CELEX: 32004H0383
Language: de
Date: 2004-04-27 00:00:00
Title: 2004/383/EG:Empfehlung der Kommission vom 27. April 2004 zum Einsatz derivativer Finanzinstrumente bei Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW)(Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2004)1541/1)

30.4.2004        DE                    Amtsblatt der Europäischen Union                            L 144/35
                              EMPFEHLUNG DER KOMMISSION
                                           vom 27. April 2004
 zum Einsatz derivativer Finanzinstrumente bei Organismen für gemeinsame Anlagen in
                                        Wertpapieren (OGAW)
                    (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2004) 1541/1)
                               (Text von Bedeutung für den EWR)
                                              (2004/383 EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere auf
Artikel 211 zweiter Gedankenstrich,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)     Die Änderung der Richtlinie 85/611/EWG des Rates vom 20. Dezember 1985 zur
        Koordinierung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend bestimmte
        Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW)1 durch die
        Richtlinie 2001/108/EG sollte den OGAW unter anderem Anlagen in ein breiteres
        Spektrum von Finanzinstrumenten und die Nutzung moderner Anlagetechniken
        ermöglichen.       Das      zulässige        Anlagespektrum         wurde      nicht    nur     um
        Geldmarktinstrumente, Bankeinlagen sowie Anteile an OGAW und anderen
        Organismen für gemeinsame Anlagen erweitert: Vielmehr können OGAW nun im
        Rahmen ihrer Anlagestrategie auch derivative Finanzinstrumente, nicht nur zu
        Absicherungszwecken, einsetzen.
(2)     Ein weiteres Ziel der Richtlinienänderung war der Anlegerschutz. Die geänderte
        Richtlinie 85/611/EWG enthält daher umfassende Regelungen zur Risikobegrenzung.
        Um eine gebührende und genaue Überwachung, Messung und Steuerung der mit
        neuartigen Finanzinstrumenten und insbesondere Derivaten verbundenen Risiken zu
        gewährleisten, müssen Verwaltungs- und Investmentgesellschaften unter Aufsicht der
        zuständigen       Behörden          solide       Risikomessverfahren         anwenden.       Diese
        Risikomessverfahren müssen ihnen insbesondere die Möglichkeit geben, die Risiken
        ihrer Positionen und deren Beitrag zum Risikoprofil des Portfolios insgesamt jederzeit
        zu überwachen, zu messen und zu steuern. Verwaltungs- und Investmentgesellschaften
        müssen außerdem Verfahren für die genaue und unabhängige Bewertung von
        Derivaten, die nicht an einer Börse gehandelt werden (OTC-Derivate), anwenden.
        Diese Vorgaben der Richtlinie 85/611/EWG machen es erforderlich, dass die
1
  OJ L 375, 31.12.1985, p. 3; Richtlinie zuletzt geändert durch die Richtlinie 2001/108/EG des Europäischen
        Parlaments und des Rates (ABl. L 41 vom 13.2.2002, S. 35).
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         Mitgliedstaaten einen geeigneten Rahmen für die Risikomessung und das
         Risikomanagement von OGAW abstecken. Um dies zu erleichtern und ein
         harmonisiertes Vorgehen zu gewährleisten, sollten gemeinsame Grundprinzipien für
         die Risikomessung empfohlen werden.
(3)      Der OGAW-Kontaktausschuss hat die Aufstellung von Grundprinzipien, die von den
         Mitgliedstaaten zu berücksichtigen wären, für nützlich befunden. Diese
         Grundprinzipien dürften es den Mitgliedstaaten erleichtern, einen gemeinschaftsweit
         gleichwertigen und wirksamen Anlegerschutz sowie gleiche Wettbewerbsbedingungen
         für die unter verschiedene Rechtssysteme fallenden OGAW-Betreiber und -Produkte
         zu gewährleisten.
(4)      In Anbetracht der in Artikel 21 Absatz 3 Unterabsatz 1 der Richtlinie 85/611/EWG
         vorgesehenen Obergrenze für das Gesamtrisiko aus Derivaten und der in Artikel 36
         Absatz 2 der Richtlinie vorgesehenen Obergrenze für die Kreditaufnahme ist zu
         klären, welches Risiko insgesamt ein OGAW maximal eingehen darf.
(5)      Bei der Bemessung des Gesamtrisikos eines OGAW müssen sowohl sein Ausfallrisiko
         als auch die mit derivativen Finanzinstrumenten erzielte Hebelwirkung berücksichtigt
         werden. Folglich muss sichergestellt sein, dass das Marktrisiko eines OGAW adäquat
         gemessen wird. Es ist deshalb notwendig, mögliche Ansätze für die Messung des
         Marktrisikos zu empfehlen, wobei zu klären ist, unter welchen Voraussetzungen die
         nachstehenden Methoden anzuwenden sind: Commitment Approach, Value-at-risk
         Approach (VaR-Approach) und Stress Tests.
(6)      Aus denselben Gründen ist es sinnvoll, Empfehlungen für die Methode zur Messung
         der mit derivativen Finanzinstrumenten erzeugten Hebelwirkung eines OGAW-
         Portfolios auszusprechen.
(7)      Nach Artikel 21 Absatz 3 Unterabsatz 2 der Richtlinie 85/611/EWG ist bei der
         Berechnung des Risikos eines OGAW nicht nur der Marktwert der Basiswerte,
         sondern sind auch das Ausfallrisiko, künftige Marktfluktuationen und die
         Liquidationsfrist der Positionen zu berücksichtigen. Für das mit OTC-Derivaten
         verbundene Ausfallrisiko enthält Artikel 22 Absatz 1 Unterabsatz 2 der Richtlinie
         besondere Vorschriften. Angesichts dieser Vorschriften sollte geklärt werden, nach
         welcher Methode das mit derivativen Finanzinstrumenten verbundene Ausfallrisiko zu
         berechnen ist und wie sich diese Methode zu den in der Richtlinie 2000/12/EG des
         Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. März 2000 über die Aufnahme und
         Ausübung der Tätigkeit der Kreditinstitute2 vorgesehenen Methoden und Kriterien
         verhält.
(8)      Nach Artikel 21 Absatz 3 Unterabsatz 3 der Richtlinie 85/611/EWG muss das Risiko
         der Basiswerte derivativer Finanzinstrumente bei der Berechnung der
         emittentenbezogenen Anlagegrenzen nach Artikel 22 der Richtlinie berücksichtigt
         werden. Nach Art. 22 können die Mitgliedstaaten auch gestatten, dass Anlagen eines
         OGAW in indexbasierten Derivaten bei diesen emittentenbezogenen Anlagegrenzen
         nicht berücksichtigt werden. Folglich sollten Grundsätze für die Anwendung der
2
  ABl. L 126 vom 26.5.2000, S.1.
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        emittentenbezogenen Anlagegrenzen bei derivativen Finanzinstrumenten empfohlen
        werden.
(9)     Leerverkäufe sind Geschäfte, bei denen für den OGAW entweder das Risiko besteht,
        Wertpapiere zu einem höheren Kurs als dem Lieferkurs ankaufen zu müssen und somit
        einen Verlust zu erleiden, oder das Risiko, das Basisinstrument bei Fälligkeit nicht
        liefern zu können. Diese Risiken liegen bei allen Geschäften vor, bei denen ein
        OGAW Wertpapiere am Markt ankaufen muss, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.
        Für den OGAW besteht in diesen Fällen das Risiko, seine Verpflichtungen im Rahmen
        eines Derivatgeschäfts nicht oder nur teilweise erfüllen zu können. Um hohe Verluste
        auszuschließen, sind den OGAW Leerverkäufe nach Artikel 42 der Richtlinie
        85/611/EWG daher grundsätzlich untersagt. Bei Geschäften mit derivativen
        Finanzinstrumenten, die das Profil eines Leerverkaufs aufweisen, sind die mit
        Leerverkäufen normalerweise verbundenen Risiken unter Umständen jedoch nicht im
        selben Maße von Belang. Daher sollte der Begriff Leerverkauf in Bezug auf derivative
        Finanzinstrumente geklärt und sollten Kriterien für die Deckung von Derivatgeschäfte
        empfohlen werden, um die Einhaltung von Artikel 42 zu erleichtern.
