CELEX: C2001/118/10
Language: de
Date: 2001-04-21 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes vom 14. Dezember 2000 in den verbundenen Rechtssachen C-300/98 und C-392/98 (Vorabentscheidungsersuchen der Arrondissementsrechtbank 's-Gravenhage und des Hoge Raad der Nederlanden): Parfums Christian Dior SA gegen Tuk Consultancy BV (C-300/98) und Asseo Gerüste GmbH, Rob van Dĳk, handelnd unter der Firma Assco Holland Steigers Plettac Nederland, gegen Wilhelm Layher GmbH & Co. KG, Layher BV (C-392/98) (Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation — TRIPs-Übereinkommen — Artikel 177 EG-Vertrag (jetzt Artikel 234 EG) — Zuständigkeit des Gerichtshofes — Artikel 50 des TRIPs-Übereinkommens — Einstweilige Maßnahmen — Auslegung — Unmittelbare Wirkung)

21.4.2001               DE                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                            C 118/7
                URTEIL DES GERICHTSHOFES                                     Geltungsbereich des TRIPs-Übereinkommens gehören, bean-
                                                                             tragt worden ist.
                    vom 14. Dezember 2000
                                                                        2.   In einem Bereich, auf den das TRIPs-Übereinkommen anwend-
                                                                             bar ist und in dem die Gemeinschaft bereits Rechtsvorschriften
in den verbundenen Rechtssachen C-300/98 und C-392/98                        erlassen hat, sind die Gerichte der Mitgliedstaaten nach
(Vorabentscheidungsersuchen der Arrondissements-                             dem Gemeinschaftsrecht verpflichtet, bei der Anwendung ihrer
rechtbank ’s-Gravenhage und des Hoge Raad der Neder-                         nationalen Rechtsvorschriften im Rahmen der Anordnung
landen): Parfums Christian Dior SA gegen Tuk Consultan-                      einstweiliger Maßnahmen zum Schutz von Rechten, die zu
cy BV (C-300/98) und Asseo Gerüste GmbH, Rob van                             diesem Bereich gehören, soweit wie möglich den Wortlaut und
Dijk, handelnd unter der Firma Assco Holland Steigers                        den Zweck von Artikel 50 des TRIPs-Übereinkommens zu
Plettac Nederland, gegen Wilhelm Layher GmbH & Co.                           berücksichtigen.
                  KG, Layher BV (C-392/98) (1)
                                                                             In einem Bereich, in dem die Gemeinschaft noch keine
(Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisa-                      Rechtsvorschriften erlassen hat und der somit in die Zuständig-
tion — TRIPs-Übereinkommen — Artikel 177 EG-Vertrag                         keit der Mitgliedstaaten fällt, unterliegen der Schutz der Rechte
(jetzt Artikel 234 EG) — Zuständigkeit des Gerichtshofes                     des geistigen Eigentums und die von den Gerichten hierzu
— Artikel 50 des TRIPs-Übereinkommens — Einstweilige                        getroffenen Maßnahmen nicht dem Gemeinschaftsrecht. Das
    Maßnahmen — Auslegung — Unmittelbare Wirkung)                            Gemeinschaftsrecht gebietet es daher nicht, schließt es aber auch
                                                                             nicht aus, dass die Rechtsordnung eines Mitgliedstaats dem
                          (2001/C 118/10)                                    Einzelnen das Recht zuerkennt, sich unmittelbar auf die
                                                                             Bestimmung des Artikels 50 Absatz 6 des TRIPs-Übereinkom-
                                                                             mens zu berufen, oder die Gerichte verpflichtet, diese Vorschrift
                 (Verfahrenssprache: Niederländisch)                         von Amts wegen anzuwenden.
                                                                        3.   Artikel 50 des TRIPs-Übereinkommens überlässt es den Ver-
(Vorläufige Übersetzung; die endgültige Übersetzung erscheint in der       tragsparteien im Rahmen ihres eigenen Rechtssystems, festzule-
          Sammlung der Rechtsprechung des Gerichtshofes.)                    gen, ob das nach den allgemeinen Vorschriften des nationalen
                                                                             Rechts über unerlaubte Handlungen, insbesondere über unlaute-
In den verbundenen Rechtssachen C-300/98 und C-392/98                        ren Wettbewerb, gegebene Klagerecht, das auf den Schutz eines
betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 177 EG-Vertrag                   gewerblichen Modells vor Nachahmung gerichtet ist, als Recht
(jetzt Artikel 234 EG) von der Arrondissementsrechtbank                      des geistigen Eigentums im Sinne von Artikel 50 Absatz 1 des
’s-Gravenhage (Niederlande) (C-300/98) und dem Hoge Raad                     TRIPs-Übereinkommens anzusehen ist.
der Nederlanden (C-392/98) in den bei diesen anhängigen
Rechtsstreitigkeiten Parfums Christian Dior SA gegen Tuk                (1) ABl. C 299 vom 26.9.1998.
Consultancy BV (C-300/98) und Assco Gerüste GmbH, Rob
van Dijk, handelnd unter der Firma Assco Holland Steigers
Plettac Nederland, gegen Wilhelm Layher GmbH & Co. KG,
Layher BV (C-392/98) vorgelegte Ersuchen um Vorabentschei-
dung über die Auslegung von Artikel 50 des Übereinkommens
über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigen-
tums in Anhang 1 C des Übereinkommens zur Errichtung der                              URTEIL DES GERICHTSHOFES
Welthandelsorganisation, das im Namen der Gemeinschaft
hinsichtlich der in ihre Zuständigkeiten fallenden Bereiche                                 vom 14. Dezember 2000
durch den Beschluss 94/800/EG des Rates vom 22. Dezember
1994 (ABl. L 336, S. 1) genehmigt worden ist, hat der                   in der Rechtssache C-344/98 (Vorabentscheidungsersu-
Gerichtshof unter Mitwirkung des Präsidenten G. C. Rodrı́guez           chen des Supreme Court): Masterfoods Ltd gegen HB Ice
Iglesias, der Kammerpräsidenten C. Gulmann, A. La Pergola,              Cream Ltd und HB Ice Cream Ltd gegen Masterfoods Ltd,
M. Wathelet und V. Skouris sowie der Richter D. A. O. Edward                     handelnd unter der Firma „Mars Ireland“(1)
(Berichterstatter), J.-P. Puissochet, P. Jann, L. Sevón, R. Schint-
gen und der Richterin F. Macken, am 14. Dezember 2000 ein               (Wettbewerb — Artikel 85 und 86 EG-Vertrag (jetzt Arti-
Urteil mit folgendem Tenor erlassen:                                    kel 81 EG und 82 EG) — Parallelverfahren vor nationalen
                                                                                    Gerichten und Gemeinschaftsgerichten)
1.    Der Gerichtshof ist, wenn er gemäß den Vorschriften des
      EG-Vertrags, insbesondere Artikel 177 EG-Vertrag (jetzt
                                                                                                 (2001/C 118/11)
      Artikel 234 EG) angerufen wird, für die Auslegung des
      Artikels 50 des Übereinkommens über handelsbezogene Aspek-
      te der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPs-Übereinkommen)                          (Verfahrenssprache: Englisch)
      in Anhang I C des Übereinkommens zur Errichtung der
      Welthandelsorganisation, das im Namen der Gemeinschaft
      hinsichtlich der in ihre Zuständigkeiten fallenden Bereiche       (Vorläufige Übersetzung; die endgültige Übersetzung erscheint in der
      durch den Beschluss 94/800/EG des Rates vom 22. Dezember                    Sammlung der Rechtsprechung des Gerichtshofes.)
      1994 genehmigt worden ist, zuständig, soweit bei den Gerich-
      ten der Mitgliedstaaten der Erlass einstweiliger Maßnahmen        In der Rechtssache C-344/98 betreffend ein dem Gerichtshof
      zum Schutz von Rechten des geistigen Eigentums, die zum           nach Artikel 177 EG-Vertrag (jetzt Artikel 234 EG) vom