CELEX: 62007CJ0394
Language: de
Date: 2009-04-02 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 2. April 2009.#Marco Gambazzi gegen DaimlerChrysler Canada Inc. und CIBC Mellon Trust Company.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Corte d'appello di Milano - Italien.#Brüsseler Übereinkommen - Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen - Versagungsgründe - Verstoß gegen die öffentliche Ordnung des ersuchten Staates - Ausschluss des Beklagten vom Verfahren vor dem Gericht des Urteilsstaats wegen Nichtbefolgung einer gerichtlichen Anordnung.#Rechtssache C-394/07.

Rechtssache C‑394/07
      Marco Gambazzi
      gegen
      DaimlerChrysler Canada Inc.
      und
      CIBC Mellon Trust Company
      (Vorabentscheidungsersuchen der Corte d'appello di Milano)
      „Brüsseler Übereinkommen – Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen – Versagungsgründe – Verstoß gegen die öffentliche Ordnung des ersuchten Staates – Ausschluss des Beklagten vom Verfahren vor dem Gericht des Urteilsstaats wegen Nichtbefolgung einer gerichtlichen Anordnung“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen – Anerkennung und Vollstreckung
            – Begriff „Entscheidung“ – Versäumnisurteile – Einbeziehung – Voraussetzungen 
      (Übereinkommen vom 27. September 1968, Art. 25)
      2.        Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen – Anerkennung und Vollstreckung
            gerichtlicher Entscheidungen – Versagungsgründe – Verstoß gegen die öffentliche Ordnung des ersuchten Staates – Beurteilung
            durch das Gericht des ersuchten Staates
      (Übereinkommen vom 27. September 1968, Art. 27 Nr. 1)
      1.        Art. 25 des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher
         Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen in der durch die Beitrittsübereinkommen von 1978, 1982, 1989 und 1996 geänderten
         Fassung gilt unterschiedslos für alle von einem Gericht eines Vertragsstaats erlassenen Entscheidungen. Dafür, dass solche
         Entscheidungen in den Anwendungsbereich des Brüsseler Übereinkommens fallen, genügt, dass es sich um solche gerichtlichen
         Entscheidungen handelt, denen, bevor in einem anderen Staat ihre Anerkennung und Vollstreckung beantragt wurde, im Urteilsstaat
         nach unterschiedlichen Modalitäten ein kontradiktorisches Verfahren vorangegangen ist oder hätte vorangehen können. Wenn die
         Entscheidungen eines nationalen Gerichts in Form eines Versäumnisurteils und eines Versäumnisbeschlusses in einem grundsätzlich
         kontradiktorisch ausgestalteten Zivilverfahren ergangen sind, kann der Umstand, dass das Gericht den Beklagten, der sich auf
         das Verfahren ordnungsgemäß eingelassen hatte, als säumig behandelt hat, nicht genügen, um die Qualifizierung der ergangenen
         Entscheidungen in Frage zu stellen.
      
      (vgl. Randnrn. 22-23, 25)
      
      Art. 27 Nr. 1 des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher
         Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen in der durch die Beitrittsübereinkommen von 1978, 1982, 1989 und 1996 geänderten
         Fassung ist dahin auszulegen, dass das Gericht des ersuchten Staates den Umstand, dass das Gericht des Urteilsstaats über
         die Anträge des Klägers ohne Anhörung des Beklagten entschieden hat, der sich auf das Verfahren bei ihm ordnungsgemäß eingelassen
         hat, jedoch durch einen Beschluss mit der Begründung vom Verfahren ausgeschlossen worden ist, dass er Verpflichtungen aus
         einem zuvor im Rahmen desselben Verfahrens ergangenen Beschlusses nicht erfüllt habe, im Hinblick auf die Ordre-public-Klausel
         der genannten Vorschrift berücksichtigen darf, wenn es beim Abschluss einer Gesamtwürdigung des Verfahrens und in Anbetracht
         sämtlicher Umstände zu dem Ergebnis gelangt, dass diese Ausschlussmaßnahme eine offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung
         des Anspruchs des Beklagten auf rechtliches Gehör dargestellt hat. Die Prüfung durch das vorlegende Gericht muss sich nicht
         nur auf die Bedingungen beziehen, unter denen die Entscheidungen, deren Vollstreckung beantragt wird, ergangen sind, sondern
         auch auf die Bedingungen, unter denen in einer früheren Phase die Auflagebeschlüsse erlassen wurden, und insbesondere auf
         die Prüfung zum einen der dem Beklagten zur Verfügung stehenden Rechtsbehelfe und zum anderen der Möglichkeit für den Beklagten,
         im Rahmen dieser Entscheidungen unter Wahrung des kontradiktorischen Verfahrens und vollständiger Ausübung seiner Verteidigungsrechte
         seine Anhörung zu erreichen.
      
