CELEX: 62002TJ0124
Language: de
Date: 2004-04-28
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite Kammer) vom 28. April 2004. # The Sunrider Corp. gegen Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM). # Gemeinschaftsmarke - Verordnungen (EG) Nrn. 40/94 und 2868/95 - Kosten des Widerspruchsverfahrens - Teilrücknahme der Anmeldung - Rücknahme des Widerspruchs - Rückzahlung der Beschwerdegebühr - Begründungspflicht. # Verbundene Rechtssachen T-124/02 und T-156/02.

Verbundene Rechtssachen T‑124/02 und T‑156/02
      The Sunrider Corp.
      gegen
      Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM)
      „Gemeinschaftsmarke – Verordnungen (EG) Nrn. 40/94 und 2868/95 – Kosten des Widerspruchsverfahrens – Teilrücknahme der Anmeldung – Rücknahme des Widerspruchs – Rückzahlung der Beschwerdegebühr – Begründungspflicht“
      Urteil des Gerichts (Zweite Kammer) vom 28. April 2004 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Gemeinschaftsmarke – Verfahrensvorschriften – Kostenaufteilung – Erledigung des Verfahrens durch Rücknahme einer Verfahrenshandlung
            – Anwendung von Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 als Lex specialis im Verhältnis zu Absatz 4 dieses Artikels –
            Rücknahme wegen oder ohne Einigung zwischen den Parteien – Unerheblichkeit
      (Verordnung Nr. 40/94 des Rates, Artikel 81 Absätze 3 und 4)
      2.     Gemeinschaftsmarke – Verfahrensvorschriften – Kostenaufteilung – Widerspruchsverfahren – Verzicht eines Beteiligten auf seine
            Ansprüche – Gleichstellung mit unterliegendem Beteiligten – Ausnahme – Fälle des Artikels 81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94
            – Zulässige Kostenaufteilung durch das Amt nach Erwägungen der Billigkeit – Weiter Entscheidungsspielraum
      (Verordnung Nr. 40/94 des Rates, Artikel 81 Absätze 1 bis 3)
      3.     Gemeinschaftsmarke – Verfahrensvorschriften – Kostenaufteilung – Widerspruchsverfahren – Teilverzicht der Beteiligten auf
            ihre Ansprüche – Zulässige Kostenaufteilung durch das Amt nach Erwägungen der Billigkeit – Weiter Entscheidungsspielraum –
            Prüfung der Begründetheit des Widerspruchs nicht erforderlich
      (Verordnung Nr. 40/94 des Rates, Artikel 81 Absätze 1 bis 3)
      4.     Gemeinschaftsmarke – Beschwerdeverfahren – Rückzahlung der Beschwerdegebühr bei Verletzung wesentlicher Formvorschriften –
            Entscheidung von Amts wegen – Pflichten des Amtes – Grenzen
      (Verordnung Nr. 2868/95 der Kommission, Artikel 1, Regel 51)
      5.     Gemeinschaftsmarke – Verfahrensvorschriften – Begründung der Entscheidungen – Artikel 73 Satz 1 der Verordnung Nr. 40/94 –
            Gleiche Tragweite wie Artikel 253 EG
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 40/94 des Rates, Artikel 73 Satz 1)
      1.     Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke ist im Verhältnis zu Absatz 4 dieses Artikels die
         speziellere Norm, da Absatz 3 die Fälle regelt, in denen der Umstand, dass das Verfahren gegenstandslos wird, die Folge der
         einseitigen Rücknahme einer Verfahrenshandlung ist, während Artikel 81 Absatz 4 der Verordnung Nr. 40/94 generell für alle
         Fälle der Erledigung des Verfahrens gilt. Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 ist auch dann anwendbar, wenn in einem
         Verfahren inter partes jeder der Beteiligten seine vorherige Verfahrenshandlung zurücknimmt. Dabei ist es für die Anwendung
         dieser Bestimmung unerheblich, ob der Grund für die Rücknahme der Verfahrenshandlung oder ‑handlungen in einer außerhalb des
         Verfahrens zwischen den Beteiligten erzielten Einigung liegt.
      
      (vgl. Randnrn. 37-39)
      2.     Aus Artikel 81 Absätze 1 und 3 der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke ergibt sich für das Widerspruchsverfahren,
         dass ein Beteiligter, der das Verfahren dadurch beendet, dass er, etwa durch Rücknahme der Anmeldung oder des Widerspruchs,
         auf seine Ansprüche verzichtet, einem unterliegenden Beteiligten gleichgestellt wird und daher grundsätzlich die von dem anderen
         Beteiligten aufgewandten Gebühren und Kosten zu tragen hat. Eine Ausnahme von dieser Regel besteht nur, wenn Artikel 81 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 40/94 eingreift, wonach, „[s]oweit … die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen
         oder soweit es die Billigkeit erfordert, … die Widerspruchsabteilung, die Nichtigkeitsabteilung oder die Beschwerdekammer
         eine andere Kostenverteilung [beschließt]“. Auch wenn diese Bestimmung somit zwei verschiedene Tatbestände vorsieht, in denen
         die Kosten anders zu verteilen sind als nach Absatz 1, schließt sie es doch nicht aus, dass beide Tatbestände gleichzeitig
         erfüllt sind. So kann das Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle), wenn die Kosten deshalb zu
         teilen sind, weil die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterlegen sind, die Anforderungen der Billigkeit
         berücksichtigen, wenn eine Kostenteilung allein nach Maßgabe des Erfolgs der gestellten Anträge zu einem unbilligen Ergebnis
         führen würde. Demnach verfügt das Amt für die konkrete Kostenaufteilung zwischen den Beteiligten über einen weiten Entscheidungsspielraum.
      
      (vgl. Randnrn. 53-54)
      3.     Werden in einem Widerspruchsverfahren gemäß den Artikel 42 ff. der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke sowohl
         die Gemeinschaftsmarkenanmeldung teilweise als auch, soweit sich das Widerspruchsverfahren durch die Einschränkung der Anmeldung
         noch nicht erledigt hat, der Widerspruch teilweise zurückgenommen, so verzichtet damit jeder Beteiligte teilweise auf seine
         Ansprüche Dieser Fall ist dem in Artikel 81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94 geregelten Fall gleichzustellen, dass die Beteiligten
         jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen.
      
      Daher dürfen in diesem Rahmen die Widerspruchsabteilung und die Beschwerdekammern bei ihrer Entscheidung über die konkrete
         Kostenaufteilung unter den Beteiligten, für die sie über einen weiten Entscheidungsspielraum verfügen, die Billigkeit berücksichtigen.
      
      Für diese Entscheidung brauchen sie nicht, auch nicht summarisch, die Aussichten der Beteiligten zu prüfen, in den Verfahren
         zu obsiegen. Denn es widerspräche der Verfahrensökonomie, allein für die Kostenaufteilung die Begründetheit eines Widerspruchs
         zu prüfen
      
      (vgl. Randnrn. 55-58)
      4.     Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 zur Durchführung der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke, wonach die Rückzahlung
         der Beschwerdegebühr angeordnet wird, wenn der Beschwerde abgeholfen oder ihr durch die Beschwerdekammer stattgegeben wird
         und die Rückzahlung wegen eines wesentlichen Verfahrensmangels der Billigkeit entspricht, ist zu entnehmen, dass über die
         Rückzahlung der Beschwerdegebühr von Amts wegen entschieden wird, ohne dass der Beschwerdeführer beim Harmonisierungsamt für
         den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) hierfür einen Antrag zu stellen braucht.
      
