CELEX: 62012CO0156
Language: de
Date: 2012-06-13 00:00:00
Title: Beschluss des Gerichtshofs (Sechste Kammer) vom 13. Juni 2012.#GREP GmbH gegen Freitstaat Bayern.#Vorabentscheidungsersuchen – Landesgericht Salzburg – Auslegung von Art. 51 Abs. 1 Satz 1 und Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union sowie hilfsweise von Art. 43 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (ABl. 2001 L 12, S. 1) und Art. 6 Abs. 1 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten – Anwendungsbereich der Grundrechtecharta – Verfahren der Vollstreckung einer in einem anderen Mitgliedstaat ergangenen Entscheidung – Anspruch auf Verfahrenshilfe – Zulässigkeit einer nationalen Regelung, wonach dieser Anspruch juristischen Personen verwehrt ist.#Art. 104 § 3 Abs. 1 der Verfahrensordnung – Charta der Grundrechte der Europäischen Union – Art. 47 und 51 Abs. 1 – Durchführung des Rechts der Union – Rechtsbehelf gegen eine Entscheidung, mit der eine in einem anderen Mitgliedstaat ergangene Entscheidung für vollstreckbar erklärt und ein dinglicher Arrest angeordnet wird – Effektiver gerichtlicher Rechtsschutz – Recht auf Zugang zu einem Gericht – Prozesskostenhilfe – Nationale Regelung, die juristischen Personen Prozesskostenhilfe verweigert.#Rechtssache C‑156/12.

BESCHLUSS DES GERICHTSHOFS (Sechste Kammer)
      13. Juni 2012(*)
      
      „Art. 104 § 3 Abs. 1 der Verfahrensordnung – Charta der Grundrechte der Europäischen Union – Art. 47 und 51 Abs. 1 – Durchführung des Rechts der Union – Rechtsbehelf gegen eine Entscheidung, mit der eine in einem anderen Mitgliedstaat ergangene Entscheidung für vollstreckbar
         erklärt und ein dinglicher Arrest angeordnet wird – Effektiver gerichtlicher Rechtsschutz – Recht auf Zugang zu einem Gericht – Prozesskostenhilfe – Nationale Regelung, die juristischen Personen Prozesskostenhilfe verweigert“
      
      In der Rechtssache C‑156/12
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Landesgericht Salzburg (Österreich) mit Entscheidung
         vom 22. März 2012, beim Gerichtshof eingegangen am 30. März 2012, in dem Verfahren
      
      GREP GmbH
      gegen
      Freistaat Bayern
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Sechste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten U. Lõhmus sowie der Richter A. Rosas (Berichterstatter) und A. Ó Caoimh,
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: A. Calot Escobar,
      gemäß Art. 104 § 3 Abs. 1 der Verfahrensordnung, wonach der Gerichtshof durch mit Gründen versehenen Beschluss entscheiden
         kann,
      
      nach Anhörung des Generalanwalts
      folgenden
      Beschluss
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 47 und 51 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen
         Union (im Folgenden: Charta).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Antrags der GREP GmbH (im Folgenden: GREP) auf Bewilligung von Verfahrenshilfe, um
         es ihr zu ermöglichen, durch Einlegung eines Rechtsbehelfs gegen die Entscheidung vorzugehen, mit der ein Arrest- und Pfändungsbeschluss
         des Landgerichts München I (Deutschland) für vollstreckbar erklärt und zur Sicherung der Zwangsvollstreckung wegen einer Einkommensteuerforderung
         des Freistaats Bayern gegen den Gründer dieser Gesellschaft der dingliche Arrest in das Vermögen von GREP angeordnet worden
         ist.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
      3        Die Erwägungsgründe 16 bis 18 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche Zuständigkeit
         und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (ABl. 2001, L 12, S. 1) lauten:
      
      „(16) Das gegenseitige Vertrauen in die Justiz im Rahmen der Gemeinschaft rechtfertigt, dass die in einem Mitgliedstaat ergangenen
         Entscheidungen, außer im Fall der Anfechtung, von Rechts wegen, ohne ein besonderes Verfahren, anerkannt werden.
      
      (17)      Auf Grund dieses gegenseitigen Vertrauens ist es auch gerechtfertigt, dass das Verfahren, mit dem eine in einem anderen Mitgliedstaat
         ergangene Entscheidung für vollstreckbar erklärt wird, rasch und effizient vonstatten geht. Die Vollstreckbarerklärung einer
         Entscheidung muss daher fast automatisch nach einer einfachen formalen Prüfung der vorgelegten Schriftstücke erfolgen, ohne
         dass das Gericht die Möglichkeit hat, von Amts wegen eines der in dieser Verordnung vorgesehenen Vollstreckungshindernisse
         zu berücksichtigen.
      
