CELEX: 62006CJ0074
Language: de
Date: 2007-09-20
Title: Urteil des Gerichtshofes (Vierte Kammer) vom 20. September 2007. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Hellenische Republik. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Art. 90 EG - Zulassungsteuer auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge - Bestimmung des steuerlichen Werts - Allein auf das Alter gestützte Wertminderung der Fahrzeuge - Publizität der Berechnungskriterien - Möglichkeit, die Anwendung der pauschalen Berechnungsmethode anzufechten. # Rechtssache C-74/06.

Rechtssache C‑74/06
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Hellenische Republik
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Art. 90 EG – Zulassungsteuer auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge – Bestimmung des steuerlichen Werts – Allein auf das Alter gestützte Wertminderung der Fahrzeuge – Publizität der Berechnungskriterien – Möglichkeit, die Anwendung der pauschalen Berechnungsmethode anzufechten“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Steuerliche Vorschriften – Inländische Abgaben – Zulassungsteuer auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge
      (Art. 90 Abs. 1 EG)
      2.        Steuerliche Vorschriften – Inländische Abgaben – Zulassungsteuer auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge
      (Art. 90 Abs. 1 EG)
      1.        Ein Mitgliedstaat verstößt dadurch gegen seine Verpflichtungen aus Art. 90 EG, dass er zur Bestimmung des steuerlichen Werts
         von aus einem anderen Mitgliedstaat ins Inland eingeführten Gebrauchtfahrzeugen zur Festlegung der Zulassungssteuer ein einziges,
         auf das Alter dieser Fahrzeuge gestütztes Wertminderungskriterium anwendet und eine Minderung des Werts um 7 % bei sechs bis
         zwölf Monate alten Fahrzeugen und von 14 % bei ein Jahr alten Fahrzeugen zugrunde legt, was nicht gewährleistet, dass die
         geschuldete Steuer, sei es auch nur in einigen Fällen, den Restbetrag der Steuer nicht übersteigt, der im Wert gleichartiger
         bereits im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist.
      
       (vgl. Randnrn. 40, 59, 61, Tenor 1)
      2.        Ein Mitgliedstaat verstößt nicht gegen seine Verpflichtungen aus Art. 90 EG, wenn er auf die aus anderen Mitgliedstaaten eingeführten
         Gebrauchtfahrzeuge eine Steuerregelung anwendet, nach der der tatsächliche Wertverlust der Fahrzeuge allgemein und abstrakt
         anhand in nationalen Rechtsvorschriften festgelegter Kriterien bestimmt wird, sofern zum einen die Kriterien, auf denen die
         pauschale Berechnung des Wertverlusts der Fahrzeuge beruht, öffentlich bekannt gemacht werden und zum anderen der Eigentümer
         eines aus einem anderen Mitgliedstaat eingeführten Gebrauchtfahrzeugs die Möglichkeit hat, die Anwendung einer solchen pauschalen
         Berechnungsmethode auf dieses Fahrzeug anzufechten, um darzutun, dass diese zu einer Steuer führt, die höher ist als die Reststeuer,
         die im Wert gleichartiger bereits im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist.
      
      (vgl. Randnrn. 46, 50, 60)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Vierte Kammer)
      20. September 2007(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Art. 90 EG – Zulassungssteuer auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge – Bestimmung des steuerlichen Werts – Allein auf das Alter gestützte Wertminderung der Fahrzeuge – Publizität der Berechnungskriterien – Möglichkeit, die Anwendung der pauschalen Berechnungsmethode anzufechten“
      In der Rechtssache C‑74/06
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Art. 226 EG, eingereicht am 8. Februar 2006,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch D. Triantafyllou als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Hellenische Republik, vertreten durch P. Mylonopoulos und K. Boskovits als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Vierte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten K. Lenaerts (Berichterstatter) sowie der Richter E. Juhász, G. Arestis, J. Malenovský
         und T. von Danwitz,
      
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 18. April 2007,
      aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften die Feststellung, dass die Hellenische Republik
         dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 90 EG verstoßen hat, dass sie bei der Bestimmung des steuerlichen Werts von aus
         einem anderen Mitgliedstaat in das griechische Hoheitsgebiet eingeführten Gebrauchtfahrzeugen ein einziges, auf das Alter
         des Fahrzeugs gestütztes Wertminderungskriterium anwendet und von einer Wertminderung um 7 % bei den Fahrzeugen ausgeht, deren
         Alter zwischen sechs und zwölf Monaten liegt, oder von 14 % bei den Fahrzeugen, die ein Jahr alt sind, was nicht gewährleistet,
         dass die geschuldete Steuer, sei es auch nur in einigen Fällen, den Betrag der Reststeuer nicht übersteigt, die im Wert gleichartiger
         bereits im Inland zugelassener ähnlicher Gebrauchtfahrzeuge enthalten ist, wobei die Grundlage der Berechnung der Wertminderung
         der Öffentlichkeit nicht zur Kenntnis gebracht wird und die Prüfung der Fahrzeuge durch Sachverständige von der Zahlung einer
         Gebühr in Höhe von 300 Euro abhängt.
      
       Nationaler rechtlicher Rahmen
      2        Art. 126 Abs. 1 Buchst. a des Gesetzes 2960/2001 über den nationalen Zollkodex (FEK A’ 265) in der durch das Gesetz 3156/2003
         (FEK A’ 157) geänderten Fassung (im Folgenden: Gesetz 2960/2001) bestimmt für die Steuer auf die Zulassung eingeführter Gebrauchtfahrzeuge
         den steuerlichen Wert wie folgt:
      
      „…
      Bei gebrauchten Personenkraftwagen wird … der Großhandelsverkaufspreis des entsprechenden Fahrzeugs berücksichtigt, der bei
         dessen erstem Inverkehrbringen auf dem internationalen Markt gilt, wobei dieser Preis wegen der auf die übliche Benutzung
         oder jeden anderen Grund zurückzuführende Abnutzung auf der Grundlage der nachstehenden Wertminderungsprozentsätze verringert
         wird:
      
      zwischen sechs und zwölf Monaten ab dem Zeitpunkt des ersten Inverkehrbringens des Fahrzeugs und unter der Voraussetzung,
         dass dieses mehr als 6 000 Kilometer zurückgelegt hat: Wertminderung um 7 %.
      
