CELEX: 51987PC0353
Language: de
Date: 1987-07-24
Title: VORSCHLAG EINER VERORDNUNG DES RATES ZU EINER AKTION DER GEMEINSCHAFT AUF DEM GEBIET DER LERNTECHNOLOGIE DELTA ( DEVELOPING EUROPEAN LEARNING THROUGH TECHNOLOGICAL ADVANCE ) PILOTPHASE

Nr. C 265/28                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               5. 10. 87
               Vorschlag einer Verordnung des Rates zu einer Aktion der Gemeinschaft auf dem Gebiet der
               Lerntechnologie — (Developing European learning through technological advance)
                                                  (DELTA) — Pilotphase
                                                    KOM(87) 353 endg.
                                (Von der Kommission   dem Rat vorgelegt am 12. August 1987)
                                                        (87/C 265/03)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                        das Europäische Parlament am 11. November 1986 eine
                                                                 Entschließung angenommen hat, die die Kommission
unter Berücksichtigung der Einheitlichen Europäischen            auffordert, ein Programm im Bereich der Lerntechnolo-
Akte der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und                gien vorzulegen (2).
insbesondere des Artikels 130Q Paragraph 2,
                                                                 Während der Wirtschafts- und Sozialausschuß die Be-
unter Berücksichtigung des Vorschlages von der Kom-              deutung der Nutzung neuer Informations- und Tele-
mission,                                                         kommunikationstechnologien für den Erhalt einer fle-
                                                                 xiblen und sich an ändernde Anforderungen anpas-
unter Berücksichtigung der Ansicht des Wirtschafts-              sungsfähigen Bevölkerung betont hat, und des sich dar-
und Sozialausschusses,                                           aus ergebenden Beitrags zur Verringerung der anpas-
                                                                 sungsbedingten Arbeitslosigkeit.
in Kooperation mit dem Europäischen Parlament,
                                                                 Während das Rahmenprogramm für gemeinschaftliche
Während die Gemeinschaft die Aufgabe hat, durch die              Arbeiten im Bereich der Forschung und der technolo-
Errichtung eines gemeinsamen Marktes und schrittwei-             gischen Entwicklung (1987-1991) die Anwendung von
se Annäherung der Wirtschaftspolitiken der Mitglied-             Informationstechnologie und Telekommunikation für
staaten eine harmonische Entwicklung des Wirtschafts-            die Entwicklung neuer Dienste gemeinsamen öffentli-
lebens innerhalb der Gemeinschaft und engere Bezie-              chen Interesses in der zweiten Hauptlinie von Tätigkei-
hungen zwischen den Staaten zu fördern.                          ten unter dem Titel „Vorbereitung auf einen großen
                                                                 Markt und einer Informations- und Kommunikations-
Während Ausbildung und Schulung eine entscheidende               gesellschaft" vorsieht; während das Rahmenprogramm
Rolle für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung             speziell Arbeiten im Bereich der Lerntechnologien vor-
der Gemeinschaft spielen und während fortgeschrittene            sieht.
Informations- und Telekommunikationstechnologien
neue und wirksamere Mittel bieten Lernen zu unter-
stützen.                                                         Während der Bedarf nach Ausbildung und Schulung
                                                                 stetig wächst, seine Vielfalt zunimmt und der Zugang
                                                                 erleichtert werden muß; während Fortschritt in Lern-
Während die Staats- und Regierungschefs anläßlich ih-            technologie zusammentrifft mit der Einführung fort-
rer Beratungen in Stuttgart, Athen, Fontainebleau und            geschrittener Telekommunikationsdienste und Einrich-
Brüssel die Bedeutung der Stärkung der Technologien-             tungen, die es ermöglichen mit geringen zusätzlichen
basis und der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie be-             Ausgaben sie der Nutzung für Lernzwecke zuzuführen
tonten sowie die Notwendigkeit der Stärkung der                  und somit den Forderungen nach Verbesserung der
menschlichen Ressourcen mittels einer Intensivierung             Voraussetzungen und Wirtschaftlichkeit von Schulung
der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Indu-                und Umschulung zu entsprechen.
strie.
Während die Staats- oder Regierungschefs in ihrer Sit-           Während Lerntechnologie ein strategisch wichtiges
zung vom 28.-29. Juni 1985 das Memorandum der                    Wachstumsgebiet für Dienste und Ausrüstung weltweit
Kommission zur Verstärkung der technologischen Zu-               darstellt und das Ziel stark konzentrierte Entwicklung
sammenarbeit in Europa unterstützten und billigten,              und Investitionsbemühungen anderer mit Europa im
welches als Priorität Aktionen im Bereiche der Techno-           Wettbewerb stehenden Regionen ist.
 logien von Ausbildung und Schulung identifiziert.
                                                                 Während nationale und Gemeinschaftsaktionen in den
Während das Europäische Parlament wiederholt betont              Bereichen der Informationstechnologien, der Telekom-
hat, welche Bedeutung es der Ausbildung und Schulung             munikation und Standardisierung die Basis für die Ein-
 für das zukünftige wirtschaftliche und soziale Wohler-          führung fortgeschrittener Lerntechnologie bilden; wäh-
gehen der Gemeinschaft beimißt und im Mai 1983 eine              rend jedoch noch zusätzliche F&E-Bemühungen erfor-
Entschließung angenommen hat, die größere Bemühun-               derlich sind, um das vollständige Potential dieses neuen
gen in Ausbildung und Fortbildung fordert (*); während           Gebiets zu erschließen.
  (*) ABI. Nr. C 135 vom 24. 5. 1983.                             (2) ABl. Nr. C 322 vom 15. 12. 1986.
 ---pagebreak--- 5. 10. 87                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                          Nr. C 265/29
Während der Rat das Programm Comett beschlossen                   Die Kommission wird sicherstellen, daß DELTA in
hat (86/365/EWG), das die Zusammenarbeit von Indu-                Koordination mit anderen Aktionen auf der Ebene der
strie und Universitäten in Ausbildung und Schulung                Gemeinschaft und der Mitgliedstaaten entwickelt wird.
beinhaltet, einschließlich der Förderung des Fernler-
nens ( ! ), und das Comett Programm von einer Verbesse-
rung der Technologien, Werkzeuge, Geräte und Infra-
strukturen zur Unterstützung des Fernlernens Nutzen                                        Artikel 3
ziehen würde.
                                                                  1.    Die im einzelnen auszuführenden Arbeiten sind in
Während vorbereitende Untersuchungen ein Arbeits-                 einem Arbeitsplan festgelegt, welcher unter Anwendung
programm definiert haben, das den Trends und den                  des Verfahrens unter Artikel 7 beschlossen wird.
Auffassungen der Experten der Mitgliedstaaten ent-
spricht; während die Beurteilung der vorbereitenden               2.    Die Bewertung der vorgeschlagenen Vorhaben
Arbeiten unter voller Beteiligung von Universitäten,              wird von der Kommission durchgeführt im Einklang
Industrie und Verlegern erfolgte; während eine Gruppe             mit den im Anhang und im Arbeitsplan definierten
hervorragender akademischer Berater zur Formulierung              Zielen. Die Förderungswürdigkeit von Vorhaben, deren
des Arbeitsplans beigetragen haben.                               Durchführung FuE von mehr als 50 Mannjahren erfor-
                                                                  dern, wird under Anwendung des Artikels 7 entschie-
Während die DELTA Pilotphase voll von ESPRIT und                  den. Für die anderen Vorhaben werden die Ergebnisse
RACE Ergebnissen sowie den laufenden Bemühungen                   der Bewertung dem in Artikel 6 vorgesehenen Ausschuß
im Bereich der Standardisierung profitieren wird.                 zur Kenntnis gegeben.
Während der Ausschuß für wissenschaftliche und tech-              3.    Die Vorhaben im Rahmen des Programms werden
nische Forschung (AWTF) seine Stellungnahme abgege-               auf dem Wege von Kostenteilungsverträgen durchge-
ben hat.                                                          führt, die von der Kommission mit in der Gemeinschaft
                                                                  ansässigen Industrieunternehmen, Verlegern, Universi-
                                                                  täten, Forschungseinrichtungen und anderen Stellen ab-
HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:                                 geschlossen werden. Es wird erwartet, daß die Ver-
                                                                  tragspartner einen wesentlichen Teil der Kosten tragen,
                                                                  im Normalfall mindestens 50 % der Gesamtkosten.
                          Artikel 1
                                                                  4.    Die Vorschläge für Vorhaben werden in der Regel
1.    Ab 1. Dezember 1987 wird eine Pilotphase für eine           auf eine im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaf-
Gemeinschaftsaktion auf dem Gebiet der Lerntechnolo-              ten veröffentlichten Ausschreibung hin von den Interes-
gie, DELTA genannt, für einen Zeitraum von zunächst               senten eingereicht. An den Vorhaben sollen im Normal-
18 Monaten angenommen.                                            fall mindestens zwei unabhängige Partner beteiligt sein,
                                                                  die nicht alle im selben Mitgliedstaat ansässig sind. In
2.    Ziel dieser Aktion ist es, zusätzliche Forschung            der Regel sollte einer der Partner ein Industrieunterneh-
und Entwicklung durchzuführen, die es ermöglicht,                 men sein.
neue Technologie in die Werkzeuge und Infrastrukturen
für fortgeschrittene Lernverfahren, insbesondere des of-          5.    In Ausnahmefällen, wo eine Ausschreibung keine
fenen und Fernlernens, in der Gemeinschaft einzufüh-              befriedigenden Ergebnisse erzielt hat, oder in dringen-
ren. Grundlage der Aktion ist eine Konzertierung der              den Fällen, oder, wenn die Ausschreibung aus Gründen
Arbeiten und der Koordinierung der entsprechenden                 der Kosten und Wirtschaftlichkeit nicht das geeignete
Aktivitäten der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft. Mit             Verfahren ist, kann nach dem Verfahren gemäß Arti-
dieser Aktion sollen den Endbenutzern zu möglichst                kel 7 entschieden werden, in Abweichung von den
geringen Kosten und mit möglichst geringem Zeitauf-               Grundsätzen in den Absätzen 3 und 4.
wand die Lernausrüstungen und -Systeme zur Verfü-
gung gestellt werden, die geeignet sind, in möglichst
rationeller Weise einer gestiegenen Nachfrage nach all-
gemeiner und beruflicher Bildung und Fortbildung ge-                                       Artikel 4
recht zu werden.
                                                                  Sind zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
                                                                  europäischen nicht-Mitgliedstaaten Rahmenvereinba-
                          Artikel 2                               rungen über wissenschaftliche und technische Zusam-
                                                                  menarbeit abgeschlossen worden, können Einrichtun-
Die Aktion umfaßt eine der Normung und dem Wettbe-                gen und Unternehmen, die in diesen Ländern ansässig
werb vorgelagerte Erforschung der Technologien, die               sind, Partner an einem Vorhaben werden, das im Rah-
zur Erreichung des Ziels konzertierter europäischer An-           men dieses Programms durchgeführt wird.
strengungen auf dem Gebiet der Lerntechnologien er-
forderlich sind. Die Thematik ist im Anhang dargelegt.
                                                                                           Artikel 5
                                                                   1.   Der Mittelbedarf für den Gemeinschaftsbeitrag
                                                                  zur Durchführung der Pilotphase wird einschließlich
(!) ABl. Nr. L 222 vom 8. 8. 1986, S. 17.                         der Personalausgaben (9 A, 2 B, 4 C Beamte auf Zeit),
 ---pagebreak--- Nr. C 265/30                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      5. 10. 87
auf 20 Mio ECU für den Zeitraum von 18 Monaten                       staaten gemäß vorgenanntem Artikel gewogen. Der
veranschlagt.                                                        Vorsitzenden nimmt an der Abstimmung nicht teil.
2.     Ein Vorschlag für die Aufteilung dieser Mittel                2.    Die Kommission trifft die Maßnahmen, wenn sie
innerhalb des Programms ist im Anhang enthalten.                     der Stellungnahme des Ausschusses entsprechen. Ent-
                                                                     sprechen die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht der
                                                                     Stellungnahme des Ausschusses, oder ist keine Stellung-
                           Artikel 6                                 nahme ergangen, so unterbreitet die Kommission dem
                                                                     Rat unverzüglich einen Vorschlag. Der Rat beschließt
1. Die Kommission trägt Sorge für die ordnungsge-                    mit qualifizierter Mehrheit.
mäße Durchführung der Aktion und trifft alle dafür
erforderlichen Maßnahmen, unbeschadet der durch Ar-                  3.     Hat der Rat innerhalb einer Frist von einem Mo-
tikel 3 vorgesehenen Kompetenzen.                                    nat keinen Beschluß gefaßt, so trifft die Kommission
                                                                     die vorgeschlagene Vorkehrung.
2.     Die Kommission wird von einem Ausschuß, nach-
stehend „Ausschuß" genannt, unterstützt, der aus zwei                                         Artikel 8
Vertretern jedes Mitgliedstaats zusammengesetzt ist.
Den Vorsitz im Ausschuß führt ein Vertreter der Kom-                 Das Resultat der Aktion wird nach zwölf Monaten von
 mission.                                                            der Kommission überprüft. Die Kommission wird dem
                                                                     Rat und dem Europäischen Parlament über die Ergeb-
 Die Mitglieder des Ausschusses können sich entspre-                 nisse dieser Überprüfung Bericht erstatten, begleitet von
 chend der Art der zu erörternden Fragen von Sachver-                einem von ihr als angemessen erachteten Vorschlag der
 ständigen oder Beratern unterstützen lassen.                         Anpassung und Verlängerung.
 Die Arbeiten des Ausschusses sind vertraulich. Der Aus-
 schuß gibt sich eine Geschäftsordnung. Die Sekreta-                                           Artikel 9
 riatsgeschäfte des Ausschusses werden von der Kom-
 mission wahrgenommen.                                                1. Im Zusammenhang mit den Koordinationstätig-
                                                                      keiten gemäß Artikel 1 Absatz 2 tauschen die Mitglied-
 3.    Die Kommission kann den Ausschuß zu jeder Fra-                 staaten und die Kommission alle ihnen zugänglichen
 ge hören, die unter diese Verordnung fällt.                          und zur Veröffentlichung freigegebenen Informationen
                                                                      über Tätigkeiten auf Gebieten aus, die von diesem
                                                                      Beschluß erfaßt werden, gleichgültig, ob die Tätigkeiten
                           Artikel 7                                  unter ihrer Zuständigkeit geplant und ausgeführt wer-
                                                                      den oder nicht.
 1. Wird auf das Verfahren dieses Artikels Bezug ge-
 nommen, unterbreitet der Vertreter der Kommission                    2.    Die Informationen werden nach einem Verfahren
 dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden Maß-                    ausgetauscht, das die Kommission nach Anhörung des
 nahme. Der Ausschuß gibt seine Stellungnahme inner-                  Ausschusses definiert; sie werden auf Wunsch des Infor-
 halb einer Frist ab, die der Vorsitzenden unter Berück-              manten vertraulich behandelt.
 sichtigung der Dringlichkeit der betreffenden Frage fest-
 setzen kann, die im Normalfall einen Monat beträgt                                           Artikel 10
 und in keinem Fall zwei Monate übersteigen darf. Die
 Stellungnahme wird mit der in Artikel 148 Absatz 2 des               Diese Verordnung tritt am 1. Dezember 1987 in Kraft.
 Vertrags für die Annahme der Beschlüsse, die der Rat
 auf Vorschlag der Kommission zu fassen hat, vorgesehe-
 nen Mehrheit gegeben. Bei der Abstimmung im Aus-                     Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich
 schuß werden die Stimmen der Vertreter der Mitglied-                 und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.
                                                              ANHANG
                                                           EINFÜHRUNG
              Die Thematik und genaue Zielsetzung der Pilotphase von DELTA werden in diesem Anhang dargelegt. Das
              Programm bezieht sich auf prä-normative und vor-wettbewerbliche Forschung und Entwicklung auf der
              Grundlage einer gemeinsamen Finanzierung.
              Der Systemansatz zum Lernen in Europa, welcher diesem Programm zugrunde liegt, schließt drei mögliche
              Szenarien ein, die sowohl unterschiedlichen Forderungen der Lernenden als auch verschiedenen Zielgruppen
              entsprechen.
 ---pagebreak--- 5. 10. 87                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                          Nr. C 265/31
          Das erste Szenario bezieht sich auf die berufliche Schulung innerhalb der Industrie, des Handels und
          Universitäten. Dieser Anwendungsbereich stellt hohe Ansprüche aber erlaubt gleichzeitig verhältnismäßig
          aufwendige Lösungen.
          Das zweite Szenario bezieht sich auf die Zielgruppe der erwachsenen Benutzer wie zum Beispiel Hochschulstu-
          denten, Weiterbildung und Erwachsene als individuelle Anfänger. In diesem Szenario spielen niedrige System-
          kosten eine größere Rolle, gleichzeitig ist diese Zielgruppe aber auch weniger anspruchsvoll als die professionel-
          le Zielgruppe. Diese Zielgruppe ist potentiell sehr groß, insbesondere wenn man in Betracht zieht, daß die
          erforderlichen Geräte auch für andere Bereiche der Freizeitgestaltung genutzt werden können.
          Das dritte Szenario entspricht der Untersuchung der Erfordernisse der schulischen Ausbildung, d.h. dem
          pädagogischen Sektor auf den primären und sekundären Niveaus. Der potentielle Bedarf ist groß, insbesondere
          da die zweite Generation der Lerntechnologie einen weitergehenden Einsatz zulassen wird als dies für die
          technisch beschränkte erste Generation möglich war. Jedoch wird das Ausmaß der Anwendung stark vom
          Preis abhängig sein. Die Herausforderung stellt sich in der Suche nach Lösungen die eine ausreichende
          Leistung bei einem akzeptablen Preis zulassen; der Vorteil eines großen Europäischen Markts kann hier eine
          entscheidende Rolle spielen.
          Alle drei Szenarien — als Orientierung der prä-normativen und vorwettbewerblichen FuE — werden in der
          DELTA Pilotphase systematisch einbezogen werden. Im Rahmen der Arbeiten zum Referenzmodell für das
          Lernsystem (LSRM) werden sie Thema detaillierter Untersuchungen sein, aus denen sich die Forderungen an
          neue Lerntechnologie ableiten werden (Aktionslinie I).
          1.    Referenzmodell für das Lernsystem (LSRM) (Aktionslinie I)
                                                            ZIELSETZUNG
          Das Ziel der Aktionslinie I ist die Verbesserung der Verwendung der insgesamt der Gemeinschaft zur
          Verfügung stehenden Ressourcen für Fortschritt in Lerntechnologie. Um dies zu ermöglichen wird ein
          Systembezugsmodell für die technische Unterstützung von Lernprozessen (LSRM) benötigt. Dies dient sowohl
          der Planung der zukünftigen Arbeiten, wie auch dem Management der Durchführung. Eine besonders wichtige
          Rolle wird einerseits der Vergleich der Benutzerforderungen mit dem derzeit Realisierbaren und andererseits
          die Beurteilung technologischen Fortschritts, Standardisierung, neuer Dienste und anderer Faktoren spielen.
          Die Erstellung und Weiterentwicklung dieses Modells wird folgende Aspekte behandeln: Identifizierung der
          technischen Hauptkomponenten der Lernprozesse, deren weitere Entwicklung DELTA bezweckt, Identifizie-
          rung der Wechselbeziehung dieser Komponenten und des Bezugs zu den Beteiligten (Arbeitgeber, Erzieher,
          die Informationsinsdustrie, Dienstleistungsanbietern, usw.).
          2.    Kooperation in der Entwicklung fortgeschrittener Lerntechnologie (Aktionslinie II)
                                                            ZIELSETZUNG
          Der Entwurf von Systemen und Geräten, die eine gemeinschaftsweite Realisierung von Fernlernen zuläßt, ist
          das Ziel, das durch die ergänzende Zusammenarbeit der IT&cT Industrie der Gemeinschaft, der Verleger
          sowie Forschung und Lehre erreicht werden soll. Um dies zu erreichen sollen die Entwicklungen in den
          relevanten Technologien und Kommunikationsdiensten der kommenden Jahrzehnte, die bereits für andere
          Anwendungen unternommen werden, gezielt für die pädagogische Nutzung ergänzt und erweitert werden.
          2.1.    Umfeld des Lernenden
          Basierend auf den in absehbarer Zeit zur Verfügung stehenden Computer-Arbeitsplätzen und persönlichen
          Computern geht es hier um die ergänzende Erarbeitung von Funktionsspezifikationen, sowie die Entwicklung
          zusätzlich erforderlicher Geräte und Schnittstellen für Lern-Arbeitsplätze. Diese sollen die Anforderungen
          folgender Zielgruppen Lernender berücksichtigen:
          — die Anwendung in der Familie,
          — die Verwendung im Berufsleben,
          — die Verwendung zur Schulung von Spezialisten.
