CELEX: 62001CJ0091
Language: de
Date: 2004-04-29
Title: Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 29. April 2004. # Italienische Republik gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Staatliche Beihilfen - Empfehlung betreffend die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen - Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen - Unabhängigkeitskriterium - Vertrauensschutz - Rechtssicherheit. # Rechtssache C-91/01.

Rechtssache C-91/01 Italienische Republik gegenKommission der Europäischen Gemeinschaften
            «Staatliche Beihilfen  –  Empfehlung betreffend die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen  –  Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen  –  Unabhängigkeitskriterium  –  Vertrauensschutz  –  Rechtssicherheit»
            
               
                  Schlussanträge des Generalanwalts F. G. Jacobs vom 18. September 2003
                     
               
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Fünfte Kammer) vom 29. April 2004
                     
               
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  1.
                  Staatliche Beihilfen  –  Verbot  –  Ausnahmen  –  Mitteilung der Kommission über den Rahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen  –  Definition des Begriffes „kleine und mittlere Unternehmen“  –  Auslegung des Unabhängigkeitskriteriums(Empfehlung 96/280 der Kommission betreffend die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen; Mitteilung der Kommission
                     über den Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen) 
         
                  2.
                  Staatliche Beihilfen  –  Vereinbarkeit einer Beihilfe mit den Gemeinschaftsvorschriften  –  Mögliches berechtigtes Vertrauen der Empfänger  –  Schutz  –  Voraussetzungen und Grenzen(Artikel 88 EG) 
         
         
          
         1.
         Die Kommission ist an die von ihr erlassenen Gemeinschaftsrahmen und Mitteilungen im Bereich der Kontrolle der staatlichen
            Beihilfen gebunden, soweit sie nicht von den Vorschriften des EG‑Vertrags abweichen und soweit sie von den Mitgliedstaaten
            akzeptiert werden. 
         
         Hierzu geht aus Nummer 1.2 der 1996 veröffentlichten Mitteilung der Kommission über den Gemeinschaftsrahmen für staatliche
            Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hervor, dass die befürwortende Haltung der Kommission gegenüber diesen
            Beihilfen durch die Marktmängel gerechtfertigt wird, die dazu führen, dass sich diese Unternehmen einigen Hindernissen gegenübersehen,
            die ihre sozial und wirtschaftlich wünschenswerte Entwicklung begrenzen, und aus Nummer 3.2 dieser Mitteilung, dass ein Unternehmen
            als KMU im Sinne dieses Gemeinschaftsrahmens eingestuft werden kann, wenn es drei Kriterien erfüllt, nämlich das Kriterium
            der Zahl der Beschäftigten, das finanzielle Kriterium und das Unabhängigkeitskriterium. Hinsichtlich des letztgenannten Kriteriums
            gelten gemäß Artikel 1 Absatz 3 des Anhangs der Empfehlung 96/280 der Kommission betreffend die Definition der KMU Unternehmen
            als unabhängig, die nicht zu 25 % oder mehr des Kapitals oder der Stimmanteile im Besitz von einem oder von mehreren Unternehmen
            gemeinsam stehen, die die Definition der KMU bzw. der kleinen Unternehmen nicht erfüllen. 
         
         
         Jedoch kann der verfügende Teil eines Rechtsakts nicht von seiner Begründung getrennt werden, so dass er, wenn dies erforderlich
            ist, unter Berücksichtigung der Gründe auszulegen ist, die zu seinem Erlass geführt haben. 
         
         
         Wie sich u. a. aus der achtzehnten, der neunzehnten und der zweiundzwanzigsten Begründungserwägung dieser Empfehlung sowie
            aus Nummer 3.2 der Mitteilung über den  KMU‑Gemeinschaftsrahmen ergibt, bezweckt das Unabhängigkeitskriterium somit, dass
            die für KMU vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich diejenigen Unternehmen erreichen, deren geringe Größe für sie einen Nachteil
            bedeutet, nicht aber diejenigen, die einem Konzern angehören und Zugang zu Mitteln und Unterstützungen haben, die ihre gleich
            großen Konkurrenten nicht haben. Es ergibt sich ferner, dass zur Beschränkung auf solche Unternehmen, die tatsächlich unabhängige
            KMU darstellen, auch rechtliche Gebilde von KMU ausgeschlossen werden sollen, die eine wirtschaftliche Gruppe bilden, deren
            Bedeutung über die eines solchen Unternehmens hinausgeht, und dass darauf zu achten ist, dass die Definition der KMU nicht
            durch eine rein formale Erfüllung der Kriterien umgangen wird. 
         
         
         Das Unabhängigkeitskriterium ist daher im Licht dieses Zieles auszulegen, so dass ein Unternehmen, das zu weniger als 25 %
            von einem großen Unternehmen gehalten wird und somit formal dieses Kriterium erfüllt, in Wirklichkeit aber zu einem Unternehmenskonzern
            gehört, gleichwohl nicht so betrachtet werden kann, als erfülle es dieses Kriterium. 
         
         
         
                (vgl. Randnrn. 45-51)
         
         
          
         2.
         Ein beihilfebegünstigtes Unternehmen darf, da die Überwachung der staatlichen Beihilfen durch die Kommission in Artikel 88 EG
            zwingend vorgeschrieben ist, auf die Ordnungsmäßigkeit der Beihilfe grundsätzlich nur dann vertrauen, wenn diese unter Beachtung
            des dort vorgesehenen Verfahrens gewährt wurde.
         
         Solange folglich die Kommission keine Entscheidung über die Genehmigung getroffen hat und selbst solange die Klagefrist gegen
            diese Entscheidung nicht abgelaufen ist, hat der Empfänger keine Gewissheit über die Rechtmäßigkeit der geplanten Beihilfe,
            die allein ein berechtigtes Vertrauen bei ihm wecken kann.
         
         
         
               (vgl. Randnrn. 65-66)
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Fünfte Kammer)29. April 2004(1)
         
         
               „Staatliche Beihilfen  –  Empfehlung betreffend die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen  –  Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen  –  Unabhängigkeitskriterium  –  Vertrauensschutz  –  Rechtssicherheit“
               
             In der Rechtssache C-91/01
            
            
            Italienische Republik, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von D. Del Gaizo, avvocato dello Stato, Zustellungsanschrift
            in Luxemburg,
            
            
            Klägerin,
            
            gegen
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch V. Di Bucci und J. M. Flett als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            Beklagte,
            
             wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 2001/779/EG der Kommission vom 15. November 2000 über die staatliche Beihilfe, die
            Italien zugunsten der Solar Tech Srl gewähren will (ABl. 2001, L 292, S. 45), soweit darin der für kleinere und mittlere Unternehmen
            vorgesehene Zuschlag von 15 % Bruttosubventionsäquivalent zu dieser Beihilfe für nicht anwendbar angesehen wird, 
             erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer),
            
             unter Mitwirkung des Richters C. W. A. Timmermans in Wahrnehmung der Aufgaben des Präsidenten der Fünften Kammer sowie der
            Richter A. Rosas und S. von Bahr (Berichterstatter),
            
             Generalanwalt: F. G. Jacobs, Kanzler: M. Múgica Arzamendi, Hauptverwaltungsrätin,
            
            
             nach Anhörung der Parteien in der Sitzung vom 5. Juni 2003,
            
            nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 18. September 2003,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
          Die Italienische Republik hat mit Klageschrift, die am 21. Februar 2001 bei der Kanzlei des Gerichtshofes eingegangen ist,
         gemäß Artikel 230 Absatz 1 EG Klage auf Nichtigerklärung der Entscheidung 2001/779/EG der Kommission vom 15. November 2000
         über die staatliche Beihilfe, die Italien zugunsten der Solar Tech Srl gewähren will (ABl. 2001, L 292, S. 45, im Folgenden:
         angefochtene Entscheidung), erhoben, soweit darin der für kleinere und mittlere Unternehmen vorgesehene Zuschlag von 15 %
         Bruttosubventionsäquivalent zu dieser Beihilfe für nicht anwendbar angesehen wird. 
         
