CELEX: 62001CJ0019
Language: de
Date: 2004-03-04
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 4. März 2004.#Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) gegen Alberto Barsotti u. a. (C-19/01), Milena Castellani gegen Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) (C-50/01) und Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) gegen Anna Maria Venturi (C-84/01).#Ersuchen um Vorabentscheidung: Tribunale di Pisa, Tribunale di Siena und Corte suprema di cassazione - Italien.#Sozialpolitik - Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers - Richtlinie 80/987/EWG - Begrenzung der Zahlungspflicht der Garantieeinrichtungen - Höchstgrenze für die Garantie der Zahlung - Vom Arbeitgeber geleistete Abschlagszahlungen - Soziale Zweckbestimmung der Richtlinie.#Verbundene Rechtssachen C-19/01, C-50/01 und C-84/01.

Verbundene Rechtssachen C-19/01, C-50/01 und C-84/01 Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS)Milena CastellanigegenAlberto Barsotti u. a.,gegenIstituto nazionale della previdenza sociale (INPS)undIstituto nazionale della previdenza sociale (INPS)gegenAnna Maria Venturi(Vorabentscheidungsersuchen des Tribunale Pisa, des Tribunale Siena und der Corte suprema di cassazione)
         
            «Sozialpolitik  –  Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers  –  Richtlinie 80/987/EWG  –  Begrenzung der Zahlungspflicht der Garantieeinrichtungen  –  Höchstgrenze für die Garantie der Zahlung  –  Vom Arbeitgeber geleistete Abschlagszahlungen  –  Soziale Zweckbestimmung der Richtlinie»
            
               
                  Schlussanträge der Generalanwältin C. Stix-Hackl vom 15. Mai 2003
                     
               
               
            
                   
               
               
            
               
                  Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 4. März 2004 
                     
               
               
            
                   
               
               
            
            Leitsätze des Urteils
         
         
                  
                  Sozialpolitik  –  Rechtsangleichung  –  Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers  –  Richtlinie 80/987  –  Begrenzung der Zahlungsverpflichtung der Garantieeinrichtungen auf einen Betrag, der den notwendigen Lebensunterhalt der
                     Arbeitnehmer deckt  –  Abzug von Zahlungen, die der Arbeitgeber während des von der Garantie erfassten Zeitraums geleistet hat  –  Unzulässigkeit
                  
         
                  
                  (Richtlinie 80/987 des Rates, Artikel 3 Absatz 1, 4 Absatz 3 Unterabsatz 1 und 10)
         
         Die Artikel 3 Absatz 1 und 4 Absatz 3 Unterabsatz 1 der Richtlinie 80/987 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten
            über den Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers sind dahin auszulegen, dass sie es einem Mitgliedstaat
            nicht erlauben, die Zahlungsverpflichtung der Garantieeinrichtungen auf einen Betrag zu begrenzen, der den notwendigen Lebensunterhalt
            der betroffenen Arbeitnehmer deckt und von dem die Zahlungen abgezogen werden, die der Arbeitgeber während des von der Garantie
            erfassten Zeitraums geleistet hat.
         
         
         Die Mitgliedstaaten dürfen nämlich zwar für die Garantie nicht erfüllter Ansprüche eine Höchstgrenze festsetzen, doch müssen
            sie bis zu dieser Höchstgrenze die Befriedigung aller in Rede stehenden nicht erfüllten Ansprüche gewährleisten. Vorauszahlungen,
            die die betreffenden Arbeitnehmer auf ihre den Garantiezeitraum betreffenden Ansprüche erhalten haben, sind von diesen abzuziehen,
            um zu bestimmen, inwieweit die Ansprüche unerfüllt geblieben sind. Demgegenüber würde ein Kumulierungsverbot, wonach das Arbeitsentgelt,
            das diesen Arbeitnehmern während des von der Garantie erfassten Zeitraums gezahlt wird, von dem Höchstbetrag abzuziehen ist,
            den der Mitgliedstaat für die Garantie der nicht erfüllten Ansprüche festgelegt hat, den durch die Richtlinie gewährleisteten
            Mindestschutz unmittelbar beeinträchtigen.
         
         
               (vgl. Randnrn. 36-38, 40 und Tenor)
      

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Zweite Kammer)4. März 2004(1)
         
         
            
         
               „Sozialpolitik  –  Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers  –  Richtlinie 80/987/EWG  –  Begrenzung der Zahlungspflicht der Garantieeinrichtungen  –  Höchstgrenze für die Garantie der Zahlung  –  Vom Arbeitgeber geleistete Abschlagszahlungen  –  Soziale Zweckbestimmung der Richtlinie“
               
             In den verbundenen Rechtssachen C-19/01, C-50/01 und C-84/01 
             betreffend dem Gerichtshof nach Artikel 234 EG vom Tribunale Pisa (Italien), vom Tribunale Siena (Italien) und von der Corte
            suprema di cassazione (Italien) in den bei diesen anhängigen Rechtsstreitigkeiten
            
            
            
            Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) gegenMilena Castellani gegenund Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS)
            
            gegen
            
            Alberto Barsotti u. a. (C-19/01),Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) (C-50/01)Anna Maria Venturi (C-84/01)
            
            
            
            
            
            Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) gegenMilena Castellani gegenund Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS)
            
            gegen
            
            Alberto Barsotti u. a. (C-19/01),Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) (C-50/01)Anna Maria Venturi (C-84/01)
            
            
            
            
            
            Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) gegenMilena Castellani gegenund Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS)
            
            gegen
            
            Alberto Barsotti u. a. (C-19/01),Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) (C-50/01)Anna Maria Venturi (C-84/01)
            
            
             vorgelegte Ersuchen um Vorabentscheidung über die Auslegung der Richtlinie 80/987/EWG des Rates vom 20. Oktober 1980 zur Angleichung
            der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers (ABl.
            L 283, S. 23)erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer),
            
             unter Mitwirkung des Richters V. Skouris in Wahrnehmung der Aufgaben des Präsidenten der Zweiten Kammer sowie des Richters
            R. Schintgen und der Richterin N. Colneric (Berichterstatterin), 
            
             Generalanwältin: C. Stix-Hackl,Kanzler: L. Hewlett, Hauptverwaltungsrätin, 
            
            
            unter Berücksichtigung der schriftlichen Erklärungen
               
               –
                von Herrn Barsotti, vertreten durch G. Giraudo, avvocato, 
               
               –
                von Frau Castellani, vertreten durch F. Mancuso, avvocato, 
               
               –
                von Frau Venturi, vertreten durch A. Piccinini, avvocato, 
               
               –
                des Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS), vertreten durch A. Todaro und P. Spadafora, avvocati, 
               
               –
                der italienischen Regierung, vertreten durch I. M. Braguglia als Bevollmächtigten im Beistand von D. Del Gaizo, avvocato dello
               Stato, 
               
               –
                der französischen Regierung, vertreten durch G. de Bergues und C. Bergeot-Nunes als Bevollmächtigte, 
               
               –
                der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A. Aresu als Bevollmächtigten, 
               
               
            
            
            
            
            nach Anhörung der mündlichen Ausführungen des Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS), vertreten durch A. Todaro,
               von Frau Venturi, vertreten durch A. Piccinini, der französischen Regierung, vertreten durch C. Lemaire als Bevollmächtigten,
               und der Kommission, vertreten durch A. Aresu, in der Sitzung vom 30. Januar 2003,
            
            
            nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 15. Mai 2003,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
          Mit Beschlüssen vom 19. Dezember 2000, 26. Januar 2001 und 18. Januar 2001, beim Gerichtshof eingegangen am 15. Januar 2001,
         5. Februar 2001 und 19. Februar 2001, haben das Tribunale Pisa, das Tribunale Siena und die Corte suprema di cassazione gemäß
         Artikel 234 EG mehrere Fragen nach der Auslegung der Richtlinie 80/987/EWG des Rates vom 20. Oktober 1980 zur Angleichung
         der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers (ABl.
         L 283, S. 23, im Folgenden: Richtlinie) zur Vorabentscheidung vorgelegt.
         
         
         
         2
            
          Diese Fragen stellen sich in Rechtsstreitigkeiten zwischen dem Istituto nazionale della previdenza sociale (INPS) und Herrn
         Barsotti u. a. (C‑19/01) und Frau Venturi (C-84/01) sowie zwischen Frau Castellani und dem INPS (C‑50/01) wegen Befriedigung
         nicht erfüllter Ansprüche der Arbeitnehmer aus Arbeitsverträgen oder Arbeitsverhältnissen.
         
         
            
               Rechtlicher Rahmen
            Gemeinschaftsrecht 
         
         3
            
          Die erste Begründungserwägung der Richtlinie lautet: „Es sind Bestimmungen notwendig, die die Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit
         des Arbeitgebers schützen und insbesondere die Zahlung ihrer nicht erfüllten Ansprüche unter Berücksichtigung der Notwendigkeit
         einer ausgewogenen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in der Gemeinschaft gewährleisten.“ 
         
         
         
         4
            
          Artikel 1 Absatz 1 der Richtlinie bestimmt:
         „Diese Richtlinie gilt für Ansprüche von Arbeitnehmern aus Arbeitsverträgen oder Arbeitsverhältnissen gegen Arbeitgeber, die
         zahlungsunfähig im Sinne des Artikels 2 Absatz 1 sind.“ 
         
         
         
         5
            
          Artikel 3 der Richtlinie sieht vor: 
         „(1)   Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit vorbehaltlich des Artikels 4 Garantieeinrichtungen die Befriedigung
         der nicht erfüllten Ansprüche der Arbeitnehmer aus Arbeitsverträgen oder Arbeitsverhältnissen, die das Arbeitsentgelt für
         den vor einem bestimmten Zeitpunkt liegenden Zeitraum betreffen, sicherstellen.
         (2)     Der in Absatz 1 genannte Zeitpunkt ist nach Wahl der Mitgliedstaaten
         –        …
         –        …
         
         –
            oder der Zeitpunkt des Eintritts der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers oder der Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsvertrags
               oder des Arbeitsverhältnisses des betreffenden Arbeitnehmers wegen Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers.“ 
            
         
         
         
         
         6
            
          Artikel 4 der Richtlinie lautet: 
         „(1)   Die Mitgliedstaaten können die in Artikel 3 vorgesehene Zahlungspflicht der Garantieeinrichtungen begrenzen.
         (2)     Machen die Mitgliedstaaten von der Möglichkeit des Absatzes 1 Gebrauch, so müssen sie Folgendes sicherstellen:
         
         –
            …
         
         –        …
         
         –
            in dem Fall des Artikels 3 Absatz 2 dritter Gedankenstrich die Befriedigung der das Arbeitsentgelt betreffenden nicht erfüllten
               Ansprüche für die achtzehn letzten Monate des Arbeitsvertrags oder des Arbeitsverhältnisses vor dem Zeitpunkt des Eintritts
               der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers oder dem Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsvertrags oder des Arbeitsverhältnisses
               des Arbeitnehmers wegen Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers. In diesem Fall können die Mitgliedstaaten die Zahlungspflicht
               auf das Arbeitsentgelt für einen Zeitraum von acht Wochen oder für mehrere Zeiträume, die zusammengerechnet acht Wochen ergeben,
               begrenzen.
            
         
         (3)     Die Mitgliedstaaten können jedoch, um die Zahlung von Beträgen zu vermeiden, die über die soziale Zweckbestimmung dieser Richtlinie
         hinausgehen, für die Garantie der Erfüllung unbefriedigter Ansprüche der Arbeitnehmer eine Höchstgrenze festsetzen.
         …“
         
         
         
         7
            
          Gemäß Artikel 10 Buchstabe a steht diese Richtlinie nicht der Möglichkeit der Mitgliedstaaten entgegen, „die zur Vermeidung
         von Missbräuchen notwendigen Maßnahmen zu treffen“. 
         
         Nationales Recht
         
         8
            
          Die Artikel 1 und 2 des Decreto legislativo Nr. 80 vom 27. Januar 1992 zur Umsetzung der Richtlinie 80/987 über den Schutz
         der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers (GURI vom 13. Februar 1992, Supplemento ordinario Nr. 36, S. 26,
         im Folgenden: Decreto legislativo Nr. 80/92) regeln die Gewährleistung der Erfüllung arbeitsrechtlicher Ansprüche und das
         Tätigwerden des vom INPS verwalteten Garantiefonds (im Folgenden: Fonds).
         
         
         
         9
            
          Artikel 1 („Gewährleistung der Erfüllung arbeitsrechtlicher Ansprüche“) Absatz 1 des Decreto legislativo Nr. 80/92 bestimmt:
         „Unterliegt der Arbeitgeber einem Konkurs-, Vergleichs-, Zwangsliquidations- oder außerordentlichen Verwaltungsverfahren …,
         so können die bei ihm beschäftigten Arbeitnehmer oder deren anspruchsberechtigte Angehörige auf Antrag von dem Garantiefonds
         … die Befriedigung der nicht erfüllten arbeitsrechtlichen Ansprüche im Sinne von Artikel 2 erlangen.“
         
         
         
         10
            
          Artikel 2 Absätze 1, 2 und 4 des Decreto legislativo Nr. 80/92 lautet:
         „1.     Die Zahlungen des Garantiefonds gemäß Artikel 1 betreffen arbeitsrechtliche Ansprüche, die nicht durch die Auflösung des Arbeitsverhältnisses
         entstanden sind, für die letzten drei Monate dieses Arbeitsverhältnisses innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten vor a) dem
         Zeitpunkt der Maßnahme, die die Eröffnung eines der in Artikel 1 Absatz 1 genannten Verfahren festlegt; b) dem Zeitpunkt des
         Beginns der Zwangsvollstreckung; c) dem Zeitpunkt des Beschlusses über die Liquidation oder das Ende des provisorischen Geschäftsbetriebs
         oder das Auslaufen der Genehmigung, die Unternehmenstätigkeit fortzusetzen, für die Arbeitnehmer, die ihre berufliche Tätigkeit
         weiter ausgeübt haben, oder dem Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, wenn diese während der Zeit erfolgt ist,
         in der das Unternehmen seine Tätigkeit fortgesetzt hat.
          2.       Die Zahlungen des Fonds gemäß Absatz 1 dürfen das Dreifache des monatlichen Höchstbetrags nicht übersteigen, der als außerordentliche
         Lohnergänzung gezahlt wird, abzüglich der einbehaltenen Sozialversicherungsbeiträge.
         …
          4.       Die Zahlung nach Absatz 1 kann nicht mit folgenden Beträgen kumuliert werden: a) mit der in den zwölf Monaten gemäß Absatz
         1 gezahlten außerordentlichen Lohnergänzung; b) mit dem dem Arbeitnehmer in dem Dreimonatszeitraum gemäß Absatz 1 gezahlten
         Arbeitsentgelt; c) mit der Mobilitätsentschädigung, die nach dem Gesetz Nr. 223 vom 23. Juli 1991 innerhalb der drei Monate
         gewährt wird, die auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses folgen.“
         
         
         
         11
            
          Bei der außerordentlichen Lohnergänzung handelt es sich um eine Leistung, die vom INPS unter bestimmten Bedingungen an Arbeitnehmer
         gezahlt wird, die aus betrieblichen Gründen, insbesondere wegen einer Krise des betroffenen Unternehmens, freigestellt sind
         oder kurzarbeiten.
         
         Die Ausgangsrechtsstreitigkeiten
         
         12
            
          Herr Barsotti u. a., Frau Castellani und Frau Venturi sind Gläubiger eines Teils des Arbeitsentgelts für den letzten Zeitraum
         ihres Arbeitsvertrags oder ihres Arbeitsverhältnisses. Sie verlangten dessen Zahlung vom Fonds. Das INPS lehnte diese Anträge
         teilweise oder vollständig ab.
         
         
         
         13
            
          In der Rechtssache C‑19/01, in der der Sachverhalt im Vorlagebeschluss nur insoweit dargestellt wird, als er Herrn Barsotti
         betrifft, während es noch um elf weitere Arbeitnehmer geht, hatte das Tribunale Pisa dem INPS durch Beschluss aufgegeben,
         Herrn Barsotti den Betrag von 4 027 377 ITL zuzüglich eines Betrages betreffend den Inflationsausgleich, der gesetzlichen
         Zinsen und der Verfahrenskosten zu zahlen. Nach Angaben des vorlegenden Gerichts entspricht dieser Betrag der Differenz zwischen
         den Ansprüchen auf Arbeitsentgelt von Herrn Barsotti, die für die letzten drei Monate entstanden waren, die innerhalb der
         zwölf Monate vor dem Konkurs des Arbeitgebers lagen, und den vom Antragsteller tatsächlich bezogenen Voraus- und Teilzahlungen
         bis zu der Höchstgrenze von 4 027 377 ITL, die für die vom Fonds gebotene Garantie vorgesehen ist. Das INPS legte im Namen
         dieses Fonds gegen den Mahnbescheid Widerspruch ein, beantragte dessen Aufhebung und erklärte, es habe nichts zu zahlen, weil
         der Antragsteller mit den Vorauszahlungen den ihm zustehenden Höchstbetrag erhalten habe und es insoweit unerheblich sei,
         dass die Zahlung vom Arbeitgeber geleistet worden sei. Das Tribunale Pisa, das über den Widerspruch zu entscheiden hat, hat
         beschlossen, das Verfahren auszusetzen und die Sache dem Gerichtshof vorzulegen.
         
         
         
         14
            
          In der Rechtssache C‑50/01 beantragte Frau Castellani, das INPS zu verurteilen, ihr einen Betrag in Höhe des das Arbeitsentgelt
         betreffenden Anspruchs für das Quartal vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses in dem Jahr vor der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit
         zu zahlen, nach Abzug der erhaltenen Nettobeträge und begrenzt auf den durch das Decreto legislativo Nr. 80/92 vorgesehenen
         Höchstbetrag. Das INPS hatte dem bei ihm gestellten Antrag teilweise stattgegeben, von diesem Höchstbetrag jedoch die Beträge
         abgezogen, die die Betroffene während der letzten drei Monate dieses Arbeitsverhältnisses von ihrem Arbeitgeber erhalten hatte.
         Zur Begründung hieß es, dass der italienische Gesetzgeber die monatlichen Höchstbeträge der außerordentlichen Nettolohnergänzung
         angeglichen und damit implizit festgelegt habe, dass der Höchstbetrag, der gewährt werden könne, nicht mit den vom Arbeitnehmer
         im Bezugsquartal erhaltenen Beträgen zu kumulieren sei. Demzufolge seien diese Beträge von dem Höchstbetrag abzuziehen. Das
         dagegen angerufene Tribunale Siena hat beschlossen, das Verfahren auszusetzen und die Sache dem Gerichtshof vorzulegen. 
         
         
         
         15
            
          In der Rechtssache C-84/01 erhielt Frau Venturi von ihrem Arbeitgeber das Arbeitsentgelt für zwei der drei letzten Arbeitsmonate
         und verlangte vom INPS, einen Betrag in Höhe des Lohns für den dritten Monat an sie zu zahlen. Das INPS verweigerte die Zahlung
         mit der Begründung, Frau Venturi habe ihr Arbeitsentgelt ordnungsgemäß für zwei der drei von der Garantie erfassten Monate
         und damit einen höheren Betrag erhalten als das gesetzlich vorgesehene Mindesteinkommen. Das dagegen angerufene Tribunale
         Bologna (Italien) gab dem Antrag von Frau Venturi mit Urteil vom 28. Mai 1997 statt. Es folgte deren Vorbringen, dass vom
         Arbeitgeber geleistete Vorauszahlungen zuvor vom tatsächlich geschuldeten Arbeitsentgelt abzuziehen seien.
         
         
         
         16
            
          Das INPS legte gegen dieses Urteil Kassationsbeschwerde ein. Zur Begründung führt es aus, dass die Abschlagszahlungen auf
         den Lohnanspruch für die letzten drei Monate vom Höchstbetrag der durch den Fonds gewährleisteten Garantie abzuziehen seien.
         Die Corte suprema di cassazione hat beschlossen, das Verfahren auszusetzen und die Sache dem Gerichtshof vorzulegen. 
         
         Vorlagebeschlüsse und Vorlagefragen
         
         17
            
          In ihrem Vorlagebeschluss geht die Corte suprema di cassazione von der Feststellung aus, dass offenkundig dann, wenn man der
         vom INPS vertretenen Auslegung der nationalen Regelung folgte, die Ansprüche der Arbeitnehmer, deren Arbeitsentgelt den durch
         den Fonds gewährleisteten Höchstbetrag der Garantie übersteige, nicht oder allenfalls teilweise befriedigt würden (falls die
         vom Arbeitgeber geleistete Vorauszahlung diesen Höchstbetrag erreiche oder übersteige), so dass sie überhaupt keine Zahlung
         erhielten oder ihnen ein Teil des Arbeitsentgelts nicht gezahlt würde. Dagegen könnten Arbeitnehmer, deren Arbeitsentgelt
         unter dem Höchstbetrag liege, die Befriedigung ihres gesamten Anspruchs erlangen, wobei die Zahlung teils durch den Arbeitgeber,
         teils durch den Fonds erfolgte.
         
         
         
         18
            
          Die Corte suprema di cassazione führt aus, nachdem sie anfänglich den entgegengesetzten Standpunkt vertreten habe, lege sie
         Artikel 2 des Decreto legislativo Nr. 80/92 in ihrer Rechtsprechung nunmehr dahin aus, dass der Fonds zur Zahlung des Betrages
         verpflichtet sei, der möglicherweise verbleibe, wenn vom Höchstbetrag die Lohnvorauszahlungen, die der Arbeitnehmer tatsächlich
         erhalten habe, abgezogen würden (vgl. Urteile Nr. 8607 vom 11. August 1999, Nr. 1937 vom 19. Februar 2000 und Nr. 13939 vom
         2. Oktober 2000, noch nicht veröffentlicht). Diese Auslegung stehe im Einklang mit der „sozialen Zweckbestimmung“ der Richtlinie – wie
         sie in Artikel 4 Absatz 3 der Richtlinie 80/987 genannt sei – , wonach der Lebensunterhalt der Arbeitnehmer im Rahmen der
         vorgesehenen finanziellen Mittel zu sichern sei (vgl. Urteil Nr. 13939 vom 2. Oktober 2000).
         
         
         
         19
            
          Die Corte suprema di cassazione führt allerdings aus, stelle man Artikel 4 Absatz 3 der Richtlinie anderen aus dieser Richtlinie
         abzuleitenden Grundsätzen gegenüber, so ergäben sich Zweifel, ob die von ihr angenommene Auslegung zutreffend sei. Aus den
         Artikeln 1 und 4 der Richtlinie gehe nämlich hervor, dass sie sowohl bei der Abgrenzung ihres Anwendungsbereichs als auch
         bei der Begrenzung der Zahlungspflicht, die die Mitgliedstaaten vornehmen könnten, jedenfalls die „Ansprüche von Arbeitnehmern
         aus Arbeitsverträgen“ unberührt lasse.
         
         
         
         20
            
          Daher hat die Corte suprema di cassazione das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung
         vorgelegt:
          Kann nach Artikel 4 Absatz 3 der Richtlinie 80/987/EWG vom 20. Oktober 1980  – soweit er den Mitgliedstaaten erlaubt, für
         die Erfüllung unbefriedigter, die letzten drei Monate des Arbeitsverhältnisses betreffender Ansprüche von Arbeitnehmern eine
         Höchstgrenze festzusetzen, um den Rahmen der sozialen Zweckbestimmung der Richtlinie nicht zu überschreiten – denjenigen,
         bei denen die Höhe ihres Arbeitsentgelts über der Höchstgrenze liegt und die in den letzten drei Monaten ihres Arbeitsverhältnisses
         Vorauszahlungen bis zu diesem Höchstbetrag oder darüber hinaus erhalten haben, ein Teil ihres Anspruchs genommen werden, während
         diejenigen, deren Arbeitsentgelt unter dem Höchstbetrag liegt, durch die Zusammenrechnung der Vorauszahlungen des Arbeitgebers
         und der Zahlungen der öffentlichen Einrichtung die vollständige oder eine prozentual höhere Befriedigung ihrer Ansprüche erlangen
         können?
         
         
         
         21
            
          Das Tribunale Pisa hat Bedenken gegenüber der neuen Rechtsprechung der Corte suprema di cassazione. Nach dieser könne der
         Fonds nur in Anspruch genommen werden, wenn die Lohn- und Gehaltsvorauszahlungen unter der Höchstgrenze der vom Fonds gebotenen
         Garantie lägen, und nur in Höhe des Unterschiedsbetrags zwischen diesem Höchstbetrag und dem Betrag dieser Vorauszahlungen.
         Nach Ansicht des Tribunale Pisa kommt es durch die jetzige Auslegung von Artikel 2 Absatz 4 Buchstabe b des Decreto legislativo
         Nr. 80/92 zu einem unterschiedlichen Schutz der Arbeitnehmerinteressen, während die Richtlinie und das Urteil des Gerichtshofes
         vom 10. Juli 1997 in der Rechtssache C-373/95 (Maso u. a., Slg. 1997, I‑4051) diesen Schutz im Gegenteil gerade in einheitlicher
         Weise gewährleisten wollten.
         
         
         
         22
            
          Nach den Ausführungen des Tribunale Pisa weicht das Decreto legislativo Nr. 80/92 selbst von der Richtlinie ab.
         
         
         
         23
            
          Der italienische Gesetzgeber habe im Kern ein neuartiges System geschaffen, wonach Gegenstand des Anspruchs des Arbeitnehmers
         die vom Fonds erbrachte Leistung sei, die von einem Haftungsmaßstab zum Gegenstand der Verpflichtung und des entsprechenden
         Anspruchs geworden sei, womit jeder Zusammenhang mit der ursprünglichen subjektiven Rechtsstellung verloren gegangen sei.
         Dies ergebe sich aus Artikel 2 Absätze 4 und 1 in Verbindung mit Artikel 1 des Decreto legislativo Nr. 80/92.
         
         
         
         24
            
          Daher hat das Tribunale Pisa das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:
          Sind die Richtlinie 80/987/EWG und die dazu ergangenen Urteile (vom 19. November 1991 in den Rechtssachen C‑6/90 und C‑9/90,
         Francovich u. a., Slg. 1991, I‑5357, und vom 10. Juli 1997 in der Rechtssache C‑373/95, Maso u. a., Slg. 1997, I‑4051) dahin
         auszulegen, dass, vorbehaltlich der Höchstgrenze, das Verbot der Kumulierung einer vom Garantiefonds gewährten Entschädigung
         mit dem Teil des Arbeitsentgelts, der vom Arbeitgeber in den letzten drei Monaten gezahlt worden ist, nur insoweit rechtmäßig
         ist, als der Entschädigungsbetrag den einer Ratione temporis für den gleichen Zeitraum vorgesehenen Mobilitätsentschädigung
         übersteigt, da die Vorauszahlungen ebenso wie die Mobilitätsentschädigung bis zur gleichen Höhe offenbar dazu dienen, den
         Lebensunterhalt des entlassenen Arbeitnehmers sicherzustellen?
         
         
         
         25
            
          Das Tribunale Siena hegt Zweifel, ob die neue Rechtsprechung der Corte suprema di cassazione mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar
         ist.
         
         
         
         26
            
          Es hält den Wortlaut des Artikels 2 des Decreto legislativo Nr. 80/92 für mehrdeutig, und zwar sowohl in Bezug auf das Gefüge
         der einzelnen Absätze dieser Bestimmung als auch hinsichtlich des Wesens des vorgesehenen Höchstbetrags, dem ein Verweis auf
         eine andere anzuwendende Norm entnommen werden könne.
         
         
         
         27
            
          In der neuen Rechtsprechung der Corte suprema di cassazione zum Höchstbetrag der vom Fonds gebotenen Garantie werde auf die
         italienischen sozialrechtlichen Bestimmungen verwiesen, ohne deren Abweichen von der der Richtlinie zugrunde liegenden sozialen
         Zweckbestimmung zu berücksichtigen. Das Tribunale Siena äußert Zweifel daran, dass die Mehrdeutigkeit des Artikels 2 des Decreto
         legislativo Nr. 80/92 dadurch beseitigt werden könne, dass die Ansprüche der Arbeitnehmer auf tatsächlich fälliges, nicht
         gezahltes Arbeitsentgelt reduziert oder – in den meisten Fällen – hinfällig würden, obwohl der Erwerb solcher Rechte nach
         der Richtlinie gewährleistet sei.
         
         
         
         28
            
          Daher hat das Tribunale Siena das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:
         
          Ist das Verbot der Kumulierung des rechnerischen Werts der außerordentlichen Lohnergänzung und der vom Arbeitnehmer im Bezugszeitraum
         (Artikel 2 Absatz 4 des Decreto legislativo Nr. 80/92) erhaltenen Arbeitsentgelte mit der Richtlinie 80/987/EWG vereinbar – 
         auch im Licht der vorangegangenen Entscheidungen des Gerichtshofes zu diesem Decreto legislativo? Im Einzelnen:
         
         a)
            Ist dieses Kumulierungsverbot mit dem Zweck der Richtlinie vereinbar (Artikel 3 Absatz 1), die Befriedigung der nicht erfüllten
               Lohn- und Gehaltsforderungen für eine bestimmte Zeitspanne (Artikel 3 Absatz 2) und einen bestimmten Zeitraum (Artikel 4 Absätze
               1 und 2) sicherzustellen, oder 
            
         
         
         b)
            beruht dieses Kumulierungsverbot auf einem sozialhilferechtlichen Kriterium, das dem der Richtlinie 80/987 zugrunde liegenden
               sozialen Kriterium widerspricht?
            
         
         
         c)
            Führt dieses Kumulierungsverbot zur Wirkungslosigkeit oder teilweisen Nichtanwendbarkeit der Richtlinie?
         
         
         d)
            Ist ein solches Kumulierungsverbot angesichts der Befugnis der Mitgliedstaaten, für die die Arbeitnehmerforderungen betreffenden
               Garantiezahlungen einen Höchstbetrag festzusetzen (Artikel [4] Absatz [3]), zulässig, auch wenn der italienische Gesetzgeber
               einen solchen Höchstbetrag bereits durch Artikel 2 Absatz 2 des genannten Decreto legislativo eingeführt hat?
            
         
         
         e)
            Ist folglich der Verweis auf „den Höchstbetrag der außerordentlichen Lohnergänzung“ nach dem genannten Artikel 2 Absatz 2
               rein formaler und rechnerischer Natur, oder verweist er auf eine andere Norm (was dazu führen würde, dass die Sozialhilfevorschriften
               über die außerordentliche Lohnergänzung einschließlich des Kumulierungsverbots in das Decreto legislativo Nr. 80/92 einbezogen
               würden)?
            
         
         
         f)
            Ist das Kumulierungsverbot schließlich in Anbetracht der Befugnis der Mitgliedstaaten, die zur Vermeidung von Missbräuchen
               notwendigen Maßnahmen zu treffen, zulässig (Artikel 10 Buchstabe a)?
            
         
         
         
         
         29
            
          Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 8. März 2001 sind die Rechtssachen C‑19/01, C‑50/01 und C‑84/01 zu gemeinsamem
         schriftlichen und mündlichen Verfahren und zu gemeinsamer Entscheidung verbunden worden.
         
         Zu den Vorlagefragen
         
         30
            
          Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof im Rahmen von Artikel 234 EG weder zur Auslegung innerstaatlicher Rechts-
         oder Verwaltungsvorschriften noch zu Äußerungen zu deren Vereinbarkeit mit dem Gemeinschaftsrecht befugt ist. Er kann indessen
         dem vorlegenden Gericht die Hinweise zur Auslegung des Gemeinschaftsrechts geben, die es diesem ermöglichen, die ihm vorliegende
         Rechtsfrage zu beantworten (vgl. u. a. Urteile vom 18. November 1999 in der Rechtssache C-107/98, Teckal, Slg. 1999, I‑8121,
         Randnr. 33, und vom 23. Januar 2003 in der Rechtssache C‑57/01, Makedoniko Metro und Michaniki, Slg.  2003, I‑1091, Randnr. 55).
         
         
         
         31
            
          Die Vorlagefragen sind demnach im Licht dieser Rechtsprechung zu beantworten.
         
         
         
         32
            
          Diese Fragen, die zusammen zu prüfen sind, sind so zu verstehen, dass  mit ihnen im Kern danach gefragt wird, ob die Artikel
         3 Absatz 1 und 4 Absatz 3 Unterabsatz 1 der Richtlinie dahin auszulegen sind, dass sie es einem Mitgliedstaat erlauben, die
         Zahlungsverpflichtung der Garantieeinrichtungen auf einen Betrag zu begrenzen, der den notwendigen Lebensunterhalt der betroffenen
         Arbeitnehmer deckt und von dem die Zahlungen abgezogen werden, die der Arbeitgeber während des von der Garantie erfassten
         Zeitraums geleistet hat.
         
         
         
         33
            
          Gemäß Artikel 3 Absatz 1 der Richtlinie treffen die Mitgliedstaaten die erforderlichen Maßnahmen, damit vorbehaltlich des
         Artikels 4 dieser Richtlinie die Garantieeinrichtungen die Befriedigung der nicht erfüllten Ansprüche der Arbeitnehmer sicherstellen,
         die das Arbeitsentgelt für den vor einem bestimmten Zeitpunkt liegenden Zeitraum betreffen.
         
         
         
         34
            
          Nach Artikel 4 Absatz 3 Unterabschnitt 1 der Richtlinie können die Mitgliedstaaten für die Garantie der Erfüllung unbefriedigter
         Ansprüche der Arbeitnehmer eine Höchstgrenze festsetzen, um die Zahlung von Beträgen zu vermeiden, die über die soziale Zweckbestimmung
         dieser Richtlinie hinausgehen.
         
         
         
         35
            
          Diese soziale Zweckbestimmung besteht darin, allen Arbeitnehmern durch die Befriedigung nicht erfüllter Ansprüche aus Arbeitsverträgen
         oder Arbeitsverhältnissen, die sich auf Arbeitsentgelt für einen bestimmten Zeitraum beziehen, einen gemeinschaftsrechtlichen
         Mindestschutz bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers zu garantieren (vgl. Urteile Maso u. a., Randnr. 56, vom 14. Juli 1998
         in der Rechtssache C‑125/97, Regeling, Slg. 1998, I‑4493, Randnr. 20, vom 18. Oktober 2001 in der Rechtssache C‑441/99, Gharehveran,
         Slg. 2001, I‑7687, Randnr. 26, und vom 11. September 2003 in der Rechtssache C-201/01, Walcher, noch nicht in der amtlichen
         Sammlung veröffentlicht, Randnr. 38).
         
         
         
         36
            
          Die Mitgliedstaaten dürfen zwar für die Garantie nicht erfüllter Ansprüche eine Höchstgrenze festsetzen, doch müssen sie bis
         zu dieser Höchstgrenze die Befriedigung aller in Rede stehenden nicht erfüllten Ansprüche gewährleisten.
         
         
         
         37
            
          Vorauszahlungen, die die betreffenden Arbeitnehmer auf ihre den Garantiezeitraum betreffenden Ansprüche erhalten haben, sind
         von diesen abzuziehen, um zu bestimmen, inwieweit die Ansprüche unerfüllt geblieben sind.
         
         
         
         38
            
          Demgegenüber würde ein Kumulierungsverbot, wonach das Arbeitsentgelt, das diesen Arbeitnehmern während des von der Garantie
         erfassten Zeitraums gezahlt wird, von dem Höchstbetrag abzuziehen ist, den der Mitgliedstaat für die Garantie der nicht erfüllten
         Ansprüche festgelegt hat, den durch die Richtlinie gewährleisteten Mindestschutz unmittelbar beeinträchtigen. 
         
         
         
         39
            
          Im Übrigen erlaubt Artikel 10 der Richtlinie den Mitgliedstaaten zwar, die zur Vermeidung von Missbräuchen notwendigen Maßnahmen
         zu treffen, doch ergibt sich aus den Akten kein Hinweis darauf, dass irgendein Missbrauch vorliegen könnte, dem durch das
         in den Ausgangsverfahren in Rede stehende Kumulierungsverbot vorgebeugt werden sollte.
         
         
         
         40
            
          Angesichts dieser Erwägungen ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass die Artikel 3 Absatz 1 und 4 Absatz 3 Unterabsatz
         1 der Richtlinie dahin auszulegen sind, dass sie es einem Mitgliedstaat nicht erlauben, die Zahlungsverpflichtung der Garantieeinrichtungen
         auf einen Betrag zu begrenzen, der den notwendigen Lebensunterhalt der betroffenen Arbeitnehmer deckt und von dem die Zahlungen
         abgezogen werden, die der Arbeitgeber während des von der Garantie erfassten Zeitraums geleistet hat.
         
         
         Kosten
         41
            
          Die Auslagen der italienischen und der französischen Regierung sowie der Kommission, die Erklärungen vor dem Gerichtshof abgegeben
         haben, sind nicht erstattungsfähig. Für die Parteien der Ausgangsverfahren ist das Verfahren ein Zwischenstreit in den bei
         den vorlegenden Gerichten anhängigen Rechtsstreitigkeiten; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieser Gerichte. 
         
         
         Aus diesen Gründen 
         
         
         
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
         
         
          auf die ihm vom Tribunale Pisa mit Beschluss vom 19. Dezember 2000, vom Tribunale Siena mit Beschluss vom 26. Januar 2001
         und von der Corte suprema di cassazione mit Beschluss vom 18. Januar 2001 vorgelegten Fragen für Recht erkannt: 
         Die Artikel 3 Absatz 1 und 4 Absatz 3 Unterabsatz 1 der Richtlinie 80/987/EWG des Rates vom 20. Oktober 1980 zur Angleichung
               der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Schutz der Arbeitnehmer bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers sind
               dahin auszulegen, dass sie es einem Mitgliedstaat nicht erlauben, die Zahlungsverpflichtung der Garantieeinrichtungen auf
               einen Betrag zu begrenzen, der den notwendigen Lebensunterhalt der betroffenen Arbeitnehmer deckt und von dem die Zahlungen
               abgezogen werden, die der Arbeitgeber während des von der Garantie erfassten Zeitraums geleistet hat.
                  Skouris
               
               
                  Schintgen 
               
               
                  Colneric 
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 4. März 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  R. Grass
               
               
                  V. Skouris
               
            
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Italienisch.