CELEX: 62003CJ0005
Language: de
Date: 2005-07-07 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 7. Juli  2005. # Republik Griechenland gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # EAGFL - Ausschluss bestimmter Ausgaben - Obst und Gemüse - Orangen - Tierprämien - Rinder - Schafe und Ziegen. # Rechtssache C-5/03.

Rechtssache C‑5/03
      Hellenische Republik
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „EAGFL – Ausschluss bestimmter Ausgaben – Obst und Gemüse – Orangen – Tierprämien – Rinder – Schafe und Ziegen“
      Schlussanträge des Generalanwalts L. A. Geelhoed vom 14. Oktober 2004 
      Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 7. Juli 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Landwirtschaft – EAGFL – Rechnungsabschluss – Ablehnung der Übernahme von Ausgaben, die durch Unregelmäßigkeiten bei der Anwendung
            der Gemeinschaftsregelung veranlasst wurden – Beanstandung durch den betroffenen Mitgliedstaat – Beweislast – Verteilung zwischen
            der Kommission und dem betreffenden Mitgliedstaat 
      (Verordnung Nr. 729/70 des Rates)
      2.     Landwirtschaft – EAGFL – Rechnungsabschluss – Ablehnung der Übernahme von Ausgaben, die durch Unregelmäßigkeiten bei der Anwendung
            der Gemeinschaftsregelung veranlasst wurden – Finanzielle Berichtigung – Voraussetzungen – Vorliegen eines erheblichen Mangels,
            der den EAGFL einer wirklichen Gefahr eines Verlustes aussetzt
      (Verordnung Nr. 729/70 des Rates)
      1.     Im Bereich der Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik durch den EAGFL ist es zwar Sache der Kommission, einen Verstoß gegen
         die Vorschriften über die gemeinsame Organisation der Agrarmärkte nachzuweisen, wenn sie bestimmte Ausgaben von der Gemeinschaftsfinanzierung
         ausnehmen will, doch muss sie die Unzulänglichkeit der von den nationalen Verwaltungen durchgeführten Kontrollen oder die
         Unrichtigkeit der von diesen mitgeteilten Zahlen nicht umfassend darlegen, sondern sie kann sich darauf beschränken, ernsthafte
         Indizien hierfür anzugeben oder glaubhaft zu machen, dass an diesen Kontrollen oder diesen Zahlen ernsthafte und berechtigte
         Zweifel bestehen. 
      
      Wenn die Kommission dies glaubhaft gemacht hat, muss der Mitgliedstaat gegebenenfalls nachweisen, dass der Kommission hinsichtlich
         der hieraus zu ziehenden finanziellen Konsequenzen ein Irrtum unterlaufen ist. Der Mitgliedstaat kann ihre Feststellungen
         nur dadurch erschüttern, dass er seine Behauptungen auf Umstände stützt, mit denen das Vorhandensein eines zuverlässigen und
         funktionierenden Kontrollsystems nachgewiesen wird. Es obliegt ihm, die Richtigkeit seiner Kontrollen oder seiner Zahlen eingehend
         und vollständig nachzuweisen und so gegebenenfalls die Fehlerhaftigkeit der Feststellungen der Kommission darzutun.
      
      Diese Erleichterung der Beweislast der Kommission beruht auf der Verteilung der Befugnisse zwischen der Gemeinschaft und den
         Mitgliedstaaten im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik und darauf, dass die Durchführung der EAGFL-Finanzierung in erster
         Linie Sache der nationalen Verwaltungen ist, die über die strikte Einhaltung der Gemeinschaftsvorschriften zu wachen haben.
      
      (vgl. Randnrn. 36, 38-40, 46-47, 62, 75, 79)
      2.     Im Bereich des Rechnungsabschlusses des EAGFL rechtfertigt der Umstand, dass ein Verfahren verbesserungsfähig ist, nicht ohne
         weiteres eine finanzielle Berichtigung. Es muss ein erheblicher Mangel bei der Anwendung der ausdrücklichen Bestimmungen der
         Gemeinschaft vorliegen, und ein solcher Mangel muss den EAGFL einer wirklichen Gefahr eines Verlustes oder einer Unregelmäßigkeit
         aussetzen.
      
      (vgl. Randnr. 51)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Dritte Kammer)
      7. Juli 2005(*)
      
      „EAGFL – Ausschluss bestimmter Ausgaben – Obst und Gemüse – Orangen – Tierprämien – Rinder – Schafe und Ziegen“
      In der Rechtssache C‑5/03
      betreffend eine Nichtigkeitsklage nach Artikel 230 EG, eingereicht am 3. Januar 2003,
      Hellenische Republik, vertreten durch S. Charitaki und E. Svolopoulou als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften,  vertreten durch M. Condou-Durande als Bevollmächtigte im Beistand von N. Korogiannakis, dikigoros, Zustellungsanschrift in
         Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas (Berichterstatter) sowie der Richter A. Borg Barthet, J.‑P. Puissochet, J. Malenovský
         und U. Lõhmus,
      
      Generalanwalt: L. A. Geelhoed,
      Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 15. September 2004,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 14. Oktober 2004
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihrer Klage beantragt die Hellenische Republik die Nichtigerklärung der Entscheidung 2002/881/EG der Kommission der Europäischen
         Gemeinschaften vom 5. November 2002 zum Ausschluss bestimmter von den Mitgliedstaaten zulasten des Europäischen Ausrichtungs-
         und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), Abteilung Garantie, getätigter Ausgaben von der gemeinschaftlichen Finanzierung
         (ABl. L 306, S. 26), soweit sie sich auf finanzielle Berichtigungen in Höhe von 2 438 896,91 Euro für die Haushaltsjahre 1997
         bis 2001 in Bezug auf die Sektoren Obst und Gemüse, in Höhe von 11 352 868 Euro für die Haushaltsjahre 1999 bis 2001 für Tierprämien
         für Rinder und in Höhe von 22 969 271 Euro für die Haushaltsjahre 1998 und 1999 für Tierprämien für Schafe und Ziegen bezieht.
      
