CELEX: 62008FJ0005
Language: de
Date: 2010-09-29 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts für den öffentlichen Dienst (Dritte Kammer) vom 29. September 2010. # Markus Brune gegen Europäische Kommission. # Öffentlicher Dienst - Allgemeines Auswahlverfahren - Nichtaufnahme in die Reserveliste - Ablauf der mündlichen Prüfung - Beständigkeit des Prüfungsausschusses. # Rechtssache F-5/08.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST DER EUROPÄISCHEN UNION (Dritte Kammer)
      29. September 2010(*)
      
      „Öffentlicher Dienst – Allgemeines Auswahlverfahren – Nichtaufnahme in die Reserveliste – Ablauf der mündlichen Prüfung – Beständigkeit des Prüfungsausschusses“
      In der Rechtssache F-5/08
      betreffend eine Klage nach den Art. 236 EG und 152 EA,
      Markus Brune, wohnhaft in Brüssel (Belgien), Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt H. Mannes,
      
      Kläger,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch J. Currall und B. Eggers als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST(Dritte Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten P. Mahoney, der Richterin I. Boruta (Berichterstatterin) und des Richters H. Tagaras,
      Kanzler: R. Schiano, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 18. März 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Mit Klageschrift, die am 10. Januar 2008 per E-Mail bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist (die Urschrift ist am 11.
         Januar 2008 eingegangen), beantragt Herr Brune in erster Linie die Aufhebung der Entscheidung der Kommission der Europäischen
         Gemeinschaften vom 10. Mai 2007, ihn nicht in die Reserveliste des allgemeinen Auswahlverfahrens EPSO/AD/26/05 aufzunehmen,
         und der Entscheidung vom 2. Oktober 2007 über die Zurückweisung seiner Beschwerde.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Art. 3 Abs. 1 des Anhangs III des Statuts der Beamten der Europäischen Union (im Folgenden: Statut) über das Auswahlverfahren
         bestimmt:
      
      „Der Prüfungsausschuss besteht aus einem von der Anstellungsbehörde bestellten Vorsitzenden und aus Mitgliedern, die in gleicher
         Zahl von der Anstellungsbehörde und von der Personalvertretung benannt werden.“ 
      
      3        Die Bekanntmachung des im Amtsblatt der Europäischen Union (C 178 A, S. 3) veröffentlichten allgemeinen Auswahlverfahrens EPSO/AD/26/05 sieht in Titel B („Verfahren“) u. a. folgende
         Bestimmungen vor: 
      
      „3. Mündliche Prüfung – Bewertung 
      e)      In der Hauptsprache der Bewerberin oder des Bewerbers geführtes Gespräch mit dem Prüfungsausschuss, bei dem deren bzw. dessen
         Eignung für die in Titel A Punkt I genannten Aufgaben beurteilt wird. Gegenstand dieses Gesprächs sind vor allem das einschlägige
         Sachwissen und die Kenntnis der Europäischen Union, ihrer Organe und der Bereiche ihrer Politik. Geprüft wird auch die Beherrschung
         der zweiten Sprache. Außerdem soll anhand des Gesprächs die Fähigkeit beurteilt werden, sich auf ein multikulturelles Arbeitsumfeld
         im europäischen öffentlichen Dienst einzustellen. 
      
      Diese Prüfung wird mit 0 bis 50 Punkten bewertet (erforderliche Mindestpunktzahl: 25). 
      …
      5. Aufnahme in die Reservelisten 
      Der Prüfungsausschuss stellt für jedes Auswahlverfahren eine Reserveliste mit höchstens vier Leistungsgruppen auf, in denen
         jeweils in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Prüfungsteilnehmerinnen und Prüfungsteilnehmer … aufgeführt sind (siehe Titel
         A: Anzahl der erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber), die bei der schriftlichen Prüfung d) und der mündlichen Prüfung e)
         jeweils die Mindestpunktzahl und bei beiden Prüfungen zusammen eines der besten Ergebnisse erzielt haben. 
      
      …“
       Sachverhalt 
      4        Am 20. Juli 2005 veröffentlichte die Kommission die Bekanntmachung des allgemeinen Auswahlverfahrens EPSO/AD/26/05 zur Aufstellung
         einer Reserveliste für 180 Beamtinnen und Beamten der Funktionsgruppe AD (AD 5) im Bereich Recht (im Folgenden: Auswahlverfahren),
         auf die sich der Kläger bewarb.
      
      5        Der Prüfungsausschuss setzte sich zunächst aus einer ordentlichen Vorsitzenden und zwei ordentlichen Mitgliedern sowie aus
         einem stellvertretenden Vorsitzenden und zwei stellvertretenden Mitgliedern je ordentliches Mitglied zusammen. 
      
      6        Nachdem die Person, die anfangs die Aufgaben eines Vorsitzenden wahrgenommen hatte, auf einen neuen Posten innerhalb der Kommission
         ernannt worden und daraufhin vom Vorsitz des Prüfungsausschusses zurückgetreten war, wurde am 2. Juni 2006 eine neue Vorsitzende
         des Prüfungsausschusses bestimmt.
      
      7        Nach erfolgreicher Teilnahme an den Vorauswahltests und der schriftlichen Prüfung wurde der Kläger mit Schreiben vom 20. Dezember
         2006 eingeladen, an der mündlichen Prüfung teilzunehmen. 
      
      8        Die mündlichen Prüfungen fanden zwischen dem 23. Januar 2007 und 3. Mai 2007 statt, also über einen Zeitraum von ungefähr
         dreieinhalb Monaten. 
      
      9        Der Kläger absolvierte die mündliche Prüfung am 6. März 2007. Bei dieser Prüfung bestand der Prüfungsausschuss aus drei Personen,
         der Vorsitzenden, einem ordentlichen Mitglied und einem stellvertretenden Mitglied. 
      
      10      Mit Schreiben vom 10. Mai 2007 teilte die Vorsitzende des Prüfungsausschusses dem Kläger Folgendes mit: 
      
      „Ich bedaure, Ihnen mitteilen zu müssen, dass [der Prüfungsausschuss] Sie leider nicht in die Reserveliste aufnehmen konnte.
         
      
      Die Bekanntmachung des Auswahlverfahrens sieht vor, dass bei allen Prüfungen eine Bewertung unter der jeweils erforderlichen
         Mindestpunktzahl zum Ausschluss führt. 
      
      Ihre Ergebnisse der Vorauswahltests, der schriftlichen sowie der mündlichen Prüfung setzen sich im Einzelnen wie folgt zusammen:
         
      
      Test a):           46,5/60 (Mindestpunktzahl: 30)
      Test b):           19/20          (Mindestpunktzahl: 10)
      Test c):           32,821/40 (Mindestpunktzahl: 20)
      Prüfung d):           36/50          (Mindestpunktzahl: 25)
      Prüfung e):           20,5/50 (Mindestpunktzahl: 25)
      …“
      11      Mit E-Mail und Schreiben vom 31. Mai 2007 legte der Kläger nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts eine Beschwerde gegen die Entscheidung
         ein, ihn nicht in die Reserveliste aufzunehmen. 
      
      12      Mit Entscheidung vom 25. September 2007, die dem Kläger am 2. Oktober 2007 zugestellt wurde, wies die Anstellungsbehörde die
         Beschwerde des Klägers zurück. 
      
       Anträge der Parteien
      13      Der Kläger beantragt,
      
      –        die Entscheidung der Kommission vom 10. Mai 2007 und den Beschwerdebescheid vom 2. Oktober 2007 aufzuheben und die Reserveliste
         im Auswahlverfahren für ungültig zu erklären;
      
      –        hilfsweise, die Entscheidung der Kommission vom 10. Mai 2007 und den Beschwerdebescheid vom 2. Oktober 2007 aufzuheben und
         die Beklagte zu verpflichten, den Kläger in die Reserveliste im Bereich Recht des allgemeinen Auswahlverfahrens EPSO/AD/26/05
         aufzunehmen; 
      
      –        äußerst hilfsweise, die Entscheidung der Kommission vom 10. Mai 2007 und den Beschwerdebescheid vom 2. Oktober 2007 aufzuheben
         und die Kommission zu verpflichten, einen neuen Termin für die mündliche Prüfung des Klägers mit einer angemessenen Vorbereitungszeit
         anzusetzen, und die Aufnahmefähigkeit in die Reserveliste nach angemessenen Bewertungskriterien zu beurteilen; 
      
      –        die Kommission zu verpflichten, eine Begründung für die Entscheidung vom 10. Mai 2007 zu geben und Einsicht in das Prüfungsprotokoll
         der mündlichen Prüfung vom 6. März 2007 zu gewähren; 
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen; 
      –        vorsorglich den Erlass eines Versäumnisurteils. 
      14      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen; 
      –        dem Kläger die Kosten dieses Verfahrens aufzuerlegen. 
       Zulässigkeit der Anträge und Streitgegenstand
      15      Mit seinem ersten Antrag begehrt der Kläger im Wesentlichen die Aufhebung der Entscheidung, ihn nicht in die Reserveliste
         aufzunehmen, die Aufhebung der Beschwerdeentscheidung und die Aufhebung der gesamten Reserveliste. 
      
      16      Insoweit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass formal gegen die Zurückweisung einer Beschwerde gerichtete Aufhebungsanträge
         bewirken, dass das Gericht mit der Handlung befasst wird, gegen die die Beschwerde gerichtet ist, wenn sie als solche keinen
         eigenständigen Gehalt haben (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 17. Januar 1989, Vainker/Parlament, 293/87,
         Slg. 1989, 23, Randnr. 8; Urteil des Gerichts erster Instanz vom 6. April 2006, Camόs Grau/Kommission, T-309/03, Slg. 2006,
         II-1173, Randnr. 43; Urteil des Gerichts vom 19. September 2007, Talvela/Kommission, F-43/06, Slg. ÖD 2007, I-A-1-249 und
         II-A-1-1375, Randnr. 36). 
      
      17      Die Kommission hält den Antrag auf Aufhebung der gesamten Reserveliste für unzulässig, da der Kläger kein Rechtsschutzbedürfnis
         für die Aufhebung der gesamten Reserveliste habe.
      
      18      Dazu ist zu bemerken, dass die Aufhebung sämtlicher Ergebnisse eines Auswahlverfahrens grundsätzlich eine überzogene Sanktion
         für den begangenen Rechtsverstoß darstellen würde, und zwar unabhängig von der Art des Verstoßes und des Umfangs seiner Auswirkungen
         auf die Ergebnisse des Auswahlverfahrens (Urteil des Gerichts vom 5. Mai 2010, Bouillez u. a./Rat, F-53/08, Randnr. 83). Daher
         sind Anträge auf Aufhebung der Reserveliste nach der Rechtsprechung grundsätzlich nur insoweit zulässig, als sie sich auf
         die Weigerung des Prüfungsausschusses für das Auswahlverfahren beziehen, den Kläger in die betreffende Reserveliste aufzunehmen
         (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 25. Mai 2000, Elkaïm und Mazuel/Kommission, T-173/99, Slg. ÖD 2000, I-A-101 und II-433,
         Randnr. 23). Bei Feststellung eines Rechtsverstoßes im Rahmen eines allgemeinen Auswahlverfahrens zur Bildung einer Einstellungsreserve
         sind nämlich die Rechte eines Klägers angemessen geschützt, wenn der Prüfungsausschuss und die Anstellungsbehörde die ihn
         beschwerende Entscheidung überprüfen und für seinen Fall eine billige Lösung zu erreichen suchen; es besteht keine Veranlassung,
         das gesamte Ergebnis des Auswahlverfahrens in Frage zu stellen oder die danach ausgesprochenen Ernennungen aufzuheben (vgl.
         Urteil des Gerichtshofs vom 6. Juli 1993, Kommission/Albani u. a., C-242/90 P, Slg. 1993, I-3839, Randnr. 13 und die dort
         angeführte Rechtsprechung).
      
      19      Daraus folgt, dass der Antrag des Klägers auf Aufhebung der gesamten Reserveliste mangels Rechtsschutzinteresses unzulässig
         ist. 
      
