CELEX: 31986D0667
Language: de
Date: 1986-12-22 00:00:00
Title: 86/667/EWG: Entscheidung des Rates vom 22. Dezember 1986 zur Verabschiedung des Jahresberichts über die Wirtschaftslage in der Gemeinschaft und Festlegung wirtschaftspolitischer Leitlinien für 1987

31 . 12 . 86                                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       Nr . L 385 / 1
                                                                          II
                                                 (Nicht veröffentlichungsbedürftige Rechtsakte)
                                                                      RAT
                                                        ENTSCHEIDUNG DES RATES
                                                            vom 22 . Dezember 1986
                     zur Verabschiedung des Jahresberichts über die Wirtschaftslage in der Gemeinschaft und
                                               Festlegung wirtschaftspolitischer Leitlinien für 1987
                                                                 ( 86 / 667 / EWG )
DER RAT DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                                      HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN :
                                                                                                             Artikel 1
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäische
Wirtsch aftsgemeinschaft ,                                                     Der Rat verabschiedet hiermit den Jahresbericht über die
                                                                               Wirtschaftslage in der Gemeinschaft sowie über die von der
                                                                               Gemeinschaft einzuhaltenden wirtschaftspolitischen Leit­
gestützt auf die Entscheidung 74 / 120 / EWG des Rates vom                     linien , die in Teil I des beigefügten Berichts enthalten sind ; er
18 . Februar 1974 zur Erreichung eines hohen Grades an                         legt die wirtschaftspolitischen Leitlinien fest , die von den
Konvergenz der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten der                      Mitgliedstaaten zu befolgen sind und die in Teil II des
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (')> geändert durch                       beigefügten Berichts enthalten sind .
die Entscheidungen 75 / 787 / EWG ( 2 ) und 79 / 136 /
EWG ( 3 ), insbesondere auf Artikel 4 ,
                                                                                                             Artikel 2
auf Vorschlag der Kommission ,                                                 Diese Entscheidung ist an die Mitgliedstaaten gerichtet .
                                                                               Geschehen zu Brüssel am 22 . Dezember 1986 .
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments ( 4 ),
                                                                                                                       Im Namen des Rates
                                                                                                                           Der Präsident
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschus­
ses ( 5 ),                                                                                                                    G. SHAW
(») ABl .  Nr . L 63 vom 5 . 3 . 1974 , S. 16 .
(2) ABl .  Nr . L 330 vom 24 .   12 . 1975 , S. 52 .
(3) ABl .  Nr . L 35 vom 9 . 2 . 1979 , S. 8 .
(«) ABl .  Nr . C 322 vom 15 .   12 . 1986 .
(5) ABl .  Nr . C 333 vom 29 .   12 . 1986 .
 ---pagebreak---  ---pagebreak--- 31 . 12 . 86  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften Nr . L 385 / 3
             JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT
                            1986—1987
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 4                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              31 . 12 . 86
                                               JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT 1986—1987
                                                                   INHALT
                             Teil I — Abbau der Arbeitslosigkeit in einer dynamischeren europäischen Wirtschaft
                                    Für eine wirksame Anwendung der kooperativen Gemeinschaftsstrategie
                                                                                                                Seite
               1.      Zusammenfassung und Schlußfolgerungen                                                        6
               2.      Wirtschaftliche Aussichten und Konvergenz                                                  11
               2.1 .   Die Weltwirtschaft                                                                         11
                       Kasten : Wirtschaftliche Auswirkungen des umgekehrten Olpreisschocks                       16
               2.2 .   Wirtschaftliche Aussichten in der Gemeinschaft                                             18
               2.3 .   Nominale und reale Konvergenz in der Gemeinschaft                                          25
               3.      Die Kooperative Wachstumsstrategie für mehr Beschäftigung                                  36
               3.1 .   Ziele und Methoden                                                           N.            36
               3.2 .   Die Vorausschätzungen für 1986 und 1987 aus der Sicht der Kooperativen Strategie           39
               3.3 .   Erfordernisse für die makroökonomische Politik für 1987 und die darauffolgenden Jahre      41
                       Kasten : Mittelfristige Szenarien der Kooperativen Strategie                              48
               4.      Beiträge der Wirtschaftspolitik zur Kooperativen Strategie                                49
               4.1 .   Geldpolitische Leitlinien und Koordinationsprobleme                                       49
               4.2 .   Politik der öffentlichen Finanzen                                                          54
               4.2.1 . Haushaltsdefizite , öffentliche Verschuldung , Wachstum und Beschäftigung                  54
               4.2.2 . Öffentliche Ausgaben , Besteuerung , Wachstum und Beschäftigung                           55
               4.3 .   Löhne und Arbeitsmarkt                                                                     60
               4.3.1 . Lohneinkommen und Lohnkosten                                                               60
               4.3.2 . Anpassung des Arbeitsmarktes im Interesse eines beschäftigungswirksameren Wachstums       62
               4.4 .   Anpassungsfähigkeit der Märkte                                                             65
               4.5 .   Die Finanzierung der Politik der Gemeinschaft:
                       Gemeinschaftshaushalt und andere Finanzierungsinstrumente                                 68
               4.6 .   Sozialer Dialog                                                                           71
               4.7 .   Internationale Koordination der Wirtschaftspolitiken                                      72
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   Nr . L 385 / 5
                                      Teil II — Die Wirtschaftspolitik in den Mitgliedsländern
                                                                                                               Seite
             Anwendung der kooperativen Wachstumsstrategie für mehr Beschäftigung durch die Mitgliedstaaten im
             Jahre 1987                                                                                         75
             Belgien                                                                                            76
             Dänemark                           ■.                                                              79
             Bundesrepublik Deutschland                                                                          82
             Griechenland                                                                                        85
             Spanien                                                                                            88
             Frankreich                                                                                         91
             Irland                                                                                             94
             Italien                                                                                            97
                                                                          I .
             Luxemburg                                                                                         100
             Niederlande                                                                                       102
             Portugal                                                                                          105
             Vereinigtes Königreich                                                                            107
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 6                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     31 . 12 . 86
                                                               ANHANG
                                                                 TEIL I
                                                  ABBAU DER ARBEITSLOSIGKEIT
                                IN EINER DYNAMISCHEREN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFT
                                 FÜR EINE WIRKSAME ANWENDUNG DER KOOPERATIVEN
                                                    GEMEINSCHAFTSSTRATEGIE
                                        1 . ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
 1.1 .  Mit der Verabschiedung des letzten Jahreswirtschafts­                  lung der letzten Jahre , die durch steigende oder auf
        berichts ( 1985— 1986 ) hat der Rat, nach Kenntnis­                    hohem Niveau stagnierende Arbeitslosigkeit charak­
        nahme der positiven Stellungnahmen des Parlaments ,                    terisiert war , würde dies einen großen Fortschritt
        des Wirtschafts- und Sozialausschusses und der euro­                   darstellen .
        päischen Sozialpartner , seine Zustimmung für die von
        der Kommission vorgeschlagene „Kooperative                             Dieser Fortschritt bedeutet jedoch noch nicht Vollbe­
        Wachstumsstrategie für mehr Beschäftigung" in der                      schäftigung. Flankierende Maßnahmen insbesondere
        Gemeinschaft zum Ausdruck gebracht .                                   im Bereich der Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit
                                                                               bleiben dringend erforderlich , damit nicht größere
        Ziel dieser Strategie ist es , innerhalb eines Zeitraums               Personengruppen auf lange Zeit aus der Arbeitswelt
        von mehreren Jahren die Arbeitslosigkeit deutlich und                  ausgeschlossen bleiben . Die politischen und gesell­
        anhaltend zu verringern . Die Arbeitslosigkeit in Euro­                schaftlichen Fernwirkungen einer solchen Entwick­
        pa ist das Ergebnis schwerwiegender wirtschaftlicher                   lung könnten verhängnisvoll sein . Auch der sektorale
        und gesellschaftlicher Fehlentwicklungen . Sie kann                    und regionale Strukturwandel , der mit der notwendi­
        nicht mit punktuellen Maßnahmen überwunden wer­                        gen Anpassung der Produktionsstrukturen und dem
        den , die lediglich bei den Symptomen ansetzen . Die                   technischen Fortschritt einhergeht , macht flankieren­
        Gemeinschaftsstrategie berücksichtigt sowohl die                       de Maßnahmen zur Berücksichtigung der sozialen
        makro- und mikroökonomischen als auch die sozialen                     Dimension erforderlich : Die hiermit zusammenhän­
        Aspekte des Problems und versucht, die Arbeitslosig­                   genden Probleme können umso leichter bewältigt
        keit an ihren Wurzeln zu bekämpfen . Auf makroöko­                     werden , je schneller die Wirtschaft der Gemeinschaft
        nomischer Ebene ist hierfür erforderlich , noch für eine               ihre Dynamik wiedergewinnt.
        gewisse Zeit den maßvollen Anstieg der Reallöhne
        fortzusetzen , wobei jedoch gleichzeitig eine angemes­                 Der Erfolg der Gemeinschaftsstrategie erfordert im
        sene und stabilitätskonforme Nachfrageentwicklung                      Vergleich zur Vergangenheit eine Änderung der Wirt­
        gewährleistet werden muß . Diese Kombination stärkt                    schaftspolitiken und der Verhaltensweisen , die in
        Rentabilität , Investitionen und Beschäftigung . Auf                   einigen Fällen deutlich ausfallen muß . Diese Verände­
        mikroökonomischer Ebene kommt es darauf an ,                           rungen sind im Gange . Es gilt, sie zu beschleunigen
        unter Berücksichtigung der sozialen Aspekte die                        und fester zu verankern . Es gilt zu erreichen , daß die
        Anpassungsfähigkeit der Märkte für Waren , Dienst­                     am Wirtschaftsleben Beteiligten in ausgewogener
        leistungen , Kapital und Arbeit zu verbessern sowie                    Weise zum Erfolg der Strategie beitragen und daß die
        insbesondere die Gründung neuer Unternehmen , die                      Akzeptanz der Wirtschaftspolitik verstärkt wird . Der
        berufliche Bildung und die Anwendung neuer Tech­                       Sozialdialog auf Gemeinschaftsebene und insbesonde­
        nologien zu fördern . Dies erleichtert den notwendigen                 re auf nationaler Ebene ist daher ein wichtiges Instru­
        strukturellen Wandel , erzeugt neue wirtschaftliche                    ment zur Umsetzung der Strategie .
        Dynamik und erlaubt es , die Wettbewerbsfähigkeit
        der europäischen Wirtschaft unter Nutzung der Vor­             1.2 .   Der vorliegende Jahreswirtschaftsbericht 1986 / 87
        teile des großen europäischen Binnenmarktes weiter                   • prüft die wirtschaftlichen Entwicklungen und Per­
        zu entwickeln .                                                        spektiven und aktualisiert die wirtschaftspolitischen
                                                                               Leitlinien im Lichte der Gemeinschaftsstrategie .
        Das sich aufgrund einer solchen Politik ergebende
        dynamischere und beschäftigungswirksamere Wachs­
        tum wurde auf Gemeinschaftsebene für die Periode
                                                                       1.3 .   Das wirtschaftliche Umfeld der Gemeinschaft hat sich
        1986 bis 1990 mit einer jährlichen Rate von etwa 3 bis
                                                                               durch die gesunkenen Ölpreise , die Normalisierung
                                                                               des Dollarkurses und die gesunkenen Zinsen erheblich
        3,5 % veranschaulicht. Hiermit könnte ein durch­
                                                                               verändert . Eine ähnlich starke Verbesserung der rea­
        schnittlicher Beschäftigungsanstieg von etwa 1 bis                     len Austauschverhältnisse in einer so kurzen Zeit
        1,5 % jährlich einhergehen . Eine solche Entwicklung                   haben die ölverbrauchenden Industrieländer in der
        würde es erlauben , die durchschnittliche Arbeitslosen­
                                                                               Nachkriegsgeschichte noch nicht erlebt . Die Abwer­
        quote der Gemeinschaft bis 1990 um knapp 4 Pro­
                                                                               tung des Dollars vollzog sich im Rahmen einer besser
        zentpunkte zu senken ('). Im Vergleich zur Entwick­
                                                                               abgestimmten Entwicklung , wozu die Plaza-Verein­
(>) 1990 : EUR-10 etwa 7 % , EUR-12 etwa 8 % .                                 barung vom September 1985 und die Ergebnisse des
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 7
       Gipfels von Tokio im Mai 1986 beigetragen haben .                 Aber auch bei einem günstigen weltwirtschaftlichen
       Die gesunkenen Zinsen stellen eine willkommene ,                  Verlauf dürfte der Welthandel in den nächsten Jahren
       aber nicht ausreichende Hilfe für die hoch verschul­              der Gemeinschaft keine besonders starken Wachs­
       deten Entwicklungsländer dar . Auch der Verlauf der               tumsimpulse liefern . Dies ergibt sich aus der Natur der
       jüngsten Verhandlungen über die Auslandsschuld und                notwendigen Anpassungsprozesse : Abbau des um­
       die interne Anpassungspolitik Mexikos kann als Bei­               fangreichen Handelsdefizits der USA , Konsolidierung
       spiel einer positiven Entwicklung gesehen werden . Die            der Position der OPEC-Länder und der Entwicklungs­
        in Punta del Este im September 1986 getroffene                   länder . Für die Gemeinschaft ist dies ein Grund mehr ,
       Vereinbarung, eine neue Runde multilateraler Han­                 die internationale Kooperation im Hinblick auf die
       delsgespräche im Rahmen des GATT zu beginnen ,                    Erleichterung der notwendigen weltweiten Anpas­
       stärkt die Hoffnung , daß der Trend zum Protektionis­             sungsprozesse voranzutreiben und sich gleichzeitig
        mus aufgehalten und umgekehrt werden kann .                      auf die Stärkung ihres eigenen Wachstumspotentials
                                                                         zu konzentrieren .
        Trotz dieser positiven Entwicklungen auf internatio­
        naler Ebene sind zur Lösung der großen weltwirt­
        schaftlichen Probleme noch erhebliche Anstrengun­          1.4 . Innerhalb der Gemeinschaft hält im Jahre 1986 und
        gen erforderlich . Eine bessere Ordnung des Weltwäh­             wahrscheinlich auch 1987 der moderate Aufschwung
        rungssystems bleibt weiterhin dringend notwendig .               an. Das Wachstum des realen BIP dürfte sich entspre­
        Die Rückkehr zu einer annehmbaren Verteilung der                 chend den Vorausschätzungen leicht beschleunigen
        Leistungsbilanzsalden auf weltweiter Ebene macht                 ( 1985:2,4 % ; 1986 : 2,5 % ; 1987 : 2,8 % ); es erreicht
        einen schrittweisen Abbau des Haushaltsdefizits der              jedoch noch nicht das Ausmaß , das möglich und nötig
        Vereinigten Staaten und expansive haushaltspoliti­               wäre , um die Arbeitslosigkeit in der Gemeinschaft
                                                                         deutlich und anhaltend abzubauen .
        sche Maßnahmen in Japan , verbunden mit einer
        weiteren Yen-Aufwertung , erforderlich . Der wichtig­
        ste Beitrag der Gemeinschaft und der EFTA-Länder zu              Zwar liegt die Schwelle , von der ab reales Wirtschafts­
        diesem internationalen Anpassungsprozeß besteht in               wachstum zu höherer Beschäftigung führt , jetzt spür­
        einer Stärkung ihres eigenen Wachstums auf einer                 bar niedriger als noch in den sechziger oder siebziger
        gesunden Grundlage . Eine ausreichende Zunahme des               Jahren . Für 1986 und 1987 wird eine Zunahme der
        Welthandels hängt also im wesentlichen von einem                 Beschäftigung von jeweils etwa 0,8 % erwartet . Da
        kräftigeren Wachstum in Japan und in Europa ab .                 die Erwerbsbevölkerung aber weiter wächst , was
        Auch das Problem der hoch verschuldeten Entwick­                 immer weniger demographische Ursachen hat , son­
        lungsländer kann nur längerfristig in einem Kontext              dern Ausdruck veränderten Erwerbsverhaltens ist ,
         stärkeren weltwirtschaftlichen Wachstums gelöst                 wird die durchschnittliche Arbeitslosenquote in der
        werden .                                                         Gemeinschaft (EUR-9 ; 1985 : 11,1 % ; 1986 : 11 % ;
                                                                          1987 : 10,8 % ) aber nur geringfügig zurückgehen .
        Im Vergleich zu den gegenwärtig vorliegenden Vor­                Diese Entwicklung ist noch völlig unbefriedigend .
        ausschätzungen könnten jedoch die Wachstumsper­
        spektiven des Welthandels durch ernstzunehmende                  Unbefriedigend ist auch weiterhin die Verteilung des
        Risiken , die auf dem internationalen Umfeld lasten ,             Wachstums auf die Regionen und Länder der Gemein­
        deutlich verringert werden . Diese Risiken können wie            schaft. Während sich vor dem ersten Olschock gemes­
        folgt beschrieben werden :                                       sen am realen BIP pro Einwohner ein deutlicher
                                                                         Aufholprozeß der weniger entwickelten Regionen und
        — eine neue , deutliche Abwertung des Dollars oder               Länder vollzog ,, kam dieser Prozeß seither zum Still­
             unkontrollierte Wechselkursbewegungen ;                      stand oder kehrte sich teilweise um . Auch 1986 und
         — ein unzureichender oder unangemessener Anpas­                  1987 scheint dieser Prozeß der realen Konvergenz
             sungsprozeß in Japan und in den Vereinigten                  noch nicht wieder in Gang zu kommen . Die Förderung
             Staaten könnte — trotz der in Punta del Este                 dieses Prozesses ist ein wesentliches Element der
             bekräftigten Absichten — zu einem raschen                    Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusam­
             Anstieg des Protektionismus führen , auch eine               menhalts der Gemeinschaft .
             Rezession in den Vereinigten Staaten oder eine
             erneute Beschleunigung der Inflation sind nicht              Insgesamt gesehen wird das Wachstum in der Gemein­
             auszuschließen ;                                             schaft nunmehr von der Inlandsnachfrage getragen.
                                                                          Dieser Übergang vollzog sich im ersten Halbjahr 1986
         — eine neuerliche umfangreiche Veränderung des                   zunächst zögernd , was dazu führte , daß die Wachs­
             Erdölpreises ;                                               tumsvorausschätzung des letzten Frühjahrs für das
         — eine Verschlechterung der Lage der Entwicklungs­              Jahr 1986 leicht nach unten revidiert werden mußte .
             länder : Angesichts einer anhaltenden Verschlech­            Die dynamischsten Elemente der realen Inlandsnach­
             terung des Austauschverhältnisses der von diesen             frage sind nunmehr die Ausrüstungsinvestitionen
             Ländern exportierten Rohstoffe und mangels einer             ( 1986 : 6,1 % ; 1987 : 6,9 % ) und der private Ver­
             angemessenen Finanzierung von außen bzw .                    brauch ( 1986 : 3,7 % ; 1987 : 3,5 % ); die Bauinvesti­
             wachsender Absatzmärkte für ihre Exporte von                 tionen erholen sich , während der öffentliche Ver­
             landwirtschaftlichen oder gewerblichen Produk­               brauch weiterhin sehr langsam wächst. Trotz der
             ten könnten die Entwicklungsländer sich gezwun­              Verschlechterung des realen Waren- und Dienstlei­
             gen sehen , ihr Wachstum und ihre Importe noch               stungssaldos , die einen negativen Einfluß auf das
             weiter zu verringern .                                       Wachstum hat , steigt der nominale Leistungsbilanz­
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 8                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31 . 12 . 86
        Überschuß der Gemeinschaft vorübergehend noch an           1.5 .   Die in den letzten Jahren erzielten deutlichen Verbes­
        ( 1985 : 0,5 % des BIP ; 1986 : 1,2 % ; 1987 : 0,9 % ).            serungen der Angebotsbedingungen und die positiven
                                                                           Auswirkungen der Olpreissenkung reichen noch nicht
                                                                           aus , um die Gemeinschaft aus eigenem Antrieb auf
        In diesen Entwicklungen kommt vor allem die erheb­                 den Pfad eines ausreichenden und beschäftigungs­
       liche Verbesserung der realen Austauschverhältnisse                 wirksamen Wachstums zu bringen , das es erlaubt , die
       ( Terms of Trade ) infolge der Olpreissenkung und der               Arbeitslosigkeit in der angestrebten Weise zu verrin­
       Dollarabwertung zum Ausdruck. Die Ölrechnung der                    gern . Mittelfristige Untersuchungen zeigen , daß trotz
       Gemeinschaft hat sich halbiert ; die Kaufkraft der                  verbesserter Voraussetzungen die durchschnittliche
       privaten Haushalte steigt 1986 und 1987 in den                      Wachstumsrate der Jahre 1986 bis 1990 noch unter
       meisten Ländern kräftig an ; die realen Lohnkosten                  3 % liegen dürfte und daß unter diesen Umständen die
       pro Kopf erhöhen sich 1986 praktisch nicht , sie                    Arbeitslosenquote in der Zwölfergemeinschaft im
       könnten sich jedoch 1987 wieder beschleunigen ; die                 Jahre 1990 noch über 10 % liegen dürfte . Dies hängt
       Rentabilität der Unternehmen hat sich verbessert ,                  zum Teil auch damit zusammen , daß in den nächsten
       auch wenn sie im Gemeinschaftsdurchschnitt bei
                                                                           Jahren vom internationalen Umfeld keine starken
       weitem noch nicht das Niveau der Zeit vor dem ersten
                                                                           Wachstumsimpulse ausgehen dürften . Die im vergan­
       Olschock wieder erreicht hat ; in einigen Ländern der               genen Jahr beschlossene und oben unter Punkt 1.1
       Gemeinschaft wurde die Verbesserung der Terms of                    resümierte Gemeinschaftsstrategie für mehr Wachs­
       Trade durch steuerliche Maßnahmen teilweise auch
                                                                           tum und Beschäftigung ist daher keineswegs überflüs­
       zur Entlastung der öffentlichen Haushalte genutzt .                 sig geworden . Im Gegenteil , sie muß jetzt bewußt und
                                                                           entschlossen angewandt werden . Auf diese Weise
       Der 1986 sichtbare und für 1987 vorausgeschätzte                    kann die im Gange befindliche Verbesserung der
       kräftige Anstieg der Unternehmensinvestitionen stützt               Angebotsbedingungen und die Veränderung der Ver­
                                                                           haltensweisen in den Dienst eines schnelleren Beschäf­
       nicht nur die Nachfrage , sondern erweitert auch die
       Produktionskapazitäten . Die Gesamtinvestitionsquo­                 tigungsanstiegs gestellt werden . Auf diese Weise kön­
       te der Gemeinschaft ( in % des BIP ) liegt jedoch noch              nen auch die sich aus der Senkung des Ölpreises und
       immer etwa 4 Punkte unter dem Niveau der Zeit vor                   der Inflationsraten ergebenden günstigen Bedingun­
       dem ersten Ölschock , und das Wachstum der Produk­                  gen am besten genutzt werden . Falls diese Chance
       tionskapazitäten sowie die Schaffung neuer Arbeits­                 nicht in den Jahren 1987 und 1988 ergriffen wird ,
       plätze muß noch weiter schrittweise beschleunigt                    wird es bis Ende des Jahrzehnts nicht mehr möglich
       werden . Die verstärkte Investitionsanstrengung bleibt              sein , die Arbeitslosigkeit in der Gemeinschaft deutlich
       also noch über mehrere Jahre hinweg notwendig .                     zu verringern .
       Die Inflationsraten sind erneut zurückgegangen und
      ihre Konvergenz in Richtung auf mehr Stabilität hat                  Die effektive Anwendung der Gemeinschaftsstrategie
      sich weiter verbessert . Diese günstige Entwicklung ist             für mehr Wachstum und Beschäftigung ist auch ein
      weitgehend auch auf die Verbesserung der Terms of                   wichtiges Element für die Verwirklichung der großen
      Trade zurückzuführen . Der Preisrückgang bei den                    mittelfristigen Vorhaben und Aufgaben der Gemein­
      Importen und insbesondere beim Erdöl bremst den                     schaft . Hierbei besteht eine besondere Beziehung sich
      Anstieg des Preisindex des privaten Verbrauchs und                  gegenseitig verstärkender Wirkungen . Die Förderung
      führt in den meisten Ländern zu einem geringeren                    des technischen Fortschritts und die Vollendung des
      Anstieg der nominalen Löhne und Kosten . Diese                      Binnenmarktes leisten einen wesentlichen Beitrag zur
      Entwicklung muß jedoch auch als ein weiterer Erfolg                 Verstärkung des wirtschaftlichen Potentials und der
      der seit einigen Jahren im EWS und in der Gemein­                   Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft ; gleichzeitig
      schaft geführten konvergenteren Stabilitätspolitik                 .wird die Verwirklichung dieser Aufgabe ganz erheb­
      angesehen werden . Die durchschnittliche Inflationsra­              lich erleichtert — auch vom sozialen Standpunkt aus
      te in der Gemeinschaft ( Preise des privaten Ver­                   gesehen — , wenn die Anwendung der Strategie tat­
      brauchs 1986 : 3,7 % ; 1987 : 3,0 % ) hat nunmehr                   sächlich dazu führt , das Wachstum kräftiger und
      einen Wert erreicht , der seit zwei Jahrzehnten nicht               beschäftigungswirksamer zu machen . Ein solches
      mehr beobachtet werden konnte . Diese größere Stabi­                Wachstum würde den Aufholprozeß der zurückge­
      lität und Preiskonvergenz gilt es zu bewahren und zu                bliebenen Regionen und die Umstellung der Industrie­
      konsolidieren . Diesbezüglich scheint ein gewisser                  gebiete mit rückläufiger Entwicklung in hohem Maße
      Optimismus erlaubt zu sein . Der Auslastungsgrad der                erleichtern ; gleichzeitig würde die Verstärkung des
      Produktionskapazitäten ist zwar angestiegen , aber der              wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts der
      Anstieg der Investitionen beginnt zur Ausweitung der                Gemeinschaft und das Wiederingangkommen des
      Kapazitäten beizutragen und der Punkt , von dem an                  realen Konvergenzprozesses dazu beitragen , das Wirt­
      Spannungen entstehen , könnte sich weiter hinaus­                   schaftspotential und die Gesamtdynamik der Gemein­
      schieben . Im übrigen scheint die Entwicklung der                   schaft zu vergrößern . Schließlich erleichtert Wachs­
      Importpreise auch 1987 die interne Stabilität nicht zu              tum bei Stabilität die Weiterentwicklung des EWS und
      beeinträchtigen , und es bestehen Chancen dafür , daß               die währungspolitische Zusammenarbeit ; gleichzeitig
      der Anstieg der Nominallöhne in den meisten Ländern                 fördert die Schaffung einer Zone geld- und währungs­
      die verringerten Inflationsraten berücksichtigt . Im                politischer Stabilität den Handel , stärkt die Integra­
      Zusammenhang mit diesem letzten Aspekt ist die                      tion und verringert die Abhängigkeit von störenden
      Bedeutung des Sozialdialogs offensichtlich .                        externen Einflüssen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 9
1.6 .  Im Jahr 1987 und danach sollten die Bemühungen um                 und gleichzeitig in den öffentlichen Haushalten Mehr­
       die Verbesserung der Angebotsbedirigungen und der                 einnahmen und geringere Ausgaben verursachen .
       Anpassungsfähigkeit der Märkte fortgesetzt werden .
       Wenn dann die positiven Effekte der Terms-of­
       Trade-Verbesserung ausklingen , kommt es darauf an ,        1.7 . Die Politik der öffentlichen Finanzen hat bei der
       die Inlandsnachfrage aufrechtzuerhalten , in einer                Umsetzung der Gemeinschaftsstrategie eine wichtige ,
       Weise , die mit dem Ziel der mittelfristigen Konsoli­             aber überaus schwierige Rolle zu spielen . Das Ziel der
       dierung der öffentlichen Haushalte vereinbar bleibt .             mittelfristigen Konsolidierung der öffentlichen Haus­
                                                                         halte soll weiterverfolgt werden . Gleichzeitig gilt es ,
                                                                         alle vorhandenen und entstehenden Handlungsspiel­
       Das dynamischste Element sollten und können die
                                                                         räume entschlossen und möglichst rasch für die
        Unternehmensinvestitionen sein . Gegenüber der sich
                                                                         Verbesserung der Angebots- und Nachfragebedingun­
       schon abzeichnenden Entwicklung genügt eine ge­
                                                                         gen durch Steuer- und Abgabensenkungen und durch
       wisse Beschleunigung , um den für die Ziele der
                                                                         eine Verstärkung der öffentlichen Investitionstätigkeit
       Gemeinschaftsstrategie erforderlichen Anstieg zu                  zu nutzen . Diese Spielräume ergeben sich aus zusätz­
       erreichen . Natürlich beruht jede Investition auf einer
                                                                         lichen Einnahmen und geringeren Ausgaben aufgrund
       nüchternen Wirtschaftlichkeitsrechnung ; deshalb ist
                                                                         des kräftigeren Wachstums und der steigenden
       es wichtig , die Anstrengungen für die Verbesserung
                                                                         Beschäftigung . Allerdings entwickeln sich die Spiel­
       der Rentabilität , für eine Senkung der Realzinsen auf
                                                                         räume in den Mitgliedsländern sehr unterschiedlich .
       gesunder Grundlage und für die Förderung der Bereit­
                                                                         In Deutschland und Luxemburg erscheint die Lage am
       stellung von Risikokapital fortzusetzen . Aber die
                                                                         günstigsten . In Frankreich werden die bestehenden
       Investitionsentscheidung beruht auch auf Vertrauen
                                                                         Spielräume genutzt : Für 1987 sind heute schon
       und unternehmerischer Risikobereitschaft ; diese Ver­
                                                                         bedeutsame Steuersenkungen vorgesehen ; zusätzliche
       haltensweisen gilt es ebenfalls in positivem Sinne zu
                                                                         Steuersenkungen sind für 1988 angekündigt , wobei
       beeinflussen . Der Beitrag der Unternehmer besteht
                                                                         gleichzeitig in beiden Jahren das Haushaltsdefizit
       also vor allem darin , möglichst rasch auf die steigende          reduziert würde . Wenn sich das Wachstum im Aus­
       Rentabilität mit höheren und beschäftigungswirksa­
       men Investitionen zu antworten .
                                                                         land , und insbesondere in der Gemeinschaft , noch
                                                                         festigt , wird die Politik der öffentlichen Finanzen in
                                                                         Frankreich weiter erleichtert . Im Vereinigten König­
       Die öffentlichen Investitionen und die Infrastrukturin­           reich hat die Regierung in ihrer Herbsterklärung eine
       vestitionen im weiteren Sinne, die nicht alle von der             Erhöhung des Volumens der öffentlichen Ausgaben
       öffentlichen Hand finanziert werden müssen , sollten              um ca . 4,75 Milliarden £ vorgesehen ; dies bedeutet ,
       ebenfalls ein dynamisches Element der Nachfrage                   daß 1987— 1988 das Volumen der öffentlichen Aus­
       werden . Die öffentlichen Investitionen haben unter               gaben zu konstanten Preisen um 2 % gegenüber dem
       der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte gelit­              geschätzten Ergebnis von 1986 — 1987 steigen wird .
       ten ; ihr Anteil am BIP der Gemeinschaft ist seit Beginn          Im Gegensatz dazu erfordern die weiterhin zu hohen
       der siebziger Jahre um fast 1,5 Prozentpunkte zurück­             Defizite und der Stand der öffentlichen Verschuldung ,
       gegangen . Heute besteht ein Nachholbedarf an volks­              daß in Belgien , Griechenland , Irland , Italien und
       wirtschaftlich rentablen Projekten dieser Art . Es gilt           Portugal die Haushaltssanierung mit Priorität fortge­
       hier , die notwendigen Initiativen , auch auf Gemein­             setzt wird . Daß auch dies mit einer günstigen Entwick­
       schaftsebene , zu ergreifen und die erforderlichen                lung der Unternehmensinvestitionen und der Beschäf­
       privaten und öffentlichen Mittel bereitzustellen . Die            tigung vereinbar sein kann , hat das Beispiel Däne­
       sich in den öffentlichen Haushalten durch Umstruk­                marks in den letzten Jahren gezeigt . In einer letzten
       turierung und durch Wachstums- und beschäftigungs­                Gruppe von Ländern ( Dänemark , Spanien , Nieder­
       bedingte Mehreinnahmen bzw . Minderausgaben                       lande ) sind die Haushaltszwänge zwar weniger stark ,
       ergebenden Handlungsspielräume sollten zum Teil für               aber andere Aspekte der voraussehbaren Entwicklung
       diese Aufgaben genutzt werden .                                   begrenzen den makroökonomischen Bewegungsspiel­
                                                                         raum .
       Auch der private Verbrauch als größtes Aggregat der
       Inlandsnachfrage kann in den nächsten Jähren die                  Es wird daher in den Jahren 1987 und 1988 wahr­
       Nachfrage stützen . Der maßvolle Reallohnansfreg, die             scheinlich nur einer kleinen Gruppe von Ländern
       steigende Beschäftigung und die Senkung von Steuern               möglich sein , global mit der Haushaltspolitik auf die
       und Sozialversicherungsabgaben aufgrund wachsen­                  Angebots- und Nachfragebedingungen einzuwirken .
       der budgetärer Handlungsspielräume ermöglichen es ,               Wichtig ist auch , daß sich die Zahl dieser Länder mit
       daß der private Verbrauch auch mittelfristig mit                  fortschreitender wirtschaftlicher Erholung vergrö­
       realen Zuwachsraten steigen kann , die denen des BIP              ßert . Diese positive Kettenreaktion gilt es durch
       nahekommen . Wichtig ist in diesem Zusammenhang ,                 abgestimmtes Verhalten zu stärken . Darüber hinaus
       daß bei Beibehaltung des Ziels der mittelfristigen                bestehen in sämtlichen Mitgliedsländern jedoch noch
       Konsolidierung der öffentlichen Finanzen die Steuer­              zusätzliche Handlungsspielräume , um durch. Um­
       und Abgabensenkungen relativ frühzeitig erfolgen . In             strukturierung der öffentlichen Einnahmen und Aus­
       einer späteren Phase , wenn sich die Rentabilität der             gaben (einschließlich eines gezielten Abbaus von Sub­
       Unternehmen stärker erholt hat und die Beschäftigung              ventionen) günstigere Rahmenbedingungen für die
       kräftiger zunimmt , können wachsende Beschäftigung                Erhöhung der Beschäftigung zu schaffen . Diese Mög­
       und schrittweise zunehmende Reallohnsteigerungen                  lichkeiten sollten nicht unterschätzt werden und hier­
       den privaten Verbrauch leichter von sich aus stützen              über sollte ein Erfahrungsaustausch stattfinden . Das
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 10                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31 . 12 . 86
        Prinzip der Umstrukturierung sollte auch auf den                    rasch in kräftiger steigender Beschäftigung nieder­
        Gemeinschaftshaushalt angewandt werden .                            schlagen sollten . Auch eine gewisse Herabsetzung von
                                                                            SozialVersicherungsbeiträgen könnte dazu beitragen ,
1.8 .   T rotz des erheblich veränderten internationalen wäh­
                                                                            die Beschäftigung zu stärken ; es sollte sich hierbei um
                                                                            die Ausnutzung finanzieller Handlungsspielräume
        rungspolitischen Umfelds brauchen die grundlegen­                   handeln , die weder die Qualität der Sozialversiche­
        den Leitlinien für die Geldpolitik in der Gemeinschaft
                                                                            rungssysteme noch ihr finanzielles Gleichgewicht
        nicht angepaßt zu werden . Die Geldpolitik sollte                   beeinträchtigen . Auch die Anpassung gewisser über­
        weiterhin bestrebt sein , den vorhandenen Spielraum
                                                                            triebener oder überholter Regelungen des Arbeits­
        für das reale Wachstum angemessen zu finanzieren                    marktes könnte helfen , neue Arbeitsplätze zu schaf­
        und gleichzeitig bereits erzielte Erfolge bei der Verrin­           fen . Viele Initiativen , die die Schaffung von Arbeits­
        gerung der Trendrate der Inflation zu sichern und , wo              plätzen insbesondere für Selbständige sowie in kleinen
        notwendig , auszubauen . Bisher wurde die Aufgabe                   Unternehmen fördern , sind schon verwirklicht wor­
        der Geldpolitik durch die außenwirtschaftliche Ent­                 den oder werden zur Zeit geprüft ; sie sollten ermutigt
        wicklung erheblich erleichtert . Die Abwertung des                  werden und sollten Gegenstand eines Erfahrungsaus­
      • Dollars sowie der Rückgang der Ölpreise und der                     tausches sein .
        amerikanischen Zinsen haben den Zinssenkungsspiel­
        raum erhöht , ohne daß dies Gefahren für die Inflation
        nach sich zieht . Ein weiterer , deutlicher Fall des                Die Maßnahmen zur Verbesserung der Anpassungsfä­
        Dollars könnte eine flexible Reaktion der Zinssätze in              higkeit der Märkte und insbesondere des Arbeits­
        Europa erfordern , um der Gefahr eines erneuten                     marktes berühren oft wichtige soziale Aspekte . Diese
        Überschießens des Dollars mit seinen negativen mit­                 sollten eingehend mit den Sozialpartnern erörtert
        telfristigen Folgen zu begegnen . Dabei muß jedoch                  werden . Zum Teil fallen sie weitgehend unter die
                                                                            Tarifautonomie der Sozialpartner . Dies gilt zum Bei­
        darauf geachtet werden , daß kein neues Inflations­
        potential aufgebaut wird . Der Abbau der Inflations­                spiel für die Neugestaltung und Verkürzung der
                                                                            Arbeitszeit , die den Wachstumsprozeß ebenfalls
        erwartungen und die verstärkte gesamtwirtschaftliche
        Ersparnisbildung dürften in den meisten Ländern                     beschäftigungswirksamer machen kann , sofern sie
                                                                            kostenniveauneutral bleibt .
        auch zu einem Absinken der langfristigen Realzinsen
        auf gesunder Grundlage führen . Dies liegt im Sinne
        der Strategie . Das EWS hat sich als stabilisierender               Für diesen Bereich insgesamt sollte weiterhin der
        Faktor erwiesen . Die fortschreitende Konvergenz in                 Grundsatz gelten , der im Jahreswirtschaftsbericht des
        Verbindung mit einer Liberalisierung des Kapitalver­                vergangenen Jahres wie folgt formuliert worden war :
        kehrs hat die Notwendigkeit einer engeren Koordinie­                „Wichtig für den Erfolg der Diskussion über die
        rung der Wirtschaftspolitik der Mitgliedsländer                     Anpassungsfähigkeit der Märkte in der Geist , in dem
        erhöht , und zwar sowohl intern zwischen Geldpolitik ,              diese Diskussion geführt wird . Das Ziel der Flexibili­
        Haushaltspolitik und Einkommensentwicklung als                      tätsbemühungen ist nicht der Abbau der sozialen
        auch zwischen den Mitgliedsländern . Die Fortschrit­                Errungenschaften , sondern die Schaffung von mehr
        te , die bei der Schaffung einer Zone geld- und                     Arbeitsplätzen . Deswegen müssen wirtschaftliche
        währungspolitischer Stabilität erreicht worden sind ,               Effizienz und Aufrechterhaltung und Fortentwicklung
        verringern die Abhängigkeit von externen Einflüssen ,               der wesentlichen sozialen Errungenschaften so weit
        und sie sind die Voraussetzung für weitere Fortschritte             wie irgend möglich vereinbar gemacht werden ."
        bei der Integration der europäischen Volkswirtschaf­
        ten .
                                                                     1.10 . Für den Erfolg der Gemeinschaftsstrategie für mehr
                                                                            Wachstum und Beschäftigung kommt es darauf an ,
1.9 .   Die Maßnahmen zur Verbesserung der Anpassungsfä­                    daß' ihre Leitlinien in allen Mitgliedsländern auch
        higkeit der Märkte und des Umfeldes der Unterneh­                   tatsächlich umgesetzt werden . Dies gilt sowohl für
        men , zur Förderurig der Gründung neuer , insbeson­                 makro - und mikroökonomische Maßnahmen der
        dere kleiner und mittlerer Unternehmen und der                      Wirtschaftspolitik als auch für den Sozialdialog auf
        beruflichen Bildung sowie zur Stimulierung der Ent­                 Gemeinschaftsebene und auf nationaler Ebene .
        wicklung und Anwendung neuer Technologien müs­
        sen mit Priorität weiter betrieben werden . Die Voll­               Die Kommission beabsichtigt in ihrer für Juli 1987
        endung des Binnenmarktes ist ein wesentliches Ele­                  vorgesehenen Mitteilung an den Rat „Wirtschaft und
        ment zur Stärkung des Wettbewerbs und zur Verbes­                   Finanzen", eine Zwischenbilanz über die Anwendung
        serung der Wirkungsweise der Märkte . Die Arbeits­                  der Gemeinschaftsstrategie zu erstellen . Für den Rat
        marktpolitik ist für die Verwirklichung eines beschäf­              „Wirtschaft und Finanzen" könnte die Diskussion der
        tigungswirksamen Wachstums von besonderer Bedeu­                    Zwischenbilanz eine Gelegenheit darstellen , dem Auf­
        tung . Die Sozialpartner sollten noch für eine gewisse              trag gerecht zu werden , den er vom Europäischen Rat
        Zeit eine Politik des beschäftigungsfördernden , maß­               in Den Haag erhalten hat , „die Fortschritte im Rah­
        vollen Reallohnanstiegs verfolgen ; dies gilt , bis die             men der Ende 1985 vereinbarten kooperativen
        arbeitsplatzschaffenden Investitionen genügend ren­                 Wachstumsstrategie zu verfolgen". Unter diesem
        tabel geworden sind und die Arbeitslosenquote deut­                 Gesichtspunkt und um besser in der Lage zu sein , die
        lich und von Jahr zu Jahr fortschreitend sinkt . In                 ihr zukommende Aufgabe zu erfüllen , lädt die Kom­
        dieser Hinsicht sind in den meisten Ländern in den                  mission die Regierungen der Mitgliedstaaten ein , bis
        letzten Jahren beträchtliche Fortschritte gemacht wor­              Anfang Mai 1987 einen Kurzbericht vorzulegen , der
        den , die sich bei ausreichender Nachfrageentwicklung               darlegt , welche Initiativen und welche konkreten
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 11
       wirtschaftspolitischen Maßnahmen sie ergriffen ha­                 1974 über die Stabilität , das Wachstum und die
       ben . Diese Berichte könnten — eventuell durch eigene              Vollbeschäftigung in der Gemeinschaft 0 ), die erfor­
       Berichte der Sozialpartner ergänzt — im Ausschuß für               derlichen Initiativen zu ergreifen , unter Berücksichti­
       Wirtschaftspolitik und im Rahmen des europäischen                  gung der besonderen Bedingungen , die in jedem Land
        Sozialdialogs diskutiert werden .                                 vorherrschen .
       Auf nationaler Ebene hat der soziale Dialog über die               Darüber hinaus fordert die Kommission die Sozial­
        Themen der Gemeinschaftsstrategie in vielen Ländern               partner auf, gegebenenfalls von sich aus die Initiative
        noch keine ausreichenden Fortschritte gemacht . Die               für den Dialog auf nationaler Ebene über die Themen
        Kommission fordert daher die Regierungen der Mit­                 der Gemeinschaftsstrategie zu ergreifen .
        gliedsländer auf, in Anwendung des Artikels 3 der
        Richtlinie 74 / 121 / EWG des Rates vom 18 . Februar      (') ABl . Nr . L 63 vom 5 . 3 . 1974 , S. 19 .
                                   2 . WIRTSCHAFTLICHE AUSSICHTEN UND KONVERGENZ
2.1 . Die Weltwirtschaft                                          Ein halbierter Ölpreis in US-Dollar bedeutet , daß sich der
                                                                  gesamte Ölverbrauch der westlichen Welt um etwa 220
In den letzten achtzehn Monaten war die Entwicklung der           Milliarden US-Dollar verbilligen wird . Mehr als die Hälfte
Weltwirtschaft durch drei fundamentale Ereignisse gekenn­         dieses Öls wird international gehandelt , so daß die
zeichnet: eine Halbierung der Ölpreise in Dollar , die Kor­       Netto-Ölexporteure von den Netto-Ölimporteuren etwa 120
rektur der Dollar-Überbewertung und den Zinsrückgang .            Milliarden US-Dollar weniger an Zahlungen erhalten wer­
Diese drei miteinander verknüpften Entwicklungen werden           den . Die Verbilligung des Ölverbrauchs der Gemeinschaft
dazu beitragen , daß die Weltwirtschaft auf mittlere Sicht        insgesamt ( einschließlich der heimischen Förderung) beläuft
wieder auf einen stabileren Wachstumspfad einschwenkt .           sich auf der Grundlage des Verbrauchs von 1985 auf etwa 85
Gleichwohl sind die kurzfristigen Vorausschätzungen für das       Milliarden ECU ( 2,5 % des BIP ), während sich die Rech­
Wachstum der Weltwirtschaft heute kaum optimistischer als         nung für die Öleinfuhren netto um etwa 60 Milliarden ECU
zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres . Für die gesamte            verringern würde ( 1,8 % des BIP).
OECD-Zone wird sowohl 1986 als auch 1987 ein Wachstum
von etwa 2,5 % erwartet , also etwas weniger als 1985 .           Die durch den Ölpreisverfall verursachte Verlangsamung der
                                                                  Inflation hat die weitere Senkung der Zinssätze erleichtert . In
                                                                  den Vereinigten Staaten sind die kurzfristigen Zinsen in den
Die Ölpreise sind von einer Spanne von 25 bis 30 US-Dollar/       zwölf Monaten bis Juli 1986 um 1V2 Prozentpunkte gesun­
Barrel 1985 auf 10 bis 15 US-Dollar / Barrel im Laufe dieses
                                                                  den , die langfristigen Zinsen sogar um 2 V2 Prozentpunkte . In
Jahres gefallen . In europäischen Währungen ausgedrückt ist       der Gemeinschaft fielen die Zinsrückgänge ähnlich deutlich
der entsprechende Rückgang sogar noch stärker . So ist der        aus ( die kurzfristigen Zinssätze gingen gleichfalls um 1 V2 und
Ölpreis am Spotmarkt in US-Dollar in den zwölf Monaten            die langfristigen um 2 Prozentpunkte zurück). Die Locke­
bis September 1986 um rund 50 % gesunken und in ECU um            rung der Geldpolitik — vor allem in den Vereinigten Staaten
etwa 65 % . Dies hat nicht nur beträchtliche Folgen für den
                                                                  — hat zu diesen Zinsbewegungen erheblich beigetragen
Ölmarkt , sondern es hat weitreichende indirekte Auswirkun­       ( siehe Schaubilder 8 und 9 ).
gen . Einmal wegen des Rückgangs der Ölrechnung , ferner
wegen der geldwertstabilisierenden Wirkungen , wegen der          Niedrigere Ölpreise und Zinsen erhöhen die Rentabilität in
günstigen Folgen für das gesamtwirtschaftliche Produktions­       den energieverbrauchenden Industriezweigen mit der Chan­
potential in den Industrieländern und damit schließlich           ce , daß die Unternehmer ihre Investitionstätigkeit ausweiten
wegen der Chance einer mit einer höheren Wachstumsrate            oder die Ausmusterung veralteter Anlagen zurückstellen .
vereinbaren Wirtschaftspolitik. Für eine Halbierung des           Dies würde auf eine gewisse „angebotsinduzierte" Vergröße­
Ölpreises gibt es bisher keinen Präzedenzfall . Die Auswir­       rung des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotentials hin­
kungen auf die Weltwirtschaft lassen sich deshalb keineswegs      auslaufen .
mit Sicherheit voraussagen .
                                                                  Der Zinsrückgang auf breiter Front verschafft den hochver­
Es ist zu erwarten , daß so niedrige Preise wie 10 bis 15         schuldeten Entwicklungsländern eine willkommene , aber
US-Dollar/ Barrel zu einem signifikant höheren Ölverbrauch        unzureichende Erleichterung . Ein allgemeiner Zinsrückgang
und einer größeren Energieintensität des Wachstums führen ;       um einen Prozentpunkt macht für die verschuldeten Ent­
letztere wird noch deutlicher steigen , falls die inländischen    wicklungsländer etwa 7 Milliarden US-Dollar jährlich aus
Preise der verschiedenen Energieträger sich nach unten            ( worin sich das Ausmaß ihrer kurzfristigen oder mit varia­
anpassen sollten . Binnenwirtschaftlich gesehen birgt dies das    blem Zins ausgestatteten Schulden widerspiegelt). Gleichzei­
Risiko einer Verschärfung der mit dem Umweltschutz ver­           tig haben die verschuldeten Entwicklungsländer jedoch
bundenen Probleme in sich . Außenwirtschaftlich wird ein          eine weitere Verschlechterung ihrer realen Austauschverhält­
spürbarer Anstieg des Verbrauchs von Erdölprodukten , in          nisse (- 1,7 % im Jahre 1985 ) und einen Rückgang ihrer
Verbindung mit der Verringerung des Angebots durch die            Aus­
Ölförderländer , die Wahrscheinlichkeit für einen schnellen       fuhrerlöse (- 1,6% im Jahre 1985 und voraussichtlich
Wiederanstieg ihrer Preise erhöhen .                               - 0,9 % im Jahr 1986 ) erlitten . Infolgedessen war ihr Defizit
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 12                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       31 . 12 . 86
 in der Leistungsbilanz größer , und sie waren insgesamt nicht        Insgesamt wird für Welthandel von verarbeiteten Erzeugnis­
 in der Lage , ihre Wachstumsrate zu erhöhen ( 4,1 % im Jahre         sen ein mäßiges Wachstum erwartet . Die realen Austausch­
 1985 und voraussichtlich 3,3 % im Jahr 1986 ). Insbesondere          verhältnisse ( Terms of Trade) der Industrieländer haben sich
 die Ölexportländer ( hauptsächlich OPEC-Länder, aber auch            1986 stark verbessert ( um 7,5 % , jedoch um über 30 % ,
 Mexico , China und Malaysia ) sehen sich zu einschneidenden          wenn man den Handel innerhalb der OECD ausklammert ),
 Konsolidierungsmaßnahmen gezwungen , verbunden mit                   stärker als je zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg . Allerdings
 einer Drosselung der Importe . Die wirtschaftlichen Aussich­         dürfte das Welteinfuhrvolumen außerhalb der Gemeinschaft
 ten sind günstiger für einige Schwellenländer , wie etwa             ( mit den Marktanteilen der Gemeinschaft gewichtete Einfuh­
 Taiwan und Südkorea . Hier sind die Währungen an den                 ren der übrigen Welt außerhalb der Gemeinschaft ) nur
 US-Dollar gebunden , so daß sich wegen der Dollarschwäche            sehr langsam wachsen ( um etwa 1,3% 1986 und 2,4%
 ein erheblicher Wettbewerbsvorteil ergeben hat .                     1987 ). Dies unterstreicht die zunehmende Notwendigkeit
                                                                      eines binnenwirtschaftlich induzierten Wachstums in ganz
 Der bisherige Rückgang des Dollarkurses ist zwar recht               Europa .
 beträchtlich ( gegenüber der ECU in den 18 Monaten bis
 September 1986 33 % und gegenüber dem Yen 40 % ), er
 reicht jedoch allein nicht aus , um die Handelsbilanz der            Die derzeitigen wirtschaftlichen Indikatoren signalisieren für
 Vereinigten Staaten rasch auszugleichen . In der ersten Hälfte       1987 weder ein kräftiges Wachstum noch eine Rezession in
 des Jahres 1986 wirkte der Ölpreisrückgang in den USA dem            der Weltwirtschaft . Selbst für die Fortsetzung des bisher
 Einfluß der Dollarabwertung auf die realen Austauschver­             wenig dynamischen Aufschwungs bestehen allerdings weiter­
 hältnisse ( Terms of Trade ) entgegen . Indessen rechnet die         hin Risiken und die Annahmen der Kommission bezüglich
 Kommission in ihren kurzfristigen Vorausschätzungen nicht           des Welthandels könnten sich als optimistisch erweisen :
mit einem weiteren erheblichen Rückgang der Olpreise in
Dollar , so daß die steigenden Preise für die übrigen Einfuhren          i ) Bisher führte die Abwertung des Dollars noch nicht zu
— mit Ausnahme des Öls — von nun an die realen                               einer Beschleunigung der Inflation in den Vereinigten
Austauschverhältnisse ( Terms of Trade) verschlechtern wer­                  Staaten . Es ist jedoch wahrscheinlich nur eine Frage der
den . Nach einiger Zeit wird dies zu einer allmählichen                      Zeit , bis der Rückgang des Dollarkurses zu einem
Anpassung der Ausfuhr- und Einfuhrmengen in den Verei­                       Anstieg der Einfuhrpreise in den USA und zu einer
nigten Staaten führen . Dennoch kann 1986 und 1987 noch                      Anpassung der in Dollar ausgedrückten Weltrohstoff­
nicht mit einer Verbesserung des Handelsbilanzdefizits                       preise nach oben führt . Das Risiko einer wieder zuneh­
                                                                             menden Inflation darf daher nicht unterschätzt werden .
gerechnet werden , da die Einfuhrausgaben zunächst noch
                                                                             Sollte eine koritraktive Politik der öffentlichen Haushal­
schneller steigen als die Ausfuhrerlöse (J-Kurven-Effekt ).
                                                                             te zum Abbau des Haushaltsdefizits mit einer restrikti­
Überdies wird die Leistungsbilanz immer stärker durch den
Zinsendienst für die kumulativ wachsende Auslandsschuld                      veren Geldpoltik zusammentreffen , die einen übermäßi­
der Vereinigten Staaten belastet . Aufgrund dieser Faktoren                  gen Rückgang des Dollarkurses verhindern oder einer
ist damit zu rechnen , daß das Leistungsbilanzdefizit der                    wiederauflebenden starken Inflation vorbeugen soll , so
                                                                             könnte dies zu einer Rezession führen .
Vereinigten Staaten auch 1986 und 1987 erheblich mehr als
100 Milliarden US-Dollar ausmachen wird . Die Überschüsse
der Gemeinschaft und Japans werden sich 1986 wegen des                 ii ) Die Olpreise könnten rascher wieder ansteigen , als zur
Ölpreiseffekts substantiell vergrößern . Der japanische Über­                Zeit erwartet wird , zumal , wenn die OPEC-Länder in
schuß könnte 1986 über 4 % des BIP betragen und damit das                    der Lage sein sollten , die Produktion einvernehmlich zu
Vierfache des Überschusses der Gemeinschaft ( gemessen in                    drosseln :
Prozent des BIP) ausmachen .                                                 Möglicherweise hat die Festlegung von Förderquoten
                                                                             seitens der OPEC-Länder Mitte 1986 schon eine Ent­
Im Bereich der Anpassungspolitik sollte in den Vereinigten                   wicklung in diese Richtung eingeleitet . Es ist jedoch zu
Staaten durch das Ende 1985 verabschiedete Gramm-Rud­
                                                                             berücksichtigen , daß der Rohölpreis gegenwärtig poten­
man-Hollings-Gesetz zum Abbau des Haushaltsdefizits eine                     tiell nach beiden Richtungen hin stark schwanken
strenge Haushaltsdisziplin mit dem Ziel eines völligen                       kann .
Abbaus des Defizits des US-Bundeshaushalts innerhalb von
fünf Jahren eingeführt werden . Es bleibt jedoch unsicher , ob       iii ) Infolge der internationalen Verschuldung und ungünsti­
dieses Ziel erreicht wird . Gleichwohl wird starker Druck zur
                                                                             gen Aussichten für die Entwicklungsländer ist das
Verringerung des Haushaltsdefizits von 230 Milliarden                        internationale Bankensystem nach wie vor durch die
US-Dollar im Finanzjahr 1986 ausgeübt , was auf mehrere                      nicht auszuschließende Zahlungsunfähigkeit einiger
Jahre hinaus eine restriktivere öffentliche Finanzpolitik in                 bedeutender Schuldnerländer bedroht .
den Vereinigten Staaten implizieren könnte . Die Politik der
öffentlichen Finanzen bleibt in Japan auf dem mittelfristig
angelegten Kurs der Konsolidierung der öffentlichen Haus­           Im letzten Jahr hat sich das weltwirtschaftliche Umfeld
halte . Zwar wurde im Herbst von der Regierung ein                  infolge der gesunkenen Olpreise, des rückläufigen Dollarkur­
Programm zur Stützung der öffentlichen Nachfrage beschlos­          ses und der niedrigeren Zinsen dramatisch geändert. Eine
sen , das etwa 3 000 Milliarden Yen für öffentliche Ausgaben        ähnlich starke Verbesserung der realen Austauschverhältnis­
bereitstellt ; dies entspricht etwa 1 % des nominalen BIP .         se in einer so kurzen Zeitspanne haben die ölverbrauchenden
Trotz dieser Maßnahmen hat es jedoch den Anschein , als ob          Industrieländer in der Nachkriegsgeschichte noch nicht
die Verbesserung der realen Austauschverhältnisse ihre              erlebt. Es spricht viel dafür, daß die interne Nachfrage der
Wirkung auf die Wirtschaft insgesamt und insbesondere auf           Industrieländer groß genug ist, um eine Verlangsamung der
die Verbraucher noch nicht voll entfaltet und noch nicht den        Nachfrage- und Produktionstrends in der Weltwirtschaft zu
erhofften Impuls erbracht hat .                                     vermeiden . Der wirtschaftliche Anpassungsprozeß benötigt
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                            Nr . L 385 / 13
jedoch Zeit, und es besteht die Gefahr, daß es auf dem Weg                      nutzen und um rascher als ohne eine solche Politik die
zu einem gleichgewichtigeren Zustand der 'Weltwirtschaft zu                     wichtigsten Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen zu
 Stockungen kommt. Vor allem die Industrieländer müssen                         korrigieren . Die Verschuldung der Entwicklungsländer ist
 eine aktive, aufeinander abgestimmte Wirtschaftspolitik                        weiterhin beunruhigend und stellt ein Risiko für die Welt­
 betreiben, um die günstigeren Angebotsbedingungen voll zu                      wirtschaft dar.
                                                                     TABELLE 1
                                                  Produktion , Handel und Preise auf Weltebene
                                                                                     1984         1985         1986           1987
              Reales Bruttoinlandsprodukt —
              Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %):
              EUR-12                                                                    2,2          2,4          2,5            2,8
              Sonstige OECD-Länder                                                      5,5          3,4          2,6            2,4
              — USA                                                                     6,5          2,8          2,8            2,3
              — Kanada                                                                  5,0          4,5          3,3            2,8
              — Japan                                                                   5,7          4,5          2,0            2,4
              — übrige OECD                                                             3,3          3,6          2,5            2,4
              OECD insgesamt                                                            4,4          3,0          2,6            2,5
              Welteinfuhrvolumen —
              Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %):
              Einschließlich EUR-Welteinfuhrgewichtung                                  9,3          3,4          3,8            4,4
              Ohne EUR-Welteinfuhrgewichtung                                           10,4          2,2          2,3            3,1
              Ohne EUR-EG-Marktanteilgewichtung                                         7,5          1,9          1,3            2,4
              Weltausfuhrpreise in US-Dollar —                 *
              Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in %):
              Rohstoffe ohne Brennstoffe                                              - 1,5      - 10,5           3,2         - 1,6
              Rohöl — fob                                                             - 4,5        - 3,0      - 47,3        - 12,9
              Fertigwaren                                                             - 2,8        - 1,2         17,3  '         4,0
              Leistungsbilanzsaldo in Milliarden US-Dollar:
              EUR-12                                                                    2,8         14,4        50,5           43,5
              Sonstige OECD-Länder                                                  - 67,5       - 74,4       - 65,8        - 75,5
              — USA                                                                - 101,6      - 117,7      - 139,5      - 140,5
              — Kanada                                                                  1,9        - 1,7        - 5,4          - 6,5
              — Japan                                                                  35,1         49,2         85,0          79,0
              — übrige OECD                                                           - 3,0        - 4,3        - 6,0         - 7,6
              OECD insgesamt                                                        - 64,7       - 60,0       - 15,3        - 32,0
              OPEC-Länder                                                             - 6,0          1,4      - 32,2        - 24,8
              Sonstige Entwicklungsländer (')                                       - 20,0       - 22,2       - 22,3        - 21,2
              Sonstige Länder ( 2 )                                                    25,2          5,0        - 1,4    • - 0,7
              Fehler und Auslassungen                                               - 65,5      .- 75,8       - 71,1        - 78,6
              (') Zu den sonstigen Entwicklungsländern gehören China , Jugoslawien und Südafrika .
              ( 2 ) Zu den sonstigen Ländern gehört nicht der Handel innerhalb des RGW .
              Quelle: Kommissionsdienststellen ( auf der Grundlage der wirtschaftlichen Vorausschätzungen vom Oktober 1986 ).
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 14                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                              31 . 12 . 86
                                                                    TABELLE 2
                 Saldo Ersparnis / Investitionen für die Vereinigten Staaten , Japan und die Gemeinschaft (% des BSP / BIP)
                                                               Herkunft der Mittel                        Verwendung der Mittel
                                                                                        c                 Leistungs­          Defizit
                                                  Private            Private       _    trsparnis-         , ■■    °
                                                                                            r , n    -     bilanz     +         des
                                                 Ersparnis        Investitionen    ~    überschuβ                 > n
                                                                                                          überschuβ           Staates
              USA       1985                       17,2               16,6                   0,6     =      - 2,9     +        3,5
                        1986                       16,4               16,5                 - 0,1     =      - 3,5     +        3,4
                        1987                       15,9               16,6                 - 0,7     =      - 3,3     +        2,6
              Japan     1985                       32,9               28,0                   4,9     =          3,7   +        1,2
                        1986                       34,2               28,9                   5,3     =          4,3   +        1,0
                        1987                       33,5               29,5                   4,0     =          3,5   +        0,5
              EUR-12 1985                          21 ,7              16,1                   5,6     =          0,5   +   '    5,1
                        1986                       22,4               16,5                   5,9     =          1,2   +        4,7
                        1987                       22,6               17,0                   5,0     =          0,9   +        4,1
              NB: Die Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung für die USA , Japan und die Gemeinschaft sind nicht genau
                   vergleichbar .
              Quelle: Kommissionsdienststellen ( auf der Grundlage der wirtschaftlichen Vorausschätzungen vom Oktober 1986 ).
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 15
                                                                   SCHAUBILD 1
                                                                     Der Ölpreis
             Durchschnittlicher Einfuhrpreis für Rohöl für die Gemeinschaft ( EUR-12 ) in US-Dollar, ECU und inflations­
                                                           bereinigt (Index 1973 = 100)
             (') Inflationsbereinigt mit dem Deflator des privaten Verbrauchs .
             Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 16                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                 31 . 12 . 86
                 Wirtschaftliche Auswirkungen des umgekehrten Ölpreisschocks
                Der Ölpreisrückgang ist einer der Hauptfaktoren der konjunkturellen Entwicklung des Jahres 1986 .
                Gestützt auf die — plausible, aber nicht sichere — Hypothese eines durchschnittlichen Ölpreises von
                15 US-Dollar je Barrel im Jahre 1986 dürfte der Rückgang gegenüber 1985 45% ausmachen . Der
                bedeutende Wertverlust des Dollar gegenüber dem ECU hat diese Entwicklung noch verstärkt :
                Ausgedrückt in ECU dürfte der Preis des Barrels Erdöl 1986 um rund 55 % gegenüber dem Vorjahr
                zurückgehen . Das Ausmaß dieses Rückgangs und die wichtige Rolle , die dieser Energiequelle im
                Wirtschaftsprozeß zukommt , deuten auf die beträchtlichen Auswirkungen hin , die der umgekehrte
                Ölpreisschock auf die Entwicklungsaussichten der europäischen Wirtschaften haben wird .
               Diese Auswirkungen werden sich sowohl kurz- wie auch mittel- und langfristig bemerkbar machen
                und nicht nur das Angebot und die Nachfrage , sondern auch die Wirtschaftspolitik beeinflussen . Zwei
               vorläufige Einschränkungen sollten jedoch zum Ausdruck gebracht werden :
               — Es wurde hier von der Annahme eines dauerhaften Rückgangs des Rohölpreises ausgegangen . Es
                     besteht daher ausreichend Zeit dafür , daß seine Auswirkungen sich in voller Höhe entfalten ( im
                     Unterschied zu den Szenarien im Hauptteil des vorliegenden Berichts , in denen der Rohölpreis
                     mittelfristig wieder ansteigt). Infolgedessen wird keinerlei zögerndes Verhalten der Wirtschafts­
                     subjekte in die Analyse eingeführt , während die Unsicherheit über die Dauerhaftigkeit der
                     Ölpreissenkung in der ökonomischen Realität die Gefahr einer verzögerten Reaktion in sich
                     birgt .
               — Zum anderen sind im Jahre 1986 noch weitere wichtige Ereignisse eingetreten ( z . B. die
                     Dollarabwertung), die die reinen Auswirkungen des umgekehrten Ölpreisschocks überlagern .
                     Seine für Europa erwarteten positiven Auswirkungen können sich daher nicht in einer
                     unmittelbaren und proportionalen Verbesserung der wirtschaftlichen Entwicklung niederschla­
                     gen .
                                                                      TABELLE 3
                                Abschätzung der Effekte eines Ölpreisrückgangs von 27 auf 15 US-Dollar/ Barrel
                                                           BSP           Auswirkungen auf                                   Leistungs­
                                                                       die Verbraucherpreise      Beschäftigung             bilanzsaldo
                                                        ( in % )                                       ( in % )
                                                                                ( in % )                                ( in % des BSP )
                                                   1986          1987     1986           1987    1986           1987   1986          1987
              Schätzungen der
              Kommissionsdienststellen ( ] )
              Deutschland                           1,4           1,7     - 1,7         - 2,4    0,9             1,2
                                                                                                                      I                0,3
                                                                                                                           1,4
              Frankreich                            0,9           1,9     — 1 ,4        - 2,2    0,9             1,2       1,5         0,9
               Italien                              0,3       ' 2,1       - 1,2         - 2,9    0,2            0,7        1,5         0,5
              Vereinigtes Königreich                0,3          0,9      - 0,3            0,2   0              0 '    - 1,4         - 0,7
              EUR-10                                0,9          1,4      - 1,4         - 2,2    0,5            0,9        1,0         0,5
              Schätzungen gemäß
              Hermes-Modell ( 2 )
                                                                                                       \
                                                                                                                      II
              Frankreich                            1,1          1,9     - 3,5          - 4,4    0,3              0,5
                                                                                                                                  I
              Quellen:
              (') Diese Schätzungen sind von den Kommissionsdienststellen erstellt worden und ergeben sich nicht unmittelbar aus
                    ökonometrischen Modellen . Die Schätzung für die Gemeinschaft ( EUR-10 ) stützt sich auf Berechnungen für die einzelnen
                    Länder .
              ( 2 ) Das Modell Hermes ( Harmonised European Research for Macrosectorial and Energy Systems) stützt sich auf die Annahme ,
                    daß 30% der Gewinnerhöhung in die Modernisierung der Industrie investiert werden .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 17
             Kurzfristig sind zwei direkte Effekte zu beobachten: Einmal kommt es zu einem Einkommenstransfer
             von den ölerzeugenden Ländern zu den Nettoeinfuhrländern und zum anderen zu einer Senkung der
             Produktionskosten bei den Ölverbrauchern . Unter der Annahme eines Ölpreises von 15 US-Dollar je
             Barrel werden diese Einkommensübertragungen beträchtlich sein und in der Europäischen Gemein­
             schaft 1,8% des BIP ausmachen , wobei je nach dem Grad der Abhängigkeit von Öleinfuhren sehr
             deutliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten zu verzeichnen sein werden (zwischen 4,1 % für
             Portugal und - 0,8% für das Vereinigte Königreich ). Isoliert betrachtet ( l ) würde dies zu einem
             schnelleren Wachstum des realen BIP führen , das nach zwei Jahren etwa 1,5 % größer wäre als ohne
             den Ölpreisrückgang. Diese positiven Effekte werden jedoch durch den wahrscheinlich scharfen
             Rückgang der Einfuhren der Ölerzeugerländer abgeschwächt, doch dürfte feststehen, daß der
             Nettoeffekt für die Länder der Gemeinschaft positiv bleibt. Ferner dürfte der Ölpreisrückgang eine
             Verringerung der öffentlichen Defizite ermöglichen (Einsparungen von Energieausgaben in der
             Größenordnung von 0,1 bis 0,5 Prozentpunkten des BIP, reale Erhöhung der Bemessungsgrundlagen
             für Steuern und für steuerähnliche Abgaben ).
             Die durch den umgekehrten Ölpreisschock ausgelösten Verbesserungen der realen Austauschverhält­
             nisse (Terms of Trade) werden auch zu einem sehr deutlichen Rückgang der Inflationsrate in den
             Gemeinschaftsländern beitragen ( außer wahrscheinlich im Vereinigten Königreich wegen der
             Abwertung des Pfund Sterling). Die Größenordnung dieses Rückgangs dürfte nach zwei Jahren bei
             etwa 2% liegen . Die Folge davon ist eine schon jetzt bedeutende Senkung der langfristigen
             Nominalzinsen ( - 2 Punkte zwischen Juli 1985 und Juli 1986 in der Gemeinschaft); paradoxerweise
             scheint die rückläufige Entwicklung der kurzfristigen Zinsen zögernder zu verlaufen , da sie eng an die
             Wechselkursbewegungen gebunden ist . Dieser Zinsrückgang spielt eine wichtige Rolle , weil er, selbst
             kurzfristig, die Zahlungsfähigkeit verschuldeter Wirtschaftssubjekte verbessert, insoweit sie zu
             variablen Zinssätzen verschuldet sind . Der Inflationsabbau dürfte schließlich die Aufgabe der
             Währungsbehörden erleichtern .
             Das Anhalten der vorstehend beschriebenen Effekte hängt langfristig entscheidend davon ab , ob der
             Ölpreis auf einem niedrigen Niveau bleibt; entscheidend sind aber auch die diesbezüglichen
             Erwartungen der Wirtschaftssubjekte . Selbst wenn sich der Ölpreis einige Zeit lang auf einem Niveau
             von ungefähr 15 US-Dollar je Barrel halten sollte , könnte er dann doch unter dem gemeinsamen Druck
             einer steigenden Weltölnachfrage und einem verringerten Angebot wieder steigen. Folglich sind die
             langfristigen Effekte unsicher. Die Angebotseffekte, die sich naturgemäß erst mittel- oder langfristig
             voll entfalten , dürften sich hauptsächlich aus einer Erhöhung der rentablen Produktionskapazität
             ergeben . Wegen der Verbesserung ihrer erwarteten Rentabilität könnten einige Investitionspläne
             verwirklicht werden , die ohne den umgekehrten Ölpreisschock infolge der unzureichenden Gewinn­
             spannen nicht realisiert worden wären . Dieser Effekt könnte in den ersten Jahren durch einen
             Aufschub von Abgängen der ältesten Ausrüstungsgüter verstärkt werden, deren wirtschaftliche
             Rentabilität durch den Ölpreisrückgang erhalten bleibt . Die reinen Angebotseffekte sind zwar schwer
             zu schätzen , doch könnten sie langfristig in der Gemeinschaft insgesamt eine Erhöhung der
             Produktionskapazität um 2 bis 5 % ermöglichen .
             Der umgekehrte Ölpreisschock hat bedeutende Auswirkungen auf die Wirtschaftspolitik. So könnte
             er je nach Land in mehr oder weniger naher Zukunft die verschiedenen Sachzwänge lockern, die
             derzeit die Geld- und Kreditpolitik sowie die Haushaltspolitik belasten : weniger Inflation , Rückgang
             der öffentlichen Defizite und Verbesserung der Leistungsbilanz in den meisten Ländern der
             Gemeinschaft . Die indirekten Auswirkungen , die sich aus dem Wiederentstehen von wirtschafts­
             politischen Aktionsspielräumen ergeben , gewinnen somit an Bedeutung. Dies kann die Durchführung
             der kooperativen Wachstumsstrategie für mehr Beschäftigung nur erleichtern .
              (') Dieser Effekt ist unter der Annahme sonst unveränderter Bedingungen , insbesondere unveränderter
                  Wirtschaftspolitik , berechnet und wird folglich zu den Effekten anderer Veränderungen in den Rahmenbe­
                  dingungen (Gramm-Rudman-Hollings-Gesetz, Dollar-Schwäche usw .) hinzukommen .
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 18                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
  2.2 . Wirtschaftliche Aussichten in der Gemeinschaft              entwickelt sich damit zur Haupttriebfeder des konjunkturel­
                                                                    len Aufschwungs . Mit Abstand die stärkste Zuwachsrate des
                                                                    privaten Konsums ( knapp 5 % ) wird in der Bundesrepublik
  Die erwähnten fundamentalen Änderungen im wirtschaftli­           Deutschland erreicht werden .
  chen Umfeld — Halbierung der Ölrechnung, Korrektur des
  Dollarkurses , Rückgang der Zinsen und Inflationsraten —
  haben in Europa die mittelfristigen Wachstumsaussichten           Neben dem privaten Verbrauch bleiben die Investitionen
 verbessert . Zu Beginn des Jahres 1986 kam es allerdings zu        weiterhin ein Stützpfeiler der konjunkturellen Erholung ,
  Stockungen im bisher ohnehin nicht dynamischen Auf­               auch wenn die Zuwachsraten nicht an jene heranreichen , die
  schwung, da die vom Verlust der bisherigen Öleinnahmen            für frühere Aufschwungperioden typisch waren . Dies liegt
  betroffenen Exportkunden rascher mit Nachfragekürzungen           hauptsächlich an den weniger expansiven Bauinvestitionen ;
 reagiert haben als die Ölverbrauchsländer ihre interne Nach­       1986 werden sie aber zumindest einen Zuwachs um' etwa
 frage ausgeweitet haben : Vor allem die OPEC- und Come­            2,3 % aufweisen , nachdem sie 1985 rückläufig waren ( real
 con-Länder , die 1985 zusammen über ein Drittel der gesam­          - 2,6 % ). Der Trend der Ausrüstungsinvestitionen ist dem­
 ten Ausfuhren der Gemeinschaft in Drittländer auf sich             gegenüber weiterhin deutlich nach oben gerichtet ( reale
 vereinigten , könnten ihre Einfuhren 1986 sogar deutlich ( um      Zunahme um rd . 6 % ). Dies wurde durch die jüngsten
 real 25 % für die OPEC-Zone und 11 % für die Come­                 Investitionsumfragen in der europäischen Industrie erneut
 con-Länder) reduzieren . Die meisten nicht ölexportierenden        bestätigt . In nahezu allen Mitgliedsländern haben die Indu­
 Entwicklungsländer konnten angesichts der Schuldenproble­          striefirmen nach dieser Erhebung ihre ohnehin schon expan­
 me , der insgesamt weiterhin niedrigen Rohstoffpreise und         siven Investitionspläne für 1986 vom Herbst letzten Jahres
 der damit verbundenen Devisenknappheit ihre Einfuhren nur         nach oben revidiert ( real von + 7% auf + 10% ). Die
 leicht steigern . Die OECD-Länder außerhalb der Gemein­           Investitionen in der Industrie werden damit auch 1986
 schaft erhöhten zwar ihre Importe ; insgesamt werden die          deutlich stärker zunehmen als in der Gesamtwirtschaft . Die
 Exportmärkte der Gemeinschaft 1986 aber nur geringfügig           Investitionsbelebung in 1985 und 1986 hat bisher aber nur
 wachsen . Da sich außerdem die preisliche Wettbewerbs­            bewirkt , daß der Beschäftigtenabbau in der europäischen
 fähigkeit der Gemeinschaft verschlechtert hat , wird das          Industrie gestoppt wurde . Dies unterstreicht , wie wichtig
 Exportvolumen der Gemeinschaft 1986 sogar leicht zurück­          auch in den nächsten Jahren ein deutlich nach oben gerich­
 gehen . Nur infolge des deutlich beschleunigten Warenaus­         teter Investitionstrend ist , um die infolge der Investitions­
 tausches innerhalb der Gemeinschaft dürften die Exporte der       schwäche in der zweiten Hälfte der siebziger und zu Anfang
 Mitgliedsländer 1986 noch um real 2,2 % zunehmen , d . h .        der achtziger Jahre verlorengegangenen Arbeitsplätze zu
 weniger als halb so stark wie 1985 ( real 5,7 % ).                ersetzen ( vgl . Schaubild 10 ).
 Die Importe der Mitgliedsländer aus Drittländern werden           Der Staatsverbrauch nimmt wie schon in den vorangegange­
 demgegenüber in diesem Jahr wesentlich kräftiger steigen .        nen Jahren stark unterdurchschnittlich zu ( 1,7 % ). Insge­
 Vom Außenhandel geht daher 1986 ein erheblicher negativer         samt wird die Inlandsnachfrage in der Gemeinschaft 1986
 Beitrag zum realen Wachstum der Gemeinschaft aus . Ohne           deutlich expandieren ( real + 3,8 % nach 2,2 % in 1985 ).
 den negativen Effekt wäre das Wachstum in der Gemein­
 schaft um über einen Prozentpunkt höher . Dieser negative         Anders als beim Wachstum des realen Bruttoinlandspro­
 Impuls vom realen Außenbeitrag ist andererseits eine              dukts hat sich die Verbesserung der realen Austauschverhält­
 beträchtliche Hilfe der Gemeinschaft , die regionalen             nisse ( Terms of Trade ) nahezu ohne Verzögerung auf die
 Ungleichgewichte im Welthandel zu mindern . Trotz der             Entwicklung der Verbraucherpreise ausgewirkt , wenn auch
erheblichen realen Verschiebungen in den Außenhandels­            die Kosteneinsparungen nicht voll in den Endverkaufspreisen
 strömen wird aber die Leistungsbilanz der Gemeinschaft           weitergegeben wurden . Trotzdem kam der europäische
 1986 — infolge der starken Verbesserung der realen Aus­          Konsument im Durchschnitt stärker in den Genuß der
tauschverhältnisse ( Terms of Trade) — mit einem deutlich         Verbesserung der realen Austauschverhältnisse ( Terms of
höheren nominalen Überschuß abschließen als 1985 ( schät­         Trade ) als der Konsument in Japan , wo ein relativ größerer
zungsweise 1,2 % des Bruttoinlandsprodukts zu laufenden           Teil dieses externen Gewinns im Unternehmenssektor ver­
Preisen nach 0,5 % im Vorjahr).                                   blieb . Wie die Verbraucherumfragen der Gemeinschaft
                                                                  gezeigt haben , wirkte sich die Preisberuhigung in einer
Die Exportschwäche wurde in der ersten Jahreshälfte 1986          deutlichen Zunahme der Kaufkraft in Europa aus . Der
nur teilweise durch eine lebhaftere Inlandsnachfrage ausge­       durchschnittliche Anstieg der Verbraucherpeise in 1986 ( rd .
glichen . Die Erwartung weiter sinkender Preise hatte in den      3 ,7 % ) wird in der Gemeinschaft der niedrigste seit 20 Jahren
                                                                  sein .
ersten Monaten des Jahres zu einer vorübergehenden
Zurückhaltung bei den Käufern geführt . Im Unternehmens­
bereich zeigte sich dies in einem teilweisen Abbau der            Trotz der erheblichen Verbesserung der Reallöhne je
Lagerbestände an Vor- und Zwischenprodukten . Die Kon­            Erwerbstätigen ( 2,3 % , preisbereinigt mit dem Deflator des
sumenten nutzten den unerwartet starken Anstieg der realen        Verbrauchs ) werden die realen Arbeitskosten pro Kopf
Einkommen zunächst zu einer Aufstockung ihrer Ersparnis­          ( preisbereinigt mit dem Deflator des BIP) in der Gemein­
se . Ab dem zweiten Quartal ist jedoch eine deutliche             schaft 1986 nicht steigen . Diese günstige Konstellation , die in
Belebung der Endnachfrage festzustellen . Hierauf deutet          den nächsten Jahren nicht wiederholbar ist , ist der deutlichen
auch das spürbar verbesserte Konsumklima hin , ein Frühin­        Verbesserung der realen Austauschverhältnisse ( Terms of
dikator , der auf den regelmäßigen Konjunkturumfragen in          Trade ) und der damit verbundenen Kostenentlastung in den
der Gemeinschaft basiert . Der private Verbrauch wird 1986        Unternehmen , bei gleichzeitigem positiven Effekt auf die
in der Gemeinschaft um real etwa 3,7 % wachsen und                Kaufkraft der Konsumenten , zu verdanken .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr . L 385 / 19
Der — wenn auch bisher wenig dynamische — Konjunk­                  Die Gefahr inflationärer Spannungen zeichnet sich auch für
turaufschwung hat auch am Arbeitsmarkt gewisse Wirkung              1987 bisher nicht ab . Im Durchschnitt aller Mitgliedsländer
gezeigt . Die Beschäftigtenzahl wird 1986 in der Gemein­            ist 1987 eine weitere Verlangsamung des Anstiegs der
schaft um 0,8 % steigen und damit wesentlich stärker als im         Verbraucherpreise zu erwarten ( 3,0 % nach 3,7 % in 1986 ),
Durchschnitt der sechziger und siebziger Jahre ( vgl . Tabelle      hauptsächlich wegen der Fortschritte in der Inflationsbe­
4 ). Die Schwelle , ab der — gesamtwirtschaftlich gesehen —         kämpfung in Mitgliedsländern mit bisher noch hohen Preis­
Produktionssteigerungen beschäftigungswirksam werden ,              steigerungsraten ( Griechenland , Spanien , Portugal und Ita­
scheint damit erneut kleiner geworden zu sein . Allerdings ist      lien ). In den übrigen Mitgliedsländern stabilisiert sich die
der Beschäftigungsanstieg auch auf spezifische arbeitsmarkt­        Inflationsrate voraussichtlich auf dem relativ niedrigen
politische Maßnahmen in den Mitgliedsländern und eine               Niveau des Jahres 1986 oder nimmt nur geringfügig zu .
Ausweitung der Teilzeitarbeit zurückzuführen . Überdurch­
schnittlich stark wird 1986 die Beschäftigung in Dänemark           Auch 1987 wird der wesentliche Wachstumsbeitrag von der
( 1,9 % ), in Spanien ( 1,8 % ), in der Bundesrepublik Deutsch­     inländischen Nachfrage kommen ; sie dürfte etwas geringer
land und den Niederlanden ( jeweils 1,1 % ) zunehmen . Trotz        als in 1986 zunehmen ( + 3,5 % ). Hauptträger des Wachs­
der deutlich gestiegenen Beschäftigungszahlen wird die              tums bleiben 1987 der private Verbrauch ( real + 3,5 % )
Arbeitslosenquote in der Gemeinschaft 1986 nur geringfü­            und die Anlageinvestitionen (real + 5,1 % ); die Ausrü­
gig abnehmen (von 12 % in 1985 auf 11,9 % 1986 für                  stungsinvestitionen ( real + 6,9 % ) bleiben dabei weiterhin
EUR-12 ), da die Zahl der Erwerbspersonen in der Gemein­            wesentlich dynamischer als die Bauinvestitionen (real
schaft noch weiter steigt ( 1986 um rd . 0,8 %)..In letzter Zeit     + 3,2% ). Der öffentliche Verbrauch wird weiterhin nur
ist dies weniger demographisch bedingt , als vielmehr eine          schwach zunehmen ( 1,3 % ). Auch vom Export können 1987
Folge der steigenden Erwerbsbeteiligung ( vor allem der             kaum Impulse für Europas Wirtschaft erwartet werden .
Frauen ).                                                           Nach annähernder Stagnation im Jahre 1986 dürften die
                                                                    Exportmärkte der Gemeinschaft im nächsten Jahr dank eines
                                                                    wieder lebhafteren Welthandels etwas mehr zunehmen ,
 Ungeachtet der leichten Besserung am Arbeitsmarkt insge­
 samt weisen die Arbeitslosen in einigen Bereichen besondere        allerdings nur um. real etwa 2,4 % . Die Exporte der Mit­
Probleme auf. Zu nennen ist hier vor allem der weiter               gliedsländer (innerhalb und außerhalb der Gemeinschaft)
                                                                    könnten um 3,5 bis 4 % zunehmen . Da aber die Importe in
 steigende Anteil der Langzeitarbeitslosen in der Gemein­
 schaft : Zur Zeit sind etwa 40 % der Arbeitslosen länger als       die Gemeinschaft weiterhin kräftiger wachsen werden ( um
                                                                    rund 6,5 % real ), verbleibt trotzdem ein negativer Beitrag
ein Jahr ohne Beschäftigung; 1983 lag dieser Anteil noch bei        des Außenhandels zum realen Wachstum der Gemeinschaft
 36 % . Obwohl es schwierig ist , direkte Vergleiche zwischen
                                                                    ( voraussichtlich - 0,8 % nach - 1,2 % in 1986 ). Auch im
 den Mitgliedstaaten anzustellen , scheinen in dieser Bezie­
 hung doch erhebliche Unterschiede zu bestehen . Während in         nächsten Jahr wird damit die Gemeinschaft ihren Beitrag
 Dänemark beispielsweise der Anteil der Langzeitarbeitslosen
                                                                    leisten , das Ungleichgewicht in den internationalen Handels­
 an den Arbeitslosen insgesamt nur 6 % beträgt , liegt er in         strömen zu verringern . Trotz dieser ungünstigen Entwick­
 Belgien , den Niederlanden und Spanien bei über 50 % und in
                                                                    lung im Außenhandelsvolumen der Gemeinschaft wird der
 Deutschland , Frankreich , Irland , Italien und dem Vereinig­       Leistungsbilanzüberschuß weiterhin deutlich positiv bleiben
                                                                     ( 1987 : 0,9 % des BIP oder 42 Milliarden US-Dollar im
 ten Königreich zwischen 30 und 40 % . Die Anzahl jugend­
 licher Arbeitsloser insgesamt ging leicht zurück (von 4,6           Vergleich zu 1,2 % des BIP oder 52 Milliarden US-Dollar
                                                                     1986 ).
 Millionen 1985 auf 4,5 Millionen 1986 , d . h . etwa 35 %
 aller Arbeitslosen — EUR-9 ). Dies spiegelt demographische          Bei unveränderter Wirtschaftspolitik wird das Wachstum in
 Veränderungen und verstärkte Anstrengungen der Mitglied­            der Gemeinschaft 1987 knapp unter der 3-%-Marke bleiben .
 staaten zur Verbesserung von Bildung und Ausbildung                 Die Bandbreite der geschätzten Wachstumsraten reicht von
 wider . Die Arbeitslosenquote unter den Jugendlichen im             3,6 % in Italien bis - 0,2 % in Griechenland . Obwohl die
 Alter zwischen 15 und 25 Jahren ist auf Gemeinschaftsebene          Zahl der Beschäftigten wie schon 1986 zunehmen wird (in
 aber immer noch beunruhigend hoch ( rd . 20 % ).                    beiden Jahren um jeweils 0,8 % ), bleibt die Arbeitslosigkeit
                                                                     nach wie vor unerträglich hoch ; die Arbeitslosenquote wird
 Wirtschaftliche Aussichten für 1987. Der konjunkturelle             in der Zwölfergemeinschaft voraussichtlich nur von 1 1 ,9 %
 Aufschwung in der Gemeinschaft geht bereits in sein fünftes         auf 11,7 % in 1987 zurückgehen .
 Jahr . Nach dem üblichen zyklischen Muster wäre damit die
 Spätphase im Erholungsprozeß erreicht und der obere kon­            Die wirtschaftliche Erholung in der Gemeinschaft hält weiter
 junkturelle Wendepunkt nicht mehr fern . Eine solche Schluß­        an. Einenguten Teil trägt dazu die Einkommensübertragung
 folgerung erscheint für die aktuelle Situation jedoch unbe­         aufgrund der erheblich gesunkenen Einfuhrpreise bei. Die
 gründet , da sich diesmal der konjunkturelle Aufschwung             Inlandsnachfrage, besonders der private Verbrauch und die
 deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet . Anders als           privaten Investitionen, bilden die stärksten Wachstumsfak­
 etwa 1972 / 73 und 1979 / 80 war die steigende Kapazitäts­          toren, während die Exportmärkte der Gemeinschaft insge­
 auslastung bisher nicht mit zunehmendem Preisdruck ver­             samt schwach sind. Der Rückgang der Preissteigerungen und
 bunden , sondern im Gegenteil mit deutlich abnehmenden              der Zinsen verbessert die mittelfristigen Wachstumsperspek­
 Inflationsraten . Auch kam es bisher nicht zu den sonst in          tiven. Beim Abbau der hohen Arbeitslosigkeit in der Gemein­
 einer konjunkturellen Spätphase stark steigenden Lohn­              schaft sind ebenfalls erste Erfolge sichtbar geworden, die
 stückkosten , da anders als früher kein Arbeitskräftemangel         aber noch erheblich hinter dem Notwendigen und Möglichen
 vorliegt .                                                          zurückbleiben .
 ---pagebreak---     Nr . L 385 / 20                                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                 31 . 12 . 86
                                                                             TABELLE 4
                                                              J
                                                      EUR-12 : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 —1987
                                                                                                                                   (Jährliche Veränderung in %)
                                                            1961 —    1974—
                                                                                 1981       1982         1983       1984        1985       1986 (')    1987 ( 2 )
                                                            1973      1980
                             r nominal                       10,2      14,6      10,8       11,2          9,6         8,8        8,5          8,8         6.4
   Bruttoinlands-          J „ rea]                           4,8        2,2    - 0,1         0,5         1,2         2,0        2,4          2,5         2,8
  produkt                  1
                                Deflator                       5,1     12,1      10,9       10,6          8,3         6,6        6,0          6,2         3.5
  Deflator des privaten Verbrauchs                            4,6      12,1      12,1       10,4          8,4         7,0        5,8 •        3,7         3,0
                            r privat ( 13 )                   5,6        1,2    - 1,7      - 2,2       - 1,7       ' 3,5         1,7          5,2         5.0
  Bruttoanlage-             1 öffentliche (")                 3,2     - 0,6     - 6,8        5,3          0,7      - 1,0         0,5          1,2         2,0
  investitionen             |
                                insgesamt                     5,6        0,5    - 4,1      - 1,5       - 0,4          1,3        2,4          4,2         5.1
        davon :                 Bauten                   \\                             \                                      - 2,6          2,3         3,2
                                Ausrüstungen             ll                             l                                        8,0          6,1         6,9
  Inlandsnachfrage zu konstanten Preisen
       Nationaler Indikator                                   5,0       2,1     - 1,8        0,8          0,8         1,4        2,2          3,8        3,5
       Abstand zu den anderen
       OECD-Partnerländern                                 - 0,6      - 0,2     - 4,1        1,0       - 1,9       - 4,2      - 1,1          0,4         0,9
                            r nominal                        10,0      14,9      12,8      10,9           9,9        7,6         6,8         6,0         4,8
  Pro-Kopf-Löhne J real A (3)                                 4,7       2,5       1,7        0,3          1,5        0,9         0,8       - 0,1         1,3
                            L ß (3)                           5,2       2,5       0,6        0,4          1,4        0,6         1,0         2,3         1,8
 Produktivität ( 4 )                                          4,5       2,2       1,1        1,5          2,1        2,1        2,0          1,8         2,0
 Reale Lohnstückkosten ( s )                               100     - 104,5     104,3      103,0       102,4       101,1        99,9         98,1        97,4
.Rentabilität ( 5 ) ( 6 )                                  100        67,4      60,0       60,4         62,3       64,7        68,2         75,5        79,0
 Wettbewerbsfähigkeit ( 5 ) ( 7 )                          100       108,8     105,5       98,9         93,2       86,7        85,6         95,1        95,9
 Beschäftigung                                                0,3       0,0    - 1,2      - 0,9        - 0,8      - 0,2         0,4          0,8         0,8
  Registrierte Arbeitslose in % der
 zivilen Erwerbspersonen ( 8 ) ( 9 )                          2,2       4,7       7,8        9,3        10,3       10,8        11,1         11,0        10,8
 Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                       II                    - 0,7      - 0,8          0,0         0,1        0,5          1,2         0,9
 Langfristiger Zinssatz ( 10 )                                7,1     10,5      15,1       14,3         12,7       12,0        10,8          9,0     l
 Geldmenge ( n )                                         I            13,5      10,6       11,6         10,6         8,7        9,4          8,4         6,5
 Finanzierungssaldo des Staates
 in % des BIP ( 12 )                                       - 0,6     - 3,8     - 5,4 '    - 5,6        - 5,5      - 5,4       - 5,1        - 4,7       - 4,1
 Öffentliche Schuld in % des BIP                         II                     45,0       49,8        53,5        56,0        58,9         60,3        61,8
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
 in % des BIP
                                                         I              2,9       4,1       4,6          4,9         4,9        5,1          5,1         5,0
  ( ! ) Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
  ( 2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
  ( 3 ) A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
  ( 4 ) Reale Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
  ( 5 ) Index Durchschnitt 1961 — 1973 = 100 .
  ( 6 ) EUR-4 : D + F + I + UK ; alle Sektoren , ohne Landwirtschaft .
  ( 7) Realer effektiver Wechselkurs (gegenüber den anderen neun Industrieländern), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten.
  ( 8 ) Eurostat-Definition .
  (9)   Ohne Griechenland , Spanien und Portugal .
( 10 )  Ohne Spanien und Portugal .
(")     Jahresende — Geldmenge in der weiteren Definition M2 oder M3 je nach Land .
C 2)    Ohne Griechenland , Spanien , Irland und Portugal .
(u)     Schätzungen für EUR-10 .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     Nr . L 385 / 21
                                                                    TABELLE 5
                                                Wareneinfuhr der wichtigsten Wirtschaftsräume
                                                                                                     (reale Veränderung in %)
                                                                  1982         1983    1984    1985     1986 (')    1987 (■)
              EUR-12 ( inkl . intra-EUR )                           2,7           2,0    7,1     5,5        6,3        6,4
              USA                                                 - 2,3          12,7   23,6     4,7       10,9        6,3
             Japan                                                  0,5        - 2,8    11,0   - 1,9        8,5        6,4
              OPEC                                                  5,1     - 10,1     - 7,4  - 11,3    - 25,0      - 12,5
              Sonstige Entwicklungsländer                         - 8,2        - 1,2     5,5     3,3        1,8        3,0
              Welt                                                - 0,8         . 1,7    8,9     3,4        3,8        4,4
              (') Vorausschätzung der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
              Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
                                                                   TABELLE 6
                                               Entwicklung der Nachfragekomponenten , EUR-12
                                                                                                     (reale Veränderung in %)
                                                                              1983     1984    1985     1986 (>)    1987 (')
             Privater Verbrauch                                                  1,0    0,9     2,2        3,7        3,5
             Staatsverbrauch                                                     1,7    1,0     1,7        1,7        1,3
             Anlageinvestitionen                                            - 0,3       1,3     2*4        4,2        5,1
             Beitrag zur Veränderung des BIP durch :                      III
             Inländische Endnachfrage ( 2 ) ( 3 )                                0,9    1,0     2,1        3,4        3,4
             Vorratsveränderung ( 2 )                                            0,5  - 0,2     0,0        0,4        0,2
             Außenbeitrag ( 2 )                                             - 0,3       0,1     0,2     - 1,2       - 0,8
             BIP                                                                 1,2    2,0     2,4        2,5        2,8
             Ausfuhr ( Waren und Dienstleistungen )                              3,1    7,6     5,7        2,2        3,7
             Einfuhr ( Waren und Dienstleistungen                                1,5    5,6     5,3        6,3        6,2
             (') Vorausschätzung der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
             ( 2 ) Veränderung in % des BIP des Vorjahrs .
             ( 3 ) Ohne Lagerbestandsveränderungen .
             Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 22                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                       31 . 12 . 86
                                                                        TABELLE 7
                                   Vorausschätzung des Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts 1986 und 1987
                                                                                                                                        (in %)
                                                                          1986 (•)                                 1987 ( l ).
                                                                                          BIP                                         BIP
                                                           nominales       reales                   nominales       reales
                                                                                                                                     Preis­
                                                              BIP            BIP                       BIP           BIP
                                                                                       Deflator                                    Deflator
               Belgien                                         6,7            2,0          4,6          3,1           1,3              1,8
               Dänemark                                        7,8            2,9          4,8          5,5           1,8              3,7
               Deutschland                                     7,1            3,1          3,9          4,6           3,2              1,4
               Griechenland                                   23,2          . 0,5        22,6 ■        12,1         - 0,2             12,3
               Spanien                                        15,1            2,9        11,8           9,3           3,0              6,1
               Frankreich                                      6,9            2,2          4,6          5,3           2,5       '      2,7
               Irland                                          7,6            1,8          5,6          6,8           3,i              3,6
               Italien                                        12,7            2,8          9,7          9,1           3,6              5,3
               Luxemburg                                       8,0            2,4          5,4          5,3           2,6              2,6
               Niederlande                                     2,0            1,6          0,4          0,1           1,8            - 1,7
               Portugal                                       23,8            3,8        19,2          14,4        - 3,5              10,5
               Vereinigtes Königreich                          6,3            2,3          3,9          7,0           2,7              4,2
               EUR-12                                          8,8            2,5 "        6,2          6,4 -         2,8              3,5
               (') Vorausschätzung der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
                                                                        TABELLE 8
                                                   Indikatoren für die Entwicklung am Arbeitsmarkt
                                    Arbeitslose in Prozent der zivilen Erwerbsbevölkerung         Jährliche Veränderung der Gesamtbeschäftigtenzahl
                                    1960       1970     1983      1985      1986    1987      1961—1970     1971—1980          1981—1985       1986     1987
Belgien                              3,1       2,1      14,3      13,7      12,9    13,4           0,6            0,3             - 0,8          0,3    - 0,6
Dänemark                             1,6        1,1     10,1        8,8       7,6     7,7          1,1          ' 0,7               0,9          1,9      0,3
Deutschland                          1,0        0,6       8,4       8,4       8,1     7,7          0,2         - 0,1              - 0,6          1,1      1,0
Griechenland                      lI                      7,8       7,8       7,6     8,3        - 0,7            0,6               1,0          0,5      0,0
Spanien                           l                     17,8      22,1     21,7     21,5           0,7         - 2,1              - 2,2          1,8       1,2
Frankreich                           0,7        1,3       8,8     10,3      10,5    10,7           0,6            0,4             - 0,5          0,1      0,3
Irland                               4,7        5,3     14,9      18,0      18,4    18,0         - 0,0            0,9             - 0,9        - 1,1      0,7
Italien                              7,2        4,4     10,9      12,9      13,4     12,8        - 0,5            0,5               0,5          0,5       1,3
Luxemburg                            0,1        0,0       1,6       1,6       1,3     1,2          0,6            1,3               0,1          0,8       0,7
Niederlande                          0,7        1,3     14,3      13,1      12,0     11,1          1,2            0,2             - 0,9          1,1      0,9
Portugal                          \                     10,2        8,7       8,6     8,5        - 0,5         - 0,3              - 0,7          0,3       0,3
Vereinigtes Königreich               1,6        2,5     11,6      12,0       12,0    12,0          0,2            0,2             - 0,8          0,8       0,8
EUR-12                            I                     11,0      12,0       11,9    11,7          0,2            0,2             - 0,6          0,8       0,8
EUR-9 (*)                            2,5        2,0     10,3      11,1       11,0    10,8
USA                                  5,5        4,9       9,6       7,2 .     6,9     6,9          1,9            2,0               1,6          2,2       1,7
Japan                                1,7        1,1       2,7       2,6       2,8     2,9          1,4            0,8               1,0
(') Ohne Griechenland , Spanien und Portugal .
Anmerkung: Die hier wiedergegebenen Arbeitslosenquoten basieren auf der Zahl der registrierten Arbeitslosen nach einheitlicher Eurostat-Definition .
             Ausnahmen : für Griechenland , Spanien und Portugal werden die Ergebnisse nationaler Umfragen dargestellt .
Quellen: Eurostat und Kommissionsdienststellen (Oktober 1986 ).
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 23
                                                 SCHAUBILDER 2 bis 5
             Vergleichende Entwicklung der Völkswirtschaften der Gemeinschaft, der USA und Japans , 1982—1986
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 24                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               31 . 12 . 86
                                                    SCHAUBILDER 6 bis 9
                Vergleichende Entwicklung der Volkswirtschaften der Gemeinschaft, der USA und Japans, 1983— 1986
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   Nr . L 385 / 25
                                                                SCHAUBILD 10
              Trend der industriellen Investitionen in der Gemeinschaft (Daten der EG-Investitionsumfrage) zusammen mit
                                            anderen makroökonomischen Indikatoren ; 1975 = 100
              1985 und 1986 : Schätzungen der Kommissionsdienststellen mit Ausnahme der Bruttoanlageinvestitionen in der Industrie , die auf
              Ergebnissen der EG-Investitionsumfragen beruhen .
              Quellen: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
2.3 . Nominale und reale Konvergenz in der Gemeinschaft                       verschiedenen Regionen und den Rückstand der am wenig­
                                                                              sten begünstigten Gebiete zu verringern" in Artikel 130 . Sie
Die wichtigsten politischen Ereignisse für die Gemeinschaft                   kennzeichnet dieses Ziel eindeutig als ein Ziel der Koordina­
im vergangenen Jahr — Einigung über das Binnenmarkt­                          tion der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten und der
programm , Einheitliche Europäische Akte und Beitritt Spa­                    Maßnahmen der Gemeinschaft im Rahmen ihrer Struktur­
niens und Portugals — messen alle der wirtschaftlichen                        fonds und Finanzierungsinstrumente (Artikel 130 b ).
Konvergenz eine erhöhte Bedeutung bei ..
                                                                              Nominale und reale Konvergenz können nicht unabhängig
Der Begriff der Konvergenz umfaßt im wesentlichen zwei                        voneinander gesehen werden . Das Erreichen nominaler
Ziele . Das erste betrifft die Konvergenz in Richtung auf                     Konvergenz bildet eine Hauptbedingung für die Bemühun­
Preisniveaustabilität , es schließt aber auch eine bessere                    gen um ein stetiges und dynamisches Wirtschaftswachstum .
Kontrolle der monetären Entwicklungen , der Nominalein­                       Ein derartiges Wachstum erleichtert es den relativ ärmeren
kommen und der wichtigsten wirtschaftlichen Gleichgewich­                     Regionen und Mitgliedstaaten , den Abstand zu den wohlha­
te wie dasjenige der öffentlichen Finanzen und das der                        benderen zu verkleinern . Konvergierende und niedrige Infla­
Zahlungsbilanz ein ; man könnte dies als nominale Konver­                     tionsraten sind außerdem notwendig, um Stabilität im EWS
genz bezeichnen . Das zweite Ziel betrifft die Konvergenz des                 zu gewährleisten und die Vorhersehbarkeit der Bestim­
Lebensstandards nach oben , gemessen beispielsweise anhand                    mungsgründe der Investitions- und Sparentscheidungen zu
des realen Pro-Kopf-BIP der Regionen und Mitgliedstaaten                      erhöhen .
der Gemeinschaft ; daneben beinhaltet es aber auch eine
Konvergenz der Arbeitslosigkeit nach unten hin ; dies könnte                  In Verbindung mit der Vollendung des Binnenmarktes dürfte
man reale Konvergenz nennen . Diese wirtschaftspolitischen                    monetäre Stabilität der weiteren Expansion des innergemein­
Ziele wurden bereits in der Präambel und in Artikel 104 des                   schaftlichen Handels einen spürbaren Impuls verleihen .
Vertrags zur Errichtung der Europäischen Wirtschaftsge­                       Außerdem können ohne schwerwiegende öffentliche oder
meinschaft verankert . Die Einheitliche Europäische Akte                      außenwirtschaftliche Defizite konsequent Politiken betrie­
bestätigt und präzisiert das Ziel , „den Abstand zwischen den                 ben werden , die ein kräftiges Wirtschaftswachstum fördern .
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 26                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
  Die folgenden Abschnitte enthalten einen Überblick über die       raten in naher Zukunft . Die Zuwachsraten der Geldmenge
 jüngsten Tendenzen der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren ,        und der Lohnstückkosten dürften weiter sinken , während
 die für die Beurteilung der Konvergenz relevant sind .             sich die Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten weiter
                                                                    verringern werden .
 Nominale Konvergenz. Die Inflationsrate der Gemeinschaft
 ist entsprechend der Entwicklung in den übrigen Industrie­         Während die Geldpolitik der einzelnen Länder immer ähnli­
 ländern seit 1982 beträchtlich gesunken , wie Schaubild 11         cher wurde , entwickelten sich die öffentlichen Finanzen in
 zeigt . Man rechnet damit, daß die Wachstumsrate des               letzter Zeit sowohl vom Gesichtspunkt der Gemeinschaft als
 Deflators des privaten Verbrauchs 1986 bei 3,7 % liegen            Ganzes aus betrachtet als auch zwischen den einzelnen
 wird , was das beste Ergebnis seit zwanzig Jahren wäre . Auch      Mitgliedstaaten weniger zufriedenstellend . Unterschiedliche
 im nächsten Jahr dürfte sich ihre Abwärtsentwicklung               Erfolge beim Abbau der öffentlichen Defizite könnten die
 fortsetzen .                                                       Konsolidierung der bisherigen Konvergenz in Richtung
                                                                    Geldwertstabilität gefährden . In mehreren Ländern wurden
 Die Verlangsamung der durchschnittlichen Inflationsrate           die öffentlichen Haushaltsdefizite eindeutig in Grenzen
 ging, insbesondere seit 1984 , Hand in Hand mit einer             gehalten . In einer Reihe anderer Länder ist der Kreditbedarf
                                                                   der öffentlichen Hand immer noch zu hoch . Die meisten
 Verringerung des Inflationsgefälles zwischen den Mitglied­
 staaten , wie Tabelle 9 und Schaubild 12 zeigen . Aus ihnen       dieser Länder haben in den letzten Jahren ihr jährliches
 geht auch hervor , daß sich der Konvergenzprozeß beim             Defizit mehr und mehr durch die Ausgabe verzinslicher
 Deflator des privaten Verbrauchs 1986 und 1987 voraus­            Schuldverschreibungen an den Nicht-Banken-Sektor finan­
 sichtlich fortsetzen wird . Nach aller Voraussicht dürfte der     ziert . Diese solidere Form , die Verschuldung zu decken , hat
                                                                   einerseits zu der bereits erwähnten stabilitätsorientierten
 derzeitige durchschnittliche Anstieg des Preisdeflators des
 privaten Verbrauchs 1986 zwischen mehr als 22 % in                Geldpolitik beigetragen . Andererseits haben die anhaltenden
 Griechenland ( im Vergleich zum Anstieg des letzten Jahres        hohen Defizite notwendigerweise zu einem entsprechenden
 4 Prozentpunkte mehr) und praktisch Null in Deutschland           starken Anstieg der öffentlichen Verschuldung und auf den
 und in den Niederlanden liegen . Ferner zeigt Tabelle 9 , daß     Kapitalmärkten zunehmend zu einem realzinssteigernden
 die in den letzten Jahren registrierte nominale Konvergenz        Druck geführt. Der Anstieg der Belastung durch Zinszahlun­
 zwischen den EWS-Ländern noch deutlicher ausgeprägt ist .         gen sollte als Signal verstanden werden , die Anstrengungen
 Das EWS hat insofern als Katalysator für die nominale             zu verstärken , die Ungleichgewichte in den öffentlichen
 Konvergenz gewirkt , als sich Länder , in denen die Inflation     Finanzen zu korrigieren . Wenn die Defizite der öffentlichen
                                                                   Haushalte in diesen Ländern nicht weiter reduziert werden ,
 relativ hoch war, über längere Zeiträume unveränderter
 Wechselkursparitäten hinweg einem Druck zugunsten einer           entsteht erneut die Drohung einer verstärkt monetären
 verbesserten Preisniveaustabilität ausgesetzt sahen ( siehe       Finanzierung der Verschuldung .
Kapitel 4.1 ). Die Verringerung und die verbesserte Konver­
genz der Inflationsraten sollte als Erfolg der Wirtschafts­        In der gesamten Gemeinschaft wurde das Finanzierungsdefi­
politik und insbesondere des EWS angesehen werden .                zit der öffentlichen Haushalte von 5,6 % im Jahre 1982 auf
                                                                   5,1 % im Jahre 1985 zurückgeführt . Dieser erfreuliche
Die Grundlage für den jüngsten Rückgang der jährlichen             Trend dürfte sich in diesem und im nächsten Jahr fortsetzen ,
Inflationsraten bildeten die Bemühungen um verbesserte             so daß das Defizit im Jahre 1987 auf 4,1 % zurückgeht . Der
Kontrolle ihrer wesentlichen Ursachen ( vgl . Schaubild 13 ).      Defizitabbau ist jedoch für die Gemeinschaft insgesamt
Die Geldpolitik wurde verstärkt auf Preisstabilität ausgerich­     bisher noch nicht so weit vorangekommen , daß die Zunahme
tet , was an dem Rückgang des Geldmengenwachstums je               der öffentlichen Schuld , in Prozent des BIP , hätte gestoppt
Output-Einheit abzulesen ist. Dieser Rückgang ist zum Teil        werden können . Diese Kennziffer , die sich 1982 im Gemein­
darauf zurückzuführen , daß Haushaltsdefizite in geringerem       schaftsdurchschnitt auf 50% belief, ist vielmehr ständig
                                                                  gestiegen und wird 1987 mehr als 63% erreichen ( Näheres
Umfang monetär finanziert wurden . Hinzu kam die Anpas­
sung des nominalen Lohnanstiegs , die sich in einer ausge­        hierzu in Kapitel 4.2 ). Mehrere Länder , beispielsweise
prägten Verlangsamung des Anstiegs der Lohnstückkosten            Belgien , Irland und Italien , haben jetzt ein Schuldenniveau ,
niederschlug . Die Tatsache , daß inzwischen die monetären        das ihr jährliches BIP übersteigt . Die Vorausschätzungen für
                                                                   1986 und 1987 lassen noch keine Korrektur dieses bedenk­
Bedingungen und die Lohnstückkosten zwischen den Mit­             lichen Trends erkennen .
gliedstaaten konvergieren , zeigt, daß die meisten Mitglied­
staaten eine ähnliche Stabilitätspolitik eingeschlagen
haben .                                                           Während die Entwicklung der Haushaltsdefizite in einer
                                                                  Reihe von Ländern noch viel zu wünschen übrigläßt , dürfte
Die Senkung der Inflationsraten in diesem und im nächsten         sich die Situation der meisten Mitgliedstaaten , die mit
Jahr wird durch günstige , jedoch umkehrbare exogene              schweren Leistungsbilanzproblemen konfrontiert sind , 1986
Faktoren wie den massiven Ölpreisverfall und die starke           und 1987 deutlich bessern . Wie aus Tabelle 10 hervorgeht ,
Dollarabwertung erleichtert . Diese Faktoren haben aller­         werden Dänemark , Griechenland und Irland ihre Leistungs­
dings nur einen einmaligen inflationsdämpfenden Einfluß .         bilanzdefizite reduzieren , da sie eine starke Verbesserung
                                                                  ihrer realen Austauschverhältnisse ( Terms of Trade ) ver­
Wenn die Inflationsrate auf Dauer niedrig bleiben soll ,
müssen die Entwicklung der Lohnstückkosten und die                zeichnen können und Maßnahmen zur Begrenzung des
monetären Bedingungen mit Preisstabilität vereinbar blei­         inländischen Verbrauchs getroffen haben .
ben . Die in dieser Hinsicht für 1986 und 1987 vorausge­
schätzten Entwicklungen geben Grund zu einigem Optimis­           Reale Konvergenz. Eine Konvergenz des realen Bruttoin­
mus bezüglich der Entwicklung der europäischen Inflations­        landsprodukts pro Kopf der Bevölkerung und der Beschäfti­
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 27
gungsniveaus nach oben ist für einen stärkeren wirtschaftli­        eines auseinanderdriftenden Wachstums des realen Pro­
chen und sozialen Zusammenhalt in der Gemeinschaft von              Kopf-Einkommens in den Mitgliedstaaten wohl noch weiter­
entscheidender Bedeutung. Nach dem Beitritt von relativ             geht .
wenig wohlhabenden , jedoch bevölkerungsreichen Ländern
zur Gemeinschaft in den 80er Jahren ist es sicher schwieriger
                                                                    Auch die Arbeitslosenquoten der einzelnen Staaten — deren
geworden , eine reale Konvergenz zu erreichen . Die jüngsten        Vergleichbarkeit allerdings problematisch ist — haben sich
Erweiterungen haben die Disparitäten in der Gemeinschaft,           seit 1975 uneinheitlich entwickelt . In dieser Hinsicht hat sich
sowohl was das BIP pro Kopf als auch was die Arbeitslosig­          die Streuung zwischen den Mitgliedstaaten , wie aus Schau­
keit betrifft , noch weiter verschärft . Tabelle 11 , in der die
                                                                    bild 16 abzulesen ist , innerhalb von zehn Jahren verdreifacht .
Mitgliedstaaten in absteigender Reihenfolge ihres realen            Diese zunehmende Streuung war sowohl auf die Entwicklung
Pro-Kopf-Einkommens von 1985 ( in Kaufkraftparitäten )              der Beschäftigung als auch auf die Wachstumsraten der
aufgeführt sind , zeigt , daß der Durchschnittseinwohner der        Erwerbspersonenzahl zurückzuführen , die beide ab Mitte
vier ärmsten Mitgliedstaaten ( Spanien , Griechenland , Portu­      der siebziger Jahre auseinanderklafften .
gal und Irland ), die zusammen etwa 20% der heutigen
Bevölkerung der Gemeinschaft ausmachen , im vergangenen
Jahr ein reales Einkommen hatte , das nur halb so groß war          Diese seit Mitte der siebziger Jahre beobachteten negativen
wie das des Durchschnittseinwohners in den vier reichsten           Trends bei der realen Konvergenz treten auch zwischen den
Ländern ( Deutschland , Frankreich , Dänemark und Luxem­            Regionen der Europäischen Gemeinschaft zutage , bei denen
burg). Das Verhältnis zwischen den Extremen ( Portugal und          die Unterschiede , absolut gesehen , wesentlich größer sind
Luxemburg) liegt bei fast eins zu drei .                            ( siehe Schaubild 16 ). Praktisch konstant ist der Indikator des
                                                                    Gefälles beim Pro-Kopf-Realeinkommen im Jahrzehnt bis
                                                                    1984 auch zwischen den Regionen innerhalb jedes der
In den 60er Jahren , als das Wirtschaftswachstum in Europa          größeren Mitgliedstaaten . In keinem der Länder war eine
dynamisch war , der Welthandel von Hemmnissen befreit               merkliche Verringerung der regionalen Einkommensunter­
und die Zollunion errichtet wurde , machte die Gemeinschaft         schiede zu verzeichnen . Der Verschlechterung der Konver­
rasche Fortschritte bei der realen Konvergenz . Sowohl das          genz bei der Arbeitslosigkeit , wie sie auf der Ebene der
reale Pro-Kopf-BIP als auch die Arbeitslosigkeit der einzelnen      Mitgliedstaaten zu beobachten ist , entspricht eine ähnliche
Mitgliedstaaten zeigte bis etwa Mitte der siebziger Jahre eine      Entwicklung zwischen den Regionen . Während die 25
konvergierende Entwicklung (vgl . Schaubilder 14 und 15 ).          schwächsten Regionen der Gemeinschaft 1976 eine durch­
Schaubild 15 zeigt z . B. , daß die vier relativ ärmsten            schnittliche Arbeitslosenquote von 8 % , gegenüber 2,4% in
Mitgliedsländer zwischen 1960 und dem ersten Olpreis­               den 25 stärksten Regionen , aufwiesen , beliefen sich die
schock den Rückstand zu den vier reichsten Mitgliedsländern         entsprechenden Zahlen 1985 auf 21,1% bzw . 6,6% .
um etwa ein Drittel verkürzen konnten . Damals fiel die
Verringerung der Streuung zwischen den Mitgliedstaaten um
den Durchschnittswert der Gemeinschaft mit einer raschen            Es scheint daher , daß ein dynamischeres Wachstum der
Erhöhung des BIP pro Kopf für die Gemeinschaft insgesamt            europäischen Wirtschaft eine wesentliche Bedingung dafür
zusammen ( um jährlich 4,0% ; vgl . Tabelle 11 ).                   ist , daß die relativ zurückliegenden Regionen aufholen und
                                                                    die vom Niedergang betroffenen industriellen Regionen
                                                                    umstrukturieren können . Die Umsetzung der Kooperativen
Diese Erfahrung zeigt , daß ein dynamisches Wirtschafts­            Strategie und die Verwirklichung des gemeinschaftsweiten
wachstum in der Gemeinschaft eine wichtige Rolle bei der            Binnenmarktes würden bei der Schaffung dieses unverzicht­
Aufrechterhaltung des Prozesses der realen Konvergenz               baren günstigen wirtschaftlichen Umfelds helfen . Um den
spielt . Sollte es der Gemeinschaft gelingen , in den nächsten      Rückstand bei den Realeinkommen zu den relativ reicheren
zehn bis fünfzehn Jahren eine ähnliche Entwicklung herbei­          Regionen der Gemeinschaft abzubauen , sollten die relativ
zuführen wie in den sechziger Jahren , könnte sie dem Ziel          ärmeren Regionen nicht nur am allgemeinen wirtschaftlichen
realer Konvergenz und größeren wirtschaftlichen Zusam­              Wachstum in Europa teilhaben . Ihr Wachstum sollte viel­
menhalts viel näher kommen . Allerdings sind die Rahmen­            mehr über den europäischen Durchschnitt hinausgehen .
bedingungen der sechziger Jahre nicht mehr gegeben , und die        Deshalb ist es neben der Schaffung eines dynamischeren
Gemeinschaft muß dieser Tatsache Rechnung tragen .                  Wachstumsklimas in der Gemeinschaft insgesamt genau so
                                                                    erforderlich , in den betroffenen Regionen solide Bedingun­
                                                                    gen für ein anhaltendes und stabiles wirtschaftliches Wachs­
Seit 1975 , als die durch den ersten Ölpreisschock ausgelöste       tum zu schaffen .
Weltwirtschaftskrise einsetzte und der Wachstumstrend
stark reduziert wurde , ist jedoch der reale Konvergenzprozeß
innerhalb der Gemeinschaft zum Stillstand gekommen oder             Der Prozeß des Aufholens und der Umstrukturierung auf
hat sich sogar umgekehrt . Dieses Phänomen läßt sich sowohl         regionaler Ebene muß sich unter anderem auf neue private
beim realen Wachstum als auch bei der Arbeitslosigkeit              und öffentliche Investitionen stützen . Diese erfordern die
beobachten . Die vier relativ ärmsten Länder zusammenge­            Mobilisierung erheblicher Mittel . Die Mittel können zum
nommen haben wegen des langsamen Wachstums in Grie­                 Teil vor Ort durch zusätzliche Ersparnis aufgebracht wer­
chenland und insbesondere Spanien seit dem ersten Ölpreis­          den . Investitionen in den ärmeren Ländern und Regionen
schock nicht mehr die Wachstumsrate der gesamten Gemein­            werden aber auch ausreichende Kapitalzuflüsse erfordern .
schaft erreicht . In der gleichen Zeit haben Deutschland und        Spontane Kapitalzuflüsse in diese Regionen der Gemein­
Dänemark, also die beiden relativ reichsten Länder nach             schaft werden sich ausweiten , vorausgesetzt sie lassen eine
Luxemburg , die übrige Gemeinschaft beim Wachstum des               angemessene Rendite erwarten . Zu diesem Zweck sollten die
BIP pro Kopf übertroffen . Die derzeitigen Vorausschätzun­          Behörden in diesen Regionen einen politischen Kurs verfol­
gen für 1986 und 1987 deuten daraufhin , daß diese Tendenz          gen , der auf die Schaffung eines für Unternehmen günstigen
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 28                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
wirtschaftlichen und politischen Klimas abzielt . Der Abbau           Die Gemeinschaft hat in jüngster Vergangenheit erhebliche
von Kapitalverkehrskontrollen , wie ihn die Kommission                Erfolge bei der nominalen Konvergenz erreicht. Die Infla­
vorschlägt , wird Kapitalzuflüsse ebenfalls fördern , da er           tionsraten sind in den meisten Mitgliedstaaten in den letzten
Befürchtungen ausländischer Investoren über die Mobilität             jähren zurückgegangen, was auf die Ausrichtung der Wirt­
ihres Kapitals gegenstandslos macht . Die Erfahrung der               schaftspolitik im allgemeinen und das Funktionieren des
Vergangenheit zeigt jedoch , daß Zuflüsse von privatem                EWS zurückgeführt werden kann . Die Korrektur der
Kapital allein oft unzureichend sind . Sie müssen, ergänzt             Ungleichgewichte in den Leistung$bilanzen wird ebenfalls '
werden durch entschiedenes Handeln auf Seiten der öffent­             erfolgreich betrieben. In einigen Mitgliedstaaten wurden die
lichen Hand , wobei die Gemeinschaft im Rahmen ihrer                  öffentlichen Defizite deutlich reduziert. In einer Reihe ande­
Strukturfonds , der Europäischen Investitionsbank und ihrer           rer ist das Finanzierungsdefizit der öffentlichen Haushalte
anderen Finanzierungsinstrumente eine bedeutende Rolle zu             immer noch zu hoch . Bis zur Mitte der siebziger jähre wies
spielen hat .                                                         die Gemeinschaft anhaltendes und dynamisches Wachstum
                                                                      sowie eine Verbesserung der realen Konvergenz auf. Seitdem
In Übereinstimmung mit Artikel 130 D der Einheitlichen                ist der reale Konvergenzprozeßjedoch zum Stillstand gekom­
Europäischen Akte wird die Kommission dem Rat einen                   men, er ist sogar wieder etwas zurückgefallen. Um die reale
allgemeinen Vorschlag zur Veränderung der Struktur und                Konvergenz in der Gemeinschaft wieder in Gang zu bringen,
der Ausführungsbestimmungen der Strukturfonds unterbrei­              müssen eine Reihe von zusätzlichen Bedingungen erfüllt sein .
ten .
                                                                      Als erstes ist es notwendig, ein Umfeld dynamischeren
                                                                       Wachstums in der Gemeinschaft als ganzes zu schaffen . Dies
Das Ziel des Vorschlags ist ,                                         ist ein Hauptziel der Kooperativen Strategie. Zum zweiten
— die Rolle dieser Fonds näher auszuführen und zu ratio­              müssen die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in den
      nalisieren , damit sie besser dazu beitragen , die Ziele des    relativ zurückliegenden Gebieten und den vom Niedergang
      wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts zu errei­           betroffenen industriellen Regionen durch angemessene poli­
      chen ;                                                          tische Anpassungsmaßnahmen verbessert werden . Dies fällt
                                                                      in den Verantwortungsbereich der nationalen und regionalen
— ihre Effizienz zu verstärken ;                                      Behörden . Drittens ist es nötig, daß die Gemeinschaft im
— eine bessere Koordination zwischen den Operationen der              Rahmen ihrer Finanzierungsinstrumente und der Operatio­
     Fonds selbst und in Beziehung zu den Finanzierungsin­            nen der Europäischen Investitionsbank einerseits, und mit
     strumenten der Gemeinschaft .                                    Hilfe ihrer Strukturfonds andererseits die Bemühungen der
                                                                      Verwaltungen in den benachteiligten Regionen um* die
Auf" diese Weise sollte es möglich sein , einen wichtigen             Schaffung der Grundlagen für ein dauerhaftes Wirtschafts­
Beitrag zum wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt                wachstum ergänzt. Auf diese Art und Weise kann die
der Gemeinschaft zu leisten . Darüber hinaus wird der Prozeß          Gemeinschaft einen wichtigen Beitrag dazu leisten, einen
der realen Konvergenz auch zur Dynamik der Gemeinschaft               größeren Zusammenhalt zwischen den Regionen und Mit­
insgesamt beitragen .                                                 gliedstaaten der Gemeinschaft zu erreichen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       Nr . L 385 / 29
                                                                        TABELLE 9
                                         Private Verbraucherpreise ( Deflator, jährliche Veränderung in % )
                                1961 -      1970 -­                                                                               1986     1987
                                                        1978       1979     1980    1981     1982    1983     1984      1985
                                   1969       1977
Belgien                            3,2         7,4        4,1       3,9       6,5    8,1      7,4     7,5      5,9       4,8       1,3      1,5
Dänemark                           5,7        10,0        9,2      10,4     10,7    12,0     10,2     7,2      6,5       5,0       3,3      2,8
Deutschland                        2,7         5,5        2,8       4,0       5,8    6,0      4,7     3,1      2,4       2,1       0,0      1,1
Griechenland                        2,4       10,5      12,8       16,5     21,2    23,3     21,2    18,6     18,0      18,4      22,5     12,5
Spanien                            5,9        13,4      19,2       16,2     15,6    15,1     14,2    12,2     11,1       8,4       8,6      5,3
Frankreich                         4,2         8,3        8,7      10,4     13,2    12,8     11,2     9,5      7,3       5,5       2,5      2,3
Irland                             4;5        13,8        8,0      14,9     18,6    21,2     16,0     8,2      8,5       4,2       3,7      3,2
Italien                             3,7       12,9      12,9       15,1     20,2    19,2     17,0    15,1     11,1       9,4       6,2      4,0
Luxemburg                           2,3        6,8        3,4       5,2       7,7    8,6     10,6     8,0      6,4       4,0       0,5      1,3
Niederlande                         4,0        8,0        4,5       4,3       6,9    6,3      5,3     2,8      2,6       2,6       0,0    - 1,0
Portugal                            2,6       13,1      21,0       24,0     22,3    16,9     22,5    25,5 ■   29,3      19,3      11,8      9,0
Vereinigtes Königreich              3,7       12,5        9,1      13,5     16,4    11,5      8,5     5,2      5,1       5,3       4,0      3,9
Durchschnitt                                \                             \                                          I
EUR-12                              3,7        9,8        9,0      10,6     13,2    12,1     10,4     8,4      7,0       5,8       3,7      3,0
EUR-10                              3,6        9,3        7,7        9,8     12,9   11,7      9,8     7,7      6,2       5,3       3,1      2,6
EWS                                 3,6        8,5        7,2        8,7     11,6   11,5      9,9     8,1      6,2       5,0       2,4      2,1
a) Mittlere Abweichung
    vom Durchschnitt
EUR-12                              1,2        3,1        3,7        4,2      4,5    3,9      4,0     4,2      3,3       2,5       2,7      1,6
EUR-10                         • 1,0           3,0        3,1        4,0      4,8    3,9      3,9     3,9      2,8       2,1       2,3      1,4
EWS                                 1,0        2,5        3,6        4,2      5,0    4,6      4,3     4,1      3,0       2,3        2,0      1,1
b) Mittlere Abweichung
     vom niedrigsten Wert
EUR-12                              3,3        5,3        6,1        6,7      7,3    6,1      5,8     5,6      4,6       3,7        3,7     4,0
EUR-10                              1,8        4,9        4,9        5,9      6,9    5,7      5,2     4,9      3,8       3,3        3,1     3,6
EWS                                 1,5        3,4        4,4        4,7      5,8    5,4      5,2     5,3      3,8       2,9        2,3     3,1
Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
                                                                        TABELLE 10
                                                         Leistungsbilanzsaldo in Prozent des BIP
                                                                                                                             Differenz
                                1961 - 1970 1971 - 1980         1981       1982     1983       1984     1985       1986                    1987
                                                                                                                            1986-1982
 Belgien / Luxemburg                  0,9            0,6        - 3,2      - 2,0      0,5        1,1      1,8        3,5          5,5        3,8
 Dänemark                            - 2,2         - 2,9        - 3,0      - 4,2    - 2,2      - 3,2    - 4,4      - 4,1          0,1     - 3,6
 Deutschland                            0,7          0,6        - 0,8         0,6     0,7        1,0      2,2        3,2          2,7        2,1
 Griechenland                        - 3,1         - 2,2        - 0,2      - 3,8    - 4,7      - 4,1    - 8,4      - 5,8       - 2,0      - 3,7
 Spanien                                           - 0,9        - 2,4      - 2,3    - 1,4        1,3      1,7        3,5          5,9        3,7
 Frankreich                             0,2        - 0,4        - 1,4      - 3,0    - 1,7      - 0,9    - 0,8        0,1          3,1        0,4
 Irland                              - 2,3         - 6,4       - 14,8     - 10,7    - 6,9      - 5,7    - 3,2      - 1,3          9,4     - 1,3
 Italien                         ,      1,8        - 0,2         - 2,3     - 1,6      0,2      - 0;8    - 1,1        1,2          2,8        0,9
 Niederlande                            0,0          1,2           2,1        2,8     2,9        4,1      4,3        3,9          1,1        2,8
 Portugal                            - 1,0         - 3,3       - 11,7        13,5   - 7,2      - 3,0      1,8        5,4         18,9        4,2
 Vereinigtes Königreich                 0,0        - 0,6           2,4        1,5     0,8        0,3      0,8      - 0,1      - 1,6       - 0,6
 EUR-12                               0,4 0 )      - 0,1         - 0,6      - 0,6     0,0        0,1      0,5        1,2          1,8        0,9
 (>  EUR-10 .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 30                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                       • 31 . 12 . 86
                                                                 TABELLE 11
                                            Reales BIP pro Kopf, ausgedrückt in Kaufkraftstandards
                                                    1960        1965        1970          1975      1980  1985
              Luxemburg                            145,4       135,5       128,8         126,9     124,4 129,3
              Dänemark                             126,6       129,5       123,5         117,7     115,9 123,9
              Deutschland                          123,4       121,5       118,7         114,5     119,3 121,6
              Frankreich                           104,9       106,9       109,9         114,4     115,6 114,0
              Belgien                              103,4       104,7       107,1         111,0     112,2 109,8
              Niederlande                          118,3       114,9       115,6         114,7     110,9 106,1
              Vereinigtes Königreich               125,8       116,5       105,9         103,5      98,7 102,0 "
              Italien                               83,5        85,4         92,2         89,3      93,3  91,7
              Spanien                               59,9        69,8         73,7         81,6      75,2  75,0
              Irland                                67,3        65,9         66,7         68,5      70,4  70,7
              Griechenland                          39,1        46,1         52,3         57,7      59,0  57,1
              Portugal                              32,8        36,5         41,2         43,5      47,3  46,2
              EUR-12                              100,0        100,0       100,0         100,0     100,0 100,0
              USA                                 186,6        179,5       163,0         154,7     152,6 157,6
              Japan                                 63,1        79,7       104,3        106,5      114,0 128,1
              EUR-12 ( 1960 = 100 )               100,0        121,8       147,7         166,4     189,0 198,2
              USA ( 1960 = 100 )                  100,0        116,9       129,5         137,7     154,4 166,9
              Japan ( 1960 = 100 )                100,0        153,5       244,0        280,1      340,6 401,4
              Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften         Nr . L 385 / 31
                             SCHAUBILD 11
             Entwicklung des Deflators des privaten Verbrauchs
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 32                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 31 . 12 . 86
                                                   SCHAUBILD 12
                                           Deflator des privaten Verbrauchs
                Gewogener Durchschnitt EUR-12 und höchste bzw . niedrigste Inflationsrate der Mitgliedstaaten
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                       Nr . L 385 / 33
                                                              SCHAUBILD 13
                      Deflator des privaten Verbrauchs , Lohnstückkosten , Geldmengenwachstum je Output-Einheit
                                     Gewogener Durchschnitt der prozentualen Veränderungen ( EUR-12 )
             (■) M2 / BIP bzw . M3 / BIP .
             Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 34                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                            31 . 12 . 86
                                                              SCHAUBILD 14
                            Entwicklung des Gefälles im realen BIP pro Kopf zwischen den Mitgliedstaaten (')
                                            Standardabweichung in % des realen BIP pro Kopf
      (') Das Gefälle wird durch den gewogenen Variationskoeffizienten gemessen .
          Der gewogene Variationskoeffizient ( gewogene Standardabweichung
                                                         Mittelwert
                                                                               x  100
                                                                                      ^ gibt den Grad der relativen Streuung um den
          Durchschnitt an .
          Eine Abnahme des Koeffizienten bedeutet eine Verringerung der Streuung.
      Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      Nr . L 385 / 35
                                                                 SCHAUBILD 15
                Verhältnis zwischen dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen ( 1 ) der vier ärmsten und dem der vier reichsten
                                            Mitgliedsländer der Gemeinschaft (EUR-12) (in Prozent)
             (') Bruttoinlandsprodukt je Einwohner zu konstanten Preisen und Kaufkraftparitäten von 1980 .
             Quellen: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 36                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                     31 . 12 . 86
                                                                     SCHAUBILD 16
              Entwicklung des Gefälles (') der Arbeitslosigkeit zwischen den Mitgliedstaaten und zwischen den Regionen der
                                                                       Gemeinschaft
                                       Standardabweichung von der Arbeitslosenquote der Gemeinschaft
             (') Das Gefälle wird durch bevölkerungsgewichtete Standardabweichungen gemessen . Die Regionen wurden auf Desaggrega­
                 tionsniveau II ausgewählt . Sie umfassen daher z . B. „Regierungsbezirke" in Deutschland , „reggioni" in Italien , „regions" in
                 Frankreich , Gruppen von „counties" im Vereinigten Königreich , „provinces" in Belgien und in den Niederlanden .
             Quelle: Kommissionsdienststellen , Generaldirektion für Regionalpolitik .
                            3 . DIE KOOPERATIVE WACHSTUMSSTRATEGIE FÜR MEHR BESCHÄFTIGUNG
3.1 . Ziele und Methoden                                                            In ihren mittelfristigen Analysen gehen die Kommissions­
                                                                                    dienststellen von der Hypothese aus , daß die Zahl der
Mit dem Jahreswirtschaftsbericht 1985— 1986 hat der Rat                             Erwerbspersonen in der Gemeinschaft in den nächsten fünf
eine Strategie verabschiedet , die auf eine deutliche und                           Jahren um 0,3 % pro Jahr zunimmt . Eine Rückführung der
anhaltende Senkung der Arbeitslosenquote in der Gemein­                             Arbeitslosenquote um 3 bis 4 Prozentpunkte bis 1990
schaft bis zum Ende dieses Jahrzehnts abzielt , indem sie das                       verlangt somit eine jährliche Ausweitung der Beschäftigung
Problem an seiner Wurzel zu packen versuchte . Veranschau­                          um 1 bis 1,5 % bis Ende des Jahrzehnts .
licht wurde dieses Ziel durch einen Rückgang der Zahl der
Arbeitslosen um etwa 30 bis 40 % ( d . h . 4 bis 5 Millionen                        Wie bereits im letzten Jahreswirtschaftsbericht werden auch
Personen ), was einer Verminderung der Arbeitslosenquote                            im vorliegenden Dokument mittelfristige Szenarien vorge- -
um 3 bis 4 Prozentpunkte , bezogen auf die Zahl der                                 stellt , mit denen die Größenordnung umrissen und die
Erwerbspersonen , entsprechen würde .                                               vorgeschlagenen Maßnahmen veranschaulicht werden ( siehe
                                                                                    Kasten ).
Mit dem Beitritt Spaniens und Portugals hat sich an diesem
                                                                                    Ein erstes Szenario , das Basisszenario , illustriert die bei
Problem grundsätzlich nichts geändert , denn auch diese                             unveränderten Verhaltensweisen und Politiken zu erwarten­
beiden Länder haben mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen
( Spanien : 21,7% , Portugal : 8,6% im Jahresdurchschnitt                           den Entwicklungen . Berücksichtigt werden in diesem Basis­
                                                                                    szenario natürlich die in den letzten Monaten verzeichneten
1986 ). Die durchschnittliche Arbeitslosenquote in der Zwöl­
fergemeinschaft beläuft sich daher 1986 auf 11,9 % ( 1 ).                           Veränderungen im internationalen Umfeld sowie die Vor­
                                                                                    ausschätzungen für die Jahre 1986 und 1987 .
(') Die bei der Berechnung des Durchschnitts für die Zwölferge- ,
    meinschaft verwandten Arbeitslosenzahlen für Griechenland ,                     Im Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 dürfte das Wachs­
    Spanien und Portugal sind nicht voll mit denjenigen für die                     tum 2,7 % pro Jahr erreichen ( EUR-10 ). Die Beschäftigung
    übrigen Mitgliedsländer vergleichbar ( vgl . Tabelle 8 ).                       dürfte im gleichen Zeitraum jährlich um 0,7 % zunehmen ,
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 37
was jedoch für einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit           Eine Schlüsselrolle spielen in diesem Zusammenhang die
nicht ausreichen würde . Die Arbeitslosenquote ( EUR-10 )            privaten und öffentlichen Investitionen.
dürfte sich daher 1990 auf ungefähr 9,7 % der Erwerbsbe­
völkerung , anstelle von 10,8 % im Jahr 1986 , belaufen . In         Im Rahmen der Kooperativen Strategie verstärken sie
der Zwölfergemeinschaft läge die Arbeitslosenquote also              einerseits die Dynamik der Nachfrage, was eine unerläßliche
noch über 10 % .                                                     Voraussetzung für eine Beschleunigung des Wachstums
                                                                     darstellt . Andererseits verbessern sie auf der Angebotsseite
Eine eingehendere Analyse der Entwicklung in den Jahren              den Kapitalstock . Die Wiederherstellung eines auf Dauer
1986 und 1987 , gemessen an den Erfordernissen der Koope­            kräftigeren Wachstums verlangt eine raschere Ausweitung
rativen Strategie , wird in Punkt 3.2 des vorliegenden Berichts      des Kapitalstocks und folglich eine Erhöhung des Anteils der
vorgenommen . Sie macht deutlich , inwieweit die günstigere          Ressourcen , die jedes Jahr für private und öffentliche
Entwicklung in den Jahren 1986 und 1987 aus einer                    Investitionen verwendet werden . Dieser Anteil aber liegt in
Änderung der Verhaltensweisen im Sinne der Kooperativen              der Zwölfergmeinschaft nach wie vor um etwa 4 Prozent­
Strategie oder aber aus der außergewöhnlichen Verbesserung           punkte des BIP niedriger als in den sechziger Jahren . Zu
der realen Austauschverhältnisse ( Terms of Trade) resultiert ,      einem guten Drittel erklärt sich dieser Rückgang übrigens aus
von der die europäische Volkswirtschaft in diesem Jahr               dem Rückgang des Anteils der öffentlichen Investitionen am
                                                                     BIP .
profitiert hat .
                                                                     Die Angaben , die über den marktbestimmten Sektor (ohne
Fest steht aber in jedem Falle , daß sich das Problem der            Wohnungsbau und Landwirtschaft) in den vier größten
Arbeitslosigkeit nicht von selbst lösen wird . Aus diesem            Ländern der Gemeinschaft vorliegen , lassen ebenfalls erken­
Grunde werden im vorliegenden Jahreswirtschaftsbericht ,             nen , daß die Investitionsquote erheblich steigen muß . Im
unter Berücksichtigung der jüngsten Konjunkturentwick­               Durchschnitt dieser vier Länder stagniert das Wachstum des
lung , eine Reihe von Maßnahmen empfohlen , die der im               Kapitalstocks auf seinem niedrigsten Stand seit 1980 , d . h .
vergangenen Jahr festgelegten Kooperativen Strategie ent­            bei etwa 2,5 % ( vgl . Schaubild 18 ). Wenn der Kapitalstock
sprechen .                                                           wieder sein tendenzielles Wachstum von 3,5 % erreichen
                                                                     soll , mit dem eine Produktionszunahme gleichen Ausmaßes
Diese Maßnahmen und ihre mittelfristigen Auswirkungen                auf Dauer ermöglicht werden könnte , dann müßte der Anteil
werden im weiteren Verlauf des Berichts ( Punkt 3.3. und             der Investitionen an der Wertschöpfung des marktbestimm­
Kapitel 4 ) ausführlich geschildert . Sie sollen einen Abbau der     ten Sektors um 2 bis 3 Prozentpunkte der Wertschöpfung
Arbeitslosigkeit auf zwei Wegen ermöglichen ; einmal durch           steigen ( unter Annahme einer unveränderten Kapitalintensi­
Wiederherstellung eines dauerhaften Wachstums , das im               tät). Es sind also bedeutende Investitionsanstrengungen
Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 zwischen 3 und 3,5 %               erforderlich .
betragen müßte , und zum anderen dadurch , daß die Beschäf­
tigungswirksamkeit des Wachstums beibehalten und sogar               Um den angestrebten Abbau der Arbeitslosenquote zu
gesteigert wird . Für diese Maßnahmen gibt es zwei wesent­           erreichen , müssen auch pro Wachstumspunkt zunehmend
liche Ansatzpunkte : Auf der makroökonomischen Ebene                 mehr Arbeitsplätze geschaffen werden . Historisch gesehen
geht es darum , ein angemessenes Nachfrageniveau aufrecht­           hat sich das Verhältnis zwischen Wachstum und Beschäfti­
zuerhalten und zugleich die Rentabilität der beschäftigungs­         gung übrigens seit den sechziger Jahren zugunsten der
wirksamen Investitionen durch einen mäßigen Anstieg der              Beschäftigung geändert . Veranschaulicht wird dies durch
realen Lohnkosten pro Kopf zu erhöhen . Auf mikroökono­              den Rückgang des Abstands zwischen Wirtschaftswachstum
mischer Ebene kommt es darauf an , die Anpassungsfähigkeit           und Beschäftigungszunahme , d . h . des Wachstums der
der Güter- und Faktormärkte zu verbessern und die Grün­              durchschnittlichen Produktivität je Erwerbstätigen (vgl .
dung von Unternehmen zu fördern .                                    Schaubild 17 ). Aufschlußreich ist in dieser Hinsicht auch die
                                                                     günstige Reaktion der Beschäftigung auf die bescheidene
So beläuft sich z . B. in dem Szenario, das in diesem Jahr die       Erholung des Wachstums seit 1983 .
Kooperative Strategie illustriert, die Wachstumsrate im
Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 auf 3,5 % und damit                Daß die Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktivität
auf den im vergangenen Jahr vorgesehenen Wert . Die                  je Erwerbstätigen relativ schwach bleibt , bedeutet jedoch
Arbeitslosenquote könnte bis 1990 um rund 4 Prozentpunkte            nicht , daß sich Europa mit einer defensiven Beschäftigungs­
zurückgeführt werden und würde folglich am Ende des                  strategie begnügen und auf den technischen Fortschritt
Jahrzehnts bei ungefähr 7 % in der Zehnergemeinschaft und            verzichten müßte . Ganz im Gegenteil : Eine Modernisierung
etwa 8 % in der Zwölfergemeinschaft liegen . Ein Wachstum            der Produktionskapazitäten , die mit signifikanten Produkti­
von etwa 3,5 % im Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 setzt            vitätsgewinnen überall dort einhergeht , wo dies möglich ist ,
jedoch eine zunehmende Beschleunigung voraus . Unter                  ist für die Steigerung der wirtschaftlichen Effizienz und des
diesen Bedingungen könnte das Wachstumstempo der                      Lebensstandards empfehlenswert . Sie ist weiterhin erforder­
 Beschäftigung gegen Ende des Jahrzehnts etwas über 1,5 %            lich , wenn Europa seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern
 liegen . Die entschlossene Anwendung der Strategie würde             und sich auf den besonders wachstumsträchtigen Märkten
 damit für 1990 zu einer Situation führen , in der nicht nur die      behaupten soll , auf denen es in den siebziger Jahren Terrain
 Arbeitslosigkeit bereits deutlich reduziert ist , sondern in der     eingebüßt hat .
 die europäische Wirtschaft auch so weit gesundet ist , daß in
 den folgenden Jahren ein angemessenes Wachstum bei                   Es ist also notwendig , die Modernisierung der Produktions­
 Preisstabilität erreicht und ein weiterer rascher Abbau der          kapazitäten mit einem ausreichenden Beschäftigungszu­
 Arbeitslosigkeit erwartet werden kann .                              wachs der Gesamtwirtschaft zu vereinbaren . Dies ist mög­
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 38                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      31 . 12 . 86
 lieh , da sich das Verhältnis , das sich auf gesamtwirtschaftli­            relativen Preise ihrer Produkte können diese Sektoren
cher Ebene zwischen Wachstum und Beschäftigung einstellt ,                   mit schwachem Produktivitätszuwachs ihre Rentabilität
 in Wirklichkeit aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren                     sichern und damit zusätzliche Beschäftigung schaffen .
 ergibt :                                                                    Damit würde tatsächlich ein Transfer der aus dem
                                                                             technischen Fortschritt erwachsenden zusätzlichen
   i ) Im Rahmen eines dynamischeren Wachstums kann die                      Kaufkraft zwischen den Sektoren erfolgen , und zwar zu
        Kapazitätsauslastung dauerhaft erhöht werden , was die               Bedingungen , die günstig für die Beschäftigung
         Kapitalproduktivität verbessert und günstige Voraus­                sind (')•
         setzungen für zusätzliche Beschäftigung schafft .                   Damit dieser Mechanismus gut funktioniert , wie es vom
                                                                             Standpunkt der Beschäftigung wünschenswert ist , müs­
  ii ) Die Verkürzung und Neugestaltung der Arbeitszeit                      sen vor allem zwei Bedingungen erfüllt sein : Ein maß­
        kann ebenfalls dazu beitragen , das Wachstum beschäf­                voller Anstieg der realen Lohnkosten pro Beschäftigten
        tigungswirksamer zu gestalten . Erfolgen kann eine                   muß auch den Sektoren mit überdurchschnittlichen
        solche Verkürzung entweder durch Ausweitung der
                                                                             Produktivitätszuwächsen zugute kommen . Darüber
        Teilzeitarbeit oder durch Verminderung der wöchentli­                hinaus müssen die Märkte ihre Rolle im Preisbildungs­
        chen oder jährlichen Arbeitszeit . Diese Maßnahmen
                                                                             prozeß wirksam spielen : Eine Verstärkung des Wettbe­
        sind jedoch nur dann voll beschäftigungswirksam , wenn               werbs und die Vollendung des Binnenmarktes würden
        sie nicht die Mechanismen stören , die — auf makroöko­
        nomischer Ebene — zu einem schnelleren und beschäf­
                                                                             hierzu beitragen . Ein stabiles monetäres Umfeld würde
                                                                             es darüber hinaus ermöglichen , daß die Preissignale klar
        tigungswirksameren Wachstum führen und wenn sie                      erkennbar sind .
        kostenniveauneutral sind . In diesem Falle wird ein Teil
        der Produktivitätsgewinne , die verteilt werden können ,
        auch in Form einer Arbeitszeitverkürzung weitergege­          Ein maßvoller Anstieg der Reallohnkosten in der Gesamt­
        ben . Schließlich kann die Erhöhung der Zahl der              wirtschaft , der die relative Faktorentlohnung zugunsten des
        Zeitarbeitskräfte und der Arbeitskräfte mit befristetem       Kapitals verändert , wirkt also sowohl auf der mikro- als auch
        Vertrag , insbesondere wenn die Unternehmen dafür auf          auf der maroökonomischen Ebene zugunsten der Beschäfti­
        Überstunden verzichten , ebenfalls dazu beitragen , das       gung . Auf Unternehmensebene wird dadurch Anreiz zu einer
        Wachstum beschäftigungswirksamer zu machen . Derar­           extensiveren Ausnutzung des Kapitalstocks geschaffen .
        tige Maßnahmen unterliegen in weitgehendem Maße               Gleichzeitig werden dadurch aber auch günstigere Bedingun­
        der Tarifautonomie , und ihre Verwirklichung sollte           gen für eine Ausweitung beschäftigungswirksamerer Aktivi­
        Gegenstand eines vertieften Dialogs zwischen den              täten geschaffen .
        Sozialpartnern sein .
                                                                      Damit tritt ein wichtiger Aspekt der im Rahmen der Koope­
iii ) Schließlich besteht eine langfristige Tendenz , die sich in     rativen Strategie empfohlenen Maßnahmen deutlich zutage:
        einer fortschreitenden Umstrukturierung der Beschäfti­        Die enge Komplementarität , die zwischen diesen Maßnah­
        gung zugunsten von Sektoren mit geringen Fortschritten        men — seien sie makroökonomischer oder mikroökonomi­
        in der Produktivität je Erwerbstätigen , vor allem im         scher Art — besteht . Eine Beschleunigung des Wachstums
        Dienstleistungsbereich , und auf Kosten der Industrie mit     wirkt sich um so günstiger auf die Beschäftigung aus , je
        ihren höheren Produktivitätsfortschritten niederschlägt .     flexibler die Unternehmen auf eine größere Nachfrage
       So hat zwischen 1970 und 1983 der Anteil der markt­            reagieren können . Eine bessere Anpassungsfähigkeit der
       bestimmten und nichtmarktbestimmten Dienstleistun­             Waren-, Arbeits- und Kapitalmärkte allein reicht jedoch
       gen an der Beschäftigung der Gemeinschaft ( EUR-6 )            nicht aus , um die Unternehmen zu Investitionen zu veran­
       von 48 % auf 59 % zugenommen . Dabei hat sich die              lassen , deren Rentabilität nicht auch durch günstige Nach­
       Produktivität im gleichen Zeitraum im Jahresdurch­             frageperspektiven gewährleistet ist . Letztlich wird eine grö­
       schnitt im Dienstleistungsbereich um nur 1 ,6 % und im         ßere Anpassungsfähigkeit der Märkte ihre volle wirtschaftli­
       Verarbeitenden Gewerbe um 3,3 % erhöht .                       che und soziale Rechtfertigung nur in einem Kontext dyna­
       Daß sich der Produktivitätsfortschritt von Sektor zu
                                                                      mischen Wachstums finden . Andernfalls besteht die Gefahr ,
       Sektor und von Unternehmen zu Unternehmen unter­
                                                                     daß es wieder zu defensiven Verhaltensweisen kommt , die
                                                                     das Fundament der Erneuerung der europäischen Wirtschaft
       schiedlich entwickelt , ist normal . Es müssen jedoch          in Frage stellen würden .
       günstige Voraussetzungen dafür bestehen , daß die in
       den leistungsfähigsten Sektoren realisierten Produktivi­
       tätsfortschritte der Gesamtwirtschaft zugute kommen            Ohne schnelle Veränderung der Verhaltensweisen und der
       und letztlich Arbeitsplätze schaffen . Ein maßvoller           Wirtschaftspolitiken wird die Gemeinschaft 1990 noch mit
       Anstieg der Reallohnkosten pro Kopf in allen Sektoren
       der Volkswirtschaft und der Mechanismus der relativen         (') Hinsichtlich der relativen Entwicklung der Beschäftigung , der
                                                                          Produktivität und der Preise der einzelnen Sektoren in der
       Preise spielen hierbei eine entscheidende Rolle .                  Gemeinschaft siehe Kapitel B. 3 der jahreswirtschaftsübersicht
       Nutzen die Sektoren mit überdurchschnittlichem Pro­                1986— 1987 . Im übrigen zeigt Tabelle 14 des vorliegenden
       duktivitätsanstieg diesen letztlich dazu , um ihre Preise          Berichts , daß dieser Mechanismus in Japan in besonders ausge­
       relativ zu senken , sind sie nicht nur in der Lage , ihre          prägter Weise gewirkt hat : Die Abstände zwischen den Produk­
                                                                          tivitätszuwächsen , aber auch die Veränderungen der relativen
       Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und ihre eigene Pro­
                                                                          Preise waren zwischen der Industrie und den übrigen Sektoren
       duktion aufgrund einer gestiegenen Nachfrage zu erhö­              besonders hoch . Die Dynamik der japanischen Industrie ist auch
       hen , sondern diese relative Preissenkung nützt auch               den anderen Sektoren der Volkswirtschaft zugute gekommen ,
       jenen Sektoren , in denen die Produktivitätszuwächse               die ( zusammengenommen ) die einzigen waren , die die Beschäf­
       geringer sind . Dank der entsprechenden Steigerung der             tigung erhöht haben .
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr . L 385 / 39
 einer Arbeitslosenquote von über 10 % konfrontiert sein.           dürften beispielsweise die realen Pro-Kopf-Löhne und -Ge­
 Eine solche Aussicht kann nicht hingenommen werden . Eine          hälter als Kostenfaktor annähernd stabil bleiben , während
 deutliche und anhaltende Verringerung der Arbeitslosigkeit         die auf der Basis des Deflators des privaten Verbrauchs
 wird durch ein stärkeres und beschäftigungswirksameres             berechneten Reallöhne pro Kopf ( also in etwa die Kaufkraft )
  Wachstum, zwischen 3 % und 3,5 % im Durchschnitt der              um 2,3 % und damit mit der stärksten Rate seit 1980
jähre 1986 bis 1990, erreicht werden . Die Investitionen            zunehmen dürften .
 haben hierbei eine Schlüsselrolle. Ihr Anteil am BIP müßte
 schrittweise um insgesamt etwa drei Prozentpunkte steigen .        Außerdem hat die Ölpreissenkung eine positive Wirkung auf
 Im übrigen sollte sich die Relation zwischen Wachstum und          den Umfang der ökonomisch rentablen Produktionskapazi­
 Beschäftigung weiter verbessern . Dies bedeutet nicht, daß         täten : einerseits durch die Neigung zu einer weitergehenden
 sich Europa, was die Beschäftigung angeht, mit einer               Nutzung des bestehenden Kapitalstocks , andererseits durch
 defensiven Strategie zufriedengeben kann. Die internationale       eine verlängerte Nutzung von Anlagen , die andernfalls
 Konkurrenz erfordert im Gegenteil die Modernisierung der           stillgelegt worden wären..
 Produktionsstrukturen . Das Verhältnis, das sich zwischen
  Wachstum und Beschäftigung einstellt, ist indessen durch          Verschiedene Indikatoren belegen , daß ein Umschwung in
 verschiedene Faktoren bestimmt, wie eine kostenniveauneu­          der seit den siebziger Jahren beobachteten Tendenz zur
 trale Verkürzung und Neugestaltung der durchschnittlichen          Verschlechterung der Angebotsbedingungen eingetreten ist .
 Arbeitszeit je Beschäftigten; ein schnelleres Beschäftigungs­      Dieser Umschwung hat übrigens bereits zu Beginn der
 wachstum in den Sektoren mit relativ niedrigen Produktivi­         achtziger Jahre eingesetzt:
  tätszuwächsen und ein maßvoller Anstieg der realen Lohn­
 kosten pro Kopf in allen Sektoren der Wirtschaft. Wenn             — Seit 1980 sind die realen Pro-Kopf-Lohnkosten (Löhne
 letztlich auch jene Sektoren mit überdurchschnittlichem                 plus Sozialversicherungsbeiträge) in der Gemeinschaft
 Produktivitätszuwachs in den Genuß maßvoller Steigerun­                 nur um durchschnittlich rund 1 % pro Jahr , gegenüber
 gen der realen Lohnkosten pro Kopf kommen, können sie                   2,4 % zwischen 1973 und 1980 , gestiegen . In mehreren
 ihre relativen Preise senken . Dies verbessert ihre eigene              Ländern haben die Lohn- und Gehaltsempfänger bereits
  Wettbewerbsfähigkeit und nützt darüber hinaus den Sekto­               bedeutende Opfer gebracht , zumal ihr verfügbares Ein­
  ren mit schwächeren Produktivitätszuwächsen, die dadurch               kommen in vielen Fällen durch höhere Steuern und
 eine Verbesserung ihrer Rentabilität erfahren und mehr                  parafiskalische Abgaben geschmälert wurde .
 Beschäftigung schaffen können . Technischer Fortschritt und
 Beschäftigungssteigerung können daher auf der Ebene der            — Die realen Lohnstückkosten , die einen Indikator für die
  Gesamtwirtschaft in Einklang gebracht werden . Diese Fak­              relative Veränderung von Reallohn und Arbeitsproduk­
  toren hängen zum großen Teil von einer verstärkten Anpas­              tivität darstellen , haben heute in der Gemeinschaft
 sungsfähigkeit der Märkte ab. Eine solche Anpassungsfähig­              beinahe wieder das Niveau der sechziger Jahre
  keit wird ihre wirtschaftliche und soziale Rechtfertigung nur          erreicht .
  in einem Kontext dynamischen Wachstums finden . Dies
  unterstreicht die enge Komplementarität zwischen den im           — Die damit einhergehende Erhöhung der gesamtwirt­
  Rahmen der Kooperativen Strategie empfohlenen Maßnah­                  schaftlichen Gewinnquote (Betriebsüberschuß im Ver­
  men, sowohl auf makroökonomischer als auch auf mikro­                  hältnis zur Wertschöpfung) hat dazu geführt, daß die
  ökonomischer Ebene .                                                   Rentabilität des produktiven Kapitals ( Betriebsüber­
                                                                         schuß im Verhältnis zum Kapitalstock ) wieder zunimmt.
                                                                         Bisher wurde damit allerdings im Durchschnitt der
                                                                         Gemeinschaft erst ein Teil des seit dem ersten Ölschock
  3.2 . Die Vorausschätzungen für 1986 und 1987 aus der
         Sicht der Kooperativen Strategie                                eingetretenen Rückgangs der Rentabilität wieder aufge­
                                                                         holt ( siehe Schaubild 18 ).
  Gemessen an den Zielen der Kooperativen Strategie geben die        — Erstmals seit mindestens 20 Jahren übertrifft die Erhö­
  Vorausschätzungen für die Jahre 1986 und 1987 wenig                    hung der Rentabilität über einen längeren Zeitraum die
  Grund zur Zufriedenheit . In beiden Jahren werden das                  der realen Pro-Kopf-Löhne und -Gehälter .
  Wirtschaftswachstum ( 2,5 % bzw . 2,8 % ) und die Zunahme
  der Beschäftigung ( um durchschnittlich 0,8 % ) hinter dem
  tendenziell notwendigen Tempo zurückbleiben . Selbstver­           Im Jahre 1987 scheint sich jedoch die Entwicklung der realen
  ständlich kann eine höhere Wachstumsrate nur schrittweise          Lohnkosten pro Kopf zu beschleunigen . Nach den neuesten
  wieder erreicht werden . Die Langsamkeit , mit der dieser          Vorausschätzungen dürfte ihr Zuwachs bei 1,3 % liegen ,
                                                                     was die höchste Zuwachsrate seit 1980 wäre . Die realen
  Prozeß gegenwärtig verläuft , ist jedoch bedenklich , zumal
  die Gemeinschaft eine beträchtliche Verbesserung ihrer             Lohnstückkosten dürften um nur 0,7 % sinken , was den
. Terms of Trade registrieren kann , die sich eigentlich auf die     geringsten Rückgang seit 1981 bedeuten würde , während
  Angebots- und Nachfragebedingungen im Sinne der Koope­             sich die Situation auch unter dem Gesichtspunkt der außen­
  rativen Strategie auswirkt .                                       wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit weniger günstig dar­
                                                                     stellt .
   Die Verbesserung der Terms of Trade hat in der Tat den
   europäischen Volkswirtschaften Gelegenheit gegeben , bei          In der Tat hat sich der Wert der ECU zwischen März 1985
   der Erreichung eines befriedigenden Rentabilitätsniveaus          und Juni 1986 gegenüber dem US-Dollar um 42 % erhöht
   noch Fortschritte zu erzielen , und gleichzeitig einen relativ    und ist gegenüber dem Yen um nur 7,4 % gefallen . Selbst­
   kräftigen Anstieg der Realeinkommen der privaten Haushal­         verständlich sind diese starken Wechselkursausschläge für
   te ermöglicht . Vom Rückgang der Einfuhrpreise profitieren        die einzelnen europäischen Volkswirtschaften durch die
   sowohl die Unternehmen als auch die privaten Haushalte . So       relative Stabilität zwischen den Gemeinschaftswährungen ,
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 40                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
  vor allem den am EWS beteiligten , abgemildert worden .            Andererseits aber können die in den letzten Jahren verzeich­
  Trotzdem macht der durchschnittliche Aufwertungssatz                nete Schwäche der Nachfrage und die damit verbundene
  gegenüber den Währungen ihrer neunzehn wichtigsten Han­             Unsicherheit die Investitionen negativ beeinflussen . In dieser
  delspartner in der Gemeinschaft zwischen maximal 14,3 %             Hinsicht lassen sich aus einer eingehenderen Analyse der
  im Falle der Bundesrepublik Deutschland und minimal                 Schaubilder 18 und 19 , in denen die Zunahme des Kapital­
  1,2 % im Falle des Vereinigten Königreichs aus . Für alle           stocks in den vier größten Mitgliedstaaten zu seiner Renta­
  Mitgliedsländer zusammengenommen beläuft sich diese                 bilität und seinem Auslastungsgrad in Beziehung gesetzt
  Höherbewertung — ohne Berücksichtigung des innergemein­            wird , zwei interessante Schlüsse ziehen :
  schaftlichen Handels — auf 17,8 % . Damit hat die Gemein­
  schaft jetzt die Vorteile eingebüßt, die ihr der starke Dollar     — Während im Anschluß an den Rückgang der Rentabilität
  auf einer Reihe von Drittmärkten verschafft hatte .                     nach dem ersten Ölpreisschock auch das Wachstum des
                                                                          Kapitalstocks nachgelassen hat , haben sich weder der
                                                                          vorübergehende Anstieg der Rentabilität zwischen 1976
 Die Veränderungen , die im internationalen Umfeld eingetre­
                                                                          und 1978 noch die Rentabilitätsverbesserung , die 1982
 ten sind , mußten selbstverständlich Auswirkungen auf                    eingesetzt hat , hinreichend günstig auf die Investitionen
  Wachstum und Struktur der Gesamtnachfrage haben . Eine                  ausgewirkt .
 so starke Verbesserung der Terms of Trade , wie sie die
 Gemeinschaft verzeichnen konnte , führt natürlich zu einer
                                                                     — Der recht enge Zusammenhang, der offenbar bis 1975
 Umstrukturierung zwischen Auslands- und Inlandsnachfra­                  zwischen Kapazitätsauslastungsgrad und Wachstum des
 ge . Die negativen Folgen , die sich aus der Höherbewertung              Kapitalstocks bestand , scheint sich seither gelockert zu
 der europäischen Währungen und aus der Verlangsamung                     haben . Ebenso wie die Rentabilitätskurve und die
 des Wachstums bei bedeutenden Handelspartnern der                        Wachstumskurve des Kapitalstocks klaffen seit 1981
 Gemeinschaft für die Ausfuhren ergeben haben , machten                   auch das Wachstum des Kapitalstocks und der Ausla­
 sich jedoch rasch bemerkbar. Wie aus anderen Gründen
                                                                          stungsgrad der produktiven Kapazitäten stark auseinan­
 erwünscht , haben mehrere Länder den Transfer von Ein­                   der ."
 kommen aus dem Ausland im Umfang von rund 2 % des BIP
 dazu genutzt , entweder die finanzielle Situation der Unter­
 nehmen zu verbessern — wenn sich die Nominallöhne rasch             Im Jahre 1986 hat sich somit die Verbesserung der Terms of
 an den Rückgang der Inflation angepaßt haben — oder die             Trade sowohl auf die Angebotsseite als auch auf die
 öffentlichen Finanzen zügiger zu sanieren . In diesen Ländern       Nachfrageseite günstig ausgewirkt . Diese Effekte werden die
 ist die Erholung der Inlandsnachfrage längst nicht so stark         Inlandsnachfrage gewiß auch 1987 positiv beeinflussen . Sie
 ausgeprägt und längst nicht so prompt eingetreten , wie dies        reichen jedoch nicht aus und könnten außerdem rasch
der Fall gewesen wäre , wenn die Verbraucher die Haupt­              nachlassen . Eine Verbesserung der Aussichten auf Abbau der
nutznießer der Verbesserung der Terms of Trade geblieben             Arbeitslosigkeit muß jetzt von einer tatsächlichen Anwen­
wären -.                                                             dung der Kooperativen Strategie erwartet werden .
Alles in allem dürfte die Gesamtnachfrage ( Inlandsnachfrage         Wenn die Ziele der Kooperativen Strategie erreicht werden
plus Ausfuhr) 1987 um nur 3,6% zunehmen , was in                     sollen , dann müssen alle am Wirtschaftsleben Beteiligten ihre
                                                                     Verhaltensweisen und Politiken ab 1987 — in manchem
Anbetracht der Reaktion der Einfuhr nicht ausreicht , um ein
BIP-Wachstum von mehr als 3 % zu erzielen .                          Fällen spürbar — ändern .
                                                                     Zunächst einmal sollten die Unternehmen auf die bereits im
Die Zunahme der Inlandsnachfrage seit 1985 resultiert im
wesentlichen aus einer raschen Entwicklung des privaten              Gang befindliche Verbesserung der Angebotsbedingungen
Verbrauchs ( 1986 und 1987 durchschnittlich + 3,6% ) und             noch entschiedener mit vermehrten Investitionen reagieren .
der Ausrüstungsinvestitionen ( 1986 und 1987 zwischen 6             Sicherlich beruht jede Investitionsentscheidung auf einer
und 7 % ). Die Wiederbelebung der Bauinvestitionen ist zwar         Wirtschaftlichkeitsrechnung . Aus diesem Grund empfiehlt es
zu erkennen , der Zuwachs bleibt jedoch schwach ( 1987              sich , die Bemühungen um eine Steigerung der Rentabilität
 + 3,2% ).                                                          fortzuführen , die langfristigen Realzinsen auf gesunder
                                                                    Grundlage zu senken und die Märkte für Risikokapital
                                                                    auszubauen . Diese Entscheidung beruht aber auch auf
Der Anteil der für Investitionen und das Wachstum des               Vertrauen und Risikobereitschaft . Es gilt , auch diese Ver­
Kapitalstocks aufgewendeten Ressourcen am BIP bleibt                haltensweisen in einem für die Beschäftigung positiven Sinne
jedoch weiterhin hinter dem mittelfristig notwendigen Maß           zu beeinflussen . Eine dynamischere Entwicklung der Unter­
zurück . Mehrere Determinanten der Unternehmensinvesti­             nehmensinvestitionen wäre zum einen ein Beitrag zur Ent­
tionen entwickeln sich allerdings günstig . Die durchschnitt­       stehung zusätzlicher Nachfrage . Zum zweiten würde sie
liche Rentabilität des Kapitalstocks steigt ( siehe Schaubild       unter Angebotsgesichtspunkten eine parallele Entwicklung
18 ), auch wenn sie nur in der Bundesrepublik Deutschland           der Produktionskapazitäten und der Produktion erlauben .
beinahe wieder so hoch ist wie vor dem ersten Ölschock . In         Dies würde zu einem Abschwächen der inflationären Span­
allen Ländern der Gemeinschaft nimmt die Auslastung der             nungen , welche sich aus einer zunehmenden Kapazitätsaus­
Produktionskapazitäten rasch zu ( siehe Schaubild 19 für die        lastung ergeben , führen . Den europäischen Volkswirtschaf­
vier größten Länder der Gemeinschaft). Der Rückgang der             ten käme daher die gegenwärtige Lage voll zugute . Die
Nominalzinsen hält an und trägt ebenfalls dazu bei , das            inflationären Gefahren , die sich aus dem steigenden Ausla­
Verhältnis zwischen dem Ertrag von Finanzanlagen und dem            stungsgrad der Produktionskapazitäten ergeben könnten ,
Ertrag produktiver Investitionen zugunsten letzterer zu             werden gegenwärtig in der Tat zum überwiegenden Teil
ändern .                                                            durch die maßvolle Entwicklung der Importkosten und der
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 41
Lohnkosten neutralisiert . Die sich aus dieser maßvollen            blems der Arbeitslosigkeit . Zum anderen aber auch um zu
Entwicklung ergebende Verbesserung der Rentabilität gibt            gewährleisten , daß Europa zur Korrektur der weltweiten
Anreize zu einer extensiveren Nutzung des Kapitalstocks .           Leistungsbilanzungleichgewichte und zu einer Antwort auf
Drittens würde eine deutlichere Beschleunigung der Schaf­           die Probleme der Entwicklungsländer beitragen kann .
fung von Arbeitsplätzen die von den Lohn- und Gehaltsemp­
fängern in vielen Ländern bereits gebrachten Vorleistungen          Die notwendige Dosierung wirtschaftspolitischer Maßnah­
voll rechtfertigen . Sie würde damit die Chancen dafür              men wurde bereits im vorherigen Jahreswirtschaftsbericht
verbessern , daß der Reallohnanstieg lang genug die Beschäf­        definiert . Jetzt gilt es , sie tatsächlich anzuwenden . Dies
tigung begünstigt .                                                 bedeutet auch , daß der auf Gemeinschaftsebene bereits
                                                                    stattfindende Soziale Dialog auch auf die Mitgliedstaaten
Gleichwohl sind die Wirtschaftspolitiker auch weiterhin             ausgeweitet werden muß , damit die jeweiligen Beiträge der
angesprochen . Auch sie müssen durch ihr Vorgehen zeigen ,          Unternehmen , der Arbeitnehmer und der öffentlichen Hände
daß sie entschlossen sind , zur Stärkung der Angebots- und          besser abgestimmt werden Jkönnen .
Nachfragedynamik in der Gemeinschaft beizutragen . Sie
können jedoch keinesfalls aus ihrer Verantwortung entlassen         Auf der Ebene der einzelnen Länder müssen nicht nur die
werden .
                                                                    vorhandenen und entstehenden Handlungsspielräume ge­
                                                                    nutzt werden . Die Anwendung der Strategie verlangt eine
Die Verbesserung der realen Austauschverhältnisse hat sich
                                                                    breite Akzeptanz seitens aller sozialen Gruppen und muß
1986 sowohl auf die Angebotsbedingungen wie auf die                 deshalb Gegenstand eines gründlichen nationalen Dialogs
Nachfrage günstig ausgewirkt. Die Erhöhung der Rentabili­           mit und zwischen den Sozialpartnern sein .
tät, die seit dem Beginn des Jahrzehnts durch den mäßigen
Anstieg der Reallöhne ermöglicht wurde, hat sich beschleu­
                                                                    Die Politik der öffentlichen Finanzen hat durch Umstruktu­
nigt. Im Durchschnitt der Gemeinschaft hat die Rentabilität
das Niveau der sechziger Jahre aber noch nicht wieder
                                                                    rierung der öffentlichen Ausgaben und Einnahmen zugun­
                                                                    sten eines beschäftigungswirksameren Wachstums und
erreicht. Nach den Vorausschätzungen scheint sich 1987
                                                                    durch Stützung der Nachfrage eine wesentliche Rolle zu
außerdem die Entwicklung der realen Pro-Kopf-Löhne zu
                                                                    spielen . Drei Arten von Maßnahmen können dabei in
beschleunigen . Das Wachstum der Gesamtnachfrage wird
andererseits 1987 unter dem Niveau bleiben, das aus der             Betracht gezogen werden . Ihre Auswirkungen werden im
                                                                    Kapitel 4 eingehender analysiert:
Sicht der Kooperativen Strategie notwendig wäre. Insbeson­
dere die Investitionen erholen sich nicht so kraftvoll, wie man     — Ein Wiederanstieg der volkswirtschaftlich rentablen
angesichts der Verbesserungen in der Mehrzahl ihrer wesent­             öffentlichen Investitionen könnte , zusätzlich zur Erho­
lichen Bestimmungsgründe erwarten könnte. Eine Verbesse­                lung der privaten Investitionen , die Modernisierung der
rung der Nachfrageerwartungen würde sie begünstigen . Jetzt             europäischen Produktionskapazitäten fördern . Außer­
ist es die tatsächliche Anwendung der Kooperativen Strategie            dem würde er das Wachstum direkt unterstützen .
durch alle Beteiligten, von der eine Verbesserung der Aus­
sichten für die Arbeitslosigkeit erwartet werden muß . Die          — Der maßvolle Anstieg der Reallöhne sollte dieselbe
Unternehmen sollten auf die Verbesserung der Angebotsbe­                Größenordnung wie im Jahreswirtschaftsbericht des ver­
dingungen rascher mit mehr Investitionen und Beschäftigung              gangenen Jahres erreichen ( etwa 1 % jährlich ) und
reagieren, um dadurch die notwendige Fortsetzung des                    könnte durch eine gewisse Senkung der Beiträge zur
maßvollen Anstiegs der realen Lohnkosten pro Kopf voll zu               Sozialversicherung ergänzt werden ; aus der Sicht der
nutzen und zu rechtfertigen. Aber die wirtschaftspolitischen            Unternehmen würde diese Maßnahme die Angebots- und
Entscheidungsträger sind ebenfalls angesprochen .                       Investitionsbedingungen verbessern und die indirekten
                                                                        Lohnkosten , die im Gemeinschaftsdurchschnitt etwa
                                                                        30% der Lohnkosten insgesamt ausmachen , verringern ;
3.3 . Erfordernisse für die makroökonomische Politik für                aus der Sicht der Lohnempfänger würde sie ein etwas
       1987 und die darauffolgenden Jahre                               rascheres Wachstum der Kaufkraft erlauben und damit
                                                                        die Nachfrage stützen .
Die Anfang dieses Jahrzehnts eingeleiteten Anpassungsan­                Selbstverständlich muß eine gesunde Finanzierung der
strengungen und die Änderungen , die in jüngster Zeit im                Sozialversicherungssysteme gewahrt bleiben . Berück­
internationalen Umfeld eingetreten sind , bieten den europä­            sichtigen muß man jedoch auch , daß die Wirtschaftskrise
ischen Volkswirtschaften eine außergewöhnliche Chance .                 für die Einrichtungen der sozialen Sicherheit Mehrausga­
Die Rentabilität der Unternehmen erholt sich . Der hausge­              ben und Mindereinnahmen mit sich bringt , die sich im
machte Inflationsdruck bleibt schwach . Die Verbesserung                Zuge der Verbesserung der Situation verringern werden .
der Terms of Trade hatte einen starken Desinflationseffekt ,            Die dabei entstehenden Handlungsspielräume sollten
und die Inflationsrate ist im Gemeinschaftsdurchschnitt auf             systematisch dazu genutzt werden , die Belastung der
ihren niedrigsten Stand seit 1960 zurückgegangen . Die                  Lohnkosten zu vermindern und damit die Entwicklung
Verminderung der Ölrechnung hat den außenwirtschaftli­                  der siebziger Jahre teilweise rückgängig zu machen . Es
chen Zwang gelockert , und die Gemeinschaft erzielte nun­               könnte stärker in Betracht gezogen werden , die krisenbe­
mehr trotz der Schwäche ihrer Ausfuhr einen außenwirt­                  dingten Sozialausgaben aus den öffentlichen Haushalten
schaftlichen Überschuß von 1,2% des BIP .                               zu finanzieren .
Europa muß die sich jetzt bietende Chance mit Entschlos­            — Eine Senkung der direkten Steuern für die privaten
senheit ergreifen . Notwendig ist dies aus mehreren Gründen .           Haushalte und die Unternehmen würde ebenfalls zu der
Einmal zur Lösung des dringendsten Problems , dem sich die              notwendigen Nachfragestützung und der Verbesserung
europäischen Volkswirtschaften gegenübersehen , des Pro­                der Angebotsbedingungen beitragen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 42                                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                               31 . 12 . 86
Zusammengenommen dürften diese Maßnahmen ( J ) den                                vermeiden , daß ein Liquiditätspotential entsteht , das später
mittelfristigen Abbau des Haushaltsdefizits nicht in Frage                        die in der Inflationsbekämpfung erzielten Erfolge in Frage
stellen . Sie würden in der Tat in Verbindung mit anderen                         stellen könnte , während gleichzeitig eine ausreichende Finan­
Maßnahmen , welche auch die Angebotsbedingungen verbes­                           zierung des realen Wachstums sichergestellt werden muß .
sern , zu einem dauerhaft höheren Wachstum und zu einem                           Der diesbezügliche Handlungsspielraum der Währungsbe­
Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen . Auf diese Weise                            hörden wird um so größer sein , je geringer der hausgemachte
werden die krisenbedingten Ausgaben schrittweise abneh­                           Inflationsdruck ist und je weniger die nominalen Lohnkosten
men und die Bemessungsgrundlage rascher zunehmen .                                steigen .
Erforderlich ist jedoch bereits 1987 auch eine Beschleuni­                        Die Realisierung makroökonomischer Politiken , die sich an
gung des Wachstums . Eine solche Beschleunigung könnte                            den oben dargelegten Leitlinien orientieren , wird den von
durchaus durch eine bessere Koordinierung der Wirtschafts­                        den Lohn- und Gehaltsempfängern erbrachten Anstrengun­
politiken mit den wichtigsten Partnern Europas bewirkt                            gen ihre volle Rechtfertigung verleihen . Sie bildet ferner eine
werden ( siehe Kapitel 4.7 ). Sie könnte auch aus einer                           Voraussetzung dafür , daß die notwendigen mikroökonomi­
zusätzlichen Belebung der privaten Investitionen resultieren ,                    schen Maßnahmen zur Verbesserung der Anpassungsfähig­
die ihrerseits durch größeres Vertrauen der Unternehmer in                        keit der Märkte uneingeschränkt beschäftigungswirksam
die künftige Entwicklung der Nachfrage und der Rentabilität                       werden .
ermöglicht würde . Im Falle einer ungünstigen Entwicklung
könnte es sich als notwendig erweisen , vorübergehend einen                       Die seit Anfang des Jahrzehnts unternommenen Anpassungs­
begrenzten Anstieg des Haushaltsdefizits im Gemeinschafts­                        anstrengungen und die Änderungen, die in jüngster Zeit im
durchschnitt in Erwägung zu ziehen , wobei jedoch das Ziel                       •internationalen Umfeld eingetreten sind, bieten den europä­
einer mittelfristigen Konsolidierung der öffentlichen Haus­                       ischen Volkswirtschaften eine außergewöhnliche Chance.
halte beachtet werden sollte .                                                    Diese Chance muß entschlossen genutzt werden, nicht nur
                                                                                  um das Arbeitslosigkeitsproblem einer Lösung näherzubrin­
Damit stellt sich natürlich das Problem der Koordinierung                         gen, sondern auch damit Europa seinen Beitrag zum Abbau
der Haushaltspolitiken innerhalb der Gemeinschaft . Einige                        der weltweiten Leistungsbilanzungleichgewichte und zur
Länder müssen noch bedeutende Anstrengungen zur Haus­                             Antwort auf die Probleme der Entwicklungsländer leistet.
haltssanierung unternehmen . Andere haben bereits Hand­                           Die Politik der öffentlichen Haushalte hat durch Umstruk­
lungsspielräume oder würden bei dynamischerem Wachstum                            turierung der öffentlichen Ausgaben und Einnahmen zugun­
darüber verfügen .                                                                sten einer Verbesserung der Angebotsbedingungen und der
                                                                                  Beschäftigung und durch eine angemessene Stützung der
In erstgenannten Ländern würde die Aufgabe durch einen                            Nachfrage eine wesentliche Rolle zu spielen. Der erreichte
solchen Kontext wesentlich erleichtert . Das Wachstum der                         Rückgang und die Konvergenz der Inflationsraten sollten
zweiten Gruppe könnte beeinträchtigt werden , wenn die                            eine Fortsetzung des Zinssenkungstrends ermöglichen.
Haushaltssanierung bei ihren Partnern in einem Kontext                            Indessen muß, unter Berücksichtigung der Probleme, die ein
mäßigen Wachstums erfolgen würde . Auch in dieser Hinsicht                        weiterer Rückgang des US-Dollar-Kurses verursachen wür­
liegen die Vorteile eines kooperativen Verhaltens klar auf der                    de, und der Notwendigkeit, das Wachstum angemessen zu
Hand .                                                                           finanzieren, vermieden werden, daß sich ein Liquiditäts­
                                                                                  potential ansammelt, das mittelfristig der Stabilität abträg­
Eine Fortsetzung des Zinssenkungstrends in der Gemein­                            lich sein könnte. Die Verwirklichung der vorgeschlagenen
schaft , die den Rückgang und die zunehmende Konvergenz                           Maßnahmen muß Gegenstand enger Kooperation sein, a)
der Inflationsraten widerspiegeln würde , könnte ebenfalls                        zwischen den Mitgliedstaaten, um insbesondere die in jedem
einen positiven Beitrag zur Nachfrage leisten . Außerdem                          Land unterschiedlichen Handlungsspielräume zu berück­
könnten sich die Währungsbehörden zu weiteren Zinssen­                            sichtigen, und b) zwischen und mit den Sozialpartnern,
kungen veranlaßt sehen , um den Druck auf den Dollarkurs                          insbesondere auf der Ebene der Mitgliedstaaten, damit sich
abzuwehren . Binnenwirtschaftlich gesehen gilt es jedoch zu                       die Maßnahmen aufeine breite Akzeptanz durch die sozialen
                                                                                  Gruppen stützen können und damit die jeweiligen Beiträge
(') Diese Maßnahmen sind im Kasten näher ausgeführt ..                            der Beteiligten im Gleichgewicht sind.
                                                                        TABELLE 12
                                    Öffentliche Investitionen und Investitionen insgesamt in der Gemeinschaft (')
                                                                                                                           (in % des BIP)
                                                                   1970     1974       1979    1984    1985 ( 2 ) 1986 ( 2 )    1990 ( 3 )
               Bruttoanlageinvestitionen des Staates                   4,2    4,0       3,2      2,8     2,8        2,7           3,6
               Bruttoanlageinvestitionen insgesamt                 22,7     22,3       20,8    18,6     18,4       18,5          21,7
               (*) Ohne Griechenland , Irland , Spanien und Portugal .
               ( 2 ) Wirtschaftliche Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen Oktober 1986 .
               ( 3 ) Kooperatives Szenario .
               Quellen: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                               Nr . L 385 / 43
                                                                     TABELLE 13
                                                   Indikatoren der Nachfrage und des Angebots
                                                                 1961 -    1974-­
                                                                  1973       1981
                                                                 Durch­    Durch­
                                                                                      1982      1983    1984   1985 (>) 1986 (') 1987 (')
                                                                 schnitt    schnitt
             i) Indikatoren der Nachfrage
             (jährliche Zuwachsrate in %)                                ||\                          ||||||
             Inländische Endnachfrage zu konstanten             Il                           I                IlIl
             Preisen                                            \\                           I||IIIl
                   Entwicklung in der Gemeinschaft                  5,0        1,6      0,8       0,8     1,4      2,2      3,8      3,5
                  Abstand EUR zu den übrigen                    IIIIIIl
                   OECD-Staaten                                   - 0,5      - 0,6      1,0     - 1,9   - 4,2   - 1,1       0,4      0,9
             Privater Verbrauch                                     5,0        3,0      0,6       1,0     0,9      2,2      3,7      3,5
             Bruttoanlageinvestitionen                              5,6        0,0    - 1,5     - 0,3     1,3      2,4     4,2       5,1
             Ausfuhren von Gütern und                           \                   \                         I
             Dienstleistungen                                       9,2        4,6      1,5       3,1     7,6      5,7     2,2       3,7
             ii) Indikatoren der Angebotsbedingungen                                         \
             Beschäftigung                                               II                                   \\
             ( jährliche Zuwachsraten in % )                        0,3      - 0,1    - 0,9     - 0,8     0,1      0,4     0,8       0,8
             Produktivität                                               III\\\
             ( jährliche Zuwachsraten in % )                        4,5        2,1      1,5       2,0     1,9      2,0      1,7      2,0
             Reale Lohnstückkosten                                       I                   II
             ( Index 0 1961—1973 = 100 )                         100,0      104,3    103,0     102,4   101,1     99,9     98,1      97,4
             Rentabilität ( 2 )                                          \\I                                  I
             ( Index 0 1961—1973 = 100 )                         100,0        68,0    61,8      59,8    64,7     68,4     77,9      82,8
             Ausrüstungsinvestitionen                                    \\                           \I
             ( jährliche Veränderung in % )                          —          —
                                                                                        0,2       0,3     3,4      8,0     6,1       6,9
             Wettbewerbsfähigkeit ( 3 )                                             I                                   \
             ( Index 0 1961—1973 = 100 )                         100,0      108,8     98,9      93,2     86,7    85,6     95,1      95,9
             (') Schätzungen und wirtschaftliche Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen ( Oktober 1986 ).
             ( 2 ) Schätzung für die Zehnergemeinschaft : gesamtwirtschaftlicher Bruttobetriebsüberschuß im Verhältnis zum Kapitalstock zu
                   Wiederbeschaffungspreisen .
             ( 3 ) Veränderungen der realen effektiven Wechselkurse auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen realen Lohnstückkosten im
                   Verhältnis zu den restlichen OECD-Ländern , ohne intra-EUR-Handel .
             Quellen : Eurostat und Kommissionsdienststellen .
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                                                                            TABELLE 14
                               Sektorale Entwicklungen in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan ( 1970— 1982 )
                                                                                          EUR-6 ( 3 )        USA   Japan
               1 . Wertschöpfung zu konstanten Preisen
                    (jährliche Zuwachsrate in % 1970— 1982)
               Landwirtschaft                                                                 1,8             2,1    0,2
               Industrie (')                                                                  1,7             2,1    7,1
               Marktbestimmte Dienstleistungen                                                3,4             3,6    5,1
               Nichtmarktbestimmte Dienstleistungen ( 4 )                                     2,4             1,9    4,2
               Insgesamt ( 2 )                                                                2,5             2,7    5,2
               2 . Beschäftigung 1982
                    (Index 1970 = 100)
               Landwirtschaft                                                                67,2            97,2   68,7
               Industrie (')                                                                 83,0            97,8 100,4
               Marktbestimmte Dienstleistungen                                              117,2           136,2 132,2
               Nichtmarktbestimmte Dienstleistungen ( 4 )                                   124,5           121,4 133,4
               Insgesamt ( 2 )                                                               99,9           121,7 111,5
              3 . Produktivität je Beschäftigten
                    (jährliche Zuwachsrate in % 1970— 1982)
              Landwirtschaft                                                                  5,2             2,3    3,5
              Industrie (')                                                                   3,3             2,3    7,1
              Marktbestimmte Dienstleistungen                                                 2,1             1,0    2,7
              Nichtmarktbestimmte Dienstleistungen ( 4 )                                      0,5             0,2    1,8
              Insgesamt ( 2 )                                                                 2,5             1,0    4,3
              4. Relative Preise im Verhältnis zu Industriegüter­
                    preisen 1982
                    (Index 1970 = 100)
              Landwirtschaft                                                                 83,5           120,7
                                                                                                                  |
                                                                                                                  147,9
              Industrie ( l )                                                               100,0         . 100,0 100,0
              Marktbestimmte Dienstleistungen                                               110,3           112,4 161,3
              Nichtmarktbestimmte Dienstleistungen ( 4 )                                    138,4           125,3 240,8
              Insgesamt ( 2 )                                                               110,6           116,4 147,8
              (') Gewerbliche Erzeugnisse .
              ( 2 ) Einschließlich der anderen Sektoren : Energie , Hoch- und Tiefbau .
              ( 3 ) Belgien , Deutschland , Frankreich , Italien , Niederlande , Vereinigtes Königreich .
              ( 4 ) Hauptsächlich Dienstleistungen des Staates .
              Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      Nr . L 385 / 45
                                                                 SCHAUBILD 17
             Bruttoinlandsprodukt und Beschäftigung in der Gemeinschaft (EUR-12) in jährlichen Zuwachsraten in % (')
             (') Die waagerechten Linien geben die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in der markierten Periode an.
             Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen ( 1985—1987 : Wirtschaftliche Vorausschätzungen der Kommissionsdienst­
                     stellen , Oktober 1986 ).
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 46                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                        31 . 12 . 86
                                                                     SCHAUBILD 18
                           Rentabilität (-1 ) und Wachstum des Kapitalstocks(2 ) in der Gemeinschaft (EUR-4) ( 3 )
           (') Nettobetriebsüberschuß in Prozent des Bruttokapitalstocks zu Wiederbeschaffungspreisen .
           ( 2 ) Bruttokapitalstock zu konstanten Preisen ( Veränderung in Prozent per annum ).
           ( 3 ) Bundesrepublik Deutschland , Frankreich , Italien , Vereinigtes Königreich .
           Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                          Nr . L 385 / 47
                                                                     SCHAUBILD 19
                      Auslastung (') und Wachstum des Kapitalstocks (2) (Index = 100: Maximum der letzten 25 Jahre)
                           Deutschland                                                                Frankreich
                                Italien                                                        Vereinigtes Königreich
(') Auslastungsgrad in Prozent basierend auf Untersuchungsumfragen im Verarbeitenden Gewerbe .
( 2 ) Wachstum des Bruttokapitalstocks ( Veränderung in Prozent per annum ).
Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 48                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                31 . 12 . 86
               Mittelfristige Szenarien der Kooperativen Strategie
               Die mögliche- wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinschaft wird illustriert anhand einer auf der
               Annahme unveränderter Politiken und Verhaltensweisen beruhenden mittelfristigen Projektion
               einerseits und anhand einer stark stilisierten Veranschaulichung ' der Kooperativen Strategie
               andererseits . Die genannten Zahlen dienen lediglich der Illustration und sollten nicht als formelle
               politische Zielvorgaben interpretiert werden .
               Die Szenarien wurden mit Hilfe des COMPACT-Modells für die Zehnergemeinschaft berechnet .
               Einzelheiten dieses Modells sind in „Europäische Wirtschaft", Nr . 27 , beschrieben .
               Die Annahmen hinsichtlich des internationalen Umfelds
               Sowohl für die Basisprojektion als auch für die Kooperative Strategie wurde angenommen , daß der
               Rohölpreis gegen Ende der Dekade wieder anzusteigen beginnen wird . Dies entspricht einer
               Verschlechterung der realen Austauschverhältnisse , zwischen 1987 und 1990 , um etwa 7% . In bezug
               auf die Wechselkurse wird eine annähernde Stabilität der Relationen US-Dollar / ECU und Yen / ECU
               ausgehend von ihrem Jahresdurchschnittswert für 1986 unterstellt .
               In den Vereinigten Staaten wird das öffentliche Defizit von 3,4% des BIP 1986 auf 1% 1990
               abgebaut . Es wird sich in Japan auf 0,5 % des BIP ab 1987 einpendeln , nachdem es 1986 1 % erreicht
               hat . Das Wirtschaftswachstum wird in den Vereinigten Staaten mäßig ( 2,7% — 2,8% im
               Durchschnitt zwischen 1986 und 1990 je nach Szenario ) und in Japan ziemlich ausgeprägt ( 3,7 % —
               3,8% im gleichen Zeitraum ) ausfallen .
               Ein Szenario zur Veranschaulichung der Kooperativen Strategie
               Das Szenario , anhand dessen dieses Jahr die Kooperative Strategie veranschaulicht werden soll , führt
               zu dem selben durchschnittlichen Wachstum wie im letztjährigen Jahreswirtschaftsbericht ( 3,5 % für
               die Jahre 1986— 1990 ). Die nominale Nachfrage wird im kooperativen Szenario ungefähr auf dem
               Niveau der Basisprojektion gehalten (6 % oder geringfügig darüber ). Diese Wachstumsrate reicht aus ,
               um zwischen 1986 und 1990 zu einem Rückgang der Arbeitslosenquote um 3,7 Prozentpunkte der
               Erwerbspersonen zu führen und erlaubt , gegen Ende dieses Jahrzehnts eine tendenzielle Zunahme der
              Beschäftigung um etwas über 1,5 % zu erzielen . Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen sind darauf
               ausgerichtet , durch eine Kombination von angebots- und nachfrageorientierten Maßnahmen bei
              Wahrung der Geldwertstabilität zu einer dynamischeren Entwicklung der europäischen Volkswirt­
              schaften zu gelangen .
              Für den Anstieg der realen Lohnkosten pro Kopf wird die Annahme des letzten Jahres beibehalten ,
              d . h . ein jährlicher Anstieg von 1 % ( im Durchschnitt 1986— 1990 ); der Abstand zum Produktivi­
              tätswachstum beträgt im Jahresdurchschnitt 1,3 Prozentpunkte pro Jahr .
              Dieser maßvolle Anstieg der realen Lohnkosten wird auf zweierlei Weise erreicht : Einerseits durch
              Bemühungen auf Seiten der realen Bruttolöhne und Gehälter ( ausschl . Sozialversicherungsbeiträge ):
              Wie im kooperativen Szenario des letzten Jahres steigen diese um 1,1 % im Durchschnitt der Jahre
              1986— 1990 . Zum anderen durch eine Senkung der Sozialversicherungsbeiträge , die gemäß ihrem
              jeweiligen Anteil Arbeitgebern und Beschäftigten zugute kommt . Über vier Jahre kumuliert
              ( 1987— 1990 ) erreicht die unterstellte Verringerung der Sozialversicherungsbeiträge ex ante 1 % des
              BIP .
              Die mittelfristige Haushaltspolitik ist durch eine schrittweise Senkung der von den privaten
              Haushalten zu entrichtenden direkten Steuern und durch eine Steigerung der öffentlichen Investitio­
              nen gekennzeichnet. Über vier Jahre kumuliert machen diese beiden Maßnahmen jeweils 1,2% des
              BIP aus . Neben den endogenen Einsparungen bei gewissen sozialen Leistungen ( insbesondere
              Arbeitslosenunterstützung) ist unterstellt , daß die fortschreitende Verbesserung der wirtschaftlichen
              Lage es ermöglicht , den Anstieg der Ausgaben , die direkt der Entlastung des Arbeitsmarktes dienen
              ( z . B. Programme zum Vorruhestand ), zu verlangsamen .
              Der anhaltende Rückgang der Inflation , die den Kapitalmarkt entlastende Verbesserung der
              finanziellen Lage der Unternehmen und eine Geldpolitik , die bei anhaltender stabilitätspolitischer
              Orientierung ein rascheres reales Wachstum erlaubt , führen zu einem Rückgang der langfristigen
              Nominalzinsen im Durchschnitt der Gemeinschaft um etwa drei Prozentpunkte zwischen 1986 und
              1990 . Im Durchschnitt des Zeitraums liegt der Realzins bei 3,6% .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                Nr . L 385 / 49
             Kumuliert über den Zeitraum 1987 bis 1990 machen die mittelfristigen Steuersenkungen und
             öffentlichen Ausgabensteigerungen insgesamt etwa 3,2 % des BIP aus . Die höhere Wachstumsrate
             und die verringerten Ausgaben der Sozialversicherung gleichen die Auswirkungen der Maßnahmen
              auf das Haushaltsdefizit weitgehend aus . Im Jahre 1990 läge das Haushaltsdefizit um 0,5 % des BIP
              unter demjenigen in 1986 , was jedoch einen geringeren Rückgang als in der Basisprojektion
             darstellt .
              Im kooperativen Szenario liegt der Leistungsbilanzsaldo im Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 um
              0,5 Prozentpunkte unter demjenigen des Basisszenarios ( 0,1 % des BIP anstelle von 0,6% ). Eine
             Variante des kooperativen Szenarios ist in Punkt 4.7 dargestellt . Ihm liegt die Hypothese zugrunde ,
              daß Japan einen größeren Beitrag zum Abbau der großen weltweiten Ungleichgewichte beiträgt .
              Infolgedessen verbessert sich der Leistungsbilanzsaldo im Durchschnitt der Jahre 1986— 1990 um
              0,3 Prozentpunkte im Vergleich zum kooperativen Szenario .
                         Einige wichtige makroökonomische Aggregate zur Illustration der Kooperativen Strategie
                                                                               Basisprojektion                    Kooperatives Szenario
              Durchschnittliche jährliche Wachstumsraten
              1986—90 (in %)
              BIP real                                                                2,7                                   3,5
              BIP Deflator                                                            3,3                                   2,7
              BIP nominal                                                             6,0                                   6,2
              Beschäftigung                                                           0,7                                   1,2
              Produktivität                                                           2,0                                   2.3
              Privater Verbrauch                                                      3,0                                   3.4
              Investitionen                                                           3,7                                   6,8
              Reale Pro-Kopf-Löhne                                                    1,9                                   1,1
              Reale Lohnstückkosten                                                 - 0,3                                 - 1,3
              Durchschnittliche jährliche Niveaus
              1986—90 (in %)
              Langfristiger Zinssatz (in %)                                           7,7                                   6,3
              Leistungsbilanzsaldo (in % des BIP)                                     0,6                                   0,1
                                                                                                                    Niveau 1990 im
                                                                         tatsächliches Niveau 1986
                                                                                                                  kooperativen Szenario
              Arbeitslosenquote (in %)                                              10,8                                   7,1
              Haushaltsdefizit (in % des BIP)                                         4,7                                  3,9
              Anmerkungen: Die Zahlen sind für EUR-10 ; für EUR-12 bestünde der Hauptunterschied in der Arbeitslosenquote : 1986 ,
                              11,9 % ; J990 , 8,2 % .
              Die obigen Zahlen wurden anhand eines stark stilisierten Modells errechnet und sollen lediglich die möglichen Größenordnungen
              andeuten .
                          4 . BEITRAGE DER WIRTSCHAFTSPOLITIK ZUR KOOPERATIVEN STRATEGIE
4.1 . Geldpolitische Leitlinien und Koordinationsprobleme                         siebziger Jahren betrug das Wachstum der Geldmenge im
                                                                                  weiteren Sinne in der Gemeinschaft noch etwa 15% ( EWS
In den Mitgliedsländern der Gemeinschaft ist die Konvergenz                       13 % ), derzeit liegt es bei ungefähr 9,5 % ( EWS unter 7% ),
der Geldpolitik in Richtung auf eine Politik , die den realen                     und eine erneute Beschleunigung ist nicht zu erwarten . Die
Wachstumsmöglichkeiten in einem Umfeld monetärer Stabi­                           Geldpolitik hat somit einen wichtigen Beitrag zur Verringe­
lität Rechnung trägt , weiter vorangeschritten . Die Verringe­                    rung der Inflation in der Gemeinschaft geleistet. Betrug die
rung und größere Konvergenz des Wachstums der monetären                           durchschnittliche Inflationsrate in der Gemeinschaft 1980
Aggregate ist ein deutliches Zeichen für die größere Kohärenz                     noch 13 % , so werden in diesem Jahr im Durchschnitt 3,5 %
der nationalen Geldpolitiken ( Tabelle 15 ). In den späten                        erwartet .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 50                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
Eine der Hauptaufgaben der Geldpolitik ist die Erreichung           tendenzielle Inflationsrate . Dies bedeutet jedoch nicht , daß
bzw . Sicherung eines hohen Grades an Geldwertstabilität ,          die Mitgliedsländer auch geldpolitisch auf die importierte
eine Aufgabe , die in voller Ubereinstimmung mit der Koope­         Preisstabilität gleich reagieren sollten .
rativen Strategie steht . Geldwertstabilität ist die unerläßliche
Grundlage für andere Ziele der Wirtschaftspolitik . Indem sie
die Unsicherheiten über die künftige Kaufkraft des Geldes           In Ländern , in denen Inflationsrate und Inflationserwartun­
reduziert , schafft sie günstige Rahmenbedingungen für ein          gen sich bereits auf einem niedrigen Niveau stabilisiert
kooperatives Verhalten der am Wirtschaftsleben Beteiligten          haben , sollte der bereits vor dem Importpreisrückgang
und entzieht Indexierungsmechanismen ihre Berechtigung .            eingeleitete geldpolitische Kurs nicht grundlegend verändert
Sie verbessert auch die Voraussetzungen für die Anpassung           werden . Damit unterstützt die Geldpolitik ein höheres reales
der relativen Preise und trägt dadurch zu einer effizienten         Wachstum . Eine als kurzfristig und vorübergehend angese­
Allokation der Produktionsfaktoren bei .                            hene Abweichung vom anvisierten Geldmengenwachstum
                                                                    erfordert ebenfalls nicht unbedingt korrigierende Maßnah­
                                                                    men , da negative Erwartungseffekte in solchen Ländern
                                                                    wenig wahrscheinlich sind . Wenn die gegenwärtig günstigen
Eine mittelfristig ausgerichtete Geldpolitik ist geeignet , die
                                                                    Wachstumsvoraussetzungen 1987 tatsächlich in einen höhe­
Erwartungsbildung dauerhaft in die gewünschte Richtung zu           ren realen Wachstumstrend einmünden , so sollte die Geld­
beeinflussen und zu stabilisieren , ohne die bereits erzielten
                                                                    politik dies in der Formulierung des Geldmengenziels berück­
Erfolge bei der Inflationsbekämpfung in Frage zu stellen .
                                                                    sichtigen .
Die Geldpolitik muß währenddessen den realen Wachstums­             Länder , die zwar deutliche Fortschritte bei der Inflationsbe­
möglichkeiten gebührend Rechnung tragen . Würde im Zuge             kämpfung vorweisen können , deren Inflationsniveau aber
der Realisierung der Kooperativen Strategie die Wachstums­          immer noch deutlich über dem Gemeinschaftsdurchschnitt
rate des Produktionspotentials steigen , so müßte die Geld­         liegt — wie z . B. Italien — , sollten den importierten Stabili­
politik dies entsprechend begleiten . Eine höhere Geldversor­       tätsbeitrag , der zunächst lediglich einen Preisniveaueffekt
gung wäre gleichfalls notwendig, wenn ein anhaltend nied­           repräsentiert , konsolidieren und die Inflationsrate dauerhaft
riges Niveau der Energiepreise das Produktionspotential             reduzieren . Dies kann erreicht werden , indem die Geldpolitik
erhöhen würde .                                                     dieses Ziel explizit deutlich macht und durch ihre Entschei­
                                                                    dungen glaubwürdig vertritt . Eine Geldpolitik , die weiterhin
                                                                    auf eine Reduzierung des Geldmengenwachstums abzielt ,
                                                                    würde weitere Zinssenkungen keineswegs verhindern . Im
Quantitative Geldmengen- oder Kreditziele spielen in einer
                                                                    Gegenteil : In dem Maße wie die Inflationserwartungen auf
mittelfristig angelegten , auf ein hohes Maß an Preisniveau­
                                                                    einem niedrigen Niveau stabilisiert werden , würden die
stabilität ausgerichteten Geldpolitik weiterhin eine wichtige
                                                                    nominalen und realen langfristigen Zinssätze sinken .