      2       Diese finanziellen Berichtigungen entsprechen im Sektor Obst und Gemüse einer punktuellen Berichtigung von 3 % bei Versicherungsbeiträgen
         und einer pauschalen Berichtigung von 2 % in Bezug auf unzureichende Kontrollen. Im Sektor der Tierprämien entspricht diese
         finanzielle Berichtigung pauschalen Berichtigungen von 10 % bei denen für Rinder und von 5 % bei denen für Schafe und Ziegen.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Die allgemeine Gemeinschaftsregelung über die Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik
      3       Die Verordnung (EWG) Nr. 729/70 des Rates vom 21. April 1970 über die Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik (ABl. L 94,
         S. 13) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1287/95 des Rates vom 22. Mai 1995 (ABl. L 125, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden:
         Verordnung Nr. 729/70) stellt die einschlägige Grundregelung für die Ausgaben vor dem 1. Januar 2000 dar. Auf die Ausgaben
         nach diesem Zeitpunkt findet die Verordnung (EG) Nr. 1258/99 des Rates vom 17. Mai 1999 über die Finanzierung der gemeinsamen
         Agrarpolitik (ABl. L 160, S. 103) Anwendung.
      
      4       Nach den Artikeln 1 Absatz 2 Buchstabe b und 3 Absatz 1 der Verordnung Nr. 729/70 sowie den Artikeln 1 Absatz 2 Buchstabe
         b und 2 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1258/99 werden die Interventionen zur Regulierung der Agrarmärkte, die nach Gemeinschaftsvorschriften
         im Rahmen der gemeinsamen Organisation der Agrarmärkte vorgenommen werden, durch die Abteilung Garantie des EAGFL finanziert.
      
      5       Nach Artikel 5 Absatz 2 Buchstabe c der Verordnung Nr. 729/70 und Artikel 7 Absatz 4 der Verordnung Nr. 1258/99 entscheidet
         die Kommission, welche Ausgaben von der gemeinschaftlichen Finanzierung auszuschließen sind, wenn sie feststellt, dass Ausgaben
         nicht in Übereinstimmung mit den Gemeinschaftsvorschriften getätigt worden sind. Bei der Bemessung der auszuschließenden Beträge
         trägt sie der Art und der Schwere des Verstoßes sowie dem der Gemeinschaft entstandenen finanziellen Schaden Rechnung. 
      
      6       Die Verordnung (EG) Nr. 1663/95 der Kommission vom 7. Juli 1995 mit Durchführungsbestimmungen zu der Verordnung (EWG) Nr.
         729/70 des Rates bezüglich des Rechnungsabschlussverfahrens des EAGFL, Abteilung Garantie (ABl. L 158, S. 6), sieht in ihrem
         Anhang vor, dass die Zahlstelle die Zahlung durch Scheck ausführt.
      
       Die Gemeinschaftsregelungen für Obst und Gemüse: Orangen
      7       Die Verordnung (EG) Nr. 2200/96 des Rates vom 28. Oktober 1996 regelt die gemeinsame Marktorganisation für Obst und Gemüse
         (ABl. L 297, S. 1). 
      
      8       Die Verordnung (EG) Nr. 2202/96 des Rates vom 28. Oktober 1996 zur Einführung einer Beihilferegelung für Erzeuger bestimmter
         Zitrusfrüchte (ABl. L 297, S. 49) stützt diese Regelung auf Verträge zwischen Erzeugerorganisationen und Verarbeitern und
         auf die qualitative und quantitative Kontrolle dieser Verträge durch die zuständigen Behörden der betreffenden Mitgliedstaaten.
      
      9       Die Verordnung (EG) Nr. 1169/97 der Kommission vom 26. Juni 1997 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung Nr. 2202/96
         (ABl. L 169, S. 15) sieht in Artikel 15 Absatz 2 vor, dass die Erzeugerorganisation binnen 15 Arbeitstagen nach Erhalt der
         Beihilfe oder der Beihilfevorauszahlung die erhaltenen Beträge in voller Höhe ihren Mitgliedern durch Bank‑ oder Postüberweisung
         auszahlt.
      
       Die Gemeinschaftsregelung über Tierprämien für Rinder
      10     Die Verordnung (EWG) Nr. 805/68 des Rates vom 27. Juni 1968 (ABl. L 148, S. 24) in der später geänderten Fassung regelt die
         gemeinsame Marktorganisation für Rindfleisch.
      
      11     Nach Artikel 11 Absatz 1 der Richtlinie 92/102/EWG des Rates vom 27. November 1992 über die Kennzeichnung und Registrierung
         von Tieren (ABl. L 355, S. 32) erlassen die Mitgliedstaaten die erforderlichen Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften, um dieser
         Richtlinie hinsichtlich der Anforderungen bei Rindern in der Weise nachzukommen, dass diese ab 1. Februar 1993 nach den bestehenden
         nationalen Modalitäten registriert und nach den Bestimmungen der Richtlinie gekennzeichnet werden.
      
      12     Die Verordnung (EG) Nr. 820/97 des Rates vom 21. April 1997 zur Einführung eines Systems zur Kennzeichnung und Registrierung
         von Rindern und über die Etikettierung von Rindfleisch und Rindfleischerzeugnissen (ABl. L 117, S. 1), die nach ihrer neunten
         Begründungserwägung wegen der in diesem Zusammenhang nicht zufrieden stellenden Umsetzung der Richtlinie 92/102 erlassen wurde,
         gilt nach ihrem Artikel 22 Absatz 2 ab dem 1. Juli 1997.
      
      13     Nach Artikel 1 Absatz 2 dieser Verordnung verlieren die Bestimmungen der Richtlinie 92/102, die speziell Rinder betreffen,
         ab dem Zeitpunkt, zu dem die Tiere gemäß dem ersten Titel der Verordnung gekennzeichnet werden müssen, ihre Geltung. 
      
      14     Nach Artikel 3 der Verordnung beruht das System zur Kennzeichnung und Registrierung von Rindern auf Ohrmarken, elektronischen
         Datenbanken, Tierpässen und Registern in jedem Betrieb. Die Artikel 4 bis 7 regeln jeden dieser Bestandteile des Systems im
         Einzelnen.
      
