CELEX: C2003/289/12
Language: de
Date: 2003-11-29 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 16. Oktober 2003 in der Rechtssache C-91/02 (Vorabentscheidungsersuchen des Verwaltungsgerichtshofes): Hannl + Hofstetter Internationale Spedition GmbH gegen Finanzlandesdirektion für Wien, Niederösterreich und Burgenland (Zollkodex der Gemeinschaften — Einfuhrzollschuld — Erhebung von Säumniszinsen)

29.11.2003              DE                            Amtsblatt der Europäischen Union                                                 C 289/7
                URTEIL DES GERICHTSHOFES                                                  URTEIL DES GERICHTSHOFES
                         (Zweite Kammer)                                                           (Sechste Kammer)
                      vom 16. Oktober 2003                                                      vom 16. Oktober 2003
in der Rechtssache C-91/02 (Vorabentscheidungsersuchen                   in der Rechtssache C-182/02 (Vorabentscheidungsersu-
des Verwaltungsgerichtshofes): Hannl + Hofstetter Inter-                 chen des französischen Conseil d’État): Ligue pour la
nationale Spedition GmbH gegen Finanzlandesdirektion                     protection des oiseaux u. a. gegen Premier ministre,
        für Wien, Niederösterreich und Burgenland (1)                    Ministre de l’Aménagement du territoire et de l’Environ-
                                                                                                        nement (1)
(Zollkodex der Gemeinschaften — Einfuhrzollschuld —
                  Erhebung von Säumniszinsen)
                                                                         (Richtlinie 79/409/EWG — Erhaltung der wild lebenden
                                                                                     Vogelarten — Jagdzeiten — Ausnahmen)
                          (2003/C 289/12)
                                                                                                     (2003/C 289/13)
                     (Verfahrenssprache: Deutsch)
                                                                                              (Verfahrenssprache: Französisch)
In der Rechtssache C-91/02 betreffend ein dem Gerichtshof                (Vorläufige Übersetzung; die endgültige Übersetzung erscheint in der
nach Artikel 234 EG vom Verwaltungsgerichtshof (Österreich)                         Sammlung der Rechtsprechung des Gerichtshofes.)
in dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit Hannl + Hofstetter
Internationale Spedition GmbH gegen Finanzlandesdirektion
für Wien, Niederösterreich und Burgenland vorgelegtes Ersu-
chen um Vorabentscheidung über die Auslegung der Verord-
nung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992                    In der Rechtssache C-182/02 betreffend ein dem Gerichtshof
zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften (ABl. L 302,             nach Artikel 234 EG vom französischen Conseil d’État in dem
S. 1) und der Verordnung (EWG) Nr. 2454/93 der Kommission                bei diesem anhängigen Rechtsstreit Ligue pour la protection
vom 2. Juli 1993 mit Durchführungsvorschriften zu der                    des oiseaux u. a. gegen Premier ministre, Ministre de l’Aména-
Verordnung Nr. 2913/92 (ABl. L 253, S. 1) hat der Gerichtshof            gement du territoire et de l’Environnement, Beteiligte: Union
(Zweite Kammer) unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten                   nationale des fédérations départementales de chasseurs, Associ-
R. Schintgen (Berichterstatter) sowie der Richter V. Skouris             ation nationale des chasseurs de gibier d’eau vorgelegtes
und der Richterin N. Colneric — Generalanwalt: P. Léger;                 Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung des
Kanzler: R. Grass — am 16. Oktober 2003 ein Urteil mit                   Artikels 9 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 79/409/EWG
folgendem Tenor erlassen:                                                des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild
                                                                         lebenden Vogelarten (ABl. L 103, S. 1) hat der Gerichtshof
                                                                         (Sechste Kammer) unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten
Die Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober               J.-P. Puissochet, der Richter R. Schintgen, C. Gulmann (Bericht-
1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften und die             erstatter) und V. Skouris sowie der Richterin N. Colneric —
Verordnung (EWG) Nr. 2454/93 der Kommission vom 2. Juli                  Generalanwalt: D. Ruíz-Jarabo Colomer; Kanzler: H. von
1993 mit Durchführungsvorschriften zu der Verordnung Nr. 2913/           Holstein, Hilfskanzler — am 16. Oktober 2003 ein Urteil mit
92 sind dahin auszulegen, dass sie einer Regelung nicht entgegenste-     folgendem Tenor erlassen:
hen, die eine Zollabgabenerhöhung im Fall des Entstehens einer
Zollschuld nach den Artikeln 202 bis 205 oder 210 oder 211 des
Zollkodex der Gemeinschaften oder im Fall der Nacherhebung gemäß         1.     Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 79/409/EWG
Artikel 220 des Zollkodex vorsieht, deren Betrag den Säumniszinsen              des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wild
für den Zeitraum zwischen dem Entstehen der Zollschuld und dem                  lebenden Vogelarten erlaubt es einem Mitgliedstaat, von den
der buchmäßigen Erfassung, bei Nacherhebung gemäß Artikel 220                   Jagdzeiten, die sich aus der Berücksichtigung der in Artikel 7
des Zollkodex zwischen der Fälligkeit der ursprünglich buchmäßig                Absatz 4 dieser Richtlinie aufgezählten Ziele ergeben, abzuwei-
erfassten Zollschuld und der buchmäßigen Erfassung der nachzuerhe-              chen.
benden Zollschuld, entspricht, sofern der Zinssatz unter Bedingungen
festgesetzt wird, die denjenigen entsprechen, die im nationalen Recht    2.     Nach Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 79/409
für Verstöße gleicher Art und Schwere gelten, wobei die Sanktion                kann die Jagd gestattet werden, sofern
jedenfalls wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein muss.
Das nationale Gericht hat zu beurteilen, ob die im Ausgangsverfahren            —     es keine andere zufrieden stellende Lösung gibt; diese
in Rede stehende Erhöhung diesen Grundsätzen entspricht.                              Bedingung wäre namentlich dann nicht erfüllt, wenn die
                                                                                      Maßnahme, die die Jagd in Abweichung gestattet, nur
                                                                                      bezwecken würde, die Jagdzeiten für bestimmte Vogelarten
(1) ABl. C 144 vom 15.6.2002.                                                         in Gebieten zu verlängern, in denen sich diese Vogelarten
                                                                                      bereits während der nach Artikel 7 der Richtlinie 79/409
                                                                                      festgelegten Jagdzeiten aufhalten;