      (vgl. Randnrn. 41, 46, 48 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Erste Kammer)
      2. April 2009(*)
      
      „Brüsseler Übereinkommen – Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen – Versagungsgründe – Verstoß gegen die öffentliche Ordnung des ersuchten Staates – Ausschluss des Beklagten vom Verfahren vor dem Gericht des Urteilsstaats wegen Nichtbefolgung einer gerichtlichen Anordnung“
      In der Rechtssache C‑394/07
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach dem Protokoll vom 3. Juni 1971 betreffend die Auslegung des Übereinkommens
         vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und
         Handelssachen durch den Gerichtshof, eingereicht von der Corte d’appello di Milano (Italien) mit Entscheidung vom 27. Juni
         2007, beim Gerichtshof eingegangen am 22. August 2007, in dem Verfahren
      
      Marco Gambazzi
      gegen
      DaimlerChrysler Canada Inc.,
      CIBC Mellon Trust Company
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten P. Jann (Berichterstatter) sowie der Richter M. Ilešič, A. Tizzano, A. Borg Barthet
         und J.‑J. Kasel,
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: M.‑A. Gaudissart, Referatsleiter,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 9. Oktober 2008,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        von Herrn Gambazzi, vertreten durch B. Nascimbene und M. Condinanzi, avvocati,
      –        der DaimlerChrysler Canada Inc. und der CIBC Mellon Trust Company, vertreten durch F. Alvino, S. Pravettoni und A. Anglani,
         avvocati,
      
      –        der italienischen Regierung, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von W. Ferrante, avvocato dello
         Stato,
      
      –        der griechischen Regierung, vertreten durch T. Papadopoulou und O. Patsopoulou als Bevollmächtigte,
      –        der Regierung des Vereinigten Königreichs, vertreten durch Z. Bryanston-Cross, I. Rao und M. Gray als Bevollmächtigte,
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A.‑M. Rouchaud-Joët, E. Montaguti und N. Bambara als Bevollmächtigte,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 18. Dezember 2008
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 27 Nr. 1 des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die
         gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (ABl. 1972, L 299,
         S. 32) in der durch das Übereinkommen vom 9. Oktober 1978 über den Beitritt des Königreichs Dänemark, Irlands und des Vereinigten
         Königreichs Großbritannien und Nordirland (ABl. L 304, S. 1 und – geänderte Fassung – S. 77), das Übereinkommen vom 25. Oktober
         1982 über den Beitritt der Republik Griechenland (ABl. L 388, S. 1), das Übereinkommen vom 26. Mai 1989 betreffend den Beitritt
         des Königreichs Spanien und der Portugiesischen Republik (ABl. L 285, S. 1) sowie das Übereinkommen vom 29. November 1996
         über den Beitritt der Republik Österreich, der Republik Finnland und des Königreichs Schweden (ABl. 1997, C 15, S. 1) geänderten
         Fassung (im Folgenden: Brüsseler Übereinkommen). 
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits von Herrn Gambazzi, wohnhaft in Lugano (Schweiz), gegen die DaimlerChrysler
         Canada Inc. (im Folgenden: DaimlerChrysler) und die CIBC Mellon Trust Company (im Folgenden: CIBC) mit Sitz in Kanada, bei
         dem es um die Vollstreckung zweier im Vereinigten Königreich ergangener Entscheidungen in Italien geht. 
      
       Rechtlicher Rahmen
       Brüsseler Übereinkommen 
      3        Die Voraussetzungen, unter denen die in einem Vertragsstaat ergangenen Entscheidungen in einem anderen Vertragsstaat anerkannt
         und vollstreckt werden, sind in den Art. 25 bis 49 des Brüsseler Übereinkommens unter Titel III („Anerkennung und Vollstreckung“)
         geregelt.
      
