CELEX: E2017C0094
Language: de
Date: 2017-05-31 00:00:00
Title: Entscheidung der EFTA-Überwachungsbehörde Nr. 094/17/COL vom 31. Mai 2017 zur Einstellung des förmlichen Prüfverfahrens in Bezug auf die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen nach der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014 bis 2020 (Norwegen) [2018/595]

19.4.2018   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               L 99/18
            
         ENTSCHEIDUNG DER EFTA-ÜBERWACHUNGSBEHÖRDE
   Nr. 094/17/COL
   vom 31. Mai 2017
   zur Einstellung des förmlichen Prüfverfahrens in Bezug auf die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen nach der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014 bis 2020 (Norwegen) [2018/595]
   DIE EFTA-ÜBERWACHUNGSBEHÖRDE (im Folgenden „Überwachungsbehörde“) —
   gestützt auf:
   das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (im Folgenden „EWR-Abkommen“), insbesondere auf die Artikel 61 und 62,
   das Protokoll 26 zum EWR-Abkommen,
   das Abkommen zwischen den EFTA-Staaten zur Errichtung einer Überwachungsbehörde und eines Gerichtshofs (im Folgenden „Überwachungsbehörde- und Gerichtshof-Abkommen“), insbesondere auf Artikel 24,
   das Protokoll 3 zum Überwachungsbehörde- und Gerichtshof-Abkommen (im Folgenden „Protokoll 3“), insbesondere auf Teil II Artikel 7 Absatz 3,
   in Erwägung nachstehender Gründe:
   I.   SACHVERHALT
   
   1.   Verfahren
   
   
               (1)
            
            
               Norwegen meldete die Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 nach Protokoll 3 Teil I Artikel 1 Absatz 3 mit Schreiben vom 13. März 2014 (1) zur Genehmigung an. Auf der Grundlage dieser Anmeldung und der anschließend übermittelten Auskünfte genehmigte die Überwachungsbehörde die angemeldete Beihilferegelung mit Entscheidung Nr. 225/14/COL vom 18. Juni 2014 (2).
            
         
               (2)
            
            
               Mit seinem Urteil vom 23. September 2015 in der Sache E-23/14, Kimek Offshore AS/EFTA-Überwachungsbehörde (3) hob der EFTA-Gerichtshof die Entscheidung der Überwachungsbehörde teilweise auf.
            
         
               (3)
            
            
               Mit Schreiben vom 15. Oktober 2015 (4) ersuchte die Überwachungsbehörde die norwegischen Behörden um zusätzliche Auskünfte. Die norwegischen Behörden antworteten mit Schreiben vom 6. November 2015 (5).
            
         
               (4)
            
            
               Mit ihrer Entscheidung Nr. 489/15/COL vom 9. Dezember 2015 leitete die Überwachungsbehörde das förmliche Prüfverfahren ein. Die norwegischen Behörden nahmen mit Schreiben vom 13. Januar 2016 (6) zur Entscheidung der Überwachungsbehörde Stellung.
            
         
               (5)
            
            
               Am 30. Juni 2016 wurde die Entscheidung zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens im Amtsblatt der Europäischen Union und der EWR-Beilage veröffentlicht (7). Bei der Überwachungsbehörde gingen bis zum 30. Juli 2016, dem Ende der Frist für die Einreichung von Stellungnahmen, von zwei Beteiligten, nämlich Kimek Offshore AS (Schreiben vom 12. Mai 2016 (8)) und NHO Finnmark (Schreiben vom 4. Juli 2016 (9)), Stellungnahmen ein. Mit Schreiben vom 2. August 2016 (10) leitete die Überwachungsbehörde die Stellungnahmen an die norwegischen Behörden weiter, denen Gelegenheit gegeben wurde, sich dazu zu äußern. Die norwegischen Behörden antworteten mit Schreiben vom 5. September 2016 (11).
            
         2.   Der Gegenstand des förmlichen Prüfverfahrens
   
   
               (6)
            
            
               Mit seinem Urteil hob der EFTA-Gerichtshof die Entscheidung der Überwachungsbehörde zur Genehmigung der Regelung für regional differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 teilweise auf. Die Beihilferegelung insgesamt wurde im Zuge des förmlichen Prüfverfahrens keiner neuerlichen Prüfung durch die Überwachungsbehörde unterzogen. Die Prüfung wurde auf den Teil der Regelung (eine Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen) begrenzt, bezüglich dessen die Genehmigung der Überwachungsbehörde aufgehoben worden war.
            
         
               (7)
            
            
               Da die Regelung für ambulante Leistungen eine Ausnahme von den in der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge aufgeführten Regeln darstellt, ist die Überwachungsbehörde der Auffassung, dass es dem besseren Verständnis dienen würde, der Vollständigkeit halber einen Überblick über die Zielsetzung und die Rechtsgrundlage der Beihilferegelung an sich zu geben, bevor die Regeln für die Registrierung von Unternehmen in Norwegen und die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen dargelegt werden.
            
         3.   Überblick über die Regelung
   
   3.1.   Ziel
   
   
               (8)
            
            
               Ziel der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge ist es, in den norwegischen Gebieten mit der geringsten Bevölkerungsdichte Beschäftigungsanreize zu setzen, um Abwanderung zu verringern oder zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, werden die Arbeitskosten durch die Senkung der Sozialversicherungsbeitragssätze in bestimmten geografischen Gebieten verringert. Die Beihilfeintensitäten variieren allgemein entsprechend dem geografischen Gebiet, in dem die Unternehmenseinheit registriert ist. Die Regeln für die Registrierung werden im Folgenden genauer erläutert.
            
         3.2.   Nationale Rechtsgrundlage
   
   
               (9)
            
            
               Die nationale Rechtsgrundlage für die Regelung ist Abschnitt 23-2 des nationalen Versicherungsgesetzes (12). In den Bestimmungen dieses Gesetzes wird die allgemeine Pflicht der Arbeitgeber zur Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen dargelegt, wobei diese Beiträge auf der Grundlage des dem Arbeitnehmer gezahlten Bruttogehalts berechnet werden. Laut § 12 dieses Abschnitts kann das norwegische Parlament regional differenzierte Beitragssätze sowie besondere Bestimmungen für Unternehmen in bestimmten Branchen verabschieden. Die nationale Rechtsgrundlage setzt sich also aus dem nationalen Versicherungsgesetz in Verbindung mit den jährlichen Beschlüssen des norwegischen Parlaments zusammen (13).
            
         3.3.   Die Regeln für die Registrierung
   
   
               (10)
            
            
               Ausschlaggebend für die Beihilfefähigkeit im Rahmen dieser Regelung ist, ob ein Unternehmen in einem Fördergebiet registriert ist. Nach der wichtigsten Bestimmung der Regelung variieren die Beihilfeintensitäten entsprechend dem geografischen Gebiet, in dem das Unternehmen registriert ist.
            
         
               (11)
            
            
               Nach norwegischem Recht müssen Unternehmen für jede getrennte Geschäftstätigkeit Untereinheiten registrieren (14). Unternehmen, die verschiedene Geschäftstätigkeiten ausüben, müssen getrennte Untereinheiten registrieren. Wenn die Tätigkeiten an verschiedenen Standorten ausgeübt werden, müssen ebenfalls getrennte Einheiten registriert werden.
            
         
               (12)
            
            
               Nach Auskunft der norwegischen Behörden ist das Kriterium der „getrennten Geschäftstätigkeit“ erfüllt, wenn mindestens ein Mitarbeiter für die Muttergesellschaft in einem getrennten Gebiet tätig ist und das Unternehmen dort aufgesucht werden kann. Jede Untereinheit bildet je nach registriertem Standort ihre eigene Grundlage für die Berechnung des differenzierten Sozialversicherungsbeitrags. Auf diese Weise ist ein außerhalb des im Rahmen der Beihilferegelung förderfähigen Gebiets registriertes Unternehmen unter der Bedingung beihilfefähig, dass seine wirtschaftlichen Tätigkeiten in einer innerhalb des Fördergebiets ansässigen Untereinheit ausgeübt werden.
            