      (18)      Zur Wahrung seiner Verteidigungsrechte muss der Schuldner jedoch gegen die Vollstreckbarerklärung einen Rechtsbehelf im Wege
         eines Verfahrens mit beiderseitigem rechtlichen Gehör einlegen können, wenn er der Ansicht ist, dass einer der Gründe für
         die Versagung der Vollstreckung vorliegt. Die Möglichkeit eines Rechtsbehelfs muss auch für den Antragsteller gegeben sein,
         falls sein Antrag auf Vollstreckbarerklärung abgelehnt worden ist.“
      
      4        Kapitel III der Verordnung Nr. 44/2001, das die Art. 32 bis 56 umfasst, enthält die Regeln für die Anerkennung und Vollstreckung
         der in einem Mitgliedstaat ergangenen Entscheidungen in den anderen Mitgliedstaaten.
      
      5        In den Art. 34 und 35 der Verordnung Nr. 44/2001 werden die Gründe für die Nichtanerkennung von Entscheidungen, die in einem
         anderen Mitgliedstaat ergangen sind, abschließend aufgezählt.
      
      6        Die Art. 38 bis 52 der Verordnung Nr. 44/2001, die Abschnitt 2 ihres Kapitels III bilden, regeln das Vollstreckungsverfahren.
      
      7        Art. 38 Abs. 1 der Verordnung Nr. 44/2001 bestimmt:
      
      „Die in einem Mitgliedstaat ergangenen Entscheidungen, die in diesem Staat vollstreckbar sind, werden in einem anderen Mitgliedstaat
         vollstreckt, wenn sie dort auf Antrag eines Berechtigten für vollstreckbar erklärt worden sind.“
      
      8        Art. 41 der Verordnung Nr. 44/2001 sieht vor:
      
      „Sobald die in Artikel 53 vorgesehenen Förmlichkeiten erfüllt sind, wird die Entscheidung unverzüglich für vollstreckbar erklärt,
         ohne dass eine Prüfung nach den Artikeln 34 und 35 erfolgt. Der Schuldner erhält in diesem Verfahrensabschnitt keine Gelegenheit,
         eine Erklärung abzugeben.“
      
      9        In Art. 43 der Verordnung Nr. 44/2001 heißt es:
      
      „(1)      Gegen die Entscheidung über den Antrag auf Vollstreckbarerklärung kann jede Partei einen Rechtsbehelf einlegen.
      …
      (3)      Über den Rechtsbehelf wird nach den Vorschriften entschieden, die für Verfahren mit beiderseitigem rechtlichen Gehör maßgebend
         sind.
      
      …
      (5)      Der Rechtsbehelf gegen die Vollstreckbarerklärung ist innerhalb eines Monats nach ihrer Zustellung einzulegen. …“
      10      Art. 45 der Verordnung Nr. 44/2001 lautet:
      
      „(1)      Die Vollstreckbarerklärung darf von dem mit einem Rechtsbehelf nach Artikel 43 oder Artikel 44 befassten Gericht nur aus einem
         der in den Artikeln 34 und 35 aufgeführten Gründe versagt oder aufgehoben werden. Das Gericht erlässt seine Entscheidung unverzüglich.
      
      (2)      Die ausländische Entscheidung darf keinesfalls in der Sache selbst nachgeprüft werden.“
       Österreichisches Recht
      11      Nach § 79 Abs. 1 der Exekutionsordnung (EO) setzt die Bewilligung der Exekution aufgrund von Akten und Urkunden, die im Ausland
         errichtet wurden und nicht zu den in § 2 EO bezeichneten Exekutionstiteln gehören (ausländische Exekutionstitel), voraus,
         dass sie für Österreich für vollstreckbar erklärt wurden. Mit dem Antrag auf Vollstreckbarerklärung kann gemäß § 84a Abs. 1
         EO der Antrag auf Bewilligung der Exekution verbunden werden. Über beide Anträge hat das Gericht zugleich zu entscheiden.
      
      12      Im Verfahren zur Vollstreckbarerklärung und im Exekutionsverfahren finden gemäß § 78 EO subsidiär die allgemeinen Bestimmungen
         der Zivilprozessordnung (ZPO) Anwendung, so dass Rekurse gemäß § 520 Abs. 2 letzter Satz ZPO mit der Unterschrift eines Rechtsanwalts
         versehen sein müssen und den Parteien grundsätzlich nach den §§ 63 ff. ZPO auch Verfahrenshilfe gewährt werden kann.
      
      13      § 63 Abs. 1 ZPO bestimmt:
      
      „Verfahrenshilfe ist einer Partei, wenn diese eine natürliche Person ist, so weit zur Gänze oder zum Teil zu bewilligen, als
         sie außerstande ist, die Kosten der Führung des Verfahrens ohne Beeinträchtigung des notwendigen Unterhalts zu bestreiten,
         und die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung nicht als offenbar mutwillig oder aussichtslos erscheint. …“
      
      14      § 64 Abs. 1 ZPO sieht vor:
      
      „Die Verfahrenshilfe kann … die folgenden Begünstigungen umfassen:
      1.      die einstweilige Befreiung von der Entrichtung
      a)      der Gerichtsgebühren …
      …
      3.      sofern die Vertretung durch einen Rechtsanwalt gesetzlich geboten ist …, die vorläufig unentgeltliche Beigebung eines Rechtsanwalts,
         …“
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      15      Aus den dem Gerichtshof vorgelegten nationalen Verfahrensakten geht hervor, dass GREP ebenso wie die GFU GmbH und die Aktion
         Zeitgeschenk GmbH von Herrn Gribkowsky in Österreich gegründet wurde. Diese drei Gesellschaften gehören der Sonnenschein Privatstiftung,
         die Herr Gribkowsky 2007 ebenfalls in Österreich gründete.
      
      16      In Deutschland wird Herr Gribkowsky wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung strafrechtlich
         verfolgt. In diesem Zusammenhang macht das Landesamt für Finanzen des Freistaats Bayern (Deutschland) gegen ihn eine Steuerforderung
         wegen Einkünften geltend, die über die österreichischen Gesellschaften erzielt worden sein sollen. Da Pfändungen in Deutschland
         fruchtlos verliefen, beantragte das Landesamt für Finanzen in der Befürchtung, dass Gelder beiseite geschafft werden könnten,
         beim Landgericht München I einen dinglichen Arrest in Vermögenswerte und Forderungen u. a. von GREP und der Sonnenschein Privatstiftung.
         Das Landesamt ist der Auffassung, GREP und die Stiftung seien nur „leere Hüllen“, an deren Spitze „Strohmänner“ stünden. Die
         tatsächliche Geschäftsführung der Gesellschaft und der Stiftung werde von Herrn Gribkowsky ausgeübt, so dass sich ihr Sitz
         gemäß Art. 60 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 44/2001, wonach eine Gesellschaft ihren Sitz an dem Ort habe, an dem sich
         ihre Hauptverwaltung befinde, in Deutschland befinde.
      
      17      Nach den Angaben in den dem Gerichtshof vorgelegten nationalen Verfahrensunterlagen und insbesondere nach der Antragsschrift
         des Landesamts für Finanzen erhielt GREP im Jahr 2007 von Herrn Gribkowsky oder auf dessen Veranlassung 16 294 003 Euro unentgeltlich
         bzw. ohne Rechtsgrund. Diese Zahlungen stellten Rechtshandlungen dar, die nach dem Gesetz über die Anfechtung von Rechtshandlungen
         eines Schuldners außerhalb des Insolvenzverfahrens (Anfechtungsgesetz – AnfG) anfechtbar seien. Auf dieser Grundlage sei im
         Übrigen gegen GREP bereits eine Hauptsacheklage beim Landgericht München I erhoben worden. Um die Durchführung des im Rahmen
         dieser Klage zu erwartenden Urteils sicherzustellen, sei ein Arrest in die Vermögenswerte und Forderungen dieser Gesellschaft
         erforderlich.
      
      18      Nach den Ausführungen des vorlegenden Gerichts erließ das Landgericht München I auf Antrag des Landesamts für Finanzen am
         30. August 2011 einen Arrest- und Pfändungsbeschluss und ordnete darin u. a zur Sicherung der Zwangsvollstreckung wegen einer
         Forderung in Höhe von 17 033 201,88 Euro gegen den Arrestschuldner, Herrn Gribkowsky, den dinglichen Arrest in das Vermögen
         von GREP in Höhe von 16 294 003 Euro an. Zusätzlich wurde ausgesprochen, dass die Forderungen von GREP gegenüber dem das Geschäftskonto
         führenden Bankinstitut Deutsche Bank Österreich AG, gegen die GFU GmbH und gegen die Aktion Zeitgeschenk GmbH bis zur vorgenannten
         Höhe gepfändet werden. Den dem Gerichtshof vorgelegten nationalen Verfahrensunterlagen ist ferner zu entnehmen, dass GREP
         gegen diesen Beschluss beim Landgericht München I Widerspruch einlegte.
      
