CELEX: 62002CJ0049
Language: de
Date: 2004-06-24
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 24. Juni 2004.#Heidelberger Bauchemie GmbH.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Bundespatentgericht - Deutschland.#Marken - Rechtsangleichung - Richtlinie 89/104/EWG - Markenformen - Farbzusammenstellungen - Farben Blau und Gelb für bestimmte Waren für Bauzwecke.#Rechtssache C-49/02.

Rechtssache C-49/02Beschwerdesache Heidelberger Bauchemie GmbH(Vorabentscheidungsersuchen des Bundespatentgerichts)
         
            «Marken  –  Rechtsangleichung  –  Richtlinie 89/104/EWG  –  Markenfähige Zeichen  –  Farbzusammenstellungen  –  Farben Blau und Gelb für bestimmte Waren für Bauzwecke»
            
               
                  Schlussanträge des Generalanwalts P. Léger vom 15. Januar 2004
                     
               
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 24. Juni 2004
                     
               
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  
                  Rechtsangleichung  –  Marken  –  Richtlinie 89/104  –  Markenfähige Zeichen  –  Farben oder Farbzusammenstellungen  –  Voraussetzungen  –  Verpflichtung der zuständigen Behörde, die übrigen Eintragungsvoraussetzungen zu prüfen  –  Umfang der Prüfung(Richtlinie 89/104 des Rates, Artikel 2 und 3) Als Marke zur Eintragung in das Register angemeldete abstrakt und konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen,
         deren Farbtöne unter Einreichung eines Farbmusters wörtlich benannt sowie nach einem international anerkannten Farbklassifikationssystem
         genau bezeichnet sind, können eine Marke im Sinne von Artikel 2 der Ersten Richtlinie 89/104 über die Marken sein, sofern
         – feststeht, dass diese Farben oder Farbzusammenstellungen in dem Zusammenhang, in dem sie verwendet werden, sich tatsächlich
         als Zeichen darstellen und 
         – die Anmeldung eine systematische Anordnung enthält, in der die betreffenden Farben in vorher festgelegter und beständiger
         Weise verbunden sind, wobei die bloße form- und konturlose Zusammenstellung zweier oder mehrerer Farben oder die Nennung zweier
         oder mehrerer Farben „in jeglichen denkbaren Formen“ nicht die nach Artikel 2 der Richtlinie erforderlichen Merkmale der Eindeutigkeit
         und Beständigkeit aufweist, und 
         – die betreffenden Farben oder Farbzusammenstellungen für die Übermittlung von eindeutigen Informationen, insbesondere über
         die Herkunft einer Ware oder einer Dienstleistung, geeignet sind.
          Auch wenn eine Farbzusammenstellung die Voraussetzungen einer Marke im Sinne von Artikel 2 dieser Richtlinie erfüllt, muss
         die für die Eintragung von Marken zuständige Behörde prüfen, ob die angemeldete Zusammenstellung die übrigen, u. a. in Artikel
         3 derselben Richtline vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt, um im Hinblick auf die Waren oder Dienstleistungen des Unternehmens,
         das die Eintragung beantragt, als Marke eingetragen werden zu können. Bei dieser Prüfung sind alle maßgeblichen Umstände des
         Einzelfalls, zu denen gegebenenfalls auch die Benutzung des als Marke angemeldeten Zeichens gehört, zu berücksichtigen. Dabei
         ist auch dem Allgemeininteresse daran Rechnung zu tragen, dass die Verfügbarkeit der Farben für die anderen Wirtschaftsteilnehmer,
         die Waren oder Dienstleistungen der von der Anmeldung erfassten Art anbieten, nicht ungerechtfertigt beschränkt wird.
         
         
               (vgl. Randnrn. 34, 37, 42 und Tenor)
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Zweite Kammer)24. Juni 2004(1)
         
         
               „Marken  –  Rechtsangleichung  –  Richtlinie 89/104/EWG  –  Markenformen  –  Farbzusammenstellungen  –  Farben Blau und Gelb für bestimmte Waren für Bauzwecke“
               
             In der Rechtssache C-49/02
             betreffend ein dem Gerichtshof nach Artikel 234 EG vom deutschen Bundespatentgericht in der bei diesem anhängigen Beschwerdesache
            
            
            
            Heidelberger Bauchemie GmbH
            
            
            
            
            
            
             vorgelegtes Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung von Artikel 2 der Ersten Richtlinie 89/104/EWG des Rates vom
            21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Marken (ABl. 1989, L 40, S. 1)erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer),,
            
             unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans, der Richter J.-P. Puissochet, J. N. Cunha Rodrigues (Berichterstatter)
            und R. Schintgen sowie der Richterin N. Colneric, 
            
             Generalanwalt: P. Léger,Kanzler: H. von Holstein, Hilfskanzler,
            
            
            unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen
               
               –
                der Heidelberger Bauchemie GmbH, vertreten durch Rechtsanwalt V. Schmitz,
               
               –
                der niederländischen Regierung, vertreten durch H. G. Sevenster als Bevollmächtigte,
               
               –
                der Regierung des Vereinigten Königreichs, vertreten durch P. Ormond als Bevollmächtigte im Beistand von D. Alexander, Barrister,
               
               –
                der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch N. B. Rasmussen und T. Jürgensen als Bevollmächtigte,
               
               
            
            
            
            
            nach Anhörung der mündlichen Ausführungen der Heidelberger Bauchemie GmbH und der Kommission in der Sitzung vom 6. November
               2003,
            
            
            nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 15. Januar 2004,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
          Das Bundespatentgericht hat mit Beschluss vom 22. Januar 2002, beim Gerichtshof eingegangen am 20. Februar 2002, gemäß Artikel
         234 EG zwei Fragen nach der Auslegung von Artikel 2 der Ersten Richtlinie 89/104/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung
         der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Marken (ABl. 1989, L 40, S. 1, im Folgenden: Richtlinie) zur Vorabentscheidung
         vorgelegt. 
         
         
         
         2
            
          Diese Fragen stellen sich im Rahmen einer Beschwerde, die die Heidelberger Bauchemie GmbH (im Folgenden: Heidelberger Bauchemie)
         gegen die Weigerung des Deutschen Patentamts eingelegt hat, die Farben Blau und Gelb als Marke für bestimmte Waren für Bauzwecke
         einzutragen. 
         
         
            
               Rechtlicher Rahmen 
            Das TRIPS-Übereinkommen 
         
         3
            
          Das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (TRIPS-Übereinkommen) im Anhang des Übereinkommens
         zur Errichtung der Welthandelsorganisation vom 15. April 1994 ist im Namen der Europäischen Gemeinschaft in Bezug auf die
         in ihre Zuständigkeiten fallenden Bereiche durch den Beschluss 94/800/EG des Rates vom 22. Dezember 1994 (ABl. L 336, S. 1,
         214) genehmigt worden. Es ist am 1. Januar 1995 in Kraft getreten. Nach Artikel 65 Absatz 1 des TRIPS-Übereinkommens waren
         die Mitglieder jedoch nicht verpflichtet, dieses Übereinkommen vor Ablauf einer allgemeinen Frist von einem Jahr, d. h. vor
         dem 1. Januar 1996, anzuwenden. 
         
         
         
         4
            
          Artikel 15 Absatz 1 des TRIPS-Übereinkommens bestimmt: 
         „Alle Zeichen und alle Zeichenkombinationen, die geeignet sind, die Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denen
         anderer Unternehmen zu unterscheiden, können eine Marke darstellen. Solche Zeichen, insbesondere Wörter einschließlich Personennamen,
         Buchstaben, Zahlen, Abbildungen und Farbverbindungen, sowie alle Verbindungen solcher Zeichen sind als Marken eintragungsfähig.
         Sind Zeichen nicht ihrer Natur nach geeignet, die betreffenden Waren oder Dienstleistungen zu unterscheiden, so können die
         Mitglieder ihre Eintragungsfähigkeit von ihrer durch Benutzung erworbenen Unterscheidungskraft abhängig machen. Die Mitglieder
         können die visuelle Wahrnehmbarkeit von Zeichen als Eintragungsvoraussetzung festlegen.“
         
