CELEX: 31967R0240
Language: de
Date: 1967-06-30 00:00:00
Title: Verordnung Nr. 240/67/EWG der Kommission vom 30. Juni 1967 über die Methoden zur Bestimmung der Qualitätsmerkmale bei Zucker

2954/67                        AMTSBLATT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                   30. 6. 67
                    Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in
                 jedem Mitgliedstaat .
                     Brüssel, den 30. Juni 1967
                                                                            Für die Kommission
                                                                               Der Präsident
                                                                           Walter HALLSTEIN
                              VERORDNUNG Nr. 240/67/ EWG DER KOMMISSION
                                                 vom 30. Juni 1967
                   über die Methoden zur Bestimmung der Qualitätsmerkmale bei Zucker
DIE KOMMISSION DER EUROPAISCHEN                                  Es ist erforderlich, um Störungen des Handels­
WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT —
                                                             verkehrs durch die Anwendung unterschiedlicher
                                                             Methoden zur Bestimmung dieser Qualitätsmerk­
      gestützt auf den Vertrag zur Gründung der              male durch die Mitgliedstaaten zu vermeiden, eine
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft,                        einheitliche Regelung auf Gemeinschaftsebene vor­
                                                             zusehen .
      gestützt auf die Verordnung Nr. 44/67/EWG des              Für diese Regelung ist es angezeigt, allgemein
Rates vom 21 . Februar 1967 über einzelne Maßnah­            anerkannte Untersuchungsmethoden heranzuziehen .
men zur gemeinsamen Marktorganisation für
Zucker für das Wirtschaftsjahr 1967/1968 (1), ins­               Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maß­
besondere auf Artikel 3 Absatz (4),                          nahmen entsprechen der Stellungnahme des Ver­
                                                             waltungsausschusses für Zucker —
      in Erwägung nachstehender Gründe :
                                                             HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN :
      Die Verordnung Nr. 97/67/EWG der Kommis­                                      Artikel 1
sion vom 18 . Mai 1967 zur Bestimmung der Stan­
dardqualitäten sowie der Berichtigungen zum Aus­                 Die Methoden zur Bestimmung der in den Ar­
gleich von Qualitätsunterschieden bei Weiß- und              tikeln 2 und 3 der Verordnung Nr. 97/67/EWG ge­
Rohzucker für das Wirtschaftsjahr 1967/1968 (2) hat          nannten Qualitätsmerkmale eines Zuckers der
verschiedene Merkmale zur Definition der Quali­              Tarifnummer 17.01 sind im Anhang festgelegt.
tätskategorie benannt, der ein bestimmter Weiß­
zucker angehört . Für Rohzucker hat sie als Beur­                                   Artikel 2
teilungsmaßstab den Rendementwert vorgesehen,
der an Hand derselben Merkmale ermittelt wird .                  Diese Verordnung tritt am 1 . Juli 1967 in Kraft .
                     Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in
                 jedem Mitgliedstaat .
                     Brüssel, den 30. Juni 1967
                                                                            Für die Kommission
                                                                               Der Präsident
                                                                           Walter HALLSTEIN
t 1) ABl. Nr. 40 vom 3. 3. 1967, S. 597/67.
(a) ABl. Nr. 94 vom 19. 5. 1967, S. 1825/67 .
 ---pagebreak--- 30. 6 . 67                  AMTSBLATT DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                      2955/67
                                                       ANHANG
           ARBEITSVORSCHRIFTEN FÜR DIE UNTERSUCHUNGSMETHODEN ZUR
                    QUALITÄTSBESTIMMUNG VON WEISSZUCKER IN DER EWG
                                        A. Methoden für die Punktbewertung
           1 . Aschegehalt
               ICUMSA-Methode : Leitfähigkeitsasche (Proc . 13 . Sess. ICUMSA 1962 , S. 12).
               Geräte
               Leitfähigkeitsmeßgerät, das Messungen bis herab zu 0,5 fiS • cm-1 }1) erlaubt, mit einer
               Meßfehlergrenze von höchstens ±2% .
               Es empfiehlt sich, Meßzellen zu verwenden, die mit einem Thermostaten auf 20° C
                ± 0,2° C temperiert werden können.
               Meßkolben von 100 ± 0,05 cm3, 500 ± 0,25 cm3 und 1000 i 0,40 cm3 ; Vollpipetten
               von 10 ± 0,02 cm3 (').
               Für die Herstellung aller Lösungen (Zuckerlösungen und Kaliumchloridlösungen) ist
               doppelt destilliertes oder entionisiertes Wasser mit einer spezifischen Leitfähigkeit unter
               2 /aS • cm-1 zu verwenden . Alle Gefäße und Pipetten müssen vor Gebrauch mit Wasser
               dieser Qualität gründlich gespült werden.
               Die Eichung der Leitfähigkeitsmeßgeräte wird mit einer n/5000 Kaliumchloridlösung
               durchgeführt. Zu diesem Zweck werden 745,5 mg Kaliumchlorid (pro analysi), das zur
               Entwässerung bei ca. 500 °C — dunkle Rotglut — geglüht worden ist, mit Wasser in
               einem geeichten Meßkolben zu 1 Liter gelöst. Von dieser Lösung (n/100) werden 10 cm3
               mit einer Vollpipette in einen Meßkolben von 500 cm3 Inhalt gegeben und mit Wasser
               zur Marke aufgefüllt. Diese n/5000 Kaliumchloridlösung soll bei 20 0 C nach Abzug der
               spezifischen Leitfähigkeit des verwendeten Wassers eine spezifische Leitfähigkeit van
               26,6 ± 0,3 µS • cm- 1 aufweisen.
               Je nach der Arbeitsweise des verwendeten Leitfähigkeitsmeßgeräts ist entweder das
               Gerät so einzustellen, daß der angegebene Wert zuzüglich der spezifischen Leitfähigkeit
               des verwendeten Wassers angezeigt wird, oder es ist der oben angegebene Wert zuzüg g­
               lich der spezifischen Leitfähigkeit des verwendeten Wassers für die Berechnung der
               Zellenkonstanten zu verwenden. Die Kaliumchloridlösungen müssen für jede Kali­
               brierung frisch angesetzt werden .
               Durchführung
               a) 5,00 ± 0,01 g Zucker werden in einem 100-cm3-Meßkolben mit Schliffstopfen mit
                   Wasser gelöst, auf 20 ± 0,2° C temperiert und zur Marke aufgefüllt. Nach gründ­
                   lichem Mischen wird die Lösung in die Meßzelle gegeben . Die Ablesung wird durch­
                   geführt, wenn die Temperatur der Lösung 20 ± 0,2° C beträgt. Von der erhaltenen
                   spezifischen Leitfähigkeit der Lösung sind 90% der spezifischen Leitfähigkeit des
                   verwendeten Wassers abzuziehen. Man erhält also das Ergebnis
                   C5 = C abgelesen — 0,9 • C Wasser
                   C = spezifische Leitfähigkeit in µS • cm-1.
                          Der Index 5 zeigt an, daß für die Messung 5 g Zucker in 100 cm3 verwendet
                          wurden .
                   Punktzahl = C5, d.h . 1 /µS • cm-1, ergibt einen Punkt.
                   % Asche = 18,0 • 10- 4 • C5
            (x) 1 µS • cm-1 — 10-6 n -1 • cm-1.
            (a) Die angegebenen Toleranzen entsprechen den Beschlüssen der ISO.
