CELEX: 62002TJ0228
Language: de
Date: 2006-12-12
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite Kammer) vom 12. Dezember 2006.#Organisation des Modjahedines du peuple d'Iran gegen Rat der Europäischen Union.#Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik - Gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus - Einfrieren von Geldern - Nichtigkeitsklage - Verteidigungsrechte - Begründung - Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz - Schadensersatzklage.#Rechtssache T-228/02.

Rechtssache T‑228/02
      Organisation des Modjahedines du peuple d’Iran
      gegen
      Rat der Europäischen Union
      „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik – Gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus – Einfrieren von Geldern – Nichtigkeitsklage – Verteidigungsrechte – Begründung – Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz – Schadensersatzklage“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Verfahren – Beschluss, der den angefochtenen Beschluss während des laufenden Verfahrens ersetzt
      2.      Nichtigkeitsklage – Befugnisse des Gemeinschaftsrichters – Klage gegen einen nach den Titeln V und VI des Vertrages über die
            Europäische Union angenommenen Gemeinsamen Standpunkt
      (Artikel 230 EG; Artikel 15 EU, 34 EU, 35 EU und 46 EU)
      3.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Beschluss über das Einfrieren von Geldern, der sich gegen bestimmte
            Personen und Organisationen richtet, die terroristischer Handlungen verdächtigt werden
      (Artikel 249 EG; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates, Artikel 2 Absatz 3; Beschluss 2005/930 des Rates)
      4.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, die restriktive
            Maßnahmen gegenüber nicht bezeichneten Personen und Organisationen verlangt, die terroristischer Handlungen verdächtigt werden
            – Durchführung durch die Gemeinschaft in Ausübung einer eigenen Befugnis
      (Artikel 60 EG, 301 EG und 308 EG; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates)
      5.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Beschluss über das Einfrieren von Geldern, der sich gegen bestimmte
            Personen und Organisationen richtet, die terroristischer Handlungen verdächtigt werden
      (Gemeinsamer Standpunkt 2001/931, Artikel 1 Absatz 4; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates, Artikel 2 Absatz 3)
      6.      Europäische Union – Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik – Polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen
            – Pflicht zu loyaler Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und den Gemeinschaftsorganen
      (Artikel 10 EG; Gemeinsamer Standpunkt 2001/931, Artikel 1 Absatz 4; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates, Artikel 2 Absatz
            3)
      7.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Beschluss über das Einfrieren von Geldern, der sich gegen bestimmte
            Personen und Organisationen richtet, die terroristischer Handlungen verdächtigt werden
      (Gemeinsamer Standpunkt 2001/931; Artikel 1 Absätze 4 und 6)
      8.      Handlungen der Organe – Begründung – Pflicht – Umfang
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates)
      9.      Handlungen der Organe – Begründung – Pflicht – Umfang
      (Artikel 253 EG; Gemeinsamer Standpunkt 2001/931, Artikel 1 Absätze 4 und 6; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates)
      10.    Europäische Gemeinschaften – Gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit von Handlungen der Organe
      (Artikel 230 Absatz 2 EG; Gemeinsamer Standpunkt 2001/931, Artikel 1 Absätze 4 und 6; Verordnung Nr. 2580/2001 des Rates,
            Artikel 2 Absatz 3)
      1.      Eine Entscheidung, die während des Verfahrens eine andere Entscheidung mit gleichem Gegenstand ersetzt, ist als neue Tatsache
         anzusehen, die den Kläger zur Anpassung seiner Anträge und Klagegründe berechtigt. Es wäre nämlich mit einer geordneten Rechtspflege
         und dem Erfordernis der Prozessökonomie unvereinbar, wenn der Kläger eine weitere Klage erheben müsste. Außerdem wäre es ungerecht,
         wenn das betreffende Gemeinschaftsorgan den Rügen in einer beim Gemeinschaftsrichter gegen eine Entscheidung eingereichten
         Klageschrift dadurch begegnen könnte, dass es die angefochtene Entscheidung anpasst oder durch eine andere ersetzt und sich
         im Verfahren auf diese Änderung oder Ersetzung beruft, um es der Gegenpartei unmöglich zu machen, ihre ursprünglichen Anträge
         und Klagegründe auf die spätere Entscheidung auszudehnen oder gegen diese ergänzende Anträge zu stellen und zusätzliche Angriffsmittel
         vorzubringen. Das gilt auch für den Fall, dass eine Verordnung, die einen Einzelnen unmittelbar und individuell betrifft,
         während des Verfahrens durch eine Verordnung mit gleichem Gegenstand ersetzt wird.
      
      (vgl. Randnrn. 28-29)
      2.      Das Gericht ist für die Entscheidung über eine Nichtigkeitsklage gegen einen Gemeinsamen Standpunkt, der auf der Grundlage
         der Artikel 15 EU (Titel V über die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik [GASP]) und 34 EU (Titel VI über die polizeiliche
         und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen [JI]) angenommen wurde, nur dann zuständig, wenn zur Begründung einer solchen
         Klage eine Verkennung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft geltend gemacht wird.
      
      Weder im Titel V des EU-Vertrags über die GASP noch im Titel VI über den Bereich JI ist nämlich eine Klage vor dem Gemeinschaftsrichter
         auf Nichtigerklärung eines Gemeinsamen Standpunkts vorgesehen. 
      
      Im Rahmen des EU-Vertrags in der Fassung des Amsterdamer Vertrages sind die Zuständigkeiten des Gerichtshofes abschließend
         in Artikel 46 EU aufgeführt. Dieser sieht aber keine Zuständigkeit des Gerichtshofes für die Bestimmungen des Titels V des
         EU-Vertrags vor, und im Rahmen des Titels VI des EU-Vertrags ergibt sich aus den Artikeln 35 EU und 46 EU, dass nur Rechtsbehelfe
         zur Überprüfung der Gültigkeit oder zur Nichtigerklärung der in Artikel 34 Absatz 2 Buchstaben b, c und d EU vorgesehenen
         Rahmenbeschlüsse, Beschlüsse und Maßnahmen zur Durchführung von Übereinkommen zur Verfügung stehen; dazu gehören nicht die
         Gemeinsamen Standpunkte nach Artikel 34 Absatz 2 Buchstabe a EU.
      
      (vgl. Randnrn. 46-49, 52, 56)
      3.      Den Betroffenen kann im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern gemäß der Verordnung Nr. 2580/2001
         über spezifische, gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus
         die Gewährleistung der Verteidigungsrechte im engeren Sinne nicht allein aus dem Grund vorenthalten werden, dass weder die
         Europäische Menschenrechtskonvention noch die allgemeinen Grundsätze des Gemeinschaftsrechts dem Einzelnen vor dem Erlass
         eines Rechtsakts einen Anspruch auf rechtliches Gehör verleihen.
      
      Es ist zwar richtig, dass der Beschluss 2005/930, mit dem Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 durchgeführt wird,
         die gleiche allgemeine Geltung wie diese Verordnung hat und wie sie in jedem Mitgliedstaat unmittelbar gilt und dass er trotz
         seines Titels daher deren Normcharakter im Sinne von Artikel 249 EG teilt, doch hat er keinen rein normativen Charakter. Er
         entfaltet seine Wirkung zwar erga omnes, betrifft aber die im Übrigen namentlich aufgeführten Personen, die in die Liste der
         Personen, Vereinigungen und Körperschaften aufzunehmen sind, deren Gelder nach dieser Verordnung einzufrieren sind, unmittelbar
         und individuell.
      
      (vgl. Randnrn. 95, 97-98)
      4.      Im Zusammenhang mit der Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats obliegt es den Mitgliedern der Organisation der Vereinten
         Nationen – im vorliegenden Fall der Gemeinschaft, über die ihre Mitgliedstaaten zu handeln beschlossen haben – unter Einhaltung
         der Vorschriften ihrer eigenen Rechtsordnung konkret die Personen, Vereinigungen und Einrichtungen festzulegen, deren Gelder
         gemäß dieser Resolution einzufrieren sind.
      
      In dieser Resolution werden nämlich zum einen nicht die Personen, Vereinigungen und Einrichtungen, die diesen Maßnahmen unterliegen
         sollen, einzeln bezeichnet, und es sind auch weder präzise Rechtsnormen für das Verfahren zum Einfrieren der Gelder vorgesehen
         noch Garantien oder Rechtsbehelfe, die sicherstellen, dass die von einem solchen Verfahren betroffenen Personen und Einrichtungen
         die von den Mitgliedstaaten gegen sie getroffenen Maßnahmen wirksam anfechten können.
      
      Zum anderen wird die Gemeinschaft nicht aufgrund einer durch den Willen der Union oder ihrer Mitgliedstaaten gebundenen Befugnis
         tätig, wenn der Rat wirtschaftliche Sanktionen auf der Grundlage der Artikel 60 EG, 301 EG und 308 EG verhängt.
      
      Da die Identifizierung der in der Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats genannten Personen, Vereinigungen und Einrichtungen
         und das anschließende Einfrieren von Geldern in Ausübung einer eigenen Befugnis aufgrund einer Ermessensentscheidung der Gemeinschaft
         erfolgen, müssen die betreffenden Gemeinschaftsorgane, im vorliegenden Fall der Rat, grundsätzlich die Verteidigungsrechte
         der Betroffenen wahren, wenn sie tätig werden, um dieser Resolution nachzukommen. Daraus folgt, dass die Verteidigungsrechte
         im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 über spezifische,
         gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus grundsätzlich
         in vollem Umfang zu gewährleisten sind.
      
      (vgl. Randnrn. 101-102, 106-108)
      5.      Im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001
         über spezifische, gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus
         können die Verteidigungsrechte nur in Bezug auf die tatsächlichen und rechtlichen Umstände ausgeübt werden, von denen die
         Anwendung der betreffenden Maßnahme auf den Betroffenen gemäß dieser Regelung abhängt.
      
      Die Frage nach der Wahrung der Verteidigungsrechte in diesem Zusammenhang kann sich jedoch auf zwei Ebenen stellen:
      Zunächst sind die Verteidigungsrechte des Betroffenen im Rahmen des nationalen Verfahrens wirksam zu wahren, das zum Erlass
         des in Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 über die Anwendung besonderer Maßnahmen zur Bekämpfung des
         Terrorismus vorgesehenen Beschlusses durch die zuständige nationale Behörde geführt hat. Insbesondere in diesem nationalen
         Rahmen muss der Betroffene zu den ihm zur Last gelegten Umständen, auf die der fragliche Beschluss gestützt ist, sachgerecht
         Stellung nehmen können, unbeschadet eventueller Beschränkungen der Verteidigungsrechte, die im nationalen Recht u. a. aus
         Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der Aufrechterhaltung der internationalen Beziehungen gerechtfertigt
         sind.
      
      Sodann sind die Verteidigungsrechte des Betroffenen im Rahmen des Gemeinschaftsverfahrens wirksam zu wahren, das zu einem
         Beschluss des Rates nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 führen soll, ihn in die streitige Liste aufzunehmen
         oder auf ihr zu belassen. Grundsätzlich muss der Betroffene in diesem Rahmen nur zu den rechtlichen Voraussetzungen für die
         Anwendung der betreffenden Gemeinschaftsmaßnahme sachgerecht Stellung nehmen können, d. h., wenn es sich um einen Ausgangsbeschluss
         über das Einfrieren von Geldern handelt, zum Vorliegen genauer Informationen oder einschlägiger Akten, aus denen sich ergibt,
         dass eine zuständige nationale Behörde ihm gegenüber einen Beschluss gefasst hat, auf den die Definition in Artikel 1 Absatz
         4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 zutrifft, und, wenn es sich um einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern
         handelt, zu der Begründung für seinen Verbleib auf der streitigen Liste.
      
      (vgl. Randnrn. 114-115, 118-120)
      6.      Nach Artikel 10 EG wird das Verhältnis zwischen den Mitgliedstaaten und den Gemeinschaftsorganen durch die Verpflichtung zu
         beiderseitiger loyaler Zusammenarbeit bestimmt. Dieser Grundsatz ist allgemein anwendbar und gilt u. a. im Rahmen der in Titel
         VI des EU-Vertrags geregelten polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen, die im Übrigen vollständig auf
         der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und den Organen beruht.
      
