CELEX: 62006CJ0239
Language: de
Date: 2009-12-15
Title: Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 15. Dezember 2009.#Europäische Kommission gegen Italienische Republik.#Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Einfuhr von militärischen Ausrüstungsgütern unter Zollbefreiung.#Rechtssache C-239/06.

Rechtssache C‑239/06
      Europäische Kommission
      gegen
      Italienische Republik
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Einfuhr von militärischen Ausrüstungsgütern unter Zollbefreiung“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Gemeinschaftsrecht – Geltungsbereich – Nichtbestehen eines allgemeinen Vorbehalts, der im Interesse der öffentlichen Sicherheit
            getroffene Maßnahmen ausnähme
      (Art. 30 EG, 39 EG, 46 EG, 58 EG, 64 EG, 296 EG und 297 EG)
      2.        Eigenmittel der Europäischen Gemeinschaften – Feststellung und Bereitstellung durch die Mitgliedstaaten – Einfuhr von militärischen
            Ausrüstungsgütern durch einen Mitgliedstaat unter Zollbefreiung 
      (Verordnungen des Rates Nr. 1552/89 in der Fassung der Verordnung Nr. 1355/96, Art. 2 und 9 bis 11, und Nr. 1150/2000, Art. 2
            und 9 bis 11)
      1.        Es ist zwar Sache der Mitgliedstaaten, die geeigneten Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer inneren und äußeren Sicherheit zu
         ergreifen, doch bedeutet dies nicht, dass solche Maßnahmen der Anwendung des Gemeinschaftsrechts völlig entzogen wären. Der
         Vertrag sieht ausdrückliche Abweichungen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nur in den Art. 30 EG, 39 EG, 46 EG, 58 EG,
         64 EG, 296 EG und 297 EG vor, die ganz bestimmte außergewöhnliche Fälle betreffen. Aus ihnen lässt sich kein allgemeiner,
         dem Vertrag immanenter Vorbehalt ableiten, der jede Maßnahme, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit getroffen wird,
         vom Anwendungsbereich des Gemeinschaftsrechts ausnähme. Würde ein solcher Vorbehalt unabhängig von den besonderen Tatbestandsmerkmalen
         der Bestimmungen des Vertrags anerkannt, so könnte das die Verbindlichkeit und die einheitliche Anwendung des Gemeinschaftsrechts
         beeinträchtigen.
      
      Überdies sind die Abweichungen nach den Art. 296 EG und 297 EG, wie es bei den Abweichungen von den Grundfreiheiten der Fall
         ist, eng auszulegen. Was speziell Art. 296 EG angeht, spricht dieser Artikel zwar von Maßnahmen, die ein Mitgliedstaat als
         für die Wahrung seiner wesentlichen Sicherheitsinteressen erforderlich ansieht, und von Auskünften, deren Preisgabe nach Ansicht
         des Mitgliedstaats diesen Interessen widerspricht, jedoch kann er nicht als eine Ermächtigung der Mitgliedstaaten dazu ausgelegt
         werden, durch bloße Berufung auf diese Interessen von den Bestimmungen des Vertrags abzuweichen. Es ist daher Sache des Mitgliedstaats,
         der sich auf Art. 296 EG beruft, nachzuweisen, dass eine Inanspruchnahme der in diesem Artikel geregelten Abweichung erforderlich
         ist, um seine wesentlichen Sicherheitsinteressen zu wahren.
      
      (vgl. Randnrn. 46-48, 50)
      2.        Ein Mitgliedstaat, der die Einfuhren von militärischem Gerät in der Zeit vom 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2002 von Zöllen
         befreit hat und sich geweigert hat, die wegen dieser Befreiung nicht erhobenen Eigenmittel und die wegen der innerhalb der
         Fristen nicht erfolgten Bereitstellung dieser Eigenmittel an die Kommission der Europäischen Gemeinschaften geschuldeten Verzugszinsen
         zu berechnen, festzustellen und der Kommission zur Verfügung zu stellen, verstößt gegen seine Verpflichtungen aus den Art.
         2 und 9 bis 11 der Verordnung Nr. 1552/89 zur Durchführung des Beschlusses 88/376 über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften
         in der durch die Verordnung Nr. 1355/96 geänderten Fassung sowie den gleichen Artikeln der Verordnung Nr. 1150/2000 zur Durchführung
         des Beschlusses 94/728 über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften.
      
      Es kann nämlich nicht hingenommen werden, dass ein Mitgliedstaat die Verteuerung von militärischem Gerät, die sich aus der
         Erhebung der Zölle auf die Einfuhren solchen Geräts aus Drittstaaten ergebe, anführt, um sich zum Nachteil der übrigen Mitgliedstaaten,
         die die auf diese Einfuhren entfallenden Zölle tatsächlich erheben und abführen, den Verpflichtungen zu entziehen, die ihm
         aus der finanziellen Solidarität in Bezug auf den Gemeinschaftshaushalt erwachsen.
      