 ---pagebreak--- 2956/67                   AMTSBLATT DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                  30 . 6 . 67
                Falls keine temperierbaren Leitfähigkeitsmeßgeräte zur Verfügung stehen , kann
                auch bei höheren oder tieferen Temperaturen gemessen werden . Die Temperatur
                sollte dann aber bei der Ablesung 19° nicht unterschreiten und 21° nicht überschrei­
                ten . Als Temperaturkorrektur werden bei Temperaturen über 20° C 2% des Meßwerts
                je Grad Abweichung von 20° C abgezogen, bei Temperaturen unter 20° C zugezählt .
             b) Man stellt eine 28 %ige Zuckerlösung her, indem man entweder 31,3 i 0,1 g Zucker in
                einem geeichten Meßkolben löst und auf 100 cm3 auffüllt, oder indem man 28 g
                Zucker in Wasser auflöst und die Lösung zu 100 g ergänzt . Die Messung erfolgt wie
                unter a) angegeben. Von dem abgelesenen Wert sind 50% des Wertes für das ver­
                wendete Wasser abzuziehen . Man erhält also das Ergebnis
                C28 = C abgelesen — 0,5 • C Wasser
                C    = spezifische Leitfähigkeit in /uS • cm-1 .
                Der Index 28 zeigt an, daß eine 28% ige Zuckerlösung für die Messung verwendet
                wurde .
                Punktzahl = 0,320 • C28 d.h. 3,13 juS • cm-1 ergeben einen Punkt .
                % Asche = 0,320 • 18 • 10- 4 • C28 = 5,76 • 10-« • C28
                Für die Ermittlung der spezifischen Leitfähigkeit des verwendeten Wassers ist
                folgendermaßen zu verfahren :
                Die gleiche Menge Wasser, wie sie zum Lösen des Zuckers verwendet wurde , schüttelt
                man in einem 100-cm3-Meßkolben in derselben Weise wie beim Auflösen des Zuckers ,
                füllt auf 100 cm3 auf und mißt bei etwa 20 ° C. Bei dieser Messung braucht auf eine
                genaue Temperatureinstellung nicht geachtet zu werden, da eventuelle Temperatur­
                korrekturen weit unterhalb der Fehlergrenzen liegen .
        2 . Farbtype (Methode des Braunschweiger Instituts)
             (Schneider F. , A. Emmerich und J. Dubourg, Zucker 18, 571 (1965) und Sucr. Franc .
            106, 219 (1965)).
            Geräte
            Eine Färbtypenreihe Braunschweig 0—6 .
            Eine Tageslicht-Leuchtstoffröhre wird m einem vorn offenen Kasten von 20 cm Tiefe,
            120 cm Breite und 50 cm Höhe so montiert , daß der senkrechte Abstand von Lampe
            und Zuckerproben etwa 35 cm beträgt. Durch einen Blendstreifen von ca. 15 cm Höhe
            werden die Augen des Beobachters vor dem direkten Licht der Lampe geschützt .
            Geeignet sind die Leuchtstoffröhren von Osram Type HNT 120 und von Philipps
            Type TL 25 W/55 . Andere Lampen sind nicht ohne weiteres verwendbar, da es auf die
            spektrale Verteilung der Lichtintensität ankommt. Damit die gelblichen bis bräunlichen
            Farbtöne der Zuckerproben möglichst gut hervortreten, werden Rück- und Seitenwände
            des Kastens innen mattbraun (z.B. mit Nußbaumbeize dunkel) gestrichen . Als Unter­
            lage dient weißes Fließpapier, auf dem sich die Zuckerfärbung deutlich abhebt. Der
            Kasten wird so aufgestellt, daß sich die Lampe etwa in Augenhöhe befindet. Beim
            Typen darf kein direktes Tages- oder Lampenlicht aus dem Raum auf die Zuckerproben
            fallen , da dadurch die Einstufung erschwert wird .
            Durchführung
           Der Zucker wird in die quadratischen, hellblau ausgekleideten Typenschachteln (Seiten­
           länge 60 mm, Höhe 28 mm) eingefüllt und mit dem Deckel glattgestrichen. Es ist
           darauf zu achten, daß die Schachteln mit der Probe und mit den Typenmustern bis zum
            Rand gefüllt sind . Der Farbton der Auskleidung muß bei allen Schachteln genau gleich
           sein, da sonst merkliche Fehlresultate erhalten werden . Runde Schachteln sind nicht
           geeignet.
 ---pagebreak--- 30 . 6 . 67                   AMTSBLATT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                    2957/ 67
                Die Zuckerprobe wird zunächst durch Einordnen an verschiedenen Stellen der Typen­
                reihe grob eingestuft und dann mit den benachbarten Typen genau verglichen . Dabei
                stellt man die Probe abwechselnd links und rechts neben die Vergleichstype . Die Ergeb­
                nisse zweier unabhängiger Beobachter sind zu mittein . Der Mittelwert wird auf Zehntel
                Färbtype angegeben .
                Bei Körnungen , die von der der Typenmuster abweichen , ist auf die Färbung des Zuckers
                und nicht auf die Kristallschatten zu achten .
            3 . Farbe m Losung
                ICUMSA-Methode 4 nach Filtration über Membranfilter der Porenweite 0,45 /im (nach
                Quecksilber-Intrusionsverfahren) bzw . 0,6 /um (nach Hagen-Poiseulle) .
                DeWhalley , ICUMSA Methods of Sugar Analysis ( 1964), S. 57 , Proc . 12 . Sess . ICUMSA
                1958 , S. 55 ).
                Geräte
                Zur Herstellung der Lösung werden Erlenmeyerkolben (200 cm3 Inhalt), Vakuum­
                Filtriereinrichtungen für Membranfilter, Saugflaschen (500 oder 250 cm3 Inhalt),
                Wasserstrahlpumpe und Membranfilter (mittlerer Porendurchmesser 0,45 /im (nach
                Quecksilber-Intrusionsverfahren) bzw . 0,6 /im (nach Hagen-Poiseulle)) benötigt. Die
                Konzentration der Lösung wird mit Hilfe eines Refraktometers bestimmt . Zur Messung
                der Extinktion kann jedes Photometer verwendet werden, mit dem Messungen bei
                420 nm mit einer Halbwertsbreite von max . 20 nm möglich sind . Die Küvetten müssen
                so ausgewählt werden , daß zwei mit destilliertem Wasser gefüllte Küvetten , wenn sie
                gegeneinander gemessen werden , die Extinktion Null ergeben . Die Schichtlänge sollte
                mindestens 3 cm betragen .
                Durchführung
                 50 g db 0,1 g Zucker werden in einem Weithals-Erlenmeyerkolben abgewogen , 50 g
                 destilliertes Wasser werden dazugewogen oder 50 ml destilliertes Wasser (Meßzylinder)
                 zugegeben und durch Umschwenken oder mit Hilfe einer Schüttelmaschine gelöst. Eine
                 genauere Einstellung der Konzentration ist unnötig, da diese sich bei der Filtration
                 verändern kann .
                 Inzwischen wird ein Membranfilter mindestens 10 Minuten lang mit destilliertem
                 Wasser angefeuchtet und in das Filtriergerät eingespannt . Die Zuckerlösung wird nun
                 auf das Filter gegeben und durchgesaugt . Bei diesem Filtriervorgang wird die Lösung
                 gleichzeitig entlüftet .
                 Nun schwenkt man die Lösung kurz um , stellt refraktometrisch die Konzentration
                 ( ü Brix) fest und füllt die Küvette , die vorher mit wenig Lösung ausgespült wurde . Die
                 Küvette muß zur Vermeidung von Schlierenbildung sofort verschlossen werden . In die
                 Vergleichsküvette füllt man destilliertes Wasser, anschließend mißt man sofort bei
                 420 nm .
                 Das Wasser für die Vergleichsküvette muß über Membranfilter filtriert werden .
                 ICUMSA-Einheiten         =   1000 •          1000 ■
                                                                     100 • e 420
                                                       420           1 •   °Bx • d
                 £    = Extinktionskoeffizient
                 E = Extinktion (abgelesen)
                 1    = Schichtdicke in cm
                 d    = Dichte .
 ---pagebreak--- 2958/67                  AMTSBLATT DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN                                       30 . 6 . 67
                                            B. Zusätzliche Kriterien
        1 . Polarisation
            ICUMSA-Methode 1 für Rohzucker ( Proc . 12 . Sess . ICUMSA 1958 , S. 84 ff.;Proc . 13 .
            Sess . ICUMSA 1962 , S. 83 ff .; 14 . Sess . ICUMSA 1966).
            Geräte
            Polarimeter mit internationaler Zuckerskala (°S) entsprechend den Bestimmungen der
            ICUMSA. Analysenwaage mit einer Wägegenauigkeit von i 0,001 g. Meßkolben
            100 cm3 . Die Meßkolben müssen besonders kalibriert werden . Ihr Volumen muß
            100,00 ± 0,02 cm3 betragen, oder es muß mit dieser Genauigkeit bekannt sein. Abwei­
            chungen erfordern eine entsprechende Korrektur des Ergebnisses .
            Polarisationsrohre von 200 mm Länge dürfen keinen Fehler aufweisen, der ± 0,03 mm
            übersteigt. Werden kürzere Polarisationsrohre verwendet, so müssen diese eine ent­
            sprechende Genauigkeit haben, also z.B. 100,00 ± 0,015 mm. Die Endflächen müssen
            auf weniger als 10 Winkelminuten parallel laufen. Bei einer Drehung des fertig zusam­
            mengesetzten Rohres um die optische Achse darf keine merkliche Änderung des Meß­
            werts zu beobachten sein .
            Die Deckgläser dürfen keine inneren Spannungen aufweisen, d.h. sie dürfen keine
            optische Aktivität zeigen . Ihre Oberflächen müssen auf weniger als 5 Winkelminuten
            parallel sein .
            Die verwendeten Papierfilter sollen einen Feuchtigkeitsgehalt zwischen 6 und 8%
            aufweisen .
            Durchführung
            26 g ± 0,002 g Zucker werden abgewogen und mit etwa 60 cm3 destilliertem oder demi­
            neralisiertem Wasser in einen kalibrierten Meßkolben (siehe oben) überführt. Der
            Zucker wird ohne Erwärmung gelöst . Falls eine Klärung notwendig ist, werden 0,5 cm3
            einer Lösung von basischem Bleiacetat zugesetzt. Dieses Reagenz muß den Anforde­
            rungen der ICUMSA genügen (1). Nach gründlichem Mischen wird mit Wasser bis dicht
            unter die Marke aufgefüllt. Eventuell vorhandener Schaum wird mit einem Tropfen
            Alkohol oder Äther entfernt. Anschließend wird der Meßkolben 15 Minuten in einem
            Wasserbad temperiert (Temperaturangaben siehe weiter unten). Die Innenwand des
            Kolbenhalses wird mit Filterpapier getrocknet. Dann wird mit Hilfe einer Pipette mit
            feiner Spitze genau zur Marke aufgefüllt, durch mindestens fünfmaliges Umkehren des
            Kolbens gründlich gemischt, wobei der Kolben mit der Hand verschlossen wird .
            Falls eine Klärung erforderlich war, wird nun filtriert . Das Filter soll in seiner Größe so
            bemessen sein , daß es die 100 cm3 Lösung auf einmal faßt . Der Trichter darf nur einen
            sehr kurzen Stiel haben, damit man ihn so auf ein Becherglas aufsetzen kann, daß die
            Lösung nicht verdunsten kann . Aus demselben Grunde ist der Trichter mit einem Uhr­
            glas zu bedecken . Das Polarisationsrohr, das vor der Verwendung sauber und trocken
            sein muß, wird zweimal zu etwa zwei Drittel mit der Lösung gefüllt und gespült. Beim
            Füllen ist darauf zu achten , daß sich in dem Rohr keine Luftblasen festsetzen . Dann
            wird das Rohr in das Polarimeter eingesetzt, und es werden 5 Ablesungen auf 0,05 °S
            genau vorgenommen .
            a) Wird die Messung in einem Quarzkeilsaccharimeter durchgeführt, so muß das
                Auffüllen des 100-cm3-Kolbens zur Marke bei der Temperatur erfolgen, bei der sich
                die Quarzkeilkompensation befindet. Die Temperaturdifferenz soll nicht mehr als
                0,5° C betragen . Visuelle Geräte sind fünfmal auf 0,05° S abzulesen . Der Mittelwert
                wird auf ein Hundertstel °S angegeben . Das Saccharimeter muß mit Hilfe einer
                Quarzplatte geprüft werden, die einen Zuckerwert in der Nähe von 100° S hat.
            (a) DeWhalley, ICUMSA Methods of Sugar Analysis (1964), S. 122 .
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                     Temperaturkorrektur für Quarzkeilsaccharimeter :
                     Bei Messungen oberhalb 20° C sind je Grad Abweichung von 20° C 0,03° S zu addieren,
                     bei Temperaturen unter 20° C zu subtrahieren .
                b) Wird für die Messung ein Kreispolarimeter mit Zuckerskala verwendet, so sind
                     Rohre mit Temperiermantel zu benutzen und an einen Thermostaten mit einer
                     Temperatur von 20° C ± 0,2° C anzuschließen . Die 100-cm3-Meßkolben müssen dann
                     ebenfalls bei 20° C ± 0,2° C zur Marke aufgefüllt werden .
                Erfolgt die Prüfung der Skala mit einer auf 20° C temperierten Quarzplatte, so ist keine
                Temperaturkorrektur erforderlich. Ist die Temperierung der Quarzplatte nicht möglich ,
                so ist ihr Zuckerwert wie folgt zu berichtigen :
                Beispiel : Zt     = Z 20 [ 1 + 0,00014 (t —- 20)]
                            Z 20 = 98,45° S ; t = 23,8° C
                            Zt    = 98,45 (1 + 0,00014 ■ 3,8)
                                  = 98,45 • 1,00053 = 98,50° S.
            2 . Reduzierende Substanzen ( Invertzucker)
                ICUMSA-Methode — Methode des Berliner Instituts (DeWhalley, ICUMSA Methods
                of Sugar Analysis (1964), S. 25 ; Schneider F. und A. Emmerich, Zucker-Beih. 1 , 17
                 ( 1951 )).
                 Geräte
                Wasserbad, 300-cm3-Erlenmeyerkolben, Pipetten, 50-cm3-Büretten .
                 Reagenzien
                 Müllersche Lösung : 35 g kristallisiertes Kupfersulfat (CuS04 • 5 H aO) in analysenreiner
                 Qualität werden in 400 cm3 destilliertem Wasser heiß gelöst. Außerdem werden 173 g
                 Seignettesalz (Rochellesalz, Kalium-Natrium-Tartrat) und 68 g wasserfreies Natrium­
                 carbonat in 500 cm3 heißem Wasser gelöst. Nach dem Abkühlen werden beide Lösungen
                 in einem Meßkolben von 1 Liter gemischt und mit Wasser zur Marke aufgefüllt . Die
                 Lösung wird mit 2 g Aktivkohle gründlich durchgeschüttelt und nach mehrstündigem
                  Stehen durch ein gehärtetes Papierfilter oder durch ein Membranfilter filtriert. Scheiden
                 sich beim Stehen kleine Mengen Kupfer(I)-oxid ab , so muß erneut filtriert werden .
                  5 n Essigsäure.
                  0,0333 n Jodlösung.
                  0,0333 n Natriumthiosulfatlösung .
                  Stärkelösung : 1% lösliche Stärke in gesättigter Natriumchloridlösung .
                  Von der Jod- und Thiosultatlösung ist der Titer in üblicher Weise mit Urtitersubstanzen
                   (z.B. Kaliumjodat) zu bestimmen .
                  Durchführung
                   10 g Zucker werden m einem 300-cm3-Erlenmeyerkolben m destilliertem oder demine­
                  ralisiertem Wasser gelöst . Die Lösung wird auf 100 cm3 mit Wasser ergänzt . Dazu gibt
                  man mit einer Pipette 10 cm3 der Müllerschen Lösung, mischt gründlich durch Um­
                   schwenken und erhitzt 10 Minuten i 5 Sekunden in einem siedenden Wasserbad . Beim
                   Einsetzen des Kolbens in das Wasserbad darf das Sieden nicht unterbrochen werden .
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            Die Kolben sind so einzuhängen , daß die Oberfläche der Lösung 2 cm tiefer steht als die
            Oberfläche des Wasserbades . Nach dem Erhitzen wird unter der Wasserleitung schnell
            abgekühlt . Dabei darf die Lösung nicht bewegt werden , da sonst durch den eingerührten
            Luftsauerstoff ein Teil des Kupfer ( I)-oxid-Niederschlags wieder aufgelöst wird . Der
            abgekühlten Lösung werden 5 cm3 5 n Essigsäure zugesetzt , und man fügt unverzüglich
            ohne Mischen einen bekannten Überschuß der 0,0333 n Jodlösung (20 bis 40 cm3) zu .
            Erst jetzt darf die Lösung wieder bewegt werden . Durch Umschwenken wird der
            Niederschlag gelöst . Der Jodüberschuß wird mit der 0,0333 n Thiosulfatlösung zurück­
            titriert .
            Von dem erhaltenen Jodverbrauch (cm3) — Warmwert — werden folgende Korrekturen
            abgezogen :
            Der Blindwert — das ist der Jodverbrauch bei einem Versuch , der mit Wasser an Stelle
            der Zuckerlösung in der gleichen Weise ausgeführt wird wie der Warmwert . Diese
            Korrektur ist für jeden Ansatz der Müllerschen Lösung nur einmal zu ermitteln . Bei
            Verwendung reiner Reagenzien beträgt sie nicht mehr als 0,1 cm3 .
            Der Kaltwert — das ist der Jodverbrauch bei einem Versuch, bei dem die Mischung von
            Zuckerlösung und Müllerscher Lösung nicht erhitzt wird, sondern vor der Zugabe der
            Essigsäure 10 Minuten bei Zimmertemperatur steht .
            Die Saccharosekorrektur — durch diese Korrektur wird die reduzierende Wirkung der
            Saccharose berücksichtigt. Unter den vorliegenden Verhältnissen (Anwendung von 10 g
            Saccharose) beträgt diese Korrektur 2,0 cm3 .
            Nach Abzug der drei Korrekturen entspricht ein Verbrauch an 0,0333 n Jodlösung von
            1 cm3 einem Invertzuckergehalt von 1 mg in der Probe.
            1 cm3 Jodlösung entspricht also 0,01% Invertzucker.
        9 . Feuchtigkeitsgehalt
            ICUMSA-Methode ( DeWhalley , ICUMSA Methods of Sugar Analysis ( 1964), S. 44).
            Mindestens 20 g unzerkleinerter Zucker werden in einer vorher gewogenen Aluminium­
            schale mit dicht schließendem Deckel oder in einem Glasgefäß mit geschliffenem Deckel
            abgewogen . Der Durchmesser der Wägeschalen ist so zu bemessen, daß die Zucker­
            schicht nicht höher als etwa 1 cm ist. Bei einer Einwaage von 20 g beträgt er mindestens
            6 cm . Die Probe wird 3 Stunden bei 105° C im Trockenschrank getrocknet . Während
            des Trocknens sind die Deckel von den Wägeschalen abzunehmen . Zum Abkühlen
            werden die geschlossenen Wägeschalen in einen Exsikkator gestellt . Nach dem Abkühlen
            auf Zimmertemperatur wird wieder gewogen . Für die Wägungen ist eine Analysenwaage
            mit einer Empfindlichkeit von 0,1 mg zu verwenden .
             Feuchtigkeitsgehalt % = g C^ichtsabnahme
                                             g Zucker
                                                              , 1|X)