Rolle . Die Einführung finanzieller Innovationen , eine fort­
schreitende Liberalisierung des Kapitalverkehrs , strukturelle
Veränderungen auf den Geld- und Kapitalmärkten sowie
                                                                    Schließlich sollten die Länder , die zwar gegenwärtig eine
Änderungen in den Geldhaltungsgewohnheiten können
                                                                    niedrige Preissteigerungsrate verzeichnen , in denen die Infla­
jedoch die Entwicklung der monetären Aggregate unter
                                                                    tionserwartungen aber noch höher blieben , als es der tatsäch­
Umständen stark beeinflussen . Dies sollte bei der Bewertung
                                                                    lichen Preissteigerungsrate entspricht — wie z.B. Frankreich
monetärer Entwicklungen berücksichtigt werden . Mit der
                                                                    — , an einem moderaten und an den mittelfristigen Wachs­
Vorgabe eines jährlichen Geldmengenzieles verdeutlicht die
                                                                    tumsmöglichkeiten orientierten Geldmengenwachstum fest­
Geldpolitik ihre beabsichtigte grundlegende Ausrichtung .
                                                                    halten . Die in der jüngsten Zeit in Frankreich zu beobach­
Wirtschaft , Tarifpartner und der Staat können sich bei ihren
                                                                    tende Senkung und Abflachung der Zinsertragskurven — im
Entscheidungen darauf einstellen . Geldmengenziele erhöhen
                                                                    Zeitraum von Januar bis August 1986 sind die langfristigen
den Informationsstand in der Wirtschaft , Friktionspotential
                                                                    Zinsen um drei Prozentpunkte und die kurzfristigen Zinsen
wird abgebaut und der Soziale Dialog erleichtert . Länder , die     um zwei Prozentpunkte gesunken — ist ein Anzeichen dafür ,
nur bedingt eine eigenständige Geldpolitik führen können
                                                                    daß die Geldpolitik an Glaubwürdigkeit gewonnen hat .
und deren primäres Ziel die Stabilisierung des Wechselkurses        Dauerhaft niedrige Zinssätze sind von einer Stabilisierung
ist , würden gleichfalls von einer mittelfristig orientierten
                                                                    der Inflationserwartungen auf einem niedrigen Niveau
Geldpolitik der größeren Länder profitieren : Die Wechsel­          abhängig .
kurserwartungen würden stabilisiert , und diese Länder kön­
nen ein hohes Maß an Preisniveaustabilität importieren und
aufrechterhalten .
                                                                    Die geldpolitische Orientierung , wie sie hier vorgeschlagen
                                                                    wird , bedeutet auf der anderen Seite , daß kurzfristige
                                                                    konjunkturelle Überlegungen lediglich eine untergeordnete
Die konjunkturelle Ausgangslage ist in den meisten Mit­             Rolle spielen dürfen . Andernfalls würden die Erfolge bei der
gliedsländern gegenwärtig ähnlich : Die meisten Länder              Erreichung eines hohen Maßes an Preisniveaustabilität wie­
befinden sich in einem Stadium eines moderaten Auf­                 der aufs Spiel gesetzt . Keinesfalls sollte auch übersehen
schwungs , und alle Länder ( mit Ausnahme Griechenlands)            werden , daß auch eine mittelfristig angelegte Geldpolitik
importieren über deutlich sinkende Importpreise Stabilität .        konjunkturell stabilisierende Wirkungen hat . Während einer
Die Gefahr einer erneuten Beschleunigung der Inflation ist          Rezessionsphase ist das Geldmengenwachstum im Vergleich
deshalb zumindest kurzfristig nicht erkennbar . Die gegen­          zum BIP-Wachstum relativ hoch . Die Liquidität wird erhöht ,
wärtige Inflationsrate unterschätzt jedoch sicherlich die           ohne jedoch die Inflationserwartungen negativ zu beeinflus­
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 51
sen . Umgekehrt dämpft eine Liquiditätsreduzierung in einer         Stabilität ; dies unterstützte den Desinflationsprozeß . Das
Wachstumsphase die Inflationserwartungen , ohne jedoch die          EWS konnte aber nur vor dem Hintergrund der strikten
schmerzhaften Wirkungen einer Stabilisierungspolitik auszu­         Verfolgung eines gemeinsamen Stabilitätszieles an Stabilität
lösen .                                                             gewinnen . Die ' größere Wechselkursstabilität war also
                                                                    zugleich das Ergebnis als auch Ursache der größeren Preis­
                                                                    und Kostenstabilität im EWS . Die Wechselkursanpassungen
Aber auch in .einem System flexibler Wechselkurse kann die          von April und August 1986 haben an diesem Grundzusam­
Geldpolitik mit einem Konflikt zwischen binnenwirtschaftli­         menhang nichts geändert .
chen Notwendigkeiten und außenwirtschaftlichen Erforder­
nissen konfrontiert werden . Eine flexible Reaktion der
Geldpolitik im Hinblick auf Wechselkursentwicklungen                Gleichwohl bleibt das EWS ein System zwar fester , aber
außerhalb der Gemeinschaft könnte deshalb notwendig sein ,          anpassungsfähiger Wechselkurse . Bei nicht perfekter Koor­
um nachteilige reale Störungen zu vermeiden , die letztendlich      dinierung der Wirtschaftspolitik müssen sich akkumulieren­
auch das übergeordnete Ziel der monetären Stabilität gefähr­        de Unterschiede in den Entwicklungen der fundamentalen
den. Dies sollte jedoch keine grundlegende Änderung des             Bestimmungsfaktoren der Wechselkurse von Zeit zu Zeit
eingeschlagenen Kurses darstellen .                                 korrigiert werden . Eine solche Politik unterstützt im Prinzip
                                                                    jedoch nicht von vornherein grundsätzlich divergierende
                                                                    wirtschaftliche Entwicklungen . Zukünftig ist von einer
Die nominalen Zinssätze sind in Europa in den letzten Jahren        höheren Integration der finanziellen Märkte auszugehen ,
deutlich gesunken . Betrug das nominale Niveau der kurzfri­         nicht zuletzt wegen einer wünschenswerten zunehmenden
stigen Zinsen im Gemeinschaftsdurchschnitt 1981 noch                Liberalisierung des Kapitalverkehrs . Die Zinssätze haben
15% , so beträgt es gegenwärtig 8,8% , was in etwa dem              sich im EWS bereits deutlich angeglichen . In der Tat ist die
Durchschnitt der siebziger Jahre entspricht ( Tabelle 16 ). Es      Differenz zwischen den deutschen und den französischen
wird davon ausgegangen , daß die Zinssätze in der absehba­          langfristigen Zinsen von drei Prozentpunkten vor dem
ren Zukunft , wenn auch verlangsamt , weiter sinken werden .        Realignment auf zwei Prozentpunkte danach geschrumpft .
Trotz aller Fortschritte bei der Desinflationierung wird das        Auch in Belgien ist das Absinken der langfristigen Zinsen
Niveau der langfristigen Realzinsen gegenwärtig immer noch          spektakulär .
als relativ hoch empfunden . Bei der Bewertung des gegen­
wärtigen Niveaus der Realzinsen muß jedoch auch berück­
sichtigt werden , daß in einigen Ländern die Inflationsrate         Das Realignment hatte also tatsächliche zinspolitische Kon­
gegenwärtig unter der mittelfristigen Rate liegt und damit das      sequenzen . Abwertungsverdächtige Währungen mußten vor
Niveau der Realzinsen überschätzt wird . Zu niedrige Real­          dem Realignment den Anpassungsdruck durch höhere Zin­
zinsen spiegeln die relative Knappheit des Kapitals schlecht        sen ausgleichen . Dies zeigt , daß in den Ländern mit höherem
wider . Sie haben in den siebziger Jahren zu einer zu               Geldwertschwund die Hinauszögerung des Realignments
kapitalintensiven Ausstattung des Produktionsprozesses              eine durchaus ernstzunehmende stabilisierende Wirkung
geführt , was gesamtwirtschaftlich eine Fehlallokation der          hatte .
relativ knappen Ersparnisse bedeutet und eine Verschlechte­
rung der Ertragslage nach sich zog . Zu niedrige reale Zinsen
reduzieren darüber hinaus die gesamtwirtschaftliche Erspar­         Die zunehmende Liberalisierung des Kapitalverkehrs stellt
nisbildung und entziehen damit einem höheren Wachstum               zunächst wegen der erwarteten größeren Kapitalbewegungen
die Basis . Wie Schaubild 20 belegt , entspricht das für 1986       ein potentielles Risiko für die Stabilität des EWS dar . Ihr
erwartete Niveau der Realzinsen in etwa dem Stand der               kann jedoch durch eine verstärkte Konvergenz der Geld­
späten sechziger Jahre . Andererseits liegen die Renditen des       politik und der allgemeinen Wirtschaftspolitik begegnet
Sachkapitals noch nicht wieder auf diesem Niveau .                  werden . Somit hängt die beabsichtigte fortschreitende Libe­
                                                                    ralisierung des Kapitalverkehrs eng mit der verstärkten
                                                                    Integration der Volkswirtschaften der Gemeinschaft und
Einerseits ist ein ausreichendes Niveau der realen Zinssätze        auch mit einer soliden Weiterentwicklung des EWS zusam­
notwendig , um eine Fehlallokation des Kapitals zu vermei­          men .
den und um ein beschäftigungswirksameres Wachstum von
der Angebotsseite her abzusichern . Andererseits ist es durch­
aus wünschenswert , daß sowohl die nominalen als auch die           Die Folge des höheren monetären Integrationsgrades ist ein
Realzinsen im Zuge einer Stabilisierung der Inflationserwar­        größerer Koordinierungsbedarf. Dies gilt für die einzelstaat­
tungen auf einem niedrigeren Niveau und durch die verstärk­         lichen Geldpolitiken im Rahmen des EWS , es gilt aber auch
te gesamtwirtschaftliche Ersparnisbildung sinken . Eine mit­        binnenwirtschaftlich für die Abstimmung mit den anderen
telfristig angelegte geldpolitische Strategie ist der geeignete     Instrumenten der allgemeinen Wirtschaftspolitik : Hier muß
Weg zu einer solchen , „organisch" angelegten Realzinssen­          ein Zusammenspiel der wirtschaftspolitischen Instrumente
kung auf gesunder Grundlage .                                       gefunden werden , das das System fester Wechselkurse nicht
                                                                    gefährdet . Vor allem muß eine auf binnen- und außenwirt­
                                                                    schaftliche Stabilität ausgerichtete Geldpolitik von der Haus­
Bei der zunehmenden Konvergenz der Geldpolitik und bei              haltspolitik und einer angemessenen Einkommensentwick­
der Reduzierung der Inflation hat das EWS einen entschei­           lung unterstützt werden . Auf der Ebene des EWS ist der
denden Beitrag geleistet , indem es die teilnehmenden Länder        Koordinierungsbedarf insbesondere zwischen den großen
einer klaren Wechselkursdisziplin unterwarf. Länder mit             Mitgliedsländern gewachsen . Hier muß insbesondere die
verhältnismäßig hoher Inflation importierten in den sich            Übereinstimmung über die stabilitätspolitischen Ziele weiter
verlängernden Perioden fester Wechselkurse relative Preis­          gefestigt werden .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 52                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                         31 . 12 . 86
Ein koordiniertes Handeln der Geldpolitik wäre allerdings                     sames Vorgehen Europas bei der Lösung der internationalen
nicht gleichbedeutend mit einer in allen Ländern gleichen                     Ungleichgewichte erleichtern .
Politik . Die einzelnen Länder sehen sich unterschiedlichen
Problemen gegenüber . Insbesondere die sehr unbefriedigen­                    Die Geldpolitik der Gemeinschaft sollte bestrebt sein, den
de Konvergenz der Fiskalpolitiken und , nicht unabhängig                      Spielraum für das reale Wachstum angemessen zu finanzie­
davon , immer noch auseinanderlaufenden Inflationserwar­                      ren und gleichzeitig bereits erzielte Erfolge bei der anhalten­
tungen erfordern unterschiedliche Vorgehensweisen . Jedes                     den Reduzierung der Trendrate der Inflation zu sichern und,
Land muß also im Rahmen seiner Möglichkeiten den geeig­                       wo notwendig, auszuweiten. Bisher wurde die Aufgabe der
neten „policy mix" finden , um dem gemeinsamen Ziel eines                     Geldpolitik durch die außenwirtschaftliche Entwicklung
stetigen , inflationsfreien und beschäftigungswirksameren                     erleichtert. Die Abwertung des Dollars sowie der Rückgang
Wachstums näherzukommen .                                                     der Ölpreise und der amerikanischen Zinsen haben den
                                                                              Zinssenkungsspielraum in Europa erhöht, ohne daß dies
Die gemeinsame Orientierung der Geldpolitik der EWS-Mit­                      Gefahren für die Inflation nach sich zieht. Ein weiterer,
gliedsländer muß auch Entwicklungen außerhalb des                             deutlicher Fall des Dollars könnte eine flexible Reaktion der
EWS-Raumes berücksichtigen . Gegenüber externen Einflüs­                      Zinssätze in Europa erfordern, um der Gefahr eines erneuten
sen wäre die Stabilität des EWS um so weniger gefährdet , je                  deutlichen Rückgangs des Dollars mit seinen negativen
größer die Konvergenz der wirtschaftlichen Entwicklung und                    mittelfristigen Folgen zu begegnen . Dabei mußjedoch darauf
je höher der Grad der Liberalisierung des Kapitalverkehrs ist,                geachtet werden, daß kein neues Inflationspotential aufge­
weil ein integrierter Währungsraum das relative Gewicht der                   baut wird. Das EWS hat sich als stabilisierender Faktor
Außeneinflüsse reduzieren würde . Kapitalbewegungen ge­                       erwiesen. Diefortschreitende Konvergenz in Verbindung mit
genüber Drittländern würden die Stabilität der EWS weniger                    einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs haben die Notwen­
gefährden , da sie die Mitgliedsländer gleichmäßig treffen                    digkeit einer engeren Koordinierung der Wirtschaftspolitik
würden . In diesem Zusammenhang kommt der Stärkung der                        erhöht, und zwar sowohl intern zwischen Geldpolitik,
Rolle der ECU eine besondere Bedeutung zu . Im Falle einer                    Politik der öffentlichen Finanzen und Einkommensentwick­
Kapitalbewegung aus dem Dollar könnte dies den Rückfluß                       lungais auch zwischen den Mitgliedsländern. Die Fortschrit­
eines Teils des Kapitals in die ECU und nicht , wie häufig in                 te, die bei der Schaffung einer Zone geld- und währungs­
der Vergangenheit , in die D-Mark erlauben . Angesichts der                   politischer Stabilität erreicht worden sind, verringern die
Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des Dollar                       Abhängigkeit von externen Einflüssen und sind wichtige
wäre diese höhere Integration der europäischen Geld- und                      Bedingungen für eine höhere Integration der europäischen
Währungspolitik zu begrüßen . Sie würde auch ein gemein­                      Volkswirtschaften .
                                                                   TABELLE 15
                                             Verringerung und Konvergenz des Geldmengenwachstums
                                                                                                                                         (in %)
                                   1961 -   1970­
                                                      1978      1979     1980     1981      1982      1983     1984   1985    1986      1987
                                    1969     1977
Gewichteter Durchschnitt :
EUR                              \           14,8     14,8      13,9     11,9     11,5      11,3      11,2      9,5    9,9      9,7      7,4
EWS                                 11,7     14,0     13,8      12,9      9,7      8,7        9,5     10,2      8,4    7,7      6,9      5,6
Abweichungsindex relativ
zum Durchschnitt ('):
EUR                              \            4,2      4,0       3,9      4,1      4,1        2,7      3,6      3,0    4,4      4,2      2,6
EWS                                  2,1      3,4      4,2       4,0      3,4      2,5        2,3      3,5      3,1    3,2      1,5      1,2
Abweichungsindex relativ
zum geringsten Anstieg ('):
EUR                            |              6,5     10,2       9,0      6,6      7,3        4,8      5,8      5,5    5,0      4,4      3,8
EWS                            !     4,8      5,2      9,2       8,1      4,4      4,4        3,0      4,8      4,4    2,8      1,6      2,0
(') Der Abweichungsindex ist die gewichtete Summe der absoluten Abweichungen von dem jeweiligen Referenzwert .
Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                              Nr . L 385 / 53
                                                                        TABELLE 16
                                                                      Zinsentwicklungen
                                                                                                                                                      (in %)
                                    1961 -     1970 -­
                                                           1978         1979     1980       1981       1982         1983       1984       1985       1986
                                     1969        1977
Nominale kurzfristige
Zinssätze :                                                        I                                1||||
EUR-12                                 4,8        8,5       8,8         10,9     13,7       15,0       13,7         11,9       11,2       10,5        8,8
EWS                                    4,5        7,8       6,9          9,8     12,2       14,0       11,8          8,9        9,0        8,3    ,   6,3
USA                                    4,1        5,7       7,4         10,1     11,6       14,0       10,6          8,7        9,4        7,5        6,5
Japan                                 —
                                                  8,0       5,1          5,8     10,7        7,4        6,8          6,5        6,3        6,5        5,3
Nominale langfristige                         \                                          I
Zinssätze :                       II                                                     I                                             l
EUR-12­                                6,5        9,8      10,3         11,2     13,0       15,1       14,3         12,7       12,0       10,8 :      9,0
EWS                                    6,3        9,2        8,8        10,1     11,5       13,5       12,5         10,6       10,3        9,1        7,5
USA                                    4,6        6,5        7,9         8,7     10,8       12,9       12,2         10,8       12,0       10,8        8,1
Japan                                  —
                                                  7,7        6,3         8,3       8,9       8,4        8,3          7,8        7,3        6,5        5,2
Reale langfristige Zins­
                                                                    •
sätze ( deflationiert mit         liIl                             \\                    ||Il||I||
BIP-Preisen ) ('):                IIIIIIIIIlIIIlIIIlI
EUR-12                                 2,4     - 0,3         0,1         0,4       0,1       4,2        3,7          4,4        5,7        4,8        2,6
EWS                                    2,3        0,4        0,6         1,3       0,8       3,5        2,1          2,7        4,5        4,1        2,1
 USA                                   1,6        0,3        0,5         0,2       1,2       4,0        5^3          7,7         8,2       7,0        3,9
Japan                                  —
                                                - 1,0        1,7         5,7       6,1       5,7        6,6          7,1        6,7        5,2        3,9
(') Die Definition der realen Zinssätze wirft methodologische Probleme auf. Diese Probleme werden noch verschärft , wenn die Terms of Trade sich , wie 1986 ,
    erheblich ändern und damit das Maß für die heimische Inflation im Vergleich zum Inflationstrend verzerren ( je nach Indikator nach oben oder unten ). Eine
    Verbesserung der Terms of Trade erhöht tendenziell die BIP-Preise .
 Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 54                                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                            31 . 12 . 86
                                                                         SCHAUBILD 20
                                                Kapitalrentabilität und Zinsentwicklung in der Gemeinschaft
              (') Nettobetriebsüberschuß des Unternehmenssektors ( ohne Wohnungssektor) als Prozent des dazugehörigen Kapitalstocks zu
                    Wiederbeschaffungspreisen ( EUR-4 ).
              ( 2 ) Rendite der Staatstitel deflationiert mit dem Preisindex für das" Bruttosozialprodukt .
              Quelle: Kommissionsdienststellen
                        1986 , 1987 Wirtschaftsvorausschätzungen , Mai 1986 .
4.2 . Politik der öffentlichen Finanzen                                                zentpunkte zurückgegangen war ( Tabellen 17 und 18 ). Am
                                                                                       stärksten verringerte sich das Finanzierungsdefizit in man­
4.2.1 . Haushaltsdefizite, öffentliche Verschuldung, Wachs­                            chen Ländern , in denen es sehr ausgeprägt war ( Griechen­
         tum und Beschäftigung                                                         land und Italien ), sowie in Dänemark , das 1986 einen
                                                                                       Finanzierungsüberschuß erzielt . Für 1987 wird mit einem
Die Wachstumsaussichten der Gemeinschaft können durch                                  weiteren Abbau der Defizite gerechnet .
eine geeignete Ausgewogenheit der Budgetsituationen in den
einzelnen Mitgliedstaaten verbessert werden . Im Jahre 1986                            Diese Rückführung der Haushaltsdefizite reicht jedoch in
sind die Haushaltsdefizite insgesamt gesehen etwas rascher                             mehreren Ländern nicht aus , um die Relation zwischen
abgebaut worden als im Vorjahr . In der gesamten Gemein­                               öffentlicher Verschuldung und Bruttoinlandsprodukt zu
schaft ( EUR-12 ) vermindert sich das Finanzierungsdefizit ,                           stabilisieren , geschweige denn zu vermindern . Die öffentliche
ausgedrückt in % des BIP , von 5,1 % im Jahre 1985 auf                                 Verschuldung wird in Relation zum BIP in den Jahren 1986
4,7 % im Jahre 1986 , während es 1985 um drei Zehntelpro­                              und 1987 zusammengenommen in der Hälfte der Gemein­
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 55
 schaftsländer ( Belgien , Spanien , Irland , Italien , Niederlande    gewissen Anstieg der öffentlichen Verschuldung für gerecht­
 und Portugal — Tabelle 19 ) um 4 Prozentpunkte oder mehr              fertigt . Der Sachverständigenrat setzt in der Definition der
 steigen . Die Tatsache , daß die Budgetdefizite hoch bleiben ,        Finanzstatistik diesen gerechtfertigten Anstieg für Deutsch­
•ist der Ausgangspunkt dieser Entwicklung . Die Zinszahlun­            land mit 1,5% des Produktionspotentials an .
 gen sind in mehreren Ländern etwa ebenso hoch wie die
 gesamten Defizite . In drei Ländern — Deutschland , Luxem­            Zur Beurteilung der besten Strategie für die Politik der
 burg und insbesondere Dänemark — wird demgegenüber                    öffentlichen Finanzen müssen immer sowohl angebots- als
 erwartet , daß die öffentliche Verschuldung in Relation zum           auch nachfrageseitige Überlegungen angestellt werden . In
 BIP zurückgeht .                                                      der momentanen Situation gibt es gute Gründe , sowohl für
                                                                       die Stärkung der Angebotsbedingungen als auch für eine
 Haushaltsdefizite , die zu einer hohen öffentlichen Schulden­         Stützung der Nachfragebedingungen einzutreten . Die
                                                                       wesentlichen Gemeinschaftsländer mit annähernd stabiler
 last führen , haben zwei wichtige makroökonomische Folgen .
 Erstens wird das Publikum nur bei steigenden Realzinsen               öffentlicher Verschuldung sind Deutschland , Frankreich und
 bereit sein , einen zunehmenden Teil seiner Aktiva in Staats­         das Vereinigte Königreich . In Deutschland ist die Last der
 papieren zu halten . Zweitens erhöhen solche Haushaltsdefi­           öffentlichen Schuld heute sogar rückläufig . In Frankreich
 zite das Risiko einer erneut inflationären monetären Ex­              werden die bestehenden Spielräume genutzt : Für 1987 sind
 pansion . Dies hat einen zusätzlichen Anstieg der Realzinsen          heute schon bedeutsame Steuersenkungen vorgesehen ;
 zur Folge als Prämie für das höhere Risiko . Die Folge hoher          zusätzliche Steuersenkungen sind für 1988 angekündigt
 Realzinsen ist eine Verdrängung privater Investitionen , was          worden , wobei gleichzeitig in beiden Jahren das Haushalts­
                                                                       defizit reduziert würde . Wenn sich das Wachstum im
 negative Folgen für das längerfristige Wachstum hat .
                                                                       Ausland , und insbesondere in der Gemeinschaft , noch
                                                                       festigt , wird die Politik der öffentlichen Finanzen in Frank­
 Deshalb überwiegen dort , wo Defizite und öffentliche Ver­            reich weiter erleichtert . Im Vereinigten Königreich hat die
 schuldung hoch sind , die negativen mittelfristigen Auswir­           Regierung in ihrer Herbsterklärung eine Erhöhung des
 kungen . Ihr Abbau kann dann nur positive Effekte haben .             Volumens der öffentlichen Ausgaben um ca . 4,75 Milliarden
 Kurzfristig gesehen könnten negative Nachfrageeffekte über­           £ Sterling vorgesehen ; dies bedeutet , daß 1987— 1988 das
 wiegen , doch könnten diese aus Korrekturmaßnahmen resul­             Volumen der öffentlichen Ausgaben zu konstanten Preisen
 tierenden negativen Effekte dort , wo ursprünglich finanzielle        um 2 % gegenüber dem geschätzten Ergebnis von
 Instabilität drohte , von verhältnismäßig kurzer Dauer sein .          1986— 1987 steigen wird . Damit könnten , wenn die Koope­
 Dänemark hat hierfür in den letzten Jahren ein Beispiel               rative Strategie durch ihre Verwirklichung als wirtschaftliche
 geliefert .                                                           Handlungsgrundlage für die gesamte Gemeinschaft ange­
                                                                       wandt wird , einige dieser drei Länder mit gutem Grund eine
 Wo sich andererseits die Gefahr monetärer Instabilität in             von Land zu Land unterschiedliche , neue Kombination von
 Grenzen hält und der Anteil der öffentlichen Verschuldung             Steuersenkungen und öffentlichen Investitionen erwägen .
 am BIP bereits zurückgeht , dürften die negativen Effekte             Aufgrund der zusätzlichen Einnahmen und des Rückgangs
 kontraktiver öffentlicher Finanzen an Bedeutung gewinnen .            der krisenbedingten Ausgaben , mit dem bei höherem Wachs­
 Wenn Steuern reduziert oder andere Maßnahmen ergriffen                tum gerechnet werden kann, könnten diese Maßnahmen
 werden , die die Angebotsbedingungen verbessern , könnte              innerhalb eines annehmbaren Zeitraums teilweise kompen­
 die zunächst eintretende Verschlechterung des Budgetsaldos            siert werden .
 in relativ kurzer Zeit zumindest teilweise kompensiert wer­
 den .                                                                 Die Politik der öffentlichen Finanzen muß eine wesentliche
                                                                        Verantwortung für die Realisierung der Kooperativen Stra­
 Konkret sollte , angesichts des Umfangs der öffentlichen              tegie übernehmen . Die Konsolidierung der öffentlichen
 Verschuldung und der Geschwindigkeit , mit der sie in den             Defizite und der öffentlichen Schuld hat immer noch Priorität
 letzten Jahren zugenommen hat , eine spürbare Verringerung            für etwa die Hälfte der Mitgliedsländer. Andere Mitglieds­
 des öffentlichen Defizits in Prozent des BIP für Belgien ,            länder, deren BIP rund zwei Drittel des BIP der Gemeinschaft
 Spanien , Griechenland , Irland , Italien und Portugal weiter­        repräsentiert, befinden sich in einer annehmbaren Defizit­
 hin Priorität haben . Werden glaubwürdige mittelfristige              situation und haben jetzt einen gewissen Spielraum für
 Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung mit wirksamer geld­                haushaltspolitische Maßnahmen, die das Wachstum direkt
 politischer Stabilisierung verknüpft , werden umfangreiche            unterstützen. Diese Länder sollten jetzt, soweit es noch nicht
 Reduzierungen bei den nominalen und den realen Zinssätzen             der Fall ist, eine koordinierte Beschleunigung haushaltspoli­
 möglich , was die notwendigen Anstrengungen bei Einschnit­            tischer Maßnahmen zur Verbesserung der Angebotsbedin­
 ten in zentrale öffentliche Ausgabenprogramme begrenzen               gungen und der Nachfragebedingungen erwägen . Unter­
 könnte .                                                              stützt durch ein höheres Niveau wirtschaftlicher Aktivität in
                                                                       diesen Volkswirtschaften können auch die übrigen Mitglied­
                                                                       staaten gegebene Konsolidierungsziele auf einem höheren
 Obwohl der Abbau öffentlicher Defizite eindeutig Priorität            Aktivitäts- und Beschäftigungsniveau erreichen .
 für etwa die Hälfte der Mitgliedstaaten hat , ist er kein Ziel ,
 das um jeden Preis verwirklicht werden muß , wenn die
 öffentlichen Finanzen in annehmbarem Maß saniert sind .
 Tatsächlich ist eine bestimmte öffentliche Verschuldung               4.2.2 . Öffentliche Ausgaben, Besteuerung, Wachstum und
 bezogen auf das BIP mit mittelfristigem finanziellen Gleich­                    Beschäftigung
 gewicht einer Volkswirtschaft vereinbar . Beispielsweise hält
 ein angebotsorientiertes normatives haushaltspolitisches              Das Konzept eines „Spielraums" in der Politik der öffentli­
 Konzept , wie das des deutschen Sachverständigenrats , einen          chen Finanzen war zeitweise zu sehr an der wichtigen , aber
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 56                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     31 . 12 . 86
nur einen Teilaspekt erfassenden Frage nach dem Umfang             Baltischen Meerengen , die Verbindung München-Venedig ,
der Haushaltsdefizite ausgerichtet . Was die mittelfristige        Gezeitenkraftwerke am Severn , eine Brücke über die Straße
Wachstumsstrategie angeht , stellen der Umfang und die             von Messina , usw .
Struktur der Besteuerung und der öffentlichen Ausgaben
noch wichtigere Themen dar . In diesen Bereichen haben in
                                                                   Derartige Projekte bieten aber auch Gelegenheiten für natio­
der Tat alle Gemeinschaftsländer sehr wichtige „Spielräume"        nale öffentliche Infrastrukturinvestitionen . Darüber hinaus
im Sinne von wünschenswerten politischen Maßnahmen , die
                                                                   gibt es in der Mehrzahl der Gemeinschaftsländer Investi­
spürbar dazu beitragen könnten , die mittelfristige Wachs­
                                                                   tionsmöglichkeiten in den Bereichen wie Stadterneuerung
tumsrate von Produktion , Investitionen , Ersparnis und
                                                                   und Umwelt ( Gewässerreinhaltung , usw .). In manchen
Beschäftigung zu steigern . Eine wichtige Aufgabe für den
                                                                   Regionen , insbesondere in den neuen Mitgliedstaaten ,
Sozialen Dialog besteht darin , einen größeren Konsens             besteht noch die dringende Notwendigkeit , die Infrastruktur
darüber herbeizuführen , wie die Wirtschaftspolitik über
                                                                   zu verbessern . Insgesamt gibt es deshalb eine erhebliche
Umfang und Struktur öffentlicher Ausgaben und Besteue­
                                                                   Anzahl von Investitionsprojekten mit ausreichender volks­
rung zu den Zielen der Kooperativen Strategie beitragen            wirtschaftlicher Rentabilität . Fortschritte bei der Verwirkli­
kann .
                                                                   chung dieser Projekte würden einen wichtigen und nützlichen
                                                                   Beitrag für Beschäftigung und Wachstum leisten .
Umfang und Struktur der öffentlichen Ausgaben . Es könnte
von Nutzen sein , zwischen drei Kategorien von öffentlichen        In Anbetracht des engen Zusammenhangs zwischen Wachs­
Ausgaben zu unterscheiden .                                        tum , Beschäftigung und Technologie haben die meisten
                                                                   Regierungen die Bedeutung einer dynamischen Forschungs­
i ) Die erste Kategorie erfaßt Infrastrukturinvestitionen und      und Entwicklungspolitik für ein robusteres Wirtschafts­
                                                                   wachstum erkannt . In dieser Hinsicht ist insbesondere die
einige andere Investitionsarten einschließlich Forschung und
Entwicklung sowie Bildungsausgaben. Solche Investitionen           Tendenz erwähnenswert , der Forschung auf dem Gebiet der
im weiteren Sinne können auch teilweise vom privaten Sektor        fortgeschrittenen Technologie Vorrang einzuräumen . Auf
                                                                   diese Weise könnten Innovation und Zusammenarbeit zwi­
finanziert werden . Unter der Bedingung , daß diese Investi­
tionsprogramme effizient verwaltet werden und von ihnen            schen Grundlagenforschung und Industrie gefördert werden .
eine hohe oder angemessene volkswirtschaftliche Rentabili­         Die europäischen Erfolge bei Projekten wie beispielsweise
tät gefordert wird , gibt es keinen Grund , solche Ausgaben        Airbus , Ariane , Jet , Esprit und Brite unterstreichen den Wert
generell zu kürzen . Solche Investitionen sind normalerweise ,     und die Leistungsfähigkeit des Forschungs- und Entwick­
bei guter oder angemessener Rentabilität, in großem Umfang         lungspotentials in Europa . Sie verdeutlichen zudem die
Teil einer dynamischen Volkswirtschaft . Die öffentlichen          unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten durch euro­
Investitionsausgaben sind in überproportionalem Ausmaß             päische Programme und eine finanzielle Beteiligung an der
von der Haushaltskonsolidierung betroffen worden und               industriellen Forschung vor der Markteinführung . Die
gingen von 4 % des BIP 1975 auf 2 V2 % 1985 zurück . Unter         Gemeinschaft hat Rahmenprogramme aufgestellt , um eine
Berücksichtigung von Effizienz-Kriterien könnten derartige         größere Wirksamkeit der Forschungsprogramme der
Ausgaben jetzt im Rahmen der Kooperativen Strategie über           Gemeinschaft zu gewährleisten . Es sollte außerdem die
mehrere Jahre ausgeweitet werden .                                 Eureka Initiative erwähnt werden , die den Willen der
                                                                   Regierung zum Ausdruck bringt , neue finanzielle und wirt­
                                                                   schaftliche Synergie-Effekte auf dem Gebiet der industriellen
Ein Infrastrukturprogramm , das Projekte im gemeinschafts­         Zusammenarbeit in Europa zu finden .
weiten Interesse zusammenfaßt und wie es im letztjährigen
Jahreswirtschaftsbericht dargelegt worden war , fügt sich gut      Neben den Infrastrukturinvestitionen hat der Staat durch
in die Strategie ein . Derartige Projekte von europäischem
Interesse können durch den privaten Sektor durchgeführt            Ausbildung und Weiterbildung eine wesentliche Rolle bei der
und finanziert werden . Die Projekte umfassen insbesonde­
                                                                   Verbesserung des Humankapitals zu spielen . Auch hier sollte
re :
                                                                   eine enge Zusammenarbeit zwischen den Regierungen und
                                                                   den Betroffenen es ermöglichen , sachgerechte Formen der
                                                                   Finanzierung zu finden , die die Chancen und den Nutzen , der
— den Aufbau eines grenzüberschreitenden Telekommuni­              sich für jeden aus einer verbesserten beruflichen Qualifika­
     kationsnetzes (ca . 3 Milliarden ECU );
                                                                   tion ergeben , berücksichtigen ( vgl . auch Kapitel 4.3.2 ).
— drei Netze von Verkehrsverbindungen : Straße , Schiene
     und Binnenwasserstraßen ( 20 bis 25 Milliarden ECU );         ii ) Eine zweite Kategorie erfaßt die üblichen öffentlichen
                                                                   Dienstleistungen, wie Gesundheits- und Altersversorgung.
— die Hochgeschwindigkeitsbahnverbindung Paris-Brüs­               Eine weitgehende Versorgung mit diesen öffentlichen Dienst­
     sel-Köln (3 Milliarden ECU );                                 leistungen ist aus sozialer Sicht wünschenswert . Natürlich
                                                                   gibt es hierbei bedeutende Probleme der organisatorischen
— den Kanaltunnel (4 Milliarden ECU ).                             Gestaltung ; außerdem muß vernünftige ökonomische Diszi­
                                                                   plin gewährleistet bleiben , da die Nachfrage nach höheren
                                                                   Ausgaben im Rahmen dieser Programme die Möglichkeiten
Insgesamt kann ein Investitionsvolumen von 30 bis 35               der Volkswirtschaft übersteigen kann . Die Frage nach dem
Milliarden ECU im Laufe von fünf bis sieben Jahren ins Auge        öffentlichen und dem privaten Anteil an der Organisation
gefaßt werden . Darüber hinaus gibt es weitere Projekte , die      dieser Programme ist ebenfalls von Bedeutung , sowohl unter
später verwirklicht werden können : Straßenverbindungen            Effizienzgesichtspunkten als auch unter dem Aspekt sozialer
mit den skandinavischen Staaten durch Dänemark und die             Gerechtigkeit . An die Möglichkeit einer teilweisen Privatisie­
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 57
rung der Gesundheits- und Altersversorgung muß jedoch mit           Besteuerung, Arbeitskosten und Nachfrage nach Arbeits­
großer Vorsicht herangegangen werden. Speziell die Über­            kräften. Es spricht einiges dafür , daß ein beträchtlicher Teil
tragung von Sozialabgaben auf private Versicherungssyste­           der Steuer- und Sozialabgabenbelastung der Arbeitnehmer in
me wird nicht notwendigerweise ihre Kosten reduzieren . So          höheren Arbeitskosten weitergegeben wird . Geht man davon
könnten z . B. geringere SozialVersicherungsbeiträge durch          aus , daß höhere Arbeitskosten tendenziell die Nachfrage
höhere , vertraglich vereinbarte Zahlungen an private Ein­          nach Arbeitskräften seitens der Unternehmen schwächen , so
richtungen kompensiert werden , die in gleicher Art und             ergeben sich hieraus insgesamt für Beschäftigung und wirt­
Weise auf die Unternehmen abgewälzt werden . Die Auswir­            schaftliches Wachstum negative Folgen . Wichtig sind des­
kungen auf die gesamten Arbeitskosten und die Lohnent­              halb Maßnahmen zur Senkung der Sozialversicherungsko­
wicklung würden dann gering ausfallen . Erforderlich ist            sten und der Steuern , wie sie oben erörtert wurden .
generell eine wirtschaftliche Handhabung , nicht aber ein
Abbau dieser Leistungen .
                                                                    Besteuerung und Arbeitskräfteangebot. Höhe Grenzsteuer­
                                                                    sätze können die Arbeitsbereitschaft negativ beeinflussen
iii ) Eine dritte Kategorie sind öffentliche Ausgaben, die          und dadurch die Grundlagen des Wirtschaftswachstums
infolge von Fehlern im Funktionieren des Wirtschaftssystems         beeinträchtigen .
geleistet werden . Ein naheliegendes Beispiel dafür ist Arbeits­
losenunterstützung — zumindest über eine minimale Arbeits­
losenquote hinaus . Diese Kategorie „vermeidbarer" öffentli­        Besteuerung, verfügbares Einkommen und Ersparnisse der
cher Ausgaben ist aber noch viel umfangreicher und umfaßt           privaten Haushalte. Es gibt andere Faktoren , die sich mehr
auch ergänzende Familienbeihilfen für Arbeitslose , zusätzli­       indirekt auswirken , indem das Sparen und damit die Kapi­
che Programme zum Vorruhestand und , in einer Reihe von             talbildung negativ tangiert werden . Höhere Steuern auf die
Ländern , Programme bei Erwerbsunfähigkeit , die erweitert          Einkünfte der privaten Haushalte reduzieren deren Nettoein­
wurden , um Menschen mit geringen oder nur leichten                 kommen und Ersparnisse . Wenn der Staat einen höheren Teil
gesundheitlichen Schäden einzubeziehen . Die Gesamtheit             der Einnahmen ( abzüglich der Transferzahlungen ) für Kon­
dieser „vermeidbaren" öffentlichen Ausgaben ist im Verlauf          sumzwecke ausgibt als die privaten Haushalte , so geht dies zu
der letzten fünfzehn Jahre im Gemeinschaftsdurchschnitt um          Lasten der gesamtwirtschaftlichen Ersparnisse . .
nicht weniger als 5 % des BIP gestiegen . Umgerechnet auf
zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge macht dies etwa             Besteuerung und Allokation der Ressourcen . Wenn bei vielen
 10% der Arbeitskosten aus ; dies ist zweifellos eine sehr          Einkommensarten oder Ausgaben Steuerbefreiungen oder
relevante Größenordnung , wenn über das ökonomisch                  -erleichterungen zugelassen werden , wird es zu Verzerrungen
wünschenswerte Niveau der Arbeitskosten nachgedacht                 bei der Allokation der Ressourcen kommen , wodurch die
wird .                                                              durchschnittliche Faktorproduktivität negativ beeinflußt
                                                                    wird . In einem solchen Fall müssen die für alle gültigen
Die Verwirklichung der Kooperativen Strategie sollte es im          Steuersätze höher sein , was — wie erwähnt — den Anreiz zu
Rahmen der verbesserten Beschäftigungsaussichten ermögli­           arbeiten , Mitarbeiter zu beschäftigen , zu sparen oder zu
chen , die Sachdienlichkeit einiger dieser Programme zu             investieren , verringert . Es muß daher jede einzelne bestehen­
überprüfen . So könnten beispielsweise die Zugangskriterien         de Steuerbefreiung daraufhin überprüft werden , ob noch alle
für einige spezielle Pensionierungsprogramme , bei Wahrung          wirtschaftlichen oder sozialen Rechtfertigungen bestehen ,
der von den bereits Pensionierten erworbenen Rechte , im            unter Berücksichtigung der Tatsache , daß ihre Abschaffung
Rahmen einer Politik überprüft werden , mit der eine steigen­       dazu dienen könnte , die Bemessungsgrundlage zu erweitern
de Erwerbsquote derjenigen , die im erwerbsfähigen Alter            und entsprechend die allgemeine Steuerbelastung zu senken .
sind , und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit erreicht werden        Diese Argumente standen im Vordergrund bei der jüngsten
soll . Geplant sind derartige Initiativen in mehreren Ländern ,     Reduktion der Einkommensteuersätze und beim Abbau der
beispielsweise in Italien und den Niederlanden , wo spezielle       steuerlichen Ausnahmeregelungen in den USA .
Pensionierungsprogramme für Menschen im erwerbsfähigen
Alter so stark ausgeweitet wurden , daß sie mehr als 10 % der       Innerhalb der Gemeinschaft werden derzeit verschiedene
Arbeitskräfte erfassen . Auch in anderen Ländern haben
                                                                    Steuerreformaspekte diskutiert , von denen einige hier kurz
ähnliche Ausgaben eine Zunahme der Sozialabgaben                    erwähnt werden sollen .
bewirkt , die zu der schwachen Beschäftigungsentwicklung
beigetragen hat . Einsparungen bei . den öffentlichen Ausga­
ben und den Sozialbeiträgen könnten so Teil einer erneuten          Was die Besteuerung der Unternehmensgewinne betrifft , so
positiven Kettenreaktion von mehr Beschäftigung und weni­           werden in verschiedenen Ländern (Vereinigtes Königreich ,
ger Besteuerung sein . Eine größere Effizienz bei diesen            Frankreich , Niederlande , Belgien und Luxemburg) die effek­
Sozialausgaben kann dadurch erzielt werden , daß die                tiven Steuersätze gesenkt , wobei diese Senkung teilweise
Beschäftigungsmöglichkeiten eines bedeutenden Teils derje­          durch eine Verringerung der Abschreibungsmöglichkeiten
nigen , denen diese Programme gegenwärtig zugute kommen ,           kompensiert wird . Einige Länder planen eine Senkung oder
verbessert werden .                                                 Abschaffung anderer , gewinnunabhängiger Unternehmen­
                                                                    steuern , beispielsweise der Unternehmens-Vermögensteuer
                                                                    in Deutschland , der „taxe professionelle" in Frankreich und
Möglichkeiten für Steuerreformen . Die wirtschaftspoliti­           der Gewerbesteuer in Deutschland .
schen Ziele einer Reform der Höhe und der Struktur der
Besteuerung lassen sich in vier Hauptpunkten zusammenfas­
 sen : a ) Nachfrage nach Arbeit , b ) Arbeitsangebot, c) Höhe      Was die persönlichen Einkommensteuern angelangt , haben
 der gesamtwirtschaftlichen Ersparnisse und damit die Kapi­         Frankreich , Deutschland und das Vereinigte Königreich
 talbildung und d ) Effizienz der Ressourcenallokation .            damit begonnen , die hohen Grenzsteuersätze sukzessiv zu
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 58                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                  31 . 12 . 86
  verringern , zum Teil finanziert durch eine Erweiterung der                      Wichtige Beiträge zur Kooperativen Strategie sollten spezielle
  Bemessungsgrundlage ( Vereinigtes Königreich ), wie auch                        Maßnahmen leisten, die auf Höhe und Struktur der öffent­
  durch allgemeine Haushaltseinsparungen . In Frankreich ,                        lichen Ausgaben und der Steuern abzielen . Volkswirtschaft­
  Deutschland und dem Vereinigten Königreich sind weitere                         lich rentable öffentliche Investitionen könnten jetzt verstärkt
  Senkungen der persönlichen Einkommensteuern ein zentra­                         getätigt werden. Dies würde auch der Expansion des Pro­
 les Ziel der Regierungen für die nächsten Jahre .                                duktionspotentials und der privaten Investition zugute kom­
                                                                                  men . Sozialversicherungsbeiträge sollten über einen mittel­
  Im Zusammenhang mit dem Ölpreisrückgang haben ver­                              fristigen Zeitraum gesenkt werden . Die Verbesserung von
  schiedene Länder die Gelegenheit genutzt , Ölverbrauchsteu­                      Wachstum und Beschäftigung und die daraus erwachsenden
 ern anzuheben , oftmals um die Defizite zu senken ( Däne­                        zusätzlichen öffentlichen Einnahmen sowie Einsparungen
 mark , Spanien , Griechenland , Italien , Irland und Portu­                      bei den Transferzahlungen könnten eine positive Kettenre­
 gal ).                                                                           aktion auslösen . Steuerreformen sollten auf niedrigere Sätze
                                                                                  bei der Lohn- und Einkommensteuer sowie auf solche
 Die Vorschläge der Kommission für eine Annäherung der                            Änderungen ' in der Struktur der Besteuerung abzielen, die
 Gesetzgebung hinsichtlich der indirekten Steuern könnten in                      sowohl die Beschäftigungspolitik unterstützen als auch dem
 manchen Ländern ebenfalls Änderungen in der Steuer- und                          Ziel einer Annäherung der indirekten Steuern in der Gemein­
 Abgabenstruktur beinhalten .                                                     schaft dienen .
                                                                         TABELLE 17
                                            Einnahmen und Ausgaben des Staates insgesamt ('), EUR-12
                          •
                                                 in Milliarden KKS                    in Prozent des BIP                    Veränderung in Prozent
                                                  1985      • 1986 ( 2 )   1984        1985      1986 ( 2 )   1987 ( 2 ) 1985      1986 ( 2 )   1987 ( 2 )
 Indirekte Steuern                                517,3         568,3      13,5        13,3         13,4    '  13,5       7,4        9,9            6,8
 Direkte Steuern                                  497,0         526,9      12,7       12,8          12,5       12,4       9,7        6,0            6,2
 Sozialbeiträge                                   589,1         631,8      15,2       15,2          14,9       14,9       8,1        7,2            6,1
 Steuern und Sozialbeiträge insgesamt          1 603,4      1 727,0        41,3       41,3    .     40,8       40,8       8,4        7,7            6,3
Sonstige laufende Einnahmen                       148,4         152,4       3,7         3,8          3,6        3,3      12,3        2,7        - 3,3
Laufende Einnahmen insgesamt                   1 751,8      1 879,4        45,0       45,1        ' 44,4 .     44,1       8,7        7,3            5,6
Laufende Übertragungen                            877,8         933,4      22,8       22,6          22,1       21,7       7,5        6,3          ■ 4,4
Effektive Zinszahlungen                           198,7         217,1       4,9         5,1          5,1        5,0      12,3        9,3            2,7
Staatsverbrauch                                   722,6         770,1      18,8       18,6          18,2       18,0       7,6        6,6            5,1
Laufende Ausgaben insgesamt                    1 799,0      1 920,7        46,5       46,3          45,4       44,6       8,1        6,8            4,5
Bruttoersparnis                                 - 47,3         - 41,2     - 1,5      - 1,2        - 1,0       - 0,5       —          —              —
Nettovermögensübertragungen                        45,5          41,5       1,1         1,2          1,0        0,9      17,1     - 8,8         - 4,5
Bruttoinvestitionen                               107,3         114,8       2,8         2,8          2,7        2,7       7,7        7,0            6,0
Finanzierungsüberschuß ( + )                                                      \
bzw . -defizit ( - )                           - 200,0      - 197,5       - 5,4      - 5,1        - 4,7       - 4,1       —          —              —
z. E. : Nominales BIP                          3 882,2      4 225,8       100,0     100,0        100,0        100,0       8,6        8,9            6,4
(') Definitionen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung , ohne Darlehen , Vorschüsse und Beteiligungen .
( 2 ) Vorausschätzungen .
Quelle: Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   Nr . L 385 / 59
                                                                           TABELLE 18
                                             Finanzierungsüberschuß ( + ) bzw. -defizit ( - ) des Staates
                                                                                                                                  (in % des BIP)
                                         1970           1973           1981     1982       1983        1984     1985 {')   1986 (')    1987 (')
             Belgien                     - 2,2          - 3,3        - 12,6    - 11,1     - 11,7      - 9,5     - 8,4      - 8,0       - 6,2
             Dänemark                      4,1            5,2        - 7,1     - 9,3      - 7,3       - 4,2     - 1,9          2,8         2,8
             Deutschland                   0,2            1,2        - 3,9     - 3,4      - 2,5       - 1,9     - 1,1      - 0,9       - 0,7
             Griechenland                 —              —
                                                                     - 10,6    - 9,4      - 8,9       - 10,1    - 13,9     - 10,6      - 7,1
             Spa.nien                      0,7            1,1        - 3,0     - 5,8      - 5,4       - 5,0     - 6,2      - 4,9       - 4,4
             Frankreich                    0,9            0,9        - 1,8     - 2,5      - 3,2       - 2,9     - 2,6      - 2,9       - 2,6
             Irland                       —              —
                                                                     - 15,8    - 14,2     - 11,8      - 9,8     - 11,6     - 10,7      - 9,9
             Italien                     - 3,5          - 7,0        - 11,7    - 12,7     - 12,4      - 13,0    - 14,0     - 12,7      - 11,0
             Luxemburg                     2,7            3,3        - 2,3     - 1,3      - 0,8          1,5         4,1       3,7         2,6
             Niederlande                 - 1,2            1,0        - 5,2     - 7,1      - 6,5       - 6,2     - 5,1      - 5,5       - 6,6
             Portugal                     —              —
                                                                     - 10,1    - 8,8      - 7,1       - 7,7     - 11,2     - 8,0       - 7,5
             Vereinigtes
             Königreich                    3,0          - 2,7        - 2,7     - 2,4      - 3,7       - 3,9     - 2,8      ~ 2 >?      - 2,5
             EUR-12                       0,3 ( 2 )      1,0 ( 2 )   - 5,4     - 5,6      - 5,5       - 5,4     - 5,1      - 4,7       - 4,1
             (') Schätzungen, und wirtschaftliche Voraussschätzungen der Kommissionsdienststellen ( Oktober 1986 ).
             ( 2 ) Ohne Griechenland , Irland und Portugal .
                                                                           TABELLE 19
                                                                   Verschuldung des Staates ( 2 )
                                                                                                                                  (in % des BIP)
                                            1973           1981           1982       1983         1984       1985 (')    1986 (')     1987 (')
             Belgien ( 3 )                  63,2           88,1           96,1     105,1        111,6         118,3       121,9        125,6
             Dänemark                        5,0          43,6            52,7       62,7         67,6         66,3        62,1         57,6
             Deutschland                    18,6           36,4           39,5       41,7         42,0         42,7        41,9         41,7
             Griechenland ( 4 )              —
                                                           33,0      .    36,7       41,4         49,9         56,8        58,4         61,2
             Spanien                         —
                                                           21,0           26,2       32,1         39,3         46,3        48,8         52,5
             Frankreich                     25,1          26,0            29,1       30,7         29,3         31,8        34,0         35,0
             Irland ( 4 )                   65,5           89,8           96,6     107,7        113,6         115,7       119,1 '      124,8
             Italien                        62,5          73,2            80,0        87,6        94,5        103,0       106,3        108,1
             Luxemburg                      20 ,'5         14,0           14,4        14,8         14,8        14,5        13,8         12,8
             Niederlande ( 3 )              43,4          50,3            55,6       62,3         67,0         70,6        76,3         82,9
             Portugal                        —
                                                          59,0            62,2       70,9         75,7         81,2        81,5         85,2
             Vereinigtes
             Königreich ( 5 )               63,3          51,1            57,7       57,4         58,7         56,9        57,9         58,0
             EUR-12                         40 ,3 ( 6 )   45,0            49,8       53,5         56,0         58,9        60,3         61,8
             (') Schätzungen und wirtschaftliche Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen ( Oktober 1986 ).
             ( 2 ) Öffentliche Haushalte außer für Belgien , Griechenland , Irland und Niederlande .
             ( 3 ) Öffentliche Haushalte ohne Sozialversicherung.
             ( 4 ) Nur Zentralregierung .
             ( 5 ) Verbindlichkeiten bewertet zu Marktpreisen .
             ( 6 ) Ohne Griechenland , Spanien und Portugal .
             Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 60                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                         31 . 12 . 86
                                                              TABELLE 20
                             Entwicklung der staatlichen Ausgaben für soziale Sicherheit von 1970 bis 1983
                                                                                                                             (in % des BIP)
                                                            Deutsch­                               Luxem­   Nieder­  Vereinigtes EUR-8 (')
                                         Belgien   Dänemark          Frankreich    Irland  Italien
                                                              land                                   burg    lande   Königreich
1970:
Krankheit                                  3,8        5.6     5,7        4,9        4,1              2,7      5,7       3,9         5.0
Arbeitsunfähigkeit und Arbeitsunfälle      2,2        2.7     2,6        1,8         1,3             2,9      3,1       1,2         2.1
Renten                                     7,1        6,9     9,4        7,5        4,6              7.8      7,7       6,7         7,9
Mutterschaft und Familie                   3,5        2,7     2,1        3,1        2,3      —
                                                                                                     1,8      2,6       1,5         2,3
Arbeitslosigkeit                           0,6        0,4     0,1        0,3        0,4              0,0      0,6       0,3         0,3
Andere                                     0,0        0,1     0,3      » 0,0        0,1              0,0      0,8       0,1         0,2
                           Insgesamt     17,4        19,0    20,7       18,2       13,3      —
                                                                                                    15,4     19,0      13,8        18,0
1983 :
Krankheit                                  6,5        7,1     7,5        6,8        8,4      5,7    11,1      8,4       4.7         6,7
Arbeitsunfähigkeit und Arbeitsunfälle      3,3        2,6      3,1       2,3                 5,4              6,4       2,2         2,9
Renten                                   11,5        10,4    12,1       11,2        7,4    11,5     12,0     10,3       9.8        11,1
Mutterschaft und Familie                   3,0        3,1      2,0       3,1                 2,0     1,2      2,7       2,8         2,6
Arbeitslosigkeit                           4,2        4,1     2,0        2,7                 0,8     0,0      4,2       2,3         2,5
Andere                                     0,5        1,1     0,6        0,2        3,1      0,0     0,8      0,0       0,3         0,4
                           Insgesamt     29,5        30,1 -  27,8       27,4       23,2    25,5     25,5     32,7 •    23,1        27,0
Zunahme 1970— 1983 :
Krankheit                                  2,7        1,5      1,8       1,9        4,3              8,4      2,7       0,8         1,7
Arbeitsunfähigkeit und Arbeitsunfälle      1,1      - 0,1      0,5       0,5                                  3,3       1,0         0,8
Renten                                     4,4        3,5      2,7       3,7        2,8      —
                                                                                                     4,2      2,6       3,1         3,1
Mutterschaft und Familie                - 0,5         0,4   - 0,1        0,0                       - 0,6      0,1       1,3         0,2
Arbeitslosigkeit                           3,6        3,7      1,9       2,4                         0,0      3,6       2,0         2,3
Andere                                     0,5   .    1,0      0,3       0,2        3,0              0,8    - 0,8       0,2         0,2
                           Insgesamt     12,1        11,1      7,1       9,2        9,9      —
                                                                                                    10,1     13,7       9,3         9,0
(') Ausgenommen Italien .
Quelle: Eurostat. Datei „Europäisches System der Sozialen Sicherheitsstatistiken".
Anmerkung: Die Zahlen sind nicht voll vergleichbar, da die Leistungen unterschiedlich sind . Bei manchen Ausgabenkategorien ( z. B.
              Gesundheit, Renten ) schwankt die Aufteilung zwischen öffentlichen und privaten Ausgaben beträchtlich von Land zu Land .
4.3 . Löhne und Arbeitsmarkt                                             des entsprechenden Rückgangs der Arbeitnehmerbeiträge
                                                                         zur Sozialversicherung und der direkten Steuern sowie der
4.3.1 . Lohneinkommen und Lohnkosten                                     Veränderungen der realen Austauschverhältnisse wächst die
                                                                         Kaufkraft der Nettolöhne im Durchschnitt 1986— 1990
Die Kooperative Strategie schlägt vor , daß sich die Sozial­             etwas schneller .
partner auf eine Entwicklung der Lohnkosten einigen , die ein
kräftiges Wachstum der Beschäftigung ermöglicht . Das                    Diese Entwicklung für die gesamten Arbeitskosten und die
Szenario zur Illustration der Kooperativen Strategie unter­              Nettolohneinkommen sollten somit sowohl von den Arbeit­
stellt daher im Durchschnitt des Zeitraums 1986— 1990                    gebern als auch von den Arbeitnehmern unterstützt werden ,
einen mäßigen jährlichen realen Anstieg der Lohneinkom­                  da sie zu einer weit höheren Beschäftigung und verbesserten
men in der Definition , die der für die Tarifverhandlungen               Rentabilität für die Unternehmen als auch zu maßvoll
verwendeten Definition wohl am nächsten kommt , d . h .                  steigenden Realeinkommen für die Arbeitnehmer führen
ohne die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung , von                dürften .
etwa 1,1 % . Zu den Auswirkungen dieses mäßigen Anstiegs
kämen noch die eines gewissen Rückgangs der Arbeitgeber­                 Seit Anfang der achtziger Jahre haben alle Länder Fortschrit­
beiträge zur Sozialversicherung hinzu . Der durchschnittliche            te bei einem im Vergleich zum Produktivitätswachstum
Zuwachs der Afbeitsproduktivität pro Kopf würde im                       maßvollen Anstieg der Reallöhne gemacht . Die Gewinne
gleichen Zeitraum bei 2,3 % liegen . Unter Berücksichtigung              haben sich dadurch verbessert . Zwischen 1981 und 1985
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 61
wurden in den einzelnen Mitgliedstaaten jedoch sehr unter­            soll diese Rentabilitätsverbesserung bei einer gleichzeitig
schiedliche Fortschritte erzielt ( vgl . Tabelle 21 ).                zufriedenstellenden Entwicklung der Reallöhne beschleunigt
                                                                      werden . Die Anstrengungen , die in den letzten Jahren zur
1986 könnte aber innerhalb der Gemeinschaft eine verstärkte           Lockerung der Indexsysteme unternommen wurden , sollten
                                                                      ebenfalls fortgesetzt werden. Die derzeit stabilen Rahmenbe­
Konvergenz erreicht werden . Dank ihrer verbesserten Terms
of Trade konnten Länder wie Belgien , Frankreich und
                                                                      dingungen dürften die Verwirklichung dieses Ziels erleich­
                                                                      tern .
Italien , die bis 1985 geringere Fortschritte gemacht hatten , in
diesem Jahr einen erheblichen Anstieg der Unternehmensren­
tabilität erzielen . Dies erklärt sich beispielsweise in Belgien      Innerhalb der einzelnen Länder muß auch eine gewisse
dadurch , daß es dort noch relativ starre Indexregelungen             Elastizität bei der Lohnbildung auf regionaler Ebene gewahrt
gibt . Auf diese Weise wurde der Inflationsrückgang automa­           bleiben . Ein verstärkter sozialer und wirtschaftlicher Zusam­
tisch bei den Nominallöhnen berücksichtigt . In Frankreich            menhalt innerhalb der Gemeinschaft erfordert auch eine
wurde , im Rahmen der auf eine Ex-ante-Angleichung der                Konvergenz der Arbeitslosenquoten zwischen den verschie­
Nominallöhne an das hinsichtlich der Preissteigerung gesetz­          denen Regionen der Gemeinschaft nach unten, ohne daß
te Ziel ausgerichteten vertraglichen Tarifpolitik , dem uner­         dabei die ärmsten Regionen einer Bevölkerungsabwande­
wartet raschen Rückgang der Inflation Rechnung getra­                 rung ausgesetzt sind .
gen .
                                                                      Eine entweder von den Mitgliedstaaten oder von der
Nur in fünf Ländern , nämlich Belgien , Griechenland , Spa­           Gemeinschaft organisierte Übertragung von Ressourcen
 nien , Frankreich und Italien zeichnet sich 1987 ein Anstieg         kann und muß zur Verwirklichung dieses Ziels beitragen .
 der realen Lohnkosten pro Kopf um etwa 1 % oder weniger              Ihre volle Wirkung werden diese Übertragungen jedoch nur
 ab . In den drei letztgenannten Ländern erscheint ein unter          dann entfalten , wenn sie durch Privatkapital ergänzt werden ,
 dem Gemeinschaftsdurchschnitt liegender Anstieg der realen           das durch eine Rentabilität angezogen wird , die mindestens
 Lohnkosten gerechtfertigt , wenn man die vorerst noch                der Rentabilität in den wohlhabenderen Regionen ent­
 geringfügige Belebung der Beschäftigung und das besonders            spricht .
 hohe Niveau der Arbeitslosigkeit berücksichtigt . Dies gilt
 auch für Belgien und Portugal , wo die realen Lohnkosten pro         Und schließlich sollte der maßvolle Anstieg der realen
 Kopf mit einer Rate von fast 1 % steigen dürften .                   Lohnkosten pro Kopf im Prinzip sämtlichen Wirtschafts­
                                                                      zweigen und Unternehmen zugute kommen .
 In den übrigen Ländern der Gemeinschaft dürfte der Anstieg
 der realen Lohnkosten pro Kopf 1987 bei etwa 2 bis 3%                Dabei sollten die in den leistungsfähigsten Sektoren erzielten
 liegen ( vgl . Tabelle 22 ). In diesen Ländern wäre empfehlens­      überdurchschnittlichen      Produktivitätsfortschritte   haupt­
 wert, daß die Sozialpartner in den Lohnverhandlungen die             sächlich zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und
 Entwicklung der Beschäftigung und die Höhe der Arbeitslo­            Rentabilität der Wirtschaft und weniger für überdurch­
 senquote berücksichtigen . Beispielsweise bräuchte die               schnittliche Lohnerhöhungen in diesen Sektoren genutzt
 Umkehr in der Entwicklung der Lohnkosten in Deutschland ,            werden . Dies ermöglicht , die Handlungsspielräume der
 wo die Arbeitslosigkeit vergleichsweise weniger hoch ist und         Sektoren mit geringeren Produktivitätszuwächsen auszuwei­
 die Rentabilität ziemlich schnell gestiegen ist , weniger deut­      ten und diese Spielräume dann zur Schaffung von Arbeits­
 lich ausfallen . Im Vereinigten Königreich dagegen stellt sich       plätzen zu nutzen .
 das Problem einer raschen Zunahme der realen Einkommen
 aus unselbständiger Arbeit trotz einer hohen Arbeitslosen­            Es könnte jedoch von Vorteil sein , auf betrieblicher Ebene
 quote mit besonderer Schärfe .                                        eine gewisse konjunkturelle Flexibilität der Einkommen aus
                                                                       unselbständiger Arbeit zu bewahren . Dies ist häufig notwen­
 Die Notwendigkeit einer maßvollen Lohnentwicklung ver­                dig, um die Stabilität der Beschäftigung bei konjunkturbe­
 langt den Sozialpartnern große Verantwortung ab . Die                 dingten Nachfrage- oder Preisschwankungen zu sichern .
 Lohnfindung erfolgt in den einzelnen Ländern nach traditio­           Eine der denkbaren Möglichkeiten , mit der dies erreicht
 nellen Verfahren , die häufig seit langem erprobt sind . Ohne         werden könnte , wäre beispielsweise die Aufspaltung der
 diese Verfahren in Frage stellen zu wollen , sollten sie jedoch       Einkommen aus unselbständiger Arbeit in einen festen Teil
 bestimmte Grundsätze beachten :                                       und in einen von den Unternehmensgewinnen abhängigen
                                                                       Teil . Dies könnte dazu beitragen , die Motivation der
  Die Tarifverträge sollten die Möglichkeit bieten , erhebliche        Beschäftigten zu steigern . Eine solche Flexibilität kann auch
  Veränderungen der Terms of Trade , die sich im übrigen               dazu beitragen , daß die Unternehmen über die für die
  schwer vorhersagen lassen , rasch in dem im Rahmen der               Umstrukturierung notwendigen Gewinnspannen verfügen
  Kooperativen Strategie erwünschten Sinne zu berücksichti­            und gleichzeitig einen gewissen Beschäftigungsstand wah­
                                                                       ren .
  gen . Die Sozialpartner sollten prüfen , inwieweit in einem
  derartigen Fall bei der Entwicklung der Nominallöhne eine
  gewisse Elastizität gewahrt werden sollte. Eine der denkba­          Die hier angesprochenen verschiedenen Aspekte der Lohn­
  ren Möglichkeiten bestünde in der Einführung von Vorbe­              bildung gehen in erster Linie die Sozialpartner an . Es sind
  haltsklauseln in die Tarifverträge , um beide Tarifvertrags­         daher Themen , die im Rahmen des Sozialen Dialogs gründ­
  parteien in gewissem Umfang abzusichern. Auf diese Weise             lich untersucht werden sollten , mit dem Ziel ein angemesse­
  soll vor allem vermieden werden , daß die Verbesserung der           nes Gleichgewicht zwischen der Anpassungsfähigkeit des
  Rentabilität wieder in Frage geteilt wird , wenn sich die            Arbeitsmarktes und dem Schutz der Arbeitnehmer zu fin­
  Terms of Trade verschlechtern oder , im umgekehrten Fall ,           den .
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 62                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
  Die Entwicklung der Arbeitskosten hat in den letzten Jahren        Die Neugestaltung und Verkürzung der Arbeitszeit kann
  eine, gewisse Verbesserung der Rentabilität im Unterneh­           dazu beitragen , das Wachstum beschäftigungswirksamer zu
  menssektor ermöglicht und wird somit die Beschäftigung             gestalten , sofern sie kostenniveauneutral ist . Dieses Ziel
  fördern . Der Ölpreisrückgang verstärkt diese Tendenzen            kann in Verbindung mit einer Reorganisation des Produk­
  noch . Auf mittlere Sicht muß ein Konsens in Richtung              tionsprozesses erreicht werden , bei dem eine Arbeitszeitver­
  mäßiger Reallohnerhöhungen gefunden werden, der soweit             kürzung mit einer längeren Nutzung der Produktionsanlagen
  wie möglich mit einem Rückgang der Sozialversicherungs­            und einem flexibleren Einsatz der Arbeitskräfte innerhalb des
  beiträge einhergeht und somit eine anhaltende Verbesserung         Unternehmens kombiniert wird . Auf diese Weise könnte die
  der Rentabilität und Wettbewerbsfähigkeit erlaubt. Um die          Produktivität des Kapitals erhöht werden , was als Beitrag zur
  Chancen für eine rasche Verringerung der Arbeitslosigkeit zu       Ankurbelung der privaten Investitionen wünschenswert ist .
  vergrößern, ist auch dafür Sorge zu tragen, daß die Lohnbil­       Die Möglichkeit , die vorhandenen Anlagen für mehr Produk­
  dungsverfahren sowohl gegenüber unvorhersehbaren Ent­              tion und mehr Arbeitskräfte zu nutzen , würde auch teilweise
  wicklungen der internationalen Rahmenbedingungen als               der Unzulänglichkeit des Kapitalstocks — gemessen an dem
  auch den regionalen Unterschieden hinreichend flexibel             bei einem hohen Beschäftigungsgrad der Wirtschaft sonst
  bleiben . Auf betrieblicher Ebene könnte über Methoden             notwendigen Niveau — abhelfen .
  nachgedacht werden, mit Hilfe einer gewissen Flexibilität der
  Einkommen aus unselbständiger Arbeit die Motivation der            Da die Unsicherheitsfaktoren und die Anpassungskosten bei
  Arbeitnehmer zu erhöhen und die Beschäftigung bei kon­             einer Reorganisation des Arbeitsprozesses beträchtlich sein
 junkturbedingten Nachfrage- oder Preisschwankungen zu               können , müssen sie in ein kooperatives Konzept eingebettet
  stabilisieren. Die in den leistungsfähigsten Wirtschaftszwei­      sein . Insbesondere muß ein Anstieg der Kapital- und Lohn­
  gen und Unternehmen erzielten überdurchschnittlichen Pro­          kosten vermieden werden . Vielfach bedarf es wohl auch
  duktivitätsfortschritte müßten allerdings in erster Linie zur      öffentlicher Unterstützung bei der Förderung von Experi­
  Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Wirt­           menten und dem Austausch von Erfahrungen und in man­
  schaft und nicht zu überdurchschnittlichen Lohnerhöhungen          chen Fällen auch zur Deckung der Anpassungskosten . In
  in diesen Sektoren genutzt werden.                                 einer Reihe von Mitgliedstaaten unterstützt der Staat bereits
                                                                     diesen Umstrukturierungsprozeß auf verschiedene Weise .
                                                                     Die Deregulierung der Beschäftigungsschutzregelungen soll­
                                                                     te kein Selbstzweck sein . Es ist von Vorteil , wenn — wie in
  4.3.2 . Anpassung des Arbeitsmarktes im Interesse eines
                                                                     sämtlichen europäischen Ländern und in Japan — ein
           beschäftigungswirksameren Wachstums
                                                                     allgemeiner gesetzlicher Rahmen für die Beschäftigung vor­
                                                                     liegt , um für stabile und faire Beschäftigungsbedingungen zu
  Abgesehen von den hauptsächlichen makroökonomischen                sorgen . Die Beschäftigungsvorschriften können auch Teil
  Bestimmungsgrößen der Beschäftigung , von denen bereits            eines Sozialvertrags im weiteren Sinne sein , bei dem ein
  die Rede war , nämlich Gesamtnachfrage , Lohnniveau und            kooperativer Ansatz zur Gestaltung der Beziehungen zwi'
  SozialVersicherungskosten , gibt es eine große Anzahl mikro­       sehen den Sozialpartnern auf der vorausschauenden Beschäf­
  ökonomischer Instrumente , die die Beschäftigungsbereit­           tigungspolitik beruht .
  schaft der Wirtschaft fördern oder behindern können . Zu
  den wichtigsten Instrumenten dieser Art gehören :                  Die breite Palette von Beschäftigungsschutzregelungen in der
                                                                     Gemeinschaft , die sich alle in einen umfassenden gesetzlichen
  — Arbeitszeitgestaltung                                            Rahmen einfügen , zeigt aber auch , wie die Beschäftigungs­
                                                                     bereitschaft der Wirtschaft durch übermäßig schwere Bela­
  — Beschäftigungsschutzregelungen                                   stungen aufgrund solcher Vorschriften geschwächt werden
                                                                     kann . Aus Umfragen der Kommission bei den Arbeitgebern
  — Ausbildungs- und Umschulungsmöglichkeiten                        geht hervor, daß die für Entlassungen geltenden Regelungen
                                                                     in manchen Ländern als besonders beschäftigungsabträglich
  — Regelungen für die Startphase kleiner Unternehmen ,              empfunden werden . In solchen Fällen sollte die Belastung
                                                                     durch Kosten , Verfahren oder Rechtsmittel im Zusammen­
      Selbständiger und genossenschaftlicher Unternehmen
                                                                     hang mit Einstellungen und der Beendigung von Beschäfti­
                                                                     gungsverträgen überprüft werden , ohne jedoch die sozialen
  — Maßnahmen , mit denen Langzeitarbeitslosen wieder zu             Grundrechte in Frage zu stellen . Derartige Reformen sollten
      einer Beschäftigung und den jugendlichen Arbeitslosen          mit den in Artikel 118a der Einheitlichen Europäischen Akte
      zum Berufsstart verholfen werden soll .
                                                                     ausgeführten Ziele in Einklang stehen .
  In den meisten Mitgliedstaaten und auf Gemeinschaftsebene          Die Regeln für Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge
  wurden auf diesen Gebieten in jüngster Zeit Initiativen            sind ebenfalls für das Gleichgewicht zwischen Qualität und
  entweder bereits ergriffen oder werden zumindest in Erwä­          Zahl der angebotenen Arbeitsplätze von beträchtlicher
  gung gezogen . Darüber hinaus sind vor kurzem in einem             Bedeutung . Die Anzeichen für ein zunehmendes Angebot an
  Memorandum mit der Überschrift „Employment Growth                  Arbeitsplätzen dieser Art und für die zunehmende Zahl an
  into the 1990s — A Strategy for the Labour Market", das            Arbeitskräften , die eine solche Beschäftigung aufnehmen
  dem Rat für Beschäftigungsfragen und soziale Angelegenhei­         wollen , sind bedeutend genug , daß derartige Beschäftigungs­
  ten im Juni 1986 von den Arbeitsministern Irlands , Italiens       verträge angesichts des Arbeitsplatzmangels in der Gemein­
' und des Vereinigten Königreichs unterbreitet wurde , erörtert      schaft nicht an allzu restriktive Bedingungen geknüpft sein
  worden .                                                           sollten . Wenn die Gemeinschaft die Erwerbsquote erhöhen
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 63
will , wozu sie in Anbetracht der drohenden Probleme im            Der Beitrag von Ausbildung und Qualifikationen zu einer
Zusammenhang mit den Veränderungen des Bevölkerungs­               stärkeren regionalen Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt inner­
 aufbaus gezwungen ist , dann muß sie sich teilweise auch auf      halb der Gemeinschaft wurde in der Tat durch die Entschei­
diese Formen von Beschäftigungsverträgen stützen , die             dung des Rates anerkannt , auf eine Vergleichbarkeit der
besonders gut den Bedürfnissen spezieller Personengruppen          Ausbildungsabschlüsse für Arbeitnehmer mittlerer Qualifi­
entgegenkommen ( z . B. Mitverdienern und älteren Arbeit­          kation (Niveau 2 ) hinzuarbeiten . Diese Entscheidung ergänzt
nehmern ). Außerdem haben diese Formen von Beschäfti­              die Gemeinschaftsaktionen zur Beschleunigung der gegensei­
gungsverträgen unter den derzeitigen Umständen den Vor­            tigen Anerkennung der Berufsabschlüsse und wird in erster
teil , daß sie die durch rechtliche Regelungen bedingten           Linie denjenigen Arbeitnehmern zugute kommen , die in
Grenzkosten von Neueinstellungen reduzieren , ohne den             Sektoren mit bereits hoher grenzüberschreitender Mobilität
gesicherten Status der vorhandenen Dauerarbeitskräfte              beschäftigt sind . Sie stellt einen Schritt in Richtung auf die
anzutasten . Sie würden auch zu einem beschäftigungswirk­          Verwirklichung der sozialen Dimensionen des Binnenmark­
sameren Wachstumsprozeß beitragen . Auf der anderen Seite          tes dar .
muß Vorsorge getragen werden , die Risiken unsicherer
Beschäftigungsverhältnisse zu begrenzen und die Qualität           Zwei der wichtigsten Faktoren , von denen die Anpassungs­
derartiger Verträge zu sichern . Sie sollten beispielsweise mit    fähigkeit des Arbeitsmarktes im Interesse eines beschäfti­
dem Mindestschutz der Sozialversicherung ausgestattet sein         gungswirksameren Wachstums abhängt , sind die gesetzli­
und den Bestimmungen der Arbeitsgesetzgebung , beispiels­          chen und tariflichen Regelungen für a ) die Arbeitszeit und b )
weise in Hinblick auf den Mindestlohn , unterliegen .              den Beschäftigungsschutz . In beiden Bereichen legen Umfra­
                                                                   gen , die die Kommission vor kurzem durchgeführt hat ('),
Bildung, Ausbildung und Umschulung spielen eine Schlüssel­         den Schluß nahe , daß sowohl nach Ansicht der Arbeitgeber
rolle im Anpassungsprozeß und müssen in Verbindung mit             als auch der Arbeitnehmer ein Wunsch besteht , gewisse den
Beschäftigungsinitiativen gesehen werden , wenn größere            Arbeitsmärkt betreffende Bestimmungen abzuschwächen .
Engpässe vermieden und die sozialen Konsequenzen der               Dieser Wille sollte im Rahmen eines vertieften Sozialen
industriellen Umstrukturierung abgemildert werden sollen .         Dialogs über diese verschiedenen Themen voll genutzt
Die zentrale Rolle , die Bildung und Ausbildung nunmehr in         werden .
den Mitgliedstaaten spielen , wird unterstrichen durch die
zunehmende Anerkennung , die die Beziehungen zwischen              Wie bereits in einer Mitteilung der Kommission an den Rat
Ausbildung , Produktivität und wirtschaftlichem Erfolg und         von 1984 ( KOM(84 ) 484 endg .) dargelegt worden ist , laufen
die Bedeutung verstärkter unternehmerischer Investitionen          die Langzeitarbeitslosen Gefahr , zu den letzten zu gehören ,
in die berufliche Bildung erfahren . Als Mittel der sozialen       denen eine Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Lage
Anpassung ist die Umschulung besonders notwendig, um               zugute kommt . Die Politik zur Förderung des allgemeinen
Betriebsschließungen und sektorale Schrumpfungsprozesse            wirtschaftlichen Wachstums und der Beschäftigungszunah­
zu begleiten . Dies gilt insbesondere für Gebiete , die von        me muß durch politische Maßnahmen ergänzt werden , die
industriellem Niedergang betroffen sind .                          speziell auf die Langzeitarbeitslosen gerichtet sind . Die
                                                                   Kommission hat daher eine Reihe von Maßnahmen vorge­
In dieser Hinsicht und im Rahmen des Sozialen Dialogs auf          schlagen , mit denen einmal verhindert werden soll , daß
Gemeinschaftsebene ( Val Duchesse) versucht die Arbeits­           Personen zu Langzeitarbeitslosen werden und die zum
gruppe über Ausbildung und Motivation der Beschäftigten in         anderen darauf abzielen , Personen , die bereits zwölf Monate
Verbindung mit neuen Technologien zu einem positiven               oder länger arbeitslos sind , wieder in den Arbeitsprozeß
Umfeld beizutragen . Dies ist von besonderer Bedeutung im          einzugliedern . Diese Maßnahmen bildeten die Grundlage für
Zusammenhang mit dem Euro-Tecnet-Programm für neue                 die Ratsentschließung vom Dezember 1984 ( 2 ), die das
Informationstechnologien , der beruflichen Bildung und der         Engagement zum Ausdruck brachte , das Problem in Angriff
COMETT-Entscheidung hinsichtlich einer Zusammenar­                 zu nehmen und die Wirksamkeit der bestehenden Beschäfti­
beit zwischen Hochschule und Wirtschaft auf dem Gebiet der         gungs- und Sozialpolitik als Teil einer effektiven Gemein­
qualifizierten Ausbildung.                                         schaftspolitik zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu ver­
                                                                   bessern . Diese Verpflichtungen kamen zu denjenigen der
                                                                   Ratsentscheidung vom Januar 1984 bezüglich der Jugendar­
Um die menschlichen Ressourcen auf örtlicher und regiona­          beitslosigkeit hinzu . In dieser Entscheidung kamen die
ler Ebene wirkungsvoll zu entwickeln und einzusetzen , sind        Mitgliedstaaten über eine Reihe von Maßnahmen zur Förde­
besondere Anstrengungen unter Einschluß ausreichender              rung der Ausbildung und der Beschäftigungsmöglichkeiten
privater und öffentlicher Investitionen in die berufliche          von Jugendlichen überein .
Bildung erforderlich , um eine allgemeine Höherqualifizie­
rung und Modernisierung der Fachkenntnisse auf allen
Ebenen zu gewährleisten . Klein- und Mittelbetriebe sehen          Verschiedene Initiativen speziell zugunsten der Langzeitar­
sich mit besonderen Ausbildungs- und Umschulungsproble­            beitslosen sind vom Europäischen Sozialfonds und im Rah­
men konfrontiert ( in bezug auf Führungsnachwuchs und              men des Programms für die Bekämpfung der Armut unter­
Beratung , Zugang zu Ausbildung , Lieferflexibilität); in          stützt worden ( 3 ). Mehrere Mitgliedstaaten haben neue
diesem Zusammenhang sind die Mitgliedstaaten aufgefor­             Maßnahmen zur Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit
dert , positiv auf das von der Kommission vorgeschlagene
                                                                   (*) „Beschäftigungsprobleme : Ansichten von Arbeitgebern und
umfangreiche Paket von Maßnahmen zu reagieren . Die                      Arbeitnehmern" in Europäische Wirtschaft, Nr . 27 , März
Notwendigkeit einer erhöhten innerbetrieblichen Mobilität                1986 .
der Beschäftigten verdeutlicht auch die Wichtigkeit , das          ( 2 ) Entschließung des Rates vom 19 . Dezember 1984 zur Bekämp­
Ausbildungsniveau zu erhöhen , um diese innerbetriebliche                fung der Langzeitarbeitslosigkeit.
Mobilität zu erleichtern .                                         ( 3 ) KOM83 ( 211 ) endg., 25 . April 1983 .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 64                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                        31 . 12 . 86
eingeführt oder bestehende Maßnahmen erweitert . Gleich­                     Maßnahmen überprüfen . Anfang 1987 soll dem Rat ein
wohl hat sich der Anteil der registrierten Arbeitslosen , die ein            Bericht In Form einer Mitteilung mit Vorschlägen für weitere
Jahr oder länger ohne Arbeit sind , weiter erhöht und macht                  Maßnahmen vorgelegt werden . Dieser Bericht wird sich auf
nunmehr in der Gemeinschaft insgesamt durchschnittlich                       Informationen ! us den Mitgliedstaaten stützen , wie auch auf
rund 40 % aus . Außerdem hat der Anteil der seit zwei Jahren                 Ergebnisse jüngster Untersuchungen der Kommission und
oder länger arbeitslosen Personen beträchtlich zugenommen .                  anderer Organisationen , die sich mit Fragen der Arbeits­
Die Reaktion der Gemeinschaft auf das Problem entspricht                     marktpolitik a?f dem Gebiet der Langzeitarbeitslosen
keinesfalls dem Ausmaß des Problems : Es bedarf einer                        beschäftigen .
umfassenderen politischen und finanziellen Verpflichtung
zur Aktion , um die in der Entschließung von 1984 aufge­                     Eine Reihe von Regelungen und Initiativen zur Schaffung von
stellten Ziele zu erreichen . Konkrete Maßnahmen , beispiels­                Arbeitsplätzen kann dazu beitragen, die Beschäftigungsbe­
weise niedrigere Sozialbeiträge für neu eingestellte Langzeit­               reitschaft in der Wirtschaft zu verbessern. Solche Initiativen
arbeitslose , könnten daher in Betracht gezogen werden .                     müssen mit einer positiven makroökonomischen Politik
                                                                             übereinstimmen, wie sie in der Kooperativen Strategie
Es ist zudem klar , daß es im Hinblick auf die Jugendarbeits­                vorgesehen ist. Die Gemeinschaft sollte im Beschäftigungs­
losigkeit notwendig sein wird , die Aufmerksamkeit auf                       schutzrecht keine generelle Deregulierung anstreben, doch
diejenigen Maßnahmen zu konzentrieren , die am ehesten                       sollten die Mitgliedstaaten in manchen Fällen unangemessen
eine Beschäftigung nach sich ziehen , anstatt lediglich zu                   kostspielige Regelungen anpassen, um nicht das Wachstum
einem verzögerten Eintritt in den Arbeitsmarkt zu führen .                   verschiedener Beschäftigungsformen zu behindern, solange
Besonderes Augenmerk sollte dem Problem Jugendlicher                         die grundlegenden Sozialversicherungs- und sonstigen Bedin­
über 20 Jahre gegeben werden . Viele dieser Jugendlichen sind                gungen gewahrt bleiben . Die Anpassung der Arbeitszeit
bereits in Gefahr , zu Langzeitarbeitslosen zu werden , wenn                 unter kostenniveauneutralen Bedingungen kann ebenfalls zu
Ausbildungsmöglichkeiten und zeitlich befristete Arbeitsbe­                  einem beschäftigungswirksamen Wachstum beitragen . Ener­
schaffungsmaßnahmen auszuschöpfen sind .                                     gische Maßnahmen sind erforderlich, um die Probleme der
                                                                             Langzeitarbeitslosen und der Jugendarbeitslosigkeit zu ver­
Ende 1986 wird die Kommission die Fortschritte bei der                        ringern . Die Gemeinschaft wird demnächst die Angemessen­
Durchführung der in der Ratsentschließung vereinbarten                       heit dieser Maßnahmen überprüfen.
                                                                    TABELLE 21
                    Reale Lohnstückkosten ( Entwicklung der realen Pro-Kopf-Lohnkosten im Vergleich zur Produktivität)
                                                          ( Index 0 1961-1973 = 100 )
                                        Durch­
                                         schnitt      1975         1981      1982         1984       1985 (') 1986 (>) 1987 (')
                                       1961-73
               Belgien                    100        110,0        115,0     112,9        111,9        110,2    106,1    104,6
               Dänemark                   100        104,6        100,5       99,2        96,1         94,4     92,9     93,5
               Deutschland                100        105,9        103,5     102,2         98,9         97,8     96,1     95,7
               Griechenland               100          90,2       106,4     106,1        107,2      . 109,2    101,2     98,9
               Spanien                    100        104,0        102,9     100,7          94,4        91,8     89,1     87,7
               Frankreich                 100        105,9        108,1     107,3        105,3        104,4    102,1    100,2
               Irland                     100        104,6        101,3       99,5         95,2        92,9     91,4     91,3
               Italien                    100        110,9        108,6     108,6        109,4        108,5    103,2    101,7
               Luxemburg                  100        123,4        124,9     120,4        111,2        109,3    106,4    107,5
               Niederlande                100        108,8        102,5     101,1          95,8        94,3     95,4     97,8
               Portugal                   100        136,2        116,1     108,6        100,5         96,9     92,0     90,6
               Vereinigtes
               Königreich                 100        110,1        100,3       98,5         98,8        97,9     99,9    100,3
               EUR-12                     100        107,2        104,3 '   103,0        101,1         99,9     98,1     97,4
               (') Schätzungen und Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen ( Oktober 1986 ).
               Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                           Nr . L 385 / 65
                                                                               TABELLE 22
                                                Für 1987 vorausgeschätzte Lohnkosten und Beschäftigung ( J )
                                                                                      Einkommen aus unselbständiger
                                                                       Bestäti­           Arbeit je Arbeitnehmer ( 2.)        Produktivi­       Reale
                                                                          gung         (jährliche Veränderung in %)             tät in der  Lohnstück­
                                                         Arbeits­
                                                          losen-      (jährliche                                                 Gesamt­     kosten ( 5 )
                                                                       Verände­                                   real ( 4 )   wirtschaft    (jährliche
                                                         quote ( 6 )                                real ( 3 )
                                                                          rung                                  Preise des   ( BIP pro Be­ Verände­
                                                                                    nominal          Preise
                                                                         in %)                                   privaten     schäftigten ) rung in %)
                                                                                                    des BIP
                                                                                                               Verbrauchs
                                                             1              2            3             4             5               6            7
                Belgien                                    13,4        - 0,6           2,2            0,4           0,7            1,9          - 1,4
               Dänemark                                     7,7           0,3          5,9            2,1           3,0            1,5            0,6
               Deutschland                             •    7,7            1,0         3,2            1,8           2,1            2,2          - 0,3
               Griechenland                                 8,3           0,0          9,6         - 2,4        - 2,6            - 0„2          - 2,2
                Spanien                                    21,5            1,2         6,3            0,2           1,0            1,8          - 1,6
               Frankreich                                  10,7           0,3          3,0            0,3           0,7            2,2          - 1,9
                Irland                                     18,0           0,7          6,0            2,3           2,7            2,5          - 0,1
               Italien                                     12,8            1,3         6,1            0,8           2,1            2,3          - 1,5
               Luxemburg                                    1,2           0,7          5,6            2,9           4,2            1,9            1,1
               Niederlande                                 11,1           0,9          1,7            3,4           2,7            0,9            2,4
               Portugal                                     8,5           0,3        12,3             1,6           3,1            3,2          - 1,5
               Vereinigtes Königreich                      12,0           0,8          6,6      -     2,3           2,6            1,9            0,4
               EUR-12                                      11,7           0,8          4,8            1,3           1,8            2,0          - 0,7
               (') Vorausschätzungen vom Oktober 1986 .
               ( 2 ) Löhne und Sozialversicherungsbeiträge .
               ( 3 ) Vom Gesichtspunkt der Kosten ; deflationiert mit dem Preisindex des BIP .
               ( 4 ) Vom Gesichtspunkt der Kaufkraft; defationiert mit dem Preisindex des privaten Verbrauchs .
               ( s ) Spalte 4 dividiert durch Spalte 6 .
               ( 6 ) Registrierte Arbeitslose , Eurostat-Definition , in Prozent der zivilen Erwerbspersonen ; ausgenommen Griechenland , Spanien
                     und Portugal , für die Ergebnisse nationaler Erhebungen wiedergegeben werden .
               Quelle: Eurostat und Kommissionsdienststellen .
4.4 . Anpassungsfähigkeit der Märkte                                                       Die daraus resultierende Verstärkung der Wachstumspoten­
                                                                                           tials und der Beschäftigungsentwicklung geht notwendiger­
                                                                                           weise mit einem Strukturwandel einher . Andererseits voll­
Unter den Schwerpunkten der Kooperativen Strategie bildet
die Verbesserung der Anpassungsfähigkeit der Märkte ein                                    zieht sich der Strukturwandel um so leichter , je mehr er im
wesentliches Element des Prozesses , mit dem die Wettbe­                                   Rahmen eines dynamischen Wachstums abläuft , in dem die
werbsfähigkeit der Unternehmen und ihre Leistungen , vor                                   soziale Dimension der Anpassung, leichter berücksichtigt
                                                                                           werden kann .
allem im Bereich der Beschäftigung , verstärkt werden sollen .
Zwar wird eine solche Verbesserung nur durch mittelfristige                                Fortschritte auf dem Weg zur Vollendung des Binnenmark­
Aktionen zu erreichen sein , deren Auswirkungen sich erst                                  tes: Im Juni 1986 wurde auf der Tagung des Europäischen
nach und nach bemerkbar machen , doch kann die vorge­                                      Rates in Den Haag die Notwendigkeit einer substantiellen
schlagene Politik auch unmittelbarere positive Auswirkun­                                  Verbesserung des Entscheidungsprozesses im Zusammen­
gen insofern haben , als sie zur Orientierung und Stabilisie­                              hang mit der Vollendung des Binnenmarktes hervorgehoben ,
rung der Erwartungen der am Wirtschaftsleben Beteiligten                                   damit sowohl die für das laufende Jahr festgelegten Ziele als
beiträgt . Erklärtes Ziel ist ein verbessertes Funktionieren der                           auch das Endziel für 1992 erreicht werden können . In der
Märkte durch :
                                                                                           Tat müssen noch beträchtliche Fortschritte erzielt werden ,
                                                                                           damit von dem gegenwärtigen Zustand einer fortgeschritte­
— Die Schaffung eines Wirtschaftsraumes ohne Binnengren­                                   nen Zollunion zu einem Wirtschaftsraum ohne Grenzen im
    zen , in dem Waren , Personen , Dienstleistungen und                                  Jahre 1992 übergegangen werden kann .
    Kapital frei zirkulieren können ;
                                                                                           Betrachtet man die Hauptaktionsbereiche , die in dem Weiß­
— au£ einzelstaatlicher Ebene die Herstellung günstigerer                                  buch über den Binnenmarkt genannt werden , so dürften die
    Bedingungen für die Entwicklung der Unternehmen und                                    deutlichsten wirtschaftlichen Ergebnisse durch folgende
    die Förderung des Unternehmergeistes .                                                 Maßnahmen zu erzielen sein :
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 66                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31 . 12 . 86
— Beseitigung der Hindernisse für den innereuropäischen             Obwohl es schwierig ist , die genauen Auswirkungen der
    wirtschaftlichen Austausch : es handelt sich hierbei in         größeren wirtschaftlichen Integration auf Produktion , Pro­
    erster Linie um die Beseitigung der Hemmnisse an den            duktivität und Beschäftigung vorauszuschätzen , wird die
    Grenzen , deren Hauptergebnis eine Senkung der Kosten           Vollendung des Binnenmarktes zweifellos den Prozeß des
    des innergemeinschaftlichen Handels und somit ein               Strukturwandels beschleunigen . Deshalb muß sichergestellt
    Anreiz für die Belebung dieses Warenverkehrs sein wird ,        werden , daß die soziale Dimension voll berücksichtigt wird,
    der nach einem starken Wachstum von 1958 bis 1973 ( in          wie dies in Artikel 118a der Einheitlichen Europäischen
    diesem Zeitraum stieg der Anteil des innergemeinschaft­         Akte gefordert wird . Außerdem müssen die Ungerechtigkei­
    lichen am gesamten Handel der Gemeinschaft von 34 auf           ten und Blockaden vermieden werden , die entstehen könn­
    53 % ) seither eine Phase relativer Stagnation durchläuft .     ten , falls bestimmte Gruppen alle Belastungen der Anpassung
    Außerdem geht es hierbei um den Gemeinsamen Markt               tragen , während anderen die Erträge zufließen . Zu diesem
    für Dienstleistungen und insbesondere finanzielle Dienst­       Zweck muß die Wirtschafts- und die Sozialpolitik , unter
    leistungen , von dem man sich infolge eines verstärkten         Einberechnung der zur Zeit zur Erleichterung der Anpassung
    Wettbewerbs eine Senkung der Kosten dieser Dienstlei­           an den Strukturwandel genutzten Instrumente ( Sozial- und
    stungen ( finanzielle Vermittlung , Preise der Dienstlei­       Regionalfonds , usw .), besonderes Augenmerk darauf rich­
    stungen ) sowohl für die Unternehmen als auch für die           ten , Kosten und Nutzen der Integration gerecht aufzuteilen
    Endverbraucher verspricht .                                     und einen größeren wirtschaftlichen und sozialen Zusam­
                                                                    menhalt zu fördern .
— Freigabe öffentlicher Aufträge für den Wettbewerb : die
    öffentlichen Aufträge haben ein beträchtliches Gewicht ,        Außerdem geht es darum , dem großen Binnenmarkt zu seiner
    da die Käufe von Waren und Dienstleistungen ( ein­              vollen finanziellen Dimension zu verhelfen .
    schließlich Anlageinvestitionen ) des Staates 1985 etwa
    18 % sämtlicher öffentlichen Ausgaben oder 9 % des BIP          Die Liberalisierung des Kapitalverkehrs dient dem allgemei­
    der Gemeinschaft ausmachten ; die Käufe zahlreicher             nen Ziel , für eine optirfiale Ressourcenallokation zu sorgen .
    öffentlicher Unternehmen des privatrechtlich organisier­        Sie muß sich auf eine enge Konvergenz der Wirtschafts- und
    ten Sektors , der dem Wettbewerb ausgesetzt ist , sind          Währungspolitik als einem Faktor der Stabilität und des
    darin noch nicht einmal enthalten . Wenn diese Aufträge         Vertrauens stützen , der der Investitionsbereitschaft und
    der Konkurrenz geöffnet werden , werden sich daraus             einem dauerhaften Wachstum in der gesamten Gemeinschaft
    Haushaltseinsparungen ergeben , die ersten Schätzungen          förderlich ist .
    zufolge in manchen Sektoren ganz erheblich sein werden .
    Auch für die Lieferunternehmen könnte dies bedeutende           So wird insbesondere die Liberalisierung der Kapitalströme ,
    Auswirkungen haben , da sie sich stärker spezialisieren         in Verbindung mit parallelen Fortschritten beim Aufbau
    und Skalenerträge erzielen können .                             eines Gemeinsamen Marktes für finanzielle Dienstleistun­
                                                                    gen , den europäischen Finanzraum attraktiver machen und
— Verstärkung der durch Verbesserung des Angebots                ^ die Entwicklung einer vollständigen Palette von Instrumen­
    erzielten Effekte : Die greifbarsten Ergebnisse werden sich     ten fördern , die den neuesten Techniken entsprechen . Indem
    durch Verstärkung des innereuropäischen Wettbewerbs ,           den Sparern breiter aufgefächerte Anlagemöglichkeiten und
    durch stärkere Spezialisierung der Unternehmen und              den Unternehmen jeder Größe eine internationale Erweite­
    folglich — zumindest in bestimmten Sektoren — durch             rung ihrer Finanzierungsmöglichkeiten geboten wird , dürfte
    Skalenerträge erzielen lassen . Die Bedeutung dieser            die Liberalisierung des Kapitalverkehrs zu einer Mobilisie­
    Effekte kann noch durch bestimmte Entwicklungen                 rung der europäischen Ersparnis größeren Maßstabs führen ,
    vergrößert werden , namentlich durch eine intensivere           die für Investitionen und Arbeitsplätze zu geringeren Kosten
    innereuropäische Zusammenarbeit der Industrie und eine          zur Verfügung steht .
    stärkere Konzentration und Wirksamkeit der For­
    schungs- und Entwicklungsausgaben . Sehr positive               Im Hinblick darauf hat die Kommission am 21 . Mai 1986
    Angebotseffekte werden sich auch aus der Beseitigung der        eine Mitteilung an den Rat mit einem Programm zur
    Unterschiede in den technischen Spezifikationen ( techni­       Liberalisierung des Kapitalverkehrs in der Gemeinschaft
    sche Regelungen , Normen , Zulassungsverfahren ) erge­          beschlossen . Das vorgeschlagene Programm sieht zwei Pha­
    ben , die gegenwärtig sowohl von den Behörden als auch          sen vor :
    von den marktbeherreschenden Unternehmen als Instru­
    mente zur Aufspaltung der Märkte eingesetzt werden              Die erste Phase ist bereits angelaufen . Ihr Ziel besteht darin ,
    können . Dies führt zu einer Verminderung der Wettbe­           in der gesamten Gemeinschaft diejenigen Kapitaltransaktio­
    werbsfähigkeit der Wirtschaft in der Gemeinschaft .             nen tatsächlich zu liberalisieren , die für das einwandfreie
                                                                    Funktionieren des gemeinsamen Marktes und den Verbund
— Schließlich könnte die Annäherung der Gesetzgebung                der Finanzmärkte am unmittelbarsten notwendig sind .
    hinsichtlich der indirekten Steuern ein wichtiger Faktor
    zur Verstärkung des innergemeinschaftlichen Wettbe­             Dies bedeutet zunächst , daß bestehende Ausnahmeregelun­
    werbs vor allem deswegen sein , weil so die Verbraucher­        gen von den geltenden Gemeinschaftsverpflichtungen schritt­
    preise in den verschiedenen Ländern überschaubarer              weise abgebaut werden . Es ist wichtig , daß die dann noch
    werden . Außerdem könnte dies in manchen Fällen , oder          bestehenden Beschränkungen — entweder im Rahmen der im
    von manchen Ländern als Gelegenheit genutzt werden ,            Vertrag vorgesehenen Schutzklauseln wie im Falle Irlands ,
    um eine unter angebotsökonomischen Gesichtspunkten              Italiens und Griechenlands oder im Rahmen der Beitrittsakte
    besser angepaßte Abgabenstruktu'r einzuführen ( vgl .           für Spanien und Portugal — schrittweise aufgehoben werden
    Punkt 4.2 ).                                                    können .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 67
Dies bedeutet ferner , daß die derzeitigen Liberalisierungsver­    Wettbewerbsprozeß die überdurchschnittlichen Produktivi­
pflichtungen ausgedehnt werden . Ein entsprechender Richt­         tätszuwächse in den leistungsfähigen Sektoren durch relativ
linienvorschlag ist dem Rat im Juni 1986 übermittelt wor­          niedrige Preise der Produkte dieser Sektoren auf die Gesamt­
den ; er sieht die Erweiterung der Liberalisierungsverpflich­      wirtschaft verteilen . Die zusätzliche Nachfrage in diesen
tung auf langfristige Kredite im Zusammenhang mit Han­             Sektoren verstärkt ihr Wachstum und ihre Beschäftigung .
delsgeschäften , den Erwerb nicht an Börsen gehancielter           Dieser Mechanismus erlaubt außerdem , die Rentabilität der
Wertpapiere sowie die Zulassung von Wertpapieren auf den           weniger leistungsfähigen Sektoren zu verbessern , und ermög­
inländischen Kapitalmärkten vor .                                  licht dort die Schaffung von Arbeitsplätzen .
In der zweiten Phase müßte das Prinzip einer vollständigen         Andererseits bemühen sich die Regierungen in einigen Mit­
Liberalisierung des Kapitalverkehrs , also auch für Finanzkre­     gliedstaaten , die Eingriffe des Staates in ihre Wirtschaften zu
dite und monetäre Anlagen ( Einlagen , Geldmarktpapiere ),         verringern , mit dem Ziel , größere wirtschaftliche Effizienz zu
anerkannt werden . Der Zeitplan für die Liberalisierung            erreichen ; ob es sich nun um eine Deregulierung in verschie­
dieser Transaktionen müßte der unterschiedlichen Wirt­             denen Bereichen ( Verkehrswesen , Energiewirtschaft), Priva­
schaftssituation der Mitgliedstaaten und dem zur Zeit sehr         tisierungen ( oder Reprivatisierungen ) verschiedener Tätig­
uneinheitlichen Grad ihrer Devisenkontrollen Rechnung              keiten handelt , die zuvor vom öffentlichen Sektor wahrge­
tragen . Die Kommission wird dem Rat im Laufe des Jahres           nommen wurden , oder aber um den erklärten Willen , den
1987 neue Vorschläge unterbreiten .                                Umfang der öffentlichen Interventionen in Form von Sub­
                                                                   ventionen zurückzuschrauben — Ziel ist immer eine ver­
Günstigere Bedingungen für die Entwicklung der Unterneh­           mehrte wirtschaftliche Effizienz . In diesem Zusammenhang
men . Eine bessere Anpassungsfähigkeit der Märkte an die           erfordert die Vollendung des Binnenmarktes dadurch , daß
Schwankungen von Angebot und Nachfrage sowie die                   sie eine rigorosere staatliche Beihilfenpolitik verlangt , eine
externen Schocks setzt voraus , daß die Unternehmen unter          verstärkte Transparenz und eine regelmäßige Bewertung
stabilen und ihrer Entwicklung förderlichen Rahmenbedin­           sämtlicher öffentlicher Interventionen zugunsten der Unter­
gungen arbeiten können .                                           nehmen in jeder Form ( Subventionen , Zinsvergütungen ,
                                                                   Steuererleichterungen , Garantien , Beteiligungen usw .), um
Die Verbesserung der steuerlichen, finanziellen und admini­        insbesondere ihre Effizienz und ihre Auswirkungen auf die
strativen Rahmenbedingungen für die Unternehmen gehört             Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in der Gemeinschaft
                                                                   zu beurteilen .
zu den ständigen politischen Zielen der Kommission . Eine
solche Verbesserung — die sich meistens auf Empfehlungen
zugunsten der besten nationalen Praktiken innerhalb der            Obgleich die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die
Gemeinschaft stützt — trägt zur Vergrößerung der Transpa­          Unternehmen und die verstärkte Rolle der Konkurrenz
renz und Annäherung der Bedingungen für die Tätigkeit der          Maßnahmen sind , die sich für die kleinen und mittleren
Unternehmen innerhalb der Gemeinschaft bei und ist dazu            Unternehmen ( KMU ) günstig auswirken , will die Kommis­
angetan , den Rückgriff auf diskretionäre Maßnahmen , die          sion doch wegen ihrer Bedeutung für die Schaffung von
den Wettbewerb verfälschen könnten , einzuschränken . Die          Arbeitsplätzen eine dynamischere und spezifischere Politik
Kommission hat vor allem im Anschluß an ihre Mitteilung            gegenüber den KMU und den Genossenschaften entwickeln .
von 1983 über die steuerlichen und finanziellen Maßnahmen          Zu diesem Zweck hat sie ein Aktionsprogramm ( ! ) verab­
zugunsten der Investitionen mehrere Initiativen zur Verbes­        schiedet , das neben der Schaffung günstigerer Rahmenbedin­
serung der steuerlichen ( Übertragung von Verlusten , Sen­         gungen für die Gründung und Entwicklung der KMU' den
kung der Gesellschaftsteuer), finanziellen ( Förderung einer       spezifischen Bedürfnissen dieser Unternehmen in bezug auf
europäischen Risikokapitalinitiative) und administrativen          Kapitalbeschaffung und Anpassungsfähigkeit an die Märkte
( Prüfung der Auswirkungen der gemeinschaftlichen und              ( Flexibilität) entgegenkommen soll . Die hierfür vorgeschla­
einzelstaatlichen Vorschriften auf die kleinen und mittleren       genen Maßnahmen betreffen insbesondere die Ausbildung
Unternehmen ( KMU ) und die Genossenschaften ) Rahmen­             ( Umschulung des Personals , Ausbildung der Führungskräfte
bedingungen für die Unternehmen ergriffen . Diese Politik          und Unternehmensleiter von KMU ), die Förderung von
soll aktiv weitergeführt werden , doch wird sie um so              „einheitlichen Anlaufstellen" auf nationaler Ebene und die
nachhaltiger sein , je mehr sie auf nationaler Ebene durch         Errichtung von Verbindungsstellen der Gemeinschaft als
staatliche Maßnahmen sowohl auf zentraler als auf regiona­         Pilotaktion zur Information der KMU , die Unterstützung der
ler Ebene ergänzt und verstärkt wird .                             KMU beim Zugang zu Drittlandsmärkten , die Unterstüt­
                                                                   zung von Betriebsgründungen und Innovationen , Partner­
Außerdem hat die Betonung der Rolle, die ein vermehrter            schaften zwischen Großunternehmen und KMU , die Anpas­
 Wettbewerb für die Stärkung der Anpassungsfähigkeit der           sung der Gemeinschaftsfinanzierungen an die Bedürfnisse
 Volkswirtschaften spielt, eine Reihe von Mitgliedstaaten zu       der KMU und die Entwicklung einer europäischen Risiko­
Maßnahmen veranlaßt , die den Spielraum der Unternehmen            kapitalinitiative .
vergrößern oder ihnen zu einer elastischeren und effiziente­
ren Unternehmensführung verhelfen . So hat sich — in den           Alle diese Aktionen , die Gegenstand von Gesprächen und
meisten Fällen unter dem günstigen Einfluß der rückläufigen        Konsultationen mit den Sozialpartnern waren ( repräsentati­
Inflation — in mehreren Ländern eine Bewegung angebahnt ,          ve Verbände der KMU und Gewerkschaften ), sollen den
die den Unternehmen die Freiheit zur Preisfestsetzung              Prozeß der Entwicklung und Schaffung von Arbeitsplätzen in
zurückgehen soll . Ganz allgemein wird übrigens in den             KMU dynamischer gestalten und bilden in dieser Hinsicht
 meisten Ländern die Preisflexibilität als ein besonders wich­
tiges Element zur Verbesserung von Wachstum und Beschäf­           ( J ) Aktionsprogramm für die kleinen und mittleren Unternehmen
tigung betrachtet . Insbesondere können sich durch den                   KOM(86 ) 445 vom 16 . Juli 1985 .
 ---pagebreak---     Nr . L 385 / 68                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  31 . 12 . 86
    einen wichtigen Bestandteil der Kooperativen Wachstums­         besserung der Agrarprodukte und eine Strukturpolitik her­
    strategie für mehr Beschäftigung .                              vor , die den Realitäten des Marktes besser angepaßt ist .
                                                                    Darüber hinaus wird die Gemeinschaft , entsprechend Artikel
    Entscheidendfür die Kooperative Strategie sind Maßnahmen        130 der Einheitlichen Europäischen Akte , die Funktion der
    der Gemeinschaft und der Mitgliedsländer, um das Funktio­       Strukturfonds verbessern , damit diese Instrumente gemein­
    nieren der Güter-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkte zu        schaftlicher Solidarität auf bestgeeignete Weise zur Errei­
    verbessern. Unter den größeren Initiativen, die im Rahmen       chung des Ziels eines stärkeren wirtschaftlichen und sozialen
    des Binnenmarktprogramms der Gemeinschaft von der Kom­          Zusammenhalts und eines Abbaus des Rückstands benach­
    mission vorgeschlagen wurden, befinden sich folgende Maß­       teiligter Regionen und im Niedergang befindlicher Industrie­
    nahmen: a) Beseitigung technischer Handelshemmnisse und         regionen beitragen können . Die Entscheidung zur Verbesse­
    der Kosten beim Grenzübergang; b) Wettbewerb im öffent­         rung der Funktion der Fonds ordnet sich in die Kooperative
    lichen Beschaffungswesen; c) Annäherung der indirekten          Strategie ein , die mit einem dynamischeren Wachstum eine
    Steuern; d) Liberalisierung der Kapitalmärkte. Gleichwohl       wichtige Voraussetzung für eine Annäherung der Lebens­
    darf in diesem Zusammenhang die soziale Dimension nicht         standards in den Mitgliedstaaten und Regionen der Gemein­
    vernachlässigt werden. Außerdem hat die Kommission Vor­         schaft schaffen soll .
    schläge zur Verbesserung des steuerlichen und gesetzlichen
     Umfelds des Unternehmenssektores gemacht, wobei den            Weitere Haushaltsanstrengungen zugunsten von Industrie ,
    Bedürfnissen der kleinen und mittleren Unternehmen beson­       Forschung und Innovation werden die Strukturanpassung
    dere Beachtung geschenkt wurde.                                 erleichtern und beschleunigen sowie die Wettbewerbsfähig­
                                                                    keit der Unternehmen verbessern . Diese Ausgaben sind von
                                                                    besonderer Bedeutung für die kooperative Strategie , da sie
    4.5 . Die Finanzierung der Politik der Gemeinschaft:            die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen der
           Gemeinschaftshaushalt und andere Finanzierungs­          Unternehmen verbessern , ein Ausbildungsumfeld schaffen ,
           instrumente                                              das für die Einführung von Informationstechnologien gün­
                                                                    stig ist und die Entwicklung des gemeinsamen Binnenmark­
    Strukturelle Anpassung und Konvergenz der Volkswirtschaf­       tes verstärken , indem sie sich positiv auf das industrielle
    ten der Mitgliedstaaten bilden , zusammen mit der Kontrolle     Angebot auswirken .
    der Finanzierung der gemeinsamen Agrarpolitik , die vorran­
    gigen Ziele des Haushalts der erweiterten Gemeinschaft .        Der Gemeinschaftshaushalt für 1987 befindet siph gerade im
    Entsprechend der Kooperativen Strategie kann der Gemein­        Stadium der Vorbereitung . Der Haushaltsvoranschlag der
    schaftshaushalt verstärkt zur Erreichung von Zielen wie         Kommission liegt bei 36,6 Milliarden ECU und damit
    beschäftigungswirksameres Wachstum , Verstärkung des            innerhalb der 1,4%-Grenze des Mehwertsteuerplafonds .
    wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts , harmonische       Der geringe Anstieg der Ausgaben im Rahmen der Garantie­
    Eingliederung der neuen Mitgliedstaaten und Ausbau des          abteilung des EAGFL um nur 3,8% — diese Ausgaben
    Binnenmarktes beitragen . Die Finanzinstrumente der             machen noch 62,5 % des gesamten Gemeinschaftshaushalts
    Gemeinschaft müssen so einfallsreich und wirksam wie            aus — erlaubt eine deutliche Ausweitung der strukturpoliti­
    möglich in den Dienst dieser Strategie gestellt werden .        schen Ausgaben .
    Außerdem erwägt die Kommission , gestützt auf die Beschlüs­
                                                                    Der vom Rat in erster Lesung verabschiedete Haushalt hat
    se des Europäischen Rates von Fontainebleau , dem Rat eine      ein Volumen von 35,9 Milliarden ECU . Er sieht jedoch
    Anhebung des Höchstsatzes der abzuführenden Mehrwert­
                                                                    Kürzungen der Mittel für die Strukturfonds und die For­
    steuer ab 1988 vorzuschlagen .
                                                                    schung vor .
    Der Gemeinschaftshaushalt: Die prekäre Situation des
    Gemeinschaftshaushaltes entspricht der Schwierigkeit , ein      Neue Finanzierungsinstrumente: Die Knappheit der Haus­
    Gleichgewicht zwischen der Finanzierung der vom Rat             haltsmittel bildet zusammen mit der reichlichen Verfügbar­
    festgelegten gemeinsamen Agrarpolitik und der Entwicklung       keit von Mitteln privaten Ursprungs einen neuen Finanzie­
  . der nicht-obligatorischen Ausgaben , deren Rolle bei der        rungskontext , der die Kommission zu dem Vorschlag veran­
    Suche nach einem besseren wirtschaftlichen und sozialen         laßt , ein besonderes Schwergewicht auf die Entwicklung
    Zusammenhalt der Gemeinschaft seit der Erweiterung noch         neuer Finanzierungsinstrumente zu legen („ingenierie finan­
    an Bedeutung gewonnen hat , zu finden . Das Problem der         ciere"). Im Rahmen dieser Initiative wurde ein neuer Titel in
    Agrarausgaben wird dadurch verstärkt, daß ihr Umfang            den Budgetvorschlag der Kommission für 1987 eingestellt .
    auch von Faktoren außerhalb der Gemeinschaft abhängt . So
    mußte der vom Rat festgelegte „Bezugsrahmen der Haushalts­      Diese neue Aktivität könnte darauf abzielen , den Markt zur
    disziplin" als Folge des Preisrückgangs für Agrarprodukte       Schaffung und Fortentwicklung von Instrumenten oder
    und der verstärkten Konkurrenz anderer landwirtschaft­          Mechanismen anzuregen , die zur Finanzierung von Maßnah­
    licher Produzenten auf dem Weltmarkt 1986 revidiert wer­        men oder Projekten geeignet sind , die im besonderen Inter­
    den . Im übrigen nehmen in dem vom Parlament im Juli 1986       esse der Gemeinschaft liegen . Es könnte sich darum handeln ,
    verabschiedeten Haushalt auch die nicht-obligatorischen         die bestehenden Instrumente ( Darlehen und Subventionen )
    Ausgaben besonders rasch zu .                                   derart zu benutzen , daß ein Katalysatoreffekt entsteht .
                                                                    Weiterhin zielt diese Aktivität darauf ab , die Methoden und
    In diesem Zusammenhang hebt die Kommission in ihren             Formen von Gemeinschaftsmaßnahmen zu erweitern und es
    Richtlinien „Eine Zukunft für die europäische Landwirt­         dem Markt zu ermöglichen , in einer Verbindung von
    schaft" als wesentliche Ziele den zunehmenden Abbau des         Gemeinschafts- und Privatkapital neue Formen der Finanzie­
$ Angebots in den Überschußsektoren , eine qualitative Ver­         rung anzubieten , damit sich die angestrebten Ziele im
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                 Nr . L 385 / 69
Innovations-, Technologie- und im Unternehmensbereich                              — Große Infrastrukturprojekte , die nur sehr schwer in die
verwirklichen lassen .                                                                 Wege zu leiten sind und deren Verwirklichung die
                                                                                       Vereinigung erheblicher Kapitalsummen , oftmals in ver­
Tatsächlich gibt es in der Gemeinschaft nach Meinung der                               schiedener Form und zu spezifischen Modalitäten , erfor­
Kommission eine ganze Anzahl von Projekten , deren Beginn                              dert . Die Gemeinschaft könnte hier auf folgende Weise
und Verwirklichung durch die Zurverfügungstellung geeig­                               eingreifen :
neter Finanzierungsmodalitäten erheblich erleichtert werden                            — Sie kann die Bedingungen zur Einleitung solcher
könnten . Die Kommission hat zunächst drei Anwendungs­                                       Großprojekte mitgestalten („Erklärung europäischer
gebiete im Bereich „Neue Finanzierungsinstrumente" zur                                       Nützlichkeit", Budgetbeihilfe),
Priorität erklärt , für welche sie , in enger Zusammenarbeit                           — sie kann das Umfeld für private Investoren günstiger
mit der EIB , die Entwicklungsmöglichkeiten prüft :                                          gestalten ,
— Hochtechnologieprojekte , die noch sehr weit von der                                 — und sie kann schließlich den Markt durch eine
    letztlichen industriellen Anwendung entfernt sind . Hier­                                neuartige Gemeinschaftsmaßnahme                   mobilisieren
    bei handelt es sich insbesondere um Vorhaben zur                                         ( z . B. Projektfinanzierung ).
    industriellen Verwertung von Ergebnissen aus gemeinsa­
    men Forschungsprogrammen , die von der Gemeinschaft                            Die Erweiterung der Gemeinschaft, die Vollendung des
    mitfinanziert wurden . Da solche Projekte am besten auf                        Binnenmarktes und die Notwendigkeit, die Arbeitslosigkeit
    Eigenkapitalbasis finanziert werden , hat die Kommission                       zu reduzieren, erhöhen das Tempo des strukturellen Wandels
    dazu einige Ideen entwickelt ( Errichtung privater Investi­                    in der Gemeinschaft. Der Gemeinschaftshaushalt sollte
    tionsgesellschaften , die durch einen Garantiemechanis­                        diesen Prozeß durch Einsatz seiner verschiedenen Fonds
    mus abgestützt sind ) und deren Durchführbarkeit in                            erleichtern. Darüber hinaus könnten nach Meinung der
    Finanzkreisen überpüft .                                                       Kommission neue Finanzierungsinstrumente, die dem Markt
                                                                                   einen Anreiz geben, den wesentlichen Teil der Finanzierung
— Kleine und mittlere Unternehmen ( insbesondere innova­                           von Aktivitäten oder Projekten, die von besonderem
    tive), die sich spezifischen Finanzierungsschwierigkeiten                      Gemeinschaftsinteresse sind, zu leisten, ebenfalls dazu bei­
    gegenüber sehen . Auf diesem Gebiet ist das mögliche                           tragen. Vorrangige Einsatzgebiete für diese Finanzierungs­
    Instrumentarium besonders groß ( Risikokapital , Garan­                        instrumente könnten Projekte der Hochtechnologie, die
    tiefonds , Kreditversicherung , Beratungsstellen ). Die                        Innovation bei kleinen und mittleren Unternehmen und
    Kommission arbeitet hier an einer Weiterentwicklung .                          einige große Infrastrukturprojekte sein .
                                                                       TABELLE 23
                                  Haushalt der Europäischen Gemeinschaften 1985— 1987, Mittel für Zahlungen
                                                                                                                           (in Millionen ECU)
               I                                                        1985 (')
                                                                       EUR-10
                                                                                            1986 ( 2 )
                                                                                            EUR-12
                                                                                                               1987 ( 3 )
                                                                                                               EUR-12
                                                                                                                                 1987 (")
                                                                                                                                 EUR-12
               Ausgaben
               Landwirtschaft — Abteilung Garantie                    19 726              22 112              22 961             22 961
               Landwirtschaft — Abteilung Ausrichtung                     738                 802                966                 983
               Fischerei                                                   82                 190                221                 208
               Sozialfonds                                             1 413               2 533               2 589               2 499
               Regionalfonds                                           1 624               2 373               2 495               2 422
               Integrierte Mittelmeerprogramme                               9   .            133                240                 175
               Verkehr                                                     76                   27                 34                  21
               Energie und Industrie                                      129                 114                173                 147
               Forschung und Innovation                                   578                 648                847                 744
               Nahrungsmittelhilfe                                        544                 553                616                 524
               Entwicklungshilfe                                          541                 618                642                 536
               Sonstige Ausgaben einschließlich
               Erstattungen an Mitgliedstaaten                         2 763               5 071               4 892               4 726
                                                    Insgesamt         28 223              35 174 ( 5 )        36 676 { 6 )       35 946
               (')   Vollzug.
               (2)   Haushalt am 10 . Juli 1986 vom Parlament genehmigt .
               (3)   Haushaltsvorentwurf 1987 , von der Kommission am 21 . Juli 1986 dem Rat vorgelegt .
               (4)   Haushaltsentwurf am 9 . September vom Rat beschlossen .
               ( 5 ) Korrektur des Haushaltsungleichgewichts des Vereinigten Königreichs , das sich auf 2 685 Millionen ECU beläuft und in den
                     Einnahmen enthalten ist .
               ( 6 ) Korrektur des Haushaltsungleichgewichts des Vereinigten Königreichs , das sich auf 2 366 Millionen ECU beläuft und in den
                     Einnahmen enthalten ist .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 70                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                    31 . 12 . 86
                                                                                                                            (in Millionen ECU)
              l                                                        1985 (')            1986 f2 )          1987 ( 3 )          1987 ( 4 )
                                                                       EUR-10              EUR-12             EUR-12               Eur-12
              Einnahmen :
              Agrarabschöpfungen                                      2 179               2 699               3 297
              Zölle                                                   8 310               9 700               9 762
              Mehrwertsteuer ( MwSt .)                               15 218         '    22 468              23 130
              Sonderbeiträge                                           1 911                 211                212
              Verschiedenes                                              654                  96                275
                                                    Insgesamt        28 272 ( 7 )        35 174 ( J )        36 676 ( 6 )         35 946
              Mehrwertsteuerhöchstsatz                                   1,0              1,4                 1,4
              Tatsächlicher Mehrwertsteuersatz                           1,0              1,39 ( 8 )          1,38 ( 9 )
              Anteil des Gesamthaushalts am BIP                          0,85             1,03                1,02
              (') Vollzug.
              ( 2 ) Haushalt am 10 . Juli 1986 vom Parlament genehmigt .
              ( 3 ) Haushaltsvorentwurf 1987 , von der Kommission am 21 . Juli 1986 dem Rat vorgelegt .
              (") Haushaltsentwurf am 9 . September vom Rat beschlossen .
              ( 5 ) Korrektur des Haushaltsungleichgewichts des Vereinigten Königreichs , das sich auf 2 685 Millionen ECU beläuft und in den
                    Einnahmen enthalten ist .
              ( 6 ) Korrektur des Haushaltsungleichgewichts des Vereinigten Königreichs , das sich auf 2 366 Millionen ECU beläuft und in den
                    Einnahmen enthalten ist .
              ( 7 ) Ein Überschuß von 4 ? Millionen ECU eingeschlossen , übertragen auf den Haushalt 1986 .
              ( 8 ) Außer Deutschland ( 1,33697 ) und das Vereinigte Königreich ( 0,67663 ).
              (') Außer Deutschland ( 1,3296 ) und das Vereinigte Königreich ( 0,8176 ).
              Quelle: Haushaltsberechnung 1985 ; Budget 1986 genehmigt vom Europäischen Parlament am 10 . Juli 1986 ; Vorentwurf für den
                        Haushaltsplan 1987 , von der Kommission am 21 . Juli dem Rat vorgelegt ; Haushaltsentwurf, am 9 . September vom Rat
                        beschlossen .
                                                                      TABELLE 24
              Investitionsfinanzierung der Europäischen Gemeinschaft durch Aufnahme von Anleihen auf den Kapitalmärkten
                                                                und Darlehensgewährung
                                                                                                                            (in Millionen ECU)
                                                                                         1984              1985                  1986
              Kreditgewährung nach Institution oder
              Kreditmechanismus :                                                  II
              Europäische Investitionsbank                                             5 007              5 641
              Kommission :                                                         Il
                   EGKS                                                                   825             1 010
                   Euratom                                                                186               211
                   Neues Gemeinschaftsinstrument                                       1 182                884
                                                                    Insgesamt          7 200              7 746           7 800 bis 8 300
              Kreditgewährung nach Sektor oder Zielbereich:
              Privatindustrie                                                          2 709              2 830           2 500 bis 2 800
                   davon : Globaldarlehen an kleinere und mittlere                 II
                    Unternehmen                                                        1 719              1 735           1 400 bis 1 600
              Infrastruktur                                                            2 132              2 413           2 800 bis 2 900
              Energie                                                                  2 359              2 503      .    2 500 bis 2 600
                                                                    Insgesamt          7 200              7 746           7 800 bis 8 300
              Quelle: Kommission der Europäischen Gemeinschaften „Bericht der Kommission an den Rat und das Europäischen Parlament
                        über die Anleihen- und Darlehenstätigkeiten der Europäischen Gemeinschaften 1985 " KOM(86 ) 289 endgültig . Mai
                        1986 . Für das Jahr 1986 handelt es sich um Vorausschätzungen der Dienststellen der Kommission .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 71
4.6 . Sozialer Dialog                                              Auf Gemeinschaftsebene wurde auf Anregung der Kommis­
                                                                   sion ein fruchtbarer Dialog mit und zwischen den Sozialpart­
Der Erfolg der Kooperativen Strategie erfordert eine zum           nern , vertreten durch die Repräsentanten der Arbeitgeber­
Teil deutliche Änderung der Verhaltensweisen und der               verbände der Europäischen Gemeinschaft ( UNICE ), des
Wirtschaftspolitiken . Der Anstieg der Arbeitslosigkeit wäh­       Verbandes der Europäischen öffentlichen Unternehmen und
rend der siebziger Jahre und das schwache Wachstum gingen          des Europäischen Gewerkschaftsbundes ( EGB ), in Gang
mit einer Verstärkung defensiver Verhaltensweisen einher ,         gesetzt . Die Erörterungen im Rahmen zweier Arbeitsgrup­
die häufig darauf ausgerichtet waren , Positionen und wohler­      pen , von denen die eine sich mit makroökonomischen und
worbene Rechte in einem von der Ölkrise stark veränderten          die andere mit mikroökonomischen Themen beschäftigt ,
Umfeld zu sichern . Diese Verhaltensweisen haben jedoch oft        erlaubten , Übereinstimmung in einer Reihe von Fragen zu
dem Problem der steigenden Arbeitslosigkeit nicht genügend         erzielen . Diese Übereinstimmung kann folgendermaßen
Rechnung getragen , ja seine Lösung erschwert .                    zusammengefaßt werden :
                                                                   — Notwendigkeit , daß alle Beteiligten , Unternehmen ,
Dies gilt einmal für die Unternehmer , die in einem von ihnen          Gewerkschaften und öffentliche Hand , die Kooperative
als unsicher eingeschätzten Umfeld zögernder investieren . Es          Strategie tatsächlich umsetzen , um die Arbeitslosigkeit in
gilt zum anderen für die Arbeitnehmer , die versuchen , ihre           wünschenswertem Ausmaß abzubauen ;
Kaufkraft und die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse
zu sichern . Es scheint jetzt jedoch auch für die wirtschafts­     — Notwendigkeit einer raschen Reallokation der Ressour­
politischen Instanzen zu gelten , die in Anbetracht der Dauer          cen zugunsten arbeitsplatzschaffender Investitionen
und der Kosten der Sanierungsbemühungen zu Beginn der                  durch eine weitere Verbesserung der Unternehmensren­
achtziger Jahre möglicherweise zögern , ihre Handlungsspiel­           täbilität aufgrund eines maßvollen Anstiegs der Real­
räume entschlossen zu nutzen .                                         löhne und durch eine weitestmögliche Verringerung der
                                                                       zeitlichen Verzögerung zwischen erhöhter Rentabilität
Das Zusammentreffen dieser Verhaltensweisen hat zu den                 und verstärkter Investitionstätigkeit ;
gegenwärtigen Ungleichgewichten geführt . Und nur aus              — Notwendigkeit , den Rahmen einer stabilitätsorientierten
einer gleichzeitigen Veränderung dieser Verhaltensweisen               Geldpolitik beizubehalten und die Inflation dort abzu­
wird eine Erneuerung der europäischen Wirtschaft hervor­               bauen , wo sie noch zu hoch ist ;
gehen können . Die Investitionsneigung der Unternehmen
kann zunehmen , wenn die Rentabilitäts- und Nachfrageper­          — Notwendigkeit , Forschung, Entwicklung und berufliche
spektiven sicherer sind . Die Arbeitnehmer können einen                Bildung zu fördern ;
maßvollen Anstieg der Reallöhne und eine größere Anpas­
sungsfähigkeit des Arbeitsmarktes eher akzeptieren , wenn im       — Notwendigkeit , den Binnenmarkt zügig auszubauen und
Gegenzug die Auswirkungen auf die Beschäftigung rasch                  dabei der sozialen Dimension voll Rechnung zu tra­
spürbar sind und wenn den sozialen Auswirkungen der                    gen ;
ergriffenen Maßnahmen voll Rechnung getragen wird . Die
Risiken eines Wiederanstiegs der Inflation und eines Wieder­       — Notwendigkeit , die Unternehmensinvestitionen durch
auftretens externer Ungleichgewichte infolge einer stärker             eine Ausweitung wirtschaftlich und gesellschaftlich ren­
wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik sind um so gerin­             tabler öffentlicher Investitionen zu ergänzen .
ger , je mehr die interne Kostenentwicklung in geregelten
Bahnen gehalten werden kann , je mehr die Unternehmen              Selbstverständlich traten auch gewisse Meinungsverschie­
gleichzeitig dazu ihre Produktionskapazität vergrößern und         denheiten zutage . Sie betreffen insbesondere die Rolle des
je mehr diese Politiken in ein dynamischeres gemeinschaftli­       Staates im Wirtschaftsleben , sowohl hinsichtlich seiner Aus­
ches Umfeld eingebettet sind .                                     gaben und Einnahmen als auch hinsichtlich der gesetzlichen
                                                                   Rahmenbedingungen für das Funktionieren der Märkte , und
                                                                   ferner die Bedeutung , die einer kostenniveauneutralen Neu­
Die gleichzeitige Änderung der Verhaltensweisen aller am
Wirtschaftsleben Beteiligten muß das Ziel des Sozialen             gestaltung und Verkürzung der Arbeitszeit für die Beschäf­
                                                                   tigung zukommt .
Dialogs sein .
                                                                   Auf Gemeinschaftsebene wird sich die Kommission um eine
Es wird hiermit deutlich , daß der Soziale Dialog alle Themen      Vertiefung des Sozialen Dialogs bemühen . Wie bereits in der
der Kooperativen Strategie sowohl auf makroökonomischer            Mitteilung an den Rat vom Juli 1986 ( KOM(86 ) 364 endg .)
als auch auf mikroökonomischer Ebene abdecken muß . Der
                                                                   festgestellt wurde , wird aber der auf Gemeinschaftsebene
Soziale Dialog führt die Repräsentanten der Arbeitgeber und        zum Ausdruck kommende Wille zur Zusammenarbeit auf
der Arbeitnehmer ebenso wie die Regierungen zusammen . Er          nationaler Ebene noch nicht voll ausgeschöpft . In allen
 muß es erlauben , einen vertieften Konsens hinsichtlich des       Mitgliedstaaten sollten die Regierungen , unter Berücksichti­
 Beitrags jeder einzelnen der beteiligten Parteien zur Koope­      gung der nationalen Gepflogenheiten , aber auch auf neuen
 rativen Strategie zu schaffen . Durch regelmäßige und genü­       Wegen , konkrete Anstöße liefern , um auf nationaler Ebene
gend häufige Zusammenkünfte , um der konjunkturellen               den Dialog über alle Aspekte der Strategie aufzunehmen und
 Entwicklung Rechnung zu tragen , sind die Beteiligten in der      ein dem Dialog auf Branchen- und Unternehmensebene
 Lage , die tatsächliche Umsetzung der Kooperativen Strategie      förderliches Klima zu schaffen ( M. In den Ländern , in denen
 zu kontrollieren und ihre Handlungen im Lichte der jeweils
 jüngsten Entwicklungen anzupassen . Der Soziale Dialog auf        (') Vgl . Artikel 3 der Richtlinie 74 / 121 / EWG des Rates vom
 allen Ebenen muß es auch ermöglichen , die sozialen und               18 . Februar 1974 über die Stabilität , das Wachstum und die
 beschäftigungsmäßigen Auswirkungen des notwendigen                    Vollbeschäftigung in der Gemeinschaft (ABl . Nr . L 63 vom
 strukturellen und technologischen Wandels zu meistern .               5 . 3 . 1974 , S. 19 ).
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 72                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
 sich die Regierungen aufgrund besonderer Umstände nicht in           Staaten als auch den Überschuß Japans auf. annehmbare
 der Lage sehen , den Sozialen Dialog von sich aus anzuregen ,        Größenordnungen zu reduzieren . Obwohl die Fünfergruppe
 bleiben die Sozialpartner weiterhin aufgefordert ; selbst die        die Notwendigkeit solcher Veränderungen erkannt hat ,
 Initiative zu ergreifen ; auf diese Weise könnte auch in diesen.     wurden bisher wenig Fortschritte auf diesem Gebiet erzielt .
