CELEX: 62002TJ0062
Language: de
Date: 2005-11-29
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Fünfte Kammer) vom 29. November  2005. # Union Pigments AS gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Wettbewerb - Artikel 81 EG - Kartell - Zinkphosphatmarkt - Geldbuße - Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 - Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung - Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung - Nichtigkeitsklage. # Rechtssache T-62/02.

Rechtssache T‑62/02
      Union Pigments AS
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Wettbewerb – Artikel 81 EG – Kartell – Zinkphosphatmarkt – Geldbuße – Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung – Nichtigkeitsklage“
      Urteil des Gerichts (Fünfte Kammer) vom 29. November 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beweislast der Kommission für die Zuwiderhandlung und ihre Dauer
            – Unternehmen, das sich vorübergehend vom Kartell zurückgezogen hat, um aus diesem mehr Vorteile für sich herauszuholen –
            Kein tatsächlicher Rückzug
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      2.     Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Angeblich erzwungene Beteiligung – Umstand, der keinen Rechtfertigungsgrund
            für ein Unternehmen darstellt, das von der Möglichkeit einer Anzeige bei den zuständigen Behörden keinen Gebrauch gemacht
            hat 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 3)
      3.     Wettbewerb – Kartelle – Zurechnung an ein Unternehmen – Verantwortlichkeit für Handlungen anderer Unternehmen im Rahmen der
            gleichen Zuwiderhandlung – Zulässigkeit – Kriterien 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      4.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Abstellung
            der Zuwiderhandlung nach Eingreifen der Kommission – Einzelfallprüfung 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      5.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Berücksichtigung der Auswirkungen
            der gesamten Zuwiderhandlung 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 A)
      6.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Grundsatz der individuellen Festsetzung
            von Sanktionen – Anwendung bei der Berücksichtigung mildernder oder erschwerender Umstände 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15)
      7.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Passive Mitwirkung
            oder Mitläufertum des Unternehmens 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nrn. 2 und 3)
      8.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Von den kartellinternen
            Vereinbarungen abweichendes Verhalten – Beurteilung 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15)
      9.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Messung der tatsächlichen Fähigkeit, auf dem betroffenen Markt eine Schädigung
            herbeizuführen – Erheblichkeit der Marktanteile des betroffenen Unternehmens 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      10.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Einteilung der betroffenen Unternehmen in Gruppen mit einem für die jeweilige
            Gruppe gleichen Ausgangsbetrag – Voraussetzungen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      11.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Keine Notwendigkeit, den Umsatz der betroffenen Unternehmen zu berücksichtigen
            und die Geldbußen proportional zu diesem Umsatz festzusetzen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      12.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Durch Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgelegte Grenze – Anwendungsmodalitäten
            
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      13.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Abschreckung sowohl des Unternehmens, das die Zuwiderhandlung begangen
            hat, als auch Dritter – Festsetzung einer symbolischen Geldbuße wegen des vor Erlass der Sanktionsentscheidung gefassten Entschlusses
            des betroffenen Unternehmens, die Wettbewerbsvorschriften zu beachten – Ausschluss 
      (Artikel 81 EG und 82 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      14.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Keine Verpflichtung zur Berücksichtigung der finanziellen Situation
            des betroffenen Unternehmens – Tatsächliche Steuerkraft des Unternehmens in einem gegebenen sozialen Umfeld – Berücksichtigung
            – Festsetzung der Geldbußen in einer Höhe, die zum Konkurs oder zur Auflösung des betroffenen Unternehmens als Folge der Geldbuße
            führt – Kein grundsätzliches Verbot 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 5 Buchstabe b)
      1.     In einem Verfahren nach Artikel 81 Absatz 1 EG muss die Kommission nicht nur das Vorliegen eines Kartells, sondern auch dessen
         Dauer beweisen. 
      
      Bei einem Unternehmen, das sich vorübergehend von einem Kartell zurückgezogen hat, ist der Schluss zulässig, dass es an dem
         Kartell ohne wirkliche Unterbrechung teilgenommen hat, wenn es sich nicht endgültig vom Kartell zurückgezogen hat, um es der
         Kommission anzuzeigen oder um sich auf dem relevanten Markt zumindest wieder einem lauteren Wettbewerb entsprechend und unabhängig
         zu verhalten, sondern vielmehr versucht hat, seinen angeblichen Rückzug dazu zu nutzen, mehr Vorteile aus dem Kartell für
         sich herauszuholen. 
      
      (vgl. Randnrn. 36, 38, 42)
      2.     Ein Unternehmen, das mit anderen an wettbewerbswidrigen Handlungen beteiligt ist, kann sich nicht darauf berufen, dass es
         von den anderen Teilnehmern zur Teilnahme an der Zuwiderhandlung gezwungen worden sei, da es wegen des auf es ausgeübten Drucks
         bei der zuständigen Behörde hätte Anzeige erstatten oder bei der Kommission einen Antrag nach Artikel 3 der Verordnung Nr.
         17 hätte stellen können, statt an diesen Handlungen teilzunehmen. 
      
      (vgl. Randnr. 63)
      3.     Ein Unternehmen, das sich an einer vielgestaltigen Zuwiderhandlung gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsvorschriften durch
         eigene Handlungen beteiligt hat, die den Begriff der auf ein wettbewerbswidriges Ziel gerichteten Vereinbarung oder abgestimmten
         Verhaltensweise im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG erfüllen und zur Verwirklichung der Zuwiderhandlung in ihrer Gesamtheit
         beitragen sollen, kann während der gesamten Zeit seiner Beteiligung an der genannten Zuwiderhandlung auch für das Verhalten
         verantwortlich sein, das andere Unternehmen im Rahmen dieser Zuwiderhandlung an den Tag legen, wenn das betreffende Unternehmen
         nachweislich von dem rechtswidrigen Verhalten der anderen Beteiligten weiß oder es vernünftigerweise vorhersehen kann und
         bereit ist, die daraus erwachsende Gefahr auf sich zu nehmen. 
      
      (vgl. Randnr. 87)
      4.     Nummer 3 dritter Gedankenstrich der Leitlinien der Kommission für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, sieht eine Verringerung des
         Grundbetrags bei Beendigung der Verstöße nach dem ersten Eingreifen der Kommission (insbesondere Nachprüfungen) vor. Die Kommission
         ist jedoch nicht gehalten, die Beendigung einer Zuwiderhandlung grundsätzlich als mildernden Umstand zu berücksichtigen. Die
         Reaktion eines Unternehmens auf die Einleitung einer Untersuchung seiner Tätigkeiten kann nur unter Berücksichtigung der speziellen
         Umstände des konkreten Falles beurteilt werden. 
      
      (vgl. Randnr. 92)
      5.     In Nummer 1 Abschnitt A der Leitlinien der Kommission für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15
         Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, verpflichtet sich die Kommission
         ausdrücklich, bei der Ermittlung der Schwere eines Verstoßes neben seiner Art und dem Umfang des betreffenden räumlichen Marktes
         die konkreten Auswirkungen auf den Markt zu berücksichtigen, sofern diese messbar sind. Daraus folgt, dass die Schwere der
         Zuwiderhandlung zwar in einem ersten Schritt anhand der Merkmale der Zuwiderhandlung selbst, wie etwa ihrer Natur und ihrer
         Auswirkung auf den Markt, beurteilt wird, diese Beurteilung in einem zweiten Schritt aber entsprechend den individuellen Gegebenheiten
         im Fall des betreffenden Unternehmens modifiziert wird, wobei die Kommission neben der Größe und den Möglichkeiten des Unternehmens
         nicht nur etwaige erschwerende Umstände, sondern auch eventuelle mildernde Umstände berücksichtigt.
      
      Wenn eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften von mehreren Unternehmen begangen worden ist, sind für die Festsetzung
         der allgemeinen Höhe der Geldbußen nicht die Wirkungen zu berücksichtigen, die sich aus dem von einem Unternehmen behaupteten
         eigenen individuellen Verhalten ergeben, sondern die Wirkungen der Zuwiderhandlung, an der es teilgenommen hat, in ihrer Gesamtheit.
         
      
      (vgl. Randnrn. 103-104, 106)
      6.     Bei einer von mehreren Unternehmen begangenen Zuwiderhandlung gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsvorschriften ist die
         relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens zu prüfen. Dies ist die logische Folge des Grundsatzes der individuellen
         Straf‑ und Sanktionsfestsetzung, wonach gegen ein Unternehmen nur Sanktionen für die Handlungen verhängt werden dürfen, die
         ihm individuell zur Last gelegt worden sind. Dieser Grundsatz gilt in allen Verwaltungsverfahren, die aufgrund der gemeinschaftlichen
         Wettbewerbsvorschriften zu Sanktionen führen können. So sehen die Nummern 2 und 3 der Leitlinien der Kommission für das Verfahren
         zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag
         festgesetzt werden, eine Abänderung des Grundbetrags der Geldbuße vor, je nachdem, ob im Fall des einzelnen Unternehmens erschwerende
         oder mildernde Umstände vorliegen.
      
      Dabei kann sich ein Teilnehmer an einer Zuwiderhandlung grundsätzlich nicht auf einen mildernden Umstand berufen, den er mit
         dem Verhalten der anderen Teilnehmer an dieser Zuwiderhandlung begründet, wie z. B. die Tatsache, dass die anderen Kartellmitglieder
         sich früher oder stärker für das Kartell eingesetzt haben. Dies kann gegebenenfalls als erschwerender Umstand im Fall der
         letzteren, nicht aber als mildernder Umstand zugunsten der anderen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen gewertet
         werden. 
      
      (vgl. Randnrn. 118-120, 125)
      7.     Eine ausschließlich passive Mitwirkung oder reines Mitläufertum eines Unternehmens bei einem Wettbewerbsverstoß stellt, wenn
         dies bewiesen ist, nach Nummer 3 erster Gedankenstrich der Leitlinien der Kommission für das Verfahren zur Festsetzung von
         Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden,
         einen mildernden Umstand dar. Diese passive Rolle bedeutet, dass sich das betreffende Unternehmen nicht hervorgetan haben
         darf, d. h. nicht aktiv an der Ausarbeitung der wettbewerbswidrigen Vereinbarungen beteiligt gewesen ist. Als Anhaltspunkt
         für die passive Rolle eines Unternehmens innerhalb eines Kartells kann u. a. angesehen werden, dass es im Vergleich zu den
         normalen Mitgliedern des Kartells deutlich seltener an den Besprechungen teilgenommen hat, dass es spät in den Markt, auf
         dem die Zuwiderhandlung stattgefunden hat, eingetreten ist, unabhängig davon, wie lange es an der Zuwiderhandlung mitgewirkt
         hat, oder dass es entsprechende ausdrückliche Aussagen von Vertretern dritter an der Zuwiderhandlung beteiligter Unternehmen
         gibt. 
      
      (vgl. Randnr. 126)
      8.     Bei der Bemessung der zu verhängenden Geldbuße ist nicht zwangsläufig als mildernder Umstand zu berücksichtigen, dass sich
         ein Unternehmen, dessen Beteiligung an einer Preisabsprache mit seinen Konkurrenten erwiesen ist, auf dem Markt nicht in der
         mit ihnen vereinbarten Weise verhalten hat. Ein Unternehmen, das trotz der Absprache mit seinen Konkurrenten eine andere als
         die vereinbarte Marktpolitik verfolgt, versucht möglicherweise nämlich nur, das Kartell zu seinem Vorteil auszunutzen. 
      
      (vgl. Randnr. 130)
      9.     Wird für die Bemessung einer Geldbuße, die wegen Zuwiderhandlung gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsvorschriften verhängt
         wird, die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße, den Wettbewerb zu schädigen, untersucht, was eine
         Beurteilung des tatsächlichen Gewichts dieser Unternehmen auf dem betreffenden Markt, d. h. ihren Einfluss auf diesen, einschließt,
         so vermittelt der Gesamtumsatz nur ein unvollständiges Bild der Verhältnisse. Es lässt sich nämlich nicht ausschließen, dass
         ein mächtiges Unternehmen mit vielen unterschiedlichen Geschäftsbereichen auf einem spezifischen Produktmarkt nur am Rande
         vertreten ist. Ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass ein Unternehmen mit einer starken Stellung auf einem räumlichen
         Markt außerhalb der Gemeinschaft auf dem Markt der Gemeinschaft oder des Europäischen Wirtschaftsraums nur schwach vertreten
         ist. In diesen Fällen bedeutet der bloße Umstand, dass das betreffende Unternehmen einen hohen Gesamtumsatz erzielt, nicht
         unbedingt, dass es einen entscheidenden Einfluss auf den von der Zuwiderhandlung betroffenen Markt ausübt. Daher sind die
         Marktanteile eines Unternehmens, auch wenn sie nicht entscheidend für die Schlussfolgerung sein können, dass ein Unternehmen
         einer mächtigen Wirtschaftseinheit angehört, doch relevant für die Bestimmung des Einflusses, den das Unternehmen auf den
         Markt ausüben konnte.
      
      (vgl. Randnr. 152)
      10.   Wenn die Kommission die betroffenen Unternehmen für die Bemessung der Geldbußen wegen Verstoßes gegen die gemeinschaftlichen
         Wettbewerbsvorschriften in Gruppen einteilt, so dass für Unternehmen derselben Gruppe der gleiche Ausgangsbetrag gilt, muss
         bei der Aufteilung in Gruppen der Grundsatz der Gleichbehandlung beachtet werden, wonach vergleichbare Sachverhalte nicht
         unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleich behandelt werden dürfen, sofern eine solche Behandlung nicht
         objektiv gerechtfertigt ist. Dementsprechend sehen die Leitlinien der Kommission für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen,
         die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, in Nummer
         1 Abschnitt A Absatz 6 vor, dass bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung eine Differenzierung gerechtfertigt sein
         kann, wenn an einem Verstoß derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren. Im Übrigen muss die
         Höhe der Geldbußen zumindest in einem angemessenen Verhältnis zu den anderen Faktoren stehen, die für die Beurteilung der
         Schwere des Verstoßes eine Rolle gespielt haben.
      
      Daher muss, wenn die Kommission eine solche Einteilung in Gruppen vornimmt, die Bestimmung der Schwellenwerte für jede der
         auf diese Weise gebildeten Gruppen schlüssig und objektiv gerechtfertigt sein.
      
      (vgl. Randnrn. 154-156)
      11.   Bei der Bemessung der Geldbußen wegen Wettbewerbsverstößen ist die Kommission nicht verpflichtet, bei ihrer Berechnung von
         Beträgen auszugehen, die auf dem Umsatz der betroffenen Unternehmen basieren. Wenn die Geldbußen gegen mehrere Unternehmen
         festgesetzt werden, die an ein und derselben Zuwiderhandlung beteiligt sind, müssen die von der Kommission für die betroffenen
         Unternehmen ermittelten endgültigen Beträge der Geldbußen dabei auch nicht jeden Unterschied zwischen den Unternehmen bei
         den Gesamt‑ oder Produktumsätzen widerspiegeln.
      
      (vgl. Randnr. 159)
      12.   Die Höchstgrenze nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, wonach die Geldbuße, die gegen ein Unternehmen wegen Verstoßes
         gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsvorschriften letztlich festgesetzt wird, im Fall, dass sie 10 % des Unternehmensumsatzes
         übersteigt, unbeschadet der Zwischenberechnungen zur Berücksichtigung der Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung herabzusetzen
         ist, verbietet der Kommission nicht, bei ihren Berechnungen einen Zwischenbetrag einzubeziehen, der 10 % des Umsatzes des
         betreffenden Unternehmens übersteigt, sofern der Endbetrag der gegen dieses Unternehmen festgesetzten Geldbuße diese Grenze
         nicht überschreitet.
      
      (vgl. Randnr. 161)
      13.   Die Tatsache, dass ein Unternehmen vor Erlass der Entscheidung, mit der eine Geldbuße gegen es festgesetzt worden ist, den
         Entschluss gefasst hat, die Wettbewerbsvorschriften zu beachten, ist kein ausreichender Grund dafür, dass die Kommission eine
         bloß symbolische Geldbuße gegen es verhängt. Nicht nur die Abschreckung des betroffenen Unternehmens, sondern auch die Abschreckung
         Dritter ist nämlich ein wichtiges Ziel des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17.
      
      (vgl. Randnr. 174)
      14.   Die Kommission ist nicht verpflichtet, bei der Bemessung der Geldbuße wegen Verstoßes gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsvorschriften
         die schlechte Finanzlage eines betroffenen Unternehmens zu berücksichtigen, da die Anerkennung einer solchen Verpflichtung
         darauf hinauslaufen würde, den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil
         zu verschaffen. Diese Feststellung wird durch Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien der Kommission für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt
         werden, nicht in Frage gestellt, wonach die tatsächliche Steuerkraft eines Unternehmens zu berücksichtigen ist. Letztere ist
         nämlich nur „im gegebenen sozialen Umfeld“ relevant, d. h. im Licht der Folgen, die die Zahlung der Geldbuße u. a. in Form
         einer Zunahme der Arbeitslosigkeit oder einer Beeinträchtigung der dem betreffenden Unternehmen vor‑ und nachgelagerten Wirtschaftssektoren
         hätte.
      
      Dass eine Maßnahme einer Gemeinschaftsbehörde zum Konkurs oder zur Auflösung eines bestimmten Unternehmens führt, ist nach
         dem Gemeinschaftsrecht an und für sich nicht verboten. Die Auflösung eines Unternehmens in seiner bestehenden Rechtsform kann
         zwar die finanziellen Interessen der Eigentümer, Aktionäre oder Anteilseigner beeinträchtigen, bedeutet aber nicht, dass auch
         die durch das Unternehmen repräsentierten personellen, materiellen und immateriellen Mittel ihren Wert verlieren. 
      
      (vgl. Randnrn. 175-177)
URTEIL DES GERICHTS (Fünfte Kammer)
      29. November 2005(*)
      
      „Wettbewerb – Artikel 81 EG – Kartell – Zinkphosphatmarkt – Geldbuße – Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung – Nichtigkeitsklage“
      In der Rechtssache T-62/02
      Union Pigments AS,  vormals Waardals AS, mit Sitz in Bergen (Norwegen), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte J. Magne Langseth und T. Olavson
         Laake, 
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften,  vertreten durch F. Castillo de la Torre als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung der Entscheidung 2003/437/EG der Kommission vom 11. Dezember 2001 in einem Verfahren nach
         Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E‑1/37.027 – Zinkphosphat) (ABl. 2003, L 153, S. 1) oder, hilfsweise,
         Herabsetzung der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße 
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Fünfte Kammer)
      
      unter Mitwirkung der Präsidentin P. Lindh sowie der Richter R. García‑Valdecasas und J. D. Cooke,
      Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 2. Juli 2004
      folgendes
      Urteil
       Sachverhalt
      1       Die Union Pigments AS (vormals Waardals AS, im Folgenden: Klägerin oder Union Pigments), eine Gesellschaft norwegischen Rechts,
         produziert Zinkphosphat und modifizierte Arten von Zinkphosphat. Ihr Umsatz belief sich im Jahr 2000 weltweit auf 7,09 Mio.
         Euro. 
      
      2       Obwohl Zinkorthophosphate leicht voneinander abweichende chemische Formeln aufweisen können, handelt es sich bei ihnen um
         ein homogenes chemisches Produkt, das im Folgenden mit dem Oberbegriff „Zinkphosphat“ bezeichnet wird. Zinkphosphat wird auf
         der Grundlage von Zinkoxid und Phosphorsäure hergestellt. Es findet als korrosionshemmendes anorganisches Pigment breite Verwendung
         in der Anstrichstoffindustrie. Auf dem Markt wird es entweder als normales oder als modifiziertes bzw. „aktiviertes“ Zinkphosphat
         vertrieben. 
      
      3       Im Jahr 2001 deckten die folgenden fünf europäischen Produzenten praktisch den gesamten Weltmarkt für Zinkphosphat ab: die
         Dr. Hans Heubach GmbH & Co. KG (im Folgenden: Heubach), die James M. Brown Ltd (im Folgenden: James Brown), die Société nouvelle
         des couleurs zinciques SA (im Folgenden: SNCZ), die Trident Alloys Ltd (im Folgenden: Trident) (ehemals Britannia Alloys and
         Chemicals Ltd [im Folgenden: Britannia]) und Union Pigments. Von 1994 bis 1998 belief sich der Wert des Marktes für normales
         Zinkphosphat weltweit auf etwa 22 Mio. Euro pro Jahr und im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) auf etwa 15 bis 16 Mio. Euro
         pro Jahr. Im EWR hielten Heubach, die SNCZ, Trident (ehemals Britannia) und Union Pigments vergleichbare Anteile am Markt
         für normales Zinkphosphat in der Größenordnung von rund 20 %. James Brown hielt einen deutlich niedrigeren Marktanteil. Zinkphosphatabnehmer
         sind die wichtigsten Anstrichstoffhersteller. Der Anstrichstoffmarkt wird von einigen wenigen multinationalen Chemiekonzernen
         beherrscht.
      
      4       Am 13. und 14. Mai 1998 führte die Kommission in den Geschäftsräumen von Heubach, der SNCZ und von Trident gleichzeitig unangemeldete
         Nachprüfungen gemäß Artikel 14 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962 (ABl. 1962, 13, S. 204) durch.
         Vom 13. bis 15. Mai 1998 nahm die Überwachungsbehörde der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) auf Ersuchen der Kommission
         gemäß Artikel 8 Absatz 3 des Protokolls 23 des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gleichzeitig eine unangemeldete
         Nachprüfung in den Geschäftsräumen von Union Pigments entsprechend Kapitel II Artikel 14 Absatz 2 des Protokolls 4 des Abkommens
         zwischen den EFTA-Staaten zur Errichtung einer Überwachungsbehörde und eines Gerichtshofes vor.
      
      5       Während des Verwaltungsverfahrens teilten Union Pigments und Trident der Kommission ihre Absicht zur uneingeschränkten Zusammenarbeit
         auf der Grundlage der Mitteilung der Kommission vom 18. Juli 1996 über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung
         von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über die Zusammenarbeit) mit und gaben Erklärungen
         zum Kartell ab (im Folgenden: Erklärung von Union Pigments bzw. Erklärung von Trident).
      
      6       Am 2. August 2000 richtete die Kommission an die Unternehmen, die Adressaten der mit der vorliegenden Klage angefochtenen
         Entscheidung (siehe nachstehend Randnr. 7) sind, darunter die Klägerin, eine Mitteilung der Beschwerdepunkte. 
      
      7       Am 11. Dezember 2001 erließ die Kommission die Entscheidung 2003/437/EG in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und
         Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E-1/37.027 – Zinkphosphat) (ABl. 2003, L 153, S. 1). Gegenstand dieses Urteils ist die
         Entscheidung, die den betroffenen Unternehmen zugestellt und der Klageschrift beigefügt ist (im Folgenden: angefochtene Entscheidung).
         Diese Entscheidung weicht in einigen Punkten von der im Amtsblatt der Europäischen Union  veröffentlichten ab.
      
      8       In der angefochtenen Entscheidung führt die Kommission aus, dass vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998 ein Kartell bestanden
         habe, dem Britannia (Trident ab 15. März 1997), Heubach, James Brown, die SNCZ und Union Pigments angehört hätten. Dieses
         Kartell sei auf normales Zinkphosphat beschränkt gewesen. Die Kartellmitglieder hätten erstens eine Marktaufteilungsvereinbarung
         mit Absatzquoten für die einzelnen Produzenten eingeführt. Zweitens hätten sie bei jedem ihrer Zusammenkünfte „Tiefstpreise“
         oder „empfohlene Preise“ festgelegt, die sie im Allgemeinen eingehalten hätten. Drittens seien in bestimmtem Umfang Abnehmer
         zugeteilt worden. 
      
      9       Der verfügende Teil der angefochtenen Entscheidung lautet:
      „Artikel 1
      Britannia …, … Heubach …, James … Brown …, [die SNCZ], … Trident … und [Union Pigments] haben gegen Artikel 81 Absatz 1 EG-Vertrag
         und Artikel 53 Absatz 1 EWR-Abkommen verstoßen, indem sie sich an einer fortdauernden Vereinbarung und/oder aufeinander abgestimmten
         Verhaltensweise im Zinkphosphatsektor beteiligten:
      
      Die Zuwiderhandlung dauerte:
      a)      im Falle von … Heubach …, James … Brown …, [der SNCZ] und [Union Pigments]: vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998.
      …
      Artikel 3
      Wegen der in Artikel 1 genannten Zuwiderhandlung werden folgende Geldbußen verhängt:
      (a)      Britannia …: 3,37 Millionen EUR
      (b)      … Heubach …: 3,78 Millionen EUR
      (c)      James … Brown …: 940 000 EUR
      (d)      [SNCZ]: 1,53 Millionen EUR
      (e)      Trident …: 1,98 Millionen EUR
      (f)      [Union Pigments]: 350 000 EUR.
      …“
      10     Für die Bemessung der Geldbußen wandte die Kommission das Verfahren an, das sie in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt
         werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien), und in der Mitteilung über die Zusammenarbeit dargestellt hat.
      
      11     So hat die Kommission zunächst nach Maßgabe der Schwere und der Dauer der Zuwiderhandlung einen „Grundbetrag“ festgesetzt
         (vgl. Randnrn. 261 bis 313 der angefochtenen Entscheidung).
      
      12     Zum ersten Kriterium hat sie die Ansicht vertreten, dass die Zuwiderhandlung unter Berücksichtigung der Art der untersuchten
         Verhaltensweise, ihrer tatsächlichen Auswirkungen auf den Zinkphosphatmarkt und des Umstands, dass sie den gesamten Gemeinsamen
         Markt und nach dessen Errichtung den gesamten EWR betroffen habe, als „besonders schwer“ einzustufen sei (Randnr. 300 der
         angefochtenen Entscheidung). Die Kommission hat darauf hingewiesen, dass sie unbeschadet der besonders schweren Art der Zuwiderhandlung
         dem begrenzten Umfang des Produktmarktes Rechnung getragen habe (Randnr. 303 der angefochtenen Entscheidung).
      
      13     Die Kommission hat bei den betroffenen Unternehmen eine „Differenzierung“ vorgenommen, um zum einen die tatsächliche wirtschaftliche
         Fähigkeit dieser Unternehmen, den Wettbewerb in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen und zum anderen die Geldbuße
         auf einen Betrag festzusetzen, der eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet (Randnr. 304 der angefochtenen Entscheidung).
         Zu diesem Zweck hat sie die betroffenen Unternehmen „entsprechend ihrem jeweiligen Gewicht auf dem betroffenen Markt“ in zwei
         Kategorien unterteilt. Sie hat sich dabei auf den Umsatz gestützt, den jedes dieser Unternehmen mit dem Verkauf des betreffenden
         Erzeugnisses im letzten Jahr der Zuwiderhandlung im EWR erzielt hatte, wobei sie berücksichtigte, dass die Klägerin, Britannia
         (Trident vom 15. März 1997 an), Heubach und die SNCZ „mit annähernd gleichen Marktanteilen von jeweils über oder um 20 % die
         größten Hersteller von Zinkphosphat im EWR“ waren (Randnrn. 307 und 308 der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission ordnete
         die Klägerin, Britannia, Heubach, die SNCZ und Trident in die erste Kategorie („Ausgangsbasis“ 3 Mio. Euro) ein. James Brown,
         die einen „erheblich niedrigeren“ Marktanteil hatte, wurde in die zweite Kategorie eingeordnet („Ausgangsbasis“: 750 000 Euro)
         (Randnrn. 308 und 309 der angefochtenen Entscheidung).
      
      14     Zum Kriterium der Dauer hat die Kommission die Ansicht vertreten, dass der der Klägerin zur Last gelegte Verstoß von „mittlerer“
         Dauer gewesen sei, da er vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998 gedauert habe (Randnr. 310 der angefochtenen Entscheidung).
         Sie erhöhte infolgedessen den Ausgangsbetrag für die Klägerin um 40 % und gelangte damit zu einem „Grundbetrag“ von 4,2 Mio.
         Euro (Randnrn. 310 und 313 der angefochtenen Entscheidung).
      
      15     Nach Ansicht der Kommission waren im vorliegenden Fall keine erschwerenden oder mildernden Umstände zu berücksichtigen (Randnrn.
         314 bis 336 der angefochtenen Entscheidung). Sie wies das Argument der „schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“, unter
         denen die Zuwiderhandlungen stattgefunden hätten, ebenso wie die Berufung auf die Besonderheiten der betroffenen Unternehmen
         zurück (Randnrn. 337 bis 343 der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission setzte daher „vor Anwendung der Mitteilung über
         die [Zusammenarbeit]“ gegen die Klägerin eine Geldbuße von 4,2 Mio. Euro fest (Randnr. 344 der angefochtenen Entscheidung).
      
      16     Im Übrigen wies die Kommission darauf hin, dass die gegen die einzelnen betroffenen Unternehmen zu verhängende Geldbuße die
         Grenze des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 nicht überschreiten dürfe. Daher wurde die Geldbuße der Klägerin vor
         Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit auf 700 000 Euro und die der SNCZ auf 1,7 Mio. Euro ermäßigt. Die Geldbußen
         der anderen Unternehmen vor Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit lagen unter dieser Obergrenze (Randnr. 345 der
         angefochtenen Entscheidung). 
      
      17     Die Kommission gewährte der Klägerin einen Nachlass von 50 % gemäß der Mitteilung über die Zusammenarbeit, da Union Pigments
         die Kommission eingehend über die Aktivitäten des Kartells unterrichtet hatte (Randnrn. 354 bis 356 der angefochtenen Entscheidung).
         Der endgültige Betrag der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße belief sich somit auf 350 000 Euro (Randnr. 370 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      18     Die Klägerin hat mit Klageschrift, die am 1. März 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      19     Mit besonderem Schriftsatz, der am gleichen Tag bei der Kanzlei eingegangen ist, hat die Klägerin im Verfahren der einstweiligen
         Anordnung die Aussetzung des Vollzugs des Artikels 3 Buchstabe f und des Artikels 4 der angefochtenen Entscheidung, soweit
         dort eine Geldbuße gegen sie verhängt wird, beantragt.
      
      20     Nachdem die Parteien im Verfahren der einstweiligen Anordnung zu einer einvernehmlichen Lösung gelangt sind, hat der Präsident
         des Gerichts mit Beschluss vom 1. Juli 2002 in der Rechtssache T-62/02 R (Waardals/Kommission, nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht) die Streichung der Rechtssache im Register angeordnet und die Entscheidung über die Kosten vorbehalten.
      
      21     Mit Schreiben vom 18. November 2003 hat die Kommission dem Gericht mitgeteilt, dass über das Vermögen von Union Pigments das
         Konkursverfahren eröffnet worden sei und sie von einer Klagerücknahme ausgehe. Auf eine Frage des Gerichts hat der Konkursverwalter
         von Union Pigments mit Schreiben vom 12. Dezember 2003 erklärt, dass über das Vermögen des Unternehmens im Juni 2003 der Konkurs
         eröffnet worden sei, dass er aber die Prozessbevollmächtigten von Union Pigments zur Fortsetzung des Verfahrens ermächtigt
         habe.
      
      22     Das Gericht (Fünfte Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und
         hat die Kommission im Rahmen prozessleitender Maßnahmen aufgefordert, eine Reihe von Schriftstücken vorzulegen und verschiedene
         schriftliche Fragen zu beantworten. Die  Kommission ist dem nachgekommen.
      
      23     Die Parteien haben in der Sitzung vom 2. Juli 2004 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      24     Die Klägerin beantragt,
      –       Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung, soweit er die Dauer der ihr zur Last gelegten Zuwiderhandlung betrifft, für nichtig
         zu erklären oder abzuändern;
      
      –       Artikel 3 Buchstabe f der angefochtenen Entscheidung für nichtig zu erklären oder die Höhe der Geldbuße herabzusetzen;
      –       ihrem Antrag auf Erlass prozessleitender Maßnahmen und auf Durchführung einer Beweiserhebung, insbesondere auf Ladung und
         Einvernahme von Zeugen, stattzugeben und ihr Einsicht in den von der Kommission erstellten Anhörungsbericht vom 17. Januar
         2001 zu gewähren;
      
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      25     Die Kommission beantragt,
      –       die Klage abzuweisen;
      –       der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
       Gründe
      26     Die Klägerin macht zwei Klagegründe geltend. Mit dem ersten rügt sie eine fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung bei
         der Anwendung des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und mit dem zweiten rügt sie eine fehlerhafte Bemessung der Geldbuße
         sowie einen Verstoß gegen allgemeine Grundsätze.
      
      1.     Zum ersten Klagegrund: Fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung bei der Anwendung des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung
            Nr. 17
      27     Die Klägerin macht geltend, dass die Kommission die Höhe der Geldbuße auf der Grundlage einer fehlerhaften Sachverhalts- und
         Beweiswürdigung berechnet habe. Die Kommission habe den Ausführungen der Klägerin zu den Umständen im vorliegenden Fall und
         zu ihrer Beteiligung am Kartell nicht hinreichend Rechnung getragen. Sie habe den Fall in zeitlicher und in tatsächlicher
         Hinsicht begrenzt, so dass sie Umstände, die z. B. eine Erhöhung der Geldbuße bestimmter betroffener Unternehmen wegen der
         Schwere der Zuwiderhandlung und anderer Umstände hätte rechtfertigen können, nicht habe berücksichtigen können. Dies habe
         den Nachteil gehabt, dass alle Unternehmen gleichbehandelt worden seien und die Möglichkeiten der Klägerin, eine günstigere
         Entscheidung zu erlangen, sich verringert hätten.
      
      28     Dieser Klagegrund setzt sich aus zwei Teilen zusammen, in denen die Klägerin geltend macht:
      –       Die Kommission habe die Dauer der Beteiligung von Union Pigments an der Zuwiderhandlung und ihren Rückzug vom Kartell fehlerhaft
         beurteilt;
      
      –       die Kommission habe den Sachverhalt und die Beweise bezüglich der Klägerin und ihrer Rolle innerhalb des Kartells falsch gewürdigt.
       Zum ersten Teil des ersten Klagegrundes: Dauer der Beteiligung der Klägerin an der Zuwiderhandlung und ihr Rückzug vom Kartell
       Vorbringen der Parteien
      29     Die Klägerin macht geltend, die Kommission habe die Dauer ihrer Beteiligung an der Zuwiderhandlung und ihren Ausstieg aus
         dem Kartell fehlerhaft beurteilt. Nach ständiger Rechtsprechung müsse die Kommission nicht nur das Vorliegen des Kartells,
         sondern auch dessen Dauer beweisen (Urteile des Gerichts vom 7. Juli 1994 in der Rechtssache T‑43/92, Dunlop Slazenger/Kommission,
         Slg. 1994, II‑441, Randnr. 79, und vom 13. Dezember 2001 in der Rechtssache T‑48/98, Acerinox/Kommission, Slg. 2001, II‑3859,
         Randnr. 59). Nach der Feststellung der Kommission habe die Klägerin vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998, also vier Jahre
         und einen Monat lang, an der Zuwiderhandlung teilgenommen (Artikel 1 Buchstabe a der angefochtenen Entscheidung). Obwohl die
         Kommission einen vorübergehenden Ausstieg der Klägerin aus dem Kartell bestätigt habe (Randnr. 125 der angefochtenen Entscheidung),
         vermittle sie ein falsches Bild von diesem Ausstieg, wenn sie in Frage stelle, ob „er überhaupt … erfolgte“ (Randnr. 130 der
         angefochtenen Entscheidung).
      
      30     Die Klägerin weist darauf hin, dass sie mit Fax vom 24. April 1995 auf eine Mahnung des Europäischen Ausschusses der Verbände
         der chemischen Industrie (im Folgenden: CEFIC) wegen der statistischen Angaben für den Monat Mai offiziell ihren Ausstieg
         aus dem Kartell angekündigt habe und sie sich bis August 1995 zurückgezogen habe. Sie sei für fünf bis sechs Monate ausgestiegen,
         d. h. vom März 1995, in dem sie keine Marktzahlen mehr mitgeteilt habe, bis Mitte August 1995. Hilfsweise macht sie geltend,
         dass sie ihren Ausstieg aus dem Kartell „unmittelbar nach der Sitzung [vom 27. März 1995]“ beschlossen habe, wie sich aus
         den Feststellungen im Vermerk vom 30. März 1995 ergebe.
      
      31     Nach Ansicht der Klägerin hat die Kommission diesen Ausstieg aus dem Kartell zu Unrecht als wirkungslos angesehen. Ohne die
         Daten von Union Pigments hätten die vom CEFIC vorbereiteten Statistiken nicht richtig sein können und hätten daher weniger
         Wert für das Kartell gehabt. Außerdem habe sie von dem Kunden Teknos Winter (im Folgenden: Teknos) eine Bestellung erhalten,
         dem sie nach ihrem Ausstieg aus dem Club im April 1995 einen Behälter außerhalb der von den anderen Unternehmen vereinbarten
         Kundenzuteilung geliefert habe. Dem Argument der Kommission in der angefochtenen Entscheidung, dieser Ausstieg sei kein Beweis
         für ein vollständig eigenständiges Geschäftsverhalten, da das Wissen darum, dass das Kartell nach wie vor bestanden habe,
         die geschäftlichen Entscheidungen der Klägerin beeinflusst haben müsse, hält Union Pigments entgegen, dass ihre neu gewonnene
         Unabhängigkeit von den vom Kartell verhängten Beschränkungen ihr erlaubt habe, zu dessen Nachteil zu handeln. Der Eingang
         einer Bestellung von Teknos könne nicht anders denn als Beweis für ein „geschäftlich völlig eigenständiges Verhalten“ gewertet
         werden. Was das Vorbringen der Kommission betreffe, dass vorbehaltlich des Gegenbeweises die Vermutung gelte, dass ein weiterhin
         auf dem Markt tätiges Unternehmen die mit seinen Wettbewerbern ausgetauschten Informationen bei der Festlegung seines Marktverhaltens
         einkalkuliere, so könne die Kommission damit wohl nicht gemeint haben, dass sich die Klägerin vom Markt hätte zurückziehen
         sollen. Im Übrigen habe die Klägerin keinen Grund gehabt, den Informationen, die sie erhalten habe, zu glauben oder dementsprechend
         zu handeln, da zum einen die empfohlenen Preise in den nordischen Ländern nicht eingehalten worden seien und die tatsächlich
         verlangten Preise unter den Kosten gelegen hätten, „die, wie sich vermuten lässt, nicht unter denen der Klägerin lagen“, und
         zum anderen der Informationsaustausch im März 1995 tatsächlich aufgehört habe.
      
      32     In ihrer Erwiderung fügt die Klägerin hinzu, sie habe sich nicht nur wie ein Unternehmen verhalten, das trotz der Abstimmung
         mit seinen Wettbewerbern eine mehr oder weniger unabhängige Marktpolitik verfolge (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in
         der Rechtssache T‑327/94, SCA Holding/Kommission, Slg. 1998, II‑1373, Randnr. 142), sondern habe den von den anderen Teilnehmern
         angestrebten wettbewerbswidrigen Wirkungen direkt entgegengearbeitet (Urteil SCA Holding/Kommission, Randnr. 143). Das Prinzip
         der Rechtssicherheit verlange von der Kommission den Nachweis, dass die Klägerin in dieser Zeit an wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen
         beteiligt gewesen sei (Urteil des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑21/99, Dansk Rørindustri/Kommission, Slg.
         2002, II‑1681, Randnr. 62). Im vorliegenden Fall habe die Kommission diesen Beweis aber nicht erbracht. Folglich sei festzustellen,
         dass die Klägerin in diesem Zeitraum am Kartell nicht beteiligt gewesen sei. Zu dem Argument der Kommission, die Kontinuierlichkeit
         der Zuwiderhandlung hätte unterbrochen werden können, wenn der Ausstieg die ausgetauschten Informationen völlig nutzlos gemacht
         hätte, erklärt die Klägerin, dass dies vorliegend genau der Fall gewesen sei, da die zwischen den anderen Teilnehmern ausgetauschten
         Informationen ohne die Zahlen der Klägerin ohne Nutzen gewesen seien. 
      
      33     Außerdem vermittle die Kommission ein unzutreffendes Bild der Geschehnisse, wenn sie den Ausstieg der Klägerin aus dem Kartell
         als „vorübergehend“ bezeichne. Die Klägerin behauptet, dass sie bei ihrem Rückzug vom Kartell nicht die Absicht gehabt habe,
         dies nur kurzfristig zu tun. Der Eingang einer Bestellung von Teknos bei ihr sei ein Beweis hierfür.
      
