CELEX: 62005TJ0019
Language: de
Date: 2010-05-19
Title: Urteil des Gerichts (Achte Kammer) vom 19. Mai 2010.#Boliden AB, Outokumpu Copper Fabrication ABt und Outokumpu Copper BCZ SA gegen Europäische Kommission.#Wettbewerb - Kartelle - Kupfer-Installationsrohrbranche - Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird - Fortgesetzte und vielgestaltige Zuwiderhandlung - Geldbußen - Verjährung - Zusammenarbeit.#Rechtssache T-19/05.

Rechtssache T-19/05
      Boliden AB u. a. 
      gegen
      Europäische Kommission
      „Wettbewerb – Kartelle – Kupfer-Installationsrohrbranche – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Fortgesetzte und vielgestaltige Zuwiderhandlung – Geldbußen – Verjährung – Zusammenarbeit“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Wettbewerb – Kartelle – Unternehmen, denen eine Zuwiderhandlung in Form der Teilnahme an einem Gesamtkartell zur Last gelegt
            werden kann
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      2.      Wettbewerb – Geldbußen – Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen – Berechnungsmethode, die verschiedene
            Spielräume berücksichtigt
      (Art. 229 EG; Verordnungen des Rates Nr. 17, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      3.      Verfahren – Vorbringen neuer Angriffs- und Verteidigungsmittel im Laufe des Verfahrens – Voraussetzungen – Neues Vorbringen
      (Verfahrensordnung des Gerichts, Art. 44 § 1 und 48 § 2)
      4.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Dauer der Zuwiderhandlung – Langzeitverstöße – Erhöhung des Ausgangsbetrags
            um 10 % je Jahr
      (Verordnungen des Rates Nr. 17, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1
            B)
      5.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Herabsetzung der Geldbuße als Gegenleistung für eine Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Voraussetzungen
      (Verordnungen des Rates Nr. 17 und Nr. 1/2003; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission)
      1.      Ein Unternehmen kann für ein Gesamtkartell verantwortlich gemacht werden, auch wenn es nachweislich nur an einem oder mehreren
         Bestandteilen dieses Kartells unmittelbar mitgewirkt hat, sofern es wusste oder zwangsläufig wissen musste, dass zum einen
         die Absprache, an der es beteiligt war, Teil eines Gesamtsystems war und dass zum anderen sich dieses System auf sämtliche
         Bestandteile des Kartells erstreckte.
      
      (vgl. Randnr. 61)
      2.      Die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
         Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, können zwar nicht als Rechtsnorm qualifiziert werden, stellen aber eine
         Verhaltensnorm dar, die einen Hinweis auf die zu befolgende Praxis enthält und von der die Kommission im Einzelfall nur unter
         Angabe von mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz zu vereinbarenden Gründen abweichen kann. Es ist somit Sache des Gerichts, im
         Rahmen der Kontrolle der Rechtmäßigkeit der mit einer Entscheidung der Kommission verhängten Geldbußen zu prüfen, ob die Kommission
         ihr Ermessen gemäß der in den Leitlinien dargelegten Methode ausgeübt hat und, soweit es feststellt, dass sie davon abgewichen
         ist, ob diese Abweichung gerechtfertigt und rechtlich hinreichend begründet ist.
      
      Die aus dem Erlass der Leitlinien resultierende Selbstbeschränkung des Ermessens der Kommission ist nämlich nicht unvereinbar
         mit dem Fortbestand eines erheblichen Ermessens der Kommission. Die Leitlinien enthalten verschiedene Spielräume, die es der
         Kommission ermöglichen, ihr Ermessen im Einklang mit den Vorschriften der Verordnungen Nr. 17 und Nr. 1/2003 in ihrer Auslegung
         durch den Gerichtshof auszuüben. Daher ist in den Bereichen, in denen die Kommission über einen Ermessensspielraum verfügt,
         z. B. in Bezug auf den Erhöhungssatz nach Maßgabe der Dauer, die Rechtmäßigkeitskontrolle dieser Beurteilungen auf die Prüfung
         beschränkt, dass kein offensichtlicher Beurteilungsfehler vorliegt. Im Übrigen greifen das Ermessen der Kommission und die
         diesem von ihr selbst gezogenen Grenzen grundsätzlich nicht der Ausübung der dem Richter zustehenden Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung vor, die ihn ermächtigt, die von der Kommission verhängte Geldbuße aufzuheben, zu ermäßigen oder zu erhöhen.
      
      (vgl. Randnrn. 74-78)
      3.      Aus Art. 44 § 1 Buchst. c in Verbindung mit Art. 48 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ergibt sich, dass die Klageschrift
         den Streitgegenstand und eine kurze Darstellung der Klagegründe enthalten muss und im übrigen neue Angriffs- und Verteidigungsmittel
         im Laufe des Verfahrens nicht mehr vorgebracht werden können, es sei denn, dass sie auf rechtliche oder tatsächliche Gründe
         gestützt werden, die erst während des Verfahrens zutage getreten sind. Ein Angriffsmittel, das eine Erweiterung eines bereits
         vorher – unmittelbar oder implizit – in der Klageschrift vorgetragenen Angriffsmittels darstellt und einen engen Zusammenhang
         mit diesem aufweist, ist jedoch für zulässig zu erklären. Entsprechendes muss für eine Rüge gelten, die zur Stützung eines
         Angriffsmittels vorgebracht wird.
      
      Im Rahmen einer Klage auf Nichtigerklärung oder Herabsetzung einer in einer Entscheidung der Kommission gegen ein Unternehmen
         wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft verhängten Geldbuße ist eine erstmals in der Erwiderung erhobene
         Rüge in Bezug auf die Beurteilung der Schwere der Teilnahme des betreffenden Unternehmens am Kartell zurückzuweisen, wenn
         die Klageschrift nur ein Angriffsmittel enthält, das auf die Unverhältnismäßigkeit der verhängten Geldbuße Bezug nimmt und
         nur auf die Erhöhung des Ausgangsbetrags der Geldbuße wegen der Dauer abzielt. Diese Rüge kann nicht als eine Erweiterung
         des in der Klageschrift vorgetragenen Angriffsmittels angesehen werden. Eine Rüge in Bezug auf wesentliche Bestandteile einer
         Entscheidung wie die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung muss nämlich bereits in der Klageschrift konkret formuliert
         werden.
      
      (vgl. Randnrn. 90-92)
      4.      Aus den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
         Art. 65 § 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, geht hervor, dass die Kommission weder eine Überschneidung noch eine Wechselwirkung
         zwischen der Beurteilung der Schwere und der Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung vorgesehen hat. Die Tatsache, dass
         sie sich bei Zuwiderhandlungen von langer Dauer die Möglichkeit einer Erhöhung des für die Schwere der Zuwiderhandlung angesetzten
         Betrags um bis zu 10 % pro Jahr der Zuwiderhandlung vorbehalten hat, verpflichtet sie nicht dazu, diesen Erhöhungssatz nach
         Maßgabe der Intensität der Aktivitäten des Kartells oder seiner Wirkungen oder auch der Schwere der Zuwiderhandlung festzusetzen.
         Es obliegt ihr nämlich, den Erhöhungssatz, den sie wegen der Dauer der Zuwiderhandlung anwenden will, im Rahmen ihres weiten
         Ermessens zu bestimmen.
      
      (vgl. Randnrn. 95-96, 98)
      5.      Im Rahmen der Beurteilung der Zusammenarbeit der Mitglieder eines Kartells verfügt die Kommission bei der Beurteilung der
         Qualität und der Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags eines Unternehmens, insbesondere im Vergleich zu den Beiträgen anderer
         Unternehmen, über einen weiten Beurteilungsspielraum. Nur ein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission kann somit
         beanstandet werden. Allerdings darf die Kommission bei dieser Beurteilung nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen.
      
      (vgl. Randnr. 105)
URTEIL DES GERICHTS (Achte Kammer)
      19. Mai 2010(*)
      
      „Wettbewerb – Kartelle – Kupfer-Installationsrohrbranche – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Fortgesetzte und vielgestaltige Zuwiderhandlung – Geldbußen – Verjährung – Zusammenarbeit“
      In der Rechtssache T‑19/05
      Boliden AB mit Sitz in Stockholm (Schweden),
      
      Outokumpu Copper Fabrication AB, ehemals Boliden Fabrication AB, mit Sitz in Västerås (Schweden),
      
      Outokumpu Copper BCZ SA, ehemals Boliden Cuivre & Zinc SA, mit Sitz in Lüttich (Belgien),
      
      Prozessbevollmächtigte: zunächst Rechtsanwälte C. Wetter und O. Rislund, dann Rechtsanwälte C. Wetter und M. Johansson,
      Klägerinnen,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch É. Gippini Fournier und S. Noë als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      betreffend erstens einen Antrag auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. a bis c der Entscheidung K(2004) 2826 der Kommission
         vom 3. September 2004 in einem Verfahren nach Art. 81 [EG] und Art. 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/38.069 – Kupfer-Installationsrohre),
         soweit darin festgestellt wird, dass die Klägerinnen sich zwischen dem 1. Juli 1995 und 27. August 1998 sowie zwischen dem
         10. Dezember 1998 und 7. Oktober 1999 an einer Zuwiderhandlung beteiligt haben, zweitens einen Antrag auf Herabsetzung der
         in dieser Entscheidung gegen die Klägerinnen verhängten Geldbuße, und drittens eine Widerklage der Kommission auf Erhöhung
         der Geldbuße
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Achte Kammer)
      unter Mitwirkung der Präsidentin M. E. Martins Ribeiro sowie der Richter S. Papasavvas und N. Wahl (Berichterstatter),
      Kanzler: C. Kantza, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 4. November 2008
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Die Klägerinnen, die Outokumpu Copper Fabrication AB (vormals Boliden Fabrication AB), die Outokumpu Copper BCZ SA (vormals
         Boliden Cuivre & Zinc SA) und die Boliden AB gehören zur Boliden-Gruppe, deren Muttergesellschaft, Boliden, eine an der Börse
         von Stockholm (Schweden) notierte Gesellschaft schwedischen Rechts mit Niederlassungen in Europa und in Kanada ist. Die Gruppe
         ist insbesondere auf den Abbau, die Verarbeitung und den Verkauf von Metallen und mineralischen Erzeugnissen, hauptsächlich
         Kupfer und Zink, spezialisiert.
      
      1.     Verwaltungsverfahren
      2        Auf die Mitteilung von Informationen der Mueller Industries Inc. (im Folgenden: Mueller) im Januar 2001 hin führte die Kommission
         der Europäischen Gemeinschaften im März 2001 in den Räumlichkeiten mehrerer auf dem Kupferrohrmarkt tätiger Unternehmen unangemeldete
         Nachprüfungen nach Art. 14 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln
         [81 EG] und [82 EG] (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204), durch.
      
      3        Am 9. und 10. April 2001 wurden weitere Nachprüfungen in den Räumlichkeiten der KME Germany AG (vormals KM Europa Metal AG)
         sowie der Outokumpu Oyj und der Luvata Oy (vormals Outokumpu Copper Products Oy) (im Folgenden zusammen: Outokumpu-Gruppe)
         durchgeführt. Am 9. April 2001 machte Outokumpu der Kommission sowohl in Bezug auf Industrierohre als auch in Bezug auf Installationsrohre
         ein Angebot zur Zusammenarbeit gemäß der Mitteilung der Kommission über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung
         von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996). Im Anschluss
         an die weiteren Nachprüfungen teilte die Kommission ihre den Kupferrohrmarkt betreffenden Ermittlungen in drei verschiedene
         Verfahren auf, nämlich die Sache COMP/E‑1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre), die Sache COMP/E‑1/38.121 (Fittings) und Sache
         COMP/E‑1/38.240 (Industrierohre).
      
      4        Am 30. Mai 2001 übermittelte die Outokumpu-Gruppe der Kommission ein mit mehreren Anhängen versehenes Schreiben mit einer
         Beschreibung der Kupferrohrbranche und der sich auf diese beziehenden Kartellvereinbarungen.
      
      5        Am 5. Juni 2002 fanden auf Initiative der Kommission im Rahmen der Sache COMP/E-1/38.240 (Industrierohre) in Bezug auf die
         von der Outokumpu-Gruppe geäußerte Bereitschaft zur Zusammenarbeit Befragungen von Vertretern dieses Unternehmens statt. Dieses
         hatte sich auch mit der Befragung seiner an den Vereinbarungen in der Sache COMP/E-1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre) beteiligten
         Beschäftigten durch die Kommission einverstanden erklärt.
      
      6        In der Sache COMP/E-1/38.240 (Industrierohre) richtete die Kommission im Juli 2002 Auskunftsverlangen nach Art. 11 der Verordnung
         Nr. 17 an die Wieland-Werke AG (im Folgenden: Wieland) und an die KME-Gruppe (bestehend aus KME Germany, der KME France SAS
         [vormals Tréfimétaux SA] und der KME Italy SpA [vormals Europa Metalli SpA]) und forderte die Outokumpu-Gruppe zur Übermittlung
         weiterer Angaben auf. Am 15. Oktober 2002 beantwortete die KME-Gruppe das Auskunftsverlangen. Diese Antwort beinhaltete auch
         eine Erklärung und einen Antrag auf Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 in der Sache COMP/E-1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre).
         Darüber hinaus ermächtigte KME die Kommission, alle im Rahmen der Sache COMP/E-l/38.240 (Industrierohre) gelieferten Informationen
         in der Sache COMP/E-1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre) zu verwenden.
      
      7        Am 23. Januar 2003 übermittelte Wieland der Kommission eine Erklärung mit einem Antrag auf Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
         von 1996 in der Sache COMP/E‑1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre).
      
      8        Im Rahmen der Sache COMP/E-1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre) richtete die Kommission am 3. März 2003 an die Boliden-Gruppe,
         an die HME Nederland BV (im Folgenden: HME) und an die Chalkor AE Epexergasias Metallon (im Folgenden: Chalkor) und am 20.
         März 2003 an die IMI‑Gruppe (bestehend aus der IMI plc, der IMI Kynoch Ltd und Yorkshire Copper Tube) Auskunftsverlangen.
      
      9        Am 9. April 2003 trafen Vertreter von Chalkor mit Vertretern der Kommission zusammen und beantragten in Bezug auf die Sache
         COMP/E‑1/38.069 (Installationsrohre) die Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996.
      
      10      Am 29. August 2003 erließ die Kommission im Rahmen der Sache COMP/E‑1/38.069 (Kupfer-Installationsrohre) eine an die betreffenden
         Gesellschaften gerichtete Mitteilung der Beschwerdepunkte. Nachdem diese Gesellschaften Akteneinsicht in elektronischer Form
         erhalten und schriftliche Erklärungen abgegeben hatten, nahmen sie, mit Ausnahme von HME, an einer Anhörung am 28. November
         2003 teil.
      
      11      Am 16. Dezember 2003 erließ die Kommission die Entscheidung K(2003) 4820 endg. in einem Verfahren nach Artikel 81 [EG] und
         Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/38.240 – Industrierohre) (im Folgenden: Industrierohr-Entscheidung), von der eine
         Zusammenfassung im Amtsblatt der Europäischen Union vom 28. April 2004 (ABl. L 125, S. 50) veröffentlicht wurde.
      
      2.     Angefochtene Entscheidung
      12      Am 3. September 2004 erließ die Kommission die Entscheidung K(2004) 2826 endg. in einem Verfahren nach Artikel 81 [EG] und
         Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/38.069 – Kupfer-Installationsrohre) (im Folgenden: angefochtene Entscheidung), von
         der eine Zusammenfassung im Amtsblatt der Europäischen Union vom 13. Juli 2006 (ABl. L 192, S. 21) veröffentlicht wurde.
      
      13      Die angefochtene Entscheidung enthält u. a. folgende Bestimmungen:
      
      „Artikel 1
      Die folgenden Unternehmen haben durch ihre Beteiligung, während der angegebenen Zeiträume, an einer Reihe von Vereinbarungen
         und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen in Form von Preisabsprachen und Marktaufteilung in der Kupferinstallationsrohrbranche
         gegen Artikel 81 Absatz 1 [EG] und – ab 1. Januar 1994 – gegen Artikel 53 Absatz 1 EWR-Abkommen verstoßen:
      
      (a)      Boliden …, zusammen mit [Outokumpu Copper Fabrication] und [Outokumpu Copper BCZ], vom 3. Juni 1988 bis 22. März 2001;
      (b)      [Outokumpu Copper Fabrication], zusammen mit Boliden … und [Outokumpu Copper BCZ], vom 3. Juni 1988 bis 22. März 2001;
      (c)      [Outokumpu Copper BCZ], zusammen mit Boliden … und [Outokumpu Copper Fabrication], vom 3. Juni 1988 bis 22. März 2001;
      d)      Austria Buntmetall AG:
      (i)      zusammen mit Buntmetall Amstetten [GmbH] spätestens vom 29. August 1998 bis 8. Juli 1999 und
      (ii)      zusammen mit [Wieland] und Buntmetall Amstetten … vom 9. Juli 1999 bis 22. März 2001; 
      (e)      Buntmetall Amstetten …:
      (i)      zusammen mit Austria Buntmetall … spätestens vom 29. August 1998 bis 8. Juli 1999 und
      (ii)      zusammen mit [Wieland] und Austria Buntmetall … vom 9. Juli 1999 bis 22. März 2001,
      (f)      [Chalkor] spätestens vom 29. August 1998 bis zumindest Anfang September 1999;
      (g)      [HME] spätestens vom 29. August 1998 bis 22. März 2001;
      (h)      IMI …, zusammen mit IMI Kynoch … und Yorkshire Copper Tube …, vom 29. September 1989 bis 22. März 2001;
      (i)      IMI Kynoch …, zusammen mit IMI … und Yorkshire Copper Tube …, vom 29. September 1989 bis 22. März 2001;
      (j)      Yorkshire Copper Tube …, zusammen mit IMI … und IMI Kynoch …, vom 29. September 1989 bis 22. März 2001;
      (k)      [KME Germany]:
      (i)      allein vom 3. Juni 1988 bis 19. Juni 1995 und
      (ii)      zusammen mit [KME France] und [KME Italy] vom 20. Juni 1995 bis 22. März 2001;
      (l)      [KME Italy]:
      (i)      zusammen mit [KME France] vom 29. September 1989 bis 19. Juni 1995 und
      (ii)      zusammen mit [KME Germany] und [KME France] vom 20. Juni 1995 bis 22. März 2001;
      (m)      [KME France]: 
      (i)      zusammen mit [KME Italy], vom 29. September 1989 bis 19. Juni 1995, und
      (ii)      zusammen mit [KME Germany] und [KME Italy] vom 20. Juni 1995 bis 22. März 2001;
      …
      (s)      Outokumpu …, zusammen mit [Luvata], vom 29. September 1989 bis 22. März 2001;
      (t)      [Luvata], zusammen mit Outokumpu …, vom 29. September 1989 bis 22. März 2001; 
      (u)      Wieland-Werke AG: 
      (i)      allein vom 29. September 1989 bis 8. Juli 1999 und
      (ii)      zusammen mit Austria Buntmetall … und Buntmetall Amstetten … vom 9. Juli 1999 bis 22. März 2001.
      Artikel 2
      Für die in Artikel 1 genannten Zuwiderhandlungen werden folgende Geldbußen festgesetzt:
      (a)      Boliden …, [Outokumpu Copper Fabrication] und [Outokumpu Copper BCZ] gesamtschuldnerisch 32,6 Mio. EUR.
      (b)      Austria Buntmetall … und Buntmetall Amstetten … gesamtschuldnerisch 0,6695 Mio. EUR.
      (c)      Austria Buntmetall …, Buntmetall Amstetten … und [Wieland] gesamtschuldnerisch 2,43 Mio. EUR.
      (d)      [Chalkor] 9,16 Mio. EUR.
      (e)      [HME] 4,49 Mio. EUR.
      (f)      IMI …, IMI Kynoch … und Yorkshire Copper Tube … gesamtschuldnerisch 44,98 Mio. EUR.
      (g)      [KME Germany] 17,96 Mio. EUR.
      (h)      [KME Germany], [KME France] und [KME Italy] gesamtschuldnerisch 32,75 Mio. EUR.
      (i)      [KME Italy] und [KME France] gesamtschuldnerisch 16,37 Mio. EUR;
      (j)      Outokumpu … und [Luvata] gesamtschuldnerisch 36,14 Mio. EUR.
      (k)      [Wieland] allein haftend 24,7416 Mio. EUR.
      …“
      14      Die Kommission führte aus, die betreffenden Unternehmen hätten sich an einer einzigen, fortgesetzten, komplexen und – im Fall
         der Boliden-Gruppe, der KME-Gruppe und von Wieland – vielgestaltigen Zuwiderhandlung (im Folgenden: Kartell oder in Rede stehende
         Zuwiderhandlung) beteiligt. Nationale Vereinbarungen als solche seien nicht Gegenstand der angefochtenen Entscheidung (Randnrn.
         2 und 106 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Relevante Produkte und relevanter Markt
      15      Die betroffene Branche der Kupferrohrherstellung umfasst zwei Gruppen von Produkten, nämlich zum einen die Industrierohre,
         die nach ihrer Verwendung in verschiedene Untergruppen (Kälte- und Klimatechnik, Fittings, Wassererhitzer, Filtertrockner
         und Rohre für die Fernmeldeindustrie) eingeteilt werden, und zum anderen die Installationsrohre, auch als „Hausinstallations-,
         Wasser- oder Sanitärrohre“ bezeichnet, die in der Bauindustrie für Wasser-, Öl-, Gas- und Heizungsinstallationen verwendet
         werden (Randnr. 3 der angefochtenen Entscheidung).
      
      16      Nach Auffassung der Kommission betreffen die Sachen COMP/E-1/38.069 (Installationsrohre) und COMP/E-1/38.240 (Industrierohre)
         zwei verschiedene Zuwiderhandlungen. Insoweit stützte sie sich vor allem auf die Tatsache, dass „die Vereinbarungen, die sich
         auf Installationsrohre bzw. Industrierohre bezogen, verschiedene Unternehmen (und Mitarbeiter) betrafen und unterschiedlich
         organisiert waren“. Darüber hinaus unterscheide sich die Installationsrohrbranche von der Industrierohrbranche auch hinsichtlich
         der angesprochenen Kunden, des Endverbrauchs und der technischen Spezifikation der Produkte (Randnrn. 4 und 5 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      17      Die Produktgruppe der Kupfer-Installationsrohre umfasse zwei Produkt-„Untergruppen“: die blanken Kupfer-Installationsrohre
         und die kunststoffummantelten Kupfer-Installationsrohre. Hierzu bemerkte die Kommission, „dass blanke und kunststoffummantelte
         Kupfer-Installationsrohre nicht unbedingt austauschbar sind und auf der Grundlage der Bekanntmachung der Kommission über die
         Definition des relevanten Marktes im Sinne des Wettbewerbsrechts möglicherweise unterschiedliche Produktmärkte darstellen“
         (ABl. 1997, C 372, S. 5). Jedoch sind nach Auffassung der Kommission für die Zwecke der angefochtenen Entscheidung diese beiden
         Produkt-Untergruppen „als eine Produktgruppe zu betrachten, weil die sich auf die beiden Produkt-Untergruppen beziehenden
         Vereinbarungen im Wesentlichen die gleichen Unternehmen (und Mitarbeiter) betrafen und ähnlich organisiert waren“ (Randnrn.
         13 und 459 der angefochtenen Entscheidung).
      
      18      Die Kommission wies in der angefochtenen Entscheidung auch darauf hin, dass der relevante geografische Markt der Europäische
         Wirtschaftsraum (EWR) sei. Nach ihrer Schätzung belief sich im Jahr 2000 der EWR-Marktwert der blanken Kupfer-Installationsrohre
         auf etwa 970,1 Millionen Euro und der der kunststoffummantelten Kupfer-Installationsrohre auf 180,9 Millionen Euro. Der Wert
         beider Märkte zusammen im Jahr 2000 auf EWR-Ebene betrage folglich schätzungsweise 1 151 Millionen Euro. (Randnrn. 17 und
         23 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Elemente der in Rede stehenden Zuwiderhandlung
      19      Die Kommission stellte fest, dass die in Rede stehende Zuwiderhandlung in drei verschiedenen, aber miteinander verbundenen
         Formen in Erscheinung getreten sei (Randnrn. 458 und 459 der angefochtenen Entscheidung). Der erste Teil des Kartells, d. h.
         die SANCO-Vereinbarungen, bestehe in den zwischen den „SANCO-Herstellern“ getroffenen Vereinbarungen, wobei es sich bei SANCO
         um eine Marke für von der KME-Gruppe, Wieland und der Boliden-Gruppe hergestellte blanke Kupfer-Installationsrohre handele
         (Randnrn. 115 bis 118, 125 bis 146 und 456 der angefochtenen Entscheidung).
      
      20      Der zweite Teil der in Rede stehenden Zuwiderhandlung, nämlich die WICU- und Cuprotherm-Vereinbarungen, umfasse die zwischen
         den „WICU- und Cuprotherm-Herstellern“ getroffenen Vereinbarungen, wobei es sich bei WICU und Cuprotherm um Marken für von
         der KME-Gruppe und Wieland hergestellte kunststoffummantelte Kupfer-Installationsrohre handele (Randnrn. 121 und 149 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      21      Der dritte Teil des Kartells, d. h. die umfassenderen europäischen Vereinbarungen, betreffe die innerhalb einer größeren Gruppe
         von Herstellern von blanken Kupfer-Installationsrohren getroffenen Vereinbarungen. Er umfasse die oben in den Randnrn. 19
         und 20 angeführten Unternehmen sowie die Buntmetall-Gruppe (bestehend aus Austria Buntmetall und Buntmetall Amstetten), Chalkor,
         HME, der IMI‑Gruppe, Mueller und der Outokumpu-Gruppe (Randnrn. 147, 148, 192, 459 bis 462 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Dauer und Kontinuität der in Rede stehenden Zuwiderhandlung
      22      Die Kommission stellte in der angefochtenen Entscheidung fest, dass die in Rede stehende Zuwiderhandlung am 3. Juni 1988 begonnen
         habe, soweit es die KME-Gruppe und die Boliden-Gruppe betreffe, am 29. September 1989, was die IMI‑Gruppe, die Outokumpu-Gruppe
         und Wieland betreffe, am 21. Oktober 1997, was Mueller betreffe, und spätestens am 29. August 1998, was Chalkor, die Buntmetall-Gruppe
         und HME betreffe. Als Zeitpunkt für das Ende der Zuwiderhandlung nannte die Kommission den 22. März 2001, außer in Bezug auf
         Mueller und Chalkor, deren Teilnahme am Kartell am 8. Januar 2001 bzw. im September 1999 geendet habe (Randnr. 597 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      23      Was die Kontinuität der in Rede stehenden Zuwiderhandlung betrifft, führte die Kommission in Bezug auf die Boliden-Gruppe,
         die IMI‑Gruppe, die KME-Gruppe, die Outokumpu-Gruppe und Wieland in der angefochtenen Entscheidung aus, dass es zwar zwischen
         1990 und Dezember 1992 sowie zwischen Juli 1994 und Juli 1997 Zeiten mit geringerer Aktivität des Kartells gegeben habe, die
         beanstandeten Handlungen aber nie ganz beendet worden seien, so dass es sich bei der in Rede stehenden Zuwiderhandlung tatsächlich
         um eine einzige, nicht verjährte Zuwiderhandlung handele (Randnrn. 466, 471, 476, 477 und 592 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Festsetzung des Betrags der Geldbußen
      24      Mit der angefochtenen Entscheidung verhängte die Kommission Geldbußen gemäß Art. 23 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 1/2003
         des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung der in den Artikeln 81 [EG] und 82 [EG] niedergelegten Wettbewerbsregeln
         (ABI. 2003, L 1, S. 1) und Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 gegen die Boliden-Gruppe, die Buntmetall-Gruppe, Chalkor,
         HME, die IMI‑Gruppe, die KME-Gruppe, die Outokumpu-Gruppe und Wieland (Randnr. 842 und Art. 2 der angefochtenen Entscheidung).
      
      25      Die Beträge der Geldbußen wurden von der Kommission nach der Schwere und der Dauer der in Rede stehenden Zuwiderhandlung bestimmt,
         also anhand der beiden Kriterien, die in Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 und in Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr.
         17, der zum Zeitpunkt der in Rede stehenden Zuwiderhandlung anwendbar war, ausdrücklich genannt werden (Randnrn. 601 bis 603
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      26      Bei der Festsetzung des Betrags der gegen die Unternehmen jeweils verhängten Geldbuße folgte die Kommission der in den Leitlinien
         für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65
         Absatz 5 [KS] festgesetzt werden (ABI. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien) vorgesehenen Methode, auch wenn sie nicht
         systematisch darauf Bezug nahm. Ferner prüfte die Kommission in der angefochtenen Entscheidung auch, ob und inwiefern die
         betreffenden Unternehmen die in der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 geregelten Voraussetzungen erfüllten.
      
       Ausgangsbetrag der Geldbußen
      –       Schwere
      27      Bei der Beurteilung der Schwere der in Rede stehenden Zuwiderhandlung berücksichtigte die Kommission die Art der Zuwiderhandlung,
         ihre konkreten Auswirkungen auf den Markt sowie den Umfang des betreffenden räumlichen Marktes (Randnrn. 605 und 678 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      28      Sie machte geltend, dass es sich bei der Aufteilung von Märkten und der Festsetzung von Preisen, um die es im vorliegenden
         Fall gehe, um eine ihrer Art nach besonders schwere Zuwiderhandlung handele und dass der geografische Markt, auf den sich
         das Kartell bezogen habe, dem Gebiet des EWR entspreche. Die Kommission berücksichtigte auch, dass der Markt für Kupfer-Installationsrohre
         einen sehr wichtigen Industriezweig darstelle, dessen Wert im EWR im Jahr 2000, dem letzten vollen Jahr des Kartells, mit
         1 151 Millionen Euro veranschlagt werde (Randnrn. 606 und 674 bis 678 der angefochtenen Entscheidung).
      
      29      Zu den konkreten Auswirkungen auf den Markt führte die Kommission aus, es lägen hinreichende Beweise dafür vor, dass das Kartell
         unter dem Strich Wirkungen auf dem betreffenden Markt gezeitigt habe, auch wenn diese nicht genau quantifiziert werden könnten
         (Randnrn. 670 und 673 der angefochtenen Entscheidung). Für diese Feststellung stützte sie sich auf mehrere Anhaltspunkte.
         Erstens berücksichtigte sie in Bezug auf die Umsetzung der Vereinbarung, dass die Teilnehmer Informationen über Absatzzahlen
         und Preisniveaus ausgetauscht hätten (Randnrn. 629 et 630 der angefochtenen Entscheidung).
      
      30      Zweitens berücksichtigte sie, dass die Mitglieder des Kartells einen großen Anteil, nämlich 84,6 %, des EWR-Marktes innehatten
         (Randnr. 635 der angefochtenen Entscheidung).
      
      31      Drittens stützte sich die Kommission auf Tabellen, Aufzeichnungen und Vermerke, die im Zusammenhang mit den Kartelltreffen
         von den Mitgliedern des Kartells selbst verfasst worden waren. Diese Dokumente belegten, dass die Preise während bestimmter
         Zeiträume des Kartells gestiegen seien und dass die Kartellmitglieder zusätzliche Einnahmen gegenüber den vorausgegangenen
         Zeiträumen erzielt hätten. Aus einigen dieser Dokumente sei hervorgegangen, dass die an dem Kartell beteiligten Personen davon
         ausgegangen seien, dass das Kartell den betreffenden Unternehmen erlaubt habe, ihre Preisziele zu erreichen. Zudem stützte
         sich die Kommission auf die von Herrn M., einem ehemaligen Direktor einer der Gesellschaften der Boliden-Gruppe, sowie von
         Wieland, der Boliden-Gruppe und Mueller im Rahmen ihrer jeweiligen Zusammenarbeit abgegebenen Erklärungen (Randnrn. 637 bis
         654 der angefochtenen Entscheidung).
      
      32      Schließlich stellte die Kommission fest, dass die jeweiligen Marktanteile der Kartellteilnehmer – trotz der Kundenfluktuation
         zwischen ihnen – während der gesamten Dauer der Zuwiderhandlung relativ stabil geblieben seien (Randnr. 671 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      33      Die Kommission zog hieraus den Schluss, dass die betreffenden Unternehmen eine besonders schwere Zuwiderhandlung begangen
         hätten (Randnr. 680 der angefochtenen Entscheidung).
      
      –       Differenzierte Behandlung
      34      Die Kommission bildete in der angefochtenen Entscheidung vier Gruppen von Unternehmen, die ihrer Ansicht nach der relativen
         Bedeutung der Unternehmen bei der in Rede stehenden Zuwiderhandlung entsprechen. Die Aufteilung der Kartellmitglieder in mehrere
         Kategorien basiert auf den jeweiligen Marktanteilen der Kartellteilnehmer gemessen am Absatz der betreffenden Produkte im
         EWR im Jahr 2000. Folglich wurde die KME-Gruppe als größter Akteur auf dem betroffenen Markt angesehen und der ersten Kategorie
         zugeordnet. Die Wieland-Gruppe (bestehend aus Wieland und der Buntmetall-Gruppe, deren Kontrolle Wieland im Juli 1999 übernommen
         hatte), die IMI‑Gruppe und die Outokumpu-Gruppe wurden als mittelgroße Marktteilnehmer angesehen und der zweiten Kategorie
         zugeordnet. Die Boliden-Gruppe wurde der dritten Kategorie zugeordnet. Zur vierten Kategorie gehören HME und Chalkor (Randnrn.
         681 bis 692 der angefochtenen Entscheidung).
      
      35      Die Marktanteile wurden anhand der Umsätze jedes Zuwiderhandelnden mit Installationsrohren auf dem kombinierten Gesamtmarkt
         für blanke und kunststoffummantelte Kupfer-Installationsrohre bestimmt. Somit wurden auch die Marktanteile der Unternehmen,
         die keine WICU- und Cuprotherm-Rohre verkauften, berechnet, indem ihre Umsätze mit blanken Kupfer-Installationsrohren durch
         die Größe des kombinierten Markts für blanke und kunststoffummantelte Kupfer-Installationsrohre geteilt wurden (Randnrn. 683
         und 692 der angefochtenen Entscheidung).
      
      36      Die Kommission setzte folglich den Ausgangsbetrag der Geldbußen für die KME-Gruppe auf 70 Millionen Euro, für Wieland, die
         IMI‑Gruppe und die Outokumpu-Gruppe auf 23,8 Millionen Euro, für die Boliden-Gruppe auf 16,1 Millionen Euro und für Chalkor
         und HME auf 9,8 Millionen Euro fest (Randnr. 693 der angefochtenen Entscheidung).
      
      37      Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Wieland und die Buntmetall-Gruppe nach Juli 1999 ein einziges Unternehmen bildeten
         und dass KME France und KME Italy bis Juni 1995 ein von KME Germany verschiedenes Unternehmen bildeten, wurde der Ausgangsbetrag
         der ihnen jeweils auferlegten Geldbuße wie folgt festgesetzt: 35 Millionen Euro für die KME-Gruppe (KME Germany, KME France
         und KME Italy gesamtschuldnerisch haftend); 17,5 Millionen Euro für KME Germany; 17,5 Millionen Euro für KME Italy und KME
         France gesamtschuldnerisch haftend; 3,25 Millionen Euro für die Wieland-Gruppe; 19,52 Millionen Euro für Wieland und 1,03
         Millionen Euro für die Buntmetall-Gruppe (Randnrn. 694 bis 696 der angefochtenen Entscheidung).
      
      38      Um der Notwendigkeit Rechnung zu tragen, die Geldbuße in einer Höhe festzusetzen, die ihre abschreckende Wirkung sicherstellt,
         erhöhte die Kommission den Ausgangsbetrag der gegen die Outokumpu-Gruppe verhängten Geldbuße um 50 % auf 35,7 Millionen Euro,
         da der weltweite Gesamtumsatz von Outokumpu von über 5 Milliarden Euro auf eine diese Erhöhung rechtfertigende Größe und Wirtschaftskraft
         hindeute (Randnr. 703 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Grundbetrag der Geldbußen
      39      Aus der angefochtenen Entscheidung ergibt sich, dass die Kommission die Ausgangsbeträge der Geldbußen um 10 % für jedes volle
         Jahr der Zuwiderhandlung und um 5 % für jeden zusätzlichen Zeitraum von sechs oder mehr Monaten, aber weniger als einem Jahr,
         erhöhte. So wurde entschieden, dass
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 23,8 Millionen Euro für die IMI‑Gruppe wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von
         elf Jahren und fünf Monaten um 110 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße für die Outokumpu-Gruppe, der nach seiner Erhöhung zu Abschreckungszwecken auf von 35,7 Millionen
         Euro festgesetzt worden war, wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von elf Jahren und fünf Monaten um 110 % zu erhöhen
         sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 16,1 Millionen Euro für die Boliden-Gruppe wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer
         von zwölf Jahren und neun Monaten um 125 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 9,8 Millionen Euro für Chalkor wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von zwölf
         Monaten um 10 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 9,8 Millionen Euro für HME wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von zwei Jahren
         und sechs Monaten um 25 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 35 Millionen Euro für die KME-Gruppe wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von
         fünf Jahren und sieben Monaten um 55 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 17,5 Millionen Euro für KME Germany wegen der Teilnahme am Kartell für die Dauer von sieben
         Jahren und zwei Monaten um 70 % zu erhöhen sei;
      
      –        der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 17,5 Millionen Euro für KME France und KME Italy wegen der Teilnahme am Kartell für die
         Dauer von fünf Jahren und zehn Monaten um 55 % zu erhöhen sei;
      
      –        zum einen der Ausgangsbetrag der Geldbuße von 19,52 Millionen Euro für Wieland allein wegen der Teilnahme am Kartell für die
         Dauer von neun Jahren und neun Monaten, die Wieland allein zu vertreten habe, um 95 %, und zum anderen der Ausgangsbetrag
         der Geldbuße von 3,25 Millionen Euro, für den Wieland und die Buntmetall-Gruppe gesamtschuldnerisch haften, wegen der von
         Wieland und der Buntmetall-Gruppe gemeinsam zu vertretenden zusätzlichen Teilnahmedauer von einem Jahr und acht Monaten um
         15 % zu erhöhen sei (Randnrn. 706 bis 714 der angefochtenen Entscheidung).
      
      40      Hieraus ergeben sich die folgenden Grundbeträge der den in Rede stehenden Unternehmen auferlegten Geldbußen:
      
      –        KME-Gruppe: 54,25 Millionen Euro;
      –        KME Germany: 29,75 Millionen Euro;
      –        KME France und KME Italy (gesamtschuldnerisch): 27,13 Millionen Euro;
      –        Buntmetall-Gruppe: 1,03 Millionen Euro;
      –        Wieland-Gruppe: 3,74 Millionen Euro;
      –        Wieland: 38,06 Millionen Euro;
      –        IMI‑Gruppe: 49,98 Millionen Euro;
      –        Outokumpu-Gruppe: 74,97 Millionen Euro;
      –        Chalkor: 10,78 Millionen Euro;
      –        HME: 12,25 Millionen Euro;
      –        Boliden-Gruppe: 36,225 Millionen Euro (Randnr. 719 der angefochtenen Entscheidung).
       Erschwerende und mildernde Umstände
      41      Der Grundbetrag der gegen die Outokumpu-Gruppe verhängten Geldbuße wurde um 50 % erhöht, weil diese eine wiederholte Zuwiderhandlungen
         begangen habe, da sie Adressat der Entscheidung 90/417/EGKS der Kommission vom 18. Juli 1990 in einem Verfahren nach Artikel
         65 [KS] betreffend eine Vereinbarung und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen von europäischen Herstellern von kaltgewalzten,
         nichtrostenden, flachen Stahlerzeugnissen (ABl. L 220, S. 28) gewesen sei (Randnrn. 720 bis 726 der angefochtenen Entscheidung).
      
      42      Als mildernde Umstände berücksichtigte die Kommission, dass ihr die KME-Gruppe und die Outokumpu-Gruppe im Rahmen ihrer jeweiligen
         Zusammenarbeit außerhalb der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 Informationen geliefert hatten.
      
      43      Sie ermäßigte daher den Grundbetrag der gegen die Outokumpu-Gruppe verhängten Geldbuße um einen Betrag von 40,17 Millionen
         Euro, der der Geldbuße entspricht, die für die Zuwiderhandlung im Zeitraum von September 1989 bis Juli 1997, deren Nachweis
         erst durch die der Kommission von Outokumpu gelieferten Informationen ermöglicht worden war, gegen diese verhängt worden wäre
         (Randnrn. 758 und 759 der angefochtenen Entscheidung).
      
      44      Der Grundbetrag der gegen die KME-Gruppe verhängten Geldbuße wurde um 7,93 Millionen Euro ermäßigt, weil es der Kommission
         dank deren Kooperation möglich war, nachzuweisen, dass die Zuwiderhandlung auch kunststoffummantelte Kupfer-Installationsrohre
         umfasste (Randnrn. 760 et 761 der angefochtenen Entscheidung).
      
       Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 
      45      Die Kommission hat gemäß Abschnitt D der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 den Betrag der Geldbußen für die Outokumpu-Gruppe
         um 50 %, für die Wieland-Gruppe und die Buntmetall-Gruppe um 35 %, für Chalkor um 15 %, für die Boliden-Gruppe und die IMI‑Gruppe
         um 10 % sowie für die KME-Gruppe um 35 % ermäßigt. HME wurde keine Ermäßigung gemäß dieser Mitteilung gewährt (Randnr. 815
         der angefochtenen Entscheidung).
      
       Endgültiger Betrag der Geldbußen
      46      Die Kommission setzte die Beträge der verhängten Geldbußen für die Unternehmen, an die sich die angefochtene Entscheidung
         richtete, gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 wie folgt fest:
      
      –        Boliden-Gruppe: 32,6 Millionen Euro; 
      –        Buntmetall-Gruppe: 0,6695 Millionen Euro; 
      –        Chalkor: 9,16 Millionen Euro; 
      –        HME: 4,49 Millionen Euro; 
      –        IMI‑Gruppe: 44,98 Millionen Euro; 
      –        KME-Gruppe: 32,75 Millionen Euro; 
      –        KME Germany: 17,96 Millionen Euro; 
      –        KME France und KME Italy (gesamtschuldnerisch): 16,37 Millionen Euro; 
      –        Outokumpu-Gruppe: 36,14 Millionen Euro; 
      –        Wieland-Gruppe: 2,43 Millionen Euro; 
      –        Wieland: 24,7416 Millionen Euro (Randnr. 842 der angefochtenen Entscheidung).
       Verfahren und Anträge der Parteien
      47      Mit am 20. Januar 2005 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangener Klageschrift haben die Klägerinnen die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      48      Durch Änderungen in der Besetzung der Kammern des Gerichts ist der Berichterstatter der Achten Kammer zugewiesen worden, an
         die die vorliegende Rechtssache deshalb verwiesen worden ist.
      
      49      Die Klägerinnen beantragen,
      
      –        Art. 1 Buchst. a bis c der angefochtenen Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit darin auf die Zeiträume vom 1. Juli
         1995 bis 27. August 1998 und vom 10. Dezember 1998 bis 7. Oktober 1999 Bezug genommen wird;
      
      –        den Betrag der gegen sie verhängten Geldbuße zu ermäßigen;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      50      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        die gegen die Klägerinnen verhängte Geldbuße zu erhöhen;
      –        den Klägerinnen die Kosten aufzuerlegen.
       Rechtliche Würdigung
      51      Mit ihrer Klage begehren die Klägerinnen zum einen die teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung und zum anderen
         die Ermäßigung des Betrags der gegen sie verhängten Geldbuße.
      
      1.      Zum Antrag auf teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
       Vorbringen der Parteien
      52      Die Klägerinnen stützen ihren Antrag auf einen einzigen Klagegrund, mit dem sie die Rechtsfehlerhaftigkeit der Feststellung
         ihrer Teilnahme an einer einheitlichen und fortgesetzten Zuwiderhandlung geltend machen. 
      
      53      Die Klägerinnen sind der Auffassung, die Kommission habe nicht rechtlich hinreichend und im Einklang mit der Rechtsprechung
         nachgewiesen, dass sie in den Zeiträumen vom 1. Juli 1995 bis 27. August 1998 und vom 10. Dezember 1998 bis 7. Oktober 1999
         durch ihr Verhalten zur Erreichung der von allen am Kartell Beteiligten verfolgten gemeinsamen Ziele hätten beitragen wollen
         und von dem von anderen Zuwiderhandelnden in Verfolgung dieser Ziele beabsichtigten oder an den Tag gelegten Verhalten gewusst
         hätten oder es vernünftigerweise hätten vorhersehen können und bereit gewesen seien, das daraus erwachsende Risiko auf sich
         zu nehmen.
      
      54      In Bezug auf den Zeitraum vom 1. Juli 1995 bis 27. August 1998 machen die Klägerinnen im Wesentlichen geltend, dass die SANCO-Vereinbarungen
         seit dem 1. Juli 1995 keinen Teil des Kartells mehr dargestellt hätten. Damit habe das Kartell nur noch aus zwei Teilen bestanden,
         nämlich den WICU- und Cuprotherm-Vereinbarungen sowie den umfassenderen europäischen Vereinbarungen. 
      
      55      Da unstreitig sei, dass die Klägerinnen nie an den WICU- und Cuprotherm-Vereinbarungen beteiligt gewesen seien und dass sie
         zwischen dem 1. Juli 1995 und dem 27. August 1998 nicht mehr an den Treffen im Rahmen der umfassenderen europäischen Vereinbarungen
         teilgenommen hätten, handele es sich bei der ihnen vorgeworfenen Zuwiderhandlung nicht um eine fortgesetzte, sondern um eine
         unterbrochene Zuwiderhandlung.
      
      56      Die Tatsache, dass sie sich nach dem 1. Juli 1995 weiterhin am Netzwerk zum Informationsaustausch zwischen den „SANCO-Herstellern“
         beteiligt hätten, habe keine Bedeutung für die Frage, ob ihre Teilnahme am Kartell unterbrochen gewesen sei oder nicht. Seit
         dem Weggang von Herrn M., einem ihrer damaligen Generaldirektoren, Mitte des Jahres 1995 hätten sie bis zum 21. November 1997
         nichts von den Kartelltreffen geschweige denn von der Existenz des Kartells selbst gewusst. Von den umfassenderen europäischen
         Vereinbarungen hätten sie erst am 21. November 1997 erfahren, als sie von der KME-Gruppe dazu aufgefordert worden seien, sich
         an dieser Kooperation zu beteiligen, was sie abgelehnt hätten.
      
      57      Außerdem habe sich das seit 1988 zwischen den „SANCO-Herstellern“ bestehende Informationsaustauschsystem aus der Durchführung
         erlaubter Lizenzvereinbarungen ergeben. Der ursprüngliche und vorrangige Zweck dieses Systems sei daher erlaubt gewesen. In
         der mündlichen Verhandlung haben die Klägerinnen jedoch eingeräumt, dass dieses Informationsaustauschsystem zwischen 1988
         und Mitte 1995 auch als Werkzeug im Rahmen des Kartells gedient habe. Da ihnen die Kontinuität der Treffen und der kollusiven
         Kontakte nach Mitte 1995 nicht bekannt gewesen sei, habe es sich bei ihrer Beteiligung am Informationsaustauschsystem nach
         diesem Zeitpunkt nicht mehr um eine Teilnahme am Kartell, sondern nur an der Durchführung der erlaubten Lizenzvereinbarung
         gehandelt. 
      
      58      In Bezug auf den Zeitraum vom 10. Dezember 1998 bis 7. Oktober 1999 behaupten die Klägerinnen, sie hätten beim Treffen vom
         10. Dezember 1998 klar und ausdrücklich ihren Rückzug aus der Kooperation im Rahmen der umfassenderen europäischen Vereinbarungen
         angekündigt. Sie hätten sich erst bei einem am 8. Oktober 1999 organisierten Treffen erneut am Kartell beteiligt.
      
      59      Die Kommission beantragt, den Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      60      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof entschieden hat, dass sich ein Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG nicht nur
         aus einer isolierten Handlung, sondern auch aus einer Reihe von Handlungen oder einem fortgesetzten Verhalten ergeben kann.
         Dieser Auslegung lässt sich nicht entgegenhalten, dass ein oder mehrere Teile dieser Reihe von Handlungen oder dieses fortgesetzten
         Verhaltens auch für sich genommen und isoliert betrachtet einen Verstoß gegen die genannte Bestimmung darstellen könnten (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 8. Juli 1999, Kommission/Anic Partecipazioni, C‑49/92 P, Slg. 1999, I‑4125, Randnr.
         81). Fügen sich die verschiedenen Handlungen wegen ihres identischen Zwecks der Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des
         Gemeinsamen Marktes in einen Gesamtplan ein, so ist die Kommission berechtigt, die Verantwortung für diese Handlungen nach
         Maßgabe der Beteiligung an der Zuwiderhandlung als Ganzes aufzuerlegen (Urteil des Gerichtshofs vom 7. Januar 2004, Aalborg
         Portland u. a./Kommission, C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P und C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123, Randnr.
         258).
      
      61      Ferner kann ein Unternehmen für ein Gesamtkartell verantwortlich gemacht werden, auch wenn es nachweislich nur an einem oder
         mehreren Bestandteilen dieses Kartells unmittelbar mitgewirkt hat, sofern es wusste oder zwangsläufig wissen musste, dass
         zum einen die Absprache, an der es beteiligt war, Teil eines Gesamtsystems war und dass zum anderen sich dieses System auf
         sämtliche Bestandteile des Kartells erstreckte (Urteile des Gerichts vom 20. April 1999, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission,
         T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Slg. 1999, II‑931, Randnr.
         773, und vom 20. März 2002, HFB u. a./Kommission, T‑9/99, Slg. 2002, II‑1487, Randnr. 231).
      
      62      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass sich die Klägerinnen vom 3. Juni 1988 bis 30. Juni 1995, vom 27. August 1998 bis
         10. Dezember 1998 und vom 8. Oktober 1999 bis 22. März 2001 an den umfassenderen europäischen Vereinbarungen beteiligt haben.
         Ferner steht fest, dass sie während der gesamten Kartelldauer, d. h. vom 3. Juni 1988 bis 22. März 2001, häufig und anhaltend
         mit der KME-Gruppe und Wieland detaillierte Daten über die Absatzmengen der Installationsrohre der Marke SANCO ausgetauscht
         haben. 
      
      63      Folglich ist zu bestimmen, ob es sich bei diesem Datenaustausch um einen der Bestandteile des Gesamtplans des Kartells handelte
         und ob die Klägerinnen Kenntnis von der Existenz des Kartells und seiner Funktionsweise während der Zeiträume zwischen dem
         1. Juli 1995 und dem 27. August 1998 sowie zwischen dem 10. Dezember 1998 und dem 7. Oktober 1999 hätten haben müssen.
      
      64      In der angefochtenen Entscheidung (Randnrn. 449 bis 457) führte die Kommission aus, dass der Gesamtplan des Kartells folgende
         Bestandteile umfasse:
      
      –        das Einfrieren der jeweiligen Marktanteile durch die Aufteilung der Absatzmengen für die einzelnen Länder;
      –        eine Vereinbarung über Preiserhöhungen bzw. koordinierte Preise und die Durchsetzung dieser Erhöhungen oder dieser koordinierten
         Preise;
      
      –        die Durchführung der Aufteilung der Märkte und der Koordinierung der Preise durch ein aus einer Marktführervereinbarung für
         verschiedene europäische Gebiete sowie dem regelmäßigen Austausch vertraulicher Informationen über kommerzielle Strategien,
         Verkaufsmengen und -ziele sowie gelegentlich über Preise und Rabatte bestehendes Kontrollsystem.
      
      65      Was speziell den Informationsaustausch in Bezug auf die SANCO-Rohre betrifft, stellte die Kommission in Randnr. 143 der angefochtenen
         Entscheidung fest, dass dieser es erlaubt habe, das Absatzvolumen zu kontrollieren. Zudem behauptet die Kommission in Randnr.
         138 der angefochtenen Entscheidung, dass die Zuteilung von Absatzmengen regelmäßig zwischen den „SANCO-Herstellern“ und den
         Mitgliedern der umfassenderen europäischen Vereinbarungen koordiniert worden sei. In Randnr. 486 der angefochtenen Entscheidung
         schließlich hob die Kommission hervor, dass das Kartell im Wesentlichen „im Austausch der Verkaufszahlen und der darauf beruhenden
         Zuweisung von Mengenkontingenten“ bestanden habe.
      
      66      Die Klägerinnen sind diesen Feststellungen für den Zeitraum vom 3. Juni 1988 bis 1. Juli 1995 nicht entgegengetreten. Zum
         Zeitraum vom 1. Juli 1995 bis 22. März 2001 machen sie geltend, sie hätten nicht vorhersehen können, dass ihre Teilnahme am
         Informationsaustauschsystem nach Mitte 1995 zum Funktionieren des Kartells beigetragen habe.
      
      67      Die Argumente der Klägerinnen überzeugen jedoch nicht. Nachdem sie mehrere Jahre lang zugleich an den SANCO-Vereinbarungen
         und an den umfassenderen europäischen Vereinbarungen teilgenommen haben, die die Aufteilung der Produktion und die Überwachung
         der Durchsetzung dieser Aufteilung im Wege des häufigen und detaillierten Austauschs über die Absatzmengen umfassten, können
         die Klägerinnen nämlich nicht vorgeben, das Ausscheiden von Herrn M. in der Mitte des Jahres 1995 habe, was die Existenz und
         die Funktionsweise des Kartells betrifft, zu einem akuten Gedächtnisverlust innerhalb des Unternehmens geführt.
      
      68      Im Übrigen behaupten die Klägerinnen nicht, dass Herr M. der einzige Angestellte oder leitende Angestellte gewesen sei, der
         von ihrer Teilnahme am Kartell zwischen 1988 und 1995 gewusst habe.
      
      69      Es ist festzustellen, dass die Klägerinnen während der gesamten Dauer ihrer Teilnahme am Informationsaustauschsystem den innerhalb
         des Kartells vereinbarten wettbewerbswidrigen Mechanismus gestützt haben. Ihre Beteiligung an diesem Informationsaustauschsystem
         stellte also die Fortsetzung ihrer Teilnahme am Kartell dar (vgl. in diesem Sinne Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 60 angeführt, Randnr. 281). Aus den vorstehend in den Randnrn. 64 bis 68 erwähnten Gründen mussten die Klägerinnen
         nämlich notwendigerweise wissen, dass sich ihre Teilnahme am Informationsaustauschsystem in den Gesamtplan des Kartells einfügte.
      
      70      Schließlich geht das Vorbringen der Klägerinnen fehl, die SANCO-Vereinbarungen hätten nach Mitte 1995 keinen Teil des Kartells
         mehr dargestellt. Wie nämlich vorstehend in Randnr. 69 dargelegt worden ist, wird die fortgesetzte Teilnahme der Klägerinnen
         am Kartell durch die Tatsache belegt, dass sie sich in ununterbrochener Weise an einem Informationsaustauschsystem beteiligt
         haben und dass sie notwendigerweise hätten wissen müssen, dass dieses System Teil des Gesamtplans der fraglichen Zuwiderhandlung
         war.
      
      71      Hieraus folgt, dass der Antrag der Klägerinnen auf teilweise Nichtigerklärung zurückzuweisen ist. 
      
      2.     Zum Antrag auf Herabsetzung des Betrags der Geldbuße
      72      Die Klägerinnen stützen diesen Antrag auf drei Klagegründe, mit denen sie eine rechtsfehlerhafte Anwendung der Regeln über
         Verjährungsfristen, eine fehlerhafte Erhöhung des Betrags der Geldbuße aufgrund der Dauer der Zuwiderhandlung und eine fehlerhafte
         Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 geltend machen.
      
      73      Vor der Prüfung der von den Klägerinnen geltend gemachten Klagegründe ist darauf hinzuweisen, dass aus den Randnrn. 601 und
         842 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, dass die von der Kommission wegen der Zuwiderhandlung auferlegten Geldbußen
         gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 verhängt wurden. Außerdem bestimmte
         die Kommission den Betrag der Geldbußen in Anwendung der in den Leitlinien und in der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996
         vorgesehenen Methode (siehe oben, Randnr. 26).
      
      74      Die Leitlinien können zwar nicht als Rechtsnorm qualifiziert werden, stellen aber eine Verhaltensnorm dar, die einen Hinweis
         auf die zu befolgende Praxis enthält und von der die Kommission im Einzelfall nur unter Angabe von mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz
         zu vereinbarenden Gründen abweichen kann (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 18. Mai 2006, Archer Daniels Midland und Archer
         Daniels Midland Ingredients/Kommission, C‑397/03 P, Slg. 2006, I‑4429, Randnr. 91 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      75      Es ist somit Sache des Gerichts, im Rahmen der Kontrolle der Rechtmäßigkeit der mit der angefochtenen Entscheidung verhängten
         Geldbußen zu prüfen, ob die Kommission ihr Ermessen gemäß der in den Leitlinien dargelegten Methode ausgeübt hat und, soweit
         es feststellt, dass sie davon abgewichen ist, ob diese Abweichung gerechtfertigt und rechtlich hinreichend begründet ist.
         Hierzu ist festzustellen, dass der Gerichtshof die Gültigkeit zum einen des Prinzips der Leitlinien selbst und zum anderen
         der darin angegebenen Methode bestätigt hat (Urteil des Gerichtshofs vom 28. Juni 2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission,
         C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425, Randnrn. 252 bis 255, 266 bis 267, 312
         und 313).
      
      76      Die aus dem Erlass der Leitlinien resultierende Selbstbeschränkung des Ermessens der Kommission ist nämlich nicht unvereinbar
         mit dem Fortbestand eines erheblichen Ermessens der Kommission. Die Leitlinien enthalten verschiedene Spielräume, die es der
         Kommission ermöglichen, ihr Ermessen im Einklang mit den Vorschriften der Verordnungen Nr. 17 und Nr. 1/2003 in ihrer Auslegung
         durch den Gerichtshof auszuüben (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 267).
      
      77      Daher ist in den Bereichen, in denen die Kommission über einen Ermessensspielraum verfügt, z. B. in Bezug auf den Ausgangsbetrag
         oder den Erhöhungssatz nach Maßgabe der Dauer, die Rechtmäßigkeitskontrolle dieser Beurteilungen auf die Prüfung beschränkt,
         dass kein offensichtlicher Beurteilungsfehler vorliegt (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 18. Juli 2005, Scandinavian
         Airlines System/Kommission, T‑241/01, Slg. 2005, II‑2917, Randnrn. 64 und 79).
      
      78      Im Übrigen greifen das Ermessen der Kommission und die diesem von ihr selbst gezogenen Grenzen grundsätzlich nicht der Ausübung
         der dem Richter zustehenden Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung vor (Urteil des Gerichts vom 8. Juli 2004, JFE Engineering
         u. a./Kommission, T‑67/00, T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00, Slg. 2004, II‑2501, Randnr. 538), die ihn ermächtigt, die von der
         Kommission verhängte Geldbuße aufzuheben, zu ermäßigen oder zu erhöhen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 8.
         Februar 2007, Groupe Danone/Kommission, C‑3/06 P, Slg. 2007, I‑1331, Randnrn. 60 bis 62, und Urteil des Gerichts vom 21. Oktober
         2003, General Motors Nederland und Opel Nederland/Kommission, T‑368/00, Slg. 2003, II‑4491, Randnr. 181).
      
       Zum Klagegrund einer rechtsfehlerhaften Anwendung der Regeln über Verjährungsfristen
       Vorbringen der Parteien
      79      Die Klägerinnen machen geltend, da sie nicht an einer einheitlichen und fortgesetzten Zuwiderhandlung teilgenommen hätten,
         habe die Kommission gegen die Regeln über Verjährungsfristen verstoßen, indem sie eine Geldbuße für den Zeitraum vor dem 22.
         März 1996 verhängt habe, da ihre Untersuchung erst am 22. März 2001 begonnen habe. Der Austausch von Informationen über die
         Absatzmengen in Anwendung der SANCO-Lizenzen nach Mitte 1995 sei nicht Teil des Kartells, und das Kartell, dem sie sich am
         27. August 1998 angeschlossen hätten, entspreche nicht dem Kartell, das sie Mitte 1995 verlassen hätten.
      
      80      Die Klägerinnen machen ferner geltend, dass ihnen gemäß dem Grundsatz der Gleichbehandlung in Bezug auf die Verjährungsfristen
         die gleiche Behandlung hätte zuteil werden müssen wie HME, Mueller, der Buntmetall-Gruppe und Chalkor.
      
      81      Die Kommission beantragt die Zurückweisung dieses Klagegrundes.
      
       Würdigung durch das Gericht
      82      Einleitend ist darauf hinzuweisen, dass aus den vorstehenden Randnrn. 60 bis 71 hervorgeht, dass die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung zu Recht festgestellt hat, dass die Klägerinnen zwischen dem 3. Juni 1988 und dem 22. März 2001 an einer einheitlichen
         und fortgesetzten Zuwiderhandlung teilgenommen haben. Ihre ununterbrochene Beteiligung am Informationsaustauschsystem reichte
         nämlich aus, um ihre fortgesetzte Teilnahme am Kartell darzutun.
      
      83      Hieraus folgt, dass die Verjährung im Sinne von Art. 25 der Verordnung Nr. 1/2003 unabhängig von den Feststellungen der Kommission
         in Bezug auf HME, Mueller, die Buntmetall-Gruppe und Chalkor auf die Klägerinnen nicht anwendbar ist.
      
      84      Nur ergänzend ist festzustellen, dass jedenfalls aus den Randnrn. 216, 449 und 450 sowie Art. 1 der angefochtenen Entscheidung
         hervorgeht, dass HME, Mueller, die Buntmetall-Gruppe und Chalkor für ihre jeweilige Teilnahme am Kartell ab 1997 oder 1998,
         die Klägerinnen dagegen für ihre Teilnahme ab 1988 verantwortlich gemacht wurden. 
      
      85      Der vorliegende Klagegrund ist daher als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zum Klagegrund eines Verstoßes gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
       Vorbringen der Parteien
      86      Die Klägerinnen machen geltend, die Kommission habe den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verletzt, indem sie bei der Erhöhung
         des Ausgangsbetrags der Geldbuße nach Maßgabe der Dauer nicht ihre über einen langen Zeitraum hinweg verminderte Teilnahme
         am Kartell berücksichtigt habe. Während den beiden Zeiträumen der Unterbrechung ihrer Kartellteilnahme hätten sie lediglich
         Informationen über die Absatzmengen gemäß der SANCO-Lizenzvereinbarung gegeben und erhalten.
      
      87      In ihrer Erwiderung behaupten die Klägerinnen, die Kommission habe bei der Festsetzung des Betrags der Geldbuße allein auf
         die Schwere des Kartells als solche abgestellt und ihre Rolle bei der in Rede stehenden Zuwiderhandlung nicht richtig berücksichtigt.
         Hierzu bringen sie unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung vor, dass die Schwere einer Zuwiderhandlung nicht nur anhand der
         ihr eigenen Merkmale selbst zu beurteilen sei, sondern auch entsprechend den individuellen Gegebenheiten im Fall des betreffenden
         Unternehmens.
      
      88      Daher wäre die Kommission, selbst wenn entschieden würde, dass sie die verminderte Intensität der Beteiligung der Klägerinnen
         bei der Erhöhung des Ausgangsbetrags der verhängten Geldbuße aufgrund der Dauer nicht berücksichtigen müsse, doch verpflichtet,
         diesen Umstand bei der Festsetzung des Betrags der Geldbuße im Hinblick auf die Schwere zu berücksichtigen.
      
      89      Die Kommission beantragt die Zurückweisung dieses Klagegrundes und erhebt in Bezug auf die Rüge, wonach sie bei ihrer Beurteilung
         der Schwere der Zuwiderhandlung die Rolle der Klägerinnen im Kartell nicht berücksichtigt habe, einen Unzulässigkeitseinwand.
         Diese Rüge stelle ein neues Angriffsmittel dar, das nicht in der Klageschrift enthalten und daher als unzulässig zurückzuweisen
         sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      90      In Bezug auf den von der Kommission erhobenen Unzulässigkeitseinwand ist darauf hinzuweisen, dass sich aus Art. 44 § 1 Buchst. c
         in Verbindung mit Art. 48 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ergibt, dass die Klageschrift den Streitgegenstand und eine
         kurze Darstellung der Klagegründe enthalten muss und im übrigen neue Angriffs- und Verteidigungsmittel im Laufe des Verfahrens
         nicht mehr vorgebracht werden können, es sei denn, dass sie auf rechtliche oder tatsächliche Gründe gestützt werden, die erst
         während des Verfahrens zutage getreten sind. Ein Angriffsmittel, das eine Erweiterung eines bereits vorher – unmittelbar oder
         implizit – in der Klageschrift vorgetragenen Angriffsmittels darstellt und einen engen Zusammenhang mit diesem aufweist, ist
         jedoch für zulässig zu erklären (Urteil des Gerichts vom 5. Februar 1997, Ibarra Gil/Kommission, T‑207/95, Slg. ÖD 1997, I‑A‑13
         und II‑31, Randnr. 51; vgl. auch, in diesem Sinne, Urteil des Gerichtshofs vom 19. Mai 1983, Verros/Parlament, 306/81, Slg.
         1983, 1755, Randnrn. 9 und 10). Entsprechendes muss für eine Rüge gelten, die zur Stützung eines Angriffsmittels vorgebracht
         wird (Urteil des Gerichts vom 21. März 2002, Joynson/Kommission, T‑231/99, Slg. 2002, II‑2085, Randnr. 156, und vom 15. Oktober
         2008, Mote/Parlament, T‑345/05, Slg. 2008, Randnr. 85).
      
      91      Es ist festzustellen, dass die Klägerinnen in ihrer Klageschrift den Umstand hervorgehoben haben, dass die Kommission bei
         der Berechnung des Betrags der gegen sie verhängten Geldbuße ihre angeblich verminderte Teilnahme am Kartell nicht berücksichtigt
         habe. Aus der Klageschrift geht hervor, dass ihr Angriffsmittel auf die von ihnen behauptete Unverhältnismäßigkeit der verhängten
         Geldbuße Bezug nimmt. Jedoch ist in der dort von den Klägerinnen vorgebrachten Rüge nur von der Erhöhung des Ausgangsbetrags
         wegen der Dauer die Rede.
      
      92      In ihrer Erwiderung nehmen die Klägerinnen nicht auf neue Tatsachenelemente Bezug, sondern wollen die Tragweite ihres Angriffsmittels
         dahin erweitern, dass dieses auch eine Rüge in Bezug auf die Beurteilung der Schwere ihrer Teilnahme am Kartell einschließe.
         Diese Rüge kann allerdings nicht als eine Erweiterung des in der Klageschrift vorgetragenen Angriffsmittels des unverhältnismäßigen
         Charakters der verhängten Geldbuße oder als mit diesem in einem engen Zusammenhang stehend angesehen werden. 
      
      93      Folglich ist die Rüge der Klägerinnen in Bezug auf die Beurteilung der Schwere ihrer Teilnahme am Kartell als unzulässig zurückzuweisen.
      
      94      Zur Begründetheit des Klagegrundes ist festzustellen, dass dieser einen Gesichtspunkt betrifft, in Bezug auf den die Kommission
         nach den Leitlinien über einen Ermessensspielraum verfügt. Dieser Klagegrund könnte daher nur dann Erfolg haben, wenn das
         Gericht einen offensichtlichen Beurteilungsfehler seitens der Kommission feststellte (siehe oben, Randnr. 77).
      
      95      Insoweit ist zu beachten, dass eine Erhöhung des Ausgangsbetrags der Geldbuße nach Maßgabe der Dauer nicht auf den Fall beschränkt
         ist, dass zwischen der Dauer und einer erhöhten Beeinträchtigung der mit den Wettbewerbsregeln verfolgten Ziele ein unmittelbarer
         Zusammenhang besteht (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 30. September 2003, Michelin/Kommission, T‑203/01, Slg.
         2003, II‑4071, Randnr. 278 und die dort angeführte Rechtsprechung). 
      
      96      Aus den Leitlinien geht zudem hervor, dass die Kommission weder eine Überschneidung noch eine Wechselwirkung zwischen der
         Beurteilung der Schwere und der Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung vorgesehen hat.
      
      97      Im Gegenteil ergibt sich, erstens, aus den Leitlinien, dass sie die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung als solcher
         vorsehen, um einen Ausgangsbetrag der Geldbuße zu bestimmen. Zweitens wird die Schwere der Zuwiderhandlung anhand der Merkmale
         des betreffenden Unternehmens, insbesondere seiner Größe und seiner Stellung auf dem relevanten Markt, geprüft; dies kann
         zur Gewichtung des Ausgangsbetrags, zur Einteilung der Unternehmen in Kategorien und zur Festsetzung eines spezifischen Ausgangsbetrags
         führen. Drittens wird die Dauer des Verstoßes bei der Festsetzung des Grundbetrags berücksichtigt, und viertens sehen die
         Leitlinien die Berücksichtigung erschwerender und mildernder Umstände vor, die es ermöglichen, die Geldbuße insbesondere nach
         Maßgabe der aktiven oder passiven Rolle der betreffenden Unternehmen bei der Durchführung der Zuwiderhandlung anzupassen.
      
      98      Hieraus folgt, dass die bloße Tatsache, dass sich die Kommission bei Langzeitverstößen die Möglichkeit einer Erhöhung von
         bis zu 10 % des für die Schwere der Zuwiderhandlung festgestellten Betrags je Jahr der Zuwiderhandlung vorbehalten hat, sie
         nicht dazu verpflichtet, diesen Erhöhungssatz nach Maßgabe der Intensität oder der Wirkungen der Aktivitäten des Kartells
         oder der Schwere der Zuwiderhandlung festzusetzen. Es obliegt nämlich der Kommission, den Erhöhungssatz, den sie wegen der
         Dauer der Zuwiderhandlung anwenden will, im Rahmen ihres weiten Ermessens (siehe oben, Randnr. 77) zu bestimmen. 
      
      99      Im vorliegenden Fall hat die Kommission insbesondere in Randnr. 706 der angefochtenen Entscheidung festgestellt, dass die
         Klägerinnen während eines Zeitraums von zwölf Jahren und neun Monaten (siehe hierzu oben, Randnrn. 60 bis 71), also eines
         langen Zeitraums im Sinne der Leitlinien, an der Zuwiderhandlung beteiligt waren. Folglich hat sie den Ausgangsbetrag der
         gegen sie verhängten Geldbuße um 125 % erhöht. Damit ist die Kommission nicht von den Regeln abgewichen, die sie sich in den
         Leitlinien selbst gesetzt hat. 
      
      100    Im Übrigen ist das Gericht der Auffassung, dass diese Erhöhung um 125 % angesichts der Dauer der fraglichen Zuwiderhandlung
         im vorliegenden Fall nicht offensichtlich unverhältnismäßig ist.
      
       Zum Klagegrund der nicht ausreichenden Ermäßigung des Betrags der Geldbuße in Anbetracht der Zusammenarbeit der Klägerinnen
            nach der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996
       Vorbringen der Parteien
      101    Die Klägerinnen machen geltend, dass ihre Kooperation eine stärkere Herabsetzung des Betrags ihrer Geldbuße verdient hätte,
         da sie die Richtigkeit der von Herrn M. gelieferten Informationen bestätigt und der Kommission in ihrer Antwort auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte eine detaillierte Beschreibung der SANCO-Vereinbarungen geliefert hätten. 
      
      102    Sie behaupten außerdem, die Kommission habe gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, indem sie ihnen dieselbe Herabsetzung
         des Betrags der Geldbuße gewährt habe wie der IMI‑Gruppe, obwohl sie stärker mit der Kommission zusammengearbeitet hätten
         als diese Gruppe. Die Herabsetzung des Betrags der gegen die IMI‑Gruppe verhängten Geldbuße sei allein mit der Tatsache begründet
         worden, dass diese die Zuwiderhandlung eingeräumt und die Tatsachen, auf die sich die Kommission gestützt habe, nicht bestritten
         habe. Die Klägerinnen hätten aber darüber hinaus der Kommission Informationen übermittelt sowie bedeutsame Tatsachen aufgeklärt
         oder bestätigt, die die Untersuchung erleichtert hätten und auf die sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         gestützt habe.
      
      103    Die Kommission beantragt die Zurückweisung dieses Klagegrundes.
      
       Würdigung durch das Gericht
      104    Vorab ist festzustellen, dass nach ständiger Rechtsprechung eine Herabsetzung der Geldbuße wegen einer Zusammenarbeit im Verwaltungsverfahren
         auf der Erwägung beruht, dass eine solche Zusammenarbeit der Kommission die Aufgabe erleichtert, eine Zuwiderhandlung festzustellen
         (Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998, BPB de Eendracht/Kommission, T‑311/94, Slg. 1998, II‑1129, Randnr. 325, und Finnboard/Kommission,
         T‑338/94, Slg. 1998, II‑1617, Randnr. 363). 
      
      105    Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass im Rahmen der Beurteilung der Zusammenarbeit der an einer Vereinbarung Beteiligten nur
         ein offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission beanstandet werden kann, da diese bei der Beurteilung der Qualität
         und der Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags eines Unternehmens, insbesondere im Vergleich zu den Beiträgen anderer Unternehmen,
         über einen weiten Beurteilungsspielraum verfügt (Urteil des Gerichtshofs vom 10. Mai 2007, SGL Carbon/Kommission, C‑328/05 P,
         Slg. 2007, I‑3921, Randnr. 88). Allerdings darf die Kommission bei dieser Beurteilung nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz
         verstoßen.
      
      106    Außerdem ist festzustellen, dass aus Abschnitt D 2 der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 hervorgeht, dass ein Unternehmen
         in den Genuss der Anwendung dieser Mitteilung kommen kann, wenn es der Kommission vor Übersendung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         Informationen liefert, die zur Feststellung des Vorliegens des begangenen Verstoßes beitragen, oder wenn es der Kommission
         nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den diese Kommission ihre Einwände
         stützt, nicht bestreitet.
      
      107    Im vorliegenden Fall hat die IMI‑Gruppe und haben die Klägerinnen vor der Übersendung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         mit der Zusammenarbeit begonnen. Daher können die Klägerinnen keine größere Herabsetzung beanspruchen als die, die der IMI‑Gruppe
         gewährt wurde, es sei denn, dass ihre Zusammenarbeit die Aufgabe der Kommission bei der Feststellung der Zuwiderhandlung stärker
         erleichtert hätte als die Zusammenarbeit der IMI‑Gruppe.
      
      108    Hierzu ist festzustellen, dass aus der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, dass sich die Zusammenarbeit der Klägerinnen
         von der der IMI‑Gruppe nur insoweit unterscheidet, als allein die Klägerinnen „bestimmte sachliche Detailfragen auf[klärten]“
         (Randnrn. 809 und 812 der angefochtenen Entscheidung). Außerdem ergibt sich implizit aus der angefochtenen Entscheidung, dass
         die Kommission der Auffassung war, dass die jeweilige Zusammenarbeit der IMI‑Gruppe und der Klägerinnen von vergleichbarer
         Nützlichkeit war, da sie alle in einem Stadium mit der Kooperation begonnen haben, in dem die Kommission, insbesondere wegen
         der Zusammenarbeit von Mueller, der Outokumpu- und der KME-Gruppe, Wieland und Chalkor, bereits in der Lage war, die Existenz
         der gesamten in Rede stehenden Zuwiderhandlung nachzuweisen. Die Klägerinnen behaupten im Übrigen nicht, dass die Kommission
         zum Zeitpunkt ihrer Zusammenarbeit nicht in der Lage war, die Existenz des Kartells in seiner Gesamtheit nachzuweisen.
      
      109    Zudem ist darauf hinzuweisen, dass eine Erklärung wie die oben in Randnr. 102 erwähnte, die nur die der Kommission in einem
         früheren Stadium der Untersuchung von einem anderen Unternehmen übermittelten Informationen bestätigt, deren Aufgabe nicht
         erheblich und damit nicht in einem Maß erleichtert, das ausreicht, um eine Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Kooperation
         zu rechtfertigen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 8. Juli 2004, Mannesmannröhren-Werke/Kommission, T‑44/00,
         Slg. 2004, II‑2223, Randnr. 301, und vom 25. Oktober 2005, Groupe Danone/Kommission, T‑38/02, Slg. 2005, II‑4407, Randnr.
         455).
      
      110    Nach alledem ist festzustellen, dass die Kommission bei der Beurteilung der Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags der Klägerinnen
         keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat, und dass sie dadurch, dass sie den Klägerinnen und der IMI‑Gruppe
         denselben Ermäßigungssatz nach Maßgabe der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996 gewährt hat, nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz
         verstoßen hat. Folglich ist auch dieser Klagegrund nicht begründet.
      
      111    Die Klage ist daher abzuweisen.
      
      3.     Zur Widerklage, die auf die die Klägerinnen möglicherweise gegenüber Chalkor und der IMI‑Gruppe bevorzugenden Behandlung der
            Klägerinnen gestützt ist
       Vorbringen der Parteien
      112    Die Kommission stellt fest, die IMI‑Gruppe und Chalkor hätten jeweils in ihren Klageschriften in den Rechtssachen T‑18/05
         und T‑21/05 geltend gemacht, dass die Kommission bei der Festsetzung des Betrags der Geldbußen nicht berücksichtigt habe,
         dass sie an den SANCO-Absprachen und den WICU- und Cuprotherm-Absprachen nicht beteiligt gewesen seien und sie damit eine
         weniger schwere Zuwiderhandlung begangen hätten als die Klägerinnen, Wieland und die KME-Gruppe. Das Vorbringen der IMI‑Gruppe
         und von Chalkor werfe die Frage einer Diskriminierung zwischen den Teilnehmern des Kartells im Rahmen einer Zuwiderhandlung
         auf, die als einheitlich angesehen worden sei.
      
      113    Für den Fall, dass das Gericht dieses Vorbringen der IMI‑Gruppe und von Chalkor zulassen sollte, müsse es in Ausübung seiner
         Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung eher eine Erhöhung des Betrags der gegen die KME-Gruppe, die Klägerinnen und Wieland
         verhängten Geldbußen in Betracht ziehen, als den Betrag der gegen die IMI‑Gruppe und Chalkor verhängten Geldbußen herabzusetzen.
      
      114    Die Klägerinnen beantragen, diesen Antrag zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      115    Es ist festzustellen, dass das Gericht in seinen heute erlassenen Urteilen IMI u. a./Kommission (T‑18/05, Slg. 2010, II–0000)
         und Chalkor/Kommission (T‑21/05, Slg. 2010, II–0000) entschieden hat, dass die IMI‑Gruppe und Chalkor eine weniger schwere
         Zuwiderhandlung begangen haben als die Boliden-Gruppe, die KME-Gruppe und Wieland und dass die Kommission einen Fehler begangen
         hat, indem sie diesen Gesichtspunkt bei der Berechnung des Betrags der Geldbußen nicht berücksichtigt hat.
      
      116    Das Gericht hat außerdem in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung entschieden, dass der von der Kommission
         festgesetzte Ausgangsbetrag der Geldbußen im Verhältnis zur Schwere der Zuwiderhandlung, die die drei Teile des Kartells insgesamt
         ergeben, angemessen war und dass die Ausgangsbeträge der gegen die IMI‑Gruppe und Chalkor verhängten Geldbußen herabzusetzen
         waren, um den Umstand zu berücksichtigen, dass die Kommission diese in Bezug auf die SANCO-Vereinbarungen nicht verantwortlich
         gemacht hat (Urteile IMI u. a./Kommission, Randnrn. 166, 167 und 189, und Chalkor/Kommission, Randnrn. 104, 105 und 185).
      
      117    Folglich ist der Antrag der Kommission zurückzuweisen.
      
       Kosten
      118    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Gemäß Art. 87 § 3
         kann das Gericht die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt,
         teils unterliegt oder wenn ein außergewöhnlicher Grund gegeben ist.
      
      119    Im vorliegenden Fall sind die Klägerinnen mit ihren Klagen und ist die Kommission mit ihrer Widerklage unterlegen. Allerdings
         ist festzustellen, dass im Wesentlichen die Klägerinnen unterlegen sind. Unter diesen Umständen ist zu entscheiden, dass die
         Klägerinnen ihre eigenen Kosten und 90 % der Kosten der Kommission tragen, während die Kommission 10 % ihrer eigenen Kosten
         trägt.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Achte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Widerklage der Europäischen Kommission wird abgewiesen.
      3.      Die Boliden AB, die Outokumpu Copper Fabrication AB und die Outokumpu Copper BCZ SA tragen ihre eigenen Kosten und 90 % der
            Kosten der Kommission. 
      4.      Die Kommission trägt 10 % ihrer eigenen Kosten.
      
               Martins Ribeiro 
            
            
                Papasavvas 
            
            
                Wahl
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 19. Mai 2010.
      Unterschriften
      Inhaltsverzeichnis
      
      Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1. Verwaltungsverfahren
      2. Angefochtene Entscheidung
      Relevante Produkte und relevanter Markt
      Elemente der in Rede stehenden Zuwiderhandlung
      Dauer und Kontinuität der in Rede stehenden Zuwiderhandlung
      Festsetzung des Betrags der Geldbußen
      Ausgangsbetrag der Geldbußen
      – Schwere
      – Differenzierte Behandlung
      Grundbetrag der Geldbußen
      Erschwerende und mildernde Umstände
      Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996
      Endgültiger Betrag der Geldbußen
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Rechtliche Würdigung
      1. Zum Antrag auf teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      2. Zum Antrag auf Herabsetzung des Betrags der Geldbuße
      Zum Klagegrund einer rechtsfehlerhaften Anwendung der Regeln über Verjährungsfristen
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum Klagegrund eines Verstoßes gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum Klagegrund der nicht ausreichenden Ermäßigung des Betrags der Geldbuße in Anbetracht der Zusammenarbeit der Klägerinnen
         nach der Mitteilung über Zusammenarbeit von 1996
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      3. Zur Widerklage, die auf die die Klägerinnen möglicherweise gegenüber Chalkor und der IMI‑Gruppe bevorzugenden Behandlung
         der Klägerinnen gestützt ist
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.