      15     Die Verordnung (EG) Nr. 2629/97 der Kommission vom 29. Dezember 1997 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung (EG) Nr.
         820/97 des Rates im Hinblick auf Ohrmarken, Bestandsregister und Pässe im Rahmen des Systems zur Kennzeichnung und Registrierung
         von Rindern (ABl. L 354, S. 19) gilt nach ihrem Artikel 10 ab dem 1. Januar 1998. Sie regelt über die Verordnung Nr. 820/97
         hinausgehend einige Einzelheiten näher. 
      
      16     Die Verordnung (EG) Nr. 2630/97 der Kommission vom 29. Dezember 1997 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung (EG) Nr.
         820/97 des Rates für die Mindestkontrollen im Rahmen des Systems zur Kennzeichnung und Registrierung von Rindern (ABl. L 354,
         S. 23) gilt nach ihrem Artikel 6 ab dem 1. Januar 1998. Sie enthält die Mindestanforderungen an die Durchführung der im Rahmen
         des Systems zur Kennzeichnung und Registrierung von Rindern vorgesehenen Kontrollen. Im Einzelnen wird nach Artikel 2 Absatz
         3 dieser Verordnung die Auswahl der zu kontrollierenden Betriebe auf der Grundlage einer Risikoanalyse durchgeführt, bei der
         Einzelheiten zu beachten sind, die im folgenden Absatz aufgeführt sind. 
      
      17     Die Verordnung (EWG) Nr. 3508/92 des Rates vom 27. November 1992 führt ein integriertes Verwaltungs‑ und Kontrollsystem für
         bestimmte gemeinschaftliche Beihilferegelungen ein (ABl. L 355, S. 1). Die Verordnung (EWG) Nr. 3887/92 der Kommission vom
         23. Dezember 1992 mit Durchführungsbestimmungen zum integrierten Verwaltungs‑ und Kontrollsystem für bestimmte gemeinschaftliche
         Beihilferegelungen (ABl. L 391, S. 36) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1678/98 der Kommission vom 29. Juli 1998 (ABl.
         L 212, S. 23) zum 1. Januar 1999 geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 3887/92) gilt nach ihrem Artikel 1 unbeschadet
         besonderer in den Verordnungen für die einzelnen Sektoren enthaltener Vorschriften. 
      
      18     Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung Nr. 3887/92 sieht eine Verwaltungskontrolle vor, die insbesondere Kontrollprüfungen für
         die gemeldeten Tiere umfasst, um jede doppelte Beihilfegewährung zu vermeiden. Seit der zum 1. Januar 1999 vorgenommenen Änderung
         und sobald die elektronische Datenbank gemäß Artikel 5 der Verordnung Nr. 820/97 des Rates voll betriebsfähig ist, sieht der
         neue Buchstabe b von Artikel 6 Absatz 2 auch Kontrollprüfungen vor, die gewährleisten sollen, dass die Gemeinschaftsbeihilfe
         nur für Rinder gewährt wird, für die der Antragsteller den zuständigen Behörden Geburten, Umsetzungen und Todesfälle ordnungsgemäß
         mitgeteilt hat. Nach Artikel 6 Absatz 4 erfolgt die Auswahl der Anträge, die vor Ort kontrolliert werden sollen, anhand einer
         Risikoanalyse, die die dort aufgeführten Einzelheiten berücksichtigt.
      
       Die Gemeinschaftsregelung über Tierprämien für Schafe und Ziegen 
      19     Die Verordnung (EWG) Nr. 2700/93 der Kommission vom 30. September 1993 mit Durchführungsbestimmungen zur Gewährung der Prämie
         an die Erzeuger von Schaf‑ und Ziegenfleisch (ABl. L 245, S. 99) in der durch die Verordnung (EWG) Nr. 279/94 der Kommission
         vom 8. Februar 1994 (ABl. L 37, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 2700/93) erinnert in ihrer ersten Begründungserwägung
         daran, dass gemäß der Verordnung Nr. 3887/92 die Beihilfeanträge sowie das integrierte Verwaltungs‑ und Kontrollsystem ab
         dem Wirtschaftsjahr 1994 auf die für Mutterschafe und für Ziegen geltende Regelung anwendbar sind.
      
      20     Artikel 1 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2700/93 sieht vor, dass sich der Erzeuger für einen bestimmten Zeitraum verpflichtet,
         auf seinem Betrieb die Mutterschafe und/oder Ziegen zu halten, für die die Prämie beantragt wird. Artikel 1 Absatz 3 Unterabsatz
         2 bestimmt: 
      
      „Bevor alle oder ein Teil der Mutterschafe und/oder Ziegen, für welche die Prämie beantragt wird, während des Haltungszeitraums
         in anderen Betrieben in Pension gehalten werden, sind sie zu kennzeichnen … Der Erzeuger ist gehalten, der zuständigen Behörde
         jede Änderung des Haltungszeitraums oder ‑orts vorher schriftlich anzuzeigen.“
      
      21     Nach Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung werden die Kontrollen vor Ort im Einklang mit den Bestimmungen des Artikels 6 der Verordnung
         (EWG) Nr. 3887/92 durchgeführt, und das zur Anwendung kommende ständige System zur Registrierung der Bestandsbewegungen muss
         den in Artikel 4 der Richtlinie 92/102 enthaltenen Regeln entsprechen.
      
      22     Artikel 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3887/92 in ihrer ursprünglichen Fassung, der mit Wirkung vom 1. Januar 1999 Artikel
         10 Absatz 11 geworden ist, bestimmt, dass der Prämienanspruch, wenn der Betriebsinhaber aus Gründen, die mit den natürlichen
         Lebensumständen seiner Herde zusammenhängen, nicht in der Lage ist, seiner Verpflichtung nachzukommen, die für eine Prämie
         mitgeteilten Tiere so lange zu halten, wie dies erforderlich wäre, für die Zahl der tatsächlich prämienfähigen Tiere erhalten
         bleibt, die während der vorgeschriebenen Zeit gehalten werden, sofern der Betriebsinhaber die zuständige Behörde hierüber
         innerhalb von 10 Werktagen nach Feststellung des zahlenmäßigen Rückgangs seines Tierbestandes schriftlich unterrichtet hat.
      
