CELEX: 62002CJ0464
Language: de
Date: 2005-09-15
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 15. September 2005. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Königreich Dänemark. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Freizügigkeit der Arbeitnehmer - Kraftfahrzeuge - Überlassung an den Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber - Im Mitgliedstaat des Arbeitgebers zugelassenes Fahrzeug - Arbeitnehmer, der in einem anderen Mitgliedstaat wohnt - Besteuerung des Kraftfahrzeugs. # Rechtssache C-464/02.

Rechtssache C-464/02
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Königreich Dänemark
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Freizügigkeit der Arbeitnehmer – Kraftfahrzeuge – Überlassung an den Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber – Im Mitgliedstaat des Arbeitgebers zugelassenes Fahrzeug – Arbeitnehmer, der in einem anderen Mitgliedstaat wohnt – Besteuerung des Kraftfahrzeugs“
      Schlussanträge des Generalanwalts F. G. Jacobs vom 20. Januar 2005 
      Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 15. September 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Freizügigkeit – Arbeitnehmer – Bestimmungen des Vertrages –  Anwendungsbereich – Regelung über die Bedingungen der Ausübung
            einer Tätigkeit – Einbeziehung
      (Artikel 39 EG)
      2.     Freizügigkeit – Arbeitnehmer – Beschränkungen – Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Inland, die in einem anderen Mitgliedstaat einer
            Beschäftigung nachgehen – Verbot der Nutzung eines vom Arbeitgeber überlassenen und in dessen Sitzmitgliedstaat zugelassenen
            Fahrzeugs – Unzulässigkeit – Genehmigung der Nutzung eines solchen Fahrzeugs unter der Voraussetzung, dass die Beschäftigung
            die Haupterwerbstätigkeit darstellt und eine Steuer gezahlt wird – Unzulässigkeit
      (Artikel 39 EG)
      1.     Eine Regelung, die die Bedingungen der Ausübung einer Erwerbstätigkeit betrifft, kann eine Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
         darstellen.
      
      Bestimmungen, die einen Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats daran hindern oder davon abhalten, sein Herkunftsland zu verlassen,
         um von seinem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch zu machen, stellen nämlich Beeinträchtigungen dieser Freiheit dar, auch wenn
         sie unabhängig von der Staatsangehörigkeit der betroffenen Arbeitnehmer Anwendung finden, sofern sie den Zugang der Arbeitnehmer
         zum Arbeitsmarkt beeinflussen. Die Modalitäten der Ausübung einer Tätigkeit sind aber geeignet, auch den Zugang zu der betreffenden
         Tätigkeit zu beeinflussen.
      
       (vgl. Randnrn. 35-37)
      2.     Gegen seine Verpflichtungen aus Artikel 39 EG verstößt ein Mitgliedstaat,
      –      der nicht zulässt, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Inland, die in einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen,
         die nicht ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt, ein Firmenfahrzeug beruflich und privat nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat
         zugelassen ist, in dem das Unternehmen ihres Arbeitgebers seinen Sitz hat, und
      
      –      der nur dann zulässt, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Inland, die in einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen,
         ein Firmenfahrzeug entweder beruflich oder beruflich und privat nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist,
         in dem ihr Arbeitgeber seinen Unternehmenssitz oder seine Hauptniederlassung hat, und das weder im Wesentlichen dauerhaft
         im Inland genutzt werden soll noch tatsächlich so genutzt wird, wenn die Arbeit bei diesem Arbeitgeber ihre Haupterwerbstätigkeit
         darstellt und für die Nutzung eine Steuer gezahlt wird.
      
      (vgl. Randnr. 85, Tenor 1)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Erste Kammer)
      15. September 2005(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Freizügigkeit der Arbeitnehmer – Kraftfahrzeuge – Überlassung an den Arbeitnehmer durch den Arbeitgeber – Im Mitgliedstaat des Arbeitgebers zugelassenes Fahrzeug – Arbeitnehmer, der in einem anderen Mitgliedstaat wohnt – Besteuerung des Kraftfahrzeugs“
      In der Rechtssache C‑464/02
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Artikel 226 EG, eingereicht am 23. Dezember 2002,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch N. B. Rasmussen und D. Martin als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Königreich Dänemark, vertreten durch J. Molde als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagter,
      unterstützt durch
      Republik Finnland, vertreten durch T. Pynnä als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Streithelferin,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten P. Jann, der Richterin N. Colneric (Berichterstatterin) sowie der Richter K. Schiemann,
         E. Juhász und E. Levits,
      
      Generalanwalt: F. G. Jacobs,
      Kanzler: H. von Holstein, Hilfskanzler,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. November 2004,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 20. Januar 2005
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass das Königreich Dänemark
         dadurch gegen seine Verpflichtungen aus Artikel 39 EG in Verbindung mit Artikel 10 EG verstoßen hat, dass
      
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nicht zulassen, dass Arbeitnehmer, die in einem Nachbarmitgliedstaat
         einer Beschäftigung nachgehen und ihren Wohnsitz in Dänemark haben, ein Firmenfahrzeug beruflich und privat nutzen, das in
         diesem Nachbarmitgliedstaat zugelassen ist, in dem das Unternehmen ihres Arbeitgebers seinen Sitz hat, und
      
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nur dann zulassen, dass Arbeitnehmer, die in einem anderen Mitgliedstaat
         der Europäischen Union einer Beschäftigung nachgehen und ihren Wohnsitz in Dänemark haben, ein Kraftfahrzeug und insbesondere
         ein Firmenfahrzeug beruflich und/oder privat nutzen, das in einem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist, in dem ihr Arbeitgeber
         seinen Unternehmenssitz oder seine Hauptniederlassung hat, wenn die Beschäftigung bei dem im Ausland ansässigen Unternehmen
         ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt und für die Nutzung eine Steuer gezahlt wird,
      
      und dem Königreich Dänemark die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      2       Das Königreich Dänemark beantragt, die Klage abzuweisen und der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
      3       Artikel 10 EG lautet:
      „Die Mitgliedstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen allgemeiner oder besonderer Art zur Erfüllung der Verpflichtungen,
         die sich aus diesem Vertrag oder aus Handlungen der Organe der Gemeinschaft ergeben. Sie erleichtern dieser die Erfüllung
         ihrer Aufgabe.
      
      Sie unterlassen alle Maßnahmen, welche die Verwirklichung der Ziele dieses Vertrags gefährden könnten.“
      4       Artikel 39 EG bestimmt:
      „(1)      Innerhalb der Gemeinschaft ist die Freizügigkeit der Arbeitnehmer gewährleistet.
      (2)      Sie umfasst die Abschaffung jeder auf der Staatsangehörigkeit beruhenden unterschiedlichen Behandlung der Arbeitnehmer der
         Mitgliedstaaten in Bezug auf Beschäftigung, Entlohnung und sonstige Arbeitsbedingungen.
      
      (3)      Sie gibt – vorbehaltlich der aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigten Beschränkungen
         – den Arbeitnehmern das Recht,
      
      a)      sich um tatsächlich angebotene Stellen zu bewerben;
      b)      sich zu diesem Zweck im Hoheitsgebiet der Mitgliedstaaten frei zu bewegen;
      c)      sich in einem Mitgliedstaat aufzuhalten, um dort nach den für die Arbeitnehmer dieses Staates geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften
         eine Beschäftigung auszuüben;
      
      d)      nach Beendigung einer Beschäftigung im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats unter Bedingungen zu verbleiben, welche die Kommission
         in Durchführungsverordnungen festlegt.
      