      (vgl. Randnrn. 51, 61 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Große Kammer)
      15. Dezember 2009(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Einfuhr von militärischen Ausrüstungsgütern unter Zollbefreiung“
      In der Rechtssache C‑239/06
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Art. 226 EG, eingereicht am 23. Mai 2006,
      Europäische Kommission, vertreten durch G. Wilms, C. Cattabriga und L. Visaggio als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Italienische Republik, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von G. De Bellis, avvocato dello Stato, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Hellenische Republik, vertreten durch E.‑M. Mamouna, A. Samoni-Rantou und K. Boskovits als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Republik Finnland, vertreten durch A. Guimaraes-Purokoski als Bevollmächtigte,
      
      Streithelferinnen,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Große Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten V. Skouris, der Kammerpräsidenten A. Tizzano, J. N. Cunha Rodrigues, K. Lenaerts und E. Levits,
         der Kammerpräsidentin C. Toader sowie der Richter C. W. A. Timmermans, A. Borg Barthet (Berichterstatter), M. Ilešič, J. Malenovský
         und U. Lõhmus,
      
      Generalanwalt: D. Ruiz-Jarabo Colomer,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 25. November 2008,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 10. Februar 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass die Italienische Republik
         dadurch, dass sie die Einfuhren von militärischem Gerät einseitig von Zöllen befreit hat und dass sie sich geweigert hat,
         die wegen dieser Befreiung nicht erhobenen Eigenmittel und die wegen der innerhalb der Fristen nicht erfolgten Bereitstellung
         dieser Eigenmittel an die Kommission geschuldeten Verzugszinsen zu berechnen und zu zahlen, gegen ihre Verpflichtungen aus
         den Art. 2 und 9 bis 11 der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1552/89 des Rates vom 29. Mai 1989 zur Durchführung des Beschlusses
         88/376/EWG, Euratom über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften (ABl. L 155, S. 1) in der durch die Verordnung (Euratom,
         EG) Nr. 1355/96 des Rates vom 8. Juli 1996 (ABl. L 175, S. 3) geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 1552/89) und
         aus den gleichen Artikeln der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1150/2000 des Rates vom 22. Mai 2000 zur Durchführung des Beschlusses
         94/728/EG, Euratom über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften (ABl. L 130, S. 1) verstoßen hat.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
      2        Art. 2 Abs. 1 der Beschlüsse 88/376/EWG, Euratom des Rates vom 24. Juni 1988 über das System der Eigenmittel der Europäischen
         Gemeinschaften (ABl. L 185, S. 24) und 94/728/EG, Euratom des Rates vom 31. Oktober 1994 über das System der Eigenmittel der
         Europäischen Gemeinschaften (ABl. L 293, S. 9) sieht jeweils vor:
      
      „Folgende Einnahmen stellen in den Haushalt der Gemeinschaften einzusetzende Eigenmittel dar:
      …
      b)      Zölle des Gemeinsamen Zolltarifs und andere Zölle auf den Warenverkehr mit Nichtmitgliedstaaten, die von den Gemeinschaftsorganen
         eingeführt worden sind oder noch eingeführt werden, sowie Zölle auf die unter den Vertrag über die Gründung der Europäischen
         Gemeinschaft für Kohle und Stahl fallenden Erzeugnisse;
      
      …“
      3        Art. 20 der Verordnung (EWG) Nr. 2913/92 des Rates vom 12. Oktober 1992 zur Festlegung des Zollkodex der Gemeinschaften (ABl.
         L 302, S. 1, im Folgenden: Zollkodex der Gemeinschaften) bestimmt:
      
      „(1)      Die bei Entstehen einer Zollschuld gesetzlich geschuldeten Abgaben stützen sich auf den Zolltarif der Europäischen Gemeinschaften.
      …
      (3)      Der Zolltarif der Europäischen Gemeinschaften umfasst:
      a)      die Kombinierte Nomenklatur;
      …
      c)      die Regelzollsätze und die anderen Abgaben, die für die in der Kombinierten Nomenklatur erfassten Waren gelten, und zwar:
      –        die Zölle …
      …
      d)      die Zollpräferenzmaßnahmen aufgrund von Abkommen zwischen der Gemeinschaft und bestimmten Ländern oder Ländergruppen, in denen
         eine Zollpräferenzbehandlung vorgesehen ist;
      
      e)      die Zollpräferenzmaßnahmen, die von der Gemeinschaft einseitig zugunsten bestimmter Länder, Ländergruppen oder Gebiete erlassen
         worden sind; 
      
      f)      die autonomen Aussetzungsmaßnahmen, mit denen die bei der Einfuhr bestimmter Waren geltenden Zollsätze herabgesetzt oder ausgesetzt
         werden; 
      
      g)      die sonstigen in anderen Gemeinschaftsregelungen vorgesehenen zolltariflichen Maßnahmen.
      …“
      4        Art. 217 Abs. 1 des Zollkodex der Gemeinschaften bestimmt:
      
      „Jeder einer Zollschuld entsprechende Einfuhr- oder Ausfuhrabgabenbetrag – nachstehend ‚Abgabenbetrag’ genannt – muss unmittelbar
         bei Vorliegen der erforderlichen Angaben von den Zollbehörden berechnet und in die Bücher oder in sonstige statt dessen verwendete
         Unterlagen eingetragen werden (buchmäßige Erfassung).
      
      …“
      5        Im Rahmen der Bereitstellung der Eigenmittel der Gemeinschaften an die Kommission erließ der Rat der Europäischen Union die
         Verordnung Nr. 1552/89, die in dem in der vorliegenden Rechtssache maßgeblichen Zeitraum bis zum 30. Mai 2000 anwendbar war.
         Diese Verordnung wurde mit Wirkung vom 31. Mai 2000 durch die Verordnung Nr. 1150/2000 ersetzt, mit der sie ohne inhaltliche
         Änderung kodifiziert wurde.
      
