CELEX: 51991DC0397
Language: de
Date: 1991-12-12 00:00:00
Title: MEMORANDUM DER KOMMISSION ÜBER DIE BERUFSAUSBILDUNGSPOLITIK DER GEMEINSCHAFT FÜR DIE 90ER JAHRE

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                          K0M(91) 397 endg.
                                                         Brüssel,den 12. Dezember 1991
           MEMORANDUM DER KGfcMI SS ION
                                           iJüLtt
        D I E BERUFSAUSBILDUNGSPOLITIK
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                      D I E 90ER JAHRE
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                                Inhaltsübersicht
EINLEITUNG
I. DIE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE GEMEINSCHAFT
     1.  Beschleunigung der Veränderungen
     2.  Rolle des "immateriellen Kapitals"
     3. Qual ifikatIonen,und Arbeitsorganisation
     4.  Humanressourcen wichtiger, aber seltener
     5.  Ausbildung und Qualifikation der Frauen
     6.  Qualifikationsdefizite
     7.  KMU und Binnenmarkt
     8.  Entwicklung hin zu einem europäischen Markt der Befähigungs-
         nachwe i se und Ausb iI düngen
     9.  In der beruflichen Basisausbildung verankerte Weiterbildung
     10. Sozialpartnerschaft
 II. ERRUNGENSCHAFTEN DER GEMEINSAMEN POLITIK
     1.  Schrittweiser Aufbau
     2.  Grundlagen der Gemeinschaftsaktion
     3.  Tätigkeitsbereiche
     4.  Beschlüsse des Rates
     5.  Transnationale Maßnahmen
     6.  Transparenz des Arbeitsmarkts
     7.  StruktureI le Maßnahmen
     8.  Trümpfe der Gemeinschaftspolitik
     9.  Errungenschaften des sozialen Dialogs
 III. LEITLINIEN FÜR DIE NEUNZIGER JAHRE
A.   Die gemeinsamen Fragestellungen
B.   Die Gemeinschaftsaktion
     1.  Verstärkung der Gemeinschaftsaktion
     2.  Wahrung des Subsidiäritätsprinzips
     3.  Neue Ziele für die Gemeinschaftspolitik
     4.  Eine konsequente und kohärente Gemeinschaftsaktion
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                 DIE BERUFSAUSBILDUNGSPOLITIK DER GEMEINSCHAFT
                               FÜR DIE 90ER JAHRE
                                  EINLEITUNG
1. Auch in den neunziger Jahren werden sich die tiefgreifenden sozio-
   ökonomIschen    Veränderungen     der    achtziger    Jahre   noch   weiter
   fortsetzen: Eine Fortsetzung der ökonomischen Restrukturierungen in
   verschiedenen    Wirtschaftsbereichen, sich        verändernde   und   sich
   weiterentwickelnde        Qualifikationen,       sehr      unterschiedliche
   Rahmenbedingungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Arbeitskräften,
   der Mobilitätsströme und der Wanderbewegungen. Angesichts dieser
   Umstände   hat   die Kommission       entschieden, eine      breitangelegte
   Diskussion über die Entwicklung der Bildungspolitik über die
   Schulpflicht hinaus anzuregen. Die Kommission ist davon überzeigt,
   daß die Entwicklung der Bildungspolitik sowohl auf Gemeinschaftsebene
   als   auch   auf    der    Ebene   der    Mitgliedstaaten    die   absolute
   Grundvoraussetzung darstellt, um diese Evolution meistern zu können.
   Dieses Memorandum ist das Ergebis einer äußerst lebhaft mit dem aus
   drei Parteien bestehenden Ausschuß für Berufsbildung geführten
   Diskussionen und dies sowohl auf Gemeinschafts- als auch auf
   nationaler Ebene. Es umfaßt alle von den drei Parteien in jedem
   Mitgliedstaat schriftlich eingereichten Beiträge.
2. Das    vorliegende       Memorandum     über      die    Leitlinien     der
   Gemeinschaftspolitik für die 90er Jahre bestimmt und beschreibt die
   neuen Herausforderungen, die sich für die kommenden Jahre stellen und
   die den BerufausbiIdungspolitiken eine immer größere Bedeutung
   verleihen. Es stellt ferner das beim Aufbau der gemeinsamen Politik
   auf der Grundlage der 1963 festgelegten Grundsätze, insbesondere im
   Rahmen der verschiedenen seit 1985 realisierten Aktionsprogramme der
   Gemeinschaft, Erreichte vor. Schließlich schlägt es Leitlinien für
   das künftige Vorgehen in der Gemeinschaft für diesen Bereich vor.
3. Das Memorandum fügt sich in den Rahmen des Aktionsprogramms zur
   Anwendung der Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der
   Arbeitnehmer ein, demzufolge die Kommission 1991 Vorschläge für eine
   Aktualisierung der      im Beschluß des Rates vom 2. April 1963
   festgelegten allgemeinen Grundsätze für die Durchführung einer
   gemeinsamen Berufsausbildungspolitik vorlegen soll. Die angestellten
   Überlegungen und die geführten Debatten haben gezeigt, daß diese
   allgemeinen Grundsätze in ihrer jetzigen Form als Bezugstext, der
   seine Gültigkeit behält, beibehalten werden sollten.
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4. In diesem Kontext hat die Kommission beschlossen, die Debatte über
   sämtliche Fragen im Zusammenhang mit der Ausbildung nach Ablauf der
   PfIichtschulzeit umfassend zu führen. Denn sie hat festgestellt, daß
   die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft und die Gemeinschaft selbst vor
   einer Reihe wichtiger Entscheidungen stehen, um den Humanressourcen
   bei    der    Sicherung  des Wirtschaftswachstums       in Europa,   der
   Realisierung einer für alle anderen Teile der Welt offenen
   Gesellschaft sowie beim Aufbau der Gemeinschaft selbst einen neuen
   Platz zuzuweisen.
5. Parallel zur Ausarbeitung des vorliegenden Memorandums wurden
   außerdem prospektive Überlegungen zum Hochschulwesen angestellt. Die
   Kommission wird demnächst ein "Memorandum" erstellen, in dem eine
   Reihe von Leitlinien für die Entwicklung dieses Bereichs und den
   Ausbau      seiner Aufgaben     im    Bereich     von     Forschung  und
   Wissensvermittlung vorgeschlagen werden. Auch wird darin die Frage
   der Verbindungen zwischen dem Hochschulwesen, insbesondere den
   Universitäten, und der Wirtschaft an der Schwelle zum Jahr 2000
   angesprochen.
6. Das vorliegende Memorandum über die "Leitlinien der Gemeinschafts-
   politik für die 90er Jahre" soll Vorschläge unterbreiten und die
   Debatte anregen. Zu diesem Zweck weist es besonders auf eine Reihe
   von Punkten hin, die die Kommission für entscheidend hält, z. B. auf:
        die starken Veränderungen des sozio-ökonomisehen Umfelds der 90
   Jahre - insbesondere die Folgen der beschleunigten internatio-
   nal is ierung der wirtschaftlichen und technologischen Aktivitäten - in
   dem die europäische Wirtschaft sich behaupten muß.
        die neuen Dimensionen der technologischen Innovation, ihre
   wahrscheinliche Beschleunigung in den kommenden Jahren sowie die
   daher notwendige Einführung neuer Formen der Arbeitsorganisation, die
   den    Humanressourcen    eine   Schlüssel roi le   zuweisen    und neue
   Qualifikationen erforderlich machen.
   -    das herzustel(ende Gleichgewicht zwischen den Investitionen, die
   im Bereich von Forschung und Entwicklung getätigt werden, um das
   Innovationspotential zu steigern, und den Investitionen, die im
   Bereich der Ausbildung erforderlich sind, damit die Qualifikationen
   der    Arbeitskräfte    tatsächlich   eine    Verwirklichung    und eine
   Verbreitung der Innovationen, insbesondere in Richtung auf die KMU,
   ermöglichen.
        die Probleme im Zusammenhang mit den Qual ifikationsdefiziten* die
   in allen Regionen der Gemeinschaft zutage treten und auf vielfältige
   Ursachen verweisen: Diskrepanzen zwischen Innovationsbedarf und
   verfügbarem Potential, Verzögerungen bei den Strukturanpassungen
   zwischen den im Niedergang begriffenen Industriezweigen und den neuen
   Wachstumsbranchen, unzureichende Basisqualifikationen in bestimmten
   Regionen usw.
        die positiven Auswirkungen der Schaffung eines europäischen
   Bildungs- und AusbiI dungsraums, in dem die Unternehmen neue PcSUlken
   und Verwaltung der Qualifikationen entwickeln werden, der auch dem
   einzelnen völlig neue AusbiI dungs- und Mobilitätsmöglichkeiten bietet
   und der die Tätigkeit der Ausbildungseinrichtungen eut einen
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   europaweiten und nicht mehr landesweiten Markt ausrichtet. Diese
   Auswirkungen müssen außerdem innerhalb des größeren Europäischen
   Wirtschaftsraums, dem auch die EFTA-Länder angehören werden, die in
   diesem Bereich einen positiven Beitrag in Form von Erfahrungen und
   Innovationsverfahren leisten werden, konsolidiert werden.
        die    gegenseitige      Kenntnis   der    Ausbildungssysteme    in den
   verschiedenen Mitgliedstaaten sowie die Schaffung transeuropäischer
   Netze für den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen Akteuren
   und     Entscheidungsträgern        der    nationalen     AusbiIdungs-     und
   Qua Ii fIz i erungssysteme.
        die Entwicklung der innergemeinschaftlichen Mobilität und der
   Zuwanderung      in die Gemeinschaft        sowie deren     Folgen   für die
   Arbeitsweise      des europäischen Arbeitsmarkts.         In diesem     Rahmen
   gestatten es die Erfahrungen und die Fähigkeiten der Gemeinschaft,
   insbesondere im Bereich der Ausbildung, die bereits im Rahmen von
   PHARE eingeleiteten Bemühungen um die Umgestaltung der Länder Mittel-
   und Osteuropas im Bereich der beruflichen Bildung zu unterstützen.
   Diese Feststellungen verdeutlichen auch die Notwendigkeit der
   Realisierung des Projekts einer Europäischen Stiftung für die
   Berufsausbildung, um so das Ausbiidungsangebot für diese Länder
   möglichst effizient und transparent darzustellen.
7. Dabei     ist auch darauf hinzuweisen, daß die Grenzen zwischen
   Ausbildung und Bildung in vielen Fällen fließend sind und die von den
   Ausbildungssystemen vermittelten Fachkenntnisse immer mehr auf Werte
   aus dem Bereich der Bildung, insbesondere der Verhaltenswissenschaft
   und der Beziehungslehre, verweisen, während die Grundbildungssysteme
   auch     berufsbezogene      Fachkenntnisse     vermitteln    wollen.    Diese
   zunehmende gegenseitige Durchdringung der beiden Bereiche - Bildung
   und Ausbildung - ist ebenfalls ein Grundmerkmal der gegenwärtigen
   Zeit. Ferner muß die Frage nach dem "Status" des Fachunterrichts und
   der Berufsausbildung sowohl unter dem Gesichtspunkt der Institutionen
   als auch dem der Mittel gestellt werden.
8. Die derzeitige Situation des Arbeitsmarkts muß in den meisten
   europäischen Ländern als Ausgangsgrundlage dienen. Dementsprechend
   muß     eines     der     Ziele    darin    bestehen,    den    Beitrag    der
   Ausbildungspolitiken         zur     Beseitigung     der    Arbeitslosigkeit,
    insbesondere der Langzeitarbeitslosigkeit, zu erhöhen. Einerseits muß
   die Gemeinschaftsaktion, insbesondere im Bereich von Information und
   Austausch von Fachwissen, zu einem Transfer                der    Innovationen
   beitragen. Andererseits muß darauf hingewiesen werden, daß das Ziel
   der Anhebung und Verbesserung der Qualifikationen es in der Zukunft
   sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen ermöglichen muß, die
   Risiken der konjunkturellen Entwicklung besser zu bewältigen und
   damit deren negative Auswirkungen im Hinblick auf den Verlust von
   Arbeitsplätzen und die Segmentierung des Arbeitsmarkts zu verringern.
