CELEX: 62008TJ0085
Language: de
Date: 2010-07-09
Title: Urteil des Gerichts (Dritte Kammer) vom 9. Juli  2010. # Exalation Ltd gegen Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM). # Gemeinschaftsmarke - Anmeldung der Gemeinschaftswortmarke Vektor-Lycopin - Absolute Eintragungshindernisse - Fehlende Unterscheidungskraft - Beschreibender Charakter - Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung (EG) Nr. 40/94 (jetzt Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung [EG] Nr. 207/2009). # Rechtssache T-85/08.

Rechtssache T-85/08
      Exalation Ltd
      gegen
      Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM)
      „Gemeinschaftsmarke – Anmeldung der Gemeinschaftswortmarke Vektor‑Lycopin – Absolute Eintragungshindernisse – Fehlende Unterscheidungskraft – Beschreibender Charakter – Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung (EG) Nr. 40/94 (jetzt Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung [EG] Nr.
         207/2009)“
      
      Leitsätze des Urteils
      Gemeinschaftsmarke – Definition und Erwerb der Gemeinschaftsmarke – Absolute Eintragungshindernisse – Marken, die ausschließlich
            aus Zeichen oder Angaben bestehen, die zur Bezeichnung der Merkmale einer Ware dienen können
      (Verordnung Nr. 40/94 des Rates, Art. 7 Abs. 1 Buchst. c)
      Das Wortzeichen Vektor‑Lycopin, das für „[p]harmazeutische und veterinärmedizinische Erzeugnisse; Sanitärprodukte für medizinische
         Zwecke; diätetische Erzeugnisse für medizinische Zwecke, Babykost“, „Fleisch, Fisch, Geflügel und Wild; Fleischextrakte; konserviertes,
         getrocknetes und gekochtes Obst und Gemüse; Gallerten (Gelees), Konfitüren, Kompotte; Eier, Milch und Milchprodukte; Speiseöle
         und ‑fette“ sowie „Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Reis, Tapioka; Sago, Kaffeeersatzmittel; Mehle und Getreidepräparate, Brot,
         feine Backwaren und Konditorwaren, Speiseeis; Honig, Melassesirup; Hefe; Backpulver; Salz, Senf; Essig, Soßen (Würzmittel);
         Kühleis“, die in die Klassen 5, 29 und 30 des Abkommens von Nizza gehören, angemeldet wurde, ist für die in der Anmeldung
         der Gemeinschaftsmarke angegebenen Waren aus Sicht der sämtliche Hersteller und Verbraucher dieser Waren umfassenden maßgeblichen
         Verkehrskreise, d. h. sowohl bestimmter Fachleute als auch der breiten Öffentlichkeit, beschreibend im Sinne von Art. 7 Abs. 1
         Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke.
      
      Es ist davon auszugehen, dass die maßgeblichen Verkehrskreise Kenntnis von der Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ haben oder
         dass zumindest vernünftigerweise für die Zukunft zu erwarten ist, dass sie diese Kenntnis erwerben. Erstens bezeichnet dieser
         technische Begriff ein Nahrungsergänzungsmittel, das ein Teil der maßgeblichen Verkehrskreise, insbesondere Fachleute, die
         diätetische, pharmazeutische und veterinärmedizinische Präparate herstellen, zwangsläufig kennen wird. Zweitens ist die Bedeutung
         des Begriffs „Lycopin“ den Verbrauchern aller in der Anmeldung beanspruchten Waren leicht zugänglich. Die Bedeutung des Begriffs
         „Lycopin“ findet sich nämlich in Lexika und auf Internetseiten. Es ist somit wahrscheinlich, dass die mit diesem Begriff bezeichnete
         Substanz ebenfalls einem Teil der Verbraucher aller fraglichen Waren bekannt ist. Drittens lassen sich Verbraucher von pharmazeutischen,
         veterinärmedizinischen, diätetischen und Sanitärprodukten für medizinische Zwecke, denen die Bedeutung des Begriffs „Lycopin“
         nicht bekannt ist, oft vom unterrichteten Teil der maßgeblichen Verkehrskreise, d. h. von Ärzten, Apothekern, Diätassistenten
         und anderen Vertreibern der fraglichen Erzeugnisse, beraten. Über die Beratung durch verschreibende Personen oder über durch
         verschiedene Medien verbreitete Informationen kann somit der weniger gut informierte Teil der maßgeblichen Verkehrskreise
         Kenntnis von der Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ erlangen.
      
      Die maßgeblichen Verkehrskreise verstehen die Wortkombination Vektor‑Lycopin im Zusammenhang mit den von der Anmeldung erfassten
         Nahrungsmitteln sowie diätetischen, Sanitär-, veterinärmedizinischen und pharmazeutischen Produkten als Hinweis auf die Eigenschaft
         dieser Produkte als Überträger von Lycopin. Für die maßgeblichen Verkehrskreise brächte das angemeldete Zeichen im Zusammenhang
         mit den von der Anmeldung erfassten Waren nämlich zum Ausdruck, dass die fraglichen Erzeugnisse Lycopin enthalten und denjenigen,
         die es zu sich nehmen, dessen Aufnahme ermöglichen.
      
      Die Kombination der Begriffe „Vektor“ und „Lycopin“ im Zeichen Vektor‑Lycopin stellt für die maßgeblichen Verkehrskreise somit
         einen Hinweis auf die Eigenschaften der fraglichen Waren dar.
      
      (vgl. Randnrn. 36, 40-43, 56-58)
URTEIL DES GERICHTS (Dritte Kammer)
      9. Juli 2010(*)
      
      „Gemeinschaftsmarke – Anmeldung der Gemeinschaftswortmarke Vektor-Lycopin – Absolute Eintragungshindernisse – Fehlende Unterscheidungskraft – Beschreibender Charakter – Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung (EG) Nr. 40/94 (jetzt Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der Verordnung [EG] Nr. 207/2009)“
      In der Rechtssache T‑85/08
      Exalation Ltd mit Sitz in Ilford, Essex (Vereinigtes Königreich), Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt K. Zingsheim,
      
      Klägerin,
      gegen
      Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM), vertreten durch S. Schäffner als Bevollmächtigten,
      
      Beklagter,
      betreffend eine Klage gegen die Entscheidung der Vierten Beschwerdekammer des HABM vom 17. Dezember 2007 (Sache R 1037/2007‑4)
         über die Anmeldung des Wortzeichens Vektor‑Lycopin als Gemeinschaftsmarke
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Azizi, der Richterin E. Cremona und des Richters S. Frimodt Nielsen (Berichterstatter),
      Kanzler: K. Andová, Verwaltungsrätin,
      aufgrund der am 19. Februar 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangenen Klageschrift,
      aufgrund der am 15. Juli 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangenen Klagebeantwortung,
      auf die mündliche Verhandlung vom 2. März 2010
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Am 6. Januar 2006 meldete die Klägerin, die Exalation Ltd, nach der Verordnung (EG) Nr. 40/94 des Rates vom 20. Dezember 1993
         über die Gemeinschaftsmarke (ABl. 1994, L 11, S. 1) in geänderter Fassung (ersetzt durch die Verordnung [EG] Nr. 207/2009
         des Rates vom 26. Februar 2009 über die Gemeinschaftsmarke [ABl. L 78, S. 1]) beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt
         (Marken, Muster und Modelle) (HABM) eine Gemeinschaftsmarke an.
      
      2        Bei der angemeldeten Marke handelt es sich um das Wortzeichen Vektor-Lycopin.
      
      3        Die Marke wurde insbesondere für folgende Waren der Klassen 5, 29 und 30 des Abkommens von Nizza über die internationale Klassifikation
         von Waren und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken vom 15. Juni 1957 in revidierter und geänderter Fassung angemeldet:
      
      –        Klasse 5: „Pharmazeutische und veterinärmedizinische Erzeugnisse; Sanitärprodukte für medizinische Zwecke; diätetische Erzeugnisse
         für medizinische Zwecke, Babykost“;
      
      –        Klasse 29: „Fleisch, Fisch, Geflügel und Wild; Fleischextrakte; konserviertes, getrocknetes und gekochtes Obst und Gemüse;
         Gallerten (Gelees), Konfitüren, Kompotte; Eier, Milch und Milchprodukte; Speiseöle und ‑fette“;
      
      –        Klasse 30: „Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Reis, Tapioka; Sago, Kaffeeersatzmittel; Mehle und Getreidepräparate, Brot, feine
         Backwaren und Konditorwaren, Speiseeis; Honig, Melassesirup; Hefe; Backpulver; Salz, Senf; Essig, Soßen (Würzmittel); Kühleis“.
      
      4        Der Prüfer wies die Anmeldung mit Entscheidung vom 4. Mai 2007 (im Folgenden: Entscheidung des Prüfers) nach Art. 38 der Verordnung
         Nr. 40/94 (jetzt Art. 37 der Verordnung Nr. 207/2009) für die in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren zurück, weil die
         Marke Vektor‑Lycopin für das deutsch‑ und englischsprachige Publikum der Europäischen Gemeinschaft beschreibend und nicht
         unterscheidungskräftig sei und gemäß Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c und Abs. 2 der Verordnung Nr. 40/94 (jetzt Art. 7 Abs. 1
         Buchst. b und c und Abs. 2 der Verordnung Nr. 207/2009) nicht eingetragen werden könne.
      
      5        Am 3. Juli 2007 erhob die Klägerin gemäß den Art. 57 bis 62 der Verordnung Nr. 40/94 (jetzt Art. 58 bis 64 der Verordnung
         Nr. 207/2009) Beschwerde gegen die Entscheidung des Prüfers.
      
      6        Mit Entscheidung vom 17. Dezember 2007 (im Folgenden: angefochtene Entscheidung) wies die Vierte Beschwerdekammer des HABM
         die Beschwerde zurück und bestätigte die Entscheidung des Prüfers.
      
      7        In der angefochtenen Entscheidung vertrat die Beschwerdekammer die Ansicht, dass die in Art. 7 Abs. 1 Buchst. b und c der
         Verordnung Nr. 40/94 genannten absoluten Eintragungshindernisse in den deutsch‑ und englischsprachigen Teilen der Gemeinschaft
         bestünden. Diese Vorschriften in Verbindung mit Art. 7 Abs. 2 der Verordnung Nr. 40/94 stünden daher einer Eintragung der
         Marke Vektor‑Lycopin entgegen.
      
      8        Was das Bestehen des in Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 genannten absoluten Eintragungshindernisses angeht,
         so bestätigte die Beschwerdekammer die Beurteilung des Prüfers, nach der erstens der deutsche Begriff „Vektor“ in der Gentechnologie
         für Moleküle der Desoxyribonukleinsäure (DNA) verwendet werde, die zum Einschleusen von Fremd‑DNA in eine Wirtszelle dienten,
         und zweitens der Begriff „Vektor“ in der Medizin und im Pflanzenschutz Organismen bezeichne, die als Überträger von Krankheiten
         tätig seien (Randnr. 18 der angefochtenen Entscheidung).
      
      9        Die Beschwerdekammer hat ferner die Ausführungen des Prüfers gebilligt, nach denen der deutsche Begriff „Lycopin“ ein Carotinoid
         mit antioxidativen Eigenschaften bezeichnet (Randnr. 18 der angefochtenen Entscheidung).
      
      10      Sie hat außerdem darauf hingewiesen, dass die Begriffe „Vektor“ und „Lycopin“ den Regeln der deutschen und der englischen
         Sprache entsprechend durch einen Bindestrich miteinander verbunden seien (Randnr. 18 der angefochtenen Entscheidung).
      
      11      Die Beschwerdekammer hat sich schließlich die Feststellungen des Prüfers zu eigen gemacht, wonach das angemeldete Zeichen
         in seiner Gesamtheit in Bezug auf die in der Anmeldung genannten Waren eine konkret beschreibende Bedeutung habe. Es handele
         sich nämlich um ein Nahrungsergänzungsmittel, dessen Wirkstoff Bestandteil von pharmazeutischen Erzeugnissen, diätetischen
         Erzeugnissen für medizinische Zwecke, Babykost sowie sämtlichen in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Nahrungsmitteln der
         Klassen 29 und 30 sein könne (Randnrn. 19 bis 21 der angefochtenen Entscheidung).
      
      12      Bei der Bestimmung der maßgeblichen Verkehrskreise seien im Übrigen nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Hersteller
         und die Vertreiber der von der Anmeldung erfassten Waren einzubeziehen (Randnr. 23 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Anträge der Parteien
      13      In der Klageschrift beantragt die Klägerin,
      
      –        die angefochtene Entscheidung aufzuheben;
      –        die Entscheidung des Prüfers aufzuheben;
      –        das HABM zu verpflichten, die Marke Vektor‑Lycopin einzutragen;
      –        dem HABM die Kosten aufzuerlegen.
      14      Das HABM beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
      15      In der mündlichen Verhandlung hat die Klägerin erklärt, sie nehme ihren zweiten und dritten Klageantrag zurück. Diese Erklärung
         ist in das Sitzungsprotokoll aufgenommen worden.
      
       Rechtliche Würdigung
      16      Die Klägerin stützt ihren Antrag auf Aufhebung der angefochtenen Entscheidung auf zwei Gründe, erstens einen Verstoß gegen
         Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 und zweitens einen Verstoß gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 40/94.
         Zunächst ist der erste Klagegrund zu prüfen.
      
       Zum Klagegrund eines Verstoßes gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94
       Vorbringen der Parteien
      17      Die Klägerin macht erstens geltend, dass das Zeichen Vektor‑Lycopin aus zwei Einzelteilen bestehe, die in der Wortkombination
         unüblich und nicht bekannt seien. Das Zeichen Vektor‑Lycopin sei weder lexikalisch noch im mündlichen oder schriftlichen Sprachgebrauch
         nachweisbar. Es sei weder in der Medizin noch in der Biologie, der Physik oder der Mathematik bekannt oder geläufig. Das Zeichen
         Vektor‑Lycopin stelle somit einen Neologismus dar, der dem von der Rechtsprechung aufgestellten Kriterium genüge, wonach ein
         aus zwei beschreibenden Begriffen zusammengesetzter Begriff dann nicht beschreibend sei, wenn durch die unübliche Form der
         Zusammenstellung das betreffende Zeichen einen Gesamteindruck ergebe, der ausreichend von dem entfernt sei, den die Kombination
         der Bedeutung der Begriffe vermittle, so dass dieses Zeichen in seiner Gesamtheit mehr sei als die Summe seiner Bestandteile.
         Das Zeichen Vektor‑Lycopin sei völlig neu und daher dem Fachpublikum in der Medizin, der Biologie, der Pharmazie und der Physik
         sowie dem Endverbraucher nicht bekannt.
      
      18      Zweitens sei der Begriff „Vektor“ nicht eindeutig. Die Beschwerdekammer habe lediglich dessen Bedeutung im Bereich der Gentechnologie
         berücksichtigt. Dieser Begriff habe jedoch mehrere andere Bedeutungen in unterschiedlichen Bereichen, z. B. in der Physik.
         Die von der Beschwerdekammer vorgenommene Einschränkung des Bedeutungsinhalts sei zu beanstanden, da sie die Klägerin grundlos
         benachteilige. Außerdem sei die Bedeutung, die der deutsche Begriff „Vektor“ in der Gentechnologie besitze, dem aus Biologen,
         Physikern, Medizinern, Pharmazeuten, Mathematikern oder anderen Fachleuten bestehenden Fachpublikum nicht bekannt, und erst
         recht nicht dem durchschnittlichen Endverbraucher der von der Anmeldung erfassten Waren. Die angesprochenen Verkehrskreise
         könnten dem Zeichen Vektor‑Lycopin somit nicht entnehmen, dass dieses eine Kombination aus Süßholz‑ und Tomatenextrakten bezeichne.
         Die Klägerin schlägt vor, dem Gericht zur Stützung ihres Vorbringens die Ergebnisse mehrerer demoskopischer Meinungsforschungsumfragen
         vorzulegen.
      
      19      Drittens könnte, wenn der Begriff „Vektor“, wie von der Beschwerdekammer vertreten, beschreibend sei, keine Marke, die diesen
         enthalte, eingetragen werden. Es gebe jedoch mehrere Gemeinschafts‑, nationale und internationale Marken, die den Begriff
         „Vektor“ enthielten. Teilte man den Standpunkt der Beschwerdekammer, müssten somit alle Gemeinschaftsmarken, die den Begriff
         „Vektor“ enthielten, nach Art. 51 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 40/94 (jetzt Art. 52 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung
         Nr. 207/2009) gelöscht werden.
      
      20      Schließlich erklärt die Klägerin, dass ihr Vortrag aus dem Eintragungsverfahren und aus dem Beschwerdeverfahren uneingeschränkt
         aufrechterhalten und auch zum Gegenstand dieser Klage gemacht werde.
      
      21      Das HABM tritt allen Argumenten der Klägerin entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      22      Gemäß Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 sind Marken, die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen,
         welche im Verkehr zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit, der Menge, der Bestimmung, des Wertes, der geografischen Herkunft
         oder der Zeit der Herstellung der Ware oder der Erbringung der Dienstleistung oder zur Bezeichnung sonstiger Merkmale der
         Ware oder Dienstleistung dienen können, von der Eintragung ausgeschlossen. Gemäß Art. 7 Abs. 2 dieser Verordnung finden die
         Vorschriften des Abs. 1 auch dann Anwendung, wenn die Eintragungshindernisse nur in einem Teil der Gemeinschaft vorliegen.
      
      23      Nach der Verordnung Nr. 40/94 werden nämlich Zeichen oder Angaben, die im Verkehr zur Bezeichnung der Merkmale der Waren oder
         Dienstleistungen, für die die Eintragung begehrt wird, dienen können, ihrem Wesen nach als ungeeignet angesehen, die Herkunftsfunktion
         der Marke zu erfüllen; dies gilt unbeschadet eines möglichen Erwerbs von Unterscheidungskraft durch Benutzung gemäß Art. 7
         Abs. 3 der Verordnung Nr. 40/94 (jetzt Art. 7 Abs. 3 der Verordnung Nr. 207/2009) (Urteil des Gerichtshofs vom 23. Oktober
         2003, HABM/Wrigley, C‑191/01 P, Slg. 2003, I‑12447, Randnr. 30).
      
      24      Nach ständiger Rechtsprechung verfolgt Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 das im Allgemeininteresse liegende
         Ziel, dass Zeichen oder Angaben, die die Waren oder Dienstleistungen beschreiben, für die die Eintragung beantragt wird, von
         jedermann frei verwendet werden können (Urteil HABM/Wrigley, oben in Randnr. 23 angeführt, Randnr. 31, und Urteil des Gerichts
         vom 7. Juni 2005, Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft/HABM [MunichFinancialServices], T‑316/03, Slg. 2005, II‑1951, Randnr. 25).
      
      25      Die Begründetheit der Zurückweisung einer Anmeldung nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 setzt nicht voraus,
         dass die Zeichen und Angaben, aus denen die betroffene Marke besteht, zum Zeitpunkt der Anmeldung bereits tatsächlich für
         die in der Anmeldung aufgeführten Waren oder Dienstleistungen oder für ihre Merkmale beschreibend verwendet werden. Es genügt,
         wie sich schon aus dem Wortlaut der Bestimmung ergibt, dass die Zeichen oder Angaben zu diesem Zweck verwendet werden können.
         Ein Wortzeichen kann daher von der Eintragung ausgeschlossen werden, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen
         ein Merkmal der in Frage stehenden Waren oder Dienstleistungen bezeichnet (Urteil HABM/Wrigley, oben in Randnr. 23 angeführt,
         Randnr. 32).
      
      26      Das HABM muss somit gemäß Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 prüfen, ob eine Marke, deren Eintragung beantragt
         wird, für die beteiligten Verkehrskreise eine Beschreibung der Merkmale der betreffenden Waren oder Dienstleistungen darstellt
         oder ob dies vernünftigerweise für die Zukunft zu erwarten ist. Kommt die Beschwerdekammer am Ende dieser Prüfung zu dem Ergebnis,
         dass dies der Fall ist, so muss sie auf der Grundlage der genannten Bestimmung die Zulassung der Marke zur Eintragung ablehnen
         (vgl. entsprechend Urteil des Gerichtshofs vom 12. Februar 2004, Koninklijke KPN Nederland, C‑363/99, Slg. 2004, I‑1619, Randnr. 56).
      
      –       Zu den von der Klägerin angebotenen Beweisen 
      27      Die Klägerin schlägt vor, dem Gericht zur Stützung ihres Vorbringens, mit dem sie bestreitet, dass den maßgeblichen Verkehrskreisen
         die von der Beschwerdekammer zugrunde gelegte Bedeutung des deutschen Begriffs „Vektor“ sowie der Begriffe „Vektor‑Lycopin“
         bekannt sei, mehrere Meinungsforschungsumfragen vorzulegen.
      
      28      Die Rechtmäßigkeit eines Unionsrechtsakts ist nach dem Sachverhalt und der Rechtslage zu beurteilen, die bei Erlass des Aktes
         bestanden. Demnach kann die Rüge, dass die Entscheidung einer Beschwerdekammer rechtswidrig sei, auf die Geltendmachung neuer
         Tatsachen vor dem Gericht nur gestützt werden, wenn nachgewiesen wird, dass die Beschwerdekammer diese Tatsachen im Verwaltungsverfahren
         von Amts wegen hätte berücksichtigen müssen, bevor sie eine Entscheidung erließ. Nach Art. 74 Abs. 2 der Verordnung Nr. 40/94
         braucht das HABM nämlich Tatsachen und Beweismittel, die von den Beteiligten verspätet vorgebracht werden, nicht zu berücksichtigen.
         Das Gericht kann folglich im Rahmen der Aufhebungsklage keine Tatsachen berücksichtigen, die das HABM während des Verwaltungsverfahrens
         nicht kennen konnte (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 26. November 2003, HERON Robotunits/HABM [ROBOTUNITS], T‑222/02,
         Slg. 2003, II‑4995, Randnrn. 50 und 51 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      29      Im vorliegenden Fall sind die Meinungsforschungsumfragen, deren Vorlage die Klägerin dem Gericht vorschlägt, weder dem Prüfer
         noch der Beschwerdekammer im Verwaltungsverfahren vorgelegt worden. Die Klägerin macht im Übrigen nicht geltend, dass diese
         Meinungsforschungsumfragen zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung verfügbar gewesen seien. Selbst wenn
         man davon ausginge, dass die Ergebnisse dieser Umfragen zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren, stellen sie doch keine offenkundigen
         Tatsachen dar, die das HABM von Amts wegen berücksichtigen müsste, d. h. Tatsachen, die jeder kennen kann oder die zumindest
         allgemein zugänglichen Quellen entnommen werden können (Urteile des Gerichts vom 22. Juni 2004, Ruiz-Picasso u. a./HABM –
         DaimlerChrysler [PICARO], T‑185/02, Slg. 2004, II‑1739, Randnr. 29, und vom 20. April 2005, Atomic Austria/HABM – Fabricas
         Agrupadas de Muñecas de Onil [ATOMIC BLITZ], T‑318/03, Slg. 2005, II‑1319, Randnr. 35). Die Klägerin kann die Rechtmäßigkeit
         der angefochtenen Entscheidung folglich nicht auf der Grundlage der Beweise beanstanden, deren erstmalige Vorlage sie dem
         Gericht vorschlägt, welche Beweiskraft auch immer diese haben mögen.
      
      30      Die von der Klägerin angebotenen Beweise sind demnach zurückzuweisen.
      
      –       Zum Verweis der Klägerin auf ihr Vorbringen im Eintragungsverfahren und im Beschwerdeverfahren 
      31      Die Klägerin erklärt in der Klageschrift, dass ihr Vortrag aus dem Eintragungsverfahren und aus dem Beschwerdeverfahren uneingeschränkt
         aufrechterhalten und auch zum Gegenstand dieser Klage gemacht werde.
      
      32      Gemäß Art. 21 der Satzung des Gerichtshofs und Art. 44 § 1 Buchst. c der Verfahrensordnung des Gerichts, der gemäß Art. 130
         § 1 und Art. 132 § 1 der Verfahrensordnung auf Rechtsstreitigkeiten betreffend das geistige Eigentum anwendbar ist, muss die
         Klageschrift eine kurze Darstellung der Klagegründe enthalten. 
      
      33      Diese Angaben müssen sich aus dem Text der Klageschrift ergeben und hinreichend klar und deutlich sein, um dem Beklagten die
         Vorbereitung seiner Verteidigung und dem Gericht die Entscheidung über die Klage, gegebenenfalls auch ohne weitere Informationen,
         zu ermöglichen (Urteile des Gerichtshofs vom 28. Juni 2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P
         bis C‑208/02 P und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425, Randnrn. 94 und 100, und vom 18. Juli 2006, Rossi/HABM, C‑214/05 P, Slg. 2006,
         I‑7057, Randnr. 37).
      
      34      Das Gericht hat weiter entschieden, dass zwar der Text der Klageschrift zu bestimmten Punkten durch Bezugnahmen auf in der
         Anlage beigefügte Aktenauszüge untermauert und ergänzt werden kann, dass jedoch eine pauschale Bezugnahme auf andere Schriftstücke
         nicht das Fehlen der wesentlichen Bestandteile der rechtlichen Ausführungen in der Klageschrift ausgleichen kann (vgl. Urteil
         des Gerichts vom 1. März 2005, Sergio Rossi/HABM – Sissi Rossi [SISSI ROSSI], T‑169/03, Slg. 2005, II‑685, Randnr. 30 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      35      Daher ist die Klageschrift, sofern darin auf die von der Klägerin beim HABM eingereichten Schriftstücke verwiesen wird, insoweit
         unzulässig, als sich der in ihr enthaltene Gesamtverweis nicht den in der Klageschrift entwickelten Angriffs‑ und Verteidigungsmitteln
         und Argumenten zuordnen lässt (vgl. in diesem Sinne Urteil SISSI ROSSI, oben in Randnr. 34 angeführt, Randnr. 31).
      
      –       Zur Bestimmung der maßgeblichen Verkehrskreise
      36      In der angefochtenen Entscheidung hat die Beschwerdekammer die Ansicht vertreten, dass die maßgeblichen Verkehrskreise sämtliche
         Hersteller und Verbraucher von pharmazeutischen, veterinärmedizinischen und diätetischen Erzeugnissen, Babykost und den übrigen
         in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Nahrungsmitteln umfassten, d. h. sowohl bestimmte Fachleute als auch die breite Öffentlichkeit.
         Dieser Definition, gegen die weder die Klägerin noch das HABM Einwände erheben, ist zuzustimmen.
      
      37      Daher ist zu prüfen, ob die Klägerin mit ihrem Vorbringen darzutun vermocht hat, dass das Zeichen Vektor‑Lycopin für die in
         der vorstehenden Randnr. 36 definierten maßgeblichen Verkehrskreise keine Beschreibung der Merkmale der betreffenden Waren
         darstellt und dass dies vernünftigerweise für die Zukunft nicht zu erwarten ist (vgl. oben, Randnrn. 25 und 26).
      
      –       Zu den Einwänden der Klägerin gegen die Feststellung, dass der Begriff „Lycopin“ beschreibenden Charakter habe
      38      In Randnr. 18 der angefochtenen Entscheidung hat die Beschwerdekammer ausgeführt, dass die Klägerin substantiiert nichts vorgetragen
         habe, was die Ausführungen des Prüfers in Frage stellen könnte, nach denen der Begriff „Lycopin“ ein Carotinoid mit antioxidativen
         Eigenschaften bezeichne.
      
      39      Die Klägerin hat in der mündlichen Verhandlung erstmals Einwände gegen die Beurteilung der Beschwerdekammer erhoben, dass
         der Begriff „Lycopin“ beschreibenden Charakter habe. Ohne dass die Frage geklärt werden müsste, ob dieser Einwand in diesem
         Verfahrensstadium vorgebracht werden kann, ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin ihre Behauptung in keiner Weise präzisiert
         hat. Die Klägerin hat insbesondere nichts vorgetragen, was die von der Beschwerdekammer zugrunde gelegte Bedeutung des Begriffs
         „Lycopin“ in Frage stellen könnte. Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass es der Klägerin nicht gelungen ist, die
         Bedeutung in Frage zu stellen, die der Prüfer und die Beschwerdekammer dem Begriff „Lycopin“ zugeordnet haben.
      
      40      Erstens bezeichnet dieser technische Begriff nämlich ein Nahrungsergänzungsmittel, das ein Teil der maßgeblichen Verkehrskreise,
         insbesondere Fachleute, die diätetische, pharmazeutische und veterinärmedizinische Präparate herstellen, zwangsläufig kennen
         wird. 
      
      41      Zweitens hat die Beschwerdekammer in der angefochtenen Entscheidung nachgewiesen, dass die Bedeutung des Begriffs „Lycopin“
         den Verbrauchern aller in der Anmeldung beanspruchten Waren leicht zugänglich ist. Die Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ findet
         sich nämlich in Lexika und auf Internetseiten. Es ist somit wahrscheinlich, dass die mit diesem Begriff bezeichnete Substanz
         ebenfalls einem Teil der Verbraucher aller in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren bekannt ist.
      
      42      Drittens lassen sich Verbraucher von pharmazeutischen, veterinärmedizinischen, diätetischen und Sanitärprodukten für medizinische
         Zwecke, denen die Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ nicht bekannt ist, oft vom unterrichteten Teil der maßgeblichen Verkehrskreise,
         d. h. von Ärzten, Apothekern, Diätassistenten und anderen Vertreibern der fraglichen Erzeugnisse, beraten. Über die Beratung
         durch verschreibende Personen oder über durch verschiedene Medien verbreitete Informationen kann somit der weniger gut informierte
         Teil der maßgeblichen Verkehrskreise Kenntnis von der Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ erlangen. 
      
      43      Daher ist davon auszugehen, dass die maßgeblichen Verkehrskreise Kenntnis von der Bedeutung des Begriffs „Lycopin“ haben oder
         dass zumindest vernünftigerweise für die Zukunft zu erwarten ist, dass sie diese Kenntnis erwerben (vgl. oben, Randnrn. 25
         und 26).
      
      44      Außerdem ist es für alle von der Anmeldung erfassten Waren keineswegs ausgeschlossen, dass die entsprechenden Präparate Lycopin
         enthalten können. Da die Klägerin ihre Anmeldung jedoch nicht auf Waren beschränkt hat, die kein Lycopin enthalten und dieses
         nicht enthalten können, ist festzustellen, dass für die maßgeblichen Verkehrskreise ein hinreichend direkter und konkreter
         Zusammenhang zwischen dem Begriff „Lycopin“ und der Zusammensetzung der in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren besteht
         oder dass dies vernünftigerweise für die Zukunft zu erwarten ist (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 20. November
         2007, Tegometall International/HABM – Wuppermann [TEK], T‑458/05, Slg. 2007, II‑4721, Randnr. 94 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      45      Die Beschwerdekammer hat daher keinen Fehler begangen, als sie davon ausging, dass der Bestandteil „Lycopin“ der angemeldeten
         Marke für die in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren beschreibenden Charakter habe.
      
      –       Zum Vorbringen der Klägerin hinsichtlich der Mehrdeutigkeit des Begriffs „Vektor“
      46      In Randnr. 18 der angefochtenen Entscheidung hat die Beschwerdekammer unter Bezugnahme auf einen Auszug aus einem Lexikon,
         den das HABM seiner Klagebeantwortung als Anlage beigefügt hat, ausgeführt, dass der Begriff „Vektor“ in der Gentechnologie,
         der Biologie, der Medizin und im Pflanzenschutz einen Überträger von Molekülen, Substanzen oder Krankheiten bezeichne.
      
      47      Die Klägerin macht geltend, dass der deutsche Begriff „Vektor“ in der Mathematik und in der Physik andere Bedeutungen besitze,
         erhebt jedoch keine Einwände gegen die von der Beschwerdekammer zugrunde gelegte Bedeutung.
      
      48      Die Eintragung eines angemeldeten Zeichens scheidet jedoch bereits dann aus, wenn es zumindest in einer seiner Bedeutungen
         beschreibenden Charakter hat. Ein Wortzeichen kann nämlich nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 von der Eintragung
         ausgeschlossen werden, wenn es zumindest in einer seiner möglichen Bedeutungen ein Merkmal der in Frage stehenden Waren oder
         Dienstleistungen bezeichnet (Urteil HABM/Wrigley, oben in Randnr. 23 angeführt, Randnr. 32).
      
      49      In dem angemeldeten Zeichen wurde der Begriff „Vektor“ mit dem Begriff „Lycopin“ kombiniert, der, wie die Beschwerdekammer
         zu Recht festgestellt hat, eine Substanz bezeichnet, die Bestandteil der in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren sein
         kann (vgl. oben, Randnr. 44). Bei dem Begriff „Vektor“ werden die maßgeblichen Verkehrskreise, wenn man ihn im von der Beschwerdekammer
         zugrunde gelegten Sinne versteht, demnach an eine Eigenschaft der von der Anmeldung erfassten Produkte denken, nämlich an
         ihre Eignung zur Übertragung eines in ihnen enthaltenen Stoffes oder Wirkstoffs.
      
      50      Der deutsche Begriff „Vektor“ hat folglich, wenn man ihn im von der Beschwerdekammer zugrunde gelegten Sinne versteht, für
         die in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren beschreibenden Charakter, und die Klägerin kann unter diesen Umständen nicht
         mit Erfolg geltend machen, dass dieser Begriff in bestimmten Fachbereichen, wie z. B. in der Mathematik oder der Physik, andere
         Bedeutungen haben kann.
      
      –       Zum Vorbringen der Klägerin, dass das Zeichen Vektor-Lycopin einen Eindruck erwecke, der hinreichend stark von dem abweiche,
         den die Summe seiner Bestandteile vermittle
      
      51      Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass sowohl der Begriff „Vektor“ als auch der Begriff „Lycopin“ in Bezug auf die von der
         Anmeldung erfassten Waren beschreibenden Charakter haben (vgl. oben, Randnrn. 45 und 50).
      
      52      Die Klägerin macht jedoch geltend, dass in dem Zeichen Vektor‑Lycopin die Kombination der Begriffe „Vektor“ und „Lycopin“
         unüblich und nicht bekannt sei, da dieses Zeichen weder lexikalisch noch im mündlichen oder schriftlichen Sprachgebrauch nachweisbar
         sei. Das Zeichen Vektor‑Lycopin erwecke somit einen Eindruck, der hinreichend stark von dem abweiche, der aufgrund der Bedeutung
         seiner Bestandteile entstehe, so dass das Zeichen in seiner Gesamtheit mehr sei als die Summe seiner Bestandteile.
      
      53      Nach ständiger Rechtsprechung ist es möglich, dass ein aus zwei beschreibenden Begriffen zusammengesetzter Begriff nicht beschreibend
         ist, wenn das fragliche Zeichen aufgrund der Ungewöhnlichkeit der Kombination einen Eindruck erweckt, der hinreichend stark
         von dem abweicht, der aufgrund der Bedeutung seiner Bestandteile entsteht, so dass das Zeichen in seiner Gesamtheit mehr ist
         als die Summe seiner Bestandteile. Insoweit ist insbesondere eine Prüfung des fraglichen Begriffs angesichts der entsprechenden
         lexikalischen und grammatikalischen Regeln sachdienlich (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Juni 2007, Europig/HABM
         [EUROPIG], T‑207/06, Slg. 2007, II‑1961, Randnr. 29 und die dort angeführte Rechtsprechung; vgl. auch entsprechend Urteil
         Koninklijke KPN Nederland, oben in Randnr. 26 angeführt, Randnrn. 98 und 100).
      
      54      Im vorliegend angemeldeten Zeichen sind die beiden Begriffe „Vektor“ und „Lycopin“ durch einen Bindestrich miteinander verbunden.
         Diese Art, Wörter miteinander zu kombinieren, ist – wie die Beschwerdekammer ausgeführt hat, ohne dass die Klägerin dem widersprochen
         hätte – sowohl im Deutschen als auch im Englischen üblich. 
      
      55      Für die Beurteilung des beschreibenden Charakters eines Zeichens spielt es im Übrigen keine Rolle, ob dieses lexikalisch nachweisbar
         ist (vgl. Urteil des Gerichts vom 23. Oktober 2007, Borco-Marken-Import Matthiesen/HABM [Caipi], T‑405/04, nicht in der amtlichen
         Sammlung veröffentlicht, Randnr. 42 und die dort angeführte Rechtsprechung). 
      
      56      Daher ist davon auszugehen, dass die maßgeblichen Verkehrskreise die Wortkombination Vektor‑Lycopin im Zusammenhang mit den
         von der Anmeldung erfassten Nahrungsmitteln sowie diätetischen, Sanitär-, veterinärmedizinischen und pharmazeutischen Produkten
         als Hinweis auf die Eigenschaft dieser Produkte als Überträger von Lycopin verstehen. Für die maßgeblichen Verkehrskreise
         brächte das angemeldete Zeichen im Zusammenhang mit den von der Anmeldung erfassten Waren nämlich zum Ausdruck, dass die fraglichen
         Erzeugnisse Lycopin enthalten und denjenigen, die es zu sich nehmen, dessen Aufnahme ermöglichen. 
      
      57      Ohne dass die umstrittene Frage beantwortet werden müsste, ob die maßgeblichen Verkehrskreise in der Lage sind, zu verstehen,
         dass das Zeichen Vektor‑Lycopin ein von der Klägerin auf der Grundlage von Tomaten‑ und Süßholzextrakten hergestelltes Nahrungsergänzungsmittel
         bezeichnet, ist infolgedessen festzustellen, dass die Kombination der Begriffe „Vektor“ und „Lycopin“ im Zeichen Vektor‑Lycopin
         für die maßgeblichen Verkehrskreise einen Hinweis auf die Eigenschaften der in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren
         darstellt.
      
      58      Die Beschwerdekammer hat somit zu Recht befunden, dass die Marke Vektor-Lycopin ausschließlich aus Begriffen besteht, die
         im Verkehr zur Bezeichnung der Eigenschaften der in der vorstehenden Randnr. 3 genannten Waren dienen können, und dass sie
         gemäß Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 von der Eintragung auszuschließen ist.
      
      –       Zum Vorbringen der Klägerin hinsichtlich der Eintragung von Marken, die die Begriffe „Vektor“ oder „Vector“ enthalten
      59      Die Klägerin macht geltend, dass zahlreiche Gemeinschafts‑, nationale und internationale Marken, die den Begriff „Vektor“
         enthielten, eingetragen worden seien, ohne jedoch irgendeinen Beweis für ihre Behauptung vorzubringen. In der mündlichen Verhandlung
         hat sie sich außerdem darauf berufen, dass das Zeichen Vector-Lycopin als Gemeinschaftsmarke eingetragen worden sei.
      
      60      Ob eine Gemeinschaftsmarke eingetragen werden kann, ist nur nach den einschlägigen gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften in
         der Auslegung durch die Unionsgerichte zu entscheiden. Der Umstand, dass mit der angemeldeten Marke identische oder ihr vergleichbare
         Marken eingetragen worden sind – und sei es in Rechtssystemen mit entsprechenden Regelungen –, kann demnach bestenfalls informationshalber
         herangezogen werden, er bindet das HABM und die Unionsgerichte jedoch in keiner Weise (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts
         vom 31. Januar 2001, Sunrider/HABM [VITALITE], T‑24/00, Slg. 2001, II‑449, Randnr. 33 und die dort angeführte Rechtsprechung,
         und vom 3. Dezember 2003, Audi/HABM [TDI], T‑16/02, Slg. 2003, II‑5167, Randnr. 40 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      61      Daher ist das Vorbringen der Klägerin hinsichtlich des Bestehens von Gemeinschafts‑, nationalen und internationalen Eintragungen
         von Marken, die den Begriff „Vektor“ enthielten, sowie der Eintragung der Marke Vector‑Lycopin, selbst wenn es zutreffend
         sein sollte, zurückzuweisen.
      
      62      Außerdem ist die Rechtmäßigkeit der Entscheidungen der Beschwerdekammern ausschließlich auf der Grundlage der einschlägigen
         Regelungen und nicht auf der Grundlage ihrer Entscheidungspraxis zu überprüfen (Urteil des Gerichts vom 27. Februar 2002,
         Streamserve/HABM [STREAMSERVE], T‑106/00, Slg. 2002, II‑723, Randnr. 66).
      
      63      Die Klägerin kann daher jedenfalls nicht zu Recht behaupten, dass die Bestätigung der im vorliegenden Fall von der Beschwerdekammer
         in Bezug auf die Eintragung der Marke Vektor‑Lycopin erlassenen Entscheidung durch das Gericht zur Löschung der angeblichen
         älteren Gemeinschaftsmarken führen müsste.
      
      64      Demnach ist davon auszugehen, dass die Beschwerdekammer keinen Fehler begangen hat, als sie die Entscheidung des Prüfers,
         die Eintragung gemäß Art. 7 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 40/94 abzulehnen, bestätigt hat.
      
       Zum Klagegrund eines Verstoßes gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 40/94
      65      Aus dem Wortlaut von Art. 7 Abs. 1 der Verordnung Nr. 40/94 ergibt sich, dass ein Zeichen bereits dann von der Eintragung
         als Gemeinschaftsmarke ausgeschlossen ist, wenn nur eines der dort genannten Eintragungshindernisse vorliegt (Urteil des Gerichtshofs
         vom 19. September 2002, DKV/HABM, C‑104/00 P, Slg. 2002, I‑7561, Randnr. 29).
      
      66      Die Klage ist somit insgesamt abzuweisen, ohne dass über den zweiten Klagegrund eines Verstoßes gegen Art. 7 Abs. 1 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 40/94 entschieden werden müsste.
      
       Kosten
      67      Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Klägerin unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag des HABM die Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Dritte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Exalation Ltd trägt die Kosten.
      
               Azizi 
            
            
                Cremona 
            
            
                Frimodt Nielsen
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 9. Juli 2010.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.