CELEX: 31992M0186
Language: de
Date: 1992-03-23 00:00:00
Title: ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.02.1992 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.186 - HENKEL / NOBEL) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der deutsche Text ist verbindlich)

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31992M0186

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.02.1992 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.186 - HENKEL / NOBEL) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 096 vom 15/04/1992 S. 0000

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.02.1992 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.186 - HENKEL / NOBEL) gemäß  der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des Amtes für  Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. VERÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6 (1) (b) ENTSCHEIDUNG An die Anmelder Betrifft: <ind> Fall Nr. IV/M.186 - Henkel / Nobel  <ind>  <ind>  <ind> Ihre  Anmeldung  gemäß  Artikel 4  der  Ratsverordnung  (EWG) Nr.  4064/89 (Fusionsverordnung) Sehr Geehrte Damen und Herren,  1. <ind> Das Zusammenschlußvorhaben, das am 20.02.1992 angemeldet wurde, betrifft den  Erwerb der Konsumgütersparte von Nobel Industrier AB, Schweden, durch Henkel KGaA,  Deutschland.   2. <ind> Nach Prüfung der Anmeldung hat die Kommission festgestellt, daß das angemeldete  Vorhaben in den Anwendungsbereich der Fusionsverordnung fällt, und daß keine ernsthaften  Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt bestehen.  I. <ind> DIE PARTEIEN  3. <ind> Henkel ist ein deutsches Chemieunternehmen, mit Produktions- und Vertriebsaktivitäten  in der ganzen Welt. Seine Hauptgeschäftsbereiche liegen auf den Gebieten von Wasch- und  Reinigungsmitteln, Kosmetik, chemischen Grundstoffen für industrielle Anwendungen und  andere chemisch-technische Produkte, wie Klebstoffe.  4. <ind> Die Konsumgütersparte von Nobel (Nobel) besteht aus einer Reihe von Unternehmen in  Westeuropa. Die Hauptgeschäftsbereiche liegen im Kosmetiksektor und einigen speziellen  Reinigungsmitteln, Düngemitteln, Kerzen usw.  II. <ind> DER ZUSAMMENSCHLUß  5. <ind> Henkel beabsichtigt im Rahmen eines einheitlichen Erwerbsvorgangs die gesamte  Konsumgütersparte der Nobel Industrier AB zu übernehmen. Dies geschieht im wesentlichen  durch den Erwerb der Anteile der  betroffenen Unternehmen und in einen Fall durch Erwerb von  Vermögensgegenstände. Henkel wird daher die Kontrolle über die Konsumgütersparte von Nobel  Industrier AB im Sinne von Artikel 3(1)(b) der Fusionsverordnung erwerben.  III. <ind> GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG  6. <ind> Der weltweite Gesamtumsatz der Parteien überstieg im Jahre 1991 5 000 Mio ECU, der  Henkel-Konzern erzielte ca 6 550 Mio ECU und die Konsumgütersparte der Nobel Industrier AB  354 Mio ECU. Beide Parteien erreichten einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250  Mio ECU. Die Parteien erzielten keine zwei Drittel ihres gemeinschaftsweiten Umsatzes in ein  und demselben Mitgliedstaat. Der Zusammenschluß hat daher eine gemeinschaftsweite  Bedeutung in Sinne von Artikel 1(2) der Fusionsverordnung.  