(10)    Die vorliegende Empfehlung ist ein erster Schritt zu einem gemeinsamen Ansatz für
        die Risikomessmethoden im Bereich OGAW. Allerdings entwickeln sich die
        Risikomessmethoden beständig weiter. Künftige Entwicklungen wie beispielsweise
        die Neufassung der Baseler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) und die entsprechende
        künftige Gemeinschaftsrichtlinie über die Eigenkapitalanforderungen für Banken und
        Wertpapierfirmen könnten daher weitere Schritte erforderlich machen.
(11)    Die vorliegende Empfehlung enthält bestimmte Grundsätze, die die Mitgliedstaaten
        bei der Umsetzung der Richtlinie 85/611/EWG in der durch die
        Richtlinie 2001/108/EG geänderten Fassung berücksichtigen sollten. Wohlgemerkt
        enthält die Empfehlung keine allumfassenden Leitlinien für den Einsatz derivativer
        Finanzinstrumente bei OGAW, sondern lediglich Grundsätze, die als grundlegende
        Ausgangsbasis für einen einheitlichen Ansatz für die Risikomessung bei OGAW
        betrachtet werden können —
EMPFIEHLT:
Bei der Umsetzung der Richtlinie 85/611/EWG sollten die Mitgliedstaaten wie folgt
verfahren:
1. Abstimmung der Risikomessung auf das Risikoprofil des OGAW
Bei der Anwendung von Artikel 21 Absatz 1 der Richtlinie 85/611/EWG wird den
Mitgliedstaaten empfohlen sicherzustellen, dass Verwaltungs- und Investmentgesellschaften
Risikomessverfahren anwenden, die auf das jeweilige Risikoprofil eines OGAW abgestimmt
sind, damit gewährleistet ist, dass sämtliche mit dem OGAW verbundenen wesentlichen
Risiken unter Aufsicht der zuständigen Behörden genau gemessen werden.
2. Harmonisierte Auslegung der Obergrenzen für das OGAW-Risiko
2.1 Begrenzung des Gesamtrisikos aus Derivaten und des OGAW-Risikos insgesamt
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Den Mitgliedstaaten wird empfohlen sicherzustellen, dass das mit derivativen
Finanzinstrumenten verbundene Gesamtrisiko eines OGAW 100 % des Nettoinventarwerts
(net asset value — NAV) nicht überschreitet und dass somit das Risiko eines OGAW
insgesamt 200 % des NAV nicht dauerhaft überschreitet.
2.2 Begrenzung der vorübergehenden Kreditaufnahme
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen sicherzustellen, dass das Risiko eines OGAW durch
vorübergehende Kreditaufnahme nicht um mehr als 10 % erhöht wird, so dass das
Gesamtrisiko unter keinen Umständen 210 % des NAV überschreitet.
2.3 Gleichzeitige Einhaltung der Ziffern 3 und 4
Zur Anwendung der Obergrenze von 100 % für das Gesamtrisiko aus Derivaten wird den
Mitgliedstaaten empfohlen sicherzustellen, dass sowohl Ziffer 3 als auch Ziffer 4 eingehalten
werden.
3. Angemessene Standards für die Marktrisikomessung
3.1 Abstimmung der Risikomessverfahren auf das Risikoprofil eines OGAW
Entsprechend dem in Ziffer 1 dieser Empfehlung und Artikel 21 Absatz 1 der Richtlinie
85/611/EWG aufgestellten Grundprinzip wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu gestatten,
dass bei “einfachen OGAW” (“non-sophisticated UCITS”), die insgesamt weniger und
einfachere Derivatpositionen halten, indem sie beispielsweise einige wenige „plain-vanilla“-
Optionen einsetzen, eine andere Methode angewandt wird als bei “komplexen OGAW”
(“sophisticated UCITS“). Die Unterscheidung und genaue Abgrenzung der beiden
OGAW-Arten erfordert weitere Arbeiten im Sinne von Ziffer 3.4. Bis diese Arbeiten
abgeschlossen sind, sollten die Mitgliedstaaten den Ansatz für die Marktrisikomessung
entsprechend den Ziffern 3.2 und 3.3 auf die jeweiligen Erfordernisse abstimmen.
