CELEX: 62005CJ0433
Language: de
Date: 2010-04-15 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 15. April 2010.#Strafverfahren gegen Lars Sandström.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Handens tingsrätt - Schweden.#Richtlinien 94/25/EG und 2003/44/EG - Rechtsangleichung - Sportboote - Verbot des Führens von Wassermotorrädern außerhalb öffentlicher Wasserstraßen - Art. 28 EG und 30 EG - Maßnahmen gleicher Wirkung - Marktzugang - Hemmnis - Umweltschutz - Verhältnismäßigkeit - Richtlinie 98/34/EG - Art. 8 - Änderung der nationalen Rechtsvorschriften - Mitteilungspflicht - Voraussetzungen.#Rechtssache C-433/05.

Rechtssache C-433/05
      Strafverfahren
      gegen
      Lars Sandström
      (Vorabentscheidungsersuchen des Handens tingsrätt)
      „Richtlinien 94/25/EG und 2003/44/EG – Rechtsangleichung – Sportboote – Verbot des Führens von Wassermotorrädern außerhalb öffentlicher Wasserstraßen – Art. 28 EG und 30 EG – Maßnahmen gleicher Wirkung – Marktzugang – Hemmnis – Umweltschutz – Verhältnismäßigkeit – Richtlinie 98/34/EG – Art. 8 – Änderung der nationalen Rechtsvorschriften – Mitteilungspflicht – Voraussetzungen“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Rechtsangleichung – Sportboote – Richtlinie 94/25
      (Richtlinien 94/25, Art. 2 Abs. 2, und 2003/44 des Europäischen Parlaments und des Rates)
      2.        Freier Warenverkehr – Mengenmäßige Beschränkungen – Maßnahmen gleicher Wirkung – Verbot des Führens von Wassermotorrädern
            außerhalb der bezeichneten Wasserstraßen – Zulässigkeit – Rechtfertigung – Voraussetzungen
      (Art. 34 AEUV und 36 AEUV)
      3.        Rechtsangleichung – Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften und der Vorschriften für
            die Dienste der Informationsgesellschaft – Richtlinie 98/34
      (Richtlinie 94/25/EG des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 8 Abs. 1)
      1.        Die Richtlinie 94/25 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über Sportboote in der durch
         die Richtlinie 2003/44 geänderten Fassung steht einer nationalen Regelung nicht entgegen, die im Hinblick auf den Umweltschutz
         die Benutzung von Wassermotorrädern außerhalb der ausgewiesenen Wasserstraßen verbietet.
      
      (vgl. Randnrn. 33-34, 40, Tenor 1)
      2.        Die Art. 34 AEUV und 36 AEUV stehen einer nationalen Regelung nicht entgegen, die im Hinblick auf den Umweltschutz die Benutzung
         von Wassermotorrädern außerhalb der bezeichneten Wasserstraßen untersagt, vorausgesetzt,
      
      – die zuständigen nationalen Behörden sind verpflichtet, Durchführungsmaßnahmen zur Bezeichnung der Bereiche außerhalb der
         öffentlichen Wasserstraßen zu erlassen, in denen Wassermotorräder benutzt werden dürfen,
      
      – diese Behörden haben tatsächlich die ihnen hierzu verliehene Zuständigkeit wahrgenommen und die Bereiche bezeichnet, die
         den in der nationalen Regelung vorgesehenen Bedingungen entsprechen, und
      
      – derartige Maßnahmen sind innerhalb einer vernünftigen Frist nach Inkrafttreten dieser Regelung erlassen worden.
      Es obliegt dem nationalen Gericht, zu prüfen, ob diese Bedingungen erfüllt sind, wobei es Folgendes zu berücksichtigen hat.
         In Bezug auf die erste Bedingung muss die zuständige nationale Behörde gemäß der nationalen Regelung die Bestimmungen zur
         Bezeichnung der außerhalb der öffentlichen Wasserstraßen gelegenen Bereiche erlassen, in denen Wassermotorräder benutzt werden
         dürfen. Was die zweite Bedingung anbelangt, ist es ist Sache des nationalen Gerichts, zu prüfen, ob die Genehmigung zur Benutzung
         von Wassermotorrädern in bestimmten Gebieten alle Gebiete in der betreffenden Provinz ausweist, die den in der nationalen
         Regelung vorgesehenen Bedingungen entsprechen. Da die Benutzung von Wassermotorrädern auf einer Wasserfläche, die diesen Bedingungen
         entspricht, keine nicht hinnehmbaren Risiken oder Belästigungen für die Umwelt verursachen dürfte, ist jedes Verbot der Benutzung
         von Wassermotorrädern auf einer solchen Wasserfläche, die sich aus dem Fehlen der Ausweisung der Wasserfläche in der Durchführungsmaßnahme
         ergibt, als eine Maßnahme anzusehen, die über das zur Erreichung des Ziels des Umweltschutzes notwendige Maß hinausgeht. Was
         schließlich die Beurteilung der Angemessenheit eines Zeitraums von elf Monaten nach Erlass der nationalen Regelung, und der
         Genehmigung anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass der Erteilung der fraglichen Genehmigung eine Anhörung der Gemeinden und
         sonstigen Beteiligten vorausgegangen ist.
      
      (vgl. Randnrn. 33, 36-40, Tenor 2)
      3.        Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/34 über ein Informationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften ist
         dahin auszulegen, dass eine Änderung des der Kommission bereits gemäß Unterabs. 1 dieser Bestimmung mitgeteilten Entwurfs
         einer technischen Vorschrift, die im Verhältnis zu dem mitgeteilten Entwurf nur eine Lockerung der Bedingungen für die Benutzung
         des in Rede stehenden Erzeugnisses enthält und daher die mögliche Auswirkung der technischen Vorschrift auf den Warenaustausch
         verringert, keine wesentliche Änderung im Sinne des Unterabs. 3 dieser Bestimmung darstellt und der Kommission nicht vorher
         mitzuteilen ist. Mangels einer solchen Verpflichtung zur vorherigen Mitteilung steht das Fehlen der vorherigen Mitteilung
         einer unwesentlichen Änderung einer technischen Vorschrift an die Kommission der Anwendung dieser Vorschrift nicht entgegen.
      
      (vgl. Randnr. 49, Tenor 3)
      
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Dritte Kammer)
      15. April 2010(*)
      
      „Richtlinien 94/25/EG und 2003/44/EG – Rechtsangleichung – Sportboote – Verbot des Führens von Wassermotorrädern außerhalb öffentlicher Wasserstraßen – Art. 28 EG und 30 EG – Maßnahmen gleicher Wirkung – Marktzugang – Hemmnis – Umweltschutz – Verhältnismäßigkeit – Richtlinie 98/34/EG – Art. 8 – Änderung der nationalen Rechtsvorschriften – Mitteilungspflicht – Voraussetzungen“
      In der Rechtssache C‑433/05
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Handens tingsrätt (Schweden) mit Entscheidung
         vom 21. November 2005, beim Gerichtshof eingegangen am 5. Dezember 2005, in dem Strafverfahren gegen
      
      Lars Sandström
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten K. Lenaerts, der Richterin R. Silva de Lapuerta sowie der Richter G. Arestis (Berichterstatter),
         J. Malenovský und D. Šváby,
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: C. Strömholm, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 17. Dezember 2009,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        von L. Sandström, vertreten durch R. Ihre, advokat, sowie D. Putzeys und B. Dumortier, avocats,
      –        der Åklagaren, vertreten durch S. Creutz, advokat,
      –        der schwedischen Regierung, vertreten durch A. Kruse, R. Sobocki, S. Johannesson und K. Petkovska als Bevollmächtigte,
      –        der österreichischen Regierung, vertreten durch E. Riedl als Bevollmächtigten,
      –        der portugiesischen Regierung, vertreten durch L. Inez Fernandes und M. J. Lois als Bevollmächtigte,
      –        der norwegischen Regierung, vertreten durch A. Eide und K. B. Moen als Bevollmächtigte,
      –        der Europäischen Kommission, vertreten durch L. Ström van Lier, A. Alcover San Pedro, D. Lawunmi, S. Schønberg und K. Simonsson
         als Bevollmächtigte,
      
      aufgrund des nach Anhörung der Generalanwältin ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art. 28 EG und 30 EG sowie der Richtlinie 94/25/EG des Europäischen
         Parlaments und des Rates vom 16. Juni 1994 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über
         Sportboote (ABl. L 164, S. 15) in der durch die Richtlinie 2003/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Juni
         2003 (ABl. L 214, S. 18) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 94/25).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines von Åklagaren (Staatsanwaltschaft) eingeleiteten Strafverfahrens gegen Herrn Sandström
         wegen Verstoßes gegen die Verordnung (1993:1053) über die Benutzung von Wassermotorrädern (förordning [1993:1053] om användning
         av vattenskoter) in der durch die Verordnung (2004:607) (förordning [2004:607]) geänderten Fassung (im Folgenden: nationale
         Verordnung).
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
      3        Der zweite Erwägungsgrund der Richtlinie 94/25 lautet:
      
      „Die in den einzelnen Mitgliedstaaten geltenden Rechts- und Verwaltungsvorschriften über die Sicherheitseigenschaften von
         Sportbooten unterscheiden sich nach Inhalt und Anwendungsbereich. Diese Unterschiede können zu Handelshemmnissen und ungleichen
         Wettbewerbsbedingungen auf dem Binnenmarkt führen.“
      
      4        Der dritte Erwägungsgrund der Richtlinie 94/25 sieht vor:
      
      „Nur durch eine Harmonisierung der einzelstaatlichen Rechtsvorschriften können diese Hindernisse des freien Warenverkehrs
         beseitigt werden. Dieses Ziel kann durch die einzelnen Mitgliedstaaten nicht ausreichend erreicht werden. In dieser Richtlinie
         werden lediglich die für den freien Warenverkehr von Sportbooten unerlässlichen Anforderungen festgelegt.“
      
      5        Art. 1 der Richtlinie 94/25 definiert den Geltungsbereich dieser Richtlinie. Diese Bestimmung ist durch den in Art. 1 der
         Richtlinie 2003/44 enthaltenen Wortlaut ersetzt worden, der den Geltungsbereich u. a. auf Wassermotorräder erweitert hat.
      
      6        Art. 2 („Inverkehrbringen und Inbetriebnahme“) der Richtlinie 94/25 lautet:
      
      „(1)      Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit die in Artikel 1 genannten Erzeugnisse nur dann in den Verkehr
         gebracht und entsprechend ihrer Zweckbestimmung in Betrieb genommen werden dürfen, wenn sie die Sicherheit und die Gesundheit
         von Personen sowie Sachen oder die Umwelt bei sachgemäßer Konstruktion und Instandhaltung nicht gefährden.
      
      (2) Diese Richtlinie berührt nicht die Befugnis der Mitgliedstaaten, unter Einhaltung der [EG-]Vertragsbestimmungen im Hinblick
         auf den Umweltschutz, die Struktur der Wasserwege sowie zur Gewährleistung der Sicherheit auf den Wasserwegen Bestimmungen
         für die Schifffahrt auf bestimmten Gewässern zu erlassen, sofern dies keine Änderung von Wasserfahrzeugen im Sinne dieser
         Richtlinie zur Folge hat.“
      
      7        Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 94/25 sieht vor:
      
      „Die Mitgliedstaaten dürfen in ihrem Hoheitsgebiet das Inverkehrbringen und/oder die Inbetriebnahme der in Artikel 1 Absatz
         1 genannten Erzeugnisse nicht verbieten, einschränken oder behindern, wenn diese die CE-Kennzeichnung gemäß Anhang IV tragen,
         aus der hervorgeht, dass sie alle Bestimmungen dieser Richtlinie einschließlich der Bestimmungen über die Konformitätsbewertungsverfahren
         nach Kapitel II erfüllen.“
      
      8        Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 2003/44 sieht vor:
      
      „Die Mitgliedstaaten erlassen und veröffentlichen die erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften, um dieser Richtlinie
         spätestens zum 30. Juni 2004 nachzukommen. Sie setzen die Kommission unverzüglich davon in Kenntnis.
      
      Die Mitgliedstaaten wenden diese Vorschriften ab dem 1. Januar 2005 an.“
      9        Art. 1 der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren
         auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften (ABl. L 204, S. 37) in der Fassung der Richtlinie 98/48/EG des Europäischen
         Parlaments und des Rates vom 20. Juli 1998 (ABl. L 217, S. 18) sowie zur Kodifizierung der Richtlinie 83/189/EWG des Rates
         vom 28. März 1983 (ABl. L 109, S. 8) (im Folgenden: Richtlinie 98/34) bestimmt Folgendes:
      
      „Für diese Richtlinie gelten folgende Begriffsbestimmungen:
      …
      4.      ‚sonstige Vorschrift‘ eine Vorschrift für ein Erzeugnis, die keine technische Spezifikation ist und insbesondere zum Schutz
         der Verbraucher oder der Umwelt erlassen wird und den Lebenszyklus des Erzeugnisses nach dem Inverkehrbringen betrifft, wie
         Vorschriften für Gebrauch, Wiederverwertung, Wiederverwendung oder Beseitigung, sofern diese Vorschriften die Zusammensetzung
         oder die Art des Erzeugnisses oder seine Vermarktung wesentlich beeinflussen können;
      
      …
      11.      ‚Technische Vorschrift‘: Technische Spezifikationen oder sonstige Vorschriften oder Vorschriften betreffend Dienste, einschließlich
         der einschlägigen Verwaltungsvorschriften, deren Beachtung rechtlich oder de facto für das Inverkehrbringen, die Erbringung
         des Dienstes, die Niederlassung eines Erbringers von Diensten oder die Verwendung in einem Mitgliedstaat oder in einem großen
         Teil dieses Staates verbindlich ist, sowie – vorbehaltlich der in Artikel 10 genannten Bestimmungen – die Rechts- und Verwaltungsvorschriften
         der Mitgliedstaaten, mit denen Herstellung, Einfuhr, Inverkehrbringen oder Verwendung eines Erzeugnisses oder Erbringung oder
         Nutzung eines Dienstes oder die Niederlassung als Erbringer von Diensten verboten werden.
      
      …“
      10      Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 98/34 sieht vor, dass die Mitgliedstaaten der Kommission vorbehaltlich des Art. 10
         unverzüglich jeden Entwurf einer technischen Vorschrift übermitteln.
      
      11      Gemäß Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 3 der Richtlinie 98/34 „machen [die Mitgliedstaaten] eine weitere Mitteilung in der vorgenannten
         Art und Weise, wenn sie an dem Entwurf einer technischen Vorschrift wesentliche Änderungen vornehmen, die den Anwendungsbereich
         ändern, den ursprünglichen Zeitpunkt für die Anwendung vorverlegen, Spezifikationen oder Vorschriften hinzufügen oder verschärfen“.
      
      12      Gemäß Art. 8 Abs. 3 der Richtlinie 98/34 „teilen [die Mitgliedstaaten] der Kommission unverzüglich den endgültigen Wortlaut
         einer technischen Vorschrift mit“.
      
      13      Gemäß Art. 9 Abs. 2 Unterabs. 1 der Richtlinie 98/34 nehmen die Mitgliedstaaten den Entwurf einer technischen Vorschrift nicht
         vor Ablauf von vier oder von sechs Monaten „nach Eingang der Mitteilung gemäß Artikel 8 Absatz 1 bei der Kommission an, wenn
         die Kommission oder ein anderer Mitgliedstaat innerhalb von drei Monaten nach Eingang eine ausführliche Stellungnahme abgibt,
         der zufolge die geplante Maßnahme Elemente enthält, die den freien Warenverkehr im Rahmen des Binnenmarktes beeinträchtigen
         könnten“.
      
       Nationales Recht
      14      Die nationale Verordnung in ihrer zur Zeit des Sachverhalts des Ausgangsverfahrens geltenden Fassung ist am 15. Juli 2004
         in Kraft getreten.
      
      15      § 1 dieser Verordnung bestimmt:
      
      „Wassermotorräder im Sinne dieser Verordnung sind Fahrzeuge mit weniger als 4 m Länge,
      1.      die einen Verbrennungsmotor mit Strahlpumpenantrieb als Hauptantriebsquelle verwenden und
      2.      die dazu konzipiert sind, von einer oder mehreren Personen gefahren zu werden, die nicht in, sondern auf dem Rumpf sitzen,
         stehen oder knien.“
      
      16      § 2 der Verordnung sieht vor:
      
      „Wassermotorräder dürfen nur auf öffentlichen Wasserstraßen und auf den in § 3 Abs. 1 bezeichneten Wasserflächen benutzt werden.“
      17      § 3 der nationalen Verordnung lautet:
      
      „Länsstyrelsen (die Provinzialregierung) kann regeln, auf welchen Wasserflächen der Provinz, abgesehen von den öffentlichen
         Wasserstraßen, Wassermotorräder benutzt werden dürfen. Eine solche Regelung muss jedoch stets erlassen werden für
      
      1.      Wasserflächen, die so stark von menschlichen Tätigkeiten beeinflusst werden, dass der zu erwartende Lärm und andere Störungen
         durch die Benutzung von Wassermotorrädern nicht als eine erhebliche Belästigung für die Allgemeinheit oder die Umwelt angesehen
         werden können,
      
      2.      Wasserflächen, die nicht in der Nähe von Wohngebieten oder Ferienhausgebieten liegen und die von geringem Wert für den Schutz
         der natürlichen und kulturellen Umwelt, die biologische Vielfalt, das Leben in der Natur sowie die Sport‑ oder Berufsfischerei
         sind, und
      
      3.      andere Wasserflächen, auf denen die Benutzung von Wassermotorrädern die Allgemeinheit nicht durch Lärm oder andere Störungen
         belästigt und auch nicht die Gefahr von Schäden oder erheblichen Störungen des Tier‑ oder Pflanzenlebens oder für die Übertragung
         ansteckender Krankheiten mit sich bringt.
      
      Länsstyrelsen kann ferner Vorschriften über die Abgrenzung öffentlicher Wasserstraßen zur Benutzung durch Wassermotorräder
         – sofern dies erforderlich ist, um Belästigungen oder Gefahren nach Abs. 1 Nr. 3 zu verhindern – und über die Zu- und Abfahrtswege
         zu und von öffentlichen Wasserstraßen erlassen.“
      
      18      § 5 der nationalen Verordnung sieht vor, dass mit einer Geldbuße bestraft wird, wer ein Wassermotorrad unter Verstoß gegen
         die §§ 2 und 3b oder gegen aufgrund von § 3 erlassene Vorschriften führt.
      
      19      Mit Entscheidung Nr. 2589 2004 41950 vom 20. Mai 2005 (im Folgenden: Entscheidung vom 20. Mai 2005) gestattete die Länsstyrelsen
         i Stockholms län (Provinzialregierung der Provinz Stockholm) gemäß § 3 der nationalen Verordnung die Benutzung von Wassermotorrädern
         auf bestimmten Wasserflächen ihres Gebiets. Diese Entscheidung trat am 15. Juni 2005 in Kraft.
      
      I –  Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      20      Am 13. Juli 2005 führte Herr Sandström ein Wassermotorrad außerhalb der öffentlichen Wasserstraßen und auf einer Wasserfläche,
         die nicht unter die von Länsstyrelsen erlassenen Bestimmungen über die Wasserflächen fiel, auf denen die Benutzung von Wassermotorrädern
         zulässig ist. Åklagaren betrieb gegen Herrn Sandström ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen die nationale Verordnung.
      
      21      Die im Ausgangsverfahren betroffenen Gewässer sind in der Entscheidung vom 20. Mai 2005 definiert.
      
      22      Der Beklagte bestreitet den ihm vorgeworfenen Sachverhalt nicht, macht aber geltend, dass die Anwendung der nationalen Verordnung
         gegen Art. 28 EG und die Richtlinie 94/25 verstoße.
      
      23      Unter diesen Voraussetzungen hat das Handens tingsrätt beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof die folgenden
         Fragen zur Vorabentscheidung vorzulegen:
      
      1.      a)     Steht die Richtlinie 2003/44 nationalen Rechtsvorschriften entgegen, die die Benutzung von Wassermotorrädern an anderen Stellen
         als auf öffentlichen Wasserstraßen und auf Wasserflächen, für die die örtlich zuständige Verwaltung eine Genehmigung gemäß
         § 3 Abs. 1 der nationalen Verordnung erteilt hat, verbieten?
      
      b)      Hängt die Zulässigkeit eines solchen unter Buchst. a genannten Verbots davon ab, dass die örtlich zuständige Verwaltung bei
         der Beurteilung der Frage der Genehmigung nach § 3 Abs. 1 das Gebot beachtet hat, dass für Flächen, die die Kriterien der
         Nrn. 1 bis 3 erfüllen, stets eine Genehmigung erteilt werden soll?
      
      2.      Stehen andernfalls die Art. 28 EG bis 30 EG allgemein oder nur unter den vorstehend unter 1 Buchst. b genannten Umständen
         nationalen Rechtsvorschriften über das Verbot der Benutzung von Wassermotorrädern, wie unter 1 Buchst. a beschrieben, entgegen?
      
      3.      Steht ungeachtet des oben Ausgeführten das Fehlen einer Notifizierung des neuen, am 20. Juni 2004 erlassenen Verbots für Wassermotorräder
         an die Kommission gemäß der Richtlinie 98/34 nationalen Rechtsvorschriften wie den oben genannten entgegen?
      
       Zu den Vorlagefragen
       Vorbemerkungen
      24      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die im Ausgangsverfahren betroffene nationale Verordnung im Hinblick auf die Richtlinie
         94/25 und die Art. 28 EG und 30 EG bereits weitgehend Gegenstand einer Prüfung durch den Gerichtshof im Urteil vom 4. Juni
         2009, Mickelsson und Roos (C‑142/05, Slg. 2009, I‑0000), war. Diesem Urteil und der vorliegenden Rechtssache liegt ein ähnlicher
         Sachverhalt zugrunde, und sie fügen sich in einen ähnlichen Rechtsrahmen ein.
      
      25      Der Hauptunterschied zwischen den beiden Rechtssachen besteht darin, dass Länsstyrelsen − anders als in der Rechtssache Mickelsson
         und Roos − von den Befugnissen gemäß § 3 der nationalen Verordnung Gebrauch gemacht hat, den Verkehr von Wassermotorrädern
         in bestimmten Schifffahrtsrevieren zuzulassen. Was den Rechtsrahmen anbelangt, war zum Zeitpunkt des Sachverhalts des Ausgangsverfahrens
         die Richtlinie 2003/44 anwendbar, durch die die Richtlinie 94/25 geändert worden ist.
      
       Zur ersten und zur zweiten Frage
      26      Mit der ersten und der zweiten Frage, die zusammen zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht wissen, ob die Richtlinie
         94/25 oder, soweit einschlägig, die Art. 28 EG und 30 EG dahin ausgelegt werden müssen, dass sie einer nationalen Regelung
         wie der im Ausgangsverfahren streitigen entgegenstehen, die die Benutzung von Wassermotorrädern außerhalb bestimmter ausgewiesener
         Wasserflächen verbietet.
      
      27      Durch die Richtlinie 94/25 sollen die Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Sportboote angeglichen werden, um die Unterschiede
         nach Inhalt und Anwendungsbereich der Sicherheitseigenschaften von Sportbooten zu beseitigen, da diese Unterschiede zu Handelshemmnissen
         und ungleichen Wettbewerbsbedingungen auf dem Binnenmarkt führen können. Mit der Änderung von Art. 1 der Richtlinie 94/25
         in seiner ursprünglichen Fassung hat die Richtlinie 2003/44 deren Geltungsbereich erweitert, um ihn u. a. auf Wassermotorräder
         zu erstrecken.
      
      28      Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie 94/25 stellt klar, dass deren Bestimmungen die Mitgliedstaaten nicht daran hindern, unter Einhaltung
         der Vertragsbestimmungen im Hinblick auf den Umweltschutz und die Struktur der Wasserwege sowie zur Gewährleistung der Sicherheit
         auf den Wasserwegen Bestimmungen für die Schifffahrt auf bestimmten Gewässern zu erlassen, sofern dies keine Änderung von
         Wasserfahrzeugen im Sinne dieser Richtlinie zur Folge hat (Urteil Mickelsson und Roos, Randnr. 20).
      
      29      Somit steht diese Richtlinie gemäß ihrem Art. 2 Abs. 2 nationalen Bestimmungen nicht entgegen, die aus Gründen des Umweltschutzes
         die Benutzung von Wassermotorrädern auf bestimmten Gewässern untersagen, vorausgesetzt, diese Bestimmungen verstoßen nicht
         gegen die Regeln des Vertrags (Urteil Mickelsson und Roos, Randnr. 21).
      
      30      Die nationale Verordnung und die Entscheidung vom 20. Mai 2005 gehören zu der Kategorie der nationalen Maßnahmen, die in der
         letztgenannten Bestimmung der Richtlinie 94/25 angesprochen sind. Denn sie verbieten die Benutzung von Wassermotorrädern außerhalb
         der ausgewiesenen Wasserflächen.
      
      31      Daher ist zu untersuchen, ob die Art. 28 EG und 30 EG, nach Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon Art. 34 AEUV und 36 AEUV,
         nationalen Vorschriften wie den im Ausgangsverfahren streitigen entgegenstehen.
      
      32      In der Rechtssache Mickelsson und Roos war der Gerichtshof bereits mit einer Frage nach der Auslegung der Art. 28 EG und 30
         EG befasst, deren Beantwortung dem vorlegenden Gericht die Prüfung der Vereinbarkeit der nationalen Verordnung mit diesen
         Bestimmungen ermöglichen sollte. Zum Zeitpunkt des Sachverhalts des Ausgangsverfahrens in der Rechtssache Mickelsson und Roos
         existierten auf nationaler Ebene noch keine Umsetzungsmaßnahmen im Sinne des § 3 Abs. 1 dieser Verordnung wie die Entscheidung
         vom 20. Mai 2005, so dass gemäß Art. 2 dieser Verordnung die Benutzung von Wassermotorrädern nur auf öffentlichen Wasserstraßen
         zulässig war.
      
      33      Aus Randnr. 44 des Urteils Mickelsson und Roos geht hervor, dass die Art. 28 EG und 30 EG einer nationalen Regelung nicht
         entgegenstehen, die im Hinblick auf den Umweltschutz die Benutzung von Wassermotorrädern außerhalb der bezeichneten Wasserstraßen
         untersagt, vorausgesetzt,
      
      –      die zuständigen nationalen Behörden sind verpflichtet, Durchführungsmaßnahmen zur Bezeichnung der Bereiche außerhalb der öffentlichen
         Wasserstraßen zu erlassen, in denen Wassermotorräder benutzt werden dürfen,
      
      –      diese Behörden haben tatsächlich die ihnen hierzu verliehene Zuständigkeit wahrgenommen und die Bereiche bezeichnet, die den
         in der nationalen Regelung vorgesehenen Bedingungen entsprechen, und
      
      –      derartige Maßnahmen sind innerhalb einer vernünftigen Frist nach Inkrafttreten dieser Regelung erlassen worden.
      34      Der Erlass der Entscheidung vom 20. Mai 2005 hat auf diese Antwort keine Auswirkungen. Die im Ausgangsverfahren streitige
         nationale Regelung beruht nämlich nach wie vor auf dem Grundsatz des allgemeinen Verbots der Benutzung von Wassermotorrädern
         außerhalb der öffentlichen Wasserstraßen, sofern nicht die zuständigen Behörden die Wasserflächen bezeichnen, auf denen die
         Benutzung von Wassermotorrädern zulässig ist. Es ist daher Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob die nationale Verordnung
         in ihrer Umsetzung durch die Entscheidung vom 20. Mai 2005 die drei vorstehend in Randnr. 33 genannten Bedingungen erfüllt.
      
      35      Insoweit ist zu beachten, dass in einem Verfahren nach Art. 267 AEUV, das auf einer klaren Aufgabentrennung zwischen den nationalen
         Gerichten und dem Gerichtshof beruht, jede Beurteilung des Sachverhalts in die Zuständigkeit des vorlegenden Gerichts fällt.
         Um diesem eine sachdienliche Antwort zu geben, kann ihm der Gerichtshof jedoch im Geist der Zusammenarbeit mit den nationalen
         Gerichten alle Hinweise geben, die er für erforderlich hält (vgl. in diesem Sinne Urteil Mickelsson und Roos, Randnr. 41).
      
      36      In Bezug auf die erste vorstehend in Randnr. 33 erwähnte Bedingung ist festzustellen, dass Länsstyrelsen gemäß § 3 der nationalen
         Verordnung die Bestimmungen zur Bezeichnung der außerhalb der öffentlichen Wasserstraßen gelegenen Bereiche erlassen muss,
         in denen Wassermotorräder benutzt werden dürfen.
      
      37      In Bezug auf die zweite vorstehend in Randnr. 33 erwähnte Bedingung ist darauf hinzuweisen, dass die Entscheidung vom 20. Mai
         2005 gemäß § 3 der nationalen Verordnung die Schifffahrtsreviere bezeichnet, in denen in der Provinz Stockholm Wassermotorräder
         benutzt werden dürfen.
      
      38      Es ist Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob diese Entscheidung alle Gebiete in der betreffenden Provinz ausweist,
         die den in der nationalen Verordnung, vor allem in § 3 Nr. 1, vorgesehenen Bedingungen entsprechen. Da sich dem Wortlaut der
         nationalen Verordnung selbst entnehmen lässt, dass die Benutzung von Wassermotorrädern auf einer Wasserfläche, die diesen
         Bedingungen entspricht, keine nicht hinnehmbaren Risiken oder Belästigungen für die Umwelt verursacht (vgl. Urteil Mickelsson
         und Roos, Randnr. 38), ist jedes Verbot der Benutzung von Wassermotorrädern auf einer solchen Wasserfläche, die sich aus dem
         Fehlen der Ausweisung der Wasserfläche in der Durchführungsmaßnahme ergibt, als eine Maßnahme anzusehen, die über das zur
         Erreichung des Ziels des Umweltschutzes notwendige Maß hinausgeht.
      
      39      In Bezug auf die dritte vorstehend in Randnr. 33 erwähnte Bedingung ergibt sich aus den Akten, dass die Entscheidung vom 20.
         Mai 2005 am 15. Juni 2005, also elf Monate nach Inkrafttreten der nationalen Verordnung, in Kraft getreten ist. Bei der Prüfung,
         ob es sich hierbei um einen angemessenen Zeitraum handelt, ist u. a. zu berücksichtigen, dass dem Erlass der Entscheidung
         vom 20. Mai 2005 ihrer Begründung zufolge eine Anhörung der Gemeinden und sonstigen Beteiligten vorausgegangen ist.
      
      40      Nach alledem ist auf die ersten beiden Fragen zu antworten, dass die Richtlinie 94/25 einer nationalen Regelung nicht entgegensteht,
         die im Hinblick auf den Umweltschutz die Benutzung von Wassermotorrädern außerhalb der ausgewiesenen Wasserstraßen verbietet.
         Die Art. 34 AEUV und 36 AEUV stehen einer solchen nationalen Regelung nicht entgegen, vorausgesetzt,
      
      –      die zuständigen nationalen Behörden sind verpflichtet, Durchführungsmaßnahmen zur Bezeichnung der Bereiche außerhalb der öffentlichen
         Wasserstraßen zu erlassen, in denen Wassermotorräder benutzt werden dürfen,
      
      –      diese Behörden haben tatsächlich die ihnen hierzu verliehene Zuständigkeit wahrgenommen und die Bereiche bezeichnet, die den
         in der nationalen Regelung vorgesehenen Bedingungen entsprechen, und
      
      –      derartige Maßnahmen sind innerhalb einer vernünftigen Frist nach Inkrafttreten dieser Regelung erlassen worden.
      Es obliegt dem vorlegenden Gericht, zu prüfen, ob diese Bedingungen im Ausgangsverfahren erfüllt sind.
       Zur dritten Frage
      41      Mit seiner dritten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob das Fehlen einer Mitteilung der Änderung eines nationalen
         Gesetzes gemäß Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/34 unter Umständen wie den im Ausgangsverfahren gegebenen zur Ungültigkeit
         dieser nationalen Bestimmungen führt.
      
      42      Nach ständiger Rechtsprechung soll die Richtlinie 98/34 durch eine vorbeugende Kontrolle den freien Warenverkehr schützen,
         der zu den Grundlagen der Gemeinschaft gehört. Diese Kontrolle ist insofern sinnvoll, als unter die Richtlinie fallende technische
         Vorschriften möglicherweise Beschränkungen des Warenaustauschs zwischen Mitgliedstaaten darstellen, die nur zugelassen werden
         können, wenn sie notwendig sind, um zwingenden Erfordernissen zu genügen, mit denen ein im allgemeinen Interesse liegendes
         Ziel verfolgt wird (vgl. Urteile vom 30. April 1996, CIA Security International, C‑194/94, Slg. 1996, I‑2201, Randnr. 40,
         vom 16. Juni 1998, Lemmens, C‑226/97, Slg. 1998, I‑3711, Randnr. 32, und vom 8. September 2005, Lidl Italia, C‑303/04, Slg. 2005,
         I‑7865, Randnr. 22).
      
      43      Da die in Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 98/34 vorgesehene Mitteilungspflicht ein wesentliches Mittel zur Verwirklichung
         dieser gemeinschaftlichen Kontrolle darstellt, wird die Wirksamkeit dieser Kontrolle durch eine Auslegung dieser Richtlinie
         dahin erhöht, dass der Verstoß gegen die Mitteilungspflicht einen wesentlichen Verfahrensmangel darstellt, der zur Unanwendbarkeit
         der fraglichen technischen Vorschriften führen kann, so dass diese dem Einzelnen nicht entgegengehalten werden können (vgl.
         Urteil Lidl Italia, Randnr. 23).
      
      44      Aus den dem Gerichtshof vorliegenden Akten geht hervor, dass die schwedische Regierung der Kommission am 1. April 2003 den
         Entwurf einer nationalen Verordnung übermittelt hat, die den Begriff des Wassermotorrads definierte und, von einigen Ausnahmen
         abgesehen, ein allgemeines Verbot der Benutzung von Wassermotorrädern vorsah. Auf diese Mitteilung hin gab die Kommission
         gegenüber der schwedischen Regierung eine ausführliche Stellungnahme gemäß Art. 9 Abs. 2 der Richtlinie 98/34 ab. Die schwedischen
         Behörden änderten daraufhin den Entwurf. Den so geänderten Wortlaut der nationalen Verordnung übermittelten sie der Kommission
         jedoch erst nach seiner Annahme.
      
      45      Anscheinend wurde also der ursprüngliche Entwurf der nationalen Verordnung der Kommission gemäß Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 1
         der Richtlinie 98/34 mitgeteilt, während nur die aufgrund der ausführlichen Stellungnahme der Kommission vorgenommenen Änderungen
         des Entwurfs nicht vorher mitgeteilt wurden. Ob dies zutrifft, hat das nationale Gericht zu prüfen. Die schwedische Regierung
         und die Kommission weisen hierzu allerdings darauf hin, dass diese Änderungen nur eine Lockerung der Bedingungen für die Benutzung
         von Wassermotorrädern enthalten.
      
      46      Es ist darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten gemäß Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 3 der Richtlinie 98/34 eine weitere Mitteilung
         machen, wenn sie am Entwurf einer technischen Vorschrift wesentliche Änderungen vornehmen, die den Anwendungsbereich ändern,
         den ursprünglichen Zeitpunkt für die Anwendung vorverlegen, Spezifikationen oder Vorschriften hinzufügen oder verschärfen.
      
      47      Im Hinblick auf das vorstehend in Randnr. 41 festgestellte Ziel der Richtlinie 98/34 stellen Änderungen des Entwurfs einer
         der Kommission bereits gemäß Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 1 der Richtlinie 98/34 mitgeteilten technischen Vorschrift, die im Verhältnis
         zu dem mitgeteilten Entwurf nur eine Lockerung der Bedingungen für die Benutzung des in Rede stehenden Erzeugnisses enthalten
         und daher die mögliche Auswirkung der technischen Vorschrift auf den Warenaustausch verringern, keine wesentliche Änderung
         im Sinne des Art. 8 Abs. 1 Unterabs. 3 dieser Richtlinie dar. Solche Änderungen unterliegen daher nicht der Verpflichtung
         zur vorherigen Mitteilung.
      
      48      Die Mitgliedstaaten teilen zwar der Kommission gemäß Art. 8 Abs. 3 der Richtlinie 98/34 unverzüglich den endgültigen Wortlaut
         einer technischen Vorschrift mit, doch steht das Unterlassen der vorherigen Mitteilung einer unwesentlichen Änderung einer
         solchen Vorschrift mangels einer Verpflichtung zur vorherigen Mitteilung der Anwendung dieser Vorschrift nicht entgegen.
      
      49      Auf die dritte Frage ist daher zu antworten, dass Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/34 dahin auszulegen ist, dass eine Änderung
         des der Europäischen Kommission bereits gemäß Unterabs. 1 dieser Bestimmung mitgeteilten Entwurfs einer technischen Vorschrift,
         die im Verhältnis zu dem mitgeteilten Entwurf nur eine Lockerung der Bedingungen für die Benutzung des in Rede stehenden Erzeugnisses
         enthält und daher die mögliche Auswirkung der technischen Vorschrift auf den Warenaustausch verringert, keine wesentliche
         Änderung im Sinne des Unterabs. 3 dieser Bestimmung darstellt und der Kommission nicht vorher mitzuteilen ist. Mangels einer
         solchen Verpflichtung zur vorherigen Mitteilung steht das Fehlen der vorherigen Mitteilung einer unwesentlichen Änderung einer
         technischen Vorschrift an die Kommission der Anwendung dieser Vorschrift nicht entgegen.
      
       Kosten
      50      Für die Beteiligten des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren Teil des bei dem vorlegenden Gericht anhängigen Verfahrens; die
         Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von Erklärungen vor dem
         Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Die Richtlinie 94/25/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Juni 1994 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften
            der Mitgliedstaaten über Sportboote in der durch die Richtlinie 2003/44/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.
            Juni 2003 geänderten Fassung steht einer nationalen Regelung nicht entgegen, die im Hinblick auf den Umweltschutz die Benutzung
            von Wassermotorrädern außerhalb der ausgewiesenen Wasserstraßen verbietet.
      2.      Die Art. 34 AEUV und 36 AEUV stehen einer solchen nationalen Regelung nicht entgegen, vorausgesetzt,
      –        die zuständigen nationalen Behörden sind verpflichtet, Durchführungsmaßnahmen zur Bezeichnung der Bereiche außerhalb der öffentlichen
            Wasserstraßen zu erlassen, in denen Wassermotorräder benutzt werden dürfen,
      –        diese Behörden haben tatsächlich die ihnen hierzu verliehene Zuständigkeit wahrgenommen und die Bereiche bezeichnet, die den
            in der nationalen Regelung vorgesehenen Bedingungen entsprechen, und
      –        derartige Maßnahmen sind innerhalb einer vernünftigen Frist nach Inkrafttreten dieser Regelung erlassen worden.
      Es obliegt dem vorlegenden Gericht, zu prüfen, ob diese Bedingungen im Ausgangsverfahren erfüllt sind.
      3.      Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie 98/34/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Juni 1998 über ein Informationsverfahren
            auf dem Gebiet der Normen und technischen Vorschriften ist dahin auszulegen, dass eine Änderung des der Europäischen Kommission
            bereits gemäß Unterabs. 1 dieser Bestimmung mitgeteilten Entwurfs einer technischen Vorschrift, die im Verhältnis zu dem mitgeteilten
            Entwurf nur eine Lockerung der Bedingungen für die Benutzung des in Rede stehenden Erzeugnisses enthält und daher die mögliche
            Auswirkung der technischen Vorschrift auf den Warenaustausch verringert, keine wesentliche Änderung im Sinne des Unterabs. 3
            dieser Bestimmung darstellt und der Kommission nicht vorher mitzuteilen ist. Mangels einer solchen Verpflichtung zur vorherigen
            Mitteilung steht das Fehlen der vorherigen Mitteilung einer unwesentlichen Änderung einer technischen Vorschrift an die Kommission
            der Anwendung dieser Vorschrift nicht entgegen.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Schwedisch.