       Zur finanziellen Berichtigung bei Obst und Gemüse
       Punktuelle Berichtigung um 3 %
       Vorbringen der Parteien
      23     Die griechische Regierung rügt die punktuelle Berichtigung um 3 % entsprechend dem von Erzeugerorganisationen entgegen Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97 vorgenommenen Abzug von Versicherungsbeiträgen. Sämtliche nationalen Bestimmungen und
         Runderlasse belegten, dass das griechische Recht keine Abweichung von den Gemeinschaftsbestimmungen zulasse und dass die griechischen
         Behörden niemals gemeinschaftsrechtswidrige Handlungen hingenommen noch eine Praxis geübt hätten, die in der rechtswidrigen
         Einbehaltung des Betrages der Versicherungsbeiträge bestanden habe. Die geringe Anzahl möglicher Zuwiderhandlungen, die von
         den Behörden nicht unmittelbar bemerkt worden seien, stelle eine unbedeutende Erscheinung dar, die in den Rahmen der Anwendung
         der erforderlichen Kontrollen gehöre und jedenfalls nicht über Ende März 1999 hinaus habe andauern können, als die Inspektionen
         der Kommission vorgenommen worden seien.
      
      24     Die Kommission stellt fest, dass die griechische Regierung weder die Einbehaltung von 3 % der Beihilfen für Versicherungsbeiträge
         noch den Umstand in Frage stelle, dass diese Praxis gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97 verstoße. Da die
         Zuwiderhandlung nicht im Zusammenhang mit der Durchführung oder dem Charakter der Kontrolle stehe, könne sie nicht in die
         pauschale Berichtigung wegen unzulänglicher Kontrollen einbezogen werden. Zudem hätten die Inspektionen sowohl der Kommission
         als auch des Rechnungshofes enthüllt, dass die in Rede stehende Praxis von den griechischen Behörden zumindest bis zum 31.
         Dezember 2000 geduldet worden sei.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      25     Nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97 „zahlt die Erzeugerorganisation die erhaltenen Beträge in voller Höhe
         ihren Mitgliedern“. 
      
      26     Es steht fest, dass in Bezug auf bestimmte Erzeugerorganisationen keine Auszahlung der erhaltenen Beihilfebeträge in voller
         Höhe erfolgt ist, da 3 % dieser Beträge für Versicherungsbeiträge einbehalten wurden.
      
      27     Daher ist festzustellen, dass die Zahlungen durch diese Organisationen nicht entsprechend den Gemeinschaftsvorschriften erfolgt
         sind. Die Kommission hat die entsprechenden Beträge deshalb zu Recht von der Gemeinschaftsfinanzierung ausgeschlossen.
      
      28     Die griechische Regierung macht geltend, dass die punktuelle Berichtigung auf alle Fälle nicht auf Ausgaben nach dem 31. März
         1999 angewandt werden dürfe. 
      
      29     In diesem Zusammenhang gilt, dass die Kommission unter Erwähnung sowohl der bis Juli 1999 durchgeführten nationalen Maßnahmen
         als auch der im Jahr 2000 von den Gemeinschaftsorganen durchgeführten Kontrollen geltend macht, dass die Einbehaltung zumindest
         bis zum 31. Dezember 2000 angedauert habe. 
      
      30     Die griechische Regierung hat nichts vorgetragen, was den Standpunkt der Kommission widerlegen könnte. 
      31     Nach allem kann der Argumentation der griechischen Regierung gegen die punktuelle Berichtigung um 3 % entsprechend dem Abzug
         von Versicherungsbeiträgen durch Erzeugerorganisationen nicht gefolgt werden. 
      
       Pauschale Berichtigung um 2 %
       Vorbringen der Parteien
      32     Die griechische Regierung rügt die pauschale Berichtigung um 2 % mit der Begründung, dass die Zahlung durch Scheck kein Verlustrisiko
         für den EAGFL schaffe, dass die Erzeugerorganisation, die die Beihilfebeträge ihren Mitgliedern nicht rechtzeitig ausgezahlt
         habe einen nicht repräsentativen Einzelfall darstelle, dass die Zurückweisung einer Ladung von nicht vorschriftsgemäßer Qualität
         bei der Inspektion der Kommission die ordnungsgemäße Anwendung der Gemeinschaftsvorschriften und nicht das Gegenteil belege
         und dass die Aufbewahrung der Wiegescheine vom Gemeinschaftsrecht nicht verlangt werde, so dass die Kommission nicht beanstanden
         könne, dass sie unterblieben sei.
      
      33     Die Kommission macht geltend, die griechische Regierung räume ein, dass entgegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97
         Zahlungen durch Scheck getätigt worden seien und dass bei vier Erzeugern die Beihilfebeträge nicht innerhalb der vorgeschriebenen
         Fristen gezahlt worden seien. Zudem würden die Aussagen der mit den Kontrollen betrauten Beamten, wonach eine Toleranzmarge
         von 5 % für zerquetschtes Obst und von 1 % für faules Obst angewandt worden sei, dadurch belegt, dass während des gesamten
         in Rede stehenden Wirtschaftsjahres nur zwei Ladungen zurückgewiesen worden seien, eine davon am Tag der Inspektion der Kommission.
         In diesem Zusammenhang stellten die Wiegescheine ein wertvolles Instrument für die Verbesserung der Kontrollqualität dar.
         Da alle diese Einzelheiten jedoch insgesamt nur ein geringes Risiko von Verlusten für den EAGFL darstellten, sei die angewandte
         pauschale Berichtigung auf 2 % begrenzt worden. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      34     Was die ersten beiden Rügen angeht, die sich auf die Erzeugerorganisationen beziehen, so ist daran zu erinnern, dass es in
         Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97 heißt: „Binnen 15 Arbeitstagen nach Erhalt der Beihilfe oder der Beihilfevorauszahlung
         zahlt die Erzeugerorganisation die erhaltenen Beträge in voller Höhe ihren Mitgliedern … durch Bank‑ oder Postüberweisung
         aus.“ 
      
      35     Es steht fest, dass Zahlungen durch Scheck stattgefunden haben und dass bei vier Erzeugern die Beihilfebeträge nicht innerhalb
         der vorgeschriebenen Fristen ausgezahlt wurden.
      
