CELEX: 51988PC0789
Language: de
Date: 1988-12-16
Title: VORSCHLAG FUR EINEN BESCHLUSS DES RATES zur Annahme eines spezifischen mehrjährigen Forschungs- und Ausbildungsprogramms der Europäischen Atomgemeinschaft auf dem Gebiet des Strahlenschutzes (1990-1991) (von der Kommission vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (88) 789
Vol. 1988/0259
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983 concernant
l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique européenne et de
la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983, p. 1) modifié en dernier
lieu par le règlement (UE) 2015/496 du Conseil du 17 mars 2015 (JO L79 du 25. 3.2015, p. 1), ce
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conformément aux articles 26(3) et 59(2) de la décision (UE, Euratom) 2015/444 de la
Commission du 13 mars 2015 concernant les règles de sécurité aux fins de la protection des
informations classifiées de l'Union européenne.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983 concerning
the opening to the public of the historical archives of the European Economic Community and the
European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as last amended by Council
Regulation (EU) 2015/496 of 17 March 2015 (OJ L 79, 27.3.2015, p. 1), this file is open to the
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on the security rules for protecting EU classified information.
In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1. Februar
1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und
der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983, S. 1), zuletzt geändert durch die
Verordnung (EU) Nr. 2015/496 vom 17. März 2015 (ABI. L 79 vom 25.3.2015, S. 1), ist dieser Akt
der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit erforderlich, wurden die Verschlusssachen in diesem Akt in
Übereinstimmung mit Artikel 5 der genannten Verordnung freigegeben; beziehungsweise werden
sie auf Grundlage von Artikel 26(3) und 59(2) der Entscheidung der Kommission (EU, Euratom)
2015/444 vom      13.   März 2015     über die   Sicherheitsvorschriften für den Schutz von  EU-
Verschlusssachen als herabgestuft angesehen.
 ---pagebreak--- KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                       KOM ( 88 ) 789 endg .
                                                       Brüssel , den 16   . Dezember 1988
                                VORSCHLAG FUR EINEN
                                BESCHLUSS DES RATES
   zur Annahme eines spezifischen mehrjährigen Forschungs - und Ausbildungs -
                  Programms der Europäischen Atomgemeinschaft
                auf dem Gebiet des Strahlenschutzes ( 1990-1991 )
                         ( von der Kommission vorgelegt )
                                ■p.     . A«
                                          Λ·Λ " >,\      ΐ'-, Ί
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                                X*/o . ;            ; \y
 ---pagebreak---                             ZUSAMMENFASSUNG
               VORSCHLAG FÜR EINEN BESCHLUSS DES RATES
zur Annahme eines mehrjährigen Forschungs- und Ausbildungsprogramms
                  der Europäischen Atomgemeinschaft
           auf dem Gebiet des Strahlenschutzes ( 1990-1991 )
  Der vorliegende Vorschlag ergibt sich aus dem EURATOM-Vertrag . Er
  stellt eine Verlängerung des laufenden Programms 1985-1989 dar ,
  welches durch eine Revision als Folge des Tschernobyl-Unfalls
  ergänzt worden war .
  Das   laufende   Programm   ist    vom   Beratenden Verwaltungs-  und
  Koordinierungsausschusses " Strahlenschutz " bewertet worden ( siehe
  Anhang IV und Ergänzungsdokument II ) . Eine Bewertung durch einen
  unabhängigen Gutachterausschuss wird im März 1989 vorliegen .
  Das vorgeschlagene Strahlenschutzprogramm 1990-1991 stellt einen
  Teil der Forschungsbedürfnisse der Gemeinschaft für den Zeitraum
  1990-1994 dar wie es in der Begründung aufgeführt ist . Es befasst
  sich mit jenen Aspekten der Forschung , die von vordringlichem
  Interesse für den Schutz von Arbeitskräften und Bevölkerung gegen
  ionisierende     Strahlen     sind     und    die   sich    auf   die
  verordnungspolitischen Verpflichtungen der Kommission in diesem
  Bereich beziehen . Das Programm besteht nachdrücklich auf der
  Erforschung von Gegenmassnahmen zur Verhinderung oder Verringerung
  der Strahlenexposition unter normalen Bedingungen ebenso wie nach
  einem Unfall . Vorgesehen ist auch die Spezialausbildung junger
  Wissenschaftler , um den wissenschaftlichen Kenntnisstand auf dem
  Gebiet des   Strahlenschutzes   in der Gemeinschaft   auf einem hohen
  Niveau zu halten .
  Das Programm wird sich mit folgenden Themenbereichen befassen :
  A)   Exposition des Menschen durch Strahlung und Radioaktivität
  A. 1 Messung von Strahlendosen und ihre Interpretation
  A. 2 Transfer und Verhalten von Radionukliden in der Umwelt
  B)   Folgen der Strahlenexposition des Menschen ;_ ihre Abschätzung ,
       Verhütung und Behandlung
  B. l Stochastische Wirkungen von Strahlen
  B.2  Nicht-stochastische Wirkungen von Strahlen
  B. 3 Strahlenwirkungen auf den sich entwickelnden Organismus
  C)   Risiken der Strahlenexposition und ihre Bewältigung
  C. 1 Abschätzung der menschlicher Strahlenexposition und Risiken
  C.2  Optimierung und Durchführung des Strahlenschutzes
  Mittel in Höhe von 21,2 Mio ECU für den Zeitraum von 1990-1991
  werden für die Verwirklichung des vorgeschlagenen Programms für
  angemessen gehalten . Die Forschung wird in erster Linie in Form von
  Kostenteilungsverträgen durchgeführt .
 ---pagebreak---                                  BEGRÜNDUNG
           Forschungsbedürfnisse der Gemeinschaft auf dem Gebiet
              des Strahlenschutzes für den Zeitraum 1990-1994
                                INHALTSANGABE
                                                                   Seite
I.    Mandat                                                           1
II .  Notwendigkeit der Strahlenschutzforschung                        5
      A. Strahlenschutz unter normalen Bedingungen                     6
      B. Strahlenschutz in Notfallsituationen                          8
III . Das Kommissionsprogramm zur Strahlenschutzforschung             11
      A. Die Rolle des Strahlenschutzprogramms der Kommission         11
      B. Die Durchführung der Forschung im Stra'nlenschutzprogramm    13
      C. Die Förderung der Zusammenarbeit und des Austausches
         wissenschaftlicher Informationen innerhalb der Gemeinschaft 14
      D. Internationale Zusammenarbeit im Strahlenschutz              15
IV .  Das Strahlenschutzprogramm und andere Forschungsprogramme der
      Gemeinschaft                                                    17
V.    Zusammenfassung der wissenschaftlichen Ziele und der
      geplanten Forschung                                             21
VI .  Durchführung des Strahlenschutzprogramms                        27
      A. Durchführung der Forschung                                   27
      B. Informationsaustausch , Kooperation und Ausbildung           28
      C. Bewertung des Programms                                      29
      D. Benötigte Mittel für die Gemeinschaftstätigkelten im         30
         Strahlenschutz
 ---pagebreak---                                          1
I. Mandat
Der EURATOM-VERTRAG definiert in Artikel 2 als eines seiner Ziele , "die
Forschung zu entwickeln und die Verbreitung der technischen Kenntnisse
sicherzustellen", und er beauftragt in Anhang I - VI die Kommission mit
der "Untersuchung der schädlichen Auswirkungen der Strahlungen auf
Lebewesen". Als Folge dieses Vertrages wurde 1961 das Forschungs- und
Ausbildungsprogramm der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zum
Strahlenschutz    ins  Leben   gerufen ,    und  es    wurde   durch   eine   Serie
mehrjähriger Programme fortgesetzt . Diese Forschungsaktivitäten gehen
einher mit den ordnungspolitischen Funktionen der Kommission , wie sie in
Kapitel III , Art . 30–38 des EURATOM-Vertrages festgelegt sind .
Die   EINHEITLICHE    EUROPÄISCHE   AKTE     definiert     die   spezifische    und
unverzichtbare Rolle , die die Gemeinschaft in der Forschung und beim
technologischen Fortschritt      zu   spielen    hat .   Entsprechend    legt   die
Einheitliche    Europäische   Akte  die     rechtliche    und   verfahrensmässige
Grundlage für das Rahmenprogramm fest .
Das  RAHMENPROGRAMM    der  Gemeinschaftsaktivitäten        auf   dem  Gebiet   der
Forschung und technischen Entwicklung ( 1987-1991 ) führt unter der
Option "Lebensqualität : Strahlenschutz ", die auf diesem Gebiet auf
Gemeinschaftsebene     auszuführenden      Hauptforschungslinien        auf .   Das
Strahlenschutzprogramm ist auch für andere spezielle Programme des
Rahmenprogramms von Bedeutung , zum Beispiel jene , die sich auf Umwelt ,
nukleare Sicherheit und kontrollierte Kernfusion beziehen .
Das    EUROPÄISCHE    PARLAMENT    hat     regelmässig      die    Bedeutung    des
Strahlenschutzprogramms     hervorgehoben     und   vertritt     insbesondere    in
seiner Stellungnahme zur Programmrevision 1987 " die Auffassung , dass die
Bemühungen um eine Beschleunigung der Forschung auf dem Gebiet des
Strahlenschutzes In den weiteren Programmen nach 1990 fortgeführt werden
sollten"
  A2-240 / 87 EP 116.284 endg ., 7.12.1987
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Die Achtung vor dem menschlichen Leben und vor der natürlichen Umwelt
verlangt ,   dass   die   potentiellen    Risiken   menschlicher   Aktivitäten
erforscht , abgeschätzt und auf ein annehmbares Mass begrenzt werden .
Dies ist besonders wichtig für jene Technologien , die aufgrund des
normalen Betriebs und insbesondere ln Unfallsituationen Auswirkungen auf
eine grosse Zahl von Menschen haben können , mit Konsequenzen , die sich
nicht notwendigerweise Innerhalb staatlicher Grenzen einschränken
lassen . Alle menschlichen Aktivitäten bergen Gesundheitsrisiken von sehr
verschiedener Art , doch die mit Strahlen verbundene Entwicklung moderner
Technologien    und   in   einem   geringeren   Masse   auch   die  natürliche
Strahlenexposition sind zum Gegenstand häufiger Diskussionen ln der
Öffentlichkeit und unter den Politikern geworden . Diese Sorgen haben
sich aufgrund jüngster nuklearer Unfälle und Störfälle verstärkt .
Ein Forschungsprogramm der Gemeinschaft zum Strahlenschutz bleibt daher
von wesentlicher Bedeutung im Zusammenhang mit den Verpflichtungen der
Kommission hinsichtlicher der "Grundnormen für den Gesundheitsschutz der
Bevölkerung und der Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender
Strahlungen"      und    der    damit     zusammenhängenden     Probleme   der
Rechtsvorschriften der Gemeinschaft , welche der Generaldirektion Umwelt ,
Verbraucherschutz       und      Nukleare     Sicherheit     obliegen .    Ein
Forschungsprogramm zum Stahlenschutz ist auch lebenswichtig im Hinblick
auf     die    weltverbreiteten       Sorgen    der     Öffentlichkeit    über
Strahlenrisiken ,   die   sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der
langfristigen Weichenstellungen in der Energiepolitik auf den Menschen
und seine Umwelt , die möglichen grenzüberschreitenden Folgen von
Unfällen und nicht zuletzt angesichts der Notwendigkeit , die
Gemeinschaftskompetenz ln Sachen Strahlenschutz aufrechtzuerhalten und
zu erweitern . Forschung im Rahmen des Strahlenschutzprogramms bedient
sich vieler verschiedener wissenschaftlicher Ansätze und Methoden , um
die Integration zu erreichen , die für einen optimalen Schutz notwendig
ist . Aus diesem Grund muss das Programm seine ausgewogene und umfassende
Struktur beibehalten .
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Das   Strahlenschutzprogramm    der   Kommission    zielt  darauf   ab ,   durch
wissenschaftliche Forschung die Voraussetzung zu schaffen für :
-    die wissenschaftliche Basis , um die "Grundnormen für den
     Gesundheitsschutz der Bevölkerung und der Arbeitskräfte gegen die
     Gefahren ionisierender Strahlung" weiterhin auf den neuesten Stand
     zu bringen ,
-    die notwendigen wissenschaftlichen Kenntnisse zur Abschätzung der
     karzinogenen und genetischen Risiken für Arbeitskräfte und
     Bevölkerung aus der Exposition durch niedrige Dosen und niedrige
     Dosisleistungen von Strahlen verschiedener Qualität , wie sie sich
     aus der natürlichen Strahlung , der medizinisch-diagnostischen
     Radiologie und bei kerntechnischen Anlagen ergeben ,
-    Methoden   zur   Risikoabschätzung     von   Strahlenunfällen    und    zur
     Schaffung von Verhaltensgrundsätzen und Techniken für                   die
     Durchführung von Gegenmassnahmen , z.B. Notfall-Bezugswerte             für
     Radioaktivität in Lebensmitteln , Dekontamination der Umwelt sowie
     Diagnose und Behandlung von Unfallopfern ,
-    die   notwendige   Information    zur   Erweiterung   der   Konzepte    und
     Verfahren im Strahlenschutz als Antwort auf Anforderungen , wie sie
     sich   zum Beispiel    aus   innovativen    Strahlenanwendungen     in der
     Medizin , aus dem Fortschritt der Fusionsforschung , von Seiten
     herkömmlicher Industrien , die radioaktive Abwässer ableiten , aus
     Projekten zur sicheren Beseitigung radioaktiver Abfälle ... ergeben ,
-    die objektiven wissenschaftlichen Grundlagen zur Unterstützung der
     zuständigen    einzelstaatlichen      Stellen     bei   der    rationalen
     Entscheidungsfindung über den Betrieb kerntechnischer Anlagen , die
     Entwicklung von Umweltkriterien für Radioaktivität und die
     Bewältigung seltener Notfallsituationen sowie zur objektiven
     Information der Öffentlichkeit über Risiken und Vorteile ,
-    Anreiz und Unterstützung für Zusammenarbeit von Wissenschaftlern
     und Forschungsinstitutionen aus verschiedenen Mitgliedstaaten ,
-    Anstösse für eine Weiterentwicklung der Strahlenschutzkonzepte im
     Rahmen eines internationalen Forums sowie deren Erweiterung auf
     andere vergleichbare Umweltschadstoffe .
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 II . Die Notwendigkeit der Strahlenschutsforschung
Lebende Organismen sind stets einer Strahlung aus natürlichen Quellen
 ausgesetzt gewesen und haben sich an diese Lage angepasst . Medizinische
und industrielle Entwicklungen haben dieser Strahlung weitere
Strahlenquellen hinzugefügt , welche – trotz ihrer im Durchschnitt
geringeren Wirkung als die natürliche Strahlendosis und trotz des
Nutzens   für   die   Gesellschaft   und   den  einzelnen   -  eine  zunehmende
Beunruhigung der Öffentlichkeit ausgelöst haben und zu Forderungen nach
einer besserer Kenntnis der möglichen schädlichen Auswirkungen und nach
einem grösserem Schutz für den Menschen und seine Umwelt geführt haben .
Die allgemeine Akzeptanz der Strahlentechnologien in Industrie und
Medizin wird abhingen von dem Verständnis dessen , was Strahlung ist und
wie sie wirkt , welche Gefahren von ihr unter Betriebsbedingungen und
nach   Unfällen    ausgehen   und   wie   die   Vorteile   der   entsprechenden
Nutzanwendungen wahrgenommen werden . Wenn Gesetze zum Strahlenschutz
veränderten Umständen angepasst werden müssen , oder wenn eine
Notfallsituation entsteht , müssen die' zuständigen Stellen auf eine
fundierte      und     umfangreiche     wissenschaftliche      Grundlage    des
Strahlenschutzes     zurückgreifen können , um rationale Entscheidungen
treffen zu können , welche die Gesundheit der einzelnen Menschen sichern ,
die Umwelt schützen und gleichzeitig zumutbar für die Bevölkerung sind .
Solche Entscheidungen , in die wichtige soziale und wirtschaftliche
Überlegungen eingehen , liegen offensichtlich in der Verantwortung der
Behörden , jedoch erfordern sie eine wissenschaftliche Abschätzung der
Risiken und Vorteile , für die die Strahlenschutzforschung die Grundlagen
liefern muss .
Diese Forschung muss daher das Ausmass und die Arten des Auftretens von
Strahlenexposition definieren ,         sie muss      die Auswirkungen der
Strahlenexposition auf den Menschen erforschen einschliesslich der
Behandlung von Verstrahlungen , und sie muss eine vergleichende
Abschätzung der Risiken , welche die Strahlenexposition für den Menschen
und   seine  Umwelt    darstellt ,- vornehmen .  Diese   Forschung   muss  sich
ebenfalls einem besseren Verständnis der Ursachen von Strahlenunfällen ,
wie sie verhindert und wie ihre Folgen reduziert werden können , widmen .
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Das Verständnis der Strahlenexposition , Ihrer Auswirkungen und Risiken
hat   in  der   Tat  grosse   Fortschritte   gemacht .  Die   Strahlenschutz-
philosopie ,  Bestimmungen und    Verfahren sind     dem sich ausweitenden
wissenschaftlichen    Kenntnisstand   dicht  nachgefolgt    und  haben  damit
Anstösse und Methoden für den Schutz gegen andere Schadstoffe geliefert .
