CELEX: 52010XG0527(01)
Language: de
Date: 2010-05-10
Title: Schlussfolgerungen des Rates vom 10. Mai 2010 zu Europeana: die nächsten Schritte

27.5.2010   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               C 137/19
            
         Schlussfolgerungen des Rates vom 10. Mai 2010 zu Europeana: die nächsten Schritte
   2010/C 137/07
   DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —
   IN DER ERWÄGUNG:
   
               —
            
            
               dass die Errichtung der europäischen digitalen Bibliothek Europeana, eines mehrsprachigen Online-Zugangsportals zu digitalisiertem kulturellem Material aus ganz Europa (Bücher, Zeitungen, Fotografien, Filme und audiovisuelle Werke, Archivdokumente, Museumsobjekte, architektonisches und archäologisches Kulturerbe usw.), eine ausgezeichnete Gelegenheit bietet, das kulturelle Erbe der Mitgliedstaaten zur Geltung zu bringen, den Zugang zu diesem Erbe auszuweiten und seinen Bekanntheitsgrad zu steigern;
            
         
               —
            
            
               dass die Digitalisierung und die Online-Verfügbarkeit des kulturellen Materials der Mitgliedstaaten sowie dessen digitale Bewahrung einen entscheidenden Beitrag zur Förderung dieses Kulturerbes, zur Dynamik der Schaffung von Inhalten und zur Einführung neuer Online-Dienste leisten;
            
         UNTER HINWEIS AUF:
   die Schlussfolgerungen des Rates vom 13. November 2006 zur Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit kulturellen Materials und dessen digitaler Bewahrung,
   die Schlussfolgerungen des Rates vom 20. November 2008 zur europäischen digitalen Bibliothek EUROPEANA, die einen ersten politischen Impuls für die Entwicklung dieser gemeinsamen Zugangsplattform zum kulturellen Erbe Europas gegeben haben,
   den Abschlussbericht der hochrangigen Expertengruppe zu digitalen Bibliotheken „Digital Libraries: Recommendations and Challenges for the Future“ —
   BEGRÜSST MIT INTERESSE:
   
               —
            
            
               die Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen vom 28. August 2009„Europeana — die nächsten Schritte“, mit der ein Konsultationsprozess eingeleitet wurde, um zu analysieren, wie am besten sichergestellt werden kann, dass der europäischen Kultur durch Europeana und die dem Projekt zugrunde liegenden politischen Konzepte der Digitalisierung, Online-Zugänglichkeit und digitalen Bewahrung eine dauerhafte Sichtbarkeit im digitalen Umfeld verliehen wird;
            
         
               —
            
            
               das Ziel, bis Ende 2010 zehn Millionen digitalisierte Werke über Europeana bereitzustellen;
            
         
               —
            
            
               die Mitteilung der Kommission vom 19. Oktober 2009 mit dem Titel „Urheberrechte in der wissensbestimmten Wirtschaft“, in der die rechtlichen Probleme behandelt werden, die sich für Bibliotheken und Archive bei der Digitalisierung ihrer Sammlungen ergeben;
            
         NIMMT MIT INTERESSE DAVON KENNTNIS,
   
               —
            
            
               dass die Kommission im Anschluss an die Erörterungen des Rates (Bildung, Jugend und Kultur) vom 27. November 2009 eine europäische Reflexionsgruppe („Ausschuss der Weisen“) über Digitalisierung eingesetzt hat, die sich insbesondere mit Fragen im Zusammenhang mit öffentlich-privaten Partnerschaften befassen wird; er fordert die Gruppe auf, breit angelegte Gespräche zu führen und die von den Mitgliedstaaten und den wichtigsten Interessenträgern gelieferten Beiträge bestmöglich zu nutzen sowie gegebenenfalls regelmäßig über ihre Arbeit zu informieren;
            
         STELLT FEST:
   