      (4)      Dieser Artikel findet keine Anwendung auf die Beschäftigung in der öffentlichen Verwaltung.“
      5       Die Artikel 3 und 4 der Richtlinie 83/182/EWG des Rates vom 28. März 1983 über Steuerbefreiungen innerhalb der Gemeinschaft
         bei vorübergehender Einfuhr bestimmter Verkehrsmittel (ABl. L 105, S. 59) betreffen die vorübergehende Einfuhr von bestimmten
         Verkehrsmitteln für die private Nutzung sowie von Personenfahrzeugen für die berufliche Nutzung. Diese Bestimmungen gelten
         für Privatpersonen, die ihren gewöhnlichen Wohnsitz in einem anderen Mitgliedstaat als dem der vorübergehenden Einfuhr haben.
      
       Nationales Recht
       Die nationale Regelung mit Stand 8. April 1997 und die dazugehörige Verwaltungspraxis
      6       Die Regelung, die in Kraft war, als die Kommission am 8. April 1997 ein erstes Mahnschreiben versandte und am 18. Mai 1998
         eine mit Gründen versehene Stellungnahme abgab (im Folgenden: ursprüngliche Regelung), ergab sich aus den Bestimmungen des
         Erlasses Nr. 592 des Transportministers vom 24. Juni 1996 über die Zulassung von Kraftfahrzeugen (im Folgenden: Erlass Nr.
         592). Diese Regelung wurde im Lauf des Vorverfahrens geändert. Sie gilt nach dem Inkrafttreten der Änderung am 1. Juli 1999
         weiter, soweit die Änderung keine Anwendung findet.
      
      7       Gemäß dem Erlass Nr. 592 darf, wer seinen Wohnsitz in Dänemark hat, dort grundsätzlich nur ein vor Inbetriebnahme im Inland
         zugelassenes und mit amtlichen Kennzeichen versehenes Fahrzeug benutzen, da nach Artikel 1 dieses Erlasses „[j]edes Kraftfahrzeug
         und jeder Traktor mit Ausnahme der in den §§ 74 und 75 des Straßenverkehrsgesetzes [færdselslov] genannten Fahrzeuge … vor
         Inbetriebnahme zugelassen und mit amtlichem/n Kennzeichen versehen sein“ muss.
      
      8       Die Zulassung eines Fahrzeugs in Dänemark unterliegt der Zahlung einer Zulassungsteuer.
      9       Die Benutzung eines in einem anderen Mitgliedstaat zugelassenen Fahrzeugs in Dänemark ohne dänische Zulassung kann ausnahmsweise
         erlaubt werden. Nach § 106 des Erlasses Nr. 592 wird eine solche Erlaubnis durch die Zentralregisterbehörde nur erteilt, wenn
         das Fahrzeug hauptsächlich außerhalb Dänemarks benutzt wird und es ganz besondere Gründe dafür gibt, vom Erfordernis der Zulassung
         in Dänemark abzusehen.
      
      10     Nach § 106 Absatz 2 des Erlasses Nr. 592 wird diese Erlaubnis grundsätzlich nur für eine private Nutzung erteilt. Nach den
         Ausnahmebestimmungen zu § 106 wird eine Erlaubnis zur beruflichen Nutzung eines in einem anderen Mitgliedstaat zugelassenen
         Fahrzeugs jedoch in bestimmten Fällen erteilt.
      
      11     Im Rahmen dieser Regelung bestand die dänische Verwaltungspraxis darin, Anträge auf Erteilung einer Erlaubnis für Geschäftsfahrten,
         u. a. für Kundenbesuche, in Dänemark abzulehnen. Jedenfalls war es nicht erlaubt, Firmenfahrzeuge z. B. außerhalb der Arbeitszeit
         privat zu nutzen. Eine Erlaubnis wurde jedoch grundsätzlich für die der Beförderung des Fahrers dienende Hin‑ und Rückfahrt
         zwischen der Grenze und dem (Haupt)-Wohnsitz in Dänemark für Wochenenden, Ferien und Feiertage erteilt.
      
      12     Wer sich nicht an diese Nutzungsbeschränkungen von Firmenfahrzeugen hielt, wurde mit einer Geldbuße belegt.
       Die ab dem 1. Juli 1999 geltende nationale Regelung und die dazugehörige Verwaltungspraxis
      13     Mit Wirkung vom 1. Juli 1999 wurden das Gesetz über die Zulassungsteuer auf Kraftfahrzeuge (lov am registreringsafgift af
         motorkøretøjer, im Folgenden: Zulassungsteuergesetz) sowie der Erlass Nr. 916 vom 8. Dezember 1997 über die Zulassung und
         die technische Überprüfung von Kraftfahrzeugen, der den Erlass Nr. 592 ersetzt hatte, geändert, und es erging der Erlass Nr.
         502 vom 21. Juni 1999 über die Zulassungsteuer auf Kraftfahrzeuge (im Folgenden insgesamt: geänderte Regelung).
      
      14     Nach den Erklärungen der dänischen Regierung in der mündlichen Verhandlung gibt es zwei grundlegende Unterschiede zwischen
         der ursprünglichen und der geänderten Regelung. Zum einen muss nach der geänderten Regelung das in einem anderen Mitgliedstaat
         zugelassene Fahrzeug nicht mehr mit amtlichen dänischen Kennzeichen zugelassen werden. Zum anderen sieht die geänderte Regelung
         die Zahlung der Zulassungsteuer nicht mehr zum vollen Satz, sondern im anteiligen Verhältnis der Nutzungsdauer des Fahrzeugs
         in Dänemark vor.
      
      15     § 1 Absätze 1 und 2 des Zulassungsteuergesetzes bestimmt:
      „1.      Auf Kraftfahrzeuge, die nach dem Straßenverkehrsgesetz [færdselslov] zulassungspflichtig sind, sowie auf Anhänger und Sattelauflieger
         solcher Fahrzeuge ist eine Steuer an die Staatskasse zu entrichten. Diese Steuer wird bei der Erstzulassung des Fahrzeugs
         fällig, sofern in diesem Gesetz nichts anderes bestimmt ist.
      
      2.      Der Steuer unterliegen außerdem die in den §§ 4 und 5 genannten Fahrzeuge, die mit ausländischen amtlichen Kennzeichen zugelassen
         sind und von einer Person mit Wohnsitz im Inland benutzt werden, vgl. § 3a Absatz 6.“
      
      16     Besagte §§ 4 und 5 des Zulassungsteuergesetzes enthalten im Wesentlichen die Vorschriften zur Berechnung des Betrages der
         Zulassungsteuer für die verschiedenen Fahrzeugkategorien wie Neufahrzeuge, nach Maßgabe ihres Alters besteuerte Gebrauchtfahrzeuge
         und Nutzfahrzeuge.
      
      17     § 3a dieses Gesetzes, der die Regelung über die Zulassungsteuer für den Fall der vorübergehenden Zulassung (im Folgenden:
         Steuer auf die vorübergehende Zulassung) enthält, bestimmt:
      
      „1.      Die staatlichen Zoll- und Steuerbehörden können auf Antrag zulassen, dass die Zahlung der Steuer auf zulassungspflichtige
         Kraftfahrzeuge, die zur vorübergehenden Nutzung im Inland zugelassen sind, gemäß Absatz 2 erfolgen kann, wenn
      
      1.      das Fahrzeug einem Ausländer gehört und von diesem im Inland während eines vorübergehenden Aufenthalts benutzt wird oder
      2.      das Fahrzeug einem Unternehmen oder einer festen Betriebsstätte im Ausland gehört und einer Person mit Wohnsitz im Inland
         zur beruflichen und privaten Nutzung im betreffenden Ausland und im Inland überlassen ist, wenn die Beschäftigung bei dem
         Unternehmen oder der festen Betriebsstätte die Haupterwerbstätigkeit des Arbeitnehmers darstellt.
      
