CELEX: 31996M0694
Language: de
Date: 1996-02-19 00:00:00
Title: ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 19/02/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.694 - SKF / INA / WPB) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)

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31996M0694

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 19/02/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.694 - SKF / INA / WPB) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 076 vom 16/03/1996 S. 0016

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 19/02/1996 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.694 - SKF / INA /  WPB) gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der Deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des Amtes für  Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. ÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6 (1)(b) ENTSCHEIDUNG Einschreiben mit Empfangsbestätigung An die anmeldenden Partein Betrifft :<ind>  Fall Nr. IV/M.694 - SKF/INA/WPB 1.<ind>  Die oben näher bezeichnete Anmeldung betrifft den beabsichtigten Erwerb  von 40 % bzw. 60 % der Anteile an der WPB Waterpump Bearing  Beteiligungsgesellschaft GmbH, Herzogenaurach ("WPB GmbH"), durch die  Unternehmen SKF GmbH, Schweinfurt ("SKF"), und Industrieaufbaugesellschaft  Schäffler KG, Herzogenaurach ("INA"), bei deren Neugründung. Am  Kommanditkapital der neuzugründenden WPB Waterpump Bearing GmbH & Co.  KG, Herzogenaurach ("WPB KG"), werden sich SKF GmbH und INA ebenfalls mit  40 % bzw. 60 % beteiligen. Die WPB GmbH führt als persönlich haftende  Gesellschafterin ohne feste Kapitaleinlage die Geschäfte der WPB KG. 2.<ind>  Die am 3.1.1996 eingegangene Anmeldung wurde mit Schreiben vom  17.1.1996 vollständig. Am 8.2.1996 hat die Kommission beschlossen, daß der  Vollzug des Zusammenschlußvorhabens bis zum Erlaß einer endgültigen  Entscheidung ausgesetzt bleibt. Nach Prüfung der Anmeldung hat die Kommission  festgestellt, daß das angemeldete Vorhaben in den Anwendungsbereich der  Ratsverordnung Nr. 4064/89 (Fusionskontrollverordnung) fällt und daß keine  ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt  bestehen. I.<tab> DIE PARTEIEN 3.<ind>  Die SKF ist eine Tochtergesellschaft der schwedischen SKF Aktiebolaget,  nach eigenen Angaben der führende Hersteller von Wälzlagern. Die SKF-Gruppe  erzielte 1995 weltweit Umsatzerlöse in Höhe ECU 3.964,9 Mio., davon ECU [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] Mio. in der Gemeinschaft und ECU [als  Geschäftsgeheimnis entfernt]  Mio. in den EFTA-Staaten. SKF produziert eine  Vielzahl von Erzeugnissen der Antriebstechnik, insbesondere Kugellager, Radlager  und Dichtungen, sowie Spezialstahl. 4.<ind>  Die INA ist ein Unternehmen der Unternehmensgruppe der Herren Georg  und Georg F. Schäffler, die 1995 weltweit Umsatzerlöse in Höhe von ECU [> 1.200  Mio] Mio. erzielte, davon ECU  [> 250 Mio] Mio. in der Gemeinschaft und ECU [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] Mio. in den EFTA-Staaten. Die Gruppe ist ebenfalls ein  führender Hersteller von Wälzlagern in unterschiedlichsten Bauformen, insbesondere  Nadellagern, für Anwendungen in der Automobilindustrie, im Maschinen- und  Anlagenbau sowie in der Geräte- und Feinwerktechnik. Daneben produziert die INA- Gruppe Motorenelemente (Ventilausgleichselemente) sowie Kunststoff- und  Feinstanzteile. II.<tab> DAS VORHABEN 5.<ind>  Nach Errichtung der WPB-Gesellschaften werden SKF und INA ihre  Geschäftsaktivitäten im Bereich Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von  Wälzlagern für Wasserpumpen als Sacheinlage in die WPK KG einbringen. Davon  ausgenommen sind die Geschäftsaktivitäten der INA Firmengruppe Rolamentos  Schäffler do Brasil Ltda. und - für eine nicht befristete Übergangszeit - der INA  Roulements S.A. im Bereich Wasserpumpenlager. Um die künftige Produktion an  einem Standort zu konzentrieren, werden die bestehenden Produktionseinrichtungen  für Wasserpumpenlager der SKF in Stuttgart (D) und der INA in Lahr (D) und  Haguenau (F), insbesondere die Maschinen, Anlagen und Vorräte, physisch in eine  schon bestehende Fabrik der INA in Momo/Italien verbracht. Zukünftig sollen  Wasserpumpenlager nur noch am Standort in Momo/Italien hergestellt werden. III.<tab> KONZENTRATIVES GEMEINSCHAFTSUNTERNEHMEN <tab> Gemeinsame Kontrolle 6.<ind>  Nach dem Vollzug des Zusammenschlußvorhabens wird SKF mit 40 % und  INA mit 60 % an den WPB-Gesellschaften beteiligt sein. Trotz der unterschiedlichen  Beteiligungshöhe werden die WPB-Gesellschaften von den beiden  Muttergesellschaften gemeinsam kontrolliert werden. Zwar wird in den  Gesellschafterversammlungen der WPB-Gesellschaften grundsätzlich nach  Kapitalbeteiligung abgestimmt. Die Festlegung der Anzahl der Geschäftsführer der  WPB GmbH, der Erlaß oder die Änderung des Katalogs der zustimmungspflichtigen  Geschäfte der Geschäftsführung sowie die Entscheidung über die  zustimmungspflichtigen Geschäfte können jedoch nur einstimmig gefasst werden. Der  vorherigen Zustimmung aller stimmberechtigten Gesellschafter bedürfen insbesondere  strategische Pläne und jährliche Budgets, einschließlich der Personalplanung,  wesentliche Abweichungen hiervon sowie der Erwerb, die Veräusserung und die  Kündigung von Beteiligungen und die Errichtung oder Auflösung von Zweigwerken.  Besteht die Geschäftsführung der WPB GmbH aus mehreren Geschäftsführern, ist die  SKF berechtigt, einen Geschäftsführer zu bestellen und abzuberufen. Die WPB- Gesellschaften werden daher von INA und SKF gemeinsam kontrolliert werden. <tab> Vollfunktionsunternehmen 7.<ind>  Das Gemeinschaftsunternehmen wird von SKF und INA in dem oben  bezeichneten Umfang (siehe Ziffer 5) alle bestehenden Anlagen und Maschinen zur  Herstellung von Wasserpumpenlagern erwerben. Soweit dem  Gemeinschaftsunternehmen von den Gründerunternehmen Patente zur Nutzung zur  Verfügung gestellt werden, erhält das Gemeinschaftsunternehmen an diesen Rechten  Lizenzen, die ausschließlich sind.  Der Vertrieb von Wasserpumpenlagern unter der  Marke "WPB" obliegt grundsätzlich dem Gemeinschaftsunternehmen, es kann sich  jedoch der Vertriebskanäle der Gründerunternehmen bedienen. Das  Gemeinschaftsunternehmen wird daher auf Dauer alle Funktionen einer selbständigen  wirtschaftlichen Einheit erfuellen und nicht lediglich ganz oder ganz überwiegend  Hilfsfunktionen für seine Muttergesellschaften übernehmen. <tab> Konzentratives Gemeinschaftsunternehmen 8.<ind>  INA bleibt auch nach dem Zusammenschluß mit ihrer Firmengruppe  Rolamentos Schäffler do Brasil Ltd. ("INA Rolamentos") auf demselben sachlichen  Markt tätig, auf dem auch das Gemeinschaftsunternehmen tätig ist. Die INA  Rolamentos vertreibt Wasserpumpenlager überwiegend in [als Geschäftsgeheimnis  entfernt] sowie [als Geschäftsgeheimnis entfernt]. Wegen hoher Kostennachteile in  der Fertigung sind Exporte von Brasilien in die Gemeinschaft auch in Zukunft nicht  zu erwarten. Ferner wird die INA Roulements S.A. in Frankreich sechs Typen von  Wasserpumpenlagern selbst herstellen und vertreiben. Die INA Roulements S.A. hat  in 1994 etwa [als Geschäftsgeheimnis entfernt] Wasserpumpenlager an [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] Kunden in Frankreich abgesetzt. Diese Kunden sind  derzeit nicht bereit, ihre Aufträge auf das Gemeinschaftsunternehmen zu übertragen.  Gemessen am künftigen Umsatz bzw. Absatz des Gemeinschaftsunternehmens in der  Gemeinschaft haben diese Lieferungen nur einen Anteil von knapp [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] . Eine Koordinierung kann normalerweise  ausgeschlossen werden, wenn nur eine Muttergesellschaft im Markt des  Gemeinschaftsunternehmen tätig bleibt (vgl. Ziffer 18 der Bekanntmachung der  Kommission über die Unterscheidung zwischen konzentrativen und kooperativen  Gemeinschaftsunternehmen, ABl. C 385 vom 31.12.1994, S. 1). Die Gründung des  Gemeinschaftsunternehmens führt daher nicht zu einer Koordinierung des  Wettbewerbsverhaltens zwischen den Muttergesellschaften auf dem Markt des  Gemeinschaftsunternehmen. 9.<ind>  Die Kommission wurde darauf hingewiesen, daß das Entwicklungs-Know  how und die produktionstechnischen Gegebenheiten bei der Herstellung von  Wälzlagern für unterschiedliche Verwendungszwecke weitgehend vergleichbar seien.  Selbst wenn Wasserpumpenlager aus Sicht der Nachfrager einen eigenständigen  Markt bilden sollten, so blieben die Gründerunternehmen unter dem Gesichtspunkt  der Produktionsumstellungsflexibilität zumindest auf sehr eng benachbarten Märkten  tätig. Unterhielten die Gründerunternehmen umfangreiche Tätigkeiten in einem  benachbarten Markt, der gemessen an dem Markt des Gemeinschaftsunternehmens  von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung ist, so könne die Zusammenarbeit  innerhalb des Gemeinschaftsunternehmens zu einer Koordinierung des  Wettbewerbsverhaltens auf diesem benachbarten Markt führen (vgl. Ziffer 18, letzter  Spiegelstrich, der o.g. Bekanntmachung der Kommission).  10.<ind>  Es bestehen bereits Zweifel, ob SKF und INA auf benachbarten Märkten  des Gemeinschaftsunternehmens tätig sein werden, die mit dem relevanten  Produktmarkt ähnliche Merkmale hinsichtlich Technik, Kunden, Lieferanten und  Wettbewerber aufweisen. Zwar beliefern beide Gründerunternehmen in erheblichem  Umfang die Unternehmen der Automobilindustrie. Im Lieferprogramm und in der  Fertigungstechnologie gibt es jedoch wesentliche Unterschiede zwischen SKF und  INA. SKF fertigt fast ausnahmslos mit spangebender Technik, wobei die Kugel- und  Rollenlager massive Innen- und Aussenringe haben, die geschliffen und gehärtet  werden. INA hat sich dagegen auf die sogenannte Tiefziehtechnik (Spanlos- Technologie) unter Verwendung von grossen Pressen spezialisiert. Die  unterschiedliche Technologie führt dazu, daß es nur wenige Überschneidungen im  Produktprogramm von SKF und INA gibt. Kegelrollenlager, Pendelrollenlager,  Radlager und Getriebelager stellt nur SKF her. INA fertigt dagegen Lager im Bereich  "Motorenelemente"; SKF ist hier nicht tätig. Überscheidungen der Produktpaletten  von SKF und INA für die Automobilindustrie (und deren Zulieferer) gibt es nur bei  Wasserpumpenlagern sowie bei Bandspannrollern, Ausrücklagern und  Gelenkkreuzbüchsen. Die zuletztgenannten Bereiche machen weniger als [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] des jeweiligen Lieferumfangs von SKF und INA aus. 11.<ind>  Darüber hinaus muß eine Koordinierung zwischen SKF und INA im Sinne  von Ziffer 18, letzter Spiegelstrich, der o.g. Bekanntmachung nicht nur theoretisch  möglich, sondern konkret wahrscheinlich sein. Im vorliegenden Fall sprechen jedoch  die uneingeschränkte wirtschaftliche Selbständigkeit des Gemeinschaftsunternehmens,  die geringen Überschneidungen im sonstigen Lieferprogramm der  Gründerunternehmen sowie die Struktur und das Beschaffungsverhalten der  Nachfrager (siehe Ziffer 24 ff.) gegen die Wahrscheinlichkeit einer Koordinierung  zwischen SKF und INA auf den benachbarten Märkten als Folge ihrer  Zusammenarbeit in dem Gemeinschaftsunternehmen. IV.<tab> GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG 12.<ind>  SKF und INA erzielten in 1995 einen gemeinsamen weltweiten Umsatz von  über ECU 5.000 Millionen. Beide Unternehmen erreichten jeweils einen  gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als ECU 250 Millionen. Die Parteien erzielten  nicht mehr als zwei Drittel ihrer gemeinschaftsweiten Umsätze in ein und demselben  Mitgliedstaat. Das Zusammenschlußvorhaben hat daher eine gemeinschaftsweite  Bedeutung im Sinne von Artikel 1(2) der Fusionskontrollverordnung. V.<tab> VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT <tab> Relevanter Produktmarkt 13.<ind>  Von dem Zusammenschlußvorhaben betroffen ist der Markt für die  Herstellung und den Vertrieb von Wälzlagern aller Art für Wasserpumpen zur  Verwendung in Kraftfahrzeugen und anderen Fahrzeugen mit  Verbrennungsmotoren. 14.<ind>  Wasserpumpenlager bestehen aus einem zweireihigen Wälzlager, das direkt  auf einer massiven, oberflächengehärteten Welle anstelle eines Innenrings aufliegt. Die  Wellenenden ragen auf beiden Seiten über die Breite des Aussenrings hinaus und sind  durch zwei in den Aussenring integrierte Gummidichtungen abgedichtet. Wälzlager in  Wasserpumpen dienen als Stütze für die Welle, die durch einen Riementrieb mit dem  Motor verbunden ist. Über die Welle wird der Antrieb auf das in der Wasserpumpe  befindliche Pumpenrad übertragen. Aufgabe des Wälzlagers ist es, die vom Motor auf  die Welle wirkenden Kräfte aufzunehmen und bei möglichst geringer Reibung einen  gleichmässigen Lauf der Welle sicherzustellen. Je nach der Form der Wälzkörper  unterscheidet man Kugellager, Zylinderrollenlager und Nadellager (lange, dünne  Rollen).  Wasserpumpenlager sind auf Lebensdauer geschmiert und werden als  kompakte Lagerungseinheit in Wasserpumpen eingebaut. Wasserpumpen werden im  Rahmen des Kühlkreislaufs des Motors und für die Wagenheizung eingesetzt.  15.<ind>  Wasserpumpenlager werden speziell für die Verwendung in Wasserpumpen  für Kraftfahrzeuge entwickelt und hergestellt. Sie unterscheiden sich von Wälzlagern  für andere Verwendungen durch ihre sehr kompakte und kostengünstige Bauweise  sowie durch die Zusammenlegung der zwei Lager in einem gemeinsamen Aussenring.  Wälzlager für Wasserpumpen können nicht durch Wälzlager für andere  Verwendungszwecke ersetzt werden und stellen daher einen gesonderten sachlich  relevanten Markt dar. 16<ind>  Eine Unterteilung des Marktes für Wasserpumpenlager nach der  Leistungsfähigkeit der jeweiligen Pumpe und ihrer Abmessung (Durchmesser, Länge  der Achse) kommt nicht in Betracht. Sämtliche Typen können ohne grössere  Umrüstkosten auf denselben Maschinen und Anlagen (im wesentlichen Dreh- und  Schleifmaschinen) hergestellt werden. Dies gilt nicht in gleicher Weise für die  Umstellung von Maschinen, die für die Herstellung von Wälzlagern für andere  Verwendungszwecke ausgelegt sind, auf die Fertigung von Wälzlagern für  Wasserpumpen. Nach Angaben der Anmelder betragen die gesamten Umrüstkosten in  einem solchen Fall etwa [als Geschäftsgeheimnis entfernt], wobei die  Anschaffungskosten für Maschinen, deren Umrüstung nicht möglich ist, noch nicht  einmal einberechnet wurden. Die Anmelder haben vorgetragen, daß eine Umrüstung  ihrer Maschinen regelmässig nicht stattfinde. Bei INA wurden in den letzten drei  Jahren keine Maschinen, die zur Herstellung von Wälzlagern für bestimmte  Verwendungszwecke ausgelegt waren, auf die Herstellung von Wälzlagern für andere  Verwendungszwecke umgerüstet; bei SKF wurden weniger als  [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] der Maschinen und Anlagen umgerüstet.  17.<ind>  Abnehmer von Wasserpumpenlagern sind die Unternehmen der  Automobilindustrie, die die in den eigenen Fahrzeugen verwendeten Wasserpumpen  häufig selbst zusammenbauen. Darüber hinaus fertigen sie diejenigen Wasserpumpen,  die in ihren Vertragswerkstätten als Ersatzteile benötigt werden. Daneben werden  Wasserpumpenlager von unabhängigen Wasserpumpenherstellern nachgefragt, die  ihre Produkte (komplette Wasserpumpen) an Automobilhersteller und an unabhängige  Kfz-Reparaturwerkstätten vertreiben. Der gesamte Absatz von Wasserpumpenlagern  teilt sich je zur Hälfte auf den Direktabsatz an die Kraftfahrzeughersteller und auf  Lieferungen an unabhängige Wasserpumpenhersteller auf. Es wurde vorgetragen, daß  sich die Wettbewerbsbedingungen beim Absatz von Wasserpumpenlagern an die Kfz- Hersteller und an unabhängige Pumpenhersteller im Hinblick auf die  Zusammensetzung der Nachfrager und deren potentielle Nachfragemacht grundlegend  unterscheiden. Die Ermittlungen der Kommission haben jedoch nicht den Nachweis  erbracht, daß diese Unterschiede so gravierend sind, daß sie zwei getrennte Märkte  begründen. Dagegen spricht insbesondere, daß die Unternehmen der  Automobilindustrie auch beim Bezug von unabhängigen Pumpenherstellern über hohe  Preistransparenz auf der Stufe der Beschaffung von Wasserpumpenlagern verfügen  und über das Instrument der Baumusterfreigabe wesentlichen Einfluß auf die Auswahl  der Vorlieferanten des Pumpenherstellers nehmen können (siehe Ziffer 26). Auch  unterscheidet sich das Preisniveau der Direktlieferungen von Wasserpumpenlagern an  die Kfz-Industrie und der Lieferungen an unabhängige Pumpenhersteller nicht  nennenswert. Der Prüfung des Zusammenschlusses ist daher ein einheitlicher Markt  für die Herstellung und den Vertrieb von Wasserpumpenlagern zugrunde zu legen. <tab> Geographisch relevanter Markt 18.<ind>  Die Parteien gehen in ihrer Anmeldung vom EWR als geographischem  Markt aus. Dies entspricht der Ansicht der Kommission in früheren Fällen (zuletzt die  Fälle IV/M.666 JOHNSON CONTROLS/ROTH FRERES und IV/M.686  NOKIA/AUTOLIV), in denen Märkte für Automobilteile als europaweit angesehen  wurden. Die grossen Automobilkonzerne haben ihren Einkauf in Europa zentralisiert.  Unterschiedliche Marktanteilsverteilungen der Hersteller in den jeweiligen  Mitgliedstaaten wären daher im vorliegenden Fall kein Indiz für nationale Märkte.  Vielmehr resultiert die ungleiche Verteilung der Marktanteile daher, daß es in  bestimmten Mitgliedstaaten nur ein oder zwei unabhängige Automobilhersteller gibt.  Deren aktuelle Lieferanten haben in diesen Mitgliedstaaten naturgemäß höhere  Marktanteile als in anderen. 19.<ind>  Die Ermittlungen der Kommission haben ergeben, daß auch im Markt für  Wasserpumpenlager eine engere Abgrenzung des geographischen Marktes nicht  gerechtfertigt wäre. Die Transportkostenintensität von Wasserpumpenlagern ist  relativ gering, so daß der gesamte EWR wirtschaftlich von einem Standort aus  beliefert werden kann. Im vorgelagerten Bereich der Beschaffung von Wälzlagern für  Wasserpumpen hat die "just in time"-Fertigung keine besondere Bedeutung, weshalb  auch eine an den Standorten der Automobilindustrie ausgerichtete lokale Fertigung  von Wasserpumpenlagern nicht erforderlich ist. In der Vergangenheit haben z.B. SKF  und NSK-RHP Wasserpumpenlager jeweils in einem Werk hergestellt, von dem aus  sie alle europäischen Abnehmer beliefert haben. Nach dem Zusammenschluß werden  SKF/INA alle Kunden von einem zentralen Werk in Italien beliefern. Gegen eine  engere Marktabgrenzung spricht auch der relativ hohe Anteil von Importen aus  Ländern wie Japan, USA und Tschechien (vgl. unten Ziffer 22). Der geographisch  relevante Markt umfasst daher mindestens das Gebiet des EWR. 20.<ind>  Es gibt Hinweise, die für die Abgrenzung eines weiteren geographischen  Marktes sprechen. Darauf deutet insbesondere die hohe Importquote hin. Etwa 30 %  des Marktvolumens im EWR werden durch Importe aus Kanada (der gesamte Absatz  der FAG), Japan (der gesamte Absatz der Firma Koyo) und Tschechien (Firma  KINEX) abgedeckt. Für den Zweck dieser Entscheidung kann die genaue  Abgrenzung des geographischen Marktes allerdings offen bleiben, da der  Zusammenschluß auch bei Zugrundelegung eines lediglich EWR-weiten Marktes  keine wettbewerblichen Bedenken hervorruft (siehe im folgenden). <tab> Wettbewerbliche Beurteilung <tab> Anbieterstruktur 21.<ind>  Nach Angaben der Anmelder wurden im Jahr 1995 im EWR etwa 30,3  Mio. Stück Wasserpumpenlager abgesetzt. Das Umsatzvolumen betrug danach ECU  93,8 Mio. Die Ermittlungen der Kommission haben diese Angaben nur teilweise  bestätigt. Danach betrug das Marktvolumen rd. 29 Mio. Stück bzw. rd. ECU 75 Mio.  Führende Anbieter im EWR (gemessen am mengenmässigen Marktvolumen) sind die  Unternehmen INA [zwischen 20 und 30 %.], SKF [zwischen 20 und 30 %.], FAG (>  10 %), IMI (> 10 %), Koyo (> 10 %) und NSK-RHP (< 10 %). Daneben gibt es noch  Importe der Firma KINEX aus Tschechien (< 5 %). Durch den Zusammenschluß  erreichen INA/SKF einen gemeinsamen Marktanteil von etwa [zwischen 40 und 60  %.]. Die neue Unternehmenseinheit ist damit etwa [Geschäftsgeheimnis.] so groß wie  FAG und IMI. 22.<ind>  Die Unternehmen INA, SKF, IMI und NSK-RHP produzieren  Wasserpumpenlager in der Gemeinschaft. Die Unternehmen FAG, Koyo und KINEX  importieren zusammen etwa 9 Mio. Stück Wasserpumpenlager in den EWR; dies  entspricht einem Anteil von etwa 30 % am Marktvolumen. Markteintrittsbarrieren  haben keine besondere Bedeutung. Die Transportkostenintensität ist relativ gering.  Für die Akquirierung von Aufträgen bedarf es lediglich der Errichtung eines kleinen  Ingenieurbüros in räumlicher Nähe zu den europäischen Automobilherstellern und  unabhängigen Pumpenherstellern. 23.<ind>  Neben den genannten aktuellen Anbietern im EWR gibt es nach Kenntnis  der Kommission weltweit keinen weiteren Hersteller von Wasserpumpenlagern. Die  Bedeutung von FAG, Koyo und NSK als Wettbewerber des  Gemeinschaftsunternehmens von INA und SKF kommt in den genannten  Marktanteilen aber nur unzureichend zum Ausdruck. In diesem Markt, in dem  Grössenvorteile eine grosse Bedeutung haben, kann derjenige Wettbewerber besonders  günstig anbieten, der möglichst hohe Produktionsvolumina an wenigen Standorten  realisiert. FAG, Koyo und NSK realisieren in ihren Fabriken in Kanada und Japan  ähnliche Produktionsvolumina und dadurch Grössenvorteile wie INA und SKF nach  dem Zusammenschluß in Europa. Koyo und NSK sind praktisch die einzigen Anbieter  von Wasserpumpenlagern in Japan, dem grössten regionalen Absatzmarkt der Welt.  FAG befriedigt mindestens 50 % der gesamten nordamerikanischen Nachfrage aus  einem Werk in Kanada. Der Rest entfällt je zur Hälfte auf NSK und Koyo. Dieser  Vergleich zeigt, daß jedenfalls die Wettbewerber FAG, NSK und Koyo die nötigen  Produktionsvolumina und Kapazitäten besitzen, um den Verhaltensspielraum des  Gemeinschaftsunternehmens von INA und SKF auch in Zukunft wirksam zu  begrenzen.  <tab> Nachfragerstruktur 24.<ind>  Bei den Abnehmern der Parteien handelt es sich zum einen um  Automobilhersteller und zum anderen um unabhängige Hersteller von Wasserpumpen.  Diese unabhängigen Hersteller gehören zum Teil grossen Automobilzulieferern (die  Pumpenhersteller SSM und Krull gehören z.B. zur Kolbenschmidt-Gruppe). Das  Marktvolumen des Gesamtmarktes verteilt sich etwa zur Hälfte auf diese beiden  Nachfragergruppen. Unter den grössten Abnehmern der Parteien überwiegen jedoch  die Automobilhersteller. Bei den fünf grössten Nachfragern von INA und SKF handelt  es sich jeweils um die Automobilkonzerne [als Geschäftsgeheimnis entfernt] sowie um  die  [als Geschäftsgeheimnis entfernt]. Es ist zu erwarten, daß der beabsichtigte  Zusammenschluß bei diesen Nachfragern zu einer beachtlichen Auftragskonzentration  mit Beschaffungsanteilen beider Lieferanten zusammen von bis zu [als  Geschäftsgeheimnis entfernt] führen wird. 25. <ind>  Im Verhältnis der Parteien zu den Automobilherstellern kann davon  ausgegangen werden, daß diese aufgrund ihrer Nachfragemacht einen erheblichen  Preisdruck ausüben werden und dadurch den Verhaltensspielraum von INA/SKF auch  in Zukunft wirksam begrenzen werden. Die Untersuchungsergebnisse der  Kommission haben ergeben, daß die grossen Automobilhersteller keine wesentlichen  Bedenken gegen den Zusammenschluß äusserten und davon ausgingen, daß es in der  Folge des Zusammenschlusses zu Umschichtungen der bisherigen Aufträge auf andere  Lieferanten kommen dürfte, mit der Folge, daß der kombinierte Marktanteil von  INA/SKF sinken würde. 26.<ind>  Im Verhältnis zu den unabhängigen Herstellern von Wasserpumpen werden  die Parteien durch den Zusammenschluß ebenfalls keine dominierende Stellung  gewinnen. Die unabhängigen Wasserpumpenhersteller werden von einigen  Automobilherstellern u.a. dazu eingesetzt, um Bedarfsspitzen bei Wasserpumpen zu  decken, die die Automobilhersteller auch selbst fertigen. In diesem Fall handeln die  Automobilhersteller mit dem Lagerlieferanten den Preis für ein Wasserpumpenlager  aus, der dann sowohl für Lieferungen an den Automobilhersteller als auch an den  Wasserpumpenhersteller gilt. Es gilt dann das oben ausgeführte über die  Nachfragemacht der Automobilhersteller. Aber auch im Fall, daß ein  Automobilhersteller seine Wasserpumpen vollständig fremd bezieht, wird er  üblicherweise schon sehr früh in die Verhandlungen einbezogen, die der  Wasserpumpenhersteller mit seinen Lieferanten führt. Zum einen wird der  Automobilhersteller üblicherweise darauf bestehen, das Wasserpumpenlager zu testen  und freizugeben. Zum anderen ist der Automobilhersteller häufig bei den  Preisverhandlungen zwischen dem Wasserpumpenhersteller und den verschiedenen  Lieferanten von Wasserpumpenlagern anwesend. Zum Teil führt er diese  Verhandlungen sogar selbst und gibt dann seinem Wasserpumpenlieferanten den  Einkaufspreis vor. In jedem Fall haben die Unternehmen der Automobilindustrie auch  beim Bezug von unabhängigen Wasserpumpenherstellern hohe Preistransparenz auf  der Stufe der Beschaffung von Wasserpumpenlagern. Es muß daher davon  ausgegangen werden, daß die wettbewerbliche Stellung des Automobilherstellers als  direkter oder indirekter Nachfrager von Wasserpumpenlagern den  Verhaltensspielraum des Gemeinschaftsunternehmens wirksam begrenzen wird. VI.<tab> ERGEBNIS 27.<ind>  Aufgrund der oben getroffenen Feststellungen ist nicht zu erwarten, daß  das angemeldete Zusammenschlußvorhaben eine beherrschende Stellung begründet  oder verstärkt, durch die wirksamer Wettbewerb im Gemeinsamen Markt oder in  einem wesentlichen Teil desselben behindert würde. 28.<ind>  Aus diesen Gründen hat die Kommission entschieden, gegen den  angemeldeten Zusammenschluß keine Einwände zu erheben, und ihn für vereinbar mit  dem Gemeinsamen Markt und mit der Funktionsfähigkeit des EWR-Abkommens zu  erklären. Diese Entscheidung beruht auf Artikel 6(1)(b) der Ratsverordnung Nr.  4064/89. Für die Kommission