CELEX: 51992PC0353
Language: de
Date: 1992-09-14
Title: Vorschlag für eine VERORDNUNG (EWG) DES RATES betreffend die statistische Einheiten für die Beobachtung und Analyse der Wirtschaft in der Europäischen Gemeinschaft

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                              KOM(92) 353 endg. - SYN 418
                                              Brüssel, den 14. September 1992
                              Vorschlag für eine
                          VERORDNUNG (EWG) DES RATES
               betreffend die statistischen Einheiten für die
                  Beobachtung und Analyse der Wirtschaft in
                        der Europäischen Gemeinschaft
                        (von der Kommission vorgelegt)
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 ---pagebreak---                                                                        3,
                                  BEGRÜNDUNG
1. Ziel des Verordnungsentwurfs ist es, für eine Auswahl statistischer
   Einheiten eine gemeinsame statistische Sprache festzulegen. Die Anwendung
   der Definitionen dieser Einheiten ist Voraussetzung für die Kohärenz, die
   Konvergenz und somit die schrittweise Integration der Gesamtheit der
   statistischen Systeme der Mitgliedstaaten. Wenn diese Einheiten festgelegt
   sind, werden sie nicht mehr auf der Ebene einer jeden neuen spezifischen
   Rechtsvorschrift erörtert werden müssen (mit allen sich daraus ergebenden
   Risiken der Heterogen!tat und der Inkompatibilität).
2. Diese Definitionen sind eine Ergänzung zur Verordnung NACE Rev. 1
   (Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des Rates, ABI. Nr. L 293 vom 24.10.1990).
   Die Anwendung dieser Definitionen für die Beobachtung und Analyse der
   Wirtschaft wird zur Verbesserung der Kenntnisse über die
   Wirtschaftstätigkeit der Europäischen Gemeinschaft führen.
3. Während gegenwärtig noch eine Heterogenitat der in den Mitgliedstaaten
   verwendeten Definitionen besteht, die die Zuverlässigkeit der Beobachtung
   und der Analyse beeinträchtigt, wird die Einhaltung der in dieser
   Verordnung niedergelegten Definitionen folgendes ermöglichen:
       Festlegung einer Terminologie,
       Begrenzung der Anzahl der verwendeten statistischen Einheiten,
       Verbesserung der Kompatibilität der Informationen durch bessere
       Komplementarität der verschiedenen Erhebungen und dadurch geringerer
        Erhebungsaufwand für die Unternehmen,
        Förderung der Transparenz durch Erleichterung der Beobachtung,
        Entwicklung harmonisierter Register, die die Voraussetzung für die
        Schaffung gemeinschaftsweit integrierter Stichprobengrundlagen
        darsteIlen,
        Verkürzung der Fristen bei der Auswertung der Beobachtungen für die
        Übermittlung der Ergebnisse an die Kommission durch Festlegung
        identischer Beobachtungseinheiten in allen Mitgliedstaaten bereits bei
        der Erhebung der Basisinformationen,
        dadurch Entwicklung von Synergien durch Einsparungen.
4. Der Verordnungsvorschlag steht mit den einschlägigen internationalen
   Empfehlungen im Einklang. Er trägt der Notwendigkeit Rechnung, die
   statistischen Definitionen an Veränderungen im Zuge der die Wirtschaft
   beeinflussenden sozioökonomisehen und technischen Entwicklungen
   anzupassen. Er bedingt die Qualität der Beobachtung und der Analyse für
   die Zwecke der Wirtschaftspolitik.
 ---pagebreak---                                                                      3>
5. Die eindeutige Sprache erleichtert das Verständnis und bringt Licht in
   Schwierigkeiten, die von der Verwenaung ein und desse't.^n Wortes für
   unterschiedliche Begriffe herrühren, die sich zuweilen   n Laufe der Zeit
   gewandelt haben bzw. sich mit dem Kontext ihrer Verwendung andern oder die
   in den verschiedenen Sprachen Äquivalenzprobleme aufwerfen.
6. Diese Definitionen sind Voraussetzung für die Entwic<lung eines
   statistischen Systems für die Gemeinschaft, das den Erwartungen weiter
   Kreise der Marktteilnehmer, der Kommissionsdienststellen, der nationalen
   statistischen Ämter sowie aller an der Nutzung von Informationen über die
   Beobachtung und Analyse der Wirtschaft interessierten Personen gerecht
   wird.
7. Die Festlegung dieser statistischen Einheiten auf Gemeinschaftsebene unter
   Hinzuziehung der Mitgliedstaaten erfolgt im Einklang mit dem
   Subsidiäritätsprinzip. Die Anwendung der Definitionen auf der Ebene der
   Mitgliedstaaten ermöglicht es zudem, dieses Prinzip verstärkt zur Geltung
   zu bringen, indem die Synergien, die Voraussetzung für eine qualitativ
   hochwertige statistische Information sind, gefördert werden.
 ---pagebreak---                   Verordnung (EWG) des Rates betreffend die statistischen
        Einheiten für die Beobachtung und Analyse der Wirtschaft in der
                            Europäischen Gemeinschaft
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel 100a,
auf Vorschlag der Kommission,
in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Die Funktionsfähigkeit des Binnenmarktes der Gemeinschaft setzt statistische
Normen voraus, die für die Festlegung der Einheiten, die Erhebung,
Übermittlung und Veröffentlichung nationaler und gemeinschaftlicher
statistischer Daten anwendbar sind, damit die Unternehmen,
Finanzierungsinstitute, Behörden und alle sonstigen Marktteilnehmer im
Binnenmarkt zuverlässige und vergleichbare statistische Informationen
erhalten.
Statistische Informationen über die Wirtschaft sind für die Unternehmen zur
Beurteilung ihrer Wettbewerbsfähigkeit notwendig und dienen den
Gemeinschaftsorganen zur Verhinderung von Wettbewerbsverzerrungen.
Nach dem Subsidiäritätsprinzip ist die Schaffung gemeinsamer statistischer
Normen, die die Erstellung harmonisierter Informationen ermöglichen, eine
Maßnahme, die nur auf Gemeinschaftsebene effizient durchgeführt werden kann-,
die Anwendung der Normen wird in den einzelnen Mitgliedstaaten unter Aufsicht
der für die Erstellung der amtlichen Statistik zuständigen Organisationen und
Einrichtungen erfolgen.
Nur wenn die Mitgliedstaaten gemeinsame Definitionen statistischer Einheiten
verwenden, werden integrierte statistische Informationen mit der für die
Verwaltung des Binnenmarktes erforderlichen Zuverlässigkeit, Schnelligkeit,
Flexibilität und Gliederungstiefe geliefert werden können.
Dabei ist vorzusehen, daß die Mitgliedstaaten, um spezifischen Erfordernissen
Rechnung zu tragen, andere statistische Einheiten beibehalten oder für die
Beobachtung und Analyse der Wirtschaft einführen können.
