CELEX: 62008CJ0583
Language: de
Date: 2010-05-20
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 20. Mai  2010. # Christos Gogos gegen Europäische Kommission. # Rechtsmittel - Beamte - Internes Auswahlverfahren für den Übergang von einer Laufbahngruppe in eine andere - Ernennung - Einstufung in die Besoldungsgruppe - Art. 31 Abs. 2 des Statuts - Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung - Streitsache vermögensrechtlicher Art - Dauer des Verfahrens vor dem Gericht - Angemessener Zeitraum - Antrag auf angemessene Entschädigung. # Rechtssache C-583/08 P.

Rechtssache C‑583/08 P
      Christos Gogos
      gegen
      Europäische Kommission
      „Rechtsmittel – Beamte – Internes Auswahlverfahren für den Übergang von einer Laufbahngruppe in eine andere – Ernennung – Einstufung in die Besoldungsgruppe – Art. 31 Abs. 2 des Statuts – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung – Streitsache vermögensrechtlicher Art – Dauer des Verfahrens vor dem Gericht – Angemessener Zeitraum – Antrag auf angemessene Entschädigung“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Rechtsmittel – Gründe – Angriffs- oder Verteidigungsmittel, das erstmals im Rechtsmittelverfahren geltend gemacht wird – Unzulässigkeit
      (Verfahrensordnung des Gerichtshofs, Art. 42 § 2 Abs. 1, 113 § 2 und 118)
      2.        Rechtsmittel – Gründe – Unzureichende Begründung
      (Art. 256 AEUV; Satzung des Gerichtshofs, Art. 36 und 53; Verfahrensordnung des Gerichts, Art. 81)
      3.        Rechtsmittel – Gründe – Verpflichtung des Gerichts, von Amts wegen eine finanzielle Entschädigung zuzusprechen – Rechtsfrage
            – Zulässigkeit
      4.        Beamte – Klage – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung – Streitsache vermögensrechtlicher Art im Sinne des Art. 91 Abs. 1
            des Statuts – Begriff
      (Beamtenstatut, Art. 91 Abs. 1)
      5.        Beamte – Klage – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung – Möglichkeit, das beklagte Organ von Amts wegen zur Zahlung einer
            Entschädigung verurteilen
      (Beamtenstatut, Art. 91 Abs. 1)
      6.        Verfahren – Dauer des Verfahrens vor dem Gericht – Angemessener Zeitraum – Beurteilungskriterien – Folgen
      (Art. 268 AEUV und 340 AEUV; Verfahrensordnung des Gerichtshofs, Art. 113 § 1)
      1.        Die Bestimmungen des Art. 42 § 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 118 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs, nach denen das
         Vorbringen neuer Angriffs- und Verteidigungsmittel im Rechtsmittelverfahren verboten ist, sollen im Einklang mit Art. 113
         § 2 der Verfahrensordnung verhindern, dass der Gegenstand des Rechtsstreits vor dem Gericht durch das Rechtsmittel geändert
         wird.
      
      (vgl. Randnrn. 23-24)
      2.        Die dem Gericht obliegende Begründungspflicht verlangt nicht, dass das Gericht bei seinen Ausführungen alle von den Parteien
         des Rechtsstreits vorgetragenen Argumente nacheinander erschöpfend behandelt; die Begründung kann auch implizit erfolgen,
         sofern sie es den Betroffenen ermöglicht, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht ihrer Argumentation nicht gefolgt
         ist, und dem Gerichtshof ausreichende Angaben an die Hand gibt, damit er seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann.
      
      (vgl. Randnr. 30)
      3.        Die Frage, ob das Gericht dem Rechtsmittelführer von Amts wegen eine finanzielle Entschädigung zusprechen muss, ist eine Rechtsfrage,
         die Gegenstand eines Rechtsmittels sein und deren Zulässigkeit nicht davon abhängen kann, dass der Rechtsmittelführer im ersten
         Rechtszug einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Ein solches Vorbringen, mit dem dem Gericht eine Verkennung des Umfangs
         seiner Befugnisse vorgeworfen wird, kann nämlich naturgemäß nicht im ersten Rechtszug erfolgen.
      
      (vgl. Randnrn. 41-42)
      4.        Das Gericht verfügt nach Art. 91 Abs. 1 Satz 2 des Statuts bei Streitsachen vermögensrechtlicher Art über eine Befugnis zu
         unbeschränkter Nachprüfung, in deren Rahmen es gegebenenfalls die beklagte Partei von Amts wegen zur Zahlung einer Entschädigung
         für den durch ihren Amtsfehler entstandenen Schaden verurteilen und unter Berücksichtigung aller Umstände der Rechtssache
         den Schaden nach billigem Ermessen schätzen kann.
      
      Im Sinne dieser Vorschrift sind „Streitsachen vermögensrechtlicher Art“ nicht nur Haftungsklagen von Bediensteten gegen ein
         Organ, sondern auch Klagen, die darauf gerichtet sind, dass ein Organ einem Bediensteten einen Betrag zahlt, den dieser gemäß
         dem Statut oder einem anderen, sein Arbeitsverhältnis regelnden Rechtsakt beanspruchen zu können glaubt.
      
      Auch die Klage eines Beamten auf Aufhebung einer ihn in seiner dienstrechtlichen Stellung berührenden Entscheidung kann eine
         Streitsache vermögensrechtlicher Art im Sinne des Art. 91 Abs. 1 des Statuts sein.
      
      Insbesondere löst die Klage, mit der ein Beamter die gerichtliche Nachprüfung seiner Einstufung begehrt, eine Streitigkeit
         vermögensrechtlicher Art aus, da die Einstufungsentscheidung der Anstellungsbehörde nicht nur Folgen für die Karriere des
         Betroffenen und seine persönliche Stellung innerhalb der Behördenhierarchie hat, sondern sich auch unmittelbar auf seine vermögensrechtlichen
         Ansprüche, insbesondere auf die Höhe seiner Besoldung nach dem Statut, auswirkt.
      
