CELEX: 51983PC0258
Language: de
Date: 1983-06-02
Title: VORSCHLAG FUER EINEN BESCHLUSS DES RATES ZUR ANNAHME DES ERSTEN EUROPAEISCHEN STRATEGISCHEN PROGRAMMS FUER FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG AUF DEM GEBIET DER INFORMATIONSTECHNOLOGIE ( ESPRIT )

26. 11.83                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                          Nr. C 321/1
                                                       II
                                           (Vorbereitende Rechtsakte)
                                          KOMMISSION
             Vorschlag für einen Beschluß des Rates zur Annahme des ersten europäischen
             strategischen Programms für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der
                                       Informationstechnologie (ESPRIT)
                                              KOM(83) 258 endg.
                                 (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 25. Mai 1983)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN                                   tor für das wirtschaftliche Wachstum und die soziale
GEMEINSCHAFTEN —                                           Entwicklung darstellt.
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europä-
ischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf           Die Kommission hat in ihrer Mitteilung KOM(82)
Artikel 235,                                               865 dem Rat eine Strategie auf dem Gebiet der Wis-
                                                           senschaft und der Technik und ein Rahmenpro-
                                                           gramm für den Zeitraum 1984—1987 vorgeschlagen.
auf Vorschlag der Kommission,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,            Das vorgeschlagene Rahmenprogramm fordert ein
                                                           Aktionsprogramm für Forschung und Entwicklung
                                                           auf dem Gebiet der Informationstechnologien.
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-
schusses,
                                                           Der Rat hat durch seine Entschließung 82/878/
in Erwägung nachstehender Gründe:                          EWG (2) eine Reihe von Pilotprojekten im Bereich
                                                           der Informationstechnologien angenommen.
Die Gemeinschaft hat die Aufgabe, durch die
Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und die               Die Reaktion der Industrie, der Universitäten und
schrittweise Annäherung der Wirtschaftspolitik der         der Forschungseinrichtungen auf diese Pilotprojekt-
Mitgliedstaaten eine harmonische Entwicklung des           phase war von hoher Qualität und bezeugte ein
Wirtschaftslebens innerhalb der Gemeinschaft und           hohes Maß von Interesse. Es sollten daher angemes-
engere Beziehungen zwischen den Staaten zu för-            sene Mittel bereitgestellt werden, um die Kontinui-
dern, die in dieser Gemeinschaft zusammenge-               tät der Aktionen, die derzeit in Angriff genommen
schlossen sind.                                            werden, zu sichern und ein vollständiges Aktions-
                                                           programm in Angriff zu nehmen.
 Der Rat hat am 15. Juli 1974 eine Entschließung (')
bezüglich der Informatik angenommen.                        Ein umfassendes Forschungs- und Entwicklungs-
                                                           programm sollte die allgemeinen Zielsetzungen
                                                           haben, die im Anhang angeführt sind, aber gleich-
 Die Staats- und Regierungschefs haben am 21. und          zeitig so ausgerichtet sein, daß es eine Revisions-
 22. Juni 1979 auf ihrer Sitzung in Straßburg festge-       möglichkeit für Einzelheiten auf verschiedenen Auf-
 stellt, daß der dynamische Bereich der Informa-            schlüsselungsebenen enthält, wie es die Änderung
 tionsindustrien, der sich auf die neuen elektroni-         industrieller Prioritäten erfordert.
 schen Techniken gründet, einen wesentlichen Fak-
(') ABl. Nr. C 86 vom 20. 7. 1974, S. 1.                   (2) ABl. Nr. L 369 vom 29. 12. 1982, S. 37,
 ---pagebreak--- Nr. C 321/2                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            26. 11. 83
Die angemessenen Maßnahmen zur Sicherstellung                                      Artikel 3
der Verbreitung und des Zugangs zu den Ergebnis-
sen von Vorhaben von gemeinschaftlichem Inter-           Die Kommission trägt dafür Sorge, daß das Pro-
esse sind wesentlich, um die Zielsetzungen der           gramm ordnungsgemäß durchgeführt wird. Insbe-
Gemeinschaft zu erreichen.                               sondere erläßt sie die Einzelheiten der Durchfüh-
                                                         rung des Programms, definiert die Ziele im einzel-
Für die Durchführung des Programms soll die Kom-         nen und bestimmt die auszuführenden Vorhaben.
mission durch einen Beratenden Verwaltungs- und          Sie erstellt jedes Jahr ein Arbeitsprogramm und
Koordinierungsausschuß unterstützt werden.               bringt es erforderlichenfalls auf den neuesten Stand.
Wegen der Bedeutung der Maßnahme kann es erfor-                                    Artikel 4
derlich sein, das hiermit beschlossene Programm zu
verlängern.
                                                         Die Kommission wird bei der Erfüllung der in Arti-
                                                         kel 3 genannten Aufgaben vom Beratenden Verwal-
Der Vertrag sieht nicht die notwendigen Befugnisse       tungs- und Koordinierungsausschuß auf dem
vor —                                                    Gebiet der Informationstechnologien unterstützt,
                                                         der durch den Beschluß . . / . . / des Rates (•) einge-
BESCHLIESST:                                             setzt wurde.
                       Artikel 1                                                   Artikel 5
(1) Ein Forschungs- und Entwicklungsprogramm             In Zusammenhang mit den Koordinationstätigkei*
für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft auf          ten tauschen die Mitgliedstaaten und die Gemein-
dem Gebiet der Informationstechnologien, das in          schaft alle geeigneten Informationen hinsichtlich
Abschnitt A des Anhangs definiert ist, — im folgen-      FuE-Tätigkeiten in Gebieten, die von diesem
den Programm genannt — wird für einen Zeitraum           Beschluß erfaßt werden, aus, soweit sie dazu
von fünf Jahren, beginnend am 1. Januar 1984,            Zugang haben und die Weitergabe der Informatio-
beschlossen.                                             nen zulässig ist, gleichgültig ob die FuE-Tätigkeiten
                                                         unter ihrer Zuständigkeit geplant und ausgeführt
(2) Das Programm umfaßt Vorhaben, die aufgrund           werden oder nicht.
von Verträgen durchgeführt werden, die mit in der
Gemeinschaft ansässigen Unternehmen, einschließ-         Informationen sollen in Übereinstimmung mit
lich kleiner und mittlerer Firmen, Universitäten und     einem Verfahren ausgetauscht werden, das von der
anderer Stellen, abgeschlossen werden. Daneben           Kommission nach Konsultation des in Artikel 4
umfaßt es Koordinierungsmaßnahmen für die For-           genannten Ausschusses definiert wird. Sie sollen als
schungs- und Entwicklungstätigkeiten, die im Rah-        vertraulich betrachtet werden, falls der Mitglied-
men der Programme der Mitgliedstaaten und                staat, der sie liefert, dies fordert.
Gemeinschaft zur Durchführung kommen.
                                                                                   Artikel 6
(3) Es wird grundsätzlich erwartet, daß Vertrags-
partner einen wesentlichen Anteil der Kosten tra-        (1) Das Programm wird nach 30 Monaten über-
gen. Sie werden im Normalfall zu 50 % auf die Ver-       prüft. Der Rat und das Europäische Parlament wer-
tragspartner und zu 50 % auf die Gemeinschaft auf-       den über die Ergebnisse dieser Überprüfung unter-
geteilt.                                                 richtet.
                       Artikel 2                         (2) Das Programm kann auf Vorschlag der Kom-
                                                          mission, der im Rahmen der entsprechenden Ver-
Die Gemeinschaft leistet einen Beitrag zur Durch-         fahren dem Rat vorgelegt wird, für eine zweite Lauf-
führung des Programms im Rahmen der hierfür im            zeit von 5 Jahren verlängert werden.
 Haushalt der Europäischen Gemeinschaften einge-
setzten Mittel.                                           (3) Am Ende jedes Fünfjahreszeitraums legt die
                                                          Kommission nach Konsultation des in Artikel 4
 Der Gesamtbetrag der Mittel, die dem Beitrag der         genannten Ausschusses den Mitgliedstaaten und
 Gemeinschaft zur Durchführung des Programms              dem Europäischen Parlament einen Bericht über die
 entsprechen, wird auf 750 Mill. ECU veranschlagt,        Durchführung und die Ergebnisse des Programms
 und zwar einschließlich des Personalbedarfs, der auf     vor.
 83 A-Bedienstete, 17 B-Bedienstete und 50                (') Siehe Vorschlag eines Beschlusses des Rates
 C-Bedienstete veranschlagt wird (siehe Teil B des             (KOM(83) 143 final — ABl. Nr. C 113 vom 27.4.
 Anhangs).                                                     1983, S. 4).
 ---pagebreak--- 26. 11.83                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr. C 321/3
                                                      ANHANG
                                                   ABSCHNITT A
                                               TÄTIGKEITSBEREICHE
          Das Programm umfaßt Bereiche von FuE-Aktivitäten und Infrastrukturaktionen.
          Die FuE-Bereiche sind:
          1.  Fortgeschrittene Mikroelektronik
              Hauptziel ist die Schaffung der technologischen Voraussetzungen für Entwurf, Fertigung
              und Prüfung der Hochgeschwindigkeits- und hochintegrierten Schaltungen (IC), die in den
              kommenden zwei Jahrzehnten erforderlich sind.
              Gleichzeitig soll die FuE über neuartige Werkstoffe und Geräte für Sonderanwendungen sti-
              muliert werden. Die Tätigkeiten umfassen:
              — Rechnergestützte Entwurf-, Fertigungs- und Prüfverfahren für Höchstintegrations-
                   Schaltkreise(VLSI);
              — Silizium-IC-Verfahrensschritte bis zu 1 Mikrometer Merkmalausdehnung;
              — Integration der Prozeßschritte mit dem Ziel einer rechnergesteuerten VLSI-Fertigung;
              — Prozeßschritte für Submikrometer-Merkmalausdehnung bei Silizium und anderen Halb-
                   leiterstoffen ;
              — Techniken zur Schaffung von Schnittstellen zwischen den integrierten Schaltkreisen und
                   ihrer Umgebung;
              — Forschung über optische Informationsverarbeitung und Übertragung, einschließlich
                   integrierter optoelektronischer Techniken, optischer Schaltung und Speicherung;
              — neuartige Technologien für Anzeigegeräte zur Präsentation von Informationen und Bil-
                   dern ;
              — neuartige Werkstoffe für elektronische und optische Technologien.
          2.   Software-Technologie
              Ziel der Software-Technologie ist die Schaffung rationeller technischer Praktiken, Methoden
              und Werkzeuge, wie sie für die Software-Entwicklung erforderlich sind, der Managementme-
              thoden für Informationstechnologie und der dafür erforderlichen wissenschaftlichen Kennt-
              nisse und die Integration dieser Faktoren in eine zusammenhängende Technologie. Sie
              basiert auf mathematischem Management sowie wirtschaftlichen Grundsätzen und her-
              kömmlichen technischen Verfahren.
              Es ist an eine Kombination von drei einander ergänzenden Forschungsansätzen gedacht.
              Der erste Ansatz betont die wissenschaftlichen Grundlagen und bezieht sich auf Bereiche
              wie formal-mathematische Techniken, Klassifikationslehre und Metrik, einschließlich empi-
              rischer Techniken und Modellierungen. Dieser Ansatz bei der Software-Entwicklung
              bezweckt ein besseres wissenschaftliches Verständnis und besteht hauptsächlich in theoreti-
              scher Forschungsarbeit.
              Der zweite Ansatz zielt auf den Software-Erzeugungsprozeß. Dabei wird die Software-Ent-
              wicklung als industrielle Tätigkeit angesehen, bei der umfangreiche Teams von (professio-
              nellen und spezialisierten) Software-Technikern komplexe Software-Systeme bauen, die in
              vielen Versionen und Varianten für große Märkte und über weite Zeiträume hinweg ausge-
              legt sind. Die Arbeiten auf diesem Bereich beziehen sich auf alle Teile des Software-Lebens-
              Zyklus und befassen sich u. a. mit Bedarfsanalyse, Spezifizierung, Entwurf, Realisierung,
              Verifizierung und Validierung, Weiterentwicklung und Verbesserung; besondere Bedeutung
              hat die volle Integration der Methoden und Geräte und die Kontinuität über die Phasen des
              Lebens-Zyklus.
              Die FuE-Tätigkeit in diesem Bereich konzentriert sich hauptsächlich auf Methoden und
              Instrumente und ihre Integration in vollständige Systeme zur Software-Erzeugung. Ziel ist
              dabei die Beherrschung des technischen Software Produktionsprozesses.
 ---pagebreak--- Nr. C 321/4                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 26. 11.83
                Der dritte Ansatz betrachtet den Software-Entwicklungsprozeß als eine eigenständige öko-
                nomische Aktivität. Dabei gilt Software als Produkt, dessen technische Merkmale und Lei-
                stungsanforderungen im Hinblick auf ihre Interdependenzen mit den kommerziellen Zielen
                eines Unternehmens untersucht werden. Dabei geht es auch um das Problem der Herstellung
                anwendungsspezifischer Software und darum, wieweit die Kenntnis des Anwendungsbe-
                reichs die Instrumente und Methoden der Software-Entwicklung beeinflussen kann.
                Ziel dieses Ansatzes ist die Schaffung der Techniken und Kriterien zur Organisation, Verwal-
                tung und Optimierung aller Schritte bei der Anwendung, der Konstruktion und beim Pro-
                duktionsprozeß von Software. Das führt zu FuE-Tätigkeiten über:
                — Theorien und Methoden zur Programmentwicklung,
                — Methoden und Instrumente bei der Software-Entwicklung,
                — Ökonomische und industrielle Software-Erzeugung.
            3.  Fortgeschrittene Informationsverarbeitung (AIP — Advanced Information processing)
                Ziel ist hierbei die Schaffung der Grundlage für die industrielle Nutzung des Übergangs vom
                datenverarbeitenden zum wissensverarbeitenden System, dem Schlüssel zur nächsten Com-
                putergeneration. Etappenziele auf diesem Weg bestehen in der Entwicklung benutzerfreund-
                licher Schnittstellen für nicht professionelle Benutzer und der Anwendung von VLSI für
                einen größeren Anstieg der Informationsverarbeitungsleistung.
                 Das Hauptgewicht der FuE wird auf folgende Bereiche gelegt:
                — Informations- und Wissensbehandlung, einschließlich von Experten-Systemen (expert
                      Systems),
                — Techniken zur Mustererkennung und ihre Anwendung auf Schnittstellen mit der
                      Umwelt, insbesondere in der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine,
                — Informations- und Wissensspeicherüng, einschließlich neuer Hardware-Technologien
                      und fortgeschrittener Software-Techniken,
                — Computer-Architektur, insbesondere für Parallelverarbeitung, mit dem Ziel neuer Verar-
                      beitungs-Systeme mit erhöhten Leistungen,
                 — Entwurfsziele und -methoden, um zuverlässige AIP-Konzepte in VLSI-Schaltungen zu
                      integrieren.
            4.   Büro-Systeme
                 Ziel ist hierbei, Systemforschung über die Informationssysteme durchzuführen, die das breite
                 Spektrum nicht-routinemäßiger Aufgaben, die von Menschen im Bürobereich erledigt wer-
                 den, unterstützen sollen. Dazu gehören folgende Arbeitsgebiete:
                 — Büro-System-Wissenschaften, als Voraussetzung und Unterstützung für die Funktions-
                      anajyse und Beschreibung der Büro-Arbeitsvorgänge, die Definition von Standards und
                      den Entwurf angepaßter Büro-Produkte und -Systeme,
                 — Büro-Arbeitsstationen, Dokument-Beschreibungs-Sprachen, Dokument-Erstellung und
                      Verteilung, Mensch/Maschine-Schnittstellen,
                 — Bürokommunikationssysteme einschließlich lokaler Netze und ihrer Verknüpfung, inte-
                      grierter interaktiver Text-Stimme-Bild-Video Kommunikation und wertsteigender Funk-
                      tionen,
                 — Informations-Ablage- und -Wiedergewinnungssysteme mit Betonung auf Benutzer-
                      freundlichkeit und Wiedergewinnung von „Wissen", auf über Inhalt und Struktur adres-
                      sierbare Datenbanken und Bürodokument-Sprachen,
                 — menschliche Faktoren, d. h. alle Aspekte der Wechselwirkung zwischen Mensch und
                       Datenverarbeitungssystemen.
             5.  Computerintegrierte Fertigung (CIM — Computer-integrated-manufacture)
                 Hierbei wird das Ziel verfolgt, eine Technologiebasis zu entwickeln, um schrittweise in allen
                 Phasen des Fertigungsprozesses Computerunterstützung einzuführen bis hin zur voll-inte-
                 grierten Fertigung.
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    Nr. C 321/5
                Hauptgewicht liegt dabei auf Prozeßelementen, wie sie für die Fertigung von Serien in nied-
                riger Stückzahl gebraucht werden, da dies von der Technologie her die meisten Probleme
                aufwirft. Die FuE befaßt sich dabei vorrangig mit:
                — integrierter Systemarchitektur für CIM-Systeme einschließlich von Datenbank-Verwal-
                     tungssystemen und von Konzepten der fortgeschrittenen Informationsverarbeitung,
                — modularen Systemen für rechnerunterstützte Konstruktion und technische Durchfüh-
                     rung (Computer aided design and engineering CAD/CAE),
                — modularen Systemen für computerunterstützte Fertigung, Prüfung und Instandsetzung
                     und ihrer Integration mit CAD und CAE,
                — Software-Systemen und Betriebssystemen, einschließlich von Befehlssprachen zur
                     Erzeugung von Steuerungsprogrammen für automatische Montage, Robotereinsatz oder
                     numerisch gesteuerte Werkzeug-Maschinen (aufbauend auf Daten zur Entwurfs-, Pro-
                     duktions- oder Test-Simulation),
                — Bildverarbeitungs- und Kontrollsysteme zur Echtzeiterfassung und -Verarbeitung dreidi-
                     mensionaler Bilder und für die Erzeugung angemessener Reaktionsprozesse unter Ein-
                     beziehung fortgeschrittener Informationsverarbeitungstechniken (AIP),
                — VLSI-Entwurf und -Herstellung für computerintegrierte Fertigungsteilsysteme,
                — Demonstrationsmodelle von CIM-Teilsystemen bis zur Erstellung vollständiger CIM-
                      Demonstrationssysteme für Versuche unter realen Bedingungen.
           6.    Infrastrukturaktionen
                 Die Infrastrukturaktionen umfassen eine Reihe spezifischer Maßnahmen mit dem Ziel, die
                 Bedingungen für eine erfolgreiche Ausführung der kooperativen FuE auf Gemeinschafts-
                 ebene und für die bestmögliche Nutzung des gesamten ESPRIT-Programms zu schaffen.
                 Diese Infrastrukturtätigkeiten bestehen hauptsächlich in:
                — Koordinierung von FuE-Programmen der Gemeinschaft und der Mitgliedstaaten, dem
                      Informationszugang innerhalb des ESPRIT-Rahmens und weltweit, und der geeigneten
                     Verbreitung dieser Informationen,
                — der Koordinierung und Dokumentation von Normen innerhalb von ESPRIT und ihrer
                      Beziehung zu nationalen und internationalen Normen,
                — einem Informationsaustauschsystem (IES — Information Exchange System), um durch
                      Erleichterung wechselseitiger Kommunikation die gute technische Ausführung von
                      FuE-Projekten und ihrer Verwaltung sowie die geeignete Verbreitung ihrer Ergebnisse
                     sicherzustellen. Schrittweise Realisierung und Ausbau sollen eine direkte Kommunika-
                     tion zwischen Computern und eine dezentrale Software-Entwicklung ermöglichen.
                                                           ABSCHNITT B
                                                           Personalübersicht
              Kategorie              Zeitverträge für 1984             Zusätzliche Zeitverträge für 1985
                                                                                                           Gesamt-
                             wissen-                                  wissen-                              summe
              Laufbahn-    schaftlich      Verwal-                   schaftlich    Verwal-
                            und tech-    tungsperso-     Insgesamt   und tech-   tungsperso-     Insgesamt
               gruppe                         nal                                    nal
                              nisch                                    nisch
                  A            47               4            51         32            —              32      83
                  B              4              5             9           2            6              8       17
                  C            —               31            31         —             19             19      50
 ---pagebreak--- Nr. C 321/6                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      26. 11. 83
                                                           ANHANG
                                                         ABSCHNITT I
                                                        HINTERGRUND
                                                     Zweck dieser Mitteilung
             1.   1982 wurden dem Rat drei Mitteilungen übersandt ('), die:
                 a)    die Bedeutung der Informationstechnologien (IT) analysierten und ESPRIT einführ-
                       ten,
                 b)    das Konzept einer Pilotphase für ESPRIT skizzierten und die Leitlinien für ein
                       Gesamtprogramm aufzeigten,
                 c)    die Grundlage für einen Beschluß über Pilotvorhaben darstellten.