      Von 1 bis 2 Jahren                   14 %Zwischen 2 und 3 Jahren           21 %Zwischen 3 und 4 Jahren          28 %Zwischen 4 und 5 Jahren          34 %Zwischen 5 und 6 Jahren          40 %Zwischen 6 und 7 Jahren          46 %Zwischen 7 und 8 Jahren          52 %Zwischen 8 und 9 Jahren          57 %Zwischen 9 und 10 Jahren          62 %Zwischen 10 und 11 Jahren          67 %Zwischen 11 und 12 Jahren          70 %Zwischen 12 und 13 Jahren          73 %Zwischen 13 und 14 Jahren          76 %Zwischen 14 und 15 Jahren          79 %Zwischen 15 und 16 Jahren          80 %.“
      
      3        Nach Art. 126 Abs. 5 des Gesetzes 2960/2001 wird dann, wenn der Eigentümer eines gebrauchten Personenkraftwagens mit der auf
         der Grundlage der in Art. 126 Abs. 1 Buchst. a festgelegten Wertminderungstabelle berechneten Höhe der Zulassungssteuer nicht
         einverstanden ist, der steuerliche Wert von einem Sachverständigenausschuss, der als Beschwerdeausschuss tätig wird, in der
         Weise bestimmt, dass die geschuldete Zulassungssteuer gleich dem verbleibenden Betrag dieser Steuer ist, die im Wert eines
         Fahrzeugs derselben Marke, desselben Modells und desselben Antriebssystems oder, in Ermangelung eines solchen, eines ähnlichen
         oder gleichwertigen Fahrzeugs enthalten ist, das in Griechenland im Laufe des Jahres in den Verkehr gebracht worden ist, in
         dem das betreffende Fahrzeug in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union erstmals in den Verkehr gebracht worden
         ist. Die Beschwerdeausschüsse, die den tatsächlichen Zustand der Fahrzeuge prüfen, werden am Sitz der Zollbezirke gebildet
         und bestehen aus einem Vertreter des Zollbezirks, einem Vertreter des Transport‑ und Kommunikationsministeriums sowie dem
         Eigentümer des Fahrzeugs oder dessen Beauftragten. Voraussetzung dafür, dass ein Beschwerdeausschuss die Begutachtung eines
         Fahrzeugs vornehmen kann, ist, dass dessen Eigentümer eine Gebühr zahlt, die auf 300 Euro festgesetzt worden ist.
      
      4        Die Verordnung F.112/50 des Staatssekretärs für wirtschaftliche Angelegenheiten und Finanzen vom 27. Januar 2004 (FEK B’ 207)
         bestimmt die Gesichtspunkte, anhand deren die in Art. 126 Abs. 5 des Gesetzes 2960/2001 vorgesehenen Beschwerdeausschüsse
         den tatsächlichen Zustand der gebrauchten Personenkraftwagen beurteilen können. So bestimmt Art. 2 Buchst. b und c dieser
         Verordnung, dass der Beschwerdeausschuss
      
      „b)      … den mechanischen Zustand des Fahrzeugs durch eine Überprüfung der Karosserie, des Motors, der Batterie, des elektrischen
         Systems und des Zustands der Reifen [untersucht] und die jeweilige Funktionsfähigkeit [bewertet], während er, was den äußeren
         Eindruck des Fahrzeugs angeht, Art und Zustand der Lackierung zu überprüfen hat;
      
      c)      … den allgemeinen Zustand des Fahrzeugs [überprüft] in Bezug auf seine Nutzung und seine Wartung, die Qualität der Innenverkleidung
         und, allgemeiner, des Innenraums, den auf dem Zähler angezeigten Kilometerstand, den Zustand der Sicherheitsgurte sowie die
         Qualität der auf diesem Fahrzeug installierten Zubehörteile, insbesondere die der Klimaanlage, des Radios, des Computers,
         der Leichtmetallfelgen, der Airbags, des Diebstahlsicherungssystems, des Schiebedachs, der automatischen Schaltung, der ABS‑
         und EBV‑Bremssysteme, des Typs der EDS‑, ASR‑ und ESP‑Antriebsleistung und sonstiger Zubehörteile, die für die Bestimmung
         des Handelswerts dieses Fahrzeugs wesentlich sind“.
      
       Vorprozessuales Verfahren
      5        Der Gerichtshof hat mit Urteil vom 23. Oktober 1997, Kommission/Griechenland (C‑375/95, Slg. 1997, I‑5981), festgestellt,
         dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 95 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 90 EG) verstoßen
         hat, dass sie für die Erhebung der besonderen Verbrauchsteuer und der einmaligen zusätzlichen Sonderabgabe den steuerlichen
         Wert importierter Gebrauchtwagen durch Verringerung des Preises entsprechender Neuwagen um 5 % pro Nutzungsjahr der betreffenden
         Fahrzeuge ermittelt, wobei die Verringerung grundsätzlich höchstens 20 % betragen darf.
      
      6        Um diesem Urteil nachzukommen, reformierte die Hellenische Republik 1999, 2001 und 2003 ihr Besteuerungssystem für die betreffenden
         Fahrzeuge in der Weise, dass sie die Erhebung der besonderen Verbrauchsteuer und der einmaligen zusätzlichen Sonderabgabe
         durch die Erhebung einer Zulassungssteuer ersetzte und die Art der Berechnung des steuerlichen Werts dieser Fahrzeuge änderte.
         Im Jahr 2003 wurden Beschwerdeausschüsse zur Entscheidung über im Rahmen der Anwendung dieser Rechtsvorschriften erhobene
         Einsprüche eingerichtet.
      
      7        Die Kommission war jedoch der Auffassung, dass nach den auf diese Weise geänderten griechischen Rechtsvorschriften eine Tabelle
         angewandt werde, die sich auf ein einziges Kriterium für die Wertminderung des Fahrzeugs (die Nutzungsdauer am Tag der Besteuerung)
         stütze, das die tatsächliche Wertminderung nicht mit der Genauigkeit wiedergebe, die erforderlich sei, um die Gefahr auszuschließen,
         dass eingeführte Gebrauchtfahrzeuge einer Steuer unterworfen würden, die den Restbetrag der Steuer überschreite, die im Wert
         ähnlicher bereits in Griechenland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge enthalten sei. Sie ist der Ansicht, dass diese Tabelle,
         die, sei es auch nur in einigen Fällen, die Erhebung einer höheren Steuer auf eingeführte Fahrzeuge zur Folge habe, gegen
         Art. 90 EG verstoße.
      
      8        Ein Mahnschreiben, mit dem diese Rechtsvorschriften beanstandet wurden, wurde der Hellenischen Republik von der Kommission
         am 24. April 2004 zugesandt; daran schloss sich am 9. Juli 2004 ein zusätzliches Mahnschreiben an, in dem die Einrichtung
         der Beschwerdeausschüsse berücksichtigt wurde. Auf die Antwort dieses Mitgliedstaats hin richtete die Kommission an diesen
         am 13. Juli 2005 eine mit Gründen versehene Stellungnahme. Da die Kommission die Antwort der Hellenischen Republik auf diese
         Stellungnahme nicht als zufriedenstellend ansah, hat sie beschlossen, die vorliegende Klage zu erheben.
      
