CELEX: C1998/234/06
Language: de
Date: 1998-07-25 00:00:00
Title: URTEIL DES GERICHTSHOFES vom 12. Mai 1998 in der Rechtssache C-85/96 (Vorabentscheidungsersuchen des Bayerischen Landessozialgerichts): María Martínez Sala gegen Freistaat Bayern (Artikel 8a, 48 und 51 EG-Vertrag - Begriff des "Arbeitnehmers" - Artikel 4 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 - Erziehungsgeld - Begriff der "Familienleistung" - Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EWG) Nr. 1612/68 - Begriff der "sozialen Vergünstigung" - Erfordernis des Besitzes einer Aufenthaltserlaubnis oder -berechtigung)

C 234/4                DE                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  25.7.98
               URTEIL DES GERICHTSHOFES                                 Sinne von Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EWG)
                       vom 12. Mai 1998                                 Nr. 1612/68 des Rates vom 15. Oktober 1968 über
                                                                        die Freizügigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der
in der Rechtssache C-85/96 (Vorabentscheidungsersuchen                  Gemeinschaft in den sachlichen Anwendungsbereich
des Bayerischen Landessozialgerichts): María Martínez                   des Gemeinschaftsrechts.
                 Sala gegen Freistaat Bayern (1)
(Artikel 8a, 48 und 51 EG-Vertrag Ð Begriff des                    2. Es ist Sache des vorlegenden Gerichts, festzustellen, ob
¹Arbeitnehmersª Ð Artikel 4 der Verordnung (EWG)                        eine Person wie die Klägerin des Ausgangsverfahrens
Nr. 1408/71 Ð Erziehungsgeld Ð Begriff der ¹Familien-                   in den persönlichen Anwendungsbereich des Artikels 48
leistungª Ð Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EWG)                     EG-Vertrag und der Verordnung (EWG) Nr. 1612/68
Nr. 1612/68 Ð Begriff der ¹sozialen Vergünstigungª Ð                    oder der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 fällt.
Erfordernis des Besitzes einer Aufenthaltserlaubnis oder
                         -berechtigung)
                                                                   3. Das Gemeinschaftsrecht verbietet einem Mitgliedstaat,
                         (98/C 234/06)                                  die Gewährung von Erziehungsgeld an Angehörige
                                                                        anderer Mitgliedstaaten, denen der Aufenthalt in sei-
                  (Verfahrenssprache: Deutsch)                          nem Gebiet erlaubt ist, von der Vorlage einer von der
                                                                        inländischen Verwaltung ausgestellten förmlichen Auf-
                                                                        enthaltserlaubnis abhängig zu machen, während Inlän-
In der Rechtssache C-85/96 betreffend ein dem Gerichts-                 der lediglich einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen
hof nach Artikel 177 EG-Vertrag vom Bayerischen Landes-                 Aufenthalt in diesem Mitgliedstaat haben müssen.
sozialgericht (Deutschland) in dem bei diesem anhängigen
Rechtsstreit María Martínez Sala gegen Freistaat Bayern
                                                                   (1) ABl. C 145 vom 18.5.1996.
vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Aus-
legung der Artikel 1, 2, 3 Absatz 1 und 4 Absatz 1
Buchstabe h) der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des
Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der
sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige
sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der
Gemeinschaft zu- und abwandern, in der durch die Ver-                            URTEIL DES GERICHTSHOFES
ordnung (EWG) Nr. 2001/83 des Rates vom 2. Juni 1983
(ABl. L 230 vom 13.8.1983, S. 6) geänderten und aktuali-                                 vom 12. Mai 1998
sierten und durch die Verordnung (EWG) Nr. 3427/89 des             in der Rechtssache C-106/96: Vereinigtes Königreich
Rates vom 30. Oktober 1989 (ABl. L 331 vom                         Groûbritannien und Nordirland, unterstützt durch die
16.11.1989, S. 1) geänderten Fassung sowie über die Aus-           Bundesrepublik Deutschland, den Rat der Europäischen
legung von Artikel 7 Absatz 2 der Verordnung (EWG)                 Union und das Königreich Dänemark gegen die Kommis-
Nr. 1612/68 des Rates vom 15. Oktober 1968 über die                sion der Europäischen Gemeinschaften, unterstützt durch
Freizügigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der Gemein-                                das Europäische Parlament (1)
schaft (ABl. L 257 vom 19.10.1968, S. 2) hat der Gerichts-
hof unter Mitwirkung des Präsidenten G. C. Rodríguez               (Gemeinsames Aktionsprogramm gegen die soziale Aus-
Iglesias, der Kammerpräsidenten C. Gulmann, H. Ragne-                  grenzung Ð Finanzierung Ð Gesetzliche Grundlage)
malm und M. Wathelet sowie der Richter G. F. Mancini,                                      (98/C 234/07)
J. C. Moitinho de Almeida, P. J. G. Kapteyn, J. L. Murray,
D. A. O. Edward (Berichterstatter), J.-P. Puissochet, G.
Hirsch, P. Jann und L. Sevón Ð Generalanwalt: A. La Per-                            (Verfahrenssprache: Englisch)
gola; Kanzler: H. A. Rühl, Hauptverwaltungsrat Ð am
12. Mai 1998 ein Urteil mit folgendem Tenor erlassen:
                                                                       (Vorläufige Übersetzung; die endgültige Übersetzung
                                                                        erscheint in der Sammlung der Rechtsprechung des
1. Eine Leistung wie das Erziehungsgeld nach dem Bun-                                      Gerichtshofes)
     deserziehungsgeldgesetz, die bei Erfüllung bestimmter
     objektiver Voraussetzungen ohne weiteres unter Aus-
     schluû jedes Ermessens gewährt wird, ohne daû im              In der Rechtssache C-106/96, Vereinigtes Königreich
     Einzelfall die persönliche Bedürftigkeit des Empfängers       Groûbritannien und Nordirland (Bevollmächtigter: John E.
     festgestellt werden müûte, und die dem Ausgleich von          Collins, Beistand: Derrick Wyatt), unterstützt durch die
     Familienlasten dient, fällt als Familienleistung im Sinne     Bundesrepublik Deutschland (Bevollmächtigte: Ernst
     von Artikel 4 Absatz 1 Buchstabe h) der Verordnung            Röder und Bernd Kloke), den Rat der Europäischen Union
     (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur             (Bevollmächtigte: Jill Aussant und FeÂlix Van Craeyenest)
     Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf             und das Königreich Dänemark (Bevollmächtigte: Peter
     Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familien-           Biering und Jùrgen Molde) gegen Kommission der Euro-
     angehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und            päischen Gemeinschaften (Bevollmächtigte: Maria Patakia
     abwandern, in der durch die Verordnung (EWG)                  und Peter Oliver), unterstützt durch das Europäische Par-
     Nr. 2001/83 des Rates vom 2. Juni 1983 geänderten             lament (Bevollmächtigte: Christian Pennera und Auke
     und aktualisierten und durch die Verordnung (EWG)             Baas), wegen Nichtigerklärung der Entscheidung oder Ent-
     Nr. 3427/89 des Rates vom 30. Oktober 1989 geän-              scheidungen, die in der Pressemitteilung IP/96/67 der
     derten Fassung sowie als soziale Vergünstigung im             Kommission vom 23. Januar 1996 genannt worden sind,