IV. <ind> VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT  A. <tab> Die betroffenen Produktmärkte  7. <ind> Das Zusammenschlußvorhaben wird sich im wesentlichen auf den verschiedenen  Märkten des Kosmetiksektors auswirken. Soweit andere Produkte betroffen sind, wie Kerzen,  spezielle Reinigungsmittel für WC oder Pflanzenpflegeprodukte, bestehen entweder keine  Überlappungen zwischen Henkel und Nobel oder die Überlappungen geben keinen Anlaß für eine  detailliertere Darstellung.  8. <ind> Die relevanten Produktmärkte auf dem Kosmetiksektor können in fünf Hauptsegmente  gegliedert werden:   <tab> - <ind> Körperpflege, einschließlich Seife, Badeprodukte, wie Duschgel, Badeschaum,  Badezusätze und Deodorantien;  <tab> - <ind> Hautkosmetik, einschließlich Allzweckcremes und -lotions, Gesichtspflege,  Spezialcremes,  Sonnenschutzmittel, Lippenpflege;  <tab> - <ind> Mundhygiene, einschließlich Zahncreme,  Zahnbürsten, Mundwasser;  <tab> - <ind> Haarkosmetik, einschließlich Shampoos, Conditioners, Kuren, Colorationen,  Styling-Hilfen;  <tab> - <ind> Duftkosmetik, einschließlich Herren und Damenkosmetik.   <ind> Für die Zwecke dieses Falles kann offen gelassen werden, ob die Produktmärkte des  Kosmetiksektors weiter entsprechend der unterschiedlichen Vertriebskanäle (z.B. Apotheken und  allgemeiner Handel) aufgeteilt werden müssen, da Henkel und Nobel nahezu ausschließlich im  Bereich des allgemeinen Handels tätig ist.  9. <ind> Die vorgenannte Definition der relevanten Produktmärkte, die im wesentlichen nach  dem Kriterium der Austauschbarkeit erfolgt, spiegelt jedoch nicht vollständig die bestehenden  Beziehungen zwischen den benachbarten Märkten und Segmenten wieder. Diese sind im  wesentlichen:   <tab> - <ind> eine gewisse Produktsubstitution für den Endverbraucher (z.B. Seife und  Duschgels);   <tab> - <ind> einheitliche Marketingstrategien, die unterschiedliche aber komplementäre  Produkte einschließen können und  <tab> - <ind> eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit der Produkte unter einander, da die  Einkaufsentscheidungen, insbesondere der grosse Einkaufsorganisationen und Supermarktketten,  durch die gesamte Produktpalette und nicht nur von dem einzelnen Produkt beeinflusst werden  können.  10. <ind> Trotz der bestehenden Unschärfebereiche in der Abgrenzung der Produktmärkte wird  bei der Analyse des Falles die enge Marktabgrenzung zugrunde gelegt, und zwar wegen der im  wesentlichen mangelnden Substituierbarkeit für die meisten Produkte sowie der Tatsache, daß die  Marktpositionen der Anbieter auf den verschiedenen Produktmärkten sich erheblich  unterscheiden. Die bestehenden Beziehungen zwischen den Märkten werden bei der  wettbewerblichen Beurteilung des Zusammenschlusses berücksichtigt werden.  B. <tab> Die geographischen Referenzmärkte  11. <ind> Die betroffenen Produktmärkte sind deutlich auf dem Weg europaweite Märkte zu  werden. Für diese Beurteilung spricht daß,   <tab> - <ind> alle grossen Wettbewerber, wie L'Oréal, Proctor & Gamble, Colgate-Palmolive,  Unilever, Henkel, Beiersdorf, Beecham in fast allen Mitgliedstaaten tätig sind;  <tab> - <ind> die Unternehmen begonnen haben, europaweite Marken zu entwickeln;  <tab> - <ind> auf der Nachfrageseite internationale Einkaufsorganisationen gegründet worden  sind, die den Integrationsprozeß verstärken werden.  12. <ind> Auf der anderen Seite gibt es noch eine Reihe von wesentlichen strukturellen  Elementen, die darauf hindeuten, daß derzeit noch nationalorientierte wettbewerbliche  Rahmenbedingungen bestehen. Diese sind insbesondere deutlich unterschiedliche Marktanteile  der Wettbewerber in den verschiedene Mitgliedstaaten, wesentliche Preisunterschiede und  markenorientierte Käuferpräferenzen.  13. <ind> Die Kommission ist jedoch der Auffassung, daß die Abgrenzung des geographischen  Referenzmarktes für diese Produkte, sei es die Gemeinschaft oder nationale Märkte, offen  gelassen werden kann. Auch dann, wenn man von der Existenz nationaler Märkte ausgeht, bleibt  hiervon die Beurteilung der Kommission zur Frage der Entstehung oder Verstärkung einer  beherrschenden Stellung im Ergebnis unberührt.  C. <tab> Wettbewerbliche Beurteilung  14. <ind> Henkel und Nobel erreichen in den meisten betroffenen Produkt- und geographischen  Referenzmärkten der Kosmetikindustrie nur geringe Marktanteile (weniger als 10%). Eine  Entstehung oder Verstärkung einer beherrschenden Position kann daher für diese Märkte  ausgeschlossen werden.   15. <ind> Auf einigen Kosmetikmärkten,   <tab> - <ind> für Seife in Frankreich und in Spanien,  <tab> - <ind> für Badeprodukte in Frankreich und in Spanien und  <tab> - <ind> für Zahnpasta in Frankreich und Deutschland,   <ind> wird Henkel durch den Erwerb von Nobel seinen Marktanteil vergrössern und etwa  zwischen 10% und 25% auf den betroffenen Märkten erreichen.  16. <ind> Auf den Märkten für Zahnpasta in Frankreich und Deutschland und für Seife in  Frankreich erreichen zwei beziehungsweise drei der grössten Wettbewerber, wie L'Oréal, Colgate- Palmolive, Proctor & Gamble, Unilever höhere Marktanteile als Henkel/Nobel. Auf den Märkten  für Badeprodukte in Frankreich und Spanien und für Seife in Spanien wird Henkel/Nobel die  führende Position einnehmen. Unter Berücksichtigung der Marktanteile von Henkel/Nobel und  der Präsenz der grossen europäischen Wettbewerber, die über höhere oder zumindest vergleichbare  Finanzkraft, technische und Marketing Ressourcen und bekannten Marken verfügen, kann  ausgeschlossen werden, daß Henkel/ Nobel einen von ihren Wettbewerbern unkontrollierten  Verhaltensspielraum erreichen.  17. <ind> Die Märkte für Zahnpasta in Frankreich und Deutschland und für Seife in Frankreich  sind auch dadurch charakterisiert, daß Henkel/Nobel zusammen mit zwei bzw. drei weiteren  Wettbewerbern auf den betroffenen Märkten wesentliche Marktanteile erreichen, und zwar  gemeinschaftlich ca. 50% bis 75%. Die strukturellen Rahmenbedingungen des Marktes geben  jedoch Anlaß für die Annahme, daß wesentlicher Wettbewerb fortbestehen wird. Die Hauptgründe  für diese Beurteilung sind:   <tab> - <ind> die Dynamik der Märkte, die gekennzeichnet ist durch wachsende Marktvolumina,  die Markteinführung neuer Produkte mit neuen Charakteristiken, die Öffnung der geographischen  Märkte;  <tab> - <ind> der wettbewerbliche Einfluß von nahen Substitutionsprodukten,  <tab> - <ind> das Vorhandensein starker Wettbewerber auch neben den führenden Unternehmen  und  <tab> - <ind> eine wachsende Konzentration auf der Nachfrageseite.  V. <tab> GESAMTBEURTEILUNG  18. <ind> Auf Grund der oben getroffenen Feststellungen ist die Kommission zu dem Ergebnis  gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben keinen Anlaß für ernsthafte Bedenken hinsichtlich  seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt.  Aus diesem Gründen hat die Kommission entschieden, dem angemeldeten Zusammenschluß nicht  entgegenzutreten, sondern ihn für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt zu erklären. Diese  Entscheidung beruht auf Artikel 6(1)(b) der Fusionsverordnung.  Für die Kommission