               —
            
            
               dass die bislang erzielten Fortschritte, die zur Einrichtung der Stiftung „Europäische Digitale Bibliothek“ und zum Start des Europeana-Prototyps am 20. November 2008 geführt haben, einen entscheidenden Schritt in diesem Prozess darstellen;
            
         
               —
            
            
               dass die nächsten Meilensteine die Vorstellung der Europeana-Version 1.0 im Jahr 2010 und die anschließende Festigung der Plattform sein werden;
            
         WEIST DARAUF HIN:
   
               —
            
            
               dass es im Hinblick auf die Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit von kulturellem Material sowie seiner digitalen Bewahrung organisatorische, rechtliche und finanzielle Herausforderungen zu bewältigen gilt, wie z. B. Fragen im Zusammenhang mit Rechten des geistigen Eigentums und die Notwendigkeit, zusätzliche Finanzmittel für die Digitalisierung zu beschaffen, wobei dies auch öffentlich-private Partnerschaften einschließen könnte;
            
         
               —
            
            
               wie wichtig es ist, dass diese Herausforderungen von der Kommission und den Mitgliedstaaten wie nachstehend skizziert parallel angegangen werden, um Europeana als zentrale Struktur und gemeinsames Zugangsportal zu kulturellen Inhalten festzuschreiben;
            
         
               —
            
            
               dass die Mitgliedstaaten und die Kommission sowie die Gremien und Einrichtungen, die aktiv an Europeana beteiligt sind, ihre Anstrengungen zum Ausbau von Europeana und zur Beisteuerung weiterer Inhalte in den kommenden Jahren sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht verstärken müssen;
            
         HEBT FOLGENDES HERVOR:
   
               —
            
            
               Europeana sollte als kollektives Projekt der kulturellen Einrichtungen Europas weiterentwickelt werden, wobei die Arbeiten zur Verbesserung des Portals — einschließlich einer kohärenteren und ansprechenderen Präsentation der digitalisierten Objekte, der Bewältigung der Vielsprachigkeit und der Erweiterung der Suchfunktionen — fortgesetzt werden sollten, um den Bedürfnissen und Erwartungen der Nutzer gerecht zu werden;
            
         
               —
            
            
               für die langfristige Konsolidierung von Europeana sollte ein nachhaltiges Finanzierungs- und Verwaltungsmodell der Aufgabe von Europeana, grenzüberschreitend den größtmöglichen Zugang zu kulturellen Beständen zu bieten, dem europäischen Anwendungsbereich und Charakter der Website und auch der bedeutenden Rolle der Kultureinrichtungen Rechnung tragen;
            
         
               —
            
            
               die Digitalisierung und die Online-Zugänglichkeit unseres Kulturerbes sollte unter uneingeschränkter Achtung der Rechte des geistigen Eigentums erfolgen; es müssen rasch praktikable Lösungen gefunden werden, um nicht mehr aufgelegte und vergriffene Werke zu digitalisieren und online zur Verfügung zu stellen; dies gilt auch für die Frage der verwaisten Werke;
            
         IST DER AUFFASSUNG, DASS ES FÜR DIE WEITERENTWICKLUNG VON EUROPEANA ERFORDERLICH IST:
   
               —
            
            
               die Anzahl der Objekte aus Bibliotheken, Museen, Archiven und Sammlungen audiovisuellen Materials — seien es gemeinfreie Werke oder Rechten des geistigen Eigentums unterliegende Werke —, die über das Portal unter vollständiger Wahrung der Rechte des geistigen Eigentums zugänglich sind, zu erhöhen und gleichzeitig ein Qualitätskonzept zu verfolgen, durch das Vielfalt und Reichtum des europäischen Kulturerbes zur Geltung gebracht werden und die gemeinsame Arbeit fortzusetzen, um für eine möglichst umfassende Verfügbarkeit von gemeinfreien Werken nach ihrer Digitalisierung zu sorgen;
            
         
               —
            
            
               weiter auf eine breitere geografische Streuung und ein besseres Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Arten der über Europeana zugänglichen Inhalte (Bücher, Fotografien, Archivunterlagen, kinematografisches und audiovisuelles Material, Museumsbestände usw.) hinzuarbeiten; hierbei sind die besonderen Anforderungen von ressourcenintensiven Inhaltsarten wie audiovisuellem Material zu berücksichtigen;
            
         
               —
            
            
               der sprachlichen Vielfalt als einem der wesentlichen Kennzeichen des europäischen Erbes uneingeschränkt Rechnung zu tragen und die mehrsprachigen Funktionen der Europeana-Website zu verbessern, insbesondere durch Lösungen für die sprachübergreifende Suche und die automatische Übersetzung;
            
         
               —
            
            
               den Nutzern eine zentrale Stellung einzuräumen und ihre Bedürfnisse und Profile weiter zu analysieren, auch um Erkenntnisse über spezielle Anwendungen und Mechanismen zu gewinnen, und zwar auch über solche, die die Interaktivität fördern, indem es den Nutzern ermöglicht wird, einen aktiven Beitrag zur Website zu leisten, während gleichzeitig die erforderlichen Schritte ergriffen werden, damit die Inhalte unter Achtung der einschlägigen Rechtsvorschriften eingestellt werden. Sofern möglich sollten bei den neuen Europeana-Anwendungen offene Formate verwendet werden, um die Mitwirkung eines möglichst großen Kreises von Entwicklern zu gestatten und eine angemessene Wiederverwendung und Anpassung von Europeana-Softwarekomponenten an andere Kontexte zu erleichtern;
            
         
               —
            
            
               den Bekanntheitsgrad von Europeana bei den kulturellen Einrichtungen in ganz Europa, die Inhalte beitragen könnten, und bei den potenziellen Nutzern der Website zu erhöhen. In diesem Zusammenhang könnte die Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und dem Forschungssektor eine wesentliche Rolle spielen und sollte weiter geprüft werden;
            
         
               —
            
            
               der Vielfalt der verschiedenen kulturellen Einrichtungen in Europa Rechnung zu tragen, damit alle Einrichtungen — auch die kleinsten — die Möglichkeit haben, an der Entwicklung von Europeana mitzuwirken;
            
         
               —
            
            
               die Ausarbeitung einer Reihe präziser und allgemein anerkannter Mindeststandards für Interoperabilität fortzusetzen und deren Anwendung durch die Einrichtungen, die die Inhalte bereitstellen, zu fördern. Die kulturellen Einrichtungen können dadurch leichter der Tatsache Rechnung tragen, dass im Digitalisierungsprozess konsistente Metadaten von hoher Qualität bereitgestellt werden müssen, die bei der Suche nach digitalisierten Objekten und der Herstellung von Korrelationen von wesentlicher Bedeutung sind;
            
         
               —
            
            
               auf ein langfristig tragfähiges Finanzierungs- und Verwaltungsmodell für Europeana als gemeinsames Zugangsportal zum kulturellen Erbe Europas hinzuarbeiten und die optimale Nutzung der für die Finanzierung der Digitalisierung auf nationaler und europäischer Ebene verfügbaren Instrumente sicherzustellen;
            
         
               —
            
            
               zu sondieren, welche Rolle öffentlich-private Partnerschaften bei der Digitalisierung spielen können, um die Zahl der über Europeana zugänglichen Sammlungen zu erhöhen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Interessen der Rechteinhaber, der Nutzer und der Material beitragenden Einrichtungen angemessen geschützt werden müssen;
            
         ERSUCHT DIE MITGLIEDSTAATEN:
   
               —
            
            
               weiterhin gemeinsam auf die Erreichung der Ziele hinzuarbeiten, die in den Schlussfolgerungen des Rates vom 13. November 2006 zu nationalen Strategien für die Digitalisierung und Online-Zugänglichkeit kulturellen Materials und dessen digitale Bewahrung und in den Schlussfolgerungen vom 20. November 2008 zur Zugänglichkeit digitalisierten Materials über die Europäische Digitale Bibliothek Europeana gesteckt worden sind;
            
         
               —
            
            
               ihre Unterstützung für Digitalisierungsprojekte, die von ihren kulturellen Einrichtungen durchgeführt werden, fortzusetzen und zu verstärken, damit die Anzahl der Objekte aus Bibliotheken, Museen, Archiven und audiovisuellen Sammlungen aus allen Mitgliedstaaten ansteigt, und sich z. B. durch Schaffung entsprechender Finanzierungsbedingungen für die Digitalisierung dafür einzusetzen, dass sie über Europeana zur Verfügung stehen und die Nutzer den größtmöglichen Zugang zu ihrem Inhalt haben;
            
         
               —
            
            
               weiterhin den Bekanntheitsgrad unter kulturellen Einrichtungen auf allen Gebietsebenen zu steigern, zum Beispiel durch Informationsveranstaltungen, um ihnen Impulse zu geben, ihre Inhalte in Europeana entweder direkt oder über nationale, regionale und thematische Aggregatoren bereitzustellen;
            
         
               —
            
            
               bis Ende 2013 — auf freiwilliger Basis und in Erwartung der Entwicklung eines langfristig tragfähigen Finanzierungs- und Verwaltungsmodells — das erforderliche Maß an Unterstützung für Europeana als Ergänzung der Gemeinschaftsmittel bereitzustellen;
            
         ERSUCHT DIE MITGLIEDSTAATEN UND DIE KOMMISSION:
   
               —
            
            
               zur Aufklärungsarbeit gegenüber der Öffentlichkeit über Europeana beizutragen, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den kulturellen Einrichtungen Kampagnen zu veranstalten, um den Bekanntheitsgrad der Europeana-Website bei ihren potenziellen Nutzern zu steigern;
            
         
               —
            
            
               die Umsetzung einer Reihe präziser gemeinsamer Mindeststandards für Interoperabilität in Bezug auf die digitalisierten kulturellen Inhalte von Europeana zu erleichtern und zu unterstützen;
            
         
               —
            
            
               im Rahmen der Sachverständigengruppe der Mitgliedstaaten für Digitalisierung und digitale Bewahrung und in Zusammenarbeit mit Europeana einen mit Empfehlungen versehenen Fahrplan für eine ausgewogene Steigerung der über Europeana zugänglichen Inhalte aufzustellen, wobei alle Mitgliedstaaten und Bereiche (Text, Audio, Ton, Bild) abgedeckt und die von den Mitgliedstaaten ausgewählten Meisterwerke des europäischen Kulturerbes einbezogen werden sollten, und im Rahmen dieser Sachverständigengruppe ihre Zusammenarbeit mit Europeana bei Fragen im Zusammenhang mit dem Verwaltungs- und Finanzierungsmodell und der strategischen Ausrichtung der Website fortzusetzen;
            
         ERSUCHT DIE KOMMISSION, UNBESCHADET DER KÜNFTIGEN VERHANDLUNGEN ÜBER DEN FINANZRAHMEN 2014-2020,
   in Erwägung zu ziehen, innerhalb eines angemessenen zeitlichen Rahmens unter Berücksichtigung dieser Schlussfolgerungen Vorschläge für die langfristig tragfähige Finanzierung von Europeana nach 2013 und zugehöriger Maßnahmen vorzulegen; dabei sollte sie, auch im Hinblick auf Verwaltungsfragen, darlegen, wie aus ihrer Sicht Europeana als ein grundlegendes und herausragendes Referenzinstrument für das digitale Zeitalter, durch das das europäische Kulturerbe allgemein zugänglich gemacht und seine Attraktivität und Bedeutung für jetzige und künftige Generationen gesteigert wird, gefestigt und weiterentwickelt werden kann.