         3.4.   Ambulante Leistungen — die erneut geprüfte Maßnahme
   
   
               (13)
            
            
               Mittels Freistellung von der ausschlaggebenden Registrierungsregel gilt die Beihilferegelung auch für Unternehmen, die außerhalb des Fördergebiets registriert sind und Arbeitnehmer an Unternehmen im Fördergebiet ausleihen oder deren Mitarbeiter mobile Tätigkeiten im Fördergebiet ausüben. In dieser Entscheidung werden die in den beschriebenen Situationen erbrachten Arbeiten als „ambulante Leistungen“ bezeichnet. Diese Ausnahmeregelung wird in der vorliegenden Entscheidung geprüft. Für die Zwecke dieser Entscheidung wird diese Regelung als „Ausnahmeregelung“ bezeichnet. Die nationale Rechtsgrundlage für die Ausnahmeregelung bildet Abschnitt 1 Absatz 4 der Entscheidung Nr. 1482 des norwegischen Parlaments vom 5. Dezember 2013 über die Bestimmung der Abgabensätze usw. nach dem nationalen Versicherungsgesetz für 2014.
            
         
               (14)
            
            
               Die Ausnahmeregelung gilt nur, wenn der Arbeitnehmer mindestens die Hälfte seiner Arbeitstage im Fördergebiet verbringt. Zudem gilt der ermäßigte Satz nur für den dort durchgeführten Teil der Arbeit. Der Steueranmeldungszeitraum beträgt grundsätzlich einen Kalendermonat. Die Sozialversicherungsbeiträge werden nach dem Satz berechnet, der in der Zone gilt, in der der Arbeitgeber nach allgemeiner Annahme Geschäftstätigkeiten ausübt.
            
         
               (15)
            
            
               Dies ist so zu verstehen, dass beispielsweise dann, wenn ein Mitarbeiter eines in Oslo registrierten Unternehmens (Oslo liegt in Zone 1, einer nicht förderfähigen Zone, in der der Beitragssatz folglich dem Standardsatz von 14,1 % entspricht) 60 % seiner Arbeit in einem Kalendermonat in Vardø (das in Zone 5 liegt, wo der anzuwendende Beitragssatz 0 % beträgt) und den Rest in Oslo ableistet, das Unternehmen für das Gehalt, das für die in Vardø durchgeführte Arbeit zu zahlen ist, den Nullsatz in Anspruch nehmen kann, nicht aber für die in Oslo durchgeführte Arbeit.
            
         4.   Urteil des EFTA-Gerichtshofs
   
   
               (16)
            
            
               Der EFTA-Gerichtshof hob die Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL insofern auf, als er die vorläufige Prüfung hinsichtlich der Beihilfemaßnahme in Abschnitt 1 Absatz 4 der Entscheidung Nr. 1482 des norwegischen Parlamentes vom 5. Dezember 2013 über die Bestimmung der Abgabensätze usw. nach dem nationalen Versicherungsgesetz für 2014 abschloss.
            
         
               (17)
            
            
               Der EFTA-Gerichtshof gelangte zu dem Schluss (15), dass die Überwachungsbehörde die Umstände und Auswirkungen der in Abschnitt 1 Absatz 4 dargelegten Ausnahmeregelung hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit dem EWR-Abkommen im Sinne des Artikels 61 Absatz 3 des EWR-Abkommens nicht geprüft habe; dies gelte insbesondere für die Auswirkungen der Ausnahmeregelung auf Wettbewerb und Handel und deren Vereinbarkeit mit Randnummer 16 der Leitlinien der Überwachungsbehörde für Regionalbeihilfen im Zeitraum 2014-2020 (Regionalbeihilfeleitlinien) (16). Nach Auffassung des Gerichtshofs sei eine solche besondere Prüfung für die Beurteilung der angemeldeten Regelung von wesentlicher Bedeutung.
            
         
               (18)
            
            
               Abschnitt 1 Absatz 4 enthält die Ausnahmeregelung (die Gegenstand der vorliegenden Entscheidung ist) und eine entsprechende Antiumgehungsmaßnahme, mit der verhindert werden soll, dass Unternehmen im Rahmen der Beihilferegelung Beihilfen beantragen, indem sie einfach ihren Betrieb in einem Gebiet mit einem niedrigeren Sozialversicherungsbeitragssatz registrieren und dann ambulante Tätigkeiten durchführen oder ihre Mitarbeiter für Arbeiten in einem Gebiet ausleihen, in dem ein höherer Satz gilt. Die Antiumgehungsmaßnahme ist nicht Gegenstand des hier betroffenen Verfahrens (17).
            
         5.   Stellungnahme der norwegischen Behörden zur Entscheidung Nr. 489/15/COL
   
   
               (19)
            
            
               In Reaktion auf die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens durch die Überwachungsbehörde (18) bekräftigten die norwegischen Behörden ihren Standpunkt, dass der Sozialversicherungsbeitragssatz auch vor 2007 bereits vom Tätigkeitsort des Arbeitgebers abhängig gewesen sei. Diese Regelung stütze sich auf die grundlegende Voraussetzung, dass nur Unternehmen, die im Fördergebiet wirtschaftliche Aktivitäten ausüben, Beihilfen erhalten sollten, und zwar nur in dem Umfang, in dem sie in dem betreffenden Gebiet wirtschaftliche Leistungen erbringen. Die Registrierung sei nicht die entscheidende Frage.
            
         
               (20)
            
            
               Die auf Grundlage der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge gewährten Beihilfen belaufen sich auf etwa 6,85 Mrd. NOK pro Jahr (19). Gestützt auf die in den ersten acht Monaten des Jahres 2015 erfassten Daten haben die norwegischen Behörden die Auswirkungen der Ausnahmeregelung auf die verschiedenen Zonen für das gesamte Jahr 2015 geschätzt. Eine Beschreibung der Zonen 1, 2, 3, 4 und 4a ist der Entscheidung Nr. 225/14/COL, Erwägungsgrund 25, zu entnehmen. Zone 1 erstreckt sich auf Gebiete in Mittelnorwegen sowie Hoheitsgebiete außerhalb des kontinentalen Hauptlandes. In Zone 1 ausgeübte Tätigkeiten sind im Rahmen der Regelung nicht beihilfefähig. Auch in Zone 1a ausgeübte Tätigkeiten können im Rahmen der Regelung nicht gefördert werden. Allerdings haben die norwegischen Behörden in Zone 1a ein System zur Reduzierung des Beitragssatzes zur Sozialversicherung eingerichtet. Diese Reduzierung wird als De-minimis-Beihilfe gewährt. Maßnahmen, die die Voraussetzungen der De-minimis-Verordnung (20) erfüllen, stellen keine Beihilfen im Sinne des Artikels 61 des EWR-Abkommens dar.
               
                  Tabelle
               
               
                  Auf das Jahr 2015 bezogene Schätzung der Beihilfen, die unter Anwendung der Ausnahmeregelung Unternehmen gewährt wurden, die in den in der Beihilferegelung festgelegten Zonen registriert sind
               
               
                           Zone
                        
                        
                           Mio. NOK
                        
                     
                           1
                        
                        
                           240
                        
                     
                           1a
                        
                        
                           38
                        
                     
                           2
                        
                        
                           9
                        
                     
                           3
                        
                        
                           1
                        
                     
                           4
                        
                        
                           1
                        
                     
                           4a
                        
                        
                           10
                        
                     
                           Summe
                        
                        
                           300
                        
                     
         
               (21)
            
            
               Die norwegischen Behörden führten ferner aus, dass die Zahlen je nach Art der ambulanten Leistungen erheblich schwanken können. Bei großen Bauvorhaben stütze man sich üblicherweise auf ambulante Leistungen, was somit zu einer Zunahme der Nutzung ambulanter Tätigkeiten führe. Darüber hinaus könnten Unternehmen, die wesentliche Tätigkeiten in den förderfähigen Zonen durchführen, ihre Aktivitäten durch die Errichtung von Untereinheiten in der betreffenden Zone umstrukturieren. Dies beeinflusse auch die geschätzten Auswirkungen der Ausnahmeregelung. Und schließlich weisen die norwegischen Behörden auf die positiven indirekten Auswirkungen verstärkter Aktivitäten in der Baubranche auf die Beschäftigung in anderen Branchen in den förderfähigen Zonen hin.
            
         
               (22)
            
            
               Mit der Ausnahmeregelung erhalten Unternehmen in den förderfähigen Zonen kostengünstigeren Zugang zu Arbeitskräften. Ohne diese Ausnahmeregelung hätten Unternehmen in den Fördergebieten größere Schwierigkeiten, Fachkräfte für sich zu gewinnen. Darüber hinaus können Fachkräfte über ambulante Leistungen einen Beitrag zur Verbesserung der Kenntnisse und Kompetenzen in örtlichen Unternehmen leisten. Diese Kenntnisse und Kompetenzen bleiben den Firmen unter Umständen auch dann erhalten, wenn der ambulante Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen hat; somit entstünde eine nachhaltige Wirkung für die lokalen Arbeitskräfte und Unternehmen.
            
         
               (23)
            
            
               Die Ausnahmeregelung schafft für alle im Fördergebiet tätigen Wirtschaftsbeteiligten die gleichen Voraussetzungen. Den örtlichen Unternehmen kommt der Wettbewerb in Form von niedrigeren Preisen für ambulante Leistungen zugute.
            
         
               (24)
            
            
               Arbeitnehmer, die sich vorübergehend im Fördergebiet aufhalten, leisten durch den Kauf von Waren und Dienstleistungen einen Beitrag zur örtlichen Wirtschaft. Sind die ambulanten Leistungen mit einem vorübergehenden Vorhaben verbunden, manifestiert sich dies als vorübergehende Wirkung. Bei einer anhaltenden Nutzung ambulanter Leistungen in einer Region ist auch die Wirkung langfristig.
            
         
               (25)
            
            
               Unternehmen, die in mittelnorwegischen Gebieten registriert sind und ambulante Leistungen in Fördergebieten erbringen, stellen eventuell vor Ort Personal ein. Auch wenn diese Stellen zeitlich begrenzt sind, tragen sie zu höheren Lohneinkommen in den Förderregionen bei; dies wiederum kurbelt die Konjunktur an. Die norwegischen Behörden führen das Argument an, dass die Ausnahmeregelung die Arbeitskosten senke und dort, wo eine Substitution möglich sei, Arbeit gegenüber Kapital begünstige. Dies trage zu höherer Beschäftigung bei.
            
         6.   Stellungnahmen Beteiligter
   
   6.1.   Kimek Offshore AS
   
   
               (26)
            
            
               Kimek Offshore AS (im Folgenden „Kimek“) ist ein Dienstleistungsunternehmen in der Erdöl- und Erdgasindustrie. Das Unternehmen gehört zur Kimek-Gruppe. Der Standort von Kimek liegt in Kirkenes in der Provinz Finnmark, einem Gebiet, in dem für Sozialversicherungsabgaben der Nullsatz gilt.
            
         
               (27)
            
            
               Neben seiner Stellungnahme zur Entscheidung der Überwachungsbehörde, das förmliche Prüfverfahren einzuleiten, nahm Kimek auch zu der vorstehend zusammengefassten Stellungnahme der norwegischen Behörden Stellung.
            
         
               (28)
            
            
               Nach Auffassung von Kimek haben die norwegischen Behörden nicht hinreichend belegt, dass die Ausnahmeregelung einen Beitrag zu einem genau definierten Ziel von gemeinsamem Interesse leistet, dass staatliche Maßnahmen erforderlich sind, dass die Regelung geeignet ist, dass sie einen Anreizeffekt hat, dass sie angemessen ist und dass übermäßige negative Auswirkungen auf den Wettbewerb und den Handel zwischen EWR-Staaten vermieden werden.
            
         
               (29)
            
            
               Die Wettbewerber Kimeks sind großenteils außerhalb der für Regionalbeihilfen infrage kommenden Gebiete ansässig. Kimek erhebt Einwände gegen die Ausnahmeregelung, weil sie außerhalb der förderfähigen Zonen ansässigen Unternehmen ermöglicht, durch die Ausübung von Tätigkeiten in den Fördergebieten die Beihilferegelung in Anspruch zu nehmen. Kimek führt das Argument an, dass diese Unternehmen nicht den gleichen Herausforderungen gegenüberstünden wie die innerhalb der förderfähigen Zonen ansässigen Firmen. Kimek erklärt, dass die Ausnahmeregelung zur Bekämpfung der Abwanderung und zur Stärkung der Besiedlungsstrukturen in den Fördergebieten nicht geeignet sei. Ganz im Gegenteil schade die Ausnahmeregelung den in den Fördergebieten ansässigen Unternehmen sogar.
            
         
               (30)
            
            
               Kimek widerspricht der Auffassung der norwegischen Behörden, dass die Ausnahmeregelung den örtlichen Unternehmen einen kostengünstigeren Zugang zu Fachkräften gewähre, die sonst nicht verfügbar wären. Kimek führt dazu aus, dass die norwegischen Behörden dies weder nachgewiesen noch dokumentiert hätten.
            
         
               (31)
            
            
               Nach Auffassung von Kimek bestehe die Gefahr, dass die Ausnahmeregelung zu einer Abwanderung hoch qualifizierter Arbeitskräfte aus den Fördergebieten führe, weil die Menschen vor Ort keine Stellen fänden.
            
         
               (32)
            
            
               Kimek merkt an, dass die norwegischen Behörden nicht dokumentiert hätten, dass Unternehmen, die nicht vor Ort registriert sind, im Fördergebiet lebende Arbeitnehmer einstellen.
            
         
               (33)
            
            
               Darüber hinaus macht Kimek geltend, dass ambulante Offshore-Arbeitnehmer nicht erheblich zur örtlichen Wirtschaft beitrügen. Sie lebten auf der Bohrinsel, verbrächten den größten Teil ihrer Freizeit dort und nähmen alle ihre Mahlzeiten dort ein.
            
         
               (34)
            
            
               Hinsichtlich des Arguments der norwegischen Behörden, dass Kenntnisse und Kompetenzen der ambulanten Arbeitnehmer bei örtlichen Unternehmen verblieben, kann Kimek nicht erkennen, wie dies zur Verringerung oder Verhinderung von Abwanderung führen solle.
            
         
               (35)
            
            
               Kimek argumentiert ferner, dass die norwegischen Behörden nicht dokumentiert hätten, in welcher Weise die Ausnahmeregelung den Wettbewerb erhöhe. Diesbezüglich bezieht sich Kimek auf eine Besonderheit des norwegischen Arbeitsrechts, die es ambulante Arbeitnehmer entsendenden Unternehmen ermöglicht, ihr Personal Zwölfstundenschichten arbeiten zu lassen, während für die vor Ort ansässigen Unternehmen eine Beschränkung der Arbeitszeiten auf acht Stunden gilt. Dies sei ein wesentlicher Nachteil für die vor Ort ansässigen Unternehmen.
            
         6.2.   NHO Finnmark
   
   
               (36)
            
            
               NHO Finnmark ist das Regionalbüro des Norwegischen Unternehmerverbandes. Der Verband bekräftigt die vorstehend zusammengefasste Stellungnahme Kimeks.
            
         
               (37)
            
            
               NHO Finnmark ist der Auffassung, dass Regionalbeihilfen nur Unternehmen gewährt werden sollten, die in den für solche Beihilfen infrage kommenden Gebieten ansässig sind. Außerhalb der Fördergebiete registrierte Unternehmen seien nicht mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie Unternehmen, die ihren Sitz in Fördergebieten hätten. Die Ausnahmeregelung sei zur Bekämpfung der Abwanderung und zur Stärkung von Besiedlungsstrukturen nicht geeignet. Ganz im Gegenteil schade sie sogar den in den Fördergebieten ansässigen Unternehmen.
            
         
               (38)
            
            
               Wie Kimek betont auch NHO Finnmark, dass das norwegische Arbeitsrecht Unternehmen, die nicht in Fördergebieten registriert seien, einen besonderen Vorteil einräume. NHO Finnmark ist ferner der Auffassung, dass ambulante Arbeitnehmer nicht in der gleichen Weise zur örtlichen Wirtschaft beitrügen wie Arbeitnehmer, die ihren Wohnsitz in dem betreffenden Gebiet haben.
            
         7.   Stellungnahme der norwegischen Behörden zu den Stellungnahmen der Beteiligten
   
   
               (39)
            
            
               Auf die Stellungnahmen der Beteiligten erwiderten die norwegischen Behörden, dass die Ausnahmeregelung und nicht die Beihilferegelung als solche Gegenstand des förmlichen Prüfverfahrens sei. Die norwegischen Behörden erläutern, dass in der Ausnahmeregelung der allgemeine Grundsatz zum Ausdruck komme, dass Regionalbeihilfen für die wirtschaftlichen Tätigkeiten gewährt werden sollten, die tatsächlich in den unter die Regelung fallenden geografischen Gebieten ausgeübt werden.
            
         
               (40)
            
            
               Die norwegischen Behörden betonen, dass weder Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens noch die Regionalbeihilfeleitlinien vorschreiben, dass die Empfänger von Regionalbeihilfen in dem betreffenden förderfähigen Gebiet registriert sein müssen. Die norwegischen Behörden stimmen mit Kimek überein, dass die Herausforderungen, denen die offiziell in den Fördergebieten registrierten Unternehmen gegenüberstehen, nicht unbedingt genau den Herausforderungen entsprächen, die offiziell außerhalb dieser Gebiete registrierte, aber innerhalb dieser Gebiete ambulante Leistungen erbringende Unternehmen zu bewältigen haben. Die norwegischen Behörden schließen sich jedoch nicht der Behauptung von Kimek an, dass außerhalb der Fördergebiete registrierte Unternehmen nicht mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert seien, wenn sie Arbeiten in den Fördergebieten übernehmen. Für die Unternehmen gelten dieselben klimatischen Bedingungen und dieselbe Entfernung zu Subunternehmen. Darüber hinaus hätten ambulante Arbeitnehmer entsendende Unternehmen zusätzliche Kosten für die Beförderung und die Unterbringung des Personals zu tragen. Die norwegischen Behörden merken an, dass Kimeks Argumente aus der Erdölbranche stammten, also dem Wirtschaftssektor, in dem dieses Unternehmen tätig ist. Die Behörden argumentieren, dass die Vereinbarkeit der Beihilfe auf allgemeinerer Ebene unter Berücksichtigung der spezifischen oder dauerhaften Nachteile, denen Unternehmen aus allen maßgeblichen Branchen gegenüberstehen, beurteilt werden müsse.
            
         
               (41)
            
            
               Die norwegischen Behörden belegen ihre Angaben über die Schwierigkeiten, die Unternehmen bei der Anwerbung qualifizierter Arbeitskräfte in den drei nördlichsten Provinzen haben, mit einem Bericht der NAV Finnmark (21), der norwegischen Arbeits- und Wohlfahrtsorganisation in der Provinz Finnmark. In den Provinzen Nordland und Troms standen 14 % der im Bericht erfassten Unternehmen aufgrund des Mangels an qualifizierten Arbeitskräften schon einmal Problemen bei der Anwerbung von Arbeitskräften gegenüber. In der Provinz Finnmark waren es 11 %.
            
         
               (42)
            
            
               Die norwegischen Behörden betonen, dass in den Fördergebieten registrierte Unternehmen den niedrigeren Beitragssatz zur Sozialversicherung für die Gesamtheit ihrer Beschäftigungskosten nutzen könnten (sofern sie keine ambulanten Leistungen außerhalb der förderfähigen Zone erbringen), während in einer anderen Zone registrierte Unternehmen, die ambulante Leistungen erbringen, nur dann den ermäßigten Beitragssatz in Anspruch nehmen könnten, wenn der Arbeitnehmer mindestens die Hälfte seiner Arbeitstage in der förderfähigen Zone verbringe; und auch dann gelte der ermäßigte Beitragssatz nur für die Löhne, die für die tatsächlich im Fördergebiet durchgeführte Arbeit gezahlt werden.
            
         
               (43)
            
            
               Als Beleg für die indirekten Auswirkungen der Regionalbeihilfe übermittelten die norwegischen Behörden Verweise auf zwei Studien über die Auswirkungen von Aktivitäten im Erdölsektor im Norden Norwegens (22). Nach der ersten Studie, die das Snøhvit-Erdölprojekt in Finnmark betraf, summierten sich die direkten Auswirkungen auf die Beschäftigung auf 230 Personenjahre, während sich die indirekten Auswirkungen auf weitere 170 Personenjahre beliefen. Die norwegischen Behörden merken dazu an, dass es sich hierbei um die Auswirkungen des Projekts an sich handele und nicht um ein unmittelbares Ergebnis einer bestimmten Maßnahme. Aus der zweiten Studie geht hervor, dass die größte vom Erdölsektor ausgehende indirekte Auswirkung in der zusammenfassend als „private Dienstleistungen“ bezeichneten Branche eintritt. Diese Branche umfasst freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten, die Bereitstellung von Personal, Vermietung von Maschinen und Transportgeräten, Rechts- und Buchhaltungsdienstleistungen, Architektentätigkeiten, Hotel- und Restaurantdienste sowie Abwasser- und Abfallentsorgung.
            
         
               (44)
            
            
               Die norwegischen Behörden stellen die Relevanz des norwegischen Arbeitsrechts für die beihilferechtliche Würdigung der Ausnahmeregelung infrage. Sie merken an, dass die Rechtsgrundlage für die Abweichung von der Arbeitszeitbeschränkung auf acht Stunden, auf die der Beschwerdeführer Bezug nimmt, für jedes Unternehmen, unabhängig vom geografischen Standort des Arbeitnehmers und des Arbeitgebers, gelte, die Inanspruchnahme dieser Möglichkeit aber vom Bestehen eines Tarifvertrags abhängig sei.
            
         II.   BEIHILFERECHTLICHE WÜRDIGUNG
   
   1.   Vorliegen einer staatlichen Beihilfe
   
   
               (45)
            
            
               Artikel 61 Absatz 1 des EWR-Abkommens lautet: „Soweit in diesem Abkommen nicht etwas anderes bestimmt ist, sind Beihilfen der EG-Mitgliedstaaten oder der EFTA-Staaten oder aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfen gleich welcher Art, die durch die Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verfälschen oder zu verfälschen drohen, mit dem Funktionieren dieses Abkommens unvereinbar, soweit sie den Handel zwischen Vertragsparteien beeinträchtigen.“
            
         
               (46)
            
            
               Demnach stellt eine Maßnahme eine staatliche Beihilfe im Sinne von Artikel 61 Absatz 1 des EWR-Abkommens dar, wenn kumulativ folgende Bedingungen erfüllt sind: die Maßnahme wird i) vom Staat oder aus staatlichen Mitteln gewährt, ii) sie verschafft dem Empfänger einen selektiven wirtschaftlichen Vorteil, iii) sie ist geeignet, den Handel zwischen Vertragsparteien zu beeinträchtigen und den Wettbewerb zu verfälschen.
            
         
               (47)
            
            
               In ihrer Entscheidung Nr. 225/14/COL gelangte die Überwachungsbehörde zu dem Schluss, dass die Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 eine Beihilferegelung darstellt. Dabei bezieht sich die Überwachungsbehörde auf ihre Argumentation in den Erwägungsgründen 68-74 dieser Entscheidung. Die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen ist Bestandteil der Rechtsvorschriften, die die Grundlage für die genannte Beihilferegelung bilden. Sie erweitert den Geltungsbereich der Beihilferegelung insofern, als sie den Kreis der potenziellen Beihilfeempfänger auf Unternehmen ausweitet, die nicht in Fördergebieten registriert sind. Wie bei anderen, im Rahmen der Regelung gewährten Beihilfen auch, führt die Erweiterung der Regelung auf außerhalb der Fördergebiete registrierte Unternehmen dazu, dass staatliche Mittel bestimmten Unternehmen selektive Vorteile verschaffen. Diese Vorteile sind geeignet, den Handel zu beeinträchtigen und den Wettbewerb zu verfälschen.
            
         2.   Verfahrensvorschriften
   
   
               (48)
            
            
               Nach Protokoll 3 Teil I Artikel 1 Absatz 3 des EWR-Abkommens muss die EFTA-Überwachungsbehörde von jeder beabsichtigten Einführung oder Umgestaltung von Beihilfen so rechtzeitig unterrichtet werden, dass sie sich dazu äußern kann. Der betreffende Staat darf die beabsichtigte Maßnahme nicht durchführen, bevor die EFTA-Überwachungsbehörde eine abschließende Entscheidung erlassen hat.
            
         
               (49)
            
            
               Die norwegischen Behörden wendeten die Ausnahmeregelung ab dem 1. Juli 2014, nachdem die Überwachungsbehörde mit Entscheidung Nr. 225/14/COL ihre Genehmigung erteilt hatte, an. Nachdem der EFTA-Gerichtshof die Genehmigung der Überwachungsbehörde für die Ausnahmeregelung aufgehoben hatte, wurde die Beihilfe rechtswidrig. Daher setzten die norwegischen Behörden die derzeit erneut geprüfte Ausnahmeregelung am 1. Januar 2016 bis zum Vorliegen des abschließenden Ergebnisses des förmlichen Prüfverfahrens aus.
            
         3.   Vereinbarkeit der Beihilfe
   
   
               (50)
            
            
               Die Überwachungsbehörde muss prüfen, ob die Ausnahmeregelung nach Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens mit dem EWR-Abkommen vereinbar ist und mit den Regionalbeihilfeleitlinien im Einklang steht.
            
         
               (51)
            
            
               Mit der Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen erhalten nicht im Fördergebiet registrierte Unternehmen das Recht, eine Ermäßigung der Sozialversicherungsbeiträge in Anspruch zu nehmen, wenn sie und in dem Maße, in dem sie in dem betroffenen Gebiet wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben. Weder in Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens noch in den Regionalbeihilfeleitlinien (noch in den Regionalbeihilfevorschriften der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) (23)) wird vorgeschrieben, dass die Empfänger von Regionalbeihilfen in Fördergebieten registriert sein müssen.
            
         
               (52)
            
            
               Regionalbeihilfen können die wirtschaftliche Entwicklung benachteiligter Gebiete nur dann wirksam unterstützen, wenn sie zur Förderung zusätzlicher Investitionen oder wirtschaftlicher Tätigkeiten in diesen Gebieten gewährt werden (24). In den Regionalbeihilfeleitlinien sind sowohl regionale Investitionsbeihilfen als auch regionale Betriebsbeihilfen vorgesehen. Regionale Investitionsbeihilfen sollten zu Investitionen in den Gebieten führen, die in der von der Überwachungsbehörde genehmigten Fördergebietskarte ausgewiesen sind (25). Bei der Prüfung regionaler Betriebsbeihilfen ist der Schwerpunkt etwas anders gelagert. Regionale Betriebsbeihilfen können nur dann unter Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens fallen, wenn sie zum Ausgleich spezifischer oder dauerhafter Nachteile von Unternehmen, die in benachteiligten Gebieten wirtschaftlich tätig sind, gewährt werden (26). Diesbezüglich heißt es unter Randnummer 16 der Regionalbeihilfeleitlinien: „Betriebsbeihilfen können als mit dem Binnenmarkt vereinbar erachtet werden, wenn sie dazu dienen … die Abwanderung aus Gebieten mit sehr geringer Bevölkerungsdichte zu verhindern oder zu verringern.“
            
         
               (53)
            
            
               Der geografische Geltungsbereich der Regelung ist zweifellos auf benachteiligte Gebiete beschränkt. Die vorliegende Entscheidung bezieht sich nur auf die Vereinbarkeit der Ausnahmeregelung mit den Beihilfevorschriften. Die Frage lautet, ob diese Ausnahmeregelung, mit der in anderen als den unter die Beihilferegelung fallenden Regionen registrierte Unternehmen die Möglichkeit erhalten, in dem Umfang Beihilfen zu erhalten, in dem sie in benachteiligten Gebieten wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben, mit den Beihilfevorschriften vereinbar ist.
            
         
               (54)
            
            
               Die Überwachungsbehörde stimmt mit den norwegischen Behörden überein, dass die Ausnahmeregelung nicht unabhängig von der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020, deren Bestandteil sie ist, beurteilt werden kann. Diesbezüglich verweist die Überwachungsbehörde auf die beihilferechtliche Würdigung dieser Regelung in ihrer Entscheidung Nr. 225/14/COL, in der sie die Regelung nach Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens mit dem EWR-Abkommens für vereinbar befunden hat. In dieser Entscheidung stellte die Überwachungsbehörde fest, dass die Beihilferegelung an sich einen Beitrag zu einem genau definierten Ziel von gemeinsamem Interesse leistet (27), dass staatliche Maßnahmen erforderlich sind (28), dass die Regelung geeignet ist (29), dass sie einen Anreizeffekt hat (30), dass sie angemessen ist (31) und dass übermäßige negative Auswirkungen auf den Wettbewerb und den Handel zwischen EWR-Staaten vermieden werden (32). Diese allgemeinen Bewertungsgrundsätze gelten für Beihilferegelungen insgesamt. Die Überwachungsbehörde unterzieht einzelne Bestimmungen einer Beihilferegelung keiner getrennten Beurteilung nach diesen allgemeinen Bewertungsgrundsätzen.
            
         
               (55)
            
            
               Die Tatsache, dass der EFTA-Gerichtshof zu dem Schluss gelangte, dass die Ausnahmeregelung vom restlichen Teil der Beihilferegelung abgetrennt werden kann (33), bedeutet nicht, dass sie getrennt von der Beihilferegelung zu beurteilen ist. Bei der Frage der Abtrennbarkeit geht es darum, ob ein Element einer Regelung so eng mit der eigentlichen Beihilferegelung verwoben ist, dass eine logische Trennung von der Regelung nicht möglich ist. Die Ausnahmeregelung lässt sich zwar in dem Sinne logisch von der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 trennen, als sie aus der Regelung herausgenommen werden kann, ohne diese eines grundlegenden, für ihr Bestehen erforderlichen Bestandteils zu berauben. Nichtsdestotrotz muss die Überwachungsbehörde die Vereinbarkeit der Ausnahmeregelung unter dem Gesichtspunkt prüfen, dass sie Bestandteil einer allgemeinen Beihilferegelung ist.
            
         
               (56)
            
            
               Diese allgemeine Beihilferegelung ist ein wesentlicher Teil des Kontextes, in dem die Ausnahmeregelung angewandt wird. In der Tat verhält es sich so, dass die Ausnahmeregelung nur eine Ausnahme von den Bestimmungen einer allgemeinen Regelung darstellt (34). Im weiteren Sinne muss die Überwachungsbehörde also auch berücksichtigen, dass diese allgemeine Beihilferegelung (von der Ausnahmeregelung abgesehen) rechtsgültig für mit dem EWR-Abkommen vereinbart erklärt worden ist.
            
         
               (57)
            
            
               Die norwegischen Behörden übermittelten eine Übersicht über die finanziellen Auswirkungen der Ausnahmeregelung (vgl. Erwägungsgrund 20 und Tabelle).
            
         
               (58)
            
            
               Mit der Ausnahmeregelung wird ebenso wie mit der Beihilferegelung, zu der sie gehört, eine regionale Zielsetzung verfolgt. Sie soll Beschäftigungsanreize in den Fördergebieten setzen. Beschäftigungsanreize sind jedoch nur ein Instrument zur Erreichung des Ziels der Beihilfe, nämlich Abwanderung zu verringern oder zu verhindern. Für die Beurteilung der Vereinbarkeit der Beihilfe ist es entscheidend, auch die weiteren wirtschaftlichen Auswirkungen der Maßnahme zu berücksichtigen.
            
         
               (59)
            
            
               Die Überwachungsbehörde vertritt die Auffassung, dass die norwegischen Behörden bereits nachgewiesen haben, dass zur Förderung der wirtschaftlichen Aktivitäten in den Fördergebieten staatliche Maßnahmen erforderlich sind. Dies gilt für alle in den Fördergebieten wirtschaftlich tätigen Unternehmen gleichermaßen; ob sie dort registriert sind oder nicht, ist dabei unerheblich. In den Sachvorträgen der norwegischen Behörden wurde darüber hinaus hinreichend aufgezeigt, dass die Förderung ambulanter Leistungen die wirtschaftliche Tätigkeit in den Fördergebieten anregt. Dies steht im Einklang mit den Randnummern 6 und 71 der Regionalbeihilfeleitlinien, die auf die Förderung wirtschaftlicher Tätigkeiten durch Beihilfen Bezug nehmen. Kimek und NHO Finnmark vertraten die Ansicht, dass die Beihilfen auf in den förderfähigen Zonen registrierte Unternehmen beschränkt werden sollten. Die Überwachungsbehörde ist jedoch der Auffassung, dass die ambulante Leistungen erbringenden Unternehmen den gleichen Herausforderungen (Klima, Entfernung zu Subunternehmen) gegenüberstehen wie vor Ort registrierte Unternehmen. Diesbezüglich merkt die Überwachungsbehörde an, dass die Beteiligten Kimek und NHO Finnmark nicht auf besondere Herausforderungen hingewiesen haben, die den vor Ort registrierten Unternehmen den Betrieb stärker erschweren als Unternehmen, die ihre Tätigkeiten in den Fördergebieten im Rahmen ambulanter Leistungen ausüben.
            
         
               (60)
            
            
               Darüber hinaus vertritt die Überwachungsbehörde die Auffassung, dass die norwegischen Behörden nicht nachgewiesen haben, dass die ambulante Leistungen erbringenden Unternehmen Arbeitnehmer in den Fördergebieten lokal anwerben und fest einstellen. Die norwegischen Behörden haben keine wirtschaftlichen Theorien oder allgemeinen Überlegungen dargelegt, mit denen sich die Behauptung, dass Arbeitnehmer fest eingestellt werden, belegen ließe. In Anbetracht dieser Umstände stellt die Überwachungsbehörde fest, dass die norwegischen Behörden keinen Nachweis dafür erbracht haben, dass die Ausnahmeregelung zur Schaffung fester Arbeitsplätze in den Fördergebieten führt. Dies ist jedoch keine zwingende Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Regionalbeihilfen (35). Wie vorstehend bereits angemerkt, sollten Regionalbeihilfen zur Förderung wirtschaftlicher Tätigkeiten gewährt werden. Dies gilt ungeachtet dessen, ob das die wirtschaftliche Tätigkeit ausübende Unternehmen in dem jeweiligen Gebiet registriert ist oder nicht.
            
         
               (61)
            
            
               In Bezug auf die indirekteren Auswirkungen der Ausnahmeregelung führen die norwegischen Behörden das Argument an, dass sich diese nicht nur in Form von höheren Ausgaben der ambulanten Arbeitnehmer für Waren und Dienstleistungen zeigten, sondern auch in Form von Kenntnissen und Kompetenzen, die örtlichen Firmen vermittelt würden. Die Beihilferegelung ist nicht auf eine bestimmte Branche zugeschnitten, sondern deckt die meisten Wirtschaftszweige in Norwegen ab (36). Die Überwachungsbehörde stimmt mit den norwegischen Behörden überein, dass die indirekten Auswirkungen der Beihilferegelung aufgrund deren weit gefassten Geltungsbereichs auch aus einer weiten Perspektive beurteilt werden müssen. Um die tatsächlichen Auswirkungen der Ausnahmeregelung zu untersuchen, ist jedoch auch eine Analyse einzelner Branchen von Nutzen. In dem Bemühen, Nachweise für die positiven indirekten Auswirkungen ambulanter Leistungen in den Fördergebieten zu erbringen, übermittelten die norwegischen Behörden verschiedene Studien. Wie bereits erwähnt, übermittelten die norwegischen Behörden Verweise auf zwei Studien über die Auswirkungen von Aktivitäten im Erdölsektor im Norden Norwegens. Laut der ersten Studie, die das Snøhvit-Erdölprojekt in Finnmark betrifft, summierten sich die direkten Auswirkungen auf die Beschäftigung auf 230 Personenjahre, während sich die indirekten Auswirkungen auf weitere 170 Personenjahre beliefen. Aus der zweiten Studie geht hervor, dass die meisten vom Erdölsektor ausgehenden indirekten Auswirkungen in der zusammenfassend als „private Dienstleistungen“ bezeichneten Branche eintreten. Diese Branche umfasst freiberufliche, wissenschaftliche und technische Tätigkeiten, die Bereitstellung von Personal, Vermietung von Maschinen und Transportgeräten, Rechts- und Buchhaltungsdienstleistungen, Architektentätigkeiten, Hotel- und Restaurantdienste sowie Abwasser- und Abfallentsorgung.
            
         
               (62)
            
            
               Nach Auffassung der Überwachungsbehörde werden in diesen Studien positive indirekte Auswirkungen von erheblichem Umfang aufgezeigt. Da sich die indirekten Auswirkungen nicht ohne Weiteres von anderen Effekten trennen lassen, muss allgemeinen Überlegungen über die Auswirkungen einer Maßnahme wie dieser erhebliches Gewicht beigemessen werden. Die Überwachungsbehörde ist überzeugt, dass die Förderung ambulanter Leistungen zum Verkauf lokaler Waren und Dienstleistungen und somit zur Förderung der lokalen Wirtschaft beiträgt. Dies trifft insbesondere auf diejenigen Arbeitnehmer zu, die kurz- oder mittelfristig zum Arbeitsstandort pendeln, denn bei ihnen ist davon auszugehen, dass sie in Hotels wohnen, in Restaurants essen usw. Angesichts dieser Tatsache ist die Überwachungsbehörde überzeugt, dass die Ausnahmeregelung in erheblichem Umfang positive indirekte Auswirkungen hat, die dazu beitragen, die Abwanderung aus Gebieten mit sehr geringer Bevölkerungsdichte zu verhindern oder zu verringern.
            
         
               (63)
            
            
               Kimek führt das Argument an, dass ambulante Offshore-Arbeitnehmer nicht zur örtlichen Wirtschaft beitrügen, jedenfalls nicht in einer Weise, die man als erheblich bezeichnen könnte. Sie lebten auf der Bohrinsel, verbrächten den größten Teil ihrer Freizeit dort und nähmen alle ihre Mahlzeiten dort ein. Die Überwachungsbehörde merkt an, dass bestimmte Arbeitnehmer aufgrund ihrer Arbeitssituation weniger zu den indirekten Auswirkungen der Ausnahmeregeln beitragen. Die Ausnahmeregelung ist jedoch nicht auf eine bestimmte Branche beschränkt, vielmehr ist sie eine horizontale Regelung, die für alle Wirtschaftszweige gilt.
            
         
               (64)
            
            
               Eine Person, die ein gewisses Niveau an Kenntnissen und Kompetenzen erfordernde ambulante Leistungen erbringt, ist in der Lage, örtlichen Unternehmen diese Kenntnisse und Kompetenzen zu vermitteln. Die Überwachungsbehörde weist hier auf die Stellungnahme Kimeks hin, der zufolge Kimek nicht erkennen könne, wie Kenntnisse und Kompetenzen, die von ambulante Leistungen erbringenden Arbeitnehmern an Unternehmen mit Sitz in den Fördergebieten vermittelt werden, Abwanderung verhindern oder verringern können. Nach Auffassung der Überwachungsbehörde sind Kenntnisse und Kompetenzen für die Ausübung zahlreicher wirtschaftlicher Tätigkeiten erforderlich und somit für den Erhalt von Arbeitsplätzen in den Fördergebieten wichtig. Insbesondere erhalten örtliche Unternehmen, die an gemeinsamen Projekten mit ambulante Leistungen erbringenden Unternehmen (beispielsweise großen Bauvorhaben) beteiligt sind, die Gelegenheit, Kenntnisse, Kompetenzen und Erfahrungen zu sammeln, die für diese Arten von Projekten erforderlich sind. Den örtlich registrierten Unternehmen bleibt dieser Nutzen anschließend erhalten. Darüber hinaus können örtlich registrierte Unternehmen von den Kenntnissen und Kompetenzen profitieren, die sie aus dem Kontakt oder der Zusammenarbeit mit ambulante Leistungen erbringenden Unternehmen gewinnen (beispielsweise im Falle von Beratungsdienstleistungen oder der Arbeit besonderer Fachleute), soweit diese Tätigkeiten nach norwegischem Recht als „ambulant“ eingestuft werden können. Die Überwachungsbehörde stimmt mit den norwegischen Behörden überein, dass die durch ambulante Arbeitnehmer erfolgende Übertragung von Kenntnissen und Kompetenzen an örtlich registrierte Unternehmen ein wichtiger Faktor für den Erhalt von Arbeitsplätzen für Facharbeitskräfte in den Fördergebieten sein kann und dadurch in erheblichem Umfang dazu beiträgt, die Abwanderung aus diesen Gebieten zu verhindern oder zu verringern.
            
         
               (65)
            
            
               Von der Übertragung von Kenntnissen und Kompetenzen abgesehen haben örtliche Unternehmen zu geringeren Kosten Zugang zu Facharbeitskräften, die ihnen sonst nicht zur Verfügung stünden. Dies ist für örtliche Unternehmen von Vorteil, denn durch niedrigere Kosten für ambulante Leistungen wird die Führung eines Unternehmens im Fördergebiet attraktiver und rentabler. Darüber hinaus schafft die Ausnahmeregelung für alle im Fördergebiet tätigen Wirtschaftsbeteiligten hinsichtlich ihrer Sozialversicherungskosten für die Dauer ihrer Tätigkeit in dem betreffenden Gebiet die gleiche Grundlage.
            
         
               (66)
            
            
               Insgesamt vertritt die Überwachungsbehörde die Auffassung, dass die norwegischen Behörden hinreichend begründet haben, dass die Förderung ambulanter Leistungen zu positiven indirekten Auswirkungen in Form von höheren Ausgaben für Waren und Dienstleistungen in den Fördergebieten beiträgt, was sich wiederum günstig auf die örtlichen Arbeitsmärkte auswirkt. Die Überwachungsbehörde ist ferner davon überzeugt, dass die Förderung ambulanter Leistungen zur Bereitstellung von Facharbeitskräften zu geringeren Kosten und zur Übertragung von Kenntnissen und Kompetenzen an vor Ort niedergelassene Unternehmen beiträgt; dies wiederum ist für das Fortbestehen zahlreicher wirtschaftlicher Tätigkeiten in den Fördergebieten von entscheidender Bedeutung. Die Ausnahmeregelung leistet folglich einen Beitrag zur Verhinderung oder Verringerung der Abwanderung aus Gebieten mit sehr geringer Bevölkerungsdichte.
            
         
               (67)
            
            
               Was die Auswirkungen der Ausnahmeregelung auf den Wettbewerb und den Handel angeht, führen die norwegischen Behörden das Argument an, dass die Ausnahmeregelung für alle in den benachteiligten Gebieten tätigen Unternehmen gleiche Rahmenbedingungen schaffe, weil sie für alle im EWR ansässigen Unternehmen gleichermaßen gelte. Außerhalb Norwegens registrierte Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer in die Fördergebiete entsenden und in Norwegen Sozialversicherungsabgaben leisten, können die Ausnahmeregelung in Anspruch nehmen, sofern die einschlägigen Bedingungen erfüllt sind. Ohne die Ausnahmeregelung müssten die betreffenden Unternehmen in dem maßgeblichen Gebiet registriert sein, um unter die gleichen Abgabenbestimmungen zu fallen wie ihre örtlich registrierten norwegischen Mitbewerber. Dies würde den Marktzutritt erschweren und somit der Logik von Randnummer 134 der Regionalbeihilfeleitlinien zuwiderlaufen. Dort heißt es: „Wenn die Beihilfe erforderlich ist, um die … allgemeinen Ziele zu erreichen und dafür angemessen ist, ist damit zu rechnen, dass die positiven Auswirkungen die negativen Auswirkungen aufwiegen. In bestimmten Fällen kann die Beihilfe jedoch zu einer Veränderung der Marktstruktur oder der Merkmale eines Wirtschaftszweigs oder einer Branche führen, sodass Marktzu- und -austrittsschranken, Substitutionseffekte oder die Umleitung von Handelsflüssen den Wettbewerb erheblich verzerren könnten. In diesen Fällen ist in der Regel nicht damit zu rechnen, dass positive Auswirkungen die ermittelten negativen Auswirkungen aufwiegen können.“ Angesichts dessen vertritt die Überwachungsbehörde die Auffassung, dass die Ausnahmeregelung sicherstellt, dass nachteilige Auswirkungen auf den Wettbewerb und den Marktzutritt vermieden werden. Dies ist in Anbetracht der Randnummer 3 der Regionalbeihilfeleitlinien als positiv zu betrachten, in der es heißt, dass die Beihilfenkontrolle bei Regionalbeihilfen dazu dient, die Erforderlichkeit der Beihilfen für die regionale Entwicklung abzuwägen und zugleich gleiche Rahmenbedingungen in den EWR-Staaten zu gewährleisten. Wie bereits angemerkt, hat die Überwachungsbehörde Zweifel an der Behauptung Kimeks, dass im Fördergebiet registrierte Unternehmen dauerhafteren Schwierigkeiten gegenüberstehen als Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer vorübergehend zur Arbeit in das betreffende Gebiet entsenden. Ganz im Gegenteil können außerhalb des Fördergebiets registrierte Unternehmen, beispielsweise aufgrund der Kosten für die Beförderung und Unterbringung von Personal, gegenüber örtlichen Firmen Wettbewerbsnachteile haben.
            
         
               (68)
            
            
               Unternehmen, die ambulante Leistungen erbringen, können in einem gewissen Umfang Untereinheiten im Fördergebiet registrieren lassen. Gäbe es keine Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen im Fördergebiet, käme es abhängig davon, ob das die Leistungen erbringende Unternehmen eine Untereinheit im Fördergebiet gegründet hat oder nicht, zu einer Ungleichbehandlung. Es bestünde die Gefahr, dass dies im Ausland registrierte Unternehmen stärker beeinträchtigen könnte als in Norwegen registrierte Unternehmen. Es ist davon auszugehen, dass nicht in Norwegen registrierte Unternehmen, insbesondere KMU, über weniger detaillierte Kenntnisse über die Besonderheiten der norwegischen Vorschriften für die Registrierung von Unternehmen und deren Auswirkungen auf die Sozialversicherungssätze verfügen. In Anbetracht dessen vertritt die Überwachungsbehörde die Auffassung, dass die Ausnahmeregelung sicherstellt, dass übermäßige negative Auswirkungen auf den Wettbewerb und den Handel zwischen EWR-Staaten (beispielsweise die Schaffung von Marktzutrittsschranken und die Umleitung von Handelsflüssen) vermieden werden. Dies steht im Einklang mit Randnummer 134 der Regionalbeihilfeleitlinien.
            
         
               (69)
            
            
               Aus der letzten Runde von Stellungnahmen der norwegischen Behörden ergibt sich das Bild, dass das norwegische Arbeitsrecht keine ungerechtfertigten Unterschiede bei der Behandlung von ambulante Leistungen erbringenden Unternehmen und örtlich registrierten Unternehmen macht, wie dies von den Beteiligten behauptet wird. Aus diesem Grund geht die Überwachungsbehörde auf dieses Argument nicht näher ein.
            
         
               (70)
            
            
               In Anbetracht der obigen Ausführungen zieht die Überwachungsbehörde den Schluss, dass die Ausnahmeregelung nach Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens mit dem EWR-Abkommen vereinbar ist.
            
         4.   Schlussfolgerung
   
   
               (71)
            
            
               Wie vorstehend dargelegt, gelangt die Überwachungsbehörde zu dem Schluss, dass die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen von der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 mit dem EWR-Abkommen vereinbar ist. Die Ausnahmeregelung wird folglich als Bestandteil der genannten Beihilferegelung zugelassen, bis die Genehmigung der Überwachungsbehörde für diese Regelung am 31. Dezember 2020 erlischt —
            
         HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
   Artikel 1
   Die Ausnahmeregelung für ambulante Leistungen im Rahmen der Regelung für differenzierte Sozialversicherungsbeiträge für den Zeitraum 2014-2020 ist nach Artikel 61 Absatz 3 Buchstabe c des EWR-Abkommens mit dem EWR-Abkommen vereinbar. Das förmliche Prüfverfahren ist hiermit abgeschlossen.
   Artikel 2
   Die Durchführung der Maßnahme wird daher genehmigt.
   Artikel 3
   Diese Entscheidung ist an das Königreich Norwegen gerichtet.
   Artikel 4
   Nur die englische Sprachfassung dieser Entscheidung ist verbindlich.
   
      Geschehen zu Brüssel am 31. Mai 2017.
      
         
            Für die EFTA-Überwachungsbehörde
         
         Sven Erik SVEDMAN
         
            Präsident
         
         Frank J. BÜCHEL
         
            Mitglied des Kollegiums
         
      
   
   
      (1)  Unterlagen Nr. 702438-702440, 702442 und 702443.
   
      (2)  Entscheidung Nr. 225/14/COL (ABl. C 344 vom 2.10.2014, S. 14 und EWR-Beilage Nr. 55 vom 2.10.2014, S. 4), Erwägungsgrund 2.
   
      (3)  Rechtssache E-23/14, Kimek Offshore AS/EFTA-Überwachungsbehörde [2015], Bericht des EFTA-Gerichtshofs 412.
   
      (4)  Unterlage Nr. 776348.
   
      (5)  Unterlagen Nr. 779603 und 779604.
   
      (6)  Unterlage Nr. 787605.
   
      (7)  ABl. C 263 vom 30.6.2016, S. 21 und EWR-Beilage Nr. 36 vom 30.6.2016, S. 3.
   
      (8)  Unterlage Nr. 804442.
   
      (9)  Unterlage Nr. 811491.
   
      (10)  Unterlage Nr. 813803.
   
      (11)  Unterlage Nr. 816653.
   
      (12)  LOV-1997-02-28-19.
   
      (13)  Weitere Einzelheiten über die Beihilferegelung sind der Entscheidung Nr. 225/14/COL der Überwachungsbehörde zu entnehmen.
   
      (14)  Gesetz über das Koordinierungsregister für juristische Personen (LOV-1994-06-03-15).
   
      (15)  Rechtssache E-23/14, Kimek Offshore AS/EFTA-Überwachungsbehörde [2015], Bericht des EFTA-Gerichtshofs 412, Rn. 116.
   
      (16)  ABl. L 166 vom 5.6.2014, S. 44. und EWR-Beilage Nr. 33 vom 5.6.2014, S. 1.
   
      (17)  Vgl. das Urteil des EFTA-Gerichtshofs vom 23.11.2015 in der Sache E-23/14, Kimek Offshore AS/EFTA-Überwachungsbehörde [2015], Bericht des EFTA-Gerichtshofs 666.
   
      (18)  Frühere Stellungnahmen der norwegischen Behörden werden in der Entscheidung zur Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens zusammengefasst (Entscheidung Nr. 489/15/COL, Erwägungsgründe 15-21).
   
      (19)  Vgl. Entscheidung Nr. 225/14/COL, Erwägungsgrund 49.
   
      (20)  Verordnung (EU) Nr. 1407/2013 der Kommission vom 18. Dezember 2013 über die Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis-Beihilfen (ABl. L 352 vom 24.12.2013, S. 1), übernommen in das EWR-Abkommen durch Anhang XV Nummer 1ea.
   
      (21)  NAV Finnmark Bedriftsundersøkelse 2016, Notat 1 2016, (auf Norwegisch, Englisch und Samisch) verfügbar unter: https://www.nav.no/no/Lokalt/Finnmark/Statistikk+og+presse/bedriftsunders%C3%B8kelse--378352.
   
      (22)  Snøhvit og andre eventyr, NHO, (auf Norwegisch) verfügbar unter: http://www.aksjonsprogrammet.no/vedlegg/Snohvit_12des.pdf und Ringvirkninger av petroleumsnæringen i norsk økonomi, Statistics Norway, (auf Norwegisch) verfügbar unter: https://www.ssb.no/nasjonalregnskap-og-konjunkturer/artikler-og-publikasjoner/_attachment/218398?_ts=14b82bba2f0.
   
      (23)  Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung („AGVO“) (Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der Kommission vom 17. Juni 2014 zur Feststellung der Vereinbarkeit bestimmter Gruppen von Beihilfen mit dem Binnenmarkt in Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (ABl. L 187 vom 26.6.2014, S. 1), übernommen in das EWR-Abkommen durch Anhang XV Nummer 1j). Die am 17.5.2017 von der Europäischen Kommission grundsätzlich gebilligten Änderungen der Regionalbeihilfevorschriften ändern dies nicht. Nach Artikel 15 Absatz 3 Buchstabe a der Änderungsverordnung sind regionale Betriebsbeihilfen zulässig, sofern die Beihilfeempfänger in Gebieten mit sehr geringer Bevölkerungsdichte wirtschaftlich tätig sind. Die Änderungsverordnung ist unter folgender Adresse verfügbar: http://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:32017R1084.
   
      (24)  Randnummer 6 der Regionalbeihilfeleitlinien.
   
      (25)  Vgl. Entscheidung Nr. 91/14/COL (ABl. L 172 vom 12.6.2014, S. 52).
   
      (26)  Randnummer 16 der Regionalbeihilfeleitlinien.
   
      (27)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 85-91.
   
      (28)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 92-99.
   
      (29)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 100-107.
   
      (30)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 108-112.
   
      (31)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 113-117.
   
      (32)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 118-121.
   
      (33)  Urteil des EFTA-Gerichtshofs in der Sache E-23/14 Kimek Offshore AS/EFTA-Überwachungsbehörde [2015], Bericht des EFTA-Gerichtshofs 412, Rn. 58.
   
      (34)  Diesbezüglich merkt die Überwachungsbehörde an, dass die Tätigkeiten, die potenziell unter die Ausnahmeregelung fallen, durch das norwegische Gesetz über die Registrierung von Geschäftstätigkeiten beschränkt werden (vgl. Erwägungsgründe 11 und 12).
   
      (35)  Das Ziel von Regionalbeihilfen besteht in der Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung bestimmter benachteiligter Gebiete (Randnummer 1 der Regionalbeihilfeleitlinien). Zu diesem Zweck werden zusätzliche wirtschaftliche Tätigkeiten in den betroffenen Gebieten gefördert (Randnummer 6 der Regionalbeihilfeleitlinien). Anreize für die Schaffung dauerhafter Arbeitsverhältnisse sind eine Möglichkeit, dies zu erreichen; sie stellen aber nicht die einzige Lösung dar.
   
      (36)  Vgl. Entscheidung der Überwachungsbehörde Nr. 225/14/COL, Erwägungsgründe 11-16.