CELEX: 52012PC0147
Language: de
Date: 2012-03-28
Title: Vorschlag für eine RICHTLINIE DES RATES zur Festlegung von Anforderungen an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in Wasser für den menschlichen Gebrauch

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		52012PC0147
		
			Vorschlag für eine RICHTLINIE DES RATES zur Festlegung von Anforderungen an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in Wasser für den menschlichen Gebrauch /* COM/2012/0147 final - 2012/0074 (NLE) */
			
				
		
		
			
			   	BEGRÜNDUNG
1.           Begründung des Vorschlags
Wasser gehört zu
den Bereichen, die im EU-Umweltrecht am umfassendsten reglementiert sind. Die
Anfänge der europäischen Wasserpolitik gehen auf die 1970er Jahre zurück, als
erstmals einschlägige politische Programme sowie rechtlich verbindliche
Vorschriften verabschiedet wurden.
Am
3. November 1998 verabschiedete der Rat die Richtlinie 98/83/EG über die
Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch. Diese neue Richtlinie musste
bis Ende 2000 in innerstaatliches Recht umgesetzt werden und ihre Anforderungen
mussten ab Ende 2003 erfüllt werden.
Die Kontamination
von Trinkwasser durch radioaktive Stoffe kann durch unfallbedingte
Freisetzungen von Radioaktivität oder durch unsachgemäße Entsorgungsmethoden
entstehen. Wassersysteme, die für diese Art der Verseuchung anfällig sind,
unterliegen einer umfassenden Überwachung im Hinblick auf radioaktive
Kontamination, damit sichergestellt ist, dass das Wasser unbedenklich als
Trinkwasser genutzt werden kann. In Europa gibt es viele Regionen, deren
geologische und hydrologische Merkmale so beschaffen sind, dass das natürliche
Vorkommen radioaktiver Stoffe bedenklich ist.
Bislang sind die
Anforderungen an die Überwachung von Tritium und die Gesamtrichtdosis gemäß der
Ratsrichtlinie 98/83/EG nicht umgesetzt worden, da die Annahme der Änderungen
der Anhänge II (Überwachung) und III (Spezifikationen für die Analyse der
Parameter) noch aussteht. Vor rund sechs Jahren wurden technische Anforderungen
an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe
in Wasser für den menschlichen Gebrauch ausgearbeitet. Dazu hat ein
Konsultationsprozess mit der in Artikel 31 des Euratom-Vertrags
vorgesehenen Sachverständigengruppe, dem gemäß der Trinkwasserrichtlinie eingesetzten
Ausschuss und dem auf der Grundlage der Artikel 35 und 36 des
Euratom-Vertrags eingesetzten Ausschuss von Vertretern der Mitgliedstaaten
stattgefunden. 
Die in
Anhang I Teil C festgelegten Indikatorparameter für die
Radioaktivität und Tritium und die zugehörigen Überwachungsvorschriften in
Anhang II der Richtlinie 98/83/EG fallen eigentlich in den Geltungsbereich
der in Artikel 30 des Euratom-Vertrags genannten Grundnormen. Deshalb ist
es gerechtfertigt, die Anforderungen an die Überwachung von Radioaktivitätswerten
in einen gesonderten, nach dem Euratom-Vertrag erlassenen Rechtsakt
aufzunehmen, um die Einheitlichkeit, Kohärenz und Vollständigkeit der
Rechtsvorschriften zum Strahlenschutz auf Gemeinschaftsebene zu wahren.
Daher hat die Europäische Kommission am
27. Juni 2011 auf der Grundlage von Artikel 31 des Euratom-Vertrags
einen Vorschlagsentwurf angenommen, mit dem Anforderungen an den Schutz der
Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in Wasser für den
menschlichen Gebrauch festgelegt werden.
Am
27. Oktober 2011 hat der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss
(EWSA) eine Stellungnahme zu diesem Vorschlagsentwurf der Kommission abgegeben,
in dem unter anderem gefordert wird, dass Radon in den Anwendungsbereich der
Richtlinie aufgenommen wird. Der EWSA verwies auf die Empfehlung der Kommission
(2001/928/Euratom) über den Schutz der Öffentlichkeit vor der Exposition
gegenüber Radon im Trinkwasser. 1998 war Radongas aus dem Anwendungsbereich der
Richtlinie ausgenommen worden, da eher das Risiko einer Inhalation besteht als
der Ingestion über das Trinkwasser. Im Vordergrund des Vorschlagsentwurfs für
eine Euratom-Richtlinie hatte die Änderung der Rechtsgrundlage – ohne
inhaltliche Änderungen – gestanden, doch die Kommission stimmt der Empfehlung
des EWSA zu und hat daher Radongas nunmehr in die Richtlinie einbezogen. Um der
speziellen Eigenschaft von Radongas Rechnung zu tragen, wird es als
eigenständiger Indikatorparameter aufgenommen, während die langlebigen
Radon-Zerfallsprodukte in die Berechnung der Gesamtrichtdosis nach der
Richtlinie 98/83/EG einfließen.