      Im Fall der Anwendung des Artikels 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 über die Anwendung besonderer Maßnahmen
         zur Bekämpfung des Terrorismus und des Artikels 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 über spezifische, gegen bestimmte
         Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus – Bestimmungen, die eine besondere
         Form der Zusammenarbeit zwischen dem Rat und den Mitgliedstaaten bei der gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus schaffen –
         folgt aus diesem Grundsatz die Verpflichtung für den Rat, sich zumindest dann, wenn es sich um eine Justizbehörde handelt,
         so weit wie möglich auf die Beurteilung durch die nationale Behörde zu verlassen, sowohl hinsichtlich des Vorliegens der „ernsthaften
         und schlüssigen Beweise oder Indizien“, auf die sie sich für ihren Beschluss stützt, als auch hinsichtlich der Anerkennung
         eventueller Beschränkungen des Zugangs zu diesen Beweisen oder Indizien, die im nationalen Recht aus zwingenden Gründen der
         öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der Aufrechterhaltung internationaler Beziehungen gerechtfertigt sind.
      
      Diese Erwägungen gelten jedoch nur, soweit die betreffenden Beweise oder Indizien auch tatsächlich von der zuständigen nationalen
         Behörde geprüft worden sind. Stützt der Rat seinen Ausgangsbeschluss oder einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern
         im Laufe des bei ihm stattfindenden Verfahrens dagegen auf Informationen oder Beweisumstände, die ihm von den Vertretern der
         Mitgliedstaaten übermittelt worden sind, ohne dass sie der zuständigen nationalen Behörde zur Prüfung vorgelegen haben, so
         sind sie als neue zur Last gelegte Umstände anzusehen, die grundsätzlich Gegenstand einer Mitteilung und einer Anhörung auf
         Gemeinschaftsebene sein müssen, wenn dies noch nicht auf nationaler Ebene geschehen ist.
      
      (vgl. Randnrn. 123-125)
      7.      Der allgemeine Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte verlangt, dass dem Betroffenen die zur Last gelegten Umstände
         so weit wie möglich mitgeteilt werden, entweder gleichzeitig mit dem Erlass eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren
         von Geldern oder so früh wie möglich im Anschluss daran, es sei denn, dem stehen zwingende Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft
         oder ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer internationalen Beziehungen entgegen. Unter denselben Einschränkungen
         müssen jedem Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern grundsätzlich eine Mitteilung der neuen zur Last gelegten Umstände
         und eine Anhörung vorausgehen. Für die Wahrung der Verteidigungsrechte ist es hingegen weder erforderlich, dass dem Betroffenen
         die zur Last gelegten Umstände vor dem Erlass einer Maßnahme zum erstmaligen Einfrieren von Geldern mitgeteilt werden, noch,
         dass er in einem solchen Zusammenhang im Nachhinein von Amts wegen angehört wird.
      
      Im Fall eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern ist es für die Mitteilung der zur Last gelegten Umstände
         zum einen grundsätzlich erforderlich, dass der Rat dem Betroffenen die genauen Informationen bzw. die einschlägigen Akten
         mitteilt, aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde eines Mitgliedstaats ihm gegenüber einen Beschluss gefasst hat,
         auf den die Definition in Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 über die Anwendung besonderer Maßnahmen
         zur Bekämpfung des Terrorismus zutrifft, sowie gegebenenfalls die neuen Umstände, die sich aus den Informationen oder Beweisumständen
         ergeben, die dem Rat von den Vertretern der Mitgliedstaaten übermittelt worden sind, ohne dass sie der zuständigen nationalen
         Behörde zur Prüfung vorgelegen haben, und zum anderen, dass er zu diesen Informationen oder Akten sachgerecht Stellung nehmen
         kann. 
      
      Im Fall eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von Geldern ist es zur Wahrung der Verteidigungsrechte ebenfalls erforderlich,
         dass dem Betroffenen die Informationen oder Akten mitgeteilt werden, die nach Ansicht des Rates seinen Verbleib auf den streitigen
         Listen rechtfertigen, sowie gegebenenfalls die oben erwähnten neuen Umstände, und außerdem, dass er hierzu sachgerecht Stellung
         nehmen kann.
      
      (vgl. Randnrn. 125-126, 137)
      8.      Die in Artikel 253 EG vorgesehene Begründungspflicht ist im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von
         Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 über spezifische, gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive
         Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus in vollem Umfang zu gewährleisten.
      
      Die Begründung einer Maßnahme zum Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 über spezifische, gegen bestimmte
         Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus muss sich grundsätzlich nicht
         nur auf die rechtlichen Voraussetzungen der Anwendung dieser Verordnung beziehen, sondern auch auf die Gründe, aus denen der
         Rat in Ausübung seines Ermessens annimmt, dass der Betroffene einer solchen Maßnahme zu unterwerfen ist.
      
      Zwingende Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer internationalen Beziehungen
         können der Offenlegung gegenüber den Betroffenen der genauen und vollständigen Gründe des Ausgangs- oder Folgebeschlusses
         über das Einfrieren ihrer Gelder jedoch entgegenstehen, so wie sie auch der Mitteilung der zur Last gelegten Umstände an diese
         im Laufe des Verwaltungsverfahrens entgegenstehen können.
      
      (vgl. Randnrn. 109, 146, 148)
      9.      Soweit dem keine zwingenden Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft oder ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer
         internationalen Beziehungen entgegenstehen und vorbehaltlich auch der Möglichkeit, dass in der im Amtsblatt veröffentlichten
         Fassung des Beschlusses nur der Tenor und eine allgemeine Begründung erscheinen, muss sich die Begründung eines Ausgangsbeschlusses
         über das Einfrieren von Geldern im Sinne von Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 über die Anwendung besonderer
         Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus in spezifischer und konkreter Weise zumindest auf genaue Informationen oder Akten
         beziehen, aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde eines Mitgliedstaats diesen Beschluss gegenüber dem Betroffenen
         gefasst hat. Die Begründung eines solchen Beschlusses muss ferner die Gründe nennen, aus denen der Rat in Ausübung seines
         Ermessens annimmt, dass der Betroffene einer solchen Maßnahme zu unterwerfen ist. Außerdem sind in der Begründung eines Folgebeschlusses
         über das Einfrieren von Geldern im Sinne von Artikel 1 Absatz 6 dieses Gemeinsamen Standpunkts unter denselben Einschränkungen
         die spezifischen und konkreten Gründe anzugeben, aus denen der Rat nach der Überprüfung – gegebenenfalls auf der Grundlage
         neuer Informationen oder Beweise – zu der Auffassung gelangt, dass das Einfrieren der Gelder des Betroffenen nach wie vor
         gerechtfertigt ist.
      
      (vgl. Randnrn. 116, 125-126, 147, 151)
      10.    Die gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit eines nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 über spezifische,
         gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus gefassten Beschlusses
         über das Einfrieren von Geldern ist die Kontrolle, die in Artikel 230 Absatz 2 EG vorgesehen ist, wonach der Gemeinschaftsrichter
         für Klagen wegen Unzuständigkeit, Verletzung wesentlicher Formvorschriften, Verletzung des EG-Vertrags oder einer bei seiner
         Durchführung anzuwendenden Rechtsnorm oder wegen Ermessensmissbrauchs zuständig ist.
      
      Im Rahmen dieser Kontrolle ist es Sache des Gerichts, unter Berücksichtigung der vom Betroffenen geltend gemachten oder von
         Amts wegen festgestellten Nichtigkeitsgründe u. a. zu überprüfen, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung der
         Verordnung Nr. 2580/2001 auf einen Einzelfall vorliegen, wie sie in deren Artikel 2 Absatz 3 und – durch Bezugnahme – entweder
         in Artikel 1 Absatz 4 oder in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 über die Anwendung besonderer Maßnahmen
         zur Bekämpfung des Terrorismus genannt sind, je nachdem, ob es sich um einen Ausgangsbeschluss oder einen Folgebeschluss über
         das Einfrieren von Geldern handelt. Dazu gehört, dass sich die gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit des fraglichen Beschlusses
         auf die Beurteilung der Tatsachen und Umstände erstreckt, die zu seiner Begründung herangezogen wurden, sowie auf die Prüfung
         der Beweismittel und Informationen, auf die sich diese Beurteilung stützt. Das Gericht muss sich auch von der Wahrung der
         Verteidigungsrechte und von der Erfüllung des insoweit bestehenden Begründungserfordernisses sowie gegebenenfalls von der
         Berechtigung der zwingenden Erwägungen überzeugen, auf die sich der Rat ausnahmsweise beruft, um hiervon abweichen zu können.
      
      Diese Kontrolle erweist sich umso mehr als unverzichtbar, als sie die einzige Verfahrensgarantie darstellt, die einen gerechten
         Ausgleich zwischen den Erfordernissen der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und dem Grundrechtsschutz schaffen kann.
         Da die Beschränkungen, denen die Verteidigungsrechte der Betroffenen vom Rat unterworfen werden, durch eine genaue, unabhängige
         und unparteiische gerichtliche Kontrolle auszugleichen sind, muss der Gemeinschaftsrichter die Rechtmäßigkeit und die Begründetheit
         der Maßnahmen zum Einfrieren von Geldern kontrollieren können, ohne dass ihm die Geheimhaltungsbedürftigkeit oder die Vertraulichkeit
         der vom Rat herangezogenen Beweise und Informationen entgegengehalten werden könnte.
      
      (vgl. Randnrn. 153-155)
URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)
      12. Dezember 2006(*)
      
      „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik – Gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus – Einfrieren von Geldern – Nichtigkeitsklage – Verteidigungsrechte – Begründung – Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz – Schadensersatzklage“
      In der Rechtssache T‑228/02
      Organisation des Modjahedines du peuple d’Iran mit Sitz in Auvers‑sur‑Oise (Frankreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwalt J.‑P. Spitzer, D. Vaughan, QC, und Rechtsanwältin
         É. De Boissieu,
      
      Klägerin,
      gegen
      Rat der Europäischen Union, vertreten durch M. Vitsentzatos und M. Bishop als Bevollmächtigte,
      
      Beklagter,
      unterstützt durch
      Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, zunächst vertreten durch J. E. Collins, dann durch R. Caudwell und C. Gibbs als Bevollmächtigte im Beistand von S. Moore,
         Barrister,
      
      Streithelfer,
      wegen Nichtigerklärung zunächst des Gemeinsamen Standpunkts 2002/340/GASP des Rates vom 2. Mai 2002 betreffend die Aktualisierung
         des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931/GASP über die Anwendung besonderer Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus (ABl. L 116,
         S. 75), des Gemeinsamen Standpunkts 2002/462/GASP des Rates vom 17. Juni 2002 betreffend die Aktualisierung des Gemeinsamen
         Standpunkts 2001/931 und zur Aufhebung des Gemeinsamen Standpunkts 2002/340 (ABl. L 160, S. 32) sowie des Beschlusses 2002/460/EG
         des Rates vom 17. Juni 2002 zur Durchführung von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr. 2580/2001 über spezifische, gegen
         bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus und zur Aufhebung des
         Beschlusses 2002/334/EG (ABl. L 160, S. 26), soweit die Klägerin in der Liste der Personen, Vereinigungen und Organisationen,
         auf die diese Bestimmungen Anwendung finden, aufgeführt ist, und wegen Schadensersatzes
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten J. Pirrung sowie der Richter N. J. Forwood und S. Papasavvas,
      Kanzler: E. Coulon,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 7. Februar 2006
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Aus den Akten ergibt sich, dass die Klägerin, die Organisation des Modjahedines du peuple d’Iran (Persisch: Mujahedin-e-Khalq
         [Volksmudschaheddin des Iran]), 1965 gegründet wurde und sich zum Ziel setzte, das Regime des iranischen Schahs und dann das
         Regime der Mullahs durch ein demokratisches Regime zu ersetzen. Sie war 1981 an der Gründung des Nationalen Widerstandsrats
         (NCRI) beteiligt, eines Organs, das sich selbst als „Exilparlament“ des iranischen Widerstands bezeichnet. Im für die vorliegende
         Rechtssache maßgeblichen Zeitraum soll sie aus fünf getrennten Organisationen sowie einer unabhängigen Sektion bestanden haben,
         die als bewaffneter Arm im Innern des Iran operierte. Die Klägerin gibt jedoch an, sie und ihre sämtlichen Mitglieder übten
         nach ausdrücklichem Verzicht seit Juni 2001 keine militärische Aktivität aus und sie verfüge derzeit nicht mehr über eine
         bewaffnete Struktur.
      
      2        Mit Verordnung vom 28. März 2001 nahm der Secretary of State for the Home Department (Innenminister des Vereinigten Königreichs,
         im Folgenden: Home Secretary) die Klägerin in die Liste der nach dem Terrorism Act 2000 (Gesetz über den Terrorismus von 2000)
         verbotenen Organisationen auf. Die Klägerin legte parallel zwei Rechtsbehelfe gegen diese Verordnung ein, eine Beschwerde
         (appeal) bei der Proscribed Organisations Appeal Commission (Beschwerdeausschuss für verbotene Organisationen, POAC) und einen
         Antrag auf gerichtliche Überprüfung (judicial review) beim High Court of Justice (England & Wales), Queen’s Bench Division
         (Administrative Court) (im Folgenden: High Court).
      
      3        Am 28. September 2001 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (im Folgenden: Sicherheitsrat) die Resolution
         1373 (2001), mit der Strategien für die Bekämpfung des Terrorismus mit allen Mitteln und insbesondere der Finanzierung des
         Terrorismus festgelegt wurden. Ziffer 1 Buchstabe c dieser Resolution bestimmt u. a., dass alle Staaten unverzüglich Gelder
         und sonstige finanzielle Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen von Personen einfrieren werden, die terroristische
         Handlungen begehen, zu begehen versuchen oder sich an deren Begehung beteiligen oder diese erleichtern, sowie von Einrichtungen,
         die im Eigentum oder unter der Kontrolle dieser Personen stehen, und von Personen und Einrichtungen, die im Namen oder auf
         Anweisung dieser Personen und Einrichtungen handeln.
      
      4        In der Erwägung, dass die Gemeinschaft tätig werden müsse, um die Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats umzusetzen, nahm
         der Rat am 27. Dezember 2001 nach den Artikeln 15 EU und 34 EU den Gemeinsamen Standpunkt 2001/930/GASP über die Bekämpfung
         des Terrorismus (ABl. L 344, S. 90) und den Gemeinsamen Standpunkt 2001/931/GASP über die Anwendung besonderer Maßnahmen zur
         Bekämpfung des Terrorismus (ABl. L 344, S. 93) an.
      
      5        Nach Artikel 1 Absatz 1 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 gilt dieser „für die im Anhang aufgeführten Personen, Vereinigungen
         und Körperschaften, die an terroristischen Handlungen beteiligt sind“. Der Name der Klägerin ist dort nicht aufgeführt.
      
      6        Artikel 1 Absätze 2 und 3 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 legt fest, was unter den Ausdrücken „Personen, Vereinigungen
         und Körperschaften, die an terroristischen Vereinigungen beteiligt sind“ und „terroristische Handlung“ zu verstehen ist.
      
      7        Nach Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 wird die Liste im Anhang auf der Grundlage genauer Informationen
         bzw. der einschlägigen Akten erstellt, aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde – gestützt auf ernsthafte und schlüssige
         Beweise oder Indizien – gegenüber den betreffenden Personen, Vereinigungen oder Körperschaften einen Beschluss gefasst hat,
         bei dem es sich um die Aufnahme von Ermittlungen oder um Strafverfolgung wegen einer terroristischen Handlung oder des Versuchs,
         eine terroristische Handlung zu begehen, daran teilzunehmen oder sie zu erleichtern oder um eine Verurteilung für derartige
         Handlungen handelt. Der Ausdruck „zuständige Behörde“ bezeichnet eine Justizbehörde oder, sofern die Justizbehörden keine
         Zuständigkeit auf diesem Gebiet haben, eine entsprechende zuständige Behörde in diesem Bereich.
      
      8        Nach Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 werden die Namen von Personen oder Körperschaften, die in der
         Liste im Anhang aufgeführt sind, mindestens einmal pro Halbjahr einer regelmäßigen Überprüfung unterzogen, um sicherzustellen,
         dass ihr Verbleib auf der Liste nach wie vor gerechtfertigt ist.
      
      9        Nach den Artikeln 2 und 3 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 ordnet die Europäische Gemeinschaft im Rahmen der ihr durch
         den EG-Vertrag übertragenen Zuständigkeiten das Einfrieren der Gelder und sonstigen Vermögenswerte oder wirtschaftlichen Ressourcen
         der im Anhang aufgeführten Personen, Gruppen und Körperschaften an und stellt sicher, dass ihnen keine Gelder, Vermögenswerte
         oder wirtschaftlichen Ressourcen oder Finanzdienstleistungen unmittelbar oder mittelbar zur Verfügung gestellt werden.
      
      10      In der Erwägung, dass es zur Umsetzung der im Gemeinsamen Standpunkt 2001/931 beschriebenen Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene
         einer Verordnung bedurfte, erließ der Rat am 27. Dezember 2001 auf der Grundlage der Artikel 60 EG, 301 EG und 308 EG die
         Verordnung (EG) Nr. 2580/2001 über spezifische, gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen
         zur Bekämpfung des Terrorismus (ABl. L 344, S. 70). Aus dieser Verordnung ergibt sich, dass, unbeschadet der in ihr geregelten
         Ausnahmen, alle Gelder, andere finanzielle Vermögenswerte und wirtschaftliche Ressourcen, die einer in der Liste nach Artikel
         2 Absatz 3 aufgeführten natürlichen oder juristischen Person, Vereinigung oder Körperschaft gehören, einzufrieren sind. Auch
         ist es verboten, diesen Personen, Vereinigungen oder Körperschaften Gelder oder Finanzdienstleistungen bereitzustellen. Der
         Rat erstellt, überprüft und ändert einstimmig und im Einklang mit Artikel 1 Absätze 4 bis 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931
         die Liste der dieser Verordnung unterfallenden Personen, Vereinigungen oder Körperschaften.
      
      11      Die ursprüngliche Liste der Personen, Vereinigungen und Körperschaften, auf die die Verordnung Nr. 2580/2001 Anwendung findet,
         wurde durch den Beschluss 2001/927/EG des Rates vom 27. Dezember 2001 zur Aufstellung der Liste nach Artikel 2 Absatz 3 der
         Verordnung (EG) Nr. 2580/2001 (ABl. L 344, S. 83) aufgestellt. Der Name der Klägerin ist dort nicht aufgeführt.
      
      12      Mit Urteil vom 17. April 2002 wies der High Court den Antrag der Klägerin auf gerichtliche Überprüfung der Verordnung des
         Home Secretary vom 28. März 2001 (vgl. oben, Randnr. 2) zurück und führte im Wesentlichen aus, dass die POAC das geeignete
         Forum sei, um über das klägerische Vorbringen, einschließlich des Vorwurfs einer Verletzung des rechtlichen Gehörs, zu entscheiden.
      
      13      Am 2. Mai 2002 nahm der Rat den Gemeinsamen Standpunkt 2002/340/GASP betreffend die Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts
         2001/931 (ABl. L 116, S. 75) nach den Artikeln 15 EU und 34 EU an. Dessen Anhang aktualisiert das Verzeichnis der Personen,
         Vereinigungen und Körperschaften, für die der Gemeinsame Standpunkt 2001/931 gilt. Die Nummer 2 dieses Anhangs („Gruppen und
         Organisationen“) enthält u. a. den Namen der Klägerin, der wie folgt aufgeführt ist:
      
      „Mujahedin-e-Khalq-Organisation (MEK oder MKO) [außer Nationaler Widerstandsrat von Iran (National Council of Resistance of
         Iran – NCRI)], (auch National Liberation Army of Iran (NLA, militanter Flügel der MEK), People’s Mujahidin of Iran (PMOI),
         National Council of Resistence (NCR), Muslim Iranian Student’s Society)“
      
      14      Mit Beschluss 2002/334/EG vom 2. Mai 2002 zur Durchführung von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 und zur Aufhebung
         des Beschlusses 2001/927 (ABl. L 116, S. 33) erstellte der Rat eine aktualisierte Liste der Personen, Vereinigungen und Körperschaften,
         auf die diese Verordnung Anwendung findet. In dieser Liste ist der Name der Klägerin in derselben Formulierung wie im Anhang
         zum Gemeinsamen Standpunkt 2002/340 aufgeführt.
      
      15      Am 17. Juni 2002 nahm der Rat den Gemeinsamen Standpunkt 2002/462/GASP betreffend die Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts
         2001/931 und zur Aufhebung des Gemeinsamen Standpunkts 2002/340 (ABl. L 160, S. 32) sowie den Beschluss 2002/460/EG zur Durchführung
         von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 und zur Aufhebung des Beschlusses 2002/334 (ABl. L 160, S. 26) an. Der
         Name der Klägerin verblieb auf den im Gemeinsamen Standpunkt 2001/931 und in der Verordnung Nr. 2580/2001 vorgesehenen Listen
         (im Folgenden zusammen: streitige Listen, für die Liste der Verordnung Nr. 2580/2001: streitige Liste).
      
      16      Mit Urteil vom 15. November 2002 wies die POAC die Beschwerde der Klägerin gegen die Verordnung des Home Secretary vom 28.
         März 2001 (vgl. oben, Randnr. 2) zurück und führte u. a. aus, dass für eine vorherige Anhörung der Klägerin durch sie keine
         Veranlassung bestehe und eine solche Anhörung im Übrigen im Rahmen von Rechtsvorschriften gegen terroristische Organisationen
         undurchführbar oder nicht wünschenswert sei. Die gesetzliche Regelung des Terrorism Act 2000 sehe eine faire Möglichkeit vor,
         dem Standpunkt der Klägerin vor der POAC Gehör zu verschaffen.
      
      17      Seitdem nahm der Rat mehrere Gemeinsame Standpunkte und Beschlüsse an, mit denen die streitigen Listen aktualisiert wurden.
         Zum Zeitpunkt des Schlusses der mündlichen Verhandlung waren der Gemeinsame Standpunkt 2005/936/GASP des Rates vom 21. Dezember
         2005 zur Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 und zur Aufhebung des Gemeinsamen Standpunkts 2005/847/GASP (ABl.
         L 340, S. 80) und der Beschluss 2005/930/EG des Rates vom 21. Dezember 2005 zur Durchführung von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 2580/2001 und zur Aufhebung des Beschlusses 2005/848/EG (ABl. L 340, S. 64) in Kraft. Diese Rechtsakte beließen den Namen
         der Klägerin auf den streitigen Listen.
      
       Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      18      Mit am 26. Juli 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangener Klageschrift hat die Klägerin die vorliegende Klage erhoben
         und beantragt,
      
      –        die Gemeinsamen Standpunkte 2002/340 und 2002/462 sowie den Beschluss 2002/460 für nichtig zu erklären, soweit sie sie betreffen;
         
      
      –        die Gemeinsamen Standpunkte und den Beschluss daher in Bezug auf sie für unanwendbar zu erklären;
      –        den Rat zu verurteilen, einen Euro als Ersatz für den erlittenen Schaden zu zahlen;
      –        dem Rat die Kosten aufzuerlegen.
      19      In seiner Klagebeantwortung hat der Rat beantragt,
      
      –        die Klage als teilweise unzulässig und teilweise unbegründet abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
      20      Mit Beschluss vom 12. Februar 2003 hat der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts nach Anhörung der Parteien das Vereinigte
         Königreich Großbritannien und Nordirland als Streithelfer zur Unterstützung der Anträge des Rates zugelassen. Der Streithelfer
         hat seinen Streithilfeschriftsatz eingereicht und beantragt, die Klage abzuweisen; die Klägerin hat sich zu diesem Schriftsatz
         fristgerecht geäußert.
      