       Zur Klage
       Vorbringen der Parteien
      9        Die Kommission ist der Ansicht, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 90 EG verstoße,
         dass sie zur Bestimmung des steuerlichen Werts eingeführter Gebrauchtfahrzeuge ein einziges, auf das Alter gestütztes Wertminderungskriterium
         anwende. Ein solches System schließe, sei es auch nur in einigen Fällen, nicht aus, dass eingeführte Erzeugnisse stärker besteuert
         würden als inländische Erzeugnisse.
      
      10      Zwar nähere sich die Wertminderungstabelle, die in den griechischen Rechtsvorschriften in deren 2003 geänderter Fassung vorgesehen
         sei, mehr dem tatsächlichen Wert der Gebrauchtfahrzeuge an, sie könne jedoch nicht als eine Tabelle angesehen werden, die
         den erforderlichen Grad an Genauigkeit biete. Die Berücksichtigung einer Wertminderung um 7 % für Fahrzeuge, deren Alter zwischen
         sechs und zwölf Monaten liege, oder um 14 % für Fahrzeuge, die ein Jahr alt seien, stelle in praktisch allen Fällen keine
         realistische Betrachtungsweise für den tatsächlichen Wertverlust des Fahrzeugs dar. Diese Tabelle müsse auf eine schnellere
         und alle Fahrzeuge erfassende Wertminderung gestützt werden. Aus den streitigen Rechtsvorschriften gehe aber nicht hervor,
         dass andere Kriterien als das Alter, wie z. B. die in der Rechtsprechung des Gerichtshofs vorgeschlagenen, berücksichtigt
         würden.
      
      11      Darüber hinaus stünden die griechischen Rechtsvorschriften nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des Gerichtshofs, wonach
         ein Mitgliedstaat, wenn er auf die aus anderen Mitgliedstaaten eingeführten Gebrauchtfahrzeuge eine Steuerregelung anwende,
         nach der der tatsächliche Wertverlust der Fahrzeuge allgemein und abstrakt anhand in nationalen Rechtsvorschriften festgelegter
         Kriterien bestimmt werde, nach Art. 95 Abs. 1 EG verpflichtet sei, diese Steuerregelung so auszugestalten, dass unter Berücksichtigung
         der Tatsache, dass jede derartige Regelung auf angemessenen Schätzungen beruht, jede diskriminierende Wirkung ausgeschlossen
         sei.
      
      12      Zum einen ergebe sich aus dieser Rechtsprechung, dass die öffentliche Bekanntmachung der Kriterien, auf die die Methode der
         pauschalen Berechnung der Wertminderung der Fahrzeuge gestützt sei, unabdingbar sei, um einen Ausgleich für die fehlende Transparenz
         des betroffenen Besteuerungssystems zu schaffen. Die griechische Regierung habe sich aber offiziell geweigert, gegenüber dem
         griechischen Verband der Automobilhändler und ‑importeure Angaben über die gegenwärtig festgesetzten steuerlichen Werte zugänglich
         zu machen. Dabei genüge es nicht, allgemeine, mit dem Alter zusammenhängende Kriterien zu veröffentlichen, sondern es müssten
         auch Tabellen der auf der Grundlage dieser Kriterien festgesetzten Pauschalwerte veröffentlicht werden. Das Fehlen von Publizität
         in diesem Zusammenhang bringe nämlich die Gefahr mit sich, dass die Behörden den steuerlichen Wert willkürlich festsetzen
         könnten. Im Übrigen sei ebenso, wie die objektiven Werte für Immobilien durch Gesetz festgelegt würden, ein gleichwertiges
         System für Fahrzeuge einzurichten. Die Kommission weist in diesem Zusammenhang auf die in den Zeitschriften der Automobilclubs
         veröffentlichten Preise hin, um die Möglichkeit zu belegen, Referenztabellen in Bezug auf den Wert von Gebrauchtfahrzeugen
         aufzustellen.
      
      13      Die Kommission fügt hinzu, sie habe niemals verlangt, dass die von einem bestimmten Vertriebshändler angewandten Preise mitgeteilt
         würden, und es sei daher zwecklos, sich auf das Berufs‑ und Verwaltungsgeheimnis, das die Verkaufspreise schütze, sowie auf
         die theoretische Möglichkeit zu berufen, dass ein Einzelner die Mitteilung dieser Preise bei den zuständigen Behörden beantragen
         könne.
      
      14      Zum anderen macht die Kommission – wobei sie die Einrichtung der Beschwerdeausschüsse begrüßt – erstens geltend, da die Methode
         der Berechnung des steuerlichen Werts, die auf eine auf einem einzigen Kriterium beruhende Tabelle gestützt sei, unverändert
         bleibe, könnten mit dem Verfahren vor diesen Ausschüssen die Lücken dieser Berechnungsmethode nicht geschlossen werden und
         das Verfahren trage nicht dazu bei, das Erfordernis zu erfüllen, dass die Steuer, sei es auch nur in einigen Fällen, den Betrag
         der Reststeuer nicht überschreiten dürfe, die in dem Wert gleichartiger bereits in Griechenland zugelassener Fahrzeuge enthalten
         sei. Die Anrufung der Beschwerdeausschüsse müsse nämlich auf die Fälle beschränkt sein, in denen ausnahmsweise marginale Fehler
         eines richtig konzipierten Systems zu korrigieren seien, und dürfe nicht als Ersatz für ein mangelhaftes System dienen. Zweitens
         sei die Verpflichtung, eine Gebühr in Höhe von 300 Euro zu zahlen, geeignet, die Abgabenpflichtigen von der Inanspruchnahme
         des Beschwerdeverfahrens abzuschrecken. Wegen der fehlenden Transparenz der gesetzlichen Regelung, nach der sich die Höhe
         der betroffenen Steuer bestimme, und der für die Einleitung dieses Verfahrens zu zahlenden Gebühr bleibe dieses in der Praxis
         frucht‑ und nutzlos, was im Übrigen auch die geringe Zahl der erhobenen Beschwerden erkennen lasse.
      
      15      Die Hellenische Republik bestreitet, dass ihr System der Besteuerung von eingeführten Gebrauchtfahrzeugen einen Verstoß gegen
         Art. 90 EG darstelle.
      