Dennoch wurden , bedingt durch den Fortschritt , die verbleibenden
Wisssenslücken und Unsicherheiten sichtbarer ; andere Probleme traten im
Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Strahlentechnologien oder mit der
Bewältigung von Strahlenunfällen auf . Veränderung der Risikowahrnehmung
und -akzeptanz finden ebenfalls ihren Niederschlag in wesentlichen
Modifikationen der Strahlenschutzphilosophie . Infolgedessen weicht der
vorliegende Vorschlag unter Berücksichtigung der Veränderungen und
Entwicklungen , die in der Strahlenschutzforschung in den letzten Jahren
stattgefunden haben , erheblich von den früheren ab . Die im Rahmen des
vorgeschlagenen Forschungsrogramms 1990-1994 entwickelten Zielsetzungen
und Forschungsstrategien werden in Kapitel V und im Ergänzungsdokument I
aufgeführt . Beispiele aus zwei Hauptproblembereichen sind im folgendem
kurz dargestellt .
A. Strahlenschutz unter normalen Bedingungen
Fast die gesamte Strahlenexposition des Menschen tritt im Bereich
niedriger Strahlendosen auf , wo es zu den Risiken von Krebs und
genetischen Veränderungen , sogenannten stochastischen Schäden , kommen
kann . Die Belastung der Bevölkerung stammt hauptsächlich aus der
natürlichen Strahlung sowie aus Verfahren der medizinischen Diagnostik ;
wenn daher Strahlenrisiken insgesamt reduziert werden sollen , so sind
Gegenmassnahmen gegen eine übermässige Radonbelastung in Innenräumen
sowie eine Optimierung der medizinischen Diagnostik sicherlich die
wirksamsten Mittel .   Dies erfordert eine Definition der Bedingungen ,
unter denen eine solche Exposition auftritt , und der Faktoren , die sie
beeinflussen , ebenso wie eine Abschätzung der Risiken für den Menschen
und die Ausarbeitung von Schutzstrategien .
Die genaue Abschätzung der Folgen niedriger Strahlenexposition erfordert
ein höchst aufmerksames Vorgehen , wozu mehr gehört als die blosse
Definition     und    Bestimmung     der    Expositionsbedingungen .     Alle
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 zuverlässigen       verfügbaren       Informationen        stammen        aus     der
 Humanepidemiologie und Tierversuchsstudien ,         die mit Dosiswerten von
 mindestens      dem    Zweifachen     der     durchschnittlichen         natürlichen
 Strahlenexposition     des   Menschen    durchgeführt     wurden .   Es    ist   eine
 logische    und   insgesamt     konservative    Annahme ,    und    zwar    eine   im
 Strahlenschutz durchaus gebräuchliche , dass auch bei geringen Dosen das
Auftreten dieser Wirkungen ohne Stufenwerte proportional zur Dosis ist .
Nichtsdestoweniger bleibt die Wirkung geringer Dosen ein vordringliches
Anliegen von Gesetzgebern und Öffentlichkeit gleichermassen und
erfordert weitere Forschungen . Das Auftreten von Krebs und genetischen
Veränderungen in der Bevölkerung ist naturbedingt hoch , und die
Wahrscheinlichkeit einer Verursachung durch niedrige Strahlendosen ist
gering , daher ist eine direkte Beobachtung dieser Strahlenwirkungen
schwierig und unzuverlässig ; stattdessen muss eine Forschungsstrategie
verfolgt werden , die Informationen aus unterschiedlichen Wissensgebieten
beschafft und zusammenfügt , wie z.B. solche aus Studien über die
Interaktion der Strahlen mit biologischen Molekülen , über geeignete
biophysikalische Modelle , über zellulare und tierische Systeme sowie
über     epidemiologische       Langzeitstudien     ausgewählter        menschlicher
Populationen .
Eine   Verringerung    der    natürlichen    Strahlenexposition ,      hauptsächlich
durch   aus   dem   Erdboden    und  aus   Baumaterialien     austretendes      Radon ,
welches    Lungenkrebs    hervorrufen     kann ,  ist  kostspielig ,       weil   dazu
Veränderungen an vorhandenen Häusern in Gebieten mit hoher Belastung
sowie    Änderungen    der     Baugesetze    erforderlich     wären .     Angemessene
wissenschaftliche      Informationen      müssen    vorhanden       sein ,   um    die
potentiellen Vorteile ins richtige Verhältnis zu den Risiken und Kosten
der Gegenmassnahmen zu setzen . Eine solche Optimierung des Schutzes auf
der Grundlage wissenschaftlicher Daten ist ebenfalls für die vom
Menschen verursachte Strahlung erforderlich . Im Falle der Anwendung von
Strahlen in der Medizin gilt es , jene Verfahren zu bestimmen , die am
meisten zur Exposition der Bevölkerung beitragen ;              die Ärzte müssen
hinreichend    mit    Informationen     versorgt   werden ,    so    dass    sie   die
medizinische Strahlendiagnostik in der Weise anwenden können , dass eine
optimale     klinische      Information     bei    verhältnismässig         niedrigen
Dosiswerten erreicht wird .
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B. Strahlenschutz in Notfallsituationen
Ernste nukleare Unfälle sind äusserst seltene Ereignisse , können jedoch ,
wie Tschernobyl lehrt , Notfallsituationen von internationalem Ausmass
hervorrufen , wodurch schwerwiegende Probleme sozialer , gesetzgeberischer
und  wirtschaftlicher     Natur   entstehen .   Die   Unfallfolgenanalyse     war
bereits     Gegenstand      wissenschaftlicher      Untersuchungen      in    der
Strahlenschutzforschung , doch zeigte der Unfall von Tschernobyl , dass
die  wissenschaftliche      Information   nicht   vollständig    in   anwendbare
Verfahren zur Krisenbewältigung umgesetzt worden war .             Die   Behörden
tragen offensichtlich die Hautpverantwortung für die Krisenbewältigung ,
doch müssen sie sich auf wissenschaftlichen Sachverstand stützen können .
Obwohl    die    grundlegenden    wissenschaftlichen      Voraussetzungen     zur
Festlegung der abgeleiteten Interventionswerte für Radioaktivität in
Lebensmitteln zum Zeitpunkt des Unfalls zur Verfügung standen , war eine
rasche Einigung darüber unmöglich , weil Überlegungen im Zusammenhang mit
den politischen und wirtschaftlichen Aspekten und der öffentlichen
Akzeptanz eine wesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung spielten .
Die künftige Forschung muss die praktische Bewältigung radiologischer
Notfälle verstärkt berücksichtigen . Die Sammlung von Daten sowie die
Überwachung der Radioaktivität sollte effizienter und schneller , der
Austausch     dieser   Informationen     standardisiert      werden .    Bessere ,
realistischere und schnellere Computermodelle sollten entwickelt werden ,
um  diese    Daten   ebenso   wie  andere   Informationen     über   den   Unfall
aufzubereiten , was unverzügliche Entscheidungen über Gegenmassnahmen
erleichtern würde .    Dazu ist ebenfalls eine bessere Erforschung der
Ausbreitung von Radioaktivität und Ihrer Übertragung auf den Menschen
durch die Nahrungskette erforderlich . Es gilt , die potentiellen
Expositionswerte und - auswirkungen in der Nähe und in bestimmter
Enfernung vom Unfallort für jede gegebene Situation abzuschätzen und
angemessene Gegenmassnahmen zu entwickeln . Zusätzlich müssen die kurz -
und    langfristigen     gesundheitlichen ,    sozialen ,    ökologischen     und
wirtschaftlichen Folgen der Kontamination und der Gegenmassnahmen
berücksichtigt werden . Personen , die sich normalerweise am Ort des
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Unfalls   aufhalten   und ' einer lebensbedrohlichen  Strahlenexposition
ausgesetzt sind , müssen schnell und zuverlässig erfasst werden und eine
Behandlung nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen erhalten .
Mehrere neue Behandlungsmöglichkeiten für solche Personen werden derzeit
untersucht . Auch bessere Behandlungsformen müssen geschaffen werden für
solche Personen , die unter Bedingungen verstrahlt werden , bei denen nur
Teile des Körpers , hauptsächlich Haut oder subkutane Gewebe betroffen
sind oder wo Radionuklide inkorporiert wurden .
 ---pagebreak---                                           11
 III . Das Kommissionsprogramm zur Strahlenschutzforschung
A. Die Rolle des Strahlenschutzprogramms der Kommission
Das      Strahlenschutzprogramm       der     Kommission     der    Europäischen
Gemeinschaften wurde infolge des EURATOM-VERTRAGES ins Leben gerufen .
Das laufende Fünfjahresprogramm für den Zeitraum von 1985 bis 1989 wurde
mit einem Etat von 58 Mio ECU ausgestattet . Das Programm wurde kürzlich
revidiert , um spezifische Themen der Strahlenschutzforschung , die nach
dem Unfall von Tschernobyl erkannt wurden , zu berücksichtigen , und mit
einem zusätzlichen Etat von 10 Mio ECU für einen Zeitraum von 2 Jahren
versehen .
Das Programm hat bisher einen wesentlichen Beitrag zu den weltweiten
Anstrengungen 1m Strahlenschutz geleistet und wird laufend an die sich
wandelnden     Anforderungen     des   Strahlenschutzes     angepasst ;  die  in
Kapitel V vorgeschlagenen Forschungen dehnen insofern die bisherige
Arbeiten aus und nehmen neuerkannte Forschungserfordernisse auf .
Das      Strahlenschutzprogramm       der     Kommission     der    Europäischen
Gemeinschaften
       leistet auf Gemeinschaftsebene einen Beitrag zur wissenschaftlichen
       Grundlage der Anpassung der Grundnormen für den Gesundheitsschutz
       an den neuesten Wissensstand ,
       berücksichtigt      gemeinschaftsweit     neuauf tretende   Probleme   im
       Strahlenschutz und stellt sich darauf ein ,
       ermöglicht die rasche Bezugnahme            auf und Beantwortung von
       Problemen , die sich im Zusammenhang        mit den ordnungspolitischen
       Tätigkeiten der Kommission zum Erlass      von Bestimmungen und ln ihrem
       Verhältnis zum Europäischen Parlament      stellen ,
       hat eine optimale Struktur zur Anregung und Förderung der
       Strahlenschutzforschung      in Institutionen der Mitgliedstaaten
       mittels Kostenteilungsverträgen entwickelt ,
       stellt      ein   kostengünstiges     Mittel    zur    Durchführung   der
       Strahlenschutzforschung in den Mitgliedstaaten dar ,
       bringt eine wirksame und kostengünstige Zusammenarbeit zwischen
       Wissenschaftlern zustande , wodurch ein europäisches Forschungsnetz
       entsteht ,
       liefert    wesentliche   Erkenntnisse   für   die  Konstruktion  und  die
       Verbesserung der für den Strahlenschutz in Industrie und Medizin
       benötigten Ausrüstung ,
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-     sorgt für ein     wissenschaftliches Forschungsklima , in dem die
     Wissenschaftler     die    spezialisierten Kenntisse        erwerben und
     aufrechterhalten ,    die    für   den     Strahlenschutz    in   normalen
     Situationen und für die effiziente Bewältigung von Strahlenunfällen
     benötigt werden ,
-    ermöglicht     eine     optimale     und     rasche     Verbreitung    von
     wissenschaftlichen Informationen über den Strahlenschutz unter den
     Forschungsinstitutionen in Europa ,
-    bildet eine geeignete Grundlage für die Zusammenarbeit mit im
     Strahlenschutz tätigen internationalen Organisationen und mit
     Ländern ausserhalb der Gemeinschaft ,
-    ist mit etwa 80 Z der ganzen in der Gemeinschaft betriebenen
     Strahlenschutzforschung verbunden und an etwa 30 Z davon beteiligt ;
     etwa 550 Wissenschaftler sind ganzzeitlich im Rahmen von Verträgen
     des Programms tätig ,
-    ist    unverzichtbar    zur   Aufrechterhaltung      des   Know-hows   der
     Gemeinschaft   auf   dem  Gebiet   des   Strahlenschutzes   und  kann  für
     junge Wissenschaftler die notwendige Ausbildung gewährleisten sowie
     Kontakte zu anderen Laboratorien herstellen .
Das Strahlenschutzprogramm der Kommission wurde ins Leben gerufen zu
einer Zeit , als die Strahlenforschung zunehmend komplexer wurde und
spezialisierte Kenntnisse auf vielen verschiedenen Gebieten sowie teure
Versuchseinrichtungen erforderte . Im Laufe seiner mehrjährigen Programme
ist es dem Gemeinschaftsprogramm gelungen , die Forschungsanstrengungen
aller Mitgliedstaaten in einem zusammenhängenden Netz miteinander zu
verbinden , was zu einer Intensiven und kostengünstigen Interdependenz
der europäischen Forschung Im Strahlenschutz geführt hat . Die Interessen
aller Mitgliedstaaten werden in der spezifischen Durchführung des
Programms genau viedergegeben . Es ist daher für die Mitgliedstaaten
nicht mehr notwendig , kostspielige Anlagen und Experten auf jedem Gebiet
der Strahlenschutzforschung zu unterhalten , da sie sich auf die
Forschung und Erfahrung in anderen Mitgliedstaaten stützen können und
sich somit auf diejenigen Fachgebiete konzentrieren können , auf denen
sie das grösste Expertenwissen erworben haben und wo sie ihren Bedarf
für am dringendsten erachten .
Aus den Forschungstätigkeiten des Kommissionsprogramms und aus der
dadurch    initiierten   Zusammenarbeit      haben   sich    erhebliche   reale
finanzielle Vorteile für die Mitgliedstaaten ergeben . Ein weiterer ,
langfristig wahrscheinlich ebenso wichtiger Aspekt wie die direkten
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Einsparungen ist der gemeinschaftliche Forschungsgeist , den das Programm
unter den beteiligten Wissenschaftlern erzeugt hat . Dieser wurde
erreicht , weil fast alle relevanten Forschungsinstitutionen in der
Gemeinschaft mit dem Programm verbunden sind .
Der   jetzt    im    Strahlenschutz     in    der   Gemeinschaft    verfügbare
Kenntnisstand , der ein Ergebnis der bisherigen Programme ist , muss auch
in    Zukunft     erhalten     werden .     Eine     erhebliche    Zahl    von
Fachwissenschaftlern , die auf diesem Gebiet tätig sind , wird in den
nächsten 5-10 Jahren in den Ruhestand gehen , und junge , spezialisierte
Wissenschaftler sind knapp , insbesondere in einigen Mitgliedstaaten . Die
Situation könnte ohne das Kommissionsprogramm kritisch werden . Wenn
entscheidende   Erkenntnisse  auf  dem Gebiet     des  Strahlenschutzes  nicht
unwiderruflich    verlorengehen     sollen ,    müssen    die   Anstrengungen ,
fortgesetzt und ausgedehnt werden , nämlich jungen Wissenschaftlern eine
umfassende Ausbildung zu vermitteln , ihnen die Gelegenheit zu geben ,
durch die Mitarbeit in Forschungslabors in anderen Mitgliedstaaten
zusätzliche Kenntnisse zu erwerben , und sie davon zu überzeugen , dass es
auch künftig Forschungsmöglichkeiten und - Interessen auf diesem Gebiet
geben wird .
Zusätzlich   zur    Förderung   der     Forschung ,   der   wissenschaftlichen
Zusammenarbeit und des Austausches von Informationen muss das Programm
auch künftig den Wissenschaftlern die Stimulation und wissenschaftliche
Atmosphäre liefern , ohne die das erforderliche Fachwissen zur
Bewältigung der zunehmend komplexeren Probleme des Strahlenschutzes in
normalen und in Notfallsituationen nicht aufrechterhalten werden kann .
B. Die Durchführung der Forschung im Strahlenschutzprogramm
Die Forschung im Rahmen des Strahlenschutzprogramms wird mittels
Kostenteilungsvertägen durchgeführt , welche mit nationalen Institutionen
und Universitäten in den Mitgliedstaaten geschlossen werden , zu denen
die Kommission im allgemeinen zwischen 25 und 50 Z der Forschungskosten
beiträgt ( zu weiteren Einzelheiten über Abwicklung und Entscheidungs ¬
kriterien siehe Kapitel VII). Das Programm fördert derzeit mehr als 350
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ForschungsprojekCe im Rahmen des regulären Programms und mehr als
50 Verträge im Rahmen der Revision des Programms nach Tschernobyl .
Die Forschungsprioritäten werden mit Hilfe des Beratenden Verwaltungs¬
und Koordinierungsausschusses " Strahlenschutz" ( BVKA) und von Fachleuten
der Mitgliedstaaten und von ausserhalb der Gemeinschaft entwickelt . Die
Prioritäten und die Verwaltung des Programms unterliegen regelmässiger
Bewertung . Der Fortgang wird bei allen Verträgen jährlich vom BVKA
überprüft . Ausserdem finden regelmässige unabhängige Bewertungen statt ;
die letzte wurde 1984 veröffentlicht und erfasste das Programm 1976 -
1980 sowie Teile des Programms 1981 - 1984 . Eine im Frühjahr 1988 vom
BVKA durchgeführte Bewertung des laufenden Programms 1985-1989 liegt
diesem Vorschlag bei ( Ergänzungsdokument II ) .
C. Die Förderung der Zusammenarbeit und des Austausches
   wissenschaftlicher Informationen innerhalb der Gemeinschaft
Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern verschiedener
Institutionen ist ein Hauptziel des Kommissionsprogramms , das sowohl vom
BVKA als auch von den Bediensteten der Kommission aktiv verfolgt wird .