      2.      Die Steuer ist vierteljährlich im Voraus in Höhe von 3 % der berechneten Steuer je angefangenes Quartal zu entrichten. Daneben
         ist ein Zuschlag von 1,5 % der nach erfolgter Zahlung noch ausstehenden Zulassungsteuer je angefangenes Quartal zu entrichten.
         Bei der ersten Zahlung ist außerdem eine Sicherheit, die der Steuer und dem Zuschlag für das erste Quartal entspricht, zur
         Deckung etwaiger Außenstände im Zusammenhang mit der Zulassung zu zahlen.
      
      3.      Schuldner der Steuer nach Absatz 1 Nummer 2 ist derjenige, der das Fahrzeug der Person mit Wohnsitz im Inland zur Verfügung
         stellt. …
      
      …
      6.      Die Absätze 1 bis 5 finden entsprechende Anwendung auf Kraftfahrzeuge im Sinne von Absatz 1 Nummer 2, die mit ausländischen
         amtlichen Kennzeichen zugelassen sind.
      
      7.      Bei den in § 4 und § 5 Absatz 1 genannten Kraftfahrzeugen, die eine Person mit Wohnsitz im Inland dort allein zur Erbringung
         ihrer Arbeitsleistung für einen Arbeitgeber im Sinne von Absatz 1 Nummer 2 benutzt, können die Zoll‑ und Steuerbehörden zulassen,
         dass die Steuer je Tag der Nutzung des Fahrzeugs im Inland entrichtet wird. Die Steuer beträgt 60 DKK/Tag für Fahrzeuge im
         Sinne des § 4 und 30 DKK/Tag für Fahrzeuge im Sinne des § 5 Absatz 1. Fahrzeuge im Sinne von § 5 Absatz 3, § 5 Absatz 5 Nummer
         2 und § 5 Absatz 10 [betreffend bestimmte Kategorien von Nutzfahrzeugen mit einem bestimmten Gewicht oder Nutzungszweck] unterliegen
         nicht der Steuer, wenn die Person mit Wohnsitz im Inland sie dort allein zur Erbringung ihrer Arbeitsleistung für einen Arbeitgeber
         im Sinne von Absatz 1 Nummer 2 benutzt.
      
      …
      9.      Der Finanzminister kann nähere Bestimmungen über die Erteilung und Vorlage der Erlaubnis und über die Entrichtung der in den
         Absätzen 1 bis 8 genannten Steuern und Zuschläge erlassen.“
      
      18     Für Personen, die die Voraussetzungen des § 3a Absatz 1 des Zulassungsteuergesetzes nicht erfüllen, insbesondere die Voraussetzung,
         dass die Beschäftigung die Haupterwerbstätigkeit des Arbeitnehmers ist, gilt weiter die ursprüngliche Regelung.
      
      19     Der am 1. Juli 1999 in Kraft getretene neue Absatz 4 von § 115 des Erlasses Nr. 916 bestimmt:
      „Eine Person mit Wohnsitz im Inland darf … ein Kraftfahrzeug führen, das ihr von einem Unternehmen oder einer festen Betriebsstätte
         im Ausland entweder zur beruflichen oder zur beruflichen und privaten Nutzung im betreffenden Ausland und im Inland überlassen
         ist. Die Beschäftigung bei diesem Unternehmen oder bei dieser festen Betriebsstätte muss die Haupterwerbstätigkeit des Betroffenen
         sein. Voraussetzung für die Fahrten ist die auf Antrag von den staatlichen Zoll‑ und Steuerbehörden erteilte Erlaubnis zur
         Entrichtung der Zulassungsteuer für das Fahrzeug nach den vom Finanzminister erlassenen Bestimmungen. Die Erlaubnis muss im
         Fahrzeug während der Fahrten im Inland mitgeführt und der Polizei auf Verlangen vorgelegt werden.“
      
      20     Nach § 117 Absatz 3 dieses Erlasses können „[d]ie staatlichen Zoll- und Steuerbehörden … auf Antrag zulassen, dass die Steuer
         auf zulassungspflichtige Kraftfahrzeuge, die zur vorübergehenden Nutzung im Inland zugelassen sind, nach den vom Finanzminister
         erlassenen Bestimmungen bezahlt wird, wenn das Fahrzeug einem Ausländer gehört und von ihm im Inland während eines vorübergehenden
         Aufenthalts benutzt wird“.
      
      21     Kapitel 2 des nach § 3a Absatz 9 des Zulassungsteuergesetzes ergangenen Erlasses Nr. 502 enthält Vorschriften über die Zahlung
         dieser anteiligen Steuer.
      
      22     § 5 Absätze 3 und 6 dieses Erlasses bestimmt:
      „3.      Einer Person mit Wohnsitz im Inland, der von einem Unternehmen oder einer festen Betriebsstätte im Ausland ein zulassungspflichtiges
         Kraftfahrzeug zur beruflichen und privaten Nutzung überlassen ist, kann von den staatlichen Zoll‑ und Steuerbehörden auf Antrag
         gestattet werden, die Steuer nach den in Absatz 1 beschriebenen Modalitäten zu entrichten, wenn die Beschäftigung bei dem
         Unternehmen oder der festen Betriebsstätte ihre Haupterwerbstätigkeit ist. Diese Erlaubnis kann nur für ein Fahrzeug erteilt
         werden, das sowohl im Inland als auch in dem Land, in dem sich das Unternehmen oder die feste Betriebsstätte befinden, benutzt
         werden soll. Sie wird nach folgenden Modalitäten erteilt:
      
      1.      Das Fahrzeug muss den staatlichen Zoll‑ und Steuerbehörden zur Berechnung der zu entrichtenden Steuer vorgeführt werden.
      2.      Dem Antrag ist ein Beleg dafür beizufügen, dass die Beschäftigung bei dem ausländischen Unternehmen die Haupterwerbstätigkeit
         des Betroffenen ist.
      
      …
      6.      Bei Fahrten im Inland müssen die in den Absätzen 1 und 3 genannten Erlaubnisse im Fahrzeug mitgeführt werden. Außerdem ist
         im Fahrzeuginnern an der Windschutzscheibe an von außen gut sichtbarer Stelle eine von den staatlichen Zoll‑ und Steuerbehörden
         ausgegebene Vignette anzubringen. Bei Motorrädern ist die Vignette an für Passanten gut sichtbarer Stelle anzubringen.“
      
      23     § 6 Absatz 1 dieses Erlasses sieht vor:
      „Einer Person mit Wohnsitz im Inland, der von einem Unternehmen oder einer festen Betriebsstätte im Ausland ein zulassungspflichtiges
         Kraftfahrzeug im Sinne von § 4 oder § 5 Absatz 1 des Zulassungsteuergesetzes zur beruflichen Nutzung im Inland überlassen
         ist, kann von den staatlichen Zoll- und Steuerbehörden auf Antrag gestattet werden, die Steuer pro Tag zu entrichten, wenn
         die Beschäftigung bei dem Unternehmen oder der festen Betriebsstätte ihre Haupterwerbstätigkeit ist. Dem Antrag ist ein Beleg
         dafür beizufügen, dass die Beschäftigung bei dem ausländischen Unternehmen die Haupterwerbstätigkeit des Betroffenen ist.“
      
      24     In Bezug auf die Tagessteuer bestimmt Abschnitt 1.4 des Rundschreibens Nr. 102 vom 28. Juni 1999, das 2001 durch die Leitlinien
         der Zoll- und Steuerverwaltung über die Verbrauchsteuern und über die Veranlagung ersetzt wurde (Ligningsvejledning, siehe
         Rundschreiben Nr. 172 vom 20. September 2001):
      
      „Fahrzeuge, für die die Vorschriften über die Tagessteuer gelten, dürfen nicht privat, auch nicht für die Fahrt zwischen Wohn-
         und Arbeitsort, es sei denn, sie geschieht ausdrücklich im betrieblichen Interesse, genutzt werden. … Dagegen kann die übliche
         (tägliche) Fahrt einer Person mit Wohnsitz im Inland zwischen Wohn- und Arbeitsort nicht als ausdrücklich im betrieblichen
         Interesse liegend angesehen werden.“
      
      25     Die dänische Verwaltungspraxis in Bezug auf die Entrichtung der vierteljährlichen Steuer oder der Tagessteuer stellt sich
         nach Angaben der dänischen Regierung wie folgt dar:
      
      –       Bei der regionalen Zoll‑ und Steuerbehörde wird ein schriftlicher Antrag gestellt, der die Angabe enthält, ob er die Tagessteuer
         oder die vierteljährliche Steuer betrifft.
      
      –       Diesem Antrag wird eine Bescheinigung über die Beschäftigung im Ausland beigefügt, die Angaben über die Beschäftigungsbedingungen
         und u. a. darüber enthält, ob die ausgeübte Beschäftigung die Haupterwerbstätigkeit des Arbeitnehmers ist.
      
      –       Der Antrag wird im Allgemeinen innerhalb von drei oder vier Tagen nach Stellung bearbeitet.
      –       Die Erlaubnis wird unter der Voraussetzung erteilt, dass das Fahrzeug sowohl im Land des Arbeitgebers als auch im Land des
         Arbeitnehmers benutzt wird. Wird das Fahrzeug ausschließlich im Land des Arbeitnehmers benutzt, liegt keine grenzüberschreitende
         Tätigkeit vor.
      
      –       Erfüllt der Antrag die gesetzlichen Voraussetzungen, insbesondere in Bezug auf die Haupterwerbstätigkeit, wird die Erlaubnis
         sowohl für die Tagessteuer als auch für die vierteljährliche Steuer ohne weiteres erteilt.
      
      –       Ist die Entrichtung der vierteljährlichen Steuer oder der Tagessteuer gestattet worden, kann der Betroffene von den Zoll-
         und Steuerbehörden die entsprechenden Vignetten erhalten.
      
      –       Die Regelung über die Tagessteuer sieht die Erteilung einer bestimmten Anzahl von Vignetten vor, auf denen das amtliche Kennzeichen
         des Fahrzeugs eingetragen ist. Damit das Fahrzeug in Dänemark benutzt werden darf, müssen der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer
         das Datum der Fahrt auf einer Vignette angeben. Bei Entrichtung der vierteljährlichen Steuer wird eine Vignette für die Gültigkeitsdauer
         der Erlaubnis (höchstens zwei Jahre) erteilt. Die Gültigkeitsdauer wird auf den Vierteljahresvignetten angegeben. Das amtliche
         Kennzeichen des Fahrzeugs ist auf den Vignetten eingetragen. Die Vignetten müssen sichtbar an der Windschutzscheibe angebracht
         werden.
      
      –       Im Rahmen der Erteilung einer Erlaubnis zur vierteljährlichen Entrichtung der Steuer nimmt die regionale Zoll- und Steuerbehörde
         eine vorläufige Schätzung des Fahrzeugwerts vor. Dieser Verfahrensabschnitt ist allen Fahrzeugen gemeinsam, die in Dänemark
         erstmals zugelassen werden, einschließlich der Neufahrzeuge, für die im Voraus kein Preis angemeldet und genehmigt ist. Er
         findet deshalb insbesondere auf eingeführte Gebrauchtfahrzeuge Anwendung.
      
      –       Für die Schätzung muss das Fahrzeug der örtlichen Zoll- und Steuerbehörde präsentiert werden. Eine gegenständliche Vorführung
         ist jedoch im Allgemeinen nicht erforderlich, da der Wert eines Fahrzeugs eines gängigen Modells auf der Grundlage der Fahrzeugpapiere
         geschätzt werden kann.
      
       Vorverfahren
      26     Die Kommission leitete das Vertragsverletzungsverfahren ein, da die ursprüngliche Regelung ihrer Ansicht nach nicht mit Artikel
         5 EG-Vertrag (jetzt Artikel 10 EG) in Verbindung mit den Artikeln 48 und 59 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Artikel 39 EG
         und 49 EG) vereinbar war.
      
      27     Sie forderte das Königreich Dänemark zunächst mit Mahnschreiben vom 8. April 1997 zur Stellungnahme auf und gab dann am 18.
         Mai 1998 eine mit Gründen versehene Stellungnahme ab, mit der sie diesen Mitgliedstaat aufforderte, die erforderlichen Maßnahmen
         zu ergreifen, um dieser Stellungnahme innerhalb von zwei Monaten nachzukommen.
      
      28     In einem ergänzenden Mahnschreiben vom 14. September 1999 stellte die Kommission fest, dass auch die geänderte Regelung aus
         drei Gründen mit den Artikeln 10 EG, 39 EG und 49 EG unvereinbar sei. Erstens sei die Benutzung im Ausland zugelassener Firmenfahrzeuge
         in Dänemark an die Erteilung einer besonderen Erlaubnis geknüpft. Zweitens hänge die Erteilung dieser Erlaubnis von der Entrichtung
         einer Steuer ab. Drittens sei die geänderte Regelung unberechtigterweise denjenigen Personen mit Wohnsitz in Dänemark vorbehalten,
         deren Beschäftigung bei dem Unternehmen oder der Betriebsstätte die Haupterwerbstätigkeit darstelle.
      
      29     Auf die Antwort der dänischen Regierung hin gab die Kommission am 26. September 2000 eine ergänzende mit Gründen versehene
         Stellungnahme zur geänderten Regelung ab und forderte das Königreich Dänemark auf, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen,
         um dieser Stellungnahme innerhalb von zwei Monaten nachzukommen.
      
      30     Da die Antwort der dänischen Regierung auf diese mit Gründen versehene Stellungnahme die Kommission nicht zufrieden stellte,
         hat diese die vorliegende Klage erhoben.
      
       Zur Klage
      31     Die Kommission macht geltend, sowohl die ursprüngliche als auch die geänderte Regelung (im Folgenden zusammen: dänische Regelung)
         beschränkten die Freizügigkeit der Arbeitnehmer unter Verstoß gegen Artikel 39 EG in Verbindung mit Artikel 10 EG, ohne aus
         zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt zu sein.
      
       Zum Anwendungsbereich des Artikels 39 EG
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      32     Die Kommission macht geltend, die dänische Regelung falle in den Anwendungsbereich des Artikels 39 EG, weil die Vorschriften
         zur Regelung der Ausübung einer Berufstätigkeit auch Auswirkungen auf den Zugang zum Arbeitsmarkt hätten.
      
      33     Die dänische Regierung entgegnet, unterstützt von der finnischen Regierung, dass die dänische Regelung außerhalb des Anwendungsbereichs
         des Artikels 39 EG liege, weil sie keineswegs den Zugang zum Arbeitsmarkt beschränke. Nach Ansicht der dänischen Regierung
         betrifft sie nur die Arbeitsbedingungen. Der Grundsatz, dass ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark dort keine freie Fahrt
         mit einem im Ausland zugelassenen Firmenfahrzeug genieße, werde als solches von Artikel 39 EG nicht erfasst.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      34     Sämtliche Vertragsbestimmungen über die Freizügigkeit sollen den Gemeinschaftsangehörigen die Ausübung von beruflichen Tätigkeiten
         aller Art im Gebiet der Gemeinschaft erleichtern und stehen solchen Maßnahmen entgegen, die die Gemeinschaftsangehörigen benachteiligen
         könnten, wenn sie eine Erwerbstätigkeit in einem anderen Mitgliedstaat ausüben wollen (Urteile vom 15. Dezember 1995 in der
         Rechtssache C‑415/93, Bosman, Slg. 1995, I‑4921, Randnr. 94, vom 2. Oktober 2003 in der Rechtssache C‑232/01, Van Lent, Slg.
         2003, I‑11525, Randnr. 15, und vom 29. April 2004 in der Rechtssache C‑387/01, Weigel, Slg. 2004, I‑4981, Randnr. 52).
      