9. Bei der Bestimmung neuer Leitlinien für die Politik der Gemeinschaft
   muß das Gleichgewicht zwischen Integration und Unterschiedlichkeit,
   das im Grundsatz der Subsidiarität deutlich wird, gewahrt werden. Die
   beiden      Ziele     der    Integration    und    der   Respektierung     der
   Unterschiedlichkeit widersprechen sich nicht, sondern sind als
   komplementär zu begreifen. Die Unterschiedlichkeit der Kulturen und
   der BiIdungs- und Ausbildungssysteme in Europa ist ein Merkmal, das
   diesen Kontinent wesentlich von der in den übrigen hochentwickelten
   Volkswirtschaften vorherrschenden Sozialordnung unterscheidet. Die
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    aus    dieser   Unterschiedlichkeit    resultierende    Synergie    und
    Zusammenarbeit    ist   ein   Faktor   des   Fortschritts,    den   die
    Gemeinschaftspolitik anregen und fördern muß.
10. Bei der Ausarbeitung der neuen Leitlinien sind gleichzeitig der
    Beitrag der Berufsausbildung zu den neuen Phasen des Aufbaus Europas
    stärker hervorzuheben und die Aktionen der Mitgliedstaaten (stärker)
    zu berücksichtigen. Daher wird die Gemeinschaftsaktion im Bereich der
    Ausbildung durch zwei Hauptanliegen bestimmt: Einerseits sind die
    gemeinsamen Ziele festzulegen, die die Mitgliedstaaten verfolgen
    sollen, und andererseits die Ziele und Aktionen zu bestimmen, die auf
    Gemeinschaftsebene    weiterentwickelt   werden   müssen,   um    diese
    nationalen Politiken zu unterstützen und zu vervollständigen.
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                DIE HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE GEMEINSCHAFT
Beschleunigung der Veränderungen
11. Die Humanressourcen werden in den neunziger Jahren von vorrangiger
    Bedeutung   sein,    da   diese    Jahre   durch    die   Fortsetzung    der
    wirtschaftlichen Umstrukturierung, die die letzten Jahre nachhaltig
    geprägt hat, gekennzeichnet sein werden. Diese Umstrukturierung wird
    sich auf verschiedene Tätigkeitsbereiche auswirken. Gleichzeitig wird
    sich bei     den Veränderungen      der allgemeinen sozio-ökonomisehen
    Bedingungen, insbesondere im Bereich der Qualifikationen und ihrer
    Weiterentwicklung, abhängig von der Vollendung des Binnenmarkts und
    der      vorauszusehenden       Verstärkung       des       technologischen
    Innovationsdrucks, eine Beschleunigung ergeben.
12. Um sich auf ein immer dynamischeres und immer unüberschaubareres
    Umfeld vorzubereiten, entwickeln die Unternehmen systematisch und im
    voraus   die    entscheidenden    Ressourcen    für    eine    entsprechende
    Strategie: die technologischen Kenntnisse, die Informationsnetze, die
    Humanressourcen usw. Der Einsatz dieser Ressourcen kann nicht
    improvisiert erfolgen, er muß geplant werden. Daher entwickeln die
    leistungsfähigen Unternehmen diese Ressourcen, um so rasch durch ihre
    Mobilisierung auf ein Ereignis oder eine Entwicklung reagieren zu
    können.
13. Die Internationalisierung, die in einigen technologischen Bereichen
    (zum Beispiel Pharmazie, Informatik, Telekommunikation, Materialwaren
    usw.) bereits weit fortgeschritten ist, verhilft den Unternehmen
    hinsichtlich der Verbreitung von Kenntnissen und Technologie zu einer
     immer stärkeren Position, manchmal sogar zu einer Vormachtstellung.
    Die Humanressourcen sind in diesem Zusammenhang ein Faktor, dem bei
    den Zusammenschlüssen und den Wettbewerbssituationen, die sich auf
    der Ebene der Unternehmen und der Wirtschaftssysteme, anbahnen, immer
    größere Bedeutung zukommt.
14. Diese unsichere und komplexe Situation ist ein Grundmerkmal der
    heutigen Zeit und macht jedes starre Szenarium unmöglich. Sie zwingt
     im Gegenteil zu dem Bemühen um mehr Flexibilität und Innovation im
    Rahmen der entsprechenden BiIdungs- und Ausbildungspolitiken. Die
    europäischen Unternehmen können sich nur durchsetzen, wenn sie sich
    auf BiIdungs- und AusbiIdungsinfrastrukturen stützen können, die die
    genannten Fähigkeiten vermitteln.
Rolle des "Immateriellen Kapitals"
15. Das sozio-ökonomisehe Umfeld der neunziger Jahre wird stark durch die
     immer wichtigere Rolle des sogenannten          "immateriellen Kapitals"
    geprägt sein (ohne das das Sachkapital, also Maschinen und Anlagen,
    nicht effizient wäre), das heißt nicht nur durch berufliche
    Qualifikationen und technologische Fachkenntnisse, sondern auch durch
    organisatorische    Fähigkeiten     und   unternehmerische Kultur.       Das
    europäische "Humankapital" ist somit eine kreative und dynamische
    Kraft des Gemeinschaftsraums und muß a Us gemeinsame Ressource
    betrachtet werden, die durch Mobilität, Austausch und Zusammenarbeit
    weiterentwickelt    werden    muß.    Der   europäische     Raum   muß   zum
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    konkurrenzfähigen Raum werden, zum Markt, aber auch zum Raum, der
    Fachkenntnisse bei seinen Bürgern und Arbeitnehmern hervorbringt und
    diese nutzt und mobilisiert.
16. Im obengenannten Kontext der Internationalisierung sind Unternehmen
    und Behörden      dazu aufgefordert      zusammenzuarbeiten.    In dieser
    Situation, die komplexe und paradoxe Aspekte aufweisen kann, müssen
    auf Gemeinschaftsebene neue Formen von Partnerschaften entwickelt und
    die neuen Modalitäten für Intervention und Beziehungen festgefegt
    werden, die es ermöglichen, den wirtschaftlichen Herausforderungen
    gerecht zu werden und den sozialen Zusammenhalt zu gewährleisten.
17. Wenn es den europäischen Ländern gelingt, unter Nutzung der
    Qualifikationen einer umfassend gebildeten und gut ausgebildeten
    Bevölkerung    moderne und wettbewerbsfähige Produktionsformen zu
    entwickeln, kann Europa besser das Gleichgewicht im Zusammenhang mit
    den Wanderungsfaktoren handhaben. Der Abwanderung von qualifiziertem,
    insbesondere hochqualifiziertem Personal in außereuropäische Länder
    und möglichen Abwanderungen von Facharbeitern und Führungskräften aus
    den am wenigsten entwickelten Regionen, die eine Ansied lung von
    wettbewerbsfähigen Aktivitäten erschweren.
Qualifikationen und Arbeitsorganisation
18. Die neuen Techniken im Bereich von Information,            Kommunikation,
    Produktion, Verfahren und Automatisation wirken sich       auf zahlreiche
    Arbeitsplätze aus und verändern die Befähigungsprofile     vieler Berufe.
    Europa muß im Bereich der Entwicklung und der              Nutzung neuer
    Technologien Höchstleistungen und Spitzenkenntnisse        bieten, um im
    internationalen Wettbewerb bestehen zu können.
19. Die moderne Arbeitsorganisation ist gekennzeichnet durch den Rückgang
    bei traditionellen Formen der Arbeitsteilung und die Nutzung von
    Techniken, die den Erfordernissen der Menschen Rechnung tragen. Die
    moderne    Unternehmensführung     zeichnet    sich  durch    umfassendere
    Entscheidungsbefugnisse und Dezentralisation aus, wozu auch gehört,
    daß die Qualitätskontrolle zu den Aufgaben verschiedener Kategorien
    von Bediensteten, insbesondere Ausführungspersonal, zählt. Diese
    moderne Organisation geht aus vom Typus eines Mitarbeiters, der in
    der   Lage    ist,   seine    Arbeit    selbständig  vorauszuplanen,    zu
    organisieren und durchzuführen und sie selbst zu überwachen. Daher
    besteht ein wachsender Bedarf an Mehrfach- oder               kombinierten
    Qualifikationen, das heißt Kombinationen von Qualifikationen z. B.
    auf   dem Gebiet      der   Informationstechnologie und      herkömmlichen
    Befähigungen, um sich an die neuen Arbeitssituationen anzupassen.
    Dies setzt auch eine methodische und didaktische Organisation der
    Berufsausbildung und der Weiterbildung voraus, die die Verbindung
    zwischen dem Erwerb von Fachkenntnissen und der Abneignung von
    Kenntnissen im methologischen und sozialen Bereich gewährleistet.
20. Dadurch ändern sich auch die Relationen zwischen den materiellen und
    immateriellen Investitionen in den Unternehmen. Ohne die nötige
    Investition in ihre Humanressourcen und die Qualifikation ihrer
    Arbeitskräfte können die Unternehmen die potentiellen Leistungen der
    neuen Produktionsprozesse nicht effizient nutzen und die auf den
    Weltmärkten     insbesondere    im   Hinblick    auf  die   Qualität   der
    produzierten Waren bzw. der erbrachten Dienstleistungen nötigen
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    Wettbewerbsstandards nicht erreichen. Die für Forschung/Entwicklung
    und   Ausbildung/Qualifikation      aufgebrachten   Mittel    müssen   also
    ausgewogen sein, um zu einer wirklich komplementären und effizienten
    Aktion zu gelangen.
Humanressourcen wichtiger, aber seltener
21. Künftig     werden    Bevölkerungsentwicklung     und    Entwicklung    der
    Wanderungsbewegungen     sowie die Art und Weise, wie sich die
    Arbeitskräfte     und   das    Kapital    an   Fachkenntnissen    erneuert,
    wesentliche Faktoren darstellen. Der vorhersehbare Rückgang des
    Anteils der jüngeren Generationen an der Erwerbsbevölkerung bewirkt,
    daß den Fachkenntnissen der erwachsenen Arbeitskräfte wachsende
    Bedeutung zukommt, da sich mehr als 80 % der Erwerbsbevölkerung des
    Jahres 2000 bereits heute auf dem Arbeitsmarkt befinden und sich der
    Bestand der notwendigen Fachkenntnisse etwa um 10-15 % pro Jahr
    erneuert, während die Jährlich auf den Arbeitsmarkt gelangenden
    Jugendlichen nur 2 % der Erwerbsbevölkerung ausmachen. Deshalb ist es
    absolut unumgänglich, die Weiterbildungsmaßnahmen auszubauen, ohne
    deshalb aber die Bemühungen um eine verbesserte Ausbildung der
    Jugendlichen einzuschränken.
22. Durch angemessene BiIdungs- und Ausbildungsmaßnahmen muß es möglich
    sein, einer Tendenz entgegenzuwirken, die sich von der Entwicklung
    der    letzten 30 Jahre unterscheidet, da drei Phänomene - mit
    deutlichen regionalen Unterschieden - zusammenkommen: einerseits wird
    der Anteil der jüngeren Generationen an der Erwerbsbevöikerung
    zurückgehen, andererseits wird sich die Zahl der Personen im
    erwerbsfähigen Alter, die im Verlauf der achtziger Jahre ständig
    zugenommen hat, ab 1995 stabilisieren, um dann in den nächsten
    30 Jahren zurückzugehen, und schließlich wird die Zahl derjenigen,
    die nicht mehr im erwerbsfähigen Alter sind, stark zunehmen, was sich
    nach dem Jahr 2000 noch verstärken wird. Das Zusammentreffen dieser
    drei     Phänomene    wird    allmählich     zu   einer    Umkehrung    des
    Abhängigenquotienten führen, das heißt die (alten und jungen)
    Nichterwerbspersonen werden zahlreicher sein als die Personen im
    erwerbsfähigen Alter. Durch diese Entwicklungen wird auch das
    Spektrum des über den eigentlichen Zeitraum der Erwerbstätigkeit
    hinausreichenden Ausbildungsbedarfs größer und erhalten die Begriffe
    der ständigen Weiterbildung und des lebenslangen Lernens im Kontext
    der Entwicklung des Lebenszyklus wieder größere Aktualität.