Ausserdem arbeiten Fachgruppen von Wissenschaftlern , wie z.B.          die
Europäische Projektgrupp für Strahlen-Spätfolgen , die unter            der
Schirmherrschaft des Strahlenschutzprogramms gegründet wurde ,          auf
wissenschaftlich-technischer    Ebene   intensiv  zusammen . Diese  Gruppen
haben erfolgreich dazu beigetragen , ein " Europa für die Wissenschaftler"
zu    schaffen ,   und    konnten     Wissenschaftler   dazu    motivieren ,
zusammenzuarbeiten , indem sie ihnen die vielen Vorteile , die sie dabei
gewinnen können , aufzeigten . Die Langfristigkeit der Forschung im
Strahlenschutz , der Bedarf an spezialisierten Einrichtungen und Know-how
sowie der Zusammenhang mit ordnungspolitischen Tätigkeiten machen die
Zusammenarbeit im Interesse effizienter Nutzung begrenzter Mittel
unverzichtbar .
Die rasche Verbreitung von Informationen innerhalb der europäischen und
internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft wie auch in bezug auf
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 Gremien mit ordnungspolitischer Kompetenz ist ein weiteres wichtiges
Merkmal des Programms . Die Mitarbeiter der Kommission halten Kontakt zu
den   einzelnen   Wissenschaftlern   und    berufen     die   auf   spezifischen
Fachgebieten      arbeitenden     Vertragsnehmern         zu      entsprechenden
Studiengruppen ein . Sie organisieren Workshops , Seminare etc . an denen
die    internationale   wissenschaftliche     Gemeinschaft      teilnimmt .   Das
Strahl enschutzprogramm      veröffentlicht          und       verteilt       die
Sitzungsprotokolle    solcher    Tagungen     und     gibt    wissenschaftliche
Überblicke und Aufsätze über einzelne Sachgebiete in Auftrag .
Die Mitarbeiter des Programms nehmen auch an den Sitzungen der gemäss
den Artikeln 31 und 37 des EURATOM-VERTRAGES gebildeten Sachver¬
ständigengruppen teil und sind in die im Zusammenhang mit den
Artikeln 35 und 36 dieses Vertrages stehenden Tätigkeiten einbezogen .
Die    erlangten   Informationen    dienen     dazu ,    die    Prioritäten    im
Strahlenschutzprogramm festzulegen und umgekehrt werden die im Rahmen
des     Programms   erlangten    wissenschaftlichen         Informationen     der
ordnungspolitischen Tätigkeiten der Kommission einbezogen . Diese
Aktivitäten unterstreichen die einzigartige Stellung des Programms im
Rahmen des gemeinschaftsweiten Strahlenschutzes .
D. Internationale Zusammenarbeit im Strahlenschutz
Das Programm hat Kontakte zu Ländern ausserhalb der Gemeinschaft
hergestellt . Absichtserklärungen wurden unterzeichnet mit dem US
Department of Energy ( Office of Health and Environmental Research) und
der Atomic Energy of Canada Ltd . Diese Absichtserklärungen werden
umgesetzt durch Tagungen von Mitarbeitern beider Institutionen , die der
Diskussion von Prioritäten und Forschungsansätzen dienen ; dadruch wird
eine Duplizierung der Forschung vermieden , insbesondere durch
gegenseitige Überprüfung der Programme , durch gemeinsame Organisation
von Workshops , durch Kurzbesuche von Wissenschaftlern zur Initiierung
direkter    Zusammenarbeit    zwischen    den     Institutionen      und    durch
Zusammenarbeit in ausgewählten Forschungsprojekten . Kontakte mit den
nordischen Ländern und Japan wurden geknüpft , wenn auch noch nicht
Institutionalisiert , und Wissenschaftler aus diesen Ländern nehmen an
dem im Rahmen des Programms organisierten Tagungen teil .
Empfehlungen für Strahlenschutzbestimmungen werden normalerweise von
unabhängigen       internationalen        Gremien
                                          Gremien          formuliert
                                                           formuliert ..      Das
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Strahlenschutzprogramm unterhält vertragliche Kontakte zur ICRP
( International Commission on Radiological Protection). zur ICRU
( International Commission on Radiation Units and Measurements) und hat
diesen eine gewisse Unterstützung bei der Auswertung gewährt ; gleiches
gilt zwecks Unterstützung bei der Auswertung der Folgen von Tschernobyl
für UNSCEAR    ( United Nations  Scientific Committee on the Effects of
Atomic Radiation). Informationsaustausch und häufige Sitzungsteilnahme
von Mitarbeitern finden statt bei der Weltgesundheits- Organisation
( WHO) , der Internationalen Atomenergiebehörde ( IAEA), der Nuklearen
Energiebehörde der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung ( OECD /NEA) und mit der Organisation für Ernährung und
Landwirtschaft ( FAO ) . Die aus diesen Kontakten gewonnenen Informationen
werden an die Wissenschaftler in den Mitgliedstaaten weitergeleitet und
bei der Programmverwaltung berücksichtigt .
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 IV . Das Strahlenschutzprogramm und andere Forschungsprogramme der
      Gemeinschaft
Das      Strahlenschutzprogramm       ist       Bestandteil      der    allgemeinen
 Forschungsstrategie der Kommission der Europäischen Gemeinschaften , wie
 sie im Rahmenprogramm der Gemeinschaftsaktivitäten auf dem Gebiet von
Forschung    und   technologischer    Entwicklung      beschrieben    sind .   Dieses
Rahmenprogramm hat eine Reihe von Problemen mit möglicher Auswirkung auf
Gemeinschaftsebene herausgefunden und hat dazu geeignete Lösungswege
durch gemeinschaftsorientierte Forschung definiert . Die Kommission hat
die Aufgabe , die verschiedenen Programme zu einer Forschungstrategie
zusammenzufügen , welche die verschiedenen Programme in optimaler Weise
miteinander verbindet .
Das    Strahlenschutzprogramm unterhält daher eine            enge Verbindung      zu
anderen Gemeinschaftsprogrammen ,         die sich mit Kernenergie ,         mit  der
Umwelt     und    mit   Medizin     beschäftigen .      Die    Koordination      wird
sichergestellt durch regelmässigen Informationsaustausch zwischen den
Programmen , gemeinsame Zusammenkünfte von Mitarbeitern zur Festlegung
von    Prioritäten    und   wissenschaftlichen       Ansätzen ,   Diskussion     über
laufende    spezifische    Projekte ,  Information      der Vertragsnehmer       über
Entwicklungen in anderen Programmen sowie die Teilnahme an Workshops und
Seminaren und deren gemeinsame Veranstaltung . Die Organisationsstruktur
des Strahlenschutzprogramms innerhalb der Direktion Forschung über
nukleare Sicherheit erleichtert seine Beziehungen zu anderen mit der
Kernenergie befassten Programmen .
Im Rahmen des Programms " Brennstoffkreislauf und Radioaktiver Abfall"
werden die Möglichkeiten der sicheren Lagerung langstrahlender
radioaktiver Abfälle untersucht . Das Programm befasst sich daher mit den
physikalisch-chemischen       Prozessen ,    die  sich   bei   der Wanderung      der
Radionuklide     durch    die   Ceosphäre      abspielen .   Zum   Vergleich :    Das
Strahlenschutzprogramm beschäftigt             sich mit       dem Transfer        der
Radionuklide in der Biosphäre und über die Nahrungskette zum Menschen
und   untersucht ,   wie verschiedene physikalisch-chemische Ausformungen
( Speziation) der Radionuklide diese Transfereigenschaften beeinflussen .
Die Tätigkeiten der Kommission über " Nuklearen Sicherheit" befassen sich
mit den technischen und ordnungspolitischen Aspekten der Sicherheit
kerntechnischer Anlagen und zielen darauf ab , für den Menschen und seine
Umwelt ein befriedigendes Schutzniveau vor Strahlenrisiken , die sich aus
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dem normalen Betrieb kerntechnischer Anlagen und aus Unfällen ergeben ,
sicherzustellen . Diese Zielsetzungen sind mit denen des Strahlenschutz¬
programms vergleichbar , jedoch bilden die wissenschaftlichen Ansätze und
die untersuchten Fachgebiete Ergänzungen zueinander . Enge Zusammenarbeit
ist zwischen beiden Programmen gewährleistet , insbesondere ln bezug auf
die Analyse von Unfallfolgen und das Vorbereitetsein auf Unfälle .
Das Programm " Fusion” zielt darauf ab , eine sichere und effiziente
Energieversorgung durch Kernfusion zu entwickeln . Die dabei angewandten
Techniken verwenden erhebliche Mengen von Tritium und führen ebenfalls
zur Entstehung von Aktivierungsprodukten . Probleme vor Ort , die sich aus
der freigesetzten Radioaktivität unter normalen Betriebsbedingungen und
nach einem hypothetischen Unfall ergeben , werden im Programm " Fusion"
behandelt , während die ökologischen und gesundheitlichen Folgen solcher
Freisetzungen in den Bereich des Strahlenschutzprogramms fallen . Die
sichere Entwicklung der Fusionsenergie erfordert eine Erforschung sowohl
der   möglichen Quellenbedingungen als „ auch          ihrer potentiellen
radiologischen Virkungen auf den Menschen .
Das Programm " Umwelt" befasst sich mit der Verunreinigung von
Ökosystemen     und     der    Nahrungskette     durch     nichtradioaktive
Kontaminierungsstoffe . Die Transportmechanismen in der Umwelt und
Modelle zu ihrer Beschreibung gleichen denen , die für radioaktive
Schadstoffe entwickelt wurden . Das Umweltprogramm beschäftigt sich
ebenfalls mit den gentoxischen Eigenschaften von Chemikalien ,
einschliesslich der Aneuploidle ; entsprechende Untersuchungen über
vergleichbare    Wirkungen von      Strahlen    finden    im   Rahmen   des
Strahlenschutzprogramms statt . Risikoabschätzung für nichtradioaktive
Schadstoffe     ist    ebenfalls    ein    wichtiger     Bestandteil    des
Umweltprogramms . Beide Programme sind daher komplementär und verfolgen
ähnliche Forschungsstrategien .
Das Programm zur Entwicklung von Forschung und Koordination "Medizln-
und Gesundheitsforschung" legt in seinem Zielbereich "Krebs" unter
anderem     Nachdruck      auf    Epidemiologie      und     experimentelle
Grundlagenforschung . Forschung über strahleninduzierten Krebs wird im
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Rahmen des Strahlenschutzprogramms betrieben , doch sind die Ziele und
Methoden der Durchführung in den beiden Programmen im wesentlichen
verschieden .     Während      das    medizinische      Forschungsprogramm     durch
konzertierte     Aktionen    versucht ,    das   Gesundheitswesen   für    Krebs   zu
optimieren und die allgemeine Effizienz der Forschungsanstrengungen auf
diesem Gebiet zu erhöhen , beschäftigt sich das Strahlenschutzprogramm
spezifisch mit dem Ausmass und den Umständen , unter denen bestimmte
Krebsarten durch Strahlen und Radionuklide hervorgerufen werden , was ein
spezielles Fachwissen in der Strahlendosimetrie und der Strahlenbiologie
voraussetzt .         Ein        weiterer          Zielbereich        " medizinische
Technologieentwicklung" im Programm "Medizin- und Gesundheitsforschung"
schätzt    die   Wirksamkeit     neuer    diagnostischer     Techniken ,   wie   z.B.
Kernspintomographie und Ultraschall ab . Diese diagnostischen Instrumente
könnten Alternativen für jene darstellen ,             die ionisierende Strahlen
benutzen ,      deren      Risiken      und       Vorteile     im     Rahmen      des
Strahlenschutzprogramms abgeschätzt werden . Die Zusammenarbeit zwischen
beiden     Programmen      ist     auch   von     Bedeutung    im   Hinblick      auf
epidemiologische Studien , z.B. solche , die im Rahmen von EUROCAT über
Geburtsfehler und über Aneuploidie durchgeführt wurden .
ln seinen neudefinierten Beiträgen zum Strahlenschutz hat die Gemeinsame
Forschungsstelle      zwei    Gebiete    bestimmt ,    für  die   die    notwendigen
Voraussetzungen auf physikalisch-technischer Ebene vorhanden sind . Sie
baut gegenwärtig eine Datenbank " Radioactivity Environmental Monitoring"
( REM) auf und entwickelt Datensammlungsverfahren für Luftradioaktivität .
In   beiden    Fachgebieten ,     insbesondere      im  letzteren ,   arbeitet    das
Strahlenschutzprogramm mit der Gemeinsamen Forschungsstelle zusammen ,
indem es Kontakte herstellt und Kooperationen mit Forschungslaboratorien
in den Mitgliedstaaten einleitet , die auf diesem Felde tätig sind ,
insbesondere solche , die Vertragsnehmer des Kommis sions Programms sind .
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 V. Zusammenfassung der wissenschaftlichen Ziele und der geplanten
    Forschung
 Strahlenschutzforschung befasst sich mit einer Reihe komplexer Probleme ,
 deren Lösung es erforderlich macht , dass Informationen aus verschiedenen
 Fachgebieten      mittels        interdisziplinärer        Forschungsprogramme
 zusammengefugt werden . Das Strahlenschutzprogramm wurde als ein
umfassender und ausgewogener Forschungsansatz konzipiert , der im
wesentlichen aus drei Grundelementen besteht : A) Feststellung der
Exposition des Menschen durch Strahlen und Radioaktivität , B ) Folgen der
Strahlenexposition    des    Menschen ;   ihre   Abschätzung ,   Verhütung    und
Behandlung    sowie   C)    Risiken     der   Strahlenexpostition     und    ihre
Bewältigung . In dem Bemühen um eine wissenschaftliche Grundlage für den
Strahlenschutz zielt die im Rahmen des Programms betriebene Forschung
daher darauf ab , die Quellen , Wege und Begleitumstände , unter denen
Strahlenexposition     auftritt ,     im     Detail    zu    definieren ,     die
Charakteristiken und das Aussmass solcher Strahlenexposition genau zu
bestimmen , die gesundheitlichen Folgen der Strahlenexposition für den
Menschen zu untersuchen und zu erforschen und schliesslich diese Daten
zu   kombinieren ,  um   zu    einer    Risikoabschätzung    Im   Rahmen    einer
allgemeinen Politik der Risikobewältigung zu gelangen . Die Forschung
wird ebenfalls die wissenschaftliche Grundlage für Gegenmassnahmen in
normalen   Situationen und     für Krisenmanagement     nach    einem nuklearen
Unfall schaffen , um die Menschen gegen die gesundheitsschädlichen Folgen
zu schützen und um die Risiken für Arbeitskräfte und Bevölkerung zu
begrenzen , und wird weitere Methoden zur Behandlung von Strahlenschäden
entwickeln .
Drei Haupttypen von Strahlenexpostionen , alle im Bereich geringer Dosen ,
sind kennzeichnend für die Normalsituation :         Die natürliche Strahlung
dominiert im allgemeinen die Strahlenexposition des Menschen , unterliegt
jedoch       erheblichen        Schwankungen .       Medizinisch-radiologische
Diagnoseverfahren tragen für die Bevölkerung in einer industrialisierten
Gesellschaft   eine  zusätzliche' durchschnittliche       Dosis   von  etwa   der
Hälfte der natürlichen Strahlung bei . Strahlen aus anderen Quellen , wie
der Kernenergieerzeugung und anderen industriellen Anwendungen , kann für
die in diesen Anlagen beschäftigten Arbeitskräfte zu Dosen führen , die
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lm Grössenbereich der durchschnittlichen natürlichen Strahlenexposition
liegen , während die Bevölkerung lm allgemeinen aus diesen Aktivitäten
eine Dosis erhält , die weniger als ein paar Prozent der natürlichen
Strahlenexposition ausmacht .
In eine Notfallsituation kann , wie der Unfall von Tschernobyl gezeigt
hat , eine kleine Zahl von Menschen Dosen erhalten ,            die ihr Leben
gefährden oder schwere akute Strahlensyndrome hervorrufen . Jedoch auch
nach einem schweren Unfall wie Tschernobyl würden die meisten Mitglieder
der Bevölkerung Strahlendosen erhalten ,         die geringer sind als die
durchschnittliche Jahresexposition .
Bei geringer Dosis sind Krebs und genetische Veränderungen die
wichtigsten zu berücksichtigenden Folgen . Es wird angenommen , dass die
Wahrscheinlichkeit ,   jedoch    nicht    die   Schwere ,  dieser   sogenannten
stochastischen Wirkungen stufenlos proportional zur Dosis ist , obwohl
bei geringen Dosen ihr Auftreten nicht unmittelbar gemessen werden kann .
Im Gegensatz dazu kann die seltene unfallbedingte Uberbelastung
nicht-stochastische Wirkungen von einer Schwere hervorrufen , die mit der
Dosis zunimmt , sobald eine . bestimmte Schwellendosis überschritten wurde .
Diese Schwellenwerte liegen weit oberhalb der Dosisgrenzen , die ln den
Grundnormen für den Gesundheitsschutz von Bevölkerung und Arbeitskräften
festgelegt wurden .
Untersuchungen über Strahlenexposition und die Wirkungen von Strahlen
bilden die Grundlage zur Abschätzung der Risiken , die in normalen
Situationen und nach Unfällen auftreten können . Der Strahlenschutz muss
fortwährend optimiert werden unter quantitativer Berücksichtigung der
Risiken ebenso wie des Nutzens von Strahlen . Ferner müssen die Risiken
in eine vergleichende Betrachtung mit anderen Risiken in der
industrialisierten Gesellschaft miteinbezogen werden . Auf diese Weise
wird es möglich , eine umfassende Philosophie zur Rlsikobewältigung zu
entwickeln , die den geringsten allgemeinen Einwirkungsgrad aller
Gefahren für den Menschen und die Umwelt anstrebt .