Der EWSA sprach
sich außerdem dafür aus, die allgemeinen Bestimmungen der Richtlinie 98/83/EG
möglichst umfassend zu übernehmen, damit eine kohärente Strategie verfolgt wird.
Dies würde unter anderem die Einbeziehung von in Flaschen abgefülltem Wasser
erfordern. Die Kommission stimmt dieser Empfehlung zu, muss aber auch
berücksichtigen, dass nach der Verabschiedung der EG-Richtlinie von 1998 im
generellen Zusammenhang der Lebensmittelsicherheit spezielle Rechtsvorschriften
für die Überwachung von in Flaschen abgefülltem Wasser angenommen wurden. Daher
bezieht der neue Kommissionsvorschlag zum einen Flaschenwasser in den
Anwendungsbereich der Richtlinie ein und verweist zum anderen auf die in der
Verordnung (EG) Nr. 852/2004
festgelegten Überwachungskriterien.
Unter
Berücksichtigung des allgemeinen Grundsatzes in der Rechtstheorie und –praxis,
wonach eine Rechtsnorm, die einen Einzelaspekt regelt, einer Rechtsnorm, die
lediglich allgemeine Aspekte regelt, vorgeht („lex specialis derogat legi
generali“) – ersetzen die Bestimmungen der Richtlinie nach dem Euratom-Vertrag
diejenigen der Richtlinie 98/83/EG in Bezug auf radioaktive Stoffe im
Trinkwasser. In einem zweiten Schritt wird die Kommission die Streichung von
Tritium und der Gesamtrichtdosis aus der Liste der Parameter in Anhang I
Teil C der Richtlinie 98/83/EG und die Aufhebung sämtlicher Bezugnahmen
auf diese Parameterwerte vorschlagen.
2.           Subsidiarität und
Verhältnismäßigkeit
• Rechtsgrundlage
Die Bestimmungen
dieser Richtlinie stehen in Zusammenhang mit den Grundnormen für den Schutz der
Gesundheit der Arbeitskräfte und der Bevölkerung. Daher wird als
Rechtsgrundlage der Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft,
insbesondere die Artikel 31 und 32, gewählt.
•
Subsidiaritätsprinzip
Das
Subsidiaritätsprinzip gelangt zur Anwendung, soweit der Vorschlag nicht unter
die ausschließliche Zuständigkeit der Gemeinschaft fällt. Da die
Legislativbefugnisse der Gemeinschaft nach Titel II Kapitel III des
Euratom-Vertrags ausschließlich sind, unterliegen sie nicht dem
Subsidiaritätsgrundsatz.
• Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit
Der Vorschlag
entspricht aus folgendem Grund (aus folgenden Gründen) dem Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit:
Der Vorschlag
legt harmonisierte Mindeststandards für die Überwachung von Radon, Tritium und
der Gesamtrichtdosis fest und passt die Anforderungen der Richtlinie 98/83/EG
hinsichtlich Radioaktivität dem jüngsten wissenschaftlichen und technischen
Fortschritt an.
• Wahl des
Instruments
Die Gemeinschaft
ist für die Festlegung einheitlicher Strahlenschutzvorschriften zuständig, mit
denen ein hoher Gesundheitsschutz der Arbeitskräfte und der Bevölkerung
gesichert werden soll. Die Mitgliedstaaten müssen diese in ihr innerstaatliches
Recht umsetzen und sie anwenden.
Eine Richtlinie
ist daher am besten geeignet, ein gemeinsames Konzept für die Festlegung von
Anforderungen an Radioaktivitätsparameter für die Überwachung der Qualität von
Wasser für den menschlichen Gebrauch unter Berücksichtigung des
wissenschaftlichen und technischen Fortschritts auf den Weg zu bringen.
Daher werden
harmonisierte Anforderungen an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung
hinsichtlich radioaktiver Stoffe in Wasser für den menschlichen Gebrauch
festgelegt.
3.           Auswirkungen auf DEN
Haushalt
Der Vorschlag hat
keine Auswirkungen auf den Gemeinschaftshaushalt.
