CELEX: 31989D0244
Language: de
Date: 1989-03-21 00:00:00
Title: 89/244/EWG: Entscheidung der Kommission vom 21. Maerz 1989 zur Ermaechtigung bestimmter Mitgliedstaaten, für Speisekartoffeln mit Ursprung in der Tuerkei Ausnahmen von einigen Vorschriften der Richtlinie 77/93/EWG zuzulassen (Nur der französische, deutsche und niederländische Text sind verbindlich)

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31989D0244

89/244/EWG: Entscheidung der Kommission vom 21. Maerz 1989 zur Ermaechtigung bestimmter Mitgliedstaaten, für Speisekartoffeln mit Ursprung in der Tuerkei Ausnahmen von einigen Vorschriften der Richtlinie 77/93/EWG zuzulassen (Nur der französische, deutsche und niederländische Text sind verbindlich)  

Amtsblatt Nr. L 099 vom 12/04/1989 S. 0026 - 0029

*****  ENTSCHEIDUNG  DER KOMMISSION  vom 21. März 1989  zur Ermächtigung bestimmter Mitgliedstaaten, für Speisekartoffeln mit Ursprung in der Türkei Ausnahmen von einigen Vorschriften der Richtlinie 77/93/EWG zuzulassen  (Nur der französische, der niederländische und der deutsche Text sind verbindlich)  (89/244/EWG)  DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN  GEMEINSCHAFTEN -  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,  gestützt auf die Richtlinie 77/93/EWG des Rates vom 21. Dezember 1976 über Maßnahmen zum Schutz gegen das Verbringen von Schadorganismen der Pflanzen oder Pflanzenerzeugnisse in die Mitgliedstaaten (1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 89/83/EWG (2), insbesondere auf Artikel 14 Absatz 3,  auf Antrag Belgiens, der Bundesrepublik Deutschland, Luxemburgs und der Niederlande,  in Erwägung nachstehender Gründe:  Gemäß der Richtlinie 77/93/EWG dürfen Knollen der Kartoffel mit Ursprung in der Türkei wegen der Gefahr der Einschleppung von in der Gemeinschaft unbekannten exotischen Kartoffelkrankheiten im Prinzip nicht in die Gemeinschaft verbracht werden.  Artikel 14 Absatz 3 der vorgenannten Richtlinie lässt jedoch Ausnahmen von dieser Regel zu, sofern festgestellt wird, daß eine Ausbreitung von Schadorganismen nicht zu befürchten ist.  In der Türkei ist der frühe Anbau von Speisekartoffeln unter Verwendung von Pflanzkartoffeln aus bestimmten Mitgliedstaaten ständige Praxis.  In der Türkei gesammelte und amtlich übermittelte Erkenntnisse berechtigen zu der Annahme, daß Kartoffeln dort unter angemessenen hygienischen Bedingungen angebaut werden können und daß von dort derzeit keine exotischen Kartoffelkrankheiten eingeschleppt werden können. Dies gilt insbesondere für bestimmte Teile der Provinz Adana, in der erst 1987 mit dem Kartoffelanbau begonnen wurde. Ausserdem wendet die Türkei bei der Kartoffelerzeugung in dieser Provinz angemessene Gesundheits- und Qualitätsmaßstäbe an. Da diese Kartoffeln von Pflanzkartoffeln stammen, die von der Gemeinschaft geliefert wurden, ist das Auftreten von in der Gemeinschaft unbekannten exotischen Kartoffelkrankheiten unwahrscheinlich.  Es kann daher aufgrund der zur Zeit verfügbaren Informationen festgestellt werden, daß eine Ausbreitung von Schadorganismen nicht zu befürchten ist, wenn bestimmte technische Bedingungen eingehalten werden. Die Kommission wird dafür sorgen, daß die türkischen Behörden alle technischen Angaben übermitteln, die zur Überwachung der Anwendung der im Rahmen dieser technischen Bedingungen erforderlichen Schutzmaßnahmen notwendig sind. Die Kartoffeln werden zu einer Zeit eingeführt, zu der sie den Gesundheitszustand der in der Gemeinschaft erzeugten Kartoffeln nicht beeinflussen können.  Die antragstellenden Möglichkeiten sollen daher für die bevorstehende Frühsaison ermächtigt werden, unter den vorerwähnten besonderen technischen Bedingungen Ausnahmen für Speisekartoffeln mit Ursprung in der Türkei vorzusehen. Dieses System soll aufgrund einer Beurteilung der von den türkischen Behörden zu übermittelnden technischen Angaben und der Ergebnisse der Überwachung der im Rahmen dieser Entscheidung in die Gemeinschaft eingeführten Kartoffeln überprüft werden.  Die in dieser Entscheidung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für Pflanzenschutz -  HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:  Artikel 1  (1) Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Luxemburg und die Niederlande werden ermächtigt, nach Maßgabe von Absatz 2 für Speisekartoffeln mit Ursprung in der Türkei beim Handel in oder zwischen ihren Hoheitsgebieten Ausnahmen von Artikel 4 Absatz 1 der Richtlinie 77/93/EWG hinsichtlich der in Anhang III Teil A Nummer 9 Buchstabe a) dieser Richtlinie genannten Verbote vorzusehen.  (2) Folgende Bedingungen müssen dabei erfuellt sein:  a) die Kartoffeln sind Speisekartoffeln;  b) sie sind entweder unreife, d.h. losschalige Kartoffeln ohne Korkschicht, oder sie sind mit einem Keimhemmungsmittel behandelt worden;  c) sie sind in der Provinz Adana südlich der Linie Kransali-Duzici angebaut worden;  d) sie gehören Sorten an, deren Pflanzgut ausschließlich aus den Mitgliedstaaten in die Türkei eingeführt worden ist;  e) sie sind die direkte Nachkommenschaft von Pflanzkartoffeln, die im Jahre 1988 in Mitgliedstaaten amtlich als »Basispflanzgut" oder »Zertifiziertes Pflanzgut" anerkannt wurden;  f) sie sind nur mit Geräten in Berührung gekommen, die ihnen vorbehalten oder die nach jeder Verwendung für andere Zwecke in geeigneter Weise desinfiziert worden sind;  g) sie haben sich nicht in Lagerhäusern befunden, in denen Kartoffeln anderer als unter Buchstabe d) genannter Sorten gelagert worden sind;  h) sie sind mit einer Toleranz von 0,5 % des Gewichts frei von Erdbesatz und frei von Blatt- und anderem pflanzlichen Besatz;  i) es wurden ihnen von der türkischen Pflanzenschutzorganisation nach international gebräuchlichen Methoden Stichproben entnommen, und bei der von dieser Pflanzenschutzorganisation durchgeführten amtlichen Untersuchung hat sich ergeben, daß sie im Rahmen der Toleranzen für Knollen mit Mängeln gemäß Anhang I liegen, und zwar bis zu einer Mängelgrenze von insgesamt 4,5 v.H. der Knollenzahl für alle Mängel zusammen und bis zu einer Mängelgrenze von insgesamt 2 v. H. der Knollenzahl für alle anderen Mängel als ergrünte Knollen, Grössenabweichungen und Beimischung fremder Sorten, sofern die Kartoffeln frei von lebenden Larven, Puppen oder ausgewachsenen bohrenden Insekten sind. Die Kartoffeln haben diesen Toleranzen auch bei jeder von anderen Stellen zu anderen Zwecken durchgeführten Untersuchung entsprochen;  k) sie sind verpackt:  - entweder in neuen Säcken oder  - in Behältnissen, die in geeigneter Weise desinfiziert worden sind;  jeder Sack oder jedes Behältnis wird mit einem amtlichen Etikett versehen, das die in Anhang II aufgeführten Angaben trägt;  l) das gemäß Artikel 12 Absatz 1 Buchstabe b) der Richtlinie 77/93/EWG erforderliche Pflanzengesundheitszeugnis enthält:  - in dem für Angaben unter »Behandlung zur Entseuchung und/oder Desinfektion" vorbehaltenen Teil der Einzelheiten zu den etwaigen unter Buchstabe b) zweiter Fall und/oder Buchstabe k) zweiter Gedankenstrich genannten Behandlungen,  - in dem für Angaben unter »Zusätzliche Erklärung" vorbehaltenen Teil:  - Bezeichnung der Sorte,  - Kennummer oder Bezeichnung des Betriebs, in dem die Kartoffeln erzeugt worden sind, und dessen Ortsangabe,  - Bezugsangabe, die eine Identifizierung der gemäß Buchstabe e) verwendeten Pflanzgutpartie ermöglicht,  - Ergebnisse der Untersuchung auf das Vorhandensein von Kartoffeln mit Mängeln gemäß Buchstabe i);  m) die Einhaltung der unter den Buchstaben b) und h) bis l) genannten Bedingungen kann durch einen auf Antrag der Kommission entsandten Inspektor überwacht worden sein; in diesem Fall bestätigt der Inspektor die Überwachung in dem amtlichen Pflanzengesundheitszeugnis gemäß Buchstabe l);  n) bei der Ankunft werden die Kartoffeln vom Einfuhrmitgliedstaat im Hinblick auf die Einhaltung der unter Buchstabe i) genannten Anforderungen untersucht. Eine zusätzliche Toleranz von 0,5 % der Knollenzahl für Naßfäule ist zulässig;  o) bei der Ankunft zieht der Einfuhrmitgliedstaat aus jeder Partie eingeführter Kartoffeln mindestens sechs Proben von je 200 Knollen; drei Proben werden im amtlichen Laboratorium des Einfuhrmitgliedstaats auf Schadorganismen untersucht, und drei Proben werden zur amtlichen Untersuchung nach anderen Mitgliedstaaten versandt. Besteht jedoch eine Partie aus 45 Tonnen oder weniger, so werden nur zwei Proben gezogen, von denen die eine für die amtliche Untersuchung durch die Einfuhrmitgliedstaaten und die andere für den Versand in einen anderen Mitgliedstaat zum Zweck einer amtlichen Untersuchung bestimmt ist. Die jeweiligen Schadorganismen und die Einzelheiten der Untersuchung werden im Einvernehmen mit den Pflanzenschutzdiensten der Mitgliedstaaten festgelegt.  Artikel 2  (1) Die Ermächtigung gemäß Artikel 1 gilt bis zum 15. Mai 1989. (2) Die Ermächtigung wird widerrufen, falls die darin festgelegten Bedingungen sich als unzureichend erweisen, die Einschleppung von Schadorganismen zu verhindern, oder nicht eingehalten worden sind.  Artikel 3  Belgien, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande unterrichten die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten vor dem 1. August 1989 über die gemäß dieser Entscheidung eingeführten Mengen und übermitteln ihnen einen eingehenden technischen Bericht über die amtliche Untersuchung gemäß Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe o). Die Kommission erhält eine Abschrift von jedem Pflanzengesundheitszeugnis.  Artikel 4  Diese Entscheidung ist an das Königreich Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, das Großherzogtum Luxemburg und das Königreich der Niederlande gerichtet.  Brüssel, den 21. März 1989  Für die Kommission  Ray MAC SHARRY  Mitglied der Kommission  (1) ABl. Nr. L 26 vom 31. 1. 1977, S. 20.  (2) ABl. Nr. L 32 vom 3. 2. 1989, S. 29.  ANHANG I  Toleranzen für Knollen mit Mängeln  (nach Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe i))  1.2 //  //  // Art der Mängel   // Prozent der Knollenzahl  //    //   // Schwere Mängel   //   // Schwere, durch mechanische Einwirkungen verursachte Beschädigungen   // 1,0  // Durch Krankheiten verursachte Beschädigungen (Schorf)  // 0,5   // Ergrünte Knollen   // 2,0   // Naßfäule   // 0,0  // Trockenfäule   // 0,5   // Leichte Mängel   //  // Erdbesatz   // 0,5 (Gewichtsanteil in %)   // Leichte, durch mechanische Einwirkungen verursachte Beschädigungen  // 1,0   // Durch Insekten verursachte Beschädigungen   // 1,0   // Grössenabweichungen, Sortierung nach dem Querdurchmesser  // 1,0   // Beimischung fremder Sorten   // 0,0   //    //  ANHANG II  Auf dem Etikett aufzuführende Angaben  (nach Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe i))  1. Name der das Etikett ausstellenden Behörde.  2. Name der Ausführungsorganisation.  3. Angabe »Speisekartoffeln aus der Türkei".  4. Sorte.  5. Erzeugerprovinz.  6. Grössen.  7. Angegebenes Reingewicht.  8. Angabe »gemäß Entscheidung 89/244/EWG".  9. Zeichen oder Stempel der türkischen Pflanzenschutzorganisation.