      Das heißt indessen nicht, dass die Beschwerdekammer in jedem Fall, in dem sie eine Entscheidung aufhebt, von Amts wegen prüfen
         muss, ob diese Entscheidung auf einer Verletzung wesentlicher Formvorschriften beruht, die die Anwendung der Regel 51 der
         Verordnung Nr. 2868/95 rechtfertigt. Auch der Antrag eines Beteiligten, ihm die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen, kann eine
         solche Verpflichtung nicht begründen, wenn er nicht durch konkrete Angaben gestützt wird, mit denen eine Verletzung wesentlicher
         Formvorschriften dargetan werden soll.
      
      (vgl. Randnrn. 69-70)
      5.     Nach Artikel 73 Satz 1 der Verordnung Nr. 40/94 über die Gemeinschaftsmarke sind die Entscheidungen des Harmonisierungsamts
         für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) mit Gründen zu versehen. Diese Verpflichtung hat den gleichen Umfang wie
         die aus Artikel 253 EG.
      
      Diese Verpflichtung zur Begründung von Einzelfallentscheidungen soll dem doppelten Ziel dienen, die Beteiligten über die Gründe
         für die erlassene Maßnahme zu unterrichten, damit sie ihre Rechte verteidigen können, und es außerdem dem Gemeinschaftsrichter
         zu ermöglichen, die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zu überprüfen. Die Frage, ob die Begründung einer Entscheidung diesen
         Anforderungen genügt, ist nicht nur im Hinblick auf ihren Wortlaut zu entscheiden, sondern auch anhand ihres Kontextes sowie
         sämtlicher Rechtsvorschriften, die das betreffende Gebiet regeln.
      
      (vgl. Randnrn. 72-73)

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)28. April 2004(1)
         
         
               „Gemeinschaftsmarke  –  Verordnungen (EG) Nrn. 40/94 und 2868/95  –  Kosten des Widerspruchsverfahrens  –  Teilrücknahme der Anmeldung  –  Rücknahme des Widerspruchs  –  Rückzahlung der Beschwerdegebühr  –  Begründungspflicht“
               
             In den verbundenen Rechtssachen T-124/02 und T-156/02
            
            
            The Sunrider Corp. mit Sitz in Torrance, Kalifornien (Vereinigte Staaten von Amerika), Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt A. Kockläuner,
            
            
            Klägerin,
            
            gegen
            Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (HABM), vertreten durch G. Schneider als Bevollmächtigten,
            
            Beklagter, andere Beteiligte am Verfahren vor der Beschwerdekammer des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle):Vitakraft-Werke Wührmann & Sohn  mit Sitz in Bremen (Deutschland)Friesland Brands BV  mit Sitz in Leeuwarden (Niederlande)
            
             betreffend Klagen gegen die Entscheidung der Zweiten Beschwerdekammer des Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (Marken,
            Muster und Modelle) vom 17. Januar 2002 (Sache R 386/2000-2) über ein Widerspruchsverfahren zwischen Vitakraft-Werke Wührmann
            & Sohn und The Sunrider Corporation in der Rechtssache T-124/02 und gegen die Entscheidung der Ersten Beschwerdekammer des
            Harmonisierungsamts für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) vom 21. Februar 2002 (Sache R 34/2000-1) über ein Widerspruchsverfahren
            zwischen Friesland Brands BV und The Sunrider Corporation in der Rechtssache T-156/02
             erlässt
            
            DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite Kammer)
            
            
             unter Mitwirkung des Präsidenten N. J. Forwood sowie der Richter J. Pirrung und A. W. H. Meij,
            
             Kanzler: B. Pastor, Hilfskanzlerin,
            
            
            
         folgendes
         
         
         Urteil
            
               Rechtlicher Rahmen
            
         
         1
            
          Artikel 81 der Verordnung (EG) Nr. 40/94 des Rates vom 20. Dezember 1993 über die Gemeinschaftsmarke (ABl. 1994, L 11, S. 1)
         in der geänderten Fassung bestimmt:
         
         
         „Kostenverteilung
         (1)     Der im Widerspruchsverfahren, im Verfahren zur Erklärung des Verfalls oder der Nichtigkeit oder im Beschwerdeverfahren unterliegende
         Beteiligte trägt die von dem anderen Beteiligten zu entrichtenden Gebühren sowie ... alle für die Durchführung der Verfahren
         notwendigen Kosten, die dem anderen Beteiligten entstehen ...
         (2)     Soweit jedoch die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen oder soweit es die Billigkeit erfordert,
         beschließt die Widerspruchsabteilung, die Nichtigkeitsabteilung oder die Beschwerdekammer eine andere Kostenverteilung.
         (3)     Der Beteiligte, der ein Verfahren dadurch beendet, dass er die Anmeldung der Gemeinschaftsmarke, den Widerspruch, den Antrag
         auf Erklärung des Verfalls oder der Nichtigkeit oder die Beschwerde zurücknimmt oder die Eintragung der Gemeinschaftsmarke
         nicht verlängert oder auf diese verzichtet, trägt die Gebühren sowie die Kosten der anderen Beteiligten gemäß den Absätzen
         1 und 2.
         (4)     Im Falle der Einstellung des Verfahrens entscheidet die Widerspruchsabteilung, die Nichtigkeitsabteilung oder die Beschwerdekammer
         über die Kosten nach freiem Ermessen.
         (5)     Vereinbaren die Beteiligten vor der Widerspruchsabteilung, der Nichtigkeitsabteilung oder der Beschwerdekammer eine andere
         als die in den vorstehenden Absätzen vorgesehene Kostenregelung, so nimmt die betreffende Abteilung diese Vereinbarung zur
         Kenntnis.
         ...“
         
         
         2
            
          Regel 51 der Verordnung (EG) Nr. 2868/95 der Kommission vom 13. Dezember 1995 zur Durchführung der Verordnung Nr. 40/94 (ABl.
         L 303, S. 1) lautet:
         
         
         „Rückzahlung der Beschwerdegebühr
          Die Rückzahlung der Beschwerdegebühr wird angeordnet, wenn der Beschwerde abgeholfen oder ihr durch die Beschwerdekammer stattgegeben
         wird und die Rückzahlung wegen eines wesentlichen Verfahrensmangels der Billigkeit entspricht. Die Rückzahlung wird, falls
         der Beschwerde abgeholfen wird, von der Dienststelle, deren Entscheidung angefochten wurde, und in den übrigen Fällen von
         der Beschwerdekammer angeordnet.“
         SachverhaltRechtssache T-124/02
         
         3
            
          Am 28. März 1996 meldete die Klägerin beim Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (Marken, Muster und Modelle) (im Folgenden:
         Amt) eine Gemeinschaftsmarke an. Als Anmeldetag gilt der 1. April 1996.
         
         
         
         4
            
          Bei der angemeldeten Marke handelt es sich um das Wortzeichen VITATASTE.
         