      34     In der angefochtenen Entscheidung werde offensichtlich davon ausgegangen, dass die Klägerin an der Zusammenkunft des Kartells
         in London am 12. Juni 1995 teilgenommen habe. Wenn die Kommission die Frage einer Teilnahme der Klägerin an dieser Zusammenkunft
         aufwerfe, ohne aber zu einem Schluss zu gelangen, gründe sie ihre Entscheidung auf eine unzulängliche Sachverhalts- und Beweiswürdigung.
         Sie, die Klägerin, habe der Kommission in ihrer Erklärung und in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte mitgeteilt,
         dass sie am 12. Juni 1995 mit einem Vertreter von Heubach in Heathrow (London) zusammengetroffen sei. Der Zweck und die Tagesordnung
         dieses Treffens hätten jedoch nichts mit dem Kartell zu tun gehabt. Möglicherweise habe eine Zusammenkunft des Kartells am
         gleichen Tag in Heathrow stattgefunden, doch habe die Klägerin nicht daran teilgenommen. Es sei müßig, über die zahlreichen
         Gründe zu spekulieren, die Heubach hätten veranlassen können, diesen Ort und diesen Zeitpunkt für ein Treffen vorzuschlagen.
         Die Klägerin verweist auf ihre Ausführungen in ihrer Erklärung, wonach Heubach dieses Treffen dazu genutzt habe, ihr den Wiedereintritt
         in den Club nahe zu legen, sie aber die Einladung zur Teilnahme an der Zusammenkunft des Clubs abgelehnt habe, weshalb die
         anderen Teilnehmer sie als „Außenstehende“ betrachtet hätten. 
      
      35     Die Kommission bestreitet, dass die Klägerin tatsächlich aus dem Kartell ausgestiegen sei und dass dieser Umstand von der
         Kommission zu Unrecht nicht berücksichtigt worden sei (Randnrn. 230 bis 234 der angefochtenen Entscheidung). Der angebliche
         Ausstieg für drei Monate und sechs Tage sei im Licht der Tatsache zu sehen, dass die beanstandete Zuwiderhandlung in der Beteiligung
         an einer Vereinbarung und/oder abgestimmten Verhaltensweise bestanden habe (Urteil des Gerichtshofes vom 16. Dezember 1975
         in den Rechtssachen 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73, 111/73, 113/73 und 114/73, Suiker Unie, Slg. 1975, 1663, Randnrn.
         164 und 173).
      
       Würdigung durch das Gericht
      36     Nach der Rechtsprechung muss die Kommission nicht nur das Vorliegen eines Kartells, sondern auch dessen Dauer beweisen (Urteile
         Acerinox/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 29, Randnr. 55, und Dunlop Slazenger/Kommission, vorstehend zitiert in
         Randnr. 29, Randnr. 79). Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Klägerin an dem Kartell vom 24. März 1994 bis März oder
         April 1995 und vom 1. August 1995 bis zum 13. Mai 1998 teilgenommen hat. Die Klägerin macht geltend, sich von März 1995 bis
         zum 1. August 1995 vom Kartell zurückgezogen zu haben.
      
      37     Nach Auffassung des Gerichts gibt es tatsächlich Anhaltspunkte dafür, dass die Klägerin sich eine bestimmte Zeit lang vom
         Kartell zurückgezogen hat. So hat sie auf eine Nachfrage des CEFIC nach ihren statistischen Angaben für März 1995 mit Fax
         vom 24. April 1995 erklärt, dass sie sich „von der Untereinheit des Verbands der Zinkphosphatproduzenten zurückziehen“ und
         deshalb keine statistischen Angaben mehr übermitteln werde. Diese Erklärung stimmt mit dem internen schriftlichen Vermerk
         des Leiters für den Vertrieb vom 30. März 1995 an die anderen Vorstandsmitglieder der Klägerin (im Folgenden: Vermerk vom
         30. März 1995) überein, in dem ein Rückzug vom Kartell empfohlen wurde. Zudem steht fest, dass die Klägerin ihre statistischen
         Angaben den anderen betroffenen Unternehmen zwischen dem 24. April und dem 1. August 1995 nicht übermittelt hat.
      
      38     Dennoch hält das Gericht die Feststellung der Kommission für berechtigt, dass die Klägerin an dem Kartell vom 24. März 1994
         bis zum 13. Mai 1998 ohne eine wirkliche Unterbrechung teilgenommen hat.
      
      39     Nach der Rechtsprechung ist das Verhalten eines redlichen Wettbewerbers dadurch gekennzeichnet, dass er selbständig die Politik
         bestimmt, die er auf dem Gemeinsamen Markt zu betreiben gedenkt (Urteil Suiker Unie u. a./Kommission, vorstehend zitiert in
         Randnr. 35, Randnr. 173). Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Klägerin an den Tätigkeiten des Kartells von Ende März 1995
         bis zum 1. August 1995 nicht teilgenommen hat, hat sie in diesem kurzen Zeitraum doch keine wirklich unabhängige Politik auf
         dem Markt betrieben. Die Vorteile, die sie aus ihrem Zugang zu den Statistiken der anderen Mitglieder zog, blieben ihr auch
         nach ihrem Rückzug vom Kartell erhalten. Man kann davon ausgehen, dass sie die mit ihren Wettbewerbern ausgetauschten Informationen
         einschließlich derjenigen, die von der Zusammenkunft vom 27. März 1995 stammten, zur Bestimmung ihres Marktverhaltens während
         ihres angeblichen Rückzugs genutzt hat (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofes vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache
         C-49/92 P, Kommission/Anic Partecipazioni, Slg. 1999, I‑4125, Randnr. 121, und in der Rechtssache C-199/92 P, Hüls/Kommission,
         Slg. 1999, I-4287, Randnr. 162). Außerdem hat die Klägerin eingeräumt, dass sie im August 1995 wieder zum Kartell zurückgekehrt
         sei, da sie dringend Informationen über den Markt gebraucht habe (Nr. 67 der Erklärung von Union Pigments).
      
      40     Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin bei ihrer Rückkehr zum Kartell den anderen Mitgliedern nachträglich Zahlenmaterial
         für den gesamten Zeitraum ihres angeblichen Rückzugs zur Verfügung stellte. Somit hatte ihre Entscheidung, keine statistischen
         Angaben mehr zu übermitteln, nur eine sehr begrenzte Wirkung. Die Klägerin hat nicht bestritten, dass der Marktanteil, den
         sie 1995 hielt, mit dem bei den Zusammenkünften des Kartells vereinbarten Anteil übereinstimmte.
      
      41     Die Klägerin macht geltend, dass sie Teknos nach ihrem Rückzug vom Kartell außerhalb der Zuteilungsvereinbarung einen Container
         geliefert habe. Die Kommission ist jedoch zu Recht zu dem Ergebnis gekommen, dass die Klägerin diese Bestellung erhalten hatte,
         da sie aufgrund von Informationen handeln konnte, die sie im Rahmen der Vereinbarungen des Kartells erhalten hatte (vgl. in
         diesem Sinne die vorstehend in Randnr. 39 zitierte Rechtsprechung). Nach der Vereinbarung über die Zuteilung von Teknos durfte
         kein anderer Produzent das Preisangebot desjenigen Herstellers, der an der Reihe war, dieses Geschäft abzuschließen, unterbieten.
         Es ist unstreitig, dass die Klägerin die Bestellung von Teknos im April 1995 ausgeführt hat (Randnr. 230 der angefochtenen
         Entscheidung). Die Kommission konnte zu Recht annehmen, dass die Klägerin diese Bestellung erhielt, weil sie den bei der vorangegangenen
         Zusammenkunft, d. h. am 27. März 1995, festgesetzten Preis kannte. Dieses Verhalten der Klägerin stellt ein klassisches Beispiel
         eines Kartellteilnehmers dar, der das Kartell zu seinem Vorteil ausnutzt, was bei der Frage seiner Verantwortlichkeit nicht
         mildernd berücksichtigt werden kann (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T-308/94,
         Cascades/Kommission, Slg. 1998, II-925, Randnr. 230).
      
      42     Im Übrigen ist festzustellen, dass die Klägerin sich nicht vom Kartell zurückgezogen hat, um es der Kommission anzuzeigen
         oder um sich auf dem relevanten Markt zumindest wieder einem lauteren Wettbewerb entsprechend und unabhängig zu verhalten.
         Aus dem Vermerk vom 30. März 1995 ergibt sich vielmehr, dass die Klägerin versucht hat, ihren angeblichen Rückzug dazu zu
         nutzen, mehr Vorteile aus dem Kartell für sich herauszuholen. Nach diesem Vermerk war die Klägerin der Auffassung, dass die
         anderen Teilnehmer intern innerhalb des Kartells zusammenarbeiteten und Kunden und Märkte zum Nachteil der Klägerin aufgeteilt
         hatten. Trotz einer entsprechenden Forderung der Klägerin bei der Zusammenkunft des Kartells am 27. März 1995 waren die anderen
         Teilnehmer nicht bereit, über einen größeren Marktanteil für die Klägerin zu sprechen. Diese Tatsache wird in dem Vermerk
         als Grund für den Rückzug vom Kartell genannt. Dieser Vermerk belegt auch, dass die Klägerin ausdrücklich die Möglichkeit
         ins Auge gefasst hatte, später zum Kartell zurückzukehren. Da die Klägerin nicht endgültig aus dem Kartell ausgestiegen ist
         und nur wenige Monate nach ihrem angeblichen Rückzug vom Kartell zu diesem zurückgekehrt ist, ist das Gericht der Auffassung,
         dass sie mit diesem Rückzug nur bessere Bedingungen für sich im Kartell durchsetzen wollte, was ein weiteres Beispiel für
         einen Teilnehmer ist, der das Kartell zu seinem Vorteil ausnutzt (vgl. in diesem Sinne die vorstehend in Randnr. 41 zitierte
         Rechtsprechung).
      
      43     Die Tatsache, dass die Klägerin lediglich an der Sitzung vom 12. Juni 1995 nicht teilgenommen hat, kann ihre Beteiligung an
         dem Kartell, die mehr als vier Jahre gedauert hat, nicht abschwächen. Außerdem stand die Klägerin während des betreffenden
         Zeitraums mit den anderen beteiligten Unternehmen in Kontakt, wie sich aus ihrem Treffen mit Heubach ergibt, das am 12. Juni
         1995 im Flughafen von Heathrow stattfand, d. h. am selben Tag und am selben Ort wie eine Zusammenkunft des Kartells.
      
      44     Somit ist der erste Teil des ersten Klagegrundes als unbegründet zurückzuweisen.
       Zum zweiten Teil des ersten Klagegrundes: Fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung bezüglich der Klägerin und ihrer Rolle
            innerhalb des Kartells
      45     Dieser zweite Teil des ersten Klagegrundes umfasst fünf Rügen, mit denen die Klägerin geltend macht, dass die Kommission Folgendes
         fehlerhaft beurteilt hat:
      
      –       die Entwicklung der Situation der Klägerin nach Beginn der Nachprüfungen;
      –       ihren Einfluss auf den relevanten Markt;
      –       ihre Beteiligung am Kartell vor 1994 und die Tatsache, dass sie nicht zu der Zuwiderhandlung angestiftet habe;
      –       die Tatsache, dass sie kein Vollmitglied des Kartells gewesen sei;
      –       die Tatsache, dass sie die Zuwiderhandlung unverzüglich beendet habe.
       Zur ersten Rüge: Entwicklung der Situation der Klägerin nach Beginn der Nachprüfungen
      –       Vorbringen der Parteien
      46     Die Klägerin behauptet, dass die Verschlechterung ihrer finanziellen Situation von der Kommission nicht angemessen berücksichtigt
         worden sei, obwohl sie bei ihren Gesprächen mit der Kommission vor Erlass der angefochtenen Entscheidung auf diesen Umstand
         hingewiesen habe. Jüngere Entwicklungen müssten ebenfalls berücksichtigt werden.
      
      47     Erstens widerspricht die Klägerin der Feststellung der Kommission in der angefochtenen Entscheidung, dass sie „derzeit rund
         30 Mitarbeiter“ beschäftige (Randnr. 28). Sie habe der Kommission mitgeteilt, dass sie nur 25 Mitarbeiter habe.
      
      48     Zweitens führt die Klägerin ihre kritische finanzielle Situation an. Ihr Umsatz sei von 68,7 Mio. norwegische Kronen (NOK)
         im Jahr 1997 auf 57,2 Mio. NOK (etwa 6,92 Mio. Euro) im Jahr 2001 gesunken. Ihre Tätigkeiten seien kaum gewinnbringend, wie
         ihre Verluste von 317 589 Euro im Jahr 2000 und 310 659 Euro im Jahr 2001 belegten. 1997 habe sie ein Nettoergebnis vor Steuern
         von 1 148 837 NOK ausgewiesen, während dieses Ergebnis in den Jahren 2000 und 2001 –3 413 554 NOK bzw. –3 496 000 NOK betragen
         habe. Im Übrigen hätten ihre Eigenmittel in erster Linie aufgrund der bedeutenden Verluste in den Jahren 2000 und 2001 erheblich
         abgenommen. Im Jahr 2001 hätten sie sich nur noch auf 466 095 NOK (etwa 58 300 Euro) belaufen. Dies seien 15 % der von der
         Kommission festgesetzten Geldbuße.
      
      49     Die Klägerin weist darauf hin, dass sie zur Sicherung der Zahlung der Geldbuße keine Bankgarantie habe erhalten können und
         sie daher einen Antrag im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes auf Aussetzung dieser Zahlung gestellt habe. Außerdem habe
         sie vor kurzem nicht alle ihre Verbindlichkeiten erfüllen können.
      
      50     Die Kommission ist der Ansicht, dass diese erste Rüge für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung
         ohne Bedeutung ist.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      51     Mit dieser Rüge wird nicht wirklich eine fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung geltend gemacht. Zwar hat die Kommission
         in der angefochtenen Entscheidung behauptet, dass die Klägerin „[seinerzeit] rund 30 Mitarbeiter“ beschäftigt (Randnr. 28),
         obwohl die Klägerin ihr mitgeteilt hatte, dass sie nur 25 Mitarbeiter habe. Dies beeinträchtigt jedoch nicht die Rechtmäßigkeit
         der angefochtenen Entscheidung. Die Klägerin beruft sich vor allem auf ihre kritische finanzielle Situation, und es geht ihr
         dabei nicht darum, in diesem Zusammenhang Fehler tatsächlicher Art in der angefochtenen Entscheidung nachzuweisen. Insbesondere
         sind ihre Argumente zu der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Situation nach Erlass der angefochtenen Entscheidung für eine
         Beurteilung der in der Entscheidung angeblich enthaltenen Fehler tatsächlicher Art nicht relevant.
      
      52     In Wirklichkeit sind die mit dieser ersten Rüge des zweiten Teils des ersten Klagegrundes geltend gemachten Argumente nur
         im Hinblick auf die Tatsachen von Bedeutung, die möglicherweise im Rahmen des letzten Teils des zweiten Klagegrundes bezüglich
         der Unmöglichkeit, die Geldbuße zu zahlen, zu berücksichtigen sind (vgl. nachstehend Randnrn. 172 bis 181).
      
       Zur zweiten Rüge: Einfluss der Klägerin auf den relevanten Markt
      –       Vorbringen der Parteien
      53     Die Klägerin wirft der Kommission vor, nicht gebührend berücksichtigt zu haben, dass sie nur wenig Einfluss auf den Markt
         gehabt habe und ihr Handlungsspielraum aufgrund ihrer Beziehungen zu den Händlern und Kunden sehr begrenzt gewesen sei. Zu
         ihrem Vertriebsnetz trägt die Klägerin vor, dass sie ihre gesamte für Kontinentaleuropa bestimmte Produktion von Zinkphosphat
         viele Jahre lang an die BASF im Rahmen eines Koproduktionsabkommens verkauft habe. Sie habe Zinkphosphat hergestellt, das
         sie in Säcke oder Pakete mit der Aufschrift BASF verpackt habe, die anschließend als Produkte der BASF verkauft worden seien.
         Aufgrund ihrer Abhängigkeit von der BASF und des bedeutenden Unterschieds zwischen diesem Unternehmen und ihr hinsichtlich
         Größe und Macht habe die Klägerin praktisch keinen Einfluss auf die Preise für ihre Lieferungen an die BASF gehabt. Auch wenn
         das Abkommen mit der BASF 1997 ausgelaufen sei, sei sie dennoch ein wichtiger Kunde geblieben. Weiterhin verweist die Klägerin
         darauf, dass Wengain Ltd (im Folgenden: Wengain), ihr Alleinvertriebshändler auf dem britischen Markt für mehrere Erzeugnisse,
         darunter Zinkphosphat, andere Erzeugnisse anderer Unternehmen eingeführt und verkauft habe, um der Anstrichstoffindustrie
         eine ganze Palette von Produkten anbieten zu können. Wengain habe die Produkte der Klägerin zu einem Preis auf der Basis kostenloser
         Lieferung gekauft und sie im Vereinigten Königreich zu von ihr selbst festgesetzten Preisen weiterverkauft. Bei wichtigen
         Kunden und Lieferungen von mehr als 10 Tonnen sei die Klägerin berechtigt gewesen, an den Verhandlungen teilzunehmen und die
         Ware unmittelbar zu liefern. Aufgrund ihres Vertriebsnetzes habe die Klägerin nur über einen begrenzten Handlungsspielraum
         bei den Mengen verfügt und habe nur wenige Möglichkeiten gehabt, den Absatz und die Preise zu beeinflussen. Anders sei die
         Situation nur bei den direkten Kunden der Klägerin gewesen.
      
      54     Die Klägerin trägt weiter vor, die Kommission habe nicht hinreichend berücksichtigt, dass sie von ihren Wettbewerbern abhängig
         gewesen sei, die ebenfalls ihre Kunden gewesen seien. Die Klägerin habe Heubach und der SNCZ Zinkchromat geliefert. Letztere
         sei bei diesem Erzeugnis der wichtigste Kunde der Klägerin gewesen. Einige Kunden und Wettbewerber der Klägerin hätten höhere
         Preise für Zinkphosphat durchsetzen wollen, um eine größere Wettbewerbsfähigkeit der modifizierten Zinkphosphatarten zu erreichen.
         Die Klägerin, die ihren Beziehungen zu ihren Wettbewerbern, die auch ihre Kunden gewesen seien, nicht habe schaden wollen,
         habe unter einem starkem Druck gestanden, sich dem Kartell anzuschließen. Entgegen der Behauptung der Kommission mache sie
         nicht geltend, dass sie zur Teilnahme an der Zuwiderhandlung gezwungen worden sei, sondern dass ihre Wettbewerber sie unter
         Druck gesetzt hätten und sie seinerzeit keine andere Lösung gesehen habe.
      
      55     Die Kommission bestreitet, dass die Klägerin nur sehr begrenzte Möglichkeiten gehabt habe, die Preise, die sie von ihren Kunden
         verlangt habe, zu beeinflussen. Falsch sei auch, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Abhängigkeit der
         Klägerin von ihren Wettbewerbern, die auch ihre Kunden gewesen seien, nicht gebührend berücksichtigt habe.
      
      56     Zu der Behauptung der Klägerin, dass sie keinen oder wenig Einfluss auf die im Vereinigten Königreich und in Deutschland verkauften
         Mengen gehabt habe, trägt die Kommission vor, dass diese Tatsache, selbst wenn sie zuträfe, ohne Bedeutung sei, da die Marktanteile
         EWR‑weit berechnet worden seien.
      
      57     Die Kommission verweist auch darauf, dass die Zahlen in den Anhängen 23 bis 25 der Klageschrift zum Phosphatabsatz nicht genau
         mit den Zahlen übereinstimmten, die ihr mit Schreiben vom 17. März 1999 mitgeteilt worden seien. Die Klägerin habe für diese
         Abweichungen keine Erklärung gegeben.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      58     Was erstens das Argument betrifft, die Kommission habe den Einfluss der Klägerin auf ihre „Händler“ falsch beurteilt, so ist
         festzustellen, dass  Union Pigments in diesem Verfahren einen solchen Beurteilungsfehler der Kommission nicht nachgewiesen
         hat. 
      
      59     Entgegen der Behauptung der Klägerin, sie habe ihre gesamte für Kontinentaleuropa bestimmte Zinkphosphatproduktion im Rahmen
         eines Koproduktionsabkommens mit der BASF verkauft, ergibt sich aus den Anhängen der Klageschrift, dass sie andere Unternehmen
         in Kontinentaleuropa mit Zinkphosphat beliefert hat. Zudem ist das Koproduktionsabkommen zwischen der Klägerin und der BASF
         im April 1997 ausgelaufen. Schließlich hat die Klägerin Beziehungen zu den ehemaligen Kunden der BASF aufgenommen (Nr. 77
         der Erklärung von Union Pigments). Selbst wenn die BASF vor April 1997 einen erheblichen Einfluss auf die Klägerin gehabt
         hat, kann dieser Einfluss während des letzten Jahres des Kartells nicht ebenso bedeutend gewesen sein.
      
      60     Zu Wengain, dem Vertriebshändler der Klägerin im Vereinigten Königreich, ist festzustellen, dass Letztere sich an dem Kartell
         beteiligte, um dem im Vereinigten Königreich intensiv geführten Preiskrieg ein Ende zu bereiten. Union Pigments hat selbst
         eingeräumt, dass sie während dieses Preiskriegs einen Gegenangriff im Vereinigten Königreich habe organisieren können (Nr.
         45 der Erklärung von Union Pigments) und dass einer der Vorteile des Kartells die Beendigung des Preiskriegs im Vereinigten
         Königreich gewesen sei, an dem sie beteiligt gewesen sei (Nr. 49 der Erklärung von Union Pigments und interner Vermerk vom
         30. März 1995). Dies zeigt, dass die Klägerin das Verhalten von Wengain auf dem britischen Markt bei den Preisen beeinflussen
         konnte.
      
      61     Jedenfalls steht fest, dass der Marktanteil der Klägerin dem ihr im Rahmen des Kartells zugeteilten Anteil sehr nahe gekommen
         ist. Infolgedessen hat sie über genügend Einfluss auf ihre Händler verfügt, um die Quotenvereinbarung durchsetzen zu können.
         Zudem hat sie in ihrer Erklärung eingeräumt, dass sich als Resultat des Kartells – ausgenommen in den nordischen Ländern –
         eine Jahr für Jahr bessere Preiskohärenz eingestellt habe (Nr. 73 der Erklärung von Union Pigments). Infolgedessen ist die
         Kommission zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass die Klägerin genügend Einfluss auf ihre Händler hatte, um die Preisvereinbarung
         durchzusetzen.
      
      62     Nach alledem ist das erste Argument, das sie zur Stützung ihrer zweiten Rüge angeführt hat, zurückzuweisen.
      63     Was das zweite Argument einer angeblichen Abhängigkeit der Klägerin von ihren Kunden und Wettbewerbern angeht (vgl. vorstehend
         Randnr. 54), so kann sich die Klägerin, selbst wenn man davon ausgeht, dass sie unter Druck gesetzt wurde, nicht darauf berufen,
         da sie wegen des ausgeübten Drucks bei der zuständigen Behörde hätte Anzeige erstatten oder bei der Kommission einen Antrag
         nach Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 hätte stellen können, statt an diesen Handlungen teilzunehmen (vgl. in diesem Sinne Urteil
         des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑17/99, KE KELIT/Kommission, Slg. 2002, II‑1647, Randnr. 50 und die dort
         zitierte Rechtsprechung). Zudem ist die Klägerin nach ihrem angeblichen Rückzug vom Kartell im Jahr 1995 nach eigenem Eingeständnis
         zum Kartell nicht wegen des Drucks zurückgekehrt, sondern um Informationen über den Markt zu erhalten (Nr. 67 der Erklärung
         von Union Pigments). Darüber hinaus steht das Argument der Klägerin, sie sei zur Teilnahme an der Zuwiderhandlung gezwungen
         gewesen, nicht in Einklang mit ihrem angeblichen Ausstieg.
      
      64     Somit ist diese Rüge zurückzuweisen.
       Zur dritten Rüge: Die Klägerin hat nicht zu der Zuwiderhandlung angestiftet
      –       Vorbringen der Parteien
      65     Nach Ansicht der Klägerin sind der Kommission Fehler in tatsächlicher Hinsicht bei der Beurteilung der Kontakte des Unternehmens
         mit den Mitgliedern des Kartells vor März 1994 unterlaufen. Nach Ansicht der Kommission sei das Kartell in dem betreffenden
         Sektor im März 1994 gebildet worden (Randnr. 81 der angefochtenen Entscheidung). Entstanden sei das Kartell jedoch schon vor
         diesem Zeitpunkt und vor der an die Klägerin gerichteten Aufforderung, sich ihm anzuschließen. Die „anderen Wettbewerber“
         hätten sich bereits auf eine Form der Marktaufteilung verständigt, und die drei größten Wettbewerber der Klägerin, die SNCZ,
         Britannia und Heubach, hätten daher den gleichen Marktanteil, nämlich 24 %, gehabt. Die Klägerin habe den Verdacht gehabt,
         dass ein „Kartell im Kartell“, ein „innerer Kreis“, bestehe, der vor ihrer Einladung zur Sitzung vom 24. März 1994 agiert
         habe. Ein solcher „innerer Kreis“ werde durch die Feststellung der Kommission bestätigt, der zufolge Trident erklärt habe,
         dass es von 1989 bis 1994 regelmäßige Kontakte zwischen Pasminco Europe‑ISC Alloys (dem Vorgänger von Trident) und deren Wettbewerbern
         gegeben habe und ein leitender Mitarbeiter im Vertrieb u. a. über eine unmittelbare Telefonleitung regelmäßig mit Wettbewerbern
         in Kontakt gestanden habe (Randnr. 76 der angefochtenen Entscheidung). Die Klägerin hat nach eigener Aussage niemals Kontakt
         zu dem betreffenden leitenden Mitarbeiter bezüglich der Marktsituation und des Preisniveaus gehabt. Die Tatsache, dass die
         anderen betroffenen Unternehmen das Kartell gegründet hätten, bevor sie aufgefordert worden sei, sich ihm anzuschließen, erkläre
         zumindest teilweise, warum sie nie zum inneren Kreis der Gründungsmitglieder gehört habe.
      
      66     Dass das Kartell vor der Zusammenkunft vom 24. März 1994 bestanden habe, werde durch die Feststellung der Kommission bestätigt,
         wonach es im Oktober 1993 ein Treffen gegeben habe, bei dem es darum gegangen sei, „den Preiskrieg zu beenden und Ordnung
         in den Markt zu bringen“ (Randnr. 315 der angefochtenen Entscheidung). Die Klägerin habe an diesem Treffen nicht teilgenommen.
         Obwohl Union Pigments sowohl in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte als auch mündlich darauf hingewiesen
         habe, dass sie an dieser Zusammenkunft nicht teilgenommen habe, sei die Kommission darauf nicht eingegangen und habe in der
         angefochtenen Entscheidung lediglich festgestellt, dass die Klägerin ihre Teilnahme an dieser Zusammenkunft bestreite (Randnr.
         86 der angefochtenen Entscheidung). Der Umstand, dass die Kommission offensichtlich nicht versucht habe, die diese Zusammenkunft
         betreffenden Tatsachen zu überprüfen, habe sich negativ für die Klägerin ausgewirkt. Auf das Argument der Kommission, die
         Klägerin habe in ihren Erklärungen vom 2. September 1998 selbst die Zusammenkunft vom 24. März 1994 als „erste Zusammenkunft
         des Clubs“ bezeichnet, entgegnet Union Pigments, dass sie damit erkennbar die „erste Zusammenkunft, an der [sie] teilgenommen
         hat“, gemeint habe.
      
      67     Weiter verweist die Klägerin darauf, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zu dem Ergebnis gelangt sei, dass
         kein einzelner Anführer zu ermitteln gewesen sei und das Kartell „auf eine gemeinsame Initiative der Mehrzahl der Wettbewerber
         im Zinkphosphatsektor zurückgeht“ (Randnr. 319 der angefochtenen Entscheidung). Dabei habe die Kommission nicht berücksichtigt,
         dass die anderen Kartellteilnehmer die Initiative zur Gründung des Kartells ergriffen und sich bereits zu einer ersten Sitzung
         getroffen hätten, bevor sie die Klägerin aufgefordert hätten, sich dem Kartell anzuschließen. Da die Klägerin nicht an der
         Zusammenkunft von 1993 teilgenommen habe, auf die das Kartell zurückgehe, sei es ungerecht, sie bezüglich der Gründung des
         Kartells ebenso zu behandeln wie die anderen Teilnehmer. Wenn es richtig sei, dass die erste Zusammenkunft der fünf Hersteller
         spätestens am 24. März 1994 stattgefunden habe, habe die Kommission der Klägerin Unrecht getan, indem sie die multilateralen
         Treffen der vier anderen Hersteller vor 1994 außer Betracht gelassen habe. Heubach habe sich faktisch als Anführer des Kartells
         betragen, zumindest gegenüber der Klägerin. Ein Kartell müsse nicht von einem seiner Teilnehmer den anderen aufgezwungen worden
         sein, damit die Kommission einen Anführer bestimmen könne.
      
      68     Gegenüber der Weigerung der Kommission, der Klägerin eine andere Behandlung zuteil werden zu lassen, da die anderen Teilnehmer
         das Kartell gegründet hätten, bevor sie aufgefordert worden sei, daran teilzunehmen, hält Union Pigments daran fest, dass
         die Geschehnisse vor und nach dem betreffenden Zeitraum nicht als völlig irrelevant abgetan werden könnten. Die Entscheidung
         der Kommission, bestimmte Umstände zu berücksichtigen, habe sich zum Nachteil der Klägerin auf die Beurteilung der Schwere
         ihres Tatbeitrags ausgewirkt. Auch wenn die Kommission ihre Nachprüfungen und die angefochtene Entscheidung auf einen bestimmten
         Zeitraum habe beschränken müssen, was die Höhe der Geldbuße der anderen kaum beeinflusst habe, sei es nicht angängig, dass
         die Klägerin dafür büßen müsse, indem sie nicht die differenzierte Behandlung erhalten habe, die sie sonst sehr wahrscheinlich
         erhalten hätte.
      
      69     Die Kommission wendet hiergegen ein, sie habe niemals behauptet, dass die Klägerin zum Kartell angestiftet oder an der Zusammenkunft
         vom Oktober 1993 teilgenommen habe. Sie habe lediglich die Existenz einer Zuwiderhandlung von 1994 an festgestellt. Auch wenn
         ein Kartell möglicherweise vor diesem Zeitpunkt bestanden habe, falle es eindeutig nicht unter die angefochtene Entscheidung,
         und es sei daher müßig, hierüber weiter zu diskutieren. Die Klägerin habe in ihren Erklärungen vom 2. September 1998 auf die
         Zusammenkunft vom 24. März 1994 als „erste Zusammenkunft des ‚Club‘“ verwiesen. Diese Frage sei im Abschnitt über eventuelle
         mildernde Umstände geprüft worden.
      
      70     Jedenfalls hätte die Klägerin keinen Vorteil von der Feststellung, dass die anderen Adressaten der angefochtenen Entscheidung
         die „Anführer“ gewesen seien oder dass sie sich auch auf anderen Märkten oder seit langer Zeit verständigt hätten.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      71     Obwohl die Akten gewisse Hinweise enthalten, dass die Zinkphosphathersteller schon vor dem 24. März 1994 wettbewerbswidrige
         Kontakte unterhielten (vgl. z. B. Randnrn. 76 bis 80, 82 bis 86 und 225 der angefochtenen Entscheidung), konnte die Kommission
         zu Recht davon ausgehen, dass die Zuwiderhandlung erst mit der Zusammenkunft von diesem Tag begonnen hat. Da die Klägerin
         ihre Teilnahme an einer Sitzung im Oktober 1993 bestritten hat (Randnr. 86 der angefochtenen Entscheidung), hat die Kommission
         zutreffend festgestellt, dass die erste Zusammenkunft, an der alle betroffenen Unternehmen teilgenommen haben, am 24. März
         1994 stattgefunden hat. Diese Zusammenkunft war zudem die erste der regelmäßigen Sitzungen des Kartells. Die Feststellung,
         dass die ersten Zusammenkünfte des Kartells am 24. März und 3. Mai 1994 stattgefunden haben, steht im Einklang mit dem Schreiben
         des CEFIC vom 26. Mai 1994, in dem die Gründung der statistischen Gruppe Zinkphosphat angekündigt wurde (Randnrn. 66, 109
         und 112 der angefochtenen Entscheidung).
      
      72     Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Zuwiderhandlung zu einem früheren Zeitpunkt begonnen hat, würde sich dadurch nichts
         für die Klägerin ändern, da sie sich an ihr vom 24. März 1994 an beteiligt hat. Das Argument der Klägerin, das Kartell habe
         im Oktober 1993 begonnen, ist daher ohne Bedeutung für den Antrag auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung.
      
      73     Die Klägerin macht geltend, die Kommission hätte feststellen müssen, dass die anderen Teilnehmer, insbesondere Heubach, die
         Initiative zur Gründung des Kartells ergriffen hätten. Die unterschiedliche Rolle der Klägerin sei von der Kommission außer
         Betracht gelassen worden. Zwar kann nach den Leitlinien die „Rolle als Anführer oder Anstifter des Verstoßes“ ein erschwerender
         Umstand sein, der die Erhöhung des Grundbetrags rechtfertigt (Nr. 2 dritter Gedankenstrich), doch ist die Kommission im vorliegenden
         Fall zu dem Ergebnis gelangt, dass „das Kartell auf eine gemeinsame Initiative der Mehrzahl der Wettbewerber im Zinkphosphatsektor
         zurückgeht und daher kein einzelner Anführer zu ermitteln ist“ (Randnr. 319 der angefochtenen Entscheidung). Daher hat die
         Kommission entgegen dem von der Klägerin vermittelten Eindruck die Geldbußen insoweit nicht erhöht. Infolgedessen hat sich
         die genannte Feststellung der Kommission für die Klägerin nicht negativ ausgewirkt. Die Richtigkeit dieser Feststellung kann
         nicht in Zweifel gezogen werden, da die Akten die Initiative eines Unternehmens zur Gründung des Kartells nicht belegen (vgl.
         z. B. Randnrn. 314 bis 318 der angefochtenen Entscheidung).
      
      74     Somit ist die dritte Rüge nicht begründet.
       Zur vierten Rüge: Die Klägerin war kein Vollmitglied des Kartells
      –       Vorbringen der Parteien
      75     Nach Ansicht der Klägerin hat die Kommission fälschlicherweise außer Betracht gelassen, dass sie kein Vollmitglied des Kartells
         gewesen sei und von den anderen Mitgliedern auch nicht als ein solches angesehen worden sei. Hierfür führt sie mehrere Tatsachen
         an. Erstens habe sie an der ersten Sitzung im Oktober 1993 nicht teilgenommen. Zweitens, allgemeiner gesehen, habe sie nur
         widerstrebend mit dem Kartell kooperiert. Sie verweist dabei auf die von der Kommission anerkannte Tatsache, dass der CEFIC
         sie am 15. Juni 1994 zur Übermittlung ihrer Informationen habe mahnen müssen (Randnr. 109 der angefochtenen Entscheidung).
         Drittens zeigten die Feststellungen der Kommission bezüglich der Vermerke zu einer Sitzung vom 27. März 1995 in London, dass
         die Klägerin als Mitglied nicht gleichbehandelt worden sei. Einer ihrer Angestellten habe in seinem Terminkalender unter dem
         27. März 1995 vermerkt, dass die Klägerin auf dieser Sitzung habe verlangen wollen, als „Vollmitglied mit der Zuteilung [von]
         Kunden“ behandelt zu werden (Randnr. 122 der angefochtenen Entscheidung). Nach dieser Zusammenkunft hatte der Leiter für den
         Vertrieb in einem Vermerk vom 30. März 1995 notiert, dass die anderen Teilnehmer „nicht bereit [waren], über einen größeren
         Marktanteil für unser Unternehmen zu sprechen“ (Randnr. 122 der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission habe ebenfalls
         bestätigt, dass die Klägerin der Ansicht gewesen sei, dass sie „von den anderen übervorteilt wurde“ (Randnr. 124 der angefochtenen
         Entscheidung).
      
      76     Viertens weist Union Pigments darauf hin, dass sie an der Teknos betreffenden Zuteilungsvereinbarung nicht beteiligt gewesen
         sei. Wie die Kommission festgestellt habe (Randnr. 99 der angefochtenen Entscheidung), sei es nur einmal vorgekommen, dass
         die drei anderen Unternehmen einseitig entschieden hätten, dass die Klägerin Teknos einen Container liefern solle, und zwar
         deshalb, damit dieses Unternehmen keinen Verdacht hinsichtlich der Existenz einer Vereinbarung schöpfe. Diese Bestellung sei
         jedoch auf Kosten anderer Geschäfte in Finnland erfolgt. Der Vermerk vom 30. März 1995 belegt nach Ansicht der Klägerin, dass
         sie an der Vereinbarung über die Zuteilung von Teknos nicht beteiligt gewesen sei. Die Kommission habe keine Schlüsse daraus
         gezogen, dass die Klägerin von Teknos eine Bestellung nach ihrem Ausstieg aus dem Club im April 1995 erhalten habe (Randnr.
         131 der angefochtenen Entscheidung). Die einzig richtige Interpretation dieses Umstands wäre der Schluss gewesen, dass die
         Klägerin an dieser Vereinbarung nicht beteiligt gewesen sei, was ein weiterer Beweis dafür sei, dass sie kein Vollmitglied
         des Kartells gewesen sei. Zu der Behauptung der Kommission, die Klägerin habe „selbst eingeräumt“, sechs Monate lang von der
         Zuteilung von Teknos profitiert zu haben, erklärt Union Pigments, dass dieser Kunde ihr nur einmal und nicht für sechs Monate
         zugeteilt worden sei.
      
      77     Die Feststellung der Kommission, dass die Klägerin den vorliegenden Beweisen zufolge keine passive Rolle im Kartell gespielt
         habe, sei falsch. Auch wenn die Beweise eine vielleicht etwas naive Haltung gegenüber den Tätigkeiten des Clubs widerspiegelten,
         erlaubten sie jedenfalls keine Schlüsse auf eine aktive oder passive Rolle. Es sei mit einer passiven Rolle nicht unvereinbar,
         wenn Dokumente wie diejenigen gesammelt würden, die die Kommission in den Räumlichkeiten der Klägerin vorgefunden habe. Tatsächlich
         wäre die Rolle der Klägerin viel aktiver gewesen, wenn sie diese Dokumente entfernt oder zerstört hätte. Die Tatsache, dass
         sie turnusmäßig von Zeit zu Zeit Sitzungssäle reserviert habe, unterstreiche nur den passiven Charakter ihrer Beteiligung.
         Wenn die Kommission versuche, den Eindruck zu vermitteln, dass die Klägerin die Zusammenkunft vom 9. Januar 1995 nicht aufgedeckt
         habe, so sei dazu festzustellen, dass sie diese Zusammenkunft, die der Verbesserung ihrer Beziehungen zu einem der anderen
         Unternehmen gedient habe, nicht als eine „Zusammenkunft des Clubs“ angesehen habe. Dies dürfe auch bei der Beurteilung ihres
         Verhaltens keine Rolle spielen.
      
      78     Die Beschreibung, die die Kommission von den Vertretern der Klägerin bei den Zusammenkünften des Kartells gebe, sei irreführend
         und vermittle das falsche Bild, dass sie ebenso hochrangig gewesen seien wie die der anderen betroffenen Unternehmen. Nach
         den Feststellungen der Kommission seien die anderen Unternehmer durch die Mitglieder der obersten Führungsebene, d. h. durch
         Geschäftsführer, Generaldirektoren oder Verwaltungsratsvorsitzende, vertreten gewesen, während die Klägerin durch einen „Direktor
         und [den] Leiter Internationaler Vertrieb“ vertreten gewesen sei (Randnr. 71 der angefochtenen Entscheidung). Auch wenn Herr R.
         tatsächlich den Titel „Direktor“ gehabt habe, so sei dies keine rechtlich festgelegte Bezeichnung gewesen und sage nichts
         über die Stellung, die Vollmachten und Verantwortlichkeiten des Inhabers dieses Titels aus, die eher mit denen von Herrn B.,
         dem Leiter für den Vertrieb, vergleichbar gewesen seien. Dagegen hätten die anderen Unternehmen Vertreter der obersten Führungsebene
         entsandt. Herr W. sei zu Beginn der Zuwiderhandlung Geschäftsführer der Klägerin gewesen.
      
      79     Die Kommission widerspricht dem Vorbringen von Union Pigments. Die Klägerin sei nicht gezwungen gewesen, am Kartell teilzunehmen.
         Aus dem in der angefochtenen Entscheidung dargestellten Sachverhalt, der durch zahlreiche unmittelbare Beweise, die in den
         Räumlichkeiten der Klägerin aufgefunden worden seien, belegt werde, ergebe sich, dass die Rolle der Klägerin nicht als „passiv“
         angesehen werden könne. Die Beweise zeigten vielmehr, dass die Klägerin die Kartellvereinbarungen umgesetzt habe.
      
      80     Die Klägerin habe von der Zuteilung von Kunden profitiert. In ihrer Klagebeantwortung verweist die Kommission darauf, dass
         Teknos 1997 der Klägerin für sechs Monate zugeteilt worden sei, was diese selbst eingestanden habe. In ihrer Gegenerwiderung
         räumt die Kommission ein, dass sie „versehentlich eine andere Kundenzuweisung angeführt“ habe, erinnert aber daran, dass ihre
         Feststellung in der angefochtenen Entscheidung, Teknos sei der Klägerin zugeteilt worden, von dieser nicht bestritten worden
         sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      81     Nach Ansicht des Gerichts ist die Kommission zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass die Klägerin Vollmitglied des Kartells
         war. Wie nämlich im Folgenden aufgezeigt werden wird, war die Klägerin an allen wesentlichen Elementen der Zuwiderhandlung
         beteiligt.
      
