CELEX: 62009CJ0243
Language: de
Date: 2010-10-14 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 14. Oktober 2010.#Günter Fuß gegen Stadt Halle.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Verwaltungsgericht Halle - Deutschland.#Sozialpolitik - Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer - Richtlinie 2003/88/EG - Arbeitszeitgestaltung - Im öffentlichen Sektor beschäftigte Feuerwehrleute - Einsatzdienst - Art. 6 Buchst. b und 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b - Wöchentliche Höchstarbeitszeit - Weigerung, eine Arbeit auszuüben, die die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschreitet - Umsetzung in einen anderen Dienst gegen den Willen des Arbeitnehmers - Unmittelbare Wirkung - Folge für die nationalen Gerichte.#Rechtssache C-243/09.

Rechtssache C‑243/09
      Günter Fuß
      gegen
      Stadt Halle
      (Vorabentscheidungsersuchen des Verwaltungsgerichts Halle)
      „Sozialpolitik – Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer – Richtlinie 2003/88/EG – Arbeitszeitgestaltung – Im öffentlichen Sektor beschäftigte Feuerwehrleute – Einsatzdienst – Art. 6 Buchst. b und 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b – Wöchentliche Höchstarbeitszeit – Weigerung, eine Arbeit auszuüben, die die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschreitet – Umsetzung in einen anderen Dienst gegen den Willen des Arbeitnehmers – Unmittelbare Wirkung – Folge für die nationalen Gerichte“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Sozialpolitik – Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer – Richtlinie 2003/88 über bestimmte Aspekte der
            Arbeitszeitgestaltung
      (Richtlinie 2003/88 des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 6 Buchst. b)
      2.        Sozialpolitik – Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer –Richtlinie 2003/88 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung
            – Art. 6 Buchst. b – Unmittelbare Wirkung
      (Richtlinie 2003/88 des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 6 Buchst. b)
      1.        Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung ist dahin gehend auszulegen, dass
         er einer nationalen Regelung entgegensteht, die es zulässt, dass ein Arbeitgeber des öffentlichen Sektors eine Umsetzung eines
         Arbeitnehmers, der als Feuerwehrmann im Einsatzdienst beschäftigt ist, in einen anderen Dienst gegen dessen Willen mit der
         Begründung vornimmt, dass dieser die Einhaltung der in Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie vorgesehenen durchschnittlichen
         wöchentlichen Höchstarbeitszeit im Einsatzdienst verlangt hat. Der Umstand, dass einem solchen Arbeitnehmer durch diese Umsetzung
         neben dem Nachteil, der sich aus der Verletzung von Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie ergibt, kein spezifischer Nachteil
         entstanden ist, ist in dieser Hinsicht unerheblich.
      
      (vgl. Randnrn. 53-55 und Tenor)
      2.        Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung erfüllt alle Voraussetzungen, um
         unmittelbare Wirkung zu entfalten, da er den Mitgliedstaaten unmissverständlich eine Verpflichtung zur Erreichung eines bestimmten
         Ergebnisses auferlegt, die im Hinblick auf die Anwendung der dort aufgestellten Regel durch keinerlei Bedingungen eingeschränkt
         ist und die dahin geht, für die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit eine Höchstgrenze von 48 Stunden einschließlich
         der Überstunden vorzusehen. Dass die Richtlinie den Mitgliedstaaten erlaubt, von Art. 6 dieser Richtlinie abzuweichen, nimmt
         dem Buchst. b dieses Artikels doch nichts von seiner Genauigkeit und Unbedingtheit. Die Befugnis der Mitgliedstaaten, Art. 6
         nicht anzuwenden, hängt nämlich von der Einhaltung aller in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie genannten Bedingungen
         ab, so dass es möglich ist, den Mindestschutz zu bestimmen, der auf jeden Fall zu verwirklichen ist.
      
      Demnach hat ein im öffentlichen Sektor beschäftigter Arbeitnehmer das Recht, gegenüber seinem Arbeitgeber Art. 6 Buchst. b
         der Richtlinie 2003/88 unmittelbar geltend zu machen, damit das durch diese Bestimmung garantierte Recht auf eine durchschnittliche
         wöchentliche Arbeitszeit, die 48 Stunden nicht überschreitet, beachtet wird. Die nationalen Gerichte und die Verwaltungsorgane,
         einschließlich der Gebietskörperschaften, haben das Unionsrecht in vollem Umfang anzuwenden und die Rechte, die dieses dem
         Einzelnen einräumt, zu schützen, indem sie entgegenstehende Vorschriften des innerstaatlichen Rechts gegebenenfalls unangewendet
         lassen.
      
      Eine Umsetzung gegen den Willen des Arbeitnehmers, weil dieser verlangt hat, dass die in dieser Bestimmung vorgesehene durchschnittliche
         wöchentliche Höchstarbeitszeit beachtet wird, führt dazu, dass das durch diese Bestimmung verliehene Recht völlig ausgehöhlt
         wird. Eine solche Maßnahme macht die praktische Wirksamkeit dieser Bestimmung in Bezug auf diesen Arbeitnehmer zunichte. Es
         ist daher offensichtlich, dass diese Maßnahme weder die vollständige Anwendung von Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88
         noch den Schutz der Rechte gewährleistet, die diese Bestimmung den Arbeitnehmern in dem betreffenden Mitgliedstaat verleiht.
      
      Außerdem wird das Grundrecht auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz, das in Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen
         Union garantiert wird, die nach Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 EUV den Verträgen rechtlich gleichrangig ist, wesentlich beeinträchtigt,
         wenn ein Arbeitgeber als Reaktion auf eine Beschwerde oder eine Klage, die ein Arbeitnehmer zur Gewährleistung der Einhaltung
         von Vorschriften einer Richtlinie zum Schutz seiner Sicherheit und Gesundheit eingereicht hat, das Recht hätte, eine Retorsionsmaßnahme
         zu ergreifen. Die Angst vor solchen Retorsionsmaßnahmen, gegen die keine Klagemöglichkeit gegeben wäre, könnte nämlich Arbeitnehmer,
         die sich durch eine von ihrem Arbeitgeber getroffene Maßnahme für beschwert halten, davon abschrecken, ihre Rechte gerichtlich
         geltend zu machen, und wäre folglich geeignet, die Verwirklichung des mit der Richtlinie verfolgten Ziels in schwerwiegender
         Weise zu gefährden. 
      
