CELEX: 51983PC0706
Language: de
Date: 1983-12-06
Title: VORSCHLAG FUER EINE RICHTLINIE DES RATES ZUR ANGLEICHUNG DER RECHTSVORSCHRIFTEN DER MITGLIEDSTAATEN BETREFFEND DIE GERAEUSCHEMISSIONEN VON SCHIFNENFAHRZEUGEN

Nr. C 354/4                         Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               29. 12. 83
                                                          II
                                              (Vorbereitende Rechtsakte)
                                             KOMMISSION
              Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der
                     Mitgliedstaaten betreffend die Geräuschemissionen von Schienenfahrzeugen
                                                 KOM(83) 706 endg.
                            (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 7. Dezember 1983)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN                                     HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:
GEMEINSCHAFTEN —
                                                                                      Artikel 1
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Euro-
                                                             (1)     Diese Richtlinie gilt für Schienenfahrzeuge, die
päischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf
                                                             für den Personen- und Güterverkehr in den staat-
Artikel 100,                                                 lichen Eisenbahnnetzen der Mitgliedstaaten bestimmt
                                                             sind.
auf Vorschlag der Kommission,
                                                             (2)     Im Sinne dieser Richtlinie sind „Schienenfahr-
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,              zeuge" alle Fahrzeuge, die sich an und/oder auf einer
                                                             oder mehreren Schienen fortbewegen.
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-           (3)     Vom Anwendungsbereich dieser Richtlinie aus-
schusses,                                                    genommen sind Schienenfahrzeuge,
                                                             — die ausschließlich dem Bau und dem Unterhalt
in Erwägung nachstehender Gründe:                                von Eisenbahnanlagen dienen;
Die Aktionsprogramme der Europäischen Gemein-                — die für Versuche verwendet werden;
schaften auf dem Gebiet des Umweltschutzes unter-            — die den Normen des Internationalen Eisenbahn-
streichen die Bedeutung, die dem Lärm beizumessen                verbandes entsprechen und deren Eigentümer sei-
ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, gegen den             nen Sitz außerhalb der Gemeinschaft hat.
Verkehrslärm auf der Straße, auf der Schiene und in
der Luft Maßnahmen zu ergreifen.                                                      Artikel 2
                                                             Schienenfahrzeuge, auf die diese Richtlinie Anwen-
Der von der Eisenbahn verursachte Lärm muß unter
                                                             dung findet, gelten als vorschriftsgemäß, wenn ihr
Berücksichtigung der Umweltfaktoren, der techni-
                                                             nach Anhang I gemessener Schallemissionspegel den
schen Durchführbarkeit und der wirtschaftlichen Fol-
                                                             zulässigen Schallemissionspegel nach Anhang II nicht
gen vermindert werden.
                                                             übersteigt.
Als ein geeignetes Mittel dazu erscheint die Festle-
gung von Grenzwerten für die Geräuschemissionen                                       Artikel 3
an der Quelle.                                               Jeder Schienenfahrzeugtyp wird auf Antrag des Her-
                                                             stellers oder seines in der Gemeinschaft ansässigen
Zur Vermeidung technischer Handelshemmnisse muß              Vertreters von einer Stelle, die hierzu von einem Mit-
die Geräuschmessung an Schienenfahrzeugen in je-             gliedstaat zugelassen wurde, gemäß Anhang I geprüft.
dem Mitgliedstaat nach harmonisierten Meßverfahren
erfolgen.                                                    Für ein und denselben Schienenfahrzeugtyp darf der
                                                             Antrag nur bei einer einzigen zugelassenen Stelle ge-
                                                             stellt werden, die ein Protokoll der Meßergebnisse
Aus Gründen, die mit dem Wesen des Eisenbahnbe-
                                                             nach dem Muster in Anhang III ausfertigt.
triebs selbst zusammenhängen, können sich im Ver-
kehr mit Drittländern Komplikationen ergeben, wes-           Für jeden Schienenfahrzeugtyp, der mit dem geneh-
halb die Mitwirkung des Internationalen Eisenbahn-           migten Typ übereinstimmt, stellt der Hersteller oder
verbandes anzustreben ist.                                   sein Vertreter mit Sitz in der Gemeinschaft eine
                                                             Übereinstimmungsbescheinigung nach dem Muster in
Die in dieser Richtlinie enthaltenen technischen Vor-        Anhang IV aus, sofern die im Protokoll verzeichneten
schriften müssen an den technischen Fortschritt ange-        Geräuschpegelwerte den Vorschriften dieser Richt-
paßt werden können —                                         linie genügen.
