CELEX: 62007CJ0125
Language: de
Date: 2009-09-24
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 24. September 2009.#Erste Group Bank AG u. a. gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Rechtsmittel - Kartelle - Festlegung von Passiv- und Aktivzinssätzen durch österreichische Banken - ‚Lombardclub‘ - Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten - Berechnung der Geldbußen - Unternehmensnachfolge - Konkrete Auswirkungen auf den Markt - Umsetzung des Kartells.#Verbundene Rechtssachen C-125/07 P, C-133/07 P, C-135/07 P und C-137/07 P.

Verbundene Rechtssachen C‑125/07 P, C‑133/07 P, C‑135/07 P und C‑137/07 P
      Erste Group Bank AG, ehemals Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, u. a. 
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Rechtsmittel – Kartelle – Festlegung von Passiv- und Aktivzinssätzen durch österreichische Banken – ‚Lombardclub‘ – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Berechnung der Geldbußen – Unternehmensnachfolge – Konkrete Auswirkungen auf den Markt – Umsetzung des Kartells“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Kriterien
            – Beschränkende Verhaltensweisen, die sich auf das gesamte Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erstrecken – Starke Vermutung
            für eine Beeinträchtigung
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      2.        Wettbewerb – Kartelle – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Beurteilungskriterien – Gesamtkartell, das
            fast alle Banken eines Mitgliedstaats umfasst und ein breites Spektrum von Bankprodukten und -dienstleistungen betrifft
      (Art. 81, Abs. 1 EG)
      3.        Wettbewerb – Kartelle – Abgrenzung des Marktes – Gegenstand
      (Art. 81 Abs. 1 EG und 82 EG)
      4.        Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Zurechnung – Zum Zeitpunkt der Zuwiderhandlung für den Betrieb
            des Unternehmens verantwortliche juristische Person – Beendigung ihrer Existenz
      5.        Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      6.        Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Konkrete Auswirkungen auf den Markt
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 Teil A Abs. 1)
      7.        Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Horizontales Preiskartell – Besonders
            schwere Zuwiderhandlung
      (Art. 81 Abs. 1 EG; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      8.        Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Einstufung der betroffenen Unternehmen in verschiedene Kategorien – Voraussetzungen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 Teil A Abs. 4 und 6)
      9.        Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Einstufung der betroffenen Unternehmen in verschiedene Kategorien – Voraussetzungen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 Teil A)
      10.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Mildernde Umstände
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 3)
      11.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Nichtverhängung oder Herabsetzung einer Geldbuße als Gegenleistung für die Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Erforderlichkeit eines Verhaltens, das es der Kommission erleichtert hat, die Zuwiderhandlung
            festzustellen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission)
      12.      Rechtsmittel – Zuständigkeit des Gerichtshofs – Urteil des Gerichts betreffend die Festsetzung einer Geldbuße im Bereich des
            Wettbewerbsrechts
      (Art. 81 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15)
      13.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Wahrung im Rahmen von Verwaltungsverfahren – Wettbewerb
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 11 Abs. 2 und 5)
      14.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Nichtverhängung oder Herabsetzung einer Geldbuße als Gegenleistung für die Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Erforderlichkeit eines Verhaltens, das es der Kommission erleichtert hat, die Zuwiderhandlung
            festzustellen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission)
      15.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Rechtsnatur – Vorbereitungshandlung
      (Verordnung Nr. 17 des Rates)
      1.        Ein Beschluss, eine Vereinbarung oder eine Verhaltensweise kann den Handel zwischen Mitgliedstaaten nur dann beeinträchtigen,
         wenn sich anhand einer Gesamtheit rechtlicher oder tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit voraussehen
         lässt, dass sie unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell die Handelsströme zwischen Mitgliedstaaten in einer
         Weise beeinflussen, die die Verwirklichung der Ziele eines einheitlichen zwischenstaatlichen Marktes hemmen könnte. Außerdem
         darf diese Beeinträchtigung nicht nur geringfügig sein. Damit ergibt sich eine Auswirkung auf den innergemeinschaftlichen
         Handel im Allgemeinen daraus, dass mehrere Voraussetzungen erfüllt sind, die für sich allein genommen nicht unbedingt entscheidend
         sind. Bei der Prüfung, ob ein Kartell den Handel zwischen Mitgliedstaaten spürbar beeinträchtigt, ist dieses in seinem wirtschaftlichen
         und rechtlichen Gesamtzusammenhang zu untersuchen.
      
      Der Umstand, dass ein Kartell nur die Vermarktung von Produkten in einem einzigen Mitgliedstaat bezweckt, genügt nicht, um
         die Möglichkeit einer Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten auszuschließen. Ein Kartell, das sich auf das
         gesamte Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erstreckt, hat nämlich schon seinem Wesen nach die Wirkung, die Abschottung der
         Märkte auf nationaler Ebene zu verfestigen, indem es die vom EG-Vertrag gewollte wirtschaftliche Verflechtung behindert. Bei
         einem solchen Kartell besteht eine starke Vermutung für eine Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten, die nur
         dann entfallen kann, wenn sich bei Untersuchung der Merkmale und des wirtschaftlichen Gesamtzusammenhangs der Vereinbarung
         das Gegenteil herausstellt. Der Gemeinschaftsrichter kann daher ohne Umkehr der Beweislast in Ausübung seiner Befugnis zur
         Sachverhaltswürdigung feststellen, dass die Vermutung nicht widerlegt worden ist.
      
      (vgl. Randnrn. 36-39, 43)
      2.        Ein Gesamtkartell, das den wesentlichen Teil der Akteure des Finanzsektors eines Mitgliedstaats und ein breites Spektrum von
         Bankprodukten und ‑dienstleistungen betrifft, das auf eine Grundsatzvereinbarung über die Beseitigung des Preiswettbewerbs
         gestützt ist und im Rahmen verschiedener, spezifischen Produkten gewidmeter Treffen und Gesprächsrunden umgesetzt wird, stellt
         eine einzige Zuwiderhandlung dar, die eine Gesamtprüfung der Eignung dieses allgemeinen Kartells zur Beeinträchtigung des
         innergemeinschaftlichen Handels rechtfertigt und erforderlich macht. Eine gesonderte Prüfung der Eignung der jeweiligen Gesprächsrunde
         zur Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten ist daher nicht erforderlich.
      
      (vgl. Randnrn. 55-56, 59)
      3.        Die Definition des Marktes spielt für die Anwendung von Art. 81 EG nicht dieselbe Rolle wie für die Anwendung von Art. 82
         EG. Daher kommt es auf die Definition des relevanten Marktes nicht an, wenn die Kommission zu dem Ergebnis gelangt, dass eine
         Vereinbarung den Wettbewerb verfälscht und geeignet ist, den Handel zwischen Mitgliedstaaten spürbar zu beeinträchtigen.
      
      (vgl. Randnr. 60)
      4.        Verstößt ein Unternehmen gegen die Wettbewerbsregeln, hat es nach dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit für diese
         Zuwiderhandlung einzustehen.
      
      Einer Einrichtung können, obwohl sie nicht Urheberin der Zuwiderhandlung ist, dennoch dafür Sanktionen auferlegt werden, und
         zwar erstens dann, wenn die Einrichtung, die die Zuwiderhandlung begangen hat, rechtlich nicht mehr besteht. Eine rechtliche
         oder organisatorische Änderung einer Einrichtung, die gegen Wettbewerbsregeln verstoßen hat, hat nämlich nicht zwingend zur
         Folge, dass ein neues, von der Haftung für wettbewerbswidrige Handlungen seines Vorgängers befreites Unternehmen entsteht,
         sofern die beiden Einrichtungen wirtschaftlich gesehen identisch sind.
      
      Außerdem kann zweitens das wettbewerbswidrige Verhalten eines Unternehmens, das sein Marktverhalten nicht selbständig bestimmt,
         sondern vor allem wegen der wirtschaftlichen und rechtlichen Bindungen zu einem anderen Unternehmen im Wesentlichen dessen
         Weisungen befolgt hat, dem anderen Unternehmen zugerechnet werden. Der Umstand, dass eine Tochtergesellschaft eigene Rechtspersönlichkeit
         besitzt, schließt daher noch nicht aus, dass ihr Verhalten der Muttergesellschaft zugerechnet werden kann.
      
      Die Kommission hat insoweit die Wahl, die Sanktion entweder der an der Zuwiderhandlung beteiligten Tochtergesellschaft oder
         der Muttergesellschaft aufzuerlegen, die sie in dem von der Entscheidung erfassten Zeitraum kontrollierte. Die Kommission
         ist nicht verpflichtet, vorrangig zu prüfen, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, der Muttergesellschaft des Unternehmens,
         das die Zuwiderhandlung begangen hat, die Zuwiderhandlung zuzurechnen. Die Kommission kann nämlich nicht grundsätzlich verpflichtet
         sein, in einem ersten Schritt eine solche Prüfung vorzunehmen, bevor sie ins Auge fassen kann, sich gegen das Unternehmen
         zu wenden, das Urheber der Zuwiderhandlung ist, und zwar selbst dann, wenn dieses als juristische Einheit Änderungen erfahren
         hat. Der Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit verbietet der Kommission keineswegs, ins Auge zu fassen, zunächst das
         letztgenannte Unternehmen mit einer Sanktion zu belegen, bevor sie gegebenenfalls untersucht, ob die Zuwiderhandlung der Muttergesellschaft
         zugerechnet werden kann. Zudem würden andernfalls die Ermittlungen der Kommission erheblich durch das Erfordernis erschwert,
         bei jedem Fall der Nachfolge der Kontrolle über ein Unternehmen zu prüfen, inwieweit dessen Handlungen der ehemaligen Muttergesellschaft
         zugerechnet werden können.
      
      Im Übrigen ist in einem Fall, in dem ein an einem Kartell beteiligtes Unternehmen ein anderes, ebenfalls an dem Kartell beteiligtes
         Unternehmen erwirbt, zu unterstreichen, dass das erste Unternehmen zum Zeitpunkt der Übernahme der Geschäftstätigkeit des
         zweiten weiß, dass die Möglichkeit eines Verfahrens gegen dieses wegen Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG besteht, und dass
         es sich somit in seiner Eigenschaft als Rechtsnachfolger dieser Gesellschaft in Bezug auf eine Geldbuße den Folgen eines solchen
         Verfahrens aussetzt.
      
      (vgl. Randnrn. 76-83)
      5.        Bei der Festsetzung des Betrags der wegen einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verhängten Geldbußen
         sind die Dauer sowie sämtliche Faktoren zu berücksichtigen, die für die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlungen eine
         Rolle spielen. Die Schwere der Zuwiderhandlungen ist anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu ermitteln, zu denen die
         besonderen Umstände der Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören, ohne dass es eine zwingende
         oder abschließende Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssten. Das Gericht hat zu prüfen,
         wie die Kommission ihr Ermessen in Bezug auf diese Gesichtspunkte ausgeübt hat. Das Gericht verhält sich weder dadurch widersprüchlich,
         dass es entscheidet, die Kommission dürfe die Schwere der Zuwiderhandlung umfassend anhand aller relevanten Umstände einschließlich
         der Gesichtspunkte beurteilen, die in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15
         Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, nicht ausdrücklich erwähnt seien,
         noch dadurch, dass es entscheidet, dass eine horizontale Preisabsprache, die sich auf einen wichtigen Wirtschaftssektor bezieht,
         als besonders schwere Zuwiderhandlung zu qualifizieren sei.
      
      (vgl. Randnrn. 90-93)
      6.        Indem der Gemeinschaftsrichter bei der Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung für die Zwecke der Festsetzung der Höhe
         einer Geldbuße feststellt, dass ein Kartell konkrete Auswirkungen auf den Markt hatte, indem er zahlreiche Beispiele für eine
         Umsetzung der in Rede stehenden wettbewerbswidrigen Vereinbarungen anführt und indem er angibt, dass, auch wenn diese Vereinbarungen
         nicht immer eingehalten wurden, dies nicht genügt, um die Feststellung zu entkräften, dass die Vereinbarungen umgesetzt wurden
         und Auswirkungen auf den Markt hatten, beschränkt er sich nicht darauf, die Umsetzung des Kartells festzustellen. Ihm kann
         daher nicht vorgeworfen werden, er habe sich nur auf die Umsetzung des Kartells gestützt, um dessen konkreten Auswirkungen
         auf den Markt festzustellen.
      
      (vgl. Randnrn. 116-118)
      7.        Eine horizontale Preisabsprache gehört auch ohne weitere Wettbewerbsbeschränkungen wie eine Marktabschottung zu den besonders
         schweren Verstößen im Sinne der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2
         der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden. Eine solche Absprache in einem so bedeutenden
         Sektor wie dem Bankensektor, die ein breites Spektrum von Bankprodukten umfasst und an der die ganz überwiegende Mehrzahl
         der Wirtschaftsteilnehmer teilgenommen hat, ist grundsätzlich unabhängig von ihrem Kontext als besonders schwere Zuwiderhandlung
         zu qualifizieren.
      
      (vgl. Randnr. 141)
      8.        Berücksichtigt die Kommission bei der Festsetzung der Höhe der wegen einer Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG im Bankensektor
         verhängten Geldbußen die Marktanteile der Banken der dezentralisierten Sektoren, um die Gesellschaften, die innerhalb einer
         Gruppe von Banken die Rolle der Spitzeninstitute übernehmen, in Kategorien einzuteilen, rechnet sie ihnen nicht die Zuwiderhandlung
         dieser Banken zu. Es handelt sich um einen Schritt, mit dem sichergestellt werden soll, dass sich die Schwere der eigenen
         Zuwiderhandlung der Spitzeninstitute in der Höhe der gegen die Spitzeninstitute verhängten Geldbußen angemessen widerspiegelt.
         Zur Beurteilung der Schwere dieses Verhaltens ist nach Nr. 1 Teil A Abs. 4 und 6 der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt
         werden, der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Unternehmen zur Verfälschung des Wettbewerbs sowie dem jeweiligen
         Gewicht und damit der tatsächlichen Auswirkung ihrer Zuwiderhandlung auf den Wettbewerb Rechnung zu tragen. Dies erfordert
         aber auch eine Berücksichtigung der festen Beziehungen, die die Spitzeninstitute zu den Banken der dezentralisierten Sektoren
         insbesondere durch Vertretung und Informationsaustausch unterhalten, da die tatsächliche Wirtschaftskraft dieser Gesellschaften
         und damit ihre Fähigkeit zur Verfälschung des Wettbewerbs aufgrund dieser Beziehungen größer sein können als die, die in ihrem
         eigenen Umsatz zum Ausdruck kommt. Würden die Marktanteile der dezentralisierten Einheiten nicht berücksichtigt, bestünde
         die Gefahr, dass der Abschreckungscharakter der Geldbuße nicht gewährleistet wäre. Dieses, sich auf die Wirtschaftskraft der
         Banken beziehende Kriterium unterscheidet sich von dem der Häufigkeit der Teilnahme an den wichtigsten Treffen, die die Kommission
         der Entscheidung zugrunde legen kann, an welche Banken die endgültige Entscheidung zu richten ist.
      
      (vgl. Randnrn. 172-177, 214-215)
      9.        Teilt die Kommission die Kartellmitglieder in mehrere Kategorien ein, um den Ausgangsbetrag der wegen einer Zuwiderhandlung
         gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verhängten Geldbußen festzusetzen, braucht sie keine genauen Schwellenwerte für
         die von ihr gebildeten Kategorien festzulegen, sondern kann „Orientierungswerte“ verwenden, um die sich die Marktanteile der
         in ein und dieselbe Kategorie eingestuften Unternehmen bewegen. Die Abstände zwischen diesen Orientierungswerten müssen schlüssig
         und objektiv gerechtfertigt sein.
      
      (vgl. Randnrn. 189, 191)
      10.      Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass unter bestimmten Gegebenheiten eine nationale Regelung oder ein Verhalten der nationalen
         Behörden mildernde Umstände darstellen können, doch kann die Billigung oder Tolerierung einer Zuwiderhandlung durch die nationalen
         Behörden, insoweit nicht berücksichtigt werden, wenn die betreffenden Unternehmen über die erforderlichen Mittel verfügen,
         um sich genaue und korrekte Rechtsauskünfte zu verschaffen.
      
      (vgl. Randnrn. 228, 230)
      11.      Die Kommission verfügt bei der Beurteilung der Frage, ob Auskünfte oder Schriftstücke, die die Unternehmen freiwillig geliefert
         haben, ihre Aufgabe erleichtert haben und ob einem Unternehmen ein Nachlass gemäß Abschnitt D Nr. 2 der Mitteilung über die
         Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen zu gewähren ist, über ein Ermessen. Eine solche
         Beurteilung durch die Kommission unterliegt nur einer beschränkten gerichtlichen Kontrolle.
      
      (vgl. Randnrn. 248-249)
      12.      Im Verfahren über ein Rechtsmittel gegen ein Urteil des Gerichts zu Geldbußen, die wegen einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln
         der Gemeinschaft verhängt wurden, richtet sich die Kontrolle durch den Gerichtshof zum einen darauf, inwieweit das Gericht
         rechtlich korrekt alle Faktoren berücksichtigt hat, die für die Beurteilung der Schwere eines bestimmten Verhaltens anhand
         der Art. 81 EG, 82 EG und 15 der Verordnung Nr. 17 von Bedeutung sind, und zum anderen darauf, zu prüfen, ob das Gericht auf
         alle vom Rechtsmittelführer vorgebrachten Argumente für eine Aufhebung oder Herabsetzung der Geldbuße rechtlich hinreichend
         eingegangen ist. Was dagegen den Umfang der Herabsetzung der Geldbuße angeht, so ist es nicht Sache des Gerichtshofs, die
         Beurteilung des Gerichts, das in Ausübung seiner unbeschränkten Nachprüfungsbefugnis entscheidet, durch seine eigene Beurteilung
         zu ersetzen.
      
      Hat das Gericht insoweit nach entsprechender Prüfung festgestellt, dass der Mehrwert der vom Rechtsmittelführer im Rahmen
         der Mitteilung über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen vorgelegten Dokumente
         eine stärkere Herabsetzung der Geldbußen nicht rechtfertigt, fällt eine solche Tatsachenwürdigung in die alleinige Zuständigkeit
         des Gerichts, und der Gerichtshof kann sie im Rechtsmittelverfahren nicht durch seine eigene ersetzen.
      
      Hat das Gericht darüber hinaus festgestellt, dass ein Rechtsmittelführer in der Lage war, seinen Standpunkt in geeigneter
         Weise vorzutragen, indem er Klagegründe vorgebracht hat, die auf eine Herabsetzung der Geldbuße abzielten und sich insbesondere
         darauf bezogen, wie die Kommission die Einstufung der Zuwiderhandlung, das Vorliegen mildernder Umstände oder die Zusammenarbeit
         des Rechtsmittelführers im Verfahren beurteilt hatte, braucht der Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren nicht die Frage zu
         beantworten, ob das Gericht vor Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung verpflichtet war, dem Rechtsmittelführer
         Gelegenheit zur Stellungnahme zu einer etwaigen Änderung der Höhe der Geldbuße zu geben.
      
      (vgl. Randnrn. 254-256, 328-330)
      13.      Die Wahrung der Verteidigungsrechte in allen Verfahren, die zu Sanktionen, namentlich zu Geldbußen oder Zwangsgeldern führen
         können, stellt einen fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts dar, der auch in einem Verwaltungsverfahren beachtet
         werden muss. Zwar ist die Kommission im Interesse der praktischen Wirksamkeit von Art. 11 Abs. 2 und 5 der Verordnung Nr. 17
         berechtigt, das Unternehmen zu verpflichten, ihr alle erforderlichen Auskünfte über ihm eventuell bekannte Tatsachen zu erteilen
         und ihr erforderlichenfalls die in seinem Besitz befindlichen Schriftstücke, die sich hierauf beziehen, zu übermitteln, selbst
         wenn sie dazu verwendet werden können, den Beweis für ein wettbewerbswidriges Verhalten des betreffenden oder eines anderen
         Unternehmens zu erbringen, jedoch darf sie durch eine Entscheidung über die Anforderung von Auskünften nicht die Verteidigungsrechte
         des Unternehmens beeinträchtigen. Dies gilt nur, wenn die Kommission eine „Entscheidung“ im Sinne von Art. 11 Abs. 2 und 5
         der Verordnung Nr. 17 getroffen hat.
      
      (vgl. Randnrn. 270-273, 327)
      14.      Eine niedrigere Festsetzung der Geldbuße auf der Grundlage der Mitteilung über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung
         von Geldbußen in Kartellsachen kann nur gerechtfertigt sein, wenn die gelieferten Informationen und allgemeiner das Verhalten
         des betreffenden Unternehmens insoweit als Zeichen einer echten Zusammenarbeit des Unternehmens angesehen werden können. Ein
         Unternehmen, das eine unvollständige, bestätigende und keinen Mehrwert aufweisende Sachverhaltsdarstellung vorlegt, kann daher
         kein solches Verhalten für sich in Anspruch nehmen.
      
      Die Kommission ist zwar verpflichtet, anzugeben, aus welchen Gründen sie der Ansicht ist, dass die von den Unternehmen im
         Rahmen der Mitteilung über Zusammenarbeit gemachten Angaben einen Beitrag darstellen, der eine Herabsetzung der festgesetzten
         Geldbuße rechtfertigt oder auch nicht, demgegenüber haben aber die Unternehmen, die die entsprechende Entscheidung der Kommission
         anfechten wollen, nachzuweisen, dass diese in Ermangelung derartiger, von diesen Unternehmen freiwillig gelieferter Angaben
         nicht in der Lage gewesen wäre, die wesentlichen Elemente der Zuwiderhandlung zu beweisen und somit eine Entscheidung über
         die Festsetzung von Geldbußen zu erlassen.
      
      (vgl. Randnrn. 281, 283, 297, 305)
      15.      Die Mitteilung der Beschwerdepunkte ist eine vorbereitende Verfahrenshandlung, die, um die wirksame Ausübung der Verteidigungsrechte
         zu ermöglichen, den Gegenstand des von der Kommission eingeleiteten Verwaltungsverfahrens festlegt und diese somit daran hindert,
         in ihrer das betreffende Verfahren abschließenden Entscheidung andere Beschwerdepunkte in Betracht zu ziehen. Die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte hat daher vorläufigen Charakter und ist Änderungen anlässlich der späteren Beurteilung zugänglich, die
         die Kommission auf der Grundlage der von den Beteiligten vorgelegten Stellungnahmen und weiterer Tatsachenfeststellungen vornimmt.
         Die Kommission muss nämlich die Ergebnisse des gesamten Verwaltungsverfahrens berücksichtigen, sei es, um bestimmte Beschwerdepunkte
         fallen zu lassen, die nicht ausreichend begründet sind, sei es, um ihre Argumente, auf die sie die aufrechterhaltenen Beschwerdepunkte
         stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht neu zu ordnen oder zu ergänzen. Die Mitteilung der Beschwerdepunkte hindert
         daher die Kommission keineswegs daran, ihre Auffassung zugunsten der betroffenen Unternehmen zu ändern. Im Übrigen ist nicht
         ausgeschlossen, dass Unternehmen nach Übermittlung der Mitteilung der Beschwerdepunkte, insbesondere in ihrer Erwiderung auf
         diese Mitteilung, der Kommission entscheidende Informationen liefern, die es rechtfertigen, dass diese ihre Geldbuße aufgrund
         der Mitteilung über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen herabsetzt.
      
