CELEX: 62005CJ0306
Language: de
Date: 2006-12-07
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 7. Dezember 2006.#Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE) gegen Rafael Hoteles SA.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Audiencia Provincial de Barcelona - Spanien.#Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in der Informationsgesellschaft - Richtlinie 2001/29/EG - Artikel 3 - Begriff der öffentlichen Wiedergabe - Werke, die über in Hotelzimmern aufgestellte Fernsehgeräte wiedergegeben werden.#Rechtssache C-306/05.

Rechtssache C‑306/05
      Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE)
      gegen
      Rafael Hoteles SA
      (Vorabentscheidungsersuchen der 
      Audiencia Provincial de Barcelona)
      „Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in der Informationsgesellschaft – Richtlinie 2001/29/EG – Artikel 3 – Begriff der öffentlichen Wiedergabe – Werke, die über in Hotelzimmern aufgestellte Fernsehgeräte wiedergegeben werden“
      Leitsätze des Urteils
      Rechtsangleichung – Urheberrecht und verwandte Schutzrechte – Richtlinie 2001/29 – Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts
            und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft – Öffentliche Wiedergabe – Begriff 
      (Richtlinie 2001/29 des Europäischen Parlaments und des Rates, Artikel 3 Absatz 1)
      Das bloße körperliche Bereitstellen von Einrichtungen, wie in Hotelzimmern aufgestellte Fernsehapparate, stellt als solches
         keine öffentliche Wiedergabe im Sinne der Richtlinie 2001/29 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der
         verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft dar. Dagegen stellt die Verbreitung eines Signals, die das Hotel mittels
         dieser Apparate vornimmt, und die die Wiedergabe von Werken für die Gäste in den Zimmern dieses Hotels ermöglicht, unabhängig
         davon, mit welcher Technik das Signal übertragen wird, eine öffentliche Wiedergabe im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 dieser
         Richtlinie dar.
      
      Wie im WIPO-Leitfaden zur Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst erläutert wird, will der Urheber,
         wenn er seine Erlaubnis zur Übertragung seines Werkes durch den Rundfunk gibt, nur die unmittelbare Zuhörerschaft erfassen,
         d. h. die Besitzer von Empfangsgeräten, die die Sendung allein oder im privaten bzw. familiären Kreis empfangen. Erfolgt dieser
         Empfang zu dem Zweck, durch eine eigenständige Handlung, durch die das gesendete Werk für ein neues Publikum wiedergegeben
         wird, einen weiteren Kreis zu unterhalten, gründet sich auf diesen Empfang das ausschließliche Recht des Urhebers, diesen
         zu erlauben. Die Gäste eines Hotels bilden ein solches neues Publikum, da die Verbreitung des ausgestrahlten Werkes an diese
         Gäste über Fernsehapparate nicht nur ein bloßes technisches Mittel zur Gewährleistung oder Verbesserung des Empfangs der ursprünglichen
         Sendung in ihrem Sendebereich darstellt. Vielmehr wird das Hotel als Einrichtung tätig, die in voller Kenntnis der Folgen
         ihres Verhaltens ihren Gästen Zugang zu den geschützten Werken verschafft. 
      
      Der private Charakter von Hotelzimmern steht der Einstufung des Signals als öffentliche Wiedergabe nicht entgegen.
      (vgl. Randnrn. 41-42, 47, 54, Tenor 1-2)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Dritte Kammer)
      7. Dezember 2006(*)
      
      „Urheberrecht und verwandte Schutzrechte in der Informationsgesellschaft – Richtlinie 2001/29/EG – Artikel 3 – Begriff der öffentlichen Wiedergabe – Werke, die über in Hotelzimmern aufgestellte Fernsehgeräte wiedergegeben werden“
      In der Rechtssache C‑306/05
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Artikel 234 EG, eingereicht vom Audiencia Provincial de Barcelona (Spanien)
         mit Entscheidung vom 7. Juni 2005, beim Gerichtshof eingegangen am 3. August 2005, in dem Verfahren
      
      Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE)
      gegen
      Rafael Hoteles SL
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas sowie der Richter A. Borg Barthet, J. Malenovský (Berichterstatter), U. Lõhmus
         und A. Ó Caoimh,
      
      Generalanwältin: E. Sharpston,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 4. Mai 2006,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE), vertreten durch R. Gimeno-Bayón Cobos und P. Hernández Arroyo,
         abogados,
      