            2.   Die Forschungsminister begrüßten das ESPRIT-Konzept im Juni 1982 und billigten das
                 Prinzip einer Pilotphase auf ihrer Tagung im November 1982. Am 21. Dezember 1982 faßte
                 der Rat den Beschluß, bis zu 11,5 Mill. ECU — entsprechend 50 % der Kosten für das erste
                 Jahr — für die Pilotphase bereitzustellen (2).
            3.   Der Umfang und die Qualität der Reaktionen auf die Projektausschreibung für diese Pilot-
                 phase und die Unterstützung von seiten der Industrie sind klare Hinweise dafür, daß die
                 Definition und Durchführung eines umfassenden Gesamtprogramms jetzt erforderlich ist.
            4.   Das vorliegende Dokument soll die Grundlage für einen Beschluß des Rates über ein der-
                 artiges Gesamtprogramm darstellen, in das die Pilotvorhaben einbezogen werden.
            ROLLE       UND BEDEUTUNG                DER     INFORMATIONSTECHNOLOGIE                   FÜR     DIE
            GEMEINSCHAFT
            5.   Europas Aufstieg zu historischer und weltweiter Bedeutung war insgesamt eng mit seinen
                 wissenschaftlichen und technologischen Leistungen verbunden. Obwohl nicht ohne Pro-
                 bleme, stellt technologischer Fortschritt einen wesentlichen Bestandteil der weiteren Ent-
                 wicklung menschlicher Gesellschaften dar; weiterer Fortschritt wird weitgehend von recht-
                 zeitigem Erwerb neuer Technologien und ihrer geschickten Nutzung abhängen.
            6.   Die neuen Informationstechnologien (IT) können für den Rest des Jahrhunderts als eine
                 der entscheidenden Quellen für technologischen Fortschritt angesehen werden. Sie verspre-
                 chen Antworten auf viele dringende aktuelle Probleme. Sie bieten die Chance einer indu-
                 striellen Renaissance in Europa durch qualitatives Wachstum und schaffen neue Erzeug-
                 nisse, Verfahren und Dienstleistungen und damit neue Export- und Beschäftigungsmög-
                 lichkeiten.
            7.   Für die auf hohe Wertschöpfung zielenden Volkswirtschaften Europas ist IT von entschei-
                 dender Bedeutung; es ist daher erforderlich, in Schlüsselbereichen einheimische Kapazitä-
                 ten aufzubauen, um den Wettbewerb und die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
                 und Japan zu gleichen Bedingungen aufnehmen zu können.
            8.   Die europäische Industrie steht jedoch nicht mehr wie früher an der Spitze der technologi-
                 schen Entwicklung und Innovation, und die weltweiten Bedingungen machen es ange-
            (') KOM(82) 287: Europäisches Strategieprogramm für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der
                                 Informationstechnologien;
                KOM(82) 486: Grundlagen für ein Europäisches Strategisches Programm für Forschung und Entwick-
                                lung auf dem Gebiet der Informationstechnologie: Pilot-Phase;
                KOM(82) 737: Vorschlag für einen Beschluß des Rates über eine Vorbereitungsphase für ein Forschungs-
                                und Entwicklungsprogramm der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Informationstechno-
                                logien.
            (2) ABl. Nr. L 369 vom 29. 12. 1982, S. 37.
 ---pagebreak--- 26. 11.83                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr. C 321/7
               sichts steigender Kosten im Energie- und Rohstoffbereich und in Anbetracht des wachsen-
               den internationalen Wettbewerbs in zunehmenden Maße schwierig, wirtschaftliche und
               industrielle Stärke aufrechtzuerhalten.
          9.   Europa ist von Einfuhren abhängig; die Stärke seiner Industrie bei der Lieferung von
               Exportgütern und alle damit zusammenhängenden Faktoren sind daher Aspekte von zen-
               traler politischer Bedeutung.
          10.  Die Informations-Technologien erfordern intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
               und ihre Verfahren veralten sehr rasch. Dies bedeutet, daß die im FuE-Bereich erforderli-
               chen Investitionen so hoch sind, daß ein selektives Vorgehen unvermeidbar wird.
          11.  Die Realisierung des wirtschaftlichen Wachstums und des potentiellen Nutzens der IT
               haben bedeutsame gemeinschaftliche Dimensionen. Dies gilt insbesondere für den Einsatz
               der knappen technologischen Aktiva und Mittel für die mittel- bis langfristige FuE.
          12.  Obwohl die Anstrengungen der Gemeinschaft in diesem Bereich schon erheblich sind,
               müssen sie in Schlüsselbereichen intensiviert und wirksamer gestaltet werden.
          13.  Die Mobilisierung des technologischen Potentials der Gemeinschaft auf diesem Gebiet
               wird vom gemeinsamen Engagement von Regierungen, Wirtschaft, Forschungsinstituten,
               Hochschulen, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit abhängen, mit dem Ziel, die Wirt-
               schaft mit den für ihre langfristige Lebensfähigkeit und Stärke erforderlichen technologi-
               schen Mitteln auszustatten.
          IT ALS FAKTOR DES WIRTSCHAFTLICHEN                   WANDELS
          14.  Informationstechnologie ist in der westlichen Welt vielleicht der industrielle und geschäft-
               liche Bereich mit der höchsten Wachstumsrate. Ihre Märkte sind groß, ihre Anwendungen
               vielseitig und allgegenwärtig und ihr Potential zur Steigerung der Effizienz ist immens. Die
               IT wird bis mindestens Ende dieses Jahrhunderts die treibende Kraft des wirtschaftlichen
               Wachstums bleiben und ist daher ein entscheidender Faktor in wirtschaftlichen Fragen.
          15.  Informationstechnologie ist ein passender Industriezweig für die Wirtschaft Europas, wo
               man von verhältnismäßig hohen Arbeitskosten auszugehen hat. In einer Reihe weiterer
               Wirtschaftszweige kann sie einen Beitrag zu besserem betrieblichem Wirkungsgrad und zu
               Kostensenkungen leisten. Die Informationstechnologien sind wertschöpfungs-intensiv und
               enthalten ein großes Ausfuhrpotential. Darüber hinaus sind sie wissens-intensiv, verbrau-
               chen wenig Energie, haben einen begrenzten Rohstoffbedarf und werfen — soweit bekannt
               — keine Umweltprobleme auf.
          16.  Die Informationstechnologie stellt für sich alleine genommen schon jetzt einen der wich-
               tigsten Wirtschaftszweige dar, der der Größe (237 Milliarden $ weltweiter Umsatz im Jahre
                1980) und dem erzeugten Mehrwert nach mit der Automobil- und Stahlindustrie vergleich-
               bar ist.
               Sie unterscheidet sich jedoch von diesen ausgereiften Industriezweigen dadurch, daß sie
               noch Wachstumsmöglichkeiten auf breiter Grundlage bietet. Man erwartet, daß ihre glo-
               bale Wachstumsrate — ausgereizte Produkte, wie z. B. Telegraphie- und nichtdigitale Fern-
               sprechgeräte eingerechnet —jährlich real um 8 bis 10 % steigt.
               Der Anteil des IT-Marktes der Gemeinschaft am Weltmarkt liegt bei etwa 30 %. Dabei ist
               die Leistung derjenigen IT-Firmen, deren Entscheidungszentrum in der Gemeinschaft liegt,
               enttäuschend und ihre Präsenz in führenden Märkten vernachlässigbar.
          17.   Etwa 6% des Bruttoinlandproduktes der Gemeinschaft stammt aus den IT-Hauptindu-
               strien :
               — Rechner einschließlich Peripheriegeräten,
               — Computer-Dienstleistungen einschließlich Software,
               —     Bauelemente
               und zu weiteren 29 % aus den Wirtschaftszweigen mit stärkerer IT-Anwendung wie:
 ---pagebreak--- Nr. C 321/8                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                         26. 11. 83
                  —      Fernmeldewesen,
                  —      Büroautomation,
                  —      Fertigungsautomation,
                  —      Konsumgüter,
                  — Anwendungen im Verteidigungsbereich,
                  — Finanz und Versicherungsbereich.
            18.   Weitere 20 % des Bruttoinlandsproduktes leiten sich aus anderen Industriezweigen mit
                  einem hohen Informationsgehalt ab wie z. B. dem Dienstleistungsbereich und dem Einzel-
                  handel sowie aus Bereichen, die bei Entwurf, Fertigung, Qualitätskontrolle, Vertrieb und
                  Wartung in wachsendem Maße Computer einsetzen, wie der Automobil- und Textilindu-
                  strie.
            19.   Die Leistungsfähigkeit der übrigen Wirtschaft wird durch IT — wenn auch nicht so direkt
                  — ebenfalls erheblich tangiert. So kann z. B. die Landwirtschaft aus der Satellitenbeobach-
                  tung mit anschließender Computeranalyse der Daten großen Nutzen zur Verbesserung der
                  Ernteergebnisse ziehen. Angesichts der Größe des landwirtschaftlichen Sektors wäre schon
                  eine geringfügige Verbesserung von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
            20.   Fernmeldewesen, Büroautomation und Fertigungsautomation spielen eine besonders wich-
                  tige Rolle, da diese IT-Anwendungen eine entscheidende Infrastruktur für die gesamte
                  Volkswirtschaft darstellen.
            21.   Als Fertigungssektor ist die IT-Industrie weltweit eine der am schnellsten wachsenden
                  Industrien des letzten Jahrzehnts, ein Jahrzehnt, in dem ansonsten eine allgemeine Rezes-
                  sion zu verzeichnen war.
                  Es wird erwartet, daß bis 1990 das Wachstum auch weiterhin mit etwa 8—10% pro Jahr
                  anhält; zu diesem Zeitpunkt wird die IT-Industrie dann mit einem Gesamtumsatz von etwa
                  500 Milliarden Dollar (zu Preisen von 1980) weltweit der größte Fertigungssektor sein.
            22.   Umgang mit Information (') wird zum wichtigsten Einzelbereich der Beschäftigung. Das
                  statistische Amt der Vereinigten Staaten schätzte, daß 1980 nahezu 50 % der Erwerbsperso-
                  nen im Informationsbereich tätig waren. Dabei sind neben der Fertigung auch alle anderen
                  Beschäftigungen, die sich mit Information befassen, eingerechnet. Die europäischen Zah-
                  len sind ähnlich. In der IT-Herstellung alleine sind schon 5 % der Erwerbspersonen der
                  Gemeinschaft, d. h. etwa 5 Millionen Personen beschäftigt.
            23.   Vier Millionen Arbeitsplätze dürften von der IT-bezogenen Leistungsfähigkeit der Gemein-
                  schaft abhängen.
                   Hätte in der Gemeinschaft der Markt für IT-Produkte sich mit der gleichen Wachstumsrate
                   wie in USA oder Japan entwickelt, so hätte die Deckung dieses zusätzlichen Bedarfes etwa
                   2 000 000 zusätzliche Arbeitsplätze ausgemacht.
                   Eine ähnlich hohe Zahl von Arbeitsplätzen ist in Zukunft gefährdet, falls die Industrie in
                  der Gemeinschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit nicht so wirksam durch IT-Anwendung
                  erhöht, wie es die Mitbewerber weltweit tun.
            IT ALS FAKTOR DES SOZIALEN                 UND KULTURELLEN              WANDELS
            24.    Informationstechnologie ist unlösbar mit sozialem und kulturellem Fortschritt verbunden.
                   Vor 5 000 Jahren wurde die erste wichtige Innovation im IT-Bereich eingeführt: die Auf-
                  zeichnung von Informationen durch Symbole. Seither bildeten der Übergang zur alphabeti-
                  schen Schrift, zum Buchdruck und, erst kürzlich, zur rechnergestützten Textverarbeitung
                  wesentliche Meilensteine.
            (') Dies schließt Aktivitäten wie Fernsehen und Presse mit ein, die, wenn auch nicht vom Begriff „Informa-
                tions-Technologie" direkt umfaßt, doch stark von ihr abhängen.
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr. C 321/9
           25.   Die Informationstechnologie hat sich bisher vor allem mit der Verbesserung verhältnismä-
                 ßig einfacher Hochgeschwindigkeits-Informationsverarbeitung, wie z. B. .Rechnung' und
                 ,Ausdruck' befaßt. Dagegen sind selbst einfache kognitive Prozesse, wie das Erkennen
                 einer Stimme, mit den derzeitigen Techniken noch immer äußerst schwierig.
           26.   Mit den absehbaren Fortschritten im IT-Bereich rücken jetzt auch höhere Formen von
                 Maschinenintelligenz in den Bereich des Möglichen und es ist ziemlich offensichtlich, daß
                 dies ebenso wichtige sozio-kulturelle und politische Veränderungen zur Folge haben wird,
                 wie andere umwerfende Innovationen dieses Jahrhunderts.
           27.   Die Möglichkeiten für soziale und kulturelle Entwicklung sind enorm, da die IT soziale
                 und bildungsbedingte Hindernisse beseitigt, soweit sie ihren Ursprung in Zugriffsbeschrän-
                 kungen zu Information und Wissen haben. Offensichtlich bringt dies — wie bei jedem
                 neuen Produkt — Risiken mit sich, die eingehend geprüft sein wollen und eine sorgfältige
                 Bewertung und Auswahl erfordern.
           28.    Die Entwicklung der IT findet weltweit statt und bietet grundsätzlich allen Gesellschaften
                  Möglichkeiten, ihre kulturelle Identität beizubehalten und zu entwickeln. Die Entwick-
                  lungsländer können ihre Bevölkerung mit Hilfe des direkten Satellitenfunks ausbilden und
                  unterrichten lassen. In dem Maße, wie die maschinelle Übersetzung Fortschritte macht,
                  werden es die Mitgliedstaaten einfacher finden, neben ihren eigenen Sprachen auch die
                  Sprachen ihrer Partner zu benutzen.
                  Aus- und Fortbildungs-Maßnahmen können flexibler und kostengünstiger gestaltet wer-
                  den.
           29.    Langfristig wird der Erfolg durch die Fähigkeit der Nationen und Regionen zur Nutzung
                  dieser Möglichkeiten bei gleichzeitiger Kontrolle der Risiken bestimmt werden.
                  Um dies zu erreichen, ist eine Beschleunigung des Fortschritts notwendig, aber nicht aus-
                  reichend. Ausbildung und Fortbildung, die Fragen des sich wandelnden Arbeitsinhalts,
                   Datenschutz und grenzüberschreitender Datenaustausch sowie zahlreiche andere wichtige
                   Punkte wollen beachtet sein. Die Kommissionsdienststellen haben sich bereits mit mehre-
                   ren dieser Fragen befaßt und entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen und durchgeführt.
            LAGE DER IT-INDUSTRIE IN DER GEMEINSCHAFT
            30.    Die Abhängigkeit der Gemeinschaft von IT-Einfuhren nimmt rasch zu. Noch 1975 ver-
                  zeichnete sie einen Exportüberschuß bei IT-Gütern. 1980 ergab sich jedoch bereits ein
                   Handelsdefizit von etwa 5 Milliarden Dollar und einigen Informationsquellen zufolge
                   wurde die 10-Milliarden-Dollar-Marke 1982 überschritten.
            31.    Das Problem des Handelsdefizits gewinnt dadurch an zusätzlicher Bedeutung, daß es sich
                   bei den Einfuhren der Gemeinschaft in erster Linie um Erzeugnisse der Spitzentechnolo-
                   gie, wie Rechner-Zentraleinheiten und Speicher aus den Vereinigten Staaten und Japan
                   handelt, während ihre Ausfuhren aus weitgehend ausgereizten, technologisch wenig
                   anspruchsvollen Produkten bestehen.
            32.    Der IT-Markt der Gemeinschaft ist gegenüber dem amerikanischen und dem japanischen
                   Markt um mehrere Jahre im Rückstand. Dies kommt unter anderem darin zum Ausdruck,
                   daß der Pro-Kopf-Absatz an IT-Erzeugnissen in der Gemeinschaft bei nur 60 % des Absat-
                   zes in den Vereinigten Staaten liegt.
            33.     Die IT-Industrie der Gemeinschaft hängt zur Erreichung von Gewinnen in wachsendem
                    Maße von Technologieeinfuhren oder von der Lizenznahme in den Bereichen Fertigung,
                   Vertrieb und Wartung ab. Dies kommt in einem deutlichen Rückstand auf dem Gebiet der
                    Erzeugnisse und der Technologie zum Ausdruck.
             34.    Da neue Technologie-Generationen kurz aufeinander folgen und jede Generation zu gro-
                    ßen Verbesserungen bei der Produktivität führt, wird vermutet, daß die durchschnittliche
                    Lebensdauer hoch-technologischer IT-Güter nur noch 3 Jahre beträgt. Produkte wie Mikro-
                    prozessoren und andere Schlüssel-Komponenten, aber auch Güter und Dienstleistungen in
                    der restlichen Wirtschaft sind auf dem internationalen Markt nur dann wettbewerbsfähig,
                    wenn sie die neuesten Fortschritte berücksichtigen.
             35.    Gleichzeitig steigt die Mindestgröße für Investitionen im FuE-Bereich für Schlüssel-Tech-
                    nologien weiter an und macht zur Erreichung von Rentabilität immer größere Märkte erfor-
 ---pagebreak--- Nr. C 321/10                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                26.11.83
               derlich. Digitale Vermittlungsstellen erfordern FuE-Investitionen in Höhe von etwa 1 Mil-
               liarde Dollar. Zur Amortisierung dieser Investitionen ist ein Umsatz in Höhe von 14
                Milliarden Dollar erforderlich. Dies übersteigt die Größe des innerhalb des nächsten Jahr-
               zehnts absehbaren Marktes eines jeden Mitgliedstaates, und dies bei einem Markt mit vie-
               len Wettbewerbern.
           36. Ähnliche Beschränkungen gelten, in unterschiedlichem Maße, für zahlreiche IT-Sektoren,
               insbesondere für Basis-Technologien, wie sie für die Entwicklung von technologisch füh-
               renden Produkten und Dienstleistungen erforderlich sind.
           ABHILFEMASSNAHMEN
           37.  Eine Reihe europäischer Firmen — teilweise auf Veranlassung durch Maßnahmen ihrer
                Regierungen — haben sich der Herausforderung durch die Technologie-Probleme und die
               wachsende Stärke der amerikanischen und japanischen Firmen bereits gestellt. Es liegen
               jedoch Hinweise dafür vor, daß Volumen und Umfang der Mittel, die in den Gemein-
               schaftsländern für die FuE aufgewendet werden, zu gering sind, um wirksam zu sein und
               daß sie häufig nur unzureichend auf international wettbewerbsfähige Innovation ausge-
               richtet sind.
           38.  Insbesondere werden FuE-Themen mit langen Vorlaufzeiten zugunsten kurzfristiger FuE
                vernachlässigt. Kurzfristige FuE eignet sich zwar gut für das Aufholen von Rückständen,
                ist aber nicht in der Lage, eine führende Position in spezifischen Sektoren zu bewirken.
           39.  Die derzeitige Art und Weise der Verwaltung der technologischen Aktiva und Mittel in der
                Gemeinschaft scheint nicht in der Lage, der einheimischen Industrie auf diesem Gebiet
               genügend Auftrieb zu geben. Sie dürfte — was noch besorgniserregender ist — die lebens-
                wichtige Aufgabe der Entwicklung technologischer Grundlagen für die Innovationen der
                80er und 90er Jahre nicht erfüllen, Jahre, in denen der Wettbewerb zwischen Industrie-
               regionen um Ausfuhrmöglichkeiten zur Bezahlung von Energie- und Rohstoffeinfuhren
                noch härter zu werden droht.
           40.  Forschung und Entwicklung ist das Kernstück einer mittel- und langfristigen Stärkung delr
                IT-Industrie der Gemeinschaft. Auf diesem Gebiet verfügt die Gemeinschaft über ausrei-
                chende Mittel für den Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten und Japan, jedoch sind
               diese infolge der Art und Weise, in der sie zur Zeit eingesetzt werden, nicht wirksam genug.
                Eine strategische, langfristige Planung sowie eine Konzentration von Ressourcen durch
                Definition technologischer Ziele und Bereitstellung finanzieller Mittel auf Gemeinschafts-
                ebene bieten eine gute Aussicht, die Lage schrittweise und dauerhaft wieder in den Griff zu
               bekommen.
           41.  Die Kommission teilt die Auffassung der Wirtschaft, daß die derzeitigen FuE-Anstrengun-
               gen wirksamer gestaltet und zugleich über einen längeren Zeitraum erheblich verstärkt wer-
                den müssen.
           42.  Das derzeitige Tempo des Rückgangs der Wettbewerbsfähigkeit ist hoch und beschleunigt
                sich weiter. Es ist daher erforderlich, so bald wie möglich wirksame Maßnahmen in die
                Wege zu leiten.
