CELEX: 62002TJ0317
Language: de
Date: 2004-12-14 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Erste erweiterte Kammer) vom 14. Dezember 2004.#Fédération des industries condimentaires de France (FICF) und andere gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Gemeinsame Handelspolitik - Welthandelsorganisation (WTO) - Verordnung (EG) Nr. 3286/94 - Handelshemmnisse - Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl) - Einstellung des Untersuchungsverfahrens betreffend Handelshemmnisse - Gemeinschaftsinteresse.#Rechtssache T-317/02.

Rechtssache T‑317/02
      Fédération des industries condimentaires de France (FICF) u. a.
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Gemeinsame Handelspolitik – Welthandelsorganisation (WTO) – Verordnung (EG) Nr. 3286/94 – Handelshemmnisse – Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl) – Einstellung des Untersuchungsverfahrens betreffend Handelshemmnisse – Gemeinschaftsinteresse“
      Urteil des Gerichts (Erste erweiterte Kammer) vom 14. Dezember 2004  
      Leitsätze des Urteils
      1.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Antrag einer Unternehmensvereinigung aufgrund der internationalen
            Handelsregeln – Entscheidung der Kommission, mit der das Untersuchungsverfahren eingestellt wird – Gerichtliche Nachprüfung
            
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 4)
      2.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Kumulative Voraussetzungen
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 2 Absätze 1 und 4 und Artikel 4 Absatz 2)
      3.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Handelshemmnis –
            Bedeutung
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 4)
      4.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Handelsschädigende
            Auswirkungen – Bedeutung
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 4)
      5.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Gemeinschaftsinteresse
            – Ermessen der Kommission – Beurteilung komplexer wirtschaftlicher Sachverhalte – Gerichtliche Nachprüfung – Grenzen 
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates)
      6.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Gemeinschaftsinteresse
            – Ermessen der Kommission – Beurteilung im Stadium der Einleitung des Untersuchungsverfahrens – Unbeachtlich für die Beurteilung,
            die nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens erfolgt
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates)
      7.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Vorgehen der Gemeinschaft – Voraussetzungen – Erfordernis handelsschädigender
            Auswirkungen beim Antragsteller auch bei Vorliegen eines Allgemeininteresses der Gemeinschaft – Ermessen der Kommission 
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 11 Absatz 1)
      8.     Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Umfang – Entscheidung, mit der ein Untersuchungsverfahren betreffend Handelshemmnisse
            eingestellt wird
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 11 Absatz 1)
      9.     Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Untersuchungsverfahren – Aufklärungspflicht der Organe – Umfang
            
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 8 Absatz 4)
      10.   Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Untersuchungsverfahren – Frist für die Unterbreitung des Berichts
            im Fall einer „einfachen oder normalen“ Untersuchung – Verlängerung im Fall einer „schwierigen“ Untersuchung – Nur als Richtwert
            anzusehende Frist – Überschreitung – Zulässigkeit – Voraussetzung – Angemessene Frist
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 8 Absatz 8)
      11.   Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Handelshemmnisse – Untersuchungsverfahren – Frist für den Erlass einer Entscheidung,
            mit der das Verfahren nach der Stellungnahme des Beratenden Ausschusses eingestellt wird – Ermessen der Kommission – Grenze
            – Angemessene Frist 
      (Verordnung Nr. 3286/94 des Rates, Artikel 11 Absatz 1)
      1.     Artikel 4 der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik
         zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln, insbesondere den im Rahmen der Welthandelsorganisation
         (WTO) vereinbarten Regeln, soll es insbesondere Vereinigungen, die im Namen eines oder mehrerer Unternehmen der Gemeinschaft
         handeln, ermöglichen, sich in einem nach Maßgabe dieser Verordnung bei der Kommission gestellten Antrag auf die internationalen
         Handelsregeln in einer multilateralen oder plurilateralen Handelsübereinkunft zu berufen und die Verfahrensgarantien der Bestimmungen
         der Verordnung geltend zu machen. Diese Garantien insgesamt berechtigen einen Antragsteller im Sinne von Artikel 4 der Verordnung
         Nr. 3286/94, einen Beschluss der Kommission zur Einstellung eines Untersuchungsverfahrens, das aufgrund seines Antrags eingeleitet
         wurde, der Nachprüfung durch das Gericht zu unterziehen.
      
      (vgl. Randnr. 41)
      2.     Nach der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur
         Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln müssen für ein Vorgehen der Gemeinschaft aufgrund
         der internationalen Handelsregeln gegen ein von einem Drittstaat eingeführtes oder beibehaltenes Handelshemmnis, das sich
         auf den Markt dieses Drittstaats auswirkt, zumindest drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein; es muss nämlich ein Handelshemmnis
         nach der Definition der Verordnung vorliegen, daraus müssen sich handelsschädigende Auswirkungen ergeben, und das Vorgehen
         muss im Interesse der Gemeinschaft erforderlich sein. Stellt die Kommission nach Abschluss eines nach der Verordnung Nr. 3286/94
         eingeleiteten Untersuchungsverfahrens fest, dass eine dieser Voraussetzungen nicht gegeben ist, so können die Gemeinschaftsorgane
         davon ausgehen, dass ein derartiges Vorgehen nicht geboten ist.
      
      (vgl. Randnr. 48)
      3.     Die beiden Bestandteile der Definition eines Handelshemmnisses im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren
         der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln,
         d. h. „die von Drittländern eingeführten oder beibehaltenen Handelshemmnisse“ und „das Recht zu einem Vorgehen“, lassen sich
         nicht künstlich aufspalten. Ein Handelshemmnis, dessen Vorliegen zur Anwendung der Verordnung geltend gemacht werden kann,
         setzt nämlich ein Recht zum Vorgehen voraus, das durch die internationalen Handelsregeln eingeräumt wird. Eine andere Auslegung
         würde dazu führen, dass jede von einem Drittstaat eingeführte oder beibehaltene Handelspraktik als Handelshemmnis angesehen
         werden könnte, obgleich kein Vorgehensrecht aufgrund der internationalen Handelsregeln gegeben wäre.
      
      (vgl. Randnrn. 49, 53)
      4.     Nach der Begriffsbestimmung in Artikel 2 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft
         im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln erfordert
         die Verordnung einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den aktuellen („verursachen“) oder potenziellen („zu verursachen drohen“)
         handelsschädigenden Auswirkungen auf den Handel und dem Handelshemmnis, wie es unter den besonderen Umständen des Einzelfalls
         festgestellt wird, und den handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne dieser Verordnung.
      
      Diese Auslegung wird durch die siebte Begründungserwägung der Verordnung bekräftigt, wonach der mit der Verordnung eingesetzte
         Mechanismus es ermöglichen soll, bei den Gemeinschaftsorganen zu beantragen, dass sie gegen von Drittländern eingeführte Handelshemmnisse
         vorgehen, die handelsschädigende Auswirkungen „hervorrufen“, und sie wird auch durch Artikel 4 Absatz 2 der Verordnung über
         den Inhalt des Antrags bestätigt, wonach dieser genügend Beweise für das Vorliegen von Handelshemmnissen und „dadurch verursachte“
         handelsschädigende Auswirkungen enthalten muss. Zudem müssen die handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne der Verordnung
         Nr. 3286/94 auch erhebliche Folgen für die Wirtschaft der Gemeinschaft oder einer Region der Gemeinschaft oder für einen Sektor
         ihrer Wirtschaftstätigkeit haben.
      
      (vgl. Randnr. 65)
      5.     Ist der Gemeinschaftsrichter mit einer Nichtigkeitsklage gegen einen Beschluss der Kommission befasst, mit dem ein nach der
         Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung
         der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln eingeleitetes Untersuchungsverfahren betreffend Handelshemmnisse
         wegen fehlenden Gemeinschaftsinteresses eingestellt wird, so ist die gerichtliche Kontrolle der Beurteilung komplexer wirtschaftlicher
         Sachverhalte, die Voraussetzung für die Antwort auf die Frage ist, ob die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen der Gemeinschaft
         erfordern, auf die Prüfung der Frage zu beschränken, ob die Verfahrensvorschriften eingehalten worden sind, ob der der beanstandeten
         Entscheidung zugrunde gelegte Sachverhalt zutreffend ist und ob keine offensichtlich fehlerhafte Beurteilung dieses Sachverhalts
         und kein Ermessensmissbrauch vorliegen. Die gerichtliche Kontrolle umfasst auch die Prüfung der Frage, ob kein Rechtsfehler
         vorliegt.
      
      (vgl. Randnr. 94)
      6.     Die Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft im Stadium der Einleitung eines Untersuchungsverfahrens nach der Verordnung
         Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte
         der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln ist naturgemäß vorbereitender Art. Sie kann daher nicht mit der Beurteilung
         gleichgesetzt werden, die später, d. h. nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens, zu erfolgen hat, wenn zu entscheiden ist,
         ob ein Vorgehen im Interesse der Gemeinschaft erforderlich ist.
      
      Andernfalls wäre die Kommission, wenn sie die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens beschließt, im Stadium der Entscheidung
         über ein etwaiges Vorgehen der Gemeinschaft nämlich automatisch gehalten, dieses Vorgehen als erforderlich zu betrachten,
         sofern die sonstigen rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung der Verordnung Nr. 3286/94 – nämlich das Vorliegen eines
         Handelshemmnisses und darauf zurückzuführender handelsschädigender Auswirkungen – gegeben sind, so dass die Kommission ihren
         Ermessensspielraum einbüßen würde.
      
      (vgl. Randnrn. 97-98)
      7.     Die Kommission verstößt nicht gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft
         im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln, wenn
         sie verlangt, dass eine Maßnahme der Gemeinschaft an die Tatsachen und Rechtsgründe gebunden ist, die dem Untersuchungsverfahren
         zugrunde liegen, und beschließt, das Untersuchungsverfahren einzustellen, obwohl ein allgemeines langfristiges Interesse an
         einem künftigen Vorgehen gegen die potenziellen Verstöße besteht, die sich aus der Praxis im Untersuchungsbericht festgestellter
         „selektiver Sanktionen“ eines Drittstaats ergeben können.
      
      (vgl. Randnr. 120)
      8.     Aus Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen
         Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln geht hervor, dass sich die Begründung
         bei einem Beschluss zur Einstellung eines Untersuchungsverfahrens im Sinne dieser Verordnung auf eine Bezugnahme auf die wichtigsten
         Schlussfolgerungen des Untersuchungsberichts beschränken kann, indem auf diesen Bericht verwiesen wird, wobei es in Anbetracht
         des Kontextes des Beschlusses nicht erforderlich ist, dass er alle in diesem Bericht dargelegten tatsächlichen und rechtlichen
         Gesichtspunkte wiedergibt.
      
      (vgl. Randnr. 132)
      9.     Die Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung
         der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln räumt den Antragstellern, den betroffenen Ausführern und Einführern
         sowie den Vertretern der betroffenen Länder unter den Voraussetzungen des Artikels 8 Absatz 4 Buchstaben a und b ein Informationsrecht
         ein, das insbesondere mit der Geheimhaltungspflicht der Gemeinschaftsorgane in Einklang stehen muss. Die genannten Personen
         können verlangen, über die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben, unterrichtet
         zu werden.
      
      Keine Bestimmung der Verordnung Nr. 3286/94 schreibt jedoch der Kommission vor, den in Artikel 8 Absatz 4 der Verordnung genannten
         Personen den Entwurf des Untersuchungsberichts vor dessen Vorlage an den Beratenden Ausschuss zuzuleiten, damit sie gegebenenfalls
         Erklärungen gegenüber der Kommission abgeben können, oder diese Personen von Amts wegen über die wesentlichen Tatsachen und
         Überlegungen zu unterrichten, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben.
      
      Hingegen verpflichtet Artikel 8 Absatz 4 Buchstaben a und b der Verordnung Nr. 3286/94 die darin genannten Personen, bei der
         Kommission einen Informationsantrag zu stellen. Der Umstand, dass der Anspruch, über die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen,
         die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben, unterrichtet zu werden, von der Voraussetzung – und zwar nur von dieser –
         abhängt, dass die Kläger bei der Kommission einen entsprechenden Antrag stellen, verstößt nicht als solcher gegen die Wahrung
         ihrer Interessen, zumal für diesen Antrag keine besondere Form vorgeschrieben ist.
      
      (vgl. Randnrn. 173, 175-176, 178)
      10.   Während die Überschreitung einer zwingenden Frist die Nichtigkeit eines nach Ablauf dieser Frist erlassenen Rechtsakts nach
         sich zieht, kann die Überschreitung einer nur als Richtwert anzusehenden Frist grundsätzlich nicht zur Nichtigkeit eines nach
         Ablauf der Frist erlassenen Rechtsakts führen.
      
      Die Fünfmonatsfrist für die Unterbreitung des in Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren
         der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handesregeln
         vorgesehenen Untersuchungsberichts hat Richtcharakter.
      
      Die Siebenmonatsfrist, auf die sich dieser Artikel bezieht, stellt im Fall einer so genannten „schwierigen“ Untersuchung nur
         die Verlängerung der für den Fall einer so genannten „einfachen oder normalen“ Untersuchung vorgesehenen ursprünglichen Fünfmonatsfrist
         dar. Da also die Frist für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts nur Richtcharakter hat, wenn eine als „einfach oder
         normal“ bezeichnete Untersuchung vorgenommen wird, kann es somit nicht anders sein, wenn eine so genannte „schwierige“ Untersuchung
         vorliegt, denn es handelt sich nur um eine Verlängerung der ursprünglichen Frist.
      
      Die Kommission darf indessen für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts nicht eine angemessene Frist überschreiten, da
         dies dazu beitragen könnte, dass der Abschluss des Untersuchungsverfahrens verspätet beschlossen wird.
      
      (vgl. Randnrn. 187-190)
      11.   Das Schweigen der Verordnung Nr. 3286/94 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik
         zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln zu der Frist, innerhalb deren ein Beschluss zur
         Einstellung eines Untersuchungsverfahrens nach der Konsultation des in Artikel 7 der Verordnung genannten Ausschusses ergehen
         muss, kann dahin ausgelegt werden, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber der Kommission einen bestimmten Ermessensspielraum hinsichtlich
         des Zeitpunkts einräumen wollte, zu dem ein solcher Beschluss ergehen soll, wobei auch alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen
         sind, insbesondere Schritte, die die Kommission gegebenenfalls gegenüber den Behörden des betroffenen Drittstaats unternehmen
         möchte, bevor sie ein Untersuchungsverfahren einstellt.
      
      Die Anerkennung eines solchen Ermessensspielraums kann jedoch nicht bedeuten, dass die Kommission einen Beschluss nach Artikel
         11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 über eine angemessene Frist hinaus verzögern kann, die sich nach den besonderen Umständen
         des Einzelfalls bestimmt. Eine entsprechende Begrenzung ist nämlich im Hinblick auf die Sorgfaltspflicht und den Grundsatz
         der ordnungsgemäßen Verwaltung geboten, dem die Kommission unterliegt.
      
      (vgl. Randnrn. 198-199)
URTEIL DES GERICHTS (Erste erweiterte Kammer)
      14. Dezember 2004(*)
      
      „Gemeinsame Handelspolitik – Welthandelsorganisation (WTO) – Verordnung (EG) Nr. 3286/94 – Handelshemmnisse – Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl) – Einstellung des Untersuchungsverfahrens betreffend Handelshemmnisse – Gemeinschaftsinteresse“
      In der Rechtssache T-317/02
      Fédération des industries condimentaires de France (FICF) mit Sitz in Paris (Frankreich),
      
      Confédération générale des producteurs de lait de brebis et des industriels de Roquefort  mit Sitz in Millau (Frankreich),
      
      Comité économique agricole régional „fruits et légumes de la région Bretagne“ (Cerafel) mit Sitz in Morlaix (Frankreich),
      
      Comité national interprofessionnel des palmipèdes à foie gras (CIFOG) mit Sitz in Paris (Frankreich),
      
      Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte O. Prost und M.‑J. Jacquot, 
      Kläger,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch P.‑J. Kuijper und G. Boudot als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung des Beschlusses 2002/604/EG der Kommission vom 9. Juli 2002 zur Einstellung der Untersuchungsverfahren
         betreffend Handelshemmnisse im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 3286/94 des Rates in Form von von den Vereinigten Staaten von
         Amerika (USA) aufrechterhaltenen Handelspraktiken in Bezug auf die Einfuhren von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl)
         (ABl. L 195, S. 72)
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZ
      sDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Erste erweiterte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten B. Vesterdorf, des Richters P. Mengozzi, der Richterin M. E. Martins Ribeiro, des Richters
         F. Dehousse und der Richterin I. Labucka, 
      
      Kanzler: H. Jung,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 14. September 2004
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1       Artikel 1 der Verordnung (EG) Nr. 3286/94 des Rates vom 22. Dezember 1994 zur Festlegung der Verfahren der Gemeinschaft im
         Bereich der gemeinsamen Handelspolitik zur Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln, insbesondere
         den im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbarten Regeln (ABl. L 349, S. 71), in der durch die Verordnung (EG)
         Nr. 356/95 des Rates vom 20. Februar 1995 (ABl. L 41, S. 3) geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 3286/94) sieht
         vor: 
      
      „Diese Verordnung legt die Verfahren der Gemeinschaft im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik fest, um die Ausübung der
         Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln zu gewährleisten, insbesondere denjenigen, die im Rahmen der Welthandelsorganisation
         vereinbart werden, die im Einklang mit den internationalen Verpflichtungen und Verfahren darauf abzielen
      
      …
      b)      gegen Handelshemmnisse vorzugehen, die sich auf den Markt eines Drittlandes auswirken, um die dadurch hervorgerufenen handelsschädigenden
         Auswirkungen zu beseitigen.
      
               Diese Verfahren finden insbesondere auf die Einleitung, die Durchführung und den Abschluss internationaler Streitbeilegungsverfahren
         im Bereich der gemeinsamen Handelspolitik Anwendung.“
      
      2       Artikel 2 der Verordnung Nr. 3286/94 bestimmt:
      „(1)      Im Sinne dieser Verordnung gelten als ‚Handelshemmnisse‘ alle von einem Drittland eingeführten oder beibehaltenen Handelspraktiken,
         gegen die die internationalen Handelsregeln das Recht zu einem Vorgehen einräumen. Dieses Recht zu einem Vorgehen besteht,
         wenn die internationalen Handelsregeln entweder eine Praktik vollständig verbieten oder der von dieser Praktik betroffenen
         Partei das Recht geben, sich um die Beseitigung der Auswirkungen dieser Praktik zu bemühen.
      
      (2)      Im Sinne dieser Verordnung gelten vorbehaltlich des Absatzes 8 als ‚Rechte der Gemeinschaft‘ die internationalen Handelsrechte,
         auf die sie sich aufgrund der internationalen Handelsregeln berufen kann. In diesem Zusammenhang sind die internationalen
         Handelsregeln in erster Linie diejenigen, die im Rahmen der WTO vereinbart und in den Anhängen zu dem WTO‑Übereinkommen festgelegt
         sind, können aber auch diejenigen sein, die in anderen Übereinkünften festgelegt sind, bei denen die Gemeinschaft Vertragspartei
         ist und die Regeln für den Handel zwischen der Gemeinschaft und Drittländern enthalten.
      
      …
      (4)      Im Sinne dieser Verordnung gelten als ‚handelsschädigende Auswirkungen‘ Auswirkungen, die ein Handelshemmnis für die Unternehmen
         der Gemeinschaft auf dem Markt eines Drittlandes verursachen oder zu verursachen drohen und die erhebliche Folgen für die
         Wirtschaft der Gemeinschaft oder einer Region der Gemeinschaft oder für einen Sektor ihrer Wirtschaftstätigkeit haben. Die
         Tatsache, dass der Antragsteller unter derartigen handelsschädigenden Auswirkungen leidet, wird allein nicht als ausreichend
         angesehen, um ein Vorgehen der Gemeinschaftsorgane zu rechtfertigen.
      