3.2 Einfache OGAW
3.2.1 Anwendung des Commitment Approach
Bei einfachen OGAW wird den Mitgliedstaaten empfohlen, ihre zuständigen Behörden zu
ersuchen sicherzugehen, dass das Marktrisiko durch Anwendung des Commitment Approach,
bei dem die Derivatpositionen eines OGAW in die entsprechenden Basiswertäquivalente
umgerechnet werden, adäquat bewertet wird. Bei der Anwendung des Commitment Approach
sollten die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten auch Parameter wie das Gesamtrisiko
des OGAW aus derivativen Finanzinstrumenten, Art, Zweck, Anzahl und Häufigkeit der
Kontrakte sowie die angewandten Anlagetechniken berücksichtigen.
3.2.2 Technische Einzelheiten
Bei Optionen wird den Mitgliedstaaten empfohlen, die Anwendung des Delta-Ansatzes zu
gestatten, bei dem die Reaktion des Optionspreises auf marginale Änderungen des
Basiswertpreises zugrunde gelegt wird. Die Umrechnung von Forward-, Futures- und
Swap-Positionen sollte von der genauen Beschaffenheit des Basiskontrakts abhängig gemacht
werden. Bei einfachen Kontrakten wird in der Regel der nach der Marktbewertungsmethode
bestimmte Wert maßgeblich sein.
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3.2.3 Zusätzliche Schutzmechanismen
Die Mitgliedstaaten sollten prüfen, ob im Zusammenhang mit der Anwendung des
Commitment Approach weitere Schutzmechanismen erforderlich sind, beispielsweise eine
Begrenzung des Gesamtrisikos, das mit derivativen Finanzinstrumenten verbunden ist, auf
unter 100 % des NAV bei einfachen OGAW.
3.3 Komplexe OGAW
3.3.1 Standardmäßige Anwendung des Value-at-Risk- (VaR-)Approach und von Stress Tests
Bei “komplexen OGAW” wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu verlangen, dass
Verwaltungs- und Investmentgesellschaften regelmäßig den VaR-Ansatz anwenden. Mit dem
VaR-Ansatz wird geschätzt, welcher Verlust innerhalb eines bestimmten Zeithorizontes bei
vorgegebenem Konfidenzintervall bei einem OGAW-Portfolio maximal entstehen kann. Den
Mitgliedstaaten     wird    empfohlen        zu      verlangen,    dass Verwaltungs-     und
Investmentgesellschaften außerdem Stress Tests durchführen, um etwaige Risiken aufgrund
von anormalen Marktbewegungen besser zu steuern. Stress Tests messen, wie extrem sich
Vorfälle im Wirtschafts- und Finanzleben zu einem gegebenen Zeitpunkt auf den Wert eines
Portfolios auswirken.
3.3.2 Festlegung gemeinsamer Standards als weiterer Schritt
Zur Anwendung des VaR-Ansatzes wird den Mitgliedstaaten empfohlen, die Verwendung
geeigneter Standards im Sinne von Ziffer 3.1 zu verlangen. Zu diesem Zweck sollten sie
folgende Parameter als mögliche Richtwerte in Erwägung ziehen: ein Konfidenzintervall von
99%, eine Halteperiode von einem Monat und die „jüngste“ Volatilität, d.h. die Volatilität in
einem Beobachtungszeitraum, der bei der Berechnung höchstens ein Jahr betragen darf, wobei
weitere Tests durch die zuständigen Behörden hierdurch nicht ausgeschlossen werden. Sobald
im Rahmen weiterer Arbeiten der Mitgliedstaaten im Sinne von Ziffer 3.4 gemeinsame
Standards festgelegt worden sind, sollten die Mitgliedstaaten den Verwaltungs- und
Investmentgesellschaften eine Abweichung hiervon nur im Einzelfall, vorbehaltlich einer
angemessenen Prüfung durch die zuständigen Behörden, gemäß Ziffer 3.3.3 gestatten.