          Die vorgesehene Forschung und Entwicklung wird an den Schnittstellen arbeiten, die es Lern-Arbeitsplätzen
          ermöglichen wird mit Videotex, Videodisk, Kompaktdisks (ROM), digitalen Tonbändern, Kabelnetzübertra-
          gung, Satellitendirektempfang (DBS) und Datenpaketvermittlung zu arbeiten. Die zunehmende Leistungsfähig-
          keit der Informationsverarbeitung, der Speichertechnik und die Fortschritte in Bilddarstellung und Bildverar-
          beitung werden dabei voll genutzt werden. Die Systemkonzeption wird insbesondere die „Hilfsfunktionen"
          berücksichtigen, die entsprechend dem technologischen Fortschritt ausbaufähig bleiben muß, insbesondere in
          Bezug auf die Nutzung des dienstintegrierten Netze (ISDN) für die Unterstützung des Lernens sobald diese
          verfügbar werden.
 ---pagebreak--- Nr. C 265/32                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                          5. 10. 87
           — Lehrmaterial            Dienste
               Es geht hierbei um die Entwicklung von Spezifikationen für Lehrmaterial Dienste, die es den Benutzern
               ermöglicht bei Bedarf Zugang zu Courseware zu haben, aber auch die Beobachtung und Unterstützung
               des Lernprozesses bei Benutzung zuläßt. Diese F&E entspricht z.B. dem Bedarf von Unternehmen,
               die ihrem Personal periodisch oder kontinuierlich Schulung und Umschulung unter Verwendung von
               existierenden Computer-Arbeitsplätzen und internen Netzen anbieten wollen. Die den Lernprozeß beglei-
               tende Verfolgung des Lehrerfolges wird nach und nach von den Techniken der künstlichen Intelligenz
               Gebrauch machen, um die Flexibilität und Lernmotivation zu erhöhen und eine optimale Anpassung an
               die speziellen Bedürfnisse des Lernenden zu erreichen.
           — Expertensystem              für  Lernende
                Entwurf und Entwicklung einer Expertensystem-Kapsel als Ergänzung der „Hilfe-Funktionen" für die
                Arbeitsstation Lernender. Damit soll die Schnittstelle zum Lernenden benutzerfreundlich gestaltet werden,
                eine optimale Anpassung an die speziellen Bedürfnisse des Lernenden erzielt werden und damit eine
                möglichst effektive Nutzung des Systems.
           — Persönliche elektronische                 Bibliotheken
                Unter Verwendung von CD-ROM, CD-I und/oder Digitaler Bänder in Verbindung mit den Arbeitsplätzen
                Lernender geht es um die Realisierung der technischen Voraussetzungen für persönliche elektronische
                Bibliotheken. Künstliche Intelligenz ist für die effektive Organisation der Information und die Realisierung
                der erforderlichen Benutzerfreundlichkeit zu entwickeln.
                Dies ist als eine Ergänzung der zentralen Informationsquellen für Lernende gedacht. Die Arbeiten schließen
                die Möglichkeit der versuchsweisen Entwicklung eines Videowörterbuches oder einer Videoenzyklopädie
                auf einem speziellen Gebiet mit ein.
           — Elektronisches             Notizbuch
                Entwicklung erster Spezifikationen für eine tragbare Erweiterung des Arbeitsplatzes für Lernende, die in
                der Lage sind Informationen als Text, Ton und Graphik zu speichern, zu organisieren, wiederaufzurufen.
                Für weitgehendste Autonomie des elektronischen Notizbuchs kommen Halbleiter und/oder magnetische
                Speichertechniken (Magnetic Bubble) in Verbindung mit neuen leichteren Energieträgern in Frage.
           2.2.      Autoren    Arbeitsplätze
                                                             ZIELSETZUNG
            Die vorbereitenden Arbeiten an DELTA haben gezeigt, daß sich wesentliche wirtschaftliche Vorteile und eine
            Verbesserung der Wettbewerbssituation in diesem Bereich gegenüber Drittländern erreichen läßt, wenn es
           gelingt Lern-Systeme und grundlegende Courseware für einen Europäischen Markt zu entwickeln und zu
            vertreiben, und nicht nur für nationale Märkte wie dies derzeit geschieht. Dieses erfordert jedoch, als einen
            ersten Schritt, die Bereitstellung angemessener technologischer und logistischer Mittel um die schöpferischen
            Tätigkeiten der Autoren zu erleichtern. Einige dieser Mittel werden weitgehend unabhängig vom spezifischen
            Inhalt sein, d.h. können für eine breite Verwendung bereitgestellt werden, während andere gebietsspezifisch
            sind, womit naturgemäß die Vorteile einer gemeinsamen Vorgehensweise weniger offensichtlich sind. Die
            hier vorgesehenen Arbeiten werden sich daher auf die gemeinsamen Erfordernisse konzentrieren.
           — Software           Arbeitsplatz
                 Spezifikation und Entwurf eines Software Arbeitsplatzes, der Makrobefehle für die Manipulation und
                 Kontrolle von Manuskripten vorsieht um Routine und sich oft wiederholende Autoren-Arbeiten zu
                 erleichtern. Diese Softwarewerkzeuge sollen in ihrer weiteren Entwicklung die Zusammenarbeit von
                 Autoren über beliebige Entfernungen unter Verwendung von ISDN/IBC, Satellitenkommunikation und
                 Expertensystemen (die kollektive Erfahrungen erschließen) zulassen.
                 Die Zielsetzung und der Einsatz der F8cE Mittel richten sich nicht auf die Produktion von Courseware
                 selbst oder Lehrerausbildungsmaterial, sondern auf die Schaffung von Werkzeugen und anderen techni-
                 schen Hilfsmitteln, die der Entstehung eines europäischen Markts für die Produktion der nächsten
                 Generation von Lehr- und Lernsystemen und Material unterstützt. Dieses ist eine entscheidende und
                 schwierige Aufgabe, und im Maße des Möglichen wird auf die bereits in den Mitgliedstaaten mit dieser
                 Zielsetzung unternommenen Bemühungen der Forschung und Entwicklung aufgebaut werden.
            2.3.     Einrichtungen für die Fertigung von Lehrmaterialien
                                                              ZIELSETZUNG
            Die Rundfunk- und Fernsehanstalten haben bereits heute leistungsstarke multimediale Produktionsverfahren
            zur Verfügung, die ihnen eine optimale Anpassung an die menschlichen, kognitiven Prozesse erlaubt. Diese
            Geräte erlauben Mischung, Fenstertechniken, Manipulation und Verarbeitung von Bildern, Anmalen, Markie-
 ---pagebreak--- 5. 10. 87                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      Nr. C 265/33
          ren, Überlagerung von Stimmen, Tonsynthese, elektronische Musik, Zugabe von Harmonien, Rythmen und
          die Möglichkeit das Ergebnis in hoher Qualität aufzuzeichnen und zu speichern. Die meisten dieser Techniken
          können, durch eine geeignete Produktionskontrollsprache, auch zur Produktion und Entwicklung von Course-
          ware erschlossen werden. Zunächst werden hierfür spezielle Anlagen erforderlich sein. Nach und nach wird
          es dann aber auch möglich sein, diese Funktionen auf allgemein verfügbaren Anlagen und Kommunika-
          tionsmitteln zur Verfügung zu stellen. Hier geht es darum diesen Prozeß zu beschleunigen.
          — Multimedia-Integration
                Spezifikation, Entwicklung und simulierte Anwendung, aufbauend auf heute bereits kommerziell genutzten
                Techniken. Ein solches System würde die Möglichkeiten neuer und leistungsfähigerer Telekommunika-
                tionsdienste, einschließlich der Satellitenverbindungen ausnutzen für die Dezentralisierung der Konzeption
                und Produktion von multimedialer Courseware. Vorausschauend ist die Entwicklung in ein intelligentes,
               computerintegriertes System, das dem Benutzer den Zugang zu Erfahrung anderer und die Verbindung
                zur Praxis erhält.
          2.4.      Privatunterricht und    Kontrollmittel
                                                             ZIELSETZUNG
          Det Tutor — nicht notwendigerweise identisch mit dem Autor — wird im Rahmen der Betreuung des
          Lernenden für dessen Fortschritt pädagogisch verantwortlich sein. Aufgrund der Entfernung zum Lernenden
          sind spezielle Hilfen für die pädagogischen Wechselbeziehungen mit dem Tutor erforderlich. Hierbei wird
          man unter der Erkenntnis der Verhaltensforschung die Mittel der Kommunikation und Beobachtung optimal
          gestalten müssen. Es geht nicht darum den Tutor zu ersetzen; angestrebt ist vielmehr, die Unterstützung des
          Tutors mit Hilfe der Elektronik, der Informatik und der Telekommunikation auch über große Entfernungen
          dem Lernenden zur Verfügung zu stellen.
          — Tutorenanlage
               Identifizierung eines für die Wechselwirkung zwischen Tutor und Lernendem während des Lernprozesses
               geeigneten Kommunikationseinsmittel (z.B. Kombination von Video mit Schmalbanddiensten). Hier
               wird es von großer Bedeutung sein, optimale, regelmäßige Antwortintervalle von Seiten des Tutors zu
               gewährleisten, um den Lernenden ständig zu motivieren.
          — Intelligente           Erfolgskontrolle
               Ziel ist die Verwendung der künstlichen Intelligenz zur Entwicklung von Techniken, die es dem Tutor
               und seinem Team erleichtern, den Fortschritt einer großen Anzahl von Lernenden konstruktiv zu verfolgen.
               Die Produktivität des Lernprozesses wird entscheidend von der Rückkopplung zwischen Lernendem und
               Tutor, die diese Techniken zulassen werden, abhängen.
          2.5.      Management der       Informationsressourcen
                                                             ZIELSETZUNG
          Unterstützung der effektiven Organisation und Managements des interaktiven Zugriffs und Austauschs
          lernbezogener Information und Informationsmittel, einschließlich Courseware-Katalogen und der Courseware
          selbst.
          — On-line Europäischer                 Lernmittel-Diktionär
               Die erste Generation dieses Diktionärs zu entwickeln und einzuführen, existierende Datenbanken einge-
               schlossen, aber mit vielsprachigen Zusatzmerkmalen und einer „Hilfe"-Funktion. Dies stellt den ersten
               Schritt zum voll interaktiven Zusammenwirken mit zentralen Datenbanken in Europa und im Rest der
               Welt dar, mit uniformem Zugriff und uniformer Formattierung der Information.
          — Intelligenter           Informationszugriff
               Hier geht es um die Entwicklung von Werkzeugen, um den Informationszugriff wesentlich zu erleichtern.
               Diese Arbeiten sollen auf einer Analyse der Bedürfnisse der Lernenden und der Probleme aufbauen, die
               im Zusammenhang mit dem Indexieren und der Kontrolle von großen Informationsmassen einschließlich
               Video anfallen. Das Volumen und die Vielfalt der bestehenden Erkenntnisse zu denen der Zugang
               ermöglicht werden soll, ist bereits eine große Herausforderung. Sie stehen derzeit auf den verschiedensten
               Medien zur Verfügung, einschließlich Papier und Mikrofilm. Das ISDN-Netz sollte den Fernzugriff auf
               „Knowledge-Bases", die Bild- und Textmaterial speichern, erleichtern.
               Bei der unmittelbar nächsten Generation von Datenbanken wird der Zugriff durch Abfrage-Sprachen
               hergestellt, die sich dem normalen Sprachgebrauch annähern und, bis zu einem gewissen Grade, auch
               inhaltliche Fragen zulassen.
               Um den Anforderungen der Lernenden zu genügen wird es notwendig sein, diese Entwicklung anzupassen
               und mit zusätzlichen künstlichen Intelligenzhilfen zu versehen. Diese werden der Interpretation der
 ---pagebreak--- Nr. C 265/34                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                        5. 10. 87
               Lernanfrage und auch die Relevanz der gefundenen Information in Relevanz wie auch Quantität verbessern
               helfen, z.B. den Grad der „Abstraktion".
           3.    Test und Validation von Kommunikation und SOFT (Satellite-based open facility for testing) (Aktions-
                 linie III)
                                                           ZIELSETZUNG
           DELTA zielt darauf ab, voll und frühzeitig von den Fortschritten im Telekommunikationsbereich Nutzen zu
           ziehen. Die Aktionslinie III bringt daher DELTA Kommunikationsaspekte und die damit zusammenhängenden
           Test- und Validationsfragen zusammen. Die Schaffung eines gemeinsamen Kommunikationsumfeldes ist ein
           wesentlicher Aspekt der Zusammenarbeit, die durch DELTA ermutigt werden soll.
           Ein weiteres wichtiges Ziel dieser Aktionslinie ist die Einführung eines offenen Testbettes in der Form
           von SOFT (satellite-based open facility for testing). Schon in den nächsten vier Jahren wird ausreichend
           Satellitenkapazität zur Verfügung stehen (zwischen 100 und 150 Transponder), um deren experimentelle
           Nutzung im Rahmen DELTA's in Betracht ziehen zu können. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, eine solche
           Einrichtung während eines Zeitraums aufzubauen, in dem auch Satelliten eingeführt werden, die geeignet
           sind frühzeitig und flächendeckend Videokonferenzschaltungen und Breitbandkommunikation für die Ent-
           wicklung der Lerntechnologie bereitzustellen. Dies wird in den USA und Kanada bereits praktiziert.
           3.1.     Video-Audio     Konferenzschaltungen
           Die Validation unter europäischen Bedingungen der Technik, die es dem Lernenden ermöglicht, auf Distanz
           mit Videobild am Unterricht teilzunehmen, Kommentare abzugeben und Fragen zu stellen. Die Erweiterung
           dieser Technik durch die zur Bereitstellung von Teleschreibern und die Übertragung von soeben erstelltem
           Bildmaterial wäre eine gute Ergänzung zum Lernvorgang.
           3.2.     Informations- und     Programmaustauschsystem
           DELTA möchte versuchen, bestehende Lernnetzwerke zu verwenden mit durchsichtigen Übertragungsproto-
           kollen und mit einem Adressiersystem.
            3.3.    Anpassung an ISDN
            Vorbereitende Arbeiten zur Nutzung der zusätzlichen Möglichkeiten digitaler Netzwerke für Lernmittel.
            3.4.      SOFT-Operationsplan
            Einen prioritären Bedarf stellt die Gründung und Organisation einer repräsentativen Benutzergruppe dar,
            deren Aufgabe es ist, Anforderungen an das Satellitentestbett zu analysieren, alternative Ansätze zu bewerten
            und SOFT auf experimenteller Basis zu erstellen. Dies stellt eine wichtige Einrichtung für die Bereitstellung
            von breitbandigen Übertragungswegen mit einem gewissen interaktiven Zugriff dar, die alle Regionen der
            Gemeinschaft gleichermaßen verbindet. Dies ist besonders wichtig für die Gebiete mit geringer Konzentration
            an Lernenden.
            3.5.    Entwurf und Spezifikation eines    Satellitenbildungskanals
            Mit besonderem Bezug auf das Potential des Satellitendirektempfangs wäre hier die Aufgabe, die technische
            Vorbereitung der Verwendung von Satelliten für Bildung und Schulung auf europäischer Ebene vorzunehmen.
            3.6.    Kontrollierte SOFT Versuche
            Entwicklung von Versuchsreihen, die den interessierten Benutzer in die Lage versetzen, auf Versuchsbasis
            elektronische Zentralbibliotheken, verteilte Produktion von Lehrmitteln sowie Unterricht und Seminare auf
            Entfernung zu erproben. Dies schließt ausgewählte Versuche mit dem Abruf und der Übertragung von
            Multimedia-Programmen ein. Diese Experimente werden in voller Kooperation mit dem Teil D des Comett
            Programms zu organisieren sein.
            4.    Interoperabilität (Aktionslinie IV)
                                                            ZIELSETZUNG
            Die Fähigkeit von Lernanlagen und Systemen zusammenzuarbeiten, ist nicht nur entscheidend für deren
            Nützlichkeit für den Lernenden, sondern spielt auch eine fundamentale Rolle für den Markt für Lerntechnolo-
            gie und für Fernlerndienste. Die Ziele dieser Aktionslinie sind daher:
 ---pagebreak--- 5. 10. 87                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   Nr. C 265/35
          — sicherzustellen, daß die Arbeit auf dem Gebiet der Telekommunikationsstandardisierung für alle relevanten
               Medien auf gegenseitig kompatibler Basis fortschreitet.