         
         
         5
            
          Es wurde für folgende Waren der Klassen 5 und 29 des Abkommens von Nizza über die internationale Klassifikation von Waren
         und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken vom 15. Juni 1957 in der revidierten und geänderten Fassung angemeldet:
         
         
         
          
         –
            Klasse 5: „Medikamente, pharmazeutische Präparate, veterinärmedizinische Präparate und chemische Präparate für die Gesundheitspflege;
               diätetische Substanzen und Nahrungsersatzstoffe für medizinische Zwecke; Babykost; Präparate auf der Basis von Vitaminen,
               Spurenelementen und/oder Mineralstoffen für diätetische Zwecke oder als Nahrungsergänzung, Präparate und Substanzen für zahnmedizinische
               und zahntechnische Zwecke; Nahrungskonzentrate oder Nahrungsergänzungsstoffe auf der Basis von Kräutern, Kräutertees, alle
               zum Zweck der Gesunderhaltung“;
            
         
         
         
         
          
         –
            Klasse 29: „Fleisch, Fisch, nichtlebende Mollusken und Schalentiere, Geflügel und Wild; Fleisch- und Wurstwaren, Meeresfrüchte,
               Geflügel und Wild, auch konserviert oder tiefgefroren; Obst und Gemüse (einschließlich Pilze und Kartoffeln, insbesondere
               Pommes frites und andere Kartoffelerzeugnisse), konserviert, tiefgefroren, getrocknet, gekocht oder für den unmittelbaren
               Verzehr zubereitet; Suppen oder Suppenkonserven; Delikatess-Salate; Gerichte aus Fleisch, Fisch, Geflügel, Wild und Gemüse,
               auch tiefgefroren; Eier, Milch, Käse und andere Milchprodukte; Getränke, hauptsächlich aus Milch; Desserts, überwiegend aus
               Milch oder Milchprodukten; Konfitüren, Marmeladen, Fruchtsaucen, Frucht- und Gemüsegelees; Fleisch- und Bouillonextrakte;
               Gemüseextrakte und konservierte Küchenkräuter; Speiseöle und -fette, einschließlich Margarine; nichtmedizinische Nahrungskonzentrate
               oder Nahrungsergänzungsmittel auf Kräuterbasis, Kräuternahrungsmittel, auch in Form von Snackriegeln“.
            
         
         
         
         
         
         6
            
          Am 12. Januar 1998 wurde die Anmeldung im Blatt für Gemeinschaftsmarken veröffentlicht.
         
         
         
         7
            
          Die andere Beteiligte am Verfahren vor der Beschwerdekammer erhob am 6. April 1998 gegen die Anmeldung nach Artikel 42 Absatz
         1 der Verordnung Nr. 40/94 einen Widerspruch hinsichtlich aller für die Anmeldung beanspruchten Waren. Der Widerspruch war
         auf die deutschen Marken VITAKRAFT und VITA gestützt, die für verschiedene Waren der Klasse 5 eingetragen sind.
         
         
         
         8
            
          Mit Schreiben vom 30. November 1998 beschränkte die Klägerin das Warenverzeichnis ihrer Anmeldung durch Streichung der Waren
         „veterinärmedizinische Präparate“. 
         
         
         
         9
            
          Mit Schreiben vom 19. Januar 1999 bat die Klägerin das Amt u. a. darum, bei einer Entscheidung über die Kosten des Widerspruchsverfahrens
         zu berücksichtigen, dass viele der von der Anmeldung erfassten Waren den Waren, für die die Widerspruchsmarken eingetragen
         seien, nicht ähnlich seien.
         
         
         
         10
            
          Mit Schreiben vom 16. April 1999 nahm die andere Beteiligte am Verfahren vor der Beschwerdekammer den Widerspruch zurück.
         
         
         
         
         11
            
          Am 10. Mai 1999 teilte die Widerspruchsabteilung des Amtes der Klägerin und der anderen Beteiligten am Verfahren vor der Beschwerdekammer
         (im Folgenden: Beteiligte am Widerspruchsverfahren) mit, dass sie nach Artikel 81 der Verordnung Nr. 40/94 eine Entscheidung
         über die Kosten des Widerspruchsverfahrens erlassen werde, es sei denn, die Beteiligten am Widerspruchsverfahren legten ihr
         bis zum 10. Juli 1999 eine Kostenvereinbarung vor.
         
         
         
         12
            
          Mit Schreiben vom 30. Dezember 1999 an das Amt beantragte die andere Beteiligte am Verfahren vor der Beschwerdekammer, über
         die Kosten des Widerspruchsverfahrens eine Entscheidung zu erlassen.
         
         
         
         13
            
          Mit Entscheidung vom 16. März 2000 erlegte die Widerspruchsabteilung nach Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 der
         Klägerin die Kosten des Widerspruchsverfahrens auf. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die andere Beteiligte
         am Verfahren vor der Beschwerdekammer den Widerspruch infolge der Teilrücknahme der Anmeldung zurückgenommen habe, die nach
         Beginn der kontradiktorischen Phase des Widerspruchsverfahrens erfolgt sei.
         
         
         
         14
            
          Am 13. April 2000 erhob die Klägerin beim Amt nach Artikel 59 der Verordnung Nr. 40/94 eine Beschwerde, mit der sie beantragte,
         die Entscheidung der Widerspruchsabteilung aufzuheben, der anderen Beteiligten am Verfahren vor der Beschwerdekammer die Kosten
         des Widerspruchsverfahrens aufzuerlegen und ihr selbst nach Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen.
         
         
         
         15
            
          Mit Entscheidung vom 17. Januar 2002, der Klägerin zugestellt am 9. April 2002 (im Folgenden: angefochtene Entscheidung in
         der Rechtssache T-124/02), hob die Zweite Beschwerdekammer die Entscheidung der Widerspruchsabteilung auf und ordnete an,
         dass die Beteiligten am Widerspruchsverfahren ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren und im Beschwerdeverfahren tragen.
         Die Beschwerdekammer begründete dies im Wesentlichen damit, dass über die Kosten des Widerspruchsverfahrens nach Artikel 81
         Absätze 2 und 3 der Verordnung Nr. 40/94 zu entscheiden sei. Sie führte insbesondere aus, die Billigkeit im Sinne von Artikel
         81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94 verlange, dass die Kosten zwischen den Beteiligten am Widerspruchsverfahren geteilt würden,
         da sie beide, nämlich einmal durch die Teilrücknahme der Anmeldung und zum anderen durch die Rücknahme des Widerspruchs, das
         Verfahren „in gewissem Umfang beendet“ hätten.
         
         Rechtssache T-156/02
         
         16
            
          Am 28. März 1996 meldete die Klägerin beim Amt eine Gemeinschaftsmarke an. Als Anmeldetag gilt der 1. April 1996.
         
         
         
         17
            
          Bei der angemeldeten Marke handelt es sich um das Wortzeichen METABALANCE 44.
         
         
         
         18
            
          Es wurde für folgende Waren der Klassen 5 und 29 des Abkommens von Nizza über die internationale Klassifikation von Waren
         und Dienstleistungen für die Eintragung von Marken vom 15. Juni 1957 in der revidierten und geänderten Fassung angemeldet:
         
         
         
          
         –
            Klasse 5: „Medikamente, pharmazeutische und veterinärmedizinische Erzeugnisse sowie Präparate für die Gesundheitspflege; diätetische
               Erzeugnisse und Nahrungsersatzstoffe für medizinische Zwecke; Babykost; Präparate auf der Basis von Vitaminen, Spurenelementen
               und/oder Mineralstoffen für diätetische Zwecke oder als Nahrungsergänzung; Präparate und Substanzen für zahnmedizinische und
               zahntechnische Zwecke; Nährstoffkonzentrate oder Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Kräutern, Kräutertees, alles für
               Gesundheitszwecke“
            
         
         
         
         
          
         –
            Klasse 29: „Fleisch, Fisch, nichtlebende Mollusken und Schalentiere, Geflügel und Wild, Fleisch und Wurst, Meeresfrüchte,
               Geflügel und Wild, auch konserviert oder tiefgefroren; Obst und Gemüse (einschließlich Pilze und Kartoffeln, insbesondere
               Pommes frites und andere Kartoffelerzeugnisse), konserviert, tiefgefroren, getrocknet, gekocht oder für den unmittelbaren
               Verzehr bestimmt; Suppen oder Suppenkonserven; Delikatessen-Salate; Gerichte aus Fleisch, Fisch, Geflügel, Wild und Gemüse,
               auch tiefgefroren; Eier, Milch, Käse und andere Milchprodukte; Getränke, hauptsächlich aus Milch; Desserts, hauptsächlich
               aus Milch oder Milchprodukten; Konfitüren, Marmeladen, Fruchtsaucen, Frucht- und Gemüsegelees; Fleisch- und Bouillonextrakte;
               Gemüseextrakte und konservierte Küchenkräuter; Speiseöle und -fette, einschließlich Margarine; Nährstoffkonzentrate für nichtmedizinische
               Zwecke oder Nahrungsergänzungsstoffe auf Kräuterbasis, Gesundheitsnahrung auf Kräuterbasis, auch in Form von Snackriegeln“.
            
         
         
         
         
         
         19
            
          Am 14. April 1998 wurde die Anmeldung im Blatt für Gemeinschaftsmarken veröffentlicht.
         
         
         
         20
            
          Die andere Beteiligte am Verfahren vor der Beschwerdekammer erhob am 13. Juli 1998 gegen die Anmeldung nach Artikel 42 Absatz
         1 der Verordnung Nr. 40/94 einen Widerspruch hinsichtlich aller für die Anmeldung beanspruchten Waren. Der Widerspruch war
         auf die Marken BALANCE und BALANS gestützt, die in verschiedenen Mitgliedstaaten für Waren der Klassen 3, 5, 29, 30, 31 und
         32 eingetragen sind.
         
         
         
         21
            
          Mit Schreiben vom 16. April 1999 beschränkte die Klägerin das Warenverzeichnis ihrer Anmeldung durch Streichung der Waren
         „Eier, Milch, Käse und andere Milchprodukte; Getränke, hauptsächlich aus Milch; Desserts, hauptsächlich aus Milch oder Milchprodukten;
         Speiseöle und -fette, einschließlich Margarine“. Dabei teilte sie dem Amt auch mit, dass sich die Beteiligten am Widerspruchsverfahren
         gütlich geeinigt hätten und dass die Einschränkung des Warenverzeichnisses Teil dieser Einigung sei.
         
         
         
         22
            
          Mit Schreiben vom 11. Mai 1999, bestätigt durch Schreiben vom 17. Juni 1999, nahm die andere Beteiligte am Verfahren vor der
         Beschwerdekammer den Widerspruch zurück.
         
         
         
         23
            
          Am 28. Juni 1999 teilte die Widerspruchsabteilung den Beteiligten am Widerspruchsverfahren mit, dass sie nach Artikel 81 der
         Verordnung Nr. 40/94 eine Entscheidung über die Kosten des Widerspruchsverfahrens erlassen werde, es sei denn, die Beteiligten
         am Widerspruchsverfahren legten ihr bis zum 28. August 1999 eine Kostenvereinbarung vor.
         
         
         
         24
            
          Mit Schreiben vom 17. August 1999 teilte die Klägerin dem Amt mit, dass die Beteiligten am Widerspruchsverfahren keine Vereinbarung
         über die Kosten des Widerspruchsverfahrens getroffen hätten, und beantragte den Erlass einer Kostenentscheidung. Überdies
         bat die Klägerin das Amt, bei der zu erlassenden Entscheidung zu berücksichtigen, dass viele der von der Anmeldung erfassten
         Waren den Waren, für die die Widerspruchsmarken eingetragen seien, nicht ähnlich seien. 
         
         
         
         25
            
          Mit Entscheidung vom 30. November 1999 erlegte die Widerspruchsabteilung nach Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94
         der Klägerin die Kosten des Widerspruchsverfahrens auf. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die andere Beteiligte
         am Verfahren vor der Beschwerdekammer den Widerspruch infolge der Teilrücknahme der Anmeldung zurückgenommen habe, die nach
         Beginn der kontradiktorischen Phase des Widerspruchsverfahrens erfolgt sei.
         
         
         
         26
            
          Am 16. Dezember 1999 erhob die Klägerin beim Amt nach Artikel 59 der Verordnung Nr. 40/94 eine Beschwerde, mit der sie beantragte,
         die Entscheidung der Widerspruchsabteilung aufzuheben, der anderen Beteiligten am Verfahren vor der Beschwerdekammer die Kosten
         des Widerspruchsverfahrens aufzuerlegen und ihr selbst nach Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen.
         
         
         
         27
            
          Mit Entscheidung vom 21. Februar 2002, der Klägerin zugestellt am 13. März 2002 (im Folgenden: angefochtene Entscheidung in
         der Rechtssache T-156/02), hob die Erste Beschwerdekammer die Entscheidung der Widerspruchsabteilung auf und erlegte den Beteiligten
         am Widerspruchsverfahren jeweils die Hälfte der Widerspruchsgebühr sowie ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren und
         im Beschwerdeverfahren auf. Außerdem ordnete sie an, der Klägerin die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen. Die Beschwerdekammer
         begründete dies im Wesentlichen damit, dass über die Kosten des Widerspruchsverfahrens nach Artikel 81 Absätze 2 und 3 der
         Verordnung Nr. 40/94 zu entscheiden sei. Die Kosten seien zwischen den Beteiligten am Widerspruchsverfahren zu teilen, da
         dieses Verfahren infolge der Teilrücknahme der Anmeldung und der Rücknahme des Widerspruchs „durch eine Einigung zwischen
         den Beteiligten beendet worden“ sei. Zur Rückzahlung der Beschwerdegebühr führte die Beschwerdekammer aus, dass die Widerspruchsabteilung
         den mit Schreiben der Klägerin vom 17. August 1999 gestellten Antrag, bei der Entscheidung über die Kosten des Widerspruchsverfahrens
         den Umfang des Widerspruchs zu berücksichtigen, stillschweigend und ohne Begründung abgelehnt habe. Die Entscheidung der Widerspruchsabteilung
         verstoße daher gegen wesentliche Formvorschriften.
         
         Verfahren und Anträge der Parteien
         
         28
            
          Die Klägerin hat mit Klageschriften, die am 17. April und 15. Mai 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, die
         vorliegenden Klagen erhoben; diese sind unter den Nummern T-124/02 und T-156/02 in das Register eingetragen worden.
         
         
         
         29
            
          Die Klagebeantwortungen des Amtes sind am 4. September 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen.
         
         
         
         30
            
          Mit Beschluss des Präsidenten der Zweiten Kammer des Gerichts vom 3. Juli 2003 sind die Rechtssachen T-124/02 und T-156/02
         nach Artikel 50 der Verfahrensordnung zu gemeinsamem mündlichen Verfahren und zu gemeinsamer Entscheidung verbunden worden.
         
