CELEX: 31977D0615
Language: de
Date: 1977-09-27 00:00:00
Title: 77/615/EWG: Beschluß des Rates vom 27. September 1977 zur Festlegung verschiedener Informatikvorhaben auf dem Gebiet der Software-Portabilität

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31977D0615

77/615/EWG: Beschluß des Rates vom 27. September 1977 zur Festlegung verschiedener Informatikvorhaben auf dem Gebiet der Software-Portabilität  

Amtsblatt Nr. L 255 vom 06/10/1977 S. 0022 - 0024 Griechische Sonderausgabe: Kapitel 16 Band 1 S. 0017 

BESCHLUSS DES RATES  vom 27. September 1977  zur Festlegung verschiedener Informatikvorhaben auf dem Gebiet der Software-Portabilität  (77/615/EWG)  DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 235,  auf Vorschlag der Kommission,  nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments (1),  nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (2),  in Erwägung nachstehender Gründe:  Der Rat hat in seiner Entschließung vom 15. Juli 1974 über eine gemeinschaftliche Politik auf dem Gebiet der Datenverarbeitung (3) seinen Willen zum Ausdruck gebracht, im Hinblick auf eine gemeinschaftliche Gestaltung der Politik der Unterstützung und Förderung der Datenverarbeitung auf Vorschlag der Kommission industrielle Entwicklungsvorhaben auf Gebieten von gemeinsamem Interesse und der internationalen Zusammenarbeit zu erlassen.  Die Software-Portabilität soll es den Benutzern ermöglichen, ihre Konversionskosten für den Übergang von einem Ausrüstungstyp zum anderen wesentlich zu verringern. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, eine Reihe von Vorhaben zur industriellen Entwicklung von Sprachen, Systemen und portablen Produkten im Software-Bereich zu fördern.  Diese Vorhaben erscheinen notwendig, um bestimmte Ziele der Gemeinschaft im Rahmen des Funktionierens des Gemeinsamen Marktes zu erreichen.  Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft hat die hierfür erforderlichen Befugnisse nicht vorgesehen -  BESCHLIESST:    Artikel 1 Es werden drei gemeinsame Vorhaben auf dem Gebiet der Datenverarbeitung beschlossen, die folgendes umfassen:    a) eine Studie über eine Sprache für das Schreiben von Software,       b) eine Studie über die Konversionsinstrumente,       c) eine Studie über die Möglichkeit der Entwicklung einer gemeinsamen Software-Schnittstelle für Kleinrechner.         Diese Vorhaben sind im Anhang unter Nummer II beschrieben.   Artikel 2 Die Laufzeit der in Artikel 1 genannten Studien beträgt ein Jahr. Die zu ihrer Durchführung notwendigen Mittel, deren Betrag auf 390 000 Rechnungseinheiten festgesetzt wird, werden in den Haushaltsplan der Europäischen Gemeinschaften eingesetzt.   Artikel 3 Die Kommission sorgt für die Durchführung der Vorhaben. Sie wird darin durch den Beratenden Programmausschuß für das gemeinsame Projektprogramm auf dem Gebiet der Datenverarbeitung unterstützt.  Die Kommission legt dem Rat nach Abschluß der Untersuchungen einen Bericht vor.     Geschehen zu Brüssel am 27. September 1977.  Im Namen des Rates  Der Präsident  A. HUMBLET  (1)ABl. Nr. C 28 vom 9.2.1976, S. 6. (2)ABl. Nr. C 131 vom 12.6.1976, S. 8. (3)ABl. Nr. C 86 vom 20.7.1974, S. 1.     ANHANG VORHABEN AUF DEM GEBIET DER SOFTWARE-PORTABILITÄT  I. EINLEITUNG    Daß sich auf dem Markt für Datenverarbeitungsanlagen verschiedene Hersteller betätigen, wirft für Benutzer, die ihre Anwendungen auf neue, leistungsfähigere Geräte übertragen oder gleichzeitig mehrere inkompatible Geräte verwenden wollen, zahlreiche Probleme auf.  Die Schwierigkeiten, denen sich der Anwender gegenübersieht, wenn er Anwendungsprogramme auf neuen Geräten oder gleichzeitig auf verschiedenartigen Geräten verwenden will, hängen im wesentlichen davon ab, was man als ihre Portabilität bezeichnet.  Ähnliche Probleme treten auch auf, wenn verschiedene Gerätetypen miteinander kommunizieren sollen.  Unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist die Portabilität der Anwendungsprogramme nur in wenigen Fällen gegeben, und bisweilen fehlt sie völlig : Der Wechsel von einem Hersteller zum anderen wird zu einem schwierigen Problem, das viele zu umgehen suchen.  Eine erste Schätzung der Mindestausgaben für die in den nächsten fünf Jahren zu erwartende Programmkonversion beläuft sich - sofern keine Gemeinschaftsmaßnahme durchgeführt wird - auf mehr als 1 Mrd. Rechnungseinheiten.  Damit diese technisch und wirtschaftlich ungünstige Lage bewältigt werden kann, soll mit diesen Vorhaben die Software-Portabilität gefördert werden.  Die Vorhaben, denen eingehende Studien und Konsultationen zugrunde liegen, umfassen folgendes:    a) eine Studie über eine Sprache für das Schreiben von Software,       b) eine Studie über die Konversionsinstrumente,       c) eine Studie über die Möglichkeit der Entwicklung einer gemeinsamen Software-Schnittstelle für Kleinrechner.         Was die unter Buchstabe c) genannte Studie betrifft, so haben mehrere Hersteller von kleinen und Peripheriegeräten ein besonderes Interesse für die Möglichkeit der Entwicklung einer modernen Software-Schnittstelle gezeigt, die die Software portabel oder auf unterschiedlichen Ausrüstungen kompatibel machen würde.  Hiervon verspricht man sich vor allem zwei Vorteile:    - eine längere Lebensdauer der Software-Erzeugnisse,       - die Möglichkeit einer umfassenderen Integration von Erzeugnissen, die ursprünglich hätten inkompatibel sein können.         Auch für den Anwender sind deutliche Vorteile zu erwarten, und zwar    - eine erhöhte Wahlfreiheit und damit eine bessere Möglichkeit der Anpassung an den Bedarf,       - mehr Flexibilität bei der Organisation des Datenaustauschs oder der Verfahren der Zuweisung von Arbeiten in einem Umfeld mit verteilter Intelligenz.         Da die Kosten für die Software-Entwicklung ständig stark steigen, ist der wirtschaftliche Nutzen eines einheitlichen Vorgehens nicht gering zu veranschlagen.  Andererseits könnte jedoch ein derartiges Vorgehen der europäischen Hersteller von kleinen und Peripheriegeräten in Richtung auf die Entwicklung einer Software-Schnittstelle insbesondere für einige grössere Firmen, die eine starke Marktstellung haben und "Problemlösungen" verkaufen, bestimmte Nachteile haben. Diese Unternehmen sehen in der spezifischen Eigenart ihrer Erzeugnisse einen Schutz ihres Marktes. Darüber hinaus kann eine Ad-hoc-Lösung wirtschaftlicher und leistungsfähiger sein, wenn die Grösse des Marktes ausreicht und eine breite Palette von Produkten zur Verfügung steht.  Zur Analyse der möglichen Vor- und Nachteile eines derartigen Vorgehens sowie seiner Durchführbarkeit ist daher eine Studie erforderlich. Die Studie muß sich vor allem auf die Anwendungsprogramme auf den Gebieten der Nachrichtenübermittlung und der Datenübermittlung konzentrieren.  In der Nachrichtenübermittlung werden immer mehr Kleinrechner eingesetzt. Die von der Kommission befragten Hersteller von kleinen und Peripheriegeräten sind der Ansicht, daß sich für die Geräte dieses Sektors wahrscheinlich Vorteile aus einem derartigen Vorgehen ergeben (wie beispielsweise bei Bürorechnern).  Die Datenübermittlung ist einer der meistversprechenden Sektoren des Elektronikmarktes und weist hier das stärkste Wachstum auf. Da sie in einem ausgedehnten Anwendungsbereich, von der Kontrolle von Prozessen bis zu Systemen der Datensammlung in Wissenschaft und Verwaltung eine wichtige Rolle spielt, werden die meisten Hersteller von kleinen und Peripheriegeräten davon betroffen sein.  Sollte sich ein kommerzieller Erfolg einstellen, so wird die Gemeinschaft für die der Industrie zur Entwicklung der unter diese Vorhaben fallenden portablen Erzeugnisse zugewiesenen Mittel eine Erstattung erhalten, und zwar im Rahmen eines Schemas, das nach den allgemeinen Regeln der Verwaltung der Vorhaben und des mittelfristigen Programms festzulegen wäre.   II. BESCHREIBUNG DER VORHABEN       1. Studie über eine Sprache für das Schreiben von Software  Die Entwicklung aller portablen Erzeugnisse, die Gegenstand dieser Vorhaben sind, hängt davon ab, daß es eine solche Sprache und die für die verschiedenen Ausrüstungen geeigneten Compiler gibt.  Die Entwicklung einer solchen Sprache muß daher als eine Sache von höchster Dringlichkeit angesehen werden.  Die Studie dient der Ermittlung der notwendigen Merkmale der künftigen ESL (European System Language) und wird begleitet von Tests mit existierenden Sprachen, durch die festgestellt werden soll, ob eine von ihnen kurzfristig für einen breiteren Einsatz und eine spätere Weiterentwicklung übernommen werden kann. Die Wahl der Sprache muß nach sehr strengen Kriterien erfolgen, die neben den Kriterien, die sich aus der Studie ergeben, mindestens die folgenden umfassen müssen:      - Compiler der gewählten Sprache müssen für verschiedene Ausrüstungsarten bestehen;           - diese Compiler müssen sich für die Herstellung von Objektprogrammen des Typs "System" eignen;           - die Kosten für die Entwicklung neuer Versionen von Compilern für andere Ausrustungsarten müssen sich verringern;           - es muß in der gewählten Sprache portable Erzeugnisse geben, die ihre Leistungsfähigkeit und Portabilität unter Beweis gestellt haben.             Für diese Studie und dieses Auswahlverfahren sind etwa neun Monate vorgesehen.  Dabei werden folgende Ergebnisse erwartet:      a) Definition der künftigen Merkmale der ESL,           b) falls eine existierende Sprache den erforderlichen künftigen Entwicklungen gerecht werden könnte, Ermittlung der Merkmale, die zu ändern oder weiterzuentwickeln wären.             Die für 1978 vorgesehenen späteren Phasen des Vorhabens hängen von den Ergebnissen der Studienphase ab und erfordern einen Beschluß in Rahmen des Mehrjahresprogramms.       2. Studie über die Konversionsinstrumente  Mit Hilfe der portablen Erzeugnisse, die Gegenstand dieser Vorhaben sind, soll mittel- und langfristig die Möglichkeit geschaffen werden, die Inkompatibilität zwischen den verschiedenen Ausrüstungsarten zu verringern und die Portabilität neuer Anwendungsprogramme zu fördern. Es gibt jedoch einen sehr erheblichen Bestand an Computeranwendungen, der eine Umstellung erfordert, so oft die Ausrüstung gewechselt wird.  Das Vorhaben zur Entwicklung von Konversionsinstrumenten liegt somit im Interesse eines jeden Anwenders, der heute zu einem anderen Computer überwechseln möchte, und besitzt also einen hohen Grad von Dringlichkeit.  Damit die Konversionsvorgänge zu den für die Benutzer günstigsten technischen und wirtschaftlichen Bedingungen erfolgen, müssen eine Reihe von Arbeitsinstrumenten, wie COBOL und FORTRAN-Übersetzer, Übersetzer für Assembler, Steuersprachen, Datenumsetzer usw., vorliegen.  In der ersten Phase wäre eine Studie über den Bedarf sowie eine Prüfung derjenigen Instrumente durchzuführen, die bereits verfügbar sind oder sich im einzelstaatlichen Rahmen bzw. bei den Unternehmen in Entwicklung befinden ; anschließend wären Spezifizierungen für die Konversionsinstrumente und -dienste auszuarbeiten, für deren Weiterentwicklung eine Gemeinschaftsunterstützung wünschenswert erscheint und die einen möglichst breiten Anwendungsbereich haben sollten.  Die zweite Phase, die zwei Jahre umfassen und die Entwicklung der als notwendig erachteten Instrumente ermöglichen soll, wird im Rahmen des Mehrjahresprogramms zu beschließen sein.       3. Studie über die Möglichkeit der Entwicklung einer gemeinsamen Software-Schnittstelle für Kleinrechner  Mit dieser Studie soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen ein gemeinsamer Kern für ein Betriebssystem für Kleinrechner, d.h. eine gemeinsame Software-Schnittstelle auf hohem Niveau, entwickelt werden kann.  Diese Wahl lässt sich insofern rechtfertigen, als ein wachsender Teil der Software-Grundfunktionen niedrigen Niveaus durch Hardware wahrgenommen wird, und es ist abzusehen, daß diese Entwicklung angesichts der raschen technischen Fortschritte in naher Zukunft immer weiter um sich greift.  Besondere Aufmerksamkeit ist dem Niveau der Kompatibilität und/oder der Portabilität der Software in einem Umfeld mit verteilter Intelligenz zu schenken. Die Studie ist also vor allem auf die Anwendung der Datenübermittlung auszurichten ; jedoch sind die Möglichkeiten der Ausdehnung auf andere Anwendungen zu berücksichtigen und die Voraussetzungen hierfür anzugeben.  Die Studie soll sich auf folgende Aspekte erstrecken:      a) Analyse der neuesten Konzepte bezueglich der Architektur von Systemen, die Minicomputer und Mikroprozessoren benutzen, und Abschätzung ihrer Trends bezogen auf die voraussichtliche Lebensdauer des Software-Erzeugnisses;           b) Ermittlung der Leistungsfähigkeit und der grundlegenden Merkmale eines Betriebssystems, wobei besonderer Nachdruck auf die mit der Anwendung in einem Umfeld mit verteilter Intelligenz verbundenen spezifischeren Faktoren zu legen ist;           c) Prüfung der optimalen Einsatzmöglichkeit der Software-Schnittstelle unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Phasen a) und b) sowie der Wechselwirkung mit Austauschverfahren für Standarddaten, der Schnittstelle mit öffentlichen Netzen und der mehrstufigen Kompatibilität (nach oben und nach unten);           d) Prüfung der Wechselwirkungen zwischen den Merkmalen von Rechner, Software und Netz, einschließlich Überlegungen über eine gemeinsame Programmiersprache und bestimmte Untersysteme;           e) eingehende Ermittlung der wirtschaftlichen Risiken und Vorteile einer gemeinsamen Software-Schnittstelle sowie der Bedingungen und Marktsektoren, unter denen bzw. für die sie nützlich wäre. Sie muß auch Kosten- und Zeitschätzungen sowie die spezifischen Hypothesen einschließen, von denen hierbei ausgegangen wurde.