CELEX: 51995PC0619
Language: de
Date: 1995-12-12
Title: Vorschlag für eine EMPFEHLUNG DES RATES für die Haltung wildlebender Tiere in Zoos

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                  Brüssel, den 12.12.1995
                                  KOM(95) 619 endg.
                                   95/0333 (SYN)
    Mitteilung der Kommission an den Rat
                      und
               Vorschlag für eine
         EMPFEHLUNG DES RATES
  für die Haltung wildlebender Tiere in Zoos
         (von der Kommission vorgelegt)
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Die Kommission teilt dem Rat mit, daß sie zur Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips ihren
Vorschlag vom 31. Juli 1991 für eine Richtlinie des Rates zur Festlegung von Mindestnormen
zur Haltung von Tieren in Zoos(1) zurückzieht und durch den beigefugten Vorschlag für eine
Empfehlung des Rates über die Haltung von Tieren in Zoos ersetzt.
Diese Empfehlung ist durch die Bedeutung gerechtfertigt, die das Europäische Parlament, die
Zoobetreiber, Tierschutzorganisationen und die Öffentlichkeit einer Beteiligung der Gemein-
schaft bei der Ausarbeitung von Normen für die Haltung von Zootieren beimessen.
Die Zahl der Zoos in der ganzen Europäischen Gemeinschaft wird zur Zeit auf über tausend
geschätzt, in denen eine große Vielfalt exotischer und einheimischer Tiere ausgestellt werden.
Die Zusammenstellung ist je nach Zoo verschieden, und sehr verschieden sind auch das
Niveau an Berufskenntnissen und Erfahrungen des Personals, die verfugbaren finanziellen und
personellen Mittel, die Einrichtungen und Bedingungen der Tierhaltung. Dies ist
selbstverständlich vor allem auf erhebliche Unterschiede zwischen den diesbezüglichen
Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten zurückzufuhren.
In den letzten Jahren ist zunehmend Kritik der Öffentlichkeit, Medien und
Tierschutzorganisationen sowie des Europäischen Parlaments gegenüber der Tierhaltung in
Zoos laut geworden.
Die beruflich in Zoos Tätigen haben sich in der Europäischen Vereinigung von Zoos und
Aquarien (EAZA) zusammengeschlossen und Normen für die Unterbringung und Pflege von
Zootieren als Beitrittsbedingungen angenommen.
Die als Anhang zum Vorschlag fur eine Empfehlung des Rates beigefügten Leitlinien wurden
weitgehend auf der Grundlage der einschlägigen EAZA-Normen abgefaßt.
Die Lage in den Zoos der Gemeinschaft läßt sich nach Ansicht der Kommission nur dann
drastisch verbessern, wenn die Mitgliedstaaten einschlägige Rechtsvorschriften erlassen, die
eine Zulassung der Zoobetriebe erfordern und auf anerkannten Leitlinien beruhen.
Sie empfiehlt deshalb dem Rat, den beiliegenden Vorschlag für eine Empfehlung möglichst
bald anzunehmen.
(1)
        ABl. C 249 vom 24. 9.1991, S. 14.
                                               2
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                                              und
                                      Vorschlag für eine
                                EMPFEHLUNG DES RATES
                         für die Haltung wildlebender Tiere in Zoos
DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere auf
Artikel 130s Absatz 1,
auf Vorschlag der Kommission(1),
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
in Erwägung nachstehender Gründe:
In der Verordnung (EWG) Nr. 3626/82 vom 3. Dezember 1982 des Rates(2) zur Durchführung
des Übereinkommens über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender
Tiere und Pflanzen in der Gemeinschaft, geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 2727/95
der Kommission(3), wird verlangt, daß, bevor die Einfuhr lebender Exemplare zahlreicher
Tierarten in die Gemeinschaft genehmigt werden kann, das Vorhandensein geeigneter
Einrichtungen für Unterbringung und Pflege nachgewiesen werden muß. Dieselbe Verordnung
verbietet die Ausstellung von Exemplaren der in Anhang C, Teil 1, und in Anhang I des
Übereinkommens genannten Arten zu Erwerbszwecken in der Öffentlichkeit, sofern keine
Ausnahmegenehmigung zu Bildungs-, Forschungs- oder Zuchtzwecken erteilt wird.
Die Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung wildlebender
Vogelarten(4), zuletzt geändert durch die Richtlinie 94/24/EG(5), und die Richtlinie 92/43/EWG
des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der
wildlebenden Tiere und Pflanzen(6), zuletzt geändert durch die Akte über den Beitritt
Österreichs, Finnlands und Schwedens, verbietet den Fang und die Haltung von sowie den
Handel mit einer großen Zahl von Arten und legt zu besonderen Zwecken wie Forschung und
Bildung, Bestandserneuerung, Wiedereinbürgerung und Zucht Ausnahmen fest.
Die korrekte Durchführung der bereits erlassenen und künftigen Rechtsvorschriften der
Gemeinschaft über die Erhaltung der wildlebenden Tierarten und die Notwendigkeit, die
wichtige Rolle der Zoos im Bereich der Erziehung und Bildung, wissenschaftlichen Forschung
und Arterhaltung zu fördern, erfordert die Festlegung einer gemeinsamen Grundlage für die
(i)
(2)
        ABl. Nr.  L 384 vom    31.12.1982, S. 1.
(3)
        ABl. Nr.  L 284 vom    28.11.1995, S. 3.
(4)
        ABl. Nr.  L 103 vom    25. 4.1979, S. 1.
(5)
        ABl. Nr.  L 164 vom    30. 6.1994, S. 9.
(6)
        ABl. Nr.  L 206 vom    22. 7.1992, S. 1.
 ---pagebreak--- Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten hinsichtlich der Betriebserlaubnis für Zoos, ihrer
Überwachung, der Haltung von Tieren, der Ausbildung und Sicherheit des Personals und der
Erziehung und Sicherheit der Besucher. Die als Anhang beigefügten Anleitungen stützen sich
auf diejenigen, die von der "European Association for Zoos and Aquaria" ausgearbeitet
wurden -
EMPFIEHLT:
 1.      Die Mitgliedstaaten erlassen binnen zwei Jahren nach Annahme dieser Empfehlung
Vorschriften für die Betriebserlaubnis und Überwachung bereits bestehender oder neuer
Zoos(7).
2.       Die Betriebserlaubnis wird auf Vorlage eines ausführlich begründeten Antrags von
einer von dem Mitgliedstaat bezeichneten zuständigen Behörde erteilt.
3.       Jede Betriebserlaubnis muß genaue Bedingungen enthalten und alle fünf Jahre
überprüft werden. In der Zwischenzeit überwachen die zuständigen Behörden die Einhaltung
dieser Bedingungen; haben sie zu irgendeinem Zeitpunkt Grund zur Annahme, daß sie nicht
erfüllt sind, so inspizieren sie die Einrichtungen und ergreifen Maßnahmen, um die Einhaltung
der Bedingungen sicherzustellen.
4.       Vor Erteilung, Verweigerung oder Verlängerung einer Betriebserlaubnis prüfen die
zuständigen Behörden vor Ort, ob die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
5. Die Inspektionen sind von zumindest einem Mitglied der zuständigen Behörde und zwei
nicht in dem zu prüfenden Betrieb beschäftigten Sachverständigen durchzuführen, von denen
einer umfangreiche Erfahrungen im Betrieb und in der professionellen Haltung von Tieren
haben und der andere ein in der Behandlung wildlebender Tiere erfahrener Tierarzt sein sollte.
Sie haben einen eingehenden Prüfbericht hinsichtlich der Einhaltung der gesetzlichen
Vorschriften in dem betreffenden Zoo zu erstellen und Empfehlungen für die Erteilung der
Betriebserlaubnis abzugeben.
6.       Ergibt eine Prüfung, daß die gesetzlichen Voraussetzungen nicht, noch nicht, oder
nicht mehr erfüllt sind, so verbietet die zuständige Behörde den Zutritt der Öffentlichkeit zum
Zoo. Die zuständige Behörde sollte jedoch auch eine vorläufige Betriebserlaubnis erteilen
können, in der festgestellt wird, daß der betreffende Zoo die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen muß, um vom Tag der Erteilung an binnen 12 Monaten die Anforderungen zu
erfüllen. Sind sie innerhalb dieser Frist nicht erfüllt, so sollte die zuständige Behörde die
Betriebserlaubnis widerrufen und den Zoo für die Öffentlichkeit schließen.
7.       Im Falle der Schließung eines Zoos hat die zuständige Behörde sicherzustellen, daß
die Tiere in geeigneter Weise entweder in einen Zoo mit Betriebserlaubnis verbracht oder auf
humane Weise getötet werden.
(7)
         Alle ständigen Betriebe, in denen wildlebende Tiere zwecks Zurschaustellung an die
         Öffentlichkeit gehalten werden, z.B. zoologische Sammlungen, Tierparks, Safariparks,
         Vogelparks, Delphinarien, Aquarien oder spezialisierte Sammlungen wie
         Schmetterlingssammlungen.
 ---pagebreak--- 8.     Die in Nr. 1 genannten Vorschriften sollten auf der Grundlage der im Anhang
wiedergegebenen Anleitungen für die Unterbringung und Pflege von Zootieren sicherstellen,
daß alle Zoos:
         8.1. die Tiere unter Bedingungen halten, die dem Verhalten sowie den sozialen und
         biologischen Bedürfnissen der betreffenden Art angemessen sind;
         8.2. hohen Anforderungen der Tierhaltung genügen und ein Programm zur
         tiermedizinischen Vorbeugung und Behandlung sowie zur Ernährung und
         wissenschaftlich begleiteten Aufzucht ausarbeiten;
         8.3. ihre Tiere unter Bedingungen halten, bei denen ihre Sicherheit und Gesundheit
         sowie die Sicherheit und Gesundheit des Personals und der Besucher gewährleistet
         sind;
         8.4. über Anzahl, Art und Geschlecht der Tiere, über Anzahl und Umstände der
         Fortpflanzungen, von Neuerwerbungen sowie Todesfallen und -Ursachen Buch
         führen;
         8.5. zutreffende Informationen über die zur Schau gestellten Arten, einschließlich
         ihres (wissenschaftlichen und Vulgär-)Namens, einiger biologischer Eigenschaften
         und ihres Erhaltungsstatus verbreiten;
         8.6. genügend und zur Tierhaltung zweckmäßig ausgebildetes Personal einsetzen;
         8.7. den von der zuständigen Behörde bezeichneten Inspektoren den Zugang zu
         ihren Räumlichkeiten, Einrichtungen, Tieren und Registern ermöglichen;
         8.8 die Erhaltung der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten durch Forschung,
         Fortpflanzung in Gefangenschaft und entsprechende Aufklärung der Öffentlichkeit
         fördern.
Geschehen, zu Brüssel,                                      Im Namen des Rates,
                                                           Der Präsident
 ---pagebreak---                                                                                         ANHANG
                      Anleitungen für die Unterbringung und Pflege
                                         von Zootieren
1. EINLEITUNG
1.1. Diese Leitlinien beruhen auf dem derzeitigen Stand der Kenntnisse und Praktiken
hinsichtlich der Unterbringung und Pflege von Zoo-Tieren.
1.2. Es gelten nachstehende Begriffsbestimmungen:
1.2.1. Wohlergehen: physisches und soziales Wohlbefinden der Tiere und dem arttypischen
Verhalten entsprechende Lebensbedingungen.
1.2.2. Gehege: jede räumliche Unterbringung der Tiere.
1.2.3. Gehegeumschließung: Schranke zur Einschließung der Tiere innerhalb des Geheges.
1.2.4. Abstandsschranke: Abschrankung außerhalb des äußeren Randes der
Gehegeumschließung, die den physischen Kontakt zwischen Tieren und Zuschauern
verhindern soll.
1.2.5. Gefahrliche Tiere: alle Exemplare der Arten im Anhang zu dieser Anleitung und alle
anderen Tiere, die wegen ihrer besonderen Veranlagung, ihres Geschlechtszyklus,
Mutterinstinkts oder aus irgendeinem anderen Grund durch Beißen, Kratzen, Schlagen,
Quetschen, Gift oder auf sonstige Weise Menschen ernsthaft verletzen oder eine Krankheit
auf Menschen übertragen können.
1.2.6. Gefährliche Raubtiere: alle Tiere der Arten im Anhang zu diesen Anleitungen, die mit
einem Sternchen gekennzeichnet sind.
2. Tierpflege - Wohlergehen, Gesundheit und Hygiene
2.1. Routinemäßige Beobachtung der Tiere
2.1.1. Die Bedingungen der Haltung und der Gesundheitszustand aller Tiere sind täglich durch
ausreichend ausgebildetes Personal zu prüfen.
2.1.2. Wird festgestellt, daß ein Tier stressbelastet, krank oder verletzt ist, so ist es sofort zu
untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln.
 ---pagebreak--- 2.2.     Unterbringung - Raum, Bewegung und Haltung von Tieren in Gruppen
2.2.1. Die Tiere sind in einer für sie anregenden Umwelt mit ausreichender Bewegungsfreiheit
und ihrem Verhalten, ihren sozialen und biologischen Bedürfnissen entsprechender
Ausstattung zu halten, die ihnen die für ihr Wohlergehen erforderlichen Bewegungen
ermöglicht. Bleibt der Zoo während bestimmter Zeiten geschlossen, so ist den Tieren derselbe
Raum und dieselben Bewegungsmöglichkeiten wie während des übrigen Jahres zu bieten.
2.2.2. Die Gehege müssen ausreichend groß sein und mit den Tieren muß so umgegangen
werden, daß:
2.2.2.1. eine zu starke Dominierung durch Einzeltiere innerhalb der Herden vermieden wird,
2.2.2.2. die Gefahr ständiger und ungelöster Konflikte zwischen Mitgliedern einer Herde oder
Gruppe oder, falls verschiedene Arten miteinander ausgestellt werden, interspezifische
Konflikte vermieden werden,
2.2.2.3. die materielle Kapazität des Geheges nicht überschritten wird,
2.2.2.4. eine unannehmbare Entwicklung von Parasiten oder sonstigen Pathogenen vermieden
wird.
2.2.3. Die Tiere dürfen nicht zur Belustigung der Besucher widernatürlich provoziert werden.
2.2.4. Tiere mit ausgeprägtem Sozialverhalten sind in artspezifischen, verträglichen Gruppen
und nicht einzeln - sofern dies nicht aus dringenden Gründen notwendig ist - zu halten.
2.2.5. In benachbarten Gehegen dürfen nur Tiere gehalten werden, die gegeneinader nicht
aggressiv reagieren.
2.2.6. Um übermäßige Aggressivität und dadurch verursachte Leiden zu vermeiden, sind
trächtige Tiere und Tiere mit Jungen (eventuell mit Eiern) getrennt unterzubringen.
2.3. Unterbringung - Bequemlichkeit und Wohlbefinden
2.3.1. Temperatur, Belüftung und Beleuchtung der Gehege müssen jederzeit den
Bequemlichkeits- und Wohlbefindensansprüchen aller Tiere der einzelnen Arten genügen,
wobei auch den besonderen Ansprüchen schwangerer und neugeborener sowie vor kurzem
eingeführter Tiere Rechnung zu tragen ist.
2.3.2. Die Beleuchtung muß für die routinemäßigen Gesundheits- und Hygienekontrollen und
die Reinigung ausreichen. Das Spektrum einer künstlichen Beleuchtung muß möglichst nahe
bei demjenigen des Sonnenlichts liegen, und die Beleuchtung darf keinesfalls so stark sein,
daß es die Tiere stört oder belästigt. Die Folge von Licht und Dunkelheit ist den
jahreszeitlichen Helligkeitsschwankungen der Region anzupassen, in der das Tier gehalten
wird.
2.3.3. Gehege im Freien müssen mit Unterständen ausgestattet sein, die die Tiere vor der
Witterung oder übermäßigem Sonnenlicht schützen, sofern dies für ihre Bequemlichkeit und
für ihr Wohlbefinden notwendig ist.
 ---pagebreak--- 2.3.4. (Halb-) Aquati sehe Tiere dürfen nur dann in einem Freigelände gehalten werden, wenn
die Schwankungen der Luft- und Wassertemperaturen für die betreffende Art keine
Gesundheits- oder Hygieneprobleme hervorruft. Die Wasserbecken müssen ganzjährlich eisfrei
bleiben, wenn dies für das Wohlergehen der betreffenden Exemplare notwendig ist.
2.4. Einrichtungen innerhalb der Gehege
2.4.1. Je nach den Bedürfnissen der betreffenden Art sind die Gehege mit Lagerstreu, Geäst,
Höhlen, Wasserbecken und im Falle von (halb-)aquatisehen Arten mit Wasserpflanzen,
Holzspänen usw. auszustatten, um normale Verhaltensweisen zu fördern.
2.5. Vermeidung von Streß oder Verletzungen
2.5.1. Die Gehege, Geräte, in den Gehegen befindlichen Gegenstände und Einschließungen
müssen so ausgelegt, ausgeführt und gewartet werden, daß sie fur die Tiere weder Streß noch
Verletzungen zur Folge haben.
2.5.2 Schäden sind sofort zu beheben oder die betreffenden Teile zu ersetzen.
2.5.3. Kann eine Beschädigung Tiere verletzen, so ist sie sofort zu beheben; falls dies nicht
möglich ist, sind die Tiere von der Gefahrenquelle fernzuhalten.
2.5.4. Irgendwelche Pflanzen, die fur die Tiere eine Gefahr bedeuten, sind außer ihrer
Reichweite zu halten.
2.5.5. Geräte - einschließlich elektrischer - sind so einzurichten, daß sie die Tiere nicht in
Gefahr bringen und ihr sicherer Betrieb durch die Tiere nicht gestört werden kann.
2.5.6. In den Gehegen dürfen keinerlei Gegenstände vorhanden sein, die die Tiere in Gefahr
bringen können.
2.5.7. Wasserbecken, Behälter, Aquarien usw., die Wassertiere enthalten, dürfen kein Wasser
enthalten, das für diese Tiere gesundheitsschädlich ist. Vorsichtsmaßnahmen sind zu ergreifen,
um zu verhindern, daß Fremdkörper in das Wasser gelangen. Im Falle einer chemischen
Behandlung des Wassers, sind die Chemikalien so einzusetzen, daß sie den Tieren nicht
schaden oder unangenehm sind. Im Falle einer Chlorung ist Chlorgas oder in Wasser gelöstes
Natriumhypochlorit zu verwenden.
2.5.8. Bäume innerhalb oder in der Nähe der Gehege sind regelmässig zu kontrollieren, zu
schneiden oder zu fällen, um zu verhindern, daß Tiere durch fallende Äste oder Tiere, die sich
ins Geäst flüchten, verletzt werden.
2.5.9. In unmittelbarer Nähe der Tiere oder bei der Zubereitung ihrer Nahrung darf das
Zoopersonal nicht rauchen.
2.5.10. Die Tiere dürfen nur von ausreichend ausgebildeten und dazu befugten Wärtern oder
unter ihrer Aufsicht betreut werden. Die Betreuung sollte keine physische Beeinträchtigung
oder unnötigen Streß oder Belästigung zur Folge haben.
 ---pagebreak--- 2.5.11. Direkte körperliche Kontake zwischen den Tieren und den Zoobesuchern dürfen nur
unter Aufsicht des Zoopersonals erfolgen; Dauer und Umstände dieser Kontakte dürfen das
Wohlbefinden der Tiere nicht beeinträchtigen.
2.6. Füttern und Tränken
2.6.1. Nährwert und Menge des Futters und Getränks der Tiere müssen dem Bedarf der
betreffenden Art bzw. Exemplare entsprechen. Hierbei ist dem Zustand, der Größe und dem
Alter jedes einzelnen Tieres sowie eventuellen besonderen Umständen (z.B. Fastentage oder -
Perioden, Überwinterung) und einer eventuellen Schonkost für bestimmte Tiere (z.B. im Falle
von tierärztlichen Behandlungen oder schwangeren Tieren) Rechnung zu tragen.
2.6.2. Für alle Aspekte der Ernährung sind Tierärzte oder sonstige Spezialisten zu befragen
und ihre Anweisungen zu befolgen.
2.6.3. Nahrungsmittel und Getränke sind hygienisch zu lagern, zuzubereiten und den Tieren
zu verabreichen. Eine chemische oder bakterielle Kontaminierung ist zu vermeiden.
2.6.4. Bei der Fütterung und dem Tränken ist dem natürlichen Verhalten der Tiere
einschließlich seiner sozialen Aspekte Rechnung zu tragen. Werden Futter oder Getränk in
Behältern verabreicht, so sind sie so anzubringen, daß sie fur alle im Gehege gehaltenen Tiere
erreichbar sind.
2.6.5. Fütterung durch Zoobesucher ist grundsätzlich zu verbieten, dagegen kann das Füttern
von ausgewählten Nahrungsmitteln erlaubt werden. In solchen Fällen stellt die Zooleitung
geeignetes Futter zur Verfügung oder überwacht die Futterverabreichung.
2.7. Gesundheitspflege und Vermeidung von Krankheiten
2.7.1. Ausreichende Hygienenormen sowohl für das Personal als auch die Gehege und
Behandlungsräume sind anzuwenden.
2.7.2. Besondere Aufmerksamkeit ist der täglichen Reinigung der Tiergehege und darin
enthaltenen Einrichtungen zu schenken. Gibt es in dem Gehege Wasser, so ist seine Qualität
im Hinblick auf die Vermeidung von Krankheiten zu überwachen.
2.7.3. Nicht giftige Reinigungsmittel und Wasser sowie Geräte zu ihrer Verwendung müssen
jederzeit verfügbar sein.
2.7.4. Wird festgestellt, daß ein Tier an einer ansteckenden oder Infektionskrankheit erkrankt
ist, so sind alle Aspekte der Reinigung der Gehege und weiterer Gebiete und weitere sanitäre
Maßnahmen mit einem Tierarzt zu besprechen; seine Anweisungen sind zu befolgen.
2.7.5. Die Gehege müssen über ausreichende Entwässerungseinrichtungen verfugen, um
übermäßige Feuchtigkeit zu vermeiden.
2.7.6. Der Zugang der Tiere zu anderen Ableitungskänalen als solchen für Oberflächenwasser
ist zu vermeiden.
 ---pagebreak--- 2.7.7. Abfälle sind regelmäßig zu entfernen und zu beseitigen.
2.7.8. Für den ganzen Zoo ist ein sicheres und wirksames Programm zur Bekämpfung von
Schadorganismen und gegebenenfalls Beutegreifern auszuarbeiten und durchzuführen.
2.7.9. Wärter und sonstiges Personal haben unverzüglich Meldung zu erstatten, wenn sie an
einer Infektion erkranken oder mit an einer Infektion Erkrankten, die auf Tiere übertragbar
ist oder ihre Gesundheit auf eine andere Art und Weise beeinträchtigen könnte, in Berührung
kommen. Die Zooleitung hat diese Meldungen zu berücksichtigen.
2.7.10. Wärter und sonstiges Personal sind ferner anzuweisen, jegliches Gebrechen zu melden,
das ihre Fähigkeit zur sicheren und sachkundigen Pflege der Tiere beeinträchtigen könnte.
3. Tierpflege - tierärztliche Aspekte
3.1. Vorkehrungen für regelmäßige tierärztliche Untersuchungen aller Tiere(1) sind auf der
Grundlage eines Programmes, das von einem Tierarzt geprüft wird, zu treffen.
3.2. Dieses Programm muß routinemäßige Untersuchungen und Parasitenkontrollen und
regelmäßige vorbeugende Gesundheitsschutzmaßnahmen einschließlich Impfungen umfassen.
3.3. Verfugt ein Zoo über einen vollständig ausgestatteten tierärztlichen Dienst, so muß dieser
über folgendes verfugen: Untersuchungstisch, grundlegende chirurgische Instrumente,
Narkoseeinrichtungen, die wichtigsten Diagnose-Instrumente, Stromanschluß für Beleuchtung
und elektrische Geräte, Einrichtungen zur Entnahme von Blut und sonstigen Proben zu ihrer
Zubereitung und ihrem Versand, und schließlich eine umfassende Auswahl an Arzneimitteln.
3.4. Verfugt ein Zoo nicht über einen vollständigen tierärztlichen Dienst, so ist für die
routinemäßige Untersuchung der Tiere in sauberer, ausreichend belüfteter und beleuchteter
Umgebung innerhalb des Zoos ein Raum zur Verfugung zu stellen.
3.5. Für die Pflege streßbelasteter, kranker und verletzter Tiere und zur Handaufzucht und
Pflege von Jungtieren sind geeignete Räumlichkeiten und Einrichtungen bereitzuhalten.
3.6. Für den Einfang, die Inzaumhaltung und Betäubung, humane Euthanasie und Pflege von
Tieren nach einer Betäubung sind ausreichende Einrichtungen zur Verfugung zu halten.
3.7. Für die Absonderung und Untersuchung neuankommendef Tiere ist eine von den übrigen
Tieren getrennte Unterkunft bereitzuhalten.
3.8. Neuankommende Tiere sind solange als notwendig getrennt zu halten; bevor sie mit den
übrigen Tieren der Sammlung in Berührung kommen, ist eine ausreichende Untersuchung
vorzunehmen.
3.9. In der Umgebung von in Quarantäne gehaltenen Tieren ist der Hygiene besondere
Aufmerksamkeit zu schenken.
(1)
          Für Fische und Invertebraten ist eine Betreuung durch andere Spezialisten
          annehmbar.
                                              10
 ---pagebreak--- 3.10. Auf Anweisung des verantwortlichen Tierarztes sind im Quarantänebereich
Schutzkleidungen zu tragen; diese sowie die in diesem Bereich zu verwendenden Geräte sind
dort zu reinigen und zu lagern.
3.11. In ihrem Gebrauch eingeschränkte Arzneimittel, Impfstoffe und sonstige Produkte sind
an sicheren und nur dem hierzu befugten Personal zugänglichen Orten zu lagern.
3.12. In ihrer Verwendung eingeschränkte Tierarzneimittel dürfen nur unter Anleitung eines
Tierarztes verabreicht werden.
3.13. Nach Befragen eines Tierarztes sind Vereinbarungen für die Lieferung von Gegengiften
oder potentiell giftigen Stoffen entweder durch den Zoo, ein in der Nähe befindliches
Krankenhaus oder den Tierarzt selbst abzuschließen.
3.14. Gebrauchte oder kontaminierte Geräte sind sicher zu entsorgen.
4. Post-mortem-Maßnahmen
4.1. Verendete Tiere sind so zu behandeln, daß jede Gefahr einer Infektionsübertragung
vermieden wird.
4.2. Die Todesursache ist von einem Tierarzt, einem Pathologen oder einer sonstigen Person
mit ausreichender Erfahrung und Ausbildung zu ermitteln, es sei denn sie sei offensichtlich
oder eine Untersuchung sei nicht durchfuhrbar.
4.3..Können die Tierkadaver nicht rasch in ein zugelassenestierärztlichesUntersuchungslabor
außerhalb des Zoos verbracht werden, so sind Einrichtungen zur Durchfiihrung von Post-
mortem-Untersuchungen und zur sicheren und hygienischen Aufbereitung der bezüglichen
Proben vorzusehen. Können die Untersuchungen nicht unmittelbar nach Eintreten des Todes
durchgeführt werden, so müssen bis zur Überführung nach dem Post-mortem-Laboratorium
in einem ausreichend isolierten Behälter eine Kühl- oder Tiefkühlanlage verfügbar sein.
4.4. In den Räumlichkeiten für post-mortem-Untersuchungen muß folgendes verfugbar sein:
einwandfrei funktionierendes Abwassersystem, abwaschbare Böden und Wände,
Untersuchungstisch, eine angemessene Auswahl an Instrumenten, Einrichtungen fur die
Entnahme und Haltbarmachung von Proben und im Falle von Großtieren ein Hebezug.
4.5. Nach den Post-mortem-Untersuchungen werden die Kadaver und Organe rasch entfernt
und sicher beseitigt.
4.6. Jedes biologische Exemplar und alle bei der Post-mortem-Untersuchung anfallenden
Körperteile sind im Einvernehmen mit den Tierärzten, Forschern und sonstigen Interessierten
möglichst weitgehend zu Forschungs- und Bildungszwecken zu nutzen.
                                              11
 ---pagebreak---  5. Sicherheit und Sicherung
 5.1. Gehege
 5.1.1. Gefährliche Tiere sind in Gehegen zu halten und dürfen diese nur unter Überwachung
 durch befugtes Personal verlassen. Frei herumlaufende, nicht gefahrliche Tiere müssen
 innerhalb des Zoos bleiben.
 5.2. Gehegeumschließungen
 5.2.1. Die Gehegeumschließungen einschließlich der Eingänge und Türen müssen so
 ausgelegt, ausgeführt und gewartet sein, daß die Tiere sicher innerhalb des Geheges bleiben.
 5.2.2. Um direkte Kontakte zwischen dem Publikum und gefährlichen Tieren durch eine
 Gehegeumschließung, unter oder über diese zu vermeiden, sind Abstandsschranken
 einzurichten.
 5.3. Äußere Umschließung
 5.3.1. Die äußere Umschließung einschließlich der Eingänge und Ausgänge sind so
 auszulegen, auszufuhren und zu warten, daß sie den Zutritt Unbefugter verhindern und dazu
 beitragen, die Zootiere am Verlassen des Zoogeländes zu hindern.
 5.3.2. Die äußere Umschließung darf keinesfalls in einem Abstand von weniger als 2 Metern
 vom Boden eine stromführende Leitung umfassen, es sei denn sie würde als
 Gehegeeinschließung verwendet und könne von den Besuchern nicht berührt werden.
 5.4. Warnzeichen
 5.4.1. Zusätzlich zu den Abstandsschranken ist jede Umschließung, die eine Gefahr für die
 Sicherheit darstellt, mit einer genügenden Zahl von deutlich sichtbaren und gut leserlichen
Warnzeichen zu versehen.
5.5. Ausgänge
5.5.1. Unter Berücksichtigung der Größe des Zoos und der Zahl der Besucher, mit denen
jederzeit gerechnet werden muß und die den Zoo in Notfällen schnell verlassen müssen, ist
eine ausreichende Anzahl von Ausgängen vorzusehen.
5.5.2. Die Ausgänge sind klar zu kennzeichnen und mit Hinweisschildern zu versehen.
5.5.3. Jeder Zooausgang muß unverstellt bleiben und leicht von innen geöffnet werden
können. Die Ausgänge müssen jedoch so ausgelegt sein, daß sie Tiere vom Verlassen des
Zoogeländes abhalten.
                                              12
 ---pagebreak--- 5.6. Gehege mit Durchfahrtstrassen
5.6.1. Werden gefährliche Raubtiere und Primaten in Gehegen mit Durchfahrtstrassen
gehalten, so erfolgen Eingang und Ausgang zu diesen Gehegen durch ein System von
Doppeltoren mit genügendem Abstand, um beim Ein- oder Ausfahren eines Fahrzeugs ein
sicheres Verschließen des vorderen und des hinteren Tores zu ermöglichen. Dieses
Doppeltorsystem ist so auszulegen, auszuführen und zu warten, daß - wenn sich Tiere im
Raum zwischen den beiden Toren befinden oder zu diesem Raum Zugang haben - ein Tor
nicht geöffnet werden kann, solange das andere nicht sicher verschlossen ist. Sofern dadurch
keine Gefahr für die Zuschauer entsteht, kann eine Ausschaltung dieses Systems in Notfällen
vorgesehen werden. Eingangs- und Ausgangstore sind durch Gitter derselben Qualität wie
diejenige der Hauptumschließung auf beiden Seiten der Straße, die rechtwinklig zur äußeren
Umschließung angebracht sind und vom Ein- oder Ausgang an mindestens 25 Meter lang
sind, zu schützen.
5.6.2. Für andere gefährliche Tiere mit Ausnahme von Weide- oder Huftieren, zu deren
Einschließung eine Gitterabsperrung ausreicht, sind einzelne Zu- und Ausgangstore, die
ständig überwacht werden, vorzusehen.
5.6.3. Die Zugangsstellen müssen so ausgelegt sein, daß Tiere nicht in die benachbarten
Gehege überwechseln können.
5.6.4. Elektrische Vorrichtungen zur Öffnung und Schließung der Tore müssen, falls
vorhanden, so ausgelegt, ausgeführt und gewartet werden, daß sich im Falle einer Panne alle
Tore automatisch schließen und keine Tiere das Gehege verlassen können.
5.6.5. Mechanisch betriebene Tore an einer Durchfahrtsstraße müssen mit einem Ersatzsystem
versehen sein, das bei Stromausfall oder im Notfall ihre manuelle Öffnung oder Schließung
ermöglicht. Bei einem Stromausfall müssen sie sich automatisch schließen.
5.6.6. Das Betriebspersonal muß die mechanisch betriebenen Tore und ihre Umgebung klar
und unbehindert überblicken können.
5.6.7. Alle Durchfahrtsstraßen durch Gehege sind als Einbahnstraßen mit geregeltem
Verkehrsfluß zu betreiben. Ein Anhalten ist nur an Stellen gestattet, an denen die Straße
mindestens 6 Meter breit ist.
5.6.8. In Gehegen mit Durchfahrtsstraßen, in denen gefährliche Raubtiere, Primaten oder
sonstige gefahrliche Tiere gehalten werden,
5.6.8.1. darf kein Fahrzeug verkehren, sofern kein Ersatzfahrzeug vorhanden ist, das
gegebenenfalls sofort zur Rettung des ersten Fahrzeugs eingesetzt werden kann.
5.6.8.2. ist der Zugang von Fahrzeugen ohne festes Dach verboten;
5.6.8.3. müssen den Besuchern folgende Anweisungen in genügender Zahl, sofort und leicht
leserlich bekannt gemacht werden: (a) Das Fahrzeug darf zu keiner Zeit verlassen werden, (b)
Alle Fahrzeugtüren sind geschlossen zu halten, (c) Fenster und Schiebedach sind geschlossen
zu halten, (d) Bei einer Panne Hupe und/ oder Scheinwerfer betätigen und auf das
Rettungsfahrzeug warten.
                                             13
 ---pagebreak--- 5.6.9. Während der Öffnungszeiten ist das ganze Gehege mit Durchfahrtsstraße, in dem sich
gefährliche Tiere aufhalten, ständig zu überwachen. Das Überwachungspersonal muß mit
Feuerwaffen ausgestattet und in ihrem Grebrauch ausreichend ausgebildet sein, damit ein Tier
in einem Notfall getötet werden kann, wenn dies zur Rettung eines Menschen oder zur
Verhütung von Verletzungen notwendig wäre.
5.7. Entfernung von Tieren aus den Gehegen
5.7.1. Gefährliche Tiere dürfen ihre üblichen Gehege nicht verlassen, es sei denn dies erfolge
unter Beaufsichtigung jedes einzelnen Exemplars durch das befugte Personal und unter
Ausschluß jeglicher Gefahr oder Übertragung von Krankheiten auf die Öffentlichkeit.
5.7.2. Ausreichende Vorsicht ist auch bei der Verbringung nicht gefährlicher Tiere aus ihren
Gehegen walten zu lassen, da die Tiere unter solchen Umständen unvorhersehbar reagieren
können.
5.7.3. Werden Tiere zu Reitzwecken benutzt, so sind ausreichende Vorsichtsmaßnahmen zu
ergreifen, um Verletzungen von Besuchern und Tieren zu vermeiden.
5.7.4. Verlassen Tiere das Zoogelände, so müssen sie von einem befugten und ausreichend
ausgebildeten Wärter überwacht und ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden jederzeit
gewährleistet werden.
5.7.5. Gefährliche Tiere sind außerhalb des Zoos so zu halten, daß die Sicherheit jederzeit
gewährleistet ist. Direkte Kontakte zu anderen Personen als die befügten und ausreichend
ausgebildeten Wärter oder sonstige zuständige Personen sind zu vermeiden.
5.7.6. Hebeeinrichtungen, Käfige und Transportvorrichtungen für die Tiere der Sammlung
müssen rechtzeitig verfugbar sein.
5.8. Ausbruch von Tieren aus ihren Gehegen
5.8.1. Die Zooleitung hat zu beurteilen, ob im Falle eines Ausbruchs eines Tieres aus dem
Gehege eine Gefahr entsteht, und welchen Fluchtweg das Tier in einem solchen Fall innerhalb
des Zoogeländes und im Falle des Ausbruchs aus dem Zoo benutzen könnte.
5.8.2. Notfallpläne müssen aufgestellt, vom Personal vollständig verstanden und praktisch
durchexerziert werden.
5.8.3. Notfallpläne, gegebenenfalls einschließlich des Einsatzes von Feuerwaffen, müssen dem
fur die Beschlußfassung über ausgebrochene Tiere zuständigen Personal ständig zur
Verfugung stehen.
5.8.4. Jedes Mitglied des Personals, das Aufgaben im Rahmen der Notfallpläne übernimmt,
muß eine einfuhrende Ausbildung erhalten und regelmäßig an Auffrischungskursen und
praktischen Übungen teilnehmen.
                                               14
 ---pagebreak--- 5.9. Sicherheit der Besucher
5.9.1. In Gebäuden, Bauten und der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen muß die Sicherheit
gewährleistet sein.
5.9.2. Bäume in den Besuchern zugänglichen Bereichen sind regelmäßig zu prüfen und, falls
notwendig, zu fällen oder Äste abzusägen.
5.9.3. Gehwege und Straßen über Tiergehegen sowie Tunnel unter Gehegen müssen so
ausgelegt, ausgeführt und gewartet sein, daß sie jederzeit sicher der zu erwartenden
Höchstbelastung standhalten. Sie dürfen von gefährlichen Tieren nicht erreicht werden
können, damit Kontakte zwischen solchen Tieren und den Besuchern vermieden werden. Sie
müssen vor einer möglichen Beschädigung durch die Tiere geschützt sein.
5.9.4. Alle Stellen mit Absturzgefahr wie abschüssige Ränder, Wasser usw. sind mit
Warnzeichen zu versehen; gegebenenfalls sind ausreichende Abschrankungen zu erstellen.
5.9.5. Die Besucher dürfen keine Gebäude betreten, in denen eine Gesundheits- oder
Sicherheitsgefahr besteht. Solche Orte sind abzuschließen und mit Warnschildern zu versehen.
5.9.6. Sonstige Bereiche mit beschränktem Zugang sind klar zu kennzeichnen, z.B. mit
Abschrankungen und Warnschildern.
5.10. Erste Hilfe in Notfallen
5.10.1. Erste-Hilfe-Ausrüstungen und schriftliche Anleitungen für "Erste Hilfe" müssen überall
auf dem Zoogelände leicht erreichbar sein.
5.10.2. Werden giftige Tiere gehalten, so müssen die entsprechenden modernsten Gegengifte
vorhanden sein und nach den Anweisungen des Herstellers gelagert werden.
5.10.3. Über die bei Zwischenfällen mit giftigen Tieren zu ergreifenden Maßnahmen müssen
dem Personal schriftliche Anweisungen erteilt werden. Diese umfassen (a) Sofortmaßnahmen
und (b) ein Formblatt mit den von einem in der Nähe befindlichen Krankenhaus geforderten
Informationen, z.B. Art des Bisses oder Stiches, dem Opfer verabreichtes oder mitgegebenes
Gegengift, Name des Verantwortlichen des Zoos und seine Telefonnummer.
6. Bestandsregister
6.1. Der Zoo ha^ über alle individuell erfaßbaren Tiere und Tiergruppen, die zur Schau
gestellt werden, Register zu fuhren.
6.2. Dieses Register ist entweder in Form einer Kartei oder mit einem Rechner zu führen, die
einen raschen Abruf und eine rasche Prüfung der Informationen ermöglichen. Vorzugsweise
ist das ISIS-ARKS-System anzuwenden. Von allen Eintragungen sind Kopien sicher
aufzubewahren.
6.3. Zu registrieren sind:
                                               15
 ---pagebreak--- 6.3.1.wissenschaftlicher und, sofern verfügbar, V u l g ä r n a m e der Art
6.3.2. Ursprung, z.B. Entnahme des wildlebenden Tieres, in Gefangenschaft geboren,
Identifizierung der Elterntiere (wenn bekannt) und der früheren Aufenthalte
6.3.3. Geschlecht d e s Tieres (sofern feststellbar).
6.3.4. Geburtsdatum (ggf. Schätzung).
6.3.5. natürliche oder künstliche Kennzeichen. Abgesehen von einer klaren Beschreibung
sollten diese auf einem Farbfoto oder einer Zeichnung ersichtlich sein.
6.3.6. klinische Daten einschließlich der Einzelheiten über den Gesundheitszustand des
Tieres, Verabreichung von Arzneimitteln oder sonstige Behandlung
6.3.7. gegebenenfalls Sozialverhalten und Sozialstatus einschließlich Unverträglichkeit,
Konflikte und besonderes Verhalten
6.3.8. soweit geeignet und durchführbar Informationen über frühere und laufende
Fortpflanzung des Tieres und Einzelheiten über die Nachkommen
6.3.9. Todesdatum und Ergebnis der Post-mortem-Untersuchungen
6.3.10. im Falle eines Tieres, das ausgebrochen ist und Schäden oder Verletzungen verursacht
hat, Details über diese und Maßnahmen zur Verhütung einer Wiederholung
6.3.11. Datum der Aufnahme in den Zoo oder der Weitergabe, an wen und zu welchem
Zweck
6.4 sämtliche nach den Rechtsvorschriften für die Erhaltung oder den Schutz der betreffenden
Art erforderlichen Unterlagen sind zur Einsichtnahme bereit zu halten.
6.5. Wird ein Tier an einen anderen Ort verbracht, so sind Kopien aller relevanten Daten
beizufügen.
6.6 Zusätzlich zu diesen individuellen Datenblättern ist eine jährliche Liste aller im Zoo
gehaltenen Tiere zu fuhren, die folgendes umfaßt:
6.6.1. wissenschaftlicher Name und Vulgärname der Art
6.6.2. Gesamtzahl der Exemplare der Art und Geschlechtsverhältnis0 um 1. Januar
6 6.3. Zahl der im Laufe des Jahres von außen in den Zoo aufgenommenen Exemplare nach
Art und Geschlechtsverhältnis
6.6.4. Zahl und Geschlechtsverhältnis der Geburten*
6.6.5. Zahl und Geschlechtsverhältnis* der gestorbenen Tiere
( }
 *        einschließlich der Exemplare ohne Geschlechtsdimorphismus
                                                   16
 ---pagebreak--- 6.6.6. Zahl, Art und Geschlechtsverhältnis* der weitergegebenen Tiere (Verkauf, Ausleihen
usw.)
6.6.7. Gesamtzahl und Geschlechtsverhältnis* der im Zoo gehaltenen Tiere nach Art zum
31. Dezember
6.7. Die Liste nach Punkt 6.6. ist nach folgendem Schema zu erstellen:
  Vulgär-     wissen-      Exemplare neu hinzu-    neu gebo-  gestorbene lebend  Exem-
  name        schaftlicher 1/1       gekom-        rene Tiere Tiere      weiter- plare
              Name                   meneTiere                           gege-   1/1
                                                                         bene
                                                                         Tiere
  aaa         bbb          1.1.1     1.1.1         1.1.1      1.1.1      1.1.1   1.1.1 -
7. Weitergabe überzähliger Tiere
7.1. Besteht die Notwendigkeit einer Abgabe von Tieren, so ist sicherzustellen, daß sie nicht
an Privatpersonen verkauft oder abgegeben werden, es sei denn diese seien erfolgreiche
Züchter der betreffenden Art, und/oder sonstige Personen, die über die erforderlichen
Erfahrungen und Einrichtungen verfügen. Es dürfen keine Tiere an Tierhändler, Zirkusse oder
zur Verwendung in Tierversuchen, bei denen sie Schaden erleiden, abgegeben werden.
7.2. Bedarf ein Tier der Euthanisie, so hat sie auf humane Weise zu erfolgen.
8. Vorschriften für gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten
8.1. Exemplare von Arten, über deren Erhaltung internationale, gemeinschaftsweite oder
einzelstaatliche Rechtsvorschriften erlassen worden sind, müssen unter absoluter Einhaltung
der für sie geltenden Rechtsvorschriften erworben und weitergegeben werden.
8.2. Die Zucht von in freier Wildbahn ausgestorbenen oder vom Aussterben bedrohten Arten
(gemäß der IUCN-Listen) ist als Teil eines internationalen Stammbuch- und Zuchtprgramms
durchzuführen.
9. BUdung
9.1. Der Zoo muß über ein Informations- und Bildungsprogramm für Besucher und
insbesondere Schulen verfugen, das auf das Verständnis der Biologie, Ökologie und Erhaltung
der Zoo-Tiere ausgerichtet ist.
9.2. Für Vorlesung und Studiengruppen müssen geeignete Einrichtungen vorhanden sein.
9.3. Das Bildungsprogramm ist aufgrund von Anweisungen qualifizierter Personen, mit
Erfahrungen in Unterrichtswesen und Biologie auszuarbeiten und zu aktualisieren.
                                                17
 ---pagebreak--- 9.4. Im Rahmen des Bildungsprogrammes muß den Besuchern eine wissenschaftlich genaue
Beschreibung der Biologie und Ökologie der im Zoo gehaltenen Tiergruppen sowie ihres
Erhaltungsstatus in freier Wildbahn zur Verfügung gestellt werden.
9.5. Die Gehege sind mit Schildern auszustatten, die genaue Informationen über die
ausgestellte Art einschließlich ihres wissenschaftlichen Namens und Vulgärnamens, ihrer
Verbreitung in freier Wildbahn, ihres Lebensraums, ihrer biologischen Eigenschaften, ihres
Verhaltens und Erhaltungsstatus enthalten.
9.6. Bei einer Zurschaustellung wildlebender Tiere ist immer die natürliche Verhaltensweise
des Tieres zu zeigen. Diesbezügliche Bemerkungen sollen sich auf biologische Tatsachen
stützen, die die Besucher dazu anspornen, das Verhalten des Tieres zu beobachten.
10. Forschung
10.1. Werden Exemplare zu Forschungszwecken erworben, so hat die Zooleitung mit anderen
Zoos, Forschungsstellen, Hochschulen und Naturschutzorganisationen zusammenzuarbeiten.
11. Personal
11.1. Der Zoo hat eine genügende Zahl von ausreichend ausgebildeten und sachkundigen
Wärtern einzustellen, um jedezeit ein hohes Pflegeniveau sicherzustellen.
                                             18
 ---pagebreak---                                                                  Anhang
    Gefahrliche Tiere und gefahrliche Raubtiere gemäß Punkt 1.2.5. und 1.2.6. der
              Anleitungen für die Unterbringung und Pflege von Zootieren
Anmerkungen:
         Haustiere stehen nicht in diesem Anhang.
         Die erwähnten Tiere können Menschen oder anderen Tieren wegen ihrer Körperkraft,
         artspezifischen Waffen wie Gift und ihres Verhaltens Schaden zufügen.
         Nicht in diesem Anhang erwähnte Tierarten können unter Umständen ebenfalls
         gefährlich werden.
         Gefahrliche Raubtiere sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.
Säugetiere
Beuteltiere
Erwachsene Männchen von Macropus rufus, M. fiiliginosus und M robustus.
Primaten
Ausgewachsene Exemplare von Pongidae spp. und Hylobatidae spp.
Erwachsene Männchen von Cercopithecidae spp., mit Ausnahme von Macaca sylvana und
Cebidae spp.
Raubtiere
Alle Exemplare von Ursidae spp.*, Ailuropoda melanoleuca, Canis lupus*, Canis rufus*,
Lycaon pictus*, Mellivora capensis, Gulo gulo, Hyaenidae spp. (mit Ausnahme von Proteles
cristatus und davon Crocuta crocuta*), Panthera spp.*.
Robben
Erwachsene Männchen von Otariidae spp. und Halichoerus gryphus.
Alle Exemplare von Odobenus rosinarus, Mirounga spp. und Hydrurga leptonyx.
Wale"
Alle Exemplare von Orcinus orca.
Elefanten
Alle Exemplare von Elephantidae spp. von mehr als zwei Jahren.
Unpaarhufer
Erwachsene Männchen von Equidae spp.
Alle Exemplare von Rhinocerotidae spp.
Erwachsene Männchen von Tapiridae spp.
                                             19
 ---pagebreak--- Paarhufer
ausgewachsene Exemplare von Suidae spp. und Tayassuidae spp.
alle Exemplare von Hippopotamidae spp.
Männchen Camelidae* spp. in der Brunst.
adulte Exemplare von Alces alces.
alle Exemplare von Elaphurus davidianus.
Böcke von Cervus spp., Rangifer spp. und Capreolus spp. in der Brunftzeit.
alle Exemplare von Giraffidae spp.
Böcke von Boselaphus tragocamelus, Taurotragus spp., Addax nasomaculatus und Kobus spp.
alle Exemplare von Hippotragus spp., Oryx spp., Connochaetes spp., Alcelaphus spp., Bison
spp., Bos spp., Syncerus spp. und Ovibus moschatus.
alle Böcke von Budorcas taxicolor.
alle Böcke von Caprinae spp. während der Brunst
Vögel
Laufvögel
alle Exemplare von Struthio camelus
alle Exemplare von Dromaius novaehollandiae während der Brutzeit
alle Exemplare von Casuarius spp.
alle Exemplare von Rhea americana und Pterocnemia pennata während der Brutzeit
Störche und Reiher
alle Exemplare von Ardea goliath, Ephippiorhynchus senegalensis, Xenorhynchus asiaticus und
Leptoptilos spp.
Kraniche
alle Exemplare von Gruidae spp. während der Brutzeit.
Greifvögel und Eulen
alle Exemplare von Falconiformes spp. und Strigiformes spp.
Nashornvögel
alle Exemplare von Bucorvus spp.
Reptilien
                                            20
 ---pagebreak--- Krokodile
alle Exemplare von Alligatoridae spp., Crocodylidae spp., Gavialidae spp.
Echsen
alle Exemplare von Helodermatidae spp.
alle Exemplare von Varanus komodoensis, V. varius und V. salvator von mehr als 1,5 m Länge
Schlangen
alle Exemplare von Boidae spp. von mehr als 3 m Länge
alle Exemplare von Dispholidus typus, Theolotomis kirtlandii, Elapidae spp., Hydrophiidae
spp., Viperidae spp. und Crotalidae spp.
Fische
Knorpelfische
alle Exemplare von Myliobatoidei
Knochenfische
alle Exemplare von Synanceja sp., Inimicus sp., Pterois sp. und Trachinus sp.
Invertebraten
Arthropoden
alle Exemplare bestimmter Arten von Orthognata und Scorpiones
Mollusken
alle Exemplare bestimmter Arten von Conidae spp.
alle Arten von Hapalochlaena maculosa
                                            21
 ---pagebreak---                                                                     ISSN 0256-2383
                                                        KOM(95) 619 endg.
                                          DOKUMENTE
DE                                                                             14
                                     Katalognummer : CB-C0-95-652-DE-C
                                                             ISBN 92-77-97092-8
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg