CELEX: 62003CC0327
Language: de
Date: 2004-12-09
Title: Schlussanträge des Generalanwalts Ruiz-Jarabo Colomer vom 9. Dezember 2004. # Bundesrepublik Deutschland gegen ISIS Multimedia Net GmbH und Co. KG, vertreten durch ISIS Multimedia Net Verwaltungs GmbH (C-327/03), und Firma O2 (Germany) GmbH und Co. OHG (C-328/03). # Ersuchen um Vorabentscheidung: Bundesverwaltungsgericht - Deutschland. # Telekommunikationsdienste - Richtlinie 97/13/EG - Artikel 11 Absatz 2 - Gebühr für die Zuteilung neuer Rufnummern - Kostenloser Rufnummernbestand, der dem Nachfolger des früheren Monopolunternehmens zur Verfügung steht. # Verbundene Rechtssachen C-327/03 und C-328/03.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
      DÁMASO RUIZ-JARABO COLOMER
      vom 9. Dezember 2004(1)
      
      Verbundene Rechtssachen C-327/03 und C-328/03
      Bundesrepublik Deutschland
      gegen
      ISIS Multimedia Net GmbH & Co. KG, vertreten durch die ISIS Multimedia Net Verwaltungs GmbH,
      und
      Firma O2 (Germany) GmbH & Co. OHG
      (Vorabentscheidungsersuchen des Bundesverwaltungsgerichts)
      „Telekommunikation – Allgemein­- und Einzelgenehmigungen – Richtlinie 97/13/EG – Artikel 11 – Gebühren und Abgaben für Einzelgenehmigungen – Einzelgenehmigungen für knappe Ressourcen – Voraussetzungen – Telefonnummern – Kostenlose Übernahme durch die Rechtsnachfolgerin des ehemaligen staatlichen Monopolunternehmens – Kostenpflichtige Zuteilung an neue Betreiber“
      1.     Das deutsche Bundesverwaltungsgericht begehrt mit seinen verbundenen Vorabentscheidungsersuchen eine Auslegung des Artikels
         11 Absatz 2 der Richtlinie 97/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. April 1997 über einen gemeinsamen Rahmen
         für Allgemein‑ und Einzelgenehmigungen für Telekommunikationsdienste(2) (im Folgenden: Richtlinie).
      
      2.     Das vorlegende Gericht möchte wissen, ob die nationale Regulierungsbehörde(3) von neuen Marktteilnehmern für die Zuteilung von Telefonnummern eine deren wirtschaftlichen Wert berücksichtigende Gebühr
         erheben darf, wenn das den Markt beherrschende Unternehmen als Rechtsnachfolger des ehemaligen staatlichen Monopolunternehmens
         den vorhandenen Nummernbestand kostenlos übernommen hat.
      
      I –    Einschlägige Rechtsvorschriften
      A –    Gemeinschaftsrecht: Richtlinie 97/13
      1.      Einführung
      3.     In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Telekommunikation zu einem der Motoren der Wirtschaft mit einem
         beträchtlichen Wachstumspotenzial. Die technologische Entwicklung ermöglichte die Einführung neuer Dienstleistungen vor allem
         im Bereich der Mobil‑ und Satellitentelefone mit Digitaltechnik, in dem die Fortschritte der Multimediakommunikation den Weg
         für eine Vielzahl von Leistungen ebneten(4).
      
      4.     Da die Europäische Gemeinschaft über die Voraussetzungen für diese Fortentwicklung verfügte, beschlossen die Gemeinschaftsorgane,
         die Liberalisierung dieses Bereiches voranzutreiben; so formulierte  die Kommission das Ziel eines künftigen Binnenmarktes
         in einem 1987 veröffentlichten Grünbuch, in dem sie alle Beteiligten zu einem Meinungsaustausch über das Thema aufrief und
         eine allmähliche Öffnung des Sektors befürwortete, in deren Rahmen das Recht der Bürger auf Nutzung der modernen Kommunikationssysteme
         zu gewährleisten war(5).
      
      5.     Mit der gewünschten Flexibilität sollten jedoch den Mitgliedstaaten nicht ihre Kontrollbefugnisse mittels der einschlägigen
         Genehmigungsverfahren genommen werden. In einem weiteren Grünbuch(6) vertrat die Kommission gerade die Auffassung, dass diese Verfahren ein wesentliches Mittel zur Schaffung gerechter Voraussetzungen
         für die Entwicklung des Wettbewerbs bilden, indem darin die Genehmigungen nach gleichen Grundsätzen erteilt werden.
      
      6.     Die Richtlinie wird diesem Erfordernis dadurch gerecht, dass sie, gestützt auf die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der
         Transparenz und der Nichtdiskriminierung – wie ich in den Rechtssachen Albacom und Infostrada ausgeführt habe(7) –, als einzige Alternative die Schaffung eines Umfeldes vorsieht, das mit der Niederlassungsfreiheit und der Dienstleistungsfreiheit
         vereinbar ist (erste, zweite, vierte und elfte Begründungserwägung; Artikel 3 Absatz 2).
      
      7.     In Übereinstimmung mit diesen Voraussetzungen sind die freie Bereitstellung von Telekommunikationsdiensten und die Liberalisierung
         des Betriebes der Telekommunikationsnetze für die Richtlinie von vorrangiger Bedeutung. Der Gemeinschaftsgesetzgeber verlangt,
         dass diese Dienste frei von Hindernissen geleistet und genutzt werden können, gegebenenfalls aufgrund einer Allgemeingenehmigung(8), und dass Einzelgenehmigungen(9) nur noch als Ausnahme oder in Ergänzung von Allgemeingenehmigungen erteilt werden (siebte und dreizehnte Begründungserwägung;
         Artikel 3 Absatz 3 und Artikel 7).
      
      8.     Die Richtlinie sieht im Sinne dieser Liberalisierungsregel als Leitkriterium auch vor, dass die Mitgliedstaaten die Anzahl
         der Einzelgenehmigungen, die sie erteilen können, nicht begrenzen dürfen, außer wenn dies zur effizienten Nutzung von Funkfrequenzen
         oder für die ausreichende Bereitstellung von Nummern notwendig ist. Jedes Unternehmen, dass die in den nationalen Rechtsordnungen
         festgelegten und bekannt gemachten Voraussetzungen erfüllt, hat daher von vornherein Anspruch auf Erteilung einer Einzelgenehmigung
         (Artikel 10 Absatz 1 und Artikel 9 Absatz 3).
      
      2.      Die Abgabenbestimmungen der Richtlinien
      9.     Die Artikel 6 und 11 der Richtlinie fördern dieser Ausrichtung gemäß den Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt und erlegen
         den Unternehmen nicht mehr Beschränkungen oder Belastungen auf, als unerlässlich ist(10), sie berücksichtigen also den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die beiden Artikel tragen die Überschriften „Gebühren bei
         den Verfahren für Allgemeingenehmigungen“ und „Gebühren und Abgaben für Einzelgenehmigungen“.
      
      10.   „Artikel 6
      …
      Unbeschadet der finanziellen Beiträge zur Erbringung des Universaldienstes gemäß dem Anhang stellen die Mitgliedstaaten sicher,
         dass von den Unternehmen im Rahmen der Genehmigungsverfahren nur die Gebühren erhoben werden, die die für die Ausstellung,
         Verwaltung, Kontrolle und Durchsetzung der jeweiligen Allgemeingenehmigung anfallenden Verwaltungskosten abdecken. Die Gebühren
         sind mit ausreichenden Einzelheiten in geeigneter Form zu veröffentlichen, damit die Kenntnisnahme ohne Schwierigkeiten möglich
         ist.“
      
      11.   „Artikel 11
      …
      (1)      Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass von dem Unternehmen im Rahmen der Genehmigungsverfahren nur die Gebühren erhoben
         werden, die die für die Ausstellung, Verwaltung, Kontrolle und Durchsetzung der jeweiligen Einzelgenehmigungen anfallenden
         Verwaltungskosten abdecken. Die Gebühren für eine Einzelgenehmigung müssen in Relation zu dem damit verbundenen Aufwand stehen
         und sind mit ausreichenden Einzelheiten in geeigneter Form zu veröffentlichen, damit die Kenntnisnahme ohne Schwierigkeiten
         möglich ist.
      
      (2)      Ungeachtet des Absatzes 1 können die Mitgliedstaaten ihren nationalen Regulierungsbehörden für den Fall, dass auf knappe Ressourcen
         zurückgegriffen werden soll, gestatten, Abgaben zu erheben, die die Notwendigkeit widerspiegeln, die optimale Nutzung dieser
         Ressourcen sicherzustellen. Diese Abgaben müssen nichtdiskriminierend sein und insbesondere der Notwendigkeit Rechnung tragen,
         die Entwicklung innovativer Dienste und den Wettbewerb zu fördern.“
      
      B –    Deutsches Recht
      12.   Die deutschen Rechtsvorschriften, nach denen sich die Erhebung von Abgaben für die Zuteilung von Telefonnummern bestimmt,
         sind das Telekommunikationsgesetz (TKG)(11) und die Telekommunikations-Nummerngebührenverordnung (TNGebV)(12).
      
      13.   Nach § 43 TKG ist die Behörde, die die Aufgaben der Nummerierung wahrnimmt, berechtigt, für die Zuteilung von Nummern eine
         Gebühr zu erheben, wobei die Tatbestände und die Höhe der Gebühr durch Rechtsverordnung geregelt werden.
      
      14.   Nach einer Anlage zur TNGebV wird für die Zuteilung eines Blocks von 1 000 zehnstelligen Rufnummern in den Ortsnetzbereichen
         eine Gebühr in Höhe von 1 000 DM (nunmehr 500 Euro) erhoben, während für die Ablehnung des Antrags eine Gebühr in Höhe von
         250 DM (nunmehr 125 Euro) anfällt.
      
      II – Sachverhalt, Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      15.   Die ISIS Multimedia Net GmbH & Co. KG und die Firma O2 (Germany) GmbH & Co. OHG (im Folgenden: ISIS und Firma O2) beantragten
         bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (im Folgenden: Regulierungsbehörde) die Zuteilung einer Anzahl
         von Rufnummernblöcken für Ortsnetze. ISIS wurden 37 der 43 beantragten Blöcke zugeteilt, und die Firma O2 erhielt 2 303 Blöcke
         der beantragten 2 324 Blöcke.
      
      16.   Mit Bescheiden vom 25. Oktober 1999 und 21. Juni 2000 erlegte die Regulierungsbehörde nach der TNGebV der Firma O2 eine Gebühr
         in Höhe von 2 308 250 DM und ISIS eine Gebühr in Höhe von 38 500 DM auf.
      
      17.   Die Deutsche Telekom AG (im Folgenden: Deutsche Telekom) erlangte als Rechtsnachfolgerin des ehemals auf dem deutschen Markt
         tätigen staatlichen  Monopolunternehmens vor Inkrafttreten des Telekommunikationsgesetzes kostenlos eine Reserve von 400 Millionen
         Nummern, über die sie auch heute noch verfügt, ohne nach dem nationalen Recht hierfür eine Gebühr entrichten zu müssen oder
         einer Rückgabepflicht zu unterliegen.
      
      18.   Die beiden Unternehmen erhoben gegen die Gebührenbescheide Klagen, denen nach erstinstanzlicher Klageabweisung das Oberverwaltungsgericht
         stattgab; es verurteilte die Regulierungsbehörde zur Rückzahlung der eingezogenen Gebühren zuzüglich Zinsen.
      
      19.   Auf die hiergegen in beiden Fällen eingelegte Revision hat das Bundesverwaltungsgericht das Revisionsverfahren ausgesetzt
         und folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      Ist die Richtlinie 97/13/EG dahin zu verstehen, dass für die Zuteilung von Rufnummern durch die nationale Regulierungsbehörde
         eine den wirtschaftlichen Wert der zugeteilten Nummern berücksichtigende Gebühr erhoben werden darf, obwohl ein auf demselben
         Markt tätiges und dort eine marktbeherrschende Stellung innehabendes Telekommunikationsunternehmen von seinem Rechtsvorgänger,
         dem ehemaligen staatlichen Monopolunternehmen, kostenlos Rufnummern in sehr großem Umfang übernommen hat und eine nachträgliche
         Heranziehung zu Gebühren für diesen Altbestand aus Gründen des nationalen Rechts ausscheidet?
      
      20.   Für den Fall der Bejahung dieser Vorlagefrage möchte das vorlegende Gericht weiter wissen:
      Dürfen bei einer solchen Fallgestaltung die in den Markt neu eintretenden Unternehmen unabhängig von der Höhe ihrer sonstigen
         Markteintrittskosten und ohne eine hieran anknüpfende Analyse ihrer Wettbewerbschancen gegenüber dem marktbeherrschenden Unternehmen
         für die Zuteilung einer Rufnummer mit einer einmaligen Gebühr in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes (hier 0,1 %) des geschätzten
         Jahresumsatzes belastet werden, der im Fall der Weitergabe der Rufnummer an einen Endkunden erzielt werden kann?
      
      III – Verfahren vor dem Gerichtshof
      21.   Mit Beschluss vom 16. September 2003 hat der Präsident des Gerichtshofes die beiden Rechtssachen wegen ihres objektiven Zusammenhangs
         miteinander verbunden.
      
      22.   Gemäß Artikel 20 der EG‑Satzung des Gerichtshofes haben die Kommission, die deutsche Regierung, die britische Regierung und
         die in den Ausgangsverfahren klagenden Unternehmen fristgerecht Erklärungen eingereicht.
      
      23.   Die Beteiligten, die schriftliche Erklärungen eingereicht haben, haben, ausgenommen die britische Regierung, an der mündlichen
         Verhandlung am 11. November 2004 teilgenommen und sich dort mündlich zur Sache geäußert.
      
      IV – Prüfung der Vorlagefragen
      A –    Auslegung der Abgabenregelung in der Richtlinie
      24.   Die Fragen des Bundesverwaltungsgerichts bieten dem Gerichtshof Gelegenheit, die Grenzen zu präzisieren, die den Mitgliedstaaten
         bei der Abgabenerhebung für die Erteilung von Einzelgenehmigungen im Bereich der Telekommunikation durch die Wettbewerbsfreiheit
         gezogen sind. Die Vorlagefragen können zugleich dazu beitragen, die Stellung der Rechtsnachfolger der ehemaligen staatlichen
         Monopolunternehmen und ihr Verhältnis zu neuen Wettbewerbern näher zu definieren, nachdem die Liberalisierung des Telekommunikationssektors
         1998 einen Höhepunkt erreichte.
      
      25.   Wie ausgeführt, wäre die Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für diesen Sektor nicht möglich gewesen, wenn nicht auf
         Gemeinschaftsebene bestimmte Grundregeln festgelegt worden wären, die die Chancengleichheit der verschiedenen Wettbewerber
         zu gewährleisten vermögen. Dabei handelt es sich um die Grundsätze der Transparenz, der Nichtdiskriminierung und der Verhältnismäßigkeit,
         die Artikel 11 der Richtlinie für die Ausgestaltung der Genehmigungsverfahren ausdrücklich festschreibt; diese bilden nämlich
         eine besonders sensible und bedeutsame Phase, denn die Einzelgenehmigungen sind die Bewilligungen von Rechten, die den Wirtschaftsteilnehmern
         die Tür zum geschäftlichen Tätigwerden öffnen. Jedes Hindernis in dieser Phase verfestigt den Status quo und schränkt den
         Wettbewerb ein(13).
      
      26.   Artikel 11 enthält nun (ebenso wie Artikel 6) im Rahmen einer verfahrensrechtlichen Regelung Gebührenvorschriften, die diese
         Öffnung durch die Beseitigung von Marktzutrittsschranken für neue Wettbewerber unterstützen sollen. Wie ich in meinen Schlussanträgen
         in den Rechtssachen Albacom und Infostrada (Nr. 28) ausgeführt habe, sind diese Vorschriften in Einklang mit dem genannten
         Ziel auszulegen: Die den Unternehmen auferlegten Zahlungen dürfen sie nicht davon abschrecken, auf dem Markt aufzutreten.
      
      27.   Artikel 11 der Richtlinie behandelt zwei Arten von Geldleistungen, nämlich eine „Gebühr“ für Einzelgenehmigungen in Absatz
         1 und, soweit sich diese Genehmigungen auf knappe Ressourcen beziehen, eine „Abgabe“ in Absatz 2. Die erstgenannte Gebühr
         soll die für die Ausstellung, Verwaltung, Kontrolle und Durchsetzung der jeweiligen Einzelgenehmigungen anfallenden Verwaltungskosten
         abdecken. Die Abgabe nach Absatz 2, die ebenfalls von den Inhabern der Einzelgenehmigungen erhoben wird, soll eine optimale
         Nutzung der knappen Ressourcen sicherstellen. Beide Arten von Geldleistungen sind nach den Grundsätzen der Objektivität, der
         Nichtdiskriminierung und der Transparenz einzuziehen, ohne dass im Fall der Abgabe nach Absatz 2 die Art der Belastung und
         ihre Höhe ein Ausmaß erreichen dürfen, das Antragsteller abschreckt oder der Einführung neuer Telekommunikationsdienste entgegensteht.
         Im gleichen Sinne habe ich dies bereits in den Nummern 36 bis 43 meiner Schlussanträge in den Rechtssachen Albacom und Infostrada
         ausgeführt.
      
      28.   Die in den Ausgangsverfahren streitigen Gebührenbescheide und die ihnen zugrunde liegenden deutschen Rechtsvorschriften können,
         da die verlangten Abgaben die anfallenden Verwaltungskosten überschreiten, nur durch den Tatbestand des Artikels 11 Absatz
         2 der Richtlinie gedeckt sein, womit als Erstes die Frage zu klären ist, ob Telefonnummern knappe Ressourcen im Sinne dieser
         Bestimmung sind.
      
      B –    Der Nummernbestand als „knappe Ressource“
      29.   Die einheitliche Anwendung der Richtlinie setzt voraus, dass für den Begriff „knappe Ressourcen“ eine einheitliche Definition
         gefunden wird, eine Aufgabe, für die sich dem Gerichtshof bisher noch keine Gelegenheit geboten hat. Meiner Auffassung nach
         muss dieser Begriff alle Güter einschließen, die zu schonen sind, weil sie aus technischen, wirtschaftlichen oder praktischen
         Gründen nicht unbegrenzt vermehrbar sind(14). Das exponentielle Wachstum der Zahl der Nutzer und entsprechend der Dienstleister hat seine Wirkungen auf die Zahl der verfügbaren
         Nummern, die damit zu einem knappen Gut werden, für dessen Zuteilung angemessene Verfahren und Kriterien erforderlich sind(15), um allen Wettbewerbern die gleiche Ausgangsposition im Zeitpunkt ihres Marktzutritts zu sichern, dem entscheidenden Moment
         für die Gewährleistung der Gleichbehandlung auf einem Markt mit freiem Wettbewerb(16).
      
      30.   Diese Erwägungen entsprechen dem Willen der Gemeinschaftsbehörden, die, teils ausdrücklich, teils stillschweigend, ihrer Besorgnis
         über eine künftige Verknappung und ihrem Wunsch, eine Neustrukturierung des Nummernbestands zu vermeiden, Ausdruck gegeben
         haben. So hat die Kommission im „Grünbuch über ein Nummerierungskonzept für Telekommunikationsdienste in Europa“ darauf hingewiesen,
         dass in der Übergangszeit bis zur vollständigen Liberalisierung Nummern eine ähnlich bedeutsame Ressource würden wie Frequenzen
         und Wegerechte, da sie im Gegensatz zu diesen zwar nicht physisch begrenzt seien, aber für sie eine vergleichbare Sachlage
         deshalb entstehe, weil Nummernänderungen kostenaufwendig seien und in der Bevölkerung auf Ablehnung stießen(17). Drei Jahre später hat die Kommission in der oben in Fußnote 6 angeführten Mitteilung ohne Umschweife klargestellt, dass
         es sich bei diesem Gut um eine knappe Ressource handelt.
      
      31.   Die gleiche Auffassung wurde implizit auch in der Richtlinie übernommen, die, wie bereits ausgeführt, unterscheidet zwischen
         Allgemeingenehmigungen als im Voraus erteilten Erlaubnissen allgemeiner Art, die es den Unternehmen ermöglichen, auf dem Telekommunikationsmarkt
         ohne ausdrückliche Entscheidung der zuständigen Stelle, aber unter möglicher weiterer Kontrolle tätig zu werden, und Einzelgenehmigungen
         als speziellen Genehmigungen für ein Tätigwerden ihrer Inhaber auf der Grundlage einer Einzelfallentscheidung der Verwaltung(18). Aus der dreizehnten Begründungserwägung der Richtlinie in Verbindung mit ihren Artikeln 7 Absatz 1 Buchstabe a und 10 Absatz
         1 und mit den Abschnitten 4.1 und 4.2 ihres Anhangs ergibt sich nun, dass der objektive Anwendungsbereich dieser zweiten Kategorie
         von Erlaubnissen die Nutzung der knappen Ressourcen umfasst, zu denen außer den Funkfrequenzen auch die Nummern gehören –
         ein Gedanke, der sich bereits in der Richtlinie 2002/20/EG(19) findet, die für ihre Nutzung die Erhebung eines Entgelts zulässt (Artikel 13).
      
      32.   Wird die Nummerierung jedoch ebenso behandelt wie die ohne Zweifel physisch begrenzten Funkfrequenzen, so ist ihr der Charakter
         der „Schonungsbedürftigkeit“ zuzuerkennen, die ein Merkmal des Begriffs der „knappen Ressourcen“ im Sinne von Artikel 11 Absatz
         2 der Richtlinie bildet.
      
      C –    Die Voraussetzungen nach Artikel 11 Absatz 2 der Richtlinie
      33.   Diese Bestimmung macht die Befugnis der Mitgliedstaaten, für die Nutzung solcher knappen Güter Abgaben zu erheben, von drei
         Voraussetzungen abhängig: 1. Die Abgaben müssen die Notwendigkeit widerspiegeln, die optimale Nutzung dieser Güter sicherzustellen,
         2. sie dürfen nicht diskriminierend sein, und 3. sie müssen die Entwicklung innovativer Dienste und den Wettbewerb fördern.
      
      1.      Die optimale Nutzung der knappen Ressourcen
      34.   Wie ich in meinen Schlussanträgen in den Rechtssachen Infostrada und Albacom (Nr. 42) ausgeführt habe, unterscheidet sich
         diese Abgabe ihrem Wesen nach von der „Gebühr“ im Sinne von Artikel 11 Absatz 1 der Richtlinie dadurch, dass sie nicht die
         Aufwendungen decken soll, die für die Verwaltung mit der Ausstellung und Führung dieser Genehmigungen verbunden sind, sondern
         darauf abzielt, den besten Weg für die Nutzung der knappen Ressourcen zu finden. Es handelt sich damit um eine Abgabe, die
         mit keiner Gegenleistung verbunden ist. Sie hat Steuercharakter, auch wenn sie sich auf Einzelfälle bezieht (Nr. 35 der genannten
         Schlussanträge).
      
      35.   Insoweit wird das spezielle Ziel verfolgt, die Versorgung mit Gütern, deren Begrenztheit die Abgabe rechtfertigt, zu verbessern,
         denn es entspricht dem Normzweck, die eingenommenen Mittel für den Ausbau der Infrastrukturen und Investitionen in die neuen
         Technologien zu verwenden. Freilich hat der Gemeinschaftsgesetzgeber die Befugnis, über die Verwendung der Mittel zu entscheiden,
         den Mitgliedstaaten belassen(20), wenngleich nicht unbeschränkt, da der Charakter der Abgabe die Verpflichtung begründet, ihren Ertrag dieser besonderen Zweckbestimmung
         zu widmen. Die angestrebte Harmonisierung verlangt dies.
      
      36.   Nach dieser Eingrenzung des Gebührentatbestands und der Ausgabenart, für die die Einnahmen zu verwenden sind, ist weiter nach
         der Art der Abgabe selbst zu fragen. So bemisst sich beispielsweise die in Deutschland für die Genehmigung zu entrichtende
         Abgabe auf nicht weniger als den fünfzehnfachen Betrag der Verwaltungskosten, und trotz dieser Entgelthöhe ist hiergegen gemeinschaftsrechtlich
         nichts einzuwenden, sofern die dadurch erlangten Mittel in die Verbesserung der Nutzung von knappen Ressourcen investiert
         werden. Indessen wird niemand entgehen, dass die beträchtlichen Unterschiede in der Abgabenbelastung von Mitgliedstaat zu
         Mitgliedstaat über Wettbewerbsverzerrungen zu ernsten Hindernissen für die Wirksamkeit der Grundfreiheiten werden können(21), während doch Artikel 11 Absatz 2 den Wettbewerb mittels der darin geregelten Abgabe gerade stärken will(22).
      
      37.   Daher kann eine unverhältnismäßige und überhöhte Abgabe, abgesehen von der Verletzung weiterer fundamentaler Rechtsgrundsätze,
         gegen die Richtlinie verstoßen, wenn sie eine Marktzutrittsbarriere für neue Telekommunikationsbetreiber errichtet.
      
      2.      Das Verbot einer diskriminierenden Behandlung
      38.   Der Begriff der Diskriminierung ist in der Rechtsprechung des Gerichtshofes umfassend behandelt worden. Eine Diskriminierung
         liegt vor, wenn vergleichbare Sachverhalte ohne objektive Rechtfertigung unterschiedlich behandelt werden und dadurch bestimmte
         Personen gegenüber anderen benachteiligt werden(23). Erlegen somit die Mitgliedstaaten nach Artikel 11 Absatz 2 der Richtlinie den Inhabern von Einzelgenehmigungen Abgaben auf,
         um die Nutzung der knappen Ressourcen zu optimieren, so müssen sie diese Abgaben so regeln, dass zwischen den Wirtschaftsteilnehmern
         des Sektors keine willkürlichen Unterschiede gemacht werden.
      
      39.   Dieses Gebot zeigt die Relevanz der Vorlagefragen auf, die eine in der Mehrheit der Mitgliedstaaten – wenngleich mit Nuancierungen
         – entstandene Sachlage widerspiegeln, nachdem der Liberalisierungsprozess des Telekommunikationssektors zum Abschluss gelangt
         ist und die staatlichen Monopole abgeschafft sind: die Situation eines Wettbewerbs zu ungleichen Bedingungen zwischen den
         Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Netzbetreiber, die die nationalen Märkte beherrschten, und den neuen Betreibern, die auf
         dem vergrößerten europäischen Binnenmarkt Fuß fassen wollen.
      
      40.   Die Richtlinie verlangt, dass die Deutsche Telekom, ISIS und die Firma O2 auf der Grundlage der Gleichheit miteinander konkurrieren.
         Während jedoch die Deutsche Telekom eine beträchtliche Menge von Telefonnummern völlig abgabenfrei erlangte, wurden ISIS und
         die Firma O2 zu einer Abgabe nach § 43 Absatz 3 TKG herangezogen, obgleich die jeweiligen Sachverhalte vergleichbar erscheinen:
         Alle drei Unternehmen sind im selben Sektor tätig, üben die gleiche Geschäftstätigkeit aus und sind daher aus wirtschaftlicher
         Sicht in gleicher Weise von dem Besitz von Telefonnummern abhängig.
      
      41.   Innerhalb dieses Rahmens ist zu klären, ob die Richtlinie eine Situation zulässt, wie sie den Ausgangsverfahren zugrunde liegt.
      42.   Bei erster Betrachtung dieser Fragestellung liegt eine verneinende Antwort nahe; unter gleichen Umständen ist eine unterschiedliche
         rechtliche Behandlung nicht statthaft. Jedoch darf der hinzutretende Zeitfaktor nicht außer Betracht gelassen werden, ist
         doch die Deutsche Telekom an die Stelle des früheren ausschließlichen Telefonnetzbetreibers zu einem Zeitpunkt getreten, als
         das Telekommunikationsgesetz noch nicht in Kraft war, womit der Erwerb ihrer Nummernreserve der Vergangenheit und damit einer
         rechtlich anders gelagerten Situation angehört, so dass die Auffassung nicht unvertretbar ist, wonach dieser Zeitpunkt für
         die vergleichende Prüfung anhand des Gleichheitssatzes nicht herangezogen werden darf.
      
      43.   Ein derartiger Automatismus in der rechtlichen Prüfung muss jedoch ausscheiden, da der Tatsachenhorizont insgesamt unter Würdigung
         aller seiner Aspekte, so irrelevant sie scheinen mögen, zu beurteilen ist. Nach dem Urteil Connect Austria (Randnr. 94) ist
         für die Prüfung, ob die kostenfreie Lizenzvergabe an ein öffentliches Unternehmen vor der Liberalisierung dem rechtlichen
         Gebot der Gleichheit zwischen den beteiligten Betreibern genügt, darauf abzustellen, wann die Lizenz erteilt wurde, welche
         Regelung damals galt, ob etwa eine Betriebspflicht bestand und gegebenenfalls welchen wirtschaftlichen Wert die Lizenz hatte(24).
      
      44.   Die Unternehmen, die an die Stelle der ehemaligen staatlichen Monopolbetreiber getreten sind, besitzen im Allgemeinen auf
         den nationalen Märkten eine beherrschende Stellung, und zwar trotz der bei der Marktöffnung der Telekommunikation erzielten
         Fortschritte(25). Das Bundesverwaltungsgericht erkennt die beherrschende Stellung der Deutschen Telekom auf dem relevanten Markt an, ohne
         dass diese Stellung, anders als die deutsche Regierung meint, durch die Übernahme der Verpflichtungen des früheren Monopolbetreibers
         geschwächt wird, denn die kostenlose Erlangung von 400 Millionen Nummern(26) stärkt bekanntermaßen die Kontrollposition des Unternehmens im Spiel des freien Wettbewerbs, wobei das Unternehmen dank dieser
         erheblichen Reserve und einer  gleichzeitigen entsprechenden Verpflichtung seiner Konkurrenten zur Entrichtung hoher Gebühren
         auch künftig von einer Konsolidierung seiner Vorzugsstellung unter Beeinträchtigung eines gerechten geschäftlichen Wettstreits
         ausgehen kann(27).
      
      45.   Auf der anderen Seite sieht die deutsche Regelung keinen Mechanismus für den Ausgleich dieser Vorteile vor. Wie die deutsche
         Regierung ausgeführt hat, kann von der Deutschen Telekom nicht nachträglich eine Gebühr für die vor Inkrafttreten des Telekommunikationsgesetzes
         erlangten Nummern erhoben werden; der nationale Gesetzgeber habe diese Möglichkeit zwar erwogen(28), aber letztlich als rechtlich unzulässig verworfen(29).
      
      46.   Somit ist eine ungleiche Lage gegeben, die die Bedingungen und das Funktionieren des Marktes verfälschen kann und für die
         offenbar im deutschen Recht keine Lösung besteht.
      
      47.   Damit stellt sich die Frage, ob es für diese Ungleichbehandlung eine Rechtfertigung gibt. Insoweit lässt sich als Rechtfertigung
         nicht die Vergangenheit mit dem Argument geltend machen, dass sich an der kostenfreien Übernahme dieses immensen Nummernbestands
         im Einklang mit dem damals geltenden Recht nichts mehr ändern lasse, denn die Folgen dieser Übernahme wirken in der Gegenwart
         fort, womit die dem ehemaligen Monopolunternehmen zustehenden und an dessen Rechtsnachfolgerin weitergegebenen Vorteile Konsequenzen
         in der Gegenwart zum Nachteil Dritter haben. Bei der Regelung einer neuen Sachlage muss der nationale Gesetzgeber das geltende
         Gemeinschaftsrecht beachten, das als eines seiner Grundprinzipien wettbewerbswidrige Diskriminierungen verbietet. Eben dieses
         Kriterium liegt, wie bereits erwähnt, auch dem Prozess der Liberalisierung der Telekommunikationsmärkte zugrunde, der bereits
         vor dem Erlass des Telekommunikationsgesetzes eingeleitet wurde(30).
      
      48.   Die deutsche Regierung versucht die gegebene Sachlage damit  zu erklären, dass die der Deutschen Telekom übergebenen Nummernbestände
         einem Stamm von Altkunden entsprochen hätten, weshalb sie sich nicht im Verkehr befänden, es sei denn, eine Nummer werde frei,
         womit sie an die Regulierungsbehörde zurückfalle, die sie dann im neuen Regelungsrahmen des Wettbewerbs einem Betreiber einschließlich
         der Deutschen Telekom gegen Zahlung der entsprechenden Gebühr überlassen könne. Diese Erklärung ändert aber nichts an der
         Realität, da die Deutsche Telekom keineswegs der gleichen Regelung unterstellt ist wie die übrigen Betreiber, sondern über
         Nummern verfügt, für die ihre Wettbewerber bezahlen müssen.
      
      49.   Als weitere Rechtfertigung verweist die deutsche Regierung darauf, dass die Deutsche Telekom neben dem Nummernbestand auch
         eine große Menge von finanziellen Verpflichtungen „geerbt“ habe, die die erlangten Vorteile ausglichen, so etwa bestehende
         Universaldienstverpflichtungen zum Zeitpunkt der Marktöffnung oder die Übernahme von etwa 80 000 Beamten(31). Dieses Vorbringen wird indessen nicht durch Beweismittel gestützt, und jedenfalls obliegt es dem nationalen Gericht, es
         zu würdigen und zu entscheiden, ob die Ungleichbehandlung der konkurrierenden Unternehmen gerechtfertigt ist.
      
      50.   Im Ergebnis handelt es sich damit um eine ungleiche Regelung, deren Rechtfertigung das Bundesverwaltungsgericht nach Maßgabe
         der Umstände des Einzelfalls zu prüfen haben wird, wobei als  Rechtfertigung weder akzeptiert werden kann, 1. dass die Abgabe
         für die Zuteilung des Nummernbestandes nicht erhoben wurde, als das jetzt beherrschende Unternehmen das frühere staatliche
         Monopolunternehmen ablöste, noch dass 2. dieses Unternehmen seit Inkrafttreten der neuen Regelung für die Zuteilung zusätzlicher
         Nummern ebenso eine Abgabe zu zahlen hat wie die übrigen Unternehmen.
      
      3.      Die Vereinbarkeit mit dem Grundsatz des freien Wettbewerbs
      51.   Die letzte in Artikel 11 Absatz 2 der Richtlinie normierte Voraussetzung macht die Rechtmäßigkeit der Abgabenerhebung zulasten
         der Inhaber von Einzelgenehmigungen für knappe Ressourcen davon abhängig, dass sie der Entwicklung innovativer Dienste und
         Förderung des Wettbewerbs dient.
      
      52.   Die Liberalisierung der Telekommunikation verlangt die Öffnung des Marktes, deren Verwirklichung nicht vereitelt werden darf
         durch Abgaben, die den Wettbewerb einschränken, indem sie Betreibern in vergleichbarer Lage unterschiedliche Belastungen auferlegen
         und dadurch bestimmte von ihnen gegenüber anderen bevorzugen, denn freier Wettbewerb setzt, wie im Urteil Connect Austria
         (Randnr. 83) hervorgehoben wurde, Chancengleichheit unter den einzelnen Wirtschaftsteilnehmern voraus. Zum anderen verbieten
         es, wie ich bereits in meinen Schlussanträgen in den Rechtssachen Albacom und Infostrada (Nr. 43) ausgeführt habe, der Zweck
         dieser Gemeinschaftsregelung und der Ausnahmecharakter des – nach den allgemeinen Auslegungsregeln restriktiv auszulegenden(32) – Artikels 11 Absatz 2, dass neuen Wettbewerbern andere als die unbedingt notwendigen Beschränkungen und Belastungen auferlegt
         werden.
      
      53.   Überdies müssen Unternehmen, die in diesem Wirtschaftssektor tätig werden wollen, erhebliche Investitionen aufbringen, weshalb
         die Anfangsphase ihrer Strategie besondere Bedeutung für die Entwicklung des Wettbewerbs hat, da die einschlägigen Verwaltungsverfahren
         und die damit einhergehenden Kosten(33) den unerwünschten Effekt einer Abschirmung und Stärkung der bereits etablierten Unternehmen mit sich bringen können(34).
      
      54.   Wettbewerbsverzerrungen können aber nicht nur wirtschaftliche Gründe haben, sondern auch auf technischen Faktoren beruhen,
         und beide Aspekte beschränken das Ermessen der staatlichen Stellen, und zwar sowohl der Stellen mit Rechtssetzungsbefugnissen
         als auch der Behörden mit bloßen Exekutivbefugnissen(35). Einer dieser technischen Faktoren ist eben der Nummernbestand als eine knappe Ressource mit inzwischen erheblicher Bedeutung,
         da das freie Spiel der Marktkräfte die Bereitstellung einer genügenden Anzahl von Nummern und ihre gerechte Verteilung unter
         den Wettbewerbern voraussetzt(36).
      
      55.   Wenn dem Rechtsnachfolger des früheren Monopolunternehmens ein sehr großer Teil dieses nur begrenzt vorhandenen Gutes kostenlos
         zugeteilt wird und überdies die neuen Wirtschaftsteilnehmer ihrerseits für die Zuteilung von Nummern Geldleistungen erbringen
         müssen, die die Kosten des Verwaltungsaufwands erheblich übersteigen, so trägt dies unbestreitbar zur weiteren Stärkung einer
         schon vorhandenen beherrschenden Stellung bei und behindert damit den Markteintritt anderer Unternehmen zum Nachteil des offenen
         Wettbewerbs, den die Richtlinie im Allgemeinen und ihr Artikel 11 Absatz 2 im Besonderen anstreben. Die Deutsche Telekom hat
         gleichsam nicht nur einen großen Teil vom „Kuchen“ bekommen, sondern auch völlig kostenlos, während die übrigen Marktteilnehmer
         hierfür einen hohen Preis zu zahlen haben, womit die gebotene Chancengleichheit im geschäftlichen Tätigwerden verfälscht wird.
      
      56.   Die Richtlinie und ihr Artikel 11 Absatz 2 sind somit dahin auszulegen, dass sie einer für die Zuteilung von Telefonnummern
         erhobenen Abgabe, deren Höhe den wirtschaftlichen Wert der Zuteilung berücksichtigt und die dafür aufgewendeten Verwaltungskosten
         übersteigt, entgegenstehen, wenn einem Unternehmen, das als Rechtsnachfolger des ehemaligen staatlichen Monopolunternehmens
         den Sektor beherrscht, die Nummernblöcke kostenlos von seinem Rechtsvorgänger übertragen wurden und es nach dem nationalen
         Recht für diese Übertragung, die keinen Ausgleich für „ererbte“ Belastungen bildet, nicht nachträglich zu Gebühren herangezogen
         werden kann.
      
      57.   Die von mir vorgeschlagene Verneinung der ersten Vorlagefrage erübrigt die Erörterung der zweiten Vorlagefrage, denn aus den
         vorstehenden Darlegungen folgt, dass die Erhebung einer einmaligen Gebühr für neue Unternehmen in Höhe eines nach bestimmten 
         Regeln berechneten Prozentsatzes des wirtschaftlichen Wertes der zugeteilten Nummern (0,1 % des daraus voraussichtlich resultierenden
         Umsatzes gegenüber dem Endkunden) ohne eine vorherige, ihre sonstigen Marktzutrittskosten zugrunde legende Analyse ihrer Wettbewerbschancen
         gegenüber dem auf dem Markt bereits etablierten, beherrschenden Unternehmen unzulässig ist.
      
      V –    Ergebnis
      58.   Nach alledem schlage ich vor, auf die erste der beiden Vorlagefragen des Bundesverwaltungsgerichts in den vorliegenden verbundenen
         Rechtssachen zu antworten, dass die Richtlinie 97/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10. April 1997 über
         einen gemeinsamen Rahmen für Allgemein- und Einzelgenehmigungen für Telekommunikationsdienste, insbesondere ihr Artikel 11
         Absatz 2, dahin auszulegen ist, dass sie einer für die Zuteilung von Telefonnummern erhobenen Abgabe, deren Höhe den  wirtschaftlichen
         Wert der Zuteilung berücksichtigt und die dafür aufgewendeten Verwaltungskosten erheblich übersteigt, entgegensteht, wenn
         einem Unternehmen, das als Rechtsnachfolger des ehemaligen staatlichen Monopolunternehmens den Sektor beherrscht, die Nummernblöcke
         kostenlos von seinem Rechtsvorgänger übertragen wurden und es nach dem nationalen Recht für diese Übertragung, die keinen
         Ausgleich für „ererbte“ Belastungen bildet, nicht nachträglich zu Gebühren herangezogen werden kann.
      
      1 –	 Originalsprache: Spanisch.
      
      2  –	ABl. L 117, S. 15.
      
      3  –	Nach Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe b der Richtlinie ist dies eine rechtlich und organisatorisch unabhängige Stelle, die
         mit der Ausfertigung und der Überwachung der Einhaltung von Genehmigungen beauftragt ist.
      
      4  –	Eine knappe, nützliche Übersicht über diese Entwicklung bietet die Einleitung der „Mitteilung der Kommission an den Rat
         und das Europäische Parlament – Konsultation zum Grünbuch über die Liberalisierung der Telekommunikationsinfrastruktur und
         der Kabelfernsehnetze“, Brüssel, 3. Mai 1995, KOM(95) 158 endg.
      
      5  –	„Grünbuch über die Entwicklung des Gemeinsamen Marktes für Telekommunikationsdienstleistungen und Telekommunikationsgeräte“,
         Brüssel, 16. Dezember 1987, KOM(87) 290 endg., S. 6, 16 ff. der Zusammenfassung.
      
      6  –	„Grünbuch über die Liberalisierung der Telekommunikationsinfrastruktur und der Kabelfernsehnetze“, Teil II, Brüssel, 25.
         Januar 1995, KOM(94) 682 endg., S. 61 ff. Vgl. auch die Mitteilung der Kommission „Entwicklung neuer Rahmenbedingungen für
         elektronische Kommunikationsinfrastrukturen und zugehörige Dienste – Kommunikationsbericht 1999“, Brüssel, 10. November 1999,
         KOM(1999) 539 endg., S. 25.
      
      7  –	Schlussanträge vom 12. Dezember 2002 in den verbundenen Rechtssachen C‑292/01 und C‑203/01 (Albacom und Infostrada, Urteil
         vom 18. September 2003, Slg. 2003, I‑9449), deren Nrn. 2 bis 7 nahezu wörtlich mit den obigen Nrn. 6 bis 11 übereinstimmen.
      
      8  –	Gemäß Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe a erster Gedankenstrich der Richtlinie bezeichnet der Ausdruck „‚Allgemeingenehmigung‘
         … ungeachtet einer Registrierungspflicht jede Genehmigung, die aufgrund einer ‚Gruppengenehmigung‘ oder aufgrund allgemeiner
         Rechtsvorschriften ein Unternehmen davon entbindet, vor der Ausübung der aus der Genehmigung herrührenden Rechte die ausdrückliche
         Zustimmung der nationalen Regulierungsbehörde einzuholen“.
      
      9  –	Die Einzelgenehmigung ist gemäß Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe a zweiter Gedankenstrich der Richtlinie „eine durch eine
         nationale Regulierungsbehörde erteilte Genehmigung, die einem Unternehmen bestimmte Rechte verleiht oder die Tätigkeit des
         Unternehmens bestimmten Verpflichtungen, gegebenenfalls in Ergänzung der Allgemeingenehmigung, unterwirft, sofern das Unternehmen
         die entsprechenden Rechte ohne Zustimmung der nationalen Regulierungsbehörde nicht ausüben kann“.
      
      10  –	Zu den Genehmigungsvoraussetzungen vgl. den Anhang der Richtlinie.
      
      11  –	BGBl. 1996 I, 1120.
      
      12  –	BGBl. 1999 I, 1887.
      
      13  –	So weist die Kommission in der oben in Fußnote 4 genannten Mitteilung darauf hin, dass die Genehmigungen im Telekommunikationssektor
         implizit die Dienstleistungsfreiheit beschränkten und die Marktstrukturen verändern könnten.
      
      14  –	Vgl. in diesem Sinne Verwaltungsgericht Köln, Urteil vom 15. Dezember 2000, Multimedia und Recht 5/2001, S. 327.
      
      15  –	Ähnlich haben dies L. Gramlich in „Rechtsfragen der Nummerierung nach § 43 Telekommunikationsgesetz“, Archiv für Post und Telekommunikation 1998, S. 16, und J. Scherer in „Entwicklungslinien des Telekommunikationsrechts“, Computer und Recht 2000, S. 42, formuliert.
      
      16  –	Vgl. Polster, S., Das Telekommunikationsrecht der Europäischen Gemeinschaften, Wien 1999, S. 78.
      
      17  –	„Grünbuch über ein Nummerierungskonzept für Telekommunikationsdienste in Europa“, Brüssel, 20. November 1996, KOM(96) 590
         endg., S. 1 und Fußnote 3.
      
      18  –	In ähnlicher Weise habe ich dies bereits in den Nrn. 30 und 31 meiner Schlussanträge in den Rechtssachen Albacom und Infostrada
         zur Auslegung der Artikel 2, 5 und 9 der Richtlinie ausgeführt.
      
      19  –	Richtlinie 2002/20/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. März 2002 über die Genehmigung elektronischer Kommunikationsnetze
         und -dienste (Genehmigungsrichtlinie) (ABl. L 108, S. 21).
      
      20  –	Die „Genehmigungsrichtlinie“ lässt in ihrer 32. Begründungserwägung erkennen, dass sie nicht die Zwecke festlegen soll,
         für die die Abgaben für Nutzungsrechte zu verwenden sind.
      
      21  –	In Nummer 51 a. E. meiner Schlussanträge in den Rechtssachen Albacom und Infostrada habe ich darauf hingewiesen, dass
         die „Ungleichbehandlung gleicher Besteuerungstatbestände durch die Mitgliedstaaten … zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen
         führen [kann], indem sie den freien Personen‑, Kapital‑, Waren‑ und Dienstleistungsverkehr beeinträchtigt“. J. Scherer (a. a. O.,
         S. 42) kritisiert das den Mitgliedstaaten in der Richtlinie eingeräumte Ermessen, das ihnen eine unterschiedliche Abgabenbelastung
         für die Zuteilung von knappen Ressourcen ermögliche, wodurch echte Marktzutrittsbarrieren errichtet werden könnten. S. Polster
         (a. a. O., S. 78), der sich dieser Auffassung anschließt, hebt die mangelnde Genauigkeit hervor, die hinsichtlich der zulässigen
         Höchstgrenze der Abgaben bestehe. Das Europäische Amt für Telekommunikation unterstreicht seinerseits in einem Bericht an
         die Kommission (Annexes to the second interim report – Fees for licensing telecommunications services and networks,  Juli 1999, S. 5), dass die unterschiedliche Abgabenbelastung der Marktteilnehmer den Sektor negativ beeinflussen und bestimmte
         nationale Märkte im Verhältnis zu anderen  beeinträchtigen könne.
      
      22  –	In der 31. Begründungserwägung der Genehmigungsrichtlinie wird in Erinnerung gebracht, dass die von den Mitgliedstaaten
         erhobenen Verwaltungsgebühren weder den Wettbewerb verfälschen noch Marktzutrittsschranken errichten dürfen.
      
      23  –	Zu den frühesten einschlägigen Entscheidungen gehört das Urteil vom 13. Juli 1962 in den verbundenen Rechtssachen 17/61
         und 20/61 (Klöckner‑Werke u. a./Hohe Behörde, Slg. 1962, 653, 692 f.). Zu den jüngeren einschlägigen Entscheidungen gehören
         etwa die Urteile vom 26. September 2002 in der Rechtssache C‑351/98 (Spanien/Kommission, Slg. 2002, I‑8031, Randnr. 57) und
         vom 22. Mai 2003 in der Rechtssache C‑462/99 (Connect Austria, Slg. 2003, I‑5197, Randnr. 115), auf die ich unten zurückkommen
         werde.
      
      24  –	Auf der Grundlage dieser Kriterien stehen nach dem Urteil Connect Austria (Randnr. 118) die Artikel 9 Absatz 2 und 11
         Absatz 2 der Richtlinie einer nationalen Regelung nicht entgegen, die die Zuteilung zusätzlicher Frequenzen aus dem für DCS 1800
         reservierten Frequenzbereich an Betreiber, die bereits eine GSM‑900‑Lizenz besitzen, ohne gesonderte Gebühr gestattet, während
         vom Betreiber, dem eine DCS‑1800‑Lizenz erteilt wurde, eine Gebühr erhoben wurde, wenn die Gebühr, die von den bestehenden
         Betreibern für ihre GSM‑900‑Lizenz einschließlich der später ohne Aufzahlung erfolgenden Zuteilung zusätzlicher Frequenzen
         aus dem für DCS 1800 reservierten Frequenzbereich erhoben wurde, unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit der Gebühr, die
         von dem Betreiber im Besitz der DCS‑1800‑Lizenz erhoben wurde, gleichwertig ist.
      
      25  –	Nach der Rechtsprechung der Gemeinschaftsgerichte besitzt ein Unternehmen eine beherrschende Stellung, wenn es einen wirksamen
         Wettbewerb auf dem relevanten Markt verhindern kann, weil es sich seinen Wettbewerbern, seinen Abnehmern und letztlich den
         Verbrauchern gegenüber unabhängig verhalten kann (Urteile vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache 85/76, Hoffmann‑La Roche,
         Slg. 1979, 461, Randnr. 38, vom 11. Dezember 1980 in der Rechtssache 31/80, L’Oreal, Slg. 1980, 3775, Randnr. 26, und vom
         9. November 1983 in der Rechtssache 322/81, Michelin, Slg. 1983, 3461, Randnr. 30).
      
      26  –	Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Firma O2 für die Zuteilung einer wesentlich geringeren Nummernmenge (230 300) und
         die Versagung von 21 000 Nummern zu einer Abgabe von 2 308 250 DM (nunmehr 1 154 125 Euro) herangezogen wurde. Die entsprechende
         Gebühr für die 400 Millionen Nummern, die der Deutschen Telekom zugeteilt wurden, beliefe sich auf 400 000 000 DM (200 000 000
         Euro).
      
      27  –	Im Urteil Connect Austria (Randnrn. 85 und 86) wurde festgestellt, dass die einem neu tätig werdenden Unternehmen obliegende
         Verpflichtung, für eine Lizenzerteilung eine Gebühr zu entrichten, für ein öffentliches Unternehmen mit beherrschender Stellung,
         das keinerlei entsprechende Gebühr zu zahlen hat, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten darstellt, der ihm
         eine Ausweitung seiner beherrschenden Stellung durch niedrigere Tarifangebote ermöglicht.
      
      28  –	So heißt es im Vorlagebeschluss in der Rechtssache C‑327/03 (S. 3 f.): „Zwar sei der Verordnungsgeber davon ausgegangen,
         die Deutsche Telekom AG müsse für den von ihr übernommenen Rufnummernbestand Gebühren in Höhe von etwa 386 Millionen DM entrichten.
         Eine Gebührenpflicht sei indes nicht in Betracht gekommen, weil die Deutsche Telekom AG zu keinem Zeitpunkt einen Antrag auf
         Zuteilung der in Rede stehenden Rufnummern gestellt habe und nur die Entscheidung über einen solchen Antrag die Gebührenpflicht
         auslöse.“
      
      29  –	M. Wissmann weist in dem von ihm herausgegebenen Werk Telekommunikationsrecht (Heidelberg 2003, S. 351 und 1219) auf die in Deutschland bestehende Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Bewertung
         der Reserve im Besitz der Deutschen Telekom hin. So wird in Rechtsprechung und Literatur die Möglichkeit erörtert, von der
         Deutschen Telekom eine Abgabe für die Zuteilung vor dem 1. August 1996 zu erheben, eben weil das Telekommunikationsgesetz
         gerade die Herstellung der Gleichheit im Wettbewerb bezweckt habe. Es wird auch die Auffassung vertreten, dass die Deutsche
         Telekom aus der früheren Schaffung eines Monopols in einem abgeschotteten Markt keinen Vorteil ziehen dürfe. Die Gegenauffassung
         hebt hervor, dass die fragliche Überlassung des Nummernbestands im Licht der damaligen Rechtslage und Kompetenzverteilung
         zwischen dem Bundesministerium für Post und Telekommunikation, der Deutschen Telekom und ihrer Rechtsvorgängerin zu sehen
         sei.
      
      30  –	Ausgangspunkt hierbei war die Richtlinie 90/388/EWG der Kommission vom 28. Juni 1990 über den Wettbewerb auf dem Markt
         für Telekommunikationsdienste (ABl. L 192, S. 10). Ihre erste Änderung wurde vorgenommen mit der Richtlinie 94/46/EG der Kommission
         vom 13. Oktober 1994 insbesondere im Hinblick auf die Satellitenkommunikation (ABl. L 268, S. 15). Mit der Richtlinie 95/51/EG
         der Kommission vom 18. Oktober 1995 (ABl. L 256, S. 49) wurden die Einschränkungen bei der Nutzung von Kabelfernsehnetzen
         für die Erbringung bereits liberalisierter Telekommunikationsdienste aufgehoben. Im gleichen Jahr legte die Richtlinie 95/62/EG
         des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 1995 (ABl. L 321, S. 6) die Voraussetzungen für die Öffnung des
         Netzzugangs beim Sprachtelefondienst fest. Die Richtlinie 90/388 wurde erneut geändert durch die Richtlinie 96/2/EG der Kommission
         vom 16. Januar 1996 (ABl. L 20, S. 59), um die mobile Kommunikation und Personal Communications in ihren Geltungsbereich einzubeziehen.
         Eine weitere Änderung der Regelung von 1990 erfolgte mit der Richtlinie 96/19/EG der Kommission vom 13. März 1996 (ABl. L 74,
         S. 13), um den unbeschränkten Wettbewerb auf den Telekommunikationsmärkten zu fördern. Die letzte Änderung wurde vorgenommen
         mit der Richtlinie 1999/64/EG der Kommission vom 23. Juni 1999 (ABl. L 175, S. 39) im Hinblick auf die Organisation ein und
         demselben Betreiber gehörender Telekommunikations‑ und Kabelfernsehnetze in rechtlich getrennten Einheiten. Ein Teil der vorgenannten
         Rechtsakte ist zwischenzeitlich außer Kraft getreten und ersetzt worden durch die Richtlinie 2002/77/EG der Kommission vom
         16. September 2002 über den Wettbewerb auf den Märkten für elektronische Kommunikationsnetze und -dienste (ABl. L 249, S. 21).
      
      31  –	Die Übernahme von 80 000 Beamten kann schwerlich als Last angesehen werden, es sei denn, man ginge von der antiquierten
         Vorstellung aus, es handele sich dabei um verwöhnte, unbedarfte und ineffiziente Mitarbeiter –  jene in der Literatur des
         19. Jahrhunderts oft zu findende Vorstellung, für die als eines von vielen Beispielen etwa die Erzählung „Krankenzimmer Nr. 6“
         von Anton Tschechow (Meisternovellen, hrsg. von I. Schmeljow, aus dem Russischen übersetzt von R. Candreia, Manesse Verlag,
         Zürch 1946) dienen mag, in der der Arzt Andrej Jefimytsch klagt: „Ich diene einer schädlichen Sache und erhalte dafür Gehalt
         von Menschen, die ich betrüge; ich bin nicht ehrlich. Doch an sich bin ich ja nichts, ich bin nur ein Teilchen des notwendigen
         sozialen Übels: alle Beamten des Bezirks sind schädlich und erhalten ihren Lohn umsonst…“.
      
      32  –	Im Urteil Albacom und Infostrada (Randnr. 34) hat der Gerichtshof festgestellt, dass Artikel 11 Absatz 2 der Richtlinie
         restriktiv auszulegen ist. 
      
      33  –	In der oben in Fußnote 6 angeführten Mitteilung hat die Kommission darauf hingewiesen, dass das Erfordernis einer vorherigen
         Genehmigung durch langwierige und unnötig aufwendige Verwaltungsverfahren zu einem ungerechtfertigten Hemmnis werden kann.
         Sie hat auch die Notwendigkeit unterstrichen, die Abgabenbelastung zu senken (S. 25 und 26). Eine genaue Betrachtung der vorliegenden
         Ausgangssachverhalte zeigt, dass die streitige Abgabe, wie bereits erwähnt, die Kosten des erbrachten Aufwands um das Fünfzehnfache
         übersteigt.
      
      34  –	A. Heffermann weist in Telekommunikationsrecht, Liberalisierung und Wettbewerb (Wien 2002, S. 91) darauf hin, dass die Wettbewerbsregeln mit der Stärkung der Marktkräfte infolge der Liberalisierung des
         Sektors eine große Bedeutung erlangt haben. Dieser Umstand gewinnt nach seiner Auffassung, wie auch die vorliegenden Vorabentscheidungsersuchen
         illustrieren, wegen der gegenwärtigen beherrschenden Stellung der früheren staatlichen Monopolunternehmen erhebliches Interesse.
      
      35  –	Vgl. Möstl, M., „Lizenzgebühren im Bereich von Post und Telekommunikation“, Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht 2001, S. 738.
      
      36  –	Vgl. dazu Wissmann, M. (Hrsg.), a. a. O., S. 326 und 1196.