      4        Art. 25 dieses Übereinkommens sieht vor:
      
      „Unter ‚Entscheidung‘ im Sinne dieses Übereinkommens ist jede von einem Gericht eines Vertragsstaats erlassene Entscheidung
         zu verstehen, ohne Rücksicht auf ihre Bezeichnung wie Urteil, Beschluss oder Vollstreckungsbefehl, einschließlich des Kostenfestsetzungsbeschlusses
         eines Urkundsbeamten.“
      
      5        Art. 27 Nrn. 1 und 2 dieses Übereinkommens bestimmt: 
      
      „Eine Entscheidung wird nicht anerkannt, 
      1.      wenn die Anerkennung der öffentlichen Ordnung des Staates, in dem sie geltend gemacht wird, widersprechen würde; 
      2.      wenn dem Beklagten, der sich auf das Verfahren nicht eingelassen hat, das dieses Verfahren einleitende Schriftstück oder ein
         gleichwertiges Schriftstück nicht ordnungsmäßig und nicht so rechtzeitig zugestellt worden ist, dass er sich verteidigen konnte.“
      
      6        Art. 29 des Brüsseler Übereinkommens, der die Anerkennung der Entscheidungen betrifft, und Art. 34 Abs. 3, der die Vollstreckung
         der Entscheidungen betrifft, bestimmen gleichlautend: 
      
      „Die ausländische Entscheidung darf keinesfalls in der Sache selbst nachgeprüft werden.“
       Das Luganer Übereinkommen
      7        Das Übereinkommen über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen,
         geschlossen in Lugano am 16. September 1988 (ABl. L 319, S. 9, im Folgenden: Luganer Übereinkommen), hat seinen Ursprung in
         der Schaffung der Europäischen Freihandelsassoziation und der Einrichtung einer derjenigen des Brüsseler Übereinkommens ähnlichen
         Regelung zwischen deren Vertragsstaaten und den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften.
      
      8        Art. 27 Nr. 1 des Luganer Übereinkommens bestimmt:
      
      „Eine Entscheidung wird nicht anerkannt,
      1.      wenn die Anerkennung der öffentlichen Ordnung des Staates, in dem sie geltend gemacht wird, widersprechen würde“.
      9        Nach der Erklärung der Vertreter der Regierungen der Unterzeichnerstaaten des Luganer Übereinkommens, die Mitglieder der Europäischen
         Gemeinschaften sind, ist es „angezeigt …, dass der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften bei der Auslegung des Brüsseler
         Übereinkommens den Grundsätzen gebührend Rechnung trägt, die sich aus der Rechtsprechung zum Luganer Übereinkommen ergeben“.
      
      10      Parallel dazu verpflichtet Art. 1 des Protokolls Nr. 2 über die einheitliche Auslegung des Luganer Übereinkommens die Vertragsstaaten,
         „den Grundsätzen gebührend Rechnung [zu tragen], die in maßgeblichen Entscheidungen von Gerichten der anderen Vertragsstaaten …
         entwickelt worden sind“.
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefrage 
      11      Aus dem Vorabentscheidungsersuchen und den beim Gerichtshof eingereichten Erklärungen geht hervor, dass der High Court of
         Justice (England & Wales), Chancery Division, am 26. Februar 1997 im Rahmen einer Schadensersatzklage von DaimlerChrysler
         und CIBC gegen Herrn Gambazzi auf Antrag von DaimlerChrysler und CIBC einen Beschluss erließ, der zum einen Herrn Gambazzi
         vorläufig die Verfügung über bestimmte Gegenstände seines Vermögens untersagte (freezing order) und ihm zum anderen aufgab,
         Informationen zu bestimmten Gegenständen seines Vermögens offenzulegen und in seinem Besitz befindliche Unterlagen, die die
         Hauptsache betrafen, vorzulegen (disclosure order). Dieser Beschluss wurde Herrn Gambazzi am 11. März 1997 durch die Schweizer
         Behörden zugestellt; Herr Gambazzi hat sich auf das Verfahren beim High Court eingelassen.
      
      12      Herr Gambazzi kam der „disclosure order“ nicht oder zumindest nicht vollständig nach. Der High Court erließ daraufhin auf
         Antrag von DaimlerChrysler und CIBC am 10. Juli 1998 einen Beschluss, mit dem Herrn Gambazzi untersagt wurde, sich weiter
         am Verfahren zu beteiligen, wenn er nicht innerhalb der gesetzten Frist den Verpflichtungen zur Offenlegung der Informationen
         und zur Vorlage der verlangten Unterlagen nachkomme (unless order).
      
