CELEX: 62007TJ0385
Language: de
Date: 2011-02-17 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts (Siebte Kammer) vom 17. Februar  2011. # Fédération internationale de football association (FIFA) gegen Europäische Kommission. # Fernsehen - Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG - Maßnahmen des Königreichs Belgien in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft - Fußballweltmeisterschaft - Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden - Begründung - Art. 43 EG und 49 EG - Eigentumsrecht. # Rechtssache T-385/07.

Rechtssache T‑385/07
      Fédération internationale de football association (FIFA)
      gegen
      Europäische Kommission
      „Fernsehen – Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG – Maßnahmen des Königreichs Belgien in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft – Fußballweltmeisterschaft – Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden – Begründung – Art. 43 EG und 49 EG – Eigentumsrecht“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen – Unmittelbare
            Betroffenheit – Beschluss der Kommission, mit dem die Vereinbarkeit von gemäß Art. 3a der Richtlinie 89/552 erlassenen nationalen
            Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht wird – Kein Ermessensspielraum der Mitgliedstaaten – Klage des ursprünglichen
            Inhabers von Übertragungsrechten an einem Ereignis, die von dem genannten Beschluss erfasst werden – Unmittelbare Betroffenheit
      (Art. 263 Abs. 4 AEUV; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a; Beschluss 2007/479 der Kommission)
      2.      Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen – Möglichkeit,
            von einer allgemeinen Entscheidung individuell betroffen zu sein – Voraussetzungen – Beschluss der Kommission, mit dem die
            Vereinbarkeit von gemäß Art. 3a der Richtlinie 89/552 erlassenen nationalen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht wird
            – Klage des ursprünglichen Inhabers von Übertragungsrechten an einem Ereignis, die von dem genannten Beschluss erfasst werden
            – Zum Zeitpunkt des Erlasses dieses Beschlusses identifizierbarer Kläger – Individuell betroffener Kläger
      (Art. 263 Abs. 4 AEUV, Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a; Beschluss 2007/479 der Kommission)
      3.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Befugnis der Mitgliedstaaten, die Ausübung der vom
            Unionsrecht aufgestellten Grundfreiheiten zu beschränken – Rechtfertigung – Gewährleistung des Rechts auf Informationen
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, Erwägungsgründe 18 und 21; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a
            Abs. 1)
      4.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Ereignisse von erheblicher Bedeutung
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, 18. Erwägungsgrund; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a)
      5.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Festlegung der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
            Bedeutung – Zuständigkeit der Mitgliedstaaten
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, 21. Erwägungsgrund; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a Abs. 1
            und 2)
      6.      Freier Dienstleistungsverkehr – Niederlassungsfreiheit – Beschränkungen – Rechtfertigung durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses
            – Beurteilung in Ansehung der allgemeinen Rechtsgrundsätze – Unzulässigkeit von nicht grundrechtskonformen Maßnahmen
      (Art. 46 EG und 55 EG)
      7.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Nationale Verfahren zur Festlegung der Ereignisse von
            erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
      (Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a Abs. 1)
      1.      Der mit Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten
         über die Ausübung der Fernsehtätigkeit vorgesehene Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung, der mit einem Beschluss der
         Kommission ausgelöst wird, mit dem diese die Vereinbarkeit von Maßnahmen eines Mitgliedstaats gemäß Art. 3a Abs. 1 dieser
         Richtlinie mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht, schafft für die Mitgliedstaaten eine Verpflichtung zur Wahrung der Rechtsfolgen,
         die sich aus den betreffenden Maßnahmen ergeben. Insbesondere müssen die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass sich die ihrer
         Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter an die Bedingungen halten, wie sie von dem fraglichen Mitgliedstaat in seinen
         gebilligten und im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Maßnahmen für die Fernsehübertragung der Ereignisse von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung, die auf der dem genannten Beschluss beigefügten Liste verzeichnet sind, in dem betreffenden
         Mitgliedstaat festgelegt wurden. Die Verpflichtung, dieses Ergebnis zu erreichen, greift aber unmittelbar in die Rechtsstellung
         der Fernsehveranstalter ein, die der Rechtshoheit anderer Mitgliedstaaten als des Mitgliedstaats, der diese Maßnahmen erlassen
         hat, unterliegen und Übertragungsrechte für diesen Mitgliedstaat erwerben möchten, deren Inhaber ursprünglich der Veranstalter
         eines Ereignisses war. Ein solcher Beschluss wirkt sich daher auf die Rechtsstellung der Veranstalter solcher Ereignisse in
         Bezug auf die ursprünglich ihnen zustehenden Rechte unmittelbar aus, und er lässt den Mitgliedstaaten keinerlei Ermessensspielraum
         hinsichtlich des beabsichtigten Ergebnisses, das automatisch vorgegeben ist und sich unabhängig von der Ausgestaltung der
         einzelnen Mechanismen, die von den nationalen Behörden zur Erreichung dieses Ergebnisses eingerichtet werden, allein aus der
         Gemeinschaftsregelung ergibt. Diese Veranstalter sind somit von einem solchen Beschluss unmittelbar betroffen.
      
      (vgl. Randnrn. 39-42)
      2.      Eine andere Person als der Adressat einer Entscheidung kann nur dann geltend machen, individuell betroffen zu sein, wenn diese
         Entscheidung sie wegen bestimmter persönlicher Eigenschaften oder wegen sie aus dem Kreis aller übrigen Personen heraushebender
         Umstände berührt und sie dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer derartigen Entscheidung.
      
      Die Fußballweltmeisterschaft ist unabhängig von der Rechtsnatur und der Quelle der Übertragungsrechte an ihr ein Ereignis
         im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts-
         und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit, weil sie im Voraus von einem Veranstalter
         organisiert wird, der kraft Gesetzes zur Veräußerung dieser Rechte befugt ist, was auch zum Zeitpunkt des Erlasses des Beschlusses
         2007/479 der Kommission über die Vereinbarkeit mit dem Gemeinschaftsrecht von Maßnahmen Belgiens gemäß Art. 3a Abs. 1 der
         Richtlinie 89/552 galt. Der Veranstalter der Weltmeisterschaft war zum Zeitpunkt des Erlasses dieses Beschlusses leicht identifizierbar
         und ist daher von diesem individuell betroffen.
      
      (vgl. Randnrn. 43-45)
      3.      Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten
         über die Ausübung der Fernsehtätigkeit hat die Möglichkeit der Mitgliedstaaten konkretisiert, im audiovisuellen Bereich die
         Ausübung der vom primären Gemeinschaftsrecht festgelegten Grundfreiheiten aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses zu
         beschränken.
      
      Die Freiheit der Meinungsäußerung, wie sie in Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) verankert ist, gehört
         zu den von der Gemeinschaftsrechtsordnung verbürgten Grundrechten und stellt einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses
         dar, der solche Beschränkungen rechtfertigen kann. Nach Art. 10 Abs. 1 EMRK schließt die Freiheit der Meinungsäußerung auch
         die Freiheit ein, Informationen zu empfangen.
      
      Wie sich aus dem 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552 ergibt, sollen die Maßnahmen im
         Sinne des Art. 3a der letztgenannten Richtlinie das Recht auf Informationen schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang
         zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verschaffen.
         Nach dem 21. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 kommt einem Ereignis erhebliche Bedeutung zu, wenn es herausragend ist, von
         Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union, in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem bedeutenden
         Teil eines bestimmten Mitgliedstaats ist und im Voraus von einem Veranstalter organisiert wird, der befugt ist, die Rechte
         daran zu veräußern.
      
      Demnach sind die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552, da sie Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung betreffen, aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt. Diese Maßnahmen müssen sodann geeignet
         sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung
         dieses Ziels erforderlich ist.
      
      (vgl. Randnrn. 52, 55-58)
      4.      Art. 3a der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
         Ausübung der Fernsehtätigkeit, auf den sich der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552
         bezieht, nimmt keine Harmonisierung der spezifischen Ereignisse vor, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung angesehen werden können. Daraus folgt, dass der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 nicht so verstanden werden
         kann, dass danach die Aufnahme der Fußballweltmeisterschaft in eine nationale Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung ohne Weiteres mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar ist. Erst recht kann dieser Erwägungsgrund nicht so verstanden
         werden, dass es danach in allen Fällen gerechtfertigt ist, die Fußballweltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit und unabhängig
         von dem Interesse, das die Spiele dieses Wettbewerbs in dem betroffenen Mitgliedstaat hervorrufen, in eine solche Liste aufzunehmen.
      
      Ungeachtet dieses Fehlens einer Harmonisierung auf der Ebene der spezifischen Ereignisse, die von den Mitgliedstaaten als
         von erheblicher Bedeutung für ihre Gesellschaft angesehen werden können, bedeutet die Erwähnung der Fußballweltmeisterschaft
         im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36, dass die Kommission die Aufnahme der Spiele dieses Wettbewerbs in eine Ereignisliste
         nicht aus dem Grund als gemeinschaftsrechtswidrig ansehen kann, weil der betroffene Mitgliedstaat ihr nicht die besonderen
         Gründe für deren Bedeutung für die Gesellschaft mitgeteilt hat. Die etwaige Schlussfolgerung der Kommission, dass die Aufnahme
         der Fußballweltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit in eine Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft
         eines Mitgliedstaats mit dem Gemeinschaftsrecht deshalb vereinbar sei, weil es gerechtfertigt sei, diesen Wettbewerb aufgrund
         seiner Merkmale als ein einheitliches Ereignis anzusehen, kann jedoch auf der Grundlage spezifischer Anhaltspunkte in Frage
         gestellt werden, die belegen, dass die „Normalspiele“ nicht von einer solchen Bedeutung für die Gesellschaft dieses Staates
         sind.
      
      (vgl. Randnrn. 59-60, 95)
      5.      Art. 3a der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
         Ausübung der Fernsehtätigkeit räumt den Mitgliedstaaten, indem er bestimmt, dass es ihre Sache ist, die Ereignisse von erheblicher
         Bedeutung für ihre Gesellschaft im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552
         festzulegen, insoweit einen weiten Ermessensspielraum ein.
      
      Wenn ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats ist, stellt es keinen Rechtsfehler der
         Kommission dar, wenn sie bei der von ihr nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 ausgeübten Kontrolle der Aufnahme des Ereignisses
         in die von dem betreffenden Mitgliedstaat erstellte Liste nicht aus dem Grund widerspricht, weil ein anderes Ereignis nicht
         darauf verzeichnet ist, das von vielleicht noch größerer Bedeutung für diese Gesellschaft ist.
      
      Da es sich nämlich um die Auswahl zwischen mehreren konkreten Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im
         Sinne der Richtlinie 97/36 handelt, kann den Mitgliedstaaten weder unmittelbar noch mittelbar vorgegeben werden, in ihre Listen
         andere Ereignisse als die ihrer Wahl aufzunehmen und von den Vorschriften des Vertrags in weiterem Umfang abzuweichen, als
         sie es wünschen.
      
      (vgl. Randnrn. 94, 114-115)
      6.      Wenn sich ein Mitgliedstaat auf Bestimmungen wie die Art. 46 EG und 55 EG beruft, um eine Regelung zu rechtfertigen, die geeignet
         ist, die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit oder der Niederlassungsfreiheit zu behindern, ist diese im Gemeinschaftsrecht
         vorgesehene Rechtfertigung im Lichte der allgemeinen Rechtsgrundsätze und insbesondere der Grundrechte auszulegen. Die in
         diesen Bestimmungen vorgesehenen Ausnahmen können einer solchen nationalen Regelung so nur zugutekommen, wenn sie im Einklang
         mit den Grundrechten steht, deren Wahrung die Gemeinschaftsgerichte zu sichern haben. Dementsprechend kommt es nicht in Betracht,
         dass eine nicht mit den Grundrechten wie dem Eigentumsrecht vereinbare nationale Maßnahme deshalb in den Genuss der anerkannten
         Ausnahmen kommen kann, weil sie zwingenden Gründen des Allgemeininteresses entspricht wie dem Fernsehzugang der breiten Öffentlichkeit
         zu den Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
      
      (vgl. Randnr. 138)
      7.      Die Verfahren, die die Mitgliedstaaten gemäß Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit zwecks Erlasses der Liste von Ereignissen
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung einrichten, müssen eindeutig und transparent in dem Sinn sein, dass sie auf objektiven,
         den Betroffenen im Voraus bekannten Kriterien beruhen müssen, so dass verhindert wird, dass das Ermessen, über das die Mitgliedstaaten
         bei der Entscheidung über die konkreten, in ihre Listen aufzunehmenden Ereignisse verfügen, willkürlich ausgeübt wird. Auch
         wenn nämlich die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste nach Art. 3a der Richtlinie 89/552 erfordert, dass es von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung ist, stellt doch die vorherige Aufstellung spezifischer Kriterien, anhand deren die Bedeutung
         beurteilt wird, einen wesentlichen Aspekt dafür dar, dass die nationalen Entscheidungen transparent erlassen werden und sich
         im Rahmen des Ermessens halten, über das die nationalen Behörden insoweit verfügen.
      
      (vgl. Randnr. 152)
URTEIL DES GERICHTS (Siebte Kammer)
      17. Februar 2011(*)
      
      „Fernsehen – Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG – Maßnahmen des Königreichs Belgien in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft – Fußballweltmeisterschaft – Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden – Begründung – Art. 43 EG und 49 EG – Eigentumsrecht“
      In der Rechtssache T‑385/07
      Fédération internationale de football association (FIFA) mit Sitz in Zürich (Schweiz), Prozessbevollmächtigte: zunächst R. Denton, E. Batchelor, F. Young, Solicitors, und Rechtsanwalt
         A. Barav, dann E. Batchelor, A. Barav, Rechtsanwalt D. Reymond und F. Carlin, Barrister,
      
      Klägerin,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch E. Montaguti und N. Yerrell als Bevollmächtigte im Beistand von J. Flynn, QC, und L. Maya, Barrister,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Königreich Belgien, vertreten durch L. Van den Broeck und C. Pochet als Bevollmächtigte im Beistand der Rechtsanwälte J. Stuyck, A. Berenboom
         und A. Joachimowicz, 
      
      durch
      Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch M. Lumma und J. Möller als Bevollmächtigte,
      
      und durch
      Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, vertreten durch S. Behzadi-Spencer, E. Jenkinson und L. Seeboruth als Bevollmächtigte im Beistand ursprünglich von T. de la Mare,
         dann von B. Kennelly, Barristers,
      
      Streithelfer,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung des Beschlusses 2007/479/EG der Kommission vom 25. Juni 2007 über die Vereinbarkeit mit
         dem Gemeinschaftsrecht von Maßnahmen Belgiens gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie 89/552/EWG des Rates [vom 3. Oktober
         1989] zur Koordinierung bestimmter Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit
         (ABl. L 180, S. 24)
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Siebte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten N. J. Forwood (Berichterstatter) sowie der Richter L. Truchot und J. Schwarcz,
      Kanzler: K. Pocheć, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. Februar 2010
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1        Art. 43 EG lautet:
      
      „Die Beschränkungen der freien Niederlassung von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaats im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats
         sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen verboten. Das Gleiche gilt für Beschränkungen der Gründung von Agenturen, Zweigniederlassungen
         oder Tochtergesellschaften durch Angehörige eines Mitgliedstaats, die im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats ansässig sind.
      
      Vorbehaltlich des Kapitels über den Kapitalverkehr umfasst die Niederlassungsfreiheit die Aufnahme und Ausübung selbständiger
         Erwerbstätigkeiten sowie die Gründung und Leitung von Unternehmen, insbesondere von Gesellschaften im Sinne des Artikels 48
         Absatz 2 [EG], nach den Bestimmungen des Aufnahmestaats für seine eigenen Angehörigen.“
      
      2        Art. 49 Abs. 1 EG bestimmt:
      
      „Die Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs innerhalb der Gemeinschaft für Angehörige der Mitgliedstaaten, die
         in einem anderen Staat der Gemeinschaft als demjenigen des Leistungsempfängers ansässig sind, sind nach Maßgabe der folgenden
         Bestimmungen verboten.“
      
      3        Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG des Rates vom 3. Oktober 1989 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften
         der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit (ABl. L 298, S. 23), der durch die Richtlinie 97/36/EG des Europäischen
         Parlaments und des Rates vom 30. Juni 1997 zur Änderung der Richtlinie [89/552] (ABl. L 202, S. 60) eingefügt wurde, lautet:
         
      
      „(1)      Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit dem Gemeinschaftsrecht Maßnahmen ergreifen, mit denen sichergestellt werden soll,
         dass Fernsehveranstalter, die seiner Rechtshoheit unterliegen, nicht Ereignisse, denen der betreffende Mitgliedstaat eine
         erhebliche gesellschaftliche Bedeutung beimisst, auf Ausschließlichkeitsbasis in der Weise übertragen, dass einem bedeutenden
         Teil der Öffentlichkeit in dem Mitgliedstaat die Möglichkeit vorenthalten wird, das Ereignis im Wege direkter oder zeitversetzter
         Berichterstattung in einer frei zugänglichen Fernsehsendung zu verfolgen. Falls ein Mitgliedstaat entsprechende Maßnahmen
         ergreift, so erstellt er dabei eine Liste der nationalen und nichtnationalen Ereignisse, denen er eine erhebliche gesellschaftliche
         Bedeutung beimisst. Er trägt dafür auf eindeutige und transparente Weise rechtzeitig und wirksam Sorge. Dabei legt der betreffende
         Mitgliedstaat auch fest, ob diese Ereignisse im Wege direkter Gesamt‑ oder Teilberichterstattung oder, sofern im öffentlichen
         Interesse aus objektiven Gründen erforderlich oder angemessen, im Wege zeitversetzter Gesamt- oder Teilberichterstattung verfügbar
         sein sollen.
      
      (2)      Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission unverzüglich alle Maßnahmen mit, die sie gemäß Absatz 1 getroffen haben oder in
         Zukunft treffen werden. Die Kommission prüft binnen drei Monaten nach der Mitteilung, ob die Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar sind, und teilt sie den anderen Mitgliedstaaten mit. Sie holt die Stellungnahme des gemäß Artikel 23a eingesetzten
         Ausschusses ein. Sie veröffentlicht die getroffenen Maßnahmen unverzüglich im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften; mindestens einmal jährlich veröffentlicht sie eine konsolidierte Liste der von den Mitgliedstaaten getroffenen Maßnahmen.
      
      (3)      Die Mitgliedstaaten stellen im Rahmen des innerstaatlichen Rechts durch geeignete Maßnahmen sicher, dass die ihrer Rechtshoheit
         unterliegenden Fernsehveranstalter die von ihnen nach der Veröffentlichung dieser Richtlinie erworbenen ausschließlichen Rechte
         nicht in der Weise ausüben, dass einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit in einem anderen Mitgliedstaat die Möglichkeit
         vorenthalten wird, die von diesem anderen Mitgliedstaat gemäß den Absätzen 1 und 2 bezeichneten Ereignisse als direkte Gesamt-
         oder Teilberichterstattung oder, sofern im öffentlichen Interesse aus objektiven Gründen erforderlich oder angemessen, als
         zeitversetzte Gesamt‑ oder Teilberichterstattung in einer frei zugänglichen Fernsehsendung zu verfolgen, wie dies von dem
         anderen Mitgliedstaat gemäß Absatz 1 festgelegt worden ist.“
      
      4        In den Erwägungsgründen 18 bis 22 der Richtlinie 97/36 heißt es:
      
      „(18) Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Mitgliedstaaten in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, um das Recht auf Informationen
         zu schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung zu verschaffen, wie die Olympischen Spiele, die Fußballweltmeisterschaft und
         die Fußballeuropameisterschaft. Zu diesem Zweck steht es den Mitgliedstaaten weiterhin frei, mit dem Gemeinschaftsrecht zu
         vereinbarende Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die Ausübung ausschließlicher Senderechte für solche Ereignisse durch die
         ihrer Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter geregelt werden soll.
      
      (19)      Es müssen innerhalb eines Gemeinschaftsrahmens Vorkehrungen getroffen werden, damit etwaige rechtliche Unsicherheit und Marktstörungen
         vermieden werden und der freie Verkehr für Fernsehdienste mit der Notwendigkeit, einer möglichen Umgehung der zum Schutz eines
         rechtmäßigen allgemeinen Interesses erlassenen Maßnahmen zu begegnen, in Einklang gebracht wird.
      
      (20)      Es ist insbesondere angezeigt, in dieser Richtlinie Bestimmungen für die Ausübung der ausschließlichen Senderechte festzulegen,
         die Fernsehveranstalter möglicherweise für Ereignisse erworben haben, die für die Gesellschaft in einem anderen Mitgliedstaat
         als demjenigen, dessen Rechtshoheit die Veranstalter unterliegen, von erheblicher Bedeutung sind. …
      
      (21)      Ereignisse von ‚erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung‘ im Sinne dieser Richtlinie sollten bestimmten Kriterien genügen,
         d. h., es sollten herausragende Ereignisse sein, die von Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union,
         in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem bedeutenden Teil eines bestimmten Mitgliedstaats sind und die im Voraus von
         einem Veranstalter organisiert werden, der kraft Gesetzes befugt ist, die Rechte an diesem Ereignis zu veräußern.
      
      (22)      Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Begriff ‚frei zugängliche Fernsehsendung‘ die Ausstrahlung eines der Öffentlichkeit
         zugänglichen Programms auf einem öffentlichen oder privaten Kanal, ohne dass neben den in dem betreffenden Mitgliedstaat überwiegend
         anzutreffenden Arten der Gebührenentrichtung für das Fernsehen (beispielsweise Fernsehgebühren und/oder Grundgebühren für
         einen Kabelanschluss) eine weitere Zahlung zu leisten ist.“
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtener Beschluss
      5        Die Klägerin, die Fédération internationale de football association (FIFA), ist ein aus 208 nationalen Fußballverbänden bestehender
         Verband und das Selbstverwaltungsorgan des Weltfußballs. Ihre Ziele bestehen insbesondere darin, den Fußball weltweit zu fördern
         und internationale Fußballwettbewerbe auszurichten. Der Verkauf ihrer Rechte an der Fernsehübertragung der Endrunde der von
         ihr ausgerichteten Fußballweltmeisterschaft (im Folgenden: Weltmeisterschaft) bildet ihre Haupteinnahmequelle.
      
      6        In Belgien sind die Flämische und die Französische Gemeinschaft für den Erlass von Maßnahmen im Sinne des Art. 3a der Richtlinie
         89/552 zuständig. So erließen die Behörden beider Gemeinschaften unterschiedliche Maßnahmen, die dann der Kommission der Europäischen
         Gemeinschaften von den belgischen föderalen Behörden mitgeteilt wurden.
      
      7        Nach Art. 76 § 1 der vom Flämischen Rat erlassenen und am 25. Januar 1995 koordinierten Erlasse über Rundfunk und Fernsehen
         (Belgisches Staatsblatt vom 30. Mai 1995, S. 15092) „[erstellt die] Flämische Regierung … eine Liste mit Ereignissen, die als von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung erachtet werden und die aus diesem Grund nicht auf Ausschließlichkeitsbasis in einer Art und Weise ausgestrahlt
         werden dürfen, die es einem großen Teil der Flämischen Gemeinschaft unmöglich macht, sie als Direktübertragung oder zeitversetzte
         Übertragung über einen frei zugänglichen Fernsehdienst mitzuverfolgen“.
      
      8        Mit Beschluss vom 28. Mai 2004 (Belgisches Staatsblatt vom 19. August 2004, S. 62207) bezeichnete die Flämische Regierung die Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung,
         darunter die Weltmeisterschaftsendrunde. Damit ein Ereignis für die Aufnahme in die Liste der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung in Betracht kommt, muss es nach diesem Beschluss mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen:
      
      –        Es muss hohen Aktualitätswert besitzen und großes Interesse bei der Bevölkerung wecken; 
      –        es muss im Rahmen eines wichtigen internationalen Wettbewerbs stattfinden oder ein Wettkampf mit Beteiligung der Nationalmannschaft,
         einer belgischen Vereinsmannschaft oder eines oder mehrerer belgischer Sportler/Sportlerinnen sein;
      
      –        es muss eine wichtige Sportart betreffen und in der Flämischen Gemeinschaft einen hohen kulturellen Wert haben;
      –        es muss traditionell über einen frei zugänglichen Fernsehdienst ausgestrahlt worden sein und in seiner Kategorie eine hohe
         Einschaltquote erzielen.
      
      9        Nach Art. 1 des Beschlusses vom 28. Mai 2004 müssen bestimmte auf der Liste verzeichnete Ereignisse, darunter die Weltmeisterschaftsendrunde,
         als direkte Gesamtberichterstattung ausgestrahlt werden. Nach Art. 2 dieses Beschlusses dürfen die Exklusivrechte für die
         auf der Liste verzeichneten Ereignisse nicht in einer Art und Weise ausgeübt werden, die es einem großen Teil der Bevölkerung
         unmöglich macht, diese Ereignisse über einen frei zugänglichen Fernsehsender zu verfolgen. Außerdem wird nach Abs. 2 dieser
         Vorschrift davon ausgegangen, dass ein großer Teil der Bevölkerung der Flämischen Gemeinschaft ein Ereignis von großer gesellschaftlicher
         Bedeutung über einen frei zugänglichen Fernsehsender verfolgen kann, wenn dieses Ereignis von einem Fernsehsender auf Niederländisch
         ausgestrahlt wird, der von mindestens 90 % der Bevölkerung ohne zusätzliche Zahlung über die Gebühren für einen Kabelanschluss
         hinaus empfangen werden kann.
      
      10      Art. 3 des Beschlusses vom 28. Mai 2004 bestimmt, dass die Fernsehanstalten, die die in Art. 2 des Beschlusses aufgestellten
         Voraussetzungen nicht erfüllen und ausschließliche Übertragungsrechte an den auf der Liste verzeichneten Ereignissen für die
         niederländischsprachige Region und die zweisprachige Region Brüssel-Hauptstadt erwerben, diese Rechte nur wahrnehmen dürfen,
         wenn sie aufgrund von Verträgen garantieren können, dass es keinem großen Teil der Bevölkerung unmöglich gemacht wird, diese
         Ereignisse im frei zugänglichen Fernsehen zu verfolgen. Dazu können die betreffenden Fernsehanstalten Unterlizenzen zu angemessenen
         Marktpreisen an Fernsehveranstalter vergeben, die diese Voraussetzungen erfüllen. Ist jedoch kein Fernsehveranstalter, der
         die fraglichen Voraussetzungen erfüllt, bereit, solche Unterlizenzen zu erwerben, darf die Fernsehanstalt, die die ausschließlichen
         Rechte erworben hat, davon Gebrauch machen. 
      
      11      Nach Art. 4 § 1 des vom Parlament der Französischen Gemeinschaft verabschiedeten Erlasses vom 27. Februar 2003 (Belgisches Staatsblatt vom 17. April 2003, S. 19637) kann die Regierung der Französischen Gemeinschaft nach Einholung der Stellungnahme des Obersten
         Rates für audiovisuelle Angelegenheiten eine Liste der Ereignisse festlegen, denen sie eine erhebliche Bedeutung für die Bevölkerung
         dieser Gemeinschaft beimisst. Hinsichtlich dieser Ereignisse darf ein Fernsehveranstalter oder die RTBF von Ausschließlichkeitsrechten
         nicht in einer Weise Gebrauch machen, die dazu führt, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung dieser Gemeinschaft keinen
         Zugang zu diesen Ereignissen über einen frei zugänglichen Fernsehdienst erhalten würde.
      
      12      Damit ein Ereignis für die Aufnahme in die Liste der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung in Betracht kommt,
         muss es nach Art. 4 § 2 des Erlasses vom 27. Februar 2003 mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen:
      
      –        Es muss bei der Bevölkerung der Französischen Gemeinschaft allgemein und nicht nur bei dem Personenkreis, der üblicherweise
         ein solches Ereignis verfolgt, besondere Beachtung finden;
      
      –        seine kulturelle Bedeutung muss von der Bevölkerung der Französischen Gemeinschaft allgemein anerkannt sein, und es muss Katalysatorwirkung
         für ihre kulturelle Identität haben; 
      
      –        eine Persönlichkeit oder eine Mannschaft des Landes muss an dem betreffenden Ereignis im Rahmen eines Wettkampfs oder einer
         bedeutenden internationalen Veranstaltung teilnehmen;
      
      –        es muss traditionell in der Französischen Gemeinschaft über ein frei zugängliches Fernsehprogramm ausgestrahlt worden sein
         und hohe Einschaltquoten erzielen.
      
      13      Nach Art. 4 § 3 dieses Erlasses gilt ein Fernsehdienst als frei zugänglich, wenn er in französischer Sprache ausgestrahlt
         wird und von 90 % der Haushalte in der französischsprachigen Region und in der zweisprachigen Region Brüssel-Hauptstadt, die
         über eine Einrichtung für den Empfang von Fernsehdiensten verfügen, empfangen werden kann. Außer den Kosten für die technische
         Einrichtung darf für den Empfang dieses Dienstes zusätzlich zu eventuell zu entrichtenden Grundgebühren für einen Kabelanschluss
         keine weitere Zahlung zu leisten sein.
      
      14      Nach Art. 2 des von der Regierung der Französischen Gemeinschaft erlassenen Beschlusses vom 8. Juni 2004 (Belgisches Staatsblatt vom 6. September 2004, S. 65247) ist „[d]er Fernsehveranstalter, der im Zuständigkeitsbereich der Französischen Gemeinschaft
         tätig ist und ein von ihm erworbenes ausschließliches Recht auf Übertragung eines Ereignisses von erheblicher Bedeutung wahrnehmen
         möchte, … verpflichtet, dieses Ereignis über ein frei zugängliches Fernsehprogramm und in Übereinstimmung mit dem Anhang dieses
         Beschlusses auszustrahlen“.
      
      15      Der Anhang des Beschlusses vom 8. Juni 2004 und die konsolidierte Liste der Ereignisse von erheblicher Bedeutung für das Königreich
         Belgien umfassen die Weltmeisterschaftsendrunde in Direktübertragung und als Gesamtberichterstattung.
      
      16      Mit Schreiben vom 15. Januar 2001 und 16. Mai 2002 übermittelte die FIFA dem Ministerium der Flämischen Gemeinschaft ihre
         Stellungnahme zur etwaigen Aufnahme der Weltmeisterschaft in eine Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die
         belgische Gesellschaft und wandte sich dagegen, sämtliche WM-Spiele in eine solche Liste aufzunehmen.
      
      17      Mit Schreiben vom 10. Dezember 2003 teilte das Königreich Belgien der Kommission die im Rahmen von Art. 3a der Richtlinie
         89/552 erlassenen Maßnahmen mit.
      
      18      Die betreffenden Maßnahmen sind Gegenstand des Beschlusses 2007/479/EG der Kommission vom 25. Juni 2007 über die Vereinbarkeit
         mit dem Gemeinschaftsrecht von Maßnahmen [des Königreichs Belgien] gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie 89/552 (ABl. L 180,
         S. 24, im Folgenden: angefochtener Beschluss).
      
      19      Der verfügende Teil des angefochtenen Beschlusses lautet:
      
      „Artikel 1
      Die der Kommission am 10. Dezember 2003 [vom Königreich] Belgien mitgeteilten Maßnahmen gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie
         [89/552] sind in der im Amtsblatt der Europäischen Union C 158 vom 29. Juni 2005 veröffentlichten Fassung mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar.
      
      Artikel 2
      Die im Anhang zu diesem Beschluss aufgeführten Maßnahmen [des Königreichs Belgien] werden in ihrer endgültigen Form gemäß
         Artikel 3a Absatz 2 der Richtlinie [89/552] im Amtsblatt veröffentlicht.“
      
      20      Der angefochtene Beschluss wird u. a. mit folgenden Erwägungen begründet:
      
      „(4)      Bei der Erstellung der Liste von Ereignissen mit erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung, die Teil der belgischen Maßnahmen
         ist, wurde für Eindeutigkeit und Transparenz Sorge getragen; zuvor hatte eine umfassende Anhörung in Belgien stattgefunden.
      
      (5)      Die Kommission hat festgestellt, dass die in den mitgeteilten Maßnahmen [des Königreichs Belgien] aufgeführten Veranstaltungen
         mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllen, die als verlässliche Indikatoren für die gesellschaftliche Bedeutung von
         Ereignissen gelten: i) das Ereignis findet im betreffenden Mitgliedstaat in der breiten Öffentlichkeit besondere Resonanz
         und ist nicht nur für diejenigen von Bedeutung, die die entsprechenden Sport‑ oder sonstigen Veranstaltungen ohnehin verfolgen;
         ii) das Ereignis hat eine allgemein anerkannte spezifische kulturelle Bedeutung für die Bevölkerung des betreffenden Mitgliedstaats,
         insbesondere aufgrund seines identitätsstiftenden Charakters; iii) die Nationalmannschaft nimmt an dem Ereignis im Rahmen
         eines Wettkampfs oder Turniers von internationaler Bedeutung teil; iv) das Ereignis wurde bisher in einer frei zugänglichen
         Fernsehsendung übertragen und erreichte eine große Zahl von Zuschauern.
      
      (6)      Einige der in der Liste der belgischen Maßnahmen aufgeführten Veranstaltungen, darunter die Olympischen Sommer‑ und Winterspiele
         und die Endrunden der Fußballweltmeisterschaft und der Fußballeuropameisterschaft (Herren), werden üblicherweise der Kategorie
         der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung zugerechnet, auf die in Erwägung 18 der Richtlinie [97/36] ausdrücklich
         verwiesen wird. Diese Ereignisse finden in Belgien in der breiten Öffentlichkeit besondere Resonanz, da sie sehr populär sind,
         und zwar nicht nur bei den ohnehin Sportinteressierten.
      
      …
      (8)      Die in der Liste aufgeführten Fußballereignisse, an denen belgische Mannschaften teilnehmen, finden in Belgien in der breiten
         Öffentlichkeit besondere Resonanz, da sie belgischen Mannschaften Gelegenheit bieten, dem belgischen Fußball international
         mehr Geltung zu verschaffen.
      
      …
      (16)      Die aufgeführten Veranstaltungen, einschließlich derjenigen, die in ihrer Gesamtheit – und nicht als Aneinanderreihung von
         Einzelveranstaltungen – zu sehen sind, wurden bisher in einer frei zugänglichen Fernsehsendung übertragen und erreichten eine
         große Zahl von Zuschauern. …
      
      (17)      Die belgischen Maßnahmen erscheinen angemessen und rechtfertigen eine Ausnahme vom Grundsatz des freien Dienstleistungsverkehrs
         im EG-Vertrag, und zwar wegen zwingender Gründe des Allgemeininteresses an der Gewährleistung eines breiten öffentlichen Zugangs
         zu Fernsehübertragungen von Veranstaltungen mit erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
      
      (18)      Die belgischen Maßnahmen sind insofern mit den Wettbewerbsregeln [des Vertrags] vereinbar, als die Definition von Fernsehveranstaltern,
         die für die Übertragung der aufgeführten Veranstaltungen qualifiziert sind, auf objektiven Kriterien beruht, die einen tatsächlichen
         und möglichen Wettbewerb um den Erwerb der Senderechte für diese Veranstaltungen zulassen. Außerdem ist die Zahl der aufgeführten
         Veranstaltungen nicht unverhältnismäßig groß, so dass es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen auf den nachgelagerten Märkten des
         frei zugänglichen und des Bezahlfernsehens kommt.
      
      …
      (22)      Aufgrund des Urteils des Gerichts [vom 15. Dezember 2005, Infront WM/Kommission, T‑33/01, Slg. 2005, II‑5897] stellt die Erklärung,
         dass Maßnahmen gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie [89/552] mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind, eine Entscheidung
         im Sinne von Artikel 249 [EG] dar, die deshalb von der Kommission zu [erlassen] ist. Folglich ist durch diesen Beschluss festzustellen,
         dass die [vom Königreich] Belgien mitgeteilten Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind. Die im Anhang zu diesem
         Beschluss aufgeführten [vom Königreich] Belgien getroffenen Maßnahmen sollten in ihrer endgültigen Form gemäß Artikel 3a Absatz
         2 der Richtlinie [89/552] im Amtsblatt veröffentlicht werden“.
      
       Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      21      Mit Schriftsatz, der am 4. Oktober 2007 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die FIFA die vorliegende Klage erhoben.
      
      22      Mit besonderem, bei der Kanzlei des Gerichts am 11. Oktober 2007 eingereichtem Schriftsatz hat die FIFA beim Gericht beantragt,
         der Kommission im Rahmen prozessleitender Maßnahmen die Vorlage mehrerer Dokumente aufzugeben, die ihrer Ansicht nach sowohl
         für die Ausübung ihrer Rechte als auch für die gerichtliche Überprüfung, zu der das Gericht aufgerufen sei, wesentlich sind.
      
      23      Mit Schriftsätzen, die am 25. und 29. Januar 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingereicht worden sind, haben das Königreich
         Belgien, die Bundesrepublik Deutschland und das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland ihre Zulassung als Streithelfer
         in der vorliegenden Rechtssache zur Unterstützung der Anträge der Kommission beantragt. Mit Beschluss vom 31. März 2008 hat
         der Präsident der Siebten Kammer des Gerichts diese Streitbeitritte zugelassen. Die Streithelfer haben ihre Schriftsätze und
         die FIFA hat ihre Stellungnahmen dazu fristgerecht eingereicht. 
      
      24      Mit am 26. Februar 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingereichtem Schreiben hat die FIFA beim Gericht beantragt, der Kommission
         im Rahmen prozessleitender Maßnahmen die Vorlage bestimmter in deren Klagebeantwortung angeführter Dokumente aufzugeben. 
      
      25      Mit Entscheidung vom 26. Mai 2008 hat die Siebte Kammer des Gerichts beschlossen, in diesem Stadium die von der FIFA beantragten
         prozessleitenden Maßnahmen nicht zu ergreifen.
      
      26      Mit Beschluss vom 15. Dezember 2009 ist die vorliegende Rechtssache zu gemeinsamem mündlichem Verfahren mit der Rechtssache
         T‑68/08, FIFA/Kommission, verbunden worden.
      
      27      Das Gericht hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und im Rahmen prozessleitender
         Maßnahmen mehrere Fragen an die FIFA und die Kommission gerichtet. Die Fragen des Gerichts sind fristgerecht beantwortet worden.
      
      28      Die FIFA beantragt,
      
      –        den angefochtenen Beschluss, soweit er die Weltmeisterschaft betrifft, teilweise oder ganz für nichtig zu erklären;
      –        der Kommission, dem Königreich Belgien, der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten Königreich die Kosten aufzuerlegen.
      29      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        der FIFA die Kosten aufzuerlegen.
      30      Das Königreich Belgien, die Bundesrepublik Deutschland und das Vereinigte Königreich beantragen Klageabweisung. Das Königreich
         Belgien und die Bundesrepublik Deutschland beantragen auch, der FIFA die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
      
       Rechtliche Würdigung
       Zur Zulässigkeit
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      31      Zu den Fragen betreffend die Zulässigkeit der Klage hat die Kommission in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass sie infolge
         des Urteils des Gerichtshofs vom 13. März 2008, Kommission/Infront WM (C‑125/06 P, Slg. 2008, I‑1451), ihr Vorbringen in der
         Klagebeantwortung zur Unzulässigkeit der Klage zurücknehme.
      
      32      Das Königreich Belgien hält die Klage für unzulässig, weil die FIFA von dem angefochtenen Beschluss weder individuell noch
         unmittelbar betroffen sei. Außerdem sei die FIFA in Belgien nicht gerichtlich gegen die nationalen Maßnahmen vorgegangen,
         so dass ihre Klage vor dem Gericht zu spät erhoben sei, denn die etwaige Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses berühre
         nicht die Gültigkeit der fraglichen nationalen Bestimmungen. Die FIFA habe deshalb hinsichtlich des angefochtenen Beschlusses
         kein Klageinteresse.
      
      33      Nach Ansicht der Bundesrepublik Deutschland hat die FIFA hinsichtlich des angefochtenen Beschlusses kein Klageinteresse, weil
         zum Zeitpunkt seines Erlasses die Übertragungsrechte an den Spielen der Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 bereits vergeben
         gewesen seien. Die Stellung der FIFA hinsichtlich der Möglichkeit, die Übertragungsrechte an den Spielen dieser Wettbewerbe
         an die Fernsehanstalten ihrer Wahl zu veräußern, sei somit von dem angefochtenen Beschluss nicht berührt worden. Außerdem
         habe die FIFA hinsichtlich des angefochtenen Beschlusses auch kein Klageinteresse für die nach 2014 veranstalteten Wettbewerbe,
         weil erstens die Übertragungsrechte an deren Spielen noch nicht verwertet worden seien und zweitens die Kommission die Vereinbarkeit
         der belgischen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht in Ansehung bestimmter Ereignisse und nicht mit Blick auf alle künftig
         stattfindenden Weltmeisterschaftsendrunden geprüft habe. Die Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses nutze deshalb
         nur den nicht belgischen Fernsehanstalten, die die Spiele der Weltmeisterschaft in Belgien ausstrahlen wollten. Außerdem sei
         die FIFA von dem angefochtenen Beschluss nicht unmittelbar betroffen.
      
      34      Die FIFA ist der Auffassung, der angefochtene Beschluss erzeuge Rechtsfolgen und betreffe sie überdies unmittelbar und individuell.
      
       Würdigung durch das Gericht
      35      Die vom Königreich Belgien und von der Bundesrepublik Deutschland vorgebrachten Unzulässigkeitsgründe betreffen unverzichtbare
         Prozessvoraussetzungen, da damit Klageinteresse und Klagebefugnis der FIFA sowie die Einhaltung der Klagefrist in Frage gestellt
         werden. Diese Prozessvoraussetzungen sind somit vom Gericht von Amts wegen zu prüfen, auch wenn die betreffenden Streithelfer
         nach Art. 40 Abs. 4 der Satzung des Gerichtshofs und Art. 116 § 3 der Verfahrensordnung des Gerichts nicht befugt sind, sie
         geltend zu machen, da die Kommission die Zulässigkeit der Klage nicht mehr in Abrede stellt (vgl. in diesem Sinne entsprechend
         Urteil des Gerichtshofs vom 24. März 1993, CIRFS u. a./Kommission, C‑313/90, Slg. 1993, I‑1125, Randnrn. 21 bis 23).
      
      36      Zur unmittelbaren Betroffenheit der FIFA ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung die in Art. 230 Abs. 4
         EG genannte Voraussetzung, dass eine natürliche oder juristische Person von der Entscheidung unmittelbar betroffen sein muss,
         nur dann erfüllt ist, wenn sich die beanstandete Maßnahme der Gemeinschaft auf die Rechtsstellung dieser Person unmittelbar
         auswirkt und ihren Adressaten, die mit ihrer Durchführung betraut sind, keinerlei Ermessensspielraum lässt, ihre Durchführung
         vielmehr rein automatisch erfolgt und sich allein aus der Gemeinschaftsregelung ergibt, ohne dass weitere Durchführungsvorschriften
         angewandt werden (vgl. Urteil Kommission/Infront WM, oben in Randnr. 31 angeführt, Randnr. 47 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      37      Dazu ist festzustellen, dass nach den Art. 1 und 3 Abs. 1 des Beschlusses vom 28. Mai 2004 (siehe oben, Randnrn. 9 und 10)
         kein Fernsehveranstalter, der nicht die Voraussetzungen des Art. 2 Abs. 2 desselben Beschlusses erfüllt, ausschließliche Rechte
         zur Übertragung der Weltmeisterschaft für die niederländischsprachige Region und die Region Brüssel-Hauptstadt wahrnehmen
         darf, es sei denn, er stellt durch den Abschluss von Verträgen sicher, dass die fraglichen Voraussetzungen erfüllt werden.
         In ähnlicher Weise ergibt sich aus Art. 2 des Beschlusses vom 8. Juni 2004 und aus dessen Anhang (siehe oben, Randnr. 14),
         dass die Fernsehveranstalter, die im Zuständigkeitsbereich der Französischen Gemeinschaft tätig sind und ein ausschließliches
         Recht zur Übertragung der Weltmeisterschaftsspiele wahrnehmen möchten, die Spiele über ein Fernsehprogramm ausstrahlen müssen,
         das die oben in Randnr. 13 angeführten Voraussetzungen erfüllt.
      
      38      Aus dieser Regelung ergibt sich, dass die Vergabe der Exklusivübertragungsrechte an der Weltmeisterschaft, deren Veranstalter
         im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 die FIFA ist, an Fernsehveranstalter, die der Rechtshoheit des Königreichs
         Belgien unterliegen und nicht die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Voraussetzungen erfüllen, nicht die Rechtsfolgen
         erzeugt, die eine solche Ausschließlichkeit im Regelfall mit sich bringt. Nach den von der Flämischen und der Französischen
         Gemeinschaft dieses Mitgliedstaats für ihre Zuständigkeitsbereiche aufgestellten Regeln müssen nämlich solche Fernsehveranstalter
         für die Übertragung der Weltmeisterschaftsspiele auf die Dienste einer anderen Fernsehanstalt zurückgreifen, die die genannten
         Voraussetzungen erfüllt, so dass die vereinbarte Ausschließlichkeitsklausel ausgehöhlt wird.
      
      39      Zwar ergeben sich diese Rechtsfolgen aus den belgischen Rechtsvorschriften und nicht aus dem angefochtenen Beschluss, doch
         der mit diesem nach Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552 ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung schafft für
         die Mitgliedstaaten eine Verpflichtung zur Wahrung dieser Folgen. Insbesondere müssen die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass
         sich die ihrer Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter an die Bedingungen für die Fernsehübertragung der auf der konsolidierten
         Liste im Anhang zu dem angefochtenen Beschluss verzeichneten Ereignisse in Belgien halten, wie sie vom Königreich Belgien
         in seinen gebilligten und im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Maßnahmen festgelegt wurden. Die Verpflichtung, dieses Ergebnis zu erreichen, greift aber unmittelbar in
         die Rechtsstellung der Fernsehveranstalter ein, die der Rechtshoheit anderer Mitgliedstaaten als des Königreichs Belgien unterliegen
         und Übertragungsrechte für Belgien erwerben möchten, deren Inhaberin ursprünglich die FIFA war (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Kommission/Infront WM, oben in Randnr. 31 angeführt, Randnrn. 62 und 63).
      
      40      Der durch den angefochtenen Beschluss ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung verpflichtet deshalb die Mitgliedstaaten,
         dafür zu sorgen, dass ihrer Rechtshoheit unterliegende Fernsehveranstalter, die nicht die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten
         Voraussetzungen erfüllen, von den Rechten zur Übertragung der Weltmeisterschaftsspiele nicht auf Ausschließlichkeitsbasis
         Gebrauch machen, so dass die FIFA eine Beeinträchtigung der Rechte, die sie ursprünglich innehat, auch erfährt, wenn sie öffentlich
         Anstalten angeboten werden, die nicht der Rechtshoheit des Königreichs Belgien, sondern der eines anderen Mitgliedstaats unterliegen.
      
      41      Daher wirkt sich der angefochtene Beschluss unmittelbar auf die Rechtsstellung der FIFA aus, was die ursprünglich ihr zustehenden
         Rechte betrifft, und er lässt den Mitgliedstaaten keinerlei Ermessensspielraum hinsichtlich des beabsichtigten Ergebnisses,
         das automatisch vorgegeben ist und sich unabhängig von der Ausgestaltung der einzelnen Mechanismen, die von den nationalen
         Behörden zur Erreichung dieses Ergebnisses eingerichtet werden, allein aus der Gemeinschaftsregelung ergibt (vgl. in diesem
         Sinne Urteil Kommission/Infront WM, oben in Randnr. 31 angeführt, Randnrn. 60 und 61).
      
      42      Mithin ist die FIFA von dem angefochtenen Beschluss unmittelbar betroffen.
      
      43      Was die Frage angeht, ob die FIFA von dem angefochtenen Beschluss individuell betroffen ist, so kann eine andere Person als
         der Adressat einer Entscheidung nur dann geltend machen, individuell betroffen zu sein, wenn diese Entscheidung sie wegen
         bestimmter persönlicher Eigenschaften oder wegen sie aus dem Kreis aller übrigen Personen heraushebender Umstände berührt
         und sie dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer derartigen Entscheidung (vgl. Urteil Kommission/Infront
         WM, oben in Randnr. 31 angeführt, Randnr. 70 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      44      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass die Weltmeisterschaft unabhängig von der Rechtsnatur und der Quelle der Übertragungsrechte
         an ihr ein Ereignis im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 ist, weil sie im Voraus von einem Veranstalter
         organisiert wird, der kraft Gesetzes zur Veräußerung dieser Rechte befugt ist, und dass die FIFA dieser Veranstalter ist.
         Da dies auch zum Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Beschlusses galt, war die FIFA zum damaligen Zeitpunkt leicht identifizierbar.
      
      45      Die FIFA ist daher von dem angefochtenen Beschluss individuell betroffen.
      
      46      Zum Vorbringen des Königreichs Belgien, dass die FIFA nicht vor den nationalen Gerichten gegen die belgischen Maßnahmen vorgegangen
         sei, genügt der Hinweis, dass die FIFA mit ihrer Klage namentlich die Rechtmäßigkeit von Art. 1 des angefochtenen Beschlusses
         in Abrede stellt, nach dem die fraglichen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind.
      
      47      Daraus folgt, dass die Prüfung, um die das Gericht im vorliegenden Fall ersucht wird, die Rechtmäßigkeit dieser Feststellung
         betrifft, ohne dass die unterbliebene Anfechtung der belgischen Maßnahmen vor den nationalen Gerichten die Zulässigkeit der
         – im Übrigen innerhalb der Frist des Art. 230 EG eingereichten – Klage auf die eine oder die andere Weise berührt (vgl. in
         diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 15. Dezember 2005, Infront WM/Kommission, T‑33/01, Slg. 2005, II‑5897, Randnr. 109).
      
      48      Zum Vorbringen der Bundesrepublik Deutschland, dass zum Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Beschlusses die Übertragungsrechte
         an den Weltmeisterschaften 2006, 2010 und 2014 bereits durch die FIFA vergeben gewesen seien, genügt der Hinweis, dass die
         Kommission die vom Königreich Belgien erlassenen Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt hat, wie sie im
         Anhang zu dem angefochtenen Beschluss wiedergegeben sind. Diese Maßnahmen beziehen sich aber auf die Weltmeisterschaft ohne
         zeitliche Begrenzung, so dass sie von dem angefochtenen Beschluss gedeckt sind, solange sie in Kraft bleiben. Das Klageinteresse
         der FIFA wird deshalb durch das Vorbringen der Bundesrepublik Deutschland nicht berührt.
      
      49      Das Vorbringen des Königreichs Belgien und der Bundesrepublik Deutschland, mit dem die Unzulässigkeit der Klage geltend gemacht
         wird, ist deshalb zurückzuweisen.
      
       Zur Begründetheit
      50      Die FIFA bringt sechs Klagegründe vor, nämlich erstens einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die
         Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit Art. 49 EG vereinbar seien, zweitens
         einen Verstoß gegen Art. 49 EG, drittens einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu
         dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit Art. 43 EG vereinbar seien, viertens einen Verstoß
         gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass die belgischen
         Maßnahmen mit dem Eigentumsrecht der FIFA vereinbar seien, fünftens einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552,
         weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass das dem Erlass der belgischen Maßnahmen vorausgegangene
         Verfahren eindeutig und transparent gewesen sei, und sechstens einen Begründungsmangel.
      
      51      Der Prüfung der Klagegründe der FIFA sind einige allgemeine Ausführungen voranzustellen, denen bei der Beurteilung der Begründetheit
         der Klagegründe Rechnung zu tragen ist.
      
      52      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 die Möglichkeit der Mitgliedstaaten konkretisiert
         hat, im audiovisuellen Bereich die Ausübung der vom primären Gemeinschaftsrecht festgelegten Grundfreiheiten aus zwingenden
         Gründen des Allgemeininteresses zu beschränken.
      
      53      Selbst wenn nämlich die von den Mitgliedstaaten im Rahmen von Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 erlassenen Maßnahmen unterschiedslos
         sowohl für die im Inland ansässigen als auch für die in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Unternehmen gelten, sind sie schon
         dann als Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs im Sinne des Art. 49 EG anzusehen, wenn sie bestimmten, im Inland
         ansässigen Unternehmen zugutekommen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 5. Juni 1997, SETTG, C‑398/95, Slg.
         1997, I‑3091, Randnr. 16, und vom 13. Dezember 2007, United Pan-Europe Communications Belgium u. a., C‑250/06, Slg. 2007,
         I‑11135, Randnrn. 37 und 38). Desgleichen können diese Maßnahmen die Niederlassungsfreiheit einschränken, wenn sie die Gesellschaften
         aus anderen Mitgliedstaaten gegenüber den Gesellschaften aus dem Mitgliedstaat, der sie erlassen hat, tatsächlich oder rechtlich
         benachteiligen können (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 11. Mai 1999, Pfeiffer, C‑255/97, Slg. 1999, I‑2835,
         Randnr. 19).
      
      54      Solche Beschränkungen von vom Vertrag garantierten Grundfreiheiten können aber gerechtfertigt sein, wenn sie zwingenden Gründen
         des Allgemeininteresses entsprechen, geeignet sind, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und nicht
         über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist (vgl. in diesem Sinne Urteile Pfeiffer, oben in Randnr.
         53 angeführt, Randnr. 19, und United Pan-Europe Communications Belgium u. a., oben in Randnr. 53 angeführt, Randnr. 39 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      55      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Freiheit der Meinungsäußerung, wie sie in Art. 10 der am 4. November 1950 in Rom
         unterzeichneten Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK) verankert ist, zu den von
         der Gemeinschaftsrechtsordnung verbürgten Grundrechten gehört und einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellt,
         der solche Beschränkungen rechtfertigen kann (vgl. in diesem Sinne Urteil United Pan-Europe Communications Belgium u. a.,
         oben in Randnr. 53 angeführt, Randnr. 41 und die dort angeführte Rechtsprechung). Außerdem schließt nach Art. 10 Abs. 1 EMRK
         die Freiheit der Meinungsäußerung auch die Freiheit ein, Informationen zu empfangen.
      
      56      Hier beschränken, wie im 17. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ausgeführt, die vom Königreich Belgien erlassenen
         Maßnahmen den freien Dienstleistungsverkehr. Wie sich jedoch aus dem 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 ergibt, sollen
         die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a der Richtlinie 89/552 das Recht auf Informationen schützen und der Öffentlichkeit breiten
         Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         verschaffen. Nach dem 21. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 kommt einem Ereignis erhebliche Bedeutung zu, wenn es herausragend
         ist, von Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union, in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem
         bedeutenden Teil eines bestimmten Mitgliedstaats ist und im Voraus von einem Veranstalter organisiert wird, der befugt ist,
         die Rechte daran zu veräußern.
      
      57      Daraus folgt, dass die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552, da sie Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung betreffen, aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind, was von der FIFA auch nicht bestritten
         wird.
      
      58      Die fraglichen Maßnahmen müssen sodann, wie oben in Randnr. 54 ausgeführt, geeignet sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten
         Ziels zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist.
      
      59      Schließlich ist zur Bedeutung des 18. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 erstens darauf hinzuweisen, dass Art. 3a der Richtlinie
         89/552, auf den sich dieser Erwägungsgrund bezieht, keine Harmonisierung der spezifischen Ereignisse vornimmt, die von den
         Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden können. Im Gegensatz zu der Fassung dieser
         Vorschrift in dem Beschluss des Europäischen Parlaments betreffend den Gemeinsamen Standpunkt des Rates im Hinblick auf den
         Erlass der Richtlinie [97/36] (ABl. 1996, C 362, S. 56), die ausdrücklich auf die Olympischen Sommer‑ und Winterspiele und
         die Fußballwelt‑ und ‑europameisterschaften Bezug nimmt, enthält jene Bestimmung nämlich keine Bezugnahme auf bestimmte Ereignisse,
         die in die nationalen Listen aufgenommen werden können.
      
      60      Daraus folgt, dass, wie im Übrigen von der Kommission vorgebracht, der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 nicht so verstanden
         werden kann, dass danach die Aufnahme der Weltmeisterschaft in eine nationale Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung ohne Weiteres mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar ist. Erst recht kann dieser Erwägungsgrund nicht so verstanden
         werden, dass es danach in allen Fällen gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit und unabhängig von dem
         Interesse, das die Spiele dieses Wettbewerbs in dem betroffenen Mitgliedstaat hervorrufen, in eine solche Liste aufzunehmen.
      
      61      In Anbetracht der Ausführungen in den vorstehenden Randnrn. 52 bis 57 bedeutet dieser Erwägungsgrund dagegen, dass ein Mitgliedstaat,
         wenn er Spiele der Weltmeisterschaft in die Liste seiner Wahl aufnimmt, in seiner Mitteilung an die Kommission keine besondere
         Begründung zu ihrer Eigenschaft als Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung geben muss.
      
      62      Diese Überlegungen bilden den Maßstab für die Prüfung der Begründetheit der von der FIFA erhobenen Klagegründe.
      
      63      Schließlich wird sich das Gericht, da die FIFA mit ihrem in der Erwiderung vorgebrachten sechsten Klagegrund einen Begründungsmangel
         hinsichtlich der von der Kommission vorgenommenen Bewertung der Bedeutung sämtlicher Spiele der Weltmeisterschaft für die
         belgische Gesellschaft geltend macht, mit diesem Klagegrund vor der Prüfung des ersten Klagegrundes befassen, mit dem die
         Richtigkeit dieser Bewertung in Abrede gestellt wird.
      
       Zum sechsten Klagegrund: Begründungsmangel
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      64      Die FIFA macht geltend, im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 finde sich keinerlei Anhaltspunkt dafür, dass die Bezugnahme
         auf die Weltmeisterschaft ohne Weiteres als Verweis auf alle 64 Spiele dieses Wettbewerbs als Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung zu verstehen wäre. Ganz im Gegenteil sei eine Aufteilung der Weltmeisterschaftsspiele in „Topspiele“, wozu die Halbfinalspiele,
         das Endspiel und die Spiele der jeweiligen Nationalmannschaft, hier der belgischen Nationalmannschaft, gehörten, auf der einen
         Seite und in „Normalspiele“, zu denen alle übrigen Spiele zählten, auf der anderen Seite ein probates Mittel und entspreche
         dem Vorgehen anderer Mitgliedstaaten, die ihre Maßnahmen nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 mitgeteilt hätten. Die
         Kommission selbst habe eine solche Kategorisierung der Spiele in ihrem Arbeitspapier CC TVSF(97) zur Anwendung des Art. 3a
         der Richtlinie 89/552 anerkannt. Der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 enthebe die Kommission deshalb nicht ihrer Pflicht,
         die Gründe darzulegen, weshalb sie die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die belgische Liste von Ereignissen von
         erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats billige.
      
      65      Die Beurteilungen, die die Kommission in den Erwägungsgründen 6 und 16 des angefochtenen Beschlusses vorgenommen habe, seien
         aber mit keinem Beweis versehen, so dass sie angesichts der im 21. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 enthaltenen Definition
         eines Ereignisses von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung nicht als angemessene Begründung angesehen werden könnten.
         Der angefochtene Beschluss enthalte nämlich keinerlei Beleg dafür, dass alle Weltmeisterschaftsspiele die von der Kommission
         zugrunde gelegten Kriterien erfüllten.
      
      66      Außerdem enthalte der angefochtene Beschluss weder Angaben zu den Daten über die belgische Medienlandschaft, die die Kommission
         ausweislich des dritten Erwägungsgrundes dieses Beschlusses berücksichtigt habe, noch zu den übrigen Informationen wie den
         Einschaltquoten, die ihr nach ihrer Aussage vorgelegen hätten. Unter diesen Umständen sei es der FIFA unmöglich, sich zu der
         Natur und der Maßgeblichkeit der Gesichtspunkte zu äußern, die die Kommission zu der Ansicht veranlasst hätten, dass alle
         Weltmeisterschaftsspiele von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft seien, und das Gericht könne die ihm übertragene
         Kontrolle nicht ausüben, so dass der angefochtene Beschluss für nichtig zu erklären sei.
      
      67      Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      68      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass eine fehlende oder unzureichende Begründung eine Verletzung wesentlicher Formvorschriften
         im Sinne des Art. 230 EG darstellt und ein Gesichtspunkt zwingenden Rechts ist, den der Gemeinschaftsrichter von Amts wegen
         prüfen kann und muss (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 2. Dezember 2009, Kommission/Irland u. a., C‑89/08 P, Slg. 2009, I‑11245,
         Randnr. 34 und die dort angeführte Rechtsprechung). Dass dieser Klagegrund erstmals in der Erwiderung erhoben worden ist,
         hindert das Gericht deshalb nicht daran, seine Begründetheit zu prüfen.
      
      69      Nach ständiger Rechtsprechung muss sodann die nach Art. 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts
         angepasst sein und die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck
         bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine
         Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist anhand der Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Inhalts
         des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und des Interesses zu beurteilen, das die Adressaten oder andere durch den
         Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht
         alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts
         den Erfordernissen des Art. 253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts, sondern auch seines Kontextes sowie sämtlicher
         Rechtsvorschriften auf dem betreffenden Gebiet zu beurteilen ist (Urteil des Gerichtshofs vom 30. März 2000, VBA/Florimex
         u. a., C‑265/97 P, Slg. 2000, I‑2061, Randnr. 93).
      
      70      Die FIFA beanstandet, die Kommission habe ihre Schlussfolgerung nicht begründet, wonach alle Weltmeisterschaftsspiele als
         von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft anzusehen seien. Im Übrigen ist hervorzuheben, dass die FIFA in ihrer
         schriftlichen Antwort auf die vom Gericht im Rahmen prozessleitender Maßnahmen gestellte Frage (siehe oben, Randnr. 27) ausdrücklich
         bestätigt hat, was mittelbar aus mehreren Stellen ihrer Schriftsätze hervorgeht, nämlich, dass sie die Aufnahme der „Topspiele“
         der Weltmeisterschaft, also des Endspiels, der Halbfinalspiele und der Spiele der belgischen Nationalmannschaft, in die belgische
         Liste für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar halte, sofern auch den Erfordernissen eines eindeutigen und transparenten Verfahrens
         Rechnung getragen sei.
      
      71      Zwar enthält der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 keine Aussage zu der Schlüsselfrage, ob alle oder nur einige Weltmeisterschaftsspiele
         in eine nationale Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung aufgenommen werden sollten, doch gibt
         es keine Erwägung, die die Annahme rechtfertigt, dass grundsätzlich nur die „Topspiele“ diese Einstufung verdienen und daher
         zu einer solchen Liste gehören können.
      
      72      Die Weltmeisterschaft ist nämlich ein Wettbewerb, der vernünftigerweise eher als ein Gesamtereignis und nicht als eine Zusammenstellung
         einzelner, in „Topspiele“ und „Normalspiele“ aufgeteilter Ereignisse angesehen werden kann. Bekanntlich bestimmen bei der
         Weltmeisterschaft die Ergebnisse der „Normalspiele“ das Schicksal der Mannschaften, so dass von ihnen deren Beteiligung an
         den „Topspielen“ – wie denjenigen unter Beteiligung der Nationalmannschaft, die das Spiel zum „Topspiel“ erhebt – abhängen
         kann. So werden in den „Normalspielen“ die Gegner ermittelt, auf die die Nationalmannschaft, deren Beteiligung ein Spiel zum
         „Topspiel“ erhebt, in den späteren Runden des Wettbewerbs trifft. Außerdem kann von den Ergebnissen der „Normalspiele“ sogar
         abhängen, ob diese Nationalmannschaft die nächste Runde des Wettbewerbs erreicht oder nicht.
      
      73      In Anbetracht dieses besonderen Zusammenhangs, aufgrund dessen die Weltmeisterschaft als ein Gesamtereignis angesehen werden
         kann, wie im 16. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses hervorgehoben wird, musste die Kommission ihre Beurteilung hinsichtlich
         der „Normalspiele“ nicht näher begründen, und zwar insbesondere, wenn die einschlägigen Statistiken nicht belegen, dass diese
         Spiele systematisch eine zu vernachlässigende Zahl von Zuschauern interessieren (siehe unten, Randnrn. 101 bis 109). Aufgrund
         dieser Umstände konnte die Kommission ihren Beschluss auch mit dem Verweis auf das besondere Interesse begründen, auf das
         die Weltmeisterschaft in Belgien in dem Sinne stößt, dass es sich um ein bei der breiten Öffentlichkeit und nicht nur bei
         den Fußballfans besonders beliebtes Ereignis handelt, wie im sechsten Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ausgeführt
         wird.
      
      74      Die FIFA kann mithin der in den Erwägungsgründen 6 und 16 des angefochtenen Beschlusses (siehe oben, Randnr. 20) enthaltenen
         Begründung die Gründe entnehmen, aus denen die Kommission der Ansicht war, dass es gerechtfertigt gewesen sei, alle Weltmeisterschaftsspiele
         in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft aufzunehmen, und das Gericht kann anhand
         dieser Begründung seine Kontrolle der Begründetheit dieser Beurteilung ausüben, so dass der angefochtene Beschluss insoweit
         die Voraussetzungen des Art. 253 EG erfüllt.
      
      75      Der sechste Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
      
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit Art. 49 EG vereinbar seien 
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      76      Die FIFA bringt vor, die belgische Liste beschränke, wovon auch der 17. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses zeuge,
         den freien Dienstleistungsverkehr, da damit die Zahl der Fernsehanstalten begrenzt werde, die am Erwerb der Rechte für die
         Übertragung der Weltmeisterschaftsspiele in Belgien interessiert seien. In Anbetracht der Bedeutung, die der Ausschließlichkeit
         im Rahmen des Erwerbs solcher Rechte zukomme, sei nämlich keine in einem anderen Mitgliedstaat als Belgien ansässige Fernsehanstalt,
         die nicht die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Voraussetzungen erfülle, am Erwerb nichtexklusiver Übertragungsrechte
         interessiert, obwohl sie in der Lage sei, den betroffenen Gemeinschaften dieses Landes ihre Dienstleistungen anzubieten.
      
      77      Zwar könne die Ausübung einer mit dem Vertrag eingerichteten Grundfreiheit aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses,
         zu denen der Zugang der Öffentlichkeit zu den Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im Sinne des 21. Erwägungsgrundes
         der Richtlinie 97/36 gehöre, eingeschränkt werden, doch die Kommission müsse eine umfassende Prüfung der Vereinbarkeit der
         auf der Grundlage von Art. 3a der Richtlinie 89/552 erlassenen oder beabsichtigten Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht vornehmen,
         da diese Maßnahmen eng auszulegende Ausnahmen darstellten. Der betroffene Mitgliedstaat müsse beweisen, dass die fraglichen
         Einschränkungen gerechtfertigt, erforderlich und verhältnismäßig seien, und die Kommission müsse im vorliegenden Verfahren
         dartun, dass sie die dafür notwendigen Nachweise erhalten habe. 
      
      78      Die FIFA betont in diesem Zusammenhang, die „Topspiele“ könnten berechtigterweise als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         im Sinne dieser Bestimmung angesehen werden, was im Übrigen ihrer eigenen Politik entspreche. Nach dieser Politik müssten
         die Halbfinalspiele, das Endspiel, die Spiele der Nationalmannschaft, deren Beteiligung ein Spiel zum „Topspiel“ erhebe, und
         das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft, also insgesamt mindestens 22 Spiele, in Direktberichterstattung auf einem frei
         zugänglichen Fernsehkanal übertragen werden.
      
      79      Mehreren Stellen der Schriftsätze der Kommission sei aber zu entnehmen, dass diese unter Berufung darauf, dass der 18. Erwägungsgrund
         der Richtlinie 97/36 dies überflüssig mache, die Vereinbarkeit der belgischen Liste mit dem Gemeinschaftsrecht, soweit diese
         alle Weltmeisterschaftsspiele umfasse, nicht angemessen geprüft habe. Dies rechtfertige die Nichtigerklärung des angefochtenen
         Beschlusses.
      
      80      Außerdem stünden die streitigen Maßnahmen nicht mit ihrem erklärten Ziel in Einklang, den Zugang der Öffentlichkeit zu den
         Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft sicherzustellen, da sie langfristig eine „Ausblutung“
         der auf der Liste verzeichneten Sportereignisse bewirkten, indem die damit erzielten Einkünfte verringert würden, was ihrer
         „Erhaltung“ als Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung abträglich sei. 
      
      81      Zur Bedeutung der „Normalspiele“ für die belgische Gesellschaft macht die FIFA geltend, dass erstens diese Spiele außer bei
         den Fußballfans auf kein besonderes Interesse stießen und sie zweitens weder traditionell in frei zugänglichen Fernsehsendungen
         übertragen worden seien noch hohe Einschaltquoten erzielt hätten. Daraus folge, dass die „Normalspiele“ die beiden Kriterien
         nicht erfüllten, die von der Kommission in den Erwägungsgründen 6 und 16 des angefochtenen Beschlusses zugrunde gelegt worden
         seien, so dass der Kommission insoweit ein Fehler unterlaufen sei.
      
      82      Zum Kriterium des Anklangs, den die Weltmeisterschaft in der belgischen Gesellschaft finde, bringt die FIFA vor, die Aufnahme
         aller Spiele dieses Wettbewerbs in die Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung sei eine gemessen
         an dem verfolgten Ziel unverhältnismäßige Maßnahme. Die „Normalspiele“ der Weltmeisterschaft interessierten nämlich nur einen
         Bruchteil der Fernsehzuschauer, die sich für die „Topspiele“, aber auch für eine Reihe anderer Sendungen des belgischen Fernsehens
         interessierten, so dass ihre Beliebtheit sich in engen Grenzen halte. Diese Unverhältnismäßigkeit zeige sich im Übrigen darin,
         dass die Fernsehanstalten selbst nicht alle Spiele direkt übertrügen.
      
      83      Diese Schlussfolgerungen stünden im Einklang mit der Entscheidungspraxis der Kommission und der Rechtsprechung und fänden
         Bestätigung in den besonders niedrigen Zuschauerzahlen mancher „Normalspiele“, die in Wallonien von zwischen 27 000 und 33 000
         Fernsehzuschauern verfolgt worden seien.
      
      84      Insbesondere ergebe sich aus einer Studie, die auf den Inhalten der Datenbank einer belgischen Forschungsgesellschaft aufbaue,
         dass die durchschnittliche Zahl von Nichtfußballfans, die jeweils mindestens 30 zusammenhängende Minuten aller „Normalspiele“
         der Weltmeisterschaften 1998, 2002 und 2006 angeschaut hätten, nur 2,5 %, 0,8 % und 2,5 % der Gesamtzuschauerzahl für die
         Flämische Gemeinschaft und 1,4 %, 1,2 % und 1,4 % der Gesamtzuschauerzahl für die Französische Gemeinschaft ausgemacht habe.
         Demgegenüber hätten 17,6 %, 9,5 % und 10 % der Fußballfans mindestens 30 zusammenhängende Minuten aller „Topspiele“ der Weltmeisterschaften
         1998, 2002 und 2006 in der Flämischen Gemeinschaft gesehen, und in der Französischen Gemeinschaft beliefen sich diese Zahlen
         auf 10,9 %, 9 % und 12,5 %.
      
      85      Somit sei die Kommission, da in dem angefochtenen Beschluss in Bezug auf den besonderen Anklang, den die Weltmeisterschaftsspiele
         oder gar die „Normalspiele“ dieses Wettbewerbs angeblich bei der breiten Öffentlichkeit in Belgien fänden, kein anderer Beweis
         genannt werde, fehlerhaft zu dem Ergebnis gelangt, dass sämtliche Weltmeisterschaftsspiele von erheblicher Bedeutung für die
         belgische Gesellschaft seien.
      
      86      Außerdem könne nicht behauptet werden, dass die „Normalspiele“ von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft seien,
         wenn zugleich die Fernsehveranstalter nach dem belgischen Recht nicht zu deren Übertragung verpflichtet seien, während es
         solche Verpflichtungen für andere Ereignisse gebe.
      
      87      Das im achten Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses angesprochene Kriterium der Beteiligung der belgischen Nationalmannschaft
         sei bei den „Normalspielen“ definitionsgemäß nicht erfüllt.
      
      88      Das Kriterium der traditionellen Übertragung der Weltmeisterschaft in frei zugänglichen Fernsehsendungen und der hohen Einschaltquote
         sei zunächst ungeeignet, weil eine ganze Reihe von Sendungen wie Spielfilme und Unterhaltungssendungen dieses Kriterium erfüllten,
         ohne aber auf der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft verzeichnet zu sein. Sodann
         sei die Erfüllung dieses Kriteriums nur ein Indiz für die Bedeutung des Ereignisses, aufgrund dessen erwogen werden könne,
         es in die Liste aufzunehmen. Da darüber hinaus im 16. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses nichts anderes genannt
         werde, sei die Schlussfolgerung der Kommission nicht gerechtfertigt, dass dieses Kriterium erfüllt sei und dass die Aufnahme
         aller Weltmeisterschaftsspiele in die belgische Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung eine verhältnismäßige
         Maßnahme sei.
      
      89      Die FIFA wiederholt, dass die „Normalspiele“ der Weltmeisterschaft oft so wenig Interesse weckten, dass sie von den frei zugänglichen
         Fernsehsendern noch nicht einmal in Direktberichterstattung übertragen würden, und dass sie, wenn dies der Fall sei, nur von
         wenigen Zuschauern verfolgt würden. Bei den Weltmeisterschaften 1998, 2002 und 2006 seien so insgesamt 24 Spiele in einer
         der beiden oder in beiden belgischen Gemeinschaften, die die streitigen Maßnahmen erlassen hätten, nicht direkt übertragen
         worden, während acht dieser Spiele, die in Wallonien zeitversetzt übertragen worden seien, auf ein äußerst begrenztes Zuschauerinteresse
         gestoßen seien. Außerdem sei das Stattfinden zweier Spiele zur gleichen Zeit kein Grund für die Nichtübertragung eines von
         ihnen, da sie auf verschiedenen Kanälen ausgestrahlt werden könnten und auch die Erteilung von Unterlizenzen für diesen spezifischen
         Fall in Betracht komme.
      
      90      Im Übrigen seien die „Normalspiele“ der Weltmeisterschaft 2006 in Flandern und in Wallonien durchschnittlich nur von 326 000
         bzw. 279 000, die „Topspiele“ dieser Weltmeisterschaft dagegen von durchschnittlich 722 000 und 583 000 Fernsehzuschauern
         verfolgt worden, und ähnliche Tendenzen seien hinsichtlich der Weltmeisterschaften 1998 und 2002 festzustellen. Die Kommission
         habe somit auch fehlerhaft festgestellt, dass alle Weltmeisterschaftsspiele stets von zahlreichen Fernsehzuschauern in Belgien
         verfolgt worden seien, und damit die Anforderungen des Art. 3a der Richtlinie 89/552 missachtet.
      
      91      Außerdem hätte der Zugang der Öffentlichkeit zu den Weltmeisterschaftsspielen durch weniger einschränkende Maßnahmen erreicht
         werden können wie den Rückgriff auf Bezahlfernsehsender, deren Dienste immerhin von 90 % der belgischen Bevölkerung empfangen
         werden könnten, die zeitversetzte Übertragung von Spielausschnitten oder ganzen Spielen durch Fernsehanstalten, die die oben
         in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Voraussetzungen erfüllten, oder gar die direkte oder zeitversetzte Übertragung im Radio.
         So könne den Fernsehanstalten, die die genannten Voraussetzungen erfüllten, die Direktübertragung nur der „Topspiele“ vorbehalten
         werden. Wenn die Kommission aber diese Möglichkeiten nicht prüfe, sei ihre Schlussfolgerung nicht gerechtfertigt, dass die
         Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die belgische Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         eine gemessen an dem mit ihr verfolgten Zweck notwendige und verhältnismäßige Maßnahme sei.
      
      92      Die FIFA macht auch geltend, wenn Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 entgegen ihrem Vorbringen so zu verstehen sein sollte,
         dass die Weltmeisterschaft aufgrund des Wortlauts des 18. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 in ihrer Gesamtheit als ein
         Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung anzusehen sei, müsse berücksichtigt werden, dass in der Klageschrift
         und jedenfalls in der Erwiderung implizit eine Einrede nach Art. 241 EG gegen diese Bestimmung erhoben worden sei. Im Rahmen
         dieser Einrede beruft sich die FIFA auf das gesamte Vorbringen, mit dem sie darzutun bezweckt, dass es keinen Grund gebe,
         die Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit als ein einheitliches Ereignis von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung zu betrachten.
         
      
      93      Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      94      Erstens ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a der Richtlinie 89/552 den Mitgliedstaaten, indem er bestimmt, dass es ihre Sache
         ist, die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für ihre Gesellschaft im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36
         festzulegen, insoweit einen weiten Ermessensspielraum einräumt.
      
      95      Zweitens bedeutet ungeachtet dessen, dass Art. 3a der Richtlinie 89/552 keine Harmonisierung auf der Ebene der spezifischen
         Ereignisse vornimmt, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden können
         (siehe oben, Randnrn. 59 und 60), die Erwähnung der Weltmeisterschaft im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36, dass die
         Kommission die Aufnahme der Spiele dieses Wettbewerbs in eine Ereignisliste nicht aus dem Grund als gemeinschaftsrechtswidrig
         ansehen kann, weil der betroffene Mitgliedstaat ihr nicht die besonderen Gründe für deren Bedeutung für die Gesellschaft mitgeteilt
         hat (siehe oben, Randnr. 61). Die etwaige Schlussfolgerung der Kommission, dass die Aufnahme der Weltmeisterschaft in ihrer
         Gesamtheit in eine Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats mit dem Gemeinschaftsrecht
         deshalb vereinbar sei, weil es gerechtfertigt sei, diesen Wettbewerb aufgrund seiner Merkmale als ein einheitliches Ereignis
         anzusehen, kann jedoch auf der Grundlage spezifischer Anhaltspunkte in Frage gestellt werden, die belegen, dass die „Normalspiele“
         nicht von einer solchen Bedeutung für die Gesellschaft dieses Staates sind.
      
      96      Wie nämlich oben in den Randnrn. 59 und 60 ausgeführt worden ist, spricht weder der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36
         noch Art. 3a der Richtlinie 89/552 die Frage an, ob es gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit und unabhängig
         von dem Interesse, das ihre Spiele und insbesondere die „Normalspiele“ in dem betroffenen Mitgliedstaat hervorrufen, in eine
         Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung aufzunehmen.
      
      97      Folglich ist jede Erörterung betreffend die Rechtmäßigkeit der Richtlinie 97/36 in Bezug auf die Einstufung der Weltmeisterschaft
         insgesamt und nicht nur ihrer „Topspiele“ als Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung (siehe oben, Randnr. 92)
         gegenstandslos, da ihr 18. Erwägungsgrund zu dieser Frage keine Aussage enthält. Somit kann dahingestellt bleiben, ob die
         FIFA insoweit eine Einrede nach Art. 241 EG in ihrer Erwiderung hat wirksam erheben können oder ob eine solche Einrede implizit
         in der Klageschrift erhoben worden ist.
      
      98      Drittens kann, wie oben in den Randnrn. 71 und 72 ausgeführt worden ist, die Weltmeisterschaft vernünftigerweise eher als
         ein Gesamtereignis und nicht als eine Zusammenstellung einzelner, in „Topspiele“ und „Normalspiele“ aufgeteilter Ereignisse
         angesehen werden, so dass sich der Ansatz der belgischen Behörden innerhalb ihres Ermessensspielraums hält.
      
      99      Die Bedeutung der „Normalspiele“ ergibt sich im Übrigen auch schlicht daraus, dass sie Teil der Weltmeisterschaft sind, wie
         auch bei anderen Sportarten das normalerweise begrenzte Interesse an ihnen steigt, wenn sie im Rahmen der Olympischen Spiele
         stattfinden.
      
      100    Daraus folgt, dass der Kommission kein Fehler unterlaufen ist, als sie davon ausgegangen ist, dass für die Zwecke der Beurteilung
         der Bedeutung der Weltmeisterschaft für die belgische Gesellschaft nicht zwischen „Topspielen“ und „Normalspielen“ zu unterscheiden
         sei, sondern dieser Wettbewerb in seiner Gesamtheit und nicht als Aneinanderreihung einzelner Ereignisse betrachtet werden
         müsse (Erwägungsgründe 6 und 16 des angefochtenen Beschlusses, siehe oben, Randnr. 20).
      
      101    Die Argumente, die die FIFA dazu im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes vorbringt, entkräften die Beurteilungen in den Erwägungsgründen
         6 und 16 des angefochtenen Beschlusses nicht.
      
      102    Der Umstand, dass die Zahl von Nichtfußballfans, die jeweils 30 zusammenhängende Minuten aller „Normalspiele“ der Weltmeisterschaften
         1998, 2002 und 2006 angeschaut haben sollen, sehr niedrigen Prozentsätzen entspricht (siehe oben, Randnr. 84), ist nämlich
         nicht schlüssig, da nicht alle „Normalspiele“ zwangsläufig von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft sein müssen,
         damit es gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit in die belgische Liste solcher Ereignisse aufzunehmen.
         Um die Nichtunterscheidung zwischen „Topspielen“ und „Normalspielen“ im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu
         rechtfertigen, genügt es im Gegenteil, dass die oben in Randnr. 72 beschriebene Charakteristik auf manche „Normalspiele“ zutrifft,
         hinsichtlich deren weder die Zahl noch die Teilnehmer zum Zeitpunkt der Erstellung der Liste oder des Erwerbs der Übertragungsrechte
         genau festgestellt werden können. Daraus folgt, dass das Kriterium, das für die Zwecke der im Rahmen dieser Untersuchung durchgeführten
         Erhebungen angewandt wurde, übermäßig einschränkend und damit weder der Struktur der Weltmeisterschaft noch den Merkmalen
         angepasst war, die dieser Wettbewerb aufweisen muss, um in seiner Gesamtheit als Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung eingestuft werden zu können.
      
      103    Diese Feststellung entkräftet auch das Argument der FIFA, dass manche „Normalspiele“ der Weltmeisterschaften 1998, 2002 und
         2006 nicht direkt oder überhaupt nicht übertragen worden seien, zumal es bis auf zwei Ausnahmen Spiele betrifft, die zeitgleich
         mit anderen Spielen stattfanden, die auch „Normalspiele“ waren und dennoch nach dem von der FIFA vorgelegten Dokument mit
         dem Titel „Television audiences in Belgium for football’s World Cup, 1998 to 2006 [Fernsehzuschauerzahlen in Belgien für die
         Fußballweltmeisterschaft, 1998 bis 2006]“ von zwischen 125 000 und 697 000 Fernsehzuschauern in Flandern und zwischen 152 000
         und 381 000 Fernsehzuschauern in Wallonien verfolgt wurden. Die Nichtübertragung oder zeitversetzte Übertragung einer begrenzten
         Zahl von „Normalspielen“ zwingt deshalb nicht zu der Annahme, dass diese trotz ihrer Merkmale (siehe oben, Randnrn. 72 und
         99) nicht sämtlich von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft sind, zumal wenn diese Lösungen aus objektiven
         Gründen wie dem zeitgleichen Stattfinden zweier Spiele gewählt wurden. Hinzu kommt, dass es ausweislich desselben Dokuments
         nur in Flandern vorkommt, dass Spiele, die zeitgleich mit anderen Weltmeisterschaftsspielen stattfinden, überhaupt nicht übertragen
         werden. Außerdem bezieht sich, anders als die FIFA vorbringt, der 16. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses (siehe
         oben, Randnr. 20) nicht auf Spiele, die stets direkt übertragen wurden, sondern auf Spiele, die bisher in einer frei zugänglichen
         Fernsehsendung übertragen wurden, was dem vierten Kriterium entspricht, das im fünften Erwägungsgrund dieses Beschlusses genannt
         wird. Zu dem Vorbringen, dass die „Normalspiele“ definitionsgemäß nicht die belgische Nationalmannschaft umfassten, genügt
         der Hinweis, dass es erstens, wie bereits ausgeführt, gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft als ein einheitliches Ereignis
         von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft zu betrachten, und dass zweitens die Kommission lediglich der Ansicht
         war, dass das erste und das vierte Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses erfüllt seien, ohne
         sich spezifisch zum dritten Kriterium zu äußern.
      
      104    Auch das Vorbringen im Zusammenhang mit den Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“ der Weltmeisterschaften 1998, 2002 und
         2006 (siehe oben, Randnr. 90) kann keinen Erfolg haben.
      
      105    Insoweit ist zu betonen, dass entgegen dem Vorbringen der FIFA die Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“, verglichen mit
         den Zahlen für die „Topspiele“, nicht belegen, dass die erstgenannten Spiele nicht von zahlreichen Fernsehzuschauern verfolgt
         wurden. Nach dem Dokument „Television audiences in Belgium for football’s World Cup, 1998 to 2006“ wurden nämlich bei der
         Weltmeisterschaft 1998 die „Normalspiele“ durchschnittlich von 32 % der Fernsehzuschauer verfolgt, die die „Topspiele“ sahen,
         und für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 beläuft sich dieser Prozentsatz auf 31 % und auf 46 %. Zwar sind die Zahlen
         niedriger als bei den „Topspielen“, doch die Aufnahme der „Normalspiele“ in die nationale Liste von Ereignissen von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung erfordert nicht, dass sie von der gleichen Zahl von Fernsehzuschauern verfolgt werden wie die
         „Topspiele“. Diese Zahlen können hier nicht so aufgefasst werden, dass sie der Zahl von Fernsehzuschauern entsprechen, die
         normalerweise in Belgien Spiele verfolgt hätten, die nicht im Rahmen einer bedeutenden internationalen Fußballmeisterschaft
         für Nationalmannschaften stattfinden und an denen darüber hinaus die belgische Nationalmannschaft nicht beteiligt ist.
      
      106    In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass nach dem Dokument „Television audiences in Belgium for football’s World
         Cup, 1998 to 2006“ zwölf der „Normalspiele“ der Weltmeisterschaft 1998 von zwischen 1 Million und 1,345 Millionen Fernsehzuschauern
         verfolgt wurden, während sich für acht davon die Werte auf zwischen 799 000 und 976 000 Zuschauer beliefen. In Bezug auf die
         Weltmeisterschaft 2002 ergibt sich aus demselben Dokument, dass 15 „Normalspiele“ von zwischen 624 000 und 915 000 Fernsehzuschauern
         und sieben von zwischen 511 000 und 589 000 Zuschauern verfolgt wurden. Zur Weltmeisterschaft 2006 geht aus diesem Dokument
         hervor, dass zehn „Normalspiele“ von zwischen 808 000 und 1,185 Millionen Fernsehzuschauern und 14 von zwischen 649 000 und
         768 000 Zuschauern verfolgt wurden.
      
      107    Nach dem Dokument „Television audiences in Belgium for football’s World Cup, 1998 to 2006“ wurden aber die „Topspiele“ bei
         den Weltmeisterschaften 1998, 2002 und 2006 in ganz Belgien durchschnittlich von 2,172 Millionen, 1,418 Millionen und 1,305
         Millionen Fernsehzuschauern verfolgt. Verglichen mit diesen Durchschnitten zeigen die vorstehend in Randnr. 106 genannten
         Zahlen, dass die „Normalspiele“ in Belgien von sehr vielen Zuschauern verfolgt werden, was sich nur dadurch erklärt, dass
         sie im Rahmen der Weltmeisterschaft stattfinden. Diese Zahlen bestätigen somit die oben in den Randnrn. 71, 72 und 99 vorgenommene
         Beurteilung und den im 16. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses vertretenen Standpunkt, dass die Weltmeisterschaftsspiele
         einschließlich der „Normalspiele“ traditionell von vielen Fernsehzuschauern verfolgt würden.
      
      108    Daran ändern auch die von der FIFA in Bezug auf manche „Normalspiele“ angeführten angeblich besonders niedrigen Zuschauerzahlen
         (siehe oben, Randnr. 83) nichts. Zwei der drei Spiele, auf die sich die FIFA beruft, begannen nämlich um 8.30 Uhr und das
         dritte um 13.30 Uhr belgischer Zeit und fanden zur gleichen Zeit statt wie drei weitere „Normalspiele“, die in Wallonien gleichwohl
         von 221 000, 290 000 und 163 000 Fernsehzuschauern verfolgt wurden. Dass die Zeitverschiebung in Verbindung mit der Anstoßzeit
         der fraglichen Spiele der Grund für dieses bei der Weltmeisterschaft 2002 beobachtete Phänomen ist, wird durch die deutlich
         höheren Zuschauerzahlen für die weder frühmorgens noch während der Arbeitszeit übertragenen „Normalspiele“ wie die oben in
         Randnr. 106 angesprochenen belegt. Außerdem bekräftigt nach einer der Gegenerwiderung beigefügten Pressemitteilung die FIFA
         selbst die Bedeutung der Zeitverschiebung, nach der sich die Anstoßzeiten der Spiele für die einzelnen Länder richten, und
         erkennt diesen Umstand als Faktor an, der die Zuschauerzahlen in Asien und in Europa während der Weltmeisterschaften 2002
         und 2006 beeinträchtigt habe.
      
      109    Die Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“ bestätigen deshalb die oben in Randnr. 100 vorgenommene Würdigung, anstatt sie
         zu entkräften.
      
      110    Die oben in Randnr. 107 gezogene Schlussfolgerung steht auch nicht in Widerspruch zu derjenigen, die sich im 40. Erwägungsgrund
         der Entscheidung 2000/400/EG der Kommission vom 10. Mai 2000 in einem Verfahren nach Artikel 81 [EG] (Sache Nr. IV/32.150
         – Eurovision, ABl. L 151, S. 18) findet, auf die die FIFA anspielt (siehe oben, Randnr. 83). Nach diesem Erwägungsgrund sind
         internationale Sportereignisse oft für die Zuschauer in einem bestimmten Land attraktiver als rein nationale, sofern die eigene
         Nationalmannschaft oder der eigene Landesmeister mitwirkt; ist das nicht der Fall, stoßen die internationalen Ereignisse eher
         auf geringes Interesse. Die Weltmeisterschaft findet aber häufig unter Beteiligung der belgischen Nationalmannschaft statt.
         Selbst wenn dies nicht der Fall ist, stellt sich außerdem die Nichtteilnahme dieser Nationalmannschaft im Regelfall nicht
         nur nach der Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft heraus, sondern
         auch nach der Vergabe der Fernsehübertragungsrechte für das betreffende Jahr.
      
      111    Zum Vorbringen, das darauf gestützt wird, dass es keine Verpflichtung zur Übertragung der „Normalspiele“ gebe (siehe oben,
         Randnr. 86), genügt die Feststellung, dass die Entscheidung, eine Fernsehanstalt nicht zur Übertragung eines Ereignisses zu
         verpflichten, keineswegs bedeutet, dass dieses nicht von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im Sinne des Art. 3a der
         Richtlinie 89/552 ist, auch wenn die Aufstellung solcher Verpflichtungen zu den Vorgehensweisen zählt, die im Allgemeinen
         vom nationalen Gesetzgeber gewählt werden. Unter Beachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes bezweckt die vorstehend genannte
         Vorschrift nämlich, zu verhindern, dass die breite Öffentlichkeit in einem Mitgliedstaat bestimmte Ereignisse aufgrund von
         Exklusivfernsehübertragungen nicht in einer frei zugänglichen Fernsehsendung verfolgen kann. Ihr Zweck besteht somit nicht
         darin, die Staaten, die einen solchen Schutz gewähren wollen, mittelbar dazu zu zwingen, die Übertragung der betreffenden
         Ereignisse in einer frei zugänglichen Fernsehsendung vorzuschreiben. Müssten die Mitgliedstaaten aber, um berechtigt zu sein,
         ein Ereignis in eine Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung aufzunehmen, einem frei zugänglichen
         Fernsehsender vorschreiben, es zu übertragen, würde die fragliche Bestimmung Wirkungen entfalten, die über ihr Ziel hinausgingen.
      
      112    Da dem Vorbringen der FIFA, dass der Kommission Fehler unterlaufen seien, als sie die Beurteilung der belgischen Behörden
         geteilt habe, wonach die Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft
         sei, nicht gefolgt werden kann, ist auch das Vorbringen zurückzuweisen, dass die Kommission die Bedeutung der „Normalspiele“
         für die belgische Gesellschaft nicht angemessen geprüft habe (siehe oben, Randnr. 79).
      
      113    Zum Vorbringen, dass auch andere Sendungen das vierte Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses
         erfüllten (siehe oben, Randnr. 88), ist zunächst festzustellen, dass die von der FIFA angesprochenen Produktionen keine Ereignisse
         im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 sind. 
      
      114    Sodann ist hervorzuheben, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 die Mitgliedstaaten weder zur Erstellung einer Liste von
         Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verpflichtet, noch ihnen für den Fall der Erstellung einer solchen
         Liste vorschreibt, Ereignisse in sie aufzunehmen, auch wenn ihre Aufnahme gerechtfertigt gewesen wäre. In dieser Vorschrift
         heißt es nämlich nicht nur, dass jeder Mitgliedstaat die Maßnahmen zur Erreichung der darin beschriebenen Ziele erlassen „kann“,
         sie konkretisiert auch die Möglichkeiten, die den Mitgliedstaaten offenstehen, um von bestimmten Vorschriften des Vertrags
         wie denjenigen über den freien Dienstleistungsverkehr abzuweichen. Da es sich aber um die Auswahl zwischen mehreren konkreten
         Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 97/36 handelt, kann den Mitgliedstaaten weder
         unmittelbar noch mittelbar vorgegeben werden, in ihre Listen andere Ereignisse als die ihrer Wahl aufzunehmen und von den
         Vorschriften des Vertrags in weiterem Umfang abzuweichen, als sie es wünschen. Zudem bezieht sich die Prüfung, die die Kommission
         im Rahmen des Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 hinsichtlich der Eigenschaft der gelisteten Ereignisse als Ereignisse von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung vornimmt, auf die Merkmale des fraglichen Ereignisses und nicht auf die Merkmale
         anderer, nicht gelisteter Ereignisse.
      
      115    Daher ist es, wenn ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats ist, kein Rechtsfehler
         der Kommission, wenn sie bei der von ihr nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 ausgeübten Kontrolle der Aufnahme des Ereignisses
         in die von dem betreffenden Mitgliedstaat erstellte Liste nicht aus dem Grund widerspricht, weil ein anderes Ereignis nicht
         darauf verzeichnet ist, das von vielleicht noch größerer Bedeutung für diese Gesellschaft ist.
      
      116    Selbst wenn es also weitere Ereignisse im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 von für die belgische Gesellschaft
         noch größerer Bedeutung als die Weltmeisterschaft gäbe, die aber nicht auf der von den belgischen Behörden erstellten Liste
         verzeichnet sind, hat die Kommission nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, als sie die Aufnahme der Weltmeisterschaft
         in die streitige Liste zuließ.
      
      117    Was das Vorbringen betrifft, mit dem die Verhältnismäßigkeit der Aufnahme sämtlicher Weltmeisterschaftsspiele in die belgische
         Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung in Abrede gestellt wird, so lassen die oben in Randnr.
         82 dargestellten Argumente eine Vermengung erkennen zwischen der erheblichen gesellschaftlichen Bedeutung eines Ereignisses
         auf der einen Seite – der ersten Voraussetzung, die erfüllt sein muss und den zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellt,
         der die Beschränkung einer vom Vertrag verbürgten Grundfreiheit rechtfertigt (siehe oben, Randnrn. 52 bis 57) – und der Verhältnismäßigkeit
         dieser Beschränkung auf der anderen Seite, die eine zweite Voraussetzung bildet, die von den eine solche Freiheit beschränkenden
         nationalen Rechtsvorschriften zu erfüllen ist, damit sie mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind (siehe oben, Randnr. 58).
         Dazu genügt der Hinweis, dass es, wie sich aus der im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes durchgeführten Analyse ergibt,
         gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft
         anzusehen, denn die Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“ bestätigen die in den Erwägungsgründen 6 und 16 des angefochtenen
         Beschlusses enthaltene Beurteilung, anstatt sie zu entkräften. Somit beruht die Rüge, dass den fraglichen Spielen keine erhebliche
         gesellschaftliche Bedeutung zukomme, so dass die belgischen Maßnahmen unverhältnismäßig seien, jedenfalls auf einer falschen
         Prämisse. Demzufolge entkräftet diese Rüge in Anbetracht des einheitlichen Charakters der Weltmeisterschaft nicht die Schlussfolgerung
         der Kommission hinsichtlich der Geeignetheit und der Verhältnismäßigkeit der Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die
         Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft.
      
      118    Zu dem oben in Randnr. 91 dargestellten Vorbringen, das ebenfalls auf die Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes abstellt,
         genügt die Feststellung, dass die von der FIFA vorgeschlagenen Möglichkeiten nicht mit der Definition der frei zugänglichen
         Fernsehsendung im 22. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 in Einklang stehen, die die FIFA in ihrer Erwiderung ausdrücklich
         anerkannt hat. Die Kommission musste deshalb diese Möglichkeiten nicht prüfen, bevor sie zu dem Ergebnis gelangte, dass die
         Aufnahme der Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische
         Gesellschaft verhältnismäßig sei.
      
      119    Die Kommission hat mithin nicht gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 verstoßen, als sie die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele
         in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar
         hielt, so dass der erste Klagegrund zurückzuweisen ist. 
      
       Zum zweiten und zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 49 EG und Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil
         die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit den Art. 49 EG und 43 EG vereinbar
         seien
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      120    Die FIFA macht in ihrer Klageschrift geltend, die Argumente, die sie für den ersten Klagegrund vorgebracht habe, zeigten auch,
         dass die Kommission gegen Art. 49 EG verstoßen habe, als sie die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die Liste von
         Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar gehalten habe.
      
      121    In ihrer Erwiderung fügt sie hinzu, dass erstens das belgische Recht, auch wenn es unterschiedslos für inländische und für
         ausländische Fernsehanstalten gelte, sie daran hindere, die Exklusivübertragungsrechte an irgendeinem Spiel der Weltmeisterschaft
         an Fernsehanstalten zu veräußern, die die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Voraussetzungen nicht erfüllten, und dass
         zweitens kraft des durch den angefochtenen Beschluss ausgelösten Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung in anderen Mitgliedstaaten
         ansässige Fernsehanstalten kein Spiel der Weltmeisterschaft in Belgien auf Ausschließlichkeitsbasis übertragen könnten, weil
         sie die genannten Voraussetzungen nicht erfüllten. Selbst wenn den betreffenden Fernsehanstalten nach den von der Flämischen
         Gemeinschaft erlassenen Rechtsvorschriften die Möglichkeit bleibe, die Spiele der Weltmeisterschaft dann auf Ausschließlichkeitsbasis
         zu übertragen, falls keine Fernsehanstalt, die die oben in Randnr. 9 genannten Voraussetzungen erfülle, bereit sei, von ihnen
         Unterlizenzen zu erwerben, handele es sich um eine rein theoretische Möglichkeit. Die Ausschaltung der Möglichkeit, diese
         Art von Rechten zur Übertragung in Belgien auf Ausschließlichkeitsbasis zu erwerben, nehme aber den in anderen Mitgliedstaaten
         ansässigen Fernsehanstalten jedes Interesse am Erwerb der Rechte und hindere sie so daran, irgendein Spiel der Weltmeisterschaft
         in diesem Land auszustrahlen.
      
      122    Die die Dienstleistungsfreiheit der in anderen Mitgliedstaaten als Belgien ansässigen Fernsehanstalten beschränkenden Wirkungen
         hätten jedoch auf ein verhältnismäßiges Niveau abgeschwächt werden können, indem in die Liste von Ereignissen von erheblicher
         Bedeutung nur die Weltmeisterschaftsspiele aufgenommen worden wären, denen wirklich eine solche Bedeutung für die belgische
         Gesellschaft zukomme, also die „Topspiele“, denen die FIFA stets das Eröffnungsspiel und die Eröffnungsfeier hinzugefügt habe.
         Die belgischen Maßnahmen, wie sie von der Kommission mit dem angefochtenen Beschluss gebilligt worden seien, führten dagegen
         zu Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit, die gemessen an dem mit ihnen verfolgten Zweck unverhältnismäßig und nicht
         gerechtfertigt seien.
      
      123    Im Rahmen des Klagegrundes, mit dem ein Verstoß gegen die Niederlassungsfreiheit gerügt wird, bringt die FIFA in ihrer Klageschrift
         vor, die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische
         Gesellschaft hindere die Fernsehanstalten, die sich in Belgien niederlassen und zu diesem Zweck Bezahlfernsehdienste anbieten
         wollten, am Erwerb von Rechten zur Übertragung der Weltmeisterschaftsspiele in diesem Land auf Ausschließlichkeitsbasis. Mit
         dem Erwerb der nichtexklusiven Übertragungsrechte bringe es aber eine kleine Fernsehanstalt nicht auf die Einnahmen, die Abonnenten
         und den Status, die erforderlich seien, um sich in Belgien niederzulassen, so dass die Kommission irrig der Auffassung gewesen
         sei, dass die Aufnahme sämtlicher Weltmeisterschaftsspiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die
         belgische Gesellschaft nicht gegen Art. 43 EG verstoße.
      
      124    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass diese Klagegründe unbegründet seien.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      125    Es ist unstreitig, dass, wie im Übrigen im 17. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses anerkannt wird, der durch den
         angefochtenen Beschluss nach Art. 3a der Richtlinie 89/552 ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung eine Beschränkung
         des mit Art. 49 EG eingeführten freien Dienstleistungsverkehrs im Gemeinsamen Markt bewirkt.
      
      126    Außerdem sind, wie die FIFA geltend macht, die belgischen Maßnahmen geeignet, die in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Fernsehanstalten
         in eine gegenüber den in Belgien ansässigen Fernsehanstalten schlechtere tatsächliche oder rechtliche Stellung zu versetzen.
         Insoweit ist es, obwohl die oben in den Randnrn. 7 bis 15 beschriebenen Rechtsvorschriften unterschiedslos für die inländischen
         und für die ausländischen Fernsehanstalten gelten, faktisch doch viel weniger wahrscheinlich, dass keine Fernsehanstalt, die
         die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Kriterien erfüllt und mit hoher Wahrscheinlichkeit in Belgien ansässig ist,
         an der Übertragung der Weltmeisterschaft interessiert sein wird, was es einer Fernsehanstalt, die sich in Belgien niederlassen
         möchte, ermöglichen würde, dieses Ereignis exklusiv zu übertragen. Außerdem besteht diese Möglichkeit nach den belgischen
         Rechtsvorschriften nur für die Flämische Gemeinschaft (siehe oben, Randnr. 10). Die belgischen Maßnahmen beschränken deshalb
         tatsächlich die Niederlassungsfreiheit, wie sie mit Art. 43 EG eingeführt wurde.
      
      127    Diese Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs und der Niederlassungsfreiheit können jedoch gerechtfertigt sein,
         wenn sie das Recht auf Informationen schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale
         oder nichtnationale Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verschaffen sollen und darüber hinaus geeignet
         sind, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses
         Ziels erforderlich ist (siehe oben, Randnrn. 52 bis 58).
      
      128    Die FIFA stellt die Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses im Hinblick auf die Vertragsbestimmungen über den freien
         Dienstleistungsverkehr und über die Niederlassungsfreiheit in Abrede, soweit die Kommission die Aufnahme der „Normalspiele“
         in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft billige. Nach Ansicht der FIFA entsprechen
         die betroffenen Spiele nicht dieser Einstufung, so dass die Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs und der Niederlassungsfreiheit
         unverhältnismäßig sei.
      
      129    Genau wie das oben in Randnr. 117 geprüfte Vorbringen leidet aber die Argumentation, auf die der Klagegrund eines Verstoßes
         gegen Art. 49 EG gestützt wird, an derselben Vermengung zwischen der erheblichen gesellschaftlichen Bedeutung eines Ereignisses
         auf der einen Seite – der ersten Voraussetzung, die erfüllt sein muss und den zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellt,
         der die Beschränkung einer vom Vertrag verbürgten Grundfreiheit rechtfertigt (siehe oben, Randnrn. 52 bis 57) – und der Verhältnismäßigkeit
         dieser Beschränkung auf der anderen Seite, die eine zweite Voraussetzung bildet, die von den eine solche Freiheit beschränkenden
         nationalen Rechtsvorschriften zu erfüllen ist, damit sie mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind (siehe oben, Randnr. 58).
         Dazu genügt der Hinweis, dass es, wie sich aus der im Rahmen des ersten Klagegrundes durchgeführten Analyse ergibt, gerechtfertigt
         ist, die Weltmeisterschaft als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft anzusehen,
         denn die Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“ bestätigen die in den Erwägungsgründen 6 und 16 des angefochtenen Beschlusses
         enthaltene Beurteilung, anstatt sie zu entkräften. Somit beruht die Rüge, dass die streitige Liste nur dann verhältnismäßig
         wäre, wenn nur die „Topspiele“ darin aufgenommen worden wären, da nur sie von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft
         seien, jedenfalls auf einer falschen Prämisse. Demzufolge entkräftet diese Rüge nicht die Schlussfolgerung der Kommission
         zur Verhältnismäßigkeit der Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung
         für die belgische Gesellschaft.
      
      130    Was die Niederlassungsfreiheit betrifft, führen die vorstehend in den Randnrn. 127 und 129 gemachten Ausführungen dazu, dass
         die von der FIFA insoweit vorgebrachten Argumente ebenfalls zurückzuweisen sind.
      
      131    Der zweite und der dritte Klagegrund sind somit zu verwerfen.
      
       Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit dem Eigentumsrecht der FIFA vereinbar seien 
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      132    Die FIFA bringt vor, das Verbot, Exklusivübertragungsrechte an den Spielen der Weltmeisterschaft an Fernsehanstalten zu vergeben,
         die nicht die oben in den Randnrn. 9 und 13 angeführten Voraussetzungen erfüllten, nehme ihrem Eigentumsrecht seinen Wesensgehalt
         und beschränke es jedenfalls unverhältnismäßig und ungerechtfertigt. Die Möglichkeit der Vergabe solcher Rechte im Rahmen
         einer Ausschreibung, an der sich mehrere Wirtschaftsteilnehmer beteiligen könnten, sei der Faktor, der für die Wertbildung
         am maßgeblichsten sei, die für den größten Teil der Einnahmen der FIFA verantwortlich zeichne. Indem die Kommission diese
         Verletzung des durch Art. 1 des Ersten Zusatzprotokolls zur EMRK und durch das Gemeinschaftsrecht geschützten Eigentumsrechts
         nicht festgestellt habe, habe sie mithin rechtsfehlerhaft gehandelt.
      
      133    Außerdem sei die Möglichkeit der Übertragung von Weltmeisterschaftsspielen, die die flämischen Rechtsvorschriften einer die
         genannten Voraussetzungen nicht erfüllenden Fernsehanstalt eröffneten, rein theoretisch (siehe oben, Randnr. 121), und in
         Wallonien gebe es diese Möglichkeit überhaupt nicht.
      
      134    Das Ziel eines Zugangs der Öffentlichkeit zu den Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft hätte
         aber erreicht werden können, indem in die Liste solcher Ereignisse nur die Weltmeisterschaftsspiele aufgenommen worden wären,
         denen wirklich eine solche Bedeutung für die belgische Gesellschaft zukomme, also die „Topspiele“.
      
      135    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      136    Wie zwischen den Verfahrensbeteiligten unstreitig ist, ist die FIFA Veranstalterin der Weltmeisterschaft im Sinne des 21.
         Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36, so dass jeder, der Fernsehübertragungsrechte an diesem Ereignis verwerten möchte, die
         Rechte von ihr erhalten muss oder von jemandem, an den sie von der FIFA vergeben wurden.
      
      137    Da der Wert dieser Rechte durch die Rechtsfolgen des angefochtenen Beschlusses beeinträchtigt werden kann (siehe oben, Randnrn.
         37 bis 41), wird so davon auch das Eigentumsrecht der FIFA berührt.
      
      138    Außerdem ergibt sich aus der Rechtsprechung, dass, wenn sich ein Mitgliedstaat auf Bestimmungen wie die Art. 46 EG und 55
         EG beruft, um eine Regelung zu rechtfertigen, die geeignet ist, die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit oder der Niederlassungsfreiheit
         zu behindern, diese im Gemeinschaftsrecht vorgesehene Rechtfertigung im Lichte der allgemeinen Rechtsgrundsätze und insbesondere
         der Grundrechte auszulegen ist. Die in diesen Bestimmungen vorgesehenen Ausnahmen können der betreffenden nationalen Regelung
         so nur zugutekommen, wenn sie im Einklang mit den Grundrechten steht, deren Wahrung die Gemeinschaftsgerichte zu sichern haben
         (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 18. Juni 1991, ERT, C‑260/89, Slg. 1991, I‑2925, Randnr. 43). Dementsprechend
         kommt es nicht in Betracht, dass eine nicht mit den Grundrechten wie dem Eigentumsrecht (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs
         vom 10. Juli 2003, Booker Aquaculture und Hydro Seafood, C‑20/00 und C‑64/00, Slg. 2003, I‑7411, Randnr. 67) vereinbare nationale
         Maßnahme deshalb in den Genuss der anerkannten Ausnahmen kommen kann, weil sie zwingenden Gründen des Allgemeininteresses
         entspricht wie dem Fernsehzugang der breiten Öffentlichkeit zu den Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
      
      139    Der Grundsatz des Schutzes des Eigentumsgrundrechts kann jedoch im Gemeinschaftsrecht keine uneingeschränkte Geltung beanspruchen,
         sondern muss im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion gesehen werden. Folglich kann die Ausübung des Eigentumsrechts
         Beschränkungen unterworfen werden, sofern diese tatsächlich dem Allgemeininteresse dienenden Zielen entsprechen und nicht
         einen im Hinblick auf den verfolgten Zweck unverhältnismäßigen und nicht tragbaren Eingriff darstellen, der das so gewährleistete
         Recht in seinem Wesensgehalt antasten würde (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 12. Mai 2005, Regione autonoma
         Friuli-Venezia Giulia und ERSA, C‑347/03, Slg. 2005, I‑3785, Randnr. 119, und vom 12. Juli 2005, Alliance for Natural Health
         u. a., C‑154/04 und C‑155/04, Slg. 2005, I‑6451, Randnr. 126).
      
      140    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass es aus den oben in den Randnrn. 98 bis 119 dargestellten Gründen, anders als die FIFA geltend
         macht, gerechtfertigt ist, die Weltmeisterschaft als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die belgische
         Gesellschaft anzusehen, denn die Zuschauerzahlen für die „Normalspiele“ bestätigen die in den Erwägungsgründen 6 und 16 des
         angefochtenen Beschlusses enthaltene Beurteilung, anstatt sie zu entkräften. Wie oben in Randnr. 117 entschieden worden ist,
         folgt insoweit aus dem Gesamtereignischarakter der Weltmeisterschaft, dass der Kommission kein Fehler unterlaufen ist, als
         sie die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die belgische Liste als eine verhältnismäßige Maßnahme ansah.
      
      141    Somit beruht die Rüge, dass die Aufnahme der „Normalspiele“ in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die
         belgische Gesellschaft einen unverhältnismäßigen und nicht tragbaren Eingriff in das Eigentumsrecht der FIFA darstelle, weil
         diese Spiele keine solchen Ereignisse seien, auf einer falschen Prämisse.
      
      142    Außerdem vernichten die fraglichen Rechtsvorschriften, auch wenn sie den von der FIFA für die Überlassung der Rechte zur Übertragung
         der Weltmeisterschaft in Belgien erzielbaren Preis beeinträchtigen können, nicht den Handelswert dieser Rechte, weil sie erstens
         die FIFA nicht zu deren Vergabe zu beliebigen Bedingungen verpflichten und zweitens die FIFA gegen kollusive oder missbräuchliche
         Praktiken sowohl durch das gemeinschaftliche als auch durch das nationale Wettbewerbsrecht geschützt ist. Demnach hat die
         Kommission keinen Fehler begangen, als sie die belgischen Maßnahmen für verhältnismäßig hielt.
      
      143    Der vierte Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
      
       Zum fünften Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass das dem Erlass der belgischen Maßnahmen vorausgegangene Verfahren eindeutig und transparent gewesen sei
         
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      144    Die FIFA bringt vor, die belgischen Behörden seien willkürlich vorgegangen und hätten keine Erläuterungen zu der Liste von
         Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung gegeben. Der Flämische Medienrat habe die willkürliche Methode der
         Erstellung der fraglichen Liste, aber auch deren Länge und das Fehlen von Erläuterungen zur Auswahl der Ereignisse bedauert.
         
      
      145    Außerdem hätten die flämischen Behörden bei der Auswahl der in die Liste aufzunehmenden Ereignisse andere Kriterien angewandt,
         als sie im fünften Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses genannt würden. 
      
      146    So weiche erstens das Kriterium, nach dem das Ereignis hohen Aktualitätswert besitzen und großes Interesse bei der Bevölkerung
         wecken müsse (siehe oben, Randnr. 8, erster Gedankenstrich), wesentlich vom ersten Kriterium des fünften Erwägungsgrundes
         des angefochtenen Beschlusses (siehe oben, Randnr. 20) ab, da es nicht die Prüfung verlange, ob das Ereignis besondere Resonanz
         nicht nur bei denjenigen finde, die die entsprechenden Sport‑ oder sonstigen Veranstaltungen ohnehin verfolgten, sondern nur
         auf einen Aktualitätswert und ein Interesse bei der Bevölkerung abstelle. 
      
      147    Zweitens weiche das Kriterium, wonach das Ereignis im Rahmen eines wichtigen internationalen Wettbewerbs stattfinden oder
         ein Wettkampf mit Beteiligung der Nationalmannschaft, einer belgischen Vereinsmannschaft oder eines oder mehrerer belgischer
         Sportler/Sportlerinnen sein müsse, erheblich vom dritten Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses
         ab, da Letzteres sowohl die Beteiligung einer belgischen Mannschaft oder eines/einer belgischen Sportlers/Sportlerin als auch
         das Stattfinden im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs verlange.
      
      148    Schließlich hätten die belgischen Behörden keinerlei Erläuterung zur Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die Liste
         von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung gegeben, so dass die Schlussfolgerung der Kommission nicht gerechtfertigt
         sei, dass die Liste eindeutig und transparent erstellt worden sei, wie nach Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 erforderlich.
      
      149    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      150    Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 nicht die spezifischen Merkmale nennt, die die Verfahren
         kennzeichnen müssen, die auf nationaler Ebene zur Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung eingerichtet werden. Diese Bestimmung belässt den Mitgliedstaaten einen Ermessensspielraum bei der Durchführung
         der fraglichen Verfahren hinsichtlich der Verfahrensabschnitte, der etwaigen Hinzuziehung Betroffener und der Zuweisung der
         Verwaltungsbefugnisse, wobei klargestellt wird, dass die Verfahren insgesamt von Eindeutigkeit und Transparenz geprägt sein
         müssen.
      
      151    Die Beschränkungen der Ausübung der vom Vertrag verbürgten Grundfreiheiten durch nationale Maßnahmen, die aus zwingenden Gründen
         des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind, müssen nämlich noch geeignet sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels
         zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist (siehe oben, Randnr.
         54).
      
      152    Zur Wahrung der Verhältnismäßigkeit und zur Vermeidung ungerechtfertigter Benachteiligungen müssen die Verfahren, die die
         Mitgliedstaaten zwecks Erlasses der Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung einrichten, eindeutig
         und transparent in dem Sinn sein, dass sie auf objektiven, den Betroffenen im Voraus bekannten Kriterien beruhen müssen, so
         dass verhindert wird, dass das Ermessen, über das die Mitgliedstaaten bei der Entscheidung über die konkreten, in ihre Listen
         aufzunehmenden Ereignisse verfügen, willkürlich ausgeübt wird (vgl. in diesem Sinne Urteil United Pan-Europe Communications
         Belgium u. a., oben in Randnr. 53 angeführt, Randnr. 46). Auch wenn nämlich die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste nach
         Art. 3a der Richtlinie 89/552 erfordert, dass es von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung ist, stellt doch die vorherige
         Aufstellung spezifischer Kriterien, anhand deren die Bedeutung beurteilt wird, einen wesentlichen Aspekt dafür dar, dass die
         nationalen Entscheidungen transparent erlassen werden und sich im Rahmen des Ermessens halten, über das die nationalen Behörden
         insoweit verfügen (siehe oben, Randnr. 94).
      
      153    Vor diesem Hintergrund müssen, wenn die Kommission der Ansicht ist, dass das nationale Verfahren zur Erstellung der Liste
         von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats den Erfordernissen der Eindeutigkeit und
         Transparenz genüge, und dabei insbesondere die Anwendung bestimmter in ihrer Entscheidung genannter Auswahlkriterien berücksichtigt,
         diese Kriterien den Wesensgehalt der Kriterien widerspiegeln, die in den betreffenden nationalen Rechtsvorschriften vorgesehen
         sind.
      
      154    Hier ist festzustellen, dass das erste Kriterium, das mit dem Beschluss vom 28. Mai 2004 aufgestellt wurde, keinen wesentlichen
         Unterschied zum ersten Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses aufweist. Entgegen dem Vorbringen
         der FIFA ist nämlich das Erfordernis eines „großen Interesses bei der Bevölkerung“ definitionsgemäß nicht erfüllt, wenn das
         fragliche Sportereignis nur bei denjenigen auf Interesse stößt, die die betreffende Sportart ohnehin verfolgen.
      
      155    Zum dritten Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses genügt die Feststellung, dass die Kommission
         nicht der Auffassung war, dass dieses Kriterium in Bezug auf die Weltmeisterschaft erfüllt sei. Insoweit ist den Erwägungsgründen
         6 und 16 des angefochtenen Beschlusses zu entnehmen, dass die Kommission hinsichtlich der Weltmeisterschaft der Ansicht war,
         dass das erste und das vierte Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses erfüllt seien. Der achte
         Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses, in dem das dritte Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des Beschlusses zur
         Anwendung kommt, bezieht sich dagegen nicht auf die Weltmeisterschaft, sondern stellt auf die internationalen Vereinsfußballwettbewerbe
         ab wie die Champions League und den UEFA-Pokal, deren Spiele unter Beteiligung belgischer Mannschaften ebenfalls zu der streitigen
         Liste gehören.
      
      156    Zur Bemerkung des Flämischen Medienrats ist festzustellen, dass sie nichts enthält, was dessen Einstufung des Verfahrens zur
         Erstellung der Liste der Flämischen Gemeinschaft als willkürlich rechtfertigen könnte, und dass sie im Jahr 1999, also mehrere
         Jahre vor dem Erlass der Gesetzestexte und der streitigen Liste, gemacht wurde. Soweit auf die Länge dieser Liste angespielt
         wird, liegt darin nichts, was die Eindeutigkeit oder die Transparenz des nationalen Verfahrens berührt.
      
      157    Zu der Behauptung, dass die belgischen Behörden keinerlei Begründung für die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die
         Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung gegeben hätten, ist erstens darauf hinzuweisen, dass die
         Rolle der „Normalspiele“, wie sie oben in Randnr. 72 dargestellt worden ist, allgemein und zweifellos auch der FIFA als Veranstalterin
         des fraglichen Wettbewerbs bekannt ist. Zweitens bestreitet die FIFA nicht, dass die „Topspiele“ die Kriterien erfüllen, um
         ihnen erhebliche Bedeutung für die belgische Gesellschaft beizumessen. In diesem Zusammenhang liegt somit auf der Hand, dass
         die belgischen Behörden, wenn sie in die Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung auch die „Normalspiele“
         der Weltmeisterschaft aufnehmen, dies aus dem Grund tun, dass diese Spiele denselben Kriterien genügen wie die „Topspiele“
         dieses Wettbewerbs. Unter diesen Umständen waren für die FIFA die Gründe erkennbar, aus denen die belgischen Behörden die
         Weltmeisterschaft in ihrer Gesamtheit in die von ihnen erlassene Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung aufnahmen, und sie war in der Lage, diese Entscheidung vor den nationalen Gerichten anzufechten und dabei, genau
         wie sie es im Rahmen der vorliegenden Klage gemacht hat, alles geltend zu machen, was ihrer Ansicht nach die Beurteilung in
         Bezug auf die Bedeutung der „Normalspiele“ für die belgische Gesellschaft fraglich erscheinen lässt.
      
      158    Demzufolge ist der fünfte Klagegrund zu verwerfen.
      
       Zu den Anträgen der FIFA auf prozessleitende Maßnahmen
      159    Die Würdigung der Klagegründe der FIFA hat zur Folge, dass die von dieser beantragten prozessleitenden Maßnahmen (siehe oben,
         Randnrn. 22 und 24) nicht erforderlich sind.
      
      160    Dazu ist festzustellen, dass nach dem Vorbringen der FIFA ihre Anträge darauf abzielen, ihr und dem Gericht die Prüfung zu
         ermöglichen, ob erstens die Kommission über genug Anhaltspunkte verfügt habe, um auf die Vereinbarkeit der belgischen Liste
         mit dem Gemeinschaftsrecht zu schließen, und ob zweitens die fragliche Liste in eindeutiger und transparenter Weise erstellt
         worden sei. Insbesondere macht die FIFA geltend, die Kenntnisnahme von allen Stellungnahmen der Kommission und der belgischen
         Behörden während des Verfahrens zur Bewertung der in Rede stehenden nationalen Maßnahmen sei unerlässlich, um prüfen zu können,
         ob diese Behörden auf die Bedenken der Kommission in vollem Umfang eingegangen seien und ob die Zuschauerzahlen für verschiedene
         Sportarten in Anbetracht dessen, dass für andere Wettbewerbe nur einige Spiele in die streitige Liste aufgenommen worden seien,
         in übereinstimmender Weise berücksichtigt worden seien.
      
      161    Wie bei der Prüfung der Klagegründe der FIFA entschieden worden ist, handelte die Kommission nicht fehlerhaft, als sie auf
         der Grundlage der ihr vorliegenden Anhaltspunkte wie der im ersten Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses genannten
         und der Klagebeantwortung beigefügten Mitteilung der belgischen Behörden vom 10. Dezember 2003 zu dem Ergebnis gelangte, dass
         die Aufnahme aller Weltmeisterschaftsspiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die belgische Gesellschaft
         mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sei. Aufgrund derselben Mitteilung konnte die Kommission zu dem Ergebnis gelangen, dass
         das in Belgien durchgeführte Verfahren eindeutig und transparent gewesen sei, da die im Rahmen des fünften Klagegrundes gegen
         diese Würdigung vorgebrachten Argumente verworfen worden sind.
      
      162    Außerdem beurteilt sich die Rechtmäßigkeit eines Beschlusses der Kommission zur Vereinbarkeit der nach Art. 3a der Richtlinie
         89/552 erlassenen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht nach der Fassung, in der diese Maßnahmen letztlich gebilligt wurden.
         Deshalb sind dafür etwaige frühere Fassungen oder mögliche Stellungnahmen der Kommission oder der nationalen Behörden im Rahmen
         der Bewertung dieser Maßnahmen naturgemäß unerheblich.
      
      163    Zu dem Vorbringen in Bezug auf eine etwaige abgestufte Behandlung verschiedener Wettbewerbe in dem Sinn, dass manche in die
         streitige Liste in ihrer Gesamtheit, andere dagegen nur mit einigen Spielen aufgenommen worden seien, genügt die Feststellung,
         dass nichts die FIFA daran hindert, diesen sich aus der Liste selbst ergebenden Umstand als Grund für die Nichtigerklärung
         des angefochtenen Beschlusses geltend zu machen, selbst wenn ihr die der Kommission bezüglich der fraglichen Wettbewerbe mitgeteilten
         Zuschauerzahlen nicht bekannt sind.
      
      164    Unter diesen Umständen sind die Anträge auf den Erlass prozessleitender Maßnahmen zurückzuweisen, und die Klage ist insgesamt
         abzuweisen.
      
       Kosten
      165    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         FIFA unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      
      166    Das Königreich Belgien, die Bundesrepublik Deutschland und das Vereinigte Königreich tragen gemäß Art. 87 § 4 der Verfahrensordnung
         ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Siebte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Fédération internationale de football association (FIFA) trägt neben ihren eigenen Kosten die Kosten der Europäischen
            Kommission.
      3.      Das Königreich Belgien, die Bundesrepublik Deutschland und das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland tragen
            ihre eigenen Kosten.
      
               Forwood
            
            
               Truchot
            
            
               Schwarcz
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 17. Februar 2011.
      Unterschriften
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtener Beschluss
      Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      Rechtliche Würdigung
      Zur Zulässigkeit
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Begründetheit
      Zum sechsten Klagegrund: Begründungsmangel
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit Art. 49 EG vereinbar seien
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten und zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 49 EG und Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil
         die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit den Art. 49 EG und 43 EG vereinbar
         seien
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass die belgischen Maßnahmen mit dem Eigentumsrecht der FIFA vereinbar seien
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum fünften Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, weil die Kommission zu dem fehlerhaften Ergebnis
         gelangt sei, dass das dem Erlass der belgischen Maßnahmen vorausgegangene Verfahren eindeutig und transparent gewesen sei
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zu den Anträgen der FIFA auf prozessleitende Maßnahmen
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.