CELEX: 62003CJ0515
Language: de
Date: 2005-07-21
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 21. Juli  2005. # Eichsfelder Schlachtbetrieb GmbH gegen Hauptzollamt Hamburg-Jonas. # Ersuchen um Vorabentscheidung: Finanzgericht Hamburg - Deutschland. # Landwirtschaft - Gemeinsame Marktorganisation - Ausfuhrerstattungen - Voraussetzungen für die Gewährung - Einfuhr des Erzeugnisses in das Bestimmungsdrittland - Begriff -Zollförmlichkeiten für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem Drittland - Wesentliche Be- oder Verarbeitung - Wiedereinfuhr in die Gemeinschaft - Rechtsmissbrauch. # Rechtssache C-515/03.

Rechtssache C-515/03
      Eichsfelder Schlachtbetrieb GmbH
      gegen
      Hauptzollamt Hamburg-Jonas
      (Vorabentscheidungsersuchen des Finanzgerichts Hamburg)
      „Landwirtschaft – Gemeinsame Marktorganisation – Ausfuhrerstattungen – Voraussetzungen für die Gewährung – Einfuhr des Erzeugnisses in das Bestimmungsdrittland – Begriff –Zollförmlichkeiten für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem Drittland – Wesentliche Be- oder Verarbeitung – Wiedereinfuhr in die Gemeinschaft – Rechtsmissbrauch“
      Schlussanträge des Generalanwalts D. Ruiz-Jarabo Colomer vom 25. Mai 2005 
      Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 21. Juli 2005 
      Leitsätze des Urteils
      Landwirtschaft — Gemeinsame Marktorganisation — Ausfuhrerstattungen — Differenzierte Erstattung — Nach Erfüllung der Zollförmlichkeiten
            für die Abfertigung zum freien Verkehr in einem Drittland wieder in die Gemeinschaft zurückverbrachte Erzeugnisse — Anspruch
            auf Gewährung einer differenzierten Ausfuhrerstattung — Voraussetzung — Wesentliche Be- oder Verarbeitung des Erzeugnisses
            — Ausnahme — Vorliegen von Anhaltspunkten für ein missbräuchliches Verhalten — Prüfung durch das nationale Gericht
      (Verordnung Nr. 2913/92 des Rates, Artikel 24; Verordnungen Nr. 3665/87, Artikel 17 Absatz 3, und Nr. 1384/95)
      Die Bedingung für den Erhalt einer differenzierten Ausfuhrerstattung, die in Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87
         über gemeinsame Durchführungsvorschriften für Ausfuhrerstattungen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen in der durch die Verordnung
         Nr. 1384/95 insbesondere hinsichtlich der Anpassungen zur Umsetzung des Übereinkommens über die Landwirtschaft im Rahmen der
         Uruguay-Runde geänderten Fassung aufgestellt wird, nämlich die Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Abfertigung des fraglichen
         Erzeugnisses zum freien Verkehr im Bestimmungsdrittland, ist erfüllt, wenn dieses Erzeugnis nach Entrichtung der Einfuhrabgaben
         in diesem Land dort einer wesentlichen Be- oder Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 der Verordnung Nr. 2913/92 zur Festlegung
         des Zollkodex der Gemeinschaften unterzogen wird, auch wenn das aus dieser Be- oder Verarbeitung stammende Erzeugnis anschließend
         unter Rückvergütung der in diesem Land entrichteten Zölle und Zahlung der Eingangsabgaben der Gemeinschaft wieder in die Gemeinschaft
         zurückverbracht wird.
      
      Wenn nämlich die spätere Rückvergütung der entrichteten Zölle an einen anderen Wirtschaftsteilnehmer als den Exporteur zur
         Folge hätte, dass die Rechtsgrundlage für die Ausfuhrerstattung rückwirkend entfiele, so würde dies eine Rechtsunsicherheit
         für den Exporteur bedeuten, die im Hinblick auf den Grundsatz der Rechtssicherheit fragwürdig wäre; sein Anspruch auf Erstattungen
         hinge von Ereignissen und wirtschaftlichen Verhaltensweisen ab, die nicht in seiner Macht stünden.
      
      Diese Situation muss aber von einem Sachverhalt abgegrenzt werden, bei dem der Exporteur selbst an einem missbräuchlichen
         Verhalten beteiligt gewesen ist, in welchem Fall jedoch die Rückzahlung der Ausfuhrerstattung angeordnet werden kann, wenn
         das nationale Gericht zu der Auffassung gelangt, dass der Nachweis des missbräuchlichen Verhaltens erbracht worden ist.
      
      (vgl. Randnrn. 36, 41 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Dritte Kammer)
      21. Juli 2005(*)
      
      „Landwirtschaft – Gemeinsame Marktorganisation – Ausfuhrerstattungen – Voraussetzungen für die Gewährung – Einfuhr des Erzeugnisses in das Bestimmungsdrittland – Begriff –Zollförmlichkeiten für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem Drittland – Wesentliche Be- oder Verarbeitung – Wiedereinfuhr in die Gemeinschaft – Rechtsmissbrauch“
      In der Rechtssache C‑515/03
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Artikel 234 EG, eingereicht vom Finanzgericht Hamburg (Deutschland) mit Entscheidung
         vom 12. November 2003, beim Gerichtshof eingegangen am 9. Dezember 2003, in dem Verfahren
      
      Eichsfelder Schlachtbetrieb GmbH
      gegen
      Hauptzollamt Hamburg-Jonas
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas sowie der Richter J.‑P. Puissochet (Berichterstatter), S. von Bahr, J. Malenovský
         und U. Lõhmus,
      
      Generalanwalt: D. Ruiz-Jarabo Colomer,
      Kanzler: K. Sztranc, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 17. März 2005,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –       der Eichsfelder Schlachtbetrieb GmbH, vertreten durch die Rechtsanwälte U. Schrömbges und O. Wenzlaff,
      –       des Hauptzollamts Hamburg-Jonas, vertreten durch M. Blaesing als Bevollmächtigten,
      –       der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch G. Braun als Bevollmächtigten,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 25. Mai 2005
      folgendes
      Urteil
      1       Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 3665/87 der Kommission
         vom 27. November 1987 über gemeinsame Durchführungsvorschriften für Ausfuhrerstattungen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen
         (ABl. L 351, S. 1) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1384/95 der Kommission vom 19. Juni 1995 (ABl. L 134, S. 14) insbesondere
         hinsichtlich der Anpassungen zur Umsetzung des Übereinkommens über die Landwirtschaft im Rahmen der Uruguay-Runde geänderten
         Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 3665/87). 
      
      2       Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der Eichsfelder Schlachtbetrieb GmbH (im Folgenden: Eichsfelder)
         und dem Hauptzollamt Hamburg-Jonas (im Folgenden: Hauptzollamt) wegen Ausfuhrerstattungen für Rindfleisch, das Eichsfelder
         aus Deutschland nach Polen ausgeführt hatte.
      
       Gemeinschaftsrecht
      3       Artikel 4 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3665/87 lautet:
      „Unbeschadet der Artikel 5 und 16 ist die Zahlung der Ausfuhrerstattung von dem Nachweis abhängig, dass die Erzeugnisse, für
         welche die Ausfuhrerklärung angenommen wurde, spätestens sechzig Tage nach dieser Annahme das Zollgebiet der Gemeinschaft
         in unverändertem Zustand verlassen haben.“
      
      4       Artikel 5 Absatz 1 der Verordnung bestimmt:
      „Außer von der Voraussetzung, dass das Erzeugnis das Zollgebiet der Gemeinschaft verlassen hat, ist die Zahlung der einheitlichen
         oder unterschiedlichen Erstattung davon abhängig, dass das Erzeugnis innerhalb einer Frist von zwölf Monaten nach Annahme
         der Ausfuhranmeldung in ein Drittland eingeführt wurde, es sei denn, dass es im Laufe der Beförderung infolge höherer Gewalt
         untergegangen ist,
      
      a)      wenn ernste Zweifel am Erreichen der tatsächlichen Bestimmung des Erzeugnisses bestehen 
      oder
      b)      wenn bei dem Erzeugnis aufgrund des Unterschieds zwischen dem für das ausgeführte Erzeugnis anzuwendenden Erstattungsbetrag
         und den für ein gleichartiges Erzeugnis zum Zeitpunkt der Annahme der Ausfuhranmeldung geltenden Eingangsabgaben die Möglichkeit
         besteht, dass es in die Gemeinschaft wieder eingeführt wird.
      
      …
      In den im vorigen Unterabsatz genannten Fällen finden Artikel 17 Absatz 3 und Artikel 18 Anwendung.
      Außerdem können die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten zusätzliche Beweismittel fordern, mit denen ihnen gegenüber nachgewiesen
         werden kann, dass das betreffende Erzeugnis tatsächlich in unverändertem Zustand auf den Markt des einführenden Drittlandes
         gelangt ist.“
      
      5       Die Artikel 16 bis 18 der Verordnung Nr. 3665/87 legen weitere Bedingungen für die Erzeugnisse fest, für die ein Anspruch
         auf differenzierte Erstattung je nach Bestimmung besteht, insbesondere was den Nachweis der Erfüllung der Förmlichkeiten für
         die Abfertigung zum freien Verkehr im Einfuhrdrittland anbelangt.
      
