CELEX: 62002CJ0153
Language: de
Date: 2003-11-13
Title: Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 13. November 2003. # Valentina Neri gegen European School of Economics (ESE Insight World Education System Ltd). # Ersuchen um Vorabentscheidung: Giudice di pace di Genova - Italien. # Niederlassungsfreiheit - Anerkennung der Diplome - Von einer Universität mit Sitz in einem Mitgliedstaat ausgestelltes Diplom - Unterricht zur Vorbereitung auf das Diplom, der in einem anderen Mitgliedstaat und von einer anderen Bildungseinrichtung erteilt wird. # Rechtssache C-153/02.

Rechtssache C-153/02 Valentina NerigegenEuropean School of Economics (ESE Insight World Education System Ltd)(Vorabentscheidungsersuchen des Giudice di pace Genua)
         
            «Niederlassungsfreiheit – Anerkennung der Diplome – Von einer Universität mit Sitz in einem Mitgliedstaat ausgestelltes Diplom – Unterricht zur Vorbereitung auf das Diplom, der in einem anderen Mitgliedstaat und von einer anderen Bildungseinrichtung erteilt
               wird»
            
            
               
                  Schlussanträge des Generalanwalts F. G. Jacobs vom 10. April 2003 
                     
                
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 13. November 2003  
                     
                
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  
                  Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Anerkennung der Diplome und Befähigungsnachweise – Hochschulunterricht, der in einem Mitgliedstaat von einer Ausbildungseinrichtung erteilt wird, die eine Vereinbarung mit einer
                     Universität in einem anderen Mitgliedstaat abgeschlossen hat – Keine Rechtfertigung für die Nichtanerkennung der Diplome, die von dieser Universität erteilt werden und den Abschluss der
                     betreffenden Ausbildung bestätigen, durch den ersten Mitgliedstaat
                  (Artikel 43 EG)Artikel 43 EG steht einer Verwaltungspraxis entgegen, nach der von der Universität eines Mitgliedstaats ausgestellte Hochschuldiplome
         in einem anderen Mitgliedstaat nicht anerkannt werden können, wenn der Unterricht zur Vorbereitung auf die betreffenden Diplome
         in diesem anderen Mitgliedstaat von einer anderen Ausbildungseinrichtung gemäß einer Vereinbarung zwischen dieser Einrichtung
         und der Universität erteilt worden ist.vgl. Randnr. 51 und Tenor
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Fünfte Kammer)13. November 2003(1)
         
         
            
         
               „Niederlassungsfreiheit – Anerkennung der Diplome – Von einer Universität mit Sitz in einem Mitgliedstaat ausgestelltes Diplom – Unterricht zur Vorbereitung auf das Diplom, der in einem anderen Mitgliedstaat und von einer anderen Bildungseinrichtung erteilt
                  wird“
               
               
            In der Rechtssache C-153/02 
            betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 234 EG vom Giudice di pace Genua (Italien) in dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit
            
            
            
             Valentina Neri 
            
            
            gegen
            
             European School of Economics (ESE Insight World Education System Ltd) 
            
            
            vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung der Artikel 39 EG, 43 EG und 49 EG, des Beschlusses 63/266/EWG
            des Rates vom 2. April 1963 über die Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Durchführung einer gemeinsamen Politik der
            Berufsausbildung (ABl. 1963, Nr. 63, S. 1338) und der Richtlinie 89/48/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 über eine allgemeine
            Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen (ABl. 1989, L 19,
            S. 16),erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer),
            
            unter Mitwirkung der Richter D. A. O. Edward in Wahrnehmung der Aufgaben des Kammerpräsidenten, A. La Pergola und S. von Bahr (Berichterstatter), 
            
            Generalanwalt: F. G. Jacobs, Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin, 
            
            
            unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen
               
               
               ─
               von Frau Neri, vertreten durch A. Rocca, avvocato, 
               
               
               ─
               der European School of Economics, vertreten durch G. Conte und E. Minozzi, avvocati, 
               
               
               ─
               der italienischen Regierung, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von M. Massella Ducci Teri,
               avvocato dello Stato, 
               
               
               ─
               der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch E. Traversa und M. Patakia als Bevollmächtigte, 
               
               
            
            
            aufgrund des Sitzungsberichts,
            
            nach Anhörung der mündlichen Ausführungen der European School of Economics, vertreten durch G. Conte, G. Giacomini und C. G. Izzo,
               avvocati, der italienischen Regierung, vertreten durch A. Cingolo, avvocato dello Stato, und der Kommission, vertreten durch
               E. Traversa, in der Sitzung vom 13. Februar 2003,
            
            
            nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 10. April 2003
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
         Der Giudice di pace Genua hat mit Beschluss vom 18. April 2002, beim Gerichtshof eingegangen am 26. April 2002, gemäß Artikel
         234 EG drei Fragen nach der Auslegung der Artikel 39 EG, 43 EG und 49 EG, des Beschlusses 63/266/EWG des Rates vom 2. April
         1963 über die Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Durchführung einer gemeinsamen Politik der Berufsausbildung (ABl.
         1963, Nr. 63, S. 1338) und der Richtlinie 89/48/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung
         der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen (ABl. 1989, L 19, S. 16), zur Vorabentscheidung
         vorgelegt. 
         
