CELEX: C1998/007/08
Language: de
Date: 1998-01-10 00:00:00
Title: URTEIL DES GERICHTSHOFES vom 11. November 1997 in der Rechtssache C-409/95 (Vorabentscheidungsersuchen des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen): Hellmut Marschall gegen Land Nordrhein-Westfalen (Gleichbehandlung von Männern und Frauen - Gleiche Qualifikation von Bewerbern unterschiedlichen Geschlechts - Vorrang der weiblichen Bewerber - Öffnungsklausel)

C 7/4                 DE                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  10. 1. 98
              URTEIL DES GERICHTSHOFES                               Besitz, die Beförderung und die Kontrolle verbrauch-
                   vom 11. November 1997                             steuerpflichtiger Waren auch dann geltend machen,
                                                                     wenn sie gegen diese Bestimmungen keine Nichtig-
in der Rechtssache C-408/95 (Vorabentscheidungsersuchen              keitsklage im Sinne von Artikel 173 EG-Vertrag erho-
des Tribunal de commerce Paris): Eurotunnel SA u. a.                 ben hat und wenn bereits eine Entscheidung eines
gegen SeaFrance, vormals SocieÂteÂ nouvelle d'armement               Gerichts eines anderen Mitgliedstaats in einem geson-
transmanche SA (SNAT), Streithelfer: International Duty              derten Verfahren vorliegt.
             Free Confederation (IDFC) u. a. (1)
(Übergangsregelung für ¹Duty-Free-Shopsª Ð Richtlinien          2. Die Prüfung der vorgelegten Fragen hat nichts erge-
91/680/EWG und 92/12/EWG des Rates Ð Gültigkeits-                    ben, was die Gültigkeit von Artikel 1 Nummer 22 der
                           prüfung)                                  Richtlinie 91/680/EWG und Artikel 28 der Richtlinie
                         (98/C 7/07)                                 92/12/EWG beeinträchtigen könnte.
                                                                (1) ABl. C 46 vom 17. 2. 1996.
              (Verfahrenssprache: Französisch)
    (Vorläufige Übersetzung; die endgültige Übersetzung
     erscheint in der Sammlung der Rechtsprechung des
                        Gerichtshofes)
                                                                              URTEIL DES GERICHTSHOFES
In der Rechtssache C-408/95 betreffend ein dem Gerichts-                           vom 11. November 1997
hof nach Artikel 177 EG-Vertrag vom Tribunal de com-            in der Rechtssache C-409/95 (Vorabentscheidungsersuchen
merce Paris in dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit           des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen): Hellmut Mar-
Eurotunnel SA u. a. gegen Sea France, vormals SocieÂteÂ                   schall gegen Land Nordrhein-Westfalen (1)
nouvelle d'armement transmanche SA (SNAT), Streithelfer:
International Duty Free Confederation (IDFC) u. a., vorge-      (Gleichbehandlung von Männern und Frauen Ð
legtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Gültigkeit        Gleiche Qualifikation von Bewerbern unterschiedlichen
der Übergangsregelung für ¹Duty-Free-Shopsª, die sich           Geschlechts Ð Vorrang der weiblichen Bewerber Ð
zum einen aus Artikel 28k der Sechsten Richtlinie 77/388/                              Öffnungsklausel)
EWG des Rates vom 17. Mai 1977 zur Harmonisierung                                         (98/C 7/08)
der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
Umsatzsteuern Ð Gemeinsames Mehrwertsteuersystem:
einheitliche steuerpflichtige Bemessungsgrundlage (ABl.                          (Verfahrenssprache: Deutsch)
L 145 vom 13. 6. 1977, S. 1), eingefügt durch Artikel 1
Nummer 22 der Richtlinie 91/680/EWG des Rates vom
16. Dezember 1991 zur Ergänzung des gemeinsamen                 In der Rechtssache C-409/95 betreffend ein dem Gerichts-
Mehrwertsteuersystems und zur ¾nderung der Richtlinie           hof nach Artikel 177 EG-Vertrag vom Verwaltungsgericht
77/388/EWG im Hinblick auf die Beseitigung der Steuer-          Gelsenkirchen in dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit
grenzen (ABl. L 376 vom 31. 12. 1991, S. 1), und zum            Hellmut Marschall gegen Land Nordrhein-Westfalen vor-
anderen aus Artikel 28 der Richtlinie 92/12/EWG des             gelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Ausle-
Rates vom 25. Februar 1992 über das allgemeine System,          gung von Artikel 2 Absätze 1 und 4 der Richtlinie 76/207/
den Besitz, die Beförderung und die Kontrolle verbrauch-        EWG des Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung
steuerpflichtiger Waren (ABl. L 76 vom 23. 3. 1992, S. 1)       des Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und
ergibt, hat der Gerichtshof unter Mitwirkung des Präsiden-      Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur
ten G. C. Rodríguez Iglesias, der Kammerpräsidenten C.          Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in
Gulmann, H. Ragnemalm (Berichterstatter) und M.                 bezug auf die Arbeitsbedingungen (ABl. L 39 vom 14. 2.
Wathelet sowie der Richter G. F. Mancini, J. C. Moitinho        1976, S. 40) hat der Gerichtshof unter Mitwirkung des
de Almeida, P. J. G. Kapteyn, J. L. Murray, D. A. O.            Präsidenten G. C. Rodríguez Iglesias, der Kammerpräsi-
Edward, J.-P. Puissochet, G. Hirsch, P. Jann und L. Sevón       denten C. Gulmann, H. Ragnemalm und M. Wathelet
Ð Generalanwalt: G. Tesauro; Kanzler: R. Grass Ð am             sowie der Richter G. F. Mancini, J. C. Moitinho de
11. November 1997 ein Urteil mit folgendem Tenor erlas-         Almeida, P. J. G. Kapteyn (Berichterstatter), J. L. Murray,
sen:                                                            D. A. O. Edward, J.-P. Puissochet, G. Hirsch, P. Jann und
                                                                L. Sevón Ð Generalanwalt: F. G. Jacobs; Kanzler: H. A.
                                                                Rühl, Hauptverwaltungsrat Ð am 11. November 1997 ein
1. Eine natürliche oder juristische Person kann vor einem       Urteil mit folgendem Tenor erlassen:
     nationalen Gericht die Ungültigkeit von Richtlinienbe-
     stimmungen wie Artikel 1 Nummer 22 der Richtlinie
     91/680/EWG des Rates vom 16. Dezember 1991 zur             Artikel 2 Absätze 1 und 4 der Richtlinie 76/207/EWG des
     Ergänzung des gemeinsamen Mehrwertsteuersystems            Rates vom 9. Februar 1976 zur Verwirklichung des
     und zur ¾nderung der Richtlinie 77/388/EWG im Hin-         Grundsatzes der Gleichbehandlung von Männern und
     blick auf die Beseitigung der Steuergrenzen und            Frauen hinsichtlich des Zugangs zur Beschäftigung, zur
     Artikel 28 der Richtlinie 92/12/EWG des Rates vom          Berufsbildung und zum beruflichen Aufstieg sowie in
     25. Februar 1992 über das allgemeine System, den           bezug auf die Arbeitsbedingungen steht einer nationalen
 ---pagebreak--- 10. 1. 98             DE                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     C 7/5
Regelung nicht entgegen, nach der bei gleicher Qualifika-         1. Die Bundesrepublik Deutschland hat dadurch, daû sie
tion von Bewerbern unterschiedlichen Geschlechts in                    nicht fristgemäû die erforderlichen Maûnahmen getrof-
bezug auf Eignung, Befähigung und fachliche Leistung                   fen hat, um den Richtlinien
weibliche Bewerber in behördlichen Geschäftsbereichen, in
denen im jeweiligen Beförderungsamt einer Laufbahn
weniger Frauen als Männer beschäftigt sind, bevorzugt zu               Ð 91/157/EWG des Rates vom 18. März 1991 über
befördern sind, sofern nicht in der Person eines männli-                   gefährliche Stoffe enthaltende Batterien und Akku-
chen Mitbewerbers liegende Gründe überwiegen, voraus-                      mulatoren und
gesetzt,
                                                                       Ð 93/86/EWG der Kommission vom 4. Oktober
Ð diese Regelung garantiert den männlichen Bewerbern,
                                                                           1993 zur Anpassung der Richtlinie 91/157/EWG
     die die gleiche Qualifikation wie die weiblichen Bewer-
                                                                           an den technischen Fortschritt
     ber besitzen, in jedem Einzelfall, daû die Bewerbungen
     Gegenstand einer objektiven Beurteilung sind, bei der
     alle die Person der Bewerber betreffenden Kriterien
     berücksichtigt werden und der den weiblichen Bewer-               nachzukommen, gegen ihre Verpflichtungen aus
     bern eingeräumte Vorrang entfällt, wenn eines oder                Artikel 11 Absatz 1 der Richtlinie 91/157/EWG und
     mehrere dieser Kriterien zugunsten des männlichen                 Artikel 7 Absatz 1 der Richtlinie 93/86/EWG versto-
     Bewerbers überwiegen, und                                         ûen.
Ð solche Kriterien haben gegenüber den weiblichen
     Bewerbern keine diskriminierende Wirkung.                    2. Die Bundesrepublik Deutschland trägt die Kosten des
                                                                       Verfahrens.
(1) ABl. C 46 vom 17. 2. 1996.
                                                                  (1) ABl. C 269 vom 14. 9. 1996.
              URTEIL DES GERICHTSHOFES
                       (Fünfte Kammer)
                   vom 13. November 1997                                         URTEIL DES GERICHTSHOFES
in der Rechtssache C-236/96: Kommission der Euro-                                         (Erste Kammer)
päischen Gemeinschaften gegen Bundesrepublik Deutsch-
                            land (1)                                                 vom 20. November 1997
(Vertragsverletzung Ð Nichtumsetzung der Richtlinien              in der Rechtssache C-338/95 (Vorabentscheidungsersuchen
                91/157/EWG und 93/86/EWG)                         des Bundesfinanzhofs): Wiener S. I. GmbH gegen Haupt-
                                                                                       zollamt Emmerich (1)
                          (98/C 7/09)
                                                                     (Gemeinsamer Zolltarif Ð Tarifierung Ð Nachthemd)
                 (Verfahrenssprache: Deutsch)
                                                                                            (98/C 7/10)
In der Rechtssache C-236/96, Kommission der Europäi-
schen Gemeinschaften (Bevollmächtigter: Götz zur Hau-
                                                                                   (Verfahrenssprache: Deutsch)
sen) gegen Bundesrepublik Deutschland (Bevollmächtigte:
Ernst Röder und Bernd Kloke), wegen Feststellung, daû
die Bundesrepublik Deutschland dadurch gegen ihre Ver-
pflichtungen aus dem EG-Vertrag verstoûen hat, daû sie            In der Rechtssache C-338/95 betreffend ein dem Gerichts-
nicht innerhalb der vorgeschriebenen Frist die erforderli-        hof nach Artikel 177 EG-Vertrag vom Bundesfinanzhof in
chen Maûnahmen getroffen hat, um folgenden Richtlinien            dem bei diesem anhängigen Rechtsstreit Wiener S. I.
nachzukommen: 91/157/EWG des Rates vom 18. März                   GmbH gegen Hauptzollamt Emmerich vorgelegtes Ersu-
1991 über gefährliche Stoffe enthaltende Batterien und            chen um Vorabentscheidung über die Auslegung der Tarif-
Akkumulatoren (ABl. L 78 vom 26. 3. 1991, S. 38) und              stelle 60.04 B IV b) 2 bb) des Gemeinsamen Zolltarifs in
93/86/EWG der Kommission vom 4. Oktober 1993 zur                  der Fassung der Verordnung (EWG) Nr. 3400/84 des Rates
Anpassung der Richtlinie 91/157/EWG an den technischen            vom 27. November 1984 zur ¾nderung der Verordnung
Fortschritt (ABl. L 264 vom 23. 10. 1993, S. 51), hat der         (EWG) Nr. 950/68 über den Gemeinsamen Zolltarif (ABl.
Gerichtshof (Fünfte Kammer) unter Mitwirkung des Kam-             L 320 vom 10. 12. 1984, S. 1) hat der Gerichtshof (Erste
merpräsidenten C. Gulmann (Berichterstatter) sowie der            Kammer) unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten M.
Richter J. C. Moitinho de Almeida, D. A. O. Edward, J.-P.         Wathelet (Berichterstatter) sowie der Richter P. Jann und
Puissochet und P. Jann Ð Generalanwalt: F. G. Jacobs;             L. Sevón Ð Generalanwalt: F. G. Jacobs; Kanzler: L. Hew-
Kanzler: R. Grass Ð am 13. November 1997 ein Urteil               lett, Verwaltungsrätin Ð am 20. November 1997 ein
mit folgendem Tenor erlassen:                                     Urteil mit folgendem Tenor erlassen: