CELEX: 62007FJ0132
Language: de
Date: 2011-01-20
Title: URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST (Zweite Kammer) 20. Januar 2011.#Guido Strack gegen Europäische Kommission.#Öffentlicher Dienst – Beamte – Art. 17, 17a und 19 des Statuts – Antrag auf Genehmigung der Verbreitung von Dokumenten – Antrag auf Genehmigung der Veröffentlichung eines Textes – Antrag auf Erteilung der Zustimmung zur Verwendung von Tatsachen vor nationalen Justizbehörden – Zulässigkeit.#Rechtssache F‑132/07.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST DER EUROPÄISCHEN UNION (Zweite Kammer)
      20. Januar 2011(*)
      
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Art. 17, 17a und 19 des Statuts – Antrag auf Genehmigung der Verbreitung von Dokumenten – Antrag auf Genehmigung der Veröffentlichung eines Textes – Antrag auf Erteilung der Zustimmung zur Verwendung von Tatsachen vor nationalen Justizbehörden – Zulässigkeit“
      In der Rechtssache F‑132/07
      betreffend eine Klage nach den Art. 236 EG und 152 EA,
      Guido Strack, Beamter der Europäischen Kommission, wohnhaft in Köln (Deutschland), vertreten durch Rechtsanwalt H. Tettenborn,
      
      Kläger,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch J. Currall und B. Eggers als Bevollmächtigte im Beistand von Rechtsanwalt B. Wägenbaur,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST(Zweite Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten H. Tagaras sowie des Richters S. Van Raepenbusch (Berichterstatter) und der Richterin M. I. Rofes i Pujol,
      Kanzler: J. Tomac, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 6. Juli 2010
      folgendes
      Urteil
      1        Mit Klageschrift, die am 30. November 2007 mit Fernkopie bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist (die Urschrift ist am
         4. Dezember 2007 eingegangen), beantragt Herr Strack,
      
      –        die Entscheidungen der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 20. Juli, 9. August, 11. September und 9. November 2007
         aufzuheben, soweit mit ihnen Anträge abgelehnt wurden, ihm die Veröffentlichung verschiedener Dokumente und ihre Verwendung
         zu strafrechtlichen Zwecken gegen bestimmte Mitglieder und Beamte der Kommission zu gestatten;
      
      –        die Kommission zu verurteilen, ihm mindestens 10 000 Euro als Ersatz des ihm durch diese Entscheidungen entstandenen Schadens
         zu zahlen.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Art. 17 des Statuts der Beamten der Europäischen Union (im Folgenden: Statut) bestimmt:
      
      „(1)      Der Beamte enthält sich jeder nicht genehmigten Verbreitung von Informationen, von denen er im Rahmen seiner Aufgaben Kenntnis
         erhält, es sei denn, diese Informationen sind bereits veröffentlicht oder der Öffentlichkeit zugänglich.
      
      (2)      Diese Verpflichtung besteht für den Beamten auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst.“
      3        Art. 17a des Statuts sieht vor:
      
      „(1)      Der Beamte hat das Recht auf freie Meinungsäußerung unter gebührender Beachtung der Grundsätze der Loyalität und Unparteilichkeit.
      (2)      Der Beamte, der die Absicht hat, eine Angelegenheit, die die Arbeit der [Europäischen Union] betrifft, der Öffentlichkeit
         bekannt zu machen oder bekannt machen zu lassen, unterrichtet unbeschadet der Artikel 12 und 17 hierüber zuvor die Anstellungsbehörde.
      
      Kann die Anstellungsbehörde nachweisen, dass diese Angelegenheit den Interessen der [Europäischen Union] ernstlich schaden
         könnte, unterrichtet sie den Beamten innerhalb von 30 Arbeitstagen schriftlich über ihre Entscheidung. Ist dem Beamten innerhalb
         des angegebenen Zeitraums eine solche Entscheidung nicht zugegangen, gilt dies als Nichterhebung von Einwänden seitens der
         Anstellungsbehörde.“
      
      4        Art. 19 des Statuts lautet:
      
      „Der Beamte darf die ihm bei seiner amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen nicht ohne Zustimmung seiner Anstellungsbehörde
         vor Gericht vorbringen oder über sie aussagen. Die Zustimmung darf nur versagt werden, wenn die Interessen der [Europäischen
         Union] es erfordern und die Versagung für den Beamten keine strafrechtlichen Folgen haben kann. Diese Verpflichtung besteht
         für den Beamten auch nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst.
      
      Absatz 1 gilt nicht für Beamte oder ehemalige Beamte, die in Sachen eines Bediensteten oder ehemaligen Bediensteten der [Europäischen
         Union] vor dem Gerichtshof der [Europäischen Union] oder vor dem Disziplinarrat eines Organs als Zeuge aussagen.“
      
       Sachverhalt
      5        Der Kläger trat am 1. September 1995 in den Dienst der Kommission. Vom 1. September 1995 bis 31. März 2002 übte er seinen
         Dienst im Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften (im Folgenden: Amt für Veröffentlichungen) aus. Am 1.
         Januar 2001 wurde er nach Besoldungsgruppe A 6 befördert. Vom 1. April 2002 bis 15. Februar 2003 arbeitete er in der Generaldirektion
         (GD) „Unternehmen“ der Kommission, und ab 16. Februar 2003 war er Eurostat zugewiesen. Im Jahr 2005 wurde er wegen Dienstunfähigkeit
         mit Wirkung vom 1. April 2005 in den Ruhestand versetzt.
      
      6        Am 9. April 2007 stellte der Kläger nach Art. 90 Abs. 1 des Statuts den Antrag, ihm u. a. gemäß den Art. 17 und 17a des Statuts
         in erster Linie die Veröffentlichung einer von ihm am selben Tag nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts eingereichten Beschwerde
         gegen frühere Entscheidungen samt ihren Anlagen, hilfsweise von Auszügen dieser Beschwerde und ihren Anlagen, zu gestatten.
         Höchst hilfsweise beantragte er zudem, ihm die Veröffentlichung der genannten Dokumente vollständig oder in Auszügen wenigstens
         ab dem Zeitpunkt zu gestatten, zu dem das mit dieser Beschwerde eingeleitete Vorverfahren und ein gegebenenfalls nachfolgendes
         Gerichtsverfahren abgeschlossen sein werden. Die Anlagen zu der Beschwerde waren in einer beigefügten CD-ROM enthalten.
      
      7        Am 11. Mai 2007 beantragte der Kläger die Genehmigung, die von seinem Antrag vom 9. April 2007 erfassten Informationen sowie
         die im Rahmen einer Untersuchung des Europäischen Amts für Betrugsbekämpfung (OLAF) vorgelegten Dokumente und alle Unterlagen
         im Zusammenhang mit zwei von ihm eingereichten Klagen, über die nunmehr endgültig entschieden wurde (durch Beschluss des Gerichts
         erster Instanz vom 22. März 2006, Strack/Kommission, T‑4/05, Slg. ÖD 2006, I-A-2-83 und II-A-2-361, und durch Beschluss des
         Gerichtshofs vom 8. März 2007, Strack/Kommission, C-237/06 P, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht), an Strafverfolgungsbehörden
         mehrerer Mitgliedstaaten zu dem Zweck weiterzuleiten, in jedem dieser Mitgliedstaaten Strafanzeigen gegen mehrere Beamte des
         OLAF und des Amts für Veröffentlichungen sowie gegen den Generalsekretär und einige Mitglieder der Kommission zu erstatten.
         Der Kläger führte aus, dass sich die Strafanzeigen, die er gegen die von ihm genannten Beamten des Amts für Veröffentlichungen
         erstatten wolle, auf die von ihm in einem Vermerk vom 16. April 2004 dargelegten Straftatbestände bezögen, während die Strafanzeigen
         gegen die anderen in seinem Antrag bezeichneten Beamten und Personen die Tatbestände der Strafvereitelung, Verleitung von
         Untergebenen zu einer Straftat und Rechtsbeugung beträfen.
      
      8        Mit dienstlichem Schreiben vom 19. Juni 2007 bat der Direktor der Direktion „Statut: Politik, Verwaltung und Beratung“ der
         GD „Personal und Verwaltung“ den Kläger unter Bezugnahme auf dessen Anträge vom 9. April und 11. Mai 2007, die betreffenden
         Dokumente einzeln zu identifizieren und „mitzuteilen, was genau [er] mit den näher zu bestimmenden Unterlagen vorhab[e], insbesondere
         welche [er] im Rahmen eines Verfahrens vor nationalen Gerichten zu verwenden gedenk[e]“.
      
      9        Der Kläger erwiderte, dass die fraglichen Dokumente hinreichend bestimmt seien, und bestätigte unter vorsorglichem Hinweis
         auf seine Hilfsanträge seine Absicht, u. a. den gesamten Inhalt der seiner Beschwerde vom 9. April 2007 beigefügten CD-ROM
         zu verwenden. Die Parteien beharrten so auf ihren Standpunkten.
      
      10      Mit Entscheidung vom 20. Juli 2007, die dem Kläger mit Schreiben vom 23. Juli 2007 mitgeteilt wurde, wies die Anstellungsbehörde
         die Beschwerde vom 9. April 2007 und den auf die Art. 17 und 17a des Statuts gestützten Antrag vom selben Tag zurück und fügte
         dem hinzu: „Dies gilt mangels Bestimmtheit auch für [den] Antrag [des Beschwerdeführers] gemäß Artikel 17 und 19 [des Statuts]
         insofern, als dieser nicht Unterlagen betrifft, über die Herr Strack ohnehin frei verfügen kann.“ In dieser Entscheidung schlug
         die Anstellungsbehörde dem Kläger darüber hinaus vor, die Dokumente, die er zu veröffentlichen und im Rahmen von Strafverfahren
         zu verwenden beabsichtigte, nach vier Kriterien auszuwählen, um ihr nur eine begrenzte Zahl von Unterlagen vorzulegen. 
      
      11      Mit Schreiben vom 11. Oktober 2007 legte der Kläger nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts Beschwerde gegen die in der Entscheidung
         vom 20. Juli 2007 enthaltene Ablehnung seiner Anträge vom 9. April 2007 und vom 11. Mai 2007 ein. Soweit diese Entscheidung
         nicht als ausdrückliche Ablehnung dieser Anträge verstanden werden sollte, richtete der Kläger seine Beschwerde auch gegen
         die stillschweigenden ablehnenden Entscheidungen vom 9. August und 11. September 2007 über seine Anträge.
      
      12      Mit Entscheidung vom 9. November 2007 wies die Anstellungsbehörde die Beschwerde vom 11. Oktober 2007 mit der Begründung als
         unzulässig zurück, dass der Kläger unmittelbar gegen die Entscheidung vom 20. Juli 2007 hätte Klage erheben müssen.
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      13      Am 4. Dezember 2007 hat das Gericht eine Güteverhandlung abgehalten, um in anderen Rechtssachen zwischen dem Kläger und der
         Kommission eine gütliche Einigung herbeizuführen. In dieser Verhandlung ist auch versucht worden, eine gütliche Einigung im
         Rahmen der vorliegenden Rechtssache zu erreichen.
      
      14      Nach der Verhandlung vom 4. Dezember 2007 haben die Parteien zu dem im Protokoll der Güteverhandlung enthaltenen Entwurf einer
         Einigung Stellung genommen, ohne sich jedoch auf den Wortlaut des Entwurfs einigen zu können.
      
      15      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 14. Januar 2008 ist die vorliegende Rechtssache der Ersten Kammer des Gerichts
         zugewiesen worden.
      
      16      Die Parteien sind zu einer zweiten Güteverhandlung geladen worden, die für den 6. März 2008, nach Rückkehr des Klägers aus
         dem Urlaub, anberaumt war. Der Kläger hat jedoch die Teilnahme abgesagt, da er angesichts des Standpunkts der Kommission in
         einer erneuten Güteverhandlung keinen Sinn sah. Die Kommission hat bedauert, dass die Güteverhandlung wegen des Ausbleibens
         des Klägers nicht habe stattfinden können; gleichzeitig hat sie die Hoffnung geäußert, dass es zu einer Einigung komme, und
         sich bereit erklärt, an einer gütlichen Einigung mitzuwirken.
      
      17      Mit besonderem Schriftsatz, der am 29. Mai 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Kommission nach Art. 78
         der Verfahrensordnung gegen die Klage eine Einrede der Unzulässigkeit erhoben.
      
      18      Am 12. Juni 2008 hat das Gericht den Kläger aufgefordert, bis zum 7. Juli 2008 zu dieser Unzulässigkeitseinrede Stellung zu
         nehmen.
      
      19      Mit Schreiben, das am 19. Juni 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat der Kläger geltend gemacht, dass die
         Unzulässigkeitseinrede der Kommission ihrerseits unzulässig sei, da sie nicht innerhalb der in Art. 78 Abs. 1 der Verfahrensordnung
         vorgesehenen Frist von einem Monat nach Zustellung der Klageschrift erhoben worden sei. Er hat daher beantragt, die Entscheidung
         des Gerichts, mit der ihm eine Frist zur Stellungnahme zu dieser Einrede bis zum 7. Juli 2008 gesetzt worden war, aufzuheben.
         Da die Kommission auch ihre Klagebeantwortung nicht innerhalb der in Art. 39 Abs. 1 Unterabs. 1 der Verfahrensordnung festgelegten
         Frist von zwei Monaten eingereicht habe, hat der Kläger zudem Versäumnisurteil beantragt. Hilfsweise hat er um Verlängerung
         der Frist zur Stellungnahme zu der Unzulässigkeitseinrede ersucht.
      
      20      Mit Schreiben vom 1. Juli 2008 hat das Gericht den Parteien mitgeteilt, dass das Schreiben des Klägers vom 19. Juni 2008 zu
         den Akten zu nehmen und als Antrag auf Verlängerung der Frist für die Einreichung der Stellungnahme zur Unzulässigkeitseinrede
         anzusehen war. Es hat dem Kläger sodann eine neue Frist bis zum 2. September 2008 gesetzt. Am 1. September 2008 hat der Kläger
         bei der Kanzlei des Gerichts seine Stellungnahme eingereicht, in der er seine Anträge aus dem Schreiben vom 19. Juni 2008
         aufrechterhalten hat. Hilfsweise hat er geltend gemacht, dass die von der Kommission erhobene Unzulässigkeitseinrede unbegründet
         und die Klage zulässig sei.
      
      21      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 8. Oktober 2008 ist die vorliegende Rechtssache der Zweiten Kammer des Gerichts
         zugewiesen worden. 
      
      22      Mit Beschluss vom 17. September 2009 hat das Gericht die Entscheidung über die Einrede der Unzulässigkeit gemäß Art. 78 Abs. 3
         der Verfahrensordnung dem Endurteil vorbehalten, nachdem es den Antrag der Kommission auf Entscheidung über die Unzulässigkeit
         der Klage für zulässig erklärt und den Antrag des Klägers auf Versäumnisurteil zurückgewiesen hatte.
      
      23      Mit Schreiben vom 15. Januar 2010 hat der Kläger beantragt, die vorliegende Rechtssache mit seinen anhängigen Klagen F‑118/07,
         F‑119/07, F‑120/07, F‑121/07 und F‑62/09 zu verbinden. Das Gericht hat es am 26. Januar 2010 abgelehnt, diesem Antrag stattzugeben,
         und dies dem Kläger mit Schreiben der Kanzlei vom 18. März 2010 mitgeteilt.
      
      24      Mit Schreiben vom 24. Juni 2010 hat der Kläger die Übermittlung aller Entscheidungen im Zusammenhang mit der Zuweisung der
         vorliegenden Rechtssache an die Zweite Kammer des Gerichts beantragt und zum Ablauf des Verfahrens und zum vorbereitenden
         Sitzungsbericht, der ihm am 9. Juni 2010 übermittelt worden war, Stellung genommen.
      
      25      In einem Schreiben vom 2. Juli 2010 hat der Kläger den Inhalt skizziert, den ein möglicher Vergleich seines Erachtens haben
         sollte, gleichzeitig jedoch darum gebeten, dem Verfahren Fortgang zu geben, da ein Vergleich weder sehr nahe noch sehr wahrscheinlich
         erscheine.
      
      26      Der Kläger beantragt,
      
      –        die Entscheidungen der Kommission vom 20. Juli 2007 und vom 9. November 2007 sowie die stillschweigenden Entscheidungen vom
         9. August 2007 und 11. September 2007 aufzuheben, soweit mit ihnen seine Anträge vom 9. April, 11. Mai und 11. Oktober 2007
         auf Genehmigung zur Veröffentlichung bestimmter Dokumente und zur Erstattung von Strafanzeigen gegen Kommissionsmitglieder
         und Kommissionsbeamte abgelehnt wurden;
      
      –        die Kommission zu verurteilen, an ihn Schadensersatz in Höhe von mindestens 10 000 Euro für den ihm durch die erwähnten Entscheidungen
         entstandenen immateriellen Gesundheits‑ und moralischen Schaden zu zahlen;
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      27      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        dem Kläger die Kosten aufzuerlegen.
       Zum Verfahren
      28      In seinem Schreiben vom 24. Juni 2010 (vgl. Randnr. 24 des vorliegenden Urteils) hat der Kläger die Übermittlung aller Entscheidungen
         beantragt, die im Zusammenhang mit dem Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 8. Oktober 2008 stehen, die vorliegende
         Rechtssache von der Ersten auf die Zweite Kammer des Gerichts zu übertragen. In diesem Schreiben hat der Kläger zudem den
         Ablauf des Verfahrens vor dem Gericht beanstandet, die Durchführung einer Güteverhandlung vor der mündlichen Verhandlung beantragt
         und das Gericht ersucht, den vorbereitenden Sitzungsbericht in mehreren Punkten zu ändern.
      
      29      Bezüglich der Übermittlung von das Verfahren betreffenden Entscheidungen weist das Gericht darauf hin, dass die Kanzlei gemäß
         Art. 20 Abs. 1 der Verfahrensordnung unter Aufsicht des Kanzlers ein Register führt, in das u. a. alle schriftlichen Vorgänge
         der einzelnen Rechtssachen einzutragen sind. Zudem kann der Klägervertreter gemäß Art. 6 Abs. 5 der Dienstanweisung für den
         Kanzler des Gerichts vom 19. September 2007 (ABl. L 249, S. 3) die Originalakten der Rechtssache in der Kanzlei des Gerichts
         einsehen und Abschriften der Verfahrensvorgänge und des Registers oder Auszüge daraus verlangen. Es ist Sache des Klägers,
         der die Verfahrensakten einsehen möchte, sich nach diesen Vorschriften zu richten. Außerdem hat die Kanzlei des Gerichts dem
         Kläger mit Schreiben vom 17. November 2008 die Gründe für die Zuweisung der vorliegenden Klage an die Zweite Kammer des Gerichts
         mitgeteilt.
      
      30      Soweit der Ablauf des Verfahrens vor dem Gericht beanstandet wird, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass das Gericht Anträge
         auf Erlass einer Zwischenentscheidung, Bemerkungen oder Beanstandungen in Bezug auf den Verfahrensablauf in anderen Rechtssachen,
         auf die der Kläger lediglich – noch dazu in einer oft konfusen Art und Weise – verweist, nicht berücksichtigen kann, ohne
         dass der durch die Klageschrift gezogene Rahmen des Rechtsstreits verlassen und der Gegenstand der gerichtlichen Verhandlung
         unbestimmt wird.
      
      31      Soweit der Kläger ausdrücklich rügt, dass die der Kommission für die Einreichung ihrer Klagebeantwortung gesetzte Frist unter
         Verstoß gegen den Grundsatz des kontradiktorischen Verfahrens wiederholt verlängert worden sei, ist darauf hinzuweisen, dass
         nach Art. 39 Abs. 2 der Verfahrensordnung der Präsident des Gerichts solche Fristverlängerungen auf begründeten Antrag des
         Beklagten gewähren kann. Dass über diesen – begrenzten – Aspekt des Verfahrens nicht streitig verhandelt worden ist, stellt
         entgegen der Ansicht des Klägers keine Missachtung seines Rechts auf ein faires Verfahren dar. Nach der Rechtsprechung des
         Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ist für die Beurteilung der Frage, ob ein Verfahren fair ist, das gesamte Verfahren
         zu berücksichtigen (vgl. EGMR, Urteil Vidal/Belgien vom 22. April 1992, Nr. 12351/86, Serie A Nr. 235 B, § 33, und Urteil
         Bonifacio/Frankreich vom 10. Oktober 2006, Nr. 18113/02, § 22). Die streitigen Fristverlängerungen haben die Situation der
         Parteien nicht wesentlich verändert; mehrere dieser Fristverlängerungen sind während des Versuchs einer gütlichen Einigung
         gewährt worden, der durch eine Fortsetzung eines streng kontradiktorischen Verfahrens naturgemäß hätte beeinträchtigt werden
         können. Zudem ist dem Kläger selbst eine Verlängerung der Frist zur Stellungnahme zu der Unzulässigkeitseinrede, die die Kommission
         nach dem Scheitern des oben erwähnten Versuchs der gütlichen Einigung erhoben hat, gewährt worden, ohne dass die Kommission
         zu dieser Verlängerung gehört worden ist. Schließlich hat der Kläger seine Argumente jedenfalls in der mündlichen Verhandlung
         vorbringen können.
      
      32      Im Übrigen ist auf die Rüge des Klägers hinsichtlich der Behandlung eines Schreibens, das er am 2. April 2009 in einer anderen
         seiner Rechtssachen an das Gericht gesandt hat, nicht einzugehen, da sie für das vorliegende Verfahren irrelevant ist.
      
      33      Soweit der Kläger den Beschluss des Gerichts vom 17. September 2009 beanstandet, mit dem die von der Kommission erhobene Unzulässigkeitseinrede
         für zulässig erklärt und die Entscheidung über den Zwischenstreit dem Endurteil vorbehalten worden ist, wird auf die Begründung
         dieses Beschlusses verwiesen. Im Übrigen stellt die Zulässigkeit von Klagen eine Frage zwingenden Rechts dar, die gegebenenfalls
         von Amts wegen zu prüfen ist. 
      
      34      Soweit der Kläger rügt, dass die Verbindung mehrerer seiner Klagen abgelehnt worden ist, wird auf die Entscheidung des Gerichts
         vom 26. Januar 2010 verwiesen. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass nach Art. 46 Abs. 1 der Verfahrensordnung die Verbindung
         von zwei oder mehr Rechtssachen nur im Interesse einer geordneten Rechtspflege angeordnet werden kann und das Gericht insoweit
         über ein weites Ermessen verfügt. Im vorliegenden Fall hätte die beantragte Verbindung nach Auffassung der Präsidenten der
         Zweiten Kammer das Erfassen und die Behandlung der verschiedenen betroffenen Rechtssachen erschwert.
      
      35      Was die Durchführung einer Güteverhandlung angeht, stellt das Gericht fest, dass bereits zu Beginn des Verfahrens vergeblich
         auf diesem Weg nach einer Lösung gesucht wurde; der Rechtsstreit eignet sich nicht für einen erneuten Versuch. In seinem Schreiben
         vom 2. Juli 2010 hat der Kläger im Übrigen selbst eingeräumt, dass ein Vergleich weder sehr nahe noch sehr wahrscheinlich
         erscheine.
      
      36      Hinsichtlich des Antrags des Klägers, den vorbereitenden Sitzungsbericht in mehreren Punkten zu berichtigen, wird darauf hingewiesen,
         dass ein solches Dokument, wie aus seiner Bezeichnung hervorgeht, dazu dient, die mündliche Verhandlung vorzubereiten und
         den Parteien zu ermöglichen, ihre etwaigen Bemerkungen zu den Gegebenheiten des Rechtsstreits und den in diesem Bericht aufgeworfenen
         Fragen im Hinblick auf die Abfassung des Urteils vorzubringen. Außerdem hätte die Änderung dieses Dokuments als solche keine
         Auswirkung auf den Ablauf des Gerichtsverfahrens und den Inhalt des Urteils, da die von den Parteien in Bezug auf den vorbereitenden
         Sitzungsbericht geltend gemachten Rügen bei der Urteilsfindung nur berücksichtigt werden können, soweit sie relevant sind.
         Im vorliegenden Fall hat der Kläger in seinem Schreiben vom 24. Juni 2010 zwar solche Rügen erhoben, diese betrafen aber den
         vorbereitenden Sitzungsbericht in der Rechtssache F-121/07. In der mündlichen Verhandlung hat der Kläger jedoch weitere Einwendungen
         vorgebracht, die einen Bezug zur vorliegenden Rechtssache aufweisen und im vorliegenden Urteil Berücksichtigung finden.
      
