CELEX: 62002CC0171
Language: de
Date: 2003-09-16 00:00:00
Title: Schlussanträge des Generalanwalts Alber vom 16. September 2003. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Portugiesische Republik. # Artikel 39 EG, 43 EG und 49 EG - Richtlinie 92/51/EWG - Allgemeine Regelung über die Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise - Tätigkeit privater Sicherheitsdienste - Maßnahmen eines Mitgliedstaats, die als Bedingung für die Ausübung der Tätigkeit privater Sicherheitsdienste verlangen, dass sich der Gesellschaftssitz oder eine Niederlassung in Portugal befindet, dass es sich um eine juristische Person handelt, dass ein spezifisches Gesellschaftskapital vorhanden ist und dass Belege und Garantien vorgelegt werden, die bereits im Herkunftsmitgliedstaat beigebracht wurden - Versäumnis, die Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Sektor der privaten Sicherheitsdienstleistungen vorzusehen. # Rechtssache C-171/02.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTSSIEGBERT ALBER vom 16. September 2003(1)
         Rechtssache C-171/02  Kommission der Europäischen GemeinschaftengegenPortugiesische Republik
            „Freizügigkeit der Arbeitnehmer  –  Niederlassungsfreiheit  –  Dienstleistungsfreiheit  –  Tätigkeit privater Sicherheitsdienste  –  Erfordernis einer ständigen Vertretung  –  Berücksichtigung von in anderen Mitgliedstaaten erbrachten Nachweisen  –  Erforderliches Mindestkapital  –  Erfordernis der Organisation als juristische Person  –  Erfordernis eines nationalen Berufsausweises  –  Anerkennung von Befähigungsnachweisen“
            
      
         
      I – Einleitung
        1.        Das Vertragsverletzungsverfahren, das die Kommission gegen die Portugiesische Republik eingeleitet hat, betrifft die Regelung
      der Tätigkeit der privaten Sicherheitsdienste, die in Portugal Wachtätigkeiten im Hinblick auf Personen und Objekte anbieten.
      Die Kommission rügt die Unvereinbarkeit der portugiesischen Gesetzgebung mit den Bestimmungen des Vertrages über die Freizügigkeit
      der Arbeitnehmer, die Niederlassungs- und die Dienstleistungsfreiheit. 
      
      
      II – Rechtlicher Rahmen
       
      
         
            a)
               Richtlinie 92/51/EWG des Rates vom 18. Juni 1992 über eine zweite allgemeine Regelung zur Anerkennung beruflicher Befähigungsnachweise
                  in Ergänzung zur Richtlinie 89/48/EWG(im Folgenden: Richtlinie 92/51) 
                     			(2)
                     		
            
      
      
        2.        Die Richtlinie 92/51 definiert den Begriff des „Befähigungsnachweises“ in Artikel 1 Buchstabe c, erster Spiegelstrich, als
      „jeder Nachweis, der eine Ausbildung abschließt und nicht Teil eines Diploms im Sinne der Richtlinie 89/48/EWG bzw. eines
      Diploms oder Prüfungszeugnisses im Sinne der Richtlinie [92/51] ist …“
      
      
        3.        In Buchstabe f der gleichen Vorschrift werden „reglementierte berufliche Tätigkeiten“ definiert als „… eine berufliche Tätigkeit,
      bei der die Aufnahme oder Ausübung oder eine der Arten ihrer Ausübung in einem Mitgliedstaat direkt oder indirekt durch Rechts-
      oder Verwaltungsvorschriften an den Besitz eines Ausbildungs- oder Befähigungsnachweises gebunden ist. …“
      
      
       A – Nationale Vorschriften
        4.        Decreto-Lei Nr. 231/98 vom 22. Juni 1998
         			(3)
         		 (im Folgenden: Decreto-Lei Nr. 231/98)
      
      
        5.        Artikel 1 Absatz 3 Buchstabe a definiert private Sicherheitsdienstleistungen als „die Erbringung von Dienstleistungen, die
      den Schutz von Personen und Objekten sowie die Verhütung von Straftaten zum Ziel haben, durch private Unternehmen, die zu
      diesem Zweck rechtmäßig gegründet worden sind“.
      
      
        6.        Artikel 3 bestimmt:  „Die Tätigkeit privater Sicherheitsdienste darf nur von Unternehmen ausgeübt werden, die rechtmäßig gegründet
      und nach den Vorschriften dieses Decreto-Lei dazu zugelassen worden sind.“
      
      
        7.        Artikel 7 legt die Voraussetzungen fest, unter denen jemand die Tätigkeit eines privaten Sicherheitsdienstes anbieten darf.
      Dazu gehört nach Artikel 7 Absatz 2 Buchstabe b auch die „erfolgreiche Ablegung von Prüfungen der Kenntnisse und der körperlichen
      Leistungsfähigkeit, deren programmatischer Inhalt und Dauer durch Erlass des Innenministers festzulegen sind, im Anschluss
      an einen Grundausbildungslehrgang, der den Anforderungen gemäß Artikel 8 Absatz 2 entspricht“ sowie nach Artikel 8 Absatz
      2 die Teilnahme an einer beruflichen Einführungsausbildung.
      
      
        8.        Artikel 9 Absätze 1 und 2 regeln die Ausstellung eines Berufsausweises:
      „(1) Das Wachpersonal und das Personal zur Begleitung, zur Verteidigung und zum Schutz von Personen müssen eine Gewerbekarte
      besitzen, die vom Generalsekretariat des Innenministeriums ausgestellt wird, für die Dauer von zwei Jahren gültig ist und
      um jeweils den gleichen Zeitraum verlängert werden kann. 
      
       (2) Die Ausstellung der Gewerbekarte ist an den dem Generalsekretariat des Innenministeriums zu erbringenden Nachweis geknüpft,
      dass die in Artikel 7 aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sind.“
      
        9.        Artikel 21 Absatz 1 stellt die Ausübung der Tätigkeit des privaten Sicherheitsdienstleisters unter den Vorbehalt der vorherigen
      Genehmigung. 
      
      
        10.      Artikel 22 Absätze 1 und 2 bestimmt: 
      „(1) Unternehmen, die die Tätigkeit privater Sicherheitsdienste im Sinne von Artikel 1 Absatz 3 Buchstabe a ausüben, müssen
      in Übereinstimmung mit den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums
      gegründet worden sein, Sitz oder Zweigniederlassung in Portugal haben und die in Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften
      genannten Voraussetzungen erfüllen. 
      (2) Das Gesellschaftskapital von Unternehmen im Sinne von Absatz 1 muss mindestens betragen: 
      
       
      
         
            b)
               10 000 000 PTE, wenn sie eine der in Artikel 2 Absatz 1 Buchstaben a und b vorgesehenen Dienstleistungen erbringen;  
            
      
      
       
      
         
            c)
               25 000 000 PTE, wenn sie eine der in Artikel 2 Absatz 1 Buchstaben c und d vorgesehenen Dienstleistungen erbringen; 
            
      
      
      
       1. 50 000 000 PTE, wenn sie eine der in Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe e vorgesehenen Dienstleistungen erbringen.“  
      
        11.      Artikel 24 Absatz 1 zählt die Nachweise auf, die einem Antrag auf Genehmigung der Tätigkeit des privaten Sicherheitsdienstes
      beizufügen sind. Dazu gehört gemäß Buchstabe d die Vorlage der Nachweise, dass die in Artikel 22 aufgestellten Voraussetzungen
      erfüllt sind.
      
      
       2. Gesetzbuch betreffend Handelsgesellschaften
      
        12.      Artikel 4 Absatz 1 bestimmt: „Eine Gesellschaft, die ihren tatsächlichen Sitz nicht in Portugal hat, hier aber ihre Tätigkeit
      für mehr als ein Jahr ausüben möchte, muss eine ständige Vertretung einrichten und die im portugiesischen Handelsregistergesetz
      genannten Voraussetzungen erfüllen.“
      
      
      III – Vorverfahren
        13.      Mit Schreiben vom 6. Mai 1999 wies die Kommission die portugiesischen Behörden darauf hin, dass sie die Bestimmungen des Decreto-Lei
      Nr. 231/98 für unvereinbar halte mit den Vorschriften des Vertrages über die Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie die Niederlassungs-
      und die Dienstleistungsfreiheit. Sie forderte die portugiesische Regierung auf, ihr entsprechende Informationen zu übermitteln,
      aus denen sich die Vereinbarkeit des Decreto-Lei mit dem Gemeinschaftsrecht ergebe. Mit Schreiben vom 10. September 1999 hat
      die portugiesische Regierung der Kommission eine Reihe von Unterlagen übermittelt.
      
      
        14.      Nachdem die Prüfung dieser Unterlagen die Kommission nicht von der Rechtmäßigkeit der portugiesischen Gesetzgebung überzeugte,
      stellte sie der portugiesischen Regierung am 1. Februar 2000 ein Mahnschreiben zu, in dem sie ihre Vorwürfe wiederholte. Hierauf
      antwortete die portugiesische Regierung am 23. Mai 2000.
      
      
        15.      Auch diese Ausführungen der portugiesischen Regierung überzeugten die Kommission nicht von der Rechtmäßigkeit der portugiesischen
      Gesetzgebung, weshalb sie der Portugiesischen Republik am 29. Dezember 2000 eine mit Gründen versehene Stellungnahme zustellte.
      Die portugiesische Regierung entgegnete hierauf am 20. März 2001.
      
      
        16.      Da die Kommission nach Prüfung der Ausführungen zu der Auffassung gelangte, dass die portugiesische Gesetzgebung mit den Vorschriften
      des Vertrages unvereinbar sei, hat sie am 8. Mai 2002 die vorliegende Klage erhoben.
      
      
      IV – Vortrag und Anträge der Parteien
        17.      In ihrer Klage erhebt die Kommission insgesamt sechs Vorwürfe. Sie beanstandet, dass ausländische Unternehmen, die in Portugal
      im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick auf Personen und Objekte ausüben möchten, im Rahmen
      der Regelung der vom Minister des Innern zu erteilenden Zulassung
      
        
      –
         ihren Sitz oder eine ständige Vertretung in Portugal haben müssten, 
      
      
        
      –
         sich nicht auf die Belege und Garantien berufen könnten, die sie bereits in ihrem Niederlassungsmitgliedstaat beigebracht
            hätten, 
         
      
      
        
      –
         die Rechtsform einer juristischen Person haben müssten und 
      
      
        
      –
         ein spezifisches Gesellschaftskapital aufweisen müssten. 
      
      
      
       Sie rügt weiter, dass
        
      –
         das Personal dieser ausländischen Unternehmen im Besitz eines von den portugiesischen Behörden ausgestellten Berufsausweises
            sein müsse 
         
      
      
       sowie schließlich, dass
        
      –
         die Berufe des Sektors der privaten Sicherheit nicht der Gemeinschaftsregelung zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen
            unterstellt würden. 
         
      
      
      
        18.      Zu dem in Artikel 22 Absatz 1 des Decreto-Lei Nr. 231/98 angestellten Erfordernis, den Sitz oder eine ständige Vertretung
      in Portugal zu haben, ist die Kommission der Auffassung, dass sie auch für Unternehmen gelte, die nur vorübergehend (nach
      Artikel 49 EG) in Portugal im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick auf Personen und Objekte
      anböten. Dieses Erfordernis  mache die Erbringung einer Dienstleistung faktisch unmöglich, denn würden der Sitz oder eine
      Zweigniederlassung in Portugal begründet, so würde von der Niederlassungsfreiheit Gebrauch gemacht und nicht mehr von der
      Dienstleistungsfreiheit, die durch einen vorübergehenden Charakter der Leistung gekennzeichnet sei. Nach der Rechtsprechung
      im Fall Gebhard schließe der vorübergehende Charakter der Dienstleistung zwar nicht die Schaffung einer gewissen Infrastruktur
      aus
         			(4)
         		, jedoch dürfe die Existenz dieser Infrastruktur nicht zur Voraussetzung der Ausübung der Dienstleistungsfreiheit gemacht
      werden.
      
      
        19.      Die Berufung der portugiesischen Regierung auf Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften zur Begrenzung des
      Anwendungsbereichs des Artikels 22 des Decreto-Lei Nr. 231/98 aus Artikel 4 auf Einheiten, die Sicherheitsdienste für länger
      als ein Jahr anböten, hält die Kommission nicht für überzeugend. Der in Artikel 22 des Decreto-Lei enthaltene Verweis auf
      Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften könne nur als Verweis auf die Einhaltung der Bestimmungen über
      das Handelsregister verstanden werden. Denn die Bedingung, dass die Leistungsanbieter ihren Hauptsitz oder eine ständige Vertretung
      in Portugal haben müssten, ergebe sich schon aus dem Wortlaut des Artikels 22 Absatz 1 des Decreto-Lei.
      
      
        20.      Für die Kommission ist die einzig plausible Auslegung des Artikels 22 des Decreto-Lei, dass er auch für die nur vorübergehende
      Ausübung von Sicherheitsdienstleistungen zumindest eine Zweigniederlassung in Portugal verlangt. Dies sei im Übrigen die von
      der portugiesischen Regierung in der Antwort vom 23. Mai 2000 auf das Mahnschreiben vertretene Auslegung.
      
      
        21.      Des Weiteren spreche die Konjunktion „und“ zwischen der Regelung, dass die Leistungsanbieter eine Niederlassung in Portugal
      haben müssen und dass sie die Bestimmungen in Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften beachten müssen,
      für die von der Kommission vertretene Auslegung. Bestimmte Sicherheitsdienstleistungen, wie z. B. das Betreiben einer Meldezentrale
      für den Empfang von Alarmen, könnten ohne eine Niederlassung vor Ort gar nicht angeboten werden.
      
      
        22.      Auf jeden Fall sei die portugiesische Gesetzgebung aber nicht eindeutig und verstoße daher gegen das Gebot der Rechtssicherheit.
      Nach der Rechtsprechung müsse die Gesetzgebung der Mitgliedstaaten in den vom Gemeinschaftsrecht erfassten Bereichen eindeutig
      sein und den Anforderungen der Rechtssicherheit entsprechen.
         			(5)
         		
      
        23.      Die gerügte Beschränkung sei auch nicht im Sinne des Artikels 46 EG gerechtfertigt. Die privaten Sicherheitsdienste seien
      von den öffentlichen Schutzkräften zu unterscheiden und dienten nicht der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit im
      Sinne des Artikels 46 EG.
      
      
        24.      Darüber hinaus seien administrative Erwägungen, wie eine bessere Kontrollmöglichkeit der Unternehmen und ihrer Beschäftigten,
      wenn die Unternehmen eine Niederlassung vor Ort hätten, nach der Rechtsprechung
         			(6)
         		 grundsätzlich nicht geeignet, Beschränkungen einer durch den Vertrag verbürgten Grundfreiheit zu rechtfertigen. Soweit es
      um einen besseren Zugriff bei Haftungsfällen gehe, stehe mit der Stellung einer Sicherheit ein ausreichendes und weniger einschneidendes
      Mittel zur Verfügung.
         			(7)
         		
      
        25.      Zur Berücksichtigung der von den ausländischen Unternehmen bereits in ihrem Niederlassungsmitgliedstaat beigebrachten Belege
      und Garantien durch die portugiesischen Behörden ist die Kommission der Auffassung, Artikel 24 des Decreto-Lei Nr. 231/98
      lasse keinesfalls den Schluss zu, dass die portugiesischen Behörden bei der Prüfung des Zulassungsantrags die Nachweise und
      Garantien berücksichtigten, die bereits im Niederlassungsmitgliedstaat erbracht worden seien. Diese Bestimmung sei ihrem Wortlaut
      nach nicht nur auf Unternehmen anwendbar, die ihre Erstniederlassung in Portugal begründeten, sondern auch auf solche, die
      bereits in einem anderen Mitgliedstaat ordnungsgemäß niedergelassen seien und in Portugal lediglich Sicherheitsdienstleistungen
      anbieten wollten. Wie der Gerichtshof in der Rechtssache Kommission/Belgien festgestellt habe, dürfe der freie Dienstleistungsverkehr
      als fundamentaler Grundsatz des Vertrages nur durch Regelungen beschränkt werden, die durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses
      gerechtfertigt seien und für alle im Hoheitsgebiet des Aufnahmemitgliedstaats tätigen Personen oder Unternehmen gelten, soweit
      dieses Interesse nicht durch die Vorschriften geschützt werde, denen der Dienstleistende in dem Mitgliedstaat unterliege,
      in dem er ansässig sei. Verlange ein Mitgliedstaat, dass alle Unternehmen dieselben Voraussetzungen erfüllen, um eine vorherige
      Genehmigung oder Zulassung zu erhalten, so schließe er es faktisch aus, dass den Verpflichtungen Rechnung getragen werde,
      denen der Dienstleistende bereits im Mitgliedstaat seiner Hauptniederlassung unterliege.
         			(8)
         		 Die portugiesische Regelung gehe insofern über das für die Verwirklichung des angestrebten Ziels erforderliche Maß hinaus
      und sei deshalb unverhältnismäßig, als Nachweise zu erbringen seien, die bereits im Mitgliedstaat der Erstniederlassung geleistet
      worden seien.
         			(9)
         		
      
        26.      Zum Erfordernis für ausländische Unternehmen, die Rechtsform einer juristischen Person anzunehmen, weist die Kommission darauf
      hin, dass diese Verpflichtung Selbständige oder Unternehmer bzw. in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassene Einzelne benachteilige.
      Der Gerichtshof habe das Recht des einzelnen Arbeitnehmers anerkannt, außer in dem Mitgliedstaat seines gewöhnlichen Aufenthalts
      auch noch in einem anderen Mitgliedstaat vorübergehend tätig zu werden.
         			(10)
         		 Diese Rechtsprechung werde nicht durch die Zuständigkeitsverteilung in Titel IV des EG-Vertrags erschüttert. Der Gerichtshof
      habe bereits entschieden, dass private Sicherheitsdienste unter die Artikel 39 EG, 43 EG und 49 EG fielen
         			(11)
         		 und nicht mit den in den Artikeln 64 EG und 68 EG angesprochenen öffentlichen Sicherheitsdiensten zu verwechseln seien.
      
      
        27.      Zum Erfordernis für ausländische Unternehmen, ein spezifisches Mindestkapital aufzuweisen, führt die Kommission aus, das portugiesische
      Recht mache die Gründung einer Tochtergesellschaft oder einer ständigen Vertretung in Portugal davon abhängig, dass die ausländische
      Muttergesellschaft ein Gesellschaftskapital aufweise, das nicht unter dem in Artikel 22 Absatz 2 genannten Wert liege. Diese
      Bedingung laufe darauf hinaus, einen Akt, mit dem ein Betroffener von seinem Recht, eine Zweigniederlassung zu eröffnen, Gebrauch
      mache, mittelbar so zu behandeln, wie es nach nationalem Recht für die Hauptniederlassung vorgesehen sei. Eine solche Bedingung
      halte einen Wirtschaftsteilnehmer davon ab, seine Tätigkeiten im gesamten Gemeinschaftsgebiet mit einem Gesellschaftskapital
      auszuüben, das den Anforderungen des Rechts des Gründungsmitgliedstaats entspreche, aber niedriger sei als in Portugal vorgeschrieben.
      Unter Hinweis auf das Urteil in der Rechtssache Centros
         			(12)
         		 ist die Kommission der Meinung, das Erfordernis der Beachtung der portugiesischen Vorschriften über das Mindestkapital verstoße
      gegen die Dienstleistungsfreiheit, da sie diese Freiheit über das zur Erreichung des angestrebten Ziels erforderliche Maß
      hinaus beschränke. Als weniger einschneidende Maßnahme stünde z. B. die Leistung einer Sicherheit zur Verfügung. Wegen des
      Verweises in Artikel 55 EG seien die zur Niederlassungsfreiheit in der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze auf die Dienstleistungsfreiheit
      übertragbar.
      
      
        28.      Die Überlegungen der portugiesischen Regierung zur Vermeidung einer Inländerdiskriminierung weist die Kommission zurück. Die
      Rechtsprechung Alpine Investments und Peralta
         			(13)
         		 hält sie nicht für einschlägig. Die Tätigkeit der nach portugiesischem Recht gegründeten Gesellschaften in anderen Mitgliedstaaten
      würde nicht beeinträchtigt.
      
      
        29.      Die Kommission rügt des Weiteren die Verpflichtung für die Bediensteten ausländischer Unternehmen, im Besitz eines von den
      portugiesischen Behörden ausgestellten Berufsausweises zu sein. Sie sieht hierin sowohl ein Hindernis für die Arbeitnehmerfreizügigkeit
      der Bediensteten (Artikel 39 EG) als auch ein Hindernis für die Dienstleistungsfreiheit ihres Arbeitgebers, dessen Recht beschränkt
      werde, in seinem Niederlassungsmitgliedstaat zugelassene Bedienstete in einen anderen Mitgliedstaat zu entsenden (Artikel
      49 EG). 
      
      
        30.      Das portugiesische Recht verlange, dass jeder Bedienstete eines privaten Sicherheitsunternehmens eine Zulassung vom Ministerium
      des Innern in Form eines „Berufsausweises“ erlangen müsse, um eine Tätigkeit in Portugal ausüben zu können. Die angefochtene
      Regelung sehe nicht vor, dass gleichwertige rechtliche Voraussetzungen, die im Mitgliedstaat der Erstniederlassung des Unternehmens,
      für das die Beschäftigten arbeiten, bereits erfüllt worden seien, und dass in diesem Staat bereits durchgeführte Kontrollen
      und Überprüfungen zu berücksichtigen seien. Insoweit liege wiederum eine unverhältnismäßige Beschränkung der genannten Grundfreiheiten
      vor.
         			(14)
         		
      
        31.      Auch die Beschränkung der zeitlichen Geltungsdauer des Berufsausweises hält die Kommission für eine unverhältnismäßige Beschränkung
      der Grundfreiheiten. Die portugiesische Gesetzgebung unterwerfe bereits die Unternehmen, die Sicherheitsdienstleistungen anbieten,
      einer fortlaufenden Kontrolle. Insofern hält die Kommission eine periodische Kontrolle der Inhaber der Berufsausweise nicht
      für erforderlich.  
      
      
        32.      Die Kommission rügt schließlich, dass die Berufe des Sektors der privaten Sicherheit nicht der Gemeinschaftsregelung über
      die Anerkennung beruflicher Qualifikationen unterstellt werden. Private Sicherheitstätigkeiten könnten in Portugal nur von
      Wachpersonal und Personal für die Begleitung, die Verteidigung und den Schutz von Personen ausgeübt werden, das einen nach
      portugiesischem Recht zwingend vorgeschriebenen Lehrgang bestanden habe (Artikel 7 Absatz 2 Buchstabe b des Decreto-Lei Nr.
      231/98). Der Zugang zu diesen beruflichen Tätigkeiten und ihre Ausübung sei Personen vorbehalten, die einen Berufsausweis
      besäßen. Dieser Berufsausweis gewährleiste, dass sein Inhaber alle rechtlichen Anforderungen zur Ausübung dieses Berufes erfülle,
      zu denen auch die Ablegung von nach Inhalt und Dauer gesetzlich geregelten Prüfungen der Kenntnisse und der körperlichen Leistungsfähigkeit
      gehöre. Er gestatte außerdem seinem Inhaber, private Sicherheitsdienste auszuüben. Folglich stelle der Berufsausweis materiell
      gesehen einen Befähigungsnachweis im Sinne des Artikels 1 Absatz 1 Buchstabe c erster Gedankenstrich der Richtlinie 92/51
      dar. Daher ist die Kommission der Ansicht, dass private Sicherheitstätigkeiten in Portugal einen reglementierten Beruf im
      Sinne von Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe e in Verbindung mit Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe c erster Gedankenstrich und Artikel
      1 Absatz 1 Buchstabe f der Richtlinie darstellen. Jedoch umfasse das zur Umsetzung der Richtlinie 92/51 erlassene portugiesische
      Recht nicht die Berufe des Sektors der privaten Sicherheit. Sie seien somit in Portugal nicht den Bestimmungen über die Anerkennung
      der in der genannten Richtlinie vorgesehenen beruflichen Befähigungsnachweise unterstellt. In der Rechtssache Vlassopoulou
      habe der Gerichtshof entschieden, dass die nationalen Behörden bei der Prüfung des Vorliegens der Voraussetzungen für die
      Erteilung einer Genehmigung zur Ausübung bestimmter Berufe diejenigen vergleichbaren Nachweise anerkennen müssten, die für
      die Ausübung desselben Berufs im Herkunftsstaat des Betreffenden verlangt werden.
         			(15)
         		 Eine derartige Berücksichtigung sei nach der angefochtenen portugiesischen Gesetzgebung nicht möglich.
      
      
        33.      Die Kommission beantragt,
      
      
       A – festzustellen, dass die Portugiesische Republik ihren Verpflichtungen aus den Artikeln 39 EG, 43 EG und 49 EG sowie aus der
         Richtlinie 92/51/EWG in Anbetracht dessen nicht nachgekommen ist, dass 
       
      
         
            d)
               ausländische Unternehmen, die in Portugal im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick auf Personen
                  und Objekte ausüben möchten, im Rahmen der Regelung der vom Minister des Innern zu erteilenden Zulassung 
               
            
      
      
        
      –
         ihren Sitz oder eine Niederlassung in Portugal haben müssen, 
      
      
        
      –
         sich nicht auf die Belege und Garantien berufen können, die sie bereits in ihrem Niederlassungsmitgliedstaat beigebracht haben,
            
         
      
      
        
      –
         die Rechtsform einer juristischen Person haben müssen, 
      
      
        
      –
         ein spezifisches Gesellschaftskapital aufweisen müssen, 
      
      
      
       
      
         
            e)
               das Personal ausländischer Unternehmen, die in Portugal im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick
                  auf Personen und Objekte ausüben möchten, im Besitz eines von den portugiesischen Behörden ausgestellten Berufsausweises sein
                  muss, 
               
            
      
      
       
      
         
            f)
               die Berufe des Sektors der privaten Sicherheit nicht der Gemeinschaftsregelung zur Anerkennung beruflicher Qualifikationen
                  unterstellt sind; 
               
            
      
      
       
      
         
            g)
               der Portugiesischen Republik die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
            
      
      
        34.      Die Portugiesische Republik beantragt,
      
       
      
         
            h)
               die Klage abzuweisen, 
            
      
      
       
      
         
            i)
               der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
            
      
      
      
        35.      Die portugiesische Regierung ist der Ansicht, der Anwendungsbereich des Artikels 22 des Decreto-Lei Nr. 231/98 in Verbindung
      mit Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften  beschränke sich auf Gesellschaften, die ihren Hauptsitz nicht
      in Portugal hätten und private Sicherheitsdienste für länger als ein Jahr in Portugal anbieten möchten. Wegen der im Gesetz
      festgelegten zeitlichen Grenze von mehr als einem Jahr betreffe diese Regelung nicht die Dienstleistungs-, sondern die Niederlassungsfreiheit.
      Lediglich die nur vorübergehende Erbringung von Leistungen falle unter die vom Vertrag gewährleistete Dienstleistungsfreiheit.
      Es handele sich um sporadische Ereignisse, die zeitlich begrenzt seien. Hingegen fielen Leistungen, die über einen gewissen
      Zeitraum erbracht würden, und die von einer gewissen Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit gekennzeichnet seien,
      unter die Regeln über die Niederlassungsfreiheit. Insofern könne die angefochtene Regelung nicht die Dienstleistungsfreiheit
      beschränken.
      
      
        36.      Die portugiesische Gesetzgebung entspreche auch den Anforderungen an die Rechtssicherheit. Weder die Wirtschaftsteilnehmer
      noch die portugiesische Regierung hätten Zweifel daran, dass Artikel 22 des Decreto-Lei nicht auf vorübergehende Dienstleistungsanbieter
      anwendbar sei. Es gebe im Übrigen Unternehmen, die in anderen Mitgliedstaaten niedergelassen seien und in Portugal Sicherheitsdienstleistungen
      anböten, ohne dort eine Zweigniederlassung zu haben. Der Umstand, dass die portugiesische Regierung im Vorverfahren nach Ansicht
      der Kommission sich widersprechende Auslegungen der Vorschrift vertreten habe, belegt nach Auffassung der portugiesischen
      Regierung keinen Verstoß gegen die Rechtssicherheit.
      
      
        37.      Auch zum Vorwurf der Nichtberücksichtigung von Unterlagen, die im Herkunftsstaat bereits vorzulegen waren, ist die portugiesische
      Regierung der Ansicht, die Kommission bestimme den Anwendungsbereich des Artikels 24 des Decreto-Lei Nr. 231/98 falsch. Auch
      in diesem Rahmen gehe es nur um Unternehmen, die Sicherheitsdienstleistungen in Portugal für länger als ein Jahr anbieten
      wollten. Daher könne Artikel 24 des Decreto-Lei ebenfalls nur die Niederlassungsfreiheit der Unternehmen berühren, aber nicht
      deren Dienstleistungsfreiheit.
      
      
        38.      Dies gelte auch für die Bedingung, die Rechtsform einer juristischen Person anzunehmen. Nur wenn sie Sicherheitsdienste für
      länger als ein Jahr anbieten wollten, seien sie gehalten, die Hauptniederlassung oder eine ständige Vertretung in Portugal
      zu gründen. Das Recht, Sicherheitsdienstleistungen vorübergehend in Portugal anzubieten, werde hiervon nicht berührt. Folglich
      liege auch insofern keine Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit vor. Im Übrigen erkenne die Kommission selbst an, dass
      die Tätigkeit in sensiblen Bereichen durchaus von einer vorherigen Genehmigung abhängig gemacht werden dürfe.
      
      
        39.      Auch das Erfordernis der Beachtung der Vorschriften über das Mindestkapital betrifft nach Ansicht der portugiesischen Regierung
      nicht die Dienstleistungsfreiheit, sondern die Niederlassungsfreiheit, und zwar die sekundäre Niederlassungsfreiheit. Soweit
      nur die Dienstleistungsfreiheit in Anspruch genommen werde, sei die Bestimmung über das Mindestkapital unanwendbar, hingegen
      sei sie auf Zweigniederlassungen anzuwenden. Wenn also ein in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassenes Unternehmen in
      Portugal eine Zweigniederlassung eröffne, um Sicherheitsdienstleistungen für länger als ein Jahr anzubieten, seien die portugiesischen
      Vorschriften über das Mindestkapital anwendbar.
      
      
        40.      Die portugiesische Regierung hält diese Beschränkung der sekundären Niederlassungsfreiheit für gerechtfertigt. Der Sektor
      der Sicherheitsdienste sei nicht gemeinschaftsrechtlich harmonisiert. Die Maßnahme sei verhältnismäßig, denn jede andere Auslegung
      führe zu einer Inländerdiskriminierung. Zwar seien Inländerdiskriminierungen vom Gemeinschaftsrecht nicht grundsätzlich verboten,
      da sie in der Regel nur rein innerstaatliche Sachverhalte beträfen. Aber wenn man von der strikten Einhaltung der Vorschriften
      über das Mindestkapital absehe, so könnten sich Unternehmen in einem Mitgliedstaat, der ein geringeres Mindestkapital verlange,
      niederlassen und über den Umweg der Gründung einer Zweigniederlassung in Portugal die portugiesischen Vorschriften über das
      Mindestkapital umgehen. Dies würde zu einer de facto-Harmonisierung auf niedrigstem Niveau führen. Unter Verweis auf die Schlussanträge
      des Generalanwalts Vilaça in der Rechtssache 63/86
         			(16)
         		 weist die portugiesische Regierung darauf hin, dass das Recht der freien  Niederlassung lediglich bedeute, dass man sich
      unter den gleichen Bedingungen niederlassen könne wie die Angehörigen des betreffenden Mitgliedstaats. Soweit keine gemeinschaftsrechtliche
      Harmonisierung vorliege, könne der Mitgliedstaat unter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes die Bestimmungen über die
      Niederlassung in seinem Hoheitsgebiet regeln.
      
      
        41.      In Bezug auf die vorgeworfene mangelnde Anerkennung von Nachweisen, die bereits in anderen Mitgliedstaaten vorzulegen waren,
      ist die portugiesische Regierung der Meinung, es gehe weniger um die Tatsache, dass ein Berufsausweis auszustellen sei, als
      vielmehr um die Rechtmäßigkeit der in Artikel 7 des Decreto-Lei aufgezählten dafür zu erfüllenden Voraussetzungen und den
      Nachweis ihres Vorliegens. Wie die Kommission selber einräume, spreche nichts gegen das Erfordernis einer vorherigen Genehmigung.
      Die Frage, inwieweit sich aus den aufgestellten Bedingungen eine indirekte Diskriminierung ergebe, sei nicht in der mit Gründen
      versehenen Stellungnahme aufgeworfen worden und könne daher nicht Gegenstand dieses Verfahrens sein. Im Übrigen liege keine
      Diskriminierung vor, da die Voraussetzungen für portugiesische Staatsangehörige eher strenger seien als für Bürger anderer
      Mitgliedstaaten.
      
      
        42.      Mangels Harmonisierung könne die Kommission Portugal nicht verpflichten, die Anerkennung der Rechtmäßigkeit der Situation
      eines Unternehmens durch einen anderen Mitgliedstaat einfach zu übernehmen. Manche der in Artikel 7 genannten Anforderungen
      würden von anderen Staaten gar nicht geprüft. Mangels Harmonisierung könne der Portugiesischen Republik nicht verwehrt werden,
      diese Anforderungen aufzustellen. Außerdem müssten manche Bedingungen periodisch überprüft werden. Die Genehmigung werde daher
      in Portugal nur für zwei Jahre erteilt. Die aufgestellten Anforderungen seien aus zwingenden Gründen des Allgemeinwohls, nämlich
      der Sicherheit der Leistungsempfänger, gerechtfertigt.
      
      
        43.      Zum Vorwurf des Verstoßes gegen die Richtlinie 92/51 führt die portugiesische Regierung aus, dass diese Richtlinie auf Sicherheitsdienstleistungen
      nicht anwendbar sei. Weder der Zugang noch die Ausübung dieses Berufes würden vom Vorliegen eines Befähigungsnachweises abhängig
      gemacht. Es gebe gar keinen Befähigungsnachweis im Sinne des Artikels 1 Buchstabe c der Richtlinie 92/51 für diese Tätigkeiten.
      
      
        44.      Der erforderliche Berufsausweis habe nur eine zeitlich begrenzte Gültigkeitsdauer von zwei Jahren. Er könne deswegen kein
      Befähigungsnachweis sein. Bezüglich der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildung sei zu berücksichtigen, dass sie erst im Anschluss
      an eine Einstellung bei einem entsprechenden Arbeitgeber erfolge. Wegen dieses zeitlichen Ablaufs könne auch sie nicht als
      Ausbildung und der hierüber ausgestellte Nachweis nicht als Befähigungsnachweis im Sinne der Richtlinie angesehen werden.
      
      
        45.      Die zeitliche Befristung sei auch keine unverhältnismäßige Maßnahme. Die einmal vorliegenden Voraussetzungen könnten schließlich
      später wegfallen, weshalb eine regelmäßige Überprüfung erforderlich sei. Die von der Kommission angeführten fortlaufenden
      Kontrollen der die Sicherheitsdienstleistungen anbietenden Einrichtungen böten keine gleichwertige Gewähr.        
      
      
        46.      Insgesamt weist die portugiesische Regierung noch darauf hin, dass die Gewährleistung der Sicherheit nicht alleinige Aufgabe
      des Staates sei. Die privaten Sicherheitsdienstleistungen seien komplementär zu den staatlichen Sicherheitsdiensten und stünden
      in engem Zusammenhang mit ihnen. Daher sei es notwendig, bei der Aufstellung der Bedingungen für den Zugang und die Ausübung
      von Sicherheitsdienstleistungen besondere Sorgfalt und Strenge walten zu lassen.
      
      
        47.      Artikel 27 der portugiesischen Verfassung erkenne ein Recht aller Bürger auf Sicherheit an. Bei der Verwirklichung dieses
      Rechts komme den privaten Anbietern von Sicherheitsdienstleistungen eine entscheidende Rolle zu.
      
      
        48.      Vor diesem Hintergrund seien die im Decreto-Lei Nr. 231/98 aufgestellten Beschränkungen zu beurteilen. Im Rahmen seiner rechtlichen
      Beurteilung seien die Zwecke zu berücksichtigen, die diese Norm erfülle. Zum einen seien dies die Interessen und Ansprüche
      der Bürger, die die Garantie erhielten, dass die Sicherheitsdienstleistungen nur von hierzu geeigneten Einrichtungen angeboten
      würden, die strengen Kontrollen und anspruchsvollen Qualitätsvorschriften unterworfen würden. Zum anderen seien es die Interessen
      und Ansprüche des Staates, der ein Instrument erhalte, das ihm erlaube, die Sicherheitspolitik effizienter zu gestalten. Und
      schließlich kämen die Interessen und Ansprüche der Unternehmen, die Sicherheitsdienstleistungen anböten, und ihrer Arbeitnehmer
      hinzu, die ebenfalls ein Interesse an der Einführung eines rechtlichen Rahmens hätten, der den Zugang und die Ausübung des
      Metiers regele.
      
      
        49.      Die Bestimmung der Anforderungen an die Sicherheit sei eine zutiefst nationale Angelegenheit, die von jedem Mitgliedstaat
      selbst zu entscheiden sei. Die Einführung einer vorherigen Genehmigungspflicht sei in diesem Rahmen gemeinschaftsrechtlich
      nicht zu beanstanden, insbesondere da es keine Harmonisierungsmaßnahmen gebe.
      
      
        50.      Die portugiesische Regierung verweist auf die Rechtsprechung, die in nach ihrer Ansicht weniger gravierenden Fällen Beschränkungen
      der Dienstleistungsfreiheit als rechtmäßig anerkannt habe.
         			(17)
         		 Umso eher sind ihrer Ansicht nach die hier fraglichen Anforderungen gerechtfertigt.
      
      
        51.      Die von der Kommission zitierte Rechtsprechung zu Sicherheitsdienstleistungen hält die portugiesische Regierung nicht für
      einschlägig.
         			(18)
         		 Die Beschränkungen, um die es in diesen Fällen gegangen sei, seien nicht in der portugiesischen Gesetzgebung vorgesehen.
      
      
      V – Würdigung
        52.      Mit der vorliegenden Klage setzt die Kommission die Reihe der Vertragsverletzungsverfahren wegen Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit,
      der Niederlassungs- und der Dienstleistungsfreiheit im Bereich der privaten Sicherheitsdienste fort. Der Gerichtshof hat bereits
      über ähnlich gelagerte Sachverhalte in den Verfahren gegen Spanien
         			(19)
         		, Belgien
         			(20)
         		 und Italien
         			(21)
         		 entschieden. 
      
      
       A – Erfordernis der Eröffnung einer ständigen Vertretung
        53.      Im Rahmen der ersten vier Vorwürfe streiten die Parteien über die Abgrenzung der Anwendungsbereiche der Niederlassungs- von
      der Dienstleistungsfreiheit. Die portugiesische Regierung vertritt die Ansicht, dass ein Anbieter, der Dienstleistungen für
      die Dauer von über einem Jahr anbietet, von der Niederlassungsfreiheit Gebrauch mache und nicht mehr von der Dienstleistungsfreiheit.
      Die Kommission geht demgegenüber auch nach Ablauf von einem Jahr noch von einer Ausübung der Dienstleistungsfreiheit aus.
      Für den Fall, dass es sich um Beschränkungen der Niederlassungsfreiheit handeln sollte, ist die portugiesische Regierung der
      Meinung, dass diese gerechtfertigt seien.
      
      
        54.      Zum Vorwurf der Kommission, das Erfordernis der Eröffnung einer ständigen Vertretung (Artikel 22 spricht von „delegação“,
      Artikel 4 von „representação permanente“) in Portugal sei mit der Dienstleistungsfreiheit unvereinbar, ist die portugiesische
      Regierung der Ansicht, dass der dieses Erfordernis aufstellende Artikel 22 Absatz 1 des Decreto-Lei nur auf Unternehmen („entidades“)
      anwendbar sei, die Sicherheitsdienste für länger als ein Jahr in Portugal anböten. In einem solchen Fall liege keine vorübergehende
      Leistungserbringung mehr vor, weshalb kein Verstoß gegen die Dienstleistungsfreiheit vorliegen könne. Vielmehr gehe es dann
      um eine dauerhafte Leistungserbringung, die in den Anwendungsbereich der Niederlassungsfreiheit falle. 
      
      
        55.      Eine mögliche Begrenzung des Anwendungsbereichs des Artikels 22 Absatz 1 des Decreto-Lei auf Leistungsanbieter, die ihre Sicherheitsdienste
      für länger als ein Jahr in Portugal anbieten, ergibt sich zumindest nicht unmittelbar aus dem Wortlaut dieser Bestimmung.
      Vielmehr kann sie allenfalls aus dem Verweis auf Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften folgen. 
      
      
        56.      Die Parteien streiten darüber, ob Artikel 22 tatsächlich eine derartige Verweisung enthält. Für die Prüfung der Rechtmäßigkeit
      des Erfordernisses der Eröffnung einer Vertretung sei zunächst einmal unterstellt, dass ein derartiger Verweis vorliegt und
      er den Anforderungen an die Rechtssicherheit und Rechtsklarheit genügt. Denn selbst wenn der Verweis diese Anforderungen erfüllt,
       stellt sich die Frage, ob die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit durch nationales Recht rechtmäßigerweise auf ein Jahr
      beschränkt werden kann. 
      
      
        57.      Die Rechtsprechung des Gerichtshofes berücksichtigt die Dauer, während deren eine Leistung erbracht wird, als ein Indiz im
      Rahmen der Unterscheidung zwischen der Ausübung der Niederlassungs- und der Dienstleistungsfreiheit. So ist die Tatsache,
      dass ein Gemeinschaftsbürger in stabiler und kontinuierlicher Weise am Wirtschaftsleben eines anderen Mitgliedstaats als seines
      Herkunftsstaats teilnimmt, ein Indiz dafür, dass er seine Rechte aus der Niederlassungsfreiheit wahrnimmt. Hingegen ist der
      Umstand, dass eine Tätigkeit nur vorübergehend in einem anderen Mitgliedstaat ausgeübt wird, grundsätzlich ein Indiz für die
      Inanspruchnahme der Dienstleistungsfreiheit.
         			(22)
         		
      
        58.      Allerdings wird die Dauer der Leistungserbringung vom Gerichtshof in seiner bisherigen Rechtsprechung nur als eines von mehreren
      zu berücksichtigenden Indizien zur Qualifizierung des jeweiligen Handelns herangezogen. Bei der Beurteilung des jeweiligen
      Handelns hat die Rechtsprechung stets eine Gesamtwürdigung aller Umstände vorgenommen, unter denen die Leistung erbracht wurde.
      Neben der Dauer hat der Gerichtshof dabei auf die Häufigkeit, die regelmäßige Wiederkehr oder Kontinuität der betreffenden
      Leistungserbringung abgestellt.
         			(23)
         		 Darüber hinaus hat er festgestellt, dass selbst die Schaffung einer bestimmten Infrastruktur, die Eröffnung eines Büros oder
      einer Praxis, nicht per se die Inanspruchnahme der Dienstleistungsfreiheit ausschließt.
         			(24)
         		 Generalanwalt Léger hat in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Gebhard vorgeschlagen, neben der zeitlichen Dauer noch
      darauf abzustellen, wo der Leistungserbringer den Mittelpunkt seiner Tätigkeit hat. Liegt er in einem anderen Mitgliedstaat
      als dem der Leistungserbringung, so handele es sich um die Inanspruchnahme der Dienstleistungsfreiheit.
         			(25)
         		
      
        59.      Aus der zitierten Rechtsprechung geht hervor, dass eine Abgrenzung allein nach der Dauer der Leistungserbringung nicht ausreicht,
      um eine klare Zuordnung zu den Bereichen der Niederlassungs- oder der Dienstleistungsfreiheit vorzunehmen. Wenn der Anwendungsbereich
      des Artikels 22 Absatz 1 des Decreto-Lei daher nur solche Sicherheitsdienstleister nicht erfasst, die ihre Dienste höchstens
      für die Dauer von einem Jahr anbieten, ohne auf die weiteren Umstände der Leistungserbringung Rücksicht zu nehmen und ohne
      die Möglichkeit zu eröffnen, den Nachweis zu führen, dass auch über diesen Zeitraum hinausgehende Leistungen keinen ständigen
      und kontinuierlichen Charakter haben, so beschränkt diese Regelung die Dienstleistungsfreiheit all derjenigen, die länger
      als ein Jahr Sicherheitsdienstleistungen in Portugal anbieten möchten, ohne zu beabsichtigen, dort in stabiler und kontinuierlicher
      Weise am Wirtschaftsleben teilzunehmen, oder ohne dort den Schwerpunkt ihrer Tätigkeit entwickeln zu wollen. 
      
      
        60.     Ähnlich wie die italienische Regelung, die in der Rechtssache Gebhard auf dem Prüfstand stand, stellt Artikel 22 Absatz 1
      des Decreto-Lei in Verbindung mit Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften eine unwiderlegbare Vermutung
      dafür auf, dass bei der Erbringung von Sicherheitsdienstleistungen von über einem Jahr Dauer von der Niederlassungsfreiheit
      Gebrauch gemacht wird.
         			(26)
         		 Für einen derartigen Zwang zum Gebrauchmachen von der Niederlassungsfreiheit besteht kein Grund.
      
      
        61.      Insbesondere dürfen durch einen derartigen Zwang zum Gebrauchmachen von einer bestimmten Grundfreiheit nicht die zulässigen
      Beschränkungen der Ausübung der anderen Grundfreiheiten verändert werden. Genau das bewirkt die Regelung des Artikels 22 Absatz
      1 ggf. in Verbindung mit Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften aber. Durch den Zwang zur Eröffnung einer
      ständigen Vertretung in Portugal wird die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit verteuert und damit nicht nur erschwert. Vielmehr
      sieht die Rechtsprechung in einem solchen Erfordernis eine Negation der Dienstleistungsfreiheit überhaupt, das daher gegen
      Artikel 49 EG verstößt.
         			(27)
         		 Es ist folglich festzustellen, dass das Erfordernis der Eröffnung einer ständigen Vertretung in Portugal für den Fall, dass
      man dort Sicherheitsdienste für die Dauer von über einem Jahr anbieten möchte, unvereinbar ist mit Artikel 49 EG.
      
      
        62.      Eine Prüfung des Einwands, die Regelung verstoße gegen die Rechtssicherheit, erübrigt sich damit. Denn selbst wenn man ─ wie
      hier geschehen ─ unterstellt, der Verweis auf Artikel 4 des Gesetzbuchs betreffend Handelsgesellschaften wäre hinreichend
      klar und eindeutig, so bliebe es doch bei der festgestellten Negation der Dienstleistungsfreiheit und damit bei der Gemeinschaftsrechtswidrigkeit
      der Regelung.
      
      
        63.      Die Frage einer eventuellen Rechtfertigung dieser Beschränkung stellt sich streng genommen unter diesen Umständen auch nicht
      mehr. Wenn das Erfordernis der Eröffnung einer Vertretung die Dienstleistungsfreiheit völlig negiert, stellt diese Beschränkung
      auf alle Fälle eine unverhältnismäßige Maßnahme dar.
      
      
        64.      Für den Fall, dass der Gerichtshof dieser Ansicht nicht folgen sollte, ist kurz auf die von der portugiesischen Regierung
      vorgetragenen Rechtfertigungsgründe einzugehen.
      
      
        65.      Die portugiesische Regierung verweist zur Rechtfertigung der Beschränkungen, die vom Decreto-Lei ausgehen, vor allem auf die
      besondere Bedeutung der Gewährleistung ordnungsgemäßer privater Sicherheitsdienstleistungen. Sie unterstützten die öffentlichen
      Sicherheitskräfte und erlaubten dem Staat eine effiziente Gestaltung der Politik im Bereich der Sicherheit.
      
      
        66.      In den bereits entschiedenen Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien, Belgien und Italien hat der Gerichtshof deutlich
      hervorgehoben, dass die Rechtfertigungsgründe der Artikel 55 EG und 46 EG bei Beschränkungen privater Sicherheitsdienstleistungen
      keine Anwendung finden können
         			(28)
         		, da es sich nicht um die Ausübung öffentlicher Gewalt handelt. Darüber hinaus scheitert eine Berufung auf Artikel 46 EG daran,
      dass das Recht der Mitgliedstaaten, den freien Verkehr von Personen und Dienstleistungen aus Gründen der öffentlichen Ordnung,
      Sicherheit und Gesundheit einzuschränken, nicht bezweckt, ganze Wirtschaftsbereiche, wie den der privaten Sicherheitsdienste,
      von der Anwendung dieses Grundsatzes auszunehmen.
         			(29)
         		
      
        67.      Eine Berufung auf zwingende Allgemeinwohlinteressen, insbesondere  die Garantie der Bürger, Sicherheitsdienstleistungen nur
      von hierzu geeigneten Einrichtungen angeboten zu bekommen, die strengen Kontrollen und anspruchsvollen Qualitätsvorschriften
      unterworfen würden, sowie die Möglichkeit des Staates, ein Instrument zu erhalten, das ihm erlaubt, die Sicherheitspolitik
      effizienter zu gestalten, und schließlich die Einführung eines rechtlichen Rahmens für Unternehmen und ihre Arbeitnehmer betreffend
      den Zugang und die Ausübung des Metiers sind ebenfalls nicht geeignet, die festgestellte Beschränkung durch das Erfordernis
      der Eröffnung einer Vertretung zu rechtfertigen. Nationale Maßnahmen, die die Ausübung der durch den Vertrag garantierten
      grundlegenden Freiheiten behindern oder weniger attraktiv machen können, müssen nach ständiger Rechtsprechung vier Voraussetzungen
      erfüllen: Sie müssen in nichtdiskriminierender Weise angewendet werden, sie müssen aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses
      gerechtfertigt sein, sie müssen geeignet sein, die Verwirklichung des mit ihnen verfolgten Zieles zu gewährleisten, und sie
      dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Zieles erforderlich ist.
         			(30)
         		
      
        68.      Wie oben bereits ausgeführt, negiert das Erfordernis der Eröffnung einer Vertretung die Dienstleistungsfreiheit überhaupt.
      Diese Beschränkung geht damit jedenfalls über das hinaus, was für das Erreichen der oben genannten Ziele erforderlich ist.
      Es stehen mildere Mittel zur Verfügung, um sie zu erreichen, wie etwa das Leisten von Sicherheiten, der Abschluss bestimmter
      Versicherungen oder das Erfordernis des Nachweises einer bestimmten beruflichen Qualifikation. Folglich kann die Beschränkung
      auch nicht aus zwingenden Allgemeinwohlinteressen gerechtfertigt werden.  
      
      
        69.      Als Ergebnis der Prüfung des Erfordernisses einer ständigen Vertretung ist damit festzuhalten, dass diese Regelung mit der
      von Artikel 49 EG gewährleisteten Dienstleistungsfreiheit unvereinbar ist.
      
      
       B – Berücksichtigung der im Ursprungsmitgliedstaat erbrachten Nachweise
        70.      Im Rahmen der Prüfung der Rechtmäßigkeit des Artikels 24 des Decreto-Lei Nr. 231/98, der die Nachweise aufzählt, die mit dem
      Antrag auf Genehmigung der Aufnahme der Tätigkeit der Sicherheitsdienste vorzulegen sind, beschränkt sich die portugiesische
      Regierung auf den Hinweis, dass Artikel 24 ebenfalls nur auf Unternehmen Anwendung finde, die ihre Dienste für länger als
      ein Jahr anbieten. Entsprechend den Ausführungen zum Erfordernis der Eröffnung einer Betriebsniederlassung ist die Ansicht
      der portugiesischen Regierung abzulehnen. Artikel 24 des Decreto-Lei Nr. 231/98 berührt grundsätzlich auch die Dienstleistungsfreiheit.
      
      
        71.      Wie die Kommission zutreffend hervorhebt, hat der Gerichtshof in seinem Urteil in der Rechtssache Kommission/Belgien bereits
      entschieden, dass der freie Dienstleistungsverkehr als fundamentaler Grundsatz des Vertrages nur durch Regelungen beschränkt
      werden darf, die durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind und für alle im Hoheitsgebiet des Aufnahmemitgliedstaats
      tätigen Personen oder Unternehmen gelten, soweit dieses Interesse nicht schon durch die Vorschriften geschützt wird, denen
      der Dienstleistende in dem Mitgliedstaat unterliegt, in dem er ansässig ist. Nationale Vorschriften, die verlangen, dass alle
      Unternehmen dieselben Voraussetzungen erfüllen, um eine vorherige Genehmigung oder Zulassung zu erhalten, machen es unmöglich,
      den Verpflichtungen Rechnung zu tragen, denen der Dienstleistende in dem Mitgliedstaat unterliegt, in dem er ansässig ist.
         			(31)
         		
      
        72.      Artikel 24 des Decreto-Lei verlangt, dass alle Antragsteller die in Absatz 1 unter den Buchstaben a bis g genannten Nachweise
      mit dem Antrag auf Genehmigung zur Ausübung von Sicherheitsdiensten einreichen. Der Wortlaut der Bestimmung sieht nicht vor,
      dass vergleichbare Nachweise, die vom Dienstleistungsanbieter bereits im Mitgliedstaat erbracht wurden, in dem er ansässig
      ist, berücksichtigt werden können. Die portugiesische Regierung hat auch nichts dafür vorgetragen, dass anderweitige Vorkehrungen
      getroffen worden sind, die eine derartige, vom Gemeinschaftsrecht geforderte Berücksichtigung der in anderen Mitgliedstaaten
      vorgelegten Nachweise gewährleisten. Infolgedessen ist festzustellen, dass auch Artikel 24 des Decreto-Lei mit Artikel 49
      EG unvereinbar ist.
      
      
       C – Erfordernis der Gründung einer juristischen Person
        73.      Auch im Rahmen der Erörterung des Erfordernisses der Gründung einer juristischen Person zieht sich die portugiesische Regierung
      auf den Standpunkt zurück, die Dienstleistungsfreiheit sei nicht betroffen, da es nur um Tätigkeiten von über einem Jahr Dauer
      ginge. Diese Argumentation ist aus den oben angeführten Gründen zurückzuweisen.
      
      
        74.      Die Bedingung, sich als juristische Person zu konstituieren, erschließt sich nicht auf den ersten Blick aus dem Wortlaut des
      Artikels 22 Absatz 1 des Decreto-Lei Nr. 231/98. Diese Vorschrift spricht nur von Einheiten („entidades“). Unter diesem neutralen
      Begriff können grundsätzlich sowohl juristische als auch natürliche Personen oder Personengemeinschaften verstanden werden.
      
      
        75.      Allerdings ist zu berücksichtigen, dass Artikel 22 Absatz 1 von den Einheiten verlangt, dass sie nach portugiesischem Recht
      oder nach dem Recht eines der Mitgliedstaaten der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums errichtet sind
      („devem ser costituidas“). Errichtet oder gegründet werden aber nur juristische Personen, nicht jedoch natürliche Personen.
      Dies legt es nahe, davon auszugehen, dass Artikel 22 Absatz 1 des Decreto-Lei in der Tat die Ausübung von Sicherheitsdiensten
      davon abhängig macht, dass sich der Dienstleistungsanbieter in Form einer juristischen Person organisiert. Eine Tätigkeit
      Selbständiger wird damit grundsätzlich unmöglich gemacht.
      
      
        76.      Die hier vertretene Auslegung kann sich auch auf Artikel 22 Absatz 2 des Decreto-Lei stützen, der die Aufbringung eines bestimmten
      Mindestgesellschaftskapitals verlangt. Auf diese Vorschrift wird im folgenden Abschnitt noch näher einzugehen sein. Im vorliegenden
      Zusammenhang genügt die Feststellung, dass ein Gesellschaftskapital nur für juristische Personen aufzubringen ist. Auch dies
      legt die Annahme nahe, dass die Ausübung von Sicherheitsdienstleistungen in Portugal juristischen Personen vorbehalten ist.
      
      
        77.      Schließlich ist noch auf Artikel 3 des Decreto-Lei hinzuweisen. Diese Vorschrift behält die Ausübung von Sicherheitsdiensten
      rechtmäßig errichteten Einheiten vor („… só pode ser exercida por entidades legalmente constituidas …“). Legal oder vorschriftsmäßig
      errichtet werden aber nur juristische Personen.
      
      
        78.      Diese Auslegung der Bestimmungen des Decreto-Lei wurde von der portugiesischen Regierung im Vorverfahren auch bestätigt. In
      ihrer Antwort auf das Mahnschreiben hat die portugiesische Regierung ausgeführt, dass die Wahl des Gesetzgebers für die Rechtsform
      der juristischen Person auf der Annahme beruht, dass dieser Struktur die größte Sicherheit und Glaubwürdigkeit zukomme. Die
      Vergangenheit habe gezeigt, dass die Sicherheit und Bonität von Gesellschaften wesentlich größer sei als die von Einzelkaufleuten
      mit persönlicher Haftung.
         			(32)
         		 Zwar ist die portugiesische Regierung weder in der Klagebeantwortung noch in ihrer Gegenerwiderung auf diese Erläuterung
      eingegangen. Es fehlt in diesen Schriftsätzen aber jegliche andere plausible Erklärung für den Wortlaut des Artikels 22 Absatz
      1 in Verbindung mit Artikel 3 des Decreto-Lei. Vielmehr beschränkt sich die portugiesische Regierung auf die These, Artikel
      22 sei nicht auf Dienstleistungen anwendbar. Diese Haltung ist aber, wie oben bereits ausgeführt, nicht vertretbar.
      
      
        79.      Im Ergebnis ist daher davon auszugehen, dass sich Dienstleistungserbringer, die in Portugal Sicherheitsdienste anbieten möchten,
      in Form einer juristischen Person zu organisieren haben. Damit wird ausgeschlossen, dass natürliche Personen, also Selbständige,
      derartige Dienstleistungen erbringen. Insofern liegt eine Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit vor. 
      
      
        80.      Da die portugiesische Regierung keine Rechtfertigungsgründe für diese Beschränkung vorträgt, ist festzustellen, dass Artikel
      22 Absatz 1 des Decreto-Lei insofern gegen Artikel 49 EG verstößt, als er für die Ausübung von Sicherheitsdienstleistungen
      die Gründung einer juristischen Person verlangt.    
      
      
       D – Einhaltung der portugiesischen Vorschriften über das Mindestkapital
        81.      Die Kommission greift des Weiteren die in Artikel 22 Absatz 2 des Decreto-Lei aufgestellte Bedingung der Einhaltung eines
      bestimmten Mindestkapitals an. Diese Vorschrift verlangt von den Unternehmen, die die in Artikel 2 des Decreto-Lei geregelten
      Sicherheitsdienste anbieten möchten, dass ihr Geschäftskapital bestimmte Mindestbeträge nicht unterschreitet.
      
      
        82.      Vorschriften über das Mindestkapital betreffen nur Dienstleistungsanbieter, die in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft
      organisiert sind. Für Selbständige bestehen grundsätzlich keine Vorschriften über ein aufzubringendes Gesellschaftskapital.
      Indem diese Bestimmung die Tätigkeit Selbständiger implizit ausschließt, verstößt sie bereits gegen die Dienstleistungsfreiheit.
      
      
      
        83.      In Bezug auf Dienstleistungen von Kapitalgesellschaften ist darüber hinaus festzustellen, dass Bestimmungen über ein aufzubringendes
      Mindestkapital eine ungerechtfertigte Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit darstellen. Für die Ausübung der Niederlassungsfreiheit
      hat der Gerichtshof in der Rechtssache Centros ausgeführt, dass es gerade das Ziel der Vertragsvorschriften über die Niederlassungsfreiheit
      ist, den nach dem Recht eines Mitgliedstaats errichteten Gesellschaften, die ihren satzungsmäßigen Sitz, ihre Hauptverwaltung
      oder ihre Hauptniederlassung innerhalb der Gemeinschaft haben, zu erlauben, mittels einer Agentur, Zweigniederlassung oder
      Tochtergesellschaft in anderen Mitgliedstaaten tätig zu werden. Damit könne es für sich allein keine missbräuchliche Ausnutzung
      des Niederlassungsrechts darstellen, wenn ein Staatsangehöriger eines Mitgliedstaats, der eine Gesellschaft gründen möchte,
      diese in dem Mitgliedstaat errichtet, dessen gesellschaftsrechtliche Vorschriften ihm die größte Freiheit lassen, und in anderen
      Mitgliedstaaten Zweigniederlassungen gründet. Das Recht, eine Gesellschaft nach dem Recht eines Mitgliedstaats zu errichten
      und in anderen Mitgliedstaaten Zweigniederlassungen zu gründen, folge im Binnenmarkt unmittelbar aus der vom EG-Vertrag gewährleisteten
      Niederlassungsfreiheit.
         			(33)
         		
      
        84.      In meinen Schlussanträgen in der Rechtssache Inspire Art habe ich die Ansicht vertreten, dass auch das Erfordernis der Beachtung
      der Vorschriften über das Mindestkapital des Aufnahmestaats eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit darstellt, weil dadurch
      die vom Gemeinschaftsrecht geforderte Anerkennung der nach dem Recht eines anderen Mitgliedstaats ordnungsgemäß gegründeten
      Gesellschaft versagt wird.
         			(34)
         		 Diese Rechtsprechung ist auf die Dienstleistungsfreiheit übertragbar. Wenn ein Selbständiger oder ein Unternehmen ordnungsgemäß
      in einem Mitgliedstaat ansässig ist und dort Sicherheitsdienstleistungen erbringt, so führt das Erfordernis der Beachtung
      der Vorschriften über das Mindestkapital dazu, dass die Anerkennung der rechtmäßigen Gründung im Herkunftsstaat versagt wird.
      Dies führt letztlich wieder zu einer Negierung des Rechts der Dienstleistungsfreiheit der in einem anderen Mitgliedstaat rechtmäßig
      niedergelassenen Unternehmen.
      
      
        85.      Die unter dem Aspekt einer möglichen Inländerdiskriminierung vorgetragene Rechtfertigung der portugiesischen Regierung ist
      damit hinfällig. Unter dem Etikett der Inländerdiskriminierung, die grundsätzlich gemeinschaftsrechtlich irrelevant ist, worauf
      beide Parteien übereinstimmend hinweisen, wird nämlich nichts weiter erörtert als die Bekämpfung einer Umgehungsgefahr der
      portugiesischen Vorschriften über das Mindestkapital. Die portugiesische Regierung weist ausdrücklich auf die Gefahr hin,
      dass sich ein Unternehmen in einem anderen Mitgliedstaat niederlassen könnte, der ein geringeres Mindestkapital verlange,
      und über den Umweg der Gründung einer Zweigniederlassung in Portugal die portugiesischen Vorschriften über das Mindestkapital
      umgehen könne. Wie aus der zitierten Rechtsprechung im Fall Centros ersichtlich, genügt eine generelle Umgehungsgefahr jedoch nicht, um eine Beschränkung der vom Vertrag gewährten Grundfreiheiten zu rechtfertigen. Im Übrigen
      stehen weniger einschneidende Maßnahmen zur Verfügung, mit denen ein ebenso wirksamer Gläubigerschutz gewährleistet werden
      kann, wie z. B. das Stellen von Sicherheiten oder der Abschluss von Versicherungen. Ganz davon abgesehen ist es im Übrigen
      überaus umstritten, ob durch die Aufbringung eines bestimmten Mindestkapitals im Zeitpunkt der Gründung einer Gesellschaft
      oder, übertragen auf den vorliegenden Fall, im Zeitpunkt der Aufnahme der Dienstleistungstätigkeit in Portugal, der angestrebte
      Gläubigerschutz überhaupt erreicht werden kann.
         			(35)
         		
      
        86.      Infolgedessen ist festzuhalten, dass auch die Regelung in Artikel 22 Absatz 2 des Decreto-Lei über das einzuhaltende Mindestkapital
      mit Artikel 49 EG unvereinbar ist. 
      
      
       E – Erfordernis eines Berufsausweises
        87.      Im Erfordernis, im Besitze eines Berufsausweises zu sein, sieht die Kommission sowohl eine Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
      der Bediensteten (Artikel 39 EG) als auch eine Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit ihres Arbeitgebers in dem Sinne, dass
      es ihm erschwert werde, in seinem Niederlassungsmitgliedstaat zugelassene Bedienstete nach Portugal zu entsenden (Artikel
      49 EG). Die portugiesische Regierung verteidigt sich damit, dass es grundsätzlich zulässig sei, die Ausübung bestimmter sensibler
      Tätigkeiten von einer vorherigen Genehmigung abhängig zu machen, und dass bei der Ausstellung des Ausweises das Vorliegen
      der in Artikel 7 des Decreto-Lei aufgestellten Erfordernisse überprüft werde, die aus zwingenden Gründen des Allgemeinwohls
      aufgestellt worden seien. 
      
      
        88.      In seinem Urteil in der Rechtssache Kommission/Belgien hat der Gerichtshof entschieden, dass das Erfordernis der Ausstellung
      eines Ausweises eine Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit darstellt, weil die mit der Erteilung verbundenen Formalitäten
      die Erbringung einer grenzüberschreitenden Dienstleistung verteuern könnten. Eine derartige Beschränkung wurde auch insoweit
      für unverhältnismäßig erachtet, als der Ausweis der Feststellung der Identität des Leistungserbringers dienen solle, die in
      gleicher Weise bereits durch einen mitgeführten Ausweis oder Reisepass festgestellt werden könne.
         			(36)
         		 In Anwendung dieser Rechtsprechung ist folglich davon auszugehen, dass Artikel 9 des Decreto-Lei die Dienstleistungsfreiheit
      und die Arbeitnehmerfreizügigkeit beschränkt.
      
      
        89.      Im Unterschied zur Rechtssache Kommission/Belgien wird die portugiesische Regelung allerdings nicht mit der Möglichkeit der
      Feststellung der Identität des Leistungserbringers begründet, sondern mit der Prüfung des Vorliegens der in Artikel 7 des
      Decreto-Lei aufgestellten Tätigkeitsvoraussetzungen. Es geht damit um die persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten des Leistungserbringers.
      Insofern dürfte diese Überprüfung grundsätzlich als eine geeignete Maßnahme anzusehen sein, die die Qualität der angebotenen
      Sicherheitsdienstleistung sichert.
      
      
        90.      Fraglich ist allerdings, ob die Maßnahme nicht über das erforderliche Maß hinausgeht, wenn sie die Berücksichtigung gleichwertiger
      Nachweise ausschließt, die vom Leistungsanbieter in seinem Herkunftsstaat bereits erbracht wurden. Ähnlich wie der oben geprüfte
      Artikel 22 Absatz 1 des Decreto-Lei sieht auch Artikel 9 Absatz 2 des Decreto-Lei nicht vor, dass im Rahmen der Prüfung des
      Nachweises der Erfüllung der in Artikel 7 aufgestellten Tätigkeitsvoraussetzungen gleichwertige Nachweise, die bereits im
      Herkunftsstaat für die Aufnahme der Erbringung von Sicherheitsdienstleistungen erforderlich sind, berücksichtigt werden können.
      Nach der Rechtsprechung ist ein Mitgliedstaat, bei dem die Zulassung zu einem Beruf beantragt worden ist, dessen Aufnahme
      nach nationalem Recht vom Besitz eines Diploms oder einer beruflichen Qualifikation abhängt, jedoch gehalten, die Diplome,
      Prüfungszeugnisse und sonstigen Befähigungsnachweise, die der Betroffene erworben hat, um den gleichen Beruf in einem anderen
      Mitgliedstaat auszuüben, in der Weise zu berücksichtigen, dass er die durch diese Diplome bescheinigten Fachkenntnisse mit
      den nach nationalem Recht vorgeschriebenen Kenntnissen und Fähigkeiten vergleicht.
         			(37)
         		 Dieser  zur Niederlassungsfreiheit entwickelte Grundsatz ist wegen der vergleichbaren Interessenlage auf die Arbeitnehmerfreizügigkeit
      und die Dienstleistungsfreiheit übertragbar. Insofern ist festzustellen, dass Artikel 9 des Decreto-Lei die Arbeitnehmerfreizügigkeit
      und die Dienstleistungsfreiheit über das erforderliche Maß hinaus beschränkt.  
      
      
       F – Anwendbarkeit der Richtlinie 92/51   
        91.      Als letzten Punkt rügt die Kommission schließlich die Nichtanwendung der Richtlinie 92/51 auf die Beschäftigten im Sektor
      der Sicherheitsdienstleistungen. Dabei streiten die Parteien insbesondere darüber, inwieweit der bereits im vorigen Absatz
      erwähnte Berufsausweis materiell gesehen einen Befähigungsnachweis im Sinne des Artikels 1 Absatz 1 Buchstabe c erster Gedankenstrich
      der Richtlinie 92/51 darstellt.
      
      
        92.      Nach Artikel 1 Buchstabe f der Richtlinie 92/51 besteht ein reglementierter Beruf aus einer beruflichen Tätigkeit, deren Aufnahme
      oder Ausübung direkt oder indirekt rechtlich, also durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften, geregelt ist. Die Aufnahme
      oder Ausübung eines Berufes ist somit dann als direkt rechtlich geregelt anzusehen, wenn die Rechts- oder Verwaltungsvorschriften
      des Aufnahmemitgliedstaats eine Regelung enthalten, durch die die betreffende berufliche Tätigkeit ausdrücklich Personen vorbehalten
      wird, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, während die Aufnahme dieser Tätigkeit denjenigen versagt wird, die diese Voraussetzungen
      nicht erfüllen.
         			(38)
         		 Die Ausübung von Sicherheitsdiensten wird von den Artikeln 7 und 9 des Decreto-Lei vom Vorliegen bestimmter persönlicher
      Voraussetzungen abhängig gemacht. Insofern geht es um die Ausübung eines reglementierten Berufs im Sinne der Richtlinie 92/51.
      
      
      
        93.      Der Begriff des „Befähigungsnachweises“ wird in Artikel 1 Buchstabe c erster Spiegelstrich der Richtlinie 92/51 definiert
      als jeder Nachweis, der eine Ausbildung abschließt und nicht Teil eines Diploms im Sinne der Richtlinie 89/48 bzw. eines Diploms
      oder Prüfungszeugnisses im Sinne der Richtlinie 92/51 ist. Für Sicherheitsdienstleistungen gibt es kein Diplom, weshalb hier
      nur ein Nachweis über den Abschluss einer Ausbildung in Frage kommt.  
      
      
        94.      Die Kommission hält den im vorigen Abschnitt behandelten Berufsausweis für einen derartigen Befähigungsnachweis. Er bescheinige
      u. a., dass die nach Artikel 7 Absatz 2 Buchstabe b des Decreto-Lei erforderlichen, nach Inhalt und Dauer gesetzlich geregelten
      Prüfungen der Kenntnisse und der körperlichen Leistungsfähigkeit abgeleistet wurden, und gestatte seinem Inhaber, private
      Sicherheitsdienste auszuüben.
      
      
        95.      Es ist jedoch zu beachten, dass der Berufsausweis nur eine zeitlich auf zwei Jahre begrenzte Gültigkeitsdauer hat, worauf
      die portugiesische Regierung hinweist. Ein Nachweis über eine bestimmte Ausbildung wird hingegen einmal erworben und ist zeitlich
      unbegrenzt gültig. Davon zu unterscheiden ist eine Erlaubnis, einen bestimmten Beruf auszuüben, für den eine bestimmte Ausbildung
      erforderlich ist, die durchaus zeitlich begrenzt werden mag, um bestimmte Kontrollen sicherzustellen. Schon wegen der zeitlichen
      Beschränkung der Gültigkeitsdauer kann der Berufsausweis aber nicht als ständiger Nachweis für eine abgeschlossene Ausbildung
      angesehen werden.
      
      
        96.      Darüber hinaus ist festzustellen, dass sich der Berufsausweis nicht nur auf die Bescheinigung der Absolvierung eines bestimmten
      Lehrgangs und der hierüber abgelegten Prüfung bezieht. Vielmehr wird der Berufsausweis nach Artikel 9 des Decreto-Lei ausgestellt,
      nachdem das Vorliegen sämtlicher Voraussetzungen des Artikels 7 des Decreto-Lei geprüft worden ist. Die Bescheinigung über
      die Ableistung einer bestimmten Ausbildung ist nur ein Teilaspekt des Berufsausweises. Daneben werden z. B. auch die Staatsangehörigkeit
      oder das Vorliegen etwaiger Verurteilungen geprüft. Auch dies spricht gegen die Annahme, der Berufsausweis sei ein Befähigungsnachweis
      im Sinne der Richtlinie 92/51.
      
      
        97.      Aufgrund dieser Umstände kann kein Verstoß gegen die Richtlinie 92/51 festgestellt werden.
      
      
      VI – Kosten
        98.      Gemäß Artikel 69 § 2 Absatz 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
      Jedoch kann der Gerichtshof nach § 3 Absatz 1 die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt,
      wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt oder wenn ein außergewöhnlicher Grund gegeben ist. Nur ein Verstoß gegen
      die Richtlinie 92/51 konnte nicht festgestellt werden. Dieser Umstand fällt indessen gegenüber den anderen festgestellten
      Vertragsverletzungen nicht derart ins Gewicht, dass eine Kostenteilung angezeigt wäre. Da die Kommission einen entsprechenden
      Antrag gestellt hat, sind Portugal, das mit seinem Antrag auf Abweisung der Klage in allen anderen Punkten unterlegen ist,
      die Kosten des Rechtsstreits aufzuerlegen.
      
       
      VII – Ergebnis
        99.      Aufgrund der vorstehenden Überlegungen wird vorgeschlagen, folgendermaßen zu entscheiden: 
      
      
       A – Die Portugiesische Republik hat ihre Verpflichtungen aus den Artikeln 39 EG, 43 EG und 49 EG dadurch verletzt, dass sie verlangt,
         dass 
       
      
         
            j)
               ausländische Unternehmen, die in Portugal im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick auf Personen
                  und Objekte ausüben möchten, im Rahmen der Regelung der vom Minister des Innern zu erteilenden Zulassung 
               
            
      
      
        
      –
         ihren Sitz oder eine Niederlassung in Portugal haben müssen, 
      
      
        
      –
         sich nicht auf die Belege und Garantien berufen können, die sie bereits in ihrem Niederlassungsmitgliedstaat beigebracht haben,
            
         
      
      
        
      –
         die Rechtsform einer juristischen Person haben müssen, 
      
      
        
      –
         ein spezifisches Gesellschaftskapital aufweisen müssen, 
      
      
      
       
      
         
            k)
               das Personal ausländischer Unternehmen, die in Portugal im Sektor der privaten Sicherheitsdienste Wachtätigkeiten im Hinblick
                  auf Personen und Objekte ausüben möchten, im Besitz eines von den portugiesischen Behörden ausgestellten Berufsausweises sein
                  muss. 
               
            
      
      
       
      
         
            l)
               Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 
            
      
      
       
      
         
            m)
               Die Portugiesische Republik trägt die Kosten des Verfahrens.  
            
      
       Siegbert Alber
       1 –
         
         Originalsprache: Deutsch.
      
      2 –
         
         ABl. L 209, S. 25.
            
         
      
      3 –
         
         .Diário da República  I, Serie A, Nr. 167, vom 22. Juli 1998, S. 3515. 
            
         
      
      4 –
         
         Urteil vom 30. November 1995 in der Rechtssache C-55/94 (Gebhard, Slg. 1995, I-4165, Randnr. 27).
            
         
      
      5 –
         
         Die Kommission zitiert in diesem Zusammenhang das Urteil vom 21. Juni 1988 in der Rechtssache 257/86 (Kommission/Italien,
            Slg. 1988, 3249, Randnr. 12).
            
         
      
      6 –
         
         Die Kommission verweist auf das Urteil vom 4. Dezember 1986 in der Rechtssache 205/84 (Kommission/Deutschland, Slg. 1986,
            3755, Randnr. 54).
            
         
      
      7 –
         
         Zur Stützung ihrer Auffassung zitiert die Kommission das Urteil vom 6. Juni 1996 in der Rechtssache C-101/94 (Kommission/Italien,
            Slg. 1996, I-2691, Randnr. 23). 
            
         
      
      8 –
         
         Urteil vom 9. März 2000 in der Rechtssache C-355/98 (Kommission/Belgien, Slg. 2000, I-1221, Randnrn. 37 f.).
            
         
      
      9 –
         
         Die Kommission beruft sich auf das Urteil vom 17. Dezember 1981 in der Rechtssache 279/80 (Webb, Slg. 1981, 3305, Randnr.
            20). 
            
         
      
      10 –
         
         Sie verweist auf das Urteil vom 7. Juli 1988 in der Rechtssache 143/87 (Stanton/Inasti, Slg. 1988, 3877, Randnrn. 11 bis 13)
            sowie auf das Urteil vom 15. Februar 1996 in der Rechtssache C-53/95 (Inasti/Kemmler, Slg. 1996, I-703, Randnrn. 10 f.). 
            
         
      
      11 –
         
         Sie beruft sich auf das Urteil vom 29. Oktober 1998 in der Rechtssache C-114/97 (Kommission/Spanien, Slg. 1998, I-6717, Randnrn.
            42 und 48).
            
         
      
      12 –
         
         Urteil vom 9. März 1999 in der Rechtssache C-212/97 (Centros, Slg. 1999, I-1459, insbesondere Randnrn. 36 bis 38).
            
         
      
      13 –
         
         Urteil vom 10. Mai 1995 in der Rechtssache C-384/93 (Alpine Investments, Slg. 1995, I-1141); Urteil vom 14. Juli 1994 in der
            Rechtssache C-379/92 (Peralta, Slg. 1994, I-3453).
            
         
      
      14 –
         
         Die Kommission verweist zur Stützung ihrer rechtliche Analyse erneut auf die Urteile Kommission/Deutschland (zitiert in Fußnote
            6, Randnr. 47) und Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnr. 40).
            
         
      
      15 –
         
         Urteil vom 7. Mai 1991 in der Rechtssache C-340/89 (Vlassopoulou, Slg. 1991, I-2357, Randnrn. 16 und 23).
            
         
      
      16 –
         
         Schlussanträge des Generalanwalts Vilaça vom 22. Oktober 1987 in der Rechtssache 63/86 (Kommission/Italien, Slg. 1988, 29).
            
         
      
      17 –
         
         Sie verweist auf die Urteile vom 12. Dezember 1996 in der Rechtssache C-3/95 (Reisebüro Broede, Slg. 1996, I-6511), vom 18.
            Dezember 1997 in der Rechtssache C-384/95 (Landboden-Agrardienste, Slg. 1997, I-7387) und vom 24. März 1994 in der Rechtssache
            C-275/92 (Schindler, Slg. 1994, I-1039).   
            
         
      
      18 –
         
         Sie geht auf die Urteile vom 29. Oktober 1998 in der Rechtssache C-114/97 (Kommission/Spanien, Slg. 1998, I-6717), Kommission/Belgien
            (zitiert in Fußnote 8) und vom 31. Mai 2001 in der Rechtssache C-283/99 (Kommission/Italien, Slg. 2001, I-4363) ein.
            
         
      
      19 –
         
         Zitiert in Fußnote 18.
            
         
      
      20 –
         
         Zitiert in Fußnote 8.
            
         
      
      21 –
         
         Zitiert in Fußnote 18.
            
         
      
      22 –
         
         Vgl. Urteil Gebhard (zitiert in Fußnote 4, Randnrn. 25 f.).
            
         
      
      23 –
         
         Urteil Gebhard (zitiert in Fußnote 4, Randnr. 27).
            
         
      
      24 –
         
         Urteil Gebhard (zitiert in Fußnote 4, Randnr. 27).
            
         
      
      25 –
         
         Schlussanträge des Generalanwalts Léger vom 20. Juni 1995 in der Rechtssache C-55/94 (Gebhard, Slg. 1995, I-4165, I-4168,
            Nr. 37).
            
         
      
      26 –
         
         Vgl. hierzu die Schlussanträge des Generalanwalts Léger (zitiert in Fußnote 25, Nr. 84).
            
         
      
      27 –
         
         Urteil vom 4. Dezember 1986 in der Rechtssache 220/83 (Kommission/Frankreich, Slg. 1986, 3663, Randnr. 20); Urteil Kommission/Deutschland
            (zitiert in Fußnote 6, Randnr. 52); Urteil Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnr. 27).
            
         
      
      28 –
         
         Urteil Kommission/Spanien (zitiert in Fußnote 18, Randnrn. 35 bis 39); Urteil Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnrn.
            24 bis 26); Urteil Kommission/Italien (zitiert in Fußnote 18, Randnrn. 20 und 22). 
            
         
      
      29 –
         
         Urteil Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnr. 29). Vgl. in diesem Sinne auch die Schlussanträge von Generalanwalt
            Jacobs vom 15. Februar 2001 in der Rechtssache C-283/99 (Kommission/Italien, Slg. 2001, I-4363, I-4365, Nr. 47).
            
         
      
      30 –
         
         Urteil vom 31. März 1993 in der Rechtssache C-19/92 (Kraus, Slg. 1993, I-1663, Randnr. 32); Urteil Gebhard (zitiert in Fußnote
            4, Randnr. 37).
            
         
      
      31 –
         
         Urteil Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnrn. 37 f.). 
            
         
      
      32 –
         
         „… a opção do legislador pela forma societária resulta do facto de aquela ser, no seu entender, a que se reveste de uma maior
            segurança e credibilidade. Os ensinamentos da história recente demonstram que a credibilidade das sociedades, no nosso ordenamento
            interno, é muito superior à que goza por exemplo, o estabelecimento individual de responsabilidade limitada …“, S. 17 f. der
            Antwort vom 23. Mai 2000 auf das Mahnschreiben vom 1. Februar 2000. 
            
         
      
      33 –
         
         Urteil Centros (zitiert in Fußnote 12, Randnrn.  26  f.).
            
         
      
      34 –
         
         Schlussanträge vom 30. Januar 2003 in der Rechtssache C-167/01 (Kamer van Koophandel/Inspire Art, noch nicht in der amtlichen
            Sammlung veröffentlicht, Randnrn.  97 bis 100).  
            
         
      
      35 –
         
         Vgl. hierzu die grundlegenden Überlegungen in meinen Schlussanträgen in der Rechtssache Inspire Art (zitiert in Fußnote 34,
            Nrn. 141 bis 146). 
            
         
      
      36 –
         
         Urteil Kommission/Belgien (zitiert in Fußnote 8, Randnrn. 39 f.).
            
         
      
      37 –
         
         Urteil in der Rechtssache C-340/89 (zitiert in Fußnote 15, Randnr. 16).
            
         
      
      38 –
         
         Urteil vom 1. Februar 1996 in der Rechtssache C-164/94 (Aranitis, Slg. 1996, I-135, Randnrn. 18 f.); Urteil vom 8. Juli 1999
            in der Rechtssache C-234/97 (Fernández de Bobadilla, Slg. 1999, I-4773, Randnrn. 16 f.).