2012/0074 (NLE)
Vorschlag für eine
RICHTLINIE DES RATES
zur Festlegung von Anforderungen an den
Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in
Wasser für den menschlichen Gebrauch
DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der
Europäischen Atomgemeinschaft, insbesondere auf die Artikel 31 und 32,
gestützt auf den Vorschlag der Kommission[1], der gemäß Artikel 31 des
Euratom-Vertrags nach Stellungnahme einer Gruppe von Persönlichkeiten
ausgearbeitet wurde, die der Ausschuss für Wissenschaft und Technik aus
wissenschaftlichen Sachverständigen der Mitgliedstaaten ernannt hat,
nach Stellungnahme des Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschusses[2],
nach Anhörung des Europäischen Parlaments[3],
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)       Die Einnahme von Wasser ist
einer der Pfade, mit denen radioaktive Stoffe in den menschlichen Körper gelangen.
In Übereinstimmung mit der Richtlinie 96/29/Euratom des Rates vom 13. Mai
1996 zur Festlegung der grundlegenden Sicherheitsnormen für den Schutz der
Gesundheit der Arbeitskräfte und der Bevölkerung gegen die Gefahren durch
ionisierende Strahlungen[4]
muss der Beitrag der mit einer Gefährdung durch ionisierende Strahlung
verbundenen Tätigkeiten zur Strahlenexposition der Bevölkerung insgesamt so
niedrig gehalten werden, wie dies vernünftigerweise erreichbar ist.
(2)       Angesichts der Bedeutung, die
die Qualität des für den menschlichen Gebrauch bestimmten Wassers für die
menschliche Gesundheit hat, sind auf Gemeinschaftsebene Qualitätsstandards
festzulegen, die eine Indikatorfunktion haben, und ist die Überwachung der
Einhaltung dieser Standards vorzusehen.
(3)       In Anhang I Teil C
der Richtlinie 98/83/EG des Rates vom 3. November 1998 über die Qualität
von Wasser für den menschlichen Gebrauch[5]
wurden bereits Indikatorparameter für radioaktive Stoffe und in Anhang II
die zugehörigen Überwachungsvorschriften festgelegt. Diese Parameter fallen
jedoch in den Geltungsbereich der in Artikel 30 des Euratom-Vertrags
definierten Grundnormen.
(4)       Die Anforderungen an die
Überwachung der Radioaktivitätswerte in für den menschlichen Gebrauch
bestimmtem Wasser sollten daher in gesonderten Rechtsvorschriften beschlossen
werden, die Einheitlichkeit, Kohärenz und Vollständigkeit der
Rechtsvorschriften zum Strahlenschutz im Rahmen des Euratom-Vertrags
gewährleisten.
(5)       Die Bestimmungen dieser gemäß
dem Euratom-Vertrag erlassenen Richtlinie sollten diejenigen der Richtlinie
98/83/EG in Bezug auf die Kontamination von Trinkwasser durch radioaktive
Stoffe ersetzen.
(6)       Bei Nichteinhaltung eines
Parameters mit Indikatorfunktion sollte der betreffende Mitgliedstaat prüfen,
ob die Überschreitung der Werte ein Risiko für die menschliche Gesundheit
darstellt, und erforderlichenfalls Abhilfemaßnahmen zur Wiederherstellung der
Qualität des Wassers treffen.
(7)       Die Verbraucher sollten in
angemessener und geeigneter Weise über die Qualität des Wassers für den
menschlichen Gebrauch unterrichtet werden.
(8)       Es ist notwendig, natürliche
Mineralwässer und Wässer, die Arzneimittel sind, aus dem Anwendungsbereich
dieser Richtlinie herauszunehmen, da für sie in der Richtlinie 2009/54/EG des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Juni 2009 über die Gewinnung von
und den Handel mit natürlichen Mineralwässern[6]
und in der Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom
6. November 2001 zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für
Humanarzneimittel[7]
besondere Regelungen festgelegt wurden. Zur Prüfung, ob die
Konzentrationen radioaktiver Stoffe den in der vorliegenden Richtlinie
festgelegten Parameterwerten entsprechen, sollte die Überwachung von Wasser
– mit Ausnahme von natürlichen Mineralwässern –, das in Flaschen oder
andere Behältnisse abgefüllt und zum Verkauf bestimmt ist, in Übereinstimmung
mit den in der Verordnung (EG) Nr. 852/2004[8] vorgeschriebenen Grundsätzen
für die Gefahrenanalyse und die kritischen Kontrollpunkte (HACCP) durchgeführt
werden.
(9)       Jeder Mitgliedstaat sollte
Überwachungsprogramme einrichten, um zu prüfen, ob Wasser für den menschlichen
Gebrauch den Anforderungen dieser Richtlinie genügt.