            
               Rechtlicher Rahmen
            Gemeinschaftsrecht
         
         
         2
            
         Artikel 43 EG sieht vor: Die Beschränkungen der freien Niederlassung von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats
         sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verboten. Das Gleiche gilt für Beschränkungen der Gründung von Agenturen, Zweigniederlassungen
         oder Tochtergesellschaften durch Angehörige eines Mitgliedstaats, die im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats ansässig sind.Vorbehaltlich des Kapitels über den Kapitalverkehr umfasst die Niederlassungsfreiheit die Aufnahme und Ausübung selbständiger
         Erwerbstätigkeiten sowie die Gründung und Leitung von Unternehmen, insbesondere von Gesellschaften im Sinne des Artikels 48
         Absatz 2, nach den Bestimmungen des Aufnahmestaats für seine eigenen Angehörigen.
         
         
         3
            
         Mit der Richtlinie 89/48 soll den europäischen Bürgern die Ausübung aller beruflichen Tätigkeiten, die in einem Aufnahmestaat
         von einer weiterführenden Bildung im Anschluss an den Sekundarabschnitt abhängig sind, erleichtert werden, sofern sie solche
         Diplome besitzen, die sie auf diese Tätigkeiten vorbereiten, die einen wenigstens dreijährigen Studiengang bescheinigen und
         die in einem anderen Mitgliedstaat ausgestellt wurden. 
         
         
         4
            
         Artikel 1 Buchstabe a der Richtlinie 89/48 bestimmt: Im Sinne dieser Richtlinie gelten
         
         a)
         als Diplome alle Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstige Befähigungsnachweise bzw. diese Diplome, Prüfungszeugnisse oder
         sonstigen Befähigungsnachweise insgesamt, 
         
         
         
               ─
                  die in einem Mitgliedstaat von einer nach seinen Rechts- und Verwaltungsvorschriften bestimmten zuständigen Stelle ausgestellt
                  werden, 
               
         
         
         
         
               ─
                  aus denen hervorgeht, dass der Diplominhaber ein mindestens dreijähriges Studium oder ein dieser Dauer entsprechendes Teilzeitstudium
                  an einer Universität oder einer Hochschule oder einer anderen Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau absolviert
                  und gegebenenfalls die über das Studium hinaus erforderliche berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, und 
               
         
         
         
         
               ─
                  aus denen hervorgeht, dass der Zeugnisinhaber über die beruflichen Voraussetzungen verfügt, die für den Zugang zu einem reglementierten
                  Beruf oder dessen Ausübung in diesem Mitgliedstaat erforderlich sind, wenn die durch das Diplom, das Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis bescheinigte Ausbildung überwiegend
                  in der Gemeinschaft erworben wurde oder wenn dessen Inhaber eine dreijährige Berufserfahrung hat, die von dem Mitgliedstaat
                  bescheinigt wird, der ein Diplom, ein Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis eines Drittlands anerkannt
                  hat. Einem Diplom im Sinne von Unterabsatz 1 sind alle Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstigen Befähigungsnachweise bzw. diese
                  Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstigen Befähigungsnachweise insgesamt gleichgestellt, die von einer zuständigen Stelle
                  in einem Mitgliedstaat ausgestellt wurden, wenn sie eine in der Gemeinschaft erworbene und von einer zuständigen Stelle in
                  diesem Mitgliedstaat als gleichwertig anerkannte Ausbildung abschließen und in diesem Mitgliedstaat in Bezug auf den Zugang
                  zu einem reglementierten Beruf oder dessen Ausübung dieselben Rechte verleihen.
               
         
         
         
         
         5
            
         Die Richtlinie gilt nach Artikel 2 Absatz 1 für alle Angehörigen eines Mitgliedstaats, die als Selbständige oder abhängig
         Beschäftigte einen reglementierten Beruf in einem anderen Mitgliedstaat ausüben wollen. 
         
         
         6
            
         Gemäß dem zweiten Grundsatz, Buchstabe e, des Beschlusses 63/266 hat die gemeinsame Politik der Berufsausbildung die Vermeidung
         jeder nachteiligen Unterbrechung zwischen dem Abschluss der allgemeinen Schulbildung und dem Beginn der Berufsausbildung sowie
         während der Berufsausbildung anzustreben. 
         Italienisches Recht
         
         
         7
            
         Das vorlegende Gericht hat das italienische Recht in seinem Vorlagebeschluss wie folgt dargestellt. 
         