      16      Erstens beziehe dieses System in Wirklichkeit die meisten nach der Rechtsprechung erforderlichen Kriterien ein. So werde bei
         der Bestimmung des Alters und demzufolge der Wertminderung des Fahrzeugs, von der für die Festlegung des steuerlichen Werts
         ausgegangen werde, zum einen die auf der normalen Nutzung oder einem anderen Grund beruhende Abnutzung sowie bei den Fahrzeugen,
         deren Alter zwischen sechs und zwölf Monaten liege, die Zahl der zurückgelegten Kilometer und zum anderen die Art des Fahrzeugs
         berücksichtigt, da der als Berechnungsgrundlage verwendete Großhandelspreis durch die den Zollbehörden von den offiziellen
         Fahrzeugvertriebshändlern vorgelegten Listen bestimmt werde, die nach dem Hubraum und dem Modell ausgearbeitet würden.
      
      17      Die Kommission verlange die Berücksichtigung zahlreicher Kriterien, ohne aber nähere Angaben dazu zu machen, wie diese auf
         geeignete Weise zu verbinden seien, noch auch zu berücksichtigen, dass kein durch ein Gesetz festgelegtes Kriterium mit absoluter
         Präzision der tatsächlichen Wertminderung eines Fahrzeugs entsprechen könne. Darüber hinaus könne dieses Erfordernis zur Anwendung
         von komplexen Berechnungssystemen führen, die die Einfuhr von Gebrauchtfahrzeugen behindern könnten.
      
      18      Außerdem habe das gegenwärtige System die Einfuhren von Gebrauchtfahrzeugen gefördert; diese hätten sich zwischen 2002 und
         2005 verdreifacht, was beweise, dass es eine objektive und realistische Betrachtungsweise für den Wertverlust dieser Fahrzeuge
         darstelle.
      
      19      Was zweitens das angebliche Fehlen einer Bekanntgabe der Kriterien angeht, auf deren Grundlage der steuerliche Wert festgesetzt
         wird, macht die Hellenische Republik zunächst geltend, dass die Angaben, die sich in den Zollpapieren fänden, unter das Dienstgeheimnis
         fielen und dass die Mitteilung der von den Automobilvertriebshändlern vorgelegten Listen der Großhandelsverkaufspreise an
         Dritte dieses Geheimnis ebenso wie das Geschäftsgeheimnis verletzen würde. Außerdem würden sowohl die Kriterien für die Wertminderung
         von gebrauchten Personenkraftwagen als auch die Angaben, anhand deren die Beschwerdeausschüsse den tatsächlichen Zustand dieser
         Fahrzeuge beurteilen könnten, in vollem Umfang veröffentlicht und seien der Öffentlichkeit zugänglich. Daher könne vor der
         Zollabfertigung eines eingeführten Fahrzeugs dessen Eigentümer sich an das Finanzministerium wenden, um von allen Faktoren
         Kenntnis zu erhalten, die bei der Bestimmung des steuerlichen Werts dieses Fahrzeugs eine Rolle spielten.
      
      20      Außerdem hätten die in den Zeitschriften veröffentlichten Einzelhandelspreise nur Hinweischarakter und könnten daher keinen
         sicheren und festen Bezugspunkt darstellen. Sie könnten jedoch von einem Beschwerdeausschuss dann berücksichtigt werden, wenn
         der Eigentümer eines Fahrzeugs einen wesentlichen Unterschied zwischen diesen Preisen und dem bei der Zollabfertigung festgesetzten
         Wert feststelle.
      
      21      Die Hellenische Republik bestreitet die Sachdienlichkeit des Vorschlags der Kommission, Tabellen mit Referenzwerten, entsprechend
         den für Immobilien festgesetzten Pauschalwerten, zu veröffentlichen. Im letztgenannten Fall spiegelten diese Werte nämlich
         nicht die durch den Markt bestimmten Durchschnittspreise wider, sondern gingen auf Rechtsvorschriften zurück, die sich auf
         die nach den Bewertungen durch die zuständigen Finanzbehörden ermittelten steuerlichen Werte bezögen. Darüber hinaus wolle
         die Kommission sie damit dazu veranlassen, einen Durchschnitt der von den Einzelhändlern durchgesetzten Marktpreise zu veröffentlichen,
         während das griechische System sich auf den Großhandelspreis stütze.
      
      22      Drittens trägt die Hellenische Republik in Bezug auf die Möglichkeit, die Anwendung der pauschalen Berechnungsmethode bei
         den Beschwerdeausschüssen anzufechten, vor, dass die Errichtung dieser Ausschüsse in Verbindung mit der Anwendung einer objektiven
         Wertminderungstabelle in allen Fällen die Erhebung einer Zulassungssteuer unter Verstoß gegen Art. 90 EG verhindern solle.
         Damit stünden die griechischen Rechtsvorschriften im Einklang mit der Rechtsprechung, wonach durch die für den Eigentümer
         eines eingeführten Fahrzeugs bestehende Möglichkeit, sich damit gegen die Anwendung der pauschalen Tabelle auf sein Fahrzeug
         zu wenden, dass er dartue, dass diese zu einer Besteuerung führe, die höher sei als der Restbetrag der Steuer, der noch im
         Wert gleichartiger im Inland bereits zugelassener Fahrzeuge enthalten sei, eventuelle diskriminierende Wirkungen einer auf
         einer derartigen Tabelle beruhenden Steuerregelung verhindert werden könnten. Die Einrichtung der Beschwerdeausschüsse entspreche
         darüber hinaus den Forderungen der Kommission in deren Vorschlag für eine Richtlinie über die Besteuerung von Personenkraftwagen
         (KOM[2005] 261 endg.), insbesondere den in Art. 10 Abs. 3 dieses Richtlinienvorschlags vorgesehenen Bedingungen in Bezug auf
         Werttabellen.
      
      23      Schließlich schrecke die Gebühr von 300 Euro, die von den Behörden als Gegenleistung für ein von einem Beschwerdeausschuss
         erstelltes Sachverständigengutachten über ein Fahrzeug verlangt werde, keinen Steuerpflichtigen davon ab, eine Beschwerde
         bei einem solchen Ausschuss einzulegen, um seinen Forderungen mit dem Ziel Nachdruck zu verleihen, dass eine höhere Wertminderung
         seines Fahrzeugs zugrunde gelegt werde, wenn er wirklich Gründe für die Annahme habe, dass der Wert dieses Fahrzeugs von den
         Zollbehörden zu hoch geschätzt worden sei. Die geringe Zahl der vor die Beschwerdeausschüsse gebrachten Sachen beweise, dass
         mit den griechischen Rechtsvorschriften die in der Rechtsprechung des Gerichtshofs festgelegten Ziele erreicht werden könnten.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      24      Für den Bereich der Besteuerung eingeführter Gebrauchtfahrzeuge hat der Gerichtshof entschieden, dass Art. 90 EG die vollkommene
         Wettbewerbsneutralität der inländischen Abgaben für bereits auf dem inländischen Markt befindliche und für eingeführte Waren
         gewährleisten soll (vgl. u. a. Urteile vom 29. April 2004, Weigel, C‑387/01, Slg. 2004, I‑4981, Randnr. 66, vom 5. Oktober
         2006, Nádasdi und Németh, C‑290/05 und C‑333/05, Slg. 2006, I‑10115, Randnr. 46, und vom 18. Januar 2007, Brzeziński, C‑313/05,
         Slg. 2007, I‑0000, Randnr. 28).
      