 ---pagebreak--- 29.12. 83                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                           Nr. C 354/5
                        Artikel 4                                                   Artikel 9
Werden an einem Schienenfahrzeug, für das eine              Die zur Anpassung an den technischen Fortschritt er-
Übereinstimmungsbescheinigung ausgestellt worden            forderlichen Änderungen der Anhänge dieser Richt-
ist, Änderungen vorgenommen, die auch seinen Ge-            linie werden nach dem Verfahren gemäß Artikel 10
räuschemissionspegel verändern können, muß ein              entworfen.
neues Protokoll gemäß dem in Artikel 3 festgelegten
Verfahren erstellt werden.
                                                                                   Artikel 10
                        Artikel 5                           (1)    Wird auf das in diesem Artikel festgelegte Ver-
                                                            fahren Bezug genommen, so befaßt der Vorsitzende
(1)     Die Mitgliedstaaten dürfen aus Gründen, die         von sich aus oder auf Antrag des Vertreters eines
den Geräuschemissionspegel betreffen, den Verkehr           Mitgliedstaats den Ausschuß.
und die Benutzung von Schienenfahrzeugen, für die
eine Übereinstimmungsbescheinigung ausgestellt wor-         (2)    Der Vertreter der Kommission unterbreitet
den ist, weder verweigern noch verbieten oder ein-          dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden Maß-
schränken.                                                  nahmen. Der Ausschuß nimmt zu diesem Entwurf in-
                                                            nerhalb einer Frist Stellung, die der Vorsitzende nach
(2)     Sofern für die Bedingungen zur Benutzung von
                                                            der Dringlichkeit der betreffenden Frage bestimmen
Schienenfahrzeugen keine Gemeinschaftsvorschriften
                                                            kann. Die Stellungnahme kommt mit der Mehrheit
gelten, unterliegen diese Fahrzeuge nach wie vor den
                                                            nach Artikel 148 Absatz 2 erster Gedankenstrich des
Rechts- und Verwaltungsvorschriften des Landes, in
                                                            Vertrages zustande, wobei die Stimmen der Mitglied-
dem sie eingesetzt werden.
                                                            staaten, wie dort festgelegt, gewogen werden. Der
                                                            Vorsitzende nimmt an der Abstimmung nicht teil.
                        Artikel 6
Entdeckt ein Mitgliedstaat einen Fall, wo ein Schie-        (3) a) Die Kommission trifft die in Aussicht genom-
nenfahrzeug, für das eine Übereinstimmungsbeschei-                  menen Maßnahmen, wenn sie der Stellung-
nigung ausgestellt worden ist, den Vorschriften dieser              nahme des Ausschusses entsprechen.
Richtlinie nicht genügt, so ergreift er die zur Sicher-          b) Entsprechen die in Aussicht genommenen
stellung der Übereinstimmung erforderlichen Maß-                    Maßnahmen nicht der Stellungnahme des Aus-
nahmen. Diese Maßnahmen können bis zum Entzug                       schusses oder ist keine Stellungnahme ergan-
der Übereinstimmungsbescheinigung gehen. Der be-                    gen, so schlägt die Kommission dem Rat un-
treffende Staat unterrichtet innerhalb eines Monats                 verzüglich die zu treffenden Maßnahmen vor.
unter Angabe von Gründen die anderen Mitgliedstaa-                  Der Rat beschließt mit qualifizierter Mehrheit.
ten von den getroffenen Maßnahmen.                               c) Hat der Rat nach Ablauf einer Frist von drei
                                                                    Monaten, nachdem ihm der Vorschlag über-
                        Artikel 7                                   mittelt worden ist, keinen Beschluß gefaßt, so
                                                                    werden die vorgeschlagenen Maßnahmen von
Bestreitet ein Mitgliedstaat den ihm mitgeteilten Fall
                                                                    der Kommission getroffen.
einer Nichtübereinstimmung, so bemühen sich die be-
teiligten Mitgliedstaaten um die Beilegung des Streit-
falles. Die Kommission wird laufend darüber unter-                                 Artikel 11
richtet. Erforderlichenfalls führt sie Konsultationen
                                                            (1)    Die Mitgliedstaaten erlassen und veröffent-
durch, um eine Lösung herbeizuführen.
                                                            lichen vor dem 1. Januar 1985 die erforderlichen
                                                            Rechts- und Verwaltungsvorschriften, um dieser
                        Artikel 8                           Richtlinie nachzukommen.
(1)     Es wird ein Ausschuß für die Anpassung der
                                                            (2)     Die Mitgliedstaaten setzen die Kommission
Richtlinien zur Angleichung der einzelstaatlichen
                                                            von allen Rechts- und Verwaltungsvorschriften in
Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der Schienenfahr-
                                                            Kenntnis, die sie auf dem unter diese Richtlinie
zeuge an den technischen Fortschritt, nachstehend
                                                            fallenden Gebiet erlassen.
„Ausschuß" genannt, eingesetzt, der aus Vertretern
der Mitgliedstaaten besteht und in dem ein Vertreter
der Kommission den Vorsitz führt.                                                  Artikel 12
(2)     Der Ausschuß gibt sich eine Geschäftsordnung.       Diese Richtlinie ist an alle Mitgliedstaaten gerichtet.
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                                                         ANHANG I
            VERFAHREN ZUR MESSUNG DER LUFTSCHALLEMISSIONEN VON SCHIENEN-
                                                       FAHRZEUGEN
             1. ZWECK
            Dieses Meßverfahren dient zur Bestimmung der Geräuschemissionen von auf Bahnlinien betriebe-
            nen Schienenfahrzeugen.
            Es legt die akustischen Kriterien für die zur Bestimmung der Merkmale von Schienenfahrzeugen zu
            benutzende Umgebung sowie die Prüfverfahren fest, nach denen der Grenzwert des Schalldruck-
            pegels bestimmt wird.
            Die nach diesem Verfahren erhaltenen Werte stellen die Basisdaten für die Prüfung der Überein-
            stimmung der Fahrzeuge mit den Lärmschutzvorschriften dar.
            2. GELTUNGSBEREICH
            Dieses Meßverfahren gilt für Fahrzeuge mit Rädern, die sich an und/oder auf einer oder mehreren
            Schienen fortbewegen.
            Es gilt unabhängig von den Abmessungen und der Geschwindigkeit der zu prüfenden Fahrzeuge.
            3. BEGRIFFSBESTIMMUNGEN
            3.1. Schalldruckpegel LpA
            Der in Dezibel ausgedrückte Schalldruckpegel Lp wird durch nachstehende Formel ausgedrückt:
                                                 Lp - 20log 10 £-
                                                                 Po
            Darin ist:
            p der tatsächliche Wert des in Pascal (Pa) ausgedrückten und an einem bestimmten Punkt gemes-
                 senen Schalldrucks,
            P 0 der Bezugsschalldruck, gleich 20 jxPa.
            Der Wert LpA des in dB ausgedrückten A-bewerteten Schalldruckpegels ergibt sich durch A-Bewer-
            tung in der Meßkette.
            3.2. Akustische Kriterien für die Umgebung des rollenden Materials
            Das akustische Kriterium für die Umgebung des rollenden Materials wird durch den A-bewerteten
            Schalldruckpegel LpA ausgedrückt.
            3.3. Grenzwert des Schalldruckpegels
            Es handelt sich um den in Anhang II der Richtlinie vorgeschriebenen Wert, der mit LpAl bezeichnet
            wird.
            3.4. Fremdgeräusch
            Fremdgeräusch ist jedes Geräusch an den Meßpunkten, das nicht von der Schallquelle erzeugt wird.
            4. MESSGERÄTE
            Die Meßgeräte müssen so ausgelegt sein, daß der quadratische Mittelwert des A-bewerteten Schall-
            druckpegels gemessen wird.
            Um diesen Anforderungen zu entsprechen, ist ein Präzisionsschallpegelmesser vom Typ I zu ver-
            wenden, wie er in der IEC-Publikation 651, erste Ausgabe 1979, definiert ist. Der Schallpegelmesser
            wird mit der Zeiteinstellung „F" verwendet.
            Sofern andere Geräte als Präzisionsschallpegelmesser für diese Messungen verwendet werden, müs-
            sen diese Geräte in allen Funktionsmerkmalen den obengenannten Anforderungen entsprechen.
 ---pagebreak--- 29. 12. 83                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr. C 354/7
           5. VORAUSSETZUNGEN BETREFFEND DIE MESSSTRECKE, DAS MESSGELÄNDE UND
              DIE WETTERVERHÄLTNISSE
           Das Meßgelände befindet sich in einer Ebene mit praktisch horizontalem Boden ohne oder allenfalls
           mit niedrigem Bewuchs (Ackerland, Weidefläche).
           Das Gleis verläuft gerade auf einem Bahnkörper aus Erde, seine Schienen sind über die gesamte
           Länge der Versuchsstrecke verschweißt und auf Holz- oder Betonschwellen in normaler Bettung
           verlegt (sauberer, auf der Schwellenoberkante abgeglichener Brechschotter).
           (Für herkömmliche Eisenbahnen sind Schienen von mindestens 50 kg/m zu verwenden.)
           Die waagerechte Fahrebene, nachstehend „Bezugsebene" genannt, muß über der Bodenhöhe des
           Meßgeländes liegen.
           Die Gleis- und Schienengeometrie in senkrechter Ebene muß sorgfältig ausgelegt sein und darf kein
           nennenswerten Oberflächenfehler, d. h. Unebenheiten, aufweisen.
           In einem das Dreifache der Meßstrecke betragenden Umkreis um das Mikrophon darf sich kein
           Gegenstand befinden, der akustische Störungen hervorrufen könnte.
           Messungen werden nicht durchgeführt und sind in jedem Fall ungültig:
           — bei Frost oder gefrorenem Schotter,
           — bei schneebedecktem Boden,
           — bei Schneefall,
           — bei Regen,
           — bei Windgeschwindigkeiten von mehr als 8 m/s.
           Fremdgeräusche müssen um 10dB schwächer als das Geräusch des zu prüfenden Fahrzeugs sein.
           5.1. Besondere Infrastrukturen
           Um die technische Entwicklung zu berücksichtigen, bleibt die Ziffer 5.1 offen; der endgültige Wort-
           laut wird im Wege des Verfahrens des Ausschusses zur Anpassung an den technischen Fortschritt
           eingesetzt.
           6. BESTIMMUNG DES FAHRGERÄUSCHS
           6.1. Durchführung der Schallmessungen
           6.1.1. Anordnung der Mikrophone
           Bei herkömmlichen Eisenbahnen wird das Meßmikrophon 25 m von der senkrechten Mittelebene
           des Gleises entfernt 3,50 m über der Bezugsebene angebracht.
           Anmerkung: Kann das Meßmikrophon aus räumlichen Gründen nicht in einer Entfernung von 25 m
           und in einer Höhe von 3,50 m angebracht werden, so ist es unter den gleichen räumlichen Anord-
           nungsvoraussetzungen in 1,2 m Höhe und 7,5 m Entfernung aufzustellen; in diesem Fall sind vom
           Meßergebnis 7 dB(A) abzuziehen.
           6.1.2. Bestimmung des Schalldruckpegels LpA
           Der bei der Durchfahrt des Schienenfahrzeugs (der Schienenfahrzeuge) höchste gemessene Schall-
           druckpegel ist aufzuzeichnen.
            Bei unregelmäßigen Geräuschen wird dieser Wert durch Bestimmung des quadratischen Mittels der
            repräsentativen Höchstwerte des akustischen Signals ermittelt.
            Die Messung ist mindestens dreimal zu wiederholen. Weichen die höchsten Schalldruckpegel aus
            zwei Messungen um mehr als 3 dB(A) voneinander ab, sind so lange neue Messungen durchzufüh-
            ren, bis die Ergebnisse zweier oder mehrerer Messungen um nicht mehr als 3 dB(A) voneinander
            abweichen.
            Das arithmetische Mittel der beiden höchsten, um nicht mehr als 3dB(A) voneinander abweichen-
            den Schalldruckpegel ist der repräsentative Schalldruckpegel des oder der fahrenden Schienenfahr-
            zeuge.
            6.2. Betriebsphasen der Fahrzeuge während der Fahrt
            Beim Durchfahren des Meßbereichs muß (müssen) sich das (die) zu prüfende(n) Fahrzeug(e) mit
            einer Geschwindigkeit von mindestens 90 % seiner (ihrer) zulässigen Höchstgeschwindigkeit fort-
            bewegen, ohne die bei der Benutzereisenbahn zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten.
 ---pagebreak--- N r . C 354/8                           Amtsblatt der E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                      29.12.83
              Die Motoren der Triebfahrzeuge müssen mit der zur Einhaltung dieser Geschwindigkeit erforder-
              lichen Mindestlast laufen.
              Für angehängte Wagen (Personen- oder Güterwagen) sind die Messungen an einem Zug durchzu-
              führen, der aus mindestens fünf Wagen desselben Typs besteht.
              Bei Triebwagenzügen und Straßenbahnen sind die Messungen mit der Zusammensetzung durch-
              zuführen, die bei Normalbetrieb einer Grundeinheit üblich ist.
              6.2.1. Sonderfahrzeuge
              Hier gilt das gleiche wie für Ziffer 5.1.
              7. BESTIMMUNG DES TRIEBFAHRZEUGGERÄUSCHS BEIM ANFAHREN
              7.1. Durchführung der Schallmessungen
              7.1.1. Anordnung der Mikrophone
              Die Messung erfolgt unter den in Abschnitt 5 dieses Meßverfahrens festgelegten Standortbestim-
              mungen mit vier Mikrophonen, die in einer Entfernung von jeweils 7,5 m beiderseits der senkrech-
              ten Mittelebene des Gleises 1,2 m beziehungsweise 3,5 m über der Bezugsebene angeordnet sind.
              7.1.2. Bestimmung des Schalldruckpegels LpA
              Die Messungen werden während der Vorwärtsfahrt des Triebfahrzeugs durchgeführt.
              An jedem Meßpunkt wird der Höchstwert des Schalldruckpegels aufgezeichnet.
              Der höchste Schalldruckpegel LpA des Schienenfahrzeugs beim Anfahren entspricht dem quadrati-
              schen Mittelwert der höchsten Schalldruckpegel, die an den vier Mikrophonen bei der Durchfahrt
              des Fahrzeugs in beiden Richtungen gemessen wurden.
              Diese Messung ist mindestens dreimal zu wiederholen. Weichen die höchsten Schalldruckpegel LpA
              aus zwei Messungen um mehr als 3 dB(A) voneinander ab, sind solange neue Messungen durchzu-
              führen, bis die Ergebnisse zweier oder mehrerer Messungen um nicht mehr als 3 dB(A) voneinander
              abweichen.
              Das arithmetische Mittel der beiden höchsten, um nicht mehr als 3 dB(A) voneinander abweichen-
              den Schalldruckpegel ist für den Schalldruckpegel des Schienenfahrzeugs beim Anfahren repräsen-
              tativ.
               7.2. Betriebsphasen des Triebfahrzeugs beim Anfahren
               Das Triebfahrzeug zieht einen Zug, dessen Mindestlast durch die Motorleistung des Triebfahrzeugs
               bestimmt wird. Diese Last ist nachstehender Tabelle zu entnehmen:
                                           Motorleistung (kW)                  Mindestlast (t)
                                                 <300                              200
                                            300 <     < 1000                       400
                                                 > 1000                            600
               Ein Triebwagen wird für die Messungen in seiner Grundeinheit eingesetzt. Triebfahrzeug oder
               Triebwagen werden mit der Vorderfront 20 m vor der Mikrophonebene aufgestellt. Das stehende
               Triebfahrzeug oder der Triebwagen werden mit der größten, ohne Durchdrehen der Antriebsräder
               möglichen Leistung beschleunigt. Diese Leistung wird im Rahmen der Betriebsmöglichkeiten des
               Fahrzeugs beibehalten, bis dessen hinterer Teil eine Linie 20 m hinter der Mikrophonebene überfah-
               ren hat.
               Anmerkung: Es sind Vorabprüfversuche durchzuführen, um die Bedingungen für die größte, ohne
               Durchdrehen der Antriebsräder mögliche Leistung festzulegen.
                8. ZU ERFASSENDE DATEN
                Nachstehende Einzelheiten werden gesammelt und in einem Bericht zusammengestellt, der sich auf
                alle nach diesem Verfahren durchgeführten Messungen erstreckt.
 ---pagebreak--- 29.12. 83                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               Nr. C 354/9
          8.1. Schienenfahrzeug im Prüfversuch
          a) Beschreibung des betreffenden Fahrzeugs,
          b) Betriebsbedingungen des Fahrzeugs während der Prüfversuche,
          c) falls das betreffende Fahrzeug mehrere Schallquellen hat, Beschreibung der Schallquellen, die
             während der Messung in Funktion sind.
          8.2. Akustisches Umfeld
          a) Beschreibung der Meßstelle und der physischen Merkmale des Prüfgeländes; Lageplan, aus dem
             die Aufstellung des Fahrzeugs und gegebenenfalls schallreflektierender Gegenstände an der
              Meßstelle hervorgehen;
          b) meteorologische Bedingungen: Wetter (sonnig, bewölkt, neblig, usw.), Lufttemperatur, Luft-
             druck, Windgeschwindigkeit und -richtung, relative Luftfeuchtigkeit.
          8.3. Geräteausstellung
          a) Ausrüstung für die Messungen einschließlich Bezeichnung, Typ, Seriennummer der Geräte sowie
              Name des Herstellers;
          b) Verfahren zur Kalibrierung der Meßgeräte, Name des Labors, das die Kalibrierung vorgenom-
              men hat und Zeitpunkt der letzten Kalibrierung.
          8.4. Akustische Daten
          a) Aufstellung der Mikrophone und Windrichtung sind in den Lageplan nach 8.2 a) einzutragen;
          b) an den Meßpunkten gemessene Schalldruckpegel;
          c) mittlere Schalldruckpegel;
          d) Art des Geräuschs (schwankend, reine Töne),
          e) Datum und Uhrzeit der Messungen.
 ---pagebreak--- Nr. C 354/10                          Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                               29.12.83
                                                       ANHANG II
                                            SCHALLDRUCK-GRENZWERTE
            1. LÄRM BEIM ANFAHREN
            Die nach Anhang I bestimmten zulässigen Höchstwerte für den Schalldruckpegel beim Anfahren
            sind in nachstehender Tabelle angegeben:
                                                                      Schalldruckpegel in dB(A)
                        Motorleistung                                             1
                                                    Elektrische Zugförderung              Andere Zugförderung
           Unter 300 kW                                         82                                87
           Von 300 kW bis 1 MW                                   86                                91
           Über 1 MW                                            90                                95
            2. LÄRM DER SCHIENENFAHRZEUGE WÄHREND DER FAHRT
            Die zulässigen Höchstwerte für den Schalldruckpegel von Schienenfahrzeugen während der Fahrt
            ändern sich linear zwischen:
            80 dB(A) und 96 dB(A) für Personenwagen und Lokomotiven
            83 dB(A) und 96 dB(A) für Güterwagen,
            entsprechend der Gleichung:
                                         Lc dB(A) - 30 logio -fiQ + K
            Die Werte von K sind:
                                         K = 89 dB(A) für Personenwagen und Lokomotiven
                                         K = 92 dB(A) für Güterwagen,
            wobei V die Fahrgeschwindigkeit in km/h ist.
                                                       ANHANG III
            MUSTER — PROTOKOLL DER SCHALLPEGELMESSUNG AM SCHIENENFAHRZEUG
                                      GEMÄSS MESSVORSCHRIFT IN ANHANG I
              I. BESCHREIBUNG DES FAHRZEUGS
                 — Bezeichnung des Fahrzeugtyps (Triebfahrzeug, Triebwagen, Personenwagen, Güterwagen)
                 — Kodifizierte und ausführliche Bezeichnung des Fahrzeugs (vereinfachte Zeichnung und
                     Photographie)
                 — Name des Herstellers
                 — Herstellungsjahr
                 — Länge über Puffer, Gesamtgewicht
                 — Drehgestell- oder Achstyp
                 — Bremssystem
                 — Höchstgeschwindigkeit
 ---pagebreak--- 29. 12. 83                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr. C 354/11
                — Zusätzliche Angaben für Triebfahrzeuge
                    — Antriebsart (elektrisch, Dieselantrieb, Turbine)
                    — Motorleistung in kW
                    — Anzahl der Motoren
                Anmerkung: Diese Beschreibungen sind nach der IEV-Regelung unter Verwendung der Doku-
                mente
                — 567-1 und 567-2 OR für Personenwagen und
                — 571-1 und 572-2 OR für Güterwagen
                erstellt worden.
            II. VERSUCHSBEDINGUNGEN
                — Versuchstage
                — Beschreibung und wichtige Merkmale der Meßsteüe (Höhenplan, Photographie)
                — Gleisausrüstung und -zustand
                — Meßpunkte
                — Zusammensetzung des Versuchszuges
                — Witterungsbedingungen
           III. MESSGERÄTE
                — Für die Messungen verwendete Meßgeräte (Typ, Hersteller usw.),
                — Kalibrierbedingungen,
                — Tag der letzten Übereinstimmungskontrolle der Meßgeräte.
           IV. ERGEBNISSE
                Die unter diesen vorschriftsmäßigen technischen Versuchsbedingungen ermittelten technischen
                Werte werden in Ergebnistabellen entsprechend dem nachstehenden Muster eingetragen.
                                                          TABELLE 1
                                                Fahrzeuglärm während der Fahrt
                      Versuchsabfolge       Geschwindigkeit                 Größter Schallpegel LpA
                                                                  25 m, Höhe 3,50 m        7,50 m, Höhe 1,20 m
                             1
                             2
                             3
                 Mittel der
                 beiden
                 Höchstwerte
                Bemerkungen:
                                         X
 ---pagebreak--- Nr. C 354/12                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                         29.12.83
                                                             TABELLE 2
                                              Lärm des Triebfahrzeugs beim Anfahren
                                                      Größter Schallpegel LpA in einer Entfernung von 7,50 m
                                                                  von der Mittellinie der Gleise
                       Versuchsabfolge
                                                       Höhe 1,20 m                             Höhe 3,50 m
                                                   L                  R                    L                  R
                              1
                              2
                              3
                  Arithmetisches
                  Mittel der beiden
                  Höchstwerte
                  L und R: Links und rechts vom Fahrzeugführer am Führerstand aus gesehen.
                  Bemerkungen:
             V. ZUGELASSENE STELLE
                 — Name der Stelle
                 — Name des oder der Verantwortlichen
                 — Ort, Tag und Unterschriften
                                                         ANHANG IV
                                MUSTER — ÜBEREINSTIMMUNGSBESCHEINIGUNG
            Der Unterzeichnete                                                                   (Name und Vorname)
            bestätigt, daß das Schienenfahrzeug
            1. Art (Personenwagen, Güterwagen, Triebfahrzeug, Triebwagen ...)
            2. Marke
            3. Typ (vereinfachte Beschreibung, mit der das Fahrzeug ohne Verwechslung identifiziert werden
               kann)
            4. Baujahr (oder Jahr der Änderung)
            vollständig mit den Vorschriften der Richtlinie des Rates
                                                                 (Bezugsangabe)
            durch                                                übereinstimmt.
            Das Protokoll wurde von                                                                 (zugelassene Stelle)
            am                                                   in
            ausgestellt.
            Geschehen zu
            am
            Unterschrift und Dienststellung