CELEX: 32018D1106(02)
Language: de
Date: 2018-10-24 00:00:00
Title: Durchführungsbeschluss der Kommission vom 24. Oktober 2018 über die Veröffentlichung eines Antrags auf Eintragung eines Namens gemäß Artikel 49 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates im Amtsblatt der Europäischen Union — „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“ (g.t.S.)

6.11.2018   
               
               
                  DE
               
               
                  Amtsblatt der Europäischen Union
               
               
                  C 400/7
               
            
         DURCHFÜHRUNGSBESCHLUSS DER KOMMISSION
         vom 24. Oktober 2018
         über die Veröffentlichung eines Antrags auf Eintragung eines Namens gemäß Artikel 49 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates im Amtsblatt der Europäischen Union
         
         „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“ (g.t.S.)
         (2018/C 400/04)
         DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION —
         gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union,
         gestützt auf die Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates über Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (1), insbesondere auf Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe b,
         in Erwägung nachstehender Gründe:
         
                     (1)
                  
                  
                     Österreich hat der Kommission gemäß Artikel 49 Absatz 4 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 einen Antrag auf den Schutz des Namens „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“ übermittelt.
                  
               
                     (2)
                  
                  
                     Die Kommission hat den Antrag gemäß Artikel 50 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bedingungen der Verordnung erfüllt sind.
                  
               
                     (3)
                  
                  
                     Damit gemäß Artikel 51 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 Einspruch gegen den Antrag eingelegt werden kann, sollte die Produktspezifikation gemäß Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe b der Verordnung für den Namen „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“ im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden —
                  
               BESCHLIESST:
         
            Einziger Artikel
            Die Produktspezifikation gemäß Artikel 50 Absatz 2 Buchstabe b der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 für den Namen „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“ ist im Anhang dieses Beschlusses wiedergegeben.
            Im Einklang mit Artikel 51 der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012 kann innerhalb von drei Monaten ab der Veröffentlichung dieses Beschlusses im Amtsblatt der Europäischen Union Einspruch gegen die Eintragung des in Absatz 1 angeführten Namens eingelegt werden.
         
         
            Brüssel, den 24. Oktober 2018
            
               
                  Für die Kommission
               
               Phil HOGAN
               
                  Mitglied der Kommission
               
            
         
         
            (1)  ABl. L 343 vom 14.12.2012, S. 1.
      
      
         
            ANHANG
            
               PRODUKTSPEZIFIKATION EINER GARANTIERT TRADITIONELLEN SPEZIALITÄT
            
            
               „Ziegen-Heumilch“/„Goat’s Haymilk“/„Latte fieno di capra“/„Lait de foin de chèvre“/„Leche de heno de cabra“
            
            
               EU-Nr.: TSG-AT-02290 — 22.2.2017
            
            
               Österreich
            
            1.   Einzutragende(r) Name(n)
            
            „Ziegen-Heumilch“ (DE); „Goat’s Haymilk“ (EN); „Latte fieno di capra“ (IT); „Lait de foin de chèvre“ (FR); „Leche de heno de cabra“ (ES)
            2.   Art des Erzeugnisses
            
            Klasse 1.4. Sonstige Erzeugnisse tierischen Ursprungs (Eier, Honig, verschiedene Milcherzeugnisse außer Butter usw.)
            3.   Gründe für die Eintragung
            
            3.1.   Es handelt sich um ein Erzeugnis, das
            
            
                        —
                     
                     
                        ☒
                     
                     
                        eine Herstellungsart, Verarbeitungsart oder Zusammensetzung aufweist, die der traditionellen Praxis für jenes Erzeugnis oder Lebensmittel entspricht
                     
                  
                        —
                     
                     
                        ☐
                     
                     
                        aus traditionell verwendeten Rohstoffen oder Zutaten hergestellt ist
                     
                  Heumilchwirtschaft ist die ursprünglichste Form der Milcherzeugung. Die Milch stammt von Tieren aus traditioneller nachhaltiger Milchwirtschaft. Der wesentliche Unterschied und der traditionelle Charakter bestehen darin, dass bei der Heumilchproduktion wie in der ursprünglichen Milchproduktion keine Gärfuttermittel verfüttert werden. Die Industrialisierung der Landwirtschaft setzte seit den 1960er-Jahren aufgrund der Mechanisierung zunehmend auf die Produktion von Silagen (Gärfuttermittel) und verdrängte so die Heuwirtschaft. Zudem beinhalten die Richtlinien ein Verbot von Tieren und Futtermitteln, welche gemäß den geltenden Rechtsvorschriften als genetisch verändert zu kennzeichnen sind. Die Fütterung erfolgt im Lauf der Jahreszeiten, in der Grünfutterperiode erhalten die Tiere frische Gräser und Kräuter, teilweise Heu und erlaubte Futtermittel laut Ziffer 4.2 und in der Winterfutterperiode Heu und teilweise erlaubte Futtermittel laut Ziffer 4.2.
            3.2.   Es handelt sich um einen Namen, der
            
            
                        —
                     
                     
                        ☐
                     
                     
                        traditionell für das spezifische Erzeugnis verwendet worden ist
                     
                  
                        —
                     
                     
                        ☒
                     
                     
                        die traditionellen oder besonderen Merkmale des Erzeugnisses zum Ausdruck bringt
                     
                  Die Produktion von Ziegen-Heumilch und die Weiterverarbeitung ist so alt, wie die Haltung von Ziegen in der Landwirtschaft (ca. 11. Jahrhundert. v. Chr.). Weit verbreitet war die Ziegenhaltung im Mittelalter in den Voralpen und im Gebirge in Tirol auf sogenannten „Schwaighöfen“, wo die Ziegen häufig auf die schroffen Bergmähder mitgenommen wurden, wenn diese weit entfernt von den Sennalmen lagen und dadurch Milch für die Arbeitskräfte vorhanden war. Das Wort „Schwaig“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet eine spezielle Siedlungs- und vor allem Wirtschaftsform im alpinen Raum. „Schwaighöfe“ wurden vielfach als Dauersiedlungsform von den Landesherren selbst gegründet und dienten als Viehhöfe vor allem der Milchwirtschaft (besonders der Käseerzeugung). Sie sind in Tirol seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar. In bestimmten Gebieten in den Alpen mit Realteilung der Höfe, hielten die Kleinbauern deshalb Ziegen, um im Talgut die nötige Milch zu haben.
            4.   Beschreibung
            
            4.1.   Beschreibung des Erzeugnisses, das den unter Ziffer 1 angegebenen Namen führt, unter anderem mit den wichtigsten physikalischen, chemischen, mikrobiologischen oder organoleptischen Eigenschaften, die die besonderen Merkmale des Erzeugnisses zum Ausdruck bringen (Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 668/2014)
            
            Ziegenmilch in Übereinstimmung mit den geltenden Rechtsvorschriften.
            4.2.   Beschreibung der von den Erzeugern anzuwendenden Methode zur Herstellung des Erzeugnisses, das den unter Ziffer 1 angegebenen Namen führt, einschließlich gegebenenfalls der Art und der Merkmale der verwendeten Rohstoffe oder Zutaten und der Zubereitungsmethode des Erzeugnisses (Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 668/2014)
            
            Ziegen-Heumilch wird unter traditionellen Produktionsbedingungen entsprechend dem Heumilchregulativ erzeugt und zeichnet sich durch das Verbot von Gärfuttermittel wie Silagen und dem Verbot von Tieren und Futtermitteln, welche gemäß den geltenden Rechtsvorschriften als genetisch verändert zu kennzeichnen sind, aus.
            
               „Heumilchregulativ“
            
            Ziegen-Heumilch ist Ziegenmilch von Muttertieren, die von Milcherzeugern produziert wird, welche sich zur Einhaltung nachfolgender Kriterien verpflichtet haben. Es dürfen keine Tiere und Futtermittel, welche gemäß den geltenden Rechtsvorschriften als genetisch verändert zu kennzeichnen sind, verwendet werden.
            Der gesamte landwirtschaftliche Betrieb ist nach diesen Regeln der Heumilch-Produktion zu bewirtschaften.
            
               Erlaubte Futtermittel
            
            
                        —
                     
                     
                        Die Fütterung erfolgt im Wesentlichen mit frischen Gräsern, Leguminosen und Kräutern während der Grünfutterperiode sowie Heu in der Winterfutterperiode.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Als ergänzendes Raufutter zählen auch und sind zulässig: Grünraps, Grünmais, Grünroggen und Futterrüben sowie Heu-, Luzerne- und Maispellets und vergleichbare Futtermittel.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Der Raufutteranteil an der Trockenfutter-Jahresration muss mindestens 75 % betragen.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Als Getreide sind Weizen, Gerste, Hafer, Triticale, Roggen und Mais sowohl in marktüblicher Form als auch in Mischungen mit Mineralstoffen (z.B. Kleie, Pellets) zulässig.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Ackerbohnen, Futtererbsen, Ölfrüchte und Extraktionsschrote bzw. Kuchen können in der Futterration verwendet werden.
                     
                  
               Verbotene Futtermittel
            
            
                        —
                     
                     
                        Keine Verfütterung von Silage (Gärfuttermittel), von Feuchtheu oder Gärheu.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Verfütterung von Nebenprodukten von Brauereien, Brennereien, Mostereien und anderen Nebenprodukten der Lebensmittelindustrie wie z. B. Nass-Biertreber oder Nass-Schnitten. Ausnahme: Trockenschnitte und Melasse als Nebenprodukt der Zuckerherstellung und Eiweißfuttermittel aus der Getreideverarbeitung im trockenen Zustand.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Verfütterung von Futtermitteln in eingeweichtem Zustand an Muttertiere.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Verfütterung von Futtermitteln tierischen Ursprungs (Milch, Molke, Tiermehle usw.), mit Ausnahme von Milch und Molke an Jungvieh.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Verfütterung von Garten- und Obstabfällen, Kartoffeln und Harnstoff.
                     
                  
               Düngungsbestimmungen
            
            
                        —
                     
                     
                        Keine Ausbringung von Klärschlamm, Klärschlammprodukten und Kompost aus kommunalen Aufbereitungsanlagen mit Ausnahme von Grünkomposten auf allen landwirtschaftlichen Nutzflächen des Milchlieferanten.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Einhaltung einer Mindestwartezeit von 3 Wochen zwischen der Ausbringung von Wirtschaftsdünger und Nutzung auf allen Futterflächen des Milchlieferanten.
                     
                  
               Einsatz chemischer Hilfsstoffe
            
            
                        —
                     
                     
                        Nur selektiver Einsatz von chemisch synthetischen Pflanzenschutzmitteln unter fachlicher Anleitung von landwirtschaftlichen Fachberatern sowie Punktbekämpfung auf allen Grünfutterflächen des Milchlieferanten ist möglich.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Ein Einsatz von zugelassenen Sprühmitteln zur Fliegenbekämpfung ist in Milchviehställen nur bei Abwesenheit der Muttertiere erlaubt.
                     
                  
               Lieferverbote
            
            
                        —
                     
                     
                        Ablieferung als Ziegen-Heumilch frühestens am 10. Tag nach erfolgter Ablammung.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Bei Einstellung von Ziegen, denen Silage (Gärfuttermittel) verfüttert wurde, ist eine Wartezeit von mindestens 14 Tagen einzuhalten.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Alm-/Alptiere, die auf dem Heimbetrieb mit Silage (Gärfuttermittel) gefüttert wurden, müssen entweder 14 Tage vor Alm-/Alpauftrieb auf silofreie Fütterung umgestellt werden oder die Ziegenmilch kann erst nach 14 Tagen auf der Alm/Alpe (eigener Ziegen-Heumilchlieferbetrieb) als Ziegen-Heumilch verwendet werden. Auf der Alm/Alpe darf Silage weder produziert noch verfüttert werden.
                     
                  
               Verbot genetisch veränderter Lebens- und Futtermittel
            
            
                        —
                     
                     
                        Um die traditionelle Basis von Ziegen-Heumilch zu erhalten, dürfen keine Tiere und Futtermittel, welche gemäß den geltenden Rechtsvorschriften als genetisch verändert zu kennzeichnen sind, verwendet werden.
                     
                  
               Sonstige Vorschriften
            
            
                        —
                     
                     
                        Keine Herstellung und Lagerung von Silage (Gärfuttermittel).
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Produktion und Lagerung von Rundballen jeder Art in Folie.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Keine Herstellung von Feuchtheu oder Gärheu.
                     
                  4.3.   Beschreibung der wichtigsten Faktoren, die den traditionellen Charakter des Erzeugnisses ausmachen (Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EU) Nr. 668/2014)
            
            Ziegen-Heumilch unterscheidet sich von der Standard-Ziegenmilch aufgrund der speziellen Produktionsbedingungen entsprechend dem „Heumilchregulativ“ laut Ziffer 4.2.