         
            
               Rechtlicher Rahmen 
            
         
         2
            
          In der ersten Begründungserwägung der zur Zeit der dem vorliegenden Rechtsstreit zugrunde liegenden Ereignisse geltenden Empfehlung
         96/280/EG der Kommission vom 3. April 1996 betreffend die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen (ABl. L 107, S. 4,
         im Folgenden: KMU‑Empfehlung) heißt es: „Damit das Integrierte Programm für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und
         das Handwerk … durchgeführt werden kann, muss ein kohärenter, sichtbarer und effizienter Rahmen für die KMU-Förderpolitik
         geschaffen werden.“ 
         
         
         
         3
            
          Die vierzehnte Begründungserwägung der KMU‑Empfehlung lautet: „Würden die Kommission, die Mitgliedstaaten, die EIB [Europäische
         Investitionsbank] und der EIF [Europäischer Investitionsfonds] eine einheitliche Definition anwenden, so würden die Kohärenz
         und die Wirksamkeit der gesamten KMU-Politik erhöht, und das Risiko von Wettbewerbsverzerrungen würde verringert. …“ 
         
         
         
         4
            
          Zu den Kriterien, nach denen KMU definiert werden, verweisen die sechzehnte und die siebzehnte Begründungserwägung der KMU‑Empfehlung
         auf das Kriterium der Zahl der beschäftigten Personen bzw. auf das finanzielle Kriterium. 
         
         
         
         5
            
          Ferner haben die Begründungserwägungen 18 bis 21 der KMU‑Empfehlung folgenden Wortlaut:
         „Die Unabhängigkeit bleibt ebenfalls ein grundlegendes Kriterium, insofern, als KMU, die einem Konzern angehören, über Mittel
         und Unterstützungen verfügen, die ihre gleich großen Konkurrenten nicht haben; es sollten auch rechtliche Gebilde von KMU
         ausgeschlossen werden, die eine wirtschaftliche Gruppe bilden, deren wirtschaftliche Bedeutung über die eines KMU hinausgeht.
         
          Hinsichtlich des Unabhängigkeitskriteriums sollten die Mitgliedstaaten, die EIB und der EIF sicherstellen, dass die Definition
         nicht durch solche Unternehmen umgangen wird, die dieses Kriterium zwar formal erfüllen, jedoch tatsächlich durch ein größeres
         oder mehrere größere Unternehmen kontrolliert werden. 
          Der Anteilsbesitz von öffentlichen Beteiligungsgesellschaften oder von Risikokapitalgesellschaften führt jedoch in der Regel
         nicht dazu, die typischen Merkmale eines KMU zu beseitigen, und kann daher als unbedeutend angesehen werden. Das Gleiche gilt
         für die Beteiligungen, die von institutionellen Investoren gehalten werden, da das Unternehmen, in das sie investieren, regelmäßig
         unabhängig bleibt. 
          Es muss eine Lösung für die Unternehmen gefunden werden, bei denen es sich zwar um KMU handelt, jedoch um Aktiengesellschaften,
         die aufgrund der starken Kapitalstreuung und der Anonymität der Aktionäre nicht genau feststellen können, wie sich ihr Kapital
         zusammensetzt und ob sie das Unabhängigkeitskriterium erfüllen.“ 
         
         
         
         6
            
          Die zweiundzwanzigste Begründungserwägung der KMU‑Empfehlung lautet:
         „Es müssen hinreichend strenge Kriterien für die Definition der KMU festgelegt werden, damit die für sie vorgesehenen Maßnahmen
         tatsächlich diejenigen Unternehmen erreichen, deren geringe Größe für sie einen Nachteil bedeutet.“ 
         
         
         
         7
            
          Artikel 1 erster Gedankenstrich der KMU‑Empfehlung bestimmt: 
         „Den Mitgliedstaaten, der Europäischen Investitionsbank und dem Europäischen Investitionsfonds wird empfohlen,
         
         –
            für alle ihre Programme, die ‚KMU‘ … betreffen, die Bestimmungen von Artikel 1 des Anhangs anzuwenden“. 
         
         
         
         
         8
            
          Artikel 1 Absätze 1 und 3 des Anhangs „Definition der kleinen und mittleren Unternehmen durch die Kommission“ der KMU‑Empfehlung
         sieht vor: 
         „(1) Die kleinen und mittleren Unternehmen, nachstehend ‚KMU‘ genannt, werden definiert als Unternehmen, die 
         
         –
            weniger als 250 Personen beschäftigen und 
         
         
         –
            einen Jahresumsatz von höchstens 40 Millionen ECU oder eine Jahresbilanzsumme von höchstens 27 Millionen ECU haben und 
         
         
         –
            die das in Absatz 3 definierte Unabhängigkeitskriterium erfüllen. 
         
         … 
         (3) Als unabhängig gelten Unternehmen, die nicht zu 25 % oder mehr des Kapitals oder der Stimmanteile im Besitz von einem
         oder von mehreren Unternehmen gemeinsam stehen, welche die Definition der KMU bzw. der kleinen Unternehmen nicht erfüllen.
         Dieser Schwellenwert kann in zwei Fällen überschritten werden: 
         
         –
            wenn das Unternehmen im Besitz von öffentlichen Beteiligungsgesellschaften, Risikokapitalgesellschaften oder institutionellen
               Anlegern steht und diese weder einzeln noch gemeinsam Kontrolle über das Unternehmen ausüben; 
            
         
         
         –
            wenn aufgrund der Kapitalstreuung nicht ermittelt werden kann, wer die Anteile hält, und das Unternehmen erklärt, dass es
               nach bestem Wissen davon ausgehen kann, dass es nicht zu 25 % oder mehr seines Kapitals im Besitz von einem oder von mehreren
               Unternehmen gemeinsam steht, die die Definition der KMU bzw. der kleinen Unternehmen nicht erfüllen.“ 
            
         
         
         
         
         9
            
          Ziffer 1.2 der zur Zeit der dem vorliegenden Rechtsstreit zugrunde liegenden Ereignisse geltenden Mitteilung 96/C 213/04 der
         Kommission über den Gemeinschaftsrahmen für staatliche Beihilfen an kleine und mittlere Unternehmen (ABl. 1996, C 213, S. 4,
         im Folgenden: KMU‑Gemeinschaftsrahmen) hat folgenden Wortlaut: 
         „Der Europäische Rat vom Juni 1995 in Cannes hat in seinen Schlussfolgerungen erneut auf die entscheidende Rolle der KMU bei
         der Schaffung von Arbeitsplätzen und generell als Faktor sozialer Stabilität und wirtschaftlicher Dynamik hingewiesen. Indes
         steht fest, dass sich die KMU einigen Hindernissen gegenübersehen, die ihre Entwicklung aufhalten können … Bei diesen Hindernissen
         handelt es sich in erster Linie um die Schwierigkeiten des Zugangs zu Kapital und Kredit: Ihre Ursachen sind die Unzulänglichkeit
         der Information, die Zurückhaltung der Kapitalmärkte, Risiken einzugehen, und die begrenzten Garantien, die die KMU bieten
         können. Ihre Möglichkeiten, Zugang zu Informationen zu erhalten, insbesondere zu Informationen über die neuen Technologien
         und die potenziellen Märkte sind entsprechend ihren begrenzten Mitteln beschränkt. Schließlich erhöhen sich mit neuen Regelungen
         häufig die Kosten. Die Marktmängel, die eine sozial wünschenswerte Entwicklung der KMU begrenzen, rechtfertigen die herkömmlich
         befürwortende Haltung der Kommission gegenüber staatlichen Beihilfen an KMU, soweit nach Artikel 92 Absatz 3 Buchstabe c)
         EG‑Vertrag diese Beihilfen die Handelsbedingungen nicht in einer Weise verändern, die in keinem angemessenen Verhältnis zu
         ihrem Beitrag zur Verwirklichung von Gemeinschaftszielen steht. …“ 
         
         
         
         10
            
          Ziffer 3.1 des KMU-Gemeinschaftsrahmens lautet: „Die Kommission prüft die Anwendbarkeit der Ausnahmebestimmung des Artikels
         92 Absatz 3 Buchstabe c) auf staatliche Beihilfen für KMU nach den Ausrichtungen des vorliegenden Gemeinschaftsrahmens.“
         
         
         
         11
            
          Ziffer 3.2 des KMU‑Gemeinschaftsrahmens „Definition eines KMU“ Absätze 1 und 4 bestimmt: 
         „Für die Anwendung dieses Gemeinschaftsrahmens wird der Begriff ‚KMU‘ gemäß der [KMU‑]Empfehlung …bestimmt. 
         … 
          Die drei Kriterien (Beschäftigtenzahl, Umsatz oder Bilanzsumme, Unabhängigkeit) sind kumulativ, d. h. alle drei müssen erfüllt
         sein. Die Bedingung der Unabhängigkeit, wonach ein Großunternehmen höchstens 25 % des Kapitals des KMU halten darf, lehnt
         sich an die Praxis zahlreicher Mitgliedstaaten an, in denen dieser Anteil als der Schwellenwert gilt, ab dem die Kontrolle
         möglich ist. Um nur die Unternehmen, die tatsächlich unabhängige KMU sind, zu berücksichtigen, sind Rechtskonstruktionen von
         KMU auszuschließen, die eine Wirtschaftsgruppe bilden, deren Marktmacht größer ist als diejenige eines KMU. Bei der Berechnung
         der Beschäftigten- und Finanzschwellen sind also die Daten des begünstigten Unternehmens und aller Unternehmen, bei denen
         es unmittelbar oder mittelbar 25 % des Kapitals oder der Stimmrechte hält, aufzuaddieren.“ 
         
         
         
         12
            
          In Ziffer 4.2.1 des KMU‑Gemeinschaftsrahmens „Beihilfen für materielle Investitionen“ heißt es in Absatz 4: 
         „Für Fördergebiete kann die Kommission zusätzlich zu dem von ihr genehmigten regionalen Förderhöchstsatz der Investitionsbeihilfe
         Beihilfen genehmigen 
         … 
         
         –
            von 15 Bruttoprozentpunkten in Fördergebieten nach Artikel 92 Absatz 3 Buchstabe a), vorausgesetzt dass der Gesamtbetrag 75 %
               netto nicht überschreitet.“ 
            
         
         
         
         
         13
            
          Ziffer 1.4 der Mitteilung 98/C 107/05 der Kommission über den Multisektoralen Regionalbeihilferahmen für große Investitionsvorhaben
         (ABl. 1998, C 107, S. 7, im Folgenden: Multisektoraler Gemeinschaftsrahmen) hat folgenden Wortlaut:
         „Gemäß dem neuen Rahmen wird die Kommission im Einzelfall die höchstzulässige Beihilfeintensität für die notifizierungspflichtigen
         Investitionsvorhaben festlegen. Diese kann auch unter dem regionalen Höchstsatz liegen. …“
         
         Dem Rechtsstreit zugrunde liegender Sachverhalt und angefochtene Entscheidung 
         
         14
            
          Die Italienische Republik meldete bei der Kommission mit Schreiben vom 24. November 1999 ein Beihilfevorhaben zugunsten der
         Solar Tech Srl (im Folgenden: Solar Tech) an, das in einem nicht rückzahlbaren Zuschuss zum Bau einer Anlage zur Herstellung
         von Folien aus amorphem Silizium und zur Herstellung integrierter Solarzellenpaneele besteht; diese Anlage befindet sich in
         der Gemeinde Manfredonia (Italien), die in der Region Apulien, einem nach Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG geförderten Gebiet,
         liegt. 
         
         
         
         15
            
          Die Kommission setzte die italienische Regierung mit Schreiben vom 4. April 2000 von ihrem Beschluss in Kenntnis, wegen dieser
         Beihilfe das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG einzuleiten.
         
         
         
         16
            
          Nach Abschluss dieses Verfahrens erließ die Kommission die angefochtene Entscheidung. 
         
         
         
         17
            
          Den Randnummern 7 und 8 der angefochtenen Entscheidung ist zu entnehmen, dass 24 % des Kapitals der Solar Tech von der Permasteelisa
         SpA (im Folgenden: Permasteelisa) gehalten werden, der Muttergesellschaft des Permasteelisa-Konzerns, der im Sektor durchgehende
         Fassaden und andere Verkleidungen für große öffentliche Infrastrukturarbeiten tätig ist.
         
         
         
         18
            
          In den Randnummern 34 bis 36 der angefochtenen Entscheidung im Abschnitt „Der Gemeinschaftsrahmen für Beihilfen an KMU“ hat
         die Kommission ausgeführt 
         
         „(34)
            In Ziffer 1.2 des Gemeinschaftsrahmens für Beihilfen an KMU wird darauf hingewiesen, dass kleine und mittlere Unternehmen
               bei der Schaffung von Arbeitsplätzen zwar eine entscheidende Rolle spielen, dass sie sich aber einigen Hindernissen gegenübersehen,
               die ihre Entwicklung aufhalten können. Bei diesen Hindernissen handelt es sich um die Schwierigkeiten des Zugangs zu Kapital
               und Kredit, die Schwierigkeiten beim Zugang zu Informationen, neuen Technologien und potenziellen Märkten, die Kosten aufgrund
               der Anwendung neuer Regelungen usw.
            