      (vgl. Randnrn. 44-47)
      5.        Dem Unionsrichter wird mit der ihm durch Art. 91 Abs. 1 des Statuts gewährten Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung die Aufgabe
         übertragen, die bei ihm anhängig gemachten Streitsachen abschließend zu entscheiden. Mit dieser Befugnis soll den Unionsgerichten
         in erster Linie ermöglicht werden, die praktische Wirksamkeit der von ihnen erlassenen Aufhebungsurteile in dienstrechtlichen
         Streitigkeiten in der Weise sicherzustellen, dass sie dem betroffenen Beamten, wenn die Aufhebung einer rechtsfehlerhaften
         Entscheidung der Anstellungsbehörde nicht ausreicht, um seinen Rechten zur Durchsetzung zu verhelfen oder seine Interessen
         wirksam zu wahren, von Amts wegen Schadensersatz zusprechen können.
      
      Darüber hinaus ermöglicht die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung es den Unionsgerichten, auch in den Fällen, in denen
         sie die angefochtene Entscheidung nicht aufheben, die beklagte Partei von Amts wegen zur Wiedergutmachung des durch ihren
         Amtsfehler entstandenen Schadens zu verurteilen.
      
      (vgl. Randnrn. 49-51)
      6.        Der Rechtsmittelführer kann bei nachweislicher Nichteinhaltung einer angemessenen Entscheidungsfrist durch das Gericht zwar
         mit einer Klage gegen die Europäische Union nach Art. 268 AEUV in Verbindung mit Art. 340 Abs. 2 AEUV Schadensersatz beantragen;
         im Rahmen eines Rechtsmittels müssen die Rechtsmittelanträge nach Art. 113 § 1 der Verfahrensordnung jedoch die vollständige
         oder teilweise Aufhebung des Urteils des Gerichts und gegebenenfalls die vollständige oder teilweise Aufrechterhaltung der
         im ersten Rechtszug gestellten Anträge zum Gegenstand haben.
      
      Daher kann bei Fehlen jedes Anhaltspunkts dafür, dass sich die Verfahrensdauer auf den Ausgang des Rechtsstreits ausgewirkt
         hat, der Rechtsmittelgrund, dass das Verfahren vor dem Gericht eine angemessene Verfahrensdauer überschritten habe, im Allgemeinen
         nicht zur Aufhebung des Urteils des Gerichts führen, so dass er als unzulässig zurückzuweisen ist.
      
      (vgl. Randnrn. 56-57)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Erste Kammer)
      20. Mai 2010(*)
      
      „Rechtsmittel – Beamte – Internes Auswahlverfahren für den Übergang von einer Laufbahngruppe in eine andere – Ernennung – Einstufung in die Besoldungsgruppe – Art. 31 Abs. 2 des Statuts – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung – Streitsache vermögensrechtlicher Art – Dauer des Verfahrens vor dem Gericht – Angemessener Zeitraum – Antrag auf angemessene Entschädigung“
      In der Rechtssache C‑583/08 P
      betreffend ein Rechtsmittel nach Art. 56 der Satzung des Gerichtshofs, eingelegt am 22. Dezember 2008,
      Christos Gogos, Beamter der Europäischen Kommission, wohnhaft in Waterloo (Belgien), Prozessbevollmächtigte: N. Korogiannakis und P. Katsimani,
         dikigoroi,
      
      Rechtsmittelführer,
      andere Verfahrensbeteiligte:
      Europäische Kommission, vertreten durch J. Currall als Bevollmächtigten im Beistand von P. I. Anestis, dikigoros, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Tizzano sowie der Richter E. Levits, A. Borg Barthet (Berichterstatter), J.‑J. Kasel
         und M. Safjan,
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 28. Januar 2010,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 4. März 2010
      folgendes
      Urteil
      1        Mit seinem Rechtsmittel beantragt Herr Gogos die Aufhebung des Urteils des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften
         vom 15. Oktober 2008, Gogos/Kommission (T‑66/04, Slg. ÖD 2008, I‑A‑2‑0000 und II‑A‑2‑0000, im Folgenden: angefochtenes Urteil),
         mit dem das Gericht seine Klage auf Aufhebung der Entscheidung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften über seine Einstufung
         in die Besoldungsgruppe A 7, Dienstaltersstufe 3 (im Folgenden: Einstufungsentscheidung), und der Entscheidung vom 24. November
         2003 über die Zurückweisung der Beschwerde, die er bei der Anstellungsbehörde gegen die Einstufungsentscheidung eingelegt
         hatte (im Folgenden: Beschwerdeentscheidung), abgewiesen hat.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Art. 31 des Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften in seiner für den vorliegenden Rechtsstreit maßgeblichen Fassung
         (im Folgenden: Statut) bestimmte:
      
      „1.      Die … Bewerber werden wie folgt zum Beamten ernannt:
      –        Beamte der Laufbahngruppe A …: in der Eingangsbesoldungsgruppe ihrer Laufbahngruppe …
      ...
      2.      Die Anstellungsbehörde kann jedoch innerhalb folgender Grenzen von Absatz 1 abweichen:
      …
      b)      in den anderen Besoldungsgruppen [als den Besoldungsgruppen A 1, A 2, A 3 und LA 3]:
      –        bei einem Drittel der Ernennungen, wenn es sich um frei gewordene Planstellen handelt;
      –        bei der Hälfte der Ernennungen, wenn es sich um neu geschaffene Planstellen handelt.
      …“
      3        Art. 32 Abs. 1 und 2 des Statuts sah vor:
      
      „Der eingestellte Beamte wird in die erste Dienstaltersstufe seiner Besoldungsgruppe eingestuft. 
      Die Anstellungsbehörde kann dem Beamten jedoch mit Rücksicht auf seine Ausbildung und seine besondere Berufserfahrung eine
         Verbesserung hinsichtlich der Dienstaltersstufe dieser Besoldungsgruppe gewähren; die Verbesserung darf in den Besoldungsgruppen
         A 1 bis A 4, LA 3 und LA 4 72 Monate, in den anderen Besoldungsgruppen 48 Monate nicht überschreiten.“
      
      4        Art. 45 Abs. 2 des Statuts lautete:
      
      „Der Übergang eines Beamten von einer Sonderlaufbahn oder einer Laufbahngruppe in eine andere Sonderlaufbahn oder eine höhere
         Laufbahngruppe ist nur auf Grund eines Auswahlverfahrens zulässig.“
      
      5        Art. 46 Abs. 1 des Statuts bestimmte:
      
      „Der in einer höheren Besoldungsgruppe ernannte Beamte erhält in seiner neuen Besoldungsgruppe das Dienstalter, das der Dienstalterszwischenstufe
         entspricht, die der in der bisherigen Besoldungsgruppe erreichten und um den zweijährlichen Steigerungsbetrag der neuen Besoldungsgruppe
         erhöhten Dienstalterszwischenstufe gleichkommt oder unmittelbar über ihr liegt.“
      
      6        Art. 91 Abs. 1 des Statuts lautete:
      
      „Für alle Streitsachen zwischen den Gemeinschaften und einer Person, auf die dieses Statut Anwendung findet, über die Rechtmäßigkeit
         einer diese Person beschwerenden Maßnahme im Sinne von Artikel 90 Absatz 2 ist der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften
         zuständig. In Streitsachen vermögensrechtlicher Art hat der Gerichtshof die Befugnis zu unbeschränkter Ermessensnachprüfung,
         einschließlich der Befugnis zur Aufhebung oder Änderung der getroffenen Maßnahmen.“ 
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      7        Der Sachverhalt ist im angefochtenen Urteil wie folgt dargestellt:
      
      „4      Christos Gogos, der seit 1981 im Dienst der Europäischen Gemeinschaften steht, wurde am 1. Oktober 1986 von der Kommission
         als Beamter der Laufbahngruppe B, Besoldungsgruppe 5, Dienstaltersstufe 1, eingestellt.
      
      5      1997 nahm der Kläger an dem internen Auswahlverfahren KOM/A/17/96 für den Übergang von der Laufbahngruppe B in die Laufbahngruppe
         A für Stellen der Laufbahn A 7/A 6 teil. Unter der Rubrik ‚Bedingungen für die Zulassung zum Auswahlverfahren‘ hieß es, dass
         die Teilnahme am Auswahlverfahren Beamten und Bediensteten auf Zeit offenstehe, die in eine Besoldungsgruppe der Laufbahngruppe
         B eingestuft seien und eine mindestens siebenjährige Dienstzeit in dieser Laufbahngruppe vorweisen könnten. Die Rubrik ‚Einstellungsbedingungen‘
         enthielt den Hinweis, dass die Ernennung in der Regel in der Eingangsbesoldungsgruppe erfolge.
      
      6      Mit Schreiben vom 15. Dezember 1997 teilte der Präsident des Prüfungsausschusses für das Auswahlverfahren dem Kläger die Entscheidung
         mit, ihn nicht in die Eignungsliste aufzunehmen, weil er in der mündlichen Prüfung mit 24 von 50 nicht die erforderliche Mindestpunktzahl
         von 25 erreicht habe.
      
      7      Auf die vom Kläger erhobene Klage hob das Gericht mit Urteil vom 23. März 2000, Gogos/Kommission (T‑95/98, Slg. ÖD 2000, I‑A‑51
         und II‑219), die Entscheidung des Prüfungsausschusses insbesondere mit der Begründung auf, dass dieser nicht in der Lage gewesen
         sei, in den mündlichen Prüfungen des streitigen Auswahlverfahrens die Gleichbehandlung aller Bewerber sicherzustellen.
      
      8      Daraufhin lud die Kommission den Kläger zu einer neuen mündlichen Prüfung am 25. September 2000. Nachdem er diese Prüfung
         nicht bestanden hatte, erhob er erneut Klage beim Gericht, die unter der Rechtssachennummer T‑97/01 in das Register eingetragen
         wurde. Im Zuge einer gütlichen Einigung der Parteien verpflichtete sich die Kommission, das Auswahlverfahren KOM/A/17/96 ausnahmsweise
         und nur für den Kläger zu verlängern (vgl. Beschluss des Gerichts vom 21. Oktober 2002, Gogos/Kommission, T‑97/01, nicht in
         der amtlichen Sammlung veröffentlicht). Der Kläger nahm daraufhin am 8. November 2002 an einer dritten mündlichen Prüfung
         teil.
      
      9      Mit Schreiben vom 15. November 2002 teilte die Kommission dem Kläger mit, dass er diese Prüfung bestanden habe und sein Name
         in die Eignungsliste des Auswahlverfahrens KOM/A/17/96 aufgenommen worden sei. 
      
      10      Der Kläger wurde sodann mit Wirkung vom 1. April 2003 zum Beamten ernannt und der Generaldirektion Regionalpolitik zugewiesen,
         d. h. der Generaldirektion, bei der er seit seiner Einstellung als Beamter der Laufbahngruppe B im Jahr 1986 gearbeitet hatte.
      
      11      Am 31. März 2003 wurde dem Kläger die Entscheidung … der Anstellungsbehörde mitgeteilt, ihn mit Wirkung vom 1. April 2003
         in die Besoldungsgruppe A 7, Dienstaltersstufe 3, einzustufen …
      
      12      Der Kläger legte am 30. Juni 2003 gemäß Art. 90 Abs. 2 des Statuts Beschwerde gegen die [Einstufungs-]Entscheidung ein. Zur
         Begründung machte er einen Verstoß gegen die Art. 31 und 45 des Statuts, Art. 233 EG, den Grundsatz der Gleichbehandlung und
         den in der Rechtssache T‑97/01 zwischen den Parteien geschlossenen Vergleich geltend. Der erfolgreiche Abschluss des fraglichen
         Auswahlverfahrens müsse auf den Zeitpunkt seiner ersten mündlichen Prüfung, d. h. auf den 15. Dezember 1997, zurückwirken,
         weil das Auswahlverfahren für ihn wiedereröffnet worden sei. Außerdem hätte er unter Berücksichtigung seiner im Hinblick auf
         das schwer zu findende Profil einschlägigen Berufserfahrung mit Wirkung vom 1. Januar 2002 in die Besoldungsgruppe A 6 eingestuft
         werden müssen, da die ersten Beförderungen der erfolgreichen Teilnehmer am Auswahlverfahren KOM/A/17/96 nach Besoldungsgruppe
         A 6 bereits am 1. Januar 2001 erfolgt seien und die meisten von ihnen 2003 diese Besoldungsgruppe erreicht hätten.
      
      13      Diese Beschwerde wurde mit Entscheidung der Anstellungsbehörde vom 24. November 2003 zurückgewiesen … Darin heißt es, dass
         Art. 31 Abs. 2 des Statuts im vorliegenden Fall keine Anwendung finde, da er nur die neuen Beamten betreffe. Er gelte daher
         nicht für den Kläger, der bereits Beamter der Laufbahngruppe B gewesen sei. Jedenfalls wiesen seine Unterlagen im Hinblick
         auf die fünf Kriterien, die für die Einstufung jedes Beamten bei Dienstantritt herangezogen würden, nämlich die Hochschulbildung,
         die Dauer und die Art der Berufserfahrung, deren Relevanz im Verhältnis zur besetzten Stelle und die Besonderheit des beruflichen
         Profils auf dem Arbeitsmarkt, nichts Außergewöhnliches auf. Vielmehr sei die Berechnung der Besoldungsgruppe und der Dienstaltersstufe
         des Klägers ordnungsgemäß nach Art. 46 des Statuts erfolgt.“
      
       Verfahren vor dem Gericht und angefochtenes Urteil
      8        Mit Klageschrift, die am 18. Februar 2004 bei der Kanzlei des Gerichts einging, beantragte Herr Gogos, die Einstufungsentscheidung
         und die Beschwerdeentscheidung aufzuheben sowie der Kommission die Kosten aufzuerlegen, hilfsweise, jeder Partei ihre eigenen
         Kosten aufzuerlegen.
      
      9        Seine Klage stützte der Rechtsmittelführer in erster Linie auf einen Verstoß gegen Art. 31 Abs. 2 des Statuts. Er machte ferner
         geltend, die Anstellungsbehörde habe dadurch, dass sie diese Bestimmung nicht zu seinen Gunsten angewandt habe, auch gegen
         Art. 233 EG sowie gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Billigkeit, der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Anwartschaft
         auf eine Laufbahn verstoßen.
      
      10      Das Gericht hat zunächst in Randnr. 30 des angefochtenen Urteils darauf hingewiesen, dass es nach einer grammatikalischen
         Auslegung der Art. 45 Abs. 2 und 31 Abs. 1 und 2 des Statuts zwar nicht verboten sei, einen Beamten nach Art. 31 Abs. 2 in
         der höheren Besoldungsgruppe der Laufbahn zu ernennen, wenn er erfolgreich ein internes Auswahlverfahren für den Übergang
         in eine höhere Laufbahngruppe absolviere; wohl aber stünden dem die Systematik und der Regelungszweck dieser Bestimmungen
         entgegen. Das Gericht hat daraus in Randnr. 35 dieses Urteils abgeleitet, dass Art. 31 Abs. 2 nicht auf den Kläger anwendbar
         sei.
      
      11      Sodann hat das Gericht in Randnr. 36 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass Art. 31 Abs. 2 des Statuts, selbst wenn er
         im vorliegenden Fall anwendbar wäre, keinen Anspruch des Klägers auf Einstufung in die Besoldungsgruppe A 6 begründen würde.
         Das Gericht hat nämlich in Randnr. 41 des Urteils entschieden, dass die Kommission in dem von Art. 31 des Statuts gesetzten
         Rahmen sowohl bei der Prüfung, ob die zu besetzende Stelle die Einstellung eines besonders qualifizierten Bewerbers erfordere
         oder dieser außergewöhnliche Qualifikationen besitze, als auch bei der Prüfung, welche Folgen diese Feststellungen hätten,
         über ein weites Ermessen verfüge. Es hat daraus in Randnr. 42 des Urteils geschlossen, dass es die Beurteilung der Anstellungsbehörde
         nicht durch seine eigene ersetzen dürfe und sich daher auf die Prüfung beschränken müsse, ob eine Verletzung wesentlicher
         Formvorschriften vorliege, die Anstellungsbehörde ihre Entscheidung auf unzutreffende oder unvollständige Tatsachen gestützt
         habe oder die Entscheidung einen Ermessensmissbrauch, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler oder einen Begründungsmangel
         aufweise. 
      
      12      Nachdem das Gericht festgestellt hatte, dass der Rechtsmittelführer nichts vorgetragen habe, was den Schluss erlaube, dass
         dies der Fall gewesen sei, hat es in Randnr. 44 des angefochtenen Urteils entschieden, dass die Unregelmäßigkeiten, die der
         Rechtsmittelführer der Kommission bei der Durchführung seiner Einstellung vorwerfe, unabhängig davon, ob es sich um einen
         Verstoß gegen Art. 233 EG oder gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Billigkeit, der ordnungsgemäßen Verwaltung und
         der Anwartschaft auf eine Laufbahn handele, keine Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der von ihm angefochtenen Einstufungsentscheidung
         hätten haben können.
      
      13      Das Gericht hat in Randnr. 45 des angefochtenen Urteils weiter ausgeführt, dass die Bewertung des außergewöhnlichen Charakters
         der Qualifikationen eines neu eingestellten Beamten, da sie nicht abstrakt erfolgen könne, sondern im Hinblick auf die Stelle,
         für die der Beamte eingestellt worden sei, vorgenommen werden müsse, ihrem Wesen nach einzelfallbezogen sei, so dass sich
         der Kläger nicht mit Erfolg auf einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz berufen könne.
      
      14      Schließlich hat das Gericht in Randnr. 47 des angefochtenen Urteils entschieden, dass die Durchführung einer neuen mündlichen
         Prüfung für den Kläger zwar möglicherweise zur Folge gehabt habe, dass der Zeitpunkt seines Übertritts in die Laufbahngruppe
         A sowie der Zeitpunkt, zu dem er die für eine Beförderung nach Besoldungsgruppe A 6 gemäß Art. 45 des Statuts erforderliche
         Mindestdienstzeit von zwei Jahren in der Besoldungsgruppe A 7 zurückgelegt habe, hinausgeschoben worden seien und ihm dadurch
         eventuell eine Chance genommen worden sei, zu einem früheren Zeitpunkt in der Laufbahngruppe A eingestellt und in den folgenden
         Beförderungsverfahren berücksichtigt zu werden, dass aber der Kläger aus diesem Grund beim Gericht keine finanzielle Entschädigung
         beantragt habe.
      
      15      Nachdem das Gericht festgestellt hatte, dass das Verhalten der Kommission, aufgrund dessen die Durchführung dreier mündlicher
         Prüfungen für den Kläger erforderlich geworden sei, die Entstehung des Rechtsstreits gefördert habe, hat es die Kommission
         gemäß Art. 87 § 3 seiner Verfahrensordnung zur Tragung ihrer eigenen Kosten und der des Klägers verurteilt.
      
       Anträge der Parteien 
      16      Der Rechtsmittelführer beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil aufzuheben;
      –        die Einstufungsentscheidung und die Beschwerdeentscheidung aufzuheben;
      –        ihm in Ausübung der Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung eine Entschädigung in Höhe von 538 121,79 Euro für den ihm durch
         das rechtswidrige Verhalten der Kommission in Gestalt der Einstufungsentscheidung entstandenen wirtschaftlichen Schaden zuzusprechen,
         dessen Auswirkungen bis zu seinem Lebensende durch die Reform des Statuts noch verstärkt worden sind;
      
      –        ihm eine Entschädigung von 50 000 Euro für die Verzögerung beim Erlass des erstinstanzlichen Urteils zuzusprechen;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen, die ihm im ersten Rechtszug und im Rechtsmittelverfahren entstanden sind.
      17      Die Kommission beantragt, sowohl das Rechtsmittel als auch den Antrag des Rechtsmittelführers auf Entschädigung wegen überlanger
         Dauer des Verfahrens zurückzuweisen und ihm die Kosten aufzuerlegen.
      
       Zum Rechtsmittel
      18      Der Rechtsmittelführer stützt sein Rechtsmittel auf zwei Gründe, mit denen er erstens einen Mangel der Begründung des angefochtenen
         Urteils und zweitens einen Rechtsfehler geltend macht, den das Gericht dadurch begangen habe, dass es von seiner Befugnis
         zu unbeschränkter Nachprüfung keinen Gebrauch gemacht habe, um ihm von Amts wegen einen Ersatz für seinen Laufbahnschaden
         zuzusprechen. Er fordert außerdem eine Entschädigung wegen der überlangen Dauer des Verfahrens vor dem Gericht.
      
       Zum ersten Rechtsmittelgrund
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten 
      19      Mit seinem ersten Rechtsmittelgrund wirft der Rechtsmittelführer dem Gericht vor, es habe fünf der sechs Aufhebungsgründe,
         die er vor ihm geltend gemacht habe, nicht geprüft und damit die Abweisung der sowohl gegen die Einstufungsentscheidung als
         auch gegen die Beschwerdeentscheidung gerichteten Klage nicht hinreichend begründet. 
      
      20      Insbesondere habe das Gericht die Aufhebungsgründe, mit denen ein Verstoß gegen Art. 233 EG sowie gegen die Grundsätze der
         Gleichbehandlung, der Billigkeit, der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Anwartschaft auf eine Laufbahn gerügt worden sei,
         ohne Begründung und auf der Grundlage völlig willkürlicher Erwägungen zurückgewiesen.
      
      21      Ferner sei das Gericht verpflichtet gewesen, den Klagegrund eines Verstoßes gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung selbständig
         zu prüfen, ohne dass dies die Prüfung der Voraussetzungen des Art. 31 Abs. 2 des Statuts voraussetze.
      
      22      Die Kommission hält diesen Rechtsmittelgrund für unzulässig. Herr Gogos habe im ersten Rechtszug nur einen einzigen Aufhebungsgrund
         vorgebracht, mit dem er allein eine Verletzung von Art. 31 Abs. 2 des Statuts gerügt habe. Auf die sonstigen Vorschriften
         und Grundsätze habe er sich lediglich ergänzend berufen. Wenn der Rechtsmittelführer im Rechtsmittelverfahren versuche, diese
         ergänzenden Argumente zu eigenständigen Aufhebungsgründen aufzuwerten, mache er in Wirklichkeit neue Angriffsmittel geltend.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      –       Zur Zulässigkeit
      23      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 42 § 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 118 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs
         das Vorbringen neuer Angriffs- und Verteidigungsmittel im Rechtsmittelverfahren untersagt ist. 
      
      24      Wie jedoch die Generalanwältin in Nr. 33 ihrer Schlussanträge festgestellt hat, sollen diese Vorschriften im Einklang mit
         Art. 113 § 2 der Verfahrensordnung verhindern, dass der Gegenstand des Rechtsstreits vor dem Gericht durch das Rechtsmittel
         geändert wird (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 1. Juni 1994, Kommission/Brazzelli Lualdi u. a., C‑136/92 P, Slg. 1994, I‑1981,
         Randnrn. 57 bis 59, vom 28. Juni 2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P
         und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425, Randnr. 165, vom 18. Januar 2007, PKK und KNK/Rat, C‑229/05 P, Slg. 2007, I‑439, Randnr.
         66, und vom 2. April 2009, France Télécom/Kommission, C‑202/07 P, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 60).
      
      25      Im vorliegenden Fall ist, wie die Generalanwältin in Nr. 34 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, festzustellen, dass sich
         Herr Gogos in einem großen Teil seiner Klageschrift mit Art. 233 EG und den Grundsätzen der Gleichbehandlung, der Billigkeit,
         der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Anwartschaft auf eine Laufbahn auseinandergesetzt hat.
      
      26      Mit seinem Rechtsmittel rügt er, das angefochtene Urteil habe wesentliche Teile seines erstinstanzlichen Vorbringens nicht
         hinreichend berücksichtigt, und beantragt, zu überprüfen, ob sich das Gericht mit dem Prozessstoff in einer Art und Weise
         auseinandergesetzt habe, die den rechtlichen Anforderungen an eine Urteilsbegründung genüge.
      
      27      Der erste Rechtsmittelgrund hat demnach nicht zur Folge, dass der Gerichtshof mit einem Rechtsstreit befasst wird, der über
         denjenigen hinausgeht, den das Gericht zu entscheiden hatte.
      
      28      Der Rechtsmittelgrund ist daher zulässig. 
      
      –       Zur Begründetheit
      29      Der Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, das Gericht sei auf einen Klagegrund nicht eingegangen, läuft im Wesentlichen
         darauf hinaus, einen Verstoß gegen die Begründungspflicht zu rügen, die sich aus Art. 36 der Satzung des Gerichtshofs der
         Europäischen Union, der nach Art. 53 Abs. 1 der Satzung für das Gericht der Europäischen Union entsprechend gilt, und Art. 81
         der Verfahrensordnung des Gerichts ergibt (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 1. Oktober 1991, Vidrányi/Kommission, C‑283/90 P,
         Slg. 1991, I‑4339, Randnr. 29, und vom 11. September 2003, Belgien/Kommission, C‑197/99 P, Slg. 2003, I‑8461, Randnr. 80 in
         Verbindung mit Randnr. 83).
      
      30      Nach ständiger Rechtsprechung verlangt die dem Gericht obliegende Begründungspflicht nicht, dass das Gericht bei seinen Ausführungen
         alle von den Parteien des Rechtsstreits vorgetragenen Argumente nacheinander erschöpfend behandelt; die Begründung kann daher
         implizit erfolgen, sofern sie es den Betroffenen ermöglicht, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht ihrer Argumentation
         nicht gefolgt ist, und dem Gerichtshof ausreichende Angaben liefert, damit er seine Kontrolle ausüben kann (vgl. insbesondere
         Urteile vom 9. Oktober 2008, Chetcuti/Kommission, C‑16/07 P, Slg. 2008, I‑7469, Randnr. 87, und vom 16. Juli 2009, Kommission/Schneider
         Electric, C‑440/07 P, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 135).
      
      31      Im vorliegenden Fall ergibt sich aus dem angefochtenen Urteil eindeutig, dass das Gericht auf das Vorbringen des Rechtsmittelführers
         eingegangen ist, die Kommission habe dadurch, dass sie Art. 31 Abs. 2 des Statuts nicht zu seinen Gunsten angewandt habe,
         gegen Art. 233 EG sowie gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Billigkeit, der ordnungsgemäßen Verwaltung und der
         Anwartschaft auf eine Laufbahn verstoßen.
      
      32      Nach Zurückweisung der Rüge eines Verstoßes gegen Art. 31 Abs. 2 des Statuts hat das Gericht nämlich in Randnr. 44 des angefochtenen
         Urteils ausgeführt, dass „die Unregelmäßigkeiten, die der Kläger der Kommission bei der Durchführung seiner Einstellung vorwirft,
         unabhängig davon, ob es sich um einen Verstoß gegen Art. 233 EG oder gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Billigkeit,
         der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Anwartschaft auf eine Laufbahn handelt, keine Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der
         vom Kläger angefochtenen Entscheidung über die Einstufung in die Besoldungsgruppe haben konnten“.
      
      33      Aus den Gründen des angefochtenen Urteils geht somit hervor, dass das Gericht die fraglichen Rügen aus denselben Gründen zurückgewiesen
         hat wie denen, auf die es sich für die Zurückweisung des Klagegrundes einer Verletzung des Art. 31 Abs. 2 des Statuts gestützt
         hat.
      
      34      Zum Vorbringen des Rechtsmittelführers, das Gericht hätte den Grundsatz der Gleichbehandlung eigenständig prüfen müssen, ist
         festzustellen, dass die Gründe, aus denen es dieser Grundsatz nach Auffassung des Gerichts nicht zulässt, den Rechtsmittelführer
         in die höhere Besoldungsgruppe der Laufbahn einzustufen, in den Randnrn. 45 und 46 des angefochtenen Urteils klar dargelegt
         worden sind.
      
      35      Dass das Gericht in der Sache zu einem anderen Ergebnis gelangt ist als der Rechtsmittelführer, kann für sich allein keinen
         Begründungsmangel des angefochtenen Urteils darstellen (Urteil vom 7. Juni 2007, Wunenburger/Kommission, C‑362/05 P, Slg.
         2007, I‑4333, Randnr. 80).
      
      36      Nach alledem ist festzustellen, dass die Begründung des angefochtenen Urteils die Gründe rechtlich hinreichend erkennen lässt,
         aus denen das Gericht die vom Rechtsmittelführer im ersten Rechtszug geltend gemachten Rügen zurückgewiesen hat.
      
      37      Demnach ist der erste Rechtsmittelgrund als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zum zweiten Rechtsmittelgrund
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      38      Mit seinem zweiten Rechtsmittelgrund wirft der Rechtsmittelführer dem Gericht vor, dass es nicht von der Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung, über die es in Streitsachen vermögensrechtlicher Art verfüge, Gebrauch gemacht habe, um ihm von Amts wegen eine
         Entschädigung zuzusprechen.
      
      39      Der Rechtsmittelführer wendet sich insbesondere gegen Randnr. 47 des angefochtenen Urteils, in der das Gericht im Wesentlichen
         entschieden habe, dass die Durchführung einer neuen mündlichen Prüfung zwar möglicherweise zur Folge gehabt habe, dass ihm
         eine Chance, zu einem früheren Zeitpunkt in der Laufbahngruppe A eingestellt und damit in dieser neuen Laufbahn schneller
         befördert zu werden, genommen worden sei, dass er aber insoweit keine finanzielle Entschädigung beim Gericht beantragt habe.
         
      
      40      Die Kommission trägt vor, dieser zur Stützung des Rechtsmittels angeführte Grund sei unzulässig, weil er erstmals im Rechtsmittelverfahren
         geltend gemacht worden sei. Jedenfalls habe im vorliegenden Fall kein Grund bestanden, dem Rechtsmittelführer eine Entschädigung
         zuzusprechen, und damit keine Grundlage, auf der das Gericht seine Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung in vermögensrechtlicher
         Hinsicht hätte ausüben können.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      –       Zur Zulässigkeit
      41      Wie die Generalanwältin in Nr. 50 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, ist die Frage, ob das Gericht verpflichtet war, dem
         Rechtsmittelführer von Amts wegen eine finanzielle Entschädigung zuzusprechen, eine Rechtsfrage, die Gegenstand eines Rechtsmittels
         sein kann; für ihre Zulässigkeit kann nicht zur Voraussetzung gemacht werden, dass der Rechtsmittelführer einen entsprechenden
         Antrag im ersten Rechtszug gestellt hat.
      
      42      Ein solches Vorbringen, mit dem dem Gericht eine Verkennung des Umfangs seiner Befugnisse vorgeworfen wird, kann nämlich naturgemäß
         nicht im ersten Rechtszug erfolgen; die Unzulässigkeitseinrede der Kommission ist daher zurückzuweisen.
      
      43      Der zweite Rechtsmittelgrund ist somit zulässig.
      
      –       Zur Begründetheit
      44      Nach ständiger Rechtsprechung verfügt das Gericht nach Art. 91 Abs. 1 Satz 2 des Statuts bei Streitsachen vermögensrechtlicher
         Art über eine Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung, in deren Rahmen es gegebenenfalls auch die beklagte Partei von Amts
         wegen zur Zahlung einer Entschädigung für den durch ihren Amtsfehler entstandenen Schaden verurteilen und unter Berücksichtigung
         aller Umstände der Rechtssache den Schaden nach billigem Ermessen schätzen kann (vgl. insbesondere Urteile vom 5. Juni 1980,
         Oberthür/Kommission, 24/79, Slg. 1980, 1743, Randnr. 14, vom 27. Oktober 1987, Houyoux und Guery/Kommission, 176/86 und 177/86,
         Slg. 1987, 4333, Randnr. 16, vom 17. April 1997, de Compte/Parlament, C‑90/95 P, Slg. 1997, I‑1999, Randnr. 45, und vom 21.
         Februar 2008, Kommission/Girardot, C‑348/06 P, Slg. 2008, I‑833, Randnr. 58).
      
      45      Im Sinne dieser Vorschrift sind „Streitsachen vermögensrechtlicher Art“ nicht nur Haftungsklagen von Bediensteten gegen ein
         Organ, sondern auch Klagen, die darauf gerichtet sind, dass ein Organ einem Bediensteten einen Betrag zahlt, den dieser gemäß
         dem Statut oder einem anderen, sein Arbeitsverhältnis regelnden Rechtsakt beanspruchen zu können glaubt (vgl. Urteil vom 18.
         Dezember 2007, Weißenfels/Parlament, C‑135/06 P, Slg. 2007, I‑12041, Randnr. 65).
      
      46      Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs kann auch die Klage eines Beamten auf Aufhebung einer ihn in seiner dienstrechtlichen
         Stellung berührenden Entscheidung eine Streitsache vermögensrechtlicher Art im Sinne des Art. 91 Abs. 1 des Statuts sein (vgl.
         Urteile Oberthür/Kommission, Randnr. 14, sowie Houyoux und Guery/Kommission, Randnr. 16 in Verbindung mit Randnr. 1).
      
      47      Insbesondere hat der Gerichtshof bereits entschieden, dass die Klage, mit der ein Beamter die gerichtliche Nachprüfung seiner
         Einstufung begehrt, eine Streitigkeit vermögensrechtlicher Art auslöst (Urteil vom 8. Juli 1965, Krawczynski/Kommission, 83/63,
         Slg. 1965, 828, 841). Wie die Generalanwältin in Nr. 58 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, liegt dem der Gedanke zugrunde,
         dass die Einstufungsentscheidung der Anstellungsbehörde nicht nur Folgen für die Karriere des Betroffenen und seine persönliche
         Stellung innerhalb der Behördenhierarchie hat, sondern sich auch unmittelbar auf seine vermögensrechtlichen Ansprüche, insbesondere
         auf die Höhe seiner Besoldung nach dem Beamtenstatut, auswirkt.
      
      48      Daraus folgt, dass die Klage von Herrn Gogos vermögensrechtlicher Art im Sinne des Art. 91 Abs. 1 des Statuts war. Das Gericht
         verfügte daher im vorliegenden Fall über eine Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung.
      
      49      Dem Unionsrichter wird mit der ihm durch Art. 91 Abs. 1 des Statuts gewährten Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung die Aufgabe
         übertragen, die bei ihm anhängig gemachten Streitsachen abschließend zu entscheiden (Urteil Weißenfels/Parlament, Randnr.
         67, und Entscheidung vom 17. Dezember 2009, Überprüfung des Urteils M/EMEA, C‑197/09 RX‑II, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 56).
         
      
      50      Wie die Generalanwältin in Nr. 66 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, soll mit dieser Befugnis den Unionsgerichten in erster
         Linie ermöglicht werden, die praktische Wirksamkeit der von ihnen erlassenen Aufhebungsurteile in dienstrechtlichen Streitigkeiten
         in der Weise sicherzustellen, dass sie dem betroffenen Beamten, wenn die Aufhebung einer rechtsfehlerhaften Entscheidung der
         Anstellungsbehörde nicht ausreicht, um seinen Rechten zur Durchsetzung zu verhelfen oder seine Interessen wirksam zu wahren,
         von Amts wegen Schadensersatz zusprechen können.
      
      51      Das Gericht hat im vorliegenden Fall zwar entschieden, dass die Einstufungsentscheidung und die Beschwerdeentscheidung keinen
         Rechtsfehler aufwiesen; die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung ermöglicht es den Unionsgerichten jedoch, wie in Randnr.
         44 des angefochtenen Urteils ausgeführt, auch in den Fällen, in denen sie die angefochtene Entscheidung nicht aufheben, die
         beklagte Partei von Amts wegen zur Wiedergutmachung des durch ihren Amtsfehler entstandenen Schadens zu verurteilen.
      
      52      Wie die Generalanwältin jedoch in den Nrn. 68 und 75 ihrer Schlussanträge festgestellt hat, beruht der Schaden, der Herrn
         Gogos hinsichtlich seiner Dienstbezüge und seiner Laufbahn entstanden ist, weder auf der Einstufungsentscheidung noch auf
         der Beschwerdeentscheidung, sondern auf Rechtsfehlern, die die Kommission im Rahmen des Auswahlverfahrens begangen hat und
         die von Herrn Gogos im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht geltend gemacht worden sind.
      
      53      Unter diesen Umständen hat das Gericht zu Recht von seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung keinen Gebrauch gemacht,
         so dass auch der zweite Rechtsmittelgrund als unbegründet zurückzuweisen ist.
      
       Zum Antrag auf Entschädigung wegen der überlangen Dauer des Verfahrens vor dem Gericht
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      54      Der Rechtsmittelführer beantragt, ihm eine Entschädigung in Höhe von 50 000 Euro wegen der überlangen Dauer des Verfahrens
         vor dem Gericht zuzusprechen.
      
      55      Die Kommission trägt vor, es handele sich um einen neuen Antrag, der erstmals im Rechtsmittelverfahren gestellt werde und
         der daher als unzulässig zurückzuweisen sei. Jedenfalls sei der Antrag offensichtlich unbegründet.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      56      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass zwar der Rechtsmittelführer bei nachweislicher Nichteinhaltung einer angemessenen Entscheidungsfrist
         durch das Gericht mit einer Klage gegen die Europäische Union nach Art. 268 AEUV in Verbindung mit Art. 340 Abs. 2 AEUV Schadensersatz
         beantragen kann (Urteil vom 16. Juli 2009, Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland/Kommission, C‑385/07 P, Slg. 2009,
         I‑0000, Randnr. 195); im Rahmen eines Rechtsmittels müssen jedoch nach Art. 113 § 1 der Verfahrensordnung die Rechtsmittelanträge
         die vollständige oder teilweise Aufhebung des Urteils des Gerichts und gegebenenfalls die vollständige oder teilweise Aufrechterhaltung
         der im ersten Rechtszug gestellten Anträge zum Gegenstand haben (Urteil vom 9. September 2008, FIAMM u. a./Rat und Kommission,
         C‑120/06 P und C‑121/06 P, Slg. 2008, I‑6513, Randnr. 205).
      
      57      Daher kann bei Fehlen jedes Anhaltspunkts dafür, dass sich die Verfahrensdauer auf den Ausgang des Rechtsstreits ausgewirkt
         hat, der Rechtsmittelgrund, dass das Verfahren vor dem Gericht eine angemessene Verfahrensdauer überschritten habe, im Allgemeinen
         nicht zur Aufhebung des Urteils des Gerichts führen, so dass er als unzulässig zurückzuweisen ist (Urteil FIAMM u. a./Rat
         und Kommission, Randnrn. 203 und 211).
      
      58      Herr Gogos hat aber weder behauptet, dass sich die angeblich übermäßige Dauer des Verfahrens auf den Ausgang des Rechtsstreits
         vor dem Gericht ausgewirkt habe, noch beantragt, das angefochtene Urteil deshalb aufzuheben.
      
      59      Unter diesen Umständen ist der vom Rechtsmittelführer im Rahmen des vorliegenden Rechtsmittels gestellte Schadensersatzantrag
         als unzulässig zurückzuweisen.
      
      60      Nach alledem ist das Rechtsmittel zurückzuweisen.
      
       Kosten
      61      Nach Art. 69 § 2 Abs. 1 der Verfahrensordnung, der nach Art. 118 der Verfahrensordnung im Rechtsmittelverfahren entsprechende
         Anwendung findet, ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. 
      
      62      Gemäß Art. 122 Abs. 2 zweiter Gedankenstrich der Verfahrensordnung kann der Gerichtshof bei Rechtsmitteln, die von Beamten
         oder sonstigen Bediensteten eines Organs eingelegt werden, die Kosten zwischen den Parteien teilen, sofern dies aus Gründen
         der Billigkeit geboten ist.
      
      63      Unter den hier vorliegenden Umständen sind nach dieser Bestimmung jeder Partei ihre eigenen Kosten aufzuerlegen. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Das Rechtsmittel wird zurückgewiesen.
      2.      Herr Gogos und die Europäische Kommission tragen jeweils ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.