CELEX: 31991L0630
Language: de
Date: 1991-11-19 00:00:00
Title: Richtlinie 91/630/EWG des Rates vom 19. November 1991 über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen

Avis juridique important

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31991L0630

Richtlinie 91/630/EWG des Rates vom 19. November 1991 über Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen  

Amtsblatt Nr. L 340 vom 11/12/1991 S. 0033 - 0038 Finnische Sonderausgabe: Kapitel 3 Band 39 S. 0202  Schwedische Sonderausgabe: Kapitel 3 Band 39 S. 0202 

RICHTLINIE DES RATESvom 19. November 1991über  Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen(91/630/EWG)DER RAT DER  EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen  Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 43, auf Vorschlag der Kommission (1), nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments (2), nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (3), in Erwägung nachstehender Gründe: Sämtliche Mitgliedstaaten haben das Europäische Übereinkommen zum Schutz von Tieren in  landwirtschaftlichen Tierhaltungen ratifiziert. Die Gemeinschaft hat dieses Übereinkommen mit dem  Beschluß 78/923/EWG (4) ebenfalls genehmigt und die Genehmigungsurkunde hinterlegt. Das Europäische Parlament hat die Kommission in seiner Entschließung vom 20. Februar 1987 zu einer  Politik zur Sicherung einer angemessenen Behandlung landwirtschaftlicher Nutztiere (5)  aufgefordert, Vorschläge für Mindestanforderungen für den Schutz von Schlachtschweinen in  Intensivhaltungen zu unterbreiten. Schweine sind als lebende Tiere in der Liste der Erzeugnisse in Anhang II des Vertrages  aufgeführt. Die Schweinehaltung ist ein wesentlicher Bestandteil der Landwirtschaft und eine Einkommensquelle  für einen Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Unterschiede, die zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnten, beeinträchtigen das reibungslose  Funktionieren des Gemeinsamen Marktes bei Schweinen und Schweinefleischerzeugnissen. Es erweist sich daher als notwendig, gemeinsame Mindestanforderungen für den Schutz von Zucht- und  Mastschweinen festzulegen, um eine rationelle Entwicklung der Erzeugung zu gewährleisten. Es ist geboten, daß Behörden, Erzeuger, Verbraucher und andere Beteiligte über die Entwicklungen in  diesem Bereich auf dem laufenden gehalten werden. Die Kommission sollte daher auf der Grundlage  eines Berichts des Wissenschaftlichen Veterinärausschusses die wissenschaftlichen Forschungen über  das bzw. die für eine artgerechte Schweinehaltung am besten geeigneten Systeme intensiv fortsetzen.  Demzufolge ist ein Übergangszeitraum vorzusehen, damit die Kommission diese Aufgabe erfolgreich  durchführen kann -HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN: Artikel 1Mit dieser Richtlinie werden Mindestanforderungen für den Schutz von  Schweinen festgelegt, die zum Zweck der Aufzucht und Mast gehalten werden. Artikel 2Im Sinne dieser Richtlinie sind 1.  "Schweine": Tiere der Gattung Schwein jedes Alters  für Zucht- bzw. Mastzwecke;  2. "Eber": geschlechtsreife männliche Schweine, die zur Zucht bestimmt sind;  3. "Jungsauen": geschlechtsreife weibliche Schweine vor dem ersten Wurf;  4. "Sauen": weibliche Schweine nach dem ersten Wurf;  5. "säugende Sauen": weibliche Schweine vom Beginn der perinatalen Phase bis zum Absetzen der  Saugferkel;  6. "trockengestellte und trächtige Muttertiere": Sauen vom Zeitpunkt des Absetzens bis zur perinatalen  Phase;  7. "Saugferkel": Ferkel vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Absetzen;  8. "Absatzferkel": abgesetzte Ferkel bis zum Alter von zehn Wochen;  9. "Mastschweine/Zuchtläufer": Schweine vom Alter von zehn Wochen bis zur Schlachtung bzw. zum  Decken; 10. "zuständige Behörde": die zuständige Behörde im Sinne des Artikels 2 Nummer 6 der Richtlinie  90/425/EWG (6). Artikel 3Die Mitgliedstaaten sorgen für folgendes: 1.  - Ab 1. Januar 1994 müssen alle neu erbauten bzw. wiederaufgebauten und/oder alle nach diesem  Zeitpunkt erstmals in Benutzung genommenen Betriebe mindestens den nachstehenden Anforderungen  genügen: Die uneingeschränkt benutzbare Bodenfläche, die jedem Absatzferkel oder Mastschwein/Zuchtläufer in  Gruppenhaltung zur Verfügung stehen muß, muß mindestens folgende Grösse haben: - 0,15 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von bis zu 10 kg, - 0,20 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von 10 bis 20 kg, - 0,30 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von 20 bis 30 kg, - 0,40 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von 30 bis 50 kg, - 0,55 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von 50 bis 85 kg, - 0,65 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von 85 bis 110 kg, - 1,00 m² bei einem Durchschnittsgewicht der Schweine von über 110 kg. - Ab 1. Januar 1998 müssen die vorstehenden Mindestanforderungen für alle Betriebe gelten. 2.  Der Bau oder die Herrichtung von Anlagen, in denen Sauen und Jungsauen angebunden werden, muß  nach dem 31. Dezember 1995 untersagt sein. Die Benutzung von vor dem 1. Januar 1996 gebauten Anlagen, die den Anforderungen nach Nummer 1  nicht genügen, kann jedoch von der zuständigen Behörde anhand der Ergebnisse der Kontrollen gemäß  Artikel 7 Absatz 1 für einen Zeitraum weiter gestattet werden, der in keinem Fall den 31. Dezember  2005 überschreitet. Dieser Artikel gilt nicht für Betriebe mit weniger als sechs Schweinen bzw. fünf Sauen mit ihren  Saugferkeln. Artikel 4(1)  Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, daß die Bedingungen für die Haltung von  Schweinen in Einklang mit den im Anhang festgelegten allgemeinen Vorschriften stehen. Die zuständige Behörde der Mitgliedstaaten kann jedoch bis zum 30. Juni 1995 Ausnahmen von Kapitel  I Nummern 3, 5, 8 und 11 des Anhangs zulassen. (2)  Darüber hinaus legt die Kommission vor dem Inkrafttreten dieser Richtlinie im Benehmen mit den  Mitgliedstaaten in Form einer Empfehlung etwaige zusätzliche Mindestanforderungen fest, die die im  Anhang enthaltenen Mindestanforderungen für den Schutz von Schweinen ergänzen. Artikel 5Die Vorschriften des Anhangs können nach dem Verfahren des Artikels 10 geändert werden,  um dem wissenschaftlichen Fortschritt Rechnung zu tragen. Artikel 6Die Kommission unterbreitet dem Rat spätestens am 1. Oktober 1997 einen auf der  Grundlage eines Gutachtens des Wissenschaftlichen Veterinärausschusses ausgearbeiteten Bericht über  das oder die besten Intensivhaltungssysteme, bei denen die Erfordernisse einer artgerechten  Schweinehaltung in gesundheitlicher, tierzuechterischer, physiologischer und verhaltensmässiger  Hinsicht erfuellt sind, sowie über die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen  Systeme. In diesem Bericht ist insbesondere zu berücksichtigen, wie Sauen in verschieden grossen  räumlichen Einheiten sowie in Gruppenhaltung gedeihen; dem Bericht sind geeignete Vorschläge  beizufügen, die den darin enthaltenen Schlußfolgerungen Rechnung tragen. Über diese Vorschläge befindet der Rat spätestens drei Monate nach ihrer Vorlage mit qualifizierter  Mehrheit. Artikel 7(1)  Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, daß unter der Verantwortung der für die  Prüfung der Einhaltung der Bestimmungen dieser Richtlinie und ihres Anhangs zuständigen Behörde  Kontrollen durchgeführt werden. Mit diesen Kontrollen, die im Rahmen anderer Kontrollen durchgeführt werden können, wird jährlich  ein statistisch repräsentativer Teil der verschiedenen Haltungssysteme eines jeden Mitgliedstaats  erfasst. (2)  Die Kommission legt nach dem Verfahren des Artikels 10 einen Kodex mit den Regeln für die  Kontrollen nach Absatz 1 fest. (3)  Die Mitgliedstaaten unterrichten erstmals vor dem 30. April 1996 und danach alle zwei Jahre  jeweils vor dem letzten Arbeitstag im April die Kommission über die Ergebnisse der Kontrollen, die  in den zwei vorausgegangenen Jahren gemäß diesem Artikel durchgeführt worden sind, wobei sie auch  die Zahl der Kontrollen im Verhältnis zur Zahl der Betriebe in ihrem Gebiet angeben. Artikel 8Bei aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführten Tieren muß eine von der  zuständigen Behörde dieses Landes ausgestellte Bescheinigung mitgeführt werden, wonach sie eine  Behandlung erfahren haben, die der gemäß dieser Richtlinie für aus der Gemeinschaft stammende Tiere  gewährleisteten Behandlung mindestens gleichwertig ist. Artikel 9Soweit es für die einheitliche Anwendung dieser Richtlinie erforderlich ist, können  Veterinärsachverständige der Kommission in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden der  Mitgliedstaaten Kontrollen an Ort und Stelle durchführen. Dabei müssen die Kontrolleure selbst die  besonderen Hygienemaßnahmen treffen, die geeignet sind, jegliches Risiko der Übertragung von  Krankheiten auszuschließen. Der Mitgliedstaat, in dessen Gebiet eine Kontrolle vorgenommen wird, gewährt den Sachverständigen  bei der Erfuellung ihrer Aufgabe die erforderliche Unterstützung. Die Kommission unterrichtet die  zuständige Behörde des betreffenden Mitgliedstaats über das Ergebnis der Kontrollen. Die zuständige Behörde des betreffenden Mitgliedstaats ergreift die gegebenenfalls notwendigen  Maßnahmen, um den Ergebnissen dieser Kontrolle Rechnung zu tragen. In den Beziehungen zu Drittländern gelten die Bestimmungen des Kapitels III der Richtlinie  91/496/EWG (1). Die allgemeinen Durchführungsvorschriften zu diesem Artikel werden nach dem Verfahren des Artikels  10 festgelegt. Artikel 10(1)  Wird auf das in diesem Artikel festgelegte Verfahren Bezug genommen, so befasst  der Vorsitzende des mit Beschluß 68/361/EWG (2) eingesetzten Ständigen Veterinärausschusses, im  folgenden "Ausschuß" genannt, diesen Ausschuß unverzueglich von sich aus oder auf Antrag des  Vertreters eines Mitgliedstaats. (2)  Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden  Maßnahmen. Der Ausschuß gibt seine Stellungnahme zu diesem Entwurf innerhalb einer Frist ab, die  der Vorsitzende unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der betreffenden Frage festsetzen kann.  Die Stellungnahme wird mit der Mehrheit abgegeben, die in Artikel 148 Absatz 2 des Vertrages für  die Annahme der vom Rat auf Vorschlag der Kommission zu fassenden Beschlüsse vorgesehen ist. Bei  der Abstimmung im Ausschuß werden die Stimmen der Vertreter der Mitgliedstaaten gemäß dem  vorgenannten Artikel gewogen. Der Vorsitzende nimmt an der Abstimmung nicht teil. (3)  Die Kommission erlässt die beabsichtigten Maßnahmen, wenn sie mit der Stellungnahme des  Ausschusses übereinstimmen. (4) Stimmen die beabsichtigten Maßnahmen mit der Stellungnahme des Ausschusses nicht überein oder  liegt keine Stellungnahme vor, so unterbreitet die Kommission dem Rat unverzueglich einen Vorschlag  für die zu treffenden Maßnahmen. Der Rat beschließt mit qualifizierter Mehrheit. Hat der Rat innerhalb von drei Monaten nach seiner Befassung keinen Beschluß gefasst, so werden die  vorgeschlagenen Maßnahmen von der Kommission erlassen, es sei denn, der Rat hat sich mit einfacher  Mehrheit gegen diese Maßnahmen ausgesprochen. Artikel 11(1)  Die Mitgliedstaaten erlassen die erforderlichen Rechts- und  Verwaltungsvorschriften - die Vorschriften über etwaige Sanktionen enthalten können -, um dieser  Richtlinie spätestens am 1. Januar 1994 nachzukommen. Sie setzen die Kommission unverzueglich davon  in Kenntnis. Wenn die Mitgliedstaaten diese Vorschriften erlassen, nehmen sie in den Vorschriften selbst oder  durch einen Hinweis bei der amtlichen Veröffentlichung auf diese Richtlinie Bezug. Die  Mitgliedstaaten regeln die Einzelheiten der Bezugnahme. (2)  Von dem in Absatz 1 genannten Zeitpunkt an können die Mitgliedstaaten jedoch in ihrem Gebiet  unter Beachtung der allgemeinen Vorschriften des Vertrages strengere Bestimmungen für den Schutz  von Schweinen beibehalten oder zur Anwendung bringen, als sie in dieser Richtlinie vorgesehen sind.  Sie unterrichten die Kommission über alle diesbezueglichen Maßnahmen. Artikel 12Diese Richtlinie ist an die Mitgliedstaaten gerichtet. Geschehen zu Brüssel am 19. November 1991. Im Namen des RatesDer PräsidentP. BUKMAN(1) ABl. Nr. C 214 vom 21. 8. 1989,  S. 31. (2) ABl. Nr. C 113 vom 7. 5. 1990, S. 183. (3) ABl. Nr. C 62 vom 12. 3. 1990, S. 40. (4) ABl. Nr. L 323 vom 17. 11. 1978, S. 12. (5) ABl. Nr. C 76 vom 23. 3. 1987, S. 185. (6) ABl. Nr. L 224 vom 18. 8. 1990, S. 29; Richtlinie zuletzt geändert durch die Richtlinie  91/496/EWG (ABl. Nr. L 268 vom 24. 9. 1991, S. 56). (1) ABl. Nr. L 268 vom 24. 9. 1991, S. 56. (2) ABl. Nr. 255 vom 18. 10. 1968, S. 23  ANHANG KAPITEL I ALLGEMEINE VORSCHRIFTEN  1.  Das für den Bau von Stallungen,  insbesondere von Buchten und Einrichtungen verwendete Material, mit dem die Schweine in Berührung  kommen können, muß für die Tiere ungefährlich sein und sich gründlich reinigen und desinfizieren  lassen.  2. Solange keine einschlägigen Gemeinschaftsregeln vorliegen, sind zur Vermeidung elektrischer Schläge  elektrische Leitungen und Geräte nach den geltenden einzelstaatlichen Vorschriften einzubauen.  3. Durch Wärmedämmung, Heizung und Belüftung des Gebäudes muß gewährleistet sein, daß Luftzirkulation,  Staubgehalt der Luft, Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Gaskonzentration in einem Bereich  gehalten werden, der für die Schweine unschädlich ist.  4. Alle automatischen Anlagen und sonstigen Maschinen und Geräte, von denen Gesundheit und  Wohlbefinden der Tiere abhängen, sind mindestens einmal am Tag zu inspizieren. Festgestellte  Störungen sind unverzueglich zu beheben. Ist dies nicht möglich, so sind geeignete Vorkehrungen zu  treffen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schweine bis zur Behebung des Defekts zu  gewährleisten, indem insbesondere alternative Fütterungsmethoden angewandt werden und für die  Aufrechterhaltung eines zufriedenstellenden Stallklimas gesorgt wird. Bei künstlichen  Belüftungssystemen muß ein geeignetes Ersatzsystem vorgesehen sein, um für den Fall ihres Versagens  eine ausreichende Erneuerung der Luft zur Aufrechterhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens  der Schweine zu gewährleisten; darüber hinaus muß eine Alarmvorrichtung eingebaut sein, die dem  Tierhalter den Systemausfall meldet. Die Alarmvorrichtung ist regelmässig zu testen.  5. Die Schweine dürfen nicht in ständiger Dunkelheit gehalten werden. Zu diesem Zweck ist im Hinblick  auf ihre verhaltensmässigen und physiologischen Bedürfnisse unter Berücksichtigung der  unterschiedlichen klimatischen Bedingungen in den Mitgliedstaaten eine angemessene natürliche oder  künstliche Beleuchtung vorzusehen; die künstliche Beleuchtung muß zumindest der normalen  natürlichen Beleuchtung zwischen 9.00 und 17.00 Uhr entsprechen. Ferner muß eine geeignete (fest  installierte oder bewegliche) Beleuchtung zur Verfügung stehen, die ausreicht, um die Schweine  jederzeit inspizieren zu können.  6. Alle Schweine, die in Gruppen oder in Buchten gehalten werden, müssen mindestens einmal täglich vom  Eigentümer der Tiere oder der für sie verantwortlichen Person inspiziert werden. Schweine mit  Anzeichen einer Krankheit oder von Verletzungen müssen unverzueglich entsprechend behandelt werden.  Kranke oder verletzte Tiere müssen erforderlichenfalls in geeigneten Stallungen mit trockener und  weicher Einstreu abgesondert werden können. Sprechen die betreffenden Tiere auf die Behandlung des  Tierhalters nicht an, so ist so rasch wie möglich ein Tierarzt hinzuzuziehen.  7. Werden die Schweine in Gruppen gehalten, so sind Vorkehrungen zu treffen, um aggressives Verhalten,  das über ein normales Maß hinausgeht, zu verhindern. Schweine, die sich gegen andere ständig  aggressiv verhalten oder gegen die sich ein solches Verhalten richtet, sind aus der Gruppe zu  isolieren oder in angemessener Entfernung von ihr unterzubringen.  8. Die Stallungen müssen so angelegt sein, daß jedes Schwein- sich mühelos hinlegen, liegen und  aufstehen kann; - einen sauberen Platz zum Liegen und- Sichtkontakt zu anderen Schweinen hat.  9. Werden die Schweine angebunden, so darf die verwendete Vorrichtung sie nicht verletzen und muß  regelmässig überprüft und gegebenenfalls reguliert werden, um einen beschwerdefreien Sitz zu  gewährleisten. Die Anbindevorrichtung muß lang genug sein, um dem Tier die unter Nummer 8  vorgesehene Bewegungsfreiheit zu bieten. Sie muß so beschaffen sein, daß sich die Tiere möglichst  nicht strangulieren oder verletzen können. 10. Stallungen, Buchten, Einrichtungen und Gerätschaften sind in geeigneter Weise zu säubern und zu  desinfizieren, um einer gegenseitigen Ansteckung der Schweine und dem Auftreten von  Krankheitserregern vorzubeugen. Ausscheidungen und nicht gefressenes oder verschüttetes Futter sind  so oft wie möglich zu entfernen, um die Geruchsbildung einzugrenzen und keine Fliegen oder Nager  anzulocken. 11. Damit sich die Schweine nicht verletzen, müssen die Böden rutschsicher sein, ohne Unebenheiten  aufzuweisen, und dürfen den darauf stehenden oder liegenden Schweinen keine Verletzungen oder  Schmerzen verursachen. Sie müssen auf die Grösse und das Gewicht der Schweine abgestimmt sein und  einen festen, geraden und stabilen Boden bilden. Die Fläche zum Liegen muß bequem, sauber und  ausreichend drainiert sein und darf den Schweinen keinen Schaden zufügen. Wo Einstreu gegeben wird,  muß diese sauber, trocken und für die Schweine gesundheitlich unbedenklich sein. 12. Allen Schweinen ist ein geeignetes Futter zu verabreichen, das ihrem Alter und Gewicht angemessen  ist und ihren verhaltensmässigen und physiologischen Bedürfnissen entspricht, damit Gesundheit und  Wohlbefinden der Tiere gefördert werden. 13. Alle Schweine müssen mindestens einmal täglich gefüttert werden. Wo Schweine in Gruppen gehalten  werden und sich nicht nach Belieben sattfressen können bzw. nicht über eine automatische  Fütterungsanlage versorgt werden, muß gewährleistet sein, daß alle Tiere einer Gruppe gleichzeitig  fressen können. 14.  Über zwei Wochen alte Schweine müssen Zugang zu geeignetem Frischwasser in ausreichender Menge  haben oder ihren Flüssigkeitsbedarf mit Hilfe anderer Flüssigkeiten decken können. 15. Die Fütterungs- und Tränkanlagen müssen so konstruiert, gebaut, angebracht und gewartet werden, daß  eine Verunreinigung des Schweinefutters und des Wassers auf ein Mindestmaß begrenzt wird. 16. Neben den üblichen Vorkehrungen zur Verhinderung von Schwanzbeissen und sonstigem Fehlverhalten  müssen alle Schweine unter Berücksichtigung der Haltungsbedingungen und der Besatzdichte über Stroh  oder anderes geeignetes Material bzw. Gegenstände verfügen, um ihre verhaltensmässigen Bedürfnisse  zu befriedigen. KAPITEL II BESONDERE VORSCHRIFTEN FÜR DIE EINZELNEN GRUPPEN VON SCHWEINEN I.  EBEREberbuchten  sind so anzuordnen und zu bauen, daß der Eber sich umdrehen, die anderen Schweine hören, riechen  und sehen kann sowie einen sauberen Platz zum Liegen hat. Der Liegeplatz muß trocken und bequem  sein. Die Bucht für einen erwachsenen Eber muß ausserdem eine Fläche von mindestens 6 m² aufweisen.  Diese Fläche muß entsprechend grösser sein, wenn die Buchten zum Decken benutzt werden. III. SAUEN UND JUNGSAUEN1.  Trächtige Sauen und Jungsauen sind erforderlichenfalls gegen Ekto- und  Endoparasiten zu behandeln. Trächtige Sauen und Jungsauen sind bei Beziehen der Muttersaubucht von  jeglichem Schmutz zu befreien. 2. Sie müssen über saubere, ausreichend drainierte und bequeme Liegeplätze verfügen und  erforderlichenfalls mit geeigneter Einstreu versorgt werden. 3. Hinter dem Liegeplatz der Sau oder Jungsau muß genügend Bewegungsfreiheit für das ungehinderte  natürliche oder überwachte Abferkeln bestehen. 4. In Muttersaubuchten, in denen sich die Sau frei bewegen kann, müssen bestimmte Vorrichtungen zum  Schutz der Saugferkel, beispielsweise Schutzstangen, vorhanden sein. III. SAUGFERKEL1. Saugferkel müssen erforderlichenfalls über einen beheizten sowie festen, trockenen und bequemen,  von der Sau getrennten Liegeplatz verfügen, wo sie sich alle gleichzeitig aufhalten können. 2. Bei Verwendung eines Abferkelkastens müssen die Saugferkel genügend Platz haben, um ungehindert  gesäugt werden zu können. 3. Werden männliche Schweine im Alter von über vier Wochen kastriert, so ist der Eingriff unter  Anästhesie von einem Tierarzt bzw. einer entsprechend den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften  dafür ausgebildeten Person auszuführen. 4. Das Stutzen der Schwänze und Abkneifen der Zähne darf nicht routinemässig erfolgen, sondern nur  dann, wenn in dem Betrieb durch den Verzicht auf diese Schutzvorkehrungen nachweislich bereits  Zitzen-, Ohr- oder Schwanzverletzungen aufgetreten sind. Ist ein Abkneifen der Zähne notwendig, so  hat dies innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt zu erfolgen. 5. Saugferkel dürfen erst im Alter von über drei Wochen abgesetzt werden, es sei denn, daß das  Nichtabsetzen das Wohlbefinden oder die Gesundheit des Muttertieres oder der Saugferkel  beeinträchtigt. IV. ABSATZFERKEL UND MASTSCHWEINE/ZUCHTLÄUFERDie Schweine sind möglichst bald nach dem Absetzen zu  Gruppen zusammenzuführen. Die Tiere sind sodann in stabilen Gruppen mit möglichst geringer  Fluktuation zu halten.