      25      Nach ständiger Rechtsprechung liegt ein Verstoß gegen Art. 90 Abs. 1 EG vor, wenn die auf das eingeführte Erzeugnis erhobene
         Abgabe und die Belastung, die das gleichartige inländische Erzeugnis zu tragen hat, in unterschiedlicher Weise und nach unterschiedlichen
         Modalitäten berechnet werden, so dass das eingeführte Erzeugnis – sei es auch nur in bestimmten Fällen – höher belastet wird
         (vgl. u. a. Urteile Kommission/Griechenland, Randnr. 20 und die dort angeführte Rechtsprechung, vom 22. Februar 2001, Gomes
         Valente, C‑393/98, Slg. 2001, I‑1327, Randnr. 21, und vom 19. September 2002, Tulliasiamies und Siilin, C‑101/00, Slg. 2002,
         I‑7487, Randnr. 53).
      
      26      So hat der Gerichtshof entschieden, dass die Erhebung einer Abgabe durch einen Mitgliedstaat auf aus einem anderen Mitgliedstaat
         stammende Gebrauchtfahrzeuge Art. 90 EG zuwiderläuft, wenn der ohne Berücksichtigung des tatsächlichen Wertverlusts des Fahrzeugs
         bemessene Betrag der Abgabe höher ist als der Abgabenbetrag, der noch im Wert im Inland bereits zugelassener gleichartiger
         Gebrauchtfahrzeuge enthalten ist (Urteile vom 9. März 1995, Nunes Tadeu, C‑345/93, Slg. 1995, I‑479, Randnr. 20, und Gomes
         Valente, Randnr. 23).
      
      27      Für die Anwendung des Art. 90 EG und insbesondere zum Zweck des Vergleichs der Abgabenregelung für eingeführte Gebrauchtwagen
         mit der für im Inland gekaufte Gebrauchtwagen, die gleichartige oder konkurrierende Waren darstellen, sind jedoch nicht nur
         der Satz der inländischen Abgabe, die inländische und eingeführte Waren unmittelbar oder mittelbar belastet, sondern auch
         ihre Bemessungsgrundlage und die Einzelheiten ihrer Erhebung zu berücksichtigen (vgl. Urteile vom 22. März 1977, Iannelli &
         Volpi, 74/76, Slg. 1977, 557, Randnr. 21, und vom 11. Dezember 1990, Kommission/Dänemark, C‑47/88, Slg. 1990, I‑4509, Randnr.
         18, sowie Nunes Tadeu, Randnr. 12).
      
      28      Genauer gesagt darf ein Mitgliedstaat auf eingeführte gebrauchte Kraftfahrzeuge keine Steuer erheben, deren Bemessungsgrundlage
         ein über dem tatsächlichen Wert des Fahrzeugs liegender Wert ist, mit der Folge, dass eingeführte gebrauchte Kraftfahrzeuge
         höher besteuert werden als gleichartige auf dem Inlandsmarkt erhältliche Gebrauchtfahrzeuge (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Dänemark,
         Randnr. 22). Der von der Verwaltung als Besteuerungsgrundlage festgesetzte Wert des eingeführten Gebrauchtfahrzeugs muss den
         Wert eines im Inland bereits zugelassenen gleichartigen Fahrzeugs zuverlässig widerspiegeln (vgl. u. a. Urteil Weigel, Randnr.
         71).
      
      29      In diesem Zusammenhang hat der Gerichtshof festgestellt, dass die Berücksichtigung des tatsächlichen Wertverlusts von Fahrzeugen
         nicht notwendig zu einer Bewertung oder einem Sachverständigengutachten für das einzelne Fahrzeug führen muss. Um eine so
         schwerfällige Regelung zu vermeiden, kann ein Mitgliedstaat nämlich mittels durch Rechts‑ oder Verwaltungsvorschrift festgelegter
         pauschaler Tabellen, die anhand von Kriterien wie Alter, Kilometerstand, allgemeiner Zustand, Antriebsart, Fabrikat oder Modell
         des Fahrzeugs errechnet werden, einen Wert von Gebrauchtfahrzeugen festsetzen, der in aller Regel ihrem tatsächlichen Wert
         sehr nahekommt (Urteile Gomes Valente, Randnr. 24, und Weigel, Randnr. 73).
      
      30      Bei solchen Tabellen ist auf jeden Fall zu berücksichtigen, dass der jährliche Wertverlust von Kraftfahrzeugen im Allgemeinen
         deutlich über 5 % liegt und nicht linear verläuft, sondern insbesondere in den ersten Jahren weit höher ist als später. Außerdem
         beginnt der Wertverlust eines Fahrzeugs mit dessen Kauf oder Inbetriebnahme (vgl. in diesem Sinne Urteile Kommission/Griechenland,
         Randnr. 22, und Tulliasiamies und Siilin, Randnr. 78).
      
      31      Nach ständiger Rechtsprechung ist eine Steuerregelung für eingeführte Gebrauchtfahrzeuge, die den tatsächlichen Wertverlust
         der Fahrzeuge aufgrund allgemeiner Kriterien berücksichtigt, jedoch nur dann mit Art. 90 EG vereinbar, wenn sie außerdem so
         ausgestaltet ist, dass unter Berücksichtigung der Tatsache, dass jede derartige Regelung auf angemessenen Schätzungen beruht,
         jede diskriminierende Wirkung ausgeschlossen ist (Urteil Gomes Valente, Randnr. 26; vgl. in diesem Sinne auch Urteile Kommission/Griechenland,
         Randnr. 29, und Brzeziński, Randnr. 40).
      
      32      Im vorliegenden Fall ist zunächst festzustellen, dass sich das griechische System der Besteuerung bei der Zulassung von eingeführten
         Fahrzeugen auf den Großhandelspreis des dem betroffenen Fahrzeug entsprechenden Fahrzeugs stützt, der bei dessen Inbetriebnahme
         auf dem internationalen Markt gilt. Um die auf die gewöhnliche Nutzung oder auf einen anderen Grund zurückzuführende Abnutzung
         zu berücksichtigen, wird dieser Preis um einen Wertminderungsprozentsatz herabgesetzt, der je nach dem Alter des Fahrzeugs
         unterschiedlich ist. Der Kilometerstand wird nur bei den Fahrzeugen, deren Alter zwischen sechs und zwölf Monaten liegt, insoweit
         berücksichtigt, als nur bei denjenigen, die mehr als 6 000 Kilometer zurückgelegt haben, eine Wertminderung von 7 % angesetzt
         wird.
      
