CELEX: 31991M0134
Language: de
Date: 1991-09-23 00:00:00
Title: ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.09.1991 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.134 - MANNESMANN / BOGE) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der deutsche Text ist verbindlich)

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31991M0134

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.09.1991 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.134 - MANNESMANN / BOGE) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 265 vom 11/10/1991 S. 0000

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 23.09.1991 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.134 - MANNESMANN / BOGE)  gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des Amtes für  Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. VERÖFFENTLICHTE ENTSCHEIDUNG FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6 (1) b ENTSCHEIDUNG Einschreiben mit Empfangsbestätigung 1. Anmeldendes Unternehmen 2. Anmeldendes Unternehmen Sehr Geehrte Damen und Herren, Betr.: <ind> Fall Nr. IV/M.134 - Mannesmann / Boge  <ind>  <ind>  <ind> Anmeldung von 22.08.1991 gemäß Artikel 4 der Ratsverordnung  <ind>  <ind>  <ind> Nr. 4064/89 (Fusionsverordnung)  1. <ind> Das Zusammenschlußvorhaben, das am 22.08.1991 angemeldet wurde, betrifft eine  Vereinbarung zwischen der Mannesmann AG (Mannesmann) und Anteilseignern der Boge AG  (Boge), 50.01% der Anteile an Boge zu erwerben.  2. <ind> Nach Prüfung der Anmeldung hat die Kommission festgestellt, daß das angemeldete  Vorhaben in den Anwendungsbereich der Fusionsverordnung fällt, und daß keine ernsthaften  Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt bestehen.  I. <tab> GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG  3. <ind> Der angemeldete Zusammenschluß hat eine gemeinschaftsweite Bedeutung. Der  weltweite Gesamtumsatz der Parteien überstieg im Jahre 1990 5.000 Mio ECU, der Mannesmann  Konzern erzielte ca. 11.668 Mio ECU und Boge ca. 368 Mio ECU. Jede der Parteien erreichte  einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 Mio. ECU. Keines der Unternehmen  erzielte zwei Drittel oder mehr seines gemeinschaftsweiten Umsatzes in einem und demselben  Mitgliedstaat.  II. <tab> DER ZUSAMMENSCHLUß  4. <ind> Die 50.01% Beteiligung in Boge, die Mannesmann zu erwerben beabsichtigt, wird von  vier Unternehmen gehalten. Diese Unternehmen haben eine Stimmrechtsbindungsvereinbarung  getroffen, nach der sie verpflichtet sind, gemeinsam zu stimmen. Daher kontrollieren die  veräussernden Unternehmen Boge.  5. <ind> Durch den Erwerb der 50.01% Anteile wird Mannesmann die Kontrolle von Boge im  Sinne von Artikel 3(1)(b) der Fusionsverordnung erwerben.  III. <tab> DIE PARTEIEN  6. <ind> Mannesmann ist ein diversifiziertes Unternehmen, daß in Deutschland seinen Sitz hat,  aber über Produktions- und Vertriebsaktivitäten in der ganzen Welt verfügt. Seine  Hauptgeschäftsbereiche liegen auf den Gebieten von Maschinen- und Industrieanlagenbau,  elektrische und elektronische Anlagen, Röhren, Rohrprodukten, usw.   <ind> Mannesmann ist auch in der Produktion und dem Vertrieb von Kraftfahrzeugteilen tätig,  und zwar insbesondere über seine Tochtergesellschaft Fichtel & Sachs (F&S) bei Stoßdämpfern  und Kupplungen. Im Jahre 1990 hatte F&S einen weltweiten Umsatz von fast 1,5 Mrd. ECU.  Seine Produktionsanlagen für Stoßdämpfer und Kupplungen liegen im wesentlichen in Europa  (Deutschland, Frankreich und Spanien) aber es verfügt auch über eine Anzahl von Fabriken  ausserhalb Europas, z.B. in Brasilien und den USA.  7. <ind> Boge ist auch ein deutsches Unternehmen und ein bedeutender Hersteller von  Stoßdämpfern und anderen hiermit verbundenen Komponenten. Seine Produktionsanlagen liegen  in Deutschland und Italien, aber seine Produkte werden weltweit verkauft mit dem Schwerpunkt  in Deutschland (wo 45-50% seines Umsatzes erreicht werden) und der übrigen Gemeinschaft (wo  30-35% seines Umsatzes erreicht werden).  IV. <tab> VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT   <tab> 1. <ind> Die betroffenen Produktmärkte  8. <ind> Das Zusammenschlußvorhaben wird sich im wesentlichen auf den Stoßdämpfermärkten  auswirken, auf denen beide, Mannesmann durch seine Tochtergesellschaft F&S, und Boge, tätig  sind.   <ind> Darüber hinaus ist Mannesmann - aber nicht Boge - auf dem Markt für Kupplungen tätig,  auf dem es einen Marktanteil von mehr als 25% auf dem Gemeinschaftsmarkt und von mehr als  50% auf dem deutschen Markt erreicht. Obwohl einige Kfz-Teile-Großhändler, die Boge- Stoßdämpfer vertreiben, ihre Nachfrage nach Kupplungen auf Kupplungen verlegen könnten, die  vom Mannesmann-Konzern hergestellt werden, wird nicht erwartet, daß dies die Marktposition  wesentlich verändern wird, da eine Reihe von Vertriebsalternativen über andere Großhändler  bestehen.  9. <ind> In der Stoßdämpferindustrie werden traditionell zwei relevante Produktmärkte  unterschieden :   <tab> - <ind> der ÖM/ÖS Markt, der Stoßdämpfer umfasst, die an die Automobilindustrie  verkauft werden, und zwar entweder als Erstausrüstungsteile für Neufahrzeuge (ÖM-Segment)  oder für den Vertrieb als Ersatzteile über das eigene Vertriebssystem der Automobilindustrie, den  Vertragshändlern und Vertragswerkstätten  (ÖS-Segment); und   <tab> - <ind> den "Aftermarket", der Ersatzstoßdämpfer umfasst, die an unabhängige Kfz- Teilehändler ("freie Ersatzteilmarkt") verkauft werden.  10. <ind> Der Grund für die Zuordnung des ÖS-Segments zum ÖM-Segment und die  Unterscheidung des ÖM/ÖS Marktes von dem Aftermarket resultiert nicht aus einem  Unterschied aus der Art und Funktion der in Frage stehenden Stoßdämpfer. Die Produkte, die an  die beiden Märkte geliefert werden, sind im Gegenteil praktisch identisch. Sie werden auf den  gleichen Produktionsanlagen gefertigt und durchlaufen den gleichen Produktionsprozeß. Da  Stoßdämpfer sicherheitsrelevante Teile eines PKW oder LKW sind, unterliegen sie darüber  hinaus gewissen Sicherheitsstandards (Betriebszulassungen), die von den nationalen Behörden  überwacht werden.  11. <ind> Trotzdem lassen es derzeit eine Reihe von Umständen als geeignet erscheinen, den  ÖM/ÖS Markt und den Aftermarket als getrennte relevante Produktmärkte anzusehen. Die  Wettbewerbsbedingungen, die für beide Märkte bestimmend sind, unterscheiden sich deutlich,  und zwar auf Grund einer Reihe struktureller Kriterien, die zur Zeit beiden Märkten ein  eigenständiges, spezielles Prägung geben.   <tab> - <ind> Die Kunden im ÖM/ÖS Markt unterscheiden sich von denen des Aftermarket :  Stoßdämpfer für den ÖM/ÖS Markt werden an eine relative kleine Zahl von  Automobilherstellern geliefert, die eine begrenzte Zahl von Typen mit einem hohen Volumen ein- kaufen. Dies gilt insbesondere für das ÖM-Segment, aber teilweise auch für das ÖS-Segment,  da Automobilhersteller Stoßdämpfer nur für Fahrzeuge kaufen, die von ihnen selbst hergestellt  werden und für ihre Vertragshändler bestimmt sind. Der ÖM/ÖS Markt umfasst ca. 75% der  gesamten Stoßdämpferindustrie innerhalb der Gemeinschaft. Der bei weitem grösste Anteil des  ÖM/ÖS Marktes entfällt auf das ÖM-Segment (ca. 80-90%). Aus diesem Grund und wegen  des starken Einflusses der von der Nachfragemacht der Automobilindustrie ausgeht, sind die  Marktbedingungen auf den beiden Segmenten daher gleich.   <tab>  <ind> Die erste Handelsstufe auf dem Aftermarket besteht im wesentlichen aus  Großhändlern und Einkaufsorganisationen, die die Stoßdämpfer an Wiederverkäufer vertreiben,  z.B. regionale Großhändler und Werkstätten. Auf dem Aftermarket ist eine grosse Produktpalette  von Stoßdämpfern für die unterschiedlichen Fahrzeugtypen wesentlich.   <tab> - <ind> Die Preise auf dem ÖM/ÖS Markt und auf dem Aftermarket sind  unterschiedlich. Die Preise für Stoßdämpfer, die entweder für ÖM oder ÖS bestimmt sind, sind  mehr oder weniger identisch, wenn sie zur gleichen Zeit für das ÖM- und für das ÖS-Segment   geliefert werden. ÖM/ÖS-Preise sind deutlich niedriger als die Preise, die auf dem Aftermarket  gefordert werden. Diese Preisunterschiede bleiben auch dann weiterbestehen, wenn die Nachfrage  für ÖM-Produkte beendet ist (z.B. auf Grund des Auslaufens der Serienproduktion für ein  bestimmtes Fahrzeug) und nur noch die Nachfrage für das ÖS-Produkt besteht.   <tab> - <ind> Die Belieferung des ÖM/ÖS Marktes bedeutet eine zentrale Belieferung zu den  verschiedenen Produktionsstätten der Automobilhersteller, meistens als "just-in-time"  Belieferung; Belieferung des Aftermarket bedeutet die Auslieferung an eine Vielzahl von  verschiedenen Händlern, was ein bestimmtes Kundendienstsystem und den Aufbau einer  Vertriebsorganisation erfordert.   <tab> - <ind> Die Marktzugangsbedingungen auf dem ÖM/ÖS Markt unterscheiden sich  deutlich von denen des Aftermarket : Auf dem ÖM/ÖS Markt stellt sowohl die F&E- Kooperation mit der Automobilindustrie eines der wesentlichsten Erfordernisse dar, wie auch die  formale Freigabe des Produktes entsprechend der hohen Qualitätsund Sicherheitsstandards, die  von den Automobilherstellern kontrolliert werden. Der Zugang zu dem ÖS-Segment ist  praktisch nur möglich, wenn der Stoßdämpferhersteller auch ÖM-Produkte zuliefert. Eine  direkte Belieferung der Vertragshändler der Automobilindustrie mit Kfz-Teilen ist rechtlich  möglich, aber praktisch sehr selten.   <ind>  <ind> Die Marktzutrittschranken auf den Aftermarket sind im Grundsatz nicht sehr hoch,  um aber einen spürbaren Marktanteil zu erreichen, muß eine breite Produktpalette angeboten  werden, ein dichtes Vertriebsnetz vorhanden sein und langfristige Lieferbeziehungen entwickelt  werden.   <tab> - <ind> Zwischen dem ÖM/ÖS Markt bestehen wettbewerbliche Überschneidungen,  aber diese Überschneidungen sind begrenzt. Die Begrenztheit dieser Überschneidungen kann z.B.  darin gesehen werden, daß Monrö auf dem Aftermarket der führende Hersteller in der  Gemeinschaft wie in den meisten Mitgliedstaaten ist, aber auf dem ÖM/ÖS Markt weit  weniger stark vertreten ist.  12. <ind> Ein andere Möglichkeit, den relevanten Produktmarkt zu bestimmen, könnte darin  bestehen, die ÖS- und AM-Produkte zusammen als einen einheitlichen Produktmarkt  anzusehen. Dieses Konzept würde auf der Tatsache beruhen, daß beide, die ÖS- und AM- Produkte, für den Ersatzbedarf bestimmt sind. Auch nach dieser Marktdefinition würde sich die  Gesamtbeurteilung des Zusammenschlußvorhabens nicht ändern.  13. <ind> Wegen der fehlenden technischen Austauschbarkeit und auf Grund wesentlicher  Preisunterschiede zwischen Stoßdämpfern für PKW, LKW und für die fortgeschrittenen  Dämpfungsysteme, könnten eigenständige Produktmärkte abgegrenzt werden. In der folgenden  Analyse ist dieser zusätzlichen Unterscheidung nicht gefolgt worden, da diese Produkte unter den  gleichen Wettbewerbsbedingungen verkauft werden.   <tab> 2. <ind> Der räumliche Referenzmarkt  14. <ind> Der ÖM/ÖS Markt als auch der Aftermarket für Stoßdämpfer werden als  gemeinschaftsweite Märkte angesehen.  15. <ind> In der ganzen Gemeinschaft bestehen einheitliche Wettbewerbsbedingungen auf dem  ÖM/ÖS Markt. Obwohl eine Beziehung zwischen nationaler Produktion und Marktanteilen  besteht - z.B. haben die höchsten Marktanteile Mannesmann und Boge in Deutschland (mehr als  zwei-Drittel), Monrö/Armstrong im Vereinigten Königreich und Way Assauto in Italien - kann  die räumliche Nähe zwischen dem Anbieter und dem Automobilhersteller nicht als ein  bestimmendes Element für geographische Grenzen auf den Märkten angesehen werden. Alle  grossen Automobilhersteller haben erklärt, europaweit einzukaufen. Beide Marktseiten  berücksichtigen bzw. haben die Nachfrage aus ganz Europa zu berücksichtigen. Falls ein  nationaler Anbieter die qualitativen, preislichen oder anderen Anforderungen nicht erfuellen kann,  die durch den Markt gesetzt werden, wird die Automobilindustrie ihre Nachfrage verlagern. Die  Nähe zu den Produktionsstätten eines Automobilherstellers erleichtert deutlich den Zugang zu  diesem Kunden, aber ist für die "just-in-time" Belieferung nicht erforderlich. Automobilhersteller  als auch Wettbewerber haben bestätigt, daß logistische Systeme bestehen, um den ÖM/ ÖS  Markt von überall aus Europa zu beliefern. Ein Beispiel hierfür ist, daß AC Delco die  Automobilproduktion von General Motors in Deutschland aus seiner Stoßdämpferfabrik in  Spanien versorgt.  16. <ind> Auf dem Aftermarket bestehen Hinweise, die stark die Annahme stützen, daß der  Aftermarket ein gemeinschaftsweiter Markt ist. Die Verteilung der Marktanteile in der  Gemeinschaft, als auch in den verschiedenen Mitgliedstaaten, ist sehr einheitlich. Monrö ist das  führende Unternehmen in fast allen Mitgliedstaaten und wird von Fichtel & Sachs und Boge und  einem mehr national ausgerichteten Unternehmen, wie z.B. Way Assauto in Italien, oder Lipmesa  in Spanien, gefolgt. Darüber hinaus sind fast alle Wettbewerber in allen Mitgliedstaaten präsent.  Die starke, gegenseitige Durchdringung der nationalen Märkte kann darin gesehen werden, daß  selbst in Märkten mit einer nationalen Produktion die Importquote ca. 50% beträgt oder sogar  höher liegt. Nach den der Kommission vorliegenden Informationen bestehen zwischen den ein- zelnen Mitgliedstaaten keine erheblichen Preisunterschiede.   <tab> 3. <ind> ÖM/ÖS Markt für Stoßdämpfer  17. <ind> Durch den Zusammenschluß werden die Parteien einen erheblichen Marktanteil auf  dem ÖM/ÖS Markt für Stoßdämpfer in der Gemeinschaft erreichen und sogar höhere  Marktanteile in einigen der nationalen Marktsegmente. Darüber hinaus werden sie ihre erheb- lichen F&E Kapazitäten, insbesondere auf dem Gebiet der fortgeschrittenen Dämpfungssysteme,  zusammenfassen können. Trotzdem wird nicht erwartet, daß durch das  Zusammenschlußvorhaben eine beherrschende Stellung entsteht oder verstärkt wird, die den  Wettbewerb auf dem ÖM/ÖS Markt für Stoßdämpfer erheblich behindern würde.   <tab> 3.1. <ind> Marktanteile  18. <ind> Auf Grund von Schätzungen von Mannesmann und von Wettbewerbern, sind Fichtel &  Sachs und Boge die beiden führenden Anbieter in Europa mit einem Marktanteil von jeweils  mehr als 20% in der  Gemeinschaft. In einigen nationalen Marktsegmenten, insbesondere in  Deutschland und den Niederlanden, übersteigt ihr gemeinsamer Marktanteil 50%. Der grösste  Wettbewerber der neuen Unternehmenseinheit ist Monrö, der in der Gemeinschaft einen  Marktanteil von weniger als 20% hält, aber in dem Vereinigten Königreich und in Spanien über  eine sehr starke Marktstellung verfügt. AP Amortiguadores (APA/Kayaba), Way Assauto und  Koni erreichen jeweils einen Marktanteil von ca. 10%. Ihre Tätigkeitschwerpunkte liegen in  Spanien, in Frankreich, bzw. in Italien, wo ihre Marktanteile 25% übersteigen. AC Delco/de  Carbon und Hösch/ Bilstein haben in der Gemeinschaft jeweils eine Marktanteil von ca. 5%, ihre  regionalen Tätigkeitschwerpunkte liegen in Frankreich, bzw. in Deutschland. Darüber hinaus gibt  es eine Anzahl kleinerer Wettbewerber, z.B. Bendix/Lipmesa (Spanien), Woodhead (Vereinigtes  Königreich) und das brasilianische Unternehmen COFAB, deren Präsenz auf den betroffenen  Märkten gegenwärtig von geringerer Bedeutung ist.  19. <ind> In den obengenannten Marktanteilen sind die konzerninterne Produktion und der  konzerninterne Verbrauch von Stoßdämpfern der Automobilhersteller, z.B. VW, PSA und  GM/AC Delco, nicht enthalten. Diese Stoßdämpfer werden nicht auf dem Markt angeboten, sie  stellen daher keine alternative Bezugsquelle für andere Automobilhersteller dar, und können  daher nicht in die Berechnung der Marktanteile einbezogen werden. Diese konzerninternen  Umsätze stellen jedoch ca. 30% des Gesamtangebotes der Stoßdämpfer auf dem ÖM/ÖS Markt  dar und haben einen wichtigen Einfluß auf die wettbewerbliche Situation der  Stoßdämpferhersteller. Die konzerninternen Umsätze sind daher bei der wettbewerblichen  Beurteilung ihres Handlungsspielraums mit zu berücksichtigen (siehe Abs. 30).   <tab> 3.2. <ind> Die Anbieterseite des ÖM/ÖS Marktes  20. <ind> Die Anbieterseite des ÖM/ÖS Marktes wird geprägt durch eine Anzahl  vergleichbarer Wettbewerber, "vergleichbar" hinsichtlich der Finanzkraft, Technologie und  Produktionskapazitäten. Das Zusammenschlußvorhaben verbindet zwei der führenden  Wettbewerber miteinander, aber eine Anzahl vergleichbarer Angebotsalternativen werden auf  dem Markt bestehen bleiben.  21. <ind> F&S und Boge sind die führenden Unternehmen in der Gemeinschaft im Hinblick auf  den Marktanteil; sie haben Produktionsanlagen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien  und sie haben eine gemeinsame Produktionskapazität von mehr als 30 Mio. Stoßdämpfern. Ihre  Technologie und F&E Kapazitäten sind in der Industrie allgemein anerkannt, insbesondere im  Hinblick auf die fortgeschrittenen Dämpfungssysteme.  22. <ind> Die Hauptwettbewerber von Mannesmann/Boge auf dem Gemeinsamen Markt sind  Monrö und APA/Kayaba. Monrö gehört zur amerikanischen Tenneco Gruppe (Umsatz: 11 Mrd.  ECU) und ist einer der grössten Stoßdämpferhersteller der Welt mit 12 Fabriken weltweit, von  denen 3 in Europa gelegen sind (Belgien, Spanien, Vereinigtes Königreich). Im Jahre 1989 hat  das Unternehmen seine europäischen Aktivitäten durch den Erwerb der britischen Armstrong  Gruppe verstärken können. Auf dem Gebiet der fortgeschrittenen Dämpfungssysteme arbeitet  Monrö mit Bosch zusammen. Obwohl Monrö eine besonders starke Lieferbeziehung mit der  britischen Rover-Gruppe unterhält, beliefert es auch eine grosse Anzahl der PKW/LKW-Hersteller  auf dem Kontinent.  23. <ind> APA/Kayaba ist ein Gemeinschaftsunternehmen zwischen Arvin Industries (USA) und  Kayaba Industries (Japan) [Die Vereinbarung zwischen Arvin und Kayaba über das Gemein- schaftsunternehmen wurde am 24.07.1991 nach der Durchführungsverordnung des Rates Nr.  17/62 zu den Artikeln 85 und 86 des Vertrages bei der Kommission angemeldet.]. Es hat seinen  Sitz in Spanien und ist auf die gemeinsame Belieferung des europäischen ÖM/ÖS Marktes  ausgerichtet. Auf dem Aftermarket handeln beide Muttergesellschaften unabhängig voneinander.  Der Arvin Konzern, mit seiner Tochtergesellschaft Gabriel und dem französischen Unternehmen  Armotex, und ebenso Kayaba gehören zu den grössten Stoßdämpferherstellern der Welt. Jeder  dieser beiden Unternehmen verfügt über eine Produktionskapazität, die grösser ist als die von  Mannesmann/Boge. Insbesondere kann Kayaba als ein Unternehmen betrachtet werden, das  zumindest über eine vergleichbar forgeschrittene Technologie auf dem Gebiet der neuen Dämp- fungssysteme verfügt. Einer seiner grössten Kunden in Europa ist Ford. Das Unternehmen wird in  Spanien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich beliefert.  24. <ind> Way Assauto und Koni gehörten zum amerikanischen ITT-Konzern (Umsatz: 16 Mrd.  ECU). Im August 1991 wurde Way Assauto an eine private italienische Gruppe verkauft. Way  Assauto produziert seine Stoßdämpfer nur in Italien und sein Hauptkunde ist der Fiat Konzern.  Koni hat Fabriken in den Niederlanden und in Frankreich und beliefert eine Anzahl von  europäischen PKW- und LKW-Herstellern. Beide Unternehmen entwickeln und vertreiben - in  Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen des Geschäftsbereichs Kfz-Teile des ITT-Konzerns  (Tewes) - fortgeschrittene Dämpfungssysteme.  25. <ind> AC Delco/de Carbon sind Tochtergesellschaften von General Motors. Der GM- Konzern ist der grösste Stoßdämpferhersteller der Welt mit Kapazitäten, die deutlich höher sind  als die von Mannesmann/Boge. GM/AC Delco/de Carbon haben Fabriken in Frankreich und in  Spanien. Durch den Mehrheitserwerb des französischen Herstellers de Carbon hat der GM- Konzern gezeigt, daß AC Delco nicht nur GM beliefern will, sondern darüber hinaus als  unabhängiger Anbieter auf dem Markt auftreten will.  26. <ind> Die Wirkungen, die von dem Zusammenschluß Mannesmann/Boge ausgehen werden,  insbesondere die Addition von Marktanteilen, das Vorhandensein von Produktionsanlagen in  allen wichtigen Mitgliedstaaten, ausser im Vereinigten Königreich, lassen trotzdem nicht  erwarten, daß Mannesmann/Boge einen Handlungspielraum erlangen werden, der nicht durch  seine Wettbewerber kontrolliert wird.  27. <ind> Automobilhersteller tendieren dahin, mindestens zwei Quellen für ihre Zulieferungen  zu haben. Da Mannesmann und Boge hohe Lieferquoten erreichen, insbesondere mit deutschen  und skandinavischen PKW-Herstellern, ist es nicht sicher, daß die neue Einheit in der Lage sein  wird, die Quoten, und damit ihre Marktanteile, auf dem ÖM/ÖS Markt zu halten. Der  Zusammenschluß erschwert daher nicht den Zugang zu den gegenwärtigen Kunden von  Mannesmann/Boge für seine Wettbewerber; ihre Möglichkeit, Quoten zu erhalten und  Marktanteile zu erhöhen, wird möglicherweise verbessert.  28. <ind> Auch dann, wenn sich der Marktanteil der neuen Einheit nicht verringert, wird der  Handlungspielraum von Mannesmann/Boge ausreichend durch seine Wettbewerber beschränkt.  Monrö, Arvin, Kayaba und AC Delco, die im Weltmaßstab grösser sind als Mannesmann/Boge,  haben durch den Erwerb europäischer Unternehmen gezeigt, daß sie  auf dem europäischen Markt  in Wettbewerb treten wollen. Ihr technisches know-how ist zumindest mit dem von  Mannesmann/Boge vergleichbar. Neben den kleineren Wettbewerbern, z.B. Bilstein und Lipmesa,  gibt es noch eine Reihe japanischer Hersteller (z.B. Tokico, Showa, Atsugi Unisa), die versuchen,  auf dem europäischen Markt hinzuzutreten.   <tab> 3.3 <ind> Die Nachfrageseite des ÖM/ÖS Marktes  29. <ind> Der Handlungsspielraum der neuen Mannesmann/Boge Gruppe wird darüber hinaus  durch die Nachfrageseite beschränkt. Die Nachfrageseite besteht aus der Automobilindustrie, die  ihrerseits einem erheblichen Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist und daher gezwungen ist, die  Kosten so weit wie möglich zu senken. Da es nur einige wenige Automobilkonzerne in Europa  gibt, die ein sehr grosses Volumen kaufen, hat die Nachfrageseite eine beträchtliche Nach- fragemacht.  30. <ind> In den Fällen, wo die Automobilhersteller über eine konzerninterne Produktion  verfügen, ist die Position der Anbieter noch schwächer, weil der Kunde in der Lage ist, die  Stoßdämpfer selbst herzustellen. Andererseits wird die theoretische Möglichkeit der  Automobilhersteller, zur Eigenfertigung überzugehen, als nicht geeignet betrachtet, den  Handlungsspielraum der Anbieter einzuschränken. Diese theoretische Möglichkeit steht im  Widerspruch zu der starken Tendenz in der Industrie, die Fertigungstiefe zu verringern, und der  Tatsache, daß gleichwertige Angebotsalternativen zur Verfügung stehen.  31. <ind> Das wettbewerbliche Potential der Automobilindustrie wird auch in den Situationen  nicht als geringer erachtet, in denen ein unmittelbarer Wechsel des Herstellers nicht möglich ist.  Dies könnte z.B. der Fall sein, wenn ein Anbieter der einzige Hersteller eines bestimmten  Stoßdämpfers für die aktuelle Serienproduktion ist, oder wenn ein Automobilhersteller in eine  langfristige F&E-Kooperation eingetreten ist. Der Handlungsspielraum für diesen Anbieter ist  begrenzt, weil es ihm auch in einer solchen Situation nicht möglich ist, auf eine kurzfristige  Gewinnmaximierungsstrategie überzuwechseln. Das wichtigste Ziel für den Anbieter ist, eine  langfristige Lieferbeziehung zum KFZ-Hersteller aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Dies gilt  insbesondere in Fällen einer F&E-Kooperation, wo sich der Investitionsaufwand erst beim  Verkauf der neuen Produkte armortisiert.   <tab> 3.4. <ind> Gesamtbeurteilung der Auswirkungen auf dem ÖM/ÖS Markt  32. <ind> Unter Berücksichtigung sowohl der Zahl der vergleichbaren Bezugsalternativen für  Stoßdämpfer und der beträchtlichen Einkaufsmacht der Nachfrageseite wird nicht erwartet, daß  durch den Zusammenschluß Mannesmann/Boge eine beherrschende Stellung auf dem ÖM/ ÖS  Markt entsteht oder verstärkt wird, die Anlaß zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner  Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt.   <ind> 4. <ind> Der Aftermarket für Stoßdämpfer  33. <ind> Durch den Zusammenschluß werden die Parteien einen bedeutenden Marktanteil auf  dem Aftermarket für Stoßdämpfer erzielen. Darüber hinaus wird aus der Sicht der Nachfrage der  Zusammenschluß zu  einer deutlichen Abnahme der Angebotsalternativen führen, da Fichtel &  Sachs und Boge eine volle Produktpalette anbieten. Trotzdem wird nicht erwartet, daß durch das  Zusammenschlußvorhaben eine beherrschende Stellung auf diesem Markt entsteht oder verstärkt  wird.  34. <ind> Nach Vollzug des Zusammenschlusses werden Mannesmann/Boge einen gemeinsamen  Marktanteil von ca. 30% in der Gemeinschaft und von ca. 40% in Deutschland und in Italien  erreichen. Hierdurch wird die neue Gruppe die Nummer Zwei in Europa. Monrö bleibt in der  Gemeinschaft das führende Unternehmen mit einem Marktanteil von nahe 40% und hält sogar  höhere Marktanteile, insbesondere in dem Vereinigten Königreich, in Frankreich, Belgien und  Portugal. Arvin/Gabriel und Way Assauto/Koni haben einen Marktanteil von ca. 10% in der  Gemeinschaft und eine stärkere Marktstellung im Vereinigten Königreich, bzw. in Italien.   <ind> Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Anbietern mit kleineren Marktanteilen, wie z.B.  Bilstein, das sich auf spezielle Stoßdämpfer konzentriert hat, und AC Delco und Lipmesa, die im  wesentlichen in Frankreich, bzw. in Spanien tätig sind und einige japanische Unternehmen,  einschließlich Kayaba, die überall in Europa anbieten.  35. <ind> Durch das Zusammenschlußvorhaben wird der Konzentrationsgrad auf dem  betroffenen Markt deutlich erhöht, aber er führt nicht zu einer beherrschenden Stellung von  Mannesmann/Boge. Insbesondere bleibt der Marktzutritt offen, weil eine Reihe von Großhändlern  zur Verfügung stehen, durch die die Hersteller von Stoßdämpfern auf den Markt hinzutreten  können. Präferenzen für nationale Hersteller werden weiterhin abnehmen, weil auch die nationale  Automobilindustrie von Zulieferern aus ganz Europa beliefert wird. Der wettbewerbliche Vorteil,  der aus der Tatsache resultiert, ein nationaler Original-Ersatzteil-Anbieter zu sein, wird daher  deutlich abnehmen.  36. <ind> Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, daß der Handlungsspielraum  der Anbieter auf  dem Aftermarket durch den bestehenden Gruppenwettbewerb zwischen den Vertragshändlern und  Vertragswerkstätten der Automobilindustrie auf der einen Seite und den unabhängigen  Ersatzteilhändlern und freien Werkstätten auf der anderen Seite begrenzt wird. Da die Hersteller  von Ersatzteilen auf dem Aftermarket höhere Gewinne erzielen können als im ÖS-Segment,  haben sie ein starkes Interesse daran, den freien Ersatzteil- und Werkstattmarkt wettbewerbsfähig  zu erhalten. Eine Bedingung hierfür ist, daß die freie Werkstatt in der Lage ist, niedrigere Preise  als die Vertragswerkstatt anzubieten.  37. <ind> Wenn der sachlich relevante Markt als ein einheitlicher Ersatzteilmarkt zu definieren  wäre, der das ÖS-Segment wie den Aftermarket umfassen würde, wären die Marktanteile der  Wettbewerber auf dem Gemeinschaftsmarkt vergleichbar hoch, aber es würden Unterschiede auf  bestimmten nationalen Marktsegmenten bestehen. Dies würde jedoch die Gesamtbeurteilung nicht  verändern. Zusätzlich zu den obengenannten Faktoren wäre dann die Einkaufsmacht der Nach- frageseite auf dem ÖS-Segment zu berücksichtigen.  38. <ind> Im Ergebnis kann festgestellt werden, daß der Zusammenschluß den betroffenen  Parteien auf dem Aftermarket für Stoßdämpfer keine beherrschende Stellung geben wird.  V. <tab> GESAMMTBEURTEILUNG  39. <ind> Auf Grund der oben getroffenen Feststellungen ist die Kommission zu dem Ergebnis  gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben keinen Anlaß für ernsthafte Bedenken hinsichtlich  seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt.  Aus diesen Grunden hat die Kommission entschieden, dem angemeldeten Zusammenschluß nicht  entgegenzutreten, sondern als vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt zu erklären. Diese  Entscheidung beruht auf Artikel 6(1)(b) der Fusionsverordnung.  Für die Kommission