CELEX: 62006TJ0039
Language: de
Date: 2011-10-05
Title: Urteil des Gerichts (Dritte Kammer) vom 5. Oktober 2011.#Transcatab SpA gegen Europäische Kommission.#Wettbewerb - Kartelle - Italienischer Markt für den Kauf und die Erstverarbeitung von Rohtabak - Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird - Preisfestsetzung und Marktaufteilung - Zurechnung des rechtswidrigen Verhaltens - Geldbußen - Verhältnismäßigkeit - Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung - Mildernde Umstände - Zusammenarbeit.#Rechtssache T-39/06.

Rechtssache T‑39/06
      Transcatab SpA
      gegen
      Europäische Kommission
      „Wettbewerb – Kartelle – Italienischer Markt für den Ankauf und die Erstverarbeitung von Rohtabak – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Preisfestsetzung und Marktaufteilung – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Geldbußen – Verhältnismäßigkeit – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Zusammenarbeit“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Zurechnung – Muttergesellschaft und Tochtergesellschaften – Wirtschaftliche
            Einheit – Beurteilungskriterien – Vermutung, dass die Muttergesellschaft einen bestimmenden Einfluss auf Tochtergesellschaften
            ausübt, deren Kapital sie zu 100 % hält
      (Art. 81 EG)
      2.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt
      (Art. 81 EG; Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 27 Abs. 1)
      3.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Höchstbetrag – Berechnung – Zu berücksichtigender Umsatz
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 2)
      4.      Handlungen der Organe – Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen wegen Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln
            – Handlung, die Außenwirkungen entfalten soll – Tragweite
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      5.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Zuwiderhandlungen, die bereits aufgrund ihres Wesens als besonders schwer qualifiziert
            werden
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 A)
      6.      Wettbewerb – Geldbußen – Entscheidung, mit der Geldbußen verhängt werden – Begründungspflicht – Umfang
      (Art. 81 EG und 253 EG; Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 2 und 3)
      7.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 27)
      8.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Ermessensspielraum der Kommission – Grenzen – Beachtung des Grundsatzes der
            Verhältnismäßigkeit – Tragweite
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      9.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Abschreckungswirkung der Geldbuße
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 5 Buchst. b)
      10.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Tatsächliche
            Nichtdurchführung einer Vereinbarung
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 A Abs. 1 und 3, zweiter Gedankenstrich)
      11.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Beendigung des
            Verstoßes nach dem ersten Eingreifen der Kommission – Tragweite
      (Art. 81 Abs. 1 EG; Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 3, dritter Gedankenstrich)
      12.    Unionsrecht – Grundsätze – Vertrauensschutz – Voraussetzungen
      13.    Landwirtschaft – Wettbewerbsregeln – Verordnung Nr. 26 – Anwendung der für Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen,
            die zur Verwirklichung der Ziele des Art. 33 EG notwendig sind, vorgesehenen Ausnahme – Voraussetzungen
      (Art. 33 EG und 81 Abs. 1 EG; Verordnung Nr. 26 des Rates, Art. 2)
      14.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens außerhalb des Anwendungsbereichs der Mitteilung über Zusammenarbeit – Voraussetzungen
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilungen der Kommission 98/C 9/03, Nr. 3, sechster Gedankenstrich, und 2002/C
            45/03)
      15.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Erster Anwendungsfall
            der Wettbewerbsregeln auf einen bestimmten Wirtschaftssektor – Entscheidungsspielraum der Kommission
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 3)
      16.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Schlechte Finanzlage
            der betroffenen Branche – Entscheidungsspielraum der Kommission
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      17.    Verfahren – Klageschrift – Formerfordernisse
      (Satzung des Gerichtshofs, Art. 21; Verfahrensordnung des Gerichts, Art. 44 § 1 Buchst. c und 48 § 2)
      18.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Herabsetzung der Geldbuße als Gegenleistung für eine Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Voraussetzungen
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 2002/C 45/03 der Kommission, Nr. 23 letzter Absatz)
      19.    Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen, die eine einheitliche Zuwiderhandlung darstellen
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      1.      Im Wettbewerbsrecht kann einer Muttergesellschaft das Verhalten der Tochtergesellschaft insbesondere dann zugerechnet werden,
         wenn die Tochtergesellschaft trotz eigener Rechtspersönlichkeit ihr Marktverhalten nicht autonom bestimmt, sondern im Wesentlichen
         Weisungen der Muttergesellschaft befolgt, und zwar vor allem wegen der wirtschaftlichen, organisatorischen und rechtlichen
         Bindungen, die die beiden Rechtssubjekte verbinden. Da nämlich in einem solchen Fall die Muttergesellschaft und ihre Tochtergesellschaft
         Teil ein und derselben wirtschaftlichen Einheit sind und damit ein Unternehmen im Sinne von Art. 81 EG bilden, kann die Kommission
         eine Entscheidung, mit der Geldbußen verhängt werden, an die Muttergesellschaft richten, ohne dass deren persönliche Beteiligung
         an der Zuwiderhandlung nachzuweisen wäre.
      
      In dem besonderen Fall, dass eine Muttergesellschaft 100 % des Kapitals ihrer Tochtergesellschaft hält, die gegen die Wettbewerbsregeln
         verstoßen hat, kann zum einen diese Muttergesellschaft einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten dieser Tochtergesellschaft
         ausüben und besteht zum anderen eine widerlegliche Vermutung, dass diese Muttergesellschaft tatsächlich einen solchen Einfluss
         ausübt. So darf die Kommission annehmen, dass die Letztgenannte einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten ihrer Tochtergesellschaft
         ausübt, ohne verpflichtet zu sein, zusätzliche Nachweise dafür zu erbringen, dass die Muttergesellschaft einen solchen Einfluss
         tatsächlich ausgeübt hat oder auch nur die geringste Kenntnis von der Zuwiderhandlung oder der Beteiligung dieser Tochtergesellschaft
         an dieser Zuwiderhandlung hatte. Es handelt sich um eine widerlegliche Vermutung, die durch den Gegenbeweis widerlegt werden
         kann. Es obliegt daher der Muttergesellschaft, diese Vermutung durch Beweisdokumente zu widerlegen, die dem Nachweis dienen
         können, dass ihre Tochtergesellschaft ihr Vorgehen auf dem Markt eigenständig bestimmt und diese beiden Gesellschaften somit
         keine wirtschaftliche Einheit bilden. Anderenfalls wird die Ausübung einer Kontrolle durch den Umstand dargetan, dass die
         aus der Inhaberschaft des gesamten Kapitals abgeleitete Vermutung nicht widerlegt worden ist.
      
      Der Umstand, dass eine Tochtergesellschaft ihre eigene örtliche Geschäftsleitung hat und über eigene Mittel verfügt, beweist
         für sich genommen nicht, dass sie ihr Marktverhalten gegenüber ihrer Muttergesellschaft eigenständig bestimmt. Der Umstand,
         dass die Führung der laufenden Geschäfte zu 100 % der örtlichen Geschäftsleitung einer Tochtergesellschaft anvertraut ist,
         ist nämlich gängige Praxis und daher nicht geeignet, die tatsächliche Eigenständigkeit von Tochtergesellschaften zu beweisen.
      
      (vgl. Randnrn. 92-94, 103, 106)
      2.      Wettbewerbsrecht erfordert die Wahrung der Verteidigungsrechte, dass das betroffene Unternehmen im Verwaltungsverfahren zum
         Vorliegen und zur Erheblichkeit des Sachverhalts und der Umstände, die die Kommission anführt, sowie zu den von ihr zur Stützung
         ihrer Behauptung, dass eine Zuwiderhandlung gegen den Vertrag vorliege, herangezogenen Schriftstücken sachgerecht Stellung
         nehmen konnte.
      
      Dieser Grundsatz kommt in Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003 zum Ausdruck, der vorsieht, dass den Parteien eine Mitteilung
         der Beschwerdepunkte übersandt wird, in der alle wesentlichen Tatsachen, auf die sich die Kommission in diesem Stadium des
         Verfahrens stützt, so klar angeführt sein müssen, dass die Betroffenen tatsächlich erkennen können, welches Verhalten ihnen
         die Kommission zur Last legt, und sie ihre Verteidigung sachgerecht wahrnehmen können, bevor diese eine endgültige Entscheidung
         erlässt. Dieses Erfordernis ist erfüllt, wenn die genannte Entscheidung den Betroffenen keine anderen Zuwiderhandlungen zur
         Last legt als diejenigen, die in der Mitteilung der Beschwerdepunkte genannt werden, und sich nur auf Tatsachen stützt, zu
         denen die Betroffenen Gelegenheit zur Äußerung hatten.
      
      Diese Darstellung kann jedoch in gedrängter Form erfolgen, und die endgültige Entscheidung braucht nicht notwendig ein Abbild
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte zu sein, da es sich bei dieser um ein vorbereitendes Schriftstück handelt, dessen tatsächliche
         und rechtliche Wertungen lediglich vorläufiger Natur sind. Zulässig sind daher Ergänzungen zur Mitteilung der Beschwerdepunkte
         unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der Parteien, deren Argumente zeigen, dass sie ihre Verteidigungsrechte tatsächlich
         wahrnehmen konnten. Die Kommission darf auch unter Berücksichtigung des Verwaltungsverfahrens Argumente, auf die sie ihre
         Beschwerdepunkte stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht ändern oder ergänzen.
      
      Im Übrigen ist hinsichtlich der Zurechnung einer von ihren 100%igen Tochtergesellschaften begangenen Zuwiderhandlung an die
         Muttergesellschaft die Kommission nicht verpflichtet, im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte andere Gesichtspunkte
         als den Nachweis anzuführen, dass die Muttergesellschaft das Kapital ihrer Tochtergesellschaften hält.
      
      (vgl. Randnrn. 115-117, 123)
      3.      Die Obergrenze von 10 % des Umsatzes gemäß Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 ist anhand des gesamten Umsatzes aller
         Gesellschaften zu ermitteln, aus denen die als Unternehmen im Sinne von Art. 81 EG auftretende wirtschaftliche Einheit besteht,
         da nur der Gesamtumsatz der zu dieser Einheit gehörenden Gesellschaften die Größe und die Wirtschaftskraft des fraglichen
         Unternehmens widerspiegeln kann.
      
      (vgl. Randnrn. 129-130)
      4.      Die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65
         Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, sind ein Instrument, mit dem unter Beachtung höherrangigen Rechts die Kriterien präzisiert
         werden sollen, die die Kommission im Rahmen der Ausübung des ihr nach Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 zustehenden
         Ermessens bei der Festsetzung von Geldbußen anzuwenden gedenkt. Diese Leitlinien stellen zwar nicht die Rechtsgrundlage einer
         Entscheidung dar, mit der Geldbußen verhängt werden, weil diese auf der Verordnung Nr. 1/2003 beruht, aber sie enthalten eine
         allgemeine und abstrakte Regelung der Vorgehensweise, die sich die Kommission zur Festsetzung der in dieser Entscheidung verhängten
         Geldbußen auferlegt hat, und schaffen damit Rechtssicherheit für die Unternehmen.
      
      Auch wenn die Leitlinien somit nicht als Rechtsnorm qualifiziert werden können, die die Verwaltung auf jeden Fall zu beachten
         hat, stellen sie doch eine Verhaltensnorm dar, die einen Hinweis auf die zu befolgende Verwaltungspraxis enthält und von der
         die Verwaltung im Einzelfall nicht ohne Angabe von Gründen abweichen kann.
      
      Die aus dem Erlass der Leitlinien resultierende Selbstbeschränkung des Ermessens der Kommission ist jedoch nicht unvereinbar
         mit dem Fortbestand eines erheblichen Ermessens der Kommission. Die Kommission ist dadurch, dass sie in den Leitlinien ihre
         Vorgehensweise bei der Bewertung der Schwere eines Verstoßes präzisiert hat, nämlich nicht daran gehindert, die Schwere umfassend
         anhand aller relevanten Umstände des Einzelfalls einschließlich der Gesichtspunkte zu beurteilen, die in den Leitlinien nicht
         ausdrücklich erwähnt sind.
      
      (vgl. Randnrn. 141-143)
      5.      Aus den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
         Art. 65 Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, ergibt sich, dass horizontale Kartelle, die insbesondere auf die Festsetzung
         von Preisen abzielen, allein aufgrund ihrer Art als „besonders schwer“ eingestuft werden können, ohne dass die Kommission
         konkrete Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt nachweisen müsste und ohne dass der beschränkte Umfang des betreffenden
         räumlichen Marktes einer solchen Einstufung entgegenstünde. Dieses Ergebnis wird dadurch bestätigt, dass zwar in der Beschreibung
         der schweren Verstöße ausdrücklich erwähnt wird, dass sie Auswirkungen auf den Markt haben und in einem größeren Teil des
         Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen, die Beschreibung der besonders schweren Verstöße aber kein Erfordernis konkreter Auswirkungen
         auf den Markt oder auf ein besonderes geografisches Gebiet enthält.
      
      Bei der Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln ist entscheidend, ob die Kartellmitglieder
         alles in ihrer Macht Stehende taten, damit ihre Pläne konkrete Auswirkungen hatten. Was dann in Bezug auf die tatsächlich
         erzielten Marktpreise geschah, konnte durch andere, von den Kartellmitgliedern nicht kontrollierbare Faktoren beeinflusst
         werden. Die Kartellmitglieder können externe Faktoren, die ihre Bemühungen durchkreuzten, nicht zu ihren Gunsten anführen
         und zu Umständen umdeuten, die eine Herabsetzung der Geldbuße rechtfertigen.
      
      Wenn die Umsetzung eines Kartells erwiesen ist, kann von der Kommission nicht verlangt werden, systematisch darzulegen, dass
         die Vereinbarungen es den betroffenen Unternehmen tatsächlich ermöglichten, ein höheres oder, wie im Fall von Einkaufskartellen,
         niedrigeres Niveau der Transaktionspreise als ohne Kartell zu erzielen. Es wäre unverhältnismäßig, eine solche Darlegung zu
         verlangen, die beträchtliche Ressourcen in Anspruch nehmen würde, weil sie den Rückgriff auf hypothetische Berechnungen anhand
         wirtschaftlicher Modelle erfordern würde, deren Genauigkeit nur schwer durch den Unionsrichter nachprüfbar und deren Unfehlbarkeit
         keineswegs erwiesen ist.
      
      Außerdem ist der Umfang des räumlichen Marktes kein eigenständiges Kriterium in dem Sinne, dass nur Zuwiderhandlungen, die
         die Mehrzahl der Mitgliedstaaten betreffen, als „besonders schwer“ eingestuft werden könnten. Weder der Vertrag noch die Verordnung
         Nr. 1/2003, die Leitlinien oder die Rechtsprechung gestatten die Annahme, dass nur räumlich sehr ausgedehnte Wettbewerbsbeschränkungen
         so eingestuft werden können. Im Übrigen lassen sich Vereinbarungen, die insbesondere auf die Festsetzung der Einkaufspreise
         und die Zuteilung der Abnahmemengen abzielen, bereits ihrem Wesen nach als besonders schwere Zuwiderhandlungen einstufen,
         ohne dass solche Verhaltensweisen durch einen besonderen räumlichen Umfang gekennzeichnet sein müssten. Daraus folgt, dass
         der Umfang des räumlich relevanten Marktes, und sei er auch beschränkt, der Einstufung der festgestellten Zuwiderhandlung
         als „besonders schwer“ nicht entgegensteht.
      
      (vgl. Randnrn. 148-149, 168-169, 172)
      6.      Im Rahmen der Festsetzung von Geldbußen für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ist die Begründungspflicht erfüllt, wenn die
         Kommission in ihrer Entscheidung die Beurteilungsgesichtspunkte angibt, die es ihr ermöglicht haben, Schwere und Dauer der
         Zuwiderhandlung zu ermitteln.
      
      Art. 253 EG kann im Rahmen der Prüfung von Verstößen gegen Art. 81 EG nicht dahin ausgelegt werden, dass er die Kommission
         verpflichtet, in ihren Entscheidungen die Gründe dafür zu erläutern, aus denen sie bei der Berechnung des Betrags der Geldbuße
         andere, gegenüber dem in der endgültigen Entscheidung tatsächlich gewählten Ansatz hypothetische Ansätze nicht verfolgt hat.
      
      (vgl. Randnrn. 175, 177)
      7.      Die Kommission erfüllt ihre Verpflichtung zur Wahrung des Anspruchs der Unternehmen auf rechtliches Gehör, wenn sie in ihrer
         Mitteilung der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die betreffenden Unternehmen
         Geldbußen festzusetzen seien, und die für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen
         Gesichtspunkte wie Schwere und Dauer der vermuteten Zuwiderhandlung sowie den Umstand anführt, ob diese vorsätzlich oder fahrlässig
         begangen wurde. Damit macht sie gegenüber den Unternehmen die Angaben, die diese für ihre Verteidigung nicht nur gegen die
         Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Festsetzung einer Geldbuße benötigen.
      
      Dagegen braucht die Kommission, wenn sie die tatsächlichen und rechtlichen Umstände angegeben hat, auf die sich ihre Berechnung
         der Geldbußen stützt, nicht zu erläutern, in welcher Weise sie jeden dieser Gesichtspunkte bei der Bemessung der Geldbuße
         heranziehen wird. Darüber hinaus darf die Kommission in ihrer Entscheidung auch unter Berücksichtigung des Verwaltungsverfahrens
         Argumente, auf die sie ihre Beschwerdepunkte stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht ändern oder ergänzen.
      
      Folglich sind bei der Bemessung der Geldbußen die Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen gegenüber der Kommission
         dadurch gewahrt, dass sie sich zu Dauer, Schwere und Wettbewerbswidrigkeit des ihnen zur Last gelegten Sachverhalts äußern
         können.
      
      (vgl. Randnrn. 180-182)
      8.      Im Rahmen der von der Kommission zur Ahndung der Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln eingeleiteten Verfahren bedeutet die
         Anwendung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit, dass die Geldbußen nicht außer Verhältnis zu den angestrebten Zielen –
         d. h. zur Beachtung dieser Regeln – stehen dürfen und die einem Unternehmen wegen einer Zuwiderhandlung im Bereich des Wettbewerbs
         auferlegte Geldbuße so zu bemessen ist, dass sie bei einer Gesamtwürdigung der Zuwiderhandlung unter besonderer Berücksichtigung
         ihrer Schwere in angemessenem Verhältnis zu ihr steht. Aus dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgt insbesondere, dass
         die Kommission die Geldbuße verhältnismäßig nach den Gesichtspunkten festsetzen muss, die sie für die Beurteilung der Schwere
         der Zuwiderhandlung berücksichtigt hat, und dass sie diese Gesichtspunkte dabei schlüssig und objektiv gerechtfertigt bewerten
         muss.
      
      Hierbei sieht weder die Verordnung Nr. 1/2003 noch die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß
         Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, vor, dass die Höhe der Geldbußen
         unmittelbar nach Maßgabe der Größe des betroffenen Marktes festzusetzen ist, da dieser Faktor bei der Beurteilung der Schwere
         der Zuwiderhandlung kein obligatorischer Gesichtspunkt, sondern nur ein relevanter Gesichtspunkt unter anderen ist. Diese
         Bestimmungen als solche verpflichten die Kommission somit nicht dazu, die begrenzte Größe des Produktmarkts zu berücksichtigen.
      
      Das anzuwendende Recht enthält keinen allgemein anwendbaren Grundsatz, wonach die Sanktion in angemessenem Verhältnis zu dem
         Umsatz stehen muss, den das Unternehmen auf dem relevanten Markt erzielt. Bei der Festsetzung der Geldbuße darf sowohl der
         Gesamtumsatz des Unternehmens, der – wenn auch nur annähernd und unvollständig – etwas über dessen Größe und Wirtschaftskraft
         aussagt, als auch der Teil dieses Umsatzes berücksichtigt werden, der mit den Waren erzielt worden ist, hinsichtlich derer
         die Zuwiderhandlung begangen wurde, und der somit einen Anhaltspunkt für das Ausmaß dieser Zuwiderhandlung liefern kann. Weder
         dem einen noch dem anderen dieser Umsätze darf eine im Verhältnis zu den anderen Beurteilungskriterien übermäßige Bedeutung
         zugemessen werden, weshalb die Festsetzung einer angemessenen Geldbuße nicht das Ergebnis eines bloßen, auf den Gesamtumsatz
         gestützten Rechenvorgangs sein kann. Das gilt insbesondere dann, wenn die betroffenen Waren nur einen geringen Teil dieses
         Umsatzes ausmachen. Darüber hinaus kann, sofern der Betrag der endgültigen Geldbuße 10 % des Gesamtumsatzes des betreffenden
         Unternehmens im letzten Jahr der Zuwiderhandlung nicht überschreitet, die Geldbuße nicht bereits deswegen als unverhältnismäßig
         angesehen werden, weil sie den auf dem betreffenden Markt erzielten Umsatz überschreitet.
      
      (vgl. Randnrn. 189-190, 196-197, 199)
      9.      Im Rahmen der Berechnung der wegen einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln verhängten Geldbuße wird, da sich das
         Ziel der Abschreckung auf das Verhalten der Unternehmen in der Union bezieht, der Abschreckungsfaktor unter Einbeziehung einer
         Vielzahl von Gesichtspunkten und nicht nur der besonderen Situation des betreffenden Unternehmens ermittelt.
      
      Die Kommission ist nicht verpflichtet, bei der Bemessung der Geldbuße die schlechte Finanzlage eines Unternehmens zu berücksichtigen,
         da die Anerkennung einer solchen Verpflichtung darauf hinauslaufen würde, den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten
         Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Daher kann eine Gesellschaft die Anwendung des Multiplikatorkoeffizienten
         zu Abschreckungszwecken nicht mit der Begründung beanstanden, dass sie während des Zeitraums der Umsetzung des Kartells Verluste
         erlitten habe, die sie veranlasst hätten, nach der Eröffnung des Verwaltungsverfahrens auf dem vom Kartell betroffenen Markt
         nicht mehr tätig zu sein.
      
      Im Übrigen ist die Tatsache, dass eine Maßnahme eines Organs zum Konkurs oder zur Liquidation eines bestimmten Unternehmens
         führt, als solche unionsrechtlich nicht zu beanstanden. Die Liquidation eines Unternehmens in seiner bestehenden Rechtsform
         kann zwar die finanziellen Interessen der Eigentümer, Aktionäre oder Anteilseigner beeinträchtigen, bedeutet aber nicht, dass
         auch die durch das Unternehmen repräsentierten personellen, materiellen und immateriellen Mittel ihren Wert verlieren.
      
      (vgl. Randnrn. 221-224)
      10.    Der in Nr. 3 zweiter Gedankenstrich der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2
         der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, genannte mildernde Umstand der tatsächlichen
         Nichtanwendung der Vereinbarungen oder der eine Zuwiderhandlung darstellenden Praktiken beruht auf dem eigenen Verhalten jedes
         Unternehmens. Demgemäß ist bei der Beurteilung dieses mildernden Umstands nicht auf die sich aus der Zuwiderhandlung insgesamt
         ergebenden Wirkungen abzustellen, denen bei der Beurteilung der konkreten Auswirkungen eines Verstoßes auf den Markt zur Beurteilung
         der Schwere des Verstoßes Rechnung zu tragen ist (Nr. 1 A Abs. 1 der Leitlinien), sondern auf das Einzelverhalten jedes Unternehmens,
         um die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens festzustellen.
      
      Jedenfalls müssen die Zuwiderhandelnden, um Nr. 3 zweiter Gedankenstrich der Leitlinien in Anspruch nehmen zu können, nachweisen,
         dass sie sich wettbewerbskonform verhielten oder dass sie sich zumindest den Verpflichtungen zur Umsetzung des Kartells so
         eindeutig und nachdrücklich widersetzten, dass dadurch sogar dessen Funktionieren selbst gestört wurde, und dass sie der Vereinbarung
         auch nicht scheinbar zustimmten und dadurch andere Unternehmen zur Umsetzung des fraglichen Kartells veranlassten.
      
      (vgl. Randnrn. 273, 275)
      11.    Nach Nr. 3 dritter Gedankenstrich der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2
         der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, kann der von der Kommission festgesetzte Grundbetrag
         der Geldbuße verringert werden, wenn das beschuldigte Unternehmen den Verstoß nach dem ersten Eingreifen der Kommission beendet.
      
      Gleichwohl kann eine solche Herabsetzung der Geldbuße nicht automatisch eintreten, sondern hängt von einer Bewertung der Umstände
         des Einzelfalls durch die Kommission im Rahmen ihres Ermessens ab. Die Umstände des Einzelfalls können die Kommission somit
         veranlassen, einem Unternehmen, das Partei einer rechtswidrigen Vereinbarung ist, eine solche Verringerung des Grundbetrags
         der Geldbuße nicht zu gewähren.
      
      Die Zubilligung eines mildernden Umstands in Situationen, in denen ein Unternehmen Partei einer offensichtlich rechtswidrigen
         Vereinbarung ist, von der es weiß oder wissen muss, dass sie den Tatbestand einer Zuwiderhandlung erfüllt, könnte einen Anreiz
         für Unternehmen bieten, eine geheime Vereinbarung so lange wie möglich in der Hoffnung fortzusetzen, dass ihr Verhalten nie
         aufgedeckt wird, aber in dem Bewusstsein, dass, sollte es doch aufgedeckt werden, die Geldbuße gegen sie bei anschließendem
         Abbruch der Zuwiderhandlung herabgesetzt werden könnte. Dies würde der verhängten Geldbuße jede Abschreckungswirkung nehmen
         und die praktische Wirksamkeit von Art. 81 Abs. 1 EG beeinträchtigen. 
      
      Darüber hinaus kann die Beendigung einer vorsätzlich begangenen Zuwiderhandlung nicht als mildernder Umstand gewertet werden,
         wenn sie auf das Eingreifen der Kommission zurückzuführen ist.
      
      (vgl. Randnrn. 282-284)
      12.    Das Recht, sich auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes zu berufen, hängt von der Erfüllung dreier Voraussetzungen ab. Erstens
         muss die Verwaltung dem Betroffenen präzise, nicht an Bedingungen geknüpfte und übereinstimmende Zusicherungen von zuständiger
         und zuverlässiger Seite machen. Zweitens müssen diese Zusicherungen geeignet sein, begründete Erwartungen beim Adressaten
         zu wecken. Drittens müssen die gegebenen Zusicherungen den geltenden Vorschriften entsprechen.
      
      Im Wettbewerbsrecht kann allein aus der Tatsache, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte
         bei der Festlegung der Höhe der Geldbuße als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet werden, dass sie verpflichtet
         wäre, dies in einer späteren Entscheidung ebenfalls zu tun. Ein Unternehmen kann daher nicht geltend machen, dass ein mildernder
         Umstand in anderen Fällen von Zuwiderhandlungen angewandt worden sei, um sich insoweit auf ein berechtigtes Vertrauen zu berufen.
      
      (vgl. Randnrn. 289, 291)
      13.    Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen, die sich auf die Produktion der in Anhang I des EG-Vertrags aufgeführten
         Erzeugnisse und den Handel mit diesen Erzeugnissen beziehen und wesentlicher Bestandteil einer einzelstaatlichen Marktordnung
         oder zur Verwirklichung der Ziele des Art. 33 EG notwendig sind, sind nach der Verordnung Nr. 26 zur Anwendung bestimmter
         Wettbewerbsregeln auf die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Handel mit diesen Erzeugnissen, insbesondere
         deren Art. 2, von der Anwendung des Art. 81 Abs. 1 EG ausgenommen.
      
      Art. 2 der Verordnung Nr. 26 ist als Befreiung von der Regel der allgemeinen Anwendung des Art. 81 Abs. 1 EG eng auszulegen.
         Außerdem findet Art. 2 Abs. 1 Satz 1 dieser Verordnung, der die in Rede stehende Ausnahmeregelung enthält, nur Anwendung,
         wenn die betreffende Vereinbarung zur Verwirklichung aller Ziele des Art. 33 EG beiträgt. Zudem muss die fragliche Vereinbarung,
         wie sich schon aus dem Wortlaut von Art. 2 Abs. 1 Satz 1 der Verordnung Nr. 26 ergibt, zur Verwirklichung dieser Ziele „notwendig“
         sein.
      
      Wenn weder eine Notifizierung erfolgt noch das förmliche Verfahren eingehalten worden ist, kann ein Unternehmen, das an einem
         offenkundigen und besonders schweren Verstoß gegen Art. 81 EG im Rohtabaksektor beteiligt war, nicht geltend machen, es hätte
         Zweifel gehabt, ob die fragliche Vereinbarung in den Anwendungsbereich der in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Ausnahmeregelung
         fällt. Darüber hinaus ist es in einem System wie dem in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen ausgeschlossen, dass private Wirtschaftsteilnehmer
         ihre eigene Beurteilung bezüglich der am besten geeigneten Mittel zur Erreichung der Ziele des Art. 33 EG an die Stelle derjenigen
         der Kommission setzen und damit rechtswidrige Initiativen ergreifen können, die damit gerechtfertigt werden, dass sie diese
         Ziele verfolgen. Die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf den Märkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse zählt
         zu den Zielen der gemeinsamen Agrarpolitik und der in Frage stehenden gemeinsamen Marktorganisation. Ein derartiges Unternehmen
         kann daher nicht geltend machen, dass offenkundig wettbewerbswidrige Vereinbarungen, an denen es beteiligt war, die Ziele
         des Art. 33 Abs. 1 EG verfolgten.
      
      (vgl. Randnrn. 298-300, 303, 305)
      14.    Der Grundbetrag einer Geldbuße kann nach Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von
         Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, aufgrund
         der aktiven Mitwirkung des Unternehmens an dem Verfahren außerhalb des Anwendungsbereichs der Mitteilung über den Erlass und
         die Ermäßigung von Geldbußen in Kartellsachen herabgesetzt werden. Dieser spezifische mildernde Umstand gilt nur für Zuwiderhandlungen,
         die nicht in den Anwendungsbereich der Mitteilung über Zusammenarbeit fallen.
      
      Hierbei darf die Anwendung von Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien nicht dazu führen, dass der Mitteilung über Zusammenarbeit
         ihre praktische Wirksamkeit genommen wird. Diese Mitteilung setzt nämlich den Regelungsrahmen für die Gegenleistungen fest,
         die Unternehmen, die an Kartellen, die die Union betreffen, beteiligt sind oder waren, für ihre Zusammenarbeit bei der Untersuchung
         der Kommission zugestanden werden. Aus der Fassung und dem Aufbau dieser Regelung ergibt sich mithin, dass die Unternehmen
         grundsätzlich eine Geldbußenermäßigung für ihre Zusammenarbeit nur erhalten können, wenn sie die engen Voraussetzungen dieser
         Regelung erfüllen.
      
      Um die praktische Wirksamkeit der Mitteilung über Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten, kann die Kommission einem Unternehmen
         nur in außergewöhnlichen Fällen eine Geldbußenermäßigung auf der Grundlage von Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien
         zubilligen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Zusammenarbeit eines Unternehmens, selbst wenn sie über dessen gesetzliche
         Pflicht zur Zusammenarbeit hinausgeht, ohne ihm jedoch Anrecht auf eine Geldbußenermäßigung nach der Mitteilung über Zusammenarbeit
         zu geben, der Kommission objektiv nutzt.
      
      (vgl. Randnrn. 327-330)
      15.    Die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65
         Abs. 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, sehen einen mildernden Umstand des Fehlens von Präzedenzfällen auf dem von der Zuwiderhandlung
         betroffenen Markt nicht ausdrücklich vor. In Nr. 3 letzter Gedankenstrich der Leitlinien heißt es jedoch, dass die Kommission
         bei der Gewährung einer Verringerung des Grundbetrags der Geldbuße andere Umstände als die in den vorstehenden Gedankenstrichen
         aufgeführten berücksichtigen kann. Insoweit verfügt die Kommission hinsichtlich der Berücksichtigung von mildernden Umständen
         über ein Ermessen. Insbesondere muss die Kommission keine milderen Geldbußen verhängen, wenn sie erstmals in einen besonderen
         Sektor eingreift.
      
      (vgl. Randnrn. 342-343)
      16.    Bei der Verhängung einer Geldbuße wegen eines Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln ist die Kommission nicht verpflichtet,
         die schlechte Finanzlage der betroffenen Branche als mildernden Umstand zu berücksichtigen. Im Allgemeinen entstehen Kartelle
         nämlich gerade dann, wenn eine Branche in Schwierigkeiten ist. Daher müsste, wenn die Kommission diese Schwierigkeiten berücksichtigen
         müsste, die Geldbuße in nahezu sämtlichen Kartellfällen herabgesetzt werden.
      
      Es trifft zwar zu, dass strukturelle Krisen in der Entscheidungspraxis der Kommission bisweilen als mildernde Umstände angesehen
         worden sind, jedoch muss die Kommission nicht deshalb, weil sie in früheren Rechtssachen die wirtschaftliche Situation der
         Branche als mildernden Umstand berücksichtigt hat, diese Praxis unbedingt fortsetzen.
      
      (vgl. Randnrn. 352-353)
      17.    Um die Rechtssicherheit und eine ordnungsgemäße Rechtspflege zu gewährleisten, ist es für die Zulässigkeit einer Klage erforderlich,
         dass die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf denen die Klage beruht, zumindest in gedrängter Form, jedenfalls
         aber zusammenhängend und verständlich, aus dem Wortlaut der Klageschrift selbst hervorgehen. Zwar kann der Text der Klageschrift
         zu bestimmten Punkten durch Bezugnahmen auf in der Anlage beigefügte Aktenauszüge untermauert und ergänzt werden, doch kann
         eine pauschale Bezugnahme auf andere Schriftstücke, auch wenn sie der Klageschrift als Anlage beigefügt sind, nicht das Fehlen
         der wesentlichen Bestandteile der rechtlichen Ausführungen ausgleichen, die in der Klageschrift enthalten sein müssen. Außerdem
         ist es nicht Sache des Gerichts, die Klagegründe und Argumente, auf die sich die Klage möglicherweise stützen lässt, in den
         Anlagen zu suchen und zu bestimmen, denn die Anlagen haben eine bloße Beweis- und Hilfsfunktion.
      
      Würde man Klagegründe, die nicht hinreichend in der Klageschrift dargestellt worden sind, aber auf Klagegründe Bezug nehmen,
         die von einem Dritten in einer anderen Rechtssache möglicherweise geltend gemacht worden sind und auf die in der Klageschrift
         implizit verwiesen wird, als zulässig ansehen, so würde dies eine Umgehung der zwingenden Anforderungen des Art. 44 § 1 Buchst. c
         der Verfahrensordnung des Gerichts ermöglichen.
      
      Jedenfalls muss das Gericht einen Antrag, der in einer bei ihm eingereichten Klageschrift enthalten ist, als unzulässig zurückweisen,
         wenn sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf die er gestützt ist, nicht zusammenhängend und verständlich
         unmittelbar aus der Klageschrift ergeben, wobei das Fehlen solcher Angaben in der Klageschrift nicht durch deren Vortrag in
         der mündlichen Verhandlung geheilt werden kann.
      
      (vgl. Randnrn. 366, 371-372)
      18.    Es entspricht dem Grundgedanken der Mitteilung über den Erlass und die Ermäßigung von Geldbußen in Kartellsachen, dass diese
         Mitteilung dadurch ein Klima der Unsicherheit innerhalb der Kartelle schaffen soll, dass sie zu deren Anzeige bei der Kommission
         ermutigt. Die Unsicherheit ergibt sich dabei gerade aus der Tatsache, dass die Kartellteilnehmer wissen, dass nur einer von
         ihnen einen Geldbußenerlass erhalten kann, indem er die anderen Teilnehmer an der Zuwiderhandlung anzeigt und sie somit der
         Gefahr der Verhängung von Geldbußen aussetzt. Im Rahmen dieses Systems und der gleichen Logik folgend sollen die Geldbußen
         für Unternehmen, die ihre Mitarbeit als erste anbieten, im Verhältnis zu den Geldbußen, die ansonsten gegen sie verhängt worden
         wären, deutlicher herabgesetzt werden als die gegen weniger schnell kooperierende Unternehmen verhängten. Die Reihenfolge
         und die Schnelligkeit, mit der die Teilnehmer des Kartells ihre Zusammenarbeit anbieten, stellen somit Grundelemente des durch
         die Mitteilung über Zusammenarbeit eingeführten Systems dar.
      
      Die Auslegung des Zwecks einer Bestimmung der Mitteilung über Zusammenarbeit hat im Einklang mit der dieser Mitteilung eigenen
         Logik zu erfolgen. Aus diesem Blickwinkel ist Nr. 23 letzter Absatz der genannten Mitteilung dahin auszulegen, dass er darauf
         abzielt, ein Unternehmen, auch wenn es den Antrag auf Geldbußenerlass für das betreffende Kartell nicht als Erstes gestellt
         hat, zu belohnen, wenn es der Kommission als Erstes Beweismittel für einen Sachverhalt vorlegt, von denen die Kommission keine
         Kenntnis hatte und die die Schwere oder Dauer des Kartells unmittelbar beeinflussen. Anders ausgedrückt: Falls die von einem
         Unternehmen vorgelegten Beweismittel einen Sachverhalt betreffen, der es der Kommission erlaubt, zu einer anderen Beurteilung
         der Schwere und der Dauer des Kartells zu kommen, wird das Unternehmen, das diese Beweismittel vorlegt, für den Sachverhalt,
         der mit diesen Beweismitteln nachgewiesen werden kann, mit einem Geldbußenerlass belohnt.
      
      Daher betrifft Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit nicht die Fälle, in denen ein Unternehmen lediglich
         weitere oder ausführlichere Beweismittel hinsichtlich eines Sachverhalts vorgelegt hat, über den die Kommission bereits auf
         dem Laufenden war. Der genannte Absatz gilt auch nicht für die Fälle, in denen ein Unternehmen weitere Tatsachen mitteilt,
         diese die Beurteilung der Schwere oder der Dauer des Kartells durch die Kommission aber nicht ändern können. Diese Vorschrift
         findet vielmehr ausschließlich Anwendung auf die Fälle, in denen zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens muss das betreffende
         Unternehmen das erste sein, das einen Sachverhalt nachweist, von dem die Kommission zuvor keine Kenntnis hatte, und zweitens
         muss dieser die Schwere oder die Dauer des mutmaßlichen Kartells unmittelbar beeinflussende Sachverhalt es der Kommission
         erlauben, zu neuen Erkenntnissen über die Zuwiderhandlung zu gelangen.
      
      (vgl. Randnrn. 379-382)
      19.    Ein Unternehmen, das sich durch eigene Handlungen, die den Begriff von auf ein wettbewerbswidriges Ziel gerichteten Vereinbarungen
         oder aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen im Sinne von Art. 81 Abs. 1 EG erfüllen und zur Mitwirkung an der Verwirklichung
         der Zuwiderhandlung in ihrer Gesamtheit bestimmt sind, an einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln beteiligt hat,
         ist für die gesamte Zeit seiner Beteiligung an der genannten Zuwiderhandlung auch für das Verhalten verantwortlich, das andere
         Unternehmen im Rahmen der Zuwiderhandlung an den Tag legen.
      
      Außerdem kann ein Unternehmen auch dann, wenn feststeht, dass es nur an einem oder an mehreren Bestandteilen eines Gesamtkartells
         unmittelbar mitgewirkt hat, für dieses Kartell zur Verantwortung gezogen werden, sofern es wusste oder zwangsläufig wissen
         musste, dass die Absprache, an der es sich beteiligte, Teil eines Gesamtplans war und dass sich dieser Gesamtplan auf sämtliche
         Bestandteile des Kartells erstreckte.
      
      (vgl. Randnrn. 394-395)
URTEIL DES GERICHTS (Dritte Kammer) 
      5. Oktober 2011(*)
      
      „Wettbewerb – Kartelle – Italienischer Markt für den Ankauf und die Erstverarbeitung von Rohtabak – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Preisfestsetzung und Marktaufteilung – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Geldbußen – Verhältnismäßigkeit – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Zusammenarbeit“
      In der Rechtssache T‑39/06
      Transcatab SpA mit Sitz in Caserte (Italien), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte C. Osti und A. Prastaro,
      
      Klägerin,
      gegen
      Europäische Kommission, zunächst vertreten durch F. Amato, dann durch V. Di Bucci und schließlich durch É. Gippini Fournier und L. Malferrari als
         Bevollmächtigte im Beistand von Rechtsanwalt F. Ruggeri Laderchi,
      
      Beklagte,
      betreffend erstens einen Antrag auf teilweise Nichtigerklärung der Entscheidung K(2005) 4012 endg. der Kommission vom 20.
         Oktober 2005 in einem Verfahren nach Art. 81 Abs. 1 [EG] (Sache COMP/C.38.281/B.2 – Rohtabak – Italien), zweitens einen Antrag
         auf Herabsetzung der in dieser Entscheidung gegen Transcatab verhängten Geldbuße und drittens eine Widerklage der Kommission
         auf Erhöhung der Geldbuße,
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Azizi, der Richterin E. Cremona (Berichterstatterin) und des Richters S. Frimodt Nielsen,
      Kanzler: J. Palacio González, Hauptverwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 30. November 2010,
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Die Klägerin, die Transcatab SpA, ist eine gegenwärtig in Liquidation befindliche italienische Gesellschaft, die hauptsächlich
         in der Erstverarbeitung von Rohtabak tätig ist. Zum für die vorliegende Rechtssache maßgeblichen Zeitpunkt war Transcatab
         eine zu 100 % kontrollierte italienische Tochtergesellschaft der Standard Commercial Corp. (im Folgenden: SCC), einem der
         weltweit größten unabhängigen Tabakblatthandelsunternehmen. Am 13. Mai 2005 – also während des Verwaltungsverfahrens – schloss
         sich SCC mit der Dimon Inc. unter dem Namen Alliance One International, Inc. (im Folgenden: Alliance One) zu einem neuen Unternehmen
         zusammen, das Transcatab zu 100 % kontrolliert.
      
      1.     Verwaltungsverfahren
      2        Am 15. Januar 2002 richtete die Kommission der Europäischen Gemeinschaften nach Art. 11 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom
         6. Februar 1962, erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81 EG] und [82 EG] (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204), den italienischen
         Markt für Rohtabak betreffende Auskunftsverlangen an Berufsverbände der italienischen Tabakverarbeiter und ‑erzeuger, nämlich
         die Associazione professionale trasformatori tabacchi italiani (APTI, Berufsverband der italienischen Rohtabakverarbeiter)
         und die Unione italiana tabacco (Unitab, Italienische Tabak-Union).
      
      3        Am 19. Februar 2002 ging bei der Kommission ein Antrag der Deltafina SpA, einem APTI angehörenden Verarbeitungsunternehmen,
         auf Erlass der Geldbuße in Anwendung der Mitteilung der Kommission über den Erlass und die Ermäßigung von Geldbußen in Kartellsachen
         (ABl. 2002, C 45, S. 3, im Folgenden: Mitteilung über Zusammenarbeit) ein.
      
      4        Am 4. April 2002 fand eine Zusammenkunft des Verwaltungsausschusses von APTI statt. Im Rahmen dieser Zusammenkunft teilte
         Deltafina den Teilnehmern, darunter Transcatab und die Dimon Italia Srl (Tochtergesellschaft von Dimon, jetzt Mindo Srl),
         mit, dass sie einen Antrag auf Geldbußenerlass gestellt und die Kommission entschieden habe, ihr einen bedingten Erlass der
         Geldbuße zu gewähren.
      
      5        Am selben Tag gingen bei der Kommission ein Antrag von Dimon Italia auf Geldbußenerlass gemäß Randnr. 8 der Mitteilung über
         Zusammenarbeit und, hilfsweise, ein Antrag auf Herabsetzung der Geldbuße gemäß den Randnrn. 20 bis 27 dieser Mitteilung sowie,
         einige Stunden später, ein Antrag von Transcatab auf Herabsetzung der Geldbuße auf der gleichen Grundlage ein.
      
      6        Am 9. April 2002 bestätigte die Kommission den Eingang des Antrags von Transcatab gemäß Randnr. 25 der Mitteilung über Zusammenarbeit.
         Transcatab übermittelte am 10. April 2002 einen weiteren aus einer Erläuterung und 44 Anhängen bestehenden Antrag. Am 30.
         April 2002 bestätigte die Kommission auch dessen Eingang gemäß Randnr. 25 der Mitteilung über Zusammenarbeit.
      
      7        Am 18. und 19. April 2002 nahm die Kommission Nachprüfungen gemäß Art. 14 der Verordnung Nr. 17 in den Geschäftsräumen von
         Dimon Italia und Transcatab sowie in den Geschäftsräumen der Trestina Azienda Tabacchi SpA und der Romana Tabacchi SpA vor.
      
      8        Am 8. Oktober 2002 teilte die Kommission Dimon Italia und Transcatab mit, dass diese das erste bzw. das zweite Unternehmen
         gewesen seien, die Material zum Nachweis der Zuwiderhandlung im Sinne der Mitteilung über Zusammenarbeit geliefert hätten,
         und dass sie daher die Absicht habe, die aufgrund der eventuell festgestellten Zuwiderhandlungen ohne diese Mitarbeit gegen
         sie festgesetzte Geldbuße am Ende des Verwaltungsverfahrens in einem Umfang zwischen 30 % und 50 % bzw. zwischen 20 % und
         30 % zu ermäßigen.
      
      9        Am 25. Februar 2004 erließ die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte, die sie an zehn Unternehmen oder Unternehmenszusammenschlüsse
         richtete, darunter Transcatab, Deltafina, Dimon Italia und Romana Tabacchi (im Folgenden: Verarbeitungsunternehmen) und die
         Muttergesellschaften einiger von ihnen, darunter SCC, Dimon und die Universal Corp., die Muttergesellschaft von Deltafina.
         Die Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte konnten sich schriftlich sowie bei einer Anhörung äußern, die am 22. Juni
         2004 stattfand.
      
      10      Am 21. Dezember 2004 wurde ein Nachtrag zu dieser Mitteilung der Beschwerdepunkte im Hinblick darauf angenommen, dass Deltafina
         im Zusammenhang mit der Bekanntgabe ihres Antrags auf Geldbußenerlass (vgl. oben, Randnr. 4) ihre Pflicht zur Zusammenarbeit
         nach der Mitteilung über Zusammenarbeit verletzt hatte, woraufhin am 1. März 2005 eine zweite Anhörung erfolgte.
      
      11      Nach Anhörung des Beratenden Ausschusses für Kartell- und Monopolfragen und in Ansehung des Abschlussberichts des Anhörungsbeauftragten
         erließ die Kommission am 20. Oktober 2005 die Entscheidung K(2005) 4012 endg. in einem Verfahren nach Artikel 81 Absatz 1
         [EG] (Sache COMP/C.38.281/B.2 – Rohtabak – Italien) (im Folgenden: angefochtene Entscheidung), von der eine Zusammenfassung
         im Amtsblatt der Europäischen Union vom 13. Februar 2006 (ABl. L 353, S. 45) veröffentlicht wurde.
      
      2.     Angefochtene Entscheidung
      12      Die angefochtene Entscheidung betrifft zunächst ein horizontales Kartell, das die Verarbeitungsunternehmen auf dem italienischen
         Markt für Rohtabak umgesetzt haben.
      
      13      Im Rahmen dieses Kartells haben die Verarbeitungsunternehmen in der Zeit von 1995 bis Anfang 2002 die Handelsbedingungen für
         den Einkauf von Rohtabak in Italien in Bezug auf Direktankäufe bei den Erzeugern und die Ankäufe bei „Drittpackern“ einschließlich
         der Festsetzung von Preisen und der Aufteilung des Marktes festgelegt.
      
      14      Die angefochtene Entscheidung behandelt darüber hinaus zwei weitere, von dem durch die Verarbeitungsunternehmen umgesetzten
         Kartell getrennte Zuwiderhandlungen, die zwischen Anfang 1999 und Ende 2001 begangen wurden und bei denen es im einen Fall
         um die Festsetzung der Vertragspreise durch APTI ging, die der Verband im Namen seiner Mitglieder beim Abschluss von Branchenvereinbarungen
         mit Unitab aushandelte, und im anderen Fall um die Festsetzung der Preise, die Unitab im Namen ihrer Mitglieder mit APTI im
         Hinblick auf diese Vereinbarungen aushandelte.
      
      15      In der angefochtenen Entscheidung vertrat die Kommission die Ansicht, dass die Praktiken der Verarbeitungsunternehmen eine
         einzige und fortgesetzte Zuwiderhandlung gegen Art. 81 Abs. 1 EG seien (vgl. insbesondere Erwägungsgründe 264 bis 269 der
         angefochtenen Entscheidung).
      
      16      In Art. 1 Abs. 1 der angefochtenen Entscheidung machte die Kommission die Verarbeitungsunternehmen sowie Universal und Alliance
         One als aus dem Zusammenschluss von Dimon und SCC hervorgegangene Gesellschaft für das Kartell verantwortlich.
      
      17      In Art. 2 der angefochtenen Entscheidung setzte die Kommission Geldbußen gegen die in der vorstehenden Randnummer angeführten
         Unternehmen sowie gegen APTI und Unitab fest (siehe nachstehend, Randnr. 71).
      
       Adressaten der angefochtenen Entscheidung
      18      Die Erwägungsgründe 325 bis 351 der angefochtenen Entscheidung befassen sich mit der Bestimmung ihrer Adressaten.
      
      19      Die Kommission nahm zunächst Bezug auf die ständige Rechtsprechung, wonach im Rahmen des Wettbewerbsrechts unter dem Begriff
         des „Unternehmens“ eine im Hinblick auf den Gegenstand der jeweiligen Vereinbarung bestehende wirtschaftliche Einheit zu verstehen
         sei, selbst wenn diese wirtschaftliche Einheit rechtlich aus mehreren natürlichen oder juristischen Personen gebildet werde
         (325. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      20      Sie führte weiter aus, es stehe fest, dass Deltafina, Dimon Italia, Transcatab und Romana Tabacchi ebenso wie APTI und Unitab
         während der Dauer der jeweiligen Zuwiderhandlungen an den festgestellten Zuwiderhandlungen unmittelbar beteiligt gewesen seien
         und dass folglich alle diese Unternehmen und Zusammenschlüsse Adressaten der angefochtenen Entscheidung seien (327. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      21      Die Kommission setzte ihre Untersuchung mit der Prüfung der Frage der Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung bestimmter Tochtergesellschaften
         (Deltafina, Dimon Italia und Transcatab) an deren jeweilige Muttergesellschaften fort. Sie wies insoweit darauf hin, dass
         während der Dauer der Zuwiderhandlungen Deltafina eine 100%ige Tochtergesellschaft von Universal, Dimon Italia eine 100%ige
         Tochtergesellschaft von Dimon und Transcatab eine 100%ige Tochtergesellschaft von SCC gewesen seien (328. Erwägungsgrund der
         angefochtenen Entscheidung).
      
      22      Nach der Rechtsprechung könne eine Muttergesellschaft als für das rechtswidrige Verhalten ihrer Tochtergesellschaft verantwortlich
         angesehen werden, wenn die Tochtergesellschaft nicht in der Lage sei, ihr Vorgehen auf dem Markt autonom zu bestimmen. Wenn
         eine Muttergesellschaft das gesamte Kapital einer Tochtergesellschaft halte, könne angenommen werden, dass die Muttergesellschaft
         einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten dieser Tochtergesellschaft ausübe, wenn diese eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81
         Abs. 1 EG begehe (Erwägungsgründe 329 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      23      Im 331. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung gelangte die Kommission in Bezug auf Deltafina, Dimon und Transcatab
         zu dem Ergebnis, dass die Annahme zulässig sei, dass es ihnen an „Eigenständigkeit gefehlt“ habe, da sich ihre Anteile zu
         100 % im Besitz ihrer jeweiligen Muttergesellschaften befänden oder, im Fall von Dimon Italia, befunden hätten.
      
      24      Die von diesen Gesellschaften in ihren Erwiderungen auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vertretene Auffassung, für einen
         Hinweis auf die Ausübung eines entscheidenden Einflusses seien neben dem Umstand der 100%igen Kontrolle weitere Anhaltspunkte
         erforderlich, wies die Kommission zurück und führte aus, dass die Vermutung eines solchen Einflusses im Fall einer zu 100 %
         kontrollierten Tochtergesellschaft widerleglich sei. Den Gegenbeweis müsse die Partei erbringen, die eine solche Vermutung
         durch „tragfähige Beweise“ widerlegen wolle, bei denen es sich nicht einfach um allgemeine Angaben handeln dürfe, die nicht
         auf überzeugende Beweisdokumente gestützt seien (334. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      25      Die Kommission prüfte insoweit nacheinander das Vorbringen der Muttergesellschaften, an die die angefochtene Entscheidung
         gerichtet war.
      
      26      Sie wies zunächst das von den betreffenden Muttergesellschaften geltend gemachte allgemeine Vorbringen zur vollständigen Verantwortung
         der örtlichen Geschäftsleitung für die Tätigkeiten ihrer jeweiligen Tochtergesellschaften zurück. Der Umstand, dass Dimon
         und SCC beim vollständigen Erwerb ihrer jeweiligen Tochtergesellschaften die bestehende Geschäftsleitung beibehalten hätten,
         könne nicht ausschließen, dass die genannten Muttergesellschaften entscheidenden Einfluss auf ihre jeweiligen italienischen
         Tochtergesellschaften ausgeübt hätten, denn es sei üblich, der örtlichen Geschäftsleitung einer 100%igen Tochtergesellschaft
         die Führung der laufenden Geschäfte zu überlassen (338. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      27      Keines dieser Unternehmen habe in allgemeiner Form eine Besonderheit seiner Gruppe dargetan, die dazu geführt hätte, die Tätigkeiten
         seiner Tochtergesellschaft in beträchtlichem Umfang seinem Einfluss zu entziehen (339. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      28      Die Kommission prüfte insoweit die Intensität der wirtschaftlichen Bindungen zwischen Deltafina, Dimon Italia, Transcatab
         und ihren jeweiligen Muttergesellschaften, an der zu erkennen sei, dass die italienischen Tochtergesellschaften und der Rest
         ihrer Gruppe eine wirtschaftliche Einheit bildeten. Sie wies hierzu darauf hin, dass die betreffenden Gruppen die weltweit
         größten Tabakhandelsunternehmen seien und häufig den von ihren italienischen Tochtergesellschaften aufgekauften Tabak ankauften
         und vermarkteten (340. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      29      In Bezug auf SCC führte die Kommission aus, dass diese, bevor sie das gesamte Kapital von Transcatab erworben habe, Letztere
         bereits gemeinsam mit ihrem italienischen Partner kontrolliert habe. Dass SCC nach diesem Erwerb „an den Geschäftsleitungen
         [ihrer Tochtergesellschaft] nichts geändert“ habe, könne daher nicht als Nachweis dafür angesehen werden, dass sie, nachdem
         sie in vollem Umfang Eigentümerin geworden sei, keinen Einfluss auf das Führungspersonal ausgeübt habe. Insbesondere zur Übertragung
         von Geschäftsführungsbefugnissen auf den Generaldirektor von Transcatab erklärte die Kommission, ihr lägen keine Angaben vor,
         aus denen sie schließen könne, dass er nicht wie die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats auch von SCC ernannt worden sei
         (Erwägungsgründe 341 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      30      Im Anschluss daran wies die Kommission das Vorbringen von SCC zurück, wonach es keinerlei Kommunikationswege zwischen ihr
         und ihrer Tochtergesellschaft gebe (Erwägungsgründe 343 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      31      Hierzu wies sie darauf hin, dass die Tätigkeiten von Transcatab als diejenigen der Standard Commercial Tobacco Co., Inc.,
         einer vollständig im Besitz von SCC befindlichen Beteiligungsgesellschaft in der SCC‑Gruppe, angesehen und im Rahmen der Tätigkeiten
         der Gruppe einschließlich der Verkäufe der SCC‑Gruppe an die Zigarettenhersteller untersucht worden seien. Sie schloss daraus,
         dass die Ergebnisse der Tätigkeiten von Transcatab auf die höheren Ebenen des Konzerns verlagert und anschließend konsolidiert
         worden seien (344. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      32      Da die Gruppen, denen Transcatab und Dimon Italia während der Dauer der Zuwiderhandlung angehört hätten, infolge ihres Zusammenschlusses
         zu der neuen Einheit Alliance One nicht mehr bestünden, sei diese als Rechtsnachfolgerin dieser beiden Gruppen Adressatin
         der angefochtenen Entscheidung (349. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      33      In Anbetracht dieser verschiedenen Gesichtspunkte gelangte die Kommission im 351. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung
         zu dem Ergebnis, dass Deltafina, Universal, Mindo (vormals Dimon Italia), Transcatab, Alliance One, Romana Tabacchi, APTI
         und Unitab für die Zuwiderhandlungen zur Verantwortung zu ziehen seien und Adressaten der angefochtenen Entscheidung sein
         müssten.
      
       Bestimmung des Betrags der Geldbuße
      34      In den Erwägungsgründen 356 bis 404 der angefochtenen Entscheidung prüfte die Kommission die Frage, welche Geldbußen gegen
         die Adressaten dieser Entscheidung zu verhängen seien.
      
      35      Den Betrag der Geldbußen bestimmte die Kommission anhand der Schwere und der Dauer der in Rede stehenden Zuwiderhandlungen,
         also der beiden Kriterien, die in Art. 23 Abs. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung
         der in den Artikeln 81 [EG] und 82 [EG] niedergelegten Wettbewerbsregeln (ABl. 2003, L 1, S. 1) sowie in Art. 15 Abs. 2 der
         Verordnung Nr. 17 ausdrücklich genannt sind (Erwägungsgründe 356 f. der angefochtenen Entscheidung). 
      
      Festsetzung des Ausgangsbetrags der Geldbußen
      36      Zur Schwere der in Rede stehenden Zuwiderhandlung wies die Kommission darauf hin, dass sie bei der Beurteilung dieses Faktors
         die Art der Zuwiderhandlung, deren konkrete Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar seien, sowie den Umfang des betreffenden
         räumlichen Marktes zu berücksichtigen habe (365. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      37      Sodann führte die Kommission aus, dass die Rohtabakerzeugung in Italien 38 % des Produktionskontingents der Europäischen Union
         entspreche, was im Jahr 2001, dem letzten vollen Jahr der Zuwiderhandlung, 67,338 Mrd. Euro ausgemacht habe (366. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      38      Die Zuwiderhandlung wurde von der Kommission als besonders schwer eingestuft, da sie aus der Festsetzung der Einkaufspreise
         für italienische Rohtabaksorten und der Zuteilung der Einkaufsmengen bestanden habe. Hinzu komme, so die Kommission unter
         Bezugnahme auf den die Untersuchung der Wettbewerbsbeschränkung betreffenden Teil der angefochtenen Entscheidung (Erwägungsgründe
         272 ff.), dass Einkaufskartelle die Produktionsbereitschaft der Erzeuger hemmen und den Wettbewerb zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         in den nachgeordneten Märkten beschränken könnten. Dies sei insbesondere dann der Fall, wenn, wie im vorliegenden Fall, das
         vom Einkaufskartell betroffene Erzeugnis, hier Rohtabak, eine wichtige „Grundlage“ für die nachgeordneten Tätigkeiten, im
         vorliegenden Fall die Erstweiterverarbeitung und der Verkauf des verarbeiteten Tabaks, sei (Erwägungsgründe 367 f. der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      39      Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangte die Kommission im 369. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung zu dem
         Schluss, dass die Zuwiderhandlung der Verarbeitungsunternehmen als besonders schwer einzustufen sei.
      
      40      Sodann prüfte die Kommission in den Erwägungsgründen 370 bis 376 der angefochtenen Entscheidung die Frage der „Gewichtung“
         und der „Abschreckung“. Hierzu führte sie aus, dass bei der Festsetzung des Betrags der Geldbuße die „jeweilige Gewichtung
         aller betreffenden Unternehmen sowie die etwaigen Auswirkungen ihres unerlaubten Handelns“ berücksichtigt werden müssten (370.
         Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      41      Die Kommission vertrat daher die Auffassung, dass die Festsetzung der Geldbußen nach Maßgabe der Marktstellung des jeweils
         in Rede stehenden Beteiligten erfolgen sollte (371. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      42      Insoweit müsse der Ausgangsbetrag der gegen Deltafina verhängten Geldbuße am höchsten sein, denn sie habe sich als der größte
         Aufkäufer erwiesen, da ihr Marktanteil im Jahr 2001 etwa 25 % betragen habe (372. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      43      In Anbetracht dessen, dass Transcatab, Dimon Italia und Romana Tabacchi geringere Anteile am fraglichen Markt von im Jahr
         2001 etwa 9 % bis 11 % hielten, „sollten [sie] zusammengefasst werden“ und sollte für sie der Ausgangsbetrag der Geldbuße
         niedriger sein (373. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      44      Die Kommission war jedoch der Auffassung, dass ein ausschließlich an der Marktstellung orientierter Ausgangsbetrag keine hinreichend
         abschreckende Wirkung auf Deltafina, Dimon Italia (Mindo) und Transcatab haben würde, da diese trotz ihres relativ begrenzten
         Umsatzes jeweils multinationalen Gruppen angehörten – oder, im Fall von Mindo, angehört hätten –, die mit erheblicher Wirtschafts-
         und Finanzkraft ausgestattet seien, bei denen es sich um die weltweit größten Tabakhandelsunternehmen handele und die auf
         verschiedenen Tätigkeitsebenen in der Tabakindustrie und auf verschiedenen räumlichen Märkten agierten (374. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      45      Um der Geldbuße eine hinreichend abschreckende Wirkung zu verleihen, hielt die Kommission daher die Anwendung eines Multiplikators
         von 1,5 – also eine Erhöhung um 50 % – auf den für Deltafina sowie eines Multiplikators von 1,25 – also eine Erhöhung um 25 %
         – auf den für Dimon Italia (Mindo) und Transcatab festgesetzten Ausgangsbetrag für erforderlich (375. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      46      Somit setzte die Kommission im 376. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung folgende Ausgangsbeträge der Geldbußen fest:
      
      –        Deltafina: 37,5 Mio. Euro;
      –        Transcatab: 12,5 Mio. Euro;
      –        Dimon Italia (Mindo): 12,5 Mio. Euro;
      –        Romana Tabacchi: 10 Mio. Euro.
       Festsetzung des Grundbetrags der Geldbußen
      47      In den Erwägungsgründen 377 f. der angefochtenen Entscheidung prüfte die Kommission die Frage der Dauer der Zuwiderhandlung.
      
      48      Nach ihrer Ansicht hatte das von den Verarbeitungsunternehmen umgesetzte Kartell am 29. September 1995 begonnen und war deren
         Angaben zufolge am 19. Februar 2002 beendet worden. Daher habe der Ausgangsbetrag der Geldbußen für die Verarbeitungsunternehmen
         mit Ausnahme von Romana Tabacchi, deren Beteiligung kürzer gewesen sei, um 60 % erhöht werden müssen.
      
      49      Für die Adressaten der angefochtenen Entscheidung wurden somit folgende Grundbeträge der Geldbußen festgesetzt:
      
      –        Deltafina: 60 Mio. Euro;
      –        Transcatab: 20 Mio. Euro;
      –        Dimon Italia (Mindo): 20 Mio. Euro;
      –        Romana Tabacchi: 12,5 Mio. Euro.
       Mildernde Umstände
      50      In den Erwägungsgründen 380 bis 398 der angefochtenen Entscheidung prüfte die Kommission, ob mildernde Umstände zu berücksichtigen
         seien.
      
      51      Was insbesondere Transcatab angeht, wies die Kommission deren gesamtes Vorbringen zurück, das darauf gerichtet war, dass ihr
         mildernde Umstände zuzubilligen seien.
      
      52      Zunächst stellte die Kommission fest, dass die Umsetzung des Kartells der Verarbeitungsunternehmen in keinem Zusammenhang
         mit den innerhalb von APTI abgeschlossenen Branchenvereinbarungen stehe. Sie schloss daraus, dass der italienische Rechtsrahmen
         das Verhalten der Verarbeitungsunternehmen nicht begünstigt habe und diesen eine Ermäßigung des Betrags ihrer Geldbuße aufgrund
         dieses Vorbringens daher nicht zugebilligt werden könne (381. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      53      Sodann wies die Kommission das Vorbringen der Verarbeitungsunternehmen zurück, wonach ihnen eine Ermäßigung zuzubilligen sei,
         da sie die Zuwiderhandlung vor dem Einschreiten der Kommission beendet hätten. In diesem Zusammenhang wies die Kommission
         auf die Rechtsprechung hin, wonach in den Rechtssachen, die schwere Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln beträfen, hinsichtlich
         derer die Parteien gewusst hätten oder zwangsläufig hätten wissen müssen, dass ihr Verhalten grundlegend rechtswidrig gewesen
         sei, die Tatsache, dass sie dieses Verhalten vor dem Einschreiten der Kommission beendeten, grundsätzlich nicht zu einer Ermäßigung
         des Betrags der Geldbuße führen könne (382. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      54      Die Kommission führte weiter aus, nicht davon ausgehen zu können, dass das Kartell nicht umgesetzt worden sei, da sich aus
         der Darstellung des Sachverhalts ergebe, dass die Parteien die Umsetzung des Kartells insbesondere durch ihre Teilnahme an
         regelmäßigen Zusammenkünften und ihre Beteiligung an regelmäßigen Informationsaustäuschen über Preise und Mengen während des
         Einkaufszeitraums sichergestellt hätten (383. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      55      Schließlich wies die Kommission das Vorbringen von Transcatab zurück, wonach der besondere wirtschaftliche und soziale Zusammenhang
         des italienischen Marktes für Rohtabak bei der Bestimmung des Betrags der Geldbuße gemäß Nr. 5 Buchst. b der Leitlinien für
         das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Abs. 5
         [EGKS] festgesetzt werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien), zu berücksichtigen sei. Die Kommission wies darauf
         hin, dass die Anwendung dieser Nr. 5 Buchst. b der Leitlinien die Ausnahme sei und die vorliegende Rechtssache nicht die gleichen
         oder ähnliche Merkmale wie die von Transcatab zur Stützung ihres Vorbringens angeführte Rechtssache aufweise. Ferner sei nicht
         davon auszugehen, dass sich das Bestehen rechtswidriger Praktiken im Tabaksektor in bestimmten italienischen Regionen dadurch
         entscheidend ausgewirkt habe, dass es die in Rede stehenden Praktiken herbeiführe, und dass die Auswirkungen der Reform der
         gemeinsamen Marktorganisation noch zu ungewiss seien und zu weit in der Zukunft lägen, um die Berücksichtigung eines mildernden
         Umstands zu rechtfertigen (384. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      56      Sodann prüfte die Kommision die besondere Situation von Deltafina und kam zu dem Ergebnis, dass deren Geldbuße aufgrund ihrer
         Zusammenarbeit um 50 % herabzusetzen sei (Erwägungsgründe 385 bis 398 der angefochtenen Entscheidung).
      
      57      Die Kommission setzte den Betrag der Geldbußen nach Anwendung mildernder Umstände wie folgt fest (399. Erwägungsgrund der
         angefochtenen Entscheidung):
      
      –        Deltafina: 30 Mio. Euro;
      –        Dimon Italia (Mindo): 20 Mio. Euro;
      –        Transcatab: 20 Mio. Euro;
      –        Romana Tabacchi: 8,75 Mio. Euro.
      58      Die Kommission wies schließlich darauf hin, dass nach dem Wortlaut von Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 die Geldbuße
         für jedes an der Zuwiderhandlung beteiligte Unternehmen oder jede beteiligte Vereinigung 10 % seines bzw. ihres jeweiligen
         im vorausgegangenen Geschäftsjahr erzielten Gesamtumsatzes nicht übersteigen dürfe. Gehörten die fraglichen Unternehmen einer
         Gruppe an, stehe fest, dass sie unter dem entscheidenden Einfluss ihrer Muttergesellschaften stünden und dass diese daher
         gesamtschuldnerisch für die gegen ihre Tochtergesellschaft festgesetzte Geldbuße haftbar seien, weshalb der weltweite Gruppenumsatz
         bei der Ermittlung der vorgenannten Obergrenze von 10 % heranzuziehen sei (Erwägungsgründe 400 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      59      Dementsprechend dürfe die Romana Tabacchi auferlegte Geldbuße 2,05 Mio. Euro nicht übersteigen, und es sei nicht erforderlich,
         die übrigen Geldbußen aufgrund dieser Bestimmung herabzusetzen (Erwägungsgründe 402 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
       Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
      60      In den Erwägungsgründen 405 bis 500 der angefochtenen Entscheidung nahm die Kommission zur Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
         im vorliegenden Fall Stellung.
      
      61      Deltafina, Dimon Italia und Transcatab hatten jeweils einen Antrag auf Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit gestellt.
         In Bezug auf Deltafina erinnerte die Kommission daran, dass sie dieser einen bedingten Erlass der Geldbuße gewährt habe. Die
         Kommission führte weiter aus, zu dem vorläufigen Ergebnis gelangt zu sein, dass Dimon Italia und Transcatab das erste bzw.
         das zweite Unternehmen gewesen seien, die Material zum Nachweis der behaupteten Zuwiderhandlung geliefert hätten, das im Verhältnis
         zu dem Material, das sich bereits in ihrem Besitz befunden habe, einen beträchtlichen Mehrwert im Sinne von Nr. 22 der Mitteilung
         über Zusammenarbeit erbracht habe (Erwägungsgründe 405 bis 407 der angefochtenen Entscheidung). 
      
      62      Nachdem die Kommission die Situation von Deltafina geprüft hatte und zu dem Ergebnis gelangt war, dass dieser die Geldbuße
         aufgrund der von ihr begangenen Verletzung der Pflicht zur Zusammenarbeit gemäß der Mitteilung über Zusammenarbeit nicht erlassen
         werden könne (vgl. Erwägungsgründe 408 bis 484 der angefochtenen Entscheidung und oben, Randnrn. 4 und 10), prüfte sie die
         Fälle von Dimon Italia und Transcatab.
      
      63      Die Kommission kam erstens zu dem Ergebnis, dass die Nichtgewährung eines endgültigen Erlasses der gegen Deltafina verhängten
         Geldbuße keinerlei unmittelbare Auswirkungen auf die Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit auf Dimon Italia und Transcatab
         habe (Erwägungsgründe 485 bis 491 der angefochtenen Entascheidung).
      
      64      Zweitens setzte sie die Höhe der Ermäßigung der Geldbußen fest, die insbesondere Transcatab gemäß dieser Mitteilung gewährt
         werden konnte.
      
      65      Hierzu stellte die Kommission zunächst fest, dass Transcatab die ihr auferlegten Bedingungen, nämlich die Beendigung ihrer
         Beteiligung an der Zuwiderhandlung spätestens zum Zeitpunkt der Vorlage der Beweismittel, erfüllt habe (Erwägungsgründe 492
         f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      66      Die Kommission führte weiter aus, dass sie bei der Bestimmung der Ermäßigungsstufe berücksichtigte, zu welchem Zeitpunkt die
         Beweismittel vorgelegt worden seien, in welchem Ausmaß sie einen Mehrwert erbrächten und wie kontinuierlich die Zusammenarbeit
         der Unternehmen nach dem Zeitpunkt der Vorlage der Beweismittel gewesen sei (494. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
         
      
      67      So wies die Kommission zunächst darauf hin, dass Transcatab ihren Antrag auf Ermäßigung der Geldbuße gestellt habe, bevor
         sie aktive Überprüfungsmaßnahmen ergriffen habe, dass sich ihr Antrag auf die gesamte Dauer der Zuwiderhandlung bezogen habe
         und dass die vorgelegten Beweismittel in vielerlei Hinsicht die Beweismittel erhärtet hätten, die sich bereits im Besitz der
         Kommission befunden hätten (495. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      68      Sodann erkannte die Kommission inbesondere in Bezug auf die von Transcatab beigebrachten Unterlagen, vor allem in Bezug auf
         bestimmte Aspekte dieser Unterlagen (wie den Abschluss einer Branchenvereinbarung im Jahr 1999 für die Tabaküberproduktion
         von 1998), an, dass der sich daraus ergebende Sachverhalt besonders detailliert und ausgesprochen nützlich für das Verständnis
         der Zuwiderhandlung gewesen sei. Sie stellte gleichwohl fest, dass keine der Tatsachen, hinsichtlich derer Transcatab Beweismittel
         vorgelegt habe, ihr unbekannt gewesen sei (497. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      69      Schließlich erkannte die Kommission auch an, dass Transcatab sich im Verlauf des Verfahrens kooperativ gezeigt und die Tatsachen,
         auf die sich die Kommission in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte gestützt hatte, nicht bestritten hatte (498. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      70      Die Kommission gelangte daher zu dem Ergebnis, dass Transcatab innerhalb des entsprechenden Prozentbereichs die höchste Stufe
         für die Ermäßigungs des Betrags der Geldbuße zuzuerkennen sei, nämlich eine Ermäßigung von 30 % (499. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      71      Die Kommission setzte die Geldbußen, die den Unternehmen und Unternehmenszusammenschlüssen aufzuerlegen waren, die Adressaten
         der angefochtenen Entscheidung waren, gemäß Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 abschließend auf folgende Beträge fest
         (vgl. Art. 2 der angefochtenen Entscheidung):
      
      –        Deltafina und Universal, gesamtschuldnerisch haftend: 30 Mio. Euro;
      –        Dimon Italia (Mindo) und Alliance One: 10 Mio. Euro, wobei Alliance One für den gesamten Betrag und Mindo lediglich gesamtschuldnerisch
         für 3,99 Mio. Euro haftete;
      
      –        Transcatab und Alliance One, gesamtschuldnerisch haftend: 14 Mio. Euro;
      –        Romana Tabacchi: 2,05 Mio. Euro;
      –        APTI: 1 000 Euro;
      –        Unitab: 1 000 Euro.
       Verfahren und Anträge der Parteien
      72      Mit Klageschrift, die am 24. Januar 2006 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat Alliance One eine Klage u. a. auf
         Teilnichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung erhoben (Rechtssache T‑25/06). Mit Klageschrift, die am 3. Februar 2006
         bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat Transcatab die vorliegende Klage erhoben.
      
      73      In ihrer Klageschrift hat Alliance One die Verbindung dieser Rechtssache mit der vorliegenden Rechtssache beantragt. Diesen
         Antrag hat auch Transcatab in ihrer Klageschrift gestellt.
      
      74      Das Gericht hat den Verbindungsantrag zurückgewiesen.
      
      75      Am 24. November 2009 hat das Gericht im Rahmen prozessleitender Maßnahmen gemäß Art. 64 der Verfahrensordnung des Gerichts
         Transcatab eine schriftliche Frage gestellt, die diese fristgerecht beantwortet hat. Die Kommission hat zur Antwort von Transcatab
         am 4. Februar 2010 Stellung genommen.
      
      76      Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und Transcatab im Rahmen
         prozessleitender Maßnahmen zur Vorlage eines Dokuments aufgefordert. Das Dokument ist fristgerecht vorgelegt worden.
      
      77      Die Parteien haben in der Sitzung vom 30. November 2010 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      
      78      In der mündlichen Verhandlung hat das Gericht Transcatab gemäß Art. 64 der Verfahrensordnung zur Vorlage eines weiteren Dokuments
         aufgefordert. Am 22. Dezember 2010 hat Transcatab dieses Dokument vorgelegt. 
      
      79      Transcatab beantragt,
      
      –        die angefochtene Entscheidung teilweise für nichtig zu erklären,
      –        die gegen sie festgesetzte Geldbuße herabzusetzen,
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      80      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen,
      –        den Betrag der Geldbuße gemäß den dem Gericht durch Art. 229 EG eingeräumten Befugnissen auf 15 Mio. Euro festzusetzen,
      –        Transcatab die Kosten aufzuerlegen.
       Rechtliche Würdigung
      81      Transcatab stützt ihre Klage auf fünf Gründe, von denen sich einige in mehrere Teile gliedern. Im Rahmen des ersten Klagegrundes
         macht Transcatab im Wesentlichen geltend, die Kommission habe Rechtsfehler begangen, als sie Alliance One als für ihr Verhalten
         haftbar angesehen habe, sie habe ihre Auffassung insoweit nicht hinreichend begründet und darüber hinaus ihre Verteidigungsrechte
         verletzt. Mit dem zweiten Klagegrund werden ein Rechtsfehler, ein Begründungsmangel, eine unlogische Begründung, eine Verletzung
         der Verteidigungsrechte sowie ein Verstoß gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der Gleichbehandlung und des Vertrauensschutzes
         bei der Festsetzung der Geldbuße geltend gemacht. Mit dem dritten Klagegrund werden ein Rechtsfehler und ein Begründungsmangel
         bei der Festsetzung der Geldbuße im Hinblick auf die ermittelte Dauer der Zuwiderhandlung, ein Verstoß gegen den Grundsatz
         ne bis in idem im Zusammenhang mit der Geldbuße für APTI sowie ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung geltend gemacht. Im
         Rahmen des vierten Klagegrundes macht Transcatab geltend, die Kommission sei in der angefochtenen Entscheidung fälschlicherweise
         davon ausgegangen, dass keiner der von ihr angeführten mildernden Umstände anwendbar sei. Im Rahmen des fünften Klagegrundes
         macht sie schließlich geltend, die Kommission habe Fehler bei der Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit begangen.
      
      82      Nach Auffassung der Kommission hat Transcatab mit ihrem dritten Klagegrund ihre frühere Zusammenarbeit, die darin bestanden
         habe, den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargestellten Sachverhalt nicht zu bestreiten, aufgekündigt. Daher beantragt
         die Kommission im Wege der Widerklage, die Ermäßigung der Geldbuße für Transcatab von 30 % auf 25 % zurückzuführen und diese
         im Rahmen der Befugnis des Gerichts zu unbeschränkter Nachprüfung auf 15 Mio. Euro festzusetzen.
      
      1.     Zum ersten Klagegrund: Zurechnung der Zuwiderhandlung an die Muttergesellschaft von Transcatab
       Erster Teil: falsches Verständnis der Rechtsprechung, Verkennung der vorgelegten Beweisdokumente und Verletzung der Verteidigungsrechte
       Vorbringen der Parteien
      83      Transcatab tritt erstens den in der angefochtenen Entscheidung gezogenen Schlussfolgerungen entgegen, wonach allein die Tatsache,
         dass SCC während des Zeitraums der Zuwiderhandlung 100 % ihres Kapitals gehalten habe, ausreiche, um deren Haftung für die
         Zuwiderhandlung ihrer Tochtergesellschaft anzunehmen. Eine solche Annahme stehe im Widerspruch zur Rechtsprechung. Die Kommission
         habe, so Transcatab, das Vorhandensein weiterer Anhaltspunkte zu beweisen, die den Schluss zuließen, dass eine Muttergesellschaft
         tatsächlich einen bestimmenden Einfluss auf ihre Tochtergesellschaft ausgeübt habe. Im vorliegenden Fall habe sich die Kommission
         mit der Annahme der Haftung von SCC begnügt und keine weiteren Anhaltspunkte geliefert, die geeignet seien, eine solche Haftung
         zu begründen. Sie habe damit die Beweislast, die weder Transcatab noch ihrer Muttergesellschaft obliege, sondern der Kommission
         selbst, umgekehrt.
      
      84      Transcatab macht zweitens geltend, SCC habe der Kommission genügend Material geliefert, um zu beweisen, dass sie mit dem Verhalten
         von Transcatab nichts zu tun gehabt habe. Dieses Material betreffe die Beschreibung der lokalen Gegebenheiten des italienischen
         Marktes und die Strukturmerkmale der SCC‑Gruppe, die die Unabhängigkeit ihrer Tochtergesellschaften belegten. Darüber hinaus
         beziehe es sich auf die Eigenständigkeit sowohl ihres Verwaltungsrats als auch ihres Generaldirektors.
      
      85      In ihrer Erwiderung macht Transcatab ferner geltend, die Behauptung der Kommission, wonach es nur dann möglich sei, die Vermutung
         eines bestimmenden Einflusses zu widerlegen, wenn die Beteiligung ausschließlich finanzieller Natur sei, stehe im Widerspruch
         zur Rechtsprechung. Die Kommission habe die im Verlauf des Verwaltungsverfahrens vorgelegten Beweise nicht aufmerksam geprüft
         und sich darauf beschränkt, das gesamte Vorbringen auf der Grundlage nicht belegter Vorurteile zurückzuweisen. Erstens sei
         die Behauptung, es sei unwahrscheinlich, dass eine Muttergesellschaft die Leitung einer Tochtergesellschaft vollständig delegieren
         könne, nicht begründet. Wie Transcatab im Verwaltungsverfahren aufgezeigt habe, verhindere die verzweigte Struktur der Gruppe
         eine einheitliche Leitung. Zweitens habe die Kommission die Vermutung eines bestimmenden Einflusses auch für den Zeitraum
         angewandt, in dem SCC lediglich 50 % des Kapitals an Transcatab gehalten habe, während Letztere und SCC nachgewiesen hätten,
         dass der Verwaltungsrat und der Generaldirektor von Transcatab, denen sämtliche Leitungsbefugnisse der Gesellschaft übertragen
         worden seien, ernannt worden seien, bevor SCC die alleinige Kontrolle über Letztere erworben habe. Drittens reiche die Tatsache,
         dass bestimmte Unterlagen in englischer Sprache abgefasst seien, zum Nachweis des Einflusses der Muttergesellschaft auf die
         Geschäftsführung von Transcatab nicht aus. Schließlich habe die Kommission die vorgelegten Beweise zu Unrecht ohne hinreichende
         oder logische Begründung zurückgewiesen, ohne sie mit anderen zumindest gleichwertigen Unterlagen abzugleichen. Daher habe
         die Kommission ihre Pflicht verletzt, die Angelegenheit unparteiisch zu untersuchen.
      
      86      Drittens habe die Kommission die Verteidigungsrechte von Alliance One mißachtet, da sie in der angefochtenen Entscheidung
         Aktenunterlagen verwendet habe, die in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht aufgeführt worden seien, SCC dadurch daran
         gehindert, zu diesen Unterlagen Stellung zu nehmen, und das berechtigte Vertrauen ihrer Rechtsnachfolgerin Alliance One verletzt.
         Transcatab räumt ein, dass es sich dabei um Unterlagen gehandelt habe, die den Parteien bekannt gewesen seien. Gleichwohl
         hätten die Parteien, da diese Unterlagen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht erwähnt worden seien, zu Recht annehmen
         können, dass sie für das Verfahren keine Bedeutung hätten und dass es daher nicht erforderlich sei, dazu Stellung zu nehmen.
         In ihrer Erwiderung und in der mündlichen Verhandlung hat Transcatab eine Verletzung ihrer eigenen Verteidigungsrechte geltend
         gemacht.
      
      87      Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen. Insbesondere in Bezug auf die Rüge, mit der eine Verletzung
         der Verteidigungsrechte von Alliance One geltend gemacht wird, zweifelt die Kommission an ihrer Zulässigkeit, da Transcatab
         keine Verletzung ihrer eigenen Rechte geltend macht, sondern der Rechte einer anderen Partei. Die Erweiterung der Rüge auf
         die Verteidigungsrechte von Transcatab sei verspätet und daher unzulässig.
      
       Würdigung durch das Gericht
      –       Zum Verstoß gegen die Regeln über die Zurechenbarkeit der von einer Tochtergesellschaft begangenen Zuwiderhandlungen an ihre
         Muttergesellschaft
      
      88      Zur ersten Rüge von Transcatab ist festzustellen, dass das Wettbewerbsrecht die Tätigkeit von Unternehmen betrifft (Urteil
         des Gerichtshofs vom 7. Januar 2004, Aalborg Portland u. a./Kommission, C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P
         und C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123, Randnr. 59) und dass der Begriff des Unternehmens jede eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübende
         Einrichtung unabhängig von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Finanzierung bezeichnet (Urteile des Gerichtshofs vom 28. Juni
         2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425,
         Randnr. 112, und vom 10. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission, C‑97/08 P, Slg. 2009, I‑8237, Randnr. 54).
      
      89      Der Rechtsprechung ist zu entnehmen, dass in diesem Zusammenhang der Begriff des Unternehmens als Bezeichnung einer wirtschaftlichen
         Einheit zu verstehen ist, selbst wenn diese wirtschaftliche Einheit rechtlich aus mehreren natürlichen oder juristischen Personen
         gebildet wird (Urteile des Gerichtshofs vom 14. Dezember 2006, Confederación Española de Empresarios de Estaciones de Servicio,
         C‑217/05, Slg. 2006, I‑11987, Randnr. 40, und Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 55; Urteil
         des Gerichts vom 15. September 2005, DaimlerChrysler/Kommission, T‑325/01, Slg. 2005, II‑3319, Randnr. 85).
      
      90      Verstößt eine solche wirtschaftliche Einheit gegen die Wettbewerbsregeln, hat sie nach dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit
         für diese Zuwiderhandlung einzustehen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 8. Juli 1999, Kommission/Anic Partecipazioni,
         C‑49/92 P, Slg. 1999, I‑4125, Randnr. 145, vom 11. Dezember 2007, ETI u. a., C‑280/06, Slg. 2007, I‑10893, Randnr. 39, und
         Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 56).
      
      91      Die Zuwiderhandlung gegen das Wettbewerbsrecht muss eindeutig einer juristischen Person zugerechnet werden, gegen die Geldbußen
         festgesetzt werden können. Für die Anwendung und den Vollzug der wettbewerbsrechtlichen Entscheidungen der Kommission ist
         es nämlich erforderlich, als Adressat eine Einrichtung mit Rechtspersönlichkeit zu bestimmen (vgl. in diesem Sinne Urteil
         des Gerichts vom 20. April 1999, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, „PVC II“, T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94
         bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Slg. 1999, II‑931, Randnr. 978).
      
      92      Nach ständiger Rechtsprechung kann einer Muttergesellschaft das Verhalten der Tochtergesellschaft insbesondere dann zugerechnet
         werden, wenn die Tochtergesellschaft trotz eigener Rechtspersönlichkeit ihr Marktverhalten nicht autonom bestimmt, sondern
         im Wesentlichen Weisungen der Muttergesellschaft befolgt, und zwar vor allem wegen der wirtschaftlichen, organisatorischen
         und rechtlichen Bindungen, die die beiden Rechtssubjekte verbinden (vgl. Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88
         angeführt, Randnr. 58 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      93      Da nämlich in einem solchen Fall die Muttergesellschaft und ihre Tochtergesellschaft Teil ein und derselben wirtschaftlichen
         Einheit sind und damit ein Unternehmen im Sinne von Art. 81 EG bilden, kann die Kommission eine Entscheidung, mit der Geldbußen
         verhängt werden, an die Muttergesellschaft richten, ohne dass deren persönliche Beteiligung an der Zuwiderhandlung nachzuweisen
         wäre (vgl. in diesem Sinne Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 59).
      
      94      Ferner ist der Rechtsprechung zu entnehmen, dass in dem besonderen Fall, dass eine Muttergesellschaft 100 % des Kapitals ihrer
         Tochtergesellschaft hält, die gegen die Wettbewerbsregeln verstoßen hat, zum einen diese Muttergesellschaft einen entscheidenden
         Einfluss auf das Verhalten dieser Tochtergesellschaft ausüben kann und zum anderen eine widerlegliche Vermutung besteht, dass
         diese Muttergesellschaft tatsächlich einen solchen Einfluss ausübt (vgl. Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88
         angeführt, Randnr. 60 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      95      Unter diesen Umständen genügt es, dass die Kommission nachweist, dass die Muttergesellschaft das gesamte Kapital der Tochtergesellschaft
         hält, um anzunehmen, dass die Muttergesellschaft einen bestimmenden Einfluss auf die Geschäftspolitik dieses Tochterunternehmens
         ausübt. Die Kommission kann in der Folge der Muttergesellschaft als Gesamtschuldnerin die Haftung für die Zahlung der gegen
         deren Tochtergesellschaft verhängten Geldbuße zuweisen, sofern die von der Muttergesellschaft, der es obliegt, diese Vermutung
         zu widerlegen, vorgelegten Beweisdokumente nicht für den Nachweis ausreichen, dass ihre Tochtergesellschaft auf dem Markt
         eigenständig auftritt (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 16. November 2000, Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission,
         C‑286/98 P, Slg. 2000, I‑9925, Randnr. 29, und Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 61).
      
      96      Der Gerichtshof hat zwar in den Randnrn. 28 f. des Urteils Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission (oben in Randnr. 95 angeführt)
         neben der 100%igen Kapitalbeteiligung an der Tochtergesellschaft weitere Umstände, wie das Nichtbestreiten des von der Muttergesellschaft
         auf die Geschäftspolitik ihrer Tochtergesellschaft ausgeübten Einflusses und die gemeinsame Vertretung der beiden Gesellschaften
         im Verwaltungsverfahren, angeführt, doch sind diese Umstände vom Gerichtshof nur erwähnt worden, um die Gesamtheit der Gesichtspunkte
         aufzuführen, auf die das Gericht seine Argumentation gestützt hatte, und nicht, um die Geltung der oben in Randnr. 94 genannten
         Vermutung von der Beibringung zusätzlicher Indizien für die tatsächliche Einflussnahme durch die Muttergesellschaft abhängig
         zu machen (vgl. Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 62 und die dort angeführte Rechtsprechung;
         Urteil des Gerichts vom 8. Oktober 2008, Schunk und Schunk Kohlenstoff-Technik/Kommission, T‑69/04, Slg. 2008, II‑2567, Randnr. 57).
      
      97      Für die Zuweisung der Verantwortlichkeit für die von einer Tochtergesellschaft begangene Zuwiderhandlung an die Muttergesellschaft
         ging die Kommission ausweislich der angefochtenen Entscheidung davon aus, dass eine solche Zurechnung möglich ist, wenn die
         Muttergesellschaft und ihre Tochtergesellschaft Teile ein und derselben wirtschaftlichen Einheit sind und demzufolge ein Unternehmen
         im Sinne von Art. 81 EG bilden (325. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      98      Der entscheidende Faktor, auf den die Kommission für die Feststellung abstellte, dass der Muttergesellschaft die Zuwiderhandlung
         ihrer Tochtergesellschaft zugerechnet werden könne, ist das Fehlen eines eigenständigen Marktverhaltens der Tochtergesellschaft.
         Dieses Fehlen von Eigenständigkeit sei die Folge eines „entscheidenden Einflusses“ der Muttergesellschaft auf das Verhalten
         ihrer Tochtergesellschaft, wobei die tatsächliche Ausübung eines solchen Einflusses nach der Rechtsprechung in dem Fall angenommen
         werden könne, in dem eine Muttergesellschaft das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaft halte (vgl. Erwägungsgründe 329
         f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      99      Im 331. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung ging die Kommission daher davon aus, dass es Transcatab im vorliegenden
         Fall an „Eigenständigkeit fehlte“, da sie zu 100 % von ihrer Muttergesellschaft SCC kontrolliert wurde.
      
      100    Entgegen dem Vorbringen von Transcatab in ihrer Erwiderung, dass nämlich im vorliegenden Fall die Kommission eine Vermutung
         iuris tantum in eine Vermutung iuris et de iure umgewandelt habe, widerspricht diese Argumentation nicht der Logik einer widerleglichen Vermutung. So wird, wie im Fall der
         übrigen im Wettbewerbsrecht zulässigen Vermutungen auch, ein Umstand, dessen Vorliegen die Kommission berechtigterweise vermuten
         kann, als erwiesen angesehen, sofern nicht das betroffene Unternehmen die Vermutung unter Vorlage schlüssiger Gegenbeweise
         widerlegt (Urteile des Gerichtshofs Kommission/Anic Partecipazioni, oben in Randnr. 90 angeführt, Randnrn. 121 und 126, und
         vom 8. Juli 1999, Hüls/Kommission, C‑199/92 P, Slg. 1999, I‑4287, Randnrn. 162 und 167). Außerdem führt diese Vermutung in
         Anbetracht ihrer Widerlegbarkeit, da sie im Einzelfall entkräftet werden kann, nicht zu einer automatischen Zuweisung der
         Verantwortlichkeit an die Muttergesellschaft, die das gesamte Gesellschaftskapital ihrer Tochtergesellschaft hält, was gegen
         den Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit verstieße, auf dem das Wettbewerbsrecht beruht.
      
      101    Die Kommission hat somit nicht dadurch gegen die Regeln über die Zurechenbarkeit der von einer Tochtergesellschaft begangenen
         Zuwiderhandlungen an ihre Muttergesellschaft verstoßen, dass sie SCC, deren Rechtsnachfolger Alliance One ist, im Wesentlichen
         für die von Transcatab begangene Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht hat.
      
      102    Dieses Ergebnis kann nicht durch die Argumente in Frage gestellt werden, die Transcatab in Beantwortung der schriftlichen
         Frage des Gerichts nach den aus dem Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission (oben in Randnr. 88 angeführt) zu ziehenden Konsequenzen
         vorgetragen hat. Sie ist erstens der Ansicht, dass in diesem Urteil die frühere Rechtsprechung, insbesondere das Urteil Stora
         Kopparbergs Bergslags/Kommission (oben in Randnr. 95 angeführt), fehlerhaft ausgelegt worden sei und dass die Rechtsprechung
         hierzu jedenfalls nicht eindeutig sei. Zweitens unterscheide sich der Sachverhalt der Rechtssache, in der dieses Urteil ergangen
         sei, vom Sachverhalt im vorliegenden Fall, da mehrere Tochtergesellschaften an dem Kartell beteiligt gewesen seien und es
         daher schwieriger gewesen sei, den Nachweis zu erbringen, dass die Muttergesellschaft von den wettbewerbswidrigen Aktivitäten
         keine Kenntnis gehabt habe. Zum ersten Argument genügt die Feststellung, dass dem Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission (oben
         in Randnr. 88 angeführt) zu entnehmen ist (vgl. in diesem Sinne auch Schlussanträge der Generalanwältin Kokott zu diesem Urteil,
         Slg. 2009, I‑8241, Nrn. 60 f.), dass der Gerichtshof nicht nur die Rechtsprechung berücksichtigt hat, auf die Transcatab ihr
         Hauptvorbringen in weiten Teilen stützt, insbesondere das Urteil Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission (oben in Randnr. 95
         angeführt), sondern auch die frühere Rechtsprechung eindeutig ausgelegt hat (Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88
         angeführt, Randnrn. 58 bis 62). Zum zweiten Argument genügt die Feststellung, dass es auf den angeblichen Unterschied zwischen
         beiden Rechtssachen nicht ankommt, da das Kriterium für die Zuweisung der Verantwortlichkeit in der Rechtssache, in der das
         Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission (oben in Randnr. 88 angeführt) ergangen ist, keineswegs das der unmittelbaren oder mittelbaren
         Kenntnis der Muttergesellschaft von den Tätigkeiten der Tochtergesellschaft bzw. der Tochtergesellschaften war. Auf jeden
         Fall wurde, worauf die Kommission zu Recht hingewiesen hat, in jenem Urteil ein solcher Gesichtspunkt nicht berücksichtigt.
      
      –       Zur Verkennung der zur Widerlegung der Vermutung vorgelegten Beweisdokumente
      103    Wie oben in den Randnrn. 94 f. ausgeführt worden ist, darf die Kommission dann, wenn das gesamte Kapital einer Tochtergesellschaft
         von ihrer Muttergesellschaft gehalten wird, annehmen, dass die Letztgenannte einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten
         ihrer Tochtergesellschaft ausübt, ohne verpflichtet zu sein, zusätzliche Nachweise dafür zu erbringen, dass die Muttergesellschaft
         einen solchen Einfluss tatsächlich ausgeübt hat oder auch nur die geringste Kenntnis von der Zuwiderhandlung oder der Beteiligung
         dieser Tochtergesellschaft an dieser Zuwiderhandlung hatte. Es handelt sich um eine widerlegliche Vermutung, die durch den
         Gegenbeweis widerlegt werden kann. Entgegen dem Vorbringen von Transcatab obliegt es daher SCC – die während des Zeitraums
         der Zuwiderhandlung 100 % des Kapitals von Transcatab hielt (vgl. 336. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung) –, diese
         Vermutung durch Beweisdokumente zu widerlegen, die dem Nachweis dienen können, dass ihre Tochtergesellschaft ihr Vorgehen
         auf dem Markt eigenständig bestimmt und diese beiden Gesellschaften somit keine wirtschaftliche Einheit bilden. Anderenfalls
         wird die Ausübung einer Kontrolle durch den Umstand dargetan, dass die aus der Inhaberschaft des gesamten Kapitals abgeleitete
         Vermutung nicht widerlegt worden ist (vgl. in diesem Sinne Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt,
         Randnrn. 60 bis 62 und die dort angeführte Rechtsprechung; Urteil des Gerichts vom 30. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission,
         T‑175/05, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 93).
      
      104    Im vorliegenden Fall hat die Kommission die Argumente und Beweise, die SCC zum Nachweis, dass sie keinen entscheidenden Einfluss
         auf die Geschäftspolitik von Transcatab ausgeübt hat, in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte beigebracht
         hat, in den Erwägungsgründen 335 bis 344 der angefochtenen Entscheidung geprüft und nicht als geeignet angesehen, die Vermutung
         zu widerlegen.
      
      105    Transcatab hat sich in ihrer Klageschrift auf die durch nichts belegte Behauptung beschränkt, SCC habe im Verwaltungsverfahren
         dargetan, dass sie eine dezentralisierte Struktur mit einer völlig unabhängigen eigenen örtlichen Geschäftsleitung aufweise,
         der gerade im Hinblick auf die Besonderheiten des italienischen Rohtabakmarkts sämtliche Aufgaben übertragen worden seien,
         und dass die Mitglieder ihres Verwaltungsrats und ihr Generaldirektor eigenständig seien und in keinerlei unmittelbarer oder
         mittelbarer Beziehung zu SCC stünden. Transcatab hat die Fehler, die die Kommission bei der Würdigung dieser Beweisdokumente
         in der angefochtenen Entscheidung begangen haben soll, jedoch nicht benannt. Erst in ihrer Erwiderung bringt sie in Beantwortung
         eines bestimmten Vorbringens der Kommission einige Argumente vor, die sich mittelbar gegen die angefochtene Entscheidung richten.
      
      106    Zunächst ist jedenfalls festzustellen, dass, wie die Kommission im 338. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung zutreffend
         ausgeführt hat, der Umstand, dass eine Tochtergesellschaft ihre eigene örtliche Geschäftsleitung hat und über eigene Mittel
         verfügt, für sich genommen nicht beweist, dass sie ihr Marktverhalten gegenüber ihrer Muttergesellschaft eigenständig bestimmt.
         Der Umstand, dass die Führung der laufenden Geschäfte zu 100 % der örtlichen Geschäftsleitung einer Tochtergesellschaft anvertraut
         ist, ist nämlich gängige Praxis und daher nicht geeignet, die tatsächliche Eigenständigkeit von Tochtergesellschaften zu beweisen.
         Gleiches gilt für das Vorbringen zu den angeblichen Merkmalen des italienischen Rohtabakmarkts, da diese Merkmale eine Muttergesellschaft
         nicht daran hindern, ihre Tochtergesellschaft umfassend zu kontrollieren.
      
      107    Darüber hinaus hat die Kommission in den Erwägungsgründen 341 f. der angefochtenen Entscheidung zum einen ausgeführt, dass
         SCC, bevor sie das gesamte Kapital von Transcatab erworben habe, mit ihrem italienischen Partnerunternehmen diese Gesellschaft
         bereits kontrolliert habe und dass der Umstand, dass sie nach der Übernahme der Kontrolle an deren Geschäftsleitung nichts
         geändert habe, daher nicht als Nachweis dafür angesehen werden könne, dass sie keinen Einfluss auf ihre Tochtergesellschaft
         ausgeübt habe, nachdem sie in vollem Umfang deren Eigentümerin geworden sei. Zum anderen hat die Kommission festgestellt,
         dass die Übertragung der Geschäftsführungsbefugnisse auf den Generaldirektor von Transcatab, von dem in Ermangelung des Gegenbeweises
         vernünftigerweise angenommen werden könne, dass er von SCC ernannt worden sei, die übrigen Mitglieder des Verwaltungsrats
         nicht daran gehindert habe, Geschäftsführungspositionen einzunehmen und Aufgaben der Geschäftsführung wahrzunehmen.
      
      108    Die Kommission misst jedoch mangels einer Erläuterung durch SCC völlig zu Recht dem Umstand Bedeutung bei, dass diese, als
         sie einzige Anteilseignerin wurde, die uneingeschränkte Macht besaß, den Verwaltungsrat teilweise oder vollständig neu zu
         besetzen, keine derartige Maßnahme getroffen hat. Folglich kann das Verbleiben der Verwaltungsratsmitglieder, insbesondere
         des Generaldirektors, im Amt nur einer Entscheidung von SCC als einziger Inhaberin der Transcatab-Anteile zugeschrieben werden.
      
      109    Zudem könnte der Umstand, dass eine einzige Person, nämlich der Generaldirektor, über ihm vom Verwaltungsrat übertragene weitreichende
         Befugnisse verfügt, vielmehr den Willen der Muttergesellschaft bezeugen, die Ausübung der Kontrolle über ihre Tochtergesellschaft
         gerade dadurch zu vereinfachen, dass sie die Rolle des Verwaltungsrats auf untergeordnete Tätigkeiten beschränkt und sämtliche
         Befugnisse in den Händen einer „Vertrauensperson“ konzentriert. Es ist nämlich nicht plausibel, dass eine multinationale Gesellschaft,
         wie es bei Transcatab der Fall ist, sämtliche Befugnisse einer auf einem nationalen Markt tätigen Tochtergesellschaft auf
         eine natürliche Person delegiert – oder gar eine bereits vor dem Erwerb der vollständigen Kontrolle bestehende Bevollmächtigung
         hinnimmt –, die in völliger Eigenständigkeit handelnd und angeblich ohne vom einzigen Anteilseigner bestellt zu sein, ihrerseits
         die Mitglieder des Verwaltungsrats auswählen würde und dadurch jeden anderen von jeglicher Einflussnahme auf die Führung der
         Gesellschaft ausschlösse und die faktisch niemandem Rechenschaft über ihr Handeln ablegen würde.
      
      110    Berücksichtigt man darüber hinaus, dass die Bevollmächtigung des Generaldirektors einer Tochtergesellschaft keineswegs ungewöhnlich
         ist, ist dieses Vorbringen somit nicht geeignet, die Vermutung einer von der Muttergesellschaft über Transcatab ausgeübten
         Kontrolle zu widerlegen.
      
      111    Sodann genügt zu dem Vorbringen, das sich gegen die angebliche Schlussfolgerung richtet, die die Kommission aus dem Umstand,
         dass bestimmte Unterlagen in englischer Sprache abgefasst waren, gezogen haben soll, die Feststellung, dass diese in den Erwägungsgründen
         343 bis 346 der angefochtenen Entscheidung erwähnten Unterlagen entgegen dem Vorbringen von Transcatab nicht beweisen sollten,
         dass die Muttergesellschaften in der Lage waren, das Verhalten ihrer italienischen Tochtergesellschaften zu beeinflussen oder
         dieses Verhalten konkret auch beeinflussten, und schon gar nicht, dass die Muttergesellschaften von dem in Rede stehenden
         Kartell Kenntnis hatten. Die Kommission hat vielmehr lediglich bestimmte Unterlagen aus der Verwaltungsakte dafür verwendet,
         festzustellen, welches Maß an Glaubhaftigkeit Beweise und Argumente hatten, die SCC in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte beigebracht hatte, um die Vermutung eines entscheidenden Einflusses auf Transcatab zu widerlegen.
      
      112    Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass aus der angefochtenen Entscheidung entgegen dem Vorbringen von Transcatab in ihrer
         Erwiderung keineswegs hervorgeht, dass die Vermutung eines bestimmenden Einflusses nur dann widerlegt werden könnte, wenn
         die Beteiligung der Muttergesellschaft ausschließlich finanzieller Natur ist.
      
      113    Folglich ist die Rüge der Verkennung der zur Widerlegung der Vermutung vorgelegten Beweisdokumente zurückzuweisen.
      
      –       Zur Verletzung der Verteidigungsrechte
      114    Zur dritten Rüge von Transcatab ist festzustellen, dass die Beachtung der Verteidigungsrechte bei der Durchführung von Verwaltungsverfahren
         im Bereich der Wettbewerbspolitik einen allgemeinen Grundsatz des Unionsrechts darstellt, dessen Wahrung die Unionsgerichte
         zu sichern haben (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 3. September 2009, Prym und Prym Consumer/Kommission, C‑534/07 P, Slg.
         2009, I‑7415, Randnr. 26 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      115    Nach ständiger Rechtsprechung erfordert die Wahrung der Verteidigungsrechte, dass das betroffene Unternehmen im Verwaltungsverfahren
         zum Vorliegen und zur Erheblichkeit des Sachverhalts und der Umstände, die die Kommission anführt, sowie zu den von ihr zur
         Stützung ihrer Behauptung, dass eine Zuwiderhandlung gegen den Vertrag vorliege, herangezogenen Schriftstücken sachgerecht
         Stellung nehmen konnte (Urteile des Gerichtshofs vom 7. Juni 1983, Musique Diffusion française u. a./Kommission, 100/80 bis
         103/80, Slg. 1983, 1825, Randnr. 10, und vom 6. April 1995, BPB Industries und British Gypsum/Kommission, C‑310/93 P, Slg.
         1995, I‑865, Randnr. 21).
      
      116    Dieser Grundsatz kommt in Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003 zum Ausdruck, der vorsieht, dass den Parteien eine Mitteilung
         der Beschwerdepunkte übersandt wird, in der alle wesentlichen Tatsachen, auf die sich die Kommission in diesem Stadium des
         Verfahrens stützt, so klar angeführt sein müssen (vgl. in diesem Sinne Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 88
         angeführt, Randnr. 67), dass die Betroffenen tatsächlich erkennen können, welches Verhalten ihnen die Kommission zur Last
         legt, und sie ihre Verteidigung sachgerecht wahrnehmen können, bevor diese eine endgültige Entscheidung erlässt. Dieses Erfordernis
         ist erfüllt, wenn die genannte Entscheidung den Betroffenen keine anderen Zuwiderhandlungen zur Last legt als diejenigen,
         die in der Mitteilung der Beschwerdepunkte genannt werden, und sich nur auf Tatsachen stützt, zu denen die Betroffenen Gelegenheit
         zur Äußerung hatten (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 19. März 2003, CMA CGM u. a./Kommission, T‑213/00, Slg.
         2003, II‑913, Randnr. 109 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      117    Diese Darstellung kann jedoch in gedrängter Form erfolgen, und die endgültige Entscheidung braucht nicht notwendig ein Abbild
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte zu sein (vgl. in diesem Sinne Urteil Musique Diffusion française u. a./Kommission, oben
         in Randnr. 115 angeführt, Randnr. 14), da es sich bei dieser um ein vorbereitendes Schriftstück handelt, dessen tatsächliche
         und rechtliche Wertungen lediglich vorläufiger Natur sind (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 17. November 1987,
         British American Tobacco und Reynolds Industries/Kommission, 142/84 und 156/84, Slg. 1987, 4487, Randnr. 70). Zulässig sind
         daher Ergänzungen zur Mitteilung der Beschwerdepunkte unter Berücksichtigung der Stellungnahmen der Parteien, deren Argumente
         zeigen, dass sie ihre Verteidigungsrechte tatsächlich wahrnehmen konnten. Die Kommission darf auch unter Berücksichtigung
         des Verwaltungsverfahrens Argumente, auf die sie ihre Beschwerdepunkte stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht
         ändern oder ergänzen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 28. Februar 2002, Compagnie générale maritime u. a./Kommission,
         T‑86/95, Slg. 2002, II‑1011, Randnr. 448, und vom 22. Oktober 2002, Schneider Electric/Kommission, T‑310/01, Slg. 2002, II‑4071,
         Randnr. 438).
      
      118    Der Gerichtshof hat im Übrigen ausgeführt, dass eine Verletzung der Verteidigungsrechte nicht allein darin begründet sein
         kann, dass ein Argument, das ein Unternehmen im Verwaltungsverfahren vorgebracht hat, berücksichtigt wird, ohne dass dem Unternehmen
         vor Erlass der endgültigen Entscheidung Gelegenheit gegeben wurde, sich dazu zu äußern (Beschluss des Gerichtshofs vom 10.
         Juli 2001, Irish Sugar/Kommission, C‑497/99 P, Slg. 2001, I‑5333, Randnr. 24).
      
      119    Schließlich liegt eine Verletzung der Verteidigungsrechte nach der Rechtsprechung auch vor, wenn aufgrund eines von der Kommission
         begangenen Fehlers die Möglichkeit besteht, dass das von ihr durchgeführte Verwaltungsverfahren zu einem anderen Ergebnis
         geführt hätte. Zum Nachweis eines solchen Verstoßes braucht ein klagendes Unternehmen nicht darzutun, dass die Entscheidung
         der Kommission einen anderen Inhalt gehabt hätte, sondern muss nur hinreichend belegen, dass es sich ohne den Fehler besser
         hätte verteidigen können, z. B. deshalb, weil es zu seiner Verteidigung Schriftstücke hätte einsetzen können, in die ihm im
         Verwaltungsverfahren keine Einsicht gewährt wurde (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 2. Oktober 2003, Thyssen
         Stahl/Kommission, C‑194/99 P, Slg. 2003, I‑10821, Randnr. 31 und die dort angeführte Rechtsprechung, und vom 1. Juli 2010,
         Knauf Gips/Kommission, C‑407/08 P, Slg. 2010, I‑6371, Randnr. 28).
      
      120    Im vorliegenden Fall ist darauf hinzuweisen, dass sich die Kommission im Licht der oben in den Randnrn. 94 bis 96 genannten
         von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze in der Mitteilung der Beschwerdepunkte auf die Feststellung der Beteiligungsverhältnisse
         zwischen Tochter- und Muttergesellschaften beschränken durfte, um die Verantwortlichkeit von SCC für das Kartellvergehen von
         Transcatab, deren Kapital sie zu 100 % hielt, zu begründen (vgl. Erwägungsgründe 336 bis 338 der Mitteilung der Beschwerdepunkte).
         In Anwendung dieser von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze in ihrer endgültigen Entscheidung war die Kommission somit
         verpflichtet, zu den Argumenten Stellung zu nehmen, die die Parteien in Erwiderung auf diese Mitteilung vorgebracht hatten
         (vgl. Erwägungsgründe 335 ff. der angefochtenen Entscheidung), um die fragliche Vermutung zu widerlegen.
      
      121    Zur Behauptung von Transcatab, die Kommission habe in der angefochtenen Entscheidung Schriftstücke verwendet, die in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte nicht erwähnt worden seien, ist darüber hinaus festzustellen, dass die Kommission auf bestimmte Gesichtspunkte
         und spezielle, die Beziehungen zwischen SCC und Transcatab betreffende Unterlagen tatsächlich erst in den Erwägungsgründen
         335 bis 344 der angefochtenen Entscheidung im Rahmen der Würdigung der von den Parteien im Verwaltungsverfahren beigebrachten
         Argumente und Beweise eingeht und dabei auf Unterlagen aus der Verwaltungsakte Bezug nimmt. Die Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte
         und Unterlagen konnte die Effektivität der Ausübung der Verteidigungsrechte von Transcatab daher nicht beeinträchtigen, und
         zwar schon deshalb nicht, weil sie in diese Schriftstücke – die sich jedenfalls bereits in ihrem Besitz befanden – im Verwaltungsverfahren
         hatte Einsicht nehmen können.
      
      122    Im Übrigen ist der Akte zu entnehmen, dass sowohl SCC als auch Transcatab in der Lage waren, auf den in der an sie gerichteten
         Mitteilung der Beschwerdepunkte explizit dargestellten Beschwerdepunkt zu erwidern und im Rahmen der Anhörung vor dem Anhörungsbeauftragten
         ihre Verteidigung darzulegen. Demnach wurde der Grundsatz des kontradiktorischen Verfahrens im Verwaltungsverfahren eingehalten.
      
      123    Auf jeden Fall ist auch darauf hinzuweisen, dass das Vorbringen, es seien Verteidigungsrechte verletzt worden, nicht durchgreifen
         kann, da die Kommission – wie der Gerichtshof ausgeführt hat – hinsichtlich der Zurechnung der Zuwiderhandlung nicht verpflichtet
         ist, im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte andere Gesichtspunkte als den Nachweis anzuführen, dass die Muttergesellschaft
         das Kapital ihrer Tochtergesellschaften hält (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 10. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 64).
      
      124    Somit ist die Rüge der Verletzung der Verteidigungsrechte als unbegründet zurückzuweisen, ohne dass über die von der Kommission
         aufgeworfene Frage ihrer Zulässigkeit entschieden zu werden bräuchte.
      
      125    Nach alledem ist der erste Teil des ersten Klagegrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
       Zweiter Teil: Verstoß gegen Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003
       Vorbringen der Parteien
      126    Transcatab trägt vor, die Kommission habe, da sie Alliance One als für die in Rede stehenden Zuwiderhandlungen haftbar angesehen
         habe, gegen sie eine Geldbuße verhängt, die die in Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 vorgesehene Obergrenze von 10 %
         ihres Umsatzes für das dem Erlass der angefochtenen Entscheidung vorausgehende Geschäftsjahr überschreite. Die gegen sie verhängte
         Geldbuße belaufe sich nämlich auf rund 43 % ihres Umsatzes.
      
      127    Im Übrigen nimmt Transcatab Bezug auf die Ausführungen von Alliance One in deren Klageschrift (Rechtssache T‑25/06), von der
         sie eine Abschrift als Anhang beifügt.
      
      128    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      129    Erstens ist darauf hinzuweisen, dass dieser Teil eng mit dem ersten Teil dieses Klagegrundes verbunden ist, da dessen Zurückweisung
         zwangsläufig Auswirkungen auf die Begründetheit dieses Teils hat. Daher ist unter Berücksichtigung der Erwägungen, die zur
         Zurückweisung des ersten Teils dieses Klagegrundes geführt haben, zu folgern, dass die Kommission keinen Fehler begangen hat,
         als sie den konsolidierten Umsatz von SCC als Bezugsgröße für die Berechnung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes gemäß Art. 23
         Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 heranzog (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 30. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 103 angeführt, Randnr. 114).
      
      130    Diese Obergrenze ist nämlich anhand des gesamten Umsatzes aller Gesellschaften zu ermitteln, aus denen die als Unternehmen
         im Sinne von Art. 81 EG auftretende wirtschaftliche Einheit besteht, da nur der Gesamtumsatz der zu dieser Einheit gehörenden
         Gesellschaften die Größe und die Wirtschaftskraft des fraglichen Unternehmens widerspiegeln kann (vgl. in diesem Sinne Urteile
         des Gerichts vom 20. März 2002, HFB u. a./Kommission, T‑9/99, Slg. 2002, II‑1487, Randnrn. 528 f., und vom 30. September 2009,
         Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 103 angeführt, Randnr. 114).
      
      131    Zur allgemeinen Bezugnahme von Transcatab auf die von ihrer Muttergesellschaft Alliance One in deren Klageschrift vorgebrachten
         Argumente ist zweitens festzustellen, dass eine solche Bezugnahme, die das betreffende beigefügte Schriftstück nur allgemein
         bezeichnet und es damit dem Gericht nicht erlaubt, genau die Argumente zu bestimmen, die es als Ergänzung der in den Schriftsätzen
         vorgebrachten Klagegründe betrachten könnte, als unzulässig angesehen werden muss.
      132    Nach Art. 21 der Satzung des Gerichtshofs und Art. 44 § 1 Buchst. c der Verfahrensordnung muss die Klageschrift nämlich den
         Streitgegenstand und eine kurze Darstellung der Klagegründe enthalten. Für die Zulässigkeit einer Klage ist es nach ständiger
         Rechtsprechung erforderlich, dass sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf denen sie beruht, zumindest
         in gedrängter Form, aber zusammenhängend und verständlich, aus dem Wortlaut der Klageschrift selbst ergeben. Zwar kann ihr
         Text zu speziellen Punkten durch Bezugnahmen auf bestimmte Abschnitte beigefügter Schriftstücke untermauert und ergänzt werden,
         doch kann eine pauschale Bezugnahme auf andere Schriftstücke, auch wenn sie der Klageschrift als Anlagen beigefügt sind, nicht
         das Fehlen der wesentlichen Bestandteile der Rechtsausführungen ausgleichen, die nach den oben genannten Vorschriften in der
         Klageschrift enthalten sein müssen. Außerdem ist es nicht Sache des Gerichts, die Klagegründe und Argumente, auf die sich
         die Klage möglicherweise stützen lässt, in den Anlagen zu suchen und zu bestimmen, denn die Anlagen haben eine bloße Beweis-
         und Hilfsfunktion (vgl. Urteile des Gerichts vom 14. Dezember 2005, Honeywell/Kommission, T‑209/01, Slg. 2005, II‑5527, Randnrn.
         56 f., und vom 17. September 2007, Microsoft/Kommission, T‑201/04, Slg. 2007, II‑3601, Randnr. 94 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      133    Daher ist auch der zweite Teil des ersten Klagegrundes als teilweise unbegründet und teilweise unzulässig zurückzuweisen.
      
      134    Nach alledem ist der erste Klagegrund in vollem Umfang zurückzuweisen.
      
      2.     Zum zweiten Klagegrund: Festsetzung des Ausgangsbetrags der Geldbuße
       Erster Teil: Schwere der Zuwiderhandlung
      135    Im Rahmen des ersten Teils des zweiten Klagegrundes erhebt Transcatab mehrere Rügen, die sich gegen die in der angefochtenen
         Entscheidung vorgenommene Einstufung der Zuwiderhandlung als „besonders schwer“ richten.
      
      136    Vorab ist auf die allgemeinen Grundsätze für die Festsetzung von Geldbußen und insbesondere für die Beurteilung der Schwere
         der Zuwiderhandlung hinzuweisen.
      
      137    Art. 81 Abs. 1 Buchst. a und b EG erklärt Vereinbarungen und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen zwischen Unternehmen,
         die in der unmittelbaren oder mittelbaren Festsetzung der An- oder Verkaufspreise oder sonstiger Geschäftsbedingungen oder
         in der Einschränkung oder Kontrolle der Erzeugung oder des Absatzes bestehen, ausdrücklich für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar.
         Die Rechtsprechung hat solche Zuwiderhandlungen, insbesondere wenn es sich um horizontale Kartelle handelt, als „besonders
         schwerwiegend“ eingestuft, da sie unmittelbare Auswirkungen auf die wesentlichen Wettbewerbsparameter auf dem betreffenden
         Markt haben (Urteil des Gerichts vom 11. März 1999, Thyssen Stahl/Kommission, T‑141/94, Slg. 1999, II‑347, Randnr. 675) oder
         offenkundige Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln bedeuten (Urteile des Gerichts vom 6. April 1995, Tréfilunion/Kommission,
         T‑148/89, Slg. 1995, II‑1063, Randnr. 109, und vom 14. Mai 1998, BPB de Eendracht/Kommission, T‑311/94, Slg. 1998, II‑1129,
         Randnr. 303).
      
      138    Nach Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 ist bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße für Verstöße gegen Art. 81 Abs. 1
         EG sowohl die Schwere der Zuwiderhandlung als auch deren Dauer zu berücksichtigen.
      
      139    Nach ständiger Rechtsprechung ist die Schwere der Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten
         zu ermitteln, zu denen die besonderen Umstände der Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören,
         ohne dass es eine zwingende oder abschließende Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssten
         (Urteile des Gerichtshofs Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 241, Prym und Prym Consumer/Kommission,
         oben in Randnr. 114 angeführt, Randnr. 54, und vom 24. September 2009, Erste Group Bank u. a./Kommission, C‑125/07 P, C‑133/07 P,
         C‑135/07 P und C‑137/07 P, Slg. 2009, I‑8681, Randnr. 91).
      
      140    Um die Transparenz und Objektivität ihrer Entscheidungen über die Festsetzung von Geldbußen für Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln
         zu erhöhen, hat die Kommission die Leitlinien erlassen (Abs. 1 der Leitlinien).
      
      141    Die Leitlinien sind ein Instrument, mit dem unter Beachtung höherrangigen Rechts die Kriterien präzisiert werden sollen, die
         die Kommission im Rahmen der Ausübung des ihr nach Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 zustehenden Ermessens bei der
         Festsetzung von Geldbußen anzuwenden gedenkt. Die Leitlinien stellen zwar nicht die Rechtsgrundlage einer Entscheidung dar,
         mit der Geldbußen verhängt werden, weil diese auf der Verordnung Nr. 1/2003 beruht, aber sie enthalten eine allgemeine und
         abstrakte Regelung der Vorgehensweise, die sich die Kommission zur Festsetzung der in dieser Entscheidung verhängten Geldbußen
         auferlegt hat, und schaffen damit Rechtssicherheit für die Unternehmen (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in
         Randnr. 88 angeführt, Randnrn. 209 bis 213, und Urteil des Gerichts vom 14. Dezember 2006, Raiffeisen Zentralbank Österreich
         u. a./Kommission, T‑259/02 bis T‑264/02 und T‑271/02, Slg. 2006, II‑5169, Randnrn. 219 und 223).
      
      142    Auch wenn die Leitlinien somit nicht als Rechtsnorm qualifiziert werden können, die die Verwaltung auf jeden Fall zu beachten
         hat, stellen sie doch eine Verhaltensnorm dar, die einen Hinweis auf die zu befolgende Verwaltungspraxis enthält und von der
         die Verwaltung im Einzelfall nicht ohne Angabe von Gründen abweichen kann (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs Dansk
         Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnrn. 209 f., und vom 18. Mai 2006, Archer Daniels Midland
         und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, C‑397/03 P, Slg. 2006, I‑4429, Randnr. 91).
      
      143    Die aus dem Erlass der Leitlinien resultierende Selbstbeschränkung des Ermessens der Kommission ist jedoch nicht unvereinbar
         mit dem Fortbestand eines erheblichen Ermessens der Kommission (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 8. Juli 2004,
         Mannesmannröhren-Werke/Kommission, T‑44/00, Slg. 2004, II‑2223, Randnrn. 246, 274 und 275). Die Kommission ist dadurch, dass
         sie in den Leitlinien ihre Vorgehensweise bei der Bewertung der Schwere eines Verstoßes präzisiert hat, nämlich nicht daran
         gehindert, die Schwere umfassend anhand aller relevanten Umstände des Einzelfalls einschließlich der Gesichtspunkte zu beurteilen,
         die in den Leitlinien nicht ausdrücklich erwähnt sind (Urteil Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in
         Randnr. 141 angeführt, Randnr. 237).
      
      144    Nach der in den Leitlinien vorgesehenen Methode wählt die Kommission als Ausgangspunkt bei der Berechnung der gegen die fraglichen
         Unternehmen zu verhängenden Geldbußen einen nach der Schwere des Verstoßes ermittelten Betrag. Bei der Ermittlung dieser Schwere
         sind die Art des Verstoßes und die konkreten Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar sind, sowie der Umfang des betreffenden
         räumlichen Marktes zu berücksichtigen (Nr. 1 Teil A Abs. 1 der Leitlinien).
      
      145    In diesem Rahmen werden die Verstöße in drei Gruppen unterteilt, nämlich die „minder schweren Verstöße“, für die die in Betracht
         kommenden Bußgeldbeträge zwischen 1 000 und 1 Mio. Euro betragen, die „schweren Verstöße“, für die Bußgeldbeträge zwischen
         1 Mio. und 20 Mio. Euro in Betracht kommen, und die „besonders schweren Verstöße“ mit in Betracht kommenden Bußgeldbeträgen
         oberhalb von 20 Mio. Euro (Nr. 1 Teil A Abs. 2 erster bis dritter Gedankenstrich der Leitlinien). Zu den besonders schweren
         Verstößen führt die Kommission aus, es handele sich im Wesentlichen um horizontale Beschränkungen wie z. B. „Preiskartelle“,
         Marktaufteilungsquoten und sonstige Beschränkungen der Funktionsweise des Binnenmarkts, wie z. B. die Abschottung der nationalen
         Märkte oder Missbräuche marktbeherrschender Stellungen von Unternehmen in Quasimonopolstellung (Nr. 1 Teil A Abs. 2 dritter
         Gedankenstrich der Leitlinien).
      
      146    Des Weiteren haben die drei vorstehend in Randnr. 144 aufgeführten Kriterien für die Bewertung der Schwere des Verstoßes im
         Rahmen der Gesamtprüfung nicht das gleiche Gewicht. Die Art der Zuwiderhandlung spielt, insbesondere wenn es darum geht, Zuwiderhandlungen
         als „besonders schwer“ einzustufen, eine übergeordnete Rolle (Urteil Erste Group Bank u. a./Kommission, oben in Randnr. 139
         angeführt, Randnr. 101, und Urteil des Gerichts vom 28. April 2010, Gütermann und Zwicky/Kommission, T‑456/05 und T‑457/05,
         Slg. 2010, II‑1443, Randnr. 137).
      
      147    Dagegen stellen weder die konkreten Auswirkungen auf den Markt noch der Umfang des räumlichen Marktes notwendige Faktoren
         für die Einstufung der Zuwiderhandlung als „besonders schwer“ dar, wenn es sich um horizontale Kartelle handelt, die insbesondere,
         wie hier, auf die Festsetzung von Preisen abzielen. Diese beiden Kriterien sind bei der Bewertung der Schwere der Zuwiderhandlung
         zwar zu berücksichtigen, es handelt sich dabei aber nur um zwei von mehreren Kriterien für die Gesamtbeurteilung dieser Schwere
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Prym und Prym Consumer/Kommission, oben in Randnr. 114 angeführt, Randnrn. 74 und 81, und Urteile
         des Gerichts Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in Randnr. 141 angeführt, Randnrn. 240 und 311, und
         vom 8. Oktober 2008, Carbone-Lorraine/Kommission, T‑73/04, Slg. 2008, II‑2661, Randnr. 91).
      
      148    Daher ergibt sich nach einer nunmehr ebenfalls gefestigten Rechtsprechung aus den Leitlinien, dass horizontale Kartelle, die
         insbesondere, wie hier, auf die Festsetzung von Preisen abzielen, allein aufgrund ihrer Art als „besonders schwer“ eingestuft
         werden können, ohne dass die Kommission konkrete Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt nachweisen müsste (Urteil
         Prym und Prym Consumer/Kommission, oben in Randnr. 114 angeführt, Randnr. 75; vgl. in diesem Sinne auch Urteile des Gerichts
         vom 27. Juli 2005, Brasserie nationale u. a./Kommission, T‑49/02 bis T‑51/02, Slg. 2005, II‑3033, Randnr. 178, und vom 25.
         Oktober 2005, Groupe Danone/Kommission, T‑38/02, Slg. 2005, II‑4407, Randnr. 150) und ohne dass der beschränkte Umfang des
         betreffenden räumlichen Marktes einer solchen Einstufung entgegenstünde (vgl. in diesem Sinne Urteile Erste Group Bank u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 139 angeführt, Randnr. 103, und Carbone-Lorraine/Kommission, oben in Randnr. 147 angeführt, Randnr. 91).
      
      149    Dieses Ergebnis wird dadurch bestätigt, dass zwar in der Beschreibung der schweren Verstöße ausdrücklich erwähnt wird, dass
         sie Auswirkungen auf den Markt haben und in einem größeren Teil des Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen, die Beschreibung
         der besonders schweren Verstöße aber kein Erfordernis konkreter Auswirkungen auf den Markt oder auf ein besonderes geografisches
         Gebiet enthält (Urteil Gütermann und Zwicky/Kommission, oben in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 137; vgl. in diesem Sinne auch
         Urteil Brasserie nationale u. a./Kommission, oben in Randnr. 148 angeführt, Randnr. 178).
      
      150    Darüber hinaus besteht zwischen den drei Kriterien insofern eine Wechselbeziehung, als ein höherer Schweregrad hinsichtlich
         des einen oder des anderen Kriteriums die geringere Schwere der Zuwiderhandlung unter anderen Aspekten ausgleichen kann (Urteil
         Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in Randnr. 141 angeführt, Randnr. 241).
      
      151    Speziell in Bezug auf den vorliegenden Fall geht aus der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die Kommission die Höhe der
         gegen die verschiedenen Adressaten verhängten Geldbuße anhand der allgemeinen Methode festgesetzt hat, die sie sich in den
         Leitlinien auferlegt hat, selbst wenn diese in der Entscheidung nicht ausdrücklich erwähnt werden.
      
       Vorbringen der Parteien
      152    Transcatab macht erstens geltend, aus dem Wortlaut der Leitlinien, so wie er im 365. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung
         wiedergegeben sei, gehe hervor, dass die Kommission bei der Bewertung der Schwere der Zuwiderhandlung drei Kriterien zu berücksichtigen
         habe, nämlich die Art der Zuwiderhandlung, ihre konkreten Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar seien, und den
         Umfang des in Rede stehenden räumlichen Marktes. Die Kommission könne das Kartell daher nicht allein aufgrund der Art der
         Zuwiderhandlung als „besonders schwer“ einstufen, ohne die beiden anderen Kriterien zu berücksichtigen.
      
      153    Die Kommission habe die in Rede stehende Zuwiderhandlung jedoch ungeachtet der Bestimmungen der Leitlinien als „besonders
         schwer“ eingestuft. Diese Einstufung sei rechtsfehlerhaft, da sie nicht berücksichtige, dass die Zuwiderhandlung keine konkreten
         Auswirkungen auf den Markt gehabt und der betreffende räumliche Markt nur einen beschränkten Umfang aufgewiesen habe. Hätte
         die Kommission die drei oben genannten Kriterien in zutreffender Weise berücksichtigt, hätte sie das Kartell als lediglich
         „schwere“ Zuwiderhandlung einstufen müssen. In der Vergangenheit habe die Kommission ein Preiskartell wie das vorliegende
         mehrfach als schwere Zuwiderhandlung eingestuft. Darüber hinaus habe sich die Kommission bei der Einstufung der Zuwiderhandlung
         als besonders schwer im vorliegenden Fall nicht ausschließlich auf die Art der Zuwiderhandlung gestützt, wie sie behaupte,
         sondern sie habe die Schwere der Zuwiderhandlung, wie aus den Erwägungsgründen 365 und 368 der angefochtenen Entscheidung
         hervorgehe, unter Berücksichtigung der drei oben genannten Kriterien bewertet. Der Umstand, dass die Kommission die Sanktion
         unterhalb der in den Leitlinien vorgesehenen Untergrenze von 20 Mio. Euro festgesetzt habe, lasse nicht den Schluss zu, dass
         Transcatab kein Interesse an der Geltendmachung des Klagegrundes hätte, da diese Schwelle lediglich einen Anhaltspunkt für
         den Mindestbetrag der zu verhängenden Geldbußen darstelle.
      
      154    Transcatab bringt zweitens mehrere Rügen vor, die speziell das Fehlen von Auswirkungen des Kartells auf den Markt betreffen.
         Die mit der angefochtenen Entscheidung geahndeten Vereinbarungen hätten, so Transcatab, keinerlei Auswirkungen auf den Markt
         oder zumindest nicht die vereinbarten Auswirkungen gehabt. So folge aus mehreren von der Kommission in der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte durchgeführten Preisvergleichen, dass sich die von den Parteien in ihren Vereinbarungen angegebenen Preise
         zu keinem Zeitpunkt auf dem Markt „widergespiegelt“ hätten. Transcatab führt zur Stützung ihres Vorbringens mehrere konkrete
         Beispiele und Daten an und macht darüber hinaus geltend, dass, falls die Vereinbarung Auswirkungen gehabt hätte, eine Verringerung
         und Stabilisierung der Preise die Folge gewesen wäre, die aber nicht eingetreten sei. Im Übrigen werde in den Erwägungsgründen
         97 ff. der angefochtenen Entscheidung selbst darauf hingewiesen, dass die italienischen Rohtabakpreise zwischen 1990 und 2000
         wie in keinem anderen Mitgliedstaat angestiegen seien und sich diese Steigerungen bis 2002 – dem Jahr der Aufkündigung der
         Vereinbarungen durch die Verarbeitungsunternehmen – fortgesetzt hätten. Außerdem habe die Kommission den Anstieg der Tabakpreise
         in der Sache, in der die Entscheidung K(2004) 4030 endg. der Kommission vom 20. Oktober 2004 in einem Verfahren nach Artikel
         81 Absatz 1 [EG] (Sache COMP/C.38.238/B.2 – Rohtabak – Spanien) (im Folgenden: Sache Rohtabak – Spanien) ergangen sei, trotz
         des Bestehens einer Vereinbarung zwischen den Verarbeitungsunternehmen als Beweis für die fehlende Umsetzung der Vereinbarungen
         gewertet. Im Übrigen habe die Kommission in ihrer frühreren Entscheidungspraxis das Fehlen tatsächlicher Auswirkungen von
         als besonders schwer eingestuften Verhaltensweisen auf den Markt berücksichtigt und diese als „schwere“, nicht aber als „besonders
         schwere“ Verstöße eingestuft. Zudem sei die Kommission im 368. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung rechtsfehlerhaft
         und ohne Begründung davon ausgegangen, dass das Kartell Auswirkungen auf den nachgeordneten Markt für die Verarbeitung und
         den Verkauf des verarbeiteten Tabaks haben könne. Im nachgeordneten Markt habe das Kartell aber allenfalls zur Verringerung
         der Kosten der Zigarettenhersteller führen können.
      
      155    Darüber hinaus sei die Begründung der angefochtenen Entscheidung hinsichtlich der Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den
         Markt insofern unlogisch, als die Kommission vortrage, das Kartell sei geeignet, die Tabakerzeugung weltweit zum Nachteil
         der Verbraucher zu verringern (282. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung), während das Grundproblem des europäischen
         und des italienischen Tabakmarkts die Überschussproduktion von Tabak schlechter Qualität gewesen sei. Zudem habe die Kommission
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte in keiner Weise erwähnt, dass das Kartell zu einer Verringerung der Erzeugung geführt
         habe. Durch die erstmalige Verwendung dieses Arguments in der angefochtenen Entscheidung habe sie die Verteidigungsrechte
         von Transcatab, der keine Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden sei, verletzt. Die Kommission habe auch die potenziellen
         Auswirkungen auf den nachgeordneten Markt erstmals in der angefochtenen Entscheidung erwähnt und damit auch insoweit ihre
         Verteidigungsrechte verletzt.
      
      156    Transcatab macht drittens geltend, der von den mit der angefochtenen Entscheidung geahndeten Zuwiderhandlungen betroffene
         räumliche Markt habe einen ausgesprochen geringen Umfang und beschränke sich, wie aus dem 84. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung hervorgehe, auf vier Regionen in Italien. Es handele sich daher im Vergleich zum nationalen Markt um einen räumlich
         sehr viel begrenzteren Markt. Die Kommission habe diesen Gesichtspunkt bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung
         überhaupt nicht berücksichtigt. Die angefochtene Entscheidung leide daher insoweit an einem offensichtlichen Begründungsmangel.
         Zudem habe die Zuwiderhandlung gemäß der Entscheidungspraxis der Kommission als schwer und nicht als besonders schwer angesehen
         werden müssen. Überdies habe die Kommission in der Entscheidung betreffend die Sache Rohtabak – Spanien die vergleichsweise
         bescheidene Dimension des Produktmarkts, der lediglich bestimmte Regionen in Spanien abgedeckt habe, bei der Festsetzung der
         Geldbuße berücksichtigt.
      
      157    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      158    Zunächst ist festzustellen, dass Transcatab den „Grundbetrag“ der Geldbuße förmlich beanstandet, der sich nach Nr. 1 Teil
         B Abs. 4 der Leitlinien durch Zusammenrechnung der für die Schwere und die Dauer der Zuwiderhandlung ermittelten Beträge ergibt.
         Ihrer Argumentation lässt sich jedoch entnehmen, dass der nach der Schwere der Zuwiderhandlung bemessene Betrag der Geldbuße
         beanstandet wird, so dass der Betrag, um den es im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes geht, der im 376. Erwägungsgrund der
         angefochtenen Entscheidung genannte Ausgangsbetrag der Geldbuße ist (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 30. September
         2009, Hoechst/Kommission, T‑161/05, Slg. 2009, II‑3555, Randnr. 107).
      
      –       Zur Einstufung als besonders schwere Zuwiderhandlung
      159    Zu der Rüge, mit der Transcatab geltend macht, die Kommission habe bei der Einstufung der Zuwiderhandlung als „besonders schwer“
         Fehler begangen, ist zunächst festzustellen, dass, worauf oben in den Randnrn. 146 bis 148 hingewiesen worden ist, von den
         drei in den Leitlinien genannten Kriterien für die Bewertung der Schwere der Zuwiderhandlung nach ständiger Rechtsprechung
         die Art der Zuwiderhandlung bei der Einstufung der Zuwiderhandlungen als „besonders schwer“ eine vorrangige Rolle spielt.
         Vereinbarungen oder aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die auf die Festsetzung von Preisen oder auf die Aufteilung
         der Märkte abzielen, lassen sich daher bereits ihrem Wesen nach als „besonders schwer“ einstufen, ohne dass solche Verhaltensweisen
         durch konkrete Auswirkungen auf den Markt oder einen besonderen räumlichen Umfang gekennzeichnet sein müssten.
      
      160    Im vorliegenden Fall ist, was die Art der in Rede stehenden Zuwiderhandlung angeht, festzustellen, dass diese insbesondere
         die gemeinsame Festsetzung der Preise, die von den Verarbeitungsunternehmen für Rohtabak gezahlt wurden, sowie die Zuteilung
         der Lieferanten und Rohtabakmengen zum Gegenstand hatte. Derartige Praktiken stellen horizontale Beschränkungen von der Art
         des „Preiskartells“ im Sinne der Leitlinien und somit ihrer Art nach „besonders schwere“ Verstöße dar. Die Rechtsprechung
         hat solche Kartelle als offenkundige Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln oder als besonders schwerwiegende Zuwiderhandlungen
         eingestuft, da sie unmittelbare Auswirkungen auf die wesentlichen Wettbewerbsparameter auf dem betreffenden Markt haben (vgl.
         oben, Randnr. 137).
      
      161    Folglich konnte die Kommission das Kartell unabhängig von seinen konkreten Auswirkungen auf den Markt und seinem räumlichen
         Umfang im vorliegenden Fall bereits aufgrund der Art der Zuwiderhandlung als besonders schweren Verstoß einstufen (vgl. die
         oben in den Randnrn. 146 bis 149 angeführte Rechtsprechung und insbesondere Urteil Erste Group Bank u. a./Kommission, oben
         in Randnr. 139 angeführt, Randnr. 103).
      
      162    Darüber hinaus ist insbesondere zu den verschiedenen Bezugnahmen von Transcatab auf frühere Entscheidungen der Kommission
         darauf hinzuweisen, dass die Entscheidungspraxis der Kommission als solche nicht als rechtlicher Rahmen für Geldbußen im Wettbewerbsrecht
         dient, da dieser ausschließlich in der Verordnung Nr. 1/2003, so wie sie im Licht der Leitlinien angewandt wird, festgelegt
         ist, und dass die Kommission im Bereich der Festsetzung der Höhe der Geldbußen über ein weites Ermessen verfügt und bei dessen
         Ausübung nicht an frühere eigene Beurteilungen gebunden ist (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 19. März 2009,
         Archer Daniels Midland/Kommission, C‑510/06 P, Slg. 2009, I‑1843, Randnr. 82, und Erste Group Bank u. a./Kommission, oben
         in Randnr. 139 angeführt, Randnr. 123). Dem Vorbringen von Transcatab zur früheren Entscheidungspraxis der Kommission kann
         daher kein Erfolg beschieden sein.
      
      163    Im Übrigen kann keines der von Transcatab vorgebrachten Argumente die Einstufung des Kartells als „besonders schwer“ in Frage
         stellen. Sie sind daher vorsorglich zu würdigen.
      
      –       Zu den konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt
      164    Was insbesondere die Argumente betrifft, mit denen Fehler bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung aufgrund des
         vermeintlichen Fehlens konkreter Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt gerügt werden, ist festzustellen, dass sich
         entgegen dem Vorbringen von Transcatab aus der angefochtenen Entscheidung ergibt, dass die Kommission, auch wenn sie in deren
         365. Erwägungsgrund, der den Wortlaut der Leitlinien wiedergibt, von der Prämisse ausgegangen ist, bei der Bewertung der Schwere
         der Zuwiderhandlung die drei in Nr. 1 Teil A Abs. 1 dieser Leitlinien genannten Kriterien (vgl. oben, Randnr. 144) berücksichtigen
         zu müssen, die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung in der Folge nicht auf die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung
         auf den Markt gestützt hat.
      
      165    In dem Teil der angefochtenen Entscheidung, der die Würdigung der Schwere der Zuwiderhandlung betrifft (Erwägungsgründe 365
         bis 369), sind die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt nämlich überhaupt nicht geprüft worden. Eine solche
         Prüfung ergibt sich entgegen dem Vorbringen von Transcatab insbesondere nicht aus dem 368. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung. Dieser Erwägungsgrund, der eng mit dem vorangehenden Erwägungsgrund, der die Art der Zuwiderhandlung betrifft,
         verbunden ist, bezieht sich allgemein auf die Eignung von Einkaufskartellen, den Wettbewerb zu beeinträchtigen, wie es bei
         „Verkaufskartellen“ typischerweise der Fall ist. Die Kommission führt dort aus, diese Art von Kartellen könne das Wettbewerbsverhalten
         der betreffenden Unternehmen, unabhängig davon, ob es sich hierbei um Erzeuger oder um solche Unternehmen handele, die nachgeordnete
         Tätigkeiten ausübten, insofern verändern, als sie sich auf einen grundlegenden Parameter für das Wettbewerbsverhalten der
         in einem Verarbeitungszweig tätigen Unternehmen, nämlich den Einkaufspreis des zu verarbeitenden Produkts, auswirke. Bei einem
         Produkt wie dem im vorliegenden Fall in Rede stehenden komme, so die Kommission im selben Erwägungsgrund weiter, dieser Eignung
         zur Beeinträchtigung des Wettbewerbs eine umso größere Bedeutung zu.
      
      166    Überdies werden auch in dem Teil der angefochtenen Entscheidung, der die Prüfung der Wettbewerbsbeschränkung betrifft (Erwägungsgründe
         277 ff.) und auf den der 368. Erwägungsgrund verweist, die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt nicht
         untersucht. Entgegen dem Vorbringen von Transcatab deutet nämlich nichts darauf hin, dass aus diesem Teil der angefochtenen
         Entscheidung, der die beschränkte Tragweite der Vereinbarungen zwischen den Verarbeitungsunternehmen für den Wettbewerb analysiert,
         gefolgert werden könnte, dass sich die Kommission bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung zur Festsetzung der Geldbuße
         auf die konkreten Auswirkungen der Kartelle auf den Markt berufen hätte.
      
      167    Die sehr allgemein gehaltene Bezugnahme auf mögliche Auswirkungen auf die nachgeordneten Märkte, die von Transcatab beanstandet
         wird (vgl. oben, Randnr. 154 a. E.), fügt sich im Übrigen in den Rahmen der Erwägungen zur Eignung des Einkaufskartells, das
         Verhalten der Verarbeitungsunternehmen zu beeinflussen, ein. Soweit das Kartell insbesondere die Tabakmengen festlegte, die
         von jedem einzelnen Verarbeitungsunternehmen gekauft wurden, kann Transcatab jedoch nicht geltend machen, die Darstellung,
         wonach das Kartell geeignet gewesen sei, die nachgeordneten Tätigkeiten der Erstweiterverarbeitung und des Verkaufs des verarbeiteten
         Tabaks zu beeinflussen, sei unzutreffend. Soweit das Kartell nämlich über die Abnahmemengen für das Rohprodukt entschied,
         konnte es zwangsläufig auch das Verhalten der nachgeordneten Verarbeitungsunternehmen in Bezug auf das Verarbeitungsprodukt
         beeinflussen. Im Übrigen hat Transcatab weder ein Argument vorgetragen noch einen Beweis geliefert, der diese Feststellung
         in Frage stellen könnte. Darüber hinaus ist festzustellen, dass etwaige Auswirkungen auf den Zigarettenpreis für Endverbraucher
         in der angefochtenen Entscheidung überhaupt nicht erwähnt werden, so dass die von Transcatab insoweit vorgebrachten Argumente
         zurückzuweisen sind.
      
      168    Insbesondere zu den von Transcatab vorgelegten bzw. in der angefochtenen Entscheidung angeführten Daten, die beweisen sollen,
         dass sich das Kartell nicht auf den Markt ausgewirkt hat (vgl. oben, Randnr. 154), ist festzustellen, dass bei der Beurteilung
         der Schwere der Zuwiderhandlung nach der Rechtsprechung entscheidend ist, ob die Kartellmitglieder alles in ihrer Macht Stehende
         taten, damit ihre Pläne konkrete Auswirkungen hatten. Was dann in Bezug auf die tatsächlich erzielten Marktpreise geschah,
         konnte durch andere, von den Kartellmitgliedern nicht kontrollierbare Faktoren beeinflusst werden. Die Kartellmitglieder können
         externe Faktoren, die ihre Bemühungen durchkreuzten, nicht zu ihren Gunsten anführen und zu Umständen umdeuten, die eine Herabsetzung
         der Geldbuße rechtfertigen (vgl. Urteile Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in Randnr. 141 angeführt,
         Randnr. 287, Carbone-Lorraine/Kommission, oben in Randnr. 147 angeführt, Randnr. 86, sowie Gütermann und Zwicky/Kommission,
         oben in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 130 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      169    Darüber hinaus kann nach der Rechtsprechung, wenn die Umsetzung eines Kartells erwiesen ist, von der Kommission nicht verlangt
         werden, systematisch darzulegen, dass die Vereinbarungen es den betroffenen Unternehmen tatsächlich ermöglichten, ein höheres
         oder, wie hier im Fall von Einkaufskartellen, niedrigeres Niveau der Transaktionspreise als ohne Kartell zu erzielen. Es wäre
         unverhältnismäßig, eine solche Darlegung zu verlangen, die beträchtliche Ressourcen in Anspruch nehmen würde, weil sie den
         Rückgriff auf hypothetische Berechnungen anhand wirtschaftlicher Modelle erfordern würde, deren Genauigkeit nur schwer gerichtlich
         nachprüfbar und deren Unfehlbarkeit keineswegs erwiesen ist (vgl. in diesem Sinne Urteile Raiffeisen Zentralbank Österreich
         u. a./Kommission, oben in Randnr. 141 angeführt, Randnr. 286, Carbone-Lorraine/Kommission, oben in Randnr. 147 angeführt,
         Randnr. 85, sowie Gütermann und Zwicky/Kommission, oben in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 129 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      170    Im vorliegenden Fall zeigt eine Prüfung des Teils der angefochtenen Entscheidung, der die beanstandeten Handlungen betrifft,
         dass die Verarbeitungsunternehmen die wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen, für die sie mit einer Sanktion belegt worden sind,
         wissentlich umgesetzt haben (vgl. beispielsweise Erwägungsgründe 111, 124, 125, 141 und 158 der angefochtenen Entscheidung).
         Diese Erwägung wird im Übrigen durch den Umstand gestützt, dass das Kartell, wie aus den Erwägungsgründen 363 und 473 der
         angefochtenen Entscheidung hervorgeht, geheim war. Darüber hinaus haben sich die Verarbeitungsunternehmen ausweislich der
         angefochtenen Entscheidung mehrmals auf Maßnahmen zur Sicherstellung der tatsächlichen Umsetzung des Kartells wie den wechselseitigen
         Versand von Rechnungen ihrer jeweiligen Lieferanten (Erwägungsgründe 122 und 129 der angefochtenen Entscheidung), eine Konsultationsverpflichtung
         bei Einkäufen außerhalb der Vereinbarungen (139. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung), Verpflichtungen zur Überwachung
         der Beschäftigten, um zu verhindern, dass diese ohne die erforderliche Koordinierung tätig werden (140. Erwägungsgrund der
         angefochtenen Entscheidung), und die Schaffung eines Verfahrens zur Sicherstellung der Verwirklichung wettbewerbswidriger
         Ziele (187. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung) verständigt. Hierzu ist noch festzustellen, dass die Kommission,
         wie sich aus dem 383. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung ergibt, die Umsetzung des Kartells festgestellt hat.
      
      171    Unter diesen Umständen ist das Vorbringen zu Fehlern der Kommission, das darauf gestützt wird, dass sich die von den Parteien
         in ihren Vereinbarungen angegebenen Preise auf dem Markt nicht durchgesetzt hätten, sowie auf den Umstand, dass die Kommission
         über Daten verfügt habe, die einen Anstieg der Preise für Rohtabak belegten, der stärker sei als der für die übrigen landwirtschaftlichen
         Erzeugnisse, zurückzuweisen.
      
      –       Zum räumlichen Umfang des Marktes
      172    Was das Argument des beschränkten räumlichen Umfangs des von der Zuwiderhandlung betroffenen Marktes angeht, ist, wie sich
         aus der oben in den Randnrn. 147 bis 149 angeführten Rechtsprechung ergibt, der Umfang des räumlichen Marktes kein eigenständiges
         Kriterium in dem Sinne, dass nur Zuwiderhandlungen, die die Mehrzahl der Mitgliedstaaten betreffen, als „besonders schwer“
         eingestuft werden könnten. Weder der Vertrag noch die Verordnung Nr. 1/2003, die Leitlinien oder die Rechtsprechung gestatten
         die Annahme, dass nur räumlich sehr ausgedehnte Wettbewerbsbeschränkungen so eingestuft werden können. Im Übrigen lassen sich,
         worauf oben in Randnr. 148 hingewiesen worden ist, Vereinbarungen, die insbesondere, wie hier, auf die Festsetzung der Einkaufspreise
         und die Zuteilung der Abnahmemengen abzielen, bereits ihrem Wesen nach als besonders schwer einstufen, ohne dass solche Verhaltensweisen
         durch einen besonderen räumlichen Umfang gekennzeichnet sein müssten. Daraus folgt, dass der Umfang des räumlich relevanten
         Marktes, und sei er auch beschränkt, der Einstufung der im vorliegenden Fall festgestellten Zuwiderhandlung als „besonders
         schwer“ nicht entgegensteht. Die Kommission hat bei der Einstufung der Zuwiderhandlung als „besonders schwer“ in Anbetracht
         des räumlichen Umfangs des betreffenden Marktes daher keinen Fehler begangen.
      
      173    Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass, obwohl feststeht, dass die Rohtabakerzeugung in bestimmten Regionen Italiens konzentriert
         war, gleichwohl festzustellen ist, dass das Kartell den Markt für den Einkauf von Rohtabak und nicht den für die Erzeugung
         betraf, so dass sein Anwendungsbereich nicht auf diese Regionen beschränkt war, sondern das gesamte italienische Hoheitsgebiet
         umfasste. Nach ständiger Rechtsprechung stellt das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats jedoch einen wesentlichen Teil des Gemeinsamen
         Marktes dar (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 9. November 1983, Nederlandsche Banden-Industrie-Michelin/Kommission,
         322/81, Slg. 1983, 3461, Randnr. 28, und Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 148 angeführt, Randnr. 150). Transcatab
         kann daher nicht geltend machen, dass der räumliche Umfang des von der Zuwiderhandlung betroffenen Marktes beschränkt gewesen
         sei.
      
      –       Zur Verletzung der Begründungspflicht
      174    Zu den Rügen, mit denen eine Verletzung der Begründungspflicht geltend gemacht wird, ist festzustellen, dass nach ständiger
         Rechtsprechung die Begründung einer Einzelfallentscheidung die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen
         hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen muss, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen
         können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist anhand der Umstände
         des Einzelfalls zu beurteilen. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Art. 253 EG genügt, nicht nur anhand
         seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden
         Gebiet (vgl. Urteil vom 2. April 1998, Kommission/Sytraval und Brink’s France, C‑367/95 P, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 63 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      175    Im Rahmen der Festsetzung von Geldbußen für Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht ist die Begründungspflicht erfüllt, wenn die
         Kommission in ihrer Entscheidung die Beurteilungsgesichtspunkte angibt, die es ihr ermöglicht haben, Schwere und Dauer der
         Zuwiderhandlung zu ermitteln (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 15. Oktober 2002, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission,
         C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 463 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      176    Im vorliegenden Fall hat die Kommission in Bezug auf die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung in den Erwägungsgründen
         365 bis 369 der angefochtenen Entscheidung die Gründe angegeben, aufgrund derer sie zu dem Ergebnis gelangt ist, dass die
         Zuwiderhandlung als besonders schwer einzustufen war. Wie oben in den Randnrn. 159 ff. dargelegt worden ist, hat die Kommission
         diese Schlussfolgerung auf die besondere Schwere der in Rede stehenden Zuwiderhandlung gestützt.
      
      177    Es ist jedoch festzustellen, dass die Kommission, da es sich bei den konkreten Auswirkungen auf den Markt und dem räumlichen
         Umfang des betreffenden Marktes im Fall von horizontalen Kartellen, die insbesondere, wie hier, auf die Festsetzung von Preisen
         abzielen, nicht um Kriterien handelt, die für die Einstufung der Zuwiderhandlung als besonders schwer erforderlich wären,
         nicht verpflichtet war, die Nichtberücksichtigung dieser Kriterien zu begründen. Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass Art. 253
         EG im Rahmen der Prüfung von Verstößen gegen Art. 81 EG nicht dahin ausgelegt werden kann, dass er die Kommission verpflichtet,
         in ihren Entscheidungen die Gründe dafür zu erläutern, aus denen sie bei der Berechnung des Betrags der Geldbuße andere, gegenüber
         dem in der angefochtenen Entscheidung tatsächlich gewählten Ansatz hypothetische Ansätze nicht verfolgt hat (vgl. Urteil des
         Gerichts vom 19. Mai 2010, IMI u. a./Kommission, T‑18/05, Slg. 2010, II‑1769, Randnr. 153 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      178    Unter diesen Umständen hat die Kommission ihre Begründungspflicht hinsichtlich der konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung
         auf den Markt oder des beschränkten Umfangs des räumlichen Marktes nicht verletzt.
      
      179    Was schließlich insbesondere die Rüge angeht, mit der Transcatab geltend macht, die angefochtene Entscheidung sei hinsichtlich
         der Überschussproduktion von Tabak unlogisch (vgl. oben, Randnr. 155), ist festzustellen, dass eine Überproduktion nicht zwangsläufig
         einen Beweis dafür darstellt, dass die Umsetzung eines Kartells, das auf die Verringerung dieser Produktion abzielt, keinerlei
         Auswirkungen gehabt hätte. Es lässt sich nämlich nicht ausschließen, dass die Tabakproduktion ohne das Kartell sogar noch
         höher ausgefallen wäre. Entgegen dem Vorbringen von Transcatab besteht zwischen dem Vorhandensein einer Überproduktion und
         der in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Behauptung, das Kartell sei geeignet gewesen, die Tabakerzeugung weltweit
         zu verringern, somit nicht notwendigerweise ein Widerspruch. Transcatab kann mit diesem Argument daher nicht geltend machen,
         die Begründung der angefochtenen Entscheidung sei insoweit unlogisch. Dieses Argument ist demnach zurückzuweisen.
      
      –       Zur Verletzung der Verteidigungsrechte
      180    Nach ständiger Rechtsprechung erfüllt die Kommission ihre Verpflichtung zur Wahrung des Anspruchs der Unternehmen auf rechtliches
         Gehör, wenn sie in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die
         betreffenden Unternehmen Geldbußen festzusetzen seien, und die für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen tatsächlichen
         und rechtlichen Gesichtspunkte wie Schwere und Dauer der vermuteten Zuwiderhandlung sowie den Umstand anführt, ob diese vorsätzlich
         oder fahrlässig begangen wurde. Damit macht sie gegenüber den Unternehmen die Angaben, die diese für ihre Verteidigung nicht
         nur gegen die Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Festsetzung einer Geldbuße benötigen (Urteil Musique
         Diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr. 115 angeführt, Randnr. 21; Urteile des Gerichts vom 20. März 2002, LR AF 1998/Kommission,
         T‑23/99, Slg. 2002, II‑1705, Randnr. 199, und vom 19. Mai 2010, Wieland-Werke u. a./Kommission, T‑11/05, nicht in der amtlichen
         Sammlung veröffentlicht, Randnr. 129).
      
      181    Dagegen braucht die Kommission, wenn sie die tatsächlichen und rechtlichen Umstände angegeben hat, auf die sich ihre Berechnung
         der Geldbußen stützt, nicht zu erläutern, in welcher Weise sie jeden dieser Gesichtspunkte bei der Bemessung der Geldbuße
         heranziehen wird (Urteil Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in Randnr. 141 angeführt, Randnr. 369).
         Darüber hinaus darf die Kommission in ihrer Entscheidung auch unter Berücksichtigung des Verwaltungsverfahrens Argumente,
         auf die sie ihre Beschwerdepunkte stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht ändern oder ergänzen (vgl. Urteil Schneider
         Electric/Kommission, oben in Randnr. 117 angeführt, Randnr. 438 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      182    Folglich sind bei der Bemessung der Geldbußen die Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen gegenüber der Kommission
         dadurch gewahrt, dass sie sich zu Dauer, Schwere und Wettbewerbswidrigkeit des ihnen zur Last gelegten Sachverhalts äußern
         können (Urteile des Gerichts vom 6. Oktober 1994, Tetra Pak/Kommission, T‑83/91, Slg. 1994, II‑755, Randnr. 235, und Wieland-Werke
         u. a./Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 131).
      
      183    Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die Kommission im Einklang mit der Rechtsprechung im Rahmen von Nr. II A der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte für die etwaige Festsetzung
         der Geldbuße gegen Transcatab angeführt hat. Insbesondere hat die Kommission dort die tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte
         angegeben, auf die sie sich bei der Berechnung des Ausgangsbetrags der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße in der angefochtenen
         Entscheidung gestützt hat. Transcatab hat Gelegenheit gehabt, sich zu diesen Gesichtspunkten zu äußern, so dass ihr Anspruch
         auf rechtliches Gehör insoweit gebührend erfüllt worden ist. Im Übrigen hat die Kommission, wie im Rahmen dieses Teils festgestellt
         worden ist, in der angefochtenen Entscheidung die Einstufung der Zuwiderhandlung als besonders schwer sowohl in Bezug auf
         die Verringerung der Erzeugung als auch in Bezug auf die ausgeführten nachgeordneten Tätigkeiten nicht auf die konkreten Auswirkungen
         des Kartells auf den Markt, sondern vielmehr auf die besondere Schwere der betreffenden Zuwiderhandlungen gestützt.
      
      184    Nach alledem ist der erste Teil des zweiten Klagegrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
       Zweiter Teil: Verstoß gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der Gleichbehandlung und des Vertrauensschutzes bei der
            Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße
       Vorbringen der Parteien
      185    Transcatab macht erstens geltend, die Kommission habe durch die Festsetzung einer Geldbuße von 14 Mio. Euro gegen sie gegen
         den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen. Diese Geldbuße sei sowohl im Verhältnis zu ihren jährlichen Gesamteinkäufen
         auf dem Bezugsmarkt, die 13 Mio. Euro nicht erreicht hätten, als auch im Verhältnis zum Gesamtwert der Tabakeinkäufe, die
         Gegenstand der Vereinbarungen gewesen seien und 50 Mio. Euro jährlich nicht überschritten hätten, unverhältnismäßig. Die Kommission
         hätte bei der Festsetzung der Geldbuße den ausgesprochen beschränkten Umfang des Marktes berücksichtigen müssen. Darüber hinaus
         legten die neuen Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen gemäß Artikel 23 Absatz 2 Buchstabe a) der Verordnung
         (EG) Nr. 1/2003 (ABl. 2006, C 210, S. 2, im Folgenden: Leitlinien von 2006) fest, dass der Grundbetrag der Geldbuße im Verhältnis
         zum Umsatzwert des Unternehmens auf dem Markt, der Gegenstand des Kartells sei, festgesetzt werden müsse.
      
      186    Transcatab macht zweitens geltend, die Kommission habe gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und des Vertrauensschutzes
         bei der Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße verstoßen. Sie habe das in der vorliegenden Rechtssache in Rede stehende
         Kartell und das Kartell, das Gegenstand der Entscheidung in der Sache Rohtabak – Spanien gewesen sei, ohne Rechtfertigung
         unterschiedlich behandelt, obwohl beide Sachen sowohl in Bezug auf den Gegenstand des Kartells als auch in Bezug auf seinen
         beschränkten räumlichen Umfang beträchtliche Ähnlichkeiten aufwiesen.
      
      187    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      –       Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
      188    Zu beachten ist, dass nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit die Handlungen der Gemeinschaftsorgane nicht die Grenzen
         dessen überschreiten dürfen, was zur Erreichung der mit der fraglichen Regelung zulässigerweise verfolgten Ziele geeignet
         und erforderlich ist, wobei, wenn mehrere geeignete Maßnahmen zur Auswahl stehen, die am wenigsten belastende zu wählen ist
         und die dadurch bedingten Nachteile in angemessenem Verhältnis zu den angestrebten Zielen stehen müssen (Urteil des Gerichtshofs
         vom 5. Mai 1998, Vereinigtes Königreich/Kommission, C‑180/96, Slg. 1998, I‑2265, Randnr. 96, und Urteil des Gerichts vom 12.
         September 2007, Prym und Prym Consumer/Kommission, T‑30/05, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 223).
      
      189    Im Rahmen der von der Kommission zur Ahndung der Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln eingeleiteten Verfahren bedeutet die
         Anwendung dieses Grundsatzes, dass die Geldbußen nicht außer Verhältnis zu den angestrebten Zielen – d. h. zur Beachtung dieser
         Regeln – stehen dürfen und die einem Unternehmen wegen einer Zuwiderhandlung im Bereich des Wettbewerbs auferlegte Geldbuße
         so zu bemessen ist, dass sie bei einer Gesamtwürdigung der Zuwiderhandlung unter besonderer Berücksichtigung ihrer Schwere
         in angemessenem Verhältnis zu ihr steht (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 12. September 2007, Prym und Prym Consumer/Kommission,
         oben in Randnr. 188 angeführt, Randnrn. 223 f. und die dort angeführte Rechtsprechung). Aus dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         folgt insbesondere, dass die Kommission die Geldbuße verhältnismäßig nach den Gesichtspunkten festsetzen muss, die sie für
         die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung berücksichtigt hat, und dass sie diese Gesichtspunkte dabei schlüssig und
         objektiv gerechtfertigt bewerten muss (Urteile des Gerichts vom 27. September 2006, Jungbunzlauer/Kommission, T‑43/02, Slg.
         2006, II‑3435, Randnrn. 226 bis 228, und vom 28. April 2010, Amann & Söhne und Cousin Filterie/Kommission, T‑446/05, Slg.
         2010, II‑1255, Randnr. 171).
      
      190    Was erstens die Rüge anbelangt, die Geldbuße stehe außer Verhältnis zum Gesamtwert der Ankäufe auf dem betreffenden Markt,
         geht weder aus der Verordnung Nr. 1/2003 noch aus den Leitlinien hervor, dass die Höhe der Geldbußen unmittelbar nach Maßgabe
         der Größe des betroffenen Marktes festzusetzen ist, da dieser Faktor bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung kein
         obligatorischer Gesichtspunkt, sondern nur ein relevanter Gesichtspunkt unter anderen ist (Urteile des Gerichtshofs vom 25.
         Januar 2007, Dalmine/Kommission, C‑407/04 P, Slg. 2007, I‑829, Randnr. 132, und vom 3. September 2009, Prym und Prym Consumer/Kommission,
         oben in Randnr. 114 angeführt, Randnr. 55). Diese Bestimmungen als solche verpflichten die Kommission somit nicht dazu, die
         begrenzte Größe des Produktmarkts zu berücksichtigen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Roquette
         Frères/Kommission, T‑322/01, Slg. 2006, II‑3137, Randnr. 148).
      
      191    Wie oben in Randnr. 139 ausgeführt, muss die Kommission nach der Rechtsprechung jedoch bei der Beurteilung der Schwere einer
         Zuwiderhandlung zahlreiche Gesichtspunkte berücksichtigen, die je nach der Art der fraglichen Zuwiderhandlung und nach den
         besonderen Umständen des Einzelfalls von unterschiedlicher Art und Bedeutung sind. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass
         je nach Fall die Größe des fraglichen Produktmarkts zu diesen die Schwere einer Zuwiderhandlung belegenden Gesichtspunkten
         zählen kann (Urteile Musique diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr. 115 angeführt, Randnr. 120, sowie Gütermann
         und Zwicky/Kommission, oben in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 267).
      
      192    Zwar kann demnach die Marktgröße einen Gesichtspunkt darstellen, der bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung zu
         berücksichtigen ist, doch ist dieser je nach Art der Zuwiderhandlung und den Umständen des Einzelfalls von unterschiedlicher
         Bedeutung.
      
      193    Im vorliegenden Fall ist zur Art der Zuwiderhandlung zunächst festzustellen, dass das in Rede stehende Kartell insbesondere
         die gemeinsame Festsetzung der Preise, die von den Verarbeitungsunternehmen für Rohtabak gezahlt wurden, sowie die Zuteilung
         der Lieferanten und der Rohtabakmengen zum Gegenstand hatte. Derartige Praktiken stellen horizontale Beschränkungen von der
         Art des „Preiskartells“ im Sinne der Leitlinien und somit ihrer Art nach „besonders schwere“ Verstöße dar. Für diese Art von
         Kartellen, die von der Rechtsprechung als offenkundige Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln oder als besonders schwere
         Zuwiderhandlungen eingestuft werden, da sie unmittelbare Auswirkungen auf die wesentlichen Wettbewerbsparameter auf dem betreffenden
         Markt haben (vgl. oben, Randnr. 137), sehen die Leitlinien eine Sanktion mit einem Mindestausgangsbetrag von mehr als 20 Mio.
         Euro vor.
      
      194    Was sodann die besonderen Umstände der betreffenden Zuwiderhandlung angeht, ist festzustellen, dass die Größe des relevanten
         Marktes keineswegs zu vernachlässigen war, da, wie sich aus dem 366. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung ergibt,
         die Rohtabakerzeugung in Italien 38 % des Produktionskontingents der Union ausmachte. Überdies geht aus Fn. 290 der angefochtenen
         Entscheidung hervor, dass das Kartell, das sich auch auf Ankäufe bei „Drittpackern“ – also Zwischenhändlern, die selbst Rohtabak
         bei den Erzeugern kaufen und eine Erstbehandlung des Tabaks vornehmen – erstreckte, Ankäufe mit einem den reinen Wert der
         Ankäufe von in Italien erzeugtem Rohtabak übersteigenden Wert betraf.
      
      195    Unter diesen Umständen kann Transcatab nicht geltend machen, die gegen sie verhängte Geldbuße sei im Verhältnis zum Gesamtwert
         der Ankäufe auf dem relevanten Markt unverhältnismäßig.
      
      196    Was zweitens die Rüge betrifft, die Geldbuße sei im Verhältnis zum Wert der Ankäufe von Transcatab auf dem betreffenden Markt
         unverhältnismäßig, ist zunächst hervorzuheben, dass das anzuwendende Recht keinen allgemein anwendbaren Grundsatz enthält,
         wonach die Sanktion in angemessenem Verhältnis zu dem Umsatz stehen muss, den das Unternehmen auf dem relevanten Markt erzielt
         (vgl. Urteil Gütermann und Zwicky/Kommission, oben in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 277 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      197    Darüber hinaus darf bei der Festsetzung der Geldbuße nach ständiger Rechtsprechung sowohl der Gesamtumsatz des Unternehmens,
         der – wenn auch nur annähernd und unvollständig – etwas über dessen Größe und Wirtschaftskraft aussagt, als auch der Teil
         dieses Umsatzes berücksichtigt werden, der mit den Waren erzielt worden ist, hinsichtlich derer die Zuwiderhandlung begangen
         wurde, und der somit einen Anhaltspunkt für das Ausmaß dieser Zuwiderhandlung liefern kann. Weder dem einen noch dem anderen
         dieser Umsätze darf eine im Verhältnis zu den anderen Beurteilungskriterien übermäßige Bedeutung zugemessen werden, weshalb
         die Festsetzung einer angemessenen Geldbuße nicht das Ergebnis eines bloßen, auf den Gesamtumsatz gestützten Rechenvorgangs
         sein kann. Das gilt insbesondere dann, wenn die betroffenen Waren nur einen geringen Teil dieses Umsatzes ausmachen (Urteile
         des Gerichtshofs Musique Diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr. 115 angeführt, Randnr. 121, Dansk Rørindustri
         u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 243, und vom 3. September 2009, Papierfabrik August Koehler u. a./Kommission,
         C‑322/07 P, C‑327/07 P und C‑338/07 P, Slg. 2009, I‑7191, Randnr. 114).
      
      198    Es ist jedoch festzustellen, dass die Kommission, wie sich oben aus den Randnrn. 40 bis 43 ergibt, die Geldbuße in der angefochtenen
         Entscheidung nach dem Marktanteil der einzelnen Unternehmen – gemessen an den Ankäufen des betreffenden Produkts auf dem Markt,
         auf dem die Zuwiderhandlung stattgefunden hat – festgesetzt hat. Damit war der Wert der Ankäufe auf dem betreffenden Markt
         ein Kriterium, das im vorliegenden Fall bei der Festsetzung der Geldbuße berücksichtigt worden ist.
      
      199    Darüber hinaus geht aus der Rechtsprechung hervor, dass, sofern der Betrag der endgültigen Geldbuße 10 % des Gesamtumsatzes
         des betreffenden Unternehmens im letzten Jahr der Zuwiderhandlung nicht überschreitet, die Geldbuße nicht bereits deswegen
         als unverhältnismäßig angesehen werden kann, weil sie den auf dem betreffenden Markt erzielten Umsatz überschreitet (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003, Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission,
         T‑224/00, Slg. 2003, II‑2597, Randnr. 200).
      
      200    Wie oben in den Randnrn. 160 und 193 ausgeführt worden ist, hatte die in Rede stehende Zuwiderhandlung ferner Praktiken zum
         Gegenstand, die horizontale Beschränkungen von der Art des „Preiskartells“ im Sinne der Leitlinien und somit ihrer Art nach
         „besonders schwere“ Zuwiderhandlungen darstellen. Für diese Art besonders schwerer Kartelle sehen die Leitlinien eine Sanktion
         mit einem Mindestausgangsbetrag von mehr als 20 Mio. Euro vor. Aus dem 376. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung
         ergibt sich jedoch, dass der Ausgangsbetrag der gegen Transcatab verhängten Geldbuße deutlich unter dem Betrag liegt, den
         die Kommission nach den Leitlinien für besonders schwere Verstöße hätte vorsehen können. Insoweit kann Transcatab nicht geltend
         machen, die gegen sie verhängte Geldbuße sei im Verhältnis zum behaupteten beschränkten Umfang des betreffenden Marktes und
         zu ihren jährlichen Gesamtankäufen auf dem Bezugsmarkt unverhältnismäßig.
      
      201    Schließlich ist – wie Transacatab selbst einräumt – zum Vorbringen, das die Klägerin aus den Leitlinien von 2006 herleitet,
         festzustellen, dass diese Leitlinien auf den Sachverhalt des vorliegenden Rechtsstreits nicht anwendbar waren (vgl. in diesem
         Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 17. Juni 2010, Lafarge/Kommission, C‑413/08 P, Slg. 2010, I‑5361, Randnr. 108).
      
      –       Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      202    Nach ständiger Rechtsprechung liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung nur dann vor, wenn vergleichbare
         Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt worden sind, sofern eine solche Behandlung
         nicht objektiv gerechtfertigt ist (Urteil des Gerichtshofs vom 13. Dezember 1984, Sermide, 106/83, Slg. 1984, 4209, Randnr. 28,
         und Urteil Hoechst/Kommission, oben in Randnr. 158 angeführt, Randnr. 79).
      
      203    Darüber hinaus ist darauf hinzuweisen, dass die Entscheidungspraxis der Kommission, wie oben in Randnr. 162 festgestellt worden
         ist, nach gefestigter Rechtsprechung nicht als rechtlicher Rahmen für Geldbußen im Wettbewerbsrecht dient, dass die Kommission
         im Bereich der Festsetzung der Höhe der Geldbußen über ein weites Ermessen verfügt und dass sie bei dessen Ausübung nicht
         an frühere eigene Beurteilungen gebunden ist.
      
      204    Allein aus der Tatsache, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis ein bestimmtes Verhalten mit einem bestimmten
         Bußgeldbetrag geahndet hat, kann keinesfalls abgeleitet werden, dass sie verpflichtet wäre, dies in einer späteren Entscheidung
         ebenfalls zu tun (vgl. Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Archer Daniels Midland/Kommission, T‑329/01, Slg. 2006,
         II‑3255, Randnr. 110 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      205    Im vorliegenden Fall ist daher davon auszugehen, dass die bloße Berufung von Transcatab auf die Entscheidung in der Sache
         Rohtabak – Spanien nicht durchgreifen kann, da die Kommission nicht verpflichtet war, die vorliegende Rechtssache ebenso zu
         beurteilen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 19. März 2009, Archer Daniels Midland/Kommission, oben in Randnr. 162 angeführt,
         Randnr. 83).
      
      206    Was insbesondere die Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes im vorliegenden Fall angeht, so können andere Bußgeldentscheidungen
         der Kommission nur richtungweisenden Charakter haben, zumal die diesen Entscheidungen zugrunde liegenden tatsächlichen Gegebenheiten
         nicht die gleichen wie im Fall der in Rede stehenden Entscheidung waren (Urteil vom 27. September 2006, Archer Daniels Midland/Kommission,
         oben in Randnr. 204 angeführt, Randnr. 112). Auch wenn im vorliegenden Fall gewisse Ähnlichkeiten zwischen der Sache Rohtabak
         – Spanien und der vorliegenden Sache bestehen, weisen beide jedoch beträchtliche Unterschiede auf, die keinesfalls zu vernachlässigen
         sind. Zum einen wird nämlich nicht bestritten, dass der spanische Markt einen geringeren Umfang und eine geringere Bedeutung
         als der italienische Markt hatte. Zum anderen galten für den betreffenden Sektor unterschiedliche nationale Rechtsrahmen (vgl.
         im Einzelnen unten, Randnrn. 317 ff.).
      
      207    Angesichts dieser nicht zu vernachlässigenden Unterschiede war die Kommission berechtigt und sogar verpflichtet, beide Fälle
         in Bezug auf die Festsetzung der Sanktion unterschiedlich zu behandeln. Transcatab kann daher im vorliegenden Fall aus der
         Entscheidung der Kommission in der Sache Rohtabak – Spanien keine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes herleiten.
      
      –       Zum Verstoß gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes
      208    Es ist darauf hinzuweisen, dass das Recht, sich auf den Grundsatz des Vertrauensschutzes zu berufen, nach der Rechtsprechung
         von der Erfüllung dreier Voraussetzungen abhängt. Erstens muss die Verwaltung dem Betroffenen präzise, nicht an Bedingungen
         geknüpfte und übereinstimmende Zusicherungen von zuständiger und zuverlässiger Seite machen. Zweitens müssen diese Zusicherungen
         geeignet sein, begründete Erwartungen beim Adressaten zu wecken. Drittens müssen die gegebenen Zusicherungen den geltenden
         Vorschriften entsprechen (vgl. Urteil des Gerichts vom 4. Februar 2009, Omya/Kommission, T‑145/06, Slg. 2009, II‑145, Randnr.
         117 und die dort angeführte Rechtsprechung; vgl. in diesem Sinne auch Urteil des Gerichts vom 30. April 2009, Nintendo und
         Nintendo of Europe/Kommission, T‑13/03, Slg. 2009, II‑947, Randnr. 203 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      209    Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die erste von der Rechtsprechung aufgestellte Voraussetzung nicht erfüllt ist.
         Aus der Rechtsprechung ergibt sich nämlich, dass die Kommission bei der Bemessung von Bußgeldbeträgen über ein weites Ermessen
         verfügt, so dass die Wirtschaftsteilnehmer in die Festsetzung bestimmter Beträge kein berechtigtes Vertrauen setzen können
         (vgl. Urteil vom 27. September 2006, Archer Daniels Midland/Kommission, oben in Randnr. 204 angeführt, Randnr. 109 und die
         dort angeführte Rechtsprechung). Aus der von Transcatab als Präzedenzfall angeführten Sache Rohtabak – Spanien kann eine präzise,
         nicht an Bedingungen geknüpfte und übereinstimmende Zusicherung im Sinne der in der vorstehenden Randnummer angeführten Rechtsprechung
         daher nicht hergeleitet werden.
      
      210    Überdies ist festzustellen, dass die Kommission die Entscheidung in der Sache Rohtabak – Spanien im Oktober 2004 – mehr als
         zwei Jahre nach Stellung des Antrags auf Geldbußenermäßigung gemäß der Mitteilung über Zusammenarbeit durch Transcatab – erlassen
         hat. Unter diesen Umständen kann Transcatab nicht geltend machen, sie habe in dem berechtigten Vertrauen auf die Festsetzung
         des in der genannten Sache verhängten Geldbußenbetrags gehandelt.
      
      211    Nach alledem ist der zweite Teil des zweiten Klagegrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
       Dritter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Berücksichtigung des abschreckenden Charakters der
            Sanktion und der Finanzlage von Transcatab
       Vorbringen der Parteien 
      212    Transcatab beanstandet die Anwendung des Muliplikatorkoeffizienten bei der Festsetzung des Ausgangsbetrags der Geldbuße. Sie
         beanstandet erstens die Prämisse dieser Anwendung, nämlich die Zuweisung der Verantwortlichkeit für die Zuwiderhandlung an
         ihre Muttergesellschaft Alliance One.
      
      213    Sie macht zweitens geltend, die abschreckende Wirkung hätte im vorliegenden Fall auch ohne die Anwendung eines Multiplatorkoeffizienten
         und durch Festsetzung eines Ausgangsbetrags der Geldbuße erzielt werden können, der unter dem von der Kommission gewählten
         liege.
      
      214    Sie trägt drittens vor, die Kommission hätte die Geldbuße nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit unter Berücksichtigung
         der prekären Finanzlage von Transcatab und der Risiken für die Fortführung ihrer Tätigkeit anpassen müssen. Zwischen 1995
         und 2002 habe Transcatab nämlich beträchtliche Verluste angehäuft und sei infolge der von der Kommission verhängten Geldbuße
         zur Liquidation gezwungen gewesen. Überdies sei Transcatab auf dem italienischen Markt nicht mehr präsent und habe ihre Markttätigkeit
         bereits vor Erlass der angefochtenen Entscheidung eingestellt, so dass in Bezug auf sie keinerlei Notwendigkeit einer Abschreckung
         vorgelegen habe. Ferner habe im vorliegenden Fall ein zusätzliches Abschreckungserfordernis im Zusammenhang mit einer sogenannten
         „Multiprodukt“-Erzeugung überhaupt nicht bestanden. Schließlich stellten sogar die Leitlinien von 2006 darauf ab, ob das Unternehmen
         in der Lage sei, die Geldbuße zu zahlen, und berücksichtigten auf diese Weise die Gefahr der Beeinträchtigung seiner wirtschaftlichen
         Lebensfähigkeit.
      
      215    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      216    Aus der Rechtsprechung ergibt sich, dass die in Art. 23 der Verordnung Nr. 1/2003 vorgesehenen Sanktionen dazu dienen, sowohl
         unerlaubte Verhaltensweisen zu ahnden als auch ihrer Wiederholung vorzubeugen. Die Abschreckung stellt folglich einen Zweck
         der Geldbuße dar (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 15. März 2006, BASF/Kommission, T‑15/02, Slg. 2006, II‑497,
         Randnrn. 218 f. und die dort angeführte Rechtsprechung, und vom 30. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 103
         angeführt, Randnr. 150).
      
      217    Das Erfordernis, eine abschreckende Wirkung der Geldbuße zu gewährleisten, verlangt, dass diese angepasst wird, um der gewünschten
         Auswirkung auf das Unternehmen, gegen das sie verhängt wird, Rechnung zu tragen, damit sie im Einklang mit den Anforderungen,
         die sich aus der Notwendigkeit, ihre Wirksamkeit zu gewährleisten, und der Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit
         ergeben, insbesondere im Hinblick auf die Finanzkraft des betreffenden Unternehmens weder zu niedrig noch zu hoch ausfällt
         (Urteile des Gerichts vom 5. April 2006, Degussa/Kommission, T‑279/02, Slg. 2006, II‑897, Randnr. 283, vom 18. Juni 2008,
         Hoechst/Kommission, T‑410/03, Slg. 2008, II‑881, Randnr. 379, und vom 30. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission, oben
         in Randnr. 103 angeführt, Randnr. 154). Auch wenn das Erfordernis, eine hinreichend abschreckende Wirkung der Geldbuße sicherzustellen,
         somit ein legitimes Ziel ist, das die Kommission bei der Bemessung einer Geldbuße verfolgen darf, hat sie gleichwohl die allgemeinen
         Rechtsgrundsätze und insbesondere den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten; dies gilt nicht nur für die Ermittlung
         des Ausgangsbetrags, sondern auch für die Erhöhung dieses Betrags zur Sicherstellung einer hinreichend abschreckenden Wirkung
         der Geldbuße (Urteil Degussa/Kommission, Randnr. 316).
      
      218    Die Leitlinien erwähnen den Abschreckungszweck in ihrer Nr. 1 Teil A, die der Schwere der Zuwiderhandlungen gewidmet ist.
         Konkret wird in Abs. 4 dieser Nummer der Leitlinien das Erfordernis angesprochen, „die Geldbuße auf einen Betrag festzusetzen,
         der eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet“. Im vorliegenden Fall hat die Kommission das Erfordernis, einen Multiplikatorkoeffizienten
         von 1,25 anzuwenden, in den Erwägungsgründen 374 f. der angefochtenen Entscheidung damit begründet, eine hinreichend abschreckende
         Wirkung der gegen Transcatab verhängten Geldbuße sicherstellen zu wollen, da diese einer multinationalen Gruppe mit erheblicher
         Wirtschafts- und Finanzkraft angehöre, die zu den weltweit größten Tabakhandelsunternehmen gehöre und auf verschiedenen Tätigkeitsebenen
         in der Tabakindustrie und auf verschiedenen räumlichen Märkten agiere.
      
      219    Erstens genügt zu dem Argument hinsichtlich der Prämisse für die Anwendung des Multiplikatorkoeffizienten, nämlich der Zuweisung
         der Verantwortlichkeit für die Zuwiderhandlung an ihre Muttergesellschaft Alliance One, die Feststellung, dass im Rahmen des
         ersten Klagegrundes die Auffassung vertreten worden ist, dass die Kommission Alliance One zu Recht als mitverantwortlich für
         die von Transcatab begangene Zuwiderhandlung betrachtet hat (vgl. den ersten Teil des ersten Klagegrundes). Dieses Argument
         greift daher nicht durch.
      
      220    Zweitens ist zu dem Vorbringen von Transcatab, der Ausgangsbetrag von 10 Mio. Euro sei bereits hinreichend abschreckend, festzustellen,
         dass sie in keiner Weise ihre Behauptung untermauert, wonach der Betrag der Geldbuße, wäre er ohne Berücksichtigung des für
         die abschreckende Wirkung vorgesehenen Multiplikatorkoeffizienten bemessen worden, ausgereicht hätte, um eine entsprechende
         Wirkung der Geldbuße sicherzustellen (vgl. in diesem Sinne Urteil Lafarge/Kommission, oben in Randnr. 201 angeführt, Randnr. 107).
      
      221    Drittens ist zu der Rüge, die Kommission habe ihre prekäre Finanzlage nicht berücksichtigt und durch die Anwendung des Multiplikatorkoeffizienten
         auf sie daher gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen, zunächst festzustellen, dass sich das Ziel der Abschreckung
         nach der Rechtsprechung auf das Verhalten der Unternehmen in der Union bezieht und der Abschreckungsfaktor unter Einbeziehung
         einer Vielzahl von Gesichtspunkten und nicht nur der besonderen Situation des betreffenden Unternehmens ermittelt wird (Urteil
         des Gerichts vom 30. April 2009, Itochu/Kommission, T‑12/03, Slg. 2009, II‑883, Randnr. 93; vgl. in diesem Sinne auch Urteile
         des Gerichtshofs vom 29. Juni 2006, Showa Denko/Kommission, C‑289/04 P, Slg. 2006, I‑5859, Randnr. 23, und Jungbunzlauer/Kommission,
         oben in Randnr. 189 angeführt, Randnr. 300).
      
      222    Darüber hinaus ist die Kommission nach ständiger Rechtsprechung nicht verpflichtet, bei der Bemessung der Geldbuße die schlechte
         Finanzlage eines Unternehmens zu berücksichtigen, da die Anerkennung einer solchen Verpflichtung darauf hinauslaufen würde,
         den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen (vgl.
         Urteile des Gerichtshofs Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 327, und vom 29. Juni 2006,
         SGL Carbon/Kommission, C‑308/04 P, Slg. 2006, I‑5977, Randnr. 105 und die dort angeführte Rechtsprechung; Urteil des Gerichts
         vom 28. April 2010, BST/Kommission, T‑452/05, Slg. 2010, II‑1373, Randnr. 95).
      
      223    Transcatab kann die Anwendung des Multiplikatorkoeffizienten zu Abschreckungszwecken daher nicht mit der Begründung beanstanden,
         dass sie während des Zeitraums der Umsetzung des Kartells Verluste erlitten habe, die sie veranlasst hätten, seit der Eröffnung
         des Verfahrens auf dem vom Kartell betroffenen Markt nicht mehr tätig zu sein. In Anbetracht der Zugehörigkeit von Transcatab
         zu einer multinationalen Gruppe mit erheblicher Wirtschafts- und Finanzkraft und der Zuweisung der Verantwortlichkeit an ihre
         Muttergesellschaft kann die Anwendung des Multiplikatorkoeffizienten auf einen nach dem Gesamtumsatz dieser Gruppe festgesetzten
         Betrag überdies nicht dazu führen, dass die Geldbuße als unverhältnismäßig anzusehen ist.
      
      224    Im Übrigen ist festzustellen, dass Transcatab ihre Behauptung, sie sei aufgrund der Einleitung der in Rede stehenden Untersuchung
         durch die Kommission und der in Betracht gezogenen Geldbuße zur Liquidation gezwungen gewesen, im vorliegenden Fall nicht
         – weder im Verwaltungsverfahren noch vor dem Gericht – bewiesen hat. Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Tatsache, dass
         eine Maßnahme eines Organs zum Konkurs oder zur Liquidation eines bestimmten Unternehmens führt, als solche unionsrechtlich
         nicht zu beanstanden ist. Die Liquidation eines Unternehmens in seiner bestehenden Rechtsform kann zwar die finanziellen Interessen
         der Eigentümer, Aktionäre oder Anteilseigner beeinträchtigen, bedeutet aber nicht, dass auch die durch das Unternehmen repräsentierten
         personellen, materiellen und immateriellen Mittel ihren Wert verlieren (vgl. Urteil des Gerichts vom 29. April 2004, Tokai
         Carbon u. a./Kommission, T‑236/01, T‑239/01, T‑244/01 bis T‑246/01, T‑251/01 und T‑252/01, Slg. 2004, II‑1181, Randnr. 372
         und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      225    Was das Argument hinsichtlich des zusätzlichen Abschreckungserfordernisses für Unternehmen mit sogenannter „Multiprodukt“-Erzeugung
         angeht, ist festzustellen, dass sich die angefochtene Entscheidung überhaupt nicht auf ein solches Erfordernis bezieht, so
         dass dieses Argument im vorliegenden Fall nicht entscheidungserheblich ist. In Bezug auf das Vorbringen zu den Leitlinien
         von 2006 ist schließlich bereits festgestellt worden, dass diese auf den Sachverhalt des vorliegenden Rechtsstreits nicht
         anwendbar waren (vgl. oben, Randnr. 201).
      
      226    Nach alledem ist der dritte Teil des zweiten Klagegrundes und somit der zweite Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      
      3.     Zum dritten Klagegrund: Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße 
       Erster Teil: Fehlerhafte Erhöhung der Geldbuße wegen der Dauer der Zuwiderhandlung
       Vorbringen der Parteien 
      227    Transcatab beanstandet erstens die Erhöhung des Ausgangsbetrags der Geldbuße um 60 % auf der Grundlage der Feststellung, dass
         die Verarbeitungsunternehmen über einen Zeitraum von sechs Jahren und vier Monaten an einer einzigen Zuwiderhandlung beteiligt
         gewesen seien. Die Kommission habe nämlich die Tatsache nicht berücksichtigt, dass es sich bei den zwischen 1999 und 2002
         auf dem italienischen Markt für Rohtabak geschlossenen Vereinbarungen größtenteils um Branchenvereinbarungen zwischen Unitab
         und APTI gehandelt habe. Die Kommission hätte bei der Festsetzung der Geldbuße daher zwischen Verhaltensweisen zwischen 1995
         und 1998 und solchen zwischen 1999 und 2002, für die ausschließlich APTI verantwortlich sei, unterscheiden müssen. Im Übrigen
         stelle die Kommission selbst fest, dass APTI für ihre Entscheidungen allein verantwortlich sei (253. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung). Die Kommission hätte die Geldbuße für die betreffenden drei Jahre daher zumindest nicht erhöhen dürfen.
      
      228    Aus den Erwägungsgründen 152 und 154 der angefochtenen Entscheidung und aus einigen zu den Akten gegebenen Unterlagen gehe
         insbesondere hervor, dass die Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen bereits seit 1998 im Zusammenhang mit Branchenvereinbarungen
         und zu deren Vorbereitung stattgefunden hätten. Derartige Zusammenkünfte zwischen den Verarbeitungsunternehmen hätten sich
         sodann in der gesamten Zeitspanne, während der APTI mit der Aushandlung der Branchenvereinbarungen mit Unitab betraut war,
         fortgesetzt. Transcatab bezieht sich dabei insbesondere auf die Erwägungsgründe 104, 143, 151 bis 153, 158 f. der angefochtenen
         Entscheidung. Was das Jahr 1999 angehe, nähmen lediglich die Erwägungsgründe 158 und 159 der angefochtenen Entscheidung nicht
         unmittelbar auf Branchenvereinbarungen Bezug. Sie beträfen sie jedoch mittelbar. Selbst nach 1999 hätten die Kontakte zwischen
         den Verarbeitungsunternehmen stets im Rahmen der Festlegung eines gemeinsamen Standpunkts innerhalb von APTI stattgefunden.
         Transcatab führt hierfür als Beispiel die Erwägungsgründe 199 und 212 der angefochtenen Entscheidung bzw. – im Rahmen der
         über Cogentab, der von APTI und Unitab gegründeten Vereinigung, verfolgten Ziele – die Erwägungsgründe 187 bis 189, 191 und
         208 der angefochtenen Entscheidung an. Jedenfalls hätten sich die Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen außerhalb
         der Branchenvereinbarungen auf bestimmte Aspekte des Marktes beschränkt und sich in erster Linie in einfachen Informationsaustäuschen
         konkretisiert.
      
      229    Zweitens habe Transcatab im Rahmen des zweiten Klagegrundes nachgewiesen, dass das Kartell keinerlei Auswirkungen auf den
         Markt gehabt und den Verbrauchern nicht geschadet habe. Nach den Leitlinien bestehe das konkrete Ziel des Aufschlags für Verstöße
         von langer Dauer jedoch darin, „die Wettbewerbsbeschränkungen, die sich auf die Verbraucher dauerhaft schädlich auswirken,
         wirksam zu ahnden“. Folglich habe die Kommission dadurch einen Fehler bei der Anwendung der von ihr selbst festgelegten Kriterien
         für die Berechnung der Geldbuße begangen, dass sie automatisch eine Erhöhung um jährlich 10 % vorgenommen habe, ohne der Situation
         im konkreten Fall Rechnung zu tragen.
      
      230    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      –       Zur Erhöhung der Geldbuße wegen der Dauer der Vereinbarung
      231    Es ist darauf hinzuweisen, dass sich ein Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG nach der Rechtsprechung nicht nur aus einer isolierten
         Handlung, sondern auch aus einer Reihe von Handlungen oder auch aus einem fortlaufenden Verhalten ergeben kann (Urteil Kommission/Anic
         Partecipazioni, oben in Randnr. 90 angeführt, Randnr. 81). Fügen sich die verschiedenen Handlungen wegen ihres identischen
         Zwecks der Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes in einen „Gesamtplan“ ein, so ist die Kommission
         berechtigt, die Verantwortung für diese Handlungen anhand der Beteiligung an der Zuwiderhandlung als Ganzes aufzuerlegen (Urteil
         Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 258).
      
      232    Sind die festgestellten Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen wegen ihres übereinstimmenden Zwecks darüber hinaus
         Teil von Systemen regelmäßiger Zusammenkünfte zur Festsetzung von Preiszielen und Quoten, die wiederum Teil einer Reihe von
         Bemühungen der fraglichen Unternehmen sind, mit denen ein einziges wirtschaftliches Ziel, die Verfälschung der Entwicklung
         der Preise, verfolgt wird, wäre es gekünstelt, dieses durch ein einziges Ziel gekennzeichnete kontinuierliche Verhalten zu
         zerlegen und darin mehrere getrennte Zuwiderhandlungen zu sehen, während es sich im Gegenteil um eine einheitliche Zuwiderhandlung
         handelt, die sich nach und nach sowohl in Vereinbarungen als auch in abgestimmten Verhaltensweisen konkretisiert hat (vgl.
         in diesem Sinne Urteil BST/Kommission, oben in Randnr. 222 angeführt, Randnr. 33 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      233    Im vorliegenden Fall hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Auffassung vertreten, ohne dass Transcatab dem
         entgegengetreten wäre, dass die Praktiken der Verarbeitungsunternehmen zu einem einzigen und fortgesetzten Verstoß gegen Art. 81
         Abs. 1 EG geführt hätten, da sie sich in den Rahmen eines Gesamtplans eingefügt hätten, der auf einen übereinstimmenden wettbewerbswidrigen
         Zweck und auf ein einheitliches wirtschaftliches Ziel, nämlich das Ziel, die normale Preisentwicklung auf dem Markt für Rohtabak
         zu verfälschen und die Versorgung durch die Aufteilung der Preise zu kontrollieren, gerichtet gewesen sei und dadurch das
         Einkaufsverhalten auf dem Markt festgelegt habe. Insbesondere hat die Kommission – von Transcatab nicht bestritten – hervorgehoben,
         dass das Kartell während der gesamten Dauer seines Bestehens dieselben Ziele verfolgt habe und mit der Zeit dieselbe Struktur
         sowie dieselben Funktionsmechanismen aufgewiesen habe (vgl. Erwägungsgründe 264 bis 269 der angefochtenen Entscheidung).
      
      234    Die Kommission hat darüber hinaus festgestellt, ohne dass Transcatab dem entgegengetreten wäre, dass sich die Verarbeitungsunternehmen
         nach 1999 – neben der Koordinierung außerhalb der Branchenvereinbarungen – zur Festlegung des Verhaltens von APTI abgestimmt
         hätten und dass diese Koordinierung während dieser Jahre ein bedeutendes Element der Kartellstrategie der Verarbeitungsunternehmen
         dargestellt habe (vgl. 244. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung). Die Vorbereitung der Zusammenkünfte von APTI verfolgte
         daher das gleiche wettbewerbswidrige Ziel wie der Abschluss der Vereinbarungen zwischen den Verarbeitungsunternehmen, nämlich
         die Verfälschung der normalen Preisentwicklung auf dem Markt für Rohtabak.
      
      235    Auch wenn diese Erwägungen unbestritten geblieben sind, konnte die Kommission selbst für den Fall, dass, wie Transcatab vorträgt,
         die Zusammenkünfte der Verarbeitungsunternehmen nach 1999 nur vorbereitenden Charakter für die Zusammenkünfte von APTI gehabt
         haben, gleichwohl insofern zu Recht die Auffassung vertreten, dass sich die Beteiligung an diesen Zusammenkünften in den Rahmen
         einer einzigen fortgesetzten Zuwiderhandlung einfügte, als sie festgestellt hat, dass die Koordinierung zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         zur Festlegung des Verhaltens von APTI Teil der Kartellstrategie war und sich in dasselbe einheitliche Ziel, das die Verarbeitungsunternehmen
         auch schon vor 1999 verfolgten, einfügte.
      
      236    Folglich könnte sich dieser Umstand, selbst wenn man annimmt, dass, wie Transcatab vorträgt, die Verhaltensweisen der Verarbeitungsunternehmen
         nach 1999 ausschließlich die Zusammenkünfte von APTI vorbereitet haben, in keiner Weise auf die Dauer der Zuwiderhandlung
         auswirken, so dass die Kommission auch in diesem hypothetischen Fall gleichwohl die Auffassung hätte vertreten können, dass
         sich die von den Verarbeitungsunternehmen begangene Zuwiderhandlung über einen Zeitraum von rund sechs Jahren und vier Monaten
         erstreckte. Die Rüge, mit der Transcatab geltend macht, die Verhaltensweisen der Verarbeitungsunternehmen in der Zeit zwischen
         1999 und 2002 hätten ausschließlich den Abschluss von Branchenvereinbarungen vorbereitet, kann sich daher nicht auf die Rechtmäßigkeit
         der angefochtenen Entscheidung auswirken, so dass sie als nicht entscheidungserheblich anzusehen ist.
      
      237    Diese Feststellung kann nicht durch das Vorbringen in Frage gestellt werden, das auf die Annahme der Kommission gestützt wird,
         dass APTI und nicht deren Mitglieder als für ihre Verhaltensweisen verantwortlich zu betrachten war (vgl. 253. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Entscheidung). Die durch die Verhaltensweisen von APTI verwirklichte Zuwiderhandlung war nämlich eine andere
         als die von den Verarbeitungsunternehmen begangene und verfolgte ein eigenes wettbewerbswidriges Ziel, auch wenn dieses teilweise
         mit dem von den Verarbeitungsunternehmen verfolgten wettbewerbswidrigen Ziel übereinstimmte (vgl. Erwägungsgründe 270 bis
         273 der angefochtenen Entscheidung). Diese Feststellung hat Transcatab nicht bestritten.
      
      238    Jedenfalls ist festzustellen, dass auch dieser Vorwurf sachlich unzutreffend ist.
      
      239    Erstens räumt Transcatab in ihren Schriftsätzen selbst ausdrücklich ein, dass es während des betreffenden Zeitraums „über
         die Branchenvereinbarungen hinaus“ Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen gegeben habe, die „bestimmte Aspekte des
         Marktes“ betroffen hätten und in deren Rahmen sensible Informationen ausgetauscht worden seien. Transcatab trägt darüber hinaus
         vor, dass es sich bei den Vereinbarungen, die im besagten Zeitraum auf dem italienischen Markt für Rohtabak getroffen worden
         seien, „größtenteils“ um Branchenvereinbarungen zwischen Unitab und APTI gehandelt habe, was den Schluss zulässt, dass es
         während dieses Zeitraums neben den die Branchenvereinbarungen betreffenden Kontakten noch weitere Vereinbarungen zwischen
         den Verarbeitungsunternehmen gegeben hat.
      
      240    Zweitens ergibt sich aus der angefochtenen Entscheidung und aus den Akten, dass die Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         während des genannten Zeitraums sehr wohl über einfache vorbereitende Treffen zur Festlegung eines gemeinsamen Vorgehens innerhalb
         von APTI bei der Aushandlung der Branchenvereinbarungen hinausgegangen sind. Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Branchenvereinbarungen
         nach dem Gesetz Nr. 88 zur Regelung der Branchenvereinbarungen und der Verträge über den Anbau und den Verkauf von landwirtschaftlichen
         Erzeugnissen (Legge n° 88 sulle norme sugli accordi interprofessionali e sui contratti di coltivazione e vendita dei prodotti
         agricoli) vom 16. März 1988 (GURI Nr. 69 vom 23. März 1988, im Folgenden: Gesetz Nr. 88/88) die Festsetzung der in die Anbauverträge
         aufzunehmenden Mindestpreise betrafen (vgl. Erwägungsgründe 68 und 253 der angefochtenen Entscheidung), während der Gegenstand
         der Vereinbarungen zwischen den Verarbeitungsunternehmen sehr viel weiter war, da sich das Kartell u. a. auf die Festsetzung
         der Höchst- bzw. Durschschnittslieferpreise sowie auf die von den jeweiligen Verarbeitungsunternehmen anzukaufenden Tabakmengen
         und die entsprechenden Versorgungsquellen erstreckte (363. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      241    Der angefochtenen Entscheidung und den Akten lassen sich mehrere Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass es bei den Kontakten
         zwischen den Verarbeitungsunternehmen auch nach 1999 um mehr ging als um die bloße Koordinierung der Position von APTI beim
         Abschluss von Branchenvereinbarungen.
      
      242    So geht aus dem 186. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung beispielsweise hervor, dass die Verarbeitungsunternehmen
         der Kommission zufolge im Oktober 1999 eine geheime Vereinbarung getroffen haben, die der Vereinbarung der Villa Grazioli
         vom September 1998 in Inhalt und Form sehr ähnlich war (vgl. 142. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung). Diese der
         Klagebeantwortung als Anhang beigefügte Vereinbarung zielte in erster Linie auf die Festsetzung der Ankaufspreise für Rohtabak
         (Burley und Bright) bei „Drittpackern“, die Zuteilung von „Drittpackern“ mit festgelegten Mengen an jedes Verarbeitungsunternehmen
         und den Boykott von „Drittpackern“ ab, die Cogentab nicht beigetreten waren (vgl. 186. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      243    Überdies ergibt sich aus den Erwägungsgründen 202 bis 204 der angefochtenen Entscheidung, dass die Koordinierung zwischen
         den Verarbeitungsunternehmen im Jahr 2000 fortgesetzt worden ist. Transcatab legt jedoch in keiner Weise dar, dass diese Koordinierung
         lediglich die innerhalb von APTI einzunehmenden Positionen zum Gegenstand gehabt hätte. Aus dem 204. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung geht vielmehr hervor, dass die Verarbeitungsunternehmen am 21. September 2000 mit dem Ziel zusammengekommen waren,
         zwischen ihnen einen Koordinierungsmechanismus auf der Ebene der Einkaufsdirektoren zu schaffen.
      
      244    Aus dem 212. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung geht ferner hervor, dass am 14. September 2001 eine Zusammenkunft
         der Präsidenten und Einkaufsdirektoren von Deltafina, Dimon und Transcatab stattgefunden hat, dessen vorgestellte Tagesordnung
         nicht nur die Branchenvereinbarung zwischen APTI und Unitab, sondern auch die wechselseitigen Beziehungen zwischen diesen
         Unternehmen, die Ankäufe bei „Drittpackern“, die Beziehungen zu Romana Tabacchi sowie die Zukunftsstrategien umfasste.
      
      245    All diese Beispiele lassen erkennen, dass die Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen in der Zeit von 1999 bis 2002
         nicht lediglich Branchenvereinbarungen zum Gegenstand gehabt haben, wie Transcatab behauptet, sondern dass das Kartell der
         Verarbeitungsunternehmen während dieses Zeitraums vielmehr neben den Branchenvereinbarungen weiterhin tätig gewesen ist. Im
         Übrigen hat Transcatab in keiner Weise dargetan, dass die Kommission durch die Nichtberücksichtigung der Tatsache, dass die
         Verhaltensweisen der Verarbeitungsunternehmen in der Zeit zwischen 1999 und 2002 ausschließlich der Vorbereitung des Abschlusses
         von Branchenvereinbarungen dienten, einen Fehler begangen hätte.
      
      246    In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist der Schluss zu ziehen, dass die erste von Transcatab im Rahmen dieses Teils
         erhobene Rüge zurückzuweisen ist.
      
      –       Zum Nichtvorliegen eines Schadens für die Verbraucher
      247    Das Argument, mit dem Transcatab geltend macht, die Kommission habe in Anbetracht des Nichtvorliegens eines aus der Zuwiderhandlung
         folgenden Schadens für die Verbraucher bei der Erhöhung um jährlich 10 % einen Fehler begangen, greift sowohl in rechtlicher
         als auch in tatsächlicher Hinsicht nicht durch.
      
      248    Erstens lässt sich weder aus Art. 23 der Verordnung Nr. 1/2003 noch aus Nr. 1 Teil B Abs. 3 der Leitlinien, auf die sich Transcatab
         beruft, folgern, dass diese die Erhöhung für Verstöße von langer Dauer von dauerhaften schädlichen Auswirkungen auf die Verbraucher
         abhängig machten. Mit der Passage der Leitlinien, auf die sich Transcatab bezieht, soll die mit den Leitlinien angekündigte
         Geldbußenpolitik – insbesondere die Änderungen im Verhältnis zur früheren Praxis – allgemein erläutert werden. Transcatab
         kann ihr Vorbringen somit nicht auf diese Bestimmung der Leitlinien stützen.
      
      249    Zweitens steht entgegen dem Vorbringen von Transcatab keinesfalls fest, dass das Kartell keinerlei Auswirkungen auf den Markt
         gehabt hätte, und daher erst recht nicht, dass es sich nicht schädlich auf die Verbraucher ausgewirkt hätte. Die Daten, auf
         die sich Transcatab im Rahmen des zweiten Klagegrundes beruft, sind nämlich, da sie von anderen Faktoren beeinflusst worden
         sein können, nicht geeignet, zu belegen, dass es solche Auswirkungen nicht gegeben hat (vgl. insbesondere oben, Randnr. 168).
         Im Übrigen zeigt die mehrjährige Dauer des Kartells, dass die Verarbeitungsunternehmen es nicht für sinn- oder wirkungslos
         hielten. Somit ist die Prämisse des Vorbringens von Transcatab fehlerhaft.
      
      250    Nach alledem ist der erste Teil des dritten Klagegrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
       Zweiter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz ne bis in idem und Begründungsmangel 
       Vorbringen der Parteien
      251    Transcatab macht einen Verstoß gegen den Grundsatz ne bis in idem durch die Kommission geltend. Diese sei in der angefochtenen Entscheidung davon ausgegangen, dass die Verantwortlichkeit
         für den Abschluss der Branchenvereinbarungen während des Zeitraums von 1999 bis 2001 ausschließlich APTI zuzurechnen sei.
         Gleichwohl habe die Kommission, indem sie nicht zwischen der Zeitspanne von 1995 bis 1998 und der von 1999 bis 2001 unterschieden
         habe, die Verantwortlichkeit für Verhaltensweisen im Rahmen der Branchenvereinbarungen, die sie bereits ausschließlich APTI
         zugerechnet habe, den Verarbeitungsunternehmen zugewiesen.
      
      252    Im vorliegenden Fall sei der APTI zur Last gelegte Sachverhalt mit dem Transcatab für den Zeitraum von 1999 bis 2002 zur Last
         gelegten Sachverhalt identisch, da die Zusammenkünfte der Verarbeitungsunternehmen während dieses Zeitraums die Zusammenkünfte
         von APTI vorbereitet hätten. Darüber hinaus seien die Zuwiderhandelnden identisch, da feststehe, dass Berufsverbände das Sprachrohr
         ihrer Mitglieder seien. Daher habe die Kommission die Verarbeitungsunternehmen wegen derselben Zuwiderhandlung zweimal – zunächst
         als Mitglieder von APTI und sodann einzeln – mit einer Sanktion belegt. Daraus ergebe sich die Verhängung einer überhöhten
         Geldbuße gegen die Verarbeitungsunternehmen; ferner sei die Begründung der angefochtenen Entscheidung insoweit mangelhaft.
      
      253    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      254    Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem Grundsatz ne bis in idem, der auch in Art. 4 des Protokolls Nr. 7 zu der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutze
         der Menschenrechte und Grundfreiheiten verankert ist, um einen tragenden Grundsatz des Unionsrechts handelt, dessen Wahrung
         der Richter zu sichern hat. Im Bereich des Wettbewerbsrechts verbietet es dieser Grundsatz, dass ein Unternehmen wegen eines
         wettbewerbswidrigen Verhaltens, für das es in einer früheren, nicht mehr anfechtbaren Entscheidung der Kommission mit einer
         Sanktion belegt oder für nicht verantwortlich erklärt wurde, erneut verurteilt oder verfolgt wird (Urteile des Gerichts vom
         9. Juli 2003, Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, T‑224/00, Slg. 2003, II‑2597, Randnrn.
         85 f., und Tokai Carbon u. a./Kommission, oben in Randnr. 224 angeführt, Randnrn. 130 f.). Die Anwendung des Grundsatzes ne bis in idem hängt von der dreifachen Voraussetzung der Identität des Sachverhalts, des Zuwiderhandelnden und des geschützten Rechtsguts
         ab. Dieser Grundsatz verbietet es somit, dieselbe Person mehr als einmal wegen desselben rechtswidrigen Verhaltens zum Schutz
         desselben Rechtsguts mit einer Sanktion zu belegen (Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt,
         Randnr. 338, und Urteil des Gerichts vom 13. Dezember 2006, FNCBV u. a./Kommission, T‑217/03 und T‑245/03, Slg. 2006, II‑4987,
         Randnr. 340).
      
      255    Im vorliegenden Fall ist die erste Voraussetzung – die Identität des Sachverhalts – nicht erfüllt. Selbst wenn man nämlich
         annimmt, dass die verschiedenen den Verarbeitungsunternehmen zur Last gelegten wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen, insbesondere
         die Koordinierung im Hinblick auf die Festlegung des Verhaltens von APTI (244. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung),
         mit dem APTI zur Last gelegten Verhalten – der Festlegung der Verhandlungsposition in Bezug auf die Preise beim Abschluss
         der Branchenvereinbarungen mit Unitab (Erwägungsgründe 253 f. der angefochtenen Entscheidung) – teilweise übereingestimmt
         haben, ist festzustellen, dass es sich um zwei unterschiedliche Verhaltensweisen handelt. Die der Annahme einer Entscheidung
         vorausgehende Koordinierung unterscheidet sich nämlich von der Annahme der Entscheidung im eigentlichen Sinne.
      
      256    Im Übrigen fügte sich die Koordinierung zwischen den Verarbeitungsunternehmen im Hinblick auf die Festlegung des Verhaltens
         von APTI, wie im Rahmen des ersten Teils dieses Klagegrundes festgestellt worden ist, in die weitere Kartellstrategie der
         Verarbeitungsunternehmen ein und stellte einen wichtigen Bestandteil dieser Strategie dar (vgl. 244. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Entscheidung). Hierzu ist darüber hinaus festzustellen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung klar und präzise
         dargelegt hat, dass APTI und die Verarbeitungsunternehmen für verschiedene Zuwiderhandlungen mit einer Sanktion belegt worden
         sind (vgl. für APTI Erwägungsgründe 253, 254 und 270 bis 273 und für die Verarbeitungsunternehmen Erwägungsgründe 240 bis
         252 sowie 264 bis 269 der angefochtenen Entscheidung).
      
      257    Transcatab kann vorliegend daher nicht geltend machen, der den Verarbeitungsunternehmen zur Last gelegte Sachverhalt sei mit
         dem APTI zur Last gelegten Sachverhalt identisch gewesen.
      
      258    Auch die zweite Voraussetzung – die Identität der Zuwiderhandelnden – ist im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Obwohl Transcatab
         Mitglied von APTI ist, handelt es sich nämlich um zwei unterschiedliche Einheiten, da APTI eine eigenständige juristische
         Person ist, einen eigenen Zweck hat und eigene Ziele verfolgt, die unabhängig von denen von Transcatab sind und sich von ihnen
         unterscheiden (vgl. in diesem Sinne Urteil FNCBV u. a./Kommission, oben in Randnr. 254 angeführt, Randnr. 342).
      
      259    Somit fehlt es hier sowohl an der Identität des Sachverhalts als auch an der Identität der Zuwiderhandelnden, da die angefochtene
         Entscheidung dieselben Einheiten oder Personen nicht mehrmals für dieselben Handlungen mit Sanktionen belegt. Folglich liegt
         kein Verstoß gegen den Grundsatz ne bis in idem vor.
      
      260    Zur Rüge eines Begründungsmangels ist festzustellen, dass die Kommission, da sich die den Verarbeitungsunternehmen und die
         APTI zur Last gelegten Verhaltensweisen voneinander unterschieden und von verschiedenen juristischen Personen umgesetzt wurden,
         nicht verpflichtet war, Gründe betreffend die Anwendung des Grundsatzes ne bis in idem anzuführen. Überdies hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Verantwortlichkeit von APTI keineswegs mit der
         Verantwortlichkeit der Verarbeitungsunternehmen verwechselt. Insbesondere bringen nach der oben in Randnr. 174 angeführten
         Rechtsprechung die Erwägungen in Randnr. 256 die diesbezüglichen Überlegungen der Kommission so klar und eindeutig zum Ausdruck,
         dass Transcatab ihnen die Gründe für die gegen sie erlassene Maßnahme entnehmen und das Gericht seine Kontrolle ausüben kann.
      
      261    Nach alledem ist dieser Teil insgesamt zurückzuweisen.
      
       Dritter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
       Vorbringen der Parteien
      262    Transcatab macht hilfsweise geltend, die Verarbeitungsunternehmen seien bei den Vertragsverhandlungen mit den landwirtschaftlichen
         Erzeugerbetrieben davon überzeugt gewesen, im Rahmen der nationalen Rechtsvorschriften, insbesondere des Gesetzes Nr. 88/88
         und der Branchenvereinbarungen, zu bleiben. Was die Branchenvereinbarungen angehe, habe die Kommission eingeräumt, dass der
         geltende Rechtsrahmen einen erheblichen Grad an Unsicherheit in Bezug auf die Rechtmäßigkeit der Praktiken von APTI habe erzeugen
         können. Aus diesem Grund habe sie gegen APTI eine symbolische Geldbuße von nur 1 000 Euro verhängt. Transcatab fragt sich,
         warum trotz der zahlreichen Beweise, die belegten, dass sich die im Streit stehenden Verhaltensweisen der Verarbeitungsunternehmen
         in den Jahren 1999 bis 2002 nahezu ausschließlich auf Vorverträge zur Festlegung eines gemeinsamen Standpunkts innerhalb von
         APTI bezögen, auf ihren Fall nicht die gleichen Erwägungen angewandt worden sind. Die unterschiedliche Bewertung des Verhaltens
         von APTI und desjenigen von Transcatab stelle einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung dar.
      
      263    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      264    Wie aus der oben in Randnr. 202 angeführten Rechtsprechung hervorgeht, liegt ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
         nur dann vor, wenn vergleichbare Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt werden, es
         sei denn, eine solche Behandlung ist objektiv gerechtfertigt.
      
      265    Im vorliegenden Fall ist erstens darauf hinzuweisen, dass die Verarbeitungsunternehmen und APTI, wie bereits im Rahmen des
         zweiten Teils dieses Klagegrundes festgestellt worden ist (vgl. oben, Randnr. 256), für unterschiedliche Zuwiderhandlungen
         mit einer Sanktion belegt worden sind (vgl. Erwägungsgründe 240 bis 252 bzw. 253 und 254 der angefochtenen Entscheidung).
      
      266    Was insbesondere den Zeitraum ab 1999 angeht, ergibt sich jedoch aus der angefochtenen Entscheidung, dass die Verarbeitungsunternehmen
         für verschiedene wettbewerbswidrige Verhaltensweisen, die sich in dieselbe, bereits vor 1999 verfolgte Kartellstrategie einfügten,
         mit einer Sanktion belegt worden sind. So sind die Verarbeitungsunternehmen sowohl für die Koordinierung ihrer Preise außerhalb
         der Branchenvereinbarungen als auch für die parallele Koordinierungstätigkeit im Hinblick auf die Festlegung des Verhaltens
         von APTI mit einer Sanktion belegt worden (vgl. insbesondere 244. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung).
      
      267    Dagegen ist APTI lediglich für Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dem Abschluss der Branchenvereinbarungen zur Verantwortung
         gezogen worden. Die Kommission war der Ansicht, APTI habe für die einzige und fortgesetzte Zuwiderhandlung der Verarbeitungsunternehmen
         nicht verantwortlich gemacht werden können, da sich den Akten der Kommission kein Anhaltspunkt dafür entnehmen ließ, dass
         diese Vereinigung dem von den Verarbeitungsunternehmen umgesetzten Gesamtplan zur Koordinierung ihres gesamten Einkaufsverhaltens
         zugestimmt hätte oder dass sie diesen kannte (vgl. Erwägungsgründe 270 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      268    Zweitens geht aus der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die Tragweite des Kartells der Verarbeitungsunternehmen auch
         nach 1999 über den Anwendungsbereich des Gesetzes Nr. 88/88 hinausging (vgl. auch oben, Randnrn. 240 bis 245). Transcatab
         kann demnach nicht geltend machen, dass der Rechtsrahmen es zugelassen hätte, auf die Verarbeitungsunternehmen eine symbolische
         Geldbuße wie die gegen APTI verhängte anzuwenden (vgl. hierzu die unten in den Randnrn. 298 bis 311 dargelegten Erwägungen).
      
      269    Somit ist als Ergebnis festzuhalten, dass die Situation der Verarbeitungsunternehmen, insbesondere die von Transcatab, hinsichtlich
         der in der Zeit von 1999 bis 2002 begangenen Zuwiderhandlungen nicht mit der Situation von APTI vergleichbar ist. Folglich
         kann Transcatab keinen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung geltend machen.
      
      270    Nach alledem ist der dritte Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      
      4.     Zum vierten Klagegrund: Verschiedene mildernde Umstände
       Erster Teil: Mildernder Umstand der Nichtumsetzung des Kartells
       Vorbringen der Parteien
      271    Transcatab wirft der Kommission zunächst vor, ihr den in Nr. 3 zweiter Gedankenstrich der Leitlinien genannten mildernden
         Umstand der tatsächlichen Nichtanwendung der Vereinbarungen oder der eine Zuwiderhandlung darstellenden Praktiken nicht zugebilligt
         zu haben. Sie trägt vor, bereits im Rahmen des ersten Teils des zweiten Klagegrundes nachgewiesen zu haben, dass die Verarbeitungsunternehmen
         ihre Vereinbarungen größtenteils nicht umgesetzt hätten. Diese Feststellung ergebe sich daraus, dass sich diese Vereinbarungen
         auf dem Markt nicht ausgewirkt hätten.
      
      272    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      273    Erstens ist darauf hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung der in Nr. 3 zweiter Gedankenstrich der Leitlinien genannte mildernde
         Umstand der tatsächlichen Nichtanwendung der Vereinbarungen oder der eine Zuwiderhandlung darstellenden Praktiken auf dem
         eigenen Verhalten jedes Unternehmens beruht. Demgemäß ist bei der Beurteilung dieses mildernden Umstands nicht auf die sich
         aus der Zuwiderhandlung insgesamt ergebenden Wirkungen abzustellen, denen bei der Beurteilung der konkreten Auswirkungen eines
         Verstoßes auf den Markt zur Beurteilung der Schwere des Verstoßes Rechnung zu tragen ist (Nr. 1 Teil A Abs. 1 der Leitlinien),
         sondern auf das Einzelverhalten jedes Unternehmens, um die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens festzustellen
         (Urteile Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 148 angeführt, Randnr. 384, sowie Gütermann und Zwicky/Kommission, oben
         in Randnr. 146 angeführt, Randnr. 178).
      
      274    Folglich kann Transcatab einen Fehler der Kommission bei der Anwendung des in Rede stehenden mildernden Umstands nicht darauf
         stützen, dass sich die Zuwiderhandlung nicht konkret auf die Preise ausgewirkt habe.
      
      275    Zweitens ist jedenfalls auch darauf hinzuweisen, dass nach der Rechtsprechung die Zuwiderhandelnden, um Nr. 3 zweiter Gedankenstrich
         der Leitlinien in Anspruch nehmen zu können, nachweisen müssen, dass sie sich wettbewerbskonform verhielten oder dass sie
         sich zumindest den Verpflichtungen zur Umsetzung des Kartells so eindeutig und nachdrücklich widersetzten, dass dadurch sogar
         dessen Funktionieren selbst gestört wurde, und dass sie der Vereinbarung auch nicht scheinbar zustimmten und dadurch andere
         Unternehmen zur Umsetzung des fraglichen Kartells veranlassten (Urteile des Gerichts vom 8. Juli 2004, Dalmine/Kommission,
         T‑50/00, Slg. 2004, II‑2395, Randnr. 292, und – in diesem Sinne – vom 15. März 2006, Daiichi Pharmaceutical/Kommission, T‑26/02,
         Slg. 2006, II‑713, Randnr. 113).
      
      276    Transcatab trägt vorliegend aber nicht vor, sich der Umsetzung des in Rede stehenden Kartells so eindeutig und nachdrücklich
         widersetzt zu haben, dass dessen Funktionieren selbst gestört wurde. Folglich kann sie nicht geltend machen, die Kommission
         habe dadurch einen Fehler begangen, dass sie ihr den fraglichen mildernden Umstand nicht zugebilligt habe.
      
      277    Schließlich ist noch festzustellen, dass die Kommission im 383. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung einerseits festgestellt
         hat, dass das Kartell umgesetzt worden sei, und andererseits, dass Transcatab mit ihrem Vorbringen, die Vereinbarungen seien
         „größtenteils“ nicht umgesetzt worden, selbst einräume, dass die in Rede stehenden Kartelle – zumindest teilweise – umgesetzt
         worden seien (vgl. oben, Randnr. 239).
      
      278    Nach alledem ist dieser Teil zurückzuweisen.
      
       Zweiter Teil: Mildernder Umstand der Einstellung der streitigen Tätigkeiten vor dem Eingreifen der Kommission
       Vorbringen der Parteien
      279    Transcatab wirft der Kommission vor, ihr den in Nr. 3 dritter Gedankenstrich der Leitlinien genannten mildernden Umstand der
         Abstellung der Zuwiderhandlungen nach dem ersten Eingreifen der Kommission nicht zugebilligt zu haben.
      
      280    Erstens verknüpften die Leitlinien die Anwendung dieses mildernden Umstands in keiner Weise mit der Schwere der Zuwiderhandlung,
         so dass er auch in Fällen schwerer und besonders schwerer Zuwiderhandlungen angewandt worden sei. Zweitens habe Transcatab
         nach dem ersten Eingreifen der Kommission keinerlei Verhaltensweise an den Tag gelegt, die einen Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln
         darstellen könne. Drittens habe die Kommission die Besonderheiten des Rohtabaksektors außer Acht gelassen. Viertens gehe die
         Nichtanwendung dieses mildernden Umstands auf eine Änderung der Rechtsprechung zur Verhängung von Geldbußen zurück, die das
         Gericht in seinem Urteil vom 15. Juni 2005, Tokai Carbon u. a./Kommission (T‑71/03, T‑74/03, T‑87/03 und T‑91/03, nicht in
         der amtlichen Sammlung veröffentlicht), vorgenommen habe. Diese Rechtsprechungsänderung, die nach Verfahrensbeginn erfolgt
         sei, verletze das berechtigte Vertrauen von Transcatab, die damit gerechnet habe, durch die Beendigung ihres unrechtmäßigen
         Verhaltens nach dem ersten Eingreifen der Kommission eine Geldbußenermäßigung zu erhalten.
      
      281    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      282    Nach Nr. 3 dritter Gedankenstrich der Leitlinien kann der von der Kommission festgesetzte Grundbetrag der Geldbuße verringert
         werden, wenn das beschuldigte Unternehmen den Verstoß nach dem ersten Eingreifen der Kommission beendet.
      
      283    Gleichwohl kann eine Herabsetzung der Geldbuße wegen der Beendigung einer Zuwiderhandlung nach dem ersten Eingreifen der Kommission
         der Rechtsprechung zufolge nicht automatisch eintreten, sondern hängt von einer Bewertung der Umstände des Einzelfalls durch
         die Kommission im Rahmen ihres Ermessens ab (vgl. Urteil Carbone-Lorraine/Kommission, oben in Randnr. 147 angeführt, Randnr.
         228 und die dort angeführte Rechtsprechung). Die Umstände des Einzelfalls können die Kommission somit veranlassen, einem Unternehmen,
         das Partei einer rechtswidrigen Vereinbarung ist, eine solche Verringerung des Grundbetrags der Geldbuße nicht zu gewähren
         (Urteil vom 19. März 2009, Archer Daniels Midland/Kommission, oben in Randnr. 162 angeführt, Randnr. 148).
      
      284    So könnte die Zubilligung eines mildernden Umstands in Situationen, in denen ein Unternehmen Partei einer offensichtlich rechtswidrigen
         Vereinbarung ist, von der es weiß oder wissen muss, dass sie den Tatbestand einer Zuwiderhandlung erfüllt, nach Auffassung
         des Gerichtshofs einen Anreiz für Unternehmen bieten, eine geheime Vereinbarung so lange wie möglich in der Hoffnung fortzusetzen,
         dass ihr Verhalten nie aufgedeckt wird, aber in dem Bewusstsein, dass, sollte es doch aufgedeckt werden, die Geldbuße gegen
         sie bei anschließendem Abbruch der Zuwiderhandlung herabgesetzt werden könnte. Dies würde der verhängten Geldbuße jede Abschreckungswirkung
         nehmen und die praktische Wirksamkeit von Art. 81 Abs. 1 EG beeinträchtigen (Urteil vom 19. März 2009, Archer Daniels Midland/Kommission,
         oben in Randnr. 162 angeführt, Randnr. 149). Darüber hinaus hat das Gericht bereits entschieden, dass die Beendigung einer
         vorsätzlich begangenen Zuwiderhandlung nicht als mildernder Umstand gewertet werden kann, wenn sie auf das Eingreifen der
         Kommission zurückzuführen ist (Urteile des Gerichts vom 11. März 1999, Ensidesa/Kommission, T‑157/94, Slg. 1999, II‑707, Randnr. 498,
         und Wieland-Werke u. a./Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 229).
      
      285    Im vorliegenden Fall hatte die in Rede stehende Zuwiderhandlung ein geheimes Kartell u. a. zum Zweck der Festsetzung von Preisen
         und der Zuteilung von Lieferanten und Ankaufmengen zum Gegenstand. Wie oben in Randnr. 137 festgestellt worden ist, wird ein
         derartiges Kartell durch Art. 81 Abs. 1 Buchst. a und b EG ausdrücklich untersagt und stellt eine Zuwiderhandlung dar, die
         von der Rechtsprechung als „besonders schwerwiegend“ eingestuft wird, da sie unmittelbare Auswirkungen auf die wesentlichen
         Wettbewerbsparameter auf dem betreffenden Markt hat. Vorliegend haben die Verarbeitungsunternehmen, wie oben in Randnr. 170
         festgestellt worden ist, die wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen, für die sie mit einer Sanktion belegt worden sind, überdies
         wissentlich umgesetzt und sich mehrmals auf Maßnahmen zur Sicherstellung der tatsächlichen Umsetzung des Kartells verständigt.
      
      286    Unter diesen Umständen kann Transcatab im Licht der oben in den Randnrn. 283 und 284 angeführten Rechtsprechung nicht geltend
         machen, die Kommission habe dadurch einen Fehler begangen, dass sie den geltend gemachten mildernden Umstand nicht auf sie
         angewandt hat.
      
      287    Diese Schlussfolgerung kann durch die von Transcatab vorgebrachten besonderen Argumente nicht in Frage gestellt werden.
      
      288    Im Licht der oben angeführten Rechtsprechung bedeutet der Umstand, dass Transcatab nach dem ersten Eingreifen der Kommission
         keinerlei rechtswidriges Verhalten an den Tag gelegt hat, nämlich nicht, dass diese verpflichtet wäre, den fraglichen mildernden
         Umstand anzuwenden. Darüber hinaus stellen die Besonderheiten des Sektors wie das Fehlen von Präzedenzfällen, auf das sich
         Transcatab beruft, und die Regulierung dieses Sektors, auch wenn sie bei der Würdigung anderer mildernder Umstände eine Rolle
         spielen mögen (vgl. insbesondere den dritten und den fünften Teil dieses Klagegrundes), gleichwohl keine relevanten Gesichtspunkte
         für die Anwendung des in Rede stehenden mildernden Umstands dar.
      
      289    In Bezug auf den angeblichen Verstoß gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes ist schließlich daran zu erinnern, dass, worauf
         oben in Randnr. 208 hingewiesen worden ist, das Recht, sich auf diesen Grundsatz zu berufen, nach der Rechtsprechung von der
         Erfüllung dreier Voraussetzungen abhängt. Erstens muss die Verwaltung dem Betroffenen präzise, nicht an Bedingungen geknüpfte
         und übereinstimmende Zusicherungen von zuständiger und zuverlässiger Seite machen. Zweitens müssen diese Zusicherungen geeignet
         sein, begründete Erwartungen beim Adressaten zu wecken. Drittens müssen die gegebenen Zusicherungen den geltenden Vorschriften
         entsprechen (vgl. die oben in Randnr. 208 angeführte Rechtsprechung).
      
      290    Hierzu genügt die Feststellung, dass die erste Voraussetzung im vorliegenden Fall nicht erfüllt ist, da Transcatab eine präzise,
         nicht an Bedingungen geknüpfte und übereinstimmende Zusicherung von Seiten der Kommission, sie werde bei Beendigung ihres
         unrechtmäßigen Verhaltens nach deren erstem Eingreifen eine Geldbußenermäßigung erhalten, nicht geltend machen kann.
      
      291    Darüber hinaus kann allein aus der Tatsache, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte
         bei der Festlegung der Höhe der Geldbuße als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet werden, dass sie verpflichtet
         wäre, dies in einer späteren Entscheidung ebenfalls zu tun (Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998, Mayr-Melnhof/Kommission,
         T‑347/94, Slg. 1998, II‑1751, Randnr. 368, und LR AF 1998/Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 337). Transcatab
         kann daher nicht geltend machen, dass dieser mildernde Umstand in anderen Fällen von Zuwiderhandlungen angewandt worden sei.
         Im Übrigen stellt das oben in Randnr. 280 angeführte Urteil vom 15. Juni 2005, Tokai Carbon u. a./Kommission, auf das der
         382. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung verweist, keineswegs eine Rechtsprechungsänderung dar, da das Gericht,
         wie die Kommission zu Recht bemerkt, vor Erlass dieses Urteils bereits entschieden hatte, dass die Beendigung einer vorsätzlich
         begangenen Zuwiderhandlung nicht als mildernder Umstand gewertet werden kann, wenn sie auf das Eingreifen der Kommission zurückzuführen
         ist (Urteile des Gerichts vom 11. März 1999, Aristrain/Kommission, T‑156/94, Slg. 1999, II‑645, Randnr. 138, und Ensidesa/Kommission,
         oben in Randnr. 284 angeführt, Randnr. 498). Folglich kommt Transcatab insoweit kein Vertrauensschutz zu.
      
      292    Nach alledem ist der zweite Teil des vierten Klagegrundes somit zurückzuweisen.
      
       Dritter Teil: Mildernder Umstand des Bestehens berechtigter Zweifel an der Rechtswidrigkeit des streitigen Verhaltens
      293    Im Rahmen dieses Teils erhebt Transcatab im Wesentlichen zwei Rügen. Einerseits macht sie geltend, die Kommission habe dadurch
         einen Fehler begangen, dass sie den mildernden Umstand des Bestehens berechtigter Zweifel an der Rechtswidrigkeit des streitigen
         Verhaltens nicht angewandt hat. Andererseits macht sie einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung im Verhältnis
         zur Sache Rohtabak – Spanien geltend.
      
       Zum Bestehen berechtigter Zweifel an der Rechtswidrigkeit des streitigen Verhaltens
      –       Vorbringen der Parteien
      294    Transcatab trägt vor, das Bestehen eines verworrenen europäischen und nationalen Rechtsrahmens habe berechtigte Zweifel an
         der Rechtswidrigkeit des Verhaltens der Rohtabakverarbeitungsunternehmen und von APTI in Italien aufkommen lassen. Daher hätte
         die Kommission den in Nr. 3 vierter Gedankenstrich der Leitlinien genannten mildernden Umstand anwenden und die gegen die
         einzelnen Verarbeitungsunternehmen verhängten Geldbußen zumindest herabsetzen müssen. Die Kommission habe die Zurückweisung
         des Antrags von Transcatab auf Zurechnung dieses mildernden Umstands nicht begründet.
      
      295    Transcatab macht insbesondere geltend, die Verordnung Nr. 26 des Rates vom 4. April 1962 zur Anwendung bestimmter Wettbewerbsregeln
         auf die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Handel mit diesen Erzeugnissen (ABl. P 30, S. 993) sehe unter
         bestimmten Voraussetzungen eine Befreiung für Vereinbarungen vor, die zur Verwirklichung der in Art. 33 EG genannten Ziele
         notwendig seien. Die Vereinbarungen zwischen den Verarbeitungsunternehmen seien als zur Erreichung dieser Ziele notwendig
         angesehen worden. Diese Vereinbarungen seien nämlich notwendig gewesen, um die rationelle Entwicklung der landwirtschaftlichen
         Erzeugung zu gewährleisten und den italienischen Markt zu stabilisieren und am Leben zu erhalten. Sie hätten auf eine Beschränkung
         der Einkünfte der Zwischenhändler und nicht auf eine Verringerung, sondern im Gegenteil auf eine Steigerung der Einkünfte
         der landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe abgezielt. Transcatab trägt vor, den Nachweis geführt zu haben, dass mit den Vereinbarungen
         zwischen den Verarbeitungsunternehmen in Anbetracht des besonderen tatsächlichen Zusammenhangs des vorliegenden Falls die
         Ziele des Art. 33 EG erreicht werden sollten. Diese Erwägungen und die übrigen Maßnahmen der Union im Tabaksektor hätten bei
         den Verarbeitungsunternehmen berechtigte Zweifel hinsichtlich der Vereinbarkeit der streitigen Verhaltensweisen mit den Wettbewerbsregeln
         aufkommen lassen.
      
      296    Nach Auffassung von Transcatab war die nationale Regelung, insbesondere das Gesetz Nr. 88/88, darüber hinaus geeignet, einen
         erheblichen Grad an Unsicherheit in Bezug auf die Rechtmäßigkeit der streitigen Verhaltensweisen zu erzeugen. Die Kommission
         hätte den Verarbeitungsunternehmen – ebenso wie APTI und Unitab, gegen die sie eine symbolische Sanktion von 1 000 Euro verhängt
         habe – diesen Umstand in der angefochtenen Entscheidung zubilligen müssen.
      
      297    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      298    Zunächst ist festzustellen, dass die vorliegende Rechtssache die Beteiligung an einem von seinen Mitgliedern über mehrere
         Jahre hinweg geheim gehaltenen und insbesondere die Festsetzung von Preisen betreffenden horizontalen Kartell zum Gegenstand
         hat. Somit liegt ein offenkundiger und besonders schwerer Verstoß gegen Art. 81 EG vor. Darüber hinaus handelt es sich bei
         dem in Rede stehenden Unternehmen um einen der größten italienischen Rohtabakverarbeiter, der einer der weltweit größten unabhängigen
         Tabakblatthandelsgruppen angehört. Es geht also um ein Unternehmen, das über materielle und intellektuelle Ressourcen verfügte,
         die es ihm ermöglichten, die Merkmale seines gesetzlichen Umfelds und die möglicherweise insoweit entstehenden Folgen seines
         Verhaltens, insbesondere aus wettbewerbsrechtlicher Sicht, zu beurteilen. Unter diesen Umständen kann vernünftigerweise nicht
         davon ausgegangen werden, dass Transcatab Zweifel an der Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens hätte haben können (vgl. in diesem
         Sinne Urteile Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 148 angeführt, Randnr. 406, und Carbone-Lorraine/Kommission, oben
         in Randnr. 147 angeführt, Randnr. 229).
      
      299    Was erstens die Verordnung Nr. 26, auf die sich Transcatab beruft, angeht, ist festzustellen, dass Vereinbarungen, Beschlüsse
         und Verhaltensweisen, die sich auf die Produktion der in Anhang I des EG-Vertrags aufgeführten Erzeugnisse, darunter u. a.
         Rohtabak, und den Handel mit diesen Erzeugnissen beziehen und wesentlicher Bestandteil einer einzelstaatlichen Marktordnung
         oder zur Verwirklichung der Ziele des Art. 33 EG notwendig sind, nach dieser Verordnung, insbesondere deren Art. 2, von der
         Anwendung des Art. 81 Abs. 1 EG ausgenommen sind.
      
      300    Aus der Rechtsprechung ergibt sich, dass Art. 2 der Verordnung Nr. 26 als Befreiung von der Regel der allgemeinen Anwendung
         des Art. 81 Abs. 1 EG eng auszulegen ist. Außerdem findet Art. 2 Abs. 1 Satz 1 dieser Verordnung, der die geltend gemachte
         Ausnahmeregelung enthält, nach ständiger Rechtsprechung nur Anwendung, wenn die betreffende Vereinbarung zur Verwirklichung
         aller Ziele des Art. 33 EG beiträgt. Schließlich muss die fragliche Vereinbarung, wie sich schon aus dem Wortlaut von Art. 2
         Abs. 1 Satz 1 der Verordnung Nr. 26 ergibt, zur Verwirklichung dieser Ziele „notwendig“ sein (vgl. Urteil FNCBV u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 254 angeführt, Randnr. 199 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      301    Hierzu ist erstens festzustellen, dass die Kommission die Anwendung der in Art. 2 der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Befreiungen
         von Art. 81 Abs. 1 EG in den Erwägungsgründen 303 bis 313 der angefochtenen Entscheidung vorliegend ausdrücklich ausgeschlossen
         hat. Transcatab wendet sich weder gegen diese Würdigung noch gegen die Schlussfolgerung, zu der die Kommission gelangt, sondern
         beschränkt sich darauf, geltend zu machen, dass die in Rede stehende Regelung bei ihr berechtigte Zweifel hervorgerufen habe,
         der die Kommission hätte Rechnung tragen müssen.
      
      302    Zweitens ist festzustellen, dass die Verordnung Nr. 26 in ihrem Art. 2 Abs. 2 und 3 ein besonderes Verfahren vorsieht, das
         es der Kommission ermöglicht, festzustellen, auf welche Vereinbarungen die in Abs. 2 dieses Artikels vorgesehenen Befreiungen
         angewandt werden können. Dieses Verfahren sieht u. a. die Anhörung der Mitgliedstaaten und der beteiligten Unternehmen oder
         Unternehmensvereinigungen durch die Kommission vor.
      
      303    Den Akten lässt sich jedoch kein Anhaltspunkt dafür entnehmen, dass der Kommission die Vereinbarungen zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         notifiziert worden wären, um eine Befreiung im Rahmen dieses besonderen Verfahrens zu erhalten. Im Übrigen trägt Transcatab
         nicht vor, der Kommission diese Vereinbarungen mitgeteilt zu haben. Dagegen geht aus bestimmten Notizen, die die Vertreter
         von Dimon Italia auf der APTI-Zusammenkunft vom 4. April 2002 (vgl. oben Randnr. 4) gemacht haben, ausdrücklich hervor, dass
         die genannten Vereinbarungen der Kommission nicht notifiziert worden sind, was von Transcatab nicht bestritten wird. Da weder
         eine Notifizierung erfolgt noch das förmliche Verfahren eingehalten worden ist, kann Transcatab nicht geltend machen, die
         Verarbeitungsunternehmen hätten Zweifel gehabt, ob ihre Vereinbarungen in den Anwendungsbereich der in der Verordnung Nr. 26
         vorgesehenen Ausnahmeregelung fallen. Darüber hinaus ist es in einem System wie dem in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen
         ausgeschlossen, dass private Wirtschaftsteilnehmer ihre eigene Beurteilung bezüglich der am besten geeigneten Mittel zur Erreichung
         der Ziele des Art. 33 EG an die Stelle derjenigen der Kommission setzen und damit rechtswidrige Initiativen ergreifen können,
         die damit gerechtfertigt werden, dass sie diese Ziele verfolgen.
      
      304    Drittens ergibt sich aus der angefochtenen Entscheidung, dass das Kartell von Anfang an einen eindeutig wettbewerbswidrigen
         Zweck verfolgte (vgl. beispielsweise 111. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung). Den Umständen des vorliegenden Falls
         lässt sich nicht entnehmen – und im Übrigen führt Transcatab diesen Nachweis auch nicht –, dass die Verarbeitungsunternehmen
         die Absicht hatten, die Ziele des Art. 33 EG mittels rechtswidriger Vereinbarungen zu verfolgen.
      
      305    In diesem Zusammenhang hat der Gerichtshof entschieden, dass die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf den Märkten
         für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu den Zielen der gemeinsamen Agrarpolitik und der in Frage stehenden gemeinsamen Marktorganisation
         zählt (vgl. 311. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung und Urteil des Gerichtshofs vom 9. September 2003, Milk Marque
         und National Farmers’ Union, C‑137/00, Slg. 2003, I‑7975, Randnr. 57). Transcatab kann daher nicht geltend machen, dass offenkundig
         wettbewerbswidrige Vereinbarungen – hier das Kartell der Verarbeitungsunternehmen – die Ziele des Art. 33 Abs. 1 EG verfolgten.
      
      306    Nach alledem ist als Ergebnis festzuhalten, dass Transcatab vernünftigerweise nicht geltend machen kann, die Verordnung Nr.
         26 habe bei ihr berechtigte Zweifel an der Rechtswidrigkeit des in Rede stehenden Kartells hervorgerufen.
      
      307    Zur nationalen Regelung ist zweitens zu bemerken, dass die Kommission im 323. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung
         festgestellt hat, dass das Kartell der Verarbeitungsunternehmen aus dem Anwendungsbereich der Bestimmungen des Gesetzes Nr.
         88/88 falle, da es im Wesentlichen auf die Festsetzung der maximalen bzw. durchschnittlichen Lieferpreise sowie auf die Zuteilung
         der Mengen und der Lieferanten abziele, während das genannte Gesetz zum Ziel habe, den Landwirten Mindestpreise zu garantieren.
      
      308    Daher konnten die Verarbeitungsunternehmen, soweit die Tätigkeiten des Kartells nicht von der nationalen Regelung erfasst
         wurden, nicht unter Berufung auf diese nationale Regelung an der Rechtswidrigkeit ihrer Verhaltensweisen zweifeln.
      
      309    Unter diesen Umständen und im Licht der oben in Randnr. 298 dargelegten Erwägungen ist der Schluss zu ziehen, dass die Kommission
         durch die Nichtgewährung einer Geldbußenermäßigung wegen des betreffenden mildernden Umstands keinen Fehler begangen hat.
      
      310    Zu der in der Erwiderung erhobenen Rüge des angeblichen Begründungsmangels im Hinblick auf die Zurückweisung des fraglichen
         mildernden Umstands ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission nach ständiger Rechtsprechung zwar gemäß Art. 253 EG verpflichtet
         ist, in den Gründen ihrer Entscheidungen die sachlichen Gesichtspunkte, von denen die Rechtmäßigkeit der Entscheidung abhängt,
         sowie die Erwägungen anzugeben, die sie zu ihrem Erlass veranlasst haben, diese Bestimmung sie jedoch nicht zwingt, auf alle
         sachlichen und rechtlichen Fragen einzugehen, die während des Verwaltungsverfahrens behandelt wurden (Urteil Nederlandsche
         Banden-Industrie-Michelin/Kommission, oben in Randnr. 173 angeführt, Randnrn. 14 f., und Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998,
         Fiskeby Board/Kommission, T‑319/94, Slg. 1998, II‑1331, Randnr. 127).
      
      311    Daher ist unerheblich, dass die Kommission in dem Teil der angefochtenen Entscheidung, der den mildernden Umständen gewidmet
         ist, nicht die Gründe erläutert hat, aus denen sie zu der Auffassung gelangt war, bestimmte Gesichtspunkte, auf die sich Transcatab
         in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte in diesem Zusammenhang berufen hatte, nicht berücksichtigen zu müssen.
         Im Übrigen ist festzustellen, dass die Kommission die Auswirkungen sowohl der Verordnung Nr. 26 als auch der nationalen Regelung
         in den Erwägungsgründen 303 bis 324 der angefochtenen Entscheidung gewürdigt hat.
      
       Zur unterschiedlichen Behandlung im Verhältnis zur Sache Rohtabak – Spanien
      –       Vorbringen der Parteien
      312    Transcatab trägt vor, die Nichtanwendung des betreffenden mildernden Umstands in einem derart verworrenen rechtlichen Kontext
         wie dem vorliegenden habe zu einer stark unterschiedlichen Behandlung italienischer und spanischer Verarbeitungsunternehmen
         geführt. Die Begründung der angefochtenen Entscheidung sei insoweit offensichtlich unlogisch, da sie bestimmte Erwägungen,
         die in der dem vorliegenden Fall weitgehend entsprechenden Sache Rohtabak – Spanien angestellt worden seien, nicht berücksichtigt
         habe. Insbesondere habe die Kommission im spanischen Fall die Auffassung vertreten, dass der rechtliche Kontext und das Verhalten
         der Regierung geeignet seien, eine solche Unsicherheit zu erzeugen, dass sie eine Ermäßigung der Geldbuße um 40 % nicht nur
         für die Berufsverbände, sondern auch für die einzelnen Verarbeitungsunternehmen rechtfertigten.
      
      313    Dagegen sei die Kommission im vorliegenden Fall in einer praktisch identischen Konstellation zu dem Schluss gelangt, dass
         das Kartell der Verarbeitungsunternehmen in vollem Umfang unter Art. 81 EG falle, da es im Wesentlichen auf die Festsetzung
         der maximalen bzw. durchschnittlichen Lieferpreise abziele, während das Gesetz Nr. 88/88 Mindestpreise festlege. In der Sache
         Rohtabak – Spanien habe das Gesetz jedoch ebenfalls ausschließlich die Festsetzung von Mindestpreisen vorgesehen.
      
      314    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht 
      315    Mit der vorliegenden Rüge macht Transcatab einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung geltend, der darin bestehen
         soll, dass die Kommission in einem der vorliegenden Rechtssache ähnlichen Fall, insbesondere in der Sache Rohtabak – Spanien,
         den fraglichen mildernden Umstand auf die Verarbeitungsunternehmen angewandt hat.
      
      316    Hierzu ist oben in den Randnrn. 202 und 264 bereits darauf hingewiesen worden, dass ein Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
         nach ständiger Rechtsprechung nur dann vorliegt, wenn vergleichbare Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte
         gleichbehandelt werden, es sei denn, eine solche Behandlung ist objektiv gerechtfertigt.
      
      317    Vorliegend lässt ein Vergleich der beiden in Rede stehenden Entscheidungen hinsichtlich der Auswirkungen des nationalen Rechtsrahmens
         auf die beanstandeten Verhaltensweisen erkennen, dass sich beide Sachverhalte erheblich voneinander unterschieden. Insbesondere
         aus den Erwägungsgründen 52 ff., 349 ff., 426 bis 429, 437 f. der Entscheidung in der Sache Rohtabak – Spanien geht hervor,
         dass die spanischen Behörden bei den Verhandlungen über die Vereinbarungen zwischen Erzeugern und Verarbeitern eine bedeutende
         Rolle gespielt hatten. Hierbei handelte es sich um als „öffentlich“ eingestufte Verhandlungen. In Spanien existierte sogar
         eine „ministerielle Praxis [für die] Genehmigung und Förderung kollektiver Verhandlungen zwischen den Parteien über die Einkaufs-
         und Verkaufsbedingungen für Tabak, einschließlich der Preise“ (60. Erwägungsgrund der Entscheidung in der Sache Rohtabak –
         Spanien). Die Kommission schloss daraus, dass „die öffentlichen Verhandlungen zwischen Erzeugervertretern und [Verarbeitern]
         zumindest bis zu einem gewissen Grad den materiellen Rahmen insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeit zu Verhandlungen
         untereinander sowie zur Annahme einer gemeinsamen Position [bestimmten]. In diesem Rahmen konnten die [Verarbeiter] abgesehen
         von ihrer gemeinsamen Position bei den öffentlichen Verhandlungen ihre geheime Strategie für durchschnittliche (maximale)
         Lieferpreise und Mengen verfolgen“ (438. Erwägungsgrund der Entscheidung in der Sache Rohtabak – Spanien). Vor allem aus diesem
         Grund hat die Kommission eine Ermäßigung des Grundbetrags der gegen die spanischen Verarbeiter verhängten Geldbußen um 40 %
         gewährt.
      
      318    Es ist jedoch festzustellen, dass die Behörden bei den Verhandlungen zwischen Verarbeitern und Erzeugern im vorliegenden Fall
         eine solche Rolle nicht gespielt haben.
      
      319    Transcatab kann somit nicht geltend machen, die Kommission habe durch die Nichtanwendung des fraglichen mildernden Umstands
         gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen.
      
      320    Zum Vorbringen einer unlogischen Begründung ist schließlich festzustellen, dass sich Transcatab auf einen sehr allgemeinen
         Verweis auf die Entscheidung in der Sache Rohtabak – Spanien beschränkt, ohne klarzustellen, welche Erwägungen in der angefochtenen
         Entscheidung nicht berücksichtigt worden sein und die Begründung dieser Entscheidung unlogisch gemacht haben sollen.
      
      321    Somit ist der dritte Teil des vierten Klagegrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
       Vierter Teil: Mildernder Umstand der aktiven Mitwirkung von Transcatab während des Verfahrens
       Vorbringen der Parteien
      322    Transcatab macht erstens geltend, die Kommission hätte den in Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien genannten mildernden
         Umstand der aktiven Mitwirkung des Unternehmens an dem Verfahren außerhalb des Anwendungsbereichs der Mitteilung über Zusammenarbeit
         auf sie anwenden müssen. Ihre Zusammenarbeit mit der Kommission sei während des gesamten Verfahrens umfassend gewesen und
         über die Zusammarbeit hinausgegangen, die im Rahmen der Mitteilung über Zusammenarbeit verlangt werde. Sie bezieht sich ausdrücklich
         auf spontane Erklärungen ihres Generaldirektors und ihres Einkaufsdirektors zur Funktionsweise des Kartells sowie auf die
         positive Bewertung ihrer Zusammenarbeit durch die mit der Nachprüfung befassten Beamten der Kommission. Darüber hinaus habe
         die Kommission bereits in verschiedenen Präzedenzfällen die ursprünglich in Betracht gezogene Geldbuße angesichts des kooperativen
         Verhaltens des Unternehmens herabgesetzt.
      
      323    Transcatab macht zweitens geltend, die Kommission habe dadurch gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, dass sie
         den genannten mildernden Umstand nicht auf sie, wohl aber auf Deltafina angewandt habe. Die Kommission habe Deltafina für
         ihre Zusammenarbeit eine Ermäßigung von 50 % zugebilligt, da deren Geldbuße nicht im Sinne der Mitteilung über Zusammenarbeit
         herabgesetzt worden sei. Aus der angefochtenen Entscheidung gehe jedoch hervor, dass Deltafina ihren sich aus der Anwendung
         der Mitteilung über Zusammenarbeit ergebenden Mitwirkungspflichten nicht nachgekommen sei. Somit sei gegen ein Unternehmen,
         das seine Mitwirkungspflicht nicht erfüllt habe, eine wesentlich niedrigere Geldbuße festgesetzt worden als gegen Transcatab,
         die hingegen dauerhaft und in erheblicherem Ausmaß als unbedingt erforderlich mitgewirkt habe. Ein solches Verhalten mache
         die Anreizwirkung der Mitteilung über Zusammenarbeit zunichte.
      
      324    Die Tatsache, dass Deltafina ihre Pflicht zur Zusammenarbeit wissentlich verletzt habe, mache deren Lage, so Transcatab, nicht
         außergewöhnlich. Es gebe daher zwei Möglichkeiten: Entweder könnten das System der Mitteilung über Zusammenarbeit und der
         mildernde Umstand der Mitwirkung nebeneinander bestehen, so dass die Kommission die Geldbuße für Deltafina zu Recht herabgesetzt
         hätte, Transcatab, die mindestens ebenso viel wie Deltafina kooperiert habe, nach billigem Ermessen aber die gleiche Behandlung
         hätte zukommen lassen müssen, oder die beiden Systeme könnten nicht nebeneinander bestehen, so dass die Anwendung des mildernden
         Umstands auf Deltafina im vorliegenden Fall ausgeschlossen sei, da sie das erste Unternehmen gewesen sei, das sich auf die
         Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit berufen habe.
      
      325    Hilfsweise beantragt Transcatab die Gewährung einer zusätzlichen Ermäßigung ihrer Geldbuße, die mindestens so hoch wie die
         Deltafina gewährte ausfallen und sich nach ihrer gesamten Mitwirkung außerhalb des Systems der Mitteilung über Zusammenarbeit
         bemessen müsse.
      
      326    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      327    Zur ersten Rüge von Transcatab ist darauf hinzuweisen, dass der Grundbetrag einer Geldbuße nach Nr. 3 sechster Gedankenstrich
         der Leitlinien aufgrund der aktiven Mitwirkung des Unternehmens an dem Verfahren außerhalb des Anwendungsbereichs der Mitteilung
         über Zusammenarbeit herabgesetzt werden kann.
      
      328    Aus der Rechtsprechung ergibt sich, dass dieser spezifische mildernde Umstand nur für Zuwiderhandlungen gilt, die nicht in
         den Anwendungsbereich der Mitteilung über Zusammenarbeit fallen (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr.
         88 angeführt, Randnr. 380).
      
      329    Hierzu ist festzustellen, dass die Anwendung von Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien nicht dazu führen darf, dass
         der Mitteilung über Zusammenarbeit ihre praktische Wirksamkeit genommen wird. Es ist nämlich festzustellen, dass die Mitteilung
         über Zusammenarbeit den Regelungsrahmen für die Gegenleistungen festsetzt, die Unternehmen, die an Kartellen, die die Union
         betreffen, beteiligt sind oder waren, für ihre Zusammenarbeit bei der Untersuchung der Kommission zugestanden werden. Aus
         der Fassung und dem Aufbau dieser Regelung ergibt sich mithin, dass die Unternehmen grundsätzlich eine Geldbußenermäßigung
         für ihre Zusammenarbeit nur erhalten können, wenn sie die engen Voraussetzungen dieser Regelung erfüllen.
      
      330    Um die praktische Wirksamkeit der Mitteilung über Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten, kann die Kommission einem Unternehmen
         nur in außergewöhnlichen Fällen eine Geldbußenermäßigung auf der Grundlage von Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien
         zubilligen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Zusammenarbeit eines Unternehmens, selbst wenn sie über dessen gesetzliche
         Pflicht zur Zusammenarbeit hinausgeht, ohne ihm jedoch Anrecht auf eine Geldbußenermäßigung nach der Mitteilung über Zusammenarbeit
         zu geben, der Kommission objektiv nutzt.
      
      331    Im vorliegenden Fall geht aus den Erwägungsgründen 493 bis 498 der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die Kommission
         die von Transcatab vorgelegten Beweise, ihr Verhalten und die Dauer der Zusammenarbeit während des gesamten Verfahrens im
         Rahmen der Mitteilung über Zusammenarbeit beurteilt hat. Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission bei der Beurteilung
         der Qualität und Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags eines Unternehmens über ein weites Ermessen verfügt (Urteil des Gerichtshofs
         vom 10. Mai 2007, SGL Carbon/Kommission, C‑328/05 P, Slg. 2007, I‑3921, Randnr. 88).
      
      332    Da Transcatab nach Mindo das zweite Unternehmen war, das die Voraussetzungen der Mitteilung über Zusammenarbeit für eine Ermäßigung
         der Geldbuße erfüllte, hat die Kommission ihr auf der Grundlage der Beurteilung des Kooperationsbeitrags nach Maßgabe dieser
         Mitteilung eine Ermäßigung ihrer Geldbuße um 30 %, also eine Ermäßigung an der Obergrenze der in der Mitteilung über Zusammenarbeit
         vorgegebenen Bandbreite für das zweite Unternehmen, das die Voraussetzungen für die Ermäßigung erfüllt, zugebilligt.
      
      333    Somit ist festzustellen, dass die Kommission den Kooperationsbeitrag von Transcatab im Rahmen der Mitteilung über Zusammenarbeit
         berücksichtigt hat. Im vorliegenden Fall handelt es sich im Übrigen unstreitig um ein Kartell und damit um eine Zuwiderhandlung,
         die sehr wohl in den Anwendungsbereich der Mitteilung fällt (vgl. in diesem Sinne Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 88 angeführt, Randnr. 381).
      
      334    Überdies hat Transcatab das Vorliegen von Ausnahmesituationen, die es rechtfertigten, ihre Zusammenarbeit außerhalb des Anwendungsbereichs
         der Mitteilung über Zusammenarbeit zu berücksichtigen und damit den in Nr. 3 sechster Gedankenstrich der Leitlinien genannten
         mildernden Umstand anzuwenden, vorliegend nicht dargetan. Die mildernden Umstände, auf die sich Transcatab beruft, wie die
         spontanen Erklärungen oder die positive Beurteilung ihrer Zusammenarbeit, stellen nämlich keine Gesichtspunkte dar, die die
         Anwendung dieses mildernden Umstands im vorliegenden Fall rechtfertigen könnten.
      
      335    Auch die zweite Rüge, mit der Transcatab angesichts der Anwendung des genannten mildernden Umstands auf Deltafina einen angeblichen
         Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung geltend macht, greift nicht durch.
      
      336    Es ist bereits darauf hingewiesen worden, dass der Grundsatz der Gleichbehandlung nach ständiger Rechtsprechung nur verletzt
         ist, wenn vergleichbare Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt werden, es sei denn,
         eine solche Behandlung ist objektiv gerechtfertigt (vgl. oben, Randnrn. 202, 264 und 316).
      
      337    Allerdings ist festzustellen, dass die Lage von Deltafina im vorliegenden Fall nicht mit der von Transcatab vergleichbar ist.
         Deltafina ist nämlich das erste Unternehmen gewesen, das Kontakt zur Kommission aufgenommen und einen Geldbußenerlass nach
         der Mitteilung über Zusammenarbeit beantragt hat, während Transcatab das dritte Unternehmen gewesen ist, das bei der Kommission
         einen Antrag nach derselben Mitteilung gestellt hat. So stellte die Kommission, nachdem sie Deltafina einen bedingten Erlass
         der Geldbuße nach dieser Mitteilung zugebilligt hatte, fest, dass diese gegen ihre Pflicht zur Zusammenarbeit, der sie als
         Antragstellerin eines Geldbußenerlasses unterlag, verstoßen hatte, und entschied am Ende des Verfahrens, ihr keinen endgültigen
         Erlass zu gewähren. Deltafina könne, so die Kommission, keinerlei Geldbußenermäßigung nach der Mitteilung über Zusammenarbeit
         erhalten, da diese für sie nicht mehr gelte. Die Kommission kam daher zu dem Ergebnis, dass die Lage von Deltafina außergewöhnliche
         Merkmale aufweise, die es rechtfertigten, ihr aufgrund des betreffenden mildernden Umstands eine Ermäßigung zuzubilligen.
      
      338    Aus diesen Erwägungen folgt, dass sich die Lage von Deltafina und die von Transcatab in Bezug auf die Würdigung ihrer Zusammenarbeit
         erheblich voneinander unterschieden, so dass Letztere daraus, dass die Kommission den mildernden Umstand der aktiven Mitwirkung
         während des Verwaltungsverfahrens nicht auf sie angewandt hat, keinen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung herleiten
         kann.
      
      339    Somit ist der vierte Teil des vierten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
       Fünfter Teil: Mildernder Umstand des Fehlens eines Präzedenzfalls auf dem Markt für Rohtabak bei Beginn der Nachprüfungen
            der Kommission
       Vorbringen der Parteien
      340    Transcatab macht geltend, die Kommission hätte die Tatsache, dass es zum Zeitpunkt der Einleitung des Verfahrens im vorliegenden
         Fall keinen Präzedenzfall für den Rohtabakmarkt gegeben habe, als mildernden Umstand berücksichtigen müssen. Die Kommission
         habe die Berücksichtigung dieses mildernden Umstands ohne irgendeinen Hinweis in der angefochtenen Entscheidung abgelehnt
         und damit ihre Begründungspflicht verletzt. Zur Stützung ihres Vorbringens führt Transcatab mehrere Präzedenzfälle an.
      
      341    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      342    Die Leitlinien sehen einen mildernden Umstand des Fehlens von Präzedenzfällen auf dem von der Zuwiderhandlung betroffenen
         Markt nicht ausdrücklich vor. In Nr. 3 letzter Gedankenstrich der Leitlinien heißt es jedoch, dass die Kommission bei der
         Gewährung einer Verringerung des Grundbetrags der Geldbuße andere Umstände als die in den vorstehenden Gedankenstrichen aufgeführten
         berücksichtigen kann.
      
      343    Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission hinsichtlich der Berücksichtigung von mildernden Umständen über ein Ermessen
         verfügt (Urteil Mannesmannröhren-Werke/Kommission, oben in Randnr. 143 angeführt, Randnr. 307). Darüber hinaus hat das Gericht
         entschieden, dass die Kommission keine milderen Geldbußen verhängen muss, wenn sie erstmals in einen besonderen Sektor eingreift
         (Urteil des Gerichts vom 20. November 2005, SNCZ/Kommission, T‑52/02, Slg. 2005, II‑5005, Randnr. 84).
      
      344    Es ist festzustellen, dass Transcatab nicht dartut, warum die Kommission dadurch einen Fehler begangen haben soll, dass sie
         nicht berücksichtigt hat, dass das Fehlen eines Präzedenzfalls im Tabaksektor sie veranlassen musste, die Geldbuße für Transcatab
         herabzusetzen. Transcatab beschränkt sich ausschließlich auf einen Verweis auf eine ganze Reihe von Fällen, in denen die Kommission
         die Tatsache als mildernden Umstand berücksichtigt habe, dass Art. 81 EG in dem von der Geldbuße betroffenen Sektor bislang
         noch nicht angewandt worden war.
      
      345    Hierzu ist jedoch darauf hinzuweisen, dass allein aus der Tatsache, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis
         bestimmte Gesichtspunkte bei der Festlegung der Höhe der Geldbuße als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet werden
         kann, dass sie verpflichtet wäre, dies in einer späteren Entscheidung ebenfalls zu tun (Urteile Mayr-Melnhof/Kommission, oben
         in Randnr. 291 angeführt, Randnr. 368, und LR AF 1998/Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 337).
      
      346    Zur Rüge eines Begründungsmangels ist oben in den Randnrn. 310 f. bereits darauf hingewiesen worden, dass Art. 253 EG die
         Kommission nicht zwingt, auf alle sachlichen und rechtlichen Fragen einzugehen, die während des Verwaltungsverfahrens behandelt
         wurden, und dass es unerheblich ist, dass die Kommission in dem Teil der angefochtenen Entscheidung, der den mildernden Umständen
         gewidmet ist, nicht die Gründe erläutert hat, aus denen sie zu der Auffassung gelangt war, bestimmte Gesichtspunkte, auf die
         sich Transcatab in diesem Zusammenhang berufen hat, nicht berücksichtigen zu müssen.
      
      347    In Anbetracht dieser Erwägungen ist auch der fünfte Teil des vierten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
       Sechster Teil: Sozioökonomische Merkmale des italienischen Rohtabaksektors und Krise dieses Sektors
       Vorbringen der Parteien
      348    Transcatab trägt vor, die Kommission hätte die Geldbuße gemäß Nr. 5 Buchst. b der Leitlinien unter Berücksichtigung des Krisenzusammenhangs
         des italienischen Marktes und des Drucks, dem die Verarbeitungsunternehmen von Seiten der Zwischenhändler – auch aufgrund
         rechtswidriger Tätigkeiten – ausgesetzt gewesen seien, herabsetzen müssen. Ein derart besonderer wirtschaftlicher und sozialer
         Zusammenhang habe es erforderlich gemacht, Maßnahmen zur Sicherung der Existenz der Verarbeitungsunternehmen zu ergreifen.
         Mehrere Dokumente belegten den enormen Druck, unter dem die Verarbeitungsunternehmen gestanden hätten, und die „schrecklichen
         Einschüchterungen und Bedrohungen“, denen sie ausgesetzt gewesen seien. Darüber hinaus habe das Verhalten der Verarbeitungsunternehmen
         dem Erfordernis entsprochen, die Macht der Zwischenhändler einzudämmen. Die Verarbeitungsunternehmen hätten dieser Situation
         nur aufgrund von Kartellen mit tatsächlicher Abschreckungswirkung standhalten können. Die Kommission hätte dieser Situation
         durch die Gewährung einer Geldbußenermäßigung Rechnung tragen müssen.
      
      349    Darüber hinaus habe Transcatab, wie im Übrigen andere in Italien tätige Verarbeitungsunternehmen auch, im Bezugszeitraum konstante
         und erhebliche Verluste erlitten und sei in die Liquidation gedrängt worden. Diese Feststellungen zeigten, dass die Kartelle
         lediglich Mittel zur Bekämpfung der Krise in der Branche darstellen und deren Überleben sichern sollten.
      
      350    Transcatab macht geltend, in der Entscheidung 2003/600/EG der Kommission vom 2. April 2003 in einem Verfahren nach Artikel
         81 [EG] (Sache COMP/C.38.279/F3 – Viandes bovines françaises) (ABl. L 209, S. 12, Erwägungsgründe 180 bis 185) habe diese
         die Auffassung vertreten, die Krise der Branche rechtfertige eine Geldbußenermäßigung um 60 %. Den Besonderheiten des in Rede
         stehenden Marktes sei im Übrigen in der Rechtsprechung und in weiteren Präzedenzfällen Rechnung getragen worden. Darüber hinaus
         sei Nr. 5 Buchst. b der Leitlinien, so Transcatab, nicht nur in Ausnahmefällen anzuwenden. Der Ausdruck „kann es […] angezeigt
         sein, […] zu berücksichtigen“ belege nämlich, dass der Kommission hinsichtlich der Berücksichtigung der dort aufgeführten
         Gesichtspunkte kein Wertungsspielraum zustehe.
      
      351    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      352    Aus der ständigen Rechtsprechung ergibt sich, dass die Kommission nicht verpflichtet ist, die schlechte Finanzlage der betroffenen
         Branche als mildernden Umstand zu berücksichtigen (vgl. Urteil vom 29. April 2004, Tokai Carbon u. a./Kommission, oben in
         Randnr. 224 angeführt, Randnr. 345 und die dort angeführte Rechtsprechung; Urteile des Gerichts vom 29. November 2005, Heubach/Kommission,
         T‑64/02, Slg. 2005, II‑5137, Randnr. 139, und Wieland-Werke u. a./Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 227).
         Es ist nämlich festgestellt worden, dass Kartelle im Allgemeinen gerade dann entstehen, wenn eine Branche in Schwierigkeiten
         ist. Daher müsste, falls der Argumentation von Transcatab zu folgen wäre, die Geldbuße in nahezu sämtlichen Kartellfällen
         herabgesetzt werden (vgl. in diesem Sinne Urteile Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission, oben in Randnr. 141
         angeführt, Randnr. 510, vom 12. September 2007, Prym und Prym Consumer/Kommission, oben in Randnr. 188 angeführt, Randnr.
         207, und Wieland-Werke u. a./Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 227).
      
      353    Es trifft zwar zu, dass strukturelle Krisen in der Entscheidungspraxis der Kommission bisweilen als mildernde Umstände angesehen
         worden sind. Nach der in der vorstehenden Randnummer angeführten Rechtsprechung muss die Kommission jedoch nicht deshalb,
         weil sie in früheren Rechtssachen die wirtschaftliche Situation der Branche als mildernden Umstand berücksichtigt hat, diese
         Praxis unbedingt fortsetzen (Urteile vom 12. September 2007, Prym und Prym Consumer/Kommission, oben in Randnr. 188 angeführt,
         Randnr. 208, und Wieland-Werke u. a./Kommission, oben in Randnr. 180 angeführt, Randnr. 227).
      
      354    Transcatab kann daher nicht geltend machen, die Kommission sei aufgrund der Krisensituation des italienischen Marktes für
         Rohtabak verpflichtet gewesen, die Geldbuße herabzusetzen.
      
      355    Nach der oben in den Randnrn. 352 f. sowie in den Randnrn. 162 und 346 angeführten Rechtsprechung ist überdies davon auszugehen,
         dass die Bezugnahme auf die Entscheidung 2003/600 unerheblich ist. Jedenfalls hat die Kommission erläutert, dass sich der
         dieser Entscheidung zugrunde liegende Sachverhalt erheblich vom vorliegenden Fall unterschied, da das zur Last gelegte Verhalten
         im Fall des französischen Rindfleischs einer unvorhergesehenen Krise begegnete, die auf einen vollkommen unabhängig von der
         wirtschaftlichen Lage der Branche einsetzenden dramatischen Einbruch der Nachfrage zurückzuführen war, während die Schwierigkeiten
         der Branche im vorliegenden Fall seit langer Zeit bestanden und größtenteils struktureller Art waren.
      
      356    Was das Argument angeht, das Verhalten der Verarbeitungsunternehmen habe dem Erfordernis entsprochen, die Macht der Zwischenhändler
         einzudämmen, hat die Kommission in den Erwägungsgründen 289 f. der angefochtenen Entscheidung die Gründe für die Zurückweisung
         dieses Arguments erläutert. Insbesondere hat sie im 289. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung zu Recht ausgeführt,
         dass es nicht Sache der Unternehmen ist, wettbewerbswidrige Maßnahmen zu ergreifen, um Praktiken auszugleichen, die sie –
         zu Recht oder fälschlicherweise – für rechtswidrig halten.
      
      357    Darüber hinaus ist festzustellen, dass Transcatab die „schrecklichen Einschüchterungen und Bedrohungen“, denen sie ausgesetzt
         gewesen sein soll, nicht bewiesen hat. Wie die Kommission nämlich feststellt, handelt es sich bei dem Dokument Nr. 2573 der
         Akte, auf das sich Transcatab berufen hat, lediglich um ein Protokoll, das die Vertreter von Dimon Italia über eine Zusammenkunft
         angefertigt haben, die 1997 u. a. zwischen Deltafina, Transcatab und APTI stattfand und den außerhalb der Quote erzeugten
         Tabak sowie die Notwendigkeit des Erlasses geeigneter Maßnahmen zur Sicherstellung des Absatzes dieses Tabaks durch die Behörden
         betraf. Dieses Dokument verweist lediglich darauf, dass es aufgrund der Schwierigkeiten ihrer Branche zu Protesten von Seiten
         der Landwirte kommen könnte. Aus dem genannten Dokument geht jedoch nicht hervor, dass sich diese möglichen Proteste, von
         denen es keinerlei Beweis gibt, dass sie tatsächlich stattgefunden haben, zwangsläufig gegen die Verarbeitungsunternehmen
         gerichtet hätten. Die bloße Möglichkeit des Vorhandenseins von Protesten ist jedoch nicht geeignet, krisenbedingte außergewöhnliche
         Umstände darzustellen, die wettbewerbswidrige Verhaltensweisen rechtfertigen würden. Darüber hinaus enthält der Bericht der
         parlamentarischen Enquête-Kommission, auf den sich Transcatab beruft, keinen besonderen Hinweis auf rechtswidrige Tätigkeiten
         auf dem Tabakmarkt und ist in diesem Zusammenhang somit nicht relevant.
      
      358    Schließlich ist das Vorbringen zur Finanzlage von Transcatab im Rahmen des dritten Teils des zweiten Klagegrundes gewürdigt
         und zurückgewiesen worden.
      
      359    Somit ist auch der sechste Teil des vierten Klagegrundes und damit dieser Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      
      5.     Zum fünften Klagegrund: Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
       Vorbringen der Parteien
      360    Transcatab macht erstens geltend, die Kommission, die der Auffassung gewesen sei, dass die Mitteilung über Zusammenarbeit
         für Deltafina nicht gelte, hätte sie als erstes Unternehmen behandeln müssen, dem gegenüber die Geldbuße niedriger festgesetzt
         werde.
      
      361    Zweitens hätte sie nach Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit für ihre Verhaltensweisen in der Zeit zwischen
         1999 und 2002 nicht mit einer Sanktion belegt werden dürfen. Sie sei nämlich das erste Unternehmen gewesen, das die Kommission
         über das Bestehen von Vereinbarungen während dieses Zeitraums informiert habe. Ihr Beitrag sei außerordentlich detailliert,
         entscheidend und vollständig gewesen. Bevor Transcatab ihre Informationen vorgelegt habe, habe die Kommission lediglich über
         wenige Informationen verfügt, die ihr von Deltafina und von Dimon vorgelegt worden seien. Transcatab führt verschiedene Beispiele
         für Informationen für jedes Jahr während des Zeitraums von 1999 bis 2002 an.
      
      362    So habe Transcatab für diesen Zeitraum „Beweismittel für einen Sachverhalt [vorgelegt], von denen die Kommission zuvor keine
         Kenntnis hatte“, und diese Faktoren hätten im Sinne von Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit „die Schwere
         oder Dauer des […] Kartells unmittelbar beeinflusst“. Dieser Absatz solle es der Kommission ermöglichen, den Ermäßigungsprozentsatz
         auszugleichen, den ein Unternehmen nicht zu erhalten riskiere, wenn es sich aufgrund der Abfassung einer vollständigen Erklärung
         später als seine Wettbewerber melde.
      
      363    Die Kommission beantragt, das Vorbringen von Transcatab zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
       Zur Eigenschaft des ersten Unternehmens, dem gegenüber die Geldbuße niedriger festgesetzt wird
      364    Die Voraussetzungen für die Zulässigkeit von Klagen sind unverzichtbare Prozessvoraussetzungen, deren Vorliegen der Unionsrichter
         gegebenenfalls von Amts wegen prüfen muss (vgl. Urteil Honeywell/Kommission, oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr. 53 und
         die dort angeführte Rechtsprechung; vgl. in diesem Sinne auch Urteil des Gerichtshofs vom 29. November 2007, Stadtwerke Schwäbisch
         Hall u. a./Kommission, C‑176/06 P, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 18).
      
      365    In den Randnrn. 131 f. ist darauf hingewiesen worden, dass nach Art. 21 der Satzung des Gerichtshofs und Art. 44 § 1 Buchst. c
         der Verfahrensordnung des Gerichts die Klageschrift „den Streitgegenstand“ und „eine kurze Darstellung der Klagegründe“ enthalten
         muss. Außerdem können nach Art. 48 § 2 der Verfahrensordnung „neue Angriffs- und Verteidigungsmittel im Laufe des Verfahrens
         nicht mehr vorgebracht werden, es sei denn, dass sie auf rechtliche oder tatsächliche Gründe gestützt werden, die erst während
         des Verfahrens zutage getreten sind“. Aus diesen Bestimmungen folgt, dass Klagegründe, die in der Klageschrift nicht hinreichend
         substantiiert angeführt worden sind, als unzulässig anzusehen sind. Überdies muss die kurze Darstellung der Klagegründe so
         klar und deutlich sein, dass der Beklagte seine Verteidigung vorbereiten und das Gericht, gegebenenfalls ohne Einholung weiterer
         Informationen, über die Klage entscheiden kann (Urteile des Gerichts vom 24. Februar 2000, ADT Projekt/Kommission, T‑145/98,
         Slg. 2000, II‑387, Randnr. 66, und vom 16. März 2004, Danske Busvognmænd/Kommission, T‑157/01, Slg. 2004, II‑917, Randnr. 45).
         Entsprechende Anforderungen sind an eine zur Stützung eines Klagegrundes vorgebrachte Rüge zu stellen (Urteil des Gerichts
         vom 14. Mai 1998, Mo och Domsjö/Kommission, T‑352/94, Slg. 1998, II‑1989, Randnr. 333).
      
      366    Im Übrigen ist es nach gefestigter Rechtsprechung, um die Rechtssicherheit und eine ordnungsgemäße Rechtspflege zu gewährleisten,
         für die Zulässigkeit einer Klage erforderlich, dass die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf denen die
         Klage beruht, zumindest in gedrängter Form, jedenfalls aber zusammenhängend und verständlich, aus dem Wortlaut der Klageschrift
         selbst hervorgehen (vgl. Urteil Honeywell/Kommission, oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr. 56). Zwar kann der Text der Klageschrift
         zu bestimmten Punkten durch Bezugnahmen auf in der Anlage beigefügte Aktenauszüge untermauert und ergänzt werden, doch kann
         eine pauschale Bezugnahme auf andere Schriftstücke, auch wenn sie der Klageschrift als Anlage beigefügt sind, nicht das Fehlen
         der wesentlichen Bestandteile der rechtlichen Ausführungen ausgleichen, die gemäß den genannten Vorschriften in der Klageschrift
         enthalten sein müssen (Beschluss des Gerichts vom 21. Mai 1999, Asia Motor France u. a./Kommission, T‑154/98, Slg. 1999, II‑1703,
         Randnr. 49). Außerdem ist es nicht Sache des Gerichts, die Klagegründe und Argumente, auf die sich die Klage möglicherweise
         stützen lässt, in den Anlagen zu suchen und zu bestimmen, denn die Anlagen haben eine bloße Beweis‑ und Hilfsfunktion (vgl.
         Urteil des Gerichts vom 7. Mai 2009, NVV u. a./Kommission, T‑151/05, Slg. 2009, II‑1219, Randnr. 61 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      367    Die vorliegende Rüge, der Transcatab in ihrer Klageschrift nur einen einzigen Satz widmet, ist hier in sehr gedrängter Form
         dargestellt worden.
      
      368    Transcatab hat in der mündlichen Verhandlung eingeräumt, dass die Ausführungen zur Rüge lakonisch waren, und deren Tragweite
         klargestellt. Im Wesentlichen macht sie geltend, dass, sollte das Gericht feststellen, dass die Mitteilung über Zusammenarbeit
         auf Deltafina nicht anwendbar und damit Mindo als das erste Unternehmen anzusehen ist, das anstelle von Deltafina in den Genuss
         eines Erlasses der Geldbuße kommt, sie – gewissermaßen aufgrund eines „Domino-Effekts“ – als das erste Unternehmen anzusehen
         gewesen wäre, dem gegenüber die Geldbuße gemäß Nr. 23 Abs. 1 Buchst. b der Mitteilung über Zusammenarbeit niedriger festzusetzen
         sei. Daher müsse die Ermäßigung der Geldbuße, die die Kommission Transcatab gewährt habe, höher ausfallen.
      
      369    Hierzu ist festzustellen, dass das Vorbringen von Transcatab nur durchgreift, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens
         muss Mindo gegen die angefochtene Entscheidung Klage vor dem Gericht erhoben haben, zweitens muss sie einen Klagegrund vorgebracht
         haben, mit dem sie geltend macht, sie müsse in Anbetracht der Nichtanwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit auf Deltafina
         betrachtet werden, als sei ihr anstelle von Letzterer eine Geldbuße erlassen worden, und drittens muss das Gericht diesem
         Klagegrund im Verfahren gegen Mindo stattgeben.
      
      370    So stützt Transcatab ihre Rüge auf einen impliziten Verweis auf einen Klagegrund, der in einer anderen Rechtssache möglicherweise
         geltend gemacht worden ist, und nimmt nicht einmal ausdrücklich auf ihn Bezug. Außerdem kann eine solche Rüge nur durchgreifen,
         wenn dem Klagegrund, den Mindo in der anderen Rechtssache möglicherweise geltend gemacht hat, vom Gericht stattgegeben worden
         ist.
      
      371    Würde man jedoch Klagegründe, die nicht hinreichend in der Klageschrift dargestellt worden sind, aber auf Klagegründe Bezug
         nehmen, die von einem Dritten in einer anderen Rechtssache möglicherweise geltend gemacht worden sind und auf die in der Klageschrift
         implizit verwiesen wird, als zulässig ansehen, so würde dies eine Umgehung der zwingenden Anforderungen des Art. 44 § 1 Buchst. c
         der Verfahrensordnung, auf die oben in Randnr. 365 hingewiesen worden ist, ermöglichen (vgl. in diesem Sinne Urteil Honeywell/Kommission,
         oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr. 64).
      
      372    Jedenfalls geht aus der Rechtsprechung des Gerichtshofs hervor, dass das Gericht einen Antrag, der in einer bei ihm eingereichten
         Klageschrift enthalten ist, als unzulässig zurückweisen muss, wenn sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände,
         auf die er gestützt ist, nicht zusammenhängend und verständlich unmittelbar aus der Klageschrift ergeben, wobei das Fehlen
         solcher Angaben in der Klageschrift nicht durch deren Vortrag in der mündlichen Verhandlung geheilt werden kann (Urteil des
         Gerichtshofs vom 18. Juli 2006, Rossi/HABM, C‑214/05 P, Slg. 2006, I‑7057, Randnr. 37).
      
      373    Nach alledem ist die betreffende Rüge als unzulässig anzusehen.
      
       Zu Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit
      374    Was das Argument von Transcatab betrifft, sie hätte als erstes Unternehmen, das die Kommission über das Bestehen von Vereinbarungen
         in der Zeit von 1999 bis 2002 informiert habe, für ihre Verhaltensweisen während dieses Zeitraums gemäß Nr. 23 letzter Absatz
         der Mitteilung über Zusammenarbeit nicht mit einer Sanktion belegt werden dürfen, ist auf den Wortlaut dieser Vorschrift hinzuweisen:
         „Falls ein Unternehmen Beweismittel für einen Sachverhalt vorlegt, von denen die Kommission zuvor keine Kenntnis hatte und
         die die Schwere oder Dauer des mutmaßlichen Kartells unmittelbar beeinflussen, lässt die Kommission diese Faktoren bei der
         Festsetzung der Geldbuße gegen das Unternehmen, das diese Beweismittel geliefert hat, unberücksichtigt.“
      
      375    Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der Beurteilung der Zusammenarbeit der an einer Vereinbarung Beteiligten nur
         ein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission beanstandet werden kann, da diese bei der Beurteilung der Qualität
         und der Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags eines Unternehmens über einen weiten Wertungsspielraum verfügt (vgl. in diesem
         Sinne Urteil vom 10. Mai 2007, SGL Carbon/Kommission, oben in Randnr. 331 angeführt, Randnr. 88).
      
      376    Daher ist erstens zu klären, welche Tragweite Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit zukommt, und zweitens
         zu prüfen, ob die Kommission bei der Anwendung dieser Vorschrift dadurch einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen
         hat, dass sie Transcatab für ihre Verhaltensweisen in der Zeit von 1999 bis 2002 mit einer Sanktion belegt hat.
      
      377    Zunächst ist die von Transcatab vorgeschlagene Auslegung zurückzuweisen, wonach Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über
         Zusammenarbeit es der Kommission ermöglichen soll, den Ermäßigungsprozentsatz auszugleichen, den ein Unternehmen nicht zu
         erhalten riskiert, wenn es sich aufgrund der Abfassung einer vollständigen Erklärung später als seine Wettbewerber meldet
         (vgl. oben, Randnr. 362). Eine solche Auslegung widerspricht dem Grundgedanken der Mitteilung über Zusammenarbeit, da sie
         das Hauptziel des durch diese Mitteilung eingeführten Systems, nämlich die Teilnehmer des Kartells zu ermutigen, das Kartell
         zu „verraten“ und mit der Kommission zusammenzuarbeiten, gefährden würde.
      
      378    Aus den Erwägungsgründen der Mitteilung über Zusammenarbeit geht nämlich hervor, dass diese auf dem Grundgedanken beruht,
         die Unternehmen, die sich an rechtswidrigen Absprachen beteiligen, dazu zu ermutigen, im Rahmen der Kartellbekämpfung mit
         der Kommission zusammenzuarbeiten, weil derartige Absprachen Verhaltensweisen darstellen, die zu den schwerwiegendsten Wettbewerbsbeschränkungen
         gehören. In diesem Zusammenhang fasst die Kommission, um diese Zusammenarbeit zu fördern, eine Regelung ins Auge, wonach kooperierende
         Unternehmen, die Gefahr laufen, mit einer Geldbuße belegt zu werden, einen Erlass oder eine Ermäßigung der Geldbuße erhalten
         können.
      
      379    Diesem Grundgedanken entspricht es, dass die Mitteilung über Zusammenarbeit dadurch ein Klima der Unsicherheit innerhalb der
         Kartelle schaffen soll, dass sie zu deren Anzeige bei der Kommission ermutigt. Die Unsicherheit ergibt sich dabei gerade aus
         der Tatsache, dass die Kartellteilnehmer wissen, dass nur einer von ihnen einen Geldbußenerlass erhalten kann, indem er die
         anderen Teilnehmer an der Zuwiderhandlung anzeigt und sie somit der Gefahr der Verhängung von Geldbußen aussetzt. Im Rahmen
         dieses Systems und der gleichen Logik folgend sollen die Geldbußen für Unternehmen, die ihre Mitarbeit als erste anbieten,
         im Verhältnis zu den Geldbußen, die ansonsten gegen sie verhängt worden wären, deutlicher herabgesetzt werden als die gegen
         weniger schnell kooperierende Unternehmen verhängten.
      
      380    Die Reihenfolge und die Schnelligkeit, mit der die Teilnehmer des Kartells ihre Zusammenarbeit anbieten, stellen somit Grundelemente
         des durch die Mitteilung über Zusammenarbeit eingeführten Systems dar.
      
      381    Allerdings hat die Auslegung des Zwecks einer Bestimmung der Mitteilung über Zusammenarbeit im Einklang mit der dieser Mitteilung
         eigenen Logik zu erfolgen. Aus diesem Blickwinkel ist Nr. 23 letzter Absatz der genannten Mitteilung dahin auszulegen, dass
         er darauf abzielt, ein Unternehmen, auch wenn es den Antrag auf Geldbußenerlass für das betreffende Kartell nicht als Erstes
         gestellt hat, zu belohnen, wenn es der Kommission als Erstes Beweismittel für einen Sachverhalt vorlegt, von denen die Kommission
         keine Kenntnis hatte und die die Schwere oder Dauer des Kartells unmittelbar beeinflussen. Anders ausgedrückt: Falls die von
         einem Unternehmen vorgelegten Beweismittel einen Sachverhalt betreffen, der es der Kommission erlaubt, zu einer anderen Beurteilung
         der Schwere und der Dauer des Kartells zu kommen, wird das Unternehmen, das diese Beweismittel vorlegt, für den Sachverhalt,
         der mit diesen Beweismitteln nachgewiesen werden kann, mit einem Geldbußenerlass belohnt.
      
      382    Daher betrifft Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit nicht die Fälle, in denen ein Unternehmen lediglich
         weitere oder ausführlichere Beweismittel hinsichtlich eines Sachverhalts vorgelegt hat, über den die Kommission bereits auf
         dem Laufenden ist. Der genannte Absatz gilt auch nicht für die Fälle, in denen ein Unternehmen weitere Tatsachen mitteilt,
         diese die Beurteilung der Schwere oder der Dauer des Kartells durch die Kommission aber nicht ändern können. Diese Vorschrift
         findet vielmehr ausschließlich Anwendung auf die Fälle, in denen zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Erstens muss das betreffende
         Unternehmen das erste sein, das einen Sachverhalt nachweist, von dem die Kommission zuvor keine Kenntnis hatte, und zweitens
         muss dieser die Schwere oder die Dauer des mutmaßlichen Kartells unmittelbar beeinflussende Sachverhalt es der Kommission
         erlauben, zu neuen Erkenntnissen über die Zuwiderhandlung zu gelangen.
      
      383    Somit ist im Licht dieser Erwägungen zu untersuchen, ob die Kommission dadurch einen Fehler begangen hat, dass sie Transcatab
         für ihre Verhaltensweisen in der Zeit von 1999 bis 2002 mit einer Sanktion belegt hat. Hierzu ist erstens festzustellen, dass
         die Kommission im 497. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich darauf hingewiesen hat, dass sie von keiner
         der Tatsachen, hinsichtlich derer Transcatab Beweismittel vorgelegt hatte, keine Kenntnis gehabt habe, und zweitens, dass
         das Vorbringen von Transcatab im Rahmen der vorliegenden Rüge lediglich die Dauer des Kartells betrifft. Die Beweismittel
         betreffen hingegen keine Tatsachen, die die Schwere der Zuwiderhandlung beeinflusst haben könnten.
      
      384    Wie sich aus den Akten ergibt, hatte die Kommission seit dem 19. Februar 2002 – dem Tag der Stellung des Antrags auf Geldbußenerlass
         durch Deltafina – davon Kenntnis, dass das Kartell 1995 begonnen und bis 2001 gedauert hatte. In ihrem Antrag auf Geldbußenerlass
         hatte Deltafina diesen Umstand zum einen nämlich ausdrücklich eingeräumt und zum anderen acht handschriftliche Notizen über
         Zusammenkünfte und Diskussionen zwischen den Verarbeitungsunternehmen im Jahr 1999, zwei handschriftliche Notizen für das
         Jahr 2000 und zwei weitere für das Jahr 2001 vorgelegt. Im Übrigen ist festzustellen, dass sich Transcatab auf die Behauptung
         beschränkt, als erste den Beweis für mehrere Vereinbarungen und Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen während dieses
         Zeitraums angetreten zu haben. Sie trägt hingegen nicht vor, die Kommission sei über die Tatsache, dass das Kartell der Verarbeitungsunternehmen
         in der Zeit zwischen 1999 und 2002 bestand, nicht bereits auf dem Laufenden gewesen.
      
      385    Darüber hinaus zeigt eine eingehende Prüfung der angefochtenen Entscheidung, dass die Kommission ihre Entscheidung auf mehrere
         von Deltafina und Dimon Italia stammende und damit von Transcatab unabhängige Informationen über Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         gestützt hat.
      
      386    Insbesondere in Bezug auf das Jahr 1999 geht aus der angefochtenen Entscheidung hervor, dass Deltafina mehrere Hinweise auf
         Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen während dieses Jahres gegeben hat, z. B. in den Erwägungsgründen 159 (Fn. 181),
         195 (Fn. 206), 199 (Fn. 212) und 200 (Fn. 214). Aus all diesen Fußnoten ergibt sich jedoch, dass Deltafina den Inhalt der
         Zusammenkünfte in vor Stellung des Antrags auf Geldbußenermäßigung durch Transcatab abgegebenen Erklärungen beschrieben hatte.
      
      387    Was die Ausweitung des Kartells auf die Überschussproduktion betrifft, geht aus der angefochtenen Entscheidung hervor, dass
         die Erwägungsgründe 144 und 148 auf der Grundlage von Informationen verfasst worden sind, die Deltafina geliefert hatte. Die
         Kommission hat in der Gegenerwiderung klargestellt, dass sich diese Erwägungsgründe auf Dokumente stützten, die Deltafina
         am 22. Februar 2002, also wiederum vor Stellung des Antrags auf Geldbußenermäßigung durch Transcatab, vorgelegt habe. Die
         Tatsache, dass die genannte Ausweitung anschließend in einer von Transcatab vorgelegten Vereinbarung formalisiert worden ist,
         ändert nichts an der Beurteilung deren vorliegender Rüge im Licht von Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit.
      
      388    Für das Jahr 2000 hat Deltafina ausweislich der Erwägungsgründe 203 (Fn. 216) und 204 (Fn. 218) der angefochtenen Entscheidung
         mehrere Beweise für Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen während dieses Jahres geliefert. Wie es in Fn. 218 u. a.
         heißt, hatte Deltafina den Inhalt der im 204. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung erwähnten Zusammenkunft in Erklärungen
         beschrieben, bevor Transcatab den Antrag auf Ermäßigung ihrer Geldbuße gestellt hat, was von der Kommission in der Gegenerwiderung
         bestätigt worden ist. Außerdem ergibt sich aus den Akten, dass Deltafina der Kommission am 19. März 2002 ebenfalls Informationen
         und Dokumente über die während dieses Jahres stattgefundenen Kontakte vorgelegt hatte.
      
      389    In Bezug auf das Jahr 2001 hatte Deltafina der Kommission, wie sich aus den Erwägungsgründen 209 (Fn. 223) und 211 (Fn. 225)
         der angefochtenen Entscheidung ergibt, bereits vor Stellung des Ermäßigungsantrags durch Transcatab Dokumente vorgelegt, die
         das Bestehen von Kontakten zwischen den Verarbeitungsunternehmen im Laufe dieses Jahres beweisen. Insbesondere aus den in
         diesen beiden Fußnoten genannten Dokumenten 495, 498, 524 und 614 geht unzweifelhaft hervor, dass es während dieses Zeitraums
         Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen gab. Darüber hinaus belegen diese Dokumente, dass die Kommission bereits vor
         Stellung des Antrags auf Geldbußenermäßigung durch Transcatab Kenntnis von rechtswidrigen Kontakten zwischen den Verarbeitungsunternehmen
         einschließlich Transcatab – jedenfalls bis zum 15. Oktober 2001 – hatte.
      
      390    Was das Jahr 2002 angeht, trägt die Kommission vor, sie habe aufgrund des von Dimon Italia vorgelegten, in Fn. 235 der angefochtenen
         Entscheidung erwähnten Telefaxes bereits Kenntnis von der Fortführung der Kontakte zwischen den Verarbeitungsunternehmen während
         dieses Jahres gehabt. Transcatab macht gleichwohl geltend, dieses Dokument sei nach dem 18. April 2002 – dem Zeitpunkt der
         Vorlage der in Fn. 234 genannten Dokumente für das Jahr 2002 durch sie – vorgelegt worden.
      
      391    Hierzu ist festzustellen, dass dieser Umstand – selbst wenn unterstellt wird, dass Dimon Italia dieses Dokument später als
         Transcatab vorgelegt hat und Letztere somit das erste Unternehmen gewesen ist, das Beweise über die Treffen Anfang 2002 geliefert
         hat – keinerlei praktische Auswirkungen hätte.
      
      392    Einerseits geht, wie oben in Randnr. 389 festgestellt worden ist, aus den Akten nämlich hervor, dass die Kommission vor Stellung
         des Antrags auf Geldbußenermäßigung durch Transcatab zumindest bis zum 15. Oktober 2001 über Beweise hinsichtlich der Dauer
         des Kartells verfügte. Da das Kartell am 29. September 1995 begonnen hat (vgl. 377. Erwägungsgrund der angefochtenen Entscheidung)
         und dieser Umstand von Transcatab nicht bestritten worden ist, ist festzustellen, dass die Kommission bereits vor Beibringung
         der Dokumente durch Transcatab über ausreichende Informationen verfügte, um feststellen zu können, dass das Kartell länger
         als sechs Jahre gedauert hatte. Allein aufgrund dieser Feststellung konnte die Kommission den Ausgangsbetrag der Geldbuße
         daher um 60 % anheben. Die Feststellung eines um mehr als vier Monate längeren Zeitraums (bis zum 19. Februar 2002) durch
         die Kommission hat folglich keinerlei Auswirkungen auf die Festsetzung der endgültigen Sanktion gehabt.
      
      393    Andererseits ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission in den Erwägungsgründen 256 ff. der angefochtenen Entscheidung festgestellt
         hat, ohne dass Transcatab dem entgegengetreten wäre (vgl. oben, Randnr. 233), dass es sich bei dem Kartell um eine einzige
         und fortgesetzte Zuwiderhandlung handele. Darüber hinaus hat die Kommission festgestellt, dass diese Zuwiderhandlung bis zum
         19. Februar 2002 – dem Tag der Einreichung des Antrags auf Geldbußenerlass durch Deltafina – gedauert habe. Transcatab hat
         jedoch weder vorgetragen noch dargetan, ihre Beteiligung an der Zuwiderhandlung vor diesem Zeitpunkt beendet zu haben.
      
      394    Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass ein Unternehmen, das sich durch eigene Handlungen, die den Begriff von auf ein wettbewerbswidriges
         Ziel gerichteten Vereinbarungen oder aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen im Sinne von Art. 81 Abs. 1 EG erfüllen und
         zur Mitwirkung an der Verwirklichung der Zuwiderhandlung in ihrer Gesamtheit bestimmt sind, an einer solchen Zuwiderhandlung
         beteiligt hat, für die gesamte Zeit seiner Beteiligung an der genannten Zuwiderhandlung auch für das Verhalten verantwortlich
         ist, das andere Unternehmen im Rahmen der Zuwiderhandlung an den Tag legen (vgl. Urteil BST/Kommission, oben in Randnr. 222
         angeführt, Randnr. 33 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      395    Außerdem kann ein Unternehmen auch dann, wenn feststeht, dass es nur an einem oder an mehreren Bestandteilen eines Gesamtkartells
         unmittelbar mitgewirkt hat, für dieses Kartell zur Verantwortung gezogen werden, sofern es wusste oder zwangsläufig wissen
         musste, dass die Absprache, an der es sich beteiligte, Teil eines Gesamtplans war und dass sich dieser Gesamtplan auf sämtliche
         Bestandteile des Kartells erstreckte (Urteile des Gerichts PVC II, oben in Randnr. 91 angeführt, Randnr. 773, HFB u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 130 angeführt, Randnr. 231, und vom 19. Mai 2010, Boliden u. a./Kommission, T‑19/05, Slg. 2010, II‑1843, Randnr.
         61).
      
      396    Unter diesen Umständen ist der Schluss zu ziehen, dass Transcatab keine Beweismittel für Umstände vorgelegt hat, von denen
         die Kommission zuvor keine Kenntnis hatte und die die Schwere oder Dauer des mutmaßlichen Kartells unmittelbar beeinflussen,
         die es rechtfertigen würden, einen Teilerlass der Geldbuße gemäß Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit
         zu gewähren. Folglich kann Transcatab nicht geltend machen, dass die Kommission einen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         begangen habe und sie daher nicht als für die gesamte Zuwiderhandlung verantwortlich angesehen werden könne.
      
      397    Der Antrag auf teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung ist somit insgesamt zurückzuweisen. Nach Auffassung
         des Gerichts ist auch dem Antrag auf Abänderung der angefochtenen Entscheidung nicht stattzugeben, da im vorliegenden Fall
         nichts ersichtlich ist, was eine Ermäßigung der Geldbuße rechtfertigen würde. Nach alledem ist die Klage insgesamt abzuweisen.
      
      6.     Zur Widerklage der Kommission
       Vorbringen der Parteien
      398    Die Kommission macht geltend, Transcatab habe die Tatsachen, insbesondere die Dauer des Kartells, so wie die Kommission sie
         in der angefochtenen Entscheidung festgestellt habe, bestritten. Mit ihrem Vorbringen im Rahmen des ersten Teils des dritten
         Klagegrundes, sie habe sich ab 1999 auf Verhaltensweisen beschränkt, die sich ausschließlich in den Rahmen der Branchenvereinbarungen
         eingefügt hätten (vgl. oben, Randnrn. 227 f.), habe Transcatab nicht nur der Auslegung der Tatsachen durch die Kommission
         widersprochen, sondern auch zuvor eingeräumte Tatsachen wieder in Frage gestellt. Mit dem Bestreiten der Dauer des Kartells,
         die einen wesentlichen Bestandteil der Sachverhaltsdarstellung ausmache, verliere die Ermäßigung von 30 %, die sie Transcatab
         gewährt habe, teilweise ihre Rechtfertigung. Daher beantragt die Kommission, das Gericht möge die Ermäßigung der Geldbuße
         von 30 auf 25 % verringern und diese in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung auf 15 Mio. Euro festsetzen.
      
      399    Transcatab tritt der Widerklage der Kommission entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      400    Wie sich aus der angefochtenen Entscheidung ergibt, hat der Umstand, dass Transcatab „die Tatsachen, auf die sich die Kommission
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte gestützt hat, nicht bestritten“ hat, eine der Erwägungen dargestellt, aufgrund derer
         die Kommission ihr eine Geldbußenermäßigung um 30 % gewährt hat (vgl. Erwägungsgründe 498 f. der angefochtenen Entscheidung).
      
      401    Aus der Antwort von Transcatab auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte geht jedoch hervor, dass diese, auch wenn sie nicht
         ausdrücklich auf die Beschwerdepunkte der Kommission hinsichtlich der Dauer der Zuwiderhandlung eingegangen ist, gleichwohl
         geltend gemacht hat, die Verarbeitungsunternehmen seien nicht als für die von diesem Jahr an umgesetzten wettbewerbswidrigen
         Verhaltensweisen verantwortlich anzusehen, da sie ab 1999 im Einklang mit dem Gesetz Nr. 88/88 gehandelt hätten.
      
      402    Auch wenn dieses Argument im Widerspruch zu bestimmten Äußerungen im Verwaltungsverfahren und zum Nichtbestreiten bestimmter
         Gesichtspunkte der Würdigung der Kommission steht, ändert dies daher nichts an der Feststellung, dass das im ersten Teil des
         dritten Klagegrundes enthaltene Argument bereits im Verwaltungsverfahren vorgebracht worden ist. Folglich hatte die Kommission,
         als sie Transcatab die Ermäßigung gewährt hat, von diesem Argument bereits Kenntnis, so dass es sich nicht um ein Bestreiten
         der Richtigkeit der Tatsachen handeln kann, das die mit der angefochtenen Entscheidung gewährte Ermäßigung nach der Mitteilung
         über Zusammenarbeit in Frage stellen würde.
      
      403    Daher ist die Widerklage der Kommission abzuweisen.
      
      404    Nach alledem sind die Klage in vollem Umfang und die Widerklage der Kommission abzuweisen.
      
       Kosten
      405    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Gemäß
         Art. 87 § 3 Unterabs. 1 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten jedoch teilen oder beschließen, dass jede Partei
         ihre eigenen Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt oder wenn ein außergewöhnlicher Grund gegeben
         ist.
      
      406    Im vorliegenden Fall ist Transcatab mit ihrer Klage und die Kommission mit ihrer Widerklage unterlegen. Da Letztere nur auf
         eine geringfügige Erhöhung des Betrags der Geldbußen abzielte, ist festzustellen, dass im Wesentlichen die Klägerin mit ihren
         Klageanträgen unterlegen ist. Unter diesen Umständen ist zu entscheiden, dass die Klägerin ihre eigenen Kosten und 90 % der
         Kosten der Kommission trägt, während die Kommission 10 % ihrer eigenen Kosten trägt.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Dritte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Widerklage der Europäischen Kommission wird abgewiesen.
      3.      Transcatab SpA trägt ihre eigenen Kosten und 90 % der Kosten der Kommission.
      4.      Die Kommission trägt 10 % ihrer eigenen Kosten.
      
               Azizi 
            
            
                Cremona 
            
            
                Frimodt Nielsen
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 5. Oktober 2011.
      Unterschriften
      Inhaltsverzeichnis
      
      Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1.  Verwaltungsverfahren
      2.  Angefochtene Entscheidung
      Adressaten der angefochtenen Entscheidung
      Bestimmung des Betrags der Geldbuße
      Festsetzung des Grundbetrags der Geldbußen
      Mildernde Umstände
      Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Rechtliche Würdigung
      1.  Zum ersten Klagegrund: Zurechnung der Zuwiderhandlung an die Muttergesellschaft von Transcatab
      Erster Teil: falsches Verständnis der Rechtsprechung, Verkennung der vorgelegten Beweisdokumente und Verletzung der Verteidigungsrechte
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      –  Zum Verstoß gegen die Regeln über die Zurechenbarkeit der von einer Tochtergesellschaft begangenen Zuwiderhandlungen an
         ihre Muttergesellschaft
      
      –  Zur Verkennung der zur Widerlegung der Vermutung vorgelegten Beweisdokumente
      –  Zur Verletzung der Verteidigungsrechte
      Zweiter Teil: Verstoß gegen Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      2.  Zum zweiten Klagegrund: Festsetzung des Ausgangsbetrags der Geldbuße
      Erster Teil: Schwere der Zuwiderhandlung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      –  Zur Einstufung als besonders schwere Zuwiderhandlung
      –  Zu den konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt
      –  Zum räumlichen Umfang des Marktes
      –  Zur Verletzung der Begründungspflicht
      –  Zur Verletzung der Verteidigungsrechte
      Zweiter Teil: Verstoß gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der Gleichbehandlung und des Vertrauensschutzes bei der
         Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      –  Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
      –  Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      –  Zum Verstoß gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes
      Dritter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Berücksichtigung des abschreckenden Charakters der
         Sanktion und der Finanzlage von Transcatab
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      3.  Zum dritten Klagegrund: Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße
      Erster Teil: Fehlerhafte Erhöhung der Geldbuße wegen der Dauer der Zuwiderhandlung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      –  Zur Erhöhung der Geldbuße wegen der Dauer der Vereinbarung
      –  Zum Nichtvorliegen eines Schadens für die Verbraucher
      Zweiter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz ne bis in idem und Begründungsmangel
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Dritter Teil: Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      4.  Zum vierten Klagegrund: Verschiedene mildernde Umstände
      Erster Teil: Mildernder Umstand der Nichtumsetzung des Kartells
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zweiter Teil: Mildernder Umstand der Einstellung der streitigen Tätigkeiten vor dem Eingreifen der Kommission
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Dritter Teil: Mildernder Umstand des Bestehens berechtigter Zweifel an der Rechtswidrigkeit des streitigen Verhaltens
      Zum Bestehen berechtigter Zweifel an der Rechtswidrigkeit des streitigen Verhaltens
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Zur unterschiedlichen Behandlung im Verhältnis zur Sache Rohtabak – Spanien
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Vierter Teil: Mildernder Umstand der aktiven Mitwirkung von Transcatab während des Verfahrens
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Fünfter Teil: Mildernder Umstand des Fehlens eines Präzedenzfalls auf dem Markt für Rohtabak bei Beginn der Nachprüfungen
         der Kommission
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Sechster Teil: Sozioökonomische Merkmale des italienischen Rohtabaksektors und Krise dieses Sektors
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      5.  Zum fünften Klagegrund: Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Eigenschaft des ersten Unternehmens, dem gegenüber die Geldbuße niedriger festgesetzt wird
      Zu Nr. 23 letzter Absatz der Mitteilung über Zusammenarbeit
      6.  Zur Widerklage der Kommission
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Italienisch.