         
         8
            
         Artikel 170 des Regio Decreto n. 1592 recante approvazione del testo unico delle leggi sull'istruzione superiore (Königliches
         Dekret über die Annahme des Einheitstextes der Gesetze über das Hochschulwesen) vom 31. August 1933 (GURI Nr. 283 vom 7. Dezember
         1933, supplemento ordinario, im Folgenden: Königliches Dekret Nr. 1592/33) lautet: Im Ausland erworbene akademische Grade werden [in Italien] vorbehaltlich besonderer gesetzlicher Regelung nicht anerkannt.Wer jedoch an einer ausländischen Hochschule einen der akademischen Grade erworben hat, die in einer durch Erlass des Ministers
         für nationale Bildung genehmigten und gegebenenfalls geänderten Liste erwähnt sind, kann bei einer der in den Tabellen A oder
         B genannten Universitäten oder Hochschulen den Grad erhalten, der dem im Ausland erworbenen entspricht.Ist der akademische Grad nicht in der im vorangehenden Absatz erwähnten Liste aufgeführt, so kann der Minister nach Stellungnahme
         der zuständigen Stelle der Hochschule und des Exekutivkomitees der ersten Sektion des Obersten Rates für nationale Bildung
         feststellen, dass das im Ausland erworbene Diplom dem von den Universitäten oder Hochschulen ausgestellten entsprechenden
         Diplom gleichwertig ist, oder den Betroffenen unter vollständiger oder teilweiser Befreiung von den Prüfungen, die nach den
         Statuten der Universität oder Hochschule für den entsprechenden Studiengang vorgeschrieben sind, zu den Prüfungen für die
         Laurea oder ein Hochschuldiplom zulassen.
         
         
         9
            
         Artikel 332 des Königlichen Dekrets Nr. 1592/33 sieht vor: Bis zur Herausgabe des ministeriellen Erlasses zur Genehmigung der in Artikel 147 genannten Liste können im Ausland lebende
         Italiener, nicht reichsangehörige Italiener und Ausländer an den Universitäten und Hochschulen für das Studienjahr eingeschrieben
         werden, für das die zuständigen Stellen der Hochschulen die im Ausland erworbenen Abschlüsse der höheren Schulausbildung und
         akademischen Grade für ausreichend befunden haben.Bis zur Herausgabe des ministeriellen Erlasses zur Genehmigung der in Artikel 147 genannten Liste können die zuständigen Stellen
         der Hochschulen, die über die Anerkennung im Ausland erworbener akademischer Grade zu befinden haben, sofern es um Diplome
         geht, die von ausländischen Universitäten oder Hochschulen mit ausgezeichnetem Ruf ausgestellt worden sind, und unter Berücksichtigung
         der absolvierten Studien sowie der im Ausland abgelegten speziellen und allgemeinen Prüfungen feststellen, dass der ausländische
         Grad in jeder Hinsicht dem entsprechenden Grad gleichwertig ist, der von italienischen Universitäten oder Hochschulen ausgestellt
         wird, oder den Betroffenen unter vollständiger oder teilweiser Befreiung von den Prüfungen, die nach den Statuten der Universität
         oder Hochschule für den entsprechenden Studiengang vorgeschrieben sind, zu den Prüfungen für die Laurea oder ein Hochschuldiplom
         zulassen.
         
         
         10
            
         Artikel 8 Absatz 1 der Legge n. 341 di riforma degli ordinamenti didattici universitari (Gesetz zur Reform des universitären
         Lehrbetriebs) vom 19. November 1990 (GURI Nr. 274 vom 23. November 1990, S. 6, im Folgenden: Gesetz Nr. 341/90) bestimmt:
         Die Universitäten können entsprechend den von der jeweiligen Universität festgelegten Bedingungen für die Durchführung von
         Studiengängen sowie von kulturellen Aktivitäten und Ausbildungsmaßnahmen im Sinne von Artikel 6 dieses Gesetzes die Mitarbeit
         öffentlich-rechtlicher oder privatrechtlicher Subjekte in Anspruch nehmen. Sie können hierzu ─ auch privatrechtliche ─ Gesellschaften
         bilden und entsprechende Verträge schließen.
         
         
         11
            
         Das Rundschreiben Nr. 228 des Ministeriums für Hochschulwesen und wissenschaftliche und technologische Forschung vom 3. Oktober
         2000 stellt klar, dass sich die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Diploms in Italien weiterhin nach Artikel 332 des
         Königlichen Dekrets Nr. 1592/33 richtet, während das Decreto legislativo Nr. 115 vom 27. Januar 1992 zur Umsetzung der Richtlinie
         89/48 (GURI Nr. 40 vom 18. Februar 1992, S. 6) nur die Ausübung eines bereits im Herkunftsstaat ausgeübten Berufes gestattet.
         
