CELEX: 62001TJ0141
Language: de
Date: 2005-01-18
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite Kammer) vom 18. Januar  2005. # Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # EAGFL - Finanzielle Beteiligung an einem Demonstrationsvorhaben zur Sumacherzeugung unter Einsatz neuer Zuchttechniken - Streichung der finanziellen Beteiligung des EAGFL. # Rechtssache T-141/01.

Rechtssache T‑141/01
      Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „EAGFL – Finanzielle Beteiligung an einem Demonstrationsvorhaben zur Sumacherzeugung unter Einsatz neuer Zuchttechniken – Streichung der finanziellen Beteiligung des EAGFL“
      Urteil des Gerichts (Zweite Kammer) vom 18. Januar 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt – Strukturinterventionen – Gemeinschaftsfinanzierung – Entscheidung über die Aussetzung,
            Kürzung oder Streichung eines zunächst gewährten Zuschusses – Rückzahlung der zu Unrecht gezahlten Beträge – Verpflichtung
            des durch den Zuschuss Begünstigten 
      (Verordnungen des Rates Nr. 2052/88, Artikel 4 Absatz 2, Nr. 4253/88, Artikel 24, und Nr. 4256/88, Artikel 8)
      2.     Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt – Strukturinterventionen – Gemeinschaftsfinanzierung – Informations- und Loyalitätspflicht
            des durch den Zuschuss Begünstigten – Unregelmäßigkeiten eines im Namen des Begünstigten handelnden Dritten – Unregelmäßigkeiten
            des Geschäftsführers – Dem Begünstigten zurechenbare Unregelmäßigkeiten 
      3.     Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt – Strukturinterventionen – Gemeinschaftsfinanzierung – An Dritte gezahlte Beträge
            – Beträge, die als unmittelbar an den durch den Zuschuss Begünstigten gezahlt gelten – Voraussetzungen 
      4.     Verfahren – Antrag auf eine prozessleitende Maßnahme oder eine Beweisaufnahme – Antragstellung in einem anderen Verfahrensstadium
            als dem, in dem die Einführung neuer Beweismittel zulässig ist – Zulässigkeit –Voraussetzungen 
      (Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 44 § 1 Buchstabe e und Artikel 48 § 1)
      1.     In Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 zur Durchführung der Verordnung Nr. 2052/88 hinsichtlich der Koordinierung der Interventionen
         der verschiedenen Strukturfonds einerseits und zwischen diesen und den Interventionen der Europäischen Investitionsbank andererseits
         wird nicht ausdrücklich angegeben, wer der Adressat einer Entscheidung über die Streichung eines Gemeinschaftszuschusses zu
         sein hat und wer zur Rückzahlung der nicht rechtmäßig gezahlten Beträge an die Kommission verpflichtet ist. 
      
      Jedoch ist den Artikeln 4 Absatz 1 und Artikel 5 Absatz 2 der Verordnung Nr. 2052/88 über Aufgaben und Effizienz der Strukturfonds
         und über die Koordinierung ihrer Interventionen untereinander sowie mit denen der Europäischen Investitionsbank und der anderen
         vorhandenen Finanzinstrumente in geänderter Fassung zu entnehmen, dass die nach der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung
         erlassenen Entscheidungen dann, wenn die Gemeinschaftsaktion die Form einer unmittelbaren Finanzierung von Modell- und Demonstrationsvorhaben
         durch die Kommission annimmt, an die einzelnen Begünstigten der Gemeinschaftszuschüsse zu richten sind. Daher ist im Fall
         einer Aktion, die die Kommission unmittelbar nach Artikel 8 der Verordnung Nr. 4256/88 zur Durchführung der Verordnung Nr.
         2052/88 hinsichtlich des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft (EAGFL), Abteilung Ausrichtung,
         finanziert, die Entscheidung über eine Streichung an den Begünstigten des Zuschusses zu richten, dem damit gegebenenfalls
         die Pflicht zur Rückzahlung obliegt.
      
      (vgl. Randnrn. 61, 88)
      2.     Der Begünstigte eines Gemeinschaftszuschusses kann sich seiner Informations- und Loyalitätspflicht gegenüber der Kommission
         nicht dadurch entledigen, dass er anstelle eigenen Tätigwerdens die Dienste eines Dritten in Anspruch nimmt. Ein etwaiges
         Versäumnis des Dritten, den Weisungen des Geschäftsführers des begünstigten Unternehmens Folge zu leisten, ist daher diesem
         Unternehmen zuzurechnen. 
      
      Ebenso ist diesem Unternehmen die schwerwiegende Unregelmäßigkeit zuzurechnen, die darin liegt, dass sich sein Geschäftsführer
         an einer Vorgehensweise beteiligt, mit der die als Gemeinschaftszuschuss geleisteten Zahlungen ihrem Bestimmungszweck entfremdet
         werden sollen. Dass weitere Personen an einer solchen Unregelmäßigkeit beteiligt sind, kann den Begünstigen des Zuschusses
         nicht aus seiner Haftung für Handlungen entlassen, die sein Geschäftsführer in seinem Namen vorgenommen hat. 
      
      (vgl. Randnrn. 70, 79-80)
      3.     Den Beträgen, die die Kommission als Gemeinschaftszuschuss unmittelbar an den Begünstigten gezahlt hat, sind Beträge gleichzustellen,
         die sie auf seine Weisung an Dritte gezahlt hat. Hingegen können Beträge, die die Kommission ohne eine solche Weisung, die
         der Begünstigte entweder selbst erteilt hat oder die ihm zuzurechnen ist, an Dritte gezahlt hat, nicht als an den Begünstigten
         selbst gezahlt angesehen werden. 
      
       (vgl. Randnrn. 90-91)
      4.     Um dem Gericht die Beurteilung zu ermöglichen, ob eine prozessleitende Maßnahme dem ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens
         dient, hat die Partei, die die Maßnahme beantragt, dem Gericht zumindest einen Anhaltspunkt dafür zu geben, dass die Maßnahme
         für das Verfahren zweckdienlich ist. Zielt ein solcher Antrag auf die Ermittlung neuer Tatsachen und wird er in einem Verfahrensstadium
         gestellt, in dem die Einführung neuer Beweismittel grundsätzlich unzulässig ist, muss die Partei, die die prozessleitende
         Maßnahme beantragt, insbesondere die Gründe benennen, aus denen der Antrag nicht früher gestellt werden konnte. 
      
      (vgl. Randnr. 132)

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)18. Januar 2005(1)
         
         
               „EAGFL  –  Finanzielle Beteiligung an einem Demonstrationsvorhaben zur Sumacherzeugung unter Einsatz neuer Zuchttechniken  –  Streichung der finanziellen Beteiligung des EAGFL“
               
             In der Rechtssache T-141/01
            
            
            Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis mit Sitz in Barcelona (Spanien), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte M. Belard-Kopke Marques-Pinto und C. Viñas Llebot,
            Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            
            Klägerin,
            
            gegen
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften,  vertreten durch S. Pardo und L. Visaggio als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            Beklagte,
            
             wegen Nichtigerklärung der Entscheidung C (1999) 534 der Kommission vom 4. März 1999 zur Streichung einer finanziellen Beteiligung
            des Europäischen Ausrichtungs- und Garantiefonds für die Landwirtschaft, Abteilung Ausrichtung, die der Klägerin mit der Entscheidung
            C (93) 3394 vom 26. November 1993 nach der Verordnung (EWG) Nr. 4256/88 des Rates vom 19. Dezember 1988 zur Durchführung der
            Verordnung (EWG) Nr. 2052/88 hinsichtlich des EAGFL, Abteilung Ausrichtung (ABl. L 374, S. 25), für die Finanzierung eines
            Demonstrationsvorhabens zur Sumacherzeugung unter Einsatz neuer Zuchttechniken (Vorhaben Nr. 93.ES.06.030) gewährt wurde,
             erlässt
            
            DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite Kammer)
            
            
             unter Mitwirkung des Präsidenten N. J. Forwood sowie der Richter J. Pirrung und A. W. H. Meij,
            
             Kanzler: J. Palacio González, Hauptverwaltungsrat,
            
            
            
         folgendes
         
         
         Urteil
            
               Rechtlicher Rahmen
            
         
         1
            
          Zur Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts im Sinne von Artikel 158 EG hat die Verordnung (EWG) Nr. 2052/88
         des Rates vom 24. Juni 1988 über Aufgaben und Effizienz der Strukturfonds und über die Koordinierung ihrer Interventionen
         untereinander sowie mit denen der Europäischen Investitionsbank und der anderen vorhandenen Finanzinstrumente (ABl. L 185,
         S. 9) den Strukturfonds u. a. die Förderung der Entwicklung und der strukturellen Anpassung der Regionen mit Entwicklungsrückstand
         sowie, im Hinblick auf die Reform der gemeinsamen Agrarpolitik, die beschleunigte Anpassung der Agrarstrukturen und die Förderung
         der Entwicklung des ländlichen Raums als Aufgaben übertragen (Artikel 1 Nrn. 1 und 5 Buchstaben a und b). Diese Verordnung
         wurde durch die Verordnung Nr. 2081/93 des Rates vom 20. Juli 1993 (ABl. L 193, S. 5) geändert.
         
         
         
         2
            
          Nach Artikel 5 Absatz 2 Buchstabe e der Verordnung Nr. 2052/88 in der Fassung der Verordnung Nr. 2081/93 kann die finanzielle
         Intervention der Strukturfonds in Form einer Unterstützung der technischen Hilfe einschließlich der Maßnahmen zur Vorbereitung,
         Beurteilung, Begleitung und Bewertung der Aktionen sowie der Modell- und Demonstrationsvorhaben erfolgen.
         
         
         
         3
            
          Am 19. Dezember 1988 erließ der Rat die Verordnung (EWG) Nr. 4256/88 zur Durchführung der Verordnung Nr. 2052/88 hinsichtlich
         des EAGFL, Abteilung Ausrichtung (ABl. L 374, S. 25). Diese Verordnung wurde durch die Verordnung (EWG) Nr. 2085/93 des Rates
         vom 20. Juli 1993 (ABl. L 193, S. 44) geändert.
         
         
         
         4
            
          Nach Artikel 8 der Verordnung Nr. 4256/88 in der Fassung der Verordnung Nr. 2085/93 kann der EAGFL in Erfüllung seiner Aufgaben
         und im Rahmen von 1 v. H. seiner jährlichen Mittelausstattung u. a. „die Verwirklichung von Modellvorhaben betreffend die
         Anpassung der Agrarstrukturen und die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums“ (zweiter Gedankenstrich) und „die Durchführung
         von Demonstrationsvorhaben, einschließlich Vorhaben zur Entwicklung und Aufwertung des Waldes sowie zur Verarbeitung und Vermarktung
         landwirtschaftlicher Erzeugnisse, mit denen die tatsächlichen Möglichkeiten der den Zielen der gemeinsamen Agrarpolitik entsprechenden
         Produktions‑ und Betriebssysteme, ‑methoden und ‑techniken gezeigt werden sollen“ (dritter Gedankenstrich), finanzieren.
         
         
         
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          Ebenfalls am 19. Dezember 1988 erließ der Rat die Verordnung (EWG) Nr. 4253/88 zur Durchführung der Verordnung Nr. 2052/88
         hinsichtlich der Koordinierung der Interventionen der verschiedenen Strukturfonds einerseits und zwischen diesen und den Interventionen
         der Europäischen Investitionsbank und der sonstigen vorhandenen Finanzinstrumente andererseits (ABl. L 374, S. 1). Diese Verordnung
         wurde durch die Verordnung (EWG) Nr. 2082/93 des Rates vom 20. Juli 1993 (ABl. L 193, S. 20) geändert.
         
         
         
         6
            
          Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 in der Fassung der Verordnung Nr. 2082/93 bestimmt hinsichtlich der Kürzung, Aussetzung
         und Streichung der finanziellen Beteiligung:
         „(1)   Wird eine Aktion oder eine Maßnahme so ausgeführt, dass die gewährte finanzielle Beteiligung weder teilweise noch insgesamt
         gerechtfertigt erscheint, so nimmt die Kommission eine entsprechende Prüfung des Falles im Rahmen der Partnerschaft vor und
         fordert insbesondere den Mitgliedstaat oder die von ihm für die Durchführung der Aktion benannten Behörden auf, sich innerhalb
         einer bestimmten Frist dazu zu äußern.
         (2)     Nach dieser Prüfung kann die Kommission die finanzielle Beteiligung an der betreffenden Aktion oder Maßnahme kürzen oder aussetzen,
         wenn durch die Prüfung bestätigt wird, dass eine Unregelmäßigkeit oder eine erhebliche Veränderung der Art oder der Durchführungsbedingungen
         der Aktion oder Maßnahme vorliegt und diese Veränderung der Kommission nicht zur Zustimmung unterbreitet wurde.
         (3)     Nicht rechtmäßig gezahlte Beträge sind an die Kommission zurückzuzahlen. Auf nicht zurückgezahlte Beträge werden in Übereinstimmung
         mit der Haushaltsordnung und nach den Durchführungsbestimmungen, die die Kommission nach den Verfahren des Titels VIII erlässt,
         Verzugszinsen erhoben.“
         
         SachverhaltDie klagende Gesellschaft
         
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          Die klagende Gesellschaft, die Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis, wurde am 4. Juni 1993 in Barcelona gegründet.
         
         
         
         8
            
          Zu ihren Gesellschaftern gehörten die Gesellschaft Compañia de Estudios y Servicios para el Medio Ambiente Codema, SA (im
         Folgenden: Codema), Herr A und zwei weitere natürliche Personen. Die Gesellschaftsanteile der beiden letztgenannten Personen
         wurden später von Codema übernommen. Bei der Gründung der Gesellschaft wurde Herr A zum Leiter der Geschäftsführung bestellt,
         wofür ihm für die Dauer von fünf Jahren alle gesetzlich zulässigen Vollmachten zur Geschäftsleitung erteilt wurden. Am 29.
         Mai 1998 wurde Herr A für weitere fünf Jahre zum Leiter der Geschäftsführung wiedergewählt. Er gab diese Stellung am 31. Juli
         2001 auf.
         
         
         
         9
            
          Als Sitz der Klägerin wurde ursprünglich die Anschrift Calle Juan Güell, 152, Hochparterre, Barcelona, benannt. 1996 wurde
         der Sitz verlegt nach Calle Galileu, 303, 1. Etage – A, Barcelona, und 1999 nach Calle Guitard, 45, 5. Etage, Barcelona. Gegenwärtig
         befindet sich der Sitz der Klägerin unter der letztgenannten Anschrift.
         
         Weitere Entorn‑Firmen 
         
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          Am 22. Dezember 1993 errichtete Herr B auf der Insel Guernsey die Offshore-Gesellschaft Entorn Trading Ltd. Der Sitz dieser
         Gesellschaft befindet sich in Dublin.
         
         
         
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          Die Entorn Trading erteilte Prokura an Herrn C. Auf der Grundlage dieser Prokura gründete Herr C am 5. Juli 1994 eine spanische
         Niederlassung mit dem Namen Entorn SL-Sucursal en España (im Folgenden: Entorn Sucursal). Die Entorn Sucursal wurde unbefristet
         durch Herrn C vertreten. Ihr Sitz befand sich bei dem Unternehmen MB Consultores y Auditores, Plaza Ruiz de Alda, 4, 7. Etage
         – A, Sevilla. 1996 wurde der Sitz der Entorn Sucursal auf Weisung von Herrn B nach Teneriffa verlegt, wo die Firma offenbar
         später aufgelöst wurde.
         
         Beantragung und Gewährung der finanziellen Beteiligung
         
         12
            
          Die von der angefochtenen Entscheidung betroffene finanzielle Beteiligung wurde für ein „Demonstrationsvorhaben zur Sumacherzeugung
         unter Einsatz neuer Zuchttechniken“ (im Folgenden: Sumachvorhaben) bewilligt. Der Sumachbaum ist eine typische Pflanze der
         Mittelmeerflora, aus deren getrockneten und gemahlenen Blättern das zum Gerben von Fellen verwendete Tannin gewonnen werden
         kann. Das Demonstrationsvorhaben wurde von Herrn B konzipiert, der Ende 1992 mit Herrn A Kontakt aufnahm und ihn über seinen
         Plan unterrichtete, das fragliche Vorhaben in Spanien zu verwirklichen. Auf Bitte von Herrn B vermittelte ihm Herr A Kontakt
         zu Herrn C, dem in Sevilla wohnhaften Leiter der Planungsabteilung des Forschungsdienstes der Regierung der Provinz Andalusien
         (Junta de Andalucia); Herr C übernahm später die technische Durchführung des Vorhabens und gründete die Entorn Sucursal.
         
         
         
         13
            
          Am 12. Juli 1993 wurde ein Schreiben mit einem Briefkopf, der auf die „Entorn SL“ lautete und in dem die Anschrift der Klägerin
         angegeben war, an die Generaldirektion Landwirtschaft der Kommission zu Händen eines ihrer Beamten, Herrn D, gerichtet. In
         diesem Schreiben wurde das Interesse der Klägerin bekundet, im Rahmen von Artikel 8 der Verordnung Nr. 4256/88 das Sumachvorhaben
         zu unterbreiten, und um Zusendung einer Anleitung zur Antragsstellung gebeten. Das Schreiben war unterzeichnet mit „A. López
         Gargallo“; diese Person ist Herrn A nach seinen Angaben unbekannt, und ihre Existenz ließ sich nicht feststellen.
         
         
         
         14
            
          Am 14. September 1993 wurde bei der Kommission ein Antrag auf eine finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft eingereicht. Das
         Begleitschreiben zum Antrag trug den gleichen Briefkopf wie das Schreiben vom 12. Juli 1993 und eine nicht identifizierbare
         Unterschrift. Am 22. September 1993 wurde der Kommission eine neue Fassung dieses Zuschussantrags übersandt; zur Begründung
         hieß es, ihr sei versehentlich am 14. September ein noch nicht fertig gestellter Entwurf zugeschickt worden. Das Begleitschreiben
         trug wiederum den gleichen Briefkopf und war unterzeichnet mit „A. López Gargallo“. Mit einem von Herrn A unterzeichneten
         Fax vom 25. Oktober 1993 wurde der Kommission die Bankverbindung der Klägerin mitgeteilt.
         
         
         
         15
            
          Mit der Entscheidung C (93) 3394 vom 26. November 1993 (im Folgenden: Bewilligungsentscheidung), die auf der Grundlage von
         Artikel 8 der Verordnung Nr. 4256/88 des Rates erging, gewährte die Kommission der Klägerin eine finanzielle Beteiligung für
         das Vorhaben Nr. 93.ES.06.030. Dessen Gesamtkosten betrugen 1 381 132 Ecu, und die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft
         wurde auf einen Höchstbetrag von 1 035 849 Ecu festgesetzt.
         
         Entwicklung des Vorhabens
         
         16
            
          Mit Schreiben vom 30. November 1993 wurden der Kommission eine neue Anschrift der „Entorn SL“ (in Albacete, Spanien) und eine
         neue Bankverbindung (nämlich ein Konto bei der Banca nazionale del lavoro in Madrid) mitgeteilt. Der Briefkopf dieses Schreibens
         lautete auf „Entorn SL“ und gab die neue Anschrift an. Das Schreiben trug erneut die Unterschrift „A. López Gargallo“.
         
         
         
         17
            
          Mit Schreiben vom 29. März 1994, unterzeichnet im Namen von Herrn A durch eine Person mit unleserlicher Unterschrift, wurde
         der Kommission mitgeteilt, dass die „Entorn SL“ im Rahmen des Sumachvorhabens „speziell für diesen Zweck ein Büro als künftigen
         Arbeitssitz hierfür“ bei dem Unternehmen MB Consultores y Auditores in Sevilla eröffnet habe. In diesem Schreiben wurde Herr
         C als technischer Verantwortlicher des Vorhabens und Herr A als Verantwortlicher des Vorhabens benannt.
         
         
         
         18
            
          Die Klägerin bestreitet, dass Herr A am Sumachvorhaben als dessen Verantwortlicher und in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer
         der Klägerin teilgenommen habe. Er habe sich an dem Vorhaben vielmehr als technischer Berater im Namen der Codema beteiligt,
         wofür diese der Entorn Sucursal etwa 2,25 Millionen spanische Peseten (ESP) als Vergütung seiner Tätigkeit und Ersatz seiner
         Reisekosten berechnet habe.
         
         
         
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          Herr A hat wegen der Ähnlichkeit des Unternehmensnamens der Entorn Sucursal und dem der Klägerin keinerlei rechtliche Schritte
         eingeleitet.
         
         
         
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          Wie im Anhang 2 der Bewilligungsentscheidung vorgesehen, wurden zwei Vorschüsse von insgesamt 725 094 Ecu ausbezahlt. Der
         erste Vorschuss von 414 340 Ecu wurde am 20. Januar 1994 auf das im Schreiben vom 30. November 1993 genannte Bankkonto überwiesen.
         Die Auszahlung des zweiten Vorschusses wurde mit Fax vom 25. August 1995 an die „Entorn SL“ unter der Anschrift in Albacete
         angekündigt. Dieser Vorschuss in Höhe von 310 755 Ecu wurde auf ein Konto bei der Madrider Niederlassung der Caixa, einer
         spanischen Bank, überwiesen, dessen Inhaber die „Entorn Trading Ltd Entorn SL“ war. Diese Kontonummer war der Kommission mit
         Fax vom 14. Juli 1995 im Namen der Gesellschaft MB Consultores y Auditores mitgeteilt worden; die Unterschrift dieses Fax
         entspricht jedoch keiner Unterschrift der Mitarbeiter dieser Gesellschaft.
         
         Verwaltungsverfahren und angefochtene Entscheidung
         
         21
            
          Mit einem an die „Entorn SL“ in Sevilla gerichteten Schreiben vom 10. Juli 1997 teilte die Kommission mit, ihre Dienststellen
         hätten eine technische und buchhalterische Überprüfung ihrer nach Artikel 8 der Verordnung Nr. 4256/88 bereits gewährten finanziellen
         Beteiligungen beschlossen. Die entsprechende Kontrolle fand am 24. und 25. Juli 1997 am Ort der Durchführung des Vorhabens
         in Sevilla in Gegenwart von Herrn A und Herrn C statt.
         
         
         
         22
            
          Im Anschluss an diese Kontrolle im Juli 1997 richtete die Kommission an die „Entorn (Sumach)“ ein Schreiben mit Datum vom
         3. April 1998, das an die Anschrift der MB Consultores y Auditores in Sevilla zugestellt wurde. In diesem Schreiben gab die
         Kommission eine Reihe von Tatsachen an, die Unregelmäßigkeiten darstellen könnten, und teilte mit, sie habe die Einleitung
         des in Absatz 10 des Anhangs 2 der Bewilligungsentscheidung und in Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 vorgesehenen Verfahrens
         beschlossen. Dabei wurde die „Entorn (Sumach)“ auch darauf hingewiesen, dass die Rückerstattung der bereits ausgezahlten Beträge
         verlangt werden könne. Ihr wurde aufgegeben, binnen einer Frist von sechs Wochen nachzuweisen, dass die Verpflichtungen aus
         der Bewilligungsentscheidung erfüllt worden seien. Darauf erhielt die Kommission ein am 24. Mai 1998 von Sevilla abgesandtes
         und von Herrn C unterzeichnetes Antwortschreiben.
         
         
         
         23
            
          Am 4. März 1999 erließ die Kommission eine Entscheidung (im Folgenden: angefochtene Entscheidung), mit der sie die Streichung
         der in Frage stehenden finanziellen Beteiligung anordnete und der Klägerin sowie gegebenenfalls den für deren Verbindlichkeiten
         haftenden Personen die Rückzahlung der ausgezahlten Vorschüsse binnen einer Frist von 60 Tagen ab Zustellung der Entscheidung
         aufgab. In der angefochtenen Entscheidung heißt es:
         „1.     Der Zuschussantrag wurde von der Gesellschaft Entorn SL mit Sitz in Barcelona gestellt; dieser Gesellschaft wurde der Zuschuss
         der Gemeinschaft bewilligt, während eine Gesellschaft unter der Bezeichnung Entorn Trading Limited in Dublin gegründet worden
         und auf Weisung von [Herrn B] eine Niederlassung dieser Gesellschaft in Sevilla unter der Bezeichnung Entorn SL eröffnet worden
         war. Alle das Vorhaben betreffenden Zahlungen der Kommission wurden an letztere Gesellschaft geleistet; dieser Vorgang wurde
         der Kommission als ein bloßer Wechsel der Anschrift der Begünstigten dargestellt, obwohl es sich in Wirklichkeit um einen
         Wechsel der Begünstigten des Vorhabens ohne Zustimmung der Kommission handelte.
          2.       Bei der oben erwähnten Prüfung an dem von der Begünstigten mitgeteilten Sitz wurde festgestellt, dass dieser Sitz der Gesellschaft
         MB Consultores y Auditores gehört. Die Prüfer konnten keinerlei das Vorhaben betreffende Belege, Verwaltungs- oder Buchhaltungsunterlagen
         einsehen, obwohl die Kommission in den Absätzen 5 und 6 des Anhangs 2 der Bewilligungsentscheidung vorsieht, dass sämtliche
         das Vorhaben betreffenden Unterlagen den Bediensteten der Kommission am Sitz der Gesellschaft zur Verfügung stehen müssen.
         Außerdem haben die Prüfer festgestellt, dass die Unterschriften verschiedener der Kommission vorgelegter Schriftstücke im
         Zusammenhang mit dem Vorhaben gefälscht worden waren und dass keiner der auf dem Foto des technischen Anhangs des Schlussberichts
         abgebildeten Ausstattungsgegenstände für das Vorhaben verwendet worden war.
          3.       Schließlich ergibt sich aus einer dem spanischen Finanzministerium in der Steuererklärung der Gesellschaft Entorn SL vorgelegten
         Kopie der Bilanz, dass die Kosten des Vorhabens ungefähr 23 Millionen [ESP] betragen, während sich die angegebenen Gesamtkosten
         auf 233 623 004 ESP belaufen.
          Unter diesen Umständen ist die finanzielle Beteiligung zu streichen und gemäß Artikel 24 Absatz 3 der Verordnung (EWG) Nr.
         4253/88 des Rates die Rückzahlung der bis heute für das Vorhaben gewährten Beträge zu fordern.
          Nach dem nationalen Gesellschaftsrecht haften die Gesellschafter bestimmter Gesellschaften für deren Schulden.
         …
          Nach alledem wird wie folgt entschieden:
         
         
         Artikel 1
          Die finanzielle Beteiligung des EAGFL, Abteilung Ausrichtung, von höchstens 1 035 849 [Ecu], die die Kommission der Gesellschaft
         Entorn SL mit der Entscheidung C (93) 3394 für das Vorhaben Nr. 93.ES.06.030 mit der Bezeichnung ‚Demonstrationsvorhaben zur
         Sumacherzeugung unter Einsatz neuer Zuchttechniken‘ gewährt hat, wird gestrichen.
         
         
         Artikel 2
          Die Gesellschaft Entorn SL und gegebenenfalls die für ihre Verbindlichkeiten haftenden Personen haben den Betrag von 725 094
         [Euro] zurückzuzahlen …“
         
         
         
         24
            
          Diese Entscheidung, die auch an das Königreich Spanien gerichtet wurde, wurde der Klägerin am 10. April 2001 an ihre Anschrift
         in Barcelona zugestellt, nachdem ein Zustellungsversuch an die Adresse in Sevilla gescheitert war.
         
         
         
         25
            
          Die Kommission leitete außerdem die Akten des Sumachvorhabens und die Akten über zwei weitere Vorhaben, an denen u. a. Herr
         A und Herr C beteiligt waren, der spanischen Staatsanwaltschaft zu. Die Staatsanwaltschaft erhob bei den zuständigen Ermittlungsrichtern
         (Juzgados de Instrucción) Anklagen wegen Urkundenfälschung und fortgesetzten Betrugs. Zu den Beschuldigten im Zusammenhang
         mit dem Sumachvorhaben gehören die Herren A, B, C und D.
         
         Verfahren und Anträge der Parteien
         
         26
            
          Mit Klageschrift, die am 20. Juni 2001 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende Klage
         erhoben. Mit gesondertem Schriftsatz, der am 25. Juni 2001 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat sie außerdem
         einen Antrag auf Aussetzung des Vollzugs der angefochtenen Entscheidung gestellt. Mit Beschluss vom 22. Oktober 2001 in der
         Rechtssache T‑141/01 R (Entorn/Kommission, Slg. 2001, II‑3123) hat der Präsident des Gerichts den Antrag auf vorläufigen Rechtsschutz
         zurückgewiesen und die Kostenentscheidung vorbehalten.
         
         
         
         27
            
          Im Wege prozessleitender Maßnahmen hat das Gericht den Parteien Fragen gestellt und ihnen die Vorlage von Schriftstücken aufgegeben.
         Die Parteien haben die Fragen innerhalb der gesetzten Frist beantwortet und auch die angeforderten Unterlagen fristgerecht
         eingereicht. Die Klägerin konnte im Juli 2003 bei der Kanzlei des Gerichts eine von der Kommission vorgelegte Verwaltungsakte
         einsehen, ausgenommen verschiedene Schriftstücke, deren vertrauliche Behandlung das Gericht angeordnet hatte. Die Klägerin
         hat nicht beantragt, ihr die Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme zu der Verwaltungsakte zu erlauben.
         
         
         
         28
            
          Am 13. Oktober 2003 hat die Klägerin einen ausführlichen Schriftsatz mit dem Titel „Stellungnahme zum Sitzungsbericht“ eingereicht.
         Als Anlage zu diesem Schriftsatz hat sie ein vom 29. September 1997 datierendes Dokument der Dienststelle zur Koordinierung
         der Betrugsbekämpfungsmaßnahmen (im Folgenden: UCLAF) vorgelegt, in dem mündliche Äußerungen protokolliert sind, die Herr
         B gegenüber Beamten der UCLAF abgab, die er aus freien Stücken im September 1997 aufgesucht hatte. Die Äußerungen betreffen
         vor allem seine Rolle im Rahmen des Sumachvorhabens. Die Klägerin hat behauptet, sie habe von diesem Dokument im Rahmen der
         in Spanien wegen des hier streitigen Sachverhalts eingeleiteten Strafverfahren Kenntnis erlangt. Sie hat ferner beantragt,
         die Vernehmungsprotokolle der strafrechtlichen Ermittlungsverfahren zu den Akten zu nehmen. Am 4. November 2003 hat sie einen
         Schriftsatz eingereicht, mit dem sie eine Reihe von prozessleitenden Maßnahmen und Beweiserhebungen beantragt hat.
         
         
         
         29
            
          Das Gericht hat den Parteien daraufhin ergänzende Fragen gestellt und der Kommission die Einreichung der Anlagen zum genannten
         Protokoll der UCLAF aufgegeben. Die Fragen sind von den Parteien fristgerecht beantwortet worden. Die Kommission hat auch
         die angeforderten Dokumente vorgelegt, aber ihrer Einsichtnahme durch die Klägerin widersprochen. Nach Überprüfung der Vertraulichkeit
         ihres Inhalts und Entfernung bestimmter Angaben, die nicht das Sumachvorhaben betreffen, wurde ein Teil dieser Unterlagen
         zu den Akten genommen und der Klägerin übermittelt.
         
         
         
         30
            
          Am 14. Januar 2004 hat vor der Zweiten Kammer des Gerichts eine informelle Zusammenkunft der Parteien stattgefunden. Den Parteien
         wurde eine Frist gesetzt, um sich zu einer etwaigen gütlichen Beilegung des Rechtsstreits zu äußern.
         
         
         
         31
            
          Im Anschluss an die genannte informelle Zusammenkunft hat am selben Tag eine mündliche Verhandlung stattgefunden, in der sich
         die Parteien zur Sache geäußert und Fragen des Gerichts beantwortet haben.
         
         
         
         32
            
          Mit Schriftsätzen, die am 26. Februar und 4. März 2004 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, haben die Parteien erklärt,
         dass eine gütliche Beilegung des Rechtsstreites nicht in Betracht komme.
         
         
         
         33
            
          Die Klägerin beantragt,
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären;
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission im Wege prozessleitender Maßnahmen die Vorlage sämtlicher Schriftstücke zu dem Verwaltungsverfahren, das dem
               Erlass der angefochtenen Entscheidung vorausgegangen ist, und aller Unterlagen aufzugeben, die die Kommission zu ihren Akten
               genommen hat und die zur Ermittlung des Sachverhalts beitragen können;
            
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         34
            
          Die Kommission beantragt,
         
         
         
          
         –
            die Klage abzuweisen;
         
         
         
         
          
         –
            der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         Entscheidungsgründe
          A – Zur Berücksichtigung des Protokolls über die mündliche Einlassung von Herrn B und der Anlagen zu diesem SchriftstückVorbringen der Parteien
         
         35
            
          Die Kommission hat der Beiziehung des Protokolls über die Äußerungen von Herrn B zu den Akten des vorliegenden Verfahrens
         mit der Begründung widersprochen, dass die Klägerin dieses Schriftstück nicht rechtmäßig habe erlangen können. Die Behauptung
         der Klägerin, sie sei im Strafverfahren vor den spanischen Gerichten als Zivilpartei zugelassen worden, entspreche nicht der
         Wahrheit. Vielmehr habe sich die Klägerin das Protokoll nur durch Bruch des Ermittlungsgeheimnisses verschaffen können. Schon
         weil es vertraulich sei, dürfe das Protokoll nicht zu den Akten genommen werden.
         
         
         
         36
            
          Die Klägerin trägt vor, sie habe das Protokoll nicht rechtswidrig erlangt. Sie hat zuerst behauptet, dass sie das Dokument
         als Zivilpartei im Strafverfahren erlangt habe, und später eine Frage des Gerichts dahin beantwortet, Herr A als Beschuldigter
         im spanischen Strafverfahren habe ihr das Protokoll überlassen.
         
         Würdigung durch das Gericht
         
         37
            
          So bedauerlich es sein mag, dass die Klägerin bei der Vorlage des in Frage stehenden Dokuments unrichtige Angaben dazu machte,
         wie sie es erlangt hatte, ist dies allein nicht ausreichend, um es von einer Berücksichtigung durch das Gericht auszuschließen.
         Denn auf eine Frage des Gerichts konnte die Klägerin plausibel erklären, wie sie sich das Dokument hatte verschaffen können,
         ohne rechtswidrige Handlungen zu begehen, die seiner Geltendmachung im Verfahren vor dem Gericht entgegenstünden.
         
         
         
         38
            
          Insoweit ist festzustellen, dass sich das Dokument in den Akten befand, die die Kommission den spanischen Behörden zur etwaigen
         Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen gegen die Urheber von betrügerischen Handlungen im Zusammenhang mit dem Sumachvorhaben
         zuleitete. Es entspricht aber den allgemeinen Rechtsgrundsätzen des Strafverfahrens und insbesondere der Wahrung der Verteidigungsrechte,
         dass das Dokument im Rahmen des Strafverfahrens den möglichen Beschuldigten zugänglich gemacht wurde, zu denen zur Zeit der
         hier maßgebenden Vorgänge auch Herr A als Geschäftsführer der Klägerin gehörte. Es ist auch nicht ersichtlich, dass Herr A
         durch die Weitergabe des Dokuments an die Klägerin eine rechtswidrige Handlung begangen hätte, die der Verwertung eines Schriftstücks,
         von dem Aufschluss über den hier zugrunde liegenden Sachverhalt zu erwarten ist, durch das Gericht entgegenstünde.
         
         
         
         39
            
          Folglich sind das Protokoll über die mündlichen Äußerungen von Herrn B gegenüber Beamten der UCLAF und diejenigen seiner Anlagen,
         die das Gericht zu den Akten genommen hat, für die Prüfung der von der Klägerin vorgebrachten Klagegründe zu berücksichtigen.
         
         
          B – Zur Begründetheit
         
         40
            
          Die Klägerin macht drei Klagegründe geltend. Mit den ersten beiden Klagegründen, die zusammen zu prüfen sind, rügt sie einen
         Verstoß gegen Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 und eine Verletzung der Begründungspflicht. Als dritten Klagegrund macht
         sie eine Verletzung der Verteidigungsrechte geltend.
         
         Zum ersten und zweiten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 und Verletzung der Begründungspflicht Vorbringen der Parteien
         
         
         41
            
          Mit ihren ersten beiden Klagegründen macht die Klägerin im Wesentlichen zum einen geltend, dass sie nicht als Begünstigte
         der Gemeinschaftsfinanzierung angesehen werden könne, so dass sie nicht die richtige Adressatin der Entscheidung über die
         Streichung des Zuschusses sei, und zum anderen, dass die ersten beiden Zuschusstranchen auch nicht an sie ausgezahlt worden
         seien, so dass die Rückzahlung nicht von ihr verlangt werden dürfe.
         
         
         
         42
            
          Die Klägerin räumt ein, dass sie nach dem Wortlaut der Bewilligungsentscheidung die Begünstigte des Zuschusses und Verantwortliche
         für die Durchführung des Vorhabens ist. Sie beruft sich aber darauf, dass sich ihre Beteiligung an der Umsetzung des Vorhabens
         darauf beschränkt habe, dass sie Herrn B über die rechtlichen Daten ihrer Gesellschaft und über das Gebiet und einen in Betracht
         kommenden technischen Projektträger in Spanien unterrichtet habe. Die Verantwortung für die Durchführung des Vorhabens und
         seine spätere Betreuung gegenüber den zuständigen Dienststellen der Kommission habe allein und ausschließlich Herrn B oblegen.
         Alle in ihrem Namen verfassten Unterlagen über das Sumachvorhaben seien – mit Ausnahme des von Herrn A unterzeichneten Fax
         vom 25. Oktober 1993, mit dem der Kommission ihre Bankverbindung mitgeteilt worden sei – Fälschungen, für die ein anderes
         als ihr eigenes offizielles Briefpapier verwendet worden sei.
         
         
         
         43
            
          Die Klägerin rügt die mangelnde Sorgfalt der Kommission, besonders des für die Verwaltung des Vorhabens nach Artikel 8 der
         Verordnung Nr. 4256/88 zuständigen Beamten, bei der Bewilligung des Zuschusses für das Sumachvorhaben und verweist auf eine
         Reihe von Umständen, die der Kommission Anlass hätten sein müssen, vor Auszahlung des Zuschusses bei ihr zur Ausräumung von
         Unklarheiten Auskunft einzuholen.
         
         
         
         44
            
          Zum weiteren Schicksal des Vorhabens nach Erlass der Bewilligungsentscheidung führt die Klägerin aus, dass ihr Geschäftsführer
         Herr A, als die Bewilligungsentscheidung zugestellt worden sei, der Ansicht gewesen sei, dass die Klägerin das Vorhaben nicht
         ordnungsgemäß durchführen könne. Er habe dies Herrn B mitgeteilt und ihn gebeten, darüber auch Herrn D zu informieren, zu
         dem Herr B in sehr engem Kontakt gestanden habe.
         
         
         
         45
            
          Der angefochtenen Entscheidung könne entnommen werden, dass diese Information die Kommission auch erreicht habe, ebenso wie
         die Mitteilung eines neuen Bankkontos für die Überweisung des Geldes zur Durchführung des Vorhabens. Insoweit sei zu beachten,
         dass die Unterlagen über die Änderung der Bankverbindung der Begünstigten von einer Person mit dem Namen A. López Gallardo
         unterzeichnet worden sei, die nicht befugt sei, die Klägerin zu vertreten.
         
         
         
         46
            
          Die Kommission habe den Wechsel in der Person des durch den Zuschuss Begünstigten indessen hingenommen. In der Klageschrift
         führt die Klägerin dazu aus, die Kommission habe stillschweigend anerkannt, dass die Klägerin nicht länger Begünstigte der
         in der Bewilligungsentscheidung vorgesehenen Finanzierung gewesen sei. In der Erwiderung trägt die Klägerin vor, dass der
         für das Vorhaben zuständige Beamte der Kommission, Herr D, dieser Entpflichtung der Klägerin mündlich zugestimmt habe.
         
         
         
         47
            
          Auch der Umstand, dass die Kommission ihr vor Erlass der angefochtenen Entscheidung nicht Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben
         habe, belege, dass die Kommission sie nicht mehr als Begünstigte des Gemeinschaftszuschusses betrachtet habe. Bestätigt werde
         dies weiter dadurch, dass zwischen dem Erlass der angefochtenen Entscheidung (am 4. März 1999) und ihrer Zustellung (am 10.
         April 2001) zwei Jahre verstrichen seien, ohne dass ihr an ihrem Sitz eine Mitteilung über das Vorhaben oder den Fortgang
         des Verwaltungsverfahrens übersandt worden sei. Es wäre aber ein Leichtes gewesen, sie zu kontaktieren, nachdem der Versuch
         einer Zustellung der Entscheidung an die Entorn Sucursal gescheitert sei.
         
         
         
         48
            
          Die Kommission habe bewusst ignoriert, dass die Entorn Sucursal und sie selbst zwei gesonderte Gesellschaften seien, zwischen
         denen keine Verbindung bestehe, da die Anteilseigner, die Vertreter und die Geschäftsführung beider Gesellschaften unterschiedlich
         seien. Dass ihr eigener Unternehmensname dem der Entorn Sucursal offensichtlich ähnele, sei kein hinreichender Beweis für
         eine zwischen beiden Gesellschaften bestehende Verbindung.
         
         
         
         49
            
          Entgegen den Behauptungen der Kommission seien weder sie selbst noch ihr damaliger Geschäftsführer, Herr A, an einem Netz
         zur betrügerischen Erlangung von Gemeinschaftszuschüssen beteiligt gewesen. Die Urheber der in Frage stehenden Machenschaften
         seien vielmehr die italienischen Staatsangehörigen Herr E und Herr B und der Beamte Herr D. Die Kommission habe es vermieden,
         die Rolle von Herrn D zu benennen und seine Beteiligung an dem genannten Netz zu untersuchen. In Wahrheit habe Herr B, nachdem
         er erfahren habe, dass die Klägerin das Vorhaben nicht mehr habe durchführen wollen, seinerseits ein Unternehmen mit einem
         ganz ähnlichen Namen wie dem der Klägerin gegründet. Er hätte so aber nicht vorgehen können ohne Billigung von Herrn D, der
         möglicherweise zusammen mit Herrn B und Herrn E die Idee, eine solche Unternehmensbezeichnung zu verwenden, ersonnen habe.
         
         
         
         50
            
          Zwar sei auch das Verhalten von Herrn A nicht ohne Fehler, weil er auf die Gründung einer Gesellschaft mit ähnlichem Namen
         wie seine eigene hätte reagieren können und müssen. Seine Haltung erkläre sich aber daraus, dass diese Idee von dem Beamten
         der Kommission, der für die Projektverwaltung zuständig gewesen sei, gutgeheißen worden sei. Damit stelle sich die Frage,
         ob Herr A die Kompetenz und Ehrlichkeit dieses Beamten hätte anzweifeln dürfen. Es erscheine nicht billig, an das Verhalten
         von Herrn A einen strengeren Maßstab anzulegen als an das des für die Projektverwaltung zuständigen Beamten.
         
         
         
         51
            
          Zu den Äußerungen von Herrn B gegenüber Beamten der UCLAF führt die Klägerin ergänzend aus, diese Erklärungen belegten, dass
         Herr B der wahre Zuschussempfänger und tatsächliche Urheber der Zweckentfremdung sei. Er habe nicht nur seine Verantwortung
         für die Zweckentfremdung des Zuschusses zugegeben, sondern auch eingeräumt, dass die Klägerin ihrerseits jede Beteiligung
         daran abgelehnt habe.
         
         
         
         52
            
          Zur Rückzahlung des Zuschusses macht die Klägerin geltend, es sei der Beweis dafür zu erbringen, dass sie die Beträge, deren
         Rückzahlung ihr aufgegeben werde, tatsächlich erhalten habe. Die Kommission habe eingeräumt, dass sie den Zuschuss an eine
         andere rechtliche Einheit als Begünstigte ausgezahlt habe, während nach der Bewilligungsentscheidung die Beträge an die Klägerin
         hätten gezahlt werden müssen. Die Kommission habe für die Auszahlung an eine andere Begünstigte keine Rechtfertigung hervorgebracht
         und die Klägerin zu diesem Wechsel niemals angehört. 
         
         
         
         53
            
          In Wirklichkeit habe die Kommission sie erst als alleinige Verantwortliche für die Rückzahlung betrachtet, als sie erkannt
         habe, dass die Forderung bei der Gesellschaft, die den Zuschuss tatsächlich erhalten habe, also bei der Entorn Sucursal, nicht
         mehr habe eingetrieben werden können.
         
         
         
         54
            
          Schließlich habe die Kommission auch die Begründungspflicht nach Artikel 253 EG verletzt, da in der angefochtenen Entscheidung
         weder eindeutig und stimmig erläutert werde, aus welchen Gründen die Klägerin als wahre Adressatin der Bewilligung des Zuschusses
         anzusehen sei, noch in der Entscheidung klar und schlüssig dargelegt werde, dass die Klägerin die von ihr zurückgeforderten
         Beträge jemals wirklich erhalten habe.
         
         
         
         55
            
          Die Kommission weist zunächst darauf hin, dass die angefochtene Entscheidung zu einer Reihe von Entscheidungen über die Streichung
         von Zuschüssen der Abteilung „Ausrichtung“ des EAGFL gehöre, die durch festgestellte gravierende Unregelmäßigkeiten bei der
         Durchführung der Vorhaben veranlasst worden seien. Zwischen diesen Vorhaben bestehe deshalb ein Zusammenhang, weil in jedem
         Fall dieselben Gesellschaften und dieselben natürlichen Personen in der einen oder anderen Weise mit dem Vorhaben in Verbindung
         zu stehen schienen. Namentlich Herr A und Herr C seien auch an verschiedenen anderen Vorhaben beteiligt, für die die gewährten
         Zuschüsse der Gemeinschaft gestrichen worden seien.
         
         
         
         56
            
          Die angefochtene Entscheidung sei zu Recht an die Klägerin gerichtet worden, die Adressatin der Bewilligungsentscheidung gewesen
         sei.
         
         
         
         57
            
          Der Kommission sei lediglich eine Adressenänderung und geänderte Bankverbindung mitgeteilt worden, niemals aber sei sie darüber
         unterrichtet worden, dass in der Person des Zuschussbegünstigten ein Wechsel stattgefunden habe, und auch ihre Zustimmung
         hierzu sei niemals beantragt worden. Herr A habe es nicht nur versäumt, die Kommission über den Verzicht der Klägerin auf
         den bewilligten Zuschuss zu unterrichten, sondern sei überdies dem Sumachvorhaben während der ganzen Zeit seiner Durchführung
         eng verbunden geblieben. Die ständigen Kontakte zwischen Herrn A als Geschäftsführer der Klägerin und Herrn B, der mit der
         Gesellschaft Entorn Sucursal in Verbindung stehe, und die Beteiligung von Herrn A an der Durchführung des Sumachvorhabens
         genügten für die Feststellung, dass zwischen der Klägerin und der Gesellschaft Entorn Sucursal offenkundige Verbindungen bestünden.
         
         
         
         58
            
          Soweit die Klägerin bemängele, dass die Dienststellen der Kommission bei der Bewilligung des Zuschusses nicht die nötige Sorgfalt
         und Vorsicht an den Tag gelegt hätten, sei darauf hinzuweisen, dass dies nichts an der Verantwortung der Klägerin für die
         Verwendung der ihr zur Durchführung des Sumachvorhabens gewährten Gemeinschaftsmittel ändere.
         
         
         
         59
            
          Schließlich sei die Begründung der streitigen Entscheidung ausreichend, um der Klägerin die maßgebenden Gründe für die erlassene
         Maßnahme zu vermitteln. Die Klägerin könne nicht verlangen, dass die Kommission in der Entscheidung begründe und belege, dass
         die Klägerin tatsächlich die Gesellschaft sei, die die von den Dienststellen der Kommission ausgezahlten Beträge erhalten
         habe.
         
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         60
            
          Es ist zunächst zu prüfen, ob die Kommission die Entscheidung über die Streichung der finanziellen Beteiligung nach Artikel
         24 Absatz 2 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung zu Recht an die Klägerin richtete. Zweitens ist zu prüfen, ob
         die Kommission nach Artikel 24 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung von der Klägerin die Rückzahlung
         des ausgezahlten Gemeinschaftszuschusses fordern darf.
         
         
         – Zur Streichung des Zuschusses
         
         
         61
            
          In Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 wird nicht ausdrücklich angegeben, wer der Adressat der Entscheidung über die Streichung
         eines Gemeinschaftszuschusses sein muss. Dies erklärt sich aus der Systematik der Vorschriften über die Interventionen der
         Strukturfonds in der Verordnung Nr. 2052/88 in geänderter Fassung, für die die Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung
         Durchführungsbestimmungen festlegt. Artikel 4 Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 5 Absatz 2 der Verordnung Nr. 2052/88 in
         geänderter Fassung ist zu entnehmen, dass die Gemeinschaftsaktion als Ergänzung oder Beitrag zu den entsprechenden nationalen
         Aktionen konzipiert ist und nur ausnahmsweise die Form einer unmittelbaren Finanzierung von Modell‑ und Demonstrationsvorhaben
         durch die Kommission annimmt. Nach dieser Regelung werden die Entscheidungen, die nach der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter
         Fassung erlassen werden, je nach den Umständen des Falles an die Mitgliedstaaten oder die zuständigen Behörden oder andere,
         von diesen benannte Einrichtungen oder aber, bei unmittelbaren Interventionen der Kommission, an die einzelnen Begünstigten
         der Gemeinschaftszuschüsse gerichtet. Daher ist im Fall einer Aktion, die die Kommission unmittelbar nach Artikel 8 der Verordnung
         Nr. 4256/88 finanziert, die Entscheidung über eine Streichung an den Begünstigten des Zuschusses zu richten.
         
         
         
         62
            
          Damit ist zu prüfen, ob die Klägerin als die Begünstigte des für das Sumachvorhaben gewährten Zuschusses angesehen werden
         kann.
         
         
         
         63
            
          Dazu ist zunächst festzustellen, dass der Zuschussantrag im Namen der Klägerin gestellt wurde. Auch wenn die Bezeichnung „Entorn
         SL“, die in dem Antrag und in der sich auf ihn beziehenden Korrespondenz verwendet wird, nicht die vollständige Unternehmensbezeichnung
         der Klägerin (Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis) ist, handelt es sich um eine nahe liegende Abkürzung dieser
         Unternehmensbezeichnung, deren Verwendung in Verbindung mit der Anschrift der Klägerin nur dahin verstanden werden kann, dass
         der Antrag im Namen der Klägerin gestellt wurde. Allerdings tragen weder das Schreiben vom 12. Juli 1993, in dem Interesse
         an einem Zuschussantrag bekundet wurde, noch die beiden Begleitschreiben vom 14. und 22. September 1993 zu den beiden Antragsfassungen
         die Unterschrift des Geschäftsführers der Klägerin. Die Klägerin behauptet außerdem, dass das verwendete Briefpapier nicht
         ihr übliches eigenes sei.
         
         
         
         64
            
          In seinen Äußerungen gegenüber den Beamten der UCLAF im September 1997 hat Herr B eingeräumt, das Schreiben vom 14. September
         1993 unterzeichnet zu haben. Er hat weiter zugegeben, dass er die Unterschrift „A. López Gargallo“ verwendete, die sich in
         den Schreiben vom 12. Juli und 22. September 1993 findet.
         
         
         
         65
            
          Die Klägerin hat in ihrem im vorliegenden Rechtsstreit gestellten Antrag auf Erlass prozessleitender Maßnahmen ausgeführt,
         ihr Geschäftsführer habe zwar seine Zustimmung erteilt, dass die Klägerin der Kommission das Vorhaben unterbreite, aber die
         unmittelbaren Kontakte mit der Kommission habe Herr B wahrnehmen sollen. Überdies teilte der Geschäftsführer der Klägerin
         mit einem Fax vom 25. Oktober 1993, dessen Echtheit die Klägerin nicht bestreitet, der Kommission die Bankverbindung der Klägerin
         mit der Angabe „Ergänzung zu unserem Vorschlag 93.ES.06.030“ („como complemento a nuestra propuesta 93.ES.06.030“) mit. Dieses
         Schriftstück, in dem das von der Kommission dem Sumachvorhaben zugeteilte Aktenzeichen angegeben ist, belegt nicht nur, dass
         dem Geschäftsführer der Klägerin bekannt war, dass der Zuschussantrag im Namen der Klägerin gestellt war, sondern auch, dass
         er im Namen der Klägerin die Verantwortung für diesen Antrag übernahm. Damit wird durch dieses Schriftstück nachgewiesen,
         dass der Geschäftsführer der Klägerin die in den Schreiben vom 12. Juli 1993 und 14. und 22. September 1993 enthaltenen, im
         Namen der Klägerin abgegebenen Erklärungen billigte. 
         
         
         
         66
            
          Folglich ist der Zuschussantrag der Klägerin zuzurechnen. Insoweit ist es ohne Belang, dass die drei genannten Schreiben entweder,
         wie offenbar dessen Einlassung vor der UCLAF zu entnehmen ist, von Herrn B oder von Unbekannten unterzeichnet wurden.
         
         
         
         67
            
          Die am 26. November 1993 erlassene Bewilligungsentscheidung wurde mit einem Begleitschreiben vom 29. November 1993 an die
         „Entorn SL“ unter der damaligen Anschrift der Klägerin in Barcelona gerichtet. In der Entscheidung heißt es, dass die „Durchführung
         der Aktion … in der Verantwortung der Gesellschaft Entorn SL [liegt]“ und dass die „Gesellschaft Entorn SL (Begünstigte) …
         Adressatin der vorliegenden Entscheidung [ist]“. Die Klägerin hat im schriftlichen Verfahren und in der mündlichen Verhandlung
         nicht bestritten, dass sie diese Entscheidung, die sie im Übrigen ihrer Klageschrift beifügte, tatsächlich kannte. Erst in
         einem Schriftsatz vom 4. März 2004, in dem sie zu einer etwaigen gütlichen Beilegung des Rechtsstreits Stellung nahm, hat
         sie geltend gemacht, dass es für die Übersendung dieser Entscheidung per Einschreiben keinen Nachweis gebe und dass in ihrem
         Archiv ein Hinweis auf den Zugang der Entscheidung nicht vorhanden sei. Dieses Vorbringen ist nicht nur verspätet, sondern
         steht auch im Widerspruch zum Sachvortrag der Klägerin in ihren Schriftsätzen. Denn in ihrer Klageschrift führt die Klägerin
         im Abschnitt „Sachverhalt der anschließenden Durchführung des Vorhabens“ unter Randnummer 25 aus, dass Herr A über „Inhalt
         und Tragweite der Entscheidung der Kommission vom 29. November 1993 unterrichtet“ gewesen sei, und in Randnummer 12 ihrer
         Erwiderung erwähnt die Klägerin, dass Herr A „die Zustellung der Entscheidung vom November 1993, mit der [der Klägerin] eine
         Beteiligung der Gemeinschaft gewährt“ wurde, erhalten habe.
         
         
         
         68
            
          Dass in der Bewilligungsentscheidung nicht die vollständige Unternehmensbezeichnung der Klägerin genannt wird, steht nicht
         der Feststellung entgegen, dass die Klägerin als Adressatin der Entscheidung anzusehen ist. Denn die in der Bewilligungsentscheidung
         genannte Unternehmensbezeichnung ist die gleiche wie in den Schreiben, die vor der Bewilligung des Zuschusses an die Kommission
         gesandt wurden und die der Geschäftsführer der Klägerin billigte.
         
         
         
         69
            
          Demnach ist festzustellen, dass die Klägerin die Adressatin der Bewilligungsentscheidung vom 26. November 1993 und die Begünstigte
         des Gemeinschaftszuschusses war.
         
         
         
         70
            
          Soweit die Klägerin geltend macht, sie habe die Eigenschaft als Begünstigte durch einen Verzicht auf den Zuschuss verloren,
         ist darauf hinzuweisen, dass für dieses Vorbringen keinerlei Nachweis beigebracht wurde. So genügt die in der Klageschrift
         aufgestellte Behauptung, der Geschäftsführer der Klägerin habe Herrn B ersucht, den zuständigen Beamten der Kommission über
         den Verzicht der Klägerin auf die Durchführung des Vorhabens zu unterrichten, selbst bei ihrer Wahrunterstellung nicht für
         die Annahme, dass die Klägerin rechtswirksam auf den Zuschuss verzichtet hätte. Denn nichts in den Akten bestätigt, dass Herr
         B die Kommission tatsächlich über die Absicht der Klägerin unterrichtete, das Vorhaben aufzugeben. Der Begünstigte eines Gemeinschaftszuschusses
         kann sich seiner Informations‑ und Loyalitätspflicht gegenüber der Kommission nicht dadurch entledigen, dass er anstelle eigenen
         Tätigwerdens die Dienste eines Dritten in Anspruch nimmt. Ein etwaiges Versäumnis von Herrn B, den Weisungen des Geschäftsführers
         der Klägerin Folge zu leisten, ist daher der Klägerin zuzurechnen.
         
         
         
         71
            
          Ebenso wenig enthalten die Akten einen Beleg für die Behauptung der Klägerin, wonach die Kommission ihrer Entlassung aus der
         Verantwortung für das Vorhaben zugestimmt habe. Dass die Kommission eine ihr mitgeteilte neue Bankverbindung berücksichtigte,
         lässt nicht den Schluss zu, sie hätte damit einen Wechsel in der Person des durch den Zuschuss Begünstigten akzeptiert, da
         die in diesem Zusammenhang an die Kommission gerichteten Mitteilungen vom 30. November 1993 und 14. Juli 1995 keinerlei Hinweis
         auf einen Wechsel des begünstigten Unternehmens enthalten. Es erscheint auch nicht plausibel, dass die Kommission eine so
         bedeutende Änderung des Vorhabens wie den Verzicht des für seine Durchführung verantwortlichen Begünstigten oder seine Ersetzung
         durch ein anderes Unternehmen akzeptiert hätte, ohne dies der Klägerin schriftlich zu bestätigen. In diesem Zusammenhang ist
         zu beachten, dass die Klägerin in ihrer Klageschrift geltend gemacht hat, die Kommission habe dem Wechsel des Begünstigten
         stillschweigend zugestimmt, während es in ihrer Erwiderung heißt, der zuständige Beamte habe diesen Wechsel „mündlich“ akzeptiert.
         Dieser Widerspruch erweckt Zweifel an der Verlässlichkeit des Sachvortrags der Klägerin zu diesem Punkt.
         
         
         
         72
            
          Damit besteht kein Anhaltspunkt, der den Schluss zuließe, dass die Klägerin nach der Bewilligung des Gemeinschaftszuschusses
         ihre Eigenschaft als Begünstigte des Zuschusses verloren hätte.
         
         
         
         73
            
          Die Klägerin macht weiter geltend, dass die angefochtene Entscheidung deshalb nicht an sie hätte gerichtet werden dürfen,
         weil die Verantwortung für die festgestellten Unregelmäßigkeiten in erster Linie Dritte trügen, insbesondere Herr B, Herr
         E und der Kommissionsbeamte Herr D.
         
         
         
         74
            
          Dazu ist festzustellen, dass der Geschäftsführer der Klägerin, Herr A, dessen Handlungen im Namen der Klägerin dieser zuzurechnen
         sind, in schwerwiegender Weise die Informations‑ und Loyalitätspflichten verletzte, die den Antragstellern und Begünstigten
         eines Zuschusses obliegen.
         
         
         
         75
            
          So erteilte er erstens seine Zustimmung, dass der Zuschussantrag von Herrn B im Namen der Klägerin eingereicht wurde. Später
         billigte er insbesondere die von einer Person, die die Unterschrift „A. López Gargallo“ verwendete, im Namen der Klägerin
         abgegebenen Erklärungen im Zusammenhang mit dem Antrag. Damit erweckte er bei den Dienststellen der Kommission den Eindruck,
         dass eine Person mit dieser Unterschrift zur Vertretung der Klägerin berechtigt war.
         
         
         
         76
            
          Zweitens versäumte es Herr A, dafür Sorge zu tragen, dass die Kommission über die Aufgabe des Sumachvorhabens durch die Klägerin
         ordnungsgemäß unterrichtet wurde. Er erhielt damit den Eindruck aufrecht, dass das Vorhaben von der Klägerin ausgeführt würde.
         
         
         
         77
            
          Drittens war Herr A über die Errichtung der Gesellschaft Entorn Sucursal im Bilde, aber unternahm nichts gegen sie, obwohl
         ihm die erhebliche Gefahr, dass die Dienststellen der Kommission die beiden Gesellschaften verwechseln würden, nicht verborgen
         geblieben sein konnte.
         
         
         
         78
            
          Viertens wusste Herr A von der Ausführung des Sumachvorhabens durch die Entorn Sucursal, weil er im Rahmen des Vorhabens als
         Berater tätig wurde. In dieser Funktion konnte ihm nicht entgehen, dass die Kosten des Vorhabens, so wie es ausgeführt wurde,
         bei weitem unter dem Betrag des gewährten Gemeinschaftszuschusses lagen. Damit nahm es Herr A hin, dass das Vorhaben, für
         das die Klägerin einen Zuschuss erhalten hatte, von einer anderen Gesellschaft, deren Name mit dem der Klägerin nahezu identisch
         war, unter Voraussetzungen durchgeführt wurde, die einen ernstlichen Verdacht auf Unregelmäßigkeiten begründeten, ohne sich
         zu vergewissern, dass die Kommission über diese Umstände ordnungsgemäß unterrichtet wurde.
         
         
         
         79
            
          Diese Verhaltensweise lässt sich plausibel nur damit erklären, dass Herr A sich wissentlich an einer Vorgehensweise beteiligte,
         mit der die Zahlungen, die die Klägerin als Gemeinschaftszuschuss erhalten hatte, ihrem Bestimmungszweck entfremdet werden
         sollten. Damit beging Herr A schwerwiegende, der Klägerin zurechenbare Unregelmäßigkeiten, die die Streichung des Zuschusses
         rechtfertigen.
         
         
         
         80
            
          Dass weitere Personen an diesen Unregelmäßigkeiten beteiligt waren, kann die Klägerin als Begünstigte des Zuschusses nicht
         aus ihrer Haftung für Handlungen entlassen, die ihr Geschäftsführer in ihrem Namen vornahm.
         
         
         
         81
            
          Soweit sich die Klägerin speziell auf die Rolle beruft, die ein Beamter der Kommission im Rahmen dieser Machenschaften gespielt
         habe, ist darauf hinzuweisen, dass die Beteiligung eines Beamten oder Bediensteten des Gemeinschaftsorgans an den in Frage
         stehenden Unregelmäßigkeiten, sofern sie nachgewiesen wird, einer Streichung des Zuschusses nicht entgegensteht.
         
         
         
         82
            
          Denn eine – fahrlässige oder vorsätzliche – Pflichtverletzung eines Beamten schützt den Begünstigten eines Zuschusses nicht
         vor den Konsequenzen einer Verletzung seiner eigenen Verpflichtungen.
         
         
         
         83
            
          In diesem Zusammenhang ist das Vorbringen zurückzuweisen, die Einlassung von Herrn B vor der UCLAF belege, dass die Klägerin
         eine eigene Beteiligung an den Handlungen zur rechtswidrigen Erlangung eines Zuschusses für das Sumachvorhaben abgelehnt und
         aus diesem Grund Herr B eine andere, namensähnliche Gesellschaft gegründet habe. Herr B erklärte nämlich, er habe die Klägerin
         kaufen wollen, aber sodann, als sich dies als unmöglich erwiesen habe, die Entorn Trading (Dublin) gegründet, um die Klägerin
         durch Vermittlung dieser Gesellschaft zu erwerben. Er erwähnt aber weder, aus welchem Grund er die Klägerin nicht erwerben
         konnte, noch deren etwaige Weigerung, sich an seinen Machenschaften zu beteiligen.
         
         
         
         84
            
          Was schließlich die gerügte Verletzung der Begründungspflicht anbelangt, so genügt der Hinweis, dass die Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung klar darlegte, dass die Bewilligungsentscheidung an die Klägerin gerichtet und ein Wechsel des
         Begünstigten nicht gestattet worden war. Damit ist die angefochtene Entscheidung, was die Eigenschaft der Klägerin als Begünstigte
         des Zuschusses angeht, hinreichend begründet.
         
         
         
         85
            
          Folglich wurde die Entscheidung über die Streichung des Zuschusses zu Recht an die Klägerin gerichtet.
         
         
         
         86
            
          Demnach sind die ersten beiden Klagegründe, soweit sie sich auf die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung ausgesprochene
         Streichung des Zuschusses beziehen, nicht stichhaltig.
         
         
         – Zur Rückzahlung der Beträge, die als die ersten beiden Tranchen des Gemeinschaftszuschusses ausbezahlt wurden
         
         
         87
            
          Nach Artikel 24 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung sind „[n]icht rechtmäßig gezahlte Beträge … an die
         Kommission zurückzuzahlen“.
         
         
         
         88
            
          In der Bestimmung wird nicht angegeben, wer zur Rückzahlung der nicht rechtmäßig gezahlten Beträge an die Kommission verpflichtet
         ist. Der Systematik der Verordnungen Nrn. 2052/88 und 4253/88 in geänderter Fassung ist jedoch, wie oben in Randnummer 61
         dargelegt, zu entnehmen, dass diese Pflicht bei unmittelbaren Finanzierungen durch die Kommission dem Begünstigten des Zuschusses
         obliegt. Dies wird bestätigt durch Absatz 10 der Finanzierungsbedingungen in Anhang 2 der Bewilligungsentscheidung, wonach
         der Begünstigte das Recht zur Stellungnahme hat, bevor er etwaige Forderungen nach Rückzahlung erfüllt. 
         
         
         
         89
            
          Die Rückforderung gezahlter Beträge vom Begünstigten setzt zum einen voraus, dass die Kürzung, Aussetzung oder Streichung
         des Zuschusses durch eine rechtswirksame Entscheidung festgesetzt wurde. Vorbehaltlich der Prüfung der Rügen, mit denen die
         Klägerinnen im Rahmen ihres dritten Klagegrundes eine Verletzung ihrer Verfahrensrechte geltend machen, ist nach den vorstehenden
         Darlegungen festzustellen, dass im vorliegenden Fall die Voraussetzungen für die Streichung des Zuschusses vorlagen.
         
         
         
         90
            
          Zum anderen deutet die Verwendung des Verbs „zurückzahlen“ grundsätzlich darauf hin, dass die Rückzahlungspflicht nur für
         die Beträge gilt, die der Begünstigte tatsächlich erhalten hat. Diese Auslegung wird dadurch bestätigt, dass in manchen der
         verschiedenen Sprachfassungen des Artikels 24 Absatz 3 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung Begriffe wie – im
         Französischen – „répétition de l’indu“ („Rückforderung einer Nichtschuld“) verwendet werden (vgl. insbesondere die französische,
         italienische, niederländische und spanische Fassung). Dabei sind den Beträgen, die die Kommission unmittelbar an den Begünstigten
         selbst ausgezahlt hat, die Beträge gleichzustellen, die sie auf seine Weisung an Dritte ausgezahlt hat. Denn damit kommt die
         Kommission nur einer Verfügung nach, die der Begünstigte als Gläubiger des gezahlten Betrages über die Zahlungsmodalitäten
         trifft.
         
         
         
         91
            
          Dagegen ist der Begünstigte des Zuschusses nicht verpflichtet, an die Kommission Beträge zurückzuzahlen, die sie ohne eine
         Weisung, die er selbst erteilt hat oder die ihm zurechenbar ist, an Dritte gezahlt hat.
         
         
         
         92
            
          Daher ist zu prüfen, ob die beiden ersten Zuschusstranchen an die Klägerin ausgezahlt wurden oder diese Zahlungen auf ihre
         Weisung erfolgten.
         
         
         
         93
            
          Dazu enthält die angefochtene Entscheidung widersprüchliche Feststellungen. Zum einen heißt es dort, dass der „Begünstigte
         bisher im Rahmen der Beteiligung der Gemeinschaft einen Gesamtbetrag von 725 094 [Ecu]“ erhalten habe. Zum anderen wird in
         der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, es sei in Sevilla eine Niederlassung der Entorn Trading eröffnet worden, und „an
         diese Gesellschaft wurden alle Zahlungen der Kommission im Rahmen des Vorhabens geleistet … Dies wurde der Kommission als
         bloße Adressenänderung dargestellt, während es sich in Wirklichkeit um einen Wechsel des Begünstigten des Vorhabens ohne Zustimmung
         der Kommission handelte“.
         
         
         
         94
            
          Ausweislich der Akten wurde die erste Zuschusstranche auf ein Konto bei der Banca nazionale del lavoro in Madrid überwiesen.
         Nach einem Kontoauszug vom 19. Juli 1995, der zu den Anlagen der Einlassung von Herrn B gegenüber Beamten der UCLAF gehört,
         wurde diese erste Zuschusstranche dem Konto am 20. Januar 1994 gutgeschrieben. Der auf dem Auszug angegebene Kontoinhaber
         ist die „Entorn Lda – en constitución“. Ein anderer Auszug desselben Kontos vom 15. Juni 1995 gibt als Inhaber die „Entorn
         Trading Ltd“ an. Einer der Inhaber des Kontos ist somit eine der von Herrn B geschaffenen, oben in den Randnummern 10 und
         11 erwähnten Einheiten, nämlich die „Entorn Trading Ltd“, während die Bezeichnung „Entorn Lda – en constitución“ weder der
         Bezeichnung der Klägerin noch der Bezeichnung der von Herrn C in Spanien gegründeten Niederlassung genau entspricht. Jedenfalls
         kann den Dokumenten entnommen werden, dass die Klägerin, die „Entorn, Societat Limitada Enginyeria i Serveis“, nicht die Inhaberin
         des Kontos war.
         
         
         
         95
            
          Demnach hat die Klägerin die erste ausgezahlte Zuschusstranche nicht erhalten.
         
         
         
         96
            
          Was die zweite Tranche angeht, so wurde sie ausweislich der Akten auf ein Konto bei der Caixa in Madrid überwiesen, dessen
         Inhaber die „Entorn Trading Ltd (Entorn SL)“ war. Die Klägerin hat damit auch die zweite Zuschusstranche nicht erhalten.
         
         
         
         97
            
          Zur Frage, ob diese Zahlungen auf Weisung der Klägerin geleistet wurden und damit an sie selbst geleisteten Zahlungen gleichgestellt
         werden können, ist darauf hinzuweisen, dass die Nummer des Kontos, auf das die erste Zuschusstranche überwiesen wurde, der
         Kommission mit dem oben in Randnummer 16 erwähnten Schreiben vom 30. November 1993 mitgeteilt worden war. In seinen Äußerungen
         gegenüber den Beamten der UCLAF hat Herr B eingeräumt, dass er dieses Schreiben unterzeichnete.
         
         
         
         98
            
          Das Konto, auf das die zweite Zahlung überwiesen wurde, wurde der Kommission mit einem Fax vom 14. Juli 1995 unter Verwendung
         eines Faxformulars der „MB Consultores y Auditores, SL“ in Sevilla mitgeteilt, also jenes Unternehmens, bei dem die Entorn
         Sucursal ihren Sitz hatte. Aus den Akten ergibt sich kein Hinweis, wer dieses Fax versandte.
         
         
         
         99
            
          Wie oben in Randnummer 79 ausgeführt, ist das Verhalten von Herrn A nur erklärbar als vorsätzliche Beteiligung an der Vorgehensweise,
         mit der die Auszahlungen des Zuschusses ihrem Bestimmungszweck des Sumachvorhabens entfremdet werden sollten.
         
         
         
         100
            
          Einen wesentlichen Teil dieser Vorgehensweise bildete die Übersendung von Mitteilungen an die Kommission, die für die Auszahlung
         der Zuschusstranchen andere Kontonummern als die des Kontos der Klägerin angaben, aber zugleich den Eindruck vermittelten,
         es handele sich um der Klägerin selbst gehörende Konten. Folglich billigte Herr A die Versendung dieser Mitteilungen, und
         sie sind ihm daher zurechenbar.
         
         
         
         101
            
          Als Geschäftsführer der Klägerin war Herr A bevollmächtigt, durch von ihm selbst oder mit seiner Zustimmung im Namen der Gesellschaft
         vorgenommene Handlungen Verpflichtungen für die Klägerin zu begründen.
         
         
         
         102
            
          Das Schreiben vom 30. November 1993 war im Namen der Klägerin abgefasst und trägt die Unterschrift „A. López Gargallo“, die
         Herr B laut seiner Einlassung bei der UCLAF in den Schreiben vom 12. Juli und 22. September 1993 verwendet hatte (vgl. oben,
         Randnr. 64). Da Herr A durch sein Handeln bei der Kommission den Anschein hervorrief, dass diese Unterschrift für die Klägerin
         bindend war (vgl. oben, Randnr. 75), muss die Versendung dieses Schreibens als mit seiner Zustimmung erfolgt angesehen werden.
         Sie ist daher der Klägerin unabhängig von der Identität des tatsächlichen Unterzeichners zuzurechnen. Die Auszahlung der ersten
         Zuschusstranche kann daher als auf Weisung der Klägerin erfolgt betrachtet werden. Sie ist damit einer Zahlung an die Klägerin
         selbst gleichzustellen.
         
         
         
         103
            
          Das Fax vom 14. Juli 1995, mit dem der Kommission die neue Bankverbindung für die Zahlung der zweiten Tranche mitgeteilt wurde,
         wurde auf einem Faxformular mit Namen und Anschrift der Gesellschaft „MB Consultores y Auditores SL“ in Sevilla abgefasst.
         In die Rubrik „Absender“ („remite“) des Faxformulars wurde maschinenschriftlich „Entorn Trading, SL“ eingetragen. Diese Bezeichnung
         ist mit der im vorangegangenen Schriftwechsel mit der Kommission über das Sumachvorhaben verwendeten Bezeichnung („Entorn
         SL“) nicht identisch, aber ihr ähnlich.
         
         
         
         104
            
          Indessen war der Kommission mit dem oben in Randnummer 17 erwähnten Schreiben vom 29. März 1994 mitgeteilt worden, dass die
         „Entorn SL“ für das Sumachvorhaben ein Büro in Sevilla eröffnet habe, dessen Anschrift dieselbe war wie die der „MB Consultores
         y Auditores SL“. Dieses Schreiben trägt die maschinenschriftliche Unterschrift von Herrn A und eine unleserliche handschriftliche
         Unterschrift, die – nach seiner Einlassung bei der UCLAF – von Herrn B stammt. Mit diesem Schreiben wurde zum einen der Eindruck
         erweckt, dass die Adresse in Sevilla eine gültige Postanschrift der Klägerin für das Sumachvorhaben sei, und zum anderen der
         Eindruck, dass von dieser Adresse abgesandte Mitteilungen im Zusammenhang mit dem Sumachvorhaben von der Klägerin stammten.
         Damit fügt sich das Schreiben in die hier fragliche Vorgehensweise in jeder Hinsicht ein. So wurde es mit Zustimmung von Herrn
         A abgesandt und ist, da es im Namen der Klägerin abgefasst war, ihr unabhängig davon zuzurechnen, wer es tatsächlich unterzeichnete.
         
         
         
         
         105
            
          Angesichts des mit dem Schreiben hervorgerufenen Anscheins ist das Fax der „Entorn Trading, SL“, das am 14. Juli 1995 von
         der genannten Anschrift in Sevilla abgesandt wurde und Teil der Vorgehensweise ist, an der sich Herr A vorsätzlich beteiligte,
         ebenfalls der Klägerin zuzurechnen.
         
         
         
         106
            
          Folglich ist die Überweisung der zweiten Zuschusstranche auf das der Kommission in dem genannten Fax bezeichnete Konto als
         eine Zahlung auf Weisung der Klägerin anzusehen und damit einer an die Klägerin selbst geleisteten Zahlung gleichzustellen.
         
         
         
         107
            
          Der Klagegrund eines Verstoßes gegen Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung greift daher nicht durch.
         
         
         
         108
            
          Was die gerügte Verletzung der Begründungspflicht angeht, so ist der angefochtenen Entscheidung klar zu entnehmen, dass die
         Kommission die Klägerin für verpflichtet hielt, die beiden ausgezahlten Zuschusstranchen als Begünstigte des Zuschusses zurückzuerstatten,
         da einem Wechsel des Begünstigten nicht zugestimmt worden war. Diese Begründung genügte, um die Klägerin über die Gründe der
         angefochtenen Entscheidung zu unterrichten und dem Gericht die Ausübung seiner Kontrolle zu ermöglichen. Der Klagegrund einer
         Verletzung der Begründungspflicht im Zusammenhang mit der Rückzahlung der beiden Zuschusstranchen ist daher zurückzuweisen.
         
         Zum dritten Klagegrund: Verletzung der Verteidigungsrechte Vorbringen der Parteien
         
         
         109
            
          Die Klägerin legt der Kommission zur Last, sie habe ihr nach der Kontrolle am Sitz der Entorn Sucursal in Sevilla keine Gelegenheit
         zur schriftlichen Stellungnahme gegeben. Zwar sei ihr Geschäftsführer, Herr A, bei der Kontrolle zugegen gewesen. Ihr sei
         aber nicht Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme gegeben worden.
         
         
         
         110
            
          Es sei nicht verständlich, dass die Kommission, nachdem sie von den schriftlichen Erklärungen des Herrn C in Anlage 18 der
         Klagebeantwortung erfahren habe, sich nicht mit ihren Vertretern in Verbindung gesetzt habe. Dadurch seien ihre Verteidigungsrechte
         gravierend verletzt worden.
         
         
         
         111
            
          Die Kommission meint, dass die Verteidigungsrechte der Klägerin im vorliegenden Fall gewahrt worden seien. Mit dem Schreiben
         vom 3. April 1998, das die gegen die Klägerin erhobenen Beanstandungen klar benannt und ihr eine angemessene Äußerungsfrist
         gesetzt habe, habe sie der Klägerin Gelegenheit gegeben, zu der Streichung des Zuschusses Stellung zu nehmen. 
         
         
         
         112
            
          Aus der Adressierung dieses Schreibens an die Anschrift in Sevilla könne die Klägerin keine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs
         herleiten. Die Dienststellen der Kommission hätten für die Verwendung dieser Anschrift nicht nur deshalb guten Grund gehabt,
         weil es sich dabei um die letzte ihnen mitgeteilte Anschrift der Klägerin gehandelt habe, sondern auch, weil unter dieser
         Anschrift das Sumachvorhaben verwaltet worden sei, dort seine Kontrolle stattgefunden habe und dort auch die Prüfer der Kommission
         Herrn A getroffen hätten. 
         
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         113
            
          Die Wahrung der Verteidigungsrechte ist in allen Verfahren, die gegen eine bestimmte Person eröffnet werden und zu einer beschwerenden
         Maßnahme führen können, ein fundamentaler Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, der auch dann sichergestellt werden muss, wenn
         eine Regelung für das betreffende Verfahren fehlt. Dieser Grundsatz gebietet es, dass die Adressaten von Entscheidungen, die
         ihre Interessen spürbar beeinträchtigen, in die Lage versetzt werden, ihren Standpunkt in sachdienlicher Weise vorzutragen
         (Urteile des Gerichtshofes vom 24. Oktober 1996 in der Rechtssache C‑32/95 P, Kommission/Lisrestal u. a., Slg. 1996, I‑5373,
         Randnr. 21, und des Gerichts vom 26. September 2002 in der Rechtssache T‑199/99, Sgaravatti Mediterranea/Kommission, Slg.
         2002, II‑3731, Randnr. 55).
         
         
         
         114
            
          Zwar enthält Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 in geänderter Fassung keine ausdrückliche Regelung der Verteidigungsrechte
         des Begünstigten eines Zuschusses, dessen Streichung erwogen wird, jedoch ergibt sich Näheres hierzu aus Absatz 10 des Anhangs
         2 der Bewilligungsentscheidung, der die Finanzierungsbedingungen betrifft. Danach kann der Begünstigte eines Zuschusses vor
         dessen Aussetzung, Kürzung, Streichung oder Rückforderung hierzu binnen einer ihm von der Kommission gesetzten Frist Stellung
         nehmen. 
         
         
         
         115
            
          Im vorliegenden Fall wurde das Schreiben vom 3. April 1998, mit dem der Begünstigten des Zuschusses nach Absatz 10 der Finanzierungsbedingungen
         rechtliches Gehör gewährt werden sollte, nicht an die Klägerin gesandt, deren Sitz die ganze Zeit über in Barcelona war, sondern
         an die „Entorn (Sumac)“ unter der von der Entorn Sucursal benutzten Anschrift in Sevilla bei der „MB Consultores y Auditores“.
         
         
         
         116
            
          Jedoch war die Kommission mit dem oben in den Randnummern 17 und 104 erwähnten Schreiben vom 29. März 1994 vorsätzlich getäuscht
         und ihr der Eindruck vermittelt worden, dass die Anschrift in Sevilla die Adresse eines von der Klägerin eigens für das Sumachvorhaben
         eröffneten Büros sei. Wie oben in Randnummer 104 festgestellt, ist dieses Schreiben der Klägerin zuzurechnen.
         
         
         
         117
            
          Damit durfte die Kommission diese Anschrift jedoch für den gesamten Schriftwechsel zum Sumachvorhaben verwenden, damit also
         auch für das Schreiben vom 3. April 1998, mit dem der Klägerin Gelegenheit gegeben werden sollte, sich zu den ihr angelasteten
         Unregelmäßigkeiten zu äußern.
         
         
         
         118
            
          Zwar mag es erstaunlich erscheinen, dass sich die Kommission dieser Anschrift bediente, obgleich ihr bei der Absendung des
         Schreibens vom 3. April 1998 der Prüfbericht der UCLAF vorlag, dem sich entnehmen ließ, dass die Adresse in Sevilla die der
         Entorn Sucursal war, dass deren Sitz im Februar 1996 nach Teneriffa verlegt worden war und dass zwei gesonderte Gesellschaften
         mit sehr ähnlichem Namen existierten.
         
         
         
         119
            
          Allerdings kann sich die Klägerin hierauf nicht berufen, um eine Verletzung ihres Äußerungsrechts zu rügen.
         
         
         
         120
            
          Denn sie hat selbst eingeräumt, dass ihr Geschäftsführer, Herr A, von der Existenz des Schreibens vom 3. April 1998 wusste.
         Zwar macht sie geltend, Herr A habe daraus, dass dieses Schreiben an die Anschrift in Sevilla gesandt worden sei, geschlossen,
         dass die Kommission ihn nicht als Verantwortlichen für die festgestellten Unregelmäßigkeiten betrachtet habe. Indessen kann
         Herrn A nicht entgangen sein, dass die Adressierung des Schreibens an die Anschrift in Sevilla das Ergebnis jener Verwirrung
         über die richtige Anschrift der Klägerin war, die die an den Machenschaften um das Sumachvorhaben beteiligten Personen, darunter
         er selbst, vorsätzlich hervorgerufen hatten und aufrechterhielten. Herr A wusste auch, dass der Zuschuss der Klägerin gewährt
         worden war und er selbst nicht dafür Sorge getragen hatte, dass die Kommission über den angeblichen Verzicht auf das Vorhaben
         unterrichtet würde. Unter diesen Umständen ist offenkundig, dass die Klägerin Interesse daran hatte, vom Inhalt des Schreibens
         vom 3. April 1998 Kenntnis zu erlangen und zu den darin benannten Unregelmäßigkeiten Stellung zu nehmen. Die Klägerin hätte
         sich daher zu dem Schreiben äußern können, wenn sie dies gewünscht hätte.
         
         
         
         121
            
         Überdies kann sich eine Partei nicht auf eigene Pflichtwidrigkeiten berufen (vgl. analog Urteil des Gerichtshofes vom 7. Februar
         1973 in der Rechtssache 39/72, Kommission/Italien, Slg. 1973, 101, Randnr. 10, und Schlussanträge von Generalanwalt Mischo
         zum Urteil des Gerichtshofes vom 22. März 2001 in der Rechtssache C‑453/99, Courage und Crehan, Slg. 2001, I‑6297, Nr. 39).
         Ebenso kann sich eine Partei nicht auf das rechtswidrige Handeln einer von ihr bevollmächtigten Person berufen, um sich der
         eigenen Verantwortung für deren Handlungen zu entziehen. Daher kann die Klägerin hier nicht einen Irrtum der Kommission geltend
         machen, zu dessen Erweckung ihr Geschäftsführer vorsätzlich beigetragen hatte.
         
         
         
         122
            
          Die Versendung des Schreibens vom 3. April 1998 an die Anschrift in Sevilla war daher ausreichend, um die Verteidigungsrechte
         der Klägerin zu wahren.
         
         
         
         123
            
          Der dritte Klagegrund, mit dem die Klägerin eine Verletzung ihrer Verteidigungsrechte rügt, greift daher nicht durch.
         
         
          C – Zu den Anträgen der Klägerin auf prozessleitende Maßnahmen und Beweiserhebungen Vorbringen der Parteien
         
         
         124
            
          In der Klageschrift und in der Erwiderung beantragt die Klägerin, der Kommission „die Vorlage sämtlicher Schriftstücke zu
         dem Verwaltungsverfahren, das dem Erlass der angefochtenen Entscheidung vorausgegangen ist,“ aufzugeben.
         
         
         
         125
            
          In ihrer Stellungnahme zum Sitzungsbericht vom 13. Oktober 2003 beantragt die Klägerin, „die Protokolle der strafrechtlichen
         Ermittlungen zu den Akten zu nehmen, da ihr Inhalt für die Ermittlung der Wahrheit bedeutsam sein“ könne.
         
         
         
         126
            
          In ihrem Schriftsatz vom 4. November 2003 hat die Klägerin sodann beantragt, der Kommission die Vorlage aller Schriftstücke
         über den Fall des Sumachvorhabens aus der Zeit vor und nach der Gewährung des Zuschusses aufzugeben, weiter anzuordnen, dass
         die Kommission sämtliche ihr verfügbaren – vertraulichen oder nicht vertraulichen – Unterlagen über diesen Fall zu den Akten
         der vorliegenden Rechtssache gibt, als Zeugen „die Beamten der Kommission zu vernehmen, die möglicherweise unmittelbar oder
         mittelbar an dem Verwaltungsverfahren vor und nach der Gewährung des Zuschusses für das Sumachvorhaben mitgewirkt haben oder
         die die interne Untersuchung der zuständigen Kommissionsdienststellen geführt haben“, sowie schließlich auch Herrn B als Zeugen
         zu hören.
         
         
         
         127
            
          Zur Begründung macht sie geltend, sie wolle auf diese Weise die Tatsachen erhärten, die sich dem Protokoll der UCLAF über
         die Einlassung von Herrn B entnehmen ließen, und darüber gegebenenfalls weiteren Aufschluss gewinnen. Die beantragten Zeugenvernehmungen
         könnten außerdem belegen, dass die angefochtene Entscheidung offenkundig auf Sachverhaltsirrtümern beruhe.
         
         
         
         128
            
          Die Kommission meint, dass die Klägerin im Verwaltungsverfahren alle für ihre Verteidigung nötigen Tatsachen und Umstände
         erfahren habe. Zu dem Antrag, verschiedene Beamte als Zeugen zu hören, könne sie sich nicht äußern, da der Antrag zu unbestimmt
         sei und die beantragten Zeugenvernehmungen für den Rechtsstreit unerheblich seien. 
         
          Würdigung durch das Gericht
         
         
         129
            
          Nach Artikel 64 § 2 Buchstaben a und b der Verfahrensordnung des Gerichts haben prozessleitende Maßnahmen insbesondere zum
         Ziel, den ordnungsgemäßen Ablauf des schriftlichen Verfahrens oder der mündlichen Verhandlung zu gewährleisten, die Beweiserhebung
         zu erleichtern und die Punkte zu bestimmen, zu denen die Parteien ihr Vorbringen ergänzen sollen oder die eine Beweisaufnahme
         erfordern. Nach Artikel 64 § 3 Buchstabe d und § 4 der Verfahrensordnung kann jede Partei in jedem Verfahrensstadium den Erlass
         von prozessleitenden Maßnahmen vorschlagen, die in einer Aufforderung zur Vorlage von Unterlagen oder Beweisstücken im Zusammenhang
         mit der Rechtssache bestehen können (Urteil des Gerichtshofes vom 17. Dezember 1998 in der Rechtssache C‑185/95 P, Baustahlgewebe/Kommission,
         Slg. 1998, I‑8417, Randnr. 92).
         
         
         
         130
            
          Dagegen soll es die Beweisaufnahme nach den Artikeln 65 bis 67 der Verfahrensordnung ermöglichen, die Richtigkeit der von
         einer Partei zur Stützung ihres Vorbringens behaupteten Tatsachen nachzuweisen (Urteil des Gerichts vom 8. November 2000 in
         der Rechtssache T‑175/97, Bareyt u. a./Kommission, Slg. ÖD 2000, I‑A‑229 und II‑1053, Randnr. 90). Nach Artikel 44 § 1 Buchstabe
         e der Verfahrensordnung müssen in der Klageschrift gegebenenfalls die Beweismittel bezeichnet werden. Nach Artikel 48 § 1
         der Verfahrensordnung können die Parteien auch in der Erwiderung oder der Gegenerwiderung noch Beweismittel benennen, müssen
         dann aber die Verspätung begründen. Beschließt das Gericht Beweiserhebungen, bleiben jedoch nach Artikel 66 der Verfahrensordnung
         Gegenbeweis und Erweiterung des Beweisantritts vorbehalten.
         
         
         
         131
            
          Im Licht dieser Grundsätze ist zu prüfen, ob die von der Klägerin beantragten prozessleitenden Maßnahmen und Beweiserhebungen
         vorzunehmen sind.
         
         
         
         132
            
          Was zunächst den in der Stellungnahme zum Sitzungsbericht gestellten Antrag betrifft, die strafrechtlichen Vernehmungsprotokolle
         zu den Akten zu nehmen, so hat die Klägerin dem Gericht diese Protokolle nicht vorgelegt. Der Antrag der Klägerin ist daher
         dahin aufzufassen, dass sie mit ihm begehrt, das Gericht möge diese Protokolle bei den spanischen Justizbehörden anfordern.
         Zwar kann ein solcher Antrag auf prozessleitende Maßnahmen von der Klägerin in jedem Verfahrensstadium gestellt werden, jedoch
         ist es Sache des Gerichts, zu beurteilen, ob die fragliche Maßnahme dem ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens dient. Um dem
         Gericht diese Beurteilung zu ermöglichen, hat die Partei, die den Antrag stellt, die erbetenen Unterlagen zu bezeichnen und
         dem Gericht zumindest einen Anhaltspunkt dafür zu geben, dass diese Dokumente für das Verfahren zweckdienlich sind (Urteil
         Baustahlgewebe/Kommission, Randnr. 93). Zielt ein Antrag auf prozessleitende Maßnahmen, wie hier, auf die Ermittlung neuer
         Tatsachen und wird er in einem Verfahrensstadium gestellt, in dem die Einführung neuer Beweismittel grundsätzlich unzulässig
         ist, so ist insbesondere erforderlich, dass die Partei, die die prozessleitenden Maßnahmen beantragt, die Gründe benennt,
         aus denen der Antrag nicht früher gestellt werden konnte.
         
         
         
         133
            
          Im vorliegenden Fall hat die Klägerin bereits in ihrer Klageschrift auf das in Spanien eingeleitete Strafverfahren Bezug genommen.
         Die etwaige Relevanz der strafverfahrensrechtlichen Protokolle war grundsätzlich schon in diesem Verfahrensstadium feststellbar.
         Außerdem wurden zwei Protokolle über die Vernehmung von Herrn A und Herrn C im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren von der
         Kommission bereits als Anlagen ihrer Klagebeantwortung zu den Akten gegeben. Der Antrag der Klägerin enthält – abgesehen von
         der allgemeinen Behauptung, der „Inhalt [der Protokolle könne] für die Ermittlung der Wahrheit bedeutsam sein“ – weder eine
         konkrete Angabe, anhand deren sich die Sachdienlichkeit einer Beiziehung weiterer strafverfahrensrechtlicher Vernehmungsprotokolle
         zu den Akten des vorliegenden Rechtsstreits beurteilen ließe, noch eine Erläuterung, aus welchen Gründen sie die Vorlage dieser
         Dokumente nicht bereits vorher beantragt hatte. Unter diesen Umständen ist das Gericht der Auffassung, dass der Erlass der
         beantragten Maßnahme nicht geeignet erscheint, den ordnungsgemäßen Ablauf des schriftlichen Verfahrens oder der mündlichen
         Verhandlung zu gewährleisten oder die Beweiserhebung zu erleichtern. 
         
         
         
         134
            
          Was zweitens den im Schriftsatz vom 4. November 2003 gestellten Antrag anbelangt, der Kommission aufzugeben, „ein für allemal
         und rückhaltlos alle Unterlagen über den Fall des Sumachvorhabens aus der Zeit vor und nach der Gewährung der Beteiligung
         vorzulegen, selbst wenn sie die Verwicklung ihrer Beamten in ein internationales Komplott für Betrügereien zum Nachteil des
         Gemeinschaftshaushalts und von Steuermitteln der europäischen Bürger offen legen könnten“ und „sämtliche [der Kommission]
         verfügbaren – vertraulichen oder nicht vertraulichen – Unterlagen über diesen Fall zu den Akten der vorliegenden Rechtssache“
         zu geben, ist zunächst festzustellen, dass der Klägerin nicht vorgeworfen werden kann, den Antrag nicht schon früher gestellt
         zu haben. Sie hatte nämlich bereits in der Klageschrift die Vorlage sämtlicher Unterlagen über das Verwaltungsverfahren vor
         Erlass der angefochtenen Entscheidung beantragt, das Gericht hatte daraufhin der Kommission die Vorlage der Verwaltungsakte
         aufgegeben, und die Kommission hat eine Verwaltungsakte eingereicht, die sie für die angeforderte Akte hielt. Erst nachdem
         Herr A der Klägerin das Protokoll über die Einlassung von Herrn B gegenüber der UCLAF zugeleitet hatte, konnte die Klägerin
         erkennen, dass die von der Kommission vorgelegte Verwaltungsakte nicht alle Schriftstücke über die Untersuchung der UCLAF
         enthielt und dass es darüber möglicherweise weitere Dokumente gab. 
         
         
         
         135
            
          Die Klägerin erläutert aber nicht, warum diese Dokumente für das vorliegende Verfahren sachdienlich wären, sieht man von ihrer
         Behauptung ab, dass diese Dokumente die Beteiligung bestimmter Kommissionsbeamter an betrügerischen Machenschaften im Zusammenhang
         mit dem Sumachvorhaben offenbaren könnten. Wie jedoch oben in den Randnummern 81 bis 82 festgestellt, wäre eine solche Tatbeteiligung
         von Beamten der Kommission, selbst wenn sie nachgewiesen wäre – und so verurteilenswert sie wäre –, als solche nicht geeignet,
         die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung in Frage zu stellen. Die von der Klägerin beantragte Maßnahme ist daher
         für die Entscheidung über den Rechtsstreit nicht erheblich.
         
         
         
         136
            
          Was drittens den Antrag anbelangt, die im Schriftsatz vom 4. November 2003 namentlich benannten Zeugen zu vernehmen, so hat
         die Klägerin zum Beweisthema dieser Zeugenvernehmungen nur angegeben, die Vernehmung habe zum Zweck, „dass die Zeugen vor
         dem Gericht die [im Protokoll über die Einlassung von Herrn B gegenüber der UCLAF beschriebenen] Tatsachen bestätigen und
         gegebenenfalls ergänzen sowie aufzeigen, dass die [angefochtene Entscheidung] rechtswidrig ist, da sie auf der Grundlage offenkundiger
         Sachverhaltsirrtümer erging“. 
         
         
         
         137
            
          Was die Einlassung von Herrn B angeht, so entspricht ihr Inhalt sehr weitgehend den bereits in den Schriftsätzen der Parteien
         und deren Anlagen enthaltenen Angaben. Wenn Herr B auch zum Sachverhalt, so wie er sich aus den Akten ergibt, bestimmte Klarstellungen
         machte, so insbesondere durch die Anerkennung bestimmter vorher nicht identifizierter Unterschriften, hat er diesen Angaben
         der Parteien doch nicht widersprochen. Wie sich aus den vorstehenden Darlegungen in den Randnummern 66, 102 und 104 ergibt,
         hängt aber der Ausgang des vorliegenden Rechtsstreits nicht davon ab, ob sich bestimmte Tatsachen als wahr erweisen, die in
         der Einlassung von Herrn B beschrieben sind, aber durch weitere Schriftstücke in den Akten nicht gestützt werden. Was hingegen
         das sehr allgemeine Begehren der Klägerin angeht, den der angefochtenen Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalt zu widerlegen,
         so ist festzustellen, dass sie die insoweit fraglichen Tatsachen nicht präzisiert und auch nicht begründet hat, warum sie
         ein solches Beweisangebot nicht bereits in der Klageschrift unterbreitete.
         
         
         
         138
            
          Demnach ist den in der Stellungnahme zum Sitzungsbericht und im Schriftsatz vom 4. November 2003 gestellten Anträgen der Klägerin
         auf Erlass prozessleitender Maßnahmen und Beweiserhebungen nicht stattzugeben. 
         
         
         
         139
            
          Nach alledem ist die Klage abzuweisen. 
         
         
         Kosten
         140
            
          Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Klägerin unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Beklagten die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten im
         Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes aufzuerlegen.
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DAS GERICHT (Zweite Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Die Klage wird abgewiesen.
               
            
            
            
             
               2.
                  Die Klägerin trägt ihre eigenen Kosten und die Kosten der Kommission einschließlich der Kosten im Verfahren des vorläufigen
                     Rechtsschutzes.
                  
               
            
            
                  Forwood
               
               
                  Pirrung
               
               
                  Meij
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 18. Januar 2005.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  H. Jung
               
               
                  J. Pirrung
               
            
         
            Inhaltsverzeichnis
         
         
                  Rechtlicher Rahmen
                     
               
            
                  Sachverhalt
                     
               
            
                      
                        Die klagende Gesellschaft
                     
               
            
                      
                        Weitere Entorn‑Firmen
                     
               
            
                      
                        Beantragung und Gewährung der finanziellen Beteiligung
                     
               
            
                      
                        Entwicklung des Vorhabens
                     
               
            
                      
                        Verwaltungsverfahren und angefochtene Entscheidung
                     
               
            
                  Verfahren und Anträge der Parteien
                     
               
            
                  Entscheidungsgründe
                     
               
            
                      
                        A –  Zur Berücksichtigung des Protokolls über die mündliche Einlassung von Herrn B und der Anlagen zu diesem Schriftstück
                     
               
            
                          
                        Vorbringen der Parteien
                     
               
            
                          
                        Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                      
                        B –  Zur Begründetheit
                     
               
            
                          
                        Zum ersten und zweiten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 und Verletzung der Begründungspflicht
                     
               
            
                              
                        Vorbringen der Parteien
                     
               
            
                              
                        Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                                  
                        –  Zur Streichung des Zuschusses
                     
               
            
                                  
                        –  Zur Rückzahlung der Beträge, die als die ersten beiden Tranchen des Gemeinschaftszuschusses ausbezahlt wurden
                     
               
            
                          
                        Zum dritten Klagegrund: Verletzung der Verteidigungsrechte
                     
               
            
                              
                        Vorbringen der Parteien
                     
               
            
                              
                        Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                      
                        C –  Zu den Anträgen der Klägerin auf prozessleitende Maßnahmen und Beweiserhebungen
                     
               
            
                              
                        Vorbringen der Parteien
                     
               
            
                              
                        Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                  Kosten
                     
               
            
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Spanisch.