CELEX: 62015CC0430
Language: de
Date: 2016-10-05 00:00:00
Title: Schlussanträge des Generalanwalts H. Saugmandsgaard Øe vom 5. Oktober 2016.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
      HENRIK SAUGMANDSGAARD ØE
      vom 5. Oktober 2016 (
            1
         )
      
         Rechtssache C‑430/15
      
      
         Secretary of State for Work and Pensions
      
      
         gegen
      
      
         Tolley (verstorben, handelnd durch ihren persönlichen Vertreter)
      
         (Vorabentscheidungsersuchen des Supreme Court of the United Kingdom [Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs])
      
      „Vorabentscheidungsersuchen — Soziale Sicherheit der Wandererwerbstätigen — Unterhaltsbeihilfe für Behinderte (Pflegekomponente) — Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 — Art. 1 Buchst. a — Begriff ‚Arbeitnehmer oder Selbständiger‘ — Art. 4 Abs. 1 Buchst. a — Geldleistung bei Krankheit — Art. 13 Abs. 2 Buchst. f — Anwendbares Recht — Art. 22 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 — Exportierbarkeit — Fehlen der vorherigen Genehmigung“
      I – Einleitung
      
      
               1.
            
            
               Frau Tolley, eine britische Staatsangehörige, hatte bereits die Pflegekomponente der Disability Living Allowance (Unterhaltsbeihilfe für Behinderte, im Folgenden: DLA) bezogen, als sie noch im Vereinigten Königreich wohnte. Diese Leistung war ihr für unbestimmte Zeit gewährt worden. Fünf Jahre nach der Verlegung ihres Wohnsitzes nach Spanien erkannten ihr die Behörden des Vereinigten Königreichs den Anspruch auf Weitergewährung dieser Leistung vom Wohnortwechsel an mit der Begründung ab, dass die für die Leistung vom nationalen Recht vorgesehene Wohnortvoraussetzung nicht erfüllt sei. Der Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs) möchte im Wesentlichen vom Gerichtshof wissen, ob das Unionsrecht einer solchen Wohnortvoraussetzung entgegensteht.
            
         II – Rechtlicher Rahmen
      
      A – Unionsrecht
      
      
               2.
            
            
               Die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 (
                     2
                  ) wurde durch die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 (
                     3
                  ) ersetzt, die seit dem 1. Mai 2010 in Kraft ist. Im Hinblick auf den zeitlichen Rahmen, in dem sich der Sachverhalt des Ausgangsrechtsstreits abgespielt hat (
                     4
                  ), ist jedoch auf den Rechtsstreit weiterhin die Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung (EG) Nr. 118/97 (
                     5
                  ) geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1386/2001 (
                     6
                  ) (im Folgenden: Verordnung Nr. 1408/71), anwendbar.
            
         
               3.
            
            
               Art. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 sieht vor:
               „Für die Anwendung dieser Verordnung werden die nachstehenden Begriffe wie folgt definiert:
               
                        a)
                     
                     
                        ‚Arbeitnehmer‘ oder ‚Selbständiger‘ jede Person,
                        
                                 i)
                              
                              
                                 die gegen ein Risiko oder gegen mehrere Risiken, die von den Zweigen eines Systems der sozialen Sicherheit für Arbeitnehmer oder Selbständige oder einem Sondersystem für Beamte erfasst werden, pflichtversichert oder freiwillig weiterversichert ist;
                              
                           
                                 ii)
                              
                              
                                 die im Rahmen eines für alle Einwohner oder die gesamte erwerbstätige Bevölkerung geltenden Systems der sozialen Sicherheit gegen ein Risiko oder gegen mehrere Risiken pflichtversichert ist, die von den Zweigen erfasst werden, auf die diese Verordnung anzuwenden ist,
                                 
                                          —
                                       
                                       
                                          wenn diese Person aufgrund der Art der Verwaltung oder der Finanzierung dieses Systems als Arbeitnehmer oder Selbständiger unterschieden werden kann oder
                                       
                                    
                                          —
                                       
                                       
                                          wenn sie bei Fehlen solcher Kriterien im Rahmen eines für Arbeitnehmer oder Selbständige errichteten Systems oder eines Systems der Ziffer iii) gegen ein anderes in Anhang I bestimmtes Risiko pflichtversichert oder freiwillig weiterversichert ist oder wenn auf sie bei Fehlen eines solchen Systems in dem betreffenden Mitgliedstaat die in Anhang I enthaltene Definition zutrifft,
                                       
                                    
                           …
                     
                  
                        o)
                     
                     
                        ‚Zuständiger Träger‘:
                        
                                 i)
                              
                              
                                 der Träger, bei dem die in Betracht kommende Person im Zeitpunkt des Antrags auf Leistungen versichert ist, oder
                              
                           
                                 ii)
                              
                              
                                 der Träger, gegen den eine Person einen Anspruch auf Leistungen hat oder hätte, wenn sie selbst oder ihr Familienangehöriger beziehungsweise ihre Familienangehörigen im Gebiet des Mitgliedstaats wohnten, in dem dieser Träger seinen Sitz hat, …
                              
                           …
                     
                  
                        q)
                     
                     
                        ‚Zuständiger Staat‘: der Mitgliedstaat, in dessen Gebiet der zuständige Träger seinen Sitz hat;
                     
                  …“
            
         
               4.
            
            
               Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 gilt „[d]iese Verordnung … für Arbeitnehmer oder Selbständige sowie Studierende, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, soweit sie Staatsangehörige eines Mitgliedstaats sind oder als Staatenlose oder Flüchtlinge im Gebiet eines Mitgliedstaats wohnen, sowie für deren Familienangehörige und Hinterbliebene“.
            
         
               5.
            
            
               Art. 4 dieser Verordnung bestimmt:
               „(1)   Diese Verordnung gilt für alle Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit, die folgende Leistungsarten betreffen:
               
                        a)
                     
                     
                        Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft,
                     
                  
                        b)
                     
                     
                        Leistungen bei Invalidität …
                     
                  
                        c)
                     
                     
                        Leistungen bei Alter,
                     
                  …“
            
         
               6.
            
            
               Art. 10 („Aufhebung der Wohnortklauseln – Auswirkungen der Pflichtversicherung auf die Beitragserstattung“) Abs. 1 Unterabs. 1 dieser Verordnung sieht vor: „Die Geldleistungen bei Invalidität, Alter oder für die Hinterbliebenen, die Renten bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten und die Sterbegelder, auf die nach den Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten Anspruch erhoben worden ist, dürfen, sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, nicht deshalb gekürzt, geändert, zum Ruhen gebracht, entzogen oder beschlagnahmt werden, weil der Berechtigte im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats als des Staates wohnt, in dessen Gebiet der zur Zahlung verpflichtete Träger seinen Sitz hat.“
            
         
               7.
            
            
               Art. 13 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 bestimmt: „Vorbehaltlich der Artikel 14c und 14f unterliegen Personen, für die diese Verordnung gilt, den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Welche Rechtsvorschriften diese sind, bestimmt sich nach diesem Titel.“
            
         
               8.
            
            
               Nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. a dieser Verordnung unterliegt, soweit nicht die Art. 14 bis 17 dieser Verordnung etwas anderes bestimmen, „[e]ine Person, die im Gebiet eines Mitgliedstaats abhängig beschäftigt ist, … den Rechtsvorschriften dieses Staates“.
            
         
               9.
            
            
               Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung bestimmt: „Eine Person, die den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats nicht weiterhin unterliegt, ohne dass die Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats gemäß einer der Vorschriften in den vorhergehenden Buchstaben oder einer der Ausnahmen bzw. Sonderregelungen der Artikel 14 bis 17 auf sie anwendbar würden, unterliegt den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dessen Gebiet sie wohnt, nach Maßgabe allein dieser Rechtsvorschriften.“
            
         
               10.
            
            
               Art. 19 Abs. 1 dieser Verordnung, der sich in Abschnitt 2 („Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige“) des Kapitels I („Krankheit und Mutterschaft“) von Titel III („Besondere Vorschriften für die einzelnen Leistungsarten“) befindet, bestimmt:
               „Ein Arbeitnehmer oder Selbständiger, der im Gebiet eines anderen Mitgliedstaats als des zuständigen Staates wohnt und die nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Staates für den Leistungsanspruch erforderlichen Voraussetzungen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung des Artikel 18, erfüllt, erhält in dem Staat, in dem er wohnt,
               …
               
                        b)
                     
                     
                        Geldleistungen vom zuständigen Träger nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften …“
                     
                  
         
               11.
            
            
               Art. 22 Abs. 1 im selben Abschnitt der Verordnung Nr. 1408/71 sieht vor:
               „(1) Ein Arbeitnehmer oder Selbständiger, der die nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Staates für den Leistungsanspruch erforderlichen Voraussetzungen, gegebenenfalls unter Berücksichtigung des Artikels 18, erfüllt und
               …
               
                        b)
                     
                     
                        der, nachdem er zu Lasten des zuständigen Trägers leistungsberechtigt geworden ist, von diesem Träger die Genehmigung erhalten hat, in das Gebiet des Mitgliedstaats, in dem er wohnt, zurückzukehren oder einen Wohnortwechsel in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaats vorzunehmen, …
                     
                  …
               hat Anspruch auf:
               …
               
                        ii)
                     
                     
                        Geldleistungen vom zuständigen Träger nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften …“
                     
                  
         
               12.
            
            
               Gemäß Anhang I („Persönlicher Geltungsbereich der Verordnung“) Nr. I Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ dieser Verordnung gilt „[a]ls Arbeitnehmer oder Selbständiger im Sinne des Artikels 1 Buchstabe a) Ziffer ii) der Verordnung … jede Person, die im Sinne der Rechtsvorschriften von Großbritannien oder der Rechtsvorschriften von Nordirland Arbeitnehmer (employed earner) oder Selbständiger (self-employed earner) ist, sowie jede Person, für die Beiträge als Arbeitnehmer (employed person) oder Selbständiger (self-employed person) im Sinne der Rechtsvorschriften von Gibraltar geschuldet werden“.
            
         
               13.
            
            
               Anhang VI („Besondere Bestimmungen über die Anwendung der Rechtsvorschriften bestimmter Mitgliedstaaten“) Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ Nr. 19 dieser Verordnung schreibt vor:
               „Für eine Person, die als Arbeitnehmer oder Selbständiger früher den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs unterlag, gelten vorbehaltlich mit einzelnen Mitgliedstaaten geschlossener Vereinbarungen für die Anwendung des Artikels 13 Absatz 2 Buchstabe f) der Verordnung und des Artikels 10b der Durchführungsverordnung die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs nach Ablauf des letzten der drei folgenden Tage nicht weiter:
               
                        a)
                     
                     
                        dem Tag, an dem der Wohnsitz in den in Artikel 13 Absatz 2 Buchstabe f) genannten anderen Mitgliedstaat verlegt wird;
                     
                  …
               
                        c)
                     
                     
                        dem letzten Tag eines Zeitraums, in dem britische Leistungen wegen Krankheit, Mutterschaft (einschließlich Sachleistungen, für deren Gewährung das Vereinigte Königreich der zuständige Staat ist) oder Arbeitslosigkeit bezogen wurden und der
                        
                                 i)
                              
                              
                                 vor dem Tag des Wohnortwechsels in einen anderen Mitgliedstaat begann …“
                              
                           
                  
         
               14.
            
            
               Anhang VI Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ Nr. 20 dieser Verordnung schreibt vor:
               „Die Tatsache, dass eine Person nach Artikel 13 Absatz 2 Buchstabe f) der Verordnung, Artikel 10b der Durchführungsverordnung und Nummer 19 oben den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats unterstellt wird, steht folgender Regelung nicht entgegen:
               
                        a)
                     
                     
                        Die Bestimmungen für Arbeitnehmer oder Selbständige in Titel III Kapitel 1 und Kapitel 2 Abschnitt 1 sowie in Artikel 40 Absatz 2 der Verordnung werden vom Vereinigten Königreich als dem zuständigen Staat auf sie angewandt, wenn sie im Sinne dieser Bestimmungen Arbeitnehmer oder Selbständiger bleibt und zuletzt nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs als solcher versichert war.
                     
                  …“
            
         B – Recht des Vereinigten Königreichs
      
      
               15.
            
            
               Aus der Vorlageentscheidung geht hervor, dass die DLA eine beitragsfreie Leistung ist, die sich aus einer Pflegekomponente und einer Mobilitätskomponente zusammensetzt. Die Gewährung dieser Leistung erfolgt bedarfsunabhängig und soll nicht mögliche Lohnausfälle des Empfängers kompensieren. Ihr Zweck besteht darin, die Mehrkosten bei Inanspruchnahme bestimmter Pflegearten oder bei völlig oder fast völlig fehlender Gehfähigkeit des Empfängers auszugleichen.
            
         
               16.
            
            
               Nach Section 71(6) des Social Security Contributions and Benefits Act 1992 (Gesetz über die Beiträge und Leistungen der sozialen Sicherheit von 1992, im Folgenden: Gesetz von 1992) hat „[e]ine Person … nur dann Anspruch auf eine [DLA], wenn sie die vorgeschriebenen Voraussetzungen hinsichtlich des Wohnorts und des Aufenthaltsorts in Großbritannien erfüllt“. Diese Voraussetzungen werden insbesondere in Regulation 2 (1) Buchst. a der Social Security (Disability Living Allowance) Regulations 1991 (Verordnung über die Unterhaltsbeihilfe für Behinderte im Bereich der sozialen Sicherheit von 1991) im Einzelnen festgelegt.
            
         III – Ausgangsverfahren, Vorlagefragen und Verfahren vor dem Gerichtshof
      
      
               17.
            
            
               Frau Tolley, am 17. April 1952 geboren und britische Staatsangehörige, zahlte von 1967 bis 1984 im Vereinigten Königreich Sozialversicherungsbeiträge. Danach wurden ihr Beiträge bis 1993/1994 angerechnet. Wenn sie die Beitragsvoraussetzungen bei Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erfüllt hätte, hätte sie Anspruch auf eine Altersrente nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs gehabt. Sie verstarb jedoch am 10. Mai 2011 vor Erreichen dieses Alters.
            
         
               18.
            
            
               Ab dem 26. Juli 1993 erhielt Frau Tolley für unbestimmte Zeit die Pflegekomponente der DLA, weil sie nicht in der Lage war, sich eine warme Mahlzeit zuzubereiten.
            
         
               19.
            
            
               Am 5. November 2002 verlegten ihr Ehemann und sie ihren Wohnsitz nach Spanien. Frau Tolley übte dort keine Berufstätigkeit aus.
            
         
               20.
            
            
               Im Jahr 2007 entschied der Secretary of State for Work and Pensions (Minister für Arbeit und Altersversorgung, im Folgenden: Minister), dass sie ab dem 6. November 2002 keinen Anspruch mehr auf diese Beihilfe gehabt habe, da sie die hierfür nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs vorgesehene Wohnortvoraussetzung nicht erfüllt habe.
            
         
               21.
            
            
               Frau Tolley erhob gegen diese Entscheidung Klage beim First-tier Tribunal (Gericht erster Instanz, Vereinigtes Königreich). Dieses gab der Klage statt und entschied, dass sie nach Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71 Anspruch auf Weitergewährung dieser Beihilfe nach dem Wohnortwechsel nach Spanien habe.
            
         
               22.
            
            
               Der Minister legte gegen dieses Urteil beim Upper Tribunal (Gericht zweiter Instanz, Vereinigtes Königreich) ein Rechtsmittel ein. Das Gericht stellte zunächst fest, Frau Tolley sei „Arbeitnehmerin“ im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung, da sie aufgrund ihrer in der Vergangenheit entrichteten Beiträge gegen das Risiko „Alter“ versichert gewesen sei. Es bestätigte sodann den Anspruch von Frau Tolley auf Gewährung der Pflegekomponente der DLA, stützte diese Entscheidung aber nicht auf Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71, sondern auf deren Art. 22 Abs. 1 Buchst. b, nachdem es diese Beihilfe als Leistung bei Krankheit eingestuft hatte.
            
         
               23.
            
            
               Da sich der Court of Appeal (England and Wales) (Rechtsmittelgericht [England und Wales]) als an sein Präzedenzurteil im Fall The Commissioners for Her Majesty’s Revenue and Customs/Ruas (
                     7
                  ) gebunden erachtete, wies er das Rechtsmittel des Ministers gegen das Urteil des Upper Tribunal (Gericht zweiter Instanz) zurück. Daraufhin rief der Minister den Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs) an.
            
         
               24.
            
            
               In diesem Zusammenhang hat der Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigen Königreichs) das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
               
                        1.
                     
                     
                        Ist die Pflegekomponente der DLA des Vereinigten Königreichs für die Zwecke der Verordnung Nr. 1408/71 zutreffend als eine Leistung bei Invalidität und nicht als eine Geldleistung bei Krankheit eingestuft?
                     
                  
                        2.
                     
                     
                        
                                 a)
                              
                              
                                 Unterliegt eine Person, die nach dem Recht des Vereinigten Königreichs den Anspruch auf die DLA des Vereinigten Königreichs verliert, weil sie in einen anderen Mitgliedstaat umgezogen ist, und die vor diesem Umzug jede Berufstätigkeit eingestellt hat, aber nach dem Sozialversicherungssystem des Vereinigten Königreichs für den Fall des Alters versichert bleibt, für die Zwecke von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f) der Verordnung Nr. 1408/71 nicht mehr den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs?
                              
                           
                                 b)
                              
                              
                                 Unterliegt eine solche Person jedenfalls im Licht von Nr. 19 Buchst. c des Abschnitts „Vereinigtes Königreich“ in Anhang VI der Verordnung Nr. 1408/71 weiterhin den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs?
                              
                           
                                 c)
                              
                              
                                 Sofern sie den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs nicht im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 weiterhin unterliegt, ist das Vereinigte Königreich dann aufgrund von Nr. 20 des Abschnitts „Vereinigtes Königreich“ in Anhang VI dieser Verordnung verpflichtet oder lediglich berechtigt, die Bestimmungen in Titel III Kapitel 1 der Verordnung auf sie anzuwenden?
                              
                           
                  
                        3.
                     
                     
                        
                                 a)
                              
                              
                                 Ist die weite Definition des Arbeitnehmerbegriffs im Urteil Dodl und Oberhollenzer (C‑543/03, EU:C:2005:364) für die Zwecke der Art. 19 bis 22 der Verordnung Nr. 1408/71 anzuwenden, wenn die Person vor ihrem Umzug in einen anderen Mitgliedstaat jede Berufstätigkeit eingestellt hat, ungeachtet der Unterscheidung in Titel III Kapitel 1 zwischen Arbeitnehmern und Selbständigen einerseits und Arbeitslosen andererseits?
                              
                           
                                 b)
                              
                              
                                 Hat eine Person, falls die Definition anzuwenden ist, Anspruch darauf, dass die Leistung entweder aufgrund von Art. 19 oder aufgrund von Art. 22 der Verordnung Nr. 1408/71 exportiert wird? Verhindert Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung den Ausschluss des Anspruchs eines Antragstellers auf die Pflegekomponente der DLA durch eine Wohnortvoraussetzung in nationalen Rechtsvorschriften bei einem Wohnortwechsel in einen anderen Mitgliedstaat?
                              
                           
                  
         
               25.
            
            
               Frau Tolley, die Regierung des Vereinigten Königreichs, die norwegische Regierung und die Europäische Kommission haben schriftliche Erklärungen eingereicht. Mit Ausnahme der norwegischen Regierung sind sie auch in der mündlichen Verhandlung vertreten gewesen.
            
         IV – Würdigung
      
      A – Vorbemerkungen
      
      
               26.
            
            
               Im Ausgangsrechtsstreit geht es darum, festzustellen, ob Frau Tolley nach dem Wohnortwechsel nach Spanien zulasten des Trägers des Vereinigten Königreichs einen Anspruch auf Weitergewährung der Pflegekomponente der DLA hatte, die sie bereits vor dem Wohnortwechsel bezog.
            
         
               27.
            
            
               Erstens möchte der Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs) wissen, ob diese Beihilfe als Leistung bei Invalidität eingestuft werden kann, obwohl der Gerichtshof sie zuvor als eine Leistung bei Krankheit eingestuft hat (
                     8
                  ). Wenn dies der Fall wäre, wäre Frau Tolley berechtigt, diese Leistung auf der Grundlage von Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71, der eine Wohnortvoraussetzung für den Anspruch auf die dort aufgezählten Leistungen ausschließt, zu exportieren. Zu diesen Leistungen gehören die Leistungen bei Invalidität, jedoch nicht die Leistungen bei Krankheit.
            
         
               28.
            
            
               Zweitens möchte dieses Gericht wissen, ob Frau Tolley die Pflegekomponente der DLA, wenn diese als Geldleistung bei Krankheit anzusehen sein sollte, dennoch nach der Verlegung ihres Wohnsitzes nach Spanien auf der Grundlage von Art. 19 Abs. 1 und/oder Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung exportieren kann. In diesem Zusammenhang ersucht dieses Gericht vorab um bestimmte Klarstellungen, welche Rechtsvorschriften nach den Kollisionsregeln des Art. 13 Abs. 2 dieser Verordnung auf die Betroffene nach diesem Wohnortwechsel anzuwenden sind.
            
         
               29.
            
            
               Bevor ich mich diesen Fragen zuwende, erachte ich es für zweckmäßig, zu prüfen, ob Frau Tolley in den persönlichen Geltungsbereich dieser Verordnung fällt, da die Regierung des Vereinigten Königreichs in der mündlichen Verhandlung ihre Eigenschaft als „Arbeitnehmer oder Selbständiger“ (im Folgenden: Arbeitnehmer) im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung verneint hat.
            
         B – Persönlicher Geltungsbereich der Verordnung Nr. 1408/71
      
      
               30.
            
            
               Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 gilt die Verordnung „für Arbeitnehmer oder Selbständige …, für welche die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten“.
            
         
               31.
            
            
               Es ist unstreitig, dass für Frau Tolley die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs galten (
                     9
                  ), da sie im Rahmen des Systems der sozialen Sicherheit dieses Mitgliedstaats versichert war und an dieses in der Vergangenheit Beiträge entrichtet hatte (
                     10
                  ).
            
         
               32.
            
            
               Dagegen ist Frau Tolley nach Ansicht des Vereinigten Königreichs keine Arbeitnehmerin im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung. Zum einen falle sie nicht unter Ziff. i dieser Bestimmung, da sie zum Zeitpunkt des Wohnortwechsels nach Spanien nicht im Rahmen eines Systems der sozialen Sicherheit für Arbeitnehmer versichert gewesen sei. Zum anderen falle sie auch nicht unter Ziff. ii dieser Bestimmung, da Anhang I Nr. I Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ dieser Verordnung deren Geltungsbereich auf Personen einschränke, die eine Erwerbstätigkeit ausübten.
            
         
               33.
            
            
               Dazu ist festzustellen, dass aus dem Urteil Martínez Sala (
                     11
                  ) und der ihm folgenden Rechtsprechung hervorgeht, dass jede Person die Arbeitnehmereigenschaft im Sinne von Art. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 1408/71 besitzt, die „auch nur gegen ein einziges Risiko bei einem der in Artikel 1 Buchstabe a [dieser] Verordnung genannten allgemeinen oder besonderen Systeme der sozialen Sicherheit unabhängig vom Bestehen eines Arbeitsverhältnisses pflichtversichert oder freiwillig versichert ist“.
            
         
               34.
            
            
               Eine Person kann daher diese Eigenschaft besitzen, auch wenn sie keine Erwerbstätigkeit ausübt und die Leistung, die sie begehrt, weder mit einer vorherigen Beschäftigung noch mit einem Risiko in Zusammenhang steht, gegen das sie versichert ist (
                     12
                  ).
            
         
               35.
            
            
               Im Rahmen des Ausgangsverfahrens stellten sowohl das Upper Tribunal (Gericht zweiter Instanz) als auch der Court of Appeal (England & Wales) (Rechtsmittelgericht [England und Wales]) fest, dass Frau Tolley Arbeitnehmerin im Sinne der Verordnung Nr. 1408/71 gewesen sei, da sie nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs weiterhin gegen eines der in Art. 4 Abs. 1 dieser Verordnung aufgezählten Risiken, nämlich das Risiko Alter im Sinne von Buchst. c dieser Bestimmung, versichert gewesen sei.
            
         
               36.
            
            
               Genauer gesagt haben diese Gerichte festgestellt, dass Frau Tolley unter Art. 1 Buchst. a Ziff. ii erster Gedankenstrich dieser Verordnung gefallen sei, da sie im Rahmen eines Systems der sozialen Sicherheit versichert gewesen sei, das für alle Einwohner gegolten habe, und da sie aufgrund der Art der Verwaltung und der Finanzierung des Systems als Arbeitnehmer habe unterschieden werden können (
                     13
                  ).
            
         
               37.
            
            
               Wie aus der Vorlageentscheidung hervorgeht, beabsichtigt der Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs) nicht, diese Feststellung in Frage zu stellen.
            
         
               38.
            