      33      Was erstens die Bemessungsgrundlage für den steuerlichen Wert angeht, kann, wenn sich die Behörden eines Mitgliedstaats, wie
         die Kommission vorschlägt, auf einen Preisspiegel beziehen können, der die Durchschnittspreise für Gebrauchtfahrzeuge auf
         dem nationalen Markt wiedergibt, oder auf eine Liste der üblichen Durchschnittspreise, die in dem Sektor als Referenz verwendet
         wird (Urteile Gomes Valente, Randnr. 25, und Weigel, Randnr. 74), der Hellenischen Republik nicht zum Vorwurf gemacht werden,
         dass sie sich auf den Großhandelspreis des entsprechenden Fahrzeugs stützt, der beim Inverkehrbringen des eingeführten Fahrzeugs
         auf dem internationalen Markt gilt.
      
      34      Der Gerichtshof hat nämlich im Rahmen der Prüfung der Vereinbarkeit einer nationalen Regelung mit Art. 90 EG entschieden,
         dass diese für die Bestimmung des steuerlichen Werts eines eingeführten Gebrauchtfahrzeugs vom Wert eines Neufahrzeugs ausgehen
         kann, sofern das Fahrzeug, das für die Berechnung der Steuer als Vergleich herangezogen wird, ein gleichartiges Fahrzeug ist,
         was bedeutet, dass das Modell, der Typ und andere Eigenschaften wie Antriebsart oder Ausstattung Berücksichtigung finden müssen
         (vgl. in diesem Sinne Urteile Tulliasiamies und Siilin, Randnrn. 73 bis 76).
      
      35      Unstreitig werden die Großhandelspreise von Fahrzeugen von den Kraftfahrzeugherstellern bestimmt und finden sich in den offiziellen
         Listen, die diese ausgeben. Die Hellenische Republik hat in der mündlichen Verhandlung, ohne dass ihr die Kommission widersprochen
         hätte, angegeben, dass bei diesen Preisen der Hubraum sowie das Modell des betreffenden Fahrzeugs berücksichtigt werden und
         bestimmte technische Merkmale einbezogen sind, wie z. B. die Antriebsart, die Motorleistung, die Zylinderzahl und die Zahl
         der Türen des Fahrzeugs.
      
      36      Was zweitens die Wertminderungstabelle angeht, so beginnt die Wertminderung eines Fahrzeugs, wie in Randnr. 30 dieses Urteils
         dargelegt worden ist, bereits mit dessen Kauf oder dessen Inbetriebnahme. Außerdem hat der Gerichtshof entschieden, dass die
         Erhebung einer Zulassungssteuer, deren Bemessungsgrundlage mindestens 90 % des entsprechenden Neuwagenpreises beträgt, im
         Allgemeinen eine eindeutig höhere Besteuerung dieser Fahrzeuge im Verhältnis zu der Steuer bedeutet, die im Wert bereits zugelassener,
         auf dem inländischen Markt gekaufter Gebrauchtwagen, und zwar ohne Rücksicht auf deren Alter oder Zustand, noch enthalten
         ist (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Dänemark, Randnr. 20).
      
      37      Wie in Randnr. 29 dieses Urteils ausgeführt worden ist, hat der Gerichtshof die als Grundlage für eine pauschale Tabelle dienenden
         objektiven Kriterien angeführt, ohne sie als erschöpfend und zwingend anzusehen. So hat er das Alter, aber auch den Kilometerstand,
         den allgemeinen Zustand, die Antriebsart, die Marke oder das Modell des Fahrzeugs genannt.
      
      38      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass nach den griechischen Rechtsvorschriften eine Wertminderung erst ab einem Alter
         von sechs Monaten und unter der Voraussetzung, dass das Fahrzeug mehr als 6 000 Kilometer zurückgelegt hat, berücksichtigt
         wird. Daraus folgt zum einen, dass die Hellenische Republik auf aus einem anderen Mitgliedstaat eingeführte Gebrauchtfahrzeuge
         ein Besteuerungssystem anwendet, in dem die geschuldete Steuer gleich der Steuer ist, mit der ein gleichartiges Neufahrzeug
         in den ersten sechs Monaten ab dem ersten Inverkehrbringen dieser Fahrzeuge belastet ist, unabhängig von der Zahl der zurückgelegten
         Kilometer. Das Gleiche gilt für eingeführte Gebrauchtfahrzeuge mit einem Alter von sechs bis zwölf Monaten, die weniger als
         6 000 Kilometer zurückgelegt haben.
      
      39      Zum anderen ist zwar davon auszugehen, dass bei dem Großhandelspreis, der als Grundlage für die Bewertung eingeführter Gebrauchtfahrzeuge
         dient, die Art des Fahrzeugs, d. h. der Hubraum, das Modell und sonstige technische Merkmale, wie z. B. die Antriebsart, berücksichtigt
         werden, es ist aber festzustellen, dass die Wertminderungstabelle, die anschließend zur Bestimmung des steuerlichen Werts
         angewandt wird, auf ein einziges Kriterium gestützt ist, nämlich das Alter des Fahrzeugs. Der Umstand allein, dass für Fahrzeuge,
         deren Alter zwischen sechs und zwölf Monaten liegt, darauf abgestellt wird, ob sie mehr als 6 000 Kilometer zurückgelegt haben,
         erlaubt nicht die Feststellung, dass in dieser Tabelle der Kilometerstand des Fahrzeugs berücksichtigt wird, zumal es sich
         um eine Nutzungsschwelle handelt, unterhalb deren keine Wertminderung angenommen wird, wenn das Fahrzeug nicht ein Jahr alt
         ist.
      
      40      Insbesondere bei intensiver Nutzung eines Fahrzeugs im Laufe der ersten Betriebsjahre sind die Abnutzung und damit die Wertminderung
         viel stärker, als wenn dieses Fahrzeug Gegenstand einer „üblichen“ Nutzung gewesen ist. Da das streitige Gesetz den Kilometerstand
         bei der Berechnung der Wertminderung dieses Fahrzeugs nicht berücksichtigt, wird auf dieses der seinem Alter entsprechende
         Wertminderungssatz angewandt. In diesem Fall wird der Wert des betreffenden Fahrzeugs, der die Grundlage der Zulassungssteuer
         darstellt, ganz offensichtlich zu hoch festgesetzt, was zur Erhebung einer Steuer führt, deren Betrag, berechnet ohne Berücksichtigung
         der tatsächlichen Wertminderung des Fahrzeugs, über den Betrag der restlichen Steuer hinausgeht, der im Wert gleichartiger
         bereits im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist.
      
      41      Um einen Verstoß eines Besteuerungssystems gegen Art. 90 EG zu vermeiden, genügt es entgegen dem Vorbringen der Hellenischen
         Republik nicht, dass in derartigen Fällen der intensiven Nutzung eines Fahrzeugs der Eigentümer die Möglichkeit hat, sich
         gegen die Anwendung der Pauschaltabelle zu wenden.
      
      42      Wie sich aus Randnr. 29 des vorliegenden Urteils ergibt, kann ein Mitgliedstaat nämlich die Schwerfälligkeit eines auf ein
         Sachverständigengutachten für jedes einzelne Fahrzeug gestützten Bewertungssystems dadurch vermeiden, dass er auf eine pauschale
         Tabelle zurückgreift, sofern sich mit einer solchen Tabelle ein Wert für Gebrauchtfahrzeuge festsetzen lässt, der in der Regel
         deren tatsächlichem Wert sehr nahekommt.
      
      43      Aus dem Vorstehenden ergibt sich aber, dass die mit den streitigen Rechtsvorschriften festgelegte Tabelle mangels Berücksichtigung
         des Kilometerstands in aller Regel nicht zu einer angemessenen Annäherung an den tatsächlichen Wert der eingeführten Gebrauchtfahrzeuge
         führt.
      
      44      In diesem Zusammenhang ist dem Vorbringen der Hellenischen Republik, die Zunahme der Zahl der eingeführten gebrauchten Personenkraftwagen
         beweise, dass die streitigen Rechtsvorschriften keine abschreckende Wirkung auf die Einfuhren hätten, nicht zu folgen. Diese
         Erhöhung beweist nämlich nicht, dass mit dem streitigen Besteuerungssystem gemäß der in Randnr. 29 dieses Urteils angeführten
         Rechtsprechung ein Wert der Gebrauchtfahrzeuge festgesetzt werden kann, der in der Regel ihrem tatsächlichen Wert sehr nahekäme.
      
      45      Außerdem legt die Kommission unabhängig von dem Fall der Fahrzeuge, die in den ersten Betriebsjahren Gegenstand einer intensiven
         Nutzung waren, dar, dass die Art und Weise, in der bestimmte Aspekte des griechischen Besteuerungssystems ausgestaltet seien,
         nicht gewährleiste, dass keine diskriminierende Wirkung auftrete.
      
      46      In dieser Hinsicht setzt zum einen die Vereinbarkeit einer solchen Regelung mit Art. 90 EG voraus, dass die Kriterien, auf
         denen die pauschale Berechnung des Wertverlusts der Fahrzeuge beruht, öffentlich bekannt gemacht werden (Urteil Tulliasiamies
         und Siilin, Randnr. 87).
      
      47      Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die Kriterien für die Wertminderung von gebrauchten Personenkraftwagen in Art. 126
         Abs. 1 des Gesetzes 2960/2001 genannt werden und dass die Faktoren, anhand deren die Beschwerdeausschüsse den tatsächlichen
         Zustand der ihnen vorgeführten Fahrzeuge beurteilen können, in Art. 2 der Verordnung F.112/50 des Staatssekretärs für wirtschaftliche
         Angelegenheiten und Finanzen vom 27. Januar 2004 aufgeführt sind.
      
      48      Selbst wenn – wie die Hellenische Republik geltend macht – eine Weitergabe der Großhandelspreislisten, die den Zollbehörden
         von den Kraftfahrzeugvertriebshändlern vorgelegt werden, gegen das Dienstgeheimnis und das Geschäftsgeheimnis verstieße, ergibt
         sich zudem aus den Antworten auf die vom Gerichtshof in der mündlichen Verhandlung gestellten Fragen, dass gemäß Art. 5 Abs. 2
         des Gesetzes 2960/1999 über die Verwaltungsverfahrensordnung jeder, der ein berechtigtes Interesse hat, auf Antrag Kenntnis
         von den von öffentlichen Einrichtungen aufbewahrten besonderen Dokumenten nehmen kann, die sich auf einen ihn betreffenden
         Vorgang beziehen, der bei diesen Einrichtungen anhängig ist oder von diesen bearbeitet worden ist. Somit kann sich der Einzelne
         an die zuständigen Stellen wenden, um den Großhandelsverkaufspreis zu erfahren, der als Grundlage für die Bestimmung des Werts
         dieses Fahrzeugs dienen wird.
      
      49      Da davon auszugehen ist, dass der Großhandelsverkaufspreis damit der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wird, kann das Vorbringen
         der Kommission, das dahin geht, die in den Zeitschriften der Automobilclubs veröffentlichten Preise an die Stelle dieses Preises
         treten zu lassen, nicht durchgreifen. Wie die Hellenische Republik vorgetragen hat, ohne dass ihr die Kommission widersprochen
         hätte, werden in diesem Zusammenhang dann, wenn ein Steuerpflichtiger, der eine wesentliche Abweichung zwischen den in der
         Presse aufgeführten Einzelhandelsverkaufspreisen und dem bei der Zollabfertigung seines Fahrzeugs zugrunde gelegten Wert feststellt,
         einen Beschwerdeausschuss anruft, die in der Presse veröffentlichten Preise in der Weise berücksichtigt, dass gemäß den griechischen
         Rechtsvorschriften die geschuldete Zulassungssteuer den Restbetrag der Steuer, der im Wert gleichartiger bereits im Inland
         zugelassener Fahrzeuge noch enthalten ist, nicht übersteigen darf.
      
      50      Zum anderen setzt die Vereinbarkeit eines Systems der Besteuerung von eingeführten Gebrauchtfahrzeugen, bei dem die tatsächliche
         Wertminderung der Fahrzeuge auf der Grundlage allgemeiner Kriterien berücksichtigt wird, mit Art. 90 EG voraus, dass der Eigentümer
         eines solchen Fahrzeugs die Möglichkeit hat, die Anwendung einer solchen pauschalen Berechnungsmethode auf dieses Fahrzeug
         anzufechten, um darzutun, dass diese zu einer Steuer führt, die höher ist als die Reststeuer, die im Wert gleichartiger bereits
         im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist (Urteil Tulliasiamies und Siilin, Randnr. 88).
      
      51      Es ist festzustellen, dass der griechische Gesetzgeber mit der Einrichtung der Beschwerdeausschüsse der Rechtsprechung des
         Gerichtshofs nachkommen wollte. 
      
      52      Die Kommission ist jedoch der Auffassung, dass das Beschwerdeverfahren keine tatsächliche Möglichkeit biete, die Anwendung
         des pauschalen Berechnungsverfahrens anzufechten, da der Steuerpflichtige eine Gebühr in Höhe von 300 Euro zahlen müsse, einen
         Betrag, der in Anbetracht der geschuldeten Steuer davon abhalten könne, einen Beschwerdeausschuss anzurufen.
      
      53      Es ist festzustellen, dass eine solche Gebühr nur dann geeignet ist, den Eigentümer eines Fahrzeugs davon abzuhalten, einen
         Beschwerdeausschuss anzurufen, wenn sie einen wesentlichen Teil des Betrags der beanstandeten Zulassungssteuer darstellt.
      
      54      Dazu hat die Hellenische Republik in der mündlichen Verhandlung vorgetragen, dass der Satz der Zulassungssteuer je nach Hubraum
         des betroffenen Fahrzeugs unterschiedlich sei. So betrage die Zulassungssteuer 20 % der Besteuerungsgrundlage für ein Fahrzeug
         mit einem Hubraum von 1 000 bis 1 600 cm3, 30 % für ein Fahrzeug mit einem Hubraum von 1 601 bis 1 800 cm3, 40 % für ein Fahrzeug mit einem Hubraum von 1 801 bis 2 000 cm3 und 50 % für ein Fahrzeug mit einem Hubraum von mehr 2 000 cm3.
      
      55      Die Hellenische Republik hat darüber hinaus – ohne dass ihr die Kommission widersprochen hätte – angegeben, dass die Mehrzahl
         der Einfuhren von Gebrauchtfahrzeugen Fahrzeuge mit großem Hubraum (2 000 cm3 und mehr) betreffe, deren Wert ziemlich hoch sei und für die demzufolge der Betrag der Zulassungssteuer verhältnismäßig hoch
         sei.
      
      56      In diesem Zusammenhang ergibt sich, dass die in Rede stehende Gebühr im Allgemeinen gegenüber dem Betrag der geforderten Zulassungssteuer
         nur einen verhältnismäßig unbedeutenden Betrag darstellt.
      
      57      Wie die Hellenische Republik in der mündlichen Verhandlung vorgetragen hat, ohne dass ihr die Kommission widersprochen hätte,
         entspricht diese Gebühr insgesamt der Höhe nach den Kosten eines privaten technischen Sachverständigengutachtens, oft liegt
         sie sogar darunter.
      
      58      Demnach hat die Kommission nicht nachgewiesen, dass diese Gebühr geeignet ist, einen Eigentümer davon abzuhalten, einen Beschwerdeausschuss
         anzurufen, um sich zu vergewissern, dass die auf sein Fahrzeug gemäß der in den griechischen Rechtsvorschriften vorgesehenen
         Tabelle angewandte Steuer nicht höher ist als der Restbetrag der Steuer, der im Wert eines gleichartigen in Griechenland bereits
         zugelassenen Gebrauchtfahrzeugs noch enthalten ist.
      
      59      Unter diesen Voraussetzungen ist die die Verpflichtungen der Hellenischen Republik aus Art. 90 EG betreffende Rüge begründet,
         da das System für die Berechnung der Zulassungssteuer für in diesem Mitgliedstaat eingeführte Gebrauchtfahrzeuge auf ein einziges
         Wertminderungskriterium gestützt ist, das auf dem Alter dieser Fahrzeuge fußt, was nicht gewährleistet, dass der Wert dieser
         Fahrzeuge auf einen Betrag festgesetzt wird, der in der Regel ihrem tatsächlichen Wert sehr nahekommt. Diese Besteuerungsmethode
         schließt daher nicht aus, dass in bestimmten Fällen auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge eine Steuer erhoben wird, die höher
         ist als der Restbetrag der Steuer, der im Wert gleichartiger in Griechenland bereits zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch
         enthalten ist.
      
      60      Dagegen ist die Vertragsverletzung nicht nachgewiesen, was die Ausgestaltungen des Besteuerungssystems angeht, die das System
         aufweisen muss, wenn es eine pauschale Methode für die Bestimmung der Höhe der Steuer vorsieht, nämlich die Publizität der
         Kriterien für die Berechnung der Steuer und die Möglichkeit, die Anwendung der pauschalen Berechnungsmethode anzufechten,
         um eine diskriminierende Wirkung auszuschließen.
      
      61      Nach alledem ist festzustellen, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 90 EG verstoßen
         hat, dass sie zur Bestimmung des steuerlichen Werts von aus einem anderen Mitgliedstaat in das griechische Hoheitsgebiet eingeführten
         Gebrauchtfahrzeugen zur Festlegung der Zulassungssteuer ein einziges, auf das Alter dieser Fahrzeuge gestütztes Wertminderungskriterium
         anwendet und eine Minderung des Werts um 7 % bei sechs bis zwölf Monate alten Fahrzeugen und von 14 % bei ein Jahr alten Fahrzeugen
         zugrunde legt, was nicht gewährleistet, dass die geschuldete Steuer, sei es auch nur in einigen Fällen, den Restbetrag der
         Steuer nicht übersteigt, der im Wert gleichartiger bereits im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist.
      
      62      Im Übrigen ist die Klage abzuweisen.
      
       Kosten
      63      Nach Art. 69 § 2 Abs. 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
         Nach Art. 69 § 3 Abs. 1 der Verfahrensordnung kann der Gerichtshof die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre
         eigenen Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt.
      
      64      Da im vorliegenden Fall die Kommission und die Hellenische Republik jeweils teils obsiegt haben, teils unterlegen sind, haben
         sie ihre eigenen Kosten zu tragen.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Vierte Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Hellenische Republik hat dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 90 EG verstoßen, dass sie zur Bestimmung des steuerlichen
            Werts von aus einem anderen Mitgliedstaat in das griechische Hoheitsgebiet eingeführten Gebrauchtfahrzeugen zur Festlegung
            der Zulassungssteuer ein einziges, auf das Alter dieser Fahrzeuge gestütztes Wertminderungskriterium anwendet und eine Minderung
            des Werts um 7 % bei sechs bis zwölf Monate alten Fahrzeugen und von 14 % bei ein Jahr alten Fahrzeugen zugrunde legt, was
            nicht gewährleistet, dass die geschuldete Steuer, sei es auch nur in einigen Fällen, den Restbetrag der Steuer nicht übersteigt,
            der im Wert gleichartiger bereits im Inland zugelassener Gebrauchtfahrzeuge noch enthalten ist.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Die Hellenische Republik und die Kommission der Europäischen Gemeinschaften tragen ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.