Die Fortsetzung der Forschung ist eine unerlässliche Voraussetzung , wenn
ein breites Fachwissen im Strahlenschutz künftig in den Mitgliedstaaten
aufrechterhalten     werden     soll .     Angesichts     der    bevorstehenden
Pensionnierung vieler älterer Wissenschaftler und des Mangels an
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jüngeren , die in dieses Gebiet eintreten ,      betont das Programm die
Notwendigkeit zur Spezialausbildung junger Wissenschaftler . Eine solche
Ausbildung sollte sie nicht nur mit neuen Ideen und Methoden
bekanntmachen ,   ihre Ausbildung vervollständigen und ihnen ein
Verständnis der allgemeinen Probleme des Strahlenschutzes vermitteln ,
sondern    sie  auch  zunehmend    in   die   Europäische   Strahlenschutz-
Forschergemeinschaft einbeziehen .
Die vom Strahlenschutzprogramm verfolgen wissenschaftlichen Probleme und
Zielsetzungen sind detaillierter in Kapitel I des Ergänzungsdokuments I
erläutert . Dieses Ergänzungsdokument enthält ausserdem in seinem
Kapitel II eine Liste der vorrangigen Spezialforschungsgebiete des
Strahlenschutz-Forschungsprogramms ,      geordnet     nach    den     drei
übergreifenden Fachgebieten Strahlenexposition , Wirkungen , Risisken . Der
folgende Abschnitt gibt eine Zusammenfassung dieser wissenschaftlichen
Prioritäten .
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A ) Exposition des Menschen durch Strahlen und Radioaktivität
A.l . Messung der Strahlendosis und ihre Interpretation
A. 1.1     Entwicklung und Anwendung von Standards und Verfahren , die mit
           den Konzepten von Aquivalentdosen für externe und interne
           Strahlenexposition Zusammenhängen
A. 1.2     Strahlenmessungen und Instrumente zur Personen- und
           Gebietsdosimetrie
A. 1.3     Ableitung von Organdosen und effektiven Aquivalentdosen
A. 1.4     Abschätzung der internen Strahlenexposition
A.2 . Transfer und Verhalten von Radionukliden in der Umwelt
A.2.1      Umweltverhalten von Radionukliden in Situationen , die im
           Zusammenahng mit dem langfristigen Verhalten oder den
           Bedingungen nach einem Unfall von besonderem Interesse sind
A.2.2      Natürliche Radioaktivität in der Umwelt und ihre
           Ubertragungswege zum Menschen
A.2.3      Einfluss von Speziation , chemischer Veränderung , Veränderung
           der physikalisch-chemischen Eigenschaften sowie biologische
           Umwandlung , insbesondere im Hinblick auf : langlebige Spalt-
           und Korrosionsprodukte , Actinide , Tritium , z.B. Reduktion des
           Wasserstoffgases    und   Transformation     von   anorganischem
           ln organisch gebundenes Tritium ,         sowie Abwässer der
           Radiopharmazeutik und der Nuklearmedizin
A.2.4      Das Verhalten unfallbedingt freigesetzter Radionuklide ,
           Abschätzung der Zuverlässigkeit von Transferparametern und
           experimenteller Untersuchungen
A. 2.5     Die Rolle der Retention und Freisetzung von Radionukliden in
           natürlichen Ökosystemen , wie Wäldern , Mooren , Sümpfen ,
           Feuchtgebieten , Gewässern und landwirtschaftlichen Randzonen
A.2.6      Entwicklung von Gegenmassnahmen zur Reduzierung der
           Kontamination der Umwelt und zur Verhinderung des Transfers
           zum Menschen
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B ) Folgen der Strahlenexposi tion des Menschen ; ihre Abschätzung ,
    Verhütung und Behandlung
B.l . Stochastische Wirkungen von Strahlen
B.l.l        Interpretation der Wirkungen niedriger Dosen und niedriger
             Dosisleistungen mit Hilfe der Mikrodosimetrie
B.1.2        Reparatur und Modifikation genetischer Schäden sowie
             individuelle Radiosensibilität
B.1.3        Untersuchungen an Zellen , Molekülen und Tieren zur Bestimmung
             der Risiken stochastischer somatischer Strahlenwirkungen im
             Hinblick auf niedrige Dosen ,     niedrige Dosisleistungen und
             Strahlenqualität
B.l.4        Abschätzung der genetischen Risiken für den Menschen
B.1.5        Aktivität von Radionukliden in Targetzellen bezüglich
             Metabolismus von Radionukliden sowie Untersuchungen über
             biologische    Modelle     für    radionuklidbedingten   Krebs ,
             inbesondere in Lunge , Knochen , Leber ...
B.2     Nicht-stochastische Wirkungen von Strahlen
B.2.1        Strahlensymdrome und ihre Behandlung nach Bestrahlung grosser
             Teile des Körpers
B.2 . 2      Bestrahlung und Folgeexposition durch inkorporierte
             Radionuklide
B.2 . 3      Strahlensyndrome und ihre Behandlung nach örtlicher
             Bestrahlung der Haut und subkutaner Gewebe
B.2.4        Strahlenschäden der Linsen , Schilddrüsen und anderer Gewebe
             von Bedeutung im Strahlenschutz
B.3     Strahlenwirkungen auf den sich entwickelnden Organismus
 ---pagebreak---                                      - 26 -
C ) Risiken der Strahlenexposition und ihre Bewältigung
C.l     Abschätzung der Strahlenexposition des Menschen und ihrer Risiken
C.l.l        Bewertung und Statistik verschiedener Arten von
             Strahlenexposition des Menschen
C.l . 2      Strahlenexposition durch natürliche Radioaktivität und
             Bewertung der die Risiken beeinflussenden Parameter
C.l . 3      Vergleichende Abschätzung von Strahlenexposition und Risiken
C.l . 4      Epidemiologische Untersuchungen in menschlichen Populationen
C.2     Optimierung und Durchführung des Strahlenschutzes
C.2.1        Optimierung des Strahlenschutzes
C.2 . 2      Verringerung der Strahlenexposition von Patienten in der
             medizinisch-diagnostischen Radiologie
C.2 . 3      Durchführung des radiologischen Schutzes in normalen und
             Unfalls ituationen
C.2.4        Probabilistische Risikioabschätzung und Echtzeitmodelle zur
             Abschätzung der Folgen unfallbedingter Freisetzungen von
             Radioaktivität und zur Beurteilung der Wirksamkeit und
             Durchführbarkeit von Gegecmassnahmen
 ---pagebreak---                                      - 27 -
VI . Durchführung des Strahlenschutzprogramms
A. Durchführung der Forschung
Die Forschung im Rahmen des Strahlenschutzprogramms wird in Form von
"Kostenteilungsmassnahmen" durchgeführt , wobei die Kommission im
allgemeinen bis zu 50 % der Gesamtkosten der Forschung übernimmt . Der
Beratende Verwaltungs - und Koordinierungsausschuss " Strahlenschutz "
 ( BVKA) berät die Kommission in Fragen der Durchführung des Programms und
seiner Verträge . Dadurch wird sichergestellt , dass eine enge Verbindung
zu der relevanten Forschung , die in den Mitgliedstaaten betrieben wird ,
besteht .
Bewährte Strukturen einer wirksamen und flexiblen Durchführung haben
sich während der vorangegangenen mehrjährigen Programme allmählich
herausgebildet .      Von    nationalen     Forschungsinstitutionen     oder
Universitätsabteilungen         der       Mitgliedstaaten       eingereichte
Forschungsvorschläge werden vom BVKA und von den Bediensteten der
Kommission geprüft . Den verschiedenen Vorschlägen werden Prioritäten
zugeordnet , sie werden für eine Förderung auf der Grundlage ihrer
wissenschaftlichen Qualität , ihrer Relevanz für den Strahlenschutz und
ihrer kooperativen Aspekte angenommen .
Im Verlauf des Programms wird der Fortschritt der wissenschaftlichen
Arbeit in den einzelnen Projekten vom BVKA gemeinsam mit den
Bediensteten der Kommission bewertet .           Tätigkeitsberichte werden
vorgelegt , bewertet und jährlich veröffentlicht ; mit den Vertragsnehmern
werden regelmässige Kontakte in Form von Studiengruppentagungen und
Besuchen vor Ort unterhalten . Die Bediensteten der Kommission schalten
sich ein , wenn es darauf ankommt , zusätzliche Zusammenarbeit anzuregen
oder eine Neuorientierung von Forschungsarbeiten vorzunehmen . Am Ende
des Programms wird ein Abschlussbericht veröffentlicht , und die
wesentlichen Ergebnisse werden in einem Synthesebericht , der vom BVKA
zusammen    mit   den   Bediensteten   der   Kommission   angefertigt  wird ,
zusammengefasst .
 ---pagebreak---                                     - 28 -
B. Informationsaustausch , Kooperation und Ausbildung
Das Strahlenschutzprogramm veranstaltet in jedem Jahr etwa 30
Studiengruppentagungen , Workshops und Seminare über Themen von
speziellem fachlichem Interesse . Viele dieser Tagungen werden gemeinsam
mit Vertragsnehmern der Mitgliedstaaten und/ oder mit Institutionen aus
Lindern , mit denen Absichtserklärungen unterzeichnet wurden ( US
Department of Energy , Atomic Energy of Canada Ltd ) veranstaltet . Die
Sitzungsberichte wichtiger Tagungen werden in der wissenschaftlichen
Literatur als Bücher , in Form von Sonderdrucken oder in einschlägigen
Fachzeitschriften etc . veröffentlicht . Die Tagungen werden von Forschern
aus den Verträgen , von Wissenschaftlern aus der Gemeinschaft und aus
Drittländern besucht . Wo angemessen , werden nichtwissenschaftliche
Beobachter    aus    ordnungspolitischen     Gremien    oder   einschlägigen
Organisationen ebenfalls zur Teilnahme an den Tagungen eingeladen .
Die jährlich veröffentlichten Tätigkeitsberichte , die Sitzungsprotokolle
der Tagungen , die von der Kommission in Auftrag gegebenen Übersichten
über spezifische Themen und insbesondere die etwa 700 wissenschaftlichen
Veröffentlichungen ,  die jedes Jahr     aus der vom Kommissionsprogramm
geförderten Forschung entstehen , haben eine wesentliche Wirkung auf den
Strahlenschutz . Dies wird zum Beispiel klar bestätigt durch ihre häufige
Zitierung in den umfassenden Berichten , die in regelmässigen Abständen
von UNSCEAR ( United Nations Scientific Committee on Effects of Atomic
Radiation) herausgegeben werden .
Der   Nachdruck   auf   Zusammenarbeit    Im   Kommissionsprogramm   hat  zu
zahlreichen kooperativen Forschungsprojekten zwischen Insitutionen in
den Mitgliedstaaten geführt . Die Rolle des BVKA und der Bediensteten der
Kommission besteht darin , die Vertragsnehmer auf solche Gelegenheiten
aufmerksam zu machen . Ausserdem spielen kooperative Gruppen wie EULEP
( European Late Effects Project Group ) eine wesentliche Rolle für die
Auf rechterhaltung der Zusammenarbeit auf entscheidenden Gebieten der
Strahl enschutzforschung .
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Ausbildung von Wissenschaftlern auf
mehreren Ebenen . Unterrichtsunterstützung auf Universitätsebene konnte
mit Hilfe kooperativer Gruppen zur Verfügung gestellt werden .
 ---pagebreak---                                        - 29 -
Vielversprechende junge Wissenschaftler , die im Strahlenschutz und ln
der Gesundheitsphysik tätig sind , müssen Gelegenheit haben , sich für
mehrere Monate in anderen Insitutionen in verschiedenen Mitgliedstaaten
auszubilden , um ihr Fachwissen zu verbessern und um Kontakte zu anderen
wissenschaftlichen    Organisationen herzustellen .      Diese   Mobilität     der
Forscher   vervollständigt    die    Anstrengungen ,   die  das   Programm     zur
laufenden     Information    der     Wissenschaftler     über    die     neuesten
Entwicklungen und Erfordernisse der Strahlenschutzforschung unternimmt .
Die Ausbildungsaktivitäten des Strahlenschutzprogramms ergänzen auf
diese Weise jene des neu beschlossenen ( 29.6.1988 ) Programms " SCIENCE"
zur Stimulation von internationaler Zusammenarbeit und Austausch wie er
für europäische Forscher erforderlich ist , in dem sie die spezifischen
Aspekte einbrlngen , die mit der Ausbildung und der Aufrechterhaltung des
Fachwissens im Strahlenschutz Zusammenhängen .
C. Bewertung des Programms
Ein vom BVKA erstellter Zwischenbericht über die Bewertung des Programms
ist diesem Vorschlag beigefügt . Eine vollständige Auswertung durch einen
Ausschuss unabhängiger Wissenschaftler ist in Arbeit und wird diesem
Vorschlag hinzugefügt werden , sobald er vorliegt . Das Programm wurde
bereits     1984    bewertet     ( EUR 8648 EN , FR , Luxemburg 1984 ) ,     wobei
festgestellt wurde , " dass das Programm im wesentlichen ausgereift , wohl
ausgewogen , produktiv und verhältnismässig umfassend ist und dass die
meisten grösseren Forschungslabors in den Gemeinschaftsländern daran
teilhaben". Die künftige Auswertung gründet sich auf folgende Kriterien :
     Relevanz der im Rahmen des Programms erzielten Forschungsergebnisse
     für die theoretische Grundlage des Strahlenschutzes und seiner
     praktischen Anwendungen ,
     wissenschaftliche Originalität der Arbeit ,
     Effizienz der Programmdurchführung ,
     Umfang , in dem das Programm zur Zusammenarbeit              zwischen     den
     Laboratorien der Mitgliedstaaten beigetragen hat ,
     seine Rolle bei der Verbreitung der Kenntnisse ,
     Relevanz und Anwendbarkeit der Ergebnisse in               bezug    auf   die
     ordnungspolitischen Tätigkeiten der Kommission .
 ---pagebreak---                                      - 30 -
D) Benötigte Mittel für Gemeinschaftstätigkeiten lm Strahlenscbutz
D.l . Gesamtbedarf für die Strahlenschutz-Forschungstätigkeit während des
      Zeitraums 1990-1994
Die Kommssion schätzt den Gesamtbedarf für die Durchführung der
Forschungstätigkeiten , die ln diesem Bericht dargelegt werden , für den
Fünfjahreszeitraum 1990-1994 auf insgesamt etwa 90 Mio ECU , wobei
folgende Überlegungen zugrunde gelegt wurden :
-     Die Förderung der Forschung im Strahlenschutz sollte auf dem
      realen gegenwärtigen Kostenniveau fortgesetzt werden , unter
      Einbeziehung der neuen Mitgliedstaaten , und der allgemein
      vorgesehene Prozentsatz der Kostenteilung sollte wieder hergestellt
      werden .
-     Bestimme Aktionen infolge von Tschernobyl , die nach der Revision
      des Strahlenschutzprogramms eingeleitet wurden , sollten für eine
      begrenzte Zeit als Teil des neuen Programms fortgesetzt werden .
-     Es sollten Mittel (von etwa 5 Z der Mittel des Gesamtprogramms ) für
      die Ausbildung und die Mobilität junger Wissenschaftler eingeplant
      werden .
Zur Orientierung werden die geplanten Ausgaben für            das  gesamte
Strahlenschutzprogramm 1990-1994 wie folgt dargestellt :
                                                                  Mio ECU
Aktivitäten im Rahmen der Verträge                                  70,40
Ausgaben für Kostenteilungsverträge
Ausbildung , Mobilität von Forschern und Programmf lexibilität       4,00
Ausgaben für Kommissionbedienstete ( 28 )
      in der Hauptverwaltung und abgestellt für Verträge            13,70
Durchführung und Verwaltung
Ausgaben für Organisation von Tagungen , Veröffentlichungen
      Infrastruktur , Verwaltungs - und dazugehörige weitere
      Aufgaben                                                       1,90
Insgesamt                                                           90,00
In diesem Zusammenhang sollte ln Erinnerung gerufen werden , dass der für
das Programm 1980-1984 bewilligte Haushalt 59 Mio ECU und der für
den Vorschlag 1985-1989 68 Mio ECU betrug , einschliesslich der
 ---pagebreak---                                        - 31 -
bereits erw'åhnten Revision des Programms .^
D.2 . Als erforderlich angesehener Betrag für den vorliegenden Vorschlag
      eines Strahlenschutzprogramms 1990-1991
Das   Rahmenprogramm   für Gemeinschaftsaktivitäten auf dem Gebiet            der
Forschung und der technologischen Entwicklung sieht für den Zeitraum von
1987-1991 einen Haushalt von 34 Mio ECU für Entscheidungen im
Zusammenhang mit Strahlenschutzforschung vor . Von dieser Summe wurden
10 Mio ECU für die Revision des Strahlenschutzprogramms als Folge des
Unfalls   von  Tschernobyl    verwendet ,   und   2,8 Mio    ECU   sind  für  die
Aufzeichnung    der  Umweltradioaktivität       ( Radioact ivity    Environmental
Monitoring (REM)) im Rahmen der Gemeinsamen Forschungsstelle vorgesehen .
Innerhalb des derzeitigen Rahmenprogramms 1987-1991 verbleiben daher
21,2 Mio ECU für eine Entscheidung über die                     Fortsetzung der
Strahlenschutzforschung      der     Gemeinschaft ,     wie    sie    in   diesem
Vorschlagsentwurf vorliegt .
Demzufolge ist der vorliegende Vorschlag auf einen Zweijahreszeitraum
1990-1991   beschränkt   und  die    Aktivitäten    des   Strahlenschutzrogramms
müssen während dieser Phase erheblich eingeschränkt werden . Es kommt
jedoch   wesentlich   darauf    an ,   ein   ausgewogenes     Forschungsprogramm
aufrechtzuerhalten , und dadurch auch künftig einen breiten Bereich von
Fachkenntnissen im Strahlenschutz zu gewährleisten . Die Aktivitäten
müssen daher zeitweilig auf allen Forschungsgebieten des Programms
reduziert werden ,   obwohl    dennoch   nicht alle      Gebiete   gleichennassen
betroffen sein werden .
1
  Ratsentscheidung vom 21.12.1987 , ABI . L 16 vom 21.01.1988 , S. 44
 ---pagebreak---                                       - 32 -
Geplante Ausgaben für den Vorschlag des Strahlenschutzprogramms
 1990-1991 nach Katogorien unterteilt , und zwar wie folgt :
                                                                    Mio ECU
Aktivitäten im Rahmen der Verträge                                     14,73
Ausgaben fur Kostenteilungsvertrâge
Ausbildung , Mobilität von Forschern und Programmf lexibilität          0,60
Ausgaben für Kommission bedienstete ( 28 )
      in der Hauptverwaltung und abgestellt für Verträge                4,51
Durchführung und Verwaltung
Ausgaben für Organisation von Tagungen , Veröffentlichungen ,
      Infrastruktur , Verwaltungs - und dazugehörige weitere
      Aufgaben                                                          1,36
Insgesamt                                                              21,20
D.3 . Personal
Zur Durchführung des Programms wird wissenschaftliches Personal mit
Fachkenntnissen auf verschiedenen Gebieten des Strahlenschutzs benötigt .
Zu den Bediensteten gehört das Personal der Hauptverwaltung , welches für
die Durchführung des Programms zuständig ist , sowie Wissenschaftler , die
zur Zeit für die Arbeit in der Vertragsforschung in den Mitgliedstaaten
abgestellt sind . Diese Wissenschaftler bilden ein wichtiges Bindeglied
zwischen dem Strahlenschutzprogramm und den Aktivitäten in den
Mitgliedstaaten . Es ist jedoch die Politik der Kommission , die Stellen
dieser Bediensteten bei deren Pensionierung nicht neu zu besetzen .
In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Zahl der bewilligten
Stellen von Interesse : 1973 gab es insgesamt 97 Bedienstete ; ihre Zahl
wurde fortschreitend auf 79 im Jahre 1976 , auf 64 im Jahre 1980 , auf 60
im Jahre 1985 reduziert und sollte 28 im Jahre 1990 betragen .
Obwohl    es   wünschenswert   wäre ,    klar  zwischen   Verwaltungs -   und
Forschungskosten zu unterscheiden , ist dies nicht einfach , da die für
Verträge abgestellten Bediensteten ihre ganze Zeit der Forschung widmen
und die Bediensteten in der Hauptverwaltung einen wesentlichen Teil
ihrer   Zeit , etwa  70 Z , darauf verwenden ,  die  laufende  Forschung zu
koordinieren , Workshops zu veranstalten etc . Ein erheblicher Teil der
Verwaltungskosten , etwa 30 Z , betrifft die Organisation von Tagungen ,
 ---pagebreak---                                       - 33 -
Veröffentlichung     der   Sitzungprotokolle   von   Workshops ,   Jahres-  und
Endberichte     und   die    Einberufung   von    Experten .  Die    wirklichen
Verwaltungskosten sind demnach wesentlich geringer als es aus den obigen
Angaben ersichtlich ist .
D.4 . Aufteilung der Mittel auf verschiedene Forschungsaktivitäten
Die    verschiedenen     Forschungsbereiche    des     Strahlenschutzprogramms
überlappen sich in einem gewissen Masse und hängen miteinander zusammen .
Haushaltszahlen     für   einzelne   Bereiche   sind   daher   von   begrenzter
Aussagekraft . Nur als Anhaltspunkte können die folgenden Werte dienen :
" Exposition    des    Menschen    durch    Strahlen     und   Radioaktivität"
( 35 Prozent ); " Folgen der Strahlenexposition für den Menschen ; ihre
Abschätzung , Verhütung und Behandlung " ( 35 Prozent ); Risiken der
Strahlenexposition und ihre Bewältigung ( 30 Prozent ).
 ---pagebreak---                                     ANHANG I
                     VORSCHLAG FÜR EINEN BESCHLUSS DES RATES
    ZUR ANNAHME EINES MEHRJÄHRIGEN FORSCHUNGS - UND AUSBILDUNGSPROGRAMMS
                        DER EUROPÄISCHEN ATOMGEMEINSCHAFT
                 AUF DEM GEBIET DES STRAHLENSCHUTZES ( 1990-1991 )
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN , gestützt auf -
den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft , insbesondere
auf Artikel 7 ,
die Stellungnahme des Europäischen Parlaments
                                                               2
die Stellungnahme des Uirtschafts- und Sozialausschusses         ,
ln Erwägung nachstehender Gründe :
Durch seine Entscheidung 87 /516/ EURATOM/ EWG vom 28 . September 1987 hat
der Rat ein mehrjähriges Rahmenprogramm zur ^Gemeinschaf tsforschung und
zur technologischen Entwicklung ( 1987-1991 )       angnommen , in dem unter
anderem Aktivitäten auf dem Gebiete des Strahlenschutzes vorgesehen
sind .
Der    Aus schuss   für Wissenschaft  und  Technik   hat  eine     befürwortende
Stellungnajime
             Qme   zu   dem  Programmvorschlag   1990-1991    der     Kommission
abgegeben
1 ABI . Nr . C _
2 ABI . Nr . C _
3 ABI . Nr . L 302 vom 24.10.1987 , S. 1
4
  s . Anhang III
 ---pagebreak---                                              - 2 -
Es liegt im Interesse der Gemeinschaft , das Wissen und die
wissenschaftlichen Kenntnisse , die für eine objektive Untersuchung der
Exposition des Menschen durch Strahlen und Radioaktivität , der Folgen
von Strahlenexposition für den Menschen und für die Abschätzung und
Bewältigung ihrer Risiken erforderlich sind , wie es In dem Bericht
" Forschungsbedürfnisse           der     Gemeinschaft      auf     dem    Gebiet    des
Strahlenschutzes für den Zeitraum 1990-1994 " beschrieben worden ist , zu
ergänzen und zu erweitern .
Wissenschaftliche         Ausbildung ,     wissenschaftliche      Zusammenarbeit     und
Austausch     von    Wissenschaftlern       sowie   wissenschaftliche     Informationen
sind für den Strahlenschutz von entscheidender Bedeutung .
Die In diesem Beschluss genannte Forschung Ist ein geeignetes Mittel ,
solche Vorhaben zu verfolgen -
BESCHLIESST :
                                          Artikel 1
Das im Anhang definierte Forschungs- und Ausbildungsprogramm für die
Europäische Atomgemeinschaft auf dem Gebiet des Strahlenschutzes wird
für einen am         1 . Januar     1990   beginnenden    Zeitraum von zwei Jahren
festgelegt .
                                          Artikel 2
Die    zur     Ausführung       des    Programms     erforderlichen     Mittel    werden
einschliesslich        der   Kosten     für    28  Bedienstete     auf   21,2  Mio   ECU
veranschlagt .
                                          Artikel 3
Detaillierte Regeln zur Durchführung des Programms sowie der Umfang der
finanziellen Beteiligung der Kommission werden im Anhang definiert .
                                          Artikel 4
1.    Eine Bewertung der erzielten Ergebnisse soll von der Kommission
      vorgenommen werden , welche darüber dem Rat und dem Europäischen
      Parlament berichten soll .
2.    Der oben erwähnte Bericht soll im Hinblick auf die im Anhang dieses
      Beschlusses dargelegten Zielsetzungen und in Übereinstimmung mit
      den        Kriterien        des       Artikels 2.2       des      Ratsbeschlusses
      87 / 516 / EURATOM / EWG , vom 28 . September 1987 erstellt werden .
 ---pagebreak---                                       Artikel 5
 1.    Die Kommission ist für die Durchführung des Programms zuständig .
       Sie wird bei ihrer Aufgabe von dem Beratenden Vervaltungs - und
       Koordinierungsausschuss ( BVKA) " Strahlen^chutz" unterstützt , der
       mit dem Beschluss 84 / 338 / EURATOM / EGKS / EWG eingesetzt worden ist .
2.     Die von der Kommission abgeschlossenen Verträge werden die Rechte
       und Pflichten jeder Partei , insbesondere die Methoden der
       Verbreitung , des Schutzes und der Nutzung der Forschungsergebnisse
       zum Ausdruck bringen .
                                      Artikel 6
Die Kommission ist in Übereinstimmung mit Artikel L01 , Absatz 2 des
EAG-Vertrages      berechtigt ,    mit    Drittstaaten       und   internationalen
Organisationen Abkommen auszuhandeln , um sie ganz oder teilweise in das
Programm einzubeziehen .
                                      Artikel 7
Dieser Beschluss ist an die Mitgliedstaaten gerichtet .
Geschehen zu Brüssel am
                                                       Im Namen des Rates
                                                       Der Präsident
5
   ABI . Nr . L 177 vom 04.07.1984 , S. 25
 ---pagebreak---                                          - 5 -
                                        ANHANG
                       Strahlenschutzprogramm ( 1990-1991 )
                                  I. ZIELSETZUNGEN
 Das   Strahlenschutzprogramm       1990-1991   zielt   darauf    ab ,   mit   Hilfe
 gemeinsamer europäischer Forschungsanstrengungen die Voraussetzungen zu
 schaffen fur :
-     die wissenschaftliche Grundlage für eine fortwährende Anpassung der
      "Grundnormen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und der
      Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender Strahlungen".
-     die wissenschaftlichen Kenntnisse , die zur Abschätzung der
      karzinogenen und genetischen Risiken für Arbeitskräfte und
      Bevölkerung , welche sich aus der Exposition durch niedrige
      Dosen und bei niedrigen Dosisleistungen von Strahlen verschiedener
      Qualität , wie sie sich aus der natürlichen Strahlung , der
      medizinisch-diagnostischen Radiologie und der Kernenegie-Erzeugnung
      ergeben , erforderlich sind ,
-     Methoden zur Abschätzung der sich aus Strahlenunfällen ergebenden
      Risiken sowie Entwicklung von Grundsätzen und Techniken für die
      Durchführung von Gegenmassnahmen ,
-     die erforderlichen Informationen zur Erweiterung von Konzepten und
      Praktiken des Strahlenschutzes an die Anforderungen , wie sie zum
      Beispiel durch innovative Anwendungen von Strahlen in Medizin und
      Industrie entstehen ,
-     das     objektive    wissenschaftliche      Grundlagenwissen ,       das   den
      zuständigen       nationalen        Stellen     bei      der        rationalen
      Entscheidungsfindung über den Betrieb kemtechnischer Anlagen , die
      Entwicklung von Umweltkriterien für Radioaktivität und bei der
      Bewältigung seltener Notfallsituationen hilft und eine objektive
      Information der Bevölkerung über Risiken und Vorteile ermöglicht ,
-     Anreiz     zu   und    Unterstützung      von    Zusammenarbeit       zwischen
      Wissenschaftlern und Forschunginstitutionen aus verschiedenen
      Mitgliedstaaten sowie die zur Aufrechterhaltung der Fachkompetenz
      in der Gemeinschaft notwendigen Ausbildungseinrichtungen ,
-     die     Stimulation    für     eine    ständige    Weiterentwicklung       von
      Strahlenschutzphilosophie und -konzepten in einem internationalen
      Forum .
                             II . TECHNISCHER INHALT
Das     Strahlenschutzprogramm        1990-1991    stellt     einen      Teil    der
Forschungsbedürfnisse       der      Gemeinschaft     auf    dem       Gebiet    des
Strahlenschutzes     für den   Zeitraum    1990-1994  dar wie    sie    im Dokument
KOM ..... dargelegt sind . Es betont jene Aspekte der Forschung , die von
vorrangiger Bedeutung für den Schutz der Beschäftigten und Bevölkerung
gegen ionisierende Strahlen sind und die zu den ordnungspolitischen
Verpflichtungen der Kommission gehören . Das Programm legt Nachdruck auf
Forschungen über Gegenmassnahmen zur Verhinderung oder Reduzierung von
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Strahlenexposition in normalen Situationen sowie nach Unfällen . Es wird
ausserdem die Voraussetzungen schaffen für die Spezialausbildung junger
Wissenschaftler , um das wissenschaftliche Fachwissen über Strahlenschutz
in der Gemeinschaft zu erhalten .
Das Programm wird sich mit folgenden Themenbereichen befassen :
A)   Exposition des Menschen durch Strahlen und Radioaktivität
     A. 1 Messung von Strahlendosen und ihre Interpretation
     A. 2  Transfer und Verhalten von Radionukliden in der Umwelt
B)   Folgen der Strahlenexposition des Menschen ;       ihre  Abschätzung ,
     Verhütung und Behandlung
     B. l Stochastische Wirkungen von Strahlen
     B.2   Nicht-stochastische Wirkungen von Strahlen
     B. 3  Strahlenwirkungen auf den sich entwickelnden Organismus
C)   Risiken der Strahlenexposition und ihre Bewältigung
     C. 1 Abschätzung der menschlichen Strahlenexposition und Risiken
     C.2 Optimierung und Durchführung des Strahlenschutzes
                             III . DURCHFUHRUNG
Das     Programm    wird    im     wesentlichen    durchgeführt    mittels
Kostenteilungsverträgen ,   die    mit    nationalen   Institutionen   und
Universitätsabteilung ln den Mitgliedstaaten abgschlossen werden . Die
Vertragspartner werden aufgefordert werden , einen wesentlichen Teil der
Kosten zu tragen , der im allgemeinen mindestens 50 Z der Gesamtausgaben
decken soll . In Einzelfällen könnte ein höherer Finanzierungsbeitrag der
Gemeinschaft angebracht sein . In derartigen Fällen muss die Kommission
den in Artikel 5.1 erwähnten Ausschuss befragen .
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                                                                 Zusatz zum
                                                                 Anhang
                               Bewertungskriterien
                   für das Forschungs- und Ausbildungsprogramm
                       auf dem Gebiet des Strahlenschutzes
In der kürzlich an den Rat ergangenen Mitteilung der Kommission über
einen gemeinschaftlichen Aktionsplan betreffend die Bewertung von
Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten für den Zeitraum 1987-1991 ( 1 )
heisst es , dass die Zielsetzungen und Zwischenetappen richtungsweisend
für die nachfolgende Bewertung in einer überprüfbaren Form niedergelegt
werden sollen . Demgemäss werden hier Bewertungskriterien für dieses
Programm aufgestellt :
Hauptkriterien für die Bewertung des Programms sind :
-      Relevanz der im Rahmen des Programms erzielten Forschungsergebnisse
       für die theoretische Grundlage des Strahlenschutzes und seine
       praktischen Anwendungen ,
-      wissenschaftliche Originalität der Arbeiten ,
-      Effizienz der Programmdurchführung ,
-      Umfang ln dem das Programm zur Zusammenarbeit            zwischen den
       Laboratorien der Mitgliedstaaten beigetragen hat ,
-      seine Rolle bei der Verbreitung der Kenntnisse ,
-      Relevanz    und  Anwendbarkeit   der  Ergebnisse  in   bezug   auf  die
       ordnungspolitischen Tätigkeiten der Kommission .
Ausserdem sollten die Kriterien , die bei der Revision des Programms ( 2)
für den Zeitraum 1988-1989 aufgestellt worden sind , berücksichtigt
werden :
( 1 ) ABI . Nr . C 14 vom 20.1.1987 , S. 5
( 2 ) Ratsbeschluss vom 21.12.1987 , ABI . Nr . L 16 vom 21.1.1988 , S. 44
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-    ob ein signifikanter Beitrag zur Entwicklung kostenwirksamerer
     Techniken        zur     Verhütung     und     Bekämpfung    schädlicher
     Strahlenwirkungen ,       Insbesondere     solcher ,   die   sich    aus
     hypothetischen Unfällen - unter Berücksichtigung der Tschernobyl-
     Situation - ergeben , gemacht worden ist . Und insbesondere ob :
             die Zuverlässigkeit von atmosphärischen Transportmodellen über
             weite Entfernungen verbessert worden ist ,
             Daten und Modelle über den Transfer von Radionukliden in der
             Nahrungskette ermittelt worden sind ,
             die Durchführbarkeit von epidemiologischen Studien          über
             Gesundheitseffekte in der Bevölkerung nachgewiesen          oder
             verworfen worden ist ,
             die radiologischen Aspekte von Szenarien nuklearer Unfälle
             besser verstanden werden ,
             die wissenschaftliche Voraussetzung der grundlegenden Daten
             für abgeleitete Notfall-Bezugswerte geschaffen worden ist ,
             praktische     Gegenmassnahmen      im    Hinblick    auf    die
             landwirtschaftliche Umwelt und Gewässer , die städtische Umwelt
             und die vorbeugende Medikation verbessert worden sind ,
             bessere Methoden für den Nachweis und die Überwachung ln
             Unfallsituationen gefunden worden sind ,
             die   Erforschung   von   Behandlungsmethodologien   bestrahlter
             Personen Fortschritte gemacht hat .