      6        Art. 2 der Verordnung Nr. 1552/89 sieht vor:
      
      „(1)      Für diese Verordnung gilt ein Anspruch der Gemeinschaften auf die Eigenmittel im Sinne von Artikel 2 Absatz 1 Buchstaben a)
         und b) des Beschlusses 88/376/EWG, Euratom als festgestellt, sobald die Bedingungen der Zollvorschriften für die buchmäßige
         Erfassung des Betrags der Abgabe und dessen Mitteilung an den Abgabenschuldner erfüllt sind.
      
      (1a) Der Zeitpunkt der Feststellung im Sinne von Absatz 1 ist der Zeitpunkt der buchmäßigen Erfassung im Sinne der Zollvorschriften.
      …“
      7        Art. 9 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1552/89 bestimmt:
      
      „Jeder Mitgliedstaat schreibt die Eigenmittel nach Maßgabe des Artikels 10 dem Konto gut, das zu diesem Zweck für die Kommission
         bei der Haushaltsverwaltung des Mitgliedstaats oder bei der von ihm bestimmten Einrichtung eingerichtet wurde.
      
      Das Konto wird unentgeltlich geführt.“
      8        Art. 10 Abs. 1 dieser Verordnung schreibt vor:
      
      „Nach Abzug von 10 v. H. für Erhebungskosten gemäß Artikel 2 Absatz 3 des Beschlusses 88/376/EWG, Euratom erfolgt die Gutschrift
         der Eigenmittel im Sinne von Artikel 2 Absatz 1 Buchstaben a) und b) des genannten Beschlusses spätestens am ersten Werktag
         nach dem 19. des zweiten Monats, der auf den Monat folgt, in dem der Anspruch nach Artikel 2 festgestellt wurde.
      
      …“
      9        Art. 11 der Verordnung Nr. 1552/89 bestimmt:
      
      „Bei verspäteter Gutschrift auf dem in Artikel 9 Absatz 1 genannten Konto hat der betreffende Mitgliedstaat Zinsen zu zahlen,
         deren Satz dem am Fälligkeitstag auf dem Geldmarkt des betreffenden Mitgliedstaats für kurzfristige Finanzierung geltenden
         Zinssatz – erhöht um 2 Prozentpunkte – entspricht. Dieser Satz erhöht sich um 0,25 Prozentpunkte für jeden Verzugsmonat. Der
         erhöhte Satz findet auf die gesamte Dauer des Verzugs Anwendung.“
      
      10      Art. 22 der Verordnung Nr. 1150/2000 lautet:
      
      „Die Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1552/89 wird aufgehoben.
      Bezugnahmen auf die genannte Verordnung gelten als Bezugnahmen auf die vorliegende Verordnung und sind nach Maßgabe der Entsprechungstabelle
         im Anhang Teil A zu lesen.“ 
      
      11      Demgemäß sind die Art. 2 und 9 bis 11 der Verordnungen Nrn. 1552/89 und 1150/2000 abgesehen davon, dass diese beiden Verordnungen
         namentlich auf den Beschluss 88/376 bzw. den Beschluss 94/728 verweisen, im Wesentlichen gleichlautend.
      
      12      Der in Art. 10 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1150/2000 genannte Satz von 10 v. H. wurde durch den Beschluss 2000/597/EG, Euratom
         des Rates vom 29. September 2000 über das System der Eigenmittel der Europäischen Gemeinschaften (ABl. L 253, S. 42) auf 25 v. H.
         heraufgesetzt.
      
      13      Der erste Erwägungsgrund des Beschlusses 2000/597 lautet:
      
      „Der Europäische Rat hat auf seiner Tagung vom 24. und 25. März 1999 in Berlin unter anderem festgehalten, dass das System
         der Eigenmittel der Europäischen Gemeinschaften gerecht, transparent, kostenwirksam, einfach und auf Kriterien gestützt sein
         sollte, die der Beitragskapazität der einzelnen Mitgliedstaaten bestmöglich Rechnung tragen.“
      
      14      Der fünfte Erwägungsgrund der aufgrund von Art. 26 EG erlassenen Verordnung (EG) Nr. 150/2003 des Rates vom 21. Januar 2003
         zur Aussetzung der Einfuhrabgaben für bestimmte Waffen und militärische Ausrüstungsgüter (ABl. L 25, S. 1) lautet:
      
      „Um dem Schutz der militärischen Geheimhaltung in den Mitgliedstaaten Rechnung zu tragen, ist es notwendig, besondere Verwaltungsverfahren
         für die Gewährung der Zollaussetzung festzulegen. Eine – auch als Zollanmeldung im Sinne des Zollkodex verwendbare – Erklärung
         der zuständigen Stelle des Mitgliedstaats, für dessen Streitkräfte die Waffen und militärischen Ausrüstungsgüter bestimmt
         sind, wäre eine geeignete Garantie dafür, dass diese Voraussetzungen erfüllt sind. Diese Erklärung sollte in Form einer Bescheinigung
         abgegeben werden. Es ist angezeigt, die Form solcher Bescheinigungen zu regeln und auch den Einsatz von Mitteln der Datenverarbeitung
         für die Abgabe der Erklärung zu gestatten.“
      
      15      Art. 1 dieser Verordnung sieht vor:
      
      „Diese Verordnung regelt die Voraussetzungen, unter denen die Einfuhrabgaben für bestimmte Waffen und militärische Ausrüstungsgüter
         autonom ausgesetzt werden, die von den für die militärische Verteidigung der Mitgliedstaaten zuständigen Stellen oder in deren
         Auftrag aus Drittländern eingeführt werden.“
      
      16      Art. 3 Abs. 2 der Verordnung Nr. 150/2003 bestimmt:
      
      „Ungeachtet der Bestimmungen des Absatzes 1 können aus Gründen der militärischen Geheimhaltung die Bescheinigung und die eingeführten
         Waren anderen, vom Einfuhrmitgliedstaat bezeichneten Stellen vorgelegt bzw. vorgeführt werden. In solchen Fällen übermittelt
         die die Bescheinigung ausstellende zuständige Stelle bis zum 31. Januar und bis zum 31. Juli jeden Jahres den Zollbehörden
         ihres Mitgliedstaats einen summarischen Bericht über derartige Einfuhren. Der Bericht erfasst die dem Übermittlungsmonat unmittelbar
         vorausgehenden sechs Monate. Er enthält Angaben über die Anzahl der Bescheinigungen und deren jeweiliges Ausstellungsdatum,
         das Datum der Einfuhr sowie den Gesamtwert und das Bruttogewicht der mit diesen Bescheinigungen eingeführten Produkte.“
      
      17      Nach ihrem Art. 8 gilt die Verordnung Nr. 150/2003 ab 1. Januar 2003.
      
       Vorverfahren
      18      Die Kommission hatte gegen die Italienische Republik ein Verfahren eingeleitet, indem sie am 25. Juli 1985 eine mit Gründen
         versehene Stellungnahme an diese gerichtet hatte, mit der sie eine Verletzung des Art. 28 EG-Vertrag (nach Änderung Art. 26
         EG) und der gemeinschaftlichen Zollregelung rügte, da dieser Mitgliedstaat ihrer Ansicht nach einseitig beschlossen hatte,
         in sein Hoheitsgebiet eingeführtes spezifisch militärisches Gerät von Zöllen zu befreien. Dieses Verfahren wurde in der Folge
         ausgesetzt.
      
      19      Angesichts des Umstands, dass über den Vorschlag für eine Verordnung (EWG) des Rates zur zeitweiligen Aussetzung der Eingangsabgaben
         für bestimmte Rüstungsgüter (ABl. 1988, C 265, S. 9) keine Einigung erzielt wurde, beschloss die Kommission im weiteren Verlauf,
         das genannte Verfahren wieder aufzunehmen. Mit Mahnschreiben vom 21. Dezember 2001 wiederholte sie ihre Rügen hinsichtlich
         des Verstoßes gegen Art. 26 EG und die gemeinschaftliche Zollregelung und forderte die Italienische Republik auf, binnen zwei
         Monaten zur materiellen Rechtslage Stellung zu nehmen.
      
      20      Parallel dazu sandte die Kommission der Italienische Republik unter dem 20. Dezember 2001 ein weiteres Mahnschreiben, mit
         dem sie sie aufforderte, den Betrag der für die Haushaltsjahre seit 1998 nicht an die Gemeinschaft gezahlten Eigenmittel zu
         berechnen, ihr diese Mittel zur Verfügung zu stellen und die nach Art. 11 der Verordnung Nr. 1150/2000 geschuldeten Verzugszinsen
         zu zahlen.
      
      21      Die Italienische Republik antwortete auf diese beiden Schreiben jedoch nicht.
      
      22      Mit Wirkung vom 1. Januar 2003 trat die Verordnung Nr. 150/2003 in Kraft.
      
      23      Mit Schreiben vom 24. März 2003 wiederholte die Kommission ihre ursprüngliche Aufforderung betreffend die vor dem 1. Januar
         2003, nämlich vom 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2002, getätigten Einfuhren; die Zeit danach werde von der Verordnung Nr. 150/2003
         erfasst. Auch dieses Schreiben ließ die Italienische Republik unbeantwortet.
      
      24      Unter diesen Umständen richtete die Kommission unter dem 17. Oktober 2003 ein Mahnschreiben an die Italienische Republik,
         das speziell die finanziellen Folgen der fraglichen Zuwiderhandlung betraf. In diesem Schreiben wiederholte die Kommission
         ihre ursprüngliche Aufforderung hinsichtlich der Berechnung und der Zahlung der Eigenmittel sowie der Zahlung von Verzugszinsen
         nach Maßgabe der Gemeinschaftsregelung.
      
      25      Die Italienische Republik antwortete mit Schreiben vom 17. Februar 2004, in dem sie sich zur Rechtfertigung der bis zum 31.
         Dezember 2002 angewandten Zollbefreiung auf Art. 296 Abs. 1 Buchst. b EG berief. Sie machte dazu geltend, im Interesse der
         Sicherheit der Mitgliedstaaten sei in der Verordnung Nr. 150/2003 die Bedeutung von Einfuhren militärischen Geräts anerkannt
         worden, indem in ihrem Art. 2 Abs. 2 die Aussetzung der Zölle für derartiges Gerät gestattet worden sei.
      
      26      Die Kommission richtete daraufhin am 9. Juli 2004 eine mit Gründen versehene Stellungnahme an die Italienische Republik und
         forderte sie auf, binnen zwei Monaten nach Eingang der Stellungnahme die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um dieser nachzukommen.
      
      27      Da die mit Gründen versehene Stellungnahme unbeantwortet blieb, hat die Kommission die vorliegende Klage erhoben.
      
      28      Mit Beschluss vom 20. November 2006 hat der Präsident des Gerichtshofs die Hellenische Republik und die Republik Finnland
         als Streithelferinnen zur Unterstützung der Anträge der Italienischen Republik zugelassen. 
      