       Rechtliche Würdigung
       Zum Aufhebungsantrag
       Vorbringen der Parteien
      37      Die Kommission hält die Aufhebungsklage im Hinblick auf Art. 91 Abs. 2 des Statuts für unzulässig, da es an einer den Kläger
         beschwerenden Maßnahme im Sinne des Art. 90 Abs. 1 des Statuts und an einer Entscheidung über eine Beschwerde im Sinne des
         Art. 90 Abs. 2 des Statuts fehle.
      
      38      Wie sich aus der Antwort der Anstellungsbehörde vom 20. Juli 2007 ergebe, seien die Anträge des Klägers nicht abschlägig beschieden
         worden. Der Kläger sei vielmehr gebeten worden, sie hinreichend zu präzisieren. Nach ständiger Rechtsprechung sei nämlich
         der Gegenstand eines Antrags nach Art. 90 Abs. 1 des Statuts hinreichend genau anzugeben, damit die angerufene Behörde in
         Kenntnis der Sache darüber befinden könne (Urteil des Gerichtshofs vom 12. März 1975, Küster/Parlament, 23/74, Slg. 1975,
         353, Randnr. 11).
      
      39      Gemäß den Art. 17, 17a und 19 des Statuts müsse die Kommission prüfen, ob eine Verbreitung der betreffenden Informationen
         den Interessen der Union ernstlich schaden oder diese gefährden würde, und eine Abwägung zwischen den Interessen des Organs
         und den Interessen des Klägers vornehmen.
      
      40      Strafanzeigen gegen ein ehemaliges Kommissionsmitglied, ein amtierendes Kommissionsmitglied, einen ehemaligen Generalsekretär,
         die Generaldirektoren des OLAF und des Amts für Veröffentlichungen sowie weitere Direktoren dieser Dienste seien prima facie geeignet, den Interessen der Union erheblichen und ernstlichen Schaden zuzufügen. Zugleich sei ein solcher Schaden gegen
         das Recht des Klägers auf freie Meinungsäußerung und seine rechtsstaatlichen Rechte abzuwägen.
      
      41      Angesichts der Schwere der vom Kläger erhobenen Vorwürfe und angesichts des von ihm verfolgten Ziels, bestimmte Dokumente
         zur Erstattung von Strafanzeigen in verschiedenen Mitgliedstaaten zu nutzen, sei es unbedingt erforderlich gewesen, dass der
         Kläger in seinem Antrag jedes Dokument genau benenne und kurz erkläre, in welcher Form es zur Erstattung dieser Strafanzeigen
         notwendig sei.
      
      42      Die CD-ROM, die der Kläger der Verwaltung übermittelt habe, sei nicht ausreichend gewesen, da sie eine Flut von unübersichtlich
         gespeicherten Dokumenten enthalte, wobei einige von ihnen zu ihrer Veröffentlichung keiner Genehmigung bedürften.
      
      43      Ferner verstieße es gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der ordnungsgemäßen Verwaltung, wenn die Dienststellen
         der Kommission erhebliche Ressourcen aufwenden müssten, um zunächst eine Flut von Dokumenten auf einer CD-ROM zu sichten und
         dann zu mutmaßen, wozu jedes einzelne Dokument dienen könnte, ohne dass derjenige, der den Antrag auf Genehmigung der Veröffentlichung
         dieser Dokumente oder ihrer Weiterleitung an Justizbehörden gestellt habe, hierzu Angaben gemacht habe. Die Kommission stützt
         sich auf Art. 17a des Statuts, wonach die Genehmigung der Veröffentlichung nach Ablauf einer Frist von 30 Tagen als erteilt
         gelte, was voraussetze, dass der Antrag innerhalb von etwa 20 Arbeitstagen durch verschiedene Dienste behandelt werde.
      
      44      Die Anstellungsbehörde habe dem Kläger in ihrer Antwort vom 20. Juli 2007 verschiedene Kriterien genannt, anhand deren er
         die Dokumente hätte ordnen und dann – verbunden mit einer kurzen Erklärung – einen Genehmigungsantrag bei der Kommission hätte
         einreichen können, der lediglich eine geringere Anzahl von Dokumenten betroffen hätte, die als die wichtigsten angesehen worden
         seien.
      
      45      Der Standpunkt der Kommission beeinträchtige nicht ungebührlich das Recht des Klägers auf freie Meinungsäußerung oder das
         Rechtsstaats- und Transparenzprinzip. Diese Grundrechte gälten nämlich nicht schrankenlos; sie seien im Interesse des Dienstes
         durch die Regelungen des Statuts begrenzt (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 19. Mai 1999, Connolly/Kommission, T-34/96
         und T-163/96, Slg. ÖD 1999, I-A-87 und II-463, Randnr. 129), insbesondere soweit sie vorsähen, dass ein Beamter dem Organ
         Tatsachen, von denen er im Zusammenhang mit seiner Arbeit Kenntnis erhalten habe, vor Veröffentlichung angeben und dessen
         Genehmigung einholen müsse. Diese Regelungen entsprächen überdies der auch in Art. 287 EG – jetzt Art. 339 AEUV – niedergelegten
         Loyalitäts- und Diskretionspflicht von Beamten sowie dem Interesse des Organs.
      
      46      Im Übrigen entbinde auch die Fürsorgepflicht der Verwaltung den Kläger nicht von seiner Verpflichtung, einen hinreichend bestimmten
         Antrag zu stellen und damit seiner Pflicht nachzukommen, in loyaler Weise mit der Anstellungsbehörde zu kooperieren. 
      
      47      Die vom Kläger vorgenommene Auslegung der Fürsorgepflicht würde das Gleichgewicht der Rechte und Pflichten, wie es in den
         Art. 17, 17a und 19 des Statuts niedergelegt sei, zugunsten des Beamten verschieben, da die Kommission, folgte man dem Kläger,
         nicht in der Lage wäre, eine Entscheidung zu treffen, die auch das Interesse des Organs hinreichend schütze.
      
      48      Aus diesen Gründen liegt nach Ansicht der Kommission keine den Kläger beschwerende Maßnahme der Anstellungsbehörde vor, so
         dass die Klage unzulässig sei.
      
      49      Der Kläger bestreitet, dass die CD-ROM mit den Anlagen zur Beschwerde vom 9. April 2007 eine unübersehbare Flut wahllos gespeicherter
         Dokumente enthalte. Der Lektüre der Beschwerde hätte die Kommission ohne Weiteres den Gegenstand jedes dieser Dokumente, die
         sorgfältig nummeriert gewesen seien, entnehmen können. Außerdem werde in den Anträgen vom 9. April 2007 und 11. Mai 2007 genau
         bestimmt, was mit ihnen bezweckt werde, nämlich auf die Praxis der Betrugsbekämpfung innerhalb der Kommission und deren Umgang
         mit Informationen aufmerksam zu machen. Weder Art. 17 noch Art. 19 des Statuts verpflichte den betreffenden Beamten, die Motive
         für seinen Antrag im Detail darzulegen; das Erfordernis der Bestimmtheit beziehe sich nur auf den Genehmigungsgegenstand.
         Indem er alle von dem Genehmigungsantrag erfassten Dokumente auf einer CD-ROM gespeichert habe, sei er mit äußerster Genauigkeit
         vorgegangen.
      
      50      Im Rahmen von Art. 17a des Statuts sei es keinesfalls nötig, dass der Beamte den Wortlaut seiner Meinungsäußerungen vorher
         genehmigen lasse, da eine solche Auslegung mit dem Grundrecht der Meinungsfreiheit unvereinbar wäre. Selbst wenn dies so wäre,
         hätte die Kommission die Anträge des Klägers aber nicht rundweg ablehnen dürfen, sondern hätte zunächst entscheiden müssen,
         welche Genehmigungen sie erteile, um dann gegebenenfalls die Auflage zu erteilen, dass die Strafanzeigen vor Absendung nochmals
         im Wortlaut vorgelegt werden müssten. Nur ein solches Verhalten wäre mit den Grundsätzen einer guten Verwaltung und dem Fürsorgeprinzip
         vereinbar gewesen. Jedenfalls gelte Art. 17a des Statuts nicht für Beamte, die aus dem Dienst ausgeschieden seien.
      
      51      Zudem habe die Anstellungsbehörde in ihrer Entscheidung vom 20. Juli 2007 sehr wohl über die Anträge des Klägers vom 9. April
         2007 und 11. Mai 2007 entschieden, wie sich aus dem Wortlaut am Ende dieser Entscheidung und dem Wortlaut der Entscheidung
         vom 9. November 2007 ergebe, mit der die Beschwerde gegen die genannte Entscheidung vom 20. Juli 2007 zurückgewiesen worden
         sei.
      
      52      Im Übrigen solle die Meinungsfreiheit gewährleisten, dass weder jedes Wort der Zensurbehörde vorgelegt noch die individuellen
         Motive der Meinungsäußerung im Detail gerechtfertigt werden müssten. Ferner nähmen Art. 17 und – implizit – Art. 19 des Statuts
         veröffentlichte Informationen oder solche, die der Öffentlichkeit zugänglich seien, von der Genehmigungspflicht aus, erlaubten
         also auch ihre freie Verbreitung.
      
      53      Selbst hinsichtlich der vier Dokumentengruppen, auf die in der Entscheidung der Anstellungsbehörde vom 20. Juli 2007 Bezug
         genommen werde, nämlich die Dokumente, zu denen der Zugang bereits nach der Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 des Europäischen
         Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2001 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des
         Rates und der Kommission (ABl. L 145, S. 43) gewährt worden sei, die ärztlichen Unterlagen des Klägers, seine eigenen Unterlagen
         und die Unterlagen, die ihn in seiner Eigenschaft als Beamter beträfen, habe die Kommission seine Anträge, die sich auf Dokumente
         aus jeder dieser Gruppen bezögen, abgelehnt.
      
       Würdigung durch das Gericht
      –       Einleitende Bemerkungen
      54      Da der Kläger seine Anträge vom 9. April 2007 und 11. Mai 2007 „nach Art. 90 Abs. 1 i.V.m. Art. 17, 17a des Beamtenstatuts“
         eingereicht hat, sind vor der Prüfung der Zulässigkeit der Klage zunächst der Anwendungsbereich dieser Vorschriften und ihr
         Verhältnis zueinander zu untersuchen.
      
      55      Erstens stellt sich die Frage, ob Art. 17a des Statuts auf den Kläger, der wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt
         worden war, anwendbar war.
      
      56      Hierzu trägt der Kläger vor, in Art. 17a des Statuts sei im Gegensatz zu den Art. 17 und 19 des Statuts nicht angegeben, dass
         die Beamten nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst weiterhin den in dieser Bestimmung aufgestellten Verpflichtungen unterlägen.
      
      57      Aus dem 16. Erwägungsgrund der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 723/2004 des Rates vom 22. März 2004 zur Änderung des Statuts
         der Beamten der Europäischen Gemeinschaften und der Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen Bediensteten dieser Gemeinschaften
         (ABl. L 124, S. 1) ergibt sich jedoch, dass der Gesetzgeber mit der Einfügung von Art. 17a in das Statut bezweckt hat, für
         Fälle, in denen die legitimen Interessen der Union gefährdet sein könnten, die Offenlegung von sich auf die Tätigkeit der
         Union beziehenden Sachverhalten durch Beamte klar zu regeln. Wie die Kommission vorträgt, ergänzt Art. 17a daher Art. 17 des
         Statuts, der auch die ehemaligen Beamten verpflichtet, sich jeder nicht genehmigten Verbreitung von Informationen, von denen
         sie im Rahmen ihrer Aufgaben Kenntnis erhalten haben, zu enthalten. 
      
      58      Gleichwohl hat der Gesetzgeber unterschieden zwischen der Verbreitung von „privilegierten“ – weil im Rahmen der Aufgaben erlangten
         – Informationen (Art. 17 Abs. 1 des Statuts) und der Bekanntmachung eines Textes („Angelegenheit“ im Sinne des Art. 17a Abs. 2
         des Statuts), dessen einzige Besonderheit darin besteht, dass er die Arbeit der Union betrifft.
      
      59      Im vorliegenden Fall ist im Übrigen unstreitig, dass die Verpflichtung, die Anstellungsbehörde über die Absicht zu unterrichten,
         einen Text, der die Arbeit der Union betrifft, bekannt zu machen, einen Eingriff in die Ausübung des Rechts des Beamten auf
         freie Meinungsäußerung darstellt. Dieser Eingriff ist daher am Maßstab von Art. 10 Abs. 2 der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten
         Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK) zu beurteilen, die die Grundrechte
         gewährleistet, die gemäß Art. 6 Abs. 3 EUV als allgemeine Grundsätze Bestandteil des Unionsrecht sind. Nach Art. 10 Abs. 2
         EMRK ist die Ausübung der Freiheit der Meinungsäußerung „mit Pflichten und Verantwortung verbunden; sie kann daher Formvorschriften,
         Bedingungen, Einschränkungen oder Strafdrohungen unterworfen werden“, sofern diese „gesetzlich vorgesehen“ sind (Urteil des
         Gerichtshofs vom 6. März 2001, Connolly/Kommission, C-274/99 P, Slg. 2001, I-1611, Randnrn. 40 bis 42). Zudem ergibt sich
         aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, dass eine Norm das Recht auf freie Meinungsäußerung
         nicht wirksam beschränken kann, wenn sie nicht so präzise formuliert ist, dass der Bürger sein Verhalten danach einrichten
         kann (EGMR, Urteil Sunday Times/Vereinigtes Königreich vom 26. April 1979, Nr. 6538/74, Serie A Nr. 30, Ziff. 49), was im
         Übrigen auch der Grundsatz der Rechtssicherheit gebietet (vgl. etwa Urteil des Gerichtshofs vom 3. Juni 2008, Intertanko u.
         a., C-308/06, Slg. 2008, I-4057, Randnr. 69). 
      
      60      Folglich kann Art. 17a des Statuts, da er sich nicht – wie die Art. 17 und 19 des Statuts – ausdrücklich auf die ehemaligen
         Beamten bezieht, nicht dahin ausgelegt werden, dass diese verpflichtet sind, die Anstellungsbehörde von ihrer Absicht zu unterrichten,
         einen Text, der die Arbeit der Union betrifft, bekannt zu machen.
      
      61      Zwar ist die Verbindung zwischen einem Organ und einem Beamten, der wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt wurde,
         nicht völlig abgebrochen, da dieser Beamte nach Art. 14 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts wieder verwendet werden kann,
         wenn er die Voraussetzungen für die Gewährung des Invalidengelds nicht mehr erfüllt. Im Statut selbst werden die wegen Dienstunfähigkeit
         in den Ruhestand versetzten Beamten jedoch trotz dieser Möglichkeit der Wiederverwendung als „ehemalige Beamte“ bezeichnet.
         Es kann daher schwerlich behauptet werden, dass das Statut ihnen mit hinreichender Klarheit eine Verpflichtung auferlege,
         die Anstellungsbehörde über jede Veröffentlichungsabsicht zu unterrichten.
      
      62      Aus dem Vorstehenden folgt daher, dass Art. 17a des Statuts auf den Kläger nicht anwendbar war.
      
      63      Gemäß Art. 17 des Statuts müssen ehemalige Beamte jedoch eine Genehmigung beantragen, bevor sie – etwa in einem Text, dessen
         Veröffentlichung sie beabsichtigen – Informationen verbreiten, von denen sie im Rahmen ihrer Aufgaben Kenntnis erhalten haben,
         es sei denn, diese Informationen sind der Öffentlichkeit bereits zugänglich.
      
      64      Nach alledem durfte der Kläger Texte, die die Arbeit der Union betreffen, bekannt machen, ohne zuvor die Anstellungsbehörde
         davon zu unterrichten; er war jedoch verpflichtet, nicht nur vor der Verbreitung von Informationen, von denen er im Rahmen
         seiner Aufgaben Kenntnis erhalten hatte, sondern auch vor der Veröffentlichung von Texten, die er selbst verfasst oder an
         denen er mitgewirkt hatte und die solche Informationen enthalten, eine Genehmigung im Sinne von Art. 17 des Statuts zu beantragen.
      
      65      Was zweitens den Anwendungsbereich des Art. 19 des Statuts angeht, ist darauf hinzuweisen, dass diese Bestimmung alle Situationen
         erfasst, in denen ein Beamter oder ehemaliger Beamter die ihm bei seiner amtlichen Tätigkeit bekannt gewordenen Tatsachen
         vor Gericht aus welchem Grund auch immer vorbringen oder über sie aussagen muss, insbesondere im Zusammenhang mit der Erstattung
         einer Strafanzeige (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 13. Juni 2002, Ferrer de Moncada/Kommission, T-74/01, Slg. ÖD 2002,
         I-A-87 und II-411, Randnr. 48). Der vom Kläger am 11. Mai 2007 eingereichte Antrag auf Genehmigung der Weiterleitung von Dokumenten
         an Justizbehörden der Mitgliedstaaten konnte von der Anstellungsbehörde daher nur im Hinblick auf diese Vorschrift geprüft
         werden.
      
      66      Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass der Gesetzgeber Anträge von Beamten, mit denen diese die Genehmigung beantragen,
         Informationen, von denen sie im Rahmen ihrer Aufgaben Kenntnis erhalten haben, zu verbreiten oder Tatsachen, die ihnen in
         diesem Rahmen bekannt geworden sind, vor Gericht zu verwenden, keinem besonderen Verfahren unterworfen hat. Folglich sind
         diese von Art. 17 und Art. 19 Abs. 1 des Statuts erfassten Anträge unter den in Art. 90 Abs. 1 des Statuts festgelegten Verfahrensbedingungen
         zu prüfen.
      
      67      Die Zulässigkeit der Klage ist vor diesem Hintergrund zu prüfen.
      
      –       Zur Zulässigkeit der Klage
      68      Das Gericht hat zu prüfen, ob die Klage, wie die Kommission im Wesentlichen vorgetragen hat, unzulässig ist, weil der Anstellungsbehörde
         eine Entscheidung über die Anträge des Klägers wegen deren Unbestimmtheit und der für sie bestehenden Notwendigkeit, unverhältnismäßige
         Ressourcen aufzuwenden, um die Anträge positiv oder negativ zu bescheiden, faktisch unmöglich war.
      
      69      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass ein Antrag nach Art. 90 Abs. 1 des Statuts seinen Gegenstand hinreichend genau angeben
         muss, damit die angerufene Behörde in Kenntnis der Sache darüber befinden kann, und dass in Ermangelung einer genau bestimmten
         Aufforderung zur Entscheidung kein Antrag im Sinne dieser Bestimmung vorliegen kann (Urteil Küster/Parlament, Randnr. 11;
         Urteile des Gerichts erster Instanz vom 11. Juni 1996, Sánchez Mateo/Kommission, T-110/94, Slg. ÖD 1996, I‑A-275 und II-805,
         Randnr. 26, und Ouzounoff Popoff/Kommission, T-111/94, Slg. ÖD 1996, I-A-277 und II-819, Randnr. 28). Ein Antrag kann seinen
         Zweck nämlich nicht erreichen, wenn die Anstellungsbehörde nicht in der Lage ist, seinen Gegenstand hinreichend zu erfassen.
      
      70      Dieses Bestimmtheitsgebot wird durch die Systematik der Art. 17 und 19 des Statuts noch verstärkt.
      
      71      Art. 17 des Statuts verbietet es den Beamten grundsätzlich, Informationen, von denen sie im Rahmen ihrer Aufgaben Kenntnis
         erhalten haben, zu verbreiten, und macht eine solche Verbreitung von einer vorherigen Genehmigung abhängig. Diese Genehmigungsregelung
         soll es der Anstellungsbehörde ermöglichen, sich zu vergewissern, dass diese Verbreitung den Interessen der Union insbesondere
         nicht dadurch schadet, dass sie das Funktionieren der Union und ihren Ruf beeinträchtigt. Die Regelung soll die Anstellungsbehörde
         zudem in die Lage versetzen, rechtzeitig dafür zu sorgen, dass die Beamten bei der Festlegung ihres Verhaltens die Interessen
         der Organe und ihre Verpflichtungen nach Art. 339 AEUV im Blick haben. Mit Art. 17 des Status soll also insbesondere das Vertrauensverhältnis
         geschützt werden, das zwischen den Organen und ihren Bediensteten bestehen muss.
      
      72      Nach dieser Regelung ist die Frage, ob die Verbreitung von Informationen zu genehmigen ist, im Licht der konkreten Umstände
         des Einzelfalls und ihrer Auswirkungen auf das Organ und die Ausübung des öffentlichen Dienstes zu beurteilen. Dabei ist auch
         eine Abwägung der verschiedenen betroffenen Interessen vorzunehmen, um zu bestimmen, ob den Interessen der Union oder dem
         Informationsinteresse der Öffentlichkeit der Vorrang gebührt. Dies kann auch gar nicht anders sein, da die Freiheit der Meinungsäußerung
         die Freiheit der Verbreitung von Informationen umfasst und es mit den Bedingungen, unter denen ein Eingriff in diese Freiheit
         zulässig ist, nicht zu vereinbaren wäre, die Genehmigung einer solchen Verbreitung auf der Grundlage einer allgemeinen und
         abstrakten Beurteilung zu verweigern.
      
      73      Daraus folgt, dass die Genehmigungsregelung des Art. 17 des Statuts, die es der Anstellungsbehörde erlauben soll, nach einer
         Einzelfallprüfung in voller Kenntnis der Sache zu entscheiden, nicht funktionieren kann, ohne dass der Beamte verpflichtet
         ist, hinreichend genaue Angaben insbesondere bezüglich der zu verbreitenden Informationen, den Umfang ihrer Verbreitung und
         den verfolgten Zweck zu machen.
      
      74      Auch nach Art. 19 des Statuts muss jeder Beamte eine Zustimmung einholen, bevor er Tatsachen, die ihm bei seiner amtlichen
         Tätigkeit bekannt geworden sind, vor den nationalen Gerichten verwendet. Im Übrigen ergibt sich aus der restriktiven Formulierung
         von Art. 19 Satz 2, dass die „Interessen der [Union]“ die eine Versagung der Zustimmung rechtfertigen können, schwerwiegende,
         vitale Interessen der Union sein müssen (Schlussanträge des Generalanwalts Van Gerven in der Rechtssache Weddel/Kommission,
         C‑54/90, Urteil vom 18. Februar 1992, Slg. 1992, I‑871, I‑881, Nr. 11; Urteil Ferrer de Moncada/Kommission, Randnr. 58).
      
      75      Im Übrigen könnte das durch Art. 6 EMRK gewährleistete Recht jedes Rechtsuchenden auf Zugang zu einem Gericht in seinem Wesensgehalt
         beeinträchtigt werden, wenn die Anstellungsbehörde allgemein und abstrakt entscheiden müsste, ohne zuvor eine vollständige
         und eingehende Prüfung durchgeführt zu haben.
      
      76      Nach alledem ist der Beamte, der Informationen, von denen er im Rahmen seiner Aufgaben Kenntnis erlangt hat, verbreiten oder
         Tatsachen, die ihm in diesem Rahmen bekannt geworden sind, vor den nationalen Gerichten verwenden will, verpflichtet, einen
         hinreichend bestimmten Antrag bei der Anstellungsbehörde zu stellen.
      
      77      Die Fürsorgepflicht und der Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung, auf die sich der Kläger beruft, ändern an diesem Ergebnis
         nichts.
      
      78      Es ist nämlich darauf hinzuweisen, dass die Fürsorgepflicht der Verwaltung für ihre Bediensteten ihre Grenzen immer in der
         Beachtung der geltenden Vorschriften finden muss (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 27. März 1990, Chomel/Kommission,
         T-123/89, Slg. 1990, II-131, Randnr. 32) und daher das Gleichgewicht zwischen den Rechten und Pflichten, das das Statut in
         den Beziehungen zwischen der Behörde und den öffentlichen Bediensteten geschaffen hat, nicht verändern kann (Urteil des Gerichts
         vom 16. April 2008, Doktor/Rat, F‑73/07, Slg. ÖD 2008, I-A-1-0000 und II-A-1-0000, Randnr. 42). Sie vermag also nichts daran
         zu ändern, dass der Beamte, der die Genehmigung beantragt hat, Informationen, die er im Rahmen seiner Aufgaben erhalten hat,
         zu verbreiten oder vor Gericht zu verwenden, bei der Anstellungsbehörde hinreichend genaue Angaben machen muss, um ihr eine
         Entscheidung zu ermöglichen. Diese Verpflichtung ergibt sich im Übrigen auch aus der Pflicht zur loyalen Zusammenarbeit mit
         der Behörde, die Art. 11 Abs. 1 des Statuts den Beamten auferlegt.
      
      79      Der Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung, der allgemeiner anwendbar ist, befreit den Beamten ebenso wenig von der Informations‑
         und Loyalitätspflicht gegenüber den Organen, die ihm obliegt, wenn er bei ihnen einen Antrag stellt (vgl. in diesem Sinne
         für Antragsteller und Empfänger finanzieller Zuschüsse Urteile des Gerichts erster Instanz vom 17. Oktober 2002, Astipesca/Kommission,
         T-180/00, Slg. 2002, II-3985, Randnr. 93, und vom 11. März 2003, Conserve Italia/Kommission, T-186/00, Slg. 2003, II-719,
         Randnr. 50; vgl. auch für Bewerber eines Auswahlverfahrens, Urteil des Gerichts erster Instanz vom 23. Januar 2002, Gonçalves/Parlament,
         T-386/00, Slg. ÖD 2002, I-A-13 und II-55, Randnr. 74).
      
      80      Vorliegend ergibt sich aus den Akten, dass der Kläger erstens die Genehmigung beantragt hat, die in einer Beschwerde und in
         ihren auf einer beigefügten CD-ROM gespeicherten Anlagen enthaltenen Informationen vollständig oder in Auszügen zu verbreiten
         und zu veröffentlichen. Zweitens hat er zum einen die Genehmigung beantragt, die oben genannte Beschwerde samt ihrer Anlagen
         sowie Dokumente, die im Rahmen einer Untersuchung des OLAF vorgelegt wurden und Dokumente, die die Rechtssachen T-4/05 und
         C-237/06 P betreffen, an die Strafverfolgungsbehörden mehrerer Mitgliedstaaten weiterzuleiten, und zum anderen die Genehmigung,
         Strafanzeigen gegen Beamte des OLAF und des Amts für Veröffentlichungen sowie gegen den Generalsekretär und mehrere Kommissionsmitglieder
         zu erstatten. Auf Aufforderung der Verwaltung, seine Anträge näher zu bestimmen, bekräftigte der Kläger am 25. Juni 2007 seine
         Absicht, grundsätzlich die gesamte CD-ROM zu verbreiten und vor Gericht zu verwenden.
      
      81      Die Art. 17 und 19 des Statuts verpflichten den Beamten zwar nicht, die Zahl und den Umfang der Dokumente zu beschränken,
         für deren Verbreitung oder Vorlage vor Gericht er eine Genehmigung beantragt, wenn er die Verbreitung jedes dieser Dokumente
         oder ihre Vorlage vor Gericht für gerechtfertigt hält. Nach der dem Beamten obliegenden Pflicht zur loyalen Zusammenarbeit,
         hat er jedoch der Verwaltung die Arbeit zu erleichtern. Daraus ergibt sich umso zwingender, dass er insbesondere zum Gegenstand
         der fraglichen Dokumente und zu ihrer Bedeutung im Hinblick auf den allgemein von ihm verfolgten Zweck hinreichend bestimmte
         Angaben zu machen hat. Der Beamte kann daher gehalten sein, die Dokumente nach geeigneten und kohärenten Kriterien zu ordnen,
         um ihre Prüfung zu erleichtern, und gegebenenfalls eine Zusammenfassung dieser Dokumente vorzulegen.
      
      82      Die Beschwerde vom 9. April 2007 umfasste 77 Seiten und verfolgte eher den Zweck, frühere Entscheidungen zu beanstanden als
         den Antrag zu erläutern, der die Verbreitung von Dokumenten und ihre Verwendung vor Gericht betraf. Die ihr beigefügte CD-ROM
         enthielt 233 Dateien, die nicht im Hinblick auf einen Antrag nach den Art. 17 und 19 des Statuts zusammengestellt, sondern
         unübersichtlich und nicht geordnet nach verschiedenen Kriterien, die hätten relevant sein können, gespeichert waren. Darüber
         hinaus enthielt jede Datei ein oder mehrere Dokumente, manchmal sogar eine große Zahl von Dokumenten. Der Kläger fügte seiner
         Beschwerde vom 11. Oktober 2007 eine Liste der auf der CD-ROM enthaltenen Dateien bei; diese Liste war jedoch ebenfalls nicht
         nach Kriterien erstellt, die einen Zusammenhang mit den Anträgen aufweisen. Zudem ist zwar bei jeder Datei ihr Gegenstand
         angegeben; diese Angabe ist aber summarisch und ermöglicht meist keine konkrete Vorstellung vom Inhalt der betreffenden Datei.
      
      83      Der Antrag vom 11. Mai 2007 auf Genehmigung, Dokumente an die Strafverfolgungsbehörden verschiedener Mitgliedstaaten weiterzuleiten
         und Strafanzeigen zu erstatten, die sich auf diese Dokumente stützen, bezog sich zum Teil auf Unterlagen, die der Kläger dem
         OLAF im Zusammenhang mit einer Untersuchung übergeben hatte, oder auf solche, die das OLAF oder die Kommission ihm seither
         übermittelt hatten. Es ist erneut festzustellen, dass in dem Antrag weder genau angegeben wurde, welche Dokumente der Kläger
         zum Zweck der von OLAF durchgeführten Untersuchung tatsächlich übermittelt hatte, noch, welche Dokumente das OLAF und die
         verschiedenen Dienststellen der Kommission ihm in diesem Rahmen übermittelt hatten. Der Antrag vom 11. Mai 2007 betraf auch
         „alle Unterlagen im Zusammenhang mit den … Gerichtsverfahren T-4/05 und C-237/06 P“ und war ebenfalls unbestimmt, da er offen
         ließ, ob er sich auf die Verfahrensschriftsätze, ihre Anlagen oder alle sonstigen Stellungnahmen, Vermerke oder Schreiben
         im Zusammenhang mit diesen Gerichtsverfahren bezog.
      
      84      Letztlich hat der Kläger, der als einziger genaue Kenntnis davon hatte, was er verbreiten oder verwenden wollte und welchen
         Inhalt jedes Dokument, um das es ihm ging, hatte, sich nicht einmal die Mühe gemacht, der Verwaltung diese Angaben zu übermitteln,
         um ihr die Arbeit zu erleichtern, und sie so zu einer umfangreichen vorbereitenden Recherchearbeit gezwungen.
      
      85      Außerdem enthielt der Antrag vom 9. April 2007 auf Genehmigung der Verbreitung von Dokumenten keine Angabe zu dem vom Kläger
         verfolgten Zweck und zum Umfang dieser Verbreitung.
      
      86      Im Antrag vom 11. Mai 2007 heißt es, der Kläger beabsichtige, im „öffentlichen Interesse“ Anzeigen gegen Beamte und Mitglieder
         der Kommission zu erstatten. Angesichts der Bedeutung des verfolgten Ziels und der Zahl der Dokumente, auf die der Kläger
         Bezug genommen hat, durfte die Kommission es gleichwohl als unbedingt erforderlich ansehen, dass der Kläger jedes Schriftstück,
         das er verwenden wollte, zusammenfassend beschreibt und kurz erläutert, inwiefern es für die Erstattung der Anzeigen erforderlich
         war. Eine solche Beschreibung und eine solche Erläuterung fehlen jedoch. Überdies ist festzustellen, dass der Kläger zwar
         seine Absicht erwähnt hat, wegen Strafvereitelung, Verleitung von Untergebenen zur Begehung von Straftaten und Rechtsbeugung
         Strafanzeigen gegen Beamte des OLAF, den Generalsekretär der Kommission und Mitglieder der Kommission zu erstatten, hinsichtlich
         der Strafanzeigen gegen Beamte des Amts für Veröffentlichungen aber lediglich angegeben, diese hätten Straftatbestände erfüllt,
         die er in einem Vermerk vom 16. April 2004 dargelegt habe, wobei dieser Vermerk seinem Antrag nicht einmal beigefügt war.
      
      87      In seiner Beschwerde vom 11. Oktober 2007 hat der Kläger – allerdings auf unklare Weise – mitgeteilt, „mittels der [in den
         Anträgen vom 9. April und vom 11. Mai 2007] genau bezeichneten bzw. beigefügten Dokumente, die in den Anträgen selbst und
         den Dokumenten von [ihm] gemachten Aussagen nunmehr auch gegenüber der Öffentlichkeit bzw. gegenüber den Strafverfolgungsbehörden
         tätigen und durch die ebenfalls beigefügten Fremddokumente belegen zu wollen“.
      
      88      Unter den besonderen Umständen des vorliegenden Falles ergibt sich aus alledem, dass die Schreiben des Klägers an die Kommission
         vom 9. April 2007 und 11. Mai 2007 keine Anträge im Sinne der Art. 17, 19 und 90 Abs. 1 des Statuts darstellen konnten.
      
      89      Soweit erforderlich, ist schließlich darauf hinzuweisen, dass die Kommission ihrer Fürsorgepflicht dadurch nachgekommen ist,
         dass sie den Kläger zum einen am 19. Juni, 26. Juni und 20. Juli 2007 auf die Unbestimmtheit seiner Anträge hingewiesen und
         ihm zum anderen in ihrer Entscheidung vom 9. November 2007 eine Vorgehensweise vorgeschlagen hat.
      
      90      Da das in Art. 90 Abs. 1 des Statuts vorgesehene Verfahren nicht eingehalten wurde, ist die Klage folglich unzulässig.
      
       Zum Antrag auf Schadensersatz
       Vorbringen der Parteien
      91      Nach Ansicht des Klägers begründet die rechtswidrige Ablehnung seiner Anträge auf Genehmigung einen Amtsfehler, der die außervertragliche
         Haftung der Kommission begründen könne. Die Ablehnung sei willkürlich; der Kommission sei es möglicherweise genau darum gegangen,
         eine öffentliche Diskussion über ihr Vorgehen zu unterdrücken. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Strafanzeigen wegen eingetretener
         Verjährung sinnlos würden und eine Veröffentlichung von Dokumenten, die auf zurückliegende interne Missstände bei der Kommission
         aufmerksam machten, auf wesentlich geringeres öffentliches Interesse stoßen werde. Dies beeinträchtige die Aufklärungsinteressen
         des Klägers und auch demokratische und rechtsstaatliche Kontrollmechanismen erheblich.
      
      92      Die angefochtenen Entscheidungen hätten wegen der Beeinträchtigung der Äußerungsfreiheit des Klägers zu einem immateriellen
         Schaden des Klägers und zu einer Verschärfung der Symptomatik seiner Erkrankung geführt.
      
      93      Die Höhe des Schadensersatzes müsse dem Wiederholungsaspekt und der kumulativen Wirkung der Schäden ebenso Rechnung tragen
         wie der Verwerflichkeit der begangenen rechtswidrigen Handlungen. Sie müsse abschreckende Wirkung haben. Daher sei der Schadensersatz
         auf mindestens 10 000 Euro festzusetzen.
      
      94      Nach Ansicht der Kommission ist der Schadensersatzantrag wegen der Unzulässigkeit des Aufhebungsantrags unzulässig oder mangels
         eines Amtsfehlers zumindest unbegründet.
      
      95      Der Kläger habe zudem weder das Vorliegen eines Schadens noch eines Kausalzusammenhangs zwischen dem angeblichen Amtsfehler
         und dem behaupteten Schaden nachgewiesen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      96      Nach ständiger Rechtsprechung im Bereich des öffentlichen Dienstes sind Anträge auf Schadensersatz zurückzuweisen, wenn sie
         in engem Zusammenhang mit Aufhebungsanträgen stehen, die ihrerseits als unzulässig oder als unbegründet zurückgewiesen wurden
         (Urteil des Gerichtshofs vom 12. Dezember 1967, Collignon/Kommission, 4/67, Slg. 1967, 497, und Urteil des Gerichts erster
         Instanz vom 5. April 2005, Christensen/Kommission, T-336/02, Slg. ÖD 2005, I-A-75 und II-341, Randnrn. 117 und 118). 
      
      97      Im vorliegenden Fall besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Schadensersatzantrag und dem Aufhebungsantrag, da der Kläger
         geltend macht, dass der behauptete Schaden eine Folge der Entscheidungen sei, deren Aufhebung er beantragt.
      
      98      Folglich ist der Schadensersatzantrag ebenfalls als unzulässig abzuweisen.
      
       Kosten
      99      Für den Fall, dass seine Klage als teilweise unzulässig oder unbegründet abgewiesen werde, beantragt der Kläger, der Kommission
         die Kosten aufzuerlegen, weil sie die Rechtsbehelfsbelehrung in der Entscheidung vom 20. Juli 2007 nicht eindeutig genug formuliert
         und es unterlassen habe, dem Kläger eine der Entscheidung vom 9. November 2007 entsprechende Entscheidung früher, nämlich
         innerhalb der noch laufenden Klagefrist in Bezug auf die Entscheidung vom 20. Juli 2007, zuzustellen.
      
      100    Die Kommission beantragt, dem Kläger die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      
      101    Es ist darauf hinzuweisen, dass die Verfahrensordnung des Gerichts nach ihrem Art. 121 am 1. November 2007 in Kraft getreten
         ist.
      
      102    Nach Art. 87 Abs. 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei vorbehaltlich der übrigen Bestimmungen des Achten Kapitels
         des Zweiten Titels der Verfahrensordnung auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
      
      103    Das Gericht kann jedoch gemäß Art. 87 Abs. 2 der Verfahrensordnung aus Gründen der Billigkeit entscheiden, dass eine unterliegende
         Partei zur Tragung nur eines Teils der Kosten oder gar nicht zur Tragung der Kosten zu verurteilen ist. Außerdem kann das
         Gericht eine Partei, auch wenn sie obsiegt, nach Art. 88 der Verfahrensordnung verurteilen, der Gegenpartei die Kosten zu
         erstatten, die sie ihr verursacht hat und die wegen ihres Verhaltens, auch vor Klageerhebung, unangemessen oder böswillig
         erscheinen.
      
      104    Im vorliegenden Fall ist die Klage wegen der erheblichen Unbestimmtheit der Schreiben vom 9. April und 11. Mai 2007, auf die
         die Kommission den Kläger mehrfach hingewiesen hat, unzulässig. Darüber hinaus lässt das Schreiben der Anstellungsbehörde
         vom 9. November 2007 kein unangemessenes oder böswilliges Verhalten erkennen. Schließlich liegen keine Billigkeitsgründe vor,
         die ein Abweichen von dem in Art. 87 Abs. 1 der Verfahrensordnung niedergelegten Grundsatz rechtfertigen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST(Zweite Kammer)
      
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Herr Strack trägt sämtliche Kosten.
      
               Tagaras 
            
            
                Van Raepenbusch 
            
            
                Rofes i Pujol
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 20. Januar 2011.
      
               Die Kanzlerin 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               W. Hakenberg 
            
             
            
                      H. Tagaras
            
         
         Der Text dieser Entscheidung sowie der darin zitierten Entscheidungen der Gerichte der Europäischen Union sind auf der Internetseite
            www.curia.europa.eu verfügbar.
         
      
      * Verfahrenssprache: Deutsch.