      20      Mit seinem zweiten und seinem dritten Antrag begehrt der Kläger im Wesentlichen, die Kommission zu verpflichten, ihn in die
         Reserveliste im Bereich Recht des allgemeinen Auswahlverfahrens EPSO/AD/26/05 aufzunehmen, und äußerst hilfsweise, sie zu
         verpflichten, für ihn einen neuen Termin für die mündliche Prüfung mit einer angemessenen Vorbereitungszeit anzusetzen und
         die Aufnahmefähigkeit in die Reserveliste nach angemessenen Bewertungskriterien zu beurteilen. 
      
      21      Die Kommission tritt diesen Anträgen damit entgegen, dass sie unzulässig seien, da es sich um Verpflichtungsanträge handele.
      
      22      Nach ständiger Rechtsprechung kann das Gericht keine Anordnungen an ein Unionsorgan richten (vgl. u. a. Urteil des Gerichts
         erster Instanz vom 27. Juni 1991, Valverde Mordt/Gerichtshof, T-156/89, Slg. 1991, II-407, Randnr. 150; Urteil des Gerichts
         vom 11. Dezember 2008, Dubus und Leveque/Kommission, F-66/07, Slg. ÖD 2008, I-A-1-469 und II-A-1-2597, Randnr. 48), wobei
         aber darauf hinzuweisen ist, dass das Organ, dem das aufgehobene Handeln zur Last fällt, stets verpflichtet ist, die sich
         aus dem Urteil ergebenden notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Demnach sind der zweite und der dritte Antrag als unzulässig
         zurückzuweisen, weil es sich um Verpflichtungsanträge handelt. 
      
      23      Mit seinem vierten Antrag ersucht der Kläger das Gericht, die Kommission zu verpflichten, eine Begründung für die Entscheidung
         vom 10. Mai 2007 zu geben und ihm Einsicht in das Prüfungsprotokoll der mündlichen Prüfung vom 6. März 2007 zu gewähren. Es
         ist jedoch festzustellen, dass dieser Antrag in Wirklichkeit darauf abzielt, dass ein Klagegrund, den der Kläger im Rahmen
         seines Aufhebungsantrags geltend macht und mit dem er einen Verstoß gegen die Pflicht zur Begründung einer ablehnenden Entscheidung
         und die Verweigerung der Akteneinsicht rügt, für berechtigt erklärt wird. Folglich ist der Antrag als unzulässig zurückzuweisen
         (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 30. November 1993, Vienne/Parlament, T-15/93, Slg. 1993, II-1327, Randnr. 13; Urteil
         des Gerichts vom 13. Dezember 2007, Sundholm/Kommission, F-42/06, Slg. ÖD 2007, I-A-1-437 und II-A-1-2499, Randnr. 23).
      
      24      Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass nur der erste Antrag zu prüfen ist, soweit er auf Aufhebung der Entscheidung, den Kläger
         nicht in die Reserveliste aufzunehmen, gerichtet ist. 
      
       Zum Antrag auf Aufhebung der Entscheidung der Kommission, den Kläger nicht in die Reserveliste aufzunehmen 
      25      Der Kläger macht im Wesentlichen fünf Klagegründe geltend: 
      
      –        instabile und nicht ordnungsgemäße Besetzung des Prüfungsausschusses für das Auswahlverfahren; 
      –        Kompetenzüberschreitung bei der Beurteilung der Leistungen der Bewerber; 
      –        Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, da die Prüfung des Klägers anders abgelaufen sei als die der anderen Bewerber;
         
      
      –        Verletzung der Pflicht zur Begründung einer ablehnenden Entscheidung und Verweigerung der Akteneinsicht;
      –        offensichtlicher Beurteilungsfehler. 
      26      Es ist insbesondere der erste Klagegrund zu prüfen.
      
       Vorbringen der Parteien
      27      Mit seinem ersten Klagegrund rügt der Kläger im Wesentlichen, dass der Prüfungsausschuss während der mündlichen Prüfungen
         nicht gleichbleibend und ordnungsgemäß zusammengesetzt gewesen sei. Er untermauert diesen Klagegrund mit mehreren Argumenten.
         Unter den Umständen des vorliegenden Falles sind zunächst die Argumente des Klägers gemeinsam zu prüfen, mit denen geltend
         gemacht wird, dass bestimmte Abwesenheiten der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses nicht gerechtfertigt gewesen seien, dass
         der Prüfungsausschuss die Verpflichtung, die kontinuierliche Anwesenheit zumindest eines Kernbestands von Prüfern zu gewährleisten,
         nicht beachtet habe, da die Mitglieder während der Prüfungen nicht hinreichend anwesend gewesen seien, und dass die Zusammensetzung
         des Prüfungsausschusses erheblich geschwankt habe. 
      
      28      Der Kläger weist zunächst darauf hin, dass die Abwesenheiten des Vorsitzenden eines Prüfungsausschusses für ein Auswahlverfahren
         gerechtfertigt sein müssten. Im vorliegenden Fall habe die Kommission aber keine Erklärungen für jede der Abwesenheiten der
         Vorsitzenden des Prüfungsausschusses gegeben. Außerdem stelle nur eine der Erklärungen, die gegeben worden seien, eine gültige
         Entschuldigung dar, nämlich die Verpflichtung, an der Beerdigung eines Angehörigen teilzunehmen, während die anderen Abwesenheiten,
         darunter die aufgrund der für die Vorsitzende bestehenden Notwendigkeit, an zwei mündlichen Verhandlungen des Gerichtshofs
         der Europäischen Union als Bevollmächtigte der Kommission teilzunehmen, nicht, wie die Rechtsprechung dies verlange, durch
         persönliche Gründe veranlasst gewesen seien, sondern durch ihre alltäglichen beruflichen Verpflichtungen. 
      
      29      Sodann trägt der Kläger vor, da ein Auswahlverfahren eine vergleichende Bestenauslese sein solle, müssten die Prüfungsmitglieder
         einen Eindruck von den Prüfungsleistungen jedes Kandidaten erhalten. Demnach sei es erforderlich, dass ein Kernbestand von
         Prüfern an einer sehr großen Zahl von Prüfungen teilgenommen habe, damit die Beurteilung der Bewerber objektiv und einheitlich
         sei. Im vorliegenden Fall sei dies aber in Anbetracht der Anwesenheitsquoten der Mitglieder des Prüfungsausschusses, einschließlich
         der Vorsitzenden, nicht so gewesen.
      
      30      Schließlich habe die zu starke Schwankung der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses, die dadurch belegt werde, dass der
         Prüfungsausschuss in zahlreichen verschiedenen Formationen getagt habe, eine vergleichende Auslese der Bewerber unmöglich
         gemacht.
      
      31      Diese Gesichtspunkte zeigen nach Ansicht des Klägers, dass die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses nicht ordnungsgemäß
         gewesen sei. 
      
      32      Die Kommission tritt dem mit dem Hinweis darauf entgegen, dass die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses nach der Rechtsprechung
         nur soweit wie möglich stabil bleiben müsse. Es gebe daher keine Regel, wonach die dauerhafte Anwesenheit eines Kernbestands
         von Prüfern des Prüfungsausschusses während der mündlichen Prüfungen verlangt werde. Die Rechtsprechung stütze sich nämlich
         nicht ausschließlich hierauf, sondern auf eine Reihe von Indizien, um von Fall zu Fall anhand der besonderen Charakteristika
         des Auswahlverfahrens zu beurteilen, ob der Prüfungsausschuss die erforderlichen Maßnahmen getroffen habe, um eine objektive
         und gleichmäßige Beurteilung der Bewerber sicherzustellen. 
      
      33      Die Kommission stützt sich für ihre Auffassung hauptsächlich auf das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften
         vom 12. März 2008, Giannini/Kommission (T-100/04, Slg. ÖD 2008, I-A-2-9 und II-A-2-37). Das Gericht erster Instanz sei in
         diesem Urteil davon ausgegangen, dass es für einen ordnungsmäßigen Ablauf der mündlichen Prüfungen unabhängig von der Beständigkeit
         des Prüfungsausschusses ausreiche, dass erstens der Vorsitzende des Prüfungsausschusses und sein Stellvertreter an der großen
         Mehrzahl der Prüfungen teilgenommen hätten, und zwar in der Anfangsphase gemeinsam, damit der stellvertretende Vorsitzende
         die Art und Weise der Anwendung der Beurteilungskriterien durch den Vorsitzenden des Prüfungsausschusses habe verinnerlichen
         können, und dass zweitens sich der Prüfungsausschuss für das Auswahlverfahren vorab über die Bewertungskriterien abgestimmt
         habe.
      
      34      Im vorliegenden Fall habe der Prüfungsausschuss dieselben Maßnahmen wie diejenigen getroffen, auf die das Gericht erster Instanz
         im Urteil Giannini/Kommission abgestellt habe. Folglich müsse die in diesem Urteil gefundene Lösung auf den vorliegenden Fall
         übertragen und demgemäß die Klage abgewiesen werden, wobei dahingestellt bleiben könne, ob die Abwesenheiten der Vorsitzenden
         des Prüfungsausschusses ordnungsgemäß gewesen seien oder ob ein Kernbestand von Prüfern an einer hinreichenden Zahl von Prüfungen
         teilgenommen habe. 
      
      35      Speziell zu den Abwesenheiten der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses vertritt die Kommission überdies die Ansicht, dass
         die Vorsitzende sie nicht nur mit zwingenden Erfordernissen des Privatlebens, sondern auch unter Berufung auf berufliche Verpflichtungen
         rechtfertigen könne, die ihre Anwesenheit unmöglich machten. Die einzige Unterscheidung, die bei der Feststellung, ob eine
         Abwesenheit gerechtfertigt sei, vorzunehmen sei, bestehe darin, vorrangige Verpflichtungen von den alltäglich anfallenden
         Verwaltungsarbeiten abzugrenzen, da Letztere nicht als wirksame Entschuldigung akzeptiert würden. Im vorliegenden Fall gehöre
         die für die Vorsitzende des Prüfungsausschusses bestehende Notwendigkeit, die Kommission vor dem Gerichtshof zu vertreten,
         zu den vorrangigen Verpflichtungen, die nicht vom Willen der Verwaltung abhingen, und sei daher ein wirksamer Entschuldigungsgrund.
         Die Anberaumung der mündlichen Verhandlung erfolge unabhängig vom Willen der Kommission, und die Prozessbevollmächtigten seien
         nicht beliebig auswechselbar, da nur die mit einer Angelegenheit betrauten Bevollmächtigten die Sache hinreichend kennen würden,
         um alle Fragen beantworten zu können, die in der mündlichen Verhandlung gestellt werden könnten. Außerdem müsse sich ein Prozessbevollmächtigter
         auf einen Termin auch vorbereiten und rechtzeitig vorher abreisen, um einen Termin effektiv wahrnehmen zu können, so dass
         er möglicherweise schon ab dem Vortag nicht verfügbar sei. Ebenso müsse es den Bevollmächtigten möglich sein, am nächsten
         Tag abwesend zu sein, um eine ordnungsgemäße Nachbearbeitung der Dossiers zu gewährleisten. Die Kommission räumt jedoch ein,
         dass sie keine genaue Rechtfertigung für die Abwesenheit der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses am 1. Februar 2007 vorweisen
         könne, dass sie aber aufgrund der dienstlichen Verhältnisse dieser Beamtin nur rechtmäßig habe sein können. 
      
      36      Bezüglich der Anwesenheitsquote der anderen Mitglieder des Prüfungsausschusses ist die Kommission der Ansicht, dieses Argument
         sei irrelevant, da der Prüfungsausschuss die erforderlichen Maßnahmen ergriffen habe, um die Konstanz der verwendeten Bewertungskriterien
         zu gewährleisten, nämlich dass die Vorsitzende des Prüfungsausschusses und ihr Stellvertreter an der großen Mehrzahl der Prüfungen
         teilgenommen hätten, und zwar in der Anfangsphase gemeinsam, und dass die Bewertungsmodalitäten vom Prüfungsausschuss vor
         den Prüfungen festgelegt worden seien.
      
      37      Das Argument, dass die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses geschwankt habe, hält die Kommission aus denselben Gründen
         wie den in der vorstehenden Randnummer des vorliegenden Urteils ausgeführten für irrelevant. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      38      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass ein Prüfungsausschuss zwar bei der Beurteilung der Bewerber in einem Auswahlverfahren
         über ein weites Ermessen verfügt, dass er jedoch im Gegenzug seine Arbeiten unter sorgfältiger Einhaltung der Bestimmungen
         über die Organisation der Prüfungen ausführen muss (vgl. in diesem Sinne u. a. Urteile des Gerichts erster Instanz vom 10.
         November 2004, Vonier/Kommission, T-165/03, Slg. ÖD 2004, I-A-343 und II-1575, Randnr. 39, und vom 5. April 2005, Christensen/Kommission,
         T-336/02, Slg. ÖD 2005, I-A-75 und II-341, Randnr. 38). Die sorgfältige Einhaltung der Vorschriften über die Organisation
         der Prüfungen ist für die mündliche Prüfung besonders geboten, da diese ihrem Wesen nach weniger einheitlich gestaltet ist
         als die schriftliche Prüfung (vgl. zu diesem Punkt Urteil des Gerichts erster Instanz vom 17. Dezember 1997, Moles García
         Ortúzar/Kommission, T-216/95, Slg. ÖD 1997, I-A-403 und II-1083, Randnr. 77).
      
      39      Zu den Bestimmungen über die Organisation der Prüfungen gehören die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Objektivität von
         Bewertungen (vgl. u. a. Urteil Christensen/Kommission, Randnr. 43).
      
      40      Um sicherstellen zu können, dass der Prüfungsausschuss bei der Beurteilung aller Bewerber, die an der mündlichen Prüfung teilnehmen,
         die Bedingungen der Gleichheit und der Objektivität beachtet, müssen die Kriterien für die Bewertung einheitlich sein und
         auf diese Bewerber kohärent angewandt werden (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 7. Februar 2002, Felix/Kommission, T-193/00,
         Slg. ÖD 2002, I-A-23 und II-101, Randnr. 37).
      
      41      Die Beachtung der Grundsätze der Gleichbehandlung und der Objektivität von Bewertungen setzt idealerweise die Anwesenheit
         aller Mitglieder des Prüfungsausschusses bei allen Prüfungen voraus. In diesem Zusammenhang stellt der Grad der Anwesenheit
         des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses aufgrund seiner maßgebenden Koordinierungsrolle einen äußerst wichtigen Faktor dar
         (vgl. zu diesem Punkt Urteil des Gerichts erster Instanz vom 24. September 2002, Girardot/Kommission, T-92/01, Slg. ÖD 2002,
         I-A-163 und II-859, Randnr. 31). Bei einem Auswahlverfahren mit großer Teilnehmerzahl, dessen Durchführung notwendigerweise
         einen langen Zeitraum erfordert, stellen sich bei der Organisation mündlicher Prüfungen jedoch erhebliche praktische Schwierigkeiten,
         wie logistische Probleme im Zusammenhang mit der Organisation mündlicher Prüfungen für Bewerber, die verschiedenen Sprachgruppen
         angehören, und der Notwendigkeit, die dienstlichen Erfordernisse der Mitglieder des Prüfungsausschusses zu berücksichtigen
         (Urteil Giannini/Kommission, Randnr. 196). Wenn es sich also erweist, dass sich die Anwesenheit aller Mitglieder des Prüfungsausschusses
         bei allen Prüfungen nicht realisieren lässt, kann das Erfordernis, die Kontinuität des Verwaltungshandelns zu gewährleisten,
         es rechtfertigen, die strenge Geltung des Grundsatzes der Beständigkeit des Prüfungsausschusses abzumildern (Urteil des Gerichtshofs
         vom 13. Februar 1979, Martin/Kommission, 24/78, Slg. 1979, 603, Randnr. 10), da die Beständigkeit des Prüfungsausschusses
         nur soweit wie möglich gewährleistet sein muss (vgl. u. a. Urteil Vonier/Kommission, Randnr. 39).
      
      42      Der Prüfungsausschuss kann sich jedoch keineswegs freimachen von der Beachtung der fundamentalen Garantien der Gleichbehandlung.
         Er muss deshalb die Koordinierungsmaßnahmen treffen, die erforderlich sind, um bei Abwesenheit von Mitgliedern dieses Ausschusses
         die Kohärenz der Bewertung und des Vergleichs der Prüfungsleistungen der Bewerber zu gewährleisten (Urteile Christensen/Kommission,
         Randnr. 38, und des Gerichts erster Instanz vom 13. September 2005, Pantoulis/Kommission, T-290/03, Slg. ÖD 2005, I-A-241
         und II-1123, Randnr. 90). Wird daher diese Kohärenz durch andere Mittel gewährleistet, schließt der Umstand, dass mehrere
         Ausschussformationen die Eignung der Bewerber während der mündlichen Prüfungen beurteilt haben, es insbesondere in einem allgemeinen
         Auswahlverfahren mit großer Teilnehmerzahl nicht aus, dass die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses als hinreichend stabil
         angesehen wird (Urteil Giannini/Kommission, Randnrn. 208 und 216).
      
      43      Die Relevanz der Maßnahmen, die zur Wahrung der Kohärenz der Bewertung und des Vergleichs der Prüfungsleistungen der Bewerber
         ergriffen wurden, ist von Fall zu Fall anhand der besonderen Charakteristika jedes Auswahlverfahrens und der mit der Organisation
         des Auswahlverfahrens zwangsläufig verbundenen praktischen Erfordernisse zu beurteilen (Urteil des Gerichts vom 13. Dezember
         2006, Neophytou/Kommission, F-22/05, Slg. ÖD 2006, I-A-1-159 und II-A-1-617, Randnr. 44).
      
      44      Im Licht dieser Rechtsprechung ist die Begründetheit der vom Kläger behaupteten Rechtsverstöße zu prüfen und über die mit
         ihnen verbundenen Folgen zu befinden. Um festzustellen, ob das durchgeführte Verfahren den beiden grundlegenden Erfordernissen
         der Objektivität und der Gleichbehandlung bei der Beurteilung der Bewerber genügt hat, ist eine umfassende Prüfung der Organisation
         der mündlichen Prüfungen unter den besonderen Umständen des vorliegenden Falles vorzunehmen, bei der alle relevanten Faktoren
         berücksichtigt werden. Zu diesen Faktoren gehören u. a. die Zahl der zu den Prüfungen zugelassenen Bewerber, die Schwankungen
         in der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses, wobei besonderes Augenmerk der jeweiligen Anwesenheit der Vorsitzenden des
         Prüfungsausschusses und ihres Stellvertreters gilt, und die Koordinierungsmaßnahmen, die zur Gewährleistung der kohärenten
         Anwendung der Bewertungskriterien getroffen wurden. 
      
      45      Nach Ansicht des Klägers ist die angefochtene Entscheidung unter Verstoß gegen den Grundsatz der Beständigkeit der Zusammensetzung
         des Prüfungsausschusses ergangen, weshalb sie mit drei Fehlern behaftet sei, nämlich dass die Abwesenheiten der Vorsitzenden
         des Prüfungsausschusses ungerechtfertigt gewesen seien, dass es keine kontinuierliche Anwesenheit zumindest eines Kernbestands
         von Prüfern im Prüfungsausschuss einschließlich der Vorsitzenden gegeben habe und dass es im Prüfungsausschuss eine übermäßige
         Fluktuation gegeben habe. 
      
      46      Was erstens die Abwesenheiten der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass der Vorsitzende
         in Anbetracht seiner führenden Rolle im Prüfungsausschuss grundsätzlich verpflichtet ist, allen Prüfungen beizuwohnen, um
         die Arbeiten des Prüfungsausschusses zu koordinieren und darauf zu achten, dass dieser auf alle Bewerber dieselben Bewertungskriterien
         einheitlich anwendet und eine vergleichende Beurteilung aller Bewerber vornimmt (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 23.
         März 2000, Gogos/Kommission, T-95/98, Slg. ÖD 2000, I-A-51 und II-219, Randnrn. 42 bis 47). Der Vorsitzende kann jedoch ausnahmsweise
         aus zwingenden Gründen, die nicht von der Verwaltung abhängen, abwesend sein (Urteil Vonier/Kommission, Randnr. 37 und die
         dort angeführte Rechtsprechung). Bei einem allgemeinen Auswahlverfahren mit großer Teilnehmerzahl ist anerkannt, dass die
         Beurteilungskriterien für die mündlichen Prüfungen einheitlich und nicht diskriminierend angewendet sein können, wenn der
         ordentliche Vorsitzende an der großen Mehrzahl der Prüfungen teilnimmt und der stellvertretende Vorsitzende, der den ordentlichen
         Vorsitzenden bei Abwesenheit vertritt, bei einem Teil der Prüfungen, die unter der Leitung des ordentlichen Vorsitzenden stattfinden,
         ebenfalls anwesend ist, um sich die Beurteilungsleitlinien, wie sie der Prüfungsausschuss anwendet, als Maßstab anzueignen
         (Urteil Giannini/Kommission, Randnrn. 209 bis 212).
      
      47      Im vorliegenden Fall ist zu bemerken, dass die Vorsitzende des Prüfungsausschusses an ungefähr 77,5 % der Prüfungen teilgenommen
         hat und dass ihre Abwesenheiten acht der 36 Tage, an denen Prüfungen stattfanden, betroffen haben, nämlich den 1. und 5. Februar
         2007, den 5. (bis auf die erste Prüfung, an der sie teilgenommen hat), 6., 7., 8., 28. und 29. März 2007, sowie zwei Prüfungen,
         die am 27. März 2007 stattgefunden haben. 
      
      48      Die Abwesenheiten am 7. und 29. März 2007 waren durch einen zwingenden Grund gerechtfertigt, da sie durch die für die Vorsitzende
         bestehende Notwendigkeit begründet waren, als Bevollmächtigte der Kommission an zwei mündlichen Verhandlungen vor dem Gerichtshof
         teilzunehmen. Zum einen ist nämlich die Anberaumung einer Sitzung nicht vom Willen der Kommission abhängig, und für die Bevollmächtigten
         der Organe kommt es unter Berücksichtigung ihrer Rolle als an der Rechtspflege beteiligte Personen nicht in Betracht, unter
         Geltendmachung beruflicher Erfordernisse wie der Teilnahme an einem Prüfungsausschuss für ein Auswahlverfahren die Verlegung
         des Termins zu beantragen. Zum anderen wäre, auch wenn die Kommission jedes Mal zwei Bevollmächtigte als mit der Angelegenheit
         betraut bestellt hätte, wodurch es theoretisch möglich gewesen wäre, dass nur einer von ihnen in der Sitzung anwesend gewesen
         wäre, die Qualität der Vertretung des Organs erheblich beeinträchtigt gewesen, da die jeweilige Kenntnis der Bevollmächtigten
         in Bezug auf die Angelegenheit nicht notwendigerweise dieselben Aspekte betroffen hätte. 
      
      49      Zu den Abwesenheiten am 5. und 6. März 2007 sowie am 27. und 28. März 2007, den beiden Tagen vor den Sitzungen beim Gerichtshof,
         ist festzustellen, dass es für die Vorsitzende des Prüfungsausschusses erforderlich war, sich auf diese Sitzungen vorzubereiten,
         und erst recht, sich dorthin zu begeben. Die mit der Komplexität der betreffenden Rechtssachen im Zusammenhang stehende Beurteilung
         der Frage, ob ein oder zwei Tage Abwesenheit erforderlich waren, ist nicht Sache des Gerichts, so dass die Abwesenheiten der
         Vorsitzenden des Prüfungsausschusses nicht als ungerechtfertigt angesehen werden können, es sei denn, ihre Zahl hätte offensichtlich
         außer Verhältnis gestanden, was hier nicht der Fall ist. 
      
      50      Die Abwesenheit am 8. März 2007, dem Tag nach einer der Sitzungen am Gerichtshof, kann ebenfalls nicht als ungerechtfertigt
         betrachtet werden, da sie darauf beruhte, dass die Vorsitzende des Prüfungsausschusses über den Ablauf der Sitzung berichten
         musste. 
      
      51      Hingegen war die Kommission nicht in der Lage, die Abwesenheit der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses am 1. Februar 2007
         mit zwingenden Gründen zu rechtfertigen. Eine einzige ungeklärte Abwesenheit kann jedoch nicht zu einem Verstoß gegen den
         Grundsatz der Gleichbehandlung führen. 
      
      52      Außerdem ist im vorliegenden Fall festzustellen, dass sich die Abwesenheiten der Vorsitzenden des Prüfungsausschusses angesichts
         der Zahl der Bewerber am Auswahlverfahren im Rahmen hielten und es unter diesem Gesichtspunkt möglich sein könnte, wie von
         der Kommission vorgeschlagen, eine Parallele zwischen der vorliegenden Rechtssache, in der die Anwesenheitsquote der Vorsitzenden
         des Prüfungsausschusses bei den Prüfungen ungefähr 77,5 % beträgt, und der Rechtssache Giannini/Kommission zu ziehen, in der
         der ordentliche Vorsitzende in 85 % der Prüfungen anwesend und nur punktuell bei fünf Prüfungen von einer ähnlichen Gesamtzahl
         an Prüfungen, nämlich 280, aus nicht zwingenden Gründen abwesend war (Urteil Giannini/Kommission, Randnrn. 205 und 215). Außerdem
         ist der Prüfungsausschuss für das Auswahlverfahren während der Abwesenheiten der Vorsitzenden vom stellvertretenden Vorsitzenden
         geleitet worden, der gemeinsam mit der Vorsitzenden an insgesamt 216 von 279 Prüfungen – darunter die ersten 63 Prüfungen
         – teilgenommen hatte, wodurch wie in der Rechtssache Giannini/Kommission eine Kontinuität im Vorsitz des Prüfungsausschusses
         gewährleistet war (Urteil Giannini/Kommission, Randnrn. 209 bis 212). Demzufolge können die Abwesenheiten der Vorsitzenden
         des Prüfungsausschusses für sich genommen die Aufhebung der Entscheidung, den Kläger nicht in die Reserveliste aufzunehmen,
         nicht rechtfertigen. Diese Abwesenheiten müssen gegen die anderen Faktoren abgewogen werden, die für die Feststellung, ob
         eine hinreichende Beständigkeit in der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses gewährleistet war, relevant sind.
      
      53      Was zweitens die Anwesenheit zumindest eines Kernbestands an Prüfern im Prüfungsausschuss betrifft, ist darauf hinzuweisen,
         dass unabhängig von der Anwesenheit des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses bei den Prüfungen die erhebliche Präsenz einer
         hinreichenden Zahl von Prüfern erforderlich ist, damit die Kohärenz der Bewertung und der vergleichenden Beurteilung der Bewerber
         gewährleistet ist. In Anbetracht der Schwierigkeiten, die mit der Organisation eines Auswahlverfahrens mit großer Teilnehmerzahl
         wie im vorliegenden Fall verbunden sind, ist es für einen Kernbestand an Prüfern im Prüfungsausschuss, der eine hinreichende
         Kontinuität gewährleisten kann, gleichwohl nicht erforderlich, dass alle Mitglieder dieses Kernbestands an allen Prüfungen
         teilgenommen haben (vgl. in diesem Sinne Urteil Giannini/Kommission, Randnr. 212).
      
      54      Im vorliegenden Fall stellt das Gericht auf der Grundlage der von der Kommission übermittelten Tabelle über die Zusammensetzung
         des Prüfungsausschusses in den verschiedenen Prüfungen fest, dass mit Ausnahme der Vorsitzenden, die an ungefähr 77,5 % der
         Prüfungen teilgenommen hat, die Anwesenheitsquoten der beiden anderen ordentlichen Mitglieder ungefähr 19 % und 65,5 % betragen
         haben und außerdem in 88 von 279 Prüfungen keines dieser beiden ordentlichen Mitglieder im Prüfungsausschuss war. 
      
      55      Ausgehend von diesen Zahlen und von der Prämisse, dass die Verpflichtung zur Teilnahme an den mündlichen Prüfungen ganz offensichtlich
         in erster Linie den ordentlichen Mitgliedern obliegt, ist festzustellen, dass im vorliegenden Fall die Anwesenheitsquoten
         der beiden anderen ordentlichen Mitglieder neben der Vorsitzenden besonders niedrig sind. Sie sind außerdem erheblich niedriger
         als die der beiden ordentlichen Mitglieder, die, den Vorsitzenden ausgenommen, in der Rechtssache Giannini/Kommission die
         höchsten Anwesenheitsquoten hatten, nämlich 81 % und 83,5 % (Urteil Giannini/Kommission, Randnr. 212). 
      
      56      Ein stellvertretendes Mitglied kann zwar ein ordentliches Mitglied bei dessen Abwesenheit ersetzen; allerdings erfordert eine
         solche Abwesenheit, wenn die Anwesenheitsquoten der ordentlichen Mitglieder wie im vorliegenden Fall besonders niedrig sind,
         eine Rechtfertigung (vgl. im Umkehrschluss Urteil Neophytou/Kommission, Randnr. 56), die von der Kommission nicht gegeben
         wurde.
      
      57      Außerdem ist selbst dann, wenn die stellvertretenden Mitglieder des Prüfungsausschusses zu den Prüfern gezählt werden, die
         einen Kernbestand bilden können, festzustellen, dass auch ihre Anwesenheitsquoten gering sind und erheblich unter den Anwesenheitsquoten
         liegen, die in der Rechtssache Giannini/Kommission festgestellt wurden, da die höchste Anwesenheitsquote bei den stellvertretenden
         Mitgliedern im vorliegenden Fall nur bei 52,5 % liegt.
      
      58      Drittens stellt das Gericht in Bezug auf die Fluktuation im Prüfungsausschuss auf der Grundlage der von der Kommission übermittelten
         Tabelle fest, dass die ordentlichen Mitglieder gemeinsam nur an ungefähr 15 % der Prüfungen teilgenommen haben, dass keine
         Ausschussformation, auch in der Besetzung mit einem oder mehreren stellvertretenden Mitgliedern, bei einer großen Zahl von
         Prüfungen in identischer Zusammensetzung getagt hat und dass bestenfalls ein ordentliches Mitglied des Prüfungsausschusses
         an nur 77,5 % der Prüfungen teilgenommen hat. 
      
      59      Diese drei Indizien zeigen, dass die Zusammensetzung des Prüfungsausschusses für das Auswahlverfahren erheblich geschwankt
         hat. In dieser Situation einer ständigen Änderung der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses haben bestimmte Mitglieder des
         Ausschusses die Prüfungsleistungen nur einer begrenzten Zahl von Bewerbern gehört und konnten daher nur eine sehr partielle
         vergleichende Beurteilung aller Prüfungsleistungen der Bewerber vornehmen. 
      
      60      In diesem Zusammenhang ist zu bemerken, dass die Fluktuation im Prüfungsausschuss in der vorliegenden Rechtssache wesentlich
         ausgeprägter war als in der Rechtssache Giannini/Kommission, da im vorliegenden Fall der Prozentsatz der Bewerber, die von
         der aus allen ordentlichen Mitgliedern bestehenden Ausschussformation geprüft wurden, also ungefähr 15 %, und die Anwesenheitsquote
         des ordentlichen Mitglieds, das bei den meisten Prüfungen teilgenommen hat, also 77,5 %, erheblich unter den in der Rechtssache
         Giannini/Kommission festgestellten Prozentsätzen, 68 % bzw. 85 %, liegen. 
      
      61      Auch wenn im vorliegenden Fall wie in der von der Kommission herangezogenen Rechtssache Giannini/Kommission die Kontinuität
         des Vorsitzes des Prüfungsausschusses als solche aufgrund der Maßnahmen, die zur Sicherstellung der Koordination zwischen
         der Vorsitzenden und ihrem Stellvertreter ergriffen wurden, nicht kritisiert werden kann, wurden doch die geringe Anwesenheitsquote
         der ordentlichen Mitglieder sowie die erhebliche Fluktuation des Prüfungsausschusses in seiner Gesamtheit während der mündlichen
         Prüfungen nicht durch eine permanente Anwesenheit derselben Person im Vorsitz des Prüfungsausschusses ausgeglichen. 
      
      62      Zwar ist mit der Kommission anzuerkennen, dass in Anbetracht der praktischen Schwierigkeiten, die mit der Organisation von
         allgemeinen Auswahlverfahren mit großer Teilnehmerzahl zwangsläufig verbunden sind, bei einem solchen Auswahlverfahren nicht
         der gleiche Grad an Beständigkeit in der Zusammensetzung des Prüfungsausschusses verlangt werden kann wie bei Auswahlverfahren
         mit geringer Beteiligung (vgl. in diesem Sinne Urteil Neophytou/Kommission, Randnr. 44). Jedoch ergibt sich aus der Kombination
         der vorstehend angeführten Umstände, nämlich erstens, dass sich der Kernbestand an bei den Prüfungen anwesenden Prüfern auf
         die Vorsitzende des Prüfungsausschusses und ihren Stellvertreter beschränkt hat, da die anderen Mitglieder des Prüfungsausschusses
         nicht an einer hinreichenden Zahl von Prüfungen teilgenommen haben, und zweitens, dass keine Ausschussformation in identischer
         Besetzung in einer großen Zahl von mündlichen Prüfungen getagt hat, dass in der vorliegenden Rechtssache die Zusammensetzung
         des Prüfungsausschusses nicht den Grad an Beständigkeit aufgewiesen hat, der die Einhaltung der Grundsätze der Objektivität
         der Bewertungen und der Gleichbehandlung gewährleisten kann. Angesichts der Bedeutung dieser Grundsätze ist daher eine Verletzung
         wesentlicher Formvorschriften festzustellen (Urteil Vonier/Kommission, Randnr. 39). 
      
      63      Diese Beurteilung wird nicht dadurch in Frage gestellt, dass der stellvertretende Vorsitzende in der Anfangsphase gemeinsam
         mit der Vorsitzenden an den Prüfungen teilgenommen hat, um die Art der Anwendung der Beurteilungskriterien zu verinnerlichen,
         und dass der Prüfungsausschuss sich vorab über die Bewertungsmodalitäten abgestimmt hat. Dass in der Rechtssache Giannini/Kommission
         davon ausgegangen wurde, dass diese Umstände die Kohärenz der Bewertung und der vergleichenden Beurteilung des Prüfungsausschusses
         gesichert hatten, ist nämlich auf die erheblich größere Beständigkeit des Prüfungsausschusses in dieser Rechtssache zurückzuführen.
         Da die Beständigkeit des Prüfungsausschusses im vorliegenden Fall gering war, kann bei den beiden vorstehend genannten Umständen
         nicht angenommen werden, dass sie die Kohärenz der Bewertung haben gewährleisten können.
      
      64      Die Klage ist daher begründet, soweit sie gegen die Entscheidung, den Kläger nicht in die Reserveliste des Auswahlverfahrens
         EPSO/AD/26/05 aufzunehmen, gerichtet ist. Demzufolge ist diese Entscheidung aufzuheben, ohne dass es erforderlich wäre, die
         anderen Rügen im Rahmen des ersten Klagegrundes, die anderen vom Kläger geltend gemachten Klagegründe und seinen Antrag auf
         prozessleitende Maßnahmen zu prüfen.
      
       Kosten
      65      Nach Art. 87 Abs. 1 der Verfahrensordnung ist vorbehaltlich der übrigen Bestimmungen des Achten Kapitels des Zweiten Titels
         der Verfahrensordnung die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Gemäß Art. 87 Abs. 2 der
         Verfahrensordnung kann das Gericht aus Gründen der Billigkeit entscheiden, dass eine unterliegende Partei zur Tragung nur
         eines Teils der Kosten oder gar nicht zur Tragung der Kosten zu verurteilen ist. 
      
      66      Aus dem vorliegenden Urteil ergibt sich, dass die Kommission unterlegen ist. Der Kläger hat auch ausdrücklich beantragt, die
         Kommission zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die Umstände des vorliegenden Falles die Anwendung des Art. 87 Abs. 2
         der Verfahrensordnung nicht rechtfertigen, ist die Kommission somit zur Tragung der gesamten Kosten zu verurteilen. 
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST (Dritte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 10. Mai 2007, Herrn Brune nicht in die Reserveliste des Auswahlverfahrens
            EPSO/AD/26/05 aufzunehmen, wird aufgehoben.
      2.      Die Europäische Kommission trägt die gesamten Kosten.
      
      
               Mahoney 
            
            
               Boruta 
            
            
               Tagaras
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 29. September 2010.
      
               Die Kanzlerin 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               W. Hakenberg 
            
             
            
                     P. Mahoney
            
         * Verfahrenssprache: Deutsch.