CELEX: 62003TJ0217
Language: de
Date: 2006-12-13
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Erste Kammer) vom 13. Dezember  2006. # Fédération nationale de la coopération bétail et viande (FNCBV) (T-217/03) und Fédération nationale des syndicats d'exploitants agricoles (FNSEA) und andere (T-245/03) gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Wettbewerb - Artikel 81 Absatz 1 EG - Rindfleisch - Aussetzung der Einfuhren - Von den Berufsverbänden festgesetzte Mindestpreise -Verordnung Nr. 26 - Unternehmensvereinigungen - Wettbewerbsbeschränkung - Aktionen der Berufsverbände - Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten - Begründungspflicht - Leitlinien für die Berechnung der Höhe der Geldbußen -Verhältnismäßigkeitsgrundsatz - Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung - Erschwerende und mildernde Umstände - Verbot der Doppelbestrafung - Verteidigungsrechte. # Verbundene Rechtssachen T-217/03 und T-245/03.

Verbundene Rechtssachen T-217/03 und T-245/03
      Fédération nationale de la coopération bétail et viande (FNCBV) u. a.
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Wettbewerb – Artikel 81 Absatz 1 EG – Rindfleisch – Aussetzung der Einfuhren – Von den Berufsverbänden festgesetzte Mindestpreise –Verordnung Nr. 26 – Unternehmensvereinigungen – Wettbewerbsbeschränkung – Aktionen der Berufsverbände – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Begründungspflicht – Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen – Grundsatz der Verhältnismäßigkeit – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Erschwerende und mildernde Umstände – Verbot der Mehrfachahndung – Verteidigungsrechte“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Unternehmensvereinigungen – Begriff
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      2.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Unternehmensvereinigungen – Begriff
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      3.      Wettbewerb – Kartelle – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      4.      Wettbewerb – Kartelle – Beeinträchtigung des Wettbewerbs – Festsetzung der Preise
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      5.      Wettbewerb – Kartelle – Verbot – Nationaler rechtlicher Rahmen für den Abschluss des Kartells
      (Artikel 81 EG)
      6.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Sachlicher Anwendungsbereich
      (Artikel 81 EG)
      7.      Landwirtschaft – Wettbewerbsregeln – Verordnung Nr. 26
      (Artikel 33 EG, 36 EG und 81 Absatz 1 EG; Verordnung Nr. 26 des Rates, Artikel 2 Absatz 1)
      8.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt
      (Verordnung Nr. 17 des Rates; Verordnung Nr. 99/63 der Kommission, Artikel 4)
      9.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      10.    Einrede der Rechtswidrigkeit – Tragweite – Handlungen, deren Rechtswidrigkeit geltend gemacht werden kann
      (Artikel 241 EG; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      11.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung
      (Artikel 81 Absatz 1 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      12.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Höchstbetrag
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      13.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Dauer der Zuwiderhandlung
      (Artikel 81 Absatz 1 EG; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      14.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Erschwerende Umstände
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      15.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Höchstbetrag
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      16.    Wettbewerb – Geldbußen – Entscheidung der Kommission, mit der im Anschluss an eine unanfechtbare Entscheidung, durch die dasselbe
            Unternehmen mit einer Sanktion belegt oder für nicht verantwortlich erklärt wurde, eine Zuwiderhandlung festgestellt wird
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15)
      17.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Ermessen der Kommission – Gerichtliche Nachprüfung – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
      1.      Artikel 81 Absatz 1 EG gilt für Vereinigungen, soweit deren eigene Tätigkeit oder die der in ihnen zusammengeschlossenen Unternehmen
         auf die Folgen abzielt, die diese Vorschrift unterbinden will. Unter Berücksichtigung von Sinn und Zweck dieser Vorschrift
         ist der Begriff „Unternehmensvereinigung“ dahin auszulegen, dass auch Vereinigungen, deren Mitglieder selbst Unternehmensvereinigungen
         sind, darunter fallen können.
      
      Für die Subsumtion einer Vereinbarung zwischen Vereinigungen unter diese Vorschrift ist es nicht erforderlich, dass die fraglichen
         Vereinigungen ihre Mitglieder zwingen können, die ihnen durch die Vereinbarung auferlegten Verpflichtungen zu erfüllen.
      
      (vgl. Randnrn. 49, 89)
      2.      Der Begriff des Unternehmens umfasst im Wettbewerbsrecht jede eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübende Einheit unabhängig
         von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Finanzierung. Eine wirtschaftliche Tätigkeit ist jede Tätigkeit, die darin besteht,
         Güter oder Dienstleistungen auf einem bestimmten Markt anzubieten.
      
      Die Tätigkeit der Inhaber landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe – Landwirte oder Viehzüchter – hat mit Sicherheit wirtschaftlichen
         Charakter, denn sie besteht in der Herstellung von Gütern, die sie gegen Bezahlung zum Kauf anbieten. Folglich sind landwirtschaftliche
         Erzeugerbetriebe Unternehmen im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG.
      
      Demnach können die Verbände, in denen sie sich zusammenschließen und die sie vertreten, sowie die Zusammenschlüsse dieser
         Verbände für die Anwendung dieser Vorschrift als Unternehmensvereinigungen angesehen werden.
      
      Dem steht nicht entgegen, dass die Ortsverbände auch die Ehegatten der Inhaber landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe aufnehmen
         können. Erstens besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehegatten der Landwirte oder Viehzüchter, die selbst Mitglied eines
         Ortsverbandes sind, ebenfalls an den Arbeiten im Familienbetrieb teilnehmen. Zweitens verliert eine Vereinigung ihren Charakter
         als Unternehmensvereinigung im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG jedenfalls nicht allein dadurch, dass sie auch Personen oder
         Einheiten aufnehmen kann, bei denen es sich nicht um Unternehmen handelt. Desgleichen kann dem Vorbringen nicht gefolgt werden,
         dass im Fall eines in Form einer Gesellschaft geführten Betriebes nicht die Gesellschaft durch ihren Vertreter, sondern jeder
         einzelne Gesellschafter dem Ortsverband beitritt. Denn es kommt für die Qualifizierung als Unternehmen nicht auf die Rechtsform
         oder die Art der Führung des fraglichen Betriebes an, sondern auf seine Aktivität und die Aktivität derer, die darin tätig
         sind.
      
      (vgl. Randnrn. 52-55)
      3.      Artikel 81 Absatz 1 EG ist nur auf solche Vereinbarungen anwendbar, die geeignet sind, den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         zu beeinträchtigen. Eine Vereinbarung zwischen Unternehmen ist geeignet, den innergemeinschaftlichen Handel zu beeinträchtigen,
         wenn sich anhand einer Gesamtheit objektiver rechtlicher oder tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
         voraussehen lässt, dass sie die Handelsströme zwischen Mitgliedstaaten unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell
         in einem der Erreichung der Ziele eines einheitlichen zwischenstaatlichen Marktes nachteiligen Sinne beeinflussen kann.
      
      Ist die Zuwiderhandlung, an der ein Unternehmen oder eine Unternehmensvereinigung beteiligt war, geeignet, den Handel zwischen
         Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen, so braucht die Kommission nicht darzutun, dass der individuelle Tatbeitrag dieses Unternehmens
         oder dieser Unternehmensvereinigung den innergemeinschaftlichen Handel beeinträchtigt hat.
      
      Zudem haben wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen, die sich auf das gesamte Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erstrecken,
         schon ihrem Wesen nach die Wirkung, die Abschottung der Märkte auf nationaler Ebene zu verfestigen und damit die vom EG-Vertrag
         gewollte wirtschaftliche Verflechtung zu behindern. Und schließlich können auf einem für Einfuhren durchlässigen Markt die
         Teilnehmer an einer nationalen Preisabsprache ihren Marktanteil nur wahren, indem sie sich gegen ausländische Konkurrenz schützen.
      
      (vgl. Randnrn. 63, 66-67)
      4.      Artikel 81 Absatz 1 Buchstabe a EG bestimmt ausdrücklich, dass die unmittelbare oder mittelbare Festsetzung der An‑ oder Verkaufspreise
         als Wettbewerbsbeschränkung anzusehen ist. Die Festsetzung von Preisen stellt nämlich eine offenkundige Beschränkung des Wettbewerbs
         dar.
      
      Eine Vereinbarung, die zwischen Verbänden, die die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe repräsentieren, und Verbänden, die
         die Schlachthofbetreiber repräsentieren, abgeschlossen wurde und in der Mindestpreise für bestimmte Kategorien von Kühen mit
         dem Ziel festgesetzt werden, diese Mindestpreise für sämtliche Gewerbetreibenden auf den fraglichen Märkten verbindlich zu
         machen, bezweckt, den freien Wettbewerb auf diesen Märkten insbesondere dadurch zu beschränken, dass sie den Spielraum für
         die kaufmännischen Verhandlungen zwischen den Züchtern und den Schlachthofbetreibern künstlich einschränkt und die Preisbildung
         auf den fraglichen Märkten verfälscht.
      
      Dieses Ergebnis wird nicht durch das Vorbringen erschüttert, dass die Agrarmärkte regulierte Märkte seien, auf denen die Wettbewerbsregeln
         nicht automatisch Geltung hätten und sich die Preisbildung sehr oft nicht nach Angebot und Nachfrage richte. Zwar weist der
         Agrarsektor eine gewisse Besonderheit auf und ist Gegenstand einer sehr detaillierten und oft ziemlich interventionistischen
         Regulierung. Die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln besitzen jedoch auf den Märkten der Agrarprodukte Geltung, auch wenn
         Ausnahmen vorgesehen sind, um der besonderen Lage dieser Märkte Rechnung zu tragen.
      
      Außerdem beseitigt der bloße Umstand, dass die Mindestpreise nach Maßgabe des öffentlichen Interventionspreises festgesetzt
         werden, für sich allein nicht den wettbewerbsbeschränkenden Charakter der fraglichen Vereinbarung. Denn diese Bezugnahme auf
         den öffentlichen Interventionspreis ändert nichts an dem wettbewerbswidrigen Zweck des Mindestpreisschemas, der in der direkten
         künstlichen Festsetzung eines bestimmten Marktpreises besteht. Sie führt auch nicht dazu, dass das Mindestpreisschema den
         verschiedenen öffentlichen Stütz‑ und Interventionsmechanismen der gemeinsamen Marktorganisationen im Landwirtschaftssektor
         gleichgestellt werden kann, die bezwecken, die Märkte, auf denen ein Überangebot besteht, dadurch zu bereinigen, dass ein
         Teil der Produktion vom Markt genommen wird.
      
      (vgl. Randnrn. 83, 85-87)
      5.      Der rechtliche Rahmen, in dem die nach Artikel 81 EG verbotenen Vereinbarungen zwischen Unternehmen getroffen werden, ist
         für die Anwendbarkeit der gemeinschaftlichen Wettbewerbsbestimmungen ebenso wenig erheblich wie die rechtliche Einordnung
         dieses Rahmens durch die verschiedenen nationalen Rechtsordnungen. Überdies kann die angebliche Unzulänglichkeit der staatlichen
         Maßnahmen zur Bewältigung der Probleme in einem bestimmten Wirtschaftssektor keine Rechtfertigung dafür bilden, dass die betroffenen
         Wirtschaftsteilnehmer wettbewerbswidrige Handlungen begehen oder sich Vorrechte, die denen der nationalen oder gemeinschaftlichen
         Behörden entsprechen, anmaßen, um an deren Stelle tätig zu werden.
      
      Desgleichen ist der Umstand, dass das Verhalten der Unternehmen den nationalen Behörden bekannt war und von ihnen genehmigt
         wurde oder dass sie sogar dazu ermutigt wurden, jedenfalls ohne Einfluss auf die Anwendbarkeit des Artikels 81 EG. Schließlich
         kann die Krise, in der sich ein Sektor befindet, für sich genommen die Anwendung von Artikel 81 Absatz 1 EG nicht ausschließen.
      
      (vgl. Randnrn. 90-92)
      6.      Die im Rahmen von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern im Hinblick auf die gemeinsame Suche nach Maßnahmen zur Verbesserung
         der Beschäftigungs- und Arbeitsbedingungen geschlossenen Verträge fallen aufgrund ihrer Art und ihres Gegenstands nicht unter
         Artikel 81 Absatz 1 EG. Es kann jedoch nicht geltend gemacht werden, dass eine Vereinbarung zwischen Zusammenschlüssen von
         Verbänden landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe und Zusammenschlüssen von Schlachthofbetreibern über die Festsetzung von Mindestpreisen
         für den Kauf von Rindern durch die Schlachthöfe und über die Aussetzung von Rindfleischimporten nicht unter die in Artikel
         81 EG aufgestellten Verbote falle.
      
      (vgl. Randnrn. 98-100)
      7.      Die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf den Märkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse zählt zu den Zielen
         der gemeinsamen Agrarpolitik. Auch wenn es nämlich nach Artikel 36 EG dem Rat überlassen bleibt, darüber zu entscheiden, inwieweit
         die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln auf die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Handel mit ihnen Anwendung
         finden, um so der besonderen Lage auf den Märkten für diese Erzeugnisse Rechnung zu tragen, ist doch in dieser Bestimmung
         die Anwendbarkeit der gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln im Agrarsektor als Grundsatz niedergelegt
      
      Artikel 2 Absatz 1 der Verordnung Nr. 26, wonach Artikel 81 Absatz 1 EG nicht für Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen
         gilt, die zur Verwirklichung der Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik notwendig sind, ist als Ausnahmevorschrift eng auszulegen.
         Außerdem findet diese Vorschrift nur Anwendung, wenn die betreffende Vereinbarung zur Verwirklichung aller Ziele des Artikels
         33 EG beiträgt, wobei die Kommission, da diese Ziele zuweilen divergieren, versuchen kann, sie miteinander in Einklang zu
         bringen. Und schließlich können Maßnahmen für die Anwendung dieser Ausnahmevorschrift nur dann als zur Erreichung der Ziele
         der gemeinsamen Agrarpolitik notwendig angesehen werden, wenn sie verhältnismäßig sind.
      
      (vgl. Randnrn. 197-199, 208)
      8.      Die Wahrung der Verteidigungsrechte stellt in allen Verfahren, die zu Sanktionen und insbesondere zu Geldbußen führen können,
         einen tragenden Grundsatz des Gemeinschaftsrechts dar, der auch dann beachtet werden muss, wenn es sich um ein Verwaltungsverfahren
         handelt. Diesem Grundsatz zufolge stellt die Mitteilung der Beschwerdepunkte eine wichtige Verfahrensgarantie dar. In der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte müssen alle wesentlichen Tatsachen, auf die sich die Kommission in diesem Verfahrensstadium
         stützt, klar angeführt werden.
      
      Die Kommission genügt ihrer Verpflichtung, das Recht der Unternehmen auf Anhörung zu respektieren, wenn sie in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die betreffenden Unternehmen Geldbußen
         zu verhängen seien, und auch die für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte
         anführt, wie z. B. die Schwere und die Dauer der angenommenen Zuwiderhandlung sowie ihre vorsätzliche oder fahrlässige Begehung.
         Dadurch gibt sie den Unternehmen die Informationen, die für ihre Verteidigung nicht nur gegen die Feststellung einer Zuwiderhandlung,
         sondern auch gegen die Verhängung von Geldbußen notwendig sind
      
      Dagegen wären Angaben zur Höhe der in Aussicht genommenen Geldbußen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte, solange den Unternehmen
         keine Gelegenheit gegeben wurde, zu den gegen sie in Betracht gezogenen Beschwerdepunkten Stellung zu nehmen, eine nicht sachgerechte
         Vorwegnahme der Entscheidung der Kommission. Umso mehr wäre es eine nicht sachgerechte Vorwegnahme dieser Entscheidung, in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte die Frage aufzuwerfen, ob die Geldbuße, die eventuell in der endgültigen Entscheidung
         festgesetzt wird, die Obergrenze von 10 % einhält.
      
      (vgl. Randnrn. 217-218, 222)
      9.      Hat die Kommission gegen ein individuelles Unternehmen, das eine Zuwiderhandlung begangen hat, eine Geldbuße verhängt, so
         ist sie nicht unbedingt verpflichtet – wenn keine besonderen Umstände vorliegen –, die Einhaltung der Obergrenze von 10 %
         des Umsatzes dieses Unternehmens ausdrücklich zu begründen. Dem Unternehmen müssen sowohl die Existenz dieser gesetzlichen
         Obergrenze als auch die konkrete Höhe seines Umsatzes bekannt sein, so dass es, auch wenn die die Sanktion enthaltende Entscheidung
         insoweit keinerlei Begründung enthält, beurteilen kann, ob die ihm auferlegte Geldbuße die Obergrenze übersteigt oder nicht.
      
      Dagegen muss die Kommission, wenn sie eine Unternehmensvereinigung mit einer Sanktion belegt und die Einhaltung der gesetzlichen
         Obergrenze von 10 % des Umsatzes anhand der Summe der Umsätze aller oder eines Teils der Mitglieder dieser Vereinigung kontrolliert,
         dies in ihrer Entscheidung ausdrücklich angeben und die Gründe darlegen, die die Berücksichtigung der Umsätze der Mitglieder
         rechtfertigen. Mangels einer solchen Begründung könnten die Betroffenen der Entscheidung nicht die Gründe für ihren Erlass
         entnehmen und auch die Einhaltung der gesetzlichen Obergrenze im konkreten Fall nicht korrekt nachprüfen.
      
      (vgl. Randnrn. 238-239)
      10.    Die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
         Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, stellen – auch wenn sie nicht die Rechtsgrundlage der Entscheidung über
         die Verhängung einer Geldbuße gegen einen Wirtschaftsteilnehmer bilden, die auf der Verordnung Nr. 17 beruht – eine allgemeine
         und abstrakte Regelung des Vorgehens dar, das sich die Kommission zur Festsetzung der Geldbußen auferlegt hat. Somit besteht
         ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dieser Entscheidung und den Leitlinien, die daher Gegenstand einer Einrede der Rechtswidrigkeit
         sein können.
      
      (vgl. Randnr. 250)
      11.    Preisabsprachen oder Absprachen zur Abschottung der Märkte sind ihrer Natur nach besonders schwere Verstöße. Folglich hat
         die Kommission dadurch, dass sie in Nummer 1 Teil A der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß
         Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, dargelegt hat, dass
         diese Arten von Zuwiderhandlungen als besonders schwere Verstöße anzusehen sind, für die ein Ausgangsbetrag der Geldbuße von
         20 Mio. Euro vorgesehen ist, nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen.
      
      Da die in den Leitlinien vorgesehenen pauschalen Beträge nur Richtwerte sind, kann aus ihnen an sich kein Verstoß gegen den
         Verhältnismäßigkeitsgrundsatz folgen.
      
      (vgl. Randnrn. 252-253)
      12.    Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, wonach die Kommission Geldbußen in Höhe von bis zu 10 % des von dem einzelnen an
         der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen kann, verlangt nur, die
         Geldbuße, die letztlich gegen ein Unternehmen festgesetzt wird, herabzusetzen, falls sie 10 % seines Umsatzes übersteigt,
         unabhängig von Zwischenberechnungen, mit denen Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung Rechnung getragen werden soll. Folglich
         verbietet Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 der Kommission nicht, bei ihrer Berechnung einen Zwischenbetrag heranzuziehen,
         der 10 % des Umsatzes des betroffenen Unternehmens übersteigt, sofern die gegen dieses Unternehmen letztlich festgesetzte
         Geldbuße nicht über dieser Obergrenze liegt. Dies gilt auch für den in der fraglichen Bestimmung genannten Höchstbetrag von
         1 Mio. Euro.
      
      (vgl. Randnr. 255)
      13.    Nummer 1 Teil B der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, sieht vor, dass die Dauer des Verstoßes zur Festsetzung
         eines Aufschlags zu dem unter Berücksichtigung der Schwere festgesetzten Betrag der Geldbuße führen kann; dies zeigt, dass
         die sehr kurze Dauer einer Zuwiderhandlung – d. h. eine Dauer von weniger als einem Jahr – es lediglich rechtfertigt, von
         einem Aufschlag auf den anhand der Schwere des Verstoßes festgesetzten Betrag abzusehen. Der Umstand, dass eine Zuwiderhandlung
         von sehr kurzer Dauer gewesen sein soll, ändert jedenfalls nichts am Vorliegen eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz 1 EG.
      
      (vgl. Randnrn. 134, 257-258)
      14.    Erschwerende Umstände, die von der Kommission herangezogen werden können, um eine auf der Grundlage von Artikel 81 EG verhängte
         Geldbuße zu erhöhen, sind die heimliche Fortführung einer Vereinbarung, nachdem die Kommission die beteiligten Unternehmen
         oder Unternehmensvereinigungen aufgefordert hat, sie abzustellen, sowie der Einsatz von Gewalt, um eine Partei zum Abschluss
         einer Vereinbarung zu zwingen oder deren Einhaltung durchzusetzen.
      
      (vgl. Randnrn. 271, 278-289)
      15.    Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 verbietet es der Kommission nicht, Vereinigungen, die angeblich keinen Umsatz erzielen,
         Geldbußen von mehr als 1 Mio. Euro aufzuerlegen. Die Gattungsbezeichnung „Zuwiderhandlung“ in Artikel 15 Absatz 2, die unterschiedslos
         Vereinbarungen, abgestimmte Verhaltensweisen und Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen umfasst, zeigt, dass die dort genannten
         Obergrenzen für Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen ebenso gelten wie für Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen.
         In Fällen, in denen eine Unternehmensvereinigung keine eigene wirtschaftliche Tätigkeit ausübt oder ihr Umsatz nicht den Einfluss
         widerspiegelt, den sie auf dem Markt ausüben kann, kann die Kommission unter bestimmten Voraussetzungen bei der Berechnung
         des Höchstbetrags der Geldbuße, die gegen sie verhängt werden kann, den Umsatz ihrer Mitglieder berücksichtigen.
      
      Zwar bezieht sich der einzige ausdrückliche Hinweis auf den Unternehmensumsatz in dieser Vorschrift auf die Obergrenze einer
         Geldbuße, die 1 Mio. Euro übersteigt, doch heißt es in den von der Kommission sich selbst auferlegten Leitlinien für das Verfahren
         zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag
         festgesetzt werden, in Nummer 5 Buchstabe a, dass gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 der Endbetrag der ermittelten
         Geldbuße in keinem Fall 10 % des Gesamtumsatzes der betroffenen Unternehmen übersteigen darf. Die Obergrenze von 10 % des
         Umsatzes muss daher auch bei der Festsetzung von Geldbußen von weniger als 1 Mio. Euro beachtet werden.
      
      Überdies ist die Obergrenze von 10 % des Umsatzes nach dem Umsatz jedes der Unternehmen zu berechnen, die Parteien der Vereinbarungen
         und abgestimmten Verhaltensweisen sind, oder nach den Umsätzen aller Unternehmen, die Mitglieder solcher Unternehmensvereinigungen
         sind, jedenfalls soweit die Vereinigung kraft ihrer Satzung ihre Mitglieder verpflichten kann. Diese Möglichkeit, insoweit
         den Umsatz aller Mitgliedsunternehmen einer Vereinigung zu berücksichtigen, findet ihre Rechtfertigung darin, dass bei der
         Festsetzung der Geldbußen u. a. der Einfluss, den das Unternehmen z. B. kraft seiner Größe und seiner Wirtschaftskraft, für
         die sein Umsatz ein Indiz ist, ausüben kann, sowie der Abschreckungseffekt berücksichtigt werden können, den die Geldbußen
         erzielen müssen. Der Einfluss, den eine Unternehmensvereinigung auf den Markt ausüben konnte, hängt nämlich nicht von ihrem
         eigenen Umsatz ab, der weder ihre Größe noch ihre Wirtschaftskraft aufzeigt, sondern vom Umsatz ihrer Mitglieder, der ein
         Hinweis auf ihre Größe und ihre Wirtschaftskraft ist.
      
      Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass in besonderen Fällen die Berücksichtigung des Umsatzes der Mitglieder einer Vereinigung
         selbst dann möglich ist, wenn diese nicht formal die Befugnis besitzt, ihre Mitglieder zu verpflichten, da die Satzung ihr
         diese Befugnis nicht einräumt. Andernfalls könnte die Berechtigung der Kommission, Geldbußen in einer den begangenen Zuwiderhandlungen
         angemessenen Höhe festzusetzen, leerlaufen, weil Vereinigungen mit einem sehr niedrigen Umsatz, aber einer großen Zahl von
         Mitgliedern, die zusammen einen bedeutenden Umsatz erzielen, die sie aber nicht förmlich verpflichten kann, nur mit sehr geringen
         Geldbußen belegt werden könnten, selbst wenn die von ihnen begangenen Zuwiderhandlungen einen spürbaren Einfluss auf die betreffenden
         Märkte ausüben konnten. Dies stünde auch im Widerspruch zu der Notwendigkeit, die abschreckende Wirkung der Ahndung von Zuwiderhandlungen
         gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln sicherzustellen.
      
      Daher können andere besondere Umstände als nur das Bestehen einer Satzung, die es der Vereinigung ermöglicht, ihre Mitglieder
         zu verpflichten, die Berücksichtigung der kumulierten Umsätze ihrer Mitglieder rechtfertigen. Dies gilt insbesondere für Fälle,
         in denen die von der Vereinigung begangene Zuwiderhandlung in Handlungen ihrer Mitglieder besteht und die wettbewerbswidrigen
         Verhaltensweisen, um die es geht, von der Vereinigung selbst zugunsten ihrer Mitglieder und in Zusammenarbeit mit ihnen an
         den Tag gelegt werden, da die Vereinigung keine objektiven, von den Interessen ihrer Mitglieder unabhängigen Interessen hat.
         Zwar kann die Kommission eventuell in einigen dieser Fälle nicht nur die Vereinigung mit einer Sanktion belegen, sondern auch
         jedem der ihr angehörenden Unternehmen eine individuelle Geldbuße auferlegen; dies kann sich aber als besonders schwierig
         oder sogar unmöglich erweisen, wenn diese Unternehmen sehr zahlreich sind.
      
      In solchen Fällen muss allerdings die Möglichkeit, die Umsätze der Basismitglieder der Unternehmensvereinigungen zu berücksichtigen,
         grundsätzlich auf diejenigen Mitglieder beschränkt werden, die auf den Märkten tätig waren, die von den in der angefochtenen
         Entscheidung geahndeten Zuwiderhandlungen betroffen waren.
      
      Im Übrigen bedeutet der Umstand, dass der Umsatz der Mitglieder einer Unternehmensvereinigung bei der Ermittlung der Obergrenze
         von 10 % berücksichtigt wird, weder, dass ihnen eine Geldbuße auferlegt wird, noch auch nur, dass die fragliche Vereinigung
         verpflichtet ist, die finanzielle Last auf ihre Mitglieder abzuwälzen.
      
      (vgl. Randnrn. 313-314, 317-319, 325, 343)
      16.    Der Grundsatz ne bis in idem ist ein tragender Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, dessen Wahrung der Richter zu sichern hat.
         Im Bereich des Wettbewerbsrechts der Gemeinschaft verbietet es dieser Grundsatz, dass ein Unternehmen wegen eines wettbewerbswidrigen
         Verhaltens, für das es in einer früheren, nicht mehr anfechtbaren Entscheidung der Kommission mit einer Sanktion belegt oder
         für nicht verantwortlich erklärt wurde, von der Kommission erneut verurteilt oder verfolgt wird. Die Anwendung des Grundsatzes
         ne bis in idem hängt von der dreifachen Voraussetzung der Identität des Sachverhalts, des Zuwiderhandelnden und des geschützten
         Rechtsguts ab. Dieser Grundsatz verbietet es somit, dieselbe Person mehr als einmal wegen desselben rechtswidrigen Verhaltens
         zum Schutz desselben Rechtsguts mit einer Sanktion zu belegen. Er verbietet es dagegen nicht, wegen desselben Sachverhalts
         den verschiedenen an ihm beteiligten Unternehmensvereinigungen aufgrund der Beteiligung und nach Maßgabe des individuellen
         Grades der Beteiligung jedes von ihnen an der Zuwiderhandlung Sanktionen aufzuerlegen, selbst wenn einige von ihnen Mitglied
         anderer sind.
      
      (vgl. Randnrn. 340-344)
      17.    Die Kommission verfügt zwar bei der Festsetzung der Höhe von Geldbußen, mit denen die Verletzung der Wettbewerbsregeln der
         Gemeinschaft geahndet wird, über ein Ermessen, doch entscheidet das Gericht gemäß Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 mit einer
         Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung im Sinne des Artikels 229 EG über Klagen gegen Entscheidungen, mit denen die Kommission
         eine Geldbuße festsetzt, und kann folglich die verhängte Geldbuße für nichtig erklären, herabsetzen oder erhöhen. Aufgrund
         dieser Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung kann das Gericht u. a. den Betrag ändern, um den die Kommission die Geldbuße
         eines Unternehmens oder einer Unternehmensvereinigung anhand der in Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien für das Verfahren
         zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag
         festgesetzt werden, vorgesehenen Umstände herabgesetzt hat.
      
      (vgl. Randnrn. 352, 355-361)
URTEIL DES GERICHTS (Erste Kammer)
      13. Dezember 2006(*)
      
      „Wettbewerb – Artikel 81 Absatz 1 EG – Rindfleisch – Aussetzung der Einfuhren – Von den Berufsverbänden festgesetzte Mindestpreise –Verordnung Nr. 26 – Unternehmensvereinigungen – Wettbewerbsbeschränkung – Aktionen der Berufsverbände – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Begründungspflicht – Leitlinien für die Berechnung der Höhe der Geldbußen –Verhältnismäßigkeitsgrundsatz – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Erschwerende und mildernde Umstände – Verbot der Doppelbestrafung – Verteidigungsrechte“
      In den verbundenen Rechtssachen T‑217/03 und T‑245/03
      Fédération nationale de la coopération bétail und viande (FNCBV) mit Sitz in Paris (Frankreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte R. Collin, M. Ponsard und N. Decker, 
      
      Klägerin in der Rechtssache T‑217/03,
      Fédération nationale des syndicats d’exploitants agricoles (FNSEA) mit Sitz in Paris, 
      
      Fédération nationale bovine (FNB) mit Sitz in Paris,
      
      Fédération nationale des producteurs de lait (FNPL) mit Sitz in Paris, 
      
      Jeunes agriculteurs (JA) mit Sitz in Paris, 
      
      Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte B. Neouze und V. Ledoux, 
      Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03,
      unterstützt durch
      Französische Republik, zunächst vertreten durch G. de Bergues, F. Million und R. Abraham, dann durch M. de Bergues, E. Belliard und S. Ramet als
         Bevollmächtigte,
      
      Streithelferin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch P. Oliver, A. Bouquet und O. Beynet als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 2003/600/EG der Kommission vom 2. April 2003 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag
         (Sache COMP/C.38.279/F3 – Viandes bovines françaises) (JO L 209, p. 12), hilfsweise wegen Nichtigerklärung oder Herabsetzung
         der mit dieser Entscheidung verhängten Geldbußen 
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Erste Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten R. García-Valdecasas, des Richters J. D. Cooke und der Richterin I. Labucka,
      Kanzler: E. Coulon,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 17. Mai 2006
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1        Artikel 1 der Verordnung Nr. 26 vom 4. April 1962 zur Anwendung bestimmter Wettbewerbsregeln auf die Produktion landwirtschaftlicher
         Erzeugnisse und den Handel mit diesen Erzeugnissen (ABl. 1962, 30, S. 993) bestimmt, dass die Artikel [81] bis [86] [EG] sowie
         die zu ihrer Anwendung ergangenen Bestimmungen vorbehaltlich des Artikels 2 auf alle in den Artikeln [81] Absatz 1 [EG] und
         [82] [EG] genannten Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen bezüglich der Produktion der in Anhang [I] [des EG‑Vertrags]
         aufgeführten Erzeugnisse und den Handel mit diesen Anwendung finden. Zu diesen Erzeugnissen gehören u. a. Fleisch und genießbarer
         Schlachtabfall. 
      
      2        Artikel 2 Absatz 1 dieser Verordnung bestimmt: 
      
      „Artikel [81] Absatz (1) [EG] gilt nicht für die in Artikel 1 genannten Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen, die
         wesentlicher Bestandteil einer einzelstaatlichen Marktordnung sind oder zur Verwirklichung der Ziele des Artikels [33 EG]
         notwendig sind. Er gilt insbesondere nicht für Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen von landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben,
         Vereinigungen von landwirtschaftlichen Erzeugerbetrieben oder Vereinigungen von solchen Erzeugervereinigungen aus einem Mitgliedstaat,
         soweit sie ohne Preisbindung die Erzeugung oder den Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse oder die Benutzung gemeinschaftlicher
         Einrichtungen für die Lagerung, Be‑ oder Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse betreffen, es sei denn, die Kommission
         stellt fest, dass dadurch der Wettbewerb ausgeschlossen wird oder die Ziele des Artikels [33 EG] gefährdet werden.“
      
       Sachverhalt des Ausgangsverfahrens
      3        Der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, der Fédération nationale de la coopération bétail et viande (FNCBV, nationaler Genossenschaftsverband
         für Viehzucht und Fleischerzeugung), gehören 300 Erzeugergenossenschaften von Rinder‑, Schweine‑ und Schafzuchtbetrieben sowie
         etwa 30 Schlacht‑ bzw. Fleischverarbeitungsbetriebe in Frankreich an.
      
      4        Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03, die Fédération nationale des syndicats d’exploitants agricoles (FNSEA, nationaler
         Verband der landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe), die Fédération nationale bovine (FNB, nationaler Verband der Rinderzüchter),
         die Fédération nationale des producteurs de lait (FNPL, nationaler Verband der Milchproduzenten) und die Jeunes agriculteurs
         (JA, Jungbauern), sind Berufsverbände französischen Rechts. Die FNSEA ist der größte französische Bauernverband. Auf der untersten
         Stufe besteht sie aus Ortsverbänden, die in Fédérations bzw. Unions départementales des syndicats d'exploitants agricoles
         (FDSEA bzw. UDSEA, Zusammenschlüsse von Bauernverbänden auf Departementsebene) organisiert sind. Die Aktivitäten der FDSEA
         bzw. UDSEA werden auf regionaler Ebene von regionalen Verbänden koordiniert. Der FNSEA gehören außerdem 33 Fachverbände an,
         die die speziellen Interessen eines bestimmten Produktionszweigs vertreten; hierzu gehören die FNB und die FNPL, die beide
         die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichneten. Die JA schließlich vertreten die jungen Landwirte unter 35 Jahren.
         Die Mitgliedschaft in der örtlichen Vereinigung der JA setzt die Mitgliedschaft im Ortsverband der FDSEA/UDSEA voraus. 
      
      I –  Die zweite BSE-Krise 
      5        Ab Oktober 2000 wurden in mehreren Mitgliedstaaten neue Fälle von spongiformer Rinderenzephalopathie (BSE, so genannter Rinderwahnsinn)
         festgestellt. Zur gleichen Zeit wurden britische Schafherden von Maul‑ und Klauenseuche heimgesucht. Dies führte zu einem
         Vertrauensverlust seitens der Verbraucher, der in Europa Auswirkungen auf den Fleischkonsum im Allgemeinen hatte und u. a.
         den Rindfleischsektor in eine neue Krise stürzte. Tatsächlich ging der Fleischkonsum besonders in Frankreich stark zurück,
         und es kam zu einer beträchtlichen Verringerung der französischen Import‑ bzw. Exportvolumina. Desgleichen sanken die Produktionspreise
         für ausgewachsene Rinder in Frankreich deutlich, während die Endverbraucherpreise relativ stabil blieben.
      
      6        Zur Überwindung dieser Krise ergriffen die Gemeinschaftsbehörden eine Reihe von Maßnahmen. So erweiterten sie den Anwendungsbereich
         der Interventionsmechanismen, die dazu dienen, bestimmte Mengen von Rindfleisch vom Markt zu nehmen, um das Angebot der Nachfrage
         anzupassen, und erließen eine Regelung über den Kauf lebender Tiere sowie eine Regelung über den Ankauf von Schlachtkörpern
         oder Schlachtkörperhälften im Rahmen von Ausschreibungen („Sonderankaufsregelung“). Außerdem ermächtigte die Kommission mehrere
         Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, dem Rindfleischsektor Beihilfen zu gewähren. 
      
      7        Die französischen Landwirte hielten diese Maßnahmen jedoch für unzureichend. Im September und Oktober 2001 waren die Beziehungen
         zwischen Züchtern und Schlachthofbetreibern in Frankreich besonders gespannt. So hielten Gruppen von Züchtern rechtswidrig
         Lastwagen an, um den Ursprung der Fleischladungen zu überprüfen, und es wurden Schlachthöfe blockiert. Bisweilen kam es bei
         diesen Aktionen zur Zerstörung von Material und Fleisch. Als Voraussetzung für eine Aufhebung der Blockaden der Schlachthöfe
         forderten die demonstrierenden Landwirte die Schlachthofbetreiber auf, sich zu einer Aussetzung der Einfuhren und zur Anwendung
         von Mindestpreisen zu verpflichten, die von den Berufsverbänden festgesetzt wurden (Mindestpreisschema).
      
      II –  Abschluss der streitigen Vereinbarungen und Verwaltungsverfahren vor der Kommission 
      8        Im Oktober 2001 fanden mehrere Sitzungen der Verbände der Rinderzüchter (der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03) und
         der Verbände der Schlachthofbetreiber (der Fédération nationale de l’industrie et des commerces en gros des viandes [FNICGV]
         und der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03) statt. Das Treffen vom 24. Oktober 2001, das auf Vorschlag des französischen
         Landwirtschaftsministers abgehalten wurde, endete mit dem Abschluss einer Vereinbarung zwischen diesen sechs Verbänden, nämlich
         FNSA, FNB, FNPL, JA, FNCBV und FNICGV („Vereinbarung zwischen dem Verband der Züchter und dem Verband der Schlachthofbetreiber
         über die Mindestpreise – schlachtreife Kühe frei Schlachtstätte“). 
      
      9        Diese Vereinbarung enthielt zwei Teilaspekte. Der erste betraf eine „vorübergehende Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren“,
         in der nicht nach Rindfleischarten unterschieden wurde. Der zweite betraf eine „Verpflichtung zur Anwendung der Mindestpreise
         frei Schlachtstätte beim Kauf von Schlachtkühen“ (d. h. von Kühen, die entweder zur Reproduktion oder zur Milchproduktion
         bestimmt sind) gemäß den in der Vereinbarung festgesetzten Modalitäten. So enthielt diese eine Liste mit Kilogrammpreisen
         für die Schlachtkörper bestimmter Kategorien von Kühen, und für die anderen Kategorien den zugrunde zu legenden Berechnungsmodus
         in Abhängigkeit von dem von den Gemeinschaftsbehörden festgesetzten Sonderankaufspreis. Die Vereinbarung sollte am 29. Oktober
         2001 in Kraft treten und bis Ende November 2001 gelten. 
      
      10      Die Kommission richtete am 30 Oktober 2001 an die französischen Behörden ein Schreiben, in dem sie um Informationen über die
         Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 bat. 
      
      11      Am 31. Oktober 2001 fand in Rungis (Frankreich) auf Anregung der FNICGV ein Treffen der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03
         und der FNICGV statt. Diese Verbände erzielten folgenden Kompromiss (im Folgenden: Rungis-Kompromiss): 
      
      „Sitzung ‚Importfleisch’
      31. Oktober 2001 − Rungis
      Die im Import-Export-Bereich spezialisierten französischen Unternehmen sind mit den Erzeugerverbänden (FNSEA, FNB, FNPL und
         [JA]), die die branchenübergreifende nationale Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichnet haben, zusammengetroffen. 
      
      …
      Sie bekräftigen die zwingende Notwendigkeit der Wiederherstellung eines ausgewogenen Verhältnisses von Angebot und Nachfrage…
         
      
      In der beispiellosen Krisensituation, in der sich die Erzeugerunternehmen befinden, bitten die Vertreter der Züchter die Import‑
         und Exportunternehmen nachdrücklich, sich den Ernst der Lage vor Augen zu führen. 
      
      Angesichts dieser Situation verpflichten sich die Import‑ und Exportunternehmen, ihre Solidarität unter Beweis zu stellen.“
      12      Am 9. November 2001 beantworteten die französischen Behörden das Auskunftsersuchen der Kommission vom 30. Oktober 2001.
      
      13      Ebenfalls am 9. November 2001 richtete die Kommission an die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 sowie an die FNICGV ein
         Auskunftsverlangen gemäß Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu
         den Artikeln [81] und [82] [EG] (ABl. 1962, 13, S. 204). Da der Kommission zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt war, dass auch
         die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichnet hatte, erging an diese kein entsprechendes
         Schreiben. Die fünf angeschriebenen Verbände beantworteten das Auskunftsverlangen am 15. bzw. 23. November 2001.
      
      14      Der Präsident der FNICGV teilte dem Präsidenten der FNSEA am 19. November 2001 mit, er sehe sich gezwungen, das ursprünglich
         auf den 30. November 2001 festgesetzte Auslaufen der Vereinbarung auf diesen Tag vorzuziehen. 
      
      15      Am 26. November 2001 richtete die Kommission ein Warnschreiben an die sechs Verbände, die die Vereinbarung unterzeichnet hatten,
         wies sie darauf hin, dass die ihr bekannt gewordenen Tatsachen einen Verstoß gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln
         nahe legten, und forderte sie auf, sich hierzu bis spätestens 30. November zu äußern und Vorschläge zu machen. In diesem Schreiben
         heißt es: „Für den Fall, dass binnen dieser Frist keine zufriedenstellenden Vorschläge gemacht werden, ist beabsichtigt, ein
         Verfahren zur Feststellung dieser Verstöße einzuleiten und für den Fall der Verlängerung der Vereinbarung deren Abstellung
         anzuordnen; dieses Verfahren kann gegebenenfalls zur Verhängung von Geldbußen führen.“ Die Verbände antworteten der Kommission,
         dass die Vereinbarung am 30. November 2001 ablaufe und nicht verlängert werde. 
      
      16      Am 17. Dezember 2001 nahm die Kommission gemäß Artikel 14 Absatz 3 der Verordnung Nr. 17 Nachprüfungen in den Geschäftsräumen
         der FNSEA und der FNB in Paris sowie gemäß Artikel 14 Absatz 2 dieser Verordnung in den Pariser Geschäftsräumen der FNICGV
         vor. 
      
      17      Am 24. Juni 2002 richtete die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte an die sechs Verbände. Diese reichten dazu im
         Zeitraum vom 23. September bis 4. Oktober 2002 schriftliche Erklärungen ein. Die mündliche Anhörung der Verbände fand am 31.
         Oktober 2002 statt.
      
      18      Am 10. Januar 2003 übersandte die Kommission den Klägerinnen ein Auskunftsverlangen im Sinne von Artikel 11 der Verordnung
         Nr. 17. Sie forderte sie unter anderem auf, ihr für die Jahre 2001 und 2002 den Gesamtbetrag der Einkünfte jedes Verbandes
         nebst Aufschlüsselung nach dem Ursprung sowie seine Bilanzen und für das letzte verfügbare Geschäftsjahr den Umsatz (insgesamt
         und für die Rinderproduktion oder ‑schlachtung) ihrer unmittelbaren und/oder mittelbaren Mitglieder anzugeben. Die Klägerinnen
         antworteten darauf mit Schreiben vom 22., 24., 27. und 30. Januar 2003. 
      
      III –  Angefochtene Entscheidung 
      19      Am 2. April 2003 erließ die Kommission die Entscheidung 2003/600/EG in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag (Sache COMP/C.38.279/F3
         – Viandes bovines françaises) (ABl. L 209, S. 12, im Folgenden: angefochtene Entscheidung), deren Adressaten die Klägerinnen
         und die FNICGV sind. 
      
      20      Dieser Entscheidung zufolge verletzten diese Berufsverbände Artikel 81 Absatz 1 EG durch den Abschluss der schriftlichen Vereinbarung
         vom 24. Oktober 2001 über die Festsetzung von Mindestpreisen für bestimmte Rindfleischkategorien und über einen vorläufigen
         Importstopp für Rindfleisch nach Frankreich und durch die Ende November und Anfang Dezember getroffene, auf denselben Zweck
         gerichtete und seit Ablauf der Vereinbarung geltende mündliche Absprache. 
      
      21      Die Kommission lehnte in den Randnummern 135 bis 149 der angefochtenen Entscheidung die Anwendung der Ausnahme ab, die in
         der Verordnung Nr. 26 zugunsten bestimmter mit der Produktion und dem Vertrieb von Agrarerzeugnissen zusammenhängender Tätigkeiten
         vorgesehen ist, und stellte fest, dass die Vereinbarung zur Erreichung der in Artikel 33 EG vorgesehenen Ziele der gemeinsamen
         Agrarpolitik nicht notwendig gewesen sei. Außerdem gehöre die streitige Vereinbarung nicht zu den in der Verordnung (EG) Nr.
         1254/1999 des Rates vom 17. Mai 1999 über die gemeinsame Marktorganisation für Rindfleisch (ABl. L 160, S. 21) oder den zu
         ihrer Durchführung erlassenen Rechtsvorschriften vorgesehenen Mitteln. Schließlich seien die ergriffenen Maßnahmen im Hinblick
         auf die angeblich verfolgten Ziele unverhältnismäßig. 
      
      22      Der angefochtenen Entscheidung zufolge begann die Zuwiderhandlung am 24. Oktober 2001 und dauerte mindestens bis zum 11. Januar
         2002, dem Tag, an dem die letzte der Kommission bekannte lokale Vereinbarung zur Umsetzung der auf nationaler Ebene eingegangenen
         Verpflichtung ablief. 
      
      23      Die Zuwiderhandlung wurde sowohl aufgrund ihrer Art als auch aufgrund des räumlichen Umfangs des betreffenden Marktes als
         besonders schwerwiegend eingestuft. Zur Feststellung des individuellen Grades der Beteiligung jedes Berufsverbandes stellte
         die Kommission auf das Verhältnis zwischen der Höhe des vom Hauptlandwirtschaftsverband, der FNSEA, erhobenen Mitgliedsbeitrags
         und der Höhe der von jedem Landwirtschaftsverband erhobenen Jahresbeiträge ab. Da die Zuwiderhandlung im Übrigen nur von kurzer
         Dauer war, sah die Kommission insoweit von einer Erhöhung des Grundbetrags ab. 
      
      24      Die Kommission bejahte sodann im Hinblick auf die Klägerinnen mehrere erschwerende Umstände: 
      
      –        Sie erhöhte den Betrag der gegen FNSEA, JA und FNB verhängten Geldbußen um 30 %, da ihre Mitglieder die Vereinigungen der
         Schlachthofbetreiber mit Gewalt zum Abschluss der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 gedrängt hätten; 
      
      –        sie bejahte für alle Klägerinnen den erschwerenden Umstand der heimlichen Fortsetzung der Vereinbarung nach Erhalt des Warnschreibens
         vom 26. November 2001 und erhöhte die ihnen auferlegte Geldbuße um 20 %; 
      
      –        sie trug der ihrer Meinung nach herausragenden Rolle der FNB bei der Vorbereitung und Durchführung der Zuwiderhandlung Rechnung
         und erhöhte die diesem Berufsverband auferlegte Geldbuße um 30 %. 
      
      25      Andererseits berücksichtigte die Kommission verschiedene mildernde Umstände: 
      
      –        Sie setzte den Betrag der der FNPL auferlegten Geldbuße um 30 % herab, da diese sich lediglich passiv verhalten bzw. als Mitläufer
         agiert habe; 
      
      –        zugunsten der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 berücksichtigte sie erstens, dass sich der französische Landwirtschaftsminister
         nachdrücklich für den Abschluss der Vereinbarung ausgesprochen hatte (Herabsetzung um 30 %), und zweitens, dass die Schlachthöfe
         ihrer Mitglieder illegalen Blockaden seitens der Landwirte ausgesetzt waren (weitere Herabsetzung um 30 %). 
      
      26      Außerdem trug die Kommission gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die
         gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden (ABl. 1998,
         C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien), den besonderen Umständen des vorliegenden Falles Rechnung, insbesondere dem wirtschaftlichen
         Zusammenhang, der durch die Krise dieses Sektors gekennzeichnet war, und setzte die sich aus der Anwendung der vorgenannten
         Erhöhungen und Herabsetzungen ergebenden Geldbußen um 60 % niedriger an. 
      
      27      Der verfügende Teil der angefochtenen Entscheidung enthält u. a. folgende Bestimmungen: 
      
      „Artikel 1 
      Die [FNSEA], die [FNB], die [FNPL], die [JA], die [FNICGV] und die [FNCBV] haben dadurch gegen Artikel 81 Absatz 1 [EG] verstoßen,
         dass sie am 24. Oktober 2001 eine Vereinbarung geschlossen haben, welche die Aussetzung der Rindfleischimporte nach Frankreich
         und die Festsetzung eines Mindestpreises für bestimmte Kategorien von Rindern vorsah, und Ende November/Anfang Dezember 2001
         eine mündliche Absprache ähnlichen Inhalts geschlossen haben.
      
      Der Verstoß hat am 24. Oktober 2001 begonnen und sich mindestens bis zum 11. Januar 2002 ausgewirkt.
      Artikel 2 
      Die in Artikel 1 genannten Verbände stellen den darin erwähnten Verstoß unverzüglich ein, falls sie dies noch nicht getan
         haben, und enthalten sich künftig jeglicher Vereinbarung, die denselben oder einen ähnlichen Zweck bzw. dieselbe oder eine
         ähnliche Wirkung haben könnte.
      
      Artikel 3
      Es werden folgende Geldbußen verhängt: 
      –        FNSEA: 12 Mio. EUR, 
      –        FNB: 1,44 Mio. EUR,
      –        JA: 600 000 EUR, 
      –        FNPL: 1,44 Mio. EUR,
      –        FNICGV: 720 000 EUR,
      –        FNCBV: 480 000 EUR.“
       Verfahren und Anträge der Parteien 
      28      Die Klägerinnen haben mit Klageschriften, die am 19. und 20. Juni 2003 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, die
         vorliegenden Klagen erhoben. 
      
      29      Außerdem hat die FNICGV mit Klageschrift, die am 7. Juli 2003 eingegangen ist, Klage auf Nichtigerklärung der durch die Entscheidung
         gegen sie verhängten Geldbuße, hilfsweise, deren Herabsetzung erhoben (Rechtssache T‑252/03). Das Gericht hat diese Klage
         durch Beschluss vom 9. November 2004 als unzulässig abgewiesen. 
      
      30      Die Klägerinnen haben mit besonderen Schriftsätzen, die am 2. und 11. Juli 2003 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind,
         vorläufige Maßnahmen beantragt, um ganz oder teilweise von der Verpflichtung entbunden zu werden, Bankgarantien zu stellen,
         die ihnen als Voraussetzung für den Verzicht auf die sofortige Einziehung der durch die angefochtene Entscheidung festgesetzten
         Geldbußen auferlegt worden war. 
      
      31      Die Französische Republik hat am 7. Oktober 2003 in allen Rechtssachen Anträge auf Zulassung als Streithelferin zur Unterstützung
         der Anträge der Klägerinnen eingereicht. Der Präsident der Fünften Kammer des Gerichts hat diesen Anträgen durch Beschlüsse
         vom 6. November 2003 stattgegeben. Die Französische Republik hat am 23. Dezember 2003 Streithilfeschriftsätze eingereicht.
         
      
      32      Der Präsident des Gerichts hat die Verpflichtung der Klägerinnen – mit Ausnahme der FNPL, die keinen entsprechenden Antrag
         gestellt hatte –, Bankgarantien zugunsten der Kommission zu stellen, um die sofortige Einziehung der Geldbußen zu vermeiden,
         durch Beschlüsse vom 21. Januar 2004 für einen bestimmten Zeitraum unter bestimmten Voraussetzungen ausgesetzt. 
      
      33      Das Gericht hat die Verfahrensbeteiligten im Rahmen prozessleitender Maßnahmen am 21. Februar und am 8. und 9. März 2006 aufgefordert,
         Dokumente vorzulegen und Fragen zu beantworten. Die Verfahrensbeteiligten sind dieser Aufforderung fristgemäß nachgekommen.
         
      
      34      Das Gericht (Erste Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen. 
      
      35      Der Präsident der Ersten Kammer des Gerichts hat die Rechtssachen T‑217/03 und T‑245/03 mit Beschluss vom 3. April 2006 nach
         Anhörung der Verfahrensbeteiligten verbunden.
      
      36      Die Verfahrensbeteiligten haben in der Sitzung vom 17. Mai 2006 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet. 
      
      37      Die Klägerinnen beantragen, 
      
      –        die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären; 
      –        hilfsweise, die ihnen mit der angefochtenen Entscheidung auferlegten Geldbußen für nichtig zu erklären, oder ganz hilfsweise,
         sie herabzusetzen; 
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      38      Die Französische Republik beantragt als Streithelferin zur Unterstützung der Anträge der Klägerinnen, 
      
      –        die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären; 
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      39      Die Kommission beantragt, 
      
      –        die Klagen abzuweisen, 
      –        den Klägerinnen die Kosten aufzuerlegen. 
      40      Die Klägerinnen haben dem Gericht mit Schreiben vom 19. und 22. Mai 2006 zu den Verwaltungsakten der Kommission gehörende
         Dokumente übersandt, die dem Gericht zuvor nicht vollständig übermittelt worden waren. Das Gericht hat mit Beschluss vom 7.
         Juli 2006 gemäß Artikel 62 seiner Verfahrensordnung die Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung angeordnet. 
      
      41      Das Gericht hat nach Anhörung der Verfahrensbeteiligten eine prozessleitende Maßnahme gemäß Artikel 64 der Verfahrensordnung
         getroffen und die von den Klägerinnen am 19. und 22. Mai 2006 eingereichten Dokumente zu den Akten genommen. Die Kommission
         hat mit Schriftsatz vom 2. August 2006 zu diesen Dokumenten Stellung genommen. 
      
      42      Die mündliche Verhandlung ist am 2. September 2006 geschlossen worden.
      
       Entscheidungsgründe 
      43      Die Klägerinnen beantragen, die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, hilfsweise, die ihnen durch diese Entscheidung
         auferlegten Geldbußen für nichtig zu erklären oder herabzusetzen. 
      
      I –  Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung 
      44      Die Klägerinnen stützen ihre Anträge auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung auf fünf Klagegründe: erstens offensichtliche
         Beurteilungsfehler und Rechtsfehler bei der Prüfung der Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG, zweitens
         offensichtliche Beurteilungsfehler und Rechtsfehler bei der Feststellung des Umfangs und der Dauer der Zuwiderhandlung, drittens
         Nichtanwendung der in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Ausnahmeregelung auf die streitige Vereinbarung, viertens Verletzung
         der Verteidigungsrechte und fünftens Verletzung der Begründungspflicht. 
      
      A –  Der erste Klagegrund: offensichtliche Beurteilungsfehler und Rechtsfehler bei der Prüfung der Voraussetzungen für die Anwendung
            des Artikels 81 Absatz 1 EG
      45      Die Klägerinnen bestreiten nicht den Abschluss der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001, verneinen aber, dass diese gegen Artikel
         81 Absatz 1 EG verstößt. Die Klägerinnen in der Rechtssache der T‑245/03 beanstanden, dass die Kommission sie als Unternehmensvereinigungen
         im Sinne dieser Vorschrift ansieht, und machen geltend, die Kommission habe durch die angefochtene Entscheidung ihre Koalitionsfreiheit
         eingeschränkt. Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 führt aus, die Vereinbarung habe den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         nicht spürbar beeinträchtigt. Schließlich tragen die Klägerinnen in beiden Rechtssachen vor, dass die streitige Vereinbarung
         keine Wettbewerbsbeschränkung enthalten habe. 
      
      1.     Zur Qualifizierung der Klägerinnen als Unternehmensvereinigungen 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      46      Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 tragen erstens vor, der Kommission sei ein offensichtlicher Beurteilungsfehler
         unterlaufen und sie habe Artikel 81 Absatz 1 EG verletzt, indem sie sie als Unternehmensvereinigungen angesehen habe. Selbst
         wenn man die beiden unteren Ebenen ihrer pyramidenförmig hierarchisierten Organisationen (nämlich die Verbände auf Departementsebene
         und die Ortsverbände) berücksichtige, seien ihre Mitglieder keine Unternehmen, sondern Berufsverbände oder Bauernverbände.
         Desgleichen könnten die Mitglieder der Ortsverbände nicht Unternehmen gleichgestellt werden, da das Kriterium für die Mitgliedschaft
         in diesen Verbänden nicht die Eigenschaft als landwirtschaftlicher Erzeugerbetrieb sei, denn die Mitgliedschaft sei weder
         an die Eigenschaft als Betriebsleiter bei individuellen Betrieben gebunden (auch der Ehegatte des Betriebsleiters könne Mitglied
         werden) noch an die des Vertreters der juristischen Person bei Betrieben in Gesellschaftsform (jeder Gesellschafter beschließe
         persönlich, ob er dem Ortsverband beitreten wolle oder nicht). Die Klägerinnen weisen zweitens darauf hin, dass die Kommission
         ihre Qualifizierung als Unternehmensvereinigungen in der angefochtenen Entscheidung nicht ausreichend begründet habe. Sie
         sei insbesondere nicht auf die Erklärungen eingegangen, die die FNSEA dazu während des Verwaltungsverfahrens abgegeben habe.
         
      
      47      Die Kommission führt erstens aus, um zu bestimmen, ob die Klägerinnen Unternehmensvereinigungen seien, müsse festgestellt
         werden, wer letztlich ihre Mitglieder seien. Im vorliegenden Fall handele es sich um landwirtschaftliche Erzeugerbetriebe,
         die zweifellos Unternehmen im Sinne des Artikel 81 Absatz 1 EG seien. Zweitens werde in der angefochtenen Entscheidung ausführlich
         begründet, weshalb die Klägerinnen Unternehmensvereinigungen im Sinne dieser Vorschrift seien. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      48      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 nicht bestreitet, dass es sich bei der Vereinbarung
         vom 24. Oktober 2001, soweit sie sie betrifft, um eine Vereinbarung zwischen Unternehmensvereinigungen im Sinne des Artikels
         81 Absatz 1 EG handelt. Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 tragen ihrerseits vor, sie seien keine Unternehmensvereinigungen
         im Sinne dieser Vorschrift. Sie führen dazu im Wesentlichen aus, weder ihre unmittelbaren noch ihre mittelbaren Mitglieder
         seien Unternehmen.
      
      49      Artikel 81 Absatz 1 EG gilt für Vereinigungen, soweit deren eigene Tätigkeit oder die der in ihnen zusammengeschlossenen Unternehmen
         auf die Folgen abzielt, die diese Vorschrift unterbinden will (Urteil des Gerichtshofes vom 29. Oktober 1980 in den Rechtssachen
         209/78 bis 215/78 und 218/78, Van Ladewyck u. a./Kommission, Slg. 1980, 3125, Randnr. 88). Unter Berücksichtigung von Sinn
         und Zweck dieser Vorschrift ist der Begriff „Unternehmensvereinigung“ dahin auszulegen, dass auch Vereinigungen, deren Mitglieder
         selbst Unternehmensvereinigungen sind, darunter fallen können (in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 26. Januar 2005 in
         der Rechtssache T‑193/02, Piau/Kommission, Slg. 2005, II‑209, Randnr. 69; entsprechend auch Urteil des Gerichts vom 11. März
         1999 in der Rechtssache T‑136/94, Eurofer/Kommission, Slg. 1999, II‑263, Randnr. 9). 
      
      50      Im vorliegenden Fall trafen die Klägerinnen die streitigen Vereinbarungen nicht im Interesse und im Namen ihrer unmittelbaren
         Mitglieder, bei denen es sich in der Tat um Berufsverbände oder Bauernverbände handelt, sondern im Interesse der landwirtschaftlichen
         Erzeugerbetriebe, die deren Basismitglieder sind. So wurde die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001, die mit „Vereinbarung der
         Berufsverbände der Züchter und der Schlachthofbetreiber“ überschrieben ist, u. a. von den „Berufsverbänden der Züchter“ getroffen,
         und zwar „mit dem Ziel, Perspektiven für neue Beziehungen in der Branche zugunsten einer gerechten und legitimen Entlohnung
         aller Branchenangehörigen, der Züchter und der Unternehmen, zu eröffnen“. Auch im Rungis-Protokoll wird ausdrücklich auf die
         „Erzeugerverbände“ Bezug genommen. Daraus folgt, dass die Kommission bei der Prüfung der Frage, ob die Klägerinnen in der
         Rechtssache T‑245/03 Unternehmensvereinigungen im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG sind, zu Recht auf deren mittelbare oder
         Basismitglieder, nämlich die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, abgestellt hat. 
      
      51      Somit ist zu untersuchen, ob die Kommission die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, die mittelbaren oder Basismitglieder
         dieser Klägerinnen, zu Recht als Unternehmen im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG angesehen hat. 
      
      52      Nach ständiger Rechtsprechung umfasst der Begriff des Unternehmens im Wettbewerbsrecht jede eine wirtschaftliche Tätigkeit
         ausübende Einheit unabhängig von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Finanzierung (Urteil des Gerichtshofes vom 11. Dezember
         1997 in der Rechtssache C‑55/96, Job Centre, Slg. 1997, I‑7119, Randnr. 21). Eine wirtschaftliche Tätigkeit ist jede Tätigkeit,
         die darin besteht, Güter oder Dienstleistungen auf einem bestimmten Markt anzubieten (Urteil des Gerichts vom 30. März 2000
         in der Rechtssache T‑513/93, Consiglio Nazionale degli Spedizioneri Doganali/Kommission, Slg. 2000, II‑1807, Randnr. 36).
         
      
      53      Die Tätigkeit der Inhaber landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe – Landwirte oder Viehzüchter – hat mit Sicherheit wirtschaftlichen
         Charakter, denn sie besteht in der Herstellung von Gütern, die sie gegen Bezahlung zum Kauf anbieten. Folglich sind landwirtschaftliche
         Erzeugerbetriebe Unternehmen im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG. 
      
      54      Demnach können die Verbände, in denen sie sich zusammenschließen und die sie vertreten, sowie die Zusammenschlüsse dieser
         Verbände für die Anwendung dieser Vorschrift als Unternehmensvereinigungen angesehen werden. 
      
      55      Dem steht nicht entgegen, dass die Ortsverbände auch die Ehegatten der Inhaber landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe aufnehmen
         können. Erstens besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehegatten der Landwirte oder Viehzüchter, die selbst Mitglied eines
         Ortsverbandes sind, ebenfalls an den Arbeiten im Familienbetrieb teilnehmen. Zweitens verliert eine Vereinigung ihren Charakter
         als Unternehmensvereinigung im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG jedenfalls nicht allein dadurch, dass sie auch Personen oder
         Einheiten aufnehmen kann, bei denen es sich nicht um Unternehmen handelt. Desgleichen ist das Vorbringen der Klägerinnen zurückzuweisen,
         dass im Fall eines in Form einer Gesellschaft geführten Betriebes nicht die Gesellschaft durch ihren Vertreter, sondern jeder
         einzelne Gesellschafter dem Ortsverband beitritt. Denn wie bereits dargelegt worden ist (oben, Randnr. 52), kommt es für die
         Qualifizierung als Unternehmen nicht auf die Rechtsform oder die Art der Führung des fraglichen Betriebes an, sondern auf
         seine Aktivität und die Aktivität derer, die darin tätig sind. 
      
      56      Schließlich greift auch die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht nicht durch, die im wesentlichen darauf gestützt wird,
         dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht auf die Argumente eingegangen sei, die die FNSEA im Verwaltungsverfahren
         gegen ihre Qualifizierung als Unternehmensvereinigung vorgebracht habe.
      
      57      Zwar hat die Kommission nach Artikel 253 EG die sachlichen und rechtlichen Gesichtspunkte, von denen die Rechtmäßigkeit der
         Entscheidung abhängt, sowie die Erwägungen aufzuführen, die sie zu deren Erlass veranlasst haben; sie braucht jedoch nicht
         auf alle sachlichen und rechtlichen Fragen einzugehen, die während des Verwaltungsverfahrens vorgebracht wurden (Urteil des
         Gerichts vom 20. April 1999 in den Rechtssachen T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94,
         T‑329/94 und T‑335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Slg. 1999, II‑931, Randnr. 388). 
      
      58      In der angefochtenen Entscheidung werden die These der FNSEA, sie sei weder ein Unternehmen noch eine Unternehmensvereinigung,
         sondern ein Berufsverband, sowie die Argumente der FNPL und der JA zu dieser Frage knapp wiedergegeben (siehe Randnr. 97 zweiter
         Gedankenstrich sowie Randnr. 98 und Randnr. 99 zweiter Gedankenstrich der angefochtenen Entscheidung). Dieses Vorbringen wird
         in der angefochtenen Entscheidung ausführlich zurückgewiesen. So wird ausgeführt, dass die Klägerinnen die Vertretung der
         Landwirte wahrnähmen, die eine in der Erzeugung von Gütern, die sie zum Verkauf anböten, bestehende Tätigkeit ausübten, und
         dass die Verordnung Nr. 26 keinen Sinn hätte, wenn die Landwirte nicht ebenfalls Unternehmen wären (Randnr. 105 der angefochtenen
         Entscheidung), dass der Umstand, dass die Klägerinnen die Form von Berufsverbänden im Sinne des französischen Arbeitsgesetzbuches
         hätten, nichts an ihrer Eigenschaft als Unternehmensvereinigungen ändere (Randnrn. 110 und 111 der angefochtenen Entscheidung),
         dass ihre Betätigung als Berufsverband ihnen nicht das Recht gebe, gegen die Wettbewerbsregeln zu verstoßen, und dass vergleichbare
         Organisationen vom französischen Conseil de la Concurrence (Kartellamt) mit Sanktionen belegt worden seien (siehe Randnrn.
         112 bis 114 der angefochtenen Entscheidung). Schließlich wird in dieser Entscheidung auch an die einschlägige Entscheidungspraxis
         der Kommission und die einschlägige Rechtsprechung erinnert (Randnrn. 104 und 116 der angefochtenen Entscheidung). 
      
      59      Aufgrund dieser Erwägungen ist festzustellen, dass die Kommission die Qualifizierung der Klägerinnen als Unternehmensvereinigungen
         in der angefochtenen Entscheidung ausreichend begründet hat. 
      
      60      Somit ist diese Rüge insgesamt zurückzuweisen. 
      
      2.     Zum Fehlen einer spürbaren Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      61      Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 führt aus, die Kommission habe keinen Beweis dafür erbracht, dass die streitige Vereinbarung
         den Handel zwischen Mitgliedstaaten spürbar beeinträchtigt habe. Der die Aussetzung der Einfuhren betreffende Teilaspekt dieser
         Vereinbarung sei sofort durch das Rungis-Protokoll in Frage gestellt worden, und sie habe ohnehin fast keine Rinder importiert
         und sei somit von diesem Aspekt überhaupt nicht betroffen. Sie sei ein Zusammenschluss von Züchtergenossenschaften, die selbst
         Schlachtbetriebe unterhielten, wobei diese Genossenschaften fast ausschließlich die Rindfleischprodukte ihrer Mitglieder sammelten
         und vertrieben. Auch hätte die Kommission die Beeinträchtigung des Handels nicht ausschließlich aufgrund einer Prüfung der
         möglichen Wirkungen der Vereinbarung bejahen dürfen, sondern ihre tatsächlichen Wirkungen untersuchen müssen. Eine Prüfung
         der Entwicklung des Marktes im fraglichen Zeitraum ergebe jedoch nicht, dass die Vereinbarung Wirkungen auf die Einfuhrströme
         gehabt habe. Zu den Mindesteinkaufspreisen bemerkt die Klägerin, dass die Vereinbarung knapp einen Monat lang in Geltung gewesen
         sei und wegen dieser kurzen Dauer keinerlei Auswirkungen auf die Einfuhren nach Frankreich gehabt habe.
      
      62      Die Kommission führt aus, dass eine Vereinbarung, die Einfuhrbeschränkungen bezwecke, ihrer Natur nach geeignet sei, den Handel
         zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen. Außerdem sei die Preisabsprache geeignet gewesen, den innergemeinschaftlichen
         Handel zu beeinträchtigen. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      63      Artikel 81 Absatz 1 EG ist nur auf solche Vereinbarungen anwendbar, die geeignet sind, den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         zu beeinträchtigen. Eine Vereinbarung zwischen Unternehmen ist geeignet, den innergemeinschaftlichen Handel zu beeinträchtigen,
         wenn sich anhand einer Gesamtheit objektiver rechtlicher oder tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit
         voraussehen lässt, dass sie die Handelsströme zwischen Mitgliedstaaten unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell
         in einem der Erreichung der Ziele eines einheitlichen zwischenstaatlichen Marktes nachteiligen Sinne beeinflussen kann (Urteil
         des Gerichtshofes vom 29. April 2004 in der Rechtssache C‑359/01 P, British Sugar/Kommission, Slg. 200 4, I‑4933, Randnr.
         27, und Urteil des Gerichts vom 22. Oktober 1997 in den Rechtssachen T‑213/95 und T‑18/96, SCK und FNK/Kommission, Slg. 1997,
         II‑1739, Randnr. 175).
      
      64      Die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 enthielt eine Verpflichtung zur vorläufigen Aussetzung der Rindfleischeinfuhren nach
         Frankreich. Wie sich aus der angefochtenen Entscheidung ergibt, ist Frankreich einer der wichtigsten Rindfleischimporteure
         in der Gemeinschaft; die meisten dieser Einfuhren (etwa 95 %) kommen aus EU-Ländern (Randnr. 11 der angefochtenen Entscheidung).
         Die streitige Entscheidung war somit zwangsläufig geeignet, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen.
      
      65      Dieses Ergebnis wird nicht vom Vorbringen der Klägerin erschüttert, dass der die „Einfuhren“ betreffende Teil der Vereinbarung
         vom 24. Oktober 2001 nur einige Tage später durch die Unterzeichnung des Protokolls von Rungis vom 31. Oktober 2001 fallen
         gelassen worden sei. Denn jede Vereinbarung, die die Voraussetzungen für die Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG erfüllt,
         fällt unter diese Vorschrift. Jedenfalls bezog sich, wie später (in Randnr. 136) festgestellt werden wird, das Rungis-Protokoll,
         das mit „Sitzung betr. Importfleisch“ überschrieben ist, ausdrücklich auf die Einfuhren und implizierte nicht, dass die von
         den Klägerinnen beschlossenen Maßnahmen zur Aussetzung der Einfuhren völlig fallen gelassen wurden. 
      
      66      Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerin, sie sei von dem die „Einfuhren“ betreffenden Teilaspekt der Vereinbarung
         nicht betroffen gewesen, da ihre Mitglieder fast keine Rinder importierten. Nach den von der Klägerin vorgelegten Zahlen hält
         sich der Anteil der Einfuhren ihrer Mitglieder an der Gesamtmenge der Einfuhren von Rindfleisch nach Frankreich zwar in Grenzen,
         ist aber nicht völlig unbedeutend (im Jahre 2001 ca. 1,5 %, d. h. 3 865 Tonnen). Die Kommission hat im Übrigen in der mündlichen
         Verhandlung von der Klägerin unwidersprochen vorgetragen, dass deren Mitglieder in der Vergangenheit größere Mengen Rindfleisch
         importiert hätten (in dem Jahr vor Beginn der Krise 15 000 Tonnen). Zudem können die der Klägerin angehörenden Genossenschaften,
         auch wenn sie die Rindfleischproduktion ihrer Mitglieder sammeln und vermarkten, zusätzlich bis zu einer Grenze von 20 % ihres
         Jahresumsatzes die Produktion von ihnen nicht angeschlossenen Züchtern vertreiben. Schließlich brauchte die Kommission ohnehin
         nicht darzutun, dass der individuelle Tatbeitrag der Klägerin den innergemeinschaftlichen Handel beeinträchtigt hat, da die
         Zuwiderhandlung, an der sie beteiligt war, geeignet war, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen (in diesem
         Sinne Urteil des Gerichts vom 10. März 1992 in der Rechtssache T‑14/89, Montedipe/Kommission, Slg. 1992, II‑1155, Randnr.
         254).
      
      67      Zudem war der Teil der streitigen Vereinbarung, in dem Mindestpreise festgesetzt wurden, schon als solcher geeignet, den innergemeinschaftlichen
         Handel zu beeinträchtigen. Denn wettbewerbsbeschränkende Verhaltensweisen, die sich auf das gesamte Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats
         erstrecken, haben schon ihrem Wesen nach die Wirkung, die Abschottung der Märkte auf nationaler Ebene zu verfestigen und damit
         die vom EG-Vertrag gewollte wirtschaftliche Verflechtung zu behindern (Urteil SCK und FNK/Kommission, Randnr. 179). Insoweit
         sind insbesondere die relative Bedeutung der Vereinbarung für den fraglichen Markt und der wirtschaftliche Zusammenhang, in
         den sie sich einfügt, zu untersuchen. Der französische Rinderbestand machte zur entscheidungserheblichen Zeit mehr als 25 %
         des Rinderbestands in der Gemeinschaft aus (Randnr. 10 der angefochtenen Entscheidung). Auch hat der Gerichtshof darauf hingewiesen,
         dass auf einem für Einfuhren durchlässigen Markt die Teilnehmer an einer nationalen Preisabsprache ihren Marktanteil nur wahren
         können, indem sie sich gegen ausländische Konkurrenz schützen (Urteil British Sugar/Kommission, Randnr. 28).
      
      68      Schließlich war die Kommission entgegen der Meinung der Klägerin nicht verpflichtet, darzutun, dass sich die streitige Vereinbarung
         in der Praxis spürbar auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten ausgewirkt hatte. Nach Artikel 81 Absatz 1 EG müssen nämlich,
         wie in Randnummer 63 ausgeführt worden ist, die wettbewerbsbeschränkenden Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen
         lediglich geeignet sein, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen (vgl. auch Urteil Montedipe/Kommission, Randnr.
         253).
      
      69      Folglich ist diese Rüge zurückzuweisen. 
      
      3.     Zum Fehlen einer Wettbewerbsbeschränkung 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      70      Die Klägerinnen tragen im Wesentlichen vor, dass die streitige Vereinbarung den Wettbewerb nicht beschränkt habe und deshalb
         nicht unter Artikel 81 Absatz 1 EG falle. 
      
      71      Die Kommission habe zu Unrecht angenommen, dass die fragliche Vereinbarung einen wettbewerbswidrigen Zweck gehabt habe. Sie
         könne ihnen nicht den die Einfuhren betreffenden Teil dieser Vereinbarung anlasten, sondern dürfe ausschließlich die eventuelle
         Beschränkung des Preiswettbewerbs beurteilen. Die streitigen Mindestpreise seien auf der Grundlage der Interventionspreise
         festgesetzt worden, die von der Kommission selbst im Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation für Rindfleisch festgesetzt
         worden seien; diese Preise stellten die Referenz für diesen Markt dar und seien sehr niedrig. Zudem habe die Vereinbarung
         während eines sehr kurzen Zeitraums nur sehr begrenzte oder vielmehr überhaupt keine konkreten Auswirkungen gehabt, und die
         Verbraucherpreise seien von ihr unberührt geblieben. 
      
      72      Die Klägerinnen führen weiter aus, in der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 sei es lediglich um einen empfohlenen Mindestpreis
         gegangen, zu dessen Einhaltung sie ihre Mitglieder im Übrigen nicht hätten zwingen können. Da es sich um eine vertikale Vereinbarung
         handele, sei die Festsetzung von empfohlenen Preisen ihrem Wesen nach keine Wettbewerbsbeschränkung. Artikel 4 Buchstabe a
         der Verordnung (EG) Nr. 2790/1999 der Kommission vom 22. Dezember 1999 über die Anwendung von Artikel 81 Absatz 3 [EG] auf
         Gruppen von vertikalen Vereinbarungen und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen (ABl. L 336, S. 21) verbiete es lediglich,
         dem Käufer einen Verkaufspreis vorzuschreiben, während im vorliegenden Fall die Schlachthofbetreiber die von den Handelsketten
         oder Großhändlern verlangten Preise frei bestimmen könnten. Schließlich weisen die Klägerinnen auf die Besonderheiten des
         Agrarsektors hin, der nicht das dauerhafte Entstehen eines spontanen Ausgleichs von Angebot und Nachfrage erlaube und einer
         Regulierung durch andere Mittel als die Gesetze des Marktes bedürfe, so dass die Wettbewerbsregeln nicht ipso iure auf diesen
         Sektor anwendbar seien. Zur Stützung ihres Vorbringens fügen die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 als Anlage ein Rechtsgutachten
         vom 2. Juni 2003 bei.
      
      73      Außerdem müsse die Kommission bei der Beurteilung einer Wettbewerbsbeschränkung den rechtlichen und wirtschaftlichen Gesamtzusammenhang
         berücksichtigen, in dem die streitige Vereinbarung zustande gekommen sei: Nicht jede Vereinbarung zwischen Unternehmen, durch
         die die Handlungsfreiheit der Parteien oder einer der Parteien beschränkt werde, werde automatisch vom Verbot des Artikels
         81 Absatz 1 EG erfasst (Urteil des Gerichtshofes vom 19. Februar 2002 in der Rechtssache C‑309/99, Wouters u. a., Slg. 2002,
         I‑1577, Randnr. 97). Eine Vereinbarung, die eine Wettbewerbsbeschränkung bezwecke oder bewirke, falle nicht unter dieses Verbot,
         wenn sie es ermögliche, andersartige Ziele zu erreichen, sofern die fraglichen wettbewerbsbeschränkenden Wirkungen dazu notwendig
         seien und nicht jeden Wettbewerb auf einem wesentlichen Teil des Gemeinsamen Marktes ausschalteten. Die Kommission hätte deshalb
         eine gründliche und konkrete Prüfung der Natur und des Zwecks der fraglichen Vereinbarung sowie ihrer Wirkungen vornehmen
         müssen, was sie nicht getan habe. 
      
      74      Zudem habe die Kommission die extreme Krisensituation unterschätzt, in der sich die französischen Züchter von ausgewachsenen
         Rindern im entscheidungserheblichen Zeitraum befunden hätten. Die von der streitigen Entscheidung betroffenen Rinderpreise
         seien im Jahre 2001 im Durchschnitt auf ihr niedrigstes Niveau seit 1980 gesunken, und die dem Erzeuger nach Abzug der Transportkosten
         gezahlten Preise hätten selbst nach Abzug der erhaltenen Beihilfen unter dem Gestehungspreis gelegen. Der Rindfleischkonsum
         sei in Europa im Jahre 2001 um fast 10 % gesunken; die französischen Züchter seien davon unmittelbar betroffen gewesen und
         hätten vom Markt zu verschwinden gedroht. 
      
      75      Die aufeinander folgenden Gemeinschaftsmaßnahmen hätten sich zur Überwindung der Krise als unzureichend erwiesen. So greife
         insbesondere die Sonderankaufsregelung erst im Stadium des Verlassens des Schlachthofs ein, während das Einkommen der Erzeuger
         nur im Stadium des Eintritts in den Schlachthof betroffen sei. Deshalb könnten die die Preise betreffenden Gemeinschaftsmaßnahmen
         die Erzeuger zwangsläufig erst nach Abschluss einer branchenübergreifenden Vereinbarung zwischen Erzeugern und Schlachthofbetreibern
         erreichen. 
      
      76      Dazu führen die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 aus, dass die Kommission die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 als
         Regulierungsakt hätte untersuchen müssen, und weisen darauf hin, dass die abgestimmte Verwaltung zwischen Staat und Berufsverbänden
         in Frankreich im Agrarsektor Tradition habe. Sie hätten der ausdrücklichen öffentlichen Aufforderung der französischen Regierung
         Folge geleistet, mit der diese den Rindfleischproduzenten eine wirtschaftliche Katastrophe habe ersparen wollen, die einen
         Zerfall des Rindfleischsektors hätte bewirken können und bereits zu einer ernsthaften Störung der öffentlichen Ordnung geführt
         habe. Die Vereinbarung sei auf Betreiben des französischen Landwirtschaftsministers zustande gekommen, und dieser habe in
         einer Erklärung vor dem französischen Parlament seine Unterstützung für die Fortschritte bei der Ausarbeitung dieser Vereinbarung
         zum Ausdruck gebracht. 
      
      77      Die Kommission trägt vor, der wettbewerbsbeschränkende Zweck der Vereinbarung ergebe sich schon daraus, dass sich die Parteien
         der Vereinbarung abgesprochen hätten, um die nationalen Märkte abzuschotten und Mindestpreise festzusetzen. Sie habe den wirtschaftlichen
         und rechtlichen Zusammenhang, in dem die Vereinbarung getroffen worden sei, in der Entscheidung sehr wohl berücksichtigt.
         Auch seien auf Gemeinschaftsebene zahlreiche Maßnahmen zur Bewältigung der Krise getroffen worden. Schließlich entspreche
         der Ansporn des damaligen französischen Landwirtschaftsministers zum Abschluss der Vereinbarung keiner irgendwie gearteten
         Regelungsbefugnis. 
      
      78      Ferner beantragt die Kommission, das von den Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 als Anlage eingereichte Rechtsgutachten
         als unzulässig unberücksichtigt zu lassen, denn Anlagen zu Schriftsätzen hätten eine bloße Beweis- und Hilfsfunktion (Urteil
         des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑31/99, ABB Asea Brown Boveri/Kommission, Slg. 2002, II‑1881). Fragen des
         Gemeinschaftsrechts müssten von den gesetzlichen Vertretern in den Schriftsätzen selbst erörtert werden.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      79      Zunächst ist der Antrag der Kommission zurückzuweisen, das von den Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 vorgelegte Rechtsgutachten
         als unzulässig unberücksichtigt zu lassen. Es ist darauf hinzuweisen, dass alle mit der Klageschrift eingereichten Schriftstücke
         zwingend zu den Akten genommen werden. Eine andere Frage ist, ob die Klägerin sich auf bestimmte eingereichte Dokumente berufen
         kann oder ob das Gericht sie berücksichtigen darf. Dazu ist zu bemerken, dass die Klageschrift in einzelnen Punkten durch
         die Bezugnahme auf Teile der als Anlage beigefügten Schriftstücke untermauert und vervollständigt werden kann, vorausgesetzt,
         dass die wesentlichen Bestandteile der rechtlichen Ausführungen in der Klageschrift selbst enthalten sind (vgl. in diesem
         Sinne Urteile des Gerichts vom 21. September 2005 in der Rechtssache T‑87/05, EDP/Kommission, Slg. 2005, II‑3745, Randnr.
         155, und vom 14. Dezember 2005 in der Rechtssache T‑209/01, Honeywell/Kommission, Slg. 2005, II‑5527, Randnr. 57). In der
         vorliegenden Rechtssache ist das Gericht der Auffassung, dass die Klägerinnen in ihren Schriftsätzen ihr Vorbringen, dass
         die streitige Vereinbarung als nationaler Regulierungsakt anzusehen sei, ausreichend begründet haben. Die fragliche Anlage
         dient somit nur dazu, dieses Vorbringen zu begründen und zu ergänzen. Folglich konnte sich die Klägerin darauf berufen. 
      
      80      Die von den Klägerinnen erhobene Rüge geht im Wesentlichen dahin, dass die streitige Vereinbarung eine Verhinderung, Beschränkung
         oder Verfälschung des Wettbewerbs im einheitlichen Markt im Sinne des Artikels 81 Absatz 1 EG weder bezweckt noch bewirkt
         habe. 
      
      81      Die von den Klägerinnen am 24. Oktober 2001 getroffene Vereinbarung enthielt erstens eine Verpflichtung zur vorläufigen Aussetzung
         der Rindfleischeinfuhren nach Frankreich und zweitens eine Verpflichtung zur Anwendung von Mindesteinkaufspreisen frei Schlachtstätte
         für Schlachtkühe. Entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen und aus den oben in den Randnummern 65 und 66 dargelegten Gründen
         müssen bei der Prüfung des wettbewerbsbeschränkenden Charakters der streitigen Vereinbarung nicht nur die vorgenannten Maßnahmen
         berücksichtigt werden, die die Preise betrafen, sondern auch die, die auf die Aussetzung der Einfuhren gerichtet waren.
      
      82      Demnach ist erstens festzustellen, dass die in der streitigen Vereinbarung vorgesehene Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren
         vor allem bezweckte, zu verhindern, dass Rindfleisch zu unter den von den Klägerinnen festgesetzten Mindestpreisen liegenden
         Preisen nach Frankreich gelangte, mit dem Ziel, den Absatz der Produkte der französischen Züchter und die effektive Anwendung
         der Mindestpreise sicherzustellen. Die streitige Vereinbarung bezweckte also sehr wohl, den nationalen französischen Markt
         abzuschotten und somit den Wettbewerb im einheitlichen Markt einzuschränken.
      
      83      Was zweitens die Festsetzung von Mindestpreisen betrifft, bestimmt Artikel 81 Absatz 1 Buchstabe a EG ausdrücklich, dass die
         unmittelbare oder mittelbare Festsetzung der An‑ oder Verkaufspreise als Wettbewerbsbeschränkung anzusehen ist. Nach einer
         gefestigten Rechtsprechung stellt die Festsetzung von Preisen eine offenkundige Beschränkung des Wettbewerbs dar (Urteile
         des Gerichts vom 6. April 1995 in der Rechtssache T‑148/89, Tréfilunion/Kommission, Slg. 1995, II‑1063, Randnr. 109, und vom
         15. September 1998 in den Rechtssachen T‑374/94, T‑375/94, T‑384/94 und T‑388/94, European Night Services u. a./Kommission,
         Slg. 1998, II‑3141, Randnr. 136). 
      
      84      Im vorliegenden Fall haben sich die Klägerinnen auf Mindestpreise frei Schlachtstätte beim Kauf von bestimmten Kategorien
         von Rindern geeinigt und eine Liste mit Preisen pro Kilogramm Schlachtkörper für bestimmte Kategorien von Kühen aufgestellt
         und für andere Kategorien einen Berechnungsmodus in Abhängigkeit von dem Preis festgelegt, der im Rahmen der Sonderankaufsregelung
         von den Gemeinschaftsbehörden festgesetzt wurde. Entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen geht schon aus dem Wortlaut der entsprechenden
         Klauseln der streitigen Vereinbarung hervor, dass es sich nicht um empfohlene Preise oder Richtpreise handelte, sondern um
         Mindestpreise, zu deren Einhaltung sich die unterzeichnenden Verbände verpflichteten. So hieß es in der Vereinbarung, dass
         die Beiträge zumindest im Zusammenhang mit diesen Mindestpreisen stehen müssten. Auch wird in einer Mitteilung der Klägerinnen
         in der Rechtssache T‑245/03 an ihre Mitglieder vom 8. November 2001 über die tatsächliche Anwendung der Vereinbarung vom 24.
         Oktober 2001 auf die Anwendung der „Mindestpreise“ Bezug genommen. 
      
      85      Eine Vereinbarung wie die hier vorliegende, die zwischen Verbänden, die die landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe repräsentieren,
         und Verbänden, die die Schlachthofbetreiber repräsentieren, abgeschlossen wurde und in der Mindestpreise für bestimmte Kategorien
         von Kühen mit dem Ziel festgesetzt werden, diese Mindestpreise für sämtliche Gewerbetreibenden auf den fraglichen Märkten
         verbindlich zu machen, bezweckt ihrer Natur nach, den freien Wettbewerb auf diesen Märkten zu beschränken (vgl. in diesem
         Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 30. Januar 1985 in der Rechtssache 123/83, BNIC, Slg. 1985, 391, Randnr. 22), insbesondere
         dadurch, dass sie den Spielraum für die kaufmännischen Verhandlungen zwischen den Züchtern und den Schlachthofbetreibern künstlich
         einschränkt und die Preisbildung auf den fraglichen Märkten verfälscht. 
      
      86      Dieses Ergebnis wird nicht durch das Vorbringen der Klägerinnen erschüttert, dass die Agrarmärkte regulierte Märkte seien,
         auf denen die Wettbewerbsregeln nicht automatisch Geltung hätten und sich die Preisbildung sehr oft nicht nach Angebot und
         Nachfrage richte. Zwar weist der Agrarsektor eine gewisse Besonderheit auf und ist Gegenstand einer sehr detaillierten und
         oft ziemlich interventionistischen Regulierung. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln,
         wie im Rahmen des dritten Klagegrundes näher untersucht werden wird, auf den Märkten der Agrarprodukte Geltung besitzen, auch
         wenn Ausnahmen vorgesehen sind, um der besonderen Lage dieser Märkte Rechnung zu tragen. 
      
      87      Die Klägerinnen können auch nicht geltend machen, dass die Mindestpreise keinen wettbewerbsbeschränkenden Charakter gehabt
         hätten, weil sie nach Maßgabe der von der Kommission selbst festgesetzten Sonderankaufspreise festgesetzt worden seien. Die
         Prüfung der von den Parteien auf Ersuchen des Gerichts vorgelegten vergleichenden Tabellen zeigt, dass in der Vereinbarung
         zwar die Preise für Kühe mittlerer oder einfacher Qualität nach Maßgabe der im Rahmen der Sonderankaufsregelung praktizierten
         Preise festgesetzt wurden, für Kühe höherer Qualität (die im Jahre 2001 30 % der Schlachtungen ausmachten) dagegen wesentlich
         höher waren als die genannten Interventionspreise. Jedenfalls beseitigt der bloße Umstand, dass die Mindestpreise nach Maßgabe
         des öffentlichen Interventionspreises festgesetzt wurden, für sich allein nicht den wettbewerbsbeschränkenden Charakter der
         streitigen Vereinbarung. Denn diese Bezugnahme auf den öffentlichen Interventionspreis ändert nichts an dem wettbewerbswidrigen
         Zweck des streitigen Mindestpreisschemas, der in der direkten künstlichen Festsetzung eines bestimmten Marktpreises bestand.
         Sie führt auch nicht dazu, dass das Mindestpreisschema den verschiedenen öffentlichen Stütz‑ und Interventionsmechanismen
         der gemeinsamen Marktorganisationen im Landwirtschaftssektor gleichgestellt werden kann, die bezwecken, die Märkte, auf denen
         ein Überangebot besteht, dadurch zu bereinigen, dass ein Teil der Produktion vom Markt genommen wird. 
      
      88      Die Klägerinnen machen weiter geltend, Artikel 4 Buchstabe a der Verordnung Nr. 2790/1999 untersage bei einer vertikalen Vereinbarung
         nur die Beschränkung der Möglichkeiten des Käufers, seinen Verkaufspreis festzusetzen; das in der streitigen Vereinbarung
         festgesetzte Mindestpreisschema beschränke dagegen nicht die Möglichkeiten der Schlachthofbetreiber, ihre Verkaufspreise ihren
         Kunden gegenüber festzusetzen. Die Bezugnahme auf die Verordnung Nr. 2790/1999 geht hier jedoch fehl, denn Artikel 3 dieser
         Verordnung schließt vom Anwendungsbereich der zugunsten der vertikalen Vereinbarungen vorgesehenen Gruppenfreistellung die
         Fälle aus, in denen der Anteil des Lieferanten an dem relevanten Markt 30 % überscheitet. Die Kommission hat von den Klägerinnen
         unbestritten vorgetragen, dass die Produktion der Mitglieder der klagenden Züchterverbände diese Obergrenze von 30 % des französischen
         Rindfleischmarktes weit überschritten habe. 
      
      89      Zu der Behauptung der Klägerinnen, sie hätten ihre Mitglieder nicht zur Einhaltung der festgesetzten Mindestpreise zwingen
         können, ist festzustellen, dass es für die Subsumtion einer Vereinbarung zwischen Vereinigungen unter Artikel 81 Absatz 1
         EG nicht erforderlich ist, dass die fraglichen Vereinigungen ihre Mitglieder zwingen können, die ihnen durch die Vereinbarung
         auferlegten Verpflichtungen zu erfüllen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 15. Mai 1975 in der Rechtssache
         71/74, Frubo/Kommission, Slg. 1975, 563, Randnrn. 29 bis 31). Auch die Bezugnahme auf das vorgenannte Urteil Wouters u. a.
         greift hier nicht durch, da die tatsächlichen Umstände des Rechtsstreits, in dem dieses Urteil ergangen ist, und die dort
         aufgeworfenen Rechtsfragen – es ging um die Regelung der Ausübung und der Organisation des Rechtsanwaltsberufs durch einen
         Berufsverband – mit denen der vorliegenden Rechtssache nicht vergleichbar sind. 
      
      90      Die Klägerinnen können sich zur Rechtfertigung der streitigen Vereinbarung auch nicht auf die Krise berufen, in der sich der
         Rindfleischsektor im entscheidungserheblichen Zeitraum befand und die die französischen Züchter ausgewachsener Rinder besonders
         getroffen habe. Dieser Umstand allein kann nämlich nicht zu dem Ergebnis führen, dass die Voraussetzungen für die Anwendung
         des Artikels 81 Absatz 1 EG nicht erfüllt waren (vgl. in diesem Sinne Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission,
         Randnr. 740). Jedenfalls ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission bei ihrer Beurteilung die Krise, in der sich der Sektor
         befand, nicht außer Acht gelassen hat, wie insbesondere aus den Randnummern 10 bis 15 und 130 der angefochtenen Entscheidung
         hervorgeht. Außerdem hat die Kommission diese Krise bei der Festsetzung der Höhe der Geldbußen berücksichtigt, indem sie diese
         um 60 % herabgesetzt hat (siehe Randnrn. 182 bis 185 der angefochtenen Entscheidung). 
      
      91      Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerinnen, bei der streitigen Vereinbarung handele es sich um einen nationalen
         Regulierungsakt, der der in Frankreich traditionellen Praxis einer abgestimmten Verwaltung durch Behörden und landwirtschaftliche
         Berufsverbände entsprochen habe und durch die Wirkungslosigkeit der staatlichen Maßnahmen gerechtfertigt gewesen sei. Insoweit
         ist erstens darauf hinzuweisen, dass der rechtliche Rahmen, in dem die in Artikel 81 EG bezeichneten Vereinbarungen getroffen
         werden, für die Anwendbarkeit der gemeinschaftlichen Wettbewerbsbestimmungen ebenso wenig erheblich ist wie die rechtliche
         Einordnung dieses Rahmens durch die verschiedenen nationalen Rechtsordnungen (Urteil BNIC, Randnr. 17). Zweitens haben die
         Vertreter der Französischen Republik in der mündlichen Verhandlung ausgeschlossen, dass die streitige Vereinbarung unter die
         abgestimmte Verwaltung von Behörden und landwirtschaftlichen Berufsverbänden fallen könne, indem sie erläutert haben, dass
         diese in der Repräsentation dieser Verbände in den nationalen und gemeinschaftlichen Beratungsorganen zum Tragen komme. Drittens
         kann die angebliche Unzulänglichkeit der staatlichen Maßnahmen zur Bewältigung der Probleme in einem bestimmten Wirtschaftssektor
         keine Rechtfertigung dafür bilden, dass die betroffenen Wirtschaftsteilnehmer wettbewerbswidrige Handlungen begehen oder sich
         Vorrechte, die denen der nationalen oder gemeinschaftlichen Behörden entsprechen, anmaßen, um an deren Stelle tätig zu werden.
         
      
      92      Desgleichen genügt hinsichtlich der Rolle, die der französische Landwirtschaftsminister beim Abschluss der Vereinbarung vom
         24. Oktober 2001 gespielt hat, der Hinweis auf eine ständige Rechtsprechung, wonach der Umstand, dass das Verhalten der Unternehmen
         den nationalen Behörden bekannt war und von ihnen genehmigt wurde oder dass sie sogar dazu ermutigt wurden, jedenfalls ohne
         Einfluss auf die Anwendbarkeit des Artikels 81 EG ist (Urteile des Gerichts vom 29. Juni 1993 in der Rechtssache T‑7/92, Asia
         Motor France u. a./Kommission, Slg. 1993, II‑669, Randnr. 71, und Tréfilunion/Kommission, Randnr. 118).
      
      93      Schließlich ist das Vorbringen der Klägerinnen zurückzuweisen, die Kommission habe nicht nachgewiesen, dass die streitige
         Vereinbarung Auswirkungen auf die Einfuhren oder auf die Marktpreise gehabt habe. Denn nach ständiger Rechtsprechung brauchen
         für die Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG die konkreten Auswirkungen einer Vereinbarung nicht in Betracht gezogen zu werden,
         wenn feststeht, dass diese eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes
         bezweckt. Daher ist der Nachweis tatsächlicher wettbewerbswidriger Auswirkungen nicht erforderlich, wenn der wettbewerbswidrige
         Zweck der beanstandeten Verhaltensweisen bewiesen ist (Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Randnr. 741,
         und Urteil des Gerichts vom 6. Juli 2000 in der Rechtssache T‑62/98, Volkswagen/Kommission, Slg. 2000, II‑2707, Randnr. 178).
         Wie bereits festgestellt worden ist, hat die Kommission nachgewiesen, dass die streitige Vereinbarung bezweckte, den Wettbewerb
         auf den in Rede stehenden Märkten zu beschränken (siehe oben, Randnrn. 82 bis 85). Sie war somit nicht verpflichtet, zu prüfen,
         ob diese Maßnahmen konkrete Auswirkungen auf den Wettbewerb innerhalb des Gemeinsamen Marktes, insbesondere in Frankreich,
         hatten. 
      
      94      Aufgrund aller dieser Erwägungen ist diese Rüge zurückzuweisen. 
      
      4.     Die Qualifizierung der Aktionen der Berufsverbände 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      95      Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 machen geltend, der Kommission sei dadurch ein Beurteilungsfehler unterlaufen,
         dass sie ihre Vereinigungsfreiheit eingeschränkt habe, die durch Artikel 12 Absatz 1 der am 7. Dezember 2000 in Nizza feierlich
         verkündeten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. 2000, C 364, S. 1) anerkannt sei. Die Kommission habe insbesondere
         die spezifischen Verwaltungsfunktionen der französischen landwirtschaftlichen Berufsverbände verkannt. Auch habe sie sich
         sehr unklar ausgedrückt, als sie von den mit Sanktionen belegten Berufsverbänden verlangt habe, in Zukunft von jeder Vereinbarung
         oder abgestimmten Verhaltensweise sowie von jedem Beschluss abzusehen, die einen ähnlichen Gegenstand oder eine ähnliche Wirkung
         haben könnten wie die ihnen zur Last gelegte Zuwiderhandlung, während es doch Aufgabe eines Berufsverbandes sei, konzertierte
         Aktionen seiner Mitglieder zur Verteidigung ihrer gemeinsamen Interessen durchzuführen. 
      
      96      Die Kommission entgegnet, der Umstand, dass es sich bei den Klägerinnen um Berufsverbände handele, bewirke nicht, dass die
         Wettbewerbsregeln nicht auf sie anwendbar seien, denn bei diesen handele es sich um Vorschriften zwingenden Rechts. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      97      Nach Artikel 3 Absatz 1 Buchstaben g und j EG umfasst die Tätigkeit der Gemeinschaft sowohl ein System, das den Wettbewerb
         innerhalb des Binnenmarktes vor Verfälschungen schützt, als auch eine Sozialpolitik. So bestimmt Artikel 137 Absatz 1 Buchstabe
         f EG, dass die Gemeinschaft die Tätigkeit der Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der Vertretung und kollektiven Wahrnehmung der
         Arbeitnehmer‑ und Arbeitgeberinteressen unterstützt und ergänzt, und in Artikel 139 Absatz 1 EG heißt es, dass der Dialog
         zwischen den Sozialpartnern auf Gemeinschaftsebene zur Herstellung vertraglicher Beziehungen führen kann. Artikel 81 Absatz
         1 EG verbietet Vereinbarungen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen
         Marktes bezwecken oder bewirken. Dieser Artikel stellt eine grundlegende Bestimmung dar, die für die Erfüllung der Aufgaben
         der Gemeinschaft und insbesondere für das Funktionieren des Binnenmarktes unerlässlich ist (Urteil des Gerichtshofes vom 1.
         Juni 1999 in der Rechtssache C‑126/97, Eco Swiss, Slg. 1999, I‑3055, Randnr. 36).
      
      98      Der Gerichtshof hat ausgeführt, dass mit Tarifverträgen zwischen Organisationen, die die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer
         vertreten, zwangsläufig gewisse den Wettbewerb beschränkende Wirkungen verbunden sind, die Erreichung der mit derartigen Verträgen
         angestrebten sozialpolitischen Ziele jedoch ernsthaft gefährdet wäre, wenn für die Sozialpartner bei der gemeinsamen Suche
         nach Maßnahmen zur Verbesserung der Beschäftigungs‑ und Arbeitsbedingungen Artikel 81 Absatz 1 EG Geltung hätte. Bei einer
         sachgerechten und zusammenhängenden Auslegung der Bestimmungen des Vertrages in ihrer Gesamtheit ergibt sich daher, dass die
         im Rahmen von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern im Hinblick auf diese Ziele geschlossenen Verträge aufgrund ihrer
         Art und ihres Gegenstands nicht unter Artikel 81 Absatz 1 des Vertrages fallen (Urteil des Gerichtshofes vom 21. September
         1999 in der Rechtssache C‑67/96, Albany, Slg. 1999, I‑5751, Randnrn. 59 und 60). Der Gerichtshof hat jedoch andererseits festgestellt,
         dass diese Vorschrift Anwendung findet auf branchenübergreifende Vereinbarungen, die von Organisationen getroffen werden,
         die Produzenten, Genossenschaften, Arbeitnehmer und Industriebetriebe in einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung zusammenfassen
         (Urteile des Gerichtshofes BNIC, Randnrn. 3 und 16 bis 20, und vom 3. Dezember 1987 in der Rechtssache 136/86, BNIC, Slg.
         1987, 4789, Randnrn. 3 und 13). 
      
      99      In der vorliegenden Rechtssache ist das Gericht der Auffassung, dass Art und Gegenstand der streitigen Vereinbarung es nicht
         rechtfertigen, diese von der Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG auszunehmen.
      
      100    Erstens handelt es sich bei der Vereinbarung nicht um einen Tarifvertrag, und sie wurde nicht zwischen Organisationen getroffen,
         die Arbeitgeber und Arbeitnehmer vertreten. Denn zwischen den Züchtern und den Schlachthofbetreibern besteht kein Arbeitsverhältnis,
         da die Züchter keine Arbeiten für die Schlachthofbetreiber unter deren Leitung verrichten und auch nicht in die Schlachthöfe
         eingegliedert sind (vgl. dazu Urteil des Gerichtshofes vom 16. September 1999 in der Rechtssache C‑22/98, Becu u. a., Slg.
         1999, I‑5665, Randnr. 26). Vielmehr ist festgestellt worden, dass Züchter als Unternehmen im Sinne des Artikels 81 Absatz
         1 EG angesehen werden können (siehe oben, Randnr. 53). Somit ist die streitige Vereinbarung eine branchenübergreifende Vereinbarung
         zwischen zwei Gliedern der Produktionskette im Rindfleischsektor. Zweitens beinhaltet die Vereinbarung keine Maßnahmen zur
         Verbesserung der Beschäftigungs‑ und Arbeitsbedingungen, sondern die Aussetzung der Rindfleischimporte und die Festsetzung
         von Mindestpreisen für bestimmte Kategorien von Kühen. Diese Maßnahmen bezwecken im vorliegenden Fall eine Einschränkung des
         Wettbewerbs im einheitlichen Markt (siehe oben, Randnrn. 82 und 85). 
      
      101    Folglich sind die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 als Zusammenschlüsse landwirtschaftlicher Berufsverbände zwar befugt,
         die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten, sie können aber nicht konkrete gegen Artikel 81 Absatz 1 EG verstoßende Aktionen
         unter Berufung auf die Vereinsfreiheit rechtfertigen. 
      
      102    Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerinnen, die Kommission habe die Wahrnehmung des ihnen als Berufsverbänden
         obliegenden Auftrags, konzertierte Aktionen zur gemeinsamen Interessenvertretung durchzuführen, dadurch behindert, dass sie
         sie in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung verpflichtet habe, sich künftig jeglicher Vereinbarung zu enthalten, die denselben
         oder einen ähnlichen Zweck bzw. dieselbe oder eine ähnliche Wirkung haben könnte wie die festgestellte Zuwiderhandlung. Die
         Kommission hat dadurch, dass sie die Klägerinnen verpflichtet hat, die beanstandeten Verhaltensweisen nicht zu wiederholen
         oder ähnliche Maßnahmen zu ergreifen, nur die Konsequenzen aufgezeigt, die sich aus der in Artikel 1 der streitigen Vereinbarung
         festgestellten Rechtswidrigkeit für ihr zukünftiges Verhalten ergeben (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 13. Dezember
         2001 in den Rechtssachen T‑45/98 und T‑47/98, Krupp Thyssen Stainless und Acciai speciali Terni/Kommission, Slg. 2001, II‑3757,
         Randnr. 311). Diese Aufforderung ist im Übrigen hinreichend genau und wird auf die Tatsachen gestützt, die die Kommission
         veranlasst haben, die Rechtswidrigkeit der geahndeten Verhaltensweisen festzustellen, so dass sie eindeutig nicht die allgemeine
         Verbandstätigkeit der Klägerinnen betrifft. 
      
      103    Aufgrund dieser Erwägungen ist diese Rüge zurückzuweisen.
      
      104    Folglich greift dieser Klagegrund nicht durch. 
      
      B –  Der zweite Klagegrund: offensichtliche Beurteilungsfehler und Rechtsirrtümer bei der Beurteilung des Umfangs und der Dauer
            der Zuwiderhandlung 
      105    Die Klägerinnen bestreiten den Umfang und die Dauer der von der Kommission festgestellten Zuwiderhandlung. Sie tragen erstens
         vor, dass sich der die Einfuhren betreffende Teil der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 durch die Unterzeichnung des Rungis-Protokolls
         am 31. Oktober 2001 erledigt habe. Zweitens leugnen sie, dass die schriftliche Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 durch eine
         mündliche Vereinbarung gleichen Inhalts fortgeführt worden sei. 
      
      1.     Einleitende Fragen 
      a)     Zur Berücksichtigung der lokalen Vereinbarungen 
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      106    Die Klägerinnen machen geltend, die Kommission hätte sich bei der Ermittlung der Dauer der den nationalen Berufsverbänden
         vorgeworfenen Zuwiderhandlung nicht auf die Vereinbarungen stützen dürfen, die auf lokaler Ebene zwischen den Züchterverbänden
         und einzelnen Schlachthofbetreibern getroffen worden seien. Die Kommission trage die Beweislast für die Dauer einer Zuwiderhandlung;
         wenn sie sich dafür entscheide, die Zuwiderhandlung und die Teilnahme daran aus unmittelbaren schriftlichen Beweisen abzuleiten,
         dürfe sie nicht davon ausgehen, dass sich eine Partei der Vereinbarung über ihre letzte nachweisliche Teilnahme an einer Durchführungsmaßnahme
         hinaus an die Vereinbarung gehalten habe (Urteil des Gerichts vom 15. März 2000 in den Rechtssachen T‑25/95, T‑26/95, T‑30/95
         bis T‑32/95, T‑34/95 bis T‑39/95, T‑42/95 bis T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95, T‑87/95, T‑88/95,
         T‑103/95 und T‑104/95, Cimenteries CBR u. a./Kommission, Slg. 2000, II‑491, Randnrn. 4281 bis 4283). 
      
      107    Die Klägerinnen weisen darauf hin, dass sie nicht die Unterzeichner der fraglichen lokalen Vereinbarungen seien, da diese
         von anderen juristischen Personen getroffen worden seien, nämlich von den Zusammenschlüssen der landwirtschaftlichen Berufsverbände
         auf Departementsebene, den JA auf Departementsebene oder den örtlichen Berufsverbänden. Diese lokalen Vereinbarungen, insbesondere
         diejenigen, die ab 30. November 2001 geschlossen worden seien, seien ausschließlich das Ergebnis der Aktion dieser Verbände
         und hingen von deren Fähigkeit ab, die Anwendung der Mindestpreise bei ihren Käufern durchzusetzen. Die Klägerinnen verweisen
         in diesem Zusammenhang auf die handschriftlichen Notizen des Direktors der FNB anlässlich des Treffens vom 29. November 2001
         („Handeln Sie die Mindestpreise auf regionaler Ebene aus …“). Der Umstand, dass die FNB den Verbänden auf Departementsebene
         auf deren Ersuchen die Referenzpreise mitgeteilt habe, stehe diesem Ergebnis nicht entgegen, denn dies sei nicht in Anwendung
         der nationalen Vereinbarung geschehen, sondern im Rahmen der von diesen Verbänden auf örtlicher Ebene geführten Verhandlungen.
         So habe Herr E. C., einer der Direktoren der FNB, diese Preise am 11. Dezember 2001 einem Berufsverband auf Departementsebene
         bekanntgegeben, wobei er ihn ausdrücklich darauf hingewiesen habe, dass diese Preise nicht durch eine Vereinbarung fortgeschrieben
         worden seien. Abschließend wenden sich die Klägerinnen gegen das Vorbringen der Kommission, der Text der lokalen Vereinbarungen
         sei fast wörtlich aus der nationalen Vereinbarung übernommen worden. 
      
      108    Die Klägerinnen weisen weiter darauf hin, dass die Unterzeichner dieser lokalen Vereinbarungen nicht am Verwaltungsverfahren
         vor der Kommission teilgenommen hätten und dass sie nicht an deren Stelle antworten könnten. Folglich verstoße es gegen die
         Verteidigungsrechte und gegen Artikel 6 Absatz 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
         (EMRK), dass diese Dokumente bei den Diskussionen nicht unberücksichtigt gelassen würden. 
      
      109    Die Kommission entgegnet, sie habe bei ihrer Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung sehr wohl die zahlreichen nach der
         Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 getroffenen lokalen Vereinbarungen berücksichtigen dürfen. Die streitige
         Vereinbarung sei hauptsächlich durch diese lokalen Vereinbarungen umgesetzt worden, besonders nach Ablauf der schriftlichen
         Vereinbarung. Im Übrigen seien alle diese Vereinbarungen betreffenden Dokumente bei den Klägerinnen beschlagnahmt worden;
         dies zeige, dass die nationalen Verbände die Umsetzung ihrer nationalen Vereinbarung auf lokaler Ebene genau verfolgt hätten.
         
      
       Würdigung durch das Gericht
      110    Die Klägerinnen machen im Wesentlichen geltend, dass die Kommission bei der Ermittlung der Dauer der Zuwiderhandlung Vereinbarungen,
         die nicht von ihnen selbst, sondern von den Züchterverbänden auf Departementsebene oder auf lokaler Ebene einerseits und den
         Schlachthofbetreibern andererseits abgeschlossen wurden, nicht hätte berücksichtigen dürfen. 
      
      111    Die örtlichen Züchterverbände oder deren Zusammenschlüsse waren jedoch unstreitig unmittelbare oder mittelbare Mitglieder
         der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03. 
      
      112    Es ist darauf hinzuweisen, dass die nationalen Züchterverbände nach Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 ihre
         Mitglieder aufgefordert haben, diese Vereinbarung auf lokaler Ebene umzusetzen. So heißt es in einem Schreiben der Klägerinnen
         in der Rechtssache T‑245/03 an ihre Mitglieder vom 25. Oktober 2001, in dem von der Unterzeichnung der Vereinbarung vom Vorabend
         berichtet wird: „Jeder von uns muss nun ganz genau auf eine strikte Umsetzung dieser Vereinbarung in dem gesamten Gebiet achten
         … Wir fordern Sie außerdem auf, so bald wie möglich die Unterschriften der Unternehmen, die die Vereinbarung noch nicht unterzeichnet
         haben, einzuholen. Die Verpflichtung der Unternehmen umfasst auch den Vorrang der Versorgung aus nationalen Quellen.“ Desgleichen
         enthält ein Schreiben der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 an ihre Mitglieder vom 13. Dezember 2003 folgende Passage:
         „… wir fordern alle Mitglieder der FNSEA auf, sich zu mobilisieren …, um bei jedem Schlachthof die angewandten Preise zu kontrollieren,
         damit unsere Preisvorgaben für die Produktion eingehalten werden. Wir fordern Sie auf, zu diesem Zweck Schritte bei allen
         in Ihrem Departement liegenden Schlachthöfen zu unternehmen.“ Schließlich ergibt sich aus einem Schreiben der Klägerinnen
         in der Rechtssache T‑245/03 an ihre Mitgliedsverbände vom 8. November 2001, dass diese verpflichtet wurden, die nationalen
         Verbände vollständig über die unternommenen Aktionen zu informieren, um ihnen die Vorbereitung der weiteren Verbandsstrategie
         zu ermöglichen; diese Informationen umfassten u. a. „die genaue und detaillierte Liste der Unternehmen, die immer noch nicht
         die Mindestpreise akzeptiert haben oder die sie akzeptiert haben, aber nicht anwenden“. 
      
      113    Somit ergibt sich aus den Akten, dass die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 ihre Mitglieder ermutigten, konkrete Aktionen
         bei den in ihren Bezirken liegenden Schlachthöfen durchzuführen und auf diese Weise an der Umsetzung der streitigen Vereinbarung
         mitzuwirken. Die Aktion der Verbände auf Departementsebene und auf lokaler Ebene war somit Teil einer Strategie, die sie gemeinsam
         mit den nationalen Verbänden verfolgten und die bezweckte, die Wirksamkeit der auf nationaler Ebene beschlossenen Maßnahmen
         im gesamten französischen Hoheitsgebiet sicherzustellen. Ein Instrument dieser Strategie war gerade der Abschuss von Vereinbarungen
         zwischen den örtlichen Züchterverbänden und den Schlachthofbetreibern. 
      
      114    So heißt es in einem Fernschreiben der Fédération régionale des syndicats d’exploitants agricoles (FRSEA, Regionaler Zusammenschluss
         der Verbände landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe) der Basse-Normandie an die FNSEA vom 9. November 2001 in Beantwortung
         eines von dieser am 8. November 2001 übersandten Fragebogens: „Operationen und Strategien für die Anwendung der Mindestpreise:
         … Förmliche Unterzeichnung einer vertraglichen Verpflichtung auf regionaler Ebene: Einhaltung der Bedingungen und der Mindestpreise
         zwischen FRSEA [Basse-Normandie] und Schlachthofbetreibern. Sie haben sich alle schriftlich verpflichtet und uns das Dokument
         zurückgesandt.“ Desgleichen wird in einem Fernschreiben der FDSEA des Departements Finistère an die FNB vom 19. November 2001
         ausgeführt: „Was die für das Mindestpreisschema … durchgeführten Aktionen betrifft, wurden mündliche Absprachen mit den Schlachthofbetreibern
         getroffen. Die schriftliche Vereinbarung ist uns noch nicht zurückgesandt worden, und uns liegen keine Klagen von Züchtern
         über die Nichteinhaltung der Mindestpreise vor.“ Schließlich findet sich ein Muster einer örtlichen Vereinbarung im Anhang
         zu einem Fernschreiben der FDSEA des Departements Isère an die FNSEA und die FNB vom 13. November 2001; dieses trägt die Überschrift
         „Umsetzung der nationalen Vereinbarung über die Mindestpreise“ und enthält Klauseln betreffend die Verpflichtung zur Einhaltung
         der Mindestpreise und zur vorläufigen Aussetzung der Einfuhren „bis zur Neuverhandlung auf nationaler Ebene“. 
      
      115    Auch der Umstand, dass diese lokalen Vereinbarungen von Schlachthofbetreibern und nicht von den Organisationen, die sie auf
         nationaler Ebene repräsentieren (wie die FNICGV und die Klägerin in der Rechtssache C‑217/03), unterzeichnet wurden, rechtfertigt
         es nicht, diese Dokumente im vorliegenden Verfahren unberücksichtigt zu lassen. Das Gericht ist insoweit der Auffassung, dass
         der Abschluss einer nationalen Vereinbarung zwischen den Vertretern der Züchter und denen der Schlachthofbetreiber ein entscheidender
         Faktor war, um den Widerstand der Schlachthofbetreiber gegen die Unterzeichnung der lokalen Vereinbarungen, die ihnen von
         den Vertretern der Züchter vorgelegt wurden, zu überwinden. 
      
      116    Schließlich ergibt sich aus den Akten, dass entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen die lokalen Vereinbarungen oft wesentlich
         in einer Übernahme des Inhalts der nationalen Vereinbarung bestanden. Tatsächlich enthielten die lokalen Vereinbarungen häufig
         nur den wörtlich übernommenen Text der nationalen Vereinbarung (siehe z. B. die Vereinbarung vom 31. Oktober 2001 zwischen
         u. a. der FDSEA des Departements Loire und den Betreibern der Schlachthöfe in diesem Departement). 
      
      117    Aufgrund dieser Erwägungen kann nach Auffassung des Gerichts nicht davon ausgegangen werden, dass die lokalen Vereinbarungen
         die Frucht unabhängiger Verhandlungen waren, die mit der Umsetzung der nationalen Vereinbarung nicht zu tun hatten. Tatsächlich
         bildeten die auf lokaler Ebene abgeschlossenen Vereinbarungen die Verlängerung und die Umsetzung der streitigen Vereinbarung.
         
      
      118    Deshalb ist das Gericht der Meinung, dass die Kommission zu Recht diese lokalen Vereinbarungen bei der Beurteilung des Umfangs
         und der Dauer der den Klägerinnen vorgeworfenen Zuwiderhandlung berücksichtigt hat. 
      
      119    Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerinnen, dass die Berücksichtigung dieser lokalen Vereinbarungen ihre Verteidigungsrechte
         verletze. Denn die die lokalen Vereinbarungen betreffenden Dokumente, auf die sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         gestützt hat und die bei der Durchsuchung der Büros der Klägerinnen aufgefunden worden waren, waren Teil der Verwaltungsakte.
         Folglich hatten die Klägerinnen während des Verfahrens vor der Kommission Gelegenheit, zu diesen Dokumenten Stellung zu nehmen.
         
      
      b)     Einordnung, Auswahl, Wiedergabe und Auslegung der in den Akten enthaltenen Schriftstücke
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      120    Die Klägerinnen tragen vor, die Kommission habe in der angefochtenen Entscheidung den Inhalt der im Büro des Direktors der
         FNB aufgefundenen handschriftlichen Notizen, auf die sie sich zum Nachweis des Umfangs und der Dauer der streitigen Vereinbarung
         weitgehend gestützt hat, entstellt. So habe sie den Klägerinnen nur die von ihr selbst ausgewählten Auszüge zur Kenntnis gebracht,
         sie habe diese nicht chronologisch abgeheftet und auch nicht zusammengefasst, so dass sie mit den anderen in den Akten enthaltenen
         Unterlagen vermischt worden seien. Diese Notizen fänden sich zudem ungeordnet auf vollgeschriebenen Seiten und seien oft unleserlich.
         
      
      121    Die Klägerinnen beanstanden weiter die Richtigkeit oder die Auslegung einer ganzen Reihe von in der angefochtenen Entscheidung
         enthaltenen Zitaten, die ihrer Meinung nach unvollständig, aus dem Zusammenhang gerissen oder unrichtig sind, in Wirklichkeit
         dem Vorbringen der Kommission widersprechen, kein Datum tragen und die Teilnehmer an den dort erwähnten Sitzungen nicht erkennen
         lassen. Schließlich habe die Kommission bei der Auslegung der in den Akten enthaltenen Schriftstücke die Beweislast umgekehrt,
         denn sie sei vom Rechtsverstoß der Klägerinnen ausgegangen und habe nur die sie belastenden, nicht aber die sie entlastenden
         Dokumente berücksichtigt. 
      
      122    Die Kommission bemerkt, sie könne in einer Entscheidung nicht alle Dokumente, auf die sie sich stütze, vollständig zitieren,
         und macht geltend, der Umstand, dass sie eine Auswahl vornehme, könne nur dann beanstandet werden, wenn diese zu einer Entstellung
         des Inhalts der Dokumente führe. Im Übrigen weist sie die anderen Rügen der Klägerinnen zurück. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      123    Die Klägerinnen bestreiten nicht, dass sie Zugang zu allen in der Verwaltungsakte der Kommission enthaltenen Dokumenten hatten
         (mit Ausnahme der beiden Schreiben, die zwischen dieser und der Ständigen Vertretung der Französischen Republik bei der Europäischen
         Union ausgetauscht wurden). Im Besonderen hat die Kommission von den Klägerinnen unwidersprochen ausgeführt, dass diese Zugang
         zu einer vollständigen Kopie der Hefte mit den in Rede stehenden handschriftlichen Notizen des Direktors der FNB gehabt hätten.
         Folglich waren die Klägerinnen in der Lage, alle sich aus den Akten ergebenden entlastenden Gesichtspunkte zu nennen und sich
         auf sie zu berufen. Auch machen sie nicht geltend, dass die Kommission von ihnen genannte oder beigebrachte Dokumente aus
         den Verwaltungsakten entfernt oder nicht zu den Akten genommen habe. 
      
      124    Im Übrigen ist mit den Klägerinnen festzustellen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung ihre Schlussfolgerungen
         häufig auf Auszüge aus den zahlreichen handschriftlichen Notizen gestützt hat, die bei den Nachprüfungen in den Geschäftsräumen
         der Klägerinnen aufgefunden und kopiert worden waren. Diese Notizen sind zumeist weder unterzeichnet noch datiert, und sie
         sind nicht immer ganz leserlich. Gleichwohl ist darauf hinzuweisen, dass das Fehlen des Datums oder der Unterschrift auf einem
         Dokument oder der Umstand, dass es schlecht geschrieben ist, diesem nicht jeden Beweiswert nehmen, sofern sein Ursprung, sein
         wahrscheinliches Datum und sein Inhalt mit hinreichender Sicherheit bestimmt werden können (vgl. in diesem Sinne Urteil des
         Gerichts vom 10. März 1992 in der Rechtssache T‑11/89, Shell/Kommission, Slg. 1992, II‑757, Randnr. 86). 
      
      125    Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung darauf hingewiesen, wenn ein Dokument kein Datum trug, und hat aufgrund
         seines Inhalts oder des Zusammenhangs ein ungefähres Datum eingefügt. Ebenso hat sie, wenn nur die Initialen der Namen von
         Sitzungsteilnehmern angegeben waren, in aller Regel aus dem Kontext hergeleitet, um wen es sich bei den bezeichneten Personen
         handelte. Schließlich hat sie auf die Rügen der Klägerinnen bezüglich der Art, wie diese handschriftlichen Notizen eingeordnet
         und abgeheftet wurden, erklärt, dass die in den Akten enthaltenen Schriftstücke chronologisch nach dem Datum abgeheftet worden
         seien, an dem sie verfasst oder, wenn es sich um bei den Nachprüfungen aufgefundene Dokumente gehandelt habe, aufgefunden
         worden seien; im letzteren Fall seien sie nach einer in Verzeichnissen festgehaltenen Reihenfolge nummeriert worden. 
      
      126    Die Rügen der Klägerinnen betreffend die Verwendung und die Auslegung bestimmter Beweismittel in der angefochtenen Entscheidung
         werden im Folgenden geprüft, soweit sie geeignet sind, die Ergebnisse in Frage zu stellen, zu denen die Kommission hinsichtlich
         des Umfangs und der Dauer der Zuwiderhandlung gekommen ist. 
      
      2.     Zu dem Umstand, dass eine die Einfuhren betreffende Vereinbarung den Klägerinnen vorgeworfen wurde 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      127    Die Klägerinnen tragen vor, die Unterzeichnung des Rungis-Protokolls am 31. Oktober 2001 habe dazu geführt, dass sich der
         die Aussetzung der Einfuhren betreffende Teil der nationalen Vereinbarung – die am 29. Oktober 2001 in Kraft getreten war
         – schon zwei Tage später, am 31. Oktober 2001 erledigt habe. Dieser Teilaspekt der Vereinbarung habe somit nicht eigentlich
         existiert und könne ihnen folglich nicht zum Vorwurf gemacht werden.
      
      128    Die Kommission habe den Sachverhalt der vorliegenden Rechtssache entstellt, und ihre Auffassung, dass das Rungis-Protokoll
         eine Vereinbarung zur Beschränkung des Importvolumens enthalten habe, beruhe auf einem offensichtlichen Beurteilungsfehler.
         Die in diesem Protokoll enthaltene Verpflichtung der Importeure und Exporteure, „Solidarität“ zu zeigen, betreffe nicht die
         Einfuhren und bedeute lediglich die erneute Bestätigung der FNICGV auf Ersuchen der Züchterverbände, dass sie sich weiter
         zu den im Mindestpreisschema enthaltenen Bedingungen beliefern lassen werde. Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 bemerkt
         außerdem, dass diese Verpflichtung zur „Solidarität“ sie ohnehin nichts angehe, da sie das Rungis-Protokoll nicht unterzeichnet
         habe. Schließlich bestätigten die Erklärungen des Präsidenten der FNICGV am Tage der Unterzeichnung des Protokolls, dass der
         Teilaspekt „Einfuhren“ aufgegeben worden sei. 
      
      129    Desgleichen machen die Klägerinnen geltend, die Kommission habe mit ihrer Behauptung, dass zwischen dem Mindestpreisschema
         und der Aussetzung der Einfuhren ein zwingender Zusammenhang bestehe, die Wünsche der Produzenten mit der faktisch nach dem
         Rungis-Protokoll bestehenden Lage verwechselt. Sie erinnern auch an die von Anfang an sehr kritische Haltung der der FNICGV
         angehörenden Schlachthofbetreiber/Importeure und der Großhändler/Importeure gegenüber dem die Einfuhren betreffenden Teil
         der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 und behaupten, die Annahme dieses Teilaspekts durch diesen Verband sei nur eine symbolische
         Geste gewesen und könne nicht aufrecht erhalten werden. 
      
      130    Außerdem werfen die Klägerinnen der Kommission vor, Dokumente nicht berücksichtigt zu haben, aus denen sich ergebe, dass die
         Vereinbarung über die Importe nicht mehr bestanden habe. Sie nehmen erstens auf ein Schreiben der nationalen Züchterverbände
         an ihre Mitglieder vom 8. November 2001 Bezug, aus dem sich ergebe, dass die Anwendung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001
         ausschließlich die Mindestpreise betroffen habe, da keine irgendwie geartete Einfuhrbeschränkung erwähnt worden sei. Die Klägerinnen
         erwähnen zweitens eine handschriftliche Notiz vom 14. November 2001, in der es heiße: „Begrenzte Vereinbarung: heute Fortsetzung
         der Einfuhren; keine Vergeltung[smaßnahmen]“.
      
      131    Auch habe die Kommission nur eine einzige lokale Vereinbarung genannt, die nach der Unterzeichnung des Rungis-Protokolls abgeschlossen
         worden sei und eine Klausel betreffend die Aussetzung der Einfuhren enthalten habe, nämlich die im Departement Isère getroffenen
         Vereinbarung. Bei den von der FRSEA Basse-Normandie am 9. November 2001 und von der FDSEA im Departement Finistère am 19.
         November 2001 aufgesetzten Dokumenten handele es sich nur um Protokolle, aus denen sich nicht ergebe, dass die betreffenden
         lokalen Vereinbarungen eine Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren enthalten hätten. Die übrigen von der Kommission genannten
         lokalen Vereinbarungen seien nicht nach Abschluss des Rungis-Protokolls abgeschlossen worden. So trage etwa die im Departement
         Loire geschlossene Vereinbarung das Datum 31. Oktober 2001. 
      
      132    Schließlich bestätige die Untersuchung der grafischen Darstellungen des Volumens des Handelsaustauschs, dass die Aussetzung
         der Einfuhren nicht über den 31. Oktober 2001 hinaus angedauert habe. Die angebliche Verringerung des Volumens der Rindfleischimporte
         im November und Dezember 2001 erkläre sich aus den ständigen Schwankungen der monatlichen Einfuhrvolumen, und es könne keine
         Kausalität zwischen diesem zeitweiligen Rückgang und dem Vorliegen einer angeblichen Vereinbarung festgestellt werden. 
      
      133    Die Kommission behauptet, der Teilaspekt „Einfuhren“ der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 sei nicht durch das Rungis-Protokoll
         für die Zeit nach dem 31. Oktober aufgehoben worden. Durch dieses Protokoll habe die zu strenge Verpflichtung zu einer vollständigen
         Aussetzung der Einfuhren abgemildert werden sollen, durch die Bezugnahme auf die „Solidarität“ habe das Protokoll jedoch zu
         einer Beschränkung der Einfuhren zu Niedrigpreisen geführt. Die Klägerinnen erklärten nicht, wie eine Mindestpreisabsprache
         funktionieren könne, wenn zugleich Billigeinfuhren aufrechterhalten würden. Schließlich hätten mehrere lokale Vereinbarungen,
         die in Anwendung der nationalen Vereinbarung am Tage der Unterzeichnung des Rungis-Protokolls oder danach abgeschlossen worden
         seien, nach wie vor eine Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren enthalten.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      134    Zunächst ist das Vorbringen der Klägerinnen zurückzuweisen, dass der Teilaspekt „Einfuhren“ ihnen nicht vorgeworfen werden
         könne, wenn man davon ausgehe, das dieser Teilaspekt durch das Rungis-Protokoll aufgehoben worden sei. Denn der Umstand, dass
         eine Zuwiderhandlung von sehr kurzer Dauer gewesen sein soll, ändert nichts am Vorliegen eines Verstoßes gegen Artikel 81
         Absatz 1 EG. 
      
      135    Im Übrigen ist das Gericht der Auffassung, dass eine Vereinbarung über die Festsetzung von Mindestpreisen nur wirksam sein
         kann, wenn sie mit Kontrollmaßnahmen oder Einfuhrbeschränkungen einhergeht. Vorliegend war das aus anderen Ländern, insbesondere
         Deutschland und den Niederlanden, stammende Rindfleisch billiger als das in Frankreich produzierte, und die Wirksamkeit eines
         Mindestpreisschemas hing aufgrund des Überangebots zwangsläufig von der Belieferung der in Frankreich ansässigen Schlachthöfe
         durch französische Züchter ab. Andernfalls wäre das Mindestpreisschema nicht nur ungeeignet gewesen, die Krise, in der sich
         die französischen Züchter befanden, zu beseitigen, sondern es hätte sie nur noch verschlimmern können, wenn die Schlachthöfe
         Produkte aus anderen Mitgliedstaaten oder sogar aus Drittländern bezogen hätten. 
      
      136    Jedenfalls ist das Gericht entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen, dass die in der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 vorgesehenen
         Maßnahmen zur Aussetzung der Einfuhren durch das Rungis-Protokoll vom 31. Oktober 2001 nicht vollständig aufgehoben wurden,
         selbst wenn sie dadurch, wie die Kommission in der angefochtenen Entscheidung eingeräumt hat, eingeschränkt wurden. 
      
      137    Das Vorbringen, dass dieses Protokoll nicht die Einfuhren, sondern die Mindestpreise betroffen habe, ist nämlich von vornherein
         zurückzuweisen, denn es trägt die Überschrift „Sitzung ‚Fleischimporte‘“. Es heißt dort, dass „die im Import‑ und Exportsektor
         spezialisierten französischen Unternehmen mit den Erzeugerverbänden zusammen getroffen sind…, die die nationale branchenübergreifende
         Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichnet haben“. In dem Protokoll wird auf die Import‑ und Exportunternehmen Bezug
         genommen; von dem Mindestpreisschema ist dagegen nirgends die Rede. Daraus folgt, dass das Rungis-Protokoll den Teilaspekt
         „Einfuhren“ der streitigen Vereinbarung betraf. Die Mitteilung des Präsidenten der FNICGV an deren Mitglieder vom 31. Oktober
         2001 bestätigt dieses Ergebnis (siehe unten, Randnr. 140). 
      
      138    Das Rungis-Protokoll enthält nach einigen einführenden Überlegungen insbesondere folgende Passage: 
      
      „In der beispiellosen Krisensituation, in der sich die Erzeugerunternehmen befinden, bitten die Vertreter der Züchter die
         Import- und Exportunternehmen nachdrücklich, sich den Ernst der Lage vor Augen zu führen. 
      
      Angesichts dieser Situation verpflichten sich die Import‑ und Exportunternehmen, ihre Solidarität unter Beweis zu stellen.“
         
      
      139    Aufgrund der besonderen Umstände der vorliegenden Rechtssache, insbesondere der Notwendigkeit, die Einfuhren zu kontrollieren,
         um die Wirksamkeit des Mindestpreisschemas sicherzustellen, das vollständig in Kraft blieb, ist die von den Import‑ und Exportunternehmen
         übernommene Verpflichtung zur „Solidarität“ nach Auffassung des Gerichts im Einklang mit der Analyse der Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung als eine Erklärung zu verstehen, mit der sich die Import- und Exportunternehmen mit der Einschränkung
         der Rindfleischimporte zugunsten der Produktion der französischen Züchter einverstanden erklärten.
      
      140    Dem steht auch nicht die genannte Mitteilung des Präsidenten der FNICGV an deren Mitglieder vom 31. Oktober 2001 entgegen,
         in der dieser ausführt: „Wir haben einen Kompromiss gefunden …, der es den Importeuren ermöglicht, ihre Aktivität aufrecht
         zu erhalten und den freien Warenverkehr mit den von unseren Unternehmen hergestellten und vertriebenen Erzeugnissen so weit
         wie möglich sicherzustellen.“ Denn angesichts des eindeutigen Wortlauts der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 („Verpflichtung
         zur vorläufigen Aussetzung der Einfuhren“), auf die der Präsident der FNICGV in seiner Mitteilung übrigens hinweist, bleibt
         diese Passage unklar. So spricht er von einem „Kompromiss“ und erwähnt nicht die vollständige Verwirklichung des freien Handelsverkehrs
         mit den fraglichen Erzeugnissen, sondern seine Verwirklichung „so weit wie möglich“.
      
      141    Aufgrund dieser Erwägungen ist das Gericht der Auffassung, dass der Teilaspekt „Einfuhren“ der streitigen Entscheidung durch
         das Rungis-Protokoll nicht vollständig aufgehoben wurde. 
      
      142    Diesem Ergebnis stehen auch die beiden Dokumente nicht entgegen, auf die sich die Klägerinnen zur Stützung ihres Vorbringens
         berufen haben, dass der Teilaspekt „Einfuhren“ im November 2001 keine Geltung mehr besessen habe. 
      
      143    So hatte das Schreiben der Klägerinnen in der Rechtssache T‑254/03 an ihre Mitglieder vom 8. November 2001 zum Inhalt, „[z]wei
         Wochen nach der Unterzeichnung und eine Woche nach der Ausarbeitung des Mindestpreisschemas über die Anwendung und die Einhaltung
         dieser Vereinbarung in den Departements … Bilanz zu ziehen“. Wie die Klägerinnen ausführen, wird in diesem Schreiben nur auf
         die Maßnahmen zur Anwendung der Mindestpreise Bezug genommen. Der Umstand, dass in diesem Schreiben der Teilaspekt „Einfuhren“
         nicht erwähnt wird, kann jedoch für sich allein nicht zum Nachweis dafür ausreichen, dass dieser aufgegeben worden war. 
      
      144    Was die handschriftlichen Notizen eines Abteilungsleiters der FNSEA vom 14. November 2001 betrifft, so heißt es dort in der
         Tat: „beschränkte Vereinbarung: heute Fortsetzung der Einfuhren; keine Vergeltung[smaßnahmen]“. Wie die Kommission ausgeführt
         hat, ergibt sich jedoch aus dem Zusammenhang dieser Notizen, dass sich ihr entscheidender Teil auf die Definition der Strategie
         der Klägerinnen in der Rechtssache T‑254/03 zur Vorbereitung ihrer Antwort auf das Auskunftsverlangen der Kommission vom 9.
         November 2001 bezieht (siehe oben, Randnr. 13). Somit handelt es sich um Dokumente, die nur den Standpunkt wiedergeben, den
         die Klägerinnen der Kommission zur Kenntnis bringen wollten. In diesen handschriftlichen Notizen werden nämlich wiederholt
         „Brüssel“, „Bxl“, oder die „DG Wettbewerb“ erwähnt. So heißt es etwa: „GD Wettbewerb → Ein Text der FNSEA am späten Vormittag“
         und weiter: „Abgestimmte, wenn nicht gemeinsame Antwort“. Einige dieser handschriftlichen Passagen bestätigen, dass der Auszug,
         auf den sich die Klägerinnen berufen, Teil der Erklärungen war, die in die der Kommission zu übermittelnde Antwort aufgenommen
         werden sollten. Zum Beispiel sind die folgenden Worte zu zitieren, die dicht bei dem genannten Auszug in dem betreffenden
         Dokument stehen: „Verteidigungslinien“ oder „Verteidigung der Produzenten“. Daraus ergibt sich, dass die Auszüge, auf die
         sich die Klägerinnen berufen, nicht so objektiv und zuverlässig sind, dass ihnen Beweiskraft zuerkannt werden könnte. 
      
      145    Zudem wurden mehrere lokale Vereinbarungen, die die Aussetzung der Einfuhren betreffende Klauseln enthalten, genau am Tag
         der Unterzeichnung des Rungis-Protokolls oder danach abgeschlossen. So enthält eine Notiz der FDSEA des Departements Loire
         vom 31. Oktober 2001 einen Hinweis auf den an diesem Tag erfolgten Abschluss einer Vereinbarung zwischen der FDSEA, dem Zentrum
         der JA auf Departementsebene und dem „Fleischsektor auf Departementsebene“. Dort heißt es, dass „alle geladenen Unternehmen
         … die Vereinbarung unterzeichnet und sich zu ihrer Einhaltung verpflichtet haben“. Die Vereinbarung, die im Anhang wiedergegeben
         wird, enthält eine fast wörtliche Übernahme des Wortlauts der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 sowie eine „Verpflichtung
         zur vorläufigen Aussetzung der Einfuhren“. Desgleichen wurden ausweislich der Akten im Departement Isère im November 2001
         in Anwendung der nationalen Vereinbarung mit den Schlachthofbetreibern wenigstens drei lokale Vereinbarungen geschlossen,
         die eine Verpflichtung zur vorläufigen Aussetzung der Einfuhren „bis zur Neuverhandlung auf nationaler Ebene“ enthielten,
         nämlich vor dem 13. November 2001 mit der Gesellschaft Provi, am 13. November 2001 mit dem Bigard-Konzern und am 15. November
         2001 mit den Gesellschaften Carrel und Isère Viandes et salaisons. 
      
      146    Zurückzuweisen sind außerdem die von den Klägerinnen erhobenen Beanstandungen der Verwendung der Dokumente der FRSEA Basse‑Normandie
         vom 9. November 2001 und der FDSEA des Departements Finistère vom 19. November 2001 in der streitigen Entscheidung, die darauf
         gestützt werden, dass es sich bei diesen Dokumenten lediglich um Protokolle handele, aus denen nicht hervorgehe, dass die
         betreffenden lokalen Vereinbarungen eine Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren enthalten hätten. Denn erstens hat die
         Kommission das Dokument vom 19. November 2001 nicht zitiert, um die Existenz des Teilaspekts „Einfuhren“ zu belegen, sondern
         als Beispiel für die Anwendung der Mindestpreise auf lokaler Ebene (siehe Randnr. 86 der angefochtenen Entscheidung und unten,
         Randnr. 114). Was zweitens das Dokument vom 9. November 2001 betrifft, genügt es festzustellen, dass die Kommission es nur
         benutzt hat, um zu zeigen, dass tatsächlich örtliche Kontrollen des Ursprungs des Fleisches stattgefunden haben (siehe Randnr.
         80 der angefochtenen Entscheidung). Dieses Dokument enthält in der Tat folgende Passage: „In den Departements Orne und Calvados
         werden Kontrollen der Lastwagen mit Importfleisch vorgenommen: nichts zu melden.“
      
      147    Auch die Argumente der Klägerinnen, die diese auf die statistische Analyse der Volumen der Rindfleischeinfuhren nach Frankreich
         stützen, greifen nicht durch. Zwar hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass die verfügbaren Statistiken
         einen deutlichen Rückgang der Einfuhren im November 2001 gegenüber Oktober 2001 und im Dezember 2001 gegenüber November 2001
         hätten erkennen lassen und dass im Januar 2002 wieder ein deutlicher Anstieg der Importe zu verzeichnen gewesen sei (Randnr.
         78 der angefochtenen Entscheidung); sie hat gleichwohl die Auffassung vertreten, dass nicht sicher sei, dass der Rückgang
         der Importe auf die Vereinbarung zurückzuführen sei (Randnr. 167 der angefochtenen Entscheidung). Da sich die Kommission zum
         Beweis für die Dauer des Teilaspekts „Einfuhren“ nicht auf diese statistischen Angaben gestützt hat, gehen die Argumente der
         Klägerinnen, mit denen sie die Auslegung dieser Zahlen bestreitet, ins Leere. Das Gericht ist jedenfalls der Auffassung, dass
         die von den Klägerinnen vorgelegten Statistiken nicht den Schluss zulassen, dass die Vereinbarung über die Einfuhren nicht
         über den 31. Oktober 2001 fortbestanden hat. 
      
      148    Zum Vorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, sie sei von der im Rungis-Protokoll aufgestellten Verpflichtung zur
         Solidarität nicht betroffen gewesen, weil sie nicht zu den Unterzeichnern gehöre, genügt die Feststellung, dass dieses Protokoll
         keine neue Vereinbarung enthielt, sondern lediglich die ursprüngliche Klausel über die Aussetzung der Einfuhren in der Vereinbarung
         vom 24. Oktober 2001 abmilderte, zu deren Unterzeichnern die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 gehörte. Sie hat außerdem
         auf Befragen des Gerichts eingeräumt, weder bei der Unterzeichnung des Rungis-Protokoll noch später ihre Mitglieder über die
         angebliche Aufhebung der Importbeschränkungen für Rindfleisch informiert zu haben. Sie hat dies damit gerechtfertigt, dass
         ihre Mitglieder von den die Einfuhren betreffenden Maßnahmen nicht berührt gewesen seien. Demgegenüber ist darauf hinzuweisen,
         dass zumindest einige ihrer Mitglieder Rinder nach Frankreich einführten, selbst wenn die Mengen im Verhältnis zu den Gesamteinfuhren
         relativ geringfügig waren (siehe oben, Randnr. 66). 
      
      149    Nach alledem ist die Auffassung der Kommission, dass der Teilaspekt „Einfuhren“ der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 trotz
         des Rungis-Protokolls nach dem 31. Oktober 2001 nicht vollständig aufgegeben worden sei, nicht fehlerhaft.
      
      3.     Der an die Klägerinnen gerichtete Vorwurf einer geheimen mündlichen Absprache nach Ende November 2001
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      150    Die Klägerinnen tragen vor, die Kommission habe zu Unrecht angenommen, dass die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 von den
         Parteien mündlich insgeheim über den 30. November 2001 hinaus verlängert worden sei. 
      
      151    Die Verlängerung einer Vereinbarung könne sich nur aus Umständen ergeben, die darauf hinwiesen, dass alle Parteien ihre Zustimmung
         zum Ausdruck gebracht hätten. Deshalb müsse die Kommission hier das Vorliegen eines übereinstimmenden Willens der Verbände
         der Produzenten und der Verbände der Schlachthofbetreiber nachweisen, die Vereinbarung fortzuführen. Die Vertreter der Schlachthofbetreiber,
         d. h. die FNICGV und die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, hätten jedoch gute Gründe gehabt, diese nicht über Ende November
         2001 hinaus fortzuführen, nachdem die Kommission sie darüber unterrichtet habe, dass diese Vereinbarung gegen Artikel 81 EG
         verstoße. So habe die FNICGV ihren Mitgliedern am 30 November 2001 mitgeteilt, dass die Vereinbarung nicht fortgeführt werde.
         
      
      152    Der Umstand, dass die Verlängerung der Vereinbarung beabsichtigt oder diskutiert worden sei, reiche zum Beweis für ihre tatsächliche
         Verlängerung nicht aus. Auch hätte sich die Kommission nicht ausschließlich auf Angaben in den einseitigen Erklärungen allein
         der Züchterverbände stützen dürfen, die nur Verbandsforderungen enthielten. Da die Kommission die Beweislast trage, hätte
         sie von den Schlachthofbetreibern stammende Dokumente vorlegen müssen, aus denen sich deren Zustimmung zur Aufrechterhaltung
         des im nationalen Plan enthaltenen Schemas über den 30. November 2001 hinaus ergeben hätte. 
      
      153    Die Klägerinnen wenden sich gegen die Schlussfolgerungen, die die Kommission aus den handschriftlichen Notizen des Direktors
         der FNB zu den Sitzungen vom 29. November und 5. Dezember 2001 zieht. Ihrer Meinung nach ergibt sich aus diesen Dokumenten,
         dass die Vertreter der Züchter in diesen Sitzungen angekündigt hätten, sie würden ab Dezember 2001 versuchen, die Schlachthofbetreiber
         durch lokale Verbandsaktionen zur Anwendung der in dem Mindestpreisschema enthaltenen Preise zu bewegen. Ferner bestreiten
         die Klägerinnen das Vorbringen der Kommission, dass die angebliche heimliche Fortführung der Vereinbarung auch die Einfuhren
         betreffe, und tragen vor, keine der Angaben, die die Kommission in Bezug auf die beiden Sitzungen vom 29. November und vom
         5. Dezember 2001 zitiere, enthalte irgendeinen Hinweis auf die Einfuhren. 
      
      154    Außerdem versuche die Kommission, die Existenz der mündlichen Vereinbarung mit deren geheimem Charakter zu rechtfertigen.
         Nun sei zwar der Begriff „geheim“ in dem Heft des Vertreters der FNB verwendet worden, dieser Angabe sei jedoch in der Praxis
         dadurch widersprochen worden, dass die Züchterverbände ihre Verbandsforderungen öffentlich bekannt gemacht hätten. Eine geheime
         Vereinbarung wäre im vorliegenden Zusammenhang ohne jedes Interesse gewesen, da die Präsidenten der unterzeichnenden Verbände
         sie nicht allen ihren Mitgliedern hätten bekanntgeben können. 
      
      155    Von den angeblich nach dem 30. November 2001 getroffenen lokalen Vereinbarungen habe die Kommission nur eine genannt, nämlich
         die, die am 18. Dezember 2001 zwischen der FDSEA, den JA des Departements Sarthe und der Schlachthofkette Socopa abgeschlossen
         worden sei; sie habe ihre Auffassung, dass die Zuwiderhandlung über den 30. November 2001 hinaus fortgedauert habe, allein
         auf diese Vereinbarung gestützt. Zudem sei ihr der Wortlaut dieser Vereinbarung nicht bekannt gewesen, und in den Dokumenten,
         in denen auf sie Bezug genommen worden sei, sei anders als in der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 nur von einer Vereinbarung
         über das Preisschema die Rede gewesen. Dazu enthielten die von der Kommission genannten angeblich verlängerten Vereinbarungen
         kein Datum, keine Unterzeichner und keine betroffene Region. 
      
      156    Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 trägt außerdem vor, da die Kommission kein von den Schlachthofbetreibern stammendes
         oder diese einbeziehendes Schriftstück vorgelegt habe, hätte sie die Umsetzung der streitigen Vereinbarung nach dem 30. November
         2001 mit Hilfe von Marktpreislisten beweisen müssen, aus denen sich die Beibehaltung der Mindestpreise ergebe. Nun habe die
         Kommission zwar versucht, die Existenz der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 mit Hilfe von Preislisten auf nationaler Ebene
         für die ersten drei Wochen ihrer Anwendung nachzuweisen, sie habe jedoch keine bezifferten Angaben über die angebliche Fortführung
         dieser Vereinbarung vorgelegt. 
      
      157    Abschließend weisen die Klägerinnen darauf hin, dass die Kommission ihnen mit Schreiben vom 26. November 2001 mitgeteilt habe,
         dass nur die Verlängerung der schriftlichen Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unter Umständen Sanktionen nach sich ziehen
         könne. Folglich seien der Kommission dadurch, dass sie ihnen Sanktionen auferlegt habe, ohne den Nachweis des Vorliegens einer
         mündlichen Absprache, die die schriftliche Vereinbarung verlängert habe, erbracht zu haben, nicht nur ein offensichtlicher
         Beurteilungsfehler und ein Rechtsirrtum unterlaufen, sondern sie habe auch ihre Verpflichtungen ihnen gegenüber nicht eingehalten
         und dadurch den Grundsatz des Vertrauensschutzes verletzt. 
      
      158    Die Kommission trägt vor, eine „Vereinbarung“ im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG brauche keine bestimmte Form zu haben, so
         dass eine nicht schriftliche Vereinbarung ohne weiteres eine verbotene Absprache darstellen könne. Die Klägerinnen hätten
         noch in der zweiten Hälfte November 2001 die schriftliche Verlängerung der Vereinbarung ins Auge gefasst und hätten sich,
         nachdem sich diese als unmöglich erwiesen habe, in zwei Sitzungen am 29. November und 5. Dezember 2001 auf die geheime Fortführung
         der Vereinbarung geeinigt. Ferner ergebe sich aus zahlreichen Dokumenten, dass die Vereinbarung nach dem 30. November 2001
         weiter angewandt worden sei, so dass es nicht notwendig gewesen sei, außerdem noch den Beweis dafür zu erbringen, dass sie
         Wirkungen gehabt habe. Schließlich wendet sich die Kommission gegen die Auslegung ihres Schreibens vom 26. November 2001 durch
         die Klägerinnen und macht geltend, dass diese Frage ohnehin unerheblich sei, da die Vereinbarung ja verlängert worden sei.
         
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      159    Es ist daran zu erinnern, dass die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 als Ablaufdatum Ende November 2001 vorsah. Aus der angefochtenen
         Entscheidung geht jedoch hervor, dass der Präsident der FNICGV dem Präsidenten der FNSEA am 19. November 2001, d. h. einige
         Tage nach Erhalt des Auskunftsverlangens der Kommission, mitteilte, er sehe sich „gezwungen, das … Auslaufen der Vereinbarung
         auf den heutigen Tag vorzuziehen“ (Randnr. 54 der angefochtenen Entscheidung). Aus den Akten ergibt sich allerdings nicht,
         dass die übrigen Unterzeichner der Vereinbarung das Ablaufdatum der Vereinbarung tatsächlich vorgezogen haben. Im Übrigen
         bestreiten die Klägerinnen nicht, dass die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 am 30. November 2001 abgelaufen ist, wohl aber,
         dass sie insgeheim mündlich über dieses Datum hinaus verlängert worden sei. Die Prüfung des Gerichts beschränkt sich somit
         auf diese letztere Frage. 
      
      160    Wie die Kommission in der mündlichen Verhandlung bestätigt hat, wird die in Rede stehende Zuwiderhandlung in der angefochtenen
         Entscheidung als eine Vereinbarung zwischen den Züchterverbänden einerseits und den Verbänden der Schlachthofbetreiber andererseits
         gekennzeichnet. Folglich musste die Kommission, wie die Klägerinnen geltend machen, zum Nachweis der Existenz der angeblichen
         mündlichen Absprache, durch die die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 verlängert oder fortgeführt worden sein soll, dartun,
         dass sowohl die Vertreter der Züchter als auch die Vertreter der Schlachthofbetreiber dieser mündlichen Absprache zugestimmt
         haben. 
      
      161    Zurückzuweisen ist dagegen das Vorbringen der Klägerinnen, dass die Kommission sich nicht nur auf Beweismittel hätte stützen
         dürfen, die von den Vertretern der Züchter stammten, sondern auch von den Schlachthofbetreibern stammende Dokumente hätte
         vorlegen müssen. Denn die Kommission war nicht verpflichtet, Beweise beizubringen, die von den Vertretern der Schlachthofbetreiber
         selbst stammten, wenn deren Beteiligung an der Vereinbarung durch andere in den Akten enthaltene Schriftstücke ausreichend
         nachgewiesen war (vgl. in diesem Sinne Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Randnr. 512).
      
      162    Die Kommission hat sich in der angefochtenen Entscheidung zum Nachweis der Verlängerung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001
         über Ende November hinaus auf eine Reihe von Angaben gestützt: erstens auf Dokumente, aus denen ihrer Meinung nach hervorgeht,
         dass die Verlängerung der Vereinbarung vorgesehen war, und zwar auch noch zu einem Zeitpunkt nach ihrer angeblichen Aufkündigung
         durch die FNICGV am 19. November 2001 (Randnrn. 46 bis 53 der angefochtenen Entscheidung), zweitens auf Dokumente, die auf
         eine in zwei Sitzungen am 29. November und 5. Dezember 2001 getroffene Vereinbarung zwischen allen Beteiligten, verbunden
         mit einer Verpflichtung zur Geheimhaltung, hinwiesen (Randnrn. 57 bis 70 der angefochtenen Entscheidung), und drittens auf
         Umstände, aus denen sich die Umsetzung der Vereinbarung auch nach Ende November 2001 ergebe (Randnrn. 78 bis 95 der angefochtenen
         Entscheidung). 
      
      163    Diese von der Kommission herangezogenen Beweismittel sind im Folgenden unter Berücksichtigung der Einwände, die die Klägerinnen
         dagegen erhoben haben, zu prüfen. 
      
       Zur Vorbereitung der Verlängerung der Vereinbarung 
      164    Die Kommission hat in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass die Beteiligten in der zweiten Hälfte November 2001
         an die schriftliche Verlängerung der streitigen Entscheidung gedacht hätten (Randnrn. 48 bis 53 der angefochtenen Entscheidung),
         wobei sie sich insbesondere auf die handschriftlichen Notizen des Direktors der FNB sowie auf eine E-Mail eines Vertreters
         der FRSEA Bretagne an die FNB gestützt hat. 
      
      165    Erstens ist festzustellen, dass in diesen handschriftlichen Notizen von einer Arbeitssitzung die Rede ist, die nach Angaben
         der Kommission zwischen dem 22. und 27. November 2001 stattfand und an der der Präsident der FNICGV, Herr L. S., teilgenommen
         haben soll. Aus diesen Notizen geht hervor, dass über die Zukunft der „Branchenvereinbarung“ nach Ende November 2001 diskutiert
         wurde, und zwar sowohl hinsichtlich des Teilaspekts „Preise“ als auch hinsichtlich des Teilaspekts „Einfuhren“. Bei diesen
         Diskussionen soll sich die FNICGV geweigert haben, „mit der schriftlichen Vereinbarung weiterzumachen“. In den Notizen wird
         auch ins Auge gefasst, „zur Legalität zurückzukehren“. Es soll jedoch auch die Möglichkeit einer „Weiterentwicklung der Vereinbarung“
         geprüft worden sein. 
      
      166    Zweitens ist darauf hinzuweisen, dass es in der E-Mail vom 28. November 2001 heißt: „Weitergeltung der vereinbarten Mindestpreise
         in den nächsten Wochen: alle kontaktierten Schlachthofbetreiber haben sich bereit erklärt, die vereinbarten Mindestpreise
         weiter anzuwenden, sofern sich zugleich alle Wirtschaftsteilnehmer hierzu verpflichten.“ Daraus ergibt sich jedoch nur die
         Bereitschaft bestimmter Schlachthofbetreiber zur Aufrechterhaltung der die Preise betreffenden Maßnahmen für den Fall, dass
         eine dahin gehende Vereinbarung getroffen würde. 
      
      167    Demnach war die Kommission zwar vollauf berechtigt, diese Dokumente zum Beweis dafür benutzen, dass die Klägerinnen die Verlängerung
         der schriftlichen Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 ins Auge gefasst und diskutiert haben; diese Dokumente allein erbringen
         aber nicht den Beweis dafür, dass es tatsächlich zu dieser Verlängerung gekommen ist. 
      
       Zu der Verlängerung der Vereinbarung in den Sitzungen vom 29. November und 5. Dezember 2001 
      168    Die Kommission trägt vor, die Parteien hätten sich, nachdem sie die Idee der schriftlichen Verlängerung aufgegeben hätten,
         in zwei Sitzungen am 29. November und 5. Dezember 2001 auf eine heimliche Verlängerung der Vereinbarung geeinigt. 
      
      –       Sitzung vom 29. November 2001 
      169    Bezüglich der Sitzung vom 29. November 2001 prüft die Kommission zunächst (in den Randnrn. 57 bis 60 der angefochtenen Entscheidung)
         die handschriftlichen Notizen des Direktors der FNB. Darin wird ausdrücklich auf die „Sitzung Donnerstag 29. Nov.“ Bezug genommen.
         Der erste Teil dieser Notizen betrifft, wie aus ihrer Überschrift hervorgeht, die Vorbereitung der Antwort der Klägerinnen
         auf das Auskunftsverlangen der Kommission vom 9. November 2001. In diesem Teil heißt es u. a.: „Die Einfuhren sind weitergegangen[.]
         Keine vollständige Einhaltung der Preisvereinbarung[.] Die Vereinbarung, die Schwierigkeiten → Handeln Sie die Mindestpreise
         auf regionaler Ebene aus“ und vor allem: „OK, wir akzeptieren Nichtfortführung der Vereinbarung.“ Desgleichen finden sich
         oben rechts eingerahmt die Worte: „Info von außen? + keine Vereinbarung mehr? … + Preisvereinbarung“. Wenn man ihren Zusammenhang
         berücksichtigt, veranschaulichen diese Passagen nach Auffassung des Gerichts nur den Standpunkt, den die Klägerinnen gegenüber
         der Kommission zu vertreten beabsichtigten. Folglich erbringen diese Auszüge entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen nicht
         den Beweis dafür, dass beschlossen wurde, die Anwendung der streitigen Maßnahmen einzustellen. 
      
      170    So wird im Folgenden ausgeführt: „Kann in dieser Form wegen strafbaren Charakters nicht fortgeführt werden. Druck aufrechterhalten,
         damit die Interventionspreise angewandt werden (d. h. faktisch Anwendung der Mindestpreise). Ohne viel Aufhebens davon zu
         machen.“ Aus dieser Passage geht hervor, dass die Züchterverbände beabsichtigten, weiter die Anwendung der Mindestpreise zu
         fordern, aber nunmehr formal als Verbandsforderung. Es heißt nämlich: „Von unverbindlichen Richtpreisen sprechen – Regionale
         Mindestpreise?“ Weiter findet sich in den Notizen folgende Passage: „Schreiben an FNICGV – FNCBV [.] FNB[:] Wir nehmen Kenntnis
         KOM[,] keine Vereinbarung in Zukunft, aber verfolgen weiter unsere Verbandsziele.“ Schließlich wird ausgeführt: „Presseverlautb.
         Mindestpreise = EWG‑widrig, also damit aufhören, aber als Züchter Preisempfehlungen geben, Ziele der Berufsverbände“. 
      
      171    Außerdem enthalten diese handschriftlichen Notizen Passagen, aus denen sich entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen ergibt,
         dass die Vertreter der Schlachthofbetreiber mit dieser Strategie, weiter für die Einhaltung der Mindestpreise zu sorgen, einverstanden
         waren. Es wird nämlich mehrfach auf „LS“ Bezug genommen, den die Kommission von den Klägerinnen unwidersprochen als den Präsidenten
         der FNICGV identifiziert. Zum Beispiel: 
      
      –        „unterzeichnete Vereinbarung: werden sie nicht fortführen können. (LS) [.] LS = OK zur Einhaltung von im Gegenzug für Rücknahme
         festgesetzten Preisen“. Direkt unter diesen Angaben findet sich eine Preisliste für bestimmte Rindfleischkategorien mit dem
         unterstrichenen Randvermerk „OK Vereinbarung“; 
      
      –        „‚Preisempfehlungen‘, ‚Zielpreise‘, ‚Richtpreise‘[,] ‚rentable Preise‘, ‚Richtpreise Züchter‘ LS = ich werde nichts schreiben
         / Tel.“
      
      172    Ebenso wird in diesen Passagen mehrfach auf die Initialen „FT“ Bezug genommen, die offensichtlich den Präsidenten der Klägerin
         in der Rechtssache T‑217/03 bezeichnen.
      
      173    Schließlich heißt es auf der letzten Seite dieses Dokuments („Zusammenfassung“): „Gutes Ergebnis, einverständlich [.] ‚Einverständnis‘
         über die Einhaltung der ‚Richtpreise Züchter‘ (mündlich/tel)“.
      
      174    Aufgrund aller dieser Gegebenheiten ist das Gericht entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen der Auffassung, dass diese handschriftlichen
         Notizen betreffend die Sitzung vom 29. November 2001 dahin ausgelegt werden können, dass die Vertreter der Schlachthofbetreiber
         der Fortsetzung der Anwendung der streitigen Maßnahmen zugestimmt haben. Somit ist das Vorbringen zurückzuweisen, dass sich
         aus diesen Dokumenten nur der Wille der Züchterverbände ergebe, diese Maßnahmen allein im Rahmen ihrer Verbandsaktionen weiter
         anzuwenden, ohne dass eine Vereinbarung mit den Schlachthofbetreibern vorlag oder unabhängig von einer solchen Vereinbarung.
         Dieses Vorbringen wird nämlich durch den Inhalt dieser Notizen selbst widerlegt. 
      
      175    Im Übrigen bestätigen, wie sich aus der angefochtenen Entscheidung (siehe Randnr. 63) ergibt, mehrere andere Dokumente, dass
         sich die Klägerinnen in der Sitzung vom 29. November 2001 mündlich auf die Fortführung der angefochtenen Vereinbarung geeinigt
         haben. 
      
      176    Erstens erklärte der Vizepräsident der FNB, Herr G. H., in einem auf der Homepage [der Wochenzeitschrift] Vendée agricole
         wiedergegebenen Interview vom 4. Dezember 2001: „[L]etzte Woche haben wir gezeigt, wie nützlich feste Mindestpreise sind,
         um den preislichen Abwärtstrend zum Stillstand zu bringen. Die Unternehmen erkennen ihre Wirkung an, wollen aber gleichzeitig
         den Empfehlungen aus Brüssel nachkommen. Ab jetzt werden wir nicht mehr von einer branchenübergreifenden Vereinbarung über
         feste Mindestpreise sprechen, sondern von Richtpreisen, die nicht unterschritten werden sollten. Wir nehmen nach wie vor den
         Begriff fester Preisvorgaben durch die Berufsverbände für uns in Anspruch!“ Der Vizepräsident der FNB fügte hinzu: „Es gibt
         keine neue schriftliche ‚Vereinbarung‘. Nur mündliche Absprachen. Aber überaus wichtige. Die Vertreter der Unternehmen auf
         nationaler Ebene haben den Inhalt unserer Gespräche ebenfalls mündlich weitergegeben.“ Schließlich führte er unter Bezugnahme
         auf mehrere Schlachthöfe im Departement Vendée aus: „Wir wollen von ihnen wissen, ob sie die Weisungen ihrer nationalen Strukturen
         [betreffend die Preise, über die in der letzten Woche beratschlagt wurde] erhalten haben, die mit unseren Vorgaben identisch
         sind.“ 
      
      177    Zweitens wird in Randnummer 64 der angefochtenen Entscheidung auf eine aktuelle Notiz des Berufsverbandes des Departements
         Vendée vom 5. Dezember 2001 hingewiesen, in der es heißt: „[D]ie Ende letzter Woche für den Rindfleischsektor eingegangene
         mündliche Vereinbarung wird in der Praxis nur schleppend umgesetzt… Der gesamte Sektor müsste sich Anfang der Woche bezüglich
         dieser ‚Vereinbarung‘ absprechen.“ Nach Erwähnung der Diskussionen zwischen den Demonstranten und einem Schlachthofbetreiber
         wird ausgeführt: „[D]ie Verantwortlichen des Schlachthofs haben mit [dem Präsidenten der FNICGV] gesprochen. Dieser bestätigte
         die Diskussionen der letzten Woche“. 
      
      –       Sitzung vom 5. Dezember 2001 
      178    Hinsichtlich der Sitzung vom 5. Dezember 2001, die anlässlich des nationalen Rindfleischtages abgehalten wurde, ist zuerst
         eine E-Mail eines Vertreters der bretonischen FRSEA an die Präsidenten der FDSEA seiner Region vom 6. Dezember 2001 zu prüfen,
         wie dies auch in Randnummer 66 der angefochtenen Entscheidung getan wurde. In dieser E-Mail, in dem auf die „gestrige Sitzung“
         Bezug genommen wird, heißt es: 
      
      „Was [den] Aspekt der Mindestpreise betrifft, so haben die nationalen Präsidenten der FNICGV und der FNCBV erklärt, sie seien
         sich der Notwendigkeit bewusst, die Marktpreise zu stützen und ihre Mitglieder von dieser Notwendigkeit zu überzeugen. Gleichwohl
         wird es keine schriftliche Vereinbarung über diesen Punkt geben, und die Aufrechterhaltung fester Preise wird von unserer
         Fähigkeit abhängen, genügend Druck auf den Sektor auszuüben. Daher schlage ich Ihnen vor, die Schlachthofbetreiber Ihres Departements
         bereits Ende der Woche … zu kontaktieren, um sicherzustellen, dass sie sich verpflichten, die Preise auf der bestehenden bzw.
         der aktualisierten Basis zu halten, und um sie zu warnen, dass die Berufsverbände bei Missachtung dieser Verpflichtung bereits
         nächste Woche entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten könnten.“ 
      
      179    Ferner wird in Randnummer 67 der angefochtenen Entscheidung auf ein Mitteilungsblatt der FNPL eingegangen, das am 10. Dezember
         2001 als Fax übermittelt wurde und ebenfalls auf den nationalen Rindfleischtag Bezug nahm, mit dem „die Beibehaltung fester
         Mindestpreise … bestätigt“ worden sei. In diesem Mitteilungsblatt heißt es: „Die Vertreter der Schlachthofbetreiber ([FT und
         LS]) nehmen die (schriftlich nicht fixierte) Fortführung der vereinbarten Mindestpreise zur Kenntnis.“ 
      
      180    Schließlich wird in den Randnummern 68 und 69 der angefochtenen Entscheidung auf andere Passagen in den handschriftlichen
         Notizen des Direktors der FNB mit der Überschrift „Rindfleischtag – 5. Dezember 2001“ Bezug genommen. Diese Notizen enthalten
         folgende Passagen: „Sagen wir nicht mehr ‚gegen die Importe‘, sondern gehen wir zur AHV [Außer-Haus-Verpflegung] über“, „ein
         Fehler: die Aussetzung der Importe schriftlich fixiert zu haben, wir haben von Brüssel und anderen vom COPA Prügel bezogen.
         Ohne darüber zu schreiben, sollten wir mit ‚Preisvorgaben‘ bzw. Richtpreisen, die die Preise nicht unterschreiten dürfen,
         weitermachen.“ Weiter heißt es unmittelbar nach Äußerungen, die dem Präsidenten der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 und
         dem Präsidenten der FNICGV zugeschrieben werden: „dürfen nicht mehr schreiben, aber weitermachen“. Von dem Präsidenten der
         FNICGV wird folgende Äußerung wiedergegeben: „werden an Verpflichtung bezüglich SAP [Sonderankaufspreis] festhalten. Botschaft
         an unsere Betriebe weitergegeben… Die festen Mindestpreise gelten informell weiter.“ Dazu habe der Präsident der Klägerin
         in der Rechtssache T‑217/03 bemerkt: „ja OK. Aber müssen von allen angewandt werden.“ Was diese letzte Bemerkung betrifft,
         so würden entgegen dem Vorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 die Worte „müssen von allen angewandt werden“ weder
         die Anwendung der Mindestpreise unmöglich machen noch der fraglichen Erklärung ihre Beweiskraft nehmen. 
      
       Zur Umsetzung der Vereinbarung nach Ende November 2001 
      181    Die angefochtene Entscheidung enthält des Weiteren Hinweise auf mehrere Aktionen auf lokaler Ebene, die bestätigen, dass die
         Vereinbarung über Ende November 2001 hinaus umgesetzt wurde (Randnrn. 92 bis 94 der angefochtenen Entscheidung). 
      
      182    So geht aus einer Notiz der FDSEA des Departements Vendée vom 18. Dezember 2001 hervor, dass sich ein Schlachthofbetreiber
         (die Schlachthofkette Socopa) nach einer Blockade seiner Betriebe bereit erklärt hat, die Mindestpreise für weibliche Rinder
         bis zum 11. Januar 2002 anzuwenden. 
      
      183    Ferner enthalten die Akten zwei Exemplare eines Dokuments mit der Überschrift „Vereinbarung vom 25. Oktober 2001 (fortgeführt)“,
         wo es heißt: „von der FNSEA, der FNB, der FNICGV und der FNCBV/SICA unterzeichnet und Verständigung über Anwendung“. Die Klägerinnen
         haben darauf hingewiesen, dass diese Dokumente kein Datum tragen. Die Kommission hat sie jedoch in Randnummer 94 der angefochtenen
         Entscheidung identifiziert als ein Fax der „FDSEA 79“ vom 13. Dezember 2001 und ein Dokument, das die FDSEA des Departements
         Deux-Sèvres am selben Tag einem Schlachthofbetreiber übersandt hat. 
      
      184    Schließlich heißt es in einem Fernschreiben, das ein Vertreter der FDSEA des Departements Maine-et-Loire am 11. Dezember 2001
         an den Direktor der FNB richtete und das die Überschrift „Kontrollen in den Schlachthöfen des Departements Maine-et-Loire“
         trägt: „keine Unregelmäßigkeiten festgestellt – Mindestpreise werden angewandt – keine Importe“. 
      
       Ergebnis
      185    Aus alledem ergibt sich, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung rechtlich hinreichend nachgewiesen hat, dass
         die Klägerinnen die Anwendung der streitigen Vereinbarung mündlich und insgeheim über Ende November 2001 hinaus fortgesetzt
         haben, und zwar trotz der Schreiben der Kommission vom 26. November 2001, mit denen diese sie darauf aufmerksam machte, dass
         die Vereinbarung gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln verstoße. 
      
      186    Dieses Ergebnis wird nicht durch das Vorbringen der Klägerinnen in Frage gestellt, dass eine heimliche Fortführung der Vereinbarung
         dieser jede Wirksamkeit nehmen würde. In den Akten finden sich tatsächlich mehrere Hinweise darauf, dass die Klägerinnen nicht
         öffentlich bekannt machen wollten, dass zwischen den Vertretern der Züchter und den Vertretern der Schlachthofbetreiber auch
         nach Ablauf der Vereinbarung eine wechselseitige Verpflichtung bestand. Das Gericht ist jedoch der Auffassung, dass der geheime
         Charakter der Vereinbarung dieser nicht jede Wirksamkeit genommen hat, zumal die Züchterverbände weiter öffentlich – wenn
         auch nunmehr im Gewand einer Verbandsforderung – die Mindestpreise forderten und ihren Mitgliedern zur Kenntnis brachten.
         Desgleichen lässt sich aufgrund des Akteninhalts feststellen, dass auch die Vertreter der Schlachthofbetreiber diese Preise
         bestimmten Schlachthöfen mündlich mitteilten (siehe oben, Randnr. 177). 
      
      187    Die Fortführung der Vereinbarung kann auch nicht allein auf der Grundlage einer Notiz der FNICGV vom 30. November 2001 bestritten
         werden, in der es heißt: „Die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 über die Anwendung von Mindestpreisen für Schlachtkühe wird
         nicht fortgeführt und soll auch nicht fortgeführt werden. Dies ist das Ergebnis der gestern in Paris in Anwesenheit der Unterzeichner
         der Vereinbarung abgehaltenen Sitzung.“ Denn diese Erklärung war nach Auffassung des Gerichts Teil der öffentlichen Kommunikationsstrategie
         der FNICGV, insbesondere nachdem sie von der Kommission gewarnt worden war, dass sie wegen der streitigen Vereinbarung mit
         Sanktionen rechnen müsse. Jedenfalls ergibt sich, wie vorstehend dargelegt, die Beteiligung des Präsidenten der FNICGV an
         der Verlängerung der Vereinbarung aus Dokumenten, die nach diesem Datum aufgesetzt wurden. 
      
      188    Schließlich war die Kommission, nachdem sie die Fortführung der Vereinbarung mit Hilfe von schriftlichen Beweisen nachgewiesen
         hatte, entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen nicht verpflichtet, diese Fortführung anhand der Prüfung der Auswirkungen der
         Vereinbarung auf die während des in Rede stehenden Zeitraums praktizierten Preise nachzuweisen. 
      
      189    Die Kommission ist somit in der angefochtenen Entscheidung zu Recht davon ausgegangen, dass die Zuwiderhandlung vom 24. Oktober
         2001 bis zum 11. Januar 2002 gedauert hat. 
      
      190    Deshalb ist dieser Klagegrund insgesamt zurückzuweisen. 
      
      C –  Zum dritten Klagegrund: Nichtanwendung der in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Ausnahme 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      191    Die Klägerinnen machen geltend, die Kommission habe gegen die Verordnung Nr. 26 verstoßen, und ihre Weigerung, auf die streitige
         Vereinbarung die Ausnahme von der Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG anzuwenden, die in Artikel 2 dieser Verordnung zugunsten
         bestimmter mit der Erzeugung und dem Absatz landwirtschaftlicher Erzeugnisse zusammenhängender Tätigkeiten vorgesehen sei,
         beruhe auf offensichtlichen Beuteilungsfehlern und Rechtsirrtümern. Sie behaupten, die fragliche Vereinbarung sei zur Erreichung
         der Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik erforderlich gewesen. 
      
      192    Wie auch in der angefochtenen Entscheidung eingeräumt worden sei, habe die angefochtene Vereinbarung bezweckt, den Rinderzüchtern
         ein Mindesteinkommen zu garantieren. Auch das Ziel der Stabilisierung der Märkte sei erreicht worden, da die Vereinbarung
         einen Preismechanismus geschaffen habe, der dazu beigetragen habe, die bestehende Störung in Grenzen zu halten, und der es
         den Züchtern ermöglicht habe, ihre Erzeugnisse zu rentablen Preisen zu verkaufen und so die Krise zu überstehen, ohne vom
         Markt zu verschwinden. Gleichwohl habe die Vereinbarung die Ziele der Steigerung der Produktivität und der Sicherstellung
         der Versorgung sowie angemessener Preise für die Verbraucher nicht gefährdet, denn sie berühre diese nicht. 
      
      193    Nach Auffassung der Klägerinnen hätte die Kommission in der vorliegenden Rechtssache versuchen müssen, diese verschiedenen
         Ziele miteinander in Einklang zu bringen (Urteile des Gerichtshofes vom 24. Oktober 1973 in der Rechtssache 5/73, Balkan-Import-Export,
         Slg. 1973, 1091, Randnr. 24, und vom 17. Dezember 1981 in den Rechtssachen 197/80 bis 200/80, 243/80, 245/80 und 247/80, Ludwigshafener
         Walzmühle u. a./Rat und Kommission, Slg. 1981, 3211, Randnr. 41). Sie hätte insbesondere aufgrund der außergewöhnlichen Krise
         des Rindfleischsektors den Zielen der Stabilisierung des Marktes und der Gewährleistung einer angemessenen Lebenshaltung der
         landwirtschaftlichen Bevölkerung Vorrang einräumen müssen. Deshalb hätte sie zu dem Ergebnis kommen müssen, dass die Abwägung
         aller in Artikel 33 Absatz 1 EG aufgeführten Ziele die Anwendung der in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Ausnahme ermöglicht
         hätte. 
      
      194    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 wenden sich außerdem gegen die Ausführungen der Kommission in den Randnummern
         146 und 147 der angefochtenen Entscheidung, der Umstand, dass die ergriffenen Maßnahmen nicht in der Verordnung Nr. 1254/1999
         vorgesehen gewesen seien, reiche aus, um die Anwendung des Ausnahmetatbestands des Artikels 2 der Verordnung Nr. 26 auszuschließen.
         Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 trägt vor, der Auffassung der Kommission, dass die Vereinbarung nicht die in der
         gemeinsamen Marktorganisation vorgesehenen Zielen verfolge, liege ein offensichtlicher Beurteilungsfehler und ein Rechtsirrtum
         zu Grunde. Insbesondere sei sie mit den in der zweiten und der 31. Begründungserwägung sowie in Artikel 38 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 1254/1999 dargelegten Zielen vereinbar gewesen. 
      
      195    Schließlich beruhe die Meinung der Kommission, dass die streitige Vereinbarung unverhältnismäßig gewesen sei, auf einem offensichtlichen
         Beurteilungsfehler und einem Rechtsfehler. Auch habe die Kommission dieses Ergebnis nicht begründet und nicht erklärt, welche
         anderen als die in der streitigen Vereinbarung vorgesehenen Maßnahmen es ermöglicht hätten, die Kurseinbrüche in Grenzen zu
         halten. 
      
      196    Die Kommission führt aus, der Ausnahmetatbestand des Artikels 2 der Verordnung Nr. 26 müsse eng ausgelegt und restriktiv angewandt
         werden. Bedeutung habe die streitige Vereinbarung allenfalls für die Erreichung eines einzigen der fünf in Artikel 33 EG gesetzten
         Ziele (Gewährleistung einer angemessenen Lebenshaltung der landwirtschaftlichen Bevölkerung) und sei für die anderen vier
         Ziele völlig irrelevant. Sie sprenge außerdem den Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation im Rindfleischsektor und stehe
         jedenfalls außer Verhältnis zur Erreichung der angestrebten Ziele. Deshalb sei diese Ausnahme nicht auf die Vereinbarung anwendbar.
         
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      197    Die Aufrechterhaltung eines wirksamen Wettbewerbs auf den Märkten für landwirtschaftliche Erzeugnisse zählt zu den Zielen
         der gemeinsamen Agrarpolitik. Auch wenn es nämlich nach Artikel 36 EG dem Rat überlassen bleibt, darüber zu entscheiden, inwieweit
         die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln auf die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse und den Handel mit ihnen Anwendung
         finden, um so der besonderen Lage auf den Märkten für diese Erzeugnisse Rechnung zu tragen, ist doch in dieser Bestimmung
         die Anwendbarkeit der gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln im Agrarsektor als Grundsatz niedergelegt (Urteil des Gerichtshofes
         vom 9. September 2003 in der Rechtssache C‑137/00, Milk Marque und National Farmers’ Union, Slg. 2003, I‑7975, Randnrn. 57
         und 58). 
      
      198     Nach Artikel 1 der Verordnung Nr. 26 findet Artikel 81 Absatz 1 EG vorbehaltlich des Artikels 2 auf alle in Artikel 81 Absatz
         1 EG genannten Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen bezüglich der Produktion der in Anhang I EG aufgeführten Erzeugnisse
         – zu denen insbesondere lebende Tiere, Fleisch und genießbarer Schlachtabfall gehören – und den Handel mit diesen Anwendung.
         Nach Artikel 2 der Verordnung Nr. 26 gilt Artikel 81 Absatz 1 EG nicht für Vereinbarungen, Beschlüsse und Verhaltensweisen,
         die zur Verwirklichung der in Artikel 33 EG aufgeführten Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik notwendig sind.
      
      199    Als Befreiung von der Regel der allgemeinen Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG ist Artikel 2 der Verordnung Nr. 26 eng
         auszulegen (Urteil des Gerichtshofes vom 12. Dezember 1995 in der Rechtssache C‑399/93, Oude Luttikhuis u. a., Slg. 1995,
         I‑4515, Randnr. 23; Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1997 in den Rechtssachen T‑70/92 und T‑71/92, Florimex und VGB/Kommission,
         Slg. 1997, II‑693, Randnr. 152). Außerdem findet Artikel 2 Absatz 1 Satz 1 der Verordnung Nr. 26, der die geltend gemachte
         Ausnahmeregelung enthält, nach ständiger Rechtsprechung nur Anwendung, wenn die betreffende Vereinbarung zur Verwirklichung
         aller Ziele des Artikels 33 beiträgt (Urteile Oude Luttikhuis u. a., Randnr. 25, sowie Florimex und VGB/Kommission, Randnr.
         153; vgl. in diesem Sinne auch Urteil Frubo/Kommission, Randnrn. 25 bis 27). Das Gericht hat allerdings ausgeführt, dass die
         Kommission bei einem Konflikt zwischen diesen zuweilen divergierenden Zielen versuchen kann, sie miteinander in Einklang zu
         bringen (Urteil Florimex und VGB/Kommission, Randnr. 153). Schließlich muss die fragliche Vereinbarung, wie sich schon aus
         dem Wortlaut des Artikels 2 Absatz 1 Satz 1 der Verordnung Nr. 26 ergibt, zur Verwirklichung dieser Ziele „notwendig“ sein
         (Urteil Oude Luttikhuis u. a., Randnr. 25; vgl. in diesem Sinne auch Urteil Florimex und VGB/Kommission, Randnrn. 171 und
         185).
      
      200    Nach Artikel 33 Absatz 1 EG ist Ziel der gemeinsamen Agrarpolitik: 
      
      „a)      die Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschritts, Rationalisierung der landwirtschaftlichen
         Erzeugung und den bestmöglichen Einsatz der Produktionsfaktoren, insbesondere der Arbeitskräfte, zu steigern;
      
      b)      auf diese Weise der landwirtschaftlichen Bevölkerung, insbesondere durch Erhöhung des Pro-Kopf-Einkommens der in der Landwirtschaft
         tätigen Personen, eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten;
      
      c)      die Märkte zu stabilisieren;
      d)      die Versorgung sicherzustellen; 
      e)      für die Belieferung der Verbraucher zu angemessenen Preisen Sorge zu tragen.“ 
      201    Die Klägerinnen tragen im Wesentlichen vor, dass die streitige Vereinbarung für die Verwirklichung zweier dieser Ziele notwendig
         gewesen sei, nämlich zur Gewährleistung einer angemessenen Lebenshaltung für die landwirtschaftliche Bevölkerung und zur Stabilisierung
         der Märkte, während sie die übrigen drei Ziele nicht berühre, also auch nicht gefährde. 
      
      202    Wie die Klägerinnen darlegen, bezweckte die streitige Entscheidung hauptsächlich, den Rinderzüchtern in Frankreich in der
         Krisensituation, in der sich dieser Sektor im entscheidungserheblichen Zeitraum befand, zu Hilfe zu kommen. Es kann somit
         davon ausgegangen werden, dass sie zum Ziel hatte, der landwirtschaftlichen Bevölkerung im Sinne des Artikels 33 Absatz 1
         Buchstabe b EG eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten.
      
      203    Nach Auffassung des Gerichts bezweckte die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 jedoch nicht die in Artikel 33 Absatz 1 Buchstabe
         c genannte Stabilisierung der Märkte und konnte insoweit auch nicht als notwendig angesehen werden. Wie sich aus der angefochtenen
         Entscheidung ergibt, beruhte die Krise im Rindfleischsektor in den Jahren 2000 und 2001 auf einem krassen Missverhältnis zwischen
         Angebot und Nachfrage, das vor allem durch einen starken Rückgang des Verbrauchs aufgrund des durch die Feststellung neuer
         Fälle von BSE und von Maul‑ und Klauenseuche ausgelösten Vertrauensverlustes bewirkt wurde (siehe Randnrn. 12, 13 und 142
         der angefochtenen Entscheidung). Folglich erforderte die Stabilisierung der betroffenen Märkte vor allem Maßnahmen zur Verringerung
         des stark überschüssigen Angebots und zur Förderung des stark zurückgegangenen Rindfleischkonsums. 
      
      204    Die streitige Vereinbarung sah jedoch keine derartigen Maßnahmen vor. Darüber hinaus waren die dort festgesetzten Mindestpreise
         nicht nur ungeeignet, zur Stabilisierung der Märkte beizutragen, sondern konnten diesem Ziel sogar entgegenwirken, da sie
         zu einer Erhöhung der Preise führen konnten, die geeignet war, den Verbrauch noch weiter zu verringern und auf diese Weise
         den Abstand zwischen Angebot und Nachfrage zu vergrößern. Die Einführung eines Mindestpreisschemas bedeutete im Übrigen eine
         künstliche Festsetzung der Preise, die sowohl zur natürlichen Preisbildung auf dem Markt als auch zu den öffentlichen Stütz-
         und Interventionsmechanismen im Widerspruch steht. Auch konnte es sich dabei nur um eine rein konjunkturelle Maßnahme handeln,
         die nicht geeignet war, auf den fraglichen Märkten mittel- oder langfristige Wirkungen zu entfalten. Zudem wurde durch die
         Beschränkung der Rindfleischimporte nach Frankreich zwangsläufig das Risiko einer Verzerrung des innergemeinschaftlichen Rindfleischhandels
         und somit einer Gefährdung der Stabilität der fraglichen Märkte in mehreren Mitgliedstaaten heraufbeschworen. 
      
      205    Eine Vereinbarung, durch die die Einfuhren von Billigprodukten eingeschränkt und Mindestpreise festgesetzt werden, kann auch
         nicht als neutral im Hinblick auf das in Artikel 33 Absatz 1 Buchstabe e EG festgesetzte Ziel, für die Belieferung der Verbraucher
         zu angemessenen Preisen Sorge zu tragen, angesehen werden. Denn wie die Kommission in Randnummer 144 der angefochtenen Entscheidung
         ausgeführt hat, ohne dass die Klägerinnen ihr insoweit widersprochen hätten, bestand die Wahrscheinlichkeit, dass die Aussetzung
         der Einfuhren insbesondere im Bereich der Außer-Haus-Verpflegung mit seinem hohen Verbrauch an billigerem Importfleisch zu
         einer Preissteigerung führen würde. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, dass die Mindestpreise, selbst wenn sie frei Schlachtstätte
         festgesetzt wurden, auf die Verbraucher abgewälzt würden. 
      
      206    Aufgrund aller dieser Umstände ist festzustellen, dass die streitige Vereinbarung zur Erreichung des Ziels, der landwirtschaftlichen
         Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten, nicht notwendig war. Vielmehr bestand die Gefahr, dass sie zumindest
         das Ziel der Belieferung der Verbraucher zu angemessenen Preisen beeinträchtigen würde. Schließlich betraf sie nicht die Stabilisierung
         der Märkte, die Sicherstellung der Versorgung und die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft und war zur Erreichung
         dieser Ziele erst recht nicht notwenig. Deshalb ist das Gericht unter Berücksichtigung der in Randnummer 199 zitierten Rechtsprechung
         der Auffassung, dass die Kommission fehlerfrei zu dem Ergebnis gekommen ist, dass bei Abwägung dieser verschiedenen Ziele
         die Anwendbarkeit der Ausnahmeregelung des Artikels 2 Absatz 1 Satz 1 der Verordnung Nr. 26 im vorliegenden Fall nicht bejaht
         werden konnte. 
      
      207    Zurückzuweisen sind auch die Einwände gegen die in den Randnummern 146 und 147 der angefochtenen Entscheidung getroffene Feststellung,
         dass die streitige Vereinbarung keineswegs zu den in der gemeinsamen Marktorganisation im Rindfleischsektor, insbesondere
         in der Verordnung Nr. 1254/1999 vorgesehenen Mitteln zur Erreichung der genannten Ziele gehöre. Entgegen dem Vorbringen der
         Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 hielt die Kommission diesen Umstand allein nicht für ausreichend, um die Anwendbarkeit
         der in der Verordnung Nr. 26 enthaltenen Ausnahme zu verneinen. Sie hat diesen Gesichtspunkt lediglich – im Übrigen zu Recht
         – zur Stützung ihrer Auffassung herangezogen, dass die fragliche Vereinbarung zur Erreichung der Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik
         nicht notwendig gewesen sei (vgl. in diesem Sinne Urteil Florimex und VGB/Kommission, Randnrn. 148 bis 151). Auch dem Vorbringen
         der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, dass die Vereinbarung zu den Zielen dieser Verordnung gehört habe, kann nicht gefolgt
         werden. Insbesondere sehen die von der Klägerin genannten Bestimmungen (die zweite und die 31. Begründungserwägung sowie Artikel
         38 Absatz 1 der genannten Verordnung) lediglich vor, dass die Gemeinschaftsorgane im Fall von Marktstörungen Maßnahmen ergreifen
         können (siehe insoweit Artikel 43 der Verordnung); sie rechtfertigen keineswegs eine private Vereinbarung über Importbeschränkungen
         und die Festsetzung von Mindestpreisen. 
      
      208    Was schließlich das Vorbringen zur Verhältnismäßigkeit der streitigen Maßnahmen angeht, ist der Vorwurf der Verletzung der
         Begründungspflicht zurückzuweisen. Die Kommission hat in Randnummer 148 der angefochtenen Entscheidung rechtlich hinreichende
         Gründe für ihre Auffassung angeführt, dass die Festsetzung von Preisen und die Aussetzung der Importe schwerwiegende Wettbewerbsbeschränkungen
         darstellten und im Hinblick auf die Erreichung des von der Vereinbarung angestrebten Ziels nicht als verhältnismäßig angesehen
         werden konnten. Die Kommission war entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen nicht verpflichtet, die Maßnahmen zu nennen, die
         diese hätten ergreifen können, um ihre Vereinbarung mit Artikel 2 der Verordnung Nr. 26 in Einklang zu bringen. Auch die Rüge,
         dass die Kommission fehlerhaft gehandelt habe, als sie bei der Prüfung der Anwendbarkeit der in dieser Vorschrift enthaltenen
         Ausnahme die Unverhältnismäßigkeit der in der Vereinbarung vorgesehenen Maßnahmen berücksichtigt habe, kann nicht durchgreifen.
         Denn nach der Rechtsprechung können Maßnahmen für die Anwendung dieser Vorschrift nur dann als zur Erreichung der Ziele der
         gemeinsamen Agrarpolitik notwendig angesehen werden, wenn sie verhältnismäßig sind (vgl. in diesem Sinne Urteil Florimex und
         VGB/Kommission, Randnr. 177). In der vorliegenden Rechtssache dagegen können die Einfuhrbeschränkungen und die Festsetzung
         der Preise auch unter Berücksichtigung der Besonderheit der Agrarmärkte und der Krise im Rindfleischsektor im entscheidungserheblichen
         Zeitraum nicht als Maßnahmen angesehen werden, die im Hinblick auf die verfolgten Ziele verhältnismäßig waren, denn es handelte
         sich dabei um schwere Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht. 
      
      209    Nach alledem ist dieser Klagegrund zurückzuweisen. 
      
      D –  Zum vierten Klagegrund: Verletzung der Verteidigungsrechte 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      210    Die Klägerinnen tragen vor, die Mitteilung der Beschwerdepunkte, die eine Anwendung des grundlegenden Prinzips der Wahrung
         der Verteidigungsrechte darstelle, müsse, sei es auch nur in gedrängter Form, so klar abgefasst sein, dass die Beteiligten
         tatsächlich erkennen könnten, welches Verhalten ihnen zur Last gelegt werde, um sich wirksam verteidigen zu können, bevor
         die Kommission eine endgültige Entscheidung erlasse (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑352/94, Mo
         och Domsjö/Kommission, Slg. 1998, II‑1989, Randnr. 63). 
      
      211    Die Klägerinnen werfen der Kommission erstens vor, sie habe in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht erwähnt, dass sie
         bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße für alle Verbände außer der FNSEA von den von ihren Mitgliedern entrichteten Jahresbeiträgen
         ausgehen werde. Zweitens habe die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht angegeben, dass sie die Geldbußen
         im Verhältnis zu den Umsätzen der den Verbänden unmittelbar oder mittelbar angehörenden Mitglieder berechnen werde. Damit
         habe sie den Klägerinnen nicht die tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte zur Kenntnis gebracht, auf die die angefochtene
         Entscheidung gestützt worden sei, insbesondere die wesentlichen Elemente der Berechnung der Geldbuße, so dass die Klägerinnen
         dazu nicht hätten Stellung nehmen können. 
      
      212    Der Gerichtshof habe entschieden, dass eine Mitteilung der Beschwerdepunkte, in der als Urheber einer Zuwiderhandlung nur
         eine kollektive Einheit genannt werde, die Unternehmen, aus denen diese Einheit bestehe, nicht hinreichend darüber unterrichte,
         dass gegen sie individuelle Geldbußen festgesetzt würden, falls die Zuwiderhandlung bejaht werden sollte, und auch nicht ausreiche,
         um sie darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Höhe der festgesetzten Geldbußen nach einer Würdigung der Teilnahme jedes
         Unternehmens an dem als Zuwiderhandlung eingestuften Verhalten richten werde (Urteil des Gerichtshofes vom 16. März 2000 in
         den Rechtssachen C‑395/96 P und C‑396/96 P, Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission, Slg. 2000, I‑1365, Randnrn.
         144 bis 146). 
      
      213    Schließlich genüge es zur Wahrung der Verteidigungsrechte nicht, dass die Kommission den Klägerinnen am 10. Januar 2003 ein
         Schreiben übersandt habe, mit dem sie sie um Finanzinformationen ersucht habe. Da sie dieses Schreiben nach der Abgabe ihrer
         Erklärungen und nach dem Tag ihrer Anhörung erhalten hätten, sei es ihnen nicht mehr möglich gewesen, sich zu den darin angesprochenen
         Punkten zu verteidigen. Außerdem habe sich diesem Ersuchen nichts über die Absichten der Kommission entnehmen lassen. 
      
      214    Die Kommission weist darauf hin, dass sie nach der Rechtsprechung nur verpflichtet sei, in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         darauf hinzuweisen, dass sie prüfen werde, ob gegen die betreffenden Unternehmen Geldbußen zu verhängen seien, und auch die
         für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte anzuführen (Urteil des
         Gerichtshofes vom 7. Juni 1983 in den Rechtssachen 100/80 bis 103/80, Musique diffusion française u. a./Kommission, Slg. 1983,
         1825, Randnr. 21). 
      
      215    Den Klägerinnen habe nicht unbekannt sein können, dass die Beiträge ihrer Mitglieder berücksichtigt würden, und sie hätten
         ohne weiteres die Möglichkeit gehabt, zu der Mitteilung der Beschwerdepunkte Erklärungen abzugeben. Sie hätten auch zu der
         Frage der Umsätze ihrer Mitglieder Stellung nehmen können, da die Kommission ihnen am 10. Januar 2003 ein Auskunftsverlangen
         dazu übermittelt habe (vgl. in diesem Sinne Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, Randnr. 23). 
      
      216    Schließlich bestreitet die Kommission, dass das von den Klägerinnen herangezogene Urteil Compagnie maritime belge transports
         u. a./Kommission hier einschlägig sei. Aus der Mitteilung der Beschwerdepunkte gehe ganz deutlich hervor, dass die Kommission
         beabsichtigt habe, gegen die Klägerinnen, die die Adressaten der genannten Mitteilung gewesen seien, und nicht gegen die nachgeordneten
         Verbände oder die einzelnen Landwirte Geldbußen zu verhängen. Die Klägerinnen hätten sich aufgrund der Rechtsprechung, die
         auf die Mitglieder der Verbände abstelle, über das Risiko völlig klar werden und sich in diesem Punkt im Verwaltungsverfahren
         verteidigen können. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      217    Die Wahrung der Verteidigungsrechte stellt in allen Verfahren, die zu Sanktionen und insbesondere zu Geldbußen führen können,
         einen tragenden Grundsatz des Gemeinschaftsrechts dar, der auch dann beachtet werden muss, wenn es sich um ein Verwaltungsverfahren
         handelt (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑308/94, Cascades/Kommission, Slg. 1998, II‑925, Randnr.
         39). Diesem Grundsatz zufolge stellt die Mitteilung der Beschwerdepunkte eine wichtige Verfahrensgarantie dar. In der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte müssen alle wesentlichen Tatsachen, auf die sich die Kommission in diesem Verfahrensstadium stützt, klar
         angeführt werden (Urteil Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission, Randnr. 142). 
      
      218    Nach ständiger Rechtsprechung genügt die Kommission ihrer Verpflichtung, das Recht der Unternehmen auf Anhörung zu respektieren,
         wenn sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die betreffenden
         Unternehmen Geldbußen zu verhängen seien, und auch die für die etwaige Festsetzung einer Geldbuße wesentlichen tatsächlichen
         und rechtlichen Gesichtspunkte anführt, wie z. B. die Schwere und die Dauer der angenommenen Zuwiderhandlung sowie ihre vorsätzliche
         oder fahrlässige Begehung. Dadurch gibt sie den Unternehmen die Informationen, die für ihre Verteidigung nicht nur gegen die
         Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Verhängung von Geldbußen notwendig sind (Urteile Musique diffusion
         française u. a./Kommission, Randnr. 21, und ABB Asea Brown Boveri/Kommission, Randnr. 78). 
      
      219    Die Klägerinnen machen geltend, die Kommission hätte in der Mitteilung der Beschwerdepunkte angeben müssen, dass sie bei der
         Festsetzung der Höhe der Geldbuße aller Berufsverbände außer der FNSEA von der Höhe ihrer Jahresbeiträge ausgehen und den
         Betrag der Geldbußen nach Maßgabe der Umsätze der Mitglieder der Klägerinnen berechnen werde. 
      
      220    Dazu ist erstens zu bemerken, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung bei der Berechnung des Grundbetrags der
         Geldbußen auf die von den Klägerinnen erhobenen Beiträge abgestellt hat (Randnrn. 169 und 170 der angefochtenen Entscheidung).
         Sie setzte zunächst wegen der Schwere der Zuwiderhandlung den Grundbetrag der gegen den Hauptlandwirtschaftsverband (die FNSEA)
         verhängten Geldbuße auf 20 Mio. Euro fest und stützte sich sodann auf das Verhältnis zwischen der Höhe der von jedem der anderen
         Landwirtschaftsverbände erhobenen Jahresbeiträge und der Höhe des von der FNSEA erhobenen Mitgliedsbeitrags als objektiven
         Maßstab für die jeweilige Bedeutung der einzelnen Verbände und damit für das Ausmaß ihrer Beteiligung an der Zuwiderhandlung.
         Dementsprechend wurden diese Beträge auf ein Fünftel (FNPL), ein Zehntel (FNB und FNCBV) und ein Zwanzigstel (JA) des für
         die FNSEA festgesetzten Betrages veranschlagt. 
      
      221    Zweitens berücksichtigte die Kommission, wie sie vor dem Gericht anerkannt hat, die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen,
         um zu prüfen, ob die verhängten Geldbußen nicht die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgesetzten Obergrenze
         von 10 % überschritten. 
      
      222    Dagegen wären nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes Angaben zur Höhe der in Aussicht genommenen Geldbußen in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte, solange den Unternehmen keine Gelegenheit gegeben wurde, zu den gegen sie in Betracht gezogenen Beschwerdepunkten
         Stellung zu nehmen, eine nicht sachgerechte Vorwegnahme der Entscheidung der Kommission (Urteil Musique diffusion française
         u. a./Kommission, Randnr. 21; Urteil ABB Asea Brown Boveri/Kommission, Randnr. 66). Umso mehr wäre es eine nicht sachgerechte
         Vorwegnahme dieser Entscheidung, in der Mitteilung der Beschwerdepunkte die Frage aufzuwerfen, ob die Geldbuße, die eventuell
         in der endgültigen Entscheidung festgesetzt wird, die Obergrenze von 10 % einhält.
      
      223    Im Übrigen ist entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen das Urteil Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission in
         der vorliegenden Rechtssache nicht einschlägig. In den Randnummern 143 bis 146 dieses Urteils hat der Gerichtshof ausgeführt,
         dass die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte eindeutig angeben muss, gegen welche Personen Geldbußen festgesetzt
         werden können; er hat entschieden, dass eine Mitteilung der Beschwerdepunkte, in der als Urheber einer Zuwiderhandlung nur
         eine kollektive Einheit genannt wird, die Unternehmen, aus denen diese Einheit besteht, nicht hinreichend darüber unterrichtet,
         dass gegen sie individuelle Geldbußen festgesetzt werden, und auch nicht ausreicht, um sie darauf aufmerksam zu machen, dass
         sich die Höhe der festgesetzten Geldbußen nach einer Würdigung der Teilnahme jedes Unternehmens an dem als Zuwiderhandlung
         eingestuften Verhalten richten werde. In den vorliegenden Rechtssachen verhängte die Kommission jedoch keine Sanktionen gegen
         die unmittelbaren oder mittelbaren Mitglieder der Klägerinnen, sondern gegen diese selbst nach Maßgabe des Ausmaßes ihrer
         Beteiligung an der Zuwiderhandlung (Randnr. 169 sowie Artikel 1 und 3 der angefochtenen Entscheidung), so wie sie dies in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte angekündigt hatte. Denn der Umstand, dass der Umsatz der Mitglieder einer Unternehmensvereinigung,
         die eine Zuwiderhandlung begangen hat, berücksichtigt wird, bedeutet keineswegs, dass eine Geldbuße gegen diese verhängt wird
         (Urteil des Gerichts vom 23. Februar 1994 in den Rechtssachen T‑39/92 und T‑40/92, CB und Europay/Kommission, Slg. 1994, II‑49,
         Randnr. 139). 
      
      224    Aus diesen Gründen ist festzustellen, dass die Kommission die Verteidigungsrechte der Klägerinnen nicht dadurch verletzt hat,
         dass sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht angegeben hat, dass sie beabsichtigte, für die Berechnung des Grundbetrags
         der Geldbußen und für die Prüfung der Einhaltung der in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgesetzten Obergrenze
         von 10 % den Betrag der an die Klägerinnen entrichteten Jahresbeiträge und den Umsatz ihrer Mitglieder zu berücksichtigen.
         
      
      225    Folglich ist dieser Klagegrund zurückzuweisen. 
      
      E –  Zum fünften Klagegrund: Verletzung der Begründungspflicht 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      226    Die Klägerinnen erinnern daran, dass die Begründung einer beschwerenden Entscheidung dem Gemeinschaftsrichter die Wahrnehmung
         seiner Aufgabe der Rechtmäßigkeitskontrolle ermöglichen und es dem Betroffenen gestatten soll, Kenntnis von den Gründen für
         die getroffene Maßnahme zu erlangen, damit er seine Rechte verteidigen und prüfen kann, ob die Entscheidung zutreffend begründet
         ist (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑310/94, Gruber + Weber/Kommission, Slg. 1998, II‑1043, Randnr.
         40). 
      
      227    In der angefochtenen Entscheidung werde weder auf die Höhe des Umsatzes, die die Kommission bei der Festsetzung der Geldbußen
         berücksichtigt habe, noch auf die Prüfung der Einhaltung der in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgesetzte Obergrenze
         von 10 % eingegangen. So habe die Kommission nicht erwähnt, dass sie beschlossen habe, diese Obergrenze anhand der Summe der
         Umsätze der Mitglieder der Klägerinnen zu berechnen, und auch nicht angegeben, um welche Mitglieder es sich handele. Hier
         sei jedoch eine ganz genaue Begründung erforderlich, da sich die Kommission zum ersten Mal mit einer Bauernverbände betreffenden
         Sache befasse und von den engen Voraussetzungen der Berücksichtigung der Umsätze der Mitglieder eines Verbandes abweichen
         wolle. Das Auskunftsverlangen der Kommission vom 10. Januar 2003 könne diesen Begründungsmangel jedenfalls nicht aufwiegen.
         Nach dem Vorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 muss diese Verletzung der Begründungspflicht zur Nichtigerklärung
         der angefochtenen Entscheidung führen und nicht nur des Teils, der die Geldbußen betrifft. 
      
      228    Die Französische Republik führt aus, dass sie angefochtene Entscheidung die in Artikel 235 EG verankerte Begründungspflicht
         verletze. Die Erklärungen, die die Kommission erstmals in ihrer Klagebeantwortung zu geben versuche, könnten daran nichts
         ändern (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 26. Februar 2002 in der Rechtssache T‑323/99, INMA und Itainvest/Kommission,
         Slg. 2002, II‑545, Randnr. 76).
      
      229    Die Kommission macht vorab geltend, dieser Klagegrund könne nicht zur Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung insgesamt,
         sondern nur zu der von Artikel 3 führen, da der angebliche Begründungsmangel die Höhe der Geldbußen betreffe und keine Auswirkungen
         auf die Tatsachen oder ihre rechtliche Beurteilung habe. Jedenfalls habe sie in der vorliegenden Rechtssache der Begründungspflicht
         vollkommen genügt. 
      
      230    Diese Verpflichtung sei erfüllt, wenn sie die Gesichtspunkte angebe, die sie bei der Ermittlung der Schwere und Dauer der
         Zuwiderhandlung berücksichtigt habe, um die Geldbuße berechnen zu können (Urteile des Gerichtshofes vom 16. November 2000
         in der Rechtssache C‑282/98 P, Enso Española/Kommission, Slg. 2000, I‑9817, Randnrn. 40 und 41, und in der Rechtssache C‑297/98 P,
         SCA Holding/Kommission, Slg. 2000, I‑10101, Randnrn. 56 bis 65; Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache T‑220/00,
         Cheil Jedang/Kommission, Slg. 2003, II‑2473, Randnr 218). Sie sei somit nicht verpflichtet, in ihrer Entscheidung den berücksichtigten
         Umsatz oder den Prozentsatz anzugeben, den die Geldbuße im Verhältnis zu diesem Umsatz ausmache, da die Frage, ob die Obergrenze
         von 10 % erreicht sei, nicht zur Begründung der Entscheidung gehöre. Die Obergrenze von 10 % bezeichne nämlich den gesetzlichen
         Höchstbetrag der Geldbuße, die verhängt werden könne, und gehöre nicht zu den Gründen für die getroffene Maßnahme. 
      
      231    Die Kommission führt weiter aus, die Begründungspflicht sei in ihrem Kontext zu prüfen. Sie habe klar angegeben, dass sie
         sich auf die Bestimmungen der Leitlinien stütze, deren Nummer 5 Buchstabe c es ihr ermögliche, gegen eine Vereinigung eine
         Geldbuße festzusetzen, die dem Gesamtbetrag der Einzelgeldbußen entspreche, die gegenüber jedem einzelnen Mitgliedsunternehmen
         hätten festgesetzt werden müssen. Den Klägerinnen müssten die für die Berechnung der Geldbuße geltenden Grundsätze bekannt
         sein, insbesondere der Umstand, dass die Kommission den Umsatz ihrer Mitglieder berücksichtige, um zu kontrollieren, ob die
         Obergrenze von 10 % nicht überschritten sei. Tatsächlich ergebe sich aus der angefochtenen Entscheidung insgesamt, dass die
         Zuwiderhandlung von den Klägerinnen nicht im eigenen Interesse, sondern zugunsten ihrer Mitglieder begangen worden sei. 
      
      232    Die Kommission weist weiter darauf hin, dass sie am 10. Januar 2003 alle Klägerinnen ersucht habe, ihr den Umsatz ihrer Mitglieder
         mitzuteilen. Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 habe ihr diese Auskunft mit Schreiben vom 27. Januar 2003 erteilt. Die
         von diesem Verband angegebenen Zahlen zeigten, dass die Obergrenze von 10 % bei weitem nicht erreicht gewesen sei. Die Klägerinnen
         in der Rechtssache T‑245/03 hätten ihr dagegen mitgeteilt, dass sie nicht in der Lage seien, diese Auskunft zu geben. Angesichts
         dieser Weigerung hätte die Kommission eine Entscheidung auf der Grundlage des Artikels 11 Absatz 5 der Verordnung Nr. 17 erlassen
         können, gegebenenfalls unter Festsetzung von Zwangsgeldern oder Geldbußen, und die Vorlage dieser Angaben fordern können;
         sie habe sich aber darauf beschränkt, sich aufgrund der verfügbaren Informationen zu vergewissern, dass nicht die geringste
         Gefahr der Überschreitung der Grenze von 10 % des Umsatzes der Mitglieder der Klägerinnen bestanden habe. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      233    Nach ständiger Rechtsprechung muss die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans,
         das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene
         Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist
         nach den Umständen des Einzelfalls zu beurteilen, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Natur der geltend gemachten
         Gründe und dem Interesse, das die Adressaten oder andere unmittelbar und individuell von dem Rechtsakt Betroffene daran haben
         können, Erklärungen zu erhalten. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur
         anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem
         betreffenden Gebiet (Urteil Cheil Jedang/Kommission, Randnr. 216, und Urteil des Gerichts vom 25. Oktober 2005 in der Rechtssache
         T‑38/02, Groupe Danone/Kommission, Slg. 2005, II‑4407, Randnr. 96). 
      
      234    Hier werfen die Klägerinnen der Kommission vor, in der angefochtenen Entscheidung nicht ausdrücklich begründet zu haben, weshalb
         die verhängten Geldbußen nicht die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgelegte Obergrenze von 10 % ihres Umsatzes
         überstiegen, und auch nicht begründet zu haben, weshalb sie zur Prüfung der Einhaltung dieser Obergrenze die Umsätze ihrer
         Mitglieder berücksichtigen durfte. 
      
      235    Tatsächlich ist keine Randnummer der angefochtenen Entscheidung der Prüfung der Einhaltung der für Geldbußen geltenden Obergrenze
         von 10 % des Umsatzes gewidmet. Die Kommission hat dort auch nicht dargelegt, dass im vorliegenden Fall für die Kontrolle
         der Einhaltung dieser Obergrenze die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen zu berücksichtigen waren, und hat ein solches
         Vorgehen erst recht nicht gerechtfertigt.
      
      236    Die Kommission vertritt allerdings die Meinung, dass sich die Einhaltung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes nur auf den
         gesetzlichen Höchstbetrag der Geldbuße beziehe und nicht zur Begründung der Entscheidung gehöre. 
      
      237    Es ist darauf hinzuweisen, dass die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bezeichnete Grenze von 10 % des Umsatzes
         den Umsatz des Unternehmens betrifft, das die Zuwiderhandlung begangen hat und als Adressat der Entscheidung in der Lage ist,
         die Einhaltung dieser Obergrenze nachzuprüfen; das gleiche gilt für Unternehmensvereinigungen. Unter diesen Umständen ist
         bezüglich der Anwendung dieser Obergrenze keine besondere Begründung erforderlich. Weicht die Kommission jedoch von ihrer
         üblichen Methode ab und berücksichtigt bei der Verhängung der Geldbuße einen anderen Umsatz als den des Adressaten der Entscheidung,
         mit der die Zuwiderhandlung geahndet wird, wie etwa die Umsätze der Mitglieder der mit der Sanktion belegten Vereinigung,
         so muss sie ihre Entscheidung unter allen Umständen besonders begründen, damit der Adressat der Entscheidung nachprüfen kann,
         ob die Zehnprozentgrenze bei der Berechnung der Geldbuße eingehalten wurde. 
      
      238    So ist die Kommission, wenn sie gegen ein individuelles Unternehmen, das eine Zuwiderhandlung begangen hat, eine Geldbuße
         verhängt, nicht unbedingt verpflichtet – wenn keine besonderen Umstände vorliegen –, die Einhaltung der Obergrenze von 10 %
         des Umsatzes dieses Unternehmens ausdrücklich zu begründen. Dem Unternehmen müssen sowohl die Existenz dieser gesetzlichen
         Obergrenze als auch die konkrete Höhe seines Umsatzes bekannt sein, so dass es, auch wenn die die Sanktion enthaltende Entscheidung
         insoweit keinerlei Begründung enthält, beurteilen kann, ob die ihm auferlegte Geldbuße die Obergrenze übersteigt oder nicht.
         
      
      239    Dagegen muss die Kommission, wenn sie eine Unternehmensvereinigung mit einer Sanktion belegt und die Einhaltung der gesetzlichen
         Obergrenze von 10 % des Umsatzes anhand der Summe der Umsätze aller oder eines Teils der Mitglieder dieser Vereinigung kontrolliert,
         dies in ihrer Entscheidung ausdrücklich angeben und die Gründe darlegen, die die Berücksichtigung der Umsätze der Mitglieder
         rechtfertigen. Mangels einer solchen Begründung könnten die Betroffenen der Entscheidung nicht die Gründe für ihren Erlass
         entnehmen und auch die Einhaltung der gesetzlichen Obergrenze im konkreten Fall nicht korrekt nachprüfen. 
      
      240    Diesem Ergebnis steht nicht die von der Kommission herangezogene, oben in Randnummer 230 angeführte Rechtsprechung entgegen,
         wonach, was den Umfang der Begründungspflicht bei der Berechnung einer für einen Verstoß gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln
         festgesetzten Geldbuße angeht, die Kommission in ihrer Entscheidung lediglich die Beurteilungselemente anzugeben braucht,
         denen sie in Anwendung der Leitlinien Rechnung getragen hat und die es ihr ermöglicht haben, die Schwere und die Dauer der
         Zuwiderhandlung zu beurteilen. Diese Rechtsprechung betrifft nämlich nur die Frage der Festsetzung der Höhe der Geldbuße,
         nicht dagegen die, ob die letztlich festgesetzte Geldbuße die Obergrenze von 10 % des Umsatzes des mit der Sanktion belegten
         Unternehmens oder der mit der Sanktion belegten Unternehmensvereinigung übersteigt. 
      
      241    Folglich hätte die Kommission in der angefochtenen Entscheidung angeben müssen, dass sie sich bei der Prüfung der Einhaltung
         der gesetzlichen Obergrenze von 10 % durch die festgesetzten Geldbußen auf die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen
         gestützt hatte, und gegebenenfalls präzisieren müssen, ob es sich um alle Mitglieder oder um bestimmte Kategorien von Mitgliedern
         handelte. Desgleichen hätte sie erläutern müssen, aufgrund welcher Umstände sie sich für berechtigt hielt, dabei die Summe
         der Umsätze der Mitglieder der Klägerinnen zu berücksichtigen. 
      
      242    Die Kommission kann sich im Übrigen nicht darauf berufen, dass sie in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung angegeben
         hat, dass sie sich auf die Leitlinien stützen werde. Dieser allgemeine Hinweis findet sich im Abschnitt über die Festsetzung
         der Höhe der Geldbußen und bezweckt nur, die Kriterien in Erinnerung zu rufen, die bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
         anzuwenden sind. Zudem hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht auf Nummer 5 Buchstabe c der Leitlinien
         Bezug genommen, der die Möglichkeit vorsieht, die Umsätze der Mitglieder einer Vereinigung zu berücksichtigen. 
      
      243    Die Kommission kann sich auch nicht auf die Schreiben berufen, mit denen sie die Klägerinnen am 10. Januar 2003 aufforderte,
         ihr die Umsätze ihrer Mitglieder bekannt zu geben. Denn selbst wenn man davon ausgeht, dass die Klägerinnen diesen Aufforderungen
         hätten entnehmen können, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung für die Berechnung der Obergrenze von 10 %
         auf die Umsätze ihrer Mitglieder abgestellt hatte, können diese Aufforderungen doch nicht die mangelnde Begründung der angefochtenen
         Entscheidung in diesem Punkt ausgleichen, insbesondere das völlige Fehlen eines Hinweises, aus welchen Gründen diese Zahlen
         bei der Prüfung der Einhaltung der Obergrenze verwendet werden konnten. 
      
      244    Der Umstand schließlich, dass die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 der Kommission nicht die Umsätze ihrer Mitglieder
         mitgeteilt hatten, kann die Kommission nicht von der Verpflichtung entbinden, in der angefochtenen Entscheidung selbst anzugeben,
         weshalb sie es für angemessen hielt, die von diesen Mitgliedern erzielten Umsätze zu berücksichtigen, und weshalb sie der
         Meinung war, dass die Obergrenze hier nicht überschritten war. 
      
      245    Aus allen diesen Gründen hat die Kommission die ihr durch Artikel 253 EG auferlegte Begründungspflicht verletzt. 
      
      II –  Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung oder Herabsetzung der Geldbuße 
      246    Die Klägerinnen machen für ihre Anträge auf Nichtigerklärung oder Herabsetzung der ihnen durch die angefochtene Entscheidung
         auferlegten Geldbußen sechs Klagegründe geltend: erstens Rechtswidrigkeit der Leitlinien, zweitens Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes,
         offensichtlicher Beurteilungsfehler und Rechtsirrtum bei der Feststellung der Schwere des Verstoßes, drittens Beurteilungsfehler
         und Rechtsfehler sowie Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes bei der Berücksichtigung der erschwerenden und mildernden
         Umstände, viertens Verstoß gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der Geldbußen, fünftens
         Verletzung des Grundsatzes des Verbots der Doppelbestrafung sowie sechstens Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit
         und offensichtlicher Beurteilungsfehler bei der Berücksichtigung der in Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien genannten Umstände.
         
      
      A –  Zum ersten Klagegrund: Rechtswidrigkeit der Leitlinien 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      247    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 machen erstens geltend, dass die Leitlinien gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         verstießen. Die Beurteilung der Auswirkungen der Vereinbarungen oder Verhaltensweisen auf das Funktionieren des Marktes sei
         ein wesentliches Kriterium für die Ermittlung der Schwere eines Verstoßes. Die Kommission berücksichtige jedoch für die Qualifizierung
         eines Verstoßes als besonders schwer überhaupt nicht seine Wirkungen, sondern nur seine Art und den Umfang des betreffenden
         räumlichen Marktes. Darüber hinaus unterliege eine Zuwiderhandlung, die nach Nummer 1 Teil A der Leitlinien als besonders
         schwerwiegend eingestuft werde, einer Geldbuße von mindestens 20 Mio. Euro. Dieser Mindestbetrag sei willkürlich festgesetzt
         und mache es der Kommission unmöglich, der Bedeutung, der Größe und der Natur der betroffenen Einheit oder dem Gewinn, den
         diese aus der Zuwiderhandlung ziehe, Rechnung zu tragen. 
      
      248    Zweitens verstießen die Leitlinien gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17. Erstens ermögliche es Nummer 1 Teil A
         der Leitlinien der Kommission, den Grundbetrag einer Geldbuße auf einen Betrag festzusetzen, der 1 Mio. Euro oder 10 % des
         von dem beschuldigten Unternehmen erzielten Umsatzes übersteige. Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, wonach die Kommission
         die Kriterien der Schwere und der Dauer der Zuwiderhandlung im Stadium der Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße berücksichtigen
         müsse, gestatte es dagegen nicht, dass dieser Grundbetrag – wie übrigens auch der letztlich festgesetzte Betrag der Geldbuße
         – diese Obergrenzen übersteige. Zweitens werde in Nummer 1 Teil B der Leitlinien das Kriterium der Dauer des Verstoßes nur
         für die Erhöhung der Geldbuße berücksichtigt, was dazu führe, dass die Kommission eine Zuwiderhandlung, die einige Tage gedauert
         habe, genauso beurteile wie eine andere, die fast ein Jahr gedauert habe. 
      
      249    Die Kommission weist erstens darauf hin, dass die einzigen Kriterien, die ausdrücklich in Artikel 15 der Verordnung Nr. 17
         aufgeführt seien, die Schwere und die Dauer der Zuwiderhandlung seien. Diese Vorschrift setze ihrem Ermessensspielraum bei
         der Festsetzung der Höhe der Geldbußen keine anderen Grenzen und enthalte keine anderen Präzisionen als die Beachtung der
         Obergrenze betreffend den Umsatz jedes Unternehmens. Da es sich bei den besonders schweren Verstößen um Verhaltensweisen handele,
         die schon ihrem Ziel nach eindeutig gegen die Grundsätze des Binnenmarktes verstießen, und um die abschreckende Wirkung der
         Geldbußen sicherzustellen, erscheine es keineswegs unverhältnismäßig, von einem Anfangsbetrag von 20 Mio. Euro auszugehen.
         Jedenfalls sei es entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen möglich, innerhalb der Kategorie der besonders schweren Verstöße
         den Betrag von 20 Mio. Euro zu unterschreiten. Die Kommission führt zweitens aus, die Festsetzung einer Obergrenze für die
         Geldbuße müsse im Verhältnis zu ihrem Endbetrag vor Anwendung mildernder Umstände erfolgen, und die Tatsache, dass die kurze
         Dauer kein Grund für eine Herabsetzung der Geldbuße, sondern nur ein neutraler Faktor sei, stelle keinen Verstoß gegen Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 dar. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      250    Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die Leitlinien – auch wenn sie nicht die Rechtsgrundlage der angefochtenen Entscheidung
         bilden, die namentlich auf der Verordnung Nr. 17 beruht – eine allgemeine und abstrakte Regelung des Vorgehens darstellen,
         das sich die Kommission zur Festsetzung der Geldbußen auferlegt hat. Somit besteht im vorliegenden Fall ein unmittelbarer
         Zusammenhang zwischen der angefochtenen Einzelentscheidung und dem allgemeinen Rechtsakt, um den es sich bei den Leitlinien
         handelt. Da die Klägerinnen nicht die Nichtigerklärung der Leitlinien verlangen konnten, können diese Gegenstand einer Einrede
         der Rechtswidrigkeit sein (Urteile des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑23/99, LR AF 1998/Kommission, Slg.
         2002, II‑1705, Randnrn. 274 und 276, und vom 29. November 2005 in der Rechtssache T‑64/02, Heubach/Kommission, Slg. 2005,
         II‑5137, Randnr. 35). 
      
      251    Die Klägerinnen tragen erstens vor, dass die Leitlinien den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verletzten, da sie bei der Definition
         der Kategorie der besonders schweren Verstöße die Wirkungen der fraglichen Vereinbarungen und Verhaltensweisen nicht berücksichtigten.
         
      
      252    Nach Nummer 1 Teil A der Leitlinien handelt es sich bei besonders schweren Verstößen im Wesentlichen um „horizontale Beschränkungen
         wie z. B. Preiskartelle, Marktaufteilungsquoten und sonstige Beschränkungen der Funktionsweise des Binnenmarktes, wie z. B.
         die Abschottung der nationalen Märkte“. Nach ständiger Rechtsprechung sind Preisabsprachen oder Absprachen zur Abschottung
         der Märkte ihrer Natur nach besonders schwere Verstöße (Urteile des Gerichts vom 11. Dezember 2003 in den Rechtssachen T‑65/99,
         Strintzis Lines Shipping/Kommission, Slg. 2003, II‑5433, Randnr. 168, und T‑66/99, Minoan Lines/Kommission, Slg. 2003, II‑5515,
         Randnr. 280, und vom 27. Juli 2005 in den Rechtssachen T‑49/02 bis T‑51/02, Brasserie nationale/Kommission, Slg. 2005, II‑3033,
         Randnrn. 173 und 174). Das Gericht ist deshalb der Auffassung, dass die Kommission den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nicht
         dadurch verletzt hat, dass sie in ihren Leitlinien dargelegt hat, dass diese Arten von Zuwiderhandlungen als besonders schwere
         Verstöße anzusehen sind. Jedenfalls sind nach Nummer 1 Teil A Absatz 1 der Leitlinien bei der Ermittlung der Schwere eines
         Verstoßes die konkreten Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar sind, zu berücksichtigen. Folglich muss die Kommission
         unter bestimmten Voraussetzungen die Auswirkungen der Zuwiderhandlung berücksichtigen, um festzustellen, ob sie besonders
         schwerwiegend ist. 
      
      253    Zu dem nach Ansicht der Klägerinnen willkürlich festgesetzten Betrag von 20 Mio. Euro für besonders schwere Verstöße ist vorab
         darauf hinzuweisen, dass die Kommission nach ständiger Rechtsprechung bei der Festlegung der Höhe der Geldbußen im Rahmen
         der Verordnung Nr. 17 über ein Ermessen verfügt, um die Unternehmen dazu anhalten zu können, die Wettbewerbsregeln zu beachten
         (Urteil Cheil Jedang/Kommission, Randnr. 76). Da die in den Leitlinien angegebenen Grundbeträge nur „voraussichtliche“ Beträge
         darstellen, steht es der Kommission frei, einen Grundbetrag von weniger als 20 Mio. Euro festzusetzen. Und da die in den Leitlinien
         vorgesehenen pauschalen Beträge nur Richtwerte sind, kann daraus an sich kein Verstoß gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
         folgen (Urteil Heubach/Kommission, Randnrn. 40 und 44).
      
      254    Die Klägerinnen machen zweitens geltend, dass die in Nummer 1 Teil A der Leitlinien vorgesehene Methode für die Berechnung
         der Geldbußen gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 verstoße, da sie es ermögliche, für die Geldbuße einen Grundbetrag
         festzusetzen, der 1 Mio. Euro oder 10 % des von dem beschuldigten Unternehmen erzielten Umsatzes übersteige.
      
      255    Dem kann nicht jedoch gefolgt werden. Denn Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17, wonach die Kommission Geldbußen in Höhe
         von bis zu 10 % des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes
         festsetzen kann, verlangt nur, die Geldbuße, die letztlich gegen ein Unternehmen festgesetzt wird, herabzusetzen, falls sie
         10 % seines Umsatzes übersteigt, unabhängig von Zwischenberechnungen, mit denen Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung Rechnung
         getragen werden soll. Folglich verbietet Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 der Kommission nicht, bei ihrer Berechnung
         einen Zwischenbetrag heranzuziehen, der 10 % des Umsatzes des betroffenen Unternehmens übersteigt, sofern die gegen dieses
         Unternehmen letztlich festgesetzte Geldbuße nicht über dieser Obergrenze liegt (Urteil LR AF 1998/Kommission, Randnrn. 287
         und 288). Dies gilt auch für den Höchstbetrag von 1 Mio. Euro. 
      
      256    Die Klägerinnen machen ferner geltend, dass Nummer 1 Teil B der Leitlinien gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17
         verstoße, da das Kriterium der Dauer der Zuwiderhandlung dort nur im Hinblick auf eine Erhöhung der Geldbuße berücksichtigt
         werde. 
      
      257    Nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 ist bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße neben der Schwere des Verstoßes
         auch seine Dauer zu berücksichtigen. Nummer 1 Teil B der Leitlinien bestimmt insoweit, dass die Dauer des Verstoßes zur Festsetzung
         eines Aufschlags zu dem unter Berücksichtigung der Schwere festgesetzten Betrag der Geldbuße führen kann. So unterscheiden
         die Leitlinien Verstöße von kurzer Dauer (in der Regel weniger als ein Jahr), für die kein Aufschlag festzusetzen ist, Verstöße
         von mittlerer Dauer (in der Regel zwischen einem und fünf Jahren), für die dieser Aufschlag bis zu 50 % des unter Berücksichtigung
         der Schwere des Verstoßes ermittelten Betrages ausmachen kann, und Verstöße von langer Dauer (in der Regel mehr als fünf Jahre),
         für die ein Aufschlag vorgesehen ist, der für jedes Jahr des Verstoßes bis zu 10 % des unter Berücksichtigung der Schwere
         des Verstoßes ermittelten Betrages ausmacht. Die Leitlinien berücksichtigen also nicht die sehr kurze Dauer einer Zuwiderhandlung
         im Hinblick auf eine Herabsetzung des Betrages der ursprünglich festgesetzten Geldbuße.
      
      258    Die kurze Dauer der Zuwiderhandlung berührt allerdings in keiner Weise deren Schwere, die sich aus ihrer Natur ergibt. Die
         Kommission hat daher in Nummer 1 Teil B Absatz 1 erster Gedankenstrich der Leitlinien zu Recht festgelegt, dass die sehr kurze
         Dauer des Verstoßes, d. h. eine Dauer von weniger als einem Jahr, es lediglich rechtfertigt, von einem Aufschlag auf den nach
         der Schwere des Verstoßes festgesetzten Betrag abzusehen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 19. März 2003 in der
         Rechtssache T‑213/00, CMA CGM u. a./Kommission, Slg. 2003, II‑913, Randnr. 283). 
      
      259    Hier ist darauf hinzuweisen, dass nach einer gefestigten Rechtsprechung die Leitlinien nicht über den in Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 vorgegebenen rechtlichen Rahmen für Sanktionen hinausgehen. Denn die in den Leitlinien enthaltene
         allgemeine Methode für die Berechnung der Geldbußen beruht auf den beiden in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 genannten
         Kriterien – Schwere des Verstoßes und Dauer der Zuwiderhandlung – unter Beachtung der dort festgelegten Obergrenze in Bezug
         auf den Umsatz jedes Unternehmens (Urteil LR AF 1998/Kommission, Randnrn. 231 und 232; Urteil des Gerichts vom 29. April 2004
         in den Rechtssachen T‑236/01, T‑239/01, T‑244/01 bis T‑246/01, T‑251/01 und T‑252/01, Tokai Carbon u. a./Kommission, Slg.
         2004, II‑1181, Randnrn. 189 und 190, und Urteil Heubach/Kommission, Randnr. 37).
      
      260    Aufgrund aller dieser Erwägungen ist dieser Klagegrund zurückzuweisen. 
      
      B –  Zum zweien Klagegrund: Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes, offensichtlicher Beurteilungsfehler und Rechtsfehler
            bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      261    Die Klägerinnen sind der Meinung, dass die Kommission die Zuwiderhandlung nicht als „besonders schwer“ hätte qualifizieren
         dürfen, sondern nur als „schwer“. Sie wiederholen, dass die Kommission ihnen nicht den Teilaspekt „Einfuhren“ der Vereinbarung
         hätte vorwerfen dürfen, und bestreiten die Dauer des Teilaspekts „Preise“ der Vereinbarung. Außerdem werfen sie der Kommission
         vor, nicht berücksichtigt zu haben, dass die streitigen Maßnahmen nur geringfügige Auswirkungen auf das Funktionieren des
         Marktes gehabt hätten. Tatsächlich hätten die ihnen vorgeworfenen Handlungen den Rindfleischsektor in keiner Weise geschädigt,
         da die Vereinbarung Auswirkungen weder auf die Preise noch auf die Einfuhren gehabt habe. So hätten die Schlachthofbetreiber
         zu keinem Zeitpunkt behauptet, einen Schaden aufgrund der Vereinbarung über das Mindestpreisschema erlitten zu haben, das
         im Übrigen keinen Einfluss auf die Verbraucherpreise gehabt habe. Die Kommission habe sich jedoch weder mit der Bedeutung
         des in Rede stehenden Wirtschaftssektors noch mit den tatsächlichen Auswirkungen der Vereinbarung befasst. Nach Auffassung
         der Klägerinnen durfte sie sich nicht bloß darauf berufen, dass es ihr unmöglich gewesen sei, die tatsächlich auf die Vereinbarung
         zurückgehenden Auswirkungen hinreichend genau zu beziffern. Auch habe die Kommission nicht dem rechtlichen und wirtschaftlichen
         Gesamtzusammenhang Rechnung getragen, insbesondere der Krise dieses Sektors und der Unwirksamkeit der Maßnahmen, die die Gemeinschaft
         zu ihrer Bekämpfung getroffen habe. Schließlich habe es sich bei der Zuwiderhandlung um eine vertikale und nicht um eine horizontale
         Vereinbarung gehandelt. 
      
      262    Die Kommission vertritt die Auffassung, dass die Zuwiderhandlung aufgrund ihrer Art und des räumlichen Umfangs des betreffenden
         Marktes ein besonders schwerer Verstoß gewesen sei. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      263    Wie bereits entschieden worden ist, hat die Kommission Dauer und Umfang der streitigen Vereinbarung fehlerfrei festgestellt.
         Deshalb sind die die Qualifizierung der Schwere dieser Vereinbarung betreffenden Rügen zurückzuweisen, die darauf gestützt
         wurden, dass Dauer und Umfang der Zuwiderhandlung unrichtig bewertet worden seien. 
      
      264    Weiter ist darauf hinzuweisen, dass die in Rede stehenden Zuwiderhandlungen, nämlich die Aussetzung oder die Beschränkung
         der Rindfleischeinfuhren und die Festsetzung von Mindestpreisen, als besonders schwerwiegend anzusehen sind. Wie die Kommission
         in Nummer 1 Teil A dritter Gedankenstrich der Leitlinien zu Recht festgelegt hat, handelt es sich bei Verhaltensweisen zur
         Abschottung der nationalen Märkte grundsätzlich um besonders schwere Verstöße. Desgleichen bildeten in der vorliegenden Rechtssache
         die Maßnahmen zur Festsetzung der Preise einen besonders schweren Verstoß, denn in diesem Teil der streitigen Vereinbarung
         wurden Mindestpreise für bestimmte Arten von Kühen festgesetzt mit dem Ziel, sie für alle Wirtschaftsteilnehmer, die auf den
         fraglichen Märkten tätig waren, verbindlich zu machen (siehe oben, Randnr. 85). Dieses Ergebnis wird auch nicht durch das
         Vorbringen der Klägerinnen in Frage gestellt, dass die streitige Vereinbarung eine vertikale Vereinbarung gewesen sei. Diese
         Vereinbarung wurde von Verbänden getroffen, die einen sehr bedeutenden Teil sowohl der Züchter als auch der Schlachthofbetreiber
         in Frankreich repräsentieren und bei denen es sich um zwei Glieder der Produktionskette im Rindfleischsektor handelt (siehe
         oben, Randnr. 88). Außerdem berührten die geahndeten Zuwiderhandlungen den wichtigsten Rindermarkt in Europa und gingen im
         Übrigen aufgrund der Importbeschränkungen über den rein nationalen Rahmen hinaus. Zudem wird nicht bestritten, dass es sich
         bei den Verbänden, die die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichnet haben, um die bedeutendsten Berufsverbände im Sektor
         der Rinderzucht und ‑schlachtung in Frankreich handelte. 
      
      265    Was die Berücksichtigung der Auswirkungen der Vereinbarung angeht, hat die Kommission nach Auffassung des Gerichts Nummer
         1 Teil A der Leitlinien zutreffend ausgelegt, wonach die konkreten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt bei der
         Beurteilung ihrer Schwere nur dann zu berücksichtigen sind, wenn sie messbar sind. Die Kommission hat in der angefochtenen
         Entscheidung die Entwicklung der Rindfleischeinfuhren nach Frankreich und die Entwicklung der Durchschnittspreise für verschiedene
         Rindfleischkategorien nach Abschluss der streitigen Vereinbarung untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es ihr
         nicht möglich war, zu beurteilen, inwieweit sich die Vereinbarung tatsächlich auf den innergemeinschaftlichen Handel und auf
         die Preise ausgewirkt hat (Randnrn. 78, 81 und 167 der angefochtenen Entscheidung). Zu dem Vorbringen betreffend den wirtschaftlichen
         Zusammenhang der vorliegenden Rechtssache ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission diesen Zusammenhang in der angefochtenen
         Entscheidung berücksichtigt hat, insbesondere bei der Anwendung der Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien (siehe unten, Randnrn.
         350 bis 361). Diese Frage ist jedenfalls im Folgenden genauer zu untersuchen.
      
      266    Nach alledem ist das Gericht der Auffassung, dass die Qualifizierung des vorliegenden Verstoßes als „besonders schwer“ gerechtfertigt
         war. 
      
      267    Folglich ist dieser Klagegrund zurückzuweisen. 
      
      C –  Zum dritten Klagegrund: Beurteilungsfehler und Rechtsfehler sowie Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit bei der
            Berücksichtigung der erschwerenden und der mildernden Umstände 
      268    Die Klägerinnen wenden sich gegen die Erhöhung der Geldbußen aufgrund bestimmter von der Kommission angenommener erschwerender
         Umstände, nämlich der heimlichen Fortführung der Vereinbarung und der Anwendung von Gewalt. Außerdem fordert die Klägerin
         in der Rechtssache T‑217/03 die Berücksichtigung einer Reihe von mildernden Umständen. Nach Auffassung der Klägerinnen sind
         der Kommission bei der Berücksichtigung dieser erschwerenden und mildernden Umstände Beurteilungsfehler und Rechtsfehler unterlaufen;
         auch habe sie den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verletzt. 
      
      1.     Zu dem erschwerenden Umstand der heimlichen Fortführung der Vereinbarung 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      269    Die Klägerinnen bestreiten, die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 heimlich fortgeführt zu haben, und wenden sich folglich
         gegen die aus diesem Grunde beschlossene Erhöhung der Geldbußen um 20 %. 
      
      270    Die Kommission bekräftigt ihre Auffassung, dass die Vereinbarung über den Ablauf der schriftlichen Vereinbarung vom 24. Oktober
         2001 hinaus heimlich und mündlich fortgeführt worden sei. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      271    Die Kommission richtete am 26. November 2001 ein Schreiben an die Klägerinnen, in dem sie ihnen mitteilte, dass die Tatsachen,
         von denen sie Kenntnis erlangt hatte, darunter der Abschluss der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001, auf eine Zuwiderhandlung
         gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln hindeuteten, die sie abstellen müssten. Die Klägerinnen antworteten der Kommission,
         dass die Vereinbarung am 30. November 2001 ablaufe und nicht verlängert werde (siehe oben, Randnr. 15). Das Gericht hat jedoch
         entschieden, dass die Klägerinnen die Vereinbarung entgegen ihrem Vorbringen über den 30. November 2001 hinaus fortgeführt
         haben, und zwar heimlich, entgegen dem Warnschreiben der Kommission und entgegen den Versicherungen, die sie dieser gegeben
         hatten (siehe oben, Randnr. 185). Deshalb ist das Gericht der Auffassung, dass die Kommission die Fortführung der Vereinbarung
         zu Recht als erschwerenden Umstand zu Lasten der Klägerinnen angesehen (vgl. in diesem Sinne Urteil LR AF 1998/Kommission,
         Randnr. 324) und deshalb die Geldbußen um 20 % heraufgesetzt hat. 
      
      272    Diese Rüge ist demnach zurückzuweisen. 
      
      2.     Zum erschwerenden Umstand der Gewaltanwendung 
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      273    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 wenden sich gegen die Erhöhung der gegen die FNSEA, die FNB und die JA festgesetzten
         Geldbußen um 30 % wegen der Gewalt, die ihre Mitglieder angewandt haben sollen, um die Schlachthofbetreiber zur Unterzeichnung
         der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 zu bewegen und sodann deren Einhaltung zu kontrollieren. 
      
      274    Sie behaupten, vor dem 24. Oktober 2001 hätten die lokalen Aktionen hauptsächlich bezweckt, die französische Regierung zum
         Erlass einer Reihe von Maßnahmen zu veranlassen, und die öffentliche Meinung davon zu überzeugen, dass allein die Züchter
         die Konsequenzen der Krise zu spüren bekämen. In einem Klima der Hoffnungslosigkeit habe eine dieser Aktionen am 15. Oktober
         2001 zu äußerst schwerwiegenden Gewaltakten geführt. Die FNSEA habe jedoch nicht zur Blockade von Schlachthöfen und erst recht
         nicht zu Gewaltakten aufgerufen. 
      
      275    Diese Aktionen hätten sich sogar erheblich verschärft, insbesondere im Laufe des 23. Oktober 2001 in Westfrankreich. In dieser
         äußerst angespannten Atmosphäre habe der französische Landwirtschaftsminister die Initiative ergriffen, die Klägerinnen und
         die Verbände der Schlachthofbetreiber zu einer Eilsitzung zusammenzurufen. Die Klägerinnen leiten daraus her, dass die nationalen
         Züchterverbände die Gewalt nicht angewandt hätten, um die Schlachthofbetreiber zur Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24.
         Oktober 2001 zu bewegen, sondern dass es der Unterzeichnung dieser Vereinbarung zu verdanken sei, dass die Gewalt vor Ort
         aufgehört habe. Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 sei die Situation in den Regionen uneinheitlich
         gewesen, da die Vertreter der zahlreichen Ortsverbände oder Verbände auf Departementsebene nicht das gleiche Verhalten an
         den Tag gelegt hätten. Jedenfalls seien die Aktionen, zu denen es möglicherweise in bestimmten Departements gekommen sei,
         im Rahmen der Aktionen der Ortsverbände oder der Verbände auf Departementsebene durchgeführt worden und könnten folglich den
         Klägerinnen nicht angelastet werden. 
      
      276    Die Klägerinnen machen abschließend geltend, die Kommission sei verpflichtet, den Grundsatz der individuellen Zumessung von
         Strafen zu beachten (Urteil des Gerichtshofes vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑279/98 P, Cascades/Kommission, Slg.
         2000, I‑9693, Randnrn. 78 und 79). Somit hätte sie den gewaltsamen Charakter der Handlungen nur dann als erschwerenden Umstand
         ansehen dürfen, wenn sie den konkreten Beweis dafür erbracht hätte, dass jeder der drei beschuldigten Verbände seine Mitglieder
         tatsächlich zu derartigen Handlungen angestachelt habe.
      
      277    Die Kommission weist darauf hin, dass die Klägerinnen weder die Existenz von Gewaltakten noch den Umstand leugneten, dass
         diese von ihren mittelbaren Mitgliedern begangen worden seien. Diese Handlungen könnten den Klägerinnen auch vorgeworfen werden,
         da sie die Mobilisierung der Verbände empfohlen hätten und häufig vom Ergebnis der Operationen unterrichtet worden seien,
         die zur Sicherstellung der Anwendung der nationalen Vereinbarung organisiert und durchgeführt worden seien und bisweilen durchaus
         ihren Wünschen entsprochen hätten. Die Kommission habe deshalb diese Handlungen zu Recht als erschwerenden Umstand zu Lasten
         der Klägerinnen angesehen. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      278    In Randnummer 173 der angefochtenen Entscheidung wird festgestellt, dass die den Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 angeschlossenen
         Landwirte die Vereinigungen der Schlachthofbetreiber mit Gewalt zum Abschluss der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 gedrängt
         und auch physischen Zwang ausgeübt hätten, um die Einhaltung der Vereinbarung durchzusetzen, etwa im Rahmen von illegalen
         Aktionen zur Kontrolle der Herkunft von Fleisch. 
      
      279    In der Tat ergibt sich aus den Akten, dass Gruppen von Züchtern in Frankreich u. a. in Schlachthöfen zahlreiche Aktionen durchgeführt
         haben, um die Einhaltung der Mindesteinkaufspreise für Rinder durchzusetzen und Rindfleischeinfuhren zu behindern. Ausweislich
         der Akten kam es im Rahmen derartiger Aktionen zu gewaltsamen Handlungen, nämlich zu Schlachthofblockaden, Vernichtung von
         Fleisch, Verwüstung von Einrichtungen und illegalen Kontrollen.
      
      280    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 räumen ein, dass es zu derartigen Aktionen gekommen ist. Diese könnten ihnen jedoch
         nicht vorgeworfen werden, denn sie seien nicht von ihren unmittelbaren Mitgliedern, sondern von den Mitgliedern der Ortsverbände
         und der Verbände auf Departementsebene begangen worden. Außerdem hätten sie niemals zu derartigen Gewaltakten aufgerufen.
         
      
      281    Dazu ist zunächst festzustellen, dass die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03, insbesondere die FNSEA, die FNB und die
         JA, entscheidend an der Planung und Organisation der Aktionen beteiligt waren, die bezweckten, die Einhaltung von Mindestpreisen
         für bestimmte Arten von Kühen und die Aussetzung der Rindfleischeinfuhren nach Frankreich durchzusetzen. Diese Aktionen wurden
         insbesondere von zahlreichen Bauernverbänden und Zusammenschlüssen von Bauernverbänden durchgeführt, bei denen es sich um
         unmittelbare oder mittelbare Mitglieder der Klägerinnen handelte, sowie von Gruppen von Züchtern, die unstreitig in vielen
         Fällen Mitglieder dieser Bauernverbände waren. 
      
      282    So heißt es in dem Protokoll eines Koordinierungstreffens von FNSEA, FNB, JA, und FNPL am 16. Oktober 2001, dass die FNB vorschlug,
         „die Einhaltung von dem Erzeuger zu zahlenden Mindestpreisen für die verschiedenen Kategorien von Schlachtkühen“ sicherzustellen.
         Weiter wird vermerkt, dass die Verbandsstrategie, mit der die Einhaltung dieser Mindestpreise sichergestellt werden sollte,
         namentlich „die Kontrolle der Herkunft von Fleisch, insbesondere im Bereich der [Außer-Haus-Verpflegung]“, erforderte sowie
         die „Mobilisierung aller Erzeuger für dieses Ziel, d. h. Weigerung, unter diesem Preis zu verkaufen, und/oder Denunzierung
         derjenigen, die unter diesem Preis kaufen“. In diesem Protokoll wird schließlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, „das Netz
         für diese neue Strategie zu mobilisieren“. Desgleichen wird in einer Mitteilung der FNB an die Rindersektionen vom 19. Oktober
         2001 dazu aufgerufen, „die Mobilisierung der Rindersektionen für die vom Vorstand der FNB erteilten Anweisungen zur Durchsetzung
         von Mindestpreisen für Schlachtkühe fortzusetzen und zu verstärken“. Weiter heißt es, dass „[e]ine starke Mobilisierung der
         Verbände für dieses Ziel … unbedingt nötig [ist]“ und dass diese „darauf abzielen [muss], die Zustimmung der Unternehmen zu
         diesem Prinzip zu erreichen“; es wird hervorgehoben, dass „[e]ine einheitliche und koordinierte Aktion aller Produzenten …
         unerlässlich [ist]“. 
      
      283    Nach der Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 wurde in einer gemeinsamen Mitteilung der Klägerinnen in der
         Rechtssache T‑245/03 an ihre Mitglieder vom 25. Oktober 2001 ausgeführt: „Jeder von uns muss nun äußerst wachsam sein, damit
         diese Vereinbarung … strikt und flächendeckend angewandt wird.“ Außerdem werden in einer anderen gemeinsamen Mitteilung vom
         13. Dezember 2001 „alle [Mitglieder] des Netzes der FNSEA aufgefordert, sich zu mobilisieren …, um bei jedem Schlachthof die
         angewandten Preise zu kontrollieren“, und zu diesem Zweck „Schritte bei allen in ihrem Departement liegenden Schlachthöfen
         zu unternehmen“. 
      
      284    Aus alledem ergibt sich, dass die Aktionen der Bauernverbände vor Ort Teil einer von den Klägerinnen ausgearbeiteten Strategie
         waren. Im Übrigen ergibt sich aus mehreren in den Akten enthaltenen Schriftstücken, dass einige der fraglichen Gewaltakte
         im Rahmen dieser Aktionen begangen wurden. 
      
      285    So wird in einem Zeitungsartikel vom 17. Oktober 2001 von der Zerstörung der Kühlanlagen eines Schlachthofs in Fougères berichtet,
         wobei die Züchter mit Eisenstangen auf die Kühlanlagen eingeschlagen und Schlachtkörper von Rindern verbrannt hätten. In dem
         Artikel heißt es: „Die wütenden Züchter gehorchten einer auf nationaler Ebene ausgegebenen, von der FDSEA und den JA verbreiteten
         Parole.“ Sodann wird berichtet: 
      
      „Der Präsident der FDSEA des Departements Mayenne kritisiert die Einfuhren von ausländischem Fleisch. Hinter ihm sieht man
         ein riesiges Feuer, in dem Schlachtkörper und Kartons verbrannt werden. ‚Wir haben gefunden, was wir gesucht haben. Das hier
         gelagerte Fleisch stammt aus Schlachtungen in Holland, Österreich, Deutschland oder Italien‘.“ 
      
      286    Desgleichen berichtet ein Zeitungsartikel vom 25. Oktober 2001 über in den vorangegangenen Tagen erfolgte Blockaden von Rindfleisch
         verarbeitenden Fabriken, Schlachthöfen und Einkaufszentralen durch französische Bauernverbände. In dem Artikel heißt es, die
         Vorsitzenden dieser Verbände hätten erklärt, dass trotz der Aufhebung der Blockaden „ihre Truppen mobilisiert bleiben und
         ‚Besuche‘ von Betrieben vorsehen, um nachzuprüfen, ob die Unternehmen sich an das Embargo halten“; ferner werden folgende
         am Rande einer Pressekonferenz abgegebene Erklärungen des Präsidenten der FNSEA wiedergegeben: „Wir werden sie treffen. Wenn
         sie nicht begreifen, haben wir überzeugende Mittel.“ In dem Artikel heißt es weiter: „Die französischen Züchter haben … die
         Franzosen aufgerufen, ausländisches Rindfleisch zu boykottieren, und außerdem den Unternehmen, die nach dem 29. Oktober ausländisches
         Rindfleisch kaufen würden, mit Repressalien gedroht.“ 
      
      287    Schließlich erklärte der Vizepräsident der FNB in einem Gespräch vom 4. Dezember 2001, dass für die Anwendung der Mindestpreise
         die „Mobilisierung der Züchter vor Ort“ nötig sei, und kündigte an, dass die Züchter die fraglichen Schlachthöfe blockieren
         würden, wenn die von den Schlachthofbetreibern angebotenen Preise nicht mit den vereinbarten Preisen übereinstimmten. 
      
      288    Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerinnen, die nationalen Züchterverbände hätten sich der Gewaltakte nicht bedient,
         um die Schlachthofbetreiber zur Unterzeichnung der Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 zu bewegen, sondern diese Unterzeichnung
         habe vielmehr die Beendigung der Gewalt vor Ort ermöglicht. Denn erstens heißt es in der Vereinbarung ausdrücklich, dass die
         Verbände der Schlachthofbetreiber die Vereinbarung „als Voraussetzung für die Aufhebung der Blockade der Schlachthöfe“ unterzeichnet
         hätten. Zweitens wurden die Gewaltakte häufig im Rahmen der Aktionen der Berufsverbände begangen, zu denen die Klägerinnen
         in der Rechtssache T‑245/03 aufgerufen hatten, so dass sie den Abschluss dieser Vereinbarung nicht mit deren Notwendigkeit
         zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung rechtfertigen können, die durch diese Aktionen gestört worden war. 
      
      289    Aus diesen Gründen war die Kommission berechtigt, zu Lasten der FNSEA, der FNB und der JA einen erschwerenden Umstand aufgrund
         der Gewaltanwendung anzunehmen und deshalb den Betrag der diesen auferlegten Geldbußen um 30 % heraufzusetzen. 
      
      290    Folglich ist diese Rüge zurückzuweisen. 
      
      3.     Zur Nichtberücksichtigung mildernder Umstände
      a)     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      291    Die Klägerin in der Rechtssache T‑213/03 trägt vor, die Kommission habe nicht alle in den Leitlinien vorgesehenen mildernden
         Umstände berücksichtigt. Sie verweist insbesondere darauf, dass die Vereinbarung keine Auswirkungen auf den Markt gehabt habe
         und dass die Zuwiderhandlung sofort nach dem Eingreifen der Kommission abgestellt worden sei. Auch habe sie trotz der Erklärungen
         ihrer Vertreter bei der Begehung der Zuwiderhandlung eine rein passive Rolle gespielt. Diese Umstände müssten die Kommission
         veranlassen, sie von jeder Geldbuße zu verschonen. 
      
      292    Die Kommission entgegnet, das Vorbringen der Klägerin gehe sachlich und rechtlich fehl. 
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      293    Erstens ist festzustellen, dass das Vorbringen, die Klägerin habe die Zuwiderhandlung sofort nach dem Einschreiten der Kommission
         abgestellt, sachlich unrichtig ist. Wie bereits entschieden worden ist, haben die Klägerinnen entgegen ihrem Vorbringen ihre
         Vereinbarung über den 30. November 2001 hinaus fortgeführt, und zwar entgegen dem Warnschreiben der Kommission vom 26. November
         2001 und entgegen den Versicherungen, die sie dieser gegeben hatten (siehe oben, Randnr. 271). 
      
      294    Zweitens stehen die Erklärungen des Präsidenten der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 im Widerspruch zu deren Vorbringen,
         dass sie bei der Begehung der Zuwiderhandlung nur eine rein passive Rolle gespielt habe. Tatsächlich hat der Präsident der
         Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 in einem Schreiben an den Präsidenten der FNSEA vom 9. November 2001 ausgeführt: „Die
         [Klägerin in der Rechtssache T‑217/03] hat aktiv an den Verhandlungen vom 24. Oktober teilgenommen, die zu der Vereinbarung
         über Mindestpreise für Kühe geführt haben. Die Diskussion war zwar schwierig, … aber es wurde ziemlich schnell Einvernehmen
         über den Grundsatz von Mindestpreisen erzielt, und ich denke, dass ich mit meinem Verband wesentlich dazu beigetragen habe.“
         Die Kommission hat den Betrag der Geldbuße für die Klägerin ohnehin schon um 60 % herabgesetzt, indem sie als zwei mildernde
         Umstände berücksichtigt hat, dass sich der französische Landwirtschaftsminister nachdrücklich für den Abschluss der Vereinbarung
         ausgesprochen hatte und dass die Einrichtungen der Mitglieder der Klägerin illegalen Blockaden ausgesetzt waren. Diese mildernden
         Umstände rechtfertigen sich bis zu einem gewissen Grad dadurch, dass die Klägerin keine herausragende oder sehr aktive Rolle
         bei den Zuwiderhandlungen gespielt hat und sich ihre Beteiligung daran zumindest teilweise mit den besonderen Umständen des
         vorliegenden Falles erklären lässt. 
      
      295    Drittens schließlich kann der Kommission nicht vorgeworfen werden, dass sie der Klägerin keinen mildernden Umstand wegen der
         angeblich fehlenden Auswirkungen der streitigen Vereinbarung auf die Märkte zugebilligt hat. Nach Auffassung des Gerichts
         ergibt sich nämlich entgegen dem Vorbringen der Klägerin aus den Akten nicht, dass die streitige Vereinbarung keine Auswirkungen
         auf die in Rede stehenden Märkte hatte. Insbesondere bedeutet der Umstand, dass es der Kommission nicht möglich war, zu beurteilen,
         inwieweit sich die Vereinbarung tatsächlich auf die Preise und den innergemeinschaftlichen Handel ausgewirkt hat (Randnr.
         167 der angefochtenen Entscheidung), nicht, dass sie keinerlei Wirkung gehabt hat. Jedenfalls muss sich die Berücksichtigung
         der Wirkung einer Zuwiderhandlung gegebenenfalls in den Rahmen der Beurteilung ihrer konkreten Auswirkungen auf den Markt
         zur Ermittlung ihrer Schwere einfügen und nicht in die Beurteilung des individuellen Verhaltens des jeweiligen Unternehmens
         zur Ermittlung erschwerender oder mildernder Umstände (Urteil Cheil Jedang/Kommission, Randnr. 189). 
      
      296    Folglich konnte die Kommission zu Recht davon ausgehen, dass der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 keiner dieser mildernden
         Umstände zuzuerkennen war. 
      
      297    Sonach greift diese Rüge nicht durch. 
      
      298    Daraus ergibt sich, dass dieser Klagrund insgesamt zurückzuweisen ist. 
      
      D –  Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung des Betrages der Geldbußen
            
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      299    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 machen zunächst geltend, aus Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 ergebe
         sich, dass die Kommission einer Unternehmensvereinigung, die keinen Umsatz erziele, keine Geldbuße von mehr als 1 Mio. Euro
         auferlegen dürfe. Diese Vorschrift sei nämlich unter Berücksichtigung des [quasi‑] repressiven Charakters der dort vorgesehenen
         Sanktionen eng auszulegen. 
      
      300    Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 führt aus, die Obergrenze von 10 % des Umsatzes gelte für jede Geldbuße, auch wenn
         sie unter 1 Mio. Euro liege. Es würde den Grundsätzen der Gleichheit und der Verhältnismäßigkeit widersprechen und systematisch
         die kleinen Unternehmen benachteiligen, wenn man eine diese Obergrenze übersteigende Geldbuße zulassen würde. 
      
      301    Die Klägerinnen tragen vor, dass die durch die angefochtene Entscheidung festgesetzten Geldbußen die Obergrenze von 10 % ihrer
         Umsätze überstiegen. So mache die Geldbuße von 480 000 Euro für die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, deren Einkünfte
         sich im Jahre 2002 auf 1 726 864 Euro belaufen hätten, mehr als 25 % ihres Umsatzes aus. Was die Klägerinnen in der Rechtssache
         T‑245/03 angehe, machten die Geldbußen 200 % der Jahresbeiträge der FNSEA, 240 % der Jahresbeiträge der FNB, 80 % der Jahresbeiträge
         der FNPL und 200 % der Jahresbeiträge der JA aus. 
      
      302    Die Klägerinnen bemerken dazu, dass bei der Berechnung der Obergrenze nicht von den Umsätzen ihrer jeweiligen unmittelbaren
         oder mittelbaren Mitglieder ausgegangen werden dürfe. 
      
      303    Denn nach der Rechtsprechung sei die Heranziehung der Umsätze der Mitglieder von Unternehmensvereinigungen zur Berechnung
         der Obergrenze von 10 % nur möglich, wenn die Vereinigung kraft ihrer Satzung ihre Mitglieder verpflichten könne (Urteil des
         Gerichtshofes vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑298/98 P, Finnboard/Kommission, Slg. 2000, I‑10157, Randnr. 66; Urteile
         des Gerichts CB und Europay/Kommission, Randnr. 136, vom 21. Februar 1995 in der Rechtssache T‑29/92, SPO u. a./Kommission,
         Slg. 1995, II‑289, Randnr. 385, SCK und FNK/Kommission, Randnr. 252, und vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑338/94, Finnboard/Kommission,
         Slg. 1998, II‑1617, Randnr. 270). So könne der Umsatz der Mitglieder nur dann berücksichtigt werden, wenn sich die streitige
         Vereinbarung aus dem satzungsmäßigen Zweck der Vereinigung ergebe oder wenn die Satzung es ermögliche, die Mitglieder zu verpflichten
         (vgl. in diesem Sinne Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 4. Juni 1996 in der Rechtssache T‑18/96 R, SCK und FNK/Kommission,
         Slg. 1996, II‑407, Randnrn. 33 und 34). 
      
      304    Die Klägerinnen machen jedoch geltend, dass sie ihre Mitglieder nicht verpflichten könnten. So behauptet die Klägerin in der
         Rechtssache T‑217/03, sie besitze lediglich eine Kompetenz zur moralischen und berufsständischen Verteidigung ihrer Mitglieder
         und zu ihrer Vertretung gegenüber den Behörden oder Berufsorganisationen. Sie sei keine Vereinigung, die die Aufgabe habe,
         die kommerziellen Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten oder Vereinbarungen in ihrem Namen zu schließen. Ebenso tragen
         die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 vor, keine gesetzliche Vorschrift und keine Bestimmung in ihren Satzungen ermächtige
         sie, Verpflichtungen im Namen ihrer Mitglieder einzugehen. Sie könnten erst recht nicht die „Mitglieder der ihren Mitgliedern
         angeschlossenen Mitglieder“ verpflichten, d. h. die Züchter, die natürliche Personen und Mitglieder der Ortsverbände seien.
      
      305    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 vertreten schließlich den Standpunkt, dass selbst wenn sie aufgrund ihrer Satzungen
         befugt gewesen wären, ihre Mitglieder zu verpflichten, die Kommission bei der Berechnung der Höhe der Geldbußen keinesfalls
         die Methode der Kumulierung der Umsätze der Mitglieder hätte anwenden dürfen. Die Klägerinnen seien nämlich keine autonomen
         Verbände, sondern hätten gemeinsame Mitglieder. Folglich hätte für jeden Verband nur die Summe der Einkünfte derjenigen Züchter
         berücksichtigt werden dürfen, die nur diesem Verband angehörten. 
      
      306    Die Kommission entgegnet zunächst, dass das Vorbringen, sie könne gegen eine Unternehmensvereinigung, die keinen Umsatz erziele,
         keine Geldbuße von mehr als 1 Mio. Euro festsetzen, auf einer falschen Auslegung des Artikels 15 Absatz 2 der Verordnung Nr.
         17 beruhe.
      
      307    Nach dieser Vorschrift brauche sie die Einhaltung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes nur dann zu prüfen, wenn sie eine Geldbuße
         festsetze, die 1 Mio. Euro übersteige (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, Randnr. 119). Im Hinblick auf
         die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, der eine Geldbuße von 480 000 Euro auferlegt worden sei, habe die Kommission diese
         Obergrenze somit nicht verletzen können. 
      
      308    Nach Nummer 5 Buchstabe c der Leitlinien sei bei Vorgängen, an denen Unternehmensvereinigungen beteiligt seien, wenn es nicht
         möglich sei, gegen die Mitgliederunternehmen einzeln Geldbußen festzusetzen, gegenüber der Vereinigung eine Gesamtgeldbuße
         festzusetzen, die dem Gesamtbetrag der Einzelgeldbußen entspreche, die gegenüber jedem einzelnen Mitgliederunternehmen hätte
         festgesetzt werden müssen. Denn es würde keineswegs der wirklichen Bedeutung der Parteien einer Vereinbarung entsprechen,
         wollte man sich auf das Budget eines Verbandes beschränken. 
      
      309    Die Kommission wendet sich gegen die Auslegung der oben in Randnummer 303 zitierten Rechtsprechung durch die Klägerinnen und
         führt aus, nach dieser Rechtsprechung könne die Obergrenze von 10 % im Verhältnis zum Umsatz der Mitgliedsunternehmen einer
         Unternehmensvereinigung berechnet werden, „jedenfalls soweit die Vereinigung kraft ihrer Satzung ihre Mitglieder verpflichten
         kann“. Die Wendung „jedenfalls soweit“ bedeute nicht dasselbe wie „unter der Voraussetzung, dass“, sondern vielmehr dasselbe
         wie „zumindest“ oder „jedenfalls“. Diese Rechtsprechung schließe nicht aus, dass andere besondere Umstände die Berücksichtigung
         der Umsätze der Mitglieder einer Vereinigung rechtfertigen könnten. So sei die Vereinbarung in der vorliegenden Rechtssache
         von nationalen Verbänden zugunsten ihrer Mitglieder geschlossen worden. Die Klägerinnen übten keine wirtschaftliche Tätigkeit
         aus, so dass eine rein kommerzielle Vereinbarung nur für ihre Mitglieder ein wirtschaftliches Interesse habe. Da die Interessen
         der Verbände und ihrer Mitglieder völlig übereinstimmten, hätten die Klägerinnen kein eigenes Interesse am Abschluss der Vereinbarung.
         
      
      310    Jedenfalls seien die Klägerinnen im Sinne der genannten Rechtsprechung befugt gewesen, ihre Mitglieder zu verpflichten. Diese
         Befugnis brauche nicht unbedingt in der Satzung einer Vereinigung aufgeführt zu sein, sondern könne sich aus der Kombination
         verschiedener Bestimmungen ergeben. Desgleichen umfasse die Befugnis, die Mitglieder zu verpflichten, nicht die Befugnis,
         sie rechtlich zu binden. Jedenfalls ergebe sich aus der Prüfung der Satzung der Klägerinnen, dass sie ihre Mitglieder binden
         könnten. 
      
      311    Wenn man die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen zur Berechnungsgrundlage mache, hätten die hier festgesetzten Geldbußen
         die Obergrenze von 10 % nicht überschritten. Was erstens die Klägerin in der Rechtssache C‑217/03 betreffe, sei der Betrag
         der gegen sie festgesetzten Geldbuße nach den in ihrem Schreiben vom 27. Januar 2003 enthaltenen Schätzungen im Verhältnis
         zu den Umsätzen ihrer Mitglieder ganz unbedeutend. Was zweitens die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 angehe, ergebe
         sich ein Betrag von 48,68 Euro pro Mitglied, wenn man die von der FNSEA selbst angegebene Anzahl ihrer Mitglieder zugrunde
         lege und die Gesamtgeldbuße auf die diesen angeschlossenen landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe umlege. Somit genüge zur
         Vermeidung der Überschreitung der Obergrenze ein durchschnittlicher Jahresumsatz von 500 Euro pro Mitglied. Da im Rindfleischsektor
         im Jahre 2002 etwa 4,4 Milliarden Euro umgesetzt worden seien und die FNSEA ihren Erklärungen zufolge 70 % der französischen
         Landwirte repräsentiere, müsse der Umsatz ihrer Mitglieder etwa 3 Milliarden Euro betragen. Der Gesamtbetrag der Geldbußen
         würde jedoch die Obergrenze von 10 % des Umsatzes der der FNSEA angehörenden Rinderzüchter nur erreichen, wenn diese weniger
         als 160 Mio. Euro Umsatz erzielten bzw. weniger als 3,5 % des Rindfleischsektors repräsentierten. Schließlich würde sich an
         dieser Berechnung auch dann nichts ändern, wenn man den Mehrfachmitgliedschaften von Züchtern Rechnung tragen würde. So betrage
         das Ergebnis, wenn man die der FNSEA auferlegte Geldbuße auf ihre 270 000 Mitglieder, die nicht den JA angeschlossen seien,
         umlege, 44,44 Euro pro Betrieb. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      312    Nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 kann die Kommission gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen Geldbußen
         in Höhe von eintausend bis einer Million Euro oder über diesen Betrag hinaus bis zu 10 % des von dem Einzelnen an der Zuwiderhandlung
         beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen. 
      
      313    Entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 verbietet es diese Vorschrift der Kommission nicht, Vereinigungen,
         die angeblich keinen Umsatz erzielen, Geldbußen von mehr als 1 Mio. Euro aufzuerlegen. Nach ständiger Rechtsprechung zeigt
         die Gattungsbezeichnung „Zuwiderhandlung“ in Artikel 15 Absatz 2, die unterschiedslos Vereinbarungen, abgestimmte Verhaltensweisen
         und Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen umfasst, dass die dort genannten Obergrenzen für Vereinbarungen und abgestimmte
         Verhaltensweisen ebenso gelten wie für Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen (vgl. Urteil Finnboard/Kommission, Randnr.
         270 und die dort zitierte Rechtsprechung). Wie im Folgenden dargelegt werden wird, kann die Kommission in Fällen, in denen
         eine Unternehmensvereinigung keine eigene wirtschaftliche Tätigkeit ausübt oder ihr Umsatz nicht den Einfluss widerspiegelt,
         den sie auf dem Markt ausüben kann, unter bestimmten Voraussetzungen bei der Berechnung des Höchstbetrags der Geldbuße, die
         gegen sie verhängt werden kann, den Umsatz ihrer Mitglieder berücksichtigen. 
      
      314    Was die Frage angeht, ob die Obergrenze von 10 % des Umsatzes nur für Geldbußen von mehr als 1 Mio. Euro gilt, bezieht sich
         – wie der Gerichtshof im Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission ausgeführt hat – der einzige ausdrückliche Hinweis
         auf den Unternehmensumsatz in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 auf die Obergrenze einer Geldbuße, die eine Million
         Euro übersteigt (Randnr. 119 des Urteils). Nummer 5 Buchstabe a der Leitlinien bestimmt jedoch, dass gemäß Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 der Endbetrag der nach dem in Nummern 1 bis 3 vorgesehenen Schema ermittelten Geldbuße „in keinem
         Fall“ 10 % des Gesamtumsatzes der betroffenen Unternehmen übersteigen darf. Da die Kommission verpflichtet ist, sich an die
         Leitlinien zu halten, ist festzustellen, dass die Obergrenze von 10 % des Umsatzes im vorliegenden Fall auch bei der Festsetzung
         von Geldbußen von weniger als 1 Mio. Euro wie im Fall der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 und im Fall der JA beachtet
         werden musste (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 15. Juni 2005 in den Rechtssachen T‑71/03, T‑74/03, T‑87/03 und
         T‑91/03, Tokai Carbon u. a./Kommission, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 388). 
      
      315    Zwischen den Parteien ist unstreitig, dass die den Klägerinnen auferlegten Geldbußen 10 % ihrer jeweiligen Umsätze übersteigen,
         wenn man darunter den Gesamtbetrag ihrer Einkünfte versteht, zu denen u. a. die von ihren Mitgliedern entrichteten Beiträge
         und die ihnen gewährten Subventionen gehören. Es stellt sich allerdings die Frage, ob, wie die Kommission meint, die einzuhaltende
         Obergrenze gleichwohl im Verhältnis zu den Umsätzen der Mitglieder der Klägerinnen berechnet werden durfte. 
      
      316    Nach Nummer 5 Buchstabe c Leitlinien sollten bei Vorgängen, an denen Unternehmensvereinigungen beteiligt sind, soweit wie
         möglich die Entscheidungen an die Mitgliederunternehmen der Vereinigungen gerichtet und die Geldbußen gegen die beteiligten
         Unternehmen einzeln festgesetzt werden. Sollte diese Vorgehensweise jedoch nicht möglich sein (z. B. bei mehreren Tausend
         Mitgliedsunternehmen) ist gegenüber der Vereinigung eine Gesamtgeldbuße festzusetzen, die dem Gesamtbetrag der Einzelgeldbußen
         entspricht, die gegenüber jedem einzelnen Mitgliedsunternehmen hätten festgesetzt werden müssen.
      
      317    Nach ständiger Rechtsprechung ist die Obergrenze von 10 % des Umsatzes nach dem Umsatz jedes der Unternehmen zu berechnen,
         die Parteien der Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen sind, oder nach den Umsätzen aller Unternehmen, die Mitglieder
         solcher Unternehmensvereinigungen sind, jedenfalls soweit die Vereinigung kraft ihrer Satzung ihre Mitglieder verpflichten
         kann. Diese Möglichkeit, insoweit den Umsatz aller Mitgliedsunternehmen einer Vereinigung zu berücksichtigen, findet ihre
         Rechtfertigung darin, dass bei der Festsetzung der Geldbußen u. a. der Einfluss, den das Unternehmen z. B. kraft seiner Größe
         und seiner Wirtschaftskraft, für die sein Umsatz ein Indiz ist, ausüben kann, sowie der Abschreckungseffekt berücksichtigt
         werden können, den die Geldbußen erzielen müssen. Der Einfluss, den eine Unternehmensvereinigung auf den Markt ausüben konnte,
         hängt nämlich nicht von ihrem eigenen Umsatz ab, der weder ihre Größe noch ihre Wirtschaftskraft aufzeigt, sondern vom Umsatz
         ihrer Mitglieder, der ein Hinweis auf ihre Größe und ihre Wirtschaftskraft ist (Urteile CB und Europay/Kommission, Randnrn.
         136 und 137, SPO u. a./Kommission, Randnr. 385, und Finnboard/Kommission, Randnr. 270). 
      
      318    Diese Rechtsprechung schließt jedoch nicht aus, dass in besonderen Fällen die Berücksichtigung des Umsatzes der Mitglieder
         einer Vereinigung selbst dann möglich ist, wenn diese nicht formal die Befugnis besitzt, ihre Mitglieder zu verpflichten,
         da die Satzung ihr diese Befugnis nicht einräumt. Andernfalls könnte die Berechtigung der Kommission, Geldbußen in einer den
         begangenen Zuwiderhandlungen angemessenen Höhe festzusetzen, leerlaufen, weil Vereinigungen mit einem sehr niedrigen Umsatz,
         aber einer großen Zahl von Mitgliedern, die zusammen einen bedeutenden Umsatz erzielen, die sie aber nicht förmlich verpflichten
         kann, nur mit sehr geringen Geldbußen belegt werden könnten, selbst wenn die von ihnen begangenen Zuwiderhandlungen einen
         spürbaren Einfluss auf die betreffenden Märkte ausüben konnten. Dies stünde auch im Widerspruch zu der Notwendigkeit, die
         abschreckende Wirkung der Ahndung von Zuwiderhandlungen gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln sicherzustellen. 
      
      319    Das Gericht ist deshalb der Auffassung, dass andere besondere Umstände als nur das Bestehen einer Satzung, die es der Vereinigung
         ermöglicht, ihre Mitglieder zu verpflichten, die Berücksichtigung der kumulierten Umsätze ihrer Mitglieder rechtfertigen können.
         Dies gilt insbesondere für Fälle, in denen die von der Vereinigung begangene Zuwiderhandlung in Handlungen ihrer Mitglieder
         besteht und die wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen, um die es geht, von der Vereinigung selbst zugunsten ihrer Mitglieder
         und in Zusammenarbeit mit ihnen an den Tag gelegt werden, da die Vereinigung keine objektiven, von den Interessen ihrer Mitglieder
         unabhängigen Interessen hat. Zwar kann die Kommission eventuell in einigen dieser Fälle nicht nur die Vereinigung mit einer
         Sanktion belegen, sondern auch jedem der ihr angehörenden Unternehmen eine individuelle Geldbuße auferlegen; dies kann sich
         aber als besonders schwierig oder sogar unmöglich erweisen, wenn diese Unternehmen sehr zahlreich sind. 
      
      320    Im vorliegenden Fall ist erstens festzustellen, dass die vorrangige Aufgabe der klagenden Verbände darin besteht, die Interessen
         ihrer Basismitglieder, nämlich der landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, der Genossenschaften und der Schlachthöfe, zu verteidigen
         und zu vertreten. So hat die FNSEA, eine der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03, zum Ziel, die Interessen des landwirtschaftlichen
         Berufsstands zu vertreten und zu verteidigen. Zu diesem Zweck organisiert, koordiniert und harmonisiert sie die Gesamtheit
         der beruflichen Interessen der landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, die Mitglieder der Basisverbände sind (Artikel 8 der
         Satzung). Zweck der FNB ist die Organisation, die Vertretung und die Verteidigung der gemeinsamen Interessen aller Rindererzeuger
         (Artikel 7 ihrer Satzung); Aufgabe der FNPL ist die Koordinierung, die Organisation, die Vertretung und Verteidigung der Interessen
         aller Produzenten von Milch und Milcherzeugnissen (Artikel 6 ihrer Satzung); Aufgabe der JA schließlich ist insbesondere die
         Vertretung der Jungbauern und die Verteidigung ihrer Interessen (Artikel 6 ihrer Satzung). Aufgabe der Klägerin in der Rechtssache
         T‑217/03 ist nach Artikel 2 Absatz 1 ihrer Satzung insbesondere die moralische und berufliche Verteidigung ihrer Mitglieder,
         darunter Gruppen von Viehproduzenten und ihre Tochterunternehmen, die Schlachthöfe betreiben. 
      
      321    Zweitens betraf die streitige Vereinbarung nicht die Tätigkeit der Klägerinnen selbst, sondern die ihrer Basismitglieder.
         Die Klägerinnen selbst beschäftigen sich nämlich nicht mit dem Verkauf, Kauf oder Import von Rindfleisch. Sie sind somit weder
         von der Verpflichtung zur Aussetzung der Einfuhren noch von der Festsetzung von Mindestpreisen unmittelbar betroffen. Die
         in der streitigen Vereinbarung vorgesehenen Maßnahmen berühren nur die Basismitglieder der Klägerinnen, die im Übrigen auch
         diejenigen waren, die sie in die Praxis umsetzen sollten. 
      
      322    Drittens wurde die streitige Vereinbarung unmittelbar zugunsten der Basismitglieder der Klägerinnen abgeschlossen. Denn was
         zunächst die Verbände landwirtschaftlicher Erzeugerbetriebe angeht, bezweckte sie, den ihnen angeschlossenen Rinderzüchtern
         den Absatz ihrer Produkte zu rentablen Preisen und damit die Überwindung der Krise zu ermöglichen, die im entscheidungserheblichen
         Zeitraum in diesem Sektor herrschte. Was zweitens die Verbände der Schlachthofbetreiber betrifft, so hat es zwar den Anschein,
         dass die ergriffenen Maßnahmen, nämlich die Festsetzung von Mindestpreisen und die Aussetzung oder Beschränkung der Einfuhren,
         potenziell im Widerspruch zu den Interessen der Schlachthöfe standen, da sie zu einer Erhöhung ihrer Betriebskosten führen
         konnten. Der Abschluss der streitigen Vereinbarung hatte aber im Kontext der damals herrschenden Spannungen zum Ziel, diesen
         Unternehmen die Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu ermöglichen und bis zu einem gewissen Grad die gegen sie bestehenden Drohungen
         zu verringern. So heißt es in der Vereinbarung ausdrücklich, dass die Verbände der Schlachthofbetreiber die Vereinbarung „als
         Voraussetzung für die Aufhebung der Blockade“ geschlossen hätten. 
      
      323    Viertens ist erneut darauf hinzuweisen, dass die streitige Vereinbarung im Wesentlichen durch den Abschluss von lokalen Vereinbarungen
         zwischen den Verbänden auf Departementsebene und den Ortsverbänden – also den Mitgliedern der Klägerinnen in der Rechtssache
         T‑245/03 – und den Schlachthöfen umgesetzt wurde (siehe oben, Randnrn. 112 bis 115). Außerdem erfolgte die Kontrolle der Einhaltung
         und der Anwendung der Bestimmungen der Vereinbarung häufig durch konkrete Aktionen von Gruppen von Züchtern. 
      
      324    Unter diesen Umständen ist das Gericht der Auffassung, dass es gerechtfertigt war, bei der Berechnung der in Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 festgesetzten Zehnprozentgrenze die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen zu berücksichtigen.
         Insbesondere gaben allein deren Umsätze einen zutreffenden Hinweis auf die Wirtschaftskraft der Klägerinnen und damit auf
         den Einfluss, den sie auf den betroffenen Märkten ausüben konnten. 
      
      325    Die Möglichkeit, die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen zu berücksichtigen, muss hier allerdings auf diejenigen beschränkt
         werden, die auf den Märkten tätig waren, die von den in der angefochtenen Entscheidung geahndeten Zuwiderhandlungen betroffen
         waren, nämlich die Rinderzüchter und die Schlacht- bzw. Fleischverarbeitungsbetriebe. Denn mit Ausnahme der FNB und in geringerem
         Maße der FNPL hatte nur ein kleiner Teil der unmittelbaren oder mittelbaren Mitglieder der Klägerinnen Interessen im Sektor
         der Rinderzucht – im Fall der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 – oder in dem der Schlachtung von Rindern – im Fall
         der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03. Die Vereinbarung betraf nämlich nicht die Tätigkeit derjenigen Mitglieder der Klägerinnen,
         die nicht auf den Rindfleischmärkten tätig waren, sie wurde nicht zu ihren Gunsten geschlossen, und diese Mitglieder haben
         wahrscheinlich nicht an der Durchführung der streitigen Maßnahmen teilgenommen. Folglich dürfen ihre Umsätze bei der Berechnung
         der Obergrenze von 10 % nicht berücksichtigt werden. 
      
      326    Unter Beachtung dieser Erwägungen ist zu prüfen, ob die Beträge der in der angefochtenen Entscheidung gegen die Klägerinnen
         verhängten Geldbußen die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgesetzte Obergrenze von 10 % des Umsatzes übersteigen.
         
      
      327    So ergeben die von der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 in ihrem Schreiben an die Kommission vom 27. Januar 2003 bekanntgegebenen
         Schätzungen, dass die ihr auferlegte Geldbuße zwischen 0,05 % und 0,2 % des Umsatzes ausmachte, den die ihr angehörenden Schlacht‑
         bzw. Fleischverarbeitungsgenossenschaften im Jahre 2002 erzielten, je nachdem, ob man die Unternehmen mitzählt, die zugleich
         Mitglieder der Klägerin und Mitglieder des Syndicat national de l’industrie des viandes (SNIV, nationaler Verband der Fleischindustrie)
         sind, d. h. des spezialisierten Berufsverbands, in dem sich die großen Industrieunternehmen des Sektors zusammengeschlossen
         haben. 
      
      328    Was die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 betrifft, verfügt das Gericht nicht über genaue Angaben über die Umsätze der
         ihnen angeschlossenen Rinderzüchter. Die Klägerinnen haben nämlich auf die Frage der Kommission im Verwaltungsverfahren und
         sodann auf die Frage des Gerichts im vorliegenden Verfahren geantwortet, dass sie die Umsätze der ihnen angeschlossenen Züchter
         nicht einmal ungefähr angeben könnten. Sie waren auch nicht imstande, dem Gericht die Anzahl der Rinderzüchter, die Basismitglieder
         der FNSEA bzw. der JA sind, zu nennen, und haben vorgetragen, dass die FNB und die FNPL keine eigentlichen Basismitglieder
         hätten. 
      
      329    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 haben allerdings vorgetragen, dass im Jahre 2002 in Frankreich der sich aus der
         Produktion im Sektor für ausgewachsene Rinder ergebende Umsatz 4,552 Milliarden Euro und der sich aus der Schlachtung von
         ausgewachsenen Rindern ergebende Umsatz 3,430 Milliarden Euro betragen hätten. Wenn man von der kleineren dieser beiden Zahlen
         ausgehe, so ergebe sich, dass die den Klägerinnen auferlegten Geldbußen die Obergrenze von 10 % des Umsatzes der ihr angeschlossenen
         Rinderzüchter nicht übersteigen würden, wenn diese für die FNSEA mindestens 3,5 %, für die FNB mindestens 0,42 %, für die
         JA mindestens 0,18 % und für die FNPL mindestens 0,42 % des genannten Gesamtumsatzes repräsentierten. Keine der Klägerinnen
         bestreitet jedoch, dass ihre Mitglieder einen bedeutenden Anteil des mit der Schlachtung von ausgewachsenen Rindern in Frankreich
         erzielten Umsatzes repräsentieren. Das Gericht erinnert insoweit daran, dass die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 auf
         eine Frage des Richters im Verfahren der einstweiligen Anordnung die Möglichkeit eingeräumt haben, dass die Mitglieder der
         FNSEA wohl etwa 50 % der 240 000 Erzeugerbetriebe in Frankreich ausmachten, die mehr als fünf ausgewachsene Rinder besäßen
         (Beschluss des Präsidenten des Gerichts vom 21. Januar 2004 in der Rechtssache T‑245/03 R, FNSEA u. a./Kommission, Slg. 2004,
         II‑271, Randnr. 89). 
      
      330    Das Gericht hält es unter diesen Umständen für hinreichend bewiesen, dass die gegen die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03
         festgesetzten Geldbußen die Obergrenze von 10 % der Umsätze ihrer jeweiligen Mitglieder nicht überstiegen. 
      
      331    An diesem Ergebnis vermag auch das Vorbringen der Klägerinnen nichts zu ändern, da es sich bei ihren Mitgliedern um gemeinsame
         Mitglieder handele, hätte die Kommission für jeden Verband nur die Summe der Einkünfte der allein diesem Verband angeschlossenen
         Züchter berücksichtigen dürfen. In der Tat sind, wie die Klägerinnen mitgeteilt haben, alle Züchter, die unmittelbare oder
         mittelbare Mitglieder der FNB, der FNPL oder der JA sind, zugleich indirekte Mitglieder der FNSEA. Für die Einhaltung der
         Obergrenze von 10 % des Umsatzes genügt es jedoch, dass die Summe der gegen die vier Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03
         festgesetzten Geldbußen unter 10 % des Umsatzes der Züchter liegt, die der FNSEA, dem Zusammenschluss der drei anderen klagenden
         Verbände, als Basismitglieder angehören. Damit diese Obergrenze nicht überschritten wird, würde es ausreichen, dass der Umsatz
         der Züchter, die Basismitglieder der FNSEA sind, mindestens 4,52 % des sich aus der Schlachtung von ausgewachsenen Rindern
         in Frankreich ergebenden Umsatzes beträgt. Aus den vorgenannten Gründen ist dies nach der Überzeugung des Gerichts der Fall.
         
      
      332    Schließlich können sich die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 auch nicht darauf berufen, dass die FNB und die FNPL keine
         Basismitglieder im eigentlichen Sinne hätten, da ihnen kein Landwirt beitrete, und zwar weder unmittelbar noch mittelbar.
         Tatsächlich erhalten diese Verbände Beiträge von den Verbänden auf Departementsebene (nach Maßgabe der Gesamtzahl der im Departement
         existierenden Rinder und der dort produzierten Menge Milch). In diesen Verbänden auf Departementsebene sind Ortsverbände zusammengeschlossen,
         denen die Züchter beitreten. Folglich können die Rinderzüchter bei der Berechnung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes in
         gleicher Weise als Basismitglieder der FNB und der FNPL angesehen werden wie als Basismitglieder der FNSEA. 
      
      333    Aus allen diesen Gründen ist das Gericht der Auffassung, dass die den Klägerinnen durch die angefochtene Entscheidung auferlegten
         Geldbußen die Obergrenze von 10 % der Umsätze ihrer jeweiligen Mitglieder nicht übersteigen. 
      
      334    Folglich ist dieser Klagegrund zurückzuweisen. 
      
      E –  Zum fünften Klagegrund: Verletzung des Grundsatzes des Verbots der Doppelbestrafung
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      335    Die Klägerinnen tragen vor, der Grundsatz des Verbots der Doppelbestrafung (ne bis in idem) verbiete es, eine Person wegen
         derselben Handlung mehrmals zu bestrafen. Dieser in Artikel 4 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK verankerte Grundsatz werde im
         Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft ständig angewandt (Urteil des Gerichtshofes vom 14. Dezember 1972 in der Rechtssache 7/72,
         Boehringer Mannheim/Kommission, Slg. 1972, 1281, Randnr. 3) und bilde einen tragenden Grundsatz des Gemeinschaftsrechts (Urteil
         des Gerichtshofes vom 15. Oktober 2002 in den Rechtssachen C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis
         C‑252/99 P und C‑254/99 P, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 59). 
      
      336    Mit der angefochtenen Entscheidung seien dieselben Personen für dieselbe Zuwiderhandlung mehrfach mit Sanktionen belegt worden,
         da die FNB, die JA und die FNPL Mitglieder der FNSEA seien. Die Rinderzüchter, die natürliche Personen seien und die den Ortsverbänden
         beiträten, könnten (sofern sie Milchkühe besäßen) mittelbar der FNSEA und der FNB oder auch der FNLP und (wenn sie jünger
         als 35 Jahre seien) auch den JA angehören. Desgleichen seien bestimmte Mitglieder der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03
         zugleich Mitglieder der FNSEA. Dadurch würden diese Personen indirekt mit mehreren Geldbußen belegt, obwohl die Kommission
         ihnen doch mittelbar nur eine einzige Handlung vorwerfen könne. Die Klägerinnen wenden sich gegen das Vorbringen der Kommission,
         dass der Grundsatz ne bis in idem hier nicht anwendbar sei, da es nur ein einziges Verfahren gebe. Im vorliegenden Fall hätten
         die von der Kommission gegen die Klägerinnen eingeleiteten Parallelverfahren zu einer Wiederholung der gegen sie verhängten
         Sanktionen geführt. Auch könne man die Anwendung dieses Grundsatzes nicht auf die Fälle beschränken, in denen Unternehmen
         für dieselbe Zuwiderhandlung von mehreren Wettbewerbsbehörden verfolgt würden. 
      
      337    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 weisen ferner darauf hin, dass die Kommission bei der Festsetzung des Grundbetrags
         der Geldbußen von dem Verhältnis zwischen dem Betrag der an die FNSEA entrichteten Jahresbeiträge und den Beträgen der an
         jeden der anderen in Rede stehenden Verbände entrichteten Jahresbeiträge ausgegangen sei. Das angenommene Verhältnis sei jedoch
         unrichtig, da die FNB und die FNPL einen Teil der an sie entrichteten Jahresbeiträge (im Jahre 2001 etwa 10 %, d. h. 60 979
         Euro, für die FNB und 15 %, d. h. 181 670 Euro, für die FNPL) an die FNSEA abführten. Das angenommene Verhältnis müsse deshalb
         entsprechend reduziert werden. 
      
      338    Die Französische Republik führt aus, unbestreitbar seien im vorliegenden Fall natürliche Personen Mitglieder verschiedener
         Verbände, und sei es auch nur wegen der Mitgliedschaft bestimmter Verbände in der FNSEA. Diese Personen seien somit für ein
         und denselben Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zweimal mit Geldbußen belegt worden. Dies bedeute, dass ihnen eine unverhältnismäßig
         hohe Geldbuße auferlegt worden sei, und stelle eine Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit dar. 
      
      339    Die Kommission weist darauf hin, dass der Grundsatz ne bis in idem nach der Rechtsprechung der Gemeinschaft auf Fälle anwendbar
         sei, in denen ein Unternehmen, das auf Gemeinschaftsebene für Wettbewerbsverstöße mit Sanktionen belegt worden sei (oder dem
         Sanktionen drohten), ebenfalls in einem anderen Verfahren in einem Drittstaat oder in einem Mitgliedstaat mit Sanktionen belegt
         worden sei (oder Sanktionen zu gewärtigen habe) (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 13. Februar 1969 in der
         Rechtssache 14/68, Wilhelm u. a., Slg. 1969, 1, und Urteil Boehringer Mannheim/Kommission). Allein der Umstand, dass es sich
         um denselben Sachverhalt handele, könne die Anwendung dieses Grundsatzes jedoch nicht rechtfertigen, denn es müsse sich auch
         um dieselben Parteien handeln. Hier sei jeder Verband wegen seiner eigenen Beteiligung an der Zuwiderhandlung belangt worden,
         da jeder von ihnen dank seines eigenen Einflusses auf dem Markt für die Wirksamkeit der Vereinbarung notwendig gewesen sei.
         Der Umstand, dass bestimmte Personen mehreren dieser Verbände angehörten, ändere nichts daran, dass jede einzelne Klägerin
         an der Vereinbarung teilgenommen habe. Schließlich sei die Verhältnismäßigkeit der Geldbußen, die gegen mehrere Verbände mit
         gemeinsamen Mitgliedern festgesetzt worden seien, durch die Begrenzung auf 10 % des Umsatzes sichergestellt, sie könne aber
         nicht zu einer Straflosigkeit dieser Mitglieder führen. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      340    Nach der Rechtsprechung ist der Grundsatz ne bis in idem ein tragender Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, dessen Wahrung der
         Richter zu sichern hat. Im Bereich des Wettbewerbsrechts der Gemeinschaft verbietet es dieser Grundsatz, dass ein Unternehmen
         wegen eines wettbewerbswidrigen Verhaltens, für das es in einer früheren, nicht mehr anfechtbaren Entscheidung der Kommission
         mit einer Sanktion belegt oder für nicht verantwortlich erklärt wurde, von der Kommission erneut verurteilt oder verfolgt
         wird (Urteile des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache T‑224/00, Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland
         Ingredients/Kommission, Slg. 2003, II‑2597, Randnrn. 85 und 86, und Tokai Carbon u. a./Kommission, Randnrn. 130 und 131).
         Die Anwendung des Grundsatzes ne bis in idem hängt von der dreifachen Voraussetzung der Identität des Sachverhalts, des Zuwiderhandelnden
         und des geschützten Rechtsguts ab. Dieser Grundsatz verbietet es somit, dieselbe Person mehr als einmal wegen desselben rechtswidrigen
         Verhaltens zum Schutz desselben Rechtsguts mit einer Sanktion zu belegen (Urteil des Gerichtshofes vom 7. Januar 2004 in den
         Rechtssachen C‑204/00 P, C‑2005 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P und C‑219/00 P, Aalborg Portland u. a./Kommission, Slg.
         2004, I‑123, Randnr. 338).
      
      341    Hier hat die Kommission den klagenden Verbänden wegen der Beteiligung und nach Maßgabe des individuellen Grades der Beteiligung
         jedes von ihnen an der Zuwiderhandlung Sanktionen auferlegt (siehe Randnr. 169 sowie die Artikel 1 und 3 der angefochtenen
         Entscheidung). Tatsächlich haben alle Klägerinnen, wenn auch mit verschiedener Intensität und in verschiedenem Maße, an den
         durch die angefochtene Entscheidung geahndeten Zuwiderhandlungen teilgenommen. Insbesondere haben alle klagenden Verbände
         die Vereinbarung vom 24. Oktober 2001 unterzeichnet. Deshalb war die Kommission berechtigt, jeden Verband, der an der streitigen
         Vereinbarung beteiligt war, mit einer Sanktion zu belegen, indem sie auf seine individuelle Rolle bei deren Unterzeichnung
         und Umsetzung abstellte und indem sie für jeden von ihnen die ihn betreffenden mildernden bzw. erschwerenden Umstände berücksichtigte.
         
      
      342    Dem steht, anders als die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 meinen, nicht entgegen, dass die FNB, die FNPL und die JA
         Mitglieder der FNSEA sind. Denn diese Verbände sind eigenständige juristische Personen, sie haben getrennte Budgets und Ziele,
         die nicht immer übereinstimmen. So führen sie ihre jeweiligen Aktionen zur Verteidigung ihrer eigenen besonderen Interessen
         durch (siehe oben, Randnr. 320). Der Umstand, dass diese Verbände in der vorliegenden Rechtssache ihre Aktionen und die ihrer
         Mitglieder im Hinblick auf die Verfolgung gemeinsamer Ziele weitgehend koordiniert haben, ändert nichts an der jeweiligen
         Verantwortung jedes Einzelnen von ihnen für die Zuwiderhandlung. 
      
      343    Im Übrigen wurden durch die angefochtene Entscheidung, anders als die Klägerinnen offensichtlich meinen, nicht ihre unmittelbaren
         oder mittelbaren Basismitglieder mit Sanktionen belegt. Der Umstand, dass der Umsatz der Mitglieder einer Unternehmensvereinigung
         bei der Ermittlung der Obergrenze von 10 % berücksichtigt wird, bedeutet nämlich weder, dass ihnen eine Geldbuße auferlegt
         wird, noch auch nur, dass die fragliche Vereinigung verpflichtet ist, die finanzielle Last auf ihre Mitglieder abzuwälzen
         (Urteil CB und Europay/Kommission, Randnr. 139). Da die einzelnen landwirtschaftlichen Erzeugerbetriebe, die indirekte Mitglieder
         der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 sind, durch die angefochtene Entscheidung nicht mit Sanktionen belegt wurden,
         hinderte der Umstand, dass die Basismitglieder der FNB, der FNPL der JA zugleich Mitglieder der FNSEA sind, die Kommission
         nicht daran, jeden dieser Verbände einzeln mit einer Sanktion zu belegen. Erst recht ist unerheblich, dass bestimmte Mitglieder
         der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 zugleich Mitglieder der FNSEA sind. 
      
      344    Somit fehlt es hier an der Identität der Zuwiderhandelnden, da die angefochtene Entscheidung nicht mehrmals dieselben Einheiten
         oder dieselben Personen für dieselben Handlungen mit Sanktionen belegt. Folglich liegt kein Verstoß gegen den Grundsatz ne
         bis in idem vor. Auch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist in der vorliegenden Rechtssache nicht verletzt worden, da
         entgegen dem Vorbringen der Französischen Republik die unmittelbaren und mittelbaren Mitglieder der Klägerinnen nicht zweimal
         für dieselbe Zuwiderhandlung mit Geldbußen belegt worden sind. 
      
      345    Zurückzuweisen ist auch das Vorbringen der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03, die Kommission habe bei der Festsetzung
         des Grundbetrags der Geldbußen das Verhältnis zwischen der Summe der an die FNSEA einerseits und der an die FNB und die FNPL
         andererseits entrichteten Jahresbeiträge falsch berechnet. Die Kommission war entgegen dem Vorbringen der Klägerinnen insbesondere
         nicht verpflichtet, die Zahlen der FNB und der FNPL anzupassen, indem sie die von diesen an die FNSEA abgeführten Beiträge
         von diesen Beträgen abzog. Denn da diese Beiträge bereits als objektiver Hinweis auf die Bedeutung jedes Verbandes berücksichtigt
         worden waren, konnte die Kommission zu Recht davon ausgehen, dass die relevanten Zahlen ihre globalen Beiträge waren, die
         den Grad der Repräsentativität jeder Klägerin widerspiegeln.
      
      346    Folglich greift dieser Klagegrund nicht durch. 
      
      F –  Zum sechsten Klagegrund: offensichtlicher Beurteilungsfehler bei der Berücksichtigung der in Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien
            genannten Umstände 
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      347    Die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 macht geltend, die Herabsetzung der Geldbuße um 60 %, die die Kommission gemäß Nummer
         5 Buchstabe b der Leitlinien vorgenommen habe, um dem besonderen Kontext der Rinderkrise Rechnung zu tragen, hätte vom Grundbetrag
         der Geldbuße und nicht von der Summe vorgenommen werden müssen, die sich aus der Anwendung der Aufschläge und der Abschläge
         für erschwerende bzw. mildernde Umstände ergeben habe. Es gebe keine Rechtfertigung dafür, Ausnahmen von dem in Nummer 2 der
         Leitlinien verankerten Grundsatz der Festlegung der Geldbußen zu machen, wonach ein Grundbetrag berechnet und sodann um einen
         Prozentsatz herauf‑ oder herabgesetzt werde. Hilfsweise führt die Klägerin aus, die Kommission hätte die Berücksichtigung
         des wirtschaftlichen Zusammenhangs wie in anderen Rechtssachen auch als mildernden Umstand ansehen müssen. 
      
      348    Die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 tragen vor, die Kommission habe bei der Anwendung der Nummer 5 Buchstabe b der
         Leitlinien nicht die zutreffenden Konsequenzen aus folgenden in der angefochtenen Entscheidung (siehe die Randnrn. 181 und
         184) dargelegten Umständen gezogen: erstens dem Umstand, dass die Klägerinnen keinen Erwerbszweck hätten; zweitens den besonderen
         Merkmalen des in Rede stehenden landwirtschaftlichen Erzeugnisses; drittens der Tatsache, dass die Kommission erstmals eine
         ausschließlich von Verbänden abgeschlossene Vereinbarung geahndet habe, die ein landwirtschaftliches Grunderzeugnis betroffen
         und zwei Glieder der Produktionskette umfasst habe; viertens dem besonderen Kontext einer außergewöhnlichen Krise. Dazu tragen
         die Klägerinnen vor, dass die Wettbewerbsbehörden des Vereinigten Königreichs in einer Entscheidung vom 3. Februar 2003 davon
         abgesehen hätten, gegen einen Verband von Rindfleischerzeugern aus Nordirland, der eine Preisabsprache getroffen habe, Geldbußen
         zu verhängen, und zwar aufgrund des ebenfalls durch die BSE-Krise und die Maul‑ und Klauenseuche gekennzeichneten Kontexts,
         in dem die Vereinbarung abgeschlossen worden sei. Im vorliegenden Fall hätten derartige Umstände die Kommission nicht veranlasst,
         eine entsprechende Anpassung der Geldbußen vorzunehmen, so dass die Endbeträge viel zu hoch blieben. 
      
      349    Die Kommission führt aus, das Vorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 zur Methode der Berechnung der Herabsetzung
         aufgrund der in Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien vorgesehenen Umstände widerspreche sowohl dem Buchstaben als auch dem
         Geist der Leitlinien. Die Rüge, dass der wirtschaftliche Zusammenhang als mildernder Umstand hätte angesehen werden müssen,
         sei ein neues und damit unzulässiges Angriffsmittel. Zu dem Vorbringen der Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 bemerkt
         die Kommission, dass es für die hier vorgenommene Herabsetzung der Geldbuße um 60 % keinen Präzedenzfall in ihrer bisherigen
         Praxis gebe. 
      
      2.     Würdigung durch das Gericht
      350    Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien bestimmt: 
      
      „Nach Durchführung der vorstehenden Berechnungen kann es je nach Fall angezeigt sein, im Hinblick auf die entsprechende Anpassung
         der vorgesehenen Geldbußen einige objektive Faktoren zu berücksichtigen, wie z. B. ein besonderer wirtschaftlicher Zusammenhang,
         die von den Beteiligten an dem Verstoß eventuell erzielten wirtschaftlichen oder finanziellen Vorteile … und die besonderen
         Merkmale der betreffenden Unternehmen wie z. B. ihre tatsächliche Steuerkraft in einem gegebenen sozialen Umfeld.“ 
      
      351    In der vorliegenden Rechtssache hat die Kommission dem wirtschaftlichen Zusammenhang Rechnung getragen, der namentlich durch
         die schwere Krise im Rindfleischsektor gekennzeichnet war, und hat den Betrag, der sich aus der Herauf‑ oder Herabsetzung
         des Grundbetrags der Geldbußen aufgrund der berücksichtigten erschwerenden oder mildernden Umstände ergab, um 60 % herabgesetzt.
         
      
      352    Erstens ist das Vorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03 zurückzuweisen, dass diese Herabsetzung um 60 % auf den
         Grundbetrag der Geldbuße und nicht auf den aufgrund der erschwerenden und mildernden Umstände bereits erhöhten und herabgesetzten
         Betrag hätte angewandt werden müssen. Die Leitlinien behandeln die mildernden bzw. die erschwerenden Umstände in den Nummern
         2 und 3, die die „Erhöhung des Grundbetrags“ und die „Verringerung des Grundbetrags“ vorsehen. Dagegen bestimmt Nummer 5 Buchstabe
         b, dass „[n]ach Durchführung der vorstehenden Berechnungen … im Hinblick auf die entsprechende Anpassung der vorgesehenen
         Geldbußen“ andere Umstände berücksichtigt werden. Daraus ergibt sich, dass die von der Kommission angewandte Berechnungsmethode
         im Einklang mit den Bestimmungen der Leitlinien steht. 
      
      353    Zweitens ist das Hilfsvorbringen der Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, dass der wirtschaftliche Zusammenhang als mildernder
         Umstand hätte berücksichtigt werden müssen, erst im Stadium der Erwiderung geltend gemacht worden. Folglich bildet es ein
         neues Angriffsmittel und ist deshalb gemäß Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung zurückzuweisen. Jedenfalls bezieht sich Nummer
         5 Buchstabe b der Leitlinien ausdrücklich auf die Berücksichtigung des besonderen wirtschaftlichen Zusammenhangs eines Vorgangs;
         dieses Kriterium wird jedoch in Nummer 3 der Leitlinien, der die mildernden Umstände behandelt, nicht ausdrücklich genannt.
         Daraus folgt, dass die Kommission nicht fehlerhaft gehandelt hat, als sie den wirtschaftlichen Zusammenhang der vorliegenden
         Rechtssache im Rahmen der Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien und nicht, wie die Klägerin dies wollte, im Rahmen der mildernden
         Umstände berücksichtigt hat. 
      
      354    Was drittens den Hinweis auf die Entscheidung der Wettbewerbsbehörden des Vereinigten Königreichs vom 3. Februar 2003 angeht,
         genügt es, daran zu erinnern, dass die Kommission bei ihrer Beurteilung der Umstände des konkreten Falles keineswegs an Entscheidungen
         gebunden ist, die von nationalen Behörden in mehr oder weniger ähnlichen Fällen getroffen wurden. 
      
      355    Viertens ist schließlich auf das Vorbringen der Klägerinnen einzugehen, dass die Kommission nicht alle zutreffenden Konsequenzen
         aus den Umständen der vorliegenden Rechtssache gezogen habe und dass sie gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien die Geldbußen
         noch stärker hätte herabsetzen müssen. 
      
      356    In der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission bei der Anwendung der genannten Bestimmung u. a. die Tatsache berücksichtigt,
         dass mit dieser Entscheidung erstmals eine ausschließlich von Berufsverbänden getragene Vereinbarung geahndet wurde, die ein
         landwirtschaftliches Grunderzeugnis und zwei Glieder der Produktionskette betraf. Sie hat auch dem wirtschaftlichen Kontext
         Rechnung getragen, der über einen bloßen Kurseinbruch oder das Auftreten einer bekannten Krankheit hinausging. Dieser wirtschaftliche
         Kontext wies folgende Merkmale auf: erstens den starken Rückgang des Rindfleischkonsums namentlich aufgrund der BSE-Krise,
         die einen Sektor traf, der sich bereits in einer schwierigen Situation befand; zweitens den Umstand, dass die Gemeinschaftsbehörden
         und die nationalen Behörden Interventionsmaßnahmen zur Wiederherstellung des Marktgleichgewichts im Rindfleischmarkt ergriffen
         hatten; drittens den Vertrauensverlust der Verbraucher aus Angst vor dem Rinderwahnsinn; viertens die Situation der landwirtschaftlichen
         Betriebe, die sich trotz der von Frankreich genutzten Hilfsmaßnahmen der Gemeinschaft erneut mit sinkenden Schlachthofpreisen
         für ihre Rinder konfrontiert sahen, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum stabil blieben (Randnrn. 181 bis 185
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      357    Die Kommission beschloss unter Berücksichtigung aller dieser Umstände, die den Klägerinnen auferlegten Geldbußen gemäß Nummer
         5 Buchstabe b der Leitlinien um 60 % herabzusetzen. 
      
      358    Es ist allerdings daran zu erinnern, dass die Kommission zwar bei der Festsetzung der Höhe der Geldbußen über ein Ermessen
         verfügt, dass das Gericht aber gemäß Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 mit einer Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung im
         Sinne des Artikels 229 EG über Klagen gegen Entscheidungen, mit denen die Kommission eine Geldbuße festsetzt, entscheidet
         und folglich die verhängte Geldbuße für nichtig erklären, herabsetzen oder erhöhen kann. 
      
      359    Im vorliegenden Fall ist das Gericht der Auffassung, dass die verschiedenen Umstände, die die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung dargelegt und berücksichtigt hat, von ganz außergewöhnlicher Natur sind. Diese ergibt sich sowohl aus den besonderen
         Merkmalen der Klägerinnen und ihrer Aufgaben und Tätigkeitsbereiche als auch konkret aus dem besonderen wirtschaftlichen Zusammenhang
         des vorliegenden Falls.
      
      360    Die von der Kommission gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien beschlossene Herabsetzung der Geldbußen um 60 % ist zwar
         bedeutend, berücksichtigt jedoch nach Meinung des Gerichts nicht ausreichend dieses außergewöhnliche Zusammentreffen von Umständen.
         
      
      361    Deshalb hält es das Gericht in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung für angemessen, den Prozentsatz der
         den Klägerinnen gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien zu gewährenden Herabsetzung der Geldbußen auf 70 % festzusetzen,
         um alle von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung dargelegten Umstände vollständig und korrekt zu berücksichtigen
         und der Tatsache Rechnung zu tragen, dass dies das erste Mal ist, dass die Kommission diese Art von wettbewerbswidrigem Verhalten
         mit Sanktionen ahndet. 
      
      III –  Zur Berechnungsmethode und zum Endbetrag der Geldbuße 
      362    Das Gericht ist in den Randnummern 241 und 245 des vorliegenden Urteils zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung ihre Begründungspflicht dadurch verletzt hat, dass sie nicht angegeben hat, dass sie bei der Prüfung,
         ob die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 gesetzte Obergrenze nicht überschritten war, von den Umsätzen der Basismitglieder
         der Klägerin ausgegangen ist, und dass sie auch nicht erklärt hat, aufgrund welcher Umstände sie sich für berechtigt hielt,
         diese kumulierten Umsätze zu berücksichtigen. Das Gericht hat jedoch in den Randnummern 324 und 325 entschieden, dass die
         Kommission bei der Berechnung dieser Obergrenze zu Recht die Umsätze der Basismitglieder der Klägerinnen berücksichtigt hat,
         soweit es sich um Mitglieder handelte, die auf den Märkten tätig waren, die von den durch die angefochtene Entscheidung geahndeten
         Zuwiderhandlung betroffen waren. 
      
      363    Unter diesen Umständen führt der vorgenannte Begründungsmangel weder zur Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung,
         da nach dieser Nichtigerklärung nur erneut eine Entscheidung mit dem gleichen Inhalt wie die aufgehobene Entscheidung ergehen
         könnte (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 3. Dezember 2003 in der Rechtssache T‑16/02, Audi/OHMI [TDI], Slg. 2003,
         II‑5167, Randnr. 97), noch zu einer Änderung der Höhe der Geldbußen. 
      
      364    Dagegen ist, wie sich aus Randnummer 361 ergibt, der Betrag der gegen die Klägerinnen festgesetzten Geldbußen durch die Anwendung
         eines Prozentsatzes von 70 % gemäß Nummer 5 Buchstabe b der Leitlinien statt des von der Kommission angewandten Prozentsatzes
         von 60 % herabzusetzen. Die Beträge dieser Geldbußen werden somit wie folgt festgesetzt: 
      
      –        360 000 Euro für die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03; 
      –        9 000 000 Euro für die FNSEA; 
      –        1 080 000 Euro für die FNB; 
      –        450 000 Euro für die JA; 
      –        1 080 000 Euro für die FNPL.
       Kosten
      365    Nach Artikel 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen
         Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt. In der vorliegenden Rechtssache haben die Klägerinnen ihre
         eigenen Kosten für das Verfahren zur Hauptsache und drei Viertel der Kosten der Kommission für das Verfahren zur Hauptsache
         zu tragen. Die Kommission trägt ein Viertel ihrer eigenen Kosten für das Verfahren zur Hauptsache und die gesamten Kosten
         für die Verfahren der einstweiligen Anordnung. 
      
      366    Die Französische Republik trägt als Streithelferin gemäß Artikel 87 § 4 der Verfahrensordnung ihre eigenen Kosten. 
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Erste Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Der Betrag der gegen die Klägerin in der Rechtssache T‑217/03, die Fédération nationale de la coopération bétail et viande,
            verhängten Geldbuße wird auf 360 000 Euro festgesetzt.
      2.      Der Betrag der gegen die Klägerinnen in der Rechtssache T‑245/03 verhängten Geldbußen wird auf 9 000 000 Euro für die Fédération
            nationale des syndicats d’exploitants agricoles, auf 1 080 000 Euro für die Fédération nationale bovine, auf 1 080 000 Euro
            für die Fédération nationale des producteurs de lait und auf 450 000 Euro für die Jeunes agriculteurs festgesetzt.
      3.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 
      4.      Die Klägerinnen tragen ihre eigenen Kosten für das Verfahren in der Hauptsache und drei Viertel der Kosten der Kommission
            für dieses Verfahren. 
      5.      Die Kommission trägt ein Viertel ihrer eigenen Kosten für das Verfahren in der Hauptsache und die Gesamtheit der Kosten für
            die Verfahren der einstweiligen Anordnung. 
      6.      Die Französische Republik trägt ihre eigenen Kosten. 
      García-Valdecasas Cooke Labucka
      Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 13. Dezember 2006.
      Der Kanzler          Der Präsident
      E. Coulon          J. D. Cooke
      
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Sachverhalt des Ausgangsverfahrens
      I – Die zweite BSE-Krise
      II – Abschluss der streitigen Vereinbarungen und Verwaltungsverfahren vor der Kommission
      III – Angefochtene Entscheidung
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Entscheidungsgründe
      I – Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
      A – Der erste Klagegrund: offensichtliche Beurteilungsfehler und Rechtsfehler bei der Prüfung der Voraussetzungen für die
         Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG
      
      1. Zur Qualifizierung der Klägerinnen als Unternehmensvereinigungen
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      2. Zum Fehlen einer spürbaren Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      3. Zum Fehlen einer Wettbewerbsbeschränkung
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      4. Die Qualifizierung der Aktionen der Berufsverbände
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      B – Der zweite Klagegrund: offensichtliche Beurteilungsfehler und Rechtsirrtümer bei der Beurteilung des Umfangs und der Dauer
         der Zuwiderhandlung
      
      1. Einleitende Fragen
      a) Zur Berücksichtigung der lokalen Vereinbarungen
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      b) Einordnung, Auswahl, Wiedergabe und Auslegung der in den Akten enthaltenen Schriftstücke
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      2. Zu dem Umstand, dass eine die Einfuhren betreffende Vereinbarung den Klägerinnen vorgeworfen wurde
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      3. Der an die Klägerinnen gerichtete Vorwurf einer geheimen mündlichen Absprache nach Ende November 2001
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      Zur Vorbereitung der Verlängerung der Vereinbarung
      Zu der Verlängerung der Vereinbarung in den Sitzungen vom 29. November und 5. Dezember 2001
      – Sitzung vom 29. November 2001
      – Sitzung vom 5. Dezember 2001
      Zur Umsetzung der Vereinbarung nach Ende November 2001
      Ergebnis
      C – Zum dritten Klagegrund: Nichtanwendung der in der Verordnung Nr. 26 vorgesehenen Ausnahme
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      D – Zum vierten Klagegrund: Verletzung der Verteidigungsrechte
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      E – Zum fünften Klagegrund: Verletzung der Begründungspflicht
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      II – Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung oder Herabsetzung der Geldbuße
      A – Zum ersten Klagegrund: Rechtswidrigkeit der Leitlinien
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      B – Zum zweien Klagegrund: Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes, offensichtlicher Beurteilungsfehler und Rechtsfehler
         bei der Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung
      
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      C – Zum dritten Klagegrund: Beurteilungsfehler und Rechtsfehler sowie Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit bei
         der Berücksichtigung der erschwerenden und der mildernden Umstände
      
      1. Zu dem erschwerenden Umstand der heimlichen Fortführung der Vereinbarung
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      2. Zum erschwerenden Umstand der Gewaltanwendung
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      3. Zur Nichtberücksichtigung mildernder Umstände
      a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      b) Würdigung durch das Gericht
      D – Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung des Betrages der Geldbußen
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      E – Zum fünften Klagegrund: Verletzung des Grundsatzes des Verbots der Doppelbestrafung
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      F – Zum sechsten Klagegrund: offensichtlicher Beurteilungsfehler bei der Berücksichtigung der in Nummer 5 Buchstabe b der
         Leitlinien genannten Umstände
      
      1. Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2. Würdigung durch das Gericht
      III – Zur Berechnungsmethode und zum Endbetrag der Geldbuße
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Französisch.