3.3.3 Interne Risikomessmodelle
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen interne Risikomessmodelle einer Verwaltungs- oder
Investmentgesellschaft nur zuzulassen, wenn sie einen angemessenen Schutzumfang, wie er
unter anderem in dieser Empfehlung vorgesehen ist, bieten. Die betreffenden Modelle sollten
einer angemessenen Prüfung durch die zuständigen einzelstaatlichen Behörden unterliegen.
Die Mitgliedstaaten sollten außerdem ein Verzeichnis der von den zuständigen
einzelstaatlichen Behörden anerkannten Modelle veröffentlichen und diese auf geeignetem
Wege öffentlich zugänglich machen.
3.4 Empfehlung, die Arbeit fortzusetzen
Da die Risikomessverfahren noch weiterentwickelt werden müssen, wird den Mitgliedstaaten
empfohlen darauf hinzuwirken, dass ihre zuständigen Behörden weitere Arbeiten
durchführen, um fortschrittlichere und ausgefeiltere Risikomessverfahren zu entwickeln und
somit zu einem konvergenten gemeinschaftsweiten Ansatz zu gelangen. Dies betrifft
insbesondere:
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" a) die Kriterien für die Unterscheidung zwischen einfachen und komplexen OGAW,
" b) die Umrechnung derivativer Finanzinstrumente in Basiswertäquivalente und das
    Netting von Basispositionen von derivativen Finanzinstrumenten bei Anwendung des
    Commitment Approach,
" c) Best Practices im Bereich VaR und Stress Tests,
"d) die Anforderungen, die die internen Modelle von OGAW erfüllen müssen
4. Angemessene Standards für die Bewertung der Hebelwirkung
4.1 Anwendung des Commitment Approach
In Ermangelung fortschrittlicher Methoden im Sinne von Ziffer 4.2 wird den Mitgliedstaaten
empfohlen zu verlangen, dass zur Bewertung der Hebelwirkung eines OGAW der
Commitment Approach in Kombination mit dem/den nach Ziffer 3.3 für die
Marktrisikomessung bei komplexen OGAW vorgeschriebenen VaR-Ansatz und Stress Tests
angewandt wird.
Den Mitgliedstaaten wird ferner empfohlen zu gestatten, dass Verwaltungs- und
Investmentgesellschaften, die nach Ziffer 3.2 den Commitment Approach anwenden, diesen
Ansatz auch zur Bewertung der Hebelwirkung anwenden.
4.2 Zulassung fortschrittlicherer Methoden
Bei komplexen OGAW im Sinne von Ziffer 3.3 sollten die Mitgliedstaaten für den Fall, dass
die Aufsichtsbehörden uneingeschränkt davon überzeugt sind, dass eine Verwaltungs- oder
Investmentgesellschaft bereits eine geeignete Methode zur Bewertung der Hebelwirkung
mittels VaR-Ansätzen und Stress Tests entwickelt und erprobt hat, und diese Methode durch
die Verwaltungs- oder Investmentgesellschaft hinreichend dokumentiert ist, eine
Anerkennung zum Zwecke der Messung der Hebelwirkung in Betracht ziehen. Zu diesem
Zweck wird den Mitgliedstaaten insbesondere empfohlen, Ansätze zu berücksichtigen, die auf
einem Vergleichsmaßstab wie dem VaR/Stress-Test-Wert eines geeigneten, der
Anlagestrategie eines OGAW entsprechenden Referenzportfolios oder dem VaR/Stress-Test-
Wert einer geeigneten Benchmark beruhen.
