CELEX: 61994TJ0330
Language: de
Date: 1996-10-22 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Dritte erweiterte Kammer) vom 22. Oktober 1996. # Salt Union Ltd gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Staatliche Beihilfen - Weigerung der Kommission, zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages vorzuschlagen - Nichtigkeitsklage - Unzulässigkeit. # Rechtssache T-330/94.

Rechtssache T-330/94 Salt Union LtdgegenKommission der Europäischen Gemeinschaften
            «Staatliche Beihilfen – Weigerung der Kommission, zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages vorzuschlagen – Nichtigkeitsklage – Unzulässigkeit»
            
               
                  Urteil des Gerichts (Dritte erweiterte Kammer) vom 22. Oktober 1996  
                     
                
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  
                  Nichtigkeitsklage – Anfechtbare Handlungen – Weigerung der Kommission, zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages vorzuschlagen – Ausschluß(EG-Vertrag, Artikel 93 Absatz 1 und Artikel 173) Bei der Prüfung der Zulässigkeit einer Nichtigkeitsklage gegen eine ablehnende Entscheidung eines Gemeinschaftsorgans ist
         diese Entscheidung nach der Art des Antrags zu beurteilen, der durch sie beschieden wird. Weigert sich die Kommission auf
         einen Antrag eines Unternehmens hin, der Regierung eines Mitgliedstaats zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz
         1 des Vertrages bezüglich einer allgemeinen Beihilferegelung vorzuschlagen, so stellt diese Weigerung keine nach Artikel 173
         des Vertrages anfechtbare Handlung dar, da die beantragte Handlung nicht nach dieser Vorschrift angefochten werden kann.Eine solche Handlung stellt nämlich keine Maßnahme dar, die verbindliche Rechtswirkungen erzeugt, die die Interessen dieses
         Unternehmens beeinträchtigen, da die zweckdienlichen Maßnahmen schon nach dem Wortlaut des Artikels 93 Absatz 1 des Vertrages
         nur Vorschläge darstellen, denen der betreffende Staat nicht nachkommen müßte.
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTS (Dritte erweiterte Kammer)22. Oktober 1996  (1)
         
         
               „Staatliche Beihilfen – Weigerung der Kommission, zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages vorzuschlagen – Nichtigkeitsklage – Unzulässigkeit“
               
             In der Rechtssache T-330/94 
            
            
            Salt Union Ltd, Gesellschaft englischen Rechts mit Sitz in Cheshire (Vereinigtes Königreich), Prozeßbevollmächtigte: Solicitors Jonathan
            Scott und Craig Pouncey, Zustellungsanschrift: Kanzlei des Rechtsanwalts Georges Baden, 8, boulevard Royal, Luxemburg,
            
            
            Klägerin,  unterstützt durchVerein Deutsche Salzindustrie e. V., Verein deutschen Rechts mit Sitz in Bonn (Deutschland), Prozeßbevollmächtigte: Rechtsanwälte Thomas Jestaedt, Düsseldorf,
            sowie Walter Klosterfelde und Karsten Metzlaff, Hamburg, Zustellungsanschrift: Kanzlei des Rechtsanwalts Philippe Dupont,
            8-10, rue Mathias Hardt, Luxemburg,
            
            Streithelfer, 
            
            gegen
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften, zunächst vertreten durch Nicholas Khan und Jean-Paul Keppenne, sodann durch Nicholas Khan und Paul Nemitz, beide Juristischer
            Dienst, als Bevollmächtigte, Zustellungsbevollmächtigter: Carlos Gómez de la Cruz, Juristischer Dienst, Centre Wagner, Luxemburg-Kirchberg,
            
            Beklagte,  unterstützt durchFrima BV, Gesellschaft niederländischen Rechts mit Sitz in Den Haag (Niederlande), zunächst vertreten durch die Rechtsanwälte Tom Ottervanger,
            Rotterdam, und Harold Nyssens, Brüssel, sodann nur durch Rechtsanwalt Ottervanger, Zustellungsanschrift: Kanzlei des Rechtsanwalts
            Carlos Zeyen, 67, rue Ermesinde, Luxemburg,
            
            Streithelferin, 
            
             wegen Nichtigerklärung der Entscheidung, die in einem Schreiben vom 5. August 1994 enthalten ist, in dem die Kommission ausführte,
            daß sie keinen Grund habe, hinsichtlich der niederländischen Regelung über regionale Beihilfen  
            Subsidieregeling regionale investeringsprojecten 1991 zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 EG-Vertrag vorzuschlagen,
             erläßt
            
            DAS GERICHT ERSTER INSTANZ DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Dritte erweiterte Kammer)
            
             unter Mitwirkung des Präsidenten C. P. Briët, des Richters B. Vesterdorf, der Richterin P. Lindh sowie der Richter A. Potocki und J. D. Cooke,
            
            
             Kanzler: J. Palacio González, Verwaltungsrat 
            
            
            aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 2. Juli 1996,
         folgendes
         
         
         Urteil
            
               Sachverhalt
            
         
         1
            
          Mit Schreiben vom 24. September 1990 unterrichtete die niederländische Regierung die Kommission gemäß Artikel 93 Absatz 3
         EWG-Vertrag über eine als  
         Subsidieregeling regionale investeringsprojecten 1991 bezeichnete allgemeine Beihilferegelung mit regionaler Zweckbestimmung für den Zeitraum von 1991 bis 1994 (im folgenden:
         niederländische Regelung). Nach Durchführung einer Prüfung teilte die Kommission der niederländischen Regierung mit Schreiben
         vom 27. Dezember 1990 mit, daß sie die niederländische Regelung gemäß Artikel 92 Absatz 3 Buchstabe c des Vertrages als mit
         dem Gemeinsamen Markt vereinbar ansehe (im folgenden: Genehmigungsentscheidung). 
         
         
         2
            
          Eine Zusammenfassung der Genehmigungsentscheidung wurde im  
         Zwanzigsten Bericht über die Wettbewerbspolitik (Ziffer 330) veröffentlicht. In dieser Zusammenfassung heißt es: Im Dezember beschloß die Kommission, die großen Linien der niederländischen Regionalpolitik für die Jahre 1991 bis 1994 zu
         billigen; danach sollen die Beihilfesätze herabgesetzt und die Zahl der für die Investitionsbeihilfen in Betracht kommenden
         Regionen verringert werden.Für die Provinzen Groningen, Friesland und Lelystad erklärte sich die Kommission mit einem Bruttoinvestitionsbeihilfesatz
         von 20 % während des gesamten Zeitraums von vier Jahren einverstanden. Für den Südosten der Provinz Drenthe ist die Zustimmung
         der Kommission jedoch auf zwei Jahre befristet; die dortige Situation soll im Laufe des Jahres 1992 überprüft werden.
         
         
         3
            
          Im Mai 1991 stellte die niederländische Gesellschaft Frima BV bei den niederländischen Behörden den Antrag, ihr gemäß der
         niederländischen Regelung für den Bau einer neuen Saline (Anlage zur Gewinnung von Salz) in Harlingen in der Provinz Friesland
         eine Beihilfe von 12,5 Millionen HFL, d. h. 10 % der berücksichtigungsfähigen Kosten, zu gewähren. Im Laufe des Jahres 1993
         und zu Beginn des Jahres 1994 erteilte die Frima BV nähere Auskünfte zu ihrem Beihilfeantrag. 
         
         
         4
            
          Im Oktober 1993 erfuhr die Salt Union Ltd, ein im Vereinigten Königreich ansässiger Salzhersteller, durch einen Artikel in
         der Fachpresse, daß die niederländische Regierung der Frima BV möglicherweise gemäß der niederländischen Regelung eine Beihilfe
         gewähren würde. 
         
         
         5
            
          In der Folgezeit nahm die Salt Union Ltd einen Schriftverkehr mit der Kommission hinsichtlich dieser Beihilfe und der niederländischen
         Regelung auf. Bei dieser Gelegenheit bat sie die Kommission, der niederländischen Regierung zweckdienliche Maßnahmen im Sinne
         von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages bezüglich der niederländischen Regelung vorzuschlagen. 
         
         
         6
            
          Am 5. August 1994 schrieb die Kommission der Salt Union Ltd einen Brief, in dem sie sich folgendermaßen äußerte: The Commission has found no reason to propose appropriate measures pursuant to Article 93(1) EC regarding the scheme. Friesland
         still meets the criteria the Commission uses in its method to assess whether a region is eligible to the derogation provided
         for in Article 92(3)c) EC. [...] The scheme in question was found compatible with the common market in 1990, with the exception
         of its applications in certain specific sectors (which do not include the salt industry). The aid decided by the Dutch authorities
         in favour of Frima respects the criteria set out in the scheme ─ indeed, the aid is clearly lower than what the authorities
         could have awarded ─ and is therefore compatible under the 1990 decision.(
         Die Kommission hat keinen Grund gesehen, hinsichtlich der [niederländischen] Regelung zweckdienliche Maßnahmen gemäß Artikel
         93 Absatz 1 EG-Vertrag vorzuschlagen. Friesland erfüllt immer noch die Kriterien, anhand deren die Kommission beurteilt, ob
         eine Region für eine Ausnahme nach Artikel 92 Absatz 3 Buchstabe c EG-Vertrag in Betracht kommt ... Die fragliche Regelung
         wurde im Jahr 1990, abgesehen von ihrer Anwendung in bestimmten spezifischen Sektoren [zu denen die Salzindustrie nicht zählt],
         für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklärt. Die von den niederländischen Behörden zugunsten der Frima beschlossene Beihilfe
         entspricht den in der Regelung festgelegten Kriterien ─ tatsächlich liegt die Beihilfe deutlich unter dem Betrag, den die
         Behörden hätten gewähren können ─ und ist deshalb mit der Entscheidung von 1990 vereinbar.)
         Verfahren
         
         7
            
          Unter diesen Umständen hat die Salt Union Ltd am 13. Oktober 1994 die vorliegende Klage erhoben. 
         
         
         8
            
          Mit besonderem Schriftsatz, der am 19. Januar 1995 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Kommission nach Artikel
         114 § 1 der Verfahrensordnung eine Einrede der Unzulässigkeit der Klage erhoben. Mit Beschluß vom 13. Juli 1995 hat das Gericht
         (Dritte erweiterte Kammer) gemäß Artikel 114 § 3 der Verfahrensordnung die Entscheidung über die Einrede dem Endurteil vorbehalten.
         
         
         
         9
            
          Mit Beschluß vom 17. November 1995 in der Rechtssache T-330/94 (Slg. 1995, II-2881) hat das Gericht die Frima BV als Streithelferin
         zur Unterstützung der Anträge der Kommission und den Verein Deutsche Salzindustrie e. V. (im folgenden: VDS) als Streithelfer
         zur Unterstützung der Anträge der Klägerin zugelassen. Im selben Beschluß hat das Gericht auch den Anträgen der Streithelfer
         auf Abweichung von der Sprachenregelung in der mündlichen Verhandlung stattgegeben. 
         
         
         10
            
          Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht beschlossen, die mündliche Verhandlung ohne vorherige Beweisaufnahme zu
         eröffnen. 
         
         
         11
            
          In der öffentlichen Sitzung vom 2.Juli 1996 haben die Parteien mündlich verhandelt und die Fragen des Gerichts beantwortet.
         
         Anträge der Beteiligten
         
         12
            
          Die Salt Union Ltd beantragt, 
         
         
         ─
             die Entscheidung der Kommission für nichtig zu erklären, die in dem Schreiben vom 5. August 1994 enthalten ist, in dem sie
            ausführte, daß sie keinen Grund habe, hinsichtlich der niederländischen Regelung zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel
            93 Absatz 1 EG-Vertrag vorzuschlagen; 
          die Entscheidung der Kommission für nichtig zu erklären, die in dem Schreiben vom 5. August 1994 enthalten ist, in dem sie
         ausführte, daß sie keinen Grund habe, hinsichtlich der niederländischen Regelung zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel
         93 Absatz 1 EG-Vertrag vorzuschlagen; 
         
         
         
         ─
             die Haftung der Kommission für alle ihr entstandenen Schäden festzustellen; 
          die Haftung der Kommission für alle ihr entstandenen Schäden festzustellen; 
         
         
         
         ─
             der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
          der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
         
         
         
         
         13
            
          Der VDS unterstützt die Anträge der Salt Union Ltd in vollem Umfang. 
         
         
         14
            
          Die Kommission beantragt, 
         
         
         ─
             die Klage abzuweisen; 
          die Klage abzuweisen; 
         
         
         
         ─
             der Klägerin die Kosten aufzuerlegen. 
          der Klägerin die Kosten aufzuerlegen. 
         
         
         
         
         15
            
          Die Frima BV beantragt, 
         
         
         ─
             die Klage als unzulässig abzuweisen; 
          die Klage als unzulässig abzuweisen; 
         
         
         
         ─
             der Klägerin die Kosten einschließlich der Kosten der Frima BV aufzuerlegen. 
          der Klägerin die Kosten einschließlich der Kosten der Frima BV aufzuerlegen. 
         
         
         
         
         16
            
          In der mündlichen Verhandlung hat die Salt Union Ltd ihren Antrag, die Haftung der Kommission für alle ihr entstandenen Schäden
         festzustellen, zurückgenommen. Das Gericht hat dies zur Kenntnis genommen. 
         Zur Zulässigkeit der Klage
         
         17
            
          Die Kommission macht vier Unzulässigkeitsgründe geltend. Erstens sei die Klage verspätet erhoben worden. Zweitens habe die
         Salt Union Ltd kein Interesse an der Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung. Drittens handele es sich bei der angefochtenen
         Entscheidung nicht um eine anfechtbare Handlung. Viertens sei die Salt Union Ltd durch die angefochtene Entscheidung nicht
         unmittelbar und individuell betroffen. 
         
         
         18
            
          Unter den Umständen des vorliegenden Falles hält es das Gericht für zweckmäßig, zuerst den Unzulässigkeitsgrund zu prüfen,
         mit dem geltend gemacht wird, daß die angefochtene Entscheidung keine anfechtbare Handlung sei. 
          Vorbringen der Beteiligten
         
         
         19
            
          Die Kommission trägt vor, daß der Gemeinschaftsrichter nach Artikel 173 EG-Vertrag (im folgenden: Vertrag) für die Überwachung
         der  
         Handlungen der Kommission zuständig sei. Eine Entscheidung, zweckdienliche Maßnahmen gemäß Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages vorzuschlagen
         oder nicht vorzuschlagen, stelle aber nicht im Sinne des Artikels 173 eine Handlung dar, die gerichtlich überprüft werden
         könne. Die Kommission betont insbesondere, daß der Vorschlag zweckdienlicher Maßnahmen nicht verbindlich sei; erkläre sich
         nämlich ein Mitgliedstaat mit den ihm vorgeschlagenen Maßnahmen nicht einverstanden, so stelle dies keinen Grund dar, der
         der Kommission die Anrufung des Gerichtshofes gestatte. Zu diesem Zweck müsse die Kommission u. a. als weiteren Schritt eine
         Entscheidung gemäß Artikel 93 Absatz 2 des Vertrages erlassen. 
         
         
         20
            
          Die Kommission trägt weiter vor, daß ein an sie gerichteter Antrag, zweckdienliche Maßnahmen gemäß Artikel 93 Absatz 1 vorzuschlagen,
         sie in eine ähnliche Lage versetze wie ein Antrag, gemäß Artikel 169 des Vertrages gegen einen Mitgliedstaat vorzugehen. Nach
         ständiger Rechtsprechung sei eine Nichtigkeitsklage gegen den Rechtsakt, mit dem die Kommission über einen solchen Antrag
         entschieden habe, aber unzulässig, weil keiner Maßnahme der Kommission in der vorprozessualen Phase, die dazu dient,  
         den Mitgliedstaat aufzufordern, seinen Vertragsverpflichtungen nachzukommen[,] ... bindende Kraft zu[kommt] (Urteil des Gerichtshofes vom 1. März 1966 in der Rechtssache 48/65, Lütticke u. a./Kommission, Slg. 1966, 28, 39). 
         
         
         21
            
          Die Kommission verweist ferner auf die Ausführungen von Generalanwalt Gand in seinen Schlußanträgen in der erwähnten Rechtssache
         Lütticke u. a./Kommission (Slg. 1966, 41, 45): Grundsätzlich kann eine ablehnende Entscheidung nur dann Gegenstand einer [Nichtigkeitsklage] sein, wenn die positive Maßnahme,
         welche die Behörde zu ergreifen ablehnt, selbst anfechtbar wäre. Im vorliegenden Fall würden die mit Gründen versehene Stellungnahme,
         welche die Kommission zu einem Verstoß der Bundesrepublik gegen ihre Verpflichtungen abgäbe, die an diesen Staat gerichtete
         Aufforderung, sich zu äußern, und ganz allgemein die Eröffnung des Verfahrens nach Artikel 169 alles sämtlich nur vorbereitende
         Schritte für eine Klage vor dem Gerichtshof bilden, aber nicht Rechtsakte, die selbst im Klagewege angefochten werden könnten.
         
         
         22
            
          Nach Auffassung der Kommission gelten diese Überlegungen auch für den vorliegenden Fall. 
         
         
         23
            
          Sie macht schließlich geltend, daß die Prüfung gemäß Artikel 93 Absatz 1 derart umfassend und mit einem derart weiten Ermessen
         verbunden sei, daß sie nicht Gegenstand einer Klage sein könne. Hierzu trägt die Kommission vor, daß sie nach der Rechtsprechung
         bei der Ausübung der ihr durch Artikel 93 Absatz 1 übertragenen Befugnisse über ein weites Ermessen verfüge. Sie verweist
         insbesondere auf das Urteil des Gerichtshofes vom 9. August 1994 in der Rechtssache C-44/93 (Namur-Les assurances du crédit,
         Slg. 1994, I-3829, Randnrn. 11, 15 und 34), nach dem der Kommission bei der Ausübung ihrer Befugnisse gemäß Artikel 93 Absatz
         1 die Initiative zukomme. Das Bestehen eines solchen Ermessens sei unvereinbar mit der Möglichkeit für einen einzelnen, eine
         Klage nach Artikel 173 zu erheben. Zur Begründung dieses Vorbringens beruft sie sich zum einen auf das Urteil des Gerichtshofes
         vom 17. Mai 1990 in der Rechtssache C-87/89 (Sonito u. a./Kommission, Slg. 1990, I-1981, Randnr. 6), in dem es um eine Weigerung
         der Kommission gegangen sei, ein Vertragsverletzungsverfahren nach Artikel 169 einzuleiten, und zum anderen auf das Urteil
         des Gerichts vom 27. Oktober 1994 in der Rechtssache T-32/93 (Ladbroke Racing/Kommission, Slg. 1994, II-1015, Randnr. 37),
         in dem es um eine Weigerung der Kommission gegangen sei, eine Entscheidung gemäß Artikel 90 Absatz 3 des Vertrages zu erlassen.
         
         
         
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          Die Frima BV beruft sich auf das Urteil des Gerichts vom 28. Oktober 1993 in der Rechtssache T-83/92 (Zunis Holding u. a./Kommission,
         Slg. 1993, II-1169, Randnr. 31), nach dem  
         eine ablehnende Maßnahme der Kommission ... nach der Art des Antrags zu beurteilen ist, der durch sie beschieden wird ...
         Insbesondere kann die Weigerung eines Gemeinschaftsorgans, eine Handlung zu widerrufen oder zu ändern, nur dann eine nach
         Artikel 173 EWG-Vertrag auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfbare Handlung sein, wenn die Handlung, deren Widerruf oder Änderung
         das Gemeinschaftsorgan verweigert, selbst nach dieser Bestimmung anfechtbar gewesen wäre. Die Frima BV vertritt die Auffassung, daß die Salt Union Ltd in Anbetracht dieser Rechtsprechung nicht berechtigt sei, die
         Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung zu beantragen. 
         
         
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          Die Salt Union Ltd trägt vor, daß Artikel 93 Absatz 1 die Kommission zur fortlaufenden Überprüfung der Beihilferegelungen
         verpflichte. Sie wolle sich keineswegs gegen bestimmte, genau umschriebene Maßnahmen oder gegen deren Tragweite wenden, sondern
         nur die Nichtigerklärung einer rechtswidrigen Entscheidung erreichen, mit der eine unvollständige obligatorische Prüfung abgeschlossen
         worden sei. 
         
         
         26
            
          Nach Auffassung der Salt Union Ltd verfügt die Kommission, auch wenn ihr hinsichtlich der Art der zweckdienlichen Maßnahmen,
         die sie den Mitgliedstaaten nach einer Prüfung gemäß Artikel 93 Absatz 1 vorschlagen könne, ein Ermessensspielraum zustehe,
         hinsichtlich des Umfangs dieser Prüfung über keinen Ermessensspielraum. Daraus folge, daß die Beschwerdeführer, auch wenn
         sie nicht berechtigt seien, die etwaigen Vorschläge der Kommission an die Mitgliedstaaten anzufechten, ein Interesse daran
         hätten, sich davon zu überzeugen, daß die von der Kommission vorgenommene Prüfung ihrer Art nach so umfassend sei, daß sie
         ihr die Beurteilung der Zweckmäßigkeit eines Eingreifens ermögliche. Im vorliegenden Fall habe die Kommission aber keine vollständige
         Prüfung im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 durchgeführt. Sie sei vielmehr auf der Grundlage einer unvollständigen Prüfung des
         Sachverhalts zu dem Ergebnis gelangt, daß es nicht erforderlich sei, zweckdienliche Maßnahmen vorzuschlagen. Wenn es die Kommission,
         wie im vorliegenden Fall, nach einer unvollständigen Prüfung unterlasse, zweckdienliche Maßnahmen vorzuschlagen, dann habe
         die Schließung der dazugehörenden Akten eine rechtliche Wirkung, da es sich die Kommission in rechtswidriger Weise unmöglich
         gemacht habe, zweckdienliche Maßnahmen vorzuschlagen, obwohl sich solche Maßnahmen als erforderlich hätten erweisen können,
         wenn sie eine vollständige Prüfung durchgeführt hätte. 
         
         
         27
            
          Die Salt Union Ltd trägt vor, daß zwischen dem Verfahren nach Artikel 169 und dem Verfahren des Artikels 93 zu unterscheiden
         sei, denn das besondere Verfahren des Artikels 93 wäre gegenstandslos, wenn die beiden Verfahren genau identisch wären. Der
         Unterschied zwischen den beiden Verfahren liege darin, daß Artikel 169 die Kommission nicht verpflichte, die Verstöße der
         Mitgliedstaaten gegen die ihnen aufgrund des Vertrages obliegenden Verpflichtungen zu prüfen, während Artikel 93 Absatz 1
         die Kommission zur fortlaufenden Überprüfung aller Beihilferegelungen verpflichte. Diese Unterscheidung sei von entscheidender
         Bedeutung, da in dem Fall, daß die Kommission ihre Kontrollverpflichtung gemäß Artikel 93 Absatz 1 tatsächlich nicht erfülle,
         den betroffenen Personen wie der Salt Union Ltd, denen das Verfahren nach Artikel 93 Absatz 2 hätte zugute kommen können,
         dieses Verfahren zu Unrecht vorenthalten werde. Artikel 169 sehe kein gleichwertiges Verfahren vor. 
         
         
         28
            
          Die Salt Union Ltd weist anschließend darauf hin, daß nach dem Urteil des Gerichtshofes vom 19. Mai 1993 in der Rechtssache
         C-198/91 (Cook/Kommission, Slg. 1993, I-2487, Randnr. 23), wenn die Kommission ohne Einleitung des Verfahrens nach Artikel
         93 Absatz 2 auf der Grundlage von Artikel 93 Absatz 3 feststelle, daß eine neue Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar
         sei, die Einhaltung der in Artikel 93 Absatz 2 vorgesehenen Verfahrensgarantien den aus ihnen Berechtigten nur in der Weise
         gewährleistet werden könne, daß sie die Möglichkeit hätten, diese Entscheidung der Kommission beim Gerichtshof anzufechten.
         In Analogie zu diesem Urteil könne einem Kläger, der ein Interesse an einer Beteiligung an dem Verfahren des Artikels 93 Absatz
         2 habe, das sich aus dem Abschluß des Verfahrens des Artikels 93 Absatz 1 ergeben könne, die Einhaltung der in Artikel 93
         Absatz 2 vorgesehenen Verfahrensgarantien nur gewährleistet werden, wenn er in der Lage sei, das Fehlen einer angemessenen
         Durchführung der obligatorischen Prüfung nach Artikel 93 Absatz 1 zu beanstanden. 
         
         
         29
            
          Der VDS trägt vor, es gehe aus dem Urteil des Gerichtshofes vom 28. Januar 1986 in der Rechtssache 169/84 (Cofaz/Kommission,
         Slg. 1986, 391, Randnrn. 20 bis 32) hervor, daß die Rechte der Konkurrenten der Empfänger staatlicher Beihilfen durch den
         Vertrag geschützt seien. Daraus folge, daß die Konkurrenten immer das Recht haben müßten, sich gegen die Gewährung staatlicher
         Beihilfen an Gesellschaften zu wenden, die auf denselben Märkten wie sie tätig seien. Nach Auffassung des VDS ist eine solche
         Beurteilung geboten, um die tatsächliche Einhaltung der Vertragsbestimmungen über staatliche Beihilfen zu gewährleisten. Folglich
         müßten die Konkurrenten der Frima BV beantragen können, daß die Kommission gemäß Artikel 93 Absatz 1 eine eingehende Prüfung
         der Beihilfe zugunsten der Frima BV vornehme. 
         