          — Arbeiten zu identifizieren und zu stimulieren in Bereichen, die gegenwärtig nicht ausreichend Beachtung
               finden, die aber für Kompatibilität in diesem Bereich entscheidend sind.
          — Normen und Konventionen zu erarbeiten, die der Lerntechnologie eigen sind und sich mit der Konzeption
               und Funktion von Systemteilen befassen.
          — Den Kenntnisstand über den Status aller Normen, die im Zusammenhang mit deren Arbeit stehen, zu
               pflegen und eine zentrale Stelle für die Bildung von Konsensus und Konzertation zu errichten, soweit
               relevant für die Lerntechnologie.
          Zu diesem Zwecke wird eine neue Normenbenutzergruppe geschaffen, deren Aufgabengebiet wie folgt
          definiert ist:
          4.1.     Identifizierung von Normen, die Auswirkung auf das Lernen haben
          Eine grundlegende Analyse internationaler Normenvorhaben wird die Kommunikationsprotokolle, Opera-
          tionssysteme, Programmiereinrichtungen, Mensch-Maschine-Schnittstellen und Zugriffssprachen zu Daten-
          banken identifizieren, die für die Lernumgebung am wichtigsten sind, speziell im Zusammenhang mit offenen
          Systemverbindungen.
          Von diesen ist es die Mensch-Maschine-Schnittstelle, die am stärksten den Bedürfnissen der Lernenden
          angeglichen werden muß, einschließlich dem automatischen Handschriftenlesen und der Sprachsynthese und
          -erkennung.
          4.2.     Organisatorische Unterstützung für Lernnormen
          Die Organisation des notwendigen Zusammenspiels zwischen allen Beteiligten in Vorbereitung der Mitwir-
          kung an der lernspezifischen Normenarbeit und die administrative Unterstützung für laufende Aktivitäten.
          5.     Verbesserung der Rahmenbedingungen
                                                           ZIELSETZUNG
          Die Maßnahmen zur Stärkung der Lerntechnologie für Fernlernen durch die DELTA-Aktionslinien I, III und
          IV erfordern ein Gegengewicht auf der Nachfrageseite. Die Schnelligkeit, mit der Fernlernen akzeptiert wird,
          hängt zu einem großen Teil von den Kosten ab, zu denen die entsprechenden Geräte und Dienste angeboten
          werden, und deshalb ist die „economy of scale" entscheidend. Wenn jedoch fortgeschrittenere Systeme zur
          Unterstützung des Fernlernens entwickelt werden und die Anfangskosten für den Lernenden steigen, so
          werden ausgewählte Maßnahmen immer notwendiger, damit der Bedarf sich in eine Nachfrage umsetzen kann,
          d.h. eine Stimulierung des Gemeinschaftsmarktes für das Fernlernen und seine technologische Infrastruktur.
          Die Arbeiten, die unter dieser Aktionslinie der DELTA Pilotphase durchgeführt werden, erfordern eine
          entsprechende Diskussion zwischen der Kommission und den Verwaltungen der Mitgliedstaaten, aber auch
          die Unterstützung von Experten ist notwendig für die Vorbereitung der Vorschläge in speziellen Bereichen.
          5.1.     Steuerliche Behandlung des Lernens
          Untersuchung möglicher Maßnahmen, um die Kosten für die Anschaffung von Lerngerät und -programmen
          zu verringern. Insbesondere werden hierbei die Möglichkeiten der Steuervergünstigung für derartige Produkte
          und Dienste zu untersuchen sein.
          5.2.      Verordnungen
          Erleichterung des Europa-weiten Zugangs zu Lernmaterial und Lerndiensten. Diese Überlegungen sollten u.a.
          Maßnahmen definieren, die Erleichterungen und Anreize für den Vertrieb von Lehrmaterial in Europa
          schaffen; z.B. ein europäisches Qualitäts-Zertifikat, gegenseitige Zulassung. Untersuchung der Verwendung
          von Kabelübertragung, soweit für diese Zwecke geeignet, und unter Berücksichtigung der Gemeinschaftspolitik
          für den audiovisuellen Bereich.
          5.3.        Telekommunikationspolitik
          Untersuchung von Maßnahmen zum Abbau der tarifbedingten Kostenbarrieren für Fernlernen. Dies könnte
          möglicherweise durch Gruppenvereinbarungen und/oder durch Auswahl besonderer Zeiten mit niedrigen
          Auslastungsgraden erreicht werden.
 ---pagebreak--- Nr. C 265/36                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      5. 10. 87
          5.4.   Copyright und    Autorenrechte
          Vorbereitung einer Vereinbarung über einen angemessenen Schutz gegen Kopieren, Übertragen, Verarbeiten
          und Veröffentlichen von Lernmaterial über elektronische Medien in Zusammenarbeit mit den betroffenen
          nationalen und Kommissionsstellen. Ohne eine solche Vereinbarung wäre der Anreiz für den Lehrberuf, Zeit
          und Talent zu investieren ernsthaft kompromittiert.
          Aktionen könnten die Bildung einer speziellen Copyright-Arbeitsgruppe einschließen, die Copyright-Besitzer
          und die, die deren Arbeit benutzen, zusammenbringt, die aber auch die Aktivitäten in internationalen
          Organisationen auf dem Gebiet von intellektuellem Eigentum voll berücksichtigt.