           43.  Eine umfassende Konzertierung mit den führenden IT-Firmen, Klein- und Mittelbetrieben,
                Hochschulen und Behörden der Mitgliedstaaten haben zur Aufstellung eines FuE-Pro-
               gramms für den Entwicklungsvorlauf (,long-lead time R&D') namens ESPRIT geführt,
                d. h. zum Europäischen Strategischen Programm für Forschung und Entwicklung auf dem
                Gebiet der Informationstechnologie.
           44.  Der Hauptanstoß für ESPRIT kam von seiten der Industrie. Zwecks Umkehrung des
               Trends zu zunehmender Abhängigkeit von Import-Technologien hat die Industrie ein
               gemeinsames FuE-Programm mit folgenden Zielsetzungen vorgeschlagen:
               — Abbau der Doppelarbeit im Bereich der vorwettbewerblichen FuE,
               — Sicherstellung einer kritischen Masse und ausreichender Kontinuität für die For-
                     schungsteams, wie sie zur Konzentration auf Schlüsselgebiete und Erzielung der benö-
                     tigten Ergebnisse erforderlich sind,
               — Abbau des Verzögerungseffektes durch das Verlassen auf Technologieimport.
 ---pagebreak--- 26. 11.83                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       Nr. C 321/11
          45.   Die Industrie hat ihre Bereitschaft erklärt, die Hälfte der erforderlichen Mittel aufzubrin-
                gen und — was noch wichtiger ist — auch ihre wertvollen Ressourcen an technischem
                Fachpersonal mit einzusetzen. Dies gilt insbesondere für solche Firmen, die über größere
                Möglichkeiten verfügen und in integrierter Weise an strategischen Projekten großen Maß-
                stabes teilnehmen wollen.
          46.   Gründe, die die Industrie dazu veranlaßt haben, sich mit dem Ersuchen an die Gemein-
                schaft zu wenden, die restlichen Mittel aufzubringen, sowie das Interesse der Gemein-
                schaft, diese auch bereitzustellen, sind in folgenden Punkten zu sehen:
                — Durch eine gemeinsame Erarbeitung der Basis-Technologien können die Grundlagen
                      für gemeinsame Nonnen und die Errichtung eines gemeinschaftsweiten IT-Markts
                      geschaffen werden. Entsprechende Fortschritte sind nur auf einer breiten Front mög-
                      lich, wie sie die Gemeinschaft ermöglicht;
                — es ist notwendig, die verschwenderischen Doppelarbeiten bei den einzelstaatlichen
                       Bemühungen zu vermeiden (').
          47.    Der natürliche Ausgangspunkt für die Wiederherstellung des Wettbewerbs-Gleichgewichts
                 ist die Verbesserung der technologischen Grundlage für die 80er und 90er Jahre durch
                 umfassende FuE-Projekte in der vorwettbewerblichen Phase.
          48.    Für ein FuE-Programm sprechen folgende Gründe:
                — Es kann sofort anlaufen;
                 — neue Technologien sind von lebenswichtiger Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit;
                 — die Wirtschaft kann bei vor-wettbewerblichen Forschungen zusammenarbeiten, ohne
                       mit der Notwendigkeit zum Wettbewerb um Märkte in Konflikt zu geraten.
          49.    ESPRIT ist von Umfang und Stoßrichtung her geeignet, einen deutlichen Fortschritt bei
                 der Verfügbarkeit anspruchsvollen Know-hows in der Informationstechnologie zu erzie-
                 len. Es verstärkt die Anstrengungen der Industrie und der Forschungseinrichtungen bei
                 ausgewählten strategischen Technologien in Teilbereichen, wo ein Gemeinschafts-Vorge-
                 hen besondere Vorteile bedeutet. Damit wird ein Technologie-Schub bewirkt.
                  Forschung und Entwicklung ist aber nicht der einzige Ansatz, bei dem die Gemeinschafts-
                 Dimension besondere Vorteile bringt. Aus- und Fortbildung, Technologie-Transfer, Auf-
                 stellung von Standards und der Prozeß zur Bestätigung ihrer Einhaltung, Schaffung von
                 führenden Märkten, Verbesserung der Rahmenbedingungen für kleine und mittlere
                  Betriebe und andere Aspekte, bieten Gelegenheit für gezielte Gemeinschafts-Maßnahmen
                 zur Verbesserung der Markt-Umwelt (2).
                 Außer solchen Infrastrukturmaßnahmen bestehen ernsthafte wirtschaftliche Argumente,
                 die darauf schließen lassen, daß in einigen IT-Marktsektoren ein gemeinschaftliches Vor-
                 gehen dringend vorzusehen wäre. Insbesondere gilt dies für den Sektor der Telekommuni-
                 kation, aber auch für andere Sektoren mit größerem IT-Anteil.
           50.    Abschnitt II dieses Dokuments erläutert Inhalt und Stoßrichtung von ESPRIT unter
                  Berücksichtigung seines Beitrags zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit näher.
           (') So arbeiten beispielsweise mehrere Mitgliedstaaten am „Büro der Zukunft", ohne aus der Arbeit ihrer
               Partner Nutzen zu ziehen. Alle dabei entwickelten Produkte sind für einen einzelstaatlichen Markt opti-
               miert. Sie dürften keinerlei Nutzen aus der Größe der Gemeinschaftsmärkte ziehen. Da sich dieses Vorha-
               ben mit der Klärung von Verfahren und Konzepten sowie mit der Festlegung von Normen für Schnittstel-
               len und Kommunikationen befassen muß, würde es — falls gemeinschaftlich durchgeführt — die
               Aussichten, daß andere Länder europäische Normen übernehmen, deutlich erhöhen.
           (2) Die Gemeinschaft hat bereits mehrere Aktionen im IT-Bereich gestartet, die sich in Ergänzung zu
               ESPRIT mit spezifischen Aspekten befassen:
               — Mehrjahresprogramm auf dem Gebiet der Datenverarbeitung einschließlich Maßnahmen zur
                     Erleichterung der Einführung der IT;
               — Insis/Caddia zur Förderung der IT-Einführung in Gemeinschaftsorganen und Behörden der Mit-
                     gliedstaaten;
               — Programm Mikroelektronik zur Unterstützung des Fortschritts bei spezifischen Entwurfs- und Ferti-
                     gungstechniken im Bereich der Informationstechnologie.
 ---pagebreak--- Nr. C 321/12                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 26.11.83
                                                    ABSCHNITT II
                SPEZIFISCHE ZIELE UND TÄTIGKEITSFELDER DES PROGRAMMS ESPRIT
            GRUNDLEGENDE TECHNOLOGISCHE GEBIETE: GRÜNDE FÜR                           PROGRAMMSPEZI-
            FITÄT
            1.      Das strategische Ziel des Programms ESPRIT besteht darin, der europäischen
                    IT-Industrie die technologische Grundlage zur Verfügung zu stellen, die sie benötigt,
                    um innerhalb des nächsten Jahrzehnts mit den USA und Japan wettbewerbsfähig zu
                    werden und zu bleiben.
            2.      Wegen der raschen Zunahme des Bedarfs an Informationen und Kommunikationssy-
                    stemen in allen Daseinsbereichen ist die IT für das gesamte Wirtschaftsgefüge von
                    entscheidender Bedeutung. Schon in allernächster Zukunft wird nahezu 70 % der Wirt-
                    schaft in der einen oder anderen Weise durch Computer oder andere IT-Produkte
                    betroffen sein.
            3.      In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten haben technologische Entwicklungen
                    das Potential zur Bereitstellung verbesserter Kommunikationsformen enorm erweitert.
                    Dieser technologische Schub hält auch weiterhin mit voller Kraft an.
                    Bei diesem Prozeß sind eine Reihe umfassender Trends zu verzeichnen, unter ande-
                    rem:
                    — eine weitere Abnahme der Größe, der Leistungsaufnahme und der Kosten elek-
                         tronischer Geräte, gekoppelt mit einer enormen Zunahme an Leistungsfähigkeit
                          und Zuverlässigkeit;
                    — eine wachsende physische Verteilung von Informations-Verarbeitungs-Funktio-
                          nen, was einen Fernzugriff und ein kooperatives Handeln über Breitband-Kom-
                          munikationsleitungen ermöglicht;
                    — der Aufbau elektronischer Informations-Datenbanken, die einem immer größeren
                          Personenkreis in Industrie, Dienstleisungs- und Privatbereich zur Verfügung ste-
                          hen;
                    — zunehmende Intensität der Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine
                          über Eingabe/Ausgabe-Schnittstellen.
            4.       Extrapoliert man diese Trends, so werden in den 90er Jahren bisher getrennte Infor-
                    mationssysteme und Dienstleistungen über großräumige und lokale Netze miteinander
                    verschmolzen. Öffentliche Netze (wie das digitale Netz für integrierte Dienste —
                     ISDN) werden Daten über Breitbandleitungen — einschließlich Satelliten — verteilen.
                     Über digitale Teilnehmerleitungen werden Haushalt, Büro und Fabrik angeschlossen.
                     Der Anschluß lokaler Netze an den Anschluß von Großraumnetzen wird über geeig-
                     nete Schnittstellen gesichert.
            5.       Die Teilnehmer werden mit diesen Netzen über Endgeräte oder Arbeitsstationen in
                    Verbindung treten und damit Zugriff zu einer ungeheuer großen Palette von Dienstlei-
                     stungen für wirtschaftliche Aufgaben, Ausbildung, Unterhaltung und persönliche
                     Kontakte bekommen.
            6.       In den 90er Jahren und darüber hinaus werden Informations-Systeme immer stärker
                     Merkmale der Maschinenintelligenz aufweisen. Dies wird in einem gewissen Anpas-
                     sungs-Verhalten der Maschinen, d. h. in den Fähigkeiten zum Ausdruck kommen, eher
                     Wissen als Daten zu verarbeiten, gesprochene Sprache zu verstehen und mit gedruck-
                     ten oder geschriebenen Texten und Graphiken zurechtzukommen. Vor allem aber wer-
                     den sie mehr auf die Benutzer der Informationssysteme eingehen und diese beim
                     Dialog stärker unterstützen.
                     Für Zwecke wie Verkehr, industrielle Aktivitäten, Verteidigung oder Medizin gebaute
                     Maschinen werden technisch sehr viel aufwendigere Fähigkeiten und Verhaltensmög-
                     lichkeiten aufweisen. Sie werden in wachsendem Maße auf ihre Umwelt reagieren und
                     in der Lage sein, ihren Betrieb wechselnden Bedingungen anzupassen.
 ---pagebreak--- 26. 11.83                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr. C 321/13
          7. Kurzum, es wird zu einer schrittweise engeren Wechselwirkung zwischen Mensch und
             Maschine auf allen Ebenen und auf allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
             Gebieten kommen. Aus diesen Tatsachen und Trends ergeben sich zwei offensichtli-
             che Schlüsse:
             — zum einen müssen mehr und mehr Leute lernen, wie diese Technologie zu nutzen
                   ist;
             — zum anderen müssen die aus der Technologie entstehenden Produkte in ihrer
                   Benutzung immer stärker vereinfacht werden und besser in das gesamte Muster
                   unseres täglichen Lebens sowohl im Arbeits- als auch im Privatbereich integriert
                   werden.
             Der erste Schluß hat weitreichende Folgen für die Aus- und Fortbildung, liegt aber
             außerhalb des Rahmens der vorliegenden Mitteilung. Der zweite bildet den eigentli-
             chen Schlüssel zu den Herausforderungen, die die Technologie in den nächsten zehn
             Jahren in den Griff bekommen muß.
          8. Auf diese Punkte wird im folgenden näher eingegangen:
             Die stärkere Annäherung an den Benutzer impliziert, daß das funktionelle Niveau der
             „Mensch-Maschine-Schnittstelle" deutlich angehoben werden muß. Rechner und
             andere IT-Systeme, die in der Lage sind, mit dem Benutzer auf vielfältigere „natürli-
             che" Weisen zu kommunizieren, als dies bisher möglich ist, müssen die Fähigkeit zum
             Verstehen natürlicher Sprache, gesprochener Sprache und handgeschriebener Unterla-
             gen besitzen, obwohl man hier weiterhin mit gewissen Begrenzungen wird rechnen
             müssen.
             Kommunikation wird zunehmend interaktiv. Dabei untersucht der Benutzer mit
             Hilfe des Systems die verschiedenen Wege, in denen es ihn bei der Durchführung sei-
             ner Arbeit unterstützen kann, wo es ihm helfen kann, seine Aufgaben zu erfüllen,
             seine Probleme zu lösen oder wo es ihn mit einschlägigen Informationen versehen
             kann.
             Das Muster des Mensch-Maschine-Dialogs wird sich mehr und mehr von detaillierten,
             spezifischen Befehlen zur Durchführung kleiner Arbeitsabläufe auf die Beschreibung
             größerer Arbeitseinheiten verlagern. Dabei bleibt es dem System überlassen, die detail-
             lierte Befehlsfolge zu ermitteln, die es für die Durchführung dieser Arbeitseinheit
             benötigt.
              In dem Maße, in dem das System „intelligenter" wird und ehrgeizigere oder weniger
             spezifische Aufgaben durchführt, treten Fälle mit Mehrdeutigkeiten oder Widersprü-
             che in den Wünschen des Benutzers auf, so daß ein klärender Dialog mit dem Benut-
             zer notwendig wird. Dabei muß das System immer mehr davon verstehen, was es
             selbst tut, um dem Benutzer erläutern zu können, warum es zu einem bestimmten
              Ergebnis gekommen ist und wie weiter vorzugehen wäre, falls das Ergebnis den
              Benutzer nicht befriedigen sollte.
          9.  Drei zusätzliche Anforderungen ergeben sich. Erstens müssen Benutzer bequemen
             Zugriff zu allen einschlägigen Informationen bekommen, soweit sie sie zur Lösung der
             gerade anstehenden Probleme brauchen und zwar genau zum Zeitpunkt, wo dieser
              Bedarf auftritt, und unabhängig davon, wo sich die Informationsquelle physisch
             befindet. Dies bedeutet keineswegs, daß eine zentrale Verarbeitung oder zentralisierte
              Datenbasen erforderlich sind. Es bestätigt ganz im Gegenteil die Forderung nach ver-
             knüpften Lokal- und Großraumnetzen sowie nach allen denkbaren Formen für dezen-
             trale Datenverarbeitung. Es muß daher betont werden, daß es zwingend geboten ist,
              Normen für die Schnittstellen festzulegen, damit diese Verknüpfung aller IT-Dienste
              überhaupt möglich wird. Eine zweite Anforderung zielt auf erhöhte System-Zuverläs-
              sigkeit. In dem Maße, in dem jedermann immer abhängiger von IT wird, um mehr und
              mehr seiner Aufgaben durchzuführen, muß die Zuverlässigkeit dieser Systeme ent-
              scheidend verbessert werden. Es ist einfach nicht tragbar, daß eine Systemstörung zur
              Einstellung des Betriebs einer ganzen Fabrik oder einer Wirtschaftseinheit führt. Das
              Problem wird durch die Tatsache erschwert, daß immer mehr Personen diese Systeme
              verwenden und daß es sich hierbei immer weniger um qualifizierte Fachkräfte handeln
              wird, so daß die Gefahr eines unsachgemäßen Gebrauchs des Systems oder der Ver-
              such, es in einer von dem Systemplaner nicht vorhergesehenen Weise zu verwenden,
              weiter zunehmen dürfte. Gleichzeitig führt die Vereinfachung des Systems für die
              Benutzer dazu, daß es intern wesentlich komplexer wird und daß so die Wahrschein-
              lichkeit von Hardware- und Softwarefehlern oder Störungen weiter zunimmt. Außer-
              dem bringt die Notwendigkeit der Verknüpfung der Systeme mit einer größeren Zahl
              anderer Systeme und Einrichtungen wiederum eine Zunahme an innerer Komplexität
              mit sich und hat damit die gleichen Auswirkungen hinsichtlich der Zuverlässigkeit.
              Die dritte Anforderung bezieht sich auf erhöhte Sicherheit. In dem Maße, in dem
              immer mehr Personen Zugang zu Informationen erhalten und die Zahl der Verknüp-
              fungsmöglichkeiten in dramatischer Weise zunimmt, muß der Schutz dieser Informa-
              tionen erheblich verstärkt werden.
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            10.         Jeder der vorstehend besprochenen Schlüsselfaktoren (höheres Schnittstellenniveau,
                        intelligentere Verarbeitung, Dialogmöglichkeit, Verknüpfung, Zuverlässigkeit und
                        Sicherheit) enthält große technologische Herausforderungen, die überwunden werden
                        müssen (').
                        Zusammengenommen stellen diese Faktoren eine gewaltige Herausforderung dar, der
                        sich ESPRIT stellen will.
            11.         Alle vorstehend genannten Faktoren machen erhebliche Fortschritte in Hinblick auf
                        ausgeklügelte Software-Systeme erforderlich. Diese zunehmende Software-Komplexi-
                        tät, gekoppelt mit den Anforderungen an die Dialogmöglichkeiten und die Zuverläs-
                        sigkeit, impliziert ihrerseits einen erheblichen Anstieg der Verarbeitungsleistung.
                        Dies kann nur durch größere Fortschritte in den Bereichen Bauelemente (Mikroelek-
                        tronik und Systemarchitektur (Zusammenfassung von Hardware und Software zu
                        Systemen) erreicht werden. Aus diesem Grund enthält ESPRIT Unterprogramme zu
                        diesen drei Bereichen.
                        Darüber hinaus wurden die beiden Bereiche, in denen die IT ihre größte Auswirkung
                        auf die Wirtschaft haben wird, als Basis-Anwendungsgebiete und technologische Prüf-
                        stände ausgewählt, auf die sich die Arbeiten konzentrieren sollen. Diese fünf eng ver-
                        zahnten (2) Gebiete werden nachstehend näher untersucht.
            12.         Drei davon befassen sich mit Schlüsseltechnologien, die das eigentliche Kernstück der
                        IT darstellen und Grundfähigkeiten sichern sollen, um auf alle Anforderungen von
                        IT-Systemen einzugehen:
                        — Fortgeschrittene Mikroelektronik ist die Technologie, die die physische Grund-
                              lage jedes Informationssystems darstellt. Sie setzt eine Kapazität zum Entwurf,
                              zur Herstellung und Erprobung von VLSI-Elementen in Silizium und anderen
                              Halbleiterwerkstoffen voraus. Sie umfaßt darüber hinaus auch Forschungsarbei-
                              ten im Bereich der Optoelektronik und optisch-digitalen Verarbeitungs- und
                              Anzeigesysteme.
                        — Software-Technologie befaßt sich mit dem Medium, das das Verhalten jedes
                              IT-Systems steuert, d. h. Software, und will wissentliche Grundlagen, vernünftige
                              Ingenieurpraktiken, Methoden, Werkzeuge und Verwaltungsverfahren zu einer in
                              sich geschlossenen Technologie integrieren, wie sie für seine Entwicklung, Her-
                              stellung und Weiterentwicklung erforderlich sind.
                        — Fortgeschrittene Informationsverarbeitung befaßt sich mit der architektonischen
                              Kombination von Hardware und Software, wie sie für den qualitativen Sprung
                              von heutiger Datenverarbeitung zur Wissensverarbeitung — dem Schlüssel für
                              die nächste Computergeneration — erforderlich ist. Sie wird unter anderem die
                              Grundlage für die Entwicklung von Systemen für Hochgeschwindigkeits-Real-
                              zeit-Signalverarbeitung (z. B. für Spracheingabe), von Expertensystemen (-1) und
                              von wissensgestützten Systemen im allgemeinen schaffen.
                              Dieses Teilprogramm ist für das langfristige Thema Maschinen-Intelligenz von
                             zentraler Bedeutung, dem wohl dynamischsten Konzept künftiger Informations-
                             systeme.
           (')   Ein konkretes Beispiel soll dazu beitragen, das Ausmaß dieser Herausforderungen klarzustellen. Wir
                gehen dabei von einer anspruchsvollen Schnittstelle aus, die in der Lage sei, die menschliche Stimme zu
                verstehen und zu synthetisieren. Die praktische Realisierung eines solchen Gerätes müßte sich auf Arbei-
                ten abstützen, die sich über ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen — z. B. Mathematik,
                Informatik, Halbleitertechnologie, Informationstheorie und Linguistik — verteilen. Sie würde die Ent-
                wicklung und Überprüfung spezieller Algorithmen für die Mustererkennung, eine entsprechend zuge-
                schnittene Prozeß-Architektur mit ausreichend hohen Geschwindigkeiten, präzis arbeitende Analog-Digi-
                tal- und Digital-Analog-Umwandler sowie eine Höchstgeschwindigkeits-Rechenkapazität erfordern.
                Wenn wir uns dabei auf Realzeiterkennung (maximale Beantwortungszeiten von 0,5 Sekunden) eines
                begrenzten Vokabulars durch Entwicklung einer speziellen integrierten Schaltung beschränken, würden
                schon damit an die Schaltkreisleistung Mindestanforderungen gestellt werden mit Gatterverzögerungen
                von nicht mehr als 100 Pico-Sekunden und einer Dichte von etwa 50 000 Bauelementen pro Chip.
                Anhand der entsprechenden Datenverarbeitungs-Meßeinheit beschrieben: Das Problem der kontinuierli-
                chen Spracherkennung würde eine Verarbeitungsleistung von 1 000 Millionen Befehlen je Sekunde
                (MIPS) erfordern.
                Zur Herstellung eines Chips mit den vorstehend genannten Merkmalen müßten wir bei der Herstellung
                von bipolaren Chips die Technik für eine Merkmalausdehnung von 1 Mikrometer beherrschen gegenüber
                derzeit 2 bis 3 Mikrometern.
                Dies würde wiederum ein komplettes Spektrum technologischer Verbesserungen erforderlich machen (fla-
                chere Emitter-Basis-Strukturen, dünne (0,5 Mikrometer) Epitaxietechniken, reinere Werkstoffe usw.).
                Um — ausgehend von den 30 bis 50 MIPS, die heute möglich sind — Datenverarbeitungsgeschwindigkei-
                ten in der für die kontinuierliche Spracherkennung erforderlichen Größenordnung zu erzielen, müssen
                nicht nur die vorstehend genannten Verbesserungen der Schaltkreisdichte und Geschwindigkeit erreicht
                werden. Ein völlig neuer Ansatz der Computerarchitektur wäre erforderlich.
           (2)  Für die Darstellung und Erörterung erscheint es praktisch, die einzelnen Aktivitäten in einigermaßen
                homogenen Gebieten zusammenzufassen. Dabei muß jedoch betont werden, daß diese Aufteilung will-
                kürlich ist und nicht in der Natur der Arbeiten begründet ist. Es wäre daher falsch, wenn nicht gar verhee-
                rend für das gesamte Programm, wenn der Versuch unternommen würde, sie als separate Gebiete zu
                behandeln. Bild 1 am Ende dieses Abschnitts II verdeutlicht die Wechselbeziehungen zwischen FuE-
                Gebieten und den wichtigsten Anwendungen im IT-Bereich in graphischer Form.
           (3)  Dies sind Systeme, die eine Datenbasis und zugehörige Software enthalten, die es einem Benutzer erlau-
                ben, unter Verwendung einer anwendungsorientierten Sprache einen offensichtlich intelligenten Dialog
                mit dem System zu führen.
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                   Die Beherrschung dieser drei Technologien erschließt alle Anwendungen und stellt
                   daher einen grundlegenden Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit dar.
           13.     Die beiden zusätzlich vorgeschlagenen Bereiche wurden wegen ihres Wachstumspo-
                   tentials und ihres Einflusses auf andere große Industriezweige sowie auf die Breite des
                   technologischen Spektrums, auf das sich ihre Entwicklung abstützt, ausgewählt.
                   — Bürosysteme sind ein bedeutender und schnell wachsender Bereich für
                         IT-Anwendungen. Ihnen kommt eine große strategische Bedeutung für die Lei-
                         stungsfähigkeit von Handel und Gewerbe in der gesamten Gemeinschaft zu. Sie
                         erfordern Fortschritte über ein breites Spektrum von Technologien und stellen
                         damit den besten Prüfstand für den Erfolg der FuE in den drei vorstehend
                         genannten technologischen Schlüsselbereichen dar. Darüber hinaus wird sich die
                         Entwicklung bei Bürosystemen auf den ganzen Dienstleistungsbereich und die
                         Automatisierung im Privatbereich auswirken.
                   — Computerintegrierte Fertigung (CIM) ist von großer strategischer Bedeutung für
                         den gesamten hart bedrängten Fertigungsbereich der Gemeinschaft; dies gilt ins-
                         besondere für Hersteller von Einzelteilen in kleinen Serien (70 % der Waren der
                         Gemeinschaft werden in Kleinserien hergestellt).
                          CIM umfaßt die vollständige Integration des Fertigungsablaufs durch Computer,
                          Meßfühler und automatische Steuerungssysteme in all seinen Ebenen und Pha-
                          sen. CIM ist damit ein ausgezeichneter Prüfstand für FuE über den Dialog zwi-
                          schen Mensch und Maschine oder Maschine und Maschine.
           SPEZIFISCHE AKTIONEN IM RAHMEN DES PROGRAMMS                          ESPRIT
            14.     Um für die europäische IT-Industrie den Erwerb einer zielgemäßen technologischen
                    Basis sicherzustellen, sind in allen genannten Bereichen zugleich erhebliche FuE-
                    Anstrengungen erforderlich; dazu müssen alle in der Gemeinschaft vorhandenen Res-
                    sourcen zusammengefaßt werden.
            15.     Die Wirtschaft muß der Hauptakteur und die treibende Kraft dieses Programms blei-
                    ben; dabei muß sie sich aber einerseits auf die Beteiligung der Hochschulen und ande-
                    rerseits auf die aktive Beteiligung künftiger Benutzer und die Unterstützung durch die
                    öffentliche Hand auf einzelstaatlicher und Gemeinschaftsebene verlassen können.
            16.     Einzelstaatliche Programme haben eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der FuE
                    im IT-Bereich und verwandten technologischen Gebieten gespielt; aber sie führen
                    auch zu einigen unerwünschten Nebenwirkungen, nämlich zu einer Zersplitterung des
                    Marktes und einer Verzettelung von Mitteln.
            17.      Der erste Aktionsschwerpunkt, der von ESPRIT vorgeschlagen wird, besteht darin, die
                     Leistungsfähigkeit dieser Programme zu verbessern und die negativen Auswirkungen
                    zu verringern. Dazu soll eine systematische Konsultation aller beteiligten Parteien
                    während Planung und Durchführung dieser Programme, im Hinblick auf Schwer-
                     punktsbildung und Verbesserung der Gesamt-Wirksamkeit dienen.
             18.     Eine wirksame Koordinierung kann jedoch nicht in einem luftleeren Raum ohne die
                     integrierende Wirkung eines konkreten von gemeinsamen Interesse getragenen Ziels
                     stattfinden.
                     Damit sollen alle Teilnehmer zusammengebracht und ihre Aufmerksamkeit gebündelt
                     werden.
             19.     Hieraus ergibt sich der zweite Aktionsschwerpunkt von ESPRIT: die Verfolgung durch
                     ausgewogene kooperative Bemühungen einer Reihe besonders ehrgeiziger technologi-
                     scher Zielsetzungen, die für die gesamte Gemeinschaft von Nutzen sein werden und
                     wie sie mit gleichem Zeitplan und in gleichem Umfang ohne ein gemeinsames Vorge-
                     hen auf Gemeinschaftsebene nicht erreicht würden.
             20.     Zur Ermittlung und Auswahl der spezifischen FuE-Bereiche, die diesen Erfordernissen
                     gerecht werden, hatten sich die Kommissionsdienststellen mit dem Ersuchen um Bei-
 ---pagebreak--- Nr. C 321/16                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 26. 11. 83
                   träge und Stellungnahmen an führende Wissenschaftler und Ingenieure aus Industrie,
                   Hochschulen und Forschungsinstituten der gesamten Gemeinschaft gewandt.
                   Etwa 200 dieser Personen haben geantwortet und über einen Zeitraum von nahezu
                   einem Jahr Beiträge zu diesen Arbeiten geleistet. Das Ergebnis, das in mehreren
                   Berichten mit insgesamt mehr als 1 000 Seiten enthalten ist, wird unten in den Num-
                   mern 26 bis 37 kurz umrissen. Teil A des technischen Anhangs zu dem Beschlußent-
                   wurf legt die wichtigsten Randbedingungen und Zielsetzungen der vorgeschlagenen
                   Arbeiten dar.
           21.     Bei der Analyse und Auswahl von konzertierten und kooperativen FuE-Aktionen, die
                   durch Firmen durchgeführt werden sollen, die auf dem Markt miteinander konkurrie-
                   ren, wurde sorgfältig darauf geachtet, sicherzustellen, daß diese dem Endprodukt weit
                   genug vorgelagert (d. h. sie sollen vorwettbewerblicher Natur sein) und zugleich nicht
                   zu weit entfernt von potentiellen Anwendungen sind, um den Kontakt mit den pro-
                   gnostizierten Erfordernissen von Industrie und Gesellschaft zu erhalten (d. h. sie sol-
                   len benötigte Grundfähigkeiten liefern).
           22.     Die Auseinandersetzung mit dem Inhalt der gemeinsamen Forschungsarbeiten haben
                   darüber hinaus zu einer Analyse der Bedingungen geführt, die derartige Arbeiten erst
                   ermöglichen.
                   Theoretisch wäre es denkbar gewesen, Forschungsteams in einigen öffentlichen oder
                   privaten Laboratorien zusammenzubringen und den größten Teil der Forschungsarbei-
                   ten auf diese Stellen zu konzentrieren. Trotz der objektiven Schwierigkeiten, die mit
                   der Versetzung von Einzelpersonen von einem Land zum anderen verbunden sind,
                   wird erwartet, daß dies, etwa bei kleineren Vorhaben, die nur eine geringe Infrastruk-
                   tur erfordern, bis zu einem gewissen Grad spontan erfolgt.
                   Dies wäre aber zweifellos nicht möglich bei Vorhaben, an denen sich zwei oder meh-
                   rere der größeren Gemeinschaftsorganisationen und ihre Forschungsinfrastrukturen
                   beteiligen.
           23.     Die Technologie bietet jedoch die Möglichkeit, die Auswirkungen der räumlichen
                   Trennung zu überwinden. Sie erlaubt es Forschungs- und Entwicklungsteams sowie
                   Einzelpersonen, die in Kollaborationen an gleichen oder verwandten Vorhaben, aber
                   in Laboratorien und Anlagen verschiedener Länder zusammenarbeiten, miteinander
                   und mit den für die Gesamtkoordinierung und Verwaltung des Programms zuständi-
                   gen Stellen Verbindung aufzunehmen und aufrechtzuerhalten.
           24.     In das ESPRIT-Programm wurde daher der Aufbau einer geeigneten Infrastruktur auf-
                   genommen. Sie soll zur Verfügbarkeit eines derartigen Informationsaustauschsystems
                   führen. Es soll zur Deckung des Bedarfs aller an ESPRIT beteiligten Stellen und Ein-
                   zelpersonen schrittweise aufgebaut werden.
            VORGESCHLAGENE        FuE-ARBEITEN
           25.     Das in den vorstehenden Kapiteln skizzierte Auswahlverfahren wurde auf verschiede-
                   nen Detaillierungs-Ebenen bis hin zur Ermittlung der detaillierten Zielsetzungen der
                   Forschungsarbeiten im Rahmen der strategischen Schlüsselbereiche angewendet.
           26.     Vor der Vorstellung der Forschungsarbeiten muß jedoch daran erinnert werden, daß
                   sich die Gültigkeit von Vorhersagen auf einen um so kürzeren Zeitraum erstreckt, je
                   näher man auf die Einzelheiten der Arbeiten eingeht. Dies bedeutet mit anderen Wor-
                   ten, daß zwar kaum Zweifel hinsichtlich der strategischen Bedeutung der fünf festge-
                   stellten breiten Bereiche und bezüglich des Umfangs der Gesamtanstrengungen beste-
                   hen, die in den nächsten zehn Jahren erforderlich sind, um mit den Wettbewerbern
                   gleichzuziehen, daß aber für die detaillierten FuE-Ziele von einer sehr viel kürzeren
                   Gültigkeit und Zuverlässigkeit auszugehen ist.
                   Während der gesamten Durchführung der eigentlichen FuE-Arbeiten von ESPRIT ist
                   eine sorgfältige, kontinuierliche Beobachtung und Rückkopplung der in der Gemein-
                   schaft und anderwärts erzielten Ergebnisse erforderlich. Dabei muß klar sein, daß die-
                   ser Prozeß von Zeit zu Zeit größere Anpassungen erforderlich machen kann. Dieser
                   Punkt wird im Verwaltungskonzept des Programms berücksichtigt.
           27.     Innerhalb des vorstehend abgesteckten Rahmens werden folgende Forschungsschwer-
                   punkte vorgeschlagen:
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           27.1.       Mikroelektronik
           27.1.1.     Alle Anforderungen an mikroelektronische Teilsysteme für den Einsatz im IT-Bereich
                       erfordern besondere Verbesserungen der Leistung hinsichtlich Arbeitsgeschwindigkeit,
                       niedrigerer Leistungsaufnahme oder niedrigerer Kosten. Eine Erhöhung der Funk-
                       tionsdichte der integrierten Schaltkreise auf Siliziumbasis — dem Werkstoff, auf dem
                       der größte Teil der integrierten Schaltungen auch in absehbarer Zukunft basieren wird
                       — stellt einen wichtigen Faktor zur Erfüllung dieser Anforderungen dar.
                       Geht man vom derzeitigen Stand der Produktions-Technik mit einer Merkmalsausdeh-
                       nung von 3 Mikrometer auf Verfahren über, die auf einer Merkmalsausdehnung von
                        1 Mikrometer mit entsprechenden Verbesserungen in der Verknüpfungstechnologie
                       basieren, erreicht man eine Erhöhung der Verarbeitungs-Geschwindigkeit um das
                       Zehnfache, eine Verringerung der Leistungsaufnahme um das Zehnfache und eine
                       Verbesserung der Packungsdichte um den Faktor 8. Die Verbesserung der Packungs-
                       dichte wird außerdem Kostensenkungen in der gleichen Größenordnung im Produk-
                       tionsbereich zur Folge haben, während die Geschwindigkeit und die Leistungsauf-
                       nahme eine schnellere und kostengünstigere System-Leistung bewirken.
           27.1.2.     Zur Erreichung dieser Ziele werden die FuE-Vorhaben auf das Erreichen der nachste-
                       henden technologischen Zielsetzungen ausgerichtet:
                       —     1 Mikrometer bis 0,5 Mikrometer bipolar, MOS und gemischte MOS- und Bipo-
                            lar-Technologien;
                       — Packungs- und Verknüpfungstechnik für Höchstintegrations-Schaltkreise (VLSI),
                            die es erlaubt, Chipeinheiten mit 5-Watt-Leistungsaufnahme, mit bis zu 250-K-
                            Gattern und bis zu 400 Anschluß-Stiften herzustellen und Signale mit weniger als
                            0,1 Nano-Sekunden Gatterverzögerung zu übertragen;
                       — verbesserte Werkstoffeigenschaften;
                       — Schnittstellen-Technologie für die Kombination von Hochspannung und/oder
                            hoher Leistung mit schneller Datenverarbeitungskapazität auf demselben physi-
                            schen Substrat.
           27.1.3.      Der Fortschritt in Richtung auf das VLSI-Ziel wird ebenso sehr von der Beherrschung
                       der Komplexitätsprobleme beim Entwerfen wie von der Entwicklung der Siliziumtech-
                       nologie abhängen. Die bisher vorhandenen Konstruktionswerkzeuge hierfür sind weit
                       davon entfernt, das volle Potential der VLSI auszuschöpfen.
                        Das von der Kommission im Rahmen der Verordnung (EWG) Nr. 3744/81 (') des
                        Rates in die Wege geleitete Programm hat einen Anfang gemacht, der im Rahmen von
                        ESPRIT zu einem umfassenden CAD-System erweitert werden muß.
           27.1.4.      Zu diesem technologischen Vorstoß gehört daher eine Gesamtinitiative, die in den fol-
                        genden Bereichen auf der Verordnung (EWG) Nr. 3744/81 aufbaut:
                       — Architektur: Datenstruktur, Schnittstellen, Überprüfung neuer Methoden;
                       — Prüfung: Generierung von Prüfdaten, Entwurfsfaktoren für die Prüfbarkeit,
                             Datenüberprüfung;
                        — Modellbau: numerisch, physisch, analytisch und tabellarisch;
                        — Simulation: Simulation auf Geräte-Ebene (vorwärts/rückwärts), zeitliche Abstim-
                             mung, funktionale Simulation;
                        — Sprachen: Entwicklung höherer Programmiersprachen, Zwischenglied zwischen
                             höherer Programmiersprache und maschinenorientierter Sprache, Datenbank-
                             Kommunikation nach oben und unten;
                        — Layout: einschließlich Datenbank-Normen, Modular Packaging, Bibliotheken,
                             Benutzerfreundlichkeit, Placement, Routing, Tracking.
                        Der rechnergestützte Entwurf von komplexen VLSI-Mikroelektronik-Chips erfordert
                        die Unterstützung durch sehr leistungsfähige Rechenwerkzeuge; die Herstellung dieser
                        Werkzeuge hängt von der Entwicklung einer leistungsfähigen, disziplinierten Soft-
                        ware-Technologie ab.
            27.1.5.     Unter dem Komplex Mikroelektronik werden hier auch Technologien zusammenge-
                        faßt, die strenggenommen nicht zu den VLSI orientierten Technologien auf Silizium-
            (')  ABl. Nr. L 376 vom 30. 12. 1981, S. 38.
 ---pagebreak--- Nr. C 321/18                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften
                    basis gehören, nämlich Technologien der optischen Signal-Verarbeitung sowie For-
                    schungen über neue anorganische und organische Stoffe.
           27.1.6.  Eines der wichtigsten Erfordernisse für die Anwendung der IT ist die Verfügbarkeit
                    einer angemessenen Infrastruktur von Breitband-Kommunikationsverbindungen, die
                    in der Lage ist, integrierte Daten, Texte, Grafiken und Bilder zu übertragen. Zur Zeit
                    werden bereits öffentliche Netze zur Bereitstellung dieser Dienstleistung entwickelt,
                    unter Verwendung von optischen Fasern als Übertragungsmedium. Andere Bereiche,
                    wie z. B. lokale Netze, Büros und Prozeßführung, werden diese Technologie wohl bald
                    übernehmen. Forschungsarbeiten zur Erzielung integrierter opto-elektronischer Schal-
                    tungen für Modulation/Demodulation und Übertragung/Empfang sowie zu Opto-
                    kopplern und Schaltern sowie verlustarmen Faserübertragungsmedien sind erforder-
                    lich.
           27.1.7.  Die integrierte Optoelektronik wird geometrische Strukturen im Submikrometerbereich
                    auf neuen Werkstoffen, wie Galliumarsenid und Indiumphosphid und deren ternären
                    und quaternären Legierungen erforderlich machen. Diese sind infolge der größeren
                    Beweglichkeit von Elektronen im Werkstoff auch bei logischen Schaltungen für sehr
                    hohe Geschwindigkeiten von Interesse. Forschungsarbeiten über derartige neue Werk-
                    stoffe werden daher gefördert.
           27.1.8.  Im gleichen physikalischen Technologieschub sind letzten Endes auch Forschungsar-
                    beiten über integrierte „intelligente" Sensoren für die verbesserte Automatisierung und
                    über verbesserte Technologien der Bilddarstellung enthalten, für die eine enge Wech-
                    selbeziehung mit den Aktivitäten in den Bereichen computerintegrierte Fertigung und
                    Büroautomation geplant ist.
           27.2.     Software-Technologie
           27.2.1.  Die Bedeutung der Software in informationstechnologischen Systemen hat ständig
                    zugenommen. Ihr Anteil an den gesamten Entwicklungskosten steigt kontinuierlich
                    an. Vora.usschätzungen lassen erkennen, daß die Kosten für die Software auf 90 % der
                    Gesamtkosten der Systementwicklung ansteigen könnten.
                    Eine wettbewerbsfähige industrielle Leistungsfähigkeit in der Software-Produktion
                    wird nicht nur Auswirkungen auf die informationstechnologische Industrie selbst
                    haben: für eine ganze Serie industrieller Produkte wird ihre Wettbewerbsfähigkeit auf
                    dem Weltmarkt in entscheidendem Maße von der Informationstechnologie abhängen,
                    entweder für die Entwicklung oder Herstellung oder, weil in sie eingebaute informa-
                    tionstechnologische Bauelemente ihre Funktion verbessern.
           27.2.2.  Für die Entwicklung von Software sind ebenso wie für die Entwicklung von Hardware
                    vernünftige Ingenieurpraktiken auf wissenschaftlichen Grundlagen erforderlich.
                    Software-Technologie soll dieses Wissen bereitstellen, einschließlich der bei der Ent-
                    wicklung von Software erforderlichen Methoden und Werkzeuge. Sie soll Manage-
                    mentgrundsätze für die Informationstechnologie und die Ziele für deren Integration in
                    eine in sich geschlossene Technologie aufstellen. Sie basiert auf Mathematik, Manage-
                    ment- und Wirtschaftswissenschaften und traditioneller Ingenreurspraxis.
           27.2.3.  Den Forschungsarbeiten über Software-Technologie mangelt es in Europa an gemein-
                    samen Vorstellungen und an der erforderlichen Einheitlichkeit. Forschungsteams in
                    Industrie, Hochschulen und Forschungsinstituten kommunizieren nur in begrenztem
                    Umfang auf Konferenzen und durch technische Veröffentlichungen. Ihre Programme
                    sind nicht im Hinblick auf einen gemeinsamen Ansatz strukturiert oder koordiniert.
                    Der Technologietransfer zwischen Forschung und praktischen Anwendungen geht in
                    Europa weitaus langsamer als in Japan und in den Vereinigten Staaten vor sich. Eine
                    anhaltende Abneigung gegen frühzeitige Normung verhindert die Kompatibilität der
                    Produkte. Der künftige Software-Bedarf wird mengenmäßig und qualitativ nicht
                    gedeckt werden, außer wenn ein koordiniertes europäisches Konzept zugrunde gelegt
                    wird.
            27.2.4. Traditionellerweise gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, wo der Hauptnach-
                    druck bei den Forschungsarbeiten im Bereich der Software-Technologie liegen sollte.
                     Dies hat zur Entstehung unterschiedlicher Konzepte geführt.
            27.2.5.  Ein Konzept stellt die wissenschaftlichen Grundlagen heraus und erstreckt sich auf
                    Gebiete wie formale, mathematisch gestützte Techniken, Klassifikationslehre und
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                         Nr. C 321 / 1 9
                    Metrik einschließlich empirischer Techniken und der Disziplin des Modellbaus. Diese
                    Auffassung betrachtet die Software-Entwicklung als eine intellektuelle Tätigkeit und
                    zielt auf ein besseres wissenschaftliches Verständnis ab.
           27.2.6.  Ein zweites Konzept konzentriert sich auf das technische Fertigungsverfahren und
                    betrachtet Software-Entwicklung als eine industrielle Tätigkeit, bei der große Gruppen
                    von (qualifizierten und spezialisierten) Software-Ingenieuren komplexe (im Aufbau,
                    nicht in der Nutzung) Software-Systeme erstellen, die später im Betrieb in zahlreichen
                    Versionen und Varianten für große Märkte und über eine lange Zeit unterstützt wer-
                    den. Die Arbeiten in diesem Bereich orientieren sich an dem Modell des Lebenszyklus
                    für Software und befassen sich mit Aktivitäten wie der Bedarfsanalyse, der Spezifika-
                    tion, dem Entwurf und der Realisierung. Wichtige Aspekte sind die vollständige Inte-
                    gration von Methoden und Werkzeugen und die Kontinuität von einer Phase zur
                    anderen.
                    Forschungsthemen in diesem Bereich sind Methoden und Werkzeuge und ihre Inte-
                   gration in komplette Systeme für die Software-Produktion. Angestrebt wird dabei die
                    Beherrschung des technischen Produktionsverfahrens.
           27.2.7.  Ein drittes Konzept befaßt sich mit der Gesamtorganisation des Software-Entwick-
                   lungsprozesses als einer kommerziellen und unternehmerischen Tätigkeit und konzen-
                   triert sich auf Software als ein Produkt, wobei die Abhängigkeit zwischen den kom-
                   merziellen Zielen eines Unternehmens und den technischen Merkmalen der erstellten
                   Software untersucht wird.
                    Dieses Konzept befaßt sich auch mit dem Problem der Herstellung anwendungsspezi-
                   fischer Software und der Art und Weise, in der das Wissen über das Anwendungsge-
                   biet Werkzeuge und Methoden für die Software-Entwicklung beeinflußt. Zu den Zie-
                   len zählen quantifizierbare Kriterien für Entscheidungen in bezug auf die Unterstüt-
                   zung der Organisation, Methoden und Werkzeuge für technische Entwicklung und
                   rechnergestützte Methoden und Werkzeuge für die Verwaltung des Software-Entwick-
                   lungsprozesses.
           27.2.8. Alle diese Konzepte haben ihre Berechtigung und sind für sich genommen bedeutend,
                   doch kann ein signifikanter Fortschritt in Richtung auf eine ausgereifte Software-
                   Industrie nur dann stattfinden, wenn sie zusammen angewandt werden. Sie spiegeln
                   sich daher in der Auswahl der drei hauptsächlichen Forschungsthemen zur Software-
                   Technologie wieder. Es sind dies:
                    1.   Theorien und M e t h o d e n der P r o g r a m m e n t w i c k l u n g
                         Vorhaben, die sich auf dieses Thema beziehen, befassen sich mit den Grundlagen
                         der Entwicklung von Software und von Systemen, die Software enthalten. Sie sol-
                         len Theorien und Methoden ergeben, auf denen der industrielle Entwicklungspro-
                         zeß aufgebaut werden kann.
                   2.    M e t h o d e n und Werkzeuge des S o f t w a r e - E n g i n e e r i n g
                         Dieser Themenkreis befaßt sich mit industriellen Anwendungen des obigen The-
                         mas; seine Vorhaben zielen darauf ab, Werkzeuge und Methoden für den Einsatz
                         dieser Werkzeuge in einer industriellen Umgebung zu konstruieren.
                   3.    Wirtschaftliche Aspekte der i n d u s t r i e l l e n S o f t w a r e - P r o d u k t i o n
                         Vorhaben, die sich mit diesem Thema befassen, heben den wirtschaftlichen
                          Aspekt der Produktion von Software-Systemen durch ihre Hersteller hervor. Soft-
                         ware und Systeme werden als Erzeugnisse angesehen, die sich aus Planung und
                         der Produktion ergeben und die vermarktet, unterstützt werden usw.; dabei wer-
                         den diese Aktivitäten gemäß den Regeln eines industriellen Prozesses abgewik-
                         kelt.
           27.3.   Fortgeschrittene Informationsverarbeitung
           27.3.1. Die heutigen Computer können Problemstellungen lösen, solange ihnen eine Lösung
                   in Form eines Programms vorgegeben wird. Diese traditionellen Systeme, die darauf
                   angelegt sind, den Menschen bei der Sammlung und Verarbeitung von Daten behilf-
                   lich zu sein, stoßen bald an ihre Grenzen. Wir stehen daher kurz vor einem grundle-
                   genden Wandel von der Datenverarbeitung zur Wissensverarbeitung. Dieser Wandel
                   stellt den Schlüssel zur nächsten Computergeneration dar.
           27.3.2. Der Grad der Fachausbildung, der erforderlich ist, um den Dialog mit der derzeitigen
                   Maschinengeneration zu führen und ihre relativ rudimentäre Schnittstelle nach außen
 ---pagebreak--- Nr. C 321/20                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               26. 11.83
                    werden schon bald unerträgliche Engpässe bei der Weiterentwicklung und Verbreitung
                    der Informationstechnologie zur Folge haben.
           27.3.3.  Um den Menschen dabei zu helfen, das Problem eines ständig wachsenden Volumens
                    immer stärker verknüpfter Informationen in den Griff zu bekommen, werden fortge-
                    schrittene Systeme benötigt, die die Information unmittelbar in derjenigen Form
                    erkennen, in der sie generiert wird, die sie in Beziehung zu dem zuvor erworbenen
                    (gespeicherten) Wissen setzen und unter Verwendung von Regeln und Schlußfolgerun-
                    gen neues Wissen schaffen. Die fortgeschrittene Informationsverarbeitung (AIP)
                    befaßt sich mit der automatisierten Erkennung und Verarbeitung von Signalen sowie
                    der Automatisierung von Denkprozessen mit dem Ziel einer Kombination dieser bei-
                    den Funktionen zu einem einzigen System, das zu einer Form von „intelligentem"
                    Verhalten fähig ist.
           27.3.4.  Bisher gab es nur wenige und mäßig erfolgreiche Versuche zur Nutzung von For-
                    schungsergebnissen der „künstlichen Intelligenz" (AI) für praktische Anwendungen.
                    Zur Zeit ändern sich jedoch einige der Voraussetzungen für die industrielle Nutzung
                    der künstlichen Intelligenz. Fortschritte im Bereich der Mikroelektronik und neue Pro-
                    zessor- und Systemarchitekturen machen es möglich, Rechnertechniken bei der künst-
                    lichen Intelligenz anzuwenden und weiter zu verbessern. Dabei wurde der Punkt
                    erreicht, an dem die praktische Forschung und Entwicklung in beiden Hauptbereichen
                    aufgenommen werden kann: Signalerkennung und -Verarbeitung sowie Wissensdar-
                    stellung und Aufstellen von Schlußfolgerungen.
                     Darüber hinaus müssen die Arbeiten über die kognitive Ergonomie zu anwendungsrei-
                     fen Entwurfsgrundsätzen für Mensch-Computer-Systeme führen, die auf eine volle
                     Unterstützung der Benutzer beim Kommunikationsprozeß abgestellt sind und nicht
                     unter den künstlichen Begrenzungen durch die derzeitigen Unzulänglichkeiten der
                     Rechenanlagen, ihrer Architektur oder Software leiden.
           27.3.5.   In den vergangenen Jahren wurden experimentelle Systeme und Prototypen beispiels-
                    weise für mathematische Problemlösungen und geometrische Denkprozesse, für Ler-
                     nen und einfache Dialoge entwickelt, die ein erhebliches Verbesserungspotential auf-
                     weisen. Europa liegt auf diesem Arbeits-Gebiet im Rückstand.
           27.3.6.   Ziel dieses Programmteils ist es, ein Stadium zu erreichen, bei dem die industrielle
                     Nutzung der Technologie der fortgeschrittenen Informationsverarbeitung in der
                     Gemeinschaft möglich wird. Aus diesem Grund sind Forschungs- und Entwicklungs-
                     arbeiten auf folgenden Hauptgebieten erforderlich:
            27.3.7.  Informations- und Knowledge-Engineering
                     Zu den Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die erforderlich sind, um ein Stadium
                     zu erreichen, bei dem Industrieerzeugnisse auf die Technologie der Expertensysteme
                     gestützt werden können, gehören:
                     — Auswahl von Darstellungsformen für wissensgestützte Systeme,
                     — Methoden für die Datengewinnung und Ableitung von Fakten aus Daten. Dabei
                           müssen spezielle Hardwarestrukturen und Algorithmen entwickelt werden,
                     — Synthese neuer leistungsfähiger Hardware/Software-Architekturen zur Unterstüt-
                           zung wissensgestützter Systeme,
                     — Entwurf von Wissens-Banken (KBS) in spezifischen Bereichen und Überprüfung
                           ihres praktischen Verhaltens und Nutzens,
                     — Entwurf und Bewertung von Werkzeugen für Entwurf und Realisierung, Ent-
                           wurfsmethoden, Nutzung und Bewertung von Expertensystemen.
            27.3.8.   Signalverarbeitung und Schnittstellen nach außen
                      Die Schnittstelle eines AIP-Systems muß gewisse Funktionen im Bereich der Signal-
                      verarbeitung und -erkennung übernehmen, damit sie Informationen direkt erfassen
                      kann. Ein weiteres Ziel des Forschungsprogrammes ist daher das Verstehen von Signa-
                      len, um es Computern zu ermöglichen, beobachtete Datenmengen in Wissen umzu-
 ---pagebreak--- 26. 11.83                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr. C 321/21
                   wandeln, das ausgebaut werden soll, um die Formulierung von Regeln für die Erken-
                   nung der Welt einzubeziehen.
                   Forschungsarbeiten über Architekturen und Schnittstellen mit wünschenswerten
                   Merkmalen müssen darüber hinaus auf den Ergebnissen von Untersuchungen über
                   natürliche Systeme und angewandte Psychologie basieren. Modelle des kognitiven
                   Verhaltens von Individuen und des gesellschaftlichen Verhaltens von Gruppen müs-
                   sen zu Entwurfsleitlinien führen, die in die Praxis umgesetzt werden können.
                   Die Forschungsbereiche umfassen:
                   — Untersuchungen des menschlichen Verhaltens zur Ermittlung gewünschter Ent-
                         wurfsmerkmale und unerwünschter Schwachstellen in Schnittstellen-Erzeugnis-
                         sen,
                   — Untersuchungen über alternative formale Darstellungen des Wissens über die
                         Außenwelt,
                   -— Algorithmen und Architekturen für die Signalanalyse,
                    — Auswahl von „Kandidaten" für die Erkennung mit den zugehörigen Wahrschein-
                         lichkeiten,
                   — Rolle der Schlußfolgerung in menschlichen Erkenntnisprozessen,
                   — Extraktion der Semantik von Flektionen, Intonationen usw. der menschlichen
                         Sprache.
          27.3.9.   Informations-/Wissensspeicherung und -Verwendung
                    In Wissensbanken werden Informationen gespeichert, die auch eine Beurteilung von
                    Bedeutung und Wert, zusammen mit Regeln für die Interpretierung umfassen; Meta-
                   Regeln können die Anwendung von Regeln steuern. In zeigerstrukturierten oder rela-
                   tionalen Datenbanken wickeln Zugriffsmethoden die Dereferenzierung der Zugriffs-
                   kriterien ab; die Methoden zur automatischen Dereferenzierung in Wissensbanken
                   sind noch nicht klar.
                    Die Hauptarbeit wird darin bestehen, die Schnittstellen, Sprachen, Hardware und
                    Software-Technologie zu ermitteln, die erforderlich sind für die Konstruktion, die Ver-
                   teilung, die funktionale Aufschlüsselung und die hierarchische (oder andere) Struktu-
                   rierung von Daten- und Wissensbanken einschließlich der Formulierung von Schluß-
                   folgerungs- und Datenanfrage-Zugriffen. Diese erstrecken sich vom menschlich sicht-
                   baren Niveau bis hinunter zu dem der neuen Generation von Systemen internen
                    Niveau.
          27.3.10.  Computerarchitektur
                    Die völlig neuen wirtschaftlichen Überlegungen zu Logik-Schaltkreisen, Speicherzel-
                   len und ihrer Verknüpfung durch die Höchstintegration (VLSI) lassen es vielverspre-
                   chend erscheinen, nach neuen Verarbeitungs- und Datenbehandlungsmodellen mit
                   beispielsweise folgenden Eigenschaften zu suchen:
                   — wenige Zellentypen mit einem hohen Wiederholungsgrad,
                   — Lokalisierung der Rechenfunktionen in (Gruppen von) Zellen,
                   — kurze und regelmäßige Steuerung und Datenfluß,
                   — minimale Verwendung von breitfächernden Fanouts,
                   — weitgehend kontextausnutzende Kommunikation zwischen Zellen, Gruppen und
                         Knotenpunkten,
                   — hoher Grad von asynchroner Parallelität (Nebenläufigkeit) zwischen Zellen,
                        Gruppen und Knotenpunkten.
                   Um darüber hinaus sehr weitgehend parallele Architekturen ausnützen zu können, die
                   durch VLSI erst wirtschaftlich machbar werden, sind Forschungsarbeiten zur Entwick-
                   lung von Algorithmen erforderlich, die derartige Parallelauswertung zulassen sowie zu
                   Sprachen und Umgebungen, die dies unterstützen.
          27.3.11. Entwurfsziele und-methoden
                   Rigorose Ansätze für Spezifikation und Entwurf, die systematisch in nachweislich
                   richtige Realisierungen umgesetzt werden können, Überprüfung tatsächlich im
                   Gebrauch befindlicher Systeme und Prüfungen auf Widerspruchsfreiheit auf hoher
                   Ebene sind Bereiche, die weitere Arbeiten erfordern. Technologie-Folgeabschätzung
                   von Risikoregeln, Mechanismen zur Validierung von Expertensystemen und Metho-
 ---pagebreak--- Nr. C 321/22                     Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 26. 11. 83
                   den des formalen Beweises müssen ebenfalls untersucht werden. Da ein kontinuierli-
                   cher Betrieb von Systemen sicherzustellen ist, müssen Fehlertoleranz und Online-
                   Überwachung sowie Reparaturtechniken von Systemen auf allen Sicherheitsebenen
                   bereitgestellt werden: die Sicherheit von Computersystemen muß verbessert werden,
                   um Eindringversuche zu verhindern.
                   Auf dem Gebiet des VLSI-Entwurfs nimmt die Schaltkreiskomplexität bis zu einem
                   Grad zu, der nur noch schwer beherrschbar ist. Es müssen formale Entwurfsmethoden
                   und -Werkzeuge entwickelt werden, um einen raschen Entwurf komplexer Chips zu
                   ermöglichen. Nur mit „Silizium-Compilern", die von vorneherein ein erhebliches
                   Ingenieurwissen eingebaut haben und den Konstrukteuren gestatten, ihre Schaltkreise
                   auf einem hohen Abstraktionsgrad, d. h. weit über der physischen Realisierung zu spe-
                   zifizieren, wird es möglich sein, Chips mit wachsender Komplexität für die moderne
                   Informationstechnologie zu entwickeln.
           27.4.   BUroautomatisation
           27.4.1. Eine echte langfristige Herausforderung an die Bürotechnologie ist die Unterstützung
                   der breiten Palette von nicht deterministischen Aufgaben, die bei „Wissenverarbei-
                   tung" (d. h. bei der Mehrheit der Kopfarbeiter) anfallen und nicht nur die Mechanisie-
                   rung eines engen Spektrums von strukturierten Routineaufgaben wie etwa Maschine-
                   schreiben.
                   Für die nächsten zwanzig Jahre wird erwartet, daß die BUroautomatisation:
                   — den größten potentiellen Einzelmarkt für die Införmationstechnologie darstellt; er
                         wird bis 1990 auf weltweit 100 Milliarden ECU pro Jahr — im Vergleich zu
                         29 Milliarden ECU für die Fertigungs- und die verarbeitende Industrie zusammen
                         — veranschlagt;
                   — Ursache für den größten Teil der Verbesserungen in der gesamtwirtschaftlichen
                         Effizienz sein wird, während die Produktivität in anderen Produktionsbereichen
                         vermutlich sogar niedrigere Wachstumsraten als in der Vergangenheit verzeichnen
                         dürfte;
                   — zu volkommen neuen Lösungen für die Arbeitsaufteilung zwischen Mensch und
                         Maschine bzw. Mensch und Mensch führen wird.
           27.4.2. Die Zeichen deuten darauf hin, daß die USA und Japan diesen Markt beherrschen
                   und von einem homogenen Binnenmarkt aus erfolgreich nach Europa exportieren
                   können. Dieser Vorstoß wird durch erfolgreiche Forschungsarbeiten über fortgeschrit-
                   tene Konzepte unterstützt, von denen das künftige Systemwachstum abhängen wird
                   (natürliche Sprachen, Unterstützung für das Fällen von Entscheidungen usw.). In den
                   Vereinigten Staaten investieren einzelne führende Firmen mehr auf diesem Gebiet als
                   europäische Industrie und Hochschulen zusammengenommen. Das japanische Pro-
                   gramm für, Computersysteme der fünften Generation zielt ebenfalls auf diese Anwen-
                   dungen ab.
           27.4.3. Wird dieser potentielle Geschäftszweig außereuropäischen Wettbewerbern überlassen,
                   bedeutet dies nicht nur den Verzicht auf ein größeres Marktwachstum im Bereich der
                   europäischen Büroautomationsindustrie, es bedeutet auch, daß der gesamte europä-
                   ische Handel und die gesamte europäische Industrie auf einem Gebiet, auf dem sozio-
                   kulturelle Überlegungen eine große Rolle spielen, mit den man sich am besten hierzu-
                   lande befassen sollte, von außereuropäischen Quellen abhängig werden. Es bedeutet
                   die Einführung von Geschäftspraktiken und operationeilen Normen in Übereinstim-
                   mung mit ausländischen Strategien und den Verlust einer großen Gelegenheit, Nutzen
                   aus den speziellen und verschiedenen Merkmalen der europäischen Kultur zu ziehen,
                   und dabei eine wirksamere und attraktivere Arbeitsumgebung zu schaffen.
                    Die Festlegung von Zielen für die Büroautomation und ihre Umsetzung in Möglich-
                   keiten hängt weitgehend von lokalen kulturellen Überlegungen ab und wird dadurch
                   erschwert, daß bei uns eine entsprechende wissenschaftliche Disziplin noch fehlt.
                    Um das Wechselspiel von menschlichen Faktoren, technischen Möglichkeiten und
                   deren bildungsmäßigen, soziologischen und industriellen Folgen zu verstehen, sind
                    Fähigkeiten erforderlich, die in Industrieorganisationen bisher nur selten anzutreffen
                    sind. Technologie alleine ist nicht ausreichend. Menschliche Wesen sind eng mit den
                   zu entwickelnden Systemen befaßt, so daß Versuche, diese einzuführen, ohne den kul-
                   turellen Hintergrund und die Erwartungen der Benutzer zu berücksichtigen, zum Fehl-
                    schlag führen müssen.