      (vgl. Randnrn. 57-61, 63, 65-66)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Zweite Kammer)
      14. Oktober 2010(*)
      
      „Sozialpolitik – Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer – Richtlinie 2003/88/EG – Arbeitszeitgestaltung – Im öffentlichen Sektor beschäftigte Feuerwehrleute – Einsatzdienst – Art. 6 Buchst. b und 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b – Wöchentliche Höchstarbeitszeit – Weigerung, eine Arbeit auszuüben, die die wöchentliche Höchstarbeitszeit überschreitet – Umsetzung in einen anderen Dienst gegen den Willen des Arbeitnehmers – Unmittelbare Wirkung – Folge für die nationalen Gerichte“
      In der Rechtssache C‑243/09
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Verwaltungsgericht Halle (Deutschland) mit Entscheidung
         vom 25. März 2009, beim Gerichtshof eingegangen am 3. Juli 2009, in dem Verfahren
      
      Günter Fuß
      gegen
      Stadt Halle
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten J. N. Cunha Rodrigues sowie der Richter A. Arabadjiev, A. Rosas, U. Lõhmus und A. Ó Caoimh
         (Berichterstatter), 
      
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: A. Calot Escobar,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        von Herrn Fuß, vertreten durch Rechtsanwalt M. Geißler,
      –        der Stadt Halle, vertreten durch Herrn Willecke als Bevollmächtigten,
      –        der deutschen Regierung, vertreten durch M. Lumma und C. Blaschke als Bevollmächtigte,
      –        der österreichischen Regierung, vertreten durch C. Pesendorfer als Bevollmächtigte,
      –        der Europäischen Kommission, vertreten durch V. Kreuschitz und M. van Beek als Bevollmächtigte,
      aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88/EG des
         Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. November 2003 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung (ABl. L 299, S. 9).
         
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen Herrn Fuß und dessen Arbeitgeber, der Stadt Halle, über die
         gegen seinen Willen erfolgte Umsetzung auf einen anderen Dienstposten, als den, den er zuvor als Feuerwehrmann innegehabt
         hatte.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
      3        Laut ihrem ersten Erwägungsgrund kodifiziert die Richtlinie 2003/88 aus Gründen der Übersichtlichkeit und Klarheit die Bestimmungen
         der Richtlinie 93/104/EG des Rates vom 23. November 1993 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung (ABl. L 307, S. 18)
         in ihrer durch die Richtlinie 2000/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 2000 (ABl. L 195, S. 41) geänderten
         Fassung (im Folgenden: Richtlinie 93/104). Die Richtlinien 93/104 und 2000/34 mussten von den Mitgliedstaaten spätestens bis
         zum 23. November 1996 bzw. 1. August 2003 in innerstaatliches Recht umgesetzt werden. 
      
      4        In Art. 1 („Gegenstand und Anwendungsbereich“) der Richtlinie 2003/88 heißt es:
      
      „(1)      Diese Richtlinie enthält Mindestvorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeitszeitgestaltung.
      (2)      Gegenstand dieser Richtlinie sind 
      a)      die täglichen und wöchentlichen Mindestruhezeiten, der Mindestjahresurlaub, die Ruhepausen und die wöchentliche Höchstarbeitszeit
         sowie 
      
      …“
      5        Art. 6 („Wöchentliche Höchstarbeitszeit“) dieser Richtlinie bestimmt:
      
      „Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit nach Maßgabe der Erfordernisse der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes
         der Arbeitnehmer:
      
      a)      die wöchentliche Arbeitszeit durch innerstaatliche Rechts- und Verwaltungsvorschriften oder in Tarifverträgen oder Vereinbarungen
         zwischen den Sozialpartnern festgelegt wird; 
      
      b)      die durchschnittliche Arbeitszeit pro Siebentageszeitraum 48 Stunden einschließlich der Überstunden nicht überschreitet.“
      6        Art. 15 („Günstigere Vorschriften“) der Richtlinie 2003/88 lautet: 
      
      „Das Recht der Mitgliedstaaten, für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer günstigere Rechts- und Verwaltungsvorschriften
         anzuwenden oder zu erlassen oder die Anwendung von für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer günstigeren
         Tarifverträgen oder Vereinbarungen zwischen den Sozialpartnern zu fördern oder zu gestatten, bleibt unberührt.“
      
      7        Art. 17 („Abweichungen“) dieser Richtlinie sieht vor:
      
      „(1)      Unter Beachtung der allgemeinen Grundsätze des Schutzes der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer können die Mitgliedstaaten
         von den Artikeln 3 bis 6, 8 und 16 abweichen, wenn die Arbeitszeit wegen der besonderen Merkmale der ausgeübten Tätigkeit
         nicht gemessen und/oder nicht im Voraus festgelegt wird oder von den Arbeitnehmern selbst festgelegt werden kann, …
      
      …
      (3)      Gemäß Absatz 2 dieses Artikels sind Abweichungen von den Artikeln 3, 4, 5, 8 und 16 zulässig: 
      …
      c)      bei Tätigkeiten, die dadurch gekennzeichnet sind, dass die Kontinuität des Dienstes oder der Produktion gewährleistet sein
         muss, und zwar insbesondere bei 
      
      …
      iii)  … Feuerwehr- oder Katastrophenschutzdiensten“.
      8        Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2003/88 bestimmt: 
      
      „Es ist einem Mitgliedstaat freigestellt, Artikel 6 nicht anzuwenden, wenn er die allgemeinen Grundsätze der Sicherheit und
         des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer einhält und mit den erforderlichen Maßnahmen dafür sorgt, dass 
      
      a)      kein Arbeitgeber von einem Arbeitnehmer verlangt, im Durchschnitt des in Artikel 16 Buchstabe b) genannten Bezugszeitraums
         mehr als 48 Stunden innerhalb eines Siebentagezeitraums zu arbeiten, es sei denn der Arbeitnehmer hat sich hierzu bereit erklärt;
         
      
      b)      keinem Arbeitnehmer Nachteile daraus entstehen, dass er nicht bereit ist, eine solche Arbeit zu leisten; 
      c)      der Arbeitgeber aktuelle Listen über alle Arbeitnehmer führt, die eine solche Arbeit leisten; 
      d)      die Listen den zuständigen Behörden zur Verfügung gestellt werden, die aus Gründen der Sicherheit und/oder des Schutzes der
         Gesundheit der Arbeitnehmer die Möglichkeit zur Überschreitung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit unterbinden oder einschränken
         können;
      
      e)      der Arbeitgeber die zuständigen Behörden auf Ersuchen darüber unterrichtet, welche Arbeitnehmer sich dazu bereit erklärt haben,
         im Durchschnitt des in Artikel 16 Buchstabe b) genannten Bezugszeitraums mehr als 48 Stunden innerhalb eines Siebentagezeitraums
         zu arbeiten.“
      
      9        Nach ihrem Art. 28 trat die Richtlinie 2003/88 am 2. August 2004 in Kraft. 
      
       Nationales Recht
      10      § 2 Abs. 1 der Verordnung über die Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten im feuerwehrtechnischen Dienst der Städte und Gemeinden
         des Landes Sachsen-Anhalt vom 7. Oktober 1998 (im Folgenden: ArbZVO-FW 1998), die bis zum 31. Dezember 2007 in Kraft war,
         bestimmte:
      
      „Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt für im Schichtdienst eingesetzte Beamtinnen und Beamte, deren wöchentliche Arbeitszeit
         überwiegend in Bereitschaft abgeleistet wird, im Durchschnitt 54 Stunden. … “ 
      
      11      Mit Wirkung zum 1. Januar 2008 wurde die ArbZVO-FW 1998 durch die ArbZVO-FW vom 5. Juli 2007 (im Folgenden: ArbZVO-FW 2007)
         ersetzt.
      