       Zur Klage
       Vorbringen der Parteien
      29      Die Kommission macht geltend, die Italienische Republik berufe sich zu Unrecht auf Art. 296 EG, um die Abführung der auf die
         betreffenden Einfuhren entfallenden Zölle zu verweigern, da durch deren Erhebung die wesentlichen Sicherheitsinteressen dieses
         Mitgliedstaats nicht gefährdet würden.
      
      30      Ihrer Ansicht nach sind Regelungen, mit denen Abweichungen oder Ausnahmen eingeführt werden, darunter Art. 296 EG, eng auszulegen.
         So müsse der betreffende Mitgliedstaat, der sich auf die Anwendung dieses Artikels berufe, nachweisen, dass er alle in diesem
         aufgestellten Voraussetzungen erfülle, wenn er von Art. 20 des Zollkodex der Gemeinschaften abweichen wolle, der den in Art. 26 EG
         niedergelegten allgemeinen Grundsatz der Erhebung der Zölle enthalte.
      
      31      Es sei daher Sache der Italienischen Republik, konkret und substantiiert nachzuweisen, dass durch die Erhebung der in der
         vorliegenden Rechtssache fraglichen Einfuhrzölle ihre wesentlichen Sicherheitsinteressen gefährdet würden.
      
      32      Maßnahmen, mit denen der Gemeinschaft Mittel, die ihr als Eigenmittel hätten gezahlt werden müssen, vorenthalten würden, um
         für die allgemeine Finanzierung von Militärausgaben eingesetzt zu werden, könnten nämlich nicht, jedenfalls nicht ohne zusätzliche
         Rechtfertigung, als für die Wahrung der wesentlichen Sicherheitsinteressen der Mitgliedstaaten erforderlich angesehen werden.
      
      33      Die Verordnung Nr. 150/2003 sei ab 1. Januar 2003 anwendbar, ohne dass sie mit Rückwirkung ausgestattet worden sei. Im Übrigen
         sei die Rechtsgrundlage dieser Verordnung Art. 26 EG über die Festlegung der Zollsätze und nicht Art. 296 EG, auf den auch
         im Rahmen der neuen Regelung die in dieser Verordnung vorgesehene Zollaussetzung nicht gestützt werden könne.
      
      34      Dazu betont die Kommission, die Nichterhebung der fraglichen Zölle durch die Italienische Republik führe zu einer Ungleichbehandlung
         der Mitgliedstaaten im Hinblick auf ihre jeweiligen Beiträge zum Gemeinschaftshaushalt. Sie bewirke nämlich eine Minderung
         der traditionellen Eigenmittel der Gemeinschaft, die nur durch eine Erhöhung der sogenannten BNE-Mittel (Mittel aus Bruttonationaleinkommen)
         ausgeglichen werden könnte, die auf alle Mitgliedstaaten aufgeteilt werde.
      
      35      Die Italienische Republik vertritt die Auffassung, nach Art. 296 Abs. 1 Buchst. b EG verfügten die Mitgliedstaaten bei ihren
         Maßnahmen zur Wahrung ihrer wesentlichen Sicherheitsinteressen im Zusammenhang mit den Waren, auf die diese Bestimmung anwendbar
         sei, über ein weites Ermessen. So räume Art. 296 Abs. 1 Buchst. b EG ihnen bei Einfuhren, die für militärische Zwecke bestimmte
         Waren beträfen, die Möglichkeit ein, zur Wahrung ihrer wesentlichen Sicherheitsinteressen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen
         besonderen Situation von Art. 26 EG und vom Zollkodex der Gemeinschaften abzuweichen. 
      
      36      Nach Ansicht der Italienischen Republik hat Art. 296 EG einen generellen Anwendungsbereich und beschränkt sich nicht auf bestimmte
         Vorschriften des Vertrags. Er lasse daher Abweichungen von der Anwendung des Art. 26 EG zu, bei dem es sich um eine Bestimmung
         handele, die dazu bestimmt sei, dem Gemeinschaftsgesetzgeber als Rechtsgrundlage für den Erlass der Zollregelung zu dienen.
      
      37      Zunächst sei die Frage zu beantworten, ob die Befreiung von Zöllen auf die Einfuhr von militärischem Gerät auf Art. 296 EG
         gestützt werden könne; wenn dies zu bejahen sei, sei sodann zu prüfen, ob die Voraussetzungen dieses Artikels im vorliegenden
         Fall tatsächlich erfüllt seien.
      
      38      Die Italienische Republik trägt zum Nachweis, dass die fragliche Zollbefreiung zur Wahrung der wesentlichen Sicherheitsinteressen
         des betreffenden Mitgliedstaats erforderlich sei, vor, diesen Nachweis habe sie nicht zu führen, da der Gemeinschaftsgesetzgeber
         ihn mit dem Erlass der Verordnung Nr. 150/2003 schon selbst erbracht habe.
      
      39      Sie tritt der Auffassung der Kommission entgegen, dass nach Art. 26 EG nur der Rat befugt sei, über eine etwaige Befreiung
         oder eine Aussetzung von Zöllen auf eine bestimmte Ware zu entscheiden, und dass folglich eine auf nationaler Ebene beschlossene
         Befreiung widerrechtlich von dieser Bestimmung abweiche. 
      