(10)     Zur Analyse der Qualität von
Wasser für den menschlichen Gebrauch sollten Verfahren eingesetzt werden, mit
denen sichergestellt wird, dass zuverlässige und vergleichbare Ergebnisse
erzielt werden.
(11)     Die Empfehlung der Kommission
2001/928/Euratom vom 20. Dezember 2001 über den Schutz der Öffentlichkeit
vor der Exposition gegenüber Radon im Trinkwasser[9] befasst sich mit der
radiologischen Qualität von Trinkwasser im Hinblick auf Radon und langlebige
Radon-Zerfallsprodukte und es ist zweckmäßig, diese Radionuklide in den
Anwendungsbereich dieser Richtlinie aufzunehmen –
HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:
Artikel 1
Gegenstand 
Diese Richtlinie legt Anforderungen an den
Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe in
Wasser für den menschlichen Gebrauch fest. Sie bestimmt Parameterwerte sowie
Häufigkeit und Methoden für die Überwachung radioaktiver Stoffe. 
Artikel 2
Begriffsbestimmungen 
Für diese Richtlinie gelten die
Begriffsbestimmungen in Artikel 2 der Richtlinie 98/83/EG des Rates.
Artikel 3
Anwendungsbereich
Diese Richtlinie gilt für Wasser für den
menschlichen Gebrauch mit den in Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie
98/83/EG aufgeführten und den in Artikel 3 Absatz 2 der genannten
Richtlinie zugelassenen Ausnahmen. 
Artikel 4
Allgemeine Verpflichtungen 
Unbeschadet der Bestimmungen in Artikel 6
Absatz 3 Buchstabe a der Richtlinie 96/29/Euratom treffen die
Mitgliedstaaten alle erforderlichen Maßnahmen zur Einrichtung eines
Überwachungsprogramms, um die Übereinstimmung von Wasser für den menschlichen
Gebrauch mit den gemäß der vorliegenden Richtlinie festgesetzten
Parameterwerten sicherzustellen.
Artikel 5
Parameterwerte
Die Mitgliedstaaten legen Parameterwerte für
die Überwachung radioaktiver Stoffe in Wasser für den menschlichen Gebrauch im
Einklang mit Anhang I fest; für Wasser, das in Flaschen oder andere
Behältnisse abgefüllt und zum Verkauf bestimmt ist, erfolgt dies unbeschadet
der in der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 festgelegten Grundsätze der
Gefahrenanalyse und kritischen Kontrollpunkte (HACCP).
Artikel 6
Überwachung 
Die Mitgliedstaaten sorgen für eine
regelmäßige Überwachung der Qualität des Wassers für den menschlichen Gebrauch
im Einklang mit Anhang II, bei der geprüft wird, ob die Konzentrationen
radioaktiver Stoffe die gemäß Artikel 5 festgelegten Parameterwerte nicht
übersteigen.
Artikel 7
Probenahmestellen 
Die Mitgliedstaaten können an folgenden
Stellen Proben nehmen:
(a)                   
bei Wasser, das aus einem Verteilungsnetz stammt,
an einer Stelle innerhalb des Versorgungsgebiets oder in den
Aufbereitungsanlagen, wenn nachgewiesen werden kann, dass eine solche
Probenahme denselben oder einen höheren Messwert für die betreffenden Parameter
ergibt;
(b)                   
bei Wasser aus Tankfahrzeugen an der Entnahmestelle
am Tankfahrzeug;
(c)                   
bei Wasser, das in Flaschen oder andere Behältnisse
abgefüllt und zum Verkauf bestimmt ist, am Punkt der Abfüllung;
(d)                   
bei in einem Lebensmittelbetrieb verwendetem Wasser
an der Stelle der Verwendung des Wassers im Betrieb.
Artikel 8
Probenahme und Analyse 
1. Die Proben, die für die Qualität des im
Laufe des gesamten Jahres verbrauchten Wassers repräsentativ sein müssen, sind
gemäß den in Anhang III beschriebenen Methoden zu entnehmen und zu
analysieren. 
2. Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass
alle Laboratorien, in denen Proben von Wasser für den menschlichen Gebrauch
analysiert werden, über ein Qualitätskontrollsystem für die Analysen verfügen.
Sie stellen sicher, dass das System gelegentlichen Kontrollen durch einen
unabhängigen Prüfer, der von der zuständigen Behörde hierfür zugelassen wurde,
unterzogen wird.
Artikel 9 
Abhilfemaßnahmen und Unterrichtung der Verbraucher 
1. Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass
jede Nichteinhaltung der gemäß Artikel 5 festgelegten Parameterwerte
unverzüglich untersucht wird, um ihre Ursache zu ermitteln.
2. Kommt es zu einer Nichteinhaltung der gemäß
Artikel 5 festgelegten Parameterwerte, prüft der Mitgliedstaat, ob diese
Nichteinhaltung ein Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt. Falls ein
solches Risiko besteht, trifft der Mitgliedstaat Abhilfemaßnahmen zur
Wiederherstellung der Qualität des Wassers.
3. Kann das Risiko für die menschliche
Gesundheit nicht als unerheblich angesehen werden, sorgen die Mitgliedstaaten
dafür, dass die Verbraucher unterrichtet werden.
Artikel 10
Umsetzung 
1. Die Mitgliedstaaten erlassen die
erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften, um dieser Richtlinie
spätestens [ein Jahr nach dem in Artikel 11 genannten Datum – genaues
Datum wird vom Amt für Veröffentlichungen eingesetzt] nachzukommen. Sie
teilen der Kommission unverzüglich den Wortlaut dieser Rechtsvorschriften mit.
Bei Erlass dieser Vorschriften nehmen die
Mitgliedstaaten in den Vorschriften selbst oder durch einen Hinweis bei der
amtlichen Veröffentlichung auf diese Richtlinie Bezug. Die Mitgliedstaaten
regeln die Einzelheiten dieser Bezugnahme.
2. Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission
den Wortlaut der wichtigsten innerstaatlichen Rechtsvorschriften mit, die sie
auf dem unter diese Richtlinie fallenden Gebiet erlassen.
Artikel 11
Inkrafttreten
Diese Richtlinie tritt am zwanzigsten Tag nach
ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.
Artikel 12
Adressaten
Diese Richtlinie ist an die Mitgliedstaaten
gerichtet.
Geschehen zu Brüssel am 
                                                                       Im
Namen des Rates
                                                                       Der
Präsident
ANHANG I
Parameterwerte für Radon und Tritium und Parameterwerte für die
Gesamtrichtdosis für andere radioaktive Stoffe in Wasser für den menschlichen
Gebrauch
Radioaktivität
 Parameter || Parameterwert || Einheit || Anmerkungen 
 Radon || 100 || Bq/l ||   
 Tritium || 100 || Bq/l ||   
 Gesamtrichtdosis || 0,10 || mSv/Jahr || (Anm. 1) 
Anmerkung
1: Ohne Tritium, Kalium -40, Radon und kurzlebige Radon-Zerfallsprodukte 
ANHANG II
Überwachung radioaktiver Stoffe
1. Allgemeine
Grundsätze und Überwachungshäufigkeit
Ein Mitgliedstaat
ist nicht verpflichtet, eine Überwachung von Trinkwasser im Hinblick auf
Tritium oder Radioaktivität zur Feststellung der Gesamtrichtdosis
durchzuführen, wenn er – auf der Grundlage anderer Überwachungsmaßnahmen –
davon überzeugt ist, dass die Werte sowohl für Tritium als auch für die
berechnete Gesamtrichtdosis deutlich unter dem Parameterwert liegen. Die
Überwachung von Trinkwasser im Hinblick auf Radon ist nicht erforderlich, wenn
ein Mitgliedstaat – auf der Grundlage anderer Überwachungsmaßnahmen – davon
überzeugt ist, dass die Werte für Radon deutlich unter dem Parameterwert
liegen. In diesen Fällen teilt er der Kommission die Gründe für seine
Entscheidung einschließlich der Ergebnisse der anderen Überwachungsmaßnahmen
mit.
2. Radon und Tritium
Die Überwachung von Trinkwasser im Hinblick
auf Radon oder Tritium ist notwendig, wenn sich im Wassereinzugsgebiet eine
Radon- oder Tritiumquelle befindet und anhand anderer Überwachungsprogramme
oder Untersuchungen nicht nachgewiesen werden kann, dass der Radon- oder
Tritiumgehalt deutlich unter dem Parameterindikatorwert von 100 Bq/l
liegt. Ist eine Überwachung im Hinblick auf Radon oder Tritium erforderlich,
ist sie mit der angegebenen Kontrollhäufigkeit durchzuführen.
3. Gesamtrichtdosis
Die Überwachung von Trinkwasser im Hinblick
auf die Gesamtrichtdosis (GRD) ist notwendig, wenn sich im Wassereinzugsgebiet
eine Quelle künstlicher oder verstärkter natürlicher Radioaktivität befindet
und anhand anderer Überwachungsprogramme oder Untersuchungen nicht nachgewiesen
werden kann, dass die GRD deutlich unter dem Parameterindikatorwert von
0,1 mSv/Jahr liegt. Ist eine Überwachung im Hinblick auf den Gehalt an
künstlichen Radionukliden erforderlich, ist sie mit der in der Tabelle
angegebenen Kontrollhäufigkeit durchzuführen. Ist eine Überwachung im Hinblick
auf den Gehalt an natürlichen Radionukliden erforderlich, legen die
Mitgliedstaaten die Häufigkeit der Kontrollen unter Berücksichtigung aller
einschlägigen verfügbaren Informationen über zeitlich bedingte Schwankungen des
Gehalts an natürlichen Radionukliden in verschiedenen Arten von Gewässern fest.
Je nach den voraussichtlichen Schwankungen kann die Überwachungshäufigkeit von
einer einzelnen Kontrollmessung bis zu der angegebenen Kontrollhäufigkeit
reichen. Ist nur eine einzelne Kontrollmessung im Hinblick auf natürliche
Radioaktivität erforderlich, ist vorzuschreiben, dass eine erneute Kontrolle
zumindest dann erfolgen muss, wenn bei der Versorgung eine Veränderung
eintritt, die sich voraussichtlich auf die Radionuklidkonzentrationen im
Trinkwasser auswirkt. 
Wenn Methoden zur Beseitigung von
Radionukliden aus dem Trinkwasser angewandt werden, mit denen sichergestellt
wird, dass ein Parameterwert nicht überschritten wird, sind die Kontrollen mit
der angegebenen Häufigkeit durchzuführen.
Werden die Ergebnisse von anderen
Überwachungsprogrammen oder Untersuchungen als den nach Unterabsatz 1
vorgeschriebenen verwendet, um sicherzustellen, dass diese Richtlinie
eingehalten wird, teilt der Mitgliedstaat der Kommission die Gründe für seine
Entscheidung einschließlich der Ergebnisse dieser anderen Überwachungsprogramme
bzw. Untersuchungen mit.
4. Die Kontrollen im Rahmen der Überwachung
sind mit der in der folgenden Tabelle angegebenen Häufigkeit durchzuführen: 
TABELLE 
Häufigkeit der Kontrollen zur Überwachung von Wasser für den menschlichen
Gebrauch, das aus einem Verteilungsnetz bereitgestellt wird 
 Menge des in einem Versorgungsgebiet pro Tag abgegebenen oder produzierten Wassers (Anm. 1 und 2) m³ || Anzahl der Proben pro Jahr (Anm. 3) 
 ≤ 100 || (Anm. 4) 
 > 100 ≤ 1 000 || 1 
 > 1 000 ≤ 10 000 || 1 + 1 pro 3 300 m3/Tag und Teil davon, bezogen auf die Gesamtmenge 
 > 10 000 ≤ 100 000 || 3 + 1 pro 10 000 m3/Tag und Teil davon, bezogen auf die Gesamtmenge 
 > 100 000 || 10 + 1 pro 25 000 m3/Tag und Teil davon, bezogen auf die Gesamtmenge 
Anmerkung
1: Ein Versorgungsgebiet ist ein geographisch
definiertes Gebiet, in dem das Wasser für
den menschlichen Gebrauch aus einer oder
mehreren Quellen kommt und in dem die Wasserqualität als nahezu einheitlich
angesehen werden kann.
Anmerkung
2: Die Mengen werden als Mittelwerte über ein Kalenderjahr hinweg berechnet.
Anstelle der Menge des abgegebenen oder produzierten Wassers können die
Mitgliedstaaten zur Bestimmung der Mindesthäufigkeit auch die Einwohnerzahl
eines Versorgungsgebiets heranziehen und einen täglichen
Pro-Kopf-Wasserverbrauch von 200 l ansetzen.
Anmerkung 3: Nach Möglichkeit sollten
die Probenahmen zeitlich und geografisch gleichmäßig verteilt sein.
Anmerkung 4: Die Häufigkeit wird von dem
betreffenden Mitgliedstaat festgelegt.
ANHANG III
Probenahmeverfahren und Analysemethoden
1. Überprüfung auf Einhaltung der
Gesamtrichtdosis (GRD)
Die Mitgliedstaaten können zur Überwachung des
Parameterindikatorwerts für die GRD – mit Ausnahme von Tritium, Kalium–40, Radon
und kurzlebigen Radon-Zerfallsprodukten – Prüfmethoden für die
Bruttoalphaaktivität und die Bruttobetaaktivität verwenden. 
Liegen die Bruttoalpha- und die
Bruttobetaaktivität unter 0,1 Bq/l bzw. 1,0 Bq/l, kann der Mitgliedstaat
davon ausgehen, dass die GRD unter dem Parameterindikatorwert von
0,1 mSv/Jahr liegt, und es sind keine weiteren radiologischen
Untersuchungen erforderlich, wenn nicht aus anderen Informationsquellen bekannt
ist, dass bestimmte Radionuklide in dem Wasserversorgungssystem vorhanden sind
und voraussichtlich zu einer GRD von über 0,1 mSv/Jahr führen. 
Liegt die Bruttoalphaaktivität über
0,1 Bq/l oder die Bruttobetaaktivität über 1,0 Bq/l, wird eine Analyse auf
spezifische Radionuklide verlangt. Welche Radionuklide zu messen sind, legen
die Mitgliedstaaten unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen über
mögliche Radioaktivitätsquellen fest. Da erhöhte Tritiumwerte ein Anzeichen
darauf sein können, dass andere künstliche Radionuklide vorhanden sind, sollten
Tritium, die Bruttoalphaaktivität und die Bruttobetaaktivität in derselben
Probe gemessen werden. 
Statt der oben erläuterten Bruttoalpha- und
Bruttobetaaktivitätsüberprüfung können die Mitgliedstaaten beschließen, andere
zuverlässige Prüfmethoden für Radionuklide zu verwenden, mit denen
Radioaktivität in Trinkwasser angezeigt wird. Wenn eine der
Aktivitätskonzentrationen 20 % der Referenzkonzentration übersteigt oder
wenn die Tritiumkonzentration ihren Parameterwert von 100 Bq/l übersteigt,
ist eine Analyse zusätzlicher Radionuklide erforderlich. Welche Radionuklide zu
messen sind, legen die Mitgliedstaaten unter Berücksichtigung aller relevanten
Informationen über mögliche Radioaktivitätsquellen fest.
2. Berechnung der Gesamtrichtdosis (GRD)
Die GRD ist die effektive Folgedosis für eine
Inkorporation während eines Jahres, die sich aus allen Radionukliden sowohl
natürlichen als auch künstlichen Ursprungs ergibt, welche in einem
Wasserversorgungssystem nachgewiesen wurden, mit Ausnahme von Tritium,
Kalium–40, Radon und kurzlebigen Radon-Zerfallsprodukten. Die GRD wird
berechnet anhand der Radionuklidkonzentrationen und der Dosiskoeffizienten für
Erwachsene aus Anhang III Tabelle A der Richtlinie 96/29/Euratom oder
aktuellerer, von den zuständigen Behörden des Mitgliedstaates anerkannter
Angaben. Trifft die folgende Formel zu, kann der Mitgliedstaat davon ausgehen,
dass die GRD unter dem Parameterindikatorwert von 0,1 mSv/Jahr liegt und
keine weitere Untersuchungen erforderlich sind:
 (1) 
wobei   
Ci(obs) =
beobachtete Konzentration des Radionuklids i
Ci(ref)  =
Referenzkonzentration des Radionuklids i 
            n          = Anzahl der
nachgewiesenen Radionuklide
Trifft die Formel nicht zu, gilt der
Parameterwert nur als überschritten, wenn die Radionuklide ein ganzes Jahr lang
in ähnlichen Aktivitätskonzentrationen ständig vorhanden sind. Die
Mitgliedstaaten legen fest, wie viele neue Probenahmen erforderlich sind, um zu
gewährleisten, dass die gemessenen Werte für eine durchschnittliche
Aktivitätskonzentration über ein ganzes Jahr repräsentativ sind. 
Referenzkonzentrationen für
Radioaktivität in Trinkwasser1
 Ursprung || Nuklid || Referenz- konzentration 
   natürlich || U-2382 || 3,0 Bq/l 
 U-2342 || 2,8 Bq/l 
 Ra-226 || 0,5 Bq/l 
 Ra-228 || 0,2 Bq/l 
 Pb-210 || 0,2 Bq/l 
 Po-210 || 0,1 Bq/l 
       künstlich || C-14 || 240 Bq/l 
 Sr-90 || 4,9 Bq/l 
 Pu-239/Pu-240 || 0,6 Bq/l 
 Am-241 || 0,7 Bq/l 
 Co-60 || 40 Bq/l 
 Cs-134 || 7,2 Bq/l 
 Cs-137 || 11 Bq/l 
 I-131 || 6.2 Bq/l 
1 Diese
Tabelle enthält die häufigsten natürlichen und künstlichen Radionuklide. Referenzkonzentrationen für sonstige
Radionuklide können berechnet werden anhand der Dosiskoeffizienten für
Erwachsene aus Anhang III Tabelle A der Richtlinie 96/29/Euratom oder
aktuellerer, von den zuständigen
Behörden des Mitgliedstaates anerkannten Angaben, wobei von einer Einnahme von
730 Litern pro Jahr auszugehen ist. 
2 Ein Milligramm (mg) natürliches Uran
enthält U-238 mit einer Radioaktivität von 12,3 Bq und U-234 mit einer
Radioaktivität von 12,3 Bq. Diese Tabelle
berücksichtigt nur die radiologischen Eigenschaften von Uran, nicht seine
chemische Toxizität.
3. Leistungsmerkmale und Analysemethoden
Für folgende Radioaktivitätsparameter sollen
die spezifizierten Leistungsmerkmale gewährleisten, dass das verwendete
Analyseverfahren mindestens geeignet ist, dem Parameterwert entsprechende
Konzentrationen mit der spezifizierten Nachweisgrenze zu messen. 
 Parameter || Nachweisgrenze (Anm. 1) || Anmerkungen 
 Radon || 10 Bq/l || Anm. 2, 3 
 Tritium || 10 Bq/l || Anm. 2, 3 
 Bruttoalpha Bruttobeta || 0,04 Bq/l 0,4 Bq/l || Anm. 2, 4 Anm. 2, 4 
 U-238 || 0,02 Bq/l || Anm. 2, 6 
 U-234 || 0,02 Bq/l || Anm. 2, 6 
 Ra-226 || 0,04 Bq/l || Anm. 2 
 Ra-228 || 0,08 Bq/l || Anm. 2, 5 
 Pb-210 || 0,02 Bq/l || Anm. 2 
 Po-210 || 0,01 Bq/l || Anm. 2 
 C-14 || 20 Bq/l || Anm. 2 
 Sr-90 || 0,4 Bq/l || Anm. 2 
 Pu-239/Pu-240 || 0,04 Bq/l || Anm. 2 
 Am-241 || 0,06 Bq/l || Anm. 2 
 Co-60 || 0,5 Bq/l || Anm. 2 
 Cs-134 || 0,5 Bq/l || Anm. 2 
 Cs-137 || 0,5 Bq/l || Anm. 2 
 I-131 || 0,5 Bq/l || Anm. 2 
Anmerkung
1: Die Nachweisgrenze sollte berechnet
werden gemäß ISO/DIS 11929-7: „Determination of the detection limit and
decision thresholds for ionising radiation measurements-Part 7: Fundamentals and
general applications“ mit Abweichungswahrscheinlichkeiten 1. und 2. Art von
jeweils 0,05.
Anmerkung
2: Messunsicherheiten sollten berechnet und gemeldet werden als vollständige
Standardunsicherheiten oder als erweiterte Standardunsicherheiten mit einem
Erweiterungsfaktor von 1,96 gemäß dem ISO-Leitfaden „Guide for the Expression
of Uncertainty in Measurement“ (ISO, Genf 1993, korrigierter Nachdruck Genf,
1995).
Anmerkung
3: Die Nachweisgrenze für Radon und für
Tritium liegt bei 10 % des Parameterwerts von 100 Bq/l.
Anmerkung
4: Die Nachweisgrenzen für die Bruttoalpha- und die Bruttobetaaktivität liegen
bei 40 % der Prüfwerte von 0,1 bzw. 1,0 Bq/l.
Anmerkung
5: Diese Nachweisgrenze gilt nur für routinemäßige Überprüfungen; für eine neue
Wasserquelle, für die plausibel ist, dass Ra-228 20 % der
Referenzkonzentration übersteigt, liegt die Nachweisgrenze für die erste
Kontrolle bei 0,02 Bq/l für spezifische Messungen für das Nuklid Ra-228. Dies
gilt auch, wenn eine anschließende erneute Kontrolle erforderlich ist.
Anmerkung
6: Der niedrige Wert der spezifizierten Nachweisgrenze für U ist auf die
Berücksichtigung der chemischen Toxizität von Uran zurückzuführen. 
[1]               ABl. C … vom …, S. 
[2]               ABl. C … vom …, S. 
[3]               ABl. C … vom …, S. 
[4]               ABl. L 159 vom 29.6.1996, S. 1.
[5]               ABl. L 330 vom 5.12.1998, S. 32.
[6]               ABl. L 164 vom 26.6.2009, S. 45.
[7]               ABl. L 311 vom 28.11.2001, S. 67.
[8]               ABl. L 226
vom 25.6.2004, S. 3.
[9]               ABl. L 344 vom 28.12.2001, S. 85.