CELEX: 62008CC0407
Language: de
Date: 2010-02-11
Title: Schlussanträge des Generalanwalts Mazák vom 11. Februar 2010. # Knauf Gips KG gegen Europäische Kommission. # Rechtsmittel - Kartelle - Gipsplatten - Akteneinsicht - Belastende und entlastende Beweismittel - Begriff des Unternehmens - Wirtschaftliche Einheit - Gesellschaft, die für das Handeln der wirtschaftlichen Einheit verantwortlich ist - Erstmals im Gerichtsverfahren vorgetragenes Argument. # Rechtssache C-407/08 P.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
      JÁN MAZÁK
      vom 11. Februar 20101(1)
      
      Rechtssache C‑407/08 P
      Knauf Gips KG, vormals Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke KG
      gegen
      Europäische Kommission
      „Rechtsmittel – Wettbewerb – Kartell – Gipsplattenmarkt – Verstoß gegen Art. 81 EG – Verwaltungsverfahren – Verletzung der Verteidigungsrechte – Akteneinsicht – Vorenthalten belastender Beweismittel – Vorenthalten entlastender Beweismittel – Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen, die eine einheitliche Zuwiderhandlung darstellen – Verstoß gegen die 10%‑Deckelung nach Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17/62 – Wirtschaftliche Einheit“I –    Einleitung
      1.        Mit ihrem Rechtsmittel begehrt die Knauf Gips KG, vormals Gebrüder Knauf Gipswerke KG (im Folgenden auch: Rechtsmittelführerin),
         vom Gerichtshof u. a. die vollständige Aufhebung des Urteils des Gerichts erster Instanz (Dritte Kammer) vom 8. Juli 2008
         (T‑52/03; im Folgenden: angefochtenes Urteil)(2). Hilfsweise beantragt sie, den Rechtsstreit zur neuerlichen Entscheidung an das Gericht erster Instanz zurückzuverweisen,
         und, weiter hilfsweise, das gegen sie verhängte Bußgeld herabzusetzen, und zwar jedenfalls um mindestens 54 510 000 Euro.
      
      II – Rechtlicher Rahmen
      2.        In Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962: Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81]
         und [82] des Vertrages(3) heißt es:
      
      „Die Kommission kann gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis
         einer Million Rechnungseinheiten oder über diesen Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung
         beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig: 
      
      a)      gegen Artikel [81] Absatz 1 oder Artikel [82] des Vertrages verstoßen,
      …“
      III – Vorgeschichte des Rechtsmittels
      A –    Angefochtene Entscheidung
      3.        Am 27. November 2002 erließ die Kommission die Entscheidung 2005/471/EG bezüglich eines Verfahrens zur Durchführung von Artikel
         81 des EG-Vertrags gegen BPB PLC, Gebrüder Knauf Westdeutsche Gipswerke KG, Société Lafarge SA, Gyproc Benelux NV (Sache COMP/E-1/37.152
         – Gipsplatten) (im Folgenden: angefochtene Entscheidung), mit der sie feststellte, dass die BPB plc (im Folgenden: BPB), die
         Knauf-Gruppe, die Société Lafarge SA (im Folgenden: Lafarge) und die Gyproc Benelux NV (im Folgenden: Gyproc) gegen Art. 81
         Abs. 1 EG verstoßen haben, indem sie an einer Gesamtheit von Vereinbarungen und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen
         im Gipsplattensektor teilgenommen haben.(4) Sie war der Ansicht, BPB, Knauf(5), Lafarge und Gyproc hätten entgegen Art. 81 Abs. 1 EG fortdauernd an einer umfassenden und die folgenden abgestimmten Verhaltensweisen
         einschließenden Vereinbarung teilgenommen:
      
      –        1992 hätten sich Vertreter von BPB und Knauf in London getroffen und dafür ausgesprochen, den Markt im Gebiet Deutschlands
         (im Folgenden: deutscher Markt), im Gebiet des Vereinigten Königreichs (im Folgenden: britischer Markt), im Gebiet Frankreichs
         (im Folgenden: französischer Markt) und im Gebiet der Niederlande, Belgiens und Luxemburgs (im Folgenden: Benelux-Markt) gemeinsam
         zu stabilisieren;
      
      –        1992 hätten Vertreter von BPB und Knauf ein Informationssystem über ihre Verkaufsmengen auf dem deutschen, dem französischen,
         dem britischen und dem Benelux-Markt für Gipsplatten eingeführt, dem Lafarge und später Gyproc beigetreten seien;
      
      –        die Vertreter von BPB, Knauf und Lafarge hätten sich mehrmals gegenseitig über geplante Preiserhöhungen auf dem britischen
         Markt informiert;
      
      –        die Vertreter von BPB, Knauf, Lafarge und Gyproc hätten sich 1996 in Versailles, 1997 in Brüssel und 1998 in Den Haag getroffen,
         um auf besondere Entwicklungen im deutschen Markt zu reagieren, den deutschen Markt aufzuteilen oder zumindest zu stabilisieren;
      
      –        zwischen 1996 und 1998 hätten sich die Vertreter von BPB, Knauf, Lafarge und Gyproc mehrmals gegenseitig informiert und die
         Anwendung von Preiserhöhungen auf dem deutschen Markt abgesprochen.(6)
      
      4.        Nach Art. 1 der angefochtenen Entscheidung war die Zuwiderhandlung von folgender Dauer:
      
      –        „BPB PLC: spätestens ab 31. März 1992 bis 25. November 1998;
      –        Knauf: spätestens ab 31. März 1992 bis 25. November 1998;
      –        Société Lafarge S.A.: spätestens ab 31. August 1992 bis 25. November 1998;
      –        Gyproc Benelux N.V.: spätestens ab 6. Juni 1996 bis 25. November 1998.“
      5.        In Anbetracht der Natur des fraglichen Verhaltens, der konkreten Auswirkungen auf den hochkonzentrierten und oligopolistischen
         Markt für Gipsplatten und der Tatsache, dass sich das Verhalten auf die vier Hauptmärkte innerhalb der Europäischen Gemeinschaft
         ausgewirkt habe, war die Kommission der Auffassung, dass die Adressaten der angefochtenen Entscheidung einen sehr schweren
         Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG begangen hätten. Folgende Geldbußen wurden gegen folgende Unternehmen festgesetzt:
      
      –        BPB: 138 600 000 Euro,
      –        Gebrüder Knauf Westdeutsche Gipswerke KG: 85 800 000 Euro,
      –        Lafarge: 249 600 000 Euro,
      –        Gyproc: 4 320 000 Euro.(7)
      
      6.        Zu der gegen die Rechtsmittelführerin verhängten Geldbuße führte die Kommission in den Randnrn. 495 bis 499 der angefochtenen
         Entscheidung aus:
      
      „(495) Es steht außer Frage, dass [die] Knauf[-Gruppe] an den in dieser Entscheidung beschriebenen wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen
         teilnahm und dass [hochrangige Unternehmensvertreter der Gruppe Knauf], nämlich [die Herren B und C], persönlich in diese
         Verhaltensweisen einbezogen waren.
      
      (496) Diese Entscheidung ist an Knauf Westdeutsche Gipswerke gerichtet. Angesichts der besonderen Struktur der [Knauf-Gruppe]
         ist die Kommission nicht in der Lage, eine juristische Person an der Spitze der Gruppe von Gesellschaften auszumachen, aus
         der dieses Unternehmen besteht. Somit gibt es keine juristische Person, der man als der für die Koordinierung der Handlungen
         der Gruppe zuständigen Person die von den verschiedenen sie bildenden Gesellschaften begangenen Zuwiderhandlungen zuweisen
         könnte. 
      
      (497) Die Knauf Westdeutsche Gipswerke, deren [hochrangige Unternehmensvertreter] die [Herren B und C] sind, vertritt am eindeutigsten
         das Unternehmen. Die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft, von der die übrigen Unternehmen der Gruppe Knauf geführt werden,
         ist sowohl hinsichtlich der Geschäftsräume als auch des Personals zumindest teilweise von der Knauf Westdeutsche Gipswerke
         abhängig. 
      
      (498) Um unter diesen Umständen zu vermeiden, dass reine Formfragen einer Feststellung des Verhaltens [der] Knauf[-Gruppe]
         auf dem Gipsplattenmarkt zur Anwendung der Wettbewerbsregeln im Wege stünden, ist nach Auffassung der Kommission die Knauf
         Westdeutsche Gipswerke für die Handlungen [der] Knauf[-Gruppe] insgesamt haftbar zu machen. Im Übrigen hat sich die Knauf
         Westdeutsche Gipswerke auch nicht der Übersendung der Beschwerdepunkte widersetzt, worin deutlich gemacht war, dass sie die
         Kommission für die Gesamtheit der Handlungen von Knauf verantwortlich zu machen gedachte.
      
      (499) Im Hinblick auf die mögliche Festsetzung einer Geldbuße … hält es die Kommission für angezeigt, für die Zwecke dieser
         Entscheidung den Umsatz des ‚Unternehmens‘ im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG-Vertrag, d. h. den von sämtlichen Unternehmen
         der Gruppe Knauf erzielten Weltumsatz, wie er der Kommission mitgeteilt wurde, zugrunde zu legen.“(8)
      
      7.        Zuvor hatte die Kommission in den Randnrn. 38 und 39 der angefochtenen Entscheidung auch festgestellt:
      
      „(38) Knauf wurde im Jahr 1932 gegründet und hat seinen Sitz sowie wichtige Produktionsanlagen in Iphofen in Bayern (Deutschland);
         zur Firma gehören eine Reihe von nicht an der Börse notierten Unternehmen, die noch immer von etwa … zur Familie Knauf gehörenden
         Gesellschaftern gehalten werden. Das Unternehmen stellt sich gerne als Familienunternehmen Knauf Westdeutsche Gipswerke dar:
         ‚Das im Jahr 1932 gegründete Unternehmen Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke, Iphofen, ist heute nicht nur einer der führenden
         Hersteller von Baustoffen in Europa, sondern ein weltweit operierender Konzern, dessen Aktivitäten sich nicht nur auf die
         Produktion von Baustoffen auf Gipsbasis beschränken. Trotz des expansiven Wachstums ist die Fa. Knauf nach wie vor eine reine
         Familiengesellschaft, die sich im Besitz der Familien Alfons und Karl Knauf befindet. …‘ 
      
      (39) Das älteste Unternehmen des Konzerns ist Knauf Westdeutsche Gipswerke, in dem zahlreiche Beschäftigte des Konzerns (über
         1 000) tätig sind. Es handelt sich um eine Kommanditgesellschaft, [in der hochrangige Unternehmensvertreter die Herren B und
         C sind]. Das Unternehmen arbeitet in Raum- und Personalunion mit einer anderen Firma, der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG, ebenfalls einer Kommanditgesellschaft, mit wiederum [Herren B und C] als [hochrangige Unternehmensvertreter], deren Aufgabe
         die Verwaltung anderer Unternehmen des Knauf-Konzerns ist. Über die gleiche Unternehmensleitung hinaus haben die beiden Kommanditgesellschaften
         exakt die gleiche Verteilung der Anteile (die gleichen natürlichen Personen haben genau die gleichen Anteile am Firmenkapital).
         Die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG beschäftigt an ihrem Firmensitz in Iphofen sehr wenige Angestellte.“
      
      B –    Verfahren vor dem Gericht erster Instanz
      8.        Mit Klageschrift, die am 13. Februar 2003 bei der Kanzlei des Gerichts erster Instanz einging und unter der Rechtssachennummer
         T‑52/03 in das Register eingetragen wurde, beantragte die Knauf Gips KG die Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung,
         soweit diese sie betraf, hilfsweise, eine angemessene Herabsetzung des ihr mit der angefochtenen Entscheidung auferlegten
         Bußgelds und die Verurteilung der Kommission in die Kosten. 
      
      9.        Mit ihrer Klage beim Gericht erster Instanz brachte die Knauf Gips KG acht Klagegründe vor. Mit ihrem ersten Klagegrund machte
         sie geltend, dass die angefochtene Entscheidung ihre Verteidigungsrechte verletze. Sie stützte sich dabei u. a. darauf, dass
         die angefochtene Entscheidung auf Beweismittel gestützt sei, die ihr trotz entsprechender Anträge nicht zugänglich gemacht
         worden seien. Mit dem zweiten Klagegrund rügte sie einen Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG. Den dritten Klagegrund stützte sie
         auf eine Verkennung des Begriffs der einheitlichen Zuwiderhandlung. Mit ihrem vierten Klagegrund beanstandete sie im Hinblick
         auf die Obergrenze der Geldbuße einen Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 durch die angefochtene Entscheidung.
         Mit ihrem fünften Klagegrund machte sie geltend, die angefochtene Entscheidung verstoße mit der Festsetzung der Geldbuße gegen
         Art. 253 EG und Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 sowie gegen die allgemeinen Rechtsgrundsätze. Mit dem sechsten Klagegrund
         warf sie der Kommission einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz vor, weil diese die gegen sie verhängte Geldbuße
         trotz ihrer Zusammenarbeit mit der Kommission nicht in gleichem Umfang wie im Fall von BPB herabgesetzt habe, deren Geldbuße
         um 30 % ermäßigt worden sei. Mit ihrem siebten Klagegrund rügte sie einen Verstoß gegen Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Konvention
         zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie gegen den Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung durch die Überlänge
         des Verwaltungsverfahrens. Mit ihrem achten und letzten Klagegrund beanstandete sie einen Rechtsfehler und einen Beurteilungsfehler
         bei der Festsetzung des Verzugszinssatzes.
      
      10.      Das Gericht erster Instanz wies die Klage der Knauf Gips KG mit Urteil vom 8. Juli 2008 ab. Die Kosten wurden der Knauf Gips
         KG auferlegt.
      
      IV – Rechtsmittelverfahren
      11.      Am 19. September 2008 hat die Rechtsmittelführerin Rechtsmittel gegen die angefochtene Entscheidung eingelegt. Sie beantragt,
      
      –        das angefochtene Urteil insgesamt aufzuheben; 
      –        hilfsweise, den Rechtsstreit zur neuerlichen Entscheidung an das Gericht erster Instanz zurückzuverweisen; 
      –        weiter hilfsweise, das gegen sie in Art. 3 der angefochtenen Entscheidung verhängte Bußgeld angemessen, mindestens jedoch
         um 54 510 000 Euro herabzusetzen;
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      12.      Die Kommission beantragt,
      
      –        das Rechtsmittel insgesamt zurückzuweisen; 
      –        der Rechtsmittelführerin die Kosten aufzuerlegen.
      13.      Das Rechtsmittel gegen das angefochtene Urteil wird auf drei Rechtsmittelgründe gestützt. Mit ihrem ersten Rechtsmittelgrund
         macht die Rechtsmittelführerin eine Verletzung ihrer Verteidigungsrechte geltend. Mit ihrem zweiten Rechtsmittelgrund rügt
         sie einen Verstoß gegen Art. 81 Abs. 1 EG. Mit ihrem dritten Rechtsmittelgrund beanstandet sie einen Verstoß gegen Art. 15
         Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gegen Art. 81 EG.
      
      14.      Am 22. Oktober 2009 hat eine mündliche Verhandlung stattgefunden.
      
      V –    Erster Rechtsmittelgrund: Verletzung der Verteidigungsrechte
      15.      Die Rechtsmittelführerin macht geltend, das Gericht erster Instanz habe ihre Verteidigungsrechte dadurch verletzt, dass es
         die Vorschriften betreffend erstens die Verweigerung des Zugangs zu belastenden Dokumenten und zweitens das Vorenthalten entlastender
         Beweismittel falsch angewandt habe.
      
      A –    Verweigerung des Zugangs zu belastenden Dokumenten 
      1.      Angefochtenes Urteil
      16.      Im ersten Rechtszug machte die Knauf Gips KG geltend, dass die angefochtene Entscheidung im Kern auf belastende Beweismittel
         gestützt worden sei, zu denen sie trotz ihrer entsprechenden Anträge keinen Zugang gehabt habe.
      
      17.      Das Gericht erster Instanz hat in Randnr. 41 des angefochtenen Urteils bestätigt, dass die Knauf Gips KG im Verwaltungsverfahren
         vor der Kommission keinen Zugang zu den Erwiderungen der übrigen Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte gehabt habe.
         Es hat ausgeführt, wenn sich die Kommission in der endgültigen Entscheidung auf Unterlagen gestützt habe, die nicht in der
         Ermittlungsakte enthalten gewesen und der Klägerin nicht übermittelt worden seien, müssten diese Unterlagen als Beweismittel
         ausgeschlossen werden, da Unterlagen, die den betroffenen Parteien im Verwaltungsverfahren nicht übermittelt worden seien,
         keine Beweismittel darstellten, die ihnen entgegengehalten werden könnten. Gebe es jedoch andere Belege, von denen die Parteien
         im Verwaltungsverfahren Kenntnis gehabt hätten und die speziell die Schlussfolgerungen der Kommission stützten, beeinträchtige
         der Wegfall eines dem Betroffenen nicht übermittelten Belegs als zulässiges Beweismittel nicht die Begründetheit der in der
         angefochtenen Entscheidung erhobenen Vorwürfe. Deshalb müsse das betroffene Unternehmen dartun, dass das Ergebnis, zu dem
         die Kommission in ihrer Entscheidung gekommen sei, anders ausgefallen wäre, wenn ein diesem Unternehmen nicht übermitteltes
         Schriftstück, auf das die Kommission den gegenüber dem Unternehmen erhobenen Vorwurf einer Zuwiderhandlung gestützt habe,
         als Beweismittel ausgeschlossen werden müsste.(9)
      
      18.      In Randnr. 49 des angefochtenen Urteils hat das Gericht erster Instanz festgestellt, dass die Knauf Gips KG mit wenigen Ausnahmen
         lediglich die Stellen der angefochtenen Entscheidung aufgezählt habe, in denen die nicht zugänglich gemachten Schriftstücke
         genannt seien. Eine solche Aufzählung genüge nicht, um der Obliegenheit nachzukommen, die die Knauf Gips KG nach der Rechtsprechung
         zu nicht offengelegten belastenden Beweismitteln treffe. Das Gericht erster Instanz hat dann den behaupteten Verstoß in Bezug
         auf den Zugang zu belastenden Beweismitteln anhand der von der Knauf Gips KG ausdrücklich erhobenen Vorwürfe geprüft.(10) Nach Prüfung der fraglichen Unterlagen hat es festgestellt, dass das Ergebnis, zu dem die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung gekommen sei, nicht anders ausgefallen wäre, wenn diese Unterlagen aus den Akten entfernt worden wären. Es hat
         jedoch darauf hingewiesen, dass es bei der Prüfung der Begründetheit der Klage vorsorglich alle belastenden Gesichtspunkte
         ausschließen werde, die auf den Erwiderungen der übrigen Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte beruhten, um zu überprüfen,
         ob die von der Kommission vorgenommene Beurteilung des Vorliegens und der Auswirkungen der Zuwiderhandlung auch ohne diese
         Gesichtspunkte hinreichend nachgewiesen sei.(11)
      
      2.      Vorbringen
      19.      Die Rechtsmittelführerin bringt vor, das Gericht erster Instanz habe zu Unrecht die Prüfung der von ihr benannten Beispiele
         vorenthaltener Beweismittel verweigert. Ihrer Ansicht nach sind, wenn sie die fraglichen Beweismittel und die Stellen der
         angefochtenen Entscheidung, die ausschließlich auf diese Beweismittel gestützt seien, benenne, keine weiteren Angaben erforderlich,
         um zu dem Schluss zu gelangen, dass bei Ausschluss dieser Beweismittel zumindest diese Teile der Begründung der angefochtenen
         Entscheidung anders ausgefallen wären. Da die von ihr bezeichneten Passagen offenkundig den materiellen Aspekt der gesamten
         Zuwiderhandlung betroffen hätten, sei klar, dass die angefochtene Entscheidung insgesamt anders ausgefallen wäre. Die Stellen
         der angefochtenen Entscheidung, die vom Gericht erster Instanz tatsächlich geprüft worden seien (Randnrn. 51 bis 63 des angefochtenen
         Urteils), seien nicht ausschlaggebend, da eine Verletzung ihrer Verteidigungsrechte bereits deswegen vorliege, weil sich die
         Kommission an anderen Stellen der angefochtenen Entscheidung auf vorenthaltene belastende Beweismittel gestützt habe, ohne
         dass dies durch das Gericht überprüft worden sei.
      
      20.      Die Kommission ist der Auffassung, dass die Rüge der Rechtsmittelführerin nicht zur Aufhebung des Urteils führen könne, da
         sie sich nur gegen die in den Randnrn. 49 und 50 enthaltenen Urteilsgründe richte. Die fraglichen Gründe seien vorsorglich
         einbezogen worden, da das Gericht erster Instanz die betreffenden Beweismittel gemäß Randnr. 63 des angefochtenen Urteils
         bei der Überprüfung der angefochtenen Entscheidung in sachlicher Hinsicht nicht berücksichtigt habe. Außerdem habe die Rechtsmittelführerin
         den Anforderungen nicht entsprochen, die der Gerichtshof im Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission(12) zu belastenden Beweismitteln aufgestellt habe. Nach diesem Urteil müsse die betroffene Partei dartun, dass das Ergebnis,
         zu dem die Kommission in ihrer Entscheidung gelangt sei, anders ausgefallen wäre. Der pauschale Verweis der Rechtsmittelführerin
         auf einzelne Stellen der angefochtenen Entscheidung, in denen die betroffenen Unterlagen lediglich erwähnt würden, reiche
         nicht aus, da sonst vom Gericht erster Instanz verlangt würde, einen Kausalzusammenhang zwischen der Verweigerung des Zugangs
         zu den fraglichen Beweismitteln und der behaupteten Verletzung der Verteidigungsrechte herzustellen.
      
      3.      Würdigung
      21.      Eingangs sei darauf hingewiesen, dass die Rechtsmittelführerin die Feststellungen des Gerichts erster Instanz in den Randnrn.
         49 und 50 des angefochtenen Urteils angreift. Demgegenüber erhebt sie keine Einwände gegen die ausführlichen Feststellungen,
         die das Gericht erster Instanz in den Randnrn. 51 bis 62 des angefochtenen Urteils zu den einzelnen Rügen der Knauf Gips KG
         in Bezug auf bestimmte Beweismittel getroffen hat.
      
      22.      Außerdem sind entgegen der Auffassung der Kommission die Feststellungen des Gerichts erster Instanz in den Randnrn. 49 und
         50 und auch in den Randnrn. 51 bis 62 des angefochtenen Urteils nicht vorsorglich aufgenommen worden, denn die Vorsorglichkeit
         bezieht sich nach der ausdrücklichen Aussage des Gerichts auf seine in Randnr. 63 dieses Urteils geäußerte Haltung. Somit
         ist die ständige Rechtsprechung, nach der der Gerichtshof Rügen, die sich allein gegen nichttragende Gründe richten, ohne
         Weiteres zurückweist, da sie nicht zur Aufhebung des angefochtenen Urteils führen können(13), meiner Ansicht nach auf den vorliegenden Klagegrund nicht unmittelbar anwendbar. 
      
      23.      Das Vorbringen der Rechtsmittelführerin in Bezug auf das Versäumnis des Gerichts erster Instanz, die von ihr benannten Beispiele
         vorenthaltener Beweismittel zu prüfen, halte ich für offenkundig unbegründet. 
      
      24.      Die Knauf Gips KG macht im Wesentlichen geltend, das Gericht erster Instanz habe zu Unrecht befunden, dass eine Aufzählung
         der Stellen in der angefochtenen Entscheidung, die auf vorenthaltene Beweismittel Bezug nähmen, nicht genüge, um dem in der
         Rechtsprechung aufgestellten Erfordernis nachzukommen, wonach die betroffene Partei dartun müsse, dass das Ergebnis, zu dem
         die Kommission in ihrer Entscheidung gekommen sei, anders ausgefallen wäre, wenn ein Schriftstück, das dem betroffenen Unternehmen
         nicht übermittelt worden sei und auf das sich die Kommission bei der Feststellung der dem Unternehmen vorgeworfenen Zuwiderhandlung
         gestützt habe, als Beweismittel hätte ausgeschlossen werden müssen.
      
      25.      Nach ständiger Rechtsprechung stellt die unterbliebene Übermittlung eines Schriftstücks nur dann eine Verletzung der Verteidigungsrechte
         dar, wenn das betreffende Unternehmen dartut, dass sich die Kommission zur Untermauerung ihres Vorwurfs, dass eine Zuwiderhandlung
         vorliege, auf dieses Schriftstück gestützt hat und dass dieser Vorwurf nur durch Heranziehung des fraglichen Schriftstücks
         belegt werden kann. Gibt es andere Belege, von denen die Parteien im Verwaltungsverfahren Kenntnis hatten und die speziell
         die Schlussfolgerungen der Kommission stützen, so würde der Wegfall des dem Betroffenen nicht übermittelten Belegs als Beweismittel
         die Begründetheit der in der angefochtenen Entscheidung erhobenen Vorwürfe nicht beeinträchtigen. Das betroffene Unternehmen
         muss daher dartun, dass das Ergebnis, zu dem die Kommission in ihrer Entscheidung gekommen ist, anders ausgefallen wäre, wenn
         ein ihm nicht übermitteltes Schriftstück, auf das die Kommission ihre Vorwürfe gegen dieses Unternehmen gestützt hat, als
         Beweismittel ausgeschlossen werden müsste.(14)
      
      26.      Meiner Ansicht nach hat das Gericht erster Instanz keinen Rechtsfehler begangen, als es befunden hat, dass eine bloße Aufzählung
         der Stellen der angefochtenen Entscheidung, an denen auf vorenthaltene Beweismittel Bezug genommen werde, nicht genüge, um
         der eindeutigen Beweislast nachzukommen, die das betroffene Unternehmen nach der Rechtsprechung im Urteil Aalborg Portland
         u. a./Kommission(15) treffe. 
      
      B –    Verweigerung des Zugangs zu entlastenden Beweismitteln und Verletzung der Verteidigungsrechte betreffend den Informationsaustausch
            
      27.      In diesem Abschnitt befasse ich mich der Zweckmäßigkeit halber mit dem zweiten und dem dritten Teil des ersten Rechtsmittelgrundes
         der Rechtsmittelführerin, da beide den zweiten Teil des ersten Klagegrundes der Knauf Gips KG vor dem Gericht erster Instanz
         betreffen, mit dem die Verweigerung des Zugangs zu entlastenden Beweismitteln gerügt wurde.(16)
      
      1.      Angefochtenes Urteil
      28.      In Randnr. 67 des angefochtenen Urteils hat das Gericht erster Instanz unter Verweis auf das Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission
         ausgeführt, dass, wenn ein entlastendes Schriftstück nicht übermittelt worden sei, das betroffene Unternehmen nur nachweisen
         müsse, dass das Unterbleiben von dessen Offenlegung den Verfahrensablauf und den Inhalt der Entscheidung der Kommission zu
         Ungunsten dieses Unternehmens habe beeinflussen können. Es genüge, dass das Unternehmen dartue, dass es die fraglichen entlastenden
         Schriftstücke zu seiner Verteidigung hätte einsetzen können, und zwar in dem Sinne, dass das Unternehmen, wenn es sich im
         Verwaltungsverfahren auf diese Schriftstücke hätte berufen können, Gesichtspunkte hätte geltend machen können, die nicht mit
         den in diesem Stadium von der Kommission gezogenen Schlüssen übereingestimmt hätten und daher, in welcher Weise auch immer,
         die von der Kommission in ihrer Entscheidung vorgenommenen Beurteilungen zumindest in Bezug auf Schwere und Dauer des dem
         Unternehmen zur Last gelegten Verhaltens und damit die Höhe der Geldbuße hätten beeinflussen können. Die Möglichkeit, dass
         ein nicht übermitteltes Schriftstück Einfluss auf den Verfahrensablauf und den Inhalt der Entscheidung der Kommission hätte
         haben können, könne nur nach einer vorläufigen Prüfung bestimmter Beweismittel nachgewiesen werden, die zeige, dass die nicht
         übermittelten Schriftstücke eine Bedeutung – für diese Beweismittel – hätten haben können, die nicht hätte unberücksichtigt
         bleiben dürfen.(17)
      
      29.      Nachdem das Gericht erster Instanz der Rechtsmittelführerin Einsicht in die nicht vertraulichen Erwiderungen der übrigen Hersteller
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte der Kommission gestattet hatte, hat es ausgeführt, dass die von der Kommission vorgenommenen
         Beurteilungen, selbst wenn sich die Knauf Gips KG im Verwaltungsverfahren auf die betreffenden Dokumente hätte berufen können,
         durch diese nicht hätten beeinflusst werden können.(18)
      
      2.      Vorbringen
      30.      Nach Ansicht der Rechtsmittelführerin hat das Gericht erster Instanz in Randnr. 65 des angefochtenen Urteils ihren Vortrag
         aus der Klageschrift in der Rechtssache T‑52/03 und einem gesonderten Schriftsatz vom 7. Juli 2006 in Bezug auf die Weigerung
         der Kommission, ihr Zugang zu entlastenden Beweismitteln zu gewähren, unzutreffend zusammengefasst. Die Feststellungen des
         Gerichts in den Randnrn. 64 bis 79 des angefochtenen Urteils verletzten deshalb ihre Verteidigungsrechte, und ihnen sei die
         Grundlage entzogen.
      
      31.      Auch habe das Gericht erster Instanz die Rechtsprechung des Gerichtshofs zu entlastenden Beweismitteln falsch angewandt. Sie
         habe nicht darzutun, dass die Entscheidung der Kommission inhaltlich anders ausgefallen wäre, wenn sie Zugang zu den Erwiderungen
         der übrigen Hersteller auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte gehabt hätte, sondern nur, dass sie diese Dokumente zu ihrer
         Verteidigung hätte einsetzen können.(19) In den Randnrn. 70 bis 78 des angefochtenen Urteils habe das Gericht erster Instanz fälschlicherweise geprüft, ob sich bestimmte
         von ihr angeführte entlastende Beweismittel auf das Ergebnis der angefochtenen Entscheidung hätten auswirken können. 
      
      32.      Außerdem habe das Gericht erster Instanz zu Unrecht befunden, dass die Erwiderung von BPB auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         keine entlastenden Beweismittel enthalte.(20) Nach den allgemeinen Beweisgrundsätzen seien die Einlassungen anderer Betroffener Beweismittel. Dass sie selbst das Gleiche
         vorgebracht habe, ändere außerdem nichts an der Natur solcher Einlassungen anderer Betroffener. 
      
      33.      Das Gericht erster Instanz habe die Aussage in Nr. 4.1.16 der Erwiderung von BPB ungeprüft gelassen, wonach das Treffen in
         London allenfalls eine spontane Erörterung gewesen sei. Genauso wenig habe es die Aussage von BPB in Nr. 4.2.3 ihrer Erwiderung
         geprüft, dass die zwischen jener und ihren Konkurrenten ausgetauschten Zahlen keinen Eingang in die Planung von BPB gefunden
         hätten. Außerdem habe das Gericht erster Instanz nicht die Bedeutung der Beweismittel für den Nachweis der auf das vermeintlich
         erste Treffen in Versailles folgenden Treffen in Brüssel und in Den Haag im Jahr 1997 und im Jahr 1998 geprüft. Die Knauf
         Gips KG habe in einem Schriftsatz vom 7. Juli 2006 ausgeführt, dass aus den Nrn. 4.3.28 und 4.3.34 der Erwiderung von BPB
         klar hervorgehe, dass das Treffen in Versailles zu keiner wettbewerbsbeschränkenden Einigung geführt habe. Hinsichtlich der
         Treffen in Brüssel und in Den Haag habe die Kommission lediglich die Schlussfolgerung gezogen, dass die Beteiligten die angeblich
         in Versailles geschlossene Vereinbarung fortgesetzt hätten. Die Nrn. 4.3.28 und 4.3.34 der Erwiderung von BPB betreffend das
         Treffen in Versailles hätten aber für den Nachweis herangezogen werden können, dass der Schlussfolgerung hinsichtlich der
         Treffen in Brüssel und in Den Haag die Grundlage entzogen sei. 
      
      34.      Die Kommission wiederholt ein vor dem Gericht erster Instanz vorgebrachtes, aber von diesem nicht berücksichtigtes Argument.
         Sie weist darauf hin, dass sie ihrer Weigerung, der Rechtsmittelführerin Zugang zu den Erwiderungen der übrigen Hersteller
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu gewähren, eine Rechtsmittelbelehrung beigefügt habe. Da die Rechtsmittelführerin
         den Anhörungsbeauftragten in der Sache nicht angerufen und somit die ihr im Verwaltungsverfahren offenstehenden Rechtsschutzmöglichkeiten
         nicht ausgeschöpft habe, habe sie zum Ausdruck gebracht, dass sie ihren Antrag nicht weiterverfolge. Deshalb könne die Rechtsmittelführerin
         eine Verletzung der Verteidigungsrechte vor dem Gericht erster Instanz nicht geltend machen, da das Recht auf Akteneinsicht
         im Verwaltungsverfahren hätte geklärt werden sollen.
      
      35.      Nach Ansicht der Kommission hat das Gericht erster Instanz die im Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission(21) zu belastenden Beweismitteln aufgestellten Grundsätze richtig angewandt. Auch werde das Vorbringen der Rechtsmittelführerin
         in dem angefochtenen Urteil nicht verfälscht.
      
      36.      Das oben in Nr. 31 dargestellte Vorbringen der Rechtsmittelführerin sei unzulässig, da diese lediglich ihre vor dem Gericht
         erster Instanz vorgetragenen Argumente wiederhole und eine erneute Prüfung ihres Vorbringens durch den Gerichtshof anstrebe.
         Außerdem habe die Rechtsmittelführerin nicht dargetan, wie die in Rede stehenden vorenthaltenen Beweismittel für ihre Verteidigung
         nützlich gewesen wären. Überdies sei das oben in Nr. 33 wiedergegebene Vorbringen der Rechtsmittelführerin sachlich falsch.
         
      
      3.      Würdigung
      37.      Zuerst werde ich auf das oben in Nr. 34 dargestellte Vorbringen der Kommission eingehen. Nach Ansicht der Kommission ist nämlich
         die Rechtsmittelführerin an der Geltendmachung des zweiten und des dritten Teils ihres ersten Rechtsmittelgrundes gehindert,
         weil sie nicht alle Rechtsschutzmöglichkeiten ausgeschöpft habe, die ihr in Bezug auf den Zugang zu den fraglichen Dokumenten
         im Verwaltungsverfahren vor der Kommission zur Verfügung gestanden hätten.
      
      38.      Meiner Ansicht nach ist diesem Vorbringen nicht zu folgen. Erstens hat die Kommission nicht nachgewiesen, dass die Rechtsmittelführerin
         sie hinsichtlich der im Verwaltungsverfahren in Rede stehenden nicht offengelegten Dokumente aktiv getäuscht oder entgegen
         Treu und Glauben gehandelt habe. Das bloße Unterlassen der Rechtsmittelführerin, ihre Rechtsschutzmöglichkeiten vor der Kommission
         auszuschöpfen, kann die Kommission nicht in unangebrachter Weise zu der fälschlichen Annahme verleitet haben, dass die Rechtsmittelführerin
         ihr Begehren des Zugangs zu den fraglichen Dokumenten vor den Gemeinschaftsgerichten nicht weiter verfolgen würde.(22) Zweitens bin ich der Ansicht, dass in Ermangelung einer Rechtsvorschrift, nach der von einer betroffenen Partei konkret verlangt
         würde, die ihr im Verwaltungsverfahren vor der Kommission zur Verfügung stehenden Rechtsschutzmöglichkeiten auszuschöpfen,
         die Aufstellung eines solchen Erfordernisses durch den Gerichtshof in unangemessener Weise die Verteidigungsrechte dieser
         Partei einschränken und ihr den umfassenden Zugang zu den Gerichten verweigern würde.(23)
      
      39.      Zum oben in Nr. 30 dargestellten Vorbringen der Rechtsmittelführerin, dass ihre Ausführungen in Randnr. 65 des angefochtenen
         Urteils unzutreffend zusammengefasst seien, sei darauf hingewiesen, dass genau dieselben Ausführungen in Randnr. 43 des Sitzungsberichts
         des Berichterstatters zur Vorbereitung der mündlichen Verhandlung vor dem Gericht erster Instanz, die am 23. Januar 2007 stattfand,
         enthalten waren. 
      
      40.      Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs sollen im Bericht des Berichterstatters die tatsächlichen und rechtlichen Gegebenheiten
         der Rechtssache sowie das Vorbringen der Parteien zusammengefasst werden, und den Parteien steht es frei, vor oder in der
         mündlichen Verhandlung Berichtigungen zu beantragen oder Vorbehalte anzumelden. Außerdem hatten die Richter des Gerichts,
         die an der Beratung teilgenommen haben, während des gesamten Verfahrens Zugang zu allen in den Akten enthaltenen Dokumenten.(24)
      
      41.      In der Rechtssache T‑52/03 wurde der Sitzungsbericht den Parteien am 11. Dezember 2006 von der Kanzlei des Gerichts erster
         Instanz übermittelt, und die Parteien wurden aufgefordert, sich vor der mündlichen Verhandlung zu dem Bericht zu äußern. Im
         Gegensatz zur Kommission, die am 15. Januar 2007 eine schriftliche Stellungnahme dazu abgab, äußerte sich die Knauf Gips KG
         nicht. Außerdem erhob die Knauf Gips KG in der mündlichen Verhandlung am 23. Januar 2007 keine Einwände gegen die Zusammenfassung
         ihres Vorbringens im Sitzungsbericht. Das Fehlen solcher Einwände spiegelt sich in dem vom Kanzler nach Art. 63 der Verfahrensordnung
         des Gerichts erster Instanz aufgenommenen Protokoll über die mündliche Verhandlung wider, das vom Präsidenten und vom Kanzler
         unterzeichnet wurde und eine öffentliche Urkunde darstellt. 
      
      42.      In Ermangelung jeglichen Einwands der Knauf Gips KG gegen den Sitzungsbericht in der Rechtssache T‑52/03 und in Anbetracht
         dessen, dass der Spruchkörper des Gerichts erster Instanz während des gesamten Verfahrens Zugang zu allen in den Akten jener
         Rechtssache enthaltenen Dokumenten hatte, sollte meiner Meinung nach das oben in Nr. 30 dargestellte Vorbringen der Rechtsmittelführerin
         zurückgewiesen werden.
      
      43.      Darüber hinaus sei der Vollständigkeit halber betont, dass aus den Ausführungen des Gerichts erster Instanz in den Randnrn.
         68 bis 77 des angefochtenen Urteils klar wird, dass es das Vorbringen der Knauf Gips KG(25) zur Weigerung der Kommission, ihr Zugang zu entlastenden Beweismitteln zu gewähren, im Einzelnen geprüft hat.
      
      44.      Was das Vorbringen der Rechtsmittelführerin betrifft, das Gericht erster Instanz habe die Rechtsprechung des Gerichtshofs
         zu entlastenden Beweismitteln falsch angewandt, so genügt es, dass das Unternehmen dartut, dass es die entlastenden Schriftstücke
         zu seiner Verteidigung hätte einsetzen können, und zwar in dem Sinne, dass das Unternehmen, wenn es sich im Verwaltungsverfahren
         auf diese Schriftstücke hätte berufen können, Gesichtspunkte hätte geltend machen können, die nicht mit den in diesem Stadium
         von der Kommission gezogenen Schlüssen übereinstimmten und daher, in welcher Weise auch immer, die von der Kommission in ihrer
         etwaigen Entscheidung vorgenommenen Beurteilungen zumindest in Bezug auf Schwere und Dauer des dem Unternehmen zur Last gelegten
         Verhaltens und damit die Höhe der Geldbuße hätten beeinflussen können. Die Möglichkeit, dass ein nicht übermitteltes Schriftstück
         Einfluss auf den Verfahrensablauf und den Inhalt der Entscheidung der Kommission hätte haben können, kann nur nach einer vorläufigen
         Prüfung bestimmter Beweismittel nachgewiesen werden, die zeigt, dass die nicht übermittelten Schriftstücke eine Bedeutung
         – für diese Beweismittel – hätten haben können, die nicht hätte unberücksichtigt bleiben dürfen.(26)
      
      45.      Das Gericht erster Instanz hat in Randnr. 67 des angefochtenen Urteils spezifisch auf die vorstehende Rechtsprechung zu entlastenden
         Beweismitteln verwiesen. Überdies hat es in Randnr. 78 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die von der Kommission
         vorgenommenen Beurteilungen, wenn die Knauf Gips KG im Verwaltungsverfahren Zugang zu den fraglichen Dokumenten gehabt hätte,
         davon nicht hätten beeinflusst werden können.
      
      46.      Es sei darauf hingewiesen, dass trotz des abschließenden Befunds des Gerichts erster Instanz in Randnr. 78 des angefochtenen
         Urteils der Wortlaut von Randnr. 74 des angefochtenen Urteils, in der das Gericht feststellt, dass Nr. 4.2.1 der Erwiderung
         von BPB „nichts am Ergebnis [hätte] ändern können“, im Zusammenhang mit entlastenden Beweismitteln eher unpassend ist und
         etwas an die Rechtsprechung zu nicht offengelegten belastenden Beweismitteln erinnert.(27) Dieser Sprachgebrauch kann jedoch als solcher meiner Ansicht nach nicht zur Aufhebung des angefochtenen Urteils führen. Eine
         nicht durch Beweismittel unterlegte bloße Aussage eines anderen Kartellbeteiligten, mit der die wettbewerbsfeindliche Absicht
         oder Wirkung eines Informationsaustausches verneint wird, kann kein entlastendes Beweismittel darstellen.
      
      47.      Deshalb sollte das oben in Nr. 31 dargestellte Vorbringen zurückgewiesen werden. 
      
      48.      Was das oben in den Nrn. 31 und 32 wiedergegebene Vorbringen der Rechtsmittelführerin angeht, mit dem sie der Feststellung
         des Gerichts erster Instanz widerspricht, dass bestimmte Stellen der Erwiderung von BPB auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         keine entlastenden Beweismittel enthielten, darf nicht vergessen werden, dass die Würdigung von Tatsachen durch das Gericht
         erster Instanz, sofern die ihm vorgelegten Beweise nicht verfälscht werden, keine Rechtsfrage darstellt, die als solche der
         Kontrolle durch den Gerichtshof unterliegt.(28)
      
      49.      Meinem Verständnis nach geht es bei der vom Gericht erster Instanz in den Randnrn. 69 bis 78 des angefochtenen Urteils vorgenommenen
         Würdigung darum, ob die Stellen der Erwiderung von BPB auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte durch die Kommission entlastende
         Beweismittel darstellen und von der Knauf Gips KG zu ihrer Verteidigung hätten genutzt werden können. Sie betrifft deshalb
         eine Tatsachenfrage.(29) Da nicht vorgebracht wird, dass das Gericht erster Instanz die Tatsachen verfälscht habe, ist die Beanstandung der von ihm
         vorgenommenen Würdigung durch die Rechtsmittelführerin als unzulässig zurückzuweisen. 
      
      50.      Die oben in Nr. 33 angeführte Rüge, dass das Gericht erster Instanz das Vorbringen der Knauf Gips KG zu Nr. 4.1.16 der Erwiderung
         von BPB nicht geprüft habe, ist meiner Ansicht nach nicht haltbar. Die Hauptaussage von Nr. 4.1.16 der Erwiderung von BPB
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ist, dass trotz des beim Treffen in London vereinbarten „angeblichen Vorhabens“ „der
         Wettbewerb über die verschiedenen europäischen Märkte hinweg intensiv blieb“. Die Frage des fortdauernden Wettbewerbs hat
         das Gericht erster Instanz aber in den Randnrn. 72 und 75 des angefochtenen Urteils angesprochen. Die Behauptung, dass das
         Gericht erster Instanz das Vorbringen der Knauf Gips KG zu Nr. 4.2.3 der Erwiderung von BPB auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         nicht geprüft habe, wonach die zwischen BPB und ihren Konkurrenten ausgetauschten Zahlen nicht in die Planungsabläufe von
         BPB eingeflossen seien, ist meiner Ansicht nach im Licht von Randnr. 74 des angefochtenen Urteils zurückzuweisen. Randnr.
         74 des angefochtenen Urteils setzt sich spezifisch mit der Aussage von BPB auseinander, dass die ausgetauschten Informationen
         nur Herrn [D], Mitglied des Verwaltungsrats von Gyproc und Generaldirektor von BPB, bekannt gewesen seien. 
      
      51.      Außerdem ist aus Randnr. 76 des angefochtenen Urteils ersichtlich, dass das Gericht erster Instanz die das Treffen in Versailles
         betreffenden Nrn. 4.3.28 und 4.3.34 der Erwiderung von BPB geprüft hat und zu dem Ergebnis gekommen ist, dass darin keine
         entlastenden Beweismittel zu sehen seien. Da das Vorbringen der Knauf Gips KG zu den Treffen in Brüssel und in Den Haag in
         den Jahren 1997 und 1998 darauf aufbaute, dass das Gericht erster Instanz die das Treffen in Versailles betreffenden Nrn.
         4.3.28 und 4.3.34 der Erwiderung von BPB als entlastende Beweismittel ansehen würde, bin ich der Auffassung, dass das Gericht
         keinen Fehler begangen hat, indem es nicht auf dieses Vorbringen eingegangen ist. 
      
      52.      Deshalb sollte der Gerichtshof den ersten Rechtsmittelgrund insgesamt zurückweisen.
      
      VI – Zweiter Rechtsmittelgrund: Verstoß gegen Art. 81 EG
      A –    Vorbringen
      53.      Die Rechtsmittelführerin macht geltend, dass es den Randnrn. 140 bis 298 des angefochtenen Urteils an einer hinreichenden
         Tatsachengrundlage fehle, da das Gericht erster Instanz sein Ergebnis eines Verstoßes gegen Art. 81 Abs. 1 EG auf vorenthaltene
         belastende Beweismittel gestützt habe. Überdies habe sich das Gericht erster Instanz nicht an seine Aussage in Randnr. 63
         des angefochtenen Urteils gehalten, dass es die fraglichen Beweismittel bei seiner Überprüfung der angefochtenen Entscheidung
         in sachlicher Hinsicht nicht berücksichtigen werde.
      
      54.      Selbst unter Einbeziehung der unzulässigen Beweismittel trügen aber die Feststellungen des Gerichts erster Instanz zu den
         fünf Teilelementen der ihr zur Last gelegten Zuwiderhandlung die Schlussfolgerung eines Verstoßes gegen Art. 81 Abs. 1 EG
         nicht. Nach den Feststellungen des Gerichts erster Instanz solle sich die fragliche Zuwiderhandlung aus fünf Teilen zusammensetzen,
         nämlich dem Treffen in London im Jahr 1992, dem Informationsaustausch über Absatzmengen in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten
         und dem Vereinigten Königreich für den Zeitraum von 1992 bis 1998, dem Informationsaustausch über Preiserhöhungen im Vereinigten
         Königreich für den Zeitraum von 1992 bis 1998, den Absprachen über Marktanteile in Deutschland (Treffen in Versailles, Brüssel
         und Den Haag) ab Juni 1996 und der Absprache über Preiserhöhungen in Deutschland seit 1996. Auf der Grundlage der Tatsachenfeststellungen
         des Gerichts erster Instanz erfülle jedoch keiner dieser Sachverhalte die Kriterien für die Feststellung einer Zuwiderhandlung
         gemäß Art. 81 Abs. 1 EG. Die Rechtsmittelführerin beanstandet auch verschiedene Einzelheiten der Entscheidung des Gerichts
         erster Instanz in Bezug auf die fünf in den Randnrn. 140 bis 298 des angefochtenen Urteils behandelten Elemente oder Ausprägungen.
      
      55.      Die Kommission hält den zweiten Rechtsmittelgrund der Rechtsmittelführerin für unzulässig, weil diese sich nur gegen die Tatsachenfeststellungen
         des Gerichts erster Instanz wende. Sie weist auch darauf hin, dass die Rechtsmittelführerin nicht das Vorliegen einer einheitlichen
         und fortgesetzten Zuwiderhandlung in Abrede stelle, das der angefochtenen Entscheidung zugrunde liege. Der zweite Rechtsmittelgrund
         der Rechtsmittelführerin stütze sich auf die Annahme, dass keiner der Teilkomplexe bzw. keines der Teilelemente, die zusammen
         die Zuwiderhandlung begründeten, für sich genommen Art. 81 EG verletze. Die Rechtsmittelführerin verstehe somit den wesentlichen
         Punkt der angefochtenen Entscheidung und der Beweiswürdigung des Gerichts erster Instanz falsch. Das Gericht erster Instanz
         sei unter Bezugnahme auf das Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission(30) der Ansicht gewesen, dass das Vorliegen einer wettbewerbswidrigen Verhaltensweise oder Vereinbarung aus einer Reihe von Koinzidenzen
         und Indizien abgeleitet werden müsse, die bei einer Gesamtbetrachtung mangels einer anderen schlüssigen Erklärung den Beweis
         für eine Verletzung der Wettbewerbsregeln darstellen könnten. Es habe befunden, dass sich diese Rechtsprechung auf das Konzept
         einer einheitlichen und fortgesetzten Zuwiderhandlung übertragen lasse, da jede Ausprägung den Nachweis stütze, dass eine
         solche Zuwiderhandlung stattgefunden habe.
      
      56.      Ferner hält die Kommission das oben in Nr. 53 dargestellte Vorbringen der Rechtsmittelführerin für unzulässig, da diese die
         von ihr beanstandeten Stellen des angefochtenen Urteils nicht genau benannt habe und nur pauschal auf die Randnrn. 140 bis
         298 des angefochtenen Urteils verweise. 
      
      B –    Würdigung
      57.      Aus Randnr. 299 des angefochtenen Urteils geht hervor, dass die Knauf Gips KG vor dem Gericht erster Instanz geltend machte,
         dass ihr keine Beteiligung an einer einheitlichen Zuwiderhandlung über einen langen Zeitraum zur Last gelegt werden könne,
         was zu einer geringeren Tatschwere und zur Verjährung von Einzelakten, die mehr als fünf Jahre vor Verfolgungsbeginn stattgefunden
         hätten, führe.
      
      58.      Das Gericht erster Instanz hat in Randnr. 306 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass sich aus Randnr. 479 der angefochtenen
         Entscheidung ergebe, „dass die Vereinbarungen und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen im vorliegenden Fall Bestandteil
         einer Reihe von Bemühungen der betreffenden Unternehmen in Verfolgung eines einzigen wirtschaftlichen Ziels, nämlich der Beschränkung
         des Wettbewerbs, sowie unterschiedliche Ausprägungen einer fortdauernden Gesamtvereinbarung seien, die eine Beschränkung des
         Wettbewerbs bezweckt oder bewirkt habe. Weil in den erwähnten Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen ununterbrochen
         von 1992 bis 1998 der gemeinsame Wille dieser Unternehmen zum Ausdruck gekommen sei, zumindest die Gipsplattenmärkte Deutschlands,
         Frankreichs, des Vereinigten Königreichs und der Benelux-Staaten zu stabilisieren und damit den Wettbewerb zu beschränken,
         hat die Kommission die Zuwiderhandlung als einheitlich, komplex und fortdauernd eingestuft“. Entsprechend heiße es in Art. 1
         der angefochtenen Entscheidung, dass die Rechtsmittelführerin „gegen Artikel 81 Absatz 1 [EG] verstoßen [hat], indem sie an
         einer Gesamtheit von Vereinbarungen und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen im Gipsplattensektor teilgenommen [hat]“(31). In Anwendung der Rechtsprechung des Urteils Aalborg Portland u. a./Kommission(32) hat das Gericht erster Instanz die Vorwürfe der Knauf Gips KG in Bezug auf die Einstufung der fraglichen Praktiken als einheitliche
         und fortgesetzte Zuwiderhandlung zurückgewiesen.(33)
      
      59.      Die Rechtsmittelführerin hat diese vom Gericht erster Instanz getroffene Feststellung des Vorliegens einer einheitlichen und
         fortgesetzten Zuwiderhandlung gegen Art. 81 Abs. 1 EG mit dem vorliegenden Rechtsmittel nicht in Frage gestellt. Sie ist vielmehr
         bestrebt, darzutun, dass von den einzelnen fünf Elementen oder Ausprägungen der Zuwiderhandlung keines bzw. keine isoliert
         betrachtet die Feststellung einer Zuwiderhandlung gegen Art. 81 Abs. 1 EG trägt. Da die angefochtene Entscheidung und auch
         das angefochtene Urteil vom Vorliegen einer zwar aus verschiedenen Elementen bestehenden, aber doch einheitlichen und fortgesetzten
         Zuwiderhandlung ausgehen, nützt es der Rechtsmittelführerin meiner Ansicht nach nichts, zu behaupten, dass diese einzelnen
         Elemente für sich betrachtet keine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 Abs. 1 EG darstellten. Dem fraglichen Vorbringen sollte daher
         nicht gefolgt werden.
      
      60.      Da die Rechtsmittelführerin nicht genau angegeben hat, auf welche Gesichtspunkte der belastenden Beweismittel sich das Gericht
         erster Instanz bei seinen Feststellungen in den Randnrn. 140 bis 298 des angefochtenen Urteils berufen haben soll, ist dieses
         Vorbringen meiner Ansicht nach außerdem wegen Unbestimmtheit als unzulässig zurückzuweisen.
      
      61.      Deshalb sollte der Gerichtshof den zweiten Rechtsmittelgrund zurückweisen.
      
      VII – Dritter Rechtsmittelgrund: Verstoß gegen Art. 15 der Verordnung Nr. 17 und Art. 81 EG
      A –    Vorbringen
      62.      Die Rechtsmittelführerin macht geltend, das Gericht erster Instanz habe gegen Art. 15 der Verordnung Nr. 17 verstoßen, indem
         es bei der Berechnung der 10%‑Obergrenze nach dieser Bestimmung die Umsätze der Gesellschaften der Knauf-Gruppe berücksichtigt
         habe. Es habe mit der Feststellung, dass die Rechtsmittelführerin eine wirtschaftliche Einheit mit den anderen Gesellschaften
         der Knauf-Gruppe bilde, und mit der Zuweisung der Verantwortlichkeit für das Handeln der Knauf-Gruppe an sie einen Rechtsfehler
         begangen.
      
      63.      Ihrer Ansicht nach ist das Gericht erster Instanz in Randnr. 348 des angefochtenen Urteils nicht objektiv und unvoreingenommen
         vorgegangen. Sie wendet sich gegen die Feststellung des Gerichts erster Instanz, dass die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG von der fraglichen Zuwiderhandlung profitiert habe.
      
      64.      Das Gericht erster Instanz habe fälschlicherweise die Auffassung vertreten, dass sie zusammen mit der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG und deren Tochtergesellschaften eine wirtschaftliche Einheit bilde.
      
      65.      Die Rechtsmittelführerin widerspricht den neun Einzelargumenten, auf die das Gericht erster Instanz seine Feststellung einer
         wirtschaftlichen Einheit gestützt habe. Da sie nicht von einer anderen Gesellschaft beherrscht werde, hält sie die Rechtsprechung
         des Urteils Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission(34) für nicht einschlägig. Sie halte auch keine Beteiligungen an den mit der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG verbundenen
         Unternehmen. Auch die in den Randnrn. 350, 351 und 355 des angefochtenen Urteils angeführte Rechtsprechung zu Vertriebsvermittlungsverhältnissen(35) sei nicht einschlägig. Genauso wenig sei die in den Randnrn. 343 bis 346 des angefochtenen Urteils in Bezug genommene Rechtsprechung
         des Urteils HFB u. a./Kommission(36) einschlägig, da in jener Rechtssache die Feststellung einer wirtschaftlichen Einheit darauf beruht habe, dass alle Anteile
         an den verschiedenen Gesellschaften von derselben Person gehalten worden seien. Im vorliegenden Fall würden die Rechtsmittelführerin
         und die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG von 22 jeweils minderheitlich beteiligten Anteilseignern gehalten. 
      
      66.      Die Feststellung einer wirtschaftlichen Einheit könne auch nicht auf die gemeinsame Kontrolle der Rechtsmittelführerin und
         der anderen Gesellschaften durch die zahlreichen zu den Familien Knauf gehörenden Gesellschafter gestützt werden. Die Feststellung
         einer gemeinsamen Kontrolle scheide aus, wenn auf Gesellschafterebene wechselnde oder veränderliche Mehrheiten möglich seien.
         In der Sache Baustahlgewebe/Kommission(37) hätten das Gericht erster Instanz in seinem Urteil und die Kommission in ihrer Entscheidung eine wirtschaftliche Einheit
         in einem Fall von vier Minderheitsbeteiligten ausgeschlossen. Der in Randnr. 349 des angefochtenen Urteils erwähnte Familienvertrag
         habe die fraglichen Gesellschaften keiner gemeinsamen Kontrolle unterworfen. 
      
      67.      Das angefochtene Urteil widerspreche auch der Rechtsprechung des Gerichtshofs, insbesondere im Urteil Aristrain/Kommission(38), in dem er entschieden habe, dass die bloße Tatsache, dass das Gesellschaftskapital von zwei eigenständigen Handelsgesellschaften
         derselben Person oder Familie gehöre, an sich nicht als Nachweis dafür ausreiche, dass diese beiden Gesellschaften eine wirtschaftliche
         Einheit bildeten, die nach dem Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft zur Folge habe, dass die Handlungen einer von ihnen der anderen
         zugerechnet werden könnten und dass die eine zur Zahlung einer Geldbuße für die andere verpflichtet werden könne. 
      
      68.      Nach Ansicht der Rechtsmittelführerin gibt es auch keine sonstigen Rechtsgründe für die Annahme einer wirtschaftlichen Einheit.
         Die Tatsache, dass dieselben beiden Gesellschafter alle Knauf-Gesellschaften geleitet hätten, sei irrelevant (Randnr. 345
         des angefochtenen Urteils). In Randnr. 346 des angefochtenen Urteils habe das Gericht erster Instanz ausgeführt, dass aus
         den Unterlagen nicht hervorgehe, dass die beiden Knauf-Vettern Herr [B] und Herr [C] die Knauf-Gruppe nicht im Rahmen der
         einzelnen Ausprägungen der Zuwiderhandlung vertreten hätten. Diese Feststellung des Gerichts erster Instanz verletze den Grundsatz
         in dubio pro reo. Überdies bedeute der Umstand, dass dieselben Personen verschiedene Gesellschaften verträten, nicht, dass die Gesellschaften
         aus Wettbewerbssicht nicht autonom seien. Auch sage die Feststellung in Randnr. 346 des angefochtenen Urteils, dass sich die
         im Rahmen der Zuwiderhandlung ausgetauschten Verkaufszahlen auf die verschiedenen Gesellschaften der Knauf-Gruppe bezogen
         hätten, nichts über strukturelle Verbindungen zwischen den an dem Austausch teilnehmenden oder darin einbezogenen Unternehmen
         und damit über das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit aus. Außerdem sei die in Randnr. 347 des angefochtenen Urteils
         getroffene Feststellung, dass das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit auch daraus hervorgehe, dass die Knauf Gips KG der
         Kommission auf Anfrage neben ihrem eigenen Umsatz auch die Umsätze der anderen Gesellschaften der Knauf-Gruppe mitgeteilt
         habe, rechtlich unschlüssig. Die fragliche Information sei auf eine Nachprüfung erteilt worden und habe vermeiden sollen,
         dass die Kommission die Auskunft für nicht zufriedenstellend halten würde. Die Ausführungen in Randnr. 356 des angefochtenen
         Urteils zur Begründung der Feststellung einer wirtschaftlichen Einheit seien widersprüchlich. Der Umstand, dass die Rechtsmittelführerin
         die einzige Gesellschaft sei, die nicht von der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG verwaltet werde, erkläre nicht,
         weshalb die Geldbuße gegen die Rechtsmittelführerin und nicht gegen die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG verhängt
         worden sei. Es leuchte nicht ein, warum von einer wirtschaftlichen Einheit zwischen der Rechtsmittelführerin und der Gebrüder
         Knauf Verwaltungsgesellschaft KG ausgegangen werden sollte, wenn doch die Erstere von der Letzteren unabhängig sei. Die Schlussfolgerung
         in Randnr. 357 des angefochtenen Urteils, dass die Rechtsmittelführerin die Knauf-Gruppe vertrete, weil die „meisten“ bei
         der Nachprüfung gefundenen Dokumente auf Papier verfasst seien, das ihren Briefkopf trage, sei nicht haltbar. Eine Auslegungsregel,
         nach der derjenige, welcher die „meisten“ Dokumente produziere, automatisch die anderen am Verstoß Beteiligten „vertrete“,
         finde weder in den Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten noch im Kartellrecht der Gemeinschaft eine Stütze. Zudem sei nicht
         ersichtlich, wie die Kommission die fraglichen Dokumente unter all den bei der Nachprüfung verfügbaren Unterlagen ausgewählt
         habe. Die Aussage in Randnr. 357 des angefochtenen Urteils, dass nicht daran zu zweifeln sei, dass die Rechtsmittelführerin
         die operativen Tätigkeiten der Knauf-Gruppe auf dem relevanten Markt koordiniert habe, stehe in diametralem Gegensatz zu der
         Feststellung in Randnr. 337 des angefochtenen Urteils, dass es „[s]omit … keine juristische Person [gibt], der man als der
         für die Koordinierung der Handlungen der Gruppe zuständigen Person die … begangenen Zuwiderhandlungen zuweisen könnte“. Der
         Hinweis in Randnr. 358 des angefochtenen Urteils darauf, dass die Rechtsmittelführerin im Verwaltungsverfahren die alleinige
         Gesprächspartnerin der Kommission gewesen sei, besage rechtlich nichts und rühre daher, dass die Kommission in dem Begleitschreiben
         zur Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 19. April 2001 ungeachtet dessen, dass Nachprüfungen auch bei anderen Gesellschaften
         stattgefunden hätten, ein förmliches Verfahren nur gegen die Rechtsmittelführerin eingeleitet habe. Die Anwälte der Rechtsmittelführerin
         hätten in Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte Stellung für die Rechtsmittelführerin in eigener Sache genommen.
      
      69.      Die Rechtsmittelführerin wendet sich ferner gegen die Ausführungen in den Randnrn. 359 und 360 des angefochtenen Urteils,
         wonach sie sich im Verwaltungsverfahren gegen die von der Kommission geäußerte Annahme einer wirtschaftlichen Einheit hätte
         wehren müssen, um diese Möglichkeit nicht zu verwirken. Dies verstoße gegen den Grundsatz in dubio pro reo. Da die Mitteilung der Beschwerdepunkte nur an sie gerichtet gewesen sei, habe sie sich nur in eigener Sache verteidigt.
         In der Mitteilung der Beschwerdepunkte sei nicht darauf hingewiesen worden, dass sie für andere Gesellschaften mit dem Namensbestandteil
         Knauf zur Verantwortung gezogen würde. 
      
      70.      Die Kommission bringt vor, das Gericht erster Instanz habe seine Feststellung des Vorliegens einer wirtschaftlichen Einheit
         aufgrund einer Reihe von Faktoren getroffen (Randnr. 342 des angefochtenen Urteils), zu denen insbesondere gehöre, dass während
         der Zuwiderhandlung die Vettern Knauf die gesamte Knauf-Gruppe vertreten hätten, dass sich die im Rahmen der Zuwiderhandlung
         ausgetauschten Verkaufszahlen auf alle auf dem Gipsplattenmarkt tätigen Knauf-Gesellschaften bezögen (Randnr. 346 des angefochtenen
         Urteils) und dass die von der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG als Holding gehaltenen Beteiligungen an den Gesellschaften
         der Knauf-Gruppe von der Holdinggesellschaft für die dahinter stehende und die Kontrolle ausübende Familiengesellschaft verwaltet
         würden. Die Aussage in Randnr. 348 des angefochtenen Urteils sei in diesem Kontext zu sehen. Unter Berücksichtigung dieses
         Kontextes habe sich das Gericht erster Instanz nicht als voreingenommen gezeigt. Wenn nämlich feststehe, dass die Vettern
         Knauf die gesamte Gruppe im Rahmen der Zuwiderhandlung vertreten hätten, sei klar, dass alle Knauf-Gesellschaften von der
         Zuwiderhandlung profitiert hätten. 
      
      71.      Das Gericht erster Instanz habe nicht auf die Rechtsprechung im Urteil Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission(39) verwiesen, sondern auf die allgemeinen Grundsätze zum Vorliegen einer wirtschaftlichen Einheit. Beim Urteil Stora Kopparbergs
         Bergslags/Kommission(40) und der Rechtsprechung zu den Vertriebsvermittlungsverhältnissen handele es sich um spezifische Anwendungsfälle der genannten
         allgemeinen Grundsätze. Jedenfalls sei es in diesem Fall möglich, eine Parallele zur Rechtsprechung im Urteil Stora Kopparbergs
         Bergslags/Kommission(41) zu ziehen, auch wenn dieses nicht unmittelbar anwendbar sei. Das Gericht erster Instanz habe festgestellt, dass die Gesellschaften
         der Knauf-Gruppe nach dem Familienvertrag, der sicherstelle, dass die gesamte Gruppe einheitlich geleitet werde, von der Familie
         Knauf kontrolliert würden. Die Vettern Knauf seien Geschäftsführer aller Gesellschaften der Gruppe einschließlich der beiden
         Obergesellschaften gewesen und hätten alle auf dem Gipsplattenmarkt tätigen Knauf-Gesellschaften im Rahmen der Zuwiderhandlung
         vertreten. Die Ausführungen der Rechtsmittelführerin zum Urteil HFB u. a./Kommission(42) lägen neben der Sache. Das Gericht erster Instanz habe in den Randnrn. 342 und 343 des angefochtenen Urteils ausgeführt,
         dass das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit im Einzelfall zu bewerten sei und (wie in der Rechtssache HFB u. a./Kommission)
         auf das Vorliegen einer wirtschaftlichen Einheit aus einer Reihe von Faktoren geschlossen werden könne, die ein Kontrollverhältnis
         belegten. Das Gericht erster Instanz habe eine Parallele zwischen der Rechtssache HFB u. a./Kommission und dem vorliegendem
         Fall in der Kontrolle der Knauf-Familiengesellschaft über die Knauf-Gruppe, in der Schlüsselposition der Vettern Knauf, in
         deren Auftreten als Vertreter der Knauf-Gruppe und in der Tatsache, dass sich die im Rahmen der Zuwiderhandlung ausgetauschten
         Verkaufszahlen auf die gesamte Gruppe bezögen, gesehen. Der Gerichtshof habe solche Kriterien in seinem Urteil Dansk Rørindustri
         u. a./Kommission(43) gebilligt.
      
      72.      Das Vorbringen der Rechtsmittelführerin zu der Möglichkeit wechselnder Mehrheiten auf Gesellschafterebene stehe im Widerspruch
         zu dem Familienvertrag, mit dem eine einheitliche Geschäftsführung sowie eine einheitliche und konzentrierte Ausübung der
         Gesellschaftsrechte sichergestellt werde. Außerdem sei die Tatsache wechselnder Mehrheiten auf Gesellschafterebene ohne Belang,
         da es nach dem Familienvertrag (neben der Leitungsfunktion der beiden Vettern Knauf in Bezug auf die gesamte Gruppe) zwei
         Entscheidungsorgane gebe, die die Kontrolle über die Knauf-Gruppe ausübten und sicherstellten, dass diese auf dem Markt als
         Einheit auftrete. Die durch die Familiengesellschaft ausgeübte Kontrolle sei von der Rechtsmittelführerin in ihrer Antwort
         vom 19. September 2002 auf eine Frage der Kommission bestätigt worden (Randnr. 347 des angefochtenen Urteils).
      
      73.      Das angefochtene Urteil stehe auch nicht in Widerspruch zu den Ausführungen des Gerichtshofs im Urteil Aristrain/Kommission(44). Die im angefochtenen Urteil getroffene Feststellung des Bestehens einer wirtschaftlichen Einheit stütze sich nicht allein
         auf die identische Gesellschafterstruktur der beiden Obergesellschaften in der Knauf-Gruppe. Ferner belegten die einzelnen
         vom Gericht erster Instanz festgestellten Umstände das Vorliegen einer wirtschaftlichen Einheit. Insoweit sei die Stellung
         der Vettern Knauf als Komplementäre, die die einheitliche Leitung der Gruppe sicherstellten, hervorzuheben (Randnr. 345 des
         angefochtenen Urteils). Die Vettern Knauf seien persönlich an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen, und die Konkurrenten
         der Gruppe hätten ihr Handeln als das Handeln der Knauf-Gruppe angesehen (Randnr. 346 des angefochtenen Urteils). Die Rechtsmittelführerin
         bestreite auch nicht, dass sich die im Rahmen der Zuwiderhandlung ausgetauschten Verkaufszahlen auf alle auf dem Gipsplattenmarkt
         tätigen Knauf-Gesellschaften bezogen hätten. Die Zusammenlegung der Verkaufszahlen zeige, dass die gesamte Knauf-Gruppe von
         den Vettern Knauf (oder der Rechtsmittelführerin) vertreten werde. Was das Vorbringen der Rechtsmittelführerin zur Mitteilung
         ihres Umsatzes und der Umsätze der anderen Gesellschaften der Knauf-Gruppe an die Kommission angehe, so sei die Auskunft nach
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte erfolgt. In der Mitteilung der Beschwerdepunkte werde nur die Rechtsmittelführerin als
         Adressat genannt. Das Gericht erster Instanz habe zu Recht den Umstand, dass die Rechtsmittelführerin aus eigenem Antrieb
         Umsatzangaben für die Knauf-Gruppe und die auf dem Gipsplattenmarkt tätigen Knauf-Gesellschaften gemacht habe, als weiteren
         Beleg dafür angesehen, dass die Rechtsmittelführerin selbst vom Vorliegen einer wirtschaftlichen Einheit und der Vertretung
         aller gipsproduzierenden Knauf-Gesellschaften durch sie ausgegangen sei.
      
      74.      Die Ausführungen der Rechtsmittelführerin zur Bewertung ihrer besonderen Rolle innerhalb der Knauf-Gruppe durch das Gericht
         erster Instanz (Randnr. 354 des angefochtenen Urteils) seien irrelevant, da sie sich allein gegen das Vorliegen einer wirtschaftlichen
         Einheit wende. Die nachfolgenden Anmerkungen hätten daher nur Hilfscharakter.
      
      75.      Die Rechtsmittelführerin habe eine Sonderstellung als die für die Zuwiderhandlung verantwortliche Knauf-Gesellschaft. Sie
         sei eine der zwei Obergesellschaften innerhalb der Gruppe. Anders als die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG sei sie
         keine reine Holdinggesellschaft, und die Erstgenannte hänge für bestimmte Ressourcen von ihr ab. Die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG habe als bloße Holdinggesellschaft nicht für das Handeln der Gruppe verantwortlich gemacht werden können (Randnrn. 348
         und 355 des angefochtenen Urteils), vielmehr habe diese Verantwortlichkeit bei der Rechtsmittelführerin gelegen. Das Gericht
         erster Instanz habe in den Randnrn. 346 und 357 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die Rechtsmittelführerin die
         operativen Tätigkeiten der Knauf-Gruppe auf dem relevanten Markt koordiniert habe. Diese Feststellung stehe auch nicht in
         Widerspruch zu der in Randnr. 361 des angefochtenen Urteils getroffenen Feststellung, dass sich an der Spitze der Gruppe keine
         juristische Person ausmachen lasse, die die Tätigkeiten der Gruppe koordiniere. Obwohl die Rechtsmittelführerin nur eine von
         zwei Obergesellschaften sei, habe sie insbesondere deshalb eine koordinierende Rolle gehabt, weil sie von den Vettern Knauf
         als Instrument der Unternehmensleitung eingesetzt worden sei. 
      
      76.      Was das oben in Nr. 69 wiedergegebene Vorbringen der Rechtsmittelführerin zur Verwirkung betreffe, so habe die Rechtsmittelführerin
         sowohl vor als auch nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte im Namen der anderen Knauf-Gesellschaften gehandelt. Die Ausführungen
         des Gerichts erster Instanz in den Randnrn. 359 und 360 des angefochtenen Urteils seien im Kontext der Feststellung in Randnr.
         358 zu sehen. Im Verwaltungsverfahren habe die Rechtsmittelführerin ihre Führungsrolle im Unternehmen Knauf zum Ausdruck gebracht
         und somit der Kommission den Eindruck vermittelt, dass sie die Konzernspitze sei. Die Kommission habe deshalb die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte an die Rechtsmittelführerin und nicht an die anderen Gesellschaften der Gruppe gerichtet, dabei aber
         gleichwohl zum Ausdruck gebracht, dass die Zuwiderhandlung die Knauf-Gruppe betreffe (Randnr. 359 des angefochtenen Urteils).
         
      
      B –    Würdigung
      77.      Meiner Ansicht nach ist das Vorbringen der Rechtsmittelführerin, dass das Gericht erster Instanz in Randnr. 348 des angefochtenen
         Urteils nicht objektiv und unvoreingenommen vorgegangen sei, völlig unsubstantiiert und unbegründet. Die bloße Abweichung
         der in dieser Randnummer vom Gericht erster Instanz getroffenen Tatsachenfeststellungen von der Sichtweise der Rechtsmittelführerin
         lässt in keiner Weise ein Fehlen von Objektivität und Unvoreingenommenheit auf Seiten des Gerichts erkennen. Außerdem geht,
         wie die Kommission hervorgehoben hat, insbesondere aus den Randnrn. 344 bis 347 des angefochtenen Urteils hervor, dass die
         Feststellung des Gerichts erster Instanz in Randnr. 348 des angefochtenen Urteils, wonach die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG und ihre Tochtergesellschaften von der in Rede stehenden Zuwiderhandlung profitiert hätten, auf eine Reihe vom Gericht
         geprüfter und bewerteter Gesichtspunkte gestützt worden und somit nicht abstrakt zustande gekommen ist. 
      
      78.      Außerdem ist die Feststellung des Gerichts erster Instanz, dass die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG und ihre Tochtergesellschaften
         von der in Rede stehenden Zuwiderhandlung profitiert hätten, eine Tatsachenwürdigung, die, sofern die Beweise nicht verfälscht
         wurden, nach Art. 225 EG und Art. 58 Abs. 1 der Satzung des Gerichtshofs in die ausschließliche Zuständigkeit des Gerichts
         erster Instanz fällt.(45)
      
      79.      Das Gericht erster Instanz hat im Zusammenhang mit der Beanstandung der Knauf Gips KG, dass ein Verstoß gegen Art. 15 der
         Verordnung Nr. 17 vorliege, erstens geprüft, ob die Knauf-Gruppe für die Zwecke des Wettbewerbsrechts eine wirtschaftliche
         Einheit ist, und zweitens, ob die Knauf Gips KG für die Koordinierung des Handelns in der Knauf-Gruppe verantwortlich war.
         Meiner Ansicht nach hat die Rechtsmittelführerin, anders als von der Kommission vorgetragen (vgl. oben, Nr. 74), im Rechtsmittelverfahren
         vor dem Gerichtshof die Feststellungen des Gerichts erster Instanz zu beiden der vorstehend genannten Aspekte in Frage gestellt.
         
      
      80.      Zur Frage des Vorliegens einer wirtschaftlichen Einheit ist es ständige Rechtsprechung, dass das Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft
         die Tätigkeit von Unternehmen betrifft und der Begriff des Unternehmens jede eine wirtschaftliche Tätigkeit ausübende Einrichtung
         unabhängig von ihrer Rechtsform und der Art ihrer Finanzierung umfasst. Der Gerichtshof hat ferner klargestellt, dass in diesem
         Zusammenhang unter dem Begriff des Unternehmens eine wirtschaftliche Einheit zu verstehen ist, selbst wenn diese wirtschaftliche
         Einheit rechtlich aus mehreren natürlichen oder juristischen Personen gebildet wird.(46) Somit ist meiner Ansicht nach die Beurteilung der Frage, ob eine Gruppe von Gesellschaften eine wirtschaftliche Einheit bildet,
         keine formalrechtliche Angelegenheit, sondern erfordert eine Analyse von Fall zu Fall unter genauer Beachtung der spezifischen
         Gegebenheiten des jeweiligen Einzelfalls. Außerdem sei festgehalten, dass auf das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit
         aus einer Reihe verschiedener Faktoren geschlossen werden kann, von denen keiner für sich genommen eine solche Feststellung
         tragen würde.
      
      81.      Zum Vorbringen der Rechtsmittelführerin, die Rechtsprechung im Urteil Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission(47) sei nicht anwendbar, möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass sich das Gericht erster Instanz in dem angefochtenen Urteil
         bei seiner Beurteilung des Vorliegens einer wirtschaftlichen Einheit nicht auf jenen Fall gestützt hat. Hinzu kommt, dass
         der Umstand, dass die Rechtsmittelführerin nicht im Gleichklang mit den spezifischen Gegebenheiten der Rechtssache Stora Kopparbergs
         Bergslags/Kommission u. a. 100 % der Anteile einer anderen Gesellschaft kontrolliert, aus meiner Sicht nicht einer aus anderen
         Gründen getroffenen Feststellung entgegensteht, dass die Rechtsmittelführerin für Wettbewerbszwecke Teil einer wirtschaftlichen
         Einheit ist.
      
      82.      Außerdem hat das Gericht erster Instanz zwar in den Randnrn. 350, 351 und 355 des angefochtenen Urteils Rechtsprechung zu
         Vertriebsvermittlungsverhältnissen und in Randnr. 343 des angefochtenen Urteils das Urteil HFB u. a./Kommission(48) angeführt, doch es gibt keinen Hinweis darauf, dass es der Ansicht gewesen wäre, dass die spezifischen Gegebenheiten jener
         Rechtssachen auch im vorliegenden Fall zuträfen.(49) Das Gericht erster Instanz ist nur bestrebt gewesen, in allgemeinen Worten eine Reihe von Faktoren hervorzuheben, aus denen
         auf eine wirtschaftliche Einheit geschlossen werden kann. 
      
      83.      Zu dem oben in Nr. 66 wiedergegebenen Vorbringen der Rechtsmittelführerin möchte ich darauf hinweisen, dass das Gericht erster
         Instanz in der Rechtssache Baustahlgewebe/Kommission beurteilte, ob Verträge als eine konzerninterne Vereinbarung anzusehen
         sind und somit nicht von Art. 81 Abs. 1 EG erfasst werden. Es entschied in jener Rechtssache, dass Art. 81 EG nicht auf Vereinbarungen
         und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen anwendbar ist, zu denen es zwischen Unternehmen kommt, die als Mutter- und als
         Tochtergesellschaft ein und demselben Konzern angehören und die eine wirtschaftliche Einheit bilden, in deren Rahmen die Tochtergesellschaft
         ihr Vorgehen auf dem Markt nicht wirklich autonom bestimmen kann. Eine solche Situation ist nicht gegeben, wenn ein Unternehmen
         keine andere Kontrolle über ein anderes Unternehmen ausübt als diejenige, die sich aus einer von der Mehrheit sehr weit entfernten
         Beteiligung an dessen Kapital ergibt.(50)
      
      84.      In der Rechtssache Baustahlgewebe/Kommission traf das Gericht erster Instanz die Tatsachenfeststellung, dass der tatsächliche
         Grad an Kontrolle, den Arbed über Baustahlgewebe ausgeübt habe, dem Prozentsatz entsprochen habe, mit dem sie an deren Gesellschaftskapital
         beteiligt gewesen sei, also 25,001 %, was von der Mehrheit sehr weit entfernt sei. Es befand, dass aus einer derartigen Beteiligung
         nicht der Schluss gezogen werden könne, dass die fraglichen Gesellschaften einem Konzern angehörten, in dessen Rahmen sie
         eine wirtschaftliche Einheit mit der Folge bildeten, dass eine den Wettbewerb zwischen ihnen einschränkende Absprache nicht
         unter Art. 81 Abs. 1 EG fiele. 
      
      85.      Meiner Ansicht nach ist klar, dass das Gericht erster Instanz in der Rechtssache Baustahlgewebe/Kommission(51) seine Feststellung der mangelnden Kontrolle nicht nur auf den numerischen Prozentsatz der Beteiligung von Arbed an Baustahlgewebe
         stützte, sondern das tatsächliche Kontrollniveau bzw. den tatsächlichen Kontrollgrad im damaligen Fall prüfte und für unzureichend
         hielt. Es gab somit richtigerweise den tatsächlichen Verhältnissen den Vorzug vor der bloßen Form. Deshalb bin ich der Ansicht,
         dass die bloße rechtliche Möglichkeit, dass die Mehrheiten in der Gruppe der Knauf-Gesellschaften einschließlich der Rechtsmittelführerin
         und der Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG aufgrund des Vorhandenseins von 22 Anteilseignern veränderlich waren, an
         sich nicht der Feststellung einer wirtschaftlichen Einheit entgegensteht. 
      
      86.      Zudem bin ich der Auffassung, dass die Rechtsmittelführerin nicht nachgewiesen hat, dass das angefochtene Urteil dem Urteil
         des Gerichtshofs in der Rechtssache Aristrain/Kommission widerspricht(52). In jenem Fall entschied der Gerichtshof, dass die bloße Tatsache, dass das Gesellschaftskapital von zwei eigenständigen
         Handelsgesellschaften derselben Person oder Familie gehört, an sich(53) nicht als Nachweis dafür ausreicht, dass diese beiden Gesellschaften eine wirtschaftliche Einheit bilden, die nach dem Wettbewerbsrecht
         der Gemeinschaft zur Folge hat, dass die Handlungen einer von ihnen der anderen zugerechnet werden können und dass die eine
         zur Zahlung einer Geldbuße für die andere verpflichtet werden kann.(54) Aus den ausführlichen Feststellungen des Gerichts erster Instanz in den Randnrn. 337 bis 362 des angefochtenen Urteils wird
         klar, dass es seine Schlussfolgerung des Bestehens einer wirtschaftlichen Einheit nicht auf der Grundlage eines einzigen,
         isolierten Umstands gezogen hat.(55) In der Tat hat die Rechtsmittelführerin selbst in ihrem Rechtsmittel Einwände gegen die „neun“ Gründe erhoben(56), auf deren Grundlage das Gericht erster Instanz zu seiner Feststellung in Bezug auf das Vorliegen einer wirtschaftlichen
         Einheit gelangt sei.
      
      87.      Entgegen dem oben in Nr. 68 dargestellten Vorbringen der Rechtsmittelführerin hat das Gericht erster Instanz aus meiner Sicht
         in den Randnrn. 344 bis 350 des angefochtenen Urteils eine Reihe von Faktoren angeführt, die zusammen, anstatt für sich genommen,
         zu dem Ergebnis führen, dass die der Familie Knauf gehörenden Gesellschaften für die Zwecke des Art. 81 Abs. 1 EG eine wirtschaftliche
         Einheit bilden. 
      
      88.      Aus dem angefochtenen Urteil geht hervor, dass alle Gesellschaften der Knauf-Gruppe dieselben 22 Gesellschafter haben, die
         sich auf die beiden Stämme der Familie Knauf verteilen(57), und dass Komplementäre aller dieser Gesellschaften dieselben beiden Vettern Knauf sind(58).
      
      89.      Das Gericht erster Instanz hat auch in Randnr. 346 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass aus keinem Aktenstück hervorgehe,
         dass die beiden Vettern Knauf die Knauf-Gruppe nicht im Rahmen der Zuwiderhandlung vertreten hätten, und sich die während
         der Zuwiderhandlung ausgetauschten Verkaufszahlen unstreitig auf alle auf dem Gipsplattenmarkt tätigen Gesellschaften der
         Knauf-Gruppe bezögen. Meiner Ansicht nach hat das Gericht erster Instanz mit seinen Ausführungen zum Fehlen von Beweisen dafür,
         dass die Vettern Knauf die Knauf-Gruppe nicht im Rahmen der Zuwiderhandlung vertreten hätten, nicht gegen den Grundsatz in dubio pro reo verstoßen. Es hat nur festgestellt, dass nach der Beweislage von der Vertretungsrolle der Vettern Knauf ausgegangen werden
         müsse und keine Beweise für das Gegenteil vorgelegt worden seien. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass das Gericht erster Instanz
         irgendwelche Zweifel an der Beweiskraft der ihm tatsächlich vorliegenden Beweismittel gehegt hätte. Außerdem ist in meinen
         Augen der Umstand, dass sich die ausgetauschten Verkaufszahlen auf alle auf dem Gipsplattenmarkt tätigen Gesellschaften der
         Knauf-Gruppe bezogen, ein weiterer Beweis dafür, dass diese Gesellschaften als wirtschaftliche Einheit mit einem gemeinsamen
         Interesse handelten. Anders als die Rechtsmittelführerin behauptet (vgl. oben, Nr. 68), ist nicht erforderlich, dass in einem
         solchen Austausch eine förmliche strukturelle Verbindung zwischen den fraglichen Gesellschaften erkennbar wird.
      
      90.      In Randnr. 347 des angefochtenen Urteils hat das Gericht erster Instanz ferner festgestellt, dass die Rechtsmittelführerin
         in ihrer Antwort vom 19. September 2002 auf ein Auskunftsersuchen der Kommission nach Art. 11 der Verordnung Nr. 17 nicht
         nur, wie von der Kommission angefordert, ihren eigenen Umsatz, sondern aus eigenem Antrieb und ohne entsprechende Aufforderung
         auch die Umsätze aller Gesellschaften der Knauf-Gruppe angegeben habe. Meiner Ansicht nach hat das Gericht erster Instanz
         diesen Umstand zu Recht als weiteren Beweis dafür gewertet, dass die der Familie Knauf gehörenden Gesellschaften eine wirtschaftliche
         Einheit mit gemeinsamen Interessen bilden. Das Vorbringen der Rechtsmittelführerin, sie habe die fragliche Information erteilt,
         um zu vermeiden, dass die Kommission die Auskunft für nicht zufriedenstellend halten würde, überzeugt mich nicht.(59) Die fragliche Information wurde am 19. September 2002 übermittelt, mehr als ein Jahr, nachdem die Kommission am 18. April
         2001 die Mitteilung der Beschwerdepunkte u. a. spezifisch an die Rechtsmittelführerin gerichtet hatte.(60) Da in der Mitteilung der Beschwerdepunkte eindeutig angegeben werden muss, gegen welche juristische Person Geldbußen festgesetzt
         werden könnten, und sie an diese gerichtet werden muss(61), war der Rechtsmittelführerin, als sie die fraglichen Umsatzzahlen am 19. September 2002 übermittelte, vollkommen bewusst,
         dass eine Geldbuße eher gegen sie als gegen die anderen Gesellschaften der Knauf-Gruppe verhängt werden konnte.(62) Das Gericht erster Instanz hat auch festgestellt, dass die Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG nur eine Holdinggesellschaft
         ohne Personal mit denselben Geschäftsführern und in denselben Geschäftsräumen wie die Rechtsmittelführerin sei.(63) Zudem hat es in Randnr. 349 des angefochtenen Urteils ausführlich § 1 des Knauf-Familienvertrags zitiert, mit dem u. a. sichergestellt
         werden soll, dass die Gesellschaften der Knauf-Gruppe unter einheitlicher Leitung und Geschäftsführung stehen und einen gemeinsamen
         Zweck verfolgen.(64)
      
      91.      Die Rechtsmittelführerin hat somit meiner Ansicht nach nicht nachgewiesen, dass das Gericht erster Instanz einen Rechtsfehler
         begangen hat, als es festgestellt hat, dass die der Familie Knauf gehörenden Gesellschaften eine wirtschaftliche Einheit bildeten.
      
      92.      Was die Verhängung der Geldbuße gegen die Rechtsmittelführerin betrifft, kann nach ständiger Rechtsprechung das wettbewerbswidrige
         Verhalten eines Unternehmens, das sein Marktverhalten nicht selbständig bestimmt, sondern vor allem wegen der wirtschaftlichen
         und rechtlichen Bindungen zu einem anderen Unternehmen im Wesentlichen dessen Weisungen befolgt hat, dem anderen Unternehmen
         zugerechnet werden.(65)
      
      93.      Außerdem kann meiner Ansicht nach aus der Rechtsprechung im Urteil Aristrain/Kommission abgeleitet werden, dass es unter bestimmten
         Umständen zulässig sein kann, einer Gesellschaft sämtliche Handlungen eines Konzerns zuzurechnen, auch wenn diese Gesellschaft
         nicht als die juristische Person ermittelt wurde, die an der Spitze des Konzerns für die Koordinierung von dessen Tätigkeit
         verantwortlich war.(66)
      
      94.      Das Gericht erster Instanz hat auf der Grundlage einer Reihe von Faktoren festgestellt, dass die Knauf Gips KG für das Handeln
         der Knauf-Gruppe verantwortlich gewesen sei.(67)
      
      95.      Als wesentlichen Bestandteil seiner Begründung in diesem Punkt hat es in Randnr. 359 des angefochtenen Urteils ausgeführt,
         dass die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte die Ansicht vertreten habe, dass die Zuwiderhandlung die gesamte
         Knauf-Gruppe betreffe. Zudem ist es der Auffassung gewesen, dass der Rechtsmittelführerin nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         habe bewusst sein müssen, dass sie als Adressatin der endgültigen Entscheidung der Kommission in Frage gekommen sei. Dennoch
         habe sie der Kommission geantwortet, ohne ihre Rolle als für das Handeln der Gruppe im Rahmen der Zuwiderhandlung verantwortliche
         Gesellschaft in Frage zu stellen. Unter Verweis auf das Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission(68) hat das Gericht erster Instanz festgestellt, dass in einer solchen Situation die Klägerin im Verwaltungsverfahren – um das
         Recht darauf nicht zu verwirken – habe reagieren und dartun müssen, dass ihr die von der Knauf-Gruppe begangene Zuwiderhandlung
         trotz der von der Kommission festgestellten Gesichtspunkte nicht habe zugerechnet werden können.(69)
      
      96.      Meiner Ansicht nach ist dem Gericht erster Instanz ein Rechtsfehler unterlaufen, als es befunden hat, dass die Rechtsmittelführerin
         im Verwaltungsverfahren hätte reagieren müssen, um nicht insoweit vor dem Gericht erster Instanz präkludiert zu sein. Da das
         Gericht erster Instanz nicht festgestellt hat, dass die Rechtsmittelführerin im Verwaltungsverfahren, was ihre Rolle innerhalb
         der Knauf-Gruppe angeht, die Kommission aktiv getäuscht oder entgegen Treu und Glauben gehandelt hat, kann in meinen Augen
         der Umstand, dass sie es schlicht unterlassen hat, sich im Verwaltungsverfahren gegen einen bestimmten Standpunkt zur Wehr
         zu setzen, den die Kommission konkret in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vertreten hat, nicht die Verteidigungsrechte
         der Rechtsmittelführerin vor dem Gericht erster Instanz beschränken und ihr den umfassenden Zugang zu gerichtlicher Überprüfung
         verwehren.
      
      97.      Demnach muss das angefochtene Urteil aufgehoben werden, soweit darin festgestellt wird, dass die Knauf Gips KG für das Handeln
         der Knauf-Gruppe verantwortlich gewesen sei, und der auf einen Verstoß gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 gestützte
         Klagegrund der Knauf Gips KG zurückgewiesen wird.
      
      98.      Nach Art. 61 der Satzung des Gerichtshofs hebt dieser, wenn das Rechtsmittel begründet ist, die Entscheidung des Gerichts
         auf. Er kann sodann den Rechtsstreit selbst endgültig entscheiden, wenn dieser zur Entscheidung reif ist, oder die Sache zur
         Entscheidung an das Gericht zurückverweisen. 
      
      99.      Im vorliegenden Fall ist der Rechtsstreit meiner Meinung nach zur Entscheidung reif. Somit fällt es dem Gerichtshof zu, über
         den Antrag der Rechtsmittelführerin auf Herabsetzung der ihr mit der angefochtenen Entscheidung auferlegten Geldbuße endgültig
         zu entscheiden. 
      
      100. Es sei darauf hingewiesen, dass das Gericht erster Instanz außer seinen in den Randnrn. 359 und 360 des angefochtenen Urteils
         getroffenen Feststellungen in Randnr. 356 des angefochtenen Urteils auch festgestellt hat, dass die Rechtsmittelführerin das
         einzige auf dem relevanten Markt tätige Unternehmen gewesen sei, dass nicht von der Holding Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft
         KG verwaltet werde.(70) In meinen Augen erklärt das allein nicht, weshalb die Geldbuße der Rechtsmittelführerin auferlegt wurde. 
      
      101. Das Gericht erster Instanz hat jedoch zuvor in Randnr. 348 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die Gebrüder Knauf
         Verwaltungsgesellschaft KG nur eine Holdinggesellschaft ohne Personal mit denselben Geschäftsführern und in denselben Geschäftsräumen
         wie die Rechtsmittelführerin sei. Diese Umstände scheinen mir ein Beleg dafür zu sein, dass zwar die beiden Gesellschaften
         rechtlich voneinander getrennt sind, die Rechtsmittelführerin aber tatsächlich in der Sache für die Koordinierung der Tätigkeiten
         der Holding Gebrüder Knauf Verwaltungsgesellschaft KG und damit der übrigen, von Letzterer gehaltenen Gesellschaften der Knauf-Gruppe
         verantwortlich ist. 
      
      102. Das Gericht erster Instanz hat auch in Randnr. 357 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass die meisten der von der Kommission
         bei ihrer Nachprüfung gefundenen Dokumente der Knauf-Gruppe auf Papier verfasst seien, das den Briefkopf der Rechtsmittelführerin
         trage. Im Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission(71) wird ausgeführt, dass die Belege, die die Kommission bei ihren Ermittlungen in Kartellsachen findet, normalerweise nur lückenhaft
         und vereinzelt sind und es häufig erforderlich ist, bestimmte Einzelheiten durch Schlussfolgerungen zu rekonstruieren. Solche
         schriftlichen Belege haben für mich trotz des von der Rechtsmittelführerin vorgetragenen Umstands, dass sie nur einen Querschnitt
         der Dokumente darstellen mögen, auf die während der Ermittlung tatsächlich Zugriff bestand, eine sehr hohe Beweiskraft für
         die Koordinierungs- oder Schlüsselrolle der Rechtsmittelführerin in Bezug auf die operativen Tätigkeiten der Knauf-Gruppe
         im Rahmen der Zuwiderhandlung.
      
      103. Die Feststellung in Randnr. 358 des angefochtenen Urteils, dass die Rechtsmittelführerin im Verwaltungsverfahren die alleinige
         Gesprächspartnerin der Kommission gewesen sei, hat für mich, wie auch von der Rechtsmittelführerin geltend gemacht, keine
         eigene rechtliche Aussagekraft. Allerdings liegt darin durchaus ein Hinweis auf eine Schlüsselrolle der Rechtsmittelführerin
         in der Knauf-Gruppe im Rahmen der Zuwiderhandlung(72), wofür meiner Ansicht nach auch die Feststellung des Gerichts erster Instanz in Randnr. 347 des angefochtenen Urteils betreffend
         die freiwillige Mitteilung der Umsatzzahlen aller Gesellschaften der Knauf-Gruppe durch die Rechtsmittelführerin spricht.
         
      
      104. Die Rechtsmittelführerin behauptet, ihre Stellung als alleinige Gesprächspartnerin rühre daher, dass die Kommission in dem
         Begleitschreiben zur Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 19. April 2001 ungeachtet dessen, dass Nachprüfungen auch bei anderen
         Gesellschaften stattgefunden hätten, ein förmliches Verfahren nur gegen sie eingeleitet habe. Das erscheint mir nicht glaubwürdig,
         wenn man berücksichtigt, dass die Rechtsmittelführerin in ihrer angeblich in eigener Sache verfassten Erwiderung auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte tatsächlich nicht nur auf ihr eigenes Verhalten und ihre eigene Lage, sondern verschiedentlich auch auf
         das Verhalten der Knauf-Gruppe und anderer Gesellschaften dieser Gruppe eingegangen ist. Hinzu kommt, dass, wie von der Kommission
         vorgetragen, nichts darauf hindeutet, dass sich der Verweis auf das Verwaltungsverfahren vor der Kommission in Randnr. 358
         des angefochtenen Urteils auf die Ermittlung nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte beschränkt und das davor liegende Verfahren
         nicht erfasst.
      
      105. In Anbetracht der vorstehend in den Nrn. 100 bis 104 geschilderten Umstände bin ich der Ansicht, dass der Gerichtshof zu dem
         Ergebnis kommen sollte, dass die Kommission mit der Feststellung, dass die Knauf Gips KG die für die Koordinierung der Knauf-Gruppe
         im Rahmen der Zuwiderhandlung verantwortliche Gesellschaft gewesen sei, keinen Rechtsfehler begangen hat. Aufgrund dessen
         halte ich die von der Knauf Gips KG für ihr Begehren vor dem Gericht erster Instanz vorgebrachten Ausführungen zu einem Verstoß
         gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 für unbegründet, und ihr Vorbringen sollte mithin zurückgewiesen werden.
      
      VIII – Kosten
      106. Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung, der gemäß deren Art. 118 auf das Rechtsmittelverfahren entsprechende Anwendung findet,
         ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die Rechtsmittelführerin unterlegen ist,
         sind ihr entsprechend dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen. Die Kosten des Verfahrens des ersten Rechtszugs,
         in dem das angefochtene Urteil ergangen ist, sind meiner Ansicht nach in der Weise zu tragen, wie es in Nr. 2 des Tenors dieses
         Urteils ausgesprochen worden ist.
      
      IX – Ergebnis
      107. Der Gerichtshof sollte meiner Ansicht nach deshalb
      
      –        das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften (Dritte Kammer) vom 8. Juli 2008, Knauf Gips/Kommission
         (T‑52/03), aufheben, soweit das Gericht entschieden hat, dass die Knauf Gips KG für das Handeln der Knauf-Gruppe verantwortlich
         gewesen sei, und ihren Klagegrund eines Verstoßes gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962:
         Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81] und [82] des Vertrages zurückgewiesen hat;
      
      –        im Übrigen das Rechtsmittel zurückweisen;
      –        die von der Knauf Gips KG beim Gericht erster Instanz erhobene Nichtigkeitsklage abweisen, soweit sie auf den Klagegrund eines
         Verstoßes gegen Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 gestützt wird;
      
      –        der Knauf Gips KG die Kosten des vorliegenden Verfahrens auferlegen. Die Kosten des Verfahrens des ersten Rechtszugs, in dem
         das vorstehend unter Gedankenstrich 1 genannte Urteil des Gerichts erster Instanz ergangen ist, sind in der Weise zu tragen,
         wie es in Nr. 2 des Tenors dieses Urteils ausgesprochen worden ist.
      
      1 –	Originalsprache: Englisch.
      
      2 –	Knauf Gips/Kommission.
      
      3 –	ABl. 1962, Nr. 13, S. 204.
      
      4 –	ABl. 2005, L 166, S. 8. Siehe Art. 1 der angefochtenen Entscheidung.
      
      5 –	In Fn. 4 der angefochtenen Entscheidung führt die Kommission aus, dass „Knauf“ sämtliche Unternehmen der Knauf-Gruppe bezeichne.
      
      6 –	Siehe Randnr. 2 der angefochtenen Entscheidung.
      
      7 –	Siehe Art. 3 der angefochtenen Entscheidung.
      
      8 –      Interne Verweise ausgelassen. 
      
      9 –	Siehe Randnrn. 45 bis 47 des angefochtenen Urteils und die dort angeführte Rechtsprechung.
      
      10 –	Siehe Randnrn. 50 ff.
      
      11 –	Siehe Randnr. 63 des angefochtenen Urteils.
      
      12 –	Urteil vom 7. Januar 2004 (C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P und C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123).
      
      13 –	Vgl. insoweit Beschluss vom 25. März 1996, SPO u. a./Kommission (C‑137/95 P, Slg. 1996, I‑1611, Randnr. 47), und Urteile
         vom 16. September 1997, Blackspur u. a./Rat und Kommission (C‑362/95 P, Slg. 1997, I‑4775, Randnr. 23), sowie vom 25. Januar
         2007, Sumitomo Metal Industries und Nippon Steel/Kommission (C‑403/04 P und C‑405/04 P, Slg. 2007, I‑729, Randnr. 106).
      
      14 –	Vgl. Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (in Fn. 12 angeführt, Randnrn. 71 bis 73 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      15 –      In Fn. 12 angeführt.
      
      16 –	Siehe Randnrn. 67 bis 78 des angefochtenen Urteils.
      
      17 –	Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (in Fn. 12 angeführt, Randnrn. 74 bis 76).
      
      18 –	Siehe Randnr. 78 des angefochtenen Urteils.
      
      19 –	Vgl. insbesondere Urteil vom 8. Juli 1999, Hercules Chemicals/Kommission (C‑51/92 P, Slg. 1999, I‑4235, Randnr. 81).
      
      20 –	Siehe Randnrn. 70 bis 77 des angefochtenen Urteils.
      
      21 –	In Fn. 12 angeführt.
      
      22 –	Vgl. entsprechend Urteil vom 16. November 2000, SCA Holding/Kommission (C‑297/98 P, Slg. 2000, I‑10101, Randnr. 37). Außerdem
         hat der Gerichtshof in den Randnrn. 101 bis 106 des Urteils Aalborg Portland u. a./Kommission (in Fn. 12 angeführt) entschieden,
         dass es dem Gericht erster Instanz freisteht, im Rahmen der Klage gegen die ein Verwaltungsverfahren abschließende Entscheidung
         prozessleitende Maßnahmen anzuordnen und eine vollständige Akteneinsicht durchzuführen, um zu klären, ob die Weigerung der
         Kommission, ein Schriftstück offenzulegen oder zu übermitteln, die Verteidigung des betroffenen Unternehmens beeinträchtigen
         kann. Da sich diese Prüfung auf eine gerichtliche Kontrolle der geltend gemachten Klagegründe beschränkt, wird mit ihr ein
         Ersatz für die umfassende Sachverhaltsermittlung im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens weder bezweckt noch bewirkt. Es steht
         fest, dass die verspätete Kenntnisnahme von bestimmten Aktenstücken das Unternehmen, das Klage gegen eine Entscheidung der
         Kommission erhoben hat, nicht in die Lage versetzt, in der es sich befunden hätte, wenn es sich bei der Abgabe seiner schriftlichen
         und mündlichen Erklärungen gegenüber der Kommission auf diese Schriftstücke hätte berufen können. Meiner Ansicht nach sollte
         in Anbetracht sowohl des verschiedenen Zwecks als auch des unterschiedlichen Umfangs der Gewährung des Aktenzugangs vor dem
         Gericht erster Instanz und vor der Kommission diese unterlassene Ausschöpfung aller Rechtsschutzmöglichkeiten im Verwaltungsverfahren
         der Rechtsmittelführerin nicht die Möglichkeit nehmen, die Zugangsverweigerung vor den Gemeinschaftsgerichten geltend zu machen.
         
      
      23 –	Vgl. entsprechend Urteil vom 12. Dezember 1991, Hilti/Kommission (T‑30/89, Slg. 1991, II‑1439, Randnr. 38). Außerdem könnte
         der Gerichtshof für den Fall, dass das Vorbringen eines Rechtsmittelführers zum entlastenden Charakter nicht offengelegter
         Dokumente Erfolg hätte und feststünde, dass die betreffende Partei es unterlassen hat, sich einer ihr tatsächlich offenstehenden
         Rechtsschutzmöglichkeit im Verwaltungsverfahren zu bedienen, erwägen, eine etwaige Verschleppungstaktik dieser Partei, sofern
         erwiesen, bei der Kostenentscheidung nach Art. 69 § 3 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs zu berücksichtigen, worin es
         u. a. heißt, dass der Gerichtshof auch der obsiegenden Partei die Kosten auferlegen kann, die sie der Gegenpartei ohne angemessenen
         Grund oder böswillig verursacht hat. 
      
      24 –	Urteil vom 22. April 1999, Kernkraftwerke Lippe-Ems/Kommission (C‑161/97 P, Slg. 1999, I‑2057, Randnr. 58).
      
      25 –	In ihrer Klageschrift in der Rechtssache T‑52/03 und ihrem besonderen Schriftsatz vom 7. Juli 2006. Siehe die Bezugnahme
         auf diesen Schriftsatz in Randnr. 68 des angefochtenen Urteils.
      
      26 –	Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (in Fn. 12 angeführt, Randnrn. 74 bis 76).
      
      27 –	Wonach das Unternehmen dartun muss, dass das Ergebnis, zu dem die Kommission in ihrer Entscheidung gekommen ist, anders
         ausgefallen wäre, wenn ein ihm nicht übermitteltes Schriftstück, auf das die Kommission ihre Vorwürfe einer Zuwiderhandlung
         gegen es gestützt hat, als belastendes Beweismittel ausgeschlossen werden müsste.
      
      28 – 	Urteil vom 15. Oktober 2002, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission (C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P,
         C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 330).
      
      29 –	Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission (in Fn. 28 angeführt, Randnr. 331).
      
      30 –	In Fn. 12 angeführt.
      
      31 –	Siehe Randnr. 307 des angefochtenen Urteils.
      
      32 –	Siehe Randnr. 309 des angefochtenen Urteils; zitiertes Urteil in Fn. 12 angeführt.
      
      33 –	Siehe Randnr. 321 des angefochtenen Urteils.
      
      34 –	Urteil vom 16. November 2000 (C‑286/98 P, Slg. 2000, I‑9925).
      
      35 –	Urteil vom 11. Dezember 2003, Minoan Lines/Kommission (T‑66/99, Slg. 2003, II‑5515).
      
      36 –	Urteil vom 20. März 2002 (T‑9/99, Slg. 2002, II‑1487).
      
      37 –	Urteil vom 6. April 1995 (T‑145/89, Slg. 1995, II‑987).
      
      38 –	Urteil vom 2. Oktober 2003 (C‑196/99 P, Slg. 2003, I‑11005).
      
      39 –	In Fn. 34 angeführt.
      
      40 –	Ebd.
      
      41 –	Ebd.
      
      42 –	In Fn. 36 angeführt.
      
      43 –	Urteil vom 28. Juni 2005 (C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425).
      
      44 –	In Fn. 38 angeführt.
      
      45 –	Urteil vom 18. Dezember 2008, Coop de France bétail et viande u. a./Kommission (C‑101/07 P und C‑110/07 P, noch nicht in
         der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 58), siehe auch Urteil vom 3. September 2009, Papierfabrik August Koehler u. a./Kommission
         (C‑322/07 P, C‑327/07 P und C‑338/07 P, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 52).
      
      46 –	Urteil vom 10. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission (C‑97/08 P, noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht,
         Randnrn. 54 und 55).
      
      47 –	In Fn. 34 angeführt.
      
      48 –	In Fn. 36 angeführt.
      
      49 –	In der Tat ist aus dem Wortlaut von Randnr. 343 des angefochtenen Urteils ersichtlich, dass das Urteil HFB u. a./Kommission
         (in Fn. 36 angeführt) als Beispiel angeführt worden ist.
      
      50 –	In Fn. 37 angeführt, Randnr. 107.
      
      51 –	In Fn. 37 angeführt.
      
      52 –	In Fn. 38 angeführt.
      
      53 –	Der Wendung „bloße Tatsache“ und der in der deutschen Sprachfassung des betreffenden Urteils anders als in den anderen
         Sprachfassungen nicht enthaltenen Wendung „an sich“ kommt Schlüsselfunktion für das Verständnis der Bedeutung der Entscheidung
         des Gerichtshofs zu. 
      
      54 –	Ebd., Randnr. 99.
      
      55 –	Siehe Randnr. 342 des angefochtenen Urteils, in dem das Gericht erster Instanz selbst ausgeführt hat, dass, auch wenn der
         bloße Umstand, dass das Gesellschaftskapital zweier eigenständiger Handelsgesellschaften derselben Person oder Familie gehöre,
         nicht ausreiche, doch aus einer Reihe von Faktoren auf das Bestehen einer wirtschaftlichen Einheit geschlossen werden könne.
         
      
      56 –	Vgl. oben, Nr. 65.
      
      57 –	Siehe Randnr. 344 des angefochtenen Urteils.
      
      58 –	Siehe Randnr. 345 des angefochtenen Urteils.
      
      59 –	Es widerspricht in gewisser Weise auch ihrem Vorbringen zu der von ihr nicht widersprochenen Feststellung des Gerichts
         erster Instanz in Randnr. 358 des angefochtenen Urteils, dass sie die einzige Gesprächspartnerin der Kommission im Verwaltungsverfahren
         gewesen sei.
      
      60 –	Keine andere Gesellschaft der Knauf-Gruppe war Adressat der Mitteilung der Beschwerdepunkte, obwohl klar ist, dass die
         darin in Bezug genommene Zuwiderhandlung die Knauf-Gruppe betraf.
      
      61 –	Vgl. Urteile vom 16. März 2000, Compagnie maritime belge transports u. a./Kommission (C‑395/96 P und C‑396/96 P, Slg. 2000,
         I‑1365, Randnrn. 143 und 146), und vom 2. Oktober 2003, ARBED/Kommission (C‑176/99 P, Slg. 2003, I‑10687, Randnr. 21).
      
      62 –	Vgl. das oben in den Nrn. 68 und 69 wiedergegebene Vorbringen der Rechtsmittelführerin.
      
      63 –	Siehe Randnr. 348 des angefochtenen Urteils.
      
      64 –	§ 1 bestimmt unter der Überschrift „Zweck des Vertrags“: „1. Mit diesem Vertrag sollen die Unternehmen Knauf als Familienunternehmen
         gesichert werden. 2. Mit diesem Vertrag sollen eine einheitliche Leitung und Geschäftsführung der Unternehmen Knauf gesichert werden. 3. Mit diesem Vertrag soll eine einheitliche und konzentrierte Ausübung der Gesellschaftsrechte in allen Unternehmen Knauf gesichert
            werden. 4. Mit diesem Vertrag soll gesichert werden, dass notwendige Entscheidungen für die Zukunft, was die Leitung, Geschäftsführung,
         Organisation und Gesellschaftsform anbelangt, möglich bleiben und von einzelnen oder wenigen Gesellschaftern nicht verhindert
         werden können.“ (Hervorhebung nur hier).
      
      65 –	Vgl. insbesondere Urteil vom 16. November 2000, Metsä-Serla u. a./Kommission (C‑294/98 P, Slg. 2000, I‑10065, Randnr. 27).
      
      66 –	Vgl. Randnrn. 98 und 99 (in Fn. 38 angeführt). In jenem Fall war eine Zuweisung der Verantwortlichkeit aus Mangel an Beweisen
         nicht möglich.
      
      67 –	Siehe Randnrn. 354 bis 361 des angefochtenen Urteils.
      
      68 –	Urteil vom 27. September 2006 (T‑330/01, Slg. 2006, II‑3389, Randnr. 88).
      
      69 –	Siehe Randnr. 360 des angefochtenen Urteils.
      
      70 –	Dies ist unstreitig.
      
      71 –	Vgl. Randnrn. 55 bis 57 (in Fn. 12 angeführt).
      
      72 –	Vgl. entsprechend Urteil Akzo Nobel u. a./Kommission (in Fn. 46 angeführt, Randnr. 50).