 Ländern der Dialog über die Themen der Gemeinschaftsstra­            Im Ergebnis werden 1986 und 1987 das US-Defizit wie auch
 tegie zwischen den Sozialpartnern und — wenn irgend                  der japanische Überschuß zu hoch bleiben . Für den Über­
 möglich — mit der Regierung zustande kommen .                        schuß der Gemeinschaft insgesamt kann erwartet werden ,
                                                                      daß er von seinem Niveau im Jahre 1985 aus vorübergehend
 Der Soziale Dialog stellt ein wichtiges Element der Koope­           ansteigen , aber dennoch innerhalb annehmbarer Grenzen
 rativen Strategie dar. Durch das Zusammentreffen der                 bleiben wird . Innerhalb der Gemeinschaft bedarf die Vertei­
 Repräsentanten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sowie            lung von Überschüssen und Defiziten zwischen den Mit­
 der Regierungen soll er insbesondere zu veränderten Verhal­          gliedsländern wohl noch einiger Anspassung , auch wenn es
 tensweisen aller am Wirtschaftsleben Beteiligten beitragen           keinesfalls notwendig ist , daß die Leistungsbilanzen in allen
 und einen breiten Konsens hinsichtlich des jeweiligen Bei­           Mitgliedsländern genau ausgeglichen sind .
 trags jedes einzelnen schaffen. Die behandelten Themen
sollen alle wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Koope­          Die Vereinigten Staaten haben die Überschußländer , insbe­
 rativen Strategie abdecken . Auf Gemeinschaftsebene wurde            sondere Japan und Deutschland , wiederholt gedrängt ,
 auf Anregung der Kommission ein fruchtbarer Dialog mit              zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen , um die interne Nach­
 und zwischen den Sozialpartnern in Gang gesetzt. Die                frage zu stimulieren und damit den Rückgang ihrer externen
 Kommission wird sich darum bemühen, diesen Dialog noch               Überschüsse und des außenwirtschaftlichen Defizits der
 weiter zu vertiefen . Die Regierungen aller Mitgliedstaaten         Vereinigten Staaten zu beschleunigen . Jedoch würde ein
sollten konkrete Anstöße geben, um auf nationaler Ebene              schnelleres Wachstum allein in diesen beiden Ländern , die
 den Dialog über alle Aspekte der Strategie anzuregen, wobei         nur 15% der amerikanischen Exporte aufnehmen , für die
sie auf dem von den Sozialpartnern auf europäischer Ebene            Verringerung des US-Defizits wahrscheinlich keine große
zum Ausdruck gebrachten Willen zur Zusammenarbeit                    Wirkung haben . Wenn alle Industrieländer , außer den
aufbauen und den besonderen Umständen injedem Mitglied­              Vereinigten Staaten , Maßnahmen ergriffen , um die interne
staat Rechnung tragen .                                              Nachfrage zu stimulieren , wäre der Einfluß auf die amerika­
                                                                     nische Leistungsbilanz selbstverständlich viel größer , da in
                                                                     diesem Fall etwa 60 % der amerikanischen Exporte betroffen
                                                                     wären . Andererseits würde ein stärkeres Wachstum in allen
4.7 . Internationale Koordination der Wirtschaftspolitiken           Industrieländern außerhalb der USA zwar das US-Defizit
                                                                     verringern , es würde aber vermutlich nur wenig dazu
Seit etwas über einem Jahr ist ein Prozeß zur Korrektur der          beitragen , den japanischen und deutschen Überschuß abzu­
wichtigsten Zahlungsbilanzungleichgewichte , die seit 1982           bauen . Dies liegt daran , daß zusätzliche Nachfrage anderer
die Weltwirtschaft beeinträchtigt haben , in Gang gekom­             Industrieländer nach deutschen und japanischen Gütern die
men . Schon seit März 1985 , als der Dollar seinen Höhepunkt         Zunahme der Einfuhren , die durch ein stärkeres Wachstum
erreicht hatte , haben die Wechselkurse der wichtigsten              ihrer eigenen Binnennachfrage entsteht , tendenziell ausglei­
Währungen begonnen , sich in eine Richtung zu bewegen ,              chen würde .
welche besser mit den fundamentalen wirtschaftlichen Fak­
toren übereinstimmt . Diesem Prozeß wurde ein zusätzlicher           Um das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten auf
Impuls verliehen , als die Finanzminister der Fünfergruppe           eine annehmbare Höhe zurückzuführen , scheint es notwen­
auf ihrer Sitzung in New York im September letzten Jahres            dig zusein , eine gewisse Verlangsamung der Entwicklung der
darin übereinstimmten , daß eine Abwertung des Dollar und            Inlandsnachfrage in den USA anzustreben . Dies würde im
eine entsprechende Aufwertung der anderen wichtigen Wäh­             Vergleich zu anderen Industrieländern eine Periode relativ
rungen , insbesondere des Yen , notwendig sein würden , um           schwächeren Wachstums bedeuten . Einfuhren in die USA
die Struktur der internationalen Zahlungsströme auf eine             sind , ungleich den Ausfuhren aus den USA , in hohem Maße
tragfähige Basis zu stellen .                                        einkommenselastisch , und es darf erwartet werden , daß sie
                                                                     kräftig auf ein geringeres Wachstum reagieren würden .
Bis Ende September 1986 hatten sich die anderen Währun­              Tabelle 25 zeigt die Verteilung der Leistungsbilanzsalden ,
gen der Fünfergruppe gegenüber dem Dollar erheblich                  die erwartet werden könnte , wenn die Politik der öffentlichen
aufgewertet . Gewogen mit Handelsgewichten betrug die                Finanzen in den USA restriktiver ausgestaltet würde , und
Abwertung des Dollar seinerseits 22% , während die Auf­              wenn angenommen wird , daß die realen Wechselkurse auf
wertung des Yen bezogen auf das Jahresmittel 1985 38%                dem Niveau von Jahresmitte 1986 verharren würden . An*
betrug . Die europäischen Währungen haben sich , gewogen             Ende der 80er Jahre wäre das US-Defizit auf etwa 2% de^
mit Handelsgewichten , weniger aufgewertet , da ungefähr die         BIP vermindert , der Überschuß der Gemeinschaft würde
Hälfte ihres Handels untereinander abgewickelt wird . Diese          verschwinden , allerdings bliebe der japanische Überschuß
Wechselkursanpassungen reichen jetzt wahrscheinlich , zu­            unannehmbar hoch .
mindest was das Verhältnis des ECU zum Dollar betrifft ,
ungefähr aus .                                                       Eine entschlossene Verwirklichung der Kooperativen Strate­
                                                                     gie in den nächsten vier Jahren würde unter diesen Bedin­
Angesichts der umfangreichen Ungleichgewichte , welche               gungen zu einer gewissen Verschlechterung der Leistungsbi­
sich über Jahre besonders in den Vereinigten Staaten und             lanz der Gemeinschaft führen . Dies wäre zwar sicherlich
Japan aufgebaut haben , müssen diese Wechselkursanpassun­            annehmbar , entspräche aber nicht einem dauerhaften
gen jedoch von einer Anpassung der internen Politiken                Gleichgewicht . Hauptnutznießer , im Hinblick auf die Zah­
begleitet werden , um sowohl das Defizit der Vereinigten             lurigsbilanzentwicklung , wären die übrigen europäischen
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 73
Länder und die Entwicklungsländer . Die Auswirkungen auf           Die jüngste Erfahrung verdeutlicht , daß noch genügend
die Leistungsbilanz der USA wären verhältnismäßig gering ,         Veranlassung besteht , die Vorkehrungen für eine internatio­
im japanischen Fall würde die Entwicklung zur Verminde­            nale Koordination der Wirtschaftspolitiken zu verbessern .
rung der Überschüsse noch weiter hinausgezögert (vgl .             Die Teilnehmer des Gipfels von Tokio haben entschieden ,
Tabelle 26 ). Diese Lösung wäre nicht optimal . Daher scheint      daß der vielversprechendste Weg , diese Verbesserung zu
eine internationale Kombination von Politiken , welche dar­        erreichen , die Entwicklung eines Systems von Indikatoren
auf ausgerichtet sind , die Ungleichgewichte auf erträgliche       wäre , die es ermöglichen , die Ziele der Länder in ziemlich
Größenordnungen zu verringern , auch eine Mischung von             genaue quantitative Größen zu fassen und den Erfolg für das
Yen-Aufwertung- und finanzpolitischer Stimulierung in              Erreichen dieser Ziele genau zu überwachen . Es ist beabsich­
Japan zu erfordern , zusätzlich zu einer Periode relativ           tigt , daß die nationalen Vorausschätzungen auf interne
mäßigen Wachstums in den USA und eines schnelleren                 Konsistenz und gegenseitige Verträglichkeit mit dem Ziel
Wachstums in der Gemeinschaft . Tabelle 27 zeigt die               geprüft werden sollen , zukünftige Spannungsursachen her­
Verteilung der Leistungsbilanzsalden , die sich bei einer          auszufinden und Übereinstimmung über die politischen
finanzpolitischen Expansion in Japan in der Größenordnung          Veränderungen zu erzielen , welche am geeignetsten sind , um
von 1% des BIP in 1987 , welche bis zum Jahre 1990                 etwaigen Spannungen zuvorzukommen . Infolgedessen könn­
durchgehalten wird , und einer weiteren 20%igen effektiven         ten die Indikatoren benutzt werden , um die tatsächliche
Aufwertung des Yen in den Jahren 1987 und 1988 , ergäben .         Entwicklung im Hinblick auf die angestrebten Ziele zu
Diese Kombination von Maßnahmen würde in Verbindung                überprüfen und , wo notwendig , angemessene Korrektur­
mit Maßnahmen zur Gewährleistung einer weiteren Öffnung            maßnahmen zu bestimmen . Ohne Zweifel ist ein solches
der Güter- und Kapitalmärkte den japanischen Uberschuß             System kein Allheilmittel zur Lösung der Probleme interna­
deutlich vermindern . Dieses Beispiel zeigt , daß durch Koope­     tionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit . Dennoch , in dem
ration ein insgesamt besseres Ergebnis erreicht werden kann .      Maße , wie es ein vollständigeres quantitatives Beurteilungs­
Der positive Effekt ließe ' sich noch verstärken , wenn die        raster liefert , anhand dessen die Politiken der wichtigsten
EFTA-Länder in die Kooperation mit einbezogen wären ,              Länder überprüft werden können , und die wahrscheinlichen
wofür sie bereits Interesse bekundet haben .                       Folgen der Politiken für das betreffende Land wie für die
                                                                   anderen Länder abgeschätzt werden können , sollte es die
                                                                   Aussichten verbessern , ernste Unvereinbarkeiten zwischen
Die jüngsten Entwicklungen des Welthandels und der Welt­           den Politiken der teilnehmenden Länder und dadurch er­
produktion waren nicht hilfreich für die Entwicklungslän­
der . Schwaches Wachstum in der industrialisierten Welt hat        zeugte Spannungen zu verhindern .
die Zuwachsraten der Exportmengen der Entwicklungslän­
                                                                   Die in Punta del Este im September getroffene Vereinbarung ,
der niedrig gehalten und die Rohstoffpreise gedrückt . Als
                                                                   eine neue Runde multilateraler Handelsgespräche im Rah­
Ergebnis dieser Entwicklung wird angenommen , daß die
                                                                   men des GATT zu beginnen , bestärkt in der Hoffnung , daß
Kaufkraft der Entwicklungsländer ( Exporteinnahmen defla­
                                                                   die protektionistischen Tendenzen zum Stillstand gebracht
tioniert mit Importpreisen ) in diesem Jahr um schätzungs­
                                                                   und umgekehrt werden können . Dies ist eine wichtige
weise 11% gesunken ist . Das Leistungsbilanzdefizit dieser
                                                                   Voraussetzung für das Entstehen eines offeneren und dauer­
Ländergruppe insgesamt hat sich nach vier Jahren stetiger
                                                                   hafteren multilateralen Handelssystems . Darüber hinaus
Verbesserung trotz sinkender Zinszahlungen auf die Aus­
                                                                   sollten diese Verhandlungen die Strukturen und Regeln des
landsschulden wieder erheblich verschlechtert . Der wichtig­
                                                                   GATT stärken , was sehr wichtig ist , da allgemein der
ste Beitrag zu einer Verbesserung der externen finanziellen
                                                                   Eindruck vorherrscht , daß sie sich vor dem ungünstigen
Lage der Entwicklungsländer muß von einer Zunahme ihrer
                                                                   weltwirtschaftlichen Hintergrund in letzter Zeit , gelockert
Exporte kommen . Offenere Märkte für die Erzeugnisse der
                                                                   haben . In diesem Zusammenhang ist die gemeinsame
Entwicklungsländer sind eine unabdingbare Voraussetzung
                                                                   Anstrengung aller Beteiligten von besonderer Bedeutung , den
für Fortschritte auf dem Weg der Entwicklungsländer,
                                                                   Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen als Verhand­
wieder Kreditwürdigkeit zu erlangen . Darüber hinaus ist
                                                                   lungsthema aufzunehmen . Nicht zuletzt sollte GATT sich
„frisches Kapital" notwendig , um die Wirtschaft der ver­          mit den neuen Entwicklungslinien in der Handelsstruktur
schuldeten Länder in Richtung auf mehr Wachstum erfolg­
                                                                   anpassen . Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die
reich umzustrukturieren und anzupassen , wie es im
                                                                   Entscheidung, die Liberalisierung des Handels mit Dienstlei­
Baker-Plan vorgeschlagen ist . Die jüngsten Verhandlungen
                                                                   stungen in die Verhandlungen einzubeziehen , womit ein
über Mexikos Auslandsschulden und interne politische
                                                                   wichtiger Sektor in das multilaterale Handelssystem Eingang
Anpassungsmaßnahmen stellen diesbezüglich ein gutes Bei­           findet .
spiel dar .
                                                                   Jüngste Wechselkursveränderungen haben ein günstigeres
Eine Verstärkung des wirtschaftlichen Wachstums in den             Klima für eine Korrektur der großen außenwirtschaftlichen
Entwicklungsländern ist unbedingt notwendig , um eine              Ungleichgewichte geschaffen, die sich während der vorher­
weitere Verschlechterung des Lebensstandards ihrer Bevöl­          gehenden Jahre gebildet haben . Sie reichen alleinjedoch nicht
kerung zu verhindern und Fortschritte auf dem Weg zu einer         aus, um eine Korrektur zustande zu bringen . Die Rückkehr
Lösung der Schuldenprobleme zu erzielen . Zu diesem Zweck          zu einer annehmbareren Verteilung der Leistungsbilanzsal­
ist es von zentraler Bedeutung , daß die Anpassung der             den wird insbesondere eine haushaltspolitische Restriktion in
zwischen den Industrieländern bestehenden Leistungsbilanz­         den Vereinigten Staaten und expansive haushaltspolitische
ungleichgewichte insgesamt keine kontraktiven Auswirkun­           Maßnahmen, verbunden mit einer weiteren Yen-AufWer­
gen auf das Wachstum der verschuldeten Entwicklungslän­            tung, in Japan erfordern . Falls es nach diesen Grundsätzen zu
der hat . Das Wachstum dieser Länder kann in der Tat einen         politischen Anpassungen käme, könnten bis 1990 wichtige
bedeutenden Beitrag zu einem stetigen Wachstum des Welt­           Korrekturen für die Leistungsbilanzsalden der Vereinigten
handels leisten .                                                  Staaten und Japans erreicht werden . Der durch die Verwirk­
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 74                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   31 . 12 . 86
lichung der Kooperativen Wachstumsstrategie für mehr                            des GATT könnte diese Entwicklung weiter fördern . Dies
Beschäftigung erreichte höhere Wachstumstrend in der                            hätte auch positive Auswirkungen auf die Exporte der
Gemeinschaft und den EFTA-Ländern hätte günstige Aus­                           Entwicklungsländer und würde deren Chancen verbessern,
wirkungen auf den Welthandel. Die neue Runde von multi­                         mittelfristig ihre externe Zahlungsposition zu konsolidie­
lateralen Verhandlungen über Handelsfragen im Rahmen                            ren .
                                  Vorausgeschätzte Leistungsbilanzdaten in % des BIP, 1986— 1990
                                                                     TABELLE 25
                                  Bei gegebenen Politiken und Wechselkursen von Mitte 1986 (Basisszenario)
              \                                                           1985                  1986
                                                                                                                       Durchschnitt
                                                                                                                       1987—1990
              USA                                                        - 3,0                  - 2,5                      - 2,2
              Japan                                                      + 3,7                  + 4,5                      + 3,2
              EUR                                                        + 0,5                  + 1,2                      + 0,4
              Die jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten des realen BIP im Zeitraum 1986— 1990 einschließlich , wären in diesem Szenario :
              für die USA 2,7 % ; für Japan 3,6 % ; für EUR .2,6 % .
                                                                     TABELLE 26
                       Bei Anwendung der Kooperativen Strategie (ohne besondere kooperative Maßnahmen in Japan )
                                                                                                                       Durchschnitt
                                                                          1985                  1986
                                                                                                                       1987—1990
              USA                                                         - 3,0                 - 2,5                      - 2,0
              Japan                                                       + 3,7                 + 4,5                      + 3,5
              EUR                                                         + 0,5                 + 1,2                      - 0,1
              Die jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten des realen BIP im Zeitraum 1986— 1990 einschließlich , wären in diesem Szenario :
              für die USA 2,8% ; für Japan 3,7 % ; für EUR 3,5 % .
                                                                     TABELLE 27
              Bei Anwendung der Kooperativen Strategie verbunden mit fiskalischer Expansion in Japan und weiterer effektiver
                                                           Aufwertung des Yen um 20%
                                                                                                                       Durchschnitt
                                                                          1985                  1986
                                                                                                                        1987—1990
              USA                                                         - 3,0                 - 2,5                      - 1,7
              Japan                                                       + 3,7                 + 4,5                      + 2,2
              EUR                                                         + 0,5                 + 1,2                      + 0,1
              Die jahresdurchschnittlichen Wachstumsraten des realen BIP im Zeitraum 1986— 1990 einschließlich , wären in diesem Szenario :
              für "die USA 2,9% ; für Japan 3,4 % ; für EUR 3,6 % .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 75
                                                               TEIL II
                                  DIE WIRTSCHAFTSPOLITIK IN DEN MITGLIEDSLÄNDERN
               ANWENDUNG DER KOOPERATIVEN WACHSTUMSSTRATEGIE FÜR MEHR BESCHÄFTIGUNG
                                          DURCH DIE MITGLIEDSTAATEN IM JAHRE 1987
Bei Prüfung der Beschäftigungsentwicklung in den letzten             nahmsweise könnten Übergangsregelungen vorgesehen wer­
Jahren kommt man zu dem Schluß , daß in sämtlichen                   den , um den besonderen Problemen der Beitrittsländer
Mitgliedstaaten energische Maßnahmen notwendig sind , um              Rechnung zu tragen .
die Arbeitslosenquote spürbar zu senken . Eine Ausnahme
bildet Luxemburg , wo die Arbeitslosigkeit gering ist . Im
Jahresdurchschnitt geht die Arbeitslosenquote 1986 nur in            Desgleichen ist es wünschenswert , daß die Mitgliedstaaten
vier der zwölf Mitgliedstaaten und 1987 nur in der Hälfte der        auf den Arbeitsmärkten und bei den Lohnkosten weitgehend
Länder zurück , in beiden Jahren jedoch nur in zwei Mitglied­        parallele Maßnahmen treffen ( Mäßigung des Anstiegs der
staaten ( Deutschland und den Niederlanden ). 1986 liegt das         Reallöhne , kostenniveauneutrale Verkürzung der Arbeits­
Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nur in zwei Ländern               zeit , flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit , Verringerung der
( Deutschland und Portugal ) innerhalb der Bandbreite von 3          Soziallasten , Überprüfung der für die Einstellung von
bis 3,5 % , die mittelfristig als notwendig angesehen wird , um      Arbeitskräften geltenden Vorschriften , Förderung von
die Arbeitslosenquote deutlich zu verringern . 1987 ist das           Unternehmensgründungen ).
Ergebnis erheblich besser, weil sechs Länder , — davon drei
( Deutschland , Spanien , Italien ) mit einem relativ hohen          Im Laufe des Jahres 1987 , wenn sich die stimulierenden
Anteil am BIP der Gemeinschaft — dieses Wachstumsziel                Effekte aus den „Terms of trade"-Gewinnen abzuschwächen
erreichen , und Frankreich und das Vereinigte Königreich es           beginnen , könnte es notwendig sein , die Binnennachfrage zu
lediglich um ein viertel Prozentpunkt verfehlen . Wenn also           stützen ; die Stützung muß notwendigerweise von Land zu
Fortschritte in die richtige Richtung gemacht werden , ist es        Land differenziert werden , und zwar im Hinblick auf die
doch wichtig zu prüfen , ob und in welcher Weise diese 1987          Notwendigkeiten , die durch die Situation in derrt jeweiligen
und in den darauf folgenden Jahren in den einzelnen                  Land vorgegeben sind .
Mitgliedstaaten konsolidiert und verbessert werden können ,
und in welchem Maße sich die Wirtschafts- und Sozialpolitik
von Land zu Land unterscheiden muß , um die Besonderhei­             Vom währungspolitischen Standpunkt ist der anhaltende
ten der Wirtschaftslage jedes Landes zu berücksichtigen .            Zinsrückgang ein hochwillkommenes , stimulierendes Ele­
                                                                     ment für die Entwicklung der Investitionen . In Ländern wie
                                                                     der Bundesrepublik Deutschland und den Niederlanden sind
Selbstverständlich ist , wie in dem Jahreswirtschaftsbericht         die Zinssätze wegen des starken Rückgangs der Inflationsrate
1985 — 1986 bereits betont wurde , die isolierte Durchfüh­           schon deutlich gesunken . Eine forcierte Zinssenkung würde
rung von Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigung                die Stabilitätsziele der Geld- und Kreditpolitik gefährden . In
sehr schwierig , wenn nicht gar unmöglich , und ein Erfolg           den meisten anderen Ländern , besonders in Frankreich und
von Aktionen dieser Art setzt im übrigen die Verstärkung des         in Italien , läßt die Verminderung der Inflationserwartungen
Sozialen Dialogs nicht nur auf Gemeinschaftsebene , sondern          indessen darauf hoffen , daß sich die rückläufige Zinstendenz
auch in den einzelnen Mitgliedstaaten voraus . Das Zusam­            noch fortsetzt .
menspiel von Regierungsmaßnahmen und Initiativen der
Sozialpartner wird eine wesentliche Voraussetzung für den
Erfolg aller Bemühungen zur Verbesserung der Beschäfti­              Diese binnenwirtschaftlichen Ziele können jedoch nur
gungslage sein .                                                     erreicht werden , wenn die Mitgliedstaaten sich gemeinsam
                                                                     und im Rahmen der internationalen währungspolitischen
                                                                     Zusammenarbeit         auch  mit  den   außenwirtschaftlichen
Die Berücksichtigung der Besonderheiten der Wirtschafts­             Aspekten dieser Probleme befassen . Wegen des großen
lage jedes einzelnen Mitgliedstaates bedeutet notwendiger­           Zahlungsbilanz-Anpassungsbedarfs der Vereinigten Staaten
weise , daß alle im ersten Teil dieses Berichtes empfohlenen         wird der starke Druck auf den Dollar sehr wahrscheinlich
Maßnahmen nach Ländern differenziert werden müssen .                 auch 1987 anhalten . Eine übermäßige Abwertung des Dol­
                                                                     lars läge nicht im Interesse der Gemeinschaft , weil sie
                                                                     negative Auswirkungen auf ihr eigenes Wachstum haben
Es erscheint durchaus wünschenswert , die Vorschläge unter           könnte . Eventuelle Anpassungen der internen Geld- und
den Punkten 4.3 bis 4.6 von Teil I gleichartig und gleichzeitig      Kreditpolitik zur Verhinderung einer solchen Entwicklung
durchzuführen .                                                      könnten jedenfalls gewisse Grenzen nicht überschreiten ,
                                                                     ohne „self-defeating" zu werden .
Die Bemühungen der Mitgliedstaaten müssen weitgehend
vergleichbar sein , wenn es darum geht , die Funktionsweise          Diese Überlegungen zeigen , daß die Währungspolitik im
der Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkte zu verbes­            „Policy-mix" einiger Länder das Wachstum noch stimulieren
sern und das Gemeinschaftsprogramm für die Verwirk­                  kann , daß ihre Rolle in anderen Ländern aber sehr
lichung des großen Binnenmarktes durchzuführen . Aus­                beschränkt ist .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 76                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31 . 12 . 86
Auf dem Gebiet der öffentlichen Finanzen sind die Hand­             Niederlande ) sind die Haushaltszwänge weniger stark , aber
lungsspielräume unterschiedlicher . In der Bundesrepublik           gewisse Aspekte der Wirtschaftsaussichten für 1987 begren­
Deutschland und in Luxemburg erscheint die Haushaltslage            zen den makroökonomischen Bewegungsspielraum .
ausreichend entspannt , um der öffentlichen Hand einen
gewissen Spielraum zu eröffnen . Im Vereinigten Königreich          Deshalb wird nur eine recht kleine Gruppe von Ländern in
hat die Regierung in ihrer Herbsterklärung eine Erhöhung            der Lage sein , global auf die Angebots- und Nachfragebe­
des Volumens der öffentlichen Ausgaben um ca . 4,75
                                                                    dingungen einzuwirken . Dagegen können sämtliche Mit­
Milliarden    Pfund    vorgesehen ;    dies   bedeutet ,   daß      gliedstaaten durch Umstrukturierung ihrer öffentlichen Aus­
1987 - 1988 das Volumen der öffentlichen Ausgaben zu
                                                                    gaben und Einnahmen- günstigere Rahmenbedingungen für
konstanten Preisen um 2% gegenüber dem geschätzten
                                                                    die Erhöhung der Beschäftigung schaffen .
Ergebnis von 1986 - 1987 steigen wird . In Frankreich sind
für 1987 bereits erhebliche Steuererleichterungen vorgesehen
und für 1988 wurden zusätzliche Erleichterungen angekün­            Immerhin ist 1987 zu erwarten , daß sich der Spielraum in
digt ; daneben soll das Haushaltsdefizit in jedem der beiden        einer wachsenden Zahl von Ländern erweitern wird und die
Jahre verringert werden . Im Gegensatz dazu erfordern der           Aktionsmöglichkeiten in den Ländern , in denen ein solcher
Zustand der öffentlichen Finanzen und die hohe öffentliche          Spielraum bereits existiert , noch größer werden . Dies wäre
Verschuldung , daß in Belgien , Griechenland , Irland , Italien     der Fall , wenn sich die bereits 1986 eingetretene Verbesse­
und Portugal die Haushaltssanierung fortgesetzt wird . In           rung der grundlegenden Voraussetzungen für das Wirt­
einer dritten Gruppe von Ländern ( Dänemark , Spanien ,             schaftsgleichgewicht erwartungsgemäß 1987 bestätigt .
                                                              BELGIEN
In Belgien dürfte das Wirtschaftswachstum 1986 das wäh­             1982 erreichte Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und eine
rend des Zeitraums 1981 - 85 erreichte Tempo deutlich               größere Flexibilität der Arbeitszeit zu fördern . Die Errei­
überschreiten . Die dynamischere Entwicklung ist nicht nur          chung dieser Ziele wird 1986 durch den Rückgang der
auf den Rückgang der Erdölpreise zurückzuführen , sondern           Inflationsrate erleichtert , der über den Indexierungsmecha- .
auch auf Verzögerungen bei der Verabschiedung eines neuen           nismus rasch zur Verlangsamung des Anstiegs der Nominal­
Programms zur Haushaltssanierung . Das verfügbare Real­             löhne geführt hat . Die Lohnverhandlungen für die Jahre nach
einkommen der privaten Haushalte und der private Ver­               1986 stehen im Zeichen der Vollmachten , die die Regierung
brauch , die während mehrerer Jahre praktisch stagniert             zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit besitzt . Wenn die
hatten , dürften uro. mehr als 2,5 % steigen . Außerdem             sektoralen Lohnabschlüsse wesentlich von den allgemeinen
dürften die Unternehmensinvestitionen wegen der Verbesse­           Empfehlungen des Abkommens zwischen den Sozialpartnern
rung der Gewinnmargen stark zunehmen . Im Jahre 1987                vom September 1986 abweichen — Empfehlungen , die mit
dagegen wird das Wachstum wegen der nur mäßigen Ein­                der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und der Förderung
kommenszuwächse bei den privaten Haushalten infolge des             der Beschäftigung , vor allem für Jugendliche , vereinbar sind
im Frühjahr 1986 beschlossenen Sanierungsprogramms mit              — , kann von gesetzlichen Zwangsmitteln Gebrauch gemacht
Sicherheit geringer ausfallen . Es wird in stärkerem Umfang         werden . Der verlangsamte Lohnanstieg führte zwischen
von den Unternehmensinvestitionen und dem Export getra­             1981 und 1 986 zu einer Senkung der realen Lohnstückkosten
gen werden . Der Preisauftrieb dürfte nach der starken              von fast 9% . Parallel hierzu haben sich Rentabilität und
Verlangsamung der Inflation im Jahre 19.86 . ( von 4,9% auf         Finanzlage der Unternehmen verbessert . Außerdem wurde
1,3% ) gering bleiben , und die Leistungsbilanz dürfte im           eine weitere Senkung der Steuern auf Unternehmensgewinne
laufenden und im nächsten Jahr einen deutlichen Uberschuß           beschlossen , die den Höchststeuersatz 1988 von 45% auf
aufweisen . Der Finanzierungsbedarf der öffentlichen Hand           43 % herabsetzt. Schließlich wurde die Geld- und Kreditpo­
wird 1986 nur geringfügig abnehmen , sich aber 1987                 litik auf eine möglichst weitgehende , mit der Erhaltung eines
voraussichtlich um 1,5 bis 2 Prozentpunkte des BIP verrin­          stabilen Wechselkurses zu vereinbarende Senkung der kurz­
gern . Die Bemühungen , die öffentlichen Finanzen zu sanie­         fristigen Zinssätze ausgerichtet . Auch der Zinssatz für
ren , werden zunächst einen negativen Effekt auf die Beschäf­       Investitionskredite ist von 12,7 % zu Anfang des Jahres 1985
tigung im öffentlichen Sektor haben , der jedoch weitgehend         auf 8,25% seit April 1986 gesunken . Diese verbesserten
durch die Beschäftigungszunahme im privaten Sektor , insbe­         Bedingungen schlugen sich erst 1986 in einer spürbaren
sondere dank der im Rahmen der intersektoralen Verhand­             Zunahme der Unternehmensinvestitionen nieder , weil die
lungen geschlossenen Vereinbarungen , ausgeglichen wird .           Inangriffnahme neuer Vorhaben wahrscheinlich durch die
Für den Zeitraum 1986 und 1987 werden sich das Niveau der           aus der Budgetsanierung resultierende Unsicherheit hinsicht­
Beschäftigung insgesamt und die Arbeitslosenquote kaum              lich der Einkommensentwicklung der privaten Haushalte
verändern .                                                         behindert wurde . Bei der Gestaltung der Arbeitszeit wird
                                                                    bald größere Flexibilität herrschen , wenn der Gesetzgeber die
Die Entwicklung der Einkommen in den Jahren 1986 und                Einigung der Sozialpartner über die allgemeine Einführung
19:87 folgt dem seit 1982 eingeschlagenen Kurs , der auf eine       einer flexibleren Arbeitszeit genehmigt hat . Mit Inkrafttreten
moderate Zunahme der Reallöhne abzielte , um die nach               der neuen Lohnvereinbarungen werden sich dann die Unter­
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 77
nehmen besser an Nachfrageschwankungen anpassen kön­                 Der Umfang des Haushaltsungleichgewichts erfordert es ,
nen .                                                                daß die von der Regierung angestrebte Verringerung des
                                                                     Nettofinanzierungssaldos effektiv und in den vorgesehenen
Der Zustand der öffentlichen Finanzen erfordert , daß dem            Fristen erreicht wird , zumal gegenwärtig das internationale
Ziel einer raschen und durchgreifenden Sanierung absolute            Umfeld in verschiedener Hinsicht relativ günstig ist und die
Priorität eingeräumt wird , um den Teufelskreis „Schulden­           Senkung der Ausgaben 1986 und 1987 durch den Zinsrück­
last — NeuVerschuldung" zu durchbrechen . Die belgische              gang erleichtert wird . Vor Auslaufen der Sondervollmachten
Regierung hat im Frühjahr das in ihrer Regierungserklärung           kann es erforderlich sein , Korrekturen vorzunehmen , damit
vom Dezember 1985 angekündigte Programm zur Haus­                    das Ziel ( ein Nettofinanzierungssaldo des Schatzamtes von
haltssanierung fertiggestellt . Es zielt darauf ab , den Nettofi­    8 % des BIP im Jahre 1987) eingehalten und jede Überschrei­
nanzierungssaldo des Schatzamtes , der 1985 noch 11,5%               tung vermieden wird , die sich vielleicht aufgrund unbefrie­
betrug , 1987 auf 8% und 1989 auf 7% des BIP zu                      digender Ergebnisse der geplanten Maßnahmen oder auf­
verringern , und zwar in erster Linie durch Senkung der              grund einer ungünstigeren Entwicklung exogener Faktoren
Ausgaben . Das früher beschlossene Programm von Steuerer­            ergeben könnte . Der einzige , kurzfristig in der Haushaltspo­
leichterungen für natürliche Personen wurde beibehalten und          litik zur Verfügung stehende Spielraum betrifft die Einnah­
jede Erhöhung der Steuern auf Erdölerzeugnisse abgelehnt .           menstruktur , die so gestaltet werden könnte , daß sie ein
Insgesamt dürften die Programme die in letzter Zeit günstige         beschäftigungsintensiveres Wachstum begünstigt . In diesem
Entwicklung von Beschäftigung und Inlandsnachfrage vor­              Zusammenhang könnte man an eine Senkung der Sozialver­
übergehend negativ beeinflussen . Dennoch kann die belgi­            sicherungsabgaben bei Löhnen und Gehältern und eine
sche Wirtschaft wegen des Rückgangs der Preise für Erdöl­            kompensierende Anhebung der indirekten Steuern ganz
produkte auch während der Zeit der internen Anpassung mit            allgemein oder speziell der Besteuerung der Erdölerzeugnisse
einem relativ hohen Wachstum rechnen .                               denken .
Die Lage der öffentlichen Finanzen beschränkt naturgemäß
die Möglichkeiten einer Nachfragestützung durch die öffent­          Da die belgische Wirtschaft während der Zeit der internen
liche Hand . Um zu einem stärkeren und dauerhafteren                 Anpassung gegenüber dem Ausland wettbewerbsfähig blei­
Wachstum zurückzukehren , muß der Sanierung der öffentli­            ben muß , sollte auch nach Auslaufen der diesbezüglichen
chen Finanzen und der Beseitigung von Starrheiten auf der            Sondervollmachten eine maßvolle Lohnentwicklung ange­
Angebotsseite weiterhin Priorität eingeräumt werden . Auch           strebt werden . Nachdem aber schon während eines langen
die Durchführung einer Geld- und Kreditpolitik , die auf eine        Zeitraums eine strikte Lohnpolitik praktiziert wurde , könnte
möglichst weitgehende , mit der Stabilität des Franc im EWS          in Einzelfällen eine Lockerung gerechtfertigt sein , damit auf
kompatiblen Zinssenkung abzielt , ist vorwiegend von der             Signale des Arbeitsmarktes reagiert werden kann , z . B. wenn
Verringerung des Finanzbedarfs des öffentlichen Sektors              Engpässe auftreten , die durch Umschulungsmaßnahmen nur
abhängig .                                                           schwer behoben werden können .
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 78                                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                        31 . 12 . 86
                                                                           TABELLE 28
                                                     Belgien : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                         1961 —      1974—
                                                         1973        1980
                                                                                   1981         1982         1983        1984       1985        1986 (>)    1987 ( 2 )
                            r nominal                       9,2     • 10,0      .   3,4           8,7         6,3         6,8        6,7           6,7         3,1
 Bruttoinlands-             I rea]                          4,9        2,5        - 1,5           1,5       - 0,1         1.4        1,5           2,0         1,3
 Produkt                   |
                              Deflator                      4,1        7,5          5,0           7,1         6,3         5.5        5,1           4,6         1,8
 Privater Verbrauch-Deflator                                3,7        7,8          8,1           7,4         7,5         5,9        4,8           1,3         1,5
                            r privat                                           - 18,1          - 0,3        - 3,6         4,4        3,8           7,0         6,9
 Bruttoanlage­
 investitionen            ■< öffentlich                                           - 6,3        - 8,9        - 7,6       - 8,8     - 13,2         - 6,4       - 9,8
 in Volumen                   insgesamt                     5,1        1,9     - 16,3          - 1,7        - 3,9         1,0        1,2           5,3         5,0
      davon : Bauten                                                           - 22,9          - 5,4        - 5,1       - 4,2      - 0,4           2.1         2,2
               Ausrüstungen                                                         3,6           8,0       - 9,5         9,9        3,6           9,5         8,4
 Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                                          - 4,1           0,3       - 2,5         1.7        1,3      .    3,0         1,3
 Abstand zu den anderen Ländern
 der Gemeinschaft ^ 3 )                                                                        - 0,8        - 2,6       - 0,3      - 0,8         - 0,5       - 1,4
                            r nominal                       8,9       11,6          6,4           8,1         6,4         6.8        4,5           2,5         2,2
 Pro-Kopf-Löhne ■< rea' A (")                               4,6        3,8          1,4           1,0         0,0         1,4      - 0,6         - 2,0         0,4
                           L ' B (4)          -             5,1        3,5        - 1,5           0,7   .   - 1,0         0,8      - 0,3           1,2         0,7
 Produktivität ( s )                                        4,3        2,4          0,5           2,9         0,9         1,4        1,0           1,7         1,9
 Reale Lohnstückkosten                                      0,3        1.4          0,9        - 1,8        - 0,9         0,0      - 1,6         - 3,6       - 1,5
 Wettbewerbsfähigkeit ( 6 )                               - 0,2    .   1,5        - 8,2      - 11,5         - 2,3         0,1        1,8           2,9       - 0,6
 Beschäftigung                                              0,6        0,1        - 2,1        - 1,3       - 1,6          0,2        0,5           0,3       - 0,6
 Registrierte Arbeitslose in % der
 zivilen Erwerbspersonen ( 7 )                              2,2        6,8         11,1         13,0         14,3        14,4       13,7          12,9        13,4
 Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                          1,0      - 1,4        - 4,6        - 3,3       - 0,6        - 0,4        0,4           2,3         2,8
 Langfristiger Zinssatz                                     6,5        9,4         13,8         13,5         11,8        12,0       10,6           8,0         7,2
Geldmenge ( 8 )                                            10,1       11,2         10,0          7,5          7,0         6,1        6,7           5,8         4,0
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                              " 1,9      - 5,8     - 12,6        - 11,1       - 11,7        - 9,5      - 8,4        - 8,0        - 6,2
Öffentliche Schuld in % des BIP                                       64,8         88,2         95,9       105,1       110,7      117,4         120,6       125,7
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                           4,4          8,0          9,3          9,4         9,9       10,6          10,6        10,7
(')   Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
(2)   Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
(3)   Veränderung in Prozentpunkten .
(4)   A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
(s)   Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
(6)   Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
      an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 79
                                                                DANEMARK
In Dänemark hat sich in den letzten Jahren die wirtschaftliche         das potentielle inländische Angebot . Ein Rückgang der
Leistung in wichtigen Bereichen deutlich verbessert : das              Sparquote der privaten Haushalte , der sich auch in einer
Bruttoinlandsprodukt wuchs sowohl 1984 als auch 1985                   erhöhten Kreditaufnahme der privaten Haushalte widerspie­
stark ( 3,9 bzw . 3,8 % ), die Beschäftigung stieg um 2,4 % im         gelte , war ein Hauptgrund für diese Dynamik . Die Leistungs­
ersten und um 3,1 % im zweiten der beiden Jahre und die                bilanzposition verschlechterte sich weiter , obwohl die Regie­
Arbeitslosenquote wurde trotz eines raschen Anstiegs des               rung im Dezember 1985 und März 1986 Maßnahmen zur
Arbeitsangebots als Folge der erhöhten Nachfrage nach                  Wiederherstellung eines besseren außenwirtschaftlichen
Arbeitskräften von ihrem Höchststand mit 10,2% in 1983                 Gleichgewichts ergriffen hatte . Als Ergebnis dieser Maßnah­
auf 8,2 % in 1985 gesenkt . Triebkraft des Aufschwungs war             men flachte sich der private Verbrauch ab und auch die
die deutliche Wiederbelebung der Bruttoanlageinvestitionen ,           Bautätigkeit zeigte Anzeichen der Schwäche , wenngleich sie
die stark auf die ausgeprägte Verbesserung der Rentabilität            noch auf einem hohen Niveau verharrt . Die Unternehmens­
als Folge der zurückhaltenden Lohnpolitik Anfang der                   investitionen sind indessen weiter leicht gewachsen , außer in
achtziger Jahre reagierten .                                           einigen wenigen Sektoren , wie Energie und Schiffbau .
                                                                       Obwohl sich die Handelsbilanz im Laufe des Jahres verbes­
                                                                       sern dürfte , bleiben die Zinszahlungen an das Ausland hoch ,
                                                                       und die Leistungsbilanz dürfte sich für das Jahr insgesamt
Der steile Beschäftigungsanstieg um jährlich 2% seit 1983              nicht wesentlich verbessern . Die restriktionsbedingte
stellt das auffälligste Ergebnis der dänischen Wirtschaftspo­          Abschwächung im BIP-Wachstum auf etwa 3% in 1986
litik seit 1982 dar , die in vielerlei Hinsicht der vom Rat letztes    verlangsamte den Anstieg der Beschäftigung und die Arbeits­
Jahr verabschiedeten kooperativen Wachstumsstrategie ent­              losenquote pendelte sich bei 7 3U % der Erwerbspersonen
spricht . Sie zielte hauptsächlich darauf ab , die Angebotsbe­         ein . Trotz der Erhöhung der indirekten Steuern dürften die
dingungen der Wirtschaft durch Zurückhaltung bei den                   Verbraucherpreise 1986 nur noch um etwa 3 V2 % steigen
nominalen und realen Löhnen , durch Kürzungen bei den                  gegenüber 5% in 1985 .
öffentlichen Ausgaben und durch Festhalten an der inneren
und äußeren Geldwertstabilität im Rahmen des EWS zu
verbessern . Die Realeinkommen aus unselbständiger Arbeit              Im Oktober 1986 wurden neue Maßnahmen getroffen , um
gingen zwischen 1983 und 1985 zurück und stiegen danach                die privaten Ersparnisse zu stärken und den kreditfinanzier­
wieder als Folge maßvoller Lohnabschlüsse und des Auslau­              ten Verbrauch zu erschweren . Sie beinhalten eine Verkür­
fens der Indexierung langsam an . Der daraus folgende                  zung des durchschnittlichen Tilgungszeitraums neuer Hypo­
Anstieg der Rentabilität verhalf zur Belebung der privaten             thekendarlehen , höhere Gebühren auf Hypothekendoku­
Unternehmensinvestitionen . Aufgrund strikter Begrenzung               mente und eine Sondersteuer auf Zinszahlungen auf Konsu­
der öffentlichen Ausgaben und eines leichten Anstiegs der              mentenkredite . Zusätzlich zu diesen Maßnahmen dürfte die
Einnahmen wurde der Finanzierungsbedarf des Gesamtstaa­                Wirtschaftsentwicklung im nächsten Jahr am meisten durch
tes von 9,3 % des BIP in 1982 auf 1 ,9 % in 1985 verringert ,          die Durchführung der Anfang 1986 beschlossenen Steuer­
und 1986 dürfte sogar ein Überschuß von 3% erzielt                     reform zum 1 . Januar 1987 und die Lohnabschlüsse vom
werden . Die restriktive Haushaltsführung verschaffte dem              März 1987 beeinflußt werden . Das Hauptziel der Steuerre­
Unternehmenssektor Raum zur Expansion . Die Wirksam­                   form ist es , die Ersparnis der privaten Haushalte zu vergrö­
keit der Einkommens- und Haushaltspolitik bedeutete , daß              ßern . 1987 könnte sie die Verbrauchsausgaben geringfügig
die Geldpolitik nicht länger allein die Last der Stabilisierung        anregen , da die privaten Haushalte steuerlich entlastet
tragen mußte , so daß die inländischen Zinssätze beträchtlich          werden und die Steuerbelastung der Unternehmen und
sanken .                                                               gewisser Einrichtungen , einschließlich einiger bisher freige­
                                                                       stellter Einrichtungen ohne Erwerbscharakter , steigt . Dieser
                                                                       Effekt wird jedoch durch die Erhöhung der Gemeindesteuern
                                                                       und durch die Maßnahmen vom Oktober 1986 ausgeglichen .
Trotz dieser massiven Korrektur der öffentlichen Finanzen              Da für die Arbeitszeitverkürzung ein voller Lohnausgleich
vergrößerte sich das Leistungsbilanzdefizit zwischen 1983              gewährt wird und eine Ausweitung der Lohnfortzahlung im
und 1985 erheblich , vor allem wegen des deutlichen Anstiegs           Krankheitsfall geplant ist , werden sich die durchschnittlichen
der Nettozinszahlungen an das Ausland . Die Zunahme der                Lohnkosten zu Beginn des Jahres 1987 um über 3 % erhöhen
Zinslast beruhte zum einen auf dem Dollaranstieg bis Mitte             und so den Spielraum für Lohnzugeständnisse während der
1985 , der den Betrag der Auslandsschuld in inländischer               Lohnrunde im März 1987 für die darauffolgenden zwei Jahre
Währung aufblähte , sowie zum anderen auf der Erhöhung                 einengen . Nach dem raschen Anstieg der Ausrüstungsinve­
der Schuld selbst . Obwohl sich nämlich das Handelsbilanz­             stitionen in den Jahren 1984 - 1986 werden sie sich 1987 vor
defizit im Vergleich zu 1979 bis 1985 um 4,4 Prozentpunkte             allem in der Energiewirtschaft weit weniger lebhaft entwik­
des BSP reduzierte , ist das Leistungsbilanzdefizit ( 1985 :           keln . Insgesamt wird das Wachstum fühlbar schwächer
4,4% des BIP ) kaum niedriger als das Defizit des Jahres 1979          ausfallen als 1986 und in höherem Maße von den interna­
( 4,7% ) und höher als das von 1984 ( 3,3,% ).                         tionalen-Rahmenbedingungen abhängen . Die Arbeitslosen­
                                                                       quote wird etwas höher sein als 1986 . Im Durchschnitt
                                                                       werden die Verbraucherpreise wahrscheinlich mit einer
                                                                       ähnlichen Rate steigen wie 1986 ( 3,5 bis 4,0% ); dabei sind
Die inländische Nachfrage stieg in der ersten Hälfte des               die Wirkungen der Energiesteuererhöhungen berücksichtigt ,
Jahres 1986 weiterhin deutlich an und überstieg wiederum               mit denen die Kaufkrafterhöhung aus den niedrigeren
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 80                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  31 . 12 . 86
Ölpreisen und dem Dollarwechselkurs abgeschöpft werden             Zusätzlich muß die Struktur der dänischen Wirtschaft den
sollen ('). Die Leistungsbilanz dürfte sich deutlich verbes­       veränderten internationalen Rahmenbedingungen angepaßt
sern .                                                             werden . Entsprechende Maßnahmen wurden bereits getrof­
                                                                   fen , und weitere werden vorbereitet , um Ausbildungs- und
Die 1986 beobachtete Lohndrift — sie resultiert aus sekto­         Forschungsmöglichkeiten in Gebieten zu schaffen , in denen
ralen Ungleichgewichten am Arbeitsmarkt — sowie der                sie besonders nützlich sein könnten . Möglichkeiten zur
erwartete Anstieg der Produktivität legen einen maßvollen          Reorganisation der bestehenden Arbeitsstrukturen , zur De­
Lohnabschluß nahe , der zumindest die erwartete Steuerer­          regulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes sollten
leichterung bei der Einkommensteuer im Jahre 1987 berück­          geprüft und mit den Sozialpartnern erörtert werden .
sichtigt .
                                                                   Als Ergebnis der Leistungsbilanzdefizite der vergangenen
Einmal abgesehen von den Nettozinszahlungen ist das                Jahre liegt die Bruttoauslandsschuld heute nahe bei 40 % des
Leistungsbilanzdefizit nicht so sehr eine Folge der verringer­     BIP , und zwar resultiert sie jeweils zur Hälfte aus privater
ten preislichen Wettbewerbsfähigkeit , sondern der zu hohen        und öffentlicher Verschuldung . Würde das nominale BIP im
Binnennachfrage . Die jüngste Schwäche der dänischen Krone         Durchschnitt der nächsten Jahre ungefähr um 6 % pro Jahr
innerhalb des EWS verdeutlicht , daß der Handlungsspiel­           wachsen , so könnte das Verhältnis von Auslandsschuld zu
raum der Behörden klein bleibt und daß die Geldpolitik die         BIP bei einem Leistungsbilanzdefizit von etwa 2,5 % des BIP
Notwendigkeit der Aufrechterhaltung von ausreichenden              stabil gehalten werden . Bei einem geringeren Defizit würde
Kapitalzuflüssen gebührend beachten muß . Daher sind die           die Auslandsverschuldung im Verhältnis zum BIP zurückge­
Maßnahmen zur Erhöhung der privaten Ersparnis und zur              hen . Als erster Schritt müßte bereits 1988 das Leistungsbi­
Verringerung der Verschuldung der privaten Haushalte , wie.        lanzdefizit auf ein Niveau verringert werden , das mit einem
                                                                   konstanten Verhältnis zwischen Schuld und BIP vereinbar
sie etwa im Oktober eingeführt wurden , von höchster
Bedeutung . In dieser Hinsicht könnte eine Ausdehnung der          ist ; dies kann kurzfristig kaum ohne Fortsetzung der restrik­
auf individuellen Beiträgen beruhenden Rentensysteme auf           tiven Fiskalpolitik erreicht werden . Ein weiterer Abbau d.es
weitere Kreise der Bevölkerung , unter Umständen als Teil          Zahlungsbilanzdefizits sollte in den Folgejahren in einem
der Tarifabschlüsse , ein weiterer nützlicher Beitrag sein . Auf   solchen Ausmaß stattfinden , daß das Verhältnis von Schuld
kürzere Sicht würde der externe Druck nachlassen , während         zu BIP verringert wird . 1987 ist im Haushaltsgesetz ein
die erhöhte Ersparnis auf längere Sicht die Finanzierung der       gegenüber 1986 fast unveränderter Nettofinanzierungsüber­
höheren Investitionen sicherstellen und das Wachstumspo­           schuß des Gesamtstaats von ca . 3 %des BIP vorgesehen , der
                                                                   mit einem kleinen Überschuß im Haushalt des Zentralstaats
tential ohne Gefährdung der Zahlungsbilanz verbessern
würde .                                                            einhergehen soll . Wegen der Zahlungsbilanzzwänge und der
                                                                   Notwendigkeit , eine ausgewogene Entwicklung der däni­
(') Die Vorausschätzungen im Text berücksichtigen schön die        schen Wirtschaft zu gewährleisten , sollte dieses Ziel auch
    Auswirkungen der im Oktober beschlossenen Maßnahmen ,          effektiv erreicht werden ; dies erfordert eine kompromißlose
    während die Angaben in Tabelle 29 noch nicht entsprechend      Durchführung der in den letzten Jahren verfolgten Politik des
    revidiert werden konnten .                                     Nullwachstums der realen öffentlichen Ausgaben .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                    Nr . L 385 / 81
                                                                           TABELLE 29
                                                  Dänemark : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                        1961 —     1974—
                                                                                   1981         1982        1983         1984       1985       1986 (')     1987 ( 2 )
                                                        1973       1980
                           r nominal                     11,7        11,7           9,1         14,4        10,4          9,9        9,5          7,8          5,5
Bruttoinlands-           J reaj                                        1,6       - 0,9           3,0       ' 2,0          3,4        3,8          2,9          1,8
Produkt                    1
          "                  Deflator                                  9,9         10,1         11,3         8,1          5,8        5,4          4,8          3,7
Privater Verbrauch-Deflator                               6,6        10,1          12,0         10,8         7,2          6,6        5,0          3,3          2,8
                           r privat                                 - 5,1      - 19,7           10,9         4,0         12,4       15,9         10,7        - 1,3
Bruttoanlage­
investitionen            -< öffentlich                              - 2,2      - 17,0          - 9,4      - 15,4          1,7        5,4          2,4          2,1
in Volumen                   insgesamt                    6,6       - 3,1      - 19,2            7,1         0,9         11,0       14,6          9,8        - 0,9
      davon : Bauten                                  |=I           - 4,9      - 21,7          - 1,3         1,1          7,2       13,1          6,3        - 0,7
               Ausrüstungen                                            0,7     - 15,0           20,1         0,6         15,8       16,5         13,7        - 1,2
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen               |=I              0,6       - 4,1           3,5         0,9          4,0        5,3          4,1          1,8
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                           II                              2,7       - 0,3          2,6        3,3        - 0,7        - 1,5
                           r nominal                     10,7        11,7           9,2         12,1         7,9          5,4        4,4          4,0          5,9
Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (41                              3,4          1,6       - 0,8           1,4       - 0,2        - 0,3      - 1,0        - 0,7          2,1
                          L       B («)                   3,8          0,8       - 2,5           1,6         0,6        - 1,1      - 0,6          0,7          3,0
Produktivität ( s )                                       3,2          1,2          0,4          2,7         1,6          1,2        0,7          0,0          1,5
Reale Lohnstückkosten                                     0,2          0,4       - 0,9         - 1,3       - 1,8        - 1,5      - 1,7        - 0,7          0,6
Wettbewerbsfähigkeit ( 6 )                                 1,7      - 0,3        - 7,5         - 3,2       - 0,5        - 3,5        0,9          3,8          0,6
Beschäftigung                                             1,1         0,4        - 1,3           0,3         0,5          2,4        3,1          1,9          0,3
Registrierte-Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 7 )                             1,1         5,5           8,9          9,5        10,2          9,8        8,7          7,5          7,6 '
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                       - 2,1       - 3,5        - 3,0         - 4,2       - 2,2        - 3,3      - 4,4        - 4,1        - 3,6
Langfristiger Zinssatz                                    9,0        16,0          19,3         20,5        14,4         14,0       11,6         10,4         10,5
Geldmenge ( 8 )                                          10,6        11,7           9,1         11,4        25,5         17,0       15,8          7,7          2,9
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                              2,0       - 0,6        - 7,1         - 9,3       - 7,3        - 4,2      - 1,9          2,8          2,8
Öffentliche Schuld in % des BIP                                      19,2         43,6          53,0        62,8        67,7        66,4         61,1         57,1
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                          2,2           5,3          6,0         8,1          9,6        9,8          8,8          8,0
(') Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
( 2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , bei denen die Auswirkungen der Ende desselben Monats beschlossenen Maßnahmen noch
       nicht berücksichtigt worden sind .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
( 5 ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
( 6 ) Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
       an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 82                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   31 . 12 . 86
                                                BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Der Aufschwung in der Bundesrepublik Deutschland befin­           gig sein , hier durch entschiedenes Handeln Abhilfe zu
det sich 1986 in seinem vierten Jahr . Allerdings wurde der       schaffen . Die Sozialpartner haben bereits in den vergangenen
Wachstumstrend zu Beginn 1986 durch das Zusammenwir­              Jahren bei den Tarifverhandlungen den veränderten Arbeits­
ken mehrerer negativer Sondereinflüsse , wie der ungewöhn­        marktbedingungen Rechnung getragen ; die vereinbarten
lich harte Winter , die Unsicherheiten über die weitere Dollar­   Lohnabschlüsse führten zu einem Rückgang der gesamtwirt­
und Ölpreisentwicklung sowie die besonders geringe Zahl an        schaftlichen Lohnquote zwischen 1981 und 1985 von über
Arbeitstagen ungünstig überlagert . Trotz einer seit dem          4 Prozentpunkten . Auch 1986 wird sich dieser Trend ,
zweiten Quartal wieder kräftigen wirtschaftlichen Expan­          unterstützt durch die Terms-of-trade-Verbesserung , fortset­
sion dürfte daher das gesamtwirtschaftliche Wachstum für          zen , obwohl sich die unerwartet günstige Entwicklung des
1986 mit real gut 3 % etwas niedriger ausfallen als noch zu       inländischen Preisniveaus 1986 naturgemäß nicht antizipativ
Anfang des Jahres angenommen . Getragen wird das Wachs­           in den Lohnabschlüssen niederschlagen konnte .
tum hauptsächlich vom privaten Verbrauch und den Unter­
nehmensinvestitionen ; dabei werden die privaten Ver­
                                                                  In den letzten Jahren hat der mäßige Reallohnanstieg die
brauchsausgaben von Lohnsteigerungen gestützt , die ange­         Gewinnsituation der Unternehmen deutlich verbessert und
sichts der faktischen Stabilität der Verbraucherpreise den
                                                                  die Rentabilität der Investitionen entsprechend gesteigert .
realen privaten Konsum 1986 mit seiner höchsten Rate seit
1971 wachsen lassen . Andererseits werden die Investitionen       Das günstigere Investitionsklima hat bereits zu einer Steige­
durch die verbesserten Absatzmöglichkeiten im Inland und
                                                                  rung der Unternehmensinvestitionen insgesamt geführt , die
die nochmalige Terms-of-trade begünstigte Gewinnsteige­           neuerdings auch wieder zunehmend zur Kapazitätserweite­
rung gestützt . Die schwache Entwicklung der realen Exporte
                                                                  rung dienen , so daß auch die Bauinvestitionen ohne Woh­
                                                                  nungswirtschaft erstmals wieder merklich zunahmen .
sowie eine kräftige Steigerung der realen Importe , die beide
schon Ende 1985 eingesetzt haben , führen zwar zu einer
erheblichen Verschlechterung der realen außenwirtschaft­          Ungünstiger entwickelten sich die Wohnungsbauinvestitio­
lichen Position ( um 1,4% des BSP ), trotzdem steigt der          nen , bei denen die sinkende Bevölkerungsentwicklung und
Leistungsbilanzüberschuß aufgrund der umfangreichen               das inzwischen erreichte Mißverhältnis von Baukosten und
Terms-of-trade-Verbesserung auf das neue Rekordniveau             Einkommensentwicklung die ohnehin vorhandene Grund­
von fast 63 Milliarden DM .                                       tendenz einer nachlassenden Nachfrage drastisch verschärft
                                                                  haben . Hier wird viel davon abhängen , daß die Baukosten in
                                                                  den nächsten Jahren weiterhin gemessen am allgemeinen
Zwar lassen die besonderen Faktoren , die 1986 die heimische      Preisniveau nur unterproportional steigen . Die Umorientie­
Nachfrage unterstützen , 1987 in ihrer Wirkung nach , ande­       rung der Wohnungsbauinvestitionen hin zu vermehrter
rerseits kräftigt sich aber die Binnennachfrage aus sich selbst   Substanzerhaltung und zur Steigerung der Wohnqualität
heraus weiter und die Ausfuhrmöglichkeiten ( insbesondere         bietet die Möglichkeit , die Investitionsaktivitäten in diesem
im EWS-Raum ) dürften sich wieder etwas verbessern ; daher        Bereich zukünftig beschäftigungswirksamer zu gestalten .
wird sich der Aufschwung auch im fünften Jahr fortsetzen :
Die Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts dürfte 1987
bei 3 V4 % liegen . Bei kaum veränderten Terms-of-trade           Die Krise in der Bauwirtschaft wurde in den letzten Jahren
werden die Preise der inländischen Kostenentwicklung folgen       zusätzlich durch den Rückgang der öffentlichen Investitions­
und wieder moderat ansteigen . Der Leistungsbilanzsaldo           tätigkeit verschärft . Im Rahmen der Konsolidierung wurden
dürfte merklich auf etwa 44 Milliarden DM ( 2,1 % des BIP)        — vor allem bei den kommunalen Haushalten — Fortschritte
zurückgehen .                                                     auch zu Lasten der öffentlichen Investitionen erreicht . Seit
                                                                  1985 nehmen die öffentlichen Sachinvestitionen jedoch
                                                                  wieder zu , im laufenden Jahr mit nominal 6 % . Die Investi­
Die Beschäftigung wird aller Voraussicht nach im Durch­           tionen in den Bereichen Infrastruktur , Umweltschutz und
schnitt des Jahres 1986 um etwa 280 000 und 1987 noch­            Stadterneuerung wurden durch zusätzliche Maßnahmen
mals um 250 000 Personen zunehmen . Anders als in früheren        gefördert , wovon auch die privaten Investitionen profitier­
konjunkturellen Aufschwungsphasen , in denen sich die             ten . Zudem halfen die erste Stufe der Steuerreform sowie die
Zunahme auf den Dienstleistungssektor konzentrierte ,             geringfügige Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für die
wächst die Beschäftigung diesmal auch im Verarbeitenden           Arbeitslosenversicherung ( - 0,1 % ), die Angebotsbedingun­
Gewerbe mit Raten von gut 1 V2 % und 1% beträchtlich .            gen bei gleichzeitiger Stützung der Nachfrage zu verbessern .
Trotz verstärktem Einsatz von Maßnahmen zur Entlastung            Die mittelfristigen Finanzplanungen der Gebietskörperschaf­
des Arbeitsmarktes wird allerdings der Rückgang der               ten sehen darüber hinaus bis 1990 ein jährliches Wachstum
Arbeitslosigkeit mit 80 000 im Jahre 1986 und gut 90 000          der nominalen öffentlichen Sachinvestitionen von 4-5%
1987 weit hinter dem Beschäftigungsanstieg zurückbleiben ,        vor . Anders als in den letzten Jahren würde damit der Anstieg
da die Mehrzahl der neuen Arbeitsplätze mit vormals nicht         der öffentlichen Investitionen wieder der allgemeinen Wirt­
erwerbstätigen Arbeitssuchenden besetzt wird .                    schaftsexpansion entsprechen .
Obwohl sich die Bundesrepublik Deutschland im Vergleich           Die Geldpolitik blieb weiterhin auf Stabilitätskurs , was ein
zu den europäischen Nachbarn in den letzten Jahren stets in       weiteres Absinken der Inflationsrate sowie einen marktmä­
einer günstigeren wirtschaftlichen Situation befand , bleibt      ßigen Rückgang des Anleihezinses auf einen historischen
das Arbeitslosenproblem akut . Es sollte daher weiter vorran­     Tiefstand ■ ermöglichte . Bisher wurde diese Entwicklung
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 385 / 83
durch außenwirtschaftliche Einflüsse begünstigt . Im Verlauf      gelingen , je früher die Steuerreform in ihren Einzelheiten
des Jahres 1986 entwickelte sich das Wachstum der Zentral­        beschlossen wird . Würde man gleichzeitig die dazu erforder­
bankgeldmenge freilich anhaltend stärker als durch den            lichen Ausgabenkürzungen festlegen , so könnte leichter
Zielkorridor vorgegeben , was die Bundesbank dazu veran­          erreicht werden , daß der schon wiederholt angekündigte ,
laßte , bei der weiteren Senkung der kurzfristigen Zinsen         gezielte Abbau der Unternehmenssubventionen endlich
zurückhaltend vorzugehen .                                        Gestalt gewinnt . Zusätzlich könnte man gegebenenfalls ins
                                                                  Auge fassen , unter Berücksichtigung der verfügbaren Kapa­
Die Angebotsbedingungen der Unternehmen haben sich auf            zitäten , rentable öffentliche Investitionen über die Planansät­
betrieblicher Ebene weiter verbessert . Zwar wurden die           ze hinaus auszuweiten . Schließlich wäre zu überlegen , ob die
qualifikationsbedingten Lohndifferenzierungen nicht überall       Sozialbeiträge an die Bundesanstalt für Arbeit , deren Haus­
vorangetrieben , doch konnten in manchen weiteren Sektoren        halt in den letzten Jahren Überschüsse aufwies , nicht gesenkt
Arbeitszeitverkürzungen vereinbart und vermehrt neue For­         werden sollten , da die Überschüsse mit abnehmender
men der Arbeitszeit eingeführt werden , um damit die              Arbeitslosigkeit in Zukunft eher noch zunehmen könnten .
Beschäftigungsmöglichkeiten zu verbessern . Angesichts des
in der Bundesrepublik inzwischen deutlich spürbaren Fach­         Auch die Lohnpolitik muß weiterhin ihren beschäftigungs­
arbeitermangels sollten die Anstrengungen der Unternehmer         politischen Beitrag leisten . Das kann sie um so eher , je
zur betrieblichen Ausbildung und Umschulung verstärkt             sicherer die Nachfrageperspektive ist . Der Anstieg der realen
werden .
                                                                  Löhne pro Kopf sollte auch weiterhin unter dem des
                                                                  gesamtwirtschaftlichen Produktivitätszuwachses bleiben .
Insgesamt haben die Geld-, Haushalts- und Lohnpolitik im          Dabei müssen sich die Tarifparteien dessen bewußt sein , daß
Bemühen , die Rahmenbedingungen für ein beschäftigungs­           im nächsten Jahr , im Gegensatz zu der einmaligen Situation
wirksameres Wachstum zu verbessern , durchaus in der              im Jahre 1986 ,. kein zusätzlicher Terms-of-trade bedingter
erwünschten Richtung gewirkt . Hinzu kam , daß sich die           Verteilungsspielraum vorhanden ist und daß es gilt , die
Nachfrage , unterstützt durch die Terms-of-trade-Verbesse­        erhebliche Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit , wie
rung , dynamisch entwickelte . Das langsame Anlaufen der          sie aus der Aufwertung gegenüber dem Dollar resultiert , so
Wirkungen des positiven Ölschocks stellt allerdings die           weit wie möglich nicht in den Exportpreisen weiterzugeben ,
zukünftige deutsche Wirtschaftspolitik bei ihren Bemühun­         was naturgemäß die Gewinnsituation der Unternehmen
gen um ein stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum          belastet .
in Stabilität vor eine neue Bewährungsprobe .
Im Zeichen der Haushaltspolitik der vergangenen Jahre             Die Geldpolitik sollte an ihrer bisherigen Orientierung
konnte das öffentliche Defizit soweit reduziert werden , daß      festhalten , die darauf ausgerichtet ist , mittelfristig ein aus­
eine Einkommensteuerentlastung in zwei Stufen — 1986 und          reichendes Wachstum des Produktionspotentials bei stabi­
1988 — möglich wurde , ohne den Konsolidierungserfolg zu          lem Preisniveau zu finanzieren . Unter der Bedingung, daß
gefährden . Das Defizit des Zentralstaats ( Bund und Länder)      von den Lohnkosten keine preistreibenden Effekte ausgehen ,
verringert sich 1986 nur noch geringfügig, und das für 1987       dürfte eine solche Politik einen gewissen Spielraum für
vorausgeschätzte Defizit von kanpp 2% des BSP erscheint           weitere marktmäßige Zinssenkungen eröffnen . Eine kurzfri­
vor dem Hintergrund der derzeitigen Wachstumsperspektive          stig aus außenwirtschaftlichen Gründen notwendig werden­
vertretbar . Insbesondere angesichts der Risiken , die sich aus   de Leitzinssenkung könnte dagegen die Zinserwartungen am
der außenwirtschaftlichen Entwicklung für die Wirtschafts­        langen Ende des Marktes — je nach der Stärke der monetären
tätigkeit ergeben könnten , sollte die Haushaltspolitik darauf    Expansion — unter Umständen sogar ungünstig beeinflus­
                                                                  sen .
vorbereitet sein , auf eine deutliche Abschwächung der
gesamtwirtschaftlichen Nachfrage rasch reagieren zu kön­
nen . Die zweite Stufe der Steuersenkungen — sie wird die         Zur Verbesserung der Angebotsbedingungen auf mikroöko­
privaten Haushalte im Jahre 1988 um knapp 10 Milliarden           nomischer Ebene wurde in der Vergangenheit schon eine
DM entlasten — sollte durch die mit ihr verbundene                Vielzahl von Maßnahmen ergriffen , die sowohl die Faktor­
Absenkung der Progression einen Leistungsanreiz erbringen         ais auch die Gütermärkte betrafen . Nach wie vor wird eine
und die Nachfrage unterstützen . Die für die nächste Legisla­     effiziente Allokation der Ressourcen durch administrative
turperiode angekündigte Steuerreform dürfte ebenfalls dazu        Hemmnisse und in manchen Sektoren durch eine zu große
beitragen , die Leistungsbereitschaft zu erhöhen und damit        staatliche Einflußnahme behindert . Solche Hemmnisse soll­
die Wachstumskräfte zu stärken . Dies wird um so mehr             ten energischer als bisher abgebaut werden .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 84                                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                        31 . 12 . 86
                                                                            TABELLE 30
                                          Bundesrepublik Deutschland : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                        (Jährliche Veränderung in %)
                                                          1961 —    1974—
                                                          1973      1980
                                                                                   1981          1982        1983         1984       1985       1986 (')     1987 ( 2 )
                           r nominal                         8,9       7,1           4,2           3,7         4,8         4,7        4,9          7,1          4,6
Bruttoinlands-             I rea]                            4,4       2,2           0,2       - 0,6           1,5         2,7        2,6          3,1          3,2
produkt                    |
                              Deflator                     " 4,4       4,8           4,0           4,4         3,3         1,9        2,2          3,9          1,4
Preisindex des privaten Verbrauchs                           3,5       4,8           6,2 '         4,8         3,2         2,5        2,1          0,0          1,1
                           r privat                          3,7       0,9        - 3,9        - 4,5           5,1         1,2      - 0,3          7,1          5,5
Bruttoanlage­
investitionen             < öffentlich                       5,9       0,3        - 9,7        - 9,3        - 8,6        - 2,1      - 0,4          5,0          4,8
in Volumen                    insgesamt                      4,0       0,8        - 4,8        - 5,3           3,2         0,8      - 0,3          3,5          5,5
      davon : Bauten                                         3,5    - 0,3         - 5,1        - 4,3           1,7         1,6      - 6,2          0,7          3,5
                Ausrüstungen                                 5,2       3,0        - 4,3        - 6,7           5,6       - 0,5        9,4          7,5          8,0
Inlandsnachfrage zu konstanten Preisen                       4,5       2,3        - 2,7        - 2,0           2,3         1,9        1,5          4,8          4,2
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                 I                       I               - 3,4           1,5         0,2      - 0,9          2,0          0,7
                           r nominal                         9,2       7,4           5,2           4,1         3,8         3,4        3,0          4,0          3,2
Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (4)                                 4,6       2,5           1,2       - 0,3           0,5         1,4        0,8          0,1          1,8
                           L        ß (4)                    5,5       2,5        - 0,9        - 0,7           0,6         0,9        0,9          4,0          2,1
Produktivität ( 5 )                                          4,1       2,5           0,9         . 1,1         3,0         2,6        1,9          1,9          2,2
Reale Lohnstückkosten ( 6 )                                  0,5       0,0           0,3       - 1,4        - 2,4        - 1,1      - 1,0        - 1,8        - 0,4
Rentabilität ( 7 )                                     \                       \                   4,2       11,2          4,4        6,4         12,6          2,9
      idem ( 1961—1973 = 100 )                           100         70,9          70,9 '       73,9         82,2         85,8 .     91,3        102,8       105,8
Wettbewerbsfähigkeit ( 8 )                             \                       \                   2,5         1,5       - 2,0      - 2,5          5,4          1,8
Beschäftigung                                                0,2    - 0,3         - 0,7        - 1,7        - 1,5          0,1        0,7          1,1          1,0
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 9 )                                0,8       3,6           4,8           6,9         8,4         8,4        8,4          8,1          7,7
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                            0,7       0,4        - 0,8            0,5         0,6         1,0        2,2          3,2          2,1 .
Langfristiger Zinssatz                                       7,2       7,8         10,4            9,0         7,9         7,8        6,9          5,6          5,1
Geldmenge ( ,0 )                                           10,9        8,5           5,0           7,1         5,3         4,7        5,0          5,6          5,4
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                                 0,3    - 2,9         - 3,7        - 3,3        - 2,5        - 1,9      - 1,1        - 0,9        - 0,7
Öffentliche Schuld in % des BIP                            17,7      27,7          36,4         39,5 .      41,0         41,9       42,5          41,6        41,3
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                 0,9       1,6           2,3           2,8       • 3,0         3,0        3,0          2,9          2,9
  (')   Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
  (2)   Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
  (3)   Differenz in Prozentpunkten .
  (4)   A : BIP-Deflator; B : Preisindex des privaten Verbrauchs .           ,
  (s)   Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
  (6)   Verhältnis zwischen der realen Bruttolohn- und Gehaltssumme je abhängig Beschäftigten und der Produktivität.
  (7)   Nettobetriebsüberschuß bezogen auf Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen .
  (8)   Realer effektiver Wechselkurs (gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
        an Wettbewerbsfähigkeit .
  (') SAEG-Definition .
( I0 ) M3 , Bestand am Jahresende .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 85
                                                           GRIECHENLANE
In Griechenland bedeuten die im Oktober 1985 getroffenen            der Plazierung von Staatstiteln im Publikum zurückzuführen ,
Stabilisierungsmaßnahmen , welche die Bedingungen für ein           sondern auch darauf, daß die Spanne für die Kreditexpansion
dauerhaftes Wachstum und einer späteren Konvergenz der              an den privaten Sektor im Hinblick auf die tatsächliche
Wirtschaft mit den anderen Ländern der Gemeinschaft                 Entwicklung des Staatsdefizits zu groß angesetzt worden
wiederherstellen sollen , eine Wende in der Wirtschaftspoli­        war .
tik , die eine Verstärkung der Ungleichgewichte zugelassen
hatte . So waren 1985 der Nettofinanzierungsbedarf des              Eine Reihe anderer Faktoren hat die Anpassung der Nach­
öffentlichen Sektors auf etwa 1 8 % des BIP und das Defizit in      frage verzögert . Der private Verbrauch hat nach mehreren
der Leistungsbilanz auf 3,3 Milliarden Dollar oder 10 % des         Jahren des Anstiegs nur sehr langsam auf die Stabilisierungs­
BIP angestiegen . Angesichts dieser Situation hat die Regie­        maßnahmen reagiert und damit eine grundlegende Trägheit
rung im Oktober 1985 einen strengen Stabilisierungsplan             an den Tag gelegt, die durch die Schattenwirtschaft begün­
entworfen , der insbesondere vorsieht , die Drachme um 15 %         stigt wurde . Hinzu kam in den ersten Monaten die Erwar­
abzuwerten , und ein unverzinsliches Bardepot auf einen Teil        tung einer neuen Abwertung , deren negative Auswirkungen
der Importe einzuführen . Dieser über zwei Jahre laufende           durch den hohen Liquiditätsgrad der Wirtschaft , wie er im
Plan zielt darauf ab , eine deutliche Verlangsamung des .           ersten Halbjahr durch das Uberschreiten des Inlandskredits
Lohnkostenanstiegs , einen massiven Abbau des Staatsdefi­           gegenüber den festgelegten Normen zum Ausdruck kam ,
zits und eine starke Eindämmung der Geldmengenauswei­               noch verstärkt wurden . Im Zuge dieser Entwicklung ist die
tung zu erreichen . Bei ihren Bemühungen zur Sanierung der          reale Inlandsnachfrage für das Jahr 1986 insgesamt nur
Zahlungsbilanz wurde die Regierung durch einen Beistands­           vergleichsweise langsam zurückgegangen , und zwar spielte
kredit der Gemeinschaft unterstützt , dessen erste Tranche          dabei die Abschwächung der Investitionen im öffentlichen
sofort gezahlt wurde , während die zweite Anfang 1987               Sektor die entscheidende Rolle , während der private Ver­
gezahlt werden dürfte .                                             brauch kaum vom Niveau des Vorjahres abweichen wird .-
                                                                    Daher sind die Einfuhren nicht in dem erwarteten Maße
In der Lohnpolitik werden künftig Löhne und Gehälter nicht          zurückgegangen , während die Ausfuhren andererseits weni­
mehr an die Preisentwicklung der Vergangenheit , sondern an         ger dynamisch verliefen als erwartet . Insgesamt dürfte das
eine programmierte Preiserhöhung angepaßt , die die Auswir­         BIP 1986 noch geringfügig wachsen . Da der reale Außen­
kung der Einfuhrpreise unberücksichtigt läßt . Eine ent­            beitrag sich wegen der zur Zeit ungünstigen geographischen
schlossene Durchführung dürfte die Reallöhne 1986 um                Struktur der Warenexporte und der relativ enttäuschenden
mehr als 7 % senken und den Auftrieb der Lohnstückkosten            Entwicklung der Fremdenverkehrseinkünfte nur langsam
in der Verarbeitungsindustrie im Jahresdurchschnitt auf             verbesserte und überdies von der abwertungsbedingten Ver­
13% gegenüber 20,5% im Jahre 1985 begrenzen . Diese                 schlechterung der Terms of trade ein negativer Effekt
Entwicklung — zusammen mit einer desinflationären Wech­             ausging , dürfte die Leistungsbilanz — trotz einer spürbaren
selkurspolitik , die den Unterschied der Lohnstückkosten und        Verbesserung im zweiten Halbjahr — für das Jahr 1986
nicht den der Einzelhandelspreise ausgleicht — , sowie eine         insgesamt ein Defizit zwischen 4,5 und 5 % des BIP aufwei­
moderate Anpassung der staatlich festgelegten Preise im             sen , d . h . das Zahlungsziel eines Defizits von 1,7 Milliarden
Jahre 1986 , wird es ermöglichen , den Verbraucherpreisan­          US-Dollar dürfte leicht überschritten werden .
stieg von 25 % Ende 1985 auf 16 % Ende 1986 zu drücken .
Wegen des hohen Standes Ende 1985 kommt diese Verlang­              Diese Perspektiven sollten die Behörden dazu veranlassen ,
samung jedoch im Jahresdurchschnitt nicht zum Ausdruck ,            das Stabilisierungsprogramm 1987 mit Entschiedenheit fort­
der 1986 22,5 % erreichen sollte , im Vergleich zu 19,3 % im        zuführen .
Jahre 1985 (»).
                                                                    Die Lohn- und Gehaltspolitik sollte unter strikter Anwen­
Im Bereich der öffentlichen Finanzen , bei denen der Akzent
                                                                    dung des Ende 1985 eingeführten Indexierungssystems einen
deutlicher auf die Erhöhung der Einnahmen als auf die               mäßigen Anstieg der Nominallöhne und -gehälter gewährlei­
Dämpfung der Ausgaben gelegt wurde , wird sich der Finan­           sten , und zwar auf der Basis einer bis Mitte 1987 auf 10%
zierungsbedarf des öffentlichen Sektors 1986 auf etwa 14%           zurückgeführten Inflationsrate ( ohne Berücksichtigung der
des BIP belaufen ; dies stellt gegenüber 1985 eine Verbesse­        Auswirkungen der Einführung der Mehrwertsteuer). Die
rung um 4 Punkte dar . Diese Entwicklung ist im Einklang mit
                                                                    inflationsdämpfenden Wirkungen der Lohn- und Gehalts­
der Entscheidung des Rates zur Genehmigung der Gemein­              politik werden 1987 dennoch begrenzt sein , so daß der
schaftsanleihe , sie ist jedoch fühlbar schlechter als bei der
                                                                    Hauptakzent der Stabilisierungsbemühungen auf die Haus­
Vorlage des Haushalts geplant war . Zusätzlich dürfte jedoch        halts* und Geldpolitik gelegt werden muß .
ein erheblicher Anteil dieser Verbesserung ( rund 2,5 % ) auf
den Rückgang der Erdölpreise zurückzuführen sein , den die
                                                                    Die Sanierung der öffentlichen Finanzen muß konsequent
Regierung größtenteils durch eine Anhebung der Mineralöl­
                                                                    weiter vorangetrieben werden , damit der Nettofinanzie­
steuern ausgeglichen hat . Im Bereich der Geldpolitik ande­
                                                                    rungsbedarf des Staates 1987 auf ein Niveau sinkt , das mit
rerseits besteht die Gefahr , daß das festgelegte Ziel für die
                                                                    dem im Stabilisierungsprogramm für die Haushaltspolitik
Ausweitung der internen Kreditgewährung überschritten
                                                                    festgelegten Ziel in Einklang steht . Angesichts der Dynamik
wird . Dies ist nicht nur auf die enttäuschenden Ergebnisse bei
                                                                    des Schuldendienstes bedeutet dieses Ziel , daß die übrigen
(') Im November 1986 hat die Regierung einen Preisstopp bis Ende    Ausgaben — vor allem der Staatsverbrauch — sehr restriktiv
     Februar 1987 verfügt , um einen übermäßigen Preisanstieg als   gehandhabt werden müssen . Außerdem müssen die Subven­
     Folge der Mehrwertsteuereinführung zu verhindern .             tionen an die Unternehmen stark zurückgeschnitten werden ,
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 86                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 31 . 12 . 86
indem u . a . die Ausfuhrbeihilfen , die Agrarsubventionen und      notwendig , in der Liberalisierung der Preisgestaltung sowie
finanzielle Beteiligungen an in Schwierigkeit geratene              des Arbeitsmarktes fortzufahren .
Unternehmen gesenkt werden . Die notwendige Erhöhung
der Einnahmen wird aus der Erweiterung der Besteuerungs­            Die Anwendung dieser Politik sollte ermöglichen , 1987 die
grundlage , der intensiveren Bekämpfung der Steuerhinterzie­        im zweiten Halbjahr 1986 erzielten Ergebnisse zu bestätigen ,
hung sowie aus den zusätzlichen Mitteln stammen , die die           insbesondere das Leistungsbilanzdefizit und die Infaltionsra­
Einführung der Mehrwertsteuer am 1 . Januar 1987 zur                te weiter zu verringern . Die Verminderung der verfügbaren
Verfügung stellen wird .                                            Realeinkommen der privaten Haushalte und die restriktive
                                                                    Haushaltspolitik werden zu einem Rückgang des Verbrauchs
Die strenge Handhabung der öffentlichen Finanzen wird               führen , während sich die Industrieinvestitionen im Zuge der
einhergehen müssen mit einer Kreditausweitung an den                erwarteten Verbesserung der Rentabilität der Unternehmen
Privatsektor , die erneut unter dem Zuwachs von schätzungs­         beleben dürften , ohne jedoch zu einer Zunahme der Ausrü­
weise 12 % des nominalen BIP bleibt . Zu diesem Zweck muß           stungsinvestitionen insgesamt zu führen , da die restriktive
1987 eine aktivere Zinspolitik betrieben werden : Hierfür           Haushaltspolitik die öffentlichen Unternehmen belastet . Der
sind positive , die Knappheit des Faktors Kapital richtig           auf diese Weise erreichte Rückgang der Inlandsnachfrage
widerspiegelnde Realzinsen unerläßlich ; zudem muß die              würde einen erneuten Rückgang der Einfuhren hervorrufen ,
bereits 1986 eingeleitete Vereinheitlichung der Kreditzinssät­      während die Ausfuhren in einem relativ dynamischen Umfeld
ze fortgesetzt werden . Dies wird dazu führen , daß mehr            lebhaft bleiben dürften . Insgesamt könnte das BIP jedoch für
mittelfristige Staatstitel beim Publikum untergebracht wer­         1987 eher einen leichten Rückgang verzeichnen . Da diese
den . Eine solche Politik wird eine rationellere Allokation der     Aussichten keine Verbesserung der Beschäftigungslage
                                                                    erwarten lassen , besteht das Risiko einer Zunahme der
Finanzierungsmittel ermöglichen , das Sparen ebenso wie den
Kapitalzufluß aus dem Ausland fördern und gleichzeitig die          Arbeitslosigkeit . Wenn die Erdölpreise hingegen auf dem
Inflationsrate weiter vermindern .                                  Stand von 1986 bleiben , wird das Leistungsbilanzdefizit auf
                                                                    1,3 Milliarden Dollar oder 3,5% des BIP zurückgeführt
                                                                    werden können , was aber immer noch relativ hoch ist .
Eine solches , für die Wiederherstellung der makroökonomi­
schen Gleichgewichte unerläßliches Stabilisierungspro­              Deshalb muß das Stabilisierungsprogramm zur Wiederher­
gramm reicht jedoch für eine befriedigende Wirtschaftsent­          stellung der makroökonomischen Gleichgewichte 1987 ener­
wicklung nicht aus ; dies kann letzten Endes nur durch              gisch fortgeführt werden . Auf längere Sicht muß eine Anpas­
vermehrte Investitionen zur Verstärkung und Modernisie­             sungspolitik beibehalten werden , die auf die Erneuerung der
rung der Industriestruktur des Landes erreicht werden .             Wirtschaftsstruktur abzielt und die von einer zurückhalten­
Dadurch werden auch die Wettbewerbsfähigkeit der Wirt­              den Geld- und Haushaltspolitik begleitet wird .
schaft verbessert und gleichzeitig die außenwirtschaftlichen
Beschränkungen dauerhaft überwunden ; zudem ist dies der            Nur unter dieser Bedingung kann die griechische Wirtschaft
Weg , die Beschäftigung^ hinreichend auszuweiten , um die           wieder wettbewerbsfähig werden und einen dauerhaften
Arbeitslosigkeit abzubauen . In diesem Zusammenhang ist es          Aufschwung erleben .
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   Nr . L 385 / 87
                                                                          TABELLE 31
                                                 Griechenland: Wichtige ökonomische Aggregate 1961 —1987
                                                                                                                                      (Jährliche Veränderung in %)
                                                         1961 —    1974—
                                                                                  1981         1982        1983         1984       1985       1986 0 )     1987 ( 2 )
                                                        1973       1980
                          r nominal                       12,5      19,8          19,6         24,5        20,3         23,0       19,6         23,2        12,1
 Bruttoinlands-          J reaj                            7,6        3,4        - 0,3        - 0,2         0,3          2,6        2,1          0,5       - 0,2
 Produkt                  |
                             Deflator                      4,5      15,8          20,0         24,7        19,9         19,9       17,1         22,6        12,3
Preisindex des privaten Verbrauchs                         3,6      16,0          23,3         21,2        18,6         18,0       18,4         22,5        12,5
                          r privat
Bruttoanlage­
investitionen           ■< öffentlich
in Volumen                   insgesamt                    10,0     - 1,0         - 7,5        - 1,9       - 1,9        - 4,7        3,4        - 3,0         0,5
      davon : Bauten                                  |=I|=I                     - 7,7      - 13,2          3,9        - 7,7        2,6          2,0 •       1,6
               Ausrüstungen                           Il                      -- 7,1           14,1       - 8,2        - 0,9        4,4        - 9,0       - 1,0
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen               |=\lI                                      2,9      - 0,7          0,8        4,9        - 0,8       - 1,2
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                          I                               2,6       - 1,4        - 1,0        2,8        - 6,1       - 4,5
                         r nominal                        10,2      21,1          23,4         25,4        21,8      1 22,6        20,4         13,6         9,6
Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (4)                               5,5        4.6          2,9          0,5         1,5          2,3        2,8        - 7,3       - 2,4
                         L        BD                       6,5        4,5          0,1          3,4         2,7          3,9        1,7        - 7,2       - 2,6
Produktivität ( s )                                        8,2        2.7        - 5,0          0,9       - 0,1          2,9        1,0          0,0       - 0,2
Reale Lohnstückkosten                                           \                             - 0,3         1,6        - 0,6        1,9        - 7,3       - 2,3
Wettbewerbsfähigkeit ( 6 )                                 2,6        0,0          3,5          9,0       - 3,4          1,4      - 2,8      - 16,0        - 2,9
Beschäftigung                                            - 0,6        0,8          0,1        - 1,3       - 1,0        - 0,2        1,1          0,5         0,0
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 7 )                                                                               7,9          8,1        7,8          7,6         8,3
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                        - 2,9     - 2,2        - 0,2         - 3,8       - 4,7        - 4,1      - 8,4        - 5,8       - 3,7
Langfristiger Zinssatz                                \             11,3          17,7         15,4        18,2         18,5       15,6         14,0        14,5
Geldmenge ( 8 )                                           18,2      23,7         34,7          29,0       20,3          29,4      26,7          19,0        14,9
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                                    I             - 10,6          - 9,4       - 8,9       - 10,1 .  - 13,9       - 10,6        - 7,1
Öffentliche Schuld in % des BIP                                 I                 33,0         36,7       41,4          47,5       54,8        55,0         56,5
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                          1,7          3,2          2,6         3,4          4,6        5,5          6,0         6,1
0 ) Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
( 2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
0 ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
( 6 ) Realer effektiver Wechselkurs (gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
       an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 88                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     31 . 12 . 86
                                                                SPANIEN
In Spanien hat sich das Wirtschaftswachstum 1986 deutlich             letzten Jahre eine moderatere Entwicklung . Das Ziel der
beschleunigt . Dank einer spürbaren Belebung der Inlands­             Kaufkrafterhaltung der Löhne wurde im Rahmen des im
nachfrage könnte das reale BIP um ungefähr 3 % zunehmen .             Oktober 1984 unterzeichneten Wirtschafts- und Sozialab­
Der Verbrauch der privaten Haushalte profitierte nicht nur            kommens auch 1985 und 1986 verfolgt . Das Abkommen sah
von einer gewissen Erhöhung der Reallöhne , sondern auch              die Festsetzung der Anhebung der Nominallöhne und -gehäl­
erstmalig seit dem ersten Erdölschock von einer, deutlichen           ter nach Maßgabe einer programmierten Inflationsrate vor .
Zunahme der Beschäftigung und einer Umkehr des Trends zu              Da mit diesen Anhebungen aber eine beträchtliche Lohndrift
steigender Arbeitslosigkeit . Auf die Bruttoanlageinvestitio­         einherging , wurde 1986 der Prozeß der Verlangsamung des
nen wirkten sich die Verbesserung der Gewinne , die besseren          Pro-Kopf-Anstiegs der Nominallöhne , der in den letzten
Absatzaussichten und die Notwendigkeit der industriellen              Jahren zu beobachten war , unterbrochen .
Modernisierung im Zusammenhang vor allem mit dem
Beitritt zur Gemeinschaft günstig aus . Wegen der Schwäche
der Exportmärkte und des kräftigen Anstiegs des Einfuhrvo­            Erhebliche Fortschritte wurden bei . der Wiederherstellung
lumens , insbesondere bei Verarbeitungserzeugnissen , hat der         der makroökonomischen Gleichgewichte verzeichnet . Erst­
Außenbeitrag per Saldo die reale gesamtwirtschaftliche                malig seit langen Jahren ist der Verbraucherpreisauftrieb
Wachstumsrate stark negativ beeinflußt . Dennoch hat sich             1985 unter 10% gefallen . Die rückläufige Inflationstendenz
die Leistungsbilanz wegen der aus dem Rückgang der                    wird 1986 durch den Verfall der Erdölpreise und der
Rohstoff- und Energiepreise resultierenden Terms of Tra­              sonstigen Rohstoffpreise gestützt . Die Einführung der Mehr­
de-Gewinne stark verbessert . Die Beschleunigung des Preis­           wertsteuer und der Anstieg der Lebensmittelpreise wirkten
auftriebs zu Jahresbeginn infolge der Einführung der Mehr­            sich aber in entgegengesetzter Richtung aus . Außerdem hat
wertsteuer und der starke Anstieg der Lebensmittelpreise um           sich der Anstieg der nominalen Lohnstückkosten wegen eines
die Jahresmitte haben den Inflationsabbau 1986 nicht ernst­           abgeschwächten Produktivitätswachstums leicht beschleu­
haft in Frage gestellt . Gemessen an den Jahresdurchschnitts­         nigt , was zu den noch kräftigen Preissteigerungen im Dienst­
raten besteht indessen zwischen Spanien und den anderen               leistungssektor beigetragen hat . Der Leistungsbilanzsaldo ,
Mitgliedsländern noch ein erhebliches Inflationsgefälle .             der noch bis 1983 negativ war , wies anschließend zuneh­
                                                                      mende Überschüsse aus , was unter anderem auf den stetigen
                                                                      Anstieg der Überschüsse bei den Dienstleistungen und vor
1987 dürfte das reale BIP-Wachstum zumindest in der                   allem im Tourismus zurückzuführen war .
gleichen Größenordnung liegen wie 1986 , d . h . etwa 3% .
Dank der erwarteten Belebung der Märkte von Drittländern
dürften sich die Ausfuhren dynamischer entwickeln und zur             Dank der Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes hat
Erhaltung eines erheblichen Leistungsbilanzüberschusses               sich die Ertragslage der Unternehmen , die Anfang der
beitragen . Die Inlandsnachfrage wird von den gleichen                achtziger Jahre auf ein relativ niedriges Niveau gesunken
günstigen Einflüssen wie 1986 profitieren ; der private und           war , verbessert , besonders da sie durch Steuermaßnahmen
öffentliche Verbrauch dürften aber ein wenig langsamer                unterstützt wurde , die für die Jahre 1985 und 1986 eine
steigen als im Vorjahr . Der Preisauftrieb wird sich deutlich         vollständige Abschreibung der Investitionen zuließen . Letz­
abschwächen , aber noch über dem Gemeinschaftsdurch­                  tere dienen vor allem der Rationalisierung und bis vor
schnitt bleiben . Die Gesamtbeschäftigung könnte sich 1987            kurzem der Energieeinsparung . Außerdem verstärkte sich
unter dem Einfluß eines günstigen wirtschaftlichen Umfeldes           1986 der erhebliche Zustrom ausländischer Direktinvestitio­
weiter verbessern . Die Arbeitslosigkeit wird jedoch sehr hoch        nen , der sich in den letzten Jahren , vor allem wegen der durch
bleiben ( 21,5 % der Erwerbsbevölkerung), besonders da die            den EG-Beitritt eröffneten günstigen Aussichten entwickelt
Erwerbsbevölkerung weiterhin rasch zunehmen wird ( um                 hatte .
mehr als 1 % pro Jahr).
                                                                      Die Anstrengungen zur .Verringerung des staatlichen Finan­
Der seit 1983 eingeschlagene wirtschaftspolitische Kurs               zierungsbedarfs , der sich 1985 auf 6,2% des BIP belief,'
entspricht in seinen Zielen und unter zahlreichen seiner              dürften die Möglichkeit geben , diesen 1986 trotz der relativ
Aspekte den großen ' Linien der von der Gemeinschaft im               raschen Ausweitung des Defizits der Gebietskörperschaften
Herbst 1985 festgelegten „Kooperativen Wachstumsstrate­               auf unter 5 % des BIP zu drücken . Bei den Steuereinnahmen
gie für mehr Beschäftigung", und es hat sich ein guter sozialer       ist die Auswirkung der Einführung der Mehrwertsteuer
Dialog entwickelt . Er zielt vor allem durch eine Mäßigung            anscheinend leicht positiv und nicht neutral , während etwa
des Anstiegs der Reallöhne und -gehälter darauf ab , arbeits­         fcwei Drittel der Verringerung des Erdölpreises fiskalisch
platzschaffende Investitionen zu fördern , eine ausreichende          abgeschöpft wurden . Was die Ausgaben anbelangt , so haben
Ausweitung der Inlandsnachfrage zu gewährleisten und die              vor allem der geringere Anstieg der Zinsbelastung und die
Wettbewerbsfähigkeit der spanischen Wirtschaft zu erhal­              Stabilisierung der Vermögensübertragungen zur Verminde­
ten . Diese Politik zielt nicht nur auf deutliche Fortschritte im
                                                                      rung des Defizits im Jahr 1986 beigetragen . Ohne Zweifel
Kampf gegen die Arbeitslosigkeit , die erheblich höher als in         wird die Geldpolitik das für 1986 gesetzte Ziel einer
den anderen Mitgliedstaaten ist , ab , sondern auch darauf,           Verlangsamung der Expansion des Geldmengenaggregats
die im EG-Beitritt liegende Herausforderung zu bestehen .             ( ALP ) erreichen . Jedoch hat die im ersten Halbjahr beobach­
                                                                      tete Zielüberschreitung eine Straffung der Geldpolitik und
Auf den seit dem ersten Erdölschock zu. beobachtenden                 einen Wiederanstieg der Zinssätze nach sich gezogen , bei den
übermäßigen Anstieg der Lohnkosten folgte während der                 Zinsen setzte erst nach dem Monat Juli der Abwärtstrend
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            Nr . L 385 / 89
wieder ein . Obwohl die nominalen Zinssätze vergleichsweise        Wegen des besonders ausgeprägten Ungleichgewichts zwi­
hoch sind , bleiben die realen Zinssätze doch erheblich unter      schen Arbeitsangebot und -nachfrage sollte bei der Erneue­
dem Gemeinschaftsdurchschnitt . Die Wechselkurspolitik             rung des Wirtschafts- und Sozialabkommens ein maßvoller
verfolgt eine Stabilisierung des effektiven nominalen Wech­        Anstieg der realen Lohnkosten pro Kopf angestrebt werden .
selkurses der Peseta gegenüber den Partnern in der EG ,            Dies ist unerläßlich für eine Wirtschaft, die durch einen
aufgrund eines rascheren Anstiegs des internen Preisniveaus        erheblichen Abbau ihres Außenschutzes und eine Vielzahl
hat diese Politik einen leichten Verlust an Wettbewerbsfähig­      verwundbarer Klein- und Mittelbetriebe gekennzeichnet ist ,
keit im Jahr 1986 nach sich gezogen .                              wenn sie die notwendige Wettbewerbstätigkeit aufrechter­
                                                                   halten will , den Desinflationsprozeß vorantreiben und sich
                                                                   reibungslos in den großen Gemeinsamen Markt eingliedern
Auf der Angebotsseite wurde die aktive Anpassungspolitik           will .
seit 1983 verstärkt. Die Bemühungen , die die wichtigsten
Wirtschaftsbereiche betreffen , wurden im März 1986 durch
Maßnahmen unterstützt , die insbesondere die Spartätigkeit         Die Haushaltspolitik müßte sich 1987 weiterhin an die von
und die Investitionen anregen', die Wirtschaft entbürokrati­       der Regierung festgesetzten mittelfristigen Ziele halten .
sieren und die Flexibilität des Arbeitsmarktes erhöhen sol­        Weitere Fortschritte bei der Erhebung der Mehrwertsteuer
len .                                                              sowie im Kampf gegen die Steuerhinterziehung dürften zu
                                                                   einem relativ kräftigen Anstieg der Haushaltseinnahmen
                                                                   führen . Auch die Politik einer Mäßigung der laufenden
Die Konsolidierung der beachtlichen Ergebnisse , die bei der       Ausgaben-müßte fortgesetzt werden , vor allem um Spielräu­
Wiederherstellung der makroökonomischen Gleichgewichte             me für eine stärkere Zunahme der öffentlichen Investitionen
und der Verfolgung einer energischen Anpassungspolitik             zu schaffen . Eine Verringerung des staatlichen Finanzie­
bereits erzielt wurden , ist für eine dauerhafte Verbesserung      rungsbedarfs auf etwa 4% des BIP im Jahre 1987 erscheint
der Beschäftigung und einen allmählichen Abbau der                 angezeigt . Dies würde im übrigen die Aufgabe der Geld- und
Arbeitslosigkeit unerläßlich . Die Optionen , auf die sich die     Kreditpolitik erleichtern ; es würde insbesondere eine Sen­
im Anschluß an die letzten Wahlen gebildete Regierung              kung der Zinssätze begünstigen und einen weiteren Abbau
geeinigt hat , entsprechen diesen Erfordernissen .                 der Auslandsverschuldung ermöglichen .
 ---pagebreak---   Nr . L 385 / 90                                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                       31 . 12 . 86
                                                                              TABELLE 32
                                                      Spanien : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                           1961 —    1974—
                                                                                   1981          1982       1983         1984       1985       1986 (')     1987 ( 2 )
                                                           1973      1980
                            r nominal                        14,8     20,0         14,1          14,7       14,6         13,9       11,3         15,1          9,3
  Bruttoinlands-          J reaj                              7,2       1,8         0,4           0,9        2,5          2,3        2,1           2,9         3,0
  Produkt                   |
                            ^ Deflator                        7,1     17,8         13,6         13,7        11,9         11,3        9,0         11,8          6.1
 Preisindex des privaten Verbrauchs                           6,7     18,2         14,9         13,9        12,5         19,8        8,4           8,6         5,3
                            r privat
 Bruttoanlage­
 investitionen            •< öffentlich
 in Volumen                 ^ insgesamt                              - 2,0          1,2        - 2,5       - 1,0        - 3,0        5,4          7,2          7,0
      davon : Bauten                                    |=I          - 2,2        - 2,0           1,5 ' \I             =\            1,5          6,0          5,8
               Ausrüstungen                             l            - 1,7          5,2        - 7,1                 I              12,0          9,0          8,8
 Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                      7,8       2,2       - 1,5         " 0,5        0,8        - 0,9        2,4          4,9          3,9
 Abstand zu den anderen Ländern
 der Gemeinschaft ( 3 )                                 I                                   I
                           r nominal                        14,7      22,3         16,3         12,8        13,5         13,0        9,5          9,7          6,3
 Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (4)                                 7,2       3,9         2,3        - 0,7         1,5          1,2        0,5        - 1,9          0,2
                           L       B («)                      7,6       3,9         1,0        - 1,2         1,1          1,7        1,1           1,0         0,9
 Produktivität ( 5 )                                          6,4       3,9         3,3.          1,4        2,9          6,6        3,4          1,0          1,8
 Reale Lohnstückkosten                                      . 0,8       0,0       - 1,0        - 2,1       - 1,4        - 5,1      - 2,8        - 2,9        - 1,6
 Wettbewerbsfähigkeit ( s )                             \I                                     - 0,5      - 10,9          3,1        0,3        - 0,2        - 0,5
 Beschäftigung                                          \ (- 1,9 )              (- 2,8 )       - 1,0       - 0,7        - 2,9      - 1,2          1,8        . 1,2
 Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 7 )                           I             ( 7,1 )      14,4         16,2        17,7         20,7       22,1         21,7         21,5
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                       I            - 1,7        - 2,4        - 2,3       - 1,4          1,3        1,7          3,5          3,7
Langfristiger Zinssatz                                  \                          15,8         16,0        16,9         16,5       13,4         11,6         10,6
Geldmenge ( 8 )                                         I             17,6         17,0         16,6        16,0         13,2       12,9         11,0          8,0
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                            \            - 0,9        - 3,0        - 5,3       - 5,3        - 5,0      - 6,2        - 4,9        - 4,4
Öffentliche Schuld in % des BIP                         I             13,8         21,0         26,2        32,1         39,3       46,3        49,0          52,7
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                            0,6         0,7           1,0        1,3          2,1        3,5          3,4          3,3
(') Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
( 2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten -Verbrauchs .
( 5 ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
( 6 ) Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
      an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende . .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr . L 385 / 91
                                                           FRANKREICH
In Frankreich hat sich der private Verbrauch 1986 kräftiger        dingungen flexibler zu gestalten und auf diese Weise die
entwickelt als 1985 ; ermöglicht wurde dies durch eine             Unternehmen zur Einstellung von Arbeitskräften zu veran­
fühlbare Erhöhung der Kaufkraft, die unter anderem auf den         lassen . Nachdem die vorhergehende Regierung am Ende
Rückgang der Inflation zurückzuführen war. Infolge der             ihrer Amtszeit die Arbeitszeitregelung geändert hatte , hat die
verbesserten Finanzlage der Unternehmen hat sich die Inve­         neue Regierung die für Entlassungen geltenden Bestimmun­
stitionsbelebung, vor allem auch im Handel und Dienstlei­          gen gelockert , so daß zum 1 . Januar 1987 die vorher
stungsbereich , fortgesetzt. Die Inlandsnachfrage entwickelte      einzuholende Verwaltungsgenehmigung wegfällt . Uber neue
sich somit wesentlich dynamischer als in den Vorjahren . Die       Verfahren bei Entlassungen wird augenblicklich zwischen
Folge war ein hohes Einfuhrniveau , während bei den Aus­           den Tarifpartnern verhandelt. Durch weitere, auf dem
fuhren nur eine geringe Zunahme und damit weitere Markt­           Verordnungswege getroffene Maßnahmen soll der Anwen­
anteilsverluste zu verzeichnen waren . Wegen der üblichen          dungsbereich der befristeten Arbeitsverträge, der Teilzeitar­
Anpassungsverzögerungen wird die Abwertung vom April               beit und der nichtständigen Beschäftigung ausgedehnt wer­
die Tendenz zur Verschlechterung des realen Außenbeitrags          den . Zusätzlich zu den Maßnahmen , die bereits von der
 1986 nur geringfügig abmildern. Die starken Terms-of­             vorhergehenden Regierung im Rahmen der sozialen Absiche­
trade-Gewinne dürften zu einer deutlichen Verbesserung der         rung der Arbeitslosen getroffen worden waren, wurde mit
nominalen Handelsbilanz führen . Andererseits haben die            dem Nachtragshaushalt vom Juni 1986 ein System einge­
Verlangsamung des Lohnkostenanstiegs und der starke                führt , das durch vorübergehende Senkung der Sozialbeiträge
 Rückgang der Energie- und Rohstoffkosten beträchtliche            die Unternehmen veranlassen soll , Jugendliche zwischen 16
 Erfolge bei der Inflationsbekämpfung ermöglicht, denn die          und 25 Jahren einzustellen; weitere Maßnahmen zur Förde­
 Verbraucherpreise sind im Jahresdurchschnitt nur noch um           rung der Beschäftigung befinden sich in Vorbereitung. •
 2,4 % gestiegen . Das Wachstum des realen BIP dürfte 2,3 %
 erreichen . Die Beschäftigung im Unternehmenssektor könnte
 geringfügig zunehmen , jedoch fürfte dies nicht ausreichen ,
 um den Trend zu steigender Arbeitslosigkeit umzukehren .           Die Verbesserung der Beschäftigungssituation hängt jedoch
                                                                    in erster Linie von der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft
                                                                    und Rentabilität ihrer Unternehmen ab . Sie bestimmen die
                                                                    zur Ausweitung des Produktionspotentials notwendige Inve­
 Im Jahre 1987 dürfte die Inlandsnachfrage ähnliche Tenden­         stitionsbelebung. Durch die jahrelang unzureichenden Inve­
 zen aufweisen wie 1986 , sofern sich die Investitionstätigkeit     stitionen der Privatwirtschaft , ihre unbefriedigende sektorale
 — wie dies die anhaltende Verbesserung der finanziellen            Verteilung, ihre zögernde Wiederbelebung und ihre einseiti­
 Situation der Unternehmen erwarten läßt — etwas verstärkt .
                                                                    ge Ausrichtung auf Rationalierungsinvestitionen ist der
 Die Auswirkungen der durch die Wechselkursanpassung von            Produktionsapparat nicht mehr in der Lage , eine sich
 1986 verbesserten Wettbewerbsfähigkeit dürften den per             wandelnde und beschleunigende Nachfrage zu befriedigen .
 Saldo negativen Effekt des Außenhandels auf das Wachstum           Die Regierung plant daher Maßnahmen , um die Unterneh­
 vermindern . Insgesamt dürfte die Wachstumsrate des BIP bei        men bei ihren Investitionsanstrengungen direkt oder indirekt
 2,5 % liegen , was eine etwas stärkere Erhöhung der Beschäf­       zu unterstützen .
 tigung, aber noch keine Abnahme der Arbeitslosigkeit
 bewirken dürfte . Voraussichtlich wird sich der Anstieg der
 Verbraucherpreise noch etwas verlangsamen und sich die
 Handelsbilanz weiter verbessern .
                                                                     So wurde die Liberalisierungspolitik aktiv weitergeführt ,
                                                                     wodurch die Preisgestaltung wieder den Unternehmen über­
                                                                     tragen wird , sie von Beschränkungen bei Devisentransaktio­
  Die seit 1983 unternommenen Sanierungsanstrengungen im             nen befreit werden und ihre Finanzierung erleichtert wird .
  Verein mit der Verbesserung der Tems of trade haben somit          Auf dem Gebiet der Preise wurden seit Herbst 1985 eine
  eine deutliche Wachstumsbeschleunigung , aber noch nicht           Reihe von Maßnahmen getroffen , die Ende 1986 zur fast
  die erhoffte Besserung der Arbeitsmarktsituation ermöglicht .      völligen Freigabe der Industriepreise und der Handelsspan­
  Obwohl die Zahl der Beschäftigten insgesamt wieder etwas           nen und zur völligen Freigabe der Preise und Spannen im
  steigt, haben die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit getrof­      Dienstleistungsbereich führen werden . Die Devisenkontrolle
  fenen Maßnahmen nicht ausgereicht , die Zunahme der                soll für Unternehmen und Privatpersonen im wesentlichen
  Erwerbsbevölkerung zu kompensieren , so daß sich die               aufgehoben werden . Die Funktionsweise der Finanzmärkte
  Arbeitslosenquote noch leicht erhöht hat .                         wurde tiefgreifend reformiert ; so wurde unter anderem der
                                                                     Geldmarkt für Nicht-Kreditinstitute geöffnet und der Wett­
                                                                     bewerb zwischen Finanzmittlern dadurch wiederhergestellt ,
                                                                     daß Privilegien bei der Aufnahme von Spargeldern abge­
  Wegen der enttäuschenden Arbeitsmarktentwicklung hat die           schafft, die quantitative Kreditbegrenzung durch eine zins­
  aus den Wahlen vom 16 . März 1986 hervorgegangene                  bezogene Liquiditätskontrolle ersetzt und die Banksätze
  Regierung eine Reihe sozialer Maßnahmen getroffen oder             schrittweise liberalisiert wurden . Dieses Bündel von Locke­
  angekündigt, wodurch die Einstellung neuer Arbeitskräfte           rungsmaßnahmen soll den Unternehmen die Anpassung an
  gefördert werden soll . Sie hat ebenfalls das Arbeitsrecht in      die Markttendenzen erleichtern und dadurch ein für Unter­
  einer Reihe von Punkten geändert , um die Beschäftigungsbe­        nehmerinitiativen günstigeres Klima schaffen .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 92                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 31 . 12 . 86
Bei den Löhnen wird sowohl im öffentlichen Sektor wie im           Zinsrückgang den Unternehmen insgesamt gesehen einen
privaten Sektor weiterhin eine Politik starker Zurückhaltung       Vorteil verschaffen . Die Haushaltspolitik zielt 1987 darauf
vorherrschen , was einen nur mäßigen Kaufkraftzuwachs der          ab , den Nettofinanzierungssaldo des Zentralstaätes und das
Löhne und Gehälter nach sich ziehen wird . Dies sollte es          Finanzierungsdefizit der öffentlichen Hand auf etwa 2,6%
ermöglichen , die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu          des BIP zu drücken ; sie schlägt damit einen Weg der
verbessern und die Investitionskraft soweit zu stärken , daß       Konsolidierung ein , wobei sie gleichzeitig die Entwicklung
der Ausbau ihrer Kapazitäten schrittweise beschleunigt             der Produktionskapazität und der Beschäftigung fördert.
werden kann .
                                                                   Die Geldpolitik ist auf einem vorsichtigen Kurs geblieben ,
Die öffentliche Finanzpolitik sollte diese Bemühungen unter­       der indessen eine spürbare Senkung der nominalen Zinssätze
stützen : Hier sollte die Politik darauf ausgerichtet sein , die   zugelassen hat . Der Kapitalzustrom nach der Wechselkurs­
Belastung der Zwangsabgaben und des Haushaltsdefizits für          anpassung vom April 1986 ermöglichte es , gewisse Aus­
die Wirtschaft zu vermindern . Zwar werden die bereits             landskredite vorzeitig zu tilgen . Diese Verwendung der
gewährten oder geplanten Erleichterungen bei den direkten          Kapitalflüsse und andere Formen ihrer Neutralisierung
Steuern teilweise durch höhere Sozialversicherungsabgaben          haben dazu beigetragen , das Wachstum der Geldmenge in
kompensiert . Insgesamt gesehen dürften sich die Maßnah­           der Nähe des Zielwertes von 5% zu halten , der wesentlich
men indessen für die privaten Haushalte neutral , für die          unter der Zuwachsrate des nominalen BIP liegt . Ebenso
Unternehmern aber positiv auswirken , und zwar nicht nur           behutsam sollte man 1987 vorgehen , um die bei der Infla­
wegen der Erleichterungen , von denen sie unmittelbar              tionsbekämpfung bereits erzielten Ergebnisse zu konsolidie­
profitieren , sondern auch , weil dem Kapitalmarkt mehr            ren . Unter der Bedingung eines entsprechenden internatio­
Mittel zufließen dürften . Wenn zur Wiederherstellung des          nalen Umfelds dürfte dies einen weiteren Rückgang der
Gleichgewichts weitere Ausgabenkürzungen vorgenommen               Zinssätze nicht ausschließen , der normalerweise aus der
und hierbei einige Subventionen gestrichen werden müssen ,         Verbesserung des finanziellen Gleichgewichts der Unterneh­
so dürfte der mit der Defizitverringerung einhergehende            men und des Staates resultieren sollte .
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   Nr . L 385 / 93
                                                                           TABELLE 33
                                                    Frankreich : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 —1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                          1961 —    1974—
                                                                                   1981         1982        1983         1984       1985       1986 (>)     1987 ( 2 )
                                                          1973      1980
                           r nominal                       10,7      13,9          12,3         14,7        10,3          8,7        7,2           6,9        5,3
 Bruttoinlands-           J reaj                            5,6        2,8          0,5           1,8        0,7          1,3        1,4          2,2         2,5
 produkt                   |
                           ^ Deflator                       4,9      10,8          11,8         12,6         9,5          7,3        5,8          4,6         2,7
Preisindex des privaten Verbrauchs                          4,7      10,8          12,8         11,2         9,5          7,3        5,5          2,5         2,3
                           r privat                         7,7        1,5        - 1,0        - 0,4       - 2,2        - 2,0        2,8          5,7         6,2
Bruttoanlage­
investitionen            •< öffentlich                      3,2        0,3        - 1,4           9,7      - 3,0          2,3        2,2          2,8 '       2,4
in Volumen                    insgesamt                     7,6        1,3        - 1,1           0,7      - 2,3        - 2,2        3,1          5,3         5,7
      davon : Bauten                                                   0,3        - 2,1        - 3,5       - 3,5        - 4,4      - 0,6           1,0        3,0
               Ausrüstungen                            ||              1,8        - 1,6           6,7      - 1,6        - 1,5        5,1          6,9         6,0
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                     5,8        2,9        - 0,4           3,8      - 0,2          0,6        2,1          3,6         2,9
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                      1,1        0,8          1,4           3,0      - 1,1        - 1,2        0,1          0,2         0,6
                           r nominal                        9,9      14,7          14,3         13,7        10,7          7,8        6,7          4,5         3,0
Pro-Kopf-Löhne •< rea' A (4)                                4,8        3,6          2,2           1,0        1,1          0,5        0,9        - 0,1         0,3
                          l        ß (4)                    5,1        3,5          1,3           2,3        1,1          0,5        1,2          2,0         0,7
Produktivität ( s )                                         4,8        2,5          1,0           1,7        1,2          2,4        1,7          2,1         2,2
Reale Lohnstückkosten                                       0,0        1,1          1,6        - 0,7       - 0,1        - 1,8      - 0,6        - 2,2       - 1,9
Rentabilität ( 6 )                                                \l                           - 1,5         5,5          5,0        5,7         14,0         9,9
      idem ( 1961—1973 = 100 )                           100         57,8          46,3         45,6        48,1         50,5       53,4         60,9        66,9
Wettbewerbsfähigkeit ( 7 )                                - 0,8        0,9        - 5,3        - 2,2       - 1,0        - 0,1        3,0        - 0,2       - 2,3
Beschäftigung                                               0,6        0,2        - 0,7          0,1       - 0,6        - 1,0      - 0,3          0,1         0,3
 Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 8 )                               1,1        5,0          7,7          8,7         8,8          9,9       10,3         10,5        10,7
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                           0,2     - 0,7         - 1,4        - 3,0       - 1,7        - 0,9      - 0,8          0,1         0,4
Langfristiger Zinssatz                                      7,0      11,1          16,3         16,0        14,4         13,4       11,9          9,5         7,5
Geldmenge ( 9 )                                            13,7      13,6          10,4         10,8        11,2          8,3        5,6          4,8         4,5
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                                0,5     - 0,8         - 1,8        - 2,5       - 3,2        - 2,9      - 2,6        - 2,9       - 2,6
Öffentliche Schuld in % des BIP                                      25,4          26,0         29,1        30,7         32,9       35,2         36,9        39,2
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                           1,3          2,1          2,2         2,6          2,8        2,8          2,9         2,9
(') Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
( 2 )' Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
( s ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
( 6 ) Unter Berücksichtigung der Veränderungen der realen Brottolohn- und Gehaltssumme je Beschäftigten und der Produktivität .
( 7 ) Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
       an Wettbewerbsfähigkeit .
( 8 ) SAEG-Definition .
(') Jahresende .
 ---pagebreak---    Nr . L 385 / 94                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                     31 . 12 . 86
                                                                 IRLAND
   In Irland haben sich die unmittelbaren wirtschaftlichen             Anklang fand . Andere Programme , insbesondere das „Enter- ~
  •Aussichten verbessert . Günstige externe Faktoren haben die         prise Allowance Scheme" / ( Unternehmensbeihilfepro­
   bereits in Gang gekommene allmähliche Erholung in hohem             gramm), das Arbeitslosen helfen soll , einen eigenen Betrieb
   Maße verstärkt . Der private Verbrauch verzeichnete in den          zu gründen , sowie das „Employment Incentive Scheme"
   Jahren 1985 und 1986 eine steigende Tendenz , was aber vor          ( Beschäftigungsförderungsprogramm ), das die Einstellung
   dem Hintergrund eines starken Rückgangs in der ersten               zusätzlicher Arbeitskräfte subventioniert , waren ebenfalls
   Häfte des Jahrzehnts gesehen werden muß. Die Investitio­            erfolgreich , zumindest was die Beteiligung anbelangt .
   nen haben sich noch nicht stabilisiert und werden wahr­
   scheinlich im nächsten Jahr leicht zunehmen , insbesondere          Der sehr offene Charakter der irischen Wirtschaft bedeutet ,
   weil der Rückgang der Investitionstätigkeit des öffentlichen        daß die Lohnpolitik nicht nur darauf abgestellt sein soll , die
   Sektors nachlassen wird . Die Bautätigkeit zeigt bislang nur        Rentabilität der Investitionen zu verbessern und den Anteil
   kleine Anzeichen einer erneuten Belebung ; andererseits wer­
                                                                       der arbeitssparenden Investitionen zu verkleinern , sondern
   den die privaten Anlageinvestitionen , die nach dem Höhe­           auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten . In
   punkt der Ersatzinvestitionen der Jahre 1984 / 85 ge­               letzter Zeit hat sich die Wettbewerbssituation insbesondere
   schrumpft waren , 1987 wahrscheinlich auf einen positiveren         aufgrund der Schwäche des Pfund Sterling verschlechtert ,
   Trend zurückkehren . Das Exportvolumen weist zwar nicht             was zu einer 8 %igen Abwertung des irischen Pfunds inner­
   länger die sehr hohen Zuwachsraten der letzten Jahre auf,           halb des EWS im August 1986 geführt hat . Unter allen diesen
   wächst aber weiterhin mit einer schwächeren Rate . Die
                                                                       Aspekten gesehen waren die jüngsten Lohnentwicklungen in
    Importentwicklung, die relativ instabil war, sollte auf die        Irland nicht angemessen . Die mit dem Preisindex des privaten
    stärkere Endnachfrage reagieren . 1987 , wenn die günstigen        Verbrauchs deflationierten realen Pro-Kopf-Löhne und -Ge­
    Auswirkungen des Rückgangs der Rohölpreise zu Anfang des           hälter in der Wirtschaft insgesamt gingen zu Beginn der
   Jahres in der Wirtschaft stärker durchschlagen werden ,              achtziger Jahre nach einer Zeit starken Anstiegs etwas
    dürfte deshalb das BIP bei unveränderter Wirtschaftspolitik
                                                                        zurück ; sie erholten sich danach und dürften sowohl 1986
    real um mehr als 3 % wachsen , wobei die Inflation mit etwa
                                                                        wie auch 1987 um 3 % (1 V4 % bzw . 2 3/4 % , sofern man den
    3% den niedrigsten Stand seit 1966 erreicht und ' die               BIP-Deflator verwendet ) ansteigen ; die Zahl für 1987 beruht
    Leistungsbilanz beinahe ausgeglichen sein dürfte . Auf der          vor allem auf dem derzeitigen Lohn- und Gehaltsabkommen
    Negativseite stehen die relativ langsamen Fortschritte bei der      im öffentlichen Dienst , das für die öffentlichen Bediensteten
    Verringerung des großen öffentlichen Defizits , sowie die           1987 einen Reallohnanstieg von 3 % vorsieht. Die Reallohn­
    weiterhin sehr ernste Lage auf dem Arbeitsmarkt . Im Jahr           steigerungen im verarbeitenden Gewerbe liegen generell über
    1986 hat sich der Rückgang der Beschäftigung verlangsamt ;          denen der Gesamtwirtschaft . Darüber hinaus haben zwar die
    die Arbeitslosenquote stagniert .                                   Differenzierung von Höhe und Zeitpunkt der Lohnabschlüs­
                                                                        se eine größere Lohnflexibilität in schwächeren Firmen
    Eine Beschleunigung der Nettoabwanderung und ein Rück­              ermöglicht, die diese aber nicht vor den Auswirkungen auf
    gang der Erwerbsquoten haben , zumindest vorübergehend ,            ihre Kosten im Zusammenhang mit der Lohnentwicklung in
    das Wachstum des Arbeitsangebots zum Stocken gebracht               Sektoren der Wirtschaft , die sich nicht dem unmittelbaren
    und die Stabilisierung der Arbeitslosenquote bei etwa 18%           internationalen Wettbewerb gegenübergestellt sahen und in
    ermöglicht. In den zwölf Monaten bis April 1986 erreichte           denen die Politik moderater Reallohnsteigerungen weniger
    die Nettoabwanderung 30 000 Personen , wodurch zum                  konsequent verfolgt wurde , abschirmte .
    ersten Mal seit einem Vierteljahrhundert ein geringer Bevöl­
    kerungsrückgang eintrat . Dennoch dürfte der Trend in der
    demographischen Entwicklung daz;u führen , daß das                  Ein besonderes Merkmal der irischen Wirtschaft ist die
    Arbeitskräftepotential während der nächsten Jahre um V2 %           führende Rolle von Zweigniederlassungen ausländischer
    pro Jahr ansteigt . Wenn also die Arbeitslosigkeit rasch            Firmen im Export ; diese sind hauptsächlich in einigen
    reduziert werden soll , muß die Beschäftigung in einem sehr         „high-tech"-Sektoren tätig. Die derzeitige Politik anerkennt
    viel schnelleren Tempo wachsen . Letzten Endes kann das             die anhaltende Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen ,
    erforderliche Beschäftigungswachstum nur erreicht werden ,          strebt aber an , ein besseres Gleichgewicht von Produktion
    wenn die Fähigkeit der Wirtschaft selbst, in ausreichendem          und Beschäftigung dadurch zu erreichen , daß heimische
    Maße neue Arbeitsplätze zu schaffen , spürbar verbessert            Firmen unterstützt werden , damit sie den Wettbewerb im
    wird . Dazu bedarf es einer angemessenen makroökonomi­              Exportgeschäft und den damit zusammenhängenden Tätig­
    schen Politik , insbesondere eines Abbaus der Hemmnisse , die       keiten besser bestehen können . Dies wird mehr Investitionen
    von den hohen öffentlichen Defiziten auf die Wirtschaft             erfordern . In dieser Hinsicht wurden bei den gegenwärtigen
     ausgehen , eines mäßigeren Anstiegs der Reallöhne upd einer        Beschränkungen der Staatsausgaben und insbesondere dem
    erhöhten Aufmerksamkeit in bezug auf das effiziente und             gezielten Einsatz von Investitionsanreizen ausreichende
    flexible Funktionieren der Märkte . Die jüngst ausgeweiteten         Unternehmensgewinne zu einem wichtigen Bestimmungsfak­
    Ausbildungs- und marginalen Beschäftigungsprogramme               ^ tor der Investitionen . Zusätzlich haben die hohen Realzins­
1 sollten auf kurze Frist einen erheblichen Beitrag zum Beschäf­         sätze den Trend hin zu von Steuerüberlegungen bestimmten
1 tigungswachstum leisten . Ein Anfang 1985 eingeführtes                 Kreditaufnahmen der Unternehmen bei den Banken umge­
     soziales Beschäftigungsprogramm , das 10 000 Langzeitar­            kehrt . Obwohl sich die globale Gewinnsituation in den
     beitslosen ein Jahr lang eine Teilzeitarbeit vor allem im           letzten Jahren verbessert hat, bedeuten die relativ stärkeren
     Rahmen kommunaler Projekte bietet , erreichte Mitte 1986            Gewinnzunahmen der ausländischen Firmen , daß zahlreiche
     die erhoffte Beteiligung , nachdem es anfänglich nur wenig          heimische Betriebe unterproportionale Gewinnverbesserun­
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr . L 385 / 95
 gen aufweisen . Die allgemeine Ausweitung der Gewinne , die          Schatzamtes bis 1987 auf knapp unter 10 % des BSP (8 V2 %
 auf den Ölpreisrückgang zurückgeht, könnte deshalb                   des BIP) zu reduzieren . Für 1986 erscheint es nun jedoch
 anfänglich für die Konsolidierung der Bilanzen genutzt               wahrscheinlich , daß das angestrebte Ziel des Haushaltsdefi­
 werden und erst später für neue Investitionen . Da die jüngste       zits von 10 3/4 % des BIP um einen Prozentpunkt überschrit­
 Entwicklung der Anlageinvestitionen in stärkerem Maße                ten wird. Während ein Teil des Überscheitens auf einmalige
 Ersatz- oder Rationalisierungsinvestitionen als die ge­              Gegebenheiten zurückzuführen ist , bedeuten eine Reihe von
 wünschten Erweiterungsinvestitionen der heimischen Betrie­           Faktoren , vor allem die volle jährliche Auswirkung der im
be widerspiegelt , könnten die Investitionen im verarbeiten­          Budget 1986 vorgenommenen Einkommensteuersenkungen
den Gewerbe deshalb unter dem Niveau bleiben , das erfor­             und das derzeitige Lohnabkommen im öffentlichen Dienst ,
derlich ist , um das Ziel eines jährlichen Produktionswach­           daß bereits erhebliche Mittel gebunden sind und damit der
stums von 7% zu erreichen , das im Weißbuch für die                   Spielraum für den Staat , 1987 die Konsolidierung im geplan­
Industriepolitik von 1984 aufgestellt wurde .                         ten Umfang zu erreichen , entsprechend eingeschränkt ist .
Wenn die jetzt in Gang gekommene Belebung der Wirtschaft              Unter diesen Umständen sollte der Staat alle Anstrengungen
eine ausgewogene Investitionstätigkeit und Produktion                 machen , sein erklärtes Ziel zu erreichen und auf alle Fälle das
sowie ein Wiederaufleben des Beschäftigungswachstums                  Defizit des Schatzamtes , für das 1986 ein Ergebnis von 12 %
fördern soll , müssen verstärkte Anstrengungen zur Gewähr­            erwartet wird , um ungefähr 1 V2 Prozentpunkt des BIP
leistung moderater Einkommenssteigerungen gemacht wer­                verringern . Ebenso wichtig ist es jedoch , daß er die mittel­
den . In diesem Zusammenhang sind die jüngsten Leitlinien             fristige Dimension bei der Festlegung des haushaltspoliti­
der Regierung für neue Lohnabschlüsse zu begrüßen . Ebenso            schen Kurses für 1987 angemessen berücksichtigt . Insbeson­
wesentlich ist es , die Ungleichgewichte bei den öffentlichen         dere ist es wichtig , Verpflichtungsermächtigungen zu vermei­
Finanzen rascher zu korrigieren . Eine spürbare Verringerung          den , die den Spielraum für eine wesentliche Konsolidierung
des Haushaltsdefizits auf mittlere Sicht ist der einzige Weg ,        im Jahre 1988 und danach vermindern ; ebenso wichtig ist es ,
den Anstieg der öffentlichen Verschuldung einzudämmen ;               geeignete Ausgabenkürzungen zu beschließen , die die Aus­
sie würde auch zu niedrigeren Realzinssätzen , einer mäßige­          gaben in der nahen Zukunft auf einen eindeutig abwärts
ren Besteuerung und ganz allgemein zu einem für ein                   gerichteten Trend führen , selbst wenn dies 1987 noch keine
gesundes Wachstum von Produktion und Beschäftigung                    volle Wirkung zeigt . Diese Ausgabenkürzungen müssen in
günstigeren Umfeld beitragen .                                        dem Umfang entsprechend größer ausfallen , durch den
                                                                      eventuelle Änderungen der Steuersätze oder jede geringe
Die erklärte offizielle Politik , die im mittelfristigen makro­       Ausweitung der öffentlichen Investitionen im NRahmen der
ökonomischen Plan ( 1 ) dargelegt ist , sieht vor , das Defizit des   übergeordneten Mittelkürzungen finanziert werden sollen .
(') „ Building on Reality ."
 ---pagebreak--- Nr . L. 385 / 96                                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                        31 . 12 . 86
                                                                            TABELLE 34
                                                      Irland : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                         (Jährliche Veränderung in %)
                                                           1961 —    1974—
                                                                                    1981         1982        1983          1984       1985       1986 (')     1987 ( 2 )
                                                           1973      1980 .
                            r nominal                       12,0      19,4         21.3          17,3         9,1          10,8        7,1          7,6          6,8
Bruttoinlands-             J rM |                                                                           - 1,9           4,2        2,0          1,8          3,1
produktC)                 [ Deflator                          5,4
                                                              6,4
                                                                        2,7
                                                                      16,2
                                                                                     3,4
                                                                                    17.4
                                                                                                   1,4
                                                                                                 15,7        11,3       .   6,3        5,0          5,6          3,6
Preisindex des privaten Verbrauchs                            6,3     16,2          19,6         15,9        10,0           7,5        4,2          3,7          3,2
                            r privat                                                                                                   4,7          4,0          8,3
Bruttoanlage­
investitionen             ■< öffentlich                                                                                              - 5,2        - 7,6        - 3,7
in Volumen                  ^ insgesamt                       9,3       4,1          7,3        - 5,5       - 9,3         - 2,7      - 0,3        - 1,6          2,9
      davon : Bauten                                          8,0       3,6          6,6        - 4,8      - 12,2       - 13,5       - 7,5        - 4,5          1,3
                Ausrüstungen                                11,2        4,6          8,1        - 6,3       - 6,1           8,1        5,5          0,5          4,0
Inlandsnachfrage zu konstanten Preisen                        5,4       2,2          3,0        - 2,9       - 4,1           1,0      - 0,4          1,5          2,5
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 4 )
                            r nominal                       11,5      19,6          18,3         15,3        11,1          12,3        7,3          6,9          6,0
Pro-Kopf-Löhne ■< rea^ ^                                      4,1       3,8          0,8        - 0,3       - 0,2           5,7 '      2,2          1,3          2,3
                            L       B (s)                ,    5,2       3,0       - 1,1         - 0,5         1,0           4,5        3,0          3,1          2,7
Produktivität ( 6 )                                           4,1       2,5          4,0           1,9        0,0           6,2        4,6          2,9          2,5
Reale Lohnstückkosten ( 7 )                                   1,0       2,0        - 3,1        - 2,2       - 0,2         - 0,5      - 2,3        - 1,6        - 0,1
Wettbewerbsfähigkeit ( 8 )                              |=I                                  \|=I||
Beschäftigung                                                 0,2       1,1        - 0,7           0,5      - 2,0         - 1,9      - 2,5        - 1,1          0,7
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 9 )                                 4,7       8,1         10,2         12,2        15,0          16,6       18,0         18,4         18,0
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                           - 4,7     - 7,4     - 14,0          - 9,9       - 6,4         - 5,5      - 3,2        - 1,3        - 1,3
Langfristiger Zinssatz                                        7,2      14,2         17,3         17,0        13,9          14,6       12,7          9,8          8,8
Geldmenge ( 10 )                                             12,1      19,5         17,4         13,0         5,6          10,1        5,3          5,4          7,3
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                            I           - 10,1      - 13,2        - 13,8       - 11,8         - 9,8    - 11,6        - 10,7        - 9,8
Öffentliche Schuld in % des BIP (")                     |=I            76,2         89,8         96,2       108,3         114,9     118,2         121,5       125,1
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP (")                                        I               5,4           7,0          8,6*       9,1           9,7       10,6         10,0          9,6
  (')   Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
  (2)   Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
  (3)   Gemessen nach der Verwendung , zu Marktpreisen .
  t4)   Differenz in Prozentpunkten .
  (5)   A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
  (6)   Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
  (7)   Verhältnis zwischen- der realen Bruttolohn- und Gehaltssumme je abhängig Beschäftigten und der Produktivität.
  ( 8 ) Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
        an Wettbewerbsfähigkeit .
  (') SAEG-Definition .
( 10 ) M3 ; Bestand am Jahresende .
(") Bezieht sich auf die Schuld des Zentralstaates („Exchequer debt").
 ---pagebreak---  31 . 12 . 86                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  Nr . L 385 / 97
                                                            ITALIEN
 In Italien haben die Vereinbarungen zur Abschwächung der         wieder , den Arbeitsmarkt anpassungsfähiger zu gestalten . So
 automatischen Lohnanpassungen und die finanzpolitischen          haben die Unternehmen unter gewissen Einschränkungen
Maßnahmen zur gleichmäßigeren Verteilung der Belastung            seit 1984 die Möglichkeit , die Auswahl unter den beim
 durch direkte Steuern zwischen abhängig Beschäftigten und        Arbeitsamt registrierten Arbeitssuchenden nach deren beruf­
Selbständigen zu Jahresanfang den privaten Verbrauch              licher Qualifikation anstatt nach der Reihenfolge der Ein­
gebremst . Die hieraus resultierende vorübergehende Dämp­         schreibung zu treffen . Es wurde auch versucht , Arbeitsver­
fung der wirtschaftlichen Aktivität wurde jedoch durch die        träge auf Zeit und Ausbildungsverträge für Jugendliche
Dynamik der Exporte ausgeglichen . In der Folge hat sich die      einzuführen , allerdings mit mäßigem Erfolg . Außerdem hat
Binnennachfrage , unterstützt durch die Wirkung der deutlich      das Arbeitsministerium ein umfassendes mittelfristiges Pro­
fallenden Importpreise auf die Kaufkraft der privaten Haus­       gramm zur Reform des Arbeitsmarktes ausgearbeitet , das
halte und die Gewinne der Unternehmen , beschleunigt ,            dessen Strukturen ändern und ihn flexibler gestalten soll .
während sich die Exporte weiterhin befriedigend entwickel­        Dieses Projekt führte zur Verabschiedung eines Dringlich­
ten . Insgesamt dürfte das reale BIP 1986 um 2,6 % wachsen ,      keitsprogramms für die Einstellung von 40 000 Jugendlichen
was zu einem Anstieg der Beschäftigung um 0,5% führen             innerhalb von zwei Jahren im öffentlichen und halböffent­
könnte . Die Beschleunigung des Wachstums ging mit einer          lichen Sektor mit finanzieller Hilfe des Staates . Schließlich
deutlichen Abschwächung der Inflation einher . Der jahres­        hat die Regierung Ende September Mittel für Infrastruktur­
durchschnittliche Anstieg des Preisindex des privaten Ver­        maßnahmen und Aufbauarbeiten in Süditalien bereitgestellt ,
brauchs hat sich von 9,4% im Jahre 1985 auf 6,2% im Jahre         wodurch vorübergehend Arbeitsplätze für ungefähr 200 000
1986 verringert . Gleichzeitig und trotz der starken Import­      Personen geschaffen werden sollen .
elastizität hat sich die Handelsbilanz wegen der beträchtli­
chen Terms-of-trade-Gewinne deutlich verbessert . Daher
dürfte die Leistungsbilanz für 1986 einen Überschuß von           Ende 1985 konnte unter Einschaltung der Regierung das
1,2% des BIP gegenüber einem Defizit von 1% für 1985              Lohnindexierungssystem durch stillschweigende Überein­
ausweisen .                                                       kunft für eine Dauer von vier Jahren wesentlich geändert
                                                                  werden ; zur Zeit kompensiert die Indexierung nur noch etwa
1987 wird die Verbrauchsnachfrage dadurch angeregt , daß          die Hälfte der Inflation . In einem ruhigen sozialen Klima
Ende 1986 voraussichtlich neue Tarifverträge in Kraft treten      konnte im Mai in der Industrie ein Rahmenabkommen
und die Nichtlohneinkommen immer noch rasch zunehmen              unterzeichnet werden , das die Beilegung des Streites über die
werden , während sich die Investitionsneigung noch verstär­       1985 (') unbezahlten Dezimalen der damals geltenden glei­
ken dürfte . Auch die Exportnachfrage dürfte lebhaft bleiben .    tenden Lohnskala sowie im Grundsatz Maßnahmen zur
Das kommende Jahr dürfte daher durch eine starke Nach­            Förderung der Einstellung von Jugendlichen vorsieht , bei
frage und einen Anstieg des realen BIP um etwa 3,5%               denen die Arbeitslosenquote in Italien besonders hoch ist .
gekennzeichnet sein , was sehr wahrscheinlich einen deut­         Die dreijährigen Tarifverträge in der Industrie dürften den im
lichen Rückgang des Leistungsbilanzüberschusses mit sich          Mai in einem ungewöhnlich entspannten Klima unterzeich­
bringen wird . Die Inflationsrate wird , zum ersten Mal seit      neten Rahmenvertrag übernehmen , wobei lediglich die Ver­
Ende der Sechziger Jahre , voraussichtlich unter 4% fal­          ringerung der Arbeitszeit noch ein ernstes Problem dar­
len .                                                             stellt .
In diesem Kontext sind weitere Anstrengungen zur Verrin­
gerung der strukturellen Ungleichgewichte — vor allem auf         Der soziale Dialog hat somit eine deutliche Verlangsamung
dem Arbeitsmarkt und bei den öffentlichen Finanzen —              des Produktionskostenanstiegs bewirkt , die durch einen
notwendig , um die Bedingungen für ein dauerhaftes Wachs­         kräftigen Rückgang der Importpreise verstärkt wird und die
tum wiederherzustellen . Zwischen diesen beiden Problemen         sich allmählich über die in besonderem Maße von Erdölein­
besteht ein Zusammenhang , weil die übermäßige Inan­              fuhren abhängigen Sektoren hinaus ausdehnen dürfte .
spruchnahme von Ressourcen durch den öffentlichen Sektor
die Entwicklung der produktiven Sektoren zu größerer
Effektivität und höherer Beschäftigung hemmt .                    Die bei der Inflationsbekämpfung erzielten Fortschritte und
                                                                  die voraussichtliche Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit
Obwohl sich die verbesserten konjunkturellen Rahmenbe­            dürften 1987 den Druck des öffentlichen Defizits auf den
dingungen kurzfristig günstig auf eine allmähliche Verbesse­      Kapitalmarkt stabilisieren . Allerdings bleibt das Defizit noch
rung des Arbeitsmarktes und die Verminderung der Arbeits­         auf einem viel zu hohen Niveau , so daß die Absicht der
losenquote hätten auswirken müssen , ist festzustellen , daß      Regierung gerechtfertigt erscheint , den die Zinszahlungen
sich eine solche Entwicklung 1986 noch nicht eingestellt hat .    überschreitenden Teil des Haushaltsdefizits schrittweise
Tatsächlich haben es die Unternehmen zunächst vorgezogen ,        abzubauen . Die Wirtschaftsentwicklung im Jahre 1987
Kurzarbeiter wieder voll zu beschäftigen und die für Über­        bietet eine besonders günstige Gelegenheit , einen konkreten
stunden erlaubten Margen auszunutzen , anstatt Neueinstel­
lungen vorzunehmen . Darüber hinaus hat die Verbesserung          (') Der Arbeitgeberverband und die Gewerkschaften hatten unter­
der Beschäftigungsaussichten die Erwerbsquote erhöht . Die            schiedliche Ansichten über die Auslegung der paritätischen
Arbeitslosenquote ging, deshalb nicht im erhofften Maße               Vereinbarungen von 1983 , wodurch erstmals das System der
zurück und hält sich bei 10,6% .                                      Indexierung geändert wurde ; sie hatten aber nicht eindeutig
                                                                      festgelegt , ob die Dezimalstellen des Index annulliert werden
Diese wenig befriedigende Entwicklung spiegelt noch nicht             oder ob deren Berücksichtigung lediglich aufgeschoben werden
die Bemühungen des Staates während der letzten drei Jahre             sollte .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 98                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    31 . 12 . 86
Schritt in Richtung auf das im Sanierungsplan des Schatzam­        nächster Zeit noch verstärken , wenn die angekündigte
tes angegebene Ziel zu tun . Um dies zu gewährleisten , wurde      Haushaltspolitik tatsächlich durchgeführt wird . Die Regie­
im Juni ein neues Haushaltsverfahren verabschiedet . Danach        rung hat außerdem eine Politik der. vorsichtigen , aber
soll das Parlament jedes Jahr vor Ende Juli ein Dokument           entschiedenen Liberalisierung des Kapitalverkehrs einge­
über eine dreijährige Wirtschafts- und Finanzplanung verab­        schlagen , dabei aber ihre Absicht bekräftigt , die Position der
schieden , das die wichtigsten makroökonomischen Ziele und         Lira auf den Devisenmärkten zu verteidigen .
die großen Haushaltsaggregate enthält . Die Parlamentsbera­
tungen vom Herbst können dann in diesem Rahmen statt­              Die oben skizzierten Leitlinien der Wirtschaftspolitik lassen
finden , wobei eine Sicherheitsklausel erlaubt , Mittel entspre­
                                                                   bereits Zeichen einer Wiederherstellung der grundlegenden
chend den in noch nicht verabschiedeten Gesetzen vorgese­
                                                                   Gleichgewichte erkennen ; hierfür spricht insbesondere die
henen Einsparungen zu blockieren . Das von den drei zustän­        neuerliche Stabilität der Lira im EWS . Man sollte an dem
digen Ministern ( Schatzamt , Finanzen , Haushalt) erstellte       eingeschlagenen Weg festhalten , und insbesondere die
Dokument , das vom Parlament wegen der Regierungskrise
                                                                   restriktive Haushaltspolitik fortsetzen , damit das Defizit des
mit erheblicher Verspätung angenommen worden ist , sieht           Schatzamtes entsprechend dem Haushaltsgesetz für 1987
für 1987 einen den Kommissionsprognosen weitgehend
                                                                   unbedingt auf 100 000 Milliarden Lire begrenzt wird .
entsprechenden makroökonomischen Rahmen vor und
beabsichtigt , den Finanzierungsbedarf des Schatzamtes unter
das für 1986 vorgesehene Ziel zu verringern , nämlich auf          Im übrigen zeigt die enttäuschende Entwicklung der Beschäf­
100 000 Milliarden Lire bzw . 12,2% des BIP gegenüber              tigung , daß sich die Reallohnentwicklung anscheinend noch
110 000 Milliarden und 14,6% des BIP im Jahre 1986 . Die           nicht ausreichend der Produktivitätsentwicklung angepaßt
Erreichung dieses Ziels setzt voraus , daß es der erklärten        hat und der Produktionsapparat noch nicht im gewünschten
Regierungsabsicht entsprechend bei im Vergleich zu 1986            Tempo wächst . Diese Schwächen , die im Norden und im
unveränderter Gesamtsteuerbelastung zu einer neuerlichen           Zentrum des Landes allmählich an Bedeutung verlieren ,
Akzentverschiebung von den direkten zu den indirekten              bleiben im Süden offenkundig . Angesichts dieser Situation
Steuern kommt und daß das Wachstum der laufenden                   könnte man zusätzlich zu einer weiterhin maßvollen Lohn­
Ausgaben .streng auf die Inflationsrate und das der vermö­         politik ins Auge fassen , die Einnahmen bei unverändertem
genswirksamen Ausgaben auf die Wachstumsrate des nomi­             Gesamtvolumen des öffentlichen Haushalts in der Weise
nalen BIP begrenzt wird .                                          umzuschichten , daß die Soziallasten in den südlichen Regio­
                                                                   nen stärker gesenkt werden . Mit der gleichen Zielrichtung
Die Geld- und Kreditpolitik bemüht sich um eine allmähliche        tragen die Verbesserung der finanziellen Struktur der Unter­
Senkung der Zinssätze , die in Einklang mit der Abschwä­           nehmen , die insbesondere dadurch erreicht wird , daß die
chung der inflationären Spannungen steht . Die drei sukzes­        Ersparnis in die Anlage von Aktien gelenkt wird , sowie die
siven Diskontsatzsenkungen im März , April und Mai 1986            weitere Sanierung der defizitären Zweige des öffentlichen
sind indessen" wegen der Entspannung auf den internatio­           Sektors dazu bei , die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und
nalen Finanzmärkten leicht über den Rückgang der Infla­            infolgedessen die Beschäftigung auf einer solideren Basis zu
tion hinausgegangen . Diese Entwicklung könnte sich in             fördern .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                   Nr . L 385 / 99
                                                                             TABELLE 35
                                                    Italien : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                      (Jährliche Veränderung in %)
                                                         1961 —     1974—
                                                                                  1981         1982         1983        1984       1985        1986 (')     1987 ( 2 )
                                                         1973       1980
                          r nominal                       11,0       20,9         18,5         17,2         14,6        13.6       11,3          12,7          9,1
Bruttoinlands-          J reaj                             5.3          2,8         0,2       - 0,5        - 0,4         2,6        2,3           2,8          3,6
Produkt                  1
                             Deflator                      5.4       17,6         18,3         17,8         15,0        10.7        8,8           9,7          5,3
Preisindex des privaten Verbrauchs                         4,9       17,3         19,2         17,0         15,1        11,1        9,4           6,2          4,0
                          r privat
Bruttoanlage­
investitionen           ■< öffentlich
in Volumen                   insgesamt                     5,7          0,9         0,6       - 5,2        - 3,8         4,1        4,1           4,6          7,2
     davon : Bauten                                        6,6      - 0,2           0,5       - 3,2        - 2,0       - 0,4      - 1,7           1,9          2,4
              Ausrüstungen                                 5,0          2,2         1,8       - 6,8        - 5,7        10,1        9,9           7,1         11,3
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                    5,3          2,5      - 2,2        - 0,3        - 2,0         3,3        2,4           3,6          5,1
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                     0,6          0,4         0,4       - 1,0        - 3,2         1,9        0,2         - 2,0          1,6
                          r nominal                       11,6       20,2         21,9         17,2         16,5        12,0       10,0           6,7          6,1
Pro-Kopf-Löhne -j real A (4)                               5,9        ' 2,2         3,0       - 0,4          1,2         1,1        1,1         - 2,7    •     0,8
                          l       B (<)                    6,5          2,3         2,3         0,2          1,2         0,8        0,5           0,4          2,1
Produktivität ( 5 )                                        5,7          2 >2     - 0,3      ,- 0,4         - 0,5         2,2        1,8           2,3          2,3
Reale Lohnstückkosten                                                          |=I              0,0          1,8       - 1,0      - 0,8         - 4,9        - 1,5
Rentabilität ( 6 )                                                                „  '        - 8,6     - 28,5          21,0        7,9         40,8          10,4
     idem ( 1961—1973 = 100 )                           100          51,7         51,1        46,7          33,4       40,4       43,6           61,4         67,8
Wettbewerbsfähigkeit ( 7 )                               - 0,3      - 0,1        - 0,7          2,2         11,3         3,7      - 0,5           0,8          1,9
Beschäftigung                                            - 0,4          0,8         0,5       - 0,1          0,1         0,4        0,5           0,5          1,3
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 8 )                              5,2          5,9         8,0         9,7         10,9        11,9       12,9          13,4         12,8
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                          1,5      - 0,5        - 2,3        - 1,6          0,2       - 0,8      - 1,1           1,2          0,9
Langfristiger Zinssatz                                     6,9       13,3         20,6         20,9         18,0        14,9       13,0          10,6          8,7
Geldmenge ( 9 )                                           14,7       21,5         15,9         17,2         13,2        12,1       11,1           7,5          7,5
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                             -.3,3      - 9,0       - 11,7      - 12,7       - 12,4      - 13,0     - 14,0        - 12,7       - 11,0
Öffentliche Schuld in % des BIP                           44,8       67,7         70,2         76,6         84,3        91,1       99,5        103,1        106,8
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
 in % des BIP                                              1,8          4,9         7,2         8,5     ■-   9,0         9,6        9,3           9,6          8,8
(') Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
(2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
( J ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
( s ) Unter Berücksichtigung der Veränderungen der realen Bruttolohn- und Gehaltssumme je Beschäftigten und der Produktivität .
( 7 ) Realer effektiver Wechselkurs (gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
      an Wettbewerbsfähigkeit .
( 8 ) SAEG-Definition .
( 9 ) Jahresende . •
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 100                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  31 . 12 . 86
                                                          LUXEMBURG
In Luxemburg blieb die Wirtschaftstätigkeit 1986 dank der        Bei den Löhnen hat der seit Ende 1984 in Gang gekommene
wachsenden Inlandsnachfrage lebhaft . Dabei war der private      Aufholprozeß 1986 und 1987 zu Anhebungen geführt , die
Verbrauch , der von der Ausweitung der verfügbaren Ein­          die zuvor erlittenen Einbußen kompensieren . Real werden
kommen der privaten Haushalte profitierte , das treibende        die Lohnkosten pro Kopf wahrscheinlich stärker steigen als
Element . Die Gesamtausfuhren stiegen wegen eines leichten       die Arbeitsproduktivität . Selbst wenn sich hieraus kurzfristig
Rückgangs des Absatzes von Stahlerzeugnissen weniger             positive Auswirkungen für die Binnennachfrage ergeben ,
rasch als im Vorjahr . Insgesamt dürfte das Wachstum des         besteht doch die Gefahr , daß Lohnerhöhungen dieses Tem­
Bruttoinlandsproduktes etwa 2,5% erreichen . Die Inflation       pos die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verschlech­
hat sich stark abgeschwächt und die Arbeitslosenquote ist        tern , arbeitsplatzvernichtende Rationalisierungsinvestitio­
etwas zurückgegangen .                                           nen begünstigen und die industrielle Diversifizierung behin­
1987 dürfte das Bruttoinlandsprodukt etwa im Tempo des
                                                                 dern . Den nächsten Lohnverhandlungen kommt daher ganz
Jahres 1986 wachsen . Eine Stabilisierung des Absatzes von       besondere Bedeutung zu .
Stahlerzeugnissen und der noch dynamische Anstieg der
Exporte bei anderen Erzeugnissen werden für ein stärkeres        Die Eingliederung der Jugendlichen in das Arbeitsleben wird
Wachstum der Gesamtausfuhren sorgen . Die Expansion der          zusätzliche Anstrengungen erfordern , die Berufsausbildung
Unternehmensinvestitionen könnte dagegen zum Stillstand          dem Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften
kommen . Die Verbraucherpreise könnten wegen eines stär­
                                                                 anzupassen , um zu vermeiden , daß ein harter Kern jugend­
keren Anstiegs der Lohnkosten im Dienstleistungssektor und       licher Arbeitsloser fortbesteht . Gleichzeitig werden für die
wegen der Tatsache , daß eine offene Volkswirtschaft den         neuen Arbeitsplätze nichtansässige Arbeitskräfte eingestellt
inflationären Risiken aus dem Ausland sehr ausgeliefert ist ,    werden müssen . Der internationale Wettbewerb macht eine
beschleunigt zunehmen . Auf dem Arbeitsmarkt wird die            Anpassung der Arbeitszeit entsprechend den Erfordernissen
Zunahme der Beschäftigung wie im Vorjahr mit einer               der Unternehmen zunehmend wünschenswert . Weniger star­
Verringerung der Zahl der Arbeitslosen und einem starken         re Rechtsvorschriften sollten es den Sozialpartnern ermög­
Rückgang der Zahl der in spezifischen Programmen beschäf­        lichen , auf Unternehmensebene die Einführung flexiblerer
tigten Personen einhergehen .                                    Arbeitszeiten auszuhandeln .
In den meisten Bereichen entspricht die Wirtschaftspolitik
der Regierung den Leitlinien der kooperativen Wachstums­
strategie für mehr Beschäftigung . Die Haushaltspolitik trug     Wegen des zum Teil aufgrund der Senkung der direkten
hierzu auch durch Maßnahmen der Nachfragestützung bei .          Steuern schwachen Anstiegs der Steuereinnahmen und des
So wurde der nach der Umstrukturierung der Stahlindustrie        kräftigen Anwachsens der Ausgaben , vor allem der Gehälter
freigewordene Spielraum zum Teil dafür genutzt , 1986 die        und der Transferleistungen , nehmen die Finanzierungsüber­
Steuern für natürliche Personen zu verringern . Auch 1987        schüsse der öffentlichen Hand 1986 und 1987 ab . Obwohl
wird es möglich sein , die Steuerlast sowohl für die privaten    die Reserven der Investitionsfonds für die Finanzierung der
Haushalte wie für die Unternehmen zu erleichtern . Außer­        Projekte zum Ausbau einer angemessenen Infrastruktur im
dem werden Mittel für die öffentlichen Investitionsfonds zur     Bereich der traditionellen staatlichen Investitionen , im Fern­
Verfügung stehen , um die Finanzierung ihrer mittelfristigen     meldewesen und in der Datenverarbeitung ausreichen , wird
Programme zu gewährleisten . Die Bemühungen zur Diversi­         bei den anderen Ausgaben eine gewisse Vorsicht geboten
fizierung der luxemburgischen Wirtschaftsstruktur wurden         sein , um das Haushaltsgleichgewicht des Zentralstaates zu
durch gezielte Maßnahmen zugunsten neuer Unternehmen             gewährleisten und auf diese Weise einen gewissen Spielraum
fortgesetzt .                                                    für die Zukunft zu bewahren .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      Nr . L 385 / 101
                                                                          TABELLE 36
                                                    Luxemburg : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                             (Jährliche Veränderung in %)
                                                          1961 —   1974—
                                                                               1981       1982      1983          1984    1985       1986 (')   1987 ( 2 )
                                                          1973     1980
                            r nominal                        8,6     8,5        9,8       10,3       9,4          12,4     7,7          8,0        5,3
Bruttoinlands-            J rea]                             4,1      1.5     - 0,1        0,9       1,6           5,3     2,2          2,4        2,6
Produkt                     |
                               Deflator                      4,4     6.6        9,9        9,4       7,7           6,7 -   5,4          5,4        2,6
Preisindex des privaten Verbrauchs                           3,1     7,5        8,6       10,6       8,0           6,4     4,0          0,5        1,3
Bruttoanlage­
investitionen
in Volumen
                            r privat
                          -< öffentlich
                               insgesamt
                                                        II   5,1   - 0,3
                                                                              - 7,7
                                                                              - 1,4
                                                                              - 6,2
                                                                                         - 0,7
                                                                                           0,6
                                                                                         - 0,4
                                                                                                   - 5,2
                                                                                                     2,3
                                                                                                   - 3,3
                                                                                                                 - 0,2
                                                                                                                 - 4,9
                                                                                                                 - 1,4
                                                                                                                           2,5
                                                                                                                         - 0,5
                                                                                                                           1,7
                                                                                                                                        3,0
                                                                                                                                        3,0
                                                                                                                                        3,0
                                                                                                                                                   2,1
                                                                                                                                                   1,1
                                                                                                                                                   1,9
      davon : Bauten                                    |=Il                  - 2,5        1,1     - 1,4         - 3,1     0,7          2,1        0,8
               Ausrüstungen                             ll - 13,2                        - 3,7     - 7,5           2,5     4,0          5,0        4,0
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                 |=Il                    1,8      - 0,2       0,4           0,2   ' 1,8          3,0        3,0
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                  III                                0,4       0,4         - 0,9     0,2        - 0,8      - 0,4
                            r nominal                        7,3    11,1        8,8        7,2       7,6           6,8     4,5          4,2        5,6
Pro-Kopf-Löhne -1 rea' ^ (4)                                 3,0     4,3        0,6      - 2,5     - 0,6           0,2   - 0,8        - 1,2        2,9
                            L       B («)                    4,2     3,5        0,1 .    - 3,1       0,4           0,4     0,5          3,7        4,2
Produktivität ( 5 )                                          3,1     0,9      - 1,7        1,1       2,8           4,9     0,8          1,6        1,9
Reale Lohnstückkosten                                      - 0,1     3,4        2,3      - 3,6     - 3,3         - 4,5   - 1,6        - 2,8        1,0
Beschäftigung                                                1,0     0,8        0,4      - 0,4     - 0,1           0,6     1,4          0,8        0,7
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 6 )                                0,0     0,4        1,0        1,3       1,6           1,7     1,6          1,3        1,2
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                            6,7    20,1       19,0       25,0      28,2          30,2    29,6         31,5      30,7
Langfristiger Zinssatz                                  \\\\\
Geldmenge ( 7 )                                         \\\\\
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                                 2,0     2,9      - 3,1      - 2,3     - 0,6           1,5     4,1          3,7        2,6
Öffentliche Schuld in % des BIP                         \           15,9       14,0       14,4      14,8          14,7    14,3         14,0       14,0
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP
                                                        I            0,8        1,0        1,0       1,1           1,2     1,3          1,3        1,3
(')    Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
(2)    Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
(3)    Veränderung in Prozentpunkten .
(4)    A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
( 3 ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
( 6 ) SAEG-Definition .
( 7 ) Jahresende .
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                                                         NIEDERLANDE
In den Niederlanden war die wirtschaftliche Entwicklung           Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarktes betrafen vor allem
1986 durch einen langsameren Anstieg der mengenmäßigen            die Dezentralisierung der Lohnverhandlungen , das Einfrie­
Ausfuhren gekennzeichnet , der auf den Rückgang des Erd­          ren der Mindestlöhne und die Verringerung der Arbeitszeit
gasabsatzes zurückzuführen war . Demgegenüber führte die          durch die Ausweitung der Teilzeitbeschäftigung und. den
Erhöhung der Kaufkraft der privaten Haushalte , die bei           Vorruhestand . Auf die Angebotsseite wirkte sich auch die
weitgehend schon früher festgelegten Lohnsteigerungen von         Senkung der Körperschaftsteuer ( in zwei Stufen ) günstig aus . '
einer Entlastung bei den Sozialbeiträgen und vom Inflations­      Die Reallohnsteigerungen der letzten Jahre waren gemäßigt;
abbau infolge der Terms of trade-Verbesserungen herrührte ,       die Politik dezentralisierter Verhandlungen funktionierte
zu einer starken Zunahme -des privaten Verbrauchs . Der           zufriedenstellend , und die Regierung hat nicht direkt in das
Anstieg der Unternehmensinvestitionen war noch lebhaft ,          Zustandekommen der Abschlüsse eingegriffen . Im öffentli­
die Wohnungsnachfrage und die öffentlichen Investitionen          chen Sektor wurden die Nominallöhne und -gehälter einge­
waren jedoch nach wie vor schwach . Insgesamt dürfte das          froren und die Regierung schreibt zur Zeit strenge Grenzen
Wachstum des Bruttoinlandsprodukts mit einer Rate von             für die Lohnverhandlungen dieses Sektors vor , die die
1,6 % kaum niedriger sein als im Vorjahr , dagegen wird die       haushaltspolitischen Zwänge berücksichtigen müssen . Diese
Produktion der Unternehmen ohne den Energiesektor wahr­           Lohnpolitik hat 1984-1985 zu einer Abschwächung der
scheinlich um 2,7% steigen . Die Inflationsrate ist auf Null      Nachfrage der privaten Haushalte geführt ; 1986 jedoch
gesunken und die Zinssätze sind um fast einen Prozentpunkt        verbessert die Senkung des Arbeitnehmeranteils der Sozial­
zurückgegangen . Die weniger günstige Entwicklung der             versicherungsbeiträge die reale Kaufkraft der privaten Haus­
Handelsbilanz und der Übertragungen hat trotz einer Ver­          halte , die im übrigen auch vom Inflationsrückgang profitie­
besserung der Terms-of-trade von 2,6 % — die Exportpreise         ren . Die Senkung der Zinssätze hat die stimulierende Wir­
für Erdgas folgen dem Preissturz bei Mineralöl mit beträcht­      kung verstärkt , die von der Verbesserung der Unternehmens­
lichem Abstand — zu einem leichten Rückgang des Lei­              rentabilität auf die Investitionen ausgeht .
stungsbilanzüberschusses geführt .
                                                                  Die Politik der Zentralbank , die vor allem darauf abzielt , den
1987 dürfte sich das Wachstumstempo des Bruttoinlands­            Kurs des Gulden gegenüber der D-Mark im EWS zu
produkts kaum beschleunigen und bei etwa 1 ,8 % liegen . Die      stabilisieren , hat dazu beigetragen , daß die Inflation auf eine
Ausführen dürften insgesamt rascher ansteigen , da der            sehr niedrige Rate gedrückt werden konnte und die Zinssätze
Absatzrückgang beim Erdgas weniger ausgeprägt als 1986            die internationale Bewegung nach unten mitgemacht haben .
sein wird . Aufgrund der verzögerten Anpassung des Erd­           Auf den Finanz- und Geldmärkten konnten Liberalisierungs­
gaspreises bewirkt der Preisrückgang des Jahres 1986 für          maßnahmen durchgeführt werden , um ausländischen Ban­
Mineralöl im Jahre 1987 eine Umverteilung der Einkommen           ken den Zugang zum niederländischen Markt und den
— in der Größenordnung von 3 % des BIP — zugunsten der            niederländischen Unternehmen die Verwendung neuer
privaten Haushalte , der Unternehmen und des Auslands und         Finanzierungsinstrumente zu erleichtern . Die Haushaltspoli­
zu Lasten des öffentlichen Haushalts . Trotz der Maßnahmen
                                                                  tik mußte der mittelfristigen Konsolidierung des öffentlichen
auf der Ausgaben- und Einnahmenseite zur Vermeidung               Defizits den Vorrang geben , um den Vollzug des Haushalts
einer zu starken Ausweitung des öffentlichen Defizits , die zu    besser zu überwachen und die strukturelle Gesundung der
einer Abschwächung des privaten Verbrauchs führen wer­            Wirtschaft zu fördern , was wenig Spielraum für die kurzfri­
den , dürfte die Inlandsnachfrage insgesamt ähnlich stark         stige Stützung des Wirtschaftswachstums ließ . Trotz der
expandieren wie 1986 . Die Rentabilitätsverbesserung der          1985 erreichten erheblichen Verringerung des Defizits haben
Unternehmen und der Anstieg der Kapazitätsauslastung
                                                                  die Entwicklungen auf dem Energiemarkt das Haushalts­
werden die Investitionen der Unternehmen noch anregen ,
                                                                  problem verschärft . Um 1987 ein zu starkes Ausufern des
und der . Wohnungsbau wird zweifellos leicht steigen , wäh­       Defizits zu verhindern , mußten Beschlüsse zur Senkung der
rend die Investitionen des öffentlichen Sektors zurückgehen
                                                                  Ausgaben und zur Anhebung der indirekten Steuern getrof­
dürften . Das allgemeine Preisniveau dürfte im Vergleich zu       fen werden : eine aktive Nachfragestützung über den Staats­
1986 sinken . Die Verschlechterung der Terms-of-trade um          haushalt wird daher praktisch nicht möglich sein .
mehr als ein Prozent dürfte eine Verminderung des Leistungs­
bilanzüberschusses nach sich ziehen . Dank des Produktions­
anstiegs im verarbeitenden Gewerbe wird die Beschäftigung
steigen , und dank der Anpassung der Arbeitszeit wird die         Zu den wirtschaftspolitischen Zielen der neuen Regierung
Arbeitslosenquote sinken , dennoch aber auf sehr hohem            gehören die Verringerung des Haushaltsdefizits , die Stabili­
Niveau bleiben ( 11,1% ).                                         sierung — und sogar die Senkung — der fiskalischen und
                                                                  parafiskalischen Belastung, die Erhaltung der Kaufkraft und
                                                                  der Abbau der Arbeitslosigkeit . Wegen der hohen Arbeitslo­
Die Wirtschaftspolitik auf der Grundlage des Regierungspro­       sigkeit wäre es notwendig , vorrangig alle Möglichkeiten für
gramms vom Herbst 1982 basierte auf Leitlinien , die in           eine Zunahme der Beschäftigung auszuschöpfen und die
mancher Hinsicht denen der kooperativen Wachstumsstrate­          bereits eingeführten Maßnahmen fortzusetzen , selbst wenn
gie für mehr Beschäftigung bereits entsprechen . Dies gilt für    einige von ihnen , wie die Verringerung der Arbeitszeit , noch
die Verbesserung der Funktionsweise des Arbeitsmarkts und         nicht im erhofften Maße kompensierende Einstellungen
eine Politik mäßiger Reallohnsteigerungen sowie für die           ermöglicht haben . Es ist also besonders wichtig, daß das
Haushaltssanierung . Die Bemühungen zur. Verbesserung der         Abkommen zwischen den Sozialpartnern und das Regie­
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr . L 385 / 103
rungsprogramm , das darauf abzielt , jugendlichen Arbeitslo­      rung des Haushaltsdefizits des Zentralstaates entgegenste­
sen eine Berufsausbildung oder die Möglichkeit zu einem           hen , das 1986 6,7% des Volkseinkommens erreicht und
Praktikum zu geben , möglichst bald in die Praxis umgesetzt       nach dem Regierungsprogramm bis 1990 auf 5 V4 % zurück­
wird . Das Auftreten von Engpässen in einigen Sektoren des        geführt werden soll . Eine Verschlechterung des Nettofinan­
Arbeitsmarktes verstärkt überdies die Dringlichkeit einer         zierungssaldos des Gesamtstaates ( ausgenommen vorzeitige
Verbesserung der beruflichen Qualifikation .                      Tilgungen von Darlehen an den sozialen Wohnungsbau ) auf
                                                                  über 8% des Nettovolkseinkommens , davon 7,9% beim
                                                                  Zentralstaat , ist unvermeidlich . Dieses Ergebnis erfordert die
Die dezentralisierten Tarifverhandlungen scheinen mit der         Durchführung eines umfangreichen Programms zum Aus­
Aufrechterhaltung der Wettbewerbsposition der Unterneh­           gleich von Mindereinnahmen , die auf die Preisentwicklung
men vereinbar zu sein . Desgleichen dürfte die Zurückhaltung      bei den fossilen Brennstoffen zurückzuführen sind , sowohl
der Regierung in den Lohnverhandlungen die Entwicklung            durch Einsparungen wie durch neue Einnahmen . Die Staats­
der öffentlichen Ausgaben nicht beeinflussen , da die Verbin­     verschuldung dürfte somit 1987 um mehr als 7% des BIP
dung zwischen den Anpassungen der Gehälter und sozialen           steigen , und daher muß die strikte Haushaltspolitik unter
Transferleistungen im öffentlichen Sektor und denen der           allen Umständen beibehalten werden , um den Nettofinan­
Löhne und Gehälter im privaten Sektor aufgehoben wurde            zierungssaldo innerhalb der im Haushalt vorgesehenen Gren­
und ihre Wiedereinführung nicht vorgesehen ist . Der öffent­      zen zu halten und die Voraussetzungen für die weitere
liche Sektor wird wahrscheinlich nicht ganz um eine gewisse       Defizitverringerung zu schaffen .
Differenzierung der Löhne und Gehälter , zumindest für
bestimmte Kategorien , herumkommen , um qualifizierte
Kräfte einstellen zu können , bei denen sich erste Engpässe       Diese Orientierung schließt keineswegs eine Politik der
zeigen .
                                                                  Umstrukturierung der Ausgaben und möglichst auch der
                                                                  Einnahmen aus , mit dem Ziel , die Dynamik des privaten
                                                                  Sektors zu erhöhen , und die darüber hinaus — schon in der
Der spürbare Rückgang der Erdgaseinnahmen ab 1987                 Vergangenheit erfolgreich angewandte — spezifische Maß­
verschärft erheblich die Schwierigkeiten , die der Reduzie­       nahmen zugunsten der Beschäftigung umfaßt .
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 104                                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                       31 . 12 . 86
                                                                           TABELLE 37
                                                   Niederlande : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                         1961 —     1974—
                                                                    1980
                                                                                   1981         1982        1983   ■      1984      1985       1986 (>)       1987 ( 2 )
                                                         1973
                           r nominal                       11,3        9,6          4,8           4,5        3.0           4,9       4,2          2,0            0,1
 Bruttoinlands-           J rea]                            5,3        2,4        - 0,7        - 1,4         1,4           2,4       1,7           1,6           1,8
 Produkt                   I
                              Deflator                      6,0        7,1          5,5           6,0        1,6       '   2,5       2,4          0,4          - 1,7
 Preisindex des privaten Verbrauchs                         5.2        7,3          6,3           5,3        2,7           2,5       2,6          0,0         - 1,0
                           r privat                                            - 11,5          - 3,5         3,3           3,7       5,2          6,2            3.7
 Bruttoanlage­
 investitionen           < öffentlich                                             - 4,6        - 7,1       - 4,6           7,6     - 4,3          0,4         - 3,1
 in Volumen                   insgesamt                     6.3     - 0,2      - 10,4          - 4,1         2,1           4,3       3,7          5,4            2,8
      davon : Bauten                                                           - 10,8          - 6,4       - 3,4           2,5     - 3,3          4,1            2,4
               Ausrüstungen                                                       - 9,6           0,2       10,0           7,0      13,7          7,0 '          3,3
 Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                                          - 4,6 -      - 0,9         1,5           1,4       2,2          2,3            2,4
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                                                         - 1,2       - 0,2         - 0,7       0,7        - 1,5         - 1,4
                           r nominal                       11,4        9,5          3.5           5,8        3.2           0,8       1,4          2,1            1,7
Pro-Kopf-Löhne -j rea' ^                                    5.0        2,2        - 1,9        - 0,3         1 ,5        - 1,7     - 1,0           1,7           3.4
                           L       ß (4)                    6,0        2,0        - 2,7 '         0,5        0,4         - 1,7     - 1,2          2,1            2,7
Produktivität ( 5 )                                         3,9        2,1          0,8           1,1        3,0           2,2       0,6          0,5            0,9
 Reale Lohnstückkosten                                      1.1        0,1        - 2,7        - 1,4       - 1,5         - 3,8     - 2,6           1,2           2.5
Wettbewerbsfähigkeit ( 6 )                                  2,7        0,7        - 9,7           2.5      - 2,7         - 6,2     - 3,9          4,4            0,6
Beschäftigung                                               0,9        0,3        - 1,5 '      - 2,5       - 1,9         - 0,4       1,1           1,1           0,8
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 7 )                               1,3        5.3          8,6         11,6        14,0          14,3      13,1         12,0           11,1
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                           0,5        0,8          2,2           3,2        2,9           4,1       4,3          3,9            2,8
Langfristiger Zinssatz                                      5,9        9,4         12,2         10.5         8,8           8,6       7,8          6,8            6,1
Geldmenge ( 8 )                                            10,3 '      9,6          5.3          7.6        10,5           7,7      10,5          5,1       '    3,5
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                              - 0,4     - 2,5         - 5,5        - 6,6       - 5,9         - 6,2     - 5,1        - 5,5         - 6,6
Öffentliche Schuld in % des BIP                                      41,7          50,3         55,6        62,3          66,3      70,0         75,5          82,6
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                           3,1          4,4          4,7         5.3           5,6       6,0          6,4            6,4
(') Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
( 2 ) Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
( 3 ) Veränderung in Prozentpunkten .
( 4 ) A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
( 5 ) Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .                                                                                j
( 6 ) Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
      an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr . L 385 / 105
                                                             PORTUGAL
Die portugiesische Wirtschaft , die aufgrund ihrer starken          der drei vorangegangenen Jahre erhöhte sich das Investitions­
Abhängigkeit von der Energieeinfuhr besonders vom Verfall           volumen 1986 um etwa 8% ; für 1987 wird eine vergleich­
der Erdölpreise profitiert hat , wuchs auch 1986 schneller als      bare oder gar stärkere Zunahme erwartet .
die Gemeinschaft im ganzen . Das reale BIP-Wachstum , das
auf nahe 4 % geschätzt wird , lag ungefähr bei dem des Jahres       Die Höhe und die rasche Zunahme der öffentlichen Ver­
1985 . Gleichzeitig wurde als wichtigste Wachstumsstütze die        schuldung ( 47,4% des BIP im Jahre 1980 und 81,2% im
Ausfuhr von der Inlandsnachfrage abgelöst . Nach einigen            Jahre 1985 ) haben die Behörden insbesondere veranlaßt , für
Jahren rückläufiger Reallöhne und -gehälter sind diese              1986 eine starke Verringerung des Finanzierungsbedarfs des
stärker als vorgesehen gestiegen , vor allem weil die Infla­        öffentlichen Sektors anzustreben . Früher war die Haushalts­
tionsrate , obwohl weit über dem Gemeinschaftsdurch­                politik kurzfristig konzipiert worden , woraus sich Verzer­
schnitt , erheblich stärker zurückging als ursprünglich erwar­      rungen in der Allokation der Ressourcen ergaben , insbeson­
tet . Der private Verbrauch hat hierdurch starke Impulse            dere weil unwirtschaftliche öffentliche Unternehmen unter­
erhalten . Die Anlageinvestitionen , die bis 1985 stark zurück­     stützt wurden und ein Verdrängungseffekt zu Lasten privater
gegangen waren , sind dank der verbesserten Finanzlage der          Unternehmen stattfand . Künftig wollen die Behörden das
Unternehmen und der Unterstützung durch Investitionsan­             Ziel einer mittelfristigen Konsolidierung anstreben , die sich
reize zugunsten produktiver Investitionen und Investitionen         insbesondere auf eine größere Haushaltstransparenz des
im Wohnungsbau sowie durch das öffentliche Investitions­            Zentralstaats , die Eindämmung der öffentlichen Ausgaben ,
programm wieder angestiegen . Das Ausfuhrwachstum hat               die Einführung eines neuen Systems zur steuerlichen Investi­
sich verlangsamt , insbesondere wegen schrumpfender                 tionsförderung und die Deckung des Finanzbedarfs durch
Absatzmärkte in Drittländern . Dennoch erreichte der Lei­
                                                                    verstärkte Inanspruchnahme des Marktes stützt .
stungsbilanzüberschuß dank der Verbesserung der Terms of
trade ein Rekordniveau ( 5,4 % des BIP ). Der Beschäftigungs­
rückgang kam zum Stillstand , und die Arbeitslosenquote ist         Trotz gewisser Fortschritte , die bei der Modernisierung der
seit vielen Jahren erstmals gesunken .                              Finanzmärkte zu beobachten sind , sind diese nach wie vor
                                                                    ungeeignet , um das langfristige Sparen und die Bereitstellung
1987 wird sich der private Verbrauch etwas weniger dyna­            von Risikokapital in ausreichendem Maße zu fördern . Dies
misch entwickeln , der Anstieg der Bruttoanlageninvestitio­         trägt auch zu weiterhin sehr hohen Zinssätzen bei , die vor
nen jedoch könnte sich aufgrund des Rückgangs der Zins­             allem von der starken Nachfrage nach Finanzierungsmitteln
sätze und dank der starken Zunahme der öffentlichen                 durch die öffentliche Hand und die öffentlichen Unterneh­
Investitionen beschleunigen . Mit einer Rate von ungefähr           men , vom instabilen Escudo-Kurs und von der Erwartung
3,5% würde das reale BIP etwas langsamer zunehmen als               einer hohen Inflation herrühren .
1986 . Das Wachstum der Auslandsmärkte Portugals könnte
eine moderate Erholung der Ausfuhren ermöglichen ; trotz            Die wichtigste Aufgabe für die portugiesische Wirtschaft ist ,
eines gewissen Rückgangs dürfte die Leistungsbilanz weiter­         aus dem Teufelskreis von Konjunkturbremsung und -ankur­
hin einen hohen Überschuß aufweisen . Der Rückgang der              belung herauszukommen , der die Entwicklung im letzten
Inflation dürfte sich fortsetzen , der Preisauftrieb ( + 9% )       Jahrzehnt stark beeinträchtigt hat , und die grundlegenden
wird jedoch weiterhin deutlich über dem Gemeinschafts­              Probleme in Angriff zu nehmen . Dazu gehört vor allem die
durchschnitt liegen . Die Beschäftigung wird von der günsti­        Modernisierung des Produktionsapparates , die durch den
gen Konjunktur profitieren . Die Arbeitslosenquote wird aber        Beitritt zur Gemeinschaft noch dringlicher geworden ist .
nur langsam zurückgehen ( von 8,6% der Erwerbsbevölke­              Mangels ausreichender Investitionen hat sich die Struktur der
rung im Jahr 1986 auf 8,5 % im Jahr 1987 ), vor allem wegen         Ausfuhren kaum diversifiziert , während jede Erholung der
einer nochmaligen Zunahme der Bevölkerung im erwerbstä­             Inlandsnachfrage rasch an außenwirtschaftliche Grenzen
tigen Alter .                                                       stößt . Die Regierung , die im Herbst 1985 ihr Amt angetreten
                                                                    hat , hat sich als wichtigstes Ziel die Belebung der Investitio­
Hinsichtlich der Entwicklung der Löhne und Gehälter im
                                                                    nen und die Verbesserung der wirtschaftlichen Wachstums­
Jahre 1986 hat die Regierung den Beamten eine Anhebung              bedingungen gesetzt ; dies soll durch die Sanierung der
von 16,5% gewährt und dem Privatsektor Zuwächse von                 öffentlichen Finanzen , den Abbau des Inflationsabstandes
17% empfohlen . Die Tarifverhandlungen ergaben zunächst             zur übrigen Gemeinschaft und , auf mikro-ökonomischer
zum Teil noch größere Anhebungen , vor allem in den                 Ebene , durch die verstärkte Anpassung der Märkte erreicht
öffentlichen Unternehmen . Als sich jedoch die Aussichten           werden .
auf eine niedrigere Inflation bestätigten (Jahresrate von 12 %
statt 14% ), hat die Regierung ihre Absichten bezüglich der
Lohnentwicklung revidiert und der nominale Lohnanstieg              1987 müssen bei der Beseitigung der wirtschaftlichen
pro Kopf verlangsamte sich . Insgesamt sind die nominalen           Ungleichgewichte spürbare Fortschritte gemacht werden . Zu
Lohnkosten erheblich stärker gestiegen als im Gemein­               diesem Zweck muß der Finanzierungsbedarf des öffentlichen
schaftsdurchschnitt . Der Anteil der Löhne am Volkseinkom­          Sektors , die entscheidende strategische Variable , deutlich
men hat jedoch abgenommen , obwohl das — mit dem Index              verringert werden . Die Bemühungen zur Dämpfung der
der Verbraucherpreise deflationierte — Reallohnniveau               laufenden Ausgaben und zur Beschränkung der Subventio­
gestiegen ist .                                                     nen an die öffentlichen Unternehmen müßten fortgesetzt
                                                                    werden . Das gleiche gilt für die Maßnahmen zur Bekämp­
Die Bruttoanlageinvestitionen entwickelten sich günstig .           fung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug . Dies dürfte
Nach einem kumulierten Rückgang um real 25,5 % während              es ermöglichen , den Nettofinanzierungsbedarf des Zentral­
 ---pagebreak---  Nr . L 385 / 106                                      , Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                       31 . 12 . 86
 staates auf unter 8 bis 8,5 % des BIP zu drücken . Eine solche                         eine mit der Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der
 Politik würde es vor allem erlauben , die notwendige Dämp­                             portugiesischen Wirtschaft zu vereinbarende Entwicklung
 fung der inländischen Kreditvergabe zu gewährleisten und                               der Reallöhne , entsprechend dem Geist der dreiseitigen
 die Tendenzen zur Kursstabilisierung des Escudo zu stärken .                           Abmachungen vom letzten Juni , sowie die Eingliederung
 Diese Voraussetzungen sind unerläßlich , um ein ehrgeiziges                            Portugals in den großen Gemeinsamen Markt unter guten
Preisstabilisierungsziel ( Preisanstieg von weniger als 10% ),                          Voraussetzungen zu erreichen .
                                                                          TABELLE 38
                                                    Portugal : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                       (Jährliche Veränderung in %)
                                                           1961 —  1974—
                                                                                  1981         1982        1983         1984        1985        1986 0 )    1987 ( 2 )
                                                           1973    1980
                           ^ nominal                        11,2     23,2         18,7         26,1        23,7         23,4       25,9          23,8          14,1
 Bruttoinlands-           j rea]                         '   6,9      3,3          0,4           3,5      - 0,3        - 1,7         3,7           3,8          3,5
 Produkt                   ;
                           ^ Deflator                        4,0     19,8         18,2         21,8        24,1         25,6        21,3          19,2         10,5
Preisindex des privaten Verbrauchs                           3,4     21,4         20,0         22,5        25,5         29,3        19,3          11,8          9,0
                           r privat
Bruttoanlage­
investitionen            ■< öffentlich
in Volumen                    insgesamt                      8,0      5,4          4,6           2,9      - 7,5       - 18,0       - 1,8           7,8          8,5 '
      davon : Bauten                                                               4,4           2,0      - 3,0       - 13,5       - 4,0           6,1       ' 8,5
               Ausrüstungen                                                        4,8           4,0     - 13,1       - 23,0         1,0          10,0          8,6
Interne Nachfrage zu konstanten Preisen                      7,5      2,9          2,9           3,4      - 7,0        - 7,0         0,6           6,7          4,8
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 3 )                                                                     I
                           r nominal                        12,0     25,2         20,6         18,5        21,6         19,8       22,0        ' 17,1          12,3
Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (4)                                 7,8      4,5          3,5        - 2,7       - 2,0        - 4,6         0,5         - 1,8          1,6
                          l        B («)                     8,4      2,8          3,2        - 3,3       - 3,1        - 7,4         2,2           4,7          3,0 .
Produktivität ( s )                                          7,4      3,4        - 0,2           4,0        1,4        - 0,4         4,2           3,5          3,2
Reale Lohnstückkosten                                        0,4      1,1          3,7           6,4      - 3,4        - 4,2       - 3,6         - 5,1        - 1,6
Wettbewerbsfähigkeit ( 6 )                                        \\                          - 5,7       - 8,4        - 1,5         0,4         - 1,1        - 2,9
Beschäftigung                                              - 0,5    - 0,1          0,6        - 0,5       - 1,7        - 1,3     , - 0,5           0,5          0,6
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ("                                                                 I                7,9          8,5         8,7           8,6          8,5
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                            0,7    - 6,2     - 11,7        - 13,5        - 7,2        - 3,0         1,8           5,4          4,2
Langfristiger Zinssatz                                       6,5     16,4         22,6 ■       25,2        30,3         32,5       25,4           19,5         16,5
Geldmenge ( 8 )                                                                   23,8         24,6        16,3         24,5       28,5          26,0          16,0
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                                                  - 10,1          - 8,8       - 7,1        - 7,7     - 11,2          - 8,0        - 7,5
Öffentliche Schuld in % des BIP                                                   59,0         62,2        70,9         75,7        81,2          83,5         88,0
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                                       5,4           5,5        6,4          7,1         7,7           9,7          9,3
0)    Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
(2)   Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
(3)   Veränderung in Prozentpunkten .
(4 )  A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
0)    Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft .
(6 )  Realer effektiver Wechselkurs (gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
      an Wettbewerbsfähigkeit .
( 7 ) SAEG-Definition .
( 8 ) Jahresende .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr . L 385 / 107
                                                  VEREINIGTES KÖNIGREICH
Im V ereinigten Königreich expandiert die Wirtschaft nach           sätze dennoch hoch , teilweise vielleicht weil sich eine Risi­
einer Zeit langsameren Wachstums Ende 1985 und im ersten            koprämie infolge der Unsicherheit über die zunkünftige
Halbjahr 1986 wieder in mäßigem Tempo . Das BIP wird                Entwicklung von Inflation und Wechselkurs ergab .
1986 wahrscheinlich real um 2 V4 % zunehmen ; das Wachs­
tum wird sich 1987 vermutlich etwas beschleunigen , wobei           Mäßige Lohnsteigerungen , sowohl nominal wie real , sind
eine Wachstumsrate von 2 3/4 % erwartet werden kann . Der
                                                                    eine der Hauptvoraussetzungen für die Verbesserung der
wichtigste Wachstumsbeitrag in beiden Jahren kommt vom              Beschäftigungsaussichten im Vereinigten Königreich . Die
privaten Verbrauch , der von einer stetigen Zunahme der             Zunahme der nominalen Durchschnittslöhne und -gehälter ,
Einkommen bei gleichzeitig erneuter Verlangsamung der               hat sich Anfang der achtziger Jahre deutlich verlangsamt , seit
Inflation im Jahre 1986 und einer weiteren Erleichterung der        Mitte 1982 sind sie jedoch mit einer Jahresrate von etwa
persönlichen Einkommensteuerlast getragen wird . Andere             7 V2 % gestiegen , während sich die Verbraucherpreise ( De­
Nachfrageelemente waren bisher relativ gedämpft , obwohl            flator des privaten Verbrauchs ) jährlich um nur 5% oder
die Exporte und die Investitionstätigkeit 1987 etwas rascher        weniger erhöhten . 1986 dürfte vor allem wegen niedrigerer
zunehmen dürften .
                                                                    Energie- und sonstiger Rohstoffpreise die Inflationsrate bei
                                                                    4% liegen , ( oder bei 3% , wenn sie am Einzelhandelspreis­
Aufgrund der vorausgeschätzten Wachstumsrate des BIP                index gemessen wird ), ohne daß dies aber bislang fühlbare
dürfte sich die Beschäftigung weiter erhöhen ; da die Zunah­        Auswirkungen auf die Lohnabschlüsse gehabt hätte . Ange­
me der Beschäftigung aber weitgehend darauf zurückzufüh­            sichts der rascheren Fortschritte , die andere Industrieländer
ren ist , daß sich Berufsanfänger selbständig machen oder eine      bei der Inflationsbekämpfung erreicht haben , bedeutet dies
Teilzeitbeschäftigung annehmen , reicht das Wachstum nicht          eine weitere Verschlechterung der britischen Wettbewerbs­
aus , die Arbeitslosigkeit nachhaltig abzubauen . Zwischen          position ; dieser Prozeß wurde zwar durch die Kursabschwä­
März 1983 und März 1986 ist die Beschäftigung insgesamt             chung des Pfund Sterling im Laufe des Jahres 1986 mehr als
um etwa 1 Million gewachsen , während die Zahl der                  ausgeglichen , die chronische Wettbewerbsschwäche stellt
Arbeitslosen um mehr als 150 000 gestiegen ist, weil im             aber eine Gefahr für die Beschäftigung dar .
gleichen Zeitraum die Erwerbsquote um 3 Prozentpunkte
zugenommen hat ; dieser Trend dürfte sich indessen in               Trotz des stetigen Anstiegs der Reallöhne hat sich in den
Zukunft abschwächen . Der Beschäftigungsanstieg setzte sich         letzten Jahren auch die Gewinnsituation der Unternehmen
aus einer Zunahme der Selbständigen um eine halbe Million           deutlich verbessert . Dies war dadurch möglich , daß in den
und der Frauen mit Teilzeitbeschäftigung um 550 000                 ersten drei Jahren des Aufschwungs die Arbeitsproduktivität
zusammen , während die Anzahl der Arbeitnehmer mit                  schneller gestiegen ist als die Reallöhne und sich später die
Vollzeitbeschäftigung zurückging .                                  Nichtlohnkosten günstig entwickelten . So ergab eine Studie
                                                                    der Bank von England , daß die Rentabilität britischer
                                                                    Industrie- und Handelsunternehmen vor Steuern real von
Der scharfe Rückgang der Ölpreise hat sich auf das Verei­           6% im Jahre 1980 auf 12 V2 % im Jahre 1985 gestiegen ist .
nigte Königreich als einem wichtigen Olproduzenten anders           Diese Zahl dürfte 1986 wegen des Gewinneinbruchs bei den
ausgewirkt als auf die meisten anderen Volkswirtschaften            Ölgesellschaften zurückgehen, die Rentabilität von
der Gemeinschaft . Während sich die Energiekosten für die           Nicht-Ölgesellschaften dürfte sich aber weiter verbessern ;
Industrie und die privaten Haushalte wie in anderen Ländern         ihre Rendite ist bereits vom Tiefstand von 3 % im Jahre 1981
verringerten , haben sich für die Gesamtwirtschaft die Terms        auf 8% gestiegen .
of Trade verschlechtert . Damit einhergehend kam es Anfang
 1986 und im Sommer zu einer Abwertung des Pfund Sterling ,
insbesondere gegenüber anderen europäischen Währungen .           ' Trotz der verbesserten Ertragslage hat sich das Wachstum
Die finanzielle Situation von Unternehmen außerhalb der             der privaten Investitionen während der letzten zwei Jahre
Erdölgewinnung hat sich wesentlich verbessert , obwohl die          abgeschwächt . Dies mag eine Reaktion auf die relativ rasche
Gewinne der Gesamtwirtschaft wegen der Verschlechterung             Ausweitung der Investitionsausgaben in den Jahren 1982 bis
                                                                    1984 und das hohe Niveau der Realzinssätze in letzter Zeit
im Ölsektor zurückgegangen sind .
                                                                    sein . Einen weiteren wichtigen Einfluß auf die Investitionen
                                                                    hatte eine Veränderung des Körperschaftsteuersystems ,
Wegen der niedrigeren Ölexportpreise ist der Leistungsbi­           wodurch Verzerrungen zwischen verschiedenen Arten von
lanzüberschuß zurückgegangen , und 1987 wird ein Defizit in         Investitionen und Finanzierungsquellen sowie zwischen
der Größenordnung von 0,6% des BIP erwartet . Auch die              Kapital insgesamt und Arbeit verringert werden sollen .
Öleinnahmen der Regierung sind deutlich zurückgegangen              Durch die Änderung wird der Steuersatz in drei Schritten von
( um etwa die Hälfte auf schätzungsweise 5 Milliarden Pfund         50% auf 35% gesenkt und gleichzeitig werden die Sonder­
Sterling 1986 - 1987 ), aber die unerwartet hohen Steuerein­        abschreibungen stufenweise abgeschafft . Die lebhafte Inve­
nahmen in anderen Bereichen haben die Auswirkung auf die            stitionstätigkeit im Dienstleistungssektor ging in den letzten
Finanzlage der öffentlichen Hand in Grenzen gehalten . Die          Jahren einher mit einem erheblichen Beschäftigungsanstieg in
verschiedenen Geldmengenaggregate haben mit sehr unter­             diesem Bereich , auch wenn es sich bei vielen der zusätzlichen
 schiedlichem Tempo expandiert , wobei sich die Geldmenge           Arbeitsplätze um Teilzeitarbeitsplätze handelte ; dagegen
 im weiteren Sinne um einen Satz ausweitete , der weit über         reichte die bescheidenere Erholung der Investitionen im
 ihrem Zielkorridor lag ; obwohl die britischen Zinssätze dem       verarbeitenden Gewerbe nicht aus , um den rückläufigen
 internationalen Abwärtstrend folgten , blieben die Realzins­       Beschäftigungstrend umzukehren .
 ---pagebreak--- Nr . L 385 / 108                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  31 . 12 . 86
In erster Linie müssen im Vereinigten Königreich raschere           Erklärung der Regierung , die eine Erhöhung der Ausgaben
Fortschritte bei der Bremsung des Lohnanstiegs gemacht              um 4,79 Milliarden Pfund angekündigt , nun überholt . Dies
werden . Niedrigere Lohnabschlüsse würden den Weg öffnen            wird bedeuten , daß die für 1987 - 1988 geplanten öffentli­
für eine Verlangsamung der Inflation , eine Verbesserung der        chen Ausgaben zu konstanten Preisen um ca . 2% höher
britischen Wettbewerbsfähigkeit , eine weitere Stärkung der         liegen werden als das für 1986 - 1987 geschätzte Ergebnis .
Rentabilität und niedrigere Nominal- wie Realzinssätze . Auf        Sollte die Produktion schächer wachsen als das Produktions­
diese Weise würden kapazitätserweiternde Investitionen              potential ( etwa 2 V4 % ), könnte es angezeigt sein , den
attraktiver und das Wachstum würde beschäftigungswirksa­            Kreditbedarf des öffentlichen Sektors etwas über die in der
mer . Aufgrund der Funktionsweise des Arbeitsmarktes ist            mittelfristigen Finanzstrategie vorgesehenen 7 Milliarden
indessen trotz der hohen Arbeitslosigkeit kaum eine                 Pfund Sterling ( 1,7% des BIP ) steigen zu lassen , sofern es
Abschwächung bei den Lohnsteigerungen festzustellen . Die           keinen neuen Inflationsschub gibt . Es darf jedoch keine
Regierung hat Schritte unternommen , um die Flexibilität des        mechanische Beziehung zwischen dem angemessenen Kredit­
Arbeitsmarktes und vor allem des Lohnfindungsprozesses zu           bedarf des öffentlichen Sektors und der Konjunkturlage
verbessern , z . B. durch die Verringerung des Einflusses von.      geben . Jede Lockerung der öffentlichen Finanzpolitik und
Lohnräten bei der Festsetzung von Mindestlöhnen für                 das in der mittelfristigen Finanzstrategie vorgesehene Maß
Jugendliche ; außerdem hat sie Vorschläge für eine Gewinn­          müßte von einer Mäßigung der Reallohnsteigerungen und
beteiligung vorgelegt , bei der ein Teil der Bruttolöhne an die     einer weiterhin straffen Geldpolitik begleitet werden, damit
Entwicklung des Unternehmensgewinns gebunden werden                 sich die Lohn- und Preisspirale nicht schneller dreht und sich
könnte . Angesichts des erklärten Ziels der Regierurigspolitik ,    das Risiko einer weiteren Abwertung nicht vergrößert . Sie
für eine ausreichende Nachfrage in der Wirtschaft zu sorgen ,       sollte auch im Zusammenhang mit Aktionen gesehen wer­
können Kontakte zwischen der Regierung und den Vertre­              den , die auf Gemeinschaftsebene ergriffen werden .
tern von Arbeitgebern und Arbeitnehmern dazu beitragen ,
daß alle Seiten sich der Bedeutung geringerer Lohnerhöhun­          Die Regierung hat zugesagt , den steuerlichen Spielraum
gen für die Schaffung von Arbeitsplätzen stärker bewußt             zumindest teilweise für eine weitere Senkung der persönli­
werden .                                                            chen Einkommensteuer zu nutzen , um die Leistungsanreize
                                                                    zu erhöhen und die Einkommen nach Steuern zu erhöhen .
Hauptziel der Haushaltspolitik in den letzten Jahren war es ,       Angesichts des wahrscheinlich weiterhin starken Wachstums
das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP zu verringern ,          der persönlichen Realeinkommen im Jahre 1987 ergäbe sich
das Wachstum der öffentlichen Ausgaben zu begrenzen und             jedoch ein ausgewogeneres Wachstumsmuster , wenn der
durch Steuersenkungen und -änderungen Anreize für Unter­            Spielraum zum Teil zur Stützung anderer Nachfragekompo­
nehmertum zu schaffen und die Flexibilität der Märkte zu            nenten als dem privaten Verbrauch genutzt würde . So sollte
fördern . Der Kreditbedarf des öffentlichen Sektors in dem im       die Möglichkeit zusätzlicher öffentlicher Infrastrukturinve­
März 1986 endenden Haushaltsjahr war mit 1,7% des BIP               stitionen mit hinreichender Rentabilität geprüft werden .
etwas geringer als geplant ; die Ausgaben des Gesamtstaates         Solche Investitionen könnten kurzfristig eine größere Wir­
beliefen sich auf 44,5% des BIP und waren somit um zwei             kung auf die Beschäftigung haben als Steuersenkungen , und
Prozentpunkte niedriger als 1984-1985 . Abgesehen von               sie würden , wie jene , das Produktionspotential tendenziell
einer geringen Ausweitung ( auf 1,9% des BIP ) des progno­          stärken .
stizierten Kreditbedarfs des öffentlichen Sektors ist der im
Haushaltsgesetz vom März 1986 festgelegte finanzpolitische          Die Regierung hat ihr Programm mikro-ökonomischer Maß­
Kurs für das laufende Jahr weitgehend unverändert . Trotz           nahmen fortgesetzt , die darauf abzielen , die Angebotsbedin­
des erheblichen Rückgangs der Oleinnahmen konnte die                gungen zu verbessern und die unternehmerischen Anreize zu
Regierung im diesjährigen Haushalt eine weitere Senkung der         erhöhen . Das Programm zur Privatisierung öffentlicher
persönlichen Einkommensteuer vornehmen , die sich auf               Unternehmen wurde fortgesetzt , und verschiedene Entwick­
einen Prozentpunkt des Basissteuersatzes beläuft . Dies trug        lungen haben dazu beigetragen , den Wettbewerb auf den
dazu bei , den Abstand zwischen den Lohnkosten für den              Märkten für Finanzdienstleistungen zu erhöhen . Im Sommer
Arbeitgeber und dem Nettoeinkommen des Arbeitnehmers                wurden im Rahmen des Deregulierungsprogramms neue
zu verringern . Wie in der Vergangenheit sind Ausgabenüber­         Vorschläge vorgelegt , um die auf den Unternehmen lasten­
schreitungen eingetreten , aber ihre Auswirkung auf den             den Bürden zu erleichtern . Bei den Vorschlägen geht es u . a .
Kreditbedarf des öffentlichen Sektors wurde durch Beschleu­         darum , die Steuer- und Buchführungsverfahren für kleinere
nigung des Privatisierungsprogramms weitgehend ausgegli­            Unternehmen zu vereinfachen , die Auflagen für die Geneh­
chen .                                                              migung zur Änderung der Gebäudenutzung zu lockern und
                                                                    die Bestimmungen des Beschäftigungsschutzes unter be­
Vor der „Herbsterklärung" der Regierung ließ die für 1987           stimmten Bedingungen zu ändern . Das Deregulierungspro­
vorausgeschätzte Haushaltsentwicklung vermuten , daß die            gramm ergänzt andere Maßnahmen , die darauf abzielen ,
Regierung im Finanzjahr 1987-1988 im Rahmen der                     Unternehmensgründungen und -erweiterungen zu fördern ,
mittelfristigen Finänzstrategie wieder über einen gewissen          wobei insbesondere Selbständige und kleine Unternehmen ,
Spielraum zur Steuersenkung oder Erhöhung der öffentli­             die einen erheblichen Einfluß auf die Schaffung von Arbeits­
chen Ausgaben verfügen würde . Diese Situation ist durch die        plätzen haben , unterstützt werden .
 ---pagebreak--- 31 . 12 . 86                                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                                  Nr . L 385 / 109
                                                                             TABELLE 39
                                              Vereinigtes Königreich : Wichtige ökonomische Aggregate 1961 — 1987
                                                                                                                                         (Jährliche Veränderung in %)
                                                           1961 —    1974 —
                                                                                    1981          1982        1983         1984       1985       1986 (')     1987 ( 2 )
                                                           1973      1980
                             r nominal                       8,4      17,7          10,2           8,8         9,0           6,3       9,8          6,3          7.0
Bruttoinlands-              J reai                           3,1        1,0        - 1,2           1,0         3,8           2,2       3.7          2.3          2,7
Pr°dukt (3)                toeflacor                         5,1      16,5          11,5           7,9         4,9           4,1       5.8          3,9          4,2
Preisindex des privaten Verbrauchs                           4,8      15,7          11,4           8,7         5,0           4,8       5,3          4,0          3,9
                             r privat                                   1,6        - 7,0           5,6         2,4           8,7       2,5          0,8          4,1
Bruttoanlage­
investitionen              ■< öffentlich                            - 10,6       - 26,2         - 6,6         36,6         11,8      - 2,8         10,2       - 0,8
in Volumen                     insgesamt                     4,6     - 0,6         - 9,5           4.3         5,7           9,1       1,8          1,9          3.5
      davon : Bauten                                                 - 2,0         - 8,4           6,4         6,7           8,3     - 3,1          2,8          3,0     .
                Ausrüstungen                                            1,6      - 10,7            1,8         4,5         10,1        7,8          0,9          4,0
Inlandsnachfrage zu konstanten Preisen                       3,2        0,3        - 1,7           2,2         4,7           2,8       2,8          3,2          3.2
Abstand zu den anderen Ländern
der Gemeinschaft ( 4 )                                                                             2,6         4,4           0,8       0,4        - 0,8        - 0,3
                             r nominal                       8,3      17,5          13,2           9,1         9,2           5,5       7,3          7,5          6,6
Pro-Kopf-Löhne -j rea' A (5)                                 3,1        0,9           1,2          1,5         4,0           1,1       1,3          3,5          2.3
                            L       B (5)                    3,3        1,5           1,5          0,5         3,9           0,4       2,0          3.4          2,6
Produktivität ( 6 )                                                                                3,3         4,7           0,2       2,4          1.4          1,9
Reale Lohnstückkosten                                                                           - 1,7        - 0,6           1,0     - 1,1          2,1          0,4
Rentabilität ( 7 )                                                   - 4,4            1,5          4,8         9,4        - 3,8        3.2        - 7,1       - 0,6
      idem ( 1961-1972 = 100 )                            100         69,0          62,1         65,1         71.2         68,5       70.7         65,7        65,3
Wettbewerbsfähigkeit ( 8 )                                 - 1,5        4,0           2,1     . - 3,7        - 5,4           1,4       1,7        - 9,2       - 2,1
Beschäftigung                                                0,2        0,1        - 3,9        - 1,4        - 0,8          "1,5       1.3          0,8          0,8
Registrierte Arbeitslose in % der
zivilen Erwerbspersonen ( 9 )                                2,1        4,5           9,2         10,6        11,6         11,8       12,0         12,0         12,0
Leistungsbilanzsaldo in % des BIP                          - 0,0     - 0,8            2,4          M           1,0           0,4       1,0        - 0,1       - 0,6
Langfristiger Zinssatz                                       7,6      13,7          14,8 -       12,7         10,8         10,7       10,6          9.5          9.5
Geldmenge ( 10 )                                             9,4      11,9          13,7           8.9        10.3           9.8      13,4         15,4          8,0
Finanzierungssaldo des Staates
in % des BIP                                               - 0,7     - 3,9         - 2,8        - 2,3        - 3,7        - 3,9      - 2,8        - 2,9       - 2,5
Öffentliche Schuld in % des BIP ( n )                                 56,6          51,1         57,8        57,5          59,2      57.8         59,0         57,8
Zinszahlungen auf die öffentliche Schuld
in % des BIP                                                            4,4           5,0          5,1         4,7           4.9       5,0          4,8          4.6
  (')   Schätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 .
  (2)   Vorausschätzungen der Kommissionsdienststellen , Oktober 1986 , unter Zugrundelegung unveränderter Politiken .
  (3)   Gemessen nach der Verwendung, zu Marktpreisen .
  (4)   Differenz in Prozentpunkten .
  (5)   A : BIP-Deflator ; B : Deflator des privaten Verbrauchs .
  (6)   Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft.
  (7)   Nettobetriebsüberschuß bezogen auf Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen .
  (8)   Realer effektiver Wechselkurs ( gegenüber den anderen 19 Industrieländern ), auf der Basis der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten . Positive Zahl = Verlust
        an Wettbewerbsfähigkeit .
  (') SAEG-Definition .
( 10 ) Sterling M3 ; Bestand am Jahresende .
(") Bruttoschuld des Gesamtstaates zu Marktpreisen .