Ausb11dung und Qua 11fIkat ion der Frauen
23. Die demographischen Entwicklungen führen auch dazu, daß verstärkt auf
    die    Chancengleichheit     beim    Zugang   zur   Ausbildung    und   den
    Ausbildungsmöglichkeiten für weibliche Arbeitskräfte geachtet wird.
    Diese Probleme betreffen insbesondere Frauen, die ins Erwerbsleben
    zurückkehren. Wenn die Arbeitskräfteressourcen unter Druck geraten,
    wird das Problem der AusbiIdungs- und Beschäftigungsbedingungen für
     Frauen zu einer vorrangigen Frage. Dies dürfte zu einem größeren
    Angebot qualifizierter Beschäftigungen für Frauen, ihrer beruflichen
    Qualifikation und zu einer Diversifizierung und Erweiterung der ihnen
    zugänglichen Arbeitsplätze führen.
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24. Diese Ziele müssen im Bereich der Berufsberatung und bei der
    Entwicklung des Bildungsangebotes aber auch bei der Konzeption und
    der Umsetzung von Bildungsplänen in den Betrieben berücksichtigt
    werden. Die Jungen Mädchen und Jungen Frauen in der Gemeinschaft
    müssen      unterstützt     und     ermutigt     werden,    anspruchsvollere
    Beschäftigungen zu übernehmen, was längere Ausbildungsgänge und
    höhere Qualifikationsniveaus voraussetzt. Die Länder, denen es am
    besten gelingt, diese Fragen zu lösen, werden angesichts des Problems
    der Qualifikationsdefizite, das eines der neuen und markanten
    Merkmale des Arbeitsmarkts der neunziger Jahren sein wird, wesentlich
    im Vor te i l se i n.
Qualtfikationsdefizite
25. Auf dem Arbeitsmarkt in den Ländern der Gemeinschaft scheint ein
    relativ neues Phänomen sichtbar zu werden, das für gewöhnt ich
    "Qualifikationsdefizite" genannt wird. Es stellt für die Bildungs-
    und Ausbiidungspolitiken eine neue Herausforderung dar, denn es geht
    dabei darum, das Paradoxon einer weiterhin hohen Arbeitslosigkeit bei
    gleichzeitigem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften aus der Welt
    zu schaffen.
26. Für die Analyse dieses komplexen Phänomens ist ein vielschichtiger
    Ansatz, der makroökonomische, regionale und sektorale Elemente
    komplementär miteinbezieht, erforderlich. Die Kommission hat eine
    derartige Analyse eingeleitet; sie hat die ersten Ergebnisse in dem
    Bericht über       die Beschäftigungssituation        in Europa, der 1991
    veröffentlicht wurde, vorgelegt. Es handelt sich hierbei nicht nur um
    konjunkturell      bedingte     quantitative     Ungleichgewichte      zwischen
    Arbeitsangebot und Nachfrage nach Arbeit, da sich die Defizite ja
    auch       in     Zeiten      hoher       Arbeitslosigkeit,       insbesondere
    Langzeitarbeitslosigkeit, entwickeln. Bei der Analyse dieser Defizite
    sind tatsächlich alle Faktoren von Interesse, die sich auf die
    quantitativen      oder   qualitativen     Ungleichgewichte     zwischen    den
    Ausbildungssystemen       und     dem    Beschäftigungssystem      erstrecken:
    demographische        Tendenzen,      Arbeitsmobilität,      Rhythmus       der
    technologischen Entwicklungen, Unzulänglichkeit der Maßnahmen zur
    beruflichen Erstausbildung und Weiterbildung, Fehlen oder Mängel von
    Vorausschätzungen, die die Planungsmöglichkeiten für die Fortbildung
    stark einschränken.
27. Durch die gemeinsam durchgeführten Analysen dürften insbesondere eine
    Reihe     von     Indikatoren     bestimmt     werden    können,     die    die
    Charakterisierung der Qualifikationsdefizite ermöglichen (globale
    Defizite, sektorale Defizite, regionale Verteilungen, spezifische
    berufliche Situationen usw.).
    Die Zusammenarbeit auf Gemeinschaftsebene muß sich auch auf die
    Lösungen     erstrecken,    die     kurz-   oder    langfristig    vor    allem
    hinsichtlich der Ausbildungskapazitäten und -techniken, aber auch
    hinsichtlich der Arbeitsorganisation, der Qualifikationsbedürfnisse,
    und der optimalen Nutzung des verfügbaren Qualifikationspotentials im
    Rahmen der Produktionsprozesse möglich sind.
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KMU (kleine und mittlere Unternehmen) und Binnenmarkt
28. in den letzten Jahren wurde häufig auf die Rolle und die Bedeutung
     der KMU bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze und bei der Förderung
     des regionalen Entwicklungspotentials hingewiesen. Sie machen mehr
     als 80 % der Unternehmen in der Gemeinschaft aus, so daß ihnen bei
     der Gemeinschaftsaktion, insbesondere aufgrund ihres entscheidenden
     Einflusses auf das Wirtschaftswachstum der meisten - vor allem aber
     der am wenigsten entwickelten - Regionen, Priorität einzuräumen ist.
     Sie    müssen     in    bestimmten      Bereichen,    um    zu    innovieren,
     Strategieoptionen entwickeln, die kritische Größe im Sinne der
     "Economics     of     Scale"     erreichen,     ohne     aber    dabei    die
     Organisationsmodelle der Großunternehmen zu übernehmen, sowie sich
     Marktlücken für ihre Spezialisierung erobern.
29. Daraus folgt, daß, damit die KMU an den positiven Auswirkungen des
     Binnenmarkts     teilhaben      und    daraus     Nutzen    ziehen    können,
     Ausbildungspolitiken in ihrem Interesse entwickelt werden müssen, die
      ihre spezifischen Erfordernisse berücksichtigen. Die KMU müssen sich
     den unterschiedlichen Herausforderungen stelIen können und darum muß
      ihnen ein besserer Zugang zu den Ausbildungsmöglichkeiten geboten
     werden, um es ihnen so zu gestatten, den Bedingungen des Binnenmarkts
     gerecht    zu werden. Die KMU müssen            in der Lage sein, ihre
     Ausbildungsmaßnahmen       unter     Berücksichtigung     ihrer    zeitlichen
     Beschränkungen, ihrer Betriebsbedingungen und ihrer finanziellen
     Möglichkeiten zu entwickeln.
30. Einer der Faktoren, der die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die
     KMU ermöglicht, ist ihre Fähigkeit, sich den Veränderungen auf den
     jeweiligen    Auslandsmärkten       anzupassen.    Die   Einbindung    dieser
     Bedingungen in die Unternehmensstrategie wird immer stärker von der
     Kenntnis der Bedingungen auf der Ebene der Gemeinschaft abhängen. Die
     KMU müssen bei der Festlegung ihrer Strategie außer den lokalen,
     regionalen oder nationalen Faktoren in immer stärkerem Maße den
     wachsenden Einfluß des Binnenmarktes berücksichtigen.
 Entwicklung hin zu einem europäischen Markt der Befähigungsnachweise und
Ausb iIdüngen
 31. Die gemeinschaftlichen Zielsetzungen im Bereich der beruflichen
     Befähigungen fügen sich in den Rahmen eines zweifachen politischen
     Zieles    ein:    Sicherstellung      des   freien    Personenverkehrs    und
     Weiterentwicklung      der   gemeinsamen    Berufsausbildungspolitik. Die
     bereits eingeleiteten Aktionen müssen allmählich die Aufstellung
     einer Gemeinschaftsstrategie zur Gewährleistung der Transparenz und
     der     Funktion     des     "Europäischen      Markts     der    beruflichen
     Befähigungsnachweise" ermöglichen, der sich derzeit herausbildet und
     nach 1991 einer der zentralen Schwerpunkte der Politiken der
     Humanressourcen sein sollte. In diesem Zusammenhang müßten sich die
     verlangten Befähigungsnachweise und Fähigkeiten, die Mobilität des
     einzelnen, die Einstellungs- und Managementpolitik der Unternehmen
     sowie Inhalt und Kosten der Ausbildungsmaßnahmen parallel zu dieser
     europäischen       Dimension        des      Markts      der      beruflichen
     Befähigungsnachweise entwickeln.
32. Dabei ist allerdings daran zu erinnern, daß die Überlegungen nicht
     nur unter dem Gesichtspunkt der Erleichterung der Mobilität (in
     geographischer und sektoraler Hinsicht) weiterentwickelt werden
     können. Denn mit der Vollendung des Binnenmarkts wird es, selbst wenn
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    die Schaffung eines einzigen Arbeitsmarkts für eine große Zahl von
    Berufsfeldern zunächst zurückgestellt werden muß, notwendig, die
    Qualifikationen aus europäischer Sicht transparent zu machen. Diese
    Frage wird von Jetzt an im Mittelpunkt der Diskussionen des sozialen
    Dialogs stehen.
33. Dies bedeutet, daß die Gemeinschaft neue Maßnahmen treffen muß, um
    eine transparente Beschreibung der in einem Mitgliedstaat erworbenen
    Befähigungsnachweise zu gewährleisten. Diese Herausbildung einer
    europäischen Dimension bei den Befähigungsnachweisen steht noch ganz
    am    Anfang   und   entspricht    der   Schaffung    eines    "Europäischen
    Ausbiidungs- und Qualifikationsraums", der die Akteure (Staat,
    Unternehmen, Einzelpersonen) dazu veranlassen wird, ihre Konzeptionen
    und Verfahren entsprechend zu überdenken. Es liegt im Interesse
    sowohl    der Arbeitnehmer     als auch der Unternehmen, wenn auf
    Gemeinschaftsebene vergleichbare Informationen über die im Verlauf
    der Berufsausbildung, der Weiterbildung und der Berufserfahrung
    erworbenen beruflichen Befähigungsnachweise zur Verfügung stehen. Die
    Geineinschaft muß, unter Berücksichtigung der großen Unterschiede, die
    beim    Aufbau   der    Qualifikationen    und   bei    der    Nutzung   der
    Fachkenntnisse auf dem Arbeitsmarkt zwischen den einzelnen Ländern
    bestehen, die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene verstärken, um
    hinsichtlich der Problemstellungen und der Instrumente auf den
    verschiedenen Ebenen Fortschritte zu erzielen.
34. Das Ausbildungsangebot muß sich auch deshalb wie genannt verändern,
    um     die    europäische     Dimension      in   den     Ausbildungsgängen
    weiterzuentwickeln.      Es     gibt    derzeit    keinen      einheitlichen
    Ausbildungsmarkt,       sondern      vielmehr     eine      Vielzahl     von
    Ausbildungsmärkten, für die eine wechselseitige information und
    Transparenz zu gewährleisten ist. Damit die gemeinschaftlichen
    Zielsetzungen     in alle - unterschiedlichen - Ausbildungssysteme
    Eingang    finden können, müssen die entsprechenden Verbindungen
    hergestellt und die Netze geschaffen werden, die jedem Akteur oder
    Ent»cheidungsträger den Zugang zu der erforderlichen Information über
    die Lage und die Innovationen in den anderen Gerneinschaftslindern
    ermöglichen**). Anhand des Netzes EURYDICE für die IHdtingssysteme
    oder      der     Rotte     des      CEDEFOP     WHI     der      nationalen
    Forschungseinrichtungen, die sich mit Berufsbildung beschäftigen, eis
    Plattform des Informationsaustauschs im Bereich der Berufsausbildung
    wird bereits deutlich, weiche wichtigen Ergebniese durch eine
    Weiterentwicklung      der    wechselseitigen     Information      und   des
    wechselseitigen Verständnisses der Systeme erzielt werden können.
    Diese Einrichtung transeuropäischer Netze muß dezentral, unter
    Nutzung    des   Potentials    weitergeführt    werden,    das   durch   die
    Aktionsprogramme     , z. B. die       im Rahmen des       COMETT-Programms
    eingeführten    Ausbildungspartnerschaften Hochschule         - Wirtschaft
    (APHW), geschaffen wurde.
In der beruflichen Basisausbildung verankerte Weiterbildung
35. Der    Erwerb, die Wahrung, die Ausweitung           und Vertiefung der
    beruflichen Qualifikation hängt von Berufsausbildungssystemen ab, in
    denen Ausbildung und Tätigkeit eng miteinander verbunden sind. Der
    berufliche Lernprozeß sollte sich über das gesamte Erwerbsleben
    erstrecken. Es liegt daher sowohl im Interesse der Wirtschaft als
(1)      COM (90) 585 - den 10. Dezember 1990
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    auch   im Interesse der einzelnen Erwerbstätigen, daß bei der
    Konzeption     einer     Berufsausbildung      von     den     vorhersehbaren
    Erfordernissen     des Beschäftigungssystems ausgegangen           wird. Die
    Berufsausbildungspolitiken müssen ein ganzes Spektrum von Kenntnissen
    und Fertigkeiten vermitteln, die langfristig angewandt werden können
    und zu der erforderlichen fachlichen Qualifikation verhelfen, aber
    auch Möglichkeiten für die künftige Entwicklung beinhalten. Das Ziel
    des neuen Programms PETRA, allen Jugendlichen, die dies wünschen,
    nach Abschluß der Pflichtschulzeit eine mindestens ein- oder
    möglichst zweijährige Berufsausbildung zu ermöglichen, fügt sich in
    diesen     Rahmen    ein.    Dies    setzt    aber     auch     voraus,    daß
    Qualifizierungsmaßnahmen für Jugendliche entwickelt und bevorzugte
    Formen    der   alternierenden Ausbildung       gewählt    werden, um die
    bestmögliche Verbindung zwischen Bildungswesen und Unternehmen zu
    gewährleisten, wie dies z. B. in Deutschland mit Hilfe des dualen
    Systems geschieht.
36. Daher ist die moderne Berufsausbildung so zu organisieren, daß
    Kenntnisse im methodischen und sozialen Bereich sowie die Fähigkeit,
    selbständig und kontinuierlich zu lernen, integrierender Bestandteil
    der    beruflichen    Qualifikation     sowie    Grundlage     der    späteren
    Weiterbildung und des Lernprozesses in der Arbeitssituation sind.
    Somit können Lehre und praktische Arbeit nur koordiniert und Arbeit
    und Unternehmen nur in der Berufsausbildung berücksichtigt werden,
    wenn    die   Unternehmen     ihren   Teil   an    Verantwortung     für   die
    Berufsausbildung übernehmen und wenn sich die Sozialpartner aktiv an
    der Organisation der Berufsausbildung beteiligen.
37. Bei der Weiterbildung haben sich die plural istisehen Systeme bewährt,
    die sich von marktwirtschaftlichen Grundsätzen leiten lassen und
    durch eine Vielzahl von Organisatoren und Ausbildungsprogrammen
    gekennzeichnet sind. Die Unternehmen, Berufsverbände, privaten und
    öffentlichen Einrichtungen, insbesondere die Hochschulen, müssen ein
    breites Spektrum von AusbiIdi^ngsgängen anbieten. Dies setzt eine
    Transparenz     des   Fortbildungsmarktes     voraus.     Auch    müssen   die
     langfristigen Ziele der Weiterbildung im Laufe eine Prozesses der
    Konzertat ion und des Konsens aller Beteiligten festgelegt werden. Die
    Weiterbildung liegt somit im Intéressa des Arbeitnehmers als auch im
     Interesse des Unternehmens. Das Unternehmen muß hinsichtlich der auf
    sein® ©igonen Erfordernisse ausgerichteten AusbiIdungsgänge so weit
    wie möglich      die nichtige Verantwortung         der    Finanzierung    und
    Organisierung der Programme übernehmen. Die Verantwortung Jedes
    Arbeitnehmers für seine eigene V"siterbiIdung und die Verantwortung
    der Unternehmen für die ständige Weiterentwicklung der Qualifikation
     ihres Personals sind zwei grundlegende Punkte, die der Förderung
    bedürfen. Die Motivation des einzelnen und die Verantwortung der
    Unternehmen sind zwei grundlegende Faktoren, die in diesem Bereich,
    auch    bei    der    Konzeption    der    öffentlichen      Maßnahmen,     zu
    berücksichtigen sind. Der Kommissionsvorschlag über den "Zugang zur
    Weiterbildung" , wie er          im Aktionsprogramm zur Anwendung der
    Sozialcharta vorgesehen ist, wird Gelegenheit zu einer eingehenden
    Debatte über diese Frage geben, die für die Zukunft Europas und
    seine Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sein wird.
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Sozialpartnerschaft
38. Die Berufsausbildung, insbesondere die Weiterbildung, ist ein
    Bereich, in dem die Sozialpartner eine aktive Rolle, häufig sogar
    eine ausschlaggebende Rolle spielen. Hinsichtlich der Fragen, die die
    Thematik der Qualifikationen und der Ausbildungsplanung aufwerfen,
    scheint die Ausweitung dieser Rolle und die Herstellung umfassender
    Beziehungen zwischen dem sozio-ökonomisehen Umfeld, den Unternehmen
    und den Bildungseinrichtungen aller Ebenen unerläßlich. Die aktive
    Beteiligung der Vertreter der Sozialpartner an den Tätigkeiten der
    Gemeinschaft    und   die   Beiträge   in   Form   der   "Gemeinsamen
    Stellungnahmen", die sie auf Gemeinschaftsebene im Rahmen des
    sozialen Dialogs - insbesondere zur Bildung und Ausbitdung - abgeben,
    sind zwei Grundelemente, die die Kommission bei der Ausarbeitung
    ihrer eigenen Leitlinien berücksichtigt.
39. In dieser Debatte ist es im Hinblick auf die Ausweitung der Tätigkeit
    der Sozialpartner wichtig, insbesondere in bezug auf die Fragen im
    Zusammenhang      mit     der     Arbeitsorganisation     und     den
    Weiterbildungspolitiken, unbedingt deren Verantwortung im Rahmen der
    Tar ifabkommen, die sie schließen, sowie den Beziehungen zwischen
    diesen Abkommen und den verschiedenen Formen des öffentlichen
    Eingreifens auf nationaler und auf Gemeinschaftsebene Rechnung zu
    tragen.
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                  ERRUNGENSCHAFTEN DER GEMEINSAMEN POLITIK
Schrittweiser Aufbau
40. Die   Berufsausbildungspolitik        der   Gemeinschaft      entwickelt     sich
    schrittweise, in Beziehung zu den Phasen des Aufbaus der Gemeinschaft
    selbst. Diese schrittweise Entwicklung der gemeinsamen Politik wurde
    Juristisch vom Gerichtshof anerkannt (Urteil In der Rechtssache
    Gravier vom 13. Februar 1985). Die Berufsausbildungspolitik erweist
    sich    immer   enger     mit     der    Entwicklung     anderer     vorrangiger
    Gemeinschaftsaktionen verknüpft (Industriepolitik, Strukturpolitik,
    Forschungs- und       Entwicklungspolitik,        Installierung     europaweiter
    Netzwerke usw.).
41. Die Grundlage für die Berufsausbildungspolitik der Gemeinschaft
    bildet Artikel 128 des Vertrages. Darin ist vorgesehen, daß der Rat
    auf Vorschlag der Kommission allgemeine Grundsätze zur Durchführung
    einer gemeinsamen Politik der Berufsausbildung aufstellt. Der Vertrag
     läßt Möglichkeiten für eine spätere Weiterentwicklung der Politik
    offen, ohne bereits zum damaligen Zeitpunkt allzu genaue Leitlinien
    festzulegen. Erste konkrete Anwendung dieses Artikels war der
    Beschluß des Rates vom 2. April 1963 über die Aufstellung allgemeiner
    Grundsätze für die Durchführung einer gemeinsamen Politik der
    Berufsausbildung. Gleichzeitig wurde mit diesem Beschluß auch der
    Beratende    Ausschuß      für    die   Berufsausbildung      eingesetzt,     ein
    Dreierausschuß, dessen Aufgabe darin besteht, die Kommission bei der
    Durchführung der gemeinsamen Politik zu unterstützen.
42. Ab 1985 erlaubten eine Reihe von Urteilen des Gerichtshofs nach und
    nach die Klärung der juristischen Grundlagen: Bestätigung des Rechts
    auf    Zugang    zu    den     AusbiIdungslehrgängen       in    einem    anderen
    Mitgliedstaat        ohne       Diskriminierung        aus       Gründen      der
    Staatsangehörigkeit (Artikel 7 und 128 des Vertrags); Bestätigung,
    daß der Begriff der Berufsausbildung sehr weit gefaßt ist und fast
    alle Universitätsstudien abdeckt; Bestätigung einer schrittweisen
    Festlegung     der     gemeinsamen      Politik      auf    dem     Gebiet    der
    Berufsausbildung; Bestätigung, daß die Kommission dem Rat Programme
    vorschlagen kann, die sich nachhaltig auf den Haushalt auswirken.
43. Eine zusammen mit dem Beratenden Ausschuß für die Berufsausbildung
    1990 und 1991 durchgeführte eingehende Prüfung der Anwendung der 1963
    festgelegten allgemeinen Grundsätze legt die Vermutung nahe, daß die
    Grundsätze als allgemeiner Bezugsrahmen Geltung behalten. Allerdings
    machen die seither verzeichneten Entwicklungen die Festlegung neuer
    Zielsetzungen      auf    Gemeinschaftsebene        erforderlich,      da    eine
    Entwicklung      der      europäischen       Dimension       der     beruflichen
    Befähigungsweise und der Ausbildungsgänge zu beobachten ist.
44. Die   Entwicklung      eines     "Europäischen     Marktes    der    beruflichen
    Befähigungsnachweise und Ausbildungsgänge" wird gemeinsame Maßnahmen
    erforderlich machen, um auf diesen Markt - insbesondere im Hinblick
    auf Transparenz und Funktion - einwirken und die Qualität der
    Ausbildung verbessern zu können. Hierbei sind Maßnahmen zu ergreifen,
    die   den    Zugang     zur    Ausbildung     für    alle    Arbeitnehmer     auf
    Gemeinschaftsebene erleichtern. Ferner wird die Gemeinschaft ihre
    Befugnisse nicht nur hinsichtlich der gegenseitigen Anerkennung der
    Diplome, sondern auch hinsichtlich der Entsprechung der beruflichen
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    Befähigungsnachweise entwickeln müssen, um die Transparenz des
    europäischen Arbeitsmarkts sicherzustellen und die Freizügigkeit zu
    ermöglichen.
Grundlagen der GeneinschaftsaktIon
45. Eines der grundlegenden Merkmale der Gemeinschaftsaktion ist die
    Unterschiedlichkeit der in den Mitgliedstaaten bestehenden Bildungs-
    und Ausbildungssysteme. Bemühungen um eine Harmonisierung dieser
    Systeme werden von den Mitgliedstaaten einstimmig abgelehnt und wären
    dem Aufbau der Gemeinschaft abträglich. Tatsächlich stellen die
    Unterschiedlichkeit der Systeme und die Unterschiedlichkeit der
    Kulturen, die sich darin widerspiegeln, einen Trumpf dar, der beim
    Aufbau Europas erhalten und genutzt werden muß.
46. Diese Option hat dazu geführt, daß die Berufsausbildungspolitik der
    Gemeinschaft auf folgenden Grundlagen aufbaut:
    -> Koordinierung     der Politiken:     die allgemeinen Grundsätze und der
    gemeinsame Rahmen der Leitlinien für Entscheidungen des Rats über die
    Aktionsprogramme       bilden      die     Grundlage    einer    angemessenen
    Koordinierung der von den Mitgiiedstaaten entwickelten Politiken in
    Jedem der Tätigkeitsbereiche der Gemeinschaft.
    -> Konvergenz der Initiativen:         die Entscheidungen des Rates legen
    für Jeden Bereich einen gemeinsamen Orientierungsrahmen fest, der die
    konvergente Entwicklung der einzelStaat Iichen Regelungen auf der
    Grundlage der von den Mitgliedstaaten eingeleiteten Initiativen
    fördern sol I.
    -> Transnationale       Zusammenarbeit: es wird eine transnationale
    Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure auf dem Gebiet der
    Berufsausbildung begünstigt. Diese Zusammenarbeit hat bereits ein
    Niveau erreicht, ab dem im Hinbl ick auf die Mobi I i tat der Personen
    und der Ausbildungsprodukte von der Entstehung eines europäischen
    Ausbildungsmarkts gesprochen werden kann, der eich auf die
    e inzet Staat 1i chen Rege Iungen und die Qualif i katIonen sowohl der
    mobiten und der nicht mobiten Arbeitnehmer auswirkt.
47. Hinzuweisen ist ferner auf die sehr wichtige Rolle der für die
    Konzertterung     sowohl mit den Mitgliedstaaten als auch mit den
    Sozialpartnern zuständigen Gremien und Verfahren. Der Bereich der
    Berufsausbildung beruht seinem Wesen nach auf von Land zu Land
    unterschiedlichen        Konsultationsverfahren        zwischen     Behörden,
    Arbeitgebern und Gewerkschaften. Die Gemeinschaftsaktion trägt dazu
    bei, diese Konsultationen zu verstärken und zu systematisieren, und
    zwar sowohl auf Gemeinschaftsebene (Beratender Ausschuß für die
    Berufsausbildung, Programmausschüsse, sozialer Dialog) als auch in
    den Mitgiiedstaaten selbst (nationale Begleitungsgremien, Bewertung,
    Betel Iigung der Sozialpartner an den Projekten).
48. Die     Anwendung     dieser     Grundsätze     in der      Entwicklung   der
    Berufsausbildungspol ftik der Gemeinschaft hat dazu beigetragen, daß
    in       diesem     Bereich       eine      dynamische     Auffassung     des
    Subsidiäritätsprinzips entstanden ist, die nicht nur auf einer
    Abgrenzung von Kompetenzen, sondern vielmehr auch auf einer
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     gemeinschaftlicher und einzelstaatlicher Politik beruht. Mit Blick
     auf die 90er Jahre und angesichts der gegenwärtigen Überlegungen, wie
     auf beiden Ebenen eine wirkungsvollere Politik betrieben werden
     könnte, erscheint dieses Merkmal als besonders wichtig.
Tat i gke i tsbereI che
49. Die zweite Hälfte der 80er Jahre war gekennzeichnet durch die
     Verabschiedung von Ratsentscheidungen auf der Grundlage von Artikel
     128, und zwar mit einer weitergefaßten Auslegung der daraus
     abgeleiteten Kompetenzen, was zur Einleitung der verschiedenen
     Aktionsprogramme der Gemeinschaft im Bereich der Berufsausbildung
     sowie der Arbeiten entsprechend der beruflichen Befähigungsnachweise
     geführt hat.
50. Die Durchführung dieser Programme stellt eine ganz wesentliche Phase
      im Aufbau der gemeinsamen Politik in den von den Ratsentscheidungen
     festgelegten Bereichen dar. Mit dem Memorandum der Kommission über
     die    Rationalisierung    und   Koordinierung   der    gemeinschaftlichen
     Berufsausbildungsprogramme       vom    21. August     1990     wurde  der
     Aktionsrahmen für eine größere Effizienz abgesteckt.
Beschlüsse des Rates
51. Jedes Aktionsprogramm basiert auf einem Ratsbeschluß, der generell
     folgende     einheitliche    Merkmale    aufweist,    wobei     jedoch den
     Besonderheiten der einzelnen Bereiche Rechnung getragen wird:
     1. Gemeinsame Leitlinien zur Förderung der Konvergenz der von und in
     den Mitgliedstaaten im Rahmen der einzelstaatlichen Regelungen
     beschIossenen In11 i at i ven.
     2. Transnationale Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene, die die vom Rat
     verabschiedeten gemeinsamen Leitlinien stutzen und die transnationale
     Zusammenarbeit fördern sollen.
     3. Verfahren zur Bewertung der im Rahmen des Programms getroffenen
     Maßnahmen und ihrer Wechselbeziehungen mit anderen einschlägigen
      Initiativen, um die Gemeinschaftsdimension und die Verknüpfung mit
     der Politik der einzelnen Mitgliedstaaten zu unterstreichen.
     4. Programmausschuß      mit    beratender    Funktion,     der    bei der
     Durchführung des Programms für Unterstützung und Kontinuität sorgt
     und in dem die Sozialpartner als Beobachter vertreten sind.
52. Die Vereinheitlichung der Strukturen der Aktionsprogramme erfolgte im
     Rahmen der Rationalisierungs- und Koordinierungsbemühungen, die die
     gemeinsame Politik mit Gremien zur Konzertierung sowohl mit den
     Mitgliedstaaten als auch mit den Sozialpartnern ausstattete, die die
     Transparenz      und   die     kontinuierliche     We iterver folgung  der
     Gemeinschaftsaktion ermöglichen. Die Gesamtheit der Verfahren und
     Gremien stellt für die Weiterentwicklung dieser Politik und für die
     Einhaltung des Subsidiäritätsprinzips einen wichtigen Trumpf dar.
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Transnationale Maßnahmen
53. Die Aktionsprogramme umfassen von der Gemeinschaft mitfinanzierte
    Maßnahmen,     mit     denen     der      transnationale     Charakter     der
    Ausbildungsaktionen weiter ausgebaut und die Zusammenarbeit zv/ischen
    den europäischen Akteuren auf dem Gebiet der Berufsausbildung
    systematisiert werden sollen. Diese Maßnahmen sind schrittweise immer
    umfassender geworden und stützen sich inzwischen auf Netzwerke aus
    mehreren tausend Akteuren, die in den nationalen, regionalen oder
    lokalen Strukturen für die Realisierung der in bezug auf die
    Zielsetzungen der Programme festgelegten transnationalen Maßnahmen
    als Multiplikatoren wirken. Diese transnationale Zusammenarbeit
    entwickelt    sich     auf    mehreren      Ebenen:    Informationsaustausch,
    Erstellung gemeinsamer Bezugsrahmen, Austausch und Mobilität von
    Ausbildern, Auszubildenden und Akteuren, ständige Partnerschaften,
    Durchführung gemeinsamer Projekte oder Einrichtung transeuropäischer
    Kommunikat ions- und Fernunterrichtsnetze.
Transparenz des Arbeitsmarkts
54. Eine erste Aktionslinie entwickelte sich um den Begriff der
    gegenseitigen     Anerkennung      der    Diplome     für   den   Zugang    zu
    Beschäftigungen     und    reglementierten Berufen        in einem     anderen
    Mitgliedstaat. Ein äußerst wichtiger Schritt war die Annahme der
    Ratsrichtlinie über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der
    Hochschul diplôme,     die    eine    mindestens     dreijährige   Ausbildung
    abschließen. Zur Zeit wird die Ausdehnung dieser allgemeinen Regelung
    auf reglementierte Berufe der anderen Ausbildungsniveaus geprüft.
55. Die   Arbeiten     im    Bereich    der     Entsprechung    der   beruflichen
    Befähigungsnachweise werden zur Zeit auf dem Niveau "Facharbeiter"
    unter Anwendung verbesserter Methoden beschleunigt fortgesetzt. Es
    wurden Maßnahmen getroffen, die es erlauben dürften, die Arbeiten für
    die Berufe dieses Niveaus bis Ende 1992 abzuschließen. Die
    Mitgliedstaaten wurden aufgefordert, einen Evaluierungsbericht über
    die Nutzung der Ergebnisse und die Einführung der entsprechenden
    Regelungen   vorzulegen,      der    es    der   Kommission, wie      in der
    Entschließung des Rates vom Dezember 1990 (91/C109/01) vorgesehen,
    ermöglichen soll, 1992 neue Vorschläge im Bereich der Qualifikationen
    vorzulegen.
56. Außerdem wird die Entwicklung der europäischen Dimension der
    beruflichen Befähigungsnachweise durch verschiedene Aspekte der
    Aktionsprogramme und Initiativen der Gemeinschaft gefördert, da diese
    europäische Dimension ja eng mit dem für die Vollendung des
    Binnenmarkts     erforderlichen         Wandel     bei     den    beruflichen
    Befähigungsnachweisen verknüpft ist. Demzufolge eröffnet sich auf
    Gemeinschaftsebene im Zusammenhang mit der Vorausschätzung der
    benötigten beruflichen Befähigungen und der Aufspürung von Defiziten
    ein neuer Tätigkeitsbereich, wodurch neue Daten für die Konzeption
    der Beschäftigungs- und Ausbildungspolitik auf der Ebene des
    europäischen Arbeitsmarkts bereitgestellt werden sollen.
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Strukturelle Maßnahmen
57. Im Rahmen der allgemeinen Reform der Strukturpolitik, wie sie seit
    1988 geführt wird, wurden für die von der Gemeinschaft mit Hilfe der
    Strukturfonds    durchgeführten      Maßnahmen     fünf    vorrangige    Ziele
    festgelegt. In diesem Rahmen wurde dem Europäischen Sozial fonds als
    vorrangige Aufgabe die Unterstützung von Maßnahmen zur Berufsbildung,
    zur    Einstellungsförderung und        zur   Existenzgründung     sowie   die
    Entwicklung der Ausbildung in den Regionen mit Entwicklungsrückstand
    und mit     rückläufiger     industrieller     Entwicklung    sowie    in den
    ländlichen Regionen zugewiesen. Diese Reform führte zur Erstellung
    von Gemeinsamen Förderkonzepten (GFK) für Jedes der vorrangigen
    Ziele.    So wurde     der    Rahmen    für   die Gewährung       beachtlicher
    finanzieller Beiträge geschaffen.
58. Die Mittel, die zur Durchführung der bis zum 31. Dezember 1990
    aufgestellten     Gemeinschaftlichen       Förderkonzepte     für    den   ESF
    vorgesehen sind, verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Ziele (zu
    Preisen von 1989):
         unter das Ziel 1 fallende Regionen: 9 813 MECU für den
          Zeitraum 1989-1993;
         Ziel 2 : 983 MECU für den Zeitraum 1989-1991;
         Ziele 3 und 4 (in Regionen, die nicht unter das Ziel 1 fallen) :
          4 128 MECU für den Zeitraum 1990-1992;
         Ziel 5b: 436 MECU für den Zeitraum 1989-1993
    Bei den Zielen 3 und 4 - den wichtigsten Zielen des ESF - entsprechen
    die Interventionen weitgehend den Prioritäten und Richtbeträgen, die
     in den Gemeinschaftlichen Förderkonzepten festgelegt sind. Dies gilt
    besonders für die schwerpunktmäßige Verteilung auf die einzelnen
    Personengruppen (Jugendliche, Langzeitarbeitslose, Personengruppen
    mit besonderen Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt) und auf die
    einzelnen Ausbildungsmaßnahmen (Grundausbildung, Spitzentechnologien,
    grenzübergreifende Maßnahmen, usw.) sowie für die ausgewogene
    Verteilung der Mittel auf diese beiden Ziele.
    Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit verfolgt das Ziel, den
    Langzeitarbeitslosen       Zugang    zu     besseren    Qualifikationen     zu
    verschaffen. Dazu können unterschiedliche Maßnahmen durchgeführt
    werden: Nutzung örtlicher Beschäftigungsmöglichkeiten, Einstellungs-
    beihilfen, Beihilfen zur Existenzgründung, Ausbildung von Frauen, die
     ins Erwerbsleben zurückkehren, usw.
    Die berufliche Eingliederung der Jugendlichen zielt darauf ab, diesen
    zu einer ersten dauerhaften Beschäftigung zu verhelfen. Dazu werden
    aus dem ESF" Zuschüsse für folgende Maßnahmen gewährt: betriebliche
    und außerbetriebliche Grundausbildung, Ausbildung unter Einsatz neuer
    Techniken, Beihilfen zur Vermittlung in neue feste Arbeitsplätze und
    Beihilfen zur Existenzgründung.
    Die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit und die berufliche
    Eingliederung der Jugendlichen beanspruchen rund 50% der Mittel, die
    der ESF zur Durchführung der für alle Ziele ausgearbeiteten
    Förderkonzepte      bereitstellt.      40% , der       für    Regionen     mit
    Entwicklungsrückstand verfügbaren und nahezu 80% der für den Rest der
    Gemeinschaft verfügbaren ESF-Mit tel entfallen auf diese beiden Ziele.
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    Diese Konzentration der ESF-Mittel auf die Ziele 3 und 4 entspricht
    der politischen Entscheidung der Gemeinschaft, die Bekämpfung der
    Langzeitarbeitslosigkeit       und    die    berufliche    Eingliederung     der
    Jugendlichen als prioritäre Aufgaben des ESF zu betrachten.
    Zur Erreichung des Ziels 1 werden aus dem ESF Zuschüsse für folgende
    Maßnahmen gewährt:
         Weiterbildungsmaßnahmen (sie machen 70% der Interventionen des
         ESF zugunsten der Regionen aus, die unter das Ziel 1 fallen);
         ErstausbiIdungsmaßnahmen (sie beanspruchen etwa ein Viertel der
         ür diese Regionen vorgesehen ESF-Intervent Ionen);
         Ausbau der Ausbildungsstrukturen ( Ausbildung von Ausbildern)
    In den Regionen, die von einer rückläufigen industriellen Entwicklung
    betroffen sind, gehen die Zuschüsse aus dem Fonds besonders an
    Maßnahmen zur Förderung kleine und mittlerer Fertigungsbetriebe und
    an Ausbildungsmaßnahmen auf dem Gebiet der neuen Techniken.
    Zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums kofinanziert der
    ESF    AusbiIdungs- und       beschäftigungswirksame Maßnahmen           in den
    Bereichen, die auch aus dem EAGFL und dem EFRE Zuschüsse erhalten.
59. Diese Strukturmaßnahmen wurden noch verstärkt durch die kürzlich
    erfolgte Verabschiedung einer Reihe von Gemeinschaftsinitiativen zu
    den Humanressourcen (EUROFORM für neue Qualifikationen und neue
    Beschäftigungsmöglichkeiten, NOW für die Ausbildung der Frauen und
    HORIZON für Maßnahmen zugunsten der Behinderten). Diese zusätzlichen
    Initiativen werden zur Zeit in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten
     in die Wege geleitet. Sie sehen eine engere Verknüpfung der Maßnahmen
    im Rahmen      der   Strukturpolitik einerseits und           der    Ziele und
    Operationen     im    Rahmen    der    Programme    zur    Unterstützung     der
    Berufsausbildungspolitik der Gemeinschaft andererseits (insbesondere
    FORCE und EUROTECNET) vor.
60. Die     in  Anmerkung     kommenden     Maßnahmen    müssen    die     folgenden
    Finanzierungskr iterein      des    ESF    und   des    EFRE   erfüllen.     Der
    Gesamtbetrag der Strukturtfonds (ESF und EFRE) wird auf 600 Millionen
    ECU geschätzt, davon 300 MECU für EUROFORM, 120 MECU für NOW und
    180 MECU    für    HORIZON. Der      Finanzierungsanteil      hängt    von der
    Klassifizierung der koordinierenden Regionen und von der Art der
    vorgeschlagenen Aktionen ab, wobei im allgemeinen 45% der Ausgaben
    getragen weren; dieser Anteil kann auf 65% erhöht werden und zwar in
    den Regionen des Ziels 1. Die Projekte werden von den zuständigen
    nationalen Behörden (Ministerium für Beschäftigung und Arbeit) unter
    Berücksichtigung      der   zusammen     mit   der   Kommission     definierten
    Kriterien ausgewählt. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Anträge in Form
    von operationeilen Programme oder von globalen Zuschürren vorlegen.
    Dreiundvierzig operationeile Programme wurden der Kommission im
    Juni/Juli 1991 für den Zeitraum bis Ende 193 vorgelegt.
61. Der transnationale Charakter, der den Transfer von "Know-how"
    ermöglichen soll und der durch mindestens einen Partner in der
    Zielregion 1 (mit Ausnahme der Personengruppe "Benachteiligte" von
    HORIZON) gewährt sein muß ist zwingend vorgeschriebenen. Andere
    Kriterien, die jedoch nicht alle erfüllt werden müssen, genießen
    Vorrang. Es handelt sich dabei um: Den beispielhaften Charakter und
    die multiplikatorische Wirkung, die ein Weiterleiten von guten
    Erfahrungen für die Gesamtheit des von den Strukturfonds im Bereich
    der Berufsbildung und der Beschäftigung finanzierten Aktivitäten
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    gestatten. Die Verbindung mit den anderen Gemeinschaftsprogrammen
    FORCE, EUROTECNET, LEDA, ERGO, (EUROFORM), ILE, IRIS und das Netz
    CHILDCARE, (NOW), HELIOS, HANDYNET und PAUVRETE III (HORIZON).
    Schließlich geht es um den innovativen Charakter auf den Gebieten,
    die bis Jetzt nur unzureichend in den Genuß von Unterstützung seitens
    der Sozial fonds gekommen sind.
62. Hinsichtlich der künftigen Maßnahmen der Gemeinschaft ist vor allem
    die Gesamtkohärenz von Bedeutung, die herbeigeführt werden muß, um
    die im vorliegenden Memorandum skizzierten Leitlinien in die Tat
    umzusetzen. Die vorrangig auf die Förderung der Wettbewerbsfähigkeit
    sowie   die Stärkung     des sozialen      Zusammenhalts ausgerichteten
    Maßnahmen müssen sich gegenseitig ergänzen und vervollständigen, um
     insbesondere den Transfer von Innovationen im Bereich von Methoden
    und Management zu ermöglichen. Dadurch soll es auch möglich werden,
    die Entwicklung bei den Kosten der Maßnahmen in Grenzen zu halten und
    die sowohl von der Gemeinschaft als auch von den Mitgliedstaaten für
    die Ausbildung aufgewandten Finanzmittel wirklich optimal zu nutzen.
Trümpfe der Gemeinschaftspolitik
63. Die Durchführung der Aktionsprogramme hat im Laufe der letzten Jahre
    zur      Entwicklung      neuer     Netzwerke      geführt     (nationale
    Koordinierungsgremien für die Programme, Akteure wie APHW-COMETT),
    die als Schaltstellen sowohl für die Förderung neuer Zielsetzungen
    als auch für die Einrichtung transnationaler Operationen fungieren.
    Eine     Evaluierung    zeigt,    daß    sie zur     Entwicklung    einer
    gemeinschaftlichen Dimension bei denjenigen Akteuren beigetragen
    haben, die sich bereits vorher auf diesen Gebieten engagiert hatten
    (z. B. die Universitäten), bzw. gerneinschaftsbezogene Aktivitäten bei
    denjenigen Akteuren angeregt haben, die bis dahin kaum betroffen
    waren (z. B. die KMU). Was Finanz- und Humanressourcen angeht, so
    haben die auf der Ebene der Aktionsprogramme unterstützten Maßnahmen
    (Partnerschaften,     gemeinsame     Projekte,    Netzwerke)    insgesamt
    Finanzmittel    und   Humanressourcen    für    gemeinschaftliche   Ziele
    mobilisiert, die Zusatz invest itionen von seiten unterschiedlichster
    Akteure (Behörden, Gebietskörperschaften, Unternehmen) für konkrete
    Zielsetzungen der Gemeinschaft darstellen und auf die Beiträge der
    Gemeinschaft eine Multiplikatorwirkung ausüben.
Errungenschaften des sozialen Dialogs
64. Seit der Einsetzung der Arbeitsgruppe "Allgemeine und berufliche
    Fortbildung" im Januar 1989 verlief ihre Tätigkeit im Rahmen des
    sozialen Dialogs zufriedenstellend; sie führte bereits zu greifbaren
    Ergebnissen durch Annahme einer Gemeinsamen Stellungnahme über die
    allgemeine und berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen am
    26. Januar 1990 und den Vorschlag eines Arbeitsprogramms zur
    Fortsetzung ihrer Tätigkeit. In diesem Rahmen wurde eine weitere
    Stellungnahme zum Übergang der Jugendlichen von der Schule ins
    Erwerbsleben verabschiedet. Eine vierte Gemeinsame Stellungnahme zu
    der zentralen Frage, wie ein möglichst offener Zugang zur ständigen
    Weiterbildung gewährleistet werden kann, wurde soeben im Oktober 1991
    angenommen.
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65. Diese Gemeinsamen Stellungnahmen dürften zu bedeutenden Fortschritten
    auf einzelstaatI icher Ebene führen. Sie stellen eine Verpflichtung zu
    gemeinsamen    Aktionen der    Sozialpartner   mit   dem  Ziel   einer
    Dynanisierung der Debatte auf den einschlägigen Ebenen sowie einer
    optimalen Einbeziehung aller Beteiligten dar. Schließlich wurde die
    Ausdehnung des Dialogs auf zwei wichtige Themen beschlossen, nämlich
    die berufliche Befähigung und die Zertifizierung einerseits und die
    Ausbildung für Frauen andererseits.
S6. Diese Dynamik des sozialen Dialogs stellt einen äußerst wichtigen
    Trumpf auf einem Aktionsfeld dar, das seinem Wesen nach vorrangig dem
    Tätigkeitsbereich der Sozialpartner und der Verbesserung der
    Tari fabkommen zuzurechnen ist. Die mit den Gemeinsamen Stellungnahmen
    der letzten beiden Jahre erzielten Ergebnisse bilden eine sehr solide
    Grundlage zum einen für die Ausweitung dieser Stellungnahmen auf die
    Tarifabkommen auf nationaler Ebene und zum anderen für die
    Gewährleistung und Herstellung der Bezüge zu <lt\ Initiativen, die die
    Gemeinschaft in diesen Bereichen, insbesondere für den Zugang zur
    Weiterbildung, entwickeln kann.
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                     LEITLINIEN FÜR DIE NEUNZIGER JAHRE
A.  Die gemeinsamen Fragestellungen
67. Durch das Einleiten dieser Diskussion über die prioritären Leitlinien
     im Bereich der Berufsbildung in den neunziger Jahren, hat die
    Kommission bewiesen, daß sie sich bewußt ist, daß sie auf die
    gegenwärtig stattfindenden strukturellen Veränderungen eingehen und
    sich mit ihnen beschäftigen muß. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit
    müssen verbesserte begleitende Maßnahmen in die Praxis umgesetzt
    werden. Aber gleichzeitig müssen aus Kohäsionsgründen bestimmte
     Effekte vermieden oder begrenzt werden, die sich negativ auf die
    Arbeitsmarktlage auswirken. Bei dem jetzt beginnenden Jahrzehnt
     handelt es sich um eine Periode sehr tiefgreifender industrieller und
     sektorielier Anpassungen und großer Veränderungen der Funktionsweise
     des Qualifikationsmarktes. Einem erneuten und vertiefenden Eingehen
     auf die angesprochenen Schlüsse lelemente kommt in diesem Memorandum
     eine besondere Bedeutung zu.
68. Der Diskussion über die Basisqualifikationen der Jugendlichen galt in
     den achtziger Jahren das Hauptinteresse, und sie hat in keiner Weise
     an Bedeutung verloren. Man kann ein fortschreitendes Ansteigen des
     Qualifikationsniveaus    für   den    Beschäftigungseinstieg     und  eine
     Verschärfung der Probleme für den Personenkreis, der das System der
     Erstausbildung nicht erfolgreich beendet hat, beobachten. Eine
     verbesserte Qualität der Bildungsmaßnahmen, das Näherkommen und die
     Partnerschaften     von    Bildungssystemen      und    Unternehmen,     um
     alternierende    Ausbildungen    zu     entwickeln,    der    Ausbau    von
     Basisfähigkeiten bei den Jugendlichen, ein verbesserter Zusammenhang
     zwischen der Grundausbildung und der Weiterbildung, dies alles sind
     Schlüsselelemente für die Zukunft.
69. Die Situation des Arbeitsmarktes in den verschiedenen Mitgliedstaaten
     weist darauf hin, daß die höchsten Arbeitslosenquoten und das
     Bestehen einer bedeutenden Langzeitarbeitslosigkeit immer mehr auf
     qualitative Faktoren zurückzuführen sind, wie z. B. der sich
    öffnenden    Schere   zwischen den von den Betrieben            geforderten
    Qualifikationen (wie von allen Arbeitgeberorganisationen betont wird)
     und dem Fähigkeitspotential der Arbeitskräfte. Die arbeitschaffenden
    Maßnahmen und ihre Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote hängen
     somit direkt mit der Bildungspolitik hinsichtlich der "Qualität" der
    Arbeitskräfte zusammen, d. h. mit den Qualifikationen, die die
    Arbeitskräfte besitzen und mit ihrer Integration in die modernen
    Arbeitsorganisationen.      Die     Zusammenhänge     zwischen     Bildung,
    struktureller Anspannung und Arbeitsmarktsituation müssen besser
    beherrscht werden.
70. Die    Bewertung    der    im   Forschungs-     und    Entwicklungsbereich
    durchgeführten Investitionen und die Verbreitung von Innovationen in
    den Bereichen, die sich einer großen Konkurrenz auf dem Weltmarkt
    ausgesetzt sehen, hängen von den bezüglich der Qualifkationen
    durchgeführten       Maßnahmen       ab.     Die      Beseitigung       der
    Qualifikationsdefizite, die mit den Qualifikationen und mit der
    Arbeitsorganisation verbundenen Veränderungen sind die neuen Eckdaten
    der Wettbewerbsfähigkeit. Somit ergeben sich Fragen hinsichtlich der
    im    Bereich    der    Qualifikationen     durchzuführenden     Maßnahmen
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    hinsichtlich der Zusammenhänge zwischen der Bildungspolitik und der
    wirtschaftlichen GesamtStrategie          in den Betrieben und in den
    Reg i onen, der Konzept i on der Gesamthe 11 der b i i dungspo t i t i sehen
    Maßnahmen für alte Beschäftigten und Arbeitslosen.
71. Wie man in den letzten Jahren aus der Organisation der Unternehmen
    und dem Funktionieren des Arbeitsmarktes ablesen konnte, scheint ein
    offensives Vorgehen bei der strukture)ten Anspannung die meisten
    Früchte abzuwerfen. So haben die Staaten, die sich die am weitesten
    gehenden Einstellungen zu eigen gemacht haben und die die größte
    Dynamik bei 4&n strukturellen Veränderungen bewiesen haben, auch am
    besten    die    Arbeits tosenrate    in den      Griff   bekommen.    Während
    andererseits die Staaten, die am wenigsten auf diese muatitativen
    Veränderungen vorbereitet und ihnen gegenüber offen waren, die
    grödten und langwierigsten Probleme bei dem Auseinderktaffen zwischen
    dem Beschäftigungsangebot und der Beschäftigungsnachfrage hatten, und
    sie sahen sich mit dem Problem konfrontiert, da« der Ausschluß vom
    Arbeitsmarkt immer länger dauerte und schließ lieh tendenziell die
    Entwicklung von Langzettarbeitslosigkeit bewirkte.
B.  Verstärkung der Gemeinschaftsaktion
72. Die Berufsausbildungspolitik der Gemeinschaft befindet sich in einer
    neuen Phase ihrer Entwicklung. Diese Phase ist von entscheidender
    Bedeutung, wenn Herausforderungen von bisher sicherlich unbekannter
    Tragweite und Komplexität begegnet werden soll. Die im vorliegenden
    Dokument     analysierten    Aspekte     zeigen,    daß   eine    quantitative
    Beschleunigung und eine qualitative Verbesserung der Investitionen in
    die Ausbildung unerläßlich ist. in Anbetracht der auf nationaler und
    auf Gemeinschaftsebene zu erreichenden Ziele können diese nur durch
    eine    verstärkte    Zusammenarbeit     und Konvergenz       zwischen   allen
    Akteuren,      Behörden,      Unternehmen       und     Bildungseinrichtungen
    verwirklicht werden.
73. Die neuen Voraussetzungen für den Aufbau der Gemeinschaft beinhatten,
    daß in diesem Zusammenhang der Entwicklung der Humanressourcen,
     insbesondere durch Berufsausbltdung, stärkere Bedeutung zukommt.
    Dieses Ziel muß gleichzeitig im Hinblick auf den Wirtschafttichen und
    sozialen Zusammenhalt und im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit
    weiter    ausgebaut    werden. Die      zentrale Rolle der         Ausbildung,
     insbesondere    der Weiterbildung, wird          als wesentlich      für die
    Entwicklung einer aktiven Gesellschaft, die in der Lage ist, die
    Veränderungen im wirtschaftlichen, technologischen, kulturellen und
    sozialen Bereich zu meistern und sich den von den übrigen Teilen der
    Welt ausgehenden Herausforderungen            zu steilen, sowie für die
    Entwicklung     der europäischen Staatsbürgerschaft           anerkannt. Das
     Interesse der Gemeinschaft gilt hierbei, wie dies praktisch auch in
    alten Mi tgt iedstaaten der Gemeinschaft der Fall ist, vor altem der
    Frage     der    Qualität     und    der     Stufen    dmr    Bi Idungs-   und
    Ausbi Idungssysti
74. Die      Weiterentwicklung        der       Berufsausbildungspolitik       auf
    Gemeinschaftsebene ist unerläßlich, damit die Politiken in den für
    die Zukunft der Gemeinschaft vorrangigen Bereichen voit wirksam
    werden können. Die optimale Nutzung der Humanressorcen muß außerdem
    wesentlicher Bestandteil der sektorbezogenen Maßnahmen sein, die die
    Kommission realisieren will, um ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den
    Weltmärkten, zu verbessern.
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75. Diese Strategie der optimalen Nutzung der Humannressourcen ist
    außerdem mit dem Ziel verknüpft, der Gemeinschaft weltweit größeres
    Gewicht zu verschaffen, wie die eingeleiteten Beziehungen zwischen
    der Gemeinschaft und der übrigen Weit zeigen. Der Ausbau der
    Zusammenarbeit    in diesen Bereichen       ist eine ganz grundlegende
    Voraussetzung für wechselseitigen Nutzen und Einfluß, und in den
    neunziger    Jahren   werden   diese    Tätigkeiten     ganz   sicher    eine
    wesentliche Intensivierung erfahren.
76. Die Außenbeziehungen      im Bereich der Ausbildung vertiefen die
    wechselseitige Kenntnis und tragen zu einem kultureilen und sozialen
    Verständnis bei, durch das auch die politischen, technologischen und
    geschäftlichen     Beziehungen     ausgebaut     werden     können.     Diese
    Zusammenarbeit ermöglicht       ferner   die Verbreitung       umfassenderer
     Informationen über die Gemeinschaft,          ihre    Institutionen, ihre
    Arbeitsweise und ihre Ziele. Unter diesem Gesichtspunkt ist der
    Vergleich mit den Systemen und Organisationen anderer Länder oder
    Wirtschaftsräume     eine    ganz     grundlegende      Voraussetzung     für
    Bereicherung und Fortschritt auf seiten der Gemeinschaft.
77. In der Praxis entwickeln sich diese Beziehungen durch zwischen den
    Ausbildungseinrichtungen der Gemeinschaft und der betreffenden Länder
    eingeleitete     Kooperationsmaßnahmen,       insbesondere      durch    eine
    entsprechende Beteiligung der EFTA-Länder an den Aktionsprogrammen
    der Gemeinschaft (für die spezielle Modalitäten gelten). Die Anträge
    auf Beteiligung an diesen Programmen erweisen sich als sehr zahlreich
    und als sehr umfassend.
78. Auf der Grundlage dieser Leitlinien haben sich die Außenbeziehungen
    der Gemeinschaft in den letzten Jahren entwickelt mit: den Ländern
    Zentral- und Osteuropas mit deren Hinentwicklung zur Marktwirtschaft,
    für die die Humanressourcen einen grundlegenden Faktor bilden, den
    EFTA-Ländern im Hinblick auf die Verwirklichung eines Europäischen
    Wirtschaftsraums, den USA, der UdSSR und den übrigen Drittländern
    oder   internationalen Organisationen (OECE, IAA usw.). Was die
    Zusammenarbeit mit den Staaten Mittel- und Osteuropas anbelangt, so
    würde    eine   europäische   Bildungsstiftung      den   Rahmen    für   die
    Beurteilung der Bedürfnisse und Investitionen bieten.
Wahrung des Grundsatzes der Subsidiarität
79. Die Wahrung des Subsidiäritätsprinzips setzt voraus, dass die
    Zuständigkeiten und die Massnahmen, die den einzelnen Ebenen
    obliegen, insbesondere die von den Mitgliedstaaten auf                  ihrem
    Hoheitsgebiet realisierten und diejenigen, die von der Kommission
    aufgrund der Befugnisse der Gemeinschaft und ihrer besonderen Rolle
    als Katalysator durchgeführt werden können, genau bestimmt werden.
    Dies bedeutet, daß die wichtigsten politischen Ziele, die auf
    Gemeinschaftsebene im Bereich der Berufsausbildung verfolgt werden
    müssen sowie der Wertzuwachs für die von den Mitgiiedstaaten
    eingeleiteten Politiken und Aktivitäten festgelegt werden müssen.
80. In diesem Kontext vollzieht sich derzeit in zweifacher Hinsicht ein
    Wandel: Innovation und Forschung, die dem Ausbildungsbedarf häufig
    zugrunde liegen, sowie die Ausbildungsmaßnahmen der einschlägigen
    Gremien    oder   Unternehmen    entwickeln    sich    immer   häufiger    zu
    Aktivitäten, die sowohl        auf Gemeinschaftsebene als auch auf
    nationaler Ebene angesiedelt sind.
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81. Somit beginnen sich bei der transnationalen Ausbildungstätigkeit
    Überlagerungen     der   nationalen    Ausbildungsmärkte     abzuzeichnen.
    Tatsächlich    sind    die in der Gemeinschaft          im Bereich der
    Berufsausbildung tätigen Akteure         immer häufiger multinational
    operierende europäische Unternehmen, Unternehmenszusammenschlüsse und
    Berufsverbände,       die     gemeinschaftliche      Ziele      verfolgen,
    Gebietskörperschaften, die sich an europaweiten interregionalen
    Aktionen      beteiligen,      transnationale     Partnerschaften      von
    Ausbildungseinrichtungen. Die Organisation ihrer Aktionen, muß einen
    Gemeinschaftscharakter haben.
Neue Ziele für die Gemeinschaftspolitik
82. Aus den wirtschaftlichen Gegebenheiten der neunziger Jahre und der
    Vollendung      des     Binnenmarkts      ergeben     sich      für    die
    Berufsausbildungspolitik der Gemeinschaft neue Herausforderungen. Die
    Politik muß sich ausgehend von grundlegenden Zielen entwickeln, die
    auf diejenigen Tätigkeitsbereiche anzuwenden sind, die im Memorandum
    über die Rationalisierung der Aktionsprogramme der Kommission vom
    August 1990 festgelegt sind. Die Hauptziele der Ausbildungspolitik
    der Gemeinschaft lassen sich durch folgende drei Schlagwörter
    ausdrücken: INVESTIEREN, VERBESSERN, TRANSPARENT MACHEN.
83. Hehr In die Ausbildung Investieren:        Die Mitgliedstaaten und die
    Gemeinschaft     müssen     ihre    Anstrengungen     im    Bereich    der
    Berufsausbl I dung intensivieren, um in der Lage zu sein, sich den
    wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Veränderungen der
    neunziger Jahre zu stellen und die regionalen Unterschiede zu
    verringern. Dabei ist der Zugang zu geeigneten Ausbildungsmaßnahmen
    und die Beteiligung daran zu erleichtern, was voraussetzt, daß Jedem
    Jugendlichen eine umfassende und anerkannte Basisqualifikation
    vermittelt wird, um den Übergang zum Erwerbs- und Erwachsenen leben
    sowie die Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, und daß
    die Möglichkeiten des Zugangs zur AusbiI dung während des gesamten
    Erwerbslebens erweitert werden. Ferner müssen die Erfordernisse in
    Anbetracht der immer rascheren und komplexeren Entwicklungen bei den
    Qualifikationen und Fachkenntnissen im voraus bestimmt werden. Auf
    diese Weise müßte auf dem Arbeitsmarkt der Gemeinschaft eine
    verbesserte      soziale     und     berufliche     Eingliederung      und
    Wiedereingliederung möglich sein.
84. Qualität der AusbiIdungsmaßnahmen verbessern: Die Qualität und damit
    die Leistungsfähigkeit der BiIdungs- und Ausbildungssysteme ist zu
    verbessern, um so die voraussichtlich starke Zunahme beim
    Ausbildungsbedarf, insbesondere durch einen            Informations- und
    Erfahrungsaustausch im Bereich der Berufsausbildung, meistern zu
    können.     Dieser     informations-    und    Erfahrungsaustausch     auf
    Gemeinschaftsebene sollte mit einer            größeren    transnationalen
    Mobilität von Ausbildern wie Auszubildenden einhergehen. Die
    Entwicklung europäischer Fernunterrichtssysteme ist ebenfalls Teil
    dieses Ziels, auf längere Sicht jedem Bürger Europas bzw. Jedem
     Unternehmen den Zugang zu sämtlichen in Europa auf dem Jeweiligen
     Interessensgebiet entwickelten Ausbildungskapazitäten und -ressourcer»
     zu ermöglichen.
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85. Die Transparenz sicherste!I en: Die Gleichheit beim Zugang zur
    Berufsausbildung darf nicht allein hergestellt werden, indem jede
    Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit ausgeräumt wird,
    sondern sie muß auch ganz konkret und eindeutig gefördert werden. Die
    Gemeinschaft muß eine Transparenz des Ausbildungsmarkts und der
    Anerkennung der auf dem Arbeitsmarkt angebotenen Ausbildungs-
    maßnahmen   gewährleisten. Die Diplome, die Zeugnisse, die
    Befähigungsnachweise müssen auf transparente und vergleichbare Weise
    ausgestaltet werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren sollte
    dazu führen, daß die auf Gemeinschaftsebene gemeinsam konzipierten
    Ausbildungsmaßnahmen und Ausbildungsgänge vervielfacht und somit de
    facto schon mit ihrer Konzeption anerkannt werden. Dabei sind auch
    transeuropäische Netzwerke einzuführen, durch die die nationalen
    Daten verknüpft und eine wirkliche Vernetzung des Hoheitsgebiets
    Europas herbeigeführt werden kann, um so die Verbindungen zwischen
    Akteuren und Entscheidungsträgern herzustellen.
86. Die neuen Phasen der Gemeinschaftspolitik müssen die bereits
    erzielten Ergebnisse nutzen und sich auf bereits im Rahmen der
    Aktionsprogramme eingerichtete einschlägige Netzwerke stützen. Bei
    diesen Netzwerken handelt es sich um neuartige Strukturen mit
    wirklicher    gemeinschaftlicher     Dimension.     Die   gegenseitige
    Bereicherung der Systeme        ist, insbesondere     im Rahmen der
    Aktionsprogramme der Gemeinschaft, bereits eine Realität. Dieser
    Vorgang muß künftig im Sinne von Konzertierung und Zusammenarbeit
    noch verstärkt und durch eine effiziente und dezentralisierte
    Verwaltung der Gemeinschaftsprogramme unterstützt werden.
Eine konsequente und kohärente Gemeinschaftsaktion
87. Seit    einigen    Jahren    setzt    die    Gemeinschaft   für    die
    Berufsausbildungspolitiken und die Aktionsprogramme in diesem Bereich
    wesentlich mehr Mittel ein, die allerdings gegenüber den für die
    Strukturpolitik und die Forschungs- und Entwicklungspolitik
    eingesetzten Mitteln immer noch begrenzt sind. Durch diese Zunahme
    bei den Haushaltsmitteln wird die Priorität deutlich, die den
    Humanressourcen bei der Gesamtkonzeption der Gemeinschaftsaktion
    eingeräumt wurde.
88. Allerdings hängt die Wirksamkeit der Aktionen wesentlich von ihrer
    Auswirkung auf die Probleme der Mitgliedstaaten ab, die sich im
    Verlauf der neunziger Jahre vermutlich noch verschärfen werden. Die
    meisten Investitionen werden in den Mitgliedstaaten getätigt; die
    Gemeinschaftsaktion muß, um hinsichtlich der weiter oben skizzierten
    Ziele zu einer wirklichen Effizienz zu gelangen, auf drei Ebenen
    Fortschritte erzielen: bessere Bewertung, größere Kohärenz, weiter
    verbesserte Konzertierung.
89. Durch die Erprobung von zusammen mit den Mitgliedstaaten konzipierten
    und angewandten Bewertungssystemen soll es möglich werden, die
    Auswirkung der Gemeinschaftsmaßnahmen im Hinblick auf die gemeinsamen
    Ziele sowie den entsprechenden Wertzuwachs stärker herauszuarbeiten.
    Diese besser überschaubare Gemeinschaftsaktion ist in einer Zeit, in
    der alle Akteure (Unternehmen, Gremien, Sozialpartner, Behörden,
    Gebietskörperschaften) ihrer Aktion eine gemeinschaftliche Dimension
    verleihen möchten, wichtig. Die in den Beschlüssen des Rates zu jedem
    der Programme eingegangene Verpflichtung, eine Bewertung und ständige
    Begleitung der Projekte und Maßnahmen im Rahmen der Programme zu
    gewährleisten, muß zu dieser Verdeutlichung beitragen. Die
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    Evaluierungsmaßnahmen und -système sind insbesondere mit den von den
    zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten getroffenen Maßnahmen zu
    koordinieren und in enger Zusammenarbeit mit diesen festzulegen und
    zu realisieren. Damit sollen unter anderem die Auswirkungen der
    Gemeinschaftsaktionen      auf   die    einzelStaat Iichen      Politiken    und
    Verfahrensweisen, insbesondere unter Bezugnahme auf die weiter oben
    beschriebenen allgemeinen Zielsetzungen, bestimmt und beschrieben und
    so    innovative    Management-      und    Planungsverfahren        sowie   die
    Koordinierung auf nationaler Ebene gefördert werden.
90. Fortschritte      sind      außerdem       von     der      Verknüpfung      der
    Berufsausbildungspolitik      mit    den übrigen Gemeinschaftspolitiken
    hinsichtlich der Humanressourcen abhängig. Die Kommission möchte
    erreichen, daß ihre Ziele im Bereich der Berufsausbildungspolitik und
    der Wettbewerbsfähigkeit stärker mit ihren, insbesondere von den
    Strukturfonds unterstützten, Strukturmaßnahmen konvergieren, um so
    den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt weiterzuentwickeln. Zu
    diesem Zweck wurde ein globaler Bezugsrahmen aufgestellt, um eine
    rationellere Durchführung der verschiedenen Kommissionsinitiativen zu
    ermöglichen: Aktionsprogramme,         im Rahmen der Strukturpolitiken
    entwickelte Ausbildungsmaßnahmen, dem Humankapital und der Mobilität
    im   Rahmenprogramm     für    Forschung     und    Entwicklung      eingeräumte
    Priorität. Damit diese Rationalisierungs- und Koordinierungsmaßnahmen
    voll wirksam sein können, bedarf es einer Zusammenarbeit mit den
    Mitgliedstaaten, die fortgesetzt und hinsichtlich ihrer Methoden
    noch verbessert werden muß.
91. Entsprechend wilt die Kommission künftig ihre Maßnahmen im Bereich
    der Humanressourcen und ihre Ziele im Bereich der Verbesserung der
    Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Sektoren, insbesondere der Industrie,
    besser aufeinander abstimmen. Die auf der Ebene der Industriepolitik
    der Gemeinschaft eingeschlagene Richtung sowie die Debatten, die
    über die Zukunft bestimmter Sektoren geführt werden, weisen in diese
    Richtung. Die sektorale Dimension muß integrierender BestandteiI der
    Berufsausbildungspolitiken       werden,     um    so    der    Kompetenz    der
    Arbeitnehmer     bei    den    Bemühungen      um    die    Verbesserung     der
    Wettbewerbsfähigkeit und die Nutzung der Trümpfe im Zusammenhang mit
    der   Realisierung     des Binnenmarkts        und    der    Wirtschafts- und
    Währungsunion besser Rechnung tragen zu können.
92. Die bei der Vorbereitung des vorliegenden Memorandums über die
    Leitlinien für die neunziger Jahre angewandte Methode gestattet es,
    alte    möglichen    Beiträge     der    Konzertierung       sowohl    mit   den
    Mitgliedstaaten als auch mit             den Sozialpartnern         aufzuzeigen.
    Subsidiäritätsprinztp und Unterschiedlichkeit - die beide Faktoren,
    die sich im Bereich von Bitdung und Ausbildung besonders nachhaltig
    auswirken - setzen einen           intensiveren Austausch zwischen den
    Mitgiiedstaaten     voraus,    um    die    Prioritäten      festzulegen,    die
    Konvergenz da, wo sie wünschenswert erscheint, zu erleichtern und die
    Erprobung sowohl in den Mitgliedstaaten als auch im Rahmen der
    Gemeinschaftsaktionen zu fördern.
93. Die Gemeinschaft muß zur Entwicklung des Dialogs zwischen den auf
    Gemeinschaftsebene repräsentativen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-
    organisationen beitragen, um ihren gemeinsamen Ansichten über die
    Entwicklung der Ausbildung beim Aufbau Europas, aber auch über die
    Entwicklung ihrer eigenen Maßnahmen Ausdruck zu verleihen.
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91. Die Herausforderungen, die sich der Gemeinschaft stellen, erscheinen
    immens. Das Europa der Bildung muß in den kommenden Jahren einen
    großen Aufschwung erfahren, um diese Herausforderungen bestehen zu
    können. Den Haupttrumpf bei diesem Ziel stellen die Partnerschaften
    zwischen den Behörden, den Unternehmen und den Sozialpartnern dar,
    durch die insbesondere Fortschritte bei der Weiterbildung erzielt,
    die Qualifikation der Arbeitnehmer in Europa verbessert und damit die
    Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der europäischen Wirtschaft
    gewährleistet   werden  sollen.   Die  Kommission   hofft,  daß   das
    vorliegende Memorandum dazu beiträgt, die Debatten in diesem Sinn
    weiterzuentwickeln und ein solideres Fundament        für effiziente
    Ausbildungspolitiken sowohl auf Gemeinschaftsebene als auch auf der
    Ebene der Mitgliedstaaten zu schaffen.
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                                                          KOM(91)397endg.
                                                    DOKUMENTE
DE                                                                            04
                                Katalognummer : CB-CO-91-451-DE-C
                                                          ISBN 92-77-76633-6
Amt für amtliche VeröffentHchungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg