CELEX: 62007CJ0416
Language: de
Date: 2009-09-10 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 10. September 2009.#Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Hellenische Republik.#Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Richtlinien 91/628/EWG und 93/119/EG - Verordnung [EG] Nr. 1/2005 - Schutz von Tieren beim Transport und zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung - Strukturelle und allgemeine Verletzung der Gemeinschaftsvorschriften.#Rechtssache C-416/07.

Rechtssache C-416/07
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Hellenische Republik
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinien 91/628/EWG und 93/119/EG – Verordnung (EG) Nr. 1/2005 – Schutz von Tieren beim Transport und zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung – Strukturelle und allgemeine Verletzung der Gemeinschaftsvorschriften“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Vertragsverletzungsklage – Streitgegenstand – Bestimmung während des Vorverfahrens
      (Art. 226 EG)
      2.        Vertragsverletzungsklage – Nachweis der Vertragsverletzung – Obliegenheit der Kommission
      (Art. 226 EG)
      3.        Landwirtschaft – Rechtsangleichung – Schutz von Tieren beim Transport – Richtlinie 91/628
      (Richtlinie 91/628 des Rates in der durch die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung, Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a)
      4.        Landwirtschaft – Rechtsangleichung – Schutz von Tieren beim Transport – Richtlinie 91/628
      (Richtlinie 91/628 des Rates in der durch die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung, Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff.
            i erster Gedankenstrich und 8 Abs. 1 Buchst. b und d)
      5.        Landwirtschaft – Rechtsangleichung – Schutz von Tieren beim Transport – Richtlinie 91/628
      (Richtlinie 91/628 des Rates in der durch die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung, Anhang Kapitel VII Abschnitt 48
            Nr. 7 Buchst. b)
      1.        Im Rahmen einer Vertragsverletzungsklage kann die Kommission, auch wenn die in der Klageschrift gestellten Anträge grundsätzlich
         nicht über die im verfügenden Teil der mit Gründen versehenen Stellungnahme und im Mahnschreiben gerügten Verstöße hinausgehen
         dürfen, doch zulässigerweise die Feststellung eines Verstoßes gegen diejenigen Verpflichtungen beantragen, die sich aus der
         ursprünglichen Fassung eines später geänderten oder aufgehobenen Gemeinschaftsrechtsakts ergeben und durch die Bestimmungen
         eines neuen Gemeinschaftsrechtsakts aufrechterhalten wurden. Dagegen kann der Streitgegenstand nicht auf Verpflichtungen erstreckt
         werden, die sich aus neuen Bestimmungen ergeben, die keine Entsprechung in der ursprünglichen Fassung des betreffenden Rechtsakts
         haben, da dies einen Verstoß gegen Formvorschriften darstellen würde, die für den ordnungsgemäßen Ablauf des Verfahrens zur
         Feststellung der Vertragsverletzung wesentlich sind.
      
      (vgl. Randnr. 28)
      2.        Im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens nach Art. 226 EG obliegt es der Kommission, das Vorliegen der behaupteten Vertragsverletzung
         nachzuweisen. Sie muss dem Gerichtshof die erforderlichen Anhaltspunkte liefern, anhand deren er das Vorliegen der Vertragsverletzung
         prüfen kann, und kann sich dabei nicht auf irgendeine Vermutung stützen. Wenn die Kommission genügend Anhaltspunkte für das
         Vorliegen eines bestimmten Sachverhalts im Gebiet des beklagten Mitgliedstaats beigebracht hat, obliegt es Letzterem, die
         gemachten Angaben und deren Folgen substantiiert und im Einzelnen zu bestreiten. 
      
      (vgl. Randnrn. 32-33)
      3.        Ein Vorbringen der Kommission, dass bestimmte Transportunternehmer keine Genehmigung besäßen oder ihre Genehmigung abgelaufen
         sei, eignet sich nicht für den Nachweis des Bestehens einer in bestimmtem Grad verfestigten und allgemeinen Verwaltungspraxis,
         die den Verpflichtungen eines Mitgliedstaats aus Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a der Richtlinie 91/628 über den Schutz von Tieren
         beim Transport sowie zur Änderung der Richtlinien 90/425 und 91/496 in der durch die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung
         zuwiderliefe, wenn die Kommission insbesondere weder zur Zahl der Transportunternehmer ohne Genehmigung oder mit abgelaufener
         Genehmigung noch zur Zahl der überprüften Transportunternehmer genaue Angaben macht.
      
      Was ein Vorbringen betrifft, dass die Transportunternehmerlisten nicht immer auf dem neuesten Stand gehalten würden, obliegt
         es der Kommission, das Vorliegen der behaupteten Vertragsverletzung nachzuweisen und dem Gerichtshof die erforderlichen Anhaltspunkte
         zu liefern, anhand deren er das Vorliegen der Vertragsverletzung prüfen kann. In Ermangelung näherer Angaben, insbesondere
         zur Zahl der betroffenen Listen oder zur Gesamtzahl der überprüften Listen, kann nämlich allein der Umstand, dass manche Transportunternehmerlisten
         nicht auf dem neuesten Stand gehalten werden, nicht für den Nachweis genügen, dass ein Mitgliedstaat gegen seine Verpflichtungen
         aus Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a der Richtlinie 91/628 verstoßen hat.
      
      (vgl. Randnrn. 44-45, 47-49)
      4.        Ein Mitgliedstaat, dessen zuständige Behörden nur die Durchführung der Transportpläne und nicht die darin gemachten Angaben
         überprüfen können, verstößt, wenn diese Pläne von den zuständigen Behörden anderer Mitgliedstaaten ausgestellt worden sind,
         gegen seine Pflichten aus den Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich und 8 Abs. 1 Buchst. b und d der
         Richtlinie 91/628 über den Schutz von Tieren beim Transport sowie zur Änderung der Richtlinien 90/425 und 91/496 in der durch
         die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung.
      
      Die Kontrolle der Transportpläne soll nämlich die Einhaltung der in der Richtlinie 91/628 aufgestellten Anforderungen sicherstellen.
         Daher kann sich die Kontrolle nicht auf die Prüfung des Vorhandenseins des Transportplans oder die Überprüfung der darin enthaltenen
         Angaben beschränken, sondern muss auch die Prüfung umfassen, ob der Tiertransport im Einklang mit den gemeinschaftsrechtlichen
         Vorschriften über den Tierschutz beim Transport erfolgt. Deshalb genügt allein die Überprüfung der in den Transportplänen
         gemachten Angaben nicht, um den Verpflichtungen aus der genannten Richtlinie nachzukommen.
      
      (vgl. Randnrn. 65-68)
      5.        Ein Mitgliedstaat, der nicht die geeigneten Maßnahmen trifft, um in den Fährhäfen oder in deren Nähe Einrichtungen vorzusehen,
         in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen ruhen können, verstößt gegen seine Pflichten aus Kapitel VII Abschnitt
         48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628 über den Schutz von Tieren beim Transport sowie zur Änderung der Richtlinien
         90/425 und 91/496 in der durch die Verordnung Nr. 806/2003 geänderten Fassung.
      
      Nach dieser Bestimmung muss nämlich beim Transport auf dem Seeweg im direkten Linienverkehr zwischen zwei geografischen Punkten
         der Gemeinschaft mit Fahrzeugen, die ohne Entladen der Tiere auf das Schiff verladen werden, grundsätzlich nach Entladen der
         Tiere im Bestimmungshafen oder in dessen Nähe eine Ruhezeit von zwölf Stunden eingelegt werden. Auch wenn diese Bestimmung
         nicht ausdrücklich vorsieht, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, in den Häfen Ruheeinrichtungen für die Tiere zu gewährleisten,
         wohnt eine solche Verpflichtung doch dem Erfordernis inne, dass die Tiere nach ihrem Entladen im Bestimmungshafen oder in
         dessen Nähe eine Ruhezeit von zwölf Stunden haben. Den Transportunternehmern wäre es nämlich unmöglich, die Ruhezeit von zwölf
         Stunden zu beachten, wenn die Mitgliedstaaten nicht dafür sorgten, dass entsprechende Einrichtungen zur Verfügung stehen.
      
      (vgl. Randnrn. 75-76, 79)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Dritte Kammer)
      10. September 2009(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinien 91/628/EWG und 93/119/EG – Verordnung (EG) Nr. 1/2005 – Schutz von Tieren beim Transport und zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung – Strukturelle und allgemeine Verletzung der Gemeinschaftsvorschriften“
      In der Rechtssache C‑416/07
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Art. 226 EG, eingereicht am 4. September 2007,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch H. Tserepa‑Lacombe und F. Erlbacher als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Hellenische Republik, vertreten durch S. Charitaki, S. Papaïoannou und E.‑M. Mamouna als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas, der Richter J. Klučka (Berichterstatter) und U. Lõhmus, der Richterin P. Lindh
         und des Richters A. Arabadjiev,
      
      Generalanwältin: V. Trstenjak,
      Kanzler: K. Sztranc-Sławiczek, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 22. Januar 2009,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 2. April 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrer Klage beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass die Hellenische Republik gegen
         ihre Verpflichtungen aus den Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a Ziff. i und ii, Nr. 2 Buchst. b und d Ziff. i erster Gedankenstrich,
         8, 9 und 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628/EWG des Rates vom 19. November 1991 über den Schutz von Tieren beim Transport sowie
         zur Änderung der Richtlinien 90/425/EWG und 91/496/EWG (ABl. L 340, S. 17) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 806/2003 des
         Rates vom 14. April 2003 (ABl. L 122, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 91/628) und aus Kapitel VII Abschnitt
         48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628 – bzw. vom 5. Januar 2007 an aus den Art. 5 Abs. 4, 6 Abs. 1, 13 Abs. 3
         und 4, 15 Abs. 1, 25, 26 und 27 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates vom 22. Dezember 2004 über den Schutz von
         Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen sowie zur Änderung der Richtlinien 64/432/EWG und 93/119/EG und
         der Verordnung (EG) Nr. 1255/97 (ABl. 2005, L 3, S. 1) – sowie aus Art. 3, Art. 5 Abs. 1 Buchst. d, Art. 6 Abs. 1 und Art. 8
         der Richtlinie 93/119/EG des Rates vom 22. Dezember 1993 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung
         (ABl. L 340, S. 21) in der durch die Verordnung Nr. 1/2005 geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 93/119) verstoßen
         hat, indem sie es unterlassen hat, alle Maßnahmen zu ergreifen, die erforderlich sind, damit 
      
      –        jeder Tiertransportunternehmer eine Genehmigung durch die zuständige Behörde besitzt und gemeldet ist, so dass die zuständige
         Behörde insbesondere bei Nichteinhaltung der Tierschutzvorschriften während des Transports seine Identität rasch feststellen
         kann;
      
      –        die zuständigen Behörden die zwingenden Überprüfungen der Transportpläne/Fahrtenbücher durchführen;
      –        in den Fährhäfen oder in deren Nähe Einrichtungen vorgesehen sind, in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen
         ruhen können;
      
      –        die Kontrollen der Transportmittel und der Tiere tatsächlich durchgeführt werden;
      –        wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen bei wiederholten oder schweren Verstößen gegen die Bestimmungen über
         den Tierschutz beim Transport verhängt werden; 
      
      –        die Einhaltung der Regeln für die Betäubung der Tiere bei der Schlachtung sichergestellt ist und 
      –        die Inspektion und die Kontrolle der Schlachthöfe in angemessener Weise durchgeführt werden.
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
       Die Richtlinie 91/628
      2        Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a Ziff. i und ii der Richtlinie 91/628 lautet:
      
      „Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass
      1.      jeder Transportunternehmer
      a)      i)     gemeldet ist, so dass die zuständige Behörde bei Nichteinhaltung der Anforderungen dieser Richtlinie seine Identität rasch
         feststellen kann; 
      
      ii)      eine Genehmigung besitzt, die für alle Transporte von Wirbeltieren in einem der in Anhang I der Richtlinie 90/675/EWG genannten
         Gebiete gilt und die erteilt wird von der zuständigen Behörde des Mitgliedstaats der Niederlassung oder – bei einem in einem
         Drittland niedergelassenen Unternehmen – von einer zuständigen Behörde eines Mitgliedstaats der Union, sofern der Verantwortliche
         des Transportunternehmens sich schriftlich verpflichtet, die Anforderungen der geltenden gemeinschaftlichen Veterinärvorschriften
         einzuhalten.“ 
      
      3        Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. b dieser Richtlinie bestimmt:
      
      „Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass
      …
      2.      der Transportunternehmer
      …
      b)      für die in Artikel 1 Absatz 1 Buchstabe a) genannten Tiere, die für den Handel zwischen Mitgliedstaaten oder für die Ausfuhr
         in Drittländer bestimmt sind, bei einer längeren Transportdauer als acht Stunden einen Transportplan nach dem Modell in Kapitel
         VIII des Anhangs festlegt, der der Gesundheitsbescheinigung während der Verbringung beigefügt wird und in dem auch etwaige
         Aufenthalts- und Umladeorte aufgeführt sind.“
      
      4        Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich derselben Richtlinie lautet:
      
      „Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass
      …
      2.      der Transportunternehmer
      …
      d)      sich vergewissert,
      i)      dass das Original des unter Buchstabe b) genannten Transportplans 
      –        von den entsprechenden Personen zu gegebener Zeit ordnungsgemäß ausgefüllt und vervollständigt wird.“
      5        Art. 8 der Richtlinie 91/628 bestimmt:
      
      „Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge, dass die zuständigen Behörden gemäß den in der Richtlinie 90/425/EWG für die Kontrollen
         festgelegten Grundsätzen und Regeln die Einhaltung der Anforderungen der vorliegenden Richtlinie durch folgende nicht diskriminierende
         Kontrollen gewährleisten: 
      
      a)      Kontrollen von Transportmitteln und Tieren während des Transports auf der Straße; 
      b)      Kontrollen von Transportmitteln und Tieren bei der Ankunft am Bestimmungsort
      c)      Kontrollen von Transportmitteln und Tieren auf Märkten, an Versandorten sowie an Aufenthalts- und Umladeorten; 
      d)      Kontrollen der Angaben auf den Begleitdokumenten.
      Diese Kontrollen müssen eine repräsentative Auswahl der Tiere erfassen, die pro Jahr in einem Mitgliedstaat transportiert
         werden und können gleichzeitig mit zu anderen Zwecken vorgenommenen Kontrollen durchgeführt werden.
      
      Die zuständige Behörde jedes Mitgliedstaats legt der Kommission einen jährlichen Bericht vor, in dem sie für jeden einzelnen
         der Buchstaben a), b), c) und d) die Anzahl der während des vorhergehenden Kalenderjahres durchgeführten Kontrollen, die Einzelheiten
         der festgestellten Zuwiderhandlungen und die von der zuständigen Behörde daraufhin getroffenen Maßnahmen angibt. 
      
      Ferner können auch während des Transports der Tiere Kontrollen im Hoheitsgebiet des betreffenden Mitgliedstaats vorgenommen
         werden, wenn der zuständigen Behörde des Mitgliedstaates Informationen vorliegen, die einen Verstoß vermuten lassen. 
      
      Kontrollen, die in nicht diskriminierender Weise von den mit der allgemeinen Gesetzesanwendung in einem Mitgliedstaat betrauten
         Behörden im Rahmen ihrer Aufgaben durchgeführt werden, bleiben von diesem Artikel unberührt.“ 
      
      6        Art. 9 Abs. 1 dieser Richtlinie lautet: 
      
      „Stellt sich während des Transports heraus, dass die Bestimmungen dieser Richtlinie nicht eingehalten werden bzw. nicht eingehalten
         wurden, so fordert die zuständige Behörde des Ortes, an dem diese Feststellung getroffen wird, die für das Transportmittel
         verantwortlichen Personen auf, alle Maßnahmen zu treffen, die sie zur Gewährleistung der artgerechten Behandlung der betroffenen
         Tiere für notwendig erachtet.
      
      So kann die zuständige Behörde je nach den Umständen des Einzelfalles veranlassen, dass 
      a)      die weitere Verbringung oder die Rücksendung der Tiere zum Versandort auf dem kürzesten direkten Wege erfolgt, sofern dies
         den Tieren kein unnötiges Leiden verursacht;
      
      b)      die Tiere in geeigneten Unterkünften angemessen versorgt werden, bis das Problem gelöst ist; 
      c)      die Tiere so getötet werden, dass ihnen unnötige Leiden erspart werden. Für Bestimmungsort und Verwendung der Tierkörper gilt
         die Richtlinie 64/433/EWG.“
      
      7        Art. 18 Abs. 2 derselben Richtlinie bestimmt: 
      
      „Bei wiederholten Verstößen gegen diese Richtlinie oder bei einem Verstoß, der den Tieren schwere Leiden verursacht, ergreift
         ein Mitgliedstaat unbeschadet der übrigen vorgesehenen Sanktionen die erforderlichen Maßnahmen, um die festgestellten Missstände
         abzustellen; dies kann bis zur Aussetzung und zum Entzug der Genehmigung nach Artikel 5 Teil A Nummer 1 Buchstabe a) Ziffer
         ii) gehen. 
      
      Die Mitgliedstaaten legen bei der Umsetzung in innerstaatliches Recht fest, welche Vorkehrungen sie treffen, um die festgestellten
         Missstände abzustellen.“ 
      
      8        Abschnitt 48 („Zeitabstände für das Tränken und Füttern sowie Fahrt- und Ruhezeiten“) des Anhangs der Richtlinie 91/628 sieht
         in Nr. 7 Buchst. b vor:
      
      „Beim Transport auf dem Seeweg im direkten Linienverkehr zwischen zwei geografischen Punkten der Gemeinschaft mit Fahrzeugen,
         die ohne Entladen der Tiere auf das Schiff verladen werden, muss nach Entladen der Tiere im Bestimmungshafen oder in dessen
         Nähe eine Ruhezeit von zwölf Stunden eingelegt werden, es sei denn, die Dauer des Transports auf dem Seeweg entspricht den
         allgemeinen Regeln der Nummern 2 bis 4“ dieses Abschnitts 48.
      
       Die Richtlinie 93/119
      9        Art. 3 der Richtlinie 93/119 lautet:
      
      „Beim Verbringen, Unterbringen, Ruhigstellen, Betäuben, Schlachten und Töten müssen die Tiere von vermeidbaren Aufregungen,
         Schmerzen und Leiden verschont bleiben.“ 
      
      10      Art. 5 Abs. 1 Buchst. d dieser Richtlinie bestimmt:
      
      „Einhufer, Wiederkäuer, Schweine, Kaninchen und Geflügel, die zur Schlachtung in Schlachthöfe verbracht werden, sind
      …
      d)      gemäß Anhang D zu entbluten.“ 
      11      Art. 6 Abs. 1 derselben Richtlinie lautet:
      
      „Geräte, Vorrichtungen zur Ruhigstellung, Ausrüstungen und Anlagen für die Betäubung oder Tötung der Tiere sind so zu konzipieren,
         zu bauen, instand zu halten und zu verwenden, dass eine rasche und wirksame Betäubung bzw. Tötung entsprechend den Bestimmungen
         dieser Richtlinie gewährleistet ist. Die zuständige Behörde überprüft, ob die Geräte, Vorrichtungen zur Ruhigstellung, Ausrüstungen
         und Anlagen für die Betäubung oder Tötung der Tiere mit den vorstehenden Grundsätzen in Einklang stehen, und versichert sich
         durch regelmäßige Kontrollen, dass sie in einwandfreiem Zustand sind und sich mit ihnen das genannte Ziel erreichen lässt.“
         
      
      12      Art. 8 der Richtlinie 93/119 bestimmt:
      
      „Für die Inspektion und Kontrolle von Schlachthöfen ist die zuständige Behörde verantwortlich, die jederzeit freien Zugang
         zu allen Teilen des Schlachthofes haben muss, um sich vergewissern zu können, dass die Vorschriften dieser Richtlinie eingehalten
         werden. Diese Inspektionen und Kontrollen können indessen im Rahmen von Kontrollen vorgenommen werden, die zu anderen Zwecken
         durchgeführt werden.“ 
      
       Vorverfahren 
      13      Ab dem Jahr 1998 unternahm das Lebensmittel- und Veterinäramt der Generaldirektion „Gesundheit und Verbraucher“ der Kommission
         (im Folgenden: LVA) Kontrollbesuche in Griechenland, um die Wirksamkeit der Durchführung der Gemeinschaftsbestimmungen auf
         dem Gebiet des Tierschutzes, insbesondere beim Transport und bei der Schlachtung, zu prüfen. 
      
      14      Bei mehreren dieser von 1998 bis 2006 durchgeführten Kontrollbesuche stellte das LVA fest, dass die genannten Gemeinschaftsbestimmungen
         nicht eingehalten wurden. Die Kommission stützt sich namentlich auf die Kontrollbesuche Nrn. 8729/2002 vom 18. bis 20. November
         2002, 9002/2003 vom 13. bis 17. Januar 2003, 9176/2003 vom 21. bis 25. Juli 2003, 9211/2003 vom 15. bis 19. September 2003
         und 7273/2004 vom 4. bis 8. Oktober 2004.
      
      15      Am 13. Juli 2005 sandte die Kommission ein Mahnschreiben an die Hellenische Republik, das die unzureichende Anwendung und
         Umsetzung mehrerer Bestimmungen der Richtlinien 91/628 und 93/119 sowie von Art. 10 EG betraf und das von der Hellenischen
         Republik mit Schreiben vom 20. September 2005 beantwortet wurde.
      
      16      Im Anschluss an einen mehrfachen Informationsaustausch und nach dem Kontrollbesuch Nr. 8042/2006 vom 21. Februar bis 1. März
         2006 erließ die Kommission am 4. Juli 2006 eine mit Gründen versehene Stellungnahme, in der sie die Hellenische Republik aufforderte,
         die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um dieser Stellungnahme binnen zwei Monaten nach deren Eingang nachzukommen. Die
         Hellenische Republik antwortete am 8. September 2006 darauf.
      
      17      Vom 4. bis 15. September 2006 führte das LVA den Kontrollbesuch Nr. 8167/2006 durch, um die Einhaltung der Gemeinschaftsbestimmungen
         über den Tierschutz zu überprüfen, und bekräftigte in seinem Bericht die zuvor in diesem Bereich festgestellten Verstöße und
         Unzulänglichkeiten.
      
      18      Die Kommission beschloss daher, die vorliegende Klage zu erheben.
      
       Zur Klage
       Zur Zulässigkeit
       Vorbringen der Parteien
      19      Die Hellenische Republik wendet sich gegen die pauschale Herangehensweise der Kommission bei ihrer Klage. Sie ist der Ansicht,
         die insgesamt ungenaue Klage müsse für unzulässig erklärt werden.
      
      20      Allgemein macht sie geltend, die Kommission trage keine genauen Tatsachen vor und erbringe keine Beweise, aufgrund deren für
         jede behauptete Verletzung die Lage festgestellt werden könne, die bei Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme
         gesetzten Frist bestanden habe. Damit aber die fraglichen Tatsachen unter Wahrung ihrer Verteidigungsrechte einer rechtlichen
         Würdigung unterzogen werden könnten, hätte die Kommission eine gebührende Zahl konkreter Tatsachen anführen müssen, die sich
         ihrer Art nach für den Nachweis zum einen der geltend gemachten Verletzung des Gemeinschaftsrechts und zum anderen des Andauerns
         dieser Verletzung bis mindestens zum Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten Frist eigneten. 
      
      21      Die Kommission ist dagegen der Ansicht, dass es ihr freistehe, die Frage der Einhaltung der gemeinschaftsrechtlichen Bestimmungen
         über den Schutz der Tiere beim Transport und bei ihrer Schlachtung in einem einzigen Verfahren pauschal abzuhandeln. Es gebe
         keinen Grund, warum sie nicht mehrere Klagegründe geltend machen können solle, die nicht auf vereinzelte Tatsachenfeststellungen,
         sondern auf zahlreiche vom LVA ermittelte Fälle gestützt würden, die eine strukturelle und allgemeine Verletzung der Verpflichtungen
         der Hellenischen Republik auf dem Gebiet des Tierschutzes beim Transport und bei der Schlachtung erkennen ließen.
      
      22      Die Kommission hält deshalb die Klage auf Feststellung, dass die Hellenische Republik gegen ihre Verpflichtungen aus den Richtlinien
         93/119 und 91/628 sowie ab dem 5. Januar 2007, also nach Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten
         Frist, aus der Verordnung Nr. 1/2005 verstoßen habe, für zulässig.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      23      Zur pauschalen Herangehensweise der Kommission ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der EG-Vertrag unbeschadet der Verpflichtung
         der Kommission, der Beweislast zu genügen, die sie im Rahmen des Verfahrens nach Art. 226 EG trägt, keine Regelung enthält,
         die einer umfassenden Behandlung einer beträchtlichen Zahl von Situationen entgegensteht, die die Kommission zu der Annahme
         veranlassen, dass ein Mitgliedstaat wiederholt und fortgesetzt gegen seine Verpflichtungen aus dem Gemeinschaftsrecht verstoßen
         habe (Urteil vom 26. April 2007, Kommission/Italien, C‑135/05, Slg. 2007, I‑3475, Randnr. 20).
      
      24      Sodann kann sich nach ständiger Rechtsprechung, auch wenn die anwendbare nationale Regelung als solche mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar ist, eine Vertragsverletzung aus dem Bestehen einer gemeinschaftsrechtswidrigen Verwaltungspraxis ergeben, wenn
         sie sich als in bestimmtem Grad verfestigt und allgemein darstellt (vgl. insbesondere Urteile vom 12. Mai 2005, Kommission/Italien,
         C‑278/03, Slg. 2005, I‑3747, Randnr. 13, und vom 26. April 2007, Kommission/Italien, Randnr. 21).
      
      25      Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof bereits Klagen der Kommission als zulässig angesehen hat, die in
         ähnlichen Zusammenhängen erhoben wurden, und zwar namentlich in der Rechtssache, in der das Urteil vom 6. Oktober 2005, Kommission/Griechenland
         (C‑502/03), ergangen ist und in der die Kommission gerade eine strukturelle und allgemeine Verletzung der Art. 4, 8 und 9
         der Richtlinie 75/442/EWG des Rates vom 15. Juli 1975 über Abfälle (ABl. L 194, S. 39) in der durch die Richtlinie 91/156/EWG
         des Rates vom 18. März 1991 (ABl. L 78, S. 32) geänderten Fassung durch Griechenland geltend machte, oder in der Rechtssache,
         in der das Urteil vom 29. März 2007, Kommission/Frankreich (C‑423/05), ergangen ist und in der ebenfalls eine Verletzung derselben
         Artikel sowie des Art. 14 der Richtlinie 1999/31/EG des Rates vom 26. April 1999 über Abfalldeponien (ABl. L 182, S. 1) beanstandet
         wurde. Es gibt keinen Grund, warum diese Herangehensweise nicht auf den Bereich des Tierschutzes übertragen werden können
         sollte.
      
      26      Die pauschale Herangehensweise der Kommission bei ihrer Klage ist somit zulässig.
      
      27      Was die Zulässigkeit der Klagegründe in Bezug auf die Bestimmungen der Verordnung Nr. 1/2005 angeht, mit der die Richtlinie
         91/628 ab dem 5. Januar 2007, also nach Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten Frist, aufgehoben
         und ersetzt wurde, ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung das Vorliegen einer Vertragsverletzung im Rahmen
         einer Klage nach Art. 226 EG nach dem Stand des Gemeinschaftsrechts bei Ablauf der Frist zu beurteilen ist, die die Kommission
         dem betroffenen Mitgliedstaat gesetzt hat, um ihrer mit Gründen versehenen Stellungnahme nachzukommen (vgl. u. a. Urteile
         vom 10. September 1996, Kommission/Deutschland, C‑61/94, Slg. 1996, I‑3989, Randnr. 42, und vom 5. Oktober 2006, Kommission/Belgien,
         C‑377/03, Slg. 2006, I‑9733, Randnr. 33).
      
      28      Wie der Gerichtshof allerdings bereits entschieden hat und wie die Generalanwältin in Nr. 35 ihrer Schlussanträge ausführt,
         kann die Kommission, auch wenn die in der Klageschrift gestellten Anträge grundsätzlich nicht über die im verfügenden Teil
         der mit Gründen versehenen Stellungnahme und im Mahnschreiben gerügten Verstöße hinausgehen dürfen, doch zulässigerweise die
         Feststellung eines Verstoßes gegen diejenigen Verpflichtungen beantragen, die sich aus der ursprünglichen Fassung eines später
         geänderten oder aufgehobenen Gemeinschaftsrechtsakts ergeben und durch die Bestimmungen eines neuen Gemeinschaftsrechtsakts
         aufrechterhalten wurden (vgl. insoweit Urteile vom 9. November 1999, Kommission/Italien, C‑365/97, Slg. 1999, I‑7773, Randnr. 36,
         und vom 12. Juni 2003, Kommission/Italien, C‑363/00, Slg. 2003, I‑5767, Randnr. 22). Dagegen kann der Streitgegenstand nicht
         auf Verpflichtungen erstreckt werden, die sich aus neuen Bestimmungen ergeben, die keine Entsprechung in der ursprünglichen
         Fassung des betreffenden Rechtsakts haben, da dies einen Verstoß gegen Formvorschriften darstellen würde, die für den ordnungsgemäßen
         Ablauf des Verfahrens zur Feststellung der Vertragsverletzung wesentlich sind (vgl. u. a. Urteil vom 12. Juni 2003, Kommission/Italien,
         Randnr. 22).
      
      29      Folglich sind die in der Klageschrift der Kommission gestellten Anträge auf Feststellung, dass die Hellenische Republik gegen
         ihre Verpflichtungen aus der Verordnung Nr. 1/2005 verstoßen hat, grundsätzlich unter der Voraussetzung zulässig, dass die
         Verpflichtungen nach der Verordnung Nr. 1/2005 denjenigen nach der Richtlinie 91/628 entsprechen.
      
      30      Die Kommission hat jedoch in Beantwortung einer in der mündlichen Verhandlung gestellten Frage klargestellt, dass die vorliegende
         Vertragsverletzungsklage so zu verstehen sei, dass sie sich in Wirklichkeit nur auf die Bestimmungen der Richtlinie 91/628
         beziehe und nicht auf diejenigen der Verordnung Nr. 1/2005, die angeführt worden seien, um aufzuzeigen, dass die Praxis der
         griechischen Behörden in bestimmtem Grad verfestigt sei.
      
      31      Unter diesen Bedingungen ist die Würdigung durch den Gerichtshof auf die Begründetheit der Rügen in Bezug auf die Bestimmungen
         der Richtlinie 91/628 zu beschränken.
      
       Zu den von der Kommission erhobenen Rügen
      32      Eingangs ist darauf hinzuweisen, dass es im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens nach Art. 226 EG der Kommission obliegt,
         das Vorliegen der behaupteten Vertragsverletzung nachzuweisen. Sie muss dem Gerichtshof die erforderlichen Anhaltspunkte liefern,
         anhand deren er das Vorliegen der Vertragsverletzung prüfen kann, und kann sich dabei nicht auf irgendeine Vermutung stützen
         (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 25. Mai 1982, Kommission/Niederlande, 96/81, Slg. 1982, 1791, Randnr. 6, und vom 26. April
         2007, Kommission/Italien, Randnr. 26).
      
      33      Wenn die Kommission genügend Anhaltspunkte für den Sachverhalt, der sich im Hoheitsgebiet des beklagten Mitgliedstaats zugetragen
         hat, beigebracht hat, obliegt es Letzterem, die gemachten Angaben und deren Folgen substantiiert und im Einzelnen zu bestreiten
         (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 22. September 1988, Kommission/Griechenland, 272/86, Slg. 1988, 4875, Randnr. 21, und vom
         9. November 1999, Kommission/Italien, Randnrn. 84 und 86).
      
      34      Im vorliegenden Fall stützt sich die Kommission auf die Feststellungen anlässlich der Kontrollbesuche Nrn. 8729/2002, 9002/2003,
         9176/2003, 9211/2003, 7273/2004, 8042/2006 und 8167/2006, um die Begründetheit ihrer Klage zu belegen.
      
      35      Somit ist für jede Rüge zu prüfen, ob diese Feststellungen im Einklang mit der oben in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung
         so geartet sind, dass sie einen Verstoß gegen die aus dem Gemeinschaftsrecht folgenden Verpflichtungen beweisen.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a Ziff. i und ii der Richtlinie 91/628
      –       Vorbringen der Parteien
      36      Die Kommission ist auf der Grundlage der Feststellungen des LVA bei den Kontrollbesuchen Nrn. 7273/2004 und 8042/2006 der
         Ansicht, die Hellenische Republik habe nicht die Maßnahmen ergriffen, die erforderlich seien, damit jeder Tiertransportunternehmer
         eine Genehmigung durch die zuständige Behörde besitze und gemeldet sei, so dass die Behörde seine Identität bei Nichteinhaltung
         der Anforderungen an den Schutz der Tiere während ihres Transports rasch feststellen könne.
      
      37      Die Inspektoren des LVA hätten im Rahmen des Kontrollbesuchs Nr. 7273/2004 festgestellt, dass bestimmte Transportunternehmer
         keine Genehmigung besessen hätten oder ihre Genehmigung abgelaufen gewesen sei. Außerdem habe der Kontrollbesuch Nr. 8042/2006
         ergeben, dass trotz einiger Verbesserungen die Vorschriften über die Genehmigungen und die Identifizierung der Transportunternehmer
         nicht hinreichend beachtet worden seien. Zwar gebe es Listen der Transportunternehmer, doch seien sie nicht immer auf dem
         neuesten Stand gehalten worden. Zudem seien die Transportunternehmerlisten unvollständig, weil sie keine Informationen über
         die Ladefläche enthielten.
      
      38      Die Hellenische Republik macht im Wesentlichen geltend, die Entdeckung einer ungültigen, einen Einzelfall darstellenden Genehmigung
         beim Kontrollbesuch Nr. 7273/2004 biete keine Grundlage dafür, auf eine Unzulänglichkeit des Systems an sich zu erkennen,
         was erst recht gelte, wenn die betreffende Genehmigung bereits zuvor von der zuständigen nationalen Behörde ausgemacht worden
         sei.
      
      39      Außerdem sehe die Richtlinie 91/628 nicht vor, dass die Verzeichnisse der Transportunternehmer etwas zu deren schriftlicher
         Selbstverpflichtung, den Anforderungen der Richtlinie nachzukommen, oder zum Ort der Verladung der Tiere enthalten müssten.
         Die Kommission hält dieses Vorbringen für durch den Wortlaut von Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a Ziff. i und ii der Richtlinie
         91/628 widerlegt.
      
      40      Die Hellenische Republik weist auch darauf hin, dass sie Maßnahmen getroffen habe, um die Einhaltung des Gemeinschaftsrechts
         sicherzustellen. Insbesondere der Umstand, dass die Regionalbehörden über die Empfehlungen der Gemeinschaftsinspektoren unterrichtet
         worden seien, und die Veranstaltung von Ausbildungsseminaren für die Fahrer und die Begleiter von Tieren, aber auch für die
         Tierärzte, seien positiv zu werten und belegten, dass die griechischen Behörden ständig auf eine ordnungsgemäße Anwendung
         des Gemeinschaftsrechts bedacht seien.
      
      41      Die Kommission erwidert indessen, dass zwar die Veranstaltung solcher Seminare eine positive Maßnahme sei, aber nicht die
         amtlichen Kontrollen durch die nationalen Behörden gemäß dem Gemeinschaftsrecht ersetzen könne.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      42      Zum Vorbringen, dass die Transportunternehmerlisten unvollständig seien, weil sie keine Angaben über die Ladefläche enthielten,
         genügt der Hinweis, dass sich aus dem Wortlaut von Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a der Richtlinie 91/628 keineswegs ergibt,
         dass solche Angaben vorgeschrieben werden könnten.
      
      43      Diesem Vorbringen kann also nicht gefolgt werden.
      
      44      Das Vorbringen, dass die Transportunternehmerlisten nicht immer auf dem neuesten Stand gehalten würden, genügt wegen seiner
         Ungenauigkeit nicht der oben in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung, wonach es der Kommission obliegt, das Vorliegen der
         behaupteten Vertragsverletzung nachzuweisen und dem Gerichtshof die erforderlichen Anhaltspunkte zu liefern, anhand deren
         er das Vorliegen der Vertragsverletzung prüfen kann.
      
      45      In Ermangelung näherer Angaben, insbesondere zur Zahl der betroffenen Listen oder zur Gesamtzahl der überprüften Listen, kann
         nämlich allein der Umstand, dass manche Transportunternehmerlisten nicht auf dem neuesten Stand gehalten werden, nicht für
         den Nachweis genügen, dass die Hellenische Republik gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a der Richtlinie
         91/628 verstoßen hat.
      
      46      Jedenfalls scheint, wie die Generalanwältin in Nr. 54 ihrer Schlussanträge ausführt, die Feststellung ausgeschlossen, dass
         die griechischen Behörden eine in bestimmtem Grad verfestigte und allgemeine Verwaltungspraxis entwickelt hätten, wenn sich
         die von der Kommission für diese Rüge angebotenen Beweise auf im Jahr 2006 getroffene Feststellungen beziehen und nicht auf
         einen längeren Zeitraum, in dem sich eine solche Praxis herausgebildet haben soll.
      
      47      Dem Vorbringen, dass manche Transportunternehmer keine Genehmigung besessen hätten oder ihre Genehmigung abgelaufen gewesen
         sei, kann nicht gefolgt werden, weil es der oben in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung ebenfalls nicht genügt.
      
      48      Die Kommission macht nämlich insbesondere weder zur Zahl der Transportunternehmer ohne Genehmigung oder mit abgelaufener Genehmigung
         noch zur Zahl der überprüften Transportunternehmer genaue Angaben.
      
      49      Deshalb eignet sich das Vorbringen der Kommission nicht für den Nachweis des Bestehens einer in bestimmtem Grad verfestigten
         und allgemeinen Verwaltungspraxis, die den Verpflichtungen der Hellenischen Republik aus Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a der
         Richtlinie 91/628 zuwiderliefe.
      
      50      Nach alledem ist die Rüge eines Verstoßes gegen Art. 5 Teil A Nr. 1 Buchst. a Ziff. i und ii der Richtlinie 91/628 nicht begründet.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. b und d Ziff. i erster Gedankenstrich, Art. 8 Abs. 1 Buchst. b
         und d und Art. 9 der Richtlinie 91/628
      
      –       Vorbringen der Parteien
      51      Die Kommission beanstandet, die Hellenische Republik habe nicht die Maßnahmen ergriffen, die erforderlich seien, damit die
         zuständigen Behörden die zwingenden Überprüfungen der Transportpläne durchführten, und dadurch gegen ihre Verpflichtungen
         aus Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. b und d Ziff. i erster Gedankenstrich, Art. 8 Abs. 1 Buchst. b und d und Art. 9 der Richtlinie
         91/628 verstoßen.
      
      52      Bei den Kontrollbesuchen Nrn. 9002/2003 und 7273/2004 hätten die Inspektoren des LVA Unzulänglichkeiten in Bezug auf einige
         Transportpläne festgestellt, die von der zuständigen griechischen Behörde nicht entdeckt worden seien. Insbesondere sei die
         Transportdauer unstimmig und nicht zu verwirklichen gewesen, die in der Mehrzahl der Transportpläne angegeben gewesen sei,
         die überprüft worden seien und die für die Schlachtung bestimmten und aus anderen Mitgliedstaaten transportierten Tiere begleitet
         hätten.
      
      53      Die Hellenische Republik macht indessen geltend, ein Rundschreiben aus dem Jahr 2003 (im Folgenden: Rundschreiben von 2003)
         habe zur Einführung eines angemessenen Systems für die Inspektion und Kontrolle der Angaben in den Transportplänen geführt.
         Außerdem sei es, wenn diese Pläne von den zuständigen Behörden anderer Mitgliedstaaten ausgestellt würden, nicht Sache der
         zuständigen Behörden des Bestimmungslandes, die Richtigkeit der in den Plänen enthaltenen Angaben und der von der plangenehmigenden
         Behörde berücksichtigten Kriterien zu beurteilen. Überprüft werden könne allein die Einhaltung dieser Pläne.
      
      54      Die Kommission erwidert, dass entgegen den Behauptungen der Hellenischen Republik der Zweck der Überprüfung der Transportpläne
         als Begleitdokumente darin bestehe, dass den Anforderungen der Richtlinie 91/628 genügt werde. Deshalb sei es erforderlich,
         nicht nur das Vorhandensein eines Transportplans oder die darin enthaltenen Angaben zu überprüfen, sondern auch die Rechtmäßigkeit
         des Transports gemessen an den Tierschutzvorschriften.
      
      55      Dies finde insbesondere in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 91/628 Bestätigung, der die Maßnahmen vorsehe, die zu treffen seien,
         wenn während des Tiertransports ein Verstoß gegen die Anforderungen dieser Richtlinie festgestellt werde. Die bloße Überprüfung
         der Angaben in den Transportplänen sei somit offenkundig keine Kontrolle, die den Anforderungen der Richtlinie 91/628 entspreche.
      
      56      Das Vorbringen der Hellenischen Republik zu dem mit dem Rundschreiben von 2003 eingeführten System hält die Kommission durch
         zahlreiche Feststellungen der Inspekteure des LVA vor Ort für widerlegt, die zeigten, dass die Überprüfungen nicht zufriedenstellend
         durchgeführt worden seien.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      57      Die Rüge gliedert sich in drei Teile.
      
      58      Hinsichtlich des Teils der Rüge, mit dem eine Missachtung von Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. b der Richtlinie 91/628 beanstandet
         wird, der den Mitgliedstaaten vorschreibt, für die Festlegung eines Transportplans durch die Transportunternehmer zu sorgen,
         ergibt sich aus den dem Gerichtshof vorgelegten Akten nicht, dass die Kommission Anhaltspunkte beigebracht hätte, die sich
         für den Nachweis eignen, dass die Transportunternehmer keinen Transportplan entsprechend ihrer Verpflichtung aus Art. 5 Teil A
         Nr. 2 Buchst. b der Richtlinie 91/628 festgelegt haben.
      
      59      Da die Kommission dem Gerichtshof nicht im Einklang mit der oben in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung die Anhaltspunkte
         geliefert hat, anhand deren er das Vorliegen der Vertragsverletzung in diesem Punkt prüfen kann, ist dieser Teil der Rüge
         zurückzuweisen.
      
      60      Was den Teil der Rüge angeht, mit dem eine Missachtung von Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich und
         Art. 8 Abs. 1 Buchst. b und d der Richtlinie 91/628 beanstandet wird, ergibt sich zum einen aus diesem Art. 5 Teil A Nr. 2
         Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich, dass die Mitgliedstaaten dafür sorgen müssen, dass die Transportpläne der Transportunternehmer
         alle Angaben im Sinne des Kapitels VIII des Anhangs der Richtlinie 91/628 umfassen und dass diese Angaben zutreffend und angemessen
         sind. Zum anderen müssen die Mitgliedstaaten nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. b und d der Richtlinie 91/628 die Transportmittel
         und die Tiere bei der Ankunft am Bestimmungsort kontrollieren und die Angaben in den Begleitdokumenten überprüfen.
      
      61      Im vorliegenden Fall zeigen aber die von der Kommission geführten Beweise u. a., dass bei einem Transport innerhalb des Staatsgebiets
         der Hellenischen Republik die Begleitdokumentation für die Tiere nicht die Uhrzeit des Versands enthielt und dass die Inspektoren
         des LVA in von den zuständigen nationalen Behörden bereits kontrollierten Dokumenten Unregelmäßigkeiten entdeckten. Die Kommission
         hat insoweit erläutert, dass Kopien von Gesundheitsbescheinigungen und Transportplänen, die mit zur Schlachtung in der Hellenischen
         Republik bestimmten Tieren aus Spanien, Frankreich und den Niederlanden mitgeführt worden seien, unstimmig gewesen seien und
         dass wichtige Angaben gefehlt hätten. Außerdem sei nach den Feststellungen des LVA bei den meisten Transportplänen die angegebene
         Verbringungsdauer unstimmig und nicht zu verwirklichen gewesen. Als Beispielsfall hat die Kommission einen Transportplan angeführt,
         in dem die Ruhezeit zwischen einem Ort in Süditalien und dem Bestimmungsort in der Hellenischen Republik nicht ausgewiesen
         gewesen sei.
      
      62      Im Übrigen ist namentlich dem Bericht über den Kontrollbesuch Nr. 8042/2006 zu entnehmen, dass in der Präfektur Kilkis die
         zuständige nationale Behörde angegeben hat, keine Kontrolle der Transportpläne durchgeführt zu haben, und dass in der Präfektur
         Thesprotien die zuständigen örtlichen Behörden Originaltransportpläne einbehielten, statt sie den Transportunternehmern wiederzugeben,
         die sie der zuständigen Behörde des Ursprungsorts hätten zurückgeben müssen. Außerdem kontrollierten in Patras die zuständigen
         nationalen Behörden die Transportpläne nur bis zum Hafen und nicht hinsichtlich der weiteren Verbringung bis zum Zielort,
         so dass sie nicht entdeckten, dass die Überfahrtsdauer bei zahlreichen Transporten auf die Inseln Lesbos und Chios die zugelassene
         Dauer überschritt.
      
      63      Aus den Erläuterungen der Kommission insgesamt geht hervor, dass trotz der Errichtung des Systems zur Kontrolle der Transportpläne
         im Anschluss an das Rundschreiben von 2003 Kontrollen nicht in allen Präfekturen durchgeführt wurden. Die zuständigen Behörden
         konnten daher die zwingend vorgeschriebenen Kontrollen der Transportmittel im Sinne von Art. 8 Abs. 1 Buchst. b und d der
         Richtlinie 91/628 nicht vornehmen. Außerdem ergibt sich aus den Erläuterungen der Kommission, dass es, wenn Kontrollen durchgeführt
         wurden, wiederholt vorkam, dass erhebliche Unregelmäßigkeiten in Bezug auf die Transportpläne nicht immer von den zuständigen
         Behörden entdeckt wurden.
      
      64      Somit belegen die Beweise, die die Kommission für ihre Rügen in Bezug auf die Jahre 2003 und 2006 vorgelegt hat, im Einklang
         mit der oben in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung, dass die Hellenische Republik nicht die erforderlichen Maßnahmen getroffen
         hat, um ihren Verpflichtungen aus Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich und Art. 8 Abs. 1 Buchst. b
         und d der Richtlinie 91/628 nachzukommen.
      
      65      An diesem Ergebnis kann auch das Vorbringen der Hellenischen Republik nichts ändern, wonach die zuständigen griechischen Behörden,
         wenn Transportpläne von den zuständigen Behörden anderer Mitgliedstaaten ausgestellt worden seien, nur die Durchführung dieser
         Pläne und nicht die darin gemachten Angaben überprüfen könnten.
      
      66      Wie nämlich die Kommission zutreffend ausgeführt hat, soll die Kontrolle der Transportpläne die Einhaltung der in der Richtlinie
         91/628 aufgestellten Anforderungen sicherstellen. Daher kann sich die Kontrolle nicht auf die Prüfung des Vorhandenseins des
         Transportplans oder die Überprüfung der darin enthaltenen Angaben beschränken, sondern muss auch die Prüfung umfassen, ob
         der Tiertransport im Einklang mit den gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften über den Tierschutz beim Transport erfolgt.
      
      67      Deshalb genügt allein die Überprüfung der in den Transportplänen gemachten Angaben nicht, um den Verpflichtungen aus der Richtlinie
         91/628 nachzukommen.
      
      68      Nach alledem ist der Teil der Rüge, mit dem die Missachtung von Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich
         und Art. 8 Abs. 1 Buchst. b und d der Richtlinie 91/628 beanstandet wird, begründet.
      
      69      Was den Teil der Rüge betrifft, mit dem eine Missachtung von Art. 9 der Richtlinie 91/628 beanstandet wird, nach dem die Mitgliedstaaten
         alle Maßnahmen treffen müssen, die sie im Fall von Unregelmäßigkeiten zur Gewährleistung der artgerechten Behandlung der Tiere
         für notwendig erachten, ist festzustellen, dass die Kommission nichts beigebracht hat, was sich für den Nachweis eignet, dass
         die zuständigen Behörden nicht angemessen gehandelt hätten, als sie feststellten, dass die Bestimmungen der Richtlinie 91/628
         nicht eingehalten wurden.
      
      70      Dieser Teil der Rüge greift daher nicht durch.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628
      –       Vorbringen der Parteien
      71      Die Kommission beanstandet, die Hellenische Republik habe in den griechischen Fährhäfen oder in deren Nähe keine Einrichtungen
         vorgesehen, in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen zwölf Stunden ruhen könnten, wenn die Verschiffung länger
         als 29 Stunden gedauert habe.
      
      72      Unter anderem sei festgestellt worden, dass es im Hafen von Igoumenitsa zwar Einrichtungen gebe, dass diese aber mangels einer
         Genehmigung durch die zuständigen Behörden nicht genutzt werden könnten.
      
      73      Die Hellenische Republik macht zunächst geltend, die Kommission habe keinen konkreten Fall genannt, in dem der Transport länger
         als 29 Stunden gedauert habe. Sodann seien die Mitgliedstaaten nach Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie
         91/628 nicht verpflichtet, Einrichtungen oder geeignete Aufenthaltsorte vorzusehen, um eine Ruhezeit von zwölf Stunden für
         die Tiere zu ermöglichen, da diese Verpflichtung allein die Transportunternehmer treffe. Schließlich bestehe jedenfalls keine
         Verpflichtung, solche Einrichtungen vorzusehen, da keine Verschiffung zwischen einem griechischen Fährhafen und einem Fährhafen
         eines anderen Mitgliedstaats länger als 29 Stunden dauere. Die Überfahrt zwischen Bari (Italien) und Igoumenitsa, dem Hauptumschlagshafen
         in Griechenland, dauere nicht länger als zehn oder elf Stunden und die Überfahrt zwischen Bari und Patras nicht länger als
         15 Stunden.
      
      74      Die Kommission tritt indessen diesem gesamten Vorbringen entgegen. Zum einen macht sie geltend, aus dem Wortlaut der besagten
         Nr. 7 Buchst. b gehe klar hervor, dass die Mitgliedstaaten Einrichtungen für die Tiere vorsehen müssten. Zum anderen entspreche
         die Annahme der Hellenischen Republik, dass kein Transport zwischen einem griechischen Fährhafen und einem Fährhafen eines
         anderen Mitgliedstaats länger als 29 Stunden dauere, nicht der Wirklichkeit.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      75      Nach Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628 muss beim Transport auf dem Seeweg im direkten
         Linienverkehr zwischen zwei geografischen Punkten der Gemeinschaft mit Fahrzeugen, die ohne Entladen der Tiere auf das Schiff
         verladen werden, grundsätzlich nach Entladen der Tiere im Bestimmungshafen oder in dessen Nähe eine Ruhezeit von zwölf Stunden
         eingelegt werden (vgl. dazu Urteil vom 9. Oktober 2008, Interboves, C‑277/06, Slg. 2008, I‑0000, Randnr. 27).
      
      76      Auch wenn diese Bestimmung nicht ausdrücklich vorsieht, dass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, in den Häfen Ruheeinrichtungen
         für die Tiere zu gewährleisten, wohnt eine solche Verpflichtung doch dem Erfordernis inne, dass die Tiere nach ihrem Entladen
         im Bestimmungshafen oder in dessen Nähe eine Ruhezeit von zwölf Stunden haben. Den Transportunternehmern wäre es nämlich unmöglich,
         die Ruhezeit von zwölf Stunden zu beachten, wenn die Mitgliedstaaten nicht dafür sorgten, dass entsprechende Einrichtungen
         zur Verfügung stehen.
      
      77      Deshalb war die Hellenische Republik verpflichtet, solche Einrichtungen in den griechischen Häfen oder in deren Nähe vorzusehen.
      
      78      Im vorliegenden Fall wird aber nicht bestritten, dass es bei Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten
         Frist in den meisten griechischen Häfen keine Ruheeinrichtungen für die Tiere gab.
      
      79      Somit hat die Hellenische Republik dadurch, dass sie nicht die geeigneten Maßnahmen getroffen hat, um in den Fährhäfen oder
         in deren Nähe Einrichtungen vorzusehen, in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen ruhen können, gegen ihre Verpflichtungen
         aus Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628 verstoßen.
      
      80      An diesem Ergebnis kann auch das Vorbringen der Hellenischen Republik nichts ändern, wonach es keine Verpflichtung gebe, solche
         Einrichtungen vorzusehen, da keine Verschiffung zwischen einem griechischen Fährhafen und einem Fährhafen eines anderen Mitgliedstaats
         länger als 29 Stunden dauere.
      
      81      Insoweit ist darauf zu verweisen, dass der Gerichtshof im Urteil Interboves klargestellt hat, dass die sogenannte „14 + 1 + 14‑Regel“
         in Abschnitt 48 Nr. 4 Buchst. d des Anhangs der Richtlinie 91/628 in dem Sinne zu verstehen ist, dass sie eine maximale Transportzeit
         von 28 Stunden, unterbrochen durch eine mindestens einstündige Ruhezeit, zulässt. Es ist also diese Dauer von 28 Stunden,
         die zu berücksichtigen ist.
      
      82      Auch wenn die Dauer der Überfahrt zwischen Bari und dem Hauptumschlagshafen in Griechenland nicht länger als zehn oder elf
         Stunden dauern sollte, ist nicht ausgeschlossen, dass Tiere ab anderen Gemeinschaftshäfen mit einer längeren Verschiffungszeit
         transportiert werden können. Außerdem ist es, wie die Generalanwältin in den Nrn. 97 und 98 ihrer Schlussanträge zutreffend
         ausgeführt hat, möglich, dass die Tiere in bestimmten von der Richtlinie 91/628 vorgesehenen Fällen auch dann eine Ruhepause
         erhalten müssen, wenn die Verschiffung weniger als 28 Stunden dauert.
      
      83      Nach alledem ist die Rüge eines Verstoßes gegen Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs der Richtlinie 91/628
         begründet.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Art. 8 der Richtlinie 91/628
      –       Vorbringen der Parteien
      84      Die Kommission macht geltend, aus den Berichten über die Kontrollbesuche Nrn. 9211/2003, 7273/2004 und 8042/2006 ergebe sich,
         dass die Hellenische Republik keine Maßnahmen dafür getroffen habe, dass in Griechenland hinreichende Kontrollen der Transportmittel
         und der Tiere durchgeführt würden, um unzulässigen Tiertransporten auf der Straße vorzubeugen.
      
      85      Insbesondere sähen manche griechische Präfekturen wie Achaia, Kilkis und Serres die Durchführung solcher Kontrollen nicht
         vor, weil sie entweder das Personal dafür nicht hätten oder die Kontrollen bereits in den griechischen Häfen durchgeführt
         würden. Außerdem gehe aus dem Bericht über den Kontrollbesuch Nr. 9211/2003 hervor, dass in den griechischen Präfekturen die
         Kontrolle nur in den Häfen und an den Grenzposten und zu keinem anderen Zeitpunkt während des Transports durchgeführt werde.
         Im Übrigen umfasse das von der Hellenischen Republik im Vorverfahren bereits angesprochene Pilotprogramm, das noch mehr Kontrollen
         vorsehe, bestimmte Präfekturen wie Thessalien nicht, obwohl dort während des Kontrollbesuchs Nr. 9211/2003 Mängel festgestellt
         worden seien.
      
      86      Die Hellenische Republik ist der Ansicht, Art. 8 der Richtlinie 91/628 sei dahin auszulegen, dass für einen Verstoß gegen
         diese Bestimmung das völlige Fehlen von Kontrollen in Bezug auf den Tierschutz beim Transport nachgewiesen werden müsse.
      
      87      Jedenfalls böten die Durchführung eines Pilotprogramms, das Kontrollen durch gemischte Teams in einigen Präfekturen und die
         Verhängung von Sanktionen gegen die Transportunternehmer vorsehe, sowie die Einführung verschiedener Verfahren zur gegenseitigen
         Unterstützung im Verhältnis zu bestimmten Mitgliedstaaten genug Anhaltspunkte für den Nachweis, dass die griechischen Behörden
         die nach dem Gemeinschaftsrecht erforderlichen Kontrollen durchführten.
      
      88      Die Kommission erwidert, dass die Kontrolle der Transportmittel und der Tiere, um den gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften
         zu entsprechen, geeignet, ausreichend und wirkungsvoll sein müsse. Die Kontrollen der Transportpläne durch die griechischen
         Behörden seien im Hinblick darauf, dem unzulässigen Transport von Tieren auf der Straße vorzubeugen, nicht wirkungsvoll und
         geeignet gewesen.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      89      Nach Art. 8 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 91/628 müssen die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass die zuständigen Behörden
         die Einhaltung der Anforderungen dieser Richtlinie durch nicht diskriminierende Kontrollen von Transportmitteln und Tieren
         während des Transports auf der Straße gewährleisten. Nach Art. 8 Abs. 2 der Richtlinie müssen diese Kontrollen eine repräsentative
         Auswahl der Tiere erfassen, die pro Jahr in einem Mitgliedstaat transportiert werden.
      
      90      Dazu ist festzustellen, dass sich aus den von der Kommission vorgelegten Beweisen für die Jahre 2003 bis 2006 ergibt, dass
         zum einen mehrere Präfekturen keine Kontrollen der Transportmittel vorsahen und zum anderen solche Kontrollen, wenn es sie
         gab, nur in den Häfen und an den Grenzen, nicht aber, wie von Art. 8 der Richtlinie 91/628 vorgeschrieben, auf der Straße
         erfolgten.
      
      91      Somit hat die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 8 der Richtlinie 91/628 verstoßen, dass sie
         nicht die Maßnahmen getroffen hat, die erforderlich sind, um sicherzustellen, dass Kontrollen der Transportmittel und der
         Tiere während des Transports auf der Straße durchgeführt werden.
      
      92      An diesem Ergebnis kann auch das Vorbringen der Hellenischen Republik nichts ändern, dass die Durchführung eines Pilotprogramms,
         das Kontrollen durch gemischte Teams in einigen Präfekturen und die Verhängung von Sanktionen gegen die Transportunternehmer
         vorsehe, sowie die Einführung verschiedener Verfahren zur gegenseitigen Unterstützung im Verhältnis zu bestimmten Mitgliedstaaten
         zeigten, dass die griechischen Behörden die nach dem Gemeinschaftsrecht erforderlichen Kontrollen durchführten.
      
      93      Selbst durch das Vorhandensein eines solchen Programms konnte nämlich die Durchführung der erforderlichen Kontrollen nicht
         gewährleistet werden.
      
      94      Nach alledem ist die Rüge eines Verstoßes gegen Art. 8 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 91/628 begründet.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Art. 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628
      –       Vorbringen der Parteien
      95      Die Kommission beanstandet auf der Grundlage der Kontrollbesuche Nrn. 9002/2003 und 9211/2003, die Hellenische Republik habe
         keine angemessenen Maßnahmen dafür ergriffen, dass bei wiederholten oder schweren Verstößen gegen die Bestimmungen über den
         Tierschutz beim Transport wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen verhängt würden. 
      
      96      Die Hellenische Republik macht indessen geltend, die Kommission habe für ihre Beanstandungen keinen konkreten Sachverhalt
         vorgetragen. Jedenfalls aber verhängten die zuständigen Behörden, wie die in Nr. 18 ihrer Klagebeantwortung angeführte Liste
         der Bescheide über Ordnungsstrafen beweise, wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      97      Art. 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628 verpflichtet die Mitgliedstaaten, bei wiederholten Verstößen gegen diese Richtlinie oder
         bei einem Verstoß, der den Tieren schwere Leiden verursacht, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die festgestellten
         Missstände abzustellen.
      
      98      Die Kommission möchte die Unwirksamkeit des von der Hellenischen Republik errichteten Systems mit dem Hinweis darauf belegen,
         dass die grundlegenden Kontrollen unzulänglich, die Zahl der schriftlichen Verwarnungen unbedeutend und die Verfahren zur
         Durchsetzung der Sanktionen problematisch seien. Der Bericht des LVA über den Kontrollbesuch Nr. 9211/2003 zeige u. a., dass
         im Jahr 2002 neun mündliche Verwarnungen, 16 schriftliche Verwarnungen und eine Ordnungsstrafe für insgesamt 26 Verstöße ausgesprochen
         worden seien. Zudem sei in den Jahren 2001 und 2002 keine Transportgenehmigung ausgesetzt oder entzogen worden. Auch werde
         in dem Bericht darauf hingewiesen, dass zur Ahndung der in einer Präfektur begangenen Verstöße vier Geldbußen über einen Betrag
         von 3 000 Euro vorgeschlagen, aber nicht verhängt worden seien.
      
      99      Wie jedoch die Generalanwältin in Nr. 141 ihrer Schlussanträge zutreffend ausgeführt hat, eignen sich die in diesen Berichten
         getroffenen Feststellungen wegen ihrer Ungenauigkeit und Allgemeinheit nicht für den Nachweis, dass die Hellenische Republik
         gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628 verstoßen hat.
      
      100    Die Kommission hat nämlich weder zur Wiederholung der Verstöße noch zur Schwere des von den Tieren bei diesen Verstößen erlittenen
         Leids etwas vorgebracht. In Ermangelung dessen kann aber ein Verstoß gegen Art. 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628 nicht festgestellt
         werden.
      
      101    Deshalb ist die Rüge eines Verstoßes gegen Art. 18 Abs. 2 der Richtlinie 91/628 zurückzuweisen.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen die Art. 3, 5 Abs. 1 Buchst. d und 6 Abs. 1 der Richtlinie 93/119
      –       Vorbringen der Parteien
      102    Die Kommission beanstandet, die Hellenische Republik habe keine angemessenen Maßnahmen dafür ergriffen, dass die Einhaltung
         der Regeln für die Betäubung der Tiere bei der Schlachtung sichergestellt sei.
      
      103    Bei den Kontrollbesuchen Nrn. 9002/2003 und 7273/2004 habe das LVA festgestellt, dass in einigen besuchten Schlachthöfen die
         Betäubung der Schweine und der Schafe unzureichend überwacht worden sei, so dass möglicherweise unter Verstoß gegen die Richtlinie
         93/119 nicht alle Tiere wirksam betäubt worden seien. Ferner habe es festgestellt, dass unter Verstoß gegen Anhang D Abs. 1
         dieser Richtlinie die Abstände zwischen der Betäubung und dem Entbluten zu groß gewesen seien, so dass die Tiere beim Entbluten
         das Bewusstsein hätten wiedererlangen können.
      
      104    Außerdem habe das LVA beim Kontrollbesuch Nr. 8042/2006 erneut Unzulänglichkeiten bei der Betäubung der Tiere festgestellt.
         Insbesondere hätten die Inspektoren des LVA festgestellt, dass die Ausrüstungen für die Betäubungen nicht instand gehalten
         würden und schlecht funktionierten, dass keine angemessene Unterstützung vorhanden sei und dass es übermäßige Abstände zwischen
         der Betäubung und dem Entbluten gebe.
      
      105    Die Hellenische Republik ist auch in diesem Punkt der Ansicht, dass sich die Kommission bei ihren Schlussfolgerungen auf bloße
         Zweifel und Wahrscheinlichkeiten stütze, ohne konkrete Fälle zu nennen.
      
      106    Jedenfalls seien die festgestellten Lücken geringfügig und beträfen Einzelfälle, in denen Sanktionen verhängt worden seien.
         Außerdem erlaubten es die ständigen Fortbildungen und die Unterrichtungen insbesondere der Tierärzte, solche Lücken zu schließen.
      
      107    In ihrer Erwiderung weist die Kommission im Wesentlichen darauf hin, dass es anders, als die Hellenische Republik anzunehmen
         scheine, nicht darum gehe, ob die Kommission habe feststellen können, dass die Tiere in den überprüften Schlachthöfen vollständig
         betäubt worden seien. Die Frage sei vielmehr, ob die für die Betäubung und Tötung erforderliche Ausrüstung rasch und wirksam
         eingesetzt werde, um den Tieren gegebenenfalls im Einklang mit Art. 6 Abs. 1 der Richtlinie 93/119 Leiden zu ersparen.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      108    Mit den Art. 3, 5 Abs. 1 Buchst. d und 6 Abs. 1 der Richtlinie 93/119 sollen die Aufregungen, Schmerzen und Leiden der für
         den menschlichen Verzehr bestimmten Tiere beschränkt werden. Insbesondere schreibt Art. 3 dieser Richtlinie vor, die Tiere
         von vermeidbarem Leiden vor und bei ihrer Schlachtung zu verschonen. Auch sieht die Richtlinie 93/119 in ihren Art. 5 Abs. 1
         Buchst. d und 6 Abs. 1 vor, dass die Tiere rasch und wirksam zu entbluten sind und dass die Anlagen für ihre Betäubung und
         Tötung gut instand zu halten und in wirksamer Weise zu verwenden sind.
      
      109    Im vorliegenden Fall zeigen aber die von der Kommission angetretenen und in den Nrn. 153 bis 155 der Schlussanträge der Generalanwältin
         aufgegriffenen Beweise u. a., dass zwar in drei Schlachthöfen, die von den Inspektoren des LVA beim Kontrollbesuch Nr. 9002/2003
         aufgesucht wurden, die Ausrüstung für die Betäubung der Tiere und ihre Instandhaltung im Wesentlichen den Gemeinschaftsvorschriften
         entsprachen, in einem dieser Schlachthöfe aber festgestellt wurde, dass die Schweine mit der Elektroschockvorrichtung nicht
         wirksam betäubt wurden. Auch traten weitere Probleme bei der Betäubung der Tiere auf. In einem der Schlachthöfe dauerten das
         Anbinden, das Betäuben und das Entbluten von drei Kühen eine Stunde. Außerdem betrug der Zeitabstand zwischen der Betäubung
         und der Schlachtung zweier Rinder 120 Sekunden, wodurch die Tiere das Bewusstsein wiedererlangen konnten. Desgleichen war
         bei der Schlachtung von Schafen der Abstand zwischen der Betäubung und der Schlachtung so groß (37 Sekunden), dass die Tiere
         wieder zu Bewusstsein kommen konnten.
      
      110    Außerdem geht aus dem Bericht über den Kontrollbesuch Nr. 7273/2004 hervor, dass es in einem Schlachthof in der Präfektur
         Fthiotida in den Einrichtungen für die vorübergehende Unterbringung der Tiere keine Tränken für diese gab und außerdem der
         Boden nicht eben war. In einem anderen überprüften Schlachthof gab es keinen Strom für die elektrische Betäubung der Tiere.
         In der Präfektur Trikala war die Betäubung der Schweine in dem von den Inspektoren des LVA besuchten Schlachthof unwirksam
         und der Abstand zwischen Betäubung und Schlachtung zu groß. Auch wurde festgestellt, dass die Betäubung der Rinder nicht wirksam
         und eine Ersatzausrüstung für die Betäubung nicht vorhanden war.
      
      111    Aus allen diesen Schilderungen ergibt sich somit, dass in Schlachthöfen in mehreren Präfekturen der Hellenischen Republik
         verschiedene Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Diese Unregelmäßigkeiten betreffen zunächst das Verfahren zur Betäubung
         der Tiere, sodann die Verpflichtung, sie rasch und wirksam zu entbluten, und schließlich die Verpflichtung, für eine ordentliche
         Instandhaltung und wirksame Verwendung der Anlagen für die Betäubung und Tötung zu sorgen.
      
      112    Somit belegen die Beweise, die die Kommission in Bezug auf die Jahre 2003 bis 2006 vorgelegt hat, im Einklang mit der oben
         in Randnr. 32 angeführten Rechtsprechung, dass die Hellenische Republik nicht die erforderlichen Maßnahmen getroffen hat,
         um ihren Verpflichtungen aus den Art. 3, 5 Abs. 1 Buchst. d und 6 Abs. 1 der Richtlinie 93/119 nachzukommen.
      
      113    An diesem Ergebnis kann auch weder das Vorbringen der Hellenischen Republik, wonach die Kommission keinen konkreten Fall von
         Tieren genannt habe, hinsichtlich deren das Gemeinschaftsrecht verletzt worden wäre, noch ihr Vorbringen, dass sie die von
         der Kommission geltend gemachten Unregelmäßigkeiten durch die Veranstaltung von Fortbildungsseminaren für die Tierärzte behoben
         habe, etwas ändern.
      
      114    Wie die Kommission vorgebracht hat, geht es nämlich nicht darum, ob sie feststellen konnte, dass die Tiere in den überprüften
         Schlachthöfen vollständig betäubt wurden, und ob sie konkrete Fälle zum Nachweis des Gegenteils nennen konnte. Die Aufgabe
         der Kommission besteht in der Feststellung, ob die für die Betäubung und Tötung erforderliche Ausrüstung rasch und wirksam
         eingesetzt wird, um im Einklang mit den Bestimmungen der Richtlinie 93/119 das Leid der Tiere in Grenzen zu halten. Außerdem
         ist zwar die Veranstaltung von Fortbildungsseminaren für die Tierärzte eine positive Maßnahme, doch kann damit allein nicht
         sichergestellt werden, dass die Gemeinschaftsrechtsvorschriften über den Schutz der Tiere bei der Schlachtung eingehalten
         werden.
      
      115    Nach alledem ist die Rüge eines Verstoßes gegen die Art. 3, 5 Abs. 1 Buchst. d und 6 Abs. 1 der Richtlinie 93/119 begründet.
      
       Zur Rüge eines Verstoßes gegen Art. 8 der Richtlinie 93/119
      –       Vorbringen der Parteien
      116    Die Kommission macht auf der Grundlage der Kontrollbesuche, bei denen erhebliche Unregelmäßigkeiten in den Schlachthöfen festgestellt
         wurden, geltend, die Hellenische Republik habe nicht die Maßnahmen getroffen, die erforderlich seien, damit die Inspektion
         und die Kontrolle der Schlachthöfe in angemessener Weise durchgeführt würden.
      
      117    Sie beanstandet insbesondere, dass die Hellenische Republik den von ihr angekündigten Aktionsplan nicht vollständig umgesetzt
         habe. Dieser Plan habe eine erneute Kontrolle aller Schlachthöfe in den griechischen Präfekturen bis Ende 2001 vorgesehen.
         Außerdem hätten die griechischen Behörden nicht hinreichend mit den Inspektoren des LVA zusammengearbeitet, denn manche zu
         kontrollierende Schlachthöfe seien wegen Streiks, die erst einen Tag vor dem Kontrollbesuch ausgerufen worden seien, nicht
         zugänglich gewesen.
      
      118    Die Hellenische Republik bringt in ihrer Klagebeantwortung vor, dass sie Schwierigkeiten habe, zu erkennen, was genau ihr
         vorgeworfen werde.
      
      119    Jedenfalls könne ihr kein Verstoß gegen Art. 8 der Richtlinie 93/119 vorgeworfen werden, da angemessene Kontrollen durch die
         zuständigen Tierärzte durchgeführt, Fortbildungsseminare veranstaltet und alle Schlachthöfe neu bewertet würden.
      
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      120    Nach Art. 8 der Richtlinie 93/119 ist für die Inspektion und Kontrolle von Schlachthöfen die zuständige Behörde verantwortlich,
         die jederzeit freien Zugang zu allen Teilen des Schlachthofs haben muss, um sich vergewissern zu können, dass die Vorschriften
         dieser Richtlinie eingehalten werden.
      
      121    Die Hellenische Republik macht zwar geltend, dass die zuständigen Behörden die erforderlichen Kontrollen durchgeführt hätten,
         bestreitet aber nicht, dass der Aktionsplan, der eine neuerliche Kontrolle aller griechischen Schlachthöfe bis Ende 2001 vorsah,
         zum vorgesehenen Zeitpunkt nicht vollständig umgesetzt war. Sie bestreitet auch nicht, dass die verschiedenen Fristen, die
         den zuständigen Behörden für die Durchführung der Kontrollen und die Vorlage der Kontrollergebnisse gesetzt waren, ständig
         verlängert wurden und das Fristende letztlich auf den 30. Juli 2005 festgesetzt wurde. Außerdem ergab der Kontrollbesuch Nr.
         7273/2004, dass die zuständigen Behörden nach den Angaben des Ministeriums für ländliche Entwicklung und Ernährung in nur
         38 der 54 Präfekturen Kontrollen in den Schlachthöfen durchgeführt hatten.
      
      122    Somit ist festzustellen, dass die Hellenische Republik entgegen ihrer Verpflichtung nach Art. 8 der Richtlinie 93/119 nicht
         die Maßnahmen ergriffen hat, die erforderlich sind, damit die Inspektion und die Kontrolle in den Schlachthöfen in angemessener
         Weise durchgeführt werden.
      
      123    Die Rüge eines Verstoßes gegen Art. 8 der Richtlinie 93/119 ist deshalb begründet.
      
      124    Nach alledem ist festzustellen, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 5 Teil A Nr. 2
         Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich und 8 der Richtlinie 91/628, aus Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs
         dieser Richtlinie sowie aus Art. 3, Art. 5 Abs. 1 Buchst. d, Art. 6 Abs. 1 und Art. 8 der Richtlinie 93/119 verstoßen hat,
         dass sie nicht die Maßnahmen ergriffen hat, die erforderlich sind, damit 
      
      –        die zuständigen Behörden die zwingenden Überprüfungen der Transportpläne durchführen;
      –        in den Fährhäfen oder in deren Nähe Einrichtungen vorgesehen sind, in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen
         ruhen können;
      
      –        die Kontrollen der Transportmittel und der Tiere tatsächlich durchgeführt werden;
      –        die Einhaltung der Regeln für die Betäubung der Tiere bei der Schlachtung sichergestellt ist und 
      –        die Inspektion und die Kontrolle der Schlachthöfe in angemessener Weise durchgeführt werden.
       Kosten
      125    Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Der
         Gerichtshof kann nach Art. 69 § 3 u. a. dann, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt, die Kosten teilen oder beschließen,
         dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt. 
      
      126    Im vorliegenden Fall sind der Hellenischen Republik zwei Drittel und der Kommission ein Drittel der Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Hellenische Republik hat dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus den Art. 5 Teil A Nr. 2 Buchst. d Ziff. i erster Gedankenstrich
            und 8 der Richtlinie 91/628/EWG des Rates vom 19. November 1991 über den Schutz von Tieren beim Transport sowie zur Änderung
            der Richtlinien 90/425/EWG und 91/496/EWG in der durch die Verordnung (EG) Nr. 806/2003 des Rates vom 14. April 2003 geänderten
            Fassung, aus Kapitel VII Abschnitt 48 Nr. 7 Buchst. b des Anhangs dieser Richtlinie in der durch die Verordnung Nr. 806/2003
            geänderten Fassung sowie aus Art. 3, Art. 5 Abs. 1 Buchst. d, Art. 6 Abs. 1 und Art. 8 der Richtlinie 93/119/EG des Rates
            vom 22. Dezember 1993 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung verstoßen, dass sie nicht die Maßnahmen
            ergriffen hat, die erforderlich sind, damit
      –        die zuständigen Behörden die zwingenden Überprüfungen der Transportpläne durchführen;
      –        in den Fährhäfen oder in deren Nähe Einrichtungen vorgesehen sind, in denen die Tiere nach ihrem Entladen aus den Schiffen
            ruhen können;
      –        die Kontrollen der Transportmittel und der Tiere tatsächlich durchgeführt werden;
      –        die Einhaltung der Regeln für die Betäubung der Tiere bei der Schlachtung sichergestellt ist und 
      –        die Inspektion und die Kontrolle der Schlachthöfe in angemessener Weise durchgeführt werden.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Die Hellenische Republik trägt zwei Drittel der Kosten. Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt ein Drittel der
            Kosten. 
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.