CELEX: 62002CJ0065
Language: de
Date: 2005-07-14
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 14. Juli 2005.#ThyssenKrupp Stainless GmbH (C-65/02 P) und ThyssenKrupp Acciai speciali Terni SpA (C-73/02 P) gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Rechtsmittel - EGKS-Vertrag - Kartelle - Legierungszuschlag - Herabsetzung der Geldbuße - Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens - Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung - Verteidigungsrechte.#Verbundene Rechtssachen C-65/02 P und C-73/02 P.

Verbundene Rechtssachen C-65/02 P und C-73/02 P
      ThyssenKrupp Stainless GmbH, früher Krupp Thyssen Stainless GmbH
      und
      ThyssenKrupp Acciai speciali Terni SpA, früher Acciai speciali Terni SpA
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Rechtsmittel – EGKS‑Vertrag – Kartelle – Legierungszuschlag – Herabsetzung der Geldbuße – Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Verteidigungsrechte“
      Schlussanträge des Generalanwalts P. Léger vom 28. Oktober 2004 
      Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 14. Juli 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Vertrauensschutz – Kein Schutz für den Urheber einer offensichtlichen Verletzung der geltenden
            Bestimmungen
      2.     EGKS – Kartelle – Verbot – Zuwiderhandlung – Verwaltungsverfahren – Auskunftsverlangen – Verteidigungsrechte – Recht auf Verweigerung
            einer Antwort, die das Eingeständnis einer Zuwiderhandlung bedeuten würde
      (EGKS‑Vertrag, Artikel 36 Absatz 1)
      3.     EGKS – Kartelle – Geldbußen – Höhe – Bestimmung – Nichtverhängung oder Herabsetzung der Geldbuße als Gegenleistung für die
            Zusammenarbeit des beschuldigten Unternehmens – Stärkere Herabsetzung bei Eingeständnis der Zuwiderhandlung – Verletzung der
            Verteidigungsrechte des Unternehmens, insbesondere des Rechts auf Verweigerung einer Antwort, die das Eingeständnis einer
            Zuwiderhandlung bedeuten würde – Fehlen 
      (EGKS‑Vertrag, Artikel 65 § 5; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission, Abschnitt D)
      4.     EGKS – Kartelle – Geldbußen – Von einer Tochtergesellschaft begangene Zuwiderhandlung – Kriterien für die Bestimmung der juristischen
            Person, gegen die eine Geldbuße zu verhängen ist
      (EGKS‑Vertrag, Artikel 65 § 5)
      5.     EGKS – Kartelle – Verbot – Zuwiderhandlung – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Mitteilung der Beschwerdepunkte
            – Notwendiger Inhalt
      (EGKS‑Vertrag, Artikel 36 Absatz 1 und 65)
      1.     Der Grundsatz des Vertrauensschutzes kann nicht von einer Person geltend gemacht werden, die sich einer offensichtlichen Verletzung
         der geltenden Bestimmungen schuldig gemacht hat. Daher kann sich ein Unternehmen, das sich vorsätzlich wettbewerbswidrig verhält,
         nicht auf eine Verletzung dieses Grundsatzes mit der Begründung berufen, die Kommission habe ihm nicht klar mitgeteilt, dass
         sein Verhalten eine Zuwiderhandlung darstelle.
      
      (vgl. Randnr. 41)
      2.     In einem Verfahren zur Feststellung einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften ist die Kommission berechtigt,
         ein Unternehmen zu verpflichten, ihr alle erforderlichen Auskünfte über ihm eventuell bekannte Tatsachen zu erteilen, doch
         darf sie dem Unternehmen nicht die Verpflichtung auferlegen, Antworten zu erteilen, durch die es die Zuwiderhandlung eingestehen
         müsste, für die die Kommission den Beweis zu erbringen hat. 
      
      (vgl. Randnrn. 48-49)
      3.     Auch wenn die Kommission ein Unternehmen nicht zwingen kann, seine Beteiligung an einer wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung
         einzugestehen, ist sie doch nicht daran gehindert, bei der Bemessung der Geldbuße den Beitrag, den das betreffende Unternehmen
         geleistet hat, um den Nachweis der Zuwiderhandlung zu erleichtern, und insbesondere dessen Eingeständnis einer Beteiligung
         an der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen. Sie kann dem Unternehmen, das sie auf diese Weise unterstützt hat, eine erhebliche
         Ermäßigung der Geldbuße gewähren und einem anderen Unternehmen, das sich damit begnügt hat, die wesentlichen Sachverhaltsfeststellungen,
         auf die die Kommission ihre Vorwürfe gestützt hat, nicht zu bestreiten, einen deutlich geringeren Nachlass einräumen.
      
               Das Eingeständnis der zur Last gelegten Zuwiderhandlung beruht nämlich auf einer rein freiwilligen Entscheidung des betroffenen
         Unternehmens. Dieses ist keineswegs gezwungen, das Bestehen des Kartells einzuräumen. Somit stellt es keine Beeinträchtigung
         der Rechte der Verteidigung dar, wenn die Kommission für eine Ermäßigung der Geldbuße den Umfang der Zusammenarbeit des betreffenden
         Unternehmens mit ihr und auch das Eingeständnis der Zuwiderhandlung berücksichtigt.
      
      Die Mitteilung über die Zusammenarbeit, insbesondere deren Abschnitt D, ist in dem Sinne zu verstehen, dass die Art der Mitwirkung
         des betreffenden Unternehmens, die eine Ermäßigung der Geldbuße rechtfertigen kann, nicht auf die Einräumung der Tatsachen
         an sich beschränkt ist, sondern auch das Eingeständnis einer Beteiligung an der Zuwiderhandlung umfasst.
      
      (vgl. Randnrn. 50-54)
      4.     Die Verantwortlichkeit eines Unternehmens für eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften hängt davon ab, ob es
         eigenständig gehandelt hat oder den Anweisungen der Muttergesellschaft gefolgt ist. Im letztgenannten Fall kann das wettbewerbswidrige
         Verhalten eines Unternehmens der Muttergesellschaft zugerechnet werden. 
      
      Handeln dagegen an einem Kartell beteiligte Konzernunternehmen eigenständig, kann die Kommission, ausgehend von einem pauschalierten
         Betrag, gegen jedes von ihnen eine Geldbuße festsetzen.
      
      (vgl. Randnrn. 66-67)
      5.     Die Wahrung der Verteidigungsrechte stellt in allen Verfahren, die zu Sanktionen führen können, einen durch Artikel 36 Absatz
         1 EGKS‑Vertrag gewährleisteten fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts dar. Die tatsächliche Beachtung dieses allgemeinen
         Grundsatzes erfordert es, dass dem betroffenen Unternehmen bereits im Verwaltungsverfahren Gelegenheit gegeben wird, zum Vorliegen
         und zur Erheblichkeit der von der Kommission angeführten Tatsachen und Umstände sowie zu den von ihr zur Stützung ihrer Behauptungen
         herangezogenen Schriftstücken gebührend Stellung zu nehmen. Die Mitteilung der Beschwerdepunkte muss angesichts ihrer Bedeutung
         eindeutig angeben, gegen welche juristische Person Geldbußen festgesetzt werden können, und an diese Person gerichtet werden.
      
      (vgl. Randnr. 92)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Erste Kammer) 
      14. Juli 2005(*)
      
      „Rechtsmittel – EGKS‑Vertrag – Kartelle – Legierungszuschlag – Herabsetzung der Geldbuße – Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Verteidigungsrechte“
      In den verbundenen Rechtssachen C‑65/02 P und C‑73/02 P
      betreffend zwei Rechtsmittel nach Artikel 49 der EGKS‑Satzung des Gerichtshofes, eingereicht am 28. Februar 2002,
      ThyssenKrupp Stainless GmbH,  früher Krupp Thyssen Stainless GmbH, Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt M. Klusmann, 
      
      Rechtsmittelführerin in der Rechtssache C-65/02 P,
      ThyssenKrupp Acciai speciali Terni SpA,  früher Acciai speciali Terni SpA, Prozessbevollmächtigte: A. Giardina und G. Di Tommaso, avvocati, Zustellungsanschrift in
         Luxemburg,
      
      Rechtsmittelführerin in der Rechtssache C‑73/02 P,
      anderer Verfahrensbeteiligter:
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A. Whelan als Bevollmächtigten im Beistand von Rechtsanwalt H.‑J. Freund (C‑65/02 P) sowie A. Whelan und
         V. Superti als Bevollmächtigte im Beistand von A. Dal Ferro, avvocato (C‑73/02 P), Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten P. Jann, des Richters A. Rosas, der Richterin R. Silva de Lapuerta sowie der Richter
         K. Lenaerts und S. von Bahr (Berichterstatter), 
      
      Generalanwalt: P. Léger,
      Kanzler: R. Grass,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens, 
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 28. Oktober 2004
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihren Rechtsmitteln beantragen die ThyssenKrupp Stainless GmbH (im Folgenden: TKS) und die ThyssenKrupp Acciai speciali
         Terni SpA (im Folgenden: AST) die Aufhebung des Urteils des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 13.
         Dezember 2001 in den Rechtssachen T‑45/98 und T‑47/98 (Krupp Thyssen Stainless und Acciai speciali Terni/Kommission, Slg. 2001,
         II‑3757, im Folgenden: angefochtenes Urteil), mit dem das Gericht ihren Klagen auf Nichtigerklärung der Entscheidung 98/247/EGKS
         der Kommission vom 21. Januar 1998 in einem Verfahren nach Artikel 65 EGKS‑Vertrag (Sache IV/35.814 – Legierungszuschlag)
         (ABl. L 100, S. 55, im Folgenden: streitige Entscheidung) nur teilweise stattgegeben hatte.
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      2       Der den Klagen vor dem Gericht zugrunde liegende Sachverhalt, wie er von diesem in dem angefochtenen Urteil wiedergegeben
         worden ist, lässt sich für die Zwecke dieses Urteils wie folgt zusammenfassen.
      
      3       Die TKS, eine Gesellschaft deutschen Rechts, entstand am 1. Januar 1995 durch eine Zusammenlegung der Tätigkeiten der Fried.
         Krupp AG Hoesch-Krupp (im Folgenden: Krupp) und der Thyssen Stahl AG (im Folgenden: Thyssen) im Bereich nichtrostende säure‑
         und hochtemperaturbeständige Flachstahlerzeugnisse. Der Firmenname der TKS lautete zunächst KruppThyssen Nirosta GmbH, später
         von September 1997 an Krupp Thyssen Stainless GmbH. 
      
      4       Die AST, früher Acciai speciali Terni SpA, eine Gesellschaft italienischen Rechts, deren eine Haupttätigkeit die Herstellung
         von Flachprodukten aus rostfreiem Stahl ist, wurde am 1. Januar 1994 gegründet. Am 21. Dezember 1994 genehmigte die Kommission
         der Europäischen Gemeinschaften den gemeinsamen Erwerb der AST durch mehrere Unternehmen, darunter Krupp und Thyssen. Im Dezember
         1995 erhöhte Krupp ihre Beteiligung an der AST von 50 % auf 75 % und am 10. Mai 1996 auf 100 %. Krupp übertrug anschließend
         die Gesamtheit ihrer Anteile an der AST auf die TKS.
      
      5       Aufgrund von Informationen in der Fachpresse und von Klagen einiger Verbraucher ersuchte die Kommission am 16. März 1995 gemäß
         Artikel 47 EGKS‑Vertrag mehrere Hersteller von rostfreiem Stahl um Auskünfte über einen von ihnen angewandten gemeinsamen
         Aufpreis, der unter der Bezeichnung „Legierungszuschlag“ bekannt ist.
      
      6       Der Legierungszuschlag ist ein Aufpreis, der entsprechend den Kursen der Legierungselemente berechnet wird und um den sich
         der Grundpreis für rostfreien Stahl erhöht. Die Kosten der von den Herstellern rostfreien Stahls eingesetzten Legierungselemente
         (Nickel, Chrom und Molybdän) machen einen sehr hohen Anteil der gesamten Herstellungskosten aus. Die Kurse dieser Rohstoffe
         unterliegen außerordentlichen Schwankungen.
      
      7       Aufgrund der eingegangenen Informationen richtete die Kommission am 19. Dezember 1995 an 19 Unternehmen eine Mitteilung der
         Beschwerdepunkte (im Folgenden: erste Mitteilung der Beschwerdepunkte). 
      
      8       Nachdem die Kommission eine Reihe von Überprüfungen vor Ort durchgeführt hatte, teilten ihr im Dezember 1996 und Januar 1997
         die Rechtsanwälte oder Vertreter einiger Unternehmen ihren Wunsch nach Zusammenarbeit mit. Dazu reichten am 17. Dezember 1996
         die TKS und am 10. Januar 1997 die AST Erklärungen bei der Kommission ein.
      
      9       Am 24. April 1997 übermittelte die Kommission diesen Unternehmen sowie Thyssen eine neue Mitteilung der Beschwerdepunkte,
         die diejenige vom 19. Dezember 1995 ersetzte (im Folgenden: zweite Mitteilung der Beschwerdepunkte).
      
      10     Mit Schreiben vom 23. Juli 1997 erklärte sich die TKS bereit, die Verantwortung für die Thyssen von 1993 an zur Last gelegten
         Handlungen zu übernehmen, obwohl ihr der Geschäftsbereich Flacherzeugnisse aus rostfreiem Stahl von Thyssen erst am 1. Januar
         1995 übertragen worden sei.
      
      11     Am 21. Januar 1998 erließ die Kommission die streitige Entscheidung. 
      12     Dieser Entscheidung zufolge gingen die Preise für Legierungselemente und rostfreien Stahl 1993 erheblich zurück. Nachdem der
         Nickelkurs von September 1993 an gestiegen war, verringerten sich die Erzeugerspannen beträchtlich. Angesichts dieser Situation
         vereinbarten die meisten Hersteller von Flacherzeugnissen aus rostfreiem Stahl bei einer Zusammenkunft in Madrid am 16. Dezember
         1993 (im Folgenden: Madrider Zusammenkunft), ihre Preise in abgestimmter Weise durch eine Änderung der Berechnungsparameter
         für den Legierungszuschlag anzuheben. Zu diesem Zweck beschlossen sie, vom 1. Februar 1994 an einen Legierungszuschlag nach
         der letztmals 1991 benutzten Formel anzuwenden, und wählten für alle Hersteller als Referenzwerte für die Legierungen die
         vom September 1993, als der Nickelkurs auf einen historischen Tiefstand gefallen war.
      
      13     Nach den Angaben in der streitigen Entscheidung wurde der auf der Grundlage der neu festgesetzten Referenzwerte berechnete
         Legierungszuschlag von allen Herstellern vom 1. Februar 1994 an für ihre Verkäufe in Europa mit Ausnahme von Spanien und Portugal
         angewandt.
      
      14     In Artikel 1 der streitigen Entscheidung stellte die Kommission fest, dass die Compañía española para la fabricación de aceros
         inoxidables SA (Acerinox) (im Folgenden: Acerinox), die ALZ NV, die AST, die Avesta Sheffield AB (im Folgenden: Avesta), Krupp
         und Thyssen, die seit dem 1. Januar 1995 die TKS bilden, sowie die Ugine SA, die spätere Usinor SA (im Folgenden: Usinor),
         ab Dezember 1993 bis November 1996 im Fall von Avesta und bis zum Zeitpunkt dieser Entscheidung im Fall aller anderen Unternehmen
         durch abgestimmte Änderung der Referenzwerte der Formel zur Berechnung des Legierungszuschlags und durch Anwendung dieser
         Änderung gegen Artikel 65 § 1 EGKS-Vertrag verstoßen haben. Diese Handlungsweise hatte nach Ansicht der Kommission die Beschränkung
         und Verfälschung des normalen Wettbewerbs im Gemeinsamen Markt sowohl bezweckt als auch bewirkt.
      
      15     In Artikel 2 der streitigen Entscheidung wurden folgende Geldbußen festgelegt:
      –       Acerinox:                   3 530 000 ECU,
      –       ALZ NV:                    4 540 000 ECU,
      –       AST:                             4 540 000 ECU,
      –       Avesta:                            2 810 000 ECU,
      –       TKS:                             8 100 000 ECU sowie
      –       Usinor:                             3 860 000 ECU.
       Die Klagen vor dem Gericht und das angefochtene Urteil
      16     Mit Klageschriften, die am 11. bzw. 13. März 1998 bei der Kanzlei des Gerichts eingingen, erhoben die TKS und die AST Klage
         auf Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung, soweit sie von ihr betroffen waren, hilfsweise auf eine erhebliche Herabsetzung
         der in der Entscheidung gegen sie festgesetzten Geldbußen.
      
      17     Das Gericht hat mit dem angefochtenen Urteil
      –       die Rechtssachen  T‑45/98 und T‑47/98 zu gemeinsamer Entscheidung verbunden;
      –       Artikel 1 der streitigen Entscheidung für nichtig erklärt, soweit der TKS die Verantwortung für die von Thyssen begangene
         Zuwiderhandlung auferlegt worden war;
      
      –       die in Artikel 2 der streitigen Entscheidung gegen die TKS und die AST festgesetzten Geldbußen auf 4 032 000 Euro festgesetzt;
      –       im Übrigen die beiden Klagen abgewiesen;
      –       in der Rechtssache T‑45/98 die TKS und die Kommission zur Tragung ihrer eigenen Kosten verurteilt und
      –       in der Rechtssache T‑47/98 die AST zur Tragung ihrer eigenen Kosten sowie von zwei Dritteln der Kosten der Kommission und
         die Kommission zur Tragung eines Drittels ihrer eigenen Kosten verurteilt.
      
       Die Anträge der Parteien und die zur Stützung ihrer Rechtsmittel vorgetragenen Gründe
      18     In der Rechtssache C‑65/02 P beantragt die TKS,
      –       das angefochtene Urteil insoweit aufzuheben, als es ihre Klage abweist;
      –       die in Artikel 1 der streitigen Entscheidung für die Rechtsmittelführerin getroffene Feststellung zum Zeitraum des Verstoßes
         zu berichtigen;
      
      –       das ihr gegenüber in Artikel 2 der streitigen Entscheidung verhängte Bußgeld angemessen herabzusetzen;
      –       hilfsweise hinsichtlich der beiden letztgenannten Anträge den Rechtsstreit an das Gericht zurückzuverweisen;
      –       das Anschlussrechtsmittel der Kommission zurückzuweisen und
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens des Rechtsmittels und Anschlussrechtsmittels aufzuerlegen.
      19     Die Kommission beantragt in dieser Sache,
      –       das Rechtsmittel zurückzuweisen;
      –       hilfsweise für den Fall, dass das angefochtene Urteil aufgehoben werden sollte, den Antrag auf Herabsetzung der Geldbuße zurückzuweisen;
      –       das angefochtene Urteil insoweit aufzuheben, als das Gericht
      i)      Artikel 1 der streitigen Entscheidung, mit dem der TKS die Verantwortung für die von Thyssen begangene Zuwiderhandlung auferlegt
         worden ist, für nichtig erklärt hat;
      
      ii)      die gegen die TKS in Artikel 2 der streitigen Entscheidung festgesetzte Geldbuße auf weniger als 7 596 000 Euro festgesetzt
         hat;
      
      iii)      angeordnet hat, dass die Kommission ihre eigenen Kosten trägt, und
      –       der TKS die Kosten des Verfahrens beim Gerichtshof aufzuerlegen.
      20     In der Rechtssache C‑73/02 P beantragt die AST, 
      –       das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit es die streitige Entscheidung aufrechterhält, mit der gegen sie eine pauschalierte
         Geldbuße verhängt worden ist, obwohl sie zur TKS‑Gruppe gehörte, gegen die ebenfalls eine pauschalierte Geldbuße verhängt
         worden ist;
      
      –       hilfsweise, das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit es Artikel 1 der streitigen Entscheidung aufrechterhält, dem zufolge
         der ihr zur Last gelegte Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln bis zum Erlass dieser Entscheidung fortgedauert hat;
      
      –       das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit es ihrem Antrag nicht stattgegeben hat, die Geldbuße wegen ihrer Zusammenarbeit
         im Verwaltungsverfahren zusätzlich um 40 % herabzusetzen, und
      
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      21     Die Kommission beantragt in dieser Rechtssache, 
      –       das Rechtsmittel zurückzuweisen;
      –       hilfsweise, den Antrag auf Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung zurückzuweisen, falls einer der Punkte des angefochtenen
         Urteils für nichtig erklärt wird, und
      
      –       der AST die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      22     Die TKS führt zur Stützung ihres Rechtsmittels drei Gründe an:
      –       rechtsfehlerhafte Feststellung der Dauer der Zuwiderhandlung;
      –       unzutreffende Berechnung der pauschalierten Geldbuße und 
      –       Rechtsfehler hinsichtlich der Folgen der Mitwirkung der TKS im Ermittlungsverfahren für die Herabsetzung der Geldbuße.
      23     Die AST führt ebenfalls zur Stützung ihres Rechtsmittels drei Gründe an:
      –       rechtsfehlerhafte Festsetzung einer Geldbuße gegen sie, obwohl sie zur TKS‑Gruppe gehörte;
      –       rechtsfehlerhafte Feststellung der Dauer der Zuwiderhandlung und
      –       Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz und das Diskriminierungsverbot im Rahmen der Herabsetzung der Geldbuße.
      24     Die Kommission führt für ihr Anschlussrechtsmittel drei Gründe an:
      –       Verfälschung bestimmter Beweisunterlagen und Rechtsfehler bei der Beurteilung des Übergangs der Verantwortlichkeit von Thyssen
         auf die TKS;
      
      –       Verkennung der Anforderungen an die Gewährung des rechtlichen Gehörs und
      –       unzutreffende Feststellung einer Beeinträchtigung der Verteidigungsrechte.
       Zur Verbindung der Rechtssachen
      25     Nach Anhörung des Generalanwalts und der Parteien hierzu ist die Verbindung der vorliegenden Rechtssachen zu gemeinsamer Entscheidung
         gemäß Artikel 43 der Verfahrensordnung des Gerichtshofes anzuordnen, da die Rechtssachen den gleichen Gegenstand betreffen
         und miteinander im Zusammenhang stehen.
      
       Zu den Rechtsmitteln der TKS und der AST
      26     Da die drei von der TKS und der AST zur Stützung ihrer Rechtsmittel vorgetragenen Gründe im Wesentlichen übereinstimmen, sind
         sie zusammen zu untersuchen und die gegebenenfalls von der einen oder der anderen Rechtsmittelführerin geltend gemachten Besonderheiten
         im Rahmen des jeweiligen Rechtsmittelgrundes zu behandeln.
      
       Zum Rechtsmittelgrund einer rechtsfehlerhaften Feststellung der Dauer der Zuwiderhandlung
       Vorbringen der Parteien
      27     Die TKS und die AST machen mit ihrem ersten bzw. zweiten Rechtsmittelgrund geltend, dass die Zuwiderhandlung nicht vier Jahre,
         d. h. von der Madrider Zusammenkunft bis zum Erlass der streitigen Entscheidung gedauert habe, sondern entgegen der Feststellung
         des Gerichts in Randnummer 182 des angefochtenen Urteils ein punktueller Verstoß gewesen sei. Erst von dieser Zusammenkunft
         an habe die Zuwiderhandlung Wirkung gezeigt und nur wenige Wochen gedauert.
      
      28     Die TKS und die AST weisen darauf hin, dass jedes Unternehmen seine Preise unabhängig vom anderen festgesetzt habe, wie die
         Preisschwankungen bewiesen. Sie hätten selbständig ohne irgendeine Abstimmung entschieden, den Referenzwert des Legierungszuschlags
         nicht zu ändern. Das Gericht habe das Ergebnis, zu dem es bei der Frage der Dauer der Zuwiderhandlung gelangt sei, insbesondere
         in Randnummer 178 des angefochtenen Urteils unzutreffend begründet.
      
      29     Im Übrigen werfen die TKS und die AST dem Gericht vor, nicht den Fehler berücksichtigt zu haben, den die Kommission begangen
         habe, als sie den Unternehmen im Verwaltungsverfahren nicht klar mitgeteilt habe, dass sie von einem noch bestehenden Kartell
         ausgehe. Durch dieses Versäumnis habe die Kommission das berechtigte Vertrauen der beiden Unternehmen verletzt.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      30     Der Rechtsmittelgrund der TKS und der AST enthält zwei Teile. Der erste betrifft die Würdigung des Sachverhalts zum Nachweis
         der Dauer des Kartells, mit dem zweiten wird eine Verletzung des berechtigten Vertrauens der Unternehmen gerügt.
      
      31     Was den ersten Teil des Rechtsmittelgrundes betrifft, so hat das Gericht in Randnummer 174 des angefochtenen Urteils zu Recht
         festgestellt, dass die Kommission nicht nur das Vorliegen eines Kartells, sondern auch dessen Dauer beweisen muss.
      
      32     In Randnummer 176 des angefochtenen Urteils hat das Gericht zunächst darauf hingewiesen, dass Gegenstand des Kartells die
         Übernahme gleicher Referenzwerte in die Berechnungsformel für den Legierungszuschlag durch sämtliche Hersteller von Flacherzeugnissen
         aus rostfreiem Stahl gewesen sei, um eine Anhebung ihrer Endpreise zu erreichen. Sodann hat das Gericht in Randnummer 177
         des Urteils ausgeführt, dass nach der streitigen Entscheidung das Kartell mit der Madrider Zusammenkunft begonnen habe und
         die TKS und die AST sowie andere Mitglieder des Kartells bei ihren Verkäufen in Europa mit Ausnahme von Spanien und Portugal
         vom 1. Februar 1994 an tatsächlich einen Legierungszuschlag angewandt hätten, der nach der Formel berechnet worden sei, die
         auf den bei dieser Zusammenkunft vereinbarten Referenzwerten beruht habe.
      
      33     Das Gericht hat schließlich in Randnummer 178 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die TKS und die AST nicht bestritten
         hätten, dass die Referenzwerte, auf die sie sich bei dieser Zusammenkunft geeinigt hätten, bis zum Erlass der angefochtenen
         Entscheidung nicht geändert worden seien. Das Gericht hat in eben dieser Randnummer daraus geschlossen, dass aufgrund der
         Tatsache, dass die Unternehmen diese Referenzwerte weiterhin angewandt hätten, das Fehlen einer ausdrücklichen Entscheidung
         über die Dauer des Kartells kein Beweis dafür sein könne, dass es sich um einen punktuellen Verstoß und kein Dauerdelikt gehandelt
         habe. 
      
      34     Das Ergebnis, zu dem das Gericht in Randnummer 178 des angefochtenen Urteils gelangt ist, stellt eine Würdigung von Tatsachen
         dar, die im Rechtsmittelverfahren nicht angegriffen werden kann, wenn keine Anhaltspunkte für eine Verfälschung der Beweismittel
         oder einen Fehler bei der rechtlichen Prüfung des Sachverhalts vorliegen.
      
      35     Die TKS und die AST tragen dazu vor, das Gericht habe andere Tatsachen nicht berücksichtigt, die bewiesen, dass es von 1994
         bis 1998 kein Kartell gegeben habe, nämlich die unterschiedlichen Preise, die die Unternehmen festgesetzt hätten, und das
         parallele Verhalten der Unternehmen.
      
      36     Dazu ist jedoch festzustellen, dass diese Tatsachen entweder unerheblich oder völlig unzulänglich sind, um die Würdigung des
         Gerichts in Frage zu stellen.
      
      37     Was erstens die Unterschiede der Preise, die von der TKS und der AST gegenüber ihren verschiedenen Kunden festgesetzt wurden,
         und die Schwankungen dieser Preise betrifft, die für ein unabhängiges Verhalten auf dem Markt und gegen jede Abstimmung sprechen
         sollen, so ist dieses Vorbringen, wie das Gericht zu Recht in Randnummer 179 des angefochtenen Urteils festgestellt hat, unerheblich.
         Die genannten Preise stellen nämlich den Endpreis dieser Unternehmen für Flacherzeugnisse aus rostfreiem Stahl dar. Die Tatsache,
         dass diese Preise unterschiedlich waren und die beiden Unternehmen sie zu unterschiedlichen Zeiten in dem in Betracht kommenden
         Zeitraum angewandt haben, kann das Ergebnis, zu dem die Kommission und das Gericht gelangt sind, nicht entkräften, dass nämlich
         diese Preise weitgehend die Folge eines Kartells waren, das einen für die Preisbildung entscheidenden Bestandteil, in diesem
         Fall den Legierungszuschlag, betraf.
      
      38     Was zweitens das angebliche Parallelverhalten betrifft, so kann dieses Argument die Feststellung der Fortführung des Kartells
         ebenfalls nicht in Frage stellen, da sich eine andere Erklärung hierfür aufdrängt. Das Gericht hat in Randnummer 180 des angefochtenen
         Urteils zu Recht annehmen können, dass die Beibehaltung der gleichen Referenzwerte in der Berechnungsformel für den Legierungszuschlag
         durch die betroffenen Unternehmen sich durch die Anwendung der Referenzwerte erklärt, die von den Herstellern bei ihren Gesprächen
         im Dezember 1993 gemeinsam festgelegt worden waren.
      
      39     Somit ergibt sich, dass das Gericht in den Randnummern 174 bis 184 des angefochtenen Urteils rechtsfehlerfrei festgestellt
         hat, dass die Kommission zutreffend davon ausgehen konnte, dass die Zuwiderhandlung vier Jahre gedauert hat, d. h. von der
         Zusammenkunft in Madrid bis zum Erlass der streitigen Entscheidung. Das angefochtene Urteil ist in diesem Punkt ausreichend
         begründet.
      
      40     Was den zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes angeht, mit dem eine Verletzung des berechtigten Vertrauens der TKS und der AST
         gerügt wird, so hat das Gericht in Randnummer 215 des angefochtenen Urteils entgegen dem Vorbringen der TKS und der AST den
         Vorwurf zurückgewiesen, die Kommission sei von einer fortgesetzten Zuwiderhandlung ausgegangen, ohne dies den Rechtsmittelführerinnen
         im Verwaltungsverfahren mitgeteilt zu haben. Das Gericht hat seine Feststellung insbesondere mit dem Hinweis untermauert,
         dass die Kommission in Nummer 50 der zweiten Mitteilung der Beschwerdepunkte erklärt habe, dass „die Abstimmung mit der Zusammenkunft
         von Madrid im Dezember 1993 begonnen und sich seither fortgesetzt hat“.
      
      41     Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass nach ständiger Rechtsprechung der Grundsatz des Vertrauensschutzes nicht von einer
         Person geltend gemacht werden kann, die sich einer offensichtlichen Verletzung der geltenden Bestimmungen schuldig gemacht
         hat (Urteil vom 16. Mai 1991 in der Rechtssache C‑96/89, Kommission/Niederlande, Slg. 1991, I‑2461, Randnr. 30). Daher kann
         sich, wie der Generalanwalt zutreffend in Nummer 112 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ein Unternehmen, das sich vorsätzlich
         wettbewerbswidrig verhält, nicht auf eine Verletzung dieses Grundsatzes mit der Begründung berufen, die Kommission habe ihm
         nicht klar mitgeteilt, dass sein Verhalten eine Zuwiderhandlung darstelle.
      
      42     Nach alledem ist der Rechtsmittelgrund, den die TKS und die AST bezüglich der Dauer der ihnen zur Last gelegten Zuwiderhandlung
         angeführt haben, als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zum Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass die Geldbuße rechtsfehlerhaft nicht weiter herabgesetzt worden sei
       Vorbringen der Parteien
      43     Mit ihrem dritten Rechtsmittelgrund machen die TKS und die AST geltend, dass sie den der streitigen Entscheidung zugrunde
         liegenden Sachverhalt eingeräumt hätten, wie sich aus den Feststellungen des Gerichts in den Randnummern 262 und 268 des angefochtenen
         Urteils ergebe, und ihre Geldbuße daher in demselben Umfang herabgesetzt werden müsse wie bei den Unternehmen, die die Zuwiderhandlung
         ausdrücklich eingeräumt hätten. Es könne bei diesen Unternehmen kein Unterschied im Hinblick auf den Grad ihrer Zusammenarbeit
         mit der Kommission gemacht werden, und ihr Verhalten könne nicht zu unterschiedlichen Nachlässen bei den festgesetzten Geldbußen
         führen.
      
      44     Wie sich aus der Mitteilung der Kommission über den Erlass und die Ermäßigung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 2002, C
         45, S. 3) und der früheren Fassung dieser Mitteilung (ABl. 1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über die Zusammenarbeit)
         ergebe, genüge für eine Herabsetzung der Geldbuße, dass die betroffenen Unternehmen Beweismittel überließen und folglich den
         Sachverhalt einräumten. Es sei nicht erforderlich, dass die Unternehmen den Sachverhalt rechtlich qualifizierten und auf diese
         Weise ihre Beteiligung an einer Zuwiderhandlung einräumten. Die rechtliche Qualifizierung des Sachverhalts und die daraus
         folgende Feststellung der Zuwiderhandlung gehörten zu den Aufgaben, die der Kommission oblägen.
      
      45     So könne die Kommission einem Unternehmen, das die rechtliche Qualifizierung des Sachverhalts anerkannt oder seine Beteiligung
         an einer Zuwiderhandlung ausdrücklich eingeräumt habe, keine zusätzliche Herabsetzung der Geldbuße gewähren. Eine Herabsetzung
         der Geldbuße in diesen Fällen würde die Verteidigungsrechte beeinträchtigen, da sie auf eine Bestrafung derjenigen Unternehmen
         hinausliefe, die beschlossen hätten, sich damit zu verteidigen, dass keine Zuwiderhandlung vorliege.
      
      46     Die TKS trägt außerdem vor, sie habe mit dem Hinweis, ihre Entscheidungen autonom getroffen zu haben, nicht ihre Teilnahme
         an einer Zuwiderhandlung, im vorliegenden Fall an einer abgestimmten Verhaltensweise, bestritten. Die AST macht ihrerseits
         geltend, sie habe lediglich der Qualifizierung als „Vereinbarung“ widersprochen, nicht aber den Verstoß des Kartells gegen
         die Wettbewerbsvorschriften in Abrede gestellt.
      
      47     Die TKS und die AST sind somit der Ansicht, dass das Gericht einen Rechtsfehler begangen habe, indem es in den Randnummern
         260 bis 281 des angefochtenen Urteils es abgelehnt habe, ihnen eine zusätzliche Herabsetzung der Geldbuße in gleichem Umfang
         zu gewähren, wie sie Usinor und Avesta zugebilligt worden sei.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      48     Um festzustellen, ob das Gericht einen Rechtsfehler begangen hat, indem es der TKS und der AST eine geringere Ermäßigung der
         gegen sie festgesetzten Geldbuße zugesprochen hat, als sie Usinor und Avesta gewährt worden war, ist im Hinblick auf das Erfordernis
         der Wahrung der Rechte der Verteidigung die Rechtsprechung des Gerichtshofes zum Umfang der Befugnisse der Kommission in den
         Voruntersuchungs- und Verwaltungsverfahren heranzuziehen.
      
      49     Nach dem Urteil vom 18. Oktober 1989 in der Rechtssache 374/87 (Orkem/Kommission, Slg. 1989, 3283, Randnrn. 34 f.) ist die
         Kommission berechtigt, ein Unternehmen zu verpflichten, ihr alle erforderlichen Auskünfte über ihm eventuell bekannte Tatsachen
         zu erteilen, doch darf sie dem Unternehmen nicht die Verpflichtung auferlegen, Antworten zu erteilen, durch die es die Zuwiderhandlung
         eingestehen müsste, für die die Kommission den Beweis zu erbringen hat.
      
      50     Auch wenn die Kommission ein Unternehmen nicht zwingen kann, seine Beteiligung an einer Zuwiderhandlung einzugestehen, ist
         sie doch nicht daran gehindert, bei der Bemessung der Geldbuße den Beitrag zu berücksichtigen, den das Unternehmen freiwillig
         zum Nachweis der Zuwiderhandlung geleistet hat.
      
      51     Wie sich aus dem Urteil vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑298/98 P (Finnboard/Kommission, Slg. 2000, I‑10157), insbesondere
         aus dessen Randnummern 56, 59 und 60, ergibt, kann die Kommission für die Bemessung der Geldbuße den Beitrag, den das betreffende
         Unternehmen geleistet hat, um den Nachweis der Zuwiderhandlung zu erleichtern, und insbesondere dessen Eingeständnis einer
         Beteiligung an der Zuwiderhandlung berücksichtigen. Sie kann dem Unternehmen, das sie auf diese Weise unterstützt hat, eine
         erhebliche Ermäßigung der Geldbuße gewähren und einem anderen Unternehmen, das sich damit begnügt hat, die wesentlichen Sachverhaltsfeststellungen,
         auf die die Kommission ihre Vorwürfe gestützt hat, nicht zu bestreiten, einen deutlich geringeren Nachlass einräumen.
      
      52     Das Eingeständnis der zur Last gelegten Zuwiderhandlung beruht nämlich, wie der Generalanwalt in Nummer 140 seiner Schlussanträge
         hervorgehoben hat, auf einer rein freiwilligen Entscheidung des betroffenen Unternehmens. Dieses ist keineswegs gezwungen,
         das Bestehen des Kartells einzuräumen.
      
      53     Somit stellt es keine Beeinträchtigung der Rechte der Verteidigung dar, wenn die Kommission für eine Ermäßigung der Geldbuße
         den Umfang der Zusammenarbeit des betreffenden Unternehmens mit ihr und auch das Eingeständnis der Zuwiderhandlung berücksichtigt.
      
      54     In diesem Sinne ist die Mitteilung über die Zusammenarbeit, insbesondere deren Abschnitt D zu verstehen, wonach die Kommission
         einem Unternehmen eine Ermäßigung von 10 % bis 50 % des Betrages der Geldbuße, der ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden
         wäre, gewähren kann, insbesondere wenn das Unternehmen der Kommission mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den die Kommission
         ihre Einwände stützt, nicht bestreitet. Die Art der Mitwirkung des betreffenden Unternehmens, die eine Ermäßigung der Geldbuße
         rechtfertigen kann, ist somit nicht auf die Einräumung der Tatsachen an sich beschränkt, sondern umfasst auch das Eingeständnis
         einer Beteiligung an der Zuwiderhandlung.
      
      55     Im vorliegenden Fall hat das Gericht in Randnummer 261 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass laut der streitigen Entscheidung
         nur Usinor und Avesta die Abstimmung eingeräumt hätten, während die TKS und die AST das Bestehen der Abstimmung bestritten
         und folglich die Zuwiderhandlung nicht zugegeben hätten. Die Kommission hat nach den Ausführungen des Gerichts daraus hergeleitet,
         dass die Kooperation der TKS und der AST geringer gewesen sei als die von Usinor und Avesta und eine ebenso große Ermäßigung
         der Geldbußen wie im Fall der Letztgenannten nicht gerechtfertigt habe.
      
      56     Die TKS hat nach den Ausführungen des Gerichts in Randnummer 263 des angefochtenen Urteils behauptet, ihre Entscheidungen
         bezüglich des Legierungszuschlags autonom getroffen zu haben. In Randnummer 264 des Urteils hat das Gericht daraus rechtsfehlerfrei
         hergeleitet, dass die TKS stillschweigend, aber zwangsläufig zu verstehen gegeben habe, dass die einer abgestimmten Verhaltensweise
         eigenen Kriterien der Koordinierung und Zusammenarbeit nicht erfüllt gewesen seien. In Randnummer 266 des Urteils ist das
         Gericht aufgrund dessen zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Unternehmen seine Beteiligung an der Zuwiderhandlung damit nicht
         ausdrücklich eingestanden habe.
      
      57     Die AST hat nach den Ausführungen des Gerichts in Randnummer 268 des angefochtenen Urteils zwar den Sachverhalt, auf den die
         Kommission sich gestützt hat, eingeräumt, eine Abstimmung aber nicht eingestanden.
      
      58     Dazu ist festzustellen, dass das Gericht in Randnummer 269 des angefochtenen Urteils das Argument der AST, ein solches Eingeständnis
         sei darin zu sehen, dass sie die Möglichkeit einer Qualifizierung ihres Verhaltens als abgestimmte Verhaltensweise nicht geleugnet
         habe, zu Recht zurückgewiesen hat. Das Gericht hat in Randnummer 270 des Urteils richtigerweise zwischen dem ausdrücklichen
         Eingeständnis einer Zuwiderhandlung und dem bloßen Nichtbestreiten differenziert, das zur Erleichterung der Aufgabe der Kommission,
         Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsvorschriften der Gemeinschaft festzustellen und zu verfolgen, nichts beiträgt.
      
      59     Außerdem hat sich das Gericht richtigerweise auf die Mitteilung über die Zusammenarbeit von 1996 bezogen, da die Fassung von
         2002 dieser Mitteilung zum Zeitpunkt der Verkündung des angefochtenen Urteils noch nicht vorlag. In diesem Zusammenhang hat
         das Gericht in Randnummer 275 des Urteils ebenfalls zu Recht festgestellt, dass die in dieser Mitteilung ausdrücklich genannte
         Möglichkeit des Eingeständnisses der Zuwiderhandlung in einem verhältnismäßig frühen Abschnitt des Verfahrens nicht ausschließt,
         dass das Eingeständnis auch zu einem späteren Zeitpunkt vor oder nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte an das betroffene
         Unternehmen erfolgen kann und die Kommission dieses Eingeständnis für eine Ermäßigung der Geldbuße berücksichtigt.
      
      60     Das Gericht hat somit zu Recht die Auffassung vertreten, dass das ausdrückliche Eingeständnis der Zuwiderhandlung zu einer
         zusätzlichen Ermäßigung der Geldbuße führen kann, und ist aufgrund dessen zu dem Ergebnis gelangt, dass der Umfang der Zusammenarbeit
         der TKS und der AST mit der Kommission in Ermangelung eines solchen Eingeständnisses eine ebenso große Ermäßigung ihrer Geldbuße,
         wie sie Usinor und Avesta gewährt worden ist, nicht rechtfertigt.
      
      61     Somit ist der Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass die gegen die TKS und die AST festgesetzte Geldbuße nicht weiter
         herabgesetzt worden sei, als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zum Rechtsmittelgrund eines Rechtsfehlers bei der Festsetzung der pauschalierten Geldbuße
       Vorbringen der Parteien
      62     Die TKS und die AST machen mit ihrem zweiten bzw. mit ihrem ersten Rechtsmittelgrund geltend, das Gericht habe in den Randnummern
         189 bis 192 des angefochtenen Urteils einen Rechtsfehler begangen, indem es nicht dem Umstand Rechnung getragen habe, dass
         zum Zeitpunkt der Festsetzung der Geldbuße, d. h. am 21. Januar 1998, die drei Einheiten TKS, der früher zu Thyssen gehörende
         Geschäftsbereich Edelstahl-Flacherzeugnisse und die AST zur selben Unternehmensgruppe gehörten und damit eine einzige wirtschaftliche
         Einheit unter der Leitung der TKS bildeten.
      
      63     Wenn der Betrag der Geldbuße pauschal und einheitlich berechnet werde, müsse die Kommission diesen Betrag auf die wirtschaftliche
         Einheit anwenden. Indem sie eine Geldbuße gegen jede der drei Einheiten der TKS-Gruppe festgesetzt habe, habe sie gegen die
         Gruppe in Wirklichkeit eine dreimal höhere Geldbuße festgesetzt als gegen die anderen betroffenen Unternehmen, nämlich Acerinox,
         die ALZ NV, Avesta und Usinor.
      
      64     Die AST fügt hinzu, die Festsetzung zweier getrennter Geldbußen, die eine gegen die TKS und die andere gegen sie selbst, könne
         nicht mit dem Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T-354/94 (Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission, Slg.
         1998, II‑2111) gerechtfertigt werden; zum einen habe der TKS beim Erwerb sämtlicher Anteile der AST deren Beteiligung am Kartell
         nämlich nicht verborgen geblieben sein können, da die TKS dem Kartell selbst beigetreten sei, und zum anderen sei die AST
         bei Beginn der Aktivitäten des Kartells nur eine unbedeutende Zeit unabhängig gewesen.
      
      65     Die TKS wirft dem Gericht eine Verweigerung des Rechtsschutzes und eine unzureichende Begründung des angefochtenen Urteils
         vor, weil es nur das Verhältnis des Unternehmens zur AST geprüft habe, ihr Vorbringen bezüglich der Gruppe, die sie mit dem
         früher zu Thyssen gehörenden Geschäftsbereich Edelstahl-Flacherzeugnisse gebildet habe, nicht behandelt habe und gegen Thyssen
         und sie selbst getrennte Geldbußen festgesetzt habe.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      66     Das Gericht hat in den Randnummern 189 und 191 des angefochtenen Urteils zu Recht festgestellt, dass die Verantwortlichkeit
         eines Unternehmens für eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften davon abhängt, ob es eigenständig gehandelt
         hat oder den Anweisungen der Muttergesellschaft gefolgt ist. Im letztgenannten Fall kann, wie das Gericht in Randnummer 189
         zutreffend ausgeführt hat, das wettbewerbswidrige Verhalten eines Unternehmens der Muttergesellschaft zugerechnet werden.
      
      67     Handeln dagegen an einem Kartell beteiligte Konzernunternehmen eigenständig, kann die Kommission, ausgehend von einem pauschalierten
         Betrag, gegen jedes von ihnen eine Geldbuße festsetzen.
      
      68     Im vorliegenden Fall hat das Gericht in Randnummer 191 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die TKS und die AST nicht
         bestritten hätten, während der gesamten Dauer des Kartells eigenständig gehandelt zu haben. Diese Feststellung ist mit den
         Rechtsmitteln nicht angegriffen worden. Infolgedessen konnte die Kommission auf jedes dieser Unternehmen den pauschalierten
         Grundbetrag sowie einen der Dauer der Zuwiderhandlung entsprechenden Betrag anwenden und die auf diese Weise berechnete Geldbuße
         von jedem der Unternehmen verlangen, da sie vom Anfang des Kartells an zwei getrennte juristische Personen geblieben waren.
         Unter diesen Umständen hat das Gericht keinen Rechtsfehler begangen, als es in Randnummer 192 des angefochtenen Urteils zu
         dem Ergebnis kam, dass das Vorbringen der TKS und der AST, wonach nur eine einzige pauschalierte Geldbuße gegen die Gruppe
         insgesamt hätte festgesetzt werden dürfen, zurückzuweisen war.
      
      69     Zu dem Vorbringen der AST bezüglich des Urteils Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission genügt der Hinweis, dass dieses Urteil
         vom Gerichtshof in dem von der AST angeführten Punkt aufgehoben wurde. Wie der Gerichtshof nämlich entschieden hat, reicht
         die Tatsache, dass einer Muttergesellschaft die Beteiligung der von ihr erworbenen Tochtergesellschaften an einem Kartell
         nicht verborgen geblieben sein kann, weil sie selbst an dem Kartell beteiligt war, nicht aus, um ihr die Verantwortung für
         die Zuwiderhandlungen aufzuerlegen, die die Tochtergesellschaften vor ihrem Erwerb begangen hatten (Urteil vom 16. November
         2000 in der Rechtssache C-286/98 P, Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission, Slg. 2000, I‑9925, Randnr. 39).
      
      70     Zu dem Vorwurf der TKS gegenüber dem Gericht, es habe sein Vorbringen zum Konzernverhältnis zwischen der TKS und dem ehemaligen
         Geschäftsbereich Edelstahl-Flacherzeugnisse von Thyssen nicht behandelt, ist, wie der Generalanwalt in den Nummern 91 und
         93 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, festzustellen, dass das Gericht aus Gründen der Prozessökonomie von einer besonderen
         Behandlung dieses Punktes absehen konnte. Da das Gericht Artikel 1 der streitigen Entscheidung, soweit dort der TKS die Verantwortung
         für die von Thyssen begangene Zuwiderhandlung auferlegt wurde, für nichtig erklärt und folglich die Höhe der in Artikel 2
         der Entscheidung gegen die TKS festgesetzten Geldbuße abgeändert hatte und damit dem von dem Unternehmen geltend gemachten
         Klagegrund eines Verstoßes gegen sein Recht auf Anhörung zu den Handlungen von Thyssen stattgegeben hatte, war es zur Prüfung
         eines anderen Klagegrundes, der auf das gleiche Ergebnis abzielte, nicht verpflichtet.
      
      71     Somit ist der Rechtsmittelgrund eines Rechtsfehlers bei der Festsetzung der pauschalierten Geldbuße unbegründet.
      72     Da keiner der von der TKS und der AST zur Stützung ihrer Rechtsmittel angeführten Gründe durchgreift, sind diese zurückzuweisen.
         
      
       Zum Anschlussrechtsmittel
       Zum ersten Anschlussrechtsmittelgrund einer Verfälschung der Beweise und einer rechtsfehlerhaften Beurteilung des Übergangs
            der Verantwortung von Thyssen auf die TKS
       Vorbringen der Parteien
      73     Die Kommission macht geltend, das Gericht habe die Erklärung vom 23. Juli 1997 zu eng ausgelegt, in der die TKS sich bereit
         erklärt habe, die Verantwortung für die Thyssen von 1993 an zur Last gelegten Handlungen zu übernehmen, obwohl ihr deren Geschäftsbereich
         Edelstahl-Flacherzeugnisse erst zum 1. Januar 1995 übertragen worden sei.
      
      74     Das Gericht habe den Inhalt dieser Erklärung entstellt, indem es in Randnummer 64 des angefochtenen Urteils zu Unrecht angenommen
         habe, dass die Erklärung nicht so verstanden werden könne, dass die TKS neben der Übernahme der Verantwortung auch auf ihr
         Recht verzichtet hätte, zu den Handlungen von Thyssen gehört zu werden.
      
      75     Nach Ansicht der Kommission hat das Gericht die Schriftstücke, die zu der Erklärung vom 23. Juli 1997 geführt hätten, nicht
         vollständig geprüft und dadurch verfälscht.
      
      76     Die TKS habe in ihrer Antwort auf die erste Mitteilung der Beschwerdepunkte ebenso wie im Schreiben vom 17. Dezember 1996
         sowohl in eigenem Namen als auch im Namen von Thyssen zu deren Geschäftstätigkeiten vor dem 1. Januar 1995 Stellung genommen.
         Außerdem habe sich die TKS in ihrer Antwort auf die zweite Mitteilung der Beschwerdepunkte wegen dieser Geschäftstätigkeiten
         auf das Schreiben vom 17. Dezember 1996 bezogen. Thyssen habe in ihrer Antwort auf die beiden Mitteilungen der Beschwerdepunkte
         lediglich auf die Erklärungen der TKS verwiesen und nur „höchst vorsorglich“ Stellung genommen. Schließlich habe Thyssen geltend
         gemacht, die Kommission könne das Verfahren nicht parallel gegen die TKS und Thyssen fortführen.
      
      77     Die Kommission fügt hinzu, dass durch die zweite Mitteilung der Beschwerdepunkte klargestellt worden sei, dass die TKS die
         Verantwortung für die Handlungen von Thyssen vor der Übertragung der Geschäftstätigkeiten dieses Unternehmens zum 1. Januar
         1995 übernommen habe, wie sie denn auch für die Handlungen von Krupp eingestanden sei.
      
      78     Dass die zweite Mitteilung der Beschwerdepunkte der TKS und Thyssen getrennt zugestellt worden sei und die beiden Unternehmen
         getrennt hierzu Stellung genommen hätten, sei ohne Bedeutung. Die Unternehmen hätten nämlich nur formal getrennt erwidert.
         Wenn dennoch Zweifel bestanden hätten, seien diese dadurch ausgeräumt worden, dass die Kommission im Anschluss an die Erwiderungen
         der Unternehmen auf diese Mitteilung die TKS nochmals um eine Bestätigung der Übernahme der Verantwortung für die Verhaltensweise
         von Thyssen seit 1993 gebeten habe.
      
      79     Außerdem macht die Kommission geltend, das Gericht habe die außergewöhnlichen Umstände nicht berücksichtigt, die es ihr erlaubt
         hätten, die Verantwortung für eine Zuwiderhandlung einer anderen juristischen Person als derjenigen, die sie begangen habe,
         aufzuerlegen. Zunächst sei die TKS der Rechtsnachfolger und der wirtschaftliche Nachfolger von Thyssen. Sodann habe sich das
         Verhalten dieser beiden Unternehmen bezüglich des Geschäftsbereichs von Thyssen, den die TKS übernommen habe, durch eine offensichtliche
         Handlungseinheit ausgezeichnet. Schließlich habe die TKS im Verwaltungsverfahren Erklärungen im Namen von Thyssen abgegeben.
         Die Kommission fügt hinzu, dass die Rechtsprechung ihren Standpunkt stütze, dass sie der TKS eine Geldbuße für das Verhalten
         von Thyssen habe auferlegen können.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      80     Es ist zu prüfen, ob das Gericht mit der Feststellung, dass die Erklärung vom 23. Juli 1997 keinen Verzicht der TKS auf ihr
         Anhörungsrecht bedeutet habe, dieses Beweismittel sowie u. U. die in den Randnummern 76 und 77 des vorliegenden Urteils genannten
         Schriftstücke verfälscht und damit einen Rechtsfehler begangen hat.
      
      81     Das Gericht hat in diesem Zusammenhang in Randnummer 62 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass es unstreitig sei, dass
         die Kommission wegen der Erklärung vom 23. Juli 1997 ausnahmsweise berechtigt gewesen sei, der TKS die Verantwortung für das
         Verhalten von Thyssen aufzuerlegen, das Letzterer für die Zeit vom 1. Dezember 1993 bis zum 1. Januar 1995, dem Übergang ihrer
         Geschäftstätigkeiten auf die TKS, zur Last gelegt worden sei.
      
      82     Das Gericht hat jedoch in Randnummer 63 des angefochtenen Urteils zu Recht darauf hingewiesen, dass eine solche Erklärung,
         da sie von dem Grundsatz abweicht, dass eine natürliche oder juristische Person nur für ihr individuell zur Last gelegte Handlungen
         mit Sanktionen belegt werden darf, eng auszulegen ist. Das Gericht hat daraus zutreffend abgeleitet, dass mangels entgegengesetzter
         Anhaltspunkte nicht davon ausgegangen werden kann, dass derjenige, der eine solche Erklärung abgibt, auf die Ausübung seiner
         Verteidigungsrechte verzichtet.
      
      83     Allerdings ist zu prüfen, ob das Gericht bei der Auslegung der Erklärung vom 23. Juli 1997 nicht andere Beweismittel im Zusammenhang
         mit dieser Erklärung übersehen hat.
      
      84     Nach Ansicht der Kommission ergibt sich aus den Antworten der TKS auf die beiden Mitteilungen der Beschwerdepunkte und dem
         Schreiben des Unternehmens vom 17. Dezember 1996, dass die TKS Erklärungen in eigenem Namen sowohl zu den eigenen Geschäftstätigkeiten
         als auch zu den von ihr übernommenen Geschäftstätigkeiten von Thyssen vor dem Erwerb dieses Unternehmens abgegeben habe. Thyssen
         habe selbst auf die Antworten der TKS verwiesen. Folglich sei davon auszugehen, dass die TKS mit dem Hinweis in ihrer Erklärung
         vom 23. Juli 1997, dass sie die Verantwortung für die Handlungen von Thyssen für die Zeit vor dem 1. Januar 1995 übernehme,
         sich bereit erklärt habe, die Geldbuße zu zahlen, die ihr wegen der Handlungen von Thyssen nach Abschluss des Verfahrens,
         wie es von der Kommission geführt worden sei, auferlegt würde. Daher könne diese Erklärung vom 23. Juli 1997 nicht so verstanden
         werden, dass die TKS sich zur Übernahme der Verantwortung nur unter der Bedingung bereit erklärt habe, zu den Vorwürfen noch
         einmal gehört zu werden.
      
      85     Festzustellen ist, dass die TKS in ihrem Schreiben vom 17. Dezember 1996 nicht ausdrücklich erklärt hat, auch im Namen von
         Thyssen zu sprechen. Zudem hat die TKS ihre Stellungnahme auf die erste Mitteilung der Beschwerdepunkte in eigenem Namen und
         für sich abgegeben. Auch wenn die TKS in diesen Schriftstücken zu bestimmten Geschäftstätigkeiten von Thyssen vor dem Erwerb
         des Unternehmens im Jahr 1995 Stellung nahm, lässt sich aus der Erklärung vom 23. Juli 1997 nicht herauslesen, dass die TKS
         ihre Verteidigung in diesem Punkt für umfassend und ausreichend hielt, so dass die Kommission ohne eine erneute Anhörung des
         Unternehmens hierzu gegen dieses eine Geldbuße wegen der Handlungen von Thyssen hätte festsetzen können.
      
      86     Da die Kommission an die TKS und an Thyssen getrennte Mitteilungen der Beschwerdepunkte gerichtet hatte und die Unternehmen
         zu den ihnen jeweils vorgeworfenen Handlungen getrennt Stellung genommen hatten, war die Kommission verpflichtet, die TKS
         zu den Handlungen von Thyssen zu befragen und anzuhören, bevor sie das Unternehmen für diese Handlungen zur Verantwortung
         ziehen und ihm eine Geldbuße für die Thyssen vorgeworfene Zuwiderhandlung auferlegen konnte.
      
      87     Infolgedessen ist festzustellen, dass das Gericht die Bedeutung der Erklärung vom 23. Juli 1997 oder der anderen der Kommission
         von der TKS vorgelegten Beweismittel nicht verfälscht hat. Es hat keinen Rechtsfehler mit der Feststellung begangen, dass
         die Übernahme der Verantwortung für die Handlungen von Thyssen nicht so zu verstehen war, dass die TKS auf eine Anhörung hierzu
         verzichtet hätte.
      
      88     Zu den in Randnummer 79 dieses Urteils genannten außergewöhnlichen Umständen, die von der Kommission geltend gemacht werden,
         genügt der Hinweis, dass die TKS nicht der wirtschaftliche Nachfolger von Thyssen ist, da Thyssen weiterhin als eigenständige
         juristische Person bis zum Erlass der streitigen Entscheidung bestanden hat. Die Handlungseinheit, die möglicherweise das
         Verhalten von Thyssen und der TKS nach dem 1. Januar 1995 gekennzeichnet hat, genügt wegen des in Randnummer 82 dieses Urteils
         angeführten Grundsatzes, dass eine juristische Person nur für die Handlungen mit einer Sanktion belegt werden kann, die ihr
         individuell zur Last gelegt worden sind, nicht, um der TKS die Handlungen von Thyssen vor diesem Zeitpunkt zurechnen zu können.
         Zu den Erklärungen der TKS im Verwaltungsverfahren bezüglich der Geschäftstätigkeiten von Thyssen ist in den Randnummern 85
         und 86 dieses Urteils bereits festgestellt worden, dass sie es nicht erlauben, der TKS die Verantwortung für die Handlungen
         von Thyssen vor diesem Zeitpunkt aufzuerlegen.
      
      89     Somit ist der von der Kommission zur Stützung ihres Anschlussrechtsmittels vorgetragene erste Grund zurückzuweisen.
       Zum zweiten und zum dritten Grund des Anschlussrechtsmittels, mit denen geltend gemacht wird, dass der Grundsatz des rechtlichen
            Gehörs und die Wahrung der Verteidigungsrechte nicht beeinträchtigt worden seien
       Vorbringen der Parteien
      90     Mit ihrem zweiten Rechtsmittelgrund macht die Kommission geltend, dass sie den Grundsatz des rechtlichen Gehörs nicht beeinträchtigt
         habe, da sie im Abschnitt 11 F der zweiten Mitteilung der Beschwerdepunkte darauf hingewiesen habe, dass die TKS die Verantwortung
         für die Handlungen von Thyssen vor der Übertragung des Geschäftsbereichs dieses Unternehmens zum 1. Januar 1995 zu tragen
         habe, und außerdem die TKS nochmals um eine ausdrückliche Bestätigung der Übernahme der Verantwortung gebeten habe.
      
      91     Mit ihrem dritten Rechtsmittelgrund trägt die Kommission vor, dass die TKS an der Wahrnehmung ihrer Verteidigungsrechte nicht
         gehindert worden sei, wie sich aus den Erwiderungen und Stellungnahmen ergebe, die das Unternehmen während des Verwaltungsverfahrens
         abgegeben habe. Zur Untermauerung dieses Vorbringens beruft sich die Kommission auf die Randnummern 142 bis 146 des Urteils
         vom 16. März 2000 in den Rechtssachen C‑395/96 P und C‑396/96 P, (Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission, Slg.
         2000, I‑1365). In der diesem Urteil zugrunde liegenden Rechtssache sei anders als in der vorliegenden Rechtssache in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte als Urheber der Zuwiderhandlung nur die Associated Central West Africa Lines, eine Linienkonferenz, und
         nicht deren Mitglieder genannt worden. Die Kommission verweist auch auf das Urteil des Gerichts vom 11. März 1999 in der Rechtssache
         T-137/94 (ARBED/Kommission, Slg. 1999, II-303). Ebenso wie die ARBED SA, der nach Ansicht des Gerichts die Verantwortung für
         die Handlungen ihrer Tochtergesellschaft TradeARBED SA habe auferlegt werden können, weil sie auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und das Auskunftsverlangen, die an die Tochtergesellschaft gerichtet gewesen seien, geantwortet habe, habe die TKS ihre Stellungnahme
         im Namen von Thyssen abgegeben, die sich ihrerseits auf diese Stellungnahme bezogen habe.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof 
      92     Dazu ist festzustellen, dass das Gericht in den Randnummern 55 und 56 des angefochtenen Urteils zu Recht erklärt hat, dass
         die Wahrung der Verteidigungsrechte in allen Verfahren, die zu Sanktionen führen können, einen durch Artikel 36 Absatz 1 EGKS-Vertrag
         gewährleisteten fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts darstellt. Es hat zutreffend darauf hingewiesen, dass die
         tatsächliche Beachtung dieses allgemeinen Grundsatzes es erfordert, dass dem betroffenen Unternehmen bereits im Verwaltungsverfahren
         Gelegenheit gegeben wird, zum Vorliegen und zur Erheblichkeit der von der Kommission angeführten Tatsachen und Umstände sowie
         zu den von ihr zur Stützung ihrer Behauptungen herangezogenen Schriftstücken gebührend Stellung zu nehmen. In Randnummer 57
         des Urteils hat das Gericht ausgeführt, dass grundsätzlich die natürliche oder juristische Person, die das betreffende Unternehmen
         zum Zeitpunkt der Zuwiderhandlung leitet, für diese Handlung einstehen muss, selbst wenn zum Zeitpunkt des Erlasses der Entscheidung
         über die Feststellung der Zuwiderhandlung eine andere Person für den Betrieb des Unternehmens verantwortlich ist. In eben
         diesem Sinne ist hinzuzufügen, dass die Mitteilung der Beschwerdepunkte angesichts ihrer Bedeutung eindeutig angeben muss,
         gegen welche juristische Person Geldbußen festgesetzt werden können, und an diese Person gerichtet werden muss (u. a. Urteil
         vom 2. Oktober 2003 in der Rechtssache C-176/99 P, ARBED/Kommission, Slg. 2003, I-10687, Randnr. 21).
      
      93     Da die Kommission entsprechend diesen Grundsätzen an Thyssen und an die TKS getrennte Mitteilungen der Beschwerdepunkte übersandt
         hatte, konnten Zweifel bestehen, wie weit die Vorwürfe gegen die TKS reichten und ob sich das Unternehmen gegen die Vorwürfe
         verteidigen musste, die in der getrennt an Thyssen gerichteten Mitteilung der Beschwerdepunkte enthalten waren. Der Hinweis
         in der zweiten Mitteilung der Beschwerdepunkte, dass die Handlungen von Thyssen vor der Gründung der TKS unter deren Verantwortung
         fielen, konnte diese Zweifel nicht völlig ausräumen. Im Übrigen ergibt sich aus den Randnummern 84 bis 86 dieses Urteils,
         dass zwar das an die TKS gerichtete Ersuchen um Bestätigung der Übernahme der Verantwortung für Thyssen und die Erklärung
         der TKS hierzu die Frage der Übernahme klären konnten, damit aber nicht die Frage erledigt war, ob die TKS Gelegenheit gehabt
         hatte, zur Gesamtheit der Vorwürfe Stellung zu nehmen, die gegen Thyssen für die Zeit zwischen 1993 und 1995 erhoben worden
         waren.
      
      94     Da die Kommission an Thyssen und an die TKS getrennte Mitteilungen der Beschwerdepunkte gerichtet hatte, konnte sie die vollständige
         Beachtung der Verteidigungsrechte der Letztgenannten nicht dadurch erreichen, dass sie die TKS im Anschluss an die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte zu der Erklärung aufforderte, ob sie noch anderes zu den speziell gegen Thyssen erhobenen Vorwürfen vorzutragen
         habe. 
      
      95     Somit hat die Kommission, auch wenn die TKS sich tatsächlich ausführlich zu den Handlungen von Thyssen vor dem 1. Januar 1995
         geäußert hatte, einen Verfahrensfehler begangen, der von der TKS zu Recht gerügt wurde. Daher hat das Gericht in Randnummer
         66 des angefochtenen Urteils zutreffend festgestellt, dass die Kommission der TKS keine Gelegenheit gegeben hatte, zum Vorliegen
         und zur Erheblichkeit der Thyssen zur Last gelegten Handlungen Stellung zu nehmen, so dass die TKS ihre Verteidigungsrechte
         insoweit nicht ausüben konnte.
      
      96     Die von der Kommission angeführte Rechtsprechung, d. h. das Urteil des Gerichts in der Rechtssache ARBED/Kommission und das
         des Gerichtshofes in der Rechtssache Companie maritime belge transports u. a./Kommission, kann die Argumentation, zu deren
         Stützung sie angeführt worden ist, nicht untermauern. Das Urteil des Gerichts ist nämlich auf ein Rechtsmittel hin vom Gerichtshof
         aufgehoben worden. Der Gerichtshof hat unter Hinweis namentlich auf das genannte Urteil Companie maritime belge transports
         u. a./Kommission festgestellt, dass das Gericht zu Unrecht entschieden hatte, dass die Tatsache, dass die Kommission an die
         ARBED SA keine Mitteilung der Beschwerdepunkte gerichtet hatte, obwohl sie ihr eine Geldbuße für die Handlungen ihrer Tochtergesellschaft
         TradeARBED SA auferlegt hatte, nicht zur Nichtigerklärung der Entscheidung der Kommission wegen Verletzung der Verteidigungsrechte
         führen könne (Urteil des Gerichtshofes ARBED/Kommission, Randnr. 24).
      
      97     Infolgedessen sind der zweite und der dritte Grund, die die Kommission zur Stützung ihres Anschlussrechtsmittels angeführt
         hat, zurückzuweisen.
      
      98     Da keiner der von der Kommission zur Stützung ihres Anschlussrechtsmittels geltend gemachten Gründe durchgreift, ist dieses
         zurückzuweisen.
      
       Kosten
      99     Nach Artikel 69 § 2 Absatz 1 der Verfahrensordnung, der gemäß Artikel 118 der Verfahrensordnung auf das Rechtsmittelverfahren
         anwendbar ist, ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Nach § 3 Absatz 1 dieses Artikels
         kann der Gerichtshof jedoch beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt und teils
         unterliegt. Da die TKS und die AST mit ihrem Vorbringen im Rahmen ihrer Rechtsmittel und die Kommission mit ihrem Vorbringen
         im Rahmen des Anschlussrechtsmittels unterlegen sind, trägt jede von ihnen ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Rechtsmittel und das Anschlussrechtsmittel werden zurückgewiesen.
      2.      Die ThyssenKrupp Stainless GmbH, die ThyssenKrupp Acciai speciali Terni SpA und die Kommission der Europäischen Gemeinschaften
            tragen jeweils ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprachen: Deutsch und Italienisch.