CELEX: 62007CJ0248
Language: de
Date: 2008-11-06
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 6. November 2008.#Trespa International BV gegen Nova Haven- en Vervoerbedrijf NV.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Hof van beroep te Antwerpen - Belgien.#Durchführungsverordnung zum Zollkodex der Gemeinschaften - Art. 291 und 297 - Zolltarifliche Abgabenbegünstigung - Besondere Verwendung - Ausdruck ‚Person, die die Waren für den freien Verkehr einführt oder einführen lässt‘ - Begriff ‚Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft‘ - Begriff ‚Übernehmer’.#Rechtssache C-248/07.

URTEIL DES GERICHTSHOFS (Dritte Kammer)
      6. November 2008(*)
      
      „Durchführungsverordnung zum Zollkodex der Gemeinschaften – Art. 291 und 297 – Zolltarifliche Abgabenbegünstigung – Besondere Verwendung – Ausdruck ‚Person, die die Waren für den freien Verkehr einführt oder einführen lässt‘ – Begriff ‚Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft‘ – Begriff ‚Übernehmer‘“
      In der Rechtssache C‑248/07
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Hof van beroep te Antwerpen (Belgien) mit Entscheidung
         vom 8. Mai 2007, beim Gerichtshof eingegangen am 23. Mai 2007, in dem Verfahren
      
      Trespa International BV
      gegen
      Nova Haven- en Vervoerbedrijf NV
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas sowie der Richter A. Ó Caoimh, J. N. Cunha Rodrigues, U. Lõhmus (Berichterstatter)
         und A. Arabadjiev,
      
      Generalanwalt: D. Ruiz-Jarabo Colomer,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 8. Mai 2008,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der Trespa International BV, vertreten durch S. D’Hoine, A. Jansen und K. Van den Bosch, advocaten,
      –        der Nova Haven- en Vervoerbedrijf NV, vertreten durch J. Stevens und B. Delbaere, advocaten,
      –        der belgischen Regierung, vertreten durch L. Van den Broeck und C. Pochet als Bevollmächtigte,
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch S. Schønberg und H. van Vliet als Bevollmächtigte,
      aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 1a, 291 und 297 der Verordnung (EWG) Nr. 2454/93 der Kommission
         vom 2. Juli 1993 mit Durchführungsvorschriften zu der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates zur Festlegung des Zollkodex
         der Gemeinschaften (ABl. L 253, S. 1) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 89/97 der Kommission vom 20. Januar 1997 (ABl.
         L 17, S. 28) geänderten Fassung (im Folgenden: Durchführungsverordnung).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der Trespa International BV (im Folgenden: Trespa) und der Nova
         Haven- en Vervoerbedrijf NV (im Folgenden: Nova) wegen eines Antrags von Trespa auf Entschädigung und Erstattung von Verwaltungskosten,
         die durch ein Verschulden von Nova angefallen sein sollen.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Zollkodex der Gemeinschaften
      3        Art. 5 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften (ABl.
         L 302, S. 1, im Folgenden: Zollkodex) lautet:
      
      „(1)      Unter den Voraussetzungen des Artikels 64 Absatz 2 und vorbehaltlich der im Rahmen des Artikels 243 Absatz 2 Buchstabe b)
         erlassenen Vorschriften kann sich jedermann gegenüber den Zollbehörden bei der Vornahme der das Zollrecht betreffenden Verfahrenshandlungen
         vertreten lassen.
      
      (2)      Die Vertretung kann sein
      –        direkt, wenn der Vertreter in Namen und für Rechnung eines anderen handelt;
      oder
      –        indirekt, wenn der Vertreter in eigenem Namen, aber für Rechnung eines anderen handelt.
      Die Mitgliedstaaten können das Recht, Zollanmeldungen in ihrem Gebiet
      –        in direkter Vertretung oder,
      –        in indirekter Vertretung
      abzugeben, in der Weise beschränken, dass der Vertreter ein Zollagent sein muss, der dort rechtmäßig seinen Beruf ausübt.
      …
      (4)      Der Vertreter muss erklären, für die vertretene Person zu handeln; er muss ferner angeben, ob es sich um eine direkte oder
         indirekte Vertretung handelt, und Vertretungsmacht besitzen.
      
      Personen, die nicht erklären, im Namen oder für Rechnung eines anderen zu handeln, oder die erklären, im Namen oder für Rechnung
         eines anderen zu handeln, aber keine Vertretungsmacht besitzen, gelten als in eigenem Namen und für eigene Rechnung handelnd.
      
      (5)      Die Zollbehörden können von einer Person, die erklärt, im Namen oder für Rechnung eines anderen zu handeln, den Nachweis für
         ihre Vertretungsmacht verlangen.“
      
      4        Art. 21 Abs. 1 des Zollkodex lautet:
      
      „Die zolltarifliche Abgabenbegünstigung, die für bestimmte Waren aufgrund ihrer Art oder ihrer besonderen Verwendung gewährt
         werden kann, ist von Voraussetzungen abhängig, die nach dem Ausschussverfahren festgelegt werden. Ist eine Bewilligung erforderlich,
         so gelten die Artikel 86 und 87“.
      
      5        Art. 29 Abs. 1 des Zollkodex bestimmt:
      
      „(1)      Der Zollwert eingeführter Waren ist der Transaktionswert, das heißt der für die Waren bei einem Verkauf zur Ausfuhr in das
         Zollgebiet der Gemeinschaft tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis, gegebenenfalls nach Berichtigung gemäß den Artikeln 32
         und 33 und unter der Voraussetzung, dass
      
      …
      c)      kein Teil des Erlöses aus späteren Weiterverkäufen, sonstigen Überlassungen oder Verwendungen der Waren durch den Käufer unmittelbar
         oder mittelbar dem Verkäufer zugute kommt, wenn nicht eine angemessene Berichtigung gemäß Artikel 32 erfolgen kann;
      
      …“
      6        Art. 86 des Zollkodex bestimmt:
      
      „Unbeschadet der im Rahmen des betreffenden Zollverfahrens geltenden besonderen Voraussetzungen wird die Bewilligung nach
         Artikel 85 sowie nach Artikel 100 Absatz 1 nur erteilt, wenn
      
      –        die betreffenden Personen die erforderliche Gewähr für den ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens bieten 
      und
      –         die Zollbehörden gewährleisten können, dass die Überwachung und die zollamtliche Prüfung im Rahmen der Zollverfahren nicht
         mit einem zu dem wirtschaftlichen Bedürfnis außer Verhältnis stehenden Verwaltungsaufwand verbunden sind.“
      
       Die Durchführungsverordnung
      7        Art. 1a der Durchführungsverordnung bestimmt:
      
      „Für die Anwendung der Artikel 16 bis 34 und 291 bis 308 gelten die Länder der Wirtschaftsunion Benelux als ein Mitgliedstaat.“
      8        Die für die Rechtssache des Ausgangsverfahrens maßgeblichen Vorschriften der Durchführungsverordnung, nämlich die Art. 291
         bis 304, befinden sich im Teil II („Zollrechtliche Bestimmung“) Titel I („Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr“)
         Kapitel 2 („Zulassung bestimmter Waren zu einer Abgabenbegünstigung aufgrund ihrer besonderen Verwendung“) Abschnitt 1 („Andere
         Waren als Schlachtpferde“) dieser Verordnung.
      
      9        Art. 291 der Durchführungsverordnung bestimmt: 
      
      „(1)      Die Zulassung einer in den zollrechtlich freien Verkehr übergeführten Ware zu einer Abgabenbegünstigung aufgrund ihrer besonderen
         Verwendung ist von einer schriftlichen Bewilligung abhängig, die der Person erteilt wird, die die Waren einführt oder einführen
         lässt.
      
      (2)      Diese Bewilligung wird auf schriftlichen Antrag des Beteiligten von den Zollbehörden des Mitgliedstaats erteilt, in dem die
         Ware zum zollrechtlich freien Verkehr angemeldet wird.
      
      (3)      …
      Der Beteiligte muss die Zollbehörden in die Lage versetzen, die Erzeugnisse während des Bearbeitungsverfahrens im Unternehmen
         oder seinen Niederlassungen zu verfolgen.“
      
      10      Art. 293 der Durchführungsverordnung lautet: 
      
      „Der Bewilligungsinhaber ist verpflichtet: 
      a)      die Ware der vorgeschriebenen besonderen Verwendung zuzuführen; 
      b)      eine Buchführung zu halten, die es den Zollbehörden ermöglicht, die von ihnen für erforderlich gehaltenen Kontrollen der tatsächlichen
         Verwendung der betreffenden Ware zu dem vorgeschriebenen besonderen Zweck durchzuführen; diese Bücher sind aufzubewahren.“
      
      11      Art. 295 Abs. 1 der Durchführungsverordnung sieht vor:
      
      „Die Waren gelten in folgenden Fällen als der betreffenden besonderen Verwendung zugeführt:
      …
      2.      im Falle von Waren, die wiederholt verwendet werden können, zwei Jahre nach der ersten Verwendung zu dem vorgeschriebenen
         Zweck; der Beginn der ersten Verwendung ist in der in Artikel 293 Buchstabe b) genannten Buchführung einzutragen; jedoch gilt
         als maßgebender Zeitpunkt
      
      …
      c)      für in Anhang 40 Teil I angeführte Waren, die zum Bau, zur Instandsetzung, zur Instandhaltung, zum Umbau oder zur Ausrüstung
         bestimmter Luftfahrzeuge bestimmt sind, der Zeitpunkt der Übertragung des Luftfahrzeugs auf eine andere Person als den Bewilligungsinhaber
         oder der Zeitpunkt der Überlassung an den Eigentümer nach Durchführung einer der genannten Tätigkeiten;
      
      d)      für in Anhang 40 Teil II angeführte Waren, die zum Bau, zur Instandsetzung, zur Instandhaltung, zum Umbau oder zur Ausrüstung
         bestimmter Schiffe, Bohr- oder Förderplattformen bestimmt sind, der Zeitpunkt der Übertragung des Schiffs oder der Bohr- oder
         Förderplattform oder ihrer Überstellung an den Eigentümer nach Durchführung einer der genannten Tätigkeiten;
      
      …“
      12      Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung bestimmt: 
      
      „Im Falle einer Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft muss der Übernehmer im Besitz einer nach Artikel 291 erteilten
         Bewilligung sein.“
      
      13      Art. 298 Abs. 4 und 5 dieser Verordnung sieht vor:
      
      „(4)      Sofort nach Eintreffen der Waren verbucht der Übernehmer/Empfänger diese in seiner Buchführung im Sinne des Artikels 293 Buchstabe b),
         zu der er auch das Original nimmt, übermittelt die vierte Durchschrift unverzüglich der zuständigen Zollstelle des Bestimmungsmitgliedstaats
         nach den von letzterem festgelegten Bedingungen und teilt ihr das Ankunftsdatum mit. Bei Auftreten von Mehrmengen, Fehlmengen,
         Vertauschungen oder sonstigen Unregelmäßigkeiten verständigt er unverzüglich diese Zollstelle. Ferner sendet er die fünfte
         Durchschrift an den Übernehmer/Versender.
      
      (5)      Ab dem in Absatz 4 genannten Zeitpunkt gehen die sich aus diesem Kapitel ergebenden Verpflichtungen des Überlassers/Versenders
         auf den Übernehmer/Empfänger über. Bis zu diesem Zeitpunkt obliegen die genannten Verpflichtungen dem Überlasser/Versender.“
      
      14      Art. 300 dieser Verordnung lautet:
      
      „Jede Übertragung innerhalb eines Mitgliedstaats muss der Zollbehörde mitgeteilt werden. Die Form, die Frist und die übrigen
         Voraussetzungen für diese Mitteilung werden von der Zollbehörde festgesetzt. Aus dieser Mitteilung muss der Zeitpunkt der
         Übertragung der Ware hervorgehen.
      
      Von diesem Zeitpunkt an übernimmt der Übernehmer für die übernommenen Waren die Verpflichtungen, die sich aus diesem Abschnitt
         ergeben.“
      
      15      Art. 302 dieser Verordnung sieht vor:
      
      „(1)      Die Verwendung der Waren zu einem anderen als dem für die Abgabenbegünstigung nach Artikel 291 vorgeschriebenen Zweck wird
         von den Zollbehörden nur bewilligt, wenn der Bewilligungsinhaber diesen Behörden nachweist, dass die Waren aus Gründen, die
         mit dem Bewilligungsinhaber oder den Waren selbst zusammenhängen, der vorgeschriebenen besonderen Verwendung nicht zugeführt
         werden konnten.
      
      …
      (3)      Die Vergünstigung nach den Absätzen 1 und 2 ist davon abhängig, dass der Bewilligungsinhaber den nach Artikel 208 des Zollkodex
         festgesetzten Einfuhrabgabenbetrag entrichtet.“
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      16      Trespa führt seit dem 1. Januar 1995 Kraftpapier, das für die Herstellung von Baumaterialien verwendet wird, aus den Vereinigten
         Staaten in die Niederlande ein. Sie kauft diese Waren von der amerikanischen Firma Westvaco zu den Verkaufsbedingungen „delivered
         duty unpaid“ (frei unverzollt). Nach diesen Bedingungen trägt der Verkäufer die Kosten für die Lagerung, und Trespa kann die
         Waren aus den betreffenden Lagerbeständen nach Bedarf abrufen.
      
      17      Bis Mai 1997 wurde das Kraftpapier an die Gesellschaft Moerdijk Marine Services in Moerdijk (Niederlande) geliefert, wo es
         anschließend eingelagert wurde. Im Mai 1997 informierte der europäische Zweig der Gesellschaft Westvaco, die Westvaco Europe
         NV, Trespa darüber, dass sie beabsichtige, ihr Lager von Moerdijk nach Antwerpen (Belgien) zu verlegen und Zollabfertigungen,
         Einlagerungen und Lagerentnahmen über Nova abzuwickeln. 
      
      18      Zeitgleich mit der Verlegung des Lagers der Westvaco Europe NV nach Antwerpen beantragte Trespa bei der Kommission der Europäischen
         Gemeinschaften eine Zollaussetzung für das Kraftpapier, um keine Einfuhrabgaben entrichten zu müssen. Dieser Antrag stützte
         sich auf den Umstand, dass in der Europäischen Union nicht ausreichend Kraftpapier hergestellt wurde, um den Bedarf von Trespa
         zu decken.
      
      19      Am 27. Juni 1997 erließ der Rat der Europäischen Union die Verordnung (EG) Nr. 1291/97 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2505/96
         zur Eröffnung und Verwaltung autonomer Gemeinschaftszollkontingente für bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse und gewerbliche
         Waren und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 3059/95 zur Eröffnung und Verwaltung von Gemeinschaftszollkontingenten für
         bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse und gewerbliche Waren (1. Serie 1996) (ABl. L 176, S. 17), nach der für eine Kontingentsmenge
         von 8 000 Tonnen Kraftpapier des KN-Codes 4804 4191 10 und von 7 000 Tonnen Kraftpapier des KN-Codes 4804 5190 10 der Zollsatz 0 %
         galt.
      
      20      Nach der Verordnung Nr. 1291/97 waren diese beiden Zollkontingente der Einfuhr von Kraftpapier vorbehalten, das einer besonderen
         Verwendung, insbesondere der Herstellung bestimmter Waren, zugeführt wird.
      
      21      Zwischen Juli 1997 und Januar 1998 verzollte Nova die Waren von Trespa unter Inanspruchnahme der Eingangsabgabenfreiheit ohne
         Einwände von Seiten der Zollbehörden von Antwerpen. Im Januar 1998 prüften diese Behörden bei einer externen Buchprüfung die
         Verzollungsunterlagen und teilten Nova mit, dass die genannten Zollkontingente nicht unbedingt gälten, sondern von der Voraussetzung
         abhängig seien, dass die eingeführten Waren einer besonderen Verwendung zugeführt würden, für die eine Bewilligung erforderlich
         sei. 
      
      22      Nachdem Trespa diese Information von Nova erhalten hatte, beantragte sie am 26. Januar 1998 bei den niederländischen Zollbehörden
         eine Bewilligung zur besonderen Verwendung, um Kraftpapier aus den Vereinigten Staaten für die Herstellung von Trespa-Platten
         einfuhrabgabenfrei einführen zu können. Am 17. Juni 1998 wurde ihr diese Bewilligung von den niederländischen Zollbehörden
         mit dem Hinweis erteilt, dass sie ab dem 1. Januar 1998 gelte. 
      
      23      Nova stellte einen entsprechenden Antrag bei den belgischen Zollbehörden, und die Bewilligung zur besonderen Verwendung wurde
         ihr am 17. Februar 1998 für Waren des KN-Codes 4804 4199 10 erteilt. Sie stellte daraufhin einen ergänzenden Antrag, und die
         Bewilligung wurde mit Wirkung vom 11. Juni 1998 auf die KN-Codes 4804 4191 10 und 4804 5190 10 erweitert.
      
      24      Am 2. Dezember 1999 richteten die belgischen Zollbehörden an Nova einen Nacherhebungsbescheid über Zölle und Mehrwertsteuer
         für Waren, die für Rechnung von Trespa eingeführt worden waren. Nachdem Nova Trespa von diesem Bescheid in Kenntnis gesetzt
         und sie um Erstattung der von ihr zu zahlenden Beträge gebeten hatte, entrichtete Nova selbst ungefähr 508 400 Euro für Zölle
         und Mehrwertsteuer.
      
      25      Trespa beantragte darüber hinaus bei den niederländischen Zollbehörden die Durchführung einer Verwaltungsprüfung, um zu beweisen,
         dass die eingeführten Waren ab dem 1. Januar 1998 der in der Beschreibung der jeweiligen Tarifpositionen vorgeschriebenen
         Verwendung zugeführt worden waren. 
      
      26      Außer für eine geringe Menge konnte Trespa nachweisen, dass die eingeführten Waren der vorgesehenen besonderen Verwendung
         zugeführt worden waren, so dass die belgischen Zollbehörden zwischen dem 30. November 2000 und dem 15. Dezember 2003 Nova
         fast den gesamten Betrag der von ihr gezahlten Abgaben, nämlich ungefähr 507 200 Euro, erstatteten.
      
      27      Nova hatte jedoch schon am 18. Januar 2000 eine Rechnung auf den Namen von Trespa über den Betrag der von ihr entrichteten
         Zölle und Mehrwertsteuer erstellt. Am 7. November 2001 erhob Nova bei der Rechtbank van koophandel te Antwerpen (Handelsgericht
         Antwerpen) Klage gegen Trespa auf Erstattung von ca. 203 100 Euro zuzüglich Zinsen und einer pauschalen Entschädigung in Höhe
         von 10 % des Betrags der genannten Rechnung für Verwaltungskosten. Aufgrund der Erstattungen, die sie später von den belgischen
         Zollbehörden erhalten hatte, änderte Nova diesen Antrag, nahm ihn aber nicht vollständig zurück. Trespa erhob ihrerseits Widerklage
         auf Entschädigung und Erstattung der ihr entstandenen Verwaltungskosten.
      
      28      Die Rechtbank van koophandel te Antwerpen traf am 26. November 2004 ihre Entscheidung. Sie führte aus, dass nicht nachgewiesen
         sei, dass ein Verschulden von Nova zur Nacherhebung der belgischen Zollbehörden geführt habe, und dass auch nicht erwiesen
         sei, dass Nova selbst über eine Bewilligung zur besonderen Verwendung hätte verfügen müssen. Trespa und Nova wurden schließlich
         beide verurteilt, einander bestimmte Beträge zu zahlen. Trespa legte gegen dieses Urteil am 1. Februar 2005 Berufung ein.
      
      29      Trespa ist der Auffassung, die Nacherhebung der Zölle könne nur auf ein Verschulden von Nova zurückzuführen sein, die zum
         Zeitpunkt der Zollanmeldung bei der belgischen Zoll- und Verbrauchssteuerverwaltung im Besitz einer Bewilligung zur besonderen
         Verwendung hätte sein müssen, es aber nicht gewesen sei. Nova ist der Ansicht, dass nur ihre Auftraggeberin, nämlich Trespa,
         Inhaberin einer solchen Bewilligung hätte sein müssen.
      
      30      Unter diesen Umständen hat der Hof van beroep te Antwerpen das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur
         Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Ist die Person, die die Waren für den freien Verkehr einführt oder einführen lässt, im Sinne von Art. 291 der Durchführungsverordnung
         auch der Zollagent, der die Anmeldung im eigenen Namen und für eigene Rechnung vornimmt, oder nur der Importeur, für den die
         Waren bestimmt sind?
      
      2.      Liegt eine Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft im Sinne der Art. 297 bzw. 1a der Durchführungsverordnung vor,
         wenn die Waren in Antwerpen in die Gemeinschaft eingeführt und danach in die Niederlande befördert werden? Muss die Person
         im Sinne von Art. 291 der Durchführungsverordnung in diesem Fall im Besitz der in diesem Artikel genannten Bewilligung sein?
      
      3.      Ist unter „Übernehmer“ im Sinne von Art. 297 der Durchführungsverordnung der Zollagent zu verstehen, der die Waren für Rechnung
         des eigentlichen Importeurs zur Einfuhr aus einem Drittstaat in einen Mitgliedstaat der Europäischen Union abfertigt?
      
       Zu den Vorlagefragen
       Zur Zulässigkeit
      31      Die Kommission äußert Zweifel an der Zulässigkeit des Vorabentscheidungsersuchens. Sie trägt vor, dass der Rechtsstreit des
         Ausgangsverfahrens das Zivilrechtsverhältnis zwischen den Parteien des Ausgangsverfahrens betreffe, das sich nach dem belgischen
         Code civil richte, und dass nicht klar erkennbar sei, dass die Fragen für die Entscheidung dieses Rechtsstreits erheblich
         seien. Die Kommission räumt zwar ein, dass diesen Fragen eine gewisse Bedeutung im Rechtsstreit des Ausgangsverfahrens zukommen
         könne, sie ist jedoch nicht überzeugt, dass die Antwort, die auf diese Fragen zu geben sei, für die Entscheidung des Rechtsstreits
         ausreiche.
      
      32      Insoweit ist daran zu erinnern, dass im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen dem Gerichtshof und den nationalen Gerichten nach
         Art. 234 EG es allein Sache des mit dem Rechtsstreit befassten nationalen Gerichts ist, in dessen Verantwortungsbereich die
         zu erlassende gerichtliche Entscheidung fällt, im Hinblick auf die Besonderheiten der bei ihm anhängigen Rechtssache sowohl
         die Erforderlichkeit einer Vorabentscheidung zum Erlass seines Urteils als auch die Erheblichkeit der dem Gerichtshof von
         ihm vorgelegten Fragen zu beurteilen (vgl. u. a. Urteile vom 22. November 2005, Mangold, C‑144/04, Slg. 2005, I‑9981, Randnr. 34,
         vom 14. Dezember 2006, Confederación Española de Empresarios de Estaciones de Servicio, C‑217/05, Slg. 2006, I‑11987, Randnr. 16,
         und vom 18. Juli 2007, Lucchini, C‑119/05, Slg. 2007, I‑6199, Randnr. 43).
      
      33      Daraus folgt, dass eine Vermutung für die Entscheidungserheblichkeit der Vorlagefragen des nationalen Gerichts besteht, die
         es zur Auslegung des Gemeinschaftsrechts in dem rechtlichen und sachlichen Rahmen stellt, den es in eigener Verantwortung
         festlegt und dessen Richtigkeit der Gerichtshof nicht zu prüfen hat (vgl. Urteile vom 15. Mai 2003, Salzmann, C‑300/01, Slg. 2003,
         I‑4899, Randnr. 31, und vom 5. Dezember 2006, Cipolla u. a., C‑94/04 und C‑202/04, Slg. 2006, I‑11421, Randnr. 25). Diese
         Vermutung der Erheblichkeit kann nur in Ausnahmefällen ausgeräumt werden, und zwar dann, wenn die erbetene Auslegung des Gemeinschaftsrechts
         offensichtlich in keinem Zusammenhang mit der Realität oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits steht, wenn das Problem
         hypothetischer Natur ist oder wenn der Gerichtshof nicht über die tatsächlichen oder rechtlichen Angaben verfügt, die für
         eine zweckdienliche Beantwortung der ihm vorgelegten Fragen erforderlich sind (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 16. Juni 2005,
         Pupino, C‑105/03, Slg. 2005, I‑5285, Randnr. 30, und vom 28. Juni 2007, Dell’Orto, C‑467/05, Slg. 2007, I‑5557, Randnr. 40).
      
      34      Im vorliegenden Fall lässt sich auf der Grundlage einer Auslegung der gemeinschaftlichen Zollregelung klären, ob ein Zollagent
         unter den Umständen der Rechtssache des Ausgangsverfahrens Inhaber einer Bewilligung zur besonderen Verwendung sein muss.
         Aus den Akten ergibt sich, dass diese Information notwendig ist, um zu entscheiden, ob Nova einen Fehler in ihrem Verhältnis
         zu Trespa begangen hat, und um festzustellen, wer die Kosten tragen muss, die durch die Nacherhebung der in Rede stehenden
         Zölle entstanden sind. Es handelt sich somit weder um ein hypothetisches Problem noch um eine Frage, die in keinem Zusammenhang
         mit der Realität oder dem Gegenstand des Ausgangsrechtsstreits steht. 
      
      35      Zwar wird im Vorabentscheidungsersuchen nicht eindeutig angegeben, ob der Zollagent, nämlich Nova, die Zollanmeldungen für
         eigene Rechnung oder für Rechnung von Trespa abgegeben hat. Die erste und die dritte Vorlagefrage rufen in dieser Hinsicht
         eine Ungewissenheit hervor, die durch die gegensätzlichen schriftlichen und mündlichen Erklärungen der Parteien des Ausgangsverfahrens
         noch verstärkt wird. 
      
      36      Der Gerichtshof kann im Rahmen des Verfahrens nach Art. 234 EG eine Streitfrage bezüglich des Sachverhalts nicht klären. Eine
         solche Streitfrage fällt, wie im Übrigen jede Würdigung des dem Rechtsstreit zugrunde liegenden Sachverhalts, in die Zuständigkeit
         des nationalen Gerichts (vgl. Urteil vom 11. September 2008, CEPSA, C‑279/06, Slg. 2008, I-0000, Randnr. 30 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      37      Im vorliegenden Fall verfügt der Gerichtshof aber über ausreichende Angaben, um die betreffenden Gemeinschaftsbestimmungen
         auslegen und, gegebenenfalls unter Differenzierung zwischen verschiedenen Fällen, eine sachdienliche Antwort geben zu können.
      
      38      Das Vorabentscheidungsersuchen ist somit zulässig.
      
       Zur Beantwortung der Fragen
       Zur ersten Frage
      39      Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob Art. 291 Abs. 1 der Durchführungsverordnung dahin auszulegen
         ist, dass der darin verwendete Ausdruck „Person, die die Waren einführt oder einführen lässt“ neben dem Einführer, für den
         die Waren bestimmt sind, den Zollagenten, der die Zollanmeldung abgibt, umfasst. 
      
      40      Vorab ist festzustellen, dass weder im Zollkodex noch in der Durchführungsverordnung der Begriff „Zollagent“ definiert wird.
         In Art. 5 des Zollkodex wird der „Zollagent“ als Vertreter gegenüber den Zollbehörden genannt. 
      
      41      Art. 5 des Zollkodex bestimmt zudem, dass sich jedermann gegenüber den Zollbehörden bei der Vornahme der das Zollrecht betreffenden
         Verfahrenshandlungen vertreten lassen kann. Diese Vertretung kann direkt oder indirekt sein, je nachdem, ob der Vertreter
         im Namen und für Rechnung eines anderen oder in eigenem Namen, aber für Rechnung eines anderen handelt. 
      
      42      Wie in Randnr. 35 des vorliegenden Urteils ausgeführt worden ist, kann der Gerichtshof nicht feststellen, in welcher Eigenschaft
         Nova als Zollagent die im Ausgangsverfahren in Rede stehenden Zollanmeldungen abgegeben hat. Es ist Sache des vorlegenden
         Gerichts, diese Tatsachenfrage aufzuklären. 
      
      43      Nimmt man an, dass Nova als Vertreterin im Sinne von Art. 5 des Zollkodex gehandelt hat, ist es wahrscheinlich, dass sie die
         genannten Anmeldungen für Rechnung von Trespa nach den Modalitäten der indirekten Stellvertretung abgegeben hat, weil die
         belgischen Zollvorschriften nach den von Nova und der belgischen Regierung vor dem Gerichtshof abgegebenen Erklärungen keine
         direkte Stellvertretung vorsehen.
      
      44      Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass Nova nicht erklärt hat, dass sie für Rechnung von Trespa handele, oder dass sie
         keine Vertretungsmacht hatte. Es ergibt sich aus Art. 5 Abs. 4 Unterabs. 2 des Zollkodex, dass Personen, die die Zollanmeldungen
         abgegeben haben, in einem solchen Fall als im eigenen Namen und für eigene Rechnung handelnd gelten. Diese Personen sind dann
         als Einführer und nicht als Vertreter anzusehen.
      
      45      Außerdem ist zu bestimmen, ob in diesen beiden Fällen ein Zollagent wie Nova Inhaber einer schriftlichen Bewilligung im Sinne
         von Art. 291 der Durchführungsverordnung sein muss.
      
      46      In Teil II Titel I Kapitel 2 der Durchführungsverordnung, in dem die Zulassung bestimmter Waren zu einer Abgabenbegünstigung
         aufgrund ihrer besonderen Verwendung geregelt ist, wird zwar der Ausdruck „Person, die die Waren einführt oder einführen lässt“
         nicht definiert, doch werden dem Inhaber der genannten Bewilligung dort bestimmte Pflichten auferlegt, aufgrund deren festgestellt
         werden kann, wer die in Art. 291 Abs. 1 der Durchführungsverordnung bezeichnete Person ist.
      
      47      So schreibt Art. 291 Abs. 3 Unterabs. 2 der Durchführungsverordnung vor, dass der Beteiligte die Zollbehörden in die Lage
         versetzen muss, die Erzeugnisse während des Bearbeitungsverfahrens im Unternehmen oder in seinen Niederlassungen zu verfolgen.
         Aus Art. 293 der Durchführungsverordnung ergibt sich auch, dass der Bewilligungsinhaber verpflichtet ist, die Ware der vorgeschriebenen
         besonderen Verwendung zuzuführen, eine Buchführung vorzunehmen, die es den Zollbehörden ermöglicht, die von ihnen für erforderlich
         gehaltenen Kontrollen durchzuführen, und diese Buchführung aufzubewahren. 
      
      48      Diese Pflichten zeigen, wie die Kommission zu Recht vorträgt, dass es sich bei der Person, die die Ware einführt oder einführen
         lässt, d. h. die Person, die im Besitz der Bewilligung nach Art. 291 der Durchführungsverordnung sein muss, um diejenige handelt,
         für die die Ware bestimmt ist und die die Absicht hat, sie der vorgeschriebenen besonderen Verwendung zuzuführen. Nur diese
         Person kann die in den Art. 291 und 293 der Durchführungsverordnung vorgesehenen Pflichten erfüllen.
      
      49      Der Umstand, dass Art. 291 Abs. 1 der Durchführungsverordnung alternativ die Wendungen „Person, die die Waren einführt“ und
         „Person, die die Waren einführen lässt“ gebraucht, weist darauf hin, dass es zulässig ist, Waren zur besonderen Verwendung
         einzuführen, indem man sich gegenüber den Zollbehörden gemäß Art. 5 des Zollkodex vertreten lässt. 
      
      50      Daraus ergibt sich, dass der Vertreter, der Zollanmeldungen für Rechnung eines anderen abgibt, nicht die Person im Sinne von
         Art. 291 Abs. 1 der Durchführungsverordnung ist und somit nicht Inhaber einer Bewilligung im Sinne dieses Artikels sein muss.
      
      51      Nur in dem in Randnr. 44 des vorliegenden Urteils genannten Fall, dass der Zollagent nicht erklärt, im Namen und für Rechnung
         einer anderen Person zu handeln, oder zwar erklärt, im Namen und für Rechnung einer anderen Person zu handeln, aber keine
         Vertretungsmacht besitzt, wird der Zollagent selbst als Einführer angesehen und muss daher im Besitz einer schriftlichen Bewilligung
         sein, um eine zolltarifliche Abgabenbegünstigung für die eingeführten Waren erhalten zu können.
      
      52      In dieser Hinsicht ist daran zu erinnern, dass sich aus Art. 21 in Verbindung mit Art. 86 des Zollkodex ergibt, dass eine
         Bewilligung nur erteilt wird, wenn die betreffenden Personen die erforderliche Gewähr für den ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens
         bieten. Wird die Bewilligung jedoch erteilt, kann ihr Inhaber aber nachträglich nicht beweisen, dass die Waren insgesamt der
         vorgeschriebenen besonderen Verwendung zugeführt worden sind, so ist dieser nach Art. 302 der Durchführungsverordnung verpflichtet,
         die nach dem Zollkodex festgesetzten Einfuhrabgaben zu entrichten.
      
      53      Das Vorbringen der belgischen Regierung, dass ein Zollagent zur Gewährleistung der zollamtlichen Überwachung auch dann über
         eine Bewilligung zur besonderen Verwendung verfügen müsse, wenn er die Waren für Rechnung seines Auftraggebers in seinem eigenen
         Lager unterbringe, ist zurückzuweisen. Aus den Art. 291 bis 304 ergibt sich nämlich nicht, dass Waren, die zu einer besonderen
         Verwendung bestimmt sind, ununterbrochen unter zollamtlicher Überwachung bleiben müssen. Diese Waren werden vielmehr in den
         zollrechtlich freien Verkehr übergeführt, und die Zollbehörden müssen in der Lage sein, Kontrollen entweder im Betrieb des
         Unternehmens des Einführers während des Bearbeitungsverfahrens der genannten Waren oder auf der Grundlage der Buchführung
         des Einführers durchzuführen, um nachträglich zu prüfen, ob die betreffenden Waren tatsächlich der vorgeschriebenen besonderen
         Verwendung zugeführt worden sind.
      
      54      Auf die erste Frage ist deshalb zu antworten, dass Art. 291 Abs. 1 der Durchführungsverordnung dahin auszulegen ist, dass
         sich der Ausdruck „Person, die die Waren einführt oder einführen lässt“ auf die Person bezieht, für die die Ware bestimmt
         ist und die die Absicht hat, sie der vorgeschriebenen besonderen Verwendung zuzuführen, und zwar unabhängig davon, ob sie
         die Zollanmeldung selbst abgibt oder sich dabei im Sinne von Art. 5 des Zollkodex vertreten lässt. Der genannte Ausdruck bezieht
         sich, abgesehen von den Fällen, in denen eine Person nach Art. 5 Abs. 4 Unterabs. 2 des Zollkodex als im eigenen Namen und
         für eigene Rechnung handelnd gilt und somit als Einführer anzusehen ist, nicht auf den Vertreter der oben bezeichneten Person
         gegenüber den Zollbehörden.
      
       Zur zweiten Frage
      55      Mit seiner zweiten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung in Verbindung
         mit Art. 1a der Durchführungsverordnung dahin auszulegen ist, dass in einer Situation, in der Waren nach Belgien eingeführt
         und danach in die Niederlande befördert werden, eine Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft vorliegt. Es möchte
         zudem wissen, ob in einem solchen Fall die Person im Sinne von Art. 291 der Durchführungsverordnung im Besitz der in diesem
         Artikel genannten Bewilligung sein muss.
      
      56      Die Art. 291 und 297 der Durchführungsverordnung regeln unterschiedliche Vorgänge. Art. 291 regelt die Einfuhr einer Ware
         unter Gewährung einer zolltariflichen Abgabenbegünstigung wegen ihrer besonderen Verwendung, während Art. 297 die Übertragung
         von Waren innerhalb der Gemeinschaft betrifft, die nach ihrer Einfuhr, aber vor ihrer Zuführung zur vorgeschriebenen besonderen
         Verwendung erfolgt.
      
      57      Daraus ergibt sich, dass Ausführungen des Gerichtshofs zur Beantwortung des zweiten Teils der zweiten Frage nicht erforderlich
         sind, da sich, wenn es sich um eine Einfuhr handelt, die Antwort bereits aus Randnr. 54 des vorliegenden Urteils ergibt. Wenn
         es sich dagegen um eine Übertragung handelt, wird die Person, die im Besitz einer Bewilligung sein muss, nämlich der Übernehmer,
         in Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung genannt.
      
      58      Art. 297 der Durchführungsverordnung bestimmt, dass im Falle einer Übertragung der Waren innerhalb der Gemeinschaft der Übernehmer
         im Besitz einer nach Art. 291 erteilten Bewilligung sein muss. Art. 1a der Durchführungsverordnung sieht vor, dass für die
         Anwendung von u. a. deren Art. 291 bis 308 die Länder der Wirtschaftsunion Benelux als ein Mitgliedstaat gelten.
      
      59      Trespa trägt in ihren beim Gerichtshof abgegebenen Erklärungen vor, dass es sich bei jedem Wechsel des Besitzes an den eingeführten
         Waren um eine Übertragung im Sinne von Art. 297 der Durchführungsverordnung handele.
      
      60      Die Kommission ist dagegen der Ansicht, dass es sich nur beim Wechsel des Eigentums an den betreffenden Waren um eine solche
         Übertragung handeln könne.
      
      61      Nova trägt vor, dass keine Übertragung innerhalb der Gemeinschaft vorliege, da das Königreich Belgien und das Königreich der
         Niederlande als ein Mitgliedstaat im Sinne von Art. 1a der Durchführungsverordnung anzusehen seien.
      
      62      Dieser letztgenannten Ansicht kann nicht gefolgt werden. Aus der Rechtsprechung des Gerichtshofs zur Auslegung einer Art. 297
         der Durchführungsverordnung vorausgegangenen, aber gleichlautenden Bestimmung ergibt sich, dass die Übertragung der Waren
         innerhalb der Gemeinschaft sowohl die Übertragung von einem Mitgliedstaat in einen anderen als auch diejenige innerhalb eines
         Mitgliedstaats betrifft (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 13. Juli 1989, Chimica del Friuli u. a., 248/88, 254/88 bis 258/88,
         309/88 und 316/88, Slg. 1989, 2837, Tenor). Folglich ist Art. 1a der Durchführungsverordnung für die Auslegung des Begriffs
         „Übertragung“ nicht maßgeblich. 
      
      63      Was die Frage angeht, ob der Begriff „Übertragung“ (in der niederländischen Fassung: overdracht) in Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung
         den Wechsel des Eigentums an den Waren oder den Wechsel des Besitzes an ihnen betrifft, ergibt sich weder aus dem Wortlaut
         der Durchführungsverordnung noch aus dem des Zollkodex eine klare Antwort. Der Begriff „overdracht“ ist zusammen mit „Weiterverkäufen“
         und „Verwendungen“ in Art. 29 Abs. 1 Buchst. c des Zollkodex (hier in der deutschen Fassung: Überlassungen) aufgezählt, und
         in Art. 295 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. c und d der Durchführungsverordnung wird der Begriff „Übertragung“ als Alternative zu „Überlassung
         an den Eigentümer“ genannt. 
      
      64      Darüber hinaus ergibt auch ein Vergleich der verschiedenen Sprachfassungen der Durchführungsverordnung nicht, dass der Gesetzgeber
         genau festlegen wollte, ob es sich um eine Übertragung des Eigentums an den Waren oder um eine Übertragung des Besitzes an
         ihnen handelt. So wird der Begriff z. B. mit „cesión“ im Spanischen, „Übertragung“ im Deutschen, „transfer“ im Englischen,
         „cessione“ im Italienischen und „overdracht“ im Niederländischen wiedergegeben.
      
      65      Jedenfalls ist die Frage, ob es sich um einen Eigentums- oder um einen Besitzwechsel handelt, nicht ausschlaggebend für die
         Entscheidung darüber, ob eine Übertragung innerhalb der Gemeinschaft im Sinne von Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung
         vorliegt. Aus dem Ziel dieser Verordnung ergibt sich vielmehr, dass es auf die Übertragung der Pflichten in Bezug auf die
         übertragenen Waren auf den Übernehmer ankommt. Deshalb muss der Übernehmer im Besitz einer gemäß Art. 291 der Durchführungsverordnung
         erteilten Bewilligung sein.
      
      66      So sehen Art. 298 Abs. 4 und 5 und Art. 300 Abs. 2 der Durchführungsverordnung vor, dass ab dem Zeitpunkt der Übertragung
         der Waren die sich aus den Art. 291 bis 304 der Durchführungsverordnung ergebenden Verpflichtungen vom Überlasser auf den
         Übernehmer übergehen und dass dieser die übertragenen Waren in seiner Buchführung zu verbuchen hat.
      
      67      Daraus ergibt sich, dass eine Übertragung von Waren im Sinne von Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung nur zwischen
         Personen stattfinden kann, die Inhaber einer Bewilligung zur besonderen Verwendung sind, nämlich zwischen Personen, die beabsichtigen
         oder beabsichtigten, die übertragenen Waren der vorgeschriebenen besonderen Verwendung zuzuführen.
      
      68      In einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens, nämlich wenn die Zollformalitäten in Belgien vorgenommen und die Waren
         danach in die Niederlande befördert werden, ist nicht anzunehmen, dass eine Übertragung innerhalb der Gemeinschaft im Sinne
         von Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung stattgefunden hat, wenn der Bewilligungsinhaber für Rechnung des eigentlichen
         Einführers handelt, was vom vorlegenden Gericht zu prüfen ist. Die bloße Tatsache, dass die Waren nach Belgien eingeführt
         und dort verzollt und dann in die Niederlande transportiert worden sind, hat keine Auswirkung darauf, ob eine Übertragung
         im Sinne dieser Vorschrift vorliegt.
      
      69      Infolgedessen ist auf die zweite Frage zu antworten, dass Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung dahin auszulegen ist,
         dass in einer Situation, in der Waren nach Belgien eingeführt und danach in die Niederlande befördert werden, keine Übertragung
         von Waren innerhalb der Gemeinschaft vorliegt, wenn der Bewilligungsinhaber für Rechnung des eigentlichen Einführers handelt,
         was vom vorlegenden Gericht zu prüfen ist. Die bloße Tatsache, dass die Waren nach Belgien eingeführt und dort verzollt und
         dann in die Niederlande befördert worden sind, hat keine Auswirkung darauf, ob eine Übertragung im Sinne dieser Vorschrift
         vorliegt. Im Fall der Übertragung muss der Übernehmer im Besitz einer gemäß Art. 291 der genannten Verordnung erteilten Bewilligung
         sein.
      
       Zur dritten Frage
      70      Mit seiner dritten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung dahin auszulegen
         ist, dass sich der darin enthaltene Begriff „Übernehmer“ auf einen Zollagenten bezieht, der die Zollförmlichkeiten für Rechnung
         des Einführers erledigt.
      
      71      Wie die Parteien des Ausgangsverfahrens, die belgische Regierung und die Kommission zu Recht ausführen, ist diese Frage zu
         verneinen.
      
      72      Der Übernehmer ist die Person, die vom Überlasser das Recht oder das übertragene Gut erwirbt. Der Begriff „Übernehmer“ im
         Sinne von Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung bezieht sich auf die Person, die vom Überlasser die Waren erwirbt, für
         die bei der Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr eine Abgabenbegünstigung aufgrund ihrer besonderen Verwendung
         gewährt worden ist, die zum Zeitpunkt der Übertragung dieser Verwendung aber noch nicht zugeführt worden sind.
      
      73      Ein Zollagent wie der im Ausgangsverfahren in Rede stehende, der Nichtgemeinschaftswaren für Rechnung des Einführers verzollt,
         ist dessen Vertreter gegenüber den Zollbehörden im Sinne von Art. 5 des Zollkodex, während Einführer die Person ist, die die
         Waren im Sinne von Art. 291 der Durchführungsverordnung einführen lässt. 
      
      74      Nach alledem ist auf die dritte Frage zu antworten, dass Art. 297 Abs. 1 der Durchführungsverordnung dahin auszulegen ist,
         dass sich der darin enthaltene Begriff „Übernehmer“ nicht auf den Zollagenten bezieht, der die Zollförmlichkeiten für Rechnung
         des Einführers vornimmt.
      
       Kosten
      75      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Art. 291 Abs. 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2454/93 der Kommission vom 2. Juli 1993 mit Durchführungsvorschriften zu der Verordnung
            (EWG) Nr. 2913/92 des Rates zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften in der durch die Verordnung (EG) Nr. 89/97 der
            Kommission vom 20. Januar 1997 geänderten Fassung ist dahin auszulegen, dass sich der Ausdruck „Person, die die Waren einführt
            oder einführen lässt“ auf die Person bezieht, für die die Ware bestimmt ist und die die Absicht hat, sie der vorgeschriebenen
            besonderen Verwendung zuzuführen, und zwar unabhängig davon, ob sie die Zollanmeldung selbst abgibt oder sich dabei im Sinne
            von Art. 5 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften
            vertreten lässt. Der genannte Ausdruck bezieht sich, abgesehen von den Fällen, in denen eine Person nach Art. 5 Abs. 4 Unterabs. 2
            der Verordnung Nr. 2913/92 als im eigenen Namen und für eigene Rechnung handelnd gilt und somit als Einführer anzusehen ist,
            nicht auf den Vertreter der oben bezeichneten Person gegenüber den Zollbehörden.
      2.      Art. 297 Abs. 1 der Verordnung Nr. 2454/93 in der durch die Verordnung Nr. 89/97 geänderten Fassung ist dahin auszulegen,
            dass in einer Situation, in der Waren nach Belgien eingeführt und danach in die Niederlande befördert werden, keine Übertragung
            von Waren innerhalb der Gemeinschaft vorliegt, wenn der Bewilligungsinhaber für Rechnung des eigentlichen Einführers handelt,
            was vom vorlegenden Gericht zu prüfen ist. Die bloße Tatsache, dass die Waren nach Belgien eingeführt und dort verzollt und
            dann in die Niederlande befördert worden sind, hat keine Auswirkung darauf, ob eine Übertragung im Sinne dieser Vorschrift
            vorliegt. Im Fall der Übertragung muss der Übernehmer im Besitz einer gemäß Art. 291 der genannten Verordnung erteilten Bewilligung
            sein.
      3.      Art. 297 Abs. 1 der Verordnung Nr. 2454/93 in der durch die Verordnung Nr. 89/97 geänderten Fassung ist dahin auszulegen,
            dass sich der darin enthaltene Begriff „Übernehmer“ nicht auf den Zollagenten bezieht, der die Zollförmlichkeiten für Rechnung
            des Einführers vornimmt.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Niederländisch.