      13      Herr Gambazzi legte gegen die „freezing order“, die „disclosure order“ und die „unless order“ verschiedene Rechtsbehelfe ein.
         Alle diese Rechtsbehelfe wurden zurückgewiesen.
      
      14      Am 13. Oktober 1998 erließ der High Court eine neue „unless order“. 
      
      15      Da Herr Gambazzi innerhalb der gesetzten Frist den in dem letztgenannten Beschluss festgelegten Verpflichtungen nicht vollständig
         nachkam, wurde er eines „contempt of court“ für schuldig befunden und vom Verfahren ausgeschlossen (debarment).
      
      16      Mit Urteil vom 10. Dezember 1998, ergänzt durch einen Beschluss vom 17. März 1999 (im Folgenden: Entscheidungen des High Court),
         behandelte der High Court Herrn Gambazzi wie einen säumigen Beklagten, gab den Anträgen von DaimlerChrysler und CIBC statt
         und verurteilte Herrn Gambazzi, diesen als Schadensersatz 169 752 058 CAD und 71 595 530 CAD sowie weitere 129 974 770 USD
         zuzüglich Nebenkosten zu zahlen.
      
      17      Auf Antrag von DaimlerChrysler und CIBC erklärte die Corte d’appello di Milano (Italien) mit Beschluss vom 17. Dezember 2004
         die Entscheidungen des High Court für in Italien vollstreckbar.
      
      18      Gegen den letztgenannten Beschluss legte Herr Gambazzi Rechtsmittel ein. Er machte geltend, dass die Entscheidungen des High
         Court in Italien nicht anerkannt werden dürften, da sie im Sinne von Art. 27 Nr. 1 des Brüsseler Übereinkommens der öffentlichen
         Ordnung widersprächen, weil sie unter Verletzung der Verteidigungsrechte und des Grundsatzes des kontradiktorischen Verfahrens
         ergangen seien.
      
      19      Daher hat die Corte d’appello di Milano, die mit diesem Rechtsmittel befasst ist, das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof
         folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      Darf der Richter des Staates, von dem die Vollstreckbarerklärung begehrt wird, auf der Grundlage der Ordre‑public‑Klausel
         des Art. 27 Nr. 1 des Brüsseler Übereinkommens die Tatsache berücksichtigen, dass es der Richter des Staates, der die Entscheidung
         erlassen hat, der unterlegenen Partei, die sich am gerichtlichen Verfahren beteiligt hat, unter den oben wiedergegebenen Umständen
         verwehrt hat, nach dem Erlass eines Beschlusses über die Ausschließung (debarment) jegliche Verteidigung vorzubringen, oder
         hindert die Auslegung dieser Bestimmung in Verbindung mit den Grundsätzen, die den Art. 26 ff. des Übereinkommens hinsichtlich
         der gegenseitigen Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen im Bereich der Gemeinschaft zu entnehmen sind,
         den nationalen Richter daran, die öffentliche Ordnung im Sinne von Art. 27 Nr. 1 als dadurch verletzt anzusehen, dass ein
         Zivilverfahren durchgeführt worden ist, in dem einer Partei durch einen Ausschließungsbeschluss des Richters, der wegen der
         Nichtbeachtung einer von diesem erlassenen Anordnung erlassen wurde, die Ausübung des Rechts auf Verteidigung verwehrt wurde?
         
      
       Zur Vorlagefrage
      20      Mit dieser Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob das Gericht des ersuchten Staates im Hinblick auf die Ordre‑public‑Klausel
         in Art. 27 Nr. 1 des Brüsseler Übereinkommens den Umstand berücksichtigen darf, dass das Gericht des Urteilsstaats über die
         Anträge des Klägers ohne Anhörung des Beklagten entschieden hat, der sich auf das Verfahren bei ihm ordnungsgemäß eingelassen
         hat, jedoch vom Verfahren durch einen Beschluss mit der Begründung ausgeschlossen worden ist, dass er die Verpflichtungen
         aus einem zuvor im Rahmen desselben Verfahrens ergangenen Beschluss nicht erfüllt habe. 
      
       Zur rechtlichen Qualifizierung der Entscheidungen des High Court im Hinblick auf Art. 25 des Brüsseler Übereinkommens
      21      Vorab ist zu prüfen, ob es sich bei den Entscheidungen des High Court um Entscheidungen im Sinne von Art. 25 des Brüsseler
         Übereinkommens handelt oder ob sie, wie Herr Gambazzi geltend macht, dieser Begriffsbestimmung nicht entsprechen, da sie nicht
         unter Berücksichtigung der Grundsätze des kontradiktorischen Verfahrens und des Rechts auf ein faires Verfahren erlassen worden
         seien.
      
      22      In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass Art. 25 des Brüsseler Übereinkommens unterschiedslos für alle von einem
         Gericht eines Vertragsstaats erlassenen Entscheidungen gilt.
      
      23      Zwar hat der Gerichtshof entschieden, dass die Bestimmungen des Brüsseler Übereinkommens, und zwar sowohl die des Titels II
         (Zuständigkeit) als auch die des Titels III (Anerkennung und Vollstreckung), insgesamt das Bestreben zum Ausdruck bringen,
         sicherzustellen, dass im Rahmen der Ziele des Übereinkommens die Verfahren, die zum Erlass gerichtlicher Entscheidungen führen,
         unter Wahrung des rechtlichen Gehörs durchgeführt werden. Er hat jedoch ausgeführt, dass es dafür, dass solche Entscheidungen
         in den Anwendungsbereich des Brüsseler Übereinkommens fallen, genügt, dass es sich um solche gerichtlichen Entscheidungen
         handelt, denen, bevor in einem anderen Staat ihre Anerkennung und Vollstreckung beantragt wurde, im Urteilsstaat nach unterschiedlichen
         Modalitäten ein kontradiktorisches Verfahren vorangegangen ist oder hätte vorangehen können (Urteil vom 21. Mai 1980, Denilauler,
         125/79, Slg. 1980, 1553, Randnr. 13).
      
      24      So fallen beispielsweise Versäumnisurteile in den Anwendungsbereich des Brüsseler Übereinkommens, wie sich aus dessen Art. 27
         Nr. 2 ergibt, der ausdrücklich den Fall des Beklagten erwähnt, der sich auf das Verfahren nicht eingelassen hat.
      
      25      Wie die Generalanwältin in Nr. 24 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, ergingen die Entscheidungen des High Court in Form
         eines Versäumnisurteils und eines Versäumnisbeschlusses in einem grundsätzlich kontradiktorisch ausgestalteten Zivilverfahren.
         Dass das Gericht den Beklagten, der sich auf das Verfahren ordnungsgemäß eingelassen hatte, als säumig behandelt hat, kann
         nicht genügen, um die Qualifizierung der ergangenen Entscheidungen in Frage zu stellen. Dieser Umstand kann erst im Hinblick
         auf die Vereinbarkeit dieser Entscheidungen mit der öffentlichen Ordnung des ersuchten Staates berücksichtigt werden.
      
       Zur Berücksichtigung des Ausschlusses des Beklagten vom Verfahren im Hinblick auf Art. 27 Nr. 1 des Brüsseler Übereinkommens
      26      Der Gerichtshof hat in seinem Urteil vom 28. März 2000, Krombach (C‑7/98, Slg. 2000, I‑1935, Randnr. 23), entschieden, dass
         der Gerichtshof, auch wenn es nicht seine Sache ist, den Inhalt der öffentlichen Ordnung eines Vertragsstaats zu definieren,
         doch über die Grenzen zu wachen hat, innerhalb deren sich das Gericht eines Vertragsstaats auf diesen Begriff stützen darf,
         um der Entscheidung eines Gerichts eines anderen Vertragsstaats die Anerkennung zu versagen. 
      
      27      Wie der Gerichtshof hierzu klargestellt hat, kommt eine Anwendung der Ordre‑public‑Klausel nur dann in Betracht, wenn die
         Anerkennung oder Vollstreckung der in einem anderen Vertragsstaat erlassenen Entscheidung gegen einen wesentlichen Rechtsgrundsatz
         verstieße und deshalb in einem nicht hinnehmbaren Gegensatz zur Rechtsordnung des Vollstreckungsstaats stünde. Es muss sich
         bei diesem Verstoß um eine offensichtliche Verletzung einer in der Rechtsordnung des Vollstreckungsstaats als wesentlich geltenden
         Rechtsnorm oder eines dort als grundlegend anerkannten Rechts handeln (Urteil Krombach, Randnr. 37). 
      
