CELEX: 62007FJ0115
Language: de
Date: 2009-04-28
Title: Urteil des Gerichts für den öffentlichen Dienst (Erste Kammer) vom 28. April  2009. # Marie-Thérèse Balieu-Steinmetz und Lidia Noworyta gegen Europäisches Parlament. # Öffentlicher Dienst - Beamte - Dienstbezüge - Gleichbehandlung. # Rechtssache F-115/07.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST(Erste Kammer)
      
      28. April 2009
      Rechtssache F-115/07
      Marie-Thérèse Balieu-Steinmetz und Lidia Noworyta
      gegen
      Europäisches Parlament
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Dienstbezüge – Pauschalvergütung für Überstunden – Art. 3 des Anhangs VI des Statuts – Art. 56 des Statuts – Interne Vorschriften über die Pauschalvergütung für Überstunden – Interne Vorschriften über den Ausgleich von Überstunden – Gleichbehandlung“
      Gegenstand: Klage nach Art. 236 EG und Art. 152 EA auf Feststellung der Rechtswidrigkeit von Art. 1 der vom Generalsekretär des Parlaments
         nach Art. 3 des Anhangs VI des Statuts erlassenen internen Vorschriften über die Pauschalvergütung für Überstunden sowie auf
         Aufhebung der stillschweigenden ablehnenden Entscheidung des Parlaments vom 13. November 2006 über den Antrag von Frau Balieu-Steinmetz
         vom 13. Juli 2006 und der ablehnenden Entscheidung des Parlaments vom 18. Dezember 2006 über den Antrag von Frau Noworyta
         vom 5. Juli 2006, die beide auf Zahlung der genannten Pauschalvergütung gerichtet waren
      
      Entscheidung:      Die ablehnende Entscheidung des Parlaments vom 13. November 2006 über den Antrag von Frau Balieu-Steinmetz vom 13. Juli 2006
         und die ablehnende Entscheidung des Parlaments vom 18. Dezember 2006 über den Antrag von Frau Noworyta vom 5. Juli 2006 werden
         aufgehoben. Das Parlament trägt sämtliche Kosten.
      
      Leitsätze
      1.      Beamte – Klage – Klage gegen eine Handlung mit allgemeiner Geltung
      (Art. 236 EG; Beamtenstatut, Art. 90)
      2.      Beamte – Gleichbehandlung – Grenzen – Rechtswidrig gewährte Vergünstigung – Weigerung, einem Beamten eine Pauschalvergütung
            zu gewähren, obwohl andere Beamten in einer vergleichbaren Situation diese Vergütung erhalten
      1.      Das Gemeinschaftsgericht für den öffentlichen Dienst ist nicht dafür zuständig, über Anträge zu entscheiden, die unmittelbar
         auf die Feststellung gerichtet sind, dass eine Bestimmung mit allgemeiner Geltung, wie eine Bestimmung des Beamtenstatuts,
         rechtswidrig ist. 
      
      (vgl. Randnr. 20)
      2.      Die Entscheidung eines Organs, einem Beamten die Gewährung einer Pauschalvergütung zu verweigern, obwohl andere Beamte in
         einer vergleichbaren Situation sie erhalten, die damit begründet wird, dass die Zahlung der Pauschalvergütung an diese Beamten
         rechtswidrig sei, verstößt gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, wenn das Organ nicht hinreichend dartun kann, dass es
         für die Zahlung der Vergütung an diese Beamten keine Rechtsgrundlage gibt, zumal den Handlungen der Gemeinschaftsorgane die
         Vermutung der Rechtmäßigkeit zukommt.
      
      (vgl. Randnrn. 28 bis 30, 32, 36 und 42)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 9. Oktober 1984, Witte/Parlament, 188/83, Slg. 1984, 3465, Randnrn. 13 bis 15
      Gericht erster Instanz: 14. Mai 1991, Zoder/Parlament, T‑30/90, Slg. 1991, II‑207, Randnr. 26; 19. November 1996, Brulant/Parlament,
         T‑272/94, Slg. ÖD 1996, I‑A‑513 und II‑1397, Randnr. 35; 22. Februar 2000, Rose/Kommission, T‑22/99, Slg. ÖD 2000, I‑A‑27
         und II‑115, Randnr. 39; 13. Juli 2000, Griesel/Rat, T‑157/99, Slg. ÖD 2000, I‑A‑151 und II‑699, Randnr. 25; 8. Juli 2003,
         Chetaud/Parlament, T‑65/02, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 44; 16. November 2006, Peróxidos Orgánicos/Kommission,
         T‑120/04, Slg. 2006, II‑4441, Randnr. 77; 30. November 2006, J/Kommission, T‑379/04, Slg. ÖD 2006, I‑A‑2‑313 und II‑A‑2‑1575,
         Randnr. 79
      
      Gericht für den öffentlichen Dienst: 21. Februar 2008, Skoulidi/Kommission, F‑4/07, Slg. ÖD 2008, I‑A‑1‑0000 und II‑A‑1‑0000,
         Randnr. 81