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           27.4.4.      Während weitere Forschungsarbeiten über Hardware-Technologie erforderlich sind,
                        um eine angemessene Unterstützung für Bürosystem-Konzepte zu liefern, wird nach
                        und nach klar, daß auch Architektur- und Software-Überlegungen die größtmögliche
                        Aufmerksamkeit von seiten der Forschergemeinschaft erfordern, bevor die Informa-
                        tionstechnologie im Büro weitgehend akzeptiert werden kann. Darüber hinaus sind die
                        Auswirkungen der Integration von Mensch und Informationstechnologie der kritisch-
                        ste unbekannte Faktor bei der Bestimmung der Einführungsrate neuer Bürogeräte.
                        Die Kopplung zwischen Mensch und Computernetzen wird die Welt in dramatischer
                        Weise verändern. Es wäre daher sinnlos, intensive Forschungs- und Entwicklungsar-
                        beiten über die Mensch-Maschine-Kopplung einzuleiten, ohne auch deren weiteren
                        Einfluß auf das Individuum (z. B. Ausbildung, Selbstachtung des Menschen), auf die
                        berufliche Umgebung (z. B. Anzahl der Arbeitsplätze, Qualität der Arbeit) und auf die
                        Gesellschaft (z. B. Auswirkungen auf das Bildungssystem und das demokratische Ver-
                        fahren der Willensbildung) zu untersuchen.
           27.4.5.      Vor diesem Hintergrund müssen fünf Forschungsbereiche schwerpunktmäßig in
                        Betracht gezogen werden:
                        — Bürosystemwissenschaft, eine Voraussetzung für die strukturelle Analyse von
                             Büroverfahren und den Entwurf angepaßter Büroprodukte und -Systeme.
                        Drei Hauptforschungsbereiche, die die drei grundlegenden Bürotätigkeiten umfassen
                        (Erstellung und Verteilung, Transmission sowie Speicherung und Wiedergewinnung
                        von Informationen):
                        — Büroarbeitsplätze, bei denen die Erstellung und der Vertrieb von Dokumenten
                             und die Mensch-Maschine-Schnittstelle primäre Anliegen sind;
                        — Bürokommunikationssysteme einschließlich integrierter                       Text-Stimme-Bild-
                             Video-Kommunikation und wertsteigernder Funktionen;
                        — Büro-Ablage und -Wiedergewinnungssysteme, mit Betonung auf einfachem
                             Zugriff zu und Wiedergewinnung von „Wissen", d. h. nicht nur auf in dem
                             System abgespeicherte Information.
                        Ein fünfter Bereich umfaßt:
                        — menschliche Faktoren, zu denen alle Aspekte der Wechselbeziehungen zwischen
                             dem Menschen und den Informationsbehandlungssystemen gehören.
           27.5         Computerintegrierte Fertigung
           27.5.1.       Einer der Hauptgründe für die Auswahl dieses spezifischen Themenbereichs sind
                        seine zu erwartenden bedeutenden Marktaussichten (') und sein erwarteter positiver
                        Einfluß auf die Fertigungsproduktivität.
           27.5.2.      Das generelle Ziel computerintegrierter Fertigung (CIM) besteht darin, die technologi-
                        schen Grundlagen für die schrittweise Einführung von Computerhilfen in allen Pha-
                        sen industrieller Gütererzeugung zu schaffen. Endergebnis dieses Konzepts ist die
                        automatisierte Fabrik. Künftige Fertigungssysteme werden insbesondere Funktionen
                        wie rechnergestützten Entwurf (CAD), rechnergestützte Fertigung (CAM) und rechner-
                        gestütztes Testen (CAT) durch die Schaffung einer gemeinsamen Datenbasis integrie-
                        ren, die als Rückgrat des computerintegrierten Fertigungssystems (CIM) wirkt.
           27.5.3.      Der allgemeine Begriff CIM wird hier verwendet, dieses generelle Konzept der pro-
                        duktiven und flexiblen Herstellung von Einzelteilen zu beschreiben, das sich aus der
                        vollständigen Integration von Computern und/oder automatischen Regelsystemen auf
                        allen Ebenen des Fertigungsbetriebs ergibt.
                         Die Hauptbereiche der ausgewählten FuE-Aktivitäten sind:
           (')  Von der General Electric Corporation, USA, wird berichtet, daß sie bis 1991 einen Weltmarkt von 29 Mil-
                 liarden ECU jährlich prognostiziert; ein neuer Bericht von Creative Strategies erwartet für Robotertechnik
                 in Westeuropa im Jahre 1986 einen Markt von 760 Millionen ECU.
 ---pagebreak--- Nr. C 321/24                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              26. 11. 83
           27.5.4.  Integrierte Systemarchitektur, mit:
                    — Identifizierung und Entwicklung voll integrierter Systemstrukturen für Daten-
                         banksysteme für ingenieurstechnische Daten von Gesamtproduktmodellen und
                          Fertigungsdaten von Anlagen, Maschinen und Werkzeugmodellen;
                    — „Datenbank-Management-Systeme", die darauf abzielen, die erforderliche
                          Datenübertragung zwischen den Bestandteilen des integrierten Fertigungssystems
                         und den Datenbanken sicherzustellen.
           27.5.5.  System und allgemeine Software, mit:
                    — berechnergestützten Entwurfs- und rechnergestützten Konstruktionssystemen für
                         einen verbesserten Entwurfsprozeß sowohl im Hinblick auf eine kürzere Ent-
                          wurfszeit und Genauigkeit als auch zur Festlegung von Gesamtproduktmodellen
                         zur späteren Verwendung in verschiedenen Stadien des Fertigungsverfahrens;
                    — rechnergestützten Fertigungssystemen für die Formulierung modularer CAM-
                          Systemestrukturen, die sämtliche Anwendungsarten in allen Industriezweigen
                          berücksichtigen;
                    — rechnergestütztem Prüfen und rechnergestützter Reparatur für eine kostenwirk-
                          same Verbesserung der Erzeugnisqualität;
                    — Befehlssprachen zur Entwicklung von Software-Modulen, die in der Lage sind,
                          aus Entwurfs-Produktions- und Prüf-Simulationsdaten Steuerprogramme für
                          Handhabungsautomaten rechnergesteuerte Werkzeugmaschinen und flexible Fer-
                          tigungssysteme zu generieren.
           27.5.6.  Maschinensteuerung, mit:
                    — automatisierten Montage- und Montagebetriebssystemeazur Erstellung vollauto-
                         matisierter Montagesysteme;
                    — Betriebssystemen für Handhabungsautomaten, wobei künftige Bereiche von
                          Roboteranwendungen Anforderungen stellen werden, die sich von den heute
                         erfüllten Anforderungen unterscheiden;
                    — Bildverarbeitung (global und bei Steuerung), wobei künftige Systeme die Verwen-
                         dung komplexer Bildverarbeitungs-„Sensoreingaben" für CIM-Anwendungen in
                          Bereichen wie Montage, maschinelle Bearbeitung, Prüfung usw. erfordern wer-
                         den;
                    — rechnergesteuerte Werkzeugmaschinen (CNC-Maschinen), bei denen erwartet
                         wird, daß neue Anwendungsbereiche in der Metallumformung und anderen
                         Zweigen des Maschinenbaus erschlossen werden.
           27.5.7.  Bauelemente, mit:
                    — Sensoren, bei denen Fortschritte für die künftige Entwicklung fortgeschrittener
                          automatisierter Fertigungssysteme für notwendig erachtet werden;
                    — mikroelektronischen Teilsystemen zur Integration vollständiger Steuer-Teilsy-
                          steme auf einem einzigen Chip.
            27.5.8. Daneben sollen Modell-Betriebe gefördert werden. Einerseits soll damit das vorge-
                    schlagene FuE-Programm zielorientiert ausgerichtet werden. Außerdem soll dadurch
                    der Tatsache Rechnung getragen werden, daß bei CIM-Entwicklungen nicht alles
                    Gerät aus einer Hand stammt. Es wird angeregt, daß eine Anzahl von Pilotbetrieben/
                    fortschrittlichen Entwicklungszentren realisiert werden, um fortgeschrittene compu-
                    ter-integrierte Fertigungssysteme zu demonstrieren. Die Pilotanlagen/Entwicklungs-
                    zentren könnten die Grundlage für ständige Forschungsszentren oder Spitzen-Zentren
                    bilden, wo weitere Forschung und Entwicklung vorwärtsgetrieben werden kann, und,
                    die Industrieberatungs-Dienste anbieten könnten. Diese Zentren könnten als Prüffeld
                    für Experimente und für die Bewertung von CIM-Techniken dienen und bei Aus- und
                     Fortbildung eine wesentliche Rolle spielen.
                     Die Arbeiten in diesen Zentren sollten als gemeinsames Bemühen der Privat-Wirt-
                     schaft und Universitäten oder anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen durchge-
                     führt werden. Durch Verteilung dieser Zentren auf mehrere Mitgliedstaaten könnten
                     langfristige Zusammenarbeit zwischen Forschern aus der Gemeinschaft und von
                     außerhalb erleichtert und verstärkt werden.
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    Nr. C 321/25
           27.5.9.   Pilotanlagen/Entwicklungszentren sollten anfangs für wenigstens drei wichtige Tätig-
                     keitsbereiche errichtet werden, nämlich für:
                     — Herstellung schwerer, präzisionsbearbeiteter Teile oder Teilgruppen für Werk-
                          zeugmaschinen oder Motoren;
                     — Massenproduktion elektromechanischer Produkte wie Haushaltsgeräte oder
                           IT-Peripheriegeräte;
                     — Herstellung von Hochpräzisions-Komponenten oder Teilen wie etwa von medizi-
                           nischen Instrumenten.
                     Die Pilotanlagen/Entwicklungszentren bieten auch Gelegenheit für „on the job" Aus-
                     und Fortbildung sowohl für technisches als auch für Management-Personal.
           INFRASTRUKTURMASSNAHMEN:                 INFORMATIONSAUSTAUSCHSYSTEM                    (IES)
           28.       Wie oben in Nr. 22—24 ausgeführt wurde, kann ein gemeinschaftliches Forschungsun-
                     ternehmen von so großem Maßstab, wie er für ESPRIT vorgesehen ist, sich nicht ein-
                     fach auf eine Konzentration von Forschungsteams und Infrastruktureinrichtungen in
                     einigen privilegierten Zentren abstützen.
                     Auch wenn diese Möglichkeit theoretisch besteht, würden in einer solchen Lösung die
                     damit verbundenen Probleme über dem Nutzen der gemeinsamen Bemühungen lie-
                     gen.
           29.       Um eine wirksame Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Teilnehmern in räumlich
                     getrennten Orten sicherzustellen, ist es notwendig, eine Infrastruktur aufzubauen, die
                     gewährleistet, daß der Informationsaustausch den Bedarf aller Beteiligten deckt.
           30.       Die Teilnehmer an den FuE-Vorhaben, aber auch viele andere einschließlich der
                     Behörden der Mitgliedstaaten, werden einen schnellen Zugriff zu Unterlagen über
                     ESPRIT selbst, zu den in Frage kommenden technischen Bereichen und zu den ent-
                     sprechenden Aktivitäten andernorts benötigen. Damit ergibt sich die Forderung nach
                     einem schnellen Zugriff zu Datenbasen, die in regelmäßigen Abständen fortgeschrie-
                     ben werden.
           31.        Die Projektträger brauchen einen schnellen Zugriff zu Informationen, Werkzeuge für
                     das Projektmanagement und Software-Pakete. Sie brauchen ein schnelles und effizien-
                     tes Nachrichtensystem und Möglichkeiten für Textverarbeitung. Die ersten Einrich-
                     tungen, wie sie für die Pilotphase von ESPRIT aufgebaut wurden, müssen schrittweise
                     ausgebaut werden.
           32.       Wer an der Entwicklung und dem Einsatz von Software beteiligt ist, braucht im Rah-
                     men eines schrittweise stärker integrierten Umfeldes den Zugriff zu Software-Entwick-
                     lungswerkzeugen. Wer sich mit dem rechnergestützten Entwurf (CAD) oder der gra-
                     phischen Informationsverarbeitung befaßt, braucht Zugriff zu leistungsfähigen Werk-
                     zeugen für die Erstellung, Verwaltung und Übermittlung dieser Informationen mit
                      Hilfe fortgeschrittener Peripheriegeräte (Digitalisiergeräte, Sichtgeräte, Plotter usw.).
           33.        Die meisten Forschungsteams, unabhängig von ihrem Arbeitsgebiet, benötigen auch
                      einen Fernzugriff zu anderen Rechen-Möglichkeiten und -Umgebungen, oft auf ande-
                     ren Gerätemodellen.
           34.        Die funktionellen Anforderungen an ein Informationsaustausch-System, das all die-
                      sen Anforderungen gerecht wird, wurden durch eine von der Kommission und der
                      Industrie eingesetzte gemeinsame Arbeitsgruppe festgelegt.
            35.       Ein besonderes Merkmal des IES im Rahmen von ESPRIT besteht darin, daß es ein
                      Werkzeug für Forschungsarbeiten sein wird und nicht etwa ein eigenes Forschungs-
                      thema. Die Einrichtung des IES muß einerseits die Möglichkeit zur raschen Einbezie-
                   . hung der neuesten — bei FuE anfallenden — Techniken bieten, andererseits aber auf
                      ausgereiften und erprobten Technologien und Dienstleistungen aufbauen.
            36.       Aufgrund einer Bewertung der schon jetzt und kurz- bis mittelfristig zur Verfügung ste-
                      henden Anlagen, sowie der Tatsache, daß das System in der Lage sein muß, mit den
                      Benutzeranforderungen Schritt zu halten und aus dem technischen Fortschritt Nutzen
                      zu ziehen, wurden die nachstehenden grundlegenden Erfordernisse ermittelt:
                      — rechnergestützte Nachrichten- und Konferenzdienste,
 ---pagebreak--- Nr. C 321/26                      Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               26. 11.83
                   — gemeinsame Texterstellungsanlagen,
                   — Informations-Wiedergewinnung (Dokumente und anderes),
                   — integrierte Software-Entwicklungs-Umgebung einschließlich Möglichkeiten für
                         die Dateiübertragung, die Fernausführung von Programmen sowie aller Aspekte
                         der Verwaltung des Software-Lebenszyklus,
                   — graphische Geräte, zunächst über Faksimile, insbesondere Digitalfaksimile, ohne
                         aber den späteren Direkttransfer von graphischen Informationen zwischen Com-
                         putersystemen nach Maßgabe der Weiterentwicklung von Codiermethoden und
                         Übertragungsmöglichkeiten auszuschließen.
           37.     Die Vielfalt und Verschiedenartigkeit dieser Erfordernisse und das damit verbundene
                   Fehlen präziser Schätzungen in bezug auf Datenvolumen, Zahl der Benutzer usw. und
                   deren Wachstum in den nächsten zehn Jahren bringen es mit sich, daß das System fle-
                   xibel, entwicklungsfähig und fest auf europäische und internationale Normen gegrün-
                   det sein muß.
           AUS MASS DER ESPRIT         ARBEITEN
           38.     Die vorhergehenden Paragraphen haben
                   — die technologischen Ziele,
                   — die bei der Aufstellung des Programms verwendeten Auswahlkriterien,
                   — die fünf eng verknüpften Hauptforschungsgebiete und die vorgeschlagene IES-
                         Infrastruktur
                   aufgezählt.
                   Eine sorgfältige Analyse der zur Ausführung und Zielerreichung erforderlichen Res-
                   sourcen wurde vorgenommen. Die notwendigen Ressourcen werden unten zusammen-
                   gefaßt und in den breiteren Kontext gestellt.
           39.     Als hauptsächliche Randbedingungen wurden das derzeit vorhandene Niveau finan-
                   zieller und fachlicher Ressourcen in Industrie und bei den Universitäten, das derzei-
                   tige Niveau öffentlicher Ausgaben in den Mitgliedstaaten und die globalen FuE-Inve-
                   stitionen unserer Haupt-Konkurrenten herangezogen. Als vom industriellen Stand-
                   punkt wesentlich wurde die Aufgliederung zwischen Entwicklung produktorientierter
                   FuE und längerfristiger vorwettbewerblicher FuE angesehen.
           40.     Die IT-Industrie in der Gemeinschaft produziert Güter und Dienste im Werte von
                   etwa 40 Milliarden ECU pro Jahr und gibt schätzungsweise 5 Milliarden ECU pro
                   Jahr für FuE aus. Das entspricht etwa 10% der Gesamtausgaben für FuE in der
                   Gemeinschaft.
                   Soll das gleiche Verhältnis auch bei den öffentlichen Mitteln erreicht werden, so müß-
                   ten zusätzlich 2 bis 2,5 Milliarden ECU pro Jahr für FuE in IT ausgegeben werden,
                   wodurch die Gesamtausgaben für FuE in IT auf 7 bis 8 Milliarden ECU pro Jahr
                   ansteigen würden.
                   Dies würde ungefähr einem 20 % Anteil an den Weltausgaben in diesem Feld entspre-
                   chen.
           41.      Berücksichtigt man, daß die Ziele der Gemeinschaftsindustrie darin bestehen sollten,
                   einen Verkaufsanteil am Weltmarkt zu erreichen, der dem Anteil der Gemeinschaft an
                   diesem Markt, d. h. 30 %, entspricht, so führen die Zahlen aus dem vorhergehenden
                    Absatz zu folgender Schlußfolgerung:
                    Obwohl die IT-Industrie der Gemeinschaft schon große Anstrengungen bei FuE
                    unternimmt und im Mittel sogar einen größeren Anteil ihres Umsatzes dafür einsetzt
                    als ihre größten Konkurrenten, sind diese Anstrengungen unzureichend, sowohl wenn
                    man sie mit den Absolutzahlen der FuE-Ausgaben dieser Konkurrenten vergleicht als
                    auch wenn man sie vom angestrebten Marktanteil aus hochrechnet.
                    Dieser relativ geringe Umfang beeinflußt darüber hinaus auch die Art der Arbeiten. Er
                    führt dazu, daß die Firmen kurzfristigen produktorientierten Aktivitäten, wenn nicht
                    gar reiner Pannen-Bereinigung den Vorrang geben zu Lasten langfristiger strategischer
                    FuE, wie sie der nächsten Produkt-Generation zugrunde liegt.
 ---pagebreak--- 26.11.83                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr. C 321/27
              42.     Eine wesentliche Steigerung, aber auch eine wesentliche Rationalisierung sind daher
                      erforderlich. Ersteres braucht eine ziemliche Zeit zur Realisierung; letzteres kann
                      umgehend begonnen werden.
             43.      Obwohl ESPRIT stärker darauf ausgerichtet ist, diese Rationalisierung zu fördern als
                      die Finanzmittel entscheidend aufzustocken, muß doch der Umfang der von dem Pro-
                      gramm mobilisierten Arbeiten dem Umfang der beabsichtigten Wirkung entsprechen.
                       Diese Wirkung kann grob anhand des Marktes und der derzeitigen laufenden Ausga-
                      ben ermittelt werden. Die Gesamtinvestitionen der Industrie in Forschung und Ent-
                      wicklung für IT innerhalb der Gemeinschaft werden auf etwa 5 Milliarden ECU/Jahr
                      geschätzt. Davon geht nur ein vernachlässigbarer Anteil in langfristige, vorwettbe-
                      werbliche FuE-Arbeiten. Bei Europas Haupt-Wettbewerbern liegt dieser Anteil dage-
                      gen bei 5 bis 10%.
             44.      Um sinnvoll zu sein und ein neues strategisches Denken anzuregen, wie es der Defini-
                      tion und Durchführung des FuE-Programms zugrunde liegt, müßte ein Gemein-
                      schafts-Eingriff gemeinsame langfristige Bemühungen für vorwettbewerbliche FuE in
                      der gleichen Größenordnung auslösen d. h. mindestens 5 bis 10 % der laufenden indu-
                      striellen FuE-Gesamt- Aufwendungen.
                      Die Schlußfolgerungen, die nach Konsultation mit der Industrie, den Regierungen
                      und dem akademischen Bereich unter Berücksichtigung der für einen realistischen,
                      schrittweisen Aufbau der Kapazitäten zu beachtenden physischen Beschränkungen
                      erreicht wurden, deuten darauf hin, daß für den Anfang ein Aufwand für vorwettbe-
                      werbliche langfristige FuE, der ab dem dritten Jahr jährlich etwa 2 000 Mann-Jahre
                      ausmacht, vertrauensvoll und mit Aussicht auf Erfolg angestrebt werden könnte. Die
                      nachstehende Tabelle 1 verdeutlicht, wie die Mittel für die während der ersten Phase
                      in Angriff genommenen Aktivitäten sich während der ersten 5 Jahre (1984—1988) auf-
                      bauen und in den anschließenden Jahren auslaufen werden. Bei der Planung der zwei-
                      ten Phase des Programms wird für die Jahre 1989—1993 ein ähnliches Verteilungsmu-
                      ster für die Mittel erwartet, so daß wenigstens für die ersten 3 bis 4 Jahre der zweiten
                      Phase die Entwicklung der Mittel mindestens auf dem gleichen Niveau (oder mögli-
                      cherweise, wegen Kostensteigerungen, leicht darüber) liegen werden.
             45.      Die Umrechnung dieser Zahlen in Haushaltsanforderungen, gemäß gängiger Indu-
                      strie-Praxis, führt zu geschätzten Gesamtinvestitionen für die erste 5-Jahresphase in
                      Höhe von etwa 1500 Millionen ECU. Dies würde rund 6% der IT-bezogenen indu-
                      striellen FuE-Investitionen in der Gemeinschaft entsprechen. Damit lägen wir ohne
                      Überschreitung unserer Möglichkeiten im gleichen Rahmen wie unsere Haupt-Wettbe-
                      werber. Auf der Basis eines durchschnittlichen 50 %-Beitrages würden als Belastung
                      des Gemeinschaftshaushalts 750 Millionen ECU anfallen, einschließlich der Kosten
                      für Programm-Management und Zugriff zu und Nutzung des Informations-Aus-
                      tausch-Systems.
                                                   ESPRIT PROGRAMM
                                     Zusammenstellung der Aufwendungen (Mann — Jahre)
                                     Aktivitäten mit Beginn in der ersten Phase 1984- 1988
                              Pilot-        1984   1985    1986    1987    1988   1989   1990   1991   1992    1993
                            Projekte
                                0             1      2       3       4       5      6      7     8      9       10  Summe
Projektbeginn im Jahr
  0                             230          325    327     192     125      30                                        999
  1                                          420    551     629     540     519     20                               2 679
  2                                                 547     766     670     545    140                               2 668
  3                                                         328     428     450    256      68                       1 530
  4                                                                 204     276    180      85    45                   790
  5                                                                          92    140     125   105     80      60    602
 Summe Mann — Jahre             230          745  1 425 1 915 1 967 1912           736    278    150     80      60  9 268
 ---pagebreak---    Nr. C 321/28                    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                           26. 11. 83
                                                     Abbildung 1
           BETRIEBSSYSTEME & ANWENDUNGSPROGRAMME
                                                                                 CD
                                                                                 Z
                                                                                 O
                                     RECHNERGESTÜTZTES                           1-
                                          ENTWERFEN                              cc
                                                                                 LU
                                                                                 LL
                                                                                 LU
                                                                                 cc
                        VERFAHREN & TECHNIKEN                                    LU
                            DER SPEICHERUNG                                      CC      INFORMATIONS-
                                                                    LU           O      SPEICHERUNG &
                                                                    2            LU     RÜCKGEWINNUNG
                                                                    LU           1-
                                                                                 Z
                                                III—V               >"           CC
                                                                    CO           LU
                                            WERKSTOFFE                           1-
                                                                    6            z>
                                                                    cc           CL
                                 DIGITALE SCHALT- &                0
                                                                    m            O
                               ÜBERTRAGUNGSTECHNIK                               ü
              z
 THEORIEN     X
METHODEN      ü
              LU   &                           BÜROSYSTEM-
WERKZEUGE     17                              WISSENSCHAFT
              LU
              cc
              <
              0       BILDSCHIRME
              co                           MENSCH — MASCHINE
                                              SCHNITTSTELLE
                                  ik                                                              EXPERTEN-
                                  LUV                                                              SYSTEME
                        CO
                        _i
                        >                                              -                            LU
                                  0                                                                 5
                                                                                                    LU
                                                                                                    1-
                                                                                                    00
                                                                                    z               >-      CD
                                                                                                            Z
                                     INTELLIGENTE MESSFÜHLER                                        CO
                                                                                                    h-
                                                                                    z               z       h-
                                                                                    z               LU      LU
                      1       1 1      1                                            LU
                                                                                                    LU - 1  m
                                                                                                            cc
                                                                                    CC
                                                                                           '        CD      <
                      NEUE VERARBEITUNGS-ARCHITEKTUREN                              LU              <       cc
                                                                                                    Z       LU
                                                                                    CC
                                                                                    LU              <  _    >
                                                                                                            CO
                                                                                    1-
                                                                                    00
                                                                                                            z
                                                                                     5              z       LU
                                       SILIZIUM-VERARBEITUNG                                        <       (0
                                                                                                    CD      CO
                                                                                                    z       $
                                                                                                    LU
                                                                                                    <       cc
                                     ALGORITHMEN                                                    Q       LU
                                                                                                            Q
                                                                                                    Q
                                                                                                    Z       z
                                                                                                            I
                                                                                                          -   0
                                                                                                    CO      LU
                                                                                                            1-
                                        WISSENS-DARSTELLUNG                                         z
                                                                                                    LU
                                                                                                    CO
                                                                                                    CO   "
                  Grobdarstellung der Abhängigkeiten und Überlappungen zwischen den FuE-Bereichen
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. C 321/29
                                                   ABSCHNITT III
                                         VORGESCHLAGENE AKTIONEN
                                           Wie wird ESPRIT durchgeführt?
           VORGESCHLAGENE           AKTIONEN
           1.   Ein technologischer Schub in der gesamten Gemeinschaft, durch den binnen 10 Jahren
                ein technischer Gleichstand mit oder sogar eine Überlegenheit über unsere Hauptkonkur-
                renten erreicht werden soll, stellt ein ehrgeiziges Ziel dar, das nur über gemeinsame
                Anstrengungen in einer Größenordnung, wie sie im vorhergehenden Abschnitt angeführt
                wurde, zu erreichen ist. Nur ein ausreichend großes Programm wird all diejenigen in der
                Gemeinschaft zusammenführen, die einen spürbaren Beitrag zu FuE und ihrer Nutzung
                leisten können: große und kleine gewerbliche Unternehmen, Forschungsinstitute, Univer-
                sitäten und Einzelpersonen.
                Nur so ist eine Konzentration menschlicher und finanzieller Ressourcen in einer den Zie-
                len entsprechenden Größenordnung möglich.
           2.   ESPRIT wurde zu diesem Zweck entwickelt und bildet ein Programm, durch das:
                a)    angemessene Mittel bereitgestellt werden, um in der Gemeinschaft kooperative Vor-
                      haben der vorwettbewerblichen industriellen FuE auf den Weg zu bringen, die unter
                      die vereinbarten strategisch-technologischen Ziele fallen und eindeutig von Gemein-
                      schaftsinteresse und -Charakter sind,
                b)    eine systematische Konsultation zwischen den Verwaltungen der Mitgliedstaaten,
                      akademischen Einrichtungen, der Industrie und der Gemeinschaft über die Defini-
                      tion, Bewertung und Anpassung der FuE-Tätigkeiten, die entweder direkt oder indi-
                      rekt mit den Tätigkeiten im technischen Programm ESPRIT zusammenhängen,
                      gefördert werden soll. Damit soll eine bestmögliche Koordinierung der Anstrengun-
                      gen und Nutzung der Ressourcen aller in der Gemeinschaft mit IT Befaßten erreicht
                      werden;
                c)    Infrastruktur und organisatorische Einrichtungen aufgebaut werden, die eine sorgfäl-
                      tige Auswahl, wirksame Durchführung, ordnungsgemäße Überwachung und Verwal-
                      tung sowie eine angemessene Verbreitung der Ergebnisse der Aktionen sicherstellen.
           3.   ESPRIT ist vor allem ein industrielles Programm, finanzielle Mittel werden daher an
                erster Stelle von der Industrie aufgebracht. Beiträge der Gemeinschaft werden wesentlich
                dafür sein, daß die erwünschte Konzentration in Zeit und Umfang erreicht wird.
           4.   Die Definition der strategisch technischen Ziele stützt sich primär auf die Angaben der
                Industrie. Weitergehende einzelstaatliche und Gemeinschaftsinteressen werden berück-
                sichtigt und durch systematische Analysen der Wissensgebiete unterstützt. Wie bei den
                FuE-Vorhaben, für die finanzielle Beihilfen zu gewähren sind, soll auch ESPRIT dafür
                sorgen, daß das ausgewählte Spektrum der Schlüsseltechnologien sowie ihre potentiellen
                Nebenprodukte und Vorläufer so gut wie möglich abgedeckt werden.
           5.   Aus dieser Sicht beruht industrielle FuE im wesentlichen auf zwei großen Gruppen von
                Vorhaben:
           5.1. Vorhaben, die von einer breiten Infrastruktur- und Ressourcenbasis, sowohl menschlich
                als auch finanziell, abhängen und die Möglichkeit bedeutender Investitionen in einer
                anschließenden Phase der anwendungsorientierten FuE voraussetzen. Solche Tätigkeiten
                können nur dann erfolgreich geplant und durchgeführt werden, wenn eine klare und
                beständige strategische Perspektive die zur Ausnutzung der langfristigen Vorteile notwen-
                dige Kontinuität und Breite der Aktionen gewährleistet. Solche mittel- bis langfristigen
                „systemgeführten" FuE-Tätigkeiten, die in diesem Dokument als Vorhaben vom Typ A
                bezeichnet werden, stellen das strategische Rückgrat von ESPRIT dar. Der Anteil dieser
 ---pagebreak--- Nr. C 321/30                        Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      26. 11.83
                   Art von Vorhaben am gesamten ESPRIT-Aufwand soll den Beitrag der Vertragspartner
                   widerspiegeln, die Grundlagen-FuE in der Informationstechnologie innerhalb der
                   Gemeinschaft betreiben.
           5.2.    Daneben gibt es eine zweite Serie von Vorhaben, deren jedes relativ sehr viel geringere
                   Mittel erfprdert. Solche Tätigkeiten, die als Vorhaben vom Typ B bezeichnet werden,
                   erstrecken sich von sehr langfristiger spekulativer FuE bis hin zu relativ kurzfristiger sehr
                   spezifisch ausgerichteter FuE. Sie hängen im allgemeinen stärker von einer flexiblen
                   Infrastruktur und individuellen Denken ab als von einem Systemkonzept. Sie dürften
                   einen beträchtlichen Anteil der Gesamtanstrengungen im Rahmen von ESPRIT ausma-
                   chen.
           6.      Das ESPRIT-Programm, das die Voraussetzungen für die optimale Entwicklung dieser
                   beiden Arten von Tätigkeiten schaffen, und sich über einen Zeitraum von 10 Jahren
                   erstrecken soll, wird zunächst für eine Anlaufphase von 5 Jahren vorgeschlagen, wobei
                   das ausführliche Arbeitsprogramm in der Regel jährlich fortgeschrieben wird. Nach 2Vi
                   Jahren ist ein Meilenstein zur Zwischenbegutachtung des gesamten Programms vorgese-
                   hen.
                   Diese Programmstruktur soll für die größeren Vorhaben eine langfristige Perspektive und
                   für die kleineren Vorhaben Flexibilität erreichen. Daneben wird die Möglichkeit gesi-
                   chert, gegebenenfalls im Lichte von Ergebnissen und technologischen Entwicklungen
                   rechtzeitig den Kurs anzupassen.
           7.      Zu diesem Zweck ist eine intensive Konsultation zwischen der Kommission und den Mit-
                   gliedstaaten erforderlich. Außerdem ist eine ständige Überwachung des Forschungsge-
                   biets notwendig, um die technologischen Ziele und Trends rechtzeitig zu erkennen. Erfor-
                   derlich sind: die Organisation einer administrativen Infrastruktur, um sicherzustellen, daß
                   das Arbeitsprogramm auf den jeweils neuesten Stand gebracht wird und den tatsächli-
                   chen Bedürfnissen entspricht; der Aufbau einer objektiven und genauen Bewertung der
                   Arbeiten; eine Vertragsverwaltung;eine Koordinierung der verschiedenen Vorhaben und
                   die Verbreitung der Ergebnisse.
           8.      Diese Tätigkeiten werden von der Kommission unter Beratung durch einen geeigneten
                   Verwaltungs- und Koordinierungsausschuß (VKA) durchgeführt, der durch Ratsbeschluß
                   eingerichtet wird und dessen Mitglieder von der Kommission in Absprache mit den
                   Regierungen der Mitgliedstaaten ernannt werden. Die Zusammensetzung und Hauptauf-
                   gaben dieses Verwaltungs- und Koordinierungsausschusses sind im Anhang zum Entwurf
                   eines Ratbeschlusses zur Einsetzung eines solchen Ausschusses beschrieben, wie er kürz-
                   lich von der Kommission vorgeschlagen wurde (').
           AUSFÜHRLICHE            DEFINITION           UND     FORTSCHREIBUNG            DES      ARBEITSPRO-
            GRAMMS
           9.       Der technische Anhang zum vorliegenden Beschlußentwurf enthält in Abschnitt A die
                   Grundzüge der vorgeschlagenen' FuE-Arbeiten sowie einige der Hauptangriffslinien und
                   Ziele, wie sie sich bereits jetzt herauskristallisieren lassen.
                   Die dort gemachten Angaben sind nach Auffassung der Kommission ausreichend deut-
                   lich und ausführlich, um den Gesamtrahmen der Arbeiten, ihren Umfang und ihre erwar-
                   tete Auswirkung festzulegen im Vergleich zum derzeitigen Stand der Technik in Europa
                   und in der Welt.
                   Es ist nicht der Zweck dieses Arbeitsprogramms, schon jetzt eine Definition und Bewer-
                   tung konkreter FuE-Vorhaben zu liefern.
           10.     Auf einem sich so schnell entwickelnden Wissensgebiet wie IT, auf dem die durchschnitt-
                   liche Produkt-Lebensdauer drei Jahre beträgt, wäre es illusorisch und falsch, von vorn
                   herein die Tätigkeiten und den Zeitplan für die nächsten 5 Jahre im einzelnen festlegen
                   zu wollen; ein vernünftiges operationelles Arbeitsprogramm bedarf der ständigen Über-
                   wachung und müßte mindestens einmal im Jahr revidiert werden. Außerdem muß man
                   davon ausgehen, daß spezifische Ereignisse eintreten, die auch innerhalb eines Jahres
                   kurzfristig eine Änderung einzelner Aktionen erforderlich machen.
                   Um dieser Realität oder anderen Dringlichkeiten gerecht zu werden, erscheint ein leichte-
                   rer Entscheidungs-Mechanismus als etwa ein Ratsbeschluß angebracht. Solch ein Mecha-
           (')  KOM(83) 143 vom 16. März 1983: Mitteilung der Kommission an den Rat über Strukturen und Prozedu-
                ren für die Gemeinschafts-Politik auf dem Gebiet der Forschung und Technologie (ABl. Nr. C 113 vom
                27.4. 1983, S. 4).
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               nismus müßte von Anfang an den für ein solches Programm erforderlichen kontinuierli-
               chen Entscheidungsprozeß sicherstellen und eine rasche und wirksame Reaktion zulas-
               sen, falls umgehende Entscheidungen nötig werden.
         11.    Daher wird vorgeschlagen, daß ein ausführlicheres Arbeitsprogramm, wie es für die prak-
               tische Durchführung des Programms notwendig ist, von der Kommission nach Konsulta-
               tion des Verwaltungs- und Koordinierungsausschusses festgelegt und auf den jeweils
                neuesten Stand gebracht wird. In der Regel wird ein solches Arbeitsprogramm alle 12
                Monate aufgestellt. Es umfaßt die Tätigkeiten des jeweils nächsten Jahres (') ausführlich
                und die Tätigkeiten der darauffolgenden vier Jahre mit abnehmender Detailgenauigkeit.
                Drei Monate vor Beginn eines Zwölfmonatszeitraums wird ein Entwurf vorgelegt und mit
                dem VKA erörtert und spätestens im ersten Monat dieses zwölfmonatigen Zeitraums
                gebilligt. Häufigere Revisionen oder teilweise Änderungen wären, falls erforderlich,
               jederzeit möglich.
                Mit einer derart gleitenden Planung des Gesamt-Programms könnte ESPRIT— im Lichte
                der aus den technischen Ergebnissen der ESPRIT-Vorhaben, Fortschritten von Konkurren-
                ten und praktischen Reaktionen der großen Handelnden innerhalb und außerhalb Euro-
                pas gewonnenen Erfahrungen — ständig auf dem neuesten Stand und damit wirksam
                bleiben.
         12.    Der erste Entwurf für ein solches ausführliches Arbeitsprogramm wird derzeit von der
                Kommission unter angemessener Konsultation ausgearbeitet, wobei auch die neuesten
                Informationen aus den »Vorbereitenden Studien' (die Ende vergangenen Jahres begonnen
               wurden), soweit sie im Juni 1983 zur Verfügung stehen, berücksichtigt werden. Ein end-
               gültiger Entwurf des Arbeitsprogramms für die Jahre 1984 bis 1988 wird bis September
                1983 vorliegen.
         13.    Um die Meinungsbildung des Verwaltungs- und Koordinierungs-Ausschusses über dieses
                erste Programm vorzubereiten und zu erleichtern, wurden schon jetzt, bevor ESPRIT
                angenommen ist, enge Konsultationen mit den Verwaltungen der Mitgliedstaaten begon-
                nen. Dazu wurden das Senior Executives Committee (S.E.C.) herangezogen, das für die
                Pilotprojekte eingerichtet wurde. Die Konsultationen sollen bis zur formalen Definition
                des Programmes weitergeführt werden.
         14.    In Anbetracht der ehrgeizigen langfristigen Absichten und der komplexen und evolutio-
                nären Natur seiner technischen Ziele bedarf ein Programm wie ESPRIT alle paar Jahre
                einer Überarbeitung und,gegebenenfalls einer Änderung seiner Grundlinien.
                Deswegen wird es jetzt für eine erste Phase von 5 Jahren vorgeschlagen, obwohl das Pro-
                gramm insgesamt einen Zeitraum von 10 Jahren umfassen soll. Vor Ende des vierten Jah-
                res der Durchführung der ersten Phase wird ein weiterer Vorschlag ausgearbeitet, der die
                zweite Phase des Programms im Lichte der mittlerweile gesammelten Erfahrungen und
                Resultate definiert.
                 Für die Vorstellung eines 5-Jahres Programms im Rahmen einer 10-Jahres Perspektive
                sprechen mehrere Gründe. Die wichtigsten sind:
                — daß von ESPRIT kurzfristiger Nutzen erwartet wird, wobei aber mittel- bis langfri-
                      stige Ziele angesprochen werden, die eine Kontinuität über 5 Jahre hinaus erfordern,
                      unabhängig von der Höhe der Mittelbereitstellung,
                 — daß die Wirkung von ESPRIT ebenso von Voraussicht und Erlernen der Koopera-
                     tion bei FuE abhängt wie von der Güte der Forschungsarbeiten. Dies setzt Kontinui-
                     tät über einen längeren Zeitraum voraus.
                 Die Option, von Anfang an eine Entscheidung über 10 Jahre vorzuschlagen, wurde fal-
                 lengelassen, da es praktisch unmöglich erscheint, in diesem sich rasch entwickelnden
                 Gebiet selbst grobe Programm-Einzelheiten über einen Zeithorizont von 5 Jahren hinaus
                 zu spezifizieren.
         (') „Jahre" bedeuten hier zwölfmonatige Zeiträume, beginnend mit dem ersten Monat nach Billigung dieses
             Programms durch den Rat.
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            FINANZIELLE       UNTERSTÜTZUNG
            15.  Aufgrund des unterschiedlichen Umfangs und Bedarfs der Vorhaben (Vorhaben der
                 Typen A & B) und häufig auch wegen der Verschiedenartigkeit der damit verbundenen
                 Arbeiten und um alle Beiträge optimal einzusetzen, müssen verschiedene Verfahrensmög-
                 lichkeiten im Rahmen des ESPRIT-Programms zulässig sein, insbesondere im Hinblick
                 auf den Anteil und die Art der Unterstützung und die Auswahl-Kriterien.
            16.  Bei strategischen Vorhaben (Typ A) schlägt die Kommission vor, daß sich der finanzielle
                 Beitrag der Gemeinschaft auf 50 % in Form eines Zuschusses beläuft. Die übrigen 50 %
                 sollten in der Regel von der Industrie selbst aufgebracht werden. Die finanzielle Beteili-
                 gung der Industrie wird als Test dafür angesehen, inwieweit die Industrie von der Not-
                 wendigkeit dieser Arbeiten überzeugt ist. Falls, im Rahmen der Abweichungen von Land
                 zu Land in den Wegen der Industrieunterstützung durch die Regierungen, auch finan-
                 zielle Beiträge der nationalen Behörden erfolgen, wird die Kommission unter Berücksich-
                 tigung dieses generellen Prinzips die Situation auf einer Fall-zu-Fall Basis prüfen.
            17.  Die kleinen Vorhaben (Typ B) werfen andere Probleme auf. Grundsätzlich hält es die
                 Kommission für richtig, daß selbst bei kleineren Vorhaben in der Regel ein Beitrag der
                 Gemeinschaft von 50 % gelten sollte.
                 Mögliche Varianten erscheinen jedoch nach folgenden Beispielen denkbar:
                 a)    Stammt die industrielle Unterstützung von kleinen oder mittleren Unternehmen    oder
                       anderen Unternehmen mit sehr begrenzten finanziellen Eigenmitteln, so kann       aus-
                       nahmsweise eine Gemeinschaftsunterstützung über 50% in Betracht gezogen         wer-
                       den. In solchen Fällen werden zusätzliche geeignete Vereinbarungen über          den
                       Zugang zu den Ergebnissen oder ihre Verwertung erwogen.
                 b)    In außergewöhnlichen Fällen, wenn ein Forschungsvorschlag von akademischen
                       Einrichtungen vorgelegt wird, die keinen industriellen Partner oder Förderer beibrin-
                       gen können, weil die vorgeschlagenen Arbeiten zu explorativ sind, als daß sich die
                       Industrie schon an ihren ersten Stadien beteiligen wollte, kann der Vorschlag, nach-
                       dem sich die Kommission davon überzeugt hat, daß die technischen Merkmale der
                       Arbeiten so herausragend sind, daß sie trotz fehlender industrieller Unterstützung
                       vorangetrieben werden sollten, zunächst bis zu 100 % finanziert werden.
                       In diesem Fall würde jedoch eine abgestufte Lösung ins Auge gefaßt, derzufolge das
                       Vorhaben unter der Voraussetzung in Agriff genommen wird, daß die Industrie einen
                       angemessenen Teil der Finanzierung übernimmt, sobald das Vorhaben vereinbarte
                       Meilensteine erreicht, die die Versprechungen des gewählten Lösungsansatzes absi-
                       chern.
            AUSWAHL DER VORHABEN
            18.   Für eine Unterstützung kommen nur solche Vorhaben in Frage, die von Unternehmen
                 vorgeschlagen werden, die ihren Sitz in der Gemeinschaft haben und in der Regel derzeit
                  FuE-Aufgaben in der Gemeinschaft durchführen. Die Vorhaben selbst müssen ebenfalls
                  in der Gemeinschaft durchgeführt werden.
                 Vorschläge werden der Kommission normalerweise als Antwort auf eine im Amtsblatt der
                  Europäischen Gemeinschaften veröffentlichte offene Ausschreibung vorgelegt.
            19.   Neben der technischen Qualität werden in der Regel folgende Hauptkriterien für die
                  Bewertung aller Vorhaben angewendet:
                  — Beitrag zur Industriestrategie im Lichte der Ziele von ESPRIT,
                  —     Gemeinschaftsdimension,
                  — technische und wissenschaftliche sowie Management-Fähigkeit zur Durchführung
                       des vorgeschlagenen Arbeitsprogramms,
                  — vorgesehene Maßnahmen und Konzept für den Zugang Dritter zu den Ergebnissen
                       und für ihre Nutzung.
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          20.   Im Rahmen der obigen allgemeinen Grundsätze sind folgende spezifischen Leitlinien
                vorgesehen (zu den verschiedenen Elementen des Auswahlprozesses für die Vorhaben):
          20.1. Bei größeren Vorhaben (Typ A) ist die Beteiligung von mindestens zwei wirtschaftlich
                von einander unabhängigen Unternehmen, mit Sitz in verschiedenen Mitgliedstaaten eine
                unabdingbare Voraussetzung für die Auswahl.
                Es gibt keine besonderen Beschränkungen für die Form einer solchen Projekt-Beteili-
                gung. Sie kann aus einem Verhältnis wie zwischen Hauptlieferant und Zulieferant beste-
                hen, aber auch für die Dauer des spezifischen Vorhabens als gemeinschaftliche Unterneh-
                mung aufgezogen sein, mit allen denkbaren Zwischenstufen.
          20.2. Bei den kleineren Vorhaben (Typ B) ist eine solche Beteiligung aus mehreren Staaten
                zwar nicht unabdingbar, wird jedoch bei ansonsten gleicher Qualifikation als deutlicher
                Vorteil angesehen. Um die Gemeinschaftsdimension in denjenigen Fällen zu erhalten, in
                denen Vorschläge aus einem einzigen Mitgliedstaat Berücksichtigung finden, sollen
                geeignete Vereinbarungen ausgehandelt werden, die eine angemessene Verbreitung bzw.
                den Zugang zu den Forschungsergebnissen gewährleisten.
          21.    In regelmäßigen Zeitabständen werden offene Ausschreibungen zu allen Vorhaben statt-
                finden. Alle innerhalb der Fristen eingereichten Vorhaben werden auf ihren Wert geprüft.
                 Im Rahmen der begrenzten Haushaltsmittel wird eine Auswahl getroffen.
          22.   Bei ansonsten gleicher Lage, werden die Haupt-Entscheidungsfaktoren über Projektaus-
                wahl und Zuweisung von Mitteln in der technischen Qualität der Vorschläge und der
                Fähigkeit ihrer Antragsteller, die Ergebnisse zu liefern, liegen: Konkurrieren mehrere gute
                Projektvorschläge miteinander, wird nach dem Prinzip vorgegangen, den allerbesten Vor-
                schlag angemessen zu fördern, statt die Mittel über alle guten Vorschläge zu verteilen.
           PROGRAMM-MANAGEMENT
           23.   Die Gesamtverantwortung für die Abwicklung des Programms bleibt Sache der Kommis-
                 sion. Gleichzeitig sind aber Stellungnahmen der Mitgliedstaaten, der Industrie und der
                 akademischen Welt unerläßlich, wenn koordinierte wirksame Maßnahmen erreicht wer-
                 den sollen. Die Stellungnahmen der Mitgliedstaaten werden von dem Verwaltungs- und
                 Koordinierungsausschuß (VKA) abgegeben, der von der Kommission in Absprache mit
                 den Regierungen der Mitgliedstaaten ernannt wird.
           24.   Parallel zu dieser formalen beratenden Struktur richtet die Kommission Konsultationen
                 mit der Industrie und, wo geeignet, mit Hochschul- und Forschungseinrichtungen ein. Sie
                 organisiert diese so, daß große und kleine Firmen, Nutzer und akademische und For-
                 schungseinrichtungen Gelegenheit erhalten, ihre Meinungen und Empfehlungen an die
                  Kommission über alle größeren Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Struktur
                 und der Durchführung des Programms zu äußern. Zu diesem Zweck beabsichtigt die
                  Kommission, sowohl industrielle als auch wissenschaftliche Beratungsgremien zu schaf-
                  fen.
           25.    Neben der mehr traditionellen finanziellen und technischen Überwachung der Verträge
                  sorgt das Programm-Management dafür:
                  — daß Projekte in Übereinstimmung mit den vereinbarten strategischen Zielen ausge-
                       schrieben und ausgewählt werden,
                  — daß die Ziele und das Arbeitsprogramm überwacht und auf den neuesten Stand
                       gebracht werden, um ihre strategische Gültigkeit zu erhalten,
                  — daß alle in Frage kommenden Unternehmen, Forschungsinstitute und Universitäten
                       Gelegenheit erhalten, einen Beitrag zu leisten und daß vorhandene wissenschaftliche
                       Ressourcen optimal genutzt werden,
                  — daß eine Koordinierung zwischen den verschiedenen Aktionen und Forschungsvor-
                       haben erfolgt und aufrecht erhalten wird, •
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                — daß Informationen über laufende und geplante Tätigkeiten und ihre Ergebnisse allen
                      potentiellen Nutznießern zur Kenntnis gebracht werden,
                — daß Informationen hinsichtlich Standardisierungsfragen ausreichende Verbreitung
                      und Beachtung finden.
           26.   Eine Organisation, ausgestattet mit fortschrittlicher Datenverarbeitungs- und Kommuni-
                kationstechnölogie, wird eingesetzt. Sie besteht aus einem Kern Verwaltungspersonal, das
                die Kontinuität der Aktion und die grundlegende Infrastruktur sicherstellen soll und
                einer Anzahl wissenschaftlichen Personals.
                Durch diese Infrastruktur sind Managementinformationen über alle laufenden, abge-
                schlossenen oder geplanten Tätigkeiten jederzeit verfügbar, um die Wirksamkeit spezifi-
                scher Maßnahmen beurteilen und nötigenfalls rechtzeitig Korrekturmaßnahmen entwik-
                keln zu können.
                Die rechtzeitige Fortschreibung von Dateien und der Zugang zu den Daten wird durch
                einen Anschluß an das Informations-Austausch-System ermöglicht, das aufgebaut wer-
                den soll, um den Kommunikationsbedürfnissen aller Beteiligten an ESPRIT-Vorhaben
                gerecht zu werden (siehe Absätze 28 bis 37 im Abschnitt II).
           VERBREITUNG VON INFORMATIONEN,                 ZUGANG ZU DEN ERGEBNISSEN                UND
           IHRE NUTZUNG
           27.  ESPRIT ist ein Programm für vorwettbewerbliche Forschung. Das bedeutet, daß die
                Ergebnisse in der Regel nicht sofort auf dem Markt verwertet werden können und norma-
                lerweise über das Programm hinaus, weitere FuE-Phasen durchlaufen müssen, bevor
                absatzfähige Produkte oder Verfahren daraus hervorgehen.
           28.  Andererseits liegt in einer synergistischen Wirkung eine primäre Rechtfertigung für das
                ESPRIT Programm, indem es eine „kritische Masse" von Forschungsanstrengungen auf
                ausgewählte strategisch technologische Schlüsselziele lenkt. Dadurch soll die Gemein-
                schaftsindustrie die technologischen Werkzeuge erhalten, durch die sie ihre Wettbewerbs-
                fähigkeit auf dem Weltmarkt verbessern kann. Um diesen Anforderungen gerecht zu
                werden, ist eine angemessene Verbreitung der Informationen über geplante oder laufende
                Arbeiten als auch über ihre Ergebnisse und deren Nutzung von grundlegender Bedeu-
                tung.
                Auf diese Weise kann den verschiedenen Arten von Informationen, den unterschiedli-
                chen beteiligten Gruppen und deren berechtigten Interessen Rechnung getragen werden.
                Für Wissenschaftler, die unmittelbar in der Forschung tätig sind, beabsichtigt die Kom-
                mission eine Reihe von problemspezifischen Arbeitstreffen zu organisieren oder zu för-
                dern, auf denen Informationen über Forschungsarbeiten auf relativ informeller Basis
                ausgetauscht werden können.
                Die Teilnehmer würden aufgefordert und hätten einen aktiven Beitrag zu leisten, indem
                sie ihre Tätigkeiten und ihre Fortschritte vorstellen. Auch qualifizierte Beobachter aus
                nicht unmittelbar an den ESPRIT-Arbeiten beteiligten Einrichtungen, die aber ein legiti-
                mes Interesse an einer Teilnahme nachweisen, könnten eingeladen werden. Dies würde
                eine konkrete Infrastruktur für diejenigen darstellen, die in Europa auf bestimmten For-
                schungsgebieten arbeiten, so miteinander in Kontakt kommen und sich über ihre jeweili-
                gen Ergebnisse unterrichten. Eine künftige Zusammenarbeit und eine de facto Koordinie-
                rung der Anstrengungen würde somit wirksam gefördert werden.
           29.  Neben dieser spezifisch technischen Lösung für die Hauptakteure der Forschung soll eine
                weitergehende Clearing-House-Infrastruktur geschaffen werden. Durch sie können syste-
                matische Informationen über laufende Arbeiten oder über intellektuelle Eigentumsrechte,
                die von den Vertragspartnern angegeben werden müssen, gesammelt und zugänglich
                gemacht werden. Dazu können z. B. spezielle Konferenzen oder das Informations-Aus-
                tausch-System, das zwischen den Teilnehmern von ESPRIT aufgebaut werden soll, einge-
                setzt werden.
                Zu diesem Zweck wird sich die Kommission in der Regel das Recht vorbehalten, kosten-
                los geeignete Berichte über die Ergebnisse der im Rahmen von ESPRIT durchgeführten
                Arbeiten zu veröffentlichen oder bekanntzumachen.
           30.  Zugang zu den Ergebnissen und ihre Nutzung werfen noch andere Probleme auf.
                ESPRIT ist dadurch gekennzeichnet, d a ß :
 ---pagebreak--- 26. 11. 83                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr. C 321/35
                — die Industrie selbst einen beträchtlichen Anteil der Kosten der Arbeiten trägt,
                — die Hauptziele der Arbeiten nur dann erreicht werden, wenn die Industrie selbst die
                      Ergebnisse der Arbeiten kommerziell und gewinnbringend nutzt.
                Diese Bedingungen galten bereits, als die ESPRIT-Pilotvorhaben noch erörtert wurden,
                und sie treffen im Prinzip auch für andere von der Gemeinschaft finanzierte Vorhaben zu.
           31.  Nach den Leitlinien für diese Vorhaben liegen Eigentum und Recht zur Nutzung von
                Informationen und gewerblichem Eigentumsrecht aus den Vertragsarbeiten (Vorder-
                grund-Wissen) im Normalfall bei den Vertragspartnern.
           32.  Die ausführlichen Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern eines Vorhabens soll-
                ten in der Regel den betroffenen Parteien überlassen bleiben, während die Kommission
                lediglich dafür sorgt, daß die Wettbewerbsregeln nicht verletzt werden. Die Vereinbarun-
                gen zwischen den Vertragspartnern müssen in jedem Fall sicherstellen, daß alle Beteilig-
                ten an dem Vorhaben während seiner gesamten Dauer und zur Durchführung ihres eige-
                nen Anteils an den Arbeiten einen garantierten und bevorzugten Zugang zu den Ergeb-
                nissen der von den anderen Beteiligten durchgeführten Arbeiten erhalten.
           33.  Damit insgesamt die synergistischen Wirkungen genutzt werden, wie sie durch die
                Gemeinschaftsaktion verstärkt werden sollen, ist jedem Projekt-Team unter bevorzugten
                Bedingungen Zugang zum Vordergrund-Wissen eines anderen Teams zu gewähren, das
                an einem anderen ESPRIT-Vorhaben arbeitet, wenn durch solches Wissen für das eigene
                Vorhaben bessere oder schnellere Ergebnisse zu erzielen sind.
           34.  Um insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaftsindustrie weiter zu fördern,
                sollen andere Industriekonzerne der Gemeinschaft, die die Ergebnisse nutzen können
                und dies auch wünschen, Gelegenheit erhalten, Nutzungsrechte zu erwerben, obwohl sie
                nicht an den spezifischen Projekten teilgenommen haben. Die Bedingungen dafür sollten
                auf kommerzieller Basis ausgehandelt werden und dem Beitrag der ursprünglich beteilig-
                ten Parteien sowie der Gemeinschaft Rechnung tragen.
           35.  Wenn also der ursprüngliche Partner, ohne berechtigten Grund, die Ergebnisse der For-
                schung vollständig oder teilweise nicht nutzen möchte, so besteht die Möglichkeit, daß
                die Gemeinschaft von ihm verlangt, einem anderen, eine Lizenz entweder für die Nut-
                zung der Ergebnisse dieser Arbeiten zu erteilen oder für die Weiterführung der For-
                schungsarbeiten.
           PERSONAL UND INFRASTRUKTUR
           36.   ESPRIT stellt ein sorgfältig und selektiv ausgerichtetes Programm mit spezifischen Zielen
                dar, nicht ein „Beihilfeprogramm". Demzufolge braucht die Kommission ausreichend
                 qualifiziertes Personal, um eine wirksame, verantwortungsvolle und transparente Abwick-
                 lung zu gewährleisten.
           37.   Das Gesamtprogramm soll sich über 10 Jahre erstrecken, gestützt auf einen Ausgangs-
                 Beschluß über die ersten 5 Jahre. Nach einer dreijährigen Aufbauphase (einschließlich
                der Pilotphase) werden in den Mitgliedstaaten im Rahmen von ESPRIT nahezu zweitau-
                 send Personen tätig sein.
           38.   Wie schon in Abschnitt II vorgesehen wurde, werden hier aus organisatorischen Gründen
                 5 Forschungsgebiete und eine Infrastrukturausgabe unterschieden. FuE-Tätigkeiten, die
                 sich in eines oder mehrere der Gebiete einordnen lassen, betreffen:
                 — eine vergleichsweise kleine Zahl größerer strategisch ausgerichteter Vorhaben, die
                      komplexe Planung und Koordination erfordern, und
                 — eine viel größere Zahl von relativ kleinen Vorhaben, die trotz ihrer großen Zahl nicht
                      proportionell mehr Personal erfordern, da sie vereinfachte Verfahren zur Überwa-
                      chung und Koordination erlauben.
 ---pagebreak--- Nr. C 321/36                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                       26. 11.83
           39.     Folglich läßt sich der projektbezogene Personalbedarf wie folgt aufschlüsseln:
                   a)    Hauptkoordinator                                                                       1 A,
                   b)    Stabseinheit (Etatplanungspersonal)                                                    3 A,
                   c)    Unterprogrammkoordinatoren                                                             6 A,
                   d)    Vorhabens- und Vertragsverwalter (') für große Vorhaben                               30 A,
                   e)    Vorhabens- und Vertragsverwalter (') für kleine Vorhaben                              24 A.
           40.     Der Erfolg von ESPRIT hängt auch von der Wirksamkeit einer angemessenen Infrastruk-
                   tur ab, für die zusätzliches Fachpersonal notwendig ist.
                   Es ist folgende Aufgliederung dieses Personals vorgesehen:
                   — ständige Überwachung des IT-Sektor und Anpassung der ESPRIT-Ziele                          6 A,
                   — Verbreitung der Ergebnisse im Rahmen der vereinbarten Bedingungen                          6 A,
                   — Erstellung von Berichten an das Parlament, den Rat und die Mitgliedstaaten
                         über den Fortschritt der Arbeiten und Anpassungen des Programms                        2 A,
                   — Information und Konsultation der Industrie, kleiner und mittlerer Unter-
                         nehmen, Benutzergruppen, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit                         5A
           41.     Nach diesen Schätzungen erfordert das gesamte ESPRIT-Team 83 A-Dienstposten.
                   Das Programm ist so ausgerichtet, daß es sich bei allen oder den meisten um Posten auf
                   Zeit handelt.
           42.     Organisation und Management von ESPRIT mit dieser vergleichweise geringen Anzahl
                   von Dienstposten stellt eine eigene Herausforderung dar, da:
                   — Gemeinschafts-FuE besonderes transparent verwaltet und abgerechnet werden muß;
                   — industrielle strategische Orientierung besonders hohe Flexibilität, schnelle Reaktion
                         und Konzentration auf Schlüsseltechnologien erfordert;
                   — IT ein schnell fortschreitendes und stark wechselndes Gebiet ist;
                   — ESPRIT für die Durchführung der FuE horizontale und vertikale Integration von
                         FuE zwischen Firmen, Forschungszentren und industriellen Nutzern erfordert;
                   — ESPRIT eng verknüpfte, aber sehr verschiedenartige Einzelthemen umfaßt, mit
                         hohem Anspruch an ein interdisziplinäres Vorgehen;
                    — Zugang und Verbreitung der Ergebnisse schnell, aber sorgfältig erfolgen muß.
           43.      Dies wird zusätzlich durch folgende Argumentation bestätigt:
                    a)   Kommissions-Programme, die zumindest im Umfang vergleichbar sind, wenn auch
                         nicht in Komplexität und Interdisziplinarität, setzen 1 A pro 0,5 bis 5 Millionen
                         ECU pro Jahr an. Im ESPRIT-Ansatz hat jeder A-Dienstposten im Mittel die Verant-
                         wortung über etwa 20 Millionen ECU über den 10 Jahresrahmen, d. h. etwa 2 Mil-
                         lionen ECU pro Jahr.
                    b)    Beim Projektmanagement dieser Art wird allgemein ein Ansatz von 10 % des gesam-
                         ten Forschungsaufwands für Programm-Verwaltung und -Organisation als vernünft-
                         tige Größenordnung angesehen. Die obigen Zahlen entsprechen weniger als 5 % der
                         nach Abschluß der Aufbauphase aktiven Forscher.
                              y
            44.     Die oben genannten Zahlen stellen ein Minimum dar, um alle wesentlichen zentralen
                    Management-Aufgaben in einer Art zu erfüllen, die mit den institutionellen Aufgaben,
                    die mit der Durchführung von ESPRIT verknüpft sind, vereinbart ist und die am besten
                    zu ihrem technischen Erfolg beiträgt.
           (')  Die Aufgaben des Vorhabens- und Vertragsverwalters umfassen die technische Abwicklung der Vorhaben,
                die Beurteilung der Ergebnisse und alle Fragen im Zusammenhang mit der Verwaltung der Verträge.