      36     Die in Rede stehenden Ausgaben sind nicht entsprechend den Gemeinschaftsbestimmungen getätigt worden. Daher hat die Kommission
         diese Ausgaben zu Recht von der Gemeinschaftsfinanzierung ausgeschlossen.
      
      37     In Bezug auf die Zahlung durch Scheck bestreitet die griechische Regierung, dass dem EAGFL ein Verlustrisiko entstanden sei,
         und führt hierfür die Verordnung Nr. 1663/95 an, die im Zusammenhang von Zahlungen des EAGFL an die Zahlstellen der Mitgliedstaaten
         die Zahlung durch Scheck zulasse.
      
      38     Nach ständiger Rechtsprechung ist es zwar Sache der Kommission, einen Verstoß gegen die Vorschriften über die gemeinsame Organisation
         der Agrarmärkte nachzuweisen. Ist dieser Nachweis aber erbracht, muss der Mitgliedstaat gegebenenfalls nachweisen, dass der
         Kommission hinsichtlich der hieraus zu ziehenden finanziellen Konsequenzen ein Irrtum unterlaufen ist (vgl. in diesem Sinne
         Urteile vom 12. Juli 1984 in der Rechtssache 49/83, Luxemburg/Kommission, Slg. 1984, 2931, Randnr. 30, und vom 7. Oktober
         2004 in der Rechtssache C‑153/01, Spanien/Kommission, Slg. 2004, I-0000, Randnr. 67).
      
      39     Im Übrigen ist die Kommission nicht verpflichtet, das Vorhandensein eines tatsächlichen Schadens nachzuweisen, sondern sie
         kann sich darauf beschränken, ernsthafte Indizien hierfür anzugeben (vgl. Urteil Spanien/Kommission, Randnr. 66). Diese Erleichterung
         der Beweislast der Kommission beruht auf der Verteilung der Befugnisse zwischen der Gemeinschaft und den Mitgliedstaaten im
         Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 10. November 1993 in der Rechtssache C‑48/91, Niederlande/Kommission,
         Slg. 1993, I‑5611, Randnr. 17, und vom 1. Oktober 1998 in der Rechtssache C‑238/96, Irland/Kommission, Slg. 1998, I‑5801,
         Randnr. 29).
      
      40     Denn die Durchführung der EAGFL-Finanzierung ist in erster Linie Sache der nationalen Verwaltungen, die über die strikte Einhaltung
         der Gemeinschaftsvorschriften zu wachen haben (Urteil Irland/Kommission, Randnr. 30). 
      
      41     Wie in den Randnummern 34 bis 36 dieses Urteils festgestellt worden ist, ist die Zahlung durch Scheck unter Verstoß gegen
         Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1169/97 erfolgt. Die Kommission macht geltend, diese Bestimmung solle gewährleisten,
         dass die Empfänger den Betrag der Beihilfe, der ihnen geschuldet werde, persönlich erhielten, und die gleiche Unterschrift
         erscheine für mehrere Personen, was beweise, dass die Empfänger die Beträge der in Rede stehenden Beihilfe nicht persönlich
         empfangen hätten und dass eine Gefahr von Verlusten für den EAGFL bestanden habe. 
      
      42     Der Hinweis der griechischen Regierung darauf, dass eine derartige Zahlungsweise in anderen Zusammenhängen zulässig sei, genügt
         nicht, die Feststellungen der Kommission zur Wahrscheinlichkeit einer Verlustgefahr für den EAGFL zu entkräften.
      
      43     Daher greifen die ersten beiden Rügen der griechischen Regierung nicht durch.
      44     Mit der dritten und der vierten Rüge, die die Verarbeiter betreffen, soll geltend gemacht werden, dass die Kommission zu Unrecht
         zu dem Ergebnis gelangt sei, dem griechischen Kontrollsystem für Obst und Gemüse fehle es an Zuverlässigkeit und Wirksamkeit,
         und daher die entsprechenden Ausgaben von der Gemeinschaftsfinanzierung ausgeschlossen habe.
      
      45     Mit der dritten Rüge macht die griechische Regierung geltend, die Kommission habe sich nicht auf die rechtswidrige Annahme
         einer Ladung gestützt, deren Qualität nicht mit der einschlägigen Regelung in Einklang gestanden habe, sondern auf die Zurückweisung
         einer solchen Ladung in Anwendung dieser Regelung.
      
      46     Wie in Randnummer 38 dieses Urteils festgestellt worden ist, obliegt es der Kommission, einen Verstoß gegen das Gemeinschaftsrecht
         nachzuweisen (vgl. in diesem Sinne auch Urteile vom 19. Februar 1991 in der Rechtssache C‑281/89, Italien/Kommission, Slg. 1991,
         I‑347, Randnr. 19, und vom 28. Oktober 1999 in der Rechtssache C‑253/97, Italien/Kommission, Slg. 1999, I‑7529, Randnr. 6).
         
      
      47     Nach ständiger Rechtsprechung muss die Kommission jedoch die Unzulänglichkeit der von den nationalen Verwaltungen durchgeführten
         Kontrollen oder die Unrichtigkeit der von diesen mitgeteilten Zahlen nicht umfassend darlegen, sondern sie braucht nur glaubhaft
         zu machen, dass an diesen Kontrollen oder diesen Zahlen ernsthafte und berechtigte Zweifel bestehen (vgl. in diesem Sinne
         Urteil Niederlande/Kommission, Randnr. 17, und vom 4. März 2004 in der Rechtssache C‑344/01, Deutschland/Kommission, Slg. 2004,
         I‑2081, Randnr. 58).
      
      48     Daher ist zu prüfen, ob die Kommission eine Zusammenstellung der Tatsachen vorgetragen hat, aus denen sich ernsthafte und
         berechtigte Zweifel dieser Art ergeben. Im vorliegenden Fall hat sich die Kommission erstens darauf gestützt, dass während
         des betreffenden Wirtschaftsjahres nur zwei Ladungen Obst zurückgewiesen worden seien (die zweite genau zu dem Zeitpunkt,
         zu dem zwei Prüfer der Kommission anwesend gewesen seien), und zweitens auf Behauptungen der Vertreter der griechischen Regierung,
         wonach eine Toleranz von 5 % für zerquetschte und von 1 % für faule Früchte angewandt worden sei.
      
