CELEX: 62003CJ0138
Language: de
Date: 2005-11-24
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 24. November  2005. # Italienische Republik gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Nichtigkeitsklage - Strukturfonds - Kofinanzierung - Verordnungen (EG) Nrn. 1260/1999 und 1685/2000 - Voraussetzungen der Zuschussfähigkeit von Vorauszahlungen nationaler Stellen im Rahmen von staatlichen Beihilferegelungen. # Verbundene Rechtssachen C-138/03, C-324/03 und C-431/03.

Verbundene Rechtssachen C-138/03, C-324/03 und C-431/03
      Italienische Republik
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Nichtigkeitsklage – Strukturfonds – Kofinanzierung – Verordnungen (EG) Nrn. 1260/1999 und 1685/2000 – Voraussetzungen der Zuschussfähigkeit von Vorauszahlungen nationaler Stellen im Rahmen von staatlichen Beihilferegelungen“
      Schlussanträge der Generalanwältin J. Kokott vom 16. Juni 2005 
      Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 24. November 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Nichtigkeitsklage – Klage gegen eine Entscheidung – Erlass einer der Aufhebung der angefochtenen Entscheidung gleichkommenden
            Entscheidung während des Verfahrens – Gegenstandslosigkeit der Klage – Erledigung der Hauptsache 
      (Artikel 230 EG)
      2.     Nichtigkeitsklage – Anfechtbare Handlungen – Schreiben der Kommission an einen Mitgliedstaat betreffend die Voraussetzungen
            für die Zuschussfähigkeit von Vorauszahlungen, die nationale Einrichtungen im Rahmen staatlicher Beihilferegelungen geleistet
            haben, im Rahmen finanzieller Zuschüsse der Gemeinschaft 
      (Artikel 230 EG)
      3.     Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt – Strukturinterventionen – Gemeinschaftsfinanzierung – Zuschussfähigkeit der von
            den nationalen Einrichtungen getätigten Zahlungen – Voraussetzung – Nachweis der Verwendung der Ausgaben im Rahmen des finanzierten
            Projekts – Ausnahme – Vorauszahlungen, die eine bestimmte Schwelle nicht übersteigen
      (Verordnung Nr. 1260/1999 des Rates, Artikel 32 Absatz 2, Verordnung Nr. 1685/2000 der Kommission, Anhang, Regel Nr. 1, Nummern
            1 und 2)
      4.     Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Umfang 
      (Artikel 230 EG)
      5.     Verfahren – Einrede der Rechtshängigkeit – Identität der Parteien, des Gegenstands und der Klagegründe von zwei Klagen – Unzulässigkeit
            der später eingereichten Klage 
      1.     Mit der Aufhebung einer Entscheidung im Lauf des Verfahrens erreicht der Kläger alles, was er mit seiner Klage nach Artikel
         230 EG hätte erreichen können; es gibt infolgedessen für den Gerichtshof nichts mehr zu entscheiden. Denn im Rahmen einer
         solchen Klage kann der Gerichtshof nur die Handlung für nichtig erklären, die Gegenstand der Klage ist. Daher ist die Klage
         gegenstandslos geworden und der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt.
      
      (vgl. Randnrn. 25-26)
      2.     Die Nichtigkeitsklage ist gegen alle Handlungen der Organe gegeben, die dazu bestimmt sind, Rechtswirkungen zu erzeugen, ohne
         dass es auf ihre Rechtsnatur oder ‑form ankäme. Dies ist bei einem Schreiben der Kommission an einen Mitgliedstaat der Fall,
         das den Standpunkt dieses Organs bekannt geben soll, dass bestimmte von den Mitgliedstaaten getätigte Vorauszahlungen nicht
         zuschussfähig seien.
      
      Zwar hält die Kommission im ersten Teil des erwähnten Schreibens an ihrem Standpunkt in einem Auslegungsvermerk zu Artikel
         32 Absatz 1 Unterabsatz 3 der Verordnung Nr. 1260/1999 mit allgemeinen Bestimmungen über die Strukturfonds fest, von den Mitgliedstaaten
         geleistete Vorauszahlungen seien nicht zuschussfähig, doch nimmt sie zur Begründung der Erstattung der bis zu einem bestimmten
         Zeitpunkt getätigten Vorauszahlungen aus Gründen des Schutzes des berechtigten Vertrauens der Mitgliedstaaten im zweiten Teil
         ausdrücklich auch auf mögliche Zweifel am genauen Status der geltenden Bestimmungen Bezug. Da dieses angefochtene Schreiben
         also nicht lediglich eine wiederholende Verfügung darstellt, ist es als das abschließende Ergebnis einer erneuten Prüfung
         des Sachverhalts anzusehen.
      
      (vgl. Randnrn. 32-33, 36-37)
      3.     Die durch Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999 mit allgemeinen Bestimmungen über die Strukturfonds sowie durch Regel Nr.
         1 des Anhangs der Verordnung Nr. 1685/2000 mit Durchführungsbestimmungen der Verordnung Nr. 1260/1999 eingeführte Regelung
         für Zahlungen im Rahmen von staatlichen Beihilferegelungen beruht auf dem Grundsatz der Kostenerstattung. Dies bedeutet, dass
         die von den nationalen Stellen getätigten Ausgaben grundsätzlich nur dann zuschussfähig sind, wenn den Stellen der Kommission
         ihre Verwendung im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts nachgewiesen wird. 
      
      Nur im Fall einer Vorauszahlung in Höhe von 7 v. H. der Beteiligung der Strukturfonds an der betreffenden Intervention durch
         die Kommission im Sinne von Artikel 32 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1260/1999 sind die nationalen Behörden nicht verpflichtet,
         bereits in dieser Phase Belege für die getätigten Ausgaben vorzulegen. Die von den nationalen Einrichtungen getätigten Vorauszahlungen,
         die 7 v. H. der Beteiligung dieser Fonds nicht übersteigen, können daher ohne Nachweis ihrer Verwendung erfolgen. Übersteigen
         hingegen die Vorauszahlungen diesen Betrag, so hängt ihre spätere Erstattung durch die Kommission davon ab, dass quittierte
         Rechnungen, oder, wenn dies nicht möglich ist, gleichwertige Zahlungsbelege vorgelegt werden. In diesem letztgenannten Fall
         tätigt die Kommission die Zahlung nicht als Vorauszahlung, sondern als Zwischen- oder Restzahlung im Sinne von Artikel 32
         der Verordnung Nr. 1260/1999, was daher die Vorlage von Belegen für die Verwendung der in Rede stehenden Beträge erfordert.
      
      (vgl. Randnrn. 45-49)
      4.     Die in Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung muss der Natur des betreffenden Rechtsakts entsprechen und die Überlegung
         des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen
         ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann.
      
      Dieses Erfordernis ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten
         Gründe und dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere durch den Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene
         Personen an Erläuterungen haben. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur
         anhand ihres Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand ihres Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden
         Gebiet.
      
      (vgl. Randnrn. 54-55)
      5.     Eine nach einer anderen eingereichte Klage, die dieselben Parteien betrifft und, gestützt auf dieselben Klagegründe, auf die
         Nichtigerklärung desselben Rechtsakts abzielt, ist wegen Rechtshängigkeit unzulässig.
      
      (vgl. Randnr. 64)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Erste Kammer)
      24. November 2005(*)
      
      „Nichtigkeitsklage – Strukturfonds – Kofinanzierung – Verordnungen (EG) Nrn. 1260/1999 und 1685/2000 – Voraussetzungen der Zuschussfähigkeit von Vorauszahlungen nationaler Stellen im Rahmen von staatlichen Beihilferegelungen“
      In den verbundenen Rechtssachen C‑138/03, C‑324/03 und C‑431/03
      betreffend Nichtigkeitsklagen nach Artikel 230 EG, eingereicht am 27. März 2003 (C‑138/03), 24. Juli 2003 (C‑324/03) und 9.
         Oktober 2003 (C‑431/03),
      
      Italienische Republik, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von A. Cingolo, avvocato dello Stato, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch E. de March und L. Flynn als Bevollmächtigte im Beistand von A. Dal Ferro, avvocato, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten P. Jann, des Richters K. Schiemann, der Richterin N. Colneric sowie der Richter J. N. Cunha
         Rodrigues (Berichterstatter) und E. Levits,
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 21. April 2005,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 16. Juni 2005
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihren Klageschriften beantragt die Italienische Republik die Nichtigerklärung
      –       des Schreibens der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 20. Januar 2003 betreffend den Abzug eines Teiles der für
         die Beihilferegelungen im Rahmen des operationellen Programms „Wissenschaftliche Forschung, technologische Entwicklung, Hochschulbildung“
         beantragten Beträge (im Folgenden: angefochtenes Schreiben vom 20. Januar 2003);
      
      –       des Schreibens der Kommission vom 3. März 2003, mit dem der endgültige Betrag des Abzugs festgelegt wurde (im Folgenden: angefochtenes
         Schreiben vom 3. März 2003);
      
      –       des Schreibens der Kommission vom 14. Mai 2003, das für die im Zusammenhang mit staatlichen Beihilfen nach dem 19. Februar
         2003 geleisteten Vorauszahlungen die Zuschussfähigkeit nach der Regelung über die Strukturfonds (im Folgenden: Zuschussfähigkeit)
         verneint (im Folgenden: angefochtenes Schreiben vom 14. Mai 2003);
      
      –       des Schreibens der Kommission vom 29. Juli 2003, das die Zuschussfähigkeit der im Zusammenhang mit staatlichen Beihilfen nach
         dem 19. Februar 2003 geleisteten Vorauszahlungen verneint (im Folgenden: angefochtenes Schreiben vom 29. Juli 2003).
      
       Rechtlicher Rahmen
      2       In den Begründungserwägungen 42 und 43 der Verordnung (EG) Nr. 1260/1999 des Rates vom 21. Juni 1999 mit allgemeinen Bestimmungen
         über die Strukturfonds (ABl. L 161, S. 1) heißt es:
      
      „(42) … die Zahlungen [sind] in Form eines Vorschusses und anschließender Erstattungen der getätigten Ausgaben vorzunehmen; …
      (43)      Die wirtschaftliche Haushaltsführung ist dadurch sicherzustellen, dass die Ausgaben belegt und bescheinigt werden …“.
      3       Artikel 9 dieser Verordnung bestimmt:
      „… 
      Im Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck
      …
      l)      ‚Endbegünstigte‘ die Stellen und öffentlichen oder privaten Unternehmen, die die Operationen in Auftrag geben. Bei den Beihilferegelungen
         gemäß Artikel 87 des Vertrags und bei der Gewährung von Beihilfen durch die von den Mitgliedstaaten benannten Stellen sind
         die Endbegünstigten die Stellen, die die Beihilfe gewähren;
      
      …
      o)      ‚Zahlstelle‘ eine oder mehrere von dem Mitgliedstaat benannte lokale, regionale oder nationale Behörde(n) oder Stelle(n),
         die beauftragt ist bzw. sind, Auszahlungsanträge zu erstellen und einzureichen und Zahlungen der Kommission zu empfangen.
         Der Mitgliedstaat legt die Einzelheiten seiner Beziehung zur Zahlstelle sowie die Einzelheiten der Beziehung der Zahlstelle
         zur Kommission fest.“
      
      4       Artikel 32 Absatz 1 Unterabsatz 3 der Verordnung sieht vor:
      „Die Zahlungen können in Form von Vorauszahlungen, Zwischenzahlungen oder Restzahlungen geleistet werden. Die Zwischenzahlungen
         und Restzahlungen betreffen die tatsächlich getätigten Ausgaben, die sich auf die von den Endbegünstigten getätigten Zahlungen
         beziehen, welche durch quittierte Rechnungen oder gleichwertige Buchungsbelege belegt sind.“
      
      5       In Artikel 32 Absatz 2 Unterabsatz 1 der Verordnung Nr. 1260/1999 heißt es: „Bei der ersten Mittelbindung leistet die Kommission
         eine Vorauszahlung an die Zahlstelle. Die Vorauszahlung beträgt 7 v. H. der Beteiligung der Fonds an der betreffenden Intervention. …“
      
      6       Im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1685/2000 der Kommission vom 28. Juli 2000 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung
         (EG) Nr. 1260/1999 des Rates hinsichtlich der Zuschussfähigkeit der Ausgaben für von den Strukturfonds kofinanzierte Operationen
         (ABl. L 193, S. 39) ist bestimmt:
      
      „Regel Nr. 1: Tatsächlich getätigte Zahlungen
      1.      VON DEN ENDBEGÜNSTIGTEN GETÄTIGTE ZAHLUNGEN
      1.1.      Die von den Endbegünstigten getätigten Zahlungen im Sinne von Artikel 32 Absatz 1 der Verordnung … Nr. 1260/1999 … erfolgen
         vorbehaltlich der unter Ziffer 1.4 genannten Ausnahmen in Form von Geldleistungen.
      
      1.2.      Bei den Beihilferegelungen gemäß Artikel 87 EG-Vertrag und bei der Gewährung von Beihilfen durch die von den Mitgliedstaaten
         benannten Stellen sind mit dem Begriff ‚von den Endbegünstigten getätigte Zahlungen‘ Beihilfezahlungen an die Einzelempfänger
         gemeint, die von den beihilfegewährenden Stellen geleistet werden. Die von den Endbegünstigten getätigten Beihilfezahlungen
         sind unter Bezug auf die Bedingungen und Ziele der Beihilfe nachzuweisen.
      
      1.3.      In den anderen als den unter Ziffer 1.2 genannten Fällen sind mit dem Begriff ‚von den Endbegünstigten getätigte Zahlungen‘
         Zahlungen der Stellen und öffentlichen oder privaten Unternehmen von der in der Ergänzung zur Programmplanung gemäß Artikel
         18 Absatz 3 Buchstabe b) der … Verordnung Nr. 1260/1999 genannten Art gemeint, die unmittelbar dafür zuständig sind, die spezifische
         Aktion in Auftrag zu geben.
      
      …
      2.      AUSGABENBELEGE
      In der Regel sind die von den Endbegünstigten getätigten Zahlungen durch quittierte Rechnungen zu belegen. In Fällen, in denen
         dies nicht möglich ist, sind diese Zahlungen durch gleichwertige Buchungsbelege zu belegen.
      
      Ist die Durchführung der Aktionen nicht Gegenstand eines Ausschreibungsverfahrens, so sind außerdem die von den Endbegünstigten
         getätigten Zahlungen durch die von den betreffenden Stellen und öffentlichen oder privaten Unternehmen bei der Durchführung
         der Aktion tatsächlich getätigten Ausgaben (einschließlich der unter Ziffer 1.4. genannten Ausgaben) nachzuweisen.
      
      …“
       Sachverhalt
      7       Am 8. August 2000 genehmigte die Kommission das operationelle Programm „Wissenschaftliche Forschung, technische Entwicklung,
         Hochschulbildung“ (im Folgenden: Programm), das sich in den gemeinschaftlichen Rahmen der strukturellen Interventionen in
         den vom Ziel Nummer 1 der Verordnung Nr. 1260/1999 betroffenen italienischen Regionen einfügt.
      
      8       Am 7. September 2001 übersandte die Kommission der Italienischen Republik einen Vermerk über die Auslegung von Artikel 32
         Absatz 1 Unterabsatz 3 der Verordnung Nr. 1260/1999 (im Folgenden: Auslegungsvermerk). Im Übersendungsschreiben führte sie
         aus: „Zweck dieses Vermerks ist die Klarstellung einiger Fragen, die der Kommission in Bezug auf die Begriffe ‚tatsächlich
         getätigte Ausgaben‘ und ‚von den Endbegünstigten getätigte Zahlungen‘ gestellt worden sind.“ Für den Fall, dass der Endbegünstigte
         nicht gleichzeitig der Einzelempfänger der Gemeinschaftsmittel ist, untersucht der Auslegungsvermerk die Zuschussfähigkeit
         der „Vorauszahlungen von Subventionen“, also der Vorauszahlungen auf die Beihilfen, die die Endbegünstigten den Einzelempfängern
         auszahlen. Die Kommission stellt fest, es müsse kontrolliert werden, dass die angemeldeten Ausgaben tatsächlich getätigt werden
         und durch Belege nachgewiesen seien, und gelangt zu dem Ergebnis, dass „die Vorauszahlungen durch den Endbegünstigten nicht
         in die bei der Kommission angemeldeten Ausgaben einbezogen werden können, sofern der Endbegünstigte nicht nachweisen kann,
         dass der Einzelempfänger diese Vorauszahlung für die Deckung tatsächlicher Kosten verwendet hat“.
      
      9       Mit dem angefochtenen Schreiben vom 20. Januar 2003 an die Italienische Republik beschloss die Kommission, die Vorschussbeträge
         abzuziehen und das Verfahren der Zahlung auf Vorlage der Bescheinigungen über Ausgaben im Zusammenhang mit dem Programm einzustellen.
         
      
      10     In dem angefochtenen Schreiben vom 3. März 2003 gab die Kommission an, sie habe unter Berücksichtigung insbesondere des Abzugs
         eines Betrages von 3 163 570,18 Euro für die erwähnten Vorauszahlungen die Zahlung eines geringeren als des beantragten Betrages
         angeordnet.
      
      11     Parallel hierzu wurde im Ausschuss für die Entwicklung und Umstellung der Regionen (im Folgenden: Ausschuss) ein Anhörungsverfahren
         zu dem Zweck eingeleitet, die Einzelheiten der Vereinfachung der Verwaltung der Strukturfonds festzulegen. Für die Finanzverwaltung
         prüfte der Ausschuss des Näheren die Frage der Zuschussfähigkeit der Vorauszahlungen im Rahmen der Beihilferegelungen. Da
         nach Ansicht der Kommission die geltenden Verordnungsbestimmungen eine Zuschussfähigkeit ausschlossen, legte diese dem Ausschuss
         einen Entwurf zur Änderung der Verordnung Nr. 1685/2000 vor, in dem u. a. die Regel Nr. 1 betreffend tatsächlich getätigte
         Zahlungen im Anhang dieser Verordnung neu gefasst wurde. Nachdem in der dreiundsiebzigsten Sitzung des Ausschusses am 19.
         Februar 2003 keine Einigung mit den Mitgliedstaaten erzielt werden konnte, beschloss die Kommission, diesen Entwurf aufzugeben.
         
      
      12     Mit dem angefochtenen Schreiben vom 14. Mai 2003 unterrichtete die Kommission die italienische Regierung vom Ausgang der Erörterungen
         des Ausschusses und hielt in Bezug auf die im Rahmen einer Beihilferegelung getätigten Vorauszahlungen an dem Standpunkt fest,
         den sie im Auslegungsvermerk zum Ausdruck gebracht hatte. Allerdings erklärte sich die Kommission im Hinblick auf mögliche
         Zweifel am genauen Status der geltenden Bestimmungen und um durch die am 19. Februar 2003 beendeten Erörterungen etwa entstandenes
         berechtigtes Vertrauen nicht zu enttäuschen, bereit, die Vorauszahlungen als zuschussfähig zu betrachten, bei denen die Entscheidung
         über die Bewilligung oder der Abschluss des Vergabeverfahrens vor diesem Zeitpunkt erfolgt sei. 
      
      13     Demgemäß teilte die Kommission Italien mit Schreiben vom 23. Mai 2003 mit, dass sie das Verfahren zur Zahlung des Betrages
         eingeleitet habe, der mit den angefochtenen Schreiben vom 20. Januar 2003 und vom 3. März 2003, die infolgedessen hinfällig
         seien, abgezogen worden sei. Die Zahlung von 3 163 570,18 Euro erfolgte am 5. Juni 2003.
      
      14     Schließlich übersandte die Kommission der italienischen Regierung das angefochtene Schreiben vom 29. Juli 2003, in dem sie
         ausführte, dass eine neue Fassung des angefochtenen Schreibens vom 14. Mai 2003 erstellt worden sei, um einige Übersetzungsfehler
         zu beseitigen. Diese neue Fassung unterschied sich von der vorherigen durch eine einzige Wendung und ersetzte diese. 
      
       Die Anträge der Parteien und das Verfahren vor dem Gerichtshof
       Rechtssache C‑138/03
      15     Die Italienische Republik beantragt,
      –       die angefochtenen Schreiben vom 20. Januar 2003 und vom 3. März 2003 sowie sämtliche diesen zugrunde liegenden oder mit ihnen
         zusammenhängenden Rechtsakte für nichtig zu erklären;
      
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      16     Die Kommission beantragt,
      –       die Rechtssache aus dem Register des Gerichtshofes zu streichen.
       Rechtssache C‑324/03
      17     Die Italienische Republik beantragt, 
      –       das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003, soweit es den nach dem 19. Februar 2003 im Zusammenhang mit staatlichen Beihilfen
         getätigten Vorauszahlungen die Zuschussfähigkeit abspricht, sowie alle damit verbundenen und diesem vorausgehenden Rechtsakte
         für nichtig zu erklären;
      
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      18     Die Kommission beantragt,
      –       die Klage als unzulässig, hilfsweise als unbegründet abzuweisen;
      –       der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
       Rechtssache C‑431/03
      19     Die Italienische Republik beantragt,
      –       das angefochtene Schreiben vom 29. Juli 2003 sowie alle damit zusammenhängenden und diesem vorausgehenden Rechtsakte für nichtig
         zu erklären;
      
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      20     Die Kommission beantragt,
      –       die Klage als unzulässig, hilfsweise als unbegründet abzuweisen;
      –       der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      21     Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 26. Januar 2004 sind die Rechtssachen C‑138/03, C‑324/03 und C‑431/03
         zu gemeinsamer mündlicher Verhandlung und Entscheidung verbunden worden.
      
       Rechtssache C‑138/03
      22     Mit ihrer Klage beantragt die Italienische Republik die Nichtigerklärung der angefochtenen Schreiben vom 20. Januar 2003 und
         vom 3. März 2003, mit denen die Rückzahlung der von Italien im Rahmen des Programms getätigten Vorauszahlungen abgelehnt und
         der entsprechende Abzug auf 3 163 570,18 Euro festgesetzt wurde.
      
      23     Es steht jedoch fest, dass die Kommission die italienische Regierung mit Entscheidung vom 23. Mai 2003 davon unterrichtet
         hat, dass die Entscheidung über die Ablehnung der Erstattung der Vorauszahlungen hinfällig und das Verfahren über die Zahlung
         des entsprechenden Betrages eingeleitet worden sei. 
      
      24     Fest steht ebenfalls, dass die Zahlung von 3 163 570,18 Euro an die Italienische Republik am 5. Juni 2003 erfolgte.
      25     Mit dem Wegfall der angefochtenen Schreiben vom 20. Januar 2003 und vom 3. März 2003 hat die Klägerin alles erreicht, was
         sie mit ihrer Klage hätte erreichen können; es gibt infolgedessen für den Gerichtshof nichts mehr zu entscheiden. Denn im
         Rahmen einer Klage nach Artikel 230 EG kann der Gerichtshof nur die Handlung für nichtig erklären, die Gegenstand der Klage
         ist (Beschluss vom 8. März 1993 in der Rechtssache C‑123/92, Lezzi Pietro/Kommission, Slg. 1993, I‑809, Randnr. 10).
      
      26     Daher ist die Klage in der Rechtssache C‑138/03 gegenstandslos geworden und der Rechtsstreit in der Hauptsache erledigt.
       Rechtssache C‑324/03
       Zur Zulässigkeit der Klage
      27     Die Kommission hat eine Einrede der Unzulässigkeit mit der Begründung erhoben, das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003
         sei keine anfechtbare Handlung im Sinne von Artikel 230 EG. 
      
       Vorbringen der Parteien
      28     Die Kommission macht zum einen geltend, dass mit dem angefochtenen Schreiben vom 14. Mai 2003 nur eine Auslegung bestimmter
         Regeln über die Zuschussfähigkeit gegeben werde und dass dieses Schreiben daher gegenüber der Italienischen Republik keine
         Rechtswirkungen entfalte. Solche Wirkungen könnten nur Entscheidungen entfalten, die die Kommission später auf der Grundlage
         bestimmter Zahlungsanträge erlasse.
      
      29     Zum anderen halte dieses Schreiben nur an dem Standpunkt fest, der im Auslegungsvermerk zum Ausdruck gebracht worden sei.
         
      
      30     Die Italienische Republik entgegnet, dass das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 in Wirklichkeit eine Maßnahme darstelle,
         mit der ein neues Element in die geltende Regelung über die Zuschussfähigkeit der Ausgaben eingeführt werde, nämlich die mangelnde
         Zuschussfähigkeit von im Rahmen der Beihilferegelungen geleisteten Vorauszahlungen für die Kofinanzierung durch die Gemeinschaft,
         und dieses Element sei gerade wegen seiner gestaltenden Wirkung geeignet, unmittelbare Wirkungen in der Rechtssphäre der Klägerin
         zu entfalten.
      
      31     Auch stelle das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 kein bloßes Festhalten an dem von der Kommission im Auslegungsvermerk
         zum Ausdruck gebrachten Standpunkt dar, da es das Ergebnis einer institutionellen Erörterung im Ausschuss über die Änderung
         der Verordnung Nr. 1685/2000 darstelle.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      32     Nach ständiger Rechtsprechung ist die Nichtigkeitsklage gegen alle Handlungen der Organe gegeben, die dazu bestimmt sind,
         Rechtswirkungen zu erzeugen, ohne dass es auf ihre Rechtsnatur oder ‑form ankäme (Urteile vom 31. März 1971 in der Rechtssache
         22/70, Kommission/Rat, Slg. 1971, 263, Randnr. 42, und vom 16. Juni 1993 in der Rechtssache C‑325/91, Frankreich/Kommission,
         Slg. 1993, I‑3283, Randnr. 9).
      
      33     Im vorliegenden Fall handelt es sich um ein Schreiben der Kommission an die Italienische Republik, das den Standpunkt dieses
         Organs bekannt geben soll, dass bestimmte von den Mitgliedstaaten getätigte Vorauszahlungen nicht zuschussfähig seien. 
      
      34     Ob dieses Schreiben nur eine Meinung der Kommission wiedergibt, ohne den Geltungsbereich der Gemeinschaftsregelung zu verändern,
         oder ob es Rechtswirkungen erzeugen kann, indem es neue Verpflichtungen der Mitgliedstaaten schafft, richtet sich nach dem
         Inhalt dieser Maßnahme.
      
      35     Folglich ist die Begründetheit des Vorbringens der Kommission zusammen mit den durch den Rechtsstreit aufgeworfenen materiell-rechtlichen
         Fragen zu prüfen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 20. März 1997 in der Rechtssache C‑57/95, Frankreich/Kommission, Slg. 1997,
         I‑1627, Randnrn. 9 und 10).
      
      36     Im Übrigen hält die Kommission zwar im ersten Teil des angefochtenen Schreibens vom 14. Mai 2003 an ihrem Standpunkt im Auslegungsvermerk
         fest, von den Mitgliedstaaten geleistete Vorauszahlungen seien nicht zuschussfähig, doch nimmt sie zur Begründung der Erstattung
         der bis zum 19. Februar 2003 getätigten Vorauszahlungen aus Gründen des Schutzes des berechtigten Vertrauens der Mitgliedstaaten
         im zweiten Teil ausdrücklich auch auf mögliche Zweifel am genauen Status der geltenden Bestimmungen Bezug. 
      
      37     Da das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 also nicht lediglich eine wiederholende Verfügung darstellt, ist es als das
         abschließende Ergebnis einer erneuten Prüfung des Sachverhalts anzusehen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 9. März 1978 in
         der Rechtssache 54/77, Herpels/Kommission, Slg. 1978, 585, Randnr. 14).
      
      38     Nach allem ist die Klage in der Rechtssache C‑324/03 zulässig.
       Zur Begründetheit
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999 sowie Regel Nr. 1 Nummern 1 und 2 des Anhangs
         der Verordnung Nr. 1685/2000
      
      –       Vorbringen der Parteien
      39     Die Italienische Republik ist der Ansicht, dass nach den Verordnungen Nrn. 1260/1999 und 1685/2000 die Tätigkeiten der Einzelempfänger
         der Finanzierung für die Zuschussfähigkeit der vom Endbegünstigten im Rahmen der staatlichen Beihilferegelung getätigten Ausgaben
         unerheblich seien.
      
      40     Diese Auslegung werde, erstens, durch Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999 gestützt, wonach die Zahlungen der Endbegünstigten,
         wenn möglich, durch quittierte Rechnungen und in allen anderen Fällen durch gleichwertige Buchungsbelege zu belegen seien.
         Zweitens sei in Regel Nr. 1 Nummer 1.2 im Anhang der Verordnung Nr. 1685/2000 vorgesehen, dass die von den Endbegünstigten
         getätigten Zahlungen unter Bezug auf die Bedingungen und Ziele der erwähnten Beihilfen nachzuweisen seien. Dies schließe jede
         weitere Bedingung in Bezug auf den Beleg der vom Einzelempfänger getätigten entsprechenden Zahlungen aus. Drittens werde in
         Regel Nr. 1 Nummer 2 zugelassen, dass dann, wenn keine quittierten Rechnungen vorgelegt werden könnten, die Zahlungen durch
         gleichwertige Buchungsbelege belegt werden könnten. 
      
      41     Nach Ansicht der Kommission sind unter „gleichwertigen Buchungsbelegen“ im Sinne der Verordnung Nr. 1260/1999 die Zahlungsbelege
         zu verstehen, die die Kommission dann anerkenne, wenn auf der Grundlage der steuerlichen und buchhalterischen Bestimmungen
         des betroffenen Mitgliedstaats eine Geldausgabe ohne Rechnung möglich sei. Es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass sich
         diese Unterlagen besonders auf die Beihilferegelungen bezögen, und selbst im Rahmen dieser Regelungen könnten quittierte Rechnungen
         für verschiedene Ausführungsvorgänge vorhanden sein.
      
      42     Was im Übrigen den Umstand angehe, dass Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999 nicht die Einzelempfänger der Finanzierung
         erwähne, so übersehe die italienische Regierung, dass die Kommission nach Artikel 30 dieser Verordnung für den Erlass gemeinsamer
         Regelungen über die Zuschussfähigkeit der Ausgaben zuständig sei. Der Verordnung Nr. 1260/1999 lasse sich keine erschöpfende
         Regelung der Bedingungen für die Zuschussfähigkeit dieser Ausgaben entnehmen. 
      
      43     Nummer 1.2 der Regel Nr. 1 des Anhangs der Verordnung Nr. 1685/2000 sei so zu verstehen, dass diese Bestimmung den Nachweis
         der tatsächlichen Verwendung der Finanzierungen für die Verwirklichung von Projekten verlange, die den Zielen entsprächen,
         für die die Beihilfe gewährt werde. Diese Bedingung könne von ihr erst im letzten Abschnitt der Verwendung der Beihilfe, also
         dem Abschnitt, der die Einzelempfänger der Finanzierung betreffe, die die verschiedenen Interventionen oder Vorgänge an Ort
         und Stelle durchführten, wirksam überprüft werden. 
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      44     Nach der Begründungserwägung 43 der Verordnung Nr. 1260/1999 besteht eines von deren Zielen darin, die wirtschaftliche Haushaltsführung
         dadurch sicherzustellen, dass die Ausgaben belegt und bescheinigt werden. 
      
      45     Zu diesem Zweck beruht die durch Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999 sowie durch Regel Nr. 1 des Anhangs der Verordnung
         Nr. 1685/2000 eingeführte Regelung auf dem Grundsatz der Kostenerstattung. 
      
      46     Dies bedeutet, dass die von den nationalen Stellen getätigten Ausgaben grundsätzlich nur dann zuschussfähig sind, wenn den
         Stellen der Kommission ihre Verwendung im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts nachgewiesen wird. Ein
         solcher Nachweis kann durch quittierte Rechnungen oder, wenn dies nicht möglich ist, durch gleichwertige Buchungsbelege erbracht
         werden. 
      
      47     Nur im Fall einer Vorauszahlung in Höhe von 7 v. H. der Beteiligung der Strukturfonds an der betreffenden Intervention durch
         die Kommission im Sinne von Artikel 32 Absatz 2 der Verordnung Nr. 1260/1999 sind die nationalen Behörden nicht verpflichtet,
         bereits in dieser Phase Belege für die getätigten Ausgaben vorzulegen. 
      
      48     Die von den nationalen Einrichtungen getätigten Vorauszahlungen, die 7 v. H. der Beteiligung dieser Fonds nicht übersteigen,
         können daher ohne Nachweis ihrer Verwendung erfolgen. Übersteigen wie im vorliegenden Fall hingegen die Vorauszahlungen diesen
         Betrag, so hängt ihre spätere Erstattung durch die Kommission davon ab, dass die in Randnummer 46 dieses Urteils aufgeführten
         Förmlichkeiten erfüllt werden. 
      
      49     In diesem letztgenannten Fall tätigt die Kommission die Zahlung nicht als Vorauszahlung, sondern als Zwischen- oder Restzahlung
         im Sinne von Artikel 32 der Verordnung Nr. 1260/1999, was daher die Vorlage von Belegen für die Verwendung der in Rede stehenden
         Beträge erfordert.
      
      50     Das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003, wonach die von den Mitgliedstaaten im Rahmen einer Beihilferegelung getätigten
         Vorauszahlungen nicht zuschussfähig sind, sofern keine Belege vorgelegt werden, entspricht somit Artikel 32 der Verordnung
         Nr. 1260/1999 sowie Regel Nr. 1 Nummern 1 und 2 des Anhangs der Verordnung Nr. 1685/2000.
      
      51     Daher ist der erste Klagegrund der Italienischen Republik unbegründet und zurückzuweisen. 
       Zum zweiten Klagegrund: Verletzung wesentlicher Formvorschriften
      –       Vorbringen der Parteien
      52     Nach Ansicht der italienischen Regierung enthält das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 keine Begründung, die die darin
         vertretene Auffassung rechtfertigen könnte. Die Begründung dieses Schreibens sei unzulänglich und widersprüchlich. 
      
      53     Die Kommission hält diesen Klagegrund für unbegründet, da die im angefochtenen Schreiben vom 14. Mai 2003 dargestellte Chronologie
         der Ereignisse alle für das Verständnis der beiden Standpunkte der Kommission erforderlichen Angaben enthalte. Im Übrigen
         enthalte der Umstand, dass dieses Schreiben die Regel der fehlenden Zuschussfähigkeit der Vorauszahlungen bestätige und gleichzeitig
         die vor dem 19. Februar 2003 geleisteten Vorauszahlungen für zuschussfähig erkläre, keinen Widerspruch. Diese beiden Aussagen
         stünden im Verhältnis von Regel und Ausnahme. 
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      54     Nach ständiger Rechtsprechung muss die in Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts
         entsprechen und die Überlegung des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck
         bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine
         Kontrollaufgabe wahrnehmen kann (vgl. insbesondere Urteile vom 11. September 2003 in der Rechtssache C‑445/00, Österreich/Rat,
         Slg. 2003, I‑8549, Randnr. 49, und vom 9. September 2004 in der Rechtssache C‑304/01, Spanien/Kommission, Slg. 2004, I‑7655,
         Randnr. 50).
      
      55     Dieses Erfordernis ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten
         Gründe und dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere durch den Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene
         Personen an Erläuterungen haben. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur
         anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem
         betreffenden Gebiet (vgl. Urteile vom 22. März 2001 in der Rechtssache C‑17/99, Frankreich/Kommission, Slg. 2001, I‑2481,
         Randnr. 36, und vom 7. März 2002 in der Rechtssache C‑310/99, Italien/Kommission, Slg. 2002, I‑2289, Randnr. 48).
      
      56     Dieser Rechtsprechung wird das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 gerecht. 
      57     In diesem Schreiben erläutert die Kommission klar und unzweideutig sowohl, warum sie an ihrem Standpunkt festhalte, bestimmte
         von den Mitgliedstaaten geleistete Vorauszahlungen seien nicht zuschussfähig, wie auch, warum sie bis zum 19. Februar 2003
         geleistete Vorauszahlungen gleichwohl erstatte, nämlich: 
      
      –       fehlende Einigung im Ausschuss im Hinblick auf die Änderung der Verordnung Nr. 1685/2000;
      –       Schutz der berechtigten Erwartungen der Mitgliedstaaten. 
      58     Daher ist der Klagegrund einer Verletzung wesentlicher Formvorschriften unbegründet.
      59     Da keiner der von der Italienischen Republik geltend gemachten Klagegründe Erfolg hat, ist die Klage in der Rechtssache C‑324/03
         insgesamt abzuweisen.
      
       Rechtssache C‑431/03
       Zur Zulässigkeit der Klage
      60     Die Kommission wendet die Unzulässigkeit der Klage in der Rechtssache C‑431/03 ein, da sie mit der Klage in der Rechtssache
         C‑324/03 identisch sei.
      
       Vorbringen der Parteien
      61     Nach Ansicht der Kommission ist eine weitere, später eingereichte Klage, die dieselben Parteien betrifft, denselben Gegenstand
         hat und auf dieselben Gründe gestützt wird, unzulässig. 
      
      62     Die Italienische Regierung erwidert, dass die angefochtenen Schreiben vom 14. Mai 2003 und vom 29. Juli 2003 zwar offenkundig
         nach Inhalt und Zweck Bezüge aufwiesen, jedoch förmlich getrennte Maßnahmen darstellten. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      63     Mit ihrer Klage begehrt die Italienische Republik die Nichtigerklärung des angefochtenen Schreibens vom 29. Juli 2003, das
         das angefochtene Schreiben vom 14. Mai 2003 ersetzt hat, mit Wirkung vom Tag seiner Abfassung. 
      
      64     Nach ständiger Rechtsprechung ist eine weitere, später eingereichte Klage, die dieselben Parteien betrifft und, gestützt auf
         dieselben Klagegründe, auf die Nichtigerklärung desselben Rechtsakts abzielt, wegen Rechtshängigkeit unzulässig (vgl. insbesondere
         Urteil vom 22. September 1988 in den Rechtssachen 358/85 und 51/86, Frankreich/Parlament, Slg. 1988, 4821, Randnr. 12).
      
      65     Die Klage in der Rechtssache C‑431/03 betrifft dieselben Parteien wie die Klage in der Rechtssache C‑324/03 und wird auf dieselben
         Klagegründe gestützt wie diese.
      
      66     Im Übrigen geht, wie die Generalanwältin in Nummer 15 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, aus dem Schreiben vom 29. Juli
         2003 hervor, dass dieses nur der Berichtigung bestimmter Übersetzungsfehler im angefochtenen Schreiben vom 14. Mai 2003 dient,
         das nicht zurückgenommen worden ist und nach wie vor seit seiner Abfassung Rechtswirkungen zeitigt. Zudem hat die Italienische
         Republik diese Berichtigung als solche nicht angefochten. 
      
      67     Das Ziel der vorliegenden Klage ist damit genau dasselbe wie das der Rechtssache C‑324/03, also die Nichtigerklärung des angefochtenen
         Schreibens vom 14. Mai 2003, in dem die Kommission zwar an ihrer Auffassung festhält, Vorauszahlungen, die von den Mitgliedstaaten
         benannte Einrichtungen geleistet hätten, seien nicht zuschussfähig, jedoch die Zuschussfähigkeit dieser Vorauszahlungen zugesteht,
         wenn die endgültige Entscheidung über die Gewährung der Beihilfe an die betroffenen Empfänger bis zum 19. Februar 2003 erlassen
         wurde.
      
      68     Daher ist die Klage der Rechtssache C‑431/03 als unzulässig abzuweisen.
       Kosten
      69     Nach Artikel 69 § 6 der Verfahrensordnung entscheidet der Gerichtshof, wenn er die Hauptsache für erledigt erklärt, über die
         Kosten nach freiem Ermessen. Im vorliegenden Fall ist der Gerichtshof zwar zu dem Ergebnis gelangt, dass in der Rechtssache
         C‑138/03 die Hauptsache wegen des Wegfalls der Entscheidungen der Kommission, deren Rücknahme die Italienische Republik begehrt
         hat, erledigt ist, doch ist zu berücksichtigen, dass dieser Wegfall erst nach Klageerhebung erfolgt ist und damit der Klägerin
         vermeidbare Kosten verursacht hat. Es erscheint daher angezeigt, der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      
      70     Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Kommission die Verurteilung der Italienischen Republik in den Rechtssachen C‑324/03 und C‑431/03 beantragt hat und diese
         mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr die Kosten aufzuerlegen. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      In der Rechtssache C‑138/03 ist die Hauptsache erledigt.
      2.      Die Klage in der Rechtssache C‑324/03 wird abgewiesen.
      3.      Die Klage in der Rechtssache C‑431/03 wird als unzulässig abgewiesen. 
      4.      Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt die Kosten des Verfahrens in der Rechtssache C‑138/03.
      5.      Die Italienische Republik trägt die Kosten des Verfahrens in den Rechtssachen C‑324/03 und C‑431/03.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Italienisch.