      …“
      3       Artikel 4 der Verordnung Nr. 3286/94 lautet:
      „(1)      Jedes Unternehmen der Gemeinschaft sowie jede Vereinigung mit oder ohne Rechtspersönlichkeit, die im Namen eines oder mehrerer
         Unternehmen der Gemeinschaft handelt, die nach ihrem Dafürhalten handelsschädigende Auswirkungen infolge von Handelshemmnissen
         erlitten haben, die sich auf den Markt eines Drittlandes auswirken, können einen schriftlichen Antrag auf Einleitung eines
         Verfahrens stellen. Dieser Antrag ist jedoch nur dann zulässig, wenn nach den internationalen Handelsregeln, die in multilateralen
         oder plurilateralen Handelsübereinkünften festgelegt sind, ein Recht zum Vorgehen gegen das angebliche Handelshemmnis besteht.
      
      (2)      Der Antrag muss genügend Beweise für das Vorliegen von Handelshemmnissen und dadurch verursachte handelsschädigende Auswirkungen
         haben. Der Nachweis der handelsschädigenden Auswirkungen ist, soweit zutreffend, anhand der in Artikel 10 aufgeführten Faktoren
         zu erbringen.“
      
      4       Artikel 5 mit dem Titel „Antragsverfahren“ bestimmt:
      „(1)      Der Antrag ist an die Kommission zu richten, die den Mitgliedstaaten eine Abschrift zugehen lässt.
      (2)      Der Antrag kann zurückgenommen werden; in diesem Fall kann das Verfahren eingestellt werden, es sei denn, dass dies nicht
         im Interesse der Gemeinschaft liegt.
      
      (3)      Stellt sich nach Konsultationen heraus, dass der Antrag nicht genügend Beweise enthält, um die Einleitung einer Untersuchung
         zu rechtfertigen, so wird der Antragsteller hiervon unterrichtet.
      
      (4)      Die Kommission beschließt über die Einleitung eines gemeinschaftlichen Untersuchungsverfahrens so bald wie möglich nach Eingang
         eines Antrags auf Verfahrenseinleitung gemäß Artikel 3 oder 4; der Beschluss ergeht in der Regel innerhalb von 45 Tagen nach
         der Antragstellung; diese Frist kann auf Ersuchen oder mit Zustimmung des Antragstellers unterbrochen werden, um die Einholung
         zusätzlicher Informationen zu ermöglichen, die notwendig sein können, um die Stichhaltigkeit des Antrags in vollem Umfang
         zu beurteilen.“
      
      5       In Artikel 7 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 heißt es:
      „(1)      Für die Konsultationen im Rahmen dieser Verordnung wird ein Beratender Ausschuss eingesetzt – im Folgenden ‚Ausschuss‘ genannt
         –, der aus Vertretern jedes Mitgliedstaats besteht und in dem ein Vertreter der Kommission den Vorsitz führt.“
      
      6       Artikel 8 der Verordnung Nr. 3286/94 sieht vor:
      „(1)      Wird nach Konsultationen für die Kommission ersichtlich, dass genügend Beweise vorliegen, um die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens
         zu rechtfertigen, und dass dies im Interesse der Gemeinschaft notwendig wäre, so verfährt die Kommission wie folgt:
      
      a)      Sie gibt die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften bekannt; diese Bekanntmachung bezeichnet die betroffene Ware oder Dienstleistung und die betroffenen Länder, legt die eingegangenen
         Informationen in zusammengefasster Form dar und weist darauf hin, dass der Kommission alle in diesem Zusammenhang sachdienlichen
         Angaben zu übermitteln sind; sie setzt eine Frist fest, innerhalb deren interessierte Parteien den Antrag stellen können,
         von der Kommission nach Absatz 5 mündlich angehört zu werden.
      
      b)      Sie unterrichtet offiziell die Vertreter des Landes oder der Länder, die Gegenstand des Verfahrens sind; gegebenenfalls können
         mit diesen Ländern Konsultationen durchgeführt werden.
      
      c)      Sie führt die Untersuchung auf Gemeinschaftsebene in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten durch.
      …
      Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission auf Antrag und nach den von ihr festgelegten Modalitäten alle für diese Untersuchung
         erforderlichen Informationen.
      
      (4)      a)     Die Antragsteller, die betroffenen Ausführer und Einführer sowie die Vertreter der betroffenen Länder können alle der Kommission
         zur Verfügung gestellten Unterlagen mit Ausnahme der für den Dienstgebrauch der Kommission und der Verwaltungen bestimmten
         Dokumente einsehen, soweit sie für die Vertretung ihrer Interessen erheblich und nicht vertraulich im Sinne von Artikel 9
         sind und von der Kommission bei ihrem Untersuchungsverfahren verwendet werden. Die betroffenen Personen richten zu diesem
         Zweck schriftlich einen mit Gründen versehenen Antrag an die Kommission, in dem die gewünschten Unterlagen angegeben werden.
      
               b)     Die Antragsteller, die betroffenen Ausführer und Einführer und die Vertreter der betroffenen Länder können beantragen, über
         die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben, unterrichtet zu werden.
      
      (5)      Die Kommission kann die betroffenen Parteien anhören. Diese müssen angehört werden, wenn sie innerhalb der Frist, die in der
         im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlichten Bekanntmachung festgesetzt ist, eine solche Anhörung schriftlich beantragt und dargelegt haben, dass sie
         vom Ausgang des Verfahrens in erster Linie betroffene Parteien sind.
      
      …
      (8)      Nach Abschluss der Untersuchung unterbreitet die Kommission dem Ausschuss einen Bericht. Dieser Bericht ist in der Regel innerhalb
         von fünf Monaten nach Bekanntmachung der Einleitung des Verfahrens vorzulegen, es sei denn, dass die Kommission diese Frist
         wegen der Schwierigkeiten der Untersuchung auf sieben Monate verlängert.“
      
      7       Artikel 10 der Verordnung Nr. 3286/94 mit dem Titel „Beweise“ bestimmt:
      „…
      (4)      Werden handelsschädigende Auswirkungen geltend gemacht, so prüft die Kommission die Folgen dieser handelsschädigenden Auswirkungen
         auf die Wirtschaft der Gemeinschaft oder einer Region der Gemeinschaft oder einen bestimmten Sektor ihrer Wirtschaftstätigkeit.
         Zu diesem Zweck kann die Kommission soweit zutreffend die Faktoren in den Absätzen 1 und 2 berücksichtigen. Handelsschädigende
         Auswirkungen können unter anderem in Situationen auftreten, in denen die Handelsströme bei einer Ware oder Dienstleistungen
         infolge eines Handelshemmnisses verhindert, behindert oder umgeleitet werden, oder in Situationen, in denen Handelshemmnisse
         die Versorgung von Unternehmen der Gemeinschaft mit Produktionsmitteln (z. B. mit Teilen und Bauteilen oder Ausgangsstoffen)
         erheblich beeinträchtigt haben. Wird die Gefahr handelsschädigender Auswirkungen geltend gemacht, so prüft die Kommission
         ferner, ob klar vorherzusehen ist, dass sich eine bestimmte Situation wahrscheinlich zu tatsächlichen handelsschädigenden
         Auswirkungen entwickeln wird.
      
      (5)      Bei der Prüfung der Beweise für handelsschädigende Auswirkungen berücksichtigt die Kommission auch die Bestimmungen, Grundsätze
         oder Praktiken, die für das Recht auf ein Vorgehen nach den in Artikel 2 Absatz 1 genannten einschlägigen internationalen
         Handelsregeln gelten.
      
      …“
      8       Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 lautet:
      „Stellt sich in dem Untersuchungsverfahren heraus, dass die Interessen der Gemeinschaft keine Maßnahme erfordern, so wird
         nach Artikel 14 die Einstellung des Verfahrens beschlossen.“
      
      9       Artikel 12 der Verordnung Nr. 3286/94 sieht vor:
      „(1)      Stellt sich in dem Untersuchungsverfahren – es sei denn, die tatsächliche und rechtliche Lage macht ein echtes Untersuchungsverfahren
         überflüssig – heraus, dass die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen erfordern, um die Ausübung der Rechte der Gemeinschaft
         nach internationalen Handelsregeln mit dem Ziel zu gewährleisten, … die handelsschädigenden Auswirkungen von Handelshemmnissen,
         die von Drittländern eingeführt oder beibehalten werden, zu beseitigen, so werden die geeigneten Maßnahmen nach dem Verfahren
         des Artikels 13 beschlossen.
      
      …“
      10     Artikel 14 der Verordnung Nr. 3286/94 bestimmt:
      „(1)      Wird auf das Verfahren dieses Artikels Bezug genommen, so wird der Ausschuss von seinem Vorsitzenden befasst.
      (2)      Der Vertreter der Kommission legt dem Ausschuss einen Entwurf der zu treffenden Entscheidung vor. Der Ausschuss berät innerhalb
         einer Frist, die der Vorsitzende je nach Dringlichkeit festsetzen kann.
      
      (3)      Die Kommission trifft eine Entscheidung, die sie den Mitgliedstaaten mitteilt und die nach Ablauf von zehn Tagen anwendbar
         ist, wenn kein Mitgliedstaat innerhalb dieser Frist den Rat befasst hat.
      
      (4)      Auf Antrag eines Mitgliedstaats kann der Rat die Entscheidung der Kommission mit qualifizierter Mehrheit ändern.
      (5)      Die Entscheidung der Kommission ist, vom Tag der Befassung des Rates an gerechnet, nach Ablauf einer Frist von 30 Tagen anwendbar,
         wenn der Rat nicht innerhalb dieser Frist entschieden hat.“
      
       Vorgeschichte
      11     Zwischen 1981 und 1996 erließ der Rat insbesondere zum Schutz der menschlichen Gesundheit mehrere Richtlinien gegen die Verwendung
         bestimmter Stoffe mit hormonaler Wirkung in der Tiernahrung.
      
      12     Die Vereinigten Staaten von Amerika (im Folgenden: Vereinigte Staaten) leiteten bei der WTO ein Streitbeilegungsverfahren
         ein, mit dem sie die Übereinstimmung der Gemeinschaftsbestimmungen mit den Vorschriften der WTO bestritten.
      
      13     Am 18. August 1997 befand ein Panel, dass diese Gemeinschaftsregelung gegen die Vorschriften der WTO verstoße.
      14     Am 16. Januar 1998 bestätigte das Berufungsgremium der WTO in einem Bericht die genannte Entscheidung.
      15     Infolge der Annahme dieses Berichts durch das Streitbeilegungsgremium am 13. Februar 1998 wurde der Gemeinschaft im Schiedsverfahren
         aufgegeben, die fraglichen Bestimmungen bis zum 13. Mai 1999 den Vorschriften der WTO anzupassen.
      
      16     Da die Europäische Gemeinschaft ihre Bestimmungen nicht im festgelegten Zeitrahmen geändert hatte, baten die Vereinigten Staaten
         am 3. Juni 1999 das Streitbeilegungsgremium um die Genehmigung, ihre zolltariflichen Zugeständnisse gemäß Artikel 22 Absatz
         2 der Vereinbarung über Regeln und Verfahren zur Beilegung von Streitigkeiten im Anhang zum Übereinkommen zur Errichtung der
         WTO (im Folgenden: Vereinbarung) in Höhe von jährlich 202 Millionen USD auszusetzen. Die Vereinigten Staaten legten zugleich
         eine Liste von Waren vor, für die die zolltariflichen Zugeständnisse ausgesetzt werden konnten, wozu auch Senf (einschließlich
         zubereitetes Senfmehl) gehörte.
      
      17     Aufgrund eines Schiedsspruchs vom 12. Juli 1999 über die Gesamthöhe der auszusetzenden zolltariflichen Zugeständnisse ermächtigte
         das Streitbeilegungsgremium die Vereinigten Staaten am 26. Juli 1999, diese Zugeständnisse jährlich in Höhe von 116,8 Millionen
         USD auszusetzen und eine bestimmte Anzahl von Waren aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften, darunter Senf
         (einschließlich zubereitetes Senfmehl), mit einem zusätzlichen Zoll von 100 % zu belegen. Die Vereinigten Staaten beschlossen
         jedoch, diese Aussetzung nicht auf Waren aus dem Vereinigten Königreich anzuwenden.
      
      18     Am 7. Juni 2001 stellte die Fédération des industries condimentaires de France (im Folgenden: FICF oder Klägerin), in der
         die wichtigsten französischen Senfhersteller zusammengeschlossen sind, bei der Europäischen Kommission einen Antrag nach Artikel
         4 der Verordnung Nr. 3286/94.
      
      19     Darin erklärte die FICF insbesondere, dass die selektive Anwendung der amerikanischen Retorsionsmaßnahmen gegen Artikel 22
         der Vereinbarung verstoße, da die vom Streitbeilegungsgremium genehmigte Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse nur
         gegenüber dem zuvor verurteilten „betreffenden Mitglied“, also gegenüber der Gemeinschaft insgesamt, und nicht nur gegenüber
         bestimmten Mitgliedstaaten der Gemeinschaft vorgenommen werden könne. In dem Antrag wurde zudem ausgeführt, dass das von den
         Vereinigten Staaten geschaffene Handelshemmnis handelsschädigende Auswirkungen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 hinsichtlich
         der Ausfuhr von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) durch die der FICF angehörenden Unternehmen habe und dass es im
         Interesse der Gemeinschaft liege, ein Verfahren nach der Verordnung Nr. 3286/94 gegen die amerikanischen Maßnahmen anzustrengen.
      
      20     Die Kommission veröffentlichte anhand der Nachweise der Antragstellerin am 1. August 2001 eine Bekanntmachung über die Einleitung
         eines Untersuchungsverfahrens betreffend ein Handelshemmnis im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 aufgrund der Aufrechterhaltung
         von Handelspraktiken der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Einfuhr von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) (ABl.
         2001, C 215, S. 2).
      
      21     In Nummer 2 dieser Bekanntmachung heißt es: „Die von der Kommission eingeleitete Untersuchung kann auch andere Waren betreffen,
         die auf ähnliche Weise wie Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) betroffen zu sein scheinen, insbesondere dann, wenn
         interessierte Parteien, die sich binnen [30 Tagen nach der Veröffentlichung der Bekanntmachung] melden, den Nachweis erbringen,
         dass diese Praktiken auch auf solche Waren Anwendung finden.“
      
      22     Innerhalb des festgesetzten Zeitraums meldeten sich bei der Kommission mehrere Berufsverbände, darunter das Comité national
         interprofessionnel des palmipèdes à foie gras, die Confédération générale des producteurs de lait de brebis et des industries
         de Roquefort und das Comité économique agricole régional „fruits et légumes de la région Bretagne“. Daraufhin beschloss die
         Kommission nach Nummer 2 der Einleitungsbekanntmachung, das Untersuchungsverfahren auf Stopfleber, Roquefort und Schalotten
         auszuweiten.
      
      23     Am 6. März 2002 unterrichtete die Kommission nach Abschluss ihrer Untersuchung den in Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94
         genannten Ausschuss von den Ergebnissen ihrer Untersuchung und unterbreitete ihm am 27. März 2002 einen Untersuchungsbericht.
         Darin wurde die Einstellung des Verfahrens empfohlen.
      
      24     Am 23. April 2002 übermittelte die Kommission dem Anwalt der FICF eine nichtvertrauliche Fassung des Untersuchungsberichts.
         Sie erklärte in ihrem Schreiben, dass der in Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94 genannte Ausschuss die Empfehlung zur Einstellung
         des Verfahrens gebilligt habe und dass daher in Kürze ein entsprechender Beschluss im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht werde.
      
      25     Am 17. Mai 2002 bestätigte einer der Anwälte der FICF den Empfang des Untersuchungsberichts. In diesem Schreiben brachte er
         seine Verwunderung über die Zeit zum Ausdruck, die die Kommission habe verstreichen lassen, um ihm den Bericht zu übermitteln
         und den kommenden Beschluss zu erlassen. Der Anwalt der FICF schloss zudem aus der im Schreiben der Kommission vom 23. April
         2002 enthaltenen Aussage, wonach in Kürze ein Beschluss erlassen werde, dass die Kommission der Antragstellerin kein Erwiderungsrecht
         einräume, sodass die Verteidigungsrechte nach seiner Ansicht nicht gewahrt waren.
      
      26     In ihrer Antwort vom 4. Juni 2002 auf dieses Schreiben betonte die Kommission, sie habe die Bestimmungen der Verordnung Nr. 3286/94
         und insbesondere deren Artikel 8 Absätze 4 und 8 vollständig beachtet. Die Antragstellerin habe überdies keinen Antrag nach
         Artikel 8 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94 gestellt. Zudem sei die Antragstellerin regelmäßig vom Verlauf der Angelegenheit
         unterrichtet worden, und sie habe den Ausgang des Untersuchungsverfahrens bereits vor der förmlichen Übermittlung des Untersuchungsberichts
         gekannt.
      
      27     Am 6. Juni 2002 richtete das Comité économique agricole régional „fruits et légumes de la région Bretagne“ an die Kommission
         ein Schreiben, in dem es seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, dass es den Untersuchungsbericht nicht unmittelbar,
         sondern über seine Anwälte erhalten habe. Ferner missbilligte es darin die angekündigte Einstellung des Untersuchungsverfahrens
         und erklärte, dass es in Anbetracht des kurzfristig angekündigten Erlasses des Beschlusses zur Einstellung des Untersuchungsverfahrens
         nicht in der Lage sei, sein Erwiderungsrecht gegenüber den Ergebnissen des Untersuchungsberichts auszuüben.
      
      28     Am 7. Juni 2002 übermittelte die Confédération générale des producteurs de lait de brebis et des industriels de Roquefort
         der Kommission ein Schreiben, das im Wesentlichen dem Schreiben des Comité économique agricole régional „fruits et légumes
         de la région Bretagne“ gleicht.
      
      29     Mit Schreiben vom 14. Juni 2002 übermittelte die Kommission der Confédération générale des producteurs de lait de brebis et
         des industriels de Roquefort und dem Comité économique agricole régional „fruits et légumes de la région Bretagne“ eine nichtvertrauliche
         Fassung des Untersuchungsberichts mit dem Hinweis, dass diese Berufsverbände in Untersuchungsverfahren nur als interessierte
         Parteien tätig geworden seien, weshalb die Kommission davon ausgegangen sei, dass sie ihnen nicht unmittelbar den Untersuchungsbericht
         zuzuleiten habe, der im Übrigen ein öffentliches Dokument sei. In ihren Schreiben führte die Kommission zudem aus, sie habe
         auf jeden Fall die Bestimmungen des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 eingehalten; die Anwälte der beiden Berufsverbände
         seien darüber hinaus regelmäßig vom Verlauf der Angelegenheit unterrichtet worden, und sie hätten den Ausgang des Untersuchungsverfahrens
         bereits vor der förmlichen Übermittlung des Untersuchungsberichts gekannt. Die Kommission erklärte schließlich, der Beschluss
         zur Einstellung des Untersuchungsverfahrens werde in Kürze erlassen.
      
      30     Am 9. Juli 2002 erließ die Kommission den Beschluss 2002/604/EG zur Einstellung des Untersuchungsverfahrens betreffend Handelshemmnisse
         im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 3286/94 in Form von von den Vereinigten Staaten aufrechterhaltenen Handelspraktiken in Bezug
         auf die Einfuhren von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) (ABl. L 195, S. 72, im Folgenden: angefochtener Beschluss).
         Dieser Beschluss wurde am 27. Juli 2002 im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht.
      
      31     Die Kommission führt in Nummer 6 des angefochtenen Beschlusses aus:
      „Das Untersuchungsverfahren führte zu dem Schluss, dass die angeblichen handelsschädigenden Auswirkungen nicht auf das in
         dem Antrag geltend gemachte Handelshemmnis, d. h. die amerikanische Praxis der selektiven Aussetzung von Handelszugeständnissen
         gegenüber einigen und nicht allen Mitgliedstaaten (‚selektive Sanktionen‘), zurückzuführen sein dürften. Das Untersuchungsverfahren
         ergab keinerlei Beweise dafür, dass die Aussetzung der Zugeständnisse auch für das Vereinigte Königreich für den Antragsteller
         zu besseren Ausfuhrmöglichkeiten für Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) in die USA führen würde. Daher können dem
         vom Antragsteller geltend gemachten Handelshemmnis keine anderen handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne der Verordnung
         zugeschrieben werden als die Auswirkungen der Aussetzung von Handelszugeständnissen, die gemäß dem WTO‑Übereinkommen zulässig
         sind und von den USA rechtmäßig angewendet werden. Daher hat sich in dem Untersuchungsverfahren im Sinne des Artikels 11 [der
         Verordnung Nr. 3286/94] herausgestellt, dass die Interessen der Gemeinschaft keine Maßnahme gegen das angebliche Handelshemmnis
         gemäß der Verordnung erfordern.“
      
      32     Die Kommission stellt daher in dem einzigen Artikel des angefochtenen Beschlusses fest, dass das am 1. August 2001 eingeleitete
         Untersuchungsverfahren eingestellt wird.
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      33     Mit Klageschrift, die am 16. Oktober 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, haben die Kläger die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      34     Das Gericht hat auf Vorschlag der Ersten Kammer und, nachdem die Parteien gemäß Artikel 51 der Verfahrensordnung gehört worden
         sind, nach Artikel 14 der Verfahrensordnung beschlossen, die Rechtssache an einen erweiterten Spruchkörper zu verweisen.
      
      35     Das Gericht (Erste erweiterte Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen,
         und die Parteien im Rahmen prozessleitender Maßnahmen aufgefordert, bestimmte Fragen zu beantworten und bestimmte Dokumente
         vorzulegen.
      
      36     Die Parteien haben in der Sitzung vom 14. September 2004 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      37     Die Kläger beantragen,
      –       den angefochtenen Beschluss für nichtig zu erklären,
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      38     Die Kommission beantragt,
      –       die Klage abzuweisen,
      –       den Klägern die Kosten aufzuerlegen.
       Zur Zulässigkeit
      39     Die Kommission hat sich in ihren schriftlichen Ausführungen, ohne eine Einrede der Unzulässigkeit gegen die Klage zu erheben,
         auf die Lage der FICF beschränkt, die als einziger Berufsverband bei der Kommission einen Antrag gemäß Artikel 4 der Verordnung
         Nr. 3286/94 gestellt hatte, und ist nicht auf die Lage der anderen Berufsverbände, die im Untersuchungsverfahren als interessierte
         Parteien beteiligt waren, eingegangen.
      
      40     Hierzu ist festzustellen, dass die Kläger nur eine einzige Klage erhoben haben. Nach ständiger Rechtsprechung braucht in einem
         derartigen Fall nach Feststellung der Zulässigkeit der Klage einer der Kläger nicht geprüft zu werden, ob die anderen Kläger
         klageberechtigt sind, da es genügt, dass wenigstens einer der Kläger die Voraussetzungen des Artikels 230 EG erfüllt (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 24. März 1993 in der Rechtssache C‑313/90, CIRFS u. a./Kommission, Slg. 1993,
         I‑1125, Randnr. 31, sowie Urteile des Gerichts vom 27. April 1995 in der Rechtssache T‑12/93, CCE de Vittel u. a./Kommission,
         Slg. 1995, II‑1247, Randnr. 44, und vom 15. September 1998 in den Rechtssachen T‑374/94, T‑375/94, T‑384/94 und T‑388/94,
         European Night Services u. a./Kommission, Slg. 1998, II‑3141, Randnr. 61).
      
      41     Artikel 4 der Verordnung Nr. 3286/94 soll es insbesondere Vereinigungen, die im Namen eines oder mehrerer Unternehmen der
         Gemeinschaft handeln – wie es bei der FICF der Fall ist, die die französischen Senfhersteller vertritt –, ermöglichen, sich
         in einem nach Maßgabe dieser Verordnung bei der Kommission gestellten Antrag auf die internationalen Handelsregeln in einer
         multilateralen oder plurilateralen Übereinkunft zu berufen und die Verfahrensgarantien der Bestimmungen der Verordnung geltend
         zu machen. Diese Garantien insgesamt berechtigen einen Antragsteller im Sinne von Artikel 4 der Verordnung Nr. 3286/94, einen
         Beschluss der Kommission zur Einstellung eines Untersuchungsverfahrens, das aufgrund seines Antrags eingeleitet wurde, der
         Nachprüfung durch das Gericht zu unterziehen.
      
      42     Die gegen den angefochtenen Beschluss gerichtete Klage der FICF, die bei der Kommission einen Antrag gemäß Artikel 4 der Verordnung
         Nr. 3286/94 gestellt hat, ist daher zulässig. Demgemäß braucht, da es sich um ein und dieselbe Klage handelt, die Klagebefugnis
         der anderen Kläger nicht geprüft zu werden.
      
       Zur Begründetheit
      43     Die Kläger machen acht Klagegründe geltend. Es handelt sich erstens um einen Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 3286/94, zweitens um einen Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 4 der Verordnung, drittens um einen Verstoß gegen Artikel 10
         Absatz 5 der Verordnung, viertens um einen Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung, fünftens um eine mangelnde Begründung
         des angefochtenen Beschlusses, sechstens um offensichtliche Fehler bei der Beurteilung des Sachverhalts und einen Verstoß
         gegen Artikel 2 Absatz 4 und Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94, siebtens um die Nichtbeachtung der Verteidigungsrechte
         und schließlich achtens um einen Verstoß gegen Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 und eine Verletzung der Sorgfaltspflicht
         der Kommission.
      
       Zum ersten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
       Vorbringen der Parteien
      44     Nach Ansicht der Kläger beruht der Begriff des Handelshemmnisses nach Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 auf zwei
         leicht identifizierbaren und untrennbar miteinander verbundenen Grundlagen, nämlich auf einem materiellen Element („alle von
         einem Drittland eingeführte oder beibehaltene Handelspraktiken“) und einem „Element der Rechtswidrigkeit“ (das der Europäischen
         Gemeinschaft eingeräumte „Recht zu einem Vorgehen“). Nach Meinung der Kläger beschränkt der angefochtene Beschluss diese Definition
         jedoch auf das Element der Rechtswidrigkeit, d. h. auf die „selektive“ Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse durch
         die Vereinigten Staaten. Die Betrachtungsweise der Kommission verstoße, so führen die Kläger aus, nicht nur gegen Artikel
         2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94, sondern verfälsche auch die Bedeutung des Antrags der FICF und die Bekanntmachung über
         die Einleitung des Untersuchungsverfahrens. Im Gegensatz zu dem Schluss, zu dem die Kommission anscheinend gelange, ließen
         sich die Maßnahmen der Vereinigten Staaten zur Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse nicht in die vom Streitbeilegungsgremium
         genehmigten und von den Vereinigten Staaten angewandten Maßnahmen und in das von der Antragstellerin behauptete Handelshemmnis,
         nämlich die selektive Anwendung dieser Maßnahmen, aufspalten. Die Anwendung der Retorsionsmaßnahmen durch die Vereinigten
         Staaten werde nicht, wie die Kommission annehme, dadurch „rechtmäßig“, dass das Streitbeilegungsgremium diese Maßnahmen genehmigt
         habe.
      
      45     Die Kommission erklärt zunächst, die Verordnung Nr. 3286/94 diene der Erstellung von Gemeinschaftsverfahren auf dem Gebiet
         der gemeinsamen Handelspolitik, die es der Gemeinschaft ermöglichen sollten, die ihr in der WTO eingeräumten Rechte auszuüben.
         In diesem Sinne definiere Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 ein Handelshemmnis als jede von einem Drittland eingeführte
         oder beibehaltene Handelspraktik, gegen die die internationalen Handelsregeln das Recht zu einem Vorgehen einräumten.
      
      46     Sie widerspricht sodann der Auslegung des Artikels 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 durch die Kläger. Für die etwaige
         Einleitung eines Streitbeilegungsverfahrens genüge es nämlich nicht, dass ein Handelshemmnis vorliege. Vor allem müssten handelsschädigende
         Auswirkungen festgestellt werden. Für die Anwendung der Verordnung Nr. 3286/94 lasse sich demnach der Begriff des Handelshemmnisses
         nicht vom Begriff „handelsschädigende Auswirkungen“ trennen. Damit ein „Handelshemmnis“ im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94
         vorliege, müssten die Unternehmen also dartun, dass sie unter „handelsschädigenden Auswirkungen“ im Sinne von Artikel 2 Absatz
         4 der genannten Verordnung litten. Eine gegenteilige Auslegung würde zu einer wahren Popularklage zugunsten der Unternehmen
         der Gemeinschaft führen.
      
      47     Diese Begriffsbestimmung des „Handelshemmnisses“ sei im vorliegenden Fall sowohl im Rahmen des Untersuchungsberichts als auch
         für den angefochtenen Beschluss herangezogen worden. Eine derartige Begriffsbestimmung sei somit für die Kläger nicht neu.
         In diesem Zusammenhang verweist die Kommission auf den angefochtenen Beschluss, wonach bei der Untersuchung nicht habe nachgewiesen
         werden können, dass die Antragstellerin durch den Beschluss der Vereinigten Staaten, die Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse
         selektiv anzuwenden, andere handelsschädigende Auswirkungen erlitten habe als die Auswirkungen dieser Aussetzung, „die gemäß
         dem WTO‑Übereinkommen zulässig sind und von den USA rechtmäßig angewendet werden“. Die Kommission kommt somit zu dem Ergebnis,
         dass die amerikanischen Maßnahmen unter Beachtung der Grundsätze der WTO getroffen worden seien und dass entgegen der Behauptung
         der Kläger kein „Handelshemmnis“ im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 vorliege, da die Antragstellerin keine handelsschädigenden
         Auswirkungen habe nachweisen können.
      
       Würdigung durch das Gericht
      48     Vorab ist festzustellen, dass nach der Verordnung Nr. 3286/94 für ein Vorgehen der Gemeinschaft aufgrund der internationalen
         Handelsregeln gegen ein von einem Drittstaat eingeführtes oder beibehaltenes Handelshemmnis, das sich auf den Markt dieses
         Drittstaats auswirkt, zumindest drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein müssen; es muss nämlich ein Handelshemmnis nach
         der Definition der Verordnung vorliegen, daraus müssen sich handelsschädigende Auswirkungen ergeben, und das Vorgehen muss
         im Interesse der Gemeinschaft erforderlich sein. Stellt die Kommission nach Abschluss eines nach der Verordnung Nr. 3286/94
         eingeleiteten Untersuchungsverfahrens fest, dass eine dieser Voraussetzungen nicht gegeben ist, so können die Gemeinschaftsorgane
         davon ausgehen, dass ein derartiges Vorgehen nicht geboten ist.
      
      49     Zum Begriff des Handelshemmnisses ist auf folgenden Wortlaut des Artikels 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 hinzuweisen:
      „Im Sinne dieser Verordnung gelten als ‚Handelshemmnisse‘ alle von einem Drittland eingeführten oder beibehaltenen Handelspraktiken,
         gegen die die internationalen Handelsregeln das Recht zu einem Vorgehen einräumen. Dieses Recht zu einem Vorgehen besteht,
         wenn die internationalen Handelsregeln entweder eine Praktik vollständig verbieten oder der von dieser Praktik betroffenen
         Partei das Recht geben, sich um die Beseitigung der Auswirkungen dieser Praktik zu bemühen.“
      
      50     Die Kommission ist im angefochtenen Beschluss davon ausgegangen, dass das von der FICF geltend gemachte Handelshemmnis darin
         besteht, dass die Vereinigten Staaten die zolltariflichen Zugeständnisse gegenüber den Exporteuren von Senf (einschließlich
         zubereitetem Senfmehl) der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft mit Ausnahme der betreffenden Exporteure des Vereinigten Königreichs
         ausgesetzt haben, wobei diese Sanktion im angefochtenen Beschluss als „selektiv“ bezeichnet wird.
      
      51     Nach Ansicht der Kläger hat die Kommission damit den Begriff des Handelshemmnisses nach Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 3286/94 verkannt, da sie nur den Gesichtspunkt der „Rechtswidrigkeit“ dieser Definition herangezogen habe.
      
      52     Dem kann nicht gefolgt werden.
      53     Zunächst ist festzustellen, dass sich die Bestandteile der Definition eines Handelshemmnisses im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94
         nicht künstlich aufspalten lassen, wie die Kläger meinen. Ein Handelshemmnis, dessen Vorliegen zur Anwendung der Verordnung
         Nr. 3286/94 geltend gemacht werden kann, setzt nämlich ein Recht zum Vorgehen voraus, das durch die internationalen Handelsregeln
         eingeräumt wird. Diese Auslegung ergibt sich insbesondere aus dem Bezug des Artikels 1 Absatz 1 der Verordnung auf den „Einklang
         mit den internationalen Verpflichtungen und Verfahren“. Sie findet auch ihre Bestätigung in der siebten Begründungserwägung
         der Verordnung Nr. 3286/94; darin heißt es: „Mit [dem durch die Verordnung eingesetzten] Mechanismus sollen Verfahren geschaffen
         werden, um zu beantragen, dass die Gemeinschaftsorgane gegen die von Drittländern eingeführten oder beibehaltenen Handelshemmnisse
         … vorgehen, sofern das Recht zu einem Vorgehen gegen derartige Hemmnisse nach den einschlägigen internationalen Handelsregeln
         besteht.“ Eine andere Auslegung würde dazu führen, dass jede von einem Drittstaat eingeführte oder beibehaltene Handelspraktik
         als Handelshemmnis angesehen werden könnte, obgleich kein Vorgehensrecht aufgrund der internationalen Handelsregeln gegeben
         wäre.
      
      54     Zu dem Argument der Kläger, die Kommission habe mit ihrer Auslegung die Bedeutung des bei ihr gestellten Antrags der FICF
         verkannt, ist zu bemerken, dass die Antragstellerin – entgegen der Behauptung der Kläger vor dem Gericht – nicht geltend gemacht
         hat, dass die amerikanischen Maßnahmen zur Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse in Höhe von 116,8 Millionen USD gegenüber
         bestimmten Erzeugnissen aus der Gemeinschaft als „Handelshemmnis“ zu qualifizieren seien. In dem Antrag wurde vielmehr eingeräumt,
         dass diese Maßnahmen am 26. Juli 1999 vom Streitbeilegungsgremium genehmigt worden waren. Die Antragstellerin vertrat hingegen
         in ihren Ausführungen zur Qualifizierung der amerikanischen Maßnahmen als „Handelshemmnis“ im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94
         (Nr. IV des Antrags) die Auffassung, es liege insofern ein Verstoß gegen die WTO‑Regeln vor, als „die Vereinigten Staaten
         nicht rechtmäßig beschließen konnten, die Retorsionsmaßnahmen auf einige Mitgliedstaaten der Europäischen Union und nicht
         auf andere anzuwenden“ (Nr. IV.1, S. 8 des Antrags), und „die selektive Anwendung der Retorsionsmaßnahmen durch die Vereinigten
         Staaten die im Schiedsverfahren herbeigeführte Festlegung einer Höhe für die Aussetzung der Zugeständnisse in Frage stellt“
         (Nr. IV.2, S. 11 des Antrags). Ferner ging sie davon aus, dass „die Ergebnisse und Empfehlungen des Panels und des Berufungsgremiums
         auf die ‚Europäischen Gemeinschaften‘ abgestellt sind [und] die Vereinigten Staaten daher ihre Maßnahmen auf die ‚Europäischen
         Gemeinschaften‘ anwenden müssen, ohne zwischen den Mitgliedstaaten unterscheiden zu können, die alle die angefochtenen Gemeinschaftsmaßnahmen
         durchgeführt haben“ (S. 13 des Antrags). Zudem wies die Antragstellerin darauf hin, dass „die Vorgehensweise der Vereinigten
         Staaten zu einer Entgemeinschaftlichung der im Vertrag vorgesehenen Handelspolitik führt“, da die Retorsionsmaßnahmen nur
         auf vierzehn der fünfzehn Mitgliedstaaten abgestellt seien (S. 14 des Antrags).
      
      55     Demnach bestand das im Antrag geltend gemachte Handelshemmnis allein in der selektiven Anwendung der amerikanischen Maßnahmen
         zur Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse, ohne dass die Kommission die Bedeutung des Antrags verfälscht hat. Zudem
         konnte das Handelshemmnis im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 in Anbetracht seiner oben in Randnummer 53 dargelegten Definition
         nur in der selektiven Anwendung der amerikanischen Maßnahmen zur Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse bestehen. Da
         nur diejenigen Handelshemmnisse in den Anwendungsbereich der Verordnung Nr. 3286/94 fallen, denen gegenüber ein durch die
         internationalen Handelsregeln eingeräumtes Vorgehensrecht besteht, konnte nämlich gegen die amerikanischen Aussetzungsmaßnahmen,
         die das Streitbeilegungsgremium genehmigt hatte, kein Verfahren nach dieser Verordnung eingeleitet werden, weil es hierfür
         grundsätzlich kein durch die internationalen Handelsregeln eingeräumtes Vorgehensrecht der Gemeinschaft gegeben hat. Daher
         wurde in Nummer 4 der oben in Randnummer 20 genannten Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens dargelegt,
         dass das im Antrag angeführte Handelshemmnis darin bestehe, dass die „handelspolitischen Maßnahmen nur in einigen Mitgliedstaaten
         und nicht gegen die gesamte Gemeinschaft beibehalten“ würden, und dass nach Ansicht der FICF – die Wichtigkeit dieser Beurteilung
         wurde vor dem Gericht nicht in Zweifel gezogen – „die Praxis, Maßnahmen gegen alle Mitgliedstaaten zu fordern und sie nur
         gegen einige anzuwenden, die Rechtssicherheit im Rahmen des Streitbeilegungsmechanismus … untergräbt“. Ferner heißt es in
         Nummer 1.4 des Untersuchungsberichts der Kommission mit dem Titel „The obstacle to trade“ wie folgt:
      
      „… ist es wichtig, festzustellen, dass das in Rede stehende Handelshemmnis nicht in der US-Aussetzung der Zugeständnisse aufgrund
         des Hormonfalls besteht, sondern in der Art und Weise, in der diese Aussetzung von den Vereinigten Staaten vorgenommen wurde.
         Demgemäß bestreitet die Antragstellerin nicht das Recht der Vereinigten Staaten, die genannten Zugeständnisse aufgrund der
         Vereinbarung zur Beilegung von Streitigkeiten in der WTO auszusetzen, sondern nur das Recht der Vereinigten Staaten, diese
         Zugeständnisse gegenüber einigen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft unter Ausschluss anderer auszusetzen.“
      
      56     Entgegen dem Vorbringen der Kläger entsprechen somit die dritte und die sechste Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses
         mit der Feststellung, dass das im Antrag erwähnte Handelshemmnis in der selektiven Anwendung der amerikanischen Maßnahmen
         auf die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft besteht, sowohl der Definition des „Handelshemmnisses“ nach Artikel 2 Absatz 1 der
         Verordnung Nr. 3286/94 als auch der Qualifizierung, die sich aus dem Antrag ergibt und die in der Bekanntmachung über die
         Einleitung des Untersuchungsverfahrens sowie im Untersuchungsbericht verwendet wird.
      
      57     Aus alledem ergibt sich, dass sich die Kommission bei der Begriffsbestimmung eines Handelshemmnisses entgegen dem Vorbringen
         der Kläger nicht auf den Gesichtspunkt der „Rechtswidrigkeit“ beschränkt hat, sondern alle mit dem Begriff des Handelshemmnisses
         nach Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 untrennbar verbundenen Elemente berücksichtigt hat.
      
      58     Der erste Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
       Zum zweiten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94
       Vorbringen der Parteien
      59     Nach Ansicht der Kläger hat der restriktive Ansatz in Bezug auf den Begriff des Handelshemmnisses im angefochtenen Beschluss
         auch – notwendigerweise – eine fehlerhafte Analyse der „handelsschädigenden Auswirkungen“ im Sinne von Artikel 2 Absatz 4
         der Verordnung Nr. 3286/94 zur Folge, wodurch gegen diese Bestimmung verstoßen werde. Die Kommission hätte die handelsschädigenden
         Auswirkungen der seit Juli 1999 stattfindenden und von den Klägern angegriffenen rechtswidrigen Erhebung der 100 %igen zusätzlichen
         Wertzölle und nicht nur die Auswirkungen des Faktors, der die Rechtswidrigkeit der amerikanischen Maßnahmen herbeiführe, nämlich
         der selektiven Anwendung dieser Maßnahmen, analysieren müssen.
      
      60     Zudem weise der angefochtene Beschluss auch einen offensichtlichen Fehler bei der Beurteilung der im Untersuchungsbericht
         enthaltenen Angaben auf. Das Ergebnis, zu dem die Kommission im angefochtenen Beschluss gelange und wonach dieser Bericht
         „keinerlei Beweise dafür [ergeben hat], dass die Anwendung der [zolltariflichen] Zugeständnisse auf das Vereinigte Königreich
         für [die] Antragsteller[in] zu besseren Ausfuhrmöglichkeiten für Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) in die USA führen
         würde“, werde nämlich durch die im Untersuchungsbericht enthaltenen Angaben über sinkende Senfeinfuhren aus den Mitgliedstaaten
         außer dem Vereinigten Königreich in Verbindung mit höheren Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich widerlegt.
      
      61     Die Kommission erwidert, sie habe die Natur der Auswirkungen genau beurteilt, die die Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse
         der Vereinigten Staaten gegenüber Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) für den Handel mit sich bringe.
      
      62     Die Ergebnisse des Untersuchungsberichts ließen nicht erkennen, dass es einen Effekt der „kommunizierenden Röhren“ zwischen
         der sinkenden Ausfuhr der Antragstellerin in die Vereinigten Staaten zum einen und einer wesentlichen langfristigen Zunahme
         der britischen Ausfuhr zum anderen gebe. Die im Untersuchungsbericht enthaltenen Angaben zeigten, dass der Beschluss der Vereinigten
         Staaten, die Waren aus dem Vereinigten Königreich von der Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse auszunehmen, der britischen
         Senfausfuhr in die Vereinigten Staaten nicht zugute gekommen sei und keine handelsschädigenden Auswirkungen für die Antragstellerin
         gehabt habe. Handelsschädigende Auswirkungen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 wären nur dann für die Antragstellerin herbeigeführt
         worden, wenn das Untersuchungsverfahren dauerhafte wesentliche Folgen der selektiven Anwendung der Maßnahmen auf den europäischen
         Markt für Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl) hätte erkennen lassen können. Artikel 2 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94
         enthalte indessen eine genaue Definition des Begriffes „handelsschädigende Auswirkungen“ durch den Bezug auf Auswirkungen
         durch Handelshemmnisse, die erhebliche Folgen für die Wirtschaft der Gemeinschaft oder einer Region der Gemeinschaft oder
         für einen Sektor ihrer Wirtschaftstätigkeit hätten. Nach Ansicht der Kommission wird die Tatsache, dass „der Antragsteller
         unter derartigen handelsschädigenden Auswirkungen leidet, allein nicht als ausreichend angesehen, um ein Vorgehen der Gemeinschaftsorgane
         zu rechtfertigen“.
      
      63     Die Kommission ist abschließend der Auffassung, dass aus dem angefochtenen Beschluss klar hervorgehe, dass die Untersuchung
         keinen Nachweis dafür erbracht habe, dass die selektive Art der amerikanischen Retorsionsmaßnahmen handelsschädigende Auswirkungen
         zur Folge gehabt habe, die den Kriterien der Verordnung Nr. 3286/94 entsprächen.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      64     Zunächst ist auf folgenden Wortlaut des Artikels 2 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94 hinzuweisen:
      „Im Sinne dieser Verordnung gelten als ‚handelsschädigende Auswirkungen‘ Auswirkungen, die ein Handelshemmnis für die Unternehmen
         der Gemeinschaft auf dem Markt eines Drittlandes verursachen oder zu verursachen drohen und die erhebliche Folgen für die
         Wirtschaft der Gemeinschaft oder einer Region der Gemeinschaft oder für einen Sektor ihrer Wirtschaftstätigkeit haben. Die
         Tatsache, dass der Antragsteller unter derartigen handelsschädigenden Auswirkungen leidet, wird allein nicht als ausreichend
         angesehen, um ein Vorgehen der Gemeinschaftsorgane zu rechtfertigen.“
      
      65     Nach dieser Begriffsbestimmung erfordert die Verordnung Nr. 3286/94 einen ursächlichen Zusammenhang zwischen den aktuellen
         („verursachen“) oder potenziellen („zu verursachen drohen“) handelsschädigenden Auswirkungen auf den Handel und dem Handelshemmnis,
         wie es unter den besonderen Umständen des Einzelfalls festgestellt wird, und den handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne
         der Verordnung Nr. 3286/94. Diese Auslegung wird durch die siebte Begründungserwägung der Verordnung Nr. 3286/94 bekräftigt,
         wonach der mit der Verordnung eingesetzte Mechanismus es ermöglichen soll, bei den Gemeinschaftsorganen zu beantragen, dass
         sie gegen von Drittländern eingeführte Handelshemmnisse vorgehen, die handelsschädigende Auswirkungen „hervorrufen“, und sie
         wird auch durch Artikel 4 Absatz 2 der Verordnung über den Inhalt des Antrags bestätigt, wonach dieser genügend Beweise für
         das Vorliegen von Handelshemmnissen und „dadurch verursachte“ handelsschädigende Auswirkungen enthalten muss. Zudem müssen
         die handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 auch erhebliche Folgen für die Wirtschaft der Gemeinschaft
         oder einer Region der Gemeinschaft oder für einen Sektor ihrer Wirtschaftstätigkeit haben.
      
      66     In Anbetracht des Ergebnisses, zu dem das Gericht hinsichtlich des ersten Klagegrundes gelangt ist, und des erforderlichen
         ursächlichen Zusammenhangs zwischen einem „Handelshemmnis“ und den „handelsschädigenden Auswirkungen“ im Sinne der Verordnung
         Nr. 3286/94 ist in diesem Zusammenhang auch das Vorbringen der Kläger zurückzuweisen, dass die Kommission ihre Analyse nicht
         auf diejenigen handelsschädigenden Auswirkungen hätte beschränken dürfen, die durch die selektive Aussetzung der zolltariflichen
         Zugeständnisse verursacht worden seien. Da das „Handelshemmnis“ im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94, das im vorliegenden Fall
         geltend gemacht wird, in der selektiven Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse gegenüber der Senfausfuhr in die Vereinigten
         Staaten besteht, musste die Kommission nämlich ihre Analyse auf diejenigen „handelsschädigenden Auswirkungen“ beschränken,
         die in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem genannten Hemmnis stehen.
      
      67     Sodann ist zu prüfen, ob die Kommission, wie die Kläger vortragen, die Angaben des Untersuchungsberichts offensichtlich fehlerhaft
         beurteilt hat, indem sie in der sechsten Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses zu dem Schluss gelangt ist, dass
         „das Untersuchungsverfahren keinerlei Beweise dafür [ergab], dass die Aussetzung der [zolltariflichen] Zugeständnisse auch
         für das Vereinigte Königreich für den Antragsteller zu besseren Ausfuhrmöglichkeiten für Senf (einschließlich zubereitetem
         Senfmehl) in die USA führen würde“.
      
      68     Hierbei ist zunächst auf einen Unterschied zwischen der französischen Fassung der vorgenannten Stelle der sechsten Begründungserwägung
         des angefochtenen Beschlusses und der entsprechenden Fassung in den meisten anderen Sprachen hinzuweisen. Im Gegensatz zum
         französischen Text mit dem Wort „davantage“ beziehen sich die Fassungen in den meisten anderen Sprachen nämlich auf „größere“
         oder „bessere Ausfuhrmöglichkeiten“. Dies gilt für die Sprachen Englisch („would result in greater export opportunities“),
         Deutsch („für den Antragsteller zu besseren Ausfuhrmöglichkeiten für Senf“), Dänisch („at klageren ville få større muligheder
         for at eksportere“), Spanisch („traería consigo majores oportunidades para el denunciante de exportar“), Finnisch („valituksen
         tekijän … viennin mahdollisuuksien laajenemiseen“), Italienisch („comporterebbe per il denunziante maggiori opportunità di
         esportazione“), Portugiesisch („se traduziria, par o autor da denúncia, em maiores oportunidades de exportação“) und Schwedisch
         („bättre utsiker för den klagande att exportera“).
      
      69     Der in diesen verschiedenen Sprachfassungen des Textes zum Ausdruck gebrachte Gedanke, der für die Prüfung des angeblichen
         offensichtlichen Beurteilungsfehlers heranzuziehen ist, gibt zum einen im Vergleich zum Wort „davantage“ in der französischen
         Fassung einen weniger kategorischen Zusammenhang zwischen einer Abnahme der Senfausfuhr aus vierzehn Mitgliedstaaten der Gemeinschaft
         in die Vereinigten Staaten und einer Zunahme der entsprechenden Ausfuhr aus dem Vereinigten Königreich wieder und lässt zum
         anderen Raum für den Einfluss eines Zeitfaktors auf den Umfang der Ausfuhr von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl)
         in die Vereinigten Staaten.
      
      70     Ferner ist festzustellen, dass die Kläger nicht die im Untersuchungsbericht enthaltenen Angaben über die Ausfuhren von Senf
         (einschließlich zubereitetem Senfmehl) aus den Mitgliedstaaten der Gemeinschaft – mit Ausnahme des Vereinigten Königreichs
         – in die Vereinigten Staaten und über die entsprechende Ausfuhr des Vereinigten Königreichs bestreiten. Zudem widersprechen
         sie nicht der im Untersuchungsbericht angewandten Methode zur Feststellung der handelsschädigenden Auswirkungen des Handelshemmnisses,
         wie dieses in Nummer 1.4 des Untersuchungsberichts festgestellt und oben in Randnummer 55 dargelegt worden ist.
      
      71     Somit ergibt sich sowohl aus den Angaben des Untersuchungsberichts als auch aus der vorgenommenen Analyse, dass das Ergebnis,
         zu dem die Kommission in der sechsten Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses gelangt ist, nicht offensichtlich
         fehlerhaft ist.
      
      72     Es ist nämlich festzustellen, dass die Ausfuhren von Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) aus dem Vereinigten Königreich
         in die Vereinigten Staaten vom Zeitraum 1996–1998 bis zum Jahr 2000 im Vergleich zu den entsprechenden Ausfuhren aus den anderen
         Mitgliedstaaten der Gemeinschaft im Durchschnitt sowohl dem Wert als auch dem Umfang nach nur äußerst geringfügig zugenommen
         haben. Auch wenn man unterstellt, dass im Fall einer Ausdehnung der amerikanischen Retorsionsmaßnahmen auf Senf (einschließlich
         zubereitetes Senfmehl) aus dem Vereinigten Königreich die Exporteure der anderen Mitgliedstaaten ihrerseits von dieser Zunahme
         profitiert hätten – was die Kläger nicht bewiesen haben –, so wären diese Exporteure daher doch nicht in den Genuss größerer
         Ausfuhrmöglichkeiten gekommen. 
      
      73     Außerdem lassen die von der Kommission im Untersuchungsverfahren verwendeten Informationen erkennen, dass sich die amerikanischen
         Senfimporteure an Alternativlieferanten außerhalb der Gemeinschaft gewendet haben, die weitgehend Nutzen aus der Aussetzung
         der zolltariflichen Zugeständnisse durch die amerikanischen Behörden gegenüber Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl)
         aus den Mitgliedstaaten der Gemeinschaft ziehen konnten.
      
      74     Der zweite Klagegrund ist somit zurückzuweisen.
       Zum dritten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94
       Vorbringen der Parteien
      75     Die Kläger weisen zunächst auf einen Interpunktionsfehler der französischen Fassung des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung
         Nr. 3286/94 hin [betrifft nicht den deutschen Text]. Der „korrigierten Fassung“ zufolge habe die Kommission nach Artikel 10
         Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 bei der Prüfung der handelsschädigenden Auswirkungen die Bestimmungen, Grundsätze oder
         Praktiken zu berücksichtigen, die für das Recht auf ein Vorgehen nach den einschlägigen internationalen Handelsregeln gälten.
         Die Kommission habe zwar im Stadium des Untersuchungsberichts die Vereinbarkeit der amerikanischen Maßnahmen in Bezug auf
         die WTO‑Regeln beurteilt, sie habe jedoch im angefochtenen Beschluss keine vergleichbare Analyse durchgeführt, wodurch gegen
         Artikel 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 verstoßen werde. Überdies weise der angefochtene Beschluss auch einen Begründungsmangel
         auf, da die Kommission nicht erklärt habe, weshalb die rechtliche Analyse des geltend gemachten Handelshemmnisses, die sie
         im Untersuchungsbericht vorgenommen habe, nicht im angefochtenen Beschluss enthalten sei.
      
      76     Die Kommission bestreitet nicht, dass die französische Fassung des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 den von
         den Klägern aufgezeigten Fehler enthalte, sie meint aber, dass der dritte Klagegrund unbegründet sei.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      77     Die französische Fassung des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 lautet: „La Commission tient compte aussi, dans
         son examen, des éléments de preuve concernant les effets commerciaux défavorables, des dispositions, principes ou pratiques
         qui régissent le droit d’engager une action au titre des règles de commerce internationales applicables évoquées à l’article
         2, paragraphe 1.“
      
      78     Wie die Kläger zu Recht in ihren Schriftsätzen ausgeführt haben, enthält diese Fassung durch das Komma nach dem Wort „examen“
         einen Syntaxfehler, was auch von der Kommission nicht bestritten wird. Sowohl der Satzbau des Absatzes 5, der die Einfügung
         der Konjunktion „et“ nach dem Adjektiv „défavorables“ erfordern würde, wenn das genannte Komma zutreffend wäre, als auch die
         Stellung dieses Absatzes in dem Artikel, der die Prüfung der Beweise betrifft, verdeutlichen, dass das Komma hinter dem Wort
         „examen“ unzutreffend ist. Zudem beziehen sich die anderen Sprachfassungen des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94
         dementsprechend auf die „Prüfung der Beweise für handelsschädigende Auswirkungen“.
      
      79     Die französische Fassung des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 muss daher lauten: „La Commission tient compte
         aussi, dans son examen des éléments de preuve concernant les effets commerciaux défavorables, des dispositions, principes
         ou pratiques qui régissent le droit d’engager une action au titre des règles de commerce internationales applicables évoquées
         à l’article 2, paragraphe 1.“
      
      80     Indem die Kläger vortragen, die Kommission müsse aufgrund dieser Bestimmung im angefochtenen Beschluss eine Analyse der Vereinbarkeit
         des geltend gemachten Handelshemmnisses mit den Vorschriften der WTO‑Übereinkünfte durchführen, nehmen sie indessen eine fehlerhafte
         Auslegung des Artikels 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94 vor.
      
      81     Die Kommission war nämlich im Licht des oben in Randnummer 48 eingangs Erwähnten und in Anbetracht ihrer berechtigten Feststellung,
         dass die in ihrem Untersuchungsbericht analysierten quantitativen Beweise nicht das Vorliegen handelsschädigender Auswirkungen
         im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 erkennen ließen, nicht gehalten, die Bestimmungen, Grundsätze oder Praktiken zu berücksichtigen,
         die für das Recht auf ein Vorgehen nach den internationalen Handelsregeln gelten.
      
      82     Zu dem angeblichen Begründungsmangel des angefochtenen Beschlusses ist zu bemerken, dass die Kommission, da sie zutreffend
         festgestellt hatte, dass keine handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 vorlagen, weder die in
         Artikel 10 Absatz 5 dieser Verordnung genannten zusätzlichen Faktoren prüfen noch den angefochtenen Beschluss in dieser Hinsicht
         begründen musste.
      
      83     Der dritte Klagegrund wird daher zurückgewiesen.
       Zum vierten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
       Vorbringen der Parteien
      84     Die Kläger führen aus, im angefochtenen Beschluss seien die in Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 genannten „Interessen
         der Gemeinschaft“ mit dem Interesse der Antragstellerin verwechselt worden. Hierdurch werde nicht nur gegen diese Bestimmung
         verstoßen, sondern auch verkannt, dass außerdem andere Parteien im Untersuchungsverfahren interveniert hätten und die Kommission
         bereits bei der Bekanntgabe der Einleitung dieses Verfahrens am 1. August 2001 angegeben habe, es liege im Interesse der Gemeinschaft,
         „gegen die Praktiken der USA vorzugehen, da diese eine systematische Bedrohung der Rolle der Gemeinschaft in der WTO darstellen
         und die Kohärenz und Solidarität der [Gemeinschaft] erheblich beeinträchtigen können, denn jegliche Ausnahme eines Mitgliedstaats
         von einer Aussetzung von Handelszugeständnissen bringt unweigerlich eine erhöhte Belastung für die übrigen Mitgliedstaaten
         mit sich“. 
      
      85     Zudem stünden die Ausführungen der Kommission im Stadium des Verfahrens vor dem Gericht, wonach eine Untersuchung des Interesses
         der Gemeinschaft eine Untersuchung des Interesses der Antragstellerin voraussetze, im Widerspruch zu dem angefochtenen Beschluss,
         da sich die Kommission für die Einstellung des Untersuchungsverfahrens auf das fehlende Interesse der Gemeinschaft und nicht
         auf das fehlende Interesse der Antragstellerin gestützt habe. Jedenfalls werde das Vorbringen der Kläger, dass der angefochtene
         Beschluss gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 verstoße, dadurch bekräftigt, dass die Kommission den Unterschied
         zwischen dem Interesse der Antragstellerin und dem der Gemeinschaft im Stadium des schriftlichen Verfahrens anerkannt habe.
      
      86     Die Kommission trägt vor, dass die Verordnung Nr. 3286/94 den Begriff „Interessen der Gemeinschaft“ nicht definiere und sie
         in dieser Hinsicht über ein sehr weites Ermessen verfüge. Gleichwohl spiele dieser Begriff nach der allgemeinen Logik der
         Verordnung Nr. 3286/94 eine ganz bestimmte Rolle, die darin bestehe, ein prinzipielles oder abstraktes Vorgehen zu vermeiden.
         Ein Antragsteller könne sich demnach nicht auf die Verordnung Nr. 3286/94 berufen, um die Gemeinschaft zu einem prinzipiellen
         Vorgehen zur Verteidigung des Allgemeininteresses der Gemeinschaft zu veranlassen, wenn er nicht selbst handelsschädigende
         Auswirkungen erlitten habe. Da die Antragstellerin indessen keine derartigen Auswirkungen zu beklagen habe, die über das hinausgingen,
         was die Retorsionsmaßnahmen (rechtmäßig) hätten bewirken können, sei die Voraussetzung für die Prüfung des Gemeinschaftsinteresses
         für ein Vorgehen nicht gegeben gewesen. Überdies zeigten die Ergebnisse des Untersuchungsberichts in klarer Weise, dass die
         Kläger keineswegs ein Interesse daran gehabt hätten, dass die amerikanischen Maßnahmen einheitlich auf alle Mitgliedstaaten
         der Gemeinschaft angewandt würden.
      
      87     In ihrer Gegenerwiderung erklärt die Kommission außerdem, sie habe – wie aus dem Untersuchungsbericht hervorgehe – dessen
         Ergebnisse im angefochtenen Beschluss vollständig beachtet worden seien – alle in Betracht kommenden Interessen berücksichtigt,
         was auch für die Interessen der Unternehmen gelte, die im Untersuchungsverfahren interveniert hätten. Die selektive Anwendung
         der amerikanischen Maßnahmen berühre jedenfalls in erster Linie Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl), da das Vereinigte
         Königreich nur dieses Erzeugnis und nicht Roquefort, Stopfleber und Schalotten ausführe.
      
      88     Die Kommission vertritt schließlich die Auffassung, sie sei ordnungsgemäß zu dem Schluss gelangt, dass es in Anbetracht der
         Ergebnisse des Untersuchungsberichts nicht im Interesse der Gemeinschaft liege, das Verfahren fortzuführen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      –       Vorbemerkungen
      89     Die Verordnung Nr. 3286/94 enthält keine Definition des Begriffes „Interessen der Gemeinschaft“ und präzisiert auch nicht
         die Regeln, die für die Prüfung dieses Interesses gelten. Gleichwohl beziehen sich mehrere Bestimmungen der Verordnung Nr. 3286/94
         auf diesen Begriff.
      
      90     So leitet die Kommission nach Artikel 8 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 ein Untersuchungsverfahren ein, wenn „nach Konsultationen
         für [sie] ersichtlich [wird], dass genügend Beweise vorliegen, um die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens zu rechtfertigen,
         und dass dies im Interesse der Gemeinschaft notwendig wäre“.
      
      91     Ferner heißt es in Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung: „Stellt sich in dem Untersuchungsverfahren heraus, dass die Interessen
         der Gemeinschaft keine Maßnahme erfordern, so wird nach Artikel 14 die Einstellung des Verfahrens beschlossen.“
      
      92     Darüber hinaus bestimmt Artikel 12 der Verordnung: „Stellt sich in dem Untersuchungsverfahren – es sei denn, die tatsächliche
         und rechtliche Lage macht ein echtes Untersuchungsverfahren überflüssig – heraus, dass die Interessen der Gemeinschaft ein
         Eingreifen erfordern, um die Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln mit dem Ziel zu gewährleisten,
         … die handelsschädigenden Auswirkungen von Handelshemmnissen, die von Drittländern eingeführt oder beibehalten werden, zu
         beseitigen, so werden die geeigneten Maßnahmen … beschlossen.“
      
      93     Diese Bestimmungen sind im Licht der fünfzehnten Begründungserwägung der Verordnung Nr. 3286/94 zu betrachten, in der es heißt:
         „Der Kommission … obliegt es, nur dann gegen die von Drittländern eingeführten oder beibehaltenen Handelshemmnisse im Rahmen
         der internationalen Rechte und Pflichten der Gemeinschaft vorzugehen, wenn die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen
         erfordern. Die Kommission … [soll] bei der Abwägung dieser Interessen die Standpunkte aller von dem Verfahren betroffenen
         Parteien gebührend berücksichtigen.“
      
      94     Die Antwort auf die Frage, ob die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen der Gemeinschaft erfordern, setzt die Beurteilung
         komplexer wirtschaftlicher Sachverhalte voraus. Die gerichtliche Kontrolle einer solchen Beurteilung ist dabei auf die Prüfung
         der Frage zu beschränken, ob die Verfahrensvorschriften eingehalten worden sind, ob der der beanstandeten Entscheidung zugrunde
         gelegte Sachverhalt zutreffend ist und ob keine offensichtlich fehlerhafte Beurteilung dieses Sachverhalts und kein Ermessensmissbrauch
         vorliegen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 10. März 1992 in der Rechtssache C-179/87, Sharp Cooperation/Rat,
         Slg. 1992, I‑1635, Randnr. 48, und Urteil des Gerichts vom 15. Oktober 1998 in der Rechtssache T-2/95, Industrie des poudres
         sphériques/Rat, Slg. 1998, II‑3939, Randnr. 292). Ist der Gemeinschaftsrichter mit einer Nichtigkeitsklage gegen einen Beschluss
         der Kommission befasst, mit dem ein Untersuchungsverfahren über Handelshemmnisse wegen fehlenden Gemeinschaftsinteresses nach
         der Verordnung Nr. 3286/94 eingestellt wird, so umfasst die gerichtliche Kontrolle auch die Prüfung der Frage, ob kein Rechtsfehler
         vorliegt (vgl. entsprechend Urteil des Gerichts vom 8. Juli 2003 in der Rechtssache T‑132/01, Euroalliages u. a./Kommission,
         Slg. 2003, II‑0000, Randnr. 49). Eine derartige Begrenzung der gerichtlichen Kontrolle, wie sie bei der Prüfung von Antidumpingmaßnahmen
         gegeben ist, gilt erst recht in einem Verfahren mit viel allgemeinerer Tragweite, das gegebenenfalls zu einer internationalen
         Beschwerde führen kann. 
      
      95     Im Licht dieser Erwägungen ist zu prüfen, ob, wie die Kläger vortragen, das Interesse der Gemeinschaft an einem Vorgehen gegen
         das im Antrag geltend gemachte Handelshemmnis bereits im Stadium der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens
         endgültig geprüft und festgestellt worden ist und ob die Kommission das Interesse der Gemeinschaft dem individuellen Interesse
         der Antragstellerin gleichgestellt oder auf dieses Interesse reduziert hat, ohne das Interesse der anderen interessierten
         Parteien zu berücksichtigen.
      
      –       Zur Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft im Stadium der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens
      96     Die Kommission hat in Nummer 6 der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens ausgeführt:
      „Es ist im Interesse der Gemeinschaft, gegen die Praktiken der USA vorzugehen, da diese eine systematische Bedrohung der Rolle
         der Gemeinschaft in der WTO darstellen und die Kohäsion und Solidarität der [Gemeinschaft] erheblich beeinträchtigen können,
         denn jegliche Ausnahme eines Mitgliedstaats von einer Aussetzung von Handelszugeständnissen bringt unweigerlich eine erhöhte
         Belastung für die übrigen Mitgliedstaaten mit sich. Daher wird die Auffassung vertreten, dass die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens
         im Interesse der Gemeinschaft liegt.“
      
      97     Allgemein ist anzunehmen, dass die Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft im Stadium der Einleitung eines Untersuchungsverfahrens
         naturgemäß vorbereitender Art ist. Sie kann daher nicht mit der Beurteilung gleichgesetzt werden, die später, d. h. nach Abschluss
         des Untersuchungsverfahrens, zu erfolgen hat, wenn zu entscheiden ist, ob ein Vorgehen im Interesse der Gemeinschaft erforderlich
         ist.
      
      98     Andernfalls wäre die Kommission, wenn sie die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens beschließt, im Stadium der Entscheidung
         über ein etwaiges Vorgehen der Gemeinschaft automatisch gehalten, dieses Vorgehen als erforderlich zu betrachten, sofern die
         sonstigen rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung der Verordnung Nr. 3286/94 – nämlich das Vorliegen eines Handelshemmnisses
         und darauf zurückführender handelsschädigender Auswirkungen – gegeben sind, sodass die Kommission ihren Ermessensspielraum
         einbüßen würde.
      
      99     Die allgemeine Formulierung der Nummer 6 der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens konnte im vorliegenden
         Fall nicht dahin ausgelegt werden, dass die Kommission sich des Rechts begeben hat, nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens
         festzustellen, ob das Interesse der Gemeinschaft in der fraglichen Angelegenheit ein Vorgehen erfordere. Insoweit genügt der
         Hinweis, dass sich Nummer 6 der Einleitungsbekanntmachung auf die Schlussfolgerung beschränkt, „die Einleitung eines Untersuchungsverfahrens“
         liege im Interesse der Gemeinschaft.
      
      100   Das erste Argument der Kläger ist demnach zurückzuweisen.
      –       Zum Argument, das Interesse der Gemeinschaft sei mit dem individuellen Interesse der Antragstellerin gleichgesetzt oder auf
         dieses Interesse reduziert worden, ohne das Interesse der anderen interessierten Parteien zu berücksichtigen 
      
      101   Dieses Argument beruht letztlich auf zwei Rügen, nämlich darauf, dass das Interesse der anderen interessierten Parteien als
         der Antragstellerin nicht berücksichtigt worden sei und dass die Kommission das Interesse der Gemeinschaft mit dem der Antragstellerin
         gleichgesetzt oder auf dieses reduziert habe.
      
      102   Zur ersten Rüge ist zu bemerken, dass der angefochtene Beschluss nicht auf die genannten Parteien Bezug nimmt.
      103   Daraus ergibt sich jedoch kein Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94.
      104   Wie aus vorstehender Randnummer 91 in Verbindung mit Randnummer 93 hervorgeht, gewährleistet Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 3286/94 unter Berücksichtigung der fünfzehnten Begründungserwägung der Verordnung, dass bei der Beurteilung der Interessen
         der Gemeinschaft im Untersuchungsverfahren die Standpunkte aller von dem Verfahren betroffenen Parteien berücksichtigt werden.
         Demnach erfordert die Beurteilung der Interessen der Gemeinschaft insbesondere im Untersuchungsverfahren eine Abwägung der
         Interessen der verschiedenen betroffenen Parteien und des Allgemeininteresses (vgl. entsprechend Urteil Euroalliages u. a./Kommission).
      
      105   Nach der Veröffentlichung der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens teilten die interessierten Parteien
         der Kommission ihren Wunsch mit, jeweils für ihre Erzeugnisse am Verfahren der Antragstellerin gegen das von dieser geltend
         gemachte Handelshemmnis teilzunehmen. Im Untersuchungsbericht wurde – ebenso wie bei der Analyse für die Ausfuhr von Senf
         (einschließlich zubereitetem Senfmehl) in die Vereinigten Staaten – für die Erzeugnisse der interessierten Parteien beurteilt,
         ob das im Antrag geltend gemachte Handelshemmnis handelsschädigende Auswirkungen hat. Nach Abschluss dieser Beurteilung wurde
         – wie bei den Schlussfolgerungen, die im Untersuchungsbericht aus der Lage der Antragstellerin gezogen wurden – im Bericht
         erklärt, dass die selektiven amerikanischen Maßnahmen nicht den Handelsfolgen zugrunde lägen, unter denen die interessierten
         Parteien litten, für die zudem Ausfuhrerzeugnisse aus dem Vereinigten Königreich auf dem amerikanischen Markt keine Konkurrenz
         darstellten. Bei der Analyse der Interessen der Gemeinschaft schließlich wird im Bericht unter Nummer 4 insbesondere ausgeführt,
         dass, „wie bereits erwähnt, die wirtschaftlichen Probleme der Antragsteller nicht durch ein WTO‑Verfahren beseitigt oder gemindert
         werden könnten“. Obgleich diese Stelle in Nummer 4 des Untersuchungsberichts versehentlich alle Parteien als Antragsteller
         bezeichnet, lässt sie erkennen, dass den Interessen der am Verfahren interessierten Parteien bei der Beurteilung der Interessen
         der Gemeinschaft im Rahmen des Untersuchungsberichts Rechnung getragen wurde.
      
      106   Überdies haben die Kläger im Laufe des schriftlichen Verfahrens nicht geltend gemacht, dass die interessierten Parteien andere
         Interessen hätten als die Antragstellerin, die die Kommission im Untersuchungsverfahren nicht berücksichtigt habe.
      
      107   In der mündlichen Verhandlung vom Gericht dazu befragt, haben die Kläger erklärt, die interessierten Parteien hätten kein
         Interesse an einem Antrag dahin gehend, dass die amerikanischen Retorsionsmaßnahmen auf das Vereinigte Königreich ausgedehnt
         würden, da Roquefort, Stopfleber und Schalotten zweifellos nicht im Vereinigten Königreich erzeugt würden; sie seien hingegen
         daran interessiert, dass die Gemeinschaft die selektive Anwendung der amerikanischen Maßnahmen bei der WTO bemängele, sodass
         die Erzeugnisse der Kläger im Fall einer Verurteilung der Vereinigten Staaten von der vom Streitbeilegungsgremium genehmigten
         Liste abgesetzt würden. Selbst wenn sich ein derartiges Interesse von dem der Antragstellerin unterscheiden würde, ist festzustellen,
         dass die Kommission diese Argumentation bei ihrer Untersuchung durch den Hinweis auf den hypothetischen Charakter der von
         den Klägern aufgezeigten Möglichkeit berücksichtigt hat, der insbesondere auf der ausschließlichen Zuständigkeit der amerikanischen
         Behörden für die Aufstellung der Liste der Waren beruht, für die die zolltariflichen Zugeständnisse ausgesetzt werden sollen.
         Die Kommission hat dieses Interesse somit sehr wohl berücksichtigt.
      
      108   Daher kann der Umstand, dass der angefochtene Beschluss außer der Antragstellerin nicht die interessierten Parteien nennt,
         die Kläger in der vorliegenden Rechtssache sind, nicht als solcher als Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
         unter Berücksichtigung der fünfzehnten Begründungserwägung dieser Verordnung angesehen werden.
      
      109   Somit ist die Rüge, das Interesse der interessierten Parteien außer der Antragstellerin sei nicht berücksichtigt worden, zurückzuweisen.
      110   Was die Rüge bezüglich der behaupteten Gleichsetzung der Interessen der Gemeinschaft mit denen der Antragstellerin anbelangt,
         so ist zunächst auf die sechste und die siebte Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses hinzuweisen.
      
      111   In der sechsten Begründungserwägung stellt die Kommission zunächst fest, dass „das Untersuchungsverfahren keinerlei Beweise
         dafür [ergab], dass die Aussetzung der [zolltariflichen] Zugeständnisse auch für das Vereinigte Königreich für den Antragsteller
         zu besseren Ausfuhrmöglichkeiten für Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) in die USA führen würde“. Sie führt sodann
         aus, dass „daher dem vom Antragsteller geltend gemachten Handelshemmnis keine … handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne
         der Verordnung zugeschrieben werden [können]“, und gelangt zu folgendem Schluss: „Daher hat sich in dem Untersuchungsverfahren
         im Sinne des Artikels 11 [der Verordnung Nr. 3286/94] herausgestellt, dass die Interessen der Gemeinschaft keine Maßnahme
         gegen das angebliche Handelshemmnis … Verordnung erfordern.“
      
      112   In der siebten Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass das „Untersuchungsverfahren
         keine hinreichenden Beweise dafür [ergab], dass die Interessen der Gemeinschaft eine Maßnahme … gemäß der Verordnung erfordern“,
         und dass das „Untersuchungsverfahren daher eingestellt werden [sollte]“.
      
      113   Die Verwendung des Wortes „daher“ im letzten Satz der sechsten Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses zeigt, dass
         sich das fehlende Erfordernis einer Maßnahme im Interesse der Gemeinschaft nach Ansicht der Kommission zumindest mittelbar
         aus der Feststellung ergab, dass kein Interesse der Antragstellerin daran zu erkennen war, die Aussetzung der zolltariflichen
         Zugeständnisse auf das Vereinigte Königreich auszudehnen, da sie nicht unter handelsschädigenden Auswirkungen litt, die auf
         die selektive Anwendung der amerikanischen Maßnahmen zurückzuführen waren.
      
      114   Die Kommission hat im Übrigen in ihren Schriftsätzen bekräftigt, dass ein Interesse der Gemeinschaft seinerseits voraussetze,
         dass zuvor ein Interesse der Antragstellerin dargetan werde. Ihres Erachtens kann sich ein Antragsteller nämlich nicht auf
         die Verordnung Nr. 3286/94 berufen, um die Gemeinschaft zu einem prinzipiellen Vorgehen zur Verteidigung des Allgemeininteresses
         der Gemeinschaft zu veranlassen, ohne selbst handelsschädigende Auswirkungen erlitten zu haben.
      
      115   Die von der Kommission im Stadium des schriftlichen Verfahrens vor dem Gericht entwickelte Argumentation widerspricht somit
         entgegen dem Vorbringen der Kläger nicht den Gründen des angefochtenen Beschlusses.
      
      116   Ferner ist auf die einschlägigen Passagen des Untersuchungsberichts hinzuweisen. In Nummer 4 dieses Berichts (mit dem Titel
         „Interesse der Gemeinschaft“) führt die Kommission aus: „Die Ergebnisse der Untersuchung haben gezeigt, dass keine handelsschädigenden
         Auswirkungen für die Antragstellerin vorliegen, die auf das angebliche Handelshemmnis zurückzuführen sind. Hierdurch entfällt
         bereits eine grundlegende Voraussetzung für die Fortführung dieser Aktion nach der Verordnung. Die Kommission hat indessen
         geprüft, ob es andere Vorgehensmöglichkeiten gibt, mit denen die Gemeinschaft den in diesem Bericht festgestellten potenziellen
         Verstößen und Handelsfolgen begegnen könnte.“
      
      117   Sie bemerkt sodann:
      „Die Einleitung eines WTO‑Verfahrens könnte die wirtschaftlichen Probleme der Antragsteller nicht beseitigen oder mindern.
         Andererseits kann die rechtliche und politische Bedeutung der amerikanischen Praxis kaum unterschätzt werden. Die Vereinigten
         Staaten haben nämlich die Praxis der ‚selektiven Sanktion‘ anscheinend als ‚Handelswaffe‘ eingesetzt, um den Zusammenhalt
         der Gemeinschaft zu unterminieren und dadurch deren Beziehungen zu ihrem wichtigsten Handelspartner zu beeinflussen. Letztlich
         ist die Kommission der Auffassung, dass die breiter angelegten und langfristigen Interessen der Gemeinschaft ein Vorgehen
         erfordern, mit dem vermieden werden soll, dass sich die amerikanische Praxis der Aussetzung von Zugeständnissen gegenüber
         bestimmten Mitgliedstaaten und nicht gegenüber anderen (‚selektive Sanktionen‘) künftig wiederholt. Unter diesem Gesichtspunkt
         wird die Kommission ihre Erörterungen im Hinblick auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung des so genannten Hormonfalls
         fortsetzen und die in diesem Bericht aufgeworfenen Systemfragen mit den amerikanischen Behörden erörtern.“
      
      118   In Nummer 6 des Untersuchungsberichts mit dem Titel „Geplantes Vorgehen“ nennt die Kommission zunächst die drei Voraussetzungen
         für eine Maßnahme der Gemeinschaft (es handelt sich dabei 1. um das Vorliegen eines Rechts der Gemeinschaft aufgrund der internationalen
         Handelsregeln, 2. um das Vorliegen handelsschädigender Auswirkungen, die durch das behauptete Handelshemmnis herbeigeführt
         wurden, und 3. um die Notwendigkeit der Maßnahme im Interesse der Gemeinschaft). Anschließend erklärt sie, dass „aufgrund
         der vorstehenden Untersuchungen und Ergebnisse, insbesondere in Bezug auf fehlende handelsschädigende Auswirkungen, empfohlen
         wird, das Untersuchungsverfahren in dieser Angelegenheit einzustellen“, und dass „den Problemen der Antragstellerin am besten
         dadurch begegnet werden könnte, dass die Erörterungen mit den amerikanischen Behörden fortgesetzt werden, um zu einer für
         beide Seiten zufriedenstellenden Lösung des so genannten Hormonfalls zu gelangen“. 
      
      119   Das Gericht stellt fest, dass das Untersuchungsverfahren nicht ein allgemeines langfristiges Interesse der Gemeinschaft an
         einem künftigen Vorgehen gegen die im Untersuchungsbericht analysierten potenziellen Verstöße ausgeschlossen hat. Da ein WTO‑Verfahren
         die wirtschaftlichen Probleme der Antragsteller nicht beseitigen oder mindern konnte, wurde aber empfohlen, das Untersuchungsverfahren
         insbesondere wegen fehlender handelsschädigender Auswirkungen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 einzustellen.  
      
      120   Die Kommission verstößt nicht gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94, wenn sie verlangt, dass eine Maßnahme
         der Gemeinschaft an die Tatsachen und Rechtsgründe gebunden ist, die dem Untersuchungsverfahren zugrunde liegen, und beschließt,
         das Untersuchungsverfahren einzustellen, obwohl ein allgemeines langfristiges Interesse an einem künftigen Vorgehen gegen
         die potenziellen Verstöße besteht, die sich aus der Praxis im Untersuchungsbericht festgestellter „selektiver Sanktionen“
         der Vereinigten Staaten ergeben können. 
      
      121   Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 ist nämlich unter Berücksichtigung der sechsten Begründungserwägung der Verordnung
         zu betrachten, wonach der Rechtsmechanismus der Verordnung Nr. 3286/94 „gewährleisten [soll], dass der Beschluss, sich auf
         die Rechte der Gemeinschaft nach internationalen Handelsregeln zu berufen, auf der Grundlage genauer Sachinformationen und
         einer Rechtsanalyse gefasst wird“. Wenn daher nach Abschluss eines Untersuchungsverfahrens die diesem Verfahren zugrunde liegenden
         tatsächlichen und rechtlichen Umstände einen etwaigen Beschluss, sich auf die Rechte der Gemeinschaft zu berufen, nicht begründen
         können, insbesondere weil eine der für die Anwendung der Verordnung Nr. 3286/94 erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen
         fehlt, wobei es sich im vorliegenden Fall um das Fehlen handelsschädigender Auswirkungen des angeblichen Handelshemmnisses
         handelt, darf die Kommission feststellen, dass die nach der Verordnung Nr. 3286/94 erforderlichen Voraussetzungen nicht gegeben
         sind.
      
      122   Dies verdeutlicht auch Artikel 12 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94. Darin heißt es: „Stellt sich in dem Untersuchungsbericht
         … heraus, dass die Interessen der Gemeinschaft ein Eingreifen erfordern, um die Ausübung der Rechte der Gemeinschaft nach
         internationalen Handelsregeln mit dem Ziel zu gewährleisten, … die handelsschädigenden Auswirkungen von Handelshemmnissen,
         die von Drittländern eingeführt oder beibehalten werden, zu beseitigen, so werden die geeigneten Maßnahmen … beschlossen.“
         Aus diesem Wortlaut geht klar hervor, dass das Eingreifen der Gemeinschaft dazu dienen muss, die handelsschädigenden Auswirkungen
         eines Handelshemmnisses zu beseitigen, und dass ein solches Eingreifen folglich nicht stattfinden kann, wenn es dem genannten
         Zweck nicht gerecht wird. Nach Artikel 12 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 kann sich also ein Antragsteller nicht auf die
         Verordnung berufen, um die Gemeinschaft zu einem Vorgehen zur Verteidigung des Allgemeininteresses der Gemeinschaft zu veranlassen,
         wenn er nicht selbst handelsschädigende Auswirkungen erlitten hat. Auch in diesem Fall genügt indessen die Feststellung einer
         derartigen handelsschädigenden Auswirkung nicht, um die Gemeinschaft zu einem Eingreifen im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94
         zu zwingen, da die Kommission über einen weiten Ermessensspielraum verfügt, um die Handelsinteressen der Gemeinschaft im Ganzen
         zu beurteilen.
      
      123   Wenn es die Kommission im vorliegenden Fall im Untersuchungsverfahren darüber hinaus für zweckmäßig gehalten hat, zu beurteilen,
         ob unter Umständen ein allgemeineres langfristiges Interesse der Gemeinschaft bestehen kann, so bedeutet dies nicht, dass
         sie gezwungen wäre, daraus zu schließen, dass das Untersuchungsverfahren ein Eingreifen im Interesse der Gemeinschaft gebietet.
         Ein derartiger Schritt ergibt sich nämlich insbesondere aus dem Erfordernis, auf alle Argumente des Antragstellers und/oder
         der interessierten Parteien einzugehen, und beruht auf dem Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung. Dies kann der Kommission
         jedoch nicht in dem Sinne entgegengehalten werden, dass ihr ein Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
         vorzuwerfen wäre.
      
      124   Somit hat die Kommission entgegen dem Vorbringen der Kläger nicht das Interesse der Gemeinschaft auf das der Antragstellerin
         beschränkt und nicht gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 verstoßen.
      
      125   Nach alledem ist der vierte Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
       Zum fünften Klagegrund – Mangelnde Begründung des angefochtenen Beschlusses
      126   Dieser Klagegrund besteht aus zwei Teilen, nämlich einer mangelnden Begründung bezüglich der Analyse des Handelshemmnisses
         und einer mangelnden Begründung bezüglich des Interesses der Gemeinschaft an einem Eingreifen.
      
       Zum ersten Teil des fünften Klagegrundes – Mangelnde Begründung bezüglich der Analyse des Handelshemmnisses
      –       Vorbringen der Parteien 
      127   Nach Ansicht der Kläger ist die Kommission ihrer Begründungspflicht nach Artikel 253 EG nicht nachgekommen, da sie im angefochtenen
         Beschluss keine rechtliche Analyse des im Antrag geltend gemachten Handelshemmnisses vorgenommen habe.
      
      128   Die Kommission weist auf die in der Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze für die Begründung der Rechtsakte der Gemeinschaftsorgane
         hin. Ihres Erachtens entspricht die Begründung des angefochtenen Beschlusses der Gesamtheit dieser Anforderungen der Rechtsprechung.
         Indem der angefochtene Beschluss nämlich das Wesentliche der Schlussfolgerungen des Untersuchungsberichts wiedergebe, auf
         den die sechste Begründungserwägung des Beschlusses ausdrücklich hinweise, sei die Kommission ihrer Begründungspflicht in
         vollem Umfang nachgekommen, zumal der Untersuchungsbericht nach Abschluss eines kontradiktorischen Verfahrens erstellt worden
         sei, in dessen Verlauf die Kläger ihren Standpunkt hätten darlegen können. Die Kläger hätten daher die Gründe für die erlassene
         Maßnahme kennen können, und der Gemeinschaftsrichter sei in der Lage, die Kontrolle auszuüben.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      129   Nach ständiger Rechtsprechung muss die in Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans,
         das den beanstandeten Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe
         für die erlassene Maßnahme entnehmen können und somit in der Lage sind, ihre Rechte wahrzunehmen, und der Gemeinschaftsrichter
         seine Kontrolle ausüben kann (Urteile des Gerichtshofes vom 26. Juni 1986 in der Rechtssache 203/85, Nicolet Instrument, Slg.
         1986, 2049, Randnr. 10, vom 7. Mai 1987 in der Rechtssache 240/84, NTN Toyo Bearing u. a./Rat, Slg. 1987, 1809, Randnr. 31,
         und in der Rechtssache 255/84, Nachi Fujikoshi/Rat, Slg. 1987, 1861, Randnr. 39, sowie vom 9. Januar 2003 in der Rechtssache
         C-76/00 P, Petrotub und Republica/Rat, Slg. 2003, I‑79, Randnr. 81). Das Begründungserfordernis ist zudem nach den Umständen
         des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und nach dem Interesse zu beurteilen,
         das die Adressaten und andere von dem Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können.
         In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage,
         ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts zu beurteilen
         ist, sondern auch anhand seines Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden Gebiet (vgl. u. a. Urteile
         des Gerichtshofes vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719,
         Randnr. 63, und Petrotub und Republica/Rat, Randnr. 81). Lässt sich also dem angegriffenen Rechtsakt der vom Gemeinschaftsorgan
         verfolgte Zweck in seinen wesentlichen Zügen entnehmen, so wäre es unnötig, eine besondere Begründung für jede der fachlichen
         Entscheidungen zu verlangen, die das Organ getroffen hat (Urteil des Gerichtshofes vom 29. Februar 1996 in der Rechtssache
         C‑122/94, Kommission/Rat, Slg. 1996, I‑881, Randnr. 29).
      
      130   Im vorliegenden Fall hat die Kommission im angefochtenen Beschluss zum einen das in dem Antrag geltend gemachte Handelshemmnis
         identifiziert, bei dem es sich „um die infolge des Hormonfalls getroffene US‑amerikanische Entscheidung [handelte], die Handelszugeständnisse
         für Senf (einschließlich zubereitetem Senfmehl) nur für Ausfuhren mit Ursprung in bestimmten Mitgliedstaaten der Gemeinschaft
         (das Vereinigte Königreich ist ausgenommen) auszusetzen“ (dritte Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses). Zum anderen
         wird in der sechsten Begründungserwägung des angefochtenen Beschlusses festgestellt, dass das „Untersuchungsverfahren zu dem
         Schluss [führte], dass die angeblichen handelsschädigenden Auswirkungen nicht auf das in dem Antrag geltend gemachte Handelshemmnis,
         d. h. die US‑amerikanische Praxis der selektiven Aussetzung von Handelszugeständnissen gegenüber einigen und nicht allen Mitgliedstaaten
         (‚selektive Sanktionierung’), zurückzuführen sein dürften“.
      
      131   In Anbetracht des Kontextes der vorliegenden Rechtssache werden diese Angaben den Erfordernissen des Artikels 253 EG gerecht.
      132   Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 bestimmt: „Stellt sich in dem Untersuchungsverfahren
         heraus, dass die Interessen der Gemeinschaft keine Maßnahme erfordern, so wird … die Einstellung des Verfahrens beschlossen.“
         Daraus geht hervor, dass sich die Begründung bei einem Beschluss zur Einstellung eines Untersuchungsverfahrens auf eine Bezugnahme
         auf die wichtigsten Schlussfolgerungen des Untersuchungsberichts beschränken kann, indem auf diesen Bericht verwiesen wird,
         wobei es in Anbetracht des Kontextes des Beschlusses nicht erforderlich ist, dass er alle in diesem Bericht dargelegten tatsächlichen
         und rechtlichen Gesichtspunkte wiedergibt.
      
      133   Ferner ist zu bedenken, dass der Untersuchungsbericht in seiner nichtvertraulichen Fassung ein öffentliches Dokument ist und
         dass er den Klägern vor Erlass des angefochtenen Beschlusses zugeleitet wurde. Die Kläger konnten daher die Gründe für die
         erlassene Maßnahme hinreichend erkennen, insbesondere auch die Gründe, aus denen – trotz des im Untersuchungsbericht enthaltenen
         Hinweises auf bestimmte Anhaltspunkte für die Unvereinbarkeit des von der Antragstellerin geltend gemachten Handelshemmnisses
         im Hinblick auf die Regeln der WTO‑Übereinkünfte – eine rechtliche Analyse des Handelshemmnisses im angefochtenen Beschluss
         nicht erforderlich war, da ein ursächlicher Zusammenhang zwischen diesem Hemmnis und den handelsschädigenden Auswirkungen
         im Sinne der Verordnung Nr. 3286/94 fehlte.
      
      134   Schließlich hat die Prüfung des ersten und des zweiten Klagegrundes in den vorstehenden Randnummern 48 bis 58 und 64 bis 74
         gezeigt, dass die Ausübung der gerichtlichen Kontrolle nicht behindert worden ist.
      
      135   Der erste Teil des fünften Klagegrundes ist somit zurückzuweisen.
       Zum zweiten Teil des fünften Klagegrundes – Mangelnde Begründung bezüglich des Interesses der Gemeinschaft an einem Eingreifen
      –       Vorbringen der Parteien 
      136   Da sich die Kommission, so tragen die Kläger in erster Linie vor, bei ihrem Standpunkt hinsichtlich des Interesses der Gemeinschaft
         ausschließlich auf die Interessen der Antragstellerin gestützt habe, ermögliche es der angefochtene Beschluss weder den interessierten
         Parteien, die im Laufe des Untersuchungsverfahrens interveniert hätten und selbst Kläger in der vorliegenden Rechtssache seien,
         die Gründe für den Erlass des angefochtenen Beschlusses zu erkennen, noch dem Gericht, seine Kontrolle auszuüben.
      
      137   In zweiter Linie sind die Kläger der Auffassung, dass die Kommission nicht auf alle im Antrag vorgebrachten Argumente hinsichtlich
         des Interesses der Gemeinschaft an einem Eingreifen eingegangen sei. Erstens schweige der angefochtene Beschluss zu dem im
         Untersuchungsbericht erwähnten Interesse der Gemeinschaft daran, zu verhindern, dass die Vereinigten Staaten die einheitliche
         gemeinsame Handelspolitik beeinträchtigten, indem sie „selektive“ Sanktionen nur gegenüber einer bestimmten Anzahl von Mitgliedstaaten
         vornähmen. Zweitens sei im Antrag dargelegt worden, dass nicht auszuschließen sei, dass die Vereinigten Staaten aufgrund eines
         Vorgehens der Gemeinschaft ihre Retorsionsmaßnahmen auf alle Mitgliedstaaten der Gemeinschaft erstreckten und somit Senf (einschließlich
         zubereitetes Senfmehl) von der Liste der von diesen Maßnahmen betroffenen Waren absetzten. Da die Aussetzung der zolltariflichen
         Zugeständnisse nämlich nicht über einen Betrag von jährlich 116,8 Millionen USD hinausgehen dürfe, wären die Vereinigten Staaten
         gezwungen, bestimmte Waren, darunter gegebenenfalls Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl), von der Liste zu streichen.
         Dieser Punkt sei zwar im Untersuchungsbericht aufgegriffen worden, der angefochtene Beschluss schweige jedoch hierzu, sodass
         sich daraus ein Begründungsmangel ergebe. Drittens sei die Kommission im angefochtenen Beschluss nicht auf das im Antrag vorgetragene
         Argument eingegangen, dass die Gemeinschaft im vorliegenden Fall an der Einleitung eines Verfahrens ein ebenso großes Interesse
         habe wie an der Aufnahme von Konsultationen mit den Vereinigten Staaten nach Maßgabe des Artikels 306 des amerikanischen Außenhandelsgesetzes
         von 1974. Viertens schließlich sei die Kommission im angefochtenen Beschluss nicht auf das indessen im Untersuchungsbericht
         aufgegriffene Argument eingegangen, wonach eine Verurteilung der Vereinigten Staaten in der WTO es den Klägern ermöglichen
         würde, die Rückzahlung der zu Unrecht erhobenen Zölle zu verlangen.
      
      138   Die Kommission verweist hinsichtlich aller vorgenannten Rügen auf ihre im Rahmen des ersten Teils dieses Klagegrundes entwickelten
         Argumente.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      139   Wie oben in Randnummer 129 dargelegt, brauchen in der Begründung eines Beschlusses nicht alle tatsächlich oder rechtlich relevanten
         Gesichtspunkte genannt zu werden, sofern die Betroffenen insbesondere unter Berücksichtigung des rechtlichen und tatsächlichen
         Kontextes des Beschlusses ihm die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und somit in der Lage sind, ihre Rechte
         wahrzunehmen, und der Gemeinschaftsrichter seine Kontrolle ausüben kann.
      
      140   Das erste Argument der Kläger, wonach der angefochtene Beschluss es den interessierten Parteien, die im Laufe des Untersuchungsverfahrens
         interveniert haben, nicht ermöglicht, die Gründe für die Einstellung des Verfahrens zu erkennen, ist zurückzuweisen.
      
      141   Die Kommission hat im angefochtenen Beschluss zwar nur auf Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl) Bezug genommen.
      142   Dies hat im Kontext dieses Beschlusses jedoch keinen der Kläger daran gehindert, die Gründe zu erkennen, aus denen die Kommission
         die Einstellung des Untersuchungsverfahrens beschlossen hatte, an dem die interessierten Parteien beteiligt waren. Aus dem
         Untersuchungsbericht, der den Klägern vor dem Erlass des angefochtenen Beschlusses zugeleitet wurde, geht nämlich klar hervor,
         dass die Ergebnisse dieses Berichts zumindest ebenso für die Erzeugnisse der interessierten Parteien galten wie für die der
         Antragstellerin. Zudem hat die Untersuchung deutlich gemacht, dass die Erzeugnisse der interessierten Parteien auf dem US‑amerikanischen
         Markt nicht im Wettbewerb mit gleichen Erzeugnissen aus dem Vereinigten Königreich gestanden haben, da sie von dort nicht
         ausgeführt wurden, und daher das bezeichnete Handelshemmnis für sie keine handelsschädigenden Auswirkungen im Sinne der Verordnung
         Nr. 3286/94 hatte.
      
      143   Die Kommission hätte zwar unter Beachtung des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung die Stellung der Berufsverbände,
         die, abgesehen von der Antragstellerin, im Laufe des Verfahrens interveniert haben, klarer umreißen müssen, die fehlende Bezugnahme
         auf die Erzeugnisse dieser Verbände in der Begründung des angefochtenen Beschlusses hindert das Gericht indessen in Anbetracht
         des Kontextes dieses Beschlusses nicht an der Ausübung seiner Kontrolle.
      
      144   Zum zweiten Argument und den letzten drei Rügen, die oben in Randnummer 137 wiedergegeben sind, ist festzustellen, dass, wie
         die Kläger einräumen, im Untersuchungsbericht alle von ihnen erhobenen Rügen untersucht und zurückgewiesen wurden. Unter dem
         Blickwinkel der Begründung musste die Kommission jedoch in den Gründen des angefochtenen Beschlusses nicht zu allen von den
         Klägern vorgetragenen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkten und auch nicht zu jeder von ihr getroffenen fachlichen
         Entscheidung Stellung nehmen, sofern sich dem angefochtenen Beschluss der vom Gemeinschaftsorgan verfolgte Zweck in seinen
         wesentlichen Zügen klar entnehmen ließ. Das Schweigen des angefochtenen Beschlusses zu den letzten drei Rügen der Kläger konnte
         somit im Kontext des vorliegenden Falles als Bestätigung des Standpunkts angesehen werden, der im Untersuchungsbericht, der
         den Klägern vor Erlass des angefochtenen Beschlusses zugeleitet worden war und auf den dieser ausdrücklich verweist, geäußert
         wurde. Außerdem behindert die fehlende Bezugnahme in der Begründung des angefochtenen Beschlusses auf die hypothetischen Erwägungen
         der drei Rügen der Kläger nicht die Kontrolle der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses. Diese drei Rügen sind daher
         zurückzuweisen.
      
      145   Ebenso ist die Rüge zurückzuweisen, dass der angefochtene Beschluss keine Begründung bezüglich des systemischen Interesses
         der Gemeinschaft an der Verteidigung einer einheitlichen gemeinsamen Handelspolitik aufweise. Wie nämlich aus dem Untersuchungsbericht
         hervorgeht und bei der Prüfung des vierten Klagegrundes festgestellt worden ist, liegt die Einheitlichkeit der gemeinsamen
         Handelspolitik zwar durchaus im allgemeinen und langfristigen Interesse der Gemeinschaft; ein Vorgehen der Gemeinschaft zu
         diesem Zweck wurde im vorliegenden Fall jedoch nicht für erforderlich gehalten, insbesondere weil eine der rechtlichen Voraussetzungen
         für die Anwendung der Verordnung Nr. 3286/94 nicht gegeben war. Die Kläger konnten somit im Kontext des vorliegenden Falles
         die Gründe erkennen, aus denen hier ein Eingreifen der Gemeinschaft nicht vorgesehen werden konnte, und die Begründung des
         angefochtenen Beschlusses, obgleich sie lakonisch ist, genügt auch dem Erfordernis, dass die gerichtliche Kontrolle möglich
         sein muss.
      
      146   Demnach ist der zweite Teil dieses Klagegrundes ebenso wie der fünfte Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
       Zum sechsten Klagegrund – Offensichtliche Fehler bei der Beurteilung des Sachverhalts und Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 4
            und Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
      147   Dieser Klagegrund besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil betrifft einen offensichtlichen Beurteilungsfehler der Kommission
         hinsichtlich einer etwaigen Absetzung der Erzeugnisse der Kläger von der Liste der Waren, auf die der US‑amerikanische Zollzuschlag
         erhoben wird. Der zweite Teil bezieht sich auf einen offensichtlichen Beurteilungsfehler hinsichtlich der Erstattung des zu
         Unrecht erhobenen Zollzuschlags.
      
       Zum ersten Teil des sechsten Klagegrundes – Offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission hinsichtlich einer etwaigen
         Absetzung der Erzeugnisse der Kläger von der Liste der Waren, auf die der US‑amerikanische Zollzuschlag erhoben wird
      
      –       Vorbringen der Parteien 
      148   Die Kläger tragen vor, wenn das Gericht ihre zweite, auf eine mangelnde Begründung gestützte Rüge im zweiten Teil des fünften
         Klagegrundes zurückweise, sei jedenfalls zu berücksichtigen, dass die Kommission in ihrem Untersuchungsbericht einen offensichtlichen
         Fehler bei der Beurteilung des Sachverhalts begangen und gegen Artikel 2 Absatz 4 sowie gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 3286/94 verstoßen habe.
      
      149   Wäre das Vereinigte Königreich in das Verzeichnis der Staaten einbezogen worden, die der Aussetzung der US‑amerikanischen
         zolltariflichen Zugeständnisse unterliegen, so hätte zweifellos die Möglichkeit bestanden, dass „kleine“ Erzeugnisse aus den
         anderen Mitgliedstaaten wie die der Kläger in Anbetracht des im Schiedsverfahren der WTO festgelegten Höchstwertes der zolltariflichen
         Aussetzung vom Anwendungsbereich der amerikanischen Maßnahmen ausgenommen worden wären. Die Richtigkeit dieser Betrachtungsweise
         habe die Kommission im Übrigen selbst in ihrer Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens anerkannt. Sie
         hätte daher eingehender die Möglichkeit erkunden müssen, dass die Erzeugnisse der Kläger von der Liste der amerikanischen
         Behörden ausgenommen würden. Die Ungewissheit des Erfolgs einer Streitbeilegung dürfe ein Eingreifen der Gemeinschaft nicht
         verhindern, wenn diese die Möglichkeit hierfür habe. Dies sei hier indessen der Fall.
      
      150   Die Kommission ist der Auffassung, sie sei auf diesen Klagegrund bereits in ihren Erklärungen zu den vorhergehenden Klagegründen
         eingegangen; sie betont indessen, sie habe im angefochtenen Beschluss keinesfalls die Grenzen ihrer Ermessensbefugnis überschritten,
         die ihr die Rechtsprechung bei der Wahl der erforderlichen Mittel für die Durchführung der gemeinsamen Handelspolitik und
         bei der Prüfung komplexer Wirtschaftssituationen zuerkannt habe.
      
      151   Sie habe weder bezüglich des Fehlens handelsschädigender Auswirkungen noch im Hinblick auf das fehlende Interesse der Gemeinschaft
         an einer Fortsetzung des Verfahrens einen offensichtlichen Fehler bei der Beurteilung der Tatsachen begangen, wie sie im Untersuchungsbericht
         beschrieben seien. Dies gelte insbesondere hinsichtlich der Spekulationen der Kläger über eine Streichung von Senf (einschließlich
         zubereitetem Senfmehl) aus der Liste der amerikanischen Maßnahmen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      152   Die Kommission ist im Untersuchungsbericht zunächst zu dem Schluss gelangt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem
         im Antrag der FICF geltend gemachten Handelshemmnis und den handelsschädigenden Auswirkungen bestehe, und hat sodann das im
         Antrag vorgetragene Argument geprüft, wonach die Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse durch die Vereinigten Staaten
         im Fall des Obsiegens der Gemeinschaft in der WTO auch das Vereinigte Königreich erfassen müsste, sodass die Vereinigten Staaten
         gezwungen wären, die Liste der betroffenen Erzeugnisse zu ändern, da andernfalls der Gesamtbetrag der Aussetzung den vom Streitbeilegungsgremium
         genehmigten Höchstbetrag (116,8 Millionen USD) überschreiten würde. Nach Ansicht der Kläger könnten also Senf (einschließlich
         zubereitetes Senfmehl) und die anderen dem Untersuchungsverfahren unterliegenden Erzeugnisse von der Warenliste abgesetzt
         werden, die die amerikanischen Behörden dem Streitbeilegungsgremium vorgelegt hätten. 
      
      153   Zu diesem Argument hat die Kommission im Untersuchungsbericht (Nr. 2.5, S. 32) wie folgt Stellung genommen:
      „Zunächst ist jedoch zu bedenken, dass das Ergebnis einer vor die WTO gebrachten Angelegenheit recht ungewiss wäre, da es
         keine entsprechenden Präzedenzfälle gibt. Zudem fällt die Zusammensetzung der Liste von Waren, auf die ein 100%iger Zollzuschlag
         erhoben wird, unter die Zuständigkeit der US‑Behörden. Es gibt keine Gewähr dafür (es ist sogar höchst unwahrscheinlich),
         dass die US‑Behörden die Erzeugnisse der Antragstellerin von der Warenliste absetzen. Überdies würde eine Ausdehnung der Maßnahme
         auf Roquefort, Stopfleber oder Schalotten aus dem Vereinigten Königreich nichts am Status quo ändern, da diese Erzeugnisse
         nicht aus dem Vereinigten Königreich ausgeführt werden.“
      
      154   Die im Untersuchungsbericht durchgeführte Analyse, mit der zu dem Argument der Antragstellerin und der interessierten Parteien
         Stellung genommen wird, weist keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler auf.
      
      155   Zunächst wären – wie im Untersuchungsbericht betont wird und die Kommission in der mündlichen Verhandlung ausgeführt hat –
         die amerikanischen Behörden für eine etwaige Änderung der Liste der von der Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse
         erfassten Erzeugnisse zuständig, falls ein Eingreifen der Gemeinschaft bei der WTO erfolgreich wäre. Insoweit ist zu bemerken,
         dass die Schiedsrichter in dem oben in Randnummer 17 erwähnten und vom Streitbeilegungsgremium bestätigten Schiedsspruch vom
         12. Juli 1999 (WT/DS26/ARB) klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie nach Maßgabe des Artikels 22 der Vereinbarung nicht
         befugt seien, die endgültige Warenliste festzulegen, für die die Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse gelten könne.
         Die Kläger haben indessen nicht behauptet und erst recht nicht dargetan, dass die Gemeinschaft eine derartige Befugnis haben
         könne.
      
      156   Sodann würde die Einbeziehung der Erzeugnisse des Vereinigten Königreichs in die Liste der Vereinigten Staaten keineswegs
         bedeuten, dass die Erzeugnisse der Kläger von dieser Liste abgesetzt würden. Es ist nämlich ebenso gut möglich und vernünftigerweise
         denkbar, dass andere Erzeugnisse oder Nebenprodukte des Zolltarifschemas unter Beachtung des vom Streitbeilegungsgremium genehmigten
         Höchstbetrags von 116,8 Millionen USD aus der Liste herausgenommen würden.
      
      157   Schließlich ist festzustellen, dass die Kläger kein Beweiselement für einen offensichtlichen Beurteilungsfehler vorgetragen
         haben, sondern nur der Kommission vorwerfen, nicht die Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, dass die Erzeugnisse der
         Kläger von der Liste abgesetzt würden. Abgesehen davon, dass dieses Vorbringen unzutreffend ist, da im Untersuchungsbericht
         zu der Rüge im Antrag der FICF Stellung genommen, dieser Punkt jedoch zurückgewiesen wird, kann die im Untersuchungsbericht
         vorgenommene Analyse in Anbetracht des hypothetischen Charakters der von den Klägern ins Auge gefassten Situation jedenfalls
         keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler der Kommission darstellen.
      
      158   Somit ist der erste Teil dieses Klagegrundes zurückzuweisen.
       Zum zweiten Teil des sechsten Klagegrundes – Offensichtlicher Beurteilungsfehler hinsichtlich der Erstattung des zu Unrecht
         erhobenen Zollzuschlags
      
      –       Vorbringen der Parteien
      159   Was die Möglichkeit einer Rückforderung der Zölle angeht, die die amerikanischen Behörden bis zu einer eventuellen Verurteilung
         der Vereinigten Staaten durch die WTO erhoben haben, so äußern die Kläger zunächst ihre Verwunderung darüber, dass die Kommission
         dadurch, dass sie dieses im Antrag vorgebrachte Argument zurückgewiesen habe, weil das amerikanische Recht den WTO‑Vereinbarungen
         keine unmittelbare Wirkung zuschreibe und auf derartige Vereinbarungen gestützte Beschwerden von Privatpersonen ausschließe,
         zur Auslegung ausländischen Rechts Stellung genommen und hierdurch ihre Kompetenzen überschritten habe. Ferner vertreten die
         Kläger die Auffassung, das amerikanische Recht hindere Privatpersonen nicht daran, Verwaltungsanträge zu stellen, um die Erstattung
         zu Unrecht erhobener Zölle zu erlangen. Sie berufen sich dabei auf den Panelbericht vom 15. Juli 2002 zu Artikel 129 C Nummer
         1 des US‑Gesetzes über die Übereinkünfte der Uruguay‑Runde (Uruguay Round Agreements Act), der bestätige, dass die amerikanischen
         Behörden die WTO‑Empfehlungen berücksichtigen könnten. Folglich sei im Gegensatz zur Schlussfolgerung der Kommission im Untersuchungsbericht
         eine Erstattung der von den amerikanischen Behörden erhobenen Zölle möglich.
      
      160   Die Kommission verweist im Wesentlichen auf ihre Ausführungen zum ersten Teil dieses Klagegrundes.
      –       Würdigung durch das Gericht
      161   Dieser Teil des Klagegrundes beruht auf der Hypothese, dass die Vereinigten Staaten infolge einer WTO‑Entscheidung zugunsten
         der Gemeinschaft die Aussetzung der zolltariflichen Zugeständnisse auf alle Mitgliedstaaten erweitern und dass dadurch die
         Absetzung der Erzeugnisse der Kläger von der amerikanischen Liste bewirkt wird, sodass die Kläger die Erstattung des Zollzuschlags
         verlangen könnten, der bis dahin an die amerikanischen Behörden entrichtet wurde.
      
      162   Da diese Hypothese von der Annahme abhängt, die bereits im ersten Teil dieses Klagegrundes zurückgewiesen wurde, entbehrt
         sie jeder Grundlage.
      
      163   Darüber hinaus ist – ohne dass die Frage geklärt zu werden braucht, wie die Kommission die amerikanische Gesetzgebung und
         Praxis ausgelegt hat – festzustellen, dass auch im Untersuchungsbericht die Auffassung der Antragstellerin und der interessierten
         Parteien mit der Begründung zurückgewiesen wird, dass die Streitbeilegung in der WTO auf dem sich aus Artikel 19 Absatz 1
         der Vereinbarung ergebenden Grundsatz beruhe, dass Maßnahmen ex nunc mit den GATT‑Regeln von 1994 in Einklang zu bringen seien.
         Da diese Beurteilung von den Klägern nicht bestritten wird, ist der Schluss zu ziehen, dass, auch wenn ein Beurteilungsfehler
         hinsichtlich der Möglichkeit einer Rückforderung zu Unrecht erhobener Zölle vorläge, dieser Fehler jedenfalls die Rechtmäßigkeit
         des angefochtenen Beschlusses nicht beeinträchtigen würde. Ein derartiger Fehler hätte nämlich keinen Einfluss auf den im
         angefochtenen Beschluss festgestellten fehlenden ursächlichen Zusammenhang zwischen dem geltend gemachten Handelshemmnis und
         den handelsschädigenden Auswirkungen, und er würde nicht die Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft an einem Eingreifen
         im Rahmen der WTO berühren, da ein derartiges Eingreifen nicht bezweckt und auch nicht bewirken kann, dass die Zölle rückwirkend
         erstattet werden, die an die Behörden eines Drittstaats von Unternehmen der Gemeinschaft abgeführt worden sind, deren Erzeugnisse
         der Aussetzung zolltariflicher Zugeständnisse durch diesen Staat unterliegen.
      
      164   Demnach ist der zweite Teil des sechsten Klagegrundes ebenso wie dieser Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
       Zum siebten Klagegrund – Nichtbeachtung der Verteidigungsrechte
       Vorbringen der Parteien
      165   Mit diesem Klagegrund rügen die Kläger, die Kommission habe es ihnen nicht ermöglicht, vor Erlass des angefochtenen Beschlusses
         ihren Standpunkt bezüglich der tatsächlichen und rechtlichen Aspekte des Untersuchungsberichts geltend zu machen.
      
      166   Die Kläger erklären, die Kommission habe ihnen den Untersuchungsbericht mit dem Hinweis zugeleitet, dass der angefochtene
         Beschluss in Kürze erlassen werde. Daraus sei zu schließen gewesen, dass dieser Beschluss bei der Übermittlung des Untersuchungsberichts
         bereits festgelegt gewesen sei, sodass die Kommission ihnen nicht die Möglichkeit gegeben habe, ihren Standpunkt zu den im
         Untersuchungsbericht enthaltenen Aspekten darzulegen. Dies gehe auch aus dem Schreiben der Kommission vom 4. Juni 2002 an
         den Anwalt der Kläger hervor. Die Kläger räumen zwar ein, dass die Antragstellerin vom Ergebnis des Untersuchungsberichts
         unterrichtet worden sei und eine Unterrichtung der anderen interessierten Parteien nach Abschluss des Untersuchungsverfahrens
         nicht in der Verordnung Nr. 3286/94 vorgesehen sei; doch hätte ihnen die Kommission nach dem fundamentalen Grundsatz der Wahrung
         der Verteidigungsrechte, der insbesondere auch im Rahmen der Antidumping-Rechtsstreitigkeiten verankert sei, Gelegenheit zur
         Stellungnahme zu den Argumenten des Untersuchungsberichts geben müssen. Diese Schlussfolgerung werde nicht dadurch in Frage
         gestellt, dass die Kläger mit den Dienststellen der Kommission „Kontakte“ aufgenommen hätten, da sie zu keiner Zeit vor dem
         Abschluss des Untersuchungsberichts genaue Kenntnis von den tatsächlichen und rechtlichen Grundlagen des Standpunkts der Kommission
         hätten erlangen können.
      
      167   Dieses gesamte Vorbringen ist nach Ansicht der Kommission irrelevant. Die Verpflichtungen aus Artikel 8 der Verordnung Nr. 3286/94
         seien nämlich vollständig beachtet worden. Die Kläger hätten die Möglichkeit zur Stellungnahme während des Untersuchungsverfahrens
         gehabt; wenn sie hingegen, wie sie meinten, kein „Erwiderungsrecht“ vor Erlass des angefochtenen Beschlusses hätten ausüben
         können, so ergebe sich dies aus der Anwendung der Bestimmungen des Artikels 8 der Verordnung Nr. 3286/94.
      
      168   Unter Bezugnahme auf die Antidumping‑Rechtsprechung trägt die Kommission ferner vor, den betroffenen Unternehmen müsse Gelegenheit
         gegeben werden, ihren Standpunkt zur Richtigkeit und Stichhaltigkeit der angeführten Tatsachen und Umstände sowie zu den festgestellten
         Beweisen darzulegen. Bei der Übertragung dieser Rechtsprechung auf den vorliegenden Fall sei festzustellen, dass die Kommission
         den Anhörungsanspruch der Kläger beachtet habe. Entgegen dem Vorbringen der Kläger habe die Antragstellerin im Übrigen vom
         23. April 2002, dem Tag der Übermittlung des Untersuchungsberichts an sie, bis zum 9. Juli 2002, dem Zeitpunkt des Erlasses
         des angefochtenen Beschlusses, genügend Zeit gehabt, um ihre Erklärungen abzugeben.
      
      169   Zudem hätten die Kläger auch nicht eingewandt, dass Artikel 8 der Verordnung Nr. 3286/94 wegen Verletzung des fundamentalen
         Grundsatzes der Wahrung der Verteidigungsrechte rechtswidrig sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      170   Zunächst ist festzustellen, dass der Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte einen fundamentalen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts
         darstellt (vgl. u. a. Urteile des Gerichtshofes vom 17. Oktober 1989 in der Rechtssache 85/87, Dow Benelux/Kommission, Slg.
         1989, 3137, Randnr. 25, und vom 27. Juni 1991 in der Rechtssache C-49/88, Al‑Jubail Fertilizer/Rat, Slg. 1991, I‑3187, Randnr. 15,
         sowie Urteil des Gerichts vom 18. Dezember 1997 in den Rechtssachen T‑159/94 und T‑160/94, Ajinomoto und NutraSweet/Rat, Slg.
         1997, II‑2461, Randnr. 81).
      
      171   Außerdem richten sich nach der allgemeinen Systematik der Verordnung Nr. 3286/94 ein Untersuchungsverfahren und eine gegebenenfalls
         nach Abschluss dieses Verfahrens im Interesse der Gemeinschaft eingeleitete Aktion nur gegen ein Drittland, das ein Handelshemmnis
         eingeführt oder beibehalten hat. Ein Unternehmen, das einen Antrag nach der Verordnung Nr. 3286/94 stellt, kann sich somit
         auf den Anspruch auf rechtliches Gehör nur unter den in dieser Verordnung aufgestellten Voraussetzungen auf die Wahrung der
         Verteidigungsrechte berufen, es sei denn, diese Voraussetzungen wären selbst als ein Verstoß gegen den allgemeinen Grundsatz
         anzusehen, den sie konkretisieren sollen. 
      
      172   Insoweit ist auf Artikel 8 Absatz 4 Buchstabe a der Verordnung Nr. 3286/94 hinzuweisen, wonach die „Antragsteller, die betroffenen
         Ausführer und Einführer sowie die Vertreter der betroffenen Länder alle der Kommission zur Verfügung gestellten Unterlagen
         mit Ausnahme der für den Dienstgebrauch der Kommission und der Verwaltungen bestimmten Dokumente einsehen [können], soweit
         sie für die Vertretung ihrer Interessen erheblich und nichtvertraulich im Sinne von Artikel 9 sind und von der Kommission
         bei ihrem Untersuchungsverfahren verwendet werden“, und die „betroffenen Personen zu diesem Zweck schriftlich einen mit Gründen
         versehenen Antrag an die Kommission [richten], in dem die gewünschten Unterlagen angegeben werden“. Ferner können nach Buchstabe
         b die „Antragsteller, die betroffenen Ausführer und Einführer und die Vertreter der betroffenen Länder beantragen, über die
         wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben, unterrichtet zu werden“. Artikel
         8 Absatz 8 schreibt der Kommission vor, nach Abschluss ihrer Untersuchung dem in Artikel 7 der Verordnung genannten Ausschuss
         einen Bericht zu unterbreiten.
      
      173   Aus diesen Bestimmungen ergibt sich, dass die Verordnung Nr. 3286/94 den Antragstellern, den betroffenen Ausführern und Einführern
         sowie den Vertretern der betroffenen Länder unter den Voraussetzungen des Artikels 8 Absatz 4 Buchstaben a und b ein Informationsrecht
         einräumt, das insbesondere mit der Geheimhaltungspflicht der Gemeinschaftsorgane in Einklang stehen muss. Die genannten Personen
         können verlangen, über die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben, unterrichtet
         zu werden.
      
      174   Im vorliegenden Fall steht fest, dass die nichtvertrauliche Fassung des Untersuchungsberichts den Klägern nach der Stellungnahme
         des Beratenden Ausschusses und vor Erlass des angefochtenen Beschlusses zugeleitet wurde. Bei dieser Gelegenheit hätten die
         Kläger ihren Standpunkt zu Gehör bringen können. Sie waren jedoch der Ansicht, dass der Standpunkt der Kommission zum Zeitpunkt
         der Übermittlung des Untersuchungsberichts bereits festgestanden habe, da ihnen die Kommission gleichzeitig mitgeteilt hatte,
         dass der angefochtene Beschluss in Kürze erlassen werde. Sie schlossen daraus, dass ihre eventuellen Erklärungen keinen Einfluss
         auf den Standpunkt der Kommission hätten. Die Kläger meinen daher im Wesentlichen, die Kommission hätte ihnen den Entwurf
         des Untersuchungsberichts zuleiten müssen, damit sie vor dessen Vorlage an den Beratenden Ausschuss in geeigneter Weise Erklärungen
         hätten abgeben können, oder sie zumindest von Amts wegen über die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen unterrichten müssen,
         die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben hatten.
      
      175   Keine Bestimmung der Verordnung Nr. 3286/94 schreibt jedoch der Kommission vor, den in Artikel 8 Absatz 4 der Verordnung genannten
         Personen den Entwurf des Untersuchungsberichts vor dessen Vorlage an den Beratenden Ausschuss zuzuleiten, damit sie gegebenenfalls
         Erklärungen gegenüber der Kommission abgeben können, oder diese Personen von Amts wegen über die wesentlichen Tatsachen und
         Überlegungen zu unterrichten, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben.
      
      176   Hingegen verpflichtet Artikel 8 Absatz 4 Buchstaben a und b der Verordnung Nr. 3286/94 die darin genannten Personen, bei der
         Kommission einen Informationsantrag zu stellen. Für die im Untersuchungsverfahren verwendeten Unterlagen (Buchstabe a) ist
         dieser Antrag schriftlich an die Kommission zu richten und mit Gründen zu versehen, wobei die gewünschten Unterlagen anzugeben
         sind. Betrifft der Antrag die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergeben (Buchstabe
         b), so sieht die Verordnung keine besondere Form oder Bedingung vor, der der Antrag entsprechen muss.
      
      177   Die Kläger haben jedoch niemals behauptet, vor Abschluss des Untersuchungsberichts einen Informationsantrag im Sinne von Artikel
         8 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94 an die Kommission gerichtet zu haben. Zudem haben sie, wie die Kommission zu Recht ausführt,
         auch nicht eingewandt, dass die Bestimmungen des Artikels 8 Absatz 4 der Verordnung rechtswidrig seien.
      
      178   Darüber hinaus haben die Kläger in ihren Schriftsätzen eingeräumt, dass sie über die Entwicklung und die Grundzüge des Untersuchungsverfahrens
         unterrichtet wurden, dass sie mündlich zum Ausgang dieses Verfahrens Stellung nehmen konnten und dass sie vor Abschluss des
         Untersuchungsberichts darüber informiert wurden, dass nach Ansicht der Kommission keine handelsschädigende Auswirkung im Sinne
         der Verordnung Nr. 3286/94 vorlag. Somit ist festzustellen, dass die Kläger Gelegenheit hatten, ihren Standpunkt zur Entwicklung
         und zu den Grundzügen des Untersuchungsverfahrens und zumindest zu einem seiner grundlegenden Faktoren zu Gehör zu bringen
         und ihre Interessen wahrzunehmen. Sie haben zwar im Rahmen ihrer Klage erklärt, diese Informationen seien zu allgemein gewesen,
         um ihren Verfahrensrechten zu genügen. Aus den Akten geht aber nicht hervor, dass die Kläger vor Abschluss des Untersuchungsverfahrens
         bei der Kommission beantragt hatten, diese Informationen insbesondere bezüglich der wesentlichen Tatsachen und – auch rechtlichen
         – Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergaben, gemäß Artikel 8 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94, gegebenenfalls
         schriftlich, näher darzulegen. Da die Kommission verpflichtet ist, einen derartigen Informationsantrag mit Sorgfalt zu beantworten,
         wären die Kläger bei dieser Gelegenheit in der Lage gewesen, ihren Standpunkt zu den in der Antwort der Kommission enthaltenen
         Gesichtspunkten in geeigneter Weise zu Gehör zu bringen. Da die Kläger niemals behauptet haben, einen solchen Antrag gestellt
         zu haben, können sie im Rahmen der vorliegenden Klage nicht der Kommission vorwerfen, dass sie ihnen nicht erlaubt habe, zu
         den sachlichen und rechtlichen Erwägungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren ergaben, Stellung zu nehmen. Im Übrigen
         verstößt der Umstand, dass der Anspruch, über die wesentlichen Tatsachen und Überlegungen, die sich aus dem Untersuchungsverfahren
         ergeben, unterrichtet zu werden, von der Voraussetzung – und zwar nur von dieser – abhängt, dass die Kläger bei der Kommission
         einen entsprechenden Antrag stellen, nicht als solcher gegen die Wahrung ihrer Interessen, zumal für diesen Antrag keine besondere
         Form vorgeschrieben ist.
      
      179   Ferner geht aus dem Untersuchungsbericht hervor, dass die Kommission die verschiedenen im Antrag vorgebrachten Argumente geprüft
         und beantwortet hat. Sie hat auch die Situation der anderen Erzeugnisse als Senf (einschließlich zubereitetes Senfmehl), die
         angeblich ebenso von den US‑amerikanischen Maßnahmen betroffen waren, geprüft, nachdem sich die betreffenden Verbände an dem
         Untersuchungsverfahren beteiligt hatten, die, wie aus dem Untersuchungsbericht hervorgeht und was die Kläger nicht bestritten
         haben, in diesem Verfahren mitwirkten.
      
      180   Nach alledem ist der siebte Klagegrund zurückzuweisen.
       Zum achten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 und Verletzung der Sorgfaltspflicht der
            Kommission
      181   Dieser Klagegrund besteht aus zwei Teilen. Mit dem ersten Teil wird die Nichteinhaltung der Frist des Artikels 8 Absatz 8
         der Verordnung Nr. 3286/94 geltend gemacht. Der zweite Teil betrifft eine Verletzung der Sorgfaltspflicht der Kommission hinsichtlich
         der Zeitspanne vom Abschluss des Verfahrens für die Konsultation des in Artikel 7 der Verordnung vorgesehenen Ausschusses
         bis zum Erlass des angefochtenen Beschlusses.
      
       Zum ersten Teil des achten Klagegrundes – Nichteinhaltung der Frist des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94
      –       Vorbringen der Parteien
      182   Die Kläger weisen darauf hin, dass die Kommission nach Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 ihren Untersuchungsbericht
         dem in Artikel 7 der Verordnung genannten Ausschuss in der Regel innerhalb von fünf Monaten nach Bekanntmachung der Einleitung
         des Verfahrens vorlegen müsse, es sei denn, dass sie diese Frist wegen der Schwierigkeiten der Untersuchung auf sieben Monate
         verlängere. Die Frist von sieben Monaten sei nicht verlängerbar und solle den antragstellenden Unternehmen eine rasche Entscheidung
         über ihren Antrag bei der Kommission gewährleisten. Da die Kommission im vorliegenden Fall in der Tat der Ansicht gewesen
         sei, dass die Schwierigkeiten der Untersuchung eine Verlängerung der Frist auf sieben Monate erforderten, und der Ausschuss
         den Untersuchungsbericht erst am 27. März 2002, also sieben Monate und siebenundzwanzig Tage nach der Bekanntmachung der Einleitung
         des Verfahrens, erhalten habe, liege ein Verstoß der Kommission gegen Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 vor.
      
      183   Nach Ansicht der Kommission ist die Zeit, die bis zum Abschluss des Verfahrens verstrichen sei, nicht unangemessen, berücksichtige
         man die Vielschichtigkeit des Bereichs, in dem der angefochtene Beschluss ergangen sei, und ihr Bestreben, alle Argumente
         der verschiedenen Beteiligten vor Abschluss des Verfahrens zu prüfen. Sie weist außerdem darauf hin, dass sie das Verfahren
         in einem Geist der loyalen Zusammenarbeit durchgeführt und hierbei alle betroffenen Partien unterrichtet habe.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      184   Vorab ist noch einmal an den Wortlaut des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 zu erinnern:
      „Nach Abschluss der Untersuchung unterbreitet die Kommission dem Ausschuss einen Bericht. Dieser Bericht ist in der Regel
         innerhalb von fünf Monaten nach Bekanntmachung der Einleitung des Verfahrens vorzulegen, es sei denn, dass die Kommission
         diese Frist wegen der Schwierigkeiten der Untersuchung auf sieben Monate verlängert.“
      
      185   Die Kläger bestreiten nicht, dass die Untersuchung, die die Kommission durchzuführen hatte, schwierig war und eine Verlängerung
         der Frist auf sieben Monate erforderte. Es steht ebenfalls fest, dass der Untersuchungsbericht dem in Artikel 7 der Verordnung
         Nr. 3286/934 genannten Ausschuss sieben Monate und siebenundzwanzig Tage nach der Bekanntmachung der Einleitung des Untersuchungsverfahrens
         vorgelegt wurde. Die in Artikel 8 Absatz 8 vorgesehene Frist von sieben Monaten wurde folglich überschritten.
      
      186   Es ist jedoch zu prüfen, ob eine derartige Überschreitung der Frist des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 die
         Nichtigkeit des angefochtenen Beschlusses bewirken kann.
      
      187   Zunächst ist zu bemerken, dass die Überschreitung einer zwingenden Frist zwar die Nichtigkeit eines nach Ablauf dieser Frist
         erlassenen Rechtsakts nach sich zieht, dass die Überschreitung einer nur als Richtwert anzusehenden Frist aber grundsätzlich
         nicht zur Nichtigkeit eines nach Ablauf der Frist erlassenen Rechtsakts führen kann (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteil
         des Gerichts vom 2. Mai 1995 in den Rechtssachen T‑163/94 und T‑165/94, NTN Corporation und Koyo Seiko/Rat, Slg. 1995, II‑1381,
         Randnr. 119, und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      188   Sodann ist zur Art der Frist des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 festzustellen, dass die Wendung „in der Regel“
         im zweiten Satz dieser Bestimmung den Schluss zulässt, dass die Fünfmonatsfrist für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts
         nur Richtcharakter hat (vgl. entsprechend Urteil NTN Corporation und Koyo Seiko/Rat, Randnr. 119).
      
      189   Nach Ansicht des Gerichts ändert sich die Art der Frist für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts nicht dadurch, dass
         die Kommission meint, die Frist wegen der Schwierigkeiten der Untersuchung auf sieben Monate verlängern zu müssen. Die Siebenmonatsfrist,
         auf die sich Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 bezieht, stellt nämlich im Fall einer so genannten „schwierigen“
         Untersuchung nur die Verlängerung der für den Fall einer so genannten „einfachen oder normalen“ Untersuchung vorgesehenen
         ursprünglichen Fünfmonatsfrist dar. Am Ende des zweiten Satzes von Absatz 8 heißt es nämlich, dass „diese Frist … auf sieben
         Monate verlängert“ wird. Diese Ausdrucksweise findet sich auch in den anderen Sprachfassungen der Verordnung Nr. 3286/94.
         Da also die Frist für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts nur Richtcharakter hat, wenn eine als „einfach oder normal“
         bezeichnete Untersuchung vorgenommen wird, kann es somit nicht anders sein, wenn eine so genannte „schwierige“ Untersuchung
         vorliegt, denn es handelt sich nur um eine Verlängerung der ursprünglichen Frist.
      
      190   Die Kommission darf indessen für die Unterbreitung des Untersuchungsberichts nicht eine angemessene Frist überschreiten (vgl.
         entsprechend Urteil NTN Corporation und Koyo Seiko/Rat), da dies dazu beitragen könnte, dass der Abschluss des Untersuchungsverfahrens
         verspätet beschlossen wird.
      
      191   Im vorliegenden Fall ist jedoch eine Überschreitung des in Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 vorgesehenen siebenmonatigen
         Richtzeitraums um siebenundzwanzig Tage nicht als unangemessen anzusehen.
      
      192   Daher ist der erste Teil des achten Klagegrundes zurückzuweisen.
       Zum zweiten Teil des achten Klagegrundes – Verletzung der Sorgfaltspflicht der Kommission hinsichtlich der  Zeitspanne zwischen
         dem Abschluss des Verfahrens für die Konsultation des in Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94 vorgesehenen Ausschusses und
         dem Erlass des angefochtenen Beschlusses
      
      –       Vorbringen der Parteien
      193   Die Kläger erklären, die Kommission habe ihre Sorgfaltspflicht verletzt, da sie den angefochtenen Beschluss nach der Konsultation
         des in Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94 vorgesehenen Ausschusses schneller hätte erlassen müssen, als dies geschehen sei.
         Der angefochtene Beschluss sei nämlich erst drei Monate nach Beendigung des Konsultationsverfahrens ergangen. In Anbetracht
         der Bedeutung des Verfahrens der Verordnung Nr. 3286/94 für die betroffenen Unternehmen und des bereits sehr langen Zeitraums
         zwischen der Bekanntmachung der Einleitung des Untersuchungsverfahrens und der Zuleitung des Untersuchungsberichts an den
         Ausschuss habe die Kommission somit ihre Sorgfaltspflicht verletzt.
      
      194   Die Kommission entgegnet, sie habe die größtmögliche Sorgfalt in einer folgenschweren Sache walten lassen.
      –       Würdigung durch das Gericht
      195   Nach Artikel 7 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94 verfügt der Beratende Ausschuss über eine Frist von acht Arbeitstagen,
         um auf den Untersuchungsbericht zu reagieren, den die Kommission gemäß Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung vorlegt.
      
      196   Nach Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 unterliegt ein Beschluss der Kommission zur Einstellung eines Untersuchungsverfahrens
         dem Verfahren des Artikels 14 der Verordnung. Nach Absatz 2 dieser Bestimmung „[legt der] Vertreter der Kommission … dem Ausschuss
         einen Entwurf der zu treffenden Entscheidung vor“ und „[berät der] Ausschuss innerhalb einer Frist, die der Vorsitzende je
         nach Dringlichkeit festsetzen kann“. Artikel 14 Absatz 3 bestimmt: „Die Kommission trifft eine Entscheidung, die sie den Mitgliedstaaten
         mitteilt und die nach Ablauf von zehn Tagen anwendbar ist, wenn kein Mitgliedstaat innerhalb dieser Frist den Rat befasst
         hat.“
      
      197   Demnach bestimmt die Verordnung Nr. 3286/94 weder eine Frist, innerhalb deren die Kommission dem Beratenden Ausschuss im Anschluss
         an das Verfahren für die Konsultation über den Untersuchungsbericht einen Entscheidungsentwurf vorlegen muss, noch eine Frist
         von dem Zeitpunkt, zu dem der Beratende Ausschuss über den Entscheidungsentwurf beraten hat, bis zum Zeitpunkt des Erlasses
         einer Entscheidung durch die Kommission. Die Verordnung sieht folglich keine Frist vor, innerhalb deren ein Beschluss zur
         Einstellung eines Untersuchungsverfahrens wie der im vorliegenden Fall angefochtene Beschluss nach der Konsultation des in
         Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94 genannten Ausschusses ergehen muss. 
      
      198   Das Schweigen der Verordnung in dieser Frage kann dahin ausgelegt werden, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber der Kommission
         einen bestimmten Ermessensspielraum hinsichtlich des Zeitpunkts einräumen wollte, zu dem ein Beschluss zur Einstellung eines
         Untersuchungsverfahrens ergehen soll, wobei auch alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen sind, insbesondere Schritte,
         die die Kommission gegebenenfalls gegenüber den Behörden des betroffenen Drittstaats unternehmen möchte, bevor sie ein Untersuchungsverfahren
         einstellt.
      
      199   Dies kann jedoch nicht bedeuten, dass die Kommission einen Beschluss nach Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94 über
         eine angemessene Frist hinaus verzögern kann, die sich nach den besonderen Umständen des Einzelfalls bestimmt. Eine entsprechende
         Begrenzung ist, wie die Kläger ausführen, im Hinblick auf die Sorgfaltspflicht und den Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung
         geboten, dem die Kommission unterliegt.
      
      200   Im vorliegenden Fall beträgt die Zeitspanne zwischen dem Abschluss des Verfahrens für die Konsultation des Ausschusses (15.
         April 2002) und dem Erlass des angefochtenen Beschlusses (9. Juli 2002) zwei Monate und vierundzwanzig Tage. Ein derartiger
         Zeitraum ist jedoch nicht unangemessen, da die Kommission insbesondere eine interne Konsultation ihrer verschiedenen Dienststellen
         zu dem Beschlussentwurf und eine Konsultation der Mitgliedstaaten zu dem Beschluss gemäß Artikel 14 der Verordnung Nr. 3286/94
         vornehmen und eine ausreichende Zeit für die Übersetzung des Beschlusses in alle Amtssprachen der Gemeinschaft berücksichtigen
         muss.
      
      201   Folglich ist der zweite Teil des Klagegrundes ebenso wie der achte Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      202   Nach alledem ist die Klage in vollem Umfang abzuweisen.
       Kosten
      203   Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Kläger mit ihrem Vorbringen unterlegen sind, sind ihnen entsprechend dem Antrag der Kommission die Kosten des Verfahrens
         aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen
      hat
      DAS GERICHT (Erste erweiterte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Kläger tragen die Kosten des Verfahrens. 
      
               Vesterdorf 
            
            
               Mengozzi 
            
            
               Martins Ribeiro 
            
         
               Dehousse 
            
            
                  
            
            
               Labucka 
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 14. Dezember 2004.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               H. Jung 
            
             
            
                     B. Vesterdorf
            
         Inhaltsverzeichnis
      Rechtlicher Rahmen
      Vorgeschichte
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Zur Zulässigkeit
      Zur Begründetheit
      Zum ersten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 4 der Verordnung Nr. 3286/94
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum dritten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 10 Absatz 5 der Verordnung Nr. 3286/94
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum vierten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      – Vorbemerkungen
      – Zur Beurteilung des Interesses der Gemeinschaft im Stadium der Bekanntmachung über die Einleitung des Untersuchungsverfahrens
      – Zum Argument, das Interesse der Gemeinschaft sei mit dem individuellen Interesse der Antragstellerin gleichgesetzt oder
         auf dieses Interesse reduziert worden, ohne das Interesse der anderen interessierten Parteien zu berücksichtigen
      
      Zum fünften Klagegrund – Mangelnde Begründung des angefochtenen Beschlusses
      Zum ersten Teil des fünften Klagegrundes – Mangelnde Begründung bezüglich der Analyse des Handelshemmnisses
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Teil des fünften Klagegrundes – Mangelnde Begründung bezüglich des Interesses der Gemeinschaft an einem Eingreifen
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum sechsten Klagegrund – Offensichtliche Fehler bei der Beurteilung des Sachverhalts und Verstoß gegen Artikel 2 Absatz 4
         und Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 3286/94
      
      Zum ersten Teil des sechsten Klagegrundes – Offensichtlicher Beurteilungsfehler der Kommission hinsichtlich einer etwaigen
         Absetzung der Erzeugnisse der Kläger von der Liste der Waren, auf die der US‑amerikanische Zollzuschlag erhoben wird
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Teil des sechsten Klagegrundes – Offensichtlicher Beurteilungsfehler hinsichtlich der Erstattung des zu Unrecht
         erhobenen Zollzuschlags
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum siebten Klagegrund – Nichtbeachtung der Verteidigungsrechte
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zum achten Klagegrund – Verstoß gegen Artikel 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94 und Verletzung der Sorgfaltspflicht der
         Kommission
      
      Zum ersten Teil des achten Klagegrundes – Nichteinhaltung der Frist des Artikels 8 Absatz 8 der Verordnung Nr. 3286/94
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Teil des achten Klagegrundes – Verletzung der Sorgfaltspflicht der Kommission hinsichtlich der  Zeitspanne zwischen
         dem Abschluss des Verfahrens für die Konsultation des in Artikel 7 der Verordnung Nr. 3286/94 vorgesehenen Ausschusses und
         dem Erlass des angefochtenen Beschlusses
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Französisch.