CELEX: 62014CO0565
Language: de
Date: 2016-09-13 00:00:00
Title: Beschluss des Gerichtshofes - 13. September 2016#Romonta / Kommission#Rechtssache C-565/14 P

BESCHLUSS DES GERICHTSHOFS (Sechste Kammer)
      13. September 2016(*)
      
      „Rechtsmittel – Umwelt – Richtlinie 2003/87/EG – Art. 10a – System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten – Übergangsvorschriften zur Harmonisierung der kostenlosen Zuteilung von Emissionszertifikaten ab 2013 – Beschluss 2011/278/EU – Von der Bundesrepublik Deutschland unterbreitete nationale Umsetzungsmaßnahmen – Ablehnung der Aufnahme bestimmter Anlagen in die Verzeichnisse der Anlagen, denen kostenlos Emissionszertifikate zugeteilt
         werden – Härtefallklausel – Durchführungsbefugnisse der Kommission“
      
      In der Rechtssache C‑565/14 P
      betreffend ein Rechtsmittel nach Art. 56 der Satzung des Gerichtshofs der Europäischen Union, eingelegt am 8. Dezember 2014,
      Romonta GmbH mit Sitz in Seegebiet Mansfelder Land (Deutschland), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwältinnen I. Zenke und M.-Y. Vollmer,
      
      Rechtsmittelführerin,
      andere Partei des Verfahrens:
      Europäische Kommission, vertreten durch E. White, C. Hermes und K. Herrmann als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Sechste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Arabadjiev sowie der Richter J.‑C. Bonichot (Berichterstatter) und S. Rodin,
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: A. Calot Escobar,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 8. März 2016
      folgenden
      Beschluss
      1        Mit ihrem Rechtsmittel beantragt die Romonta GmbH die Aufhebung des Urteils des Gerichts der Europäischen Union vom 26. September
         2014, Romonta/Kommission (T‑614/13, nicht veröffentlicht, im Folgenden: angefochtenes Urteil, EU:T:2014:835), mit dem das
         Gericht ihrem Antrag auf Nichtigerklärung des Beschlusses 2013/448/EU der Kommission vom 5. September 2013 über nationale
         Umsetzungsmaßnahmen für die übergangsweise kostenlose Zuteilung von Treibhausgasemissionszertifikaten gemäß Artikel 11 Absatz 3
         der Richtlinie 2003/87/EG des Europäischen Parlaments und des Rates (ABl. 2013, L 240, S. 27), soweit in Art. 1 Abs. 1 in
         Verbindung mit Anhang I Buchst. A dieses Beschlusses die Aufnahme einer von ihr betriebenen Anlage in das Verzeichnis nach
         Art. 11 Abs. 1 der Richtlinie 2003/87/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Oktober 2003 über ein System für
         den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten in der Gemeinschaft und zur Änderung der Richtlinie 96/61/EG des Rates (ABl.
         2003, L 275, S. 32) in der durch die Richtlinie 2009/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2009 (ABL. 2009,
         L 140, S. 63) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 2003/87) sowie die vorläufigen Jahresgesamtmengen der dieser Anlage
         kostenlos zuzuteilenden und von der Bundesrepublik Deutschland für diese Anlagen vorgeschlagenen Emissionszertifikate abgelehnt
         werden (im Folgenden: streitiger Beschluss), nur teilweise stattgegeben hat.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
      2        Nach dem fünften Erwägungsgrund der Richtlinie 2003/87 soll diese dazu beitragen, dass die Verpflichtungen der Union und ihrer
         Mitgliedstaaten zur Verringerung der anthropogenen Treibhausgasemissionen „durch einen effizienten europäischen Markt für
         Treibhausgasemissionszertifikate effektiver und unter möglichst geringer Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung
         und der Beschäftigungslage erfüllt werden“.
      
      3        Der siebte Erwägungsgrund dieser Richtlinie lautet: 
      
      „Gemeinschaftsvorschriften für die Zuteilung der Zertifikate durch die Mitgliedstaaten sind notwendig, um die Integrität des
         Binnenmarktes zu erhalten und Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.“
      
      4        In den Erwägungsgründen 8, 15, 23, 44 und 45 der Richtlinie 2009/29 heißt es:
      
      „(8)      Obgleich die im ersten Handelszeitraum erzielten Erfahrungen das Potenzial des Gemeinschaftssystems gezeigt haben und die
         nationalen Zuteilungspläne für den zweiten Handelszeitraum bis 2012 bedeutende Emissionsminderungen gewährleisten werden,
         hat eine Überprüfung im Jahr 2007 bestätigt, dass ein stärker harmonisiertes Emissionshandelssystem unerlässlich ist, wenn
         die Vorteile des Emissionshandels besser genutzt, Verzerrungen auf dem Binnenmarkt vermieden und die Verknüpfung mit anderen
         Emissionshandelssystemen erleichtert werden sollen. …
      
