CELEX: 32004H0394
Language: de
Date: 2004-04-29 00:00:00
Title: 2004/394/EG:Empfehlung der kommission vom 29. April 2004 über die Ergebnisse der Risikobewertung und über die Risikobegrenzungsstrategien für die Stoffe: Acetonitril; Acrylamid; Acrylnitril; Acrylsäure; Butadien; Fluorwasserstoff; Wasserstoffperoxid; Methacrylsäure; Methylmethacrylat; Toluol; Trichlorbenzol (Text von Bedeutung für den EWR) (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2004) 1446)

30.4.2004         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union             L 144/77
                                EMPFEHLUNG DER KOMMISSION
                                          vom 29. April 2004
über die Ergebnisse der Risikobewertung und über die Risikobegrenzungsstrategien für
 die Stoffe: Acetonitril; Acrylamid; Acrylnitril; Acrylsäure; Butadien; Fluorwasserstoff;
    Wasserstoffperoxid; Methacrylsäure; Methylmethacrylat; Toluol; Trichlorbenzol.
                       (Bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(2004) 1446)
                                   (Text von Bedeutung für den EWR)
                                            (2004/394/EG)
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates vom 23. März 1993 zur Bewertung
und Kontrolle der Umweltrisiken chemischer Altstoffe1, insbesondere auf Artikel 11 Absatz
2,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)      Im Rahmen der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates wurden folgende Stoffe als
         prioritäre Stoffe für eine Bewertung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1179/94 der
         Kommission vom 25. Mai 1994 über die erste Prioritätenliste gemäß der Verordnung
         (EWG) Nr. 793/93 des Rates2 beschrieben, in der auch für diese Stoffe jeweils der
         folgende Mitgliedstaat als Berichterstatter bestimmt wurde:
-        Acetonitril, Berichterstatter: Spanien,
-        Acrylamid, Berichterstatter: Vereinigtes Königreich,
-        Acrylnitril, Berichterstatter: Irland,
-        Acrylsäure, Berichterstatter: Deutschland,
-        Butadien, Berichterstatter: Vereinigtes Königreich,
-        Fluorwasserstoff, Berichterstatter: Niederlande,
1
  ABl. L 84 vom 5.4.1993, S. 1.
2
  ABl. L 131 vom 26.5.1994, S. 3.
 ---pagebreak--- L 144/78          DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
-        Methacrylsäure, Berichterstatter: Deutschland,
-        Methylmethacrylat, Berichterstatter: Deutschland.
(2)      Im Rahmen der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates wurden folgende Stoffe als
         prioritäre Stoffe für eine Bewertung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2268/95 der
         Kommission vom 28. September 1995 über die zweite Prioritätenliste gemäß der
         Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates3 beschrieben, in der auch für diese Stoffe
         jeweils der folgende Mitgliedstaat als Berichterstatter bestimmt wurde:
-        Wasserstoffperoxid, Berichterstatter: Finnland,
-        Toluol, Berichterstatter: Dänemark,
-        Trichlorbenzol, Berichterstatter: Dänemark.
(3)      Die als Berichterstatter bestimmten Mitgliedstaaten haben für diese Stoffe sämtliche
         Arbeiten zur Bewertung der Risiken für Mensch und Umwelt abgeschlossen und eine
         Strategie zur Begrenzung der Risiken im Einklang mit der Verordnung (EG) Nr.
         1488/94 der Kommission vom 28. Juni 1994 zur Festlegung von Grundsätzen für die
         Bewertung der von Altstoffen ausgehenden Risiken für Mensch und Umwelt gemäß
         der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates4 vorgeschlagen.
(4)      Der wissenschaftliche Ausschuss für Toxizität, Ökotoxizität und Umwelt (CSTEE)
         wurde befragt und hat eine Stellungnahme zu den Risikobewertungen der
         Berichterstatter abgegeben.
(5)      Die Ergebnisse der Risikobewertung finden sich im Anhang.
(6)      Auf der Grundlage der von den Berichterstattern empfohlenen Maßnahmen sollten die
         Mitgliedstaaten und der betroffene Wirtschaftszweig, soweit angebracht, die
         Risikobewertung berücksichtigen und die einschlägigen Empfehlungen umsetzen, um
         sicherzustellen, dass die Gefährdung der menschlichen Gesundheit und der Umwelt
         durch jeden der Stoffe, die einer Risikoprüfung unterzogen wurden, so gering wie
         möglich gehalten wird. Die Kommission hat außerdem eine Liste der rechtlichen
         Maßnahmen der Gemeinschaft aufgestellt, denen Vorrang eingeräumt werden sollte.
(7)      Die in dieser Empfehlung vorgesehenen Maßnahmen stehen im Einklang mit der
         Stellungnahme des gemäß Artikel 15 der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 eingesetzten
         Ausschusses -
EMPFIEHLT:
1.         Alle Wirtschaftszweige, die folgende Stoffe einführen, herstellen, befördern, lagern,
           zu einer Zubereitung oder anderweitig verarbeiten, verwenden, beseitigen oder
           zurückgewinnen:
3
  ABl. L 231 vom 28.9.1995, S. 18.
4
  ABl. L 161 vom 29.6.1994, S 3.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE               Amtsblatt der Europäischen Union                   L 144/79
(1)        Acetonitril
CAS Nr. 75-05-8
Einecs Nr. 200-835-2
(2)        Acrylamid
CAS Nr. 79-06-1
Einecs Nr. 201-173-7
(3)        Acrylnitril
CAS Nr. 107-13-1
Einecs Nr. 203-466-5
(4)        Acrylsäure
CAS Nr. 79-10-7
Einecs Nr. 201-177-9
(5)        Butadien
CAS Nr. 106-99-0
Einecs Nr. 203-450-8
(6)        Fluorwasserstoff
CAS Nr. 7664-39-3
Einecs Nr. 231-634-8
(7)        Wasserstoffperoxid
CAS Nr. 7722-84-1
Einecs Nr. 231-765-0
(8)        Methacrylsäure
CAS Nr. 79-41-4
Einecs Nr. 201-204-4
(9)        Methylmethacrylat
CAS Nr. 80-62-6
Einecs Nr. 201-297-1
(10)       Toluol
CAS Nr. 108-88-3
Einecs Nr. 203-625-9
(11)       Trichlorbenzol
CAS Nr. 120-82-1
Einecs Nr. 204-428-0
sollten die Ergebnisse der Risikobewertungen, die im Abschnitt Risikobewertung der Teile 1
bis 11 des Anhangs für jeden der genannten Stoffe angegeben sind, berücksichtigen.
2.         Die in den Abschnitten „Risikobegrenzungsstrategie“ der Teile 1 bis 11 des Anhangs
dieser Empfehlung beschriebenen Risikobegrenzungsstrategie sollte umgesetzt werden. Wird
 ---pagebreak--- L 144/80        DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
mit keiner Gefahr gerechnet, sollten die Informationen dazu benutzt werden sicherzustellen,
dass die laufenden Maßnahmen zur Risikobeschränkung fortgeführt werden.
Diese Empfehlung richtet sich an alle Wirtschaftszweige, die folgende Stoffe einführen,
herstellen, befördern, lagern, zu einer Zubereitung oder anderweitig verarbeiten, verwenden,
beseitigen oder zurückgewinnen, sowie an die Mitgliedstaaten.
Brüssel, den 29. April 2004
                                               Für die Kommission
                                               Margot WALLSTRÖM
                                               Mitglied der Kommission
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                          L 144/81
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 1
CAS-Nr. 75-05-8                                                     Einecs-Nr. 200-835-2
Strukturformel:                     CH3 - C ≡ N
EINECS-Bezeichnung:                 Acetonitril
IUPAC-Bezeichnung:                  Acetonitril
Berichterstatter:                   Spanien
Einstufung5:                        F: R11
                                    Xn: R20/21/22
                                    Xi: R36
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat6. Aus den
verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen Gemeinschaft
hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Synthese von Industriechemikalien, Arzneimitteln
und Pestiziden sowie bei der Herstellung von photographischem Film verwendet wird.
Weitere Verwendungszwecke sind der Einsatz als Lösemittel bei verschiedenen
Extraktionsprozessen sowie in der Forschung und in analytischen Labors. Es war nicht
möglich, Informationen über die Verwendung der Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der
Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige
Verwendungszwecke durch diese Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt sind.
Bei der Risikobewertung wurden andere Expositionsquellen festgestellt, insbesondere durch
die Freisetzung bei der Verbrennung von Biomasse und das Vorhandensein in Auspuffgasen,
durch die Mensch und Umwelt dem Stoff ausgesetzt sind und die sich nicht aus dem
Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft hergestellten oder in sie eingeführten
Stoffs ergeben. Die Bewertung der Risiken durch diese Exposition ist nicht Teil dieser
Risikobewertung. Allerdings sind in den vollständigen Risikobewertungsberichten, die der
Kommission von den als Berichterstatter bestimmten Mitgliedstaaten übermittelt werden,
Angaben zu diesen Risiken enthalten.
5
  Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 2000/32/EG der Kommission vom 19. Mai 2000 zur 26.
         Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 136 vom 8.6.2000, S. 1.
6
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- L 144/82         DE              Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich der allgemeinen systemischen Toxizität bei Exposition der
Haut infolge der Verwendung als Lösemittel und Zwischenstoff.