      40      Beim Erlass der Verordnung Nr. 150/2003 sei der Gemeinschaftsgesetzgeber selbst davon ausgegangen, dass die wesentlichen Sicherheitsinteressen
         der Mitgliedstaaten durch eine Zollbefreiung besser gewahrt werden könnten. Das belege, dass für die von der Italienischen
         Republik bis zum 31. Dezember 2002 einseitig angewandte Befreiung die Voraussetzungen des Art. 296 Abs. 1 Buchst. b EG erfüllt
         gewesen seien.
      
      41      Da der Zusammenhang zwischen der Nichterhebung der Zölle und der Wahrung der wesentlichen Sicherheitsinteressen der Mitgliedstaaten
         in der Verordnung Nr. 150/2003 anerkannt worden sei, sei nicht zu erkennen, warum weitere Nachweise erbracht werden müssten,
         um die Gefährdung ihrer wesentlichen Sicherheitsinteressen durch eine Erhebung dieser Abgaben zu belegen.
      
      42      Schließlich trägt die Italienische Republik hilfsweise vor, zumindest für die Zeit vor Eingang des ergänzenden Mahnschreibens
         vom 20. Dezember 2001 sei die Aufforderung der Kommission zur Zahlung der Eigenmittel, der sie sich durch die Zollbefreiung,
         um die es in der vorliegenden Rechtssache gehe, entzogen habe, zurückzuweisen. Angesichts der Untätigkeit der Kommission während
         der langen Zeit zwischen der Notifizierung der mit Gründen versehenen Stellungnahme vom 25. Juli 1985 und der Übersendung
         des ergänzenden Mahnschreibens vom 20. Dezember 2001 habe sie annehmen dürfen, dass die Kommission die Zollbefreiung stillschweigend
         akzeptiert habe. Die Verpflichtung zur Abführung der fraglichen Eigenmittel sei daher im Licht der Grundsätze des Vertrauensschutzes
         und der Rechtssicherheit zu begrenzen. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      43      Der Zollkodex der Gemeinschaften sieht die Erhebung von Zöllen auf die Einfuhr von für den militärischen Gebrauch bestimmten
         Gütern wie den hier fraglichen aus Drittstaaten vor. Keine Bestimmung der gemeinschaftlichen Zollregelung sah für den Zeitraum
         der fraglichen Einfuhren, d. h. die Zeit vom 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 2002, eine spezifische Zollbefreiung für die
         Einfuhr derartiger Güter vor. Infolgedessen lag für diesen Zeitraum auch keine ausdrückliche Befreiung von der Verpflichtung
         vor, die geschuldeten Zölle, gegebenenfalls zuzüglich Verzugszinsen, an die zuständigen Behörden abzuführen.
      
      44      Des Weiteren lässt sich aus dem Erlass der Verordnung Nr. 150/2003, die mit Wirkung vom 1. Januar 2003 die Aussetzung der
         Einfuhrabgaben für bestimmte Waffen und militärische Ausrüstungsgüter vorsieht, schließen, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber
         von der Annahme ausging, dass vor diesem Zeitpunkt eine Verpflichtung zur Abführung dieser Zölle bestand.
      
      45      Die Italienische Republik hat nie bestritten, dass die streitigen Einfuhren in dem in Betracht gezogenen Zeitraum getätigt
         wurden. Sie hat lediglich den Anspruch der Gemeinschaft auf die fraglichen Eigenmittel unter Hinweis darauf in Abrede gestellt,
         dass die Verpflichtung, Zölle auf die aus Drittstaaten eingeführten genannten Güter abzuführen, im Sinne von Art. 296 EG ihre
         wesentlichen Sicherheitsinteressen in schwerwiegender Weise beeinträchtigen würde.
      
      46      Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs ist es zwar Sache der Mitgliedstaaten, die geeigneten Maßnahmen zur Gewährleistung
         ihrer inneren und äußeren Sicherheit zu ergreifen, doch bedeutet dies nicht, dass solche Maßnahmen der Anwendung des Gemeinschaftsrechts
         völlig entzogen wären (vgl. Urteile vom 26. Oktober 1999, Sirdar, C‑273/97, Slg. 1999, I‑7403, Randnr. 15, und vom 11. Januar
         2000, Kreil, C‑285/98, Slg. 2000, I‑69, Randnr. 15). Der Vertrag sieht nämlich, wie der Gerichtshof bereits festgestellt hat,
         ausdrückliche Abweichungen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit nur in den Artikeln 30 EG, 39 EG, 46 EG, 58 EG, 64 EG,
         296 EG und 297 EG vor, die ganz bestimmte außergewöhnliche Fälle betreffen. Aus ihnen lässt sich kein allgemeiner, dem Vertrag
         immanenter Vorbehalt ableiten, der jede Maßnahme, die im Interesse der öffentlichen Sicherheit getroffen wird, vom Anwendungsbereich
         des Gemeinschaftsrechts ausnähme. Würde ein solcher Vorbehalt unabhängig von den besonderen Tatbestandsmerkmalen der Bestimmungen
         des Vertrags anerkannt, so könnte das die Verbindlichkeit und die einheitliche Anwendung des Gemeinschaftsrechts beeinträchtigen
         (vgl. Urteil vom 11. März 2003, Dory, C‑186/01, Slg. 2003, I‑2479, Randnr. 31 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      47      Überdies sind die Abweichungen nach den Art. 296 EG und 297 EG, wie es nach ständiger Rechtsprechung bei den Abweichungen
         von den Grundfreiheiten (vgl. u. a. Urteile vom 31. Januar 2006, Kommission/Spanien, C‑503/03, Slg. 2006, I‑1097, Randnr. 45,
         vom 18. Juli 2007, Kommission/Deutschland, C‑490/04, Slg. 2007, I‑6095, Randnr. 86, und vom 11. September 2008, Kommission/Deutschland,
         C‑141/07, Slg. 2008, I‑6935, Randnr. 50) der Fall ist, eng auszulegen.
      
      48      Speziell zu Art. 296 EG ist zu bemerken, dass dieser Artikel zwar von Maßnahmen spricht, die ein Mitgliedstaat als für die
         Wahrung seiner wesentlichen Sicherheitsinteressen erforderlich ansieht, und von Auskünften, deren Preisgabe nach Ansicht des
         Mitgliedstaats diesen Interessen widerspricht, dass er jedoch nicht als eine Ermächtigung der Mitgliedstaaten dazu ausgelegt
         werden kann, durch bloße Berufung auf diese Interessen von den Bestimmungen des Vertrags abzuweichen.
      
      49      Im Übrigen hat der Gerichtshof auf dem Gebiet der Mehrwertsteuer im Urteil vom 16. September 1999, Kommission/Spanien (C‑414/97,
         Slg. 1999, I‑5585), die dort fragliche Vertragsverletzung deshalb bejaht, weil das Königreich Spanien nicht nachgewiesen hatte,
         dass die im spanischen Recht vorgesehene Befreiung der Einfuhr und des Erwerbs von Waffen, Munition und ausschließlich für
         den militärischen Gebrauch bestimmtem Gerät von der Mehrwertsteuer gemäß Art. 296 Abs. 1 Buchst. b EG durch die Notwendigkeit
         einer Wahrung seiner wesentlichen Sicherheitsinteressen gerechtfertigt war.
      
      50      Es ist daher Sache des Mitgliedstaats, der sich auf Art. 296 EG beruft, nachzuweisen, dass eine Inanspruchnahme der in diesem
         Artikel geregelten Abweichung erforderlich ist, um seine wesentlichen Sicherheitsinteressen zu wahren.
      
      51      In Anbetracht dieser Erwägungen kann nicht hingenommen werden, dass ein Mitgliedstaat die Verteuerung von militärischem Gerät,
         die sich aus der Erhebung der Zölle auf die Einfuhren solchen Geräts aus Drittstaaten ergebe, anführt, um sich zum Nachteil
         der übrigen Mitgliedstaaten, die die auf diese Einfuhren entfallenden Zölle tatsächlich erheben und abführen, den Verpflichtungen
         zu entziehen, die ihm aus der finanziellen Solidarität in Bezug auf den Gemeinschaftshaushalt erwachsen. 
      
      52      Was das Vorbringen angeht, die gemeinschaftlichen Zollverfahren seien nicht geeignet, die Sicherheit der Italienischen Republik
         in Bezug auf die Geheimhaltungserfordernisse zu gewährleisten, die in den mit den Ausfuhrstaaten geschlossenen Übereinkünften
         enthalten seien, so ist darauf hinzuweisen, dass zur Anwendung der gemeinschaftlichen Zollregelung, wie die Kommission zutreffend
         festgestellt hat, Gemeinschafts- und nationale Bedienstete tätig werden, die gegebenenfalls – im Fall der Behandlung sensibler
         Daten – einer Pflicht zur Geheimhaltung unterliegen, die geeignet ist, die wesentlichen Sicherheitsinteressen der Mitgliedstaaten
         zu wahren.
      
      53      Im Übrigen ist nicht anzunehmen, dass die Erklärungen, die die Mitgliedstaaten in regelmäßigen Zeitabständen zu vervollständigen
         und der Kommission zuzuleiten haben, einen solchen Grad an Genauigkeit erreichen werden, dass es zu einer Verletzung sowohl
         der Sicherheits- als auch der Geheimhaltungsinteressen dieser Mitgliedstaaten kommt.
      
      54      Unter diesen Umständen und nach Art. 10 EG, der die Verpflichtung der Mitgliedstaaten betrifft, der Kommission die Erfüllung
         ihrer Aufgabe zu erleichtern, für die Beachtung des Vertrags zu sorgen, haben die Mitgliedstaaten der Kommission alle Unterlagen
         zur Verfügung zu stellen, die erforderlich sind, um zu überprüfen, ob die Eigenmittel der Gemeinschaft ordnungsgemäß überwiesen
         wurden. Eine solche Verpflichtung schließt jedoch, wie der Generalanwalt in Nr. 168 seiner Schlussanträge hervorgehoben hat,
         nicht aus, dass die Mitgliedstaaten auf der Grundlage des Art. 296 EG die Übermittlung der Informationen im Einzelfall ausnahmsweise
         auf bestimmte Teile eines Schriftstücks beschränken oder ganz ablehnen können.
      
      55      Die Italienische Republik hat somit nicht nachgewiesen, dass die Tatbestandsmerkmale des Art. 296 EG erfüllt sind. 
      
      56      Ihren Antrag, die Wirkungen des vorliegenden Urteils hinsichtlich der Verpflichtung zur Zahlung der Eigenmittel, der sie sich
         durch die Zollbefreiung, um die es in der vorliegenden Rechtssache gehe, entzogen habe, für die Zeit vor Eingang des ergänzenden
         Mahnschreibens vom 31. Januar 2002 zu beschränken, begründet die Italienische Republik damit, dass die längere Untätigkeit
         der Kommission und der Erlass der Verordnung Nr. 150/2003 bei ihr ein berechtigtes Vertrauen hätten entstehen lassen.
      
      57      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof nur ausnahmsweise aufgrund des allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen
         Grundsatzes der Rechtssicherheit veranlasst sein kann, die für die Betroffenen bestehende Möglichkeit zu beschränken, sich
         auf die Auslegung, die er einer Bestimmung gegeben hat, zu berufen, um in gutem Glauben begründete Rechtsverhältnisse in Frage
         zu stellen (vgl. u. a. Urteil vom 23. Mai 2000, Buchner u. a., C‑104/98, Slg. 2000, I‑3625, Randnr. 39).
      
      58      Der Gerichtshof ist nämlich nur unter ganz bestimmten Umständen so vorgegangen, wenn die Gefahr schwerwiegender wirtschaftlicher
         Auswirkungen bestand, die insbesondere mit der großen Zahl von Rechtsverhältnissen zusammenhing, die gutgläubig auf der Grundlage
         der als gültig betrachteten Regelung eingegangen worden waren, und wenn sich herausstellte, dass die Einzelnen und die nationalen
         Behörden zu einem mit der Gemeinschaftsregelung unvereinbaren Verhalten veranlasst worden waren, weil eine erhebliche objektive
         Unsicherheit hinsichtlich der Tragweite der Gemeinschaftsbestimmungen bestand, zu der eventuell auch das Verhalten anderer
         Mitgliedstaaten oder der Kommission beigetragen hatte (Urteil vom 12. September 2000, Kommission/Vereinigtes Königreich, C‑359/97,
         Slg. 2000, I‑6355, Randnr. 91).
      
      59      Selbst wenn man annähme, dass die nach Art. 226 EG ergangenen Urteile die gleichen Wirkungen haben wie die nach Art. 234 EG
         ergangenen und daher Erwägungen der Rechtssicherheit ausnahmsweise eine Beschränkung ihrer zeitlichen Wirkungen erforderlich
         machen könnten (vgl. Urteile vom 7. Juni 2007, Kommission/Griechenland, C‑178/05, Slg. 2007, I‑4185, Randnr. 67, vom 12. Februar
         2009, Kommission/Polen, C‑475/07, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 61, und vom 26. März 2009, Kommission/Griechenland, C‑559/07,
         Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 78), genügt doch die Feststellung, dass im vorliegenden Fall die Kommission in keinem Stadium des
         Verfahrens von ihrer grundsätzlichen Auffassung abgerückt ist. Sie hat nämlich in ihrer im Rahmen der Verhandlungen zur Verordnung
         Nr. 150/2003 abgegebenen Erklärung ihren festen Willen zum Ausdruck gebracht, nicht auf die für die Zeit vor dem Inkrafttreten
         dieser Verordnung angefallenen Zölle zu verzichten, und hat sich hierzu die geeigneten Maßnahmen vorbehalten.
      
      60      Demgemäß ist der Antrag der Italienischen Republik, die zeitlichen Wirkungen des vorliegenden Urteils zu beschränken, zurückzuweisen.
      
      61      Nach alledem hat die Italienische Republik dadurch, dass sie die Einfuhren von militärischem Gerät in der Zeit vom 1. Januar
         1998 bis 31. Dezember 2002 von Zöllen befreit hat und dass sie sich geweigert hat, die wegen dieser Befreiung nicht erhobenen
         Eigenmittel und die wegen der innerhalb der Fristen nicht erfolgten Bereitstellung dieser Eigenmittel an die Kommission geschuldeten
         Verzugszinsen zu berechnen, festzustellen und der Kommission zur Verfügung zu stellen, gegen ihre Verpflichtungen aus den
         Art. 2 und 9 bis 11 der Verordnung Nr. 1552/89 sowie den gleichen Artikeln der Verordnung Nr. 1150/2000 verstoßen.
      
       Kosten
      62      Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Italienische Republik mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      63      Gemäß Art. 69 § 4 Abs. 1 der Verfahrensordnung tragen die Hellenische Republik und die Republik Finnland, die dem Rechtsstreit
         als Streithelferinnen beigetreten sind, ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Große Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Italienische Republik hat dadurch, dass sie die Einfuhren von militärischem Gerät in der Zeit vom 1. Januar 1998 bis zum
            31. Dezember 2002 von Zöllen befreit hat und dass sie sich geweigert hat, die wegen dieser Befreiung nicht erhobenen Eigenmittel
            und die wegen der innerhalb der Fristen nicht erfolgten Bereitstellung dieser Eigenmittel an die Kommission der Europäischen
            Gemeinschaften geschuldeten Verzugszinsen zu berechnen, festzustellen und der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur
            Verfügung zu stellen, gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 2 und 9 bis 11 der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 1552/89 des
            Rates vom 29. Mai 1989 zur Durchführung des Beschlusses 88/376/EWG, Euratom über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften
            in der durch die Verordnung (Euratom, EG) Nr. 1355/96 des Rates vom 8. Juli 1996 geänderten Fassung sowie den gleichen Artikeln
            der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1150/2000 des Rates vom 22. Mai 2000 zur Durchführung des Beschlusses 94/728/EG, Euratom
            über das System der Eigenmittel der Gemeinschaften verstoßen.
      2.      Die Italienische Republik trägt die Kosten.
      3.      Die Hellenische Republik und die Republik Finnland tragen ihre eigenen Kosten. 
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Italienisch.