         
         30
            
          Der VDS beruft sich auf das Urteil des Gerichtshofes vom 14. November 1984 in der Rechtssache 323/82 (Intermills/Kommission,
         Slg. 1984, 3809, Randnr. 16), nach dem zu den  
         Beteiligten im Sinne von Artikel 93 Absatz 2 insbesondere die Konkurrenten des Empfängers der fraglichen Beihilfe gehörten. Da diese
         Konkurrenten in einem Verfahren nach Artikel 93 Absatz 2, das durch ein Verfahren nach Artikel 93 Absatz 1 ausgelöst werde,
         klagebefugt seien, müßten sie auch zur Anfechtung einer Entscheidung der Kommission, das Verfahren nach Artikel 93 Absatz
         1 nicht einzuleiten, berechtigt sein. Bei Fehlen eines solchen Rechts werde ihnen das Recht auf Äußerung, das ihnen nach Artikel
         93 Absatz 2 zustehe, entzogen. Eine solche Situation widerspreche dem Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, wonach der Vertrag,
         wenn eine Partei über materielle Rechte verfüge, auch die zur Durchsetzung dieser Rechte erforderlichen verfahrensrechtlichen
         Mittel gewährleiste. Der VDS verweist in diesem Zusammenhang auf das Urteil des Gerichtshofes vom 22. Mai 1990 in der Rechtssache
         C-70/88 (Parlament/Rat, Slg. 1990, I-2041). 
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         31
            
          Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofes und des Gerichts sind alle Maßnahmen, die verbindliche Rechtswirkungen erzeugen,
         die die Interessen des Klägers durch einen Eingriff in seine Rechtsstellung beeinträchtigen, Handlungen oder Entscheidungen,
         gegen die die Nichtigkeitsklage nach Artikel 173 des Vertrages gegeben ist (Urteil des Gerichtshofes vom 11. November 1981
         in der Rechtssache 60/81, IBM/Kommission, Slg. 1981, 2639, Randnr. 9; Urteile des Gerichts vom 10. Juli 1990 in der Rechtssache
         T-64/89, Automec/Kommission, Slg. 1990, II-367, Randnr. 42, und vom 24. März 1994 in der Rechtssache T-3/93, Air France/Kommission,
         Slg. 1994, II-121, Randnr. 43). 
         
         
         32
            
          Außerdem ist eine ablehnende Entscheidung der Kommission nach der Art des Antrags zu beurteilen, der durch sie beschieden
         wird (Urteile des Gerichtshofes vom 8. März 1972 in der Rechtssache 42/71, Nordgetreide/Kommission, Slg. 1972, 105, Randnr. 5,
         und vom 24. November 1992 in den Rechtssachen C-15/91 und C-108/91, Buckl & Söhne u. a., Slg. 1992, I-6061, Randnr. 22; Urteil
         Zunis Holding u. a./Kommission, a. a. O., Randnr. 31). Insbesondere ist eine Weigerung eine im Wege der Nichtigkeitsklage
         nach Artikel 173 des Vertrages anfechtbare Handlung, wenn die Handlung, deren Vornahme das Gemeinschaftsorgan ablehnt, nach
         dieser Vorschrift hätte angefochten werden können (Urteile des Gerichtshofes vom 26. April 1988 in den Rechtssachen 97/86,
         193/86, 99/86 und 215/86, Asteris/Kommission, Slg. 1988, 2181, Randnr. 17, und Sonito u. a./Kommission, a. a. O., Randnr. 8).
         
         
         
         33
            
          Im vorliegenden Fall ist die nach Artikel 173 des Vertrages angefochtene Handlung die Weigerung der Kommission, der niederländischen
         Regierung hinsichtlich der niederländischen Regelung zweckdienliche Maßnahmen im Sinne von Artikel 93 Absatz 1 des Vertrages
         vorzuschlagen. 
         