      35     Bestimmungen, die einen Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats daran hindern oder davon abhalten, sein Herkunftsland zu verlassen,
         um von seinem Recht auf Freizügigkeit Gebrauch zu machen, stellen daher Beeinträchtigungen dieser Freiheit dar, auch wenn
         sie unabhängig von der Staatsangehörigkeit der betroffenen Arbeitnehmer Anwendung finden (Urteil Bosman, Randnr. 96).
      
      36     Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sie den Zugang der Arbeitnehmer zum Arbeitsmarkt beeinflussen (Urteil vom 27. Januar
         2000 in der Rechtssache C‑190/98, Graf, Slg. 2000, I‑493, Randnr. 23).
      
      37     Die Modalitäten der Ausübung einer Tätigkeit sind aber geeignet, auch den Zugang zu der betreffenden Tätigkeit zu beeinflussen.
         Daher kann eine Regelung, die die Bedingungen der Ausübung einer Erwerbstätigkeit betrifft, eine Beschränkung der Freizügigkeit
         im Sinne dieser Rechtsprechung darstellen.
      
      38     Folglich liegt die dänische Regelung nicht von vornherein außerhalb des Anwendungsbereichs des Artikels 39 EG.
       Zum Vorliegen von Beschränkungen der Arbeitnehmerfreizügigkeit
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      39     Die Kommission macht geltend, sowohl die ursprüngliche als auch die geänderte Regelung verstießen gegen die in Artikel 39
         EG verankerte Freizügigkeit der Arbeitnehmer, weil sie das Recht der Arbeitnehmer, sich um eine Beschäftigung in einem anderen
         Mitgliedstaat zu bemühen, und die Freiheit der in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Arbeitgeber beschränkten, Arbeitnehmer
         mit Wohnsitz in Dänemark einzustellen.
      
      40     Die ursprüngliche Regelung verbiete es Personen mit Wohnsitz in Dänemark, dort mit im Ausland zugelassenen Firmenfahrzeugen
         am Straßenverkehr teilzunehmen. Die aus der geänderten Regelung folgende Beschränkung bestehe darin, dass eine vorherige Erlaubnis
         erforderlich sei und eine Steuer entrichtet werden müsse, die einer Ratenzahlung des Gesamtbetrags der Zulassungsteuer gleichkomme.
         In anderen Mitgliedstaaten ansässige Unternehmen würden in Anbetracht der dänischen Regelung darauf verzichten, Arbeitnehmer
         mit Wohnsitz in Dänemark zu beschäftigen.
      
      41     Die dänische Regierung macht geltend, die dänische Regelung enthalte keine Diskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit.
         Die Vorschriften über Firmenfahrzeuge stellten die Gleichheit aller Personen mit Wohnsitz in Dänemark unabhängig davon sicher,
         ob sie im Inland oder im Ausland beschäftigt seien. Die Vorschriften über die Zulassungsteuer unterschieden nicht zwischen
         dänischen Staatsangehörigen oder Ausländern, die in Dänemark wohnten und arbeiteten, und dänischen Staatsangehörigen oder
         Ausländern, die in Dänemark wohnten, aber im Ausland arbeiteten.
      
      42     Die dänische Regierung schließt nicht aus, dass die dänischen Vorschriften über die Zulassungsteuer in Fällen, in denen ein
         Firmenfahrzeug Teil der Beschäftigungsbedingungen ist, bei isolierter Betrachtung geeignet erscheinen könnten, einen Arbeitgeber
         dazu zu veranlassen, eher einen Arbeitnehmer aus seinem eigenen Land als einen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark einzustellen.
         Sie wendet sich jedoch gegen eine solche isolierte Betrachtung, da die zusätzlichen Kosten nicht zwangsläufig und immer ein
         Hindernis für die Einstellung eines Arbeitnehmers mit Wohnsitz in Dänemark darstellten. Wenn das Firmenfahrzeug privat genutzt
         werden dürfe, sei es ein Teil des Entgelts des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber könne den mit einer solchen Nutzung verbundenen
         zusätzlichen Kosten bei der Festlegung der sonstigen Einstellungsbedingungen, insbesondere der Gehaltskonditionen, Rechnung
         tragen. Für einen Arbeitgeber zählten die Gesamtkosten, die der zukünftige Arbeitnehmer ausmache. Diese Kosten umfassten z. B.
         neben dem eigentlichen Entgelt die Arbeitgeberbeiträge zu den Sozialsystemen.
      
      43     Nach Ansicht der finnischen Regierung stellt die dänische Steuerregelung für im Ausland zugelassene und Personen mit ständigem
         Wohnsitz in Dänemark überlassene Firmenfahrzeuge keine Beschränkung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer im Sinne des Artikels
         39 EG dar. Das vom Arbeitnehmer frei genutzte Fahrzeug stehe einem eigenen Fahrzeug des Arbeitnehmers gleich. Es werde nicht
         vorübergehend, sondern ständig genutzt.
      
      44     Die Kommission erwidert auf das Vorbringen, wonach es keine Diskriminierung gebe, dass ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark
         gegenüber einem Arbeitnehmer mit Wohnsitz im Ausland bei einer genau gleichen Nutzung eines im Ausland zugelassenen Firmenfahrzeugs
         in Dänemark offenkundig diskriminiert werde. Die dänische Regelung sei mit dem Gemeinschaftsrecht unvereinbar, da sie einen
         Arbeitgeber davon abhalte, einen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark zur Wahrnehmung geschäftlicher Aufgaben in diesem Land
         mit einem im Ausland zugelassenen Firmenfahrzeug einzustellen, während die im Ausland wohnhaften Arbeitnehmer desselben Unternehmens
         ihren Tätigkeiten ohne Schwierigkeiten nachgehen könnten. Es gehe nicht darum, Personen mit Wohnsitz in Dänemark steuerlich
         in eine vorteilhaftere Lage als ihre im Ausland wohnhaften Kollegen zu versetzen. Der Vergleich einer bei einem dänischen
         Unternehmen beschäftigten Person mit Wohnsitz in Dänemark mit einer bei einem ausländischen Unternehmen beschäftigten Person
         mit Wohnsitz in Dänemark sei unerheblich.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      45     Nach ständiger Rechtsprechung verbietet Artikel 39 EG nicht nur jede unmittelbare oder mittelbare Diskriminierung aus Gründen
         der Staatsangehörigkeit, sondern auch nationale Regelungen, die, auch wenn sie unabhängig von der Staatsangehörigkeit der
         betroffenen Arbeitnehmer anwendbar sind, deren Freizügigkeit beeinträchtigen (Urteile Graf, Randnr. 18, und Weigel, Randnrn.
         50 und 51).
      
      46     Es liegt auf der Hand, dass die ursprüngliche Regelung, soweit noch anwendbar, wegen der Verpflichtung zur Zulassung eines
         dem Arbeitnehmer von einem in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Arbeitgeber überlassenen Firmenfahrzeugs in Dänemark
         geeignet ist, einen solchen Arbeitgeber davon abzuhalten, einen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark für eine Arbeit einzustellen,
         die nicht dessen Haupterwerbstätigkeit darstellt, und dass sie deshalb den Zugang von Personen mit Wohnsitz in Dänemark zu
         einer solchen Arbeit beeinträchtigen kann.
      
      47     Was Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark anbelangt, die ihre Haupterwerbstätigkeit bei einem in einem anderen Mitgliedstaat
         ansässigen Unternehmen ausüben möchten, so beschränkt die geänderte Regelung ebenfalls deren Freizügigkeit, da sie zusätzliche
         Kosten in Form einer Steuer für die vorübergehende Zulassung unumgänglich macht.
      
      48     Soweit das in einem anderen Mitgliedstaat ansässige Unternehmen diese Kosten ohne Ausgleich tragen würde, würde es davon abgehalten,
         einen Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark einzustellen, der einen höheren Kostenfaktor darstellen würde als ein Arbeitnehmer,
         der nicht in diesem Staat wohnt.
      
      49     Zwar könnte der Arbeitgeber, wie die dänische Regierung geltend macht, versuchen, das Entgelt eines Arbeitnehmers mit Wohnsitz
         in Dänemark anzupassen, um die fraglichen Zusatzkosten auszugleichen. Er könnte mit anderen Worten versuchen, diesem Arbeitnehmer
         ein niedrigeres Gehalt zu zahlen als einem Arbeitnehmer, der gleiche Aufgaben wahrnimmt, aber in einem anderen Mitgliedstaat
         wohnt.
      
      50     Ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark könnte jedoch bereits davon abgehalten werden, Arbeit in einem anderen Mitgliedstaat
         zu suchen, wenn er sich darauf einstellen muss, weniger zu verdienen als ein vergleichbarer Arbeitnehmer, der in diesem anderen
         Mitgliedstaat wohnt. Wie der Gerichtshof in Randnummer 18 des Urteils vom 6. Juli 1988 in der Rechtssache 127/86 (Ledoux,
         Slg. 1988, 3741) entschieden hat, würde eine Benachteiligung eines Arbeitnehmers in Bezug auf die Beschäftigungsbedingungen
         gegenüber seinen im Land ihres Arbeitgebers wohnhaften Kollegen die Ausübung seines Rechts auf Freizügigkeit innerhalb der
         Gemeinschaft unmittelbar beeinträchtigen.
      
      51     Das Vorbringen der finnischen Regierung, dass es bei gemischt genutzten Firmenfahrzeugen, die in einem anderen Mitgliedstaat
         zugelassen und Personen mit ständigem Wohnsitz in Dänemark überlassen seien, keine Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
         gebe, weil ein solches Fahrzeug dem eigenen Fahrzeug des Arbeitnehmers gleichstehe, beruht auf einer falschen Prämisse. Denn
         ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark, der ein Firmenfahrzeug nicht nur beruflich, sondern auch privat nutzen darf, kann
         über dieses nicht genauso frei verfügen wie über sein Privatfahrzeug, dessen Nutzung nicht durch die Erfordernisse beschränkt
         ist, die sich aus den wahrzunehmenden beruflichen Aufgaben ergeben.
      
      52     Somit ist festzustellen, dass die dänische Regelung sowohl in ihrer ursprünglichen als auch in ihrer geänderten Form eine
         Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit darstellt.
      
      53     Solche Maßnahmen wären nur dann als ausdrücklich in Artikel 39 Absatz 3 EG vorgesehene abweichende Maßnahmen zulässig, wenn
         sie einen mit dem EG-Vertrag vereinbaren berechtigten Zweck verfolgten und aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses
         gerechtfertigt wären. Zudem müsste ihre Anwendung geeignet sein, die Erreichung des verfolgten Zweckes zu gewährleisten, und
         dürfte nicht über das hierzu Erforderliche hinausgehen (vgl. u. a. Urteile Bosman, Randnr. 104, und vom 30. September 2003
         in der Rechtssache C‑224/01, Köbler, Slg. 2003, I‑10239, Randnr. 77).
      
       Zur Rechtfertigung der Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      54     Die dänische Regierung bringt, unterstützt von der finnischen Regierung, vor, die dänische Regelung sei zulässig und mit dem
         Gemeinschaftsrecht vereinbar und die Zulassungspflicht sei die natürliche Folge der Ausübung der Steuerhoheit. Es sei somit
         zulässig, Maßnahmen zur Sicherstellung der Erhebung der Zulassungsteuer zu ergreifen, vorausgesetzt, diese Maßnahmen gingen
         nicht über das dafür Notwendige und Angemessene hinaus.
      
      55     Die dänische Regierung macht geltend, die etwaige beschränkende Wirkung sowohl der ursprünglichen als auch der geänderten
         Regelung beruhe auf der Notwendigkeit, sicherzustellen, dass die Zulassungsteuer, für die Personen mit Wohnsitz in Dänemark
         steuerpflichtig seien, nicht umgangen werde. Ohne solche Vorschriften könnten Personen mit Wohnsitz in Dänemark der Entrichtung
         der Steuer dadurch entgehen, dass sie Gesellschaften oder Zweigniederlassungen in einem anderen Mitgliedstaat gründeten, über
         die sie Fahrzeuge, die in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen würden, kauften und in Dänemark nutzten.
      
      56     Was die geänderte Regelung betreffe, so sei das Erfordernis einer vorherigen Erlaubnis zur Entrichtung der Steuer als Tagessteuer
         oder als vierteljährliche Steuer durch die Notwendigkeit begründet, im Vorhinein die Erfüllung der Tatbestandsvoraussetzungen
         der dänischen Regelung zu prüfen, wie auch durch die Notwendigkeit, sie im Nachhinein nachweisen zu können. Das Verfahren
         zur Erteilung der Erlaubnis sei relativ einfach, weil diese jedem Antragsteller, der die beschriebenen Voraussetzungen erfülle,
         ohne weiteres erteilt werde.
      
      57     Zur von der geänderten Regelung aufgestellten Verpflichtung zur Entrichtung einer vierteljährlichen Steuer oder einer Tagessteuer
         macht die dänische Regierung geltend, der Gerichtshof habe im Urteil vom 21. März 2002 in der Rechtssache C‑451/99 (Cura Anlagen,
         Slg. 2002, I‑3193) anerkannt, dass eine Verbrauchsabgabe verhältnismäßig sei, die proportional zur Dauer der Zulassung des
         Fahrzeugs in dem Staat sei, in dem es benutzt werde. Sie fügt hinzu, die Entscheidung des Gerichtshofes, dass die in jener
         Rechtssache fragliche Abgabe unzulässig sei, sei insbesondere damit begründet worden, dass die Höhe der Abgabe nicht proportional
         zur Dauer dieser Zulassung gewesen sei. Die dänische Regierung entnimmt dem, dass ihre Regelung über die Zulassungsteuer für
         in einem anderen Mitgliedstaat zugelassene Fahrzeuge nicht mit den Vertragsbestimmungen über die Arbeitnehmerfreizügigkeit
         unvereinbar ist.
      
      58     Die Voraussetzung der „Haupterwerbstätigkeit“, die für die Anwendung der geänderten Regelung erfüllt sein müsse, sei verhältnismäßig.
         Eine „Haupterwerbstätigkeit“ liege dann vor, wenn die Person mit Wohnsitz in Dänemark von einem ausländischen Unternehmen
         in einer Stelle beschäftigt werde, die einer Vollzeitarbeit entspreche, oder wenn sie mindestens die Hälfte ihrer Einkünfte
         im Rahmen dieser Beschäftigung beziehe.
      
