CELEX: 62000CJ0470
Language: de
Date: 2004-04-29
Title: Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 29. April 2004. # Europäisches Parlament gegen Carlo Ripa di Meana, Leoluca Orlando und Gastone Parigi. # Rechtsmittel - Abgeordnete des Europäischen Parlaments - Vorläufige Ruhegehaltsregelung - Frist für den Antrag auf Beitritt zu dieser Regelung - Kenntniserlangung - Anschlussrechtsmittel - Kostenentscheidung - Unzulässigkeit. # Rechtssache C-470/00 P.

Rechtssache C-470/00 PEuropäisches ParlamentgegenCarlo Ripa di Meana u. a.
            «Rechtsmittel  –  Abgeordnete des Europäischen Parlaments  –  Vorläufige Ruhegehaltsregelung  –  Frist für den Antrag auf Beitritt zu dieser Regelung  –  Kenntniserlangung  –  Anschlussrechtsmittel  –  Kostenentscheidung  –  Unzulässigkeit»
            
               
                  Schlussanträge des Generalanwalts J. Mischo vom 26. Juni 2003
                     
               
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 29. April 2004
                     
               
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  1.
                  Rechtsmittel  –  Gründe  –  Fehlerhafte Tatsachenwürdigung  –  Unzulässigkeit  –  Zurückweisung  –  Rechtliche Qualifizierung der Tatsachen  –  Zulässigkeit(Artikel 225 EG; Satzung des Gerichtshofes, Artikel 58) 
         
                  2.
                  Nichtigkeitsklage  –  Anfechtbare Handlungen  –  Handlungen des Parlaments, die Rechtswirkungen außerhalb seines internen Bereichs erzeugen sollen  –  Schreiben des Kollegiums der Quästoren, mit dem ein Antrag auf rückwirkenden Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung
                     für Abgeordnete abgelehnt wird  –  Entscheidung, die keine Bestätigung einer früheren Entscheidung darstellt, mit der allgemein eine Frist für die Stellung
                     von Anträgen auf Beitritt zu dieser Regelung aufgestellt wird  –  Zulässigkeit
                  (Artikel 230 EG) 
         
                  3.
                  Parlament  –  Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung für die Mitglieder des Europäischen Parlaments  –  Mitteilung von Änderungen dieser Regelung an die Abgeordneten  –  Keine Verpflichtung zu persönlicher Mitteilung gegen Empfangsbestätigung  –  Ausreichen der bei dem Organ für die interne Kommunikation gebräuchlichen Formen
         
                  4.
                  Gemeinschaftsrecht  –  Grundsätze  –  Rechtssicherheit  –  Handlung der Verwaltung, mit der bestimmten Personen Obliegenheiten auferlegt werden  –  Mitteilung an die Betroffenen  –  Keine Verpflichtung zu persönlicher Mitteilung gegen Empfangsbestätigung
         
                  5.
                  Rechtsmittel  –  Gegenstand  –  Rechtsmittel nur gegen die Kostenentscheidung und gegen die Kostenfestsetzung  –  Unzulässigkeit(EG-Satzung des Gerichtshofes, Artikel 51 Absatz 2; Satzung des Gerichtshofes, Artikel 58 Absatz 2) 
         
                  6.
                  Verfahren  –  Kosten  –  Rechtsmittel  –  Keine Bindung des Gerichtshofes an die Anträge der Parteien im ersten Rechtszug(Verfahrensordnung des Gerichtshofes, Artikel 69 § 2 und 122 Absatz 1) 
         
         
          
         1.
         Aus Artikel 225 EG und Artikel 58 der Satzung des Gerichtshofes ergibt sich, dass das Rechtsmittel auf Rechtsfragen beschränkt
            ist. Deshalb ist allein das Gericht zuständig für die Tatsachenfeststellung, sofern sich nicht aus den Prozessakten ergibt,
            dass seine Feststellungen tatsächlich falsch sind, und für die Würdigung der Tatsachen. Die Würdigung der Tatsachen ist daher,
            sofern der dem Gericht unterbreitete Vortrag nicht verfälscht wird, keine Rechtsfrage, die als solche der Kontrolle des Gerichtshofes
            im Rahmen eines Rechtsmittels unterliegt. Hat das Gericht dagegen die Tatsachen festgestellt oder gewürdigt, so ist der Gerichtshof
            gemäß Artikel 225 EG zur Kontrolle der rechtlichen Qualifizierung dieser Tatsachen und der Rechtsfolgen, die das Gericht aus
            ihnen gezogen hat, befugt. Bei einer solchen Qualifizierung handelt es sich nämlich um eine Rechtsfrage, die als solche im
            Rahmen eines Rechtsmittels dem Gerichtshof zur Überprüfung vorgelegt werden kann.
         
         
               (vgl. Randnrn. 40-41)
         
         
          
         2.
         Ein Schreiben des Kollegiums der Quästoren des Europäischen Parlaments, mit dem ein Antrag auf rückwirkenden Beitritt zur
            vorläufigen Ruhegehaltsregelung der Abgeordneten mit der Begründung abgelehnt wird, dass die Frist, die in dem diese Regelung
            ändernden Beschluss des Präsidiums des Europäischen Parlaments vom 13. September 1995 vorgesehen sei, nicht eingehalten worden
            sei, stellt keine Entscheidung dar, mit der dieser Beschluss des Präsidiums bestätigt wird, der lediglich in allgemeiner Form
            die Obliegenheit der betroffenen Abgeordneten vorsah, binnen einer bestimmten Frist sowohl einen Antrag auf Beitritt zur vorläufigen
            Ruhegehaltsregelung als auch einen Antrag auf Auszahlung des Ruhegehalts zu stellen. Denn da ein solches Schreiben die konkrete
            Vermögenssituation des betroffenen Abgeordneten berührt, stellt es durchaus eine Maßnahme dar, die Rechtswirkungen erzeugt,
            die über die interne Organisation der Parlamentsarbeit hinausgehen, und kann deshalb insoweit mit einer Nichtigkeitsklage
            angefochten werden.
         
         
               (vgl. Randnrn. 56-58)
         
         
          
         3.
         Zwar sieht Artikel 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung für die Mitglieder des Europäischen Parlaments
            vor, dass die Abgeordneten zu Beginn ihres Mandats vom Generalsekretär des Parlaments ein Exemplar dieser Regelung erhalten,
            dessen Empfang schriftlich zu bestätigen ist, doch dehnt diese Bestimmung eine solche Mitteilungspflicht keineswegs auf eventuelle
            spätere Änderungen der Regelung aus, insbesondere nicht auf Änderungen ihrer Anlagen. Die Regel, dass solche Änderungen persönlich
            gegen Empfangsbestätigung mitgeteilt werden müssten, lässt sich außerdem auch nicht aus einem Erfordernis eines Formengleichklangs
            herleiten, wonach die Form, in der ein Rechtsakt seinen Adressaten bekannt gegeben wird, auch für alle späteren Änderungen
            dieses Rechtsakts gewählt werden müsste. Denn die in Artikel 27 Absatz 1 der genannten Regelung vorgesehene Art der Mitteilung
            erklärt sich, wie im Übrigen schon aus dem Wortlaut dieser Bestimmung hervorgeht, durch das Streben des Parlaments nach Gewissheit
            darüber, dass die neuen Parlamentarier bei Aufnahme ihrer Tätigkeit tatsächlich Kenntnis von den für die Mitglieder des Parlaments
            geltenden Regelungen finanzieller Art erhalten. Sobald sie jedoch ihre Tätigkeit aufgenommen haben, reichen die bei dem Organ
            für die interne Kommunikation gebräuchlichen Formen für ihre effektive Unterrichtung von den Änderungen der genannten Regelung
            aus.
         
         
               (vgl. Randnrn. 66-67)
         
         
          
         4.
         Zwar ist unter allen Umständen darauf zu achten, dass Maßnahmen, mit denen bestimmten Personen Obliegenheiten auferlegt werden,
            den Betroffenen auf angemessene Art und Weise zur Kenntnis gebracht werden, doch kann aus dieser – von grundlegenden Erwägungen
            der Rechtssicherheit diktierten – Regel nicht gefolgert werden, dass die Mitteilung dieser Maßnahmen unter allen Umständen
            durch persönliche Mitteilung gegen Empfangsbestätigung erfolgen muss.
         
         
               (vgl. Randnr. 68)
         
         
          
         5.
         Da Artikel 51 Absatz 2 der EG-Satzung des Gerichtshofes und Artikel 58 Absatz 2 der Satzung des Gerichtshofes nicht nach der
            Art des Rechtsmittels oder der Form seiner Einlegung unterscheiden, ist nach diesen Vorschriften ein Rechtsmittel nur gegen
            die Kostenentscheidung und/oder die Kostenfestsetzung als unzulässig zurückzuweisen.
         
         
               (vgl. Randnrn. 81-82)
         
         
          
         6.
         Der Umstand, dass die Partei, die im Rechtsmittel obsiegt, im ersten Rechtszug beim Gericht beantragt hat, „nach Rechtslage“
            über die Kosten zu entscheiden, bindet den Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren nicht bei seiner Beurteilung im Hinblick auf
            die Verteilung der Kosten einschließlich derjenigen des Verfahrens vor dem Gericht.
         
         
               (vgl. Randnr. 87)
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Fünfte Kammer)29. April 2004(1)
         
         
               „Rechtsmittel  –  Abgeordnete des Europäischen Parlaments  –  Vorläufige Ruhegehaltsregelung  –  Frist für den Antrag auf Beitritt zu dieser Regelung  –  Kenntniserlangung  –  Anschlussrechtsmittel  –  Kostenentscheidung  –  Unzulässigkeit“
               
             In der Rechtssache C-470/00 P
            
            
            Europäisches Parlament, ursprünglich vertreten durch A. Caiola und G. Ricci als Bevollmächtigte, anschließend durch diese im Beistand von F. Capelli,
            avvocato, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            
            Rechtsmittelführer,
            
             betreffend ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Vierte Kammer) vom
            26. Oktober 2000 in den Rechtssachen T-83/99 bis T-85/99 (Ripa di Meana u. a./Parlament, Slg. 2000, II-3493) wegen teilweiser
            Aufhebung dieses Urteils,
            
             andere Verfahrensbeteiligte:
            Carlo Ripa di Meana, ehemaliger Abgeordneter des Europäischen Parlaments, wohnhaft in Montecastello di Vibio (Italien),Leoluca Orlando,  ehemaliger Abgeordneter des Europäischen Parlaments, wohnhaft in Palermo (Italien),undGastone Parigi, ehemaliger Abgeordneter des Europäischen Parlaments, wohnhaft in Pordenone (Italien),vertreten durch W. Viscardini und G. Donà, avvocati, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            Kläger im ersten Rechtszug, erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer),
            
             unter Mitwirkung des Richters C. W. A. Timmermans (Berichterstatter) in Wahrnehmung der Aufgaben des Präsidenten der Fünften
            Kammer sowie der Richter A. Rosas und A. La Pergola, 
            
             Generalanwalt: J. Mischo,Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
            
            
             nach Anhörung der Beteiligten in der Sitzung vom 10. April 2003,
            
            nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 26. Juni 2003,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
          Das Europäische Parlament hat mit Klageschrift, die am 22. Dezember 2000 bei der Kanzlei des Gerichtshofes eingegangen ist,
         gemäß Artikel 49 der EG‑Satzung des Gerichtshofes ein Rechtsmittel gegen das Urteil des Gerichts erster Instanz vom 26. Oktober 2000
         in den Rechtssachen T‑83/99 bis T‑85/99 (Ripa di Meana u. a./Parlament, Slg. 2000, II‑3493, im Folgenden: angefochtenes Urteil)
         eingelegt, mit dem dieses die in den Schreiben Nrn. 300762 und 300763 des Kollegiums der Quästoren vom 4. Februar 1999 enthaltenen
         ablehnenden Entscheidungen über die Anträge der Herren Ripa di Meana und Orlando auf rückwirkende Anwendung der vorläufigen
         Ruhegehaltsregelung der Anlage III der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung für die Mitglieder des Europäischen Parlaments
         aufhob (im Folgenden: Entscheidungen vom 4. Februar 1999).
         
         
            
               Rechtlicher Rahmen
            
         
         2
            
          In Ermangelung eines einheitlichen Altersversorgungssystems der Europäischen Gemeinschaften für alle Abgeordneten des Parlaments
         erließ dessen Präsidium am 24./25. Mai 1982 eine vorläufige Ruhegehaltsregelung für die Abgeordneten derjenigen Mitgliedstaaten,
         deren nationale Stellen keine Ruhegehaltsregelung für die Mitglieder des Europäischen Parlaments vorsehen (im Folgenden: vorläufige
         Ruhegehaltsregelung). Die Regelung, die auch für den Fall gilt, dass die Höhe oder die Bedingungen für das vorgesehene Ruhegehalt
         nicht mit denen identisch sind, die für die Mitglieder des Parlaments des Staates gelten, in dem das betreffende Mitglied
         des Europäischen Parlaments gewählt wurde, ist in Anlage III der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung für die Mitglieder
         des Europäischen Parlaments (im Folgenden: Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung) enthalten.
         
         
         
         3
            
          In ihrer seit dem 25. Mai 1982 geltenden Fassung sah die Anlage III der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung (im Folgenden:
         Anlage III) u. a. Folgendes vor:
         „Artikel 1
          1.       Alle Mitglieder des Europäischen Parlaments haben Anspruch auf ein Altersruhegehalt.
          2.        Bis zur Schaffung eines endgültigen Altersversorgungssystems der Europäischen Gemeinschaften für alle Mitglieder des Europäischen
         Parlaments wird aus dem Haushaltsplan der Europäischen Gemeinschaften, Einzelplan Parlament, auf Antrag des betreffenden Mitglieds
         ein provisorisches Altersruhegehalt gezahlt.
          Artikel 2
          1.       Höhe und Bedingungen des provisorischen Altersruhegehalts sind identisch mit Höhe und Bedingungen des Altersruhegehalts für
         Mitglieder des Unterhauses des Parlaments des Staates, in dem das Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt wurde.
          2.        Ein gemäß Artikel 1 Absatz 2 anspruchsberechtigtes Mitglied leistet an den Haushalt der Gemeinschaft einen Beitrag, der so
         berechnet ist, dass seine entsprechenden Leistungen insgesamt dem Beitrag entsprechen, den ein Mitglied des Unterhauses des
         Staates zu entrichten hat, in dem das Mitglied gewählt wurde.
          Artikel 3
          Für die Berechnung der Höhe des Altersruhegehalts wird die Zeit der Mitgliedschaft in dem Parlament eines Mitgliedstaats auf
         Antrag als Zeit der Mitgliedschaft im Europäischen Parlament angesehen. Zeiten einer Doppelmitgliedschaft werden nur einmal
         berücksichtigt.“
         
         
         
         4
            
          Die vorläufige Ruhegehaltsregelung wurde mit Beschluss des Präsidiums des Parlaments vom 13. September 1995 (im Folgenden:
         Beschluss von 1995) geändert, der im Wesentlichen vorsah, dass der Beitritt zu dieser Regelung und die Auszahlung des Ruhegehalts
         innerhalb einer bestimmten Frist zu beantragen sind.
         
         
         
         5
            
          Während die Artikel 1 und 2 der Anlage III durch den Beschluss von 1995 nicht geändert wurden, gilt dies nicht für deren Artikel 3,
         in dem es nunmehr heißt:
         „1.     Der Antrag auf Beitritt zu dieser vorläufigen Ruhegehaltsregelung muss binnen sechs Monaten ab Beginn des Mandats des Betroffenen
         gestellt werden.
          Nach Ablauf dieser Frist wird der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Beitritts zur Ruhegehaltsregelung auf den ersten Kalendertag
         des Monats festgelegt, in dem der Antrag eingegangen ist.
          2.        Der Antrag auf Auszahlung des Ruhegehalts muss binnen sechs Monaten nach Entstehen des Anspruchs gestellt werden.
          Nach Verstreichen dieser Frist wird der Zeitpunkt des Inkrafttretens des Ruhegehaltsanspruchs auf den ersten Kalendertag des
         Monats festgesetzt, in dem der Antrag eingegangen ist.“
         
         
         
         6
            
          Artikel 4 der Anlage III in der Fassung aufgrund des Beschlusses von 1995 entspricht nahezu wörtlich dem früheren Artikel 3
         der Anlage III.
         
         
         
         7
            
          Artikel 5 der Anlage III bestimmt in der hier anwendbaren Fassung:
         „Diese Regelung tritt am Tag ihrer Annahme durch das Präsidium in Kraft [d. h. am 13. September 1995]. 
          Die Mitglieder, deren Mandat zum Zeitpunkt der Annahme dieser Regelung bereits begonnen hat, können ihren Antrag auf Beitritt
         zu dieser Ruhegehaltsregelung jedoch noch sechs Monate ab Inkrafttreten dieser Bestimmungen stellen.“
         
         
         
         8
            
          Die mit dem Beschluss von 1995 vorgenommene Änderung der Anlage III wurde sämtlichen Abgeordneten des Europäischen Parlaments
         durch die Mitteilung des Parlaments Nr. 25/95 vom 28. September 1995 (im Folgenden: Mitteilung Nr. 25/95) bekannt gegeben.
         
         
         
         9
            
          Außerdem bestimmt Artikel 27 Absätze 1 und 2 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung:
         „1.     Zu Beginn ihres Mandats erhalten die Mitglieder vom Generalsekretär ein Exemplar dieser Regelung, dessen Empfang schriftlich
         zu bestätigen ist.
          2.       Ist ein Mitglied der Ansicht, dass die Regelung nicht richtig angewandt wurde, so kann es sich schriftlich an den Generalsekretär
         wenden. Wird zwischen dem Mitglied und dem Generalsekretär keine Einigung erzielt, so wird die Sache an das Kollegium der
         Quästoren verwiesen, das nach Rücksprache mit dem Generalsekretär einen Beschluss fasst. Das Kollegium kann auch den Präsidenten
         und/oder das Präsidium konsultieren.“
         
         Sachverhalt und Verfahren vor dem Gericht
         
         10
            
          Die Herren Ripa di Meana, Orlando und Parigi, die alle drei italienische Staatsbürger sind, waren während der Legislaturperiode
         1994–1999 Abgeordnete des Europäischen Parlaments.
         
         
         
         11
            
          Da sie geglaubt hatten, von Amts wegen der vorläufigen Ruhegehaltsregelung zu unterliegen, wie es für die Mitglieder des italienischen
         Parlaments der Fall ist, stellten sie, anders als in der Anlage III in ihrer Fassung aufgrund des Beschlusses von 1995 vorgesehen,
         keine Anträge auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung. Erst in den ersten Monaten des Jahres 1998 wollen sie zufällig
         erfahren haben, dass sie tatsächlich keinerlei Ruhegehalt beanspruchen konnten, weil sie der vorläufigen Ruhegehaltsregelung
         nicht innerhalb der in Artikel 5 Absatz 2 der Anlage III für sie vorgesehenen Frist von sechs Monaten ausdrücklich beigetreten
         waren.
         
         
         
         12
            
          Die drei Abgeordneten versuchten anschließend auf unterschiedliche Weise, ihren Beitritt zu der vorläufigen Ruhegehaltsregelung
         herbeizuführen.
         
         
         
         13
            
          Herr Parigi legte am 18. Februar 1998 der Generaldirektion Personal des Parlaments, Abteilung Soziale Angelegenheiten, einen
         Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung vor. Er beantragte die rückwirkende Anwendung dieser Regelung. Das
         Kollegium der Quästoren antwortete ihm mit zwei Schreiben vom 2. Juli und 20. Oktober 1998, dass es nicht möglich sei, der
         Regelung rückwirkend beizutreten.
         
         
         
         14
            
          Die Herren Ripa di Meana und Orlando setzten sich für ihren rückwirkenden Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung mit
         der Parlamentsverwaltung in Verbindung, ohne jedoch schriftliche Anträge zu stellen.
         
         
         
         15
            
          Nachdem ihre Bemühungen bei den zuständigen Dienststellen des Parlaments fruchtlos geblieben waren, wandten sich alle drei
         Abgeordneten mit der Bitte, sich für eine Lösung ihres Problems einzusetzen, an die Herren Imbeni und Podestà, zwei der Vizepräsidenten
         des Parlaments, die ebenfalls italienische Staatsbürger sind. Diese ersuchten das Kollegium der Quästoren mit Schreiben vom
         19. November 1998 um eine erneute Prüfung des Falles der drei Abgeordneten (im Folgenden: Schreiben vom 19. November 1998).
         
         
         
         16
            
          Das betreffende Ersuchen wurde jedoch mit an jeden der drei Abgeordneten persönlich gerichteten Schreiben des Kollegiums der
         Quästoren vom 4. Februar 1999 (im Folgenden: Schreiben vom 4. Februar 1999) mit der Begründung abgelehnt, alle Abgeordneten
         des Parlaments seien darüber informiert worden, dass der Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung nur erfolge, wenn innerhalb
         der im Beschluss von 1995 vorgesehenen Fristen ein dahin gehender Antrag gestellt worden sei.
         
         
         
         17
            
          Daraufhin erhoben die Herren Ripa di Meana (Rechtssache T‑83/99), Orlando (Rechtssache T‑84/99) und Parigi (Rechtssache T‑85/99)
         mit Klageschrift, die am 13. April 1999 bei der Kanzlei des Gerichts einging, Klage auf Nichtigerklärung der in den Schreiben
         vom 4. Februar 1999 enthaltenen ablehnenden Entscheidungen.
         
         
         
         18
            
          Wegen ihres Zusammenhangs wurden die drei Rechtssachen mit Beschluss der Präsidentin der Vierten Kammer des Gerichts vom 22. Mai 2000
         zu gemeinsamer mündlicher Verhandlung und Entscheidung verbunden.
         
         Das angefochtene Urteil
         
         19
            
          In dem angefochtenen Urteil gab das Gericht der vom Parlament erhobenen Einrede der Unzulässigkeit teilweise statt.
         
         
         
         20
            
          Zur Klage des Herrn Parigi stellte das Gericht fest, da das vom Kollegium der Quästoren an diesen Abgeordneten gerichtete
         Schreiben vom 4. Februar 1999 kein neues Element gegenüber den Schreiben vom 2. Juli und 20. Oktober 1998 enthalte, handele
         es sich bei ihm um eine Entscheidung, die lediglich die in den genannten zwei Schreiben enthaltenen Entscheidungen bestätige.
         Da die beiden Entscheidungen aus dem Jahr 1998 nicht innerhalb der gesetzlichen Frist angefochten worden seien und der Entscheidung
         vom 4. Februar 1999 zudem keine erneute Prüfung der Lage von Herrn Parigi vorausgegangen sei, sei dessen Klage insgesamt unzulässig
         (Randnr. 36 des angefochtenen Urteils).
         
         
         
         21
            
          Was dagegen die Klagen der Herren Ripa di Meana und Orlando angeht, folgte das Gericht nicht der Auffassung des Parlaments,
         dass die betreffenden Klagen unzulässig seien, weil die Schreiben vom 4. Februar 1999 lediglich den Inhalt des Beschlusses
         von 1995 wiedergegeben hätten, den die beiden Abgeordneten nicht fristgemäß angefochten hätten. Das Gericht erklärte in Randnummer 26
         des angefochtenen Urteils: „Das Schreiben vom 19. November 1998 ist als Antrag anzusehen, den die Vizepräsidenten im Namen
         der Kläger gestellt haben“, und führte dann in den Randnummern 27 bis 31 des Urteils Folgendes aus:
         
         „27
            Wie der Gerichtshof bereits in seinem Urteil vom 14. Dezember 1962 in den verbundenen Rechtssachen 16/62 und 17/62 (Conféderation
               nationale des producteurs de fruits et légumes u. a./Rat, Slg. 1962, 901) festgestellt hat, ist der Ausdruck ‚Entscheidung‘
               in Artikel 173 Absatz 2 EWG‑Vertrag (jetzt Artikel 230 Absatz 4 EG) in dem sich aus Artikel 189 EG‑Vertrag (jetzt Artikel 249 EG)
               ergebenden technischen Sinne zu verstehen; das maßgebende Unterscheidungsmerkmal zwischen einer normativen Handlung und einer
               Entscheidung im Sinne des Artikels 189 EG‑Vertrag besteht demnach darin, ob die fragliche Handlung allgemeine Geltung hat
               oder nicht.
            
         
         
         28
            Außerdem verliert eine Handlung nach ständiger Rechtsprechung ihren normativen Charakter nicht dadurch, dass sich die Zahl
               oder sogar die Identität der Rechtssubjekte, für die sie gilt, mit mehr oder weniger großer Genauigkeit bestimmen lässt (Beschluss
               des Gerichtshofes vom 23. November 1995 in der Rechtssache C‑10/95 P, Asocarne/Rat, Slg. 1995, I‑4149, Randnr. 30, und dort
               zitierte Rechtsprechung).
            
         
         
         29 
            Hier ist festzustellen, dass die im Beschluss vom 13. September 1995 zur Änderung der Anlage III festgelegten Begriffsbestimmungen,
               die allgemein und abstrakt formuliert sind und auf diese Weise Rechtswirkungen für allgemein und abstrakt bestimmte europäische
               Abgeordnete und folglich für jeden Einzelnen von ihnen entfalten, als solche mit allgemeiner und normativer Geltung anzusehen
               sind. Auch wenn feststünde, dass die Abgeordneten, für die Artikel 5 Absatz 2 des Änderungsbeschlusses vom 13. September 1995
               gilt, zum Zeitpunkt der Beschlussfassung bestimmt werden konnten, würde sein Normcharakter hierdurch nicht in Frage gestellt,
               da er nur objektive Tatbestände rechtlicher und tatsächlicher Art erfasst.
            
         
         
         30 
            Auch wenn der Gemeinschaftsrichter anerkannt hat, dass eine Regelung normativer Art unter bestimmten Umständen bestimmte natürliche
               oder juristische Personen unmittelbar und individuell betreffen kann (Urteil des Gerichts vom 27. Juni 2000 in den verbundenen
               Rechtssachen T-172/98 und T-175/98 bis T-177/98, Salamander u. a./Parlament und Rat, Slg. 2000, II‑2487, Randnr. 30, und dort
               zitierte Rechtsprechung), kann diese Rechtsprechung im vorliegenden Fall nicht herangezogen werden, da die angefochtene Regelung
               kein spezifisches Recht der Kläger im Sinne dieser Rechtsprechung verletzt hat.
            
         
         
         31 
            Infolgedessen ist das Vorbringen des Parlaments zur Unzulässigkeit der Klagen in den Rechtssachen T‑83/99 und T‑84/99 zurückzuweisen.“
         
         
         
         
         22
            
          In der Sache wies das Gericht das Vorbringen der Herren Ripa di Meana und Orlando, dass der Beschluss von 1995 rechtswidrig
         sei, zurück; es folgte ihnen hingegen, soweit sie vorgetragen hatten, dass sie die in der Anlage III vorgesehene Sechsmonatsfrist
         nicht überschritten hätten und dass die Grundsätze der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Rechtssicherheit verletzt worden
         seien.
         
         
         
         23
            
          Hierzu führte das Gericht im Einzelnen aus:
         
         „75
            Nach Auffassung des Gerichts hätte das Parlament gemäß dem Grundsatz der Rechtssicherheit und der ordnungsgemäßen Verwaltung
               und aufgrund des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung für die Mitglieder des Parlaments die
               von der Änderung der Anlage III betroffenen Mitglieder durch eine persönliche Mitteilung mit Empfangsbestätigung informieren
               müssen.
            
         
         
         76 
            Nur ein solches Vorgehen hätte der Gemeinschaftsrechtsprechung genügt, wonach jede Maßnahme der Verwaltung, die Rechtswirkungen
               entfaltet, klar und deutlich sein und dem Betroffenen so zur Kenntnis gebracht werden muss, dass er mit Gewissheit den Zeitpunkt
               erkennen kann, von dem an die genannte Maßnahme besteht und ihre Rechtswirkungen zu entfalten beginnt (Urteil des Gerichts
               vom 7. Februar 1991 in den verbundenen Rechtssachen T‑18/89 und T 24/89, Tagaras/Gerichtshof, Slg. 1991, II‑53, Randnr. 40;
               vgl. auch Urteil des Gerichtshofes vom 23. September 1986 in der Rechtssache 5/85, AKZO Chemie/Kommission, Slg. 1986, 2585,
               Randnr. 39).
            
         
         
         77 
            Da eine solche Mitteilung nicht erfolgt ist, kann eine Frist für die Antragstellung auf der Grundlage einer Handlung, die
               Ruhegehaltsansprüche der Art vorsieht, um die es in der vorliegenden Rechtssache geht, nach der Gemeinschaftsrechtsprechung
               erst von dem Zeitpunkt an zu laufen beginnen, zu dem der Betroffene, nachdem er von der Existenz dieser Handlung erfahren
               hat, binnen angemessener Frist genaue Kenntnis von der betreffenden Handlung erlangt hat (in diesem Sinne Urteil des Gerichts
               vom 15. März 1994 in der Rechtssache T‑100/92, La Pietra/Kommission, Slg. ÖD 1994, I‑A‑83 und II‑275, Randnr. 30, und dort
               zitierte Rechtsprechung).
            
         
         
         78 
            Zwar bestreiten die Kläger nicht, im Laufe der ersten Monate des Jahres 1998 von der Änderung der Anlage III erfahren zu haben.
               Das Parlament hat aber nicht den Beweis erbracht, dass sie mehr als sechs Monate vor der Antragstellung am 19. November 1998
               genaue Kenntnis vom Änderungsakt erlangten. Die Umstände des Falles lassen außerdem erkennen, dass diese genaue Kenntnis binnen
               angemessener Frist erlangt wurde.
            
         
         
         79 
            Folglich haben die Kläger ihren Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung innerhalb der im Beschluss zur Änderung
               der Anlage III festgelegten Frist eingereicht.“
            
         
         
         
         
         24
            
          Aufgrund dieser Erwägungen erklärte das Gericht in den Nummern 1 und 3 des Tenors des angefochtenen Urteils die beiden Entscheidungen
         vom 4. Februar 1999 für nichtig und verurteilte das Parlament in den Rechtssachen T‑83/99 und T‑84/99 zur Tragung seiner eigenen
         Kosten sowie der Kosten der Herren Ripa di Meana und Orlando.
         
         
         
         25
            
          In den Nummern 2 und 4 des Tenors wies das Gericht indessen die Klage des Herrn Parigi als unzulässig ab und verurteilte ihn
         in der Rechtssache T‑85/99 zur Tragung seiner eigenen Kosten sowie der Kosten des Parlaments.
         
         Verfahren vor dem Gerichtshof und Anträge der Beteiligten
         
         26
            
          In seiner Rechtsmittelschrift beantragt das Parlament,
         
         
         
          
         –
            das angefochtene Urteil in den Rechtssachen T‑83/99 und T‑84/99 aufzuheben;
         
         
         
         
          
         –
            die Klagen der Herren Ripa di Meana und Orlando daher für unzulässig und unbegründet zu erklären;
         
         
         
         
          
         –
            diesen die gesamten Kosten der Verfahren vor dem Gericht und dem Gerichtshof aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         27
            
          Die Herren Ripa di Meana und Orlando beantragen,
         
         
         
          
         –
            das Rechtsmittel des Parlaments insgesamt als offensichtlich unzulässig und/oder unbegründet zurückzuweisen;
         
         
         
         
          
         –
            die Nummern 1 und 3 des Tenors des angefochtenen Urteils folglich zu bestätigen und ihren im ersten Rechtszug gestellten Anträgen
               somit endgültig und vollständig stattzugeben;
            
         
         
         
         
          
         –
            dem Parlament auch die Rechtsmittelkosten aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         28
            
          Für den Fall, dass der Gerichtshof dem Rechtsmittel ganz oder teilweise stattgeben sollte, beantragen die Herren Ripa di Meana
         und Orlando hilfsweise,
         
         
         
          
         –
            den Antrag des Parlaments auf ihre Verurteilung zur Tragung der gesamten Kosten der Verfahren vor dem Gericht für unzulässig
               zu erklären, da es sich um einen Antrag handelt, der erstmals im Rechtsmittelverfahren gestellt worden ist und somit gegen
               Artikel 113 § 1 zweiter Gedankenstrich der Verfahrensordnung verstößt;
            
         
         
         
         
          
         –
            die Rechtsmittelkosten nach Billigkeit aufzuteilen.
         
         
         
         
         
         29
            
          Herr Parigi hat mit Rechtsmittelbeantwortung gemäß Artikel 115 § 1 der Verfahrensordnung ein Anschlussrechtsmittel gegen das
         angefochtene Urteil eingelegt, da das Gericht ihn in Nummer 4 des Tenors zur Tragung sowohl seiner eigenen Kosten als auch
         der Kosten des Parlaments verurteilt habe. Er beantragt in der Rechtsmittelbeantwortung:
         
         
         
          
         –
            das angefochtene Urteil ausschließlich in Nummer 4 des Tenors in der Rechtssache T‑85/99 aufzuheben;
         
         
         
         
          
         –
            demgemäß zu erklären, dass jede Partei in der Rechtssache T‑85/99 ihre eigenen Kosten trägt;
         
         
         
         
          
         –
            das Parlament zur Tragung der Kosten des vorliegenden Rechtsmittels zu verurteilen.
         
         
         
         
         
         30
            
          Für den Fall, dass der Gerichtshof das Rechtsmittel ganz oder teilweise zurückweist, beantragt Herr Parigi die Aufteilung
         der Rechtsmittelkosten nach Billigkeit.
         
         
         
         31
            
          Das Parlament beantragt, das Anschlussrechtsmittel für unzulässig zu erklären und Herrn Parigi die gesamten Rechtsmittelkosten
         aufzuerlegen.
         
         Zum Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung
         
         32
            
          Mit Schriftsatz vom 1. August 2003, der am 7. August 2003 bei der Kanzlei des Gerichtshofes eingegangen ist, haben die Herren
         Ripa di Meana und Orlando die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung für den Fall beantragt, dass der Gerichtshof den
         Schlussanträgen des Generalanwalts folgen will, die auf einem mangelhaften Verständnis des angefochtenen Urteils beruhten
         und auf das Urteil des Gerichtshofes vom 6. Juli 1988 in der Rechtssache 236/86 (Dillinger Hüttenwerke/Kommission, Slg. 1988,
         3761) gestützt seien, das einen ganz anderen Fall als den betreffe, um den es im vorliegenden Verfahren gehe.
         
         
         
         33
            
          Hierzu ist festzustellen, dass der Gerichtshof nach Artikel 61 seiner Verfahrensordnung die Wiedereröffnung der mündlichen
         Verhandlung von Amts wegen, auf Vorschlag des Generalanwalts oder auch auf Antrag der Parteien anordnen kann, wenn er sich
         für unzureichend unterrichtet hält oder ein zwischen den Parteien nicht erörtertes Vorbringen als entscheidungserheblich ansieht
         (vgl. u. a. Urteile vom 18. Juni 2002 in der Rechtssache C‑299/99, Philips, Slg. 2002, I‑5475, Randnr. 20, vom 7. November 2002
         in der Rechtssache C‑184/01 P, Hirschfeldt/EUA, Slg. 2002, I‑10173, Randnr. 30, und vom 13. November 2003 in der Rechtssache
         C‑209/01, Schilling und Fleck‑Schilling, Slg. 2003, I-0000, Randnr. 19).
         
         
         
         34
            
          Nach Auffassung des Gerichtshofes besteht im vorliegenden Fall kein Anlass, die Wiedereröffnung der am 26. Juni 2003 geschlossenen
         mündlichen Verhandlung anzuordnen, da er über alle Angaben verfügt, die für die Entscheidung über das vorliegende Rechtsmittel
         erforderlich sind.
         
         
         
         35
            
          Der Antrag der Herren Ripa di Meana und Orlando auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung ist daher zurückzuweisen.
         
         Zum Hauptrechtsmittel
         
         36
            
          Das Parlament stützt sein Rechtsmittel auf drei Gründe, mit denen es eine fehlerhafte Beurteilung der Bedeutung des Schreibens
         vom 19. November 1998, die Unanfechtbarkeit der Schreiben vom 4. Februar 1999 und Rechtsfehler des Gerichts in Bezug auf die
         Begründetheit der Klage geltend macht. Was den zuletzt genannten Rechtsmittelgrund angeht, so beanstandet das Parlament insbesondere
         die vom Gericht vorgenommene Auslegung des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung und meint, der
         Verweis des Gerichts auf seine Rechtsprechung zur „genauen“ Kenntnis der Gemeinschaftshandlungen gehe fehl.
         
         Zum ersten Rechtsmittelgrund Vorbringen der Beteiligten
         
         
         37
            
          Mit dem ersten Rechtsmittelgrund wendet sich das Parlament gegen die Feststellung in Randnummer 26 des angefochtenen Urteils,
         dass das „Schreiben vom 19. November 1998 … als Antrag anzusehen [ist], den die Vizepräsidenten im Namen der Kläger gestellt
         haben“. Dieses Schreiben könne nämlich keinesfalls als Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung betrachtet
         werden, da zum einen die betreffenden Vizepräsidenten unter keinem Gesichtspunkt – weder aufgrund irgendeiner Rechtsnorm noch
         aufgrund einer von den Herren Ripa di Meana und Orlando erteilten Vollmacht – befugt seien, einen solchen Antrag in deren
         Namen zu stellen, und zum anderen die beiden Abgeordneten selbst eingeräumt hätten, dass sie weder nach den Formvorschriften
         der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung noch in anderer Weise jemals einen Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung
         gestellt hätten. Die beiden Abgeordneten hätten sich ausschließlich mit der Bitte um Informationen über die vorläufige Ruhegehaltsregelung
         mündlich an die Dienststellen des Parlaments gewandt, die ihnen daraufhin mitgeteilt hätten, dass ein schriftlicher Beitrittsantrag
         zwingend sei und hierfür besondere Formblätter zur Verfügung stünden.
         
         
         
         38
            
          Die Herren Ripa di Meana und Orlando bemerken vorab, dass der erste Rechtsmittelgrund für unzulässig zu erklären sei, da mit
         ihm eine Tatsachenwürdigung des Gerichts vor dem Gerichtshof in Zweifel gezogen werden solle, und führen sodann aus, das Gericht
         habe dadurch, dass es das Schreiben vom 19. November 1998 als Antrag auf Beitritt der Kläger zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung
         angesehen habe, keinen Rechtsfehler begangen, da weder die Anlage III noch eine andere Regelung des nationalen oder des Gemeinschaftsrechts
         die Modalitäten für die Vorlage eines solchen Antrags festlegten. Nichts habe sie deshalb daran gehindert, sich an zwei der
         Vizepräsidenten des Parlaments zu wenden und diese zu bevollmächtigen, die betreffenden Schritte in ihrem Namen zu unternehmen.
         Da es keine zwingenden Regeln für eine solche Vollmacht gebe, müsse dieser nämlich auch formlos erteilt werden können.
         
         
         
         39
            
          Jedenfalls habe das Schreiben vom 19. November 1998 klar und eindeutig die Existenz einer von ihnen erteilten Vollmacht zum
         Ausdruck gebracht, die vom Parlament nicht bestritten worden sei. Denn das Kollegium der Quästoren habe es nicht nur für sachdienlich
         befunden, auf dieses Schreiben zu antworten, sondern auch, sich mit persönlichen Schreiben unter ausdrücklicher Bezugnahme
         auf ihren Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung unmittelbar an sie zu wenden.
         
          Würdigung durch den Gerichtshof
         
         – Zur Zulässigkeit des ersten Rechtsmittelgrundes
         
         
         40
            
          Zunächst ist darauf zu verweisen, dass das Rechtsmittel, wie sich aus Artikel 225 EG und Artikel 58 der Satzung des Gerichtshofes
         ergibt, auf Rechtsfragen beschränkt ist. Nach ständiger Rechtsprechung ist deshalb allein das Gericht zuständig für die Tatsachenfeststellung,
         sofern sich nicht aus den Prozessakten ergibt, dass seine Feststellungen tatsächlich falsch sind, und für die Würdigung der
         Tatsachen. Die Würdigung der Tatsachen ist, sofern der dem Gericht unterbreitete Vortrag nicht verfälscht wird, daher keine
         Rechtsfrage, die als solche der Kontrolle des Gerichtshofes im Rahmen eines Rechtsmittels unterliegt (u. a. Urteile vom 1. Juni 1994
         in der Rechtssache C‑136/92 P, Kommission/Brazzelli Lualdi u. a., Slg. 1994, I‑1981, Randnrn. 47 bis 49, vom 11. Februar 1999
         in der Rechtssache C‑390/95 P, Antillean Rice Mills u. a./Kommission, Slg. 1999, I‑769, Randnr. 29, und Beschluss vom 24. Juli 2003
         in der Rechtssache C‑233/03 P[R], Linea GIG/Kommission, Slg. 2003, I‑7911, Randnrn. 34 und 35).
         
         
         
         41
            
          Hat jedoch das Gericht die Tatsachen festgestellt oder gewürdigt, so ist der Gerichtshof gemäß Artikel 225 EG zur Kontrolle
         der rechtlichen Qualifizierung dieser Tatsachen und der Rechtsfolgen, die das Gericht aus ihnen gezogen hat, befugt. Wie der
         Gerichtshof mehrfach entschieden hat, handelt es sich bei dieser Qualifizierung nämlich um eine Rechtsfrage, die als solche
         im Rahmen eines Rechtsmittels dem Gerichtshof zur Überprüfung vorgelegt werden kann (vgl. u. a., Urteile vom 19. Oktober 1995
         in der Rechtssache C‑19/93 P, Rendo u. a./Kommission, Slg. 1995, I‑3319, Randnr. 26, und vom 29. Juni 2000 in der Rechtssache
         C‑154/99 P, Politi/Europäische Stiftung für Berufsbildung, Slg. 2000, I‑5019, Randnr. 11).
         
         
         
         42
            
          Anders als die Herren Ripa di Meana und Orlando behaupten, liegt hier genau dieser Fall vor. Denn mit seinem ersten Rechtsmittelgrund
         bestreitet das Parlament nicht die Existenz des Schreibens vom 19. November 1998 als solche, sondern wendet sich gegen die
         vom Gericht vorgenommene Qualifizierung dieses Schreibens als Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung und
         die Folgen, die sich in rechtlicher Hinsicht daraus ergeben.
         
         
         
         43
            
          Der Rechtsmittelgrund ist daher für zulässig zu erklären.
         
         
         – Zur Begründetheit
         
         
         44
            
          Nicht zu folgen ist dagegen der Auffassung des Parlaments, dass das Schreiben vom 19. November 1998 einem informellen Ersuchen
         um erneute Prüfung des Falles der Herren Ripa di Meana und Orlando gleichkomme, aber keinesfalls als Antrag auf Beitritt zur
         vorläufigen Ruhegehaltsregelung betrachtet werden könne, der in deren Namen von zwei der Vizepräsidenten des Parlaments gestellt
         worden sei.
         
         
         
         45
            
          Wie der Generalanwalt in den Nummern 37 und 38 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, steht dieser Ansicht nämlich der vom
         Gericht festgehaltene Umstand entgegen, dass eine der Einrichtungen des Parlaments, nämlich das Kollegium der Quästoren, das
         betreffende Schreiben sehr wohl als Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung betrachtet hat, den es allerdings
         mit persönlichem Schreiben an die betroffenen Abgeordneten abgelehnt hat.
         
         
         
         46
            
          Somit ist nicht dargetan, dass das Gericht einen Rechtsfehler begangen hat, als es das Schreiben vom 19. November 1998 als
         Antrag der Herren Ripa di Meana und Orlando auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung qualifiziert hat, der in deren
         Namen von zwei der Vizepräsidenten des Parlaments gestellt wurde.
         
         
         
         47
            
          Folglich ist der erste Grund, auf den das Parlament sein Rechtsmittel stützt, als nicht stichhaltig zurückzuweisen.
         
         Zum zweiten Rechtsmittelgrund Vorbringen der Beteiligten
         
         
         48
            
          Mit seinem zweiten Rechtsmittelgrund, der ebenfalls die Zulässigkeit der von den Herren Ripa di Meana und Orlando beim Gericht
         erhobenen Klagen betrifft, wirft das Parlament diesem im Wesentlichen vor, dass es die Schreiben vom 4. Februar 1999 aufgehoben
         habe, ohne sich zuvor zu ihrer genauen rechtlichen Qualifizierung geäußert zu haben. Nach Ansicht des Parlaments handelt es
         sich nämlich bei diesen Schreiben allenfalls um schriftliche Mitteilungen, mit denen das Kollegium ausschließlich zu Informationszwecken
         eine bestehende, den Abgeordneten durchaus bekannte Situation habe bestätigen wollen. Sie könnten aber keinesfalls als „Entscheidungen“
         angesehen werden, die als Gegenstand einer Nichtigkeitsklage in Betracht kämen.
         
         
         
         49
            
          Erstens wendet sich das Parlament insoweit gegen die Feststellung in Randnummer 30 des angefochtenen Urteils, dass der Beschluss
         von 1995 „kein spezifisches Recht der Kläger im Sinne [der] Rechtsprechung verletzt hat“. Aufgrund der mit ihm erfolgten Einführung
         von Fristen für den Antrag auf Gewährung von Ruhegehalt habe der Beschluss von 1995 nämlich sehr wohl die subjektive Rechtsstellung
         der Abgeordneten beeinträchtigt, so dass die Herren Ripa di Meana und Orlando berechtigt gewesen seien, diesen Beschluss mit
         einer Klage anzufechten. Diese Klage hätte indessen innerhalb der Frist des Artikels 230 EG erhoben werden müssen, und die
         Fristversäumnis lasse sich keinesfalls durch eine spätere Klage gegen „Höflichkeitsschreiben“ heilen, mit denen nur eine den
         Abgeordneten bekannte Regelung bestätigt werde.
         
         
         
         50
            
          Das Parlament erblickt zweitens einen Widerspruch darin, dass das Gericht einerseits in den Randnummern 29 und 30 des angefochtenen
         Urteils feststelle, der Beschluss von 1995 sei ein normativer Rechtsakt von allgemeiner Geltung, der kein spezifisches Recht
         der Herren Ripa di Meana und Orlando verletzt habe, und andererseits in Randnummer 75 dieses Urteils ausführe, das Parlament
         hätte gemäß dem Grundsatz der Rechtssicherheit und der ordnungsgemäßen Verwaltung die von der Änderung der Anlage III betroffenen
         Abgeordneten durch eine persönliche Mitteilung mit Empfangsbestätigung informieren müssen. Denn diese beiden Ansichten ließen
         sich nicht nebeneinander vertreten. Entweder sei der Beschluss von 1995 als Rechtsakt von allgemeiner Geltung anzusehen, der
         die Rechte seiner Adressaten nicht beeinträchtige, mit der Folge, dass die bei der Kommunikation eines Gemeinschaftsorgans
         mit seinen Mitgliedern üblichen Modalitäten als ausreichend betrachtet werden müssten. Oder der Beschluss stelle eine individuelle
         Maßnahme dar, die allen Abgeordneten mitzuteilen sei; in diesem Fall hätten die Abgeordneten die Maßnahme innerhalb der vorgesehenen
         Frist mit einer Nichtigkeitsklage anfechten müssen, wobei diese Frist begonnen habe, sobald die Abgeordneten von der Maßnahme
         erfahren hätten. Da die betreffende Frist verstrichen gewesen sei, hätte das Gericht die Klage für unzulässig erklären müssen.
         
         
         
         51
            
          Drittens bemerkt das Parlament, die Schreiben vom 4. Februar 1999 könnten keinesfalls als „Entscheidungen des Parlaments“
         angesehen werden, da die Herren Ripa di Meana und Orlando keinen Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung gestellt
         und sich jedenfalls durch ihre informellen und ungewöhnlichen Schritte bei zwei der Vizepräsidenten außerhalb der üblichen
         Regeln und Verfahren gestellt hätten. Das Parlament verweist hierbei insbesondere auf Artikel 27 Absatz 2 der Kostenerstattungs-
         und Vergütungsregelung, dem zufolge sich ein Mitglied, das der Ansicht sei, dass diese Regelung nicht richtig angewandt worden
         sei, schriftlich an den Generalsekretär des Parlaments wenden müsse, das Kollegium der Quästoren aber erst in letzter Instanz
         befasst werde, nämlich wenn zwischen dem Mitglied und dem Generalsekretär keine Einigung erzielt worden sei.
         
         
         
         52
            
          Die Herren Ripa di Meana und Orlando wenden ein, der zweite Rechtsmittelgrund sei unzulässig, weil er sich wie der erste auf
         eine Tatsachenwürdigung durch das Gericht beziehe, und widersprechen sodann der Auffassung des Parlaments, dass es sich bei
         den Schreiben vom 4. Februar 1999 um bloße „Höflichkeitsschreiben“ mit Bestätigungscharakter handele. Unter Verweis sowohl
         auf den Entscheidungscharakter, der im Wortlaut dieser Schreiben eindeutig zum Ausdruck komme, als auch auf die Rechtsprechung
         des Gerichtshofes und insbesondere sein Urteil vom 23. März 1993 in der Rechtssache C‑314/91 (Weber/Parlament, Slg. 1991,
         I‑1093), in dem der Gerichtshof die Klage eines Mitglieds des Parlaments gegen einen Bescheid des Kollegiums der Quästoren
         für zulässig erklärt habe, mit dem dieses den Antrag des Mitglieds auf Gewährung einer – ebenfalls in einer allgemeineren
         Regelung vorgesehenen – Übergangsvergütung beim Erlöschen des Mandats abgelehnt habe, machen die Herren Ripa di Meana und
         Orlando geltend, dass es auch im vorliegenden Fall durchaus die Schreiben vom 4. Februar 1999 seien, die ihre vermögensrechtliche
         Situation konkret berührten, und nicht die allgemeine Regelung des Parlaments betreffend das Ruhegehalt. Daher müssten die
         Schreiben vom 4. Februar 1999 Gegenstand einer Nichtigkeitsklage sein und nicht der Beschluss von 1995.
         
          Würdigung durch den Gerichtshof
         
         
         53
            
          Zunächst ist die von den Herren Ripa di Meana und Orlando gegen den zweiten Rechtsmittelgrund erhobene Unzulässigkeitseinrede
         ohne weiteres zurückzuweisen. Da nämlich feststeht, dass das Parlament mit diesem Rechtsmittelgrund nicht die Existenz der
         Schreiben vom 4. Februar 1999 als solche bestreitet, sondern sich gegen ihre rechtliche Qualifizierung durch das Gericht als
         „Entscheidungen des Parlaments“ wendet, ist der Gerichtshof nach der in Randnummer 41 dieses Urteils zitierten Rechtsprechung
         befugt, diese Qualifizierung zu überprüfen.
         
         
         
         54
            
          An dieser Stelle ist die Prüfung durch den Gerichtshof allerdings auf den ersten Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes zu beschränken,
         mit dem der angeblich bestätigende Charakter der betreffenden Schreiben und der Fehler geltend gemacht wird, den das Gericht
         in Randnummer 30 des angefochtenen Urteils begangen haben soll. Der zweite Teil dieses Rechtsmittelgrundes, mit dem der Widerspruch
         gerügt wird, der zwischen den Randnummern 29 und 30 des angefochtenen Urteils einerseits und dessen Randnummer 75 andererseits
         bestehen soll, betrifft die Art und Weise, in der der Beschluss von 1995 mitgeteilt wurde, und wird daher bei der Prüfung
         des dritten Rechtsmittelgrundes untersucht werden. Der dritte Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes, der darauf gestützt wird,
         dass die Herren Ripa di Meana und Orlando angeblich keinen Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung gestellt
         haben, ist nicht vom ersten Rechtsmittelgrund zu unterscheiden und daher aus denselben Gründen zurückzuweisen.
         
         
         
         55
            
          Da mit dem ersten Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes im Wesentlichen geltend gemacht wird, dass mit den Schreiben vom 4. Februar 1999
         lediglich der Inhalt des Beschlusses von 1995 bestätigt werde, ist vorab nach der genauen Rechtsnatur dieses Beschlusses zu
         fragen.
         
         
         
         56
            
          Insoweit ist die Behauptung des Parlaments, das Gericht habe einen Rechtsfehler begangen, als es in Randnummer 30 des angefochtenen
         Urteils festgestellt habe, dass der Beschluss von 1995 „kein spezifisches Recht der [betroffenen Abgeordneten] verletzt“ habe,
         von vornherein zurückzuweisen. Aus den Randnummern 4 bis 7 dieses Urteils geht nämlich eindeutig hervor, dass der betreffende
         Beschluss lediglich in allgemeiner Form die Verpflichtung der von der Anlage III betroffenen Abgeordneten vorsah, sowohl einen
         Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung als auch einen Antrag auf Auszahlung des Ruhegehalts binnen sechs
         Monaten zu stellen, und zwar für den zuerst genannten Antrag ab Beginn des Mandats des Betroffenen und für den zuletzt genannten
         ab Entstehung des Anspruchs. Wie die Herren Ripa di Meana und Orlando in ihrer Rechtsmittelbeantwortung zu Recht ausgeführt
         haben, hatten sie kein Interesse an einer Nichtigerklärung dieses Beschlusses, der eine ausdrückliche Übergangsbestimmung
         zugunsten der Abgeordneten enthielt, deren Mandat zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Regelung bereits begonnen hatte, sondern
         allein daran, dass der Beschluss für sie ab dem Zeitpunkt galt, zu dem sie von ihm Kenntnis erhielten.
         
         
         
         57
            
          Von ganz anderer Art waren dagegen die Schreiben vom 4. Februar 1999. Denn in seiner Antwort auf das Ersuchen, das zwei der
         Vizepräsidenten des Parlaments im Namen der Herren Ripa di Meana und Orlando an das Kollegium der Quästoren gerichtet hatten,
         begnügte sich dieses nicht mit der bloßen Bestätigung, dass für die Einreichung der Anträge auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung
         eine Ausschlussfrist bestehe. Vielmehr wies es das Ersuchen zurück und erklärte ausdrücklich, dass die beiden Abgeordneten
         der betreffenden Regelung nicht rückwirkend beitreten könnten, da in ihrem Fall die im Beschluss von 1995 vorgesehene Frist
         nicht eingehalten worden sei.
         
         
         
         58
            
          Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass das Gericht keinen Rechtsfehler begangen hat, als es die Schreiben vom 4. Februar 1999
         als „Entscheidungen des Parlaments“ qualifiziert hat, die keinen bestätigenden Charakter hätten. Da nämlich derartige Schreiben
         die konkrete vermögensrechtliche Situation der betroffenen Abgeordneten berühren, handelt es sich bei ihnen durchaus um Maßnahmen,
         die über die interne Organisation der Parlamentsarbeit hinausgehen. Sie konnten daher innerhalb der hierfür vorgesehenen Fristen
         mit einer Nichtigkeitsklage angefochten werden (in diesem Sinne u. a. Weber/Parlament, Randnr. 11).
         
         
         
         59
            
          Folglich ist auch der zweite Grund, auf den das Parlament sein Rechtsmittel stützt, als nicht stichhaltig zurückzuweisen.
         
         Zum dritten Rechtsmittelgrund
         
         60
            
          Mit dem dritten Rechtsmittelgrund beanstandet das Parlament schließlich die Schlussfolgerung des Gerichts, dass die Herren
         Ripa di Meana und Orlando ihren Antrag auf Beitritt zur vorläufigen Ruhegehaltsregelung innerhalb der im Beschluss von 1995
         vorgesehenen Frist gestellt hätten. Es führt hierbei vier Gründe an. Mit diesen macht es erstens eine fehlerhafte Auslegung
         des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung, zweitens einen Widerspruch im angefochtenen Urteil
         zwischen den Ausführungen zur Zulässigkeit der von den Herren Ripa di Meana und Orlando eingereichten Klagen einerseits und
         denen zu ihrer Begründetheit andererseits, drittens die fehlende Relevanz des vom Gericht vorgenommenen Verweises auf seine
         Rechtsprechung zur „genauen“ Kenntnis der Rechtsakte und viertens eine ungerechtfertigte Umkehr der Beweislast in Bezug auf
         die Erlangung dieser Kenntnis geltend.
         
          Zum ersten und zum zweiten Teil des dritten Rechtsmittelgrundes
          Vorbringen der Beteiligten
         
         
         61
            
          Mit den beiden ersten Teilen des dritten Rechtsmittelgrundes, die aufgrund ihrer Zielrichtung zusammen zu prüfen sind, wendet
         sich das Parlament im Wesentlichen gegen die Feststellung in den Randnummern 75 und 76 des angefochtenen Urteils, wonach das
         Parlament gemäß dem Grundsatz der Rechtssicherheit und der ordnungsgemäßen Verwaltung sowie aufgrund des Artikels 27 Absatz 1
         der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung die betroffenen Abgeordneten durch eine persönliche Mitteilung mit Empfangsbestätigung
         von der Änderung der Anlage III hätte informieren müssen.
         
         
         
         62
            
          Zum einen nämlich ergebe sich aus der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung keineswegs eine solche Art der Information,
         da deren Artikel 27 Absatz 1 nur die Regelung, die zu Beginn des Mandats der Abgeordneten in Kraft gewesen sei, nicht aber
         spätere Änderungen der Regelung oder ihrer Anlagen betreffe. Nach Ansicht des Parlaments ist es insoweit zwar legitim, eine
         persönliche Mitteilung – gegen Empfangsbestätigung – der Regelung zu fordern, die bei Beginn des Mandats der neu gewählten
         Abgeordneten in Kraft sei. Dagegen könne – im Rahmen der internen Bekanntgabe parlamentarischer Maßnahmen – bei der Mitteilung
         späterer Änderungen flexibler verfahren werden, da die Abgeordneten nunmehr dem Organ angehörten und daher leichter von diesen
         Änderungen Kenntnis erlangen könnten. Durch eine weite Auslegung des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung
         habe das Gericht demnach unterschiedliche Situationen gleich behandelt und folglich den „Grundsatz der substanziellen Gleichheit“
         verletzt.
         
         
         
         63
            
          Zum anderen schließe es sich zwar der Feststellung des Gerichts in Randnummer 76 des angefochtenen Urteils an, dass „jede
         Maßnahme der Verwaltung, die Rechtswirkungen entfaltet, klar und deutlich sein und dem Betroffenen so zur Kenntnis gebracht
         werden muss, dass er mit Gewissheit den Zeitpunkt erkennen kann, von dem an die genannte Maßnahme besteht und ihre Rechtswirkungen
         zu entfalten beginnt“. Dies gelte aber nur für individuelle Maßnahmen oder jedenfalls für Maßnahmen, die sich auf die Situation
         ganz bestimmter Personen auswirkten. Im vorliegenden Fall sei jedoch den Randnummern 28 bis 30 des angefochtenen Urteils zu
         entnehmen, dass die Änderung der Anlage III vom Gericht als normativer Rechtsakt von allgemeiner Geltung angesehen werde,
         mit dem die Ansprüche aller derzeitigen und künftigen Abgeordneten auf Ruhegehalt hätten geregelt werden sollen, denen keine
         nationale Ruhegehaltsregelung zugute komme. Das Gericht habe daher einen Rechtsfehler begangen, als es in den Randnummern 75
         bis 78 des angefochtenen Urteils den betreffenden Beschluss als einen Verwaltungsakt angesehen habe, der den Abgeordneten
         persönlich – gegen Empfangsbestätigung – hätte mitgeteilt werden müssen.
         
         
         
         64
            
          Diesen beiden Erwägungen halten die Herren Ripa di Meana und Orlando zum einen entgegen, dass ihnen für eine Klage gegen den
         Beschluss von 1995 das Rechtsschutzinteresse fehle, wenn es sich bei ihm, wie das Parlament behaupte, um eine normative Handlung
         von allgemeiner Geltung handele, die die Situation aller derzeitigen und künftigen Abgeordneten regeln solle, denen keine
         nationale Ruhegehaltsregelung zugute komme. Zum anderen sei die Anlage III Bestandteil der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung,
         von der sie bei Beginn ihres Mandats ein Exemplar gegen Empfangsbestätigung erhalten hätten, so dass es aus Gründen der Rechtssicherheit
         und der ordnungsgemäßen Verwaltung geboten sei, das in ihrem Artikel 27 Absatz 1 vorgesehene Verfahren auf jede Änderung dieser
         Regelung anzuwenden. Sie berufen sich dabei auf die Praxis der Gemeinschaftsorgane, sämtliche Änderungen bereits veröffentlichter
         Verordnungen im Amtsblatt der Europäischen Union zu veröffentlichen, und verweisen zur Begründung ihrer Ansicht auf den Fall eines Abgeordneten, der sowohl im Parlament als
         auch an seinem Wohnsitz eine schriftliche Mitteilung über die vom Parlament vorgenommenen Änderungen der Ruhegehaltsergänzungsregelung
         erhalten habe. Nach Auffassung der Herren Ripa di Meana und Orlando hätten sie auf gleiche Weise unterrichtet werden müssen.
         
          Würdigung durch den Gerichtshof
         
         
         65
            
          Da das Gericht das Erfordernis der persönlichen Mitteilung des Beschlusses von 1995 – gegen Empfangsbestätigung – letztlich
         sowohl auf den Wortlaut des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung als auch auf die Rechtsprechung
         des Gerichtshofes gestützt hat, nach der jede Maßnahme der Verwaltung, die Rechtswirkungen entfaltet, klar und deutlich sein
         und dem Betroffenen so zur Kenntnis gebracht werden muss, dass er mit Gewissheit den Zeitpunkt erkennen kann, von dem an die
         genannte Maßnahme besteht und ihre Rechtswirkungen zu entfalten beginnt, ist vorab zu prüfen, ob diese Prämissen zutreffen.
         
         
         
         66
            
          Insoweit ist zunächst festzustellen, dass das Gericht dadurch, dass es dem Wortlaut des Artikels 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs-
         und Vergütungsregelung eine Verpflichtung zur persönlichen Mitteilung des Beschlusses von 1995 entnommen hat, die Bedeutung
         dieses Artikels verkannt hat. Zwar sieht diese Bestimmung vor, dass die Abgeordneten zu Beginn ihres Mandats vom Generalsekretär
         des Parlaments ein Exemplar dieser Regelung erhalten, dessen Empfang schriftlich zu bestätigen ist. Doch dehnt sie die betreffende
         Mitteilungspflicht keineswegs auf eventuelle spätere Änderungen der Regelung aus, insbesondere nicht auf Änderungen ihrer
         Anlagen. Im vorliegenden Fall ist nun aber unstreitig, dass der Beschluss von 1995 gerade eine solche Änderung ist.
         
         
         
         67
            
          Ferner lässt sich eine Regel dahin, dass die Änderungen der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung persönlich gegen Empfangsbestätigung
         mitgeteilt werden müssten, auch nicht aus einem Erfordernis eines Formengleichklangs herleiten, wonach die Form, in der ein
         Rechtsakt seinen Adressaten bekannt gegeben wird, auch für sämtliche späteren Änderungen dieses Rechtsakts gewählt werden
         müsste. Hier genügt die Feststellung, dass sich die in Artikel 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung vorgesehene
         Art der Mitteilung, wie im Übrigen schon aus dem Wortlaut dieser Bestimmung hervorgeht, aus dem Streben des Parlaments nach
         Gewissheit darüber erklärt, dass die neuen Parlamentarier bei Aufnahme ihrer Tätigkeit tatsächlich Kenntnis von den für die
         Mitglieder des Parlaments geltenden Regelungen finanzieller Art erhalten. Sobald jedoch die neuen Mitglieder ihre Tätigkeit
         aufgenommen haben, reichen die bei dem Organ für die interne Kommunikation gebräuchlichen Formen für die effektive Unterrichtung
         der betreffenden Mitglieder von den Änderungen der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung aus.
         
         
         
         68
            
          Was sodann den Verweis des Gerichts in Randnummer 76 des angefochtenen Urteils auf die Rechtsprechung des Gerichtshofes angeht,
         nach der jede Maßnahme der Verwaltung, die Rechtswirkungen entfaltet, klar und deutlich sein und dem Betroffenen so zur Kenntnis
         gebracht werden muss, dass er mit Gewissheit den Zeitpunkt erkennen kann, von dem an die genannte Maßnahme besteht und ihre
         Rechtswirkungen zu entfalten beginnt, so ist nicht zu leugnen, dass unter allen Umständen darauf zu achten ist, dass Maßnahmen,
         mit denen ganz bestimmten Personen Verpflichtungen auferlegt werden, diesen auf angemessene Art und Weise zur Kenntnis gebracht
         werden. Anders als das Gericht in Randnummer 76 festgestellt hat, kann jedoch weder aus dieser – von grundlegenden Erwägungen
         der Rechtssicherheit diktierten – Regel noch aus der dort zitierten Rechtsprechung gefolgert werden, dass die Mitteilung dieser
         Maßnahmen unter allen Umständen durch persönliche Mitteilung gegen Empfangsbestätigung erfolgen muss. Denn die Urteile Tagaras/Gerichtshof
         und AKZO Chemie/Kommission erwähnen insoweit nur das Erfordernis, die den Kläger in dem betreffenden Verfahren beschwerende
         Maßnahme genau zu bestimmen (Tagaras) und die Ermächtigungen der Mitglieder der Kommission zu veröffentlichen (AKZO). 
         
         
         
         69
            
          Wie der Generalanwalt in den Nummern 78 und 79 seiner Schlussanträge festgestellt hat, ist schließlich der Verweis des Gerichts
         auf den Begriff der „Maßnahme der Verwaltung, die Rechtswirkungen entfaltet“, im vorliegenden Fall namentlich deshalb nicht
         ganz eindeutig, weil dem Urteil Tagaras/Gerichtshof eine Klage auf Aufhebung einer Entscheidung über eine Ernennung zum Beamten
         auf Probe zugrunde lag, d. h. eine Entscheidung individueller Art. Wie aber das Parlament in seiner Rechtsmittelschrift zu
         Recht ausgeführt hat, ergibt sich aus den Randnummern 29 und 30 des angefochtenen Urteils eindeutig, dass dies hier gerade
         nicht der Fall ist, da der Beschluss von 1995 nach Ansicht des Gerichts ein normativer Rechtsakt von allgemeiner Geltung ist
         und folglich kein spezifisches Recht der betroffenen Abgeordneten verletzt hat.
         
         
         
         70
            
          Daher ist festzustellen, dass das Gericht einen Rechtsfehler begangen hat, als es in Randnummer 75 des angefochtenen Urteils
         die Änderung der Anlage III als einen Verwaltungsakt angesehen hat, der den betroffenen Abgeordneten persönlich gegen Empfangsbestätigung
         hätte mitgeteilt werden müssen.
         
         
         
         71
            
          Nach alledem ist das angefochtene Urteil aufzuheben, ohne dass auf den dritten und den vierten Teil des dritten Rechtsmittelgrundes
         eingegangen zu werden braucht.
         
         Zu den Rechtsmitteln der Herren Ripa di Meana und Orlando
         
         72
            
          Nach Artikel 61 Absatz 1 seiner Satzung kann der Gerichtshof im Fall der Aufhebung der Entscheidung des Gerichts den Rechtsstreit
         selbst endgültig entscheiden, wenn dieser zur Entscheidung reif ist, oder die Sache zur Entscheidung an das Gericht zurückverweisen.
         
         
         
         73
            
          Im vorliegenden Fall ist der Gerichtshof der Auffassung, dass er über alle Angaben verfügt, die erforderlich sind, um über
         die Klagen der Herren Ripa di Meana und Orlando auf Nichtigerklärung der Entscheidungen vom 4. Februar 1999 zu befinden, mit
         denen ihr Antrag auf rückwirkende Anwendung der vorläufigen Ruhegehaltsregelung abgelehnt wurde.
         
         
         
         74
            
          Wie nämlich den Randnummern 62 bis 68 des angefochtenen Urteils zu entnehmen ist, haben diese beiden Abgeordneten ihren Antrag
         auf Nichtigerklärung im Wesentlichen damit begründet, dass sie die Mitteilung Nr. 25/95 nicht erhalten hätten und dass ihnen
         gemäß Artikel 27 Absatz 1 der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung die Änderung der Anlage III durch persönliche Mitteilung
         mit Empfangsbestätigung zur Kenntnis hätte gebracht werden müssen.
         
         
         
         75
            
          Aus der Randnummer 66 dieses Urteils geht jedoch hervor, dass sich aus dieser Bestimmung keineswegs eine derartige Verpflichtung
         ergibt, da sie sich ausschließlich auf die persönliche Mitteilung der bei Aufnahme der Tätigkeit durch die Mitglieder des
         Parlaments geltenden Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung bezieht.
         
         
         
         76
            
          Zum Vorbringen der Herren Ripa di Meana und Orlando, sie hätten die Mitteilung Nr. 25/95 nicht erhalten und seien infolgedessen
         nicht von der Änderung der Anlage III unterrichtet worden, ist festzustellen, dass sie Mitglieder des Parlaments waren, als
         diese Änderung beschlossen wurde. Es konnte daher von ihnen erwartet werden, die Arbeiten seiner Einrichtungen aufmerksam
         zu verfolgen und sich über deren Entscheidungen auf dem Laufenden zu halten, insbesondere in einem Bereich, der wie hier ihre
         finanziellen Ansprüche unmittelbar berührt.
         
         
         
         77
            
          Im Übrigen geht sowohl aus den Akten des Gerichtshofes als auch aus den Erklärungen des Parlaments in der mündlichen Verhandlung
         hervor, dass die vom 28. September 1995 datierende Mitteilung Nr. 25/95 nicht das einzige Dokument ist, mit dem dessen Mitglieder
         von der betreffenden Änderung unterrichtet wurden. Denn diese wurde den betroffenen Abgeordneten auch mit Protokoll der Sitzung
         des Präsidiums vom 13. September 1995, das gemäß Artikel 28 Absatz 1 der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments an alle
         Mitglieder verteilt wurde, und mit der konsolidierten Fassung der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung, die im März 1996
         und im September 1997 veröffentlicht wurde, bekannt gegeben. Daher ist die im ersten Rechtszug von den Herren Ripa di Meana
         und Orlando erhobene Rüge, dass die Änderung der Anlage III nicht auf angemessene Art und Weise bekannt gegeben worden sei,
         zurückzuweisen.
         
         
         
         78
            
          Nach alledem sind die von diesen beiden Abgeordneten gegen die Entscheidungen vom 4. Februar 1999 erhobenen Klagen abzuweisen.
         
         Zum Anschlussrechtsmittel
         
         79
            
          Mit seinem Anschlussrechtsmittel beantragt Herr Parigi, Nummer 4 des Tenors des angefochtenen Urteils aufzuheben, soweit er
         darin verurteilt worden ist, nicht nur seine eigenen Kosten, sondern auch die des Parlaments in der Rechtssache T-85/99 zu
         tragen.
         
         
         
         80
            
          Das Parlament wendet sich gegen die Bezeichnung, die Herr Parigi seinem Rechtsmittel gegeben hat, und führt aus, es handle
         sich um ein selbständiges Rechtsmittel, das verspätet eingelegt worden und daher unzulässig sei. Jedenfalls sei dieses Rechtsmittel
         deshalb unzulässig, weil es entgegen Artikel 51 Absatz 2 der EG‑Satzung des Gerichtshofes nur gegen die Kostenentscheidung
         und die Kostenfestsetzung eingelegt worden sei.
         
         
         
         81
            
          Ohne dass das übrige Vorbringen des Parlaments, mit dem dieses die Zulässigkeit des von Herrn Parigi eingelegten Rechtsmittels
         bestritten hat, geprüft zu werden brauchte, genügt insoweit der Hinweis, dass sowohl nach Artikel 51 Absatz 2 der EG‑Satzung
         des Gerichtshofes, der zum Zeitpunkt der Einreichung der Rechtsmittelschrift des Herrn Parigi galt, als auch nach dem derzeit
         geltenden Artikel 58 Absatz 2 der Satzung des Gerichtshofes ein Rechtsmittel nur gegen die Kostenentscheidung oder gegen die
         Kostenfestsetzung unzulässig ist.
         
         
         
         82
            
          Da diese beiden Bestimmungen nicht nach der Art des Rechtsmittels oder der Form seiner Einlegung unterscheiden und im vorliegenden
         Fall feststeht, dass sich das Rechtsmittel des Herrn Parigi nur gegen die Kostenentscheidung richtet, ist es als unzulässig
         zurückzuweisen.
         
         
         Kosten
         83
            
          In ihrer Rechtsmittelbeantwortung beantragen die Herren Ripa di Meana und Orlando für den Fall, dass der Gerichtshof dem Rechtsmittel
         des Parlaments ganz oder teilweise stattgeben sollte, den Antrag des Parlaments, „den Klägern im ersten Rechtszug die gesamten
         Kosten der Verfahren vor dem Gericht … aufzuerlegen“, als unzulässig zurückzuweisen. Dies sei nämlich ein neuer, nach Artikel 113
         § 1 zweiter Gedankenstrich der Verfahrensordnung des Gerichtshofes unzulässiger Antrag, da das Parlament im ersten Rechtszug
         keinen spezifischen Antrag auf Verurteilung der Kläger gestellt, sondern lediglich beantragt habe, „über die Kosten nach Rechtslage
         zu entscheiden“. Das Parlament hätte also nach Artikel 87 § 2 Absatz 1 der Verfahrensordnung des Gerichts, wonach „die unterliegende
         Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen“ sei, seine eigenen Kosten tragen müssen, wenn es im ersten Rechtszug
         obsiegt hätte.
         
         
         
         84
            
          Das Parlament entgegnet zum einen, sein Antrag, den Klägern im ersten Rechtszug die gesamten Kosten der Verfahren vor dem
         Gericht aufzuerlegen, sei im Rechtsmittelverfahren kein neuer Antrag, sondern sei in anderen Worten bereits vor dem Gericht
         gestellt worden. Dieses habe im Übrigen den Antrag durchaus richtig verstanden, da es in der Rechtssache T-85/99 Herrn Parigi
         seine eigenen Kosten wie auch die des Parlaments auferlegt habe.
         
         
         
         85
            
          Zum anderen ergebe sich die Tragung der Kosten folgerichtig aus der Entscheidung des Gemeinschaftsrichters zur Zulässigkeit
         wie zur Begründetheit der Klage. Da die Herren Ripa di Meana und Orlando mit ihren Anträgen auf Nichtigerklärung der Entscheidungen
         vom 4. Februar 1999 unterlegen seien, müssten sie logischerweise die Kosten des Parlaments tragen.
         
         
         
         86
            
          Insoweit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass, wie die Herren Ripa di Meana und Orlando in ihrer Gegenerwiderung zu Recht
         bemerkt haben, ein Antrag dahin, dass der Gerichtshof oder das Gericht „nach Rechtslage“ über die Kosten entscheiden möge,
         nicht einem ausdrücklichen Antrag auf Verurteilung der gegnerischen Partei zur Kostentragung gleichzusetzen ist (in diesem
         Sinne u. a. Urteil vom 9. Juni 1992 in der Rechtssache C‑30/91 P, Lestelle/Kommission, Slg. 1992, I‑3755, Randnr. 38). Denn
         sowohl nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichtshofes, der gemäß deren Artikel 118 auf das Rechtsmittelverfahren
         anzuwenden ist, als auch nach Artikel 87 § 2 Absatz 1 der Verfahrensordnung des Gerichts können einer unterliegenden Partei
         nur auf ausdrücklichen Antrag die Kosten auferlegt werden.
         
         
         
         87
            
          Wie der Generalanwalt in Nummer 127 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, bindet aber der Umstand, dass das Parlament im Verfahren
         des ersten Rechtszugs beantragt hat, über die Kosten „nach Rechtslage“ zu entscheiden, den Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren
         nicht bei seiner Beurteilung im Hinblick auf die Verteilung der Kosten einschließlich derjenigen des Verfahrens vor dem Gericht.
         Gemäß Artikel 122 Absatz 1 seiner Verfahrensordnung entscheidet der Gerichtshof nämlich über die Kosten, wenn das Rechtsmittel
         zurückgewiesen wird oder wenn das Rechtsmittel begründet ist und er selbst den Rechtsstreit endgültig entscheidet.
         
         
         
         88
            
          Da genau dieser Fall hier vorliegt und das Parlament nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichtshofes ausdrücklich
         beantragt hat, den Herren Ripa di Meana und Orlando die Kosten der Verfahren vor dem Gerichtshof und dem Gericht aufzuerlegen,
         ist dem Antrag des Parlaments zu entsprechen. Denn nach dem vorliegenden Urteil ist dem Hauptrechtsmittel stattzugeben, während
         die Klagen der Herren Ripa di Meana und Orlando auf Nichtigerklärung der Entscheidungen vom 4. Februar 1999 abzuweisen sind.
         
         
         
         89
            
          Folglich sind die Herren Ripa di Meana und Orlando zu verurteilen, neben ihren eigenen Kosten auch die Kosten zu tragen, die
         dem Parlament im ersten Rechtszug und im Rechtsmittelverfahren entstanden sind.
         
         
         
         90
            
          Da das Parlament außerdem beantragt hat, Herrn Parigi sämtliche Kosten des Rechtsmittelverfahrens aufzuerlegen, und dieser
         unterlegen ist, ist er zu verurteilen, neben seinen eigenen Kosten auch die Kosten des Parlaments im Zusammenhang mit dem
         Anschlussrechtsmittel zu tragen.
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 26. Oktober 2000 in den Rechtssachen T‑83/99 bis
                     T‑85/99 (Ripa di Meana u. a./Parlament) wird aufgehoben, soweit mit ihm in den Rechtssachen T‑83/99 und T‑84/99 den Klagen
                     der Herren Ripa di Meana und Orlando stattgegeben wird.
                  
               
            
            
            
             
               2.
                  Die Klagen der Herren Ripa di Meana und Orlando auf Nichtigerklärung der in den Schreiben Nrn. 300762 und 300763 des Kollegiums
                     der Quästoren vom 4. Februar 1999 enthaltenen ablehnenden Entscheidungen über ihre Anträge auf rückwirkende Anwendung der
                     in der Anlage III der Kostenerstattungs- und Vergütungsregelung vorgesehenen vorläufigen Ruhegehaltsregelung werden abgewiesen.
                  
               
            
            
            
             
               3.
                  Das Anschlussrechtsmittel des Herrn Parigi wird als unzulässig abgewiesen.
               
            
            
            
             
               4.
                  Die Herren Ripa di Meana und Orlando tragen neben ihren eigenen Kosten auch die Kosten, die dem Parlament im ersten Rechtszug
                     und im Rechtsmittelverfahren entstanden sind.
                  
               
            
            
            
             
               5.
                  Herr Parigi trägt sowohl seine eigenen Kosten als auch die Kosten des Parlaments im Zusammenhang mit dem Anschlussrechtsmittel.
               
            
            
                  Timmermans
               
               
                  Rosas
               
               
                  La Pergola
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 29. April 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  R. Grass
               
               
                  V. Skouris
               
            
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Italienisch.