      –        der Rafael Hoteles SA, vertreten durch R. Tornero Moreno, abogado,
      –        der französischen Regierung, vertreten durch G. de Bergues und J.‑C. Niollet als Bevollmächtigte,
      –        Irlands, vertreten durch D. J. O’Hagan als Bevollmächtigten im Beistand von N. Travers, BL,
      –        der österreichischen Regierung, vertreten durch C. Pesendorfer als Bevollmächtigte,
      –        der polnischen Regierung, vertreten durch K. Murawski, U. Rutkowska und P. Derwicz als Bevollmächtigte,
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch J. R. Vidal Puig und W. Wils als Bevollmächtigte,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 13. Juli 2006
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Artikel 3 der Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments
         und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in
         der Informationsgesellschaft (ABl. L 167, S. 10).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der der Sociedad General de Autores y Editores de España (SGAE) und der Rafael Hoteles SL (im Folgenden: Rafael) wegen angeblicher
         Verletzung der von SGAE verwalteten Rechte des geistigen Eigentums durch Rafael.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Das anwendbare Völkerrecht
      3        Das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums in Anhang 1C des Übereinkommens von Marrakesch
         zur Errichtung der Welthandelsorganisation wurde durch den Beschluss 94/800/EG des Rates vom 22. Dezember 1994 über den Abschluss
         der Übereinkünfte im Rahmen der multilateralen Verhandlungen der Uruguay-Runde (1986–1994) im Namen der Europäischen Gemeinschaft
         in Bezug auf die in ihre Zuständigkeiten fallenden Bereiche (ABl. L 336, S. 1) von der Europäischen Gemeinschaft genehmigt.
      
      4        Artikel 9 Absatz 1 des Übereinkommens über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums lautet:
      
      „(1)      Die Mitglieder befolgen die Artikel 1 bis 21 der Berner Übereinkunft (1971) und den Anhang dazu. Die Mitglieder haben jedoch
         aufgrund dieses Übereinkommens keine Rechte oder Pflichten in Bezug auf die in Artikel 6 bis der Übereinkunft gewährten oder
         die daraus abgeleiteten Rechte.“
      
      5        Artikel 11 der Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst (Pariser Fassung vom 24. Juli 1971) in der
         am 28. September 1979 geänderten Fassung (im Folgenden: Berner Übereinkunft) bestimmt:
      
      „1.      Die Urheber von dramatischen, dramatisch-musikalischen und musikalischen Werken genießen das ausschließliche Recht, zu erlauben:
      i)      die öffentliche Aufführung ihrer Werke einschließlich der öffentlichen Aufführung durch irgendein Mittel oder Verfahren,
      ii)      die öffentliche Übertragung der Aufführung ihrer Werke durch irgendein Mittel.
      2.      Die gleichen Rechte werden den Urhebern dramatischer oder dramatisch-musikalischer Werke während der ganzen Dauer ihrer Rechte
         am Originalwerk hinsichtlich der Übersetzung ihrer Werke gewährt.“
      
      6        Artikel 11bis Absatz 1 der Berner Übereinkunft sieht vor:
      
      „Die Urheber von Werken der Literatur und Kunst genießen das ausschließliche Recht, zu erlauben:
      i)      die Rundfunksendung ihrer Werke oder die öffentliche Wiedergabe der Werke durch irgendein anderes Mittel zur drahtlosen Verbreitung
         von Zeichen, Tönen oder Bildern,
      
      ii)      jede öffentliche Wiedergabe des durch Rundfunk gesendeten Werkes mit oder ohne Draht, wenn diese Wiedergabe von einem anderen
         als dem ursprünglichen Sendeunternehmen vorgenommen wird,
      
      iii)      die öffentliche Wiedergabe des durch Rundfunk gesendeten Werkes durch Lautsprecher oder irgendeine andere ähnliche Vorrichtung
         zur Übertragung von Zeichen, Tönen oder Bildern.“ 
      
      7        Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) erließ am 20. Dezember 1996 in Genf den WIPO-Vertrag über Darbietungen
         und Tonträger und den WIPO-Urheberrechtsvertrag. Diesen beiden Verträgen stimmte die Gemeinschaft durch den Beschluss 2000/278/EG
         des Rates vom 16. März 2000 (ABl. L 89, S. 6) zu. 
      
      8        Artikel 8 des WIPO-Urheberrechtsvertrags bestimmt: 
      
      „Unbeschadet der Bestimmungen von Artikel 11 Absatz 1 Ziffer 2, Artikel 11bis Absatz 1 Ziffern 1 und 2, 11ter Absatz 1 Ziffer
         2, 14 Absatz 1 Ziffer 2 und 14bis Absatz 1 der Berner Übereinkunft haben die Urheber von Werken der Literatur und Kunst das
         ausschließliche Recht, die öffentliche drahtlose oder drahtgebundene Wiedergabe ihrer Werke zu erlauben, einschließlich der
         Zugänglichmachung ihrer Werke in der Weise, dass sie Mitgliedern der Öffentlichkeit an Orten und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich
         sind.“ 
      
      9        Von der Diplomatischen Konferenz wurden am 20. Dezember 1996 Gemeinsame Erklärungen zum WIPO-Urheberrechtsvertrag abgegeben.
         
      
      10      Die Gemeinsame Erklärung zu Artikel 8 dieses Vertrags lautet: 
      
      „Die Bereitstellung der materiellen Voraussetzungen, die eine Wiedergabe ermöglichen oder bewirken, stellt für sich genommen
         keine Wiedergabe im Sinne dieses Vertrags oder der Berner Übereinkunft dar. Artikel 10 steht einer Anwendung von Artikel 11
         bis Absatz 2 der Berner Übereinkunft durch die Vertragsparteien nicht entgegen.“
      
       Gemeinschaftsrecht 
      11      Die neunte Begründungserwägung der Richtlinie 2001/29 lautet:
      
      „Jede Harmonisierung des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte muss von einem hohen Schutzniveau ausgehen, da diese
         Rechte für das geistige Schaffen wesentlich sind. Ihr Schutz trägt dazu bei, die Erhaltung und Entwicklung kreativer Tätigkeit
         im Interesse der Urheber, ausübenden Künstler, Hersteller, Verbraucher, von Kultur und Wirtschaft sowie der breiten Öffentlichkeit
         sicherzustellen. Das geistige Eigentum ist daher als Bestandteil des Eigentums anerkannt worden.“
      
      12      In der zehnten Begründungserwägung der Richtlinie heißt es:
      
      „Wenn Urheber und ausübende Künstler weiter schöpferisch und künstlerisch tätig sein sollen, müssen sie für die Nutzung ihrer
         Werke eine angemessene Vergütung erhalten, was ebenso für die Produzenten gilt, damit diese die Werke finanzieren können.
         Um Produkte wie Tonträger, Filme oder Multimediaprodukte herstellen und Dienstleistungen, z. B. Dienste auf Abruf, anbieten
         zu können, sind beträchtliche Investitionen erforderlich. Nur wenn die Rechte des geistigen Eigentums angemessen geschützt
         werden, kann eine angemessene Vergütung der Rechtsinhaber gewährleistet und ein zufrieden stellender Ertrag dieser Investitionen
         sichergestellt werden.“
      
      13      Die 15. Begründungserwägung der Richtlinie lautet:
      
      „Die Diplomatische Konferenz, die unter der Schirmherrschaft der … [WIPO] im Dezember 1996 stattfand, führte zur Annahme von
         zwei neuen Verträgen, dem WIPO-Urheberrechtsvertrag und dem WIPO-Vertrag über Darbietungen und Tonträger, die den Schutz der
         Urheber bzw. der ausübenden Künstler und Tonträgerhersteller zum Gegenstand haben. In diesen Verträgen wird der internationale
         Schutz des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte, nicht zuletzt in Bezug auf die sog. ‚digitale Agenda‘, auf den neuesten
         Stand gebracht; gleichzeitig werden die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Piraterie weltweit verbessert. Die Gemeinschaft und
         die meisten Mitgliedstaaten haben die Verträge bereits unterzeichnet, und inzwischen wurde mit den Vorbereitungen zu ihrer
         Genehmigung bzw. Ratifizierung durch die Gemeinschaft und die Mitgliedstaaten begonnen. Die vorliegende Richtlinie dient auch
         dazu, einigen dieser neuen internationalen Verpflichtungen nachzukommen.“
      
      14      In der 23. Begründungserwägung der Richtlinie heißt es:
      
      „Mit dieser Richtlinie sollte das für die öffentliche Wiedergabe geltende Urheberrecht weiter harmonisiert werden. Dieses
         Recht sollte im weiten Sinne verstanden werden, nämlich dahin gehend, dass es jegliche Wiedergabe an die Öffentlichkeit umfasst,
         die an dem Ort, an dem die Wiedergabe ihren Ursprung nimmt, nicht anwesend ist. Dieses Recht sollte jegliche entsprechende
         drahtgebundene oder drahtlose öffentliche Übertragung oder Weiterverbreitung eines Werks, einschließlich der Rundfunkübertragung,
         umfassen. Dieses Recht sollte für keine weiteren Handlungen gelten.“
      
      15      Die 27. Begründungserwägung der Richtlinie 2001/29 lautet:
      
      „Die bloße Bereitstellung der Einrichtungen, die eine Wiedergabe ermöglichen oder bewirken, stellt selbst keine Wiedergabe
         im Sinne dieser Richtlinie dar.“
      
      16      Artikel 3 der Richtlinie bestimmt: 
      
      „(1)      Die Mitgliedstaaten sehen vor, dass den Urhebern das ausschließliche Recht zusteht, die drahtgebundene oder drahtlose öffentliche
         Wiedergabe ihrer Werke einschließlich der öffentlichen Zugänglichmachung der Werke in der Weise, dass sie Mitgliedern der
         Öffentlichkeit von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich sind, zu erlauben oder zu verbieten.
      
      (2)      Die Mitgliedstaaten sehen für folgende Personen das ausschließliche Recht vor, zu erlauben oder zu verbieten, dass die nachstehend
         genannten Schutzgegenstände drahtgebunden oder drahtlos in einer Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, dass
         sie Mitgliedern der Öffentlichkeit von Orten und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich sind:
      
      a)      für die ausübenden Künstler in Bezug auf die Aufzeichnungen ihrer Darbietungen;
      b)      für die Tonträgerhersteller in Bezug auf ihre Tonträger;
      c)      für die Hersteller der erstmaligen Aufzeichnungen von Filmen in Bezug auf das Original und auf Vervielfältigungsstücke ihrer
         Filme;
      
      d)      für die Sendeunternehmen in Bezug auf die Aufzeichnungen ihrer Sendungen, unabhängig davon, ob diese Sendungen drahtgebunden
         oder drahtlos, über Kabel oder Satellit übertragen werden.
      
      (3)      Die in den Absätzen 1 und 2 bezeichneten Rechte erschöpfen sich nicht mit den in diesem Artikel genannten Handlungen der öffentlichen
         Wiedergabe oder der Zugänglichmachung für die Öffentlichkeit.“
      
       Nationales Recht
      17      Die kodifizierte Fassung des Gesetzes über das geistige Eigentum, das die auf diesem Gebiet geltenden Rechtsvorschriften regelt,
         präzisiert und harmonisiert (Ley de propiedad intelectual, im Folgenden: LPI) wurde durch das Real Decreto Legislativo (Königliches
         Gesetzesdekret) Nr. 1/1996 vom 12. April 1996 (BOE Nr. 97 vom 22. April 1996) genehmigt.
      
      18      Artikel 17 der LPI bestimmt:
      
      „Dem Urheber steht die ausschließliche Wahrnehmung der Verwertungsrechte an seinem Werk in jeglicher Form zu; dies gilt insbesondere
         für die Rechte der Vervielfältigung, der Verbreitung, der öffentlichen Widergabe und der Veränderung, die mit Ausnahme der
         in diesem Gesetz vorgesehenen Fälle nur mit seiner Erlaubnis zulässig sind.“
      
      19      Artikel 20 Absatz 1der LPI lautet:
      
      „Öffentliche Widergabe ist jede Handlung, durch die einer Mehrzahl von Personen Zugang zu dem Werk ermöglicht wird, ohne dass
         zuvor Exemplare an jede dieser Personen verteilt worden sind.
      
      Keine öffentliche Wiedergabe liegt vor, wenn die Wiedergabe in einem rein privaten Bereich stattfindet, der nicht in ein Verbreitungsnetz
         gleich welcher Art einbezogen oder an ein solches angeschlossen ist.“
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      20      SGAE ist die in Spanien mit der Verwaltung der Rechte des geistigen Eigentums beauftragte Einrichtung.
      
      21      SGAE war der Ansicht, dass durch den Einsatz von Fernsehapparaten und Geräten zur Verbreitung von Hintergrundmusik in den
         Hotels von Rafael zwischen Juni 2002 und März 2003 Werke des von ihr verwalteten Repertoires öffentlich wiedergegeben worden
         seien. Sie erhob vor dem Juzgado de primera instancia n° 28 de Barcelona (Gericht erster Instanz Nr. 28 von Barcelona) eine
         Klage auf Zahlung einer Ausgleichsentschädigung gegen Rafael, da deren Verhalten ihrer Ansicht nach die an diesen Werken bestehenden
         Rechte des geistigen Eigentums verletzt. 
      
      22      Dieses Gericht wies die Klage mit Entscheidung vom 6. Juni 2003 teilweise ab. Es war der Auffassung, dass der Einsatz von
         Fernsehapparaten in den Hotelzimmern keine öffentliche Wiedergabe der von der SGAE verwalteten Werke sei. Die Klage sei aber
         im Hinblick auf die in den Hotels offenbar existierenden Gemeinschaftsflächen, die mit Fernsehapparaten ausgestattet seien
         und in denen Hintergrundmusik gespielt werde, begründet. 
      
      23      SGAE und Rafael legten beide beim Audiencia Provincial de Barcelona Rechtsmittel gegen dieses Urteil ein. Daraufhin hat dieses
         Gericht das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Stellt das Aufstellen von Fernsehgeräten, an die das über Satellit oder erdgebundene Systeme empfangene Fernsehsignal per
         Kabel weitergeleitet wird, in Hotelzimmern eine öffentliche Wiedergabe dar, auf die sich die in Artikel 3 der Richtlinie 2001/29
         verlangte Harmonisierung der nationalen Vorschriften zum Urheberrechtsschutz erstreckt?
      
      2.      Steht es im Widerspruch zu dem in der Richtlinie 2001/29 vorgesehenen Schutz des Urheberrechts, wenn das Hotelzimmer als ein
         rein privater Bereich verstanden und eine Wiedergabe durch Fernsehgeräte, an die das zuvor vom Hotel empfangene Fernsehsignal
         weitergeleitet wird, nicht mehr als öffentlich angesehen wird?
      
      3.      Kann die Wiedergabe, die mittels eines Fernsehgeräts in einem Hotelzimmer erfolgt, im Sinne des in der Richtlinie 2001/29
         vorgesehenen Urheberrechtsschutzes bei öffentlicher Wiedergabe als öffentlich angesehen werden, weil einer aus aufeinanderfolgenden
         Gästen bestehenden Öffentlichkeit Zugang zu dem Werk gewährt wird?
      
       Zum Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung
      24      Mit Schreiben, das am 12. September 2006 beim Gerichtshof eingegangen ist, hat Rafael gemäß Artikel 61 der Verfahrensordnung
         des Gerichtshofes die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung beantragt.
      
      25      Rafael begründet ihren Antrag damit, dass die Schlussanträge der Generalanwältin in sich widersprüchlich seien. Die Verneinung
         der ersten Frage müsse unweigerlich auch zur Verneinung der zweiten und der dritten Frage führen; die Generalanwältin schlage
         aber vor, die zweite und die dritte Frage zu bejahen. 
      
      26      Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Satzung des Gerichtshofes und die Verfahrensordnung nicht die Möglichkeit vorsehen,
         dass die Verfahrensbeteiligten zu den Schlussanträgen des Generalanwalts Stellung nehmen (vgl. u. a. Beschluss vom 30. März
         2006 in der Rechtssache C‑259/04, Emanuel, Slg. 2006, I‑3089, Randnr. 15).
      
      27      Der Gerichtshof kann aber nach Artikel 61 seiner Verfahrensordnung die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung von Amts
         wegen, auf Vorschlag des Generalanwalts oder auch auf Antrag der Verfahrensbeteiligten anordnen, wenn er sich für unzureichend
         unterrichtet hält oder ein zwischen den Verfahrensbeteiligten nicht erörtertes Vorbringen als entscheidungserheblich ansieht
         (vgl. u. a. Urteile vom 13. November 2003 in der Rechtssache C‑209/01, Schilling und Fleck-Schilling, Slg. 2003, I‑13389,
         Randnr. 19, und vom 17. Juni 2004 in der Rechtssache C‑30/02, Recheio – Cash & Carry, Slg. 2004, I‑6051, Randnr. 12).
      
      28      Im vorliegenden Fall verfügt der Gerichtshof über sämtliche Angaben, die er für die Entscheidung über das vorliegende Vorabentscheidungsersuchen
         benötigt.
      
      29      Die mündliche Verhandlung ist daher nicht wiederzueröffnen.
      
       Zu den Vorlagefragen
       Vorbemerkungen
      30      Zunächst ist festzustellen, dass entgegen dem Vorbringen von Rafael der dem Ausgangsverfahren zugrunde liegende Sachverhalt
         nicht unter die Richtlinie 93/83/EWG des Rates vom 27. September 1993 zur Koordinierung bestimmter urheber- und leistungsschutzrechtlicher
         Vorschriften betreffend Satellitenrundfunk und Kabelweiterverbreitung (ABl. L 248, S 15), sondern unter die Richtlinie 2001/29
         fällt. Letztere ist auf jede öffentliche Wiedergabe geschützter Werke anwendbar, während die Richtlinie 93/83 nur eine Mindestharmonisierung
         bestimmter Aspekte des Schutzes von Urheberrechten und verwandten Schutzrechten bei der öffentlichen Wiedergabe über Satellit
         oder der Weiterverbreitung von Sendungen aus anderen Mitgliedstaaten über Kabel vorsieht. Wie der Gerichtshof bereits zu einer
         Frage betreffend einen Sachverhalt, der dem in den Vorlagefragen dargestellten ähnlich war, entschieden hat, bieten diese
         Regelungen zur Mindestharmonisierung – anders als die Richtlinie 2001/29 – keine Kriterien für die Beantwortung einer solchen
         Frage (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 3. Februar 2000 in der Rechtssache C‑293/98, Egeda, Slg. 2000, I‑629, Randnrn. 25 und
         26).
      
      31      Des weiteren verlangen die einheitliche Anwendung des Gemeinschaftsrechts und der Gleichheitssatz, dass die Begriffe einer
         Vorschrift des Gemeinschaftsrechts, die für die Ermittlung ihres Sinnes und ihrer Tragweite nicht ausdrücklich auf das Recht
         der Mitgliedstaaten verweist, in der Regel in der gesamten Gemeinschaft autonom und einheitlich auszulegen sind (vgl. u. a.
         Urteile vom 9. November 2000 in der Rechtssache C‑357/98, Yiadom, Slg. 2000, I‑9265, Randnr. 26, und vom 6. Februar 2003 in
         der Rechtssache C‑245/00, SENA, Slg. 2003, I‑1251, Randnr. 23). Die österreichische Regierung kann daher nicht mit Erfolg
         geltend machen, dass es Sache der Mitgliedstaaten sei, den in der Richtlinie 2001/29 verwendeten, dort aber nicht definierten
         Begriff „öffentlich“ zu definieren.
      
       Zur ersten und zur dritten Frage
      32      Mit der ersten und der dritten Frage, die gemeinsam zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen,
         ob die Verbreitung eines Signals an Gäste durch in Hotelzimmern aufgestellte Fernsehapparate eine öffentliche Wiedergabe im
         Sinne von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 darstellt und ob schon die Aufstellung von Fernsehapparaten in den Hotelzimmern
         als solche eine öffentliche Wiedergabe darstellt. 
      
      33      Was unter einer „öffentlichen Wiedergabe“ zu verstehen ist, wird in dieser Richtlinie nicht erläutert. 
      
      34      Nach ständiger Rechtsprechung sind bei der Auslegung einer Gemeinschaftsvorschrift nicht nur ihr Wortlaut, sondern auch ihr
         Zusammenhang und die Ziele zu berücksichtigen, die mit der Regelung, zu der sie gehört, verfolgt werden (vgl. u. a. Urteile
         vom 19. September 2000 in der Rechtssache C‑156/98, Deutschland/Kommission, Slg. 2000, I‑6857, Randnr. 50, und vom 6. Juli
         2006 in der Rechtssache C‑53/05, Kommission/Portugal, Slg. 2006, I‑0000, Randnr. 20).
      
      35      Außerdem sind Bestimmungen des Gemeinschaftsrechts nach Möglichkeit im Licht des Völkerrechts auszulegen, insbesondere wenn
         mit ihnen ein von der Gemeinschaft geschlossener völkerrechtlicher Vertrag durchgeführt werden soll (vgl. u. a. Urteil vom
         14. Juli 1998 in der Rechtssache C‑341/95, Bettati, Slg. 1998, I‑4355, Randnr. 20 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      36      Aus der 23. Begründungserwägung der Richtlinie 2001/29 geht hervor, dass der Begriff „öffentliche Wiedergabe“ weit zu verstehen
         ist. Eine solche Auslegung ist im Übrigen unerlässlich, um das Hauptziel der Richtlinie zu erreichen, das gemäß der neunten
         und der zehnten Begründungserwägung darin besteht, ein hohes Schutzniveau für die Urheber zu erreichen und diesen damit die
         Möglichkeit zu geben, u. a. bei einer öffentlichen Wiedergabe für die Nutzung ihrer Werke eine angemessene Vergütung zu erhalten.
         
      
      37      Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes bedeutet „öffentlich“ im Rahmen dieses Begriffes eine unbestimmte Zahl möglicher
         Fernsehzuschauer (Urteile vom 2. Juni 2005 in der Rechtssache C‑89/04, Mediakabel, Slg. 2005, I‑4891, Randnr. 30, und vom
         14. Juli 2005 in der Rechtssache C‑192/04, Lagardère Active Broadcast, Slg. 2005, I‑7199, Randnr. 31).
      
      38      In einem Kontext wie dem des Ausgangsverfahrens ist ein umfassender Ansatz geboten, bei dem zum einen nicht nur die Gäste
         zu berücksichtigen sind, die in den Hotelzimmern wohnen, sondern auch die in den Vorlagefragen nicht ausdrücklich genannten
         Gäste, die sich in anderen Räumen des Hotels aufhalten und denen ein dort aufgestellter Fernsehapparat zur Verfügung steht.
         Zum anderen ist der Umstand zu berücksichtigen, dass Hotelgäste gewöhnlich rasch aufeinanderfolgen. Im Allgemeinen geht es
         um recht viele Personen, so dass diese angesichts des in Randnummer 36 dieses Urteils genannten Hauptziels der Richtlinie
         2001/29 als Öffentlichkeit anzusehen sind. 
      
      39      In Anbetracht der kumulativen Wirkungen, die sich daraus ergeben, dass die Werke diesen potenziellen Fernsehzuschauern zugänglich
         gemacht werden, kann dies in einem solchen Kontext eine erhebliche Bedeutung erlangen. Kaum von Belang ist folglich, dass
         die Bewohner der Zimmer die alleinigen Adressaten und als Einzelne für das Hotel nur von geringer wirtschaftlicher Bedeutung
         sind. 
      
      40      Zudem ist darauf hinzuweisen, dass eine Wiedergabe, die unter Umständen wie denen des Ausgangsverfahrens erfolgt, gemäß Artikel
         11bis Absatz 1 Ziffer 2 der Berner Übereinkunft als eine Wiedergabe anzusehen ist, die durch eine weiterverbreitende Sendeanstalt
         erfolgt, die sich von der ursprünglichen Sendeanstalt unterscheidet. Eine solche Verbreitung erfolgt also für ein neues, d. h.
         anderes Publikum als das der ursprünglichen Wiedergabe des Werkes. 
      
      41      Wie im WIPO-Leitfaden zur Berner Übereinkunft – einem von der WIPO ausgearbeiteten Auslegungsdokument, das zwar nicht rechtsverbindlich
         ist, aber der Auslegung der Übereinkunft dient – erläutert wird, will der Urheber, wenn er seine Erlaubnis zur Übertragung
         seines Werkes durch den Rundfunk gibt, nur die unmittelbare Zuhörerschaft erfassen wollte, d. h. die Besitzer von Empfangsgeräten,
         die die Sendung allein oder im privaten bzw. familiären Kreis empfangen. Erfolgt dieser Empfang zu dem Zweck, einen weiteren
         Kreis, oft gegen Vergütung, zu unterhalten, so wird gemäß dem WIPO-Leitfaden ein zusätzlicher Teil der Öffentlichkeit in die
         Lage versetzt, das Werk anzuhören oder anzusehen und die Wiedergabe der Sendung über Lautsprecher oder eine ähnliche Vorrichtung
         ist nicht mehr nur der Empfang der Sendung selbst, sondern eine eigenständige Handlung, durch die das gesendete Werk für ein
         neues Publikum wiedergegeben wird. Wie der WIPO-Leitfaden erläutert, gründet sich auf diesen öffentlichen Empfang das ausschließliche
         Recht des Urhebers, diesen zu erlauben. 
      
      42      Die Gäste eines Hotels bilden ein solches neues Publikum. Die Verbreitung des ausgestrahlten Werkes an diese Gäste über Fernsehapparate
         stellt nicht nur ein bloßes technisches Mittel zur Gewährleistung oder Verbesserung des Empfangs der ursprünglichen Sendung
         in ihrem Sendebereich dar. Vielmehr wird das Hotel als Einrichtung tätig, die in voller Kenntnis der Folgen ihres Verhaltens
         ihren Gästen Zugang zu den geschützten Werken verschafft. Ohne das Tätigwerden des Hotels könnten seine Gäste das geschützte
         Werk nicht genießen, obwohl sie sich im Sendegebiet aufhalten. 
      
      43      Zudem geht aus Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 und aus Artikel 8 des WIPO-Urheberrechtsvertrags hervor, dass es
         für eine öffentliche Wiedergabe ausreicht, wenn das Werk der Öffentlichkeit in der Weise zugänglich gemacht wird, dass deren
         Mitglieder dazu Zugang haben. Es ist also in dieser Hinsicht entgegen dem Vorbringen Rafaels und Irlands unerheblich, dass
         die Gäste, die ihren Fernsehapparat nicht eingeschaltet hatten, tatsächlich keinen Zugang zu den Werken hatten. 
      
      44      Im Übrigen geht aus den dem Gerichtshof vorgelegten Akten hervor, dass das Tätigwerden des Hotels, durch das dessen Gästen
         Zugang zum ausgestrahlten Werk verschafft wird, als eine zusätzliche Dienstleistung anzusehen ist, die erbracht wird, um daraus
         einen gewissen Nutzen zu ziehen. Es kann nicht ernsthaft bestritten werden, dass das Angebot dieser Dienstleistung sich auf
         den Standard des Hotels und damit den Preis der Zimmer auswirkt. Selbst wenn man, wie die Kommission der Europäischen Gemeinschaften,
         davon ausginge, dass die Gewinnerzielungsabsicht keine zwingende Voraussetzung für das Vorliegen einer öffentlichen Wiedergabe
         ist, ist folglich jedenfalls der Nachweis dafür erbracht, dass die Wiedergabe unter Umständen, wie sie im Ausgangsverfahren
         vorliegen, Erwerbszwecken dient.
      
      45      In Bezug auf die Frage, ob das bloße Aufstellen von Fernsehapparaten in Hotelzimmern eine öffentliche Wiedergabe im Sinne
         von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 darstellt, ist auf den Wortlaut der 27. Begründungserwägung dieser Richtlinie
         hinzuweisen, in der es im Einklang mit Artikel 8 des WIPO-Urheberrechtsvertrags heißt, dass „[d]ie bloße Bereitstellung der
         Einrichtungen, die eine Wiedergabe ermöglichen oder bewirken, … selbst keine Wiedergabe im Sinne dieser Richtlinie dar[stellt]“.
         
      
      46      Zwar ist das bloße körperliche Bereitstellen von Einrichtungen, an dem in der Regel außer dem Hotel auf den Verkauf oder die
         Vermietung von Fernsehapparaten spezialisierte Unternehmen beteiligt sind, als solches keine Wiedergabe im Sinne der Richtlinie
         2001/29, doch kann diese Einrichtung den Zugang der Öffentlichkeit zu den ausgestrahlten Werken technisch ermöglichen. Also
         handelt es sich, wenn das Hotel durch so aufgestellte Fernsehapparate das Signal an die in den Zimmern dieses Hotels wohnenden
         Gäste verbreitet, um eine öffentliche Wiedergabe, ohne dass es darauf ankommt, welche Technik zur Übertragung des Signals
         verwendet wird. 
      