      59     Diese Voraussetzung solle sicherstellen, dass der Arbeitnehmer, dem ein Firmenfahrzeug zur Verfügung stehe, seine Aufgaben
         bei dem Arbeitnehmer, der ihm das Fahrzeug stelle, wirklich wahrnehme, da ein rein formales Arbeitsverhältnis nicht ausreiche.
         Sie sei objektiv und leicht nachprüfbar. Außerdem wäre es viel schwieriger, sich gegen Missbräuche zu wappnen, wenn die geänderte
         Regelung für jede Person mit Wohnsitz in Dänemark gelten würde, die in Teilzeit oder in Vollzeit in einem anderen Mitgliedstaat
         arbeite. Wenn dies der Fall wäre, müsste die Polizei jedes im Ausland zugelassene Fahrzeug, das in Dänemark von einer Person
         mit Wohnsitz in diesem Staat gefahren werde, kontrollieren, um zu prüfen, ob der Fahrer seine Berufstätigkeit wirklich, ob
         in Vollzeit oder in Teilzeit, in einem anderen Mitgliedstaat ausübe, was eine unangemessene Vorgehensweise darstelle.
      
      60     Die Kommission verneint jegliche Rechtfertigung. Sie wendet sich gegen die Qualifizierung der dänischen Zulassungsteuer als
         zulässige Abgabe. Die dänische Regelung sei nicht geeignet, die Verwirklichung des Zieles sicherzustellen, wirksam kontrollieren
         zu können, dass das Fahrzeug nur in zulässigem Umfang genutzt werde.
      
      61     Das Verbot der Nutzung eines im Ausland zugelassenen Firmenfahrzeugs, ohne zu berücksichtigen, ob es sich um eine vorübergehende
         Einfuhr handele, ob das Fahrzeug zugleich in Dänemark und in dem Staat, in dem es rechtmäßig zugelassen sei, genutzt werden
         solle und ob es regelmäßig in den Zulassungsstaat rückgeführt werde, sei im Hinblick auf das Ziel der Straßenverkehrssicherheit
         weder geeignet noch verhältnismäßig. Die mit der geänderten Regelung eingeführte allgemeine Verpflichtung einer vorherigen
         Erlaubnis für die Entrichtung der Steuer als Tagessteuer oder als vierteljährliche Steuer sei unverhältnismäßig. Solche Maßnahmen
         könnten nicht mit dem Bemühen gerechtfertigt werden, die Steuerhinterziehung zu bekämpfen.
      
      62     In Bezug auf das vorhergehende Verwaltungsverfahren bestreitet die Kommission, dass es sich um ein einfaches Verfahren handele.
       Würdigung durch den Gerichtshof
      –       Zur ursprünglichen Regelung
      63     An der ursprünglichen Regelung, auf die sich der Feststellungsantrag im ersten Gedankenstrich bezieht, beanstandet die Kommission,
         dass es die Rechtsvorschriften und die Verwaltungspraxis des Königreichs Dänemark nicht zuließen, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz
         in Dänemark, die in einem Nachbarmitgliedstaat einer Beschäftigung nachgingen, die nicht ihre Haupterwerbstätigkeit darstelle,
         ein Firmenfahrzeug beruflich und privat nutzten, das in diesem Nachbarmitgliedstaat zugelassen sei, in dem das Unternehmen
         ihres Arbeitgebers seinen Sitz habe.
      
      64     Insoweit ist daran zu erinnern, dass im Rahmen des Artikels 39 EG als „Arbeitnehmer“ gilt, wer während einer bestimmten Zeit
         für einen anderen nach dessen Weisung Leistungen erbringt, für die er als Gegenleistung eine Vergütung erhält. In den Genuss
         der Arbeitnehmerfreizügigkeit kommt, wer eine tatsächliche und echte Tätigkeit ausübt, wobei Tätigkeiten außer Betracht bleiben,
         die einen so geringen Umfang haben, dass sie sich als völlig untergeordnet und unwesentlich darstellen (vgl. in diesem Sinne
         Urteile vom 3. Juli 1986 in der Rechtssache 66/85, Lawrie-Blum, Slg. 1986, 2121, Randnrn. 16 und 17, und vom 23. März 2004
         in der Rechtssache C‑138/02, Collins, Slg. 2004, I‑2703, Randnr. 26).
      
      65     Die dänische Regierung beruft sich zur Rechtfertigung der Anwendung der ursprünglichen Regelung auf Arbeitnehmer, deren Beschäftigung
         bei dem Unternehmen in einem anderen Mitgliedstaat nicht ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt, auf das Ziel, Missbräuchen
         vorzubeugen.
      
      66     Aus der Rechtsprechung, u. a. dem Urteil vom 9. März 1999 in der Rechtssache C‑212/97 (Centros, Slg. 1999, I‑1459, Randnr.
         24), ergibt sich, dass ein Mitgliedstaat berechtigt ist, Maßnahmen zu treffen, die verhindern sollen, dass sich einige seiner
         Staatsangehörigen unter Missbrauch der durch den EG-Vertrag geschaffenen Möglichkeiten der Anwendung des nationalen Rechts
         entziehen, und dass die missbräuchliche oder betrügerische Berufung auf Gemeinschaftsrecht nicht gestattet ist.
      
      67     Eine allgemeine Missbrauchsvermutung kann jedoch nicht darauf gestützt werden, dass ein Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark,
         der ein Firmenfahrzeug eines Arbeitgebers mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat benutzt, in diesem anderen Staat einer Beschäftigung
         nachgeht, die nicht seine Haupterwerbstätigkeit darstellt.
      
      68     Solchen Arbeitnehmern von vornherein die nach der geänderten Regelung eröffnete Möglichkeit zu nehmen, ein in einem anderen
         Mitgliedstaat zugelassenes Firmenfahrzeug in Dänemark ohne Zulassung mit amtlichen dänischen Kennzeichen zu benutzen, geht
         über das hinaus, was zur Verhinderung von Missbräuchen erforderlich ist.
      
      69     Deshalb ist die Klage der Kommission begründet, soweit sie sich auf die ursprüngliche Regelung bezieht.
      –       Zur geänderten Regelung
      70     An der geänderten Regelung, auf die sich der Feststellungsantrag im zweiten Gedankenstrich bezieht, beanstandet die Kommission,
         dass die einem Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark erteilte Erlaubnis, das in einem anderen Mitgliedstaat zugelassene Fahrzeug
         zu benutzen, zum einen an die Voraussetzung, dass die Beschäftigung bei dem Unternehmen in diesem anderen Mitgliedstaat die
         Haupterwerbstätigkeit des Arbeitnehmers darstelle – ein bereits oben behandeltes Problem –, und zum anderen an die Entrichtung
         einer Steuer geknüpft sei.
      
      71     Das Erfordernis einer vorherigen Erlaubnis zur Entrichtung dieser Steuer als Tagessteuer oder als vierteljährliche Steuer
         ist im Antrag der Kommission nicht enthalten. Die insoweit erhobenen Beanstandungen sind deshalb nicht zu prüfen.
      
      72     Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die vorliegende Rechtssache nicht die normale Funktionsweise der Zulassungsteuer betrifft,
         sondern ihre Anwendung auf Fahrzeuge, die in einem anderen Mitgliedstaat auf einen in diesem Mitgliedstaat ansässigen Eigentümer
         zugelassen sind.
      
      73     Der Gerichtshof hat in den Urteilen vom 11. Dezember 1990 in der Rechtssache C‑47/88 (Kommission/Dänemark, Slg. 1990, I‑4509)
         und vom 17. Juni 2003 in der Rechtssache C‑383/01 (De Danske Bilimportører, Slg. 2003, I‑6065, Randnr. 43) entschieden, dass
         eine Steuer wie die dänische Zulassungsteuer für neue Kraftfahrzeuge nicht gegen die Artikel 28 EG und 90 EG verstößt. Dies
         schließt gleichwohl nicht aus, dass die Steuer auf die vorübergehende Zulassung die Arbeitnehmerfreizügigkeit unter Verstoß
         gegen Artikel 39 EG beschränkt.
      
      74     Abgesehen von bestimmten Ausnahmen, auf die es hier nicht ankommt, ist die Besteuerung von Kraftfahrzeugen nicht harmonisiert.
         Die Mitgliedstaaten sind daher bei der Ausübung ihrer Steuerhoheit auf diesem Gebiet frei, sofern sie dabei das Gemeinschaftsrecht
         beachten (Urteil Cura Anlagen, Randnr. 40).
      
      75     Um die Schranken zu bestimmen, die Artikel 39 EG der Befugnis des Königreichs Dänemark zur Erhebung einer Zulassungsteuer
         zieht, ist daran zu erinnern, dass es in der Rechtssache Cura Anlagen nur um die Rechtslage ging, die durch einen dreijährigen
         Leasingvertrag zwischen einem in Österreich ansässigen Unternehmen und einem in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Unternehmen
         über ein Fahrzeug, das im Wesentlichen in Österreich benutzt werden sollte, entstanden war. In Randnummer 35 des Urteils Cura
         Anlagen hat der Gerichtshof betont, dass es also nicht um Verträge über die einfache Vermietung für einen kurzen Zeitraum
         wie z. B. die Miete eines Ersatzfahrzeugs bei einem Autoverleih in einem anderen Mitgliedstaat ging.
      
      76     Soll das Firmenfahrzeug im Wesentlichen dauerhaft in Dänemark genutzt werden oder wird es tatsächlich so genutzt, ist die
         Situation mit derjenigen in der Rechtssache Cura Anlagen vergleichbar.
      
      77     Unter diesen Umständen darf das Königreich Dänemark eine Zulassungsteuer auf ein Fahrzeug erheben, das einem Arbeitnehmer
         mit Wohnsitz in Dänemark von einem Unternehmen in einem anderen Mitgliedstaat überlassen wird.
      
      78     In dieser Situation ist nämlich die Gleichbehandlung der Nutzung eines Firmenfahrzeugs durch die fraglichen Arbeitnehmer und
         durch die übrigen Personen mit Wohnsitz in Dänemark in Bezug auf die Erhebung einer solchen Steuer zulässig und ausreichend
         für die Rechtfertigung der Beschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit.
      
      79     Sind dagegen die oben, in Randnummer 76 genannten Voraussetzungen nicht erfüllt, so ist die Bindung des in einem anderen Mitgliedstaat
         zugelassenen Firmenfahrzeugs an Dänemark schwächer, so dass eine weitere Rechtfertigung der fraglichen Beschränkung erforderlich
         ist.
      
      80     Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Steuer auf die vorübergehende Zulassung nicht damit gerechtfertigt werden kann,
         dass eine Aushöhlung der Besteuerungsgrundlagen verhindert werden soll. Denn nach ständiger Rechtsprechung kann der Rückgang
         von Steuereinnahmen nicht als zwingender Grund des Allgemeininteresses betrachtet werden, der zur Rechtfertigung einer grundsätzlich
         gegen eine Grundfreiheit verstoßende Maßnahme angeführt werden kann (Urteil vom 7. September 2004 in der Rechtssache C‑319/02,
         Manninen, Slg. 2004, I‑7477, Randnr. 49).
      
      81     Soweit die dänische Regierung der Ansicht ist, dass das System der Steuer auf die vorübergehende Zulassung durch das Bemühen
         gerechtfertigt sei, eine Steuerumgehung durch die Nutzung eines in einem anderen Mitgliedstaat zugelassenen Firmenfahrzeugs
         zu verhindern, ist festzustellen, dass eine allgemeine Vermutung der Steuerumgehung oder ‑hinterziehung nicht darauf gestützt
         werden kann, dass ein Arbeitgeber mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat als Dänemark einem Arbeitnehmer mit Wohnsitz in
         Dänemark ein Firmenfahrzeug für berufliche oder für berufliche und private Zwecke überlässt. Eine solche Annahme kann somit
         nicht eine Steuermaßnahme rechtfertigen, die die Ausübung einer vom EG-Vertrag verbürgten Grundfreiheit beeinträchtigt.
      
      82     Die Klage der Kommission in Bezug auf die geänderte Regelung ist deshalb teilweise begründet.
      83     Diese Feststellung gilt nicht nur für die berufliche Nutzung eines Firmenfahrzeugs, sondern auch für eine private Nutzung,
         der neben der beruflichen Nutzung untergeordnete Bedeutung zukommt (vgl. in diesem Sinne Urteil Ledoux, Randnr. 18).
      
       Zu Artikel 10 EG
      84     Ein Verstoß gegen die allgemeinen Verpflichtungen aus Artikel 10 EG, der sich von den vorstehend festgestellten Verstößen
         gegen die spezifischeren gemeinschaftlichen Verpflichtungen des Königreichs Dänemark aus Artikel 39 EG unterscheiden würde,
         ist nicht festzustellen.
      
      85     Nach alledem ist festzustellen, dass das Königreich Dänemark dadurch, dass
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nicht zulassen, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark, die in
         einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen, die nicht ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt, ein Firmenfahrzeug
         beruflich und privat nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist, in dem das Unternehmen ihres Arbeitgebers
         seinen Sitz hat, und
      
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nur dann zulassen, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark, die
         in einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen, ein Firmenfahrzeug entweder beruflich oder beruflich und privat
         nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist, in dem ihr Arbeitgeber seinen Unternehmenssitz oder seine Hauptniederlassung
         hat, und das weder im Wesentlichen dauerhaft in Dänemark genutzt werden soll noch tatsächlich so genutzt wird, wenn die Arbeit
         bei diesem Arbeitgeber ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt und für die Nutzung eine Steuer gezahlt wird,
      
      gegen seine Verpflichtungen aus Artikel 39 EG verstoßen hat; im Übrigen ist die Klage abzuweisen.
       Kosten
      86     Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Nach
         Artikel 69 § 3 Absatz 1 der Verfahrensordnung kann der Gerichtshof jedoch beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten
         trägt, wenn jede Partei teils obsiegt und teils unterliegt. Da die Kommission und das Königreich Dänemark mit ihrem Vorbringen
         jeweils teilweise unterlegen sind, sind ihnen ihre eigenen Kosten aufzuerlegen. Nach Artikel 69 § 4 Absatz 1 der Verfahrensordnung
         trägt die Republik Finnland, die dem Rechtsstreit als Streithelferin beigetreten ist, ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Das Königreich Dänemark hat dadurch gegen seine Verpflichtungen aus Artikel 39 EG verstoßen, dass
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nicht zulassen, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark, die in
            einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen, die nicht ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt, ein Firmenfahrzeug
            beruflich und privat nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist, in dem das Unternehmen ihres Arbeitgebers
            seinen Sitz hat, und
      –       seine Rechtsvorschriften und seine Verwaltungspraxis es nur dann zulassen, dass Arbeitnehmer mit Wohnsitz in Dänemark, die
            in einem anderen Mitgliedstaat einer Beschäftigung nachgehen, ein Firmenfahrzeug entweder beruflich oder beruflich und privat
            nutzen, das in diesem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist, in dem ihr Arbeitgeber seinen Unternehmenssitz oder seine Hauptniederlassung
            hat, und das weder im Wesentlichen dauerhaft in Dänemark genutzt werden soll noch tatsächlich so genutzt wird, wenn die Beschäftigung
            bei diesem Arbeitgeber ihre Haupterwerbstätigkeit darstellt und für die Nutzung eine Steuer gezahlt wird.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Jede Partei trägt ihre eigenen Kosten.
      4.      Die Republik Finnland trägt ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Dänisch.