      12      § 2 Abs. 1 der ArbZVO-FW 2007 lautet:
      
      „Die regelmäßige durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit der Beamtinnen und Beamten, einschließlich der Mehrarbeitsstunden,
         beträgt im Jahresdurchschnitt 48 Stunden.“ 
      
      13      § 4 („Individualvereinbarungen“) der ArbZVO-FW 2007 sieht vor:
      
      „(1) Unter Einhaltung der allgemeinen Grundsätze der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes kann über die regelmäßige durchschnittliche
         wöchentliche Arbeitszeit des § 2 Abs. 1 hinaus Schichtdienst als durchschnittliche regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit geleistet
         werden, wenn Betroffene sich hierzu bereit erklären und der Dienstherr einen Nachweis hierüber führt.
      
      (2) Die Erklärung nach Absatz 1 kann mit einer Frist von sechs Monaten widerrufen werden. Die Betroffenen sind hierauf schriftlich
         hinzuweisen.“
      
      14      Nach § 612a des Bürgerlichen Gesetzbuchs darf der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung oder einer Maßnahme
         nicht benachteiligen, weil der Arbeitnehmer in zulässiger Weise seine Rechte ausübt. 
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      15      Herr Fuß ist seit dem 10. Mai 1982 bei der Stadt Halle beschäftigt. Im Jahr 1998 wurde er im Dienstgrad Oberbrandmeister zum
         Beamten ernannt und führt seit dem 15. Dezember 2005 den Dienstgrad Hauptbrandmeister.
      
      16      Bis zum 4. Januar 2007 wurde Herr Fuß im Einsatzdienst „abwehrender Brandschutz“ der Feuerwehr der Stadt Halle als Fahrzeugführer
         verwendet. Sein Dienstplan sah eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 54 Stunden vor. 
      
      17      Bei einer Anfang 2006 durchgeführten Personalversammlung wurde den Mitarbeitern des Einsatzdienstes durch die Leitung der
         Stadt Halle mitgeteilt, dass Umsetzungen in das Einsatzleitzentrum der Feuerwehr erfolgten, wenn die Einhaltung der Richtlinie
         2003/88 gewünscht werde. 
      
      18      Mit Schreiben vom 13. Dezember 2006 beantragte Herr Fuß unter Verweis auf den Beschluss des Gerichtshofs vom 14. Juli 2005,
         Personalrat der Feuerwehr Hamburg (C‑52/04, Slg. 2005, I‑7111), dass seine wöchentliche Arbeitszeit künftig die nach Art. 6
         Buchst. b der Richtlinie 2003/88 vorgeschriebene durchschnittliche Höchstgrenze von 48 Stunden nicht mehr überschreitet. Mit
         demselben Schreiben machte er Ausgleichsansprüche für die im Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis zum 31. Dezember 2006 rechtswidrig
         geleisteten Mehrarbeitsstunden geltend.
      
      19      Mit Schreiben vom 18. Dezember 2006 stellte die Stadt Halle ein Besetzungskonzept auf, wonach eine frei werdende Rotationsstelle
         im Einsatzleitzentrum der Feuerwehr zum 1. April 2007 neu besetzt werden müsse, um einen personellen und qualitativen Engpass
         zu vermeiden. 
      
      20      Am 21. Dezember 2006 wurde Herr Fuß von seinem Arbeitgeber zu der von diesem geplanten Umsetzung auf die genannte Stelle angehört.
         Während dieses Gesprächs teilte Herr Fuß mit, dass er weiterhin im Einsatzdienst arbeiten wolle. 
      
      21      Mit Verfügung vom 2. Januar 2007 setzte die Stadt Halle Herrn Fuß zeitlich befristet – vom 5. Januar 2007 bis zum 31. März
         2009 – in das Einsatzleitzentrum mit der Begründung um, dass eine solche Umsetzung aus dienstorganisatorischen Gründen erforderlich
         sei (im Folgenden: Umsetzungsverfügung). Nach Angaben der Stadt Halle seien Voraussetzung für die fragliche Stelle ein Lehrgang
         zum Oberbrandmeister, mehrjährige Erfahrung als Fahrzeugführer und ein Rettungssanitäterlehrgang. Außerdem werde Herrn Fuß
         durch die Umsetzung u. a. ermöglicht, unter Beachtung der wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden zu arbeiten.
      
      22      Seit seiner Umsetzung in das Einsatzleitzentrum der Feuerwehr arbeitet Herr Fuß 40 Stunden pro Woche und hat seither keinen
         24-Stunden-Dienst mehr zu leisten. Außerdem erhält er angesichts des geringeren Umfangs des Dienstes zu ungünstigen Zeiten
         (Nacht, Sonn- und Feiertage) eine geringere Erschwerniszulage für den Dienst zu ungünstigen Zeiten. 
      
      23      Am 4. Januar 2007 legte Herr Fuß bei der Stadt Halle Widerspruch gegen die Umsetzungsverfügung ein und machte im Wesentlichen
         geltend, dass er nicht in einem anderen Dienstplanmodell arbeiten möchte. 
      
      24      Mit Widerspruchsbescheid vom 23. Januar 2007 wies die Stadt Halle den Widerspruch im Wesentlichen mit der Begründung zurück,
         dass die Umsetzung eine Personalmaßnahme sei, die auf der Weisungsbefugnis des Dienstherrn basiere, die dieser nach billigem
         Ermessen ausüben dürfe. 
      
      25      Am 28. Februar 2007 erhob Herr Fuß beim Verwaltungsgericht Halle Klage auf Aufhebung der Umsetzungsverfügung und Rückumsetzung
         auf den Dienstposten, den er vor der ihn betreffenden Maßnahme innehatte. Er trägt im Wesentlichen vor, dass seine Umsetzung
         allein deshalb erfolgt sei, weil er eine Verringerung seiner Arbeitszeit entsprechend den Bestimmungen der Richtlinie 2003/88
         gefordert habe. Die Stadt Halle ist hingegen der Ansicht, dass diese Verfügung keineswegs zum Gegenstand gehabt habe, Herrn
         Fuß zu maßregeln, sondern dass sie ermöglicht habe, sein Begehren auf Einhaltung einer Arbeitswoche von 48 Stunden zu erfüllen,
         ohne den Dienstplan vorzeitig und für ihn allein ändern zu müssen, was mit dienstorganisatorischen Schwierigkeiten verbunden
         wäre. Die Anpassung des Dienstplans an die Richtlinie 2003/88 solle nämlich für alle Bediensteten einheitlich erfolgen.
      
      26      In seinem Vorlagebeschluss stellt das vorlegende Gericht fest, dass die Umsetzungsverfügung mit dem innerstaatlichen Recht
         im Einklang steht. Denn zum einen sei Herr Fuß auf einen statusgerechten Posten in derselben Besoldungsgruppe umgesetzt worden.
         Zum anderen liege auch unter der Annahme, dass keine dienstorganisatorischen Gründe vorlägen, ein sachgemäßer Grund für die
         Umsetzung von Herrn Fuß vor, nämlich der Wille, dem Kläger gegenüber nicht mehr gegen Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88
         zu verstoßen, ohne den Dienstplan und die Arbeitszeit der übrigen Feuerwehrmänner der Richtlinie entsprechend zu ändern.
      
      27      Das vorlegende Gericht fragt sich aber, ob die Umsetzungsverfügung gegen Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie
         2003/88 verstößt. 
      
      28      Zum maßgebenden Zeitpunkt des Sachverhalts sei § 2 Abs. 1 ArbZVO-FW 1998 nicht als eine von Art. 6 Buchst. b der Richtlinie
         2003/88 abweichende Vorschrift im Sinne des Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie konzipiert gewesen, und keine andere
         Bestimmung des innerstaatlichen Rechts habe die Möglichkeit einer solchen Abweichung unter der Einhaltung der in dieser Bestimmung
         angeführten Bedingungen vorgesehen, insbesondere der in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b genannten, dass keinem Arbeitnehmer
         Nachteile daraus entstehen dürften, dass er nicht dazu bereit sei, Dienst zu tun, der die durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit
         von 48 Stunden überschreite. Jedoch müsse das Verbot, Arbeitnehmer zu benachteiligen, erst recht gelten, wenn der Arbeitgeber,
         obwohl dies nach keiner innerstaatlichen Bestimmung ausdrücklich erlaubt sei, von einem Arbeitnehmer verlange, dass er die
         in Art. 6 Buchst. b vorgeschriebene Arbeitszeitgrenze überschreite, und dieser Arbeitnehmer auf der Einhaltung dieser Bestimmung
         bestehe, es sei denn, man ließe zu, dass die Rechte aus der Richtlinie 2003/88 unterlaufen würden und die Richtlinie ihren
         Zweck verfehlte.
      
      29      Es stelle sich jedoch die Frage, ob der Begriff „Nachteile“ in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88
         subjektiv oder objektiv zu verstehen sei. Subjektiv gesehen müsse das Vorliegen eines Nachteils für Herrn Fuß festgestellt
         werden, wenn dieser die Änderung der Dienstzuteilung als Maßregelung empfunden habe. Hingegen habe Herr Fuß objektiv betrachtet
         keinen Nachteil erlitten, da seine neue Dienstzuteilung weniger gefährlich sei als seine vorige und ihm die Möglichkeit geboten
         worden sei, weitere berufliche Qualifikationen zu erlangen. Herr Fuß habe zwar aufgrund der Verminderung seiner Erschwerniszulage
         für Dienst zu ungünstigen Zeiten eine Gehaltseinbuße erlitten. Diese Verminderung sei jedoch dadurch gerechtfertigt, dass
         er weniger Dienst zu ungünstigen Zeiten leiste und durch ein Mehr an Freizeit entschädigt werde. Im Übrigen sei es unerheblich,
         dass die Umsetzung befristet sei, da Herr Fuß nach der seit dem 1. Januar 2008 geltenden ArbZVO-FW 2007 auf einem Posten belassen
         werden könne, der nicht zum Einsatzdienst gehöre, wenn er sein Einverständnis zur Überschreitung der Höchstarbeitszeit von
         48 Stunden je Arbeitswoche nicht gebe. 
      
      30      Unter diesen Umständen hat das Verwaltungsgericht Halle beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende
         Fragen zur Vorabentscheidung vorzulegen: 
      
      1.      Ist der Nachteil in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 objektiv oder subjektiv zu verstehen?
      2.      Liegt ein Nachteil im Sinne des Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 vor, wenn ein Beamter im Einsatzdienst
         aufgrund seines Ersuchens zukünftig die Höchstarbeitszeit einzuhalten gegen seinen Willen auf einen anderen Dienstposten umgesetzt
         wird, der überwiegend Innendienst erfordert?
      
      3.      Ist eine niedrigere Bezahlung als Nachteil im Sinne des Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 zu verstehen,
         wenn durch die Umsetzung sich der Umfang des Dienstes zu ungünstigen Zeiten (Nacht oder Sonn- und Feiertage) vermindert und
         damit auch die Höhe einer Erschwerniszulage, die für solchen Dienst geleistet wird?
      
      4.      Für den Fall, dass die Frage 2 oder 3 zu bejahen ist: Kann ein durch eine Umsetzung entstandener Nachteil durch andere Vorteile
         des neuen Dienstpostens ausgeglichen werden, wie kürzere Arbeitszeiten oder eine Fortbildung?
      
       Zu den Vorlagefragen
      31      Mit seinen Fragen, die gemeinsam zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht wissen, ob der Begriff „Nachteile“ in Art. 22
         Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 dahin gehend auszulegen ist, dass er einer nationalen Regel wie der im
         Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die es zulässt, dass ein Arbeitgeber des öffentlichen Sektors eine Umsetzung gegen
         den Willen eines Arbeitnehmers, der als Feuerwehrmann im Einsatzdienst beschäftigt ist, vornimmt, weil dieser verlangt hat,
         dass die in Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie vorgesehene durchschnittliche wöchentliche Höchstarbeitszeit im Einsatzdienst
         beachtet wird. 
      
      32      Dazu geht aus ständiger Rechtsprechung hervor, dass durch die Richtlinie 2003/88 Mindestvorschriften festgelegt werden sollen,
         die dazu bestimmt sind, die Lebens‑ und Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer durch eine Angleichung namentlich der innerstaatlichen
         Arbeitszeitvorschriften zu verbessern. Diese Harmonisierung der Arbeitszeitgestaltung auf der Ebene der Europäischen Union
         durch Gewährung von – u. a. täglichen und wöchentlichen – Mindestruhezeiten und angemessenen Ruhepausen sowie die Festlegung
         einer Obergrenze für die wöchentliche Arbeitszeit soll einen besseren Schutz der Sicherheit und der Gesundheit der Arbeitnehmer
         gewährleisten (vgl. u. a. Urteile vom 5. Oktober 2004, Pfeiffer u. a., C‑397/01 bis C‑403/01, Slg. 2004, I‑8835, Randnr. 76,
         vom 1. Dezember 2005, Dellas u. a., C‑14/04, Slg. 2005, I‑10253, Randnrn. 40 und 41, und vom 7. September 2006, Kommission/Vereinigtes
         Königreich, C‑484/04, Slg. 2006, I‑7471, Randnrn. 35 und 36).
      
      33      Nach Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 sind die Mitgliedstaaten demgemäß verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen
         zu treffen, damit nach Maßgabe der Erfordernisse der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer die durchschnittliche
         Arbeitszeit pro Siebentageszeitraum 48 Stunden einschließlich der Überstunden nicht überschreitet. Diese Obergrenze hinsichtlich
         der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit ist eine besonders wichtige Regel des Sozialrechts der Union, die jedem Arbeitnehmer
         als ein zum Schutz seiner Sicherheit und seiner Gesundheit bestimmter Mindestanspruch zugutekommen muss (vgl. Urteile Pfeiffer
         u. a., Randnr. 100, Dellas u. a., Randnr. 49, und Kommission/Vereinigtes Königreich, Randnr. 38). 
      
      34      Im Rahmen der mit der Richtlinie 2003/88 geschaffenen Regelung lässt Art. 15 dieser Richtlinie zwar grundsätzlich die Anwendung
         oder Einführung nationaler Vorschriften zu, die für den Schutz der Sicherheit oder Gesundheit der Arbeitnehmer günstiger sind,
         doch dürfen die Mitgliedstaaten oder die Sozialpartner nur von einigen abschließend aufgeführten Bestimmungen abweichen. Derartige
         Abweichungen sind außerdem engen Voraussetzungen unterworfen, die einen wirksamen Schutz der Sicherheit und der Gesundheit
         der Arbeitnehmer gewährleisten sollen (vgl. Urteil Pfeiffer u. a., Randnrn. 77 und 96).
      
      35      So bietet Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2003/88, der Gegenstand der Vorlagefragen ist, den Mitgliedstaaten die
         Möglichkeit, Art. 6 dieser Richtlinie nicht anzuwenden, soweit sie die allgemeinen Grundsätze der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes
         der Arbeitnehmer einhalten und eine Reihe von in dieser Bestimmung genannten kumulativen Voraussetzungen erfüllen, u. a. die
         in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b genannte, wonach Maßnahmen getroffen werden müssen, damit keinem Arbeitnehmer Nachteile
         daraus entstehen, dass er nicht bereit ist, eine Arbeit zu leisten, deren durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit die in
         Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie genannte Höchstgrenze überschreitet. 
      
      36      Im vorliegenden Fall ist es jedoch unstreitig, dass weder die Bundesrepublik Deutschland, wie der Gerichtshof bereits in Randnr.
         85 des Urteils vom 9. September 2003, Jaeger (C‑151/02, Slg. 2003, I‑8389), und in Randnr. 98 des Urteils Pfeiffer u. a. festgestellt
         hat, noch das Land Sachsen-Anhalt, was im Vorlagebeschluss des mit dem Ausgangsrechtsstreit befassten Gerichts dargelegt und
         im Rahmen des vorliegenden Verfahrens sowohl von der deutschen Regierung als auch von der Stadt Halle in ihren schriftlichen
         Erklärungen bestätigt worden ist, zu dem im Ausgangsverfahren maßgeblichen Zeitpunkt von dieser Abweichungsmöglichkeit Gebrauch
         gemacht haben, da die zu diesem Zeitpunkt geltenden Vorschriften des innerstaatlichen Rechts keine Maßnahmen enthielten, die
         Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2003/88 entsprechen oder diese Bestimmung umsetzen sollten. Zu diesem Punkt vom
         Gerichtshof schriftlich befragt hat die Stadt Halle diese Feststellung wiederholt; Herr Fuß und die österreichische Regierung
         haben sich ebenfalls in diesem Sinne geäußert. 
      
      37      Das vorlegende Gericht führt dazu allenfalls aus, dass von dieser in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88
         vorgesehenen Abweichungsmöglichkeit später in der Regelung Gebrauch gemacht worden sei, die das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen
         der Umsetzung dieser Richtlinie speziell für Bedienstete im feuerwehrtechnischen Dienst der Städte und Gemeinden des Landes
         Sachsen-Anhalt in der Folge erlassen habe. Diese Regelung ist jedoch erst am 1. Januar 2008 in Kraft getreten, d. h., nachdem
         die Umsetzungsverfügung getroffen wurde. 
      
      38      Daraus folgt, dass Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2003/88 mangels innerstaatlicher Maßnahmen zur Durchführung dieser
         den Mitgliedstaaten eröffneten Abweichungsmöglichkeit für die Entscheidung über den Ausgangsrechtsstreit unerheblich ist und
         dass demnach ausschließlich Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie heranzuziehen ist, wonach die Mitgliedstaaten den Grundsatz
         beachten müssen, dass die durchschnittliche Arbeitszeit pro Siebentageszeitraum 48 Stunden nicht überschreitet. 
      
      39      In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es im Rahmen des durch Art. 267 AEUV eingeführten Verfahrens der Zusammenarbeit
         zwischen den nationalen Gerichten und dem Gerichtshof dessen Aufgabe ist, dem nationalen Gericht eine für die Entscheidung
         des bei diesem anhängigen Verfahrens sachdienliche Antwort zu geben. Hierzu hat er die ihm vorgelegten Fragen gegebenenfalls
         umzuformulieren. Es ist nämlich Aufgabe des Gerichtshofs, alle Bestimmungen des Unionsrechts auszulegen, die die nationalen
         Gerichte benötigen, um die bei ihnen anhängigen Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden, auch wenn diese Bestimmungen in den dem
         Gerichtshof von diesen Gerichten vorgelegten Fragen nicht ausdrücklich genannt sind (vgl. in diesem Sinne u. a. Urteile vom
         8. März 2007, Campina, C‑45/06, Slg. 2007, I‑2089, Randnrn. 30 und 31, vom 26. Juni 2008, Wiedemann und Funk, C‑329/06 und
         C‑343/06, Slg. 2008, I‑4635, Randnr. 45, und vom 2. September 2010, Kirin Amgen, C‑66/09, noch nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht, Randnr. 27).
      
      40      Auch wenn das vorlegende Gericht seine Fragen der Form nach auf die Auslegung von Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der
         Richtlinie 2003/88 beschränkt hat, hindert dies demnach den Gerichtshof nicht daran, dem Gericht alle Hinweise zur Auslegung
         des Unionsrechts zu geben, die diesem bei der Entscheidung des bei ihm anhängigen Verfahrens von Nutzen sein können, und zwar
         unabhängig davon, ob es bei seiner Fragestellung darauf Bezug genommen hat. Der Gerichtshof hat insoweit aus dem gesamten
         von dem einzelstaatlichen Gericht vorgelegten Material, insbesondere der Begründung der Vorlageentscheidung, diejenigen Elemente
         des Unionsrechts herauszuarbeiten, die unter Berücksichtigung des Gegenstands des Rechtsstreits einer Auslegung bedürfen (vgl.
         Urteil vom 12. Januar 2010, Wolf, C‑229/08, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 32 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      41      Im vorliegenden Fall ergibt sich aus dem Vorlagebeschluss, dass das mit dem Ausgangsrechtsstreit befasste Gericht der Ansicht
         ist, da die in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 vorgesehene Bedingung, dass dem Arbeitnehmer keine
         Nachteile entstehen dürfen, gelte, wenn ein Arbeitgeber bei Vorliegen von innerstaatlichen Maßnahmen zur Durchführung dieser
         Bestimmung keine Zustimmung des Arbeitnehmers zur Abweichung von Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie erhalten habe, müsse sie
         erst recht gelten, wenn – wie im vorliegenden Fall – ein Arbeitgeber eine solche Abweichung auferlege, obwohl dies nach keiner
         innerstaatlichen Bestimmung erlaubt sei, und der betreffende Arbeitnehmer sich dieser Abweichung widersetze, indem er die
         Einhaltung von Art. 6 Buchst. b fordere. 
      
      42      Das vorlegende Gericht legt somit nahe, wenn dem betreffenden Arbeitnehmer kein Nachteil daraus entstehe, dass er sich zur
         Überschreitung der in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 vorgesehenen Obergrenze von 48 Stunden für die durchschnittliche
         wöchentliche Höchstarbeitszeit nicht bereit erklärt habe, verstoße es nicht gegen die Richtlinie 2003/88, dass sein Arbeitgeber
         nach innerstaatlichem Recht beschließen könne, ihn gegen seinen Willen in einen anderen Dienst umzusetzen, in dem die in dieser
         Bestimmung vorgesehene Obergrenze ihm gegenüber eingehalten werde, da eine solche Umsetzung diesem Arbeitnehmer gegenüber
         den Verstoß gegen die Richtlinie beende. 
      
      43      Unter diesen Umständen sind die Vorlagefragen für die Erteilung einer sachdienlichen Antwort an das vorlegende Gericht in
         dem Sinne umzuformulieren, dass dieses Gericht wissen möchte, ob Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 dahin gehend auszulegen
         ist, dass er einer nationalen Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die es zulässt, dass ein Arbeitgeber
         des öffentlichen Sektors eine Umsetzung eines Arbeitnehmers, der als Feuerwehrmann im Einsatzdienst beschäftigt ist, in einen
         anderen Dienst gegen dessen Willen mit der Begründung, dass dieser die Einhaltung der in Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie
         vorgesehenen durchschnittlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeit im Einsatzdienst verlangt hat, vornimmt, wenn dem Arbeitnehmer
         durch eine solche Umsetzung keinerlei Nachteile entstehen.
      
      44      Dazu ist darauf hinzuweisen, dass, wie sich aus Randnr. 61 des Beschlusses Personalrat der Feuerwehr Hamburg ergibt, die von
         Einsatzkräften einer staatlichen Feuerwehr ausgeübten Tätigkeiten in den Anwendungsbereich der Richtlinie 2003/88 fallen,
         so dass Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie einer Überschreitung der Obergrenze von 48 Stunden für die wöchentliche Höchstarbeitszeit,
         einschließlich Bereitschaftsdienst, grundsätzlich entgegensteht – außer in außergewöhnlichen Umständen von einer solchen Schwere
         und eines solchen Ausmaßes, dass dem Ziel, das ordnungsgemäße Funktionieren der zum Schutz der öffentlichen Interessen unerlässlichen
         Dienste zu gewährleisten, zeitweilig Vorrang vor dem Ziel gebührt, die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der in den Einsatz-
         und Rettungsteams tätigen Arbeitnehmer zu gewährleisten; solche Umstände liegen im Ausgangsverfahren nicht vor.
      
      45      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass die zum maßgebenden Zeitpunkt geltende Regelung des Landes Sachsen-Anhalt für Feuerwehrleute,
         die wie Herr Fuß im Einsatzdienst der Städte und Gemeinden dieses Landes beschäftigt waren, eine Arbeitszeit vorschrieb, die
         die in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 festgelegte Obergrenze für die wöchentliche Arbeitszeit überschritt.
      
      46      Zur Beantwortung der Fragen des vorlegenden Gerichts ist unter diesen Umständen zum einen zu prüfen, ob – wie das vorlegende
         Gericht nahelegt – die Feststellung eines Verstoßes gegen Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 davon abhängig ist, dass
         dem betreffenden Arbeitnehmer ein Nachteil entstanden ist, und zum anderen festzustellen, welche Folgen sich aus einer eventuellen
         Verletzung dieser Bestimmung für die nationalen Gerichte ergeben. 
      
      47      Was erstens die Frage betrifft, ob das Vorliegen eines Nachteils, den der betreffende Arbeitnehmer erlitten hat, für die Feststellung
         eines Verstoßes gegen Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 erheblich ist, ist darauf hinzuweisen, dass – wie sich aus Randnr.
         33 des vorliegenden Urteils ergibt – diese Bestimmung eine besonders wichtige Regel des Sozialrechts der Union ist, die die
         Mitgliedstaaten verpflichtet, eine Obergrenze von 48 Stunden für die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, einschließlich
         Mehrarbeitszeit, vorzuschreiben, wie es in dieser Bestimmung ausdrücklich vorgesehen ist, und von der mangels Umsetzung von
         Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 dieser Richtlinie in innerstaatliches Recht in Bezug auf Tätigkeiten wie den im Ausgangsverfahren
         streitigen Feuerschutzdiensten nicht abgewichen werden darf.
      
      48      Wie bereits in Randnr. 34 des vorliegenden Urteils dargelegt worden ist, können die Mitgliedstaaten oder die Sozialpartner
         nämlich nur von einigen ausdrücklich in der Richtlinie 2003/88 aufgeführten Bestimmungen abweichen. 
      
      49      Zum einen wird aber Art. 6 der Richtlinie 2003/88 nur in deren Art. 17 Abs. 1 erwähnt, der unstreitig Tätigkeiten erfasst,
         die mit denen von Feuerwehrleuten nichts zu tun haben. Dagegen nimmt Art. 17 Abs. 3 Buchst. c Ziff. iii Bezug auf „Tätigkeiten,
         die dadurch gekennzeichnet sind, dass die Kontinuität des Dienstes … gewährleistet sein muss“, zu denen u. a. „Feuerwehrdienste“
         gehören, lässt aber Abweichungen nicht von Art. 6, sondern nur von anderen Bestimmungen dieser Richtlinie zu (vgl. entsprechend
         Urteil Pfeiffer u. a., Randnr. 97).
      
      50      Zum anderen ist unstreitig, wie sich bereits aus den Randnrn. 35 und 36 des vorliegenden Urteils ergibt, dass weder die Bundesrepublik
         Deutschland noch das Land Sachsen-Anhalt von der in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 2003/88 vorgesehenen Abweichungsmöglichkeit
         Gebrauch gemacht haben, die den Mitgliedstaaten die Möglichkeit eröffnet, Art. 6 dieser Richtlinie nicht anzuwenden, soweit
         bestimmte kumulative Voraussetzungen erfüllt sind (vgl. entsprechend Urteil Pfeiffer u. a., Randnr. 98).
      
      51      Unter diesen Umständen müssen die Mitgliedstaaten zur Gewährleistung der vollen Wirksamkeit der Richtlinie 2003/88 jede Überschreitung
         der in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 festgelegten wöchentlichen Höchstarbeitszeit verhindern (Urteil Pfeiffer u. a.,
         Randnr. 118).
      
      52      Wie der Gerichtshof bereits entschieden hat, können daher die Mitgliedstaaten die Reichweite dieser Bestimmung nicht einseitig
         festlegen, indem sie den Anspruch der Arbeitnehmer darauf, dass die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit 48 Stunden
         nicht überschreitet, irgendwelchen Bedingungen oder Beschränkungen unterwerfen (Urteil Pfeiffer u. a., Randnr. 99).
      
      53      Demnach stellt die Überschreitung der in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 festgelegten durchschnittlichen wöchentlichen
         Höchstarbeitszeit als solche einen Verstoß gegen diese Bestimmung dar, ohne dass es nötig wäre, darüber hinaus das Vorliegen
         eines spezifischen Nachteils nachzuweisen. Mangels innerstaatlicher Maßnahmen zur Verwirklichung der in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1
         dieser Richtlinie vorgesehenen Abweichungsmöglichkeit ist der Begriff „Nachteile“ in dieser Bestimmung für die Auslegung und
         Anwendung von Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie unerheblich. 
      
      54      Da die Richtlinie 2003/88, wie sich aus Randnr. 32 des vorliegenden Urteils ergibt, in Wirklichkeit das Ziel verfolgt, die
         Sicherheit und die Gesundheit der Arbeitnehmer dadurch zu gewährleisten, dass diese hinreichende Ruhezeiten einhalten, war
         der Unionsgesetzgeber der Ansicht, dass die Überschreitung der in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie festgelegten durchschnittlichen
         wöchentlichen Höchstarbeitszeit dem Arbeitnehmer allein dadurch, dass ihm eine solche Ruhezeit vorenthalten wird, einen Nachteil
         zufügt, weil dadurch seine Sicherheit und Gesundheit beeinträchtigt werden. 
      
      55      Folglich verstößt eine nationale Regelung wie die im Ausgangsverfahren fragliche, die in Bezug auf einen als Feuerwehrmann
         im Einsatzdienst beschäftigten Arbeitnehmer eine Arbeitszeit vorsieht, die die in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88
         vorgeschriebene Obergrenze überschreitet, gegen diese Bestimmung, ohne dass darüber hinaus nachgewiesen zu werden braucht,
         dass dem Arbeitnehmer ein spezifischer Nachteil entstanden ist.
      
      56      Was zweitens die Folgen betrifft, die sich für die nationalen Gerichte aus einer solchen Verletzung von Art. 6 Buchst. b der
         Richtlinie 2003/88 ergeben, ist darauf hinzuweisen, dass sich nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs Einzelne gegenüber
         dem Staat, einschließlich in dessen Eigenschaft als Arbeitgeber, immer dann auf die Bestimmungen einer Richtlinie berufen
         können, wenn sich diese als inhaltlich unbedingt und hinreichend genau darstellen, insbesondere wenn der Staat diese Richtlinie
         nicht innerhalb der Frist in nationales Recht umgesetzt hat oder wenn die Umsetzung unzureichend war (vgl. in diesem Sinne
         Urteile vom 26. Februar 1986, Marshall, 152/84, Slg. 1986, 723, Randnrn. 46 und 49, und vom 23. April 2009, Angelidaki u. a.,
         C‑378/07 bis C‑380/07, Slg. 2009, I‑3071, Randnrn. 193 und 194).
      
      57      Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 erfüllt diese Kriterien, da er den Mitgliedstaaten unmissverständlich eine Verpflichtung
         zur Erreichung eines bestimmten Ergebnisses auferlegt, die im Hinblick auf die Anwendung der dort aufgestellten Regel durch
         keinerlei Bedingungen eingeschränkt ist und die dahin geht, für die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit eine Höchstgrenze
         von 48 Stunden einschließlich der Überstunden vorzusehen (vgl. in diesem Sinne Urteil Pfeiffer u. a., Randnr. 104). 
      
      58      Auch wenn die Richtlinie 2003/88 den Mitgliedstaaten in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 erlaubt, von Art. 6 dieser Richtlinie abzuweichen,
         nimmt dies dem Buchst. b dieses Artikels doch nichts von seiner Genauigkeit und Unbedingtheit. Die Befugnis der Mitgliedstaaten,
         Art. 6 nicht anzuwenden, hängt nämlich von der Einhaltung aller in Art. 22 Abs. 1 Unterabs. 1 genannten Bedingungen ab, so
         dass es möglich ist, den Mindestschutz zu bestimmen, der auf jeden Fall zu verwirklichen ist (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Pfeiffer u. a., Randnr. 105). 
      
      59      Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 erfüllt demnach alle Voraussetzungen, um unmittelbare Wirkung zu entfalten (vgl. in
         diesem Sinne Urteil Pfeiffer u. a., Randnr. 106).
      
      60      Da zu dem im Ausgangsverfahren maßgeblichen Zeitpunkt die Frist zur Umsetzung der Richtlinie 93/104 abgelaufen war und das
         Land Sachsen-Anhalt zu diesem Zeitpunkt eine solche Umsetzung in sein innerstaatliches Recht in Bezug auf im Einsatzdienst
         beschäftigte Feuerwehrleute nicht vorgenommen hatte, hat ein von der Stadt Halle in diesem Dienst beschäftigter Arbeitnehmer
         wie Herr Fuß das Recht, gegenüber seinem öffentlichen Arbeitgeber Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 unmittelbar geltend
         zu machen, damit das durch diese Bestimmung garantierte Recht auf eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit, die 48
         Stunden nicht überschreitet, beachtet wird. 
      