      (vgl. Randnrn. 310-313)
24. September 2009(*)
      
      
      Inhaltsverzeichnis
      
      I –  Rechtlicher Rahmen
      A –  Die Verordnung Nr. 17
      B –  Die Leitlinien
      C –  Die Mitteilung über Zusammenarbeit
      II –  Vorgeschichte des Rechtsstreits und streitige Entscheidung
      III –  Die Klagen vor dem Gericht und das angefochtene Urteil
      IV –  Anträge der Verfahrensbeteiligten des Rechtsmittelverfahrens
      V –  Die Gründe für die Aufhebung des angefochtenen Urteils
      VI –  Zu den Rechtsmitteln
      A –  Zu den Rechtsmittelgründen betreffend einen Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG
      1.  Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Würdigung der Voraussetzung der Beeinträchtigung des Handels
         zwischen Mitgliedstaaten
      
      a)  Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung der Eignung eines sich auf das gesamte Inland
         erstreckenden Kartells, den Handel zwischen den Mitgliedstaaten spürbar zu beeinträchtigen
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      b)  Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler des Gerichts, indem es entschieden habe, die Kommission dürfe eine
         Gesamtprüfung der grenzüberschreitenden Wirkung der Gesprächsrunden vornehmen, und indem es eine fehlerhafte, unzureichende
         und widersprüchliche Untersuchung der Definition des relevanten Marktes vorgenommen habe
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      –  Zur Rüge einer fehlerhaften Auslegung der Rechtsprechung durch das Gericht
      –  Zur Rüge einer unzutreffenden, unzureichenden und widersprüchlichen Beurteilung des Gerichts hinsichtlich der Definition
         des relevanten Marktes
      
      c)  Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: fehlender Nachweis einer spürbaren Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen
         Handels durch das Kartell
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      2.  Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Zurechnung der Verantwortlichkeit für die Zuwiderhandlung
      a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b)  Würdigung durch den Gerichtshof
      B –  Zu den Rechtsmittelgründen betreffend einen Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17
      1.  Zum Rechtsmittelgrund betreffend Rechtsfehler bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
      a)  Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: mit den Leitlinien nicht übereinstimmende Beurteilung
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      b)  Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf das „eigentliche Wesen“ der Zuwiderhandlung
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      c)  Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die „konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf
         den Markt“
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      d)  Zum vierten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung in Bezug auf den „Umfang des betreffenden räumlichen
         Marktes“
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      e)  Zum fünften Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung der Frage, welche Auswirkungen es auf die Einstufung
         der Zuwiderhandlung hatte, dass die Verfolgungsmaßnahmen selektiv getroffen wurden, und Verletzung der Begründungspflicht
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      f)  Zum sechsten Teil des Rechtsmittelgrundes: Fehlen einer Gesamtbewertung der Schwere der Zuwiderhandlung
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      g)  Zum siebten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die von der Kommission zugrunde gelegte Einstufung
         der Rechtsmittelführerinnen in Kategorien von Verstößen
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      2.  Zum Rechtsmittelgrund betreffend Rechtsfehler, einen Begründungsmangel und eine Verfälschung von Beweismitteln in Bezug
         auf das Vorliegen mildernder Umstände
      
      a)  Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler, Verfälschung und widersprüchliche Begründung in Bezug auf das passive
         Verhalten der ÖVAG
      
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      b)  Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die Beteiligung öffentlicher Stellen an den Bankenrunden
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      c)  Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die Kenntnis der Öffentlichkeit von den Gesprächsrunden
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      3.  Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Verstoß gegen die Mitteilung über Zusammenarbeit
      a)  Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Fehlerhafte Beurteilung des Gerichts in Bezug auf das Ermessen der Kommission
      i)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      b)  Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
      i)  Zur ersten Rüge: Rechtsfehler betreffend das Erfordernis, die Zusammenarbeit müsse einen „Mehrwert“ erbringen, und Verletzung
         des Grundsatzes der Gleichbehandlung
      
      –  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      –  Würdigung durch den Gerichtshof
      ii)  Zur zweiten Rüge: Rechtsfehler im Rahmen der Prüfung des Umfangs der Zusammenarbeit der Unternehmen, Verletzung der Grundsätze
         der Gleichbehandlung, des Vertrauensschutzes und der Wahrung der Verteidigungsrechte sowie unzureichende Begründung
      
      –  Zum ersten Teil der zweiten Rüge
      –  Zum zweiten Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler bei der Würdigung der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung
      –  Zum dritten Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler bei der Beurteilung des Eingeständnisses des wettbewerbswidrigen Zwecks
         der Zuwiderhandlung durch die RZB und Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz
      
      –  Zum vierten Teil der zweiten Rüge: Beweislastumkehr hinsichtlich des Wertes der Zusammenarbeit der RZB und Verletzung des
         Grundsatzes des Vertrauensschutzes
      
      –  Zum fünften Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler und widersprüchliche Begründung im Rahmen der Würdigung des Wertes der
         von der BA-CA übermittelten zusätzlichen Dokumente durch das Gericht
      
      –  Zum sechsten Teil der zweiten Rüge: fehlende Berücksichtigung der Erwiderung der BA-CA auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
      C –  Zum Rechtsmittelgrund betreffend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch das Gericht
      a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b)  Würdigung durch den Gerichtshof
      D –  Zum Rechtsmittelgrund betreffend eine Verletzung der Begründungspflicht in Bezug auf die Bemessung der Geldbuße und auf
         den Anspruch auf rechtliches Gehör durch das Gericht
      
      a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b)  Würdigung durch den Gerichtshof
      VII – Kosten
      „Rechtsmittel – Kartelle – Festlegung von Passiv- und Aktivzinssätzen durch österreichische Banken – ‚Lombardclub‘ – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Berechnung der Geldbußen – Unternehmensnachfolge – Konkrete Auswirkungen auf den Markt – Umsetzung des Kartells“
      In den verbundenen Rechtssachen C‑125/07 P, C‑133/07 P, C‑135/07 P und C‑137/07 P
      betreffend Rechtsmittel nach Art. 56 der Satzung des Gerichtshofs, eingereicht am 1., 2., 5. und 6. März 2007,
      Erste Group Bank AG, ehemals Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG (C‑125/07 P), mit Sitz in Wien (Österreich), Prozessbevollmächtigter:
         Rechtsanwalt F. Montag,
      
      Raiffeisen Zentralbank Österreich AG (C‑133/07 P) mit Sitz in Wien (Österreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte S. Völcker und G. Terhorst,
      
      Bank Austria Creditanstalt AG (C‑135/07 P) mit Sitz in Wien (Österreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte C. Zschocke und J. Beninca,
      
      Österreichische Volksbanken AG (C‑137/07 P) mit Sitz in Wien (Österreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte A. Ablasser, R. Bierwagen und F. Neumayr,
      
      Rechtsmittelführerinnen,
      andere Verfahrensbeteiligte:
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A. Bouquet und R. Sauer als Bevollmächtigte im Beistand von D. Waelbroeck, avocat, und Rechtsanwältin U. Zinsmeister,
         Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans, der Richter J.‑C. Bonichot, P. Kūris (Berichterstatter) und L. Bay Larsen
         sowie der Richterin C. Toader,
      
      Generalanwalt: Y. Bot,
      Kanzler: B. Fülöp, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 13. März 2008,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 26. März 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Die Erste Group Bank AG, ehemals Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG (im Folgenden: Erste Group Bank), die Raiffeisen
         Zentralbank Österreich AG (im Folgenden: RZB), die Bank Austria Creditanstalt AG (im Folgenden: BA‑CA) und die Österreichische
         Volksbanken AG (im Folgenden: ÖVAG) beantragen mit ihren Rechtsmitteln die Aufhebung des Urteils des Gerichts erster Instanz
         der Europäischen Gemeinschaften vom 14. Dezember 2006, Raiffeisen Zentralbank Österreich u. a./Kommission (T‑259/02 bis T‑264/02
         und T‑271/02, Slg. 2006, II‑5169, im Folgenden: angefochtenes Urteil), mit dem ihre Klagen auf Nichtigerklärung der Entscheidung
         2004/138/EG der Kommission vom 11. Juni 2002 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag in der Sache COMP/36.571/D‑1 –
         Österreichische Banken („Lombard-Club“) (ABl. 2004, L 56, S. 1, im Folgenden: streitige Entscheidung) abgewiesen worden sind,
         hilfsweise, die Herabsetzung der in Art. 3 der streitigen Entscheidung gegen jede von ihnen festgesetzten Geldbußen und, äußerst
         hilfsweise, die Aufhebung des Urteils des Gerichts und Zurückverweisung der Rechtssache an das Gericht.
      
      I –  Rechtlicher Rahmen
      A –  Die Verordnung Nr. 17
      2        Art. 11 Abs. 5 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81] und
         [82] des Vertrages (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204) sieht vor:
      
      „Wird eine von Unternehmen oder Unternehmensvereinigungen verlangte Auskunft innerhalb einer von der Kommission festgesetzten
         Frist nicht oder nicht vollständig erteilt, so fordert die Kommission die Auskunft durch Entscheidung an. Die Entscheidung
         bezeichnet die geforderten Auskünfte, bestimmt eine angemessene Frist zur Erteilung der Auskünfte und weist auf die in Artikel
         15 Absatz 1 Buchstabe b und Artikel 16 Absatz 1 Buchstabe c vorgesehenen Zwangsmaßnahmen sowie auf das Recht hin, vor dem
         Gerichtshof gegen die Entscheidung Klage zu erheben.“
      
      3        Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 bestimmt:
      
      „Die Kommission kann gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis
         einer Million Rechnungseinheiten oder über diesen Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung
         beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig: 
      
      a)      gegen Artikel [81] Absatz 1 oder Artikel [82] des Vertrages verstoßen,
      b)      einer nach Artikel 8 Absatz 1 erteilten Auflage zuwiderhandeln.
      Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße ist neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen.“
      B –  Die Leitlinien
      4        In der Präambel der Mitteilung der Kommission „Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden“ (ABl. 1998, C 9, S. 3, im
         Folgenden: Leitlinien) heißt es:
      
      „Die in diesen Leitlinien dargelegten Grundsätze sollen dazu beitragen, die Transparenz und Objektivität der Entscheidungen
         der Kommission sowohl gegenüber den Unternehmen als auch gegenüber dem Gerichtshof zu erhöhen, sowie den Ermessensspielraum
         bekräftigen, der vom Gesetzgeber der Kommission bei der Festsetzung der Geldbußen innerhalb der Obergrenze von 10 % des Gesamtumsatzes
         der Unternehmen eingeräumt wurde. Dieser Ermessensspielraum muss jedoch nach zusammenhängenden, nicht diskriminierenden Leitlinien
         ausgefüllt werden, die im Einklang mit den bei der Ahndung der Verstöße gegen die Wettbewerbsregeln verfolgten Zielen stehen.
      
      Das neue Verfahren für die Festsetzung des Betrags der Geldbuße beruht auf folgendem Schema, dem die Errechnung eines Grundbetrags
         zugrunde liegt, wobei Aufschläge zur Berücksichtigung erschwerender und Abzüge zur Berücksichtigung mildernder Umstände berechnet
         werden können.“
      
      5        Die Leitlinien bestimmen in Nr. 1, dass bei der Berechnung des Betrags der Geldbußen der Grundbetrag nach Maßgabe der Kriterien
         des Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17, d. h. der Schwere und Dauer des Verstoßes, errechnet wird. In diesen Leitlinien
         heißt es weiter, dass bei der Ermittlung der Schwere eines Verstoßes seine Art und die konkreten Auswirkungen auf den Markt,
         sofern diese messbar sind, sowie der Umfang des betreffenden räumlichen Marktes zu berücksichtigen sind.
      
      C –  Die Mitteilung über Zusammenarbeit  
      6        In ihrer Mitteilung über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen, die am 18. Juli
         1996 im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht wurde (ABl. 1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über Zusammenarbeit), zu der ein Entwurf mit der Überschrift
         „Mitteilung der Europäischen Kommission über ihre Politik im Bereich der Geldbußen für Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln“
         am 19. Dezember 1995 veröffentlicht worden war (ABl. C 341, S. 13), hat die Kommission, wie aus Abschnitt A Nr. 3 der Mitteilung
         über Zusammenarbeit hervorgeht, die Voraussetzungen festgelegt, unter denen Geldbußen für Unternehmen, die während der Untersuchung
         eines Kartellfalls mit ihr zusammenarbeiten, entweder nicht oder niedriger festgesetzt werden können.
      
      7        In Abschnitt A Nr. 5 der Mitteilung über Zusammenarbeit heißt es:
      
      „Die Zusammenarbeit eines Unternehmens mit der Kommission ist nur einer von mehreren Gesichtspunkten, denen die Kommission
         bei der Festsetzung einer Geldbuße Rechnung trägt. …“
      
      8        Abschnitt D dieser Mitteilung, der die spürbar niedrigere Festsetzung der Geldbuße betrifft, lautet wie folgt:
      
      „1.       Arbeitet ein Unternehmen mit der Kommission zusammen, ohne dass es alle Voraussetzungen erfüllt, so wird die Höhe der Geldbuße,
         die ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden wäre, um 10 bis 50 % niedriger festgesetzt.
      
      2.      Dies gilt insbesondere, wenn
      –        ein Unternehmen der Kommission vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte Informationen, Unterlagen oder andere Beweismittel
         liefert, die zur Feststellung des Vorliegens eines Verstoßes beitragen;
      
      –        ein Unternehmen der Kommission nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den
         die Kommission ihre Einwände stützt, nicht bestreitet.“
      
      9        In Abschnitt E Nr. 3 dieser Mitteilung, der das Verfahren betrifft, heißt es insbesondere:
      
      „Die Kommission ist sich der Tatsache bewusst, dass die vorliegende Mitteilung berechtigte Erwartungen weckt, auf die sich
         die Unternehmen, die der Kommission ein Kartell melden wollen, berufen werden.“
      
      II –  Vorgeschichte des Rechtsstreits und streitige Entscheidung
      10      Im angefochtenen Urteil hat das Gericht den Sachverhalt der bei ihm erhobenen Klage wie folgt zusammengefasst:
      
      „1      Mit der [streitigen] Entscheidung … stellte die Kommission die Beteiligung verschiedener Unternehmen an einer Reihe von Vereinbarungen
         und abgestimmten Verhaltensweisen im Sinn des Artikels 81 Absatz 1 EG fest.
      
      2      Es handelte sich u. a. um folgende acht Banken, an die sich die [streitige] Entscheidung richtet:
      –        Erste [Group] Bank …;
      –        [RZB];
      –        [BA-CA];
      –        …
      –        [ÖVAG];
      –        …
      3      Die Kommission wirft den Adressaten der [streitigen] Entscheidung im Wesentlichen vor, ein von ihr als ‚Lombard-Netzwerk‘
         bezeichnetes Geflecht inhaltlich umfassender und organisatorisch eng vernetzter regelmäßiger Treffen (im Folgenden: Gesprächsrunden)
         geschaffen zu haben, in deren Rahmen sie regelmäßig ihr Verhalten hinsichtlich der wesentlichen Wettbewerbsparameter auf dem
         Markt der Bankprodukte und ‑dienstleistungen in Österreich koordiniert hätten.
      
      …
      15      Nachdem die Kommission im April 1997 von einem Schriftstück Kenntnis erlangt hatte, das den Verdacht weckte, dass es auf dem
         österreichischen Bankenmarkt gegen Artikel 81 EG verstoßende Absprachen oder abgestimmte Verhaltensweisen gab, leitete sie
         ein förmliches Untersuchungsverfahren ein. Am 30. Juni 1997 reichte die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) eine Beschwerde
         gemäß Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 … gegen acht österreichische Kreditinstitute wegen des Verdachts der Teilnahme an wettbewerbsbeschränkenden
         Absprachen und/oder abgestimmten Verhaltensweisen ein.
      
      16      Am 23. und 24. Juni 1998 nahm die Kommission bei mehreren Banken, zu denen die meisten Adressaten der [streitigen] Entscheidung
         gehörten, unangekündigt Nachprüfungen vor. Am 21. September 1998 richtete sie an zahlreiche im Verdacht der Teilnahme an den
         Absprachen oder Verhaltensweisen stehende Kreditinstitute Auskunftsverlangen gemäß Artikel 11 Absatz 2 der Verordnung Nr.
         17.
      
      17      Unmittelbar nach Erhalt der Auskunftsverlangen boten die größten betroffenen Banken der Kommission ihre ‚Zusammenarbeit‘ bei
         der Ermittlung des Sachverhalts an, wobei sie vorschlugen, den Sachverhalt ‚freiwillig‘ darzustellen (statt die Auskunftsverlangen
         zu beantworten) und auf eine Anhörung zu verzichten; im Gegenzug sollte die Generaldirektion Wettbewerb der Kommission ihre
         Auskunftsverlangen zurückziehen und nur eine ‚maßvolle‘ Geldbuße verhängen. Die Kommission begrüßte zwar die Bereitschaft
         der Banken zur Zusammenarbeit, lehnte aber jegliches Übereinkommen hierüber ab.
      
      18      In der Folge beantworteten sämtliche Adressaten das Auskunftsverlangen. Einige vertraten in diesem Zusammenhang jedoch die
         Ansicht, hinsichtlich des überwiegenden Teils der gestellten Fragen keiner Antwortpflicht zu unterliegen und die betreffenden
         Dokumente und Fragen daher – im Rahmen der erwähnten Zusammenarbeit – auf freiwilliger Basis vorlegen bzw. beantworten zu
         können. Die Kommission wies diese Rechtsansicht zurück.
      
      19      Wenig später übermittelten die größten betroffenen Banken, zu denen … alle Klägerinnen gehörten, der Kommission ein als ‚Gemeinsame
         Sachverhaltsdarstellung‘ bezeichnetes, 132 Seiten umfassendes Dokument, in dem sie den historischen Kontext des Kartells ausführlich
         beschrieben sowie den aus den sichergestellten und den von ihnen angeforderten Unterlagen ersichtlichen Inhalt ihrer Gesprächsrunden
         kurz zusammenfassten und aus ihrer Sicht werteten. Gleichzeitig legten sie sechzehn Ordner mit Unterlagen vor, die nach Gesprächsrunden
         geordnet und denen detaillierte Inhaltsverzeichnisse beigefügt waren. Um den etwaigen Mehrwert dieser mit der gemeinsamen
         Sachverhaltsdarstellung vorgelegten Dokumente beurteilen zu können, ersuchte die Kommission die Banken um Angaben darüber,
         ob diese Dokumente – und gegebenenfalls welche – ihr noch nicht bekannt seien. Die Banken hielten dies jedoch weder für möglich
         noch für erforderlich.
      
      20      Am 13. September 1999 übermittelte die Kommission acht Banken die Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 11. September 1999.
         … Am 22. November 2000 übermittelte die Kommission den Banken eine Mitteilung ergänzender Beschwerdepunkte. …
      
      21      Am 11. Juni 2002 erließ die Kommission die [streitige] Entscheidung.
      …
      22      In Artikel 1 der [streitigen] Entscheidung führt die Kommission aus, dass die acht Banken, an die diese Entscheidung gerichtet
         ist, gegen Artikel 81 Absatz 1 EG verstoßen hätten, indem sie an Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen über Preise,
         Gebühren und Werbemaßnahmen beteiligt gewesen seien, die im Zeitraum vom 1. Januar 1995 bis 24. Juni 1998 den Zweck verfolgt
         hätten, den Wettbewerb auf dem Markt für Bankprodukte und Bankdienstleistungen in Österreich einzuschränken.
      
      …
      24      In Artikel 3 der [streitigen] Entscheidung werden gegen deren Adressaten folgende Geldbußen verhängt:
      –        Erste [Group] Bank: 37,69 Millionen Euro;
      –        RZB: 30,38 Millionen Euro;
      –        BA-CA: 30,38 Millionen Euro;
      …
      –        ÖVAG: 7,59 Millionen Euro; 
      …
      25      In der [streitigen] Entscheidung heißt es, dass Absprachen unter den österreichischen Banken – vor allem über Konditionen
         und Gebühren – in Österreich eine lange Tradition gehabt und bis in die achtziger Jahre zum Teil auf einer gesetzlichen Grundlage
         beruht hätten, die jedoch spätestens am 1. Januar 1994, dem Zeitpunkt des Beitritts der Republik Österreich zum Europäischen
         Wirtschaftsraum (EWR) und des Inkrafttretens des [Bankwesengesetzes], weggefallen sei.
      
      26      Die Kreditinstitute hätten aber im Rahmen des bestehenden Netzwerks weiterhin Vereinbarungen insbesondere über Aktiv- und
         Passivzinssätze getroffen.
      
      27      In Kapitel 5 der [streitigen] Entscheidung wird ausgeführt, dass die Absprachen inhaltlich umfassend, im höchsten Maße institutionalisiert
         sowie eng miteinander vernetzt gewesen seien und das gesamte Bundesgebiet Österreichs abgedeckt hätten. Für jedes Bankprodukt
         habe es eine eigene Gesprächsrunde gegeben, an der die jeweils zuständigen Mitarbeiter der zweiten oder dritten Führungsebene
         der beteiligten Banken teilgenommen hätten. Diese inhaltliche Trennung sei in der Praxis jedoch nicht strikt durchgehalten
         worden. Bisweilen seien inhaltlich zusammenhängende Fragen, die mehrere Gesprächsrunden berührt hätten, in ein und derselben
         Runde behandelt worden. Die einzelnen Runden seien Teil eines organischen Ganzen gewesen.
      
      28      Als übergeordnete Instanz hätten sich monatlich, mit Ausnahme des Urlaubsmonats August, leitende Vertreter der größten österreichischen
         Banken getroffen (‚Lombardclub‘). Neben wettbewerbsneutralen Themen allgemeinen Interesses hätten sie dabei Änderungen von
         Zinssätzen, Werbemaßnahmen und anderes besprochen. An einigen dieser Runden hätten Vertreter der Oesterreichischen Nationalbank
         … teilgenommen.
      
      29      Eine Ebene tiefer seien die produktbezogenen Fachgesprächsrunden angesiedelt gewesen. Am wichtigsten seien dabei die so genannten
         ‚Aktivrunden‘ in Bezug auf Kredite und ‚Passivrunden‘ in Bezug auf Einlagen gewesen; sie hätten, wie ihre Bezeichnung schon
         andeute, die Abstimmung der Kredit- und der Einlagenkonditionen (d. h. der Zinssätze) zum Inhalt gehabt und entweder getrennt
         oder als gemeinsame Gesprächsrunden stattgefunden. Zwischen diesen Runden und dem ‚Lombardclub‘ habe ein besonders reger Informationsfluss
         stattgefunden.
      
      30      In allen österreichischen Bundesländern hätten regelmäßig vielfältige und zahlreiche regionale Runden stattgefunden. In einigen
         Bundesländern sei sogar die hierarchische Anordnung von ‚Lombardclub‘ und Fachgesprächsrunden nachgebildet worden.
      
      31      Während der Beratungen der ‚Bundes-Aktiv- und/oder Passivrunden‘ seien die Bankenvertreter aus Wien mit ihren Kollegen aus
         den Bundesländern zusammengekommen; ihre Beschlüsse hätten grundsätzlich für das gesamte Hoheitsgebiet Österreichs gegolten.
      
      32      Für das Firmenkundengeschäft, das Privatkundengeschäft mit Freiberuflern, das Hypothekarkreditgeschäft und das Wohnbaukreditgeschäft
         habe es Spezialrunden gegeben (‚Minilombard‘, ‚Großkundenbetreuerrunde‘, ‚Freiberuflerrunde‘, ‚Hypothekarloge‘ und ‚Wohnbaubanken-Passivrunde‘).
      
      33      Schließlich habe regelmäßig eine Vielzahl weiterer Gesprächsrunden zu wettbewerbsrelevanten Themen stattgefunden: In der ‚Treasurerrunde‘
         seien Fragen der Bundesfinanzierung sowie Konditionenfragen, in den diversen Zahlungsverkehrsrunden (insbesondere der gleichnamigen
         Runde, der ‚Bankenrunde Ausland‘ und dem ‚Organisationskomitee der österreichischen Kreditinstitutsverbände‘) Spesen und Gebühren
         im Zahlungsverkehr, im ‚Exportklub‘ die Konditionen der Exportfinanzierung und in der ‚Bankenrunde Wertpapiere‘ Mindestspesen,
         Gebühren und Konditionen besprochen worden.
      
      34      Unter allen Spezialrunden sei die ‚Controllerrunde‘ hervorgestochen, an der Vertreter der Controlling-Abteilungen der größten
         österreichischen Banken teilgenommen hätten. Dabei seien einheitliche Kalkulationsgrundlagen und gemeinsame Vorschläge zur
         Ertragsverbesserung erarbeitet worden. Dadurch hätten die Banken untereinander die Transparenz ihrer jeweiligen Kosten- und
         Kalkulationselemente erhöht.
      
      35      Zwischen all diesen vor allem mit Kredit- und Einlagenkonditionen sowie mit Gebühren befassten Runden habe ein regelmäßiger
         Informationsfluss stattgefunden. Oft seien Beratungen in der einen Gesprächsrunde bis zur Einigung in einer anderen zurückgestellt
         worden. Schließlich sei aus der instanzlichen Überordnung des ‚Lombardclubs‘ gefolgt, dass in kontroversen Fällen dessen Grundsatzentscheidung
         abgewartet worden sei.
      
      36      Zwecks flächendeckender österreichweiter Umsetzung der in den Wiener Gesprächsrunden getroffenen Absprachen (oder zwecks Abstimmung
         mit ihnen) sei auch ein regelmäßiger Informationsfluss zu den verschiedenen Regionalrunden in den Bundesländern oder von diesen
         an die zentralen Gesprächsrunden in Wien erfolgt. Bisweilen hätten die regionalen Runden ihrerseits Vertreter in die Bundes-Aktiv-
         und/oder Passivrunden entsandt.
      
      37      Die Kommission stellt in der [streitigen] Entscheidung fest, dass in dem von der Untersuchung erfassten Zeitraum (1. Januar
         1994 bis Ende Juni 1998) allein in Wien, ohne Berücksichtigung der zahlreichen regionalen Runden, mindestens 300 Treffen stattgefunden
         hätten. …
      
      38      Die Kommission hebt die besondere Rolle der Spitzeninstitute als Koordinatoren und Vertreter ihrer jeweiligen Bankengruppe,
         nämlich der Ersten Group Bank (davor GiroCredit) für den Sparkassensektor, der RZB für den Raiffeisensektor und der ÖVAG für
         den Volksbankensektor, im Rahmen des ‚Lombard-Netzwerks‘ hervor. Diese Rolle sei unmittelbar für das reibungslose Funktionieren
         des ‚Lombard-Netzwerks‘ nutzbar gemacht worden. Zum einen hätten die Spitzeninstitute den wechselseitigen Informationstransfer
         zwischen Wien und den Bundesländern innerhalb der jeweiligen Bankengruppe organisiert; zum anderen hätten sie die Interessen
         ihrer Gruppe gegenüber den anderen Gruppen im Kartell vertreten. Die anderen Kartellteilnehmer hätten die Spitzeninstitute
         als Vertreter der jeweiligen Gruppe wahrgenommen. Die Absprachen hätten daher nicht bloß zwischen diesen Instituten, sondern
         auch zwischen den Gruppen stattgefunden.“
      
      III –  Die Klagen vor dem Gericht und das angefochtene Urteil 
      11      Mit Klageschriften, die am 30. August und 2. September 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingingen, erhoben die acht in der
         streitigen Entscheidung mit Geldbußen belegten Unternehmen, darunter die vier Rechtsmittelführerinnen in den vorliegenden
         Rechtsmittelverfahren, die Erste Group Bank, die RZB, die BA und die ÖVAG, Klagen, mit denen sie beantragten, diese Entscheidung
         ganz oder teilweise für nichtig zu erklären und, hilfsweise, die gegen sie verhängten Geldbußen aufzuheben oder herabzusetzen.
         
      
      12      Mit dem angefochtenen Urteil hat das Gericht die Klagen, u. a. die der Ersten Group Bank, die der BA-CA sowie die der ÖVAG,
         abgewiesen und diesen drei Rechtsmittelführerinnen die Kosten auferlegt.
      
      13      Außerdem hat es die Klage der RZB sowie eine Widerklage der Kommission abgewiesen und der RZB ihre eigenen Kosten und 90 %
         der der Kommission entstandenen Kosten auferlegt.
      
      IV –  Anträge der Verfahrensbeteiligten des Rechtsmittelverfahrens
      14      Die Erste Group Bank beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit damit ihre Nichtigkeitsklage abgewiesen wird;
      –        die streitige Entscheidung insoweit für nichtig zu erklären, als gegen sie eine Geldbuße festgesetzt wird;
      –        hilfsweise, die in Art. 3 der streitigen Entscheidung gegen sie verhängte Geldbuße herabzusetzen;
      –        äußerst hilfsweise, das angefochtene Urteil aufzuheben und die Rechtssache an das Gericht zurückzuverweisen sowie
      –        in jedem Fall der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      15      Die RZB beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit damit ihre Nichtigkeitsklage abgewiesen wird;
      –        Art. 3 der streitigen Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit er sie betrifft;
      –        hilfsweise, die in Art. 3 der streitigen Entscheidung gegen sie verhängte Geldbuße herabzusetzen und
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      16      Die BA-CA beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit damit ihre Nichtigkeitsklage abgewiesen wird;
      –        die streitige Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit sie sie betrifft;
      –        hilfsweise, die in Art. 3 der streitigen Entscheidung gegen sie verhängte Geldbuße herabzusetzen und
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      17      Die ÖVAG beantragt,
      
      –        die Nrn. 2 und 4 des Tenors des angefochtenen Urteils aufzuheben;
      –        die streitige Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit sie sie betrifft;
      –        hilfsweise, die in Art. 3 der streitigen Entscheidung gegen sie verhängte Geldbuße herabzusetzen;
      –        äußerst hilfsweise, die Rechtssache an das Gericht zurückzuverweisen sowie
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen oder für den Fall der Zurückverweisung an das Gericht die Kostenentscheidung vorzubehalten.
      18      Die Kommission beantragt in allen Rechtssachen,
      
      –        die Rechtsmittel der Rechtsmittelführerinnen zurückzuweisen und 
      –        den Rechtsmittelführerinnen die Kosten aufzuerlegen.
      V –  Die Gründe für die Aufhebung des angefochtenen Urteils
      19      Die Erste Group Bank führt vier Rechtsmittelgründe an:
      
      –        Verletzung der Verteidigungsrechte;
      –        Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG mangels spürbarer Auswirkungen auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten;
      –        Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 dadurch, dass der Ersten Group Bank das Verhalten von GiroCredit für die
         Zeit vor der Übernahme zugerechnet wurde, und
      
      –        Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 in Verbindung mit den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von
         Geldbußen und ihrer Höhe.
      
      20      Die RZB führt vier Rechtsmittelgründe an:
      
      –        Verstoß gegen Art. 81 EG, weil die Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten nicht nachgewiesen sei;
      –        Verstoß gegen die Leitlinien durch Einordnung der Bankenrunden als „besonders schweren Verstoß“;
      –        Verstoß gegen die Verordnung Nr. 17 und die Leitlinien durch die rechtsirrige Zurechnung der Marktanteile des gesamten „Raiffeisensektors“
         sowie
      
      –        rechtsfehlerhafte Würdigung ihrer Zusammenarbeit mit der Kommission.
      21      Die BA-CA führt drei Rechtsmittelgründe an:
      
      –        unzutreffende Annahme wirtschaftlicher Auswirkungen der Bankenrunden bei der Festsetzung der Geldbuße;
      –        fehlende Berücksichtigung die Herabsetzung der Geldbuße rechtfertigender Umstände bei der Festsetzung des Grundbetrags sowie
      –        fehlende Berücksichtigung ihrer Zusammenarbeit durch die Antworten auf die Auskunftsverlangen, durch die gemeinsame Sachverhaltsdarstellung,
         die weitere freiwillige Dokumentenvorlage und die Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte.
      
      22      Die ÖVAG führt drei Rechtsmittelgründe an:
      
      –        fehlerhafte Annahme einer Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen Handels;
      –        fehlerhafte Zurechnung des dezentralisierten Sektors bei der Einteilung in Kategorien sowie
      –        fehlende Berücksichtigung mildernder Umstände.
      VI –  Zu den Rechtsmitteln
      23      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofs vom 25. Oktober 2007 sind die vier Rechtssachen nach Anhörung der Verfahrensbeteiligten
         und des Generalanwalts gemäß Art. 43 der Verfahrensordnung zu gemeinsamer mündlicher Verhandlung und Entscheidung verbunden
         worden.
      
      24      In der Erwägung, dass sich die Rechtsmittelgründe der Rechtsmittelführerinnen weitgehend decken, sind sie zusammen zu prüfen.
         
      
      A –   Zu den Rechtsmittelgründen betreffend einen Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG
      1.     Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Würdigung der Voraussetzung der Beeinträchtigung des Handels zwischen
         Mitgliedstaaten
      
      25      Dieser Rechtsmittelgrund wird von der Ersten Group Bank, der RZB und der ÖVAG geltend gemacht und besteht aus drei Teilen.
      
      a)     Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung der Eignung eines sich auf das gesamte Inland erstreckenden
         Kartells, den Handel zwischen den Mitgliedstaaten spürbar zu beeinträchtigen
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      26      Die RZB und die ÖVAG tragen vor, das Gericht habe einen Rechtsfehler begangen, als es in Randnr. 181 des angefochtenen Urteils
         angenommen habe, es „besteh[e] zumindest eine starke Vermutung dafür, dass eine wettbewerbswidrige Verhaltensweise, die im
         gesamten Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats angewandt wird, geeignet ist, zur Abschottung der Märkte beizutragen und den innergemeinschaftlichen
         Handelsverkehr zu beeinträchtigen“.
      
      27      Die RZB macht insoweit erstens geltend, das Gericht habe die Zwischenstaatlichkeitsklausel verkürzt ausgelegt, indem es davon
         ausgegangen sei, dass die Kommission eine Abschottungswirkung nicht dartun müsse.
      
      28      Das Gericht habe in den Randnrn. 182 bis 184 des angefochtenen Urteils die Reichweite des Urteils des Gerichtshofs vom 21.
         Januar 1999, Bagnasco u. a. (C‑215/96 und C‑216/96, Slg. 1999, I‑135), verkannt.
      
      29      Die RZB vertritt zweitens die Ansicht, das Gericht habe die Rechtsprechung des Gerichtshofs in unzutreffender Weise dahin
         ausgelegt, dass die bloße Erstreckung der Bankenrunden auf das gesamte Hoheitsgebiet der Republik Österreich ausreiche, um
         die Eignung zur Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen Handels zu bejahen.
      
      30      Eine solche Eignung setze nämlich nicht nur eine Flächendeckung voraus, sondern auch das Vorhandensein mindestens eines zusätzlichen
         Faktors, insbesondere das einer Abschottungswirkung.
      
      31      Außerdem habe das Gericht in Randnr. 181 des angefochtenen Urteils eine Beweislastumkehr zulasten der Unternehmen vorgenommen,
         obwohl es der Kommission obliege, Zuwiderhandlungen gegen Art. 81 Abs. 1 EG und die Eignung des Kartells zur Beeinträchtigung
         des zwischenstaatlichen Handels nachzuweisen.
      
      32      Die ÖVAG bemängelt gleichfalls, dass das Gericht die Bedeutung des Kriteriums der marktabschottenden Wirkung relativiert habe.
      
      33      Das Gericht habe in Randnr. 166 des angefochtenen Urteils die Besonderheiten der nachträglichen Würdigung einer bereits beendeten
         Zuwiderhandlung nicht berücksichtigt. Zu Unrecht habe es auf die Prüfung der tatsächlichen Auswirkungen der Abreden auf den
         zwischenstaatlichen Handelsverkehr verzichtet.
      
      34      Zudem sei die Begründung des Gerichts widersprüchlich und unzureichend. In Randnr. 164 des angefochtenen Urteils habe es nämlich
         angenommen, dass die marktabschottende Wirkung kein starkes Indiz sei, um auf eine Beeinträchtigung des zwischenstaatlichen
         Handels zu schließen, während es in Randnr. 181 dieses Urteils einen engen Zusammenhang zwischen der marktabschottenden Wirkung
         eines Kartells und dessen Eignung zur Beeinträchtigung des grenzüberschreitenden Handelsverkehrs gesehen habe.
      
      35      Die Kommission ist der Auffassung, dass dem Gericht kein Rechtsfehler unterlaufen sei.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      36      Zunächst ist zum einen daran zu erinnern, dass der Gerichtshof entschieden hat, dass ein Beschluss, eine Vereinbarung oder
         eine Verhaltensweise den Handel zwischen Mitgliedstaaten nur dann beeinträchtigen kann, wenn sich anhand einer Gesamtheit
         rechtlicher oder tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit voraussehen lässt, dass sie unmittelbar oder
         mittelbar, tatsächlich oder potenziell die Handelsströme zwischen Mitgliedstaaten in einer Weise beeinflussen, die die Verwirklichung
         der Ziele eines einheitlichen zwischenstaatlichen Marktes hemmen könnte. Außerdem darf diese Beeinträchtigung nicht nur geringfügig
         sein (Urteil vom 23. November 2006, Asnef-Equifax und Administración del Estado, C‑238/05, Slg. 2006, I‑11125, Randnr. 34
         und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      37      Damit ergibt sich eine Auswirkung auf den innergemeinschaftlichen Handel im Allgemeinen daraus, dass mehrere Voraussetzungen
         erfüllt sind, die für sich allein genommen nicht unbedingt entscheidend sind. Bei der Prüfung, ob ein Kartell den Handel zwischen
         Mitgliedstaaten spürbar beeinträchtigt, ist dieses in seinem wirtschaftlichen und rechtlichen Gesamtzusammenhang zu untersuchen
         (Urteil Asnef-Equifax und Administración del Estado, Randnr. 35 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      38      Zum anderen genügt nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs der Umstand, dass ein Kartell nur die Vermarktung von Produkten
         in einem einzigen Mitgliedstaat bezweckt, nicht, um die Möglichkeit einer Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
         auszuschließen. Ein Kartell, das sich auf das gesamte Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erstreckt, hat nämlich schon seinem
         Wesen nach die Wirkung, die Abschottung der Märkte auf nationaler Ebene zu verfestigen, indem es die vom EG-Vertrag gewollte
         wirtschaftliche Verflechtung behindert (Urteil Asnef-Equifax und Administración del Estado, Randnr. 37 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      39      Folglich hat das Gericht in Randnr. 181 des angefochtenen Urteils entgegen dem Vorbringen der Rechtsmittelführerinnen zu Recht
         das Bestehen einer starken Vermutung für eine Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten zum Ausgangspunkt seiner
         Erwägungen gemacht und unmittelbar danach festgestellt, dass „[d]iese Vermutung … nur dann [entfällt], wenn sich bei Untersuchung
         der Merkmale und des wirtschaftlichen Gesamtzusammenhangs der Vereinbarung das Gegenteil herausstellt“.
      
      40      Diese Untersuchung hat das Gericht in den Randnrn. 182 bis 185 des angefochtenen Urteils vorgenommen. Insbesondere in Randnr. 183
         dieses Urteils hat es festgestellt, dass „[d]ie Abstimmungen innerhalb des ‚Lombard-Netzwerks‘ … sich nicht nur auf fast alle
         Kreditinstitute in Österreich [erstreckten], sondern auch auf ein breites Spektrum von Bankprodukten und -dienstleistungen,
         insbesondere auf Einlagen und Kredite: sie waren deshalb geeignet, die Wettbewerbsbedingungen in ganz Österreich zu verändern“.
         In Randnr. 185 dieses Urteils hat das Gericht die Möglichkeit einer marktabschottenden Wirkung geprüft und festgestellt, dass
         „[d]as ‚Lombard-Netzwerk‘ … zum Fortbestand der … Marktzutrittsschranken … beigetragen haben [kann], indem es die Beibehaltung
         der Strukturen des österreichischen Bankenmarkts … ermöglichte“.
      
      41      Somit konnte das Gericht nach einer eingehenden Darstellung des mit den Gesprächsrunden jeweils verfolgten Zwecks in den Randnrn. 111
         bis 121 des angefochtenen Urteils in Randnr. 185 dieses Urteils rechtsfehlerfrei feststellen, dass bereits das Bestehen des
         „Lombard-Netzwerks“ den freien Zutritt zum österreichischen Markt beschränkte, so dass das Kartell geeignet war, eine grenzüberschreitende
         Wirkung zu entfalten.
      
      42      Es ist daher in Randnr. 186 des angefochtenen Urteils zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass die in Rede stehende Vereinbarung
         marktabschottende Wirkungen haben und den zwischenstaatlichen Handel beeinträchtigen konnte.
      
      43      Zweitens hat das Gericht entgegen dem Vorbringen der RZB nicht die Beweislast umgekehrt, sondern in Ausübung seiner Befugnis
         zur Sachverhaltswürdigung nach Prüfung festgestellt, dass die Rechtsmittelführerinnen nicht die Vermutung widerlegt hatten,
         dass das Kartell, das sich auf ganz Österreich erstreckte, bei einer Gesamtbetrachtung den zwischenstaatlichen Handel beeinträchtigen
         konnte.
      
      44      Drittens ist festzustellen, dass die vom Gericht in Randnr. 181 des angefochtenen Urteils angestellten Erwägungen nicht im
         Widerspruch zu seinen Ausführungen in Randnr. 164 dieses Urteils stehen.
      
      45      In dieser Randnr. 164 hat das Gericht nämlich lediglich das auf die Annahme gerichtete Vorbringen der Rechtsmittelführerinnen
         zurückgewiesen, dass die Eignung eines Kartells zur Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten allein durch den
         Nachweis marktabschottender Wirkungen des Kartells festgestellt werden könne.
      
      46      Viertens setzt Art. 81 Abs. 1 EG nach ständiger Rechtsprechung nicht voraus, dass die Kartelle, auf die er sich bezieht, den
         innergemeinschaftlichen Handel tatsächlich spürbar beeinträchtigen, sondern lässt den Nachweis genügen, dass sie hierzu geeignet
         sind (Urteil Asnef-Equifax und Administración del Estado, Randnr. 43 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      47      Folglich kann die ÖVAG nicht geltend machen, das Gericht hätte die tatsächlichen Auswirkungen des Kartells auf den Handel
         zwischen Mitgliedstaaten prüfen müssen.
      
      48      Der erste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes ist daher zurückzuweisen.
      
      b)     Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler des Gerichts, indem es entschieden habe, die Kommission dürfe eine
         Gesamtprüfung der grenzüberschreitenden Wirkung der Gesprächsrunden vornehmen, und indem es eine fehlerhafte, unzureichende
         und widersprüchliche Untersuchung der Definition des relevanten Marktes vorgenommen habe
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      49      Mit einer ersten Rüge trägt die ÖVAG vor, dem Gericht sei ein Rechtsfehler unterlaufen, indem es in den Randnrn. 168 ff. des
         angefochtenen Urteils entschieden habe, dass die Kommission eine Gesamtprüfung der grenzüberschreitenden Wirkung der Bankenrunden
         habe vornehmen dürfen, anstatt die Eignung der einzelnen Gesprächsrunden zur Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
         gesondert zu untersuchen.
      
      50      Die Rechtsmittelführerin macht insoweit geltend, das Gericht habe dadurch einen Rechtsfehler begangen, dass es nicht die Auswirkungen
         der eine gesonderte Tätigkeit betreffenden Gesprächsrunden auf den innergemeinschaftlichen Handelsverkehr getrennt geprüft
         habe; außerdem habe es das Urteil des Gerichtshofs Bagnasco u. a. nicht zutreffend gewürdigt.
      
      51      Mit einer zweiten Rüge beanstandet die ÖVAG die in Randnr. 172 des angefochtenen Urteils enthaltene Aussage des Gerichts,
         dass „die Definition des relevanten Marktes für die Anwendung von Art. 81 EG nicht dieselbe Rolle spielt wie für die Anwendung
         von Art. 82 EG“. Ihrer Meinung nach hätte das Gericht die Auswirkungen der im Rahmen der verschiedenen Gesprächsrunden getroffenen
         Vereinbarungen auf den Handelsverkehr auf der Grundlage einer engeren Definition der betroffenen Märkte prüfen müssen.
      
      52      Zudem sieht die ÖVAG einen Widerspruch zwischen Randnr. 174 des angefochtenen Urteils, in der das Gericht anerkenne, dass
         „die verschiedenen Bankdienstleistungen, auf die sich die Vereinbarungen beziehen, nicht untereinander austauschbar [sind]“,
         und Randnr. 175 dieses Urteils, in der es ausführe, dass „die Kommission nicht verpflichtet [war], … die Märkte der verschiedenen
         von den Gesprächsrunden erfassten Bankprodukte getrennt zu prüfen“.
      
      53      Die Kommission macht geltend, dass dem Gericht kein Rechtsfehler unterlaufen sei.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      –       Zur Rüge einer fehlerhaften Auslegung der Rechtsprechung durch das Gericht
      54      Die Beurteilung der Wirkungen von Vereinbarungen im Hinblick auf Art. 81 EG erfordert eine Berücksichtigung des jeweiligen
         konkreten Rahmens, nämlich des wirtschaftlichen und rechtlichen Zusammenhangs, in dem die betreffenden Unternehmen tätig sind,
         der Natur der betroffenen Waren und Dienstleistungen, der auf dem betreffenden Markt bestehenden tatsächlichen Bedingungen
         und der Struktur dieses Marktes (vgl. Urteil Asnef-Equifax und Administración del Estado, Randnr. 49 und die dort angeführte
         Rechtsprechung). 
      
      55      In den Randnrn. 111 bis 126 des angefochtenen Urteils hat das Gericht den von der Kommission gezogenen Schluss bestätigt,
         dass es eine Grundsatzvereinbarung aller an dem Kartell beteiligten Banken über die Beseitigung des Preiswettbewerbs bei einem
         breiten Spektrum von Bankdienstleistungen für Privatpersonen und Unternehmen einschließlich der Großkunden gegeben habe. Auch
         die Einstufung der Gesprächsrunden als ein einziges Gesamtkartell hat das Gericht bestätigt.
      
      56      Da es sich, wie das Gericht festgestellt hat, um ein Gesamtkartell handelte, das den wesentlichen Teil der Akteure des Finanzsektors
         eines Mitgliedstaats und ein breites Spektrum von Bankprodukten und ‑dienstleistungen betraf, konnte das Gericht zutreffend
         feststellen, dass die in Rede stehenden, auf einen Gesamtplan gestützten und im Rahmen verschiedener Gesprächsrunden umgesetzten
         Vereinbarungen eine einzige Zuwiderhandlung darstellten, die eine Gesamtprüfung der Eignung dieses allgemeinen Kartells zur
         Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen Handels rechtfertigte und erforderlich machte.
      
      57      Zu dem von der Klägerin angeführten Urteil Bagnasco u. a. ist – wie es auch das Gericht in Randnr. 171 des angefochtenen Urteils
         getan hat – zu bemerken, dass der Gerichtshof in jener Rechtssache keine Gesamtprüfung der Beeinträchtigung des Handels zwischen
         Mitgliedstaaten durch die beiden in den Ausgangsverfahren in Rede stehenden Klauseln vorzunehmen brauchte, da bei der einen
         die Vereinbarung keine Wettbewerbsbeschränkung bezweckt oder bewirkt hatte, während die andere nicht zur Beeinträchtigung
         des Handels zwischen Mitgliedstaaten geeignet war.
      
      58      Anders als bei den in den vorliegenden Rechtssachen in Rede stehenden Kartellen stellte sich daher die Frage einer Gesamtprüfung
         der Vereinbarungen im Hinblick auf die Bedingung der Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten in jenem Urteil
         nicht. Folglich können sich die Rechtsmittelführerinnen nicht mit Erfolg auf dieses Urteil berufen, um die Feststellungen
         in Randnr. 56 des vorliegenden Urteils in Frage zu stellen.
      
      59      Demnach ist die Rüge der ÖVAG zurückzuweisen, dass im Rahmen der Beurteilung der Bedingung im Zusammenhang mit der Beeinträchtigung
         des Handels zwischen Mitgliedstaaten eine getrennte Prüfung der fraglichen Vereinbarungen durch das Gericht geboten gewesen
         sei.
      
      –       Zur Rüge einer unzutreffenden, unzureichenden und widersprüchlichen Beurteilung des Gerichts hinsichtlich der Definition des
         relevanten Marktes
      
      60      Erstens hat das Gericht nach dem Hinweis in Randnr. 172 des angefochtenen Urteils darauf, dass die Definition des Marktes
         für die Anwendung von Art. 81 EG nicht dieselbe Rolle spiele wie für die Anwendung von Art. 82 EG, ausgeführt, dass es auf
         die Definition des relevanten Marktes nicht ankomme, da die Kommission zu dem Ergebnis gekommen sei, dass die fragliche Vereinbarung
         den Wettbewerb verfälscht habe und geeignet gewesen sei, den Handel zwischen Mitgliedstaaten spürbar zu beeinträchtigen.
      
      61      Die von der ÖVAG gegen diese Würdigung erhobene Rüge geht ins Leere, da das Gericht in den Randnrn. 172 bis 174 des angefochtenen
         Urteils die von ihr erhobene Rüge, mit der sie die Methode der Kommission zur Beurteilung der Auswirkungen auf den innergemeinschaftlichen
         Handelsverkehr beanstandet hatte, geprüft und keinerlei Konsequenz aus ihrer Untersuchung gezogen hat.
      
      62      Was zweitens die vom Gericht gewählte Begründung betrifft, das in Randnr. 174 des angefochtenen Urteils die Auffassung vertreten
         hat, dass die verschiedenen von den Vereinbarungen erfassten Bankdienstleistungen nicht untereinander austauschbar seien,
         und in Randnr. 175 erläutert hat, dass die Kommission nicht verpflichtet gewesen sei, die Märkte dieser verschiedenen Bankprodukte
         getrennt zu prüfen, ist die von der ÖVAG erhobene Rüge zurückzuweisen, da das Gericht ordnungsgemäß seine Auffassung begründet
         hat, dass eine enge Definition des Marktes gekünstelt wäre, weil die meisten Kunden der Universalbanken ein Paket von Bankdienstleistungen
         in Anspruch nähmen und im Übrigen die Beeinträchtigung des Handels indirekt sein könne und der betreffende Markt ein anderer
         seine könne als der für die vom Kartell erfassten Produkte und Dienstleistungen.
      
      63      Demnach ist die von der ÖVAG erhobene Rüge einer unzutreffenden, unzureichenden und widersprüchlichen Beurteilung des Gerichts
         hinsichtlich der Definition des relevanten Marktes zurückzuweisen und damit auch der zweite Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes.
      
      c)     Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: fehlender Nachweis einer spürbaren Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen
         Handels durch das Kartell
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      64      Nach Ansicht der Ersten Group Bank hätte das Gericht in den Randnrn. 153 bis 187 des angefochtenen Urteils feststellen müssen,
         dass Art. 81 EG nicht anwendbar sei, da die Kommission nicht dargetan habe, dass diese Beeinträchtigung des Handels durch
         das in Rede stehende Kartell habe spürbar sein können. Die zwischen den Banken getroffene Vereinbarung habe – wenn überhaupt
         – nur geringfügige grenzüberschreitende Auswirkungen gehabt.
      
      65      Die Kommission macht geltend, dass das Vorbringen der Ersten Group Bank irrig sei.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      66      Nach ständiger Rechtsprechung setzt Art. 81 Abs. 1 EG nicht voraus, dass die Kartelle, auf die er sich bezieht, den innergemeinschaftlichen
         Handel tatsächlich spürbar beeinträchtigen, sondern, dass der Nachweis erbracht wird, dass sie hierzu geeignet sind (vgl.
         Urteil Asnef-Equifax und Administración del Estado, Randnr. 43).
      
      67      Hierzu hat das Gericht in den Randnrn. 111 bis 121, 179 und 183 bis 185 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass die Vereinbarung
         fast alle österreichischen Kreditinstitute umfasst, eine sehr breite Palette von Bankprodukten und ‑dienstleistungen abgedeckt
         und das gesamte Hoheitsgebiet Österreichs umspannt und damit die Gefahr heraufbeschworen habe, in dem gesamten Mitgliedstaat
         die Wettbewerbsbedingungen zu verändern.
      
      68      Demnach hat das Gericht, auch wenn es nicht ausdrücklich festgestellt hat, dass es sich um eine spürbare Beeinträchtigung
         des innergemeinschaftlichen Handels gehandelt hat, gleichwohl die Umstände genannt, die ohne Fehlbeurteilung der in Randnr. 36
         des vorliegenden Urteils umschriebenen Voraussetzung den Schluss zulassen, dass das Kartell geeignet war, sich auf den innergemeinschaftlichen
         Handel auszuwirken. 
      
      69      Folglich ist der dritte Teil des vorliegenden Klagegrundes zurückzuweisen.
      
      70      Mithin ist der Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Würdigung der Voraussetzung der Beeinträchtigung des
         Handels zwischen Mitgliedstaaten insgesamt zurückzuweisen.
      
      2.     Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Zurechnung der Verantwortlichkeit für die Zuwiderhandlung
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      71      Die Erste Group Bank trägt vor, das Gericht habe in den Randnrn. 323 ff. des angefochtenen Urteils zu Unrecht befunden, dass
         sie für die von der GiroCredit begangene Zuwiderhandlung für die Zeit vor der Übernahme durch die Erste Group Bank, ehemals
         Erste Österreichische Spar-Casse-Bank AG (im Folgenden: EÖ), einstehen müsse und dass die Kommission keinen Rechtsfehler begangen
         habe, als sie der Ersten Group Bank in ihrer Eigenschaft als Rechtsnachfolgerin der GiroCredit dieses Verhalten zurechnete.
      
      72      Mit einer ersten Rüge macht die Erste Group Bank zunächst geltend, das Gericht habe die zwischen der GiroCredit und der BA-Gruppe
         bestehenden rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen unzutreffend gewürdigt. Die Erste Group Bank weist insoweit darauf
         hin, dass die GiroCredit bis zur Übernahme der Mehrheit ihrer Geschäftsanteile am 20. Mai 1997 im Mehrheitseigentum der BA-Gruppe
         gestanden habe, die ihrerseits an den Absprachen des „Lombardclubs“ beteiligt gewesen sei. Diese Gruppe habe die GiroCredit
         nicht nur über eine mehrheitliche Beteiligung an deren Anteilen kontrolliert, sondern auch durch die Nominierung von Aufsichtsrats-
         und Vorstandsmitgliedern sowie durch die Besetzung der höchsten Management-Ebene der GiroCredit mit Mitarbeitern aus den Reihen
         der BA-Gruppe. Demnach hätte das Verhalten der GiroCredit für diese Zeit der BA-CA zugerechnet werden müssen.
      
      73      Auch die Feststellung des Gerichts, die „GiroCredit Bank der österreichischen Sparkassen AG“ sei die für die Bankgeschäfte
         der GiroCredit vor deren Übernahme verantwortliche juristische Person gewesen, sei rechtsfehlerhaft, da auch die letztgenannte
         Gesellschaft von der BA-Gruppe geleitet und kontrolliert worden sei.
      
      74      Mit einer zweiten Rüge trägt die Erste Group Bank vor, das Gericht habe auch dadurch einen Rechtsfehler begangen, dass es
         in den Randnrn. 328 bis 336 des angefochtenen Urteils befunden habe, die Kommission habe die Wahl gehabt, die Sanktion entweder
         der an der Zuwiderhandlung beteiligten Tochtergesellschaft oder der Muttergesellschaft, die sie im fraglichen Zeitraum kontrolliert
         habe, aufzuerlegen, und zwar auch im Fall einer wirtschaftlichen Nachfolge, und folglich ihr die Verantwortlichkeit für das
         Verhalten der GiroCredit zuzurechnen, anstatt sie der ehemaligen Muttergesellschaft anzulasten.
      
      75      Nach Ansicht der Kommission ist klar zu unterscheiden zwischen der Frage der Bestimmung der juristischen Person, die für das
         an einer Zuwiderhandlung beteiligte Unternehmen verantwortlich sei, und der Frage, unter welchen Voraussetzungen das Verhalten
         einer Tochtergesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit der Muttergesellschaft zugerechnet werden könne. Ihr Vorgehen führe
         nicht zu Unbilligkeiten, da die Erste Group Bank selbst am Kartell teilgenommen habe. 
      
      b)     Würdigung durch den Gerichtshof 
      76      Mit ihren beiden Rügen, die zusammen zu prüfen sind, beanstandet die Erste Group Bank, dass ihr in der streitigen Entscheidung
         das Verhalten der GiroCredit vor dem 1. Oktober 1997, dem Zeitpunkt ihres Zusammenschlusses mit dieser, zugerechnet werde.
      
      77      Verstößt ein Unternehmen gegen die Wettbewerbsregeln, hat es nach dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit für diese
         Zuwiderhandlung einzustehen (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 8. Juli 1999, Kommission/Anic Partecipazioni, C‑49/92 P, Slg.
         1999, I‑4125, Randnr. 145, und vom 16. November 2000, Cascades/Kommission, C‑279/98 P, Slg. 2000, I‑9693, Randnr. 78).
      
      78      Zur Frage, unter welchen Umständen einer Einrichtung, obwohl sie nicht Urheberin der Zuwiderhandlung ist, dennoch dafür Sanktionen
         auferlegt werden können, ist zunächst festzustellen, dass ein solcher Fall vorliegt, wenn die Einrichtung, die die Zuwiderhandlung
         begangen hat, rechtlich nicht mehr besteht (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, Randnr. 145).
      
      79      Wie der Gerichtshof bereits festgestellt hat, hat nämlich eine rechtliche oder organisatorische Änderung einer Einrichtung,
         die gegen Wettbewerbsregeln verstoßen hat, nicht zwingend zur Folge, dass ein neues, von der Haftung für wettbewerbswidrige
         Handlungen seines Vorgängers befreites Unternehmen entsteht, sofern die beiden Einrichtungen wirtschaftlich gesehen identisch
         sind (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 28. März 1984, CRAM und Rheinzink/Kommission, 29/83 und 30/83, Slg. 1984, 1679, Randnr.
         9, und vom 7. Januar 2004, Aalborg Portland u. a./Kommission, C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P und
         C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123, Randnr. 59).
      
      80      Außerdem kann das wettbewerbswidrige Verhalten eines Unternehmens, das sein Marktverhalten nicht selbständig bestimmt, sondern
         vor allem wegen der wirtschaftlichen und rechtlichen Bindungen zu einem anderen Unternehmen im Wesentlichen dessen Weisungen
         befolgt hat, dem anderen Unternehmen zugerechnet werden (Urteile vom 16. November 2000, Metsä-Serla u. a./Kommission, C‑294/98 P,
         Slg. 2000, I‑10065, Randnr. 27, und vom 2. Oktober 2003, Aristrain/Kommission, C‑196/99 P, Slg. 2003, I‑11005, Randnr. 96).
         Der Umstand, dass eine Tochtergesellschaft eigene Rechtspersönlichkeit besitzt, schließt daher noch nicht aus, dass ihr Verhalten
         der Muttergesellschaft zugerechnet werden kann.
      
      81      Das Vorbringen der Ersten Group Bank geht dahin, dass zum Zeitpunkt der von der streitigen Entscheidung erfassten Zuwiderhandlungen
         das Verhalten der GiroCredit auf der Ebene der Muttergesellschaft, in deren Besitz sie gestanden habe, hier der BA-Gruppe,
         bestimmt worden sei und daher dieser Gesellschaft die Verantwortlichkeit für die seinerzeit von der GiroCredit begangenen
         Zuwiderhandlungen hätte zugerechnet werden müssen. Die Erste Group Bank versucht somit, die Feststellung des Gerichts in Randnr. 331
         des angefochtenen Urteils in Frage zu stellen, nämlich dass die Kommission die Wahl habe, die Sanktion entweder der an der
         Zuwiderhandlung beteiligten Tochtergesellschaft oder der Muttergesellschaft aufzuerlegen, die sie in dem von der streitigen
         Entscheidung erfassten Zeitraum kontrollierte.
      
      82      Das Gericht hat insoweit zu Recht entschieden, dass die Kommission nicht verpflichtet war, vorrangig zu prüfen, ob die Voraussetzungen
         dafür erfüllt waren, der Muttergesellschaft des Unternehmens, das die fragliche Zuwiderhandlung begangen hatte, die Zuwiderhandlung
         zuzurechnen. Die Kommission kann nämlich nicht grundsätzlich verpflichtet sein, in einem ersten Schritt eine solche Prüfung
         vorzunehmen, bevor sie ins Auge fassen kann, sich gegen das Unternehmen zu wenden, das Urheber der Zuwiderhandlung ist, und
         zwar selbst dann, wenn dieses als juristische Einheit Änderungen erfahren hat. Der Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit,
         der in Randnr. 77 des vorliegenden Urteils in Erinnerung gerufen worden ist, verbietet der Kommission keineswegs, ins Auge
         zu fassen, zunächst das letztgenannte Unternehmen mit einer Sanktion zu belegen, bevor sie gegebenenfalls untersucht, ob die
         Zuwiderhandlung der Muttergesellschaft zugerechnet werden kann. Zudem würden andernfalls, wie das Gericht in Randnr. 335 des
         angefochtenen Urteils ausgeführt hat, die Ermittlungen der Kommission erheblich durch das Erfordernis erschwert, bei jedem
         Fall der Nachfolge der Kontrolle über ein Unternehmen zu prüfen, inwieweit dessen Handlungen der ehemaligen Muttergesellschaft
         zugerechnet werden können.
      
      83      Im Übrigen ist zu unterstreichen, dass die Erste Group Bank, die selbst an dem Kartell beteiligt war, das Gegenstand der streitigen
         Entscheidung gewesen ist, zum Zeitpunkt der Übernahme der Geschäftstätigkeit der GiroCredit wusste, dass die Möglichkeit eines
         Verfahrens gegen diese wegen Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG bestand und dass sie sich somit in ihrer Eigenschaft als Rechtsnachfolgerin
         dieser Gesellschaft in Bezug auf eine Geldbuße den Folgen eines solchen Verfahrens aussetzte. 
      
      84      Die zweite, von der Ersten Group Bank zur Stützung des vorliegenden Rechtsmittelgrundes vorgetragene Rüge ist daher zurückzuweisen.
      
      85      Zur ersten Rüge betreffend die Prüfung der wirtschaftlichen und rechtlichen Bindungen zwischen der GiroCredit und der BA-Gruppe
         durch das Gericht genügt die Feststellung, dass das Gericht in Randnr. 336 des angefochtenen Urteils zu Recht entschieden
         hat, dass nicht geprüft zu werden brauchte, ob der BA-Gruppe das Verhalten der GiroCredit hätte zugerechnet werden können,
         da die Kommission berechtigt war, die Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG auf der Ebene der Tochtergesellschaft GiroCredit zu
         ahnden und dementsprechend die Verantwortlichkeit dieser Gesellschaft der Ersten Group Bank in ihrer Eigenschaft als aufnehmende
         Gesellschaft zuzurechnen. Daher geht das Vorbringen der Ersten Group Bank in Bezug auf die tatsächliche Kontrolle der GiroCredit
         durch die BA-Gruppe ins Leere.
      
      86      Nach alledem ist der Rechtsmittelgrund betreffend einen Rechtsfehler bei der Zurechnung der Verantwortlichkeit für die Zuwiderhandlung
         insgesamt zurückzuweisen.
      
      B –  Zu den Rechtsmittelgründen betreffend einen Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17
      1.     Zum Rechtsmittelgrund betreffend Rechtsfehler bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
      87      Die BA‑CA, die Erste Group Bank und die RZB bestreiten die Stichhaltigkeit der Erwägungen des Gerichts in Bezug auf die Schwere
         der Zuwiderhandlung. Dieser Rechtsmittelgrund umfasst sieben Teile.
      
      a)     Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: mit den Leitlinien nicht übereinstimmende Beurteilung
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      88      Die RZB macht geltend, das Gericht habe sich widersprüchlich verhalten, indem es insbesondere in den Randnrn. 237 und 254
         des angefochtenen Urteils nicht geprüft habe, ob die Zuwiderhandlung im Einklang mit den von ihm in Randnr. 226 dieses Urteils
         dargelegten Regeln als „besonders schwer“ anzusehen sei.
      
      89      Die Kommission verweist darauf, dass sie zwar tatsächlich durch die von ihr festgelegten Leitlinien eingeschränkt sei, nicht
         aber das Gericht im Rahmen seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung. Im Übrigen sei aus der Rechtsprechung ersichtlich,
         dass durch die Leitlinien nur ein „Mindestprogramm“ festgelegt werde, ohne dass eine abschließende Aufzählung der berücksichtigungsfähigen
         Gesichtspunkte erfolgt wäre. Selbst von diesem Programm könne unter begründeten Umständen abgewichen werden. 
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      90      Zunächst ist daran zu erinnern, dass nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs bei der Festsetzung des Betrags der Geldbußen
         die Dauer sowie sämtliche Faktoren zu berücksichtigen sind, die für die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlungen eine
         Rolle spielen (Urteil vom 28. Juni 2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P
         und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425, Randnr. 240).
      
      91      Die Schwere der Zuwiderhandlungen ist anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu ermitteln, zu denen die besonderen Umstände
         der Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören, ohne dass es eine zwingende oder abschließende
         Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssten (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr.
         241 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      92      Das Gericht hat daher zu prüfen, wie die Kommission ihr Ermessen in Bezug auf diese Gesichtspunkte ausgeübt hat.
      
      93      Danach hat das Gericht sich weder dadurch widersprüchlich verhalten, dass es in Randnr. 237 des angefochtenen Urteils entschieden
         hat, die Kommission habe die Schwere der Zuwiderhandlung umfassend anhand aller relevanten Umstände einschließlich der Gesichtspunkte
         beurteilen dürfen, die in den Leitlinien nicht ausdrücklich erwähnt seien, noch dadurch, dass es in Randnr. 254 dieses Urteils
         entschieden hat, dass eine horizontale Preisabsprache, die sich auf einen so wichtigen Wirtschaftssektor beziehe, als „besonders
         schwere“ Zuwiderhandlung zu qualifizieren sei.
      
      94      Daher ist der erste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      b)     Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf das „eigentliche Wesen“ der Zuwiderhandlung
      95      Dieser zweite Teil des Rechtsmittelgrundes besteht aus vier Rügen.
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      96      Die RZB trägt erstens vor, dass das Gericht einen Rechtsfehler begangen habe, indem es in Randnr. 240 des angefochtenen Urteils
         entschieden habe, dass das Wesen der Zuwiderhandlung bei der Einstufung der Zuwiderhandlungen als besonders schwer eine vorrangige
         Rolle spiele, während die übrigen Kriterien, nämlich die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt und der
         räumliche Umfang des betreffenden Marktes, weniger schwer wögen.
      
      97      Zweitens habe das Gericht auch dadurch einen Rechtsfehler begangen, dass es in den Randnrn. 249 bis 264 des angefochtenen
         Urteils seine Beurteilung auf Gesichtspunkte gestützt habe, die in den Leitlinien nicht erwähnt seien, nämlich die Bedeutung
         des Bankensektors für die Wirtschaft, das breite Spektrum der vom Kartell erfassten Bankprodukte und die Teilnahme der ganz
         überwiegenden Mehrzahl der österreichischen Banken an den Treffen.
      
      98      Die RZB wirft dem Gericht drittens vor, nicht die Haltung der Regierung berücksichtigt zu haben, die darauf gerichtet sei,
         den Bankensektor vor dem freien Spiel der Marktkräfte zu bewahren. Außerdem habe es zu Unrecht angenommen, dass die Mitwirkung
         staatlicher Stellen bei unter Art. 81 EG fallenden Sachverhalten bei der Festsetzung der Geldbuße als erschwerender Umstand
         anzusehen sei.
      
      99      Das Gericht habe schließlich viertens in Randnr. 256 des angefochtenen Urteils zu Unrecht entschieden, dass die Abschreckungswirkung
         der Geldbußen bei der Prüfung der eigentlichen Schwere der Zuwiderhandlung nicht berücksichtigt werden dürfe.
      
      100    Die Kommission macht geltend, die Behauptungen der RZB seien teils unzulässig, teils unbegründet.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      101    Was die erste Rüge betrifft, ist dem Gericht mit der Erwägung in Randnr. 240 des angefochtenen Urteils, dass die drei Aspekte
         der Bewertung der Schwere des Verstoßes im Rahmen der Gesamtprüfung nicht das gleiche Gewicht hätten und dass das Wesen der
         Zuwiderhandlung eine vorrangige Rolle spiele, kein Rechtsfehler unterlaufen, indem es sich auf die Leitlinien gestützt hat,
         wonach es sich bei „besonders schweren“ Verstößen um horizontale Beschränkungen handelt wie z. B. Preiskartelle, Marktaufteilungsquoten
         und sonstige Beschränkungen der Funktionsweise des Binnenmarktes.
      
      102    Hierzu hat es insbesondere in Randnr. 121 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass es eine für eine Beschränkung im Sinne
         der Leitlinien charakteristische Grundsatzvereinbarung aller an dem Kartell beteiligten Banken über die Beseitigung des Preiswettbewerbs
         bei einem breiten Spektrum von Bankdienstleistungen für Privatpersonen und Unternehmen einschließlich der Großkunden gegeben
         habe.
      
      103    Zudem kann nach den Leitlinien das Wesen der Zuwiderhandlung genügen, um sie unabhängig von ihren konkreten Auswirkungen auf
         den Markt und ihrem räumlichen Umfang als „besonders schwer“ einzustufen.
      
      104    Schließlich ist das Gericht in Randnr. 241 des angefochtenen Urteils zu Recht davon ausgegangen, dass zwischen diesen drei
         Kriterien eine Wechselbeziehung bestehe.
      
      105    Demnach ist die erste Rüge des zweiten Teils dieses Rechtsmittelgrundes als unbegründet zurückzuweisen.
      
      106    Aus den gleichen Gründen wie den in Randnr. 93 des vorliegenden Urteils dargelegten ist die zweite Rüge des zweiten Teils
         dieses Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen. 
      
      107    In Bezug auf die dritte Rüge ist festzustellen, dass das Gericht in Randnr. 260 des angefochtenen Urteils nicht ausgeführt
         hat, dass die Mitwirkung der staatlichen Stellen ein erschwerender Umstand gewesen sei, der sich zum Nachteil der Unternehmen
         auf die Höhe der festgesetzten Geldbuße habe auswirken können.
      
      108    Folglich ist die dritte Rüge des zweiten Teils dieses Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      109    Was die vierte Rüge betrifft, so ist das Gericht nach Abschluss einer Prüfung, zu der Randnr. 256 des angefochtenen Urteils
         gehört, in Randnr. 264 des angefochtenen Urteils zu dem Ergebnis gelangt, dass die von den Rechtsmittelführerinnen angeführten
         Umstände nicht geeignet seien, die Stichhaltigkeit der Feststellung in der streitigen Entscheidung in Frage zu stellen, wonach
         die Vereinbarungen des „Lombard-Netzwerks“ ihrer Natur nach ein besonders schwerer Verstoß gewesen seien. Die RZB macht jedoch
         nicht deutlich, in welcher Weise die Berücksichtigung der Abschreckungswirkung der Geldbußen bei der Prüfung der eigentlichen
         Schwere der Zuwiderhandlung – unterstellt, diese Wirkungen hätten berücksichtigt werden müssen – an dieser Schlussfolgerung
         des Gerichts etwas hätte ändern können.
      
      110    Folglich ist diese Rüge zurückzuweisen.
      
      111    Somit ist der zweite Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes teils unzulässig und teils unbegründet.
      
      c)     Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die „konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den
         Markt“
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      112    Die RZB trägt vor, dem Gericht sei ein Rechtsfehler unterlaufen, indem es der Kommission gestattet habe, von der bloßen „Umsetzung“
         des Kartells auf die Existenz einer konkreten Auswirkung der Zuwiderhandlung auf den Markt zu schließen. Diese Auffassung
         widerspreche dem Wortlaut der Leitlinien und verdeutliche, dass das Gericht eine für die Erfüllung des Tatbestands des Art.
         81 EG relevante „Umsetzung“ der Absprachen mit dem notwendig strengeren Kriterium der „konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung
         auf den Markt“ für die Begründung einer besonderen Schwere des Verstoßes verwechselt habe. Das Urteil Cascades/Kommission
         spreche gegen eine solche Argumentation, und das von den Rechtsmittelführerinnen vorgelegte wirtschaftswissenschaftliche Gutachten
         zeige, dass die Absprachen für die von ihnen erfassten Kernprodukte keinerlei Auswirkungen auf die tatsächlich angewandten
         Konditionen gehabt hätten.
      
      113    Nach Ansicht der BA-CA sind die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt fehlerhaft bewertet worden. Das erwähnte
         wirtschaftswissenschaftliche Gutachten zeige, dass derartige Auswirkungen der Treffen auf den Markt nicht vorhanden gewesen
         seien.
      
      114    Außerdem habe das Gericht bei der Auseinandersetzung mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Gutachten die Grundsätze des Beweisverfahrens
         verletzt. Mit der Forderung, dass sich ein solches Gutachten auf „alle potenziellen Auswirkungen der Vereinbarungen auf den
         Markt“ erstrecke, überspanne das Gericht nämlich inhaltlich die Anforderungen, die an ein wirtschaftswissenschaftliches Gutachten
         zum Nachweis der fehlenden Umsetzung und der Kausalität der Bankenrunden im Hinblick auf den Wettbewerb auf dem Markt gestellt
         werden könnten.
      
      115    Die Kommission weist darauf hin, dass das von den Banken vorgelegte Gutachten nur zwei Bankprodukte, nicht aber die möglichen
         Auswirkungen der Vereinbarung auf den Markt behandle. Jedenfalls genüge auch die teilweise Umsetzung einer wettbewerbswidrigen
         Zwecken dienenden Vereinbarung, um auszuschließen, dass diese Vereinbarung sich nicht auf den Markt ausgewirkt habe.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof 
      116    Es ist festzustellen, dass sich das Gericht bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung nicht darauf beschränkt hat,
         die Umsetzung des Kartells festzustellen.
      
      117    In Randnr. 285 des angefochtenen Urteils hat das Gericht nämlich ordnungsgemäß festgestellt, dass die Preisabsprache konkrete
         Auswirkungen auf den Markt gehabt habe, und darauf hingewiesen, dass die Kartellmitglieder Maßnahmen getroffen hätten, um
         den Kunden die vereinbarten Preise anzukündigen, ihre Mitarbeiter angewiesen hätten, sie als Verhandlungsgrundlage zu benutzen,
         und die Anwendung durch ihre Konkurrenten sowie ihren eigenen Vertrieb überwacht hätten.
      
      118    Sodann ist das Gericht nach Abschluss einer in den Randnrn. 289 bis 294 des angefochtenen Urteils vorgenommenen Prüfung in
         Randnr. 295 dieses Urteils rechtsfehlerfrei zu dem Ergebnis gelangt, dass es „[a]ngesichts der zahlreichen unstreitigen Beispiele
         für eine Umsetzung der Vereinbarungen in der [streitigen] Entscheidung [nicht] genügt …, dass die Vereinbarungen in einigen
         Fällen von einer oder mehreren Banken nicht eingehalten wurden, dass es den Banken nicht gelang, die Zinssätze auf dem vereinbarten
         Niveau zu halten oder ihre Rentabilität zu erhöhen, und dass es bei bestimmten Produkten Wettbewerb zwischen ihnen gab, um
         die Feststellung zu entkräften, dass die Vereinbarungen umgesetzt wurden und Auswirkungen auf den Markt hatten“.
      
      119    Folglich ist der dritte Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
      d)     Zum vierten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung in Bezug auf den „Umfang des betreffenden räumlichen
         Marktes“
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      120    Die RZB rügt, das Gericht habe in den Randnrn. 308 bis 313 des angefochtenen Urteils nicht das Argument geprüft, dass die
         offenkundig und unstreitig geringe Größe des Staatsgebiets der Republik Österreich gegen die Einstufung des festgestellten
         Verstoßes als „besonders schwer“ spreche. Außerdem stehe die in den besagten Randnrn. 308 bis 313 dargelegte Gedankenführung
         im Widerspruch zum Wortlaut der Leitlinien und zur Entscheidungspolitik der Kommission.
      
      121    Die Kommission tritt dem Vorbringen der RZB entgegen.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      122    Entgegen dem Vorbringen der RZB hat das Gericht nicht versäumt, über das Argument des geringen Umfangs des betreffenden räumlichen
         Marktes zu befinden. Es hat nämlich in den Randnrn. 308 bis 313 des angefochtenen Urteils ausdrücklich dargelegt, aus welchen
         Gründen die geringe Größe des Staatsgebiets der Republik Österreich nicht gegen die Einstufung des Verstoßes als „besonders
         schwer“ gesprochen habe.
      
      123    Im Übrigen verfügt die Kommission nach ständiger Rechtsprechung im Bereich der Festsetzung der Höhe der Geldbußen über ein
         weites Ermessen und ist bei dessen Ausübung nicht an frühere eigene Beurteilungen gebunden (vgl. Urteile Dansk Rørindustri
         u. a./Kommission, Randnrn. 209 bis 213, sowie vom 19. März 2009, Archer Daniels Midland/Kommission, C‑510/06 P, Slg. 2009,
         I‑0000, Randnr. 82). Demnach kann sich die Rechtsmittelführerin vor dem Gemeinschaftsrichter nicht auf die Entscheidungspolitik
         der Kommission berufen. 
      
      124    Schließlich verbieten weder die Leitlinien noch die Verordnung Nr. 17, die Untersuchung des relevanten räumlichen Marktes
         im Rahmen der Beurteilung der Prüfung einer Zuwiderhandlung auf das ganze Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats oder einen Teil
         hiervon zu beschränken.
      
      125    Folglich ist der vierte Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      e)     Zum fünften Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Beurteilung der Frage, welche Auswirkungen es auf die Einstufung
         der Zuwiderhandlung hatte, dass die Verfolgungsmaßnahmen selektiv getroffen wurden, und Verletzung der Begründungspflicht
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      126    Die RZB erhebt zwei Rügen.
      
      127    Sie wirft dem Gericht in erster Linie vor, zu Unrecht ihr Argument zurückgewiesen zu haben, wonach die Entscheidung der Kommission,
         lediglich einige der Unternehmen herauszugreifen, die an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen seien, der Annahme eines „besonders
         schweren“ Verstoßes entgegenstehe.
      
      128    Zweitens habe das Gericht seine Begründungspflicht dadurch verletzt, dass es nicht auf die Argumente eingegangen sei, wonach
         das hohe Niveau der Geldbuße zum einen dem Symbolcharakter eines letztlich gegen die gesamte österreichische Bankenbranche
         gerichteten Verfahrens widerspreche und zum anderen zu Wettbewerbsverzerrungen führe, da lediglich gegen 10 % der Banken eine
         Geldbuße verhängt worden sei.
      
      129    Die Kommission hält die Ausführungen der Rechtsmittelführerin nur für eine Wiederholung ihres Vorbringens vor dem Gericht.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      130    Mit ihrer ersten Rüge beschränkt sich die RZB auf die Wiedergabe bereits vor dem Gericht geltend gemachten Vorbringens, ohne
         den Rechtsfehler, der dem Gericht unterlaufen sein soll, genau zu bezeichnen. 
      
      131    Nach ständiger Rechtsprechung folgt aus Art. 225 EG, Art. 58 Abs. 1 der Satzung des Gerichtshofs und Art. 112 § 1 Buchst. c
         der Verfahrensordnung aber, dass ein Rechtsmittel die beanstandeten Teile des Urteils, dessen Aufhebung beantragt wird, sowie
         die rechtlichen Argumente, die diesen Antrag speziell stützen, genau bezeichnen muss. Ein Rechtsmittel, das nur die bereits
         vor dem Gericht geltend gemachten Klagegründe oder Argumente wiederholt oder wörtlich wiedergibt, genügt den sich aus diesen
         Vorschriften ergebenden Anforderungen an eine Begründung nicht (vgl. Urteil vom 3. März 2005, Biegi Nahrungsmittel und Commonfood/Kommission,
         C‑499/03 P, Slg. 2005, I‑1751, Randnrn. 37 und 38 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      132    Die erste Rüge ist daher zurückzuweisen.
      
      133    Zur zweiten Rüge betreffend einen Begründungsmangel ist daran zu erinnern, dass die Verpflichtung des Gerichts, seine Urteile
         zu begründen, nicht bedeutet, dass es sich detailliert mit jedem von der Rechtsmittelführerin vorgebrachten Argument hätte
         befassen müssen (vgl. Urteil vom 6. März 2001, Connolly/Kommission, C‑274/99 P, Slg. 2001, I‑1611, Randnr. 121, und vom 9.
         September 2008, FIAMM u. a./Rat und Kommission, C‑120/06 P und C‑121/06 P, Slg. 2008, I‑6513, Randnr. 91).
      
      134    Mit der Feststellung in Randnr. 315 des angefochtenen Urteils, dass die Kommission zulässigerweise als Kriterium für die Auswahl
         der Adressaten der streitigen Entscheidung ihre häufige Teilnahme an den wichtigsten Gesprächsrunden herangezogen habe, ohne
         dass dies der Einstufung der Zuwiderhandlung als „besonders schwer“ entgegengestanden hätte, ist das Gericht, das nicht verpflichtet
         war, die weiteren, demnach ins Leere gehenden Argumente zu prüfen, seiner Begründungspflicht nachgekommen.
      
      135    Folglich ist die zweite Rüge zurückzuweisen.
      
      136    Somit ist der fünfte Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes teils unzulässig und teils unbegründet.
      
      f)     Zum sechsten Teil des Rechtsmittelgrundes: Fehlen einer Gesamtbewertung der Schwere der Zuwiderhandlung
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      137    Die RZB beanstandet, das Gericht habe keine Gesamtbewertung der Schwere der Zuwiderhandlung unter Berücksichtigung aller in
         den Leitlinien genannten Aspekte sowie exogener Gesichtspunkte, also der wirtschaftlichen Bedeutung des österreichischen Bankensektors,
         der fehlenden Notwendigkeit einer Abschreckungswirkung und der Tatsache, dass die Verfolgungsmaßnahmen selektiv getroffen
         worden seien, vorgenommen. Hätte das Gericht eine solche Analyse durchgeführt, hätte es festgestellt, dass die fragliche Zuwiderhandlung
         nicht als „besonders schwer“ habe eingestuft werden können.
      
      138    Die Kommission hält dieses Vorbringen für unbegründet.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      139    Entgegen dem Vorbringen der RZB hat das Gericht weder die Bedeutung der in den Leitlinien ausdrücklich erwähnten Kriterien
         noch die der dort nicht ausdrücklich aufgeführten Kriterien verkannt.
      
      140    Bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung muss die Kommission nämlich nicht nur die besonderen Umstände des Einzelfalls,
         sondern auch den Kontext der Zuwiderhandlung berücksichtigen und im Hinblick auf die Festsetzung der Geldbuße sicherstellen,
         dass ihr Vorgehen, vor allem in Bezug auf solche Zuwiderhandlungen, die die Verwirklichung der Ziele der Gemeinschaft besonders
         beeinträchtigen, die notwendige abschreckende Wirkung hat (vgl. in diesem Sinne Urteil Archer Daniels Midland/Kommission,
         Randnr. 63).
      
      141    Im angefochtenen Urteil, insbesondere in dessen Randnrn. 249, 250 und 254, hat das Gericht nämlich zutreffend ausgeführt,
         dass eine horizontale Preisabsprache auch ohne weitere Wettbewerbsbeschränkungen wie eine Marktabschottung zu den besonders
         schweren Verstößen gehöre und dass eine solche Absprache in einem so bedeutenden Sektor wie dem Bankensektor, die ein breites
         Spektrum von Bankprodukten umfasst und an der die ganz überwiegende Mehrzahl der Wirtschaftsteilnehmer teilgenommen habe,
         grundsätzlich unabhängig von ihrem Kontext als besonders schwere Zuwiderhandlung zu qualifizieren sei (vgl. in diesem Sinne
         Urteil vom 22. Mai 2008, Evonik Degussa/Kommission und Rat, C‑266/06 P, Randnr. 104).
      
      142    Darüber hinaus hat das Gericht, insbesondere in den Randnrn. 254 bis 264 des angefochtenen Urteils, auch das weitere Vorbringen
         der Rechtsmittelführerinnen geprüft. In Randnr. 264 ist es jedoch zu dem Ergebnis gelangt, dass dieses Vorbringen nicht geeignet
         sei, die Feststellung in Frage zu stellen, wonach die Vereinbarungen des „Lombard-Netzwerks“ ihrer Natur nach ein besonders
         schwerer Verstoß seien.
      
      143    Damit ist dem Gericht, wie auch in Randnr. 93 des vorliegenden Urteils ausgeführt worden ist, insoweit kein Rechtsfehler unterlaufen.
         Im Übrigen hat es entgegen dem Vorbringen der RZB bei seiner Prüfung nicht die in den Leitlinien erwähnten Kriterien verkannt,
         nach denen gleichfalls horizontale Preisabsprachen wie die im vorliegenden Fall nachgewiesene als besonders schwere Zuwiderhandlung
         qualifiziert werden.
      
      144    Folglich ist der sechste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes unbegründet.
      
      g)     Zum siebten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die von der Kommission zugrunde gelegte Einstufung der
         Rechtsmittelführerinnen in Kategorien von Verstößen
      
      145    Im Rahmen dieses siebten Teils des Rechtsmittelgrundes erheben die Rechtsmittelführerinnen fünf Rügen.
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      146    Mit einer ersten Rüge, betreffend das Fehlen einer Rechtsgrundlage sowie die Verletzung des Grundsatzes der persönlichen Verantwortung,
         des Gebots der Verhältnismäßigkeit der Sanktionen und des Gleichheitsgrundsatzes dadurch, dass den Zentralinstituten die Marktanteile
         der dezentralisierten Sektoren zugerechnet worden seien, stellen die Erste Group Bank, die RZB und die ÖVAG grundsätzlich
         in Frage, dass ihnen für die Zwecke der Einteilung in Kategorien Marktanteile ihrer jeweiligen dezentralisierten Sektoren
         zuzurechnen seien.
      
      147    Hierzu tragen sie erstens vor, dem Gericht sei in den Randnrn. 356 und 373 des angefochtenen Urteils ein Rechtsfehler unterlaufen,
         indem es die Auffassung vertreten habe, dass die Kommission, indem sie ihnen für die Zwecke der Festsetzung der Geldbuße diese
         Marktanteile zugerechnet habe, ihnen nicht die Zuwiderhandlungen dieser letztgenannten Banken zugerechnet habe, sondern dass
         sie nur „wegen ihres eigenen Verhaltens“ mit einer Sanktion belegt worden seien. 
      
      148    Eine solche Zurechnung laufe in Wirklichkeit darauf hinaus, ihnen die Verantwortlichkeit für Zuwiderhandlungen der Banken
         ihrer dezentralisierten Sektoren zuzurechnen, da die Stellung auf dem Markt dieser Sektoren in vollem Umfang bei der Festsetzung
         der Geldbuße einbezogen werde.
      
      149    Die Erste Group Bank, die RZB und die ÖVAG sind daher der Meinung, dass diese Zurechnung im Hinblick auf die Kriterien hätte
         beurteilt werden müssen, die der Gerichtshof für die Zurechenbarkeit von Zuwiderhandlungen innerhalb eines Konzerns aufgestellt
         habe, nämlich die Möglichkeit, das Unternehmen zu kontrollieren und das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit.
      
      150    Die Kommission macht geltend, das für die Einteilung in Kategorien ausschlaggebende Kriterium sei der Vergleich der tatsächlichen
         Marktmacht, die auf feste Beziehungen der dezentralisierten Banken zu ihren Spitzeninstituten gegründet sei.
      
      151    Die Erste Group Bank trägt zweitens vor, es verstoße gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 in Verbindung mit Nr. 1 Teil A
         Abs. 6 der Leitlinien, die Marktanteile von rund 70 österreichischen Sparkassen den Spitzeninstituten zuzurechnen. Diese Bestimmungen
         ließen nämlich nicht zu, einem Unternehmen den Marktanteil dritter Unternehmen aus demselben Tätigkeitssektor zuzurechnen.
      
      152    Die Erste Group Bank und die RZB tragen weiter vor, dass eine solche Zurechnung gegen den Grundsatz der persönlichen Verantwortung
         für Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht und gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Sanktion verstoße.
      
      153    Die RZB und die ÖVAG behaupten schließlich, das Gericht habe auch den Gleichheitsgrundsatz verletzt. Die RZB wirft dem Gericht
         insoweit vor, die Zentralinstitute der dezentralisierten Sektoren für die Zwecke der Einstufung in Kategorien mit den zentralisierten
         Großbanken gleichgesetzt zu haben. Das Gericht hätte erwägen müssen, ob es nicht angemessen gewesen wäre, nur einen Teil der
         Marktanteile der jeweiligen Sektoren in Ansatz zu bringen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sich ein Zentralinstitut
         bei der Teilnahme an den Gesprächsrunden auf die Informationsweitergabe beschränke, da es nicht für die Banken des Sektors
         sprechen und sie nicht anweisen könne, allfällige Absprachen umzusetzen.
      
      154    Die Kommission weist darauf hin, dass die Zurechnung der Marktanteile in der streitigen Entscheidung nicht auf konkreten Feststellungen
         zur tatsächlichen Beteiligung der dezentralisierten Banken an der Zuwiderhandlung, sondern vielmehr allein darauf beruhe,
         dass die Kommission die Spitzeninstitute wegen ihres eigenen Verhaltens zur Rechenschaft gezogen habe. Hier sei gerade keine
         Zurechnung fremden Verhaltens erfolgt.
      
      155    Zum Vorbringen der RZB erklärt die Kommission, dass die gegen die Spitzeninstitute verhängten Geldbußen die Obergrenze von
         10 % bezogen auf den Umsatz des Unternehmens gemäß Art. 15 der Verordnung Nr. 17 nicht überstiegen.
      
      156    Dies unterscheide sich demnach von der Situation, in der auf den Gesamtumsatz der Gruppe abzustellen gewesen wäre, wenn das
         Spitzeninstitut und die dezentralisierten Banken als eine wirtschaftliche Einheit angesehen worden wären.
      
      157    Schließlich beruft sich die Kommission auf die Unzulässigkeit des auf eine Prüfung der Verhältnismäßigkeit der Geldbuße gerichteten
         Vorbringens, denn der Gerichtshof könne die Beurteilung des Gerichts nicht aus Gründen der Billigkeit durch seine eigene Beurteilung
         ersetzen.
      
      158    Mit einer zweiten Rüge tragen die Erste Group Bank und die ÖVAG vor, das Gericht habe ihre Verteidigungsrechte dadurch verletzt,
         dass es in Randnr. 369 des angefochtenen Urteils entschieden habe, dass die Angabe in der Mitteilung der Beschwerdepunkte,
         sie seien die Spitzeninstitute des Sparkassen- und des Volksbankensektors gewesen, zur Wahrung ihrer Verteidigungsrechte ausreichend
         gewesen sei.
      
      159    Zudem hätte die Kommission sich nicht mit einer allgemeinen Aussage begnügen dürfen und hätte den Unternehmen mitteilen müssen,
         welche Schlussfolgerungen sie aus allen tatsächlichen die Zuwiderhandlung betreffenden Umständen zu ziehen gedenke und insbesondere,
         dass sie beabsichtigte, ihnen die Marktanteile ihres dezentralisierten Sektors zuzurechnen.
      
      160    Mit einer dritten Rüge werfen die Erste Group Bank, die RZB und die ÖVAG dem Gericht vor, ihre Rolle und ihre Aufgaben innerhalb
         der Bankengruppen nicht zutreffend gewürdigt zu haben.
      
      161    Die Erste Group Bank beanstandet die in Randnr. 401 des angefochtenen Urteils dargelegte Einschätzung des Gerichts, es habe
         zu ihren Aufgaben gehört, den Sparkassensektor in den Bankenrunden „zu vertreten“.
      
      162    Die ÖVAG trägt vor, entgegen den Feststellungen des Gerichts habe sie keine Verpflichtungsmöglichkeit hinsichtlich der selbständigen
         Volksbanken und bilde mit diesen keine wirtschaftliche Einheit.
      
      163    Die RZB erklärt, dass sie entgegen den Ausführungen in Randnr. 405 des angefochtenen Urteils nicht „über größeren Sachverstand
         und bessere Informationen“ verfügt habe als die übrigen Banken ihres dezentralisierten Sektors. Auf jeden Fall würden die
         Feststellungen des Gerichts zu den Beziehungen, die sie zu den Banken ihres dezentralisierten Sektors unterhalte, eine vollständige
         Zurechnung der Marktanteile dieses Sektors verbieten.
      
      164    Schließlich habe sie weder die mit derjenigen der hierarchisch organisierten Großbanken vergleichbare Fähigkeit, Einzelne
         zu schädigen, noch habe sie mangels signifikanten Eigenmarktanteils oder Beteiligung an den Gewinnen der Sektorbanken von
         den fraglichen Verhaltensweisen profitieren können.
      
      165    Mit einer vierten Rüge macht die Erste Group Bank geltend, das Gericht habe in den Randnrn. 455 und 458 des angefochtenen
         Urteils zu Unrecht die Einschätzung der Kommission hinsichtlich der Marktanteile bestätigt, die sie vor oder nach ihrem Zusammenschluss
         mit der GiroCredit innegehabt habe. Ihrer Meinung nach hätte sie in eine niedrigere Kategorie eingestuft werden müssen.
      
      166    Dem Gericht sei somit in Randnr. 457 des angefochtenen Urteils ein Rechtsfehler unterlaufen, indem es entschieden habe, dass
         es bei der Einstufung der Ersten Group Bank in die erste Kategorie bleibe. Das Gericht habe auch gegen die Grundsätze der
         Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen, indem es hinsichtlich der Einteilung in Kategorien nicht zwischen
         Marktanteilen in Höhe von 30 % und in Höhe von 17 % unterschieden habe.
      
      167    Die Kommission ist der Meinung, sie habe, unabhängig davon, welcher Marktanteil tatsächlich richtig gewesen sei, die Erste
         Group Bank nach der Fusion mit der GiroCredit in die erste Kategorie einstufen dürfen. Im Übrigen beruft sie sich darauf,
         dass das Vorbringen, sie habe die Marktanteile und das Verhalten der EÖ doppelt berücksichtigt, unzulässig sei, weil die Erste
         Group Bank in Wirklichkeit nur eine erneute Prüfung des Sachverhalts erreichen wolle.
      
      168    Mit einer fünften Rüge macht die ÖVAG geltend, mit der Feststellung in Randnr. 401 des angefochtenen Urteils, dass die Rechtsmittelführerin
         „bei den wichtigsten Gesprächsrunden“ die Rolle der Vertreterin der selbständigen Volksbanken eingenommen habe, habe das Gericht
         die Tatsachen verfälscht. Ein Informationsaustausch und eine Tätigkeit als vermeintliche Koordinatorin und Vertreterin der
         dezentralisierten Volksbanken seien in keiner Weise nachgewiesen worden.
      
      169    Zudem habe das Gericht zu Unrecht ein von der Kommission vorgelegtes Erkenntnis des österreichischen Verfassungsgerichtshofs
         vom 23. Juni 1993 herangezogen, um die Zurechnung von Marktanteilen der Sektorbanken zur ÖVAG zu rechtfertigen (Randnrn. 392
         bis 401 des angefochtenen Urteils). Damit habe es entweder Tatsachen festgestellt, deren Unrichtigkeit sich aus den Akten
         ergebe, oder Beweismittel verfälscht. Auf jeden Fall habe es seinen Beurteilungsspielraum überschritten. In ihrer Erwiderung
         betont die ÖVAG speziell das Vorliegen einer Verfälschung von Beweismitteln durch das Gericht und macht geltend, dass diese
         der Kontrolle durch den Gerichtshof unterliege.
      
      170    Schließlich erklärt die ÖVAG, das Gericht habe ihre Situation, anders als sie es bei der Ersten Group Bank und der RZB sowie
         deren jeweiligen Sektoren getan habe, nicht ausdrücklich geprüft.
      
      171    Die Kommission trägt vor, die Rechtsmittelführerin erläutere ihre Rüge nicht, und beantragt, diese zurückzuweisen. Was die
         Heranziehung des Erkenntnisses des Verfassungsgerichtshofs betreffe, liege darin keinerlei Verfälschung.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof 
      172    Was die erste Rüge betrifft, ist den Spitzeninstituten, wie das Gericht in den Randnrn. 355 bis 357 des angefochtenen Urteils
         festgestellt hat, dadurch, dass die Kommission ihnen die Marktanteile der Banken der dezentralisierten Sektoren zugerechnet
         hat, nicht die Zuwiderhandlung dieser Banken zugerechnet worden.
      
      173    Der erste Schritt ist nämlich von dem zweiten zu unterscheiden, da mit ihm, wie das Gericht ausgeführt hat, sichergestellt
         werden soll, dass sich die Schwere der eigenen Zuwiderhandlung der Spitzeninstitute, hier ihre maßgebende Rolle innerhalb
         der einzelnen Einheiten als Vertreter der Banken der dezentralisierten Sektoren, einschließlich der Verteidigung der Interessen
         dieser Banken, sowie als Zentralstellen für den Austausch von Informationen, eine Rolle, die einen Hinweis auf den tatsächlichen
         Einfluss der Spitzeninstitute auf das Verhalten der dezentralisierten Banken liefert, in der Höhe der gegen die Spitzeninstitute
         verhängten Geldbußen angemessen widerspiegelt.
      
      174    Zur Beurteilung der Schwere dieses Verhaltens ist nach Nr. 1 Teil A Abs. 4 und 6 der Leitlinien der tatsächlichen wirtschaftlichen
         Fähigkeit der Unternehmen zur Verfälschung des Wettbewerbs sowie dem jeweiligen Gewicht und damit der tatsächlichen Auswirkung
         ihrer Zuwiderhandlung auf den Wettbewerb Rechnung zu tragen.
      
      175    Dem Gericht ist aber kein Rechtsfehler unterlaufen, indem es angenommen hat, dass dies auch eine Berücksichtigung der festen
         Beziehungen erfordere, die die Spitzeninstitute zu den Banken der dezentralisierten Sektoren insbesondere durch Vertretung
         und Informationsaustausch unterhielten, da die tatsächliche Wirtschaftskraft dieser Gesellschaften und damit ihre Fähigkeit
         zur Verfälschung des Wettbewerbs aufgrund dieser Beziehungen größer sein könne als die, die in ihrem eigenen Umsatz zum Ausdruck
         komme.
      
      176    Würden die Marktanteile der dezentralisierten Einheiten nicht berücksichtigt, bestünde die Gefahr, dass der Abschreckungscharakter
         der Geldbuße, ein allgemeines Erfordernis, von dem sich nach Nr. 1 Teil A Abs. 4 der Leitlinien die Kommission bei der Bußgeldberechnung
         leiten lassen muss, nicht gewährleistet wäre.
      
      177    Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass das Gericht bei der Beurteilung der Einteilung in Kategorien in Randnr. 357 des angefochtenen
         Urteils rechtsfehlerfrei entschieden hat, dass die Kommission das persönliche Verhalten der Spitzeninstitute zugrunde gelegt
         und ihnen nicht die Zuwiderhandlung der Banken ihres Sektors zugerechnet habe.
      
      178    Folglich können die Rechtsmittelführerinnen keine Verletzung des Grundsatzes der persönlichen Verantwortung, des Gebots der
         Verhältnismäßigkeit der Sanktionen und des Gleichheitsgrundsatzes sowie von Nr. 1 Teil A Abs. 6 der Leitlinien geltend machen.
      
      179    Die erste Rüge des siebten Teils des vorliegenden Rechtsmittelgrundes ist daher zurückzuweisen
      
      180    Die zweite Rüge ist von vornherein zurückzuweisen.
      
      181    Der Gerichtshof hat nämlich bereits entschieden, dass die Kommission ihre Verpflichtung zur Wahrung des Anhörungsrechts der
         Unternehmen erfüllt, wenn sie in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde,
         ob gegen die betreffenden Unternehmen Geldbußen festzusetzen seien, und die für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen
         tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte anführt, wie etwa Schwere und Dauer der vermuteten Zuwiderhandlung sowie die
         Frage, ob diese „vorsätzlich oder fahrlässig“ begangen worden ist. Damit macht sie gegenüber den Unternehmen die Angaben,
         die diese für ihre Verteidigung nicht nur gegen die Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Festsetzung
         einer Geldbuße benötigen (vgl. Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 428 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      182    Was die Höhe der beabsichtigten Geldbußen betrifft, wären nach ständiger Rechtsprechung solche Angaben eine nicht sachgerechte
         Vorwegnahme der Entscheidung der Kommission, solange den Unternehmen keine Gelegenheit gegeben wurde, zu den ihnen zur Last
         gelegten Beschwerdepunkten Stellung zu nehmen (vgl. Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 434 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      183    Folglich konnte das Gericht in Randnr. 369 des angefochtenen Urteils zutreffend davon ausgehen, dass diese Voraussetzungen
         im vorliegenden Fall vorlagen, da die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte angegeben hatte, dass die Erste Group
         Bank, die RZB und die ÖVAG die Spitzeninstitute ihres jeweiligen Sektors gewesen seien, und dass somit diese Angabe ausgereicht
         habe, um die Verteidigungsrechte der Rechtsmittelführerinnen zu wahren.
      
      184    Zur dritten Rüge ist festzustellen, dass das Gericht in den Randnrn. 389 bis 408 des angefochtenen Urteils die Würdigung der
         Tatsachen durch die Kommission in der streitigen Entscheidung in Bezug auf die Rolle der Rechtsmittelführerinnen als Zentralinstitute
         geprüft hat.
      
      185    Die Rechtsmittelführerinnen streben in Wirklichkeit nur eine erneute Prüfung des Sachverhalts an, der nicht im Rahmen eines
         Rechtsmittelverfahrens erörtert werden kann.
      
      186    Folglich ist die dritte Rüge zurückzuweisen.
      
      187    Zur vierten Rüge, mit der die Erste Group Bank vorträgt, das Gericht habe zu Unrecht an ihrer Einstufung in die erste Kategorie
         festgehalten und damit gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen, ist daran zu erinnern,
         dass der Gerichtshof im Rahmen eines Rechtsmittels die Beurteilung des Gerichts, das in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung über die Höhe der gegen Unternehmen wegen Verletzung des Gemeinschaftsrechts verhängten Geldbußen entscheidet,
         zwar nicht aus Gründen der Billigkeit durch seine eigene Beurteilung ersetzen darf, dass jedoch die Ausübung einer solchen
         Befugnis nicht dazu führen darf, dass Unternehmen, die an einer gegen Art. 81 Abs. 1 EG verstoßenden Vereinbarung oder abgestimmten
         Verhaltensweise beteiligt waren, bei der Ermittlung der Höhe ihrer Geldbußen ungleich behandelt werden (Urteil vom 25. Januar
         2007, Salzgitter Mannesmann/Kommission, C‑411/04 P, Slg. 2007, I‑959, Randnr. 68 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      188    In Randnr. 457 des angefochtenen Urteils hat das Gericht die Rüge der Ersten Group Bank mit folgenden Worten geprüft:
      
      „Zu der Rüge, der Marktanteil der BA[-Gruppe] in Höhe von 12 % bis 13 % sei fälschlich in den Anteil von 30 % einbezogen worden,
         über den nach der [streitigen] Entscheidung die aus dem Spitzeninstitut und den Sparkassen bestehende Einheit verfügte, ist
         festzustellen, dass der nach Abzug des Marktanteils der BA[-Gruppe] verbleibende Anteil von 17 % bis 18 % immer noch die Einstufung
         in die erste Kategorie rechtfertigen würde, weil er deutlich näher am Orientierungswert von 22 % als an dem für die zweite
         Kategorie geltenden Wert von 11 % liegt. Diese Rüge greift daher im Rahmen der Rechtmäßigkeitskontrolle der [streitigen] Entscheidung
         nicht durch, denn selbst wenn sie begründet wäre, könnte sie den verfügenden Teil der [streitigen] Entscheidung nicht in Frage
         stellen. Im Übrigen ist das Gericht in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Ermessensnachprüfung der Ansicht, dass die
         Einteilung der Ersten [Group] Bank in die erste Kategorie im Hinblick auf die Verhängung einer angemessenen Geldbuße gerechtfertigt
         ist.“
      
      189    Zur Einteilung der Kartellmitglieder in mehrere Kategorien, die zu einer Pauschalierung des für die Unternehmen einer Kategorie
         festgesetzten Ausgangsbetrags führte, hat das Gericht in Randnr. 424 des angefochtenen Urteils Folgendes ausgeführt:
      
      „Im vorliegenden Fall hat die Kommission keine genauen Schwellenwerte für die fünf von ihr gebildeten Kategorien festgelegt,
         sondern in ihren Klagebeantwortungen ‚Orientierungswerte‘ genannt, um die sich die Marktanteile der in ein und dieselbe Kategorie
         eingestuften Unternehmen bewegen. Die Abstände zwischen diesen Orientierungswerten sind in Bezug auf die erste bis vierte
         Kategorie schlüssig und objektiv gerechtfertigt. Der Orientierungswert für die zweite bis vierte Kategorie ist nämlich jeweils
         halb so hoch wie der Wert der nächsthöheren Kategorie; das Gleiche gilt für den jeweiligen Ausgangsbetrag.“
      
      190    Der Akte ist zu entnehmen, dass im vorliegenden Fall die Kategorien anhand der Marktanteile der einzelnen Gesellschaften bestimmt
         wurden und dass die Orientierungswerte auf rund 22 %, rund 11 %, rund 5,5 %, rund 2,75 % und unter 1 % für die letzte Kategorie
         festgelegt wurden.
      
      191    Folglich hat das Gericht zutreffend entschieden, dass die Erste Group Bank, unabhängig davon, wie groß ihr tatsächlicher Marktanteil
         auch sei, nämlich 17–18 % oder 30 %, auf Höhe des Orientierungswerts von 22 % lag, der zur Einteilung des Unternehmens in
         die erste Kategorie führt.
      
      192    Im Übrigen ist in den Leitlinien hinsichtlich der Höhe der Geldbußen, die gegen die Unternehmen verhängt werden können, die
         an einem Kartell teilgenommen haben, keine arithmetische Formel zur Berechnung dieser Geldbußen festgelegt (vgl. in diesem
         Sinne Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 266 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      193    Demzufolge konnte das Gericht in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung die Einstufung der Ersten Group Bank
         in die erste Kategorie rechtsfehlerfrei aufrechterhalten.
      
      194    Die vierte Rüge des siebten Teils des vorliegenden Rechtsmittelgrundes ist daher zurückzuweisen.
      
      195    In Bezug auf die fünfte Rüge ist zunächst das Vorbringen der ÖVAG zurückzuweisen, dass das Gericht ihre Lage nicht geprüft
         habe.
      
      196    In den Randnrn. 389 bis 408 des angefochtenen Urteils hat das Gericht nämlich die Beziehungen zwischen den Spitzeninstituten
         und ihrem dezentralisierten Sektor in ihrer Gesamtheit geprüft und u. a. für die ÖVAG in Randnr. 400 dieses Urteils festgestellt,
         diese habe bestätigt, den Banken ihres Sektors Dienstleistungen in Bezug auf Funktionen zur Verfügung zu stellen, die sie
         wegen ihrer geringen Größe und mangelnden Ressourcen allein nicht wahrnehmen könnten.
      
      197    In Bezug auf das Erkenntnis des österreichischen Verfassungsgerichtshofs hat das Gericht in Randnr. 393 des angefochtenen
         Urteils die Umstände der Anrufung dieses Gerichts dargestellt und untersucht, wie dieses die Rolle der Zentralinstitute und
         ihre Beziehungen zu den dezentralisierten Banken beschrieben hat. Es hat insbesondere darauf hingewiesen, dass sich dem Verfassungsgerichtshof
         zufolge ein dichtes Netz gegenseitiger Rechte und Pflichten sowohl für den von diesem Erkenntnis betroffenen Raiffeisensektor
         als auch für die Volksbanken und Sparkassen in einer sich über viele Jahrzehnte erstreckenden Entwicklung herausgebildet habe.
      
      198    In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass das Vorbringen der ÖVAG zur Feststellung unzutreffender Tatsachen, zur Verfälschung
         von Beweismitteln und zur Überschreitung des Beurteilungsspielraums darauf hinausläuft, die Würdigung von Tatsachen durch
         das Gericht in Frage zu stellen, die in einem von einem Verfahrensbeteiligten vorgelegten Beweismittel dargestellt waren.
      
      199    Es ist aber allein Sache des Gerichts, den Beweiswert der ihm vorgelegten Beweismittel zu würdigen, und diese Würdigung ist,
         sofern die dem Gericht vorgelegten Beweismittel nicht verfälscht werden, keine Rechtsfrage, die der Kontrolle des Gerichtshofs
         unterliegt (Urteil vom 21. September 2006, Technische Unie/Kommission, C‑113/04 P, Slg. 2006, I‑8831, Randnr. 83 und die dort
         angeführte Rechtsprechung).
      
      200    Insoweit genügt die Feststellung, dass die ÖVAG keine Beweismittel vorgelegt hat, die zeigen, dass die von ihr speziell behauptete
         Verfälschung vorliegt.
      
      201    Das Gleiche gilt für die Verfälschung, die das Gericht nach dem Vorwurf der Rechtsmittelführerin in Randnr. 401 des angefochtenen
         Urteils vorgenommen haben soll.
      
      202    Mithin ist die fünfte Rüge des siebten Teils des vorliegenden Rechtsmittelgrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
      203    Dementsprechend ist der siebte Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes insgesamt zurückzuweisen wie folglich auch der gesamte
         Rechtsmittelgrund betreffend Rechtsfehler bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung.
      
      2.     Zum Rechtsmittelgrund betreffend Rechtsfehler, einen Begründungsmangel und eine Verfälschung von Beweismitteln in Bezug auf
         das Vorliegen mildernder Umstände
      
      204    Dieser Rechtsmittelgrund umfasst drei Teile.
      
      a)     Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler, Verfälschung und widersprüchliche Begründung in Bezug auf das passive
         Verhalten der ÖVAG
      
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      205    Die ÖVAG beanstandet das angefochtene Urteil insoweit, als das Gericht sämtliche Rügen zur fehlenden Berücksichtigung mildernder
         Umstände zurückgewiesen habe.
      
      206    Mit einer ersten Rüge wirft die ÖVAG dem Gericht vor, es habe sich damit begnügt, den Wortlaut der Leitlinien wörtlich wiederzugeben,
         ohne die im vorliegenden Fall gegebenen Umstände, insbesondere ihre besondere Rolle innerhalb des „Lombardclubs“, zu prüfen.
      
      207    Mit einer zweiten Rüge vertritt die ÖVAG die Ansicht, dem Gericht sei in Randnr. 483 des angefochtenen Urteils ein Rechtsfehler
         unterlaufen, indem es seine Beurteilung auf das Kriterium der Teilnahme der Banken an den Gesprächsrunden gestützt habe, das
         auch im Rahmen der Einteilung der Banken in Kategorien Verwendung gefunden habe. Damit verknüpfe es die Frage der Einteilung
         der Banken nach ihrer Marktmacht mit der Frage, ob ein mildernder Umstand zuzubilligen sei. Die Anerkennung eines mildernden
         Umstands könne aber nicht davon abhängen, ob ein Unternehmen nur „sporadisch“ an den Treffen teilgenommen habe. Die Leitlinien
         ließen nämlich eine differenzierende Betrachtung der Rollen durch die Kommission zu, nicht nur eine Schwarzweißdarstellung
         des „Alles oder Nichts“.
      
      208    Mit einer dritten Rüge macht die ÖVAG eine Verfälschung von Beweismitteln geltend, die das Gericht in Bezug auf ihren Vortrag
         sowie die aktenkundigen Tatsachen über ihre Beteiligung am Kartell vorgenommen habe. Sie habe nämlich zu keiner Zeit vorgetragen,
         sich vom Kartell distanziert zu haben, sondern immer ihre bescheidene Rolle betont (Randnr. 484 des angefochtenen Urteils).
      
      209    Mit einer vierten Rüge, betreffend eine widersprüchliche Begründung, trägt die ÖVAG vor, die Beurteilung in den Randnrn. 485
         und 486 des angefochtenen Urteils sei insoweit widersprüchlich, als sie als „große Bank“ und „Sektorenvertreterin“ eingestuft
         werde, obwohl die Kommission bei ihr keine Nachprüfung vorgenommen habe, die Rechtsmittelführerin nicht zu dem „engeren Kreis
         der Banken“ gehört habe und sie nur an einer begrenzten Zahl von Treffen teilgenommen habe.
      
      210    Nach Ansicht der Kommission sind diese Rügen schon deshalb unerheblich, weil es nicht Sache des Gerichtshofs sei, die Beurteilung
         des Gerichts aus Gründen der Billigkeit durch seine eigene Beurteilung zu ersetzen.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof 
      211    Indem das Gericht in den Randnrn. 482 und 486 des angefochtenen Urteils auf die Rechtsprechung zum einen zu den Umständen,
         anhand deren sich die passive Rolle eines Unternehmens innerhalb eines Kartells erkennen lässt, und zum anderen zur Teilnahme
         eines Unternehmens an einem oder mehreren Treffen Bezug genommen und in den Randnrn. 483 bis 485 und 487 bis 489 des angefochtenen
         Urteils geprüft hat, wie die Kommission dem Verhalten der einzelnen Unternehmen Rechnung getragen hat, hat sich das Gericht
         nicht auf eine bloße Wiedergabe der Leitlinien beschränkt, sondern vielmehr das Vorbringen der ÖVAG eingehend untersucht.
      
      212    Die erste Rüge des ersten Teils dieses Rechtsmittelgrundes ist daher zurückzuweisen.
      
      213    Zu dem Rechtsfehler, den das Gericht in Randnr. 483 des angefochtenen Urteils begangen haben soll, ist daran zu erinnern,
         dass der Gerichtshof entschieden hat, dass die Verantwortlichkeit eines bestimmten Unternehmens für die Zuwiderhandlung gegen
         Art. 81 Abs. 1 EG ordnungsgemäß dargetan ist, wenn es an den Treffen in Kenntnis ihres Gegenstands teilnahm, auch wenn es
         anschließend die eine oder andere der dort vereinbarten Maßnahmen nicht durchgeführt hat (vgl. Urteil vom 15. Oktober 2002,
         Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und
         C‑254/99 P, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 509).
      
      214    Durch die Erwägung in Randnr. 483 des angefochtenen Urteils, dass die Kommission die Adressaten der streitigen Entscheidung
         wegen ihrer häufigen Teilnahme an den besonders wichtigen Gesprächsrunden ausgewählt habe, ist dem Gericht kein Rechtsfehler
         unterlaufen.
      
      215    Entgegen dem Vorbringen der ÖVAG unterscheidet sich dieses Kriterium auch von demjenigen, das für die Einteilung der Banken
         in Kategorien Verwendung gefunden hat. Hierbei wurde nämlich das in Nr. 1 Teil A Abs. 6 der Leitlinien genannte Kriterium
         der Wirtschaftskraft der Banken zugrunde gelegt.
      
      216    Mit der Entscheidung in Randnr. 487 des angefochtenen Urteils, dass die Differenzierung zwischen den Banken, die sich aus
         deren jeweiliger Rolle bei den Gesprächsrunden ergeben konnte, „bereits im Rahmen der Kategorienbildung berücksichtigt worden
         sei“, ist dem Gericht kein Rechtsfehler unterlaufen. Vor dieser Feststellung hat es nämlich die Banken, die eine bedeutendere
         Rolle bei den Gesprächsrunden gespielt hatten, unter dem Blickwinkel ihrer Marktposition betrachtet und festgestellt, dass
         es sich um dieselben Banken handelte.
      
      217    Folglich ist die zweite Rüge des ersten Teils des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      218    Zur dritten Rüge ist festzustellen, dass die Rechtsmittelführerin nichts vorträgt, was zum Nachweis einer Verfälschung von
         Beweismitteln geeignet wäre.
      
      219    Folglich ist die dritte Rüge des ersten Teils des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      220    Zur vierten Rüge ist festzustellen, dass das Vorbringen der Rechtsmittelführerin zur Berücksichtigung mildernder Umstände,
         wie die Kommission bemerkt hat, erstmals im Rechtsmittelverfahren geltend gemacht worden ist.
      
      221    Es ist jedoch ständige Rechtsprechung, dass eine Partei, wäre es ihr erlaubt, vor dem Gerichtshof erstmals ein Angriffs- oder
         Verteidigungsmittel vorzubringen, das sie vor dem Gericht nicht vorgebracht hat, den Gerichtshof, dessen Befugnisse im Rechtsmittelverfahren
         beschränkt sind, letztlich mit einem weiter reichenden Rechtsstreit befassen könnte, als ihn das Gericht zu entscheiden hatte.
         Im Rahmen eines Rechtsmittels sind die Befugnisse des Gerichtshofs daher auf die Beurteilung der rechtlichen Entscheidung
         über das im ersten Rechtszug erörterte Vorbringen beschränkt (vgl. insbesondere Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission,
         Randnr. 165).
      
      222    Daher ist dieses Vorbringen im Stadium des Rechtsmittels unzulässig.
      
      223    Folglich ist der erste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes insgesamt zurückzuweisen.
      
      b)     Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die Beteiligung öffentlicher Stellen an den Bankenrunden
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      224    Die BA-CA trägt vor, dem Gericht sei ein Rechtsfehler unterlaufen, indem es in Randnr. 505 des angefochtenen Urteils die Beteiligung
         öffentlicher Stellen nicht als mildernden Umstand anerkannt habe.
      
      225    Der Entscheidungspraxis der Kommission und der Rechtsprechung des Gerichtshofs lasse sich nämlich entnehmen, dass die Tolerierung
         eines Verhaltens durch den nationalen Gesetzgeber oder durch die Behörden ein mildernder Umstand sei und unabhängig von der
         Größe der betroffenen Unternehmen somit die Herabsetzung der Geldbuße rechtfertige.
      
      226    Die BA-CA rügt insbesondere die Feststellung des Gerichts in Randnr. 505 des angefochtenen Urteils, dass die Tolerierung der
         Zuwiderhandlung durch die öffentlichen Behörden „insbesondere angesichts der Mittel, über die die Banken verfügen, um sich
         genaue und korrekte Rechtsauskünfte zu verschaffen“, nicht berücksichtigt werden könne. Zum einen stehe diese Bedingung nicht
         im Einklang mit der Rechtsprechung des Gerichtshofs, u. a. dem Urteil vom 9. September 2003, CIF (C‑198/01, Slg. 2003, I‑8055,
         Randnr. 57). Zum anderen führe eine solche Bedingung zu einer Diskriminierung zum Nachteil bestimmter Unternehmen nach Maßgabe
         des Gegenstands des Unternehmens.
      
      227    Die Kommission hält diese Behauptungen in erster Linie für unzulässig, weil sie eine Wiederholung des Sachvortrags vor dem
         Gericht seien. Hilfsweise trägt sie vor, dass diese Behauptungen haltlos seien.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      228    Das Gericht führt in Randnr. 505 des angefochtenen Urteils Folgendes aus:
      
      „Was die Teilnahme bestimmter staatlicher Stellen ([Oesterreichische Nationalbank], Finanzministerium und Wirtschaftskammer)
         an den Treffen angeht, so reichen die von den Klägerinnen vorgetragenen Gesichtspunkte nicht aus, um vernünftige Zweifel an
         der Vereinbarkeit der Gesprächsrunden mit dem Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft zu begründen. Es ist zwar nicht ausgeschlossen,
         dass unter bestimmten Gegebenheiten eine nationale Regelung oder ein Verhalten der nationalen Behörden mildernde Umstände
         darstellen können (vgl. analog dazu das oben in Randnr. 258 angeführte Urteil CIF, Randnr. 57), doch kann die Billigung oder
         Tolerierung der Zuwiderhandlung durch die österreichischen Behörden insbesondere angesichts der Mittel, über die die Banken
         verfügen, um sich genaue und korrekte Rechtsauskünfte zu verschaffen, im vorliegenden Fall insoweit nicht berücksichtigt werden.“
      
      229    Der erste Satz dieser Randnummer stellt eine Tatsachenwürdigung des Gerichts dar, die im Rechtsmittelverfahren nicht in Frage
         gestellt werden kann.
      
      230    In Bezug auf den zweiten Satz dieser Randnummer ist von vornherein festzustellen, dass dem Gericht kein Rechtsfehler unterlaufen
         ist.
      
      231    Zum einen betraf im Urteil CIF die im Rahmen von Art. 81 EG gestellte Vorlagefrage entgegen dem Vorbringen der BA-CA die Rolle
         der nationalen Wettbewerbskontrollbehörde, wenn die Absprache durch nationale Rechtsvorschriften, die ihre Wirkungen rechtfertigen
         oder verstärken, vorgeschrieben oder erleichtert wird. In Randnr. 57 dieses Urteils hat der Gerichtshof ausgeführt, dass „das
         Verhalten der betroffenen Unternehmen bei der Bemessung der Sanktion im Licht des mildernden Umstands zu beurteilen [ist],
         den der nationale rechtliche Rahmen bildet“. Demnach ging es im Urteil CIF keineswegs um die Beteiligung öffentlicher Stellen
         an der Absprache.
      
      232    Zudem war, wie der Generalanwalt in Nr. 404 seiner Schlussanträge hervorhebt, das österreichische Gesetz, das den Bankinstituten
         erlaubte, sich abzustimmen, spätestens am 1. Januar 1994, also ein Jahr vor dem von der streitigen Entscheidung erfassten
         Zeitraum der Zuwiderhandlung, weggefallen.
      
      233    Zum anderen kann sich die BA-CA nicht auf einen Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz berufen. Der Gerichtshof hat nämlich
         wiederholt entschieden, dass die frühere Entscheidungspraxis der Kommission nicht den rechtlichen Rahmen für Geldbußen in
         Wettbewerbssachen bildet und Entscheidungen in anderen Fällen Hinweischarakter in Bezug auf das Vorliegen von Diskriminierungen
         haben (vgl. Urteil vom 21. September 2006, JCB Service/Kommission, C‑167/04 P, Slg. 2006, I‑8935, Randnr. 205).
      
      234    Demnach sind die von der BA-CA erhobenen Rügen und damit der zweite Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      c)     Zum dritten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler in Bezug auf die Kenntnis der Öffentlichkeit von den Gesprächsrunden
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      235    Die BA-CA trägt vor, das Gericht habe in Randnr. 506 des angefochtenen Urteils einen Rechtsfehler begangen, indem es nicht
         die Kenntnis der Öffentlichkeit von den Bankenrunden zum Anlass genommen habe, ihre Geldbuße herabzusetzen.
      
      236    Das Gericht habe erstens gegen die Grundsätze der Beweiswürdigung verstoßen, da es sich nicht inhaltlich mit den von der BA-CA
         vorgelegten Dokumenten auseinandergesetzt habe, die die Kenntnis der Öffentlichkeit von Zweck und Inhalt der Gesprächsrunden
         belegten.
      
      237    Zweitens habe das Gericht den Sachvortrag der BA-CA falsch wiedergegeben, da diese gerade nicht die Auffassung vertreten habe,
         die Kenntnis der Öffentlichkeit von den Gesprächsrunden zeige deren Rechtmäßigkeit.
      
      238    Drittens überspanne das Gericht die möglichen Anforderungen, indem es annehme, die Öffentlichkeit müsse genaue Kenntnis des
         Inhalts der bei den Bankenrunden geführten Gespräche haben, bevor eine Herabsetzung der Geldbuße möglich sei.
      
      239    Die Kommission hält dieses Vorbringen für unzulässig, hilfsweise, für unbegründet. Es gebe keine Rechtsprechung, wonach Kartellmitglieder
         deshalb davon ausgehen könnten, dass ihre Verhaltensweisen zulässig seien, weil gewisse Verhaltensweisen der Öffentlichkeit
         bekannt seien. Wäre dies der Fall, würde es ausreichen, bestimmte Verhaltensweisen an die Öffentlichkeit zu bringen, um vor
         Geldbußen geschützt zu sein. Das Gericht mache insoweit deutlich, dass die öffentliche Bekanntheit nicht entscheidungserheblich
         sei.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof 
      240    Die ersten beiden Behauptungen sind zurückzuweisen, da die BA-CA nicht die Anhaltspunkte geliefert hat, die unerlässlich sind,
         um zu prüfen, ob die Beweismittel verfälscht worden sind, die das Gericht den in Randnr. 506 des angefochtenen Urteils getroffenen
         Feststellungen zugrunde gelegt hat.
      
      241    Zur dritten Behauptung ist festzustellen, dass das Gericht nicht davon ausgegangen ist, die Öffentlichkeit müsse genaue Kenntnis
         des Kartells gehabt haben, sondern lediglich davon, dass das Kartell in seinem ganzen Ausmaß öffentlich bekannt gewesen sein
         müsse.
      
      242    Demnach ist der dritte Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes und dementsprechend der gesamte Rechtsmittelgrund betreffend
         Rechtsfehler, einen Begründungsmangel und eine Verfälschung von Beweismitteln in Bezug auf das Vorliegen mildernder Umstände
         zurückzuweisen.
      
      3.     Zum Rechtsmittelgrund betreffend einen Verstoß gegen die Mitteilung über Zusammenarbeit
      243    Dieser Rechtsmittelgrund besteht aus zwei Teilen.
      
      a)     Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: Fehlerhafte Beurteilung des Gerichts in Bezug auf das Ermessen der Kommission 
      i)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      244    Die BA-CA trägt vor, das Gericht habe das der Kommission im Rahmen der Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit zustehende
         Ermessen sowie die Grenzen seiner gerichtlichen Kontrolle nicht korrekt beurteilt.
      
      245    Abschnitt D der Mitteilung über Zusammenarbeit verleihe der Kommission nämlich keinerlei Ermessen hinsichtlich der Frage,
         ob die von dem Unternehmen erteilten Informationen ihr die Aufgabe erleichtert hätten und ob dem Unternehmen, das mitgearbeitet
         habe, eine Herabsetzung der Geldbuße zu gewähren sei. Auch der Hinweis auf das Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission sei
         nicht geeignet, ein unbeschränktes Ermessen der Kommission zu begründen. Außerdem unterliege die Beurteilung der Zusammenarbeit
         eines Unternehmens entgegen den Ausführungen in Randnr. 532 des angefochtenen Urteils der unbeschränkten Nachprüfung durch
         das Gericht. 
      
      246    Die Kommission hält die Ausführungen der ÖVAG für irrig.
      
      ii)  Würdigung durch den Gerichtshof
      247    Zunächst ist der erste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen. 
      
      248    In Randnr. 394 des Urteils Dansk Rørindustri u. a./Kommission hat der Gerichtshof entschieden, dass die Kommission bei der
         Beurteilung der Frage, ob Auskünfte oder Schriftstücke, die die Unternehmen freiwillig geliefert hätten, ihre Aufgabe erleichtert
         hätten und ob einem Unternehmen ein Nachlass gemäß Abschnitt D Nr. 2 der Mitteilung über Zusammenarbeit zu gewähren sei, über
         ein Ermessen verfügt.
      
      249    Folglich konnte das Gericht in Randnr. 532 des angefochtenen Urteils rechtsfehlerfrei entscheiden, dass eine solche Beurteilung
         durch die Kommission nur einer beschränkten gerichtlichen Kontrolle unterliege.
      
      250    Demnach ist der erste Teil des vorliegenden Rechtsmittelgrundes als unbegründet zurückzuweisen.
      
      b)     Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Rechtsfehler bei der Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit
      i)     Zur ersten Rüge: Rechtsfehler betreffend das Erfordernis, die Zusammenarbeit müsse einen „Mehrwert“ erbringen, und Verletzung
         des Grundsatzes der Gleichbehandlung 
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      251    Die RZB und die BA-CA vertreten die Meinung, dass dem Gericht dadurch ein Rechtsfehler unterlaufen sei, dass es in Randnr. 553
         des angefochtenen Urteils entschieden habe, die Kommission dürfe eine Herabsetzung der Geldbuße davon abhängig machen, dass
         die Zusammenarbeit einen „Mehrwert“ erbringe.
      
      252    Die BA-CA macht darüber hinaus geltend, das Gericht habe mit der Verwendung dieses Kriteriums gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
         verstoßen. Wäre dieser Grundsatz eingehalten worden, hätte dies zu einer stärkeren Herabsetzung ihrer Geldbuße führen müssen,
         da ihre Mitarbeit gegenüber derjenigen der anderen Banken umfangreicher und qualitativ hochwertiger gewesen sei.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      253    Da mit dem ersten Argument lediglich das vor dem Gericht geltend gemachte Vorbringen wiederholt wird, ist es im Rahmen eines
         Rechtsmittels unzulässig.
      
      254    Was das zweite Argument betrifft, ist daran zu erinnern, dass sich im Rechtsmittelverfahren die Kontrolle durch den Gerichtshof
         zum einen darauf richtet, inwieweit das Gericht rechtlich korrekt alle Faktoren berücksichtigt hat, die für die Beurteilung
         der Schwere eines bestimmten Verhaltens anhand der Art. 81 EG und 15 der Verordnung Nr. 17 von Bedeutung sind, und zum anderen
         darauf, zu prüfen, ob das Gericht auf alle vom Rechtsmittelführer vorgebrachten Argumente für eine Aufhebung oder Herabsetzung
         der Geldbuße rechtlich hinreichend eingegangen ist (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 244 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      255    Was dagegen den Umfang der Herabsetzung der Geldbuße angeht, so ist es nicht Sache des Gerichtshofs, die Beurteilung des Gerichts,
         das in Ausübung seiner unbeschränkten Nachprüfungsbefugnis entscheidet, durch seine eigene Beurteilung zu ersetzen (vgl. in
         diesem Sinne Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 245).
      
      256    Hierzu hat das Gericht in den Randnrn. 553 bis 557 des angefochtenen Urteils nach entsprechender Prüfung festgestellt, dass
         der Mehrwert der von den Rechtsmittelführerinnen vorgelegten Dokumente eine stärkere Herabsetzung der Geldbußen nicht gerechtfertigt
         habe. Eine solche Tatsachenwürdigung fällt in die alleinige Zuständigkeit des Gerichts, und der Gerichtshof kann sie nach
         der im vorliegenden Urteil bereits in Erinnerung gerufenen Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren nicht durch seine eigene
         ersetzen.
      
      257    Daher ist diese Rüge für unzulässig zu erklären, soweit sie auf eine Überprüfung der Herabsetzung der Geldbuße abzielt.
      
      ii)  Zur zweiten Rüge: Rechtsfehler im Rahmen der Prüfung des Umfangs der Zusammenarbeit der Unternehmen, Verletzung der Grundsätze
         der Gleichbehandlung, des Vertrauensschutzes und der Wahrung der Verteidigungsrechte sowie unzureichende Begründung
      
      258    Die zweite Rüge besteht aus sechs Teilen.
      
      –       Zum ersten Teil der zweiten Rüge
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      259    Mit einem ersten, die Widersprüchlichkeit der Begründung betreffenden Argument trägt die RZB vor, das Gericht habe es unterlassen,
         die Konsequenz daraus zu ziehen, dass bestimmte Antworten der Kommission nicht nur freiwillig erteilt worden seien (Randnr. 542
         des angefochtenen Urteils), sondern umfassendere Auskünfte enthalten hätten, als von dieser verlangt (Randnr. 552 des angefochtenen
         Urteils).
      
      260    Mit einem zweiten Argument macht die RZB geltend, dass der in Randnr. 541 des angefochtenen Urteils dargelegte Standpunkt
         darauf hinauslaufe, der Kommission zu erlauben, an Unternehmen, die sie für Teilnehmer eines Kartells halte, Auskunftsverlangen
         mit unbestimmtem Wortlaut zu versenden, die Folgen für die Unternehmen nach sich zögen, die diese nicht beantworteten. Damit
         werde der Kommission erlaubt, mit einer bloßen Standardfrage geradezu unwiderstehlichen Zwang auf die Unternehmen auszuüben,
         sich selbst zu belasten. Eine solche Argumentation verletze die Verteidigungsrechte, wie sie im Urteil vom 18. Oktober 1989,
         Orkem/Kommission (374/87, Slg. 1989, 3283, Randnr. 32), festgestellt worden seien.
      
      261    Dieses Urteil werde auch nicht durch die Regel in Frage gestellt, die der Gerichtshof im Urteil vom 29. Juni 2006, Kommission/SGL
         Carbon (C‑301/04 P, Slg. 2006, I‑5915, Randnr. 48), aufgestellt habe, denn die dort aufgeworfenen Fragen seien gezielter und
         konkreter gewesen als in der vorliegenden Rechtssache.
      
      262    Nach Ansicht der Kommission verkennt die RZB, dass die Kommission als freiwillige Zusammenarbeit geltende Informationen nur
         dann im Sinne der Mitteilung über Zusammenarbeit berücksichtigen könne, wenn sie ihr die Wahrnehmung ihrer Aufgabe erleichterten,
         die Zuwiderhandlung festzustellen und zu verfolgen, und wenn sie ein Zeichen echter Zusammenarbeit darstellten. Die von der
         RZB gelieferten Informationen seien jedoch nur eine Beschreibung des historischen Kontexts des „Lombard-Netzwerks“ sowie des
         Inhalts von Kartellbesprechungen gewesen, die der Kommission bereits vorgelegen hätten. Damit fehle ihnen der unerlässliche
         „Mehrwert“.
      
      263    Im Übrigen habe sie zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die Rechtsmittelführerinnen befragt habe, bereits gewusst, dass alle Bankprodukte
         in einer Vielzahl von Gesprächsrunden behandelt worden seien und diese im Sinne eines Netzwerks zusammengehangen hätten, so
         dass der Rahmen der Zuwiderhandlung und damit der Gegenstand der Untersuchung klar abgesteckt gewesen seien, nämlich bezüglich
         der an den Gesprächsrunden beteiligten Unternehmen, der Art der Zuwiderhandlung und des Gegenstands der Absprachen.
      
      264    Schließlich erklärt die Kommission, dass sich die Fragen auf alle regelmäßig stattfindenden Gesprächsrunden bezogen hätten,
         so dass die Unternehmen nicht hätten auswählen und bewerten müssen, welche Treffen potenziell Verstöße gegen Art. 81 EG hätten
         darstellen können.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      265    Was das erste Argument betrifft, hat sich das Gericht entgegen dem Vorbringen der RZB nicht widersprochen, als es in Randnr. 542
         des angefochtenen Urteils ausgeführt hat, dass „aus Randnr. 546 der [streitigen] Entscheidung hervorgeht, [dass] die Kommission
         die Freiwilligkeit der Antworten auf Fragen nach dem Inhalt der Kartelltreffen anerkannt [hat]“, und in Randnr. 552 dieses
         Urteils, dass „[d]ie Kommission … in Randnummer 553 der [streitigen] Entscheidung anerkannt [hat], dass die Banken in der
         gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung freiwillig umfassendere als die von ihnen verlangten Auskünfte gegeben hatten“.
      
      266    Die erste Feststellung nimmt nämlich Bezug auf die Übermittlung von Unterlagen und Auskünften im Rahmen des Auskunftsverlangens,
         das die Kommission am 21. September 1998 in dem Verfahren nach Art. 11 Abs. 2 bis 4 der Verordnung Nr. 17 an die Banken gerichtet
         hatte.
      
      267    Demgegenüber betrifft die zweite Feststellung den Inhalt der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung, die die Banken zwar im Vorverfahren,
         aber nach ihren Erwiderungen auf das erwähnte Auskunftsverlangen vorgelegt hatten.
      
      268    Im Übrigen hat das Gericht in Randnr. 545 des angefochtenen Urteils zutreffend festgestellt, dass „Gleiches jedenfalls auch
         bei einer abweichenden Beurteilung der Freiwilligkeit der Vorlage dieser Schriftstücke gelten [würde]“, da die Kommission
         bereits eine Herabsetzung der Geldbußen um 10 % zugestanden hatte.
      
      269    Folglich ist das erste Argument des ersten Teils der zweiten Rüge zurückzuweisen.
      
      270    Zum zweiten, die Wahrung der Verteidigungsrechte betreffenden Argument ist daran zu erinnern, dass die Wahrung der Verteidigungsrechte
         in allen Verfahren, die zu Sanktionen, namentlich zu Geldbußen oder Zwangsgeldern führen können, einen fundamentalen Grundsatz
         des Gemeinschaftsrechts darstellt, der auch in einem Verwaltungsverfahren beachtet werden muss (vgl. Urteil vom 29. Juni 2006,
         SGL Carbon/Kommission, C‑308/04 P, Slg. 2006, I‑5977, Randnr. 94).
      
      271    Zwar ist die Kommission im Interesse der praktischen Wirksamkeit von Art. 11 Abs. 2 und 5 der Verordnung Nr. 17 berechtigt,
         das Unternehmen zu verpflichten, ihr alle erforderlichen Auskünfte über ihm eventuell bekannte Tatsachen zu erteilen und ihr
         erforderlichenfalls die in seinem Besitz befindlichen Schriftstücke, die sich hierauf beziehen, zu übermitteln, selbst wenn
         sie dazu verwendet werden können, den Beweis für ein wettbewerbswidriges Verhalten des betreffenden oder eines anderen Unternehmens
         zu erbringen, jedoch darf sie durch eine Entscheidung über die Anforderung von Auskünften nicht die Verteidigungsrechte des
         Unternehmens beeinträchtigen (Urteil Orkem/Kommission, Randnr. 34).
      
      272    Im vorliegenden Fall hat die Kommission jedoch zu keinem Zeitpunkt eine „Entscheidung“ im Sinne von Art. 11 Abs. 2 und 5 der
         Verordnung Nr. 17 getroffen. Daher ist das Argument, das Gericht habe in Randnr. 541 des angefochtenen Urteils das Urteil
         Orkem/Kommission außer Acht gelassen, zurückzuweisen.
      
      273    Somit ist das zweite Argument und folglich auch der erste Teil der zweiten Rüge insgesamt zurückzuweisen.
      
      –       Zum zweiten Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler bei der Würdigung der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung 
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      274    Die RZB und die BA-CA tragen erstens vor, dem Gericht sei ein Rechtsfehler unterlaufen, indem es in Randnr. 556 des angefochtenen
         Urteils festgestellt habe, dass eine kontextuelle Darstellung wettbewerbsrechtswidriger Verhaltensweisen keine Kooperation
         im Verfahren im Sinne der Mitteilung über Zusammenarbeit sein könne, da sie für die Unternehmen ein Verteidigungsmittel darstellen
         könne. Nach Ansicht der BA‑CA gibt es keinen Rechtssatz, wonach ein Dokument, das die Parteien zu ihrer Verteidigung verwendeten,
         nicht zugleich der Kommission hilfreiche und inhaltlich wertvolle Informationen geben könne, die zur Feststellung eines Verstoßes
         beitrügen.
      
      275    Die RZB macht zweitens geltend, die Auffassung des Gerichts sei unzutreffend, weil die Argumentation der Kommission gegen
         deren eigene Entscheidungspraxis verstoße. Die Rechtsmittelführerin verweist hierzu auf Abschnitt II Teil A Randnr. 9 Buchst.
         a und Abschnitt IV der Mitteilung der Kommission über den Erlass und die Ermäßigung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 2006,
         C 298, S. 17).
      
      276    Drittens trägt die BA-CA vor, dem Gericht sei dadurch ein Rechtsfehler unterlaufen, dass es entschieden habe, die Kommission
         habe bei der Beurteilung des Nutzens der freiwilligen Zusammenarbeit der Banken berücksichtigen dürfen, dass diese ihr mit
         der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung „nicht alle Unterlagen über die Gesprächsrunden“ vorgelegt hätten.
      
      277    Eine solche Regel gibt es nach Ansicht der BA-CA nicht. Außerdem habe sie in Anbetracht des Umfangs der Zuwiderhandlung diese
         Dokumente nur sukzessiv vorlegen können.
      
      278    Viertens macht die BA-CA geltend, das angefochtene Urteil sei mit einem Widerspruch behaftet. Obwohl nämlich die gemeinsame
         Sachverhaltsdarstellung zur Feststellung der Zuwiderhandlung beigetragen habe, habe das Gericht keine Herabsetzung der Geldbuße
         zu ihren Gunsten vorgenommen.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      279    Das Gericht hat in den Randnrn. 554 bis 558 des angefochtenen Urteils zutreffend, rechtsfehlerfrei und mit widerspruchsfreier
         Begründung festgestellt, dass die Kommission die als Anlage zur gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung vorgelegten Schriftstücke
         zu Recht nicht als „neue Tatsachen“ angesehen habe, der „Unvollständigkeit [dieser] Anlagen“ Rechnung getragen habe und davon
         ausgegangen sei, „dass die Banken [die gemeinsame Sachverhaltsdarstellung] zur Darlegung ihrer eigenen Sichtweise der Gesprächsrunden
         benutzt hatten, d. h. als Verteidigungsmittel“.
      
      280    Es ist nämlich daran zu erinnern, dass die Kommission insoweit über ein Ermessen verfügt, wie sich insbesondere aus dem Wortlaut
         von Abschnitt D Nr. 2 der Mitteilung über Zusammenarbeit und speziell den einleitenden Worten „Dies gilt insbesondere …“ ergibt
         (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 394).
      
      281    Zudem und vor allem kann eine niedrigere Festsetzung auf der Grundlage der Mitteilung über Zusammenarbeit nur gerechtfertigt
         sein, wenn die gelieferten Informationen und allgemeiner das Verhalten des betreffenden Unternehmens insoweit als Zeichen
         einer echten Zusammenarbeit des Unternehmens angesehen werden können (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 395).
      
      282    Wie sich bereits aus dem Begriff „Zusammenarbeit“, wie er in der Mitteilung über Zusammenarbeit und insbesondere in der Einführung
         und in Abschnitt D Nr. 1 verwendet wird, ergibt, kann eine niedrigere Festsetzung auf der Grundlage der Mitteilung nur gewährt
         werden, wenn das Verhalten des betreffenden Unternehmens von einem solchen Geist der Zusammenarbeit zeugt (Urteil Dansk Rørindustri
         u. a./Kommission, Randnr. 396).
      
      283    Wie das Gericht in den Randnrn. 554 bis 557 des angefochtenen Urteils jedoch festgestellt hat, können die RZB und die BA-CA
         kein solches Verhalten für sich in Anspruch nehmen, da die von ihnen vorgelegte Sachverhaltsdarstellung unvollständig und
         bestätigend war und keinen „Mehrwert“ aufwies.
      
      284    Mithin ist der zweite Teil dieser zweiten Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Zum dritten Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler bei der Beurteilung des Eingeständnisses des wettbewerbswidrigen Zwecks der
         Zuwiderhandlung durch die RZB und Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz
      
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      285    Die RZB rügt, das Gericht habe in Randnr. 559 des angefochtenen Urteils den besonderen Wert ihres Eingeständnisses verkannt,
         obwohl sich die Kommission im Rahmen ihrer Analyse ausdrücklich auf diesen Umstand berufen habe, um zu argumentieren, dass
         ein Eingehen auf die tatsächlichen Auswirkungen der Gesprächsrunden nicht erforderlich gewesen sei.
      
      286    Die in dieser Randnr. 559 vorgenommene Beurteilung verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, da die RZB trotz ihres Eingeständnisses
         in gleicher Weise behandelt worden sei wie die anderen Banken. Die RZB beantragt, den Fehler des Gerichts zu berichtigen,
         und hält eine Herabsetzung der Geldbuße um mindestens 10 % für gerechtfertigt.
      
      287    Die Kommission macht geltend, sie habe in Randnr. 426 der streitigen Entscheidung bereits ausführlich dargestellt und bewiesen,
         dass Zweck der Gesprächsrunden die Beschränkung des Wettbewerbs gewesen sei und dass das Eingeständnis dem nichts hinzugefügt
         habe.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      288    Mit der Feststellung in Randnr. 559 des angefochtenen Urteils, dass die Kommission „in jedem Einzelfall zu prüfen [hat], ob
         ein solches Eingeständnis ihre Arbeit tatsächlich erleichtert hat“, ist dem Gericht kein Rechtsfehler unterlaufen.
      
      289    Wie in Randnr. 248 des vorliegenden Urteils ausgeführt worden ist, verfügt die Kommission bei der Beurteilung der Zusammenarbeit
         der Unternehmen im Verfahren über ein weites Ermessen.
      
      290    Da zudem das Eingeständnis die Arbeit der Kommission nicht erleichtert, sondern, wie das Gericht festgestellt hat, lediglich
         deren eigene Feststellungen bestätigt hat, kann das Argument der RZB, der Gleichheitsgrundsatz sei nicht gewahrt worden, nicht
         durchgreifen.
      
      291    Folglich ist der dritte Teil dieser zweiten Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Zum vierten Teil der zweiten Rüge: Beweislastumkehr hinsichtlich des Wertes der Zusammenarbeit der RZB und Verletzung des
         Grundsatzes des Vertrauensschutzes
      
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      292    Die RZB wirft dem Gericht vor, die Beweislast umgekehrt zu haben, indem es in den Randnrn. 546 bis 551 des angefochtenen Urteils
         entschieden habe, dass die Rechtsmittelführerin für eine über 10 % hinausgehende Ermäßigung der Geldbuße den Nachweis hätte
         führen müssen, dass die Kommission ohne die vorgelegten Beweismittel nicht in der Lage gewesen wäre, die Zuwiderhandlung nachzuweisen.
      
      293    Zum einen stehe diese Auffassung im Widerspruch zu Abschnitt D Nr. 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit
         und verstoße daher gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes. Zum anderen sei diese Auffassung unvereinbar mit der Verpflichtung
         der Kommission, im Verwaltungsverfahren sowohl be- als auch entlastende Sachverhaltsumstände zu ermitteln.
      
      294    Die Kommission hält die Ausführungen der RZB für irrig. Abschnitt D Nr. 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit
         sei zu entnehmen, dass das vorgelegte Beweismittel einen Beitrag zur Feststellung des Vorliegens der Zuwiderhandlung leisten
         müsse. Die Kommission sei durch die Nachprüfungen bereits im Besitz der für die Feststellung der wesentlichen Tatsachen notwendigen
         Dokumente gewesen und habe die wesentlichen Elemente der Zuwiderhandlung daher aus eigener Kraft beigebracht. Dieser Nachweis
         sei von der RZB nicht widerlegt worden.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      295    In Randnr. 551 des angefochtenen Urteils hat das Gericht befunden, dass „[d]ie Klägerinnen … nicht nachgewiesen [haben], dass
         die in Beantwortung der Auskunftsverlangen vorgelegten Schriftstücke erforderlich waren, um der Kommission die Ermittlung
         aller wesentlichen Gesprächsrunden zu ermöglichen, oder dass ohne sie die bei den Nachprüfungen erlangten Schriftstücke nicht
         ausgereicht hätten, um die Zuwiderhandlung im Wesentlichen nachzuweisen und eine Bußgeldentscheidung zu erlassen“.
      
      296    Soweit das Vorbringen der RZB darauf gerichtet ist, diese Tatsachenwürdigung des Gerichts in Frage zu stellen, ist es im Rahmen
         des vorliegenden Rechtsmittels unzulässig.
      
      297    Zur behaupteten Umkehr der Beweislast ist festzustellen, dass zwar die Kommission verpflichtet ist, anzugeben, aus welchen
         Gründen sie der Ansicht ist, dass die von den Unternehmen im Rahmen der Mitteilung über Zusammenarbeit gemachten Angaben einen
         Beitrag darstellen, der eine Herabsetzung der festgesetzten Geldbuße rechtfertigt oder auch nicht, demgegenüber aber die Unternehmen,
         die die entsprechende Entscheidung der Kommission anfechten wollen, nachzuweisen haben, dass diese in Ermangelung derartiger,
         von diesen Unternehmen freiwillig gelieferter Angaben nicht in der Lage gewesen wäre, die wesentlichen Elemente der Zuwiderhandlung
         zu beweisen und somit eine Entscheidung über die Festsetzung von Geldbußen zu erlassen.
      
      298    Demnach ist das Gericht in Randnr. 551 des angefochtenen Urteils zu Recht implizit davon ausgegangen, dass die Rechtsmittelführerinnen
         diesen Nachweis hätten führen müssen.
      
      299    Folglich ist der vierte Teil der zweiten Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Zum fünften Teil der zweiten Rüge: Rechtsfehler und widersprüchliche Begründung im Rahmen der Würdigung des Wertes der von
         der BA-CA übermittelten zusätzlichen Dokumente durch das Gericht
      
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      300    Die BA‑CA beanstandet im Wesentlichen die Würdigung des Wertes der 33 Aktenordner, die sie der Kommission übersandt habe und
         die über 10 000 Seiten Dokumente enthalten hätten, durch das Gericht in den Randnrn. 560 bis 563 des angefochtenen Urteils.
      
      301    Die BA‑CA trägt erstens vor, das Gericht habe die Bedeutung ihrer Mitarbeit heruntergespielt, indem es die Anforderungen an
         die für eine Herabsetzung der Geldbuße erforderliche Zusammenarbeit ständig verschärft habe. Sie beanstandet insbesondere
         den vom Gericht vorgenommenen Vergleich zwischen dem Wert, der diesen Unterlagen, und dem Wert, der der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung
         beizumessen sei.
      
      302    Die Rechtsmittelführerin macht zweitens geltend, dass die Argumentation des Gerichts widersprüchlich sei, weil es eine Herabsetzung
         der Geldbuße aufgrund der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung mangels „neuer“ Dokumente verweigere, während sie im Rahmen
         ihrer freiwilligen Dokumentenvorlage nachweislich 10 000 Seiten neue Dokumente übermittelt habe, die ebenfalls unstreitig
         zum Teil für die streitige Entscheidung verwendet worden seien.
      
      303    Die Kommission beruft sich auf die Unzulässigkeit dieses Vorbringens, da es eine reine Wiederholung des Vortrags vor dem Gericht
         darstelle. Außerdem führe allein die Tatsache, dass Dokumente neu, d. h. noch nicht vorgelegt worden seien, nicht dazu, dass
         sie einen nützlichen Kooperationsbeitrag darstellten.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      304    Mit der Entscheidung in Randnr. 560 des angefochtenen Urteils, dass „die Vorlage zusätzlicher Unterlagen durch eine der Banken
         eine weitere Herabsetzung ihrer individuellen Geldbuße nur rechtfertigen [kann], wenn diese Zusammenarbeit im Verhältnis zu
         den von allen Unternehmen gemachten Angaben tatsächlich neue und nützliche Elemente erbracht hat“, ist dem Gericht kein Rechtsfehler
         unterlaufen.
      
      305    Wie in den Randnrn. 281 bis 283 des angefochtenen Urteils dargelegt worden ist, kann eine niedrigere Festsetzung auf der Grundlage
         der Mitteilung über Zusammenarbeit nämlich nur gerechtfertigt sein, wenn die gelieferten Informationen als Zeichen einer echten
         Zusammenarbeit des Unternehmens angesehen werden können, wobei das Ziel einer Herabsetzung der Geldbuße darin besteht, ein
         Unternehmen für einen Beitrag im Verwaltungsverfahren zu belohnen, der es der Kommission ermöglicht hat, eine Zuwiderhandlung
         leichter festzustellen.
      
      306    Da bereits festgestellt worden ist, dass die von der BA-CA vorgelegten Unterlagen gegenüber den mit der gemeinsamen Sachverhaltsdarstellung
         gelieferten Angaben weder neu noch sachdienlich waren, hat das Gericht in Randnr. 562 des angefochtenen Urteils zu Recht entschieden,
         dass die Kommission nicht verpflichtet war, die Geldbuße der BA-CA aus diesem Grund weiter herabzusetzen.
      
      307    Folglich ist der fünfte Teil der zweiten Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Zum sechsten Teil der zweiten Rüge: fehlende Berücksichtigung der Erwiderung der BA-CA auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      308    Die BA-CA beanstandet die in Randnr. 564 des angefochtenen Urteils dargelegte Beurteilung des Gerichts, die Kommission habe
         ihre Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht als Zusammenarbeit berücksichtigen müssen.
      
      309    Die Kommission hält die Ausführungen der BA-CA für irrig.
      
      Würdigung durch den Gerichtshof
      310    Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Mitteilung der Beschwerdepunkte eine vorbereitende Verfahrenshandlung ist, die, um
         die wirksame Ausübung der Verteidigungsrechte zu ermöglichen, den Gegenstand des von der Kommission eingeleiteten Verwaltungsverfahrens
         festlegt und diese somit daran hindert, in ihrer das betreffende Verfahren abschließenden Entscheidung andere Beschwerdepunkte
         in Betracht zu ziehen (vgl. insbesondere Beschluss vom 18. Juni 1986, BAT und Reynolds Industries/Kommission, 142/84 und 156/84,
         Slg. 1986, 1899, Randnrn. 13 und 14). Die Mitteilung der Beschwerdepunkte hat daher vorläufigen Charakter und ist Änderungen
         anlässlich der späteren Beurteilung zugänglich, die die Kommission auf der Grundlage der von den Beteiligten vorgelegten Stellungnahmen
         und weiterer Tatsachenfeststellungen vornimmt (vgl. in diesem Sinne Urteil SGL Carbon/Kommission, Randnr. 62).
      
      311    Die Kommission muss nämlich die Ergebnisse des gesamten Verwaltungsverfahrens berücksichtigen, sei es, um bestimmte Beschwerdepunkte
         fallen zu lassen, die nicht ausreichend begründet sind, sei es, um ihre Argumente, auf die sie die aufrechterhaltenen Beschwerdepunkte
         stützt, in tatsächlicher oder rechtlicher Hinsicht neu zu ordnen oder zu ergänzen. Die Mitteilung der Beschwerdepunkte hindert
         daher die Kommission keineswegs daran, ihre Auffassung zugunsten der betroffenen Unternehmen zu ändern (vgl. Beschluss BAT
         und Reynolds Industries/Kommission, Randnr. 13).
      
      312    Es ist nicht ausgeschlossen, dass Unternehmen nach Übermittlung der Mitteilung der Beschwerdepunkte, insbesondere in ihrer
         Erwiderung auf diese Mitteilung, der Kommission entscheidende Informationen liefern, die es rechtfertigen, dass diese ihre
         Geldbuße aufgrund der Mitteilung über Zusammenarbeit herabsetzt.
      
      313    Das Gericht ist insoweit in Randnr. 564 des angefochtenen Urteils allerdings implizit davon ausgegangen, dass dies hier bei
         der Erwiderung der BA-CA auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht der Fall gewesen sei.
      
      314    Unter diesen Umständen sind, da die BA-CA nicht behauptet hat, das Gericht habe insoweit die Beweismittel verfälscht, der
         sechste Teil der zweiten Rüge und folglich auch die zweite Rüge und der zweite Teil insgesamt zurückzuweisen.
      
      315    Demnach ist der Rechtsmittelgrund betreffend einen Verstoß gegen die Mitteilung über Zusammenarbeit teils unbegründet und
         teils unzulässig und folglich insgesamt zurückzuweisen.
      
      C –  Zum Rechtsmittelgrund betreffend eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch das Gericht
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      316    Nach Ansicht der BA-CA hat das Gericht den Umfang ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör verkannt, indem es abgelehnt habe,
         einen Zeugen zu vernehmen.
      
      317    Die Kommission macht geltend, das Gericht müsse einem Beweisantrag jedenfalls dann nicht nachgehen, wenn er, wie hier, nicht
         relevant sei, um den Sachverhalt aufzuklären.
      
      b)     Würdigung durch den Gerichtshof
      318    Das Gericht hat in Randnr. 563 des angefochtenen Urteils einem Beweisantrag deshalb nicht stattgegeben, weil „dieses Beweisangebot
         für die Bewertung des Nutzens der [vorgelegten] Dokumente nicht unmittelbar relevant [war]“.
      
      319    Es ist daran zu erinnern, dass es allein Sache des Gerichts ist, zu entscheiden, ob das ihm in einer Rechtssache vorliegende
         Beweismaterial möglicherweise der Ergänzung bedarf (vgl. insbesondere Urteile vom 30. September 2003, Freistaat Sachsen u. a./Kommission,
         C‑57/00 P und C‑61/00 P, Slg. 2003, I‑9975, Randnr. 47, und vom 7. Oktober 2004, Mag Instrument/HABM, C‑136/02 P, Slg. 2004,
         I‑9165, Randnr. 76).
      
      320    Auch wenn ein Antrag in der Klageschrift auf Vernehmung eines Zeugen mit Gründen versehen ist, ist es Sache des Gerichts,
         die Sachdienlichkeit des Antrags im Hinblick auf den Streitgegenstand und die Erforderlichkeit einer Vernehmung des genannten
         Zeugen zu beurteilen (vgl. Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Randnr. 68).
      
      321    Obwohl die BA-CA ergänzende Fragen des Gerichts beantworten konnte, hat die Rechtsmittelführerin im Stadium des Rechtsmittels
         nicht den Beweis dafür erbracht, dass das Gericht dadurch, dass es die Vernehmung des Zeugen abgelehnt hat, ihren Anspruch
         auf rechtliches Gehör verletzt hätte.
      
      322    Somit ist der hier geprüfte Rechtsmittelgrund zurückzuweisen.
      
      D –  Zum Rechtsmittelgrund betreffend eine Verletzung der Begründungspflicht in Bezug auf die Bemessung der Geldbuße und auf den
            Anspruch auf rechtliches Gehör durch das Gericht
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      323    Die BA-CA rügt, das Gericht habe in Randnr. 566 des angefochtenen Urteils seine Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung ausgeübt,
         ohne die Begründungspflicht zu beachten und ohne den von der Festsetzung der Geldbuße betroffenen Unternehmen die Möglichkeit
         zu geben, gehört zu werden. 
      
      324    Die Voraussetzungen, auf deren Grundlage der Gerichtshof im Urteil vom 8. Februar 2007, Groupe Danone/Kommission (C‑3/06 P,
         Slg. 2007, I‑1331), das Bestehen solcher Verpflichtungen abgelehnt habe, seien im vorliegenden Fall nicht erfüllt.
      
      325    Die BA-CA hebt insbesondere hervor, dass die im Jahr 2002 gegen die Banken verhängte Geldbuße die sechsthöchste gewesen sei,
         die von der Kommission je verhängt worden sei, und dass das Gericht sie bei ihrer Überprüfung vier Jahre später zu Unrecht
         als „niedrig“ angesehen habe.
      
      326    Nach Ansicht der Kommission handelt es sich bei den Ausführungen in Randnr. 566 des angefochtenen Urteils nur um eine ergänzende
         abschließende Erwägung, in der das Gericht seine Auffassung darlege.
      
      b)     Würdigung durch den Gerichtshof
      327    Zunächst ist festzustellen, dass die Wahrung der Verteidigungsrechte in allen Verfahren, die zu Sanktionen, namentlich zu
         Geldbußen oder Zwangsgeldern, führen können, einen fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts darstellt, der in der Rechtsprechung
         des Gerichtshofs wiederholt bekräftigt worden ist (Urteil Groupe Danone/Kommission, Randnr. 68 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      328    Im Rechtsmittelverfahren richtet sich die Kontrolle durch den Gerichtshof zum einen darauf, inwieweit das Gericht rechtlich
         korrekt alle Faktoren berücksichtigt hat, die für die Beurteilung der Schwere eines bestimmten Verhaltens anhand der Art. 81
         EG und 82 EG sowie des Art. 15 der Verordnung Nr. 17 von Bedeutung sind, und zum anderen darauf, zu prüfen, ob das Gericht
         auf alle vom Rechtsmittelführer vorgebrachten Argumente für eine Aufhebung oder Herabsetzung der Geldbuße rechtlich hinreichend
         eingegangen ist (Urteil Groupe Danone/Kommission, Randnr. 69 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      329    Ohne dass es erforderlich wäre, die Frage zu beantworten, ob der Gemeinschaftsrichter vor Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung verpflichtet war, der Rechtsmittelführerin Gelegenheit zur Stellungnahme zu einer etwaigen Änderung der Höhe der
         Geldbuße zu geben, ist festzustellen, dass die BA-CA in der Lage war, ihren Standpunkt in geeigneter Weise vorzutragen.
      
      330    Wie nämlich der Generalanwalt in den Nrn. 519 ff. seiner Schlussanträge ausgeführt hat, zielten vier der sechs von der BA-CA
         vor dem Gericht vorgebrachten Klagegründe auf eine Herabsetzung der festgesetzten Geldbuße ab. Diese Klagegründe bezogen sich
         insbesondere darauf, wie die Kommission die Einstufung der Zuwiderhandlung, das Vorliegen mildernder Umstände und die Zusammenarbeit
         der Rechtsmittelführerin im Verfahren beurteilt hatte.
      
      331    Zudem stellte das Gericht der BA-CA zahlreiche Fragen zum Vorliegen mildernder Umstände und zu ihrer Zusammenarbeit im Verfahren.
      
      332    Schließlich hat das Gericht in den Randnrn. 216 bis 571 des angefochtenen Urteils sämtliche für die Festsetzung der Geldbuße
         maßgebenden Gesichtspunkte im Einzelnen geprüft.
      
      333    Daher ist der vorliegende Rechtsmittelgrund zurückzuweisen.
      
      334    Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass das Rechtsmittel in vollem Umfang zurückzuweisen ist.
      
       VII – Kosten
      335    Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung, der nach deren Art. 118 auf das Rechtsmittelverfahren entsprechende Anwendung findet,
         ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die Erste Group Bank, die RZB, die BA-CA
         und die ÖVAG mit ihrem Vorbringen unterlegen sind, sind ihnen gemäß dem entsprechenden Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Rechtsmittel werden zurückgewiesen.
      2.      Die Erste Group Bank AG, ehemals Erste Bank der oesterreichischen Sparkassen AG, die Raiffeisen Zentralbank Österreich AG,
            die Bank Austria Creditanstalt AG und die Österreichische Volksbanken AG tragen die Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.