      49     Wie der Generalanwalt in Nummer 30 seiner Schlussanträge zu Recht ausführt, folgt aus diesen Tatsachen, von denen keine auf
         eine Unregelmäßigkeit hindeutet, nicht, dass Zweifel an der Gründlichkeit und Vollständigkeit der von dem betreffenden Mitgliedstaat
         durchgeführten Kontrollen bestehen. Daher ist die Kommission ihrer Pflicht zum Nachweis ernsthafter und berechtigter Zweifel
         in Bezug auf diese Kontrollen nicht nachgekommen.
      
      50     Mit ihrer vierten Rüge wendet sich die griechische Regierung dagegen, dass der Umstand, dass die Verarbeiter ihre Wiegescheine
         für das Wirtschaftsjahr 1997/98 nicht aufbewahrt hätten, bei der Beurteilung der Verlustgefahr für den EAGFL berücksichtigt
         worden sei, obwohl keine Gemeinschaftsbestimmung eine solche Aufbewahrung verlange. 
      
      51     Hierzu ist zu bemerken, dass der Umstand, dass ein Verfahren verbesserungsfähig ist, nicht ohne weiteres eine finanzielle
         Berichtigung rechtfertigt. Es muss ein erheblicher Mangel bei der Anwendung der ausdrücklichen Bestimmungen der Gemeinschaft
         vorliegen, und ein solcher Mangel muss den EAGFL einer wirklichen Gefahr eines Verlustes oder einer Unregelmäßigkeit aussetzen
         (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 24. Februar 2005 in der Rechtssache C‑318/02, Niederlande/Kommission, nicht in der amtlichen
         Sammlung veröffentlicht, Randnr. 34). 
      
      52     Im vorliegenden Fall hat die Kommission nicht angegeben, inwiefern die Nichtaufbewahrung der Wiegescheine einen solchen erheblichen
         Mangel bei der Anwendung der Gemeinschaftsbestimmungen bedeuten soll, und sie hat nicht dargetan, inwiefern die Aufbewahrung
         dieser Wiegescheine für die betreffenden Kontrollen notwendig gewesen sein soll. 
      
      53     Nach allem können die ersten beiden Rügen der griechischen Regierung nicht durchgreifen, während die dritte und die vierte
         Rüge zutreffend sind.
      
      54     In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nach dem Zusammenfassenden Bericht AGRI‑62225‑2002, Abschnitt B.2.2.3.2,
         die pauschale Berichtigung in Höhe von 2 % der Ausgaben im Sektor Obst und Gemüse für die Wirtschaftsjahre 1997/98 und 1998/99
         wegen des Umstands vorgenommen wurde, dass sich bei mehreren Kontrollen Mängel ergeben hätten. Allerdings weisen nur zwei
         der vier Reihen von Anmerkungen der Kommission solche Mängel aus. Daher ist die pauschale Berichtigung unzureichend begründet.
      
      55     Die Entscheidung 2002/881 ist deshalb für nichtig zu erklären, soweit mit ihr 2 % der im Sektor Obst und Gemüse getätigten
         Ausgaben wegen unzulänglicher Kontrollen von der Gemeinschaftsfinanzierung ausgeschlossen wurden.
      
       Zur finanziellen Berichtigung in Bezug auf Tierprämien für Rinder 
       Vorbringen der Parteien
      56     Die griechische Regierung rügt die von der Kommission auf die Tierprämien für Rinder angewandte pauschale Berichtigung um
         10 % und führt hierfür drei Arten von Argumenten an.
      
      57     In Bezug auf die von der Kommission bei den Schlüsselkontrollen festgestellten schwerwiegenden Mängel, nämlich unterbliebene
         Mitteilung der Änderungen der Regelung des durch die Verordnungen Nrn. 1678/98 und 2804/99 eingeführten integrierten Verwaltungs‑
         und Kontrollsystems, die unterbliebene Einrichtung der Datenbank, das Fehlen von Kontrollabgleichen, die Führung der Register
         der Rinderbestände, die nicht im Einklang mit der Verordnung Nr. 820/97 gestanden habe, die Mängel bei der Kennzeichnung der
         Rinder durch Ohrmarken, insbesondere bei neugeborenen Rindern, und die Ausstellung nicht der Verordnung Nr. 820/97 entsprechender
         Rinderpässe, ist die griechische Regierung der Ansicht, in Anbetracht der Übergangsmaßnahmen und der am griechischen System
         vorgenommenen Verbesserungen seien diese Mängel nicht schwerwiegend genug, um eine pauschale Berichtigung von 10 % zu rechtfertigen.
         
      
      58     In Bezug auf die von der Kommission bei den zweiten Kontrollen festgestellten schweren Mängel – fehlende Trennung der Aufgaben,
         unzureichende Zusammenarbeit zwischen den Veterinärstellen der zuständigen Behörden, unzulängliche Kontrolle der landwirtschaftlichen
         Genossenschaften, Verzögerung bei der Behandlung der Anträge, nicht elektronisch durchgeführte Risikoanalyse und Unterschiede
         bei den statistischen Angaben – bestreitet die griechische Regierung die Stichhaltigkeit der Feststellungen der Kommission
         und erinnert daran, dass eine Nichtbeachtung bestimmter Zweitkontrollen nur zu einer pauschalen Berichtigung von höchstens
         2 % führen könne.
      
      59     Schließlich rügt die griechische Regierung, dass die Kommission insofern ihr Ermessen überschritten habe, als die Verlustgefahr
         für den EAGFL eine finanzielle Berichtigung von 10 % nicht habe rechtfertigen können.
      
      60     Die Kommission führt im Wesentlichen nur aus, dass die Feststellungen, auf denen die pauschale Berichtigung beruhe, von der
         griechischen Regierung entweder ausdrücklich anerkannt oder aber nicht bestritten worden seien. In Bezug auf die Ermessensüberschreitung
         ist sie der Ansicht, dass die Feststellungen ihrer Stellen schwerwiegende Mängel bei der Organisation und der Durchführung
         des Schlüsselkontrollsystems ergeben hätten, da mehrere dieser Schlüsselkontrollen nicht oder nicht ausreichend angewandt
         worden seien und den EAGFL damit einer erheblichen Gefahr von Verlusten ausgesetzt hätten.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      61     Was zunächst die Schlüsselkontrollen angeht, so ist mit der Kommission darauf hinzuweisen, dass die griechische Regierung
         die Feststellungen der Kommission mit Ausnahme derjenigen, die die fehlende Mitteilung der am 1. Januar 1999 und am 1. Januar
         2000 erfolgten Änderungen der Regelung betreffen, ausdrücklich anerkennt.
      
      62     Da die Kommission das Bestehen ernsthafter und berechtigter Zweifel glaubhaft gemacht hat, kann der Mitgliedstaat ihre Feststellungen
         nur dadurch erschüttern, dass er seine Behauptungen auf Umstände stützt, mit denen das Vorhandensein eines zuverlässigen und
         funktionierenden Kotrollsystems nachgewiesen wird. Es obliegt ihm nämlich, die Richtigkeit seiner Kontrollen oder seiner Zahlen
         eingehend und vollständig nachzuweisen und so gegebenenfalls die Fehlerhaftigkeit der Feststellungen der Kommission darzutun
         (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 24. Februar 2005 in der Rechtssache C‑300/02, Griechenland/Kommission, Slg. 2005, I-0000,
         Randnrn. 34 bis 36). 
      
      63     Die griechische Regierung behauptet, dass diese Änderungen dank jährlicher Informationsseminare rechtzeitig mitgeteilt worden
         seien und dass der Umstand, dass die Runderlasse mit eingehenden Weisungen für die Anwendung der in Rede stehenden Verordnungen
         den Präfekturen mit einer Verspätung von zwei oder vier Monaten übermittelt worden seien, die Anwendung dieser Verordnungen
         auf die 1999 und 2000 durchgeführten Kontrollen nicht verhindert habe. Diese Behauptungen können jedoch die Feststellungen
         der Kommission nicht entkräften.
      
      64     Was schließlich die Zweitkontrollen betrifft, so genügen die von der griechischen Regierung zur Widerlegung der Feststellungen
         der Kommission vorgetragenen Umstände nicht, die von der Kommission geäußerten Zweifel in Bezug auf die betreffenden Kontrollen
         zu beseitigen. 
      
      65     Denn die griechische Regierung bestreitet die fehlende Aufgabentrennung und die fehlende Aufsicht über die landwirtschaftlichen
         Genossenschaften nur mit allgemeinen Behauptungen. Sie führt nur einen einzigen Runderlass an, um das Bestehen einer angemessenen
         Zusammenarbeit zwischen den Veterinärstellen der zuständigen Behörden darzutun. Zwar räumt sie die Verzögerung bei der Behandlung
         der Anträge ein, behauptet jedoch in Bezug auf die Risikoanalyse nur, dass diese handschriftlich und rechtzeitig vorgenommen
         worden sei. Wie im Übrigen der Generalanwalt in Nummer 53 seiner Schlussanträge ausführt, ist das Vorbringen der griechischen
         Regierung in Bezug auf die unrichtigen statistischen Angaben schwer verständlich und macht nicht deutlich, wie diese Angaben
         geprüft und berichtigt werden. Das Fehlen verlässlicher Zahlen in Bezug auf die Kontrollen erhöht die Gefahr von Schäden für
         den EAGFL. 
      
      66     Was schließlich das Vorbringen der griechischen Regierung in Bezug auf die Ermessensüberschreitung der Kommission angeht,
         so kann diesem, wie der Generalanwalt in den Nummern 57 bis 59 seiner Schlussanträge ausführt, nach allem nicht gefolgt werden.
         
      
      67     Es ist der griechischen Regierung nämlich nicht gelungen, die Behauptungen der Kommission durch den Nachweis zu widerlegen,
         dass ein verlässliches und betriebsbereites Kontrollsystem zur Verfügung gestanden hätte, so dass die von der Kommission festgestellten
         Mängel sowohl bei den Schlüsselkontrollen als auch bei den Zweitkontrollen als nachgewiesen zu betrachten sind. 
      
      68     Daher kann nicht gerügt werden, dass die Kommission entsprechend den Leitlinien im Dokument Nr. VI/5330/97 eine Berichtigung
         in Höhe von 10 % vorgenommen hat, denn wenn eine oder mehrere Schlüsselkontrollen nicht oder so schlecht oder so selten durchgeführt
         werden, dass sie für die Zwecke der Klärung der Beihilfefähigkeit eines Antrags oder die Verhinderung von Unregelmäßigkeiten
         untauglich sind, darf vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass für den EAGFL eine erhöhte Gefahr erheblicher Verluste
         bestand.
      
      69     Nach allem ist das Vorbringen, das die griechische Regierung gegen die pauschale Berichtigung um 10 % bei den Tierprämien
         für Rinder anführt, als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zur finanziellen Berichtigung bei Tierprämien für Schafe und Ziegen 
       Vorbringen der Beteiligten
      70     Die griechische Regierung rügt die pauschale Berichtigung um 5 %, die die Kommission bei den Tierprämien für Schafe und Ziegen
         vorgenommen hat. Diese Berichtigung beruhe auf der für die Jahre 1995 bis 1997 ebenfalls in Höhe von 5 % vorgenommenen Berichtigung.
         Wegen der erfolgten Verbesserungen an der Art und Weise, wie die Regierung die Regelung für die Jahre 1998 und 1999 vorgenommen
         habe, müsse diese auf 2 % verringert werden. 
      
      71     Die Kommission führt im Wesentlichen nur aus, dass die Feststellungen, auf die die finanzielle Berichtigung gestützt worden
         sei, nämlich das Fehlen eines Registers für Bestandsbewegungen, die mangelnde Zuverlässigkeit der Kontrollstatistiken, die
         Verzögerungen bei der Datenverarbeitung, das Fehlen einer Risikoanalyse, die ungenaue Mitteilung des Haltungsortes der Tiere
         und die mündliche Mitteilung von Verlusten, nicht widerlegt worden seien. Das Unterbleiben deutlicher Verbesserungen im Vergleich
         zu den Feststellungen, die zur Anwendung einer pauschalen Berichtigung von 5 % für die Jahre 1995 bis 1997 geführt hätten,
         habe zur Anwendung desselben Berichtigungssatzes für die Jahre 1998 und 1999 geführt. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      72     Vorab sei darauf hingewiesen, dass der Gerichtshof mit seinem Urteil vom 9. September 2004 in der Rechtssache C‑332/01 (Griechenland/Kommission,
         Slg. 2004, I‑7699, Randnrn. 99 ff.) die Klage der Hellenischen Republik gegen die Entscheidung 2001/557/EG der Kommission
         vom 11. Juli 2001 zum Ausschluss bestimmter von den Mitgliedstaaten zulasten des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds
         für die Landwirtschaft (EAGFL), Abteilung Garantie, getätigter Ausgaben von der gemeinschaftlichen Finanzierung (ABl. L 200,
         S. 28) abgewiesen hat, soweit sie sich auf die pauschale Berichtigung von 5 % für die Tierprämien für Schafe und Ziegen für
         die Jahre 1995 bis 1997 bezog.
      
      73     Die finanzielle Berichtigung, um die es im vorliegenden Verfahren geht, wurde wegen der von der Kommission in Bezug auf die
         Jahre 1995 bis 1997 festgestellten allgemeinen Nachlässigkeiten angewandt, bei denen die Stellen der Kommission im Laufe der
         Jahre 1998 und 1999 keine deutliche Verbesserung festgestellt haben.
      
      74     Daher sind die Beweise, die die griechische Regierung zur Widerlegung der Feststellungen der Kommission vorgelegt hat, zu
         prüfen, um mögliche Abweichungen gegenüber der Lage festzustellen, wie sie sich bei der vorhergehenden pauschalen Berichtigung
         dargestellt hat. 
      
      75     Wie in Randnummer 62 dieses Urteils ausgeführt worden ist, obliegt es dem Mitgliedstaat, die Richtigkeit seiner Kontrollen
         oder die Unrichtigkeit der Behauptungen der Kommission eingehend und vollständig nachzuweisen, wenn die Kommission glaubhaft
         gemacht hat, dass am betreffenden Kontrollsystem ernsthafte und berechtigte Zweifel bestehen.
      
      76     Wie die Kommission in der dem Urteil Griechenland/Kommission vom 9. September 2004 zugrunde liegenden Rechtssache festgestellt
         hat, räumt die griechische Regierung ein, dass das Register für Bestandsbewegungen in den in Rede stehenden Jahren entgegen
         Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung Nr. 2700/93 noch nicht fertig gestellt war. Die griechische Regierung hat jedoch nichts
         vorgetragen, was die Verbesserungen, die sie anführt, erkennen ließe.
      
      77     Ebenso räumt die Regierung ein, dass ihre Behörden die mündliche Übermittlung der Verluste entgegen Artikel 10 Absatz 5 der
         Verordnung Nr. 3887/92 zugelassen hätten. 
      
      78     In Bezug auf die mangelnde Zuverlässigkeit der Kontrollstatistiken hat der Generalanwalt in Nummer 66 seiner Schlussanträge
         zu Recht den Hinweis der griechischen Regierung auf die guten Qualifikationen ihrer Prüfer zurückgewiesen, da dieser nicht
         als Beweis für eine ordnungsgemäße Zählung der Tiere ausreicht.
      
      79     Was die Verzögerung bei der Behandlung der Angaben und die in Artikel 6 Absatz 4 der Verordnung vorgesehene Risikoanalyse
         angeht, so ist mit den Parteien des Rechtsstreits auf die Feststellungen im Zusammenhang mit den Tierprämien für Rinder zu
         verweisen (Randnrn. 62 und 65 dieses Urteils). So kann ein Mitgliedstaat die Feststellungen der Kommission nur dadurch erschüttern,
         dass er seine Behauptungen auf Umstände stützt, mit denen das Vorhandensein eines zuverlässigen und funktionierenden Kontrollsystems
         nachgewiesen wird. Eine bloße Verweisung darauf, dass diese Untersuchung handschriftlich erfolgt ist, genügt hierfür nicht
         (vgl. Urteil vom 9. September 2004, Griechenland/Kommission, Randnrn. 128 und 129). 
      
      80     Zur Angabe des Haltungsortes der Tiere gilt, wie der Gerichtshof bereits in seinem Urteil Griechenland/Kommission vom 9. September
         2004 ausgeführt hat (Randnrn. 133 bis 137), dass im Hinblick auf Systematik und Ziel von Artikel 5 Absatz 1 vierter Gedankenstrich
         der Verordnung Nr. 3887/92 davon auszugehen ist, dass die verlangte Angabe so eindeutig sein muss, dass sie es den Kontrollbehörden
         ermöglicht, den genauen Haltungsort der Tiere zu überprüfen. 
      
      81     Daher kann dem Vorbringen, mit dem die griechische Regierung die pauschale Berichtigung der Tierprämien für Schafe und Ziegen
         um 5 % angreift, nicht gefolgt werden.
      
      82     Nach allem ist die Entscheidung 2002/881 für nichtig zu erklären, soweit sie 2 % der getätigten Ausgaben im Sektor Obst und
         Gemüse von der Gemeinschaftsfinanzierung ausschließt. Im Übrigen ist die Klage der Hellenischen Republik abzuweisen.
      
       Kosten
      83     Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Nach
         Artikel 69 § 3 der Verfahrensordnung kann der Gerichtshof die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen
         Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt. Da die Hellenische Republik mit zwei der drei Rügen, die sie
         gegen die Kommission anführt, unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Kommission zwei Drittel der Kosten der Kommission
         aufzuerlegen. Da die Hellenische Republik keinen Kostenantrag gestellt hat, trägt im Übrigen jede Partei ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung 2002/881/EG der Kommission vom 5. November 2002 zum Ausschluss bestimmter von den Mitgliedstaaten zulasten
            des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), Abteilung Garantie, getätigter Ausgaben von
            der gemeinschaftlichen Finanzierung wird für nichtig erklärt, soweit mit ihr 2 % der getätigten Kosten im Sektor Obst und
            Gemüse von der gemeinschaftlichen Finanzierung ausgeschlossen werden.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 
      3.      Die Hellenische Republik trägt zwei Drittel der Kosten der Kommission.
      4.      Im Übrigen trägt jede Partei ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Griechisch.