         
         
         12
            
         Ein Informationsschreiben des Außenministeriums sieht in Übereinstimmung mit dem Schreiben Nr. 442 desselben Ministeriums
         vom 30. April 1997 über teilweise in Italien absolvierte Studiengänge vor, dass ein ausländisches Hochschuldiplom zu einem
         Anerkennungsverfahren nur zugelassen werden kann, wenn ihm eine  
         Erklärung der in dem ausländischen Staat, in dem das Diplom ausgestellt worden ist, ansässigen italienischen diplomatischen/konsularischen
         Vertretung beigefügt ist,  
         die den tatsächlichen dortigen Aufenthalt des Betreffenden während der gesamten Dauer des Universitätsstudiums bestätigt. 
         
         
         13
            
         Ein Schreiben des Ministeriums für Hochschulwesen und wissenschaftliche und technologische Forschung vom 8. Januar 2001 erläutert,
         dass „akademische Grade, die von in Großbritannien anerkannten Universitäten verliehen werden, in Italien nur dann anerkannt
         werden können, wenn sie nach regelmäßiger Teilnahme am gesamten Studiengang bei diesen Universitäten oder einem anderen ausländischen
         Institut der gleichen Ausbildungsstufe erworben worden sind; ausgenommen sind somit akademische Grade, die italienischen Staatsangehörigen
         auf der Grundlage von Studienzeiten verliehen werden, die sie bei Zweigstellen oder privaten Einrichtungen in Italien absolviert
         haben, mit denen die betreffenden Universitäten oder Institute privatrechtliche Vereinbarungen abgeschlossen haben“. 
         Das Ausgangsverfahren
         
         14
            
         Die Klägerin Valentina Neri schrieb sich an der Nottingham Trent University (im Folgenden: NTU) ein, um nach einem vierjährigen
         Studium den Hochschulabschluss in Politischen Wissenschaften mit internationaler Ausrichtung (Bachelor of Arts with honours
         in International Political Studies) zu erwerben. 
         
         
         15
            
         Die NTU ist eine Universität, die dem Recht des Vereinigten Königreichs unterliegt und in der Liste der Einrichtungen aufgeführt
         ist, die nach einem vierjährigen Studium akademische Grade (Bachelor of Arts with honours) verleihen können, die gesetzlich
         anerkannt sind. 
         
         
         16
            
         Die NTU hält den Unterricht an ihrem Sitz im Vereinigten Königreich ab, wo auch die Abschlussdiplome ausgestellt werden. 
         
         
         17
            
         Section 216 des Education Reform Act 1988 eröffnet den Universitäten jedoch noch eine weitere Möglichkeit zur Verleihung akademischer
         Grade. 
         
         
         18
            
         Danach gibt der Minister für Erziehung eine Liste von Einrichtungen heraus, die Unterricht erteilen dürfen, der der Vorbereitung
         auf den Erwerb eines von einer anerkannten Einrichtung verliehenen akademischen Grades dient und von der anerkannten Einrichtung
         oder in ihrem Namen genehmigt wird. Laut Vorlagebeschluss ist in dieser Liste auch die European School of Economics (ESE Insight
         World Education System Ltd, im Folgenden: ESE) aufgeführt. 
         
         
         19
            
         Dem Vorlagebeschluss ist außerdem zu entnehmen, dass es sich bei der ESE um ein Higher Education College (eine Hochschule)
         handelt, das nach dem Hochschulrecht des Vereinigten Königreichs berechtigt ist, von der NTU genehmigte Studiengänge zu organisieren
         und durchzuführen. 
         
         
         20
            
         Die in der Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Ltd) gegründete ESE ist ein Unternehmen, das seinen Sitz im Vereinigten
         Königreich hat und über zahlreiche Zweigstellen in anderen Mitgliedstaaten verfügt. Sie ist bei der Handelskammer Rom als
         nach dem Recht eines anderen Mitgliedstaats gegründete Gesellschaft registriert und unterhält zwölf örtliche Einrichtungen
         in Italien. 
         
         
         21
            
         Die ESE verleiht keine eigenen akademischen Grade, sondern organisiert für an der NTU eingeschriebene Studenten gegen Bezahlung
         Kurse entsprechend den Studienplänen, die die NTU, die später auch das abschließende Hochschuldiplom (Bachelor of Arts with
         honours) verleiht, genehmigt hat. Die Qualität des von der ESE erteilten Unterrichts unterliegt außerdem der staatlichen Kontrolle
         durch die  
         Quality Assurance Agency for Higher Education. 
         
         
         22
            
         Zur Vermeidung der erheblichen Kosten, die mit einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich während der gesamten Studiendauer
         verbunden gewesen wären, hatte sich die Klägerin entschlossen, die von der ESE in Italien angebotenen Kurse zu besuchen. Nachdem
         die Klägerin sich für das erste Jahr des von der ESE in Genua (Italien) durchgeführten Studiengangs eingeschrieben und der
         ESE 4 000 000 ITL (2 065,83 Euro) gezahlt hatte, erfuhr sie aus zuverlässigen italienischen Quellen, dass die ESE zur akademischen
         Ausbildung nicht berechtigt sei und dass auch die akademischen Grade, die von im Vereinigten Königreich gesetzlich anerkannten
         Universitäten verliehen würden, in Italien nicht anerkannt werden könnten, wenn sie im Anschluss an Studienzeiten erworben
         würden, die in Italien absolviert worden seien. 
         