      82     Erstens steht fest, dass die Klägerin regelmäßig an den Sitzungen des Kartells teilgenommen hat. Die Kommission hat zu Recht
         festgestellt, dass die Klägerin bei fünfzehn der sechzehn multilateralen Treffen, die für den Kartellzeitraum ermittelt worden
         sind, anwesend war (Randnrn. 102, 107, 112, 116, 120, 132, 133, 137, 151, 157, 168 und 181 der angefochtenen Entscheidung).
         Einige dieser Treffen hat die Klägerin sogar organisiert (Randnrn. 120, 136 und 160 der angefochtenen Entscheidung). Ihre
         Behauptung, dass sie an der Zusammenkunft im Oktober 1993 nicht teilgenommen habe, ist ohne Bedeutung, da die Kommission als
         Beginn des Kartells erst den 24. März 1994 angenommen hat.
      
      83     Das Argument der Klägerin, sie sei nicht durch Personen vertreten worden, die ebenso hochrangig gewesen seien wie die Vertreter
         der anderen betroffenen Unternehmen, beweist nicht, dass sie kein Vollmitglied gewesen ist. Entgegen dem von der Klägerin
         vermittelten Eindruck hat die Kommission nicht erklärt, dass die anderen Unternehmen durch Mitglieder der obersten Führungsebene
         vertreten waren. Sie hat lediglich die Vertreter benannt, die die Unternehmen bei den Zusammenkünften des Kartells gewöhnlich
         vertreten haben. Im Übrigen ist die Ebene, auf der die Klägerin vertreten worden ist, auch wenn es sich nur um den Leiter
         für den Vertrieb handelte, hoch genug, um als Beleg dafür dienen zu können, dass die Klägerin an diesen Zusammenkünften als
         volles Mitglied teilgenommen hat.
      
      84     Zweitens bestreitet die Klägerin nicht, dass sie an der Quotenvereinbarung in vollem Umfang beteiligt gewesen ist (Randnrn.
         51 bis 53 der Erklärung von Union Pigments). Im Übrigen ergibt sich aus dem internen Vermerk vom 30. März 1995, dass sie sogar
         eine Vergrößerung ihres Marktanteils verlangt hat (Randnr. 122 der angefochtenen Entscheidung). Wie in der Vereinbarung vorgesehen,
         übermittelte die Klägerin ihre Absatzzahlen an den CEFIC und später an dessen Nachfolger, den Verband der Mineralfarbenindustrie
         eV (Nrn. 51 bis 53 der Erklärung von Union Pigments, Randnrn. 109, 110, 130, 134, 144, 153 und 184 der angefochtenen Entscheidung).
         Im Gegenzug erhielt die Klägerin Informationen über den Absatz der anderen Kartellmitglieder, was ihr Verhalten innerhalb
         des Kartells und auf dem Markt beeinflussen konnte (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache
         T‑220/00, Cheil Jedang/Kommission, Slg. 2003, II‑2473, Randnr. 207). Die Tatsache, dass der CEFIC die Klägerin zur Übermittlung
         von Informationen mahnen musste (Randnr. 109 der angefochtenen Entscheidung), genügt nicht als Beweis dafür, dass die Klägerin
         nur widerstrebend mit dem Kartell zusammenarbeitete.
      
      85     Drittens bestreitet die Klägerin in ihrer Erklärung nicht ihre Beteiligung an der Festlegung der Richtpreise (vgl. Nrn. 49,
         60 und 73 der Erklärung von Union Pigments). Sie hat in ihrem Vermerk vom 30. März 1995 sogar eingeräumt, dass sie dank des
         Kartells höhere Preise erzielte (Randnr. 125 der angefochtenen Entscheidung; vgl. auch Nrn. 49 und 73 der Erklärung von Union
         Pigments).
      
      86     Viertens konnte die Kommission davon ausgehen, dass die Klägerin an der Zuteilung von Kunden beteiligt war. Union Pigments
         bestreitet nur ihre Beteiligung an der Vereinbarung über die Zuteilung von Teknos, nicht aber ihre Beteiligung an anderen
         in der angefochtenen Entscheidung genannten Kundenzuteilungen. Teknos ist möglicherweise vor März 1995 ohne Beteiligung der
         Klägerin zugeteilt worden (Randnrn. 122 bis 124 der angefochtenen Entscheidung). Die Klägerin hat jedoch eingeräumt, dass
         sie Teknos einen Container geliefert habe (Nr. 69 der Erklärung von Union Pigments). Ihre Erklärung, diese Lieferung sei nur
         erfolgt, damit Teknos keinen Verdacht hinsichtlich der Existenz einer Vereinbarung schöpfe, überzeugt nicht. Im Übrigen ist
         nach der Aussage von Trident der Teknos in Rechnung gestellte Preis Gegenstand einer Vereinbarung gewesen, wobei auch festgelegt
         wurde, dass kein anderer Produzent das Preisangebot desjenigen Herstellers, der an der Reihe war, dieses Geschäft abzuschließen,
         unterbieten durfte (Randnr. 96 der angefochtenen Entscheidung). Nach einem Vermerk der Klägerin über eine Zusammenkunft am
         4. Februar 1997 akzeptierte diese offensichtlich, höhere Preise als die SNCZ zu verlangen, da Teknos dem letztgenannten Unternehmen
         für sechs Monate zugeteilt worden war (Randnrn. 138 f. der angefochtenen Entscheidung). Dies belegt ebenfalls die Beteiligung
         der Klägerin an der Vereinbarung über die Zuteilung von Teknos. Zudem war Teknos einer der Hauptkunden der Klägerin (Randnrn.
         97 und 270 der angefochtenen Entscheidung), und diese war nach Aussage von Trident zu einem Preiskrieg bereit, um diesen Kunden
         zu behalten (Randnr. 97 der angefochtenen Entscheidung). Somit ist nicht nachgewiesen, dass die Klägerin an der Zuteilung
         dieses Kunden nicht beteiligt gewesen ist, zumindest nachdem sie Kenntnis von einer solchen Zuteilung erlangt hatte. 
      
      87     Selbst wenn die Klägerin nicht an der Vereinbarung über die Zuteilung von Teknos beteiligt war, durfte die Kommission auch
         sie als für diese Kundenzuteilung verantwortlich ansehen. Ein Unternehmen, das sich an einer vielgestaltigen Zuwiderhandlung
         gegen die Wettbewerbsregeln durch eigene Handlungen beteiligt hat, die den Begriff der auf ein wettbewerbswidriges Ziel gerichteten
         Vereinbarung oder abgestimmten Verhaltensweise im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG erfüllen und zur Verwirklichung der Zuwiderhandlung
         in ihrer Gesamtheit beitragen sollen, kann für die gesamte Zeit seiner Beteiligung an der genannten Zuwiderhandlung auch für
         das Verhalten verantwortlich sein, das andere Unternehmen im Rahmen dieser Zuwiderhandlung an den Tag legen, wenn das betreffende
         Unternehmen nachweislich von dem rechtswidrigen Verhalten der anderen Beteiligten weiß oder es vernünftigerweise vorhersehen
         kann und bereit ist, die daraus erwachsende Gefahr auf sich zu nehmen (Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, vorstehend zitiert
         in Randnr. 39, Randnr. 203, und Urteil des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑23/99, LR AF 1998/Kommission, Slg.
         2002, II‑1705, Randnr. 158).
      
      88     Schließlich hat die Kommission das Vorhandensein des von der Klägerin geltend gemachten „Kartells im Kartell“ zu Recht verneint
         (Randnrn. 122 bis 125 der angefochtenen Entscheidung). Die Klägerin hat die Existenz eines solchen inneren Kreises nicht hinreichend
         nachgewiesen. Jedenfalls könnte dies nichts daran ändern, dass die Klägerin an der in der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung in vollem Umfang teilgenommen hat.
      
      89     Nach alledem ist diese vierte Rüge ebenfalls als unbegründet zurückzuweisen.
       Zur fünften Rüge: Die Klägerin hat die Zuwiderhandlung unverzüglich beendet
      –       Vorbringen der Parteien
      90     Die Klägerin macht geltend, die Kommission habe nicht gebührend berücksichtigt, dass Union Pigments nach den bei den Unternehmen
         durchgeführten Nachprüfungen die Zuwiderhandlung unverzüglich beendet habe. Das Unternehmen habe beschlossen, mit der Kommission
         im Rahmen dieser Nachprüfungen in vollem Umfang zusammenzuarbeiten und sei nach wie vor dazu bereit. Nach diesen Nachprüfungen
         habe die Klägerin das Treffen in Amsterdam ohne Begründung abgesagt und Heubach klar zu verstehen gegeben, dass sie keine
         statistischen Angaben mehr übermitteln werde. Am 15. Juli 1998 habe die Klägerin ein Fax an die Kartellmitglieder versandt
         und sie über ihren Ausstieg aus dem Kartell informiert. Sie habe die Einladung, sich der neuen Vereinigung European Manufacturers
         of Zinc Phosphates (im Folgenden: EMZP) anzuschließen, abgelehnt und die Kommission von der Gründung dieses Verbands unterrichtet.
         Das Verhalten der Klägerin bezüglich der EMZP zeige, dass sie unverzüglich die Maßnahmen ergriffen habe, die die Kommission
         später den Unternehmen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte auferlegt habe. Dieses Verhalten der Klägerin hätte eine unterschiedliche
         Behandlung des Unternehmens gerechtfertigt. Die Kommission habe diesen Umständen jedoch nicht gebührend Rechnung getragen.
         Union Pigments wirft ihr insbesondere vor, bei der Frage der EMZP keinen klaren Unterschied zwischen der Klägerin und den
         anderen betroffenen Unternehmen gemacht zu haben. Die Kommission vermittle ein falsches Bild vom Verhalten der Klägerin, wenn
         sie behaupte, dass die „Mitglieder des Kartells“ diesem Verband Informationen übermittelt hätten (Randnr. 254 der angefochtenen
         Entscheidung), ohne darauf hinzuweisen, dass die Klägerin hieran nicht beteiligt gewesen sei.
      
      91     Die Kommission verweist darauf, dass sie nicht verpflichtet sei, die Geldbuße herabzusetzen, weil die Klägerin die Zuwiderhandlung
         nach dem ersten Eingreifen der Kommission beendet habe (Urteil LR AF 1998/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 87, Randnr.
         324). Auch hätte die Berücksichtigung eines mildernden Umstands in diesem Fall keine Auswirkung auf den Endbetrag der Geldbuße
         gehabt.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      92     Nummer 3 dritter Gedankenstrich der Leitlinien sieht eine Verringerung des Grundbetrags bei „Beendigung der Verstöße nach
         dem ersten Eingreifen der Kommission (insbesondere Nachprüfungen)“ vor. Die Kommission ist jedoch nicht gehalten, die Beendigung
         einer Zuwiderhandlung grundsätzlich als mildernden Umstand zu berücksichtigen. Die Reaktion eines Unternehmens auf die Einleitung
         einer Untersuchung seiner Tätigkeiten kann nur unter Berücksichtigung der speziellen Umstände des konkreten Falles beurteilt
         werden (Urteil LR AF 1998/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 87, Randnr. 324).
      
      93     Die Kommission führte am 13. und 14. Mai 1998 Nachprüfungen bei verschiedenen Unternehmen durch. Die Überwachungsbehörde der
         EFTA führte vom 13. bis 15. Mai 1998 Nachprüfungen bei der Klägerin durch. Die Kommission hat in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellt, dass das Kartell vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998 dauerte. Somit hat die Kommission berücksichtigt,
         dass die Unternehmen die Zuwiderhandlung nach dem ersten Eingreifen der Kommission beendet haben.
      
      94     Jedenfalls hat die Klägerin nicht dargetan, dass sie ihre Beteiligung an dem Kartell schon beim Eingreifen der Kommission
         beendet hat. Sie teilte den anderen Kartellmitgliedern ihren Ausstieg erst am 15. Juli 1998 mit (vgl. vorstehend Randnr. 90).
      
      95     Zu dem Argument der Klägerin, sie habe nach den Nachprüfungen in vollem Umfang mit der Kommission zusammengearbeitet, ist
         zu bemerken, dass sie erst am 17. Juli 1998 an die Kommission herangetreten ist (Randnr. 57 der angefochtenen Entscheidung).
         Im Übrigen hat sie die höchstmögliche Ermäßigung nach Abschnitt D der Mitteilung über die Zusammenarbeit, nämlich 50 %, erhalten.
      
      96     Zur EMZP genügt der Hinweis, dass dieser Verband am 31. Juli 1998 gegründet worden ist und daher nicht unter die in Rede stehende
         Zuwiderhandlung fällt (Randnr. 42 der angefochtenen Entscheidung). Daher ist der Nichtbeitritt der Klägerin zu diesem Verband
         im vorliegenden Fall ohne Bedeutung.
      
      97     Infolgedessen ist diese fünfte Rüge und damit der gesamte erste Klagegrund als unbegründet zurückzuweisen.
      2.     Zum zweiten Klagegrund: Fehlerhafte Bemessung der Geldbuße und Verstoß gegen allgemeine Grundsätze
      98     Die Klägerin macht geltend, dass die angefochtene Entscheidung als Folge der unzutreffenden Sachverhalts- und Beweiswürdigung
         auch bezüglich der Höhe des Grundbetrags fehlerhaft sei und damit gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, die in
         der Entscheidungspraxis anerkannten Grundsätze, die Leitlinien und die Mitteilung über die Zusammenarbeit verstoße. Dieser
         Klagegrund besteht aus sechs Teilen, die folgende Aspekte der angefochtenen Entscheidung betreffen:
      
      –       Schwere der Zuwiderhandlung und unterschiedliche Behandlung;
      –       Dauer der Zuwiderhandlung;
      –       fehlerhafte Annahme erschwerender Umstände und mangelnde Berücksichtigung mildernder Umstände;
      –       fehlerhafte Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit;
      –       Verstoß gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und Verhältnismäßigkeit;
      –       unbegründete Verstärkung der Abschreckungswirkung und Unmöglichkeit der Zahlung der Geldbuße.
       Zum ersten Teil des zweiten Klagegrundes: Schwere der Zuwiderhandlung und unterschiedliche Behandlung
       Vorbringen der Parteien
      99     Nach Ansicht der Klägerin durfte die von ihr begangene Zuwiderhandlung von der Kommission nicht als „besonders schwer“ (Randnr.
         300 der angefochtenen Entscheidung) eingestuft werden. Die Zuwiderhandlung hätte als ein „minder schwerer“ Verstoß angesehen
         werden müssen, und Union Pigments wäre verdientermaßen anders behandelt worden, wenn die Kommission den konkreten Umständen
         des Falles gebührend Rechnung getragen hätte, insbesondere der Tatsache, dass das Unternehmen nicht zu den Anstiftern des
         Kartells und nicht zum inneren Kreis gehört habe, kein Vollmitglied gewesen sei, sich für fünf bis sechs Monate vom Kartell
         zurückgezogen habe, dieser Rückzug sich für das Kartell nachteilig ausgewirkt habe und die Klägerin nur eine passive Rolle
         gespielt habe, während die treibende Kraft des Kartells andere Teilnehmer gewesen seien. Im Übrigen sei die tatsächliche Auswirkung
         der ihr zur Last gelegten Zuwiderhandlung gering gewesen, da ein großer Teil ihrer Produktion von der BASF gekauft oder über
         ihre Händler verkauft worden sei. Die Preise der Klägerin hätten in der Regel unter dem „empfohlenen Niveau“ gelegen.
      
      100   Sodann habe die Kommission dem relativen Gewicht der betroffenen Unternehmen im Rahmen der von ihr vorgenommenen Differenzierung
         nicht Rechnung getragen. Angesichts des relativ bedeutenden Größenunterschieds dieser Unternehmen, der in den Umsatzzahlen
         und der Zahl der Beschäftigten der Unternehmen zum Ausdruck komme, sowie der tatsächlichen Fähigkeit der Klägerin, andere
         zu schädigen, hätte gegen Union Pigments ein erheblich niedrigerer Grundbetrag als gegen die anderen Unternehmen festgesetzt
         werden müssen. Außerdem hätte die Kommission die Zusammenarbeit der anderen Kartellteilnehmer, insbesondere von Heubach, der
         SNCZ und Trident, gegenüber einem kleinen Unternehmen wie der Klägerin berücksichtigen müssen. Der Einfluss der Klägerin habe
         sich von dem der anderen betroffenen Unternehmen unterschieden und bei weitem nicht dem Marktanteil entsprochen, der der Kommission
         als Grundlage für die Bemessung der Geldbuße diene (vgl. dazu vorstehend Randnr. 53).
      
      101   Angesichts dessen ist die Klägerin der Ansicht, dass die Kommission gegen sie einen übermäßig hohen Grundbetrag festgesetzt
         habe.
      
      102   Die Kommission macht geltend, die Klägerin vermenge die Frage der Schwere der Zuwiderhandlung mit der ihres Tatbeitrags. Zu
         den Ausführungen über ihre unterschiedliche Behandlung stellt die Kommission fest, dass sie die Unternehmen in zwei Gruppen
         eingeteilt habe, wobei die Klägerin mit den drei anderen Unternehmen der ersten zugeordnet worden sei. Der Marktanteil der
         Klägerin, von ihr selbst auf etwa 30 % geschätzt, sei bei weitem der größte, und es habe daher für die Kommission kein Grund
         bestanden, Union Pigments eine besondere Behandlung zuteil werden zu lassen. In ihrer Gegenerwiderung fügt die Kommission
         hinzu, die Klägerin habe nicht schlüssig nachgewiesen, dass sie nicht zu den größten Zinkphosphatherstellern des EWR gehört
         habe und zu Unrecht mit diesen in eine Gruppe eingestuft worden sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      103   In Nummer 1 Abschnitt A der Leitlinien verpflichtet sich die Kommission ausdrücklich, bei der Ermittlung der Schwere eines
         Verstoßes neben seiner Art und dem Umfang des betreffenden räumlichen Marktes die konkreten Auswirkungen auf den Markt zu
         berücksichtigen, sofern diese messbar sind. Im vorliegenden Fall sind alle diese Kriterien in Randnummer 300 der angefochtenen
         Entscheidung aufgeführt worden.
      
      104   Aus der Entscheidung ergibt sich ebenso wie aus den Leitlinien, deren Grundsätze dort angewandt worden sind, dass die Schwere
         der Zuwiderhandlung zwar in einem ersten Schritt anhand der Merkmale der Zuwiderhandlung selbst, wie etwa ihrer Natur und
         ihrer Auswirkung auf den Markt, beurteilt wird, diese Beurteilung in einem zweiten Schritt aber entsprechend den individuellen
         Gegebenheiten im Fall des betreffenden Unternehmens modifiziert wird, wobei die Kommission neben der Größe und den Möglichkeiten
         des Unternehmens nicht nur etwaige erschwerende Umstände, sondern auch eventuelle mildernde Umstände berücksichtigt (vgl.
         Urteil des Gerichts vom 30. September 2003 in den Rechtssachen T‑191/98, T‑212/98 bis T‑214/98, Atlantic Container Line u. a./Kommission,
         Slg. 2003, II‑3275, Randnr. 1530 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      105   Die von der Klägerin im Rahmen dieses ersten Teils des zweiten Klagegrundes vorgetragenen Argumente betreffen ihren Tatbeitrag
         und nicht die Merkmale der Zuwiderhandlung selbst. Das Vorbringen der Klägerin, sie habe nicht zu den Anstiftern des Kartells
         und nicht zum „inneren Kreis“ gehört, sei kein Vollmitglied gewesen und habe nur eine passive Rolle gespielt, ist bei der
         Frage der erschwerenden und mildernden Umstände zu prüfen (vgl. nachstehend Randnrn. 118 bis 133). Der Ausstieg der Klägerin
         aus dem Kartell gehört zur Frage der Dauer der Zuwiderhandlung und wird nachstehend in den Randnummern 111 bis 114 behandelt.
      
      106   Zu der Behauptung der Klägerin, die tatsächliche Auswirkung ihrer Zuwiderhandlung sei unbedeutend gewesen, genügt die Feststellung,
         dass für die Festsetzung der allgemeinen Höhe der Geldbußen nicht die Wirkungen zu berücksichtigen sind, die sich aus dem
         von einem Unternehmen behaupteten individuellen Verhalten ergeben, sondern die Wirkungen der Zuwiderhandlung, an der es teilgenommen
         hat, in ihrer Gesamtheit (Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, vorstehend zitiert in Randnr. 39, Randnr. 152, und Urteil
         des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache T‑224/00, Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission,
         Slg. 2003, II‑2597, Randnr. 160).
      
      107   Die Rüge, die Kommission habe weder dem relativen Gewicht der betroffenen Unternehmen im Rahmen der von ihr vorgenommenen
         Differenzierung noch der tatsächlichen Fähigkeit der Klägerin, andere zu schädigen, Rechnung getragen, ist bei der Rüge eines
         Verstoßes gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit zu prüfen (vgl. nachstehend Randnrn. 148 bis
         165).
      
      108   Die anderen Argumente, die die Klägerin schon im Rahmen des zweiten Teils des ersten Klagegrundes vorgetragen hatte, nämlich
         die Existenz eines inneren Kreises und der geringe Einfluss des Unternehmens auf den Markt, hat das Gericht bereits zurückgewiesen
         (vgl. vorstehend Randnr. 88 bzw. Randnrn. 58 bis 62).
      
       Zum zweiten Teil des zweiten Klagegrundes: Dauer der Zuwiderhandlung
       Vorbringen der Parteien
      109   Nach Ansicht der Klägerin ist es falsch gewesen, dass die Kommission davon ausgegangen sei, die Zuwiderhandlung des Unternehmens
         habe ebenso lange gedauert wie die der anderen Teilnehmer, nämlich vier Jahre und einen Monat, und dass sie daher den aufgrund
         der Schwere der Zuwiderhandlung festgesetzten Ausgangsbetrag um 40 % erhöht habe. Die Kommission habe den fünf- bis sechsmonatigen
         Ausstieg der Klägerin aus dem Kartell nicht berücksichtigt. Dadurch habe sie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung und
         gegen ihre Entscheidungspraxis verstoßen und die Leitlinien nicht richtig angewandt. Zur Berücksichtigung der Dauer hätte
         der Ausgangsbetrag weit weniger als 40 % erhöht werden müssen.
      
      110   Die Kommission verweist auf ihre Argumente, die sie gegenüber dem ersten Teil des ersten Klagegrundes vorgetragen hat.
       Würdigung durch das Gericht
      111   Wie vorstehend in den Randnummern 36 bis 44 ausgeführt, ist die Kommission zu Recht davon ausgegangen, dass die Klägerin ohne
         Unterbrechung vom 24. März 1994 bis zum 13. Mai 1998 an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen ist. Daher ist der zweite Teil
         des zweiten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
      112   Aber selbst wenn das Vorbringen der Klägerin begründet wäre, würde sich nichts am Endbetrag der Geldbuße ändern. Die Kommission
         könnte immer noch berechtigterweise davon ausgehen, dass die Klägerin eine Zuwiderhandlung von mittlerer Dauer, nämlich vom
         24. März 1994 bis März 1995 und dann wieder von August 1995 bis zum 13. Mai 1998, begangen hat. Für diese Dauer wäre eine
         Erhöhung um 35 % angemessen. Aufgrund der Rechenoperationen, die gemäß der Mitteilung über die Zusammenarbeit und wegen der
         Höchstgrenze von 10 % des von dem betroffenen Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes durchzuführen sind,
         würde sich der Endbetrag der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße bei einer Erhöhung um etwa 35 % statt um 40 % nicht
         ändern.
      
      113   Zum Vorbringen der Klägerin in der mündlichen Verhandlung, die Kommission hätte die Geldbußen nicht um 10 % pro Jahr erhöhen
         dürfen, genügt die Feststellung, dass dieses Argument nicht in der Klageschrift geltend gemacht worden ist und daher ein neues
         Angriffsmittel darstellt, das nach Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts unzulässig ist.
      
      114   Aus diesen verschiedenen Gründen ist der zweite Teil des zweiten Klagegrundes zurückzuweisen.
       Zum dritten Teil des zweiten Klagegrundes: Fehlerhafte Annahme erschwerender Umstände und mangelnde Berücksichtigung mildernder
            Umstände
       Vorbringen der Parteien
      115   Erstens hält Union Pigments es für nicht gerechtfertigt, dass die Kommission das Unternehmen unter die Teilnehmer eingeordnet
         habe, die die „gemeinsame Initiative“ zur Gründung des Kartells ergriffen hätten, und deshalb das Vorliegen erschwerender
         Umstände im Fall der Klägerin bejaht habe. Außerdem habe die Kommission nicht hinreichend berücksichtigt, dass die anderen
         Unternehmen das Kartell ins Leben gerufen und einen „inneren Kreis“ gebildet hätten, während die Klägerin sich erst viel später
         angeschlossen habe und nie ein Vollmitglied gewesen sei. Durch ihre Weigerung, der Klägerin aus diesen Gründen eine günstigere
         Behandlung zuteil werden zu lassen, habe die Kommission gegen die Leitlinien verstoßen.
      
      116   Zweitens macht die Klägerin geltend, die Kommission habe zu Unrecht angenommen, dass im vorliegenden Fall keine mildernden
         Umstände zu berücksichtigen seien, und dadurch gegen ihre Entscheidungspraxis und die Leitlinien verstoßen. Unter Hinweis
         auf ihr vorstehend wiedergegebenes Vorbringen behauptet Union Pigments, die Kommission habe außer Betracht gelassen, dass
         sie aufgefordert worden sei, sich einem bereits bestehenden Kartell anzuschließen, dass sie niemals dem „inneren Kreis“ angehört
         habe und dass ihr niemals – außer in einem Fall, in dem es um den Schutz der anderen Mitglieder des Kartells gegangen sei
         – ein Abnehmer zugeteilt worden sei. Die Kommission habe auch nicht berücksichtigt, dass die Klägerin in der Praxis die streitigen
         Vereinbarungen in nur sehr begrenztem Umfang durchgeführt habe, wie der Rückzug vom Kartell, ihre niedrigeren Preise auf dem
         nordischen Markt, ihre – von der Kommission bestätigten (Randnr. 118 der angefochtenen Entscheidung) – häufigen Konflikte
         bei den Zusammenkünften mit anderen Teilnehmern, insbesondere mit Britannia wegen des Absatzes im Vereinigten Königreich,
         und der Preiskrieg zeigten. Die Kommission habe auch außer Acht gelassen, dass die Klägerin in gewisser Weise gezwungen gewesen
         sei, dem Kartell beizutreten, da einige der Kartellmitglieder gleichzeitig wichtige Kunden von ihr gewesen seien und sie zu
         diesem Zeitpunkt gerade ihren wichtigsten Abnehmer und Händler auf dem Kontinent, die BASF, verloren habe.
      
      117   Nach Ansicht der Kommission genügt der Hinweis, dass sie in der angefochtenen Entscheidung keine erschwerenden Umstände im
         Fall der Klägerin festgestellt habe. Die Argumente von Union Pigments für das Vorliegen angeblich mildernder Umstände seien
         zurückzuweisen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      118   Nach der Rechtsprechung ist bei einer von mehreren Unternehmen begangenen Zuwiderhandlung die relative Schwere des Tatbeitrags
         jedes einzelnen Unternehmens zu prüfen (Urteil Suiker Unie u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 35, Randnr. 623,
         und Kommission/Anic Partecipazioni, vorstehend zitiert in Randnr. 39, Randnr. 150), um feststellen zu können, ob in seinem
         Fall erschwerende oder mildernde Umstände vorliegen. 
      
      119   Dies ist die logische Folge des Grundsatzes der individuellen Straf‑ und Sanktionsfestsetzung, wonach gegen ein Unternehmen
         nur Sanktionen für die Handlungen verhängt werden dürfen, die ihm individuell zur Last gelegt worden sind. Dieser Grundsatz
         gilt in allen Verwaltungsverfahren, die aufgrund der wettbewerbsrechtlichen Vorschriften der Gemeinschaft zu Sanktionen führen
         können (Urteil des Gerichts vom 13. Dezember 2001 in den Rechtssachen T‑45/98 und T‑47/98, Krupp Thyssen Stainless und Acciai
         speciali Terni/Kommission, Slg. 2001, II‑3757, Randnr. 63).
      
      120   Die Nummern 2 und 3 der Leitlinien sehen eine Abänderung des Grundbetrags der Geldbuße vor, je nachdem, ob im Fall des einzelnen
         Unternehmens erschwerende oder mildernde Umstände vorliegen.
      
      121   Die Behauptung von Union Pigments, die Kommission habe das Unternehmen unter die Teilnehmer eingeordnet, die gemeinsam die
         Initiative zur Gründung des Kartells ergriffen hätten, und daher im Fall der Klägerin das Vorliegen eines erschwerenden Umstands
         bejaht, entspricht nicht den Tatsachen. Die Kommission hat nämlich im Fall der Klägerin keine erschwerenden Umstände angenommen
         (Randnrn. 314 bis 319 der angefochtenen Entscheidung). Aber selbst wenn die Kommission im Fall der anderen betroffenen Unternehmen
         wegen deren Rolle als Anführer oder Anstifter zur Zuwiderhandlung das Vorliegen eines erschwerenden Umstands bejaht hätte,
         hätte dies jedenfalls nichts an der Höhe der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße geändert.
      
      122   Aus demselben Grund ist das Argument der Klägerin, die Kommission hätte die Tatsache, dass die anderen Unternehmen einen inneren
         Kreis gebildet hätten, als erschwerenden Umstand ansehen müssen, zurückzuweisen (vgl. dazu vorstehend Randnr. 88).
      
      123   Ebenso ist der Antrag auf Herabsetzung der Geldbuße wegen mildernder Umstände zurückzuweisen.
      124   Die Klägerin hat erstens geltend gemacht, sie sei aufgefordert worden, einem bereits bestehenden Kartell beizutreten, habe
         nicht zum inneren Kreis gehört, und ihr sei niemals ein Abnehmer zugeteilt worden. Wie vorstehend in Randnummer 71 ausgeführt,
         ist die Kommission zu Recht nicht davon ausgegangen, dass das Kartell vor dem 24. März 1994 bestanden hat. Im Übrigen enthalten
         die Akten nichts, was für die Existenz des von der Klägerin behaupteten inneren Kreises spräche (vgl. dazu vorstehend Randnr.
         88). Schließlich hat die Kommission zu Recht festgestellt, dass die Klägerin an dem Abkommen über die Zuteilung von Abnehmern,
         einschließlich von Teknos, beteiligt gewesen ist (vgl. vorstehend Randnr. 86).
      
      125   Im Übrigen ist das Gericht der Auffassung, dass ein Teilnehmer an einer Zuwiderhandlung sich grundsätzlich nicht auf einen
         mildernden Umstand berufen kann, den er mit dem Verhalten der anderen Teilnehmer an dieser Zuwiderhandlung begründet. Im vorliegenden
         Fall könnte die Tatsache, dass die anderen Kartellmitglieder sich früher oder stärker für das Kartell eingesetzt haben, gegebenenfalls
         als erschwerender Umstand im Fall dieser Unternehmen, nicht aber als mildernder Umstand zugunsten der Klägerin gewertet werden.
      
      126   Zu der von Union Pigments geltend gemachten rein passiven Rolle des Unternehmens ist festzustellen, dass eine „ausschließlich
         passive Mitwirkung oder reines Mitläufertum“ eines Unternehmens bei der Zuwiderhandlung tatsächlich, wenn sie bewiesen ist,
         nach Nummer 3 erster Gedankenstrich der Leitlinien einen mildernden Umstand darstellt. Diese passive Rolle bedeutet, dass
         sich das betreffende Unternehmen nicht hervorgetan haben darf, d. h. nicht aktiv an der Ausarbeitung der wettbewerbswidrigen
         Vereinbarungen beteiligt gewesen ist. Nach der Rechtsprechung kann als Anhaltspunkt für die passive Rolle eines Unternehmens
         innerhalb eines Kartells u. a. angesehen werden, dass es im Vergleich zu den normalen Mitgliedern des Kartells deutlich seltener
         an den Besprechungen teilgenommen hat, dass es spät in den Markt, auf dem die Zuwiderhandlung stattgefunden hat, eingetreten
         ist, unabhängig davon, wie lange es an der Zuwiderhandlung mitgewirkt hat, oder dass es entsprechende ausdrückliche Aussagen
         von Vertretern dritter an der Zuwiderhandlung beteiligter Unternehmen gibt (vgl. Urteil Cheil Jedang/Kommission, vorstehend
         zitiert in Randnr. 84, Randnrn. 167 f. und die dort zitierte Rechtsprechung, und Urteil des Gerichts vom 29. April 2004 in
         den Rechtssachen T‑236/01, T‑239/01, T‑244/01 bis T‑246/01, T‑251/01 und T‑252/01, Tokai Carbon u. a./Kommission, Slg. 2004,
         II‑0000, Randnr. 331). Wie jedoch bereits vorstehend in den Randnummern 82 bis 87 festgestellt, hat die Klägerin nicht dargetan,
         dass sie sich im vorliegenden Fall entsprechend zurückgehalten hat.
      
      127   Zweitens ist die Klägerin der Meinung, dass ihre Geldbuße hätte herabgesetzt werden müssen, weil sie „die streitigen Vereinbarungen
         nur in sehr begrenztem Umfang durchgeführt“ habe. Damit wirft sie der Kommission offensichtlich vor, das Vorliegen eines mildernden
         Umstands wegen tatsächlicher Nichtanwendung der Vereinbarungen über Verstöße gemäß Nummer 3 zweiter Gedankenstrich der Leitlinien
         verneint zu haben.
      
      128   Zu diesem Zweck ist zu prüfen, ob die von der Klägerin vorgetragenen Umstände belegen können, dass sie sich der Durchführung
         der rechtswidrigen Vereinbarungen in dem Zeitraum, in dem sie ihnen beigetreten war, durch ein wettbewerbsorientiertes Verhalten
         auf dem Markt tatsächlich entzogen hat (vgl. in diesem Sinne Urteile Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission,
         vorstehend zitiert in Randnr. 106, Randnr. 268 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      129   Da die Klägerin an dem Kartell in vollem Umfang teilgenommen hat (vgl. vorstehend Randnrn. 81 bis 87), kann das Gericht kein
         wettbewerbsorientiertes Verhalten auf dem Markt im Sinne der vorstehend in Randnummer 128 zitierten Rechtsprechung erkennen.
         Wie die Klägerin eingeräumt hat, ist sie nach ihrem angeblichen Rückzug im August 1995 sogar zum Kartell zurückgekehrt, um
         von der Zuwiderhandlung zu profitieren (Nr. 67 der Erklärung von Union Pigments). Somit hat sie sich offenkundig gegen ein
         wettbewerbsorientiertes Verhalten auf dem Markt entschieden und das Kartell lieber für sich ausgenutzt.
      
      130   Zu dem Argument der Klägerin, sie habe Erzeugnisse unterhalb des empfohlenen Preises verkauft, ist zu bemerken, dass es bei
         der Bestimmung der Höhe der zu verhängenden Geldbuße nicht zwangsläufig als mildernder Umstand zu berücksichtigen ist, wenn
         sich ein Unternehmen, dessen Beteiligung an einer Preisabsprache mit seinen Konkurrenten erwiesen ist, auf dem Markt nicht
         in der mit ihnen vereinbarten Weise verhalten hat. Ein Unternehmen, das trotz der Absprache mit seinen Konkurrenten eine andere
         als die vereinbarte Marktpolitik verfolgt, versucht möglicherweise nur, das Kartell zu seinem Vorteil auszunutzen (vgl. in
         diesem Sinne Urteil Cascades/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 41, Randnr. 230).
      
      131   Was die Behauptung der Klägerin angeht, sie habe trotz des Kartells in Wettbewerb mit Britannia gestanden, so ist unstreitig,
         dass diese Unternehmen 1994 versucht haben, Kunden der anderen Unternehmen abzuwerben, und James Brown am 9. Januar 1995 ein
         Treffen zwischen Britannia und der Klägerin arrangiert hat, um zu versuchen, bessere Beziehungen zwischen ihnen herzustellen
         (Randnr. 117 der angefochtenen Entscheidung). Offensichtlich haben sich die Parteien nicht auf eine Vereinbarung zur Lösung
         der seinerzeitigen Schwierigkeiten einigen können. Dieser Konflikt spricht in der Tat für einen gewissen Wettbewerb zwischen
         den betreffenden Unternehmen. Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung jedoch nicht behauptet, dass das Kartell
         jede Art von Wettbewerb auf dem Markt verhindert habe. Im Übrigen hat die Klägerin keine Beweise dafür vorgelegt, dass ihr
         Konflikt mit Britannia während der gesamten Dauer der Zuwiderhandlung fortbestanden hat.
      
      132   Jedenfalls steht eindeutig fest, dass die Klägerin an der Zusammenkunft vom 9. Januar 1995 teilgenommen hat, weil sie sich
         durch die Konkurrenz beeinträchtigt sah und daher eine neue Vereinbarung schließen wollte.
      
      133   Drittens hätte die Kommission nach Ansicht der Klägerin berücksichtigen müssen, dass das Unternehmen gezwungen gewesen sei,
         sich dem Kartell anzuschließen. Wie das Gericht bereits festgestellt hat, ist dieses Argument zurückzuweisen (vgl. vorstehend
         Randnr. 63).
      
      134   Infolgedessen ist der dritte Teil des zweiten Klagegrundes als unbegründet zurückzuweisen.
       Zum vierten Teil des zweiten Klagegrundes: Fehlerhafte Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit
       Vorbringen der Parteien
      135   Nach Ansicht der Klägerin ist die ihr von der Kommission gemäß der Mitteilung über die Zusammenarbeit gewährte Ermäßigung
         von 50 % unzureichend. Union Pigments verweist darauf, dass die neue Mitteilung der Kommission über den Erlass und die Ermäßigung
         von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 2002, C 45, S. 3, im Folgenden: neue Mitteilung) sich von der Mitteilung über die Zusammenarbeit
         unterscheide, die von einem Unternehmen Beweise „von entscheidender Bedeutung“ verlange und keinen vollständigen Erlass der
         Geldbuße für Unternehmen vorsehe, die als Anstifter aufgetreten seien oder eine entscheidende Rolle bei der rechtswidrigen
         Handlung gespielt hätten. Auch wenn die angefochtene Entscheidung den Eindruck vermittle, das Kartell sei das Resultat einer
         gemeinsamen Initiative gewesen, räume die Kommission jetzt ein, dass sie niemals behauptet habe, dass die Klägerin als Anstifterin
         aufgetreten sei oder eine entscheidende Rolle bei der Durchführung des Kartells gespielt habe. Außerdem habe die Klägerin
         der Kommission Informationen übermittelt, durch die diese davon Kenntnis erhalten habe, dass die anderen Teilnehmer nach den
         Nachprüfungen die Gründung der EMZP beschlossen hätten. In der Entscheidung 1999/60/EG der Kommission vom 21. Oktober 1998
         in einem Verfahren gemäß Artikel 85 EG‑Vertrag (Sache IV/35.691/E‑4 – Fernwärmetechnik‑Kartell) (ABl. 1999, L 24, S. 1) habe
         Løgstør, eines der Unternehmen, die eine Ermäßigung erhalten hätten, der Kommission angezeigt, dass die Kartellmitglieder
         die Fortsetzung ihrer Tätigkeiten nach den Nachprüfungen beschlossen hätten. Die Klägerin fügt hinzu, sie habe mündliche Erläuterungen
         abgegeben und der Kommission Listen über die Zusammenkünfte vorgelegt. Schließlich habe die Klägerin nicht erklärt, dass die
         Ermittlungen in den Räumlichkeiten der Kartellmitglieder keine ausreichenden Gründe für die Einleitung des Verfahrens geliefert
         hätten.
      
      136   Die Kommission trägt vor, der von der Klägerin angeführte Unterschied zwischen der Mitteilung über die Zusammenarbeit und
         der neuen Mitteilung sei irrelevant, da sie niemals behauptet habe, die Klägerin sei als Anstifterin aufgetreten oder habe
         eine entscheidende Rolle innerhalb des Kartells gespielt. Für das Argument der Klägerin, die Kommission habe im vorliegenden
         Fall die Mitteilung über die Zusammenarbeit nicht zutreffend angewendet, gebe es keine Grundlage.
      
       Würdigung durch das Gericht
      137   Wie in den Randnummern 351 bis 353 der angefochtenen Entscheidung festgestellt, hat keines der betroffenen Unternehmen die
         Voraussetzungen für die Anwendung des Abschnitts B oder des Abschnitts C der Mitteilung über die Zusammenarbeit erfüllt. Das
         Verhalten dieser Unternehmen war daher gemäß dem Abschnitt D dieser Mitteilung mit der Überschrift „Spürbar niedrigere Festsetzung
         der Geldbuße“ zu würdigen.
      
      138   Nach Abschnitt D Nummer 1 wird, wenn „ein Unternehmen mit der Kommission zusammen[arbeitet], ohne dass es alle Voraussetzungen
         [der Abschnitte B und C] erfüllt, … die Höhe der Geldbuße, die ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden wäre, um 10  bis 50 %
         niedriger festgesetzt“. 
      
      139   Im vorliegenden Fall hat die Kommission der Klägerin eine Bußgeldermäßigung von 50 % gewährt, d. h. die größtmögliche Ermäßigung,
         die die Kommission auf der Grundlage von Abschnitt D Nummer 1 der Mitteilung über die Zusammenarbeit gewähren kann (Randnrn.
         354 bis 356 der angefochtenen Entscheidung). Die Klägerin verlangt von der Kommission die Gewährung einer noch größeren Ermäßigung,
         wendet sich aber nicht gegen die Anwendung von Abschnitt D Nummer 1 auf den vorliegenden Fall. Zudem bestreitet sie nicht,
         dass die Kommission entscheidende, unmittelbare Beweise für die Zuwiderhandlung bei ihren Nachprüfungen in den Räumlichkeiten
         der Klägerin gesammelt hatte und Union Pigments nicht die Voraussetzungen für die Anwendung der Abschnitte B und C erfüllt.
         Da die Kommission der Klägerin die größtmögliche Ermäßigung von 50 % gemäß Abschnitt D Nummer 1 der Mitteilung über die Zusammenarbeit
         gewährt hat, gibt es für das Argument der Klägerin überhaupt keine Grundlage.
      
      140   Die neue Mitteilung ist im Amtsblatt erst am 19. Februar 2002 veröffentlicht worden und ersetzt nach ihrer Nummer 28 die Mitteilung
         über die Zusammenarbeit erst ab dem 14. Februar 2002. Somit ist die neue Mitteilung für den vorliegenden Fall nicht einschlägig
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Tokai Carbon u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 126, Randnr. 273). Außerdem liegt
         das von der Klägerin hierzu vorgetragene Argument (vgl. vorstehend Randnr. 135) neben der Sache, da die Kommission niemals
         behauptet hat, dass sie zu den Anstiftern gehört habe oder eine entscheidende Rolle innerhalb des Kartells gespielt habe.
      
      141   Nach alledem ist der vierte Teil des zweiten Klagegrundes zurückzuweisen.
       Zum fünften Teil des zweiten Klagegrundes: Verstoß gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
       Vorbringen der Parteien
      142   Die Klägerin meint, gegen sie sei eine verhältnismäßig strengere Sanktion verhängt worden als gegen die „Mitglieder des inneren
         Kreises“, die jedoch bei der Gründung und Leitung des Kartells eine aktivere Rolle gespielt und an diesem ununterbrochen teilgenommen
         hätten. Folglich habe die Kommission gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit sowie gegen die
         Leitlinien verstoßen. 
      
      143   Die Klägerin verweist darauf, dass sie eine Ermäßigung erhalten habe, weil die Geldbuße 10 % ihres Gesamtumsatzes überschritten
         habe. Der Grundbetrag der Klägerin (4,2 Mio. Euro) überschreite 60 % ihres Gesamtumsatzes im Jahr 2001. Dagegen überschritten
         die gegen Britannia, Heubach und James Brown festgesetzten Geldbußen nicht die Grenze von 10 % ihres jeweiligen weltweiten
         Umsatzes. Der Endbetrag der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße überschreite nach Anwendung der Mitteilung über die
         Zusammenarbeit 5 % dieses Umsatzes, so dass gegen sie eine ebenso strenge Geldbuße verhängt worden sei wie gegen Heubach.
         Obwohl nach der Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit die Klägerin eine Ermäßigung von 50 % und Heubach eine Ermäßigung
         von 10 % erhalten hätten, woraus folge, dass das letztgenannte Unternehmen um 80 % strenger hätte bestraft werden müssen,
         zeige der Endbetrag der Geldbuße, dass gegen Heubach nur eine um 8 % strengere Sanktion als gegen die Klägerin verhängt worden
         sei. Folglich habe die Kommission gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen.
      
      144   Außerdem habe die Kommission als Ausgangsbasis für die Berechnung der Geldbuße für praktisch alle Unternehmen unabhängig von
         deren Größe den gleichen Betrag von 3 Mio. Euro genommen. Auch wenn die betroffenen Unternehmen mehr oder weniger gleich große
         Marktanteile gehabt hätten, hätten sie sich größenmäßig erheblich voneinander unterschieden und täten dies immer noch, wie
         ihre Umsätze zeigten, die ein wichtiger Faktor für die Bestimmung des „tatsächlichen“ Einflusses der Unternehmen auf dem Markt
         seien. Mit der Wahl ein und desselben Ausgangsbetrags für alle Kartellteilnehmer habe die Kommission gegen die umsatzschwächeren
         Unternehmen wie die Klägerin eine schwerere Sanktion verhängt. Die Kommission habe gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
         verstoßen, da die Geldbußen nicht der Macht des einzelnen Unternehmens entsprächen, die durch seinen Marktanteil, seine Größe
         und seinen Umsatz bestimmt werde.
      
      145   Die Leitlinien sähen eine Dreiteilung der Verstöße und damit eine unterschiedliche Behandlung der betroffenen Unternehmen
         je nach der ihnen zur Last gelegten Zuwiderhandlung vor. Wie das Gericht in seinem Urteil Acerinox/Kommission, vorstehend
         zitiert in Randnummer 29 (Randnr. 78), festgestellt habe, sei darüber hinaus „auch die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit
         der Urheber der Verstöße, Wettbewerber und den Verbraucher wirtschaftlich in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen
         und die Geldbuße auf einen Betrag festzusetzen, der eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet (Nr. 1 Abschnitt A Absatz
         4 [der Leitlinien])“. Das Gericht habe weiter ausgeführt, dass es innerhalb der drei vorstehend genannten Gruppen angebracht
         sein könne, den bestimmten Betrag „zu gewichten, um das jeweilige Gewicht und damit die tatsächliche Auswirkung des Verstoßes
         jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb zu berücksichtigen, vor allem wenn an einem Verstoß derselben Art Unternehmen
         von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren, und folglich den allgemeinen Ausgangsbetrag dem besonderen Charakter jedes
         Unternehmens anzupassen (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 6 [der Leitlinien])“. Das Gericht sei in dieser Rechtssache zu dem Ergebnis
         gekommen, dass die Marktanteile eines Unternehmens zwar für die Bestimmung des Einflusses von Bedeutung seien, den das Unternehmen
         auf den Markt habe ausüben können, aber nicht für die Schlussfolgerung entscheidend seien, dass ein Unternehmen einer mächtigen
         Wirtschaftseinheit angehöre (Urteil Acerinox/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 29, Randnr. 88, Urteil des Gerichtshofes
         vom 17. Dezember 1998 in der Rechtssache C‑185/95 P, Baustahlgewebe/Kommission, Slg. 1998, I‑8417, Randnr. 139). Die Klägerin
         behauptet, die Kommission habe im vorliegenden Fall nicht die Frage untersucht, ob an der Zuwiderhandlung Unternehmen von
         sehr unterschiedlicher Größe beteiligt gewesen seien, und habe der Größe und der Wirtschaftsmacht der betroffenen Unternehmen
         und damit ihrem Markteinfluss nicht angemessen Rechnung getragen. Nach dem Grundsatz, dass gleichartige Zuwiderhandlungen
         gleichzubehandeln seien, hätte die Kommission gegen die betroffenen Unternehmen unterschiedlich hohe Geldbußen festsetzen
         müssen.
      
      146   Wenn die Kommission ordnungsgemäß von ihrem „weiten Ermessen“ Gebrauch gemacht hätte, hätte sie die Umstände berücksichtigen
         müssen, die im Fall der Klägerin eine niedrigere Geldbuße gerechtfertigt hätten. So ergebe sich z. B. aus dem von der Kommission
         in ihrer Klagebeantwortung angeführten Urteil des Gerichtshofes vom 7. Juni 1983 in den Rechtssachen 100/80 bis 103/80 (Musique
         diffusion française u. a./Kommission, Slg. 1983, 1825), dass die Kommission bei der Beurteilung der Schwere eines Verstoßes
         u. a. die Menge und den Wert der Waren, die Gegenstand der Zuwiderhandlungen gewesen seien, sowie die Größe und die Wirtschaftskraft
         des Unternehmens und folglich den Einfluss, den das Unternehmen auf den Markt ausüben konnte, berücksichtigen müsse (Randnr.
         120). Die Klägerin wiederholt, dass sie nicht wirklich die Macht besessen habe, die im Kartell vereinbarten Preise durchzusetzen.
         Im Übrigen sei ihre finanzielle Situation im Vergleich mit der der anderen betroffenen Unternehmen schwach. Daher habe der
         Einfluss, den sie auf den Markt habe ausüben können, bei weitem nicht dem Marktanteil entsprochen, der der Kommission als
         Grundlage für die Bemessung der Geldbuße diene.
      
      147   Die Kommission bestreitet das Vorbringen der Klägerin. Insbesondere habe Union Pigments unerwähnt gelassen, dass gegen sie
         die bei weitem niedrigste Geldbuße verhängt worden sei. Die Geldbuße betrage nur ein Zehntel der gegen Heubach festgesetzten
         Geldbuße, obwohl beide Unternehmen vergleichbare Marktanteile hätten und theoretisch den gleichen Gewinn aus dem Kartell hätten
         ziehen müssen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      148   Die Klägerin macht im Wesentlichen geltend, die Kommission habe bei der Bemessung der Geldbuße der Größe und individuellen
         Verantwortlichkeit des Unternehmens nicht hinreichend Rechnung getragen und damit gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung
         und Verhältnismäßigkeit verstoßen. In diesem Zusammenhang ist auch das Vorbringen der Klägerin zu untersuchen, die Kommission
         habe das relative Gewicht der Unternehmen im Rahmen der von ihr vorgenommenen Differenzierung und die tatsächliche Fähigkeit
         der Klägerin, andere zu schädigen, nicht berücksichtigt (vgl. vorstehend Randnr. 107).
      
      149   Zunächst ist daran zu erinnern, dass der einzige ausdrückliche Hinweis auf den Umsatz in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 die Obergrenze betrifft, die eine Geldbuße nicht übersteigen darf. Diese Grenze ist so zu verstehen, dass sie sich
         auf den Gesamtumsatz bezieht (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 146, Randnr.
         119). Unter Beachtung dieser Grenze kann die Kommission den Umsatz, den sie hinsichtlich des geografischen Gebietes und der
         betroffenen Produkte als Bemessungsgrundlage für die Festsetzung der Geldbuße heranziehen will, grundsätzlich frei wählen
         (Urteil des Gerichts vom 15. März 2000 in den Rechtssachen T‑25/95, T‑26/95, T‑30/95 bis T‑32/95, T‑34/95 bis T‑39/95, T‑42/95
         bis T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95, T‑87/95, T‑88/95, T‑103/95 und T‑104/95, Cimenteries CBR u. a./Kommission,
         Slg. 2000, II‑491, Randnr. 5023), ohne dass sie verpflichtet wäre, genau auf den Gesamtumsatz oder den auf dem relevanten
         räumlichen oder Produktmarkt erzielten Umsatz abzustellen. Schließlich sehen die Leitlinien zwar nicht vor, dass die Geldbußen
         anhand eines bestimmten Umsatzes berechnet werden, stehen der Heranziehung eines solchen Umsatzes aber auch nicht entgegen,
         sofern die von der Kommission getroffene Wahl nicht offensichtlich ermessensfehlerhaft ist (Urteil Tokai Carbon u. a./Kommission,
         vorstehend zitiert in Randnr. 126, Randnr. 195).
      
      150   Wie sich aus der angefochtenen Entscheidung ergibt, hat die Kommission eine Differenzierung bei den Unternehmen für erforderlich
         gehalten, um die „tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße, den Wettbewerb in erheblichem Umfang zu
         schädigen, zu berücksichtigen und die Geldbuße auf einen Betrag festzusetzen, der eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet“
         (Randnr. 304 der angefochtenen Entscheidung). Außerdem war es nach ihrer Ansicht nötig, „das jeweilige Gewicht und damit die
         tatsächliche Auswirkung des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb zu berücksichtigen“. Als Grundlage für
         eine Beurteilung dieser Gesichtspunkte hat die Kommission den EWR‑weiten Zinkphosphatumsatz im letzten Jahr der Zuwiderhandlung
         gewählt. Sie hat darauf hingewiesen, dass die Klägerin mit einem Marktanteil von etwa 20 % einer der größten Zinkphosphathersteller
         im EWR war, und sie deshalb in die erste Gruppe eingeordnet (Randnr. 308 der angefochtenen Entscheidung). Als Ausgangsbetrag
         der Geldbuße wurden für alle Unternehmen der ersten Gruppe 3 Mio. Euro festgesetzt. Der Ausgangsbetrag für James Brown, die
         einen Marktanteil von etwa 5 % hatte, wurde auf 750 000 Euro festgesetzt.
      
      151   Auch wenn die Kommission das relative Gewicht der betroffenen Unternehmen auf der Grundlage des EWR‑weiten Zinkphosphatumsatzes
         verglichen hat, hat sie für die Einordnung der Unternehmen in zwei unterschiedliche Gruppen auch deren Marktanteile auf dem
         relevanten Markt berücksichtigt. Bei der Bestimmung der Marktanteile der betroffenen Unternehmen hat sich die Kommission zum
         einen auf die in der Tabelle in Randnummer 50 der angefochtenen Entscheidung angeführten Umsätze auf dem betreffenden Markt
         und zum anderen auf die Angaben in den Akten gestützt. Dieser Ansatz ist von der Klägerin nicht in Frage gestellt worden.
      
      152   Bei der Untersuchung der „tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Urheber der Verstöße, den Wettbewerb zu schädigen“,
         die eine Beurteilung des tatsächlichen Gewichts dieser Unternehmen auf dem betreffenden Markt, d. h. ihren Einfluss auf diesen,
         umfasst, vermittelt der Gesamtumsatz nur ein unvollständiges Bild der Verhältnisse. Es lässt sich nämlich nicht ausschließen,
         dass ein mächtiges Unternehmen mit vielen unterschiedlichen Geschäftsbereichen auf einem spezifischen Produktmarkt nur am
         Rande vertreten ist. Ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass ein Unternehmen mit einer starken Stellung auf einem räumlichen
         Markt außerhalb der Gemeinschaft auf dem Gemeinschaftsmarkt oder im EWR nur schwach vertreten ist. In diesen Fällen bedeutet
         der bloße Umstand, dass das betreffende Unternehmen einen hohen Gesamtumsatz erzielt, nicht unbedingt, dass es einen entscheidenden
         Einfluss auf den von der Zuwiderhandlung betroffenen Markt ausübt. Der Gerichtshof hat daher in seinem Urteil Baustahlgewebe/Kommission,
         vorstehend zitiert in Randnummer 145 (Randnr. 139), hervorgehoben, dass die Marktanteile eines Unternehmens zwar nicht entscheidend
         für die Schlussfolgerung sein können, dass ein Unternehmen einer mächtigen Wirtschaftseinheit angehört, dass sie aber relevant
         für die Bestimmung des Einflusses sind, den das Unternehmen auf den Markt ausüben konnte (vgl. Urteil Archer Daniels Midland
         und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 106, Randnr. 193). Im vorliegenden Fall hat
         die Kommission sowohl den Marktanteil als auch den Umsatz der betreffenden Unternehmen auf dem relevanten Markt berücksichtigt,
         mit deren Hilfe das relative Gewicht des jeweiligen Unternehmens auf dem relevanten Markt bestimmt werden konnte.
      
      153   Infolgedessen hat die Kommission bei ihrer Analyse der „tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Urheber der Verstöße“
         im Sinne von Nummer 1 Abschnitt A Absatz 4 der Leitlinien keinen offenkundigen Beurteilungsfehler begangen.
      
      154   Im Übrigen zeigt ein Vergleich der Umsätze, die die zur ersten Gruppe gehörenden Unternehmen auf dem betreffenden Markt erzielt
         haben und die in der Tabelle in Randnummer 50 der angefochtenen Entscheidung angeführt sind, dass es richtig war, diese Unternehmen
         in einer Gruppe zusammenzufassen und den gleichen Ausgangsbetrag für sie festzusetzen. So erzielte die Klägerin 1998 auf dem
         betreffenden Markt im EWR einen Umsatz von 3,2 Mio. Euro. Heubach, Trident und die SNCZ erzielten Umsätze von jeweils 3,7,
         3,69 und 3,9 Mio. Euro. Britannia, die 1998 jede Wirtschaftstätigkeit eingestellt hatte, erzielte 1996 auf dem betreffenden
         Markt im EWR einen Umsatz von 2,78 Mio. Euro.
      
      155   Dennoch muss bei der Aufteilung in Gruppen der Grundsatz der Gleichbehandlung beachtet werden, wonach vergleichbare Sachverhalte
         nicht unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleichbehandelt werden dürfen, sofern eine solche Behandlung
         nicht objektiv gerechtfertigt ist (Urteil des Gerichts vom 19. März 2003 in der Rechtssache T‑213/00, CMA CGM u. a./Kommission,
         Slg. 2003, II‑913, im Folgenden: Urteil FETTCSA, Randnr. 406). Dementsprechend sehen die Leitlinien in Nummer 1 Abschnitt
         A Absatz 6 vor, dass bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung eine Differenzierung gerechtfertigt sein kann, wenn
         an einem Verstoß derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren. Im Übrigen muss nach der Rechtsprechung
         die Höhe der Geldbußen zumindest in einem angemessenen Verhältnis zu den anderen Faktoren stehen, die für die Beurteilung
         der Schwere des Verstoßes eine Rolle gespielt haben (Urteil des Gerichts vom 12. Juli 2001 in den Rechtssachen T‑202/98, T‑204/98
         und T‑207/98, Tate & Lyle u. a./Kommission, Slg. 2001, II‑2035, Randnr. 106).
      
      156   Daher muss, wenn die Kommission die betroffenen Unternehmen für die Bemessung der Geldbußen in Gruppen einteilt, die Bestimmung
         der Schwellenwerte für jede der auf diese Weise gebildeten Gruppen schlüssig und objektiv gerechtfertigt sein (Urteile FETTCSA,
         vorstehend zitiert in Randnr. 155, Randnr. 416, und LR AF 1998/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 87, Randnr. 298).
      
      157   Obwohl die Klägerin im Jahr 2000 nur einen Gesamtumsatz von 7 Mio. Euro erzielt hat, ist sie im vorliegenden Fall in die gleiche
         Gruppe wie Britannia, Heubach, Trident und die SNCZ mit einem Gesamtumsatz von 55,7, 71, 76 bzw. 17 Mio. Euro eingeordnet
         worden. Trotzdem lässt sich hieraus kein Verstoß gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz oder das Gleichbehandlungsgebot herleiten.
         Wie vorstehend in den Randnummern 150 und 151 erläutert, sind die verschiedenen Unternehmen in einer Gruppe zusammengefasst
         worden, da ihr Umsatz auf dem betreffenden Markt und ihre Marktanteile sehr ähnlich waren. Die Unternehmen auf dieser Grundlage
         in einer Gruppe zusammenzufassen, war schlüssig und objektiv gerechtfertigt. Im Übrigen ist der Größenunterschied zwischen
         der Klägerin und den anderen betroffenen Unternehmen nicht so bedeutend, dass Union Pigments in eine andere Gruppe hätte eingeordnet
         werden müssen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache T‑230/00, Daesang und Sewon Europe/Kommission,
         Slg. 2003, II‑2733, Randnrn. 69 bis 77).
      
      158   Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass unter den gegebenen Umständen der Gesamtumsatz der Klägerin durch
         die Anwendung der Obergrenze von 10 % gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 ausreichend berücksichtigt worden ist.
         Wie vorstehend in den Randnummern 16 und 17 angegeben, wurde die Geldbuße der Klägerin auf 700 000 Euro herabgesetzt, um diese
         Grenze einzuhalten, bevor der Betrag wegen der Mitarbeit des Unternehmens noch einmal auf 350 000 Euro herabgesetzt wurde.
         Durch die Obergrenze von 10 % soll verhindert werden, dass die Geldbußen außer Verhältnis zur Größe des Unternehmens stehen
         (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 146, Randnr. 119). Durch die Anwendung
         dieser Höchstgrenze ist im vorliegenden Fall sichergestellt worden, dass die gegen die Klägerin festgesetzte Geldbuße ihrer
         Größe angemessen war. Da der Verstoß besonders schwer war und mehr als vier Jahre gedauert hat, hätte gegen die Klägerin eine
         sehr viel höhere Geldbuße verhängt werden können, wenn sie kein kleines Unternehmen gewesen und nicht in den Genuss der 10 %igen
         Obergrenze gekommen wäre.
      
      159   Nach Ansicht der Klägerin ist im Vergleich mit den anderen betroffenen Unternehmen die Geldbuße der Größe von Union Pigments
         nicht angemessen. Die Kommission ist aber nicht verpflichtet, die Höhe der Geldbuße auf der Grundlage von Beträgen zu bestimmen,
         die auf dem Umsatz der betroffenen Unternehmen basieren. Zudem müssen, wenn die Geldbußen gegen mehrere Unternehmen festgesetzt
         werden, die an ein und derselben Zuwiderhandlung beteiligt sind, die von der Kommission für die betroffenen Unternehmen ermittelten
         endgültigen Beträge der Geldbußen nicht jeden Unterschied zwischen den Unternehmen bei den Gesamt‑ oder Produktumsätzen widerspiegeln
         (Urteil Dansk Rørindustri/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 32, Randnr. 202).
      
      160   Was das Argument der Klägerin angeht, aufgrund der Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit habe sie eine Ermäßigung
         von 50 % und Heubach eine Ermäßigung von 10 % erhalten, woraus folge, dass Letztere um 80 % strenger hätte bestraft werden
         müssen, so genügt die Feststellung, dass die Kommission die Höhe der Geldbuße nicht auf der Grundlage der Ermäßigungen festsetzen
         muss, die sie im Rahmen der Mitteilung über die Zusammenarbeit gewährt hat.
      
      161   Das Argument der Klägerin, der Grundbetrag habe 60 % ihres Gesamtumsatzes überschritten, greift nicht durch. Die Höchstgrenze
         nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, wonach die Geldbuße, die gegen ein Unternehmen letztlich festgesetzt wird,
         herabzusetzen ist, wenn sie 10 % des Unternehmensumsatzes übersteigt, ungeachtet der Zwischenberechnungen zur Berücksichtigung
         der Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung, verbietet der Kommission nicht, bei ihren Berechnungen einen Zwischenbetrag einzubeziehen,
         der 10 % des Umsatzes des betreffenden Unternehmens übersteigt, sofern der Endbetrag der gegen dieses Unternehmen festgesetzten
         Geldbuße diese Grenze nicht überschreitet (Urteil Dansk Rørindustri/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 32, Randnr.
         205).
      
      162   Weiter macht die Klägerin geltend, die Kommission habe bei der Berechnung der Geldbußen gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung
         und der Verhältnismäßigkeit sowie gegen die Leitlinien verstoßen, da gegen die Klägerin eine schärfere Sanktion verhängt worden
         sei als gegen die „Mitglieder des inneren Kreises“. Wie jedoch vorstehend in Randnummer 88 ausgeführt, ist ein solcher „innerer
         Kreis“ nicht nachgewiesen worden.
      
      163   Zudem hat die Klägerin nicht dargetan, dass ihr Verhalten einen „weniger schweren“ Verstoß darstellt als das der anderen betroffenen
         Unternehmen.
      
      164   Schließlich ist zum Prinzip der Gleichbehandlung unter Berücksichtigung der vorstehenden Ausführungen zu bemerken, dass die
         Anwendung der Leitlinien im vorliegenden Fall es ermöglicht hat, den beiden Seiten dieses Grundsatzes gerecht zu werden. Zum
         einen waren alle betroffenen Unternehmen gemeinsam und gleichermaßen verantwortlich, da sie alle an einer besonders schweren
         Zuwiderhandlung teilgenommen hatten. Daher wurde diese Verantwortlichkeit in einem ersten Schritt nach Maßgabe der Merkmale
         dieser Zuwiderhandlung, d. h. ihrer Natur und ihrer Auswirkung auf den Markt, beurteilt. Dann modifizierte die Kommission
         diese Beurteilung in einem zweiten Schritt aufgrund der individuellen Gegebenheiten im Fall eines jeden betroffenen Unternehmens
         einschließlich seiner Größe, seiner Möglichkeiten, der Dauer seiner Beteiligung und seiner Mitwirkung.
      
      165   Nach alledem ist der fünfte Teil des zweiten Klagegrundes zurückzuweisen.
       Zum sechsten Teil des zweiten Klagegrundes: Angemessene Verstärkung der Abschreckungswirkung und Unmöglichkeit der Zahlung
            der Geldbuße
       Vorbringen der Parteien
      166   Die Klägerin macht geltend, die Kommission habe gegen wesentliche Formvorschriften und gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit
         und der Gleichbehandlung verstoßen, da sie nicht berücksichtigt habe, dass es für eine noch stärkere Abschreckungswirkung
         keine Rechtfertigung gebe und der Klägerin die Mittel zur Zahlung der Geldbuße fehlten.
      
      167   Erstens führt die Klägerin an, die Kommission habe gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung verstoßen,
         da sie sich nicht die Frage gestellt habe, ob nicht weniger scharfe Abschreckungsmaßnahmen angebracht wären. Ebenso wie in
         anderen Fällen hätte die Kommission nicht nur den Marktanteil der Klägerin berücksichtigen müssen, sondern auch „ihre allgemeine
         Größe, um zu gewährleisten, dass die Sanktion verhältnismäßig und abschreckend ist“ (Entscheidung 2002/742/EG der Kommission
         vom 5. Dezember 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag und Artikel 53 EWR‑Abkommen [Sache COMP/E‑1/36.604 – Zitronensäure]
         [ABl. 2002, L 239, S. 18]). Die Klägerin habe sich 1995 vom Kartell zurückgezogen, habe nach dem Eingreifen der Kommission
         die Zuwiderhandlung unverzüglich beendet und sei die Erste gewesen, die mit der Kommission nach den Nachprüfungen zusammengearbeitet
         habe. Nach der für sie sehr teuren Erfahrung habe die Klägerin den festen Entschluss gefasst, die Wettbewerbsregeln einzuhalten,
         so dass sich strengere Abschreckungsmaßnahmen erübrigten. Die Kommission hätte im Fall der Klägerin mit guten Gründen die
         Möglichkeit in Betracht ziehen können, nur eine symbolische Geldbuße zu verhängen. Infolgedessen sei die Geldbuße herabzusetzen.
         Die Klägerin müsse wohl dafür bezahlen, dass die Kommission die Botschaft habe verbreiten wollen, wie sie auch in ihrer Pressemitteilung
         (IP/01/1797) zum Ausdruck gekommen sei, dass nämlich die kleinen und mittleren Unternehmen sich nicht der Illusion hingeben
         sollten, dass sie wegen ihrer Größe bei Geldbußen besser behandelt würden.
      
      168   Zweitens macht die Klägerin geltend, die Kommission hätte gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien und gemäß der Rechtsprechung
         (Urteil LR AF 1998/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 87, Randnr. 308) die tatsächliche Steuerkraft des Unternehmens
         berücksichtigen müssen. Die Klägerin befinde sich in einer sehr prekären finanziellen Lage. Wenn sie die Geldbuße zahlen müsste,
         seien ihre Chancen, sich zu erholen und wieder eine wettbewerbsfähige Stellung auf dem Markt zu erlangen, stark gefährdet.
      
      169   Die Kommission habe in ihrer Klagebeantwortung eingeräumt, dass sie auf ihre Aufforderung hin von der Klägerin „Bilanzen“
         erhalten habe, die „die schlechte Finanzlage des Unternehmens zeigten“. Die Kommission habe der Klägerin jedoch zum einen
         vorgeworfen, ihre „Sorge, ob sie die Geldbuße bezahlen kann“, nicht zum Ausdruck gebracht zu haben, und zum anderen behauptet,
         dass sie die tatsächliche Zahlungsfähigkeit der Klägerin ohne eine Stellungnahme des Unternehmens hierzu nicht beurteilen
         könne. Die Klägerin hält dem entgegen, dass die Kommission sie nicht zu einer Stellungnahme zu ihrer Zahlungsfähigkeit aufgefordert
         habe, als sie die genannten Unterlagen verlangt habe. Im Übrigen seien die schlechte Finanzlage der Klägerin und die Versuche
         des Unternehmens, deswegen generell die Kosten abzubauen, der Kommission durchaus bekannt gewesen. So habe die Klägerin der
         Kommission am 31. Januar 2001 den vorläufigen Jahresabschluss für 2000 in einer Übersetzung übersandt, der ein negatives Endergebnis
         vor Steuern von 417 100 Euro ausgewiesen habe. Die Kommission habe der Klägerin mit Schreiben vom 31. Januar 2001 für den
         Jahrsabschluss gedankt und zugesichert, dass „er bei der abschließenden Beurteilung berücksichtigt wird“.
      
      170   Zum Argument der Kommission, eine Herabsetzung der Geldbuße der Klägerin mit der Begründung, dass diese sich in einer schwierigen
         finanziellen Lage befinde, würde dem Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil verschaffen, erklärt die Klägerin,
         dass ein solcher Fall hier nicht vorliege. Der Markt habe sich nämlich verändert. Im Übrigen hätten die Eigentümer und Verwaltungsorgane
         gewechselt, und die neuen Eigentümer und Leiter, die nicht mehr durch familiäre Bindungen in ihrem Handeln eingeschränkt seien,
         seien bereit, mutige Entscheidungen im Bereich der Vermarktung und der Umstrukturierung des Unternehmens zu treffen, die von
         den früheren Eigentümern und Leitern als unmöglich angesehen worden wären.
      
      171   Die Kommission hält die Argumente der Klägerin für nicht stichhaltig. Union Pigments beziehe sich nicht auf eine Zahlungsunfähigkeit
         „in einem gegebenen sozialen Umfeld“ im Sinne der Leitlinien und habe nicht einmal Angaben zur Rentabilität des Unternehmens
         gemacht. Zudem habe die Klägerin niemals irgendwelche Sorgen geäußert, ob sie eine Geldbuße bezahlen könne.
      
       Würdigung durch das Gericht
      172   Zur Abschreckungswirkung ist festzustellen, dass Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 der Kommission die Befugnis zur
         Verhängung von Geldbußen verliehen hat, um sie in die Lage zu versetzen, die ihr durch das Gemeinschaftsrecht übertragene
         Überwachungsaufgabe zu erfüllen (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 146, Randnr.
         105, und Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 106, Randnr.
         105). Diese Aufgabe umfasst den Auftrag, einzelne Zuwiderhandlungen zu ahnden und eine allgemeine Politik mit dem Ziel zu
         verfolgen, die im Vertrag niedergelegten Grundsätze auf dem Gebiet des Wettbewerbs anzuwenden und das Verhalten der Unternehmen
         in diesem Sinne zu lenken. Die Kommission hat daher dafür zu sorgen, dass die Geldbußen abschreckend wirken (Urteil Archer
         Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 106, Randnrn. 105 f.). Die
         abschreckende Wirkung einer wegen Verstoßes gegen die Wettbewerbsvorschriften der Gemeinschaft festgesetzten Geldbuße darf
         nämlich nicht allein im Hinblick auf die besondere Situation des verurteilten Unternehmens beurteilt werden (Urteil Archer
         Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 106, Randnr. 110; vgl. auch
         Urteil des Gerichtshofes vom 15. Juli 1970 in der Rechtssache 41/69, ACF Chemiefarma/Kommission, Slg. 1970, 661, Randnrn.
         170 bis 174).
      
      173   Im vorliegenden Fall macht die Geldbuße von 350 000 Euro, die gegen die Klägerin verhängt worden ist, nur 4,9 % ihres Umsatzes
         aus. Eine solche Geldbuße kann weder im Verhältnis zur Größe der Klägerin noch zur Art der Zuwiderhandlung als unangemessen
         angesehen werden. Zudem hat die Klägerin einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz in diesem Zusammenhang nicht nachgewiesen
         (vgl. vorstehend Randnrn. 149 bis 165).
      
      174   Zu dem Argument der Klägerin, die Kommission hätte gegen sie eine „symbolische“ Geldbuße verhängen müssen, ist zu bemerken,
         dass die Kommission nach Nummer 5 Buchstabe d der Leitlinien „sich auch die Möglichkeit vorbehalten [muss], in bestimmten
         Fällen eine ‚symbolische‘ Geldbuße von 1 000 [Euro] festzusetzen, die nicht anhand der Dauer oder der erschwerenden bzw. mildernden
         Umstände ermittelt worden ist“. Die Klägerin hat nicht dargetan, inwiefern im vorliegenden Fall eine symbolische Geldbuße
         gerechtfertigt wäre. Da sie mehr als vier Jahre an einem besonders schweren Verstoß beteiligt gewesen ist, ist eine solche
         Rechtfertigung im Übrigen nur schwer denkbar. Die Zusammenarbeit der Klägerin mit der Kommission im Verfahren kann eine solche
         Geldbuße nicht rechtfertigen. Wie vorstehend in Randnummer 139 ausgeführt, hat die Klägerin bereits die höchstmögliche Ermäßigung
         von 50 % gemäß Abschnitt D Absatz 1 der Mitteilung über die Zusammenarbeit erhalten. Dass die Klägerin vor Erlass der angefochtenen
         Entscheidung den Entschluss gefasst hat, die Wettbewerbsvorschriften zu beachten, ist kein ausreichender Grund für die Verhängung
         einer bloß symbolischen Geldbuße. Wie sich aus der Rechtsprechung ergibt, ist nicht nur die Abschreckung des betroffenen Unternehmens,
         sondern auch die Abschreckung Dritter ein wichtiges Ziel des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 (vgl. die vorstehend
         in Randnr. 172 zitierte Rechtsprechung).
      
      175   Was das Argument der Klägerin betrifft, die Kommission habe ihrer finanziellen Situation nicht hinreichend Rechnung getragen,
         so ist die Kommission nach ständiger Rechtsprechung nicht verpflichtet, bei der Bemessung der Geldbuße die schlechte Finanzlage
         eines betroffenen Unternehmens zu berücksichtigen, da die Anerkennung einer solchen Verpflichtung darauf hinauslaufen würde,
         den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen (vgl.
         Urteile des Gerichts LR AF 1998/Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 87, Randnr. 308, vom 20. März 2002 in der Rechtssache
         T‑9/99, HFB u. a./Kommission, Slg. 2002, II‑1487, und FETTCSA, vorstehend zitiert in Randnr. 155, Randnr. 351 und die dort
         zitierte Rechtsprechung). 
      
      176   Diese Rechtsprechung wird nicht durch Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien in Frage gestellt, wonach die tatsächliche Steuerkraft
         eines Unternehmens zu berücksichtigen ist. Letztere ist nämlich nur „im gegebenen sozialen Umfeld“ relevant, d. h. im Licht
         der Folgen, die die Zahlung der Geldbuße u. a. in Form einer Zunahme der Arbeitslosigkeit oder einer Beeinträchtigung der
         dem betreffenden Unternehmen vor‑ und nachgelagerten Wirtschaftssektoren hätte (Urteil Tokai Carbon u. a./Kommission, vorstehend
         zitiert in Randnr. 126, Randnr. 371). Auch wenn die Klägerin die Kommission im Vorverfahren über ihre finanzielle Lage unterrichtet
         hat, hat sie sich nicht auf Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien berufen und auch nichts vorgetragen, was der Kommission eine
         Würdigung dieses „gegebenen sozialen Umfelds“ erlaubt hätte.
      
      177   Dass eine Maßnahme einer Gemeinschaftsbehörde zum Konkurs oder zur Auflösung eines bestimmten Unternehmens führt, ist nach
         dem Gemeinschaftsrecht an und für sich nicht verboten (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofes vom 15. Januar 1986
         in der Rechtssache 52/84, Kommission/Belgien, Slg. 1986, 89, Randnr. 14, und vom 2. Juli 2002 in der Rechtssache C‑499/99,
         Kommission/Spanien, Slg. 2002, I‑6031, Randnr. 38). Die Auflösung eines Unternehmens in seiner bestehenden Rechtsform kann
         zwar die finanziellen Interessen der Eigentümer, Aktionäre oder Anteilseigner beeinträchtigen, bedeutet aber nicht, dass auch
         die durch das Unternehmen repräsentierten personellen, materiellen und immateriellen Mittel ihren Wert verlieren (Urteil Tokai
         Carbon u. a./Kommission, vorstehend zitiert in Randnr. 126, Randnr. 372).
      
      178   Der Vollständigkeit halber ist festzustellen, dass die Klägerin keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen der angefochtenen
         Entscheidung und der Festsetzung der Geldbuße einerseits und ihrem Konkurs andererseits dargetan hat. Nach den Akten ist über
         das Vermögen der Klägerin am 2. Juni 2003 der Konkurs eröffnet worden, d. h. fast achtzehn Monate nach dem Erlass der angefochtenen
         Entscheidung und ein Jahr nach der Vereinbarung mit der Kommission, wonach sie nur 50 000 Euro alle sechs Monate vom 1. Juli
         2002 an zahlen sollte (vgl. den vorstehend in Randnr. 20 genannten Beschluss Waardals/Kommission). Ungeachtet der Fragen,
         die das Gericht in der mündlichen Verhandlung hierzu gestellt hat, hat die Klägerin zur Art ihres Konkurses und auch zu ihren
         anderen Verbindlichkeiten, die dabei eine Rolle gespielt hatten, keine näheren Angaben gemacht. Insofern ist nicht nachgewiesen
         worden, dass die im vorliegenden Fall festgesetzte Geldbuße zum Konkurs der Klägerin geführt hat.
      
      179   Schließlich hat die Klägerin nicht bewiesen, dass die Kommission sich angesichts ihrer Finanzlage zu einer Herabsetzung der
         Geldbuße verpflichtet hätte. Die Kommission hat in ihrem Schreiben vom 31. Januar 2001 erklärt, sie werde den Jahresabschluss
         der Klägerin für 2000 bei der Bestimmung ihrer individuellen Verantwortlichkeit berücksichtigen. Dies bedeutet keine Verpflichtung
         in dem von der Klägerin behaupteten Sinne, sondern spricht eher für die Absicht der Kommission, den Jahresabschluss bei der
         Festsetzung der Obergrenze von 10 % nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 heranzuziehen.
      
      180   Nach alledem ist der letzte Klagegrund der Klägerin zurückzuweisen.
      181   Somit ist die Klage insgesamt abzuweisen.
       Zu den Anträgen auf Erlass prozessleitender Maßnahmen und auf Durchführung einer Beweiserhebung
      182   Die Klägerin hat beantragt, im Rahmen prozessleitender Maßnahmen und Maßnahmen der Beweiserhebung Zeugen zu laden und zu vernehmen
         und ihr Einsicht in den Anhörungsbericht der Kommission vom 17. Januar 2001 zu gewähren.
      
      183   Die Kommission hat sich diesem Antrag widersetzt.
      184   Da in dieser Rechtssache der Ablauf der Geschehnisse nicht streitig ist, besteht kein Grund, diesem Antrag stattzugeben.
      185   Somit ist die Klage in vollem Umfang abzuweisen.
       Kosten
      186   Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
         Da die Klägerin mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr gemäß dem entsprechenden Antrag der Kommission die Kosten des
         Verfahrens aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen 
      hat
      DAS GERICHT (Fünfte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten des Verfahrens der einstweiligen Anordnung.
      
               Lindh 
            
            
               García-Valdecasas 
            
            
               Cooke 
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 29. November 2005.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                     Die Präsidentin
            
         
               E. Coulon
            
             
            
                     P. Lindh
            
         Inhaltsverzeichnis
      Sachverhalt
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Gründe
      1.  Zum ersten Klagegrund: Fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung bei der Anwendung des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17
      
      Zum ersten Teil des ersten Klagegrundes: Dauer der Beteiligung der Klägerin an der Zuwiderhandlung und ihr Rückzug vom Kartell
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Teil des ersten Klagegrundes: Fehlerhafte Sachverhalts- und Beweiswürdigung bezüglich der Klägerin und ihrer Rolle
         innerhalb des Kartells
      
      Zur ersten Rüge: Entwicklung der Situation der Klägerin nach Beginn der Nachprüfungen
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Zur zweiten Rüge: Einfluss der Klägerin auf den relevanten Markt
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Zur dritten Rüge: Die Klägerin hat nicht zu der Zuwiderhandlung angestiftet
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Zur vierten Rüge: Die Klägerin war kein Vollmitglied des Kartells
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Zur fünften Rüge: Die Klägerin hat die Zuwiderhandlung unverzüglich beendet
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      2.  Zum zweiten Klagegrund: Fehlerhafte Bemessung der Geldbuße und Verstoß gegen allgemeine Grundsätze
      Zum ersten Teil des zweiten Klagegrundes: Schwere der Zuwiderhandlung und unterschiedliche Behandlung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Teil des zweiten Klagegrundes: Dauer der Zuwiderhandlung
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum dritten Teil des zweiten Klagegrundes: Fehlerhafte Annahme erschwerender Umstände und mangelnde Berücksichtigung mildernder
         Umstände
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum vierten Teil des zweiten Klagegrundes: Fehlerhafte Anwendung der Mitteilung über die Zusammenarbeit
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum fünften Teil des zweiten Klagegrundes: Verstoß gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum sechsten Teil des zweiten Klagegrundes: Angemessene Verstärkung der Abschreckungswirkung und Unmöglichkeit der Zahlung
         der Geldbuße
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zu den Anträgen auf Erlass prozessleitender Maßnahmen und auf Durchführung einer Beweiserhebung
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.