damit,
         dass eine ganze Reihe der Beweismittel, auf die sich die Kommission ihr gegenüber berufe, in den Geschäftsräumen von ETA aufgefunden
         worden seien. Desgleichen seien das Verhalten anderer betroffener Unternehmen sowie der Ablauf der vorliegenden Rechtssache
         in ihrer Gesamtheit unmittelbar von den Ergebnissen der rechtswidrigen Nachprüfung in den Geschäftsräumen von ETA beeinflusst
         worden. Aus diesem Grund und weil die bei dieser Gelegenheit gesammelten Dokumente sowie weitere, von anderen Unternehmen
         später eingereichte Dokumente von der Kommission allesamt als Beweismittel gegen sie verwendet worden seien, vertritt die
         Klägerin die Auffassung, dass sie ein berechtigtes Interesse daran habe, die Rechtswidrigkeit dieser Nachprüfung geltend zu
         machen. 
         
         
         18
            
          Entgegen den Behauptungen der Kommission könne sie die Rechtswidrigkeit der in den Geschäftsräumen von ETA vorgenommenen Nachprüfung
         als Nichtigkeitsgrund für die Entscheidung auch dann geltend machen, wenn sie die Tatsachen in Bezug auf die Konsultationen
         über die Festsetzung der Tarife ausdrücklich eingeräumt habe. Dass sie bestimmte Tatsachen eingeräumt habe, bedeute keinesfalls,
         dass sie sich damit einverstanden erklärt habe, wie die Kommission diesen Sachverhalt beurteilt habe. 
         
         
         19
            
          Die Klägerin bemerkt, dass die Nachprüfungsentscheidung an Minoan und nicht an deren Agenten ETA gerichtet gewesen sei. Entgegen
         den Behauptungen der Kommission seien ETA und Minoan nicht eine einzige wirtschaftliche und rechtliche Einheit. Zu dieser
         Schlussfolgerung sei die Kommission dadurch gelangt, dass sie eine geschäftliche Realität verkannt habe, nämlich die Tatsache,
         dass eine Gesellschaft wie Minoan, bei der breite Kreise der Bevölkerung am Aktienbesitz beteiligt seien, für die internationalen
         Routen gewöhnlich eine Gesellschaft wie die ETA mit der Vertretung ihrer Interessen betraue. Dies rechtfertige aber nicht,
         ETA mit Minoan gleichzusetzen. Die wirtschaftlichen Interessen von ETA könnten nämlich denen von Minoan zuwiderlaufen. 
         
         
         20
            
          Die Klägerin bezweifelt außerdem, dass die Lehre von der wirtschaftlichen Einheit auch für Nachprüfungen durch die Kommission
         gelte. Die Kommission könne sich nicht auf diese Lehre berufen, um eine Nachprüfung bei einer anderen als derjenigen Gesellschaft
         vorzunehmen, an die sie die Nachprüfungsentscheidung gerichtet habe. Andernfalls würde die Kommission über die absolute Befugnis
         verfügen, unangekündigt Nachprüfungen in den Geschäftsräumen jedes Unternehmens vorzunehmen, das zur selben wirtschaftlichen
         Einheit wie die Gesellschaft gehöre, an die sie eine Nachprüfungsentscheidung richte, sofern sie nur eine Entscheidung von
         allgemeiner Geltung über die Durchführung von Nachprüfungen am Hauptsitz dieser Gesellschaft erlasse. 
         
         
         21
            
          Schließlich habe die Kommission durch ihr Handeln die Verteidigungsrechte gegen einen willkürlichen Eingriff sowie die Grundsätze
         der Verhältnismäßigkeit, der ordnungsgemäßen Verwaltung, des beschränkten Eingriffs und der Rechtssicherheit verletzt. 
         
         
         22
            
          Die Kommission tritt diesem Vorbringen entgegen. Zunächst vertritt sie die Ansicht, dass die Klägerin kein berechtigtes Interesse
         an der Geltendmachung dieses Nichtigkeitsgrundes habe, da sie die Tatsachen, die durch die in den Geschäftsräumen von ETA
         gefundenen Dokumente bewiesen würden, bereits ausdrücklich eingeräumt habe. Außerdem wäre das verbotene Kartell auch dann
         festgestellt worden, wenn die fraglichen Dokumente nicht berücksichtigt worden wären. 
         
         
         23
            
          Wenn die Klägerin vortrage, dass ihr Verhalten sowie das anderer betroffener Unternehmen anders gewesen wäre, wenn diese angeblich
         rechtswidrige Nachprüfung nicht durchgeführt worden wäre, so setze sie sich in völligen Widerspruch zu ihrem Vorbringen im
         Verwaltungsverfahren zur uneingeschränkten Zusammenarbeit dieser Unternehmen, da der Umstand, dass die betroffenen Parteien
         die Tatsachen, auf die die Vorwürfe der Kommission gestützt seien, nicht bestritten hätten, von der Kommission als mildernder
         Umstand berücksichtigt worden sei, der eine Verringerung der Geldbuße rechtfertige (Randnr. 169 der Entscheidung). Sofern
         die Klägerin nunmehr zu verstehen gebe, dass diese Zusammenarbeit nur erfolgt sei, weil Beweismittel für den Abschluss und
         die Durchführung der streitigen Absprachen gefunden worden seien, schlage die Kommission dem Gericht vor, diesen Umstand im
         Rahmen der Ausübung der ihm zustehenden Befugnis zur Ermittlung der Höhe der Geldbuße zu würdigen und diese gegebenenfalls
         zu erhöhen. 
         
         
         24
            
          Zur Rechtmäßigkeit der Nachprüfung trägt die Kommission vor, dass sich die Frage einer willkürlichen Nachprüfung vorliegend
         nicht stelle, da die Nachprüfung in Geschäftsräumen erfolgt sei, die im Rahmen der Geschäftstätigkeit von Minoan benutzt worden
         seien, d. h. von der Gesellschaft, die als Adressatin der Nachprüfungsentscheidung genannt gewesen sei. Diese Schlussfolgerung
         werde sowohl durch die Art und Weise bestätigt, in der sich Minoan Dritten präsentiert habe, als auch durch die Schiffsmanagementverträge,
         wonach ETA als Verwalter der Schiffe von Minoan handele. In der Schifffahrtsorganisation trete der Verwalter als unmittelbarer
         Repräsentant auf, der im Namen und für Rechnung des Reeders handele, den die Rechtswirkungen der vom Verwalter eingegangenen
         Verpflichtungen träfen und der letztlich die wirtschaftlichen Risiken trage. Im vorliegenden Fall ergebe sich aus den Verträgen,
         die diese beiden Gesellschaften miteinander geschlossen hätten, dass ETA als Vermittler zwischen der Reedereigesellschaft
         und den mit dieser in Beziehung tretenden Agenten, Kunden, Banken sowie staatlichen Stellen und Hafenbehörden handele. 
         
         
         25
            
          Die Kommission führt insoweit die ständige Rechtsprechung an, wonach ein Vermittler, der zugunsten desjenigen, den er vertrete,
         eine Tätigkeit ausübe, grundsätzlich als ein in dessen Unternehmen integriertes Hilfsorgan angesehen werden könne, das den
         Weisungen des Vertretenen zu folgen habe und sonach mit diesem Unternehmen ebenso wie ein Handlungsgehilfe eine wirtschaftliche
         Einheit bilde (Urteil des Gerichtshofes vom 16. Dezember 1975 in den Rechtssachen 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73,
         111/73, 113/73 und 114/73, Suiker Unie u. a./Kommission, Slg. 1975, 1663, Randnr. 539). Der Kommission zufolge handelt ETA
         als ein in Minoan integriertes Organ, da Minoan ihr die laufende Verwaltung der logistischen und geschäftlichen Aufsicht über
         ihre Schiffe übertragen habe. Folglich zeichneten sich die beiden Gesellschaften in Bezug auf den Betrieb der von ETA verwalteten
         Schiffe durch ein einheitliches Vorgehen aus, und sie stellten eine einzige wirtschaftliche Einheit dar. Daher habe sich die
         Kommission hinsichtlich des Adressaten der Entscheidung und des Ortes, an dem die Nachprüfung durchzuführen gewesen sei, nicht
         geirrt. 
         
         
         26
            
          Hilfsweise trägt die Kommission vor, selbst wenn ein Irrtum hinsichtlich des Adressaten der Nachprüfungsentscheidung vorgelegen
         hätte, sei daraus nicht abzuleiten, dass die Beweismittel nicht verwendet werden könnten, denn diese Folge sei nur für den
         Fall vorgesehen, dass die Kommission die ihr übertragenen Untersuchungsbefugnisse überschreite, damit diese Befugnisse so
         ausgeübt würden, dass die Wahrung der Rechte der betroffenen Unternehmen gewährleistet sei (Beschluss des Präsidenten des
         Gerichtshofes vom 26. März 1987 in der Rechtssache 46/87 R, Hoechst/Kommission, Slg. 1987, 1549, Randnr. 34). 
          Würdigung durch das Gericht
          A ─ Zum berechtigten Interesse der Klägerin an der Geltendmachung dieses Klagegrundes
         
         
         27
            
          Die Kommission vertritt die Auffassung, die Klägerin habe kein berechtigtes Interesse an der Geltendmachung des auf die Rechtswidrigkeit
         der Nachprüfung in den ETA-Geschäftsräumen gestützten Nichtigkeitsgrundes, da die Klägerin die Tatsachen, die durch die dort
         gefundenen Dokumente bewiesen würden, ausdrücklich eingeräumt habe. 
         
         
         28
            
          Dass die Klägerin bestimmte Tatsachen eingeräumt hat, bedeutet jedoch keineswegs, dass sie darauf verzichtet hätte oder daran
         gehindert wäre, die Rechtmäßigkeit der Nachprüfungen durch die Kommission, anlässlich deren ihr Unterlagen, die Beweismittel
         für eine Zuwiderhandlung darstellen können, in die Hände gefallen sind, in Frage zu stellen. Auch wenn die Klägerin die Tatsachen
         in Bezug auf die Konsultationen über die Festlegung der Tarife ausdrücklich eingeräumt hat, kann es, wie sie vorträgt, nämlich
         sein, dass sie mit der Art und Weise, in der die Kommission die Dokumente, auf die die Entscheidung gestützt ist, oder mit
         der Art und Weise, in der die Kommission sie als Beweismittel für ein Kartell beurteilt hat, nicht einverstanden ist. 
         
         
         29
            
          Wie nämlich das Gericht entschieden hat, ist  
         [d]ie Gefahr, dass ein Unternehmen, dessen Geldbuße als Gegenleistung für seine Zusammenarbeit herabgesetzt wurde, später
         eine Nichtigkeitsklage gegen die Entscheidung erhebt, mit der die Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln festgestellt
         und das dafür verantwortliche Unternehmen mit einer Sanktion belegt wurde, und dass es mit dieser Klage in erster Instanz
         vor dem Gericht oder im Rechtsmittelverfahren vor dem Gerichtshof Erfolg hat, ... eine normale Folge der Inanspruchnahme der
         im Vertrag und in der Satzung [des Gerichtshofes] vorgesehenen Rechtsschutzmöglichkeiten. Die bloße Tatsache, dass ein Unternehmen,
         das mit der Kommission zusammengearbeitet hat und dessen Geldbuße deshalb herabgesetzt wurde, mit einer Klage Erfolg hat,
         kann somit keine Neubewertung des Umfangs der bei ihm vorgenommenen Herabsetzung rechtfertigen (Urteil vom 28. Februar 2002 in der Rechtssache T-354/94, Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission, Slg. 2002, II-843, Randnr.
         85). 
         
         
         30
            
          Demnach ist festzustellen, dass die Klägerin ein berechtigtes Interesse daran hat, die Art und Weise, in der die fragliche
         Nachprüfung abgelaufen ist, in Zweifel zu ziehen, und dass der Antrag der Kommission, in Ausübung der Befugnisse zur unbeschränkten
         Nachprüfung die Geldbuße der Klägerin zu erhöhen, um ihr die Vorteile zu nehmen, die sie von der Kommission dadurch erhalten
         hat, dass sie die Tatsachen eingeräumt hat, zurückzuweisen ist. 
          B ─ Begründetheit
         
         
         31
            
          Die Klägerin wirft der Kommission im Rahmen dieses Klagegrundes im Wesentlichen vor, sie habe die Beweise, auf die die Entscheidung
         gestützt sei, rechtswidrig zusammengetragen, da sie sie bei einer Nachprüfung in den Geschäftsräumen eines Unternehmens erlangt
         habe, das nicht Adressat der Nachprüfungsentscheidung gewesen sei. Dadurch habe sie ihre Nachprüfungsbefugnisse missbraucht
         und gegen Artikel 18 der Verordnung Nr. 4056/86 und die allgemeinen Rechtsgrundsätze verstoßen. 
         
         
         32
            
          Die Begründetheit dieses Klagegrundes ist unter Berücksichtigung der Grundsätze, denen die Nachprüfungsbefugnisse der Kommission
         unterliegen, und des tatsächlichen Kontextes des Falles zu prüfen. 
          1. Nachprüfungsbefugnisse der Kommission
         
         
         33
            
          Wie aus der 16. Begründungserwägung der Verordnung Nr. 4056/86 hervorgeht, soll diese Verordnung nach dem Willen des Gesetzgebers
          
         die Entscheidungsbefugnisse und die Sanktionen, die erforderlich sind, um die Beachtung der Verbote gemäß Artikel 85 Absatz
         1 und Artikel 86 [des Vertrages] zu gewährleisten, sowie die Einzelheiten der Anwendung des Artikels 85 Absatz 3 umfassen. 
         
         
         34
            
          Im Einzelnen sind die Befugnisse der Kommission zu Nachprüfungen vor Ort in Artikel 18 der Verordnung Nr. 4056/86 aufgeführt,
         der wie folgt lautet: Artikel 18  Nachprüfungsbefugnisse der Kommission 
         
         (1)
          Die Kommission kann zur Erfüllung der ihr in dieser Verordnung übertragenen Aufgaben bei Unternehmen und Unternehmensvereinigungen
         alle erforderlichen Nachprüfungen vornehmen.
          Zu diesem Zweck verfügen die beauftragten Bediensteten der Kommission über folgende Befugnisse:
         
         a)
          die Bücher und sonstigen Geschäftsunterlagen zu prüfen,
         
         
         b)
          Abschriften oder Auszüge aus Büchern und Geschäftsunterlagen anzufertigen,
         
         
         c)
          mündliche Erklärungen an Ort und Stelle anzufordern,
         
         
         d)
          alle Räumlichkeiten, Grundstücke und Transportmittel der Unternehmen zu betreten.
         
         
         (2)
          Die mit der Nachprüfung beauftragten Bediensteten der Kommission üben ihre Befugnisse unter Vorlage eines schriftlichen Prüfungsauftrags
         aus, in dem der Gegenstand und der Zweck der Nachprüfung bezeichnet sind und in dem auf die in Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe
         c) vorgesehenen Zwangsmaßnahmen für den Fall hingewiesen wird, dass die angeforderten Bücher oder sonstigen Geschäftsunterlagen
         nicht vollständig vorgelegt werden. Die Kommission unterrichtet die zuständige Behörde des Mitgliedstaats, in dessen Gebiet
         die Nachprüfung vorgenommen werden soll, rechtzeitig vor der Nachprüfung über den Prüfungsauftrag und die Person des beauftragten
         Bediensteten.
         
         
         (3)
          Unternehmen und Unternehmensvereinigungen sind verpflichtet, die Nachprüfungen zu dulden, welche die Kommission in einer Entscheidung
         angeordnet hat. Die Entscheidung bezeichnet den Gegenstand und den Zweck der Nachprüfung, bestimmt den Zeitpunkt des Beginns
         der Nachprüfung und weist auf die in Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe c) und Artikel 20 Absatz 1 Buchstabe d) vorgesehenen Zwangsmaßnahmen
         sowie auf das Recht hin, vor dem Gerichtshof gegen die Entscheidung Klage zu erheben.
         
         
         (4)
          Die Kommission erlässt die in Absatz 3 bezeichneten Entscheidungen nach Anhörung der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats,
         in dessen Gebiet die Nachprüfung vorgenommen werden soll.
         
         
         (5)
          Bedienstete der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats, in dessen Gebiet die Nachprüfung vorgenommen werden soll, können auf
         Antrag dieser Behörde oder auf Antrag der Kommission die Bediensteten der Kommission bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen.
         (6) Widersetzt sich ein Unternehmen einer aufgrund dieses Artikels angeordneten Nachprüfung, so gewährt der betreffende Mitgliedstaat
         den beauftragten Bediensteten der Kommission die erforderliche Unterstützung, damit diese ihre Nachprüfungen durchführen können.
         Zu diesem Zweck treffen die Mitgliedstaaten vor dem 1. Januar 1989 und nach Anhörung der Kommission die erforderlichen Maßnahmen.
         
         
         35
            
          Da der Wortlaut des Artikels 18 der Verordnung Nr. 4056/86 mit dem des Artikels 14 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6.
         Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrages (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204), übereinstimmt
         und diese beiden Verordnungen auf der Grundlage des Artikels 87 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Artikel 83 EG) erlassen wurden,
         um die Einzelheiten der Anwendung des Artikels 85 EG-Vertrag und des Artikels 86 EG-Vertrag (jetzt Artikel 82 EG) festzulegen,
         kann die Rechtsprechung zum Umfang der Nachprüfungsbefugnisse der Kommission aus Artikel 14 der Verordnung Nr. 17 auch im
         vorliegenden Fall herangezogen werden. 
         
         
         36
            
          Entsprechend Artikel 87 Absatz 2 Buchstaben a und b des Vertrages bezweckt die Verordnung Nr. 17, die Beachtung der in den
         Artikeln 85 Absatz 1 und 86 des Vertrages genannten Verbote zu gewährleisten und die Einzelheiten der Anwendung des Artikels
         85 Absatz 3 festzulegen. Die Verordnung soll damit sicherstellen, dass das in Artikel 3 Buchstabe f des Vertrages niedergelegte
         Ziel erreicht wird. Zu diesem Zweck räumt sie der Kommission weitgehende Ermittlungs- und Nachprüfungsbefugnisse ein; in ihrer
         achten Begründungserwägung heißt es, die Kommission müsse im gesamten Bereich des Gemeinsamen Marktes über die Befugnis verfügen,
         Auskünfte zu verlangen und Nachprüfungen vorzunehmen,  
         die erforderlich sind, um Verstöße gegen die Artikel 85 und 86 des Vertrages zu ermitteln (Urteile des Gerichtshofes vom 26. Juni 1980 in der Rechtssache
         136/79, National Panasonic/Kommission, Slg. 1980, 2033, Randnr. 20, und vom 18. Mai 1982 in der Rechtssache 155/79, AM & S/Kommission,
         Slg. 1982, 1575, Randnr. 15). In diesem Sinne ist auch die 16. Begründungserwägung der Verordnung Nr. 4056/86 formuliert.
         
         
         
         37
            
          Der Gemeinschaftsrichter hat ferner auf die Bedeutung hingewiesen, die die Beachtung der Grundrechte und insbesondere der
         Verteidigungsrechte in allen Verfahren zur Anwendung der Wettbewerbsregeln des Vertrages hat, und in seinen Urteilen erläutert,
         wie im Verwaltungsverfahren sowie in den Vorstadien der Untersuchung und der Erlangung von Auskünften die Verteidigungsrechte
         und die Befugnisse der Kommission miteinander in Einklang zu bringen sind. 
         
         
         38
            
          Der Gerichtshof hat ausgeführt, dass der Anspruch auf rechtliches Gehör von der Kommission sowohl in Verwaltungsverfahren,
         die zu Sanktionen führen können, als auch in Voruntersuchungsverfahren zu beachten ist, da verhindert werden muss, dass dieser
         Anspruch in Voruntersuchungsverfahren in nicht wieder gutzumachender Weise beeinträchtigt wird; insbesondere gilt dies bei
         Nachprüfungen, die für die Erbringung von Beweisen für rechtswidrige Verhaltensweisen von Unternehmen, die geeignet sind,
         deren Haftung auszulösen, von entscheidender Bedeutung sein können (Urteil des Gerichtshofes vom 21. September 1989 in den
         Rechtssachen 46/87 und 227/88, Hoechst/Kommission, Slg. 1989, 2859, Randnr. 15). 
         
         
         39
            
          Was insbesondere die der Kommission durch Artikel 14 der Verordnung Nr. 17 übertragenen Nachprüfungsbefugnisse und die Frage
         angeht, inwieweit diese Befugnisse durch die Verteidigungsrechte eingeschränkt werden, so hat der Gerichtshof anerkannt, dass
         das Erfordernis eines Schutzes vor willkürlichen oder unverhältnismäßigen Eingriffen der öffentlichen Gewalt in die Sphäre
         der privaten Betätigung einer natürlichen oder juristischen Person einen allgemeinen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts darstellt
         (Urteil Hoechst/Kommission, Randnr. 19, und Urteil des Gerichtshofes vom 22. Oktober 2002 in der Rechtssache C-94/00, Roquette
         Frères, Slg. 2002, I-9011, Randnr. 27). Der Gerichtshof hat entschieden, dass in allen Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten
         Eingriffe der öffentlichen Gewalt in die Sphäre der privaten Betätigung einer natürlichen oder juristischen Person einer Rechtsgrundlage
         bedürfen und aus den gesetzlich vorgesehenen Gründen gerechtfertigt sein müssen; diese Rechtsordnungen sehen daher, wenn auch
         in unterschiedlicher Ausgestaltung, einen Schutz vor willkürlichen oder unverhältnismäßigen Eingriffen vor. 
         
         
         40
            
          Der Gerichtshof hat festgestellt, dass die der Kommission in Artikel 14 der Verordnung Nr. 17 übertragenen Befugnisse ihr
         die Erfüllung des ihr im EG-Vertrag erteilten Auftrags ermöglichen sollen, über die Beachtung der Wettbewerbsregeln im Gemeinsamen
         Markt zu wachen. Nach Absatz 4 der Präambel des Vertrages, nach Artikel 3 Buchstabe f und nach den Artikeln 85 und 86 sollen
         diese Regeln verhindern, dass der Wettbewerb entgegen dem öffentlichen Interesse zum Schaden der einzelnen Unternehmen und
         der Verbraucher verfälscht wird. Die Ausübung dieser Befugnisse dient daher der Aufrechterhaltung der vom Vertrag gewollten
         Wettbewerbsordnung, die die Unternehmen unbedingt zu beachten haben (Urteil Hoechst/Kommission, Randnr. 25). 
         
         
         41
            
          Weiter hat der Gerichtshof ausgeführt, dass sowohl der Zweck der Verordnung Nr. 17 als auch die Aufzählung der den Bediensteten
         der Kommission eingeräumten Befugnisse in Artikel 14 dieser Verordnung erkennen lassen, dass die Nachprüfungen sehr weit gehen
         können. Im Einzelnen hat der Gerichtshof festgestellt:  
         Dabei kommt dem Recht, alle Räumlichkeiten, Grundstücke und Transportmittel der Unternehmen zu betreten, insofern besondere
         Bedeutung zu, als es der Kommission damit ermöglicht werden soll, das Beweismaterial für Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln
         an den Orten zu sammeln, an denen es sich normalerweise befindet, d. h. in den Geschäftsräumen der Unternehmen (Urteil Hoechst/Kommission, Randnr. 26). 
         
         
         42
            
          Der Gerichtshof hat außerdem darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, die praktische Wirksamkeit der Nachprüfungen, eines
         von der Kommission für die Wahrnehmung ihrer Aufgabe als Hüterin des Vertrages auf dem Gebiet des Wettbewerbs benötigten Instruments,
         zu erhalten, und in diesem Zusammenhang festgestellt (Urteil Hoechst/Kommission, Randnr. 27):  
         Dieses Betretungsrecht wäre nutzlos, wenn sich die Bediensteten der Kommission darauf beschränken müssten, die Vorlage von
         Unterlagen oder Akten zu verlangen, die sie schon vorher genau bezeichnen können. Ein solches Recht impliziert vielmehr auch
         die Befugnis, nach anderen Informationsquellen zu suchen, die noch nicht bekannt oder vollständig bezeichnet sind. Ohne eine
         solche Befugnis wäre es der Kommission unmöglich, die für die Nachprüfung erforderlichen Informationen einzuholen, falls die
         betroffenen Unternehmen die Mitwirkung verweigern oder eine obstruktive Haltung einnehmen.
         
         
         43
            
          Aus dem Gemeinschaftsrecht ergeben sich jedoch verschiedene Garantien der betroffenen Unternehmen gegen willkürliche oder
         unverhältnismäßige Eingriffe der öffentlichen Gewalt in die Sphäre ihrer privaten Betätigung (Urteil Roquette Frères, Randnr.
         43). 
         
         
         44
            
          Nach Artikel 14 Absatz 3 der Verordnung Nr. 17 ist die Kommission verpflichtet, Nachprüfungsentscheidungen unter Angabe von
         Gegenstand und Zweck der Nachprüfung zu begründen, was, wie der Gerichtshof klargestellt hat, insofern ein grundlegendes Erfordernis
         darstellt, als dadurch nicht nur die Berechtigung des beabsichtigten Eingriffs in den betroffenen Unternehmen aufgezeigt werden
         soll, sondern auch diese Unternehmen in die Lage versetzt werden sollen, den Umfang ihrer Mitwirkungspflicht zu erkennen und
         zugleich ihre Verteidigungsrechte zu wahren (Urteile Hoechst/Kommission, Randnr. 29, und Roquette Frères, Randnr. 47). 
         
         
         45
            
          Zudem hat die Kommission in der Nachprüfungsentscheidung möglichst genau anzugeben, wonach gesucht wird, und die Punkte aufzuführen,
         auf die sich die Nachprüfung beziehen soll (Urteil National Panasonic/Kommission, Randnrn. 26 und 27). Dieses Erfordernis
         dient, wie der Gerichtshof entschieden hat, dem Schutz der Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen, da diese Rechte
         in schwerwiegender Weise beeinträchtigt würden, wenn die Kommission den Unternehmen bei einer Nachprüfung erlangte Beweise
         entgegenhalten könnte, die in keinem Zusammenhang mit dem Gegenstand und dem Zweck dieser Nachprüfung stehen (Urteile des
         Gerichtshofes vom 17. Oktober 1989 in der Rechtssache 85/87, Dow Benelux/Kommission, Slg. 1989, 3137, Randnr. 18, und Roquette
         Frères, Randnr. 48). 
         
         
         46
            
          Ferner ist daran zu erinnern, dass ein Unternehmen, gegen das die Kommission eine Nachprüfung angeordnet hat, diese Entscheidung
         gemäß Artikel 173 Absatz 4 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Artikel 230 Absatz 4 EG) vor dem Gemeinschaftsrichter anfechten
         kann. Falls diese Entscheidung vom Gemeinschaftsrichter für nichtig erklärt würde, wäre die Kommission dadurch gehindert,
         Unterlagen oder Beweisstücke, die sie sich im Zuge dieser Nachprüfung verschafft hat, im Verfahren wegen Verstoßes gegen die
         Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft zu verwenden; andernfalls liefe sie Gefahr, dass die Entscheidung über den Wettbewerbsverstoß
         vom Gemeinschaftsrichter für nichtig erklärt würde, soweit sie auf derartige Beweismittel gestützt wäre (vgl. Beschlüsse des
         Präsidenten des Gerichtshofes in der Rechtssache Hoechst/Kommission, Randnr. 34, und vom 28. Oktober 1987 in der Rechtssache
         85/87 R, Dow Chemical Nederland/Kommission, Slg. 1987, 4367, Randnr. 17, sowie Urteil Roquette Frères, Randnr. 49). 
         
         
         47
            
          Unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen ist zu prüfen, ob der Klagegrund der Rechtswidrigkeit der Nachprüfung
         begründet ist. 
          2. Zur Begründetheit des Klagegrundes
         
         
         48
            
          Die Prüfung der Begründetheit dieses Klagegrundes setzt zunächst eine Darstellung der Umstände voraus, unter denen die Nachprüfung
         erfolgte. 
          a) Relevante und von den Parteien nicht bestrittene Tatsachen
         
         
         49
            
          Am 12. Oktober 1992 sandte die Kommission nach Eingang einer Beschwerde, dass im Fährverkehr zwischen Griechenland und Italien
         auf den einzelnen Strecken ähnliche Fährpreise gälten, Minoan auf der Grundlage der Verordnung Nr. 4056/86 ein Auskunftsverlangen
         an ihren Sitz (Agiou Titou 38, Heraklion, Kreta). 
         
         
         50
            
          Am 20. November 1992 erhielt die Kommission ein von Herrn Sfinias unterzeichnetes Antwortschreiben auf Briefpapier von Minoan,
         auf dem oben links ein einziges Firmenzeichen,  
         Minoan Lines, abgebildet war, unter dem eine einzige Anschrift stand:  
         2 Vas. Konstantinou Av. (Stadion); 11635, ATHENS. 
         
         
         51
            
          Am 1. März 1993 sandte die Kommission Minoan, wiederum an ihren Sitz in Heraklion, ein zweites Auskunftsverlangen. 
         
         
         52
            
          Am 5. Mai 1993 wurde das Schreiben der Kommission vom 1. März 1993 durch ein erneut von Herrn Sfinias unterzeichnetes Schreiben
         auf Briefpapier von Minoan beantwortet, auf dem wiederum im Seitenkopf links ein einziges Firmenzeichen,  
         Minoan Lines, abgebildet war, unter dem aber diesmal keine Anschrift stand. Im Seitenfuß waren zwei Anschriften genannt,  
         INTERNATIONAL LINES HEAD OFFICES: 64B Kifisias Ave. GR, 151 25, Maroussi, Athens, und darunter  
         PASSENGER OFFICE: 2 Vassileos Konstantinou Ave, GR, 116 35 Athens. 
         
         
         53
            
          Am 5. Juli 1994 begaben sich Bedienstete der Kommission in die Geschäftsräume in der Leoforos Kifisias 64B, Marousi, Athen,
         und übergaben den Personen, die sie empfingen ─ wie sich später herausstellte, Angestellte von ETA ─, die Nachprüfungsentscheidung
         sowie die Prüfungsaufträge D/06658 und D/06659 vom 4. Juli 1994, die vom Generaldirektor der Generaldirektion Wettbewerb unterzeichnet
         waren und die Bediensteten der Kommission ermächtigten, die Nachprüfung durchzuführen. 
         
         
         54
            
          Gestützt auf diese Dokumente verlangten die Bediensteten der Kommission von den Angestellten von ETA, der Durchführung der
         Nachprüfung zuzustimmen. Die Angestellten machten die Kommissionsbediensteten jedoch darauf aufmerksam, dass sie sich in den
         Geschäftsräumen von ETA befänden, dass sie von dieser angestellt seien und dass ETA eine unabhängige juristische Person und
         für Minoan lediglich als Agentin tätig sei. Die Bediensteten der Kommission bestanden nach einem Anruf bei ihren Vorgesetzten
         in Brüssel auf der Durchführung der Nachprüfung und wiesen die Angestellten von ETA darauf hin, dass für den Fall der Weigerung
         Zwangsmaßnahmen nach den Artikeln 19 Absatz 1 und 20 Absatz 1 der Verordnung Nr. 4056/86 getroffen werden könnten; diese beiden
         Bestimmungen waren in der Nachprüfungsentscheidung genannt und in der Anlage zu dieser im Wortlaut zitiert. Außerdem ersuchten
         die Bediensteten der Kommission die Abteilung für Markt- und Wettbewerbsaufsicht des griechischen Handelsministeriums als
         für Wettbewerbsfragen zuständige nationale Stelle, einen ihrer Bediensteten zu den Geschäftsräumen von ETA zu senden. 
         
         
         55
            
          Die Bediensteten der Kommission klärten die Angestellten von ETA nicht ausdrücklich darüber auf, dass sie einen Anwalt hinzuziehen
         konnten, sondern übergaben ihnen ein zweiseitiges Schreiben mit Erläuterungen zur Natur und zum üblichen Ablauf der Nachprüfung.
         
         
         
         56
            
          Die Angestellten von ETA beschlossen schließlich nach einem Anruf bei ihrem Geschäftsführer, der zum fraglichen Zeitpunkt
         nicht in Athen war, die Nachprüfung zu dulden, erklärten aber, dass sie ihr fehlendes Einverständnis zu Protokoll geben würden.
         
         
         
         57
            
          Daraufhin begannen die Bediensteten der Kommission mit der Nachprüfung, die am Ende des folgenden Tages, des 6. Juli 1994,
         abgeschlossen wurde. 
         
         
         58
            
          Schließlich ist festzustellen, dass ETA in ihrer Eigenschaft als Vertreterin von Minoan uneingeschränkt befugt war, im Rahmen
         ihrer Geschäftstätigkeit als  
         Minoan Lines Athens zu handeln, sich so zu bezeichnen und im Rahmen ihrer Agenturtätigkeit das Waren- und das Firmenzeichen von Minoan zu verwenden.
         
         
         
         59
            
          Demnach ergibt sich aus dem Sachverhalt Folgendes: 
         
         
         ─
             Erstens war ETA bei der Ausübung und Verwaltung ihrer Tätigkeiten als Agentin und Vertreterin von Minoan befugt, im Verkehr
            und bei der Kommission als Minoan aufzutreten, so dass ihre Identität als Verwalterin der fraglichen Geschäftstätigkeit in
            der Praxis vollständig mit der von Minoan verschmolz; 
          Erstens war ETA bei der Ausübung und Verwaltung ihrer Tätigkeiten als Agentin und Vertreterin von Minoan befugt, im Verkehr
         und bei der Kommission als Minoan aufzutreten, so dass ihre Identität als Verwalterin der fraglichen Geschäftstätigkeit in
         der Praxis vollständig mit der von Minoan verschmolz; 
         
         
         
         ─
             zweitens weist der Umstand, dass die Schreiben der Kommission an Minoan zur direkten Beantwortung an Herrn Sfinias weitergeleitet
            wurden, darauf hin, dass sowohl Minoan als auch ETA und Herr Sfinias bereits zu dem Zeitpunkt, als die Kommission erstmals
            tätig wurde, wussten, dass sich diese mit einer Beschwerde befasste; sie erfuhren auch, welcher Art die Beschwerde war, welchen
            Gegenstand das Auskunftsverlangen hatte und dass die Kommission auf der Grundlage der Verordnung Nr. 4056/86 handelte, die
            in den fraglichen Schreiben zitiert war; indem Minoan die Schreiben zur Beantwortung an Herrn Sfinias weiterleitete, ermächtigte
            sie daher de facto nicht nur diesen, sondern auch ETA, im Rahmen der Untersuchung bei der Kommission als von Minoan ordnungsgemäß
            beauftragter Verhandlungspartner aufzutreten; 
          zweitens weist der Umstand, dass die Schreiben der Kommission an Minoan zur direkten Beantwortung an Herrn Sfinias weitergeleitet
         wurden, darauf hin, dass sowohl Minoan als auch ETA und Herr Sfinias bereits zu dem Zeitpunkt, als die Kommission erstmals
         tätig wurde, wussten, dass sich diese mit einer Beschwerde befasste; sie erfuhren auch, welcher Art die Beschwerde war, welchen
         Gegenstand das Auskunftsverlangen hatte und dass die Kommission auf der Grundlage der Verordnung Nr. 4056/86 handelte, die
         in den fraglichen Schreiben zitiert war; indem Minoan die Schreiben zur Beantwortung an Herrn Sfinias weiterleitete, ermächtigte
         sie daher de facto nicht nur diesen, sondern auch ETA, im Rahmen der Untersuchung bei der Kommission als von Minoan ordnungsgemäß
         beauftragter Verhandlungspartner aufzutreten; 
         
         
         
         ─
             drittens ergibt sich aus dem Vorstehenden sowie aus dem Umstand, dass Minoan die Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit an ETA
            delegiert hatte, dass die Geschäftsräume in der Leoforos Kifisias 64B in der Praxis das wahre Zentrum der Geschäftstätigkeit
            der  
            Minoan und deshalb der Ort waren, an dem die Bücher und Geschäftsunterlagen über die betreffenden Tätigkeiten verwahrt wurden. 
          drittens ergibt sich aus dem Vorstehenden sowie aus dem Umstand, dass Minoan die Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit an ETA
         delegiert hatte, dass die Geschäftsräume in der Leoforos Kifisias 64B in der Praxis das wahre Zentrum der Geschäftstätigkeit
         der  
         Minoan und deshalb der Ort waren, an dem die Bücher und Geschäftsunterlagen über die betreffenden Tätigkeiten verwahrt wurden. 
         
         
         
         
         60
            
          Die Geschäftsräume waren folglich Räumlichkeiten von Minoan als Adressatin der Nachprüfungsentscheidung im Sinne von Artikel
         18 Absatz 1 Buchstabe d der Verordnung Nr. 4056/86. 
          b) Zur Wahrung der Grundsätze, denen die Ausübung der Nachprüfungsbefugnisse der Kommission unterliegt
         
         
         61
            
          Nach den Akten erfüllten sowohl die Prüfungsaufträge als auch die Nachprüfungsentscheidung, die die Beamten der Kommission
         den Angestellten von ETA vorlegten, die Voraussetzung der Bezeichnung des Gegenstands und des Zweckes der Nachprüfung. So
         sind auf anderthalb Seiten der Begründungserwägungen der Nachprüfungsentscheidung die Gründe dargestellt, aus denen die Kommission
         es für möglich hält, dass eine gegen Artikel 85 Absatz 1 des Vertrages verstoßende Absprache der wichtigsten Unternehmen auf
         den Routen zwischen Griechenland und Italien über die Fährpreise für Passagiere, Pkws und Lkws besteht. Die Kommission nennt
         die Hauptmerkmale des relevanten Marktes, die wichtigsten Unternehmen auf dem Markt, darunter Minoan, und die Marktanteile
         der auf den drei Routen tätigen Unternehmen und beschreibt im Detail, welche Art von Verhalten ihres Erachtens gegen Artikel
         85 Absatz 1 des Vertrages verstoßen könnte. Sie stellt fest, dass die Adressatin, d. h. Minoan, eines der wichtigsten Unternehmen
         auf dem relevanten Markt sei, und betont, dass dieses Unternehmen von der Untersuchung bereits wisse. 
         
         
         62
            
          Sodann wird in Artikel 1 des verfügenden Teils der Nachprüfungsentscheidung festgestellt, dass durch die Nachprüfung ermittelt
         werden solle, ob die Methoden der Bildung der Preise oder Tarife, die von den im Roll-on-/Roll-off-Fährverkehr zwischen Griechenland
         und Italien tätigen Unternehmen verlangt würden, gegen Artikel 85 Absatz 1 des Vertrages verstießen. Artikel 1 der Nachprüfungsentscheidung
         verpflichtet die Adressatin ferner zur Duldung der Nachprüfung und legt fest, welche Befugnisse die Bediensteten der Kommission
         im Rahmen der Nachprüfung haben. Artikel 2 nennt den Zeitpunkt, zu dem die Nachprüfung durchgeführt werden soll. Artikel 3
         nennt die Adressatin der Entscheidung. Danach ist die Nachprüfungsentscheidung an Minoan gerichtet. Es werden drei mögliche
         Durchsuchungsorte genannt: Erstens Poseidonkai 28, Piräus, zweitens Poseidonkai 24, Piräus, und drittens Leoforos Kifisias
         64B, Marousi, Athen, der Ort, an den sich die Bediensteten der Kommission schließlich begaben. Schließlich wird in Artikel
         4 darauf hingewiesen, dass gegen die Nachprüfungsentscheidung vor dem Gericht geklagt werden könne, dass eine solche Klage
         aber nur dann aufschiebende Wirkung habe, wenn das Gericht dies beschließe. 
         
         
         63
            
          In den Prüfungsaufträgen, die die Kommission ihren Bediensteten erteilte, werden diese ausdrücklich ermächtigt, im Einklang
         mit Sinn und Zweck der Nachprüfungsentscheidung vorzugehen, die zugleich als Anlage beigefügt ist. 
         
         
         64
            
          Aus dem Inhalt dieser Maßnahmen geht somit klar hervor, dass die Kommission Indizien und Beweise für die Beteiligung von Minoan
         an dem vermuteten Kartell erlangen wollte und glaubte, diese u. a. in den Geschäftsräumen in der Leoforos Kifisias 64B, Marousi,
         Athen, finden zu können, die, wie sie meinte, Minoan gehörten. Insoweit ist daran zu erinnern, dass diese Anschrift auf dem
         Briefpapier aufgedruckt war, auf dem Minoan am 5. Mai 1993 das Auskunftsverlangen der Kommission vom 1. März 1993 beantwortete
         und das im Fuß folgende Angabe enthielt:  
         INTERNATIONAL LINES HEAD OFFICES: 64B Kifisias Ave. GR, 151 25, Maroussi, Athens. 
         
         
         65
            
          Das Gericht ist der Auffassung, dass die Nachprüfungsentscheidung und die Prüfungsaufträge alle Angaben enthielten, die die
         Angestellten von ETA benötigten, um beurteilen zu können, ob sie angesichts der Begründung der Entscheidung und der Kenntnis,
         die sie von der Natur und dem Umfang der Beziehungen zwischen ETA und Minoan hatten, verpflichtet waren, die Nachprüfung,
         die die Kommission in ihren Geschäftsräumen durchführen wollte, zuzulassen. 
         
         
         66
            
          Was die Nachprüfungsentscheidung und die Prüfungsaufträge angeht, wurden demnach die in der Rechtsprechung aufgestellten Anforderungen
         hinsichtlich des Besitzers der durchsuchten Geschäftsräume, d. h. von ETA, uneingeschränkt beachtet, da ETA als Verwalterin
         der Geschäfte von Minoan auf dem Markt für Roll-on-Roll-off-Fährdienste auf den Routen zwischen Griechenland und Italien beurteilen
         konnte, wie weit ihre Pflicht zur Zusammenarbeit mit den Bediensteten der Kommission ging, und da ihre Verteidigungsrechte
         angesichts des Umfangs der Begründung der genannten Maßnahmen und des ausdrücklichen Hinweises auf die Möglichkeit, gegen
         die Nachprüfungsentscheidung vor dem Gericht zu klagen, vollständig gewahrt waren. Dass weder ETA noch Minoan in der Folge
         Klage erhob, war allein ihre Entscheidung und entkräftet diese Feststellung nicht, sondern bestätigt sie eher. 
         
         
         67
            
          Insoweit ist daran zu erinnern, dass ETA zwar rechtlich eine von Minoan unabhängige Einheit war, dass aber in ihrer Rolle
         als Vertreterin von Minoan und als Alleinverwalterin der von der Untersuchung der Kommission betroffenen Tätigkeiten ihre
         Person vollständig mit der ihrer Auftraggeberin verschmolz, weshalb sie dieselbe Pflicht zur Zusammenarbeit hatte wie diese.
         
         
         
         68
            
          Für den Fall, dass es Minoan erlaubt sein sollte, sich auf die Verteidigungsrechte von ETA als unabhängiger Einheit zu berufen,
         ist ferner festzustellen, dass diese Rechte zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt wurden. Weder etwaige eigene Tätigkeiten
         noch die eigenen Bücher und Geschäftsunterlagen von ETA waren Gegenstand der Nachprüfung. 
         
         
         69
            
          Der Kommission kann unter den Umständen des vorliegenden Falles auch kein Vorwurf daraus gemacht werden, dass sie davon ausging,
         dass Minoan an dem Ort in Athen, den die Bediensteten der Kommission aufsuchten, eigene Geschäftsräume habe, und dass sie
         deshalb die betreffende Anschrift in ihrer Nachprüfungsentscheidung als Anschrift eines der Geschäftszentren von Minoan nannte.
         
         
         
         70
            
          Sodann ist die Frage zu prüfen, ob die Kommission rechtmäßig handelte, als sie auf der Durchführung der Nachprüfung bestand.
         
         
         
         71
            
          Nach der oben zitierten Rechtsprechung muss die Kommission bei ihrer Nachprüfungstätigkeit die Beachtung der Grundsätze der
         Rechtmäßigkeit des Handelns der Gemeinschaftsorgane und des Schutzes vor willkürlichen Eingriffen der öffentlichen Gewalt
         in die Sphäre der privaten Betätigung einer natürlichen oder juristischen Person sicherstellen (vgl. Urteil Hoechst/Kommission,
         Randnr. 19). Es wäre unverhältnismäßig und verstieße gegen die Verordnung Nr. 4056/86 und tragende Rechtsgrundsätze, würde
         der Kommission auf der Grundlage einer an eine bestimmte rechtliche Einheit gerichteten Nachprüfungsentscheidung ein allgemeines
         Recht zuerkannt, die Räumlichkeiten einer anderen rechtlichen Einheit zu betreten und dort Nachprüfungen durchzuführen, nur
         weil diese angeblich mit dem Adressaten der Nachprüfungsentscheidung eng verbunden ist oder die Kommission glaubt, sie könne
         dort Unterlagen des Adressaten finden. 
         
         
         72
            
          Im vorliegenden Fall kann die Klägerin der Kommission jedoch nicht vorwerfen, dass sie ihre Nachprüfungsbefugnisse erweitert
         habe, indem sie die Geschäftsräume einer anderen Gesellschaft als der Adressatin der Entscheidung aufgesucht habe. Vielmehr
         ergibt sich aus den Akten, dass die Kommission sorgfältig und unter umfassender Beachtung ihrer Pflicht handelte, sich vor
         der Nachprüfung im Rahmen des Möglichen zu vergewissern, dass die Geschäftsräume, die sie durchsuchen wollte, tatsächlich
         die Geschäftsräume derjenigen rechtlichen Einheit waren, der ihre Ermittlung galt. Insoweit ist daran zu erinnern, dass zwischen
         der Kommission und Minoan ein Schriftwechsel stattgefunden hatte, in dessen Rahmen Minoan zwei Schreiben der Kommission mit
         zwei Schreiben beantwortet hatte, die von Herrn Sfinias unterzeichnet worden waren, der sich schließlich als Geschäftsführer
         von ETA herausstellte, ohne dass sie jedoch irgendeinen Hinweis auf die Existenz von ETA oder darauf gegeben hätte, dass sie
         auf dem Markt durch einen Alleinvertreter handele. 
         
         
         73
            
          Darüber hinaus ist festzustellen, dass, wie die Kommission in ihrer Klagebeantwortung vorgetragen hat, ohne den Widerspruch
         der Klägerin zu erregen, im Verzeichnis der Mitglieder des Verbandes der griechischen Eigner von Fährschiffen der Name von
         Herrn Sfinias, der die beiden Schreiben im Namen von Minoan unterzeichnet hatte, genannt ist, dass in der von Minoan veröffentlichten
         Preisliste eine Generalagentur unter der Anschrift Kifisias 64B, Athen, erwähnt wird und dass schließlich im Telefonverzeichnis
         von Athen die Gesellschaft Minoan Lines unter der Anschrift aufgeführt ist, zu der sich die Bediensteten der Kommission begaben,
         um die Nachprüfung durchzuführen. 
         
         
         74
            
          Zu klären bleibt, ob die Bediensteten der Kommission, nachdem sie erfahren hatten, dass ETA eine andere Gesellschaft war,
         für die ihnen keine Nachprüfungsentscheidung vorlag, den Ort hätten verlassen und gegebenenfalls mit einer Entscheidung hätten
         wiederkehren müssen, die an ETA gerichtet war und angemessen begründete, weshalb eine solche Nachprüfung im Rahmen der betreffenden
         Angelegenheit gerechtfertigt sei. 
         
         
         75
            
          Angesichts der oben dargestellten besonderen Umstände konnte die Kommission mit gutem Grund die Auffassung vertreten, dass
         die  
         Erläuterungen der Angestellten von ETA weder genügten, um sofortige Klarheit in der Frage der Unterscheidung zwischen den juristischen
         Personen zu schaffen, noch, um die Aussetzung der Kontrolle zu rechtfertigen, zumal, wie die Kommission unterstreicht, die
         Beantwortung der Frage, ob es sich um dasselbe Unternehmen handelte, eine Beurteilung in der Sache und insbesondere eine Auslegung
         des Umfangs des Geltungsbereichs von Artikel 18 der Verordnung Nr. 4056/86 erforderlich gemacht hätte. 
         
         
         76
            
          Unter den Umständen des vorliegenden Falles durfte die Kommission, auch nachdem sie erfahren hatte, dass die aufgesuchten
         Geschäftsräume ETA und nicht Minoan gehörten, die Ansicht vertreten, dass sie gleichwohl als Räumlichkeiten anzusehen seien,
         die Minoan bei der Abwicklung ihrer Geschäfte nutze, und daher den Geschäftsräumen des Unternehmens gleichgestellt werden
         könnten, an das die Nachprüfungsentscheidung gerichtet war. Wie der Gerichtshof entschieden hat, kommt dem Recht, alle Räumlichkeiten,
         Grundstücke und Transportmittel der Unternehmen zu betreten, besondere Bedeutung zu, da der Kommission damit ermöglicht werden
         soll, das Beweismaterial für Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln an den Orten zu sammeln, an denen es sich normalerweise
         befindet, d. h. in den  
         Geschäftsräumen der Unternehmen (Urteil Hoechst/Kommission, Randnr. 26). Die Kommission durfte deshalb bei der Ausübung ihrer Nachprüfungsbefugnisse berücksichtigen,
         dass die Chancen, Beweismaterial für die vermutete Zuwiderhandlung zu finden, größer sind, wenn sie in den Räumlichkeiten
         sucht, von denen aus die von ihr untersuchte Gesellschaft in der Praxis für gewöhnlich ihre unternehmerische Tätigkeit betreibt.
         
         
         
         77
            
          Schließlich ist jedenfalls hinzuzufügen, dass der Nachprüfung durch die Kommission letztlich nicht widersprochen wurde.  
         
         
         78
            
          Die Kommission hat deshalb, als sie in einem Fall wie dem vorliegenden auf der Durchführung der Nachprüfung bestand, ihre
         Untersuchungsbefugnisse aus Artikel 18 Absatz 1 der Verordnung Nr. 4056/86 nicht überschritten. 
          c) Zur Beachtung der Verteidigungsrechte und zum Fehlen eines übermäßigen Eingriffs der öffentlichen Gewalt in die Betätigungssphäre
         von ETA
         
         
         79
            
          Wie oben festgestellt, ist nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes und des Gerichts zwar die praktische Wirksamkeit der
         Nachprüfungen der Kommission zu erhalten, doch muss diese ihrerseits die Beachtung der Verteidigungsrechte der von der Nachprüfung
         betroffenen Unternehmen sicherstellen und willkürliche oder unverhältnismäßige Eingriffe in die Sphäre der privaten Betätigung
         dieser Unternehmen unterlassen (Urteile Hoechst/Kommission, Randnr. 19, Dow Benelux/Kommission, Randnr. 30, Urteil des Gerichtshofes
         vom 17. Oktober 1989 in den Rechtssachen 97/87, 98/87 und 99/87, Dow Chemical Ibérica u. a./Kommission, Slg. 1989, 3165, Randnr.
         16; Urteil des Gerichts vom 20. April 1999 in den Rechtssachen T-305/94, T-306/94, T-307/94, T-313/94 bis T-316/94, T-318/94,
         T-325/94, T-328/94, T-329/94 und T-335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, so genanntes  
         PVC II-Urteil, Slg. 1999, II-931, Randnr. 417). 
         
         
         80
            
          Was die Beachtung der Verteidigungsrechte angeht, so haben es weder die Klägerin noch die rechtliche Einheit, der die Geschäftsräume
         gehörten, d. h. ETA, für angebracht gehalten, eine Klage gegen die Nachprüfungsentscheidung zu erheben, auf deren Grundlage
         die Nachprüfung erfolgt war, obwohl sie dies nach der ausdrücklichen Bestimmung in Artikel 18 Absatz 3 der Verordnung Nr.
         4056/86 hätten tun können. 
         
         
         81
            
          Bezüglich der Klägerin genügt außerdem die Feststellung, dass sie sich auf ihr Recht beruft, im Rahmen ihrer Klage auf Nichtigerklärung
         der von der Kommission gemäß Artikel 85 Absatz 1 des Vertrages erlassenen abschließenden Entscheidung die Prüfung der materiellen
         Rechtmäßigkeit der Nachprüfung zu verlangen. 
         
         
         82
            
          Ferner steht fest, dass die Kommission nicht verpflichtet war, eine gerichtliche Ermächtigung und/oder polizeiliche Hilfe
         zu beantragen, um die Nachprüfung durchführen zu können, da sich die Angestellten von ETA der Nachprüfung am Ende nicht mehr
         widersetzten. Eine Nachprüfung wie die im vorliegenden Fall ist deshalb als Nachprüfung anzusehen, die im Zusammenwirken mit
         dem betroffenen Unternehmen durchgeführt wurde. Diese Feststellung wird nicht dadurch entkräftet, dass Kontakt zur griechischen
         Wettbewerbsbehörde aufgenommen wurde und sich ein Bediensteter dieser Behörde zum Ort der Nachprüfung begab, da eine derartige
         Maßnahme in Artikel 18 Absatz 5 der Verordnung Nr. 4056/86 für die Fälle, in denen sich das Unternehmen der Nachprüfung nicht
         widersetzt, vorgesehen ist. Unter diesen Umständen kann keine Rede von einem übermäßigen Eingriff der öffentlichen Gewalt
         in die Betätigungssphäre von ETA die Rede sein, da keine Anhaltspunkte dafür genannt worden sind, dass die Kommission über
         die von den Angestellten von ETA angebotene Zusammenarbeit hinausgegangen sei (in diesem Sinne Urteil PVC II, Randnr. 422).
         
          C ─ Ergebnis
         
         
         83
            
          Nach alledem hat die Kommission im vorliegenden Fall sowohl hinsichtlich der von ihr erlassenen Nachprüfungsmaßnahmen als
         auch hinsichtlich der Art und Weise, in der die Nachprüfung später durchgeführt wurde, völlig rechtmäßig gehandelt und dabei
         die Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen gewahrt und den allgemeinen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, wonach
         die Sphäre der privaten Betätigung natürlicher und juristischer Personen vor unverhältnismäßigen oder willkürlichen Eingriffen
         der öffentlichen Gewalt geschützt ist, uneingeschränkt beachtet. 
         
         
         84
            
          Dieser Klagegrund ist somit für unbegründet zu erklären. 
          Zweiter Klagegrund: Fehlerhafte Anwendung von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag auf den vorliegenden Fall, da die Unternehmen
         nicht über die erforderliche Handlungsfreiheit verfügt hätten, weil ihr Verhalten durch den gesetzlichen Rahmen und die Anreize
         der griechischen Behörden vorgegeben gewesen sei
          Vorbringen der Parteien
         
         
         85
            
          Die Klägerin räumt ein, dass sie wie die meisten auf dem Markt Griechenland/Italien tätigen Schifffahrtsgesellschaften, die
         Passagiere und Kraftfahrzeuge beförderten, über eine recht große Zahl von Jahren hinweg an Verhandlungen zur Festsetzung der
         auf diesem Markt anwendbaren Tarife teilgenommen habe. 
         
         
         86
            
          Sie wirft der Kommission jedoch vor, sie habe die relevanten Tatsachen unvollständig beurteilt, indem sie die Auswirkungen,
         die der gesetzliche Rahmen für die Handelsschifffahrt in Griechenland, das Eingreifen des Ministeriums für die Handelsmarine
         auf dem Markt Griechenland/Italien und die Belastung der betroffenen Unternehmen mit gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen
         auf die Tätigkeit dieser Gesellschaften gehabt habe, völlig außer Acht gelassen habe. 
         
         
         87
            
          Diese Verkennung des Kontextes, in dem sich der Sachverhalt ereignet habe, habe bei der Kommission dazu geführt, dass sie
         zu Unrecht der Auffassung gewesen sei, dass die fraglichen Unternehmen bezüglich der Preispolitik auf den internationalen
         Teilstrecken der zwischen Griechenland und Italien führenden Routen eine ausreichende Handlungsfreiheit besessen hätten, und
         daher einen offensichtlichen Fehler begangen habe, indem sie Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag für anwendbar gehalten habe. 
         
         
         88
            
          Um darzutun, dass sie im streitigen Zeitraum bei der Festlegung der internationalen Tarife keine Handlungsfreiheit besessen
         habe, verweist die Klägerin zunächst auf die Auswirkungen des griechischen gesetzlichen Rahmens für die Schifffahrt, insbesondere
         auf die Wirkungen des Gesetzes Nr. 4195/29 über den unlauteren Wettbewerb in der Passagierschifffahrt. 
         
         
         89
            
          Sie weist auf die Bedeutung hin, die Griechenland den Strecken zwischen Griechenland und Italien beimesse, und erinnert daran,
         dass diese Strecken einen Abschnitt auf griechischem Hoheitsgebiet umfassten (von Patras/Igoumenitsa bis Korfu). Die Genehmigung
         der entsprechenden Verbindungen und die Festsetzung einheitlicher Preise für den inländischen Teil dieser Routen sei nach
         den griechischen Rechtsvorschriften Sache des Ministeriums für die Handelsmarine. Im Einzelnen würden die Tarife durch ministerielle
         Entscheidung auf Vorschlag des Verbandes der griechischen Küstenschifffahrtsreeder nach Stellungnahme des Beratenden Ausschusses
         für die Küstenschifffahrtslinien festgesetzt. Für den inländischen Teil der Routen gälten das Gesetz über das öffentliche
         Seerecht (Kapitel über die Küstenschifffahrt, Artikel 158 bis 180a), das vorgenannte Gesetz Nr. 4195/29 und das Gesetzesdekret
         Nr. 288/69 über die Kontrolle der Fahrten griechischer Passagierschiffe zwischen griechischen Häfen und Häfen anderer Mittelmeerländer.
         
         
         
         90
            
          Die Artikel 1, 2 und 4 des Gesetzes Nr. 4195/29 enthielten Verpflichtungen und Verbote für die zwischen Griechenland und Italien
         operierenden Gesellschaften, die den rein griechischen Teil der Routen erfassten. Die Kommission habe die Auswirkungen dieses
         Gesetzes dadurch falsch beurteilt, dass sie nur seinen Wortlaut und nicht seinen Inhalt geprüft habe, d. h. die Art und Weise,
         in der dieses Gesetz auf den gesamten Markt Griechenland/Italien angewandt werde. Dieses Gesetz untersage  
         für die Routen ins Ausland jede Senkung der Tarife für die Beförderung von  Passagieren und Waren, die zum Zweck des unlauteren
         Wettbewerbs erfolgt und zu Preisen führt, die unseriös niedrig und gemessen an einer angemessenen und fairen Vergütung der
         geleisteten Dienste und den Anforderungen an Sicherheit und Komfort der Passagiere unverhältnismäßig sind oder die niedriger
         als die im betreffenden Hafen allgemein verlangten Preise sind. Da die Unternehmen verpflichtet gewesen seien, die Bedienung der Routen im Winter aufrechtzuerhalten, seien sie bereit gewesen,
         die Tarife sehr stark zu senken, um einen Teil der Überschusskapazität zu decken, deren Aufrechterhaltung ihnen vorgeschrieben
         gewesen sei. Eine Politik niedriger Preise auf einem bestimmten Markt würde somit unvermeidlich zu einem Preiskrieg und zu
         Tarifen führen,  
         die unseriös niedrig und gemessen an ... de[n] geleisteten Dienste[n] ... unverhältnismäßig seien und die Anwendung des Gesetzes Nr. 4195/29 sowie mit großer Sicherheit das unmittelbare Eingreifen des Ministeriums
         für die Handelsmarine bewirken würden. Auch wenn dieses Gesetz nur ein Mindestpreisniveau festlege, sei seine tatsächliche
         Wirkung daher, für die Gesellschaften, die mit der Erbringung gemeinwirtschaftlicher Dienste betraut seien, jede Möglichkeit
         des Preiswettbewerbs zu beschränken. Die Kommission habe demzufolge die tatsächlichen Folgen dieses Gesetzes für den in Rede
         stehenden Markt falsch beurteilt, da sie nicht verstanden habe, dass dieses Gesetz in Verbindung mit der Verpflichtung zur
         Erbringung der fraglichen Dienste den betroffenen Gesellschaften keine andere Möglichkeit gelassen habe, als sich abzustimmen,
         um ihre Tarife zu vereinheitlichen. 
         
         
         91
            
          Sodann trägt die Klägerin vor, das Gesetzesdekret Nr. 288/69, das für alle unter griechischer Flagge fahrenden Passagierschiffe
         gelte, die in griechischen Häfen Reisende nach anderen Mittelmeerhäfen an Bord nähmen, erlege den Schiffseignern sehr strenge
         Verpflichtungen auf. Nach den Artikeln 2 und 3 dieses Gesetzesdekrets hätten die Eigner dem Ministerium für die Handelsmarine
         eine schriftliche Erklärung mit Angabe aller Routen zu übermitteln; von diesen Routen dürften sie nicht abweichen. 
         
         
         92
            
          Nationale Routen könnten erst bedient werden, nachdem das Ministerium für die Handelsmarine für jedes Schiff eine  
         Betriebsgenehmigung ausgestellt habe. Dieses Ministerium sei im Wesentlichen der Auffassung, dass der internationale Teil der Routen eine natürliche
         Verlängerung des inländischen Teils darstelle, wie dies der Umstand zeige, dass das Ministerium im Fall zweier Schiffe der
         Klägerin (
         Ionian Island und  
         Ionian Galaxy) in der Betriebsgenehmigung das Endziel der Schiffe vermerkt habe. Schließlich habe das Ministerium zumindest in den letzten
         15 Jahren keine Betriebsgenehmigung für Fahrten zwischen Patras und Korfu erteilt, wenn diese Fahrten nicht nach italienischen
         Häfen weitergeführt worden seien. 
         
         
         93
            
          In Anbetracht der Anwendung dieser Rechtsvorschriften durch das Ministerium für die Handelsmarine seien den Unternehmen, die
         die Routen zwischen Griechenland und Italien und auch das inländische Teilstück der Fahrstrecken bedienten, schwere Verpflichtungen
         auferlegt worden, die wie die Verpflichtungen nach der Regelung der Küstenschifffahrt als gemeinwirtschaftliche Verpflichtungen
         einzustufen seien. Diese Verpflichtungen umfassten im Einzelnen: die ganzjährige Bedienung von Routen nach einem regelmäßigen
         Zeitplan; eine regelmäßige Verkehrsverbindung unter der ganzen Woche, die unter den größten Unternehmen aufzuteilen sei; die
         obligatorische Kontrolle der Häufigkeit von Schiffsstilllegungen; spezifische Regelungen für die Güterbeförderung, insbesondere
         die Verpflichtung, unabhängig von Auslastung oder Saison einen Anteil der Plätze Nutzfahrzeugen vorzubehalten; die Einhaltung
         der für den inländischen Teil der Fahrstrecke festgelegten Preise sowie der vom Ministerium für die Handelsmarine festgelegten
         Höchst- und Mindestpreise für den internationalen Teil des Marktes Griechenland/Italien, um die Kapazität das ganze Jahr über
         verfügbar zu halten, unabhängig von dem sehr starken Rückgang der Nachfrage im Winter. 
         
         
         94
            
          Die Klägerin führt weiter aus, dass diese gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen nur diejenigen Gesellschaften beträfen, die
         die internationalen Routen, aber auch die Verbindungen Patras-Igoumenitsa-Korfu bedienten. Diese Verpflichtungen hingen unmittelbar
         mit dem Bedürfnis dieser Gesellschaften zusammen, eine Betriebsgenehmigung für den inländischen Teil der Routen zu bekommen
         und zu behalten, denn wenn sie diese Verpflichtungen nicht einhielten, könne es dazu kommen, dass ihnen die Betriebsgenehmigung
         entzogen werde, die für das nationale Verkehrsgewerbe vorgeschrieben sei. 
         
         
         95
            
          Diese Verpflichtungen zeigten, dass das unmittelbare Ziel des Eingreifens des Ministeriums für die Handelsmarine auf diesem
         Markt darin bestehe, eine in zeitlicher Hinsicht ausgewogene Verteilung aller auf dem Markt Griechenland/Italien verfügbaren
         Kapazitäten nach Modalitäten herzustellen, die das ganze Jahr und die gesamte Woche über einen regelmäßigen Fluss von Personen,
         Fahrzeugen und Waren gewährleisteten. 
         
         
         96
            
          Hinzu komme, dass die Gesellschaften aufgrund der Politik des Ministeriums für die Handelsmarine keine Möglichkeit hätten,
         ihre Schiffe in den Wintermonaten abzuziehen und auf anderen, rentableren Märkten einzusetzen, weil die Verkehrsverbindung
         Patras-Korfu-Igoumenitsa-Italien im Winter eine notwendige Voraussetzung dafür sei, auf diesem Markt in der Tourismussaison
         tätig zu sein. Da die Verpflichtung, diese Fahrtziele das ganze Jahr über zu bedienen, nicht aufgrund der Nachfrage gerechtfertigt
         sei, verlange sie eine Überkapazität, die die Lebensfähigkeit dieser Gesellschaften gefährden könnte, wenn sie nicht mit der
         Aufforderung des Ministeriums einherginge, die Preise vernünftig, insbesondere unter Einhaltung bestimmter Mindestpreise,
         festzulegen. 
         
         
         97
            
          Sodann trägt die Klägerin vor, der fragliche Markt zeichne sich durch eine große Transparenz aus: Die beteiligten Gesellschaften
         würden die Parameter für die Preise und die inländischen Strecken aufgrund der jährlichen Sitzungen des Beratenden Ausschusses
         für die Festlegung der inländischen Tarife und der Strecken sehr genau kennen, und diese Parameter ähnelten den für die internationalen
         Routen geltenden. Alle Reeder seien daher ganz und gar in der Lage gewesen, die Situation ihrer Konkurrenten genau zu kennen,
         was zu einer natürlichen Angleichung der Tarife für alle Routen zwischen Griechenland und Italien geführt habe. 
         
         
         98
            
          Das praktische Ergebnis der Auferlegung gemeinwirtschaftlicher Verpflichtungen sei das Vorhandensein struktureller Überkapazitäten
         auf dem Markt, was bei einem freien Wettbewerb nicht aufrechtzuerhalten sei. Unter diesen Umständen bestehe die einzige Lösung
         darin, eine Konvergenz der Preise herbeizuführen, insbesondere was die Mindestpreise angehe. Die Verhandlungen zum Zweck der
         Konvergenz der Tarife seien daher ein Mittel gewesen, um die vom Ministerium verlangten gemeinwirtschaftlichen Dienste zu
         erbringen. Schließlich habe die griechische Regierung dieses Verhalten der Schifffahrtsgesellschaften mittelbar gebilligt.
         
         
         
         99
            
          Die Klägerin trägt insoweit vor, das Ministerium für die Handelsmarine habe präventiv die mit dem Gesetz Nr. 4195/29 auf dem
         Markt Griechenland/Italien vorgesehenen Korrekturmaßnahmen erlassen, und es habe, um die Überschusskapazitäten auf einem für
         den Markt Griechenland/Italien wettbewerbsfähigen Preisniveau zu halten, die betroffenen Gesellschaften veranlasst, die Preistabelle
         innerhalb strikt festgelegter Höchst- und Mindestgrenzen zu halten, die Tarife nicht über die Inflationsrate hinaus anzuheben
         und sie nicht so stark zu senken, dass sie zwischen den betroffenen Gesellschaften zu einem Preiskrieg führen würden. 
         
         
         100
            
          Die Klägerin macht außerdem die Auswirkungen des Gesetzes Nr. 4195/29 auf die Handlungsfreiheit der Gesellschaften geltend
         und führt weiter aus, dass das Ministerium für die Handelsmarine im streitigen Zeitraum zwar nie drastisch eingeschritten
         sei, um den fraglichen Markt von Grund auf neu zu ordnen, wie dies nach dem Gesetz Nr. 4195/29 möglich gewesen wäre, doch
         sei dies darauf zurückzuführen, dass die beteiligten Gesellschaften seine Anweisungen beachtet, seine nationale Politik zugunsten
         der Routen zwischen Griechenland und Italien unterstützt und ihre Tarife vernünftig nach Maßgabe seiner  
         Ermahnungen festgelegt hätten. 
         
         
         101
            
          Außerdem hätten die  
         Wünsche,  
         Ermahnungen oder  
         Empfehlungen des Ministeriums an die beteiligten Unternehmen praktisch bindenden Charakter, da diese eine Betriebsgenehmigung sowohl für
         den Markt Griechenland/Italien als auch für andere inländische Linien (Küstenschifffahrt) verfügten. Demzufolge habe die Klägerin
         nicht die Wahl gehabt, ob sie die gemeinwirtschaftlichen Dienste habe leisten wollen. 
         
         
         102
            
          Die Klägerin zieht daraus die Schlussfolgerung, dass der griechische rechtliche Rahmen, die Praxis des Ministeriums für die
         Handelsmarine sowie die von diesem auferlegten Verpflichtungen, das Erfordernis einer rechtzeitigen Planung, das ungewisse
         Nachfragevolumen in der Tourismussaison, die Gefahr einer drakonischen Änderung der Kosten aufgrund der nicht vorherzusehenden
         jährlichen Abwertung der griechischen Drachme, die Verpflichtung, ihre Vorhaben im Rahmen der obligatorischen Verhandlungen
         für den inländischen Teil der Routen offenzulegen, und das Erfordernis, den Empfehlungen des Ministeriums für die Handelsmarine
         nachzukommen, die Tarife für den internationalen Abschnitt des Marktes Griechenland/Italien in den Grenzen der Inflation festzulegen,
         sie dazu gezwungen hätten, sich in gewissem Maß vor einem Wettbewerb zu schützen, auf den sie nicht durch Unterbrechung oder
         Verringerung ihrer Tätigkeiten habe reagieren können. Andernfalls wäre das vom Ministerium auf diesem Markt angestrebte  
         Gleichgewicht durch ein einseitiges Vorgehen gleich welcher Gesellschaft gefährdet gewesen mit Folgen, die für das Ministerium für die
         Handelsmarine wenig wünschenswert gewesen wären (z. B. Unterbrechung der Güterbeförderung, hohe Preise, Handelskrieg zwischen
         den Gesellschaften und unvermeidliche Verringerung der bestehenden Kapazitäten). Die Klägerin räumt ein, dass sich die Konvergenz
         der Preise unter diesen Umständen durch Rahmenabkommen zwischen den Unternehmen konkretisiert habe, sie führt aber aus, dass
         diese Abkommen jedem Unternehmen die Möglichkeit belassen hätten, von ihnen Abstand zu nehmen, da sie weder Verpflichtungen
         noch Klauseln auferlegt hätten, um ihre Einhaltung zu sichern. 
         
         
         103
            
          Die Rahmenabkommen zur Festlegung der Höhe der Tarife hätten keine nachteiligen Auswirkungen auf den Preiswettbewerb auf dem
         Markt der von Fährschiffern zwischen Griechenland und Italien erbrachten Dienstleistungen gehabt, weil ein solcher Wettbewerb
         einfach nicht bestanden habe. Der gesetzliche Rahmen habe die Möglichkeit für die Unternehmen beschränkt, die Preise auf dem
         von ihnen (aufgrund wirtschaftlicher Kriterien) gewünschten Niveau festzusetzen, und den relevanten Markt völlig transparent
         gemacht. 
         
         
         104
            
          Zur Veranschaulichung dessen weist die Klägerin zunächst darauf hin, dass, wie die Ständige Vertretung Griechenlands in ihrem
         Schreiben vom 17. Mai 1995 an die Kommission ausgeführt habe, das Ministerium für die Handelsmarine die Tarife für die Inlandsrouten
         einschließlich des inländischen Teils der internationalen Routen festlege, während die Unternehmen die Tarife für den internationalen
         Teil der Fahrstrecken frei festlegten. Außerdem habe die Ständige Vertretung Griechenlands in Bezug auf die Tarife für den
         internationalen Teil der Fahrstrecken im selben Schreiben darauf hingewiesen, dass das Ministerium für die Handelsmarine zum
         Schutz der nationalen Interessen Griechenlands die Anwendung der Preise durch die Unternehmen prüfe und sie darin bestärke,
         ihre Preise auf einem wettbewerbsfähigen, nicht sehr hohen Niveau zu halten, so dass die jährlichen Teuerungen jedenfalls
         nicht die Grenzen der Inflation überschritten. Überdies habe das Ministerium eingeräumt, dass die Freiheit der Unternehmen,
         ihre Preise autonom festzulegen, durch das Gesetz Nr. 4195/29 beschränkt werde, das insbesondere die Festlegung unseriös niedriger
         und gemessen an den geleisteten Diensten unverhältnismäßiger Preise verbiete. Schließlich habe die Ständige Vertretung Griechenlands
         auch ausgeführt, dass es das grundlegende Bestreben der Regierung sei, mit allen Mitteln den Zusammenbruch des Marktes infolge
         eines etwaigen Handelskriegs zwischen den auf diesem Markt tätigen Unternehmen zu verhindern. 
         
         
         105
            
          Für die Klägerin ergibt sich daraus, dass das Ministerium für die Handelsmarine und das Gesetz Nr. 4195/29 Höchst- und Mindestpreise
         festsetzten und dass die Tarife auf den internationalen Routen mittelbar und partiell von den Tarifen beeinflusst seien, die
         der Staat für den inländischen Teil der internationalen Routen festlege. Diese Beeinflussung erkläre sich dadurch, dass die
         Festlegung der Tarife für den inländischen Teil der Routen derjenigen für den internationalen Teil der Routen entspreche,
         da alle Daten, die für die Festlegung der Tarife für den inländischen Teil der Routen relevant seien (Kosten je Einheit, Lohnkosten,
         Verwendung der Kapazitäten, verfügbare zusätzliche Kapazitäten usw.), denjenigen völlig gleichartig seien, die für die Festlegung
         der Tarife auf dem internationalen Teil der Routen verwendet würden. Folglich sei immer dann, wenn es für das Ministerium
         für die Handelsmarine Gründe gebe, die Tarife für den inländischen Teil der Fahrstrecken (vorsorglich) zu erhöhen, auch die
         Anhebung der für den internationalen Teil der Routen geltenden Tarife geboten. 
         
         
         106
            
          Die Kommission habe die Frage, die die Klägerin ihr schon von den ersten Stadien des Verwaltungsverfahrens an gestellt habe,
         nämlich die Frage nach der Bedeutung der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen für die Wettbewerbsbedingungen auf dem Markt
         Griechenland/Italien, nicht wirklich behandelt. Sie habe sich darauf beschränkt, den griechischen Behörden eine einzige fragmentarische
         und irreführende Frage des Inhalts zu stellen, inwieweit das Ministerium für die Handelsmarine den betreffenden Gesellschaften
         mit einem Entzug der Betriebsgenehmigung gedroht hätte, falls sie untereinander keine Einigung über die Tarife auf dem internationalen
         Teil der Routen zwischen Griechenland und Italien erzielen sollten. Das Ministerium für die Handelsmarine habe den Reedern
         zwar nicht unmittelbar die Verpflichtung auferlegt, sich über die auf dem internationalen Teil der Fahrstrecken geltenden
         Tarife zu einigen; die Kommission hätte jedoch die griechische Regierung fragen müssen, welche Konsequenzen es gehabt hätte,
         wenn die betreffenden Gesellschaften die gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen, wie die griechische Regierung sie bezeichne,
         nicht erfüllt hätten, den Ermahnungen des Ministeriums für die Handelsmarine, die Tarife für den internationalen Teil der
         Routen zwischen Griechenland und Italien ohne Überschreitung der Inflationsrate anzupassen, nicht nachgekommen wären und unlautere
         Wettbewerbspraktiken angewandt hätten. Hätte die Klägerin die von den griechischen Behörden auferlegten Verpflichtungen nicht
         erfüllt, so hätte dies ihrer Meinung nach zum Entzug ihrer Betriebsgenehmigung geführt und weitere nachteilige Konsequenzen
         für sie bedeutet. 
         
         
         107
            
          Unter diesen Umständen habe die Klägerin wegen Beachtung des griechischen gesetzlichen Rahmens, der Politik des Ministeriums
         für die Handelsmarine in Bezug auf die Festlegung der Tarife auf dem Markt Griechenland/Italien und der gemeinwirtschaftlichen
         Verpflichtungen sowie aufgrund der damit auf diesem Markt herrschenden Transparenz ihre Handlungsfreiheit bei der Festlegung
         der für den Markt Griechenland/Italien geltenden Preise verloren. 
         
         
         108
            
          Das Verhalten der Klägerin könne daher nicht unter das Verbot des Artikels 85 Absatz 1 EG-Vertrag fallen. Die rechtliche Würdigung
         durch die Kommission sei falsch, weil sie von der These ausgehe, dass die Verhandlungen über die Tarife für die Beförderung
         von Passagieren, Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen zwischen Griechenland und Italien von den Gesellschaften gewollt gewesen
         seien, während sie das Resultat verschiedener Eingriffe des Ministeriums für die Handelsmarine gewesen seien, das sich hierfür
         auf den in Griechenland geltenden gesetzlichen Rahmen habe stützen können. 
         
         
         109
            
          Die Klägerin vertritt die Ansicht, der vorliegende Fall sei mit dem Sachverhalt der Rechtssache vergleichbar, die zum Urteil
         des Gerichts vom 18. September 1996 in der Rechtssache T-387/94 (Asia Motor France u. a./Kommission, Slg. 1996, II-961, Randnr.
         65) geführt habe, in dem das Gericht entschieden habe, dass ein Unternehmen seine Handlungsfreiheit verloren habe, wenn sich
         aufgrund objektiver, schlüssiger und übereinstimmender Indizien ergebe, dass ihm sein Verhalten von den nationalen Behörden
         einseitig durch die Ausübung übermächtigen Drucks, etwa die Drohung mit dem Erlass staatlicher Maßnahmen, aufgezwungen worden
         sei, die ihm erhebliche Verluste verursachen könnten. Die Klägerin führt außerdem das Urteil Suiker Unie u. a./Kommission
         (Randnrn. 63 bis 73) an, in dem der Gerichtshof zu dem Ergebnis gekommen sei, dass das von der Kommission beanstandete Verhalten
         in Anbetracht der Auswirkungen der italienischen Regelung auf den Wettbewerb nicht unter Artikel 85 EG-Vertrag falle, und
         insbesondere ausgeführt habe, dass die Kommission dem Umstand, dass die den betroffenen Unternehmen vorgeworfenen Verhaltensweisen
         in wesentlichen Zügen durch diese Regelung und die daran anknüpfende Praxis maßgebend beeinflusst worden seien, nicht hinreichend
         Rechnung getragen und daher einen für die Beurteilung der behaupteten Zuwiderhandlungen erheblichen Gesichtspunkt vernachlässigt
         habe. 
         
         
         110
            
          Die Kommission habe nicht geprüft, inwieweit die besonderen Umstände des Falles zur Unanwendbarkeit von Artikel 85 Absatz
         1 EG-Vertrag führen könnten, obwohl diese Umstände klar aus den Schreiben der griechischen Behörden an die Kommission hervorgingen.
         
         
         
         111
            
          Die Kommission tritt der Behauptung, dass die Anwendungsvoraussetzungen von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag nicht vorlägen,
         und insbesondere den Gedanken entgegen, dass diese Vorschrift bei einer mangelnden Handlungsfreiheit der betreffenden Unternehmen
         bei der Festlegung der Tarife für den internationalen Teil der Routen zwischen Griechenland und Italien nicht anwendbar sei.
         
         
         
         112
            
          Zunächst hätten, wie die Klägerin selbst einräume, die von ihr für die These der mangelnden Handlungsfreiheit angeführten
         Faktoren ─ in ihrer Gesamtheit oder gesondert ─ die betreffenden Gesellschaften keineswegs und in keiner Weise gezwungen,
         die Preise für den internationalen Teil der Routen zwischen Griechenland und Italien einvernehmlich festzulegen. Keine gesetzliche
         Vorschrift und auch nicht die Haltung der staatlichen Stellen habe diese Gesellschaften rechtlich oder tatsächlich verpflichtet,
         die in der Entscheidung genannten Vereinbarungen zu treffen. Außerdem hätten diese Faktoren den Wettbewerb in Bezug auf die
         Festlegung der internationalen Tarife ─ unmittelbar oder mittelbar ─ nicht beseitigt. 
         
         
         113
            
          Sodann bestreitet die Kommission, dass es den Unternehmen an Handlungsfreiheit gefehlt habe, wozu nach dem Vorbringen der
         Klägerin der griechische gesetzliche Rahmen, die Anwendung des Gesetzes Nr. 4195/29 über den unlauteren Wettbewerb und die
         Anreize der griechischen Behörden, in einer bestimmten Weise zu handeln, geführt hätten. 
         
         
         114
            
          Bezüglich des angeblichen Einflusses des von den griechischen Behörden auf die Handlungsfreiheit der Klägerin ausgeübten Druckes
         bestreitet die Kommission, dass das streitige Kartell auf Initiative der griechischen Behörden vereinbart worden sei, die
         diese Praxis als Mittel zur Umsetzung ihrer nationalen Politik auf dem Markt Griechenland/Italien indirekt gebilligt hätten.
         
         
         
         115
            
          Die Kommission bestreitet außerdem das weitere Vorbringen der Klägerin zur fehlerhaften Anwendung von Artikel 85 Absatz 1
         EG-Vertrag auf den vorliegenden Fall. 
         
         
         116
            
          Sie wendet sich erstens gegen das Argument der Klägerin, dass es in Anbetracht einer Art von  
         Gewöhnung der Gesellschaften an die obligatorischen Verhandlungen nicht möglich gewesen sei, genau die Grenzen dessen zu bestimmen,
         was im Rahmen der regelmäßigen Verhandlungen erlaubt gewesen sei. Die Kommission trägt vor, dass nach ständiger Rechtsprechung
         der Umstand, ob sich die Klägerin eines Verstoßes gegen Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag bewusst gewesen sei, belanglos sei.
         Es genüge der Nachweis, dass sie gewusst habe, dass das streitige Verhalten, das sie gezeigt habe, den Wettbewerb habe beschränken
         können (Urteil des Gerichtshofes vom 7. Juni 1983 in den Rechtssachen 100/80 bis 103/80, Musique Diffussion Française/Kommission,
         Slg. 1983, 1825, Randnr. 112). 
         
         
         117
            
          Zweitens habe die Kommission entgegen dem Vorbringen der Klägerin den Inhalt der Schreiben der Ständigen Vertretung Griechenlands
         und des griechischen Ministeriums für die Handelsmarine tatsächlich berücksichtigt, wonach die griechischen Behörden der Klägerin
         zufolge die meisten anderen Wettbewerbsparameter als die Preise für den internationalen Teil der Routen zwischen Griechenland
         und Italien im Wesentlichen geregelt hätten (Randnrn. 101 bis 105 der Entscheidung). 
         
         
         118
            
          Drittens entgegnet die Kommission auf das Argument, die Vereinbarung habe keine bindende Wirkung gehabt, dass es nach der
         Rechtsprechung des Gerichtshofes für die Annahme, dass eine Beschränkung in einer Absprache im Sinne von Artikel 85 Absatz
         1 EG-Vertrag bestehe, genüge, dass sie ein getreuer Ausdruck des Willens der betreffenden Unternehmen sei, ohne dass erforderlich
         sei, dass diese Vereinbarung die Wesensmerkmale eines bindenden Vertrages aufweise. Was die Möglichkeit unterschiedlicher
         Preisgestaltung angehe, so seien die Grenzen der fraglichen Abweichungen zum Teil von den betroffenen Gesellschaften vereinbart
         worden, wie sich aus den Beweismitteln ergebe. 
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         119
            
          Nach der Rechtsprechung gelten die Artikel 85 und 86 des Vertrages nur für wettbewerbswidrige Verhaltensweisen, die die Unternehmen
         aus eigener Initiative an den Tag legen (in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofes vom 20. März 1985 in der Rechtssache 41/83,
         Italien/Kommission, Slg. 1985, 873, Randnrn. 18 bis 20, vom 19. März 1991 in der Rechtssache C-202/88, Frankreich/Kommission,
         Slg. 1991, I-1223, Randnr. 55, vom 13. Dezember 1991 in der Rechtssache C-18/88, GB-Inno-BM, Slg. 1991, I-5941, Randnr. 20,
         sowie vom 11. November 1997 in den Rechtssachen C-359/95 P und C-379/95 P, Kommission und Frankreich/Ladbroke Racing, Slg.
         1997, I-6265, Randnr. 33). Wird den Unternehmen ein wettbewerbswidriges Verhalten durch nationale Rechtsvorschriften vorgeschrieben
         oder bilden diese einen rechtlichen Rahmen, der selbst jede Möglichkeit eines Wettbewerbsverhaltens ihrerseits ausschließt,
         so sind die Artikel 85 und 86 nicht anwendbar. In einem solchen Fall findet die Wettbewerbsbeschränkung nicht, wie diese Vorschriften
         voraussetzen, in selbständigen Verhaltensweisen der Unternehmen ihre Ursache (Urteil Kommission und Frankreich/Ladbroke Racing,
         Randnr. 33; Urteile des Gerichts vom 7. Oktober 1999 in der Rechtssache T-228/97, Irish Sugar/Kommission, Slg. 1999, II-2969,
         Randnr. 130, und vom 30. März 2000 in der Rechtssache T-513/93, Consiglio Nazionale degli Spedizionieri Doganali/Kommission,
         Slg. 2000, II-1807, Randnr. 58). 
         
         
         120
            
          Dagegen sind die Artikel 85 und 86 des Vertrages anwendbar, wenn sich herausstellt, dass die nationalen Rechtsvorschriften
         die Möglichkeit eines Wettbewerbs bestehen lassen, der durch selbständige Verhaltensweisen der Unternehmen verhindert, eingeschränkt
         oder verfälscht werden kann (Urteile des Gerichtshofes vom 29. Oktober 1980 in den Rechtssachen 209/78 bis 215/78 und 218/78,
         Van Landewyck u. a./Kommission, Slg. 1980, 3125, Randnr. 126, sowie Kommission und Frankreich/Ladbroke Racing, Randnr. 34;
         Urteile des Gerichts Irish Sugar/Kommission, Randnr. 130, und Consiglio Nazionale degli Spedizionieri Doganali/Kommission,
         Randnr. 59). 
         
         
         121
            
          Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die Möglichkeit, ein bestimmtes wettbewerbswidriges Verhalten vom Anwendungsbereich
         des Artikels 85 Absatz 1 des Vertrages deshalb auszunehmen, weil es den betreffenden Unternehmen durch die geltenden nationalen
         Rechtsvorschriften vorgeschrieben wird oder diese jede Möglichkeit eines Wettbewerbsverhaltens ausschließen, von den Gemeinschaftsgerichten
         restriktiv behandelt worden ist (Urteile Van Landewyck u. a./Kommission, Randnrn. 130 und 133, sowie Italien/Kommission, Randnr.
         19; Urteil des Gerichtshofes vom 10. Dezember 1985 in den Rechtssachen 240/82 bis 242/82, 261/82, 262/82, 268/82 und 269/82,
         Stichting Sigarettenindustrie u. a./Kommission, Slg. 1985, 3831, Randnrn. 27 bis 29; Urteile des Gerichts vom 18. September
         1996 in der Rechtssache T-387/94, Asia Motor France u. a./Kommission, Slg. 1996, II-961, Randnrn. 60 und 65, sowie Consiglio
         Nazionale degli Spedizionieri Doganali/Kommission, Randnr. 60). 
         
         
         122
            
          Fehlt es an einer zwingenden Rechtsvorschrift, die ein wettbewerbswidriges Verhalten vorschreibt, kann die Kommission somit
         nur dann auf eine fehlende Handlungsfreiheit der betroffenen Unternehmen schließen, wenn sich aufgrund objektiver, schlüssiger
         und übereinstimmender Indizien ergibt, dass diesen ihr Verhalten von den nationalen Behörden einseitig durch die Ausübung
         übermächtigen Drucks aufgezwungen wurde, etwa durch die Drohung mit dem Erlass staatlicher Maßnahmen, die ihnen erhebliche
         Verluste verursachen könnten (Urteil Asia Motor France u. a./Kommission, Randnr. 65). 
         
         
         123
            
          Im vorliegenden Fall geht das Vorbringen der Klägerin dahin, dass der in Griechenland bestehende rechtliche Rahmen und die
         Politik des griechischen Ministeriums für die Handelsmarine die Autonomie der Reedereien insbesondere hinsichtlich der Festsetzung
         der Preise für die Inlandsrouten und den inländischen Teil der Routen zwischen Griechenland und Italien entscheidend eingeschränkt
         hätten. Die Reedereien seien deshalb zu Kontakten, Abstimmungen und Verhandlungen über die grundlegenden Parameter ihrer Geschäftspolitik
         wie die Preise genötigt gewesen. 
         
         
         124
            
          Daher ist zu prüfen, ob die hier vorgeworfenen Verhaltensweisen ihre Ursache in den nationalen Rechtsvorschriften oder in
         der Praxis der griechischen Behörden haben oder ob sie zumindest zum Teil auf dem Willen der Klägerin und der übrigen an den
         Vereinbarungen beteiligten Unternehmen beruhen. Zu prüfen ist somit, ob der rechtliche Rahmen und die Politik des griechischen
         Ministeriums für die Handelsmarine zusammen bewirkt haben, dass die Autonomie der Unternehmen hinsichtlich der Festlegung
         ihrer Preispolitik auf den Routen zwischen Griechenland und Italien aufgehoben und somit jede Möglichkeit eines Wettbewerbs
         zwischen den Unternehmen beseitigt wurde. 
         
         
         125
            
          Die Handelsschifffahrt in Griechenland wird durch das Gesetz über das öffentliche Seerecht, das Gesetz über das private Seerecht
         und andere Sonderregelungen mit Bestimmungen über unlauteren Wettbewerb im Seeverkehr, darunter insbesondere das Gesetz Nr.
         4195/29 über unlauteren Wettbewerb und das am 1. Januar 1979 im Hinblick auf den Beitritt der Hellenischen Republik zu den
         Europäischen Gemeinschaften in Kraft getretene Gesetz Nr. 703/77 über den freien Wettbewerb, geregelt. 
         
         
         126
            
          Das griechische Ministerium für die Handelsmarine trifft im Rahmen der ihm durch die genannten Rechtsvorschriften eingeräumten
         Befugnisse folgende Maßnahmen: a) die Erteilung von  
         Betriebsgenehmigungen für die Inlandsrouten einschließlich des inländischen Teils internationaler Strecken; b) die Genehmigung einheitlicher, verbindlicher
         Preise für die Inlandsverbindungen oder für den inländischen Teil internationaler Verbindungen, wie den Abschnitt Patras-Igoumenitsa-Korfu;
         c) die alljährliche Genehmigung der Verbindungen; d) die Überwachung der Stilllegung der Schiffe, um den Betrieb der obligatorischen
         Verbindungen zu gewährleisten; e) die Verpflichtung der Reedereien, miteinander Verhandlungen zu führen, um die Verbindungen
         zu planen und zu koordinieren, bevor das Ministerium für die Handelsmarine die Routenpläne für das folgende Jahr im Rahmen
         neuer Verhandlungen mit den Gesellschaften genehmigt. 
         
         
         127
            
          Zwischen den Parteien ist unstreitig, dass die Erteilung von Betriebsgenehmigungen, die Festsetzung verbindlicher Preise,
         die alljährliche Genehmigung von Strecken und die Überwachung der Stilllegung der Schiffe durch das griechische Ministerium
         für die Handelsmarine die Inlandsrouten und nicht die internationalen Routen betreffen. Außerdem hat die Kommission in ihren
         Schriftsätzen, ohne dass die Klägerin dem widersprochen hätte, darauf hingewiesen, dass die mit der Betriebsgenehmigung verbundene
         Verpflichtung zur Durchführung regelmäßiger Fahrten nur für die unter griechischer Flagge fahrenden Schiffe gelte, und zwar
         nur in Bezug auf Inlandsrouten und auf den inländischen Teil internationaler Routen. Weiter hat die Kommission, ohne dass
         ihr insoweit widersprochen worden wäre, ausgeführt, dass die Unternehmen frei wählen könnten, ob sie internationale Routen
         mit inländischem Teil oder ohne einen solchen oder sogar nur Inlandsrouten befahren wollten. Habe sich ein Unternehmen entschieden,
         internationale Routen ohne inländischen Teil zu befahren, brauche es somit keine Betriebsgenehmigung und müsse die damit verbundenen
         Verpflichtungen nicht erfüllen. 
         
         
         128
            
          Ferner verlangte das Ministerium für die Handelsmarine zum Zweck der Festsetzung der Preise für die Inlandsrouten von den
         Reedereien, ihm umfassende Vorschläge für jede Inlandsroute zu unterbreiten und die vorgeschlagenen Beträge anhand der Betriebskosten,
         der Inflation, der Rentabilität der Routen, der Häufigkeit der Fahrten usw. zu begründen. Anschließend genehmigte das Ministerium
         auf der Grundlage der vorgeschlagenen Preise, ihrer Begründung und anderer, allgemeinerer Kriterien, die mit der Gesamtpolitik
         der Regierung zusammenhingen, sowie nach Stellungnahme der Preis- und Einkommenskommission des griechischen Finanzministeriums
         die Vorschläge oder änderte sie; dies geschah in der Praxis durch Festsetzung der Preise. Die behördliche Festsetzung der
         Preise für den inländischen Teil der entsprechenden Verbindungen soll sich deshalb auf die Preise des internationalen Teils
         der Routen zwischen Griechenland und Italien auswirken, da diese Preise eine entsprechende Funktion hätten wie Richtpreise.
         
         
         
         129
            
          Die griechischen Rechtsvorschriften über unlauteren Wettbewerb und insbesondere Artikel 2 des Gesetzes Nr. 4195/29 untersagen
          
         für die Routen ins Ausland jede Senkung der Tarife für die Beförderung von Passagieren und Waren, die zum Zweck des unlauteren
         Wettbewerbs erfolgt und zu Preisen führt, die unseriös niedrig und gemessen an einer angemessenen und fairen Vergütung der
         geleisteten Dienste und den Anforderungen an Sicherheit und Komfort der Passagiere unverhältnismäßig sind oder die niedriger
         als die im betreffenden Hafen allgemein verlangten Preise sind. Artikel 4 des Gesetzes Nr. 4195/29 bestimmt: Führt die Preisfestsetzungsfreiheit auf den Routen ins Ausland zu unlauterem Wettbewerb, so kann das Schifffahrtsministerium
         (Abteilung für die Handelsmarine) neben der Anwendung der Bestimmungen der vorstehenden Artikel nach Stellungnahme des Rates
         für die Handelsmarine Unter- und Obergrenzen für die Preise für die Beförderung von Passagieren und Waren auf griechischen
         Passagierfähren auf den Verbindungen zwischen den griechischen und den ausländischen Häfen festsetzen. Die Unter- oder Überschreitung
         dieser Grenzen ist verboten; gegen Zuwiderhandelnde können die in Artikel 3 genannten Sanktionen verhängt werden.
         
         
         130
            
          Ferner ist vorgetragen worden, dass das Ministerium für die Handelsmarine den Reedereien Anreize biete, die Preise im internationalen
         Streckenteil niedrig zu halten und bei den jährlichen Erhöhungen ein Überschreiten der Inflationsrate und jede Form von Handelskrieg
         untereinander zu vermeiden, damit es nicht eingreifen und Gebrauch von seinen Befugnissen aus dem Gesetz Nr. 4195/29 machen
         müsse. 
         
         
         131
            
          Das Ministerium für die Handelsmarine hat in seinem in Randnummer 101 der Entscheidung erwähnten Schreiben vom 23. Dezember
         1994 Folgendes auf das Schreiben der Kommission vom 28. Oktober 1994 geantwortet: ...Was das Memorandum von Strintzis Lines angeht, so habe ich keine besonderen Anmerkungen und möchte nur darauf hinweisen, dass
         sich das Ministerium nicht in die Preisfestsetzungspolitik der Gesellschaften auf den internationalen Routen einschaltet.
         Wir werden nur bei der Festsetzung der Preise für die Verbindungen zwischen griechischen Häfen tätig.Wie ich Ihnen bereits bei unserem Treffen im September erläutert habe, kommt nach Ansicht Griechenlands dem Meereskorridor
         zwischen den Häfen an seiner Westküste und den Häfen an der Ostküste Italiens größte Bedeutung für das eigene Land und für
         die Gemeinschaft zu, da dies die einzige wichtige direkte Verbindung zwischen Griechenland und dem Rest der Europäischen Union
         ist.Es liegt daher in unserem nationalen Interesse und im Gemeinschaftsinteresse, dass die Schiffe ganzjährig zwischen Griechenland
         und Italien fahren, damit unsere Ein- und Ausfuhren und der Passagierverkehr erleichtert werden. Sie werden außerdem verstehen,
         dass wir daran interessiert sind, dass die Tarife wettbewerbsfähig, aber auch so festgelegt sind, dass der Beförderungspreis
         niedrig bleibt, damit unsere Ein- und Ausfuhren auf den europäischen Märkten wettbewerbsfähig bleiben.Um zu der speziellen Frage zu kommen, die Sie mir gestellt haben, so muss ich sagen, dass ich im Memorandum von Strintzis
         nichts entdeckt habe, was mich zu dieser Schlussfolgerung veranlassen könnte.Ich bin mir sicher, dass es sich um ein Missverständnis handelt. Es ist undenkbar und kommt überhaupt nicht in Frage, dass
         das Ministerium mit dem Entzug von Betriebsgenehmigungen für die Verbindungen zwischen Inlandshäfen droht, wenn Gesellschaften
         eine Einigung über die Preise der internationalen Verbindungen ablehnen.Wie Sie den beigefügten einschlägigen Rechtsvorschriften entnehmen können, ist die vom Ministerium erteilte Betriebsgenehmigung
         für die Inlandsverbindungen mit bestimmten Verpflichtungen verbunden (ganzjähriger Betrieb, Häufigkeit der Fahrten usw.);
         wenn diese Verpflichtungen nicht beachtet werden, kann das Ministerium die Genehmigung entziehen. Darüber hinaus werden die
         Preise periodisch durch Ministerialbeschluss festgelegt. Diese Sondervorschriften betreffen die Schiffe von Gesellschaften,
         die Betriebsgenehmigungen für den inländischen Teil der Strecke zwischen Griechenland und Italien haben (Patras-Igoumenitsa-Korfu)
         ...
         
         
         132
            
          Mit Schreiben vom 17. März 1995 (siehe Randnr. 103 der Entscheidung) hat der Stellvertreter des Ständigen Vertreters der Hellenischen
         Republik bei den Europäischen Gemeinschaften wie folgt auf ein Schreiben der Kommission vom 13. Januar 1995 geantwortet: 
         
         1.
          Die griechische Regierung misst dem ungestörten Betrieb der Seeverbindung zwischen den westgriechischen Häfen (hauptsächlich
         Patras, Igoumenitsa und Korfu) und den italienischen Häfen von Ancona, Bari, Brindisi und Triest große Bedeutung bei.
         ...Der ganzjährige, regelmäßige und ununterbrochene Betrieb der Verbindungen zwischen den griechischen und den italienischen
         Häfen trägt entscheidend dazu bei, die Entwicklung der griechischen Ein- und Ausfuhren, die auch den Gemeinschaftshandel insgesamt
         berührt, zu erleichtern und sicherzustellen.Das Interesse der griechischen Regierung und insbesondere des Ministeriums für die Handelsmarine, das die nationale Politik
         im Bereich des Seeverkehrs ausarbeitet, ist deshalb darauf gerichtet, den reibungslosen Betrieb der Verbindung zwischen Griechenland
         und Italien zu erhalten.Die auf dieser Route angebotenen Dienste werden von uns daher als Dienstleistungen eingestuft, die im öffentlichen Interesse
         unseres Landes liegen. Sie werden deshalb verstehen, dass der griechischen Regierung sehr daran gelegen ist, die Lebensfähigkeit
         dieser Route zu erhalten, indem mit allen Mitteln ein Preiskrieg verhindert wird, der nicht nur die reibungslose Abwicklung
         unseres Ein- und Ausfuhrhandels, sondern auch einen reibungslosen Fahrzeug- und Personenverkehr behindern könnte. Wie bereits
         gesagt, besteht unser Hauptanliegen darin, den Verkehr auf dieser Seeroute ganzjährig sicherzustellen und zu verhindern, dass
         die Verkehrsströme infolge eines Preiskrieges austrocknen.
         
         2.
           Auf der Grundlage dieser Feststellungen und der daraufhin eingenommenen Standpunkte haben die zuständigen Abteilungen des
         griechischen Ministeriums für die Handelsmarine Entscheidungen getroffen, um die Frage des reibungslosen Fahrzeugverkehrs
         für die einzelnen Jahreszeiten möglichst angemessen zu regeln. Dementsprechend sind Maßnahmen ergriffen worden, damit auf
         Passagier- und Fahrzeugfähren stets eine bestimmte Zahl von Plätzen für Güterkraftfahrzeuge reserviert ist und der Parkraum
         der Schiffe insbesondere in den Sommermonaten, wenn der Passagierverkehr lebhafter ist, nicht bereits durch Pkws ausgelastet
         ist. Auf diese Weise ist es ermöglicht worden, den Warenstrom zu erhalten und die reibungslose Versorgung der Märkte sicherzustellen.
          Ferner ist auf strenge Beachtung der Streckenpläne der Schiffe geachtet worden, damit Verspätungen vermieden werden, aber
         auch, damit Fragen wie das Vorhandensein angemessener Liegeplätze in den Zielhäfen der Schiffe geregelt werden können, um
         deren Sicherheit zu gewährleisten und die Dienstleistungen für die beförderten Passagiere und Kraftfahrzeuge zu verbessern.
         
         3.
          Was die von den Reedereien verlangten Frachtraten angeht, so weisen wir darauf hin, dass sich die Tätigkeit des Ministeriums
         für die Handelsmarine als zuständiger Behörde für die Schifffahrtskontrolle hinsichtlich der Frachtraten für die Küstenverbindungen
         auf die Festsetzung der Preise für die inländische Küstenschifffahrt beschränkt. Auf den internationalen Routen wird auch
         in den Fällen, in denen die Fahrt Zwischenstopps in griechischen Häfen umfasst (z. B. Patras-Korfu-Ancona), zwar die Strecke
         zwischen den griechischen Häfen durch eine genehmigte Preisliste geregelt, die Preise für die Fahrt zwischen Griechenland
         und Italien von den Betreibern der Linie aber frei festgesetzt. In diesem Fall wird der Gesamtpreis der für einen Endzielort
         in Italien ausgestellten Fahrkarte durch den staatlich festgesetzten Preis für den griechischen Beförderungsabschnitt beeinflusst,
         selbstverständlich jedoch nur mittelbar und partiell.
          Was die Preise für Reisen ins Ausland betrifft, die, wie bereits gesagt, frei festgesetzt werden, so gibt das Ministerium
         für die Handelsmarine den Reedereien Anreize, die Preise niedrig und wettbewerbsfähig zu halten und auf jeden Fall zu vermeiden,
         dass die jährlichen Erhöhungen die Inflationsrate überschreiten. Unsere nationalen Interessen verlangen nämlich, dass unser
         Ausfuhrhandel wettbewerbsfähig und unsere Einfuhren so billig wie möglich bleiben. Auf dieser Grundlage können die Reedereien
         ihre Preise anhand ihrer eigenen geschäftlichen und wirtschaftlichen Kriterien festlegen.Diese Freiheit wird durch die griechischen Rechtsvorschriften dann beschränkt, wenn sie zu unlauterem Wettbewerb führt. Im
         Einzelnen soll das Gesetz Nr. 4195/29 (Kopie in der Anlage) einen unlauteren Wettbewerb zwischen Reedereien verhindern, die
         Linien zwischen Griechenland und dem Ausland betreiben, indem insbesondere unseriös niedrige Preise, das gleichzeitige Auslaufen
         von zwei oder mehr dieselbe Route befahrenden Schiffen aus demselben Hafen und die Nichtdurchführung der angekündigten Fahrt
         (mit Ausnahme bestimmter Fälle höherer Gewalt ─ Artikel 3) untersagt werden. Im Fall unlauteren Wettbewerbs kann das Ministerium
         für die Handelsmarine Preisunter- und -obergrenzen festsetzen (Artikel 4). In diesem Rahmen gibt das Ministerium den Gesellschaften
         informelle Anreize, ihre Preise niedrig zu halten und zu vermeiden, dass die jährlichen Erhöhungen die Inflationsrate überschreiten.
         
         4.
          Die vorstehenden Ausführungen erschienen uns notwendig, um zu verdeutlichen, dass der Seeverkehr zwischen Patras und Italien,
         der ohne jede staatliche Hilfe durch private Initiative eingerichtet wurde, weiter ungestört funktionieren muss, damit die
         dort eingesetzten Schiffe die im öffentlichen Interesse unseres Landes liegenden Leistungen erbringen, da diese Seeverbindung
         die einzige direkte Verbindung zu den Ländern der Europäischen Union ist.
         
         
         5.
          Schließlich sei darauf hingewiesen, dass der rechtliche Rahmen für die Erteilung und den Entzug der Betriebsgenehmigungen,
         die, wie bereits gesagt, nur für die inländischen Verbindungen in Griechenland gelten, bestimmt, dass das Ministerium für
         die Handelsmarine die Betriebsgenehmigung entziehen kann, wenn die Gesellschaft die in ihrer Betriebsgenehmigung angegebenen
         Verpflichtungen nicht beachtet (z. B. ordnungsgemäße Durchführung der angekündigten Fahrten, jährliche Stilllegungszeit, angemessene
         Häufigkeit der Fahrten).
         
         
         
         133
            
          In diesen beiden Schreiben der griechischen Behörden wird zwar betont, dass das geordnete Funktionieren und die Regelmäßigkeit
         des Betriebes der Seeverbindungen zwischen Griechenland und Italien eine wichtige nationale Angelegenheit ist, doch bestätigen
         die Schreiben, dass der Abschluss von Preisabsprachen für die internationalen Routen weder durch das griechische Recht noch
         durch die Politik der griechischen Behörden vorgeschrieben wird. 
         
         
         134
            
          Zwar geht aus den Erklärungen der griechischen Behörden gegenüber der Kommission hervor, dass eines ihrer Hauptanliegen darin
         bestand, ganzjährig einen regelmäßigen Betrieb der Seeverbindungen nach Italien sicherzustellen, und dass sie die schädlichen
         Auswirkungen fürchteten, die unlautere Wettbewerbshandlungen wie z. B. ein Preiskrieg haben konnten. Weiter steht fest, dass
         das Gesetz dem Ministerium für die Handelsmarine zur Verhinderung derartiger Handlungen die Befugnis zur Festsetzung von Preisunter-
         und -obergrenzen gab. Gleichwohl wäre eine Abstimmung über die Preise auch in einem solchen Fall auf keinen Fall berechtigt,
         da die einzelnen Unternehmen die Freiheit behalten würden, innerhalb der fraglichen Ober- und Untergrenzen selbständig ihre
         Preise zu beschließen. Außerdem bestätigen die Erklärungen in den vorstehend geprüften Schreiben, dass die Preise für die
         Seerouten zwischen Griechenland und Italien von den auf diesen Routen tätigen Gesellschaften frei festgesetzt werden. Ferner
         folgt aus diesen Erklärungen unbestreitbar, dass das Ministerium für die Handelsmarine den Reedereien zur Gewährleistung der
         Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Ausfuhren und der Angemessenheit der Einfuhrpreise keine Anreize dazu gab, in Absprache
         miteinander die Preise zu erhöhen, sondern lediglich dazu, ihre Preise niedrig und wettbewerbsfähig zu halten und auf jeden
         Fall zu vermeiden, dass die jährlichen Erhöhungen die Inflationsrate überschritten. 
         
         
         135
            
          Daraus folgt, dass alle Reedereien, die auf den genannten Routen tätig sind, über beträchtliche Autonomie bei der Festlegung
         ihrer Preispolitik verfügten und daher stets den Wettbewerbsregeln unterlagen. Die zitierten Schreiben zeigen, dass nach Ansicht
         der griechischen Behörden die uneingeschränkte Anwendung der Wettbewerbsregeln und damit das Verbot von Preisabsprachen nach
         Artikel 85 Absatz 1 des Vertrages die Reedereien weder rechtlich noch tatsächlich daran hinderten, die ihnen durch die griechische
         Regierung übertragene Aufgabe zu erfüllen. Dass die Ständige Vertretung der Hellenischen Republik in ihrem Schreiben vom 17.
         März 1995 den Betrieb der Verbindungen zwischen Griechenland und Italien als  
         Dienstleistung im öffentlichen Interesse einstufte, ist daher für die Zwecke der Anwendung des Artikels 85 des Vertrages nicht relevant. Aus denselben Gründen braucht
         nicht geprüft zu werden, ob die Kommission zu Recht das Vorbringen zurückweist, dass die von der Entscheidung betroffenen
         Unternehmen nach Gemeinschaftsrecht als mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse betraute Unternehmen
         im Sinne von Artikel 90 Absatz 2 EG-Vertrag (jetzt Artikel 86 Absatz 2 EG) anzusehen seien. 
         
         
         136
            
          Die Angaben in den fraglichen Schreiben bestätigen, dass sich die Klägerin nicht auf ein Zusammentreffen von Faktoren berufen
         kann, die die Preise für den internationalen Teil der Routen zwischen Griechenland und Italien beeinflusst und die Autonomie
         der Unternehmen bei der Planung und Festlegung ihrer Preispolitik beschränkt hätten. Die Schreiben bestätigen, dass sich das
         griechische Ministerium für die Handelsmarine nur insoweit in die Preisfestsetzungspolitik der Gesellschaften auf den internationalen
         Routen einmischte, als es ihnen informelle Anreize gab, ihre Preise niedrig zu halten und zu vermeiden, dass die jährlichen
         Preiserhöhungen die Inflationsrate überschritten. Angesichts dieses Verhaltens der griechischen Behörden blieb auf dem Markt
         eindeutig die Möglichkeit eines Wettbewerbs bestehen, der durch selbständige Verhaltensweisen der Unternehmen verhindert,
         eingeschränkt oder verfälscht werden konnte. 
         
         
         137
            
          Zu ergänzen ist, dass das Gesetz Nr. 4195/29 kein Verbot der Senkung der Preise für die internationalen Routen enthält. Zwar
         untersagt dieses Gesetz, das jeden unlauteren Wettbewerb zwischen den Reedereien, die auf den Routen zwischen griechischen
         und ausländischen Häfen tätig sind, verhindern soll, insbesondere Senkungen der Preise auf ein unseriös niedriges Niveau,
         das gleichzeitige Auslaufen von zwei oder mehreren dieselbe Route befahrenden Schiffen aus demselben Hafen und die Nichtdurchführung
         der angekündigten Fahrt (mit Ausnahme von Fällen höherer Gewalt) (Artikel 2), doch nimmt es den beschuldigten Unternehmen
         nicht  
         jeden Handlungsspielraum. Das Gesetz bestätigt im Gegenteil, dass jedes Unternehmen seine Preispolitik grundsätzlich nach seinem Ermessen festlegen
         kann, solange es keine unlautere Wettbewerbshandlung begeht. Das Verbot unlauterer Wettbewerbshandlungen kann keineswegs so
         verstanden werden, dass den fraglichen Unternehmen der Abschluss von Vereinbarungen vorgeschrieben wird, die die Festsetzung
         der Preise für die internationalen Routen zum Gegenstand haben. Da es an einer zwingenden Rechtsvorschrift fehlt, die ein
         wettbewerbswidriges Verhalten vorschreibt, kann sich die Klägerin nur dann auf fehlende Handlungsfreiheit berufen, wenn sie
         objektive, schlüssige und übereinstimmende Indizien dafür beibringt, dass den Unternehmen dieses Verhalten von den griechischen
         Behörden einseitig durch die Ausübung übermächtigen Drucks aufgezwungen wurde, etwa durch die Drohung mit dem Erlass staatlicher
         Maßnahmen, die ihnen erhebliche Verluste verursachen könnten. 
         
         
         138
            
          Die Angaben in den oben zitierten Schreiben der griechischen Behörden zeigen aber, dass diese keineswegs eine Maßnahme erlassen
         oder eine Praxis eingeführt haben, die als  
         übermächtiger Druck angesehen werden könnte, durch den die Reedereien zum Abschluss von Preisabsprachen bewegt werden sollten. Die Klägerin kann
         daher nicht geltend machen, dass den betreffenden Unternehmen bei der Festlegung ihrer Preispolitik jeder Handlungsspielraum
         genommen worden sei und dass ihnen das von der Kommission vorgeworfene wettbewerbswidrige Verhalten durch die geltenden nationalen
         Rechtsvorschriften oder die Politik der griechischen Behörden vorgeschrieben worden sei. 
         
         
         139
            
          Was die Anreize des Ministeriums für die Handelsmarine angeht, die Preise für die internationalen Routen niedrig zu halten
         und bei den jährlichen Preiserhöhungen nicht die Inflationsrate zu überschreiten, so verweist das Schreiben dieses Ministeriums
         auf informelle  
         Anreize, spricht aber keineswegs von einer  
         einseitigen Anordnung. Die Gesellschaften hatten somit die Möglichkeit, den informellen Anreizen zu widerstehen, ohne deshalb den Erlass irgendwelcher
         staatlicher Maßnahmen fürchten zu müssen. Im Übrigen schließt das griechische Ministerium in seinem Schreiben vom 23. Dezember
         1994 ausdrücklich aus, dass es mit dem Entzug der Betriebsgenehmigungen für die inländischen Routen drohen könne, wenn die
         Gesellschaften keine Einigung über die Preise für die internationalen Routen erzielten. 
         
         
         140
            
          Was den Umstand angeht, dass das griechische Ministerium für die Handelsmarine nach dem Gesetz Nr. 4195/29 im Fall unlauteren
         Wettbewerbs Preisunter- und -obergrenzen zur Verhinderung eines Preiskrieges festlegen kann, so ist festzustellen, dass das
         betreffende Gesetz den beschuldigten Unternehmen nicht  
         jeden Handlungsspielraum nimmt, sondern ihnen eine gewisse Freiheit bei der Festlegung ihrer Preispolitik gibt, soweit sie nicht unlautere Wettbewerbshandlungen
         begehen. Nach Artikel 4 dieses Gesetzes darf das Ministerium für die Handelsmarine die fraglichen Preisunter- und -obergrenzen
         nämlich nur festlegen, wenn das Recht der Unternehmen, eigenständig die Preise für die Routen ins Ausland festzusetzen, zu
         unlauteren Wettbewerbshandlungen führt. 
         
         
         141
            
          Nach alledem ist dieser Klagegrund als unbegründet zurückzuweisen. 
          Dritter Klagegrund: Unzureichende Begründung der Entscheidung
          Vorbringen der Parteien
         
         
         142
            
          Die Klägerin wirft der Kommission vor, sie habe die Entscheidung in Bezug auf mehrere von ihr im Verwaltungsverfahren geltend
         gemachte Argumente unzureichend begründet. 
         
         
         143
            
          Erstens, da sich die Kommission nicht zu den Auswirkungen der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen auf den Umfang der Handlungsfreiheit
         geäußert habe, über die die betroffenen Unternehmen bei der Festlegung der für das internationale Teilstück der Fahrstrecken
         geltenden Tarife verfügt hätten, weise die Entscheidung einen Begründungsmangel auf. Insbesondere habe die Kommission nicht
         geprüft, inwieweit der griechische gesetzliche Rahmen, die Anreize der griechischen Behörden und die gemeinwirtschaftlichen
         Verpflichtungen der betroffenen Unternehmen Faktoren gewesen seien, die zur Unanwendbarkeit von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag
         geführt hätten. Zweitens gebe die Entscheidung nicht die Gründe an, aus denen die Kommission die Bemerkungen außer Acht gelassen
         habe, die die Klägerin mit den Schreiben der Ständigen Vertretung Griechenlands und des griechischen Ministeriums für die
         Handelsmarine zur Bestätigung der Auswirkungen dieser Faktoren auf die Handlungsfreiheit der betroffenen Unternehmen vorgelegt
         habe. Drittens habe die Kommission nicht hinreichend begründet, weshalb die Argumente der Klägerin zur Unanwendbarkeit von
         Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag auf den vorliegenden Sachverhalt hätten zurückgewiesen oder außer Acht gelassen werden müssen.
         
         
         
         144
            
          Die Kommission sei zwar nicht verpflichtet gewesen, in der Entscheidung alle Argumente der betroffenen Unternehmen wiederzugeben;
         nach ständiger Rechtsprechung müsse sie allerdings die Tatsachen und rechtlichen Erwägungen anführen, denen nach dem Aufbau
         der Entscheidung eine wesentliche Bedeutung zukomme (Urteil Asia Motor France u. a./Kommission, Randnr. 104) und die eine
         unmittelbare Beziehung zu der Rechtssache hätten (Urteil des Gerichts vom 10. März 1992 in der Rechtssache T-15/89, Chemie
         Linz/Kommission, Slg. 1992, II-1275, Randnr. 328). Die Klägerin ist der Ansicht, sie habe dargetan, dass die Erwägungen zu
         den vom Ministerium für die Handelsmarine auferlegten gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen für die Rechtssache von Bedeutung
         seien. Diese Erwägungen seien in der Entscheidung aber nicht einmal erwähnt worden (Urteil des Gerichtshofes vom 17. Januar
         1995 in der Rechtssache C-360/92 P, Publishers Association/Kommission, Slg. 1995, I-23). 
         
         
         145
            
          Die Kommission vertritt die Ansicht, die Begründung der Entscheidung ermögliche es der Klägerin, deren Richtigkeit nachzuprüfen.
         In der Entscheidung habe sie zu den genannten Argumenten der Klägerin ausführlich Stellung genommen, indem sie die Gesichtspunkte,
         auf die sich die Klägerin gestützt habe, ausdrücklich erwähnt habe. 
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         146
            
          Wie die Klägerin selbst einräumt, ist die Kommission nicht verpflichtet, in ihrer Entscheidung alle Argumente der Parteien
         wiederzugeben. Sie muss allerdings die Tatsachen und rechtlichen Erwägungen anführen, denen nach dem Aufbau der Entscheidung
         eine wesentliche Bedeutung zukommt (Urteile Asia Motor France u. a./Kommission, Randnr. 104, und Chemie Linz/Kommission, Randnr.
         328). 
         
         
         147
            
          Entgegen dem Vorbringen der Klägerin ergibt sich aber aus den Randnummern 98 bis 108 der Entscheidung, dass die Kommission
         zu den Argumenten der Klägerin in Bezug auf die Auswirkungen der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen auf den Umfang der
         Handlungsfreiheit der betroffenen Unternehmen und somit zur Frage der Anwendbarkeit von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag auf
         den vorliegenden Sachverhalt ausführlich Stellung genommen hat. Desgleichen ergibt sich aus den Randnummern 101, 103, 105,
         106 und 108 der Entscheidung, dass sich die Kommission konkret auf die von der Klägerin angeführten Schreiben der griechischen
         Behörden bezogen hat. 
         
         
         148
            
          Die Klägerin kann auch nicht behaupten, ihre Argumente zu den vom Ministerium für die Handelsmarine auferlegten gemeinwirtschaftlichen
         Verpflichtungen seien außer Acht gelassen worden. Das Bestehen solcher Verpflichtungen konnte sich zwar für die Rechtssache
         als wichtig erweisen, doch war dies nur einer von mehreren Gesichtspunkten, die die Klägerin zum Beleg der sich aus dem gesetzlichen
         Rahmen und aus der von den griechischen Behörden verfolgten Politik ergebenden mangelnden Handlungsfreiheit der betroffenen
         Unternehmen angeführt hatte. Es ist festzustellen, dass der Standpunkt der Kommission zu dieser Frage in den Randnummern 98
         bis 108 der Entscheidung sehr wohl dargelegt wurde und dass insbesondere das Argument, es bestünden gemeinwirtschaftliche
         Verpflichtungen, in Randnummer 99 der Entscheidung im Rahmen der dort ausgeführten Antworten der Kommission auf das Argument
         des Verlustes der Handlungsfreiheit der betroffenen Unternehmen ausdrücklich genannt wurde. Unter diesen Umständen kann die
         Klägerin nicht behaupten, dass die Kommission die Entscheidung nicht hinreichend begründet habe, indem sie auf das Argument
         der gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen keine präzise Antwort gegeben habe. Schließlich kann die Klägerin, wie die Kommission
         bemerkt, ihr jedenfalls nicht vorwerfen, dass sie diese Argumente nicht eingehender geprüft habe, da die fraglichen gemeinwirtschaftlichen
         Verpflichtungen nicht den internationalen Abschnitt der Routen zwischen Griechenland und Italien betreffen. 
         
         
         149
            
          Dieser Klagegrund ist daher nicht stichhaltig. 
         
         
         
         II ─
          Zum Hilfsantrag auf Herabsetzung des Betrages der Geldbuße
         
         
         150
            
          Für ihren Antrag auf Aufhebung oder Herabsetzung der verhängten Geldbuße macht die Klägerin geltend, dass die Kommission bei
         der Bestimmung der Höhe der ihr auferlegten Geldbuße sowohl Schwere als auch Dauer der Zuwiderhandlung fehlerhaft beurteilt
         und damit gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen habe. 
          A ─ Erster Teil: Fehlerhafte Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
          Vorbringen der Parteien
         
         
         151
            
          Die Klägerin trägt vor, die Höhe der gegen sie verhängten Geldbuße sei unverhältnismäßig, da die Kommission bestimmte Faktoren
         in Bezug auf die Schwere der Zuwiderhandlung nicht gewürdigt habe. Sollte die Zuwiderhandlung vorliegen, so sei sie wegen
         der begrenzten, wenn nicht ganz und gar fehlenden Auswirkungen der fraglichen Vereinbarung und ihrer geringen räumlichen Reichweite
         von geringerer Bedeutung im Sinne der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden:
         Leitlinien). 
         
         
         152
            
          Erstens habe die Kommission dem griechischen gesetzlichen Rahmen und dem vom griechischen Ministerium für die Handelsmarine
         ausgeübten Druck nicht genügend Rechnung getragen, obwohl nach der Rechtsprechung wesentliche Auswirkungen des nationalen
         gesetzlichen Rahmens auf den Markt einen mildernden Umstand darstellten (Urteile Stichting Sigarettenindustrie u. a./Kommission,
         Randnrn. 94 und 96, und Suiker Unie u. a./Kommission, Randnrn. 618 bis 620). Im vorliegenden Fall habe die Kommission für
         die Prüfung der Grenzen, innerhalb deren die Gesellschaften miteinander hätten konkurrieren können, und für die Form, die
         dieser Wettbewerb auf dem fraglichen Markt angenommen habe, kein Interesse gezeigt. Schließlich habe die Kommission nicht
         der Tatsache Rechnung getragen, dass die Preisnachlässe den einzigen Bereich dargestellt hätten, auf dem ein Wettbewerb möglich
         gewesen sei; eine solche Sachlage habe der Gerichtshof im Urteil Suiker Unie u. a./Kommission (Randnrn. 70 und 71) kritisiert.
         
         
         
         153
            
          Zweitens sei den Verbrauchern kein Schaden entstanden, was sich darin zeige, dass die Kommission den betroffenen Gesellschaften
         keine unzulässige Preiserhöhung vorgeworfen habe. Vielmehr hätten die Benutzer von der regelmäßigen und ununterbrochenen Verkehrsverbindung
         zu den fraglichen Zielen zu sehr niedrigen Preisen und mit sehr modernen und sicheren Schiffen eher profitiert. 
         
         
         154
            
          Drittens sieht die Klägerin einen Widerspruch darin, dass ihr ein schwerer Verstoß gegen das Gemeinschaftsrecht zur Last gelegt
         werde, weil sie sich an einer Praxis beteiligt habe, die nach Meinung der griechischen Regierung der Verwirklichung eines
         der Ziele der Gemeinschaft, nämlich der Förderung und Entwicklung des innergemeinschaftlichen Handels, diene. 
         
         
         155
            
          Die Kommission habe die Leitlinien nicht beachtet, indem sie die fragliche Zuwiderhandlung als schwer eingestuft habe, obwohl
         sie keinem der Elemente der in den Leitlinien enthaltenen Definition der schweren Verstöße entspreche. Nach diesen Leitlinien
         seien schwere Verstöße in den meisten Fällen horizontale oder vertikale Beschränkungen der gleichen Art wie minder schwere
         Verstöße, die jedoch entschlossener angewandt würden, deren Auswirkungen auf den Markt umfassender seien und die in einem
         größeren Teil des Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen könnten. Dabei könne es sich auch um den Missbrauch marktbeherrschender
         Stellungen wie Verkaufsverweigerung, Diskriminierungen, Ausschließungen, Treuerabatte von einer beherrschenden Firma in der
         Absicht, Wettbewerber auszuschließen, usw. handeln. Die angebliche Zuwiderhandlung der Unternehmen sei im vorliegenden Fall
         aber nicht entschlossen begangen worden, habe keine umfassende Auswirkung auf den Markt gehabt, sei nicht in einem größeren
         Teil des Marktes zum Tragen gekommen und habe nicht im Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung bestanden. 
         
         
         156
            
          Abschließend trägt die Klägerin vor, dass ihr die Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens nicht bewusst gewesen sei, da die beteiligten
         Gesellschaften sich wegen des Eingreifens der griechischen Regierung und der Anreize, die diese zu den verschiedenen vorgeworfenen
         Praktiken gegeben habe, nicht hätten vorstellen können, dass ihr Verhalten rechtswidrig sei. 
         
         
         157
            
          Die Kommission tritt diesen Argumenten entgegen. 
          Würdigung durch das Gericht
          1. Allgemeine Erwägungen
         
         
         158
            
          Im vorliegenden Fall hat die Kommission die Höhe der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße unstreitig anhand der allgemeinen
         Methode für die Berechnung von Geldbußen ermittelt, die in den Leitlinien dargestellt ist, die auch auf Geldbußen nach Artikel
         19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 anwendbar sind. Die Anwendbarkeit der Leitlinien auf den vorliegenden Fall wird von
         der Klägerin auch nicht bestritten. 
         
         
         159
            
          Nach Artikel 19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 kann die  
         Kommission ... gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis einer
         Million [Euro] oder über diesen Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von jedem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten
         Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig ... gegen Artikel
         85 Absatz 1 ... des Vertrages verstoßen. Nach derselben Vorschrift ist  
         [b]ei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße ... neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen. 
         
         
         160
            
          Nach Nummer 1 Absatz 1 der Leitlinien wird bei der Berechnung der Geldbußen der Grundbetrag nach Maßgabe der Schwere und der
         Dauer des Verstoßes als den einzigen Kriterien von Artikel 19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 errechnet. 
         
         
         161
            
          Nach den Leitlinien wählt die Kommission als Ausgangspunkt bei der Berechnung der Geldbußen einen anhand der Schwere des Verstoßes
         ermittelten Ausgangsbetrag. Bei der Ermittlung der Schwere eines Verstoßes sind seine Art und die konkreten Auswirkungen auf
         den Markt, sofern diese messbar sind, sowie der Umfang des betreffenden räumlichen Marktes zu berücksichtigen (Nr. 1 Teil
         A Absatz 1). Dabei werden die Verstöße in drei Gruppen unterteilt:  
         minder schwere Verstöße, bei denen Geldbußen zwischen 1 000 Euro und 1 Million Euro in Betracht kommen,  
         schwere Verstöße, bei denen die Geldbußen zwischen 1 Million Euro und 20 Millionen Euro liegen können, und  
         besonders schwere Verstöße, für die Geldbußen oberhalb von 20 Millionen Euro vorgesehen sind (Nr. 1 Teil A erster bis dritter Gedankenstrich). 
         
         
         162
            
          Was sodann die gebotene differenzierte Behandlung der Unternehmen betrifft, ermöglicht nach den Leitlinien innerhalb der einzelnen
         vorstehend genannten Kategorien von Zuwiderhandlungen und insbesondere bei den als  
         schwer und  
         besonders schwer eingestuften die Skala der festzusetzenden Geldbußen eine Differenzierung gemäß der Art des begangenen Verstoßes (Nr. 1 Teil
         A Absatz 3). Ferner ist die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße, Wettbewerber und Verbraucher
         wirtschaftlich in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen und die Geldbuße auf einen Betrag festzusetzen, der
         eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet (Nr. 1 Teil A Absatz 4). Darüber hinaus kann auch der Tatsache Rechnung getragen
         werden, dass Großunternehmen in den meisten Fällen dank ausreichender Ressourcen über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand
         verfügen, mit dem sie besser erkennen können, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und welche Folgen
         aus wettbewerbsrechtlicher Sicht zu gewärtigen sind (Nr. 1 Teil A Absatz 5). 
         
         
         163
            
          Innerhalb der drei oben beschriebenen Kategorien kann es in Fällen, in denen mehrere Unternehmen beteiligt sind, z. B. bei
         Kartellen, angebracht sein, den festgesetzten Betrag zu gewichten, um das jeweilige Gewicht und damit die tatsächliche Auswirkung
         des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb zu berücksichtigen, vor allem, wenn an einem Verstoß derselben
         Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren, und infolgedessen den allgemeinen Ausgangsbetrag dem spezifischen
         Charakter jedes Unternehmens anzupassen (Nr. 1 Teil A Absatz 6). 
         
         
         164
            
          Bei der Berücksichtigung der Dauer eines Verstoßes wird in den Leitlinien unterschieden zwischen Verstößen von kurzer Dauer
         (in der Regel weniger als ein Jahr), bei denen der anhand der Schwere ermittelte Ausgangsbetrag nicht zu erhöhen ist, Verstößen
         von mittlerer Dauer (in der Regel zwischen einem und fünf Jahren), bei denen dieser Betrag um bis zu 50 % erhöht werden kann,
         und Verstößen von langer Dauer (in der Regel mehr als fünf Jahre), bei denen dieser Betrag für jedes Jahr des Verstoßes um
         bis zu 10 % erhöht werden kann (Nr. 1 Teil B Absatz 1 erster bis dritter Gedankenstrich). 
         
         
         165
            
          Anschließend enthalten die Leitlinien eine Liste von Beispielen für erschwerende und mildernde Umstände, die zu einer Erhöhung
         oder Herabsetzung des Grundbetrags führen können, und nehmen dann auf die Mitteilung vom 18. Juli 1996 über die Nichtfestsetzung
         oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. C 207, S. 4) Bezug. 
         
         
         166
            
          Als allgemeine Bemerkung wird in den Leitlinien hinzugefügt, dass der Endbetrag der nach diesem Schema ermittelten Geldbuße
         (Grundbetrag einschließlich der durch die erschwerenden oder mildernden Umstände bedingten prozentualen Auf- oder Abschläge)
         gemäß Artikel 19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 in keinem Fall 10 % des Gesamtumsatzes der betroffenen Unternehmen übersteigen
         dürfe (Nr. 5 Buchstabe a). Ferner kann es den Leitlinien zufolge nach Durchführung der genannten Berechnungen je nach Fall
         angezeigt sein, im Hinblick auf die entsprechende Anpassung der vorgesehenen Geldbußen einige objektive Faktoren zu berücksichtigen,
         wie z. B. einen besonderen wirtschaftlichen Zusammenhang, die von den Beteiligten an dem Verstoß eventuell erzielten wirtschaftlichen
         oder finanziellen Vorteile und die besonderen Merkmale der betreffenden Unternehmen wie ihre tatsächliche Steuerkraft in einem
         gegebenen sozialen Umfeld (Nr. 5 Buchstabe b). 
         
         
         167
            
          Folglich wird die Berechnung der Geldbußen auch nach der in den Leitlinien beschriebenen Methode anhand der beiden in Artikel
         19 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4056/86 genannten Kriterien ─ Schwere des Verstoßes und Dauer der Zuwiderhandlung ─ unter Beachtung
         der dort festgelegten Obergrenze in Bezug auf den Umsatz jedes Unternehmens vorgenommen. Somit gehen die Leitlinien nicht
         über den in der genannten Bestimmung vorgegebenen rechtlichen Rahmen für Sanktionen hinaus (Urteil des Gerichts vom 20. März
         2002 in der Rechtssache T-23/99, LR AF 1998/Kommission, Slg. 2002, II-1705, Randnrn. 231 und 232). 
          2. Begründetheit dieses Teils des Klagegrundes
         
         
         168
            
          Wie bereits festgestellt, werden Kartelle in den Leitlinien grundsätzlich zu den besonders schweren Zuwiderhandlungen gerechnet,
         eine Einstufung, die völlig im Einklang mit der Rechtsprechung des Gerichtshofes und des Gerichts steht, wonach diese Art
         von Zuwiderhandlung zu den schwersten Wettbewerbsbeschränkungen zählt, zumal wenn das Kartell auf die Festsetzung von Preisen
         gerichtet ist. 
         
         
         169
            
          Was den vorliegenden Fall und die Situation der Klägerin angeht, so ergibt sich aus den Randnummern 147 bis 150 der Entscheidung,
         dass die Kommission zwar (in Randnr. 147 der Entscheidung) erklärt hat, dass eine  
         Absprache über den Preis für die Beförderung von Passagieren und Fracht mit Roll-on-/Roll-off-Fährschiffen, wie sie von einigen
         der führenden Anbieter auf den fraglichen Strecken getroffen wurde, ... von ihrem Wesen her ein sehr schwerer Verstoß gegen
         das Gemeinschaftsrecht [ist], dass sie die fragliche Zuwiderhandlung jedoch tatsächlich nur als schweren Verstoß angesehen hat (Randnr. 150 der Entscheidung).
         Zu dieser Verminderung des Schweregrads ist sie aufgrund ihrer Feststellung gelangt, dass die  
         konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt ... begrenzt waren und dass die griechische Regierung  
         während der Dauer der Zuwiderhandlung darauf hingewirkt [hat], dass die Unternehmen ihre Tarife nicht über die Inflationsrate
         hinaus erhöhen, so dass die  
         Preise ... auf einem Niveau gehalten [wurden], das zu den Niedrigsten im gemeinsamen Markt des Seeverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten
         gehört (Randnr. 148 der Entscheidung). Darüber hinaus hat die Kommission berücksichtigt, dass die Zuwiderhandlung  
         nur einen kleinen Teil des Gemeinsamen Marktes, nämlich drei Verkehrsstrecken im Adriatischen Meer [, betraf], ein Fährverkehr, der  
         im Verhältnis zu anderen Fahrtgebieten in der Gemeinschaft ein kleiner Markt sei (Randnr. 149 der Entscheidung). 
         
         
         170
            
          Die Kommission hat die Zuwiderhandlung somit in der Entscheidung zu Recht als schwer eingestuft. 
         
         
         171
            
          Auch das Argument des Einflusses, den der griechische gesetzliche Rahmen gehabt haben soll, ist zurückzuweisen. Im Rahmen
         der Prüfung des zweiten Klagegrundes wurde darauf hingewiesen, dass im vorliegenden Fall der gesetzliche Kontext und das Verhalten
         der griechischen Behörden der Anwendung von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag nicht entgegenstanden, da die Unternehmen einen
         Spielraum zur Bestimmung ihrer Preispolitik behalten hatten. Daher ist die Lösung, die der Gerichtshof im Urteil Suiker Unie
         u. a./Kommission für das Problem, dass kein Wettbewerb verbleibt, gefunden hat, für den vorliegenden Fall irrelevant. Sodann
         genügt hinsichtlich dieses besonderen Kontextes die Feststellung, dass die Kommission ihn, wie sie vorträgt, tatsächlich als
         mildernden Umstand berücksichtigt hat. Aus Randnummer 163 der Entscheidung ergibt sich nämlich, dass die Kommission davon
         ausging, dass die in Griechenland übliche Praxis, wonach das Ministerium für die Handelsmarine die Inlandstarife nach Anhörung
         aller inländischen Anbieter durch Entscheidung festlege, dazu beigetragen haben könne, dass sich die griechischen Fährgesellschaften,
         die auch Strecken im Inland bedienten, nicht ganz im Klaren darüber gewesen seien, dass Konsultationen über die Festsetzung
         der Tarife für die Beförderung auf internationalen Strecken gegen das Gemeinschaftsrecht verstießen. Dieser Umstand habe eine
         Verringerung der Geldbußen für alle Unternehmen um 15 % gerechtfertigt. Aus eben diesen Gründen kann die Klägerin auch nicht
         geltend machen, die Kommission habe außer Acht gelassen, dass ihr die Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens nicht bewusst gewesen
         sei. 
         
         
         172
            
          Das Argument, dass die fraglichen Absprachen den Verbrauchern keinen Schaden zugefügt hätten, da keine unzulässige Preiserhöhung
         erfolgt sei, und die Zuwiderhandlung nur eine begrenzte Auswirkung auf den Markt gehabt habe, ist entgegen dem Vorbringen
         der Klägerin von der Kommission sehr wohl berücksichtigt worden, wie sich aus den Randnummern 148 und 149 der Entscheidung
         ergibt. In Randnummer 148 hat die Kommission festgestellt, dass  
         [d]ie konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt ... begrenzt [waren] und dass die griechische Regierung  
         während der Dauer der Zuwiderhandlung darauf hingewirkt [hat], dass die Unternehmen ihre Tarife nicht über die Inflationsrate
         hinaus erhöhen, so dass  
         [d]ie Preise ... auf einem Niveau gehalten [wurden], das zu den niedrigsten im gemeinsamen Markt des Seeverkehrs zwischen
         den Mitgliedstaaten gehört. Darüber hinaus hat die Kommission berücksichtigt, dass die Zuwiderhandlung  
         nur einen kleinen Teil des Gemeinsamen Markts, nämlich drei Verkehrsstrecken im Adriatischen Meer [betraf], einen Fährverkehr, der im Verhältnis zu anderen Fahrtgebieten in der Gemeinschaft ein kleiner Markt sei (Randnr. 149 der
         Entscheidung). Gerade unter Berücksichtigung dieser Umstände hat die Kommission auf einen geringeren Grad der Schwere der
         Zuwiderhandlung erkannt und den Sachverhalt als schweren Verstoß anstatt als sehr schweren Verstoß eingestuft, den sie nach
         den Leitlinien hätte bejahen können. 
         
         
         173
            
          Da im Übrigen feststeht, dass die Klägerin durch Beteiligung an Absprachen mit ihren Konkurrenten eine schwere Zuwiderhandlung
         gegen das Gemeinschaftsrecht begangen hat, kann sie nicht behaupten, dass sie sich an einer Praxis beteiligt habe, die nach
         Ansicht der griechischen Regierung die Ziele der Gemeinschaft verfolgt habe. Dem Ziel der Entwicklung des innergemeinschaftlichen
         Handels kann nicht mit Mitteln gedient werden, die nach den Bestimmungen des Vertrages ausdrücklich verboten sind. 
         
         
         174
            
          Somit ist dieser Teil des Klagegrundes zurückzuweisen. 
          B ─ Zweiter Teil: Fehlerhafte Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung
          Vorbringen der Parteien
         
         
         175
            
          Die Klägerin wendet sich gegen die Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung durch die Kommission und trägt vor, dass für
         die Jahre 1987, 1988 und 1989 keine Preisvereinbarung geschlossen worden sei. In Bezug auf das Jahr 1987 verfüge die Kommission
         über keinen Beweis einer Vereinbarung zur Preispolitik. Die Verhandlungen von 1987 zwischen den Gesellschaften, an denen auch
         sie teilgenommen habe, beträfen ausschließlich die Tarife für das Jahr 1988. Zu den Jahren 1988 und 1989 macht die Klägerin
         geltend, dass die Verhandlungen zu keiner gemeinsamen Preisliste für die Beförderung von Passagieren geführt hätten, was durch
         die Tatsache belegt werde, dass die Tarife, die sie für diese Jahre veröffentlicht habe, sich von den Tarifen unterschieden,
         die die anderen Gesellschaften veröffentlicht hätten. 
         
         
         176
            
          Die Kommission weist auf die Rechtsprechung hin, wonach der Beitritt zu Preisabsprachen als solcher eine Zuwiderhandlung gegen
         Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag darstelle, und führt aus, dass die Beteiligung der Klägerin an den Tarifberatungen für die
         Jahre 1987, 1988 und 1989 durch die in den Randnummern 9, 10 und 12 der Entscheidung genannten Dokumente erwiesen sei. Schließlich
         hänge das Verbot einer Vereinbarung nicht davon ab, wie erfolgreich sie angewandt werde. 
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         177
            
          Die Argumente der Klägerin zur Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung für die Bestimmung der Höhe der Geldbuße laufen darauf
         hinaus, die Beweismittel in Frage zu stellen, die die Kommission für Bestehen und Umfang einer Zuwiderhandlung vorgelegt hat.
         Die Klägerin beanstandet nämlich die Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung durch die Kommission, weil ihr zufolge keine
         Vereinbarung über die Tarife für die Jahre 1987, 1988 und 1989 geschlossen wurde. Somit ist zu prüfen, ob die Beweismittel
         für die Jahre 1987, 1988 und 1989 (Randnrn. 9 bis 12 der Entscheidung) für den Nachweis ausreichen, dass eine Absprache wie
         die von der Kommission festgestellte bestanden und die Klägerin sich in diesem Zeitraum an ihr beteiligt hat. 
         
         
         178
            
          Insoweit ergibt sich aus der von der Klägerin nicht bestrittenen Darstellung des Sachverhalts in den Randnummern 9 bis 12
         der Entscheidung und insbesondere aus dem von der Kommission angeführten Fernschreiben vom 15. März 1989, dass Minoan versucht
         hat, Anek zu überreden, sich an der am 18. Juli 1987 mit den anderen beschuldigten Gesellschaften, die diese Linie betrieben,
         getroffenen Vereinbarung zu beteiligen, und dass angesichts des Zögerns von Anek, der Vereinbarung beizutreten, die übrigen
         Unternehmen (Minoan, Karageorgis, Marlines und die Klägerin) beschlossen haben, zum 26. Juni 1989 gemeinsam dieselben Preise
         wie die von Anek für Lkws anzuwenden. Außerdem belegt ein Fernschreiben vom 22. Juni 1989, dass Minoan Anek diese Entscheidung
         mitgeteilt hat. Folglich konnte die Kommission annehmen, dass der Inhalt dieses Fernschreibens den Nachweis erbrachte, dass
         nicht nur eine Vereinbarung bestand, sondern dass die Klägerin daran teilgenommen hatte. 
         
         
         179
            
          Die Klägerin vertritt die Auffassung, dass der Nachweis der Absprache für das Jahr 1987 nicht erbracht sei, da die 1987 geführten
         Verhandlungen zwischen den Gesellschaften, an denen auch sie teilgenommen habe, nur die Tarife für das Jahr 1988 betroffen
         hätten. Es ist jedoch festzustellen dass, wie die Kommission in der Entscheidung (Randnr. 9) bemerkt hat, der Verfasser des
         Fernschreibens vom 15. März 1989 darauf hingewiesen hat, dass  
         [d]ie gemeinsam mit den anderen Beteiligten festgelegte Preispolitik für 1988 ... am 18. Juli 1987 beschlossen [wurde]. Dies
         ist im Übrigen gängige Praxis.
         
         
         180
            
          Für die Jahre 1988 und 1989 räumt die Klägerin ein, dass die Preisverhandlungen stattgefunden haben. Entgegen ihrem Vorbringen
         ist aber die Tatsache, dass diese Verhandlungen zu keiner gemeinsamen Preisliste für die Beförderung von Passagieren geführt
         haben, für die Frage, ob ein Verstoß gegen Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag vorlag, irrelevant, wenn der wettbewerbswidrige
         Zweck der fraglichen Absprachen wie im vorliegenden Fall feststeht. 
         
         
         181
            
          Außerdem hat die Kommission, wie oben ausgeführt wurde, bei der Festsetzung der Geldbuße sehr wohl berücksichtigt, dass die
         streitige Vereinbarung von den an ihr Beteiligten nicht tatsächlich angewandt wurde. 
         
         
         182
            
          Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass dieser zweite Teil zurückzuweisen ist. 
          C ─ Dritter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße
          Vorbringen der Parteien
         
         
         183
            
          Die Klägerin trägt vor, die Kommission habe gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen, weil sie ihr eine Geldbuße
         auferlegt habe, die in Bezug auf die Natur der Zuwiderhandlung sowie in Anbetracht der für sie geltenden gemeinwirtschaftlichen
         Verpflichtungen, des Eingreifens des Ministeriums für die Handelsmarine und der begrenzten Auswirkungen der streitigen Vereinbarungen
         unangemessen sei. 
         
         
         184
            
          Die ihr auferlegte Geldbuße entspreche 2,6 % ihres Gesamtumsatzes; dieser Prozentsatz sei im Hinblick auf die fragliche Zuwiderhandlung
         und im Vergleich mit den anderen, früheren Wettbewerbssachen sehr hoch. Außerdem belaufe sich die von der Kommission letztlich
         verhängte Geldbuße auf 115 % des Grundbetrags, was sie unter Berücksichtigung der Zahl der mildernden Umstände, die von der
         Kommission nicht in Betracht gezogen worden seien, obwohl sie vorlägen, für besonders hoch halte. Die Kommission hätte auf
         ihre Geldbuße nämlich in Anbetracht dessen höhere Ermäßigungssätze anwenden müssen, dass sie mit ihr im Verwaltungsverfahren
         zusammengearbeitet und sich in Bezug auf die Anwendung von Artikel 85 Absatz 1 EG-Vertrag im Ungewissen befunden habe, sowie
         unter Berücksichtigung des griechischen gesetzlichen Rahmens für ihre gemeinwirtschaftlichen Verpflichtungen und des Eingreifens
         des Ministeriums für die Handelsmarine auf den Routen zwischen Griechenland und Italien. 
         
         
         185
            
          Schließlich rügt die Klägerin, die Kommission habe andere Gründe für eine niedrigere Festsetzung der Geldbuße nicht berücksichtigt,
         wie etwa die Tatsache, dass die Zuwiderhandlung nicht das Produkt eines unabhängigen Willens gewesen sei, den Umstand, dass
         es keine Vereinbarung für das Jahr 1987 gegeben habe, und die Durchführung eines Programms zur Herbeiführung der Vereinbarkeit
         mit den Wettbewerbsregeln. Insoweit führt sie das Urteil PVC II (Randnr. 1162) an. 
         
         
         186
            
          Die Kommission ist der Ansicht, die Klägerin habe nicht angegeben, aus welchen Gründen die verhängte Geldbuße in Bezug auf
         die Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung unverhältnismäßig sei, und sie weist darauf hin, dass die von ihr angeführten mildernden
         Umstände in der Entscheidung (Randnrn. 110, 148 und 149) bereits gewürdigt worden seien. 
         
         
         187
            
          Das Argument, dass sich die Unverhältnismäßigkeit der Geldbuße aus der Behandlung anderer Gesellschaften ergebe, die schwerere
         Zuwiderhandlungen begangen hätten, könne nicht akzeptiert werden, denn die Festsetzung der Höhe der Geldbußen erfolge nicht
         nach einer wie auch immer gearteten  
         mathematischen Berechnung. 
         
         
         188
            
          Das von der Klägerin angeführte Programm zur Herbeiführung der Vereinbarkeit mit dem Wettbewerbsrecht ändere nichts an der
         im vorliegenden Fall festgestellten Zuwiderhandlung. Im Übrigen weist die Kommission darauf hin, dass sie dem Umstand, dass
         die Klägerin die Tatsachen, auf denen die in der Entscheidung genannten Vorwürfe beruhten, nicht in Zweifel gezogen habe,
         Rechnung getragen und die Geldbuße niedriger festgesetzt habe. 
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         189
            
          Es ist zu prüfen, ob die gegen die Klägerin verhängte Geldbuße gemessen an der Schwere und Dauer der vorgeworfenen Zuwiderhandlung
         unverhältnismäßig war. 
         
         
         190
            
          Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Klägerin wegen ihrer Beteiligung an einer zutreffend als schwere Zuwiderhandlung
         eingestuften Absprache von langer Dauer eine Geldbuße von 1 500 000 ECU auferlegt wurde, die 2,6 % ihres Gesamtumsatzes entspricht,
         wie die Klägerin selbst geltend gemacht hat. Die ihr von der Kommission letztlich auferlegte Geldbuße belief sich auf 115 %
         des Grundbetrags. 
         
         
         191
            
          Was die Schwere der Zuwiderhandlung angeht, so wurde bei der Prüfung des ersten Teils festgestellt, dass die Klägerin insoweit
         zu Unrecht eine fehlerhafte Beurteilung rügt. 
         
         
         192
            
          Zur Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung ist darauf hinzuweisen, dass nach den Leitlinien Zuwiderhandlungen mit einer
         Dauer von mehr als fünf Jahren als Verstöße von langer Dauer anzusehen sind und derartige Verstöße für jedes Jahr eine Erhöhung
         um bis zu 10 % des für die Schwere des Verstoßes ermittelten Betrages rechtfertigen. 
         
         
         193
            
          Aus Randnummer 153 der Entscheidung ergibt sich, dass die Kommission die Ansicht vertreten hat, dass die Vereinbarung im Fall
         der Klägerin und von Minoan spätestens ab 18. Juli 1987 bis einschließlich Juli 1994 bestanden habe, als die Kommission ihre
         Nachforschungen aufgenommen habe; die Zuwiderhandlung dauerte demnach sieben Jahre an, und sie wurde von der Kommission im
         Fall der Klägerin, von Minoan und Karageorgis als Zuwiderhandlung  
         von langer Dauer und im Fall der übrigen beteiligten Unternehmen als Zuwiderhandlung  
         von mittlerer Dauer eingestuft (Randnummer 155 der Entscheidung). Die Kommission hielt im Fall der Klägerin und von Minoan  
         [f]ür jedes Jahr der Zuwiderhandlung ... [einen] Aufschlag in Höhe von 10 % für gerechtfertigt, d. h. eine Erhöhung um 70 % (Randnr. 156 der Entscheidung). Bei den anderen Unternehmen hat die Kommission
         den Betrag der Geldbuße im Fall von Marlines um 20 % und im Fall der übrigen Betreiber um 35 % bis 55 % erhöht. In Tabelle
         2 der Entscheidung sind die Aufschläge für die verschiedenen Unternehmen angegeben. 
         
         
         194
            
          Da nach den Leitlinien Zuwiderhandlungen mit einer Dauer von mehr als fünf Jahren als Verstöße von langer Dauer anzusehen
         sind und derartige Verstöße für jedes Jahr eine Erhöhung um bis zu 10 % des für die Schwere des Verstoßes ermittelten Betrages
         rechtfertigen, kann die Klägerin nicht geltend machen, dass bei ihr bei der Bestimmung der Dauer der Zuwiderhandlung, an der
         sie sich beteiligt hatte, der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt worden sei. 
         
         
         195
            
          Weiter ist festzustellen, dass entgegen dem Vorbringen der Klägerin alle von ihr angeführten mildernden Umstände in der Entscheidung
         tatsächlich berücksichtigt worden sind. 
         
         
         196
            
          Aus den Randnummern 162 bis 164 der Entscheidung geht hervor, dass die Kommission bei den betroffenen Unternehmen mehrere
         mildernde Umstände berücksichtigt hat. 
         
         
         197
            
          Erstens hat die Kommission (Randnr. 163 der Entscheidung), wie bereits erwähnt, die Auffassung vertreten, dass die griechischen
         Fährgesellschaften, die auch Strecken im Inland bedienten, sich nicht ganz im Klaren darüber gewesen seien, dass Konsultationen
         über die Festsetzung der Tarife für die Beförderung auf internationalen Strecken gegen das Gemeinschaftsrecht verstießen.
         Dieser Umstand habe eine Verringerung der Geldbußen für alle Unternehmen um 15 % gerechtfertigt. 
         
         
         198
            
          Zweitens (Randnr. 164 der Entscheidung) hat die Kommission berücksichtigt, dass Marlines, Adriatica, Anek und Ventouris Ferries
         reine Mitläufer gewesen seien. Dieser Umstand rechtfertige eine Verringerung der Geldbußen für die vier genannten Unternehmen
         um 15 %. Die Klägerin kann nicht geltend machen, dass sie Anspruch auf eine solche Verringerung habe, da sie keine reine Mitläuferin
         war, wie die gesamten in der Entscheidung angeführten Beweismittel belegen. 
         
         
         199
            
          Drittens hat die Kommission in Randnummer 169 der Entscheidung erklärt, dass die Geldbußen sämtlicher Unternehmen einschließlich
         der Klägerin um 20 % herabgesetzt worden seien, da keines der Unternehmen den ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte zugrunde
         liegenden Sachverhalt bestritten habe. Die Klägerin kann daher in Ermangelung jeder Angabe zu Art und Umfang der behaupteten
         Zusammenarbeit mit der Kommission nicht behaupten, dass diese bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße nicht berücksichtigt
         worden sei oder stärker hätte berücksichtigt werden müssen. 
         
         
         200
            
          Ebenso wenig kann die Klägerin der Kommission vorwerfen, sie habe den Umstand, dass der Klägerin die Rechtswidrigkeit ihres
         Verhaltens gar nicht bewusst gewesen sei, nicht zum Anlass für eine zusätzliche Herabsetzung des Betrages der Geldbuße genommen,
         da die Unsicherheit, die durch den gesetzlichen Rahmen und die Politik der griechischen Behörden bezüglich des Inlandstarifs
         entstanden war, sehr wohl berücksichtigt wurde und die Geldbußen der Unternehmen aus diesem Grund um 15 % herabgesetzt wurden
         (Randnr. 163 der Entscheidung). 
         
         
         201
            
          Schließlich kann das Argument, dass ein Programm zur Herbeiführung der Vereinbarkeit mit den Wettbewerbsregeln durchgeführt
         worden sei, nicht durchgreifen. Zwar ist bedeutsam, dass die Klägerin Maßnahmen ergriffen hat, um zu verhindern, dass von
         ihrem Personal künftig neue Zuwiderhandlungen gegen das gemeinschaftliche Wettbewerbsrecht begangen werden, doch ändert dies
         nichts an der festgestellten Zuwiderhandlung und deren Umfang. Allein der Umstand, dass die Kommission in einigen Fällen in
         ihrer früheren Entscheidungspraxis die Aufstellung eines Informationsprogramms als mildernden Umstand angesehen hat, verpflichtet
         sie nicht dazu, im vorliegenden Fall ebenso zu verfahren (Urteil PVC II, Randnr. 1162). Außerdem ist der Wille der Klägerin
         zur Zusammenarbeit mit der Kommission, der sich darin gezeigt hat, dass sie die Tatsachen, denen die in der Entscheidung genannten
         Vorwürfe zugrunde lagen, nicht in Frage gestellt hat, von der Kommission bereits anerkannt worden, was ihr eine um 20 % niedrigere
         Festsetzung der Geldbuße eingebracht hat. 
         
         
         202
            
          Daraus folgt, dass dieser dritte Teil sowie der gesamte Klagegrund in vollem Umfang zurückzuweisen sind. 
         
         
         203
            
          Nach alledem ist die Klage in vollem Umfang abzuweisen. 
         
         Kosten
         204
            
          Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
         Da die Klägerin mit ihrem Vorbringen unterlegen ist und die Kommission beantragt hat, ihr die Kosten aufzuerlegen, ist die
         Klägerin zur Tragung der Kosten der Kommission zu verurteilen. 
         
         Aus diesen Gründen hat 
         
         
         
            
            DAS GERICHT (Fünfte Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:  
         
            
            1.
             Die Klage wird abgewiesen. 
            
            2.
             Die Klägerin trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten der Kommission. 
            
                  Cooke
               
               
                  García-Valdecasas 
               
               
                  Lindh 
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 11. Dezember 2003. 
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Die Präsidentin
               
            
         
         
         
                  H. Jung
               
               
                  P. Lindh  
               
            
         
            
         
      
          1 –
            
             Verfahrenssprache: Griechisch.