      47      Folglich sind die erste und die dritte Frage dahin zu beantworten, dass das bloße körperliche Bereitstellen von Einrichtungen
         als solches keine Wiedergabe im Sinne der Richtlinie 2001/29 darstellt, dass aber die Verbreitung eines Signals mittels in
         den Hotelzimmern aufgestellter Fernsehapparate, die ein Hotel für seine Gäste vornimmt, unabhängig davon, mit welcher Technik
         das Signal übertragen wird, eine öffentliche Wiedergabe im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 dieser Richtlinie darstellt.
      
       Zur zweiten Frage 
      48      Mit seiner zweiten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob der private Charakter von Hotelzimmern der
         Einstufung der Wiedergabe eines Werkes mittels eines Fernsehapparats in diesen Räumen als öffentliche Wiedergabe im Sinne
         von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 entgegensteht. 
      
      49      In dieser Hinsicht macht Irland geltend, dass die Wiedergabe oder das Zugänglichmachen von Werken, die im privaten Umfeld
         der Hotelzimmer erfolge, von der Wiedergabe an öffentlichen Orten im Hotel zu unterscheiden sei. Dieser Ansicht ist nicht
         zu folgen.
      
      50      Aus dem Wortlaut und dem Geist von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 und Artikel 8 des WIPO-Urheberrechtsvertrags,
         die beide eine Erlaubnis des Urhebers nicht für die Weiterübertragung an einen öffentlichen oder öffentlich zugänglichen Ort,
         sondern für die Wiedergabehandlungen verlangen, durch die das Werk öffentlich zugänglich gemacht wird, geht hervor, dass es
         unerheblich ist, ob es sich beim Ort der Wiedergabe um einen privaten oder um einen öffentlichen Ort handelt.
      
      51      Gemäß diesen Bestimmungen der Richtlinie 2001/29 und des WIPO-Urheberrechtsvertrags umfasst das Recht zur öffentlichen Wiedergabe
         im Übrigen auch das öffentliche Zugänglichmachen der Werke in der Weise, dass sie den Mitgliedern der Öffentlichkeit von Orten
         und zu Zeiten ihrer Wahl zugänglich sind. Dieses Recht des öffentlichen Zugänglichmachens und damit auch der öffentlichen
         Wiedergabe liefe offensichtlich leer, wenn es nicht auch die Wiedergabe an privaten Orten umfasste. 
      
      52      Zur Begründung seines Vorbringens betreffend den privaten Charakter von Hotelzimmern beruft sich Irland zudem auf die am 4.
         November 1950 in Rom unterzeichnete Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, insbesondere
         auf deren Artikel 8, wonach eine Behörde nicht willkürlich oder unverhältnismäßig in die Privatsphäre eingreifen darf. Auch
         dem ist nicht zu folgen.
      
      53      In dieser Hinsicht ist festzustellen, dass Irland nicht ausführt, wer in einem Fall wie dem des Ausgangsverfahrens das Opfer
         eines solchen willkürlichen und unverhältnismäßigen Eingriffs wäre. Dabei wird Irland kaum an die Gäste denken, die von dem
         Signal profitieren, das sie empfangen und für das sie den Urhebern keine Vergütung zahlen müssen. Das Hotel kann offensichtlich
         auch nicht gemeint sein, denn selbst wenn man es für verpflichtet hielte, die Vergütung zu zahlen, kann es doch nicht geltend
         machen, Opfer eines Verstoßes gegen Artikel 8 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
         zu sein, da die Zimmer nicht als Teil seiner Privatsphäre anzusehen sind, wenn sie den Gästen zur Verfügung gestellt worden
         sind. 
      
      54      Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die zweite Frage dahin zu beantworten, dass der private Charakter von Hotelzimmern
         nicht an der Einstufung der dort erfolgten Wiedergabe eines Werkes mittels eines Fernsehapparats als öffentliche Wiedergabe
         im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 entgegensteht.
      
       Kosten
      55      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Zwar stellt die bloße Bereitstellung von Empfangsgeräten als solche keine Wiedergabe im Sinne der Richtlinie 2001/29/EG des
            Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Mai 2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten
            Schutzrechte in der Informationsgesellschaft dar, aber die Verbreitung eines Signals mittels in den Hotelzimmern aufgestellter
            Fernsehapparate, die ein Hotel für seine Gäste vornimmt, stellt eine öffentliche Wiedergabe im Sinne von Artikel 3 Absatz
            1 dieser Richtlinie dar; dies gilt unabhängig davon, mit welcher Technik das Signal übertragen wird. 
      2.      Der private Charakter von Hotelzimmern steht dem nicht entgegen, dass es sich bei der dort erfolgten Wiedergabe eines Werkes
            mittels eines Fernsehapparats um eine öffentliche Wiedergabe im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie 2001/29 handelt.
            
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Spanisch.