         
         23
            
         Die Klägerin war der Auffassung, ohne Rechtsgrund gezahlt zu haben, vermochte aber die ESE nicht zur freiwilligen Erstattung
         des an sie gezahlten Betrages zu bewegen. Daher erhob sie vor dem Giudice di pace Genua Klage mit dem Antrag, die ESE zur
         Rückzahlung des Betrages zu verurteilen. 
         
         
         24
            
         Zur Begründung ihres Antrags legte die Klägerin mehrere Rundschreiben des Ministeriums für Hochschulwesen und wissenschaftliche
         und technologische Forschung vor. 
         
         
         25
            
         Dem vorlegenden Gericht zufolge ist die ESE ein privates Unternehmen, das im Bildungsbereich auf Gemeinschaftsebene mit Gewinnabsicht
         Dienstleistungen erbringt. Die Studenten der NTU, die die von der ESE angebotenen Kurse belegen wollen, schließen mit dieser
         einen Vertrag, der die Zahlung einer Vergütung für die von der ESE erbrachten Leistungen vorsieht. 
         
         
         26
            
         Die ESE erbringt nach Angaben des vorlegenden Gerichts durch ihre italienische Niederlassung in Italien ─ unter umfassender
         Wahrung der Vorschriften des Aufnahmestaats ─ die gleichen Dienste, die sie im Herkunftsstaat zu erbringen berechtigt ist.
         
         
         
         27
            
         Dem vorlegenden Gericht zufolge existieren Rundschreiben und Vermerke des Ministeriums für Hochschulwesen und wissenschaftliche
         und technologische Forschung sowie des Außenministeriums, nach denen akademische Grade, die von Universitäten in anderen Mitgliedstaaten
         verliehen worden sind, in Italien nur dann anerkannt werden können, wenn die Studenten die Kurse in den Staaten absolviert
         haben, in denen die Grade verliehen worden sind. Dagegen werden akademische Grade, die italienischen Staatsbürgern auf der
         Grundlage von Studienzeiten bei Einrichtungen in Italien verliehen worden sind, mit denen die betreffenden Universitäten privatrechtliche
         Vereinbarungen abgeschlossen haben, nicht anerkannt. Nach Ansicht des vorlegenden Gerichts können die angeführten Vermerke
         und Rundschreiben die Studenten davon abhalten, diese Kurse zu belegen und darüber hinaus ein Hindernis für die inländische
         Benutzung von akademischen Graden darstellen, die von ausländischen Universitäten verliehen wurden. 
         
         
         28
            
         Das vorlegende Gericht kommt zu dem Schluss, diese Verwaltungspraxis, die Verordnungscharakter aufweise, da sie von allen
         Organen der öffentlichen Verwaltung angewandt werde, könne dazu führen, dass die Studenten sich für diese Studiengänge nicht
         einschreiben und/oder wie im vorliegenden Fall ihre Einschreibung rückgängig machen. 
         
         
         29
            
         Die betreffende Praxis könne daher ein Hindernis für die Freizügigkeit, die Niederlassungsfreiheit und den freien Dienstleistungsverkehr
         darstellen. 
         
         
         30
            
         Im Übrigen könnte, so das vorlegende Gericht weiter, die Richtlinie 89/48 der Verwaltungspraxis der italienischen Stellen
         entgegenstehen, wenn sich die Angehörigen der Mitgliedstaaten schon vor dem Erwerb des Diploms im Sinne von Artikel 1 der
         Richtlinie auf die sich aus ihr ergebenden Rechte berufen könnten. 
         
         
         31
            
         Schließlich bemerkt das vorlegende Gericht, auch der Beschluss 63/266, dem zufolge die gemeinsame Politik der Berufsausbildung
         zum Ziel habe, jede nachteilige Unterbrechung zwischen dem Abschluss der allgemeinen Schulbildung und dem Beginn der Berufsausbildung
         sowie während der Berufsausbildung zu vermeiden, stehe der Verwaltungspraxis der italienischen Stellen möglicherweise entgegen.
         
         Die Vorlagefragen
         
         32
            
         Der Giudice di pace Genua hat mit Beschluss vom 18. April 2002 das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof drei Fragen zur
         Vorabentscheidung vorgelegt: 
         
         1.
          Sind mit den Grundsätzen des EG-Vertrags betreffend die Freizügigkeit (Artikel 39 EG ff.), die Niederlassungsfreiheit (Artikel
         43 EG ff.) und den freien Dienstleistungsverkehr (Artikel 49 EG ff.) in der Auslegung, die sie durch die Rechtsprechung des
         Gerichtshofes erfahren haben, Vorschriften oder eine Verwaltungspraxis des nationalen Rechts, wie sie in diesem Beschluss
         unter den Ziffern III und IV beschrieben worden sind, und insbesondere nationale Vorschriften und/oder Verwaltungspraktiken
         vereinbar, die 
         
         
         ─ 
         die italienische Niederlassung einer Kapitalgesellschaft, deren Geschäftsschwerpunkt sich im Vereinigten Königreich befindet,
         bei der Ausübung einer Geschäftstätigkeit im Aufnahmestaat, die in der Organisation und Abhaltung von Unterricht zur Vorbereitung
         auf Universitätsprüfungen besteht, behindern, obwohl die Gesellschaft zu dieser Tätigkeit von den Stellen des Vereinigten
         Königreichs ordnungsgemäß ermächtigt und zugelassen ist; 
         
         
         
         ─
         im Vergleich zu nationalen Einrichtungen, die vergleichbare Tätigkeiten ausüben, diskriminierende Wirkung haben; 
         
         
         
         ─
         der italienischen Niederlassung dieser Gesellschaft den entgeltlichen Erwerb von Dienstleistungen, die die oben genannte Geschäftstätigkeit
         vorbereiten, in einem anderen Mitgliedstaat untersagen und/oder eine solche behindern; 
         
         
         
         ─ 
         die Studenten davon abhalten, sich in diesen Studiengängen einzuschreiben;  
         
         
         
         ─ 
         die Berufsausbildung der eingeschriebenen Studenten sowie den Erwerb eines akademischen Grades, der für seinen Inhaber sowohl
         für die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit als auch für deren gewinnbringendere Ausübung in anderen Mitgliedstaaten von
         Vorteil sein kann, behindern? 
         
         
         
         
         2.
          Ist Artikel 2 der Richtlinie 89/48/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 so auszulegen, dass eine Berufung auf die mit der Richtlinie
         verliehenen Rechte auch bereits vor dem Erwerb des Diploms nach Artikel 1 der Richtlinie möglich ist? Wenn ja, sind mit der
         Richtlinie, auch im Hinblick auf das Urteil des Gerichtshofes vom 7. März 2002 in der Rechtssache C-145/99 (Kommission/Italien,
         Slg. 2002, I-2235), Vorschriften und/oder Verwaltungspraktiken der nationalen Rechtsordnung vereinbar, die 
         
         
         ─ 
            die Anerkennung von Hochschuldiplomen, die eine Berufsausbildung von mindestens drei Jahren abschließen, in das bloße Ermessen
            der öffentlichen Verwaltung stellen; 
         
         
         
         ─ 
            die Anerkennung von akademischen Graden, die von in Großbritannien anerkannten Universitäten verliehen werden, nur dann zulassen,
            wenn sie nach ordnungsgemäßem Besuch des gesamten Studiengangs im Ausland verliehen werden, und die akademische Grade, die
            nach der Ableistung von Studienzeiten bei ausländischen, ihre Tätigkeit in Italien ausübenden Einrichtungen erworben werden,
            von der Anerkennung auch dann ausschließen, wenn die Einrichtungen zur Ausübung dieser Tätigkeit von den Behörden ihres Herkunftsstaats
            ermächtigt und zugelassen sind; 
         
         
         
         ─ 
            die Vorlage einer Bescheinigung verlangen, in der die italienische diplomatische/konsularische Vertretung in dem Mitgliedstaat,
            der den akademischen Grad verleiht, den tatsächlichen dortigen Aufenthalt des Betroffenen während der gesamten Dauer des Studiums
            bestätigt; 
         
         
         
         ─ 
            die Anerkennung der Diplome  
            ausschließlich auf die Ausübung eines Berufes beschränken, der im Herkunftsstaat bereits ausgeübt worden ist, also jede Anerkennung mit
            dem Ziel der Aufnahme eines reglementierten Berufes, der zuvor nicht ausgeübt wurde, ausschließen? 
         
         
         
         
         3.
          Welche Bedeutung kommt der  
         nachteiligen Unterbrechung der Berufsausbildung im Rahmen der Auslegung des Beschlusses 63/266/EWG des Rates vom 2. April 1963 zu? Wird hiervon die Einrichtung eines ständigen
         Informationssystems durch die öffentliche Verwaltung auf nationaler Ebene erfasst, das darüber unterrichtet, dass die von
         einer Universität ─ auch wenn sie in Großbritannien gesetzlich anerkannt ist ─ verliehenen akademischen Grade von der nationalen
         Rechtsordnung nicht anerkannt werden können, wenn sie auf der Grundlage von im Inland absolvierten Studienzeiten erworben
         werden? 
         
         
         Vorbemerkung
         
         33
            
         Die italienische Regierung hat in der mündlichen Verhandlung geltend gemacht, dass die Darstellung des nationalen Rechts im
         Vorlagebeschluss in bestimmten Punkten unzutreffend sei und der Beschluss nicht alle einschlägigen nationalen Bestimmungen
         berücksichtige. Sie hat außerdem auf Änderungen der Rechtsvorschriften sowohl Italiens als auch des Vereinigten Königreichs
         nach Erlass des Beschlusses sowie auf Veränderungen in den Beziehungen zwischen der ESE und der NTU hingewiesen. 
         
         
         34
            
         Hierzu ist festzustellen, dass es nicht Sache des Gerichtshofes ist, über die Auslegung oder Anwendbarkeit nationaler Vorschriften
         zu befinden oder den Sachverhalt festzustellen, der für die Entscheidung des Ausgangsrechtsstreits erheblich ist. 
         
         
         35
            
         Der Gerichtshof hat vielmehr im Rahmen der Verteilung der Zuständigkeiten zwischen den Gerichten der Gemeinschaft und denen
         der Mitgliedstaaten in Bezug auf den tatsächlichen und rechtlichen Rahmen, in den sich die Vorabentscheidungsfrage einfügt,
         von den Feststellungen des vorlegenden Gerichts auszugehen (Urteil vom 25. Oktober 2001 in der Rechtssache C-475/99, Ambulanz
         Glöckner, Slg. 2001, I-8089, Randnr. 10). 
         
         
         36
            
         Daher sind die Vorabentscheidungsfragen in dem tatsächlichen und rechtlichen Rahmen zu prüfen, wie ihn der Giudice di pace
         Genua in seinem Vorlagebeschluss festgestellt hat. 
         Zu den Vorlagefragen
         
         37
            
         Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob die Artikel 39 EG, 43 EG und 49 EG einer
         Verwaltungspraxis wie der im Ausgangsverfahren streitigen entgegenstehen, nach der von der Universität eines Mitgliedstaats
         ausgestellte Hochschuldiplome in einem anderen Mitgliedstaat nicht anerkannt werden, wenn der Unterricht zur Vorbereitung
         auf die betreffenden Diplome in diesem anderen Mitgliedstaat von einer anderen Ausbildungseinrichtung gemäß einer Vereinbarung
         zwischen dieser Einrichtung und der Universität erteilt worden ist. 
         
         
         38
            
         Vor dem vorlegenden Gericht beruft sich die Klägerin auf diese Verwaltungspraxis, um die Erstattung der an die ESE gezahlten
         Einschreibegebühren zu fordern, während sich die ESE dieser Verwaltungspraxis unter Hinweis auf das Gemeinschaftsrecht widersetzt.
         Um eine sachgerechte Antwort auf die Vorabentscheidungsfragen zu geben, ist deshalb das Gemeinschaftsrecht im Hinblick auf
         die Tätigkeit der ESE auszulegen. 
         
         
         39
            
         Die entgeltliche Durchführung von Hochschulunterricht ist eine wirtschaftliche Tätigkeit, die unter das Vertragskapitel über
         das Niederlassungsrecht fällt, wenn sie von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats in stabiler und kontinuierlicher Weise
         von einer Haupt- oder Nebenniederlassung in einem anderen Mitgliedstaat aus dort ausgeübt wird (in diesem Sinne Urteil vom
         15. Januar 2002 in der Rechtssache C-439/99, Kommission/Italien, Slg. 2002, I-305, Randnr. 21). 
         
         
         40
            
         Da die ESE, die ihre Hauptniederlassung im Vereinigten Königreich hat, Hochschulunterricht von Nebenniederlassungen in Italien
         aus durchführt, hier von ihrer Niederlassung in Genua aus, sind die Vorabentscheidungsfragen, soweit sie die vom EG-Vertrag
         geschützten Grundfreiheiten betreffen, unter dem Blickwinkel der Niederlassungsfreiheit der ESE zu prüfen. 
         
         
         41
            
         Artikel 43 EG schreibt die Aufhebung der Beschränkungen der freien Niederlassung vor. Als solche Beschränkungen sind alle
         Maßnahmen anzusehen, die die Ausübung dieser Freiheit unterbinden, behindern oder weniger attraktiv machen (vgl. Urteil vom
         7. März 2002 in der Rechtssache C-145/99, Kommission/Italien, Slg. 2002, I-2235, Randnr. 22). 
         
         
         42
            
         Für eine Ausbildungseinrichtung wie die ESE, die Kurse durchführt, mit denen den Studenten der Erwerb von Diplomen ermöglicht
         werden soll, die ihren Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern können, ist die Anerkennung dieser Diplome durch einen Mitgliedstaat
         von erheblicher Bedeutung. 
         
         
         43
            
         Es ist offensichtlich, dass eine Verwaltungspraxis wie die im Ausgangsverfahren streitige, nach der bestimmte Diplome, die
         am Ende des von der ESE erteilten Hochschulunterrichts ausgestellt werden, in Italien nicht anerkannt werden, die Studenten
         davon abhalten kann, die betreffenden Kurse zu belegen, und dadurch die ESE in der Ausübung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit
         in diesem Mitgliedstaat erheblich behindern kann. 
         
         
         44
            
         Eine Verwaltungspraxis wie die im Ausgangsrechtsstreit streitige stellt deshalb eine Beschränkung der Niederlassungsfreiheit
         der ESE im Sinne von Artikel 43 EG dar. 
         
         
         45
            
         Die italienische Regierung scheint diese Beschränkung damit rechtfertigen zu wollen, dass es notwendig sei, einen hohen Standard
         der Hochschulausbildung sicherzustellen. Die italienische Rechtsordnung lasse im Bereich dieser Ausbildung keine Vereinbarungen
         der hier fraglichen Art zu, da sie diese Ausbildung weiterhin als ein  
         öffentliches Gut betrachte, in dem die kulturellen und geschichtlichen Werte eines Staates zum Ausdruck kämen. Eine solche Vereinbarung im
         Bereich der Hochschulausbildung verhindere eine unmittelbare Kontrolle der Qualität der privaten Einrichtungen durch die zuständigen
         Stellen sowohl im Herkunfts- als auch im Aufnahmestaat. 
         
         
         46
            
         Zwar erscheint das Ziel, einen hohen Standard der Hochschulausbildung sicherzustellen, legitim und damit geeignet, Beschränkungen
         der Grundfreiheiten zu rechtfertigen. Diese Beschränkungen müssen aber ihrerseits geeignet sein, die Verwirklichung des mit
         ihnen verfolgten Zieles zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zu dessen Erreichung erforderlich ist
         (vgl. Urteil vom 15. Januar 2002, Kommission/Italien, Randnr. 23). 
         
         
         47
            
         Da die italienische Rechtsordnung nach Artikel 8 Absatz 1 des Gesetzes Nr. 341/90 offenbar Vereinbarungen zwischen italienischen
         Universitäten und anderen italienischen Hochschulen zulässt, die mit der  Vereinbarung zwischen der NTU und der ESE vergleichbar
         sind, und das in Randnummer 13 dieses Urteils wiedergegebene Schreiben darauf schließen lässt, dass die Nichtanerkennung der
         unter Umständen wie denen des Ausgangsverfahrens ausgestellten Diplome ausschließlich akademische Grade betrifft, die an italienische
         Staatsangehörige verliehen werden, erweist sich die im Vorlagebeschluss dargestellte Verwaltungspraxis als ungeeignet, das
         von der italienischen Regierung geltend gemacht Ziel der Sicherstellung eines hohen Standards der Hochschulausbildung zu erreichen.
         
         
         
         48
            
         Zudem steht die betreffende Verwaltungspraxis außer Verhältnis zum verfolgten Ziel. 
         
         
         49
            
         Wie nämlich der Generalanwalt in Nummer 49 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, schließt die im Vorlagebeschluss dargestellte
         Verwaltungspraxis offenbar jede Überprüfung der unter Umständen wie denen des Ausgangsverfahrens ausgestellten Diplome durch
         die nationalen Stellen und damit auch jede Möglichkeit ihrer Anerkennung aus. 
         
         
         50
            
         Diese Verwaltungspraxis geht über das hinaus, was zur Erreichung des verfolgten Zieles erforderlich ist. 
         
         
         51
            
         Daher ist auf die erste Vorabentscheidungsfrage zu antworten, dass Artikel 43 EG einer Verwaltungspraxis wie der im Ausgangsverfahren
         streitigen entgegensteht, nach der von der Universität eines Mitgliedstaats ausgestellte Hochschuldiplome in einem anderen
         Mitgliedstaat nicht anerkannt werden können, wenn der Unterricht zur Vorbereitung auf die betreffenden Diplome in diesem anderen
         Mitgliedstaat von einer anderen Ausbildungseinrichtung gemäß einer Vereinbarung zwischen dieser Einrichtung und der Universität
         erteilt worden ist. 
         
         
         52
            
         In Anbetracht der Antwort auf die erste Frage brauchen die zweite und die dritte Frage nicht beantwortet zu werden. 
         
         Kosten
         53
            
         Die Auslagen der italienischen Regierung und der Kommission, die Erklärungen vor dem Gerichtshof abgegeben haben, sind nicht
         erstattungsfähig. Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden
         Gericht anhängigen Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. 
         
         Aus diesen Gründen hat 
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer)
         
         
         auf die ihm vom Giudice di pace Genua mit Beschluss vom 18. April 2002 vorgelegten Fragen für Recht erkannt: 
         
                  Edward
               
               
                  La Pergola 
               
               
                  von Bahr 
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 13. November 2003. 
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  R. Grass 
               
               
                  V. Skouris  
               
            
      
      
          1 –
            
             Verfahrenssprache: Italienisch.