CELEX: 62003CC0230
Language: de
Date: 2005-09-06 00:00:00
Title: Schlussanträge des Generalanwalts Ruiz-Jarabo Colomer vom 6. September 2005. # Mehmet Sedef gegen Freie und Hansestadt Hamburg. # Ersuchen um Vorabentscheidung: Bundesverwaltungsgericht - Deutschland. # Assoziierung EWG-Türkei - Freizügigkeit der Arbeitnehmer - Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrates - Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis - Voraussetzungen - Türkischer Staatsangehöriger, der fünfzehn Jahre in der Seeschifffahrt eines Mitgliedstaats beschäftigt war - Gleicher Arbeitgeber während eines zusammenhängenden Zeitraums von mehr als einem Jahr, nicht aber während eines Zeitraums von drei Jahren - Beschäftigungszeiten mit 17 Unterbrechungen aufgrund der Besonderheiten des Berufes. # Rechtssache C-230/03.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
      DÁMASO RUIZ-JARABO COLOMER
      vom 6. September 20051(1)
      
      Rechtssache C‑230/03
      Mehmet Sedef
      gegen
      Freie und Hansestadt Hamburg
      (Vorabentscheidungsersuchen des Bundesverwaltungsgerichts [Deutschland])
      „Assoziierungsabkommen EWG–Türkei – Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrates – System der schrittweisen Rechtsgewährung − Kontinuierliche Ausübung einer Beschäftigung − Als Seemann auf Schiffen unter
         der Flagge eines Mitgliedstaats beschäftigter türkischer Arbeitnehmer − Unerheblichkeit berufstypischer Besonderheiten“
      1.     Das Bundesverwaltungsgericht hat dem Gerichtshof gemäß Artikel 234 EG zwei Fragen nach der Auslegung von Artikel 6 des Beschlusses
         Nr. 1/80 des Assoziationsrates vom 19. September 1980 über die Entwicklung der Assoziation zwischen der Europäischen Gemeinschaft
         und der Türkei (im Folgenden: Beschluss Nr. 1/80) zur Vorabentscheidung vorgelegt(2). 
      
      2.     Die genannte Vorschrift verleiht türkischen Arbeitnehmern bestimmte Rechte, deren Erlangung von der Dauer der Beschäftigung
         abhängt, die sie in einem der Mitgliedstaaten ausgeübt haben. 
      
      3.     Die Fragen des vorlegenden Gerichts beziehen sich auf die Wirkungen einiger Unterbrechungen des Berufslebens eines Seemanns
         auf die Berechnung der Beschäftigungszeiten, die erforderlich sind, um den freien Zugang zu jeder Beschäftigung im Lohn- oder
         Gehaltsverhältnis zu erlangen. 
      
      I –    Anwendbares Recht 
      4.     Die Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union verändern sich nach den jeweiligen politischen und wirtschaftlichen
         Umständen(3), der rechtliche Rahmen bleibt jedoch unverändert(4). 
      
      A –     Das Assoziationsabkommen
      5.     Am 12. September 1963 wurde in Ankara das Abkommen über die Gründung einer Assoziation zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
         und der Türkei unterzeichnet, das mit Beschluss 64/732/EWG des Rates vom 23. Dezember 1963(5) im Namen der Gemeinschaft gebilligt und bestätigt wurde (im Folgenden: Assoziierungsabkommen). 
      
      6.     Wie ich bereits in den Schlussanträgen in der Rechtssache Öztürk(6) ausgeführt habe, will das Abkommen eine beständige und ausgewogene Verstärkung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen
         den Vertragsparteien fördern und den beschleunigten Aufbau der türkischen Wirtschaft sowie die Hebung des Beschäftigungsstandes
         und der Lebensbedingungen des türkischen Volkes gewährleisten. In der Präambel wird anerkannt, dass die Hilfe, die die Gemeinschaft
         dem türkischen Volk bei seinem Bemühen um die Besserung seiner Lebenshaltung zuteil werden lässt, später den Beitritt der
         Türkei zur Gemeinschaft erleichtern wird(7). 
      
      7.     Um diese Ziele zu erreichen, wurden eine Vorbereitungsphase, in der die Türkische Republik ihre Wirtschaft mit der Hilfe der
         Gemeinschaft festigt (Artikel 3), eine Übergangsphase, die auf die Gewährleistung einer schrittweisen Errichtung einer Zollunion(8) gerichtet ist (Artikel 4), und eine Endphase entworfen, die die Koordinierung dieser Politiken verstärken soll (Artikel 5).
         
      
      8.     Um die schrittweise Entwicklung der Assoziationsregelung sicherzustellen, treten die Vertragsparteien in einem Assoziationsrat
         zusammen; dieser wird im Rahmen der Befugnisse tätig, die ihm in dem Abkommen zugewiesen sind (Artikel 6), und ist zur Verwirklichung
         der Ziele des Abkommens in den vorgesehenen Fällen befugt, Beschlüsse zu fassen. 
      
      9.     Die zweite Phase brachte die Überprüfung der schrittweisen Liberalisierung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer(9) mit sich; hierzu stützten sich die Vertragspartien auf die Artikel 48, 49 (nach Änderung jetzt Artikel 39 EG und 40 EG) und
         50 EWG-Vertrag (jetzt Artikel 41 EG) (Artikel 12)(10). 
      
      B –    Das Zusatzprotokoll 
      10.   Höhepunkt der Vorbereitungsphase war 1970 die Einfügung des seit 1973 in Kraft befindlichen Zusatzprotokolls(11) in das Assoziierungsabkommen (Artikel 62), durch das die Bedingungen, die Einzelheiten und der Zeitplan für die Verwirklichung
         der folgenden Phase präzisiert werden sollten (Artikel 1). 
      
      11.   Titel II regelt die Freizügigkeit und den freien Dienstleistungsverkehr und widmet den Arbeitnehmern das Kapitel I, nach dessen
         Artikel 36 diese Freiheit nach den Grundsätzen des Artikels 12 des Assoziierungsabkommens zwischen dem Ende des zwölften und
         dem Ende des zweiundzwanzigsten Jahres nach dem Inkrafttreten des genannten Abkommens schrittweise hergestellt wird(12); der Assoziationsrat legt die hierfür erforderlichen Regeln fest. 
      
      12.   Nach Artikel 37 genießen die in der Gemeinschaft beschäftigten Türken im Verhältnis zu den Staatsangehörigen der Gemeinschaftsstaaten
         Gleichbehandlung bei den Arbeitsbedingungen und beim Entgelt. 
      
      C –    Der Beschluss Nr. 1/80 
      13.   Nach dem Vorgang des früheren Beschlusses Nr. 2/76 vom 20. Dezember 1976 zur Durchführung des Artikels 12 des Assoziierungsabkommens
         erließ der Assoziationsrat am 19. September 1980 den Beschluss Nr. 1/80(13). 
      
      14.   Artikel 6 steht in Kapitel II – Soziale Bestimmungen – Abschnitt 1 – Fragen betreffend die Beschäftigung und die Freizügigkeit
         der Arbeitnehmer. Er hat folgenden Wortlaut: 
      
      „(1) Vorbehaltlich der Bestimmungen in Artikel 7 über den freien Zugang der Familienangehörigen zur Beschäftigung hat der
         türkische Arbeitnehmer, der dem regulären Arbeitsmarkt eines Mitgliedstaats angehört, in diesem Mitgliedstaat 
      
      −      nach einem Jahr ordnungsgemäßer Beschäftigung Anspruch auf Erneuerung seiner Arbeitserlaubnis bei dem gleichen Arbeitgeber,
         wenn er über einen Arbeitsplatz verfügt; 
      
      −      nach drei Jahren ordnungsgemäßer Beschäftigung − vorbehaltlich des den Arbeitnehmern aus den Mitgliedstaaten der Gemeinschaft
         einzuräumenden Vorrangs − das Recht, sich für den gleichen Beruf bei einem Arbeitgeber seiner Wahl auf ein unter normalen
         Bedingungen unterbreitetes und bei den Arbeitsämtern dieses Mitgliedstaats eingetragenes anderes Stellenangebot zu bewerben;
         
      
      −      nach vier Jahren ordnungsgemäßer Beschäftigung freien Zugang zu jeder von ihm gewählten Beschäftigung im Lohn- oder Gehaltsverhältnis.
         
      
      (2) Der Jahresurlaub und die Abwesenheit wegen Mutterschaft, Arbeitsunfall oder kurzer Krankheit werden den Zeiten ordnungsgemäßer
         Beschäftigung gleichgestellt. Die Zeiten unverschuldeter Arbeitslosigkeit, die von den zuständigen Behörden ordnungsgemäß
         festgestellt worden sind, sowie die Abwesenheit wegen langer Krankheit werden zwar nicht den Zeiten ordnungsgemäßer Beschäftigung
         gleichgestellt, berühren jedoch nicht die aufgrund der vorherigen Beschäftigungszeit erworbenen Ansprüche. 
      
      …“
      II – Sachverhalt, Ausgangsverfahren und Vorlagefragen 
      15.   Der Kläger Sedef, ein 1952 geborener türkischer Staatsangehöriger, war seit 1977 als Seemann bei verschiedenen deutschen Unternehmen
         beschäftigt, wofür zwar keine Arbeitserlaubnis, wohl aber eine Aufenthaltserlaubnis erforderlich war, die er – beschränkt
         auf das jeweilige Arbeitsverhältnis – erhielt. Seit dem 18. Januar 1993 ist er aus gesundheitlichen Gründen seedienstuntauglich.
         
      
      16.   Die vom Beginn dieser Beschäftigungen bis zum Eintritt der Berufsunfähigkeit vergangene Zeit lässt sich, wie dies das vorlegende
         Gericht tut, in vier Gruppen einteilen: 
      
      1.      Arbeitszeit, einschließlich Jahresurlaub, wobei festzustellen ist, dass er verschiedentlich bei demselben Arbeitgeber länger
         als ein Jahr beschäftigt war, in keinem Fall jedoch drei Jahre erreicht hat(14); 
      
      2.      Arbeitslosigkeit, zu der nur die von den Behörden festgestellten Zeiträume gerechnet werden, die von einem Monat und einigen
         Tagen bis zu beinahe acht Monaten reichen(15); 
      
      3.      Krankheitszeiten, die kurze und längere (in einem Fall über ein Jahr) Ausfallzeiten umfassen(16);
      
      4.      sonstige Zeiten, unter denen die Zeiträume zusammengefasst werden, die vom Kläger selbst als – insgesamt 17 – „unbezahlte
         Urlaube“ qualifiziert wurden und von einem bis zu 70 Tagen dauerten; − in ungefähr 15 Jahren machen sie etwa 13 Monate (7,2 %)
         aus(17). 
      
      17.   Um einer unselbständigen Beschäftigung an Land nachgehen zu können, beantragte er 1992 die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis,
         die nicht auf eine Erwerbstätigkeit in der Seeschifffahrt beschränkt war; diese wurde ihm von der Freien und Hansestadt Hamburg
         versagt. 
      
      18.   Das Verwaltungsgericht Hamburg, das der Kläger anrief, entschied unter Hinweis auf Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80, dass
         die Erlaubnis zu erteilen sei. 
      
      19.   Die beklagte Verwaltung legte beim Hamburgischen Oberverwaltungsgericht Berufung ein, das ihrer Berufung stattgab, da der
         Tatbestand der genannten Vorschrift nicht erfüllt sei. 
      
      20.   Auf die vom Kläger eingelegte Revision hat das Bundesverwaltungsgericht mit der Begründung, dass eine Erteilung der Erlaubnis
         nur nach den europäischen Bestimmungen möglich sei, da der Kläger nach den nationalen Vorschriften(18) keinen Anspruch auf sie habe, das Verfahren ausgesetzt, um dem Gerichtshof die folgenden Fragen zur Vorabentscheidung vorzulegen:
         
      
      1.      Sind Artikel 6 Absatz 1 dritter Spiegelstrich und Absatz 2 des Beschlusses Nr. 1/80 vom 19. September 1980 des durch das Assoziierungsabkommen
         zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Türkei geschaffenen Assoziationsrates dahin auszulegen, dass ein
         türkischer Arbeitnehmer, der seit 1977 länger als 15 Jahre bei wechselnden Arbeitgebern in der dem regulären Arbeitsmarkt
         zuzurechnenden Seeschifffahrt eines Mitgliedstaats ohne Erfordernis einer Arbeitserlaubnis ordnungsgemäß beschäftigt war und
         in dieser Zeit die Voraussetzungen des Artikels 6 Absatz 1 erster Spiegelstrich des Beschlusses Nr. 1/80 erreicht hat, Anspruch
         auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis hat, wenn seine Beschäftigung in der Seeschifffahrt – neben mehrfachen Unterbrechungen
         wegen Krankheit und von der zuständigen Behörde festgestellter unverschuldeter Arbeitslosigkeit – in der Zeit zwischen zwei
         Beschäftigungsverhältnissen 17-mal von einem bis zu 70 Tagen (insgesamt ca. 13 Monate) unterbrochen war und der türkische
         Arbeitnehmer die längeren Unterbrechungszeiten nach seinen Angaben bei seiner Familie in der Türkei verbracht hat, ohne dass
         insoweit unverschuldete Arbeitslosigkeit festgestellt worden ist? Kommt es insoweit darauf an, ob derartige Unterbrechungen
         berufstypisch (hier: seefahrtstypisch) sind?
      
      2.      Setzt ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis nach Artikel 6 Absatz l dritter Spiegelstrich des Beschlusses
         Nr. 1/80 voraus, dass der türkische Arbeitnehmer die Voraussetzungen des Artikels 6 Absatz 1 zweiter Spiegelstrich des Beschlusses
         Nr. 1/80 zuvor erfüllt hat? Kommt es insoweit darauf an, ob ein Wechsel des Arbeitgebers vor Ablauf von drei Jahren berufstypisch
         (hier: seefahrtstypisch) ist?
      
      III – Das Verfahren vor dem Gerichtshof 
      21.   Schriftliche Erklärungen haben innerhalb der in Artikel 20 der Satzung des Gerichtshofes bestimmten Frist die Freie und Hansestadt
         Hamburg, die deutsche Regierung und die Kommission eingereicht. 
      
      22.   In der Sitzung vom 30. Juni 2005 haben der Kläger und die Kommission mündlich verhandelt. 
      IV – Erörterung der Vorlagefragen 
      23.   Da sich die Fragen des vorlegenden Gerichts auf Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 beziehen, sind vor ihrer Prüfung im Hinblick
         auf den vorliegenden Fall einige allgemeine Erwägungen über den Inhalt dieser Vorschrift anzustellen; außerdem ist der Einfluss
         der Tatsache, dass der Kläger Seemann war, zu behandeln. 
      
      A –    Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 
      24.   Der Beschluss Nr. 1/80 stellt die türkischen Arbeitnehmer nicht den gemeinschaftlichen Arbeitnehmern gleich, weil sie weder
         die sich aus der Freizügigkeit herleitenden Rechte noch das Recht auf Ein- und Ausreise und Aufenthalt beanspruchen können.
         Sie genießen lediglich in dem Aufnahmeland, in das sie rechtmäßig eingereist sind und in dem sie eine bestimmte Zeit lang
         ordnungsgemäß beschäftigt gewesen sind(19), einige Rechte; sie befinden sich auch nicht in derselben Lage wie die Staatsangehörigen von Drittländern(20). 
      
      25.   Nach Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 erlangt der Arbeitnehmer je nach Dauer der Zugehörigkeit unterschiedliche Rechte,
         wenn er „dem regulären Arbeitsmarkt eines Mitgliedstaats angehört“. 
      
      1.      Die Zugehörigkeit zum regulären Arbeitsmarkt 
      26.   Diese Zugehörigkeit setzt ein Arbeitsverhältnis voraus, das im Gemeinschaftsgebiet zu lokalisieren oder zumindest eng damit
         verbunden ist und darüber hinaus eine „reguläre“ Beschäftigung darstellt. 
      
      27.   Zur Prüfung des ersten dieser Punkte verwendet die Rechtsprechung dieselben Kriterien wie im Bereich der Freizügigkeit der
         Arbeitnehmer(21) und bejaht das Vorliegen des Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitnehmer für einen anderen nach dessen Weisung eine tatsächliche
         und echte wirtschaftliche Tätigkeit ausübt, für die er eine Vergütung erhält(22). Entsprechend stellt sie die gebietsmäßige Verknüpfung fest, wobei die Orte der Einstellung und der Ausübung der lohn- oder
         gehaltsabhängigen Tätigkeit und darüber hinaus die nationalen Vorschriften im Bereich des Arbeitsrechts und der sozialen Sicherheit
         zu berücksichtigen sind(23). 
      
      28.   Die Ordnungsmäßigkeit der Eingliederung in den Arbeitsmarkt setzt eine gesicherte und nicht nur vorläufige Situation(24) und weiter voraus, dass der Arbeitnehmer die Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Aufnahmestaats beachtet hat und somit
         in diesem Land einen Beruf ausüben darf(25). 
      
      2.      Die zuerkannten Rechte 
      29.   Das System der schrittweisen Integration gewährt verschiedene Vorteile, die Voraussetzungen unterliegen, die je nach der Dauer
         der Beschäftigung unterschiedlich sind(26). 
      
      30.   Artikel 6 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80, der nach ständiger Rechtsprechung unmittelbare Wirkung hat(27), führt unter seinen drei Gedankenstrichen weitere Arten von Rechten auf, die mit der Dauer der Beschäftigung in dem Mitgliedstaat
         nacheinander erworben werden und zu einem entsprechendes Aufenthaltsrecht führen(28). 
      
      31.   Wenn sich die ordnungsgemäße Beschäftigung über mehr als ein Jahr erstreckt, wird das Recht auf Erneuerung der Arbeitserlaubnis
         mit dem ursprünglichen Arbeitgeber erworben; dauert sie zwei Jahre an, kann der Arbeitgeber gewechselt werden, Beruf und Land
         jedoch nicht; schließlich ist nach einem weiteren Jahr der Zugang zu jeder Beschäftigung im Lohn- oder Gehaltsverhältnis eröffnet.
         
      
      32.   Sobald die letzte Stufe erreicht ist, gehen die erlangten Vergünstigungen nur dann verloren, wenn der Arbeitsmarkt endgültig
         verlassen wird, unabhängig von der Ursache hierfür(29), oder wenn der für die Eingehung eines neuen Arbeitsverhältnisses nach einer vorübergehenden Beschäftigungslosigkeit angemessene
         Zeitraum überschritten wird(30). 
      
      3.      Die Berechnung der Zeit 
      33.   Die Entstehung der Rechte gemäß den Gedankenstrichen des Artikels 6 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80 unterliegt der „ununterbrochenen“
         Ausübung einer Beschäftigung für ein, drei oder vier Jahre. Folglich wird die jeweilige Frist unterbrochen, wenn die Beschäftigung
         unterbrochen wird, so dass sie, wenn Letztere wieder aufgenommen wird, nicht fortgesetzt wird, sondern wieder von neuem beginnt.
         
      
      34.   Da dieser Grundsatz Ungerechtigkeiten bewirken könnte, sieht Absatz 2 einige Ausnahmetatbestände vor, wobei nach der Art und
         der Dauer der Beschäftigungsunterbrechungen zwischen solchen unterschieden wird, die zu einem positiven Ergebnis führen, weil
         diese Zeit einer solchen der ordnungsgemäßen Beschäftigung gleichgestellt wird (Jahresurlaub, Abwesenheit wegen Mutterschaft
         sowie Arbeitsunfälle und kürzere Krankheiten), und solchen, die ein negatives Ergebnis verhindern, da sie die Beeinträchtigung
         der früher erworbenen Rechte vermeiden (ordnungsgemäß festgestellte unverschuldete Arbeitslosigkeit, Abwesenheit wegen langer
         Krankheit). 
      
      35.   In diesen letzteren Fällen wird derjenige, der aus einem der genannten Gründe keiner beruflichen Tätigkeit nachgegangen ist,
         davon befreit, dass die Frist wieder so zu laufen beginnt, als ob er im Aufnahmestaat noch niemals ordnungsgemäß beschäftigt
         gewesen wäre(31). 
      
      36.   Die Besonderheiten in Bezug auf die Dauer der Beschäftigung werden unanwendbar, wenn der türkische Arbeitnehmer die Voraussetzungen
         des Artikels 6 Absatz 1 dritter Gedankenstrich für die unbeschränkte Freiheit, die diese Bestimmung gewährt(32), erfüllt und außerdem berechtigt ist, seine Zugehörigkeit zum Arbeitsmarkt zu unterbrechen, da er bereits ordnungsgemäß in
         dessen Struktur eingegliedert ist(33). Dieser Fall, in dem einige Unterbrechungen ohne Relevanz sind, ist nicht mit den früheren zu verwechseln, in denen der Erwerb
         der Rechte auf dem Spiel steht. 
      
      37.   Hervorzuheben ist auch, dass die genannten Fälle eng auszulegen sind(34), da andernfalls die Berechnung verfälscht würde; gleichwohl können Umstände vorliegen, unter denen unterschiedliche Zeiten
         von im Allgemeinen kurzer Dauer zu berücksichtigen sind(35). 
      
      B –    Die Auslegung von Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 und der Beruf des Seemanns
      38.   Jeweils am Ende der dem Gerichtshof vorgelegten Fragen fragt das vorlegende Gericht, ob es eine Rolle spielt, dass bestimmte
         Umstände seefahrtstypisch sind. 
      
      39.   Die Seefahrt stellt einen Bereich dar, der seit jeher zahlreiche Gefahren und große Schwierigkeiten in sich birgt, da er in
         einem feindlichen und unbarmherzigen Umfeld ausgeübt wird, auch wenn sich die Bedingungen seiner Ausübung im Laufe der Zeit
         verändert haben(36). „Für uns Seeleute ist das Meer grundsätzlich eine Straße, es ist ausschließlich ein Weg. Doch was für einer! Ich werde nie
         das erste Mal vergessen, als ich den Ozean überquerte. Noch beherrschten die Segelschiffe die Welt. Was für eine Zeit das
         war! Ich sage nicht, dass das Meer damals besser war, nein; aber es war doch poetischer, geheimnisvoller, unbekannter. Heute
         wird das Meer zusehends industrialisiert … Der Seemann in seinem Schiff aus Eisen weiß, wann er ablegt, wann er anlegen wird,
         ihm werden die Tage und die Stunden gezählt …; damals war das nicht so; man stach mit Zufall, Schicksal und günstigem Wind
         in See … heute hat sich das Meer verändert, das Schiff hat sich verändert, und auch der Seemann hat sich verändert.“ So lässt
         ein bekannter spanischer Autor der „Generación de 1898“ seinen Protagonisten sprechen(37). 
      
      40.   Diese Tätigkeit weist heute wie damals erhebliche Unterschiede zu sonstigen auf. Der Härte und den besonderen Umständen des
         Lebens und der Arbeit der Seeleute haben das Völkerrecht(38), das Recht der Mitgliedstaaten(39) und das Gemeinschaftsrecht Rechnung getragen.
      
      41.   Gemeinschaftsrechtliche Beispiele sind die Richtlinie 1999/63/EG des Rates vom 21. Juni 1999 zu der vom Verband der Reeder
         in der Europäischen Gemeinschaft (ECSA) und dem Verband der Verkehrsgewerkschaften in der Europäischen Union (FST) getroffenen
         Vereinbarung über die Regelung der Arbeitszeit von Seeleuten(40) sowie die Richtlinie 1999/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 1999 zur Durchsetzung der Arbeitszeitregelung
         für Seeleute an Bord von Schiffen, die Gemeinschaftshäfen anlaufen(41). 
      
      42.   Ähnlich wie in anderen Bereichen, z. B. dem der Beförderung(42), spiegeln sich die Besonderheiten der Arbeit der Seeleute in den Vorschriften, hauptsächlich in Aspekten des Schutzes und
         der Sicherheit, wider. 
      
      43.   Das Bestehen einer eigenen Regelung zeigt, dass den Besonderheiten eines Berufes Rechnung getragen wurde, wenn dies für angebracht
         gehalten wurde. 
      
      44.   In dem Beschluss Nr. 1/80 gibt es keine Bezugnahme auf bestimmte Kategorien von Arbeitnehmern, weil seine Bestimmungen unterschiedslos
         für alle lohn- oder gehaltsabhängig Beschäftigten gelten, gleichgültig, welcher Tätigkeit sie nachgehen. 
      
      45.   Dieser Feststellung steht nicht Artikel 12 entgegen, der die Mitgliedstaaten und die Türkei dazu ermächtigt, vorübergehend
         die Artikel 6 und 7 nicht automatisch anzuwenden, wenn der Lebensstandard oder das Beschäftigungsniveau in einem Gebiet, einem
         Wirtschaftszweig oder einem Beruf ernsten Störungen ausgesetzt oder von ernsten Störungen bedroht sind, weil diese Bezugnahme
         allgemeiner Art ist und sich aus dem zeitlich begrenzten Ausnahmecharakter der Situation erklärt. 
      
      46.   Außerdem hat der Gerichtshof entschieden, dass Artikel 6 Absatz 1 allgemein und unbedingt gefasst sei, da er keine Befugnis
         der Mitgliedstaaten vorsehe, bestimmte Kategorien von türkischen Arbeitnehmern von der Inanspruchnahme der Rechte auszuschließen,
         die ihnen diese Vorschrift unmittelbar verleihe(43). Diese Auffassung ist auf all die Fälle übertragbar, in denen berufstypische Umstände geltend gemacht werden. 
      
      47.   Folglich sind die typischen Umstände einer Tätigkeit, wenn sie umfassend betrachtet wird, bei der Auslegung der genannten
         Vorschrift unerheblich, deren Einheitlichkeit in Gefahr wäre, würden Ausnahmen zugelassen und die Regeln nach den ausgeübten
         Berufen abgestuft, da sich nicht verhindern ließe, dass für andere Tätigkeitsbereiche ebenfalls eine privilegierte Behandlung
         angestrebt würde; dies hätte eine kasuistische Rechtsprechung zur Folge, die die Kohärenz des Systems und die Rechtssicherheit
         in Frage stellen würde, auch wenn nichts dem entgegensteht, dass bei der Bestimmung der in dieser Vorschrift enthaltenen Rechte
         den besonderen Umständen des Einzelfalls Rechnung getragen wird. 
      
      C –    Die erste Vorlagefrage 
      48.   Die zentrale Frage des vorlegenden Gerichts betrifft die Auslegung von Artikel 6 Absatz 1 dritter Gedankenstrich und Absatz
         2 des Beschlusses Nr. 1/80 bei der Untersuchung der Folgen, die die weder durch ordnungsgemäß festgestellte Arbeitslosigkeit
         noch durch Krankheitszeiten verursachten Unterbrechungen für die Anerkennung des freien Zugangs zur Beschäftigung haben, sowie
         die Auswirkung des Umstands, dass der Wechsel des Arbeitgebers berufstypisch ist, wobei ich diesen letzten Aspekt, der auch
         die andere Vorlagefrage betrifft, eben behandelt habe. 
      
      49.   Diese Frage stellt sich im vorliegenden Fall, weil der Kläger mehr als 15 Jahre auf deutschen Schiffen bei verschiedenen Arbeitgebern
         arbeitete, nach den vom Bundesverwaltungsgericht mitgeteilten Daten ununterbrochen jedoch nur für die Zeit, die erforderlich
         ist, um das Recht auf Erneuerung der Arbeitserlaubnis beim ersten Arbeitgeber nach dem ersten Gedankenstrich des erwähnten
         Artikels zu erlangen. 
      
      50.   Wenn die Zeiträume von einem bis 70 Tagen mitgerechnet würden, die der Kläger als „unbezahlten Urlaub“ bezeichnet, würde die
         Höchstgrenze für die letzte Stufe nach dem dritten Gedankenstrich unter der Bedingung erreicht, dass diese Zeiten auch unter
         Absatz 2 dieser Vorschrift fallen. 
      
      51.   Insoweit scheint klar, dass die Gleichstellung mit den genau berechenbaren Zeiten des Jahresurlaubs oder des Ausfalls wegen
         kürzeren Krankheiten nicht angebracht ist, und so versteht es auch das vorlegende Gericht. 
      
      52.   Auch die Gleichstellung mit den Zeiten, in denen er an längeren Krankheiten litt, die in einem anderen Abschnitt aufgenommen
         sind, kommt nicht in Betracht. 
      
      53.   Hinsichtlich der Gleichstellung mit den Fällen unverschuldeter Arbeitslosigkeit ist zu bemerken, dass die Vorschrift nur die
         erwähnt, die von den zuständigen Behörden ordnungsgemäß festgestellt werden. Diese Feststellung ist im Zusammenhang mit ihrem
         Zweck auszulegen, Betrug zu verhindern und die Überwachung der Arbeitnehmer durch den Staat zu erleichtern, da die Unterlassung
         der behördlichen Meldung die Ordnungsmäßigkeit des Status beeinträchtigen kann(44). 
      
      54.   Den im Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts mitgeteilten Daten ist zu entnehmen, dass der Kläger in der Erwartung einer
         baldigen Beschäftigung rechtmäßig davon absehen konnte, sich arbeitslos zu melden(45), was vielfach vorkam, und es wird ebenfalls festgestellt, dass er nach der Rückkehr nach Deutschland, wo für die Beschäftigung
         als Seemann außerdem keine Arbeitserlaubnis erforderlich ist, sondern eine Aufenthaltserlaubnis ausreicht, gewöhnlich ohne
         größere Probleme einer entgeltlichen Beschäftigung nachging(46). 
      
      55.   Folglich wären die kürzeren Unterbrechungen den Zeiten ordnungsgemäß festgestellter unverschuldeter Arbeitslosigkeit gleichzustellen,
         da die Zugehörigkeit zum Arbeitsmarkt eines Mitgliedstaats nicht beeinträchtigt ist und auch die Zweckbestimmung der behördlichen
         Feststellung der Arbeitslosigkeit nicht verfälscht wird(47). 
      
      56.   Das ist auch deshalb gerechtfertigt, weil, wie ich oben ausgeführt habe, Artikel 6 des Beschlusses Nr. 1/80 die Freizügigkeit
         der Arbeitnehmer bezweckt, wobei er die ordnungsgemäße Ausübung einer Beschäftigung voraussetzt, die im Fall des Klägers hinreichend
         nachgewiesen ist. 
      
      57.   Dem entspricht weiter das Urteil vom 17. April 1997 in der Rechtssache C‑351/95(48), das die Kommission in ihren schriftlichen Erklärungen erwähnt. Auch wenn es sich auf Artikel 7 des Beschlusses Nr. 1/80
         bezieht, der für die Zusammenführung des türkischen Arbeitnehmers mit seinen Familienangehörigen konzipiert ist, wenn sie
         seit drei Jahren im Aufnahmestaat „ununterbrochen“ ihren Wohnsitz haben, heißt es dort, „dass sich der Betroffene … aus berechtigten
         Gründen für einen angemessenen Zeitraum vom gemeinsamen Wohnsitz entfernen [darf], z. B. um Urlaub zu machen oder seine Familie
         im Heimatland zu besuchen“ (Randnr. 48). 
      
      58.   Unter diesen letzteren Fall lassen sich einige der streitigen Zeiten subsumieren, nicht jedoch die, die sich übermäßig lang
         ausdehnten, weil das Beschäftigungsangebot lange unkonkret blieb oder der Besuch bei der Verwandtschaft zeitlich über ein
         vernünftiges Maß hinausging. 
      
      59.   Wie dem auch sei, es ist nicht Aufgabe des Gerichtshofes, die Zeiten zu konkretisieren, die den Fällen des Artikels 6 Absatz
         2 des Beschlusses Nr. 1/80 gleichzustellen sind, da er sich in die Zuständigkeiten des nationalen Gerichts einmischen würde;
         er hat sich daher darauf zu beschränken, ihm die notwendigen Hinweise zu geben, um das Gemeinschaftsrecht im Ausgangsverfahren
         angemessen anzuwenden. 
      
      60.   Aufgrund der vorstehenden Erwägungen schlage ich vor, auf die erste Vorlagefrage zu antworten, dass Artikel 6 Absatz 2 des
         Beschlusses Nr. 1/80 Unterbrechungen in Arbeitsverhältnissen wie die des vorliegenden Falles umfasst, soweit sie nicht zu
         lange andauern, weil das Beschäftigungsangebot lange unkonkret bleibt oder weil die Besuche bei der Familie über ein vernünftiges
         Maß hinausgehen, wobei es Sache des nationalen Richters ist, solche Unterbrechungen zu qualifizieren. 
      
      D –     Die zweite Vorlagefrage 
      61.   Das Bundesverwaltungsgericht möchte weiter wissen, ob es für die Erlangung des Rechts nach Artikel 6 Absatz 1 dritter Gedankenstrich
         des Beschlusses Nr. 1/80 erforderlich ist, dass zuvor die im zweiten Gedankenstrich genannten Voraussetzungen erfüllt sind.
         
      
      62.   Die Gedankenstriche der genannten Bestimmung gewähren zunehmend weiter gehende Rechte auf freien Zugang zur Beschäftigung
         nach der Zeit, während der eine ordnungsgemäße Beschäftigung ausgeübt wird. Wird ausschließlich der zeitliche Aspekt des Arbeitsverhältnisses
         betrachtet, so kann eine autonome Beurteilung der der jeweiligen Phase entsprechenden Voraussetzungen derart vorgenommen werden,
         dass die höhere Stufe die niedrigeren − d. h. vier und drei Jahre oder drei Jahre und ein Jahr − umfasst 
      
      63.   Die Schwierigkeit ergibt sich bei der Prüfung, ob die Einstellung bei einem einzigen Arbeitgeber oder bei verschiedenen erfolgt
         ist, da nur dann, wenn die drei Jahre ordnungsgemäßer Beschäftigung überschritten sind, über den zweiten Gedankenstrich hinausgegangen
         werden kann und ab diesem Zeitpunkt Angebote von anderen als dem ersten Arbeitgeber angenommen werden können. 
      
      64.   Das System der schrittweisen Eingliederung des Artikels 6 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80 setzt voraus, dass die verschiedenen
         Stufen eine nach der anderen erklommen werden müssen, um die höchste Stufe der Vergünstigungen zu erreichen, ohne dass es
         somit zulässig wäre, in einem Sprung die letzte Stufe zu erreichen. 
      
      65.   Grafisch sind vier konzentrische Kreise vorstellbar. In dem kleinsten bestehen lediglich Anwartschaften; wird jedoch ein Jahr
         bei demselben Arbeitgeber gearbeitet, so wird der zweite Kreis betreten, und der Arbeitnehmer kommt in den Genuss der möglichen
         Erneuerung der Arbeitserlaubnis; für den Fall, dass die Beschäftigung drei Jahre dauert − und zwar beim ersten Arbeitgeber −,
         wird der dritte erreicht, der bei Beibehaltung desselben Berufes zum Wechsel des Arbeitgebers berechtigt; wenn vier Jahre
         in derselben Beschäftigung vergangen sind, hat der Arbeitnehmer die Freiheit, den Arbeitgeber zu wählen, sowie die, sich für
         irgendeine andere Beschäftigung zu entscheiden. 
      
      66.   Nach dem Urteil Eroglu ist Artikel 6 Absatz 1 erster Gedankenstrich des Beschlusses Nr. 1/80 anzuwenden, wenn die Verlängerung
         der Arbeitserlaubnis „zur Fortsetzung [der] Beschäftigung bei demselben Arbeitgeber über die ursprüngliche Dauer ordnungsgemäßer
         Beschäftigung von einem Jahr hinaus“ beantragt wird (Randnr. 13), ohne dass sein Anwendungsbereich so auszudehnen ist, dass
         der Arbeitgeber „vor Ablauf der im zweiten Gedankenstrich vorgeschriebenen drei Jahre“ gewechselt werden könnte, wodurch außerdem
         „die Arbeitnehmer aus den Mitgliedstaaten den Vorrang [verlören], den ihnen der zweite Gedankenstrich für den Fall gegenüber
         dem türkischen Arbeitnehmer einräumt, dass dieser seinen Arbeitgeber wechselt“ (Randnr. 14). 
      
      67.   Entsprechend heißt es im Urteil vom 29. Mai 1997 in der Rechtssache C‑386/95(49), dass „die Kohärenz des … Systems der schrittweisen Eingliederung des türkischen Arbeitnehmers erschüttert [würde], wenn
         der Betroffene das Recht hätte, eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber aufzunehmen, solange er nicht einmal die
         im ersten Gedankenstrich von Absatz 1 enthaltene Voraussetzung einer ordnungsgemäßen Beschäftigung von einem Jahr erfüllt
         hat … der türkische Arbeitnehmer [hat] nämlich erst nach drei Jahren ordnungsgemäßer Beschäftigung in dem betreffenden Mitgliedstaat
         die Möglichkeit, eine Beschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber aufzunehmen …“ (Randnr. 23). 
      
      68.   Die vorstehenden Gründe stellen den Ausgangspunkt für die Beantwortung der Vorlagefrage dar, sind jedoch nicht als Automatismus
         zu verstehen, bei dem sonstige Umstände, deren Bedeutung der Mitgliedstaat bei der Entscheidung über die Anträge des türkischen
         Arbeitnehmers ausdrücklich beurteilt hat, außer Acht gelassen würden. Würde von diesen Besonderheiten abgesehen, so würde
         die Vorschrift nur nach ihrem Wortlaut, ohne Beachtung ihres Zieles und Zweckes und unter Vernachlässigung des Gedankens der
         Gerechtigkeit angewandt, die mit einer Auslegung ihrer Voraussetzungen nach Sinn und Zweck sowie nach der Systematik zu erreichen
         ist. 
      
      69.   Im vorliegenden Fall haben nämlich die deutschen Behörden dem Kläger die Aufenthaltserlaubnisse, die er für seine Beschäftigung
         als Seemann benötigte, ohne irgendwelche Einwände selbst dann erteilt, wenn er sie beantragte, um Beschäftigungsverhältnisse
         bei wechselnden Reedern einzugehen, obwohl er niemals ein Beschäftigungsverhältnis mit demselben Arbeitgeber für mehr als
         drei Jahre aufrechterhielt − lediglich in einigen Fällen überschritt er ein Jahr(50). Sie sahen also von der Strenge des Wortlauts der Vorschrift ab und wogen alle konkurrierenden Gesichtspunkte in ihrer Gesamtheit
         ab, um ihrem Geist bei der Anwendung auf den Fall des Klägers zu entsprechen. Ausschließlich bei der Bewerbung um Arbeit an
         Land ist die strikte Erfüllung der Voraussetzungen der Gedankenstriche des Artikels 6 Absatz 1 erforderlich(51). 
      
      70.   In diesem Sinne fordert das bereits genannte, auch von der Kommission in ihren schriftlichen Erklärungen angeführte Urteil
         Ertanir, „kurze Zeiträume [mitzuberechnen], in denen der türkische Arbeitnehmer im Aufnahmemitgliedstaat keine gültige Aufenthalts-
         oder Arbeitserlaubnis besaß und die nicht in den Anwendungsbereich des Artikels 6 Absatz 2 dieses Beschlusses fallen, wenn
         die zuständigen Behörden des Aufnahmemitgliedstaats nicht deswegen die Ordnungsmäßigkeit des Aufenthalts des Betroffenen im
         Inland in Frage gestellt, sondern ihm vielmehr eine neue Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis erteilt haben“ (Randnr. 69).
      
      71.   Unter Berücksichtigung dieser Auffassung lässt sich annehmen, dass unter Umständen wie den dargelegten die Handlungen der
         zuständigen Behörden in mehr als 16 Jahren den Anschein der Ordnungsmäßigkeit des Status des Klägers schufen, da die Voraussetzungen
         der Gedankenstriche von Artikel 6 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80 flexibel ausgelegt wurden. So wurden dem Kläger, der lediglich
         das Recht nach dem ersten Gedankenstrich erlangt hatte, die Beschäftigung bei dem ersten Arbeitgeber fortzusetzen, immer wieder
         Arbeitserlaubnisse für andere Unternehmen des Sektors erteilt, ein im zweiten Gedankenstrich vorgesehenes Recht, das ein Beschäftigungsverhältnis
         von mehr als drei Jahren bei demselben Reeder voraussetzt. 
      
      72.   Damit einher geht die Feststellung der Zugehörigkeit zum regulären deutschen Arbeitsmarkt und einer gesicherten Beschäftigung
         seit Beginn der Arbeit als Seemann im Jahr 1977 bis zum Eintritt der Berufsunfähigkeit im Jahr 1993(52). 
      
      73.   Die Eigenarten des vorliegenden Falles, die praktische Wirksamkeit, die der Gerichtshof dem Beschluss Nr. 1/80 zuerkannt hat(53), sowie der Zweck des im Zusammenhang mit den übrigen anwendbaren Vorschriften betrachteten Assoziierungsabkommens, die Freizügigkeit
         der Arbeitnehmer schrittweise herzustellen, sprechen dafür, dass unter Umständen wie den beschriebenen die Prüfung der Voraussetzungen
         des dritten Gedankenstrichs des Absatzes 1 der Vorschrift autonom vorgenommen wird, ohne zuvor die des zweiten Gedankenstrichs
         zu prüfen. 
      
      V –    Ergebnis
      74.   Unter Berücksichtigung der vorstehenden Erwägungen schlage ich dem Gerichtshof vor, die Vorlagefragen des Bundesverwaltungsgerichts
         wie folgt zu beantworten: 
      
      1.      Artikel 6 Absatz 2 des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrates vom 19. September 1980 über die Entwicklung der Assoziation
         zwischen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Türkei umfasst Unterbrechungen in Arbeitsverhältnissen wie die des
         vorliegenden Falles, soweit sie nicht zu lange andauern, weil das Beschäftigungsangebot lange unkonkret bleibt oder weil die
         Besuche bei der Familie über ein vernünftiges Maß hinausgehen, wobei es Sache des nationalen Richters ist, solche Unterbrechungen
         zu qualifizieren. 
      
      2.      Eine Aufenthaltserlaubnis nach Artikel 6 Absatz 1 dritter Gedankenstrich des Beschlusses Nr. 1/80 setzt voraus, dass zunächst
         die Voraussetzungen des zweiten Gedankenstrichs der genannten Vorschrift erfüllt sind. Die Prüfung der Voraussetzungen des
         dritten Gedankenstrichs kann jedoch unter außergewöhnlichen Umständen, wie denen der Arbeitsverhältnisse des vorliegenden
         Falles, autonom erfolgen. 
      
      1 –	Originalsprache: Spanisch.
      
      2 −	Sein Text kann – mangels einer amtlichen Veröffentlichung – in Assoziierungsabkommen und Protokolle EWG−Türkei sowie andere Basis-Dokumente, Rat der Europäischen Gemeinschaften, Brüssel 1992, S. 327 ff., eingesehen werden. Über die Verhandlungen und das Verfahren
         der Erarbeitung des Abkommens, Ananiades, L. C., L’Association aux Communautés européennes, Librairie Générale de Droit et Jurisprudence, Paris 1967, S. 50 bis 59, und Lesort, G., „L’Association avec la Turquie“, L’Association à la Communauté Economique Européenne, Aspects juridiques, Presses Universitaires de Bruxelles, Brüssel 1970, S. 89 bis 111. 
      
      3 −	Núñez Villaverde, J. A., „Turquía y la UE: una carrera de obstáculos sin fin“, Política Exterior, 1998, Nr. 63, S. 65 ff. 
      
      4 −	Olesti Rayo, A., „El Acuerdo de Asociación con Turquía y el régimen jurídico de los trabajadores de nacionalidad turca
         en la Unión Europea“, Revista de Derecho Comunitario Europeo, Nr. 7, Januar/Juni 2000, S. 51. 
      
      5 −	ABl. 1964, Nr. 217, S. 3685. 
      
      6 −	Urteil vom 28. April 2004 in der Rechtssache C‑373/02 (Öztürk, Slg. 2004, I‑3605). 
      
      7 −	Nach Artikel 28 werden die Vertragsparteien die Möglichkeit eines Beitritts zur Gemeinschaft prüfen, sobald das Funktionieren
         des Abkommens es in Aussicht zu nehmen gestattet, dass die Türkei die Verpflichtungen aus dem Vertrag zur Gründung der Gemeinschaft
         vollständig übernimmt. 
      
      8 −	Hartler, C., und Laura, S., „The EU model and Turkey. A case for Thanksgiving“, Journal of World Trade, 1999, Nr. 3, S. 147 ff. 
      
      9 −	Der Schriftwechsel vom 12. September 1963 zwischen den Präsidenten beider Delegationen (ABl. 1964, Nr. 217, S. 3701) ermächtigte
         den Assoziationsrat, die Probleme im Zusammenhang mit den Arbeitskräften in der Türkei von der ersten Phase an zu untersuchen.
      
      10 −	In gleicher Weise wie die Artikel 52 bis 56 und 58 EWG-Vertrag (jetzt Artikel 43 bis 46 EG und 48 EG) der schrittweisen
         Einführung der Niederlassungsfreiheit (Artikel 13) und die Artikel 55, 56 und 58 bis 65 EWG-Vertrag (jetzt Artikel 45 EG,
         46 EG und 48 bis 54 EG) der der Dienstleistungsfreiheit zugrunde liegen. 
      
      11 −	Unterzeichnet in Brüssel am 23. Novemer 1970, im Namen der Gemeinschaft gebilligt und bestätigt durch die Verordnung (EWG)
         Nr. 2760/72 des Rates vom 19. Dezember 1972 (ABl. L 293, S. 1). Am selben Tag wurde das zum Assoziierungsabkommen gehörende
         Finanzprotokoll unterzeichnet. 
      
      12 −	Wie dem Urteil vom 30. September 1987 in der Rechtssache 12/86 (Demirel, Slg. 1987, 3719, Randnr. 23) zu entnehmen ist,
         haben weder Artikel 12 des Assoziierungsabkommens noch Artikel 36 des Protokolls unmittelbare Wirkung; dieser Umstand schließt
         es jedoch seit den Urteilen vom 20. September 1990 in der Rechtssache C‑192/89 (Sevince, Slg. 1990, I‑3461, Randnr. 2), vom
         26. November 1998 in der Rechtssache C‑1/97 (Birden, Slg. 1998, I‑7747, Randnr. 52) und vom 8. Mai 2003 in der Rechtssache
         C‑171/01 (Wählergruppe Gemeinsam, Slg. 2003, I‑4301, Randnr. 64) nicht aus, dass die Beschlüsse des Assoziationsrates, die
         in bestimmten Punkten die im Abkommen vorgesehenen Programme verwirklichen, diese haben. 
      
      13 −	Nach dem Urteil vom 6. Juni 1995 in der Rechtssache C‑434/93 (Bozkurt, Slg. 1995, I‑1475, Randnr. 14) stellt der Beschluss
         Nr. 2/76 einen ersten Schritt in der Herstellung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer dar, einen weiteren der Beschluss Nr.
         1/80. Im selben Sinne äußern sich außer dem bereits genannten Urteil Birden, Randnr. 52, die Urteile vom 23. Januar 1997 in
         der Rechtssache C‑171/95 (Tetik, Slg. 1997, I‑329, Randnr. 20), vom 30. September 1997 in der Rechtssache C‑36/96 (Günaydin
         u. a., Slg. 1997, I‑5143, Randnrn. 20 und 21) und in der Rechtssache C‑98/96 (Ertanir, Slg. 1997, I‑5179, Randnrn. 20 und
         21), vom 10. Februar 2000 in der Rechtssache C‑340/97 (Nazli, Slg. 2000, I‑957, Randnr. 52), vom 19. November 2002 in der
         Rechtssache C‑188/00 (Kurz, Slg. 2002, I‑10691, Randnr. 40) und vom 2. Juni 2005 in der Rechtssache C‑136/03 (Dörr und Ünal,
         noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 66). 
      
      14 −      Konkret: vom 31.8.1977 bis 20.11.1977; vom 28.11.1977 bis 10.2.1978; vom 7.3.1978 bis 12.9.1978; vom 17.11.1978 bis 14.6.1979;
         vom 16.8.1979 bis 21.6.1980; vom 27.7.1980 bis 9.11.1981; vom 4.12.1981 bis 13.4.1982; vom 7.8.1982 bis 27.10.1983; vom 2.11.1983
         bis 18.5.1984; vom 16.7.1984 bis 23.7.1985; vom 21.10.1986 bis 22.2.1987; vom 22.11.1988 bis 14.3.1989; vom 14.4.1989 bis
         24.6.1989; vom 3.7.1989 bis 23.9.1989; vom 2.1.1990 bis 31.1.1990; vom 7.2.1990 bis 26.2.1991 und vom 15.2.1992 bis 10.9.1992.
         
      
      15 −      Vom 23.6.1982 bis 6.8.1982; vom 13.6.1984 bis 14.7.1984; vom 1.8.1986 bis 20.10.1986; vom 7.4.1987 bis 20.6.1988; vom 18.8.1988
         bis 21.11.1988; vom 3.4.1991 bis 30.11.1991 und vom 2.12.1991 bis 13.1.1992. 
      
      16 −      Vom 11.2.1978 bis 23.2.1978; vom 19.6.1980 bis 6.7.1980; vom 13.6.1985 bis 31.7.1986; vom 16.2.1987 bis 31.3.1987; vom 24.9.1989
         bis 1.1.1990; vom 27.2.1991 bis 2.4.1991 und vom 11.9.1992 bis 18.1.1993. 
      
      17 −      Vom 21.11.1977 bis 27.11.1977; vom 24.2.1978 bis 6.3.1978; vom 13.9.1978 bis 16.11.1978; vom 15.6.1979 bis 15.8.1979; vom
         7.7.1980 bis 26.7.1980; vom 10.11.1981 bis 3.12.1981; vom 14.4.1982 bis 22.6.1982; vom 28.10.1983 bis 1.11.1983; vom 19.5.1984
         bis 12.6.1984; am 15.7.1984; vom 1.4.1987 bis 6.4.1987; vom 21.6.1988 bis 17.8.1988; vom 15.3.1989 bis 13.4.1989; vom 25.6.1989
         bis 2.7.1989; vom 1.2.1990 bis 6.2.1990; am 1.12.1991 und vom 14.1.1992 bis 14.2.1992. 
      
      18 −	§ 10 des Ausländergesetzes vom 9. Juli 1990 (BGBl. I, 1354) in Verbindung mit der Arbeitsaufenthaltsverordnung vom 18.
         Dezember 1990 (BGBl. I, 2994). 
      
      19 −	Urteile Tetik, Randnr. 29, und Günaydin u. a., Randnr. 22. Das Schrifttum unterscheidet aufgrund ihres Inhalts zwischen
         der „Assoziationsfreizügigkeit“ und der „Gemeinschaftsfreizügigkeit“: Krück, H., „Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer nach
         dem Assoziierungsabkommen EG/Türkei“, EuR 1984, S. 292 ff., und Rumpf, C., „La libre circulation des travailleurs turcs et l’association entre la Communauté européenne
         et la Turquie: de Demirel à Kus en passant par Sevince“, Actualités du droit, Nr. 2, 1994, S. 271. 
      
      20 −	Nach Artikel 8 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80 haben türkische Arbeitnehmer den Vorrang vor solchen aus Drittländern,
         wenn in der Gemeinschaft eine offene Stelle nicht durch die in den Mitgliedstaaten verfügbaren Arbeitskräfte besetzt werden
         kann. 
      
      21 −	Da auf die türkischen Staatsangehörigen, die die im Beschluss Nr. 1/80 zuerkannten Rechte genießen, die in den Artikeln
         39 EG, 40 EG und 41 EG enthaltenen Grundsätze zu übertragen sind (bereits genannte Urteile Birden, Randnr. 23, und Kurz, Randnrn.
         30 und 31). 
      
      22 −	Urteile Günaydin u. a., Randnr. 31, und Ertanir, Randnr. 43. 
      
      23 −	Urteile Bozkurt, Randnr. 23, Günaydin u. a., Randnr. 29, Ertanir, Randnr. 39, Birden, Randnr. 33, und Kurz, Randnr. 37,
         alle bereits genannt. 
      
      24 −	Urteile Sevince, Randnr. 30, und Bozkurt, Randnr. 26. 
      
      25 −	Urteile Birden, Randnr. 51, Nazli, Randnrn. 31 und 32, und Kurz, Randnr. 39. Trotz Verneinung der Ordnungsmäßigkeit der
         Beschäftigung in den untersuchten Fällen ebenso Urteile vom 16. Dezember 1992 in der Rechssache C‑237/91 (Kus, Slg. 1992,
         I‑6781, Randnr. 18), vom 5. Juni 1997 in der Rechtssache C‑285/95 (Kol, Slg. 1997, I‑3069, Randnr. 29) und vom 20. September
         1990, Sevince, Randnr. 31. Im Schrifttum Gutmann, R., „Die aufenthaltsrechtliche Bedeutung des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrats
         EWG-Türkei“, Assoziierungsabkommen der EU mit Drittstaaten, Wien 1998, S. 66. 
      
      26 −	Urteile vom 5. Oktober 1994 in der Rechtssache C‑355/93 (Eroglu, Slg. 1994, I‑5113, Randnr. 12), vom 23. Januar 1997, Tetik,
         Randnr. 23, vom 30. September 1997, Günaydin u. a., Randnr. 25, und Ertanir, Randnr. 25. 
      
      27 −	Urteile Sevince, Randnr. 26, Eroglu, Randnr. 11, Tetik, Randnr. 22, Günaydin u. a., Randnr. 24, und Kurz, Randnr. 26. 
      
      28 −	Urteil vom 11. Mai 2000 in der Rechtssache C‑37/98 (Savas, Slg. 2000, I‑2927, Randnr. 60) und die bereits angegebenen Urteile
         Sevince, Randnr. 29, Kus, Randnr. 33, Eroglu, Randnr. 20, Bozkurt, Randnr. 28, Günaydin u. a., Randnr. 26, Ertanir, Randnr.
         26, Nazli, Randnr. 28, Kurz, Randnr. 27, und Dörr und Ünal, Randnr. 66. 
      
      29 −	Urteil Bozkurt, Randnr. 39. 
      
      30 −	Urteil Nazli, Randnr. 44. 
      
      31 −	Urteil Tetik, Randnrn. 39 und 40. 
      
      32 −	Urteile Nazli, Randnr. 35, und vom 7. Juli 2005 in der Rechtssache C‑383/03 (Dogan, noch nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht, Randnr. 16). Nach der Rechtsprechung führt außerdem nicht jede Abwesenheit automatisch zum Verlust der aufgrund
         von Artikel 6 Absatz 1 des Beschlusses Nr. 1/80 erworbenen Rechte, da für dessen Eintritt die endgültige Beschäftigungslosigkeit
         erforderlich ist (Urteil Nazli, Randnrn. 36 bis 39). 
      
      33 −	Urteil Nazli, Randnr. 40. Dieselbe Einordnung wird z. B. in den ebenfalls erwähnten Urteilen Birden, Randnrn. 37 und 64
         sowie Tenor, und Ertanir, Randnr. 62 und Tenor, hinsichtlich des Zeitraums von einem Jahr vorgenommen; in den Urteilen Günaydin
         u. a., Randnr. 55 und Tenor, und erneut Ertanir, Randnr. 38, in Bezug auf drei Jahre. 
      
      34 −	Rumpf, O., „Wann erlischt das Aufenthaltsrecht nach Art. 6 I des Beschlusses Nr. 1/80 des Assoziationsrates EWG-Türkei?“,
         Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht, 1994, S. 1189, ist der Auffassung, dass die Fälle des Absatzes 2 abschließend seien und dass selbst kurze Unterbrechungen
         zum Erlöschen der erworbenen Rechte führten. Auch das Bundesverwaltungsgericht führt im Vorlagebeschluss aus, dass es in seiner
         Rechtsprechung bisher davon ausgegangen sei, dass die Aufzählung abschließend sei. 
      
      35 −	Urteil Ertanir, Randnr. 69. 
      
      36 −	Nach den in der Seeschifffahrtstagung der Internationalen Arbeitskonferenz von 1996 vorgelegten Statistiken wurden zwischen
         1994 und 1996 180 Seeschiffe mit mehr als 500 Bruttoregistertonnen schiffbrüchig, was mehr als 1 200 Personen, darunter Passagiere
         und Besatzungsmitglieder, das Lebens kostete. 
      
      37 −	Baroja, P., Las inquietudes de Shanti Andía, col. Austral, Espasa Calpe, 8. Auflage, Madrid 1970, S. 13 und 15. Der Beurteilung dieser Wirklichkeit schließt sich die
         Kommission an und bestätigt: „Junge Menschen sind immer weniger bereit, längere Zeit auf See zu verbringen, fern von ihrer
         Familie, ihren Kindern und Freunden. Selbst die attraktiveren Seiten des Berufes wie das Kennenlernen der Welt und das Reisen
         an exotische Orte scheinen in der modernen Schifffahrt keine Rolle mehr zu spielen, denn die Schiffe legen nur für kurze Zeit
         in den Häfen an oder werden außerhalb des Hafens be- und entladen. Darüber hinaus ist die Besatzung auf modernen Schiffen
         nur klein, besteht sehr häufig aus unterschiedlichen Nationalitäten und spricht unterschiedliche Sprachen − auch dies ist
         ein Faktor, der in die soziale Isolierung führen kann“ − Punkt 1.2.2 der Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament
         und den Rat über die Ausbildung und Einstellung von Seeleuten (KOM[2001] 188 endg.). 
      
      38 −	Die Mehrheit der Übereinkommen ist, da es in ihnen um Seeleute geht, im Rahmen der Internationalen Arbeitsorganisation
         unterzeichnet worden: u. a. Nrn. 7 und 58 über das Mindestalter (Seeschifffahrt), 1920 und 1936, Nr. 8 über die Gewährung
         einer Entschädigung für Arbeitslosigkeit infolge von Schiffbruch, 1920, Nr. 9 über Arbeitsvermittlung für Schiffsleute, 1920,
         Nr. 16 über die pflichtmäßige ärztliche Untersuchung der in der Seeschifffahrt beschäftigten Kinder und Jugendlichen, 1921,
         Nr. 22 über den Heuervertrag der Schiffsleute, 1926, Nrn. 54 und 72 über den bezahlten Urlaub der Schiffsleute, 1936 und 1946,
         Nr. 55 über die Verpflichtungen des Reeders bei Krankheit, Unfall oder Tod von Schiffsleuten, 1936, Nr. 56 über die Krankenversicherung
         der Schiffsleute, 1936, Nr. 57 über die Arbeitszeit an Bord von Schiffen und die Besatzungsstärke, 1936, Nr. 68 über Verproviantierung
         und Verköstigung der Besatzungen an Bord von Schiffen, 1946, Nr. 70 über die soziale Sicherheit der Schiffsleute, 1946, Nr.
         71 über die Altersrenten der Schiffsleute, 1946, Nrn. 76, 93 und 109 über die Heuern, die Arbeitszeit an Bord und die Besatzungsstärke,
         1946, 1949 und 1958, Nr. 134 über den Schutz der Seeleute gegen Arbeitsunfälle, 1970, Nr. 145 über die Kontinuität der Beschäftigung
         von Seeleuten, 1976, Nr. 147 über Mindestnormen auf Handelsschiffen, 1976, Nr. 163 über die soziale Betreuung der Seeleute
         auf See und im Hafen, 1987, Nr. 166 über die Heimschaffung der Seeleute, 1987, Nr. 179 über die Anwerbung und Arbeitsvermittlung
         von Seeleuten, 1996, und Nr. 180 über die Arbeitszeit der Seeleute und die Besatzungsstärke der Schiffe, 1996. Im Rahmen der
         Vereinten Nationen finden sich ebenfalls einige normative Regelungen wie das Seerechtsübereinkommen von 1982. 
      
      39 −	In Spanien genehmigt das Decreto Nr. 2864 vom 30. August 1974 den überarbeiteten Text der Gesetze Nr. 116 vom 30. Dezember
         1969 und Nr. 24 vom 21. Juni 1972 zur Regelung der besonderen Vorschriften für die soziale Sicherheit der Seeleute (BOE Nr.
         243 vom 10. Oktober 1974); das Real Decreto Nr. 1561 vom 21. September 1995 über besondere Arbeitstage im Hinblick auf den
         Ablauf der Arbeit auf See (BOE Nr. 230 vom 26. September 1995), geändert durch das Real Decreto Nr. 285 vom 22. März 2002
         (BOE Nr. 82 vom 5. April 2002), oder das Real Decreto Nr. 258 vom 12. Februar 1999 zur Festsetzung der Mindestbedingungen
         betreffend den Gesundheitsschutz und die mezidinische Versorgung der Seeleute (BOE Nr. 47 vom 24. Februar 1999). 
      
      40 −	ABl. L 167, S. 33. 
      
      41 −	ABl. 2000, L 14, S. 29. 
      
      42 −	Richtlinie 2002/15/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. März 2002 zur Regelung der Arbeitszeit von Personen,
         die Fahrtätigkeiten im Bereich des Straßentransports ausüben (ABl. L 80, S. 35). 
      
      43 −	Urteil Ertanir, Randnr. 33. Tezcan, E., „Le droit du travail et le droit de séjour des travailleurs turcs dans l’Union
         européenne à la lumière des arrêts récents de la Cour de justice des Communautés européennes“, Revue du Marché commun et de l’Union européenne, Nr. 445, Februar 2001, S. 124 und 125. 
      
      44 −	In Randnr. 41 des Urteils Tetik wird dieselbe Auffassung im Zusammenhang mit einem Arbeitnehmer vertreten, der vier Jahre
         lang ordnungsgemäß beschäftigt war, da die ordnungsgemäße Zugehörigkeit zum Arbeitsmarkt grundsätzlich nur erlangt wird, „wenn
         der Betroffene alle Formalitäten erfüllt, die im betreffenden Mitgliedstaat gegebenenfalls vorgeschrieben sind, z. B. indem
         er sich als Arbeitssuchender meldet und der Arbeitsverwaltung dieses Mitgliedstaats während des dort vorgeschriebenen Zeitraums
         zur Verfügung steht“. 
      
      45 −	Nach dieser Entscheidung ist die Nichtregistrierung als arbeitslos für einen Seemann, dem eine neue Stelle auf einem Schiff
         angeboten wurde, das noch nicht in den Hafen eingelaufen ist und darüber hinaus möglicherweise verspätet ankommt, entschuldbar.
         
      
      46 −	Nach dem Vorlagebeschluss ging „der Betroffene im Anschluss an seine ‚unbezahlten Urlaube‘ ganz überwiegend jeweils problemlos
         und umgehend neue Beschäftigungsverhältnisse [ein]“. 
      
      47 −	So verhält es sich z. B. für den Zeitraum vom 23. Juni 1982 bis 20. Juni 1988, in dem die „unbezahlten Urlaube“ die Zeiten
         vom 28. Oktober bis zum 1. November 1983, vom 19. Mai bis 12. Juni 1984 − am 13. Juni begann eine Zeit der Arbeitslosigkeit −,
         den 15. Juli 1984 und die Zeit vom 1. bis 6. April 1987 umfassen. 
      
      48 −	Kadiman, Slg. 1997, I‑2133. 
      
      49 –	Eker, Slg. 1997, I‑2697.
      
      50 −	Urteil des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 10. Dezember 1996, S. 4 ff. 
      
      51 −	Vorgebracht werden könnte, dass der Wechsel der Tätigkeit davon abhängig ist, dass nach deutschem Recht für die Einstellung
         als Seemann die Aufenthaltserlaubnis ausreicht, ohne dass eine Arbeitserlaubnis erforderlich wäre, dass diese aber notwendig
         ist, um an Land zu arbeiten, doch diese Erklärung entbehrt der Relevanz im Hinblick auf den Beschluss Nr. 1/80, wonach zum
         einen die Eingliederung in den regulären Arbeitsmarkt und zum anderen die ordnungsgemäße Ausübung einer Beschäftigung entscheidend
         sind, für deren Ausübung nebenbei eine bestimmte Erlaubnis erforderlich ist. 
      
      52 –	Sehr anschaulich ist insoweit die von Deutschland in seinen schriftlichen Erklärungen vorgelegte Grafik, in der jedes Jahr
         einer Säule entspricht, in der in unterschiedlichen Farben die Arbeitszeit, die Krankheitszeit, die Zeit der ordnungsgemäß
         festgestellten unverschuldeten Arbeitslosigkeit und die unbezahlten Urlaube wiedergegeben werden.
      
      53 −	Worauf sich u. a. die Urteile Tetik, Randnr. 31, Günaydin u. a., Randnr. 38, Birden, Randnr. 37, und Kurz, Randnr. 68,
         beziehen.