      6       Zur Zahlung der Erstattung sieht Artikel 17 der Verordnung vor:
      „(1) Das Erzeugnis muss in unverändertem Zustand in das Drittland oder in eines der Drittländer, für welche die Erstattung
         vorgesehen ist, innerhalb einer Frist von zwölf Monaten nach Annahme der Ausfuhranmeldung, die gemäß den Bedingungen von Artikel
         47 verlängert werden kann, eingeführt worden sein.
      
      …
      (3) Das Erzeugnis gilt als eingeführt, wenn die Zollförmlichkeiten für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem betreffenden
         Drittland erfüllt sind.“
      
      7       Nach Artikel 11 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87 hat der Begünstigte, wenn eine Erstattung zu Unrecht gewährt wird, den
         zu Unrecht erhaltenen Betrag – einschließlich aller nach Absatz 1 Unterabsatz 1 dieses Artikels fälligen Sanktionen – zuzüglich
         Zinsen zurückzuzahlen.
      
      8       Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften
         (ABl. L 302, S. 1, im Folgenden: Zollkodex) lautet:
      
      „Eine Ware, an deren Herstellung zwei oder mehrere Länder beteiligt waren, ist Ursprungsware des Landes, in dem sie der letzten
         wesentlichen und wirtschaftlich gerechtfertigten Be- oder Verarbeitung unterzogen worden ist, die in einem dazu eingerichteten
         Unternehmen vorgenommen worden ist und zur Herstellung eines neuen Erzeugnisses geführt hat oder eine bedeutende Herstellungsstufe
         darstellt.“ 
      
      9       Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 3665/87, der durch die Verordnung (EG) Nr. 313/97 der Kommission vom 20. Februar 1997
         (ABl. L 51, S. 31) in die Verordnung eingefügt wurde, sieht vor:
      
      „Wird festgestellt, dass die ausgeführten Erzeugnisse wieder in die Gemeinschaft eingeführt werden
      –       nach einer Be‑ oder Verarbeitung in einem Drittland, die nicht den in Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 vorgesehenen
         Verarbeitungsgrad erreicht, und
      
      –       ein auf Null festgesetzter oder verringerter Einfuhrzollsatz angewandt wird,
      wird keine Erstattung gewährt oder die gewährte Erstattung ist vom Ausführer nach Aufforderung des zahlenden Mitgliedstaats
         zurückzuzahlen.
      
      Dieser Absatz gilt nur für die in Anhang V genannten, in unverändertem Zustand ausgeführten Erzeugnisse [zu denen Rindfleisch
         zählt]. Stellen die Mitgliedstaaten fest, dass bei anderen als den in Anhang V genannten Erzeugnissen Verkehrsverlagerungen
         drohen, setzen sie die Kommission davon unverzüglich in Kenntnis.
      
      …“
      10     Artikel 20 Absatz 4 der Verordnung (EG) Nr. 800/1999 der Kommission vom 15. April 1999 über gemeinsame Durchführungsvorschriften
         für Ausfuhrerstattungen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen (ABl. L 102, S. 11) bestimmt:
      
      „Die Erstattung gilt … als zu Unrecht gewährt und ist zurückzuzahlen, wenn die zuständigen Behörden, gegebenenfalls auch nach
         erfolgter Zahlung, feststellen, dass
      
      …
      d)      die ausgeführten, in Anhang V genannten Erzeugnisse wieder in die Gemeinschaft eingeführt werden,
      –       nachdem sie einer Be‑ oder Verarbeitung in einem Drittland unterzogen wurden, die nicht den in Artikel 24 der Verordnung (EWG)
         Nr. 2913/92 vorgesehenen Verarbeitungsgrad erreicht, und
      
      –       eine gegenüber der nicht präferenziellen Abgabe verringerte oder auf Null festgesetzte Einfuhrabgabe angewandt wird.
      …“
      11     Zu dem im Ausgangsverfahren maßgeblichen Zeitpunkt waren die in den beiden vorstehenden Randnummern dieses Urteils aufgeführten
         Bestimmungen noch nicht in Kraft.
      
      12     Artikel 146 Absatz 1 des Zollkodex bestimmt:
      „Der passive Veredelungsverkehr ist nicht zulässig für Gemeinschaftswaren,
      …
      –       deren Ausfuhr zur Gewährung von Ausfuhrerstattungen führt oder für die aufgrund ihrer Ausfuhr im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik
         ein anderer finanzieller Vorteil als diese Erstattungen gewährt wird.“
      
      13     Artikel 4 Absatz 3 der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 2988/95 des Rates vom 18. Dezember 1995 über den Schutz der finanziellen
         Interessen der Europäischen Gemeinschaften (ABl. L 312, S. 1) sieht vor:
      
      „Handlungen, die nachgewiesenermaßen die Erlangung eines Vorteils, der den Zielsetzungen der einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften
         zuwiderläuft, zum Ziel haben, indem künstlich die Voraussetzungen für die Erlangung dieses Vorteils geschaffen werden, haben
         zur Folge, dass der betreffende Vorteil nicht gewährt bzw. entzogen wird.“ 
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefrage
      14     Eichsfelder führte 20 134 kg Rindfleisch ohne Knochen nach Polen aus. Die Einfuhr der Ware, die an die Appelt GmbH verkauft
         worden war, nach Polen machte die Zahlung von Zollabgaben erforderlich. Eichsfelder beantragte beim Hauptzollamt die Gewährung
         einer Ausfuhrerstattung für diese Ware und legte als Nachweis über die Abfertigung zum freien Verkehr in Polen die Kopie eines
         Zolldokuments vom 30. Dezember 1995 vor. Mit Bescheid vom 1. Februar 1996 gewährte das Hauptzollamt Eichsfelder eine differenzierte
         Ausfuhrerstattung in Höhe von 36 653,23 DM.
      
      15     In Polen wurden aus dem Rindfleisch Rouladen hergestellt, die anschließend gemäß einem Vertrag vom 3. Oktober 1995 zwischen
         dem Hersteller der Rouladen und der Appelt GmbH nach Deutschland ausgeführt wurden. Bei der Einfuhr in die Gemeinschaft wurden
         die normalen Zollabgaben entrichtet. Danach wurden die Zollabgaben für das nach Polen eingeführte Rindfleisch auf Antrag des
         Herstellers der Rouladen vom polnischen Zollamt erstattet.
      
      16     Mit Berichtigungsbescheid vom 27. Oktober 1999 stellte das Hauptzollamt fest, dass Ermittlungen der polnischen Behörden ergeben
         hätten, dass die Ware, für die die Ausfuhrerstattungen gezahlt worden waren, nach der im Vertrag vom 3. Oktober 1995 vorgesehenen
         Verarbeitung nach Deutschland ausgeführt worden sei. Das Hauptzollamt vertrat daher die Ansicht, dass die Ware letztlich nicht
         nach Polen ausgeführt worden sei, und forderte die gewährte Ausfuhrerstattung in Höhe von 18 740,50 Euro von Eichsfelder zurück.
      
      17     Eichsfelder legte gegen diesen Bescheid Einspruch ein, der vom Hauptzollamt mit Entscheidung vom 21. Oktober 2002 zurückgewiesen
         wurde. Gegen diese Entscheidung erhob Eichsfelder am 26. November 2002 Klage beim Finanzgericht Hamburg.
      
      18     Vor diesem Gericht machte Eichsfelder u. a. geltend, dass die Ware, für die die Ausfuhrerstattung gezahlt worden sei, in Polen
         einer wesentlichen Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex unterzogen worden sei und dass daher der Erstattungsanspruch
         gegeben sei, unabhängig davon, in welchem Zollregime die Verarbeitung stattgefunden habe. Der Anspruch könne selbst dann nicht
         in Frage gestellt werden, wenn die Ware im Rahmen eines Veredelungsverkehrs verarbeitet und wieder nach Deutschland ausgeführt
         worden wäre.
      
      19     Das Hauptzollamt trug dagegen vor dem Finanzgericht Hamburg vor, dass die einzelnen Schritte der Überführung der Ware in den
         freien Verkehr, also die Ausfuhr nach Polen, die Verarbeitung zu Rouladen und die Ausfuhr nach Deutschland unter Rückvergütung
         der polnischen Zollabgaben, als Veredelungsverkehr angesehen werden müssten, der bereits beim Abschluss des Vertrages vom
         3. Oktober 1995 vereinbart worden sei. Waren, die sich in einem Veredelungsverfahren befänden, seien aber nicht in den freien
         Verkehr übergeführt worden. Da das Charakteristikum der Ausfuhr fehle, habe Eichsfelder keinen Anspruch auf die ihr gewährte
         Erstattung.
      
      20     Das Finanzgericht Hamburg ist der Ansicht, dass es angesichts der Wiederausfuhr der Ware in die Gemeinschaft kurz nach ihrer
         Einfuhr nach Polen und der Rückvergütung der polnischen Zollabgaben zweifelhaft sei, ob die Ware nach Polen eingeführt worden
         sei, um sie dort in den Verkehr zu bringen. Möglicherweise sei das Ziel der Ausfuhrerstattung nicht erreicht worden. 
      
      21     Eine andere Beurteilung könnte sich aus dem Umstand ergeben, dass die Erstattungsware in einem Drittland einer unumkehrbaren
         und im Sinne des Artikels 24 des Zollkodex wesentlichen Be‑ oder Verarbeitung unterzogen worden sei. In diesem Fall könnte
         man zu dem Schluss gelangen, dass die Ware als solche aufgrund dieser Be‑ oder Verarbeitung nicht mehr existiere, was ihre
         missbräuchliche Wiedereinfuhr in die Gemeinschaft unmöglich gemacht hätte. Diese Auslegung, die der Gerichtshof im Urteil
         vom 17. Oktober 2000 in der Rechtssache C‑114/99 (Roquette Frères, Slg. 2000, I‑8823) im Fall von einheitlichen Erstattungen
         vertreten habe, könne auf den vorliegenden Fall übertragen werden, bei dem es sich um einen Rechtsstreit über eine differenzierte
         Erstattung handele.
      
      22     Eine solche Auslegung werde dadurch bestätigt, dass nach den Ereignissen des Ausgangsverfahrens Bestimmungen erlassen worden
         seien, die ausdrücklich vorsähen, dass die Erstattung zu Unrecht gewährt worden sei, wenn die zuständigen Behörden feststellten,
         dass die ausgeführten Erzeugnisse wieder in die Gemeinschaft eingeführt würden, ohne dass sie einer wesentlichen Be- oder
         Verarbeitung im Sinne des Artikels 24 des Zollkodex unterzogen worden seien, und dass auf die Erzeugnisse eine gegenüber der
         nicht präferenziellen Abgabe verringerte oder auf null festgesetzte Einfuhrabgabe angewandt werde.
      
      23     Dies sei der Zweck des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 3665/87 in der Fassung der Verordnung Nr. 313/97 und des Artikels
         20 Absatz 4 Buchstabe d der Verordnung Nr. 800/1999. Da diese Bestimmungen der Missbrauchsbekämpfung in der Gemeinschaft dienten,
         dürften sie bei der Auslegung des zur Zeit der Ereignisse des Ausgangsverfahrens geltenden Rechts zu berücksichtigen sein.
         Würden diese Bestimmungen auf den Rechtsstreit angewandt, so schiede eine Rückforderung der Ausfuhrerstattungen aus, da die
         fragliche Ware in Polen wesentlich verarbeitet und unter Erhebung der normalen Eingangsabgaben wieder in die Gemeinschaft
         eingeführt worden sei.
      
      24     Unter diesen Umständen hat das Finanzgericht Hamburg beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Frage
         zur Vorabentscheidung vorzulegen:
      
      Ist Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr. 3665/87 in der Fassung der Verordnung (EG) Nr. 1384/95 dahin auszulegen,
         dass ein Erzeugnis als eingeführt gilt, wenn es nach Abfertigung zum freien Verkehr im Drittland einer wesentlichen Be‑ oder
         Verarbeitung im Sinne des Artikels 24 der Verordnung (EG) Nr. 2913/92 unterzogen und sodann unter Zollrückvergütung und Zahlung
         der normalen Eingangsabgaben in die Gemeinschaft zurückverbracht wird?
      
       Zur Vorlagefrage
      25     Mit seiner Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob die in Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87 aufgestellte
         Bedingung für den Erhalt einer differenzierten Ausfuhrerstattung, nämlich die Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Abfertigung
         des fraglichen Erzeugnisses zum freien Verkehr im Bestimmungsdrittland, erfüllt ist, wenn dieses Erzeugnis nach Entrichtung
         der Einfuhrabgaben in diesem Land dort einer wesentlichen Be‑ oder Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex unterzogen
         und anschließend unter Rückvergütung der in diesem Land entrichteten Zölle und Zahlung der Eingangsabgaben der Gemeinschaft
         wieder in die Gemeinschaft zurückverbracht wird.
      
      26     Das System der differenzierten Ausfuhrerstattungen hat das Ziel, die Märkte der in Betracht kommenden Drittländer für den
         Gemeinschaftsexport zu erschließen oder zu erhalten; die Differenzierung des Erstattungsbetrags hat zum Ziel, die Besonderheiten
         der jeweiligen Einfuhrmärkte, auf denen die Gemeinschaft eine Rolle spielen will, zu berücksichtigen (Urteile vom 2. Juni
         1976 in der Rechtssache 125/75, Milch-, Fett- und Eier-Kontor, Slg. 1976, 771, Randnr. 5, vom 11. Juli 1984 in der Rechtssache
         89/83, Dimex, Slg. 1984, 2815, Randnr. 8, und vom 9. August 1994 in der Rechtssache C‑347/93, Boterlux, Slg. 1994, I‑3933,
         Randnr. 18).
      
      27     Der Zweck des Differenzierungssystems bei der Erstattung würde verkannt, wenn es für die Zahlung eines höheren Erstattungssatzes
         ausreichte, dass die Ware lediglich abgeladen worden ist, ohne den Markt des Bestimmungsgebiets zu erreichen. Aus diesem Grund
         macht Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87 die Zahlung der differenzierten Erstattung von der Erfüllung der Zollförmlichkeiten
         für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem Drittland abhängig, da die Erfüllung dieser Förmlichkeiten dem Erzeugnis im
         Prinzip den tatsächlichen Zugang zum Markt des Bestimmungsgebiets garantiert (vgl. in diesem Sinne Urteil Dimex, Randnrn.
         9 und 10).
      
      28     Die Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Einfuhr des betreffenden Erzeugnisses besteht insbesondere in der Zahlung der
         geltenden Einfuhrzölle, die, wenn sie durch die Einfuhrzolldokumente nachgewiesen wird, eine Gewähr dafür bietet, dass das
         Erzeugnis im Bestimmungsland angekommen ist. Dies ergibt sich im Übrigen aus der siebzehnten Begründungserwägung der Verordnung
         Nr. 800/1999, die zwar zur Zeit der Ereignisse des Ausgangsrechtsstreits noch nicht in Kraft war, die aber insoweit den Umfang
         des in Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87 aufgestellten Erfordernisses der Erfüllung der Zollförmlichkeiten für
         die Abfertigung zum freien Verkehr nur bekräftigt (vgl. in diesem Sinne zum Rückgriff auf bestimmte Vorschriften der Verordnung
         Nr. 800/1999 Urteil Roquette Frères, Randnr. 20).
      
      29     Die Verordnung Nr. 3665/87 sieht vor, dass das in Artikel 17 Absatz 3 aufgestellte Erfordernis in bestimmten Fällen auch für
         einheitliche Erstattungen gelten kann. In ihrer vierten Begründungserwägung heißt es: „Bestimmte Ausfuhren können zu Missbräuchen
         Anlass geben. Um diese zu verhindern, ist die Zahlung der Erstattung bei solchen Ausfuhren außer von der Bedingung, dass das
         Erzeugnis das Zollgebiet der Gemeinschaft verlassen hat, auch von der Bedingung abhängig zu machen, dass das Erzeugnis in
         ein Drittland eingeführt und – gegebenenfalls – dort tatsächlich in den Verkehr gebracht worden ist.“
      
      30     Artikel 5 Absatz 1 der Verordnung regelt daher zwei Fälle, in denen die Zahlung einer einheitlichen oder differenzierten Erstattung
         von der Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Abfertigung des fraglichen Erzeugnisses zum freien Verkehr in dem Bestimmungsdrittland
         abhängig ist:
      
      –       wenn ernste Zweifel am Erreichen der tatsächlichen Bestimmung des Erzeugnisses bestehen und
      –       wenn bei dem Erzeugnis aufgrund des Unterschieds zwischen dem für das ausgeführte Erzeugnis anzuwendenden Erstattungsbetrag
         und den für ein gleichartiges Erzeugnis zum Zeitpunkt der Annahme der Ausfuhranmeldung geltenden Eingangsabgaben die Möglichkeit
         besteht, dass es wieder in die Gemeinschaft eingeführt wird.
      
      31     Auf ein Vorabentscheidungsersuchen zur Auslegung von Artikel 5 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3665/87 hat der Gerichtshof entschieden,
         dass ein Missbrauch durch die Wiedereinfuhr des zuvor exportierten Erzeugnisses in die Gemeinschaft nicht vorliegen kann,
         wenn das Erzeugnis einer wesentlichen und unumkehrbaren Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex unterzogen worden
         ist, die dazu geführt hat, dass es als solches nicht mehr existiert und ein neues Erzeugnis geschaffen worden ist, das unter
         eine andere Tarifposition fällt. In einer solchen Situation kann die Zahlung einer Ausfuhrerstattung von den zuständigen Behörden
         der Mitgliedstaaten von dem Erfordernis abhängig gemacht werden, zusätzliche Beweise vorzulegen, mit denen nachgewiesen werden
         kann, dass das betreffende Erzeugnis, das einer solchen Verarbeitung unterzogen wurde, tatsächlich in unverändertem Zustand
         auf den Markt des einführenden Drittlandes gelangt ist (vgl. in diesem Sinne Urteil Roquette Frères, Randnrn. 18 bis 21).
      
      32     Bei dieser Auslegung hat der Gerichtshof Artikel 20 der Verordnung Nr. 800/1999 berücksichtigt, obwohl diese erst nach den
         Ereignissen im Ausgangsverfahren in Kraft getreten ist. Dieser Artikel sieht in seinem Absatz 4 insbesondere vor, dass die
         Erstattung u. a. dann als zu Unrecht gewährt gilt, wenn das Erzeugnis wieder in die Gemeinschaft eingeführt wird, ohne dass
         es einer wesentlichen Be‑ oder Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex unterzogen wurde. Nach Ansicht des Gerichtshofes
         kann nämlich nach dieser Bestimmung der Verdacht auf Wiedereinfuhr dadurch entkräftet werden, dass das Erzeugnis, für das
         eine einheitliche Erstattung gewährt werde, einer wesentlichen Be‑ oder Verarbeitung unterzogen worden sei (vgl. Urteil Roquette
         Frères, Randnr. 20).
      
      33     Aus den vorstehenden Überlegungen ergibt sich Folgendes:
      –       Nach Zahlung der Einfuhrzölle im Bestimmungsdrittland, die durch ein Zolldokument der zuständigen Zollbehörden nachzuweisen
         ist, gilt ein Erzeugnis als in dieses Land eingeführt.
      
      –       Die wesentliche Be- oder Verarbeitung des Erzeugnisses im Drittland im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex beweist, dass dieses
         Erzeugnis im Drittland verwertet wurde und dass es tatsächlich Zugang zum Markt des Bestimmungsgebiets gefunden hat, indem
         es dort zum freien Verkehr abgefertigt wurde.
      
      –       Eine derartige Be- oder Verarbeitung, durch die ein neues Erzeugnis geschaffen wurde, beseitigt die Gefahr einer missbräuchlichen
         Wiedereinfuhr des ursprünglichen Erzeugnisses in die Gemeinschaft unter Verstoß gegen den Zweck des Systems der einheitlichen
         und der differenzierten Erstattung, die von Artikel 5 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3665/87 berücksichtigt wird und von Artikel
         17 Absatz 3 der Verordnung verhindert werden soll.
      
      34     Die Kommission und das Hauptzollamt machen gleichwohl geltend, dass im Ausgangsverfahren das nach Polen eingeführte Rindfleisch
         verarbeitet und anschließend unter Rückerstattung der Einfuhrabgaben durch die zuständigen polnischen Stellen wieder in die
         Gemeinschaft eingeführt worden sei. Diese Rückerstattung zeige, dass die Einfuhr des Erzeugnisses nicht endgültig zur Erfüllung
         der Zollformalitäten geführt habe und dass das Erzeugnis letztlich nicht zum freien Verkehr in Polen abgefertigt worden sei.
         Die Parteien des Vertrages vom 3. Oktober 1995 hätten vielmehr mit der Abfertigung zum freien Verkehr in Polen die Tatsache
         verschleiern wollen, dass das Erzeugnis in den passiven Veredelungsverkehr übergeführt worden sei, um der Anwendung des Artikels
         146 Absatz 1 des Zollkodex zu entgehen, wonach der passive Veredelungsverkehr für Gemeinschaftswaren, deren Ausfuhr zur Gewährung
         von Ausfuhrerstattungen führe, nicht zulässig sei.
      
      35     Diesem Vortrag kann nicht gefolgt werden, soweit damit geltend gemacht werden soll, dass die Rückerstattung der Einfuhrabgaben
         zum Wegfall der Rechtsgrundlage für die Ausfuhrerstattung führt.
      
      36     Wie Eichsfelder nämlich zu Recht vorträgt, wird diese Schlussfolgerung von keiner Bestimmung der Verordnung Nr. 3665/87 gestützt.
         Sobald die Zollförmlichkeiten für die Abfertigung zum freien Verkehr in dem Drittland erfüllt worden sind, zu denen insbesondere
         die Zahlung der Einfuhrzölle zählt, steht fest, dass die Ware unter den Preisverhältnissen des Drittlandsmarktes, die bei
         der Festsetzung der Höhe der Erstattung berücksichtigt worden sind, Zugang zu diesem Markt hat. Wenn eine spätere Rückvergütung
         der Zölle an einen anderen Wirtschaftsteilnehmer als den Exporteur zur Folge hätte, dass die Rechtsgrundlage für die Ausfuhrerstattung
         rückwirkend entfiele, so würde dies eine Rechtsunsicherheit für den Exporteur bedeuten, die im Hinblick auf den Grundsatz
         der Rechtssicherheit fragwürdig wäre; sein Anspruch auf Erstattungen hinge von Ereignissen und wirtschaftlichen Verhaltensweisen
         ab, die nicht in seiner Macht stünden.
      
      37     Eine solche Situation muss aber von einem Sachverhalt abgegrenzt werden, bei dem der Exporteur selbst an einem missbräuchlichen
         Verhalten beteiligt gewesen ist.
      
      38     Artikel 4 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2988/95 bestimmt insoweit, dass „Handlungen, die nachgewiesenermaßen die Erlangung eines
         Vorteils, der den Zielsetzungen der einschlägigen Gemeinschaftsvorschriften zuwiderläuft, zum Ziel haben, indem künstlich
         die Voraussetzungen für die Erlangung dieses Vorteils geschaffen werden, … zur Folge [haben], dass der betreffende Vorteil
         nicht gewährt bzw. entzogen wird“.
      
      39     Im Übrigen hat der Gerichtshof bereits entschieden, dass der Nachweis eines Missbrauchs zum einen voraussetzt, dass eine Gesamtwürdigung
         der objektiven Umstände ergibt, dass trotz formaler Einhaltung der gemeinschaftsrechtlichen Bedingungen das Ziel der Regelung
         nicht erreicht wurde, und dass er zum anderen ein subjektives Element voraussetzt, nämlich die Absicht, sich einen gemeinschaftsrechtlich
         vorgesehenen Vorteil dadurch zu verschaffen, dass die entsprechenden Voraussetzungen willkürlich geschaffen werden (vgl. Urteil
         vom 14. Dezember 2000 in der Rechtssache C‑110/99, Emsland‑Stärke, Slg. 2000, I‑11569, Randnrn. 52 und 53).
      
      40     Es obliegt dem vorlegenden Gericht, gemäß den Beweisregeln des nationalen Rechts – soweit dadurch die Effektivität des Gemeinschaftsrechts
         nicht beeinträchtigt wird – festzustellen, ob die Tatbestandsvoraussetzungen eines solchen missbräuchlichen Verhaltens im
         Ausgangsverfahren erfüllt sind.
      
      41     Auf die vorgelegte Frage ist daher zu antworten, dass die in Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung Nr. 3665/87 aufgestellte Bedingung
         für den Erhalt einer differenzierten Ausfuhrerstattung, nämlich die Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Abfertigung des
         fraglichen Erzeugnisses zum freien Verkehr im Bestimmungsdrittland, erfüllt ist, wenn dieses Erzeugnis nach Entrichtung der
         Einfuhrabgaben in diesem Land dort einer wesentlichen Be- oder Verarbeitung im Sinne von Artikel 24 des Zollkodex unterzogen
         wird, auch wenn das aus dieser Be- oder Verarbeitung stammende Erzeugnis anschließend unter Rückvergütung der in diesem Land
         entrichteten Zölle und Zahlung der Eingangsabgaben der Gemeinschaft wieder in die Gemeinschaft zurückverbracht wird.
      
      42     Auch unter diesen Umständen kann jedoch die Rückzahlung der Ausfuhrerstattung angeordnet werden, wenn das nationale Gericht
         zu der Auffassung gelangt, dass nach den Regeln des nationalen Rechts der Nachweis eines missbräuchlichen Verhaltens des Exporteurs
         erbracht worden ist.
      
       Kosten
      43     Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      Die Bedingung für den Erhalt einer differenzierten Ausfuhrerstattung, die in Artikel 17 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr.
            3665/87 der Kommission vom 27. November 1987 über gemeinsame Durchführungsvorschriften für Ausfuhrerstattungen bei landwirtschaftlichen
            Erzeugnissen in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1384/95 der Kommission vom 19. Juni 1995 insbesondere hinsichtlich der Anpassungen
            zur Umsetzung des Übereinkommens über die Landwirtschaft im Rahmen der Uruguay-Runde geänderten Fassung aufgestellt wird,
            nämlich die Erfüllung der Zollförmlichkeiten für die Abfertigung des fraglichen Erzeugnisses zum freien Verkehr im Bestimmungsdrittland,
            ist erfüllt, wenn dieses Erzeugnis nach Entrichtung der Einfuhrabgaben in diesem Land dort einer wesentlichen Be- oder Verarbeitung
            im Sinne von Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften
            unterzogen wird, auch wenn das aus dieser Be- oder Verarbeitung stammende Erzeugnis anschließend unter Rückvergütung der in
            diesem Land entrichteten Zölle und Zahlung der Eingangsabgaben der Gemeinschaft wieder in die Gemeinschaft zurückverbracht
            wird.
      Auch unter diesen Umständen kann jedoch die Rückzahlung der Ausfuhrerstattung angeordnet werden, wenn das nationale Gericht
            zu der Auffassung gelangt, dass nach den Regeln des nationalen Rechts der Nachweis eines missbräuchlichen Verhaltens des Exporteurs
            erbracht worden ist.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Deutsch.