            
               Daher ist Frau Tolley als Arbeitnehmerin anzusehen, obwohl sie noch nicht zum Bezug einer Altersrente berechtigt war.
            
         
               39.
            
            
               Der Gerichtshof hat nämlich im Urteil Dumont de Chassart (
                     14
                  ) entschieden, dass eine Person auch in einer solchen Situation die Arbeitnehmereigenschaft besitzt, wenn sie Anspruch auf eine Rente gehabt hätte, sofern sie bis zum Erreichen des Rentenalters gelebt hätte. Allgemeiner ausgedrückt geht aus der Rechtsprechung hervor, dass die Arbeitnehmereigenschaft im Sinne der Verordnung Nr. 1408/71 nicht vom Eintritt des versicherten Risikos abhängt (
                     15
                  ).
            
         
               40.
            
            
               Anhang I Nr. I Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ dieser Verordnung stellt diese Feststellung nicht in Frage. In diesem Zusammenhang genügt der Hinweis, dass dieser Anhang nur für die Anwendung des zweiten Gedankenstrichs von Art. 1 Buchst. a Ziff. ii dieser Verordnung relevant ist. Nach den Feststellungen der Gerichte im Rahmen des Ausgangsrechtsstreits fiel Frau Tolley jedoch unter den ersten Gedankenstrich dieser Ziffer.
            
         
               41.
            
            
               Folglich werde ich bei meiner Würdigung davon ausgehen, dass Frau Tolley vom persönlichen Geltungsbereich der Verordnung Nr. 1408/71 erfasst war.
            
         C – Einstufung der Pflegekomponente der DLA (erste Frage)
      
      
               42.
            
            
               Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob die Einstufung der Pflegekomponente der DLA als Leistung bei Krankheit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 1408/71, die sich aus dem Urteil Kommission/Parlament und Rat (
                     16
                  ) ergibt, nicht zweifelhaft ist, weil sie ein Risiko langfristig und dauerhaft abdecken soll.
            
         1. Zur Zulässigkeit
      
               43.
            
            
               Vorab trägt die Regierung des Vereinigten Königreichs vor, die Antwort auf diese Frage ergebe sich bereits aus dem oben genannten Urteil. Die Vorschriften des Unionsrechts, um deren Auslegung ersucht werde, seien daher ein „acte clair“ im Sinne des Urteils Cilfit u. a. (
                     17
                  ). Somit sei die erste Frage unzulässig.
            
         
               44.
            
            
               Dieses Vorbringen beruht meines Erachtens darauf, dass hier die Verpflichtung von Gerichten, deren Entscheidungen nicht angefochten werden können, dem Gerichtshof eine Frage zur Vorabentscheidung vorzulegen, wenn sich ihnen eine unionsrechtliche Frage stellt, und die Zulässigkeit einer solchen Frage miteinander vermengt werden. Die im Urteil Cilfit u. a. niedergelegte Acte-clair-Theorie sieht nur eine Ausnahme von der oben genannten Verpflichtung vor (
                     18
                  ). Sie berührt jedoch nicht die Zulässigkeit einer Vorlagefrage (
                     19
                  ).
            
         
               45.
            
            
               Ganz im Gegenteil bleibt es den innerstaatlichen Gerichten, selbst bei Vorliegen einer Rechtsprechung des Gerichtshofs, die die betreffende Rechtsfrage entschieden hat, unbenommen, den Gerichtshof anzurufen (
                     20
                  ). Die Tatsache, dass der Gerichtshof die Bestimmungen, um deren Auslegung ersucht wird, bereits ausgelegt hat, hindert ihn nicht daran, neuerlich zu entscheiden (
                     21
                  ). Den nationalen Gerichten kann somit nicht die Möglichkeit vorenthalten werden, den Gerichtshof im Wege eines Vorabentscheidungsersuchens um eine Abkehr von seiner Rechtsprechung zu ersuchen.
            
         2. Zur Begründetheit
      
               46.
            
            
               Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs beruht die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Kategorien von Leistungen der sozialen Sicherheit auf der Art des Risikos, das diese decken sollen (
                     22
                  ).
            
         
               47.
            
            
               Im Urteil Kommission/Parlament und Rat (
                     23
                  ) hat der Gerichtshof die Pflegekomponente der DLA im Wesentlichen deshalb als Leistung bei Krankheit eingestuft, weil sie bezweckt, dem behinderten Menschen so weit wie möglich zu helfen, bei Verrichtungen des täglichen Lebens seine Behinderung zu überwinden. Es ist unstreitig, dass diese Beihilfe in dem für den Ausgangsrechtsstreit maßgeblichen Zeitraum dieses Ziel verfolgte.
            
         
               48.
            
            
               Das vorlegende Gericht zieht diese Einstufung im Wesentlichen deshalb in Zweifel, weil diese Beihilfe Merkmale aufweise, die jenen der in Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71 aufgezählten Leistungen entsprächen, da sie in Form von langfristigen Leistungen oder einmaligen Leistungen wegen dauerhafter Umstände gewährt würden.
            
         
               49.
            
            
               Der Vertreter von Frau Tolley betont zwar, dass er die Einstufung der Pflegekomponente der DLA als Leistung bei Krankheit im Rahmen des Ausgangsverfahrens nicht in Frage gestellt habe, trägt aber auch einige Argumente für eine Einstufung der Beihilfe als Leistung bei Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung vor. Insbesondere werde dieser Ansatz durch das Urteil Stewart (
                     24
                  ) untermauert, in dem der Gerichtshof hervorgehoben habe, dass Leistungen bei Krankheit vorübergehende Leistungen seien. Der Vertreter von Frau Tolley macht zudem geltend, in der Rechtssache, in der das Urteil Kommission/Parlament und Rat (
                     25
                  ) ergangen sei, sei es um die Trennlinie zwischen den Leistungen der sozialen Sicherheit und beitragsunabhängigen Sonderleistungen gegangen. Der Gerichtshof habe somit in diesem Fall nicht die Leistungen bei Krankheit von den Leistungen bei Invalidität abgrenzen müssen.
            
         
               50.
            
            
               Diese Überlegungen rechtfertigen es meiner Ansicht nach nicht, dass der Gerichtshof von seiner in diesem Urteil vorgenommenen Einstufung der Pflegekomponente der DLA abgeht.
            
         
               51.
            
            
               Erstens: Aus dem Urteil Stewart (
                     26
                  ) geht zwar hervor, dass im Allgemeinen die Leistungen bei Krankheit das Risiko eines krankhaften Zustands decken, der dazu führt, dass der Betroffene seine Tätigkeiten vorübergehend aussetzt, während die Leistungen bei Invalidität das Risiko einer Erwerbsunfähigkeit decken, die wahrscheinlich dauerhaft oder bleibend ist.
            
         
               52.
            
            
               Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass der Zeitraum, den die betreffende Leistung abdecken soll, ein wesentliches Kriterium für deren Einstufung ist. Im Urteil Kommission/Parlament und Rat (
                     27
                  ) hat der Gerichtshof die Relevanz dieses Kriteriums verneint, da die Dauer der Erwerbsunfähigkeit, die von einer von ihm als Leistung bei Krankheit eingestuften Behindertenbeihilfe abgedeckt wurde, den Zweck der Leistung nicht abändern konnte.
            
         
               53.
            
            
               Ebenso hat der Gerichtshof im Urteil Silva Martins (
                     28
                  ) festgestellt, dass „im Unterschied zu den Leistungen bei Krankheit im eigentlichen Sinne Leistungen, die das Risiko der – in der Regel lange andauernden – Pflegebedürftigkeit betreffen, grundsätzlich nicht darauf angelegt sind, für kurze Zeit gezahlt zu werden“. Er hat dennoch die Auffassung vertreten, dass der dauerhafte Charakter einer Pflegebeihilfe deren Einstufung als Leistung bei Krankheit nicht in Frage stellen kann, obwohl Pflegeleistungen bestimmte Merkmale mit den Leistungen bei Invalidität oder Alter gemeinsam haben können (
                     29
                  ).
            
         
               54.
            
            
               Zweitens: Der Gerichtshof hat zwar im Urteil Kommission/Parlament und Rat (
                     30
                  ) den Unterschied zwischen Leistungen bei Krankheit und Leistungen bei Invalidität nicht ausdrücklich untersucht, hat dies aber im Urteil Molenaar (
                     31
                  ) getan. Dort hat er eine langfristige Pflegebeihilfe insbesondere deshalb als Leistung bei Krankheit eingestuft, weil sie darauf abzielte, den Lebensstandard der pflegebedürftigen Personen durch einen Ausgleich der durch die Pflegebedürftigkeit verursachten Mehrkosten insgesamt zu heben (
                     32
                  ). Auf der gleichen Grundlage hat der Gerichtshof vergleichbare Leistungen insbesondere in den Urteilen Jauch (
                     33
                  ) und Hosse (
                     34
                  ) ebenso eingestuft. Die Pflegekomponente der DLA verfolgt ebenfalls ein solches Ziel.
            
         
               55.
            
            
               Da es im Übrigen in der Verordnung Nr. 1408/71 keine Vorschriften speziell über Leistungen gibt, die das Risiko der Pflegebedürftigkeit betreffen, bringt die Entscheidung des Gerichtshofs, diese als Leistungen bei Krankheit einzustufen, selbst wenn sie langfristig gezahlt werden, meiner Ansicht nach gewisse Vorteile hinsichtlich Rechtssicherheit und Transparenz mit sich.
            
         
               56.
            
            
               Insoweit möchte ich darauf hinweisen, dass die nationalen Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten sehr vielfältige Pflegeleistungen vorsehen, von denen einige Merkmale der Leistungen bei Invalidität aufweisen, während andere eher den Leistungen bei Alter oder den Familienleistungen ähnlich sind. Somit würde eine von Fall zu Fall vorzunehmende Verknüpfung der einzelnen Pflegeleistung mit einem bestimmten Zweig der sozialen Sicherheit nicht nur die Einstufung von Pflegeleistungen kompliziert gestalten, sondern auch das Ergebnis unvorhersehbar machen und dadurch die Rechtssicherheit beeinträchtigen (
                     35
                  ).
            
         
               57.
            
            
               Daher meine ich, dass die Pflegekomponente der DLA eine Leistung bei Krankheit ist. Somit fällt sie nicht in den materiellen Geltungsbereich von Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71 und kann daher nicht auf dieser Grundlage exportiert werden.
            
         D – Bestimmung des anwendbaren Rechts (zweite Frage)
      
      1. Einleitende Bemerkungen
      
               58.
            
            
               Mit seiner zweiten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, welchen nationalen Rechtsvorschriften Frau Tolley in dem für den Ausgangsrechtsstreit maßgeblichen Zeitraum gemäß den Kollisionsnormen des Art. 13 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1408/71 unterlag. Genauer gesagt fragt dieses Gericht, ob die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs auf Frau Tolley nach ihrem Wohnortwechsel nach Spanien nicht mehr anwendbar im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung waren und sie daher den spanischen Rechtsvorschriften unterworfen war.
            
         
               59.
            
            
               Es erscheint mir zweckmäßig, vorab die Folgen der Antwort des Gerichtshofs auf diese Frage zu klären.
            
         
               60.
            
            
               Sollten die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs weiterhin auf Frau Tolley anwendbar gewesen sein, wäre die Kollisionsnorm des Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung nicht anwendbar. In diesem Fall wäre davon auszugehen, dass sie diesen Rechtsvorschriften weiterhin gemäß einer der Kollisionsnormen nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. a bis e dieser Verordnung unterlag (
                     36
                  ). Das Vereinigte Königreich wäre dann also fraglos der „zuständige Staat“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung. Als solcher müsste es an Frau Tolley nach der Verlegung ihres Wohnsitzes nach Spanien (falls sie die Genehmigung dazu erhalten hatte – dazu später) weiterhin die Pflegekomponente der DLA zahlen.
            
         
               61.
            
            
               Wären dagegen die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs auf Frau Tolley nicht mehr anwendbar gewesen, wäre sie nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 dem spanischen System der sozialen Sicherheit unterworfen gewesen. In diesem Fall müsste noch festgestellt werden, ob daraus folgt, dass das Vereinigte Königreich nicht mehr der „zuständige Staat“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung ist – so dass sich die betreffende Person nicht darauf berufen könnte – oder ob diese Vorschrift dennoch Anwendung finden kann, sofern das Vereinigte Königreich der „zuständige Staat“ im Sinne dieser Vorschrift geblieben ist, weil seine Rechtsvorschriften zum Zeitpunkt der Beantragung der Leistung, deren Export begehrt wird, anwendbar waren.
            
         
               62.
            
            
               Im Übrigen geht weder aus der Vorlageentscheidung noch aus den dem Gerichtshof vorgelegten Erklärungen hervor, ob das spanische Recht in dem für den Ausgangsrechtsstreit maßgeblichen Zeitraum Leistungen vorsah, die das von der Pflegekomponente der DLA gedeckte Risiko umfassten (
                     37
                  ).
            
         2. Zum Begriff „Rechtsvorschriften“ im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71
      
               63.
            
            
               Das vorlegende Gericht hegt Zweifel, ob mit „Rechtsvorschriften“ im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 alle Rechtsvorschriften auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit gemeint sind oder nur jene, die die beantragte Leistung betreffen. Es möchte insbesondere wissen, ob im Ausgangsrechtsstreit die Aufrechterhaltung eines möglichen Anspruchs darauf, in der Zukunft eine Altersrente zulasten des Trägers im Vereinigten Königreich zu beziehen, der Schlussfolgerung entgegensteht, dass die Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats auf Frau Tolley nicht mehr im Sinne dieser Vorschrift anwendbar waren.
            
         
               64.
            
            
               In diesem Zusammenhang erscheint es mir zweckmäßig, vorab zwischen der Frage der Bezeichnung der anwendbaren Rechtsvorschriften und der Frage der Aufrechterhaltung erworbener Ansprüche zu unterscheiden (
                     38
                  ).
            
         
               65.
            
            
               Die Bezeichnung der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats (des sogenannten zuständigen Staates oder Versicherungsstaats) als anwendbare Rechtsvorschriften hat zur Folge, dass das System der sozialen Sicherheit dieses Mitgliedstaats auf den betreffenden Arbeitnehmer anwendbar ist. Gegebenenfalls wird dieser Arbeitnehmer dort seine Sozialversicherungsbeiträge entrichten und/oder Leistungen erhalten, wenn eines der von diesem System gedeckten Risiken sich verwirklicht. Nach dem in Art. 13 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 niedergelegten Grundsatz der Anwendung nur eines Rechts ist jeder Arbeitnehmer den Rechtsvorschriften eines, und nur eines (
                     39
                  ) Mitgliedstaats auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit unterworfen. Davon ausgehend sollen durch Art. 13 Abs. 2 dieser Verordnung zum einen die gleichzeitige Anwendung von Rechtsvorschriften mehrerer Mitgliedstaaten und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten vermieden werden und zum anderen soll so verhindert werden, dass Arbeitnehmern der Schutz auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit vorenthalten wird, weil keine Rechtsvorschriften auf sie anwendbar sind (
                     40
                  ).
            
         
               66.
            
            
               Die Aufrechterhaltung der erworbenen Ansprüche betrifft im Wesentlichen die Wahrung des Anspruchs auf eine Leistung der sozialen Sicherheit nach dem Wohnortwechsel des Arbeitnehmers in einen anderen Mitgliedstaat als den, nach dessen Rechtsvorschriften er den Anspruch auf eine solche Leistung erworben hat (oder gerade erwirbt) (
                     41
                  ).
            
         
               67.
            
            
               Mehrere Vorschriften der Verordnung Nr. 1408/71 sollen somit sicherstellen, dass die erworbenen Ansprüche bzw. die Ansprüche, die gerade erworben werden, weiterbestehen, auch wenn der Arbeitnehmer nach seinem Wohnortwechsel anderen Rechtsvorschriften unterliegt. Insbesondere sieht Art. 10 dieser Verordnung den Anspruch auf Weitergewährung u. a. der Geldleistungen bei Invalidität und Alter vor. Was die Leistungen bei Krankheit anbelangt, sehen meiner Ansicht nach Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung auch einen solchen Anspruch vor (
                     42
                  ).
            
         
               68.
            
            
               Ein Arbeitnehmer kann somit im Rahmen eines Systems der sozialen Sicherheit eines Mitgliedstaats versichert sein, während er von einem anderen Mitgliedstaat, in dem er nicht versichert ist, eine Leistung bezieht, die auf der Grundlage von zuvor in letzterem Mitgliedstaat erworbenen Ansprüchen bestimmt wird. Wenn das System der sozialen Sicherheit des Versicherungsmitgliedstaats das durch diese Leistung gedeckte Risiko ebenfalls versichert, verhindern die Antikumulierungsvorschriften des Unionsrechts und des nationalen Rechts den Bezug mehrerer Leistungen der gleichen Art, die sich auf dieselbe Versicherungszeit beziehen (
                     43
                  ).
            
         
               69.
            
            
               Der Gesetzgeber hat nunmehr durch die Verabschiedung der Verordnung Nr. 883/2004 alle diesbezüglichen Unklarheiten ausgeräumt. Art. 11 Abs. 3 Buchst. e dieser Verordnung übernimmt den Inhalt von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 und sieht ausdrücklich vor, dass die von ihm aufgestellte Kollisionsnorm „unbeschadet anders lautender Bestimmungen dieser Verordnung, nach denen [den betreffenden Personen] Leistungen aufgrund der Rechtsvorschriften eines oder mehrerer anderer Mitgliedstaaten zustehen“, gilt.
            
         
               70.
            
            
               Aufgrund dieser Überlegungen bin ich der Ansicht, dass ein Arbeitnehmer den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 „nicht weiterhin unterliegt“, wenn er nicht länger im Rahmen des Systems der sozialen Sicherheit dieses Mitgliedstaats versichert ist Dies gilt unabhängig davon, ob er Ansprüche behält, die er dort erworben hat oder im Begriff ist zu erwerben (
                     44
                  ).
            
         
               71.
            
            
               Somit spricht die Tatsache, dass Frau Tolley im Vereinigten Königreich weiterhin gegen das Risiko Alter versichert war, nicht dagegen, dass sie dem Recht dieses Mitgliedstaats nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 nicht weiterhin unterlag.
            
         3. Zum Zeitpunkt, von dem an das Recht des Vereinigten Königreichs auf Frau Tolley nicht mehr anwendbar war
      
               72.
            
            
               Nach Art. 10b der Verordnung Nr. 574/72 werden der Zeitpunkt, von dem an die Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats nicht weiter gelten, und die Voraussetzungen hierfür von diesem Mitgliedstaat bestimmt (
                     45
                  ).
            
         
               73.
            
            
               Gemäß Anhang VI Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ Nr. 19 der Verordnung Nr. 1408/71 gelten für eine Person für die Anwendung des Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung die Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats nach Ablauf des letzten Tages, an dem die dort aufgezählten Ereignisse stattfanden, nicht weiter.
            
         
               74.
            
            
               Nach Ansicht der Regierung des Vereinigten Königreichs gelten diese Rechtsvorschriften für Frau Tolley gemäß Nr. 19 Buchst. a dieses Abschnitts nicht mehr seit dem Tag, der auf den Tag folgte, an dem sie ihren Wohnsitz nach Spanien verlegte (d. h. seit dem Jahr 2002).
            
         
               75.
            
            
               Demgegenüber trägt der Vertreter von Frau Tolley vor, der Zeitpunkt, von dem an die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs für Frau Tolley nicht mehr gegolten hätten, sei nach Nr. 19 Buchst. c Ziff. i der Tag nach dem letzten Tag des Zeitraums gewesen, in dem sie die Pflegekomponente der DLA bezogen habe und der vor dem Tag ihres Wohnortwechsels begonnen habe (d. h. seit dem Jahr 2007). Frau Tolley habe diese Beihilfe von 2002 bis 2007 weiter bezogen, obwohl der Minister später zu der Ansicht gelangt sei, dass sie nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs für diesen Zeitraum keinen Anspruch mehr darauf gehabt habe.
            
         
               76.
            
            
               Da der Zeitpunkt, von dem an die Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats auf eine Person nicht weiterhin anwendbar sind, und die Voraussetzungen hierfür vom innerstaatlichen Recht dieses Mitgliedstaats geregelt werden, vertrete ich mit der Kommission die Ansicht, dass es Sache des vorlegenden Gerichts ist, festzustellen, ob die Situation von Frau Tolley unter Nr. 19 Buchst. a oder unter Nr. 19 Buchst. c Ziff. i des Abschnitts „Vereinigtes Königreich“ des Anhangs VI der Verordnung Nr. 1408/71 fällt.
            
         E – Weitergewährung der Pflegekomponente der DLA auf der Grundlage von Art. 19 Abs. 1 und/oder Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 (dritte Frage)
      
      1. Einleitende Bemerkungen
      
               77.
            
            
               Mit seiner dritten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob Frau Tolley, auch wenn sie nach dem Wohnortwechsel nach Spanien den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs nicht weiterhin im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 unterlag, dennoch einen Anspruch auf Weitergewährung der Pflegekomponente der DLA gemäß Art. 19 Abs. 1 und/oder Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung hatte (
                     46
                  ).
            
         
               78.
            
            
               Die Regierung des Vereinigten Königreichs, die norwegische Regierung und die Kommission machen geltend, die Situation der Betroffenen falle nicht unter diese Vorschriften. Dazu tragen sie im Wesentlichen Folgendes vor:
               
                        —
                     
                     
                        Erstens machen die Regierung des Vereinigten Königreichs und die Kommission geltend, Frau Tolley sei keine Arbeitnehmerin im Sinne dieser Vorschriften, die nur Personen erfassten, die zum Zeitpunkt des Antrags auf Weitergewährung der fraglichen Leistung eine berufliche Tätigkeit ausübten.
                     
                  
                        —
                     
                     
                        Zweitens sind die Regierung des Vereinigten Königreichs und die norwegische Regierung der Ansicht, das Vereinigte Königreich sei nicht der „zuständige Staat“ im Sinne dieser Vorschriften (
                              47
                           ). Dieser Begriff bezeichne den Mitgliedstaat, dessen Rechtsvorschriften nach den Kollisionsnormen von Art. 13 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1408/71 während des Zeitraums, für den die Weitergewährung der betreffenden Leistung beantragt werde, anwendbar seien – nach Ansicht dieser Regierungen ist das Spanien –, und nicht den Mitgliedstaat, dessen Rechtsvorschriften zum Zeitpunkt des Antrags auf Gewährung dieser Leistung anwendbar gewesen seien.
                     
                  
         
               79.
            
            
               Falls dieses Vorbringen zurückzuweisen sein sollte, wird festzustellen sein, ob Art. 19 Abs. 1 und/oder Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung einem Mitgliedstaat verwehren, die Weitergewährung einer Leistung bei Krankheit an eine Wohnortvoraussetzung zu knüpfen. Ist das zu bejahen, werden dann die Auswirkungen des Fehlens einer vorherigen Genehmigung des Wohnortwechsels des Leistungsempfängers zu beurteilen sein.
            
         
               80.
            
            
               Bevor ich auf diese Fragen eingehe, erscheint es mir zweckmäßig, darauf hinzuweisen, dass diese Vorschriften die Leistungen bei Krankheit „stricto sensu“ und die Leistungen, die das Risiko Pflegebedürftigkeit decken sollen und im Unterschied zu Ersteren langfristig gewährt werden (
                     48
                  ), nicht unterschiedlich behandeln. Die Auslegung dieser Vorschriften wird daher diese beiden Arten von Leistungen in ihrer Gesamtheit berücksichtigen.
            
         
               81.
            
            
               Gegebenenfalls wäre es Sache des Gesetzgebers, in die Verordnung Nr. 1408/71 Vorschriften aufzunehmen, die speziell für die Leistungen gelten, die das Risiko Pflegebedürftigkeit decken sollen, falls er wünschen sollte, diese Leistungen insbesondere in Bezug auf die damit verbundenen finanziellen Aspekte einem besonderen System zu unterstellen.
            
         2. Zum jeweiligen Geltungsbereich von Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71
      
               82.
            
            
               Wie der Gerichtshof im Urteil von Chamier-Gliczinski (
                     49
                  ) festgestellt hat, betreffen Art. 19 und Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 verschiedene Situationen und verfolgen somit unterschiedliche Ziele.
            
         
               83.
            
            
               Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung (in dessen Überschrift unter anderem „Rückkehr oder Wohnortwechsel in einen anderen Mitgliedstaat während eines Krankheits- oder Mutterschaftsfalles“ aufgeführt wird) betrifft die Situation einer Person, die ihren Wohnsitz von dem Mitgliedstaat, in dem sie eine Leistung bei Krankheit oder Mutterschaft bereits bezieht, in einen anderen Mitgliedstaat verlegt. Diese Vorschrift macht die Weitergewährung dieser Leistung von der Genehmigung durch den zuständigen Träger des ersten Staates abhängig.
            
         
               84.
            
            
               Hingegen sieht Art. 19 („Wohnort in einem anderen als dem zuständigen Mitgliedstaat – Allgemeine Regelung“) dieser Verordnung – der diese Voraussetzung nicht enthält – meiner Ansicht nach nur für einen Arbeitnehmer, der zum Zeitpunkt, zu dem er eine solche Leistung beantragt, bereits in einem anderen Mitgliedstaat wohnt als dem, in dem er arbeitet, die Möglichkeit vor, diese Leistung in dem Mitgliedstaat zu beziehen, in dem er wohnt (
                     50
                  ).
            
         
               85.
            
            
               Dies ergibt sich insbesondere aus einer systematischen Auslegung dieser Verordnung. Wenn deren Art. 19 anwendbar wäre, wenn ein Arbeitnehmer die betreffende Leistung bereits vor dem Wohnortwechsel bezieht – d. h. in einer Situation, die auch Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 deckt –, wäre der in dieser letzteren Vorschrift aufgestellten Voraussetzung einer Genehmigung die praktische Wirksamkeit genommen.
            
         
               86.
            
            
               Da Frau Tolley die Pflegekomponente der DLA bereits bezog, als sie ihren Wohnsitz im Vereinigten Königreich hatte, ist ihre Lage nur in Bezug auf Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung zu prüfen.
            
         3. Zum Begriff „Arbeitnehmer“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71
      
               87.
            
            
               Laut dem ersten Teil der dritten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob jemand in der Situation von Frau Tolley „Arbeitnehmer“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1408/71 ist, so dass er in den persönlichen Geltungsbereich dieser Vorschrift fällt.
            
         
               88.
            
            
               Der Vertreter von Frau Tolley trägt vor, der Begriff Arbeitnehmer habe in allen Vorschriften dieser Verordnung eine einheitliche Bedeutung. Da Frau Tolley der Definition des Arbeitnehmers im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung entspreche, sei sie auch für die Zwecke der Anwendung von Art. 22 Abs. 1 dieser Verordnung als Arbeitnehmerin anzusehen.
            
         
               89.
            
            
               Die Regierung des Vereinigten Königreichs und die Kommission tragen hingegen vor, der Begriff des Arbeitnehmers im Sinne der Art. 19 bis 22 der Verordnung Nr. 1408/71 habe eine eigenständige Bedeutung. Dieser Begriff bezeichne nur Arbeitnehmer, die zum Zeitpunkt, zu dem sie auf der Grundlage einer dieser Vorschriften die betreffenden Leistungen begehrten, einer Erwerbstätigkeit nachgingen.
            
         
               90.
            
            
               Meiner Ansicht nach widerspricht letzteres Vorbringen dem Urteil Pierik (
                     51
                  ), aus dem hervorgeht, dass mit der Bezugnahme auf Arbeitnehmer in Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung der Geltungsbereich der Verordnung nicht auf erwerbstätige Arbeitnehmer im Gegensatz zu nicht mehr erwerbstätigen Arbeitnehmern begrenzt werden soll.
            
         
               91.
            
            
               Da der Begriff Arbeitnehmer in Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung definiert wird, hat der Gesetzgeber meiner Meinung nach mit der Verwendung dieses Begriffs in anderen Vorschriften der Verordnung die Personen bezeichnen wollen, die unter diese Definition fallen. Dagegen hat der Gesetzgeber, wie der Prozessbevollmächtigte von Frau Tolley anmerkte, eine andere Terminologie verwendet, wenn er speziell erwerbstätige Arbeitnehmer bezeichnen wollte (
                     52
                  ).
            
         
               92.
            
            
               Wenn Frau Tolley Arbeitnehmerin im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung ist, bin ich der Ansicht, dass dies somit auch für Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung gilt.
            
         
               93.
            
            
               Diese Schlussfolgerung wird durch das Vorbringen der Regierung des Vereinigten Königreichs und der norwegischen Regierung sowie der Kommission nicht in Frage gestellt, wonach die Unterscheidung zwischen den Arbeitnehmern (deren Situation in den Art. 19 bis 22 der Verordnung Nr. 1408/71 von Titel III Kapitel 1 Abschnitt 2 dieser Verordnung geregelt sei) und den Arbeitslosen (um die es in Art. 25 in Abschnitt 3 dieses Kapitels gehe) ihres Sinnes beraubt würde, wenn Personen, die ihre Erwerbstätigkeit endgültig beendet hätten, als Arbeitnehmer angesehen würden.
            
         
               94.
            
            
               Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass Frau Tolley, wenn sie nicht als Arbeitnehmerin im Sinne der Art. 19 bis 22 dieser Verordnung angesehen würde, unter keine der einschlägigen Vorschriften von Titel III Kapitel 1 dieser Verordnung fiele. Sie kann nämlich nicht als Rentenantragstellerin oder Rentenberechtigte im Sinne der Vorschriften von Titel III Kapitel 1 Abschnitte 4 und 5 der Verordnung Nr. 1408/71 angesehen werden. Meiner Ansicht nach sind die Art. 19 bis 22 dieser Verordnung auf Situationen anzuwenden, die nicht durch die besonderen Vorschriften geregelt sind, die in den Abschnitten 3 bis 5 dieses Kapitels enthalten sind. Dies gilt trotz der Tatsache, dass die Anwendung dieser Artikel dazu führen könnte, dass eine Person in der Lage von Frau Tolley eine Leistung bei Krankheit exportieren könnte, obwohl andere Gruppen von wirtschaftlich nicht aktiven Personen diese Leistung unter Umständen nicht erhalten.
            
         4. Zum Begriff „zuständiger Staat“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71
      a) Problemstellung
      
               95.
            
            
               Bei der Prüfung des zweiten Teils der dritten Frage ist in einem ersten Schritt der Begriff „zuständiger Staat“ im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 zu klären und zu diesem Zweck das Zusammenspiel zwischen dieser Vorschrift und Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung genauer darzulegen.
            
         
               96.
            
            
               In der vorliegenden Rechtssache wird die Frage aufgeworfen, ob in einer Situation wie der des Ausgangsrechtsstreits unter dem zuständigen Staat im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung der Staat zu verstehen ist, dessen Rechtsvorschriften nach dem Wohnortwechsel des Arbeitnehmers anzuwenden sind, oder der Staat, gemäß dessen Rechtsvorschriften die Ansprüche auf Leistungen bei Krankheit erworben wurden.
            
         
               97.
            
            
               Die Regierung des Vereinigten Königreichs und die norwegische Regierung sprechen sich für die erste Möglichkeit aus. Da Spanien als zuständiger Staat (
                     53
                  ) anzusehen sei, sei Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71, der auf die Situation von Arbeitnehmern Bezug nehme, die in einem anderen als dem zuständigen Staat wohnten, nicht anwendbar (
                     54
                  ).
            
         
               98.
            
            
               Eine solche Auslegung würde letztlich darauf hinauslaufen, dass Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung als eine Vorschrift anzusehen wäre, die es einer Person, die ihre Erwerbstätigkeit vollständig aufgegeben hat, verwehrte, nach dem Wohnortwechsel in einen anderen Mitgliedstaat in den Genuss von Leistungen bei Krankheit zu kommen, die sie im Mitgliedstaat ihrer letzten Beschäftigung bezog. Somit wäre durch Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung deren Art. 22 Abs. 1 Buchst. b nur auf Arbeitnehmer anwendbar, die zum Zeitpunkt des Wohnortwechsels einer Erwerbstätigkeit nachgingen.
            
         
               99.
            
            
               Der Vertreter von Frau Tolley spricht sich seinerseits für die zweite Möglichkeit aus. Art. 13 Abs. 1 Buchst. f dieser Verordnung beeinträchtige also nicht das Recht eines Arbeitnehmers, der seine Erwerbstätigkeit vollständig aufgegeben habe, auf Weitergewährung von Leistungen bei Krankheit, die er bereits in einem Mitgliedstaat beziehe, wenn er seinen Wohnsitz in einen anderen Mitgliedstaat verlege.
            
         
               100.
            
            
               Aus den nachfolgend dargelegten Gründen schließe ich mich der letztgenannten Auffassung an.
            
         b) Wörtliche Auslegung
      
               101.
            
            
               Nach Art. 1 Buchst. o Ziff. i in Verbindung mit Buchst. q der Verordnung Nr. 1408/71 ist der „zuständige Staat“ insbesondere der Mitgliedstaat, in dem der Träger, bei dem der Arbeitnehmer „im Zeitpunkt des Antrags auf Leistungen“ versichert ist, seinen Sitz hat (
                     55
                  ).
            
         
               102.
            
            
               Gemäß dieser Definition ist der „zuständige Staat“, auf den Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung Bezug nimmt, meiner Ansicht nach derjenige, der aufgrund der Vorschriften von Titel II zum Zeitpunkt des Erwerbs des Anspruchs auf die Leistungen, deren Export begehrt wird, zuständig war. Im vorliegenden Fall ist dies das Vereinigte Königreich, da Frau Tolley dort ihren Antrag auf die im Ausgangsrechtsstreit in Rede stehende Leistung mehrere Jahre vor der Verlegung ihres Wohnsitzes nach Spanien gestellt hatte.
            
         
               103.
            
            
               Zur Untermauerung dieser Auslegung verweise ich zunächst darauf, dass ein vergleichbarer zeitlicher Aspekt auch im Kontext mit einer anderen Vorschrift dieser Verordnung, nämlich deren Art. 71 Abs. 1 Buchst. a (
                     56
                  ), mit dem Begriff „zuständiger Staat“ verknüpft ist. Wie aus dem Urteil Adanez-Vega (
                     57
                  ) hervorgeht, bezeichnet dieser Begriff den Staat, der während der letzten Beschäftigung der betreffenden Person zuständig war.
            
         
               104.
            
            
               Sodann sieht meiner Ansicht nach ebenfalls unter diesem Aspekt Anhang VI Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ Nr. 20 der Verordnung Nr. 1408/71 vor, dass „[d]ie Tatsache, dass eine Person nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. f [dieser] Verordnung … den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats unterstellt wird, … [insbesondere] folgender Regelung nicht [entgegensteht]: Die Bestimmungen für Arbeitnehmer oder Selbständige in Titel III Kapitel 1 [über Leistungen bei Krankheit und Mutterschaft] … werden vom Vereinigten Königreich als dem zuständigen Staat auf sie angewandt, wenn sie im Sinne dieser Bestimmungen Arbeitnehmer oder Selbständiger bleibt und zuletzt nach den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs als solcher versichert war“.
            
         
               105.
            
            
               Diese Nummer zeigt, dass das Vereinigte Königreich die Möglichkeit zulässt, dass es zuständiger Staat im Sinne der Vorschriften von Titel III Kapitel 1 der Verordnung Nr. 1408/71 bleibt, auch wenn seine Rechtsvorschriften im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung nicht mehr auf den Arbeitnehmer anwendbar sind. Meiner Ansicht nach wird in dieser Nummer somit festgestellt, dass diese Vorschrift der Anwendung der Vorschriften von Titel III dieser Verordnung über die Aufrechterhaltung erworbener Ansprüche, darunter Art. 22 Abs. 1 Buchst. b, nicht entgegensteht.
            
         
               106.
            
            
               Schließlich entspricht die Weitergewährung einer von einem Mitgliedstaat bezogenen Geldleistung bei Krankheit, auch wenn der Wohnortwechsel des Empfängers in einen anderen Mitgliedstaat zu einer Änderung der anwendbaren Rechtsvorschriften führt, der gegenwärtigen Lage nach der Verordnung Nr. 883/2004. Diese Verordnung enthält nämlich keine spezielle, mit Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 vergleichbare Vorschrift über die Weitergewährung von Leistungen bei Krankheit. Stattdessen enthält sie in ihrem Art. 7 eine Vorschrift über die Aufhebung der Wohnortklauseln, die alle Geldleistungen der sozialen Sicherheit umfasst (und nicht nur die, die in Art. 10 der Verordnung Nr. 1408/71 aufgezählt sind).
            
         
               107.
            
            
               Im Übrigen steht das Urteil Kuusijärvi (
                     58
                  ) entgegen dem Vorbringen der Regierung des Vereinigten Königreichs nicht in Gegensatz zu dieser Auslegung. Nachdem der Gerichtshof die betreffende Leistung in der Rechtssache, in der dieses Urteil ergangen ist, als Familienleistung (und nicht als Leistung bei Krankheit) eingestuft hatte, legte er nicht Art. 22 Abs. 1 Buchst. b, sondern die Art. 73 und 74 der Verordnung Nr. 1408/71 aus (
                     59
                  ). Diese Vorschriften betreffen jedoch nicht die Weitergewährung einer Leistung, die der Arbeitnehmer bereits vor seinem Wohnortwechsel bezog (
                     60
                  ).
            
         c) Teleologische Auslegung
      
               108.
            
            
               Die oben beschriebene wörtliche Auslegung wird durch eine teleologische Auslegung von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 untermauert.
            
         
               109.
            
            
               Vor der Einführung von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung durch die Verordnung (EWG) Nr. 2195/91 (
                     61
                  ) hatte der Gerichtshof im Urteil Ten Holder (
                     62
                  ) entschieden, dass in Ermangelung spezieller Vorschriften darüber, welche Rechtsvorschriften auf Arbeitnehmer anwendbar sind, die ihre Erwerbstätigkeit in einem Mitgliedstaat beendet haben und danach nicht in einem anderen Mitgliedstaat arbeiten werden, diese Arbeitnehmer nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. a dieser Verordnung weiterhin den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats ihrer letzten Beschäftigung unterliegen.
            
         
               110.
            
            
               Der Gerichtshof hat in der Folge diese Feststellung auf die Fälle beschränkt, in denen der Arbeitnehmer nur vorübergehend jede Erwerbstätigkeit aufgegeben hat (
                     63
                  ). Folglich war die Lage einer Person, die endgültig zu arbeiten aufgehört hatte, von keiner Kollisionsnorm des Titels II der Verordnung Nr. 1408/71 mehr erfasst (
                     64
                  ).
            
         
               111.
            
            
               Durch die Einführung von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 wollte der Gesetzgeber die nach diesem Urteil festgestellte Lücke füllen (
                     65
                  ). Zu diesem Zweck entschied er sich dafür, auf einen Arbeitnehmer, der jede Erwerbstätigkeit – endgültig oder vorübergehend (
                     66
                  ) – aufgegeben hat, das Recht seines Wohnsitzmitgliedstaats anzuwenden.
            
         
               112.
            
            
               Würde man diesen Mitgliedstaat als zuständigen Staat im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung ansehen, fiele ein solcher Arbeitnehmer nicht mehr in den Anwendungsbereich dieser Vorschrift. Er würde nämlich definitionsgemäß nicht in einem „anderen als dem zuständigen Staat“ wohnen (
                     67
                  ).
            
         
               113.
            
            
               Erstens bezweifle ich, dass eine solche Folge vom Gesetzgeber bezweckt war, da sie dem in der Verordnung Nr. 1408/71 verankerten Grundsatz der Wahrung erworbener Ansprüche zuwiderlaufen würde (
                     68
                  ). Zudem geht weder aus dem Wortlaut dieser Verordnung noch aus den Materialien hervor, dass der Gesetzgeber mit der Einführung von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung die Anwendung von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung auf nicht erwerbstätige Arbeitnehmer ausschließen wollte.
            
         
               114.
            
            
               Zweitens wäre es, wenn einem Bezieher einer Geldleistung bei Krankheit bei einem Wohnortwechsel in einen anderen Mitgliedstaat diese Leistung nicht mehr gewährt würde, dem Leistungsempfänger de facto unmöglich, den Wohnort zu wechseln, ohne seine medizinische Behandlung zu unterbrechen. Eine solche Folge stünde meiner Ansicht nach dem Ziel der Förderung der Mobilität der Arbeitnehmer entgegen, das sowohl diese Verordnung als auch Art. 48 AEUV verfolgen (
                     69
                  ).
            
         
               115.
            
            
               Drittens scheint mir die Auslegung, für die ich eintrete, kohärent in Bezug auf andere Vorschriften der Verordnung Nr. 1408/71 zu sein, die vom Willen des Gesetzgebers zeugen, zu vermeiden, dass die Kosten bestimmter Leistungen bei Krankheit dem Wohnsitzmitgliedstaat einer Person aufgebürdet werden, die dort niemals gearbeitet hat. Insbesondere Art. 28 Abs. 1 dieser Verordnung sieht vor, dass ein Rentner, der nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats zum Bezug einer Rente berechtigt ist und keinen Anspruch auf Leistungen bei Krankheit nach den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats hat, in dem er wohnt, dennoch diese Leistungen zulasten des Trägers des ersten Mitgliedstaats erhält, sofern dort ein Anspruch bestünde, wenn er dort wohnte.
            
         d) Ergebnis
      
               116.
            
            
               Nach alledem bin ich der Ansicht, dass der im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 zuständige Staat der Mitgliedstaat ist, nach dessen Rechtsvorschriften der Anspruch erworben wurde, dessen Aufrechterhaltung nach dieser Vorschrift begehrt wird. Obwohl die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs auf Frau Tolley nach ihrem Wohnortwechsel nicht weiterhin anwendbar waren und sie daher nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung dem spanischen Recht unterlag, ist das Vereinigte Königreich der zuständige Staat im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung geblieben, soweit es um die Weitergewährung der Pflegekomponente der DLA geht.
            
         5. Zur Rechtswidrigkeit der Wohnortvoraussetzung
      
               117.
            
            
               Um den zweiten Teil der dritten Frage zu beantworten, ist in einem zweiten Schritt festzustellen, ob Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 einer Wohnortvoraussetzung wie der, die in den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs vorgesehen ist, entgegensteht.
            
         
               118.
            
            
               Dazu trägt die Regierung des Vereinigten Königreichs vor, selbst wenn das Vereinigte Königreich als zuständiger Staat im Sinne dieser Vorschrift gälte, wäre diese, wie aus ihrem Wortlaut hervorgehe, nur anwendbar, wenn der Arbeitnehmer die von diesem Staat verlangten Voraussetzungen für den Anspruch auf die Leistungen erfüllte. Das Vereinigte Königreich habe diesen Anspruch von einer Wohnortvoraussetzung abhängig gemacht, deren Rechtmäßigkeit im Rahmen des Ausgangsrechtsstreits bestritten werde.
            
         
               119.
            
            
               Diesem Vorbringen kann nicht gefolgt werden. Wie Generalanwalt Jacobs in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Kuusijärvi nämlich ausgeführt hat, „[würde] diese Vorschrift ihren Zweck völlig verlieren …, wenn [der durch Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 verliehene] Anspruch mit Hilfe einer nationalen Wohnortvoraussetzung vereitelt werden könnte“ (
                     70
                  ).
            
         
               120.
            
            
               Allerdings hindert das Unionsrecht meiner Ansicht nach den im Sinne dieser Vorschrift zuständigen Mitgliedstaat nicht daran, wenn das innerstaatliche Recht dies vorsieht, den Anspruch auf eine Leistung oder den Betrag derselben nach Maßgabe von Faktoren wie dem Lebensstandard im Wohnsitzmitgliedstaat oder den geänderten Bedürfnissen der betreffenden Person zu überprüfen. Dagegen kann dem Betroffenen ein solcher Anspruch nicht allein deswegen entzogen werden, weil er in einem anderen Mitgliedstaat wohnt.
            
         6. Zu den Folgen des Fehlens einer Genehmigung
      
               121.
            
            
               Nach Art. 22 Abs.1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 hat der Empfänger einer Geldleistung bei Krankheit nach der Verlegung seines Wohnsitzes nur dann Anspruch auf deren Weitergewährung, wenn er vom zuständigen Träger die Genehmigung dazu erhalten hat. Aus der Vorlageentscheidung ergibt sich, dass Frau Tolley um eine solche Genehmigung seitens des zuständigen Trägers des Vereinigten Königreichs aber nicht ersucht und eine solche erst recht nicht bekommen hat. Das vorlegende Gericht ist jedoch der Ansicht, dass ihr die Genehmigung zu erteilen gewesen wäre, wenn sie darum ersucht hätte (
                     71
                  ). Art. 22 Abs. 2 dieser Verordnung schränkt nämlich die Möglichkeit, die Genehmigung zu verweigern, auf Fälle ein – die nicht die Lage von Frau Tolley betreffen –, in denen „ein Wohnortwechsel des Arbeitnehmers dessen Gesundheitszustand gefährden oder die Durchführung der ärztlichen Behandlung in Frage stellen würde“.
            
         
               122.
            
            
               Daher ist, immer noch im Rahmen der Würdigung des zweiten Teils der dritten Frage, in einem dritten Schritt festzustellen, ob das Fehlen der Genehmigung der Anwendung von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung entgegensteht, obwohl eine Genehmigung nicht hätte verweigert werden können, wenn darum ersucht worden wäre.
            
         
               123.
            
            
               Die Verordnung Nr. 1408/71 sieht keine Sanktion für den Fall vor, dass die betreffende Person, obwohl keiner der Umstände vorliegt, aufgrund deren der zuständige Mitgliedstaat eine Genehmigung verweigern kann, über keine behördliche Genehmigung verfügt.
            
         
               124.
            
            
               Insoweit halte ich es für angebracht, die Zwecke der in Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung aufgestellten Genehmigungsvoraussetzung genauer zu prüfen. Art. 22 Abs. 2 dieser Verordnung zeigt meiner Ansicht nach, dass durch diese Voraussetzung vermieden werden soll, dass dem Staat, der die Leistung schuldet, unverhältnismäßige Kosten aufgebürdet werden, wenn sich der Leistungsberechtigte in einen anderen Mitgliedstaat begibt, in dem sich sein Gesundheitszustand möglicherweise verschlechtert oder in dem die Durchführung der Behandlung gefährdet sein könnte, wodurch für den ersten Mitgliedstaat höhere Kosten entstünden (
                     72
                  ).
            
         
               125.
            
            
               Eine Auslegung, wonach der Arbeitnehmer auch bei Fehlen einer entsprechenden Genehmigung einen Anspruch auf Weitergewährung einer Leistung hätte, sofern der Wechsel nicht seinen Gesundheitszustand gefährden oder die Durchführung der ärztlichen Behandlung in Frage stellen könnte, könnte die Verwirklichung dieses Ziels behindern. Eine solche Auslegung könnte nämlich einen Arbeitnehmer dazu verleiten, seinen Wohnort zu verlegen, ohne die Genehmigung dazu eingeholt oder bekommen zu haben. Es könnte sich dann im Nachhinein herausstellen, dass die Verlegung für seinen Gesundheitszustand oder seine ärztliche Behandlung nachteilig sein kann.
            
         
               126.
            
            
               Unter diesen Voraussetzungen kann Art. 22 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 der Verordnung Nr. 1408/71 die Mitgliedstaaten nicht verpflichten, einen Arbeitnehmer in den Genuss von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung kommen zu lassen, wenn der Arbeitnehmer vor seinem Wohnortwechsel keine Genehmigung hierfür erhalten hat (
                     73
                  ).
            
         
               127.
            
            
               Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass die Verordnung Nr. 1408/71 die einzelstaatlichen Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert, aber nicht harmonisiert (
                     74
                  ). Von diesem Blickwinkel aus gesehen steht es den Mitgliedstaaten frei, einem Arbeitnehmer nach ihrem nationalen Recht den Export der in dieser Vorschrift festgelegten Leistungen auch in einer solchen Situation zuzugestehen, da diese Verordnung keine Folgen für das Fehlen einer Genehmigung nach ihrem Art. 22 Abs. 1 Buchst. b vorsieht (
                     75
                  ). Dies gilt umso mehr, als die Anerkennung eines solchen Anspruchs dadurch, dass sie Wanderarbeitnehmern einen weiter gehenden Schutz gewährt, als sich aus dieser Verordnung ergibt, zur Verwirklichung des ihr zugrunde liegenden Ziels einer Erleichterung der Freizügigkeit der Arbeitnehmer beiträgt (
                     76
                  ).
            
         V – Ergebnis
      
      
               128.
            
            
               Nach alledem schlage ich dem Gerichtshof vor, die Fragen des Supreme Court of the United Kingdom (Oberster Gerichtshof des Vereinigten Königreichs) wie folgt zu beantworten:
               
                        1.
                     
                     
                        Eine Leistung wie die Pflegekomponente der Disability Living Allowance (Unterhaltsbeihilfe für Behinderte) ist eine Leistung bei Krankheit im Sinne von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und Selbständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern, in der durch die Verordnung (EG) Nr. 118/97 des Rates vom 2. Dezember 1996 geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 1386/2001 des Rates vom 5. Juni 2001.
                     
                  
                        2.
                     
                     
                        Art. 13 Abs. 2 Buchst. f der Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung Nr. 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung Nr. 1386/2001, ist dahin auszulegen, dass eine Person nicht weiterhin den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats unterliegt, wenn sie nicht mehr im Rahmen des Systems der sozialen Sicherheit dieses Mitgliedstaats nach dessen nationalen Rechtsvorschriften versichert ist. Dies gilt auch, wenn diese Person gegen das Risiko Alter gemäß den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats versichert bleibt, so dass sie Anspruch auf ihre Altersrente hätte, wenn sie die Beitragsvoraussetzungen bei Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erfüllte.
                        Es ist Sache des nationalen Gerichts, unter Berücksichtigung der Umstände des Rechtsstreits, mit dem es befasst ist, gemäß den Kriterien in Anhang VI Abschnitt „Vereinigtes Königreich“ Nr. 19 dieser Verordnung den Zeitpunkt festzustellen, von dem an die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs im Sinne von Art. 13 Abs. 2 Buchst. f dieser Verordnung nicht weiterhin anwendbar waren.
                     
                  
                        3.
                     
                     
                        Eine Person, die den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats nicht weiterhin unterliegt, ohne dass auf sie nach Art. 13 Abs. 2 Buchst. a bis e der Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung Nr. 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung Nr. 1386/2001, die Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats anwendbar würden, und die daher gemäß Buchst. f dieser Vorschrift den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats unterliegt, in dem sie wohnt, hat dennoch gemäß Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung und nach den dort vorgesehenen Modalitäten einen Anspruch auf Weitergewährung der Leistungen bei Krankheit, die sie bereits vor der Verlegung ihres Wohnsitzes in den zweiten Mitgliedstaat zulasten des Trägers des ersten Mitgliedstaats bezog.
                     
                  
                        4.
                     
                     
                        Der Begriff „Arbeitnehmer oder Selbständiger“, der in Art. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung Nr. 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, geändert durch die Verordnung Nr. 1386/2001, definiert ist, schließt Personen ein, die jede Tätigkeit als Arbeitnehmer oder Selbständiger aufgegeben haben, sofern sie auch nur gegen ein einziges Risiko bei einem der in Art. 1 Buchst. a dieser Verordnung genannten allgemeinen oder besonderen Systeme der sozialen Sicherheit unabhängig vom Bestehen eines Arbeitsverhältnisses pflichtversichert oder freiwillig versichert sind.
                     
                  
                        5.
                     
                     
                        Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung Nr. 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, zuletzt geändert durch die Verordnung Nr. 1386/2001, verwehrt es einem Mitgliedstaat, die Weitergewährung von Geldleistungen bei Krankheit an eine Wohnortvoraussetzung wie die im Ausgangsverfahren in Rede stehende zu knüpfen.
                     
                  
                        6.
                     
                     
                        Art. 22 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 der Verordnung Nr. 1408/71 in der durch die Verordnung Nr. 118/97 geänderten und aktualisierten Fassung, zuletzt geändert durch die Verordnung Nr. 1386/2001, ist dahin auszulegen, dass Personen, die jede Tätigkeit als Arbeitnehmer oder Selbständiger aufgegeben haben und bereits Geldleistungen bei Krankheit in einem Mitgliedstaat beziehen, bevor sie einen Wohnortwechsel in einen anderen Mitgliedstaat vornehmen, weiterhin einen Anspruch darauf haben, diese Leistungen zulasten des Trägers des ersten Mitgliedstaats zu beziehen, sofern sie zu diesem Wohnortwechsel die Genehmigung erhalten haben.
                     
                  
         (
            1
         )	Originalsprache: Französisch.
      (
            2
         )	Verordnung des Rates vom 14. Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitnehmer und deren Familien, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (ABl. 1971, L 149, S. 2).
      (
            3
         )	Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (ABl. 2004, L 166, S. 1, berichtigt im ABl. 2004, L 200, S. 1).
      (
            4
         )	Im Ausgangsrechtsstreit geht es um die Ansprüche von Frau Tolley ab dem 6. November 2002 (vgl. Nr. 20 der vorliegenden Schlussanträge). Auf diesen Rechtsstreit ist daher die Fassung der Verordnung Nr. 1408/71 anwendbar, die zu dieser Zeit in Kraft war.
      (
            5
         )	Verordnung des Rates vom 2. Dezember 1996 (ABl. 1997, L 28, S. 1).
      (
            6
         )	Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Juni 2001 (ABl. 2001, L 187, S. 1).
      (
            7
         )	[2010] EWCA Civ 291.
      (
            8
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007, Kommission/Parlament und Rat (C‑299/05, EU:C:2007:608, Rn. 68).
      (
            9
         )	Nach Art. 1 Buchst. j der Verordnung Nr. 1408/71 sind „Rechtsvorschriften“ im Zusammenhang mit dieser Verordnung die bestehenden und künftigen Gesetze, Verordnungen, Satzungen und alle anderen Durchführungsvorschriften in Bezug auf die Zweige und Systeme der sozialen Sicherheit sowie die besonderen beitragsunabhängigen Leistungen.
      (
            10
         )	Die Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zu einem System der sozialen Sicherheit bestimmen sich nach nationalem Recht (vgl. insbesondere Urteile vom 12. Juli 1979, Brunori, 266/78, EU:C:1979:200, Rn. 5 und 6, vom 7. Juli 2005, van Pommeren-Bourgondiën, C‑227/03, EU:C:2005:431, Rn. 33, sowie vom 19. März 2015, Kik, C‑266/13, EU:C:2015:188, Rn. 51).
      (
            11
         )	Urteil vom 12. Mai 1998 (C‑85/96, EU:C:1998:217, Rn. 36). Vgl. auch insbesondere Urteile vom 7. Juni 2005, Dodl und Oberhollenzer (C‑543/03, EU:C:2005:364, Rn. 30), sowie vom 10. März 2011, Borger (C‑516/09, EU:C:2011:136, Rn. 28).
      (
            12
         )	Beispielsweise hat der Gerichtshof im Urteil Dodl und Oberhollenzer (Urteil vom 7. Juni 2005, C‑543/03, EU:C:2005:364, Rn. 32 bis 34) entschieden, dass Personen, die österreichische Familienleistungen beantragen, Arbeitnehmereigenschaft besitzen, wenn das nationale Gericht ihre Zugehörigkeit zur österreichischen Krankenversicherung bestätigt.
      (
            13
         )	Vgl. Secretary of State for Work and Pensions/LT (DLA) [2012] UKUT 282 (AAC) und Tolley/The Secretary of State for Work and Pensions [2013] EWCA Civ 1471.
      (
            14
         )	Urteil vom 21. Februar 2013 (C‑619/11, EU:C:2013:92, Rn. 27 bis 29). Gemäß der Vorlageentscheidung hätte Frau Tolley nur eine Altersrente beanspruchen können, soweit sie die Beitragsvoraussetzungen bei Erreichen des gesetzlichen Rentenalters erfüllt hätte. Nach Ansicht des Vereinigten Königreichs handelt es sich hier nur um einen zukünftigen und hypothetischen Rentenanspruch, so dass Frau Tolley nicht den Status einer gegen das Risiko Alter versicherten Person gehabt habe. Das vorlegende Gericht stellte jedoch fest, dass Letztere gegen dieses Risiko tatsächlich versichert gewesen sei. Da die Frage, ob eine Person im Rahmen eines Systems der sozialen Sicherheit versichert ist, eine Frage des Rechts des betreffenden Mitgliedstaats ist (vgl. Fn. 11 der vorliegenden Schlussanträge), ist diese Beurteilung nicht in Frage zu stellen.
      (
            15
         )	Urteil vom 10. März 2011, Borger (C‑516/09, EU:C:2011:136, Rn. 30).
      (
            16
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007 (C‑299/05, EU:C:2007:608, Rn. 68).
      (
            17
         )	Urteil vom 6. Oktober 1982 (283/81, EU:C:1982:335, Rn. 21).
      (
            18
         )	Vgl. insbesondere Urteile vom 6. Oktober 1982, Cilfit u. a. (283/81, EU:C:1982:335, Rn. 21), sowie vom 1. Oktober 2015, Doc Generici (C‑452/14, EU:C:2015:644, Rn. 43 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      (
            19
         )	Im Urteil vom 27. März 1963, Da Costa u. a. (28/62 bis 30/62, EU:C:1963:6), auf das sich die Regierung des Vereinigten Königreichs bezieht, hat der Gerichtshof nach dem Hinweis, dass er eine mit der ihm vorgelegten Frage identische Frage bereits in einem früheren Urteil behandelt hatte, nicht die Unzulässigkeit dieser Vorlagefrage festgestellt, sondern das nationale Gericht auf dieses Urteil verwiesen.
      (
            20
         )	Vgl. Urteile vom 6. Oktober 1982, Cilfit u. a. (283/81, EU:C:1982:335, Rn. 15) sowie vom 17. Juli 2014, Torresi (C‑58/13 und C‑59/13, EU:C:2014:2088, Rn. 32).
      (
            21
         )	Urteil vom 17. Juli 2014, Torresi (C‑58/13 und C‑59/13, EU:C:2014:2088, Rn. 32 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      (
            22
         )	Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 18. Juli 2006, De Cuyper (C‑406/04, EU:C:2006:491, Rn. 27).
      (
            23
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007 (C‑299/05, EU:C:2007:608, Rn. 66 bis 68).
      (
            24
         )	Urteil vom 21. Juli 2011 (C‑503/09, EU:C:2011:500, Rn 37).
      (
            25
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007 (C‑299/05, EU:C:2007:608).
      (
            26
         )	Urteil vom 21. Juli 2011 (C‑503/09, EU:C:2011:500, Rn 37 und 38).
      (
            27
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007 (C‑299/05, EU:C:2007:608, Rn. 63). Diese Beurteilung bezog sich auf die schwedische Behindertenbeihilfe, die auch Gegenstand der Nichtigkeitsklage war, die zu diesem Urteil führte.
      (
            28
         )	Urteil vom 30. Juni 2011 (C‑388/09, EU:C:2011:439, Rn. 48).
      (
            29
         )	Urteil vom 30. Juni 2011, da Silva Martins (C‑388/09, EU:C:2011:439, Rn. 48).
      (
            30
         )	Urteil vom 18. Oktober 2007 (C‑299/05, EU:C:2007:608).
      (
            31
         )	Urteil vom 5. März 1998 (C‑160/96, EU:C:1998:84).
      (
            32
         )	Urteil vom 5. März 1998, Molenaar (C‑160/96, EU:C:1998:84, Rn. 22 bis 25). Vgl. auch Urteil vom 8. Juli 2004, Gaumain-Cerri und Barth (C‑502/01 und C‑31/02, EU:C:2004:413, Rn. 19 und 20).
      (
            33
         )	Urteil vom 8. März 2001 (C‑215/99, EU:C:2001:139, Rn. 28).
      (
            34
         )	Urteil vom 21. Februar 2006 (C‑286/03, EU:C:2006:125, Rn. 48). Vgl. auch in diesem Sinne Urteil vom 18. Oktober 2007, Kommission/Parlament und Rat (C‑299/05, EU:C:2007:608, Rn. 61), und vom 30. Juni 2011, da Silva Martins (C‑388/09, EU:C:2011:439, Rn. 43 bis 48).
      (
            35
         )	Vgl. in diesem Zusammenhang Jorens, Y., u. a., „Coordination of Long-term Care Benefits – current situation and future prospects“, Think Tank Report 2011, Training and Reporting on European Social Security, verfügbar unter http://www.tress-network.org/EUROPEAN%20RESOURCES/EUROPEANREPORT/trESSIII_ThinkTankReport-LTC_20111026FINAL_amendmentsEC‑FINAL.pdf, S. 41 und 42.
      (
            36
         )	Aus der Vorlageentscheidung geht nicht hervor, auf welcher Grundlage Frau Tolley in der Vergangenheit Sozialversicherungsbeiträge entrichtete.
      (
            37
         )	Meines Wissens führte das spanische Recht erst ab dem 1. Januar 2007 mit dem Gesetz 39/2006 vom 14. Dezember 2006 über die Förderung der persönlichen Selbständigkeit und die Hilfe für pflegebedürftige Menschen (BOE Nr. 299 vom 15. Dezember 2006, S. 44142) schrittweise ein System für Pflegedienste ein. Diese Beurteilung fällt jedoch letztlich in die Zuständigkeit des vorlegenden Gerichts.
      (
            38
         )	Vgl. in diesem Sinne Urteile vom 12. Juni 1986, Ten Holder (302/84, EU:C:1986:242, Rn. 22), und vom 10. Juli 1986, Luijten (60/85, EU:C:1986:307, Rn. 15).
      (
            39
         )	Jeder Mitgliedstaat verfügt jedoch über die Möglichkeit, unter bestimmten Umständen Leistungen der sozialen Sicherheit Arbeitnehmern zu gewähren, die dem System der sozialen Sicherheit eines anderen Mitgliedstaats angehören (vgl. insbesondere Urteile vom 20. Mai 2008, Bosmann, C‑352/06, EU:C:2008:290, Rn. 31, vom 12. Juni 2012, Hudzinski und Wawrzyniak, C‑611/10 und C‑612/10, EU:C:2012:339, Rn. 68, sowie vom 11. September 2014, B., C‑394/13, EU:C:2014:2199, Rn. 28). Zudem hindert der Grundsatz der Anwendung nur eines Rechts einen Arbeitnehmer, der im System der sozialen Sicherheit des Mitgliedstaats seines Wohnsitzes pflichtversichert ist, nicht daran, im System des Mitgliedstaats seiner letzten Beschäftigung in den Zweigen, in denen er nicht mehr pflichtversichert ist, freiwillig versichert zu bleiben (Urteil vom 7. Juli 2005, van Pommeren-Bourgondiën, C‑227/03, EU:C:2005:431, Rn. 36 bis 38).
      (
            40
         )	Vgl. insbesondere Urteil vom 7. Juli 2005, van Pommeren-Bourgondiën (C‑227/03, EU:C:2005:431, Rn. 34 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      (
            41
         )	Insbesondere erwirbt eine Person, die in einem Mitgliedstaat (oder nacheinander in mehreren Mitgliedstaaten) arbeitet, dort typischerweise Rentenansprüche, die sie nach der Verlegung ihres Wohnsitzes in einen anderen Mitgliedstaat behält. Art 17a der Verordnung Nr. 1408/71 betrifft einen solchen Fall, soweit er auf Personen anwendbar ist, die den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats unterliegen, in dem sie wohnen, und denen gleichzeitig Renten nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats geschuldet werden.
      (
            42
         )	Vgl. in diesem Sinne Schlussanträge des Generalanwalts Jacobs in der Rechtssache Kuusijärvi (C‑275/96, EU:C:1997:613, Nr. 65), und Schlussanträge des Generalanwalts Cruz Villalón in der Rechtssache Stewart (C‑503/09, EU:C:2011:159, Nr. 47).
      (
            43
         )	Vgl. insbesondere Art. 12, 46a, 46b, 46c und 76 der Verordnung Nr. 1408/71 und Art. 7 bis 10 der Verordnung (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 21. März 1972 über die Durchführung der Verordnung Nr. 1408/71 (ABl. 1972, L 74, S. 1).
      (
            44
         )	Wie Generalanwalt Jacobs in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Kuusijärvi (C‑275/96, EU:C:1997:613, Nr. 54) angemerkt hat, „bedeutet … die Tatsache, dass die Rechtsvorschriften [des Staates, in dem eine Person zuletzt beschäftigt war,] keine Anwendung mehr finden, nicht unbedingt oder gar regelmäßig, dass diese Person gleichzeitig ihren Anspruch auf Weitergewährung [einer Leistung, die sie von diesem Staat bezogen hat,] verliert“.
      (
            45
         )	Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 3. Mai 2001, Kommission/Belgien (C‑347/98, EU:C:2001:236, Rn. 31).
      (
            46
         )	Der Gerichtshof hat bereits im Urteil da Silva Martins (Urteil vom 30. Juni 2011, C‑388/09, EU:C:2011:439) über die Exportierbarkeit von solchen Leistungen zur Deckung des Risikos der Pflegebedürftigkeit entschieden, die der Betroffene zulasten des Trägers eines ersten Mitgliedstaats bezog, nachdem er seinen Wohnsitz in einen zweiten Mitgliedstaat verlegt hatte. Er hat diese Problematik jedoch nicht unter dem Gesichtspunkt des Art. 19 Abs. 1 oder Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 behandelt, sondern unter dem Gesichtspunkt der Art. 27 und 28 dieser Verordnung. Letztere Vorschriften, die für „Rentenberechtigte“ gelten, betreffen nicht die Situation von Frau Tolley. Diese war nämlich weder nach dem Recht des Vereinigten Königreichs noch nach dem spanischen Recht Rentenberechtigte.
      (
            47
         )	In der mündlichen Verhandlung scheint auch die Kommission diese Position unterstützt zu haben (vgl. Fn. 54 der vorliegenden Schlussanträge).
      (
            48
         )	Vgl. Nr. 53 der vorliegenden Schlussanträge.
      (
            49
         )	Urteil vom 16. Juli 2009 (C‑208/07, EU:C:2009:455, Rn. 46).
      (
            50
         )	Im Urteil vom 16. Juli 2009, von Chamier-Glisczinski (C‑208/07, EU:C:2009:455, Rn. 44 bis 46) hat der Gerichtshof, ohne auf die Trennlinie zwischen den jeweiligen Anwendungsbereichen von Art. 19 Abs. 1 und Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 einzugehen, festgestellt, dass es für die Anwendbarkeit der zweiten Bestimmung spricht, dass die Klägerin ihren Wohnsitz von Deutschland nach Österreich verlegte, als sie die deutschen Leistungen bei Krankheit bereits bezog, die sie exportieren wollte.
      (
            51
         )	Urteil vom 31. Mai 1979 (182/78, EU:C:1979:142, Rn. 7). Der Gerichtshof hat in diesem Zusammenhang nicht zwischen einem Arbeitnehmer, der endgültig, und einem Arbeitnehmer, der vorübergehend jegliche Erwerbstätigkeit aufgegeben hat, unterschieden.
      (
            52
         )	So ist in Art. 13 Abs. 2 Buchst. a und b der Verordnung Nr. 1408/71 von einer „Person, die … abhängig beschäftigt ist“ und einer „Person, die … eine selbständige Tätigkeit ausübt“, die Rede.
      (
            53
         )	Nach Ansicht der Regierung des Vereinigten Königreichs sei dies der Fall seit dem Tag, der auf den Tag gefolgt sei, an dem Frau Tolley dort ihren Wohnsitz begründet habe (vgl. Nr. 74 der vorliegenden Schlussanträge).
      (
            54
         )	In der mündlichen Verhandlung scheint die Kommission diese Auslegung vertreten zu haben, als sie vorbrachte, Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 betreffe nur wirtschaftlich aktive Personen, weil wirtschaftlich nicht mehr aktive Personen den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats unterlägen, in dem sie wohnten.
      (
            55
         )	Ebenso ist dies der Mitgliedstaat, in dem der „Träger, gegen den eine Person einen Anspruch auf Leistungen hat oder hätte, wenn sie … im Gebiet des Mitgliedstaats [wohnte], in dem dieser Träger seinen Sitz hat“.
      (
            56
         )	Art. 71 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung Nr. 1408/71 sieht im Wesentlichen vor, dass einem arbeitslosen Grenzgänger, der während seiner letzten Beschäftigung im Gebiet „eines anderen als des zuständigen Mitgliedstaats wohnte“, Leistungen bei Arbeitslosigkeit entweder zulasten des zuständigen Trägers (bei Kurzarbeit oder sonstigem vorübergehendem Arbeitsausfall) oder zulasten des Trägers seines Wohnorts (bei Vollarbeitslosigkeit) gewährt werden.
      (
            57
         )	Urteil vom 11. November 2004 (C‑372/02, EU:C:2004:705, Rn. 29).
      (
            58
         )	Urteil vom 11. Juni 1998 (C‑275/96, EU:C:1998:279).
      (
            59
         )	Urteil vom 11. Juni 1998, Kuusijärvi (C‑275/96, EU:C:1998:279, Rn. 71).
      (
            60
         )	Zudem nimmt Art. 73 der Verordnung Nr. 1408/71 nicht auf den „zuständigen Staat“ Bezug, sondern auf den Mitgliedstaat, dessen Rechtsvorschriften der Arbeitnehmer unterliegt.
      (
            61
         )	Verordnung des Rates vom 25. Juni 1991 zur Änderung der Verordnung Nr. 1408/71 und der Verordnung Nr. 574/72 (ABl. 1991, L 206, S. 2).
      (
            62
         )	Urteil vom 12. Juni 1986 (302/84, EU:C:1986:242, Rn. 15).
      (
            63
         )	Vgl. Urteile vom 21. Februar 1991, Noji (C‑140/88, EU:C:1991:64, Rn. 9 und 10), vom 21. Februar 1991, Daalmeijer (C‑245/88, EU:C:1991:66, Rn. 12 und 13), und vom 10. März 1992, Twomey (C‑215/90, EU:C:1992:117, Rn. 10).
      (
            64
         )	Unter diesen Umständen haben es die Vorschriften der Titel II und III der Verordnung Nr. 1408/71 nicht verboten, dass jemand, der sich in einer solchen Lage befand, dem Recht des Mitgliedstaats, in dem er wohnte, unterworfen wurde (vgl. Urteil vom 21. Februar 1991, Noji, C‑140/88, EU:C:1991:64, Rn. 15).
      (
            65
         )	Vgl. dritter Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 2195/91.
      (
            66
         )	Vgl. Urteil vom 11. Juni 1998, Kuusijärvi (C‑275/96, EU:C:1998:279, Rn. 40).
      (
            67
         )	Ebenso würde ein Arbeitnehmer, der in einem Mitgliedstaat einen Arbeitsunfall erlitten oder sich eine Berufskrankheit zugezogen hat, nach der Aufgabe seiner Erwerbstätigkeit und Verlegung seines Wohnsitzes in einen anderen Mitgliedstaat den Anspruch auf Leistungen bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten des ersten Mitgliedstaats nach Art. 55 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 verlieren. Diese Vorschrift betrifft wie Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung einen Arbeitnehmer, der, „nachdem er zu Lasten des zuständigen Trägers leistungsberechtigt geworden ist, von diesem Träger die Genehmigung erhalten haben, in das Gebiet des Mitgliedstaats, in dem er wohnt, zurückzukehren oder einen Wohnortwechsel in das Gebiet eines anderen Mitgliedstaats vorzunehmen“.
      (
            68
         )	Vgl. sechster Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 1408/71.
      (
            69
         )	Vgl. Erwägungsgründe 1 und 2 der Verordnung Nr. 1408/71.
      (
            70
         )	Schlussanträge in der Rechtssache Kuusijärvi (C‑275/96, EU:C:1997:613, Nr. 65). Entgegen dem Vorbringen des Vereinigten Königreichs hat der Gerichtshof einen solchen Ansatz nicht zurückgewiesen (vgl. Nr. 107 der vorliegenden Schlussanträge). Vgl. auch entsprechend Urteil vom 30. Juni 1966, Vaassen-Göbbels (61/65, EU:C:1966:39, S. [606 der deutschen Fassung]), und Schlussanträge des Generalanwalts Darmon in der Rechtssache Newton (C‑356/89, EU:C:1991:98, Nr. 23)
      (
            71
         )	Ich weise darauf hin, dass auf dieser Grundlage das Upper Tribunal (Gericht zweiter Instanz) die Ansicht vertrat, Frau Tolley habe nach dem Wohnortwechsel Anspruch auf einen Export der Pflegekomponente der DLA gehabt, wenngleich sie über keine diesbezügliche Genehmigung verfügt habe (Secretary of State for Work and Pensions/LT [DLA] [2012] UKUT 282 [AAC], Rn. 88 und 89).
      (
            72
         )	Diese Überlegung ist offensichtlich von besonderer Bedeutung, wenn der Staat, der die betreffende Leistung schuldet (und der im Sinne von Art. 22 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1408/71 der zuständige Staat ist), auch der zuständige Staat nach den Kollisionsnormen von Art. 13 Abs. 2 dieser Verordnung ist, so dass er allgemein für die Ausgaben der Krankenversicherung aufkommen muss, die mit einer Verschlechterung des Gesundheitszustands der betreffenden Person zusammenhängen. Gleiches gilt jedoch auch, wenn der Staat, der diese Leistung schuldet, nicht mehr der zuständige Staat nach diesen Kollisionsnormen ist. In einem solchen Fall bleibt der Staat, der diese Leistung schuldet, gegebenenfalls nämlich verpflichtet, diese nach Art. 22 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung für einen längeren Zeitraum weiterhin zu zahlen.
      (
            73
         )	Vgl. entsprechend zur Voraussetzung der vorherigen Genehmigung nach Art. 22 Abs. 1 Buchst. c der Verordnung Nr. 1408/71 Urteil vom 23. Oktober 2003, Inizan (C‑56/01, EU:C:2003:578: Rn. 24).
      (
            74
         )	Vgl. insbesondere Urteil vom 14. Oktober 2010, van Delft u. a. (C‑345/09, EU:C:2010:610, Rn. 99 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      (
            75
         )	Vgl. entsprechend Urteil vom 20. Mai 2008, Bosmann (C‑352/06, EU:C:2008:290, Rn. 27 bis 31).
      (
            76
         )	Vgl. in diesem Sinne Urteil vom 12. Juni 2012, Hudzinski und Wawrzyniak (C‑611/10 und C‑612/10, EU:C:2012:339, Rn. 57).