      28      In Bezug auf die Ausübung der Verteidigungsrechte, auf die sich die Vorlagefrage bezieht, hat der Gerichtshof daran erinnert,
         dass sie für die Gestaltung und Durchführung eines fairen Prozesses von herausragender Bedeutung ist und zu den Grundrechten
         gehört, die sich aus den gemeinsamen Verfassungstraditionen der Mitgliedstaaten und den internationalen Übereinkünften zum
         Schutz der Menschenrechte ergeben, bei denen die Mitgliedstaaten mitgewirkt haben oder denen sie beigetreten sind, unter denen
         der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, unterzeichnet in Rom am 4. November 1950,
         besondere Bedeutung zukommt (vgl. in diesem Sinne Urteil Krombach, Randnrn. 38 und 39).
      
      29      Zwar sind die Grundrechte, wie die Wahrung der Verteidigungsrechte, keine absoluten Rechte, sondern können Beschränkungen
         unterliegen. Doch müssen diese tatsächlich Zielen des Allgemeininteresses entsprechen, die mit der in Rede stehenden Maßnahme
         verfolgt werden, und dürfen nicht im Hinblick auf den verfolgten Zweck eine offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung
         der auf diese Weise gewährleisteten Rechte darstellen.
      
      30      Die Regierung des Vereinigten Königreichs hat erklärt, dass die Rechtsfiguren der „freezing order“, der „disclosure order“
         und der „unless order“ den gerechten und wirksamen Charakter der Rechtspflege gewährleisten sollten.
      
      31      Es ist einzuräumen, dass ein solches Ziel eine Beschränkung der Verteidigungsrechte rechtfertigen kann. Wie die italienische
         und die griechische Regierung ausführen, sehen die Rechtsordnungen der meisten Mitgliedstaaten Sanktionen gegen Personen vor,
         die im Rahmen eines Zivilprozesses Prozessverschleppung betreiben, die im Ergebnis auf eine Rechtsverweigerung hinausliefe.
      
      32      Solche Sanktionen dürfen jedoch nicht offensichtlich außer Verhältnis zu dem verfolgten Ziel stehen, das darin besteht, einen
         wirksamen Verfahrensablauf im Hinblick auf eine ordnungsgemäße Rechtspflege zu gewährleisten.
      
      33      Bei der im Ausgangsverfahren verhängten Sanktion, nämlich dem Ausschluss von Herrn Gambazzi von jeder Teilnahme am Verfahren,
         handelt es sich, wie die Generalanwältin in Nr. 67 ihrer Schlussanträge ausführt, um die denkbar schwerste Einschränkung der
         Verteidigungsrechte. Daher kann eine solche Beschränkung nur dann nicht als offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung
         dieser Rechte angesehen werden, wenn sie sehr hohen Anforderungen genügt.
      
      34      Es obliegt dem vorlegenden Gericht, in Ansehung der konkreten Umstände des vorliegenden Falles zu beurteilen, ob dies gegeben
         ist.
      
      35      In diesem Zusammenhang führen die Parteien des Ausgangsverfahrens ein Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts vom 9. November
         2004 (Rechtssache 4P082/2004) an. Mit diesem Urteil hat das genannte Gericht das Rechtsmittel von CIBC und DaimlerChrysler
         gegen eine Entscheidung des Tribunale d’appello del cantone Ticino (Berufungsgericht des Kantons Tessin, Schweiz) abgewiesen,
         mit der die Anerkennung und Vollstreckung der Entscheidungen des High Court gegen Herrn Gambazzi in der Schweiz wegen Verstoßes
         gegen Art. 27 Nr. 1 des Luganer Übereinkommens abgelehnt worden war. Das Bundesgericht hat entschieden, dass der Ausschluss
         des Herrn Gambazzi vom Verfahren vor dem High Court zwar nicht gegen die öffentliche Ordnung in der Schweiz verstoßen habe,
         aber doch andere Umstände, die das vorlegende Gericht im vorliegenden Verfahren nicht erwähnt hat, die Anwendung der Ordre‑public‑Klausel
         rechtfertigten.
      
      36      Nach der Erklärung der Vertreter der Regierungen der Unterzeichnerstaaten des Luganer Übereinkommens, die Mitglieder der Europäischen
         Gemeinschaften sind, ist es angezeigt, dass der Gerichtshof den Grundsätzen gebührend Rechnung trägt, die sich aus diesem
         Urteil des Bundesgerichts ergeben, und gemäß Art. 1 des Protokolls Nr. 2 über die einheitliche Auslegung dieses Übereinkommens
         hat das vorlegende Gericht diesen Grundsätzen gebührend Rechnung zu tragen.
      
      37      Hierzu ist festzustellen, dass sich das Bundesgericht für die Konkretisierung der Ordre‑public‑Klausel auf den Anspruch auf
         ein faires Verfahren und den Anspruch auf rechtliches Gehör bezieht. Auf diese Grundsätze hat der Gerichtshof selbst in seinem
         Urteil Krombach Bezug genommen und in den Randnrn. 27 und 28 des vorliegenden Urteils hingewiesen.
      
      38      Was die im Urteil des Bundesgerichts vorgenommene konkrete Beurteilung des Widerspruchs zur schweizerischen öffentlichen Ordnung
         im vorliegenden Fall angeht, so kann sie das vorlegende Gericht nicht förmlich binden. Dies gilt umso mehr, als im vorliegenden
         Fall das letztgenannte Gericht seine Beurteilung anhand der italienischen öffentlichen Ordnung vornehmen muss.
      
      39      Der Gerichtshof hat jedoch zur Erfüllung seiner Auslegungsaufgabe, wie sie in Randnr. 26 dieses Urteils dargelegt worden ist,
         die von ihm aufgestellten Grundsätze näher darzulegen, indem er angibt, an welchen allgemeinen Kriterien das vorlegende Gericht
         seine Beurteilung auszurichten hat.
      
      40      Die Frage der Vereinbarkeit der vom Gericht des Urteilsstaats erlassenen Ausschlussmaßnahme mit der öffentlichen Ordnung des
         ersuchten Staates ist im Hinblick auf das Verfahren als Ganzes und anhand sämtlicher Umstände zu beurteilen (vgl. in diesem
         Sinne Urteil vom 2. Mai 2006, Eurofood IFSC, C‑341/04, Slg. 2006, I‑3813, Randnr. 68).
      
      41      Dies bedeutet im vorliegenden Fall, dass nicht nur die Voraussetzungen zu berücksichtigen sind, unter denen im Verfahren vor
         dem High Court dessen Entscheidungen erlassen worden sind, deren Vollstreckung beantragt wird, sondern auch die Voraussetzungen,
         unter denen in einer früheren Phase die „disclosure order“ und die „unless order“ erlassen wurden.
      
      42      Was zunächst die „disclosure order“ angeht, so ist es Sache des vorlegenden Gerichts, zu ermitteln, ob und inwieweit Herr
         Gambazzi die Möglichkeit hatte, vor ihrem Erlass zu ihrem Gegenstand und ihrer Tragweite gehört zu werden. Es ist ferner seine
         Sache, zu untersuchen, über welche Rechtsbehelfe Herr Gambazzi nach dem Erlass dieser „disclosure order“ verfügte, um deren
         Änderung oder Rücknahme zu beantragen. In diesem Zusammenhang muss festgestellt werden, ob der Betroffene die Möglichkeit
         hatte, alle tatsächlichen und rechtlichen Umstände geltend zu machen, die seines Erachtens geeignet waren, seinen Antrag zu
         stützen, und ob diese Punkte Gegenstand einer Sachprüfung unter vollständiger Beachtung des Grundsatzes des kontradiktorischen
         Verfahrens waren oder ob es vielmehr für ihn lediglich zulässig war, beschränkte Fragen aufzuwerfen.
      
      43      Was die Nichtbefolgung der „disclosure order“ durch Herrn Gambazzi angeht, so ist es Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen,
         ob die von Herrn Gambazzi vorgetragenen Gründe, insbesondere der Umstand, dass er durch die Offenbarung der verlangten Informationen
         das Berufsgeheimnis verletzt hätte, das er als Rechtsanwalt zu wahren hat, und dass er damit eine strafbare Handlung begangen
         hätte, im Rahmen eines kontradiktorischen gerichtlichen Verfahrens geltend gemacht werden konnten.
      
      44      Was sodann den Erlass der „unless order“ angeht, so muss das vorlegende Gericht ermitteln, ob Herr Gambazzi über Verfahrensgarantien
         verfügte, die ihm eine wirksame Möglichkeit zur Anfechtung der erlassenen Maßnahme gewährleisteten.
      
      45      Was schließlich die Entscheidungen des High Court angeht, mit denen dieser über die Anträge der Klägerinnen entschieden hat,
         als ob der Beklagte säumig gewesen wäre, so ist es Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob die Begründetheit dieser
         Anträge in diesem oder einem früheren Verfahrensstadium Gegenstand einer Prüfung waren und ob Herr Gambazzi in diesem oder
         einem früheren Verfahrensstadium die Möglichkeit hatte, hierzu Stellung zu nehmen, und ob er über einen Rechtsbehelf verfügte.
      
      46      Da mit diesen Prüfungen nur festgestellt werden soll, ob eine offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung des
         Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliegt, können sie keine Kontrolle der Beurteilungen des High Court zur Begründetheit umfassen,
         da eine solche Kontrolle eine Nachprüfung in der Sache darstellen würde, die nach den Art. 29 und 34 Abs. 3 des Brüsseler
         Übereinkommens ausdrücklich untersagt ist. Das vorlegende Gericht muss sich im Rahmen seiner Prüfungen darauf beschränken,
         zu ermitteln, welche Rechtsbehelfe Herrn Gambazzi zur Verfügung standen, und prüfen, ob dieser in deren Rahmen über die Möglichkeit
         verfügte, unter Wahrung des kontradiktorischen Verfahrens und vollständiger Ausübung seiner Verteidigungsrechte seine Anhörung
         zu erreichen.
      
      47      Am Schluss aller dieser Prüfungen wird das vorlegende Gericht eine Abwägung dieser verschiedenen Umstände vornehmen müssen,
         um beurteilen zu können, ob sich der Ausschluss von Herrn Gambazzi im Hinblick auf das vom High Court verfolgte Ziel einer
         wirksamen Rechtspflege als offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör
         darstellt.
      
      48      Daher ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass Art. 27 Nr. 1 des Brüsseler Übereinkommens dahin auszulegen ist, dass das
         Gericht des ersuchten Staates den Umstand, dass das Gericht des Urteilsstaats über die Anträge des Klägers ohne Anhörung des
         Beklagten entschieden hat, der sich auf das Verfahren bei ihm ordnungsgemäß eingelassen hat, jedoch durch einen Beschluss
         mit der Begründung vom Verfahren ausgeschlossen worden ist, dass er Verpflichtungen aus einem zuvor im Rahmen desselben Verfahrens
         ergangenen Beschluss nicht erfüllt habe, im Hinblick auf die Ordre‑public‑Klausel der genannten Vorschrift berücksichtigen
         darf, wenn es beim Abschluss einer Gesamtwürdigung des Verfahrens und in Anbetracht sämtlicher Umstände zu dem Ergebnis gelangt,
         dass diese Ausschlussmaßnahme eine offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung des Anspruchs des Beklagten auf
         rechtliches Gehör dargestellt hat.
      
       Kosten
      49      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt:
      Art. 27 Nr. 1 des Übereinkommens vom 27. September 1968 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Vollstreckung gerichtlicher
            Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen in der durch das Übereinkommen vom 9. Oktober 1978 über den Beitritt des Königreichs
            Dänemark, Irlands und des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, das Übereinkommen vom 25. Oktober 1982 über
            den Beitritt der Republik Griechenland, das Übereinkommen vom 26. Mai 1989 über den Beitritt des Königreichs Spanien und der
            Portugiesischen Republik sowie das Übereinkommen vom 29. November 1996 über den Beitritt der Republik Österreich, der Republik
            Finnland und des Königreichs Schweden geänderten Fassung ist wie folgt auszulegen: 
      Das Gericht des ersuchten Staates darf den Umstand, dass das Gericht des Urteilsstaats über die Anträge des Klägers ohne Anhörung
            des Beklagten entschieden hat, der sich auf das Verfahren bei ihm ordnungsgemäß eingelassen hat, jedoch durch einen Beschluss
            mit der Begründung vom Verfahren ausgeschlossen worden ist, dass er Verpflichtungen aus einem zuvor im Rahmen desselben Verfahrens
            ergangenen Beschluss nicht erfüllt habe, im Hinblick auf die Ordre‑public‑Klausel des Art. 27 Nr. 1 berücksichtigen, wenn
            es beim Abschluss einer Gesamtwürdigung des Verfahrens und in Anbetracht sämtlicher Umstände zu dem Ergebnis gelangt, dass
            diese Ausschlussmaßnahme eine offensichtliche und unverhältnismäßige Beeinträchtigung des Anspruchs des Beklagten auf rechtliches
            Gehör dargestellt hat. 
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Italienisch.