         
         34
            
          In Anbetracht der erwähnten Rechtsprechung (siehe oben, Randnrn. 31 und 32) kann diese Weigerung nur dann als eine im Wege
         der Nichtigkeitsklage anfechtbare Entscheidung angesehen werden, wenn die Handlung, mit der die Kommission auf den Antrag
         der Salt Union Ltd der niederländischen Regierung hinsichtlich der niederländischen Regelung zweckdienliche Maßnahmen vorgeschlagen
         hätte, eine Maßnahme dargestellt hätte, die verbindliche Rechtswirkungen erzeugt, die die Interessen der Salt Union Ltd durch
         einen Eingriff in ihre Rechtsstellung beeinträchtigen. 
         
         
         35
            
          Es ist jedoch festzustellen, daß die zweckdienlichen Maßnahmen schon nach dem Wortlaut des Artikels 93 Absatz 1 des Vertrages
         nur Vorschläge darstellen. Insbesondere wäre der niederländische Staat oder die niederländische Regierung, der diese Maßnahmen
         vorgeschlagen werden müßten, nicht verpflichtet, diesen Vorschlägen nachzukommen. Sollte sie sich dafür entscheiden, die vorgeschlagenen
         Maßnahmen nicht zu erlassen, so müßte die Kommission, falls sie dies noch für zweckmäßig hält, eine Entscheidung gemäß Artikel
         93 Absatz 2 des Vertrages treffen, um die Änderung der niederländischen Regelung zu verlangen. Nur diese Entscheidung wäre
         verbindlich. 
         
         
         36
            
          Folglich hätte die von der Salt Union Ltd beantragte Handlung keine Maßnahme dargestellt, die verbindliche Rechtswirkungen
         erzeugt, die ihre Interessen beeinträchtigen. Eine solche Handlung wäre also nicht nach Artikel 173 des Vertrages anfechtbar
         gewesen. 
         
         
         37
            
          Somit ist die Weigerung der Kommission, eine solche Handlung vorzunehmen, keine nach Artikel 173 anfechtbare Handlung. 
         
         
         38
            
          Nach alledem ist die Klage als unzulässig abzuweisen, ohne daß die anderen von der Kommission geltend gemachten Unzulässigkeitsgründe
         oder die Begründetheit der Klage geprüft werden müßten. 
         
         
         39
            
          Das Gericht weist jedoch darauf hin, daß das Ergebnis der vorliegenden Klage nicht bedeutet, daß den Unternehmen generell
         die Möglichkeit genommen ist, gegen die Gewährung staatlicher Beihilfen an Unternehmen, die auf denselben Märkten wie sie
         tätig sind, vorzugehen. Denn diese Unternehmen haben die Möglichkeit, vor den nationalen Gerichten die Entscheidung einer
         nationalen Behörde über die Gewährung einer staatlichen Beihilfe an ein Unternehmen, das mit ihnen in Wettbewerb steht, anzufechten.
         Fällt die Beihilfe unter eine allgemeine Beihilferegelung, so können die Unternehmen im Rahmen eines solchen nationalen Verfahrens
         die Gültigkeit der Entscheidung in Frage stellen, mit der die Kommission diese Regelung genehmigt hat. Wenn sich der nationale
         Richter mit einer Frage nach der Gültigkeit dieser Entscheidung zu befassen hat, so ist er berechtigt oder gegebenenfalls
         verpflichtet, dem Gerichtshof gemäß Artikel 177 des Vertrages eine Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen. 
         
         Kosten
         40
            
          Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Salt Union Ltd mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr im Hinblick auf den Antrag der Kommission die Kosten einschließlich
         der Kosten der Frima BV, die einen entsprechenden Antrag gestellt hat, aufzuerlegen. Der VDS trägt seine eigenen Kosten. 
         
         Aus diesen Gründen hat 
         
         
         
            
            DAS GERICHT (Dritte erweiterte Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden: 
         
            
            1.
             Die Klage wird als unzulässig abgewiesen. 
            
            
            2.
             Die Salt Union Ltd trägt die Kosten einschließlich der Kosten der Frima BV. 
            
            
            3.
             Der Verein Deutsche Salzindustrie e. V. trägt seine eigenen Kosten. 
            
            
                  Briët
               
               
                  Vesterdorf 
               
               
                  Lindh 
               
            
                  Potocki
               
               
                  Cooke
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 22. Oktober 1996. 
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  H. Jung 
               
               
                  C. P. Briët  
               
            
         
            
         
      
          1 –
            
             Verfahrenssprache: Englisch.