         
         
         (35)
            Deshalb ist der Zuschlag zu dem Betrag der für KMU vorgesehenen Beihilfen gerechtfertigt, und zwar nicht nur wegen des Beitrags,
               den diese Unternehmen zur Verwirklichung der Gemeinschaftsziele leisten, sondern auch aufgrund der Notwendigkeit zum Ausgleich
               dieser Nachteile, denen die KMU angesichts ihrer positiven Rolle ausgesetzt sind. Gleichwohl gilt es zu prüfen, ob dieser
               Beihilfezuschlag tatsächlich für Unternehmen bestimmt ist, die derartigen Nachteilen ausgesetzt sind. Insbesondere die herangezogene
               KMU-Definition soll den KMU-Begriff so einschränken, dass er ausschließlich die Unternehmen beinhaltet, die diese vorgesehenen
               positiven externen Wirkungen erzielen und die den oben genannten Nachteilen ausgesetzt sind. Somit darf diese Definition nicht
               ausgeweitet werden, um die zahlreichen größeren Unternehmen einzubeziehen, die nicht notwendigerweise die positiven externen
               Wirkungen bzw. die Nachteile aufweisen, die für den KMU-Sektor kennzeichnend sind. So drohen die letzteren Unternehmen gewährten
               Beihilfen später den Wettbewerb und den innergemeinschaftlichen Handel zu verfälschen. 
            
         
         
               Dieser Grundsatz wird im 22. Erwägungsgrund der [KMU‑]Empfehlung … aufgeführt.
                  
               
         
         
         
               …
                  
               
         
         
         
         (36)
            Deshalb und im Licht dieser Grundsätze ist zu ermitteln, ob die Solar Tech unter die KMU-Definition fällt. Dieses Unternehmen
               erfüllt … nicht die erforderlichen Voraussetzungen, um in den Genuss des zugunsten von KMU vorgesehenen Beihilfezuschlags
               zu gelangen.
            
         
         
               Diese Feststellung leitet sich von der Feststellung ab, dass aus wirtschaftlicher Sicht die Solar Tech als ein Unternehmen
                     zu betrachten ist, das zum Permasteelisa-Konzern, einem Großunternehmen, gehört, obwohl die Permasteelisa nur 24 % der Solar
                     Tech hält. Dank ihrer wirtschaftlichen, finanziellen und organischen Verbindungen zwischen den beiden Unternehmen ist die
                     Solar Tech nicht – oder nur in geringem Maße – den Nachteilen ausgesetzt, denen KMU üblicherweise ausgesetzt sind und die
                     einen wesentlichen Grund für den zugunsten dieser Unternehmen gewährten Zuschlag zum Beihilfebetrag darstellen.“
                  
                  
               
         
         
         
         
         
         19
            
          In den Randnummern 37 bis 39 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission die Verbindungen zwischen der Solar Tech und
         dem Permasteelisa-Konzern untersucht. In Randnummer 37 führt sie aus, aus der Anmeldung des Vorhabens der staatlichen Beihilfe
         gehe hervor, dass die Solar Tech als ein zum Permasteelisa-Konzern gehörendes Unternehmen zu betrachten sei, da danach die
         Gründe für die betreffende Investition tatsächlich darin lägen, dass der Permasteelisa-Konzern, ein weltweit führendes Unternehmen
         im Sektor Herstellung und Montage innovativer Verkleidungen für große öffentliche Infrastrukturarbeiten, mit dieser Maßnahme
         seine Produktpalette ausdehnen wolle. 
         
         
         
         20
            
          In Randnummer 38 verweist die Kommission darauf, dass aus dieser Anmeldung ebenfalls hervorgehe, dass die natürlichen Personen,
         die Gesellschafter und/oder Führungskräfte der Solar Tech seien, auch Gesellschafter und/oder Führungskräfte der Permasteelisa
         seien, da 
         
         
         
          
         –
            der Gründer und Hauptaktionär des Permasteelisa-Konzerns, der Managementfunktionen ausübe, 46 % der Solar Tech halte und deren
               einziger Geschäftsführer sei, 
            
         
         
         
         
          
         –
            der Präsident des Permasteelisa-Konzerns 15 % der Solar Tech halte und 
         
         
         
         
          
         –
            ein Mitglied des Verwaltungsrats der Permasteelisa, der auch Präsident eines Unternehmens des Konzerns sei, gleichfalls 15 %
               der Solar Tech halte.
            
         
         
         
         
         
         21
            
          Hinzu komme, so heißt es in Randnummer 39 der angefochtenen Entscheidung, dass die Permasteelisa 24 % der Solar Tech halte.
         
         
         
         22
            
          In den Randnummern 40 bis 43 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission die Frage geprüft, ob die Solar Tech den typischen
         Nachteilen ausgesetzt ist, denen sich die KMU gegenübersehen, z. B. Schwierigkeiten des Zugangs zu Kapital und Kredit, zu
         Informationen sowie zu neuen Technologien. Sie stellt in Randnummer 40 fest, dass aufgrund der sehr engen Verbindungen zwischen
         der Permasteelisa und der Solar Tech die Letztgenannte diesen Nachteilen nicht ausgesetzt sei. 
         
         
         
         23
            
          Zu den Schwierigkeiten des Zugangs zu Kapital und Kredit führt die Kommission in Randnummer 41 aus, dass nach den Unterlagen,
         auf die sich die Untersuchung des Beihilfevorhabens durch die Italienische Republik stütze, bei den Eigenmitteln die für die
         Solar Tech erforderlichen Mittel über die Permasteelisa beschafft werden könnten. 
         
         
         
         24
            
          Aus Randnummer 42 der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass die Solar Tech dank ihrer wirtschaftlichen, finanziellen
         und organischen Verbindungen zur Permasteelisa nicht die Hindernisse zu überwinden brauche, die den Zugang zum Markt in dem
         betreffenden Sektor erschwerten, denn 
         
         
         
          
         –
            sie habe Zugang zu Partnern, die über die erforderliche Technologie verfügten, und 
         
         
         
         
          
         –
            hinsichtlich des Vertriebs der Produkte habe die Italienische Republik mitgeteilt, dass die Solar Tech einen Teil ihrer Produktion
               (20 % bis 30 %) der Permasteelisa verkaufen werde und dabei die Kontakte nutzen könne, die dieses Unternehmen zu verschiedenen
               Kunden des Immobiliensektors habe, was es der Solar Tech ermögliche, auf dem Weltmarkt tätig zu sein. 
            
         
         
         
         
         
         25
            
          Die Kommission zieht daraus in Randnummer 50 der angefochtenen Entscheidung den Schluss, dass „die Solar Tech nicht in den
         Genuss des Beihilfezuschlags zugunsten von KMU kommen kann, weil sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen, finanziellen und organischen
         Verbindungen zur Permasteelisa nicht den typischen Nachteilen von KMU ausgesetzt ist, auf die sich der Gemeinschaftsrahmen
         bezieht. Infolgedessen ist der Zuschlag von 15 % BSÄ zugunsten von KMU in diesem Fall nicht anwendbar.“ 
         
         
         
         26
            
          Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung hat folgenden Wortlaut: 
         „Die staatliche Beihilfe in Höhe von 42 788 290 EUR, die Italien zugunsten der Solar Tech srl gewähren will, ist mit dem Gemeinsamen
         Markt unvereinbar, da die Intensität über der im vorliegenden Fall höchstzulässigen Intensität (40 % NSÄ) liegt.
          Diese Beihilfe darf von Italien nicht zu einem Betrag gewährt werden, der über dem liegt, der einer Intensität von 40 % NSÄ
         entspricht.“ 
         
         Anträge der Parteien 
         
         27
            
          Die Italienische Republik beantragt, 
         
         –
            die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit darin die für KMU vorgesehene Erhöhung der gewährten Beihilfe
               um 15 % Bruttosubventionsäquivalent für nicht anwendbar angesehen wird, 
            
         
         
         –
            der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
         
         
         
         
         28
            
          Die Kommission beantragt, 
         
         –
            die Klage als unbegründet abzuweisen, 
         
         
         –
            der Italienischen Republik die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         
         
         Zur Klage 
         
         29
            
          Die Italienische Republik rügt mit ihrem einzigen Klagegrund die Schlussfolgerung der Kommission, dass die Solar Tech nicht
         in den Genuss des Zuschlags von 15 % Bruttosubventionsäquivalent zugunsten von KMU gelangen könne. 
         
         
         
         30
            
          Dieser einzige Klagegrund gliedert sich in drei Teile: Verstoß gegen die Gemeinschaftsregelung über staatliche Beihilfen zugunsten
         von KMU, Verstoß gegen Artikel 88 Absatz 1 EG und Verstoß gegen die Grundsätze des Vertrauensschutzes und der Rechtssicherheit.
         
         
         Zur Gemeinschaftsregelung über staatliche Beihilfen zugunsten von KMU  Vorbringen der Parteien 
         
         
         31
            
          Die Italienische Republik vertritt die Ansicht, die Kommission habe sich auf eine Definition des KMU-Begriffs gestützt, die
         weder der im KMU‑Gemeinschaftsrahmen noch der in der KMU‑Empfehlung entspreche. 
         
         
         
         32
            
          Die Solar Tech erfülle alle in Artikel 1 Absätze 1 und 3 des Anhangs der KMU‑Empfehlung und in Ziffer 3.2 Absätze 1 und 3
         des KMU‑Gemeinschaftsrahmens genannten Voraussetzungen, was die Kommission im Übrigen in Randnummer 44 der angefochtenen Entscheidung
         ausdrücklich anerkannt habe, wo sie ausführe, dass die „rein formale“ Einhaltung dieser Voraussetzungen keinesfalls ein ausreichendes
         Element darstellen würde, um den zugunsten von KMU vorgesehenen Beihilfezuschlag zu rechtfertigen.
         
         
         
         33
            
          Dadurch, dass die Kommission die angefochtene Entscheidung auf einen KMU-Begriff gestützt habe, der nicht ausschließlich in
         der Regelung über staatliche Beihilfen zugunsten von KMU vorgesehene Voraussetzungen berücksichtige, habe sie gegen die Vorschriften
         dieser Regelung verstoßen, der in der Rechtsprechung des Gerichtshofes verbindliche Wirkung beigemessen werde (vgl. u. a.
         Urteil vom 5. Oktober 2000 in der Rechtssache C‑288/96, Deutschland/Kommission, Slg. 2000, I‑8237, Randnr. 65). Die in dieser
         Regelung genannten Voraussetzungen für die Abgrenzung dieser Beihilfen an KMU seien nämlich so gefasst, dass sie der Kommission
         für die Zwecke der Definition des KMU-Begriffs und der Anwendung der Erhöhung über die in dieser Regelung festgelegten Grenzen
         hinaus nicht die geringste Möglichkeit der Ermessensausübung einräume, und zwar weder in Bezug auf die wirtschaftlichen, finanziellen
         und organischen Verbindungen des betreffenden KMU selbst noch hinsichtlich der positiven externen Wirkungen oder der Nachteile,
         die für den betreffenden Sektor kennzeichnend seien. 
         
         
         
         34
            
          Die Gemeinschaftsregelung über staatliche Beihilfen zugunsten von KMU schließe definitiv aus, dass es der Einstufung als KMU
         entgegenstehen könne, wenn Beteiligungen unter dem Schwellenwert von 25 % lägen oder von Personen gehalten würden, die nicht
         als Unternehmen angesehen werden könnten, wie die natürlichen Personen, auf die in der Definition der KMU im Unterschied zu
         anderen Gemeinschaftsbestimmungen auf dem Gebiet der Konzentration und der Kontrolle von Unternehmen in keiner Weise Bezug
         genommen werde.
         
         
         
         35
            
          Außerdem lasse sich die der angefochtenen Entscheidung zugrunde gelegte Auslegung des KMU-Begriffs nicht auf die achtzehnte,
         die neunzehnte und die einundzwanzigste Begründungserwägung der KMU‑Empfehlung stützen, da die dort erwähnten Grundsätze,
         Ziele und Bemerkungen nur auf die Angaben hinführen sollten, die sich im verfügenden Teil und im Anhang dieser Empfehlung
         fänden, und die Gründe für die Auswahl der in diesem Anhang genannten Kriterien angeben sollten. Für eine mehr oder weniger
         weite Auslegung dieser Kriterien könnten sie keine Grundlage bilden. 
         
         
         
         36
            
          Zum auf Ziffer 4.2.1, vierter Absatz, des KMU‑Gemeinschaftsrahmens gestützten Argument der Kommission, wonach sie den Zuschlag
         von 15 % genehmigen „kann“, trägt die Italienische Republik vor, das sich daraus ergebende Ermessen betreffe nicht die Festlegung
         der Grenze, oberhalb deren die Beteiligung an einem Unternehmen es nicht mehr zulasse, dieses als KMU zu betrachten, sondern
         vielmehr Erwägungen im Rahmen anderer, nach Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe c EG vorzunehmender Bewertungen. 
         
         
         
         37
            
          Die Kommission verweist darauf, dass sie ihre Weigerung, den Zuschlag von 15 % Bruttosubventionsäquivalent zugunsten von KMU
         zu genehmigen, auf zwei Gründe gestützt habe, die jedoch miteinander in Zusammenhang stünden und einer wie der andere zu dieser
         Weigerung beigetragen hätten. Zum einen sei die Solar Tech unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, missbräuchlichen rechtlichen
         Konstruktionen vorzubeugen, die darauf gerichtet seien, die durch die KMU‑Empfehlung gegebene Definition von KMU zu umgehen,
         kein KMU im Sinne der geltenden Gemeinschaftsregelung. Zum anderen gebe es, unabhängig von der formalen Einstufung der Solar
         Tech als KMU, keinen Grund, in ihrem Fall den vom KMU‑Gemeinschaftsrahmen vorgesehenen Zuschlag zu genehmigen, da sie nicht
         den für die KMU kennzeichnenden Nachteilen ausgesetzt sei.
         
         
         
         38
            
          Zum KMU-Begriff, dem ersten Grund für die Verweigerung des Zuschlags, trägt die Kommission vor, aus der angefochtenen Entscheidung
         ergebe sich, dass die Solar Tech das Unabhängigkeitskriterium nicht erfülle und dass die Kommission (in Randnr. 35) dieses
         Kriterium unter Bezugnahme sowohl auf Sinn und Zweck der betreffenden Regelung als auch auf die Erwägungen der KMU‑Empfehlung
         auslege. Was Sinn und Zweck betreffe, so habe man sich in jedem Fall sorgfältig zu vergewissern, ob das Unternehmen tatsächlich
         den der Situation der KMU zuzurechnenden Nachteilen ausgesetzt sei und ob es tatsächlich die positive Rolle spiele, die den
         KMU in der Wirtschaft der Europäischen Union eigen sei. Was die KMU‑Empfehlung anbelange, so seien deren in der angefochtenen
         Entscheidung angeführte zweiundzwanzigste Begründungserwägung und deren genauso bedeutende neunzehnte Begründungserwägung
         zu berücksichtigen. 
         
         
         
         39
            
          Im vorliegenden Fall ziele die für die Errichtung der Solar Tech und die Bildung ihres Stammkapitals gewählte Gestaltung ganz
         offensichtlich darauf ab, den Genuss der für die KMU vorgesehenen geldwerten Vorteile für ein Unternehmen sicherzustellen,
         das zu einem Konzern von erheblicher Größe gehöre, der keineswegs den für KMU typischen Nachteilen ausgesetzt sei. Die Solar
         Tech werde tatsächlich von einem großen Unternehmen kontrolliert, und es handele sich selbst dann um einen offensichtlichen
         Fall von Rechtsmissbrauch, wenn sie den in Artikel 1 des Anhangs der KMU-Empfehlung aufgestellten formalen Parametern genüge.
         
         
         
         
         40
            
          Zur Frage der Genehmigung des für KMU vorgesehenen Zuschlags, dem zweiten Grund für die Verweigerung des Zuschlags, erinnert
         die Kommission daran, dass sie bei der Beurteilung der Vereinbarkeit geplanter staatlicher Beihilfen mit dem Gemeinsamen Markt
         über ein weites Ermessen verfüge, das sie nach Maßgabe komplexer wirtschaftlicher und sozialer Wertungen ausübe, die auf die
         Gemeinschaft als Ganzes zu beziehen seien. Das Vorliegen von Gemeinschaftsrahmen ändere nichts am Wesen dieser Beurteilung.
         
         
         
         
         41
            
          Auf die vorliegende Rechtssache bezogen, verweist die Kommission auch darauf, dass sie, wie in Nummer 1.4 des Multisektoralen
         Regionalbeihilferahmens angegeben, im Einzelfall die höchstzulässige Beihilfeintensität für die notifizierungspflichtigen
         Investitionsvorhaben festlegen werde; diese Beihilfeintensität könne auch unter dem regionalen Höchstsatz liegen, und was
         den KMU‑Gemeinschaftsrahmen betreffe, so könne die Kommission nach dessen Nummer 4.2.1 den Zuschlag von 15 % genehmigen, müsse
         dies aber nicht tun. 
         
         
         
         42
            
          In Bezug auf das sich aus der letztgenannten Bestimmung ergebende Ermessen vertritt die Kommission die Ansicht, dass für die
         Entscheidung über die höchstzulässige Intensität der Regionalbeihilfe die Marktsituation zu beurteilen sei. Der Betrag der
         betreffenden Beihilfe sei nämlich aus zwingenden Gründen zu begrenzen, weil die einem großen Unternehmen gewährte Beihilfe
         auch dann, wenn dieses als KMU getarnt sei, stärker wettbewerbsverzerrende Wirkungen mit sich brächte als eine an ein KMU
         gezahlte Beihilfe. 
          Würdigung durch den Gerichtshof 
         
         
         
         43
            
          Nach ständiger Rechtsprechung verfügt die Kommission bei der Anwendung des Artikels 87 Absatz 3 Buchstabe c EG über ein weites
         Ermessen, das sie nach Maßgabe komplexer wirtschaftlicher und sozialer Wertungen ausübt, die auf die Gemeinschaft als Ganzes
         zu beziehen sind (vgl. u. a. Urteil vom 24. Februar 1987 in der Rechtssache 310/85, Deufil/Kommission, Slg. 1987, 901 Randnr.
         18). Die gerichtliche Nachprüfung der Ausübung dieses Ermessens ist auf die Überprüfung der Beachtung der Verfahrens- und
         Begründungsvorschriften sowie auf die Kontrolle der inhaltlichen Richtigkeit der festgestellten Tatsachen und des Fehlens
         von Rechtsfehlern, von offensichtlichen Fehlern bei der Bewertung der Tatsachen und von Ermessensmissbrauch beschränkt (Urteile
         vom 26. September 2002 in der Rechtssache C‑351/98, Spanien/Kommission, Slg. 2002, I‑8031, Randnr. 74, und vom 13. Februar
         2003 in der Rechtssache C‑409/00, Spanien/Kommission, Slg. 2003, I‑1487, Randnr. 93). 
         
         
         
         44
            
          Aus dem Wortlaut der Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe c EG und 88 EG ergibt sich bereits, dass die Kommission die von der ersten
         dieser beiden Bestimmungen erfassten Beihilfen als mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ansehen „kann“. Sie ist also nicht
         verpflichtet, solche Beihilfen für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar zu erklären, obwohl sie sich auch dann zur Vereinbarkeit
         staatlicher Beihilfen, über die sie ihre Kontrolle ausübt, mit dem Gemeinsamen Markt äußern muss, wenn diese ihr nicht notifiziert
         wurden (Urteile vom 14. Februar 1990 in der Rechtssache C‑301/87, Frankreich/Kommission, „Boussac Saint Frères“, Slg. 1990,
         I‑307, Randnrn. 15 bis 24, und vom 13. Februar 2003, Spanien/Kommission, Randnr. 94). 
         
         
         
         45
            
          Jedoch ist die Kommission, wie die Italienische Republik zu Recht ausgeführt hat, an die von ihr erlassenen Gemeinschaftsrahmen
         und Mitteilungen im Bereich der Kontrolle der staatlichen Beihilfen gebunden, soweit sie nicht von den Vorschriften des EG‑Vertrags
         abweichen und soweit sie von den Mitgliedstaaten akzeptiert werden (vgl. u. a. Urteil vom 13. Februar 2003, Spanien/Kommission,
         Randnr. 95). 
         
         
         
         46
            
          Hierzu ist daran zu erinnern, dass aus Nummer 1.2 des KMU-Gemeinschaftsrahmens hervorgeht, dass die befürwortende Haltung
         der Kommission gegenüber staatlichen Beihilfen an KMU durch die Marktmängel gerechtfertigt wird, die dazu führen, dass sich
         diese Unternehmen einigen Hindernissen gegenübersehen, die ihre sozial und wirtschaftlich wünschenswerte Entwicklung begrenzen.
         
         
         
         
         47
            
          Nach Nummer 3.2 des KMU‑Gemeinschaftsrahmens kann ein Unternehmen als KMU im Sinne dieses Gemeinschaftsrahmens eingestuft
         werden, wenn es drei Kriterien erfüllt, nämlich das Kriterium der Zahl der Beschäftigten, das finanzielle Kriterium und das
         Unabhängigkeitskriterium 
         
         
         
         48
            
          Hinsichtlich des letztgenannten Kriteriums gelten gemäß Artikel 1 Absatz 3 des Anhangs der KMU‑Empfehlung Unternehmen als
         unabhängig, die nicht zu 25 % oder mehr des Kapitals oder der Stimmanteile im Besitz von einem oder von mehreren Unternehmen
         gemeinsam stehen, die die Definition der KMU bzw. der kleinen Unternehmen nicht erfüllen. 
         
         
         
         49
            
          Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass entgegen der von der Italienischen Republik geäußerten Ansicht der verfügende Teil
         eines Rechtsakts nicht von seiner Begründung getrennt werden kann, so dass er, wenn dies erforderlich ist, unter Berücksichtigung
         der Gründe auszulegen ist, die zu seinem Erlass geführt haben (vgl. Urteil vom 15. Mai 1997 in der Rechtssache C‑355/95 P,
         TWD/Kommission, Slg. 1997, I‑2549, Randnr. 21). 
         
         
         
         50
            
          Insoweit ergibt sich u. a. aus der achtzehnten, der neunzehnten und der zweiundzwanzigsten Begründungserwägung der KMU‑Empfehlung
         sowie aus Nummer 3.2 des KMU‑Gemeinschaftsrahmens, dass das Unabhängigkeitskriterium bezweckt, dass die für KMU vorgesehenen
         Maßnahmen tatsächlich diejenigen Unternehmen erreichen, deren geringe Größe für sie einen Nachteil bedeutet, nicht aber diejenigen,
         die einem Konzern angehören und Zugang zu Mitteln und Unterstützungen haben, die ihre gleich großen Konkurrenten nicht haben.
         Es ergibt sich ferner, dass zur Beschränkung auf solche Unternehmen, die tatsächlich unabhängige KMU darstellen, auch rechtliche
         Gebilde von KMU ausgeschlossen werden sollen, die eine wirtschaftliche Gruppe bilden, deren Bedeutung über die eines solchen
         Unternehmens hinausgeht, und dass darauf zu achten ist, dass die Definition der KMU nicht durch eine rein formale Erfüllung
         der Kriterien umgangen wird. 
         
         
         
         51
            
          Wie der Generalanwalt in Nummer 33 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ist das Unabhängigkeitskriterium daher im Licht dieses
         Zieles auszulegen, so dass ein Unternehmen, das zu weniger als 25 % von einem großen Unternehmen gehalten wird und somit formal
         dieses Kriterium erfüllt, in Wirklichkeit aber zu einem Unternehmenskonzern gehört, gleichwohl nicht so betrachtet werden
         kann, als erfülle es dieses Kriterium. 
         
         
         
         52
            
          Im vorliegenden Fall hat die Kommission von der Italienischen Republik unwidersprochen in Randnummer 37 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellt, dass die Gründe für die Investition in Solar Tech tatsächlich darin lägen, dass der Permasteelisa-Konzern,
         ein weltweit führendes Unternehmen im Sektor Herstellung und Montage innovativer Verkleidungen für große öffentliche Infrastrukturarbeiten,
         dadurch seine Produktpalette ausdehnen wolle. In den Randnummern 38 und 39 dieser Entscheidung hat die Kommission wiederum
         unwiderlegt festgestellt, dass neben den von der Permasteelisa gehaltenen 24 % der Solar Tech der Gründer und Hauptaktionär
         des Permasteelisa-Konzerns, der Managementfunktionen ausübe, 46 % der Solar Tech halte und deren einziger Geschäftsführer
         sei, der Präsident dieses Konzerns 15 % der Solar Tech halte und ein Mitglied des Verwaltungsrats der Permasteelisa, der auch
         Präsident eines Unternehmens des Konzerns sei, die restlichen 15 % halte. 
         
         
         
         53
            
          Die Kommission ist daher in Randnummer 36 der angefochtenen Entscheidung zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass aus wirtschaftlicher
         Sicht die Solar Tech als ein Unternehmen zu betrachten sei, das zum Permasteelisa-Konzern, einem Großunternehmen, gehöre,
         obwohl die Permasteelisa nur 24 % der Solar Tech halte.
         
         
         
         54
            
          Wie im Übrigen aus Randnummer 44 des vorliegenden Urteils, Nummer 4.2.1, vierter Absatz, des KMU‑Gemeinschaftsrahmens und
         Nummer 1.4 des Multisektoralen Regionalbeihilferahmens hervorgeht, ist die Kommission nicht verpflichtet, zusätzlich zu dem
         von ihr genehmigten regionalen Förderhöchstsatz der Investitionsbeihilfe Beihilfen zugunsten von KMU zu genehmigen. Begegnet
         daher ein Unternehmen in Wirklichkeit nicht den für KMU typischen Schwierigkeiten, darf die Kommission diesen Beihilfezuschlag
         verweigern. Die Genehmigung eines Beihilfezuschlags für Unternehmen, die, obwohl sie die formalen Kriterien der Definition
         der KMU erfüllen, sich nicht den für diese typischen Schwierigkeiten gegenübersehen, verstieße nämlich gegen Artikel 87 EG,
         da, wie der Generalanwalt in Nummer 43 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ein solcher Zuschlag geeignet ist, den Wettbewerb
         stärker zu verzerren und somit die Handelsbedingungen in einer Weise zu verändern, die dem gemeinsamen Interesse im Sinne
         von Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe c EG zuwiderläuft.
         
         
         
         55
            
          In den Randnummern 41 und 42 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission aber festgestellt, dass nach den Unterlagen,
         auf die sich die Untersuchung des Beihilfevorhabens durch die Italienische Republik stütze, die für die Solar Tech erforderlichen
         Eigenmittel über die Permasteelisa beschafft werden könnten und dass die Solar Tech über ihre drei Gesellschafter, bei denen
         es sich um natürliche Personen handele, die auch Führungskräfte des Permasteelisa-Konzerns seien, Zugang zu Partnern habe,
         die über die erforderliche Technologie verfügten, und dass hinsichtlich des Vertriebs der Produkte dieser Mitgliedstaat mitgeteilt
         habe, dass die Solar Tech einen Teil ihrer Produktion (20 % bis 30 %) an die Permasteelisa verkaufen werde und dabei die Kontakte
         nutzen könne, die dieses Unternehmen zu verschiedenen Kunden des Immobiliensektors habe, was es der Solar Tech ermögliche,
         auf dem Weltmarkt tätig zu sein. Die Italienische Republik hat kein Beweismittel vorgelegt, durch das sich diese Feststellungen
         entkräften ließen. 
         
         
         
         56
            
          Wie die Kommission in Randnummer 36 der angefochtenen Entscheidung festgestellt hat, sieht sich die Solar Tech daher dank
         der wirtschaftlichen, finanziellen und organischen Verbindungen zwischen ihr und der Permasteelisa nicht – oder nur in geringem
         Maße – den Nachteilen gegenüber, denen KMU üblicherweise ausgesetzt sind und die einen wesentlichen Grund für den zugunsten
         dieser Unternehmen gewährten Zuschlag zum Beihilfebetrag darstellen. 
         
         
         
         57
            
          Folglich ist die Kommission zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass Solar Tech nicht die erforderlichen Voraussetzungen erfülle,
         um in den Genuss des zugunsten von KMU vorgesehenen Beihilfezuschlags zu gelangen (Randnr. 36 der angefochtenen Entscheidung),
         und dass der Zuschlag von 15 % BSÄ zugunsten von KMU in diesem Fall nicht anwendbar sei (Randnr. 50 dieser Entscheidung).
         
         
         
         58
            
          Demnach ist der erste Teil des einzigen Klagegrundes, auf den die Italienische Republik ihre Klage gestützt hat, zurückzuweisen.
         
         
         Zu Artikel 88 Absatz 1 EG  Vorbringen der Parteien 
         
         
         59
            
          Die Italienische Republik verweist darauf, dass die Kommission nach Artikel 88 Absatz 1 EG fortlaufend in Zusammenarbeit mit
         den Mitgliedstaaten die in diesen bestehenden Beihilferegelungen überprüfe. Sie schlage ihnen die zweckdienlichen Maßnahmen
         vor, die die fortschreitende Entwicklung und das Funktionieren des Gemeinsamen Marktes erforderten. Dadurch, dass sie die
         Gemeinschaftsregelung über staatliche Beihilfen zugunsten von KMU mit der angefochtenen Entscheidung anders angewandt habe
         als in dieser Regelung vorgesehen, weiche die Kommission von dieser Regelung ohne deren vorherige Überprüfung in Zusammenarbeit
         mit den Mitgliedstaaten ab. Somit sei diese Entscheidung auch wegen Verstoßes gegen die Verpflichtung zu laufender und regelmäßiger
         Zusammenarbeit nichtig (vgl. in Bezug auf Handlungen gleicher Rechtsnatur u. a. Urteil Deutschland/Kommission, Randnrn. 64
         und 65). 
         
         
         
         60
            
          Die Kommission antwortet, sie sei nicht vom Gemeinschaftsrahmen abgewichen und habe diesen somit auch nicht stillschweigend
         geändert.
          Würdigung durch den Gerichtshof 
         
         
         
         61
            
          Die Prüfung des ersten Teils des einzigen Klagegrundes, auf den die Italienische Republik ihre Klage gestützt hat, durch den
         Gerichtshof hat ergeben, dass die angefochtene Entscheidung weder von der KMU‑Empfehlung noch vom KMU‑Gemeinschaftsrahmen
         abweicht. Folglich kann der zweite Teil dieses Klagegrundes keinen Erfolg haben. 
         
         Zu den Grundsätzen des Schutzes des berechtigten Vertrauens und der Rechtssicherheit  Vorbringen der Parteien 
         
         
         62
            
          Nach Ansicht der Italienischen Republik war die auf die genauen und spezifischen Voraussetzungen in der Gemeinschaftsregelung
         über staatliche Beihilfen zugunsten von KMU gestützte Definition des KMU-Begriffs geeignet, bei den betroffenen Unternehmen,
         darunter der Solar Tech, ein Vertrauen darauf zu schaffen, dass dem Antrag auf Gewährung des Zuschlags stattgegeben werde,
         was sie zu der Überzeugung habe veranlassen können, sie könnten die Unternehmens- und Organisationsstrukturen im Einklang
         mit den Vorschriften dieser Regelung errichten. Die abweichende Auslegung des KMU-Begriffs in der angefochtenen Entscheidung
         habe dieses Vertrauen erschüttert und habe darüber hinaus in Bezug auf die Tatbestandsvoraussetzungen des für KMU vorgesehenen
         Zuschlags von 15 % Bruttosubventionsäquivalent eine Situation der Unsicherheit geschaffen. Daher verstoße diese Auslegung
         gegen die Grundsätze des Vertrauensschutzes und der Rechtssicherheit. 
          Würdigung durch den Gerichtshof 
         
         
         
         63
            
          Zweifellos war die von der Italienischen Republik geplante Beihilfe gemäß dem Multisektoralen Gemeinschaftsrahmen notifizierungspflichtig.
         
         
         
         
         64
            
          Außerdem geht aus den Randnummern 43 bis 58 des vorliegenden Urteils hervor, dass die Kommission lediglich eine korrekte Anwendung
         der KMU‑Empfehlung und des KMU‑Gemeinschaftsrahmens vorgenommen hat. 
         
         
         
         65
            
          Jedenfalls darf ein beihilfebegünstigtes Unternehmen, da die Überwachung der staatlichen Beihilfen durch die Kommission in
         Artikel 88 EG zwingend vorgeschrieben ist, auf die Ordnungsmäßigkeit der Beihilfe grundsätzlich nur dann vertrauen, wenn diese
         unter Beachtung des dort vorgesehenen Verfahrens gewährt wurde (vgl. Urteil vom 14. Januar 1997 in der Rechtssache C-169/95,
         Spanien/Kommission, Slg. 1997, I-135, Randnr. 51). 
         
         
         
         66
            
          Solange folglich die Kommission keine Entscheidung über die Genehmigung getroffen hat und selbst solange die Klagefrist gegen
         diese Entscheidung nicht abgelaufen ist, hat der Empfänger keine Gewissheit über die Rechtmäßigkeit der geplanten Beihilfe,
         die allein ein berechtigtes Vertrauen bei ihm wecken kann (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 14. Januar 1997, Spanien/Kommission,
         Randnr. 53, und auch Urteil des Gerichts vom 14. Mai 2002 in der Rechtssache T-126/99, Graphischer Maschinenbau/Kommission,
         Slg. 2002, II‑2427, Randnr. 42). 
         
         
         
         67
            
          Demnach hat die Kommission weder gegen den Grundsatz des Vertrauensschutzes noch gegen den der Rechtssicherheit verstoßen,
         so dass der dritte Teil des einzigen Klagegrundes, auf den die Italienische Republik ihre Klage gestützt hat, gleichfalls
         zurückzuweisen ist. 
         
         
         
         68
            
          Da keinem Teil dieses Klagegrundes gefolgt werden konnte, ist die Klage insgesamt abzuweisen. 
         
         
         Kosten
         69
            
          Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Italienische Republik mit ihrem einzigen Klagegrund unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Kommission die Kosten
         aufzuerlegen. 
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Fünfte Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Die Klage wird abgewiesen. 
               
            
            
            
             
               2.
                  Die Italienische Republik trägt die Kosten des Verfahrens. 
               
            
            
                  Timmermans
               
               
                  Rosas 
               
               
                  von Bahr
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 29. April 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  R. Grass
               
               
                  V. Skouris
               
            
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Italienisch.