Aus der Risikobewertung ergeben sich folgende Schlussfolgerungen für
VERBRAUCHER      und DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische            Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                              L 144/83
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere              Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich.   Grund      für    diese
Schlussfolgerung:
-         Bedenken hinsichtlich des aquatischen und des terrestrischen Ökosystems bei einer
Exposition infolge der Verwendung des Stoffs in der pharmazeutischen Industrie.
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Es sind besondere              Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich.   Grund      für    diese
Schlussfolgerung:
-         Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen einer Exposition auf Kläranlagen infolge der
Verwendung des Stoffs in der pharmazeutischen Industrie.
                               RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
Bei der Risikobewertung wurden auch andere Quellen für Acetonitrilemissionen beschrieben
(z.B. Verbrennung fossiler Brennstoffe). Diese fallen jedoch nicht unter die Verordnung
(EWG) 793/93 des Rates und wurden in der Risikobegrenzungsstrategie deshalb nicht
berücksichtigt.
ARBEITNEHMER:
Die derzeit geltenden Gemeinschaftsvorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer werden
allgemein als ausreichend betrachtet, um von diesem Stoff ausgehende Risiken im
erforderlichen Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-         zu prüfen, ob der gemäß der Richtlinie 91/322/EWG der Kommission7 festgelegte
Arbeitsplatzgrenzwert zu überarbeiten ist, um darauf zu verweisen, dass eine Exposition der
Haut zur körperlichen Belastung der Arbeitnehmer beitragen kann.
Im Hinblick auf den UMWELTSCHUTZ,
-         sollte die Europäische Kommission bei der nächsten Überarbeitung von Anhang X
(prioritäre Stoffe) der Richtlinie 2000/60/EG des Rates und des Europäischen Parlaments8
(Wasserrahmenrichtlinie) prüfen, ob Acetonitril in diesen Anhang aufgenommen werden
7
  Richtlinie 91/322/EWG der Kommission vom 29. Mai 1991 zur Festsetzung von Richtgrenzwerten zur
          Durchführung der Richtlinie 80/1107/EWG des Rates über den Schutz der Arbeitnehmer vor der
          Gefährdung durch chemische, physikalische und biologische Arbeitsstoffe bei der Arbeit, ABl. L 177
          vom 5.7.1991, S. 22.
8
  Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines
          Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik, ABl. L 327 vom
          22.12.2000, S. 1.
 ---pagebreak--- L 144/84           DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                          30.4.2004
sollte.
-         Zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates9 (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) sollte
dieser Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten
verfügbaren Techniken“ (BVT) berücksichtigt werden. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
Kommission wichtige Entwicklungen bei diesen Techniken im Rahmen des
Informationsaustauschs über die BVT mitteilen.
-         Lokale Emissionen in die Umwelt sollten - erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften - bekämpft werden, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt
entstehen.
9
  Richtlinie 1996/61/EG des Rates vom 24. September 1996 über die integrierte Vermeidung und Verminderung
          der Umweltverschmutzung, ABl. L 257 vom 10.10.1996, S. 26.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                          L 144/85
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 2
CAS-Nr. 79-06-1                                                     Einecs-Nr. 201-173-7
Strukturformel:                    CH2 = CH-CONH2
EINECS-Bezeichnung:                Acrylamid
IUPAC-Bezeichnung:                 2-Propenamid
Berichterstatter:                  Vereinigtes Königreich
Einstufung10:                      Karz. Kat.2:R45
                                   Muta. Kat.2:R46
                                   Repro. Kat.3:R62
                                   T:R25
                                   T:R48/23/24/25
                                   Xn:R20/21
                                   Xi:R36/38
                                   R43
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat11.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt in der chemischen Industrie bei der
Herstellung von Polyacrylamid verwendet wird. Andere Verwendungszwecke sind die
Zubereitung von Polyacrylamidgelen vor Ort und die Verwendung als Vergussmittel.
Polyacrylamid wird hauptsächlich in der Abwasserbehandlung, der Papier- und
Zellstoffverarbeitung sowie bei der Mineralverarbeitung verwendet; weniger bedeutende
Verwendungszwecke umfassen den Einsatz als kosmetische Zusätze und
Bodenverbesserungsmittel. Es war nicht möglich, Informationen über die Verwendung der
Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie
eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige Verwendungszwecke in dieser Risikobewertung
möglicherweise nicht erfasst sind.
10
   Die Einstufung des Stoffs erfolgt gemäß der Richtlinie 2001/59/EG der Kommission vom. 6 August 2001 zur
         achtundzwanzigsten Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 225 vom 21.8.2001, S. 1.
11
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- L 144/86         DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
                                   RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich der Mutagenität und Karzinogenität infolge der Exposition bei
der Herstellung des Stoffs, der Verwendung als Zwischenprodukt in der chemischen Industrie
für die Polyacrylamidproduktion, der Verwendung von Polyacrylamid, der Verwendung von
Polyacrylamidgelen bei der Elektrophorese und der Verwendung von auf Acrylamid
basierenden Vergussmitteln (klein- und großformatige Anwendungen).
-        Bedenken hinsichtlich der Neurotoxizität und Reproduktionstoxizität infolge der
Exposition bei der klein- und großformatigen Verwendung von auf Acrylamid basierenden
Vergussmitteln.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
VERBRAUCHER:
-        Risiken können bei keiner Exposition ganz ausgeschlossen werden, da es sich bei dem
Stoff um ein Karzinogen ohne Schwellenwert handelt. Die Angemessenheit bestehender
Kontrollen sowie die Durchführbarkeit und Eignung weiterer spezieller Maßnahmen sollten
geprüft werden. Der Bewertung zufolge handelt es sich jedoch um geringe Risiken. Dies
sollte bei der Prüfung der Angemessenheit bestehender Regelungen sowie der
Durchführbarkeit und Eignung weiterer besonderer Risikobegrenzungsmaßnahmen
berücksichtigt werden.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich Neurotoxizität, Reproduktionstoxizität Mutagenität und
Karzinogenität infolge der Exposition bei der Verwendung von auf Acrylamid basierenden
Vergussmitteln in Bauanwendungen in großem Maßstab.
Darüber hinaus können Risiken bei den verbleibenden Verwendungszwecken nicht ganz
ausgeschlossen werden, da es sich bei dem Stoff um ein Karzinogen ohne Schwellenwert
handelt. Die Angemessenheit bestehender Kontrollen sowie die Durchführbarkeit und
Eignung weiterer spezieller Maßnahmen sollten geprüft werden. Der Bewertung zufolge
handelt es sich jedoch um geringe Risiken. Dies sollte bei der Prüfung der Angemessenheit
bestehender Regelungen sowie der Durchführbarkeit und Eignung weiterer besonderer
Risikobegrenzungsmaßnahmen berücksichtigt werden.
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      L 144/87
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich des aquatischen Ökosystems infolge der Exposition bei der
Verwendung von auf Acrylamid basierenden Vergussmitteln in Bauanwendungen und der
indirekten Exposition anderer Organismen über Wasser, das durch die genannte Verwendung
verunreinigt wurde.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind weitere Informationen und/oder Prüfungen notwendig. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich der Verwendung von auf Acrylamid basierenden
Vergussmitteln in Bauanwendungen. Die Informations- und/oder Prüfanforderungen
betreffen:
-       Informationen zur Ermöglichung einer exakteren Risikobewertung für die Umwelt.
Die Notwendigkeit dieser Informationen wurde angesichts der Risikobegrenzungsstrategie
neu geprüft und letztlich fallen gelassen (siehe Abschnitt II, Risikobegrenzungsstrategie).
 ---pagebreak--- L 144/88          DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.4.2004
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
                             RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
MENSCHLICHE GESUNDHEIT           und UMWELT:
Es wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene zu erwägen, ob die Möglichkeiten für das Inverkehrbringen
und die Verwendung in der Richtlinie 76/769/EWG des Rates12 im Zusammenhang mit der
Verwendung von Acrylamid13 in Vergussmitteln für klein- und großformatige Anwendungen
eingeschränkt werden sollten.
-        Hier sind gegebenenfalls weitere Arbeiten erforderlich, um festzustellen, ob
Ausnahmeregelungen gerechtfertigt sind.
-        Bei Annahme der vorgeschlagenen Einschränkungen für das Inverkehrbringen und die
Verwendung bestünde kein Bedarf für mehr Informationen zur Ermöglichung einer exakteren
Risikobewertung für die Umwelt.
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen
Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz zu
entwickeln.
12
   ABl. L 262 vom 27.9.1976, S. 201.
13
   Ferner sind auch auf N-Methylolacrylamid basierende Vergussmittel eine potenzielle Quelle für freies
         Acrylamid, weshalb eine Bewertung der Risiken dieser Chemikalie in Erwägung gezogen werden
         sollte.
 ---pagebreak--- 30.4.2004         DE               Amtsblatt der Europäischen Union            L 144/89
VERBRAUCHER:
-        Die bestehenden Verbraucherschutzbestimmungen, insbesondere die Bestimmungen
der Richtlinie 76/769/EWG (Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung)
für karzinogene, mutagene und reproduktionstoxische Stoffe (CMR-Stoffe) und die der
Richtlinie 2001/95/EG (allgemeine Produktsicherheit)14 für Produkte, werden zur
Bekämpfung der festgestellten Risiken als ausreichend betrachtet.
14
   ABl. L 11 vom 15.01.2002, S. 4.
 ---pagebreak--- L 144/90           DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       30.4.2004
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 3
CAS-Nr. 107-13-1                                                      Einecs-Nr.203-466-5
Strukturformel:                    CH2 = CH - C " N
EINECS-Bezeichnung:                Acrylonitril
IUPAC-Bezeichnung:                 2-Propenenitril
Berichterstatter:                  Irland
Einstufung15:                      F:R11
                                   Karz.Kat.2:R45
                                   T:R23/24/25
                                   Xi:R37/38
                                   R41
                                   R43
                                   N:R51/53
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat16.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Monomer bei der Produktion von polymerischen Materialien
und insbesondere von Acryl- und Modacrylfasern, Acrylnitril-Butadien-Styrol-Kunststoffen
sowie Styrol-Acrylnitril-Kunststoffen verwendet wird. Sonstige Verwendungszwecke sind der
Einsatz als Monomer bei der Synthese neuartiger polymerischer Materialien sowie der
Produktion von Acrylamid, Adiponitril, Fettaminen und Fettalkohol.
Bei der Risikobewertung wurden andere Expositionsquellen für Mensch und Umwelt
festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben. Dies betrifft insbesondere die
Entstehung des Stoffs bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Die Bewertung der Risiken
15
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 2000/32/EG der Kommission vom 19. Mai 2000 zur
         26. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 136 vom 8.6.2000, S. 1.
16
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE              Amtsblatt der Europäischen Union                            L 144/91
durch diese Exposition ist nicht Teil dieser Risikobewertung. Die der Kommission vom als
Berichterstatter      bestimmten         Mitgliedstaat            übermittelten       vollständigen
Risikobewertungsberichte enthalten jedoch Informationen, die zur Bewertung dieser Risiken
genutzt werden könnten.
                                  RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich.   Grund   für     diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Auswirkungen und Karzinogenität
aufgrund der Exposition bei der Herstellung und Verarbeitung des Stoffs.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die VERBRAUCHER und die ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Es sind besondere Maßnahmen zur Begrenzung der Risiken erforderlich. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Risiken können nicht für sämtliche Expositionsszenarios ausgeschlossen werden, da
der Stoff derzeit als Karzinogen ohne Schwellenwert betrachtet wird. Die Angemessenheit
bestehender Kontrollen sowie die Durchführbarkeit und Eignung weiterer spezieller
Maßnahmen sollten geprüft werden. Der Bewertung zufolge handelt es sich jedoch um
geringe Risiken. Dies sollte bei der Prüfung der Angemessenheit bestehender Regelungen
sowie der Durchführbarkeit und Eignung weiterer besonderer Risikobegrenzungsmaßnahmen
berücksichtigt werden.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
 ---pagebreak--- L 144/92         DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
Es sind besondere         Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich lokaler Auswirkungen auf den aquatischen Bereich infolge der
Exposition bei der Produktion van Acrylfasern an bestimmten Standorten.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Nach der Risikobewertung sind für die erwähnten Umweltbereiche keinen Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
                          RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
Bei der Risikobewertung wurden auch andere Quellen für Acrylnitrilemissionen beschrieben
(z.B. Verbrennung fossiler Brennstoffe). Diese fallen jedoch nicht unter die Verordnung
(EWG) 793/93 des Rates und wurden in der Risikobegrenzungsstrategie deshalb nicht
berücksichtigt.
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen
Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition mit Acrylnitril am
Arbeitsplatz zu entwickeln.
VERBRAUCHER      und DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
-        Die bestehenden Rechtsvorschriften zum Schutz der Verbraucher und der über die
Umwelt exponierten Bevölkerung, insbesondere die Bestimmungen der Richtlinie
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE                Amtsblatt der Europäischen Union               L 144/93
76/769/EWG des Rates (Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung) für
CMR-Stoffe, der Richtlinie 2001/95/EG des Rates (allgemeine Produktsicherheit) für
Produkte und der Richtlinie 96/61/EWG (integrierte Vermeidung und Verminderung der
Umweltverschmutzung) werden im Hinblick auf die beschriebenen Risiken als ausreichend
betrachtet.
UMWELT:
-       Zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) sollte
dieser Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten
verfügbaren Techniken“ (BVT) berücksichtigt werden.
Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT
sorgfältig überwachen und der Kommission wichtige Entwicklungen bei diesen Techniken im
Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT mitteilen.
          –    Lokale Emissionen in die Umwelt sollten - erforderlichenfalls durch
               innerstaatliche Vorschriften - bekämpft werden, um zu gewährleisten, dass
               keine Risiken für die Umwelt entstehen.
 ---pagebreak--- L 144/94           DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       30.4.2004
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 4
CAS Nr. 79-10-7                                                     Einecs-Nr.201-177-9
Strukturformel:                     CH2 = CH - COOH
EINECS-Bezeichnung:                 Acrylsäure
IUPAC-Bezeichnung:                  2-Propensäure
Berichterstatter:                   Deutschland
Einstufung17:                      C:R35
                                   Xn:R20/21/22
                                   R10
                                   N:R50
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat18.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Polyacrylaten
verwendet wird. Ferner wird der Stoff als Bestandteil in Klebstoffen verwendet. Außerdem
kommt er als Restmonomer in Klebstoffen, Farben, Bindemitteln, Druckerschwärze,
hygienischen Binden, Slipeinlagen und Höschenwindeln vor. Polyacrylate werden
hauptsächlich als Superabsorber, als Cobuilder in phosphatfreien Reinigungsmitteln und als
Flockungsmittel zur Behandlung von Trink- und Abwasser verwendet. Es war nicht möglich,
Informationen über die Verwendung der Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der Europäischen
Gemeinschaft hergestellt oder in sie eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige
Verwendungszwecke durch diese Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt sind.
Bei der Risikobewertung wurden andere für Mensch und Umwelt bedeutsame
Expositionsquellen festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen
Gemeinschaft hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben; dies gilt insbesondere für
17
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 2000/32/EG der Kommission vom 19. Mai 2000 zur
         26. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 136 vom 8.6.2000, S. 1.
18
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                         L 144/95
Freisetzungen bei der Verwendung von auf Acrylat basierenden Vergussmitteln,
Zerfallsprodukte bei der Herstellung von Leiterplatten und beim Entfernen von Farben unter
Verwendung von Gasflammen. Die Risiken aufgrund einer solchen Exposition wurden bei
dieser Risikobewertung berücksichtigt.
                                  RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Gründe   für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich Reizung der Atemwege und Ätzwirkung infolge einmaliger
Inhalationsexposition bei Herstellung und Verarbeitung sowie bei der Herstellung und
Verwendung von Klebstoffen, die den Stoff enthalten;
-       Bedenken     hinsichtlich    lokaler        Wirkungen        infolge  der    wiederholten
Inhalationsexposition bei der Herstellung und Verwendung von Klebstoffen, die den Stoff
enthalten;
-       Bedenken hinsichtlich der allgemeinen systemischen Toxizität infolge der
wiederholten Inhalationsexposition bei der Herstellung und Verwendung von Klebstoffen, die
den Stoff enthalten.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die VERBRAUCHER und die ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
 ---pagebreak--- L 144/96         DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich lokaler Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem infolge
der Exposition bei Nasspolymerisierungsprozessen, einschließlich der Nassproduktion von
hoch absorbierenden Polymeren, und der Verwendung von auf Acrylat basierenden
Vergussmitteln.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Es sind weitere Informationen und/oder Prüfungen notwendig. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Es werden bessere Informationen benötigt, um die Risiken für kommunale
Abwasserbehandlungsanlagen infolge der Exposition bei der Verwendung des Stoffs bei der
Nasspolymerisierung, einschließlich der Herstellung von hoch absorbierenden Polymeren,
ordnungsgemäß beschreiben zu können.
Die Informations- und/oder Prüfanforderungen betreffen
-        weitere Daten über die Unversehrtheit natürlich vorkommender Ciliatpopulationen im
Abwasser.
                          RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen
Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
 ---pagebreak--- 30.4.2004         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   L 144/97
-        auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition mit acrylsaüre am Arbeitsplatz
zu entwickeln.
-        dass die Arbeitgeber bei der Verwendung acrylsäurehaltiger Klebstoffe die
unverbindliche praktische Leitlinie zur Kenntnis nehmen, die die Kommission gemäß Artikel
12 Absatz 2 der Richtlinie 98/24/EG des Rates19 (chemische Arbeitsstoffe) auszuarbeiten hat,
sowie alle branchenspezifischen Leitlinien, die auf nationaler Ebene aufgrund dieses
Leitfadens aufgestellt werden.
UMWELT:
Es wird empfohlen,
-        für Acrylsäure, die aus chemischen Vergussmitteln freigesetzt wird,
-        einen harmonisierten europäischen Prüf- und Bewertungsplan für chemische
Vergussmittel festzulegen,
-        die allgemeinen Bedingungen für die Verwendung chemischer Vergussmittel,
einschließlich Anforderungen an eine umfassende Ausbildung der Planer und des aktiven
Personals, auf EU-Ebene zu regeln, während lokale Besonderheiten von den zuständigen
lokalen Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden sollten,
-        lokale Emissionen in die Umwelt erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften zu regeln, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt entstehen,
-        für Acrylsäure, die in Nasspolymerisierungsprozessen an nachgeschalteten
Benutzerstandorten (Verarbeitungskapazität > 500 t/a) sowie in der SAP-Produktion
verwendet wird:
-        dass die Europäische Kommission bei der nächsten Überarbeitung des Anhangs X
(prioritäre Stoffe) der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) prüft, ob Acrylsäure in
diesen Anhang aufgenommen werden sollte, und Maßnahmen in Erwägung zieht wie eine
Harmonisierung der Vorschriften, denen zufolge die betreffenden Unternehmen für die
Ableitung in Gewässer zuvor eine Genehmigung einholen müssten,
-        zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) diesen
Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten verfügbaren
Techniken“ (BVT) zu berücksichtigen. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
Kommission wichtige Entwicklungen im Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT
mitteilen,
-        lokale Emissionen in die Umwelt erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften zu regeln, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt entstehen.
19
   ABl. L 131 vom 5.5.1998, S. 11.
 ---pagebreak--- L 144/98           DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                          30.4.2004
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 5
CAS-Nr. 106-99-0                                                     Einecs-Nr. 203-450-8
Strukturformel:                     CH2 = CH – CH = CH2
EINECS-Bezeichnung:                 Buta-1,3-dien
IUPAC-Bezeichnung:                  1,3-Butadien
Berichterstatter:                   Vereinigtes Königreich
Einstufung20:                       F+:R12
                                    Karz.Kat.1:R45
                                    Muta.Kat.2:R46
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat21.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt in der Polymerindustrie verwendet wird.
Die Hauptverwendungszwecke von 1,3-Butadien liegen in der Herstellung synthetischer
Gummis wie Styrol-Butadien-Gummi (SBR) und Polybutadiengummi sowie
thermoplastischer Harze wie Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Styrol-Butadien-Latex.
Der Stoff wird ferner als chemischer Zwischenstoff bei der Herstellung von Neopren für beim
Fahrzeugbau und in der Industrie verwendete Gummiprodukte, bei der Produktion von
Methylmethacrylat-Butadien-Styrol-Polymeren (MBS) zur Verstärkung von Polyvinylchlorid
(PVC) und bei der Herstellung von Adiponitril, einer Nylonvorstufe, eingesetzt. Es war nicht
möglich, Informationen über die Verwendung der Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der
Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige
Verwendungszwecke durch diese Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt sind.
20
   Die Einstufung des Stoffs erfolgt gemäß der Richtlinie 2001/59/EG der Kommission vom. 6. August 2001 zur
         achtundzwanzigsten Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 225 vom 21.8.2001, S. 1.
21
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE              Amtsblatt der Europäischen Union                       L 144/99
                                  RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich der Mutagenität und Karzinogenität infolge der Exposition bei
der Herstellung und Verwendung als Zwischenstoff in der Polymerindustrie.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die VERBRAUCHER und die ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Risiken können nicht für sämtliche Expositionsszenarios ausgeschlossen werden, da
der Stoff derzeit als Karzinogen ohne Schwellenwert betrachtet wird. Die Angemessenheit
bestehender Kontrollen sowie die Durchführbarkeit und Eignung weiterer spezieller
Maßnahmen sollten geprüft werden. Der Bewertung zufolge handelt es sich jedoch um
geringe Risiken. Dies sollte bei der Prüfung der Angemessenheit bestehender Regelungen
sowie der Durchführbarkeit und Eignung weiterer besonderer Risikobegrenzungsmaßnahmen
berücksichtigt werden.
-       Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE, das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
urzeit werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die bereits
ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
 ---pagebreak--- L 144/100        DE              Amtsblatt der Europäischen Union                  30.4.2004
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
                          RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen
Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-       auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition mit Butadiene am Arbeitsplatz
zu entwickeln.
VERBRAUCHER      und DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
-       Die bestehenden Rechtsvorschriften zum Schutz der Verbraucher und der über die
Umwelt exponierten Bevölkerung, insbesondere die Richtlinie 76/769/EWG des Rates
(Beschränkungen des Inverkehrbringens und der Verwendung) für CMR-Stoffe, die Richtlinie
2001/95/EG des Rates (allgemeine Produktsicherheit) für Produkte und die Richtlinie
96/61/EWG (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) werden
im Hinblick auf die beschriebenen Risiken als ausreichend betrachtet.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       L 144/101
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 6
CAS-Nr. 7664-39-3                                                    Einecs-Nr.231-634-8
Strukturformel:                    HF
EINECS-Bezeichnung:                Hydrogenfluorid
IUPAC-Bezeichnung:                 Fluorwasserstoff
Berichterstatter:                  Niederlande
Einstufung22:                      T+:R26/27/28
                                   C: R34
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat23.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt in der chemischen Industrie für die
Synthese von organischen Fluoridverbindungen und anorganischen Fluoriden verwendet
wird. Andere Verwendungszwecke sind die Beizung von Metalloberflächen, die Ätzung von
Glasoberflächen und die Oberflächenreinigung. Es war nicht möglich, Informationen über die
Verwendung der Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellt oder in sie eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige Verwendungszwecke durch
diese Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt sind.
Bei der Risikobewertung wurden andere Expositionsquellen für Mensch und Umwelt
festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben, insbesondere die Freisetzung von
Fluorwasserstoff in der Eisen/Stahl- und Aluminiumindustrie, der Glas-, Keramik- und
Bausteinindustrie sowie die Freisetzung in Kraftwerken und bei der chemischen Herstellung
von Phosphaten. Die Bewertung der Risiken durch diese Exposition ist nicht Teil dieser
Risikobewertung. Der vom als Berichterstatter bestimmten Mitgliedstaat an die Kommission
22
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 2000/32/EG der Kommission vom 19. Mai 2000 zur
         26. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 136 vom 8.6.2000, S. 1.
23
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- L 144/102      DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                 30.4.2004
übermittelte Bericht enthält jedoch Informationen, die zur Bewertung dieser Risiken genutzt
werden könnten.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE               Amtsblatt der Europäischen Union                       L 144/103
                                  RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen            erforderlich.  Gründe für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Reizungen von Haut, Augen und
Atemwegen und/oder ätzender Auswirkungen infolge der wiederholten Exposition gegenüber
gasförmigem Fluorwasserstoff bei der Herstellung oder Verwendung als Zwischenstoff in der
chemischen Industrie sowie bei der Verwendung wässriger Lösungen des Stoffs;
-       Bedenken hinsichtlich der allgemeinen systemischen Toxizität infolge der
wiederholten Inhalationsexposition bei der Verwendung wässriger Lösungen des Stoffs;
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Hautreizungen und/oder ätzender
Auswirkungen infolge einmaliger Exposition gegenüber flüssigem Fluorwasserstoff bei der
Verwendung wässriger Lösungen des Stoffs;
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Reizungen der Atemwege und/oder
ätzender Auswirkungen infolge einmaliger Exposition gegenüber gasförmigem
Fluorwasserstoff bei der Herstellung und Verwendung als Zwischenstoff in der chemischen
Industrie sowie bei der Verwendung wässriger Lösungen des Stoffs.
Aus der Bewertung der Risiken für die menschliche Gesundheit ergibt sich folgende
Schlussfolgerung für
VERBRAUCHER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen            erforderlich.  Gründe für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Hautreizungen und/oder ätzender
Auswirkungen infolge einmaliger und wiederholter Exposition gegenüber flüssigem
Fluorwasserstoff bei der Verwendung von Zubereitungen, die den Stoff enthalten, durch den
Verbraucher.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund  für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Toxizität infolge der wiederholten
Inhalationsexposition in der Nähe von Anlagen, in denen der Stoff hergestellt und verarbeitet
wird.
 ---pagebreak--- L 144/104        DE              Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten, auch wenn Bedenken
bestehen hinsichtlich der Risiken im Zusammenhang mit dem aggressiven Verhalten der
konzentrierten Substanz in Kontakt mit Wasser und der möglichen Bildung von Wasserstoff
bei Reaktionen von weniger als 65 %igen Lösungen des Stoffs mit Metallen.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM und die ATMOSPHÄRE:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich lokaler Auswirkungen auf den aquatischen Bereich und die
Atmosphäre infolge der Exposition an Standorten, an denen der Stoff hergestellt und
verwendet wird.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                           L 144/105
                               RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die bestehenden Gemeinschaftsvorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten allgemein
als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen Maß zu
begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene zu prüfen, ob die Verwendung von Fluorwasserstoff bei der
Oberflächenreinigung in Gebäuden (einschließlich Böden) durch Aufnahme des Stoffs in
Anhang III der Richtlinie 98/24/EG (chemische Arbeitsstoffe) verboten werden sollte;
-        den Wissenschaftlichen Ausschuss der Kommission für Grenzwerte berufsbedingter
Exposition damit zu beauftragen, die neuen Angaben im Risikobewertungsbericht zu prüfen
und eine Empfehlung hinsichtlich der Notwendigkeit einer Überarbeitung des derzeit
geltenden Arbeitsplatzgrenzwertes abzugeben.
für VERBRAUCHER:
Es wird empfohlen,
-        als ätzend oder giftig eingestufte Fluorwasserstoffzubereitungen vom
Verbrauchermarkt zu nehmen24.Diese Produkte erfüllen nicht die allgemeine
Sicherheitsanforderung der Richtlinie 92/59/EWG über die allgemeine Produktsicherheit25
und sollten unverzüglich zurückgezogen werden. Die Mitgliedstaaten sollten die Situation auf
ihren Märkten hinsichtlich des Vorhandenseins von Konsumgütern, die Fluorwasserstoff
enthalten, aktiv und wirksam überwachen, diese Produkte, die gemäß den allgemeinen
Sicherheitsanforderungen der Richtlinie 92/59/EWG (allgemeine Produktsicherheit) als
unsicher einzustufen sind, vom Markt nehmen und die Kommission über das
Schnellwarnsystem der Richtlinie 92/59/EWG entsprechend benachrichtigen.
für die UMWELT:
-        zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) diesen
Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten verfügbaren
Techniken“ (BVT) zu berücksichtigen. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
24
   Protokoll über die Sitzung des Notfallausschusses der Richtlinie 92/59/EWG (allgemeine Produktsicherheit )
         vom 2. April 2003.
25
   ABl. L 228 vom 11.8.1992, S. 24.
 ---pagebreak--- L 144/106       DE              Amtsblatt der Europäischen Union                30.4.2004
Kommission wichtige Entwicklungen im Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT
mitteilen;
-       lokale Emissionen in die Umwelt sollten erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften bekämpft werden, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt
entstehen.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       L 144/107
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 7
CAS-Nr. 7722-84-1                                                    Einecs-Nr. 231-765-0
Strukturformel:                    H 2O 2
EINECS-Bezeichnung:                Wasserstoffperoxid
IUPAC-Bezeichnung:                 Wasserstoffperoxid
Berichterstatter:                  Finnland
Einstufung26:                      O:R8
                                   C:R35
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat27.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich bei der Zellstoffbleiche und der Herstellung von Chemikalien
verwendet wird. Sonstige Verwendungszwecke: Textilbleiche, Desinfektion in der
Lebensmittelindustrie, Beizmittel in der Elektronikindustrie, Herstellung von
Metallüberzügen, Abbau von Proteinen, Zahnbleiche, professionelles Haarfärben und -
bleichen, Behandlung von Trink- und Abwasser, Verwendung in zahlreichen Konsumgütern
für Haarfärben und -bleichen, Haushaltstextilbleichprodukte, Reinigungsmittel, Desinfektion
von Kontaktlinsen und Zahnbleicheprodukten.
26
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 91/325/EWG der Kommission vom 1. März 1991 zur
         12. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 180 vom 8.7.1991, S. 1.
27
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- L 144/108        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                     30.4.2004
                                 I. RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Gründe für  diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Reizungen von Haut, Augen und
Atemwegen und/oder ätzender Auswirkungen infolge der Exposition bei Ladevorgängen;
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Reizungen von Haut und Augen
und/oder ätzender Auswirkungen infolge der Exposition im Zusammenhang mit Textilbleiche
(Chargenprozess), sterilen Verpackungen (alte Immersionsbadmaschinentypen), Verwendung
von Peressigsäure in Brauereien, Ätzen von Schaltplatten (alter Prozess), Herstellung von
Metallüberzügen sowie Abbau von Proteinen;
-       Bedenken hinsichtlich konzentrationsbedingter Augenreizungen und/oder ätzender
Auswirkungen infolge der Exposition bei Friseurarbeiten;
-       Bedenken hinsichtlich der Toxizität bei wiederholter Exposition im Zusammenhang
mit Ladevorgängen, sterilen Verpackungen (alle Maschinenarten), Ätzen von Schaltplatten
(alter Prozess) und Abwasserbehandlung.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
VERBRAUCHER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Gründe für  diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich Augenreizungen infolge der Exposition bei Haarfärben und -
bleichen sowie Bedenken hinsichtlich Augenreizungen/ätzender Auswirkungen bei
Verwendung von Textilbleich- und -reinigungsmitteln, wenn die tatsächliche
Wasserstoffperoxidkonzentration über 5 % beträgt;
-       Bedenken hinsichtlich spezifischer schädlicher Auswirkungen auf das Zahnmark
infolge der Exposition bei der Zahnbleiche mit 35 % Wasserstoffperoxid durch einen
Zahnarzt.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      L 144/109
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen (für Arbeitnehmer und Verbraucher)
erforderlich. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich der Brandgefahr bei Verschütten stärker konzentrierter
Wasserstoffperoxidlösungen (> 25 %) auf brennbare Materialien.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere         Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem infolge der
Exposition an vier Produktionsstandorten und der Verwendung bei der Herstellung anderer
Chemikalien.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind für die genannten Umweltbereiche keine Risiken zu
erwarten. Die bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend
betrachtet.
 ---pagebreak--- L 144/110         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                 30.4.2004
                             RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen
Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-        dass die Arbeitgeber alle im Rahmen der Richtlinie 98/24/EG (chemische
Arbeitsstoffe) erstellten Risikobewertungen überprüfen, um die Informationen zu
berücksichtigen, die in der Risikobewertung und in der Risikobegrenzungsstrategie für
Wasserstoffperoxid gemäß der Verordnung (EWG) 739/93 enthalten sind, und um die
gegebenenfalls erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen;
-        dass die Arbeitgeber, die Wasserstoffperoxid für die in der Risikobewertung (Teil I)
als bedenklich bezeichneten Zwecke verwenden, die unverbindliche praktische Leitlinie zur
Kenntnis nehmen, die die Kommission gemäß Artikel 12 Absatz 2 der Richtlinie 98/24/EG
auszuarbeiten hat, sowie alle branchenspezifischen Leitlinien, die auf nationaler Ebene
aufgrund dieses Leitfadens aufgestellt werden.
VERBRAUCHER:
Es wird empfohlen,
-        im Hinblick auf die Festlegung eines akzeptablen Höchstprozentsatzes für den Gehalt
an Wasserstoffperoxid in unter Aufsicht eines Zahnarztes angewandten Zahnbleichprodukten
im Rahmen der Richtlinie (EG) 2003/83 der Kommission28 zu prüfen, ob eine
Konzentrationsgrenze von 6 % Wasserstoffperoxid festgelegt werden sollte, wobei auf dem
Etikett angemessene Gebrauchs- und Warnhinweise zu drucken sind;
-        Textilbleichmittel und Reinigungsmittel, die über 5 % Wasserstoffperoxid enthalten,
so zu formulieren, dass das Risiko von Augenreizungen/ätzenden Auswirkungen vermindert
wird (z.B. zähflüssige Suspendierungen, Cremes). In der Gebrauchsanleitung sollte besonders
auf das Risiko von Augenreizungen/ätzenden Auswirkungen hingewiesen und der Prozentsatz
von H2O2 im Produkt angegeben werden. Bei Haarfärbe- und -bleichmitteln sollten die oben
erwähnten Empfehlungen, einschließlich der Angabe des Höchstprozentsatzes, im Rahmen
der Gemeinschaftsvorschriften für kosmetische Produkte berücksichtigt werden;
-        die in der Richtlinie 1999/45/EG (gefährliche Zubereitungen) enthaltene Anforderung
kindersicherer Verschlüsse sollte auf alle Haushaltschemikalien erweitert werden, die für
Kinder zugänglich sind und Wasserstoffperoxid enthalten können.
UMWELT:
Es wird empfohlen,
28
   ABl. L 238 vom 25.9.2003, S. 27.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE             Amtsblatt der Europäischen Union                 L 144/111
-       die Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG des Rates
(integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) zu erleichtern. Dieser
Stoff sollte bei der laufenden Ausarbeitung von Hinweisen für die „besten verfügbaren
Techniken“ (BVT) berücksichtigt werden. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
Kommission wichtige Entwicklungen im Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT
mitteilen.
 ---pagebreak--- L 144/112          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                         30.4.2004
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 8
CAS-Nr.79-41-4                                                       Einecs-Nr. 201-204-4
Strukturformel:                    CH2 = C(CH3) -COOH
EINECS-Bezeichnung:                Methacrylsäure
IUPAC-Bezeichnung:                 2-Propensäure, 2-Methyl
Berichterstatter:                  Deutschland
Einstufung29:                      C:R35
                                   Xn:R21/22
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat30.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als internes und externes Zwischenprodukt in der chemischen
Industrie bei der Herstellung von Methacrylsäurenestern und als Comonomer in verschiedenen
Polymerarten verwendet wird. Ferner wird der Stoff als Zutat in Klebstoffen verwendet.
Außerdem kommt er als Restmonomer in Farben und Produkten der Textilverarbeitung vor. Es
war nicht möglich, Informationen über die Verwendung der Gesamtmenge dieses Stoffs, die
in der Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie eingeführt wird, zu erhalten, so dass
einige Verwendungszwecke durch diese Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt
sind.
Bei der Risikobewertung wurden andere Expositionsquellen für Mensch und Umwelt
festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben (insbesondere Verwendung von auf
Methacrylat basierenden Vergussmitteln). Die Risiken aufgrund einer solchen Exposition
wurden bei dieser Risikobewertung berücksichtigt.
29
   Die Einstufung des Stoffs erfolgt gemäß der Richtlinie 2001/59/EG der Kommission vom. 6 August 2001 zur
         achtundzwanzigsten Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 225 vom 21.8.2001, S.1.
30
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       L 144/113
                                 I. RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere       Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich.  Gründe für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich einer Reizung der Atemwege infolge kurzfristiger
Inhalationsexposition bei der Herstellung und Weiterverarbeitung als chemischer
Zwischenstoff in der chemischen Industrie, bei der Fertigung von Klebstoffen im
Industriebereich und bei der Verwendung von Klebstoffen im industriellen und gewerblichen
Bereich.
-       Bedenken hinsichtlich lokaler Wirkungen auf die Atemwege infolge wiederholter
Inhalationsexposition bei der Herstellung und Verwendung von Klebstoffen.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die VERBRAUCHER und DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere         Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund  für    diese
Schlussfolgerung:
 ---pagebreak--- L 144/114         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                30.4.2004
-        Bedenken hinsichtlich Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem infolge der
Exposition bei der Herstellung von auf Acrylat basierenden Vergussmitteln.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
                              RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend und sind anzuwenden, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko
im erforderlichen Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz zu
entwickeln.
-        dass die Arbeitgeber bei der Verwendung von methacrylsäurehaltigen Klebstoffen die
unverbindliche praktische Leitlinie zur Kenntnis nehmen, die die Kommission gemäß Artikel
12 Absatz 2 der Richtlinie 98/24/EG des Rates31 (chemische Arbeitsstoffe) auszuarbeiten hat,
sowie alle branchenspezifischen Leitlinien, die auf nationaler Ebene aufgrund dieses
Leitfadens aufgestellt werden.
UMWELT:
Für aus chemischen Vergussmitteln freigesetzte Methacrylsäure wird empfohlen,
31
   ABl. L 131 vom 5.5.1998, S. 11.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE               Amtsblatt der Europäischen Union                  L 144/115
-       einen harmonisierten europäischen Prüf- und Bewertungsplan für chemische
Vergussmittel festzulegen;
-       die allgemeinen Bedingungen für die Verwendung chemischer Vergussmittel,
einschließlich Anforderungen an eine umfassende Ausbildung der Planer und des aktiven
Personals, auf EU-Ebene zu regeln, während lokale Besonderheiten von den zuständigen
lokalen Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden sollten;
-       lokale Emissionen in die Umwelt erforderlichenfalls durch nationale Vorschriften zu
regeln, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt entstehen.
 ---pagebreak--- L 144/116          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       30.4.2004
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 9
CAS-Nr.80-62-6                                                      Einecs-Nr.201-297-1
Strukturformel:                    CH2 = C(CH3) –COOCH3
EINECS-Bezeichnung:                Methylmethacrylat
IUPAC-Bezeichnung:                 2-Methyl-Propensäure, Methylester
Berichterstatter:                  Deutschland
Einstufung32:                      F:R11
                                   Xi:R37/38
                                   R43
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem Stoff während seines gesamten
Lebenszyklus zugrunde, wie er in der Bewertung der Risiken beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat33.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Herstellung von Polymeren,
Copolymeren, Klebstoffen und Reaktivharzen sowie bei der Umesterung und der
Gussfolienproduktion verwendet wird. Sonstige Verwendungszwecke sind die Herstellung
von Emulsions-, Dispersions- und Lösemittelpolymeren, Acrylglasplattenpolymeren sowie
die Verwendung als Komponente in Reaktionsklebstoffen und Einbettharzen,
Bodenbeschichtungen, Giessharzen für medizinische und zahnmedizinische Anwendungen.
Ferner kommt der Stoff als Restmonomer in Farben und anderen für Konsumgüter
verwendeten Polymeren vor. Es war nicht möglich, Informationen über die Verwendung der
Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie
eingeführt wird, zu erhalten, so dass einige Verwendungszwecke durch diese
Risikobewertung möglicherweise nicht abgedeckt sind.
Bei der Risikobewertung wurden andere Expositionsquellen für Mensch und Umwelt
festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben, insbesondere Abbauprodukte bei der
32
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 2000/32/EG der Kommission vom 19. Mai 2000 zur
         26. Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 136 vom 8.6.2000, S. 1.
33
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                 L 144/117
thermischen Verarbeitung von Polymethylmethacrylat (PMMA). Die Risiken aufgrund einer
solchen Exposition wurden bei dieser Risikobewertung berücksichtigt.
                                   RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
ARBEITNEHMER:
Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich. Gründe für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich Reizung der Atemwege und Ätzwirkung infolge der
Inhalationsexposition bei der Gussfolienproduktion, der Herstellung von Reaktivharzen, der
Herstellung und Verwendung von Klebstoffen, der Herstellung von Farben im gewerblichen
Bereich: Bodenbeschichtungen, Verwendung von Giessharzen in medizinischen
Anwendungen, Orthopädiewerkstätten, zahnmedizinischen Labors und bei Operationen sowie
bei der Dekoration;
-       Bedenken hinsichtlich Hautsensibilisierung infolge der Exposition der Haut bei der
Herstellung von Methylmethacrylat und Polymethylmethacrylat, der Umesterung, der
Gussfolienproduktion, der Herstellung von Klebstoffen und Reaktivharzen in der chemischen
Industrie, der Herstellung von Klebstoffen, Giessharzen und Bodenbeschichtungsmaterialien,
der Herstellung von Farben und Lacken, der Verwendung von Klebstoffen in der Kunststoff-,
Elektronik- und Glasindustrie, der Verwendung von Klebstoffen und Bodenbeschichtungen
im gewerblichen Bereich, der Verwendung von Giessharzen in medizinischen Anwendungen,
Orthopädiewerkstätten, zahnmedizinischen Labors und bei Operationen sowie bei der
Herstellung von Linsen und Dekorationen;
-       Bedenken      hinsichtlich    lokaler        Wirkungen      infolge der wiederholten
Inhalationsexposition bei der Gussfolienproduktion, der Herstellung von Reaktivharzen, der
Herstellung und Verwendung von Klebstoffen, der Herstellung von Farben sowie der
Verwendung von Giessharzen in Orthopädiewerkstätten, zahnmedizinischen Labors und bei
Operationen;
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Wirkungen infolge der
Inhalationsexposition bei der Gussfolienproduktion, der Herstellung von Klebstoffen und
Farben im gewerblichen Bereich: Bodenbeschichtungen, Verwendung von Giessharzen in
Orthopädiewerkstätten und Dekorationen.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
VERBRAUCHER:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
 ---pagebreak--- L 144/118       DE              Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      L 144/119
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere       Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich lokaler Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem infolge
der Exposition bei Nasspolymerisierungsprozessen.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
 ---pagebreak--- L 144/120       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
                          RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend und sind anzuwenden, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko
im erforderlichen Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
-       auf Gemeinschaftsebene Grenzwerte für die Exposition am Arbeitsplatz zu
entwickeln.
-       dass die Arbeitgeber, die Methylmethacrylat für die in der Risikobewertung (Teil I)
als bedenklich bezeichneten Zwecke verwenden, die unverbindliche praktische Leitlinie zur
Kenntnis nehmen, die die Kommission gemäß Artikel 12 Absatz 2 der Richtlinie 98/24/EG
(chemische Arbeitsstoffe) auszuarbeiten hat, sowie alle branchenspezifischen Leitlinien, die
auf nationaler Ebene aufgrund dieses Leitfadens aufgestellt werden.
UMWELT:
Für die Verwendung von Methylmethacrylat in Nasspolymerisierungsprozessen an
nachgeschalteten Benutzerstandorten (Verarbeitungskapazität > 5000 t/a) wird empfohlen,
-       dass die Europäische Kommission bei der nächsten Überarbeitung dieses Anhangs
prüft, ob Methylmethacrylat eventuell in Anhang X (prioritäre Stoffe) der Richtlinie
2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgenommen werden sollte, und Maßnahmen in
Erwägung zieht wie eine Harmonisierung der Vorschriften, denen zufolge die betreffenden
Unternehmen für Ableitungen in Gewässer zuvor eine Genehmigung einholen müssten,
-       zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) diesen
Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten verfügbaren
Techniken“ (BVT) zu berücksichtigen. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
Kommission wichtige Entwicklungen im Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT
mitteilen;
-       lokale Emissionen in die Umwelt erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften zu regeln, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt entstehen.
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                         L 144/121
                                                  ANHANG
                                                   TEIL 10
CAS-Nr. 108-88-3                                                     Einecs-Nr. 203-625-9
Strukturformel:                     C6H5 – CH3
EINECS-Bezeichnung:                 Toluol
IUPAC-Bezeichnung:                  Toluol
Berichterstatter:                   Dänemark
Einstufung34:                       F:R11
                                    Xn:R20
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat35.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Synthese anderer Chemikalien, in
Lösemitteln, Klebstoffen, Farben, Lacken sowie in der Mineralöl-, Brennstoff- und
Polymerindustrie verwendet wird. Sonstige Verwendungszwecke finden sich in der Zellstoff-,
Papier- und Pappeindustrie, in der Textilindustrie, der Agra-Industrie sowie der Elektro- und
Elektronikindustrie.
Bei der Risikobewertung wurden - insbesondere bei der Verwendung und Verbrennung von
Mineralölerzeugnissen - weitere Expositionsquellen für Mensch und Umwelt festgestellt, die
sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen Gemeinschaft hergestellten oder in
sie eingeführten Stoffs ergeben. Die Risiken durch diese Exposition wurden in dieser
Risikobewertung nicht berücksichtigt. Die der Kommission von den als Berichterstatter
bestimmten Mitgliedstaaten übermittelten vollständigen Risikobewertungsberichte enthalten
jedoch Informationen, die zur Bewertung dieser Risiken genutzt werden könnten.
34
   Die Einstufung der Stoffe erfolgt gemäß der Richtlinie 91/325/EG der Kommission vom 1. März 1991 zur 12.
         Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 180 vom 8.7.1991, S. 1.
35
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
 ---pagebreak--- L 144/122       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.4.2004
                                  RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für ARBEITNEHMER:
Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich. Gründe für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich akuter Toxizität infolge einer Exposition der Haut bei
Spritzlackierung oder Verwendung von Klebstoffen;
-       Bedenken hinsichtlich akuter Toxizität (Kopfschmerzen, Benommenheit,
Intoxikationsgefühl, Schläfrigkeit und Beeinträchtigung der funktionellen Leistung) infolge
der Inhalationsexposition bei der Herstellung, der Verwendung als Zwischenprodukt sowie
bei der Herstellung und Verwendung von Produkten, die den Stoff enthalten;
-       Bedenken hinsichtlich einer Reizung der Augen infolge der Exposition bei der
Herstellung, von Produkten, die den Stoff enthalten, sowie deren Verwendung bei der
manuellen Reinigung, der Verwendung von Klebstoffen, beim Drucken und Lackieren
(mechanische Beschichtung);
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Toxizität infolge der
Inhalationsexposition bei der Herstellung von Produkten, die den Stoff enthalten, sowie deren
Verwendung bei der manuellen Reinigung, der Verwendung von Klebstoffen, beim Drucken
und Lackieren (mechanische Beschichtung);
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Toxizität infolge einer Exposition der
Haut bei der Verwendung von Produkten, die den Stoff enthalten, bei der manuellen
Reinigung, der Verwendung von Klebstoffen und der Spritzlackierung;
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Toxizität infolge einer Kombination
von Inhalationsexposition und Exposition der Haut bei der Verwendung von Produkten, die
den Stoff enthalten, bei der manuellen Lackierung;
-       Bedenken hinsichtlich einer Toxizität für bestimmte Organe (z. B. Ototoxizität)
infolge der Inhalationsexposition bei der Herstellung von Produkten, die den Stoff enthalten,
und deren Verwendung bei der manuellen Reinigung, der Verwendung von Klebstoffen sowie
beim Drucken und Lackieren;
-       Bedenken hinsichtlich Auswirkungen auf Fertilität und Entwicklung infolge der
Inhalationsexposition bei der Herstellung von Produkten und der Verwendung von
toluolhaltigen Produkten bei der manuellen Reinigung, der Verwendung von Klebstoffen, bei
Drucken und Lackieren (mechanische Beschichtung).
Aus der Risikobewertung ergeben sich folgende Schlussfolgerungen für
VERBRAUCHER:
 ---pagebreak--- 30.4.2004       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      L 144/123
1.      Es sind besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich akuter Toxizität (Kopfschmerzen, Benommenheit,
Intoxikationsgefühl, Schläfrigkeit und Beeinträchtigung der funktionellen Leistung) sowie
Reizung der Augen infolge der Inhalationsexposition oder Exposition der Augen durch
Dämpfe, die bei der Spritzlackierung und dem Teppichverlegen freigesetzt werden.
2.      Es sind weitere Informationen und/oder Prüfungen notwendig. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich Auswirkungen auf die Reproduktionsfähigkeit infolge der
Inhalationsexposition.
Die Informations- und/oder Prüfanforderungen betreffen:
Informationen über die Beziehung zwischen den beobachteten Auswirkungen auf die
Reproduktionsfähigkeit und der Dauer der zu diesen Auswirkungen führenden Exposition.
-       Die Forderung nach diesen Informationen wurde im Anschluss an die
Risikobegrenzungsstrategie neu bewertet und letztlich fallen gelassen (siehe Abschnitt II,
Risikobegrenzungsstrategie).
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf den Menschen aufgrund des Beitrags
kommerziell vertriebenen Toluols zur Bildung von Ozon und anderen schädlichen Stoffen, z.
B. Smogbildung.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen oder Prüfungen sowie andere
Risikobegrenzungsmaßnahmen als diejenigen, die bereits ergriffen worden sind, für
notwendig erachtet. Grund für diese Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM:
 ---pagebreak--- L 144/124       DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich des aquatischen Ökosystems infolge der Exposition an
bestimmten Produktionsstandorten sowie Produktions-/Verarbeitungsstandorten, Exposition
bei der Verarbeitung und Verwendung chemischer Grundstoffe (einschließlich
Verarbeitungshilfsstoffen, Extraktionsstoffen und Lösemitteln), Verarbeitung und
Formulierung, Mineralöl- und Brennstoffformulierung, Formulierung von Polymeren,
Formulierung von Farben und Textilverarbeitung.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich des terrestrischen Ökosystems infolge der Exposition bei der
Verarbeitung und der Exposition bei der Verwendung chemischer Grundstoffe (einschließlich
Verarbeitungshilfsstoffen, Extraktionsstoffen und Lösemitteln), Verarbeitung und
Formulierung, Mineralöl- und Brennstoffformulierung, Formulierung von Polymeren,
Formulierung von Farben und Textilverarbeitung.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
Bedenken hinsichtlich des Beitrags kommerziell vertriebenen Toluols zur Bildung von Ozon
und anderen schädlichen Stoffen, d.h. Smogbildung.
-       Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich Abwasserbehandlungsanlagen infolge der Exposition bei der
Verarbeitung des Stoffs sowie bei der Verwendung chemischer Grundstoffe in der Industrie.
 ---pagebreak--- 30.4.2004         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                 L 144/125
                             RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
Bei der Risikobewertung wurden auch andere Quellen für Toluolemissionen beschrieben (z.B.
Benzin und Rohöl). Diese fallen jedoch nicht unter die Verordnung (EWG) 793/93 des Rates
und wurden in der Risikobegrenzungsstrategie deshalb nicht berücksichtigt.
ARBEITNEHMER:
Die auf Gemeinschaftsebene geltenden Vorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer gelten
allgemein als ausreichend und sind anzuwenden, um das von diesem Stoff ausgehende Risiko
im erforderlichen Maß zu begrenzen.
Innerhalb dieses Rahmens wird empfohlen,
den Wissenschaftlichen Ausschuss der Kommission für Grenzwerte berufsbedingter
Exposition damit zu beauftragen, die neuen Angaben im Risikobewertungsbericht zu prüfen
und eine Empfehlung hinsichtlich der Notwendigkeit einer Überarbeitung des derzeit
geltenden Arbeitsplatzgrenzwertes abzugeben.
VERBRAUCHER:
Es wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene eine Beschränkung des Inverkehrbringens und der
Verwendung des Stoffs an sich oder in Zubereitungen für Klebstoffe und Spritzlackierungen
in der Richtlinie 76/769/EWG in Erwägung zu ziehen,
-        bei Annahme der vorgeschlagenen Einschränkungen für das Inverkehrbringen und die
Verwendung bestünde kein Bedarf mehr an zusätzlichen Informationen über Auswirkungen
auf die Reproduktionsfähigkeit infolge der Inhalationsexposition.
VERBRAUCHER       und die ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Es wird empfohlen,
-        dass die Europäische Kommission bei der nächsten Überarbeitung von Anhang X
(prioritäre Stoffe) der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) die Aufnahme von
Toluol in diesen Anhang prüft. In der Zwischenzeit sollte Toluol im Rahmen der Richtlinie
76/464/EWG des Rates betreffend die Verschmutzung infolge der Ableitung bestimmter
gefährlicher Stoffe in die Gewässer der Gemeinschaft36 als Liste II-Stoff betrachtet werden,
d.h. als Stoff, für den nationale Qualitätsziele, Überwachungs- und gegebenenfalls
Verringerungsmaßnahmen festzulegen sind, um sicherzustellen, dass die Konzentrationen in
Oberflächengewässern das Qualitätsziel nicht überschreiten;
-        zur Erleichterung der Genehmigungstätigkeiten im Rahmen der Richtlinie 96/61/EG
des Rates (integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung) diesen
Stoff bei den laufenden Arbeiten zur Erstellung einer Anleitung für die „besten verfügbaren
Techniken“ (BVT) zu berücksichtigen. Die Mitgliedstaaten sollten bei ihren
36
   ABl. L 129 vom 18.5.1976, S. 23.
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Genehmigungstätigkeiten die Anwendung der BVT sorgfältig überwachen und der
Kommission wichtige Entwicklungen im Rahmen des Informationsaustauschs über die BVT
mitteilen;
-        lokale Emissionen in die Umwelt erforderlichenfalls durch innerstaatliche
Vorschriften zu regeln, um zu gewährleisten, dass keine Risiken für die Umwelt entstehen.
Der Vorschlag der Kommission zur Begrenzung des Lösemittelgehalts bestimmter
Produkte37würde ebenfalls zur Verringerung der Risiken beitragen, die Toluol durch
Exposition über die Umwelt für den Menschen verursacht.
37
   Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Begrenzung der Emissionen
         flüchtiger organischer Verbindungen aufgrund der Verwendung organischer Lösemittel in Dekorfarben
         und -lacken und Produkten der Fahrzeugreparaturlackierung sowie zur Änderung der Richtlinie
         1999/13/EG (KOM(2002) 750 endg.).
 ---pagebreak--- 30.4.2004          DE                    Amtsblatt der Europäischen Union                         L 144/127
                                                  ANHANG
                                                    TEIL 11
CAS-Nr. 120-82-1                                                      Einecs-Nr. 204-428-0
Strukturformel:                     C6H3Cl3
EINECS-Bezeichnung:                 1,2,4-Trichlorbenzol
IUPAC-Bezeichnung:                  1,2,4-Trichlorbenzol
Berichterstatter:                   Dänemark
Einstufung38:                       Xn:R22
                                    Xi:R38
                                    N:50-53
Der Risikobewertung liegt der übliche Umgang mit dem in der Europäischen Gemeinschaft
hergestellten oder in sie eingeführten Stoff während seines gesamten Lebenszyklus zugrunde,
so wie er im vollständigen Risikobewertungsbericht beschrieben wird, die der als
Berichterstatter bestimmte Mitgliedstaat der Kommission übermittelt hat39.
Aus den verfügbaren Informationen geht hervor, dass der Stoff in der Europäischen
Gemeinschaft hauptsächlich als Zwischenprodukt bei der Synthese von Herbiziden und als
Prozesslösemittel in geschlossenen Systemen verwendet wird. Sonstige Verwendungszwecke
umfassen den Einsatz als Lösemittel, als Farbträgerstoff in der Textilindustrie, als Zusatz in
dielektrischen Flüssigkeiten und als Korrosionshemmer. Über die Verwendung eines Teils der
Gesamtmenge dieses Stoffs, die in der Europäischen Gemeinschaft hergestellt oder in sie
eingeführt wurde, waren keine Angaben erhältlich. Daher ist es möglich, dass einige
Verwendungszwecke nicht durch diese Risikobewertung abgedeckt werden.
Bei der Risikobewertung wurden andere für Mensch und Umwelt bedeutsame
Expositionsquellen festgestellt, die sich nicht aus dem Lebenszyklus des in der Europäischen
Gemeinschaft hergestellten oder in sie eingeführten Stoffs ergeben; dies gilt insbesondere für
bestimmte dielektrische Flüssigkeiten, die 1,2,4-Trichlorbenzol enthalten und noch stets in
elektrischen Ausrüstungen verwendet werden, sowie die Bildung von 1,2,4-Trichlorbenzol in der
38
   Die Einstufung des Stoffs erfolgt gemäß der Richtlinie 2001/59/EG der Kommission vom. 6. August 2001 zur
         achtundzwanzigsten Anpassung der Richtlinie 67/548/EWG des Rates zur Angleichung der Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften für die Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe an
         den technischen Fortschritt, ABl. L 225 vom 21.8.2001, S. 1.
39
   Der vollständige Risikobewertungsbericht sowie eine kurze Zusammenfassung können unter folgender
         Internetadresse des Europäischen Chemikalienbüros aufgerufen werden: http://ecb.jrc.it/existing-
         substances/.
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Umwelt beim Abbau anderer, komplexerer organischer Chlorverbindungen. Die Bewertung der
Risiken durch diese Exposition ist nicht Teil dieser Risikobewertung.
Die der Kommission von den als Berichterstatter bestimmten Mitgliedstaaten übermittelten
vollständigen Risikobewertungsberichte enthalten jedoch Informationen, die zur Bewertung
dieser Risiken genutzt werden könnten.
Der Risikobewertung zufolge sollte geprüft werden, ob der Stoff bei nationalen oder
internationalen Programmen für persistente organische Schadstoffe berücksichtigt werden
sollte.
                                    RISIKOBEWERTUNG
A. Menschliche Gesundheit
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für ARBEITNEHMER:
Es sind weitere Informationen und/oder Prüfungen notwendig. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich möglicher Auswirkungen einer Exposition.
Die Informations- und/oder Prüfanforderungen betreffen:
-       Informationen über die Exposition am Arbeitsplatz bei Verwendung des Stoffs als
Farbträgerstoff und als Prozesslösemittel, bei der Herstellung von Produkten, die den Stoff
enthalten, im Zusammenhang mit der Herstellung dielektrischer Flüssigkeiten und bei der
Verwendung von Produkten, die den Stoff enthalten, im Zusammenhang mit der Herstellung
von Drähten und Kabeln.
Die Forderung nach diesen Informationen wurde im Anschluss an die
Risikobegrenzungsstrategie neu bewertet und letztlich fallen gelassen (siehe Abschnitt II,
Risikobegrenzungsstrategie).
Es sind besondere Maßnahmen zur Begrenzung der Risiken erforderlich. Gründe für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich einer allgemeinen systemischen Toxizität durch wiederholte
Inhalationsexposition infolge von Abfülltätigkeiten bei der Herstellung des Stoffs, infolge der
Herstellung von Produkten, die den Stoff enthalten, der Pigmentherstellung und der
Verwendung von Produkten, die den Stoff enthalten, bei der Spritzlackierung,
-       Bedenken hinsichtlich einer Reizung von Augen und Atemwegen infolge einer
wiederholten Exposition gegenüber Dämpfen des Stoffs bei der Herstellung von Produkten,
die den Stoff enthalten, bei der Pigmentherstellung sowie der Verwendung von Produkten, die
den Stoff enthalten, bei der Herstellung von Kunststoffkügelchen,
-       Bedenken hinsichtlich allgemeiner systemischer Toxizität und lokaler Auswirkungen
auf die Haut infolge einer wiederholten Exposition der Haut bei der Verwendung von
Produkten, die den Stoff enthalten, im Bereich der Spritzlackierung, der Zerlegung von
Transformatoren und dem Polieren.
 ---pagebreak--- 30.4.2004        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      L 144/129
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
VERBRAUCHER:
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich einer Reizung von Augen und Atemwegen infolge einer
wiederholten Exposition gegenüber Dämpfen sowie hinsichtlich allgemeiner systemischer
Toxizität infolge wiederholter Inhalation und einer wiederholten Exposition der Haut bei der
Spritzlackierung und der Fahrzeugpolitur.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG
Es sind besondere        Risikobegrenzungsmaßnahmen              erforderlich. Grund für    diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich einer indirekten Exposition, da die berechnete Exposition die
WHO-Werte für die akzeptable tägliche Dosis sowie die Leitwerte der WHO für lokale
Trinkwassernutzungsszenarien überschreiten können.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die MENSCHLICHE GESUNDHEIT (physikalisch-chemische Eigenschaften):
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
B. Umwelt
Aus der Bewertung der Risiken für die Umwelt ergibt sich für
das AQUATISCHE ÖKOSYSTEM und das TERRESTRISCHE ÖKOSYSTEM die Schlussfolgerung,
dass besondere Risikobegrenzungsmaßnahmen erforderlich sind. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-       Bedenken hinsichtlich des aquatischen Ökosystems und des terrestrischen Ökosystems
infolge der Exposition bei der Verwendung des Stoffs als Farbträgerstoff sowie anderen
Verwendungszwecken (einschließlich der Verwendung als Prozesslösemittel, als Zusatz in
dielektrischen Flüssigkeiten und als Korrosionshemmer).
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
die ATMOSPHÄRE:
 ---pagebreak--- L 144/130         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      30.4.2004
Vorläufig werden keine weiteren Informationen und/oder Prüfungen oder andere als die
bereits ergriffenen Risikobegrenzungsmaßnahmen für notwendig erachtet. Grund für diese
Schlussfolgerung:
-        Der Risikobewertung zufolge sind keine Risiken zu erwarten. Die bereits ergriffenen
Risikobegrenzungsmaßnahmen werden als ausreichend betrachtet.
Aus der Risikobewertung ergibt sich folgende Schlussfolgerung für
MIKROORGANISMEN IN KLÄRANLAGEN:
Es sind besondere           Risikobegrenzungsmaßnahmen             erforderlich. Grund für   diese
Schlussfolgerung:
-        Bedenken hinsichtlich Abwasserbehandlungsanlagen infolge der Exposition bei der
Verwendung als Zwischenprodukt sowie der Verwendung als Lösemittel in der
Grundstoffindustrie, als Farbträgerstoff in der Textilindustrie und aufgrund anderer
nachgeschalteter Verwendungsmöglichkeiten.
                             RISIKOBEGRENZUNGSSTRATEGIE
ARBEITNEHMER:
Die derzeit geltenden Gemeinschaftsvorschriften zum Schutz der Arbeitnehmer, insbesondere
die Richtlinie 2000/39/EG der Kommission zur Festlegung einer ersten Liste von
Arbeitsplatz-Richtgrenzwerten40, gelten allgemein als ausreichend und sind anzuwenden, um
das von diesem Stoff ausgehende Risiko im erforderlichen Maße zu begrenzen.
Die aus Gründen des Umweltschutzes vorgeschlagenen Beschränkungen des
Inverkehrbringens und der Verwendung werden auch das Risiko für die menschliche
Gesundheit (Arbeitskräfte) verringern und den Bedarf an mehr Informationen über die
Gefährdung am Arbeitsplatz aufheben.
VERBRAUCHER       und DIE ÜBER DIE UMWELT EXPONIERTE BEVÖLKERUNG:
Es wird empfohlen,
-        auf Gemeinschaftsebene eine Beschränkung des Inverkehrbringens und der
Verwendung von TCB für alle Verwendungszwecke außer als Zwischenprodukt in der
Richtlinie 76/769/EWG des Rates in Erwägung zu ziehen, um dadurch die Umwelt zu
schützen und die indirekte Exposition über die Umwelt zu verringern. Gegebenenfalls sollte
auch eine Beschränkung des Inverkehrbringens und der Verwendung für TCB-haltige Artikel
in Betracht gezogen werden.
40
   ABl. L 142 vom 16.6.2000, S. 47.