         Gemeinschaftsregelung
         
         5
            
          Artikel 2 („Markenformen“) der Richtlinie lautet: 
         „Marken können alle Zeichen sein, die sich grafisch darstellen lassen, insbesondere Wörter einschließlich Personennamen, Abbildungen,
         Buchstaben, Zahlen und die Form oder Aufmachung der Ware, soweit solche Zeichen geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen
         eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden.“
         
         
         
         6
            
          Artikel 3 („Eintragungshindernisse – Ungültigkeitsgründe“) der Richtlinie sieht vor: 
         „(1) Folgende Zeichen oder Marken sind von der Eintragung ausgeschlossen oder unterliegen im Falle der Eintragung der Ungültigerklärung:
         
         a)
            Zeichen, die nicht als Marke eintragungsfähig sind,
         
         
         b)
            Marken, die keine Unterscheidungskraft haben,
         
         
         c)
            Marken, die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen, welche im Verkehr zur Bezeichnung der Art, der Beschaffenheit,
               der Menge, der Bestimmung, des Wertes, der geografischen Herkunft oder der Zeit der Herstellung der Ware oder der Erbringung
               der Dienstleistung oder zur Bezeichnung sonstiger Merkmale der Ware oder Dienstleistung dienen können,
            
         
         
         d)
            Marken, die ausschließlich aus Zeichen oder Angaben bestehen, die im allgemeinen Sprachgebrauch oder in den redlichen und
               ständigen Verkehrsgepflogenheiten üblich sind,
            
         
         ...
         (3)     Eine Marke wird nicht gemäß Absatz 1 Buchstabe b), c) oder d) von der Eintragung ausgeschlossen oder für ungültig erklärt,
         wenn sie vor der Anmeldung infolge ihrer Benutzung Unterscheidungskraft erworben hat. Die Mitgliedstaaten können darüber hinaus
         vorsehen, dass die vorliegende Bestimmung auch dann gilt, wenn die Unterscheidungskraft erst nach der Anmeldung oder Eintragung
         erworben wurde.
         …“
         
         Deutsche Regelung 
         
         7
            
          Das in Artikel 1 des Gesetzes zur Reform des Markenrechts und zur Umsetzung der Ersten Richtlinie enthaltene Gesetz über den
         Schutz von Marken und sonstigen Kennzeichen vom 25. Oktober 1994 (BGBI. Teil I 1994 S. 3082, im Folgenden: Markengesetz),
         in Kraft getreten am 1. Januar 1995, dient der Umsetzung der Richtlinie in das deutsche Recht.
         
         
         
         8
            
         § 3 Absatz 1 Markengesetz lautet: 
         „Als Marke können alle Zeichen, insbesondere Wörter einschließlich Personennamen, Abbildungen, Buchstaben, Zahlen, Hörzeichen,
         dreidimensionale Gestaltungen einschließlich der Form einer Ware oder ihrer Verpackung sowie sonstige Aufmachungen einschließlich
         Farben und Farbzusammenstellungen geschützt werden, die geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von
         denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden.“ 
         
         
         
         9
            
         § 8 Markengesetz bestimmt:
         „(1)   Von der Eintragung sind als Marke schutzfähige Zeichen im Sinne des § 3 ausgeschlossen, die sich nicht grafisch darstellen
         lassen.
         (2)     Von der Eintragung ausgeschlossen sind Marken,
          1.       denen für die Waren oder Dienstleistungen jegliche Unterscheidungskraft fehlt,
         ...
         (3)     Absatz 2 Nr. 1, 2 und 3 findet keine Anwendung, wenn die Marke sich vor dem Zeitpunkt der Entscheidung über die Eintragung
         infolge ihrer Benutzung für die Waren und Dienstleistungen, für die sie angemeldet worden ist, in den beteiligten Verkehrskreisen
         durchgesetzt hat.“
         
         Ausgangsverfahren und Vorlagefragen 
         
         10
            
          Am 22. März 1995 meldete die Heidelberger Bauchemie beim Patentamt die Farben Blau und Gelb als Marke zur Eintragung in das
         Register an. Zur „Wiedergabe der Marke“ diente ein rechteckiges Stück Papier, dessen obere Hälfte blau und dessen untere Hälfte
         gelb war. Der Anmeldung war folgende Markenbeschreibung beigefügt: 
         „Bei der angemeldeten Marke handelt es sich um die Firmenfarben der Anmelderin, die in jeglichen denkbaren Formen benutzt
         werden, insbesondere für Verpackungen und Etiketten. 
          Die genaue Bezeichnung der Farben ist wie folgt:
          RAL 5015/HKS 47 – blau 
          RAL 1016/HKS 3 – gelb.“ 
         
         
         
         11
            
          Die Eintragung der Marke wurde für ein Verzeichnis von verschiedenen Waren für Bauzwecke, u. a. Klebstoffe, Lösungsmittel,
         Lacke, Farben, Trennmittel und Isoliermaterial beantragt. 
         
         
         
         12
            
          Das Patentamt beanstandete diese Anmeldung mit Bescheid vom 18. September 1996 sowohl wegen mangelnder Markenfähigkeit und
         grafischer Darstellbarkeit als auch wegen fehlender Unterscheidungskraft des Zeichens, dessen Eintragung beantragt worden
         war. Im Anschluss an die „Farbmarke gelb/schwarz“-Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofs vom 10. Dezember 1998 überprüfte
         das Patentamt seinen Standpunkt. In seinem Beschluss vom 2. Mai 2000 ging es davon aus, dass Farben grundsätzlich markenfähig
         seien, wies die Anmeldung aber wegen Fehlens jeglicher Unterscheidungskraft zurück. Die Heidelberger Bauchemie legte gegen
         diese Entscheidung Beschwerde zum Bundespatentgericht ein. 
         
         
         
         13
            
          Das Bundespatentgericht vertritt die Auffassung, dass es zweifelhaft sei, ob abstrakte und konturlos beanspruchte Farbmarken
         überhaupt als grafisch darstellbare „Zeichen“ im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie angesehen werden könnten. Diese Bestimmung
         stelle auf eindeutig bestimmte sowie unmittelbar konkret sichtbare und grafisch darstellbare Zeichen ab. Die nach Artikel
         2 der Richtlinie erforderliche grafische Darstellbarkeit eines Zeichens diene dazu, dem Bestimmtheitsgrundsatz des registerrechtlichen
         Markenrechts Rechnung zu tragen. Es sei zweifelhaft, ob eine abstrakte Farbmarke diesen Grundsatz erfüllen könne. Artikel
         2 der Richtlinie bedürfe daher der Auslegung zur Beantwortung der Frage, ob abstrakte Farben oder Farbzusammenstellungen unter
         den Begriff der markenfähigen Zeichen fielen. Dabei werde auch der Aspekt zu berücksichtigen sein, inwiefern der Schutzumfang
         „abstrakter Farbmarken“ mit der erforderlichen Rechtssicherheit aller Marktteilnehmer zu vereinbaren sei oder den freien Waren-
         und Dienstleistungsverkehr behindere, indem er Markeninhabern zu umfangreiche, Mitbewerbern nicht mehr zumutbare Monopolrechte
         gewähre.
         
         
         
         14
            
          Dementsprechend hat das Bundespatentgericht das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung
         vorgelegt: 
          Erfüllen als Marke zur Eintragung in das Register angemeldete abstrakt und konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen,
         deren Farbtöne unter Einreichung eines Farbmusters (einer Farbprobe) wörtlich benannt sowie nach einem anerkannten Farbklassifikationssystem
         genau bezeichnet sind, die Anforderungen an die Markenfähigkeit nach Artikel 2 der Richtlinie?
          Ist eine solche so genannte „(abstrakte) Farbmarke“ im Sinne des Artikels 2 der Richtlinie insbesondere
          a) ein Zeichen,
          b) zur herkunftskennzeichnenden Unterscheidung geeignet,
          c) grafisch darstellbar?
         
         Zu den Vorabentscheidungsfragen
         
         15
            
          Mit diesen Fragen, die zusammen zu behandeln sind, möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob und, wenn ja,
         unter welchen Bedingungen abstrakt und konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen eine Marke nach Artikel 2
         der Richtlinie sein können. 
         
         
         
         16
            
          Hierzu hat der Gerichtshof in den Randnummern 24 bis 26 seines Urteils vom 6. Mai 2003 in der Rechtssache C-104/01 (Libertel,
         Slg. 2003, I-3793) darauf hingewiesen, dass der Rat der Europäischen Union und die Kommission in der Ratssitzung, in der die
         Richtlinie angenommen wurde, eine Gemeinsame Erklärung zu Protokoll gegeben haben, nach der sie der Auffassung sind, „dass
         Artikel 2 [der Richtlinie] nicht die Möglichkeit ausschließt, ... als Marke eine Farbzusammenstellung oder eine einzige Farbe
         einzutragen, ... vorausgesetzt, dass sie geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denen anderer Unternehmen
         zu unterscheiden“ (ABl. HABM, 5/96, S. 607). 
         
         
         
         17
            
          Eine solche Erklärung kann nicht zur Auslegung einer Vorschrift des abgeleiteten Gemeinschaftsrechts herangezogen werden,
         wenn ihr Inhalt wie im vorliegenden Fall in der fraglichen Bestimmung keinen Ausdruck gefunden hat und ihm somit keine rechtliche
         Bedeutung zukommt (Urteile vom 26. Februar 1991 in der Rechtssache C-292/89, Antonissen, Slg. 1991, I-745, Randnr. 18, und
         vom 29. Mai 1997 in der Rechtssache C-329/95, VAG Sverige, Slg. 1997, I-2675, Randnr. 23). Der Rat und die Kommission haben
         diese Beschränkung im Übrigen in der Vorbemerkung zu dieser Erklärung ausdrücklich anerkannt, wo es heißt: „Die Erklärungen
         des Rates und der Kommission, die im Folgenden wiedergegeben sind, sind nicht Bestandteil des Rechtsakts und präjudizieren
         daher nicht dessen Auslegung durch den Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften.“
         
         
         
         18
            
          Es ist daher Sache des Gerichtshofes, festzustellen, ob und, wenn ja, unter welchen Bedingungen Artikel 2 der Richtlinie dahin
         auszulegen ist, dass Farben oder Farbzusammenstellungen ohne räumliche Begrenzung eine Marke im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie
         sein können. 
         
         
         
         19
            
          Artikel 15 Absatz 1 des TRIPS-Übereinkommens sieht vor, dass „Farbverbindungen … als Marken eintragungsfähig [sind]“. Der
         Begriff „Farbverbindungen“ wird jedoch in diesem Übereinkommen nicht definiert. 
         
         
         
         20
            
          Da die Gemeinschaft Partei des TRIPS-Übereinkommens ist, ist sie verpflichtet, ihr Markenrecht im Rahmen des Möglichen nach
         dem Wortlaut und dem Zweck dieses Übereinkommens auszulegen (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 16. Juni 1998 in der Rechtssache
         C-53/96, Hermès, Slg. 1998, I-3603, Randnr. 28). 
         
         
         
         21
            
          Es ist daher zu prüfen, ob Artikel 2 der Richtlinie dahin ausgelegt werden kann, dass „Farbzusammenstellungen“ Marken sein
         können. 
         
         
         
         22
            
          Farben oder Farbzusammenstellungen können eine Marke im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie sein, wenn sie drei Voraussetzungen
         erfüllen. Erstens müssen sie ein Zeichen sein. Zweitens müssen sich diese Zeichen grafisch darstellen lassen. Drittens müssen
         diese Zeichen geeignet sein, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Libertel, Randnr. 23). 
         
         
         
         23
            
          Wie der Gerichtshof bereits entschieden hat, sind die Farben gewöhnlich eine bloße Eigenschaft von Gegenständen (vgl. Urteil
         Libertel, Randnr. 27). Selbst in dem speziellen Bereich des Handelsverkehrs werden Farben und Farbzusammenstellungen im Allgemeinen
         wegen ihrer Anziehungskraft oder schmückenden Wirkung verwendet, ohne irgendeine Bedeutung zu vermitteln. Gleichwohl ist nicht
         auszuschließen, dass Farben oder Farbzusammenstellungen in Verbindung mit einer Ware oder einer Dienstleistung ein Zeichen
         sein können.
         
         
         
         24
            
          Für die Zwecke der Anwendung des Artikels 2 der Richtlinie ist festzustellen, ob die Farben oder Farbzusammenstellungen, deren
         Eintragung beantragt ist, sich in dem Zusammenhang, in dem sie verwendet werden, tatsächlich als Zeichen darstellen. Mit diesem
         Erfordernis soll insbesondere ausgeschlossen werden, dass Marktteilnehmer das Markenrecht missbrauchen, um sich einen ungerechtfertigten
         Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
         
         
         
         25
            
          Außerdem ist der Rechtsprechung des Gerichtshofes zu entnehmen (Urteile vom 12. Dezember 2002 in der Rechtssache C-273/00,
         Sieckmann, Slg. 2002, I-11737, Randnrn. 46 bis 55, und Libertel, Randnrn. 28 und 29), dass eine grafische Darstellung im Sinne
         von Artikel 2 der Richtlinie es ermöglichen muss, das Zeichen insbesondere mit Hilfe von Figuren, Linien oder Schriftzeichen
         sichtbar so wiederzugeben, dass es genau identifiziert werden kann.
         
         
         
         26
            
          Diese Auslegung ist im Interesse der Funktionsfähigkeit des Systems der Eintragung der Marken geboten. 
         
         
         
         27
            
          Das Erfordernis der grafischen Darstellung dient insbesondere dem Zweck, die Marke selbst festzulegen, um den genauen Gegenstand
         des Schutzes zu bestimmen, den die eingetragene Marke ihrem Inhaber gewährt. 
         
         
         
         28
            
          Die Marke soll nämlich durch ihre Eintragung in ein öffentliches Register den zuständigen Behörden und der Öffentlichkeit,
         insbesondere den Wirtschaftsteilnehmern, zugänglich gemacht werden. 
         
         
         
         29
            
          Zum einen müssen die zuständigen Behörden klar und eindeutig die Ausgestaltung der Zeichen erkennen können, aus denen eine
         Marke besteht, damit sie in der Lage sind, ihren Verpflichtungen in Bezug auf die Vorprüfung der Markenanmeldungen sowie auf
         die Veröffentlichung und den Fortbestand eines zweckdienlichen und genauen Markenregisters nachzukommen. 
         
         
         
         30
            
          Zum anderen müssen die Wirtschaftsteilnehmer in der Lage sein, klar und eindeutig in Erfahrung zu bringen, welche Eintragungen
         oder Anmeldungen ihre gegenwärtigen oder potenziellen Wettbewerber veranlasst haben, und auf diese Weise einschlägige Informationen
         über die Rechte Dritter zu erlangen. 
         
         
         
         31
            
          Demnach erfüllt ein Zeichen seine Rolle als eingetragene Marke nur dann, wenn es Gegenstand einer genauen und ständigen Wahrnehmung
         sein kann, die die Herkunftsfunktion dieser Marke gewährleistet. Im Hinblick auf die Dauer der Eintragung einer Marke und
         die Tatsache, dass die Eintragung nach der Richtlinie um mehr oder weniger lange Zeiträume verlängert werden kann, muss die
         Darstellung außerdem dauerhaft sein. 
         
         
         
         32
            
          Folglich muss eine grafische Darstellung im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie u. a. eindeutig und dauerhaft sein. 
         
         
         
         33
            
          Dies ist bei einer grafischen Darstellung von zwei oder mehr abstrakt und konturlos beanspruchten Farben nur dann gewährleistet,
         wenn sie systematisch so angeordnet ist, dass die betreffenden Farben in vorher festgelegter und beständiger Weise verbunden
         sind. 
         
         
         
         34
            
          Die bloße form- und konturlose Zusammenstellung zweier oder mehrerer Farben oder die Nennung zweier oder mehrerer Farben „in
         jeglichen denkbaren Formen“, wie sie Gegenstand des Ausgangsverfahrens ist, weist nicht die nach Artikel 2 der Richtlinie,
         so wie er in den Randnummern 25 bis 32 des vorliegenden Urteils ausgelegt wurde, erforderlichen Merkmale der Eindeutigkeit
         und Beständigkeit auf. 
         
         
         
         35
            
          Solche Darstellungen ließen nämlich zahlreiche unterschiedliche Kombinationen zu, die es dem Verbraucher nicht erlaubten,
         eine bestimmte Kombination zu erkennen und in Erinnerung zu behalten, auf die er sich mit Gewissheit für weitere Käufe beziehen
         könnte, und auch den zuständigen Behörden und den Wirtschaftsteilnehmern nicht ermöglichten, den Umfang der geschützten Rechte
         des Markeninhabers zu kennen. 
         
         
         
         36
            
          In Bezug auf die Art der Darstellung der einzelnen betroffenen Farben ist den Randnummern 33, 34, 37, 38 und 68 des Urteils
         Libertel zu entnehmen, dass ein Muster der fraglichen Farbe in Verbindung mit deren Bezeichnung nach einem international anerkannten
         Kennzeichnungscode eine grafische Darstellung im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie sein kann. 
         
         
         
         37
            
          Für die Frage, ob Farben oder Farbzusammenstellungen im Sinne dieser Bestimmung geeignet sind, Waren oder Dienstleistungen
         eines Unternehmens von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden, ist zu prüfen, ob diese Farben oder Farbzusammenstellungen
         für die Übermittlung von eindeutigen Informationen, insbesondere über die Herkunft einer Ware oder einer Dienstleistung, geeignet
         sind. 
         
         
         
         38
            
          Aus den Randnummern 40, 41 und 65 bis 67 des Urteils Libertel geht hervor, dass Farben zwar bestimmte gedankliche Verbindungen
         vermitteln und Gefühle hervorrufen können, dass sie aber ihrer Natur nach kaum geeignet sind, eindeutige Informationen zu
         übermitteln. Sie sind dies umso weniger, als sie in der Werbung und bei der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen wegen
         ihrer Anziehungskraft gewöhnlich in großem Umfang ohne eindeutigen Inhalt verwendet werden. 
         
         
         
         39
            
          Von außergewöhnlichen Umständen abgesehen, kommt Farben nicht von vornherein Unterscheidungskraft zu, doch können sie diese
         in Bezug auf die Waren oder Dienstleistungen, für die sie angemeldet werden, eventuell infolge einer Benutzung erwerben. 
         
         
         
         40
            
          Innerhalb dieser Grenzen ist anzuerkennen, dass abstrakt und konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen im
         Sinne von Artikel 2 der Richtlinie geeignet sein können, Waren oder Dienstleistungen eines Unternehmens von denjenigen anderer
         Unternehmen zu unterscheiden. 
         
         
         
         41
            
          Darüber hinaus muss aber auch dann, wenn eine Farbzusammenstellung, deren Eintragung als Marke beantragt wird, die Voraussetzungen
         einer Marke im Sinne von Artikel 2 der Richtlinie erfüllt, die für die Eintragung von Marken zuständige Behörde prüfen, ob
         die angemeldete Zusammenstellung die übrigen, u. a. in Artikel 3 der Richtlinie vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt, um im
         Hinblick auf die Waren oder Dienstleistungen des Unternehmens, das die Eintragung beantragt, als Marke eingetragen werden
         zu können. Bei dieser Prüfung sind alle maßgeblichen Umstände des Einzelfalls, zu denen gegebenenfalls auch die Benutzung
         des als Marke angemeldeten Zeichens gehört, zu berücksichtigen (Urteile Libertel, Randnr. 76, und vom 12. Februar 2004 in
         der Rechtssache C-363/99, Koninklijke KPN Nederland, Slg. 2004, I-0000, Randnr. 37). Dabei ist auch dem Allgemeininteresse
         daran Rechnung zu tragen, dass die Verfügbarkeit der Farben für die anderen Wirtschaftsteilnehmer, die Waren oder Dienstleistungen
         der von der Anmeldung erfassten Art anbieten, nicht ungerechtfertigt beschränkt wird (Urteil Libertel, Randnrn. 52 bis 56).
         
         
         
         
         42
            
          Nach alledem ist auf die Vorlagefragen zu antworten, dass als Marke zur Eintragung in das Register angemeldete abstrakt und
         konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen, deren Farbtöne unter Einreichung eines Farbmusters wörtlich benannt
         sowie nach einem international anerkannten Farbklassifikationssystem genau bezeichnet sind, eine Marke im Sinne von Artikel
         2 der Richtlinie sein können, sofern 
         
         –
            feststeht, dass diese Farben oder Farbzusammenstellungen in dem Zusammenhang, in dem sie verwendet werden, sich tatsächlich
               als Zeichen darstellen, und 
            
         
         
         –
            die Anmeldung eine systematische Anordnung enthält, in der die betreffenden Farben in vorher festgelegter und beständiger
               Weise verbunden sind. 
            
         
          Auch wenn eine Farbzusammenstellung die Voraussetzungen einer Marke im Sinne von Artikel 2 dieser Richtlinie erfüllt, muss
         die für die Eintragung von Marken zuständige Behörde prüfen, ob die angemeldete Zusammenstellung die übrigen, u. a. in Artikel
         3 derselben Richtlinie vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt, um im Hinblick auf die Waren oder Dienstleistungen des Unternehmens,
         das die Eintragung beantragt, als Marke eingetragen werden zu können. Bei dieser Prüfung sind alle maßgeblichen Umstände des
         Einzelfalls, zu denen gegebenenfalls auch die Benutzung des als Marke angemeldeten Zeichens gehört, zu berücksichtigen. Dabei
         ist auch dem Allgemeininteresse daran Rechnung zu tragen, dass die Verfügbarkeit der Farben für die anderen Wirtschaftsteilnehmer,
         die Waren oder Dienstleistungen der von der Anmeldung erfassten Art anbieten, nicht ungerechtfertigt beschränkt wird.
         
         
         Kosten 
         43
            
          Die Auslagen der niederländischen Regierung und der Regierung des Vereinigten Königreichs sowie der Kommission, die Erklärungen
         vor dem Gerichtshof abgegeben haben, sind nicht erstattungsfähig. Das Verfahren ist Teil der bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Beschwerdesache; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. 
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
         
         
          auf die ihm vom Bundespatentgericht mit Beschluss vom 22. Januar 2002 vorgelegten Fragen für Recht erkannt:
         Als Marke zur Eintragung in das Register angemeldete abstrakt und konturlos beanspruchte Farben oder Farbzusammenstellungen,
               deren Farbtöne unter Einreichung eines Farbmusters wörtlich benannt sowie nach einem international anerkannten Farbklassifikationssystem
               genau bezeichnet sind, können eine Marke im Sinne von Artikel 2 der Ersten Richtlinie 89/104/EWG des Rates vom 21. Dezember
               1988 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Marken sein, sofern 
            
            
             
               –
                  feststeht, dass diese Farben oder Farbzusammenstellungen in dem Zusammenhang, in dem sie verwendet werden, sich tatsächlich
                     als Zeichen darstellen, und 
                  
               
            
            
            
             
               –
                  die Anmeldung eine systematische Anordnung enthält, in der die betreffenden Farben in vorher festgelegter und beständiger
                     Weise verbunden sind. 
                  
               
            
            Auch wenn eine Farbzusammenstellung die Voraussetzungen einer Marke im Sinne von Artikel 2 dieser Richtlinie erfüllt, muss
               die für die Eintragung von Marken zuständige Behörde prüfen, ob die angemeldete Zusammenstellung die übrigen, u. a. in Artikel
               3 derselben Richtlinie vorgesehenen Voraussetzungen erfüllt, um im Hinblick auf die Waren oder Dienstleistungen des Unternehmens,
               das die Eintragung beantragt, als Marke eingetragen werden zu können. Bei dieser Prüfung sind alle maßgeblichen Umstände des
               Einzelfalls, zu denen gegebenenfalls auch die Benutzung des als Marke angemeldeten Zeichens gehört, zu berücksichtigen. Dabei
               ist auch dem Allgemeininteresse daran Rechnung zu tragen, dass die Verfügbarkeit der Farben für die anderen Wirtschaftsteilnehmer,
               die Waren oder Dienstleistungen der von der Anmeldung erfassten Art anbieten, nicht ungerechtfertigt beschränkt wird. 
                  Timmermans
               
               
                  Puissochet
               
               
                  Cunha Rodrigues
               
            
                  Schintgen
               
               
                  
               
               
                  Colneric
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 24. Juni 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident der Zweiten Kammer
               
            
         
         
         
                  R. Grass
               
               
                  C. W. A. Timmermans
               
            
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Deutsch.