CELEX: 62009CJ0422
Language: de
Date: 2010-12-02
Title: Urteil des Gerichtshofes (Achte Kammer) vom 2. Dezember 2010.#Vassiliki Stylianou Vandorou (C-422/09), Vassilios Alexandrou Giankoulis (C-425/09) und Ioannis Georgiou Askoxilakis (C-426/09) gegen Ypourgos Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Symvoulio tis Epikrateias - Griechenland.#Art. 39 EG und 43 EG - Richtlinie 89/48/EG - Anerkennung von Diplomen - Begriff der Berufserfahrung.#Verbundene Rechtssachen C-422/09, C-425/09 und C-426/09.

Verbundene Rechtssachen C‑422/09, C‑425/09 und C‑426/09
      Vassiliki Stylianou Vandorou u. a.
      gegen
      Ypourgos Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton
      (Vorabentscheidungsersuchen des Symvoulio tis Epikrateias)
      „Art. 39 EG und 43 EG – Richtlinie 89/48/EG – Anerkennung von Diplomen – Begriff der Berufserfahrung“
      Leitsätze des Urteils
      Freizügigkeit – Niederlassungsfreiheit – Arbeitnehmer – Anerkennung der Diplome und Befähigungsnachweise – Richtlinie 89/48
            – Reglementierte berufliche Tätigkeit – Berufserfahrung – Begriff
      (Art. 39 EG und 43 EG; Richtlinie 89/48 des Rates, Art. 1 Buchst. e und 4 Abs. 1 Buchst. b)
      Eine für die Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen beruflichen Qualifikationen zuständige nationale Behörde
         ist nach den Art. 39 EG und 43 EG verpflichtet, bei der Festlegung etwaiger Ausgleichsmaßnahmen zur Beseitigung wesentlicher
         Unterschiede zwischen der Ausbildung eines Antragstellers und der im Aufnahmemitgliedstaat erforderlichen Ausbildung jede
         praktische Erfahrung zu berücksichtigen, die diese Unterschiede ganz oder teilweise ausgleichen kann.
      
      Denn wenn die Erfahrung, die die Antragsteller vor der Erlangung des Diploms, das ihnen das Recht zur Ausübung ihres Berufs
         in einem Mitgliedstaat verleiht, erworben haben, die Ausübung reglementierter beruflicher Tätigkeiten auch nicht einschließen
         kann und sich aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 2 der Richtlinie 89/48 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der
         Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige Berufsausbildung abschließen, auch keine Verpflichtung ergibt, eine praktische
         Erfahrung, die keine Berufserfahrung im Sinne von Art. 1 Buchst. e dieser Richtlinie darstellt, zu berücksichtigen, so müssen
         die in Anwendung des Unionsrechts ergriffenen Maßnahmen doch den allgemeinen Grundsätzen dieses Rechts entsprechen, insbesondere
         dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die tatsächliche Ausübung der durch die Art. 39 EG und 43 EG garantierten Grundfreiheiten
         kann in ungerechtfertigter Weise behindert werden, wenn die für die Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen
         Berufsbezeichnungen zuständigen nationalen Behörden einschlägige Kenntnisse und Fähigkeiten unberücksichtigt lassen, die ein
         Antragsteller, der im Inland einen Beruf ausüben möchte, zu dem der Zugang nach dem nationalen Recht vom Besitz eines Hochschulabschlusses
         oder einer beruflichen Qualifikation abhängt, in einem anderen Mitgliedstaat bereits erworben hat. Den genauen Wert, der der
         praktischen Erfahrung, die für die Ausübung des Berufs, zu dem der Zugang beantragt wird, nützlich ist, beizumessen ist, hat
         die zuständige Behörde in Anbetracht der spezifischen wahrgenommenen Aufgaben, der in Wahrnehmung dieser Aufgaben erworbenen
         und angewandten Kenntnisse sowie der übertragenen Verantwortung und des Grades der dem Betroffenen gewährten Unabhängigkeit
         zu bestimmen. 
      
      (vgl. Randnrn. 61, 64-66, 69, 72 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Achte Kammer)
      2. Dezember 2010(*)
      
      „Art. 39 EG und 43 EG – Richtlinie 89/48/EG – Anerkennung von Diplomen – Begriff der Berufserfahrung“
      In den verbundenen Rechtssachen C‑422/09, C‑425/09 und C‑426/09
      betreffend Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Symvoulio tis Epikrateias (Griechenland) mit Entscheidungen
         vom 12. Mai 2009, beim Gerichtshof eingegangen am 28. Oktober 2009, in den Verfahren
      
      Vassiliki Stylianou Vandorou (C‑422/09),
      
      Vassilios Alexandrou Giankoulis (C‑425/09),
      
      Ioannis Georgiou Askoxilakis (C‑426/09)
      
      gegen
      Ypourgos Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Achte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten K. Schiemann (Berichterstatter), des Richters L. Bay Larsen und der Richterin C. Toader,
      Generalanwalt: P. Mengozzi,
      Kanzler: K. Malacek, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 23. September 2010,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der griechischen Regierung, vertreten durch E. Skandalou als Bevollmächtigte,
      –        der Europäischen Kommission, vertreten durch G. Zavvos und H. Støvlbæk als Bevollmächtigte,
      aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Die Vorabentscheidungsersuchen betreffen die Auslegung der Art. 1 Buchst. e und 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48/EWG
         des Rates vom 21. Dezember 1988 über eine allgemeine Regelung zur Anerkennung der Hochschuldiplome, die eine mindestens dreijährige
         Berufsausbildung abschließen (ABl. 1989, L 19, S. 16), in der durch die Richtlinie 2001/19/EG des Europäischen Parlaments
         und des Rates vom 14. Mai 2001 (ABl. L 206, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 89/48).
      
      2        Diese Ersuchen ergehen im Rahmen von Rechtsstreitigkeiten zwischen Frau Vandorou, Herrn Giankoulis und Herrn Askoxilakis einerseits
         und dem Ypourgos Ethnikis Paideias kai Thriskevmaton (Minister für Bildung und Glaubensgemeinschaften) andererseits wegen
         bestimmter Entscheidungen des Symvoulio Anagnorisis Epangelmatikis Isotimias Titlon Tritovathmias Ekpaidefsis (Rat zur Anerkennung
         der beruflichen Gleichwertigkeit von Befähigungsnachweisen der Hochschulausbildung, im Folgenden: Saeitte). Mit diesen Entscheidungen
         hat der Saeitte das Recht der Antragsteller des Ausgangsverfahrens, ihre Berufe, die sie in anderen Mitgliedstaaten auszuüben
         berechtigt sind, in Griechenland auszuüben, Ausgleichsmaßnahmen, d. h. einer Eignungsprüfung oder einem Anpassungslehrgang,
         unterworfen.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
      3        Die Richtlinie 89/48 hat gemäß ihrem dritten und ihrem vierten Erwägungsgrund zum Ziel, eine allgemeine Regelung zur Anerkennung
         der Hochschuldiplome einzuführen, die den europäischen Bürgern die Ausübung aller beruflichen Tätigkeiten, die in einem Aufnahmemitgliedstaat
         von einer weiterführenden Bildung im Anschluss an den Sekundarabschnitt abhängig sind, erleichtert, sofern sie Diplome besitzen,
         die sie auf diese Tätigkeiten vorbereiten, die einen wenigstens dreijährigen Studiengang bescheinigen und die in einem anderen
         Mitgliedstaat ausgestellt wurden.
      