      19      Mit Beschluss vom 3. Oktober 2011 erklärte das Bezirksgericht Salzburg (Österreich) auf Antrag des Landesamts für Finanzen
         den Arrest- und Pfändungsbeschluss des Landgerichts München I gemäß § 79 EO in Österreich für vollstreckbar. Auf der Grundlage
         dieses Beschlusses bewilligte das Bezirksgericht Salzburg überdies dem Landesamt für Finanzen zur Sicherstellung der Forderung
         über 16 294 003 Euro und der mit 50 122,13 Euro bestimmten Antragskosten die Exekution durch die Pfändung von Geldforderungen,
         die GREP gegen die Deutsche Bank Österreich AG, die GFU GmbH und die Aktion Zeitgeschenk GmbH zustehen. Das Landesamt für
         Finanzen hatte neben einer Ausfertigung des Arrest- und Pfändungsbeschlusses auch eine Bescheinigung nach Art. 54 der Verordnung
         Nr. 44/2001 vorgelegt, in der bestätigt wird, dass dieser Titel im Ursprungsmitgliedsstaat, also in Deutschland, vollstreckbar
         sei.
      
      20      Innerhalb der Frist für die Erhebung eines Rekurses gegen diesen Beschluss stellte GREP beim Bezirksgericht Salzburg, dem
         Erstgericht, den Antrag, ihr die Verfahrenshilfe im vollen Umfang des § 64 Abs. 1 ZPO zu bewilligen. Da sämtliches Vermögen
         der Gesellschaft gepfändet sei, sehe sie sich außer Stande, die Kosten der nicht offenbar mutwilligen oder aussichtslos erscheinenden
         Führung des Rechtsmittelverfahrens gegen diesen Beschluss aus dem Gesellschaftsvermögen oder aus dem Vermögen der an der Führung
         des Verfahrens wirtschaftlich Beteiligten wie der Sonnenschein Privatstiftung aufzubringen. Mit Beschluss vom 9. November
         2011 wies das Bezirksgericht Salzburg diesen Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe mit der Begründung ab, dass nach der
         derzeit geltenden und damit bindenden innerstaatlichen Rechtslage eine Bewilligung der Verfahrenshilfe zugunsten einer juristischen
         Person nach den §§ 63 ff. ZPO und 78 EO ausgeschlossen sei.
      
      21      Gegen die Versagung der Verfahrenshilfe erhob GREP fristgerecht Rekurs beim Landesgericht Salzburg. In der Vorlageentscheidung
         weist dieses Gericht darauf hin, dass sich weder der Revisor, der die Republik Österreich in einem Verfahren zur Bewilligung
         der Verfahrenshilfe vertrete, noch das Landesamt für Finanzen des Freistaats Bayern am Rechtsmittelverfahren beteiligt habe.
         Als Rekursgericht habe es über den Rekurs zu entscheiden, wobei in Verfahrenshilfesachen ein weiterer innerstaatlicher Rechtszug
         nach § 528 Abs. 2 Z 4 ZPO ausgeschlossen sei.
      
      22      Das Landesgericht Salzburg führt aus, bis zur Änderung des § 63 ZPO durch das Budgetbegleitgesetz 2009 (BGBl. I 52/2009) hätten
         auch juristische Personen und sonstige parteifähige Gebilde Verfahrenshilfe erlangen können. Mit Art. 15 Z 3 des Budgetbegleitgesetzes
         2009 sei § 63 ZPO dahin geändert worden, dass in Abs. 1 im ersten Satz nach dem Wort „Partei“ die Wortfolge „wenn diese eine
         natürliche Person ist“ eingefügt worden sei, während der die Voraussetzungen der Bewilligung der Verfahrenshilfe für eine
         juristische Person regelnde Abs. 2 aufgehoben worden sei. Der Verfassungsgerichtshof (Österreich) habe in seinem Erkenntnis
         vom 5. Oktober 2011 (G 26/10-11*) Art. 15 Z 3 des Budgetbegleitgesetzes 2009 zwar als verfassungswidrig aufgehoben, zugleich
         aber gemäß Art. 140 Abs. 5 Sätze 3 und 4 des Bundes-Verfassungsgesetzes ausgesprochen, dass die Aufhebung mit Ablauf des 31.
         Dezember 2012 in Kraft trete. Damit wäre nach Ansicht des Landesgerichts Salzburg grundsätzlich der Rechtsauffassung des Erstgerichts
         beizutreten, dass nach der derzeit noch geltenden innerstaatlichen Rechtslage im Exekutionsverfahren und damit auch im Verfahren
         zur Vollstreckbarerklärung nach den Art. 38 ff. der Verordnung Nr. 44/2001 eine Bewilligung der Verfahrenshilfe zugunsten
         einer juristischen Person nach den §§ 63 ff. ZPO und 78 EO ausgeschlossen sei.
      
      23      Vor dem Landesgericht Salzburg verwies GREP auf das Urteil des Gerichtshofs vom 22. Dezember 2010, DEB (C‑279/09, noch nicht
         in der amtlichen Sammlung veröffentlicht), und auf Art. 47 der Charta. Nach Ansicht des vorlegenden Gerichts stellt sich für
         das betreffende Verfahren, das an das Titelverfahren anschließe und der internationalen Durchsetzung des Vollstreckungsanspruchs
         diene, jedoch die Frage, ob und in welchem Umfang auch hier die in der Charta verankerten Prinzipien zu beachten seien, zu
         denen neben der Wahrung des rechtlichen Gehörs und der Gewährleistung eines fairen Verfahrens grundsätzlich auch der Anspruch
         auf Prozesskostenhilfe (Verfahrenshilfe) zähle.
      
      24      Mit Blick auf Art. 43 Abs. 1 der Verordnung Nr. 44/2001, wonach gegen die Entscheidung über den Antrag auf Vollstreckbarerklärung
         einer in einem anderen Mitgliedstaat ergangenen Entscheidung jede Partei einen Rechtsbehelf einlegen könne, werde deutlich,
         dass im vorliegenden Fall dem in Art. 47 der Charta verankerten Grundsatz eines effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes, der
         auch juristischen Personen zustehe, erhebliche Bedeutung zukommen könne.
      
      25      Nach Ansicht des Landesgerichts Salzburg wäre aufgrund des im innerstaatlichen Recht im Rechtsmittelverfahren geltenden Rechtsanwaltszwangs
         und der Beseitigung der Möglichkeit der Erhebung eines Protokollarrekurses durch das Budgetbegleitgesetz 2011 der Wesensgehalt
         des Rechts auf Zugang zu den Gerichten erheblich beeinträchtigt, wenn juristischen Personen generell kein Anspruch auf Befreiung
         von Gerichts- und/oder Rechtsanwaltskosten im Rahmen der Gewährung von Verfahrenshilfe zukäme. Dabei sei zu berücksichtigen,
         dass mit dem Budgetbegleitgesetz 2009 eine Pauschalgebühr für Rekurse im Exekutionsverfahren eingeführt worden sei, die nach
         Tarifpost 12a des Gerichtsgebührengesetzes das Doppelte der für das Verfahren erster Instanz vorgesehenen Pauschalgebühren
         betrage. Bei ausschließlicher Anfechtung der Vollstreckbarerklärung einer ergangenen Entscheidung falle zwar keine Pauschalgebühr
         (Gerichtsgebühr) an; werde jedoch zugleich die Exekutionsbewilligung bekämpft, betrage die bei Einbringung des Rekurses zu
         entrichtende Pauschalgebühr im vorliegenden Fall etwa 80 000 Euro.
      
      26      Die Vollstreckbarerklärung nach den Bestimmungen der Verordnung Nr. 44/2001 lasse sich zwar grundsätzlich von der Bewilligung
         der Exekution trennen. Dabei hänge es aber von der Art und vom Inhalt des ausländischen Titels im Einzelfall und zugleich
         von den beantragten Exekutionsmitteln ab, ob mit dem Rekurs gegen die Vollstreckbarerklärung aus anwaltlicher Vorsicht zugleich
         auch die Exekutionsbewilligung bekämpft werden müsse. Die tarifmäßigen Rechtsanwaltskosten für einen Rekurs betrügen aufgrund
         des Streitwerts rund 20 000 Euro.
      
      27      Das Landesgericht Salzburg hat daher beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung
         vorzulegen:
      
      1.      Ist Art. 51 Abs. 1 Satz 1 der Charta dahin auszulegen, dass in den Anwendungsbereich der Charta auch ein Verfahren zur Vollstreckbarerklärung
         in einem Mitgliedstaat ergangener Entscheidungen nach den Art. 38 ff. der Verordnung Nr. 44/2001 fällt?
      
      2.      a)      Wenn ja, umfasst der in Art. 47 der Charta verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes den Anspruch auf
         Befreiung von der Zahlung von Gerichtskosten, insbesondere einer zu entrichtenden Pauschalgebühr bei Einbringung eines Rechtsmittels,
         und/oder von Gebühren für den Beistand eines Rechtsanwalts in einem unter Punkt 1 genannten Verfahren?
      
      b)      Gilt dies auch für das nach innerstaatlichem Recht zu führende Exekutionsverfahren, oder zumindest für das zugleich auch die
         Exekutionsbewilligung betreffende Rechtsmittelverfahren, wenn das Gericht über den Antrag auf Vollstreckbarerklärung und Bewilligung
         der Exekution in einem Beschluss gemeinsam entschieden hat?
      
      3.      Ergibt sich ein Anspruch auf Verfahrenshilfe (Prozesskostenhilfe) in obigem Sinne allenfalls hilfsweise aus Art. 43 Abs. 1
         der Verordnung Nr. 44/2001 und/oder Art. 6 Abs. 1 der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum
         Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, wenn das innerstaatliche Recht für die Einlegung des vorgesehenen Rechtsbehelfs
         (konkret eines Rekurses) eine Anwaltspflicht normiert?
      
      28      Obwohl das Landesgericht Salzburg darauf hinweist, dass die Rekursfrist durch den Antrag auf Bewilligung der Verfahrenshilfe
         unterbrochen worden sei, beantragt es, das Ersuchen gemäß Art. 104a der Verfahrensordnung des Gerichtshofs dem beschleunigten
         Verfahren zu unterwerfen. Die außerordentliche Dringlichkeit ergebe sich aus dem Umstand, dass es sich bei dem Exekutionstitel
         um eine einstweilige Maßnahme handele, die im Rahmen der beantragten und bewilligten Pfändungen weit in wirtschaftliche Belange
         von GREP eingreife.
      
       Zu den Vorlagefragen
      29      Nach Art. 104 § 3 Abs. 1 seiner Verfahrensordnung kann der Gerichtshof, wenn eine zur Vorabentscheidung vorgelegte Frage mit
         einer Frage übereinstimmt, über die er bereits entschieden hat, oder wenn die Antwort auf eine solche Frage klar aus der Rechtsprechung
         abgeleitet werden kann, nach Anhörung des Generalanwalts jederzeit durch Beschluss entscheiden, der mit Gründen zu versehen
         ist. Dies ist nach Ansicht des Gerichtshofs vorliegend der Fall.
      
      30      Mit seinen ersten beiden Fragen, die zusammen zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht wissen, ob der in Art. 47 der
         Charta verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes dahin auszulegen ist, dass er den Anspruch auf Befreiung
         von der Zahlung von Gerichtskosten und/oder von Gebühren für den Beistand eines Rechtsanwalts in einem Verfahren umfasst,
         in dem gemäß Art. 43 der Verordnung Nr. 44/2001 gegen eine Entscheidung vorgegangen wird, mit der eine in einem Mitgliedstaat
         ergangene Entscheidung für vollstreckbar erklärt und ein dinglicher Arrest angeordnet wird.
      
      31      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass ein solches Verfahren, mit dem gemäß Art. 43 der Verordnung Nr. 44/2001 gegen die nach
         den Art. 38 bis 42 dieser Verordnung festgestellte Vollstreckbarkeit eines Arrest- und Pfändungsbeschlusses vorgegangen wird,
         als Durchführung des Rechts der Union im Sinne von Art. 51 der Charta anzusehen ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 21. Dezember
         2011, N. S. u. a., C‑411/10 und C‑493/10, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnrn. 64 bis 69).
      
      32      Wie das Übereinkommen vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen
         in Zivil- und Handelssachen (ABl. 1972, L 299, S. 32) in der Fassung der nachfolgenden Übereinkommen über den Beitritt neuer
         Mitgliedstaaten zu diesem Übereinkommen bezweckt die Verordnung Nr. 44/2001 die Gewährleistung des freien Verkehrs der Entscheidungen
         aus den Mitgliedstaaten in Zivil- und Handelssachen, indem die Formalitäten im Hinblick auf eine rasche und unkomplizierte
         Anerkennung und Vollstreckung vereinfacht werden (Urteil vom 14. Dezember 2006, ASML, C‑283/05, Slg. 2006, I‑12041, Randnr. 23).
      
      33      Das Ziel der Verordnung Nr. 44/2001 darf aber nicht dadurch erreicht werden, dass die Verteidigungsrechte in irgendeiner Weise
         beeinträchtigt werden (Urteil ASML, Randnr. 24). Der Gerichtshof hat insoweit darauf hingewiesen, dass die Bestimmungen der
         Verordnung Nr. 44/2001 insgesamt das Bestreben zum Ausdruck bringen, sicherzustellen, dass im Rahmen der Ziele der Verordnung
         die Verfahren, die zum Erlass gerichtlicher Entscheidungen führen, unter Wahrung der Verteidigungsrechte durchgeführt werden
         (Urteil vom 15. März 2012, G, C‑292/10, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 47 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      34      Dieses Erfordernis ergibt sich u. a. aus dem 18. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 44/2001, wonach der Schuldner zur Wahrung
         seiner Verteidigungsrechte gegen die Vollstreckbarerklärung einer Entscheidung einen Rechtsbehelf im Wege eines Verfahrens
         mit beiderseitigem rechtlichen Gehör einlegen können muss, wenn er der Ansicht ist, dass einer der Gründe für die Versagung
         der Vollstreckung vorliegt (Urteil ASML, Randnr. 25).
      
      35      Die Achtung der Verteidigungsrechte ist einer der Aspekte des Grundsatzes eines effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes; dieser
         ist nach ständiger Rechtsprechung ein allgemeiner Grundsatz des Unionsrechts, der sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen
         der Mitgliedstaaten ergibt, in Art. 47 der Charta verbürgt und auch in den Art. 6 und 13 der Europäischen Konvention zum Schutze
         der Menschenrechte und Grundfreiheiten verankert ist (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 8. September 2010, Winner Wetten, C‑409/06,
         Slg. 2010, I‑8015, Randnr. 58).
      
      36      Nach Art. 47 Abs. 1 der Charta hat jede Person, deren durch das Recht der Union garantierte Rechte oder Freiheiten verletzt
         worden sind, das Recht, nach Maßgabe der in diesem Artikel vorgesehenen Bedingungen bei einem Gericht einen wirksamen Rechtsbehelf
         einzulegen. Nach Art. 47 Abs. 2 der Charta hat jede Person ein Recht darauf, dass ihre Sache von einem unabhängigen, unparteiischen
         und zuvor durch Gesetz errichteten Gericht in einem fairen Verfahren öffentlich und innerhalb angemessener Frist verhandelt
         wird. Jede Person kann sich beraten, verteidigen und vertreten lassen. Art. 47 Abs. 3 der Charta sieht eigens vor, dass Personen,
         die nicht über ausreichende Mittel verfügen, Prozesskostenhilfe bewilligt wird, soweit diese Hilfe erforderlich ist, um den
         Zugang zu den Gerichten wirksam zu gewährleisten.
      
      37      Folglich muss der Grundsatz eines effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes, insbesondere der Anspruch auf Prozesskostenhilfe,
         für die Einlegung eines Rechtsbehelfs, wie er in Art. 43 der Verordnung Nr. 44/2001 vorgesehen ist, geltend gemacht werden
         können.
      
      38      In Randnr. 59 des Urteils DEB hat der Gerichtshof unter Berücksichtigung der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
         für Menschenrechte entschieden, dass der in Art. 47 der Charta verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes
         dahin auszulegen ist, dass seine Geltendmachung durch juristische Personen nicht ausgeschlossen ist und dass die in Anwendung
         dieses Grundsatzes gewährte Hilfe u. a. die Befreiung von der Zahlung des Gerichtskostenvorschusses und/oder der Gebühren
         für den Beistand eines Rechtsanwalts umfassen kann.
      
      39      Der Gerichtshof hat indes festgestellt, dass die Grundrechte, wie die Wahrung der Verteidigungsrechte, keine absoluten Rechte
         sind, sondern Beschränkungen unterliegen können. Diese müssen jedoch tatsächlich Zielen des Allgemeininteresses entsprechen,
         die mit der in Rede stehenden Maßnahme verfolgt werden, und dürfen im Hinblick auf den verfolgten Zweck keine offensichtliche
         und unverhältnismäßige Beeinträchtigung der auf diese Weise gewährleisteten Rechte darstellen (Urteil vom 2. April 2009, Gambazzi,
         C‑394/07, Slg. 2009, I‑2563, Randnr. 29).
      
      40      Zur Prozesskostenhilfe hat der Gerichtshof ausgeführt, dass der nationale Richter insoweit zu prüfen hat, ob die Voraussetzungen
         für die Gewährung von Prozesskostenhilfe eine Beschränkung des Rechts auf Zugang zu den Gerichten darstellen, die dieses Recht
         in seinem Wesensgehalt selbst beeinträchtigt, ob sie einem legitimen Zweck dienen und ob die angewandten Mittel in einem angemessenen
         Verhältnis zum verfolgten Ziel stehen (Urteil DEB, Randnr. 60).
      
      41      Im Rahmen dieser Würdigung kann der nationale Richter den Streitgegenstand, die begründeten Erfolgsaussichten des Antragstellers,
         die Bedeutung des Rechtsstreits für diesen, die Komplexität des geltenden Rechts und des anwendbaren Verfahrens sowie die
         Fähigkeit des Antragstellers berücksichtigen, sein Anliegen wirksam zu verteidigen. Bei der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit
         kann der nationale Richter auch der Höhe der vorzuschießenden Gerichtskosten sowie dem Umstand Rechnung tragen, ob sie für
         den Zugang zum Recht gegebenenfalls ein unüberwindliches Hindernis darstellen oder nicht (Urteil DEB, Randnr. 61).
      
      42      Insbesondere bei juristischen Personen kann der nationale Richter deren Verhältnisse in Betracht ziehen. So kann er u. a.
         die Gesellschaftsform der in Rede stehenden juristischen Person, das Bestehen oder Fehlen von Gewinnerzielungsabsicht sowie
         die Finanzkraft ihrer Gesellschafter oder Anteilseigner und deren Möglichkeit berücksichtigen, sich die zur Einleitung der
         Rechtsverfolgung erforderlichen Beträge zu beschaffen (Urteil DEB, Randnr. 62).
      
      43      Nach alledem ist auf die ersten beiden Fragen zu antworten, dass der Rechtsbehelf, der gemäß Art. 43 der Verordnung Nr. 44/2001
         eingelegt wird, um gegen eine Entscheidung vorzugehen, mit der ein Arrest- und Pfändungsbeschluss nach den Art. 38 bis 42
         dieser Verordnung für vollstreckbar erklärt und ein dinglicher Arrest angeordnet wird, als Durchführung des Rechts der Union
         im Sinne von Art. 51 der Charta anzusehen ist.
      
      44      Der in Art. 47 der Charta verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes kann den Anspruch auf Befreiung
         von der Zahlung von Gerichtskosten und/oder von Gebühren für den Beistand eines Rechtsanwalts im Rahmen eines solchen Rechtsbehelfs
         umfassen.
      
      45      Jedoch hat der nationale Richter zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Gewährung von Prozesskostenhilfe eine Beschränkung
         des Rechts auf Zugang zu den Gerichten darstellen, die dieses Recht in seinem Wesensgehalt selbst beeinträchtigt, ob sie einem
         legitimen Zweck dienen und ob die angewandten Mittel in einem angemessenen Verhältnis zum verfolgten Ziel stehen.
      
      46      Im Rahmen dieser Würdigung kann der nationale Richter den Streitgegenstand, die begründeten Erfolgsaussichten des Antragstellers,
         die Bedeutung des Rechtsstreits für diesen, die Komplexität des geltenden Rechts und des anwendbaren Verfahrens sowie die
         Fähigkeit des Antragstellers berücksichtigen, sein Anliegen wirksam zu verteidigen. Bei der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit
         kann der nationale Richter auch der Höhe der vorzuschießenden Gerichtskosten sowie dem Umstand Rechnung tragen, ob sie für
         den Zugang zum Recht gegebenenfalls ein unüberwindliches Hindernis darstellen oder nicht.
      
      47      Insbesondere bei juristischen Personen kann der nationale Richter deren Verhältnisse in Betracht ziehen. So kann er u. a.
         die Gesellschaftsform der in Rede stehenden juristischen Person, das Bestehen oder Fehlen von Gewinnerzielungsabsicht sowie
         die Finanzkraft ihrer Gesellschafter oder Anteilseigner und deren Möglichkeit berücksichtigen, sich die zur Einleitung der
         Rechtsverfolgung erforderlichen Beträge zu beschaffen.
      
      48      Da die dritte Frage hilfsweise gestellt worden ist, erübrigt sich ihre Beantwortung.
      
       Kosten
      49      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Sechste Kammer) für Recht erkannt:
      Der Rechtsbehelf, der gemäß Art. 43 der Verordnung (EG) Nr. 44/2001 des Rates vom 22. Dezember 2000 über die gerichtliche
            Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen eingelegt wird, um gegen
            eine Entscheidung vorzugehen, mit der ein Arrest- und Pfändungsbeschluss nach den Art. 38 bis 42 dieser Verordnung für vollstreckbar
            erklärt und ein dinglicher Arrest angeordnet wird, ist als Durchführung des Rechts der Union im Sinne von Art. 51 der Charta
            der Grundrechte der Europäischen Union anzusehen.
      Der in Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verankerte Grundsatz des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes
            kann den Anspruch auf Befreiung von der Zahlung von Gerichtskosten und/oder von Gebühren für den Beistand eines Rechtsanwalts
            im Rahmen eines solchen Rechtsbehelfs umfassen.
      Jedoch hat der nationale Richter zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Gewährung von Prozesskostenhilfe eine Beschränkung
            des Rechts auf Zugang zu den Gerichten darstellen, die dieses Recht in seinem Wesensgehalt selbst beeinträchtigt, ob sie einem
            legitimen Zweck dienen und ob die angewandten Mittel in einem angemessenen Verhältnis zum verfolgten Ziel stehen.
      Im Rahmen dieser Würdigung kann der nationale Richter den Streitgegenstand, die begründeten Erfolgsaussichten des Antragstellers,
            die Bedeutung des Rechtsstreits für diesen, die Komplexität des geltenden Rechts und des anwendbaren Verfahrens sowie die
            Fähigkeit des Antragstellers berücksichtigen, sein Anliegen wirksam zu verteidigen. Bei der Beurteilung der Verhältnismäßigkeit
            kann der nationale Richter auch der Höhe der vorzuschießenden Gerichtskosten sowie dem Umstand Rechnung tragen, ob sie für
            den Zugang zum Recht gegebenenfalls ein unüberwindliches Hindernis darstellen oder nicht.
      Insbesondere bei juristischen Personen kann der nationale Richter deren Verhältnisse in Betracht ziehen. So kann er u. a.
            die Gesellschaftsform der in Rede stehenden juristischen Person, das Bestehen oder Fehlen von Gewinnerzielungsabsicht sowie
            die Finanzkraft ihrer Gesellschafter oder Anteilseigner und deren Möglichkeit berücksichtigen, sich die zur Einleitung der
            Rechtsverfolgung erforderlichen Beträge zu beschaffen.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.