      61      In diesem Zusammenhang ist zu ergänzen, dass diese Bestimmung aufgrund ihrer unmittelbaren Wirkung für alle Träger öffentlicher
         Gewalt der Mitgliedstaaten gilt, d. h. nicht nur für die nationalen Gerichte, sondern auch für alle Träger der Verwaltung,
         einschließlich der Gebietskörperschaften wie Länder, Städte oder Gemeinden, und diese Behörden sind verpflichtet, sie anzuwenden
         (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 22. Juni 1989, Costanzo, 103/88, Slg. 1989, 1839, Randnrn. 30 bis 33).
      
      62      Im Ausgangsverfahren ist die Stadt Halle der Meinung, dass die Umsetzung von Herrn Fuß in einen anderen Dienst, in dem die
         in Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 vorgeschriebene wöchentliche Höchstarbeitszeit beachtet werde, gegen seinen Willen
         und nachdem er seinen Arbeitgeber ersucht hat, diese Obergrenze einzuhalten, die vollständige Anwendung dieser Richtlinie
         Herrn Fuß gegenüber gewährleisten könne, da die Umsetzung diesem Arbeitnehmer gegenüber den Verstoß gegen die Richtlinie beende.
         
      
      63      Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die nationalen Gerichte und die Verwaltungsorgane nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs
         das Unionsrecht in vollem Umfang anzuwenden und die Rechte, die dieses dem Einzelnen einräumt, zu schützen haben, indem sie
         entgegenstehende Vorschriften des innerstaatlichen Rechts gegebenenfalls unangewendet lassen (vgl. in diesem Sinne Urteile
         Costanzo, Randnr. 33, und vom 11. Januar 2007, ITC, C‑208/05, Slg. 2007, I‑181, Randnrn. 68 und 69 sowie die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      64      Im vorliegenden Fall muss die praktische Wirksamkeit der Rechte, die den Arbeitnehmern durch Art. 6 Buchst. b der Richtlinie
         2003/88 verliehen werden, im innerstaatlichen Recht in vollem Umfang gewährleistet werden (vgl. in diesem Sinne Urteil Dellas
         u. a., Randnr. 53).
      
      65      Es ist jedoch festzustellen, dass eine Umsetzung gegen den Willen des Arbeitnehmers, wie die im Ausgangsverfahren streitige,
         dazu führt, dass das einem im Einsatzdienst beschäftigten Feuerwehrmann wie Herrn Fuß durch Art. 6 Buchst. b der Richtlinie
         2003/88 verliehene Recht, diese Beschäftigung im Rahmen einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit von 48 Stunden auszuüben, das
         vom Gerichtshof in dem Beschluss Personalrat der Feuerwehr Hamburg anerkannt wurde, völlig ausgehöhlt wird, und dass demnach
         eine solche Maßnahme die praktische Wirksamkeit dieser Bestimmung in Bezug auf diesen Arbeitnehmer zunichte macht. Es ist
         daher offensichtlich, dass diese Maßnahme weder die vollständige Anwendung von Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 noch
         den Schutz der Rechte gewährleistet, die diese Bestimmung den Arbeitnehmern in dem betreffenden Mitgliedstaat verleiht.
      
      66      Wie im Übrigen die Kommission zu Recht geltend gemacht hat, wird das Grundrecht auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz,
         das in Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union garantiert wird, die nach Art. 6 Abs. 1 Unterabs. 1 EUV den
         Verträgen rechtlich gleichrangig ist, wesentlich beeinträchtigt, wenn ein Arbeitgeber als Reaktion auf eine Beschwerde oder
         eine Klage, die ein Arbeitnehmer zur Gewährleistung der Einhaltung von Vorschriften einer Richtlinie zum Schutz seiner Sicherheit
         und Gesundheit eingereicht hat, das Recht hätte, eine Maßnahme wie die im Ausgangsverfahren fragliche zu ergreifen. Die Angst
         vor solchen Retorsionsmaßnahmen, gegen die keine Klagemöglichkeit gegeben wäre, könnte nämlich Arbeitnehmer, die sich durch
         eine von ihrem Arbeitgeber getroffene Maßnahme für beschwert halten, davon abschrecken, ihre Rechte gerichtlich geltend zu
         machen, und wäre folglich geeignet, die Verwirklichung des mit der Richtlinie verfolgten Ziels in schwerwiegender Weise zu
         gefährden (vgl. entsprechend Urteil vom 22. September 1998, Coote, C‑185/97, Slg. 1998, I‑5199, Randnrn. 24 und 27).
      
      67      Auf die vorgelegten Fragen ist deshalb zu antworten, dass Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88 dahin gehend auszulegen
         ist, dass er einer nationalen Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die es zulässt, dass ein Arbeitgeber
         des öffentlichen Sektors eine Umsetzung eines Arbeitnehmers, der als Feuerwehrmann im Einsatzdienst beschäftigt ist, in einen
         anderen Dienst gegen dessen Willen mit der Begründung vornimmt, dass dieser die Einhaltung der in Art. 6 Buchst. b dieser
         Richtlinie vorgesehenen durchschnittlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeit im Einsatzdienst verlangt hat. Der Umstand, dass
         einem solchen Arbeitnehmer durch diese Umsetzung neben dem Nachteil, der sich aus der Verletzung von Art. 6 Buchst. b dieser
         Richtlinie ergibt, kein spezifischer Nachteil entstanden ist, ist in dieser Hinsicht unerheblich. 
      
       Kosten
      68      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt:
      Art. 6 Buchst. b der Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. November 2003 über bestimmte Aspekte
            der Arbeitszeitgestaltung ist dahin gehend auszulegen, dass er einer nationalen Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen
            entgegensteht, die es zulässt, dass ein Arbeitgeber des öffentlichen Sektors eine Umsetzung eines Arbeitnehmers, der als Feuerwehrmann
            im Einsatzdienst beschäftigt ist, in einen anderen Dienst gegen dessen Willen mit der Begründung vornimmt, dass dieser die
            Einhaltung der in Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie vorgesehenen durchschnittlichen wöchentlichen Höchstarbeitszeit im Einsatzdienst
            verlangt hat. Der Umstand, dass einem solchen Arbeitnehmer durch diese Umsetzung neben dem Nachteil, der sich aus der Verletzung
            von Art. 6 Buchst. b dieser Richtlinie ergibt, kein spezifischer Nachteil entstanden ist, ist in dieser Hinsicht unerheblich.
            
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.