CELEX: 62010CA0058
Language: de
Date: 2011-09-08 00:00:00
Title: Verbundene Rechtssachen C-58/10 bis C-68/10: Urteil des Gerichtshofs (Vierte Kammer) vom 8. September 2011 (Vorabentscheidungsersuchen des Conseil d’État — Frankreich) — Monsanto SAS u. a./Ministre de l’Agriculture et de la Pêche (Landwirtschaft — Genetisch veränderte Futtermittel — Sofortmaßnahmen — Maßnahme eines Mitgliedstaats — Vorläufige Aussetzung einer nach der Richtlinie 90/220/EWG erteilten Zulassung — Rechtsgrundlage — Richtlinie 2001/18/EG — Art. 12 — Sektorale Rechtsvorschriften — Art. 23 — Schutzklausel — Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 — Art. 20 — Bereits existierende Erzeugnisse — Art. 34 — Verordnung (EG) Nr. 178/2002 — Art. 53 und 54 — Tatbestandsmerkmale)

22.10.2011   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               C 311/8
            
         Urteil des Gerichtshofs (Vierte Kammer) vom 8. September 2011 (Vorabentscheidungsersuchen des Conseil d’État — Frankreich) — Monsanto SAS u. a./Ministre de l’Agriculture et de la Pêche
   (Verbundene Rechtssachen C-58/10 bis C-68/10) (1)
   
   (Landwirtschaft - Genetisch veränderte Futtermittel - Sofortmaßnahmen - Maßnahme eines Mitgliedstaats - Vorläufige Aussetzung einer nach der Richtlinie 90/220/EWG erteilten Zulassung - Rechtsgrundlage - Richtlinie 2001/18/EG - Art. 12 - Sektorale Rechtsvorschriften - Art. 23 - Schutzklausel - Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 - Art. 20 - Bereits existierende Erzeugnisse - Art. 34 - Verordnung (EG) Nr. 178/2002 - Art. 53 und 54 - Tatbestandsmerkmale)
   2011/C 311/10
   Verfahrenssprache: Französisch
   
      Vorlegendes Gericht
   
   Conseil d’État
   
      Parteien des Ausgangsverfahrens
   
   
      Klägerinnen: Monsanto SAS (C-58/10 und C-59/10), Monsanto Agriculture France SAS (C-58/10 und C-59/10), Monsanto International SARL (C-58/10 und C-59/10), Monsanto Technology LLC (C-58/10 und C-59/10), Monsanto Europe SA (C-59/10), Association générale des producteurs de maïs (AGPM) (C-60/10), Malaprade SCEA u. a. (C-61/10), Pioneer Génétique SARL (C-62/10), Pioneer Semences SAS (C-62/10), Union française des semenciers (UFS), vormals Syndicat des établissements de semences agréés pour les semences de maïs (Seproma) (C-63/10), Caussade Semences SA (C-64/10), Limagrain Europe SA, vormals Limagrain Verneuil Holding SA (C-65/10), Maïsadour Semences SA (C-66/10), Ragt Semences SA (C-67/10), Euralis Semences SAS (C-68/10), Euralis Coop (C-68/10)
   
      Beklagter: Ministre de l’Agriculture et de la Pêche
   
      Andere Beteiligte: Association France Nature Environnement (C-59/10 und C-60/10), Confédération paysanne (C-60/10)
   
      Gegenstand
   
   Vorabentscheidungsersuchen — Conseil d’État — Auslegung der Art. 20 und 34 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel (ABl. L 268, S. 1), der Art. 12 und 23 der Richtlinie 2001/18/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. März 2001 über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt und zur Aufhebung der Richtlinie 90/220/EWG des Rates (ABl. L 106, S. 1) sowie der Art. 53 und 54 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Januar 2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit (ABl. L 31, S. 1) — Aussetzung oder vorläufiges Verbot der Verwendung oder des Verkaufs von Saatgutsorten von Mais aus einer Linie genetisch veränderten Maises nach erteilter Zulassung für das Inverkehrbringen dieses Erzeugnisses — Zuständigkeit der nationalen Behörden zum Ergreifen derartiger Maßnahmen — Begriffe „Risiko“ und „ernstes Risiko“ für die Umwelt — Kriterien für die Ermittlung des Risikos, die Bewertung seiner Wahrscheinlichkeit und die Beurteilung seiner Folgen
   
      Tenor
   
   
               1.
            
            
               Unter Umständen wie denjenigen der Ausgangsverfahren kann ein Mitgliedstaat die Verwendung oder das Inverkehrbringen von GVO wie der Maissorte MON 810, die nach der Richtlinie 90/220/EWG des Rates vom 23. April 1990 über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt u. a. als Saatgut für Anbauzwecke zugelassen und unter den in Art. 20 der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. September 2003 über genetisch veränderte Lebensmittel und Futtermittel vorgesehenen Voraussetzungen als bereits existierende Erzeugnisse gemeldet wurden und für die danach ein noch nicht verbeschiedener Antrag auf Erneuerung der Zulassung gestellt wurde, nicht nach Art. 23 der Richtlinie 2001/18/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. März 2001 über die absichtliche Freisetzung genetisch veränderter Organismen in die Umwelt und zur Aufhebung der Richtlinie 90/220 des Rates vorübergehend aussetzen oder verbieten; nach Art. 34 der Verordnung Nr. 1829/2003 können solche Maßnahmen dagegen getroffen werden.
            
         
               2.
            
            
               Art. 34 der Verordnung Nr. 1829/2003 ermächtigt einen Mitgliedstaat zum Erlass von Sofortmaßnahmen nur unter den Verfahrensbedingungen, die in Art. 54 der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Januar 2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit vorgesehen sind; die Überprüfung der Beachtung dieser Bedingungen ist Sache des nationalen Gerichts.
            
         
               3.
            
            
               Für den Erlass von Sofortmaßnahmen müssen die Mitgliedstaaten nach Art. 34 der Verordnung Nr. 1829/2003 außer der Dringlichkeit das Vorliegen einer Situation begründen, in der ein erhebliches Risiko bestehen kann, das offensichtlich die Gesundheit von Mensch oder Tier oder die Umwelt gefährdet.
            
         
      (1)  ABl. C 100 vom 17.4.2010.