CELEX: 51988PC0269
Language: de
Date: 1988-05-24
Title: VORSCHLAG FUER EINE RICHTLINIE DES RATES ZUR BEWEISLAST IM BEREICH DES GLEICHEN ENTGELTS UND DER GLEICHBEHANDLUNG VON FRAUEN UND MAENNERN

5. 7. 88                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr. C 176/5
                                                             II
                                                 (Vorbereitende Rechtsakte)
                                               KOMMISSION
             Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Beweislast im Bereich des gleichen Entgelts und der
                                        Gleichbehandlung von Frauen und Männern
                                                    KOM(88)    269 endg.
                                (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 27. Mai 1988)
                                                      (88/C 176/09)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                        schrittweisen Verwirklichung des Grundsatzes der
                                                                 Gleichbehandlung für Männer und Frauen im Bereich
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Euro-                  der sozialen Sicherheit (") und am 24. Juli 1986 die
päischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf die           Richtlinie 86/378/EWG zur Verwirklichung des Grund-
Artikel 100 und 235,                                             satzes der Gleichbehandlung von Männern und Frauen
                                                                 bei den betrieblichen Systemen der sozialen Sicher-
auf Vorschlag der Kommission,                                    heit (5).
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,                  Die Kommission verpflichtete sich in ihrer Mitteilung an
                                                                 den Rat vom 20. Dezember 1985, über ein mittelfristiges
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-               Programm der Gemeinschaft zur Chancengleichheit der
schusses,                                                        Frauen 1986-1990 „einen gemeinschaftlichen Rechtsakt
                                                                 zum Grundsatz der Beweislastumkehr bezüglich sämtli-
in Erwägung nachstehender Gründe:                                cher Vorschriften auf dem Gebiet der Gleichbehandlüng
                                                                 vorzuschlagen" (6).
Die Anwendung des in Artikel 119 des Vertrages nieder-
gelegten Grundsatzes des gleichen Entgelts für männli-
                                                                 Der Rat billigte in seiner Entschließung vom 24. Juli
che und weibliche Arbeitskräfte ist Grundlage der Er-
                                                                 1986 zur Förderung der Chancengleichheit der Frauen
richtung und des Funktionierens des Gemeinsamen
                                                                 die allgemeinen Ziele der Mitteilung der Kommission
Marktes.
                                                                 und forderte die Mitgliedstaaten auf, „eine effektive An-
                                                                 wendung der auf dem Gebiet der Gleichbehandlung be-
Am 10. Februar 1975 verabschiedete der Rat die Richtli-
                                                                 stehenden Rechtsvorschriften zu gewährleisten, vor allem
nie 75/117/EWG zur Angleichung der Rechtsvorschrif-
                                                                 durch die Prüfung aller Aspekte im Zusammenhang
ten der Mitgliedstaaten über die Anwendung des Grund-
                                                                 mit den Problemen der Beweisführung in diesem Be-
satzes des gleichen Entgelts für Männer und Frauen (').
                                                                 reich" (7).
Zur Regelung einiger anderer Fragen im Bereich der
Gleichbehandlung von Männern und Frauen verabschie-              Der Rat übernahm in seiner Entschließung vom 22. De-
dete der Rat am 9. Februar 1976 die Richtlinie                   zember 1986 über ein Aktionsprogramm zur Förderung
76/207/EWG zur Verwirklichung des Grundsatzes der                des Beschäftigungswachstums die Verpflichtung, Ent-
Gleichbehandlung von Männern und Frauen hinsichtlich             scheidungen und Maßnahmen zu treffen, um die Chan-
des Zugangs zur Beschäftigung, zur Berufsbildung und             cengleichheit für Frauen beim Zugang zum Arbeits-
zum beruflichen Aufstieg sowie in bezug auf die Arbeits-         markt und bei den Beschäftigungsmöglichkeiten durch
bedingungen (2) und am 11. Dezember 1986 die Richtli-            „die Durchführung des mittelfristigen Programms
nie 86/613/EWG zur Verwirklichung des Grundsatzes                (1986—1990) der Gemeinschaft" zu fördern (8).
der Gleichbehandlung von Männern und Frauen, die
eine selbständige Erwerbstätigkeit — auch in der Land-           Die Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes in
wirtschaft — ausüben, sowie über den Mutterschutz (3).           dem von Artikel 119 des Vertrages und den Ratsrichtli-
                                                                 nien umfaßten Bereich muß sichergestellt werden.
Zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Be-
reich der sozialen Sicherheit verabschiedete der Rat am
 19. Dezember 1978 die Richtlinie 79/7/EWG zur                   (4) ABl. Nr. L 6 vom 10. 1. 1979, S. 24.
                                                                 C)  ABl. Nr. L 225 vom 12. 8. 1986, S. 40.
0) ABl. Nr. L 45 vom 19. 2. 1975, S. 19.                         (6) Beilage 3/86 — Bull. EG, Ziffer 19c.
(2) ABl. Nr. L 39 vom 14. 2. 1976, S. 40.                        O   ABl. Nr. C 203 vom 12. 8. 1986, S. 2, Ziff. 4—5.
O ABl. Nr. L 359 vom 19. 12. 1986, S. 56.                        (8) ABl. Nr. C 340 vom 31. 12. 1986, S. 2, Ziff. 2(f).
 ---pagebreak--- N r . C 176/6                                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                           5. 7. 88
Z u r Verwirklichung des in diesen Bestimmungen aufge-                                                 ABSCHNITT II
stellten Gleichbehandlungsgrundsatzes müssen zusätzli-
                                                                                                 Besondere Vorschriften
che M a ß n a h m e n zur Verbesserung des Verfahrens und
der Beweisführung vor einzelstaatlichen Gerichten oder
anderen zuständigen Stellen ergriffen werden.                                                              Artikel 3
                                                                                     DIE VERLAGERUNG DER BEWEISLAST
In den Mitgliedstaaten bestehen in diesem Bereich nach                    (1)      W e n n Personen, die sich durch die N i c h t a n w e n -
wie vor Unterschiede. D a h e r sind die einzelstaatlichen                d u n g des Grundsatzes der Gleichbehandlung f ü r be-
Rechtsvorschriften z u r Verwirklichung des Gleichbe-                     schwert halten, zu einem beliebigen Zeitpunkt des Ver-
handlungsgrundsatzes einander anzunähern.                                 fahrens vor einem Gericht oder einer anderen zuständi-
                                                                          gen Stelle U m s t ä n d e darlegen, die eine V e r m u t u n g f ü r
Für einige Bereiche sind im Vertrag die hierfür erforder-                 das Vorliegen einer Diskriminierung begründen, so stel-
lichen besonderen Handlungsbefugnisse nicht vorge-                        len die Mitgliedstaaten sicher, d a ß die Gegenpartei den
sehen —                                                                   Beweis d a f ü r anzutreten hat, d a ß kein Verstoß gegen
                                                                          den G r u n d s a t z der Gleichbehandlung vorliegt. D e r ver-
                                                                          bleibende Zweifel wird zugunsten der beschwerdeführen-
HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:                                         den Partei entschieden.
                                                                          (2)       Eine V e r m u t u n g f ü r das Vorliegen einer Diskrimi-
                                                                          nierung entsteht, wenn die beschwerdeführende Partei
                                 ABSCHNITT 1
                                                                          eine Tatsache oder eine Reihe von Tatsachen belegt, die
                           Allgemeine Vorschriften                        eine unmittelbare o d e r mittelbare Diskriminierung erge-
                                                                          ben, w e n n sie nicht widerlegt werden.
                                    Artikel  1
                                                                          (3)       Das Recht der Mitgliedstaaten, die Beweislast dem
(1)        Diese Richtlinie bezweckt, eine wirksamere                     Verfahrensgegner allein aufzuerlegen, wird durch diese
D u r c h f ü h r u n g der M a ß n a h m e n sicherzustellen, die von    Richtlinie nicht beeinträchtigt.
den Mitgliedstaaten g e m ä ß dem G r u n d s a t z der Gleich-
behandlung von M ä n n e r n und Frauen getroffen werden,
                                                                                                            Artikel  4
damit alle Personen, die sich wegen N i c h t a n w e n d u n g
des Grundsatzes der Gleichbehandlung f ü r beschwert                                                     VERFAHREN
halten, ihre Rechte nach etwaiger Befassung anderer zu-
                                                                           Die Mitgliedstaaten f ü h r e n in ihren einzelstaatlichen
ständiger Stellen gerichtlich geltend machen können.
                                                                           Rechtsordnungen M a ß n a h m e n ein, durch die sicherge-
                                                                          stellt wird, daß
 (2)       D e r G r u n d s a t z der Gleichbehandlung im Sinne
dieser Richtlinie ist in Artikel 119 des Vertrages und in                  a) Gerichte und andere zuständige Stellen alle erforder-
den Richtlinien des Rates 7 5 / 1 1 7 / E W G , 7 6 / 2 0 7 / E W G ,          lichen M a ß n a h m e n ergreifen können, die eine wirk-
7 9 / 7 / E W G , 8 6 / 3 7 8 / E W G und 8 6 / 6 1 3 / E W G verankert.       same Sachverhaltsaufklärung bei Beschwerden wegen
                                                                               Diskriminierung gewährleisten;
                                                                           b) den Parteien des Streitverfahrens alle maßgeblichen
                                    Artikel  2
                                                                               Auskünfte erteilt werden, die im Besitz einer der bei-
 (1)       Diese Richtlinie gilt:                                              den Parteien sind oder ihnen o h n e unangemessenen
                                                                               A u f w a n d zugänglich sind, damit diese ihre Rechte
 a) f ü r alle Rechtsakte der Gemeinschaft, die den in Arti-                   geltend machen können. Dabei sollten nur solche In-
      kel 1 Absatz 2 genannten G r u n d s a t z der Gleichbe-                  formationen offengelegt werden, welche nicht die In-
      handlung von M ä n n e r n und Frauen betreffen;                          teressen der anderen Partei aus G r ü n d e n , die mit dem
                                                                                Rechtsstreit in keinem Z u s a m m e n h a n g stehen, erheb-
                                                                                lich schädigen.
 b) f ü r alle Rechtsakte, die künftig in diesem Bereich er-
      lassen werden und eine A n w e n d u n g dieser Richtlinie
      nicht ausdrücklich ausschließen;                                                                       Artikel  5
                                                                                          MITTELBARE DISKRIMINIERUNG
 c) f ü r alle bürgerlich-rechtlichen und verwaltungsrechtli-
                                                                           (1)      Im Sinne des in Artikel 1 Absatz 2 genannten
      chen V e r f a h r e n des öffentlichen bzw. des privaten
                                                                           Grundsatzes der Gleichbehandlung liegt eine mittelbare
      Sektors, die nach einzelstaatlichem Recht zur D u r c h -
                                                                           Diskriminierung vor, w e n n eine ihrem W o r t l a u t nach
      f ü h r u n g der in diesem Artikel angeführten Rechtsakte
                                                                           neutrale Vorschrift ein Kriterium oder ein V e r f a h r e n
      verfügbar sind.
                                                                           enthält, das f ü r die Person eines Geschlechts, insbeson-
                                                                           dere wegen des Bezugs auf den Ehe- o d e r Familienstand,
 (2)        Diese Richtlinie gilt nicht f ü r Strafverfahren, auch         tatsächlich eine unverhältnismäßige nachteilige W i r k u n g
 w e n n diese nach einzelstaatlichem Recht verfügbar sind                 hat, die nicht durch zwingende G r ü n d e o d e r U m s t ä n d e
 z u r D u r c h f ü h r u n g der in Absatz 1 angeführten M a ß n a h -   gerechtfertigt ist, die in keinem Z u s a m m e n h a n g mit dem
 men.                                                                      Geschlecht der betroffenen Person stehen.
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(2)     Die Mitgliedstaaten stellen sicher, daß die Würdi-       (2)      Die Mitgliedstaaten beseitigen alle dieser Richt-
gung der Frage, ob in einem Einzelfall gegen den                 linie zuwiderlaufenden Vorschriften und treffen alle er-
Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen wurde, nicht            forderlichen Maßnahmen, um sicherzustellen, daß solche
von den Absichten des Beschwerdegegners abhängt.                 Vorschriften in Tarifverträgen, Einzelarbeitsverträgen,
                                                                 Betriebsordnungen von Unternehmen oder Statuten für
                                                                 selbständig Erwerbstätige und freie Berufe ebenso aufge-
                      ABSCHNITT III                              hoben oder geändert werden.