      (15)      Die der Wirtschaft der Gemeinschaft abverlangten zusätzlichen Bemühungen setzen unter anderem voraus, dass das überarbeitete
         Gemeinschaftssystem mit einem höchstmöglichen Grad an wirtschaftlicher Effizienz und unter vollständig harmonisierten Zuteilungsbedingungen
         in der Gemeinschaft funktioniert. Die Versteigerung sollte daher das Grundprinzip für die Zuteilung sein, weil sie das einfachste
         und nach allgemeiner Auffassung wirtschaftlich effizienteste System ist. Dadurch dürften auch Zufallsgewinne wegfallen und
         neue Marktteilnehmer und Volkswirtschaften mit überdurchschnittlich hohem Wachstum von denselben Wettbewerbsbedingungen profitieren
         wie existierende Anlagen.
      
      (23)      Um Wettbewerbsverzerrungen in der Gemeinschaft zu minimieren, sollte die übergangsweise kostenlose Zuteilung von Zertifikaten
         an Anlagen im Wege harmonisierter Gemeinschaftsvorschriften (‚Ex-ante-Benchmarks‘) gestattet werden. Diese Vorschriften sollten
         den Techniken mit der größten Treibhausgas- und Energieeffizienz, Ersatzstoffen, alternativen Herstellungsprozessen, der Verwendung
         von Biomasse, erneuerbaren Energien sowie der Abscheidung und Speicherung von CO2 Rechnung tragen. Diese Vorschriften sollten keinen Anreiz zur Emissionssteigerung bieten und gewährleisten, dass ein zunehmender
         Anteil der betreffenden Zertifikate versteigert wird. Im Interesse des reibungslosen Funktionierens des Marktes müssen die
         Zuteilungen vor Beginn des Handelszeitraums festgesetzt werden. …
      
      …
      (44)      Die zur Durchführung dieser Richtlinie erforderlichen Maßnahmen sollten gemäß dem Beschluss 1999/468/EG des Rates vom 28.
         Juni 1999 zur Festlegung der Modalitäten für die Ausübung der der Kommission übertragenen Durchführungsbefugnisse [(ABl. 1999,
         L 184, S. 23)] erlassen werden.
      
      (45)      Insbesondere sollte die Kommission die Befugnis erhalten, Maßnahmen über die Harmonisierung der Regeln für … die übergangsweise
         gemeinschaftsweite Zuteilung von Zertifikaten … zu treffen. Da es sich hierbei um Maßnahmen von allgemeiner Tragweite handelt,
         die eine Änderung nicht wesentlicher Bestimmungen der Richtlinie 2003/87/EG, auch durch Ergänzung um neue nicht wesentliche
         Bestimmungen, bewirken, sind diese Maßnahmen nach dem Regelungsverfahren mit Kontrolle gemäß Artikel 5a des Beschlusses 1999/468/EG
         zu erlassen.“
      
      5        In Art. 10 („Versteigerung von Zertifikaten“) Abs. 1 der Richtlinie 2003/87 heißt es:
      
      „Ab dem Jahr 2013 versteigern die Mitgliedstaaten sämtliche Zertifikate, die nicht gemäß Artikel 10a und 10c kostenlos zugeteilt
         werden. …“
      
      6        Art. 10a („Gemeinschaftsweite Übergangsvorschriften zur Harmonisierung der kostenlosen Zuteilung“) der Richtlinie 2003/87
         bestimmt:
      
      „(1)      Die Kommission erlässt bis zum 31. Dezember 2010 gemeinschaftsweite und vollständig harmonisierte Durchführungsmaßnahmen für
         die Zuteilung der in den Absätzen 4, 5, 7 und 12 genannten Zertifikate einschließlich etwa erforderlicher Vorschriften für
         eine einheitliche Anwendung von Absatz 19.
      
      Diese Maßnahmen zur Änderung nicht wesentlicher Bestimmungen dieser Richtlinie durch Ergänzung werden nach dem in Artikel 23
         Absatz 3 genannten Regelungsverfahren mit Kontrolle erlassen. 
      
      Die Maßnahmen gemäß Unterabsatz 1 legen so weit wie möglich die gemeinschaftsweiten Ex-ante-Benchmarks fest, um sicherzustellen,
         dass durch die Art der Zuteilung Anreize für die Reduzierung von Treibhausgasemissionen und für energieeffiziente Techniken
         geschaffen werden …
      
      In jedem Sektor bzw. Teilsektor wird [die] Benchmark grundsätzlich für die Produkte und nicht für die Einsatzstoffe berechnet,
         um die Treibhausgasemissionsreduktionen und Energieeinsparungen während sämtlicher Produktionsprozesse des betreffenden Sektors
         bzw. Teilsektors zu maximieren.
      
      …
      (2)      Der Ausgangspunkt bei der Festlegung der Grundsätze für die Ex-ante-Benchmarks für die einzelnen Sektoren bzw. Teilsektoren
         ist die Durchschnittsleistung der 10 % effizientesten Anlagen eines Sektors bzw. Teilsektors in der Gemeinschaft in den Jahren
         2007 und 2008. Die Kommission konsultiert die betroffenen Interessenträger einschließlich der betroffenen Sektoren bzw. Teilsektoren.
      
      …“
      7        Art. 11 („Nationale Umsetzungsmaßnahmen“) der Richtlinie 2003/87 lautet:
      
      „(1)      Jeder Mitgliedstaat veröffentlicht und unterbreitet der Kommission bis 30. September 2011 das Verzeichnis der in seinem Hoheitsgebiet
         unter diese Richtlinie fallenden Anlagen und alle den einzelnen Anlagen in seinem Hoheitsgebiet kostenlos zugeteilten Zertifikate,
         die im Einklang mit den Vorschriften gemäß Artikel 10a Absatz 1 und Artikel 10c berechnet wurden. 
      
      (2)      Bis 28. Februar jeden Jahres vergeben die zuständigen Behörden die gemäß den Artikeln 10, 10a und 10c berechnete Menge der
         in dem betreffenden Jahr zuzuteilenden Zertifikate. 
      
      (3)      Die Mitgliedstaaten dürfen Anlagen, deren Eintrag in die in Absatz 1 genannte Liste von der Kommission abgelehnt wurde, keine
         kostenlosen Zertifikate gemäß Absatz 2 zuteilen.“
      
      8        Mit dem Beschluss 2011/278/EU vom 27. April 2011 zur Festlegung EU-weiter Übergangsvorschriften zur Harmonisierung der kostenlosen
         Zuteilung von Emissionszertifikaten gemäß Artikel 10a der Richtlinie 2003/87 (ABl. 2011, L 130, S. 1) hat die Kommission die
         harmonisierten Grundlagen festgelegt, auf denen die Mitgliedstaaten für jedes Jahr die Anzahl der Emissionszertifikate berechnen
         müssen, die jeder auf ihrem Hoheitsgebiet gelegenen Anlage kostenlos zugeteilt werden.
      
      9        In den Erwägungsgründen 4 und 12 des Beschlusses 2011/278 heißt es:
      
      „(4)      Die Kommission hat für Produkte, die im Rahmen der Tätigkeiten gemäß Anhang I der Richtlinie 2003/87/EG hergestellt werden,
         sowie für Zwischenprodukte, die zwischen Anlagen gehandelt werden, so weit wie möglich Benchmarks entwickelt. Grundsätzlich
         sollte für jedes Produkt eine Benchmark festgesetzt werden. …
      
      …
      (12)      Soweit die Berechnung einer Produkt-Benchmark nicht möglich war, jedoch für die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten
         in Frage kommende Treibhausgase entstehen, sollten diese Zertifikate nach allgemeinen Fall-Back-Methoden zugeteilt werden.
         Es wurde eine Hierarchie von drei Fall-Back-Methoden entwickelt, um die THG-Emissionsreduktionen und Energieeinsparungen zumindest
         für Teile der betreffenden Produktionsprozesse zu maximieren. Die Wärme-Benchmark gilt für Wärmeverbrauchsprozesse, bei denen
         ein Träger messbarer Wärme eingesetzt wird. Die Brennstoff-Benchmark findet Anwendung, wenn nicht messbare Wärme verbraucht
         wird. Die Wärme- und Brennstoff-Benchmarkwerte wurden nach den Grundsätzen der Transparenz und Einfachheit und unter Zugrundelegung
         der Bezugsleistung eines gängigen Brennstoffes berechnet, der unter dem Gesichtspunkt der THG-Effizienz und unter Berücksichtigung
         der energieeffizienten Techniken als Brennstoff zweiter Wahl angesehen werden kann. Für Prozessemissionen sollten die Emissionszertifikate
         auf Basis der historischen Emissionen zugeteilt werden. Um sicherzustellen, dass die Anreizwirkung der kostenlosen Zuteilung
         von Zertifikaten für diese Emissionen ausreicht, um THG-Emissionsreduktionen herbeizuführen, und um zu vermeiden, dass Prozessemissionen,
         für die Emissionszertifikate auf Basis der historischen Emissionen zugeteilt werden, und Emissionen innerhalb der Systemgrenzen
         einer Produkt-Benchmark ungleich behandelt werden, sollte die historische Aktivitätsrate jeder Anlage zur Bestimmung der Anzahl
         kostenlos zuzuteilender Emissionszertifikate mit einem Faktor von 0,9700 multipliziert werden.“
      
       Deutsches Recht
      10      In Deutschland wurden die Richtlinie 2003/87 und der Beschluss 2011/278 u. a. durch das Gesetz über den Handel mit Berechtigungen
         zur Emission von Treibhausgasen (Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz) vom 21. Juli 2011 (im Folgenden: TEHG) umgesetzt.
      
      11      § 9 Abs. 5 TEHG sieht vor:
      
      „Bedeutete eine Zuteilung nach den Zuteilungsregeln nach § 10 eine unzumutbare Härte für den Anlagenbetreiber und für ein
         mit diesem verbundenes Unternehmen, das mit seinem Kapital aus handels- oder gesellschaftsrechtlichem Rechtsgrund für die
         wirtschaftlichen Risiken des Anlagenbetriebes einstehen muss, teilt die zuständige Behörde auf Antrag des Betreibers zusätzliche
         Berechtigungen in der für einen Ausgleich angemessenen Menge zu, soweit die Europäische Kommission diese Zuteilung nicht nach
         Artikel 11 Absatz 3 der Richtlinie 2003/87/EG ablehnt.“
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      12      Zum Zeitpunkt des Erlasses des streitigen Beschlusses betrieb Romonta in Deutschland eine Montanwachsfabrik, die dem mit der
         Richtlinie 2003/87 eingeführten System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten unterlag.
      
      13      Auf der Grundlage von § 9 Abs. 5 TEHG nahmen die deutschen Behörden die Anlage von Romonta in das in Art. 11 Abs. 1 der Richtlinie
         2003/87 genannte Verzeichnis auf.
      
      14      Mit dem streitigen Beschluss lehnte die Kommission diese Aufnahme und folglich die entsprechende Zuteilung kostenloser Zertifikate
         ab.
      
      15      Dies wurde im Wesentlichen mit folgenden Erwägungen begründet.
      
      16      Erstens sei im Beschluss 2011/278 die Zuteilung von Zertifikaten, wie sie die Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage
         von § 9 Abs. 5 TEHG vornehmen wolle, nicht vorgesehen.
      
      17      Zweitens habe die Bundesrepublik Deutschland nicht dargelegt, dass die Zuteilung der Zertifikate auf der Grundlage der im
         Beschluss 2011/278 festgelegten Regeln mit Blick auf das von diesem Beschluss angestrebte Ziel der vollständigen Harmonisierung
         der Zuteilungen offensichtlich unangemessen gewesen sei.
      
      18      Drittens würde die Zuteilung zusätzlicher kostenloser Zertifikate an einige Anlagen den Wettbewerb verzerren oder zu verzerren
         drohen und hätte grenzüberschreitende Folgen, da in allen unter die Richtlinie 2003/87 fallenden Sektoren EU-weit gehandelt
         werde.
      
       Klage vor dem Gericht und angefochtenes Urteil
      19      Mit Klageschrift, die am 26. November 2013 bei der Kanzlei des Gerichts einging, beantragte Romonta die Nichtigerklärung des
         streitigen Beschlusses. 
      
      20      Romonta stützte ihre Klage auf drei Klagegründe, mit denen sie erstens einen Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit,
         zweitens eine Verletzung der Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten und des Subsidiaritätsprinzips sowie drittens eine Verletzung
         von Grundrechten geltend machte. Nachdem das Gericht die von der Kommission geltend gemachte Unzulässigkeit der Klage verneint
         hatte, hat es mit dem angefochtenen Urteil diese Klagegründe verworfen und die Klage abgewiesen. 
      
       Anträge der Parteien vor dem Gerichtshof
      21      Die Rechtsmittelführerin beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil aufzuheben,
      –        in der Sache zu entscheiden und den streitigen Beschluss für nichtig zu erklären,
      –        hilfsweise, die Rechtssache an das Gericht zurückzuverweisen, und
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      22      Die Kommission beantragt,
      
      –        das Rechtsmittel zurückzuweisen und
      –        Romonta die Kosten aufzuerlegen.
       Zum Rechtsmittel
      23      Ist das Rechtsmittel oder Anschlussrechtsmittel ganz oder teilweise offensichtlich unzulässig oder offensichtlich unbegründet,
         so kann der Gerichtshof es nach Art. 181 seiner Verfahrensordnung jederzeit auf Vorschlag des Berichterstatters und nach Anhörung
         des Generalanwalts ganz oder teilweise durch mit Gründen versehenen Beschluss zurückweisen.
      
      24      In der vorliegenden Rechtssache ist von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen, da der Gerichtshof mit Urteil vom 22. Juni
         2016, DK Recycling und Roheisen/Kommission (C‑540/14 P, EU:C:2016:469), ein Rechtsmittel zurückgewiesen hat, in dessen Zusammenhang
         er über ähnliche Fragen zu entscheiden hatte.
      
       Vorbemerkungen
      25      Ohne ausdrücklich eine Auswechslung der Begründung des angefochtenen Urteils zu beantragen, macht die Kommission geltend,
         dass das Rechtsmittel, auch wenn es möglich sei, jeden Rechtsmittelgrund einzeln zurückzuweisen, aus einer „grundsätzlicheren“
         Erwägung zurückzuweisen sei.
      
      26      Hierzu trägt sie vor, dass das Gericht in Rn. 53 des angefochtenen Urteils rechtsfehlerhaft entschieden habe, dass die Richtlinie
         2003/87 sie ermächtige, im Beschluss 2011/278 eine kostenlose Zuteilung von Zertifikaten in den Fällen vorzusehen, in denen
         die Anwendung der harmonisierten Regeln dieses Beschlusses für die Betreiber eine „unzumutbare Härte“ bedeuten würde.
      
      27      Da die Kommission jedoch nicht die Aufhebung des angefochtenen Urteils beantragt – und im Übrigen nicht beantragen kann –,
         ist ihr Vorbringen dahin zu verstehen, dass es auf eine Auswechslung der Begründung durch den Gerichtshof abzielt.
      
      28      Wie die Kommission geltend macht, würde nämlich, wenn sich herausstellte, dass ihr die Richtlinie 2003/87, wie sie vorträgt,
         die Zuteilung zusätzlicher kostenloser Zertifikate in „Härtefällen“ nicht gestattete, jeder Rechtsmittelgrund, den Romonta
         im Rahmen des vorliegenden Rechtsmittels hätte geltend machen können, ins Leere gehen.
      
      29      Daher ist dieses Vorbringen der Kommission vor den Rechtsmittelgründen zu prüfen.
      
       Zum Antrag auf Auswechslung der Begründung
       Vorbringen der Parteien
      30      Die Kommission macht geltend, dass sie nach Art. 10a Abs. 1 Unterabs. 1 und 2 der Richtlinie 2003/87 nicht berechtigt gewesen
         sei, in den Beschluss 2011/278 eine Bestimmung aufzunehmen, die die Zuteilung kostenloser Zertifikate an Unternehmen in Härtefällen
         gestatte. Die Kommission beanstandet insoweit die Auslegung des Gerichts in Rn. 53 des angefochtenen Urteils, wonach eine
         Verletzung der Grundrechte und des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit durch diesen Beschluss nicht von vornherein ausgeschlossen
         werden könne, da sie in Ausübung des ihr nach der Richtlinie 2003/87 zustehenden Ermessens die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten
         in Härtefällen hätte vorsehen können.
      
      31      Die Kommission ist vielmehr der Auffassung, dass Art. 10a Abs. 1 der Richtlinie 2003/87 es ihr nicht erlaubt habe, von dem
         Grundsatz abzuweichen, wonach im Bereich der kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten vollständig harmonisierte und EU-weite
         Durchführungsmaßnahmen erlassen werden müssten. Das vom Gesetzgeber angestrebte Ziel bestehe, wie andere Bestimmungen dieser
         Richtlinie sowie der 23. Erwägungsgrund der Richtlinie 2009/29 zeigten, darin, Wettbewerbsverzerrungen in der Union zu minimieren
         und keine Anreize zur Emissionssteigerung zu bieten. Zuteilungsregeln hingegen, die es erlaubten, einer Anlage, die, was ihre
         Produkte betreffe, in jeder Hinsicht mit einer anderen Anlage vergleichbar sei und die sich nur dadurch von ihr unterscheide,
         dass die Anwendung des Systems für den Handel mit Zertifikaten für sie wegen fehlender finanzieller Leistungsfähigkeit eine
         „unzumutbare Härte“ bedeuten würde, zusätzliche Zertifikate zuzuteilen, liefen diesen Zielen zuwider und könnten daher nicht
         als gemeinschaftsweite und vollständig harmonisierte Maßnahmen angesehen werden.
      
      32      Zudem gehöre das Erfordernis gemeinschaftsweiter und vollständig harmonisierter Regeln zu den wesentlichen Bestimmungen der
         Richtlinie 2003/87, die die Kommission gemäß Art. 10a Abs. 1 Unterabs. 2 dieser Richtlinie nicht ändern könne.
      
      33      Der Ausdruck „so weit wie möglich“ in Art. 10a Abs. 1 Unterabs. 3 der Richtlinie 2003/87 räume ihr Flexibilität nur hinsichtlich
         des Regelungsansatzes für die einzelnen Sektoren oder Teilsektoren ein, keineswegs aber für ein bestimmtes Unternehmen.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof 
      –       Zur Zulässigkeit des Antrags auf Auswechslung der Begründung
      34      Die Zulässigkeit eines Antrags auf Auswechslung der Begründung setzt nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs ein Rechtsschutzinteresse
         voraus: Der Antrag muss der Partei, die ihn gestellt hat, im Ergebnis einen Vorteil verschaffen können. Dies kommt in Betracht,
         wenn der Antrag auf Auswechslung der Begründung ein Verteidigungsmittel gegen ein vom Rechtsmittelführer geltend gemachtes
         Angriffsmittel darstellt (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 6. Oktober 2009, GlaxoSmithKline Services u. a./Kommission u. a.,
         C‑501/06 P, C‑513/06 P, C‑515/06 P und C‑519/06 P, EU:C:2009:610, Rn. 23, vom 21. Dezember 2011, Iride/Kommission, C‑329/09 P,
         EU:C:2011:859, Rn. 48 bis 51, sowie vom 11. Juli 2013, Ziegler/Kommission, C‑439/11 P, EU:C:2013:513, Rn. 42).
      
      35      Im vorliegenden Fall zielt der Antrag auf Auswechslung der Begründung auf die Feststellung durch den Gerichtshof ab, dass
         das Gericht rechtsfehlerhaft entschieden hat, dass Art. 10a Abs. 1 der Richtlinie 2003/87 die Kommission ermächtigt habe,
         in den Beschluss 2011/278 eine Härtefallklausel aufzunehmen. Sollte der Gerichtshof diesem Antrag stattgeben, würden die Angriffsmittel,
         mit denen Romonta der Kommission vorwirft, keine solche Bestimmung erlassen zu haben, und dem Gericht zur Last legt, diesen
         Beschluss nicht deshalb für nichtig erklärt zu haben, ins Leere gehen.
      
      36      Daraus folgt, dass der Antrag auf Auswechslung der Gründe, der sich auf mehrere im Rechtsmittelverfahren geltend gemachte
         Argumente auswirken kann, zulässig ist.
      
      –       Zur Begründetheit des Antrags auf Auswechslung der Gründe
      37      Es ist zu untersuchen, ob das Gericht rechtsfehlerfrei entscheiden konnte, dass die Kommission dafür zuständig war, in den
         Beschluss 2011/278 eine Bestimmung aufzunehmen, die die Zuteilung zusätzlicher kostenloser Zertifikate an bestimmte Unternehmen
         erlaubte, für die die Zuteilung der Zertifikate gemäß den in diesem Beschluss vorgesehenen sektorspezifischen Regeln eine
         „unzumutbare Härte“ herbeiführen würde. 
      
      38      Im 45. Erwägungsgrund der Richtlinie 2009/29 wird darauf hingewiesen, dass „die Kommission die Befugnis erhalten [sollte],
         Maßnahmen über die Harmonisierung der Regeln für die übergangsweise gemeinschaftsweite Zuteilung von Zertifikaten … zu treffen“.
         Art. 10a Abs. 1 Unterabs. 2 der Richtlinie 2003/87 stellt klar, dass diese Durchführungsmaßnahmen „zur Änderung nicht wesentlicher
         Bestimmungen“ dieser Richtlinie bestimmt sind.
      
      39      Der Gerichtshof hat bereits entschieden, dass Bestimmungen, deren Erlass politische Entscheidungen erfordert, die in die eigene
         Zuständigkeit des Unionsgesetzgebers fallen, nicht Gegenstand einer Befugnisübertragung sein können und dass folglich die
         von der Kommission erlassenen Durchführungsvorschriften weder die wesentlichen Aspekte einer Grundregelung ändern noch diese
         durch neue wesentliche Aspekte ergänzen können (Urteil vom 5. September 2012, Parlament/Rat, C‑355/10, EU:C:2012:516, Rn. 65
         und 66).
      
      40      Die Bestimmung der Aspekte einer Materie, die als „wesentlich“ einzustufen sind, muss sich nach objektiven Gesichtspunkten
         richten, die Gegenstand einer gerichtlichen Kontrolle sein können, und verlangt, die Merkmale und die Besonderheiten des betreffenden
         Sachgebiets zu berücksichtigen (Urteil vom 10. September 2015, Parlament/Rat, C‑363/14, EU:C:2015:579, Rn. 47).
      
      41      Was die Aspekte der Richtlinie 2003/87 betrifft, die als „wesentlich“ im Sinne der Bestimmungen und der Rechtsprechung, die
         in den Rn. 39 bis 41 des vorliegenden Beschlusses angeführt werden, anzusehen sind, ist hervorzuheben, dass das Hauptziel
         dieser Richtlinie zwar darin besteht, Treibhausgasemissionen erheblich zu verringern, dass dieses Ziel aber unter Einhaltung
         einer Reihe von Unterzielen erreicht werden soll. Dabei handelt es sich, wie aus den Erwägungsgründen 5 und 7 dieser Richtlinie
         hervorgeht, u. a. um den Schutz der wirtschaftlichen Entwicklung, der Beschäftigungslage, der Integrität des Binnenmarkts
         und der Wettbewerbsbedingungen (Urteile vom 29. März 2012, Kommission/Polen, C‑504/09 P, EU:C:2012:178, Rn. 77, und Kommission/Estland,
         C‑505/09 P, EU:C:2012:179, Rn. 79, sowie vom 17. Oktober 2013, Iberdrola u. a., C‑566/11, C‑567/11, C‑580/11, C‑591/11, C‑620/11
         und C‑640/11, EU:C:2013:660, Rn. 43).
      
      42      Die wiederholte Nennung des Unterziels des Schutzes der Wettbewerbsbedingungen im Binnenmarkt nicht nur in den Erwägungsgründen 5
         und 7 der Richtlinie 2003/87, sondern auch in den Erwägungsgründen 8 und 15 der Richtlinie 2009/29 zeigt, dass dieses Unterziel
         im System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten wesentlich ist.
      
      43      Speziell zu den Übergangsregeln für die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten ist festzustellen, dass der 23. Erwägungsgrund
         der Richtlinie 2009/29 auch das Erfordernis vorsieht, Wettbewerbsverzerrungen in der Gemeinschaft zu minimieren. Dort heißt
         es, dass zu diesem Zweck die übergangsweise kostenlose Zuteilung von Zertifikaten im Wege harmonisierter Gemeinschaftsvorschriften
         gestattet werden sollte.
      
      44      Der Gesetzgeber hat also in Art. 10a Abs. 1 der Richtlinie 2003/87 zum einen das Gebot vollständiger Harmonisierung betont,
         indem er vorsah, dass „[d]ie Kommission … gemeinschaftsweite und vollständig harmonisierte Durchführungsmaßnahmen für die
         Zuteilung der … Zertifikate [erlässt]“, und zum anderen der Kommission vorgegeben, nach welchen Kriterien die Harmonisierung
         vorgenommen werden soll, nämlich im Wesentlichen auf der Grundlage der Benchmarks für die einzelnen Sektoren und Teilsektoren.
      
      45      Indem er eine solche, auf einer sektorspezifischen Grundlage vollständig harmonisierte Methode für die Zuteilung kostenloser
         Zertifikate vorsah, hat der Gesetzgeber das wesentliche Erfordernis konkretisiert, Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt
         zu minimieren.
      
      46      Daher kann die Kommission keine nicht vollständig harmonisierten und sektorspezifischen Regeln für die kostenlose Zuteilung
         von Zertifikaten vorsehen, ohne diesem Erfordernis zuwiderzuhandeln und damit einen wesentlichen Aspekt der Richtlinie 2003/87
         zu verändern.
      
      47      Es steht jedoch außer Zweifel, dass es gegen den Grundsatz einer harmonisierten und sektorspezifischen Zuteilung der kostenlosen
         Zertifikate verstoßen hätte, wenn die Kommission eine Bestimmung in den Beschluss 2011/278 aufgenommen hätte, wonach bestimmten
         Unternehmen, für die die Umsetzung der in diesem Beschluss vorgesehenen sektorspezifischen Kriterien eine „unzumutbare Härte“
         bedeuten würde, kostenlose Zertifikate zugeteilt werden können, da damit zwangsläufig eine einzelfallbezogene Vorgehensweise
         verbunden gewesen wäre, bei der auf die besonderen und individuellen Umstände der einzelnen von einer solchen „besonderen
         Härte“ betroffenen Betreiber abgestellt wird. Eine solche Bestimmung wäre daher geeignet gewesen, einen wesentlichen Aspekt
         der Richtlinie 2003/87 zu ändern, und hätte damit das mit der Richtlinie geschaffene System in Frage gestellt.
      
      48      Unter diesen Umständen hat das Gericht in Rn. 53 des angefochtenen Urteils rechtsfehlerhaft entschieden, dass die Kommission
         nach Art. 10a Abs. 1 der Richtlinie 2003/87 befugt gewesen wäre, eine solche Bestimmung aufzunehmen.
      
      49      Diese Schlussfolgerung kann nicht durch die in Art. 10a Abs. 1 Unterabs. 3 und 4 der Richtlinie 2003/87 gebrauchten Wendungen
         „so weit wie möglich“ und „grundsätzlich“ in Frage gestellt werden. Zwar räumen diese Wendungen der Kommission einen gewissen
         Spielraum bei der Bestimmung der Ex-ante-Benchmarks in den Fällen ein, in denen es nicht möglich ist, auf eine auf der Grundlage der Produkte berechnete Benchmark
         zurückzugreifen, sie sollen ihr jedoch nicht die Möglichkeit eröffnen, vom Grundsatz einer harmonisierten und sektorspezifischen
         Zuteilung der Zertifikate abzuweichen. Im Übrigen lässt sich durch eine systematische Auslegung dieser Wendungen, sofern es
         dessen noch bedarf, die Auslegung bestätigen, wonach die Festlegung der Ex-ante-Benchmarks „für die einzelnen Sektoren bzw. Teilsektoren“ vorzunehmen ist, da dies der in Art. 10a Abs. 2 der Richtlinie
         2003/87 verwendete Wortlaut ist.
      
      50      Demnach hat das Gericht die Klage von Romonta zu Unrecht unter Zugrundelegung der Prämisse abgewiesen, dass die Kommission
         eine Bestimmung hätte erlassen dürfen, die die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten in „Härtefällen“ vorsieht, anstatt lediglich
         festzustellen, dass die Kommission jedenfalls nicht für den Erlass einer solchen Bestimmung zuständig war.
      
      51      Folglich ist dem Antrag auf Auswechslung der Begründung stattzugeben.
      
       Zur Begründetheit des Rechtsmittels
      52      Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass die Rechtsmittelgründe, mit denen Romonta rügt, das Gericht habe das Fehlen einer Bestimmung
         im Beschluss 2011/278, die die kostenlose Zuteilung zusätzlicher Zertifikate in Härtefällen vorsehe, nicht beanstandet, ins
         Leere gehen und damit zurückzuweisen sind (vgl. entsprechend Urteil vom 22. Juni 2016, DK Recycling und Roheisen/Kommission,
         C‑540/14 P, EU:C:2016:469, Rn. 60).
      
      53      Folglich ist das Rechtsmittel als offensichtlich unbegründet zurückzuweisen.
      
       Kosten
      54      Nach Art. 184 Abs. 2 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs entscheidet dieser über die Kosten, wenn das Rechtsmittel unbegründet
         ist.
      
      55      Nach Art. 138 Abs. 1 der Verfahrensordnung, der gemäß ihrem Art. 184 Abs. 1 auf das Rechtsmittelverfahren Anwendung findet,
         ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
      
      56      Da die Rechtsmittelführerin mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr entsprechend dem Antrag der Kommission neben ihren
         eigenen Kosten die Kosten der Kommission aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Sechste Kammer) beschlossen: 
      1.      Das Rechtsmittel wird zurückgewiesen.
      2.      Die Romonta GmbH trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten der Europäischen Kommission.
      Unterschriften 
      * Verfahrenssprache: Deutsch.