         
         
         31
            
          Die Klägerin beantragt,
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung in der Rechtssache T-124/02 teilweise aufzuheben, nämlich soweit darin angeordnet wird, dass
               die Klägerin ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren und im Beschwerdeverfahren zu tragen hat, und soweit darin nicht
               die Rückzahlung der Beschwerdegebühr angeordnet wird;
            
         
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung in der Rechtssache T-156/02 teilweise aufzuheben, nämlich soweit darin angeordnet wird, dass
               die Klägerin ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren und im Beschwerdeverfahren zu tragen hat;
            
         
         
         
         
          
         –
            in den Rechtssachen T-124/02 und T-156/02 dem Amt die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         32
            
          Das Amt beantragt in den Rechtssachen T-124/02 und T-156/02,
         
         
         
          
         –
            die Klagen abzuweisen;
         
         
         
         
          
         –
            der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         Entscheidungsgründe
         
         33
            
          In der Rechtssache T-124/02 sind inhaltlich zwei Anträge der Klägerin zu unterscheiden. Sie beantragt erstens, die angefochtene
         Entscheidung aufzuheben, soweit ihr darin ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren und im Beschwerdeverfahren auferlegt
         werden. Zweitens beantragt sie die Aufhebung der angefochtenen Entscheidung, soweit darin nicht angeordnet wird, ihr die Beschwerdegebühr
         zurückzuzahlen. In der Rechtssache T-156/02 stellt die Klägerin nur einen Antrag, der ihrem ersten Antrag in der Rechtssache
         T-124/02 entspricht.
         
         
         
         34
            
          Für ihren ersten Antrag in der Rechtssache T-124/02 und für ihre Klage in der Rechtssache T-156/02 führt die Klägerin zwei
         Klagegründe an. Mit dem ersten macht sie geltend, dass die angefochtenen Entscheidungen auf Artikel 81 Absatz 4 der Verordnung
         Nr. 40/94 und nicht auf Artikel 81 Absatz 3 zu stützen gewesen wären. Mit dem zweiten rügt sie eine fehlerhafte Anwendung
         von Artikel 81 Absatz 2 in Verbindung mit Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94. Ihren zweiten Antrag in der Rechtssache T-124/02
         stützt die Klägerin auf zwei weitere Klagegründe, nämlich erstens einen Verstoß gegen Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95
         und zweitens eine Verletzung der Begründungspflicht.
         
         Zu den Anträgen hinsichtlich der Kosten des Widerspruchsverfahrens und des Beschwerdeverfahrens Zum ersten Klagegrund, wonach die angefochtenen Entscheidungen nach Artikel 81 Absatz 4 der Verordnung Nr. 40/94 und nicht
         nach Artikel 81 Absatz 3 hätten ergehen müssen
         
         – Vorbringen der Parteien
         
         
         35
            
          Die Klägerin trägt vor, dass die Widerspruchsverfahren infolge gütlicher Einigungen zwischen den Beteiligten gegenstandslos
         geworden seien. Daher hätten die Entscheidungen über die Kosten des Widerspruchsverfahrens auf der Grundlage von Artikel 81
         Absatz 4 der Verordnung Nr. 40/94 und nicht des Artikels 81 Absatz 3 ergehen müssen. Im vorliegenden Fall sei Absatz 4 dieses
         Artikels gegenüber Absatz 3 die speziellere Bestimmung.
         
         
         
         36
            
          Das Amt meint, dass die Beschwerdekammern die angefochtenen Entscheidungen zu Recht auf Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 40/94 gestützt hätten. Diese Bestimmung betreffe Fälle wie den vorliegenden, in denen die Beendigung des Verwaltungsverfahrens
         durch eine Verfahrenshandlung der Beteiligten herbeigeführt werde. Artikel 81 Absatz 4 der Verordnung sei hingegen nur dann
         anwendbar, wenn die Verfahrensbeendigung durch außerhalb des Verfahrens liegende Umstände eintrete, wie beispielsweise durch
         die Löschung der Widerspruchsmarke oder die Zurückweisung der Anmeldemarke infolge eines anderen Widerspruchs. Daher sei Artikel
         81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 gegenüber Absatz 4 Lex specialis.
         
         
         – Würdigung durch das Gericht
         
         
         37
            
          Wie das Amt zutreffend ausführt, erfasst Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 die Fälle, in denen das Verwaltungsverfahren
         durch eine einseitige Verfahrenshandlung eines der am Verfahren Beteiligten oder, so im Fall der Nichtverlängerung der eingetragenen
         Gemeinschaftsmarke, durch die Unterlassung einer solchen Verfahrenshandlung beendet wird. Zu diesen Verfahrenshandlungen gehören
         insbesondere die Fälle der Rücknahme einer anderen Verfahrenshandlung wie der Anmeldung, des Widerspruchs oder der Beschwerde.
         Insoweit unterscheidet die Bestimmung nicht danach, ob die zurückgenommene Verfahrenshandlung die das fragliche Verfahren
         einleitende Handlung oder eine andere Verfahrenshandlung war. Im letztgenannten Fall, so beispielsweise bei einer Rücknahme
         der Anmeldung während eines Widerspruchsverfahrens, wird dieses Verfahren gegenstandslos und erledigt sich damit. Artikel
         81 Absatz 4 der Verordnung Nr. 40/94 gilt hingegen generell für alle Fälle der Erledigung des Verfahrens.
         
         
         
         38
            
          Sowohl nach dem Wortlaut als auch nach der Systematik dieser Vorschriften ist also Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr.
         40/94 im Verhältnis zu Absatz 4 dieses Artikels die speziellere Norm, da Absatz 3 die Fälle regelt, in denen der Umstand,
         dass das Verfahren gegenstandslos wird, die Folge der einseitigen Rücknahme einer Verfahrenshandlung ist. 
         
         
         
         39
            
          Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 ist auch dann anwendbar, wenn in einem Verfahren inter partes jeder der Beteiligten
         seine vorherige Verfahrenshandlung zurücknimmt. Dabei ist es für die Anwendung dieser Bestimmung unerheblich, ob der Grund
         für die Rücknahme der Verfahrenshandlung oder -handlungen in einer außerhalb des Verfahrens zwischen den Beteiligten erzielten
         Einigung liegt.
         
         
         
         40
            
          Im vorliegenden Fall hat die Klägerin die Widerspruchsverfahren teilweise dadurch beendet, dass sie das Warenverzeichnis ihrer
         Anmeldungen eingeschränkt hat. In diesem Umfang wurden die Widerspruchsverfahren damit gegenstandslos, ohne dass jedoch dadurch
         Artikel 81 Absatz 4 der Verordnung Nr. 40/94 anwendbar wurde. Soweit die Widerspruchsverfahren noch nicht durch die jeweilige
         Einschränkung des Warenverzeichnisses gegenstandslos geworden sind, haben die anderen Beteiligten am Verfahren vor den Beschwerdekammern
         sie durch die Rücknahme ihrer Widersprüche beendet.
         
         
         
         41
            
          Unter diesen Umständen haben die Beschwerdekammern ihre Entscheidungen hinsichtlich der Kosten der Widerspruchsverfahren zu
         Recht nur auf Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 gestützt.
         
         
         
         42
            
          Der erste Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
          Zum zweiten Klagegrund einer fehlerhaften Anwendung von Artikel 81 Absatz 2 in Verbindung mit Absatz 3 der Verordnung Nr.
         40/94
         
         – Vorbringen der Parteien
         
         
         43
            
          Die Klägerin macht geltend, dass die Beschwerdekammern Artikel 81 Absatz 2 in Verbindung mit Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94
         falsch angewandt hätten. Eine Billigkeitsentscheidung, wie sie Artikel 81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94 vorsehe, erfordere
         eine zumindest summarische Prüfung der Erfolgsaussichten des Widerspruchs. In diesem Zusammenhang verweist die Klägerin auf
         § 91a der deutschen Zivilprozessordnung, der nach der Rechtsprechung eine solche summarische Prüfung verlange. Diese Beurteilungsmaßstäbe
         fänden über Artikel 79 der Verordnung Nr. 40/94 auf den vorliegenden Fall Anwendung. Die Beschwerdekammern hätten ausdrücklich
         auf eine Prüfung der Erfolgsaussichten des Widerspruchs verzichtet. Soweit die angefochtenen Entscheidungen schematisch eine
         Kostenteilung zwischen den Beteiligten am Widerspruchsverfahren anordneten, entsprächen sie daher nicht der Billigkeit.
         
         
         
         44
            
          Hätten die Beschwerdekammern die Erfolgsaussichten der Widersprüche korrekt, wenn auch nur summarisch, geprüft, so hätten
         sie zu dem Ergebnis kommen müssen, dass die gesamten Kosten der Widerspruchsverfahren der jeweiligen anderen Beteiligten am
         Verfahren vor der Beschwerdekammer aufzuerlegen gewesen seien. Deren Widersprüche seien nämlich zum Scheitern verurteilt gewesen.
         
         
         
         45
            
          Insoweit verweist die Klägerin zunächst auf den deutlichen Abstand, der zwischen den angemeldeten Marken einerseits und den
         Widerspruchsmarken andererseits bestehe.
         
         
         
         46
            
          In der Rechtssache T-124/02 verweist die Klägerin ferner auf die geringe Kennzeichnungskraft des Elements „vita“. Schließlich
         macht sie geltend, dass die in der Anmeldung genannten Waren nach der Beschränkung des Warenverzeichnisses den Waren, für
         die die Widerspruchsmarken eingetragen seien, nicht ähnlich seien.
         
         
         
         47
            
          In der Rechtssache T-156/02 macht die Klägerin zusätzlich geltend, dass für eine ernsthafte Benutzung der Widerspruchsmarken
         und für die  Rechtsgültigkeit einiger dieser Marken keine Nachweise vorgelegt worden seien.
         
         
         
         48
            
          Außerdem hätten die Beschwerdekammern gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen, indem sie einem Beteiligten 50 %
         der Kosten der Widerspruchsverfahren auferlegt hätten, obwohl er (in der Rechtssache T-156/02) nur acht Oberbegriffe oder
         (in der Rechtssache T-124/02) sogar nur einen Oberbegriff von den 50 bis 60 Oberbegriffen im Warenverzeichnis der Anmeldung
         gestrichen habe.
         
         
         
         49
            
          In diesem Zusammenhang macht die Klägerin eine Reihe von allgemeinen Argumenten geltend, die ihrer Ansicht nach gegen die
         von den Beschwerdekammern vorgenommene Kostenverteilung sprechen. Erstens habe diese Lösung zur Folge, dass es für offensichtlich
         unbegründete Widersprüche keinerlei Sanktion gebe. Zweitens würden die Wirtschaftsteilnehmer eher dazu verleitet, Widerspruch
         gegen das gesamte Warenverzeichnis einer angemeldeten Marke einzulegen, da bei einer vorzeitigen Beendigung des Widerspruchsverfahrens
         keine nachteilige Kostenfolge zu befürchten sei. Drittens gebe es für die Anmelder keinen Anreiz dafür, ein erkennbar aussichtsloses
         Widerspruchsverfahren durch eine Beschränkung des Warenverzeichnisses zu beenden, da dies eine ungünstigere Kostenentscheidung
         nach sich ziehe, als es der Fall wäre, wenn das Amt im Rahmen eines streitigen Verfahrens über den Widerspruch entscheiden
         würde.
         
         
         
         50
            
          Das Amt entgegnet, dass die Beschwerdekammern Artikel 81 Absatz 2 in Verbindung mit Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 zutreffend
         angewandt hätten. Artikel 81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94 enthalte kein Kriterium dafür, wie die Entscheidung über die
         Kostenverteilung getroffen werden solle. Sowohl die in dieser Vorschrift vorgesehene Anwendung der Billigkeitsregel als auch
         jede auf der Grundlage dieser Vorschrift ergehende Entscheidung in einem Fall wie dem vorliegenden unterlägen dem freien Ermessen
         der Beschwerdekammern; dabei sei die Kontrolle durch das Gericht auf die Frage eines etwaigen Ermessensmissbrauchs beschränkt.
         Hier spreche jedoch nichts dafür, dass die Beschwerdekammern ihr Ermessen missbraucht hätten.
         
         
         
         51
            
          Die Situation in den vorliegenden Rechtssachen, die dadurch gekennzeichnet sei, dass jeweils beide Beteiligte am Widerspruchsverfahren
         dieses beendet hätten, eine von ihnen durch die Teilrücknahme der Anmeldung, die andere durch die Rücknahme des Widerspruchs,
         sei vergleichbar mit der Situation, in der jede Partei eines Rechtsstreits teils obsiege, teils unterliege.
         
         
         
         52
            
          Insbesondere seien die Beschwerdekammern nicht verpflichtet gewesen, die Erfolgsaussichten des Widerspruchs zu prüfen. Weder
         das Prozess- und Verwaltungsverfahrensrecht der Mitgliedstaaten noch die Verfahrensordnung des Gerichts sähen eine Regel vor,
         wonach für die Kostenentscheidung in einem Verfahren, das durch Handlungen der Parteien beendet worden sei, die Erfolgsaussichten
         eines Antrags oder auch nur der bisherige Streitstand zu berücksichtigen seien.
         
         
         – Würdigung durch das Gericht
         
         
         53
            
          Nach Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 trägt der Beteiligte, der ein Verfahren dadurch beendet, dass er die Anmeldung
         der Gemeinschaftsmarke, den Widerspruch, den Antrag auf Erklärung des Verfalls oder der Nichtigkeit oder die Beschwerde zurücknimmt
         oder die Eintragung der Gemeinschaftsmarke nicht verlängert oder auf diese verzichtet, die Gebühren sowie die Kosten der anderen
         Beteiligten gemäß den Absätzen 1 und 2. Nach Artikel 81 Absatz 1 trägt der im Widerspruchsverfahren, im Verfahren zur Erklärung
         des Verfalls oder der Nichtigkeit oder im Beschwerdeverfahren unterliegende Beteiligte die von dem anderen Beteiligten zu
         entrichtenden Gebühren sowie alle für die Durchführung der Verfahren notwendigen Kosten.
         
         
         
         54
            
          Daraus ergibt sich für das Widerspruchsverfahren, dass ein Beteiligter, der das Verfahren dadurch beendet, dass er, etwa durch
         Rücknahme der Anmeldung oder des Widerspruchs, auf seine Ansprüche verzichtet, einem unterliegenden Beteiligten gleichgestellt
         wird und daher grundsätzlich die von dem anderen Beteiligten aufgewandten Gebühren und Kosten zu tragen hat. Eine Ausnahme
         von dieser Regel besteht nur, wenn Artikel 81 Absatz 2 der Verordnung Nr. 40/94 eingreift, wonach, „[s]oweit … die Beteiligten
         jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen oder soweit es die Billigkeit erfordert, … die Widerspruchsabteilung, die
         Nichtigkeitsabteilung oder die Beschwerdekammer eine andere Kostenverteilung [beschließt]“. Auch wenn diese Bestimmung somit
         zwei verschiedene Tatbestände vorsieht, in denen die Kosten anders zu verteilen sind als nach Absatz 1, schließt sie es doch
         nicht aus, dass beide Tatbestände gleichzeitig erfüllt sind. So kann das Amt, wenn die Kosten deshalb zu teilen sind, weil
         die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterlegen sind, die Anforderungen der Billigkeit berücksichtigen,
         wenn eine Kostenteilung allein nach Maßgabe des Erfolgs der gestellten Anträge zu einem unbilligen Ergebnis führen würde.
         Demnach verfügt das Amt für die konkrete Kostenaufteilung zwischen den Beteiligten über einen weiten Entscheidungsspielraum.
         
         
         
         55
            
          In den vorliegenden Rechtssachen wurden einerseits die Anmeldungen teilweise zurückgenommen. Andererseits wurden auch die
         Widersprüche teilweise zurückgenommen, nämlich soweit sich die Widerspruchsverfahren noch nicht durch die Einschränkung der
         Anmeldungen erledigt hatten. Damit verzichtete jeder Beteiligte teilweise auf seine Ansprüche.
         
         
         
         56
            
          Dieser Fall ist dem gleichzustellen, dass die Beteiligten jeweils in einem oder mehreren Punkten unterliegen. Denn in dem
         von Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 erfassten Fall, in dem das Amt wegen der Rücknahme der Anmeldung oder des
         Widerspruchs über den Widerspruch nicht zu entscheiden hat, kann es definitionsgemäß keinen unterliegenden Beteiligten geben.
         In diesem Fall hat die Verweisung auf Artikel 81 Absatz 2 daher nur dann Sinn, wenn diese Bestimmungen in ihrer Verbindung
         dahin ausgelegt werden, dass der Fall, dass jeder Beteiligte am Verwaltungsverfahren teilweise unterliegt, dem Fall gleichgestellt
         wird, dass jeder Beteiligte teilweise auf seine Ansprüche verzichtet. Es wäre auch unstimmig, wenn ein Beteiligter, der auf
         seine Ansprüche teilweise verzichtet, nicht einem Beteiligten gleichgestellt würde, der teilweise unterliegt. Wie oben in
         Randnummer 54 dargelegt, wird nämlich für den Beteiligten, der auf seine Ansprüche vollständig verzichtet, diese Gleichstellung
         durch Artikel 81 Absatz 1 in Verbindung mit Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 vorgenommen.
         
         
         
         57
            
          Daher durften die Beschwerdekammern in den vorliegenden Fällen bei ihrer Entscheidung über die konkrete Kostenaufteilung auf
         die Beteiligten, für die sie über einen weiten Entscheidungsspielraum verfügten, die Billigkeit berücksichtigen.
         
         
         
         58
            
          Für diese Entscheidung brauchten sie, anders als die Klägerin meint, nicht, auch nicht nur summarisch, die Aussichten der
         Beteiligten zu prüfen, in den Verfahren zu obsiegen. Denn es widerspräche der Verfahrensökonomie, allein für die Kostenaufteilung
         die Begründetheit eines Widerspruchs zu prüfen.
         
         
         
         59
            
          Weiterhin trifft es zwar zu, dass das Warenverzeichnis der Anmeldemarke in beiden Rechtssachen nur um eine, gemessen an der
         Gesamtzahl der darin aufgeführten Waren, geringere Anzahl von Waren eingeschränkt wurde und die Widerspruchsverfahren dementsprechend
         durch diese Einschränkung nur in begrenztem Umfang gegenstandslos wurden. Demgegenüber betraf die Rücknahme des Widerspruchs
         in beiden Fällen einen erheblichen Teil der in den Anmeldungen beanspruchten Waren. Folglich verzichteten die anderen Beteiligten
         am Verfahren vor den Beschwerdekammern in größerem Umfang auf ihre Ansprüche als die Klägerin.
         
         
         
         60
            
          Gleichwohl waren die Beschwerdekammern nicht verpflichtet, für die Aufteilung der Kosten auf die Beteiligten am Widerspruchsverfahren
         zu berücksichtigen, in welchem genauen Umfang jeder Beteiligte auf seine Ansprüche verzichtet hatte. Denn wie oben in Randnummer
         54 dargelegt, verfügten sie in dieser Frage über einen weiten Entscheidungsspielraum. In diesem Zusammenhang ist auch darauf
         hinzuweisen, dass nach Artikel 2 Nummer 5 der Verordnung (EG) Nr. 2869/95 der Kommission vom 13. Dezember 1995 über die an
         das Amt zu entrichtenden Gebühren (ABl. L 303, S. 33) die Höhe der Widerspruchsgebühr, die nach Artikel 81 Absatz 1 der Verordnung
         Nr. 40/94 und Regel 94 Absatz 6 der Verordnung Nr. 2868/95 zu den erstattungsfähigen Kosten gehört, nicht davon abhängt, gegen
         wie viele Waren der Anmeldemarke sich der Widerspruch richtet. Das Gleiche gilt nach diesen Bestimmungen für die übrigen erstattungsfähigen
         Kosten wie insbesondere auch die Kosten der Vertretung. Dass ein Widersprechender auf seine Ansprüche in größerem Umfang verzichtet
         als der Anmelder auf die seinen, bedeutet daher nicht, dass es ein Gebot der Billigkeit wäre, ihm den überwiegenden Teil der
         Kosten des Widerspruchsverfahrens aufzuerlegen. 
         
         
         
         61
            
          Die Beschwerdekammern haben daher nicht dadurch die sich aus der Billigkeit ergebenden Anforderungen verkannt, dass sie jedem
         Beteiligten am Widerspruchsverfahren in der Rechtssache T-124/02 seine eigenen Kosten im Widerspruchs- und Beschwerdeverfahren
         und in der Rechtssache T-156/02 die Hälfte der Widerspruchsgebühr und die eigenen Kosten im Widerspruchs- und Beschwerdeverfahren
         auferlegt haben.
         
         
         
         62
            
          Demnach ist der zweite Klagegrund zurückzuweisen.
         
         
         
         63
            
          Die Anträge auf Aufhebung der angefochtenen Entscheidungen, soweit darin der Klägerin ihre eigenen Kosten im Widerspruchsverfahren
         und im Beschwerdeverfahren auferlegt werden, sind daher zurückzuweisen.
         
         Zum Antrag hinsichtlich der Rückzahlung der Beschwerdegebühr in der Rechtssache T-124/02 Vorbringen der Parteien
         
         
         64
            
          Die Klägerin macht geltend, dass die angefochtene Entscheidung in der Rechtssache T-124/02 gegen Regel 51 der Verordnung Nr.
         2868/95 verstoße. Die Zweite Beschwerdekammer habe es zu Unrecht unterlassen, die Rückzahlung der Beschwerdegebühr anzuordnen,
         obwohl die Entscheidung der Widerspruchsabteilung gegen wesentliche Formvorschriften verstoßen habe. Die Widerspruchsabteilung
         habe das im Schreiben der Klägerin vom 19. Januar 1999 enthaltene Vorbringen, es sei bei der Entscheidung über die Kosten
         des Widerspruchsverfahrens auch der Umfang des Widerspruchs zu beachten, weder berücksichtigt noch auch nur erwähnt.
         
         
         
         65
            
          Die Klägerin rügt weiter, dass die angefochtene Entscheidung in der Rechtssache T-124/02 auch gegen die Begründungspflicht
         verstoße, denn die Zweite Beschwerdekammer habe darin für ihre Ablehnung des Antrags auf Rückzahlung der Beschwerdegebühr,
         den die Klägerin in der beim Amt eingereichten Beschwerdebegründung gestellt habe, keinerlei Begründung gegeben.
         
         
         
         66
            
          Das Amt hält dem entgegen, dass die Klägerin den Antrag auf Rückzahlung der Beschwerdegebühr in ihrer Beschwerdebegründung
         nicht auf eine Verletzung wesentlicher Formvorschriften durch die Widerspruchsabteilung gestützt habe. Sie habe darin der
         Widerspruchsabteilung nur eine falsche Auslegung von Artikel 81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 vorgeworfen. Es habe auch
         keine Anhaltspunkte dafür gegeben, dass die Entscheidung der Widerspruchsabteilung gegen wesentliche Formvorschriften verstoße.
         
         
         
         67
            
          Die Zweite Beschwerdekammer sei nicht verpflichtet gewesen, die Ablehnung des Antrags auf Rückzahlung der Beschwerdegebühr
         zu begründen, da dessen Voraussetzungen im vorliegenden Fall offensichtlich nicht vorgelegen hätten. Die Entscheidung der
         Beschwerdekammer über die Beschwerdegebühr sei stillschweigend in der allgemeinen Kostenentscheidung enthalten. Ferner setze
         die Anwendung von Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 voraus, dass die betroffene Partei gänzlich obsiegt habe. Hier habe
         die Beschwerdekammer dem Antrag der Klägerin, der anderen Beteiligten am Verfahren vor der Beschwerdekammer die Kosten des
         Widerspruchsverfahrens aufzuerlegen, jedoch nur teilweise stattgegeben.
         
         
         – Würdigung durch das Gericht
         
         
         68
            
          Zum Klagegrund eines Verstoßes gegen Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 ist zu bemerken, dass nach dieser Regel die Rückzahlung
         der Beschwerdegebühr angeordnet wird, wenn der Beschwerde abgeholfen oder ihr durch die Beschwerdekammer stattgegeben wird
         und die Rückzahlung wegen eines wesentlichen Verfahrensmangels der Billigkeit entspricht. Die Rückzahlung wird, falls der
         Beschwerde abgeholfen wird, von der Dienststelle, deren Entscheidung angefochten wurde, und in den übrigen Fällen von der
         Beschwerdekammer angeordnet.
         
         
         
         69
            
          Dem Wortlaut dieser Bestimmung ist zu entnehmen, dass über die Rückzahlung der Beschwerdegebühr von Amts wegen entschieden
         wird, ohne dass der Beschwerdeführer beim Amt hierfür einen Antrag zu stellen braucht.
         
         
         
         70
            
          Das heißt indessen nicht, dass die Beschwerdekammer in jedem Fall, in dem sie eine Entscheidung aufhebt, von Amts wegen prüfen
         muss, ob diese Entscheidung auf einer Verletzung wesentlicher Formvorschriften beruht, die die Anwendung der Regel 51 der
         Verordnung Nr. 2868/95 rechtfertigt. Auch der Antrag eines Beteiligten, ihm die Beschwerdegebühr zurückzuzahlen, kann eine
         solche Verpflichtung nicht begründen, wenn er nicht durch konkrete Angaben gestützt wird, mit denen eine Verletzung wesentlicher
         Formvorschriften dargetan werden soll. 
         
         
         
         71
            
          Da die Klägerin jedoch in ihrer Beschwerdebegründung keine Verletzung wesentlicher Formvorschriften durch die Widerspruchsabteilung
         gerügt hatte, hat die Beschwerdekammer mit der stillschweigenden Zurückweisung des Antrags der Klägerin nicht gegen Regel
         51 der Verordnung Nr. 2868/95 verstoßen. Der vorliegende Klagegrund ist deshalb zurückzuweisen.
         
         
         
         72
            
          Was den Klagegrund einer Verletzung der Begründungspflicht angeht, so sind nach Artikel 73 Satz 1 der Verordnung Nr. 40/94
         die Entscheidungen des Amtes mit Gründen zu versehen. Diese Verpflichtung hat den gleichen Umfang wie die aus Artikel 253
         EG.
         
         
         
         73
            
          Nach ständiger Rechtsprechung soll die Verpflichtung zur Begründung von Einzelfallentscheidungen dem doppelten Ziel dienen,
         die Beteiligten über die Gründe für die erlassene Maßnahme zu unterrichten, damit sie ihre Rechte verteidigen können, und
         es außerdem dem Gemeinschaftsrichter zu ermöglichen, die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zu überprüfen (u. a. Urteil des Gerichtshofes
         vom 14. Februar 1990 in der Rechtssache C-350/88, Delacre u. a./Kommission, Slg. 1990, I-395, Randnr. 15, und Urteile des
         Gerichts vom 6. April 2000 in der Rechtssache T-188/98, Kuijer/Rat, Slg. 2000, II-1959, Randnr. 36, und vom 23. Oktober 2002
         in der Rechtssache T-388/00, Institut für Lernsysteme/HABM – Educational Services [ELS], Slg. 2002, II-4301, Randnr. 59).
         Die Frage, ob die Begründung einer Entscheidung diesen Anforderungen genügt, ist nicht nur im Hinblick auf ihren Wortlaut
         zu entscheiden, sondern auch anhand ihres Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften, die das betreffende Gebiet regeln
         (Urteil des Gerichtshofes vom 29. Februar 1996 in der Rechtssache C-122/94, Kommission/Rat, Slg. 1996, I-881, Randnr. 29,
         und Urteil Kuijer/Rat, Randnr. 36).
         
         
         
         74
            
          Im vorliegenden Fall ist zu prüfen, ob die Beschwerdekammer, wie die Klägerin geltend macht, die Begründungspflicht dadurch
         verletzt hat, dass sie in der angefochtenen Entscheidung nicht darlegte, warum sie nicht die Rückzahlung der Beschwerdegebühr
         an die Klägerin anordnete, obwohl diese die Rückzahlung in der Beschwerdebegründung beantragt hatte.
         
         
         
         75
            
          Die Beschwerdekammer wäre zwar verpflichtet gewesen, zumindest summarisch auf etwaige Angaben der Klägerin einzugehen, mit
         denen dargetan werden sollte, dass im vorliegenden Fall die in Regel 51 der Verordnung Nr. 2868/95 genannten Voraussetzungen,
         insbesondere das Vorliegen einer Verletzung wesentlicher Formvorschriften durch die in erster Instanz entscheidenden Stellen
         des Amtes, erfüllt waren. Jedoch ist festzustellen, dass die Klägerin in ihrer Beschwerdebegründung dazu nichts vorgetragen
         hatte. Vielmehr machte sie darin, wie das Amt zutreffend ausgeführt hat, nur geltend, dass die Widerspruchsabteilung Artikel
         81 Absatz 3 der Verordnung Nr. 40/94 rechtlich fehlerhaft ausgelegt habe.
         
         
         
         76
            
          Demnach hat die Beschwerdekammer nicht die Begründungspflicht verletzt, als sie Ausführungen dazu unterließ, warum sie nicht
         die Rückzahlung der Beschwerdegebühr an die Klägerin anordnete. Der Klagegrund eines Verstoßes gegen Artikel 73 Satz 1 der
         Verordnung Nr. 40/94 ist daher ebenfalls zurückzuweisen.
         
         
         
         77
            
          Der Antrag der Klägerin auf Aufhebung der angefochtenen Entscheidung, soweit darin nicht die Rückzahlung der Beschwerdegebühr
         angeordnet wird, ist folglich unbegründet.
         
         
         
         78
            
          Nach alledem sind die Klagen insgesamt abzuweisen.
         
         
         Kosten
         79
            
          Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Klägerin unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag des Beklagten die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DAS GERICHT (Zweite Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Die Klagen werden abgewiesen.
               
            
            
            
             
               2.
                  Die Klägerin trägt die Kosten des Verfahrens.
               
            
            
                  Forwood
               
               
                  Pirrung
               
               
                  Meij
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 28. April 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  H. Jung
               
               
                  N. J. Forwood
               
            
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Deutsch.