                     Schlußvorschriften                                                    Artikel 8
                                                                 (1)      Binnen zwei Jahren nach Ablauf der in Artikel 7
                          Artikel 6                              Absatz 1 festgesetzten Frist von drei Jahren übermitteln
Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, daß die in An-           die Mitgliedstaaten der Kommission alle zweckdien-
wendung dieser Richtlinie ergehenden Maßnahmen so-               lichen Angaben, damit diese für den Rat einen Bericht
wie die bereits geltenden einschlägigen Vorschriften allen       über die Anwendung dieser Richtlinie erstellen kann.
Betroffenen in jeder geeigneten Form bekanntgemacht              (2)      Anschließend übermitteln die Mitgliedstaaten der
werden, beispielsweise in den Betrieben.                         Kommission alle drei Jahre Angaben über den weiteren
                                                                 Verlauf der Anwendung dieser Richtlinie, die bereits gel-
                                                                 tenden Bestimmungen sowie Tendenzen in der Inan-
                          Artikel 7                              spruchnahme ihrer Vorschriften und ihrer Entwicklung,
(1)     Die Mitgliedstaaten setzen die erforderlichen            damit die Kommission für den Rat und das Parlament
Rechts- und Verwaltungsvorschriften in Kraft, um dieser          alle drei Jahre einen Bericht erstellen kann.
Richtlinie binnen drei Jahren nach ihrer Bekanntgabe                                       Artikel 9
nachzukommen, und unterrichten hiervon unverzüglich
die Kommission.                                                  Diese Richtlinie ist an die Mitgliedstaaten gerichtet.
               Vorschlag für eine Verordnung (EWG) des Rates zur Änderung der Verordnung (EWG)
                                Nr. 822/87 über die gemeinsame Marktorganisation für Wein
                                                     KOM(88)   281 endg.
                                  (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 30. Mai 1988)
                                                        (88/C 176/10)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                        wird künftig um den Unterschied zwischen dem An-
                                                                 kaufspreis und dem Verkaufspreis niedriger bewertet,
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäi-               der sich gemäß den Artikeln 7 und 8 der Verordnung
schen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Arti-             (EWG) Nr. 1883/78 des Rates vom 2. August 1978 über
kel 42 und 43,                                                   die allgemeinen Regeln für die Finanzierung der Inter-
                                                                 ventionen durch den Europäischen Ausrichtungs- und
                                                                 Garantiefonds für die Landwirtschaft, Abteilung Garan-
auf Vorschlag der Kommission,
                                                                  tie (3), zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG)
                                                                 Nr. 2095/87 (4), vorherbestimmen läßt.
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
                                                                  Bei Alkohol, der durch Destillation gemäß Artikel 35
in Erwägung nachstehender Gründe:                                 und 36 der Verordnung (EWG) Nr. 822/87 gewonnen
                                                                 wurde, übernimmt der EAGFL nur die Kosten, die sich
Der Europäische Rat vom 11. und 12. Februar 1988 hat              für den Absatz in anderen Sektoren als auf dem Markt
beschlossen, die allmähliche Beseitigung der durch die            für in der Gemeinschaft erzeugten Alkohol oder alkohol-
Vorräte an landwirtschaftlichen Erzeugnissen verursach-           haltige Getränke ergeben. Damit dieser Alkohol in ähnli-
ten potentiellen Belastungen anzustreben.                         cher Weise wie der durch Destillation gemäß Artikel 39
                                                                  der Verordnung (EWG) Nr. 822/87 gewonnene abge-
Der öffentliche Bestand des durch Destillation gemäß             wertet wird, ist eine besondere Vorschrift erforderlich,
Artikel 39 der Verordnung (EWG) Nr. 822/87 des Ra-                die in die letztgenannte Verordnung aufzunehmen ist —
tes ('), zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG)
Nr. 3992/87 der Kommission (2), gewonnenen Alkohols
 0) ABl. Nr. L 84 vom 27. 3. 1987, S. 1.                          O ABl. Nr. L 216 vom 5. 8. 1978, S. 1.
 (*) ABl. Nr. L 377 vom 31. 12. 1987, S. 20.                      (4) ABl. Nr. L 196 vom 17. 7. 1987, S. 3.