Welche statistische Einheit für eine bestimmte Erhebung oder Analyse zu
verwenden ist, wird in spezifischen Rechtsvorschriften festgelegt.
 ---pagebreak---                                                                            •,?W(
Die Verwendung der in der Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des Rates'
                                                                         -X
vorgesehenen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft
(NACE Rev. 1) und des Europäischen Systems Vol ksw irtscr.a ;': i i eher
Gesamtrechnungen (ESVG) erfordert die Definition statistischer Einheiten für
die Register, die Erhebungen, die Darstellung und die statistische Analyse.
Der durch die Verordnung (EWG) Nr. 3037/90 des Rates eingesetzte Ausschuß ist
für die "Erstellung von Leitlinien für die Klassifizierung der statistischen
Einheiten gemäß der NACE Rev. 1" zuständig; die Definition dieser Einheiten
muß daher von anderer Seite vorgenommen werden.
Es ist unerläßlich, die nach der NACE Rev. 1 klassifizierten statistischen
Einheiten in allen Mitgliedstaaten nach einheitlichen Gesichtspunkten zu
definieren, um die Vergleichbarkeit zwischen den einzelstaatlichen und den
entsprechenden gemeinschaftlichen Statistiken zu gewährleisten.
Es ist wünschenswert, die Zahl der statistischen Einheiten der Wirtschaft zu
begrenzen.
Um der internationalen Vergleichbarkeit der Wirtschaftsstatistiken willen
müssen die Mitgliedstaaten und die Gemeinschaftsorgane statistische Einheiten
verwenden, die direkt mit der in der Einführung zur "International Standard
 industrial Classification" (ISIC Rev. 3) der Vereinten Nationen gegebenen
Beschreibung einerseits und den Dokumenten zum System der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (SNA) der Vereinten Nationen
andererseits in Verbindung stehen.
Zur Wirtschaft zählen alle an der Produktion beteiligten Einheiten sowie alle
wirtschaftlichen und finanziellen Transaktionen, die von diesen Einheiten
durchgeführt werden.
Die strikte und umfassende Verwendung dieser Einheiten macht eine
Übergangszeit erforderlich -
 HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN
                                    Artikel 1
     Mit dieser Verordnung wird ein Verzeichnis der statistischen Einheiten, im
     folgenden "statistische Einheiten der Wirtschaft" genannt, eingeführt; sie
     enthält ferner eine Aufstellung verwendeter Kriterien, die Definitionen
     der Einheiten sowie Erläuterungen (al les als Anhang beigefügt).
  1   Abi. Nr. L 293 vom 24.10.1990, S. 1
 ---pagebreak---                                     Artikel 2
    Die Definitionen der statistischen Einheiten der Wirtschaft werden von den
    Mitgliedstaaten und von der Kommission zur Festlegung der Einheiten
    verwendet, um die statistischen Informationen über die Wirtschaft und
    insbesondere die mit der NACE Rev. 1 zusammenhängenden Informationen zu
    erheben, zu übermitteln, zu veröffentlichen und zu analysieren.
                                    Artikel 3
    Vom 1. Januar 1993 an verwenden die Mitgliedstaaten für die in Artikel 2
    genannten Zwecke die in Artikel 1 vorgesehenen Definitionen, wenn es sich
    um statistische Informationen handelt, die sich auf die Zeit nach diesem
    Datum beziehen.
                                    Artikel 4
(1) Während einer Übergangszeit, die am 1. Januar 1993 beginnt und am
    31. Dezember 1994 endet, kann ein Mitgliedstaat für auf diesen Zeitraum
    bezogene Statistiken andere als die in Artikel 1 vorgesehenen
    statistischen Einheiten der Wirtschaft verwenden. In diesem Fall sind die
    für die Kommission bestimmten statistischen Daten für die Übergangszeit in
    möglichst exakter Abstimmung auf die im Anhang zu dieser Verordnung
    niedergelegten Anforderungen zu übermitteln.
(2) Auf Ersuchen eines Mitgliedstaates kann die Kommission ausnahmsweise, wenn
    ordnungsgemäß belegte technische oder operatione I Ie Gründe vorliegen, die
    Übergangszeit bis höchstens zum 31. Dezember 1996 verlängern.
                                    Artikel 5
    Nach Ablauf der Übergangszeit kann die Kommission einem Mitgliedstaat die
    Verwendung anderer statistischer Einheiten der Wirtschaft gestatten,
    sofern diese Einheiten nach dem in Artikel 6 vorgesehenen Verfahren
     festgelegt wurden.
                                     Artikel 6
     Die Durchführungsbestimmungen für diese Verordnung einschließlich der
    Maßnahmen zur Anpassung an die wirtschaftliche und technische Entwicklung,
     die insbesondere die statistischen Einheiten der Wirtschaft betreffen, die
     verwendeten Kriterien und die im Anhang aufgeführten Definitionen werden
     von der Kommission nach Anhörung des durch den Beschluß 89/382/EWG,
     Euratom 2 eingesetzten Ausschusses für das Statistische Programm gemäß dem
     Verfahren von Artikel 7 erlassen.
     ABI. Nr. L 181 vom 18.6.1989, S. 47.
 ---pagebreak---                                    Ar t i ke i 7                       -+—
(1) Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Ausschuß einen Entwurf der
    zu treffenden Maßnahmen. Der Ausschuß gibt - gegebenenfalls durch
    Abstimmung - seine Stellungnahme zu diesem Entwurf innerhalb einer Frist
    ab, die der Vorsitzende unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der
    betreffenden Frage festsetzen kann.
(2) Die Stellungnahme des Ausschusses wird in das Protokoll aufgenommen.
    Außerdem kann jeder Mitgliedstaat beantragen, daß sein Standpunkt in dem
    Protokoll wiedergegeben wird.
(3) Die Kommission trägt der Stellungnahme des Ausschusses weitestgehend
    Rechnung. Sie teilt dem Ausschuß mit, wie sie seiner Stellungnahme
    Rechnung getragen hat.
                                   Artikel 8
    Statistische Einheiten der Wirtschaft, die in einer eine
    Gemeinschaftsstatistik regelnden Rechtsvorschrift der Gemeinschaft erwähnt
    sind, sind nach Maßgabe der Begriffe und der Terminologie dieser
    Verordnung zu interpretieren.
                                   Artikel 9
    Diese Verordnung tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im
    Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften in Kraft.
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in
jedem Mitgliedstaat.
Geschehen zu Luxemburg am
                                                 Im Namen des Rates
                                                 Der Präsident
 ---pagebreak---                                     ANHANG
DIE STATISTISCHEN EINHEITEN DER WIRTSCHAFT IN DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT
                   Abschnitt  I: Verzeichnis der Einheiten
   Das Verzeichnis der statistischen Einheiten der Wirtschaft    ist wie folgt:
       das Unternehmen;
       die institutionelle Einheit;
       die Unternehmensgruppe-,
       die fachliche Einheit (FE);
       die homogene Produkt ionseinheit (HPE);
       die örtliche Einheit;
       die fachliche Einheit auf örtlicher Ebene (örtliche F E ) ;
       die homogene Produkt ionseinheit auf ort I icher Ebene (örtliche H P E ) .
                      Abschni11 II: Verwendete Kriterien
   Die in dieser Verordnung aufgeführten statistischen Einheiten werden auf
   der Grundlage dreier Kriterien definiert. Die relative Bedeutung dieser
   drei Kriterien ist Je nach Einheit unterschied lieh.
 ---pagebreak--- A) Rechtliche, buchungstechnische oder organisatorische Kriterien         5>
   Um bestimmte Einheiten definieren zu können, die im wirtschaftlichen
   Bereich beschrieben und identifiziert werden, muß auf Kriterien
   rechtlicher bzw. institutioneller Art zurückgegriffen werden. Manchmal
   müssen bestimmte rechtlich getrennte Einheiten zusammengefaßt werden, da
   sie in organisatorischer Hinsicht nicht ausreichend autonom sind. Um
   bestimmte Einheiten definieren zu können, sind außerdem Kriterien
   buchungstechnischer oder finanzieller Art unverzichtbar.
   Zur Bildung der Einheit "Unternehmen" sind diejenigen rechtlichen
   Einheiten zu verwenden, die insgesamt oder teilweise eine
   Produktionstätigkeit ausüben.
   Rechtliche Einheiten sind:
         juristische Personen, die als solche vom Gesetz anerkannt sind,
        unabhängig davon, welche Personen oder Einrichtungen ihre Besitzer
        oder ihre Mitglieder sind, oder
        natürliche Personen, die von Natur aus als rechtliche Einheiten
        anerkannt sind.
   Die rechtliche Einheit ist stets, alleine oder zuweilen auch zusammen mit
   anderen rechtlichen Einheiten, der rechtliche Träger der statistischen
   Einheit "Unternehmen".
B) Geographisches Kriterium
 1  Eine Einheit kann raumlich festgestellt sein. Hierbei wird zwischen
    lokaler, regionaler, nationaler, gemeinschaftlicher und weltweiter Ebene
   unter seh ieden.
2   Die örtliche Ebene entspricht der kleinsten VerwaItungseinheit: "commune"
   bzw. "gemeente" in Belgien, "kommune" in Dänemark, "Gemeinde" in
   Deutschland, "demos" in Griechenland, "munieipio" in Spanien, "commune" in
    Frankreich, "DED/ward" in Irland, "commune" in Italien, "commune" in
    Luxemburg, "gemeente" in den Niederlanden, "concelho" in Portugal und
    "ward" im Vereinigten Königreich.
 3  Die regionalen Ebenen werden in der Systematik der Gebietseinheiten für
    die Statistik (NUTS) definiert. Diese unterscheidet die Ebenen I, II und
    III.
 4  Sowohl die Beobachtungseinheiten als auch die Analyseeinheiten werden so
    definiert, daß prioritär für Jeden Mitgliedstaaten Daten erstellt und die
    Daten der einzelnen Mitgliedstaaten zu Angaben für die Gemeinschaft oder
    für größere Wirtschaftsräume zusammengefaßt werden können.
 5  Die Regeln hinsichtlich der geographischen Kriterien müssen sehr streng
    sein, um Konsolidierungen zu ermöglichen und Mehr fâcherfassungen und
    Auslassungen zu vermeiden.
 ---pagebreak--- C) Tätigkeitskriterium
                                                                    •7o
   Die Produktionstätigkeit oder Wirtschaftstät iqke i t (im folgenden einfach
   als "Tätigkeit" bezeichnet) ergibt sich aus dem Zusammenwirken von Mitteln
   (Ausrüstungen, Arbeitskräfte, Fabrikationsprozesse , Informationsnetz,
   Erzeugnisse), die zur Erzeugung bestimmter Waren oder Dienstleistungen
   führen. Eine Tätigkeit ist durch den Input von Erzeugnisse (Waren oder
   Dienstleistungen), einen Produktionsprozeß und die produzierten
   Erzeugnisse gekennzeichnet.
   Die Tätigkeiten werden mit Bezug auf eine spezifische Ebene der NACE
   Rev. 1 bestimmt.
   Werden mehrere Tätigkeiten in ein und derselben Einheit ausgeführt, so
   werden die Tätigkeiten - bei denen es sich nicht um Hilfstätigkeiten
   handelt - nach der von ihnen erzeugten Bruttowertschöpfung zu Faktorkosten
   geordnet. Es wird zwischen der Haupttätigkeit und den Nebentätigkeiten
   untersch ieden.
   Wenn bei fehlenden Angaben über die Wertschöpfungen andere Kriterien wie
   Beschäftigung, Lohn- und Gehaltssumme, Umsatz, Sachanlagen usw. in
   Betracht gezogen werden müssen, sind diese Elemente so zu verwenden, daß
   die bestmögliche Annäherung an die Klassifizierung erreicht wird, die bei
   Zugrundelegung dieser Wertschöpfungen erreicht worden wäre.
   Die Einheiten werden nach ihren Tätigkeiten klassifiziert. Macht eine
   Tätigkeit mehr als 50 % der Wertschöpfung aus, so bestimmt sie die
   Klassifizierung der Einheit. In den übrigen Fällen sind die
   Klassifizierungsregeln anzuwenden. Die Klassifizierung erfolgt in Stufen
   von oben nach unten, beginnend mit der höchsten Aggregat ionsebene, die dem
   Abschnitt (1 Buchstabe) entspricht; es folgen die Abteilung (2 Ziffern),
   die Gruppe (drei Ziffern) und schließlich die Klasse (4 Ziffern). Auf
    jeder Ebene muß die Klassifizierung mit der vorhergehenden Ebene
   kompatibel sein. Zuständig in diesem Bereich ist der durch die Verordnung
   NACE Rev. 1 (EWG Nr. 3037/90 des Rates) eingesetzte Ausschuß (Artikel 8
   Buchstabe e ) ) .
   Mit den Haupt- und Nebentätigkeiten sind Hilfstätigkeiten verbunden, wie
   z. B. Verwaltung, Buchführung, EDV, Überwachung, Einkauf, Verkauf und
   Verkaufsförderung, Lagerung, Reparatur, Transport, Kantinen usw.
   Bei diesen Hilfstätigkeiten innerhalb einer Einheit handelt es sich um
   Tätigkeiten, die ausgeübt werden, um die Produktion von für Dritte
   bestimmten Waren und Dienstleistungen durch diese Einheit zu ermöglichen
   oder zu erleichtern. Die Produkte der Hilfstätigkeiten werden als solche
   nicht an Dritte geliefert.
    Der Begriff der Hilfstätigkeit wird in Abschnitt   IV unter Buchstabe B
    ausgeführt.
 ---pagebreak---                                                                                •11
Abschnitt III: Definitionen der statistischen Einheiten der Wirtschaft und
             spezifische Erläuterungen zu den einzelnen Einheiten
                                  A) Unternehmen
  Das UNTERNEHMEN entspricht der kleinsten Kombination rechtlicher
  Einheiten, die eine organisatorische Einheit zur Erzeugung von Waren und
  Dienstleistungen bildet und insbesondere in bezug auf die Verwendung der
  ihr zufließenden laufenden Mittel über eine gewisse Entscheidungsfreiheit
  verfügt. Ein Unternehmen übt eine Tätigkeit oder mehrere Tätigkeiten an
  einem Standort oder an mehreren Standorten aus.
  Erläuterung:
  Das so definierte Unternehmen ist eine wirtschaftliche Größe, die daher
  unter bestimmten Umständen der Vereinigung mehrerer rechtlicher Einheiten
  entsprechen kann. Bestimmte rechtliche Einheiten sind nämlich
  ausschließlich zugunsten einer anderen rechtlichen Einheit tätig, und ihre
  Existenz hat lediglich verwaltungstechnische (z. B. steuerliche) Gründe,
  ohne daß die Einheiten in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutsam wären. Zu
  dieser Kategorie zählt auch ein Großteil der rechtlichen Einheiten ohne
  Beschäftigte. Häufig sind die Tätigkeiten dieser rechtlichen Einheiten als
  Hilfstätigkeiten zu den Tätigkeiten der rechtlichen Muttereinheit
  anzusehen, der sie angehören und der sie angeschlossen sein müssen, um die
   für die Wirtschaftsanalyse verwendete Größe "Unternehmen" zu bilden.
                           B) Institutionelle Einheit
   Die INSTITUTIONELLE EINHEIT ist ein elementares wirtschaftliches
   Entscheidungszentrum. Sie zeichnet sich durch Einmaligkeit des Verhaltens
   sowie durch Entscheidungsfreiheit bei der Ausübung ihrer Hauptfunktion
   aus. Eine Einheit gilt als institutionelle Einheit, wenn sie
   Entscheidungsfreiheit bei der Ausübung ihrer Haupt funkt ion besitzt und
   über eine vollständige Rechnungsführung verfügt.
       Das Vorhandensein einer vollständigen Rechnungsführung bedeutet, daß
       die Einheit sowohl Rechnungsunter lagen, aus denen die Gesamtheit ihrer
       wirtschaftlichen und finanziellen Transaktionen für den
       Berichtszeitraum hervorgeht, als auch eine Bilanz ihrer Aktiva und
       Passiva besitzt.
       Entsche i dunosfre i he i t in der Ausübung ihrer Haupt funkt ion heißt, daß
       sie für ihre Entscheidungen und Handlungen verantwortlich und haftbar
        ist.
 ---pagebreak--- Erläuterunqen                                                   ^
Im Sektor Kapitalgesellschaften entspricht das Unternehmen der
institutionellen Einheit des System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen
ESVG. Es gibt ferner analoge institutionelle Einheiten in den Sektoren
Staat und Private Organisationen. Die institutionelle Einheit im Sektor
Private Haushalte umfaßt alle Tätigkeiten der privaten Haushalte, während
der Begriff Unternehmen ausschließlich ihren Produktionstätigkeiten
vorbehalten ist.
In Anwendung dieser Regeln gilt für Institutionen, die nicht eindeutig die
beiden vorgenannten Merkmale einer institutionellen Einheit besitzen,
folgendes:
a)   Private Haushalte genießen Entscheidungsfreiheit in der Ausübung ihrer
     Tätigkeit und sind daher institutionelle Einheiten, auch wenn sie
     keine vollständige Rechnungsführung besitzen.
b)   Institutionen ohne vollständige Rechnungsführung sind den
     institutionellen Einheiten zuzuordnen, in deren Rechnung ihre
     Teilbuchführung enthalten ist.
c)   Institutionen mit vollständiger Rechnungsführung, aber ohne
     Entscheidungsbefugnis für die Ausübung ihrer Hauptfunktion, sind in
     die Einheiten einzubeziehen, von denen sie beherrscht werden.
d)    Institutionen, die der Definition der institutionellen Einheit
     entsprechen, werden auch dann als solche betrachtet, wenn sie ihre
     Rechnungsführung in keiner Form veröffentlichen.
e)   Zu einer Unternehmensgruppe gehörende Einheiten, die eine vollständige
     Rechnungsführung besitzen, werden als institutionelle Einheiten
     betrachtet, selbst wenn sie de facto oder de jure einen Teil ihrer
     Entscheidungsbefugnis an die Dachgesellschaft (Holding) abgetreten
     haben, welche die Gesamt leitung der Gruppe wahrnimmt. Die
     Holdinggesellschaft selbst gilt als selbständige institutionelle
     Einheit neben den von ihr kontrollierten Einheiten.
 Als institutionelle Einheiten sind anzusehen:
     Einheiten mit vollständiger Rechnungsführung und
     Entseheidungsfreihei t:
 a)   Kapitalgesellschaften,
 b)  Genossenschaften und Personengesellschaften mit eigener
     Rechtsperson Iichkei t,
 c)  öffentliche Unternehmen mit besonderem Statut, das ihnen
     Rechtspersönlichkeit verleiht,
 d)  Organisationen ohne Erwerbscharakter mit eigener Rechtspersönlichkeit,
 e)  öffentliche Körperschaften.
 ---pagebreak---                                                                       n
     Einheiten mit vollständiger Rechnungsführung, denen vereinbarungsgemäß
     Entscheidungsfreiheit zugescnriepen w i M :
f)  Quasi-KapitalgeselIschaften, das sind Einzelunternehmen,
    Personengesellschaften und öffentliche Unternehmen, die nicht unter
     a ) , b) oder c) fallen, soweit ihr wirtschaftliches und finanzielles
    Verhalten sich von dem ihrer Eigentümer unterscheidet und dem einer
    Kapitalgesellschaft nahekommt.
     E inhe i ten . die n ; t unbedingt eine vollständige Rechnungsführung
     besitzen, denen jedoch vereinbarungsgemäß Entscheidungsfreiheit
     unterste lit wird:
g)   pr ivate Haushalte.
                             C) Unternehmensgruppe
Die UNTERNEHMENSGRUPPE vereinigt Unternehmen, die rechtlich-finanzielle
Bindungen untereinander haben. In der Unternehmensgruppe kann es -
 insbesondere was die Produkt ions-, Verkaufs-, Gewinnpolitik usw.
anbetrifft - mehrere Entscheidungszentren geben. Sie kann gewisse Aspekte
der finanziellen Unternehmensleitung und des Steuerwesens vereinen. Sie
bildet eine wirtschaftliche Einheit, die Entscheidungen treffen kann, die
sich vor allem auf die miteinander verbundenen Einheiten beziehen, aus
denen sie sich zusammensetzt.
Erläuterungen
Für bestimmte Beobachtungen und Analysen ist es bisweilen sinnvoll und
notwendig, die Bindungen zwischen bestimmten Unternehmen zu prüfen und die
eng miteinander verbundenen Unternehmen zu einer Gesamtheit
zusammenzufassen. Zahlreiche Arbeiten im Zusammenhang mit dem Begriff der
Unternehmensgruppe sind noch nicht abgeschlossen. Bei der vorstehenden
Definition wurde vom Begriff der "rechnungsiegenden Einheit" ausgegangen,
wie er von der Siebten Richtlinie des Rates (83/349/EWG, ABI. Nr. L 193
 vom 18.7.1983) eingeführt wurde.
Diese Richtlinie wurde erstmals auf die konsolidierten Abschlüsse des
Geschäftsjahres angewandt, das im Laufe des Jahres 1990 beginnt. Mit der
 Richtlinie 90/605/EWG, ABI. Nr. L 317 vom 16.11.1990, wurde der
 Anwendungsbereich der Siebten Richtlinie erweitert.
 Gemäß der Siebten Richtlinie wird davon ausgegangen, daß es sich um eine
 Gruppe handelt, sobald 20% des Kapitals oder der Stimmrechte von einem
 anderen Unternehmer, gehalten oder kontrolliert werden. Die Verfahren, die
 bei der Kontrolle der Befugnisse zur Ernennung der Unternehmensleitung
 angewandt werden, müssen als Kriterium berücksichtigt werden. Abgesehen
 von der Mehrheitsbeteiligung soll die-tatsächiich ausgeübte Kontrolle
 berücksichtigt werden.
 ---pagebreak---                                                                    7y
Diese Definition ist ohne Aufbereitung für die statistische Analyse nicht
verwendbar, denn die "rechnungsiegenden Einheiten" bilden keine
disjunktiven und additiven Unternehmensgruppen. Somit muß eine von der
"rechnungsiegenden Einheit" abgeleitete statistische Einheit
"Unternehmensgruppe" anhand folgender Schritte definiert werden:
     Berücksichtigt werden die rechnungsiegenden Einheiten mit dem höchsten
     Konsol idierungsgrad: "Gruppenoberhaupt".
     Aus der "Unternehmensgruppe" werden die Einheiten ausgewählt, deren
     Buchführung global in die Abschlüsse des konsolidierenden Unternehmens
     integr iert ist.
     Hinzugefügt werden die Einheiten mit Mehrheitsbeteiligung, deren
     Abschlüsse in Anwendung eines der Kriterien der Siebten Richtlinie
     - unterschiedliche Art der Tätigkeit oder vergleichsweise kleine
     Größe - nicht in der globalen Konsolidierung enthalten sind.
     Zeitlich begrenzte Verbindungen unter einem Jahr werden nicht
     berücks icht igt.
Die Unternehmensgruppe ist ein Unternehmenszusammenschluß unter der
Kontrolle des "Gruppenoberhaupts". Das "Gruppenoberhaupt" ist eine
juristische Muttereinheit, die von keiner anderen rechtlichen Einheit
(direkt oder indirekt) kontrolliert wird. Jedes Tochterunternehmen eines
anderen Tochterunternehmens gilt als Tochterunternehmen des
Mutterunternehmens. Ferner sei darauf hingewiesen, daß es bei
Genossenschaften oder Gegenseitigkeitsgesellschaften spezifische Gruppen
gibt, bei denen die Anteile des Mutterunternehmens von den
Tochtergesellschaften gehalten werden.
Die Unternehmensgruppen bestehen häufig aus sehr verschiedenartig
verknüpften Einheiten (Eigentum, Kontrolle, Verwaltung usw.). In vielen
Fällen haben diese Einheiten Verbindungen zu Einheiten der
Tochterunternehmen und deren Tochterunternehmen. Die Einheit
 "Unternehmensgruppe" zeichnet sich häufig durch komplexe Beziehungen aus;
sie ist oftmals auch in ihren Tätigkeiten sehr heterogen. Innerhalb der
Unternehmensgruppen sind Untergruppen erkennbar.
Es ist nützlich, sämtliche Verbindungen (sowohl Mehrheits- als auch
Minderheitsbeteiligungen) festzustellen, die über das Netz der
Tochterunternehmen und deren Tochterunternehmen vom "Gruppenoberhaupt" bis
zum kontrollierten Unternehmen reichen. Auf diese Weise kann der gesamte
Organisationsplan der Gruppe festgestellt werden.
Angesichts der Auswirkungen der einzelnen Richtlinien zur Rechnungslegung
muß man sich stets bemühen, bei den elementaren Einheiten, welche die
Gruppe bilden, einen Unterschied zwischen den Einheiten, die zu den
 "nichtfinanziellen Unternehmen" gehören, und denjenigen, die unter die
 "finanziellen Einrichtungen" einzuordnen sind, zu machen. Bei letzteren
 gilt es, zwischen den Einheiten, die zu den "Kreditinstituten" gehören,
und denjenigen, die den "Versicherungsunternehmen" zuzurechnen sind, zu
 unterscheiden. Die Gruppen haben weltweite Verbindungen, jedoch müssen sie
 für das Wirtschaftsgebiet jedes einzelnen Mitgliedstaats sowie für das
Wirtschaftsgebiet der Gemeinschaft analysiert werden.
 Die Einheit "Unternehmensgruppe" ist vor allem für finanzielle Analysen
 und Analysen der Unternehmensstrategie von Nutzen, sie ist Jedoch zu
 heterogen und ändert sich zu häufig, als daß sie zur zentralen
Beobachtungs- und Analyseeinheit, die weiterhin das Unternehmen sein wird,
werden könnte. Sie dient der Sammlung und Darstellung bestimmter
 Informationen.
 ---pagebreak---                           D) Fach I i c h e E inhe i t
                                                                    '1S
Die FACHLICHE EINHEIT (FE) faßt innerhalb eines Unternehmens sämtliche
Teile zusammen, die zur Ausübung einer Tätigkeit auf der Ebene der
(vierstelligen) Klasse der NACE Rev.1 beitragen. iLs handelt sich um eine
Einheit, die einer oder mehreren operationeilen Unterabteilungen des
Unternehmens entspricht. Das Unternehmen muß über ein Informationssystem
verfügen, das es ermöglicht, für jede FE zumindest den Wert der Produktion
und der Vorleistungen, die Personalkosten und den Betriebsüberschuß sowie
Beschäftigung und Bruttoanläge invest itionen festzustellen oder zu
berechnen.
Erläuterungen
Da es auf der Ebene der Unternehmen verschiedenartige horizontale und
vertikale Integrationsformen sowohl auf nationaler als auch auf
 internationaler Ebene gibt, wurde die FE als Beobachtungseinheit
geschaffen, um die Gleichartigkeit der Ergebnisse statistischer Erhebungen
nach Tätigkeiten und damit auch die internationale Vergleichbarkeit der
Ergebnisse zu verbessern. Eine Einheit, die lediglich Hilfstätigkeiten für
ein Unternehmen ausübt, dem sie angehört, kann nicht als gesonderte FE
betrachtet werden. Tatsächlich entspricht die "FE" der praktischen
Definition in Ziffer 96 der Einführung zur ISIC Rev. 3.
Die in einer bestimmten Position der Systematik eingeordneten FE können
wegen der diesen FE zugeordneten Nebentätigkeiten, die aus den verfügbaren
Rechnungsunter lagen nicht hervorgehen, Produkte herstellen, die nicht zu
der für ihre Tätigkeit typischen homogenen Gruppe gehören. Umgekehrt
umfassen die in Abhängigkeit von der Haupttätigkeit in einer bestimmten
Position der Systematik klassifizierten FE nicht die gesamte Produktion
homogener Gruppen bestimmter Produkte, da diese Produkte im Rahmen von
Nebentätigkeiten einer FE, die sich auf eine andere Systematikposition
beziehen, erzeugt werden können.
Die internen Rechnungslegungen der Unternehmen (z.B. Nutzen- oder
Kostenzentren) haben sich aufgrund von Kriterien entwickelt, die häufig
dem Tätigkeitsbegriff nahekommen. Sie ermöglichen es, Informationen auf
 der Ebene der FE zu liefern und sie somit beobachtbar zu machen.
 Alle Kosten für Hilfstätigkeiten des Unternehmens müssen der
 Haupttätigkeit oder den .ebentätigkeiten und somit den innerhalb des
 Unternehmens beobachteten FE zugeordnet werden.
 ---pagebreak---                                                                      -7 G
                     E) Homogene Produkt ionseinheit
Dio HOMOGENE PRODUKTIONSEINHEIT (HPE) ist durch eine einheitliche
Tätigkeit, nämlich durch Gütereingänge, einen Produktionsprozeß und durch
einen Produktionsausstoß homogener Güter gekennzeichnet. Die Güter, die
die Eingänge und den Produktionsausstoß darstellen, sind in bezug auf eine
Gütersystematik gleichzeitig durch ihre Beschaffenheit, Ihren
Verarbeitungsgrad und die angewandte Produktionstechnik gekennzeichnet.
Die homogene Produkt ionseinheit kann einer institutionellen Einheit oder
einem Teil einer solchen entsprechen; sie kann jedoch nie zwei
verschiedenen institutionellen Einheiten angehören.
Erläuterunqen
Für eine genaue Analyse des Produktionsprozesses verwendet das Europäische
System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen homogene
Produktionseinheiten, die die Untersuchung technisch-wirtschaftlicher
Beziehungen ermöglichen. In der Praxis werden diese - vor allem für die
 Input-Output-Tabellen verwendeten - Analyseeinheiten, da sie in der Regel
nicht direkt beobachtet werden können, anhand von für
Beobachtungseinheiten erhobenen Daten rekonstituiert.
Die meisten Beobachtungseinheiten haben gemischte oder
nebeneinander I aufende Tätigkeiten. Unter Umständen führen sie eine
Haupttätigkeit, Nebentätigkeiten - d.h. in andere Produktionsbereiche
gehörende Tätigkeiten - und Hilfstätigkeiten wie z.B. Verwaltung, Einkauf,
Verkauf an den Handel, Lagerung, Reparaturen usw. aus. Wenn eine
Beobachtungseinheit eine Haupttätigkeit und eine oder mehrere
Nebentätigkeiten ausführt, wird sie in eine entsprechende Zahl homogener
Produktionseinheiten untergliedert, wobei die Nebentätigkeiten in andere
Positionen der Systematik einzuordnen sind als die Haupttätigkeit.
Hilfstätigkeiten einer Beobachtungseinheit hingegen werden nicht von den
Haupt- oder Nebentätigkeiten getrennt, denen sie zuarbeiten.
Die homogene Produktionseinheit wird unabhängig vom Standort der Tätigkeit
definiert. In der ISIC Rev. 3 wird die "homogene Produktionseinheit" so
definiert, daß sie der "HPE auf örtlicher Ebene" entspricht. Ziffer 112
der Einführung zur ISIC Rev. 3 ist dabei durch Ziffer 104 bedingt.
 ---pagebreak---                            F) Ort Iiche Einheit
                                                                 •7 a
Die ÖRTLICHE EINHEIT ist ein an einem räumlich festgestellten Ort
gelegenes Unternehmen oder Teic» eines Unternehmens (Werkstätte, Werk,
Verkaufs laden, Büro, Grube, Lagerhaus). An diesem Ort oder von diesem Ort
aus werden Wirtschaftstätigkeiten ausgeübt, für die - mit Ausnahmen - eine
oder mehrere Personen (unter Umständen auch zeitweise) im Auftrag ein und
desselben Unternehmens arbeiten.
Er läuterungen
Wenn eine Person an mehreren Orten (zu Wartungs- oder
Uberwachungsarbeiten) oder zu Hause arbeitet, dann gilt der Ort als für
sie maßgebliche örtliche Einheit, von dem aus sie Anweisungen erhält und
die Arbeit organisiert wird. Es muß sich genau feststellen lassen,
wieviele Beschäftigte den einzelnen örtlichen Einheiten zuzurechnen sind.
Jede rechtliche Einheit muß jedoch, wenn sie rechtlicher Träger eines
Unternehmens oder eines Teils eines Unternehmens ist, eine örtliche
Einheit als Sitz haben, auch wenn dort niemand arbeitet. Andererseits kann
eine örtliche Einheit nur Hilfstätigkeiten umfassen.
Der Begriff des räumlich festgestellten Orts ist eng eingegrenzt: zwei
Produktionseinheiten desselben Unternehmens, die sich an verschiedenen
Orten befinden (selbst wenn beide Orte in derselben kleinsten
Verwaltungseinheit eines Mitgliedstaats liegen) sind als zwei örtliche
Einheiten zu betrachten. Es kann jedoch vorkommen, daß dieselbe örtliche
Einheit räumlich in mehreren aneinandergrenzenden Verwaltungseinheiten
 liegt. In diesem Falle ist vereinbarungsgemäß die Postanschrift maßgebend.
Die Grenzen des Geländes gelten als Grenzen des Standorts, wobei z. B. das
 dieses Gelände durchquerende öffentliche Straßen- und Wegenetz nicht in
 jedem Fall die Grenzführung unterbricht. Die Definition ist nahezu
 identisch mit der Definition unter Ziffer 101 der ISIC Rev. 3, sofern es
 sich um einen Standort im eigentlichen Sinne handelt, weicht jedoch von
 der Definition unter Ziffer 102 ab, weil sich der "eigentliche Sinn" nicht
  in Abhängigkeit von der jeweiligen Statistik ändern kann-, außerdem ist
 normalerweise das Kriterium der Beschäftigung anzuwenden.
  Für die Regionalkonten verwendet das ESVG-REG (regionale Entsprechung des
  ESVG) die gleiche Definition der örtlichen Einheit.
 ---pagebreak---                 G) Fachliche Einheit auf örtlicher Ebene
                                                                  ^i
Die FACHLICHE EINHEIT auf örtlicher Ebene (örtliche FE) ist der Teil einer
fachlichen Einheit, der sich auf örtlicher Ebene befindet.
Erläuterungen
Jede FE muß zumindest eine "örtliche FE" haben; die FE kann jedoch aus dem
Zusammenschluß der Teile einer oder mehrerer örtlicher Einheiten
entstanden sein. Eine örtliche Einheit kann dagegen unter bestimmten
Umständen nur eine Gesamtheit von Hilfstätigkeiten umfassen. In diesem
Fall ist eine ergänzende Klassifizierung der örtlichen Einheit möglich.
Andererseits muß jedes Unternehmen zumindest eine "örtliche FE" haben.
Die "örtliche FE" entspricht der praktischen Definition des
"establishment" in Ziffer 106 der Einführung zur ISIC Rev. 3.
           H) Homogene Produkt ionseinheit auf örtlicher Ebene
Die HOMOGENE PRODUKTIONSEINHEIT auf örtlicher Ebene (örtliche HPE) ist der
Teil einer homogenen Produkt ionseinheit, der sich auf örtlicher Ebene
bef indet.
 ---pagebreak---                                                                            A9
Abschnitt IV: Ergänzende Erläuterungen
A)  öffentliche Körperschaften und private Organisationen
     Im Bereich der öffentlichen Körperschaften ist die geeignete statistische
    Einheit für die Erhebung und Aufbereitung von Statistiken sehr variabel
    (z. B. Zentralstaat, Sozialversicherung oder lokale Gebietskörperschaft
    der Region, der Provinz, des Departements, der Grafschaft, der Gemeinde,
    der Stadt u s w . ) . Die verschiedenen Körperschaften planen, kontrollieren
    und verwalten gemeinsam die Finanzen der sie konstituierenden
     Institutionen (Diese Organe können Ministerien sein, GeneraIdirektionen,
    Direktionen, Büros, Agenturen, Ämter u s w . ) . Einige dieser Körperschaften -
     insbesondere die lokalen Gebietskörperschaften - werden jedoch
    wahrscheinlich, was die Art der Tätigkeit anbelangt, weitaus heterogener
    sein als die Kapitalgesellschaften.
    Häufig sind die Tätigkeiten dieser Körperschaften dem Abschnitt L der NACE
    Rev.l "öffentliche Verwalt.ng, Verteidigung, Sozialversicherung"
     zuzuordnen, andere hingegen üben im wesentlichen Tätigkeiten aus, die
     anderen Abschnitten zuzurechnen sind: "Erziehung und Unterricht"
     (Abschnitt M ) , "Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen" (Abschnitt N ) ,
     "Erbringung von sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen"
     (Abschnitt 0) oder andere.
     Sollen Datenreihen über Größen des privaten Sektors mit Daten über diese
     nach der Art der Wirtschaftstätigkeit klassifizierten öffentlichen
     Körperschaften und privaten Organisationen kombiniert werden, so müssen
     die für ihre Festlegung und Klassifizierung verwendeten statistischen
     Einheiten Größen entsprechen, die den statistischen Einheiten, wie sie im
     privaten Sektor definiert sind, möglichst nahekommen. Daher sind alle im
     privaten Sektor verwendeten Kriterien analog auch auf die öffentlichen
     Körperschaften anwendbar. Das gleiche gilt für die privaten
     Organisât ionen.
 ---pagebreak---                                                                       <?
B) Hi Ifstät igkeiten                                                    Ci
1  Eine Tätigkeit muß als Hilfstätigkeit gelten, wenn sie folgende
   Bedingungen ausnahmslos erfüllt:
   a)   Sie darf nur die jeweilige Einheit selbst "bedienen", d.h. die
        erzeugten Waren oder Dienstleistungen dürfen nicht am Markt gehandelt
        werden.
   b)   Sie muß, was ihre Art und ihre Bedeutung anbetrifft, in den
        vergleichbaren Produktionseinheiten vorkommen.
   c)   Sie muß Dienstleistungen produzieren oder ausnahmsweise
        Verbrauchsgüter, die nicht in die Zusammensetzung des Enderzeugnisses
        der Einheit (wie z.B. Kleinwerkzeug oder Gerüste eingehen.
   d)   Sie muß zu den laufenden Kosten der Einheit selbst beitragen, also
        nicht zur Entstehung von Bruttoanlagevermögen führen.
2  Die Unterscheidung zwischen Hilfstätigkeit und Haupt- oder Nebentätigkeit
   kann anhand folgender Beispiele veranschaulicht werden:
        Die Produktion von Kleinwerkzeug zur Verwendung in der Einheit  ist
        eine Hilfstätigkeit (Beachtung sämtlicher Kriterien).
        Die Beförderung auf eigene Rechnung ist im allgemeinen eine
        Hilfstätigkeit (Beachtung sämtlicher Kriterien).
        Der Verkauf der eigenen Produktion ist eine Hilfstätigkeit, denn der
        allgemeinen Regel zufolge kann man nicht produzieren ohne zu
        verkaufen. Gibt es jedoch innerhalb des produzierenden Unternehmens
        eine Einzelhandelsverkaufsstelle (Direktverkauf an den
        Endverbraucher), die z.B. eine örtliche Einheit darstellt, kann diese
        Verkaufsstelle - ausnahmsweise und für bestimmte Analysen - mit einer
        Einheit einer wirtschaftlichen Tätigkeit gleichgesetzt werden. Diese
        Beobachtungseinheit wird dann doppelt klassifiziert und zwar einmal
        nach der Tätigkeit (Haupt- oder Nebentätigkeit), der sie innerhalb des
        Unternehmens zuzuordnen ist, und dann nach ihrer eigenen Tätigkeit
         (E inzeIhandel ) .
 ---pagebreak---                                                                               ZA
Dementsprecnend lautet die allgemeine Regel, daß angesichts aer Tatsacne,
daß die Produktionsprozesse normalerweise nicht onne die Unterstützung
einer bestimmten Zahl von Hilfstätigkeiten ablaufen können, eoen diese
nicht als getrennte Einheiten behandelt werden dürfen, selbst wenn sie in
einer gesonderten rechtlichen Einheit oder an einem gesonderten Standort
ausgeführt werden und Gegenstand einer getrennten Rechnungsführung sind.
Ferner müßte die Hilfstätigkeit auch bei der Bestimmung des
Tätigkeitscodes der Einheit, zu der die Hilfstätigkeiten gehören, außer
acht gelassen werden. Das beste Beispiel für eine Einheit, die
Hilfstätigkeiten ausführt, ist die ZentraIverwaItung bzw. der "Sitz" eines
Unternehmens.
 In Anbetracht der vorstehend gegebenen Definition dürfen folgende
Tätigkeiten nicht als Hilfstätigkeiten angesehen werden:
a)   Die Produktion von Waren oder die Durchführung von Arbeiten, die zur
     Bildung des Anlagevermögens beitragen. Hierbei handelt es sich
      insbesondere um die Erstellung von Anlagen für eigene Rechnung. Diese
     Vorgehensweise entspricht der in der NACE Rev.1 verwendeten Methode,
      bei der die für die Erstellung von Anlagen auf eigene Rechnung
      zuständigen Einheiten, wenn Daten über sie vorliegen, dem Baugewerbe
      zugeordnet werden.
b)    Die Produktion, die zwar für die Haupttätigkeit oder die
      Nebentätigkeiten verbraucht, zu einem erheblichen Teil jedoch
      vermarktet wird.
 c)   Die Produktion von Waren, die später zu einem integrierten Bestandteil
      der Produktion der Haupt- oder Nebentätigkeit werden, wie z.B. die
      Tätigkeit einer Abteilung, die für die Verpackung der in dem
      Unternehmen erzeugten Waren Kisten, Behältnisse usw. herstellt.
 d)   Die Produktion von Energie (integriertes Kraftwerk oder integrierte
      K o k e r e i ) , und zwar unabhängig davon, ob die produzierte Energie
      vollständig im Rahmen der Haupt- oder Nebentätigkeiten verbraucht wird
      oder nicht.
 e)   Der Kauf von Waren zwecks Wiederverkauf ohne Weiterverarbeitung.
 f)    Forschung und Entwicklung. Diese Tätigkeiten sind nicht sehr
       verbreitet und erbringen keine Dienstleistungen für die laufende
       Produkt ion.
  In allen diesen Fällen müssen diese Tätigkeiten, sofern getrennte Daten
 über sie vorliegen, als getrennte Tätigkeiten behandelt und infolgedessen
 als FE betrachtet werden.
 ---pagebreak--- Werden Hilfstätigkeiten zugunsten einer einzigen Einheit ausgeführt,
                                                                              ^2_
bilden diese Tätigkeiten und die dafür aufgewendeten Mittel einen
integrierten Bestandteil der Tätigkeiten und Mittel der Einheit, aus der
sie hervorgehen. Werden die Tätigkeiten der statistischen Einheit und die
entsprechenden Hilfstätigkeiten nicht in ein und demselben geographischen
Gebiet durchgeführt - es handelt sich hier um für statistische Erhebungen
abgegrenzte Gebiete - könnte es jedoch interessant sein, für die Daten,
die nach den genannten geographischen Gebieten klassifiziert werden
müssen, zusätzliche getrennte Informationen über diese Einheiten
einzuholen, obwohl letztere nur Hilfstätigkeiten ausführen.
Werden Hilfstätigkeiten im wesentlichen zugunsten von zwei oder mehr
fachlichen Einheiten ausgeführt, müssen die Kosten dieser Hilfstätigkeiten
auf alle fachlichen Einheiten verteilt werden, denen sie zugeordnet werden
können. Liegen Angaben über die Verteilung der für jede Tätigkeit getrennt
ausweisbaren Kosten vor, müssen die Kosten auf dieser Grundlage umgelegt
werden. Gibt es jedoch keine Angaben dieser Art, müssen die Kosten der
Hilfstätigkeit anteilsmäßig nach dem Produktionswert, nach Abzug des Werts
der Vorleistungen und ausschließlich der Kosten der Hilfstätigkeiten an
sich auf die Haupt- und Nebentätigkeiten verteilt werden. Gestaltet sich
die Anwendung dieser Methode zu schwierig, können die Kosten der
Hilfstätigkeit einfach anteilsmäßig nach dem Produktionswert aufgeteilt
werden.
Sind die Hilfstätigkeiten so ausgerichtet, daß sie zwei oder mehr
Einheiten eines mehrere Einheiten umfassenden Unternehmens dienen, können
sie an einem gesonderten Ort eine Gruppe von Hilfstätigkeiten bilden. In
diesem Fall, könnte e s , vor allem da es sinnvoll ist, bestimmte
Tätigkeiten vollständig zu erfassen, selbst wenn diese unabhängig oder von
Einheiten, die nur Hilfstätigkeiten ausführen (z.B. E D V - T ä t i g k e i t e n ) ,
durchgeführt werden, interessant sein, zusätzliche Klassifikationen zu
schaffen. Zu diesem Zweck können diese Einheiten außer nach der Tätigkeit
der Einheit, zu der sie gehören, auch noch nach ihrer eigenen Tätigkeit
klassifiziert werden.
Unter Umständen kann eine Tätigkeit, die ursprünglich eine Hilfstätigkeit
war, anfangen, Dienstleistungen zu liefern, die an andere Einheiten
verkauft werden sollen. Diese Entwicklung kann so weit gehen, daß die
Tätigkeit nicht mehr als Hilfstätigkeit angesehen werden kann, sondern als
eine der Haupt- oder Nebentätigkeiten einer Einheit behandelt werden muß.
Die einzige Möglichkeit, eine bestimmte Tätigkeit als Hilfstätigkeit oder
als Haupt- oder Nebentätigkeit zu definieren, besteht darin, ihre
Bedeutung innerhalb des gesamten Unternehmens einzuschätzen.
 ---pagebreak--- c)   Tabelle nach Tätigkeit und Standort                                            Z 3>
                                       Ein oaer mehrere Stanaorte   Ein einziger Stanaort
                                               Unternehmen             iirtl iche Einheit
 Eine Oder mehrere Tatigkeiten
                                         InstitutioneIle Einheit
                                                    FE                     art I iche fE
    Eine einzlge Tatigkeit
                                                    HPE                    Ortl iche HPE
                                     •                            '                       1
 ---pagebreak---  ---pagebreak---                                                                     ISSN 0254-1467
                                                           KOM(92) 353 endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                        01 17
                                 Katalognummer : CB-CO-92-406-DE-C
                                                           ISBN 92-77-47544-7
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg