CELEX: 62004CC0095
Language: de
Date: 2006-02-23
Title: Schlussanträge der Generalanwältin Kokott vom 23. Februar 2006. # British Airways plc gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Rechtsmittel - Missbrauch einer beherrschenden Stellung - Fluggesellschaft - Vereinbarungen mit Reisevermittlern - Prämien in Verbindung mit Umsatzsteigerungen bei den Flugscheinen einer Fluggesellschaft während eines bestimmten Zeitraums im Verhältnis zu einem Referenzzeitraum - Prämien, die nicht nur für die nach Erreichen der Umsatzvorgabe verkauften Flugscheine gewährt werden, sondern für alle im betreffenden Zeitraum verkauften Flugscheine. # Rechtssache C-95/04 P.

SCHLUSSANTRÄGE DER GENERALANWÄLTIN
      JULIANE Kokott
      vom 23. Februar 2006(1)
      
      Rechtssache C-95/04 P
      British Airways plc
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      
      andere Beteiligte:
      Virgin Atlantic Airways Ltd
      „Rechtsmittel – Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung (Artikel 82 EG) – British Airways – Vereinbarungen mit Reisevermittlern – Provisionen und andere Vorteile in Abhängigkeit vom individuellen Umsatz mit Flugscheinen von British Airways“I –    Einleitung
      1.     Der vorliegende Fall geht auf ein Wettbewerbsverfahren der Kommission hinsichtlich bestimmter Provisionen und Vorteile zurück,
         welche die britische Fluggesellschaft British Airways plc (im Folgenden: BA) Reisevermittlern im Vereinigten Königreich in
         Abhängigkeit von deren Umsatz mit Flugscheinen der BA gewährte. In jenem Verfahren stellte die Kommission fest, BA habe ihre
         marktbeherrschende Stellung missbraucht (Artikel 82 EG), und verhängte dafür eine Geldbuße in Höhe von 6 800 000 Euro gegen
         dieses Unternehmen.
      
      2.     Die diesbezügliche Entscheidung der Kommission vom 14. Juli 1999(2) (im Folgenden: die angefochtene Entscheidung) wurde vom Gericht erster Instanz mit Urteil vom 17. Dezember 2003 in der Rechtssache
         T-219/99(3) (im Folgenden: das angefochtene Urteil) in vollem Umfang bestätigt.
      
      3.     Der Gerichtshof ist nunmehr mit einem Rechtsmittel der BA gegen dieses erstinstanzliche Urteil befasst. Im Kern gilt es zu
         klären, unter welchen Umständen die Gewährung von Prämien durch ein marktbeherrschendes Unternehmen als Missbrauch im Sinne
         von Artikel 82 EG angesehen werden kann.
      
      II – Rechtlicher Rahmen
      4.     Den rechtlichen Rahmen dieses Falles definiert Artikel 82 EG, der wie folgt abgefasst ist:
      „Mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar und verboten ist die missbräuchliche Ausnutzung einer beherrschenden Stellung auf dem
         Gemeinsamen Markt oder auf einem wesentlichen Teil desselben durch ein oder mehrere Unternehmen, soweit dies dazu führen kann,
         den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen.
      
      Dieser Missbrauch kann insbesondere in Folgendem bestehen:
      a)      der unmittelbaren oder mittelbaren Erzwingung von unangemessenen Einkaufs- oder Verkaufspreisen oder sonstigen Geschäftsbedingungen;
      b)      der Einschränkung der Erzeugung, des Absatzes oder der technischen Entwicklung zum Schaden der Verbraucher;
      c)      der Anwendung unterschiedlicher Bedingungen bei gleichwertigen Leistungen gegenüber Handelspartnern, wodurch diese im Wettbewerb
         benachteiligt werden;
      
      d)      der an den Abschluss von Verträgen geknüpften Bedingung, dass die Vertragspartner zusätzliche Leistungen annehmen, die weder
         sachlich noch nach Handelsbrauch in Beziehung zum Vertragsgegenstand stehen.“
      
      III – Sachverhalt und Verfahren
      A –    Sachverhalt
      5.     Der diesem Fall zugrunde liegende Wettbewerbsfall geht auf Beschwerden von Virgin Atlantic Airways Ltd (im Folgenden: Virgin),
         einer Wettbewerberin von BA, zurück(4). Er betrifft den Markt für Luftverkehrsvermittlerdienste im Vereinigten Königreich, auf dem BA nach den Feststellungen der
         Kommission die beherrschende Käuferin war(5).
      
      6.     Auf jenem Markt erbringen Reisevermittler für die Fluggesellschaften Dienstleistungen, die darin bestehen, für die Luftverkehrsleistungen
         der Fluggesellschaften zu werben, den Reisenden bei der Auswahl der geeigneten Luftverkehrsleistungen zu helfen und die Verwaltungsaufgaben
         zu übernehmen (Ausstellen der Flugscheine, Einziehung des Entgelts vom Reisenden und dessen Abführung an die Fluggesellschaft).
         Als Gegenleistung für diese Dienstleistungen zahlen die Fluggesellschaften den Reisevermittlern Provisionen gemäß dem Flugscheinumsatz,
         der über sie erzielt wurde(6).
      
      7.     BA schloss mit von der International Air Transport Association (IATA) anerkannten Reisevermittlern Vereinbarungen, die ihnen
         Anspruch auf eine Basis-Standardprovision für die von ihnen getätigten Umsätze mit BA-Flugscheinen gaben. Diese Provision
         belief sich von 1976 bis 1997 auf 9 % für die internationalen Umsatzerlöse und auf 7,5 % für die Inlandsumsatzerlöse(7). Danach wurde sie durch eine neue einheitliche Provision von 7 % für alle im Vereinigten Königreich verkauften Flugscheine
         ersetzt(8).
      
      8.     Zusätzlich zu diesem System von Basisprovisionen schloss BA mit den IATA-Reisevermittlern Vereinbarungen, die drei unterschiedliche
         Prämienregelungen umfassten: Marketingvereinbarungen („Marketing Agreements“), globale Vereinbarungen („Global Agreements“)
         und schließlich eine Ergebniszuschlagsregelung („Performance Reward Scheme“)(9).
      
      9.     Zu den Marketingvereinbarungen und den globalen Vereinbarungen hat das Gericht Folgendes festgestellt(10):
      
      „6      Die erste Prämienregelung, die BA einführte, bestand aus Marketingvereinbarungen, die bestimmten IATA-Reisevermittlern im
         Vereinigten Königreich die Möglichkeit gaben, zusätzlich zu ihrer Basisprovision Zahlungen zu erhalten, und zwar:
      
      –       einen Ergebniszuschlag, zu dem bestimmte Sonderprämien in Abhängigkeit vom Umfang der mit BA geflogenen Segmente hinzukamen;
      –       Bargeldbeträge aus einem Fonds, die die Reisevermittler für die Schulung ihres Personals verwenden mussten;
      –       Bargeldbeträge aus einem Unternehmensförderungsfonds, den BA eingerichtet hatte, um seine Einnahmen zu erhöhen, und dessen
         Mittel von den Reisevermittlern zur Finanzierung von Werbemaßnahmen für BA zu verwenden waren.
      
      7      Die Marketingvereinbarungen verpflichteten die Reisevermittler im Vereinigten Königreich auch dazu, BA hinsichtlich u. a.
         der Bekanntgabe seiner Flugzeiten und seiner Preise sowie der Produkte und Broschüren nicht weniger günstig zu behandeln als
         jede andere Fluggesellschaft.
      
      8      Die für die Dauer eines Jahres geschlossenen Marketingvereinbarungen waren grundsätzlich den IATA-Reisevermittlern im Vereinigten
         Königreich mit einem Jahresumsatz von BA-Flugscheinen (im Folgenden: Flugerlöse) von mehr als 500 000 GPB vorbehalten. Die
         Vermittler mit Flugerlösen über 500 000 GBP, jedoch unter 10 Mio. GBP pro Jahr konnten eine Standard-Marketingvereinbarung
         eingehen. Die Vermittler, deren jährliche Flugerlöse über 10 Mio. GBP hinausgingen, schlossen individuell ausgehandelte Marketingvereinbarungen
         mit BA.
      
      9      Der Ergebniszuschlag wurde gleitend nach dem Umfang berechnet, in dem ein Reisevermittler die BA-Flugerlöse steigerte. Zusätzlich
         zum allgemeinen Ergebniszuschlag gaben bestimmte Flugstrecken Anspruch auf eine Ergebnissonderprämie.
      
      10      Die Zahlung des Ergebniszuschlags oder der Sonderprämie war von der Steigerung der Umsätze von BA-Flugscheinen durch die Reisevermittler
         von einem Jahr zum darauf folgenden abhängig. Zwar wurde im Allgemeinen keine dieser beiden zusätzlichen Zahlungen für Segmente
         gezahlt, die auf BA-Inlandsstrecken innerhalb des Vereinigten Königreichs geflogen wurden; diese Segmente wurden jedoch für
         das Erreichen der Zielschwellen mitgerechnet, da Letztere als globale Flugerlöse berechnet wurden, wozu Langstrecken-, Kurzstrecken-
         und Inlandsflüge zählten.
      
      11      Außer den Marketingvereinbarungen schloss BA mit drei IATA-Reisevermittlern Vereinbarungen eines zweiten Typs von Prämienregelungen
         (im Folgenden: globale Vereinbarungen). Für die Wintersaison 1992/93 vereinbarte BA mit drei Reisevermittlern globale Förderprogramme,
         die diese Vermittler zum Erhalt zusätzlicher Provisionen berechtigten, deren Höhe gemäß dem Wachstum des BA-Anteils an ihren
         weltweiten Verkäufen berechnet wurde.“
      
      10.   Zu der von BA ab 1998 angewandten neuen Ergebniszuschlagsregelung hat das Gericht Folgendes festgestellt(11):
      
      „14      Am 17. November 1997 richtete BA an alle Reisevermittler im Vereinigten Königreich ein Schreiben, in dem es Einzelheiten in
         Bezug auf einen dritten Typ von Prämienregelungen bestehend aus einer neuen, ab dem 1. Januar 1998 geltenden Ergebniszuschlagsregelung
         (Performance Reward Scheme; im Folgenden: neue Ergebniszuschlagsregelung) mitteilte.
      
      15      Außer der neuen einheitlichen Provision von 7 % für alle im Vereinigten Königreich verkauften Flugscheine konnte jeder Reisevermittler
         eine Zusatzprovision von bis zu 3 % für die internationalen Flugscheine und von bis zu 1 % für die Inlandsflugscheine erhalten.
         Die Größe der variablen Elemente für Inlands- und Auslandsflugscheine hing vom Ergebnis der Reisevermittler beim Verkauf von
         BA-Flugscheinen ab. Die Höhe des Ergebnisses des Reisevermittlers wurde gemessen, indem die gesamten Flugerlöse aus BA-Flugscheinen,
         die der Reisevermittler in einem Kalendermonat ausgestellt hatte, denen des entsprechenden Vorjahresmonats gegenübergestellt
         wurden.
      
      16      Im Rahmen der neuen Ergebniszuschlagsregelung verdiente der Reisevermittler mit jedem über den Ergebnisrichtwert von 95 %
         hinausgehenden Prozentpunkt zu seiner Standardprovision von 7 % für internationale Flugscheine ein variables Element in Höhe
         von 0,1 % hinzu. Bei Verkäufen von Inlandsflugscheinen belief sich das variable Element auf 0,1 % je Verkaufssteigerung von
         3 % über den Richtwert von 95 % hinaus. Das höchste variable Element, das Reisevermittler im Rahmen der neuen Ergebniszuschlagsregelung
         erhalten konnten, betrug 3 % für internationale Flugscheine und 1 % für Inlandsflugscheine bei einer Ergebnishöhe von jeweils
         mindestens 125 %.
      
      17      Erreichte beispielsweise ein Reisevermittler für einen bestimmten Monat ein Ergebnis in Höhe von 112 %, dann lag für diesen
         Monat das variable Element für Auslandsflugscheine bei 1,7 % ([112 – 95] x 0,1 %) der internationalen Vergütungserlöse. Das
         variable Element für Inlandsflugscheine hingegen belief sich bei dieser Ergebnishöhe auf 0,5 % ([112 – 95] ÷ 3 x 0,1 %) der
         Inlandsvergütungserlöse für diesen Kalendermonat. Die Zahlung der variablen Elemente der neuen Ergebniszuschlagsregelung erfolgte
         monatlich.
      
      18      Die neue Ergebniszuschlagsregelung sollte bis zum 31. März 1999 gelten. Für den Monat Dezember 1997 sah BA eine Übergangsphase
         vor, in der die neue Ergebniszuschlagsregelung zusätzlich zu den bis dahin bestehenden Standardprovisionen von 9 % und 7,5
         % für Auslands- und Inlandsflugscheine galt. Am 8. Februar 1999 gab BA bekannt, dass diese Regelung für 1999/2000 nicht erneuert
         werden würde.“
      
      11.   Nach den Feststellungen der Kommission, aus denen das Gericht zitiert(12), lässt sich die Wirkung der beschriebenen Provisionsregelungen wie folgt verdeutlichen:
      
      „(29) Den vorstehend beschriebenen Provisionsregelungen ist ein hervorstechendes Merkmal gemeinsam. In jedem Fall führt das Erreichen
         der Vorgaben für Verkaufssteigerungen zu einer Erhöhung der gezahlten Provision für alle von dem Reisevermittler verkauften
         Flugscheine und nicht nur für die nach Erreichen der Vorgabe verkauften. So steigt bei den [Regelungen über Marketingvereinbarungen]
         die Barprämie, die dem Reisevermittler je verkauften Flugschein gezahlt wird, für alle verkauften Flugscheine. Bei der [Ergebniszuschlagsregelung]
         steigt die gezahlte anteilige Provision für die insgesamt von dem Reisevermittler verkauften Flugscheine. Steht also ein Reisevermittler
         kurz vor dem Erreichen eines der Schwellenwerte für die Erhöhung des Provisionssatzes, so kann der Verkauf relativ weniger
         weiterer BA-Flugscheine eine entscheidende Wirkung auf seine Provisionseinnahmen haben. Im umgekehrten Fall muss ein Mitbewerber
         von BA, der dem Reisevermittler einen Anreiz gewähren möchte, um einige Buchungen von BA auf die konkurrierende Fluggesellschaft
         umzuleiten, für alle verkauften Flugscheine einen wesentlich höheren Provisionssatz als BA zahlen, um diese Wirkung aufzuheben.
      
      (30)      Dieser Effekt der BA-Provisionsregelungen soll anhand eines Beispiels veranschaulicht werden. Angenommen, ein Reisevermittler
         hat im Bezugsjahr internationale Flugscheine für insgesamt 100 000 GBP verkauft. Verkauft der Reisevermittler monatlich internationale
         BA-Flugscheine im Wert von 100 000 GBP, so erhält er die Grundprovision von 7 % und eine ‚Ergebnisvergütung‘ von 0,5 % ([100
         – 95] x 0,1 %), was Gesamteinnahmen aus Provisionen für verkaufte internationale Flugscheine von 7 500 GBP ergibt (100 000
         x [7 % + 0,5 %]). Hat der Reisevermittler 1 % der internationalen Flugscheine für einen Mitbewerber von BA verkauft, so würde
         seine ‚Ergebnisvergütung‘ auf 0,4 % ([99 – 95] x 0,1 %) sinken, und dieser geringere Satz würde dann für alle Verkäufe von
         BA-Flugscheinen dieses Vermittlers gelten. Seine Provisionseinkünfte aus dem Verkauf von internationalen BA-Flugscheinen würden
         auf 7 326 GBP (99 000 x [7 % + 0,4 %]) zurückgehen. Eine Verminderung von 1 000 GBP bei den Verkäufen von internationalen
         BA-Flugscheinen hat einen Rückgang von 174 GBP bei den Provisionseinnahmen zur Folge. Der ‚Grenzprovisionssatz‘ kann mit 17,4 %
         angegeben werden. In der Praxis bedeutet dies, dass ein BA-Konkurrent, der in der Lage wäre, Flüge anzubieten, die 1 000 GBP
         der Verkäufe von BA-Flugscheinen des Reisevermittlers ersetzen könnten, eine Provision von 17,4 % auf diese Flugscheine anbieten
         müsste, um das Reisebüro für die entgangenen BA-Provisionseinkünfte zu entschädigen. Zwar muss auch BA diesen hohen Grenzprovisionssatz
         anbieten, um den Verkauf seiner Flugscheine zu erhöhen, doch befindet sich diese Gesellschaft gegenüber dem neuen Akteur im
         Vorteil, der diesen hohen Provisionssatz für alle seine Buchungen zahlen muss. ...
      
      Dieser Effekt steigert sich noch, wenn es sich bei der Zahl der betreffenden Flugscheine um einen kleineren Anteil an den
         Richtwertverkäufen von BA-Flugscheinen des Reisevermittlers handelt. Er wird außerdem verstärkt, wenn der betreffende Reisevermittler
         nicht nur Zusatzprovisionen im Rahmen der [neuen Ergebniszuschlagsregelung], sondern auch Prämien aus [einer Marketingvereinbarung]
         erhält.“
      
      B –    Angefochtene Entscheidung
      12.   In der angefochtenen Entscheidung stellt die Kommission fest, dass BA die beherrschende Stellung, die sie auf dem Markt für
         Luftverkehrsvermittlerdienste im Vereinigten Königreich innehabe, dadurch missbraucht habe, dass sie ihre Provisionsregelungen,
         d. h. sowohl die Marketingvereinbarungen als auch die neue Ergebniszuschlagsregelung(13), auf die Reisevermittler im Vereinigten Königreich angewandt habe(14).
      
      13.   Beide Provisionsregelungen(15) stellten zum einen einen finanziellen Anreiz für die Reisevermittler dar, ihren Absatz von BA-Flugscheinen aufrechtzuerhalten
         oder zu steigern, statt ihre Dienste den Wettbewerbern von BA zu verkaufen, weil diese Zuschläge nicht vom Umfang des von
         den Reisevermittlern erzielten Absatzes von BA-Flugscheinen in absoluten Zahlen abhängig seien(16). Zum anderen würden durch sie den betroffenen Reisevermittlern unterschiedliche Bedingungen bei gleichwertigen Leistungen
         auferlegt(17). Schließlich ist die Kommission der Auffassung, dass das missbräuchliche Verhalten von BA auf dem Markt für Luftverkehrsvermittlerdienste
         eine Verzerrung des Wettbewerbs auf den Luftverkehrsmärkten im Vereinigten Königreich zur Folge habe(18).
      
      14.   Der verfügende Teil der angefochtenen Entscheidung lautet auszugsweise wie folgt:
      „Artikel 1
      British Airways Plc hat gegen Artikel 82 EG-Vertrag verstoßen, indem es bei den Reisevermittlern, von denen es Luftverkehrsvermittlerdienste
         im Vereinigten Königreich erwirbt, Provisionssysteme und andere Anreize angewandt hat, deren Ziel und Auswirkung durch die
         Vergütung der Treue von Seiten der Reisevermittler und die unterschiedliche Behandlung von Reisevermittlern darin besteht,
         dass Wettbewerber von British Airways aus dem britischen Luftverkehrsmarkt ausgeschlossen werden.
      
      Artikel 2
      Wegen der in Artikel 1 genannten Verstöße wird gegen British Airways Plc eine Geldbuße in Höhe von 6,8 Mio. Euro festgesetzt.
         …“
      
      C –    Gerichtliches Verfahren
      15.   Gegen die angefochtene Entscheidung hatte BA am 1. Oktober 1999 Klage zum Gericht erster Instanz erhoben, in der sie beantragte,
         die angefochtene Entscheidung insgesamt für nichtig zu erklären und der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         Die Kommission beantragte, die Klage abzuweisen und BA zur Kostentragung zu verurteilen.
      
      16.   Mit Beschluss vom 9. Februar 2001 wurde Virgin als Streithelferin zur Unterstützung der Anträge der Kommission zugelassen.
         Hingegen wurde ein Antrag der französischen Fluggesellschaft Air France auf Zulassung als Streithelferin zur Unterstützung
         der Anträge von BA abgelehnt.
      
      17.   In seinem angefochtenen Urteil hat das Gericht die Klage der BA abgewiesen und sie zur Tragung ihrer eigenen Kosten sowie
         der Kosten der Kommission und der Streithelferin verurteilt.
      
      18.   Mit ihrem Rechtsmittel, bei der Kanzlei des Gerichtshofes eingegangen am 26. Februar 2004, beantragt BA nunmehr,
      –       das angefochtene Urteil insgesamt oder teilweise aufzuheben,
      –       die Höhe der BA auferlegten Geldbuße in einem vom Gerichtshof in Ausübung seines Ermessens für angemessen gehaltenen Umfang
         für nichtig zu erklären oder herabzusetzen und
      
      –       jede andere Maßnahme zu erlassen, die der Gerichtshof für angemessen hält.
      19.   Die Kommission beantragt ihrerseits,
      –       das Rechtsmittel in seiner Gesamtheit zurückzuweisen und
      –       BA zur Kostentragung zu verurteilen.
      20.   Virgin beantragt,
      –       das Rechtsmittel von BA für unzulässig und/oder offensichtlich unbegründet zu erklären und es im Wege eines begründeten Beschlusses
         gemäß Artikel 119 der Verfahrensordnung zurückzuweisen,
      
      –       hilfsweise, das Rechtsmittel von BA zurückzuweisen und das angefochtene Urteil in seiner Gesamtheit aufrechtzuerhalten und
      –       auf jeden Fall BA zur Tragung der Kosten des Rechtsmittels zu verurteilen, einschließlich der Kosten von Virgin.
      21.   Vor dem Gerichtshof wurde das Rechtsmittel zunächst schriftlich und sodann, am 15. Dezember 2005, mündlich verhandelt.
      IV – Würdigung
      22.   In ihrem Rechtsmittel greift BA nicht mehr alle Themen auf, die noch Gegenstand des erstinstanzlichen Verfahrens waren, insbesondere
         nicht die Feststellungen der Kommission zur Marktabgrenzung und zur beherrschenden Stellung von BA. Vielmehr widmen sich ihre
         fünf Rechtsmittelgründe allein den Ausführungen des Gerichts zum Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung im Sinne von Artikel 82 EG, wie sie sich in den Randnummern 227 bis 300 des angefochtenen
         Urteils finden.
      
      A –    Einleitende Bemerkungen
      23.   Ein marktbeherrschendes Unternehmen ist im Anwendungsbereich des Artikels 82 EG bestimmten Beschränkungen unterworfen, welche
         für andere Unternehmen in dieser Form nicht gelten. Denn aufgrund der Anwesenheit des beherrschenden Unternehmens ist der
         Wettbewerb auf dem betroffenen Markt geschwächt(19). Deshalb trägt dieses Unternehmen – unabhängig von den Ursachen seiner marktbeherrschenden Stellung – eine besondere Verantwortung
         dafür, dass durch sein Verhalten ein wirksamer und unverfälschter Wettbewerb auf dem Gemeinsamen Markt nicht beeinträchtigt
         wird(20). Eine Praxis, die unter normalen Wettbewerbsbedingungen nicht zu beanstanden wäre, kann missbräuchlich sein, wenn sie von
         einem marktbeherrschenden Unternehmen angewandt wird(21).
      
      24.   So ist zwar auch ein Unternehmen mit marktbeherrschender Stellung nach ständiger Rechtsprechung berechtigt, seine eigenen
         geschäftlichen Interessen zu wahren, wenn sie bedroht sind, und es darf auch in angemessenem Umfang so vorgehen, wie es dies
         zum Schutz seiner Interessen für richtig hält(22). Insbesondere darf es sich der Mittel eines normalen Produkt- und Dienstleistungswettbewerbs im Sinne eines Leistungswettbewerbs bedienen; missbräuchlich im Sinne von Artikel 82 EG und damit verboten ist jedoch ein Geschäftsgebaren, welches vom normalen
         Marktverhalten abweicht und geeignet ist, den noch bestehenden Wettbewerb zu schwächen(23). Nicht jeder Preiswettbewerb ist deshalb gemäß Artikel 82 EG zulässig(24).
      
      25.   Auf dem Gebiet der Rabatte und Prämien wird besonders anschaulich, dass im Einzelfall die Grenzziehung zwischen legitimem
         Verhalten und verbotenem Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung schwierig ist.
      
      26.   So haben die Gemeinschaftsgerichte bereits mehrfach festgestellt, dass die Gewährung bestimmter Rabatte bzw. Prämien durch
         ein marktbeherrschendes Unternehmen missbräuchlich im Sinne von Artikel 82 EG sein kann(25). Danach können insbesondere durch Treuerabatte und Treueprämien die Geschäftspartner in der Praxis so stark an das marktbeherrschende
         Unternehmen gebunden werden (so genannte „Treue fördernde Wirkung“ der Prämien bzw. Rabatte), dass dessen Wettbewerber es
         übermäßig schwer haben, Absatz für ihre Produkte zu finden („Verdrängungswirkung“, auch „Ausschlusswirkung“ genannt), wodurch
         der Wettbewerb als solcher Schaden nehmen kann und letztlich auch dem Verbraucher Nachteile entstehen können.
      
      27.   Umstritten bleibt aber weiterhin, unter welchen Umständen im Einzelnen die Gewährung von Rabatten oder Prämien durch ein marktbeherrschendes
         Unternehmen missbräuchlich im Sinne von Artikel 82 EG ist. Der vorliegende Fall gibt Anlass, einige Fragen in diesem Zusammenhang
         näher zu beleuchten:
      
      –       Unter welchen Umständen sind die Rabatte oder Prämien eines marktbeherrschenden Unternehmens ganz allgemein als missbräuchlich
         anzusehen? (erster Rechtsmittelgrund)
      
      –       Ist es dabei erforderlich, die konkreten Auswirkungen der Rabatte oder Prämien des marktbeherrschenden Unternehmens auf seine Wettbewerber und die Verbraucher zu untersuchen?
         (zweiter, dritter und vierter Rechtsmittelgrund)
      
      –       Unter welchen Umständen sind die Rabatte oder Prämien eines marktbeherrschenden Unternehmens als eine Diskriminierung von
         Handelspartnern anzusehen, wodurch diese im Wettbewerb benachteiligt werden? (fünfter Rechtsmittelgrund)
      
      28.   In diesem Zusammenhang spielt es übrigens keine Rolle, wie die Kommission ihre Wettbewerbspolitik im Hinblick auf Artikel
         82 EG für die Zukunft auszurichten gedenkt(26). Denn zum einen können etwaige neue Akzente in der Handhabung von Artikel 82 EG nur für künftige Entscheidungen der Kommission
         von Belang sein, nicht aber für die rechtliche Beurteilung einer bereits ergangenen Entscheidung. Und zum anderen müsste sich
         die Kommission auch im Falle einer Änderung ihrer Verwaltungspraxis weiterhin in dem Rahmen bewegen, den ihr Artikel 82 EG
         in der Auslegung des Gerichtshofes vorgibt.
      
      B –    Zum ersten Rechtsmittelgrund: Allgemeine Kriterien für die Beurteilung von Provisionsregelungen
      29.   Der erste Rechtsmittelgrund von BA nimmt innerhalb des Rechtsmittels mit Abstand den meisten Raum ein. Er bezieht sich auf
         die Randnummern 272 bis 298 des angefochtenen Urteils, in denen das Gericht – wie schon zuvor die Kommission – zum einen feststellt,
         dass die von BA gewährten Prämien „Treue fördernd“ gewirkt und daher eine Ausschlusswirkung (Verdrängungswirkung) gehabt hätten;
         zum anderen seien sie auch nicht wirtschaftlich gerechtfertigt gewesen(27).
      
      30.   Im Kern wirft BA mit diesem Rechtsmittelgrund die Frage auf, unter welchen Umständen die Rabatte oder Prämien marktbeherrschender
         Unternehmen ganz allgemein als missbräuchlich angesehen werden können. Ergänzt wird dieser Rechtsmittelgrund durch die im
         Anschluss zu prüfenden Rechtsmittelgründe zwei bis vier, mit denen sich BA den rechtlichen Anforderungen an die Prüfung der
         Auswirkungen solcher Rabatte oder Prämien auf Wettbewerber und Verbraucher zuwendet.
      
      1.      Wesentliche Argumente der Parteien
      31.   Die Parteien streiten im Wesentlichen darüber, ob das Gericht die Rechtsprechung des Gerichtshofes, wie sie sich insbesondere
         aus den Urteilen Hoffmann-La Roche und Michelin I ergibt(28), korrekt auf den vorliegenden Fall angewandt hat.
      
      32.   BA meint, das Gericht habe einen Rechtsfehler begangen, weil es ihre Provisionsregelungen nach einem falschen Kriterium beurteilt
         habe. Das Gericht differenziere bei seiner Prüfung der „Treueförderung“ nicht zwischen der Kundentreue, die durch ein missbräuchliches
         Ausschließungsverhalten gesichert wird, und der sich aus legitimem Preiswettbewerb ergebenden Kundentreue. Zum Wesen des legitimen
         Preiswettbewerbs gehöre es, dass ein Unternehmen die Freiheit haben müsse, seinen Vertragspartnern höhere Rabatte einzuräumen
         als seine Wettbewerber. Die vom Gericht angelegten Maßstäbe führen laut BA zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit über den
         Umfang rechtmäßigen Preiswettbewerbs und wirken abschreckend auf Unternehmen; sie beeinträchtigen daher den grundsätzlichen
         Zweck des gemeinschaftlichen Wettbewerbsrechts.
      
      33.   Richtigerweise hätte das Gericht nach Ansicht von BA im vorliegenden Fall Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe b EG anwenden und
         prüfen müssen, ob BA die Absatzmöglichkeiten seiner Wettbewerber tatsächlich beschränkt habe und ob dadurch den Verbrauchern
         ein Schaden entstanden sei. Eine solche Beschränkung der Absatzmöglichkeiten der Wettbewerber setzt laut BA mehr voraus als
         die bloße Gewährung großzügiger Prämien. Sie sei überhaupt nur in zwei Fallgruppen denkbar, die beide vorliegend nicht einschlägig
         seien:
      
      –       zum einen in Fällen, in denen die Gewährung von Prämien davon abhängig gemacht werde, dass ihr Begünstigter ausschließlich
         oder überwiegend für das marktbeherrschende Unternehmen tätig sei bzw. sich von diesem beliefern lasse(29), und
      
      –       zum anderen in Situationen, in denen der Begünstigte der Prämien sich nicht frei zwischen dem marktbeherrschenden Unternehmen
         und dessen Wettbewerbern entscheiden könne, etwa weil er sich nur durch eine überwiegende geschäftliche Bindung an den Marktbeherrscher
         Gewinne erwarten kann oder weil der Marktbeherrscher einen unfairen Preiswettbewerb („predatory pricing“) betreibt und seine
         Mitbewerber diesem Druck nicht standhalten können.
      
      34.   Die Kommission und Virgin sind hingegen übereinstimmend der Auffassung, dass die vom Gericht angelegten Kriterien zutreffend
         seien und im Einklang mit der bisherigen Rechtsprechung stünden. Die vom Gericht durchgeführte Prüfung sei nicht rechtsfehlerhaft
         gewesen. Virgin meint außerdem, die von BA vertretene Auffassung zu Artikel 82 EG würde im Fall ihres Erfolgs zu einer Rechtsprechungsänderung
         führen, deren Ausmaße jenen des Urteils Keck und Mithouard(30) vergleichbar wären.
      
      2.      Würdigung
      35.   Was zunächst die von BA vermisste Orientierung an den Kriterien von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe b EG betrifft, so genügt
         die Feststellung, dass es sich bei dieser Bestimmung lediglich um ein Regelbeispiel für den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung handelt(31). Die Rabatte und Prämien marktbeherrschender Unternehmen können selbst dann gegen Artikel 82 EG verstoßen, wenn sie keines
         der dort in Absatz 2 genannten Regelbeispiele erfüllen(32). Insoweit ist dem Gericht also kein Rechtsfehler vorzuwerfen.
      
      36.   Auch inhaltlich hat das Gericht die Rechtslage, wie sie in der bisherigen Rechtsprechung des Gerichtshofes ausgelegt wurde,
         keineswegs verkannt.
      
      a)      Keine abschließenden Fallgruppen missbräuchlicher Rabatte und Prämien
      37.   Zutreffend ist, dass der Gerichtshof in den beiden von BA diskutierten Urteilen jeweils den missbräuchlichen Charakter bestimmter
         Rabatte festgestellt hat, die von zwei marktbeherrschenden Unternehmen gewährt worden waren.
      
      38.   So betraf der Fall Hoffmann-La Roche Rabatte, deren Gewährung zumeist ausdrücklich an die Bedingung geknüpft war, dass der
         jeweilige Vertragspartner während eines Referenzzeitraums – in der Regel ein Jahr oder ein halbes Jahr – seinen gesamten Bedarf
         an bestimmten Vitaminen oder jedenfalls den überwiegenden Teil dieses Bedarfs bei Hoffmann-La Roche deckte(33). Ein solches Rabattsystem hat der Gerichtshof als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung angesehen(34) und ausgeführt, dass „die Gewährung von Treuerabatten, die die Abnehmer zum ausschließlichen Bezug bei dem Unternehmen in
         beherrschender Stellung veranlassen soll, … mit dem Ziel eines unverfälschten Wettbewerbs auf dem Gemeinsamen Markt unvereinbar“
         ist(35).
      
      39.   Auch in der Rechtssache Michelin I sah der Gerichtshof den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung als erwiesen an(36). Anders als in Hoffmann-La Roche waren dort die Vertragspartner des marktbeherrschenden Unternehmens Michelin zwar nicht
         verpflichtet, ihren Bedarf ausschließlich oder zu einem bestimmten Teil bei diesem Unternehmen zu decken(37). Jedoch waren die von Michelin gewährten variablen Jahresrabatte als „Zielrabatte“ ausgestaltet: Um in ihren Genuss zu kommen,
         mussten Michelins Vertragspartner individualisierte Verkaufsziele erreichen. Diese Verkaufsziele orientierten sich am Umsatz,
         den die jeweiligen Vertragspartner im Vorjahr mit Michelin-Reifen erzielt hatten(38). Daneben zeichnete sich der Fall Michelin I durch ein ganzes Bündel von Faktoren aus, die den Gerichtshof insgesamt dazu
         veranlassten, das von Michelin eingeführte Rabattsystem als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung anzusehen. Insbesondere
         lag dem streitigen Rabattsystem ein „verhältnismäßig langer Referenzzeitraum“ von einem Jahr zugrunde(39), die Funktionsweise des Systems war für die Vertragspartner intransparent, und die Abstände zwischen den Marktanteilen von
         Michelin und seinen wichtigsten Wettbewerbern waren groß.
      
      40.   Entgegen der Auffassung von BA lassen sich dieser Rechtsprechung jedoch keine abschließenden Fallgruppen missbräuchlicher Prämien- und Rabattsysteme entnehmen. Keineswegs kann aus den genannten Urteilen gefolgert werden, die von
         einem marktbeherrschenden Unternehmen gewährten Prämien oder Rabatte seien stets nur in den dort näher bezeichneten Fallgestaltungen
         missbräuchlich. Damit würde nämlich verkannt, dass die einzelnen Wirtschaftszweige und Märkte sich stark voneinander unterscheiden
         können und überdies die wirtschaftlichen Gegebenheiten einem stetigen Wandel unterliegen, welcher nicht zuletzt auch neue
         Geschäftspraktiken mit sich bringen kann.
      
      41.   Entscheidend kommt es vielmehr auf die Grundgedanken an, an denen sich die bisherige Rechtsprechung des Gerichtshofes orientiert
         hat und die auch auf einen Fall wie den vorliegenden übertragbar sind.
      
      42.   Danach ist zum einen zu prüfen, ob die von einem marktbeherrschenden Unternehmen gewährten Rabatte oder Prämien eine Verdrängungswirkung entfalten können, d. h., ob sie geeignet sind, den Wettbewerbern des marktbeherrschenden Unternehmens den Zugang zum Markt
         und den Vertragspartnern des marktbeherrschenden Unternehmens die Wahl zwischen mehreren Bezugsquellen oder Handelspartnern
         zu erschweren oder gar unmöglich zu machen; zum anderen ist zu ermitteln, ob für die gewährten Rabatte oder Prämien eine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung besteht(40).
      
      43.   Dabei kann zweifellos die Frage nach der objektiven wirtschaftlichen Rechtfertigung überhaupt nur Bedeutung erlangen, wenn
         die gewährten Rabatte oder Prämien eine Verdrängungswirkung entfalten. Dennoch ist es das Ziel beider Prüfungsschritte, missbräuchliches von legalem Verhalten abzugrenzen und so sicherzustellen, dass legitimer Preiswettbewerb
         nicht an Artikel 82 EG scheitert.
      
      b)      Erster Prüfungsschritt: Verdrängungswirkung
      44.   Zu Recht ist das Gericht zunächst davon ausgegangen, dass auch solche Rabattregelungen gegen Artikel 82 EG verstoßen können,
         die nicht wie im Fall Hoffmann-La Roche an eine Ausschließlichkeitsbedingung geknüpft sind, d. h., bei denen vom jeweiligen Vertragspartner nicht erwartet wird, dass er seinen Bedarf ausschließlich
         oder zu einem bestimmten Teil beim marktbeherrschenden Unternehmen deckt bzw. seine eigenen Leistungen ausschließlich oder
         zu einem bestimmten Teil für das marktbeherrschende Unternehmen erbringt(41). Die von einem Rabatt- oder Prämiensystem ausgehende Verdrängungswirkung kann sich nämlich auch bei Fehlen eines solchen
         Bedingungszusammenhangs aus den sonstigen Umständen des konkreten Einzelfalls ergeben(42). Anders als BA meint, kommt es dann auch nicht maßgeblich darauf an, ob die Vertragspartner des marktbeherrschenden Unternehmens
         überhaupt noch frei zwischen verschiedenen Bezugsquellen wählen können. Artikel 82 EG findet nämlich keineswegs erst dann
         Anwendung, wenn auf einem Markt praktisch kein wirksamer Wettbewerb mehr besteht. Sinn und Zweck von Artikel 82 EG ist es
         vielmehr ebenso, den noch bestehenden Wettbewerb auf einem Markt zu schützen, der durch die Anwesenheit des marktbeherrschenden Unternehmens geschwächt ist(43). Entsprechend weiter ist der Anwendungsbereich dieser Vorschrift; er geht über die zweite von BA gebildete Fallgruppe(44) hinaus.
      
      45.   Ob also eine Verdrängungswirkung der von einem marktbeherrschenden Unternehmen gewährten Rabatte oder Prämien angenommen werden
         kann, hängt allein von einer Prüfung sämtlicher Umstände des Einzelfalls ab(45). Diese Orientierung an den Umständen des Einzelfalls stellt gleichzeitig sicher, dass keine Rabatte und Prämien erfasst werden,
         die auf dem jeweiligen Markt als Teil eines legitimen Preiswettbewerbs angesehen werden könnten.
      
      46.   Ausgangspunkt der Prüfung sind die jeweiligen Kriterien und Modalitäten für die Gewährung eines Rabatts oder einer Prämie(46). Darüber hinaus ist zu untersuchen, ob das fragliche Rabatt- oder Prämiensystem insgesamt geeignet ist, den Wettbewerbern
         des marktbeherrschenden Unternehmens den Zugang zum Markt und den Vertragspartnern des marktbeherrschenden Unternehmens die
         Wahl zwischen mehreren Bezugsquellen oder Handelspartnern zu erschweren oder gar unmöglich zu machen(47).
      
      47.   Wenn auch die Rechtsprechung keine abschließenden Fallgruppen von Rabatt- und Prämiensystemen mit Verdrängungswirkung definieren
         kann, so kann sie doch Anhaltspunkte liefern, wann eine solche Verdrängungswirkung im Normalfall vorliegen wird. Insoweit sind insbesondere drei Gesichtspunkte von Bedeutung, aus denen sich nach der Rechtsprechung ergeben
         kann, dass die von einem marktbeherrschenden Unternehmen gewährten Rabatte oder Prämien nicht lediglich Ausdruck eines besonders
         günstigen Angebots auf dem Markt sind.
      
      48.   Erstens kann eine Verdrängungswirkung vor allem von Rabatten und Prämien ausgehen, deren Gewährung an die Erfüllung individuell definierter Abnahmeziele geknüpft ist („Zielrabatte“ oder „Zielprämien“)(48). Wird beispielsweise einem Vertragspartner ein Rabatt oder eine Prämie für den Fall in Aussicht gestellt, dass er mit Produkten
         des marktbeherrschenden Unternehmens während eines bestimmten Referenzzeitraums(49) den gleichen oder gar einen höheren Umsatz erzielt als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, so kann für ihn ein auch nur
         teilweiser Wechsel zu Produkten der Konkurrenz weniger attraktiv werden. Das marktbeherrschende Unternehmen kann auf diese
         Weise Druck auf seine Vertragspartner ausüben und diese an sich binden. Dadurch kann es seine Stellung auf dem Markt festigen
         und sie womöglich noch ausbauen(50).
      
      49.   Die von BA angewandten Provisionsregelungen orientierten sich nach den Feststellungen des Gerichts an eben solchen individuellen
         Abnahmezielen, waren sie doch von der Entwicklung der Umsätze mit Flugscheinen der BA abhängig, welche die jeweiligen Reisevermittler
         in einem bestimmten Zeitraum erzielten(51).
      
      50.   Zweitens sind die Bindung der Vertragspartner an das marktbeherrschende Unternehmen und der auf sie ausgeübte Druck in der
         Regel besonders stark, wenn ein Rabatt oder eine Prämie sich nicht nur auf den jeweiligen Umsatzzuwachs im Referenzzeitraum bezieht, sondern sich darüber hinaus auf das gesamte  vom Vertragspartner in jenem Zeitraum erzielte Umsatzvolumen mit Produkten des marktbeherrschenden Unternehmens zurück erstreckt. Auf diese Weise können nämlich auch schon verhältnismäßig
         geringe Veränderungen – gleichviel, ob nach oben oder nach unten – im Umsatz mit Produkten der dominanten Firma überproportionale
         Auswirkungen für den jeweiligen Vertragspartner haben. Nimmt beispielsweise der Vertragspartner auch nur geringfügig weniger
         Produkte des Marktbeherrschers ab als im Vergleichszeitraum, so läuft er bereits Gefahr, insgesamt nicht mehr in den Genuss
         eines Rabatts bzw. einer Prämie zu kommen oder jedenfalls nur in den Genuss eines geringeren Rabatts bzw. einer geringeren
         Prämie. Nimmt er hingegen nur geringfügig mehr solche Produkte ab als im Vergleichszeitraum, so kann er möglicherweise von
         einem höheren Rabatt oder einer höheren Prämie profitieren, und dies nachträglich auch für sein gesamtes Umsatzvolumen mit
         jenen Produkten, nicht etwa nur für die Zukunft hinsichtlich der zusätzlich abgenommenen Produkte(52). Auf diese Weise befindet sich der Vertragspartner während des Referenzzeitraums im Unklaren darüber, wie hoch am Ende seine
         Gewinnmarge mit den Produkten des marktbeherrschenden Unternehmens tatsächlich sein wird; dies ist ein starker Anreiz für
         ihn, nicht – auch nicht teilweise – zur Konkurrenz zu wechseln.
      
      51.   Derartiges hat das Gericht auch im vorliegenden Fall im Hinblick auf die Provisionsregelungen der BA festgestellt. So erstreckten
         sich die günstigsten Provisionssätze nachträglich auf alle vom jeweiligen Reisevermittler verkauften BA-Flugscheine zurück,
         nicht etwa nur auf die nach Erreichen des Umsatzziels verkauften; für die Provisionseinnahmen eines Reisevermittlers in ihrer
         Gesamtheit konnte es also von entscheidender Bedeutung sein, ob er nach Erreichen eines gewissen Umsatzes auch nur relativ
         wenige weitere BA-Flugscheine verkaufte oder nicht(53). Genau hierauf bezieht sich das Gericht auch, wenn es auf die von den Provisionsregelungen ausgehende „sehr spürbare Wirkung
         im Randbereich“ hinweist und die einschneidenden Auswirkungen auf die Ergebniszuschlagssätze betont, die schon ein leichter
         Rückgang des mit BA-Flugscheinen erzielten Umsatzes für einen Reisevermittler haben konnte(54). Ob es in diesem Zusammenhang sinnvoll war, den zu befürchtenden ungünstigeren Provisionssatz mit einer „Bestrafung“ gleichzusetzen,
         kann dahingestellt bleiben; denn unabhängig von der Wortwahl ist klar, was das Gericht ausdrücken wollte: Ein auch nur geringfügiger
         Umsatzrückgang mit BA-Flugscheinen konnte nach Ansicht des Gerichts beim jeweiligen Reisevermittler zu spürbaren finanziellen
         Einbußen führen und ihn somit wirksam vom Wechsel zur Konkurrenz abhalten.
      
      52.   Drittens gilt es für Wettbewerber des marktbeherrschenden Unternehmens als besonders schwierig, solche am gesamten Umsatzvolumen
         orientierten Rabatte oder Prämien zu überbieten. Aufgrund seines deutlich höheren Marktanteils ist nämlich das marktbeherrschende
         Unternehmen für die Marktgegenseite in der Regel ein unumgänglicher Handelspartner(55). Auch werden die von einem marktbeherrschenden Unternehmen gewährten, am Gesamtumsatz orientierten Rabatte oder Prämien in absoluten Zahlen regelmäßig stärker ins Gewicht fallen, als dies im Normalfall selbst großzügigere Angebote der Konkurrenz bewirken könnten.
         Um also die Vertragspartner des marktbeherrschenden Unternehmens auf ihre Seite zu ziehen oder von ihnen jedenfalls ein hinreichendes
         Auftragsvolumen zu erhalten, müssten dessen Konkurrenten ihnen ungleich höhere Rabatte oder Prämien anbieten(56), was selbst für gleich effiziente Wettbewerber häufig unwirtschaftlich ist.
      
      53.   Auch im vorliegenden Fall war nach den Feststellungen des Gerichts der Marktanteil von BA deutlich höher als die Anteile seiner
         fünf Hauptwettbewerber im Vereinigten Königreich; diese Wettbewerber seien deshalb nicht in der Lage gewesen, den Reisevermittlern
         die gleichen Vorteile einzuräumen wie BA(57).
      
      54.   Somit hat sich das Gericht auf dem Boden der bisherigen Rechtsprechung bewegt und die normalerweise erforderlichen Feststellungen
         getroffen, als es die von BA angewandten Provisionsregelungen auf deren Verdrängungswirkung (Ausschlusswirkung) hin untersuchte.
      
      55.   Was nun die Würdigung der festgestellten Marktgegebenheiten und der Wettbewerbssituation anbelangt, so ist es nicht Aufgabe des Gerichtshofes im
         Rechtsmittelverfahren, seine eigene Einschätzung an die Stelle der Bewertung des Gerichts zu setzen. Abgesehen von einer etwaigen
         Verfälschung der Tatsachen oder Beweismittel, die im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wurde, handelt es sich nämlich dabei um keine Rechtsfragen, auf die allein das Rechtsmittelverfahren sich
         beschränkt (Artikel 225 Absatz 1 EG und Artikel 58 Absatz 1 der Satzung des Gerichtshofes)(58). Unbeachtlich ist deshalb etwa der Einwand von BA, ihre Wettbewerber seien sehr wohl finanziell in der Lage gewesen, den
         Reisevermittlern konkurrenzfähige Gegenangebote zu machen. Ebenso verhält es sich mit dem Vorbringen von BA, das Gericht habe
         die „sehr spürbare Wirkung [der Provisionsregelungen] im Randbereich“ überschätzt. Denn auf diese Weise hinterfragt BA letztlich
         die Tatsachen- und Beweiswürdigung des Gerichts im erstinstanzlichen Verfahren, was im Rechtsmittelverfahren unzulässig ist.
      
      c)      Zweiter Prüfungsschritt: Objektive wirtschaftliche Rechtfertigung
      56.   Zutreffend hat sich das Gericht im Anschluss an die Untersuchung der Verdrängungswirkung (Ausschlusswirkung) der Frage zugewandt,
         ob die von BA verwendeten Provisionsregelungen objektiv wirtschaftlich gerechtfertigt werden konnten.
      
      57.   Nicht alle Rabatte und Prämien, die ein marktbeherrschendes Unternehmen seinen Vertragspartnern gewährt und die eine Verdrängungswirkung
         erzeugen, sind zwangsläufig missbräuchlich und deshalb nach Artikel 82 EG verboten. Nach ständiger Rechtsprechung sind vielmehr
         nur solche Rabatte und Prämien als missbräuchlich anzusehen, die nicht auf einer sie rechtfertigenden wirtschaftlichen Leistung
         beruhen(59). Ist hingegen eine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung für die Rabatte oder Prämien erkennbar, so sind sie trotz der
         von ihnen ausgehenden Verdrängungswirkung nicht als missbräuchlich anzusehen.
      
      58.   Um den Unterschied zwischen objektiv wirtschaftlich gerechtfertigten und missbräuchlichen Rabatten bzw. Prämien zu verdeutlichen,
         werden häufig Mengenrabatte den Treuerabatten gegenübergestellt(60). So führt der Gerichtshof etwa im Urteil Hoffmann-La Roche(61) aus: „Im Unterschied zu Mengenrabatten, die ausschließlich an den Umfang der bei dem betroffenen Hersteller getätigten Käufe
         anknüpfen, dient der Treuerabatt dazu, die Kunden auf dem Wege über die Gewährung eines finanziellen Vorteils vom Bezug bei
         konkurrierenden Herstellern abzuhalten.“ Als charakteristisch für einen wirtschaftlich zu rechtfertigenden Mengenrabatt sieht
         der Gerichtshof im selben Urteil an, dass dieser im Hinblick auf objektiv festgesetzte und für sämtliche Abnehmer geltende
         Mengen gewährt wird und sich nicht etwa im Sinne eines Zielrabatts an individuellen, je nach dem Vertragspartner und dessen
         Abnahmefähigkeit unterschiedlich ausgestalteten Umsatzzielen orientiert(62).
      
      59.   Unabhängig von der Verwendung der Begriffe „Mengenrabatt“ und „Treuerabatt“ ist jedoch die Frage der wirtschaftlichen Rechtfertigung
         solcher Rabatte bzw. Prämien stets anhand aller Umstände des Einzelfalls zu beurteilen. Entscheidend ist, ob die für den Wettbewerb
         nachteilige Verdrängungswirkung von Rabatten oder Prämien durch Effizienzvorteile ausgeglichen oder gar übertroffen werden kann, die auch dem Verbraucher erkennbar zugute kommen(63). Es kommt also letztlich darauf an, die Vor- und Nachteile für Wettbewerb und Verbraucher gegeneinander abzuwägen. Steht
         die Verdrängungswirkung des Prämien- oder Rabattsystems eines marktbeherrschenden Unternehmens in keinem erkennbaren Zusammenhang
         mit Vorteilen für Wettbewerb und Verbraucher oder geht sie über dasjenige hinaus, was zur Erreichung solcher Vorteile erforderlich
         ist, so ist dieses Prämien- oder Rabattsystem als missbräuchlich anzusehen.
      
      60.   Beispielsweise wird sich ein Rabatt, der an objektiven und für alle Vertragspartner gleichermaßen geltenden Abnahmemengen
         ausgerichtet ist, im Normalfall mit Kostenersparnissen erklären lassen, die der jeweilige Hersteller durch die Produktion
         größerer Mengen erzielen kann(64). Anders wird es sich in der Regel mit einem Rabatt verhalten, der von der Erreichung individuell definierter Umsatzvorgaben
         durch den jeweiligen Vertragspartner abhängt und primär darauf ausgerichtet ist, diesen Vertragspartner an das marktbeherrschende
         Unternehmen zu binden sowie ihn vom Wechsel zu Konkurrenzunternehmen abzuhalten.
      
      61.   Im vorliegenden Fall hat sich das Gericht zutreffend an diesen aus der bisherigen Rechtsprechung ableitbaren Kriterien orientiert.
         Es befasste sich eingehend mit der wirtschaftlichen Rechtfertigung der Provisionsregelungen von BA(65). Dabei löste es sich zu Recht von der bloß schematischen Einordnung dieser Regelungen als Mengen- oder Treuerabatte und nahm
         auch umfassend zu den Argumenten von BA Stellung, insbesondere zur Bedeutung der Fixkosten und der Kapazitätsauslastung im
         Luftverkehr. Aufgrund seiner Bewertung der Umstände des Einzelfalls kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Provisionen von
         BA keine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung hatten.
      
      62.   In diesem Zusammenhang ist erneut darauf hinzuweisen, dass es nicht zu den Aufgaben des Gerichtshofes im Rechtsmittelverfahren
         gehört, seine eigene Einschätzung zu den Marktgegebenheiten und zur Wettbewerbssituation an die Stelle der Bewertung des Gerichts
         zu setzen. Unbeachtlich sind deshalb insbesondere die erneuten Ausführungen von BA zur Bedeutung von Fixkosten und der Kapazitätsauslastung
         im Luftverkehr. Denn auf diese Weise hinterfragt BA letztlich die Tatsachen- und Beweiswürdigung des Gerichts im erstinstanzlichen
         Verfahren, was im Rechtsmittelverfahren unzulässig ist(66).
      
      d)      Zwischenergebnis
      63.   Das Gericht hat somit bei der Untersuchung der Provisionsregelungen von BA im Hinblick auf die anzulegenden Kriterien keinen
         Rechtsfehler begangen. Folglich ist der erste Rechtsmittelgrund als unbegründet zurückzuweisen.
      
      C –    Zum zweiten Rechtsmittelgrund: Auswirkungen der Provisionsregelungen auf Wettbewerber
      64.   Der zweite Rechtsmittelgrund von BA steht in engem Zusammenhang mit dem ersten. Er bezieht sich auf die Randnummern 293 bis
         298 des angefochtenen Urteils und betrifft erneut die Feststellungen des Gerichts zu den Auswirkungen der Provisionsregelungen
         von BA. Dort geht das Gericht davon aus, dass kein Nachweis einer konkreten Wirkung der Provisionsregelungen auf den betroffenen
         Märkten erforderlich war(67); jedenfalls seien aber die Provisionsregelungen im vorliegenden Fall offenbar geeignet gewesen, eine beschränkende Wirkung
         auf den britischen Märkten der Luftverkehrsvermittlerdienste und des Luftverkehrs zu haben, und die Kommission habe eine solche
         Wirkung auch konkret nachgewiesen(68).
      
      1.      Wesentliche Argumente der Parteien
      65.   BA meint, das Gericht habe verkannt, dass Artikel 82 EG überhaupt eine Untersuchung der Auswirkungen von Provisionsregelungen
         auf den Markt erfordere. Jedenfalls habe das Gericht insoweit unvollständig und widersprüchlich argumentiert. So lasse es
         das Gericht zum einen als Nachweis der wettbewerbsbeschränkenden Wirkung der Provisionsregelungen genügen, dass das Verhalten
         des marktbeherrschenden Unternehmens „aufgrund seiner Art oder Eignung eine solche Wirkung haben kann“(69). Zum anderen schließe es aus der bloßen Tatsache, dass 85 % der im fraglichen Zeitraum im Vereinigten Königreich verkauften
         Flugscheine über Reisevermittler abgesetzt wurden, dass die Provisionsregelungen von BA ihre Verdrängungswirkung „gar nicht
         verfehlen [konnten]“(70). Darüber hinaus halte es den tatsächlichen Eintritt des wettbewerbswidrigen Erfolgs der Provisionsregelungen für unbeachtlich.
         Und schließlich habe es Gegenbeweise missachtet, aus denen sich ergebe, dass die Provisionsregelungen von BA keine substanzielle
         Verdrängungswirkung für ihre Wettbewerber gehabt hätten: Der Marktanteil von BA sei im fraglichen Zeitraum gesunken, während
         gleichzeitig die Marktanteile ihrer Konkurrenten gestiegen seien.
      
      66.   Virgin hält diesen Rechtsmittelgrund für unzulässig, die Kommission für unbegründet.
      2.      Würdigung
      67.   Der Hauptteil des zweiten Rechtsmittelgrundes von BA beschäftigt sich mit der Frage, ob die Annahme eines Missbrauchs gemäß
         Artikel 82 EG voraussetzt, dass auch tatsächliche und substanzielle Auswirkungen des Verhaltens des marktbeherrschenden Unternehmens
         auf dessen Wettbewerber nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine Rechtsfrage, die im Rahmen eines Rechtsmittels
         zulässigerweise aufgeworfen werden kann.
      
      68.   Ausgangspunkt der Überlegungen hierzu sollte der Schutzzweck von Artikel 82 EG sein. Die Vorschrift ist Teil eines Systems,
         das den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarkts vor Verfälschungen schützen soll (Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe g EG). Dementsprechend
         ist Artikel 82 EG, wie auch die übrigen Wettbewerbsregeln des Vertrages, nicht nur und nicht in erster Linie dazu bestimmt,
         die unmittelbaren Interessen einzelner Wettbewerber oder Verbraucher zu schützen, sondern die Struktur des Marktes und damit den Wettbewerb als solchen (als Institution), der ohnehin bereits durch die Anwesenheit des beherrschenden Unternehmens auf dem Markt geschwächt ist(71). Mittelbar wird auf diese Weise auch der Verbraucher geschützt(72). Denn wo der Wettbewerb als solcher Schaden nimmt, sind letztlich auch für den Verbraucher Nachteile zu befürchten.
      
      69.   Das Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens ist also nicht erst dann als missbräuchlich im Sinne von Artikel 82 EG
         anzusehen, wenn es konkrete Auswirkungen auf einzelne Marktteilnehmer hatte, seien es nun Wettbewerber oder Verbraucher. Missbräuchlich
         ist vielmehr bereits ein Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens, das dem Ziel zuwiderläuft, den Wettbewerb innerhalb des Binnenmarkts vor Verfälschungen zu schützen (Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe g EG)(73). Denn ein marktbeherrschendes Unternehmen trägt, wie bereits erwähnt, eine besondere Verantwortung dafür, dass schon durch
         sein Verhalten ein wirksamer und unverfälschter Wettbewerb auf dem Gemeinsamen Markt nicht beeinträchtigt wird(74).
      
      70.   Zutreffend führt deshalb auch BA selbst aus(75), dass es nicht erforderlich ist, in jedem Fall die tatsächlichen wettbewerbswidrigen Auswirkungen eines Rabatt- oder Prämiensystems auf Wettbewerber nachzuweisen. Schon der Aufwand, den
         Wettbewerbsbehörden, Gerichte und gegebenenfalls private Kläger leisten müssten, um einen solchen Nachweis auch nur ansatzweise
         führen zu können, wäre in vielen Fällen völlig unverhältnismäßig.
      
      71.   Nachzuweisen ist vielmehr nur die Eignung des jeweiligen Verhaltens, die Aufrechterhaltung des auf dem Markt noch bestehenden Wettbewerbs oder dessen Entwicklung durch
         andere Mittel als die des Leistungswettbewerbs zu behindern und so das Ziel eines wirksamen und unverfälschten Wettbewerbs
         auf dem Gemeinsamen Markt zu beeinträchtigen. Im Hinblick auf Rabatte oder Prämien eines marktbeherrschenden Unternehmens
         ist folglich der Nachweis erforderlich, dass sie geeignet sind(76), den Wettbewerbern des marktbeherrschenden Unternehmens den Zugang zum Markt und seinen Vertragspartnern die Wahl zwischen
         mehreren Bezugsquellen oder Handelspartnern zu erschweren oder gar unmöglich zu machen(77).
      
      72.   Freilich sind dabei, wie bereits zum ersten Rechtsmittelgrund ausgeführt(78), stets sämtliche Umstände des Einzelfalls zu würdigen. Aus diesen Umständen, insbesondere aus den Kriterien und Modalitäten für die Gewährung der Rabatte bzw. Prämien,
         sowie aus bestimmten Marktgegebenheiten kann sich nämlich ergeben, dass das Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens
         schon gar nicht geeignet war, den Wettbewerb auf dem betroffenen Markt zu behindern.
      
      73.   Es kommt, mit anderen Worten, darauf an, ob die Rabatte oder Prämien des marktbeherrschenden Unternehmens nicht nur abstrakt, sondern auch konkret geeignet waren, den Wettbewerbern des marktbeherrschenden Unternehmens den Zugang zum Markt und seinen Vertragspartnern die Wahl zwischen
         mehreren Bezugsquellen oder Handelspartnern zu erschweren oder gar unmöglich zu machen.
      
      74.   Ob hingegen der wettbewerbswidrige Erfolg missbräuchlicher Preispraktiken des marktbeherrschenden Unternehmens in Form einer
         Behinderung oder gar einer kompletten Ausschaltung seiner Wettbewerber eingetreten ist, mag allenfalls bei der Berechnung
         der Höhe einer zu verhängenden Geldbuße eine Rolle spielen(79). Rechtsfehler bei der Berechnung der Geldbuße wirft BA dem Gericht jedoch im vorliegenden Rechtsmittelverfahren nicht vor.
      
      75.   Das Gericht hat sich im vorliegenden Fall zutreffend an den oben in den Nummern 67 bis 73 dargestellten Grundsätzen orientiert
         und zu Recht den Nachweis genügen lassen, dass das missbräuchliche Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens „seiner
         Tendenz nach den Wettbewerb beschränkt, oder anders ausgedrückt, dass es aufgrund seiner Art oder Eignung eine solche Wirkung
         haben kann“(80).
      
      76.   Die Kritik, die BA insoweit an der erläuternden Bezugnahme des Gerichts auf „Art oder Eignung“ des Verhaltens übt, ist nicht
         stichhaltig. Sie ist zu stark am Wortlaut einer einzigen Urteilspassage verhaftet und beruht zudem auf einer rein semantischen
         Spitzfindigkeit, nämlich dem Unterschied zwischen „Art“ und „Eignung“ bzw. – in der maßgeblichen englischen Sprachfassung
         des angefochtenen Urteils – zwischen den Ausdrücken „capable of having“ und „likely to have“. Der eigentliche Maßstab, den
         das Gericht im vorliegenden Fall anlegt, kommt nämlich in der Formulierung „tends to restrict competition“ zum Ausdruck, auf die sich bereits der Gerichtshof insbesondere im Urteil Michelin I gestützt hat(81).
      
      77.   Richtet man den Blick außerdem auf einige andere Passagen des angefochtenen Urteils, so wird klar, dass das Gericht im vorliegenden
         Fall nicht bei einer rein abstrakten Prüfung der Provisionsregelungen von BA stehen blieb, sondern ihre Eignung, den Wettbewerb
         zu behindern, auch ganz konkret anhand der Umstände des vorliegenden Falles gewürdigt hat. Insbesondere hat das Gericht auf
         die konkreten Marktgegebenheiten Bezug genommen, etwa auf die Entwicklung der Marktanteile von BA und ihren Wettbewerbern
         und auf die Tatsache, dass zur maßgeblichen Zeit 85 % aller im Vereinigten Königreich verkauften Flugscheine über Reisevermittler
         abgesetzt wurden(82).
      
      78.   Alles in allem hat deshalb das Gericht die rechtlichen Anforderungen im Hinblick auf den Nachweis der Eignung des Verhaltens
         des marktbeherrschenden Unternehmens zur Wettbewerbsbeeinträchtigung nicht verkannt. Der erste Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes
         ist also zulässig, aber unbegründet.
      
      79.   Mit ihrem übrigen Vorbringen zum zweiten Rechtsmittelgrund macht BA im Wesentlichen geltend, das Gericht habe Gegenbeweise
         wie den Rückgang des Marktanteils von BA nicht hinreichend gewichtet, aus denen sich das Fehlen von Auswirkungen ihrer Provisionen
         auf die Wettbewerber ergebe. Auch habe das Gericht seine Argumentation zu Unrecht auf den Umstand gestützt, dass zur maßgeblichen
         Zeit 85 % aller im Vereinigten Königreich verkauften Flugscheine über Reisevermittler abgesetzt wurden.
      
      80.   Hierzu genügt der Hinweis, dass es nicht Aufgabe des Gerichtshofes im Rechtsmittelverfahren ist, seine eigene Einschätzung
         zu den Marktgegebenheiten und zur Wettbewerbssituation an die Stelle der Bewertung des Gerichts zu setzen. Denn die Würdigung
         der Tatsachen und Beweise ist – vorbehaltlich ihrer Verfälschung, die hier nicht geltend gemacht wurde – allein Aufgabe des
         Gerichts und kann nicht im Wege des Rechtsmittels hinterfragt werden(83). Hat das Gericht die Tatsachen festgestellt oder gewürdigt, ist der Gerichtshof gemäß Artikel 225 EG nur zu einer Kontrolle
         der rechtlichen Qualifizierung dieser Tatsachen und der rechtlichen Folgen befugt, die das Gericht daraus abgeleitet hat(84).
      
      81.   Die Frage, ob die von BA verwendeten Provisionsregelungen angesichts der Beteiligung von Reisevermittlern am Absatz von 85 %
         aller Flugscheine geeignet waren, eine Verdrängungswirkung zu erzeugen, gehört ebenso zur Würdigung der konkreten Marktgegebenheiten
         wie die Schlussfolgerungen, die das Gericht aus dem Rückgang des Marktanteils von BA im maßgeblichen Zeitraum gezogen hat.
         Bei den insoweit vom Gericht angestellten Erwägungen handelt es sich nicht um die rechtliche Qualifizierung des Verhaltens
         von BA als missbräuchlich, sondern um Vorfragen tatsächlicher Art für diese Qualifizierung.
      
      82.   Dieser Teil des Vorbringens von BA zum zweiten Rechtsmittelgrund ist folglich bereits unzulässig.
      83.   Etwas anderes müsste allenfalls dann gelten, wenn das Gericht mit seinen Ausführungen zum Rückgang des Marktanteils von BA
         offenkundig gegen Denkgesetze verstoßen hätte. Denn die Rüge eines Verstoßes gegen Denkgesetze muss, ähnlich wie die einer
         Verfälschung der Tatsachen oder Beweismittel, im Rechtsmittelverfahren zulässig sein. Selbst wenn man aber das Vorbringen
         der BA in diesem Sinne deuten wollte, wäre es jedenfalls unbegründet. Wie das Gericht zutreffend ausführt(85), ist es zumindest nicht ausgeschlossen, dass ohne die Provisionsregelungen von BA die Marktanteile ihrer Wettbewerber noch
         stärker gestiegen wären. Der festgestellte Rückgang des Marktanteils von BA musste also nicht zwangsläufig als ein Indiz für
         die Wirkungslosigkeit ihrer Provisionsregelungen gewertet werden.
      
      84.   Damit ist der zweite Rechtsmittelgrund insgesamt zurückzuweisen.
      D –    Zum dritten Rechtsmittelgrund: Schaden für die Verbraucher im Sinne von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe b EG
      85.   Auch der dritte Rechtsmittelgrund von BA steht in engem Zusammenhang mit dem ersten. Mit ihm wirft BA dem Gericht einen Rechtsfehler
         vor, weil es nicht geprüft habe, ob das Verhalten von BA zu einem Schaden für die Verbraucher im Sinne von Artikel 82 Absatz
         2 Buchstabe b EG geführt habe.
      
      86.   Wie bereits erwähnt(86), ist Artikel 82 EG nicht nur und nicht in erster Linie dazu bestimmt, die unmittelbaren Interessen einzelner Wettbewerber
         oder Verbraucher zu schützen, sondern die Struktur des Marktes und damit den Wettbewerb als solchen (als Institution), der
         ohnehin bereits durch die Anwesenheit des beherrschenden Unternehmens auf dem Markt geschwächt ist. Dementsprechend findet
         Artikel 82 EG nicht nur auf Verhaltensweisen Anwendung, durch die den Verbrauchern unmittelbar Schaden erwachsen kann, sondern auch auf solche, die sie mittelbar dadurch benachteiligen, dass sie einen Zustand wirksamen Wettbewerbs im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe g EG beeinträchtigen(87).
      
      87.   Es genügt also bereits nachzuweisen, dass das Rabatt- oder Prämiensystem eines marktbeherrschenden Unternehmens geeignet ist,
         seinen Wettbewerbern den Zugang zum Markt und seinen Vertragspartnern die Wahl zwischen mehreren Bezugsquellen oder Handelspartnern
         zu erschweren oder gar unmöglich zu machen, es sei denn, dass es dafür eine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung gibt.
         Im Fall einer derartigen Behinderung des verbleibenden Wettbewerbs kann vermutet werden, dass mittelbar auch die Verbraucher
         benachteiligt werden.
      
      88.   Dem steht nicht entgegen, dass in Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe b EG ausdrücklich von einer Einschränkung der Erzeugung, des
         Absatzes oder der technischen Entwicklung zum Schaden der Verbraucher die Rede ist. Denn bei dieser Bestimmung handelt es sich lediglich um ein Regelbeispiel für den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung(88), auf das sich weder die Kommission noch das Gericht im vorliegenden Fall gestützt haben. Rabatte und Prämien marktbeherrschender
         Unternehmen können selbst dann gegen Artikel 82 EG verstoßen, wenn sie keines der dort in Absatz 2 genannten Regelbeispiele
         erfüllen(89).
      
      89.   Selbst wenn man aber Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe b EG in einem Fall wie dem vorliegenden zur Anwendung brächte, so würde
         zur Annahme eines Schadens für die Verbraucher der Nachweis genügen, dass die Rabatte oder Prämien des marktbeherrschenden
         Unternehmens es seinen Wettbewerbern ohne objektive wirtschaftliche Rechtfertigung erschweren oder unmöglich machen, ihm Konkurrenz
         zu machen(90). Auch hier gilt also, dass ein mittelbarer Schaden für die Verbraucher vermutet werden kann, wenn sich erweist, dass das
         Verhalten eines marktbeherrschenden Unternehmens geeignet ist, den Wettbewerb in seiner Struktur zu beeinträchtigen, es sei
         denn, dass es dafür eine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung gibt.
      
      90.   Genau diese Argumentation hat sich auch das Gericht im angefochtenen Urteil zu Eigen gemacht(91).
      
      91.   Vor diesem Hintergrund ist ein Rechtsfehler des Gerichts nicht erkennbar. Auch der dritte Rechtsmittelgrund ist deshalb als
         unbegründet zurückzuweisen.
      
      E –    Zum vierten Rechtsmittelgrund: Länge des Referenzzeitraums und fehlende Quantifizierung der Auswirkungen der Provisionsregelungen
            auf Wettbewerber
      92.   Der vierte Rechtsmittelgrund von BA besteht aus zwei Teilen, von denen sich der erste mit den Unterschieden zwischen den Marketingvereinbarungen
         und der neuen Ergebniszuschlagsregelung befasst, während sich der zweite erneut den Anforderungen an den Nachweis der Verdrängungswirkung
         dieser Provisionsregelungen zuwendet.
      
      93.   Mit dem ersten Teil ihres vierten Rechtsmittelgrundes kritisiert BA, das Gericht habe den Marketing-Vereinbarungen und der
         Ergebniszuschlagsregelung zu Unrecht die gleichen Wirkungen zugeschrieben. Für beide hätten nämlich jeweils unterschiedliche
         Bedingungen gegolten, und zumindest eine von beiden, die Ergebniszuschlagsregelung, habe vor allem wegen ihrer kurzen Referenzzeiträume
         von jeweils einem Monat keinesfalls eine Verdrängungswirkung haben können.
      
      94.   Zutreffend ist, dass die Länge des Referenzzeitraums, auf den sich die vom marktbeherrschenden Unternehmen gewährten Rabatte
         oder Prämien beziehen, Einfluss auf deren mögliche Verdrängungswirkung haben kann(92). Denn je länger der Referenzzeitraum bemessen ist, desto größer kann für den Vertragspartner die Unsicherheit werden, ob
         er am Ende dieses Zeitraums genügend Umsatz erzielt haben wird, um in den Genuss eines Rabatts oder einer Prämie zu kommen(93). Bis zu jenem Zeitpunkt hat er auch keine Gewissheit, welchen Nettostückpreis er im Referenzzeitraum für die jeweiligen Produkte
         bezahlen muss und wie groß folglich seine eigene Gewinnmarge ist.
      
      95.   Entscheidend für die Eignung von Rabatt- oder Prämiensystemen, eine Verdrängungswirkung auf dem Markt zu entfalten, ist jedoch
         – wie bereits erwähnt – eine Gesamtbetrachtung aller Umstände des Einzelfalls(94). Wie die Kommission zutreffend unterstreicht, kommt es nicht nur auf die absolute Länge des jeweiligen Referenzzeitraums
         an, in dem Umsätze erzielt werden müssen, sondern auch darauf, wie weit der jeweilige Vergleichszeitraum zurückliegt. Es ist
         nicht ausgeschlossen, dass auch ein System, in dem Monat für Monat stets auf ein Jahr zurückliegende Zeiträume Bezug genommen
         wird, aufgrund seines stetigen Anreizes zur Umsatzsteigerung im Ergebnis zu einer langfristigen Bindung der jeweiligen Vertragspartner an das marktbeherrschende Unternehmen führt und ihnen den Wechsel zur Konkurrenz erschwert.
      
      96.   Im vorliegenden Fall nahm das Gericht ausdrücklich auch hinsichtlich der neuen Ergebniszuschlagsregelung eine „Treue fördernde
         Wirkung“ an(95), obwohl es hinsichtlich der Referenzzeiträume – wie zuvor die Kommission – die Unterschiede zu den Marketingvereinbarungen
         durchaus herausgearbeitet hatte(96). Entscheidend war jedoch nach den Feststellungen des Gerichts weniger die Dauer der jeweiligen Referenzzeiträume, sondern
         dass beide Regelungen aufgrund ihrer „sehr spürbaren Wirkung im Randbereich“ von einem Referenzzeitraum zum nächsten sprunghafte Veränderungen
         in den Provisionssätzen auslösen konnten(97) und dass Wettbewerber von BA aufgrund ihres wesentlich geringeren Marktanteils nicht in der Lage waren, die absolute Wirkung dieser Provisionen durch Gegenangebote aufzuwiegen(98). Diesen Gemeinsamkeiten der beiden Provisionsregelungen von BA hat das Gericht im vorliegenden Fall die entscheidende Bedeutung
         beigemessen.
      
      97.   Die so vorgenommene Bewertung der Umstände des Einzelfalls gehört zur Tatsachen- und Beweiswürdigung und ist allein Aufgabe
         des Gerichts. Wie bereits ausgeführt, gehört es nicht zu den Aufgaben des Gerichtshofes im Rechtsmittelverfahren, seine eigene
         Einschätzung zu den Marktgegebenheiten und zur Wettbewerbssituation an die Stelle der Bewertung des Gerichts zu setzen(99). Dementsprechend kann der Gerichtshof auch nicht seine eigene Bewertung der Dauer der Referenzzeiträume in diesem konkreten
         Fall und ihrer Bedeutung für die Verdrängungswirkung der Provisionsregelungen von BA an die Stelle der Einschätzung des Gerichts
         setzen.
      
      98.   Da somit kein Rechtsfehler festgestellt werden konnte, ist der erste Teil des vierten Rechtsmittelgrundes unbegründet.
      99.   Im zweiten Teil ihres vierten Rechtsmittelgrundes wirft BA dem Gericht vor, es habe seine Aussagen zur Verdrängungswirkung
         ihrer Provisionsregelungen nicht quantifiziert und somit nicht alle Umstände des Einzelfalls geprüft. Es habe sich lediglich
         auf allgemeine Behauptungen wie die von der „sehr spürbaren Wirkung im Randbereich“ und von der Möglichkeit eines „sprunghaften
         Anstiegs“ der Provisionssätze von einem Referenzzeitraum zum nächsten beschränkt(100).
      
      100. Anders als die Kommission meint, ist dieses Argument nicht schon nach Artikel 42 § 2 in Verbindung mit Artikel 118 der Verfahrensordnung
         als verspätet zurückzuweisen, weil BA es in erster Instanz versäumt habe, den betreffenden Teil der Entscheidung der Kommission
         anzufechten, namentlich die dort in der 30. Begründungserwägung angestellten Berechnungen. Denn der jetzige Angriff von BA
         richtet sich nicht gegen die Rechenbeispiele der Kommission als solche, sondern gegen die von BA kritisierten Aussagen des Gerichts zu den Provisionsregelungen von BA. Der zweite Teil des vierten Rechtsmittelgrundes ist also zulässig.
      
      101. Inhaltlich ist das Argument von BA aber nicht stichhaltig. Die von BA gerügten Aussagen des Gerichts sind nämlich im Zusammenhang
         mit den von der Kommission durchgeführten Rechenbeispielen zu sehen, zitiert doch das Gericht in seinem angefochtenen Urteil
         ausdrücklich aus der 30. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und gibt diese wörtlich wieder. So betrachtet,
         sind die von BA kritisierten Aussagen des Gerichts hinreichend quantifiziert. Die Rüge, sie seien zu ungenau, kann also keinen
         Erfolg haben.
      
      102. Damit ist der vierte Rechtsmittelgrund in seinen beiden Teilen als unbegründet zurückzuweisen.
      F –    Zum fünften Rechtsmittelgrund: Diskriminierende Wirkung der Provisionsregelungen (Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG)
      103. Der fünfte Rechtsmittelgrund von BA bezieht sich auf die Randnummern 233 bis 240 des angefochtenen Urteils, in denen das Gericht
         die Feststellungen der Kommission zum diskriminierenden Charakter der Provisionsregelungen von BA bestätigt. Das Gericht kommt
         dort zu dem Schluss, die Provisionsregelungen von BA hätten diskriminierende Wirkungen unter den Reisevermittlern im Vereinigten
         Königreich erzeugt und damit einige unter ihnen im Sinne von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG im Wettbewerb benachteiligt(101).
      
      1.      Wesentliche Argumente der Parteien
      104. Nach Ansicht von BA verlangt Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG nicht, dass alle Vertragspartner eines marktbeherrschenden
         Unternehmens in den Genuss der gleichen Preise und Bedingungen kommen müssten. Eine solche Auslegung würde einer vernünftigen
         Wettbewerbspolitik zuwiderlaufen. Verboten seien Unterschiede nur dann, wenn die verglichenen Geschäfte gleichwertig seien,
         die auf diese Geschäfte angewandten Bedingungen unterschiedlich seien und eine Handelspartei infolge solcher Unterschiede
         einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der anderen erleide. Vor diesem Hintergrund ist BA der Auffassung, das Gericht habe Artikel
         82 Absatz 2 Buchstabe c EG im vorliegenden Fall falsch angewandt.
      
      105. Zum einen habe das Gericht verkannt, dass die Situation von Reisevermittlern, deren Umsatz mit BA-Flugscheinen sich in einem
         bestimmten Zeitraum erhöht, nicht vergleichbar sei mit derjenigen anderer Reisevermittler, die keinen solchen Umsatzzuwachs
         verzeichnen können. Im Kern argumentiert BA, ein Reisevermittler, der seinen Umsatz mit Flugscheinen einer bestimmten Fluggesellschaft
         steigere, sei für diese Gesellschaft besonders nützlich, und es sei gerechtfertigt, ihn dafür zu belohnen.
      
      106. Zum anderen habe das Gericht, statt den ausdrücklichen Wortlaut des Artikels 82 Absatz 2 Buchstabe c EG anzuwenden, eine Beeinträchtigung
         des Wettbewerbs zwischen den Reisevermittlern kurzerhand als „natürlich“ unterstellt(102). Das angefochtene Urteil lasse eine nähere Untersuchung dieses Wettbewerbsnachteils vermissen.
      
      107. Hingegen sind die Kommission und Virgin übereinstimmend der Ansicht, mit den Provisionsregelungen von BA seien vergleichbare
         Sachverhalte ohne sachlichen Grund unterschiedlich behandelt worden. Darüber hinaus trägt die Kommission vor, eine eingehende
         Analyse des Wettbewerbsnachteils für die betroffenen Reisevermittler sei rechtlich nicht geboten gewesen; Virgin meint, ein
         solcher Nachteil liege ohnehin auf der Hand.
      
      2.      Würdigung
      108. Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG enthält ein Regelbeispiel für den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung, bestehend
         „in der Anwendung unterschiedlicher Bedingungen bei gleichwertigen Leistungen gegenüber Handelspartnern, wodurch diese im
         Wettbewerb benachteiligt werden“.
      
      109. Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass BA gegenüber den im Vereinigten Königreich tätigen Reisevermittlern unterschiedliche
         Provisionssätze angewandt hat, je nachdem, ob diese ihre individuellen Umsatzziele im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erfüllt
         hatten oder nicht.
      
      110. Zu klären bleibt, ob das Gericht zu Recht von einer Vergleichbarkeit der Sachverhalte ausging („gleichwertige Leistungen“)
         und ob es ohne Rechtsfehler auf detaillierte Feststellungen zum Vorliegen eines Wettbewerbsnachteils verzichten konnte.
      
      a)      Gleichwertigkeit der Leistungen der Reisevermittler (erster Teil des fünften Rechtsmittelgrundes)
      111. Das angefochtene Urteil geht von der Prämisse aus, dass zwei Reisevermittler, die im Referenzzeitraum mit BA-Flugscheinen
         „einen gleich hohen Einnahmebetrag“ erzielten, d. h., deren Umsätze mit BA-Flugscheinen in jenem Zeitraum in absoluten Zahlen
         gleich hoch waren, gleichwertige Leistungen („identische Dienste“) erbrachten(103).
      
      112. Die notwendige Bewertung der Umstände des Einzelfalls, aus denen sich die Vergleichbarkeit oder Verschiedenheit der Leistungen
         von Reisevermittlern für eine Fluggesellschaft wie BA ableiten lässt(104), gehört im Grundsatz zur Tatsachen- und Beweiswürdigung und ist damit allein Aufgabe des Gerichts. Wie bereits ausgeführt,
         fällt es nämlich nicht in die Zuständigkeit des Gerichtshofes im Rechtsmittelverfahren, hinsichtlich der Bewertung der Marktgegebenheiten
         und der Wettbewerbssituation die Einschätzung des Gerichts durch seine eigene zu ersetzen(105).
      
      113. Hingegen kann der Gerichtshof zu den vom Gericht angelegten Kriterien Stellung beziehen, denn es ist eine Rechtsfrage, ob das Gericht bei seiner Bewertung der Umstände des Einzelfalls zulässige
         oder unzulässige Kriterien angelegt hat oder ob es möglicherweise Kriterien außer Acht gelassen hat, deren Beachtung rechtlich
         geboten gewesen wäre.
      
      114. Wie alle im Vertrag enthaltenen Diskriminierungsverbote ist auch das besondere Diskriminierungsverbot des Artikels 82 Absatz
         2 Buchstabe c EG Ausdruck des allgemeinen Grundsatzes der Gleichbehandlung und verlangt, dass  vergleichbare Sachverhalte
         nicht unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleich behandelt werden, sofern eine solche Behandlung nicht
         objektiv gerechtfertigt ist(106). Mit anderen Worten können nur legitime geschäftliche Erwägungen eine unterschiedliche Behandlung von Handelspartnern durch das marktbeherrschende Unternehmen rechtfertigen(107). Auf solchen legitimen Erwägungen können beispielsweise Mengenrabatte beruhen(108). Hingegen lassen sich geschäftliche Erwägungen, die nach den Umständen des konkreten Einzelfalls Ausdruck eines wettbewerbswidrigen
         Verhaltens sind, keinesfalls zur Rechtfertigung einer Ungleichbehandlung von Handelspartnern heranziehen.
      
      115. Im vorliegenden Fall wirft BA dem Gericht im Kern vor, es hätte den – aus Sicht der jeweiligen Fluggesellschaft – größeren
         wirtschaftlichen Nutzen der Leistungen solcher Reisevermittler in Rechnung stellen müssen, die jeweils ihr individuelles Umsatzziel
         erfüllten bzw. ihre Umsätze steigerten.
      
      116. Zu Recht hat das Gericht dieses Kriterium nicht berücksichtigt. Denn nach den Feststellungen des Gerichts waren unter den
         Umständen des vorliegenden Falles die individuellen Umsatzziele sowie der Anreiz, sie zu steigern, Teil eines wettbewerbswidrigen
         Geschäftsgebarens von BA. Folglich konnte BA an die Erfüllung oder Nichterfüllung eben dieser individuellen Umsatzziele nicht
         in legitimer Weise geschäftliche Erwägungen knüpfen. Die Erfüllung oder Nichterfüllung der Umsatzziele, wie sie den Provisionsregelungen
         von BA zugrunde lagen, konnte keinen sachlichen Differenzierungsgrund zwischen den Leistungen der im Vereinigten Königreich
         tätigen Reisevermittler darstellen.
      
      117. Andernfalls hätte sich das Gericht auch in Widerspruch zu seiner eigenen Feststellung gesetzt, die von BA gewährten Provisionen
         entfalteten aufgrund ihrer „Treue fördernden Wirkung“ eine wettbewerbswidrige Ausschlusswirkung und seien auch nicht objektiv
         wirtschaftlich zu rechtfertigen(109). Ein und derselbe Umstand kann nicht einerseits als wettbewerbswidrig gebrandmarkt und zugleich andererseits als sachlicher
         Differenzierungsgrund anerkannt werden. Wenn es missbräuchlich ist, Vertragspartner mittels bestimmter individueller Umsatzziele
         an sich zu binden, so kann es nicht legitim sein, die Leistungen derselben Vertragspartner nach eben diesem wettbewerbswidrigen
         Kriterium zu differenzieren, also danach, ob sie die ihnen gesetzten individuellen Umsatzziele erfüllt haben oder nicht(110).
      
      118. Dass die Erfüllung der individuellen Umsatzziele durch die Reisevermittler aus Sicht von BA erstrebenswert war und eine Belohnung verdient haben mag, spielt insoweit keine Rolle. Denn die missbräuchliche Ausnutzung
         einer marktbeherrschenden Stellung ist ein objektiver Begriff(111). Dementsprechend muss auch die Frage der Diskriminierung von Handelspartnern nach objektiven und nicht nach subjektiven Kriterien
         beurteilt werden.
      
      119. Somit hat das Gericht keinen Rechtsfehler begangen, als es die Leistungen von Reisevermittlern als gleichwertig anerkannte,
         deren Umsätze mit BA-Flugscheinen in einem bestimmten Zeitraum in absoluten Zahlen gleich hoch waren.
      
      b)      Anforderungen an die Feststellung eines Wettbewerbsnachteils (zweiter Teil des fünften Rechtsmittelgrundes)
      120. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die bloße Feststellung des Gerichts ausreichte, die Reisevermittler seien in ihrer
         Fähigkeit, miteinander in Wettbewerb zu treten, „natürlich durch die diskriminierenden Vergütungsbedingungen beeinträchtigt“,
         oder ob der konkrete Nachweis eines Wettbewerbsnachteils erforderlich gewesen wäre.
      
      121. Letztlich stellt sich damit die Frage, ob Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG einen zweistufigen Test vorsieht, ob also die
         Formulierung „wodurch diese im Wettbewerb benachteiligt werden“ einen eigenständigen Gehalt oder lediglich den Charakter eines
         erläuternden Zusatzes mit deklaratorischer Wirkung hat.
      
      122. Die bisherige Rechtsprechung zu dieser Vorschrift ist unergiebig(112).
      
      123. Ausgangspunkt der Überlegungen hierzu sollten Sinn und Zweck von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG sein. Das in dieser Vorschrift
         normierte besondere Diskriminierungsverbot ist Teil des Systems, mit dem gemäß Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe g EG der Wettbewerb
         innerhalb des Binnenmarkts vor Verfälschungen geschützt werden soll. Durch das Geschäftsgebaren des marktbeherrschenden Unternehmens
         soll der Wettbewerb auf einem vor- oder nachgelagerten Markt, also der Wettbewerb zwischen Zulieferern oder zwischen Abnehmern
         jenes Unternehmens, nicht verzerrt werden. Im Wettbewerb untereinander sollen die Vertragspartner des marktbeherrschenden
         Unternehmens nicht bevorzugt oder benachteiligt werden.
      
      124. Dementsprechend ist der zweite Halbsatz von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG mehr als nur ein erläuternder Zusatz mit deklaratorischer
         Wirkung. Die Anwendung dieser Vorschrift erfordert zum einen festzustellen, dass eine Wettbewerbsbeziehung zwischen den betroffenen Handelspartnern des marktbeherrschenden Unternehmens besteht(113), und zum anderen darzulegen, dass das Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens konkretgeeignet ist, diese Wettbewerbsbeziehung zu verfälschen, d. h. die Wettbewerbsposition eines Teils der Handelspartner des marktbeherrschenden Unternehmens gegenüber den anderen
         zu beeinträchtigen.
      
      125. Hingegen kann der Nachweis des tatsächlichen Eintritts eines bezifferbaren Schadens oder einer tatsächlichen, quantifizierbaren
         Verschlechterung der Wettbewerbsstellung einzelner Handelspartner des marktbeherrschenden Unternehmens nicht verlangt werden. Denn wie bereits ausgeführt, dient Artikel 82 EG in erster Linie dem Schutz des Wettbewerbs als Institution(114). Deswegen kann auch im Rahmen seines Absatzes 2 Buchstabe c die Diskriminierung von untereinander im Wettbewerb stehenden
         Handelspartnern bereits dann als missbräuchlich angesehen werden, wenn das Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens
         nach den Umständen des Einzelfalls konkretgeeignet ist, eine Wettbewerbsverzerrung zwischen jenen Handelspartnern herbeizuführen.
      
      126. Legt man diese Kriterien an, so erweist sich die Argumentation des Gerichts im angefochtenen Urteil als außerordentlich knapp.
      127. Immerhin stellt das Gericht jedoch fest, dass die im Vereinigten Königreich tätigen Reisevermittler sich einen intensiven
         Wettbewerb liefern(115). Es stellt weiter fest, dass die Fähigkeit der Reisevermittler, miteinander in Wettbewerb zu treten, von zweierlei abhängt:
         erstens von ihrer Fähigkeit, „den Wünschen der Reisenden entsprechende Plätze auf den Flügen zu liefern, und zwar zu einem
         angemessenen Preis“, und zweitens von ihren jeweiligen finanziellen Mitteln(116).
      
      128. Dass die Provisionsregelungen von BA zu sprunghaften und spürbaren Veränderungen in den Einnahmen der einzelnen Reisevermittler
         führen konnten, legt das Gericht bereits zu Beginn seines Urteils und sodann auch im Zusammenhang mit der „Treue fördernden
         Wirkung“ dar(117).
      
      129. Vor dem Hintergrund dieser Sachlage konnte das Gericht im Rahmen der Prüfung von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG ohne ausführlichere
         Zwischenschritte unmittelbar zu seiner Schlussfolgerung übergehen, die Wettbewerbsmöglichkeiten der Reisevermittler untereinander
         seien durch die diskriminierenden Vergütungsbedingungen von BA beeinträchtigt worden(118) (besser wäre allerdings eine Bezugnahme auf die konkrete Eignung gewesen, diesen Wettbewerb zu beeinträchtigen). Ob es angebracht war, in diesem Zusammenhang den Ausdruck „natürlich“ zu
         verwenden, mag hier dahinstehen.
      
      130. Da der Gerichtshof selbst bisher nur sehr summarisch geprüft hat, ob und wie sich diskriminierende Handelsbedingungen auf
         die Wettbewerbssituation von Handelspartnern marktbeherrschender Unternehmen auswirkten(119), bin ich im Ergebnis der Auffassung, dass auch dem Gericht diesbezüglich im vorliegenden Fall kein Rechtsfehler vorgeworfen
         werden kann und dass es unter den gegebenen Umständen eine diskriminierende Wirkung der Provisionsregelungen von BA im Sinne
         von Artikel 82 Absatz 2 Buchstabe c EG annehmen durfte.
      
      131. Damit ist der fünfte Rechtsmittelgrund insgesamt als unbegründet zurückzuweisen.
      132. Nur der Vollständigkeit halber sei bemerkt, dass die Feststellung einer diskriminierenden Wirkung der von einem marktbeherrschenden
         Unternehmen gewährten Rabatte oder Prämien nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes keine zwingende Voraussetzung für die
         Annahme des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung ist. So hat der Gerichtshof im Urteil Michelin I den missbräuchlichen
         Charakter der dort in Frage stehenden Rabatte anerkannt, obwohl er ihre diskriminierende Wirkung nicht als erwiesen ansah(120).
      
      G –    Zwischenergebnis
      133. Nachdem keiner der von BA vorgebrachten Rechtsmittelgründe Aussicht auf Erfolg hat, bin ich der Auffassung, dass ihr Rechtsmittel
         insgesamt zurückzuweisen ist.
      
      V –    Kosten
      134. Nach Artikel 69 § 2 in Verbindung mit den Artikeln 118 und 122 Absatz 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei
         auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die Kommission einen entsprechenden Antrag gestellt hat und BA mit ihrem
         Vorbringen unterlegen ist, sind BA die Kosten aufzuerlegen.
      
      135. Gemäß Artikel 69 § 4 Absatz 3 in Verbindung mit den Artikeln 118 und 122 Absatz 1 der Verfahrensordnung könnte der Gerichtshof
         Virgin als Streithelferin zur Tragung ihrer eigenen Kosten verurteilen. Da jedoch Virgin im vorliegenden Fall zugunsten der
         obsiegenden Partei interveniert hat, erscheint es gerechtfertigt, BA gemäß dem Antrag von Virgin auch zur Tragung von deren
         Kosten zu verurteilen.
      
      VI – Ergebnis
      136. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen schlage ich dem Gerichtshof vor, wie folgt zu entscheiden:
      1)      Das Rechtsmittel wird zurückgewiesen.
      2)      Die British Airways plc trägt die Kosten des Verfahrens.
      1 –	Originalsprache: Deutsch.
      
      2 –	Entscheidung 2000/74/EG der Kommission vom 14. Juli 1999 in einem Verfahren nach Artikel 82 EG-Vertrag (IV/D-2/34.780 –
         Virgin/British Airways), bekannt gegeben unter Aktenzeichen K(1999)1973 (ABl. 2000, L 30, S. 1).
      
      3 –	British Airways/Kommission, Slg. 2003, II-5917.
      
      4 –	Es handelt sich um eine erste Beschwerde vom 9. Juli 1993 und um eine ergänzende Beschwerde vom 9. Januar 1998 (vgl. Randnrn.
         12 und 19 des angefochtenen Urteils).
      
      5 –	90. und 91. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung sowie Randnr. 22 des angefochtenen Urteils.
      
      6 –	31. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 21 des angefochtenen Urteils.
      
      7 –	Randnr. 4 des angefochtenen Urteils.
      
      8 –	Randnr. 14 des angefochtenen Urteils und Randnr. 7 der Rechtsmittelschrift.
      
      9 –	Randnr. 5 des angefochtenen Urteils.
      
      10 –	Randnrn. 6 bis 11 des angefochtenen Urteils.
      
      11 –	Randnrn. 14 bis 18 des angefochtenen Urteils.
      
      12 –	29. und 30. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 23 des angefochtenen Urteils.
      
      13 –	Im Folgenden wird der Begriff „Provisionsregelungen“ als Oberbegriff für die von BA angewandten Marketingvereinbarungen
         und ihre neue Ergebniszuschlagsregelung verwendet.
      
      14 –	96. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 24 des angefochtenen Urteils.
      
      15 –	Die Formulierung „seine Ergebniszuschlagsregelungen“ in Randnr. 25 wie auch an anderen Stellen des angefochtenen Urteils
         (Englisch: „its performance reward systems“, Französisch: „ses systèmes de primes de résultat“) ist hingegen ungenau, scheint
         sie sich doch ausschließlich auf die neue Ergebniszuschlagsregelung zu beziehen. Aus der 29., 30., 102. und 109. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung wird jedoch deutlich, dass dort auf beide Provisionsregelungen – sowohl auf die Marketingvereinbarungen als auch auf die Ergebniszuschlagsregelung – Bezug genommen wird.
      
      16 –	102. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 25 des angefochtenen Urteils.
      
      17 –	109. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 25 des angefochtenen Urteils.
      
      18 –	103. und 111. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und Randnr. 26 des angefochtenen Urteils.
      
      19 –	So etwa die Urteile vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache 85/76 (Hoffmann-La Roche/Kommission, Slg. 1979, 461, Randnr.
         91), vom 9. November 1983 in der Rechtssache 322/81 (Michelin/Kommission, „Michelin I“, Slg. 1983, 3461, Randnr. 70), vom
         11. Dezember 1980 in der Rechtssache 31/80 (L’Oréal/De Nieuwe AMCK, Slg. 1980, 3775, Randnr. 27) und vom 3. Juli 1991 in der
         Rechtssache C-62/86 (AKZO/Kommission, Slg. 1991, I-3359, Randnr. 69).
      
      20 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 57).
      
      21 –	Urteil vom 16. März 2000 in den verbundenen Rechtssachen C-395/96 P und C-396/96 P (Compagnie Maritime Belge Transports
         u. a./Kommission, Slg. 2000, I-1365, Randnr. 131).
      
      22 –	Urteil vom 14. Februar 1978 in der Rechtssache 27/76 (United Brands/Kommission, Slg. 1976, 207, Randnr. 189).
      
      23 –	In diesem Sinne die in Fußnote 19 zitierten Urteile Hoffmann-La Roche (Randnrn. 91 und 123), Michelin I (Randnr. 70), L’Oréal
         (Randnr. 27) und AKZO (Randnrn. 69 und 70).
      
      24 –	Vgl. nur Urteil AKZO (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 70).
      
      25 –	Urteile des Gerichtshofes vom 16. Dezember 1975 in den verbundenen Rechtssachen 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73,
         111/73, 113/73 und 114/73 (Suiker Unie u. a./Kommission, Slg. 1975, 1663, Randnrn. 517 ff.), Hoffmann-La Roche/Kommission
         (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 90 ff.), „Michelin I“ (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 62 ff.) und vom 29. März 2001 in der
         Rechtssache C-163/99 (Portugal/Kommission, Slg. 2001, I-2613, Randnrn. 50 ff.). Vgl. ferner die Urteile des Gerichts vom 12.
         Dezember 1991 in der Rechtssache T-30/89 (Hilti/Kommission, Slg. 1991, II-1439, Randnr. 101), vom 1. April 1993 in der Rechtssache
         T-65/89 (BPB Industries und British Gypsum/Kommission, Slg. 1993, II-389, Randnrn. 71 und 120), vom 7. Oktober 1999 in der
         Rechtssache T-228/97 (Irish Sugar/Kommission, Slg. 1999, II-2969, Randnrn. 198, 201 und 213) und vom 30. September 2003 in
         der Rechtssache T-203/01 (Michelin/Kommission, „Michelin II“, Slg. 2003, II-4071, Randnrn. 53 ff.), ferner das hier angefochtene
         Urteil British Airways/Kommission (zitiert in Fußnote 3).
      
      26 –	Im Verfahren vor dem Gerichtshof hat BA wiederholt darauf hingewiesen, dass die Kommission eine Reform ihrer Praxis im
         Hinblick auf Artikel 82 EG in Aussicht nehme und dazu die Veröffentlichung eines Diskussionspapiers plane.
      
      27 –	Vgl. insbesondere die Randnrn. 273 (letzter Satz), 278 und 292 des angefochtenen Urteils.
      
      28 –	Urteile zitiert in Fußnote 19.
      
      29 –	Unerheblich ist nach dieser Auffassung, ob eine solche Bedingung vertraglich festgelegt oder einseitig vom marktbeherrschenden
         Unternehmen angewandt wird.
      
      30 –	Urteil vom 24. November 1993 in den verbundenen Rechtssachen C-267/91 und C-268/91 (Keck und Mithouard, Slg. 1993, I-6097).
      
      31 –	Urteile vom 21. Februar 1973 in der Rechtssache 6/72 (Europemballage und Continental Can/Kommission, „Continental Can“,
         Slg. 1973, 215, Randnr. 26), vom 14. November 1996 in der Rechtssache C-333/94 P (Tetra Pak/Kommission, Slg. 1996, I-5951,
         Randnr. 37) und Compagnie Maritime Belge Transports (zitiert in Fußnote 21, Randnr. 112).
      
      32 –	So hat sich der Gerichtshof hinsichtlich der Ausschlusswirkung von Treuerabatten etwa in den Urteilen Hoffmann-La Roche
         und Michelin I (zitiert in Fußnote 19) allgemein auf Artikel 86 EWG-Vertrag (jetzt Artikel 82 EG) gestützt und keineswegs
         ausschließlich auf dessen Absatz 2 Buchstabe b. Nur im Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 526) hat er ausdrücklich
         auf Absatz 2 Buchstabe b dieser Vorschrift Bezug genommen.
      
      33 –	Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 82 bis 87). Ähnlich bereits das den Zuckermarkt betreffende Urteil
         Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, insbesondere Randnrn. 499 und 510).
      
      34 –	Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 89). Im selben Sinne das Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote
         25, insbesondere Randnrn. 518 und 527).
      
      35 –	Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90).
      
      36 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 86).
      
      37 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 72).
      
      38 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 66 ff.).
      
      39 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 81).
      
      40 –	In diesem Sinne die Urteile Hoffmann-La Roche (Randnr. 90) und Michelin I (Randnr. 85), zitiert in Fußnote 19.
      
      41 –	Randnrn. 244 und 245 des angefochtenen Urteils.
      
      42 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 73, erster Satz, in Verbindung mit Randnr. 72,  letzter Satz).
      
      43 –	Vgl. dazu die in Fußnote 19 zitierte Rechtsprechung.
      
      44 –	Vgl. dazu Nr. 33, zweiter Gedankenstrich, dieser Schlussanträge.
      
      45 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 73, erster Satz).
      
      46 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 73, erster Satz).
      
      47 –	Urteile Hoffmann-La Roche (Randnr. 90) und Michelin I (Randnrn. 71, 73 – zweiter Satz – und 85), beide zitiert in Fußnote
         19. Ähnlich bereits das Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 526).
      
      48 –	Vgl. Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 70 bis 86).
      
      49 –	Zur Bedeutung der Länge des Referenzzeitraums vgl. die Ausführungen zum ersten Teil des vierten Rechtsmittelgrundes in
         Nrn. 94 bis 98 dieser Schlussanträge.
      
      50 –	Urteile Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 527) und Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90, letzter
         Satz).
      
      51 –	Vgl. insbesondere Randnrn. 10 und 15 bis 17 des angefochtenen Urteils, wiedergegeben in Nrn. 9 und 10 dieser Schlussanträge.
      
      52 –	In diesem Sinne auch das Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 81).
      
      53 –	Vgl. dazu Nr. 11 dieser Schlussanträge, wo die entsprechenden Feststellungen der Kommission, auf die auch das Gericht Bezug
         nimmt, wiedergegeben sind.
      
      54 –	Randnrn. 272 und 273 des angefochtenen Urteils.
      
      55 –	Urteile Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 41) und Compagnie Maritime Belge Transports (zitiert in Fußnote
         21, Randnr. 132).
      
      56 –	In diesem Sinne auch das Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 82).
      
      57 –	Randnrn. 276 und 277 des angefochtenen Urteils.
      
      58 –	Vgl. nur die Urteile vom 15. September 2005 in der Rechtssache C-37/03 P (BioID/HABM, noch nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht, Randnrn. 43 und 53) und vom 7. Januar 2004 in den verbundenen Rechtssachen C-204/00 P, C-205/00 P, C-211/00 P,
         C-213/00 P, C-217/00 P und C-219/00 P (Aalborg Portland u. a./Kommission, „Zement-Urteil“, Slg. 2004, I-123, Randnrn. 47 bis
         49).
      
      59 –	Urteile Hoffmann-La Roche (Randnr. 90) und Michelin I (Randnr. 85), zitiert in Fußnote 19.
      
      60 –	Urteile Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 518), Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 90 und 100)
         und Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 71 und 72). Vgl. auch Randnrn. 244 ff. des angefochtenen Urteils (zitiert
         in Fußnote 3).
      
      61 –	Zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90.
      
      62 –	Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 100).
      
      63 –	Ähnliche Erwägungen zur Berücksichtigung von Effizienzvorteilen finden sich etwa für den Bereich der Fusionskontrolle in
         der 29. Begründungserwägung der Verordnung (EG) Nr. 139/2004 des Rates vom 20. Januar 2004 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen
         (EG-Fusionskontrollverordnung, ABl. L 24, S. 1) und in Randnrn. 76 bis 88 der Leitlinien der Kommission zur Bewertung horizontaler
         Zusammenschlüsse gemäß der Ratsverordnung über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen (ABl. 2004, C 31, S. 5), ferner
         im Hinblick auf Artikel 81 Absatz 3 EG in Randnrn. 135 und 141, letzter Satz, der Mitteilung der Kommission „Leitlinien für
         vertikale Beschränkungen“ (ABl. 2000, C 291, S. 1).
      
      64 –	Im vorliegenden Fall kann offen bleiben, ob auch Mengenrabatte, die sich an objektiven, für sämtliche Abnehmer geltenden
         Mengen orientieren, im Einzelfall aufgrund der Kriterien und Umstände ihrer Gewährung missbräuchlich wirken können. Vgl. dazu
         die Urteile Michelin II (zitiert in Fußnote 25) und Portugal/Kommission (zitiert in Fußnote 25, Randnrn. 50 ff.).
      
      65 –	Vgl. Randnrn. 279 bis 291 des angefochtenen Urteils.
      
      66 –	Vgl. dazu Nr. 55 dieser Schlussanträge und die in Fußnote 58 zitierte Rechtsprechung. Dies gilt selbstverständlich nur
         vorbehaltlich einer etwaigen Verfälschung von Tatsachen oder Beweismitteln, die aber im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wurde.
      
      67 –	Randnr. 293 des angefochtenen Urteils.
      
      68 –	Randnr. 294 des angefochtenen Urteils.
      
      69 –	Randnr. 293 des angefochtenen Urteils.
      
      70 –	Randnr. 295 des angefochtenen Urteils.
      
      71 –	In diesem Sinne das Urteil Continental Can (zitiert in Fußnote 31, Randnr. 26) und die in Fußnote 19 zitierten Urteile
         Hoffmann-La Roche (Randnrn. 91, 123 und 125), Michelin I (Randnr. 70) und L’Oréal (Randnr. 27).
      
      72 –	In diesem Sinne die Urteile Continental Can (zitiert in Fußnote 31, Randnr. 26) und Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote
         19, Randnr. 125).
      
      73 –	Urteil vom 6. März 1974 in den verbundenen Rechtssachen 6/73 und 7/73 (Istituto Chemioterapico Italiano und Commercial
         Solvents/Kommission, Slg. 1974, 223, Randnr. 25).
      
      74 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 57).
      
      75 –	Randnr. 85 der Rechtsmittelschrift.
      
      76 –	In diesem Sinne die Urteile Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 526), Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19,
         Randnr. 90) und Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 73, zweiter Satz, und Randnr. 85, erster Satz). Zum Kriterium der
         Eignung vgl. auch das Urteil vom 26. November 1998 in der Rechtssache C-7/97 (Bronner, Slg. 1998, I-7791, Randnr. 38).
      
      77 –	Wie bereits ausgeführt, liegt allerdings dann kein Missbrauch vor, wenn es für das Verhalten des marktbeherrschenden Unternehmens
         eine objektive wirtschaftliche Rechtfertigung gibt (vgl. oben Nrn. 56 bis 60 dieser Schlussanträge).
      
      78 –	Vgl. oben Nrn. 45 und 46 dieser Schlussanträge.
      
      79 –	In diesem Sinne das Urteil AKZO (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 163), wo der Gerichtshof das Ausbleiben einer nennenswerten
         Beeinflussung der jeweiligen Marktanteile der betroffenen Unternehmen zum Anlass nahm, die von der Kommission verhängte Geldbuße
         herabzusetzen.
      
      80 –	Randnr. 293 des angefochtenen Urteils. In der verbindlichen englischen Sprachfassung lautet dieser Satz: „It is sufficient in that respect to demonstrate that the abusive conduct of the undertaking in a dominant position tends to
            restrict competition, or, in other words, that the conduct is capable of having, or likely to have, such an effect.“ Die französische Sprachfassung liest sich wie folgt: „Il suffit à cet égard de démontrer que le comportement abusif de l'entreprise en position dominante tend à restreindre la
            concurrence ou, en d'autres termes, que le comportement est de nature ou susceptible d'avoir un tel effet.“
      
      81 –	So formulierte das Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 73, zweiter Satz) in der englischen Sprachfassung
         das Kriterium „… whether the discount tends to remove or restrict …“ und in der maßgeblichen Verfahrenssprache Französisch „… si le rabais tend … à enlever … ou à restreindre …“; auf der französischen Formulierung „tend à …“ basierte im Übrigen bereits das Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90); Hervorhebungen von mir.
      
      82 –	Randnrn. 294 bis 298 des angefochtenen Urteils.
      
      83 –	Vgl. dazu Nr. 55 dieser Schlussanträge und die in Fußnote 58 zitierte Rechtsprechung.
      
      84 –	Urteile vom 3. März 2005 in der Rechtssache C-499/03 P (Biegi Nahrungsmittel und Commonfood/Kommission, Slg. 2005, I-1751,
         Randnr. 41) und vom 6. Januar 2004 in den verbundenen Rechtssachen C-2/01 P und C-3/01 P (BAI und Kommission/Bayer, Slg. 2004,
         I-23, Randnr. 47).
      
      85 –	Randnr. 298 des angefochtenen Urteils.
      
      86 –	Vgl. Nr. 68 dieser Schlussanträge.
      
      87 –	Urteile Continental Can (zitiert in Fußnote 31, Randnr. 26) und Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 125).
         Entgegen der Auffassung von BA scheint mir auch Generalanwalt Jacobs in seinen Schlussanträgen vom 28. Mai 1998 in der Rechtssache
         C-7/97 (Bronner, Slg. 1998, I-7791, Nr. 58) nichts anderes zu vertreten. Er weist dort lediglich darauf hin, „dass es der
         Hauptzweck von Artikel [82] ist, Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern – und insbesondere die Interessen der Verbraucher zu
         wahren –“, scheint also ebenfalls die These zu vertreten, dass Artikel 82 EG den Wettbewerb als Institution schützt und so
         mittelbar auch die Interessen der Verbraucher wahrt.
      
      88 –	Vgl. bereits Nr. 35 dieser Schlussanträge und die in Fußnote 31 zitierte Rechtsprechung.
      
      89 –	Vgl. dazu die in Fußnote 32 zitierte Rechtsprechung.
      
      90 –	In diesem Sinne das Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnr. 526), wo der Gerichtshof in Bezug auf ein Rabattsystem
         ausführte, es sei „insofern zur Einschränkung des Absatzes zum Schaden der Verbraucher im Sinne des Artikels [82] Buchstabe b
         geeignet, als es anderen Herstellern, und namentlich in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Herstellern, die Möglichkeit abschnitt
         oder verkürzte, [dem marktbeherrschenden Unternehmen] beim Absatz [seines Produkts] Konkurrenz zu machen“.
      
      91 –	Besonders deutlich wird dies in Randnrn. 296 und 311 des angefochtenen Urteils. (Auch dass die Provisionsregelungen von
         BA überhaupt geeignet waren, eine Verdrängungswirkung zu entfalten und damit den Wettbewerb zu beeinträchtigen, hat das Gericht rechtsfehlerfrei
         festgestellt; vgl. insoweit meine Ausführungen zum ersten und zweiten Rechtsmittelgrund in Nrn. 35 ff. und 67 ff. dieser Schlussanträge.)
      
      92 –	In diesem Sinne auch das Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 81), wo das Gericht den „verhältnismäßig langen
         Referenzzeitraum“ der Zielrabatte (ein Jahr) hervorhebt.
      
      93 –	Diese Unsicherheit kann durch die fehlende Transparenz des Rabatt- oder Prämiensystems noch verstärkt werden (vgl. Urteil
         Michelin I, zitiert in Fußnote 19, Randnr. 83).
      
      94 –	Vgl. insbesondere Nr. 45 dieser Schlussanträge.
      
      95 –	Vgl. dazu Randnrn. 271 ff. des angefochtenen Urteils.
      
      96 –	Vgl. die Sachverhaltsdarstellung in Randnrn. 8 bis 11 des angefochtenen Urteils einerseits und in seiner Randnr. 15 andererseits.
      
      97 –	Randnrn. 272 und 273 des angefochtenen Urteils.
      
      98 –	Randnrn. 276 bis 278 des angefochtenen Urteils.
      
      99 –	Vgl. dazu Nr. 55 dieser Schlussanträge und die in Fußnote 58 zitierte Rechtsprechung. Dies gilt selbstverständlich nur
         vorbehaltlich einer etwaigen Verfälschung von Tatsachen oder Beweismitteln, die aber im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wurde.
      
      100 –	Randnr. 272 des angefochtenen Urteils.
      
      101 –	Randnr. 240 des angefochtenen Urteils.
      
      102 –	Randnr. 238 des angefochtenen Urteils.
      
      103 –	Randnrn. 235 und 236 des angefochtenen Urteils.
      
      104 –	Die Notwendigkeit einer solchen Bewertung der Umstände des Einzelfalls betont nicht zuletzt das Urteil Michelin I (zitiert
         in Fußnote 19, Randnrn. 87 ff.).
      
      105 –	Vgl. dazu Nr. 55 dieser Schlussanträge und die in Fußnote 58 zitierte Rechtsprechung. Dies gilt selbstverständlich nur
         vorbehaltlich einer etwaigen Verfälschung von Tatsachen oder Beweismitteln, die aber im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wurde.
      
      106 –	Ständige Rechtsprechung; vgl. nur die Urteile vom 14. Dezember 2004 in den Rechtssachen C-434/02 (Arnold André, Slg. 2004,
         I-11825, Randnr. 68) und C-210/03 (Swedish Match, Slg. 2004, I-11893, Randnr. 70), vom 14. April 2005 in der Rechtssache C-110/03
         (Belgien/Kommission, Slg. 2005, I-2801, Randnr. 71), vom 12. Juli 2005 in der Rechtssache C-403/03 (Schempp, noch nicht in
         der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 28) und vom 6. Dezember 2005 in den verbundenen Rechtssachen C-453/03, C-11/04,
         C-12/04 und C-194/04 (ABNA u. a., noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 63).
      
      107 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90).
      
      108 –	Eine differenzierte Betrachtung zu Mengenrabatten ist etwa im Urteil Portugal/Kommission (zitiert in Fußnote 25, Randnrn.
         50 ff.) zu finden.
      
      109 –	Vgl. insoweit meine Ausführungen zum ersten Rechtsmittelgrund in Nrn. 44 bis 62 dieser Schlussanträge.
      
      110 –	In diesem Sinne auch das Urteil Hoffmann-La Roche (zitiert in Fußnote 19, Randnr. 90), wo es in Bezug auf Treuerabatte
         heißt: „Außerdem führen Treuerabatte dazu, Handelspartnern für gleichwertige Leistungen ungleiche Bedingungen aufzuerlegen,
         da zwei Abnehmer der gleichen Menge eines Erzeugnisses unterschiedliche Preise zahlen, je nachdem, ob sie ausschließlich bei
         dem Unternehmen in beherrschender Stellung beziehen oder ob sie ihre Bezugsquellen streuen.“
      
      	Das Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 87 ff.) steht nicht im Widerspruch zur hier vertretenen Auffassung.
         Dort sah der Gerichtshof nämlich eine Diskriminierung insbesondere deshalb als nicht erwiesen an, weil sich die von der Kommission
         getroffenen Feststellungen zur Funktionsweise des Rabattsystems von Michelin im Nachhinein als lückenhaft herausstellten und
         deshalb nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Kommission auf diese Weise legitime geschäftliche Erwägungen von Michelin
         übersehen hatte (vgl. Randnrn. 89 und 90 des Urteils).
      
      111 –	Urteile Hoffmann-La Roche (Randnr. 91) und AKZO (Randnr. 69), zitiert in Fußnote 19.
      
      112 –	Im Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 87 ff.) wurde bereits die Diskriminierung verneint, so dass sich
         das Problem der Benachteiligung im Wettbewerb nicht stellte. Das Urteil Portugal/Kommission (zitiert in Fußnote 25, Randnrn.
         50 ff.) und das Urteil vom 24. Oktober 2002 in der Rechtssache C‑82/01 P (Aéroports de Paris/Kommission, Slg. 2002, I-9297,
         Randnrn. 114 ff.) befassen sich lediglich mit der Frage der Diskriminierung; allerdings ist nicht klar, ob die Frage der Benachteiligung
         von Handelspartnern in den jeweiligen Verfahren streitig war. Im Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnrn. 522 bis
         525) wird jedenfalls kurz auf das Konkurrenzverhältnis zwischen den diskriminierten Abnehmern eingegangen. Die Urteile United
         Brands (zitiert in Fußnote 22, Randnrn. 232 bis 234) und vom 10. Dezember 1991 in der Rechtssache C-179/90 (Merci Convenzionali
         Porto di Genova/Siderurgica Gabrielli, Slg. 1991, I-5889, Randnr. 19) legen den Schluss nahe, dass der Gerichtshof jedenfalls
         eine summarische Prüfung der Auswirkungen von Verhaltensweisen marktbeherrschender Unternehmen auf die Wettbewerbsposition ihrer Handelspartner für
         nötig hält.
      
      113 –	Vgl. nur das Urteil Suiker Unie (zitiert in Fußnote 25, Randnrn. 524 und 525).
      
      114 –	Vgl. insoweit meine Ausführungen zum zweiten Rechtsmittelgrund in Nrn.  67 bis 78 dieser Schlussanträge.
      
      115 –	Randnr. 237 des angefochtenen Urteils.
      
      116 –	Randnrn. 237 und 238 des angefochtenen Urteils.
      
      117 –	Vgl. einerseits Randnr. 23 des angefochtenen Urteils, wiedergegeben in Nr. 11 dieser Schlussanträge, und andererseits Randnrn.
         272 und 273 des angefochtenen Urteils.
      
      118 –	Randnr. 238 des angefochtenen Urteils.
      
      119 –	Vgl. dazu insbesondere die Urteile United Brands (zitiert in Fußnote 22, Randnrn. 232 bis 234), Merci Convenzionali Porto
         di Genova (zitiert in Fußnote 112, Randnr. 19) und Portugal/Kommission (zitiert in Fußnote 25, Randnrn. 50 ff.).
      
      120 –	Urteil Michelin I (zitiert in Fußnote 19, Randnrn. 86 und 91).