Bewertungen erfolgen in der Regel einmal während der Laufzeit eines
Programms . Die meisten dieser Kriterien können erst dann geprüft werden ,
wenn     die     Forschunjsverträge    des   Programms    beendet   und   die
Abschlussberichte bewertet worden sind .
Die Bewertung sollte von Gruppen unabhängiger , aussenstehender
Sachverständiger durchgeführt werden , die gemäss Punkt 3.5 des
gemeinschaftlichen Aktionsplans betreffend die Bewertung von Forschungs¬
und Entwicklungstäitgkeiten für den Zeitraum 1987-1991 ( 1 ) ausgewählt
werden und sämtliche obengeannten Punkte auf ihre Stichhaltigkeit prüfen
müssen .
 ---pagebreak---                                      ANHANG II
                                STELLUNGNAHME DES
            BERATENDEN VERWALTUNGS - UND KOORDINIERUNGSAUS SCHUSS ES
                                " STRAHLENSCHUTZ"
              über den Vorschlagsentwurf der Kommission für ein
    FORSCHUNGS- UND AUSBILDUNGSPROGRAMM ( 1990-1994 ) auf dem Gebiet des
                                STRAHLENSCHUTZ ES
Der Beratende Vervaltungs - und Koordinierungsausschuss " Strahlenschutz"
( BVKA) hat während seiner Sitzungen im Dezember 1987 , März 1988 und
Mai 1988 den Vorschlag der Kommission im einzelnen geprüft und kommt
einstimmig zu folgenden Feststellungen :
-     Der BVKA ist der Ansicht , dass es im Interesse der Gemeinschaft
      liegt , die wissenschaftlichen Kenntnisse auf dem Gebiet des
      Strahlenschutzes    mit     Hilfe    des    Strahlenschutzprogramms      der
      Kommission voranzutreiben und zu erweitern , um die Ziele des
      Rahmenprogramms ,    die       im    Erreichen      eines     hinreichenden
      wissenschaftlichen    und    technischen    Verständnisses     sowie   einer
      Kontrolle der Strahlenrisiken bestehen , umzusetzen .
-     Der BVKA betont die Notwendigkeit eines ausgewogenen und
      umfassenden Gemeinschaftsprogramms zur Strahlenschutzforschung ,
      welches      die     verschiedenen         wissenschaftlichen        Aspekte
      berücksichtigt , die für den Schutz des Menschen und seiner Umwelt
      vor ionisierenden Strahlen von entscheidender Bedeutung und die zur
      Aufrechterhaltung   der     Gemeinschaftskompetenz       im  Strahlenschutz
      unerlässlich sind .
-     Der BVKA unterstützt mit Nachdruck den Programmvorsciilagsentwurf
      1990-1994 und gibt , gestützt auf eine fundierte Beurteilung der
      Gemeinschaf tserfordemisse      im Strahlenschutz ,     seiner Überzeugung
      Ausdruck , dass die vorgeschlagene Forschung einschlägig ist , die
      wesentlichsten    Elemente       enthält ,   und     eine    kostengünstige
      Koordination der nationalen Anstrengungen                unter   Vermeidung
      unnötiger Doppelarbeit gewährleistet .
-     Der BVKA weist darauf hin , dass es zur Vermeidung eines etwaigen
      weiteren    Abnehmens     des     in   der     Gemeinschaft     verfügbaren
      wissenschaftlichen Fachwissens im Strahlenschutz entscheidend
      darauf ankommt , das fortgeschrittene Ausbildungsmöglichkeiten für
      die auf diesem Gebiet tätigen Wissenschaftler zur Verfügung
      gestellt werden .
-     Der BVKA betont die Notwendigkeit , einer gewissen Flexibilität des
      Programms , um auf wichtige Entwicklungen im Strahlenschutz oder auf
      eine veränderte Situation , wie die nach dem Unfall von Tschernobyl ,
      rasch reagieren zu können .
 ---pagebreak---                                      - 2 -                            Anhang II
-     Der BVKA hat das laufende Programm 1985-1989 bewertet ( siehe
      Ergänzungsdokument Teil II ) und kommt zu dem Schluss , dass dieses
      Programm umfassend , ausgewogen und gut geführt ist , dass es
      wesentlich zum einschlägigen Wissen über den Strahlenschutz
      beiträgt und dass es auf diesem Gebiet einen hohen Grad der
      Zusammenarbeit in der Gemeinschaft erreicht hat .
-     Der  BVKA nimmt    die  Tatsache   zur Kenntnis ,    dass  innerhalb  des
      derzeitigen Rahmenprogramms 1987 / 1991 die verfügbaren Mittel für
      einen Beschluss über ein künftiges Strahlenschutzprogramm , wie es
      im Vorschlagsentwurf vorgestellt wird , nur begrenzte Fortschritte
      erlauben . Das Programm wird folglich in zwei Phasen durchgeführt
      werden müssen .
Der BVKA bittet infolgedessen den Rat einstimmig , der Erneuerung des
mehrjährigen Forschungs - und Ausbildungsprogramms im Strahlenschutz für
einen    Zeitraum   von   fünf   Jahren   als   einem    geeigenten    Weg  zur
Gewährleistung     eines    angemessenen    Strahlenschutzniveaus       in  der
Gemeinschaft zuzustimmen .
Brüssel , den 15 . Juli 1988                Prof . Dr . A. Cigna
                                            Vorsitzender des BVKA
                                            ''Strahlenschutz "
 ---pagebreak---                                 ANHANG III
                            Stellunqnahme des
                AUSSCHUSSES FÜR WISSENSCHAFT UND TECHNIK
                    ÜBER DEN VORSCHLAG DER KOMMISSION
        FÜR EIN FORSCHUNGS - UND AUS BI LDUNGS PROGRAMM 1990-1991
                  FÜR DIE EUROPÄISCHE ATOMGEMEINSCHAFT
                  AUF DEM GEBIET DES STRAHLENSCHUTZES
1 . Während seiner Sitzung am 31 . Oktober 1988 , hat der Ausschuss
    das Gemeinschaftsprogramm auf dem Gebiet des Strahlenschutzes
    einer Prüfung unterzogen und dabei
     ~ einerseits den Programmvorschlag 1990-1991 geprüft ,
     - andererseits eine Diskussion über bestimmte Aspekte des
        Gemeinschaftsprogramms begonnen , die besonders beachtet
        werden sollen , vor allem nach der bevorstehenden Revision des
        Rahmenprogramms .
2 . Der Ausschuss befürwortet den Programmvorschlag für die Jahre
    1990-1991 .      Er   hält     es    für    wichtig ,   dass   die
    Gemeinschaftsanstrengungen auf den drei Gebieten A , B und C des
    vorgeschlagenen Programms fortgeführt werden .
3 . Der Ausschuss ist der Meinung , dass die gegenwärtigen
    Unsicherheiten in bezug auf die Abschätzungen der Wirkung
    niedriger Dosen und die weitverbreitete Neigung deren Wirkungen
    zu übertreiben , es erforderlich machen , jene Teile des Programms
    zu betonen ,      die die wissenschaftlichen Grundlagen der
    Strahlenschutznormen für niedrige Dosen aus beruflichen oder
    natürlichen Quellen verbessern könnten .
    Der Ausschuss ist sich ebenfalls darüber im klaren , dass es in
    der Gemeinschaft beträchtliche Meinungsunterschiede in bezug
    auf die Anwendung der vorhandenen wissenschaftlichen Kenntnisse
    bei der Durchführung des Strahlenschutzes gibt .
    Der    Ausschuss    unterstreicht    daher   die   Tätigkeiten  im
    Strahlenschutzprogramia , die einen nützlichen Beitrag zu einem
    besseren      allgemeinen      Verständnis     der    betreffenden
    wissenschaftlichen Fragen und zu einer besseren Kommunikation
    mit der Öffentlichkeit leisten .
 ---pagebreak---                                 - 2 -                        Anhang III
4 . Der Ausschuss ist besorgt über die Diskrepanzen in Messung und
    Interpretation ,   die    sich    nach  dem     Tschernobylunfall
    herausstellten .  Obgleich diese Aspekte nicht          zu einem
    Strahlenschutz forschungsprogramms gehören mögen ,        rät der
    Ausschuss der Kommission , zur Verbesserung der Verfahren bei
    Messung und Interpretation , den Mitgliedsländern Hilfestellung
    zu geben .
5 . Der Ausschuss wird auf seiner nächsten Sitzung , unter
    Berücksichtigung der Ergebnisse der Bewertung des gegenwärtigen
    Programms durch einen unabhängigen Ausschuss , die Orientierungen
    der Strahlenschutz forschung diskutieren , die für die Revision
    des Rahmenprogamms empfohlen werden sollen .
 ---pagebreak---                                      ANHANG IV
                                STELLUNGNAHME DES
             BERATENDEN VERWALTUNGS - UND KOORINIERUNGSAUSSCHUSSES
                                " STRAHLENSCHUTZ "
                                zur Bewertung des
                       Strahlenschutzprogramms 1985-1989
Der Beratende Verwaltungs - und Koordinierungsausschuss " Strahlenschutz "
 ( BVKA) hat das Strahlenschutzprogramm zur Vorbereitung eines neuen
Programmvorschlags bewertet ( siehe Ergänzungsdokument und Anlage I )
Gestützt auf seine Beratungen und die jährliche Bewertung der laufenden
Forschungsprojekte , zieht der BVKA folgende Schlüsse :
–      Trotz der verringerten Mittelausstattung wurde im Vergleich zum
       ursprünglichen Vorschlag der Kommission ein relativ ausgewogenes
       Strahlenschutzprogramm erreicht ,       obwohl mehrere einschlägige
       Forschungsgebiete eingeschränkt oder aufgegen werden mussten , mit
       dem entsprechenden Verlust an Sachverstand auf diesem Gebiet .
       Ferner Hess die Streichung des Sonderfonds für Flexibilität eine
       unmittelbare Reaktion des Programms auf den Unfall von Tschnerobyl
       durch eine angemesse Erweiterung der Forschungsprojekte nicht zu .
-      Die in den verschiedenen Bereichen ( Sektoren) des Programms
       betriebene Forschung ist für die konzeptionellen , praktischen und
       ordnungspolitischen      Probleme      des      Strahlenschutzes     auf
       Gemeinschaftsebene hochrelevant ; die grosse Mehrheit der Projekte
      hat bei der Erreichung der ihnen gesetzten Ziele bemerkenswerte
       Fortschritte gemacht . Die in den Projekten des Programms tätigen
      Wissenschaftler haben ihre Fähigkeit , auf die Herausforderung von
      Tschernobyl zu reagieren , unter Beweis gestellt , soweit ihnen dies
       ihre begrenzten Mittel gestatteten .
      Das Strahlenschutzprogramm hat sich weiterhin im Verhältnis zu den
      verfügbaren Mitteln mit 700 wissenschaftlichen Veröffentlichungen
      pro Jahr und einer grossen Zahl von Sitzungsberichten aus Workshops
      und Symposien zu Einzelthemen ( insgesamt 25 von 1985-1937 ) als
      äusserst produktiv erwiesen .
      Die   von   der   Kommission    allein    oder   zusammen   mit   anderen
      Institutionen veranstalteten Studiengruppen , Workshops und Seminare
      haben   den   Informationsaustausch     und    Zusammenarbeit   erheblich
      gefördert und       spürbar    zur Kosteneffiztenz des          Programms
      beigetragen . Die Workshops der Kommission gehörten zu den ersten ,
      die die Folgen des Unfalls von Tschernobyl objektiv analysierten .
      Die derzeitige Struktur des BVKA hat die effektive Verwaltung des
      Programms in Zusammenarbeit mit den Bediensteten der Kommission
      erleichtert . Dadurch wurde es möglich , die wissenschaftlichen
      Prioritäten im Hinblick auf die praktischen Anforderungen und den
 ---pagebreak---                                       - 2 -                             Anhaag IV
      ordnuagspoliCischen      Erfordernissen       im     Strahlenschutz     der
      Gemeinschaft zu definieren und den Fortschritt aller verschiedenen
      Forschungsprojekte eng zu überwachen . Diese Struktur ist zu einem
     wertvollen Instrument        für den Informationsaustausch und die
      Zusammenarbeit     zwischen    den    verschiedenen      einzelstaatlichen
     Anstrengungen     und   dem   Strahlenschutzrogramm       der   Gemeinschaft
      geworden .
-    Viele der wissenschaftlichen Empfehlungen des früheren unabhängigen
     Gutachterausschusses       wurden    erfolgreich       in     das   Programm
     aufgenommen ,   einige konnten jedoch nicht realisiert oder nicht
      finanziert werden .
-    Die kürzlich mit dem US Department of Energy und der Atomic Energy
     of Canada Ltd . abgeschlossenen Absichtserklärungen haben mit viel
     gutem Villen auf beiden Selten begoanen und entwickeln sich zur
     Grundlage für eine wertvolle Zusammenarbeit .
-    Die durch das Programm ins Leben gerufenen und geförderten
     kooperativen Gruppen haben sich weiterhin als nützliche Instrumente
     in der technischen Zusammenarbeit erwiesen .         Sie haben erheblichen
     Anteil an der Schaffung eines europäischen Forschungsklimas und
     waren eine Hilfe bei der Ausbildung von Wissenschaftlern im
     Strahlenschutz .
-    Nur eine kleine Zahl von kurzfristigen Ausbildungsstipendien konnte
     im Rahmen des Programms vergeben werden . Angesichts der kritischen
     Personallage      sollten      Ausbildung      und      Austausch     junger
     Wissenschaftler erweitert werden , um einen baldigen Verfall des
     Fachwissens im Strahlenschutz zu verhindern .
Brüssel , den 4 . Mai 1988                   Prof . Dr . A. Cigna
                                             Vorsitzender des BVKA
                                             " Strahlenschutz"
 ---pagebreak---                                  Anhancr V
                  Bewertuna des Strahlenschutzprogramms
                     der Europäischen Gemeinschaften
             ( Vorläufige Zusammenfassung und Empfehlungen )
I.     Einführung
     Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften ( KEG ) hat zur
Bewertung des Strahlenschutzprogramms einen Gutachterausschuss
eingesetzt , der die wissenschaftlichen Prioritäten , die zukünftigen
Bedürfnisse , die Durchführung und die Verwaltung sowie den Einfluss
auf den weltweiten Strahlenschutz und auf die menschliche Gesell ¬
schaft von heute als auch auf die ordnungspolitischen und
wirtschaftlichen Aufgaben der Kommission bewerten soll . Ausserdem
untersuchte der Ausschuss das Programm im Hinblick auf seine
Beziehungen zu nationalen Forschungsaktivitäten in den Mitglieds ¬
staaten1     und zu einem gewissen Grade zu denen in den USA und
Canada .
Der Ausschuss bewertete
 - das Programm 1980-1984 und das laufende Programm 1985-1989 ,
 - die Forschung , die auf Grund der Revision des Programms nach dem
     Tschernobylunfall eingeleitet wurde .
 - das Dokument " Forschungsbedürfnisse der Gemeinschaft auf dem
     Gebiet des Strahlenschutzes für den Zeitraum 1990-1994 " und den
     darin enthaltenen Programmvorschlag 1990-1991 .
II .   Allgemeine Bemerkungen
Die Notwendigkeit ein umfassendes Strahlenschutz forschungsprogramm
durchzuführen ,    das sich auf die neuesten ,   schnell zunehmenden
Erkenntnisse der Strahlenbiologie und der Verteilung von Radionuk¬
liden in der Umwelt bezieht , erschien noch nie so wichtig wie
heute . Viele Menschen sind von einer durchdringenden Furcht vor
Strahlen und Radioaktivität ergriffen , die durch die Katastrophe
        auf Grund der Dokumente , die der Beratenden Verwaltungs- und
Koordinierungsausschuss ( BVKA) " Strahlenschutz " für COPOL ( Co-
mparison of Community Member States S/T Policies ) zusammengestellt
hat .
 ---pagebreak---                                 Seite 2
von Tschernobyl ausgelöst wurde . Die Sorge über das Radonproblem
 in Häusern beeinträchtigt ihre Haltung und selbst ihre Gesundheit .
Die     Menschen  sind wie  nie  zuvor  auf  Strahlen    und  die  damit
verbundenen Umweltprobleme aufmerksam geworden . Kein Strahlen¬
schutzprogramm kann diese Ängste völlig beseitigen , aber es kann
Antworten auf einige der Fragen geben , die die Menschen
beunruhigen . Die Probleme der Strahlenexposition müssen direkt
angegangen , verstanden und in den Griff bekommen , aber nicht
unvernünftig gefürchtet werden . Das Strahlenschutzprogramm der
Gemeinschaft hat dabei eine wesentliche Rolle zu übernehmen .
II ( a ) Die Notwendigkeit für ein Strahlenschutzprogramm heute .
Neben der Sorge der allgemeinen Öffentlichkeit , hat die wis¬
senschaftliche Fachgemeinschaft zusätzlich wichtige Gründe um
Strahlenschutz forschung mit Nachdruck fortzuführen . Diese beinhal ¬
ten folgende Aspekte :
a ) Krebsrisiken
     Erst neuerdings ist erkannt wordem , dass die Krebsrisikoab¬
     schätzungen , auf denen die Strahlenschutznormen hauptsächlich
    beruhen , wesentlich grösser sind als noch vor etwa 10 Jahren
     angenommen wurde . Dies macht es erforderlich , die Normen für
     Beschäftigte und Bevölkerung neu zu überdenken , die Risiko-
    Nutzen Gleichungen neu zu berechnen und Möglichkeiten für
    epidemiologischen    Untersuchungen   zu   erwägen ,   die   weitere
    Aufklärungen über das Krebsrisiko geben können .
b ) Genetische Wirkungen
    Die Risiken genetischer Schäden für diejenigen Folgen , die in
    der Vergangenheit eindeutig als erblich und strahleninduzierbar
    identifiziert wurden , scheinen nicht erhöht . Ein neuer Gesichts¬
    punkt : die multifaktoriellen Erkrankungen genetischen Ursprungs ,
    die oft spät im Leben auftreten , verlangt jetzt grössere
    Aufmerksamkeit . Obgleich noch ungewiss ist , inwieweit sie durch
    Strahlen verursacht werden , könnten sie eine neue und wesent¬
    liche vererbbare Komponente unter den Strahlenrisiken darstel-
 ---pagebreak---                                   Seite 3
     len . Weitere Forschung in dieser Richtung ist dringend erforder¬
     lich .
c ) Bestrahlung des Embryos .
    Eine " alte " Beobachtung an strahlenexponierten Embryonen hat
    etwa in den letzten 5 Jahren einen wichtigen , neuen Antrieb
    bekommen . Ein Zurückbleiben der geistigen Entwicklung ( und eine
    allgemeine Abnahme des Intelligenzquotienten ) wurde als eine
    besonders wahrscheinliche Strahlenfolge während einer spezifis¬
    chen , hochriskanten Periode der Schwangerschaft , nämlich von der
    8 . bis 15 . Woche ( und mit geringerer Empfindlichkeit von der 16 .
    bis 25 . Woche ) mit beträchtlichem Strahlenrisiko festgestellt .
    Obwohl es möglich und selbst wahrscheinlich erscheint , dass dies
    nur oberhalb einer Schwellendosis auftritt , haben experimentelle
    Untersuchungen bislang keine derartige Schwellendosis festsetzen
    können . Daher müssen Strahlenschutzempfehlungen für schwangere
    Frauen besonders auf dieses Problem, achten .
d ) Nukleare Unfälle .
    Der Unfall von Tschernobyl hat gezeigt , dass es weiterer
    Anstrengungen bedarf , um die Übertragungswege von Radionukliden
    nach einem ernsthaften Unfall zu klären . Die Fähigkeit , die
    Wirkungen der Dispersion und des Niederschlags in allen Teilen
    der    Gemeinschaft   und  zu  verschiedenen  Jahreszeiten  voraus ¬
    zusagen , muss ausgebaut werden . Die Fähigkeit , die Folgen der
    Freisetzung von Radioakt ität vorauszusagen , muss auch solche
    Beobachtungen einschliessen , wie sekundäre Kontaminierung von ,
    beispielsweise Boden , Seen und Waldgebieten , die jetzt nach dem
    Tschernobylunfall beobachtet werden . Mehr Forschung ist auch
    über Transferfaktoren von Radionukliden , wie Cäsium , durch die
    Biosphäre zum Menschen notwendig , damit bessere Modelle zur
    Verfügung stehen . Die Forschung muss gleichfalls Grundlagenwis¬
    sen für das Vorbereitetsein auf einen Unfall in verschiedenen
    europäischen Gegenden und im Zusammenhang mit der IAEA Konven¬
    tion zur gegenseitigen Hilfeleistung bereitstellen . Der
    Tschernobylunfall hat ebenfalls die Notwendigkeit aufgezeigt ,
    in der Lage sein zu müssen , die radioaktive Kontaminierung von
 ---pagebreak---                                 Seite 4
     Tieren , die zur menschlichen Nahrungskette gehören , herabzu¬
     setzen und über wissenschaftliche Grundlagen für akzeptable
    Radioaktivitätswerte in Nahrungsmitteln zu verfügen .
e ) Radon in Wohnugen .
    Während der letzten Jahre ist Radon als ein allgemeines Problem
    derjenigen Ländern der ersten Welt erkannt worden , in denen die
     Innenräume einen grossen Teil des Jahres geheizt oder gekühlt
    werden müssen . Radongas kommt hauptsächlich aus dem Boden , wird
     in Wohnräumen mit schlechter Ventilation besonders konzentriert
    und ergibt Radonzerfallsprodukte , die die Bewohner bestrahlen .
    Ziemlich hohe Werte wurden gemessen und in Europa könnten sie
    für etwa 10 % der 150 000 jährlichen Lunkenkrebstodesfällen
    verantwortlich sein . Dies bedeutet , dass Radon ein ernstliches ,
    öffentliches Gesundheitsproblem darstellt , und die Länder der
    Europäischen Gemeinschaft haben alle an diesem Problem mehr oder
    weniger Anteil . Die Bewertung des Radonproblems , der Nachweis
    der stärker bestrahlten Gegenden und Wohnungen und die Ver¬
    minderung der höheren Expositionen stellt das Strahlenschutz ¬
    problem des letzten Abschnitts des 20 . Jahrhunderts dar . Dies
    unterstreicht ebenfalls die kritische Wichtigkeit weiterer
    strahlenbiologischer und epidemiologischer Untersuchungen des
    Radonproblems . Dosimetrische Untersuchungen der Verteilung der
    Tochterelemente des Radons , die zum Verständnis der Radonwirkun¬
    gen erforderlich sind , müssenn fortgesetzt werden . Zusätzlich
    ist es dringend notwendig , epidemiologische Untersuchungen der
    Bevölkerung vorzunehmen , die in Wohnungen relativ hohen
    Radonkonzentrationen ausgesetzt sind , um so die Kenntnisse über
    radon-verursachten Krebs bei Uranbergwerkern zu ergänzen und zu
    bestätigen .
f ) Schutz von Beschäftigten
    Ein verwandtes , jedoch verschiedenartiges Problem , betrifft die
    Exposition am Arbeitsplatz durch alle Arten von Quellen
    einschlieslich   der  natürlichen . Die  Internationale Arbeits ¬
    organisation ( ILO ) hat kürzlich erklärt , dass alle derartigen
    Quellen am Arbeitsplatz berücksichtigt werden müssen , um die
 ---pagebreak---                                  Seite 5
    Exposition der Beschäftigten in Bezug auf die Schutznormen der
    Beschäftigten zu bewerten . Dies betrifft insbesondere die
    Exposition einiger Beschäftigter durch Radon ( und in einem
    geringeren Umfang , durch andere natürliche und vielleicht
    einiger künstliche ) Quellen am Arbeitsplatz . Dies erfordert ein
    breites Messprogramm von Radon ( und anderer Strahlen ) an
    tausenden von Arbeitsplätzen , die früher nicht als mögliche
    Quellen einer Strahlenexposition erkannt wurden . Umgekehrt
    bedarf es weiterer Untersuchung über die Bewältigung der
    Probleme , wo signifikante Exposition gefunden wird .
g ) Radiologische Untersuchungen .
    Bis zu 40 Prozent der Strahlenexposition der Bevölkerung der
    Gemeinschaft   entsteht  bei   medizinischen  oder  zahnärztlichen
    Röntgenuntersuchungen auf . Die Reduzierung dieser Dosen ist
    daher von hoher Priorität , und neue Methoden für Dosisredu¬
    zierung und alternative Bilddarstellung und andere Vorgehens ¬
    weisen müssen weiter entwickelt werden . Es ist zu bemerken , dass
    zahnärztliche Röntgenaufnahmen zwar wenig zur gesamten effek¬
    tiven Äquivalentdosis beitragen , dennoch zur Induz ierung von
    Tumoren ( wie die der Speicheldrüsen ) in Bereichen der dentalen
    Exposition beitragen könnten . Es sollte jedoch betont werden ,
    dass radiologische Methoden unbestreitbar der individuellen
    menschlichen   Gesundheit  dienen .  In  vielen  Fällen  kann  die
    Unterlassung röntgenologischer Untersuchungen ( die z.B. eine
    Frühentdeckung heilbarer Tumoren ermöglicht ) gefährlicher sein
    als die Strahlenrisiken . Auf diesem Gebiet ist ebenfalls eine
    objektive und auf den neuesten Stand gebrachte Risiko- Nutzen
    Analyse erforderlich .
h ) Die Wirkung kleiner Strahlendosen .
    Forschung auf dem Gebiet der Strahlenbiologie is von grosser
    Wichtigkeit nicht allein um die Risiken niederer Dosen zu
    bestimmen , sondern auch um unser Verständnis über grundlegende
    Mechanismen zu erweitern . Es ist in erstef Linie wesentlich ,
    dass wir wissen , wie die Krebsrisiken niedriger Dosen und
    Dosisraten abzuschätzen sind im Vergleich zu den hohen Dosen und
 ---pagebreak---                                 Seite 6
    Dosisraten , denen die japanischen Überlebenden der Atombom-
    benexplosionen ausgesetzt waren . Gegenwärtig wird der " Dosislei-
    stungs-Wirkungsfaktor" hauptsächlich auf Grund von Tier- und
    Zellkulturversuchen im Labor bestimmt , da zu wenig Daten vom
    Menschen vorhanden sind . Weitere Untersuchungen müssen durchoe-
    führt werden , um diesen Faktor genauer zu definieren . Ausserdem
    eröffnen nun neue Untersuchungen zum ersten Male die Möglich¬
    keit , die molekularen Prozesse des strahleninduzierten Krebses
    aufzuklären . Spezifische zelluläre oder virale Gene , die mit dem
    Prozess der Krebsauslösung in Verbindung stehen ( Onkogene ) ,
    werden jetzt charakterisiert und es ist zu erwarten , dass das
    Programm zu weiteren Entwicklungen beitragen wird , um zum
    Verständnis der gesamten Vorgänge bei der Krebsentstehung nach
    Bestrahlung zu führen . Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben
    zu sagen , dass wir an der Schwelle eines neuen Verständnisses
    der molekularen Grundlagen induzierter Krebse stehen , und daher
    muss diese strahlenbiologische Richtung mit aller Kraft weiter
    verfolgt werden .
i ) Ausbildung :
    Das Strahlenschutzprogramm der Gemeinschaft hat sich über etwa
    30 Jahre entwickelt und viele , die es begonnen haben , nähern
    sich nun dem Ende ihrer Wissenschaft ? ichen Tätigkeit . Es ist
    gerade jetzt wichtig ( was in der Vergangenheit leider versäumt
    wurde ) Ausbildungsprogramme zu unterstützen , um auf diese Weise
    Folgendes sicherzustellen :
      1 ) die Kontinuität des vorhandenen Wissens , das während vieler
      Jahre sorgfältig durch eine ausgewählte aber relative kleine
      Gemeinschaft von Wissenschaftler entwickelt wurde
      2 ) die Grundlagen , um Wissenschaftsrichtungen zu verfolgen ,
      die das Wissen in der letzten Dekade dieses Jahrhunderts und
      den ersten Dekaden des nächsten Jahrhunderts voranbringen ,
      und
      3 ) die Verfügbarkeit modernster Kenntnisse und gutausgebil -
      deter wissenschaftlicher und medizinischer Spezialisten , die
      bei Unfällen wie Tschernobyl Rat geben können .
 ---pagebreak---                                  Seite 7
     Die Zeit , solche Anstrengungen zu unternehmen , läuft fast aus .
     Frühere Apelle in bezug auf Ausbildung verhallten ungehört und
     neue müssen mit grösster Dringlichkeit erfolgen , bevor es zu
     spät ist . Unser Wissen muss unbedingt erhalten und auf ihm
     weiter aufgebaut werden . Es ist eine vorrangige Verantwortung
     unserer Generation von Wissenschaftlern , diese Notwendigkeit
     bekannt zu machen , und der Verwalter und Politiker , sicherzus¬
     tellen , dass sie durchgeführt wird . Mittel für eine wirksame
     Ausbildung auf allen Ebenen der Wisssenschaft und für die
     praktische Anwendung müssen      für  1990-1994  und  danach  zur
     Verfügung gestellt werden .
j ) Information der Öffentlichkeit .
     In Europa ist sich die Öffentlichikeit zunehmend der Notwendig¬
     keit bewusst , die Umwelt vor chemischen Verunreinigungen , vor
     Kohlendioxyd und vor Strahlen zu schützen . Jegliche Gemein¬
     schaftspolitik auf dem Gebiet des Strahlenschutzes bedarf
     solider wissenschaftlicher Grundlagen und muss die Gesundheit
     aller Menschen sicherstellen .   Diese Ziele können nur erreicht
     werden , wenn wissenschaftliches Wissen durch Forschung voran¬
     getrieben einen hohen Standard erreicht . Wenn die Ergebnisse
     der wissenschaftlichen Forschung der Öffentlichkeit in einer
     aufrichtigen , vollständigen und leicht verständlichen Weise
     dargestellt werden , wird auch das Bewusstsein der Öffentlichkeit
     im richtigen Verhältnis zum wirklichen Problem stehen . Das Ziel
     dieser Anstrengungen ist es , ein grösseres Verantwortungsgefühl
     und Mitarbeit am Strahlenproblem herbeizuführen , und dies kann
     nicht allein von der Wissenschaft her gelöst werden kann .
II ( b ) Die Rolle der Europäischen Gemeinschaft .
Die europäischen Länder müssen nicht nur an der beschriebenen
Aufgabe teilnehmen , sondern die Gemeinschaft muss auch die Führung
in Zusammenarbeit mit anderen Ländern in Europa , den USA , Kanada ,
Japan usw . übernehmen . Die angesprochenen Probleme sind im
wesentlichen weltweit , doch haben die - hoch industrialisierten
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Länder eine besonders ausschlaggebende Aufgabe ; auf Grund ihrer
Bevölkerungsdichte sind bestimmte Probleme für sie besonders
vorrangig und auf Grund ihrer langen Erfahrung in Technik und
Wissenschaft sind sie besser als die meisten anderen Länder in der
Lage , sie zu lösen .
Die KEG kann dieses Problem nicht anderen zur Lösung überlassen ,
da die globalen und regionalen Aspekte hierbei so verknüpft sind ,
dass nur in gemeinsamer Anstrengung unter der umfassendsten
europäischen Authorität diese Verantwortung übernommen und ihr
entsprochen werden kann .    Diese Probleme haben alle Ländern der
Gemeinschaft und ihre Nachbarn gemeinsam . Die Erfahrung mit
früheren Gemeinschaftsprogrammen auf diesem Gebiet hat gezeigt ,
dass es möglich ist , gemeinsame Ziele mittels solcher Programme zu
erreichen . Dieses Programm wird auch durch seine Beziehungen mit
anderen Aktivitäten der Gemeinschaft gestärkt .
II    Bewertung des wissenschaftlichen Programms
Dieser Gutachterausschuss hat die KEG Strahlenschutzprogramme der
letzten Jahre noch nicht völlig ausgewertet . Seine Aufgabe ist
es , dies für das 1980-84 und das 1985-1989 Programm zu tun . Eine
neuere Bewertungen des vorhergegangenen Programms 1976-1980 durch
einen unabhängigen Ausschuss ergab , dass die Kommission ein
" reifes , im wesentlichen ausgewogenes , produktives und vernünftig
vollständiges Programm" durchführte ( EUR 8648 ) . Es wurden dennoch
eine Reihe von Empfehlungen gegeben , um das Programm zu verbessern ;
die meisten davon wurden von der KEG eingeführt . Über das Programm
1980-1984 ist berichtet worden ( EUR 10394 ) und es wurde zum Teil
von einem unabängigen Expertenausschussder nach dem Tschernobylun¬
fall bewertet ( EUR 11449 ) . Das laufende Programm 1985-1989 wurde
ebenfalls   nach  3  Jahren  vom   BVKA  " Strahlenschutz " sektorweise
bewertet . Die Hauptteile des Programms wurden weitergeführt und
haben Fortschritte gemacht entsprechend anerkannten wissenschaft¬
lichen Grundsätzen und mit beträchtlichen Verbesserungen seit der
letzten grösseren unabhängigen Bewertung . Der Eindruck des
Ausschusses ist , dass es sich um ein gut koordiniertes Forschungs-
 ---pagebreak---                                 Seite 9
 Programm handelt , und dass es in verschiedenen Richtungen des
 Strahlenschutzes wesentliche potentielle Fortschritte darstellt .
     Der Ausschuss hat den Vorschlag 1990-1994 geprüft und findet ,
dass das Programm so aufgebaut ist , dass es den im Abschnitt II ( a )
ausgeführten Notwendigkeiten entspricht . Der Ausschuss stellt fest ,
dass der Vorschlag unter Mitwirkung der Wissenschaftler der EG
Programme und in Zusammenarbeit mit dem BVKA gemeinschaftlich
entwickelt wurde und das zusammengefasste Wissen der EG Spezialis¬
ten auf diesem Gebiet enthält . Der Ausschuss , der eine unabhängige
Haltung in bezug auf die wesentlichen Elemente eines Strahlen¬
schutzprogramms angenommen hat ( beispielsweise die unter unter
II ( a ) erwähnten Punkte ) stellt fest , dass die meisten davon im
Vorschlag 1990-1994 behandelt werden . Der Ausschuss begrüsst , dass
der Programmvorschlag viel neue und wichtige Forschungsaspekte
enthält , und dabei seine wesentliche langzeitliche Kontinuität
bewahrt .
Der Ausschuss unterstützt daher die Annahme des Programms .
IV      Durchführung
     Der Eindruck des Ausschusses ist , dass das Programm vom Personal
der Kommission gut verwaltet und koordiniert wird . Der Ausschuss
ist jedoch besorgt über die Verringerung des Programmpersonals , die
die Fähigkeit der Kommission den gegenwärtigen hohen Standard zu
herhalten , beeinträchtigen könnte .
Eine ausführlichere Bewertung der Wirksamkeit der Verwaltungsdurch¬
führung muss die Analyse der Fragebogena , die an Vertragsnehmer
verschickt wurden , sowie andere Untersuchungen , die der Ausschuss
unternehmen könnte , erwarten .
V.      Soziale und wirtschaftlichen Aspekte .
    Die Menschen in der Europäischen Gemeinschaft sollten unter den
ersten in der Welt sein , die das Strahlenproblem verstehen und
damit umgehen können . Künstliche Strahlen wurde zuerst in Europa
 ---pagebreak---                                Seite 10
von Röntgen 1895 entdeckt , und die natürliche Radioakt ivitität
wurde ebenfalls in Europa durch Becquerel 1896 gefunden . Die
Gemeinschaft hat bereits grosse Erfahrung mit natürlichen Strahlen
und ein zunehmendes Bewusstsein einiger der Probleme , damit denen
die moderne Gesellschaft beim Behandeln von Fragen , wie zum
Beispiel des Radons , konfrontiert wird . In der EG werden Strahlen
vielfach industriell angewandt . Zu einem grösseren oder kleineren
Ausmass ziehen die Mitgliedsstaaten Vorteile aus der Kernenergie .
Die Vorteile der medizinischen und zahnärztlichen Radiographie , die
in Europa begann , sind derart ein Teil der modernen Medizin und
Gesellschaft geworden , dass Europäer es bedauern würden , wenn sie
nicht mehr zur Verfügung stehen würden . Die Gefahren der Strahlen ,
obgleich real , sind gering im Vergleich mit ihren vielartigen
Vorteilen . Wiederum müssen wir uns mit der Öffentlichkeit befassen .
Es ist verständlich , dass eine schlecht informierte Öffentlichkeit
über die relativen Vorteile und Risiken in Verwirrung gerät . Wie
bereits erwähnt , muss die Öffentlichkeit besser über die Eigen¬
heiten der Strahlenprobleme informiert werden und ein starkes
Strahlenschutz-Forschungsprogramm macht ihr deutlich , dass sich
die Kommission in Bezug auf ihr Wohlergehen in dieser Hinsicht
verpflichtet fühlt .
   Das Strahlenschutzprogramm hat einen unmittelbaren Einfluss auf
vielfältige Aspekte des wirtschaftlichen und sozialen Lebens in der
Gemeinschaft . Die Wichtigsten darunter sind :
 - in sozialer Hinsicht , die Verbesserung der Gesundheit der
   Bevölkerung , der Beschäftigten durch einen besseren Schutz vor
   den schädlichen Wirkungen natürlicher und künstlicher Strahlen .
   Das Radonproblem in Gebäuden und das daraus folgende Risiko von
   Lungenkrebs ist beispielsweise von enormer sozialer Wichtigkeit .
 - in wirtschaftlicher Hinsicht ist die Fortführung eines starken
   Strahlenschutzprogramms für die Anwendung von Kerntechniken zur
   Energiegewinnung erforderlich . Ein derartiges Programm sollte
   dazu beitragen , die möglichen schädlichen Wirkungen zu ver¬
   mindern , sowohl in Bezug auf die Routineproduktion von Kernener-
 ---pagebreak---                                Seite 11
    gie wie auch im Falle von Unfällen . Ausserdem erlaubt          das
    Programm die Risiken von Kernenergie mit Alternativen ,         in¬
    sbesondere fossilen Brennstoffen zu vergleichen .
Vereinfacht dargestellt , das Programm hilft Leben zu retten und
Krankheiten zu vermeiden , die von natürlicher und künstlicher
Strahlen hervorgerufen werden könnten .
    Beispiele für die Notwendigkeit Risiken kritisch zu vergleichen ,
sind die Festlegung , wieviel Mittel für den Strahlenschutz
eingesetzt werden sollen , oder inwieweit eine nützliche , aber
möglicherweise auch gefährliche klinisch-diagnostische Methode
angewandt werden soll . Informierte Entscheidungen hängen von einem
möglichst umfassenden Wissen ab , wie gross die Folgen für die
Gesundheit durch ein bestimmtes Vorgehen sind und welche entsprech¬
enden Mittel hierfür notwendig sind . Frühere Forschungsprogramme
haben bereits viele Informationen für solche Entscheidungen
verfügbar gemacht . Es gibt jedoch bestimmte Schlüsselgebiete , auf
denen weitere Forschung dringend erforderlich ist . Diese beziehen
sich insbesondere auf die Risiken im Verältnis zu Strahlenwerten
( die " neuen Risikoabschätzungen ") ; auf die Verminderung der Wirkung
des Radons und seiner Zerfallsprodukte in Wohnungen und am
Arbeitsplatz , die molekulare Strahlenbiologie und Strahlenkrebs¬
forschung , die Bewertung der multifaktoriellen Komponenten bei
genetischen Erkrankungen und die Behandlung der Folgen unfallbe¬
dingter Freisetzung von Strahlen .
Neben den Vorteilen des Programms , die unmittelbar angestrebt
werden , wird es , wie frühere Erfahrungen zeigen , eine Reihe von
zusätzlichen wesentlichen Vorteilen auf anderen Gebieten bringen .
Beispielsweise , haben frühere Aktivitäten eine Reihe medizinischer
Vorteile erbracht und die Modelisierung des Transfers von Radionuk¬
liden in der Umwelt und in Ökosystemen wird voraussichtlich auf
andere Schadstoffe angewandt .
    Die sozialen und politischen Vorteile eines bestehenden durch
die EG unterhaltenen , Strahlenschutzprogramms sind sehr beträcht-
 ---pagebreak---                                Seite 12
 lieh . Wenn die EG ihr Programm aufgeben oder stark kürzen würde und
 ein Unfall in der Art von Tschernobyl erfolgte , gäbe es keine
 akzeptierbaren Bezugswerte für Nahrungsmittel , und man müsste sich
völlig auf Daten anderer Herkunft ( hauptsächlich aus den USA )
verlassen . Die EG benötigt ein Strahlenschutzprogramm , das dem
Stand des Wissens voll entspricht und ganz vorne in der Forschung
und der Anwendung steht . Die Bevölkerung der Europäischen Gemein¬
schaft erwartet nichts weniger .
VI .   Finanzielle Mittel .
     Die für 1985-1989 tatsächlich entschiedenen Mittel von 58 Mio
ECU liegen weit unter den vorgeschlagenen 94 Mio ECU . Obwohl das
1985-1989 Programm im wesentlichen seine vollständige und aus ¬
gewogene Struktur erhalten konnte , bedeutete diese Reduzierung der
Mittel eine grosse Rechnung auf die Zukunft der Strahlenschutzak¬
tivitäten in der Gemeinschaft . Einige wesentliche Forschungsgebiete
mussten aufgegeben werden , da ihr Beitrag zum Strahlenschutz nur
auf lange nicht aber kurze Sicht voraussagbar war . Dadurch wurden
mehrere Forschungsgruppen entmutigt , weiter Strahlenschutz forschung
zu betreiben . Dies und das Fehlen von Mitteln für fortgeschrittene
Ausbildung von jungen Wissenschaftlern führte zum jetzt eindeutigen
Fehlen junger kompetenter Wissenschaftler im Strahlenschutz . Das
Fehlen von Mitteln     für eine Flexibilität war wahrscheinlich am
schwerwiegendsten , da es der Kommission nicht erlaubte , unmittelbar
auf die Herausforderung durch den Unfall von Tschernobyl durch eine
Umstellung der wissenschaftliche Forschung zu antworten .
     In Bezug auf die Mittel für den ersten Teil des Strahlenschutz ¬
programms ( 1990-1991 ) , drückt der Ausschuss seine schwere Ent¬
täuschung über die im Rahmenprogramm vorgesehenen unzureichenden
Mittel aus , da das vorgesehene Budget von 21,2 Mio ECU nur wenig
mehr als 50 % der gegenwärtigen Forschungsaktivitäten erlaubt . Dies
kann nur zu einer weiteren raschen Abnahme der Kompetenz der
Gemeinschaft auf diesem Gebiet führen . Der Ausschuss stellt fest ,
dass die Kommission 90 Mio ECU für die Zeit 1990-1994 vorschlägt
 ---pagebreak---                                 Seite 13
und betrachtet dies als das Minimum der tatsächlichen Bedürfnisse
für diesen Zeitraum . Im Hinblick auf die zunehmenden Bedürfnisse
im Strahlenschutz , die durch die Ausweitung des Strahlenschutzes
auf neue Gebiete , die soziale Einstellung der Bevölkerung der
Gemeinschaft , und den Einbezug neuer Mitgliedsländer bedingt sind ,
ist das vorgesehene Budget ungenügend . Vielmehr wäre eine Zunahme
der finanziellen Unterstützung für den Strahlenschutz angebracht .
Die Revision des Rahmenprogramms sollte zumindest 90 Mio ECU im
Budget für das EG Strahlenschutzprogramm vorsehen , und diese Summe
sollte so früh wie möglich zur Verfügung gestellt werden .
VII . Empfehlungen .
   Auf der Grundlage dieser vorläufigen Bewertung empfiehlt der
Ausschuss nachdrücklich die Annahme des Vorschlags für das
Strahlenschutzprogramm 1990-1994 . Die Notwendigkeiten für ein
solches Programm sind dringend , und das vorgeschlagene Programm
entspricht diesen Notwendigkeiten . Das vorgeschlagene Programm
könnte eher eines zu geringen als eines zu grossen Ehrgeizes
angeklagt werden . Die Geschichte wird uns zur Verantwortung ziehen ,
wenn wir jetzt nicht das notwendige Minimalprogramm unternehmen .
   Den finanziellen Erfordernissen des Programms sollte vollständig
entsprochen werden . Diese sind bescheiden genug für die gesteckten
Ziele , und es ist die Meinung des Ausschusses , dass ein grösseres
Budget gerechtfertigt ist .
           Prof . A. Wambersie , Brüssel ( Belgien )     Vorsitzender
           Prof . R.L. Akehurst , York ( Grossbritanien )
           Prof . F. Markus , Risø ( Danemark )
           Prof.  C. Proukakis , Athens ( Griechenland )
           Prof . M.F. Rajewsky , Essen ( Bundesrepublik Deutschland )
           Dr H.   Frossart , Bagnols s.Ceze ( Frankreich )
           Prof . W.K. Sinclair , Washington ( Vereinigte Staaten von
                  Amerika )
 ---pagebreak---        BEURTEILUNGSBOGEN FÜR WETTBEWERBSFÄHIGKEIT UND BESCHÄFTIGUNG
Titel : Forschungs- und Ausbildungsprogramm Strahlenschutz ( 1990-1991 )
1.   Der Vorschlag befasst sich mit einer Verlängerung des laufenden
     mehrjährigen Forschungs- und Ausbildungsprogramms ( 1985-1989 ) auf
     dem Gebiet des Strahlenschutzes . Die im Rahmen des vorgeschlagenen
     Programms zu betreibende Forschung betont jene Aspekte , die von
     vordringlicher Bedeutung für den Schutz von Arbeitskräften und
     Bevölkerung gegen ionisierende Strahlen sind und die sich auf die
     ordnungspolitischen Verpflichtungen der Kommission beziehen . Das
     Programm konzentriert sich ferner auf Gegenmassnahmen zur
     Verhinderung der Strahlenexposition in normalen Situationen sowie
     nach Unfällen .
2.   Das   Progamm   wird   in  Form   von   Kostenteilungsverträgen     mit
     nationalen Forschungsinstituten und        Forschungsabteilungen     an
     Universitäten in der Gemeinschaft durchgeführt .
3.   Der Vorschlag wird daher keine direkten Auswirkungen auf kleine und
     mittlere Unternehmen oder auf die Beschäftigung haben . Einige der
     vorgesehenen Massnahmen können jedoch zur Entwicklung spezifischer
     Instrumente führen , welche von kleinen und mittleren Unternehmen
     hergestellt werden könnten .
 ---pagebreak---                                       1
                                 FINANZBOGEN
                     STRAHLENSCHUTZPROGRAMM 1990-1991
    HAUSHALTSLINIE : 7313
    -     Titel : Strahlenschutz
1.1 Bezeichnung der Aktion
    Strahlenschutz
2.  RECHTSGRUNDLAGE
    -     Artikel 7 und Anhang 1 des EAG-Vertrages
    -     Beschluss des Rates vom ....
3^  BESCHREIBUNG DER AKTION
    Erweiterung eines koordinierten Forschungs - und Ausbildungs -
    Programms auf dem Gebiet des Strahlenschutzes hauptsächlich durch
    Kostenteilungsverträge .
3.1 Zielsetzung
    Gemäss Rahmenprogramm 1987-1991 der Kommission ist es das Ziel des
    Strahlschutzprogramms , " Daten und Methoden zu erarbeiten , die für
    die Verhinderung       und   Beseitigung   nachteiliger   Auswirkungen
    ionisierender Strahlen und Radioaktivität benötigt werden und um
    die Auswirkungen von Strahlenunfällen abzuschätzen . Besondere
    Aufmerksamkeit wird der Auswertung kürzlich stattgefundener Unfälle
    und Störfälle gewidmet und den Lehren , die daraus gezogen werden
    können .
    BEGRUNDUNG PER AKTI0N
    Das Strahlenschutzprogramm ist Teil des Rahmenprogramms und dort
    unter    der  Aktion  " Lebensqualität " aufgeführt   mit  dem  Zweck ,
    " ausreichende wissenschaftliche und technische Kenntnisse sowie die
    Beherrschung der Strahlenrisiken zu erreichen".
5^  FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN DES VORSCHLAGS AUF DIE AUSGABEN
    ( Einschliesslich Personalkosten , Verwaltungskosten sowie Ausgaben
    für den laufenden technischen Betrieb )
 ---pagebreak---                                         2
5.1   Cesamtkosten während der vorgesehenen Laufzeit :        50,0 Mio ECU
            Zu Lasten des Gemeinschaftshaushalts              21,2 Mio ECU
             ( in Übereinstimmung mit dem Betrag der im
            Rahmenprogramm 1987-1991 vorgesehen ist )
            Zu Lasten einzelstaatlicher Haushalte )
                                                              28,8 Mio ECU
            Zu Lasten anderer Sektoren auf nationaler )
            Ebene
5.2 . Mehrjähriger Fälligkeitsplan
      5.2.1 . Verplichtungsermächtigungen 1990 / 1991
                   1990      1991      Gesamt (Mio ECU )
Personal           2,51      2,60             5,11
Verwaltung +
Techn . Betrieb    0,37      0,39             0,76
Ausbildung         0,30      0,30             0,60
Verträge          13,82      0,91           14,73
GESAMT            17,00      4,20           21,20
      5.2.2 . Zahlungsermächtigungen 1990 / 1992+
                   1990      1991      1992 +      Gesamt ( Mio ECU )
Personal           2,51      2,60                       5,11
Verwaltung+
Techn . Betrieb    0,37      0,39                       0,76
Ausbildung         0,20      0,20      0,20             0,60
Verträge           5,00      6,00      3,73            14,73
GESAMT             8,08      9,19      3,93            21,20
 ---pagebreak---                                      - 3 -
5.3  Berechnungsweise für den neuen Vorschlag
    a)    Personalausgaben : 28 Bedienstete
           Die Personalbedürfnisse wurden auf der Grundlage eines
           Personalbestands von 28 Personen für das Programm berechnet :
                18 Bedienstete Kategorie A
                 4 Bedienstete Kategorie B
                 6 Bedienstete Kategorie C
          Die Gesamtzahl von 28 Bediensteten und die Aufschlüsselung
          nach Besoldungsgruppen entsprechen der Personallage im
          Haushalt 1989 .
    b)    Verwaltungsausgaben     und /oder  Ausgaben   für    den   laufenden
          technischen Betrieb :
          Dieser Posten enthält insbesondere Ausgaben , die sich auf die
          Koordination und Zusammenarbeit innerhalb des Programms
          beziehen , die Veranstaltung von Tagungen , die Verbreitung der
          Kenntnisse ,      Dienstreisen       sowie      betriebstechnische
          Unterstützung .
    c)    Ausgaben für Verträge :
          Als Grundlage für die Schätzung wird eine durchschnittliche
          Beteiligung von 25-50 % der den Vertragsnehmern erwachsenden
          Kosten benutzt ,      je     nach   Thema   und     Situation    des
          Vertragsnehmers .      Der      Beratende     Verwaltungs -      und
          Koordinierungsausschuss " Strahlenschutz "       ( BVKA) ist     zur
          endgültigen Festsetzung der Kommissionsbeiträge zu hören .
6^  FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN AUF DIE PERSONALAUSGABEN UND AUSGABEN FTJR
    DEN NORMALEN TECHNISCHEN BETRIEB
    ( siehe Abschitt 5 oben)
7^  FINANZIERUNG DER AUSGABEN 1990 , 1991
    In den künftigen Haushaltsplänen zu veranschlagende Mittel .
8^  FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN AUF DAS PROGRAMM HINSICHTLICH EINNAHMEN
    -     Gemeinschaftssteuer auf die Gehälter der Bediensteten .
9.  VORGESEHENE KONTROLLE
          Wissenschaftliche Kontrolle durch die zuständigen Beamten der
          GD XII und des BVKA sowie             gegebenenfalls durch die
          Lenkungsausschüsse der Assoziationen .
          Verwaltungskontrolle       durch    die    Generaldirektion      für
          Finanzkontrolle und die Dienststelle " Verträge " der GD XII im
          Hinblick auf die Durchführung des Haushaltsplans sowie der
          Ordnungs -   und    Vorschrif tsmässigkeit    der     entsprechenden
          Ausgaben .