      4        Art. 1 der Richtlinie 89/48 bestimmt: 
      
      „Im Sinne dieser Richtlinie gelten
      a)      als Diplome alle Diplome, Prüfungszeugnisse oder sonstige Befähigungsnachweise bzw. diese Diplome, Prüfungszeugnisse oder
         sonstigen Befähigungsnachweise insgesamt, 
      
      –        die in einem Mitgliedstaat von einer nach seinen Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften bestimmten zuständigen Behörde ausgestellt
         werden, 
      
      –        aus denen hervorgeht, dass der Diplominhaber ein oder ein dieser Dauer entsprechendes Teilzeitstudium an einer Universität
         oder einer Hochschule oder einer anderen Ausbildungseinrichtung mit gleichwertigem Niveau absolviert und gegebenenfalls die
         über das Studium hinaus erforderliche berufliche Ausbildung abgeschlossen hat, und 
      
      –        aus denen hervorgeht, dass der Zeugnisinhaber über die beruflichen Voraussetzungen verfügt, die für den Zugang zu einem reglementierten
         Beruf oder dessen Ausübung in diesem Mitgliedstaat erforderlich sind, 
      
      wenn die durch das Diplom, das Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis bescheinigte Ausbildung überwiegend
         in der Gemeinschaft erworben wurde oder wenn dessen Inhaber eine dreijährige Berufserfahrung hat, die von dem Mitgliedstaat
         bescheinigt wird, der ein Diplom, ein Prüfungszeugnis oder einen sonstigen Befähigungsnachweis eines Drittlands anerkannt
         hat.
      
      …
      …
      c)      als reglementierter Beruf die reglementierte berufliche Tätigkeit oder die reglementierten beruflichen Tätigkeiten insgesamt,
         die in einem Mitgliedstaat den betreffenden Beruf ausmachen; 
      
      d)      als reglementierte berufliche Tätigkeit eine berufliche Tätigkeit, deren Aufnahme oder Ausübung oder eine ihrer Arten der
         Ausübung in einem Mitgliedstaat direkt oder indirekt durch Rechts‑ oder Verwaltungsvorschriften an den Besitz eines Diploms
         gebunden ist:
      
      –        die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit in Verbindung mit der Führung eines Titels, der nur von Personen geführt werden darf,
         die ein Diplom besitzen, das in einschlägigen Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften festgelegt ist;
      
      –        die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit im Gesundheitswesen, wenn die Vergütung dieser Tätigkeit und/oder eine diesbezügliche
         Erstattung durch das einzelstaatliche System der sozialen Sicherheit an den Besitz eines Diploms gebunden ist.
      
      …
      e)      als Berufserfahrung die tatsächliche und rechtmäßige Ausübung des betreffenden Berufs in einem Mitgliedstaat;
      f)      als Anpassungslehrgang die Ausübung eines reglementierten Berufs, die in dem Aufnahmestaat unter der Verantwortung eines qualifizierten
         Berufsangehörigen erfolgt und gegebenenfalls mit einer Zusatzausbildung einhergeht. Der Lehrgang ist Gegenstand einer Bewertung.
         … 
      
      g)      als Eignungsprüfung eine ausschließlich die beruflichen Kenntnisse des Antragstellers betreffende und von den zuständigen
         Stellen des Aufnahmestaats durchgeführte Prüfung, mit der die Fähigkeit des Antragstellers, in diesem Mitgliedstaat einen
         reglementierten Beruf auszuüben, beurteilt werden soll.
      
      Für die Zwecke dieser Prüfung erstellen die zuständigen Stellen ein Verzeichnis der Sachgebiete, die aufgrund eines Vergleichs
         zwischen der in ihrem Staat verlangten Ausbildung und der bisherigen Ausbildung des Antragstellers von dem Diplom oder dem
         bzw. den Prüfungszeugnissen, die der Antragsteller vorlegt, nicht abgedeckt werden.
      
      Bei der Eignungsprüfung muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass der Antragsteller in seinem Heimatmitgliedstaat oder
         dem Mitgliedstaat, aus dem er kommt, über eine berufliche Qualifikation verfügt. Die Eignungsprüfung erstreckt sich auf Sachgebiete,
         die aus dem Verzeichnis ausgewählt werden und deren Kenntnis eine wesentliche Voraussetzung für die Ausübung des Berufs im
         Aufnahmemitgliedstaat ist. Diese Prüfung kann sich auch auf die Kenntnis der sich auf die betreffenden Tätigkeiten im Aufnahmemitgliedstaat
         beziehenden berufsständischen Regeln erstrecken. Die Modalitäten der Eignungsprüfung werden von den zuständigen Stellen des
         Aufnahmestaats unter Wahrung der Bestimmungen des Gemeinschaftsrechts festgelegt.
      
      …“
      5        Die Richtlinie 89/48 gilt nach Art. 2 Abs. 1 für alle Angehörigen eines Mitgliedstaats, die als Selbständige oder abhängig
         Beschäftigte einen reglementierten Beruf in einem anderen Mitgliedstaat ausüben wollen.
      
      6        Art. 3 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/48 sieht vor: 
      
      „Wenn der Zugang zu einem reglementierten Beruf oder dessen Ausübung im Aufnahmestaat von dem Besitz eines Diploms abhängig
         gemacht wird, kann die zuständige Stelle einem Angehörigen eines Mitgliedstaats den Zugang zu diesem Beruf oder dessen Ausübung
         unter denselben Voraussetzungen wie bei Inländern nicht wegen mangelnder Qualifikation verweigern,
      
      a)      wenn der Antragsteller das Diplom besitzt, das in einem anderen Mitgliedstaat erforderlich ist, um Zugang zu diesem Beruf
         in seinem Hoheitsgebiet zu erhalten oder ihn dort auszuüben, und wenn dieses Diplom in einem Mitgliedstaat erworben wurde …“
         
      
      7        Art. 4 der Richtlinie 89/48 bestimmt:
      
      „(1)      Artikel 3 hindert den Aufnahmestaat nicht daran, vom Antragsteller ebenfalls zu verlangen, 
      a)      dass er Berufserfahrung nachweist, wenn die Ausbildungsdauer, die er gemäß Artikel 3 Buchstaben a) und b) nachweist, um mindestens
         ein Jahr unter der in dem Aufnahmestaat geforderten Ausbildungsdauer liegt. …
      
      …
      b)      dass er einen höchstens dreijährigen Anpassungslehrgang absolviert oder eine Eignungsprüfung ablegt, 
      –        wenn seine bisherige Ausbildung gemäß Artikel 3 Buchstaben a) und b) sich auf Fächer bezieht, die sich wesentlich von denen
         unterscheiden, die von dem Diplom abgedeckt werden, das in dem Aufnahmestaat vorgeschrieben ist, oder 
      
      …
      Insbesondere muss der Aufnahmemitgliedstaat, wenn er beabsichtigt, dem Antragsteller einen Anpassungslehrgang oder eine Eignungsprüfung
         aufzuerlegen, zunächst prüfen, ob die vom Antragsteller im Rahmen seiner Berufspraxis in einem Mitgliedstaat oder einen Drittland
         erworbenen Kenntnisse den wesentlichen Unterschied nach Absatz 4 ganz oder teilweise ausgleichen können.
      
      Macht der Aufnahmestaat von dieser Möglichkeit Gebrauch, so muss er dem Antragsteller die Wahl zwischen dem Anpassungslehrgang
         und der Eignungsprüfung lassen. Abweichend von diesem Grundsatz kann der Aufnahmestaat einen Anpassungslehrgang oder eine
         Eignungsprüfung vorschreiben, wenn es sich um Berufe handelt, deren Ausübung eine genaue Kenntnis des nationalen Rechts erfordert
         und bei denen die Beratung und/oder der Beistand in Fragen des innerstaatlichen Rechts ein wesentlicher und ständiger Bestandteil
         der beruflichen Tätigkeit ist. … 
      
      (2)      Jedoch kann der Aufnahmestaat von den Möglichkeiten im Sinne von Absatz 1 Buchstaben a) und b) nicht gleichzeitig Gebrauch
         machen.“ 
      
       Nationales Recht
       Maßnahmen zur Umsetzung der Richtlinie 89/48 in das nationale Recht
      8        Zur Umsetzung der Richtlinie 89/48 in die griechische Rechtsordnung wurde das Präsidialdekret 165/2000 vom 23. Juni 2000 (FEK A’ 149/28.6.2000)
         in der durch die Präsidialdekrete 373/2001 vom 22. Oktober 2001 (FEK A’ 251) und 385/2002 vom 23. Dezember 2002 (FEK A’ 334)
         geänderten Fassung (im Folgenden: Dekret 165/2000) erlassen.
      
      9        So übernehmen die Art. 2 Abs. 5 und 7, 3, 4 Abs. 1 Buchst. a und 5 des Dekrets 165/2000 die oben angeführten Art. 1 Buchst. e
         und g, 2 Abs. 1, 3 Abs. 1 Buchst. a und 4 der Richtlinie 89/48.
      
      10      Ferner sieht Art. 10 des Dekrets 165/2000 die Einsetzung des Saeitte als Kollegialorgan beim Ministerium für Bildung und Glaubensgemeinschaften
         vor, der nach Art. 11 des Dekrets die Aufgabe hat, über die Anträge auf Anerkennung von unter die Richtlinie 89/48 fallenden
         Hochschuldiplomen zu befinden.
      
       Die Berufe des Maschinenbauingenieurs und des Telekommunikationsingenieurs
      11      In Griechenland sind die Berufe des Maschinenbauingenieurs und des Telekommunikationsingenieurs reglementierte Berufe, deren
         Ausübung den Mitgliedern des Techniko Epimelitirio tis Elladas (Griechische Ingenieurkammer, im Folgenden: TEE) vorbehalten
         ist.
      
      12      Das Präsidialdekret vom 27. November und 14. Dezember 1926 zur Kodifizierung der Vorschriften über die Zusammensetzung des
         TEE (FEK A’ 430) in der durch das Gesetz 1486/1984 (FEK A’ 161) und das Präsidialdekret 512/1991 vom 30. November und 12.
         Dezember 1991 (FEK A’ 190) geänderten Fassung (im Folgenden: TEE-Dekret) sieht in Art. 2 Abs. 1 vor, dass die Staatsangehörigen
         der Mitgliedstaaten als Mitglieder des TEE einzutragen sind, wenn sie „Inhaber eines Diploms des staatlichen Polytechnikums
         Metsovo, der polytechnischen Fakultäten des Landes oder gleichwertiger ausländischer Hochschulen“ sind und „die Erlaubnis
         zur Berufsausübung besitzen“.
      
      13      Die Berufsangehörigen werden in Art. 2 Abs. 5 dieses Dekrets in neun Fachrichtungen eingeteilt, unter denen das Maschinenbauingenieurwesen,
         nicht aber das Telekommunikationsingenieurwesen aufgeführt ist.
      
      14      Nach Art. 2 Abs. 6 des TEE-Dekrets werden Fachrichtungen, die nicht unter den in Art. 2 Abs. 5 definierten aufgeführt sind,
         in die am nächsten verwandte Fachrichtung eingeordnet. Unabhängig davon verfügt das Mitglied des TEE, das auf diese Weise
         aufgenommen wird, über die Rechte, die mit der Fachrichtung oder auch nur mit der in seiner Berufsausübungserlaubnis genannten
         Spezialisierung verbunden sind, wie sie im geltenden Recht festgelegt sind.
      
      15      Art. 4 Abs. 3 des TEE-Dekrets sieht insbesondere vor, dass das TEE die Prüfungen abnimmt, die Erlaubnisse für die Ausübung
         des Ingenieurberufs gemäß der geltenden Regelung erteilt und die Ingenieurregister führt.
      
      16      In diesem Zusammenhang wird dem TEE durch die Art. 1 und 4 des Gesetzes 1225/1981 vom 30. und 31. Dezember 1981 (FEK B’ 713)
         die Befugnis verliehen, Inhabern von Ingenieurdiplomen griechischer Hochschulen oder von solchen gleichwertiger ausländischer
         Hochschulen die Erlaubnis zur Berufsausübung in Griechenland zu erteilen. Nach Art. 1 Abs. 3 dieses Gesetzes gilt dies auch
         für Inhaber von Ingenieurdiplomen ausländischer Hochschulen, die Fachrichtungen anbieten, die denen der Inhaber von Ingenieurdiplomen
         griechischer Hochschulen nicht entsprechen. 
      
      17      Gestützt auf das Gesetz 1225/1981 regelte der Gemeinsame Ministerialerlass ED 5/4/339 vom 14. September und 5. Oktober 1984
         des Ministers für öffentliche Arbeiten und des Ministers für Bildung und Glaubensgemeinschaften das Verfahren für die Erteilung
         der Erlaubnis zur Ausübung des Ingenieurberufs durch das TEE.
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
       Rechtssache C‑422/09 (Vandorou)
      18      Nachdem sie in der Zeit von September 1994 bis Februar 1997 an der London Guildhall University (Vereinigtes Königreich) Vorlesungen
         besucht und Prüfungen abgelegt hatte, erwarb Frau Vandorou das Postgraduiertendiplom eines „Master of Business Administration“.
         Während ihres Studiums arbeitete sie im Vereinigten Königreich, u. a. bei dem Unternehmen Elf Oil Ltd (im Folgenden: Elf Oil).
      
      19      Am 15. August 1997 schrieb sich Frau Vandorou bei der Association of Chartered Certified Accountants (Verband der vereidigten
         Wirtschaftsprüfer, im Folgenden: ACCA) ein. Nachdem sie den entsprechenden Prüfungszyklus abgeschlossen und die im Fach Wirtschaftsprüfung/Audit
         erforderliche und zugelassene Berufserfahrung erworben hatte, wurde sie am 17. April 2000 offizielles Mitglied dieses Berufsverbands
         und erhielt die Berufsbezeichnung eines „Chartered Certified Accountant“ (vereidigter Wirtschaftsprüfer). Zwischen diesen
         beiden Zeitpunkten arbeitete Frau Vandorou in Griechenland bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers
         (im Folgenden: PricewaterhouseCoopers).
      
      20      Am 10. April 2002 beantragte Frau Vandorou beim Saeitte die Erlaubnis, den Beruf des Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters in
         Griechenland ausüben zu dürfen.
      
      21      Sie legte Bescheinigungen vor, die ihre Befugnis, im Vereinigten Königreich den Beruf eines „Chartered Certified Accountant“
         auszuüben, belegten und die mit diesem Beruf verbundenen Tätigkeiten beschrieben. Sie berief sich darüber hinaus auf ihre
         bei Elf Oil und PricewaterhouseCoopers erworbene Berufserfahrung und legte entsprechende Bescheinigungen dieser Unternehmen
         vor. 
      
      22      Mit Bescheid Nr. 80 vom 23. März 2004 (im Folgenden: erster angefochtener Bescheid) stellte der Saeitte zunächst fest, dass
         es sich bei dem Beruf des Wirtschaftsprüfers sowohl in Griechenland als auch im Vereinigten Königreich um einen reglementierten
         Beruf handele und dass Frau Vandorou, die den von der ACCA, einem Berufsverband des Vereinigten Königreichs, verliehenen Titel
         eines „Chartered Certified Accountant“ führe, nach der Richtlinie 89/48 und dem Dekret 165/2000 als Inhaberin eines Wirtschaftsprüferdiploms
         anzusehen sei. Der Saeitte führte weiter aus, dass Frau Vandorou „angesichts der wesentlichen Unterschiede zwischen ihrem
         Studienprogramm und der Wirtschaftsprüferausbildung in Griechenland“ Ausgleichsmaßnahmen aufzuerlegen seien. Er beschloss
         daher, einen dreiköpfigen Ausschuss einzusetzen, der den genauen Inhalt dieser Maßnahmen festlegen sollte.
      
      23      Auf der Grundlage der Entscheidung dieses Ausschusses schrieb der Saeitte Frau Vandorou sodann mit Bescheid Nr. 89 vom 25.
         Oktober 2004 (im Folgenden: zweiter angefochtener Bescheid) als Ausgleichsmaßnahme im Hinblick auf die Anerkennung des Rechts
         zur Ausübung des Berufs des Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters vor, sich einer Eignungsprüfung im innerstaatlichen Recht, insbesondere
         im Gesellschafts-, Handels-, Arbeits- und Steuerrecht, zu unterziehen, da die Ausübung des Berufs des Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters
         eine genaue Kenntnis der innerstaatlichen Rechtsvorschriften erfordere. Unter Berufung auf Art. 5 des Dekrets 165/2000, mit
         dem Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 3 der Richtlinie 89/48 umgesetzt worden war, stellte der Saeitte außerdem fest, dass
         Frau Vandorou nicht zwischen einer Eignungsprüfung und einem Anpassungslehrgang wählen könne, weil der Beruf des Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters
         ein Beruf sei, „dessen Ausübung eine genaue Kenntnis des nationalen Rechts erfordert und bei dem die Beratung und/oder der
         Beistand in Fragen des innerstaatlichen Rechts ein wesentlicher und ständiger Bestandteil der beruflichen Tätigkeit ist“.
      
      24      Schließlich vertrat der Saeitte die Auffassung, dass die Berufserfahrung, die Frau Vandorou in Griechenland im Rahmen ihrer
         Tätigkeit bei PricewaterhouseCoopers erworben habe, nicht berücksichtigt werden könne. Die Voraussetzungen in Art. 2 Abs. 5
         des Dekrets 165/2000, der – nach dem Vorbild des Art. 1 Buchst. e der Richtlinie 89/48 – den Begriff „Berufserfahrung“ als
         „die tatsächliche und rechtmäßige Ausübung des betreffenden Berufs in einem Mitgliedstaat“ definiere, seien nämlich nicht
         erfüllt, da Frau Vandorou in der Zeit, in der sie diese Berufserfahrung erworben habe, nicht Inhaberin einer Erlaubnis zur
         Ausübung des Berufs des Wirtschaftsprüfers in Griechenland gewesen sei.
      
      25      Frau Vandorou erhob daraufhin beim Symvoulio tis Epikrateias zwei Klagen gegen die beiden angefochtenen Bescheide.
      
      26      Zur Klage gegen den ersten angefochtenen Bescheid führt der Symvoulio tis Epikrateias aus, dass dieser Bescheid für nichtig
         zu erklären sei, weil er insoweit unzureichend begründet sei, als er Frau Vandorou Ausgleichsmaßnahmen auferlege. Der Saeitte
         habe sich nämlich damit begnügt, allgemein und vage auf „wesentliche Unterschiede“ des Studienprogramms zu verweisen, obwohl
         er verpflichtet gewesen wäre, spezifisch und konkret die Fachgebiete, auf die sich die von Frau Vandorou erworbene Ausbildung
         erstreckt habe, und diejenigen, die von dem entsprechenden griechischen Diplom abgedeckt würden, anzuführen, die zwischen
         diesen Fachgebieten bestehenden Unterschiede aufzuzeigen sowie vollständig und im Einzelnen zu begründen, warum es sich hierbei
         um wesentliche Unterschiede handele. 
      
      27      Zur Klage gegen den zweiten angefochtenen Bescheid stellt das vorlegende Gericht fest, dass dessen Gültigkeit von derjenigen
         des ersten angefochtenen Bescheids abhänge und dass die Nichtigerklärung des ersten die Nichtigerklärung auch des zweiten
         nach sich ziehen müsse.
      
      28      Allerdings sei in diesem Zusammenhang auch der Nichtigkeitsgrund zu prüfen, wonach die Begründung des zweiten angefochtenen
         Bescheids insoweit rechtsfehlerhaft sei, als der Saeitte darin bei der Prüfung der Frage, ob Frau Vandorou Ausgleichsmaßnahmen
         aufzuerlegen seien, die Auffassung vertreten habe, dass ihre in Griechenland erworbene Berufserfahrung nicht zu berücksichtigen
         sei. Die Prüfung dieses Nichtigkeitsgrundes erweise sich, so das vorlegende Gericht, als erforderlich, um durch die Eingrenzung
         der Fragen, die die zuständige nationale Behörde nach der Nichtigerklärung der angefochtenen Bescheide zu prüfen habe, die
         Verpflichtungen dieser Behörde bei der Befolgung des Nichtigkeitsurteils genau festzulegen und damit Frau Vandorou – auch
         unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Prozessökonomie – umfassenden und effektiven Rechtsschutz zu gewähren.
      
      29      Unter diesen Umständen hat der Symvoulio tis Epikrateias das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof die folgende Frage zur
         Vorabentscheidung vorgelegt: 
      
      Ist als „Berufserfahrung“ im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48, die von der zuständigen nationalen Behörde
         berücksichtigt wird, um zu beurteilen, ob die von dem Betroffenen aufgrund dieser Erfahrung erworbenen Kenntnisse geeignet
         sind, ganz oder teilweise den wesentlichen Unterschied zwischen den Sachgebieten auszugleichen, auf die sich die Ausbildung
         bezieht, die der Betroffene im Herkunftsmitgliedstaat erlangt hat, und denjenigen, die von dem im Aufnahmemitgliedstaat verlangten
         Diplom abgedeckt werden, auch die Erfahrung anzusehen, die kumulativ folgende Merkmale aufweist: 
      
      a)       Sie wurde vom Betroffenen nach Erlangung des Diploms, das ihm den Zugang zu einem bestimmten reglementierten Beruf im Herkunftsmitgliedstaat
         gewährt, erworben; 
      
      b)      sie wurde im Rahmen der Ausübung einer beruflichen Tätigkeit im Aufnahmemitgliedstaat erworben, die zwar nicht mit dem reglementierten
         Beruf übereinstimmt, dessen Ausübung der Betroffene gemäß der Richtlinie 89/48 beantragt hat (und der im Übrigen im Aufnahmemitgliedstaat
         nicht rechtmäßig ausgeübt werden kann, bevor seinem Antrag stattgegeben wurde), die jedoch nach der Sachprüfung durch die
         für die Prüfung des Antrags zuständige nationale Behörde einen Zusammenhang mit dem genannten reglementierten Beruf aufweist,
         und 
      
      c)      sie erscheint nach der Sachprüfung durch die erwähnte nationale Behörde aufgrund des vorgenannten Zusammenhangs geeignet,
         zumindest teilweise die erheblichen Unterschiede zwischen den Sachgebieten, auf die sich die Ausbildung bezieht, die der Betroffene
         im Herkunftsmitgliedstaat erworben hat, und den Sachgebieten, die von dem entsprechenden Diplom des Aufnahmemitgliedstaats
         abgedeckt werden, auszugleichen? 
      
       Rechtssache C‑425/09 (Giankoulis)
      30      Herr Giankoulis besitzt ein Diplom der Sektion Maschinenbau des Fachbereichs für technische Anwendungen des Technologiko Ekpaideftiko
         Idryma (Fachhochschule) Kavala (Griechenland) sowie ein Postgraduiertendiplom eines „Master of Science“ des Institute of Technology
         Cranfield (Vereinigtes Königreich) im Fach Prozesstechnik.
      
      31      Am 17. April 1996 wurde Herr Giankoulis von dem Unternehmen Elliniki Viomichania Alouminiou AE (im Folgenden: Elliniki Viomichania
         Alouminiou) eingestellt. Er war dort bis zum 31. Dezember 1997 Maschinenbautechniker in der Abteilung Gießereien und bis zum
         31. Dezember 2000 als Verantwortlicher für die Mechanische Instandhaltung der Abteilung Gießereien tätig.
      
      32      Seit dem 12. Juli 2000 ist Herr Giankoulis Mitglied der Institution of mechanical engineers (Verband der Maschinenbauingenieure
         des Vereinigten Königreichs). Nach einer Bescheinigung dieses Verbandes vom 8. November 2000 ist er berechtigt, den Titel
         „Chartered Engineer“ zu führen. Seine Eintragung in das Verzeichnis der „Chartered Engineers“ erfolgte in Anbetracht seiner
         akademischen Qualifikationen und seiner in Griechenland erworbenen Berufserfahrung.
      
      33      Seit dem 1. Januar 2002 arbeitet Herr Giankoulis in der gemeinsamen Abteilung Gießereien und Strangguss von Elliniki Viomichania
         Alouminiou als Maschinenbautechniker.
      
      34      Am 9. März 2001 beantragte Herr Giankoulis beim Saeitte die Erlaubnis, den Beruf des Maschinenbauingenieurs in Griechenland
         ausüben zu dürfen. Neben den Belegen für seine akademische Ausbildung legte er eine Bescheinigung über seine Berufserfahrung
         bei Elliniki Viomichania Alouminiou vor.
      
      35      Nach mehreren Sitzungen, die lediglich zu Beschlüssen, die Prüfung des Antrags auszusetzen, geführt hatten, stellte der Saeitte
         mit Bescheid Nr. 42 vom 8. April 2002 (im Folgenden: dritter angefochtener Bescheid) fest, dass sich die Ausbildung von Herrn
         Giankoulis am Technologiko Ekpaideftiko Idryma von Kavala wesentlich von der entsprechenden, an den polytechnischen Abteilungen
         der griechischen Hochschulen vermittelten Ausbildung unterscheide und dass sich seine auf Griechenland beschränkte Berufserfahrung
         nicht auf den Beruf des Maschinenbauingenieurs beziehe. Der Saeitte führte weiter aus, dass Herr Giankoulis zum Ausgleich
         der wesentlichen Unterschiede in der Ausbildung Ausgleichsmaßnahmen absolvieren müsse und dass ein dreiköpfiger Ausschuss
         einzusetzen sei, der den genauen Inhalt dieser Maßnahmen festlegen solle.
      
      36      Dieser Ausschuss empfahl in seinem Sitzungsprotokoll vom 12. November 2002, Herrn Giankoulis eine Prüfung oder einen dreijährigen
         Lehrgang auf vier Fachgebieten zur Anpassung an die den Grundlagenfächern des Maschinenbauingenieurs entsprechenden Gebiete
         und auf sieben weiteren Fachgebieten zur Abdeckung der dem Beruf des Elektroingenieurs entsprechenden Fächer vorzuschreiben.
      
      37      Nach zwei weiteren Aussetzungsbescheiden erließ der Saeitte den Bescheid Nr. 87 vom 21. September 2004 (im Folgenden: vierter
         angefochtener Bescheid) und beschloss, den Bericht des Ausschusses nur hinsichtlich der den Beruf des Maschinenbauingenieurs
         betreffenden Ausgleichsmaßnahmen anzunehmen. Der Saeitte erlegte daher Herrn Giankoulis als Ausgleichsmaßnahmen eine Prüfung
         oder einen dreijährigen Lehrgang unter Aufsicht auf folgenden Fachgebieten des Maschinenbaus auf: „Wärmetechnik – Thermische
         Motoren – Thermische Anlagen – Kälteanlagen – Klimatisierung – Hebeeinrichtungen – Hydraulische Anlagen und Pumpstationen“.
      
      38      Herr Giankoulis erhob daraufhin Klage beim Symvoulio tis Epikrateias und beantragte die Nichtigerklärung insbesondere des
         dritten und des vierten angefochtenen Bescheids.
      
      39      Zum dritten angefochtenen Bescheid führt der Symvoulio tis Epikrateias aus, dass dieser Bescheid für nichtig zu erklären sei,
         weil er insoweit unzureichend begründet sei, als er Herrn Giankoulis Ausgleichsmaßnahmen auferlege. Der Saeitte habe sich
         nämlich damit begnügt, allgemein und vage auf wesentliche Unterschiede der Ausbildung von Herrn Giankoulis zu verweisen, obwohl
         er verpflichtet gewesen wäre, spezifisch und konkret die Fachgebiete, auf die sich die von Herrn Giankoulis erworbene Ausbildung
         erstreckt habe, und diejenigen, die zu den Studien gehörten, die in Griechenland zum Erwerb des Diploms führten, das die rechtliche
         Voraussetzung für die Ausübung der reglementierten Berufstätigkeit des Maschinenbauingenieurs sei, anzuführen, die zwischen
         diesen Fachgebieten bestehenden Unterschiede aufzuzeigen sowie vollständig und im Einzelnen zu begründen, warum es sich hierbei
         um wesentliche Unterschiede handele.
      
      40      Zum vierten angefochtenen Bescheid stellt das vorlegende Gericht fest, dass dessen Gültigkeit von derjenigen des dritten angefochtenen
         Bescheids abhänge und dass die Nichtigerklärung des dritten die Nichtigerklärung auch des vierten nach sich ziehen müsse.
      
      41      Allerdings sei in diesem Zusammenhang auch der Nichtigkeitsgrund zu prüfen, wonach die Begründung des vierten angefochtenen
         Bescheids insoweit rechtsfehlerhaft sei, als der Saeitte mit der Annahme des Berichts des Ausschusses im Zusammenhang mit
         der Auferlegung von Ausgleichsmaßnahmen die Auffassung vertreten habe, dass die von Herrn Giankoulis in Griechenland erworbene
         Berufserfahrung nicht zu berücksichtigen sei. Die Prüfung dieses Nichtigkeitsgrundes erweise sich, so das vorlegende Gericht,
         als erforderlich, um durch die Eingrenzung der Fragen, die die zuständige nationale Behörde nach der Nichtigerklärung der
         angefochtenen Bescheide zu prüfen habe, die Verpflichtungen dieser Behörde bei der Befolgung des Nichtigkeitsurteils genau
         festzulegen und damit Herrn Giankoulis – auch unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Prozessökonomie – umfassenden und
         effektiven Rechtsschutz zu gewähren.
      
      42      Im Rahmen der Prüfung dieses Nichtigkeitsgrundes hegt das vorlegende Gericht Zweifel, ob die von Herrn Giankoulis nach Erhalt
         des Titels „Chartered Engineer“ erworbene Berufserfahrung eine nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48 zu berücksichtigende
         „Berufserfahrung“ darstellt.
      
      43      Unter diesen Umständen hat der Symvoulio tis Epikrateias das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof die folgende Frage zur
         Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      Entspricht der Begriff „Berufserfahrung“ in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48 dem Begriff „Berufserfahrung“, wie
         er in Art. 1 Buchst. e dieser Richtlinie definiert ist, und kann er verstanden werden als die Berufserfahrung, die kumulativ
         folgende Merkmale aufweist: 
      
      a)      Sie wurde vom Betroffenen nach dem Erwerb des Diploms, das ihm den Zugang zu einem bestimmten reglementierten Beruf im Herkunftsmitgliedstaat
         gewährt, erworben; 
      
      b)      sie wurde im Rahmen der Ausübung dieses Berufs erworben, auf den sich der nach der Richtlinie 89/48 gestellte Antrag bezieht
         (vgl. die Begriffe „the profession concerned“, „la profession concernée“ und „der betreffende Beruf“, die jeweils in der englischen,
         französischen und deutschen Fassung der Richtlinie verwendet werden), und 
      
      c)       die fragliche berufliche Tätigkeit wurde rechtmäßig ausgeübt, d. h. unter den Bedingungen der maßgeblichen Rechtsvorschriften
         des Mitgliedstaats, in dem sie ausgeübt wurde, so dass die Berücksichtigung einer Erfahrung, die in dem betreffenden Beruf
         im Aufnahmemitgliedstaat erworben wurde, bevor dem Antrag stattgegeben wurde – sofern der betreffende Beruf im Aufnahmemitgliedstaat
         nicht rechtmäßig ausgeübt werden kann, bevor dem Antrag stattgegeben wurde – ausgeschlossen ist (selbstverständlich unter
         dem Vorbehalt der Anwendung von Art. 5 der Richtlinie, der unter bestimmten Bedingungen – zur Ableistung der im Herkunftsmitgliedstaat
         nicht absolvierten Berufsausbildung – die Ausübung des Berufs im Aufnahmemitgliedstaat mit Unterstützung eines qualifizierten
         Berufsangehörigen gestattet)? 
      
       Rechtssache C‑426/09 (Askoxilakis)
      44      Herr Askoxilakis besitzt ein Diplom in Physik der Abteilung Physik der Universität Kreta (Griechenland) sowie ein Postgraduiertendiplom
         der Fachrichtung Kommunikationstechnik der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität
         München (Deutschland). Aufgrund des letztgenannten Diploms ist er berechtigt, reglementierte berufliche Tätigkeiten auf dem
         Gebiet der Kommunikationstechnik in Deutschland auszuüben.
      
      45      Am 21. Oktober 2003 beantragte Herr Askoxilakis beim Saeitte die Erlaubnis, den Beruf des Kommunikationsingenieurs in Griechenland
         ausüben zu dürfen. Neben den Belegen für seine Hochschulausbildung legte er eine Bescheinigung des Informatikzentrums des
         Instituts für Technologie und Forschung (im Folgenden: ITF) bei, wonach er vom 1. August 2002 bis zum 28. Februar 2003 im
         Rahmen von Forschungsprogrammen dieses Zentrums und ab dem 1. März 2003 als spezialisierter wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter
         insbesondere beim Labor für Telekommunikation und Netzwerke tätig gewesen sei. Auf Ersuchen des Saeitte legte Herr Askoxilakis
         außerdem eine zweite Bescheinigung des ITF vor, in der der Gegenstand seiner Tätigkeit für dieses Zentrum eingehender beschrieben
         war.
      
      46      Mit Bescheid Nr. 87 vom 21. September 2004 (im Folgenden: fünfter angefochtener Bescheid) beschloss der Saeitte, Herrn Askoxilakis
         Ausgleichsmaßnahmen aufzuerlegen, um die wesentlichen Unterschiede zwischen der abgelegten Ausbildung und den Fachgebieten
         auszugleichen, die von den griechischen Polytechnischen Fakultäten für den Beruf des Informatik-, Telekommunikations- und
         Netzwerkingenieurs in Griechenland unterrichtet werden. Der Saeitte beschloss ferner, einen dreiköpfigen Ausschuss einzusetzen,
         der den genauen Inhalt dieser Maßnahmen festlegen sollte.
      
      47      Dieser Ausschuss empfahl in seinem Bericht vom 10. Februar 2005 eine Eignungsprüfung oder einen dreijährigen Anpassungslehrgang
         auf folgenden Fachgebieten: „A. Gestaltung digitaler, elektrischer und analoger Schaltungen; Netzanalyse; B. Bereich Rechner:
         Mikrocomputersysteme; Computerbetriebssysteme; Entwurf und Implementierung von Programmiersprachen; Algorithmen und Komplexität
         [von Netzanwendungen]; Datenbanken und ‑strukturen; Softwaretechnologie; C. Telekommunikation und Netzwerke: Modulation, Demodulation,
         Analyse und Emission von Signalen; schnurlose Verbindungen und Emission; Internet und dessen Anwendung“.
      
      48      Mit Bescheid Nr. 96 vom 8. März 2005 (im Folgenden: sechster angefochtener Bescheid) beschloss der Saeitte, diesem Bericht
         zu folgen, und schrieb Herrn Askoxilakis die genannten Ausgleichsmaßnahmen vor, ohne seine beim ITR erworbene Berufserfahrung
         zu berücksichtigen. 
      
      49      Herr Askoxilakis erhob daraufhin Klage, insbesondere gegen den fünften und den sechsten angefochtenen Bescheid. 
      
      50      Was erstens den fünften angefochtenen Bescheid betrifft, führt der Symvoulio tis Epikrateias aus, dass dieser Bescheid für
         nichtig zu erklären sei, weil er insoweit unzureichend begründet sei, als er Herrn Askoxilakis Ausgleichsmaßnahmen auferlege.
         Der Saeitte habe sich nämlich damit begnügt, allgemein und vage auf „wesentliche Unterschiede“ zu verweisen, obwohl er verpflichtet
         gewesen wäre, spezifisch und konkret die Fachgebiete, auf die sich die von Herrn Askoxilakis erworbene Ausbildung erstreckt
         habe, und diejenigen, die zu den Studien gehörten, die in Griechenland zum Erwerb des Diploms führten, das die rechtliche
         Voraussetzung für die Ausübung der reglementierten beruflichen Tätigkeiten des Telekommunikationsingenieurs sei, anzuführen,
         die zwischen diesen Fachgebieten bestehenden Unterschiede aufzuzeigen sowie vollständig und im Einzelnen zu begründen, warum
         es sich hierbei um wesentliche Unterschiede handele.
      
      51      Was zweitens den sechsten angefochtenen Bescheid angehe, stellt der Symvoulio tis Epikrateias fest, dass dessen Gültigkeit
         von derjenigen des fünften angefochtenen Bescheids abhänge, so dass die Nichtigerklärung des fünften die Nichtigerklärung
         auch die des sechsten nach sich ziehen müsse.
      
      52      Allerdings sei in diesem Zusammenhang auch der Nichtigkeitsgrund zu prüfen, wonach die Begründung des sechsten angefochtenen
         Bescheids insoweit rechtsfehlerhaft sei, als der Saeitte die von Herrn Askoxilakis angeführte Berufserfahrung nicht berücksichtigt
         habe. Die Prüfung dieses Nichtigkeitsgrundes erweise sich, so das vorlegende Gericht, als erforderlich, um durch die Eingrenzung
         der Fragen, die die zuständige nationale Behörde nach der Nichtigerklärung der angefochtenen Bescheide zu prüfen hat, die
         Verpflichtungen dieser Behörde bei der Befolgung des Nichtigkeitsurteils genau festzulegen und damit Herrn Askoxilakis – auch
         unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Prozessökonomie – umfassenden und effektiven Rechtsschutz zu gewähren. 
      
      53      Im Rahmen der Prüfung dieses Nichtigkeitsgrundes hegt das vorlegende Gericht Zweifel, ob die von Herrn Askoxilakis beim ITF
         erworbene Berufserfahrung eine nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48 zu berücksichtigende „Berufserfahrung“ darstellt.
      
      54      Unter diesen Umständen hat der Symvoulio tis Epikrateias das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof die folgende Frage zur
         Vorabentscheidung vorgelegt: 
      
      Entspricht der Begriff „Berufserfahrung“ in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Richtlinie 89/48 dem Begriff „Berufserfahrung“, wie
         er in Art. 1 Buchst. e dieser Richtlinie definiert ist, und kann er verstanden werden als die Berufserfahrung, die kumulativ
         folgende Merkmale aufweist: 
      
      a)      Sie wurde vom Betroffenen nach dem Erwerb des Diploms, das ihm den Zugang zu einem bestimmten reglementierten Beruf im Herkunftsmitgliedstaat
         gewährt, erworben; 
      
      b)      sie wurde im Rahmen der Ausübung dieses Berufs erworben, in Bezug auf den der Antrag nach der Richtlinie 89/48 gestellt wird
         (vgl. die Begriffe „the profession concerned“, „la profession concernée“ und „der betreffende Beruf“, die jeweils in der englischen,
         französischen und deutschen Fassung der Richtlinie verwendet werden), und 
      
      c)      die fragliche berufliche Tätigkeit wurde rechtmäßig ausgeübt, d. h. unter den Bedingungen der maßgeblichen Rechtsvorschriften
         des Mitgliedstaats, in dem sie ausgeübt wurde, so dass die Berücksichtigung einer Erfahrung, die in dem betreffenden Beruf
         im Aufnahmemitgliedstaat erworben wurde, bevor dem Antrag stattgegeben wurde – sofern der betreffende Beruf im Aufnahmemitgliedstaat
         nicht rechtmäßig ausgeübt werden kann, bevor dem Antrag stattgegeben wurde – ausgeschlossen ist (selbstverständlich unter
         dem Vorbehalt der Anwendung von Art. 5 der Richtlinie, der unter bestimmten Bedingungen – zur Ableistung der im Herkunftsmitgliedstaat
         nicht absolvierten Berufsausbildung – die Ausübung des Berufs im Aufnahmemitgliedstaat mit Unterstützung eines qualifizierten
         Berufsangehörigen gestattet)? 
      
      55      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofs vom 3. Februar 2009 sind die Rechtssachen C‑422/09, C‑425/09 und C‑426/09 zu
         gemeinsamem schriftlichen und mündlichen Verfahren und zu gemeinsamer Entscheidung verbunden worden.
      
       Zu den Vorlagefragen
      56      Aus den dem Gerichtshof vorliegenden Akten ergibt sich, dass alle drei Antragsteller der Ausgangsverfahren in Griechenland
         einen reglementierten Beruf ausüben wollen, und zwar auf der Grundlage der Berechtigung, einen entsprechenden reglementierten
         Beruf in einem anderen Mitgliedstaat auszuüben. Bei jedem dieser Antragsteller stellte der Saeitte wesentliche Unterschiede
         zwischen der jeweils abgelegten Ausbildung und der zur Ausübung des entsprechenden Berufs in Griechenland üblicherweise vermittelten
         Ausbildung fest und hielt es daher für erforderlich, Ausgleichsmaßnahmen vorzuschreiben, wie sie in Art. 4 der Richtlinie
         89/48 vorgesehen sind.
      
      57      Im Zuge der Festlegung des Umfangs dieser Ausgleichsmaßnahmen vertrat der Saeitte die Auffassung, die von den Antragstellern
         der Ausgangsverfahren erworbene praktische Erfahrung könne nicht berücksichtigt werden, und zwar ohne zu prüfen, ob diese
         Erfahrung ganz oder teilweise diese wesentlichen Ausbildungsunterschiede ausgleichen kann.
      
      58      Mit seinen Vorlagefragen, die zusammen zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, inwieweit eine
         nationale für die Anerkennung von in anderen Mitgliedstaaten erworbenen beruflichen Qualifikationen zuständige Stelle bei
         der Festlegung etwaiger Ausgleichsmaßnahmen zur Beseitigung wesentlicher Unterschiede zwischen der von einem Antragsteller
         erworbenen und der im Aufnahmemitgliedstaat erforderlichen Ausbildung eine praktische Erfahrung berücksichtigen muss, die
         diese Unterschiede ganz oder teilweise ausgleichen kann.
      
      59      Hierzu ist zunächst festzustellen, dass die von den Antragstellern der Ausgangsverfahren im Rahmen ihrer Tätigkeit erworbene
         praktische Erfahrung nach den dem Gerichtshof vorliegenden Informationen keine „Berufserfahrung“ im Sinne des Art. 1 Buchst. e
         der Richtlinie 89/48 sein kann.
      
      60      Dieser Ausdruck verweist nämlich, wie sich aus der Definition in dieser Bestimmung in Verbindung mit Art. 1 Buchst. a, c und
         d dieser Richtlinie ergibt, auf die Ausübung von reglementierten beruflichen Tätigkeiten, deren Aufnahme oder Ausübung normalerweise
         durch Rechts‑ oder Verwaltungsvorschriften an den Besitz eines „Diploms“ im Sinne des Art. 1 Buchst. a der Richtlinie gebunden
         ist.
      
      61      Die Erfahrung, die die Antragsteller der Ausgangsverfahren vor der Erlangung des Diploms, das ihnen das Recht zur Ausübung
         des fraglichen Berufs in einem Mitgliedstaat verleiht, erworben haben, kann die Ausübung dieser reglementierten beruflichen
         Tätigkeiten aber nicht einschließen. Dies gilt insbesondere für die Erfahrung, die Frau Vandorou bei Elf Oil und bei PricewaterhouseCoopers
         vor ihrer Aufnahme in die ACCA und Herr Giankoulis bei Elliniki Viomichania Alouminiou vor seiner Aufnahme in den Verband
         der Maschinenbauingenieure des Vereinigten Königreichs erworben haben.
      
      62      Ferner kann eine Arbeitsleistung, die in einem Mitgliedstaat erbracht wird, in dem die Berechtigung zur Ausübung eines Berufs
         noch nicht erlangt worden ist, auch nach Erlangung des Diploms, das das Recht zur Ausübung des fraglichen Berufs in einem
         anderen Mitgliedstaat verleiht, grundsätzlich nicht als Ausübung von reglementierten beruflichen Tätigkeiten angesehen werden.
      
      63      Daher kann auch die Erfahrung, die Frau Vandorou nach ihrer Aufnahme in die ACCA bei PricewaterhouseCoopers in Griechenland
         erworben hat, nicht als „Berufserfahrung“ im Sinne des Art. 1 Buchst. e der Richtlinie 89/48 eingestuft werden. Das Gleiche
         gilt für die Erfahrung, die Herr Giankoulis nach seiner Aufnahme in den Verband der Maschinenbauingenieure des Vereinigten
         Königreichs bei Elliniki Viomichania Alouminiou erworben hat, und für die von Herrn Askoxilakis bei ITF erworbene Erfahrung.
      
      64      Folglich ergibt sich aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 2 der Richtlinie 89/48 keine Verpflichtung, eine praktische Erfahrung
         wie diejenige der Antragsteller der Ausgangsverfahren, die keine „Berufserfahrung“ im Sinne der Art. 1 Buchst. e dieser Richtlinie
         darstellt, zu berücksichtigen.
      
      65      Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die in Anwendung des Unionsrechts ergriffenen Maßnahmen den allgemeinen Grundsätzen
         dieses Rechts entsprechen müssen, insbesondere dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Insoweit ergibt sich aus der Rechtsprechung
         des Gerichtshofs, dass der Anwendungsbereich von Art. 4 der Richtlinie 89/48, der Ausgleichsmaßnahmen ausdrücklich zulässt,
         auf den Fall beschränkt werden muss, dass diese Maßnahmen im Verhältnis zu dem angestrebten Zweck stehen (vgl. Urteile vom
         19. Januar 2006, Colegio, C‑330/03, Slg. 2006, I‑801, Randnr. 24, und vom 17. April 2008, Van Leuken, C‑197/06, Slg. 2008,
         I‑2627, Randnr. 39).
      
      66      Wie der Gerichtshof außerdem bereits entschieden hat, kann die tatsächliche Ausübung der durch die Art. 39 EG und 43 EG garantierten
         Grundfreiheiten in ungerechtfertigter Weise behindert werden, wenn die für die Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat
         erworbenen Berufsbezeichnungen zuständigen nationalen Behörden einschlägige Kenntnisse und Fähigkeiten unberücksichtigt lassen,
         die ein Antragsteller, der im Inland einen Beruf ausüben möchte, zu dem der Zugang nach dem nationalen Recht vom Besitz eines
         Hochschulabschlusses oder einer beruflichen Qualifikation abhängt, in einem anderen Mitgliedstaat bereits erworben hat (vgl.
         in diesem Sinne Urteile vom 7. Mai 1991, Vlassopoulou, C‑340/89, Slg. 1991, I‑2357, Randnr. 15, und vom 8. Juli 1999, Fernández
         de Bobadilla, C‑234/97, Slg. 1999, I‑4773, Randnr. 33).
      
      67      Vor der Auferlegung von Maßnahmen zum Ausgleich der Unterschiede zwischen der Ausbildung im Herkunftsmitgliedstaat und derjenigen
         im Aufnahmemitgliedstaat eines Antragstellers müssen die zuständigen nationalen Behörden daher beurteilen, ob die von einem
         Antragsteller im Rahmen praktischer Erfahrungen – auch im Aufnahmemitgliedstaat – erworbenen Kenntnisse für den Nachweis des
         Erwerbs der von diesem verlangten Kenntnisse ausreichen (vgl. in diesem Sinne Urteile Vlassopoulou, Randnr. 20, Fernández
         de Bobadilla, Randnr. 33, vom 13. November 2003, Morgenbesser, C‑313/01, Slg. 2003, I‑13467, Randnr. 62, und vom 10. Dezember
         2009, Peśla, C‑345/08, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 41).
      
      68      Im Rahmen dieser Beurteilung ist zwar die durch Ausübung des fraglichen reglementierten Berufs im Herkunftsmitgliedstaat erworbene
         Erfahrung in der Regel am relevantesten, so dass es vollauf gerechtfertigt ist, dass der zuständigen Behörde des Aufnahmemitgliedstaats
         in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b Unterabs. 2 der Richtlinie 89/48 ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt wird, eine solche Erfahrung
         zu berücksichtigen.
      
      69      Da jedoch jede praktische Erfahrung in der Ausübung verwandter Tätigkeiten die Kenntnisse eines Antragstellers erweitern kann,
         muss die zuständige Behörde jede praktische Erfahrung berücksichtigen, die für die Ausübung des Berufs, zu dem der Zugang
         beantragt wird, nützlich ist. Den genauen Wert, der dieser Erfahrung beizumessen ist, hat die zuständige Behörde in Anbetracht
         der spezifischen wahrgenommenen Aufgaben, der in Wahrnehmung dieser Aufgaben erworbenen und angewandten Kenntnisse sowie der
         übertragenen Verantwortung und des Grades der dem Betroffenen gewährten Unabhängigkeit zu bestimmen.
      
      70      In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Ausübung von Tätigkeiten, die mit einem reglementierten Beruf verbunden
         sind, unter der Aufsicht und Verantwortung eines im Aufnahmemitgliedstaat ordnungsgemäß qualifizierten Berufsangehörigen zwar
         als solche keine Ausübung des fraglichen reglementierten Berufs in diesem Mitgliedstaat ist, dem Betroffenen aber in der Regel
         doch einschlägige Kenntnisse vermittelt, denen Bedeutung zukommt. Wie auch die Europäische Kommission geltend gemacht hat,
         dürfen zwar die rechtmäßige und die nicht rechtmäßige Erfahrung einander nicht gleichgestellt werden, doch kann die Ausübung
         einer Berufstätigkeit unter solchen Bedingungen entgegen den Befürchtungen, die die griechische Regierung in der mündlichen
         Verhandlung geäußert hat, nicht als rechtswidrig angesehen werden, da der Betroffene in diesem Fall nicht selbst den reglementierten
         Beruf ausübt.
      
      71      Zudem wird die Verpflichtung, die gesamte einschlägige Erfahrung des Antragstellers zu berücksichtigen, auch durch den Erlass
         von Richtlinien über die gegenseitige Anerkennung von Diplomen nicht in Frage gestellt (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 14.
         September 2000, Hocsman, C‑238/98, Slg. 2000, I‑6623, Randnrn. 23 und 31, vom 16. Mai 2002, Kommission/Spanien, C‑232/99,
         Slg. 2002, I‑4235, Randnr. 22, und Morgenbesser, Randnr. 58).
      
      72      Nach alledem ist auf die Vorlagefragen zu antworten, dass eine für die Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen
         beruflichen Qualifikationen zuständige nationale Behörde nach den Art. 39 EG und 43 EG verpflichtet ist, bei der Festlegung
         etwaiger Ausgleichsmaßnahmen zur Beseitigung wesentlicher Unterschiede zwischen der Ausbildung eines Antragstellers und der
         im Aufnahmemitgliedstaat erforderlichen Ausbildung jede praktische Erfahrung zu berücksichtigen, die diese Unterschiede ganz
         oder teilweise ausgleichen kann. 
      
       Kosten
      73      Für die Parteien der Ausgangsverfahren ist das Verfahren ein Zwischenstreit in den bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreitigkeiten; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe
         von Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Achte Kammer) für Recht erkannt:
      Eine für die Anerkennung von in einem anderen Mitgliedstaat erworbenen beruflichen Qualifikationen zuständige nationale Behörde
            ist nach den Art. 39 EG und 43 EG verpflichtet, bei der Festlegung etwaiger Ausgleichsmaßnahmen zur Beseitigung wesentlicher
            Unterschiede zwischen der Ausbildung eines Antragstellers und der im Aufnahmemitgliedstaat erforderlichen Ausbildung jede
            praktische Erfahrung zu berücksichtigen, die diese Unterschiede ganz oder teilweise ausgleichen kann.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.