4.3 Empfehlung, die Arbeit fortzusetzen
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu berücksichtigen, dass die Methoden zur Bewertung
der Hebelwirkung eines OGAW weiterentwickelt werden müssen, insbesondere im Hinblick
auf den maximalen VaR/Stress-Test-Wert, der einem Risiko von insgesamt 200 % des
OGAW-NAV entspricht. Sie sollten daher darauf hinwirken, dass ihre zuständigen Behörden
weitere Arbeiten durchführen, um fortschrittlichere und ausgefeiltere Methoden für die
Bewertung der Hebelwirkung zu entwickeln und somit zu einem konvergenten
gemeinschaftsweiten Ansatz zu gelangen.
5. Anwendung geeigneter Standards und anerkannter Techniken zur Begrenzung des
Ausfallrisikos
5.1 Voraussetzungen für die Beschränkung des Ausfallrisikos auf OTC-Derivate
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen sicherzustellen, dass sämtliche Derivatgeschäfte, die für
ausfallrisikofrei erachtet werden dürfen, an einer Börse stattfinden, deren Clearingstelle
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folgende Voraussetzungen erfüllt: angemessene Leistungsgarantie, tägliche Neubewertung
von Derivatpositionen auf der Grundlage des aktuellen Marktkurses und mindestens tägliche
Einschusszahlungen.
5.2 Heranziehung des maximal möglichen Verlusts
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu verlangen, dass das Ausfallrisiko gegenüber einer
Gegenpartei bei OTC-Derivaten nicht nach dem Nominalwert des OTC-Kontrakts, sondern
nach dem Verlust bemessen wird, der dem OGAW bei Ausfall der Gegenpartei maximal
entstehen kann.
5.3 Anwendung der in der Richtlinie 2000/12/EG niedergelegten Standards als Richtwert
In Übereinstimmung mit den bereits durch die Richtlinie 2001/108/EG eingeführten
quantitativen Vorgaben wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu verlangen, dass das
Ausfallrisiko bei OTC-Derivaten nach der in der Richtlinie 2000/12/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates3 dargelegten Marktbewertungsmethode berechnet wird, wobei in
Ermangelung eines Marktkurses geeignete Preisermittlungsmodelle erforderlich sind. Die
Mitgliedstaaten sollten außerdem die uneingeschränkte Anwendung des Kreditäquivalent-
Ansatzes gemäß der Richtlinie 2000/12/EG vorschreiben, wobei dem potentiellen künftigen
Risiko durch ein Zuschlagssystem Rechnung zu tragen ist.
5.4 Anerkennung von Sicherheiten bei der Bewertung des Ausfallrisikos eines OGAW
5.4.1 Allgemeine Voraussetzungen
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen vorzusehen, dass Sicherheiten auf das Ausfallrisiko
eines OGAW angerechnet werden können, sofern die betreffende Sicherheit gemäß der
Richtlinie 2000/12/EG und unter Berücksichtigung künftiger Entwicklungen:
" a) täglich auf der Grundlage des aktuellen Marktkurses neu bewertet wird und ihr Wert
   den Risikobetrag übersteigt,
" b) nur zu vernachlässigenden Risiken ausgesetzt ist (Beispiel: erstklassige Staatsanleihen
   oder Barmittel) und liquide ist,
" c) von einem Dritten verwahrt wird, der in keinerlei Verbindung zum Betreiber steht
   oder rechtlich vor den Auswirkungen eines Konkurses einer mit diesem verbundenen
   Partei geschützt ist,
" d) von dem OGAW jederzeit verwertet werden kann.
5.4.2 Begrenzung der Risikokonzentration
Gemäß dem allgemeinen Grundsatz der Risikostreuung wird den Mitgliedstaaten empfohlen
sicherzustellen, dass das Ausfallrisiko gegenüber einem bestimmten Unternehmen bzw. einer
bestimmten Unternehmensgruppe nach Berücksichtigung der von diesem Unternehmen bzw.
dieser Unternehmensgruppe gestellten Sicherheiten die in der Richtlinie 85/611/EWG
festgelegte Obergrenze von 20 % sowohl auf der Ebene des Einzelunternehmens nach
Artikel 22 Absatz 2 Unterabsatz 2 als auch auf der Ebene der Unternehmensgruppe nach
Artikel 22 Absatz 5 nicht übersteigen darf.
3
  ABl. L 126 vom 26.5.2000, S.1.
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5.5 Anerkennung von Nettingvereinbarungen
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu gestatten, dass OGAW ihre OTC-Derivatpositionen
gegenüber einer Gegenpartei aufrechnen, sofern die entsprechenden Nettingverfahren die
Voraussetzungen der Richtlinie 2000/12/EG erfüllen und auf rechtsverbindlichen
Vereinbarungen beruhen.
6. Geeignete Methoden für die Anwendung der Obergrenzen für das Emittentenrisiko
6.1 Abstimmung der Risikomessverfahren auf die Art des Derivats
Da derivative Finanzinstrumente zwecks Einbeziehung in die nach Artikel 22 Absatz 3
Unterabsatz 4 der Richtlinie 85/611/EWG vorgesehenen emittentenbezogenen Anlagegrenzen
in Basiswertäquivalente umzurechnen sind, wird den Mitgliedstaaten empfohlen die
Anwendung von Methoden zu verlangen, die der Art des betreffenden Finanzinstruments
angemessen sind. So können die Mitgliedstaaten beispielsweise bei Optionen den Delta-
Ansatz zulassen. Ist dieser Ansatz aufgrund der Komplexität eines derivativen
Finanzinstruments nicht einschlägig bzw. nicht durchführbar, so können die Mitgliedstaaten
die Anwendung eines Ansatzes gestatten, der von dem bei dem betreffenden Derivat maximal
möglichen Verlust als Maximalwert des Solvenzrisikos ausgeht.
6.2 Indexderivate
Bei der Ausübung ihrer Ermessensbefugnisse nach Artikel 21 Absatz 3 Unterabsatz 3 der
Richtlinie 85/611/EWG wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu berücksichtigen, ob der
Basisindex eines derivativen Finanzinstruments die Voraussetzungen des Artikels 22 a der
Richtlinie erfüllt. Bei der Anwendung von Artikel 21 Absatz 2 und Artikel 21 Absatz 3
Unterabsatz 3 der Richtlinie wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu bedenken, dass es einer
Verwaltungs- oder Investmentgesellschaft grundsätzlich nicht möglich sein sollte, auf einem
selbstgebildeten Index basierende derivative Finanzinstrumente zu nutzen, um die
emittentenbezogenen Anlagegrenzen nach Artikel 22 zu umgehen. Die Mitgliedstaaten sollten
auch bedenken, dass es einer Verwaltungs- oder Investmentgesellschaft nicht möglich sein
sollte, Indexderivate zu nutzen, deren Index gegen die in Artikel 22 a der Richtlinie
85/611/EWG niedergelegten Anlagegrenzen verstößt.
6.3 Begrenzung der Risikokonzentration
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu verlangen, dass Verwaltungs- und
Investmentgesellschaften bei der Anwendung der Obergrenze von 20 % des NAV gemäß
Artikel 22 Absatz 2 Unterabsatz 2 und Artikel 22 Absatz 5 der Richtlinie 85/611/EWG das
Ausfallrisiko und das Emittentenrisiko gegenüber einem Unternehmen bzw. einer
Unternehmensgruppe kumulativ berechnen.
7. Richtlinien für die Deckung von Geschäften mit börsennotierten und außerbörslichen
derivativen Finanzinstrumenten
7.1 Angemessene Deckung bei Geschäften ohne Barausgleich
Ist bei einem derivativen Finanzinstrument entweder automatisch oder auf Wunsch der
Gegenpartei bei Fälligkeit bzw. Ausübung eine stückemäßige Lieferung des Basisinstruments
vorgesehen und ist die stückemäßige Lieferung bei dem betreffenden Instrument üblich, so
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                    L 144/43
wird den Mitgliedstaaten empfohlen zu verlangen, dass OGAW das betreffende
Basisinstrument zur Deckung in ihrem Portfolio halten.
7.2 Ausnahmsweise alternative Deckung bei Geschäften ohne Barausgleich
Können die Risiken des Basisinstruments eines Derivats durch ein anderes Basisinstrument in
angemessener Weise wiedergegeben werden und ist dieses Basisinstrument hochliquide, so
sollten die Mitgliedstaaten in Erwägung ziehen zu gestatten, dass OGAW ausnahmsweise
andere liquide Werte zur Deckung halten, sofern sie jederzeit zum Ankauf des zu liefernden
Basisinstruments eingesetzt werden können und das mit dieser Art von Geschäft verbundene
zusätzliche Marktrisiko ausreichend gemessen wird.
7.3 Alternative Deckung bei Geschäften mit Barausgleich
Wird bei einem derivativen Finanzinstrument automatisch oder auf Wunsch des OGAW ein
Barausgleich vorgenommen, so sollten die Mitgliedstaaten in Erwägung ziehen zu gestatten,
dass der OGAW das betreffende Basisinstrument nicht zur Deckung hält. In diesem Falle
wird den Mitgliedstaaten empfohlen, folgende Kategorien als zulässige Deckung in Betracht
zu ziehen:
–         a)    Barmittel,
–         b)    liquide Schuldtitel (z.B. erstklassige Staatsanleihen) bei angemessenen
          Schutzmechanismen (insbesondere Sicherheitsmargenabschläge),
–         c)    sonstige hochliquide Werte, die von den zuständigen Behörden in Anbetracht
          ihrer Korrelation mit den Basiswerten der derivativen Finanzinstrumente
          vorbehaltlich angemessener Schutzmechanismen (ggf. Sicherheitsmargenabschläge)
          anerkannt werden.
Bei der Anwendung von Artikel 42 der Richtlinie 85/611/EWG sollten die Mitgliedstaaten
jene Instrumente als „liquide“ betrachten, die in weniger als sieben Geschäftstagen zu einem
Preis, der möglichst genau dem aktuellen Wert des Finanzinstruments an seinem eigenen
Markt entspricht, zu Barmitteln gemacht werden können. Die Mitgliedstaaten sollten dafür
Sorge tragen, dass der entsprechende Barbetrag dem OGAW bei Fälligkeit bzw. Ausübung
des derivativen Finanzinstruments zur Verfügung steht.
7.4 Berechnung der Deckung
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu verlangen, dass die erforderliche Deckung nach dem
Commitment Approach berechnet wird.
7.5 Art des Basisinstruments
Den Mitgliedstaaten wird empfohlen zu verlangen, dass die Basiswerte sowohl von
derivativen Finanzinstrumenten mit Barausgleich als auch mit stückemäßiger Lieferung sowie
die zu Deckungszwecken gehaltenen Finanzinstrumente mit der Richtlinie und der
Anlagestrategie des jeweiligen OGAW im Einklang stehen müssen.
7.6 Empfehlung, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen
 ---pagebreak--- L 144/44        DE              Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
Was die Deckung von Geschäften mit derivativen Finanzinstrumenten angeht, so sollten die
Mitgliedstaaten darauf hinwirken, dass ihre zuständigen Behörden eine gemeinsame
Typologie der Geschäfte mit derivativen Finanzinstrumenten festlegen, die das Risikoprofil
eines Leerverkaufs aufweisen.
8. Die Mitgliedstaaten werden ersucht, die Kommission nach Möglichkeit bis zum
30. September 2004 über die im Anschluss an diese Empfehlung getroffenen Maßnahmen in
Kenntnis zu setzen und sie nach Möglichkeit bis spätestens 28. Februar 2005 über die ersten
Ergebnisse ihrer Umsetzung zu unterrichten.
9. Diese Empfehlung ist an die Mitgliedstaaten gerichtet.
Brüssel, den 27. April 2004
                                             Für dieKommission
                                             Frederik BOLKESTEIN
                                             Mitglied der Kommission