      21      Das Gericht (Zweite Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und
         im Rahmen prozessleitender Maßnahmen nach Artikel 64 der Verfahrensordnung des Gerichts die Verfahrensbeteiligten mit Schreiben
         der Kanzlei vom 1. Dezember 2005 aufgefordert, schriftlich zu den Auswirkungen der neuen Umstände auf den Fortgang des vorliegenden
         Verfahrens Stellung zu nehmen, die sich aus der seit Klageerhebung mehrmaligen Aufhebung und Ersetzung der mit dieser Klage
         angefochtenen Rechtsakte, d. h. der Gemeinsamen Standpunkte 2002/340 und 2002/462 sowie des Beschlusses 2002/460, durch Rechtsakte
         ergeben, die die Klägerin auf den streitigen Listen beließen.
      
      22      In seiner Stellungnahme, die am 21. Dezember 2005 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat der Rat vorgetragen, dass
         er sich zu den Gemeinsamen Standpunkten nicht zu äußern brauche, weil die Klage jedenfalls insoweit unzulässig sei. Was die
         Beschlüsse der Gemeinschaft zur Durchführung der Verordnung Nr. 2580/2001 angehe, so sei anzunehmen, dass „die Klage gegen
         den Beschluss 2005/848/EG“ des Rates vom 29. November 2005 zur Durchführung von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001
         und zur Aufhebung des Beschlusses 2005/722/EG (ABl. L 314, S. 46) „oder jeden anderen Beschluss gerichtet ist, der denselben
         Gegenstand hat und zu dem Zeitpunkt, zu dem das Gericht sein Urteil erlasse, in Kraft sein wird, soweit er die Klägerin betrifft“.
      
      23      Die Klägerin vertritt in ihrer Stellungnahme, die am 2. Januar 2006 bei der Kanzlei eingegangen ist, die Auffassung, es sei
         „anzunehmen, dass die vorliegende Klage gegen den Gemeinsamen Standpunkt 2005/847/GASP des Rates vom 29. November 2005“ zur
         Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 und zur Aufhebung des Gemeinsamen Standpunkts 2005/725/GASP (ABl. L 314,
         S. 41) und gegen den „Beschluss 2005/848 gerichtet“ sei. Ihrer Stellungnahme hat die Klägerin außerdem eine Reihe neuer Unterlagen
         beigefügt, die zu den Akten genommen worden sind. Mit Schreiben der Kanzlei vom 19. Januar 2006 sind die Erklärungen und Unterlagen
         dem Rat übermittelt worden, der ihren Empfang am 27. Januar 2006 bestätigt hat.
      
      24      Mit am 25. Januar 2006 bei der Kanzlei eingegangenem Schriftsatz hat die Klägerin eine schriftliche Stellungnahme zum Sitzungsbericht
         eingereicht, in der sie u. a. geltend gemacht hat, dass die Klage von diesem Zeitpunkt an auch als gegen den Gemeinsamen Standpunkt
         2005/936 und den Beschluss 2005/930 gerichtet anzusehen sei. Diesem Schriftsatz hat sie eine Reihe weiterer neuer Unterlagen
         beigefügt. Den Verfahrensbeteiligten ist mitgeteilt worden, dass eine Entscheidung über die Aufnahme dieser Unterlagen in
         die Akten in der mündlichen Verhandlung getroffen werde.
      
      25      Die Verfahrensbeteiligten haben in der Sitzung vom 7. Februar 2006 mündlich verhandelt und mündliche Fragen des Gerichts beantwortet.
         Der Rat hat sich in der mündlichen Verhandlung auf die Unzulässigkeit der Einreichung neuer Unterlagen bei der Kanzlei durch
         die Klägerin am 18. und 25. Januar 2006 (vgl. oben, Randnrn. 23 und 24) berufen. Zudem sei er nicht in der Lage gewesen, zu
         diesen Unterlagen sachgerecht Stellung zu nehmen, weil sie verspätet übermittelt worden seien. Er hat das Gericht daher ersucht,
         entweder die fraglichen Unterlagen nicht zu den Akten zu nehmen oder die Wiedereröffnung des schriftlichen Verfahrens anzuordnen,
         damit er seinen Standpunkt schriftlich darlegen könne. Das Gericht hat die Entscheidung über diesen Antrag und die Aufnahme
         der oben in Randnummer 24 genannten Unterlagen in die Akten vorbehalten.
      
      26      Auf Nachfrage des Gerichts hat die Klägerin erklärt, dass, wie der Rat in seiner am 23. Dezember 2005 bei der Kanzlei eingegangenen
         Stellungnahme (vgl. oben, Randnr. 22) eingeräumt habe, die vorliegende Klage als gegen den Gemeinsamen Standpunkt 2005/936
         und den Beschluss 2005/930 gerichtet anzusehen sei sowie gegebenenfalls gegen alle anderen Rechtsakte, die zum Zeitpunkt des
         Erlasses des zu erwartenden Urteils in Kraft seien, denselben Gegenstand wie der Gemeinsame Standpunkt und der Beschluss hätten
         und, soweit sie sie beträfen, ihr gegenüber dieselbe Wirkung entfalteten.
      
       Zu den Auswirkungen der Aufhebung und Ersetzung der ursprünglich angefochtenen Rechtsakte auf das Verfahren
      27      Wie sich aus Randnummer 17 des vorliegenden Urteils ergibt, wurden die mit dieser Klage ursprünglich angefochtenen Rechtsakte,
         d. h. die Gemeinsamen Standpunkte 2002/340 und 2002/462 sowie der Beschluss 2002/460 (im Folgenden: ursprünglich angefochtener
         Beschluss), seit Klageerhebung mehrmals durch Rechtsakte aufgehoben und ersetzt, die die Klägerin auf den streitigen Listen
         beließen. Zum Zeitpunkt des Schlusses der mündlichen Verhandlung sind dies der Gemeinsame Standpunkt 2005/936 und der Beschluss
         2005/930.
      
      28      Insoweit ist daran zu erinnern, dass eine Entscheidung, die während des Verfahrens eine andere Entscheidung mit gleichem Gegenstand
         ersetzt, als neue Tatsache anzusehen ist, die den Kläger zur Anpassung seiner Anträge und Klagegründe berechtigt. Es wäre
         nämlich mit einer geordneten Rechtspflege und dem Erfordernis der Prozessökonomie unvereinbar, wenn der Kläger eine weitere
         Klage erheben müsste. Außerdem wäre es ungerecht, wenn das betreffende Gemeinschaftsorgan den Rügen in einer beim Gemeinschaftsrichter
         gegen eine Entscheidung eingereichten Klageschrift dadurch begegnen könnte, dass es die angefochtene Entscheidung anpasst
         oder durch eine andere ersetzt und sich im Verfahren auf diese Änderung oder Ersetzung beruft, um es der Gegenpartei unmöglich
         zu machen, ihre ursprünglichen Anträge und Klagegründe auf die spätere Entscheidung auszudehnen oder gegen diese ergänzende
         Anträge zu stellen und zusätzliche Angriffsmittel vorzubringen (Urteile des Gerichtshofes vom 3. März 1982 in der Rechtssache
         14/81, Alpha Steel/Kommission, Slg. 1982, 749, Randnr. 8, vom 29. September 1987 in den Rechtssachen 351/85 und 360/85, Fabrique
         de fer de Charleroi und Dillinger Hüttenwerke/Kommission, Slg. 1987, 3639, Randnr. 11, und vom 14. Juli 1988 in der Rechtssache
         103/85, Stahlwerke Peine-Salzgitter/Kommission, Slg. 1988, 4131, Randnrn. 11 und 12; Urteil des Gerichts vom 3. Februar 2000
         in den Rechtssachen T‑46/98 und T‑151/98, CCRE/Kommission, Slg. 2000, II‑167, Randnr. 33).
      
      29      In den Urteilen vom 21. September 2005 in den Rechtssachen T‑306/01 (Yusuf und Al Barakaat International Foundation/Rat und
         Kommission, Slg. 2005, II‑3533, mit Rechtsmittel angefochten, im Folgenden: Urteil Yusuf, Randnr. 73) und T‑315/01 (Kadi/Rat
         und Kommission, Slg. 2005, II‑3649, mit Rechtsmittel angefochten, im Folgenden: Urteil Kadi, Randnr. 54) hat das Gericht diese
         Rechtsprechung auf den Fall übertragen, dass eine Verordnung, die einen Einzelnen unmittelbar und individuell betrifft, während
         des Verfahrens durch eine Verordnung mit gleichem Gegenstand ersetzt wird.
      
      30      Nach Maßgabe dieser Rechtsprechung ist im vorliegenden Fall dem Antrag der Klägerin stattzugeben, ihre Klage als zum Zeitpunkt
         des Schlusses der mündlichen Verhandlung auf die Nichtigerklärung des Gemeinsamen Standpunkts 2005/936 und des Beschlusses
         2005/930, soweit sie sie betreffen, gerichtet anzusehen, und den Verfahrensbeteiligten ist zu gestatten, ihre Anträge, Klagegründe
         und Argumente im Licht dieser neuen Umstände umzuformulieren, was für sie das Recht einschließt, zusätzliche Anträge, Klagegründe
         und Argumente vorzutragen.
      
      31      Unter diesen Umständen ist die Aufnahme der Unterlagen, die die Klägerin ihrer Stellungnahme zum Sitzungsbericht beigefügt
         hat und die am 25. Januar 2006 bei der Kanzlei eingegangen sind (vgl. oben, Randnr. 24), in die Akten zuzulassen und der Antrag
         des Rates, sowohl diese Unterlagen als auch die Unterlagen, die der Stellungnahme der Klägerin zur schriftlichen Frage des
         Gerichts beigefügt waren und am 18. Januar 2006 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind (vgl. oben, Randnrn. 23 und
         25), nicht zu den Akten zu nehmen, zurückzuweisen. Denn die Vorlage neuer Schriftsätze und Unterlagen und die Unterbreitung
         neuer Beweisangebote sind als dem Recht der Verfahrensbeteiligten, ihre Anträge, Klagegründe und Argumente im Licht der in
         den vorstehenden Randnummern genannten neuen Umstände umzuformulieren, immanent anzusehen. Hinsichtlich der Frage, ob die
         verspätete Aufnahme der fraglichen Unterlagen in die Akten im vorliegenden Fall zur Wahrung der Verteidigungsrechte des Rates
         eine Wiedereröffnung des schriftlichen Verfahrens (vgl. oben, Randnr. 25) rechtfertigt, wird auf Randnummer 182 dieses Urteils
         verwiesen.
      
      32      Darüber hinaus ist das Gericht der Auffassung, dass es wirksam nur mit einem Antrag befasst werden kann, der auf die Nichtigerklärung
         eines existierenden und beschwerenden Rechtsakts gerichtet ist. Zwar kann der Klägerin somit gestattet werden, wie oben in
         Randnummer 30 festgestellt, ihre Anträge dahin umzuformulieren, dass sie auf die Nichtigerklärung der Rechtsakte gerichtet
         sind, die im Laufe des Verfahrens die ursprünglich angefochtenen Rechtsakte ersetzt haben, doch kann sich daraus nicht ergeben,
         dass die Vorabkontrolle der Rechtmäßigkeit noch nicht erlassener hypothetischer Rechtsakte gestattet wäre (vgl. Beschluss
         des Gerichts vom 18. September 1996 in der Rechtssache T‑22/96, Langdon/Kommission, Slg. 1996, II‑1009, Randnr. 16 und die
         dort zitierte Rechtsprechung).
      
      33      Daher ist der Klägerin nicht zu gestatten, ihre Anträge dahin umzuformulieren, dass sie sich nicht nur gegen den Gemeinsamen
         Standpunkt 2005/936 und den Beschluss 2005/930 richten, sondern gegebenenfalls auch gegen alle anderen Rechtsakte, die zum
         Zeitpunkt des Erlasses des zu erwartenden Urteils in Kraft sind, denselben Gegenstand wie diese Rechtsakte haben und ihr gegenüber
         dieselbe Wirkung entfalten, soweit sie sie betreffen (vgl. oben, Randnr. 26).
      
      34      Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens erstreckt sich die Kontrolle durch das Gericht deshalb nur auf die bereits erlassenen,
         noch in Kraft befindlichen und zum Zeitpunkt des Schlusses der mündlichen Verhandlung angefochtenen Rechtsakte, d. h. auf
         den Gemeinsamen Standpunkt 2005/936 (im Folgenden: angefochtener Gemeinsamer Standpunkt) und den Beschluss 2005/930 (im Folgenden:
         angefochtener Beschluss) (im Folgenden zusammen: angefochtene Rechtsakte), was auch für den Fall gilt, dass diese Rechtsakte
         ihrerseits zum Zeitpunkt der Verkündung des vorliegenden Urteils durch andere aufgehoben und ersetzt wurden.
      
      35      Denn in diesem Fall hätte die Klägerin weiterhin Interesse an der Nichtigerklärung der angefochtenen Rechtsakte, da ein Organ
         dadurch, dass es einen Rechtsakt aufhebt, nicht dessen Rechtswidrigkeit anerkennt, und da diese Aufhebung im Gegensatz zu
         einem Nichtigkeitsurteil, mit dem der für nichtig erklärte Rechtsakt rückwirkend aus der Rechtsordnung entfernt und so betrachtet
         wird, als ob er niemals bestanden hätte, ex nunc wirkt. Wie der Rat in der mündlichen Verhandlung eingeräumt hat, müsste er
         zudem im Fall der Nichtigerklärung der angefochtenen Rechtsakte nach Artikel 233 EG die sich aus dem Urteil ergebenden Maßnahmen
         ergreifen, was dazu führen könnte, dass er die etwaigen Rechtsakte, die die angefochtenen Rechtsakte nach dem Schluss der
         mündlichen Verhandlung aufgehoben und ersetzt hätten, ändert oder zurücknimmt (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom
         13. Dezember 1995 in den Rechtssachen T‑481/93 und T‑484/93, Exporteurs in Levende Varkens u. a./Kommission, Slg. 1995, II‑2941,
         Randnrn. 46 bis 48).
      
       Zum zweiten Klageantrag
      36      Mit ihrem zweiten Klageantrag, wie er in der mündlichen Verhandlung umformuliert wurde, ersucht die Klägerin das Gericht,
         die angefochtenen Rechtsakte als Folge ihrer teilweisen Nichtigerklärung, auf die der erste Klageantrag gerichtet ist, in
         Bezug auf sie für unanwendbar zu erklären.
      
      37      In dieser Fassung hat der zweite Klageantrag keine eigenständige Bedeutung gegenüber dem ersten. Er ist daher als gegenstandslos
         zu betrachten.
      
       Zum Antrag auf Nichtigerklärung des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      38      Die Klägerin trägt vor, dass die vorliegende Klage zulässig sei, da sowohl der angefochtene Gemeinsame Standpunkt als auch
         der angefochtene Beschluss sie unmittelbar und individuell beträfen und beschwerten. Insbesondere sei das Gericht für die
         Kontrolle der Rechtmäßigkeit des fraglichen Gemeinsamen Standpunkts zuständig; andernfalls läge eine Rechtsverweigerung vor.
      
      39      Die in Artikel 6 Absatz 2 EU verankerten Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit seien auf alle Rechtsakte der Union anwendbar,
         einschließlich derjenigen, die im Rahmen der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) oder der polizeilichen und justiziellen
         Zusammenarbeit in Strafsachen (allgemein bezeichnet als „Justiz und Inneres“, JI) erlassen würden. Da das Recht auf gerichtlichen
         Rechtsschutz wesentlicher Bestandteil dieser Rechtsstaatlichkeit sei, wie sich auch aus den Artikeln 35 EU und 46 EU und der
         Rechtsprechung des Gerichtshofes ergebe (Urteile vom 15. Mai 1986 in der Rechtssache 222/84, Johnston, Slg. 1986, 1651, Randnr.
         18, und vom 25. Juli 2002 in der Rechtssache C‑50/00 P, Unión de Pequeños Agricultores/Rat, Slg. 2002, I‑6677, Randnrn. 38
         und 39), dürfe keiner dieser Rechtsakte der Kontrolle durch den Gerichtshof und das Gericht entgehen. Eine andere Auffassung
         käme der Schaffung eines rechtsfreien Raums gleich.
      
      40      Jedenfalls seien das vom Rat im vorliegenden Fall durchgeführte Gesetzgebungsverfahren und die Wahl der Vorschriften über
         die GASP als Rechtsgrundlage des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts als rechtswidrig anzusehen. Angesichts u. a. des in
         Artikel 47 EU verankerten Vorrangs des Gemeinschaftsrechts sei das Gericht dafür zuständig, eine solche Rechtswidrigkeit eines
         im Rahmen der GASP oder des Bereichs der JI erlassenen Rechtsakts zu ahnden. Die Klägerin beruft sich hierfür auf das Urteil
         des Gerichtshofes vom 12. Mai 1998 in der Rechtssache C‑170/96 (Kommission/Rat, Slg. 1998, I‑2763).
      
      41      Das Gesetzgebungsverfahren sei nämlich von dem anhaltenden Willen des Rates geprägt, sich unter Berufung auf eine internationale
         Regelung den Erfordernissen des Grundrechtsschutzes und der demokratischen Kontrolle dieser Rechtsakte – durch den Gesetzgeber
         oder den Richter – unter Missachtung der allgemeinen Grundsätze des Gemeinschaftsrechts zu entziehen. Die mit der tatsächlichen
         Durchführung dieser Rechtsakte der Union befassten Personen unterlägen aber weiterhin einer gerichtlichen Kontrolle im Hinblick
         auf die Grundrechte.
      
      42      Dieser Wille sei im Übrigen vom Europäischen Parlament bei seiner Anhörung zum Entwurf der Verordnung Nr. 2580/2001 kritisiert
         worden. Er werde u. a. durch den Umstand verdeutlicht, dass sich der Rat selbst die Zuständigkeit für die Durchführung der
         Verordnung Nr. 2580/2001 übertragen habe, und zwar mit Hilfe von Beschlüssen, die darüber hinaus offensichtlich nicht mit
         einer Begründung versehen seien.
      
      43      Ohne zu bestreiten, dass die Klägerin von den angefochtenen Rechtsakten unmittelbar und individuell betroffen ist, tragen
         der Rat und das Vereinigte Königreich vor, dass die Klage unzulässig sei, soweit sie gegen den angefochtenen Gemeinsamen Standpunkt
         gerichtet sei.
      
      44      Der Rat und das Vereinigte Königreich sind daher der Auffassung, dass das vorliegende Verfahren auf die Kontrolle der Rechtmäßigkeit
         des angefochtenen Beschlusses zu beschränken sei, über den die von der Verordnung Nr. 2580/2001 vorgesehenen Maßnahmen auf
         die Klägerin Anwendung fänden.
      
       Würdigung durch das Gericht 
      45      Im Anschluss an die ständige Rechtsprechung des Gerichts (Beschlüsse vom 7. Juni 2004 in der Rechtssache T‑338/02, Segi u. a./Rat,
         Slg. 2004, II‑1647, mit Rechtsmittel angefochten, Randnrn. 40 ff., und in der Rechtssache T‑333/02, Gestoras Pro Amnistía
         u. a./Rat, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, mit Rechtsmittel angefochten, Randnrn. 40 ff., sowie vom 18. November
         2005 in der Rechtssache T‑299/04, Selmani/Rat und Kommission, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnrn. 52
         bis 59) ist die Klage als teilweise offensichtlich unzulässig und teilweise offensichtlich unbegründet abzuweisen, soweit
         sie auf die Nichtigerklärung des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts gerichtet ist.
      
      46      Dieser Gemeinsame Standpunkt ist nämlich kein Rechtsakt des Rates, der aufgrund des EG-Vertrags erlassen wurde und als solcher
         der Rechtmäßigkeitskontrolle nach Artikel 230 EG unterliegt, sondern ein Rechtsakt des aus den Vertretern der Regierungen
         der Mitgliedstaaten bestehenden Rates, der auf der Grundlage der Artikel 15 EU (Titel V des EU-Vertrags über die GASP) und
         34 EU (Titel VI des EU-Vertrags über den Bereich JI) erlassen wurde.
      
      47      Weder im Titel V des EU-Vertrags über die GASP noch im Titel VI über den Bereich JI ist eine Klage vor dem Gemeinschaftsrichter
         auf Nichtigerklärung eines Gemeinsamen Standpunkts vorgesehen.
      
      48      Im Rahmen des EU-Vertrags in der Fassung des Amsterdamer Vertrages sind die Zuständigkeiten des Gerichtshofes vielmehr abschließend
         in Artikel 46 EU aufgeführt.
      
      49      Dieser sieht keine Zuständigkeit des Gerichtshofes für die Bestimmungen des Titels V des EU-Vertrags vor.
      
      50      Außerdem bestimmt er für die im vorliegenden Fall einschlägigen Bestimmungen des Titels VI des EU-Vertrags:
      
      „Die Bestimmungen des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, des Vertrags über die Gründung der Europäischen
         Gemeinschaft für Kohle und Stahl und des Vertrags zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft betreffend die Zuständigkeit
         des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften und die Ausübung dieser Zuständigkeit gelten nur für folgende Bestimmungen
         dieses Vertrags:
      
      …
      b)      die Bestimmungen des Titels VI nach Maßgabe des Artikels 35 [EU];
      …
      d)      Artikel 6 Absatz 2 [EU] in Bezug auf Handlungen der Organe, sofern der Gerichtshof im Rahmen der Verträge zur Gründung der
         Europäischen Gemeinschaften und im Rahmen dieses Vertrags zuständig ist;
      
      …“
      51      Die einschlägigen Bestimmungen des Artikels 35 EU lauten:
      
      „(1)      Der Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften entscheidet unter den in diesem Artikel festgelegten Bedingungen im Wege der
         Vorabentscheidung über die Gültigkeit und die Auslegung der Rahmenbeschlüsse und Beschlüsse, über die Auslegung der Übereinkommen
         nach diesem Titel und über die Gültigkeit und die Auslegung der dazugehörigen Durchführungsmaßnahmen.
      
      …
      (6)      Der Gerichtshof ist für die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Rahmenbeschlüsse und Beschlüsse bei Klagen zuständig, die ein
         Mitgliedstaat oder die Kommission wegen Unzuständigkeit, Verletzung wesentlicher Formvorschriften, Verletzung dieses Vertrags
         oder einer bei seiner Durchführung anzuwendenden Rechtsnorm oder wegen Ermessensmissbrauchs erhebt. Das in diesem Absatz vorgesehene
         Gerichtsverfahren ist binnen zwei Monaten nach Veröffentlichung der Maßnahme einzuleiten.
      
      …“
      52      Aus den Artikeln 35 EU und 46 EU ergibt sich, dass im Rahmen des Titels VI des EU-Vertrags nur Rechtsbehelfe zur Überprüfung
         der Gültigkeit oder zur Nichtigerklärung der in Artikel 34 Absatz 2 Buchstaben b, c und d EU vorgesehenen Rahmenbeschlüsse,
         Beschlüsse und Maßnahmen zur Durchführung von Übereinkommen zur Verfügung stehen; dazu gehören nicht die Gemeinsamen Standpunkte
         nach Artikel 34 Absatz 2 Buchstabe a EU.
      
      53      Auch die Grundrechtsgewährleistung des Artikels 6 Absatz 2 EU kommt im vorliegenden Fall nicht zum Tragen, da Artikel 46 Buchstabe
         d EU dem Gerichtshof keine zusätzliche Zuständigkeit eröffnet (Beschluss Segi u. a./Rat, oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr.
         37).
      
      54      Das von der Klägerin geltend gemachte Fehlen eines wirksamen gerichtlichen Rechtsbehelfs kann für sich allein – im Rechtssystem
         der Gemeinschaft, das auf dem Grundsatz der Einzelermächtigung beruht, wie es sich aus Artikel 5 EG ergibt – kein Recht auf
         eine echte Gemeinschaftszuständigkeit für einen Rechtsakt begründen, der in einem verwandten, aber gesonderten Rechtssystem
         erlassen wurde, nämlich dem, das mit den Titeln V und VI des EU-Vertrags geschaffen wurde (vgl. Beschluss Segi u. a./Rat,
         oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 38). Insoweit kann sich die Klägerin nicht auf das Urteil Unión de Pequeños Agricultores/Rat
         (oben in Randnr. 39 angeführt) berufen. In diesem Urteil (Randnr. 40) hat der Gerichtshof seine Erwägungen darauf gestützt,
         dass der EG-Vertrag ein vollständiges System von Rechtsbehelfen und Verfahren geschaffen hat, das die Kontrolle der Rechtmäßigkeit
         der Handlungen der Organe gewährleisten soll. Wie aber oben ausgeführt, hat der EU-Vertrag in Bezug auf die nach den Titeln
         V und VI erlassenen Rechtsakte eine eingeschränkte gerichtliche Kontrolle eingeführt, der bestimmte Bereiche nicht unterfallen
         und die bestimmte Rechtsschutzmöglichkeiten nicht umfasst.
      
      55      Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Erlass von gemeinschaftsrechtlichen und/oder nationalen Durchführungsmaßnahmen
         eine Wirksamkeitsvoraussetzung des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts ist, ohne dass auf die Frage der Anfechtbarkeit eines
         Gemeinsamen Standpunkts vor den mitgliedstaatlichen Gerichten einzugehen wäre. Es wurde nicht vorgetragen, dass diese Durchführungsmaßnahmen
         nicht selbst Gegenstand einer Nichtigkeitsklage vor dem Gemeinschafts- oder nationalen Richter sein könnten. Daher trifft
         es nicht zu, dass die Klägerin nicht über einen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz verfügt, auch wenn es sich dabei um
         einen indirekten Rechtsschutz gegenüber den auf der Grundlage des Gemeinsamen Standpunkts erlassenen Rechtsakten handelt,
         die sie unmittelbar beschweren. Im vorliegenden Fall hat die Klägerin im Übrigen von diesem Rechtsbehelf gegenüber dem angefochtenen
         Beschluss tatsächlich Gebrauch gemacht.
      
      56      Unter diesen Umständen ist das Gericht für die Entscheidung über eine Nichtigkeitsklage gegen einen Gemeinsamen Standpunkt,
         der auf der Grundlage der Artikel 15 EU und 34 EU angenommen wurde, nur dann zuständig, wenn sich die Klägerin zur Begründung
         einer solchen Klage auf eine Verkennung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft beruft (Beschluss Selmani/Rat und Kommission,
         oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 56). Denn die Gemeinschaftsgerichte sind dafür zuständig, den Inhalt eines im Rahmen
         des EU-Vertrags erlassenen Rechtsakts zu prüfen, um festzustellen, ob dieser Rechtsakt nicht die Zuständigkeiten der Gemeinschaft
         beeinträchtigt, und ihn für nichtig zu erklären, wenn sich herausstellen sollte, dass er auf eine Bestimmung des EG-Vertrags
         hätte gestützt werden müssen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofes Kommission/Rat, oben in Randnr. 40 angeführt,
         Randnrn. 16 und 17, und vom 13. September 2005 in der Rechtssache C‑176/03, Kommission/Rat, Slg. 2005, I‑7879, Randnr. 39;
         Beschlüsse Segi u. a./Rat und Gestoras Pro Amnistía u. a./Rat, oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 41; vgl. auch sinngemäß
         Urteil des Gerichtshofes vom 14. Januar 1997 in der Rechtssache C‑124/95, Centro-Com, Slg. 1997, I‑81, Randnr. 25).
      
      57      Die vorliegende Klage fällt daher in die Zuständigkeit der Gemeinschaftsrichter, soweit die Klägerin einen Verfahrensmissbrauch
         rügt, der vom Rat bei seinem Handeln im Bereich der Union unter Verkennung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft begangen worden
         sei und zum Ziel gehabt habe, ihr jeglichen Rechtsschutz zu nehmen.
      
      58      Hierzu ist jedoch festzustellen, dass der Rat bei seinem Handeln im Rahmen der Union keineswegs die Gemeinschaftszuständigkeiten
         verkannt hat, sondern sich im Gegenteil auf diese gestützt hat, um die Durchführung des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts
         sicherzustellen. Denn zum einen kann dem Rat, da er sich auf die einschlägigen Gemeinschaftszuständigkeiten, insbesondere
         aus den Artikeln 60 EG und 301 EG, gestützt hat, nicht vorgeworfen werden, sie ignoriert zu haben. Die Klägerin hat außer
         den im vorliegenden Fall tatsächlich herangezogenen Bestimmungen keine einschlägige Rechtsgrundlage genannt, die unter Verstoß
         gegen Artikel 47 EU verkannt worden sein könnte. Zum anderen sehen diese Bestimmungen selbst als Voraussetzung für ihre Anwendbarkeit
         die vorherige Annahme eines Gemeinsamen Standpunkts oder einer gemeinsamen Aktion vor. Daraus folgt, dass die Annahme eines
         Gemeinsamen Standpunkts, bevor die im vorliegenden Fall in Anspruch genommenen Gemeinschaftszuständigkeiten wahrgenommen wurden,
         die Beachtung dieser Zuständigkeiten verdeutlicht und nicht deren Verletzung. Auch wenn der Rückgriff auf einen Gemeinsamen
         Standpunkt im Rahmen des EU-Vertrags bedeutet, dass die erfassten Personen keinen direkten gerichtlichen Rechtsschutz vor
         dem Gemeinschaftsrichter haben, ihnen also die Möglichkeit genommen wird, den angefochtenen Gemeinsamen Standpunkt direkt
         anzufechten, stellt dies für sich genommen keine Verkennung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft dar. Zur Entschließung des
         Parlaments vom 7. Februar 2002, in der dieses bedauert, dass für die Aufstellung der Liste der Personen, Vereinigungen und
         Organisationen, die an terroristischen Handlungen beteiligt sind, eine Rechtsgrundlage des EU-Vertrags gewählt wurde, ist
         schließlich festzustellen, dass sich diese Kritik gegen eine politische Entscheidung richtet und für sich genommen nicht die
         Rechtmäßigkeit der gewählten Rechtsgrundlage oder die Verkennung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft in Frage stellt (Beschluss
         Segi u. a./Rat, oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 46).
      
      59      Das Gericht, das im Rahmen der eingeschränkten Rechtmäßigkeitskontrolle entscheidet, die sich aus seiner Zuständigkeit nach
         dem EG-Vertrag ergibt, kann somit nur feststellen, dass der angefochtene Gemeinsame Standpunkt die Zuständigkeiten der Gemeinschaft
         nicht verkennt.
      
      60      Daher ist die vorliegende Klage in dem eingeschränkten Umfang, in dem das Gericht für sie zuständig ist, soweit sie gegen
         den angefochtenen Gemeinsamen Standpunkt gerichtet ist, als offensichtlich unbegründet abzuweisen.
      
       Zum Antrag auf Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses
      61      Zur Begründung ihrer Anträge auf Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses führt die Klägerin drei Klagegründe an. Der
         erste ist in fünf Teile gegliedert und betrifft die Verletzung der Verteidigungsrechte, einer wesentlichen Formvorschrift,
         des Rechts auf einen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz und des Rechts auf die Unschuldsvermutung sowie einen offensichtlichen
         Beurteilungsfehler. Der zweite wird auf eine Verletzung des Rechts zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung gestützt.
         Der dritte bezieht sich auf einen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot.
      
      62      Zunächst ist auf den ersten Klagegrund einzugehen.
      
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      63      Im Rahmen des ersten Klagegrundes bestreitet die Klägerin an sich weder die Rechtmäßigkeit noch die Legitimität von Maßnahmen
         wie das Einfrieren von Geldern, das in den angefochtenen Rechtsakten gegenüber Personen, Vereinigungen und Körperschaften
         im Sinne des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931, die an terroristischen Handlungen beteiligt sind, vorgesehen ist.
      
      64      Die Klägerin trägt hingegen im ersten Teil des Klagegrundes vor, der angefochtene Beschluss verletze ihre Grundrechte, insbesondere
         ihre Verteidigungsrechte, wie sie u. a. durch Artikel 6 Absatz 2 EU und Artikel 6 der Europäischen Konvention zum Schutze
         der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) gewährleistet würden, da ihr durch diesen Rechtsakt Sanktionen auferlegt würden
         und ein erheblicher Schaden entstehe, ohne dass sie vor seinem Erlass angehört worden wäre und selbst ohne dass sie später
         hätte sachgerecht Stellung nehmen können. Da ihre Büroräume und führenden Mitglieder bekannt seien, hätten vor ihrer Aufnahme
         in die streitige Liste ihre Vertreter geladen und angehört werden müssen. In der mündlichen Verhandlung hat die Klägerin betont,
         dass sie nicht einmal die nationale Behörde gekannt habe, die den gegen sie gerichteten Beschluss nach Artikel 1 Absatz 4
         des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 und Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 angeblich gefasst habe, und auch
         nicht die Beweismittel und Informationen, auf deren Grundlage ein solcher Beschluss gefasst worden sei. Ihre Aufnahme in die
         streitige Liste sei „offensichtlich allein aufgrund der vom Regime in Teheran vorgelegten Unterlagen“ erfolgt.
      
      65      Die Klägerin macht außerdem im zweiten und im dritten Teil des Klagegrundes geltend, dass ihre Aufnahme in die streitige Liste
         ohne vorherige Anhörung und ohne den geringsten Hinweis auf die sie rechtfertigenden tatsächlichen und rechtlichen Gründe
         die Begründungspflicht aus Artikel 253 EG sowie das Recht auf einen effektiven gerichtlichen Rechtsschutz verletze (Urteile
         des Gerichtshofes vom 8. Februar 1968 in der Rechtssache 3/67, Mandelli/Kommission, Slg. 1968, 35, und Johnston, oben in Randnr.
         39 angeführt).
      
      66      Ferner trägt die Klägerin im vierten Teil des Klagegrundes vor, dass die Aufnahme in die streitige Liste gegen die Unschuldsvermutung
         aus Artikel 48 Absatz 1 der Grundrechtecharta verstoße, und führt dafür das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
         (EGMR) vom 10. Februar 1995, Allenet de Ribemont (Serie A, Nr. 308), an.
      
      67      Im fünften Teil des Klagegrundes macht die Klägerin schließlich geltend, dass ihre Aufnahme in die streitige Liste auf einem
         offensichtlichen Beurteilungsfehler beruhe. Sie könne nämlich keinesfalls beschuldigt werden, eine terroristische Organisation
         zu sein.
      
      68      Nach Ansicht des Rates und des Vereinigten Königreichs verstößt der angefochtene Beschluss nicht gegen die angeblich verletzten
         Grundrechte.
      
      69      Zum Anspruch auf rechtliches Gehör führt der Rat aus, die Klägerin habe selbst vorgetragen, dass sie vor dem Erlass des ursprünglich
         angefochtenen Beschlusses dem amtierenden Ratspräsidenten geschrieben habe, um sich zu verteidigen. Der Rat ist der Auffassung,
         dass er sie somit vor dem Einfrieren ihrer Gelder angehört habe. Er beruft sich hierfür auf den Beschluss des Präsidenten
         der Zweiten Kammer des Gerichts vom 2. August 2000 in der Rechtssache T‑189/00 R („Invest“ Import und Export und Invest commerce/Kommission,
         Slg. 2000, II‑2993, Randnr. 41), aus dem sich mittelbar ergebe, dass vorherige Kontakte der Klägerin mit den Behörden, die
         eingehende Darlegung ihres Standpunkts und die Kenntnis von ihrer bevorstehenden Aufnahme in die schwarze Liste eine Gesamtheit
         von Umständen darstelle, die dem Anspruch auf rechtliches Gehör genüge.
      
      70      Im Übrigen habe die Klägerin seit dem Erlass des ursprünglich angefochtenen Beschlusses den Kontakt mit dem Rat nicht wieder
         aufgenommen, um eine Überprüfung ihres Falles im Hinblick auf ihre eventuelle Streichung von der streitigen Liste zu veranlassen.
      
      71      Jedenfalls folge weder aus der EMRK noch aus der Grundrechtecharta, einem im Übrigen nicht verbindlichen Instrument, noch
         aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten, dass die Wahrung der Verteidigungsrechte ein uneingeschränktes
         Recht umfasse, vor der Verhängung einer zivilrechtlichen oder verwaltungsrechtlichen Sanktion wie der im vorliegenden Fall
         angefochtenen angehört zu werden.
      
      72      Der Rat und das Vereinigte Königreich sind deshalb der Auffassung, dass Ausnahmen vom allgemeinen Anspruch auf rechtliches
         Gehör in einem Verwaltungsverfahren aus Gründen des öffentlichen Interesses, der öffentlichen Ordnung, der Aufrechterhaltung
         internationaler Beziehungen oder dann möglich erschienen – zumindest in einigen Mitgliedstaaten –, wenn der Zweck der zu treffenden
         Entscheidung bei Gewährung des fraglichen Anspruchs vereitelt würde oder werden könnte. Als Beispiele nennt der Rat das deutsche,
         das französische, das italienische, das englische, das dänische, das schwedische, das irische und das belgische Recht.
      
      73      Die Regierung des Vereinigten Königreichs beschreibt das besondere Verfahren, das vor der POAC für eine Beschwerde gegen einen
         Beschluss des Home Secretary nach dem Terrorism Act 2000 über das Verbot einer Organisation, von der dieser meine, dass sie
         sich am Terrorismus beteilige, gelte. Dieses Verfahren sei u. a. durch die Bestellung eines speziellen Anwalts für die Vertretung
         des Beschwerdeführers vor der in nicht öffentlicher Sitzung tagenden POAC gekennzeichnet sowie durch die Möglichkeit für die
         POAC, Beweise zu berücksichtigen, die dem Beschwerdeführer oder seinem gesetzlichen Vertreter nach dem Gesetz oder aus Gründen
         des öffentlichen Interesses nicht bekannt gegeben würden. Im vorliegenden Fall sei gegen die Klägerin eine solche Verbotsentscheidung
         ergangen (vgl. oben, Randnr. 2), gegen die sie zwei parallele Rechtsbehelfe eingelegt habe, eine Beschwerde bei der POAC und
         einen Antrag auf gerichtliche Überprüfung beim High Court. Der High Court habe mit Urteil vom 17. April 2002 die Klage abgewiesen
         (vgl. oben, Randnr. 12), und die POAC habe mit Urteil vom 15. November 2002 die Beschwerde zurückgewiesen (vgl. oben, Randnr.
         16).
      
      74      Nach Ansicht des Rates und des Vereinigten Königreichs gewährt das Gemeinschaftsrecht der Klägerin auch kein Recht, vor ihrer
         Aufnahme in die streitige Liste angehört zu werden.
      
      75      Das Vereinigte Königreich trägt vor, dass sich die vorliegende Rechtssache von der mit dem Urteil des Gerichtshofes vom 29.
         Juni 1994 (C‑135/92, Fiskano/Kommission, Slg. 1994, I‑2885) entschiedenen, auf das sich die Klägerin beruft, unterscheide,
         weil die Aufnahme der Klägerin in die streitige Liste nicht das Einleiten eines Verfahrens gegen sie wegen eines bereits bestehenden
         Rechts dargestellt habe, sondern den Erlass einer Rechts‑ oder Verwaltungsvorschrift durch die Gemeinschaftsorgane. Eine von
         einer solchen Vorschrift betroffene Person sei keine Beklagte in einem Verfahren, so dass sich die Frage nach den Verteidigungsrechten
         schlicht nicht stelle. Ihre Rechte seien durch die Möglichkeit gewahrt, ein Gericht anzurufen, im vorliegenden Fall das nach
         Artikel 230 EG angerufene Gericht erster Instanz, um prüfen zu lassen, ob die betreffende Regelung rechtmäßig erlassen worden
         sei und/oder ob die Klägerin tatsächlich unter diese Regelung falle.
      
      76      Der Rat beruft sich hierfür auch auf die Urteile des Gerichtshofes vom 23. September 1986 in der Rechtssache 5/85 (AKZO Chemie/Kommission,
         Slg. 1986, 2585, Randnrn. 20 und 24) und vom 14. März 2000 in der Rechtssache C‑54/99 (Église de scientologie, Slg. 2000,
         I‑1335, Randnr. 20). Er bezweifelt außerdem, dass die von den Gerichten in Wettbewerbssachen oder zu handelspolitischen Schutzmaßnahmen
         entwickelten Grundsätze auf die vorliegende Rechtssache ohne weiteres Anwendung finden können. Am ehesten einschlägig sei
         hier die Rechtsprechung, nach der das Anhörungsrecht einer Person, die von einer auf Vorschlag einer nationalen Behörde verhängten
         gemeinschaftsrechtlichen Sanktion betroffen sei, zunächst im Rahmen der Beziehungen zwischen dieser Person und der nationalen
         Verwaltung tatsächlich zu gewährleisten sei (Beschluss „Invest“ Import und Export und Invest commerce/Kommission, oben in
         Randnr. 69 angeführt, Randnr. 40).
      
      77      Hinsichtlich des Artikels 6 EMRK gebe es in der Rechtsprechung des EGMR keinen Hinweis darauf, dass die in dieser Bestimmung
         vorgesehenen Garantien das Verwaltungsverfahren erfassten, das zum Erlass des angefochtenen Beschlusses geführt habe. Das
         Einfrieren der Gelder der Klägerin sei keine strafrechtliche Sanktion und könne nach den vom EGMR aufgestellten Kriterien
         der Schwere einer solchen Sanktion nicht gleichgestellt werden (EGMR, Urteile Engel u. a. vom 8. Juni 1976, Serie A Nr. 22,
         Campbell und Fell vom 28. Juni 1984, Serie A Nr. 80, und Öztürk vom 23. Oktober 1984, Serie A Nr. 85). Der EGMR habe auch
         entschieden, dass Artikel 6 Absatz 1 EMRK auf den verwaltungsrechtlichen Teil der Untersuchung vor den Verwaltungsbehörden
         nicht anwendbar sei. Allein die Art und Weise, wie die während des Verwaltungsverfahrens gesammelten Informationen im Gerichtsverfahren
         verwendet würden, falle unter die Gewährleistung eines fairen Verfahrens (EGMR, Urteil vom 21. September 1994, Fayed, Serie
         A Nr. 294‑B).
      
      78      Das Vereinigte Königreich bezweifelt ebenfalls, dass Artikel 6 Absatz 1 EMRK den Erlass von Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften
         erfasst. Er sei nur auf Streitigkeiten über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen anwendbar und die in ihm vorgesehenen
         Garantien gälten nur, soweit es einen Rechtsstreit gebe, der eine Entscheidung erfordere. Er verleihe dem Einzelnen daher
         nicht das Recht, vor Erlass einer Regelung, die seine Eigentumsrechte beeinträchtige, angehört zu werden. In einem solchen
         Fall sei der Einzelne nur berechtigt, die Rechtmäßigkeit dieser Regelung oder die Anwendung auf den jeweiligen Rechtsstreit
         im Nachhinein in Frage zu stellen (EGMR, Urteil Lithgow u. a. vom 8. Juli 1986, Serie A Nr. 102, und James u. a. vom 21. Februar
         1986, Serie A Nr. 98).
      
      79      Im vorliegenden Fall würden weder die Aufnahme der Klägerin in die streitige Liste noch folglich das Einfrieren ihrer Gelder
         von Artikel 6 Absatz 1 EMRK erfasst. Daher sei die Klägerin nicht berechtigt gewesen, vor dem Erlass dieser Maßnahmen ihre
         Argumente vorzutragen. Sie habe jedoch nach dieser Bestimmung das Recht auf Zugang zu einem Gericht, um die betreffende Regelung
         anzufechten. Sie habe im Übrigen von diesem Recht mit Erhebung der vorliegenden Klage Gebrauch gemacht.
      
      80      Jedenfalls seien die im vorliegenden Fall in Rede stehenden Maßnahmen, die von der Dringlichkeit vorgegeben worden seien,
         im Hinblick auf das zu erreichende Ziel nicht unverhältnismäßig und hätten kein unfaires Ungleichgewicht zwischen den im allgemeinen
         Interesse liegenden Erfordernissen und den Erfordernissen des Grundrechtsschutzes geschaffen, zumal die Verteidigungsrechte
         ausgeübt werden könnten, sobald diese Maßnahmen getroffen worden seien.
      
      81      Hierzu führen der Rat und das Vereinigte Königreich aus, dass eine Unterrichtung oder Anhörung der Klägerin vor dem Einfrieren
         ihrer Gelder die Erreichung des mit der Verordnung Nr. 2580/2001 verfolgten wichtigen Zieles von allgemeinem Interesse, das
         darin bestehe, zu verhindern, dass Gelder der Finanzierung terroristischer Aktivitäten dienen könnten, gefährdet hätte. Die
         Klägerin hätte nämlich die Frist, die ihr für die Einreichung ihrer Stellungnahme eingeräumt worden wäre, dafür nutzen können,
         ihre Gelder aus der Union hinaus zu transferieren.
      
      82      Das Vereinigte Königreich fügt hinzu, dass es vermutlich zwingende Gründe der nationalen Sicherheit gebe, dem Betroffenen
         nicht die Informationen und Beweise bekannt zu geben, auf deren Grundlage die zuständige Behörde die Entscheidung treffen
         könne, dass sich eine Einrichtung am Terrorismus beteilige.
      
      83      Hinsichtlich des Vorwurfs einer Verletzung der Begründungspflicht ist der Rat der Auffassung, dass sich der angefochtene Beschluss,
         obwohl er nicht eigens begründet worden sei, darauf beschränke, die Liste der Verordnung Nr. 2580/2001 zu aktualisieren, in
         deren Artikel 2 Absatz 3 die Kriterien aufgeführt seien, anhand deren die Personen, Vereinigungen und Organisationen in die
         streitige Liste aufgenommen würden. Diese Verordnung, der angefochtene Gemeinsame Standpunkt und der angefochtene Beschluss
         zusammengenommen erfüllten in einem der Klägerin wohlbekannten Zusammenhang die Begründungspflicht, wobei die materiellen
         Voraussetzungen der Bekämpfung des Terrorismus nicht die gleichen seien wie in anderen Bereichen, z. B. im Wettbewerbsrecht
         (Urteil des Gerichtshofes vom 14. Februar 1990 in der Rechtssache C‑350/88, Delacre u. a./Kommission, Slg. 1990, I‑395, Randnr.
         15; vgl. nämlich zum Einfrieren von Geldern Beschluss „Invest“ Import und Export und Invest commerce/Kommission, oben in Randnr.
         69 angeführt, Randnr. 43).
      
      84      Nach Ansicht des Rates verletzt der angefochtene Beschluss auch nicht das Recht auf die Unschuldsvermutung.
      
      85      Zur Rüge eines offensichtlichen Beurteilungsfehlers tragen der Rat und das Vereinigte Königreich vor, dass die Klägerin nicht
         behaupten könne, dass sie keine terroristische Organisation sei und daher nicht unter Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001
         falle.
      
      86      Nach Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 werde die streitige Liste auf der Grundlage genauer Informationen
         bzw. der einschlägigen Akten erstellt, aus denen sich ergebe, dass eine zuständige nationale Behörde einen Beschluss gefasst
         habe, der eine Person, eine Vereinigung oder eine Körperschaft als an terroristischen Aktivitäten beteiligt bezeichne. Die
         Klägerin trage jedoch nicht vor und nichts weise darauf hin, dass sie nicht auf der Grundlage eines solchen Beschlusses in
         die streitige Liste aufgenommen worden sei.
      
      87      Der Rat räumt ein, dass er nach dieser Bestimmung die Einhaltung der von der Union festgelegten Kriterien durch die nationalen
         Behörden überwache. Doch beziehe sich diese Überwachung weder auf die von der Klägerin behaupteten Tatsachen noch auf Informationen,
         die teilweise auf geschützte Quellen oder spezialisierte Dienste der Mitgliedstaaten zurückgingen. Angesichts der wesentlichen
         Rolle, die die zuständigen nationalen Behörden in dem Verfahren spielten, gehen der Rat und das Vereinigte Königreich davon
         aus, dass ein Infragestellen der Tatsachen selbst, auf deren Grundlage diese Behörden die Aufnahme einer Person in die streitige
         Liste vorgeschlagen hätten, und eine Überprüfung ihrer Entscheidung sachgerecht nur auf nationaler Ebene erfolgen könnten.
         Insoweit weist das Vereinigte Königreich darauf hin, dass die Kommission nach Artikel 7 der Verordnung Nr. 2580/2001 befugt
         sei, den Anhang dieser Verordnung auf der Grundlage der von den Mitgliedstaaten übermittelten Informationen zu ändern.
      
      88      Der Home Secretary, die im Vereinigten Königreich für diesen Bereich zuständige Behörde, habe einen Antrag der Klägerin auf
         Streichung von der Liste der nach dem Terrorism Act 2000 verbotenen Organisationen abgelehnt. Er habe zwar die Beteuerungen
         der Klägerin, sie habe sich in einem legitimen Kampf gegen ein repressives Regime befunden und ihre Widerstandshandlungen
         hätten sich auf militärische Ziele im Iran beschränkt, zur Kenntnis genommen, jedoch zugleich erklärt, dass er „kein Recht
         auf die Vornahme terroristischer Handlungen aus welchen Gründen auch immer“ anerkennen könne. Die von der Klägerin dagegen
         eingelegten Rechtsbehelfe seien zurückgewiesen worden (vgl. oben, Randnr. 73).
      
       Würdigung durch das Gericht
      89      Zunächst sind gemeinsam die Rügen zu prüfen, die auf eine Verletzung der Verteidigungsrechte, der Begründungspflicht und des
         Rechts auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz gestützt werden und eng miteinander verknüpft sind. Denn zum einen trägt
         die Gewährleistung der Verteidigungsrechte dazu bei, die ordnungsgemäße Ausübung des Rechts auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz
         sicherzustellen. Zum anderen besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Recht auf einen effektiven gerichtlichen Rechtsbehelf
         und der Begründungspflicht. Nach ständiger Rechtsprechung beruht die den Gemeinschaftsorganen nach Artikel 253 EG obliegende
         Verpflichtung zur Begründung ihrer Rechtsakte nicht lediglich auf formellen Erwägungen, sondern soll dem Gemeinschaftsrichter
         die Ausübung seiner Rechtmäßigkeitskontrolle ermöglichen und es den Betroffenen gestatten, Kenntnis von den Gründen für die
         getroffene Maßnahme zu erlangen, damit sie ihre Rechte verteidigen und prüfen können, ob der Rechtsakt rechtmäßig ist (Urteile
         des Gerichtshofes vom 4. Juli 1963 in der Rechtssache 24/62, Deutschland/Kommission, Slg. 1963, 141, 155, und vom 10. Mai
         2005 in der Rechtssache C‑400/99, Italien/Kommission, Slg. 2005, I‑3657, Randnr. 22; Urteil des Gerichts vom 30. September
         2003 in den Rechtssachen T‑346/02 und T‑347/02, Cableuropa u. a./Kommission, Slg. 2003, II‑4251, Randnr. 225). Die Betroffenen
         können von ihrem gerichtlichen Rechtsbehelf nur dann wirklich Gebrauch machen, wenn sie genaue Kenntnis vom Inhalt und von
         der Begründung der betreffenden Handlung haben (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 19. Februar 1998 in der
         Rechtssache C‑309/95, Kommission/Rat, Slg. 1998, I‑655, Randnr. 18, und Urteil des Gerichts vom 7. Juli 1999 in der Rechtssache
         T‑89/96, British Steel/Kommission, Slg. 1999, II‑2089, Randnr. 33).
      
      90      Angesichts der vom Rat und vom Vereinigten Königreich in erster Linie vorgebrachten Argumente wird das Gericht zunächst prüfen,
         ob die Rechte und Garantien, deren Verletzung von der Klägerin geltend gemacht wird, grundsätzlich im Kontext des Erlasses
         eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern auf der Grundlage der Verordnung Nr. 2580/2001 gelten. Es wird dann den
         Gegenstand dieser Rechte und Garantien bestimmen und deren Grenzen in einem solchen Zusammenhang festlegen. Schließlich wird
         es über die angebliche Verletzung der fraglichen Rechte und Garantien unter den besonderen Umständen des vorliegenden Falles
         entscheiden.
      
       Geltung der Garantien betreffend die Wahrung der Verteidigungsrechte, die Begründungspflicht und das Recht auf effektiven
         gerichtlichen Rechtsschutz im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001
      
      –       Verteidigungsrechte
      91      Nach ständiger Rechtsprechung ist die Wahrung der Verteidigungsrechte in allen Verfahren gegen eine Person, die zu einer sie
         beschwerenden Maßnahme führen können, ein fundamentaler Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, der auch dann sichergestellt werden
         muss, wenn eine Regelung für das betreffende Verfahren fehlt. Dieser Grundsatz gebietet es, dass jede möglicherweise von einer
         Sanktion betroffene Person zu den ihr zur Last gelegten Umständen, auf die sich die Verhängung der Sanktion stützt, sachgerecht
         Stellung nehmen kann (vgl. Urteil des Gerichtshofes Fiskano/Kommission, oben in Randnr. 75 angeführt, Randnrn. 39 und 40 sowie
         die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      92      Der angefochtene Beschluss, mit dem gegen die Klägerin wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen (Einfrieren von Geldern)
         verhängt werden, beschwert diese im vorliegenden Fall unbestreitbar (vgl. auch unten, Randnr. 98). Die genannte Rechtsprechung
         ist daher hier einschlägig.
      
      93      Aus dieser Rechtsprechung ergibt sich, dass – von Ausnahmen abgesehen (vgl. unten, Randnrn. 127 ff.) – die Gewährleistung
         der Verteidigungsrechte grundsätzlich zwei wesentliche Rechte umfasst. Zum einen sind dem Betroffenen die ihm zur Last gelegten
         Umstände, auf die sich die bevorstehende Verhängung der verwaltungsrechtlichen Sanktion stützt, mitzuteilen (im Folgenden:
         Mitteilung der zur Last gelegten Umstände). Zum anderen muss er zu diesen Umständen sachgerecht Stellung nehmen können (im
         Folgenden: Anhörung).
      
      94      So verstanden ist die Gewährleistung der Verteidigungsrechte im Rahmen des Verwaltungsverfahrens von dem Recht auf einen effektiven
         gerichtlichen Rechtsbehelf gegen den eventuell am Ende dieses Verfahrens erlassenen beschwerenden Rechtsakt zu unterscheiden
         (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 23. April 2002 in der Rechtssache T‑372/00, Campolargo/Kommission, Slg. ÖD 2002,
         I‑A‑49 und II‑223, Randnr. 36). Das Vorbringen des Rates und des Vereinigten Königreichs zu Artikel 6 EMRK (vgl. oben, Randnrn.
         77 bis 79) ist daher im Rahmen der vorliegenden Rüge unerheblich.
      
      95      Ferner kann den Betroffenen im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern gemäß der Verordnung
         Nr. 2580/2001 die Gewährleistung der Verteidigungsrechte im engeren Sinne nicht allein aus dem vom Rat und vom Vereinigten
         Königreich angeführten Grund (vgl. oben, Randnrn. 78 und 79) vorenthalten werden, dass weder die EMRK noch die allgemeinen
         Grundsätze des Gemeinschaftsrechts dem Einzelnen einen Anspruch auf rechtliches Gehör vor dem Erlass eines Rechtsakts verliehen
         (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteil Yusuf, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 322).
      
      96      Es ist richtig, dass die Rechtsprechung zum Anspruch auf rechtliches Gehör nicht auf ein gemeinschaftliches Gesetzgebungsverfahren
         erstreckt werden kann, das zum Erlass von Rechtsvorschriften führt, die eine wirtschaftspolitische Entscheidung einschließen
         und für alle betroffenen Wirtschaftsteilnehmer gelten (Urteil des Gerichts vom 11. Dezember 1996 in der Rechtssache T‑521/93,
         Atlanta u. a./EG, Slg. 1996, II‑1707, Randnr. 70, im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes vom 14.
         Oktober 1999 in der Rechtssache C‑104/97 P, Atlanta/Europäische Gemeinschaft, Slg. 1999, I‑6983, Randnrn. 34 bis 38).
      
      97      Richtig ist auch, dass der angefochtene Beschluss, der die Klägerin auf der streitigen Liste belässt, nachdem sie durch den
         ursprünglich angefochtenen Beschluss in die Liste aufgenommen worden war, die gleiche allgemeine Geltung wie die Verordnung
         Nr. 2580/2001 hat und wie sie in jedem Mitgliedstaat unmittelbar gilt. Trotz ihres Titels teilt sie daher deren Normcharakter
         im Sinne von Artikel 249 EG (vgl. entsprechend Beschluss des Gerichts vom 6. Mai 2003 in der Rechtssache T‑45/02, DOW AgroSciences/Parlament
         und Rat, Slg. 2003, II‑1973, Randnrn. 31 bis 33 und die dort zitierte Rechtsprechung, sowie Urteil Yusuf, oben in Randnr.
         29 angeführt, Randnrn. 184 bis 188). 
      
      98      Jedoch hat dieser Beschluss keinen rein normativen Charakter. Er entfaltet seine Wirkung zwar erga omnes, betrifft aber die
         Klägerin unmittelbar und individuell, die im Übrigen namentlich als Organisation aufgeführt ist, die in die Liste der Personen,
         Vereinigungen und Körperschaften, deren Gelder nach der Verordnung Nr. 2580/2001 einzufrieren sind, aufzunehmen ist. Da es
         sich um einen Rechtsakt handelt, mit dem eine individuelle Maßnahme zur Verhängung einer wirtschaftlichen und finanziellen
         Sanktion (vgl. oben, Randnr. 92) ergriffen wird, ist die oben in Randnummer 96 zitierte Rechtsprechung nicht einschlägig (vgl.
         entsprechend Urteil Yusuf, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 324).
      
      99      Weiter sind die Unterschiede zwischen der vorliegenden und den Rechtssachen, in denen die Urteile Yusuf und Kadi, oben in
         Randnummer 29 angeführt, ergangen sind, zu beachten, in denen entschieden wurde, dass die Gemeinschaftsorgane nicht verpflichtet
         waren, die Betroffenen im Zusammenhang mit dem Erlass und der Durchführung einer vergleichbaren Maßnahme zum Einfrieren der
         Gelder von Personen und Organisationen, die mit Osama bin Laden, dem Al-Qaida-Netzwerk und den Taliban in Verbindung stehen,
         anzuhören.
      
      100    Dieses Ergebnis wurde in diesen beiden Rechtssachen mit dem Umstand gerechtfertigt, dass sich die Gemeinschaftsorgane, wie
         es ihrer Verpflichtung entsprach, darauf beschränkt hatten, in die Gemeinschaftsrechtsordnung Resolutionen des Sicherheitsrats
         und Beschlüsse seines Sanktionsausschusses umzusetzen, die das Einfrieren von Geldern der namentlich genannten Betroffenen
         vorschrieben, ohne die Organe zu ermächtigen, im Stadium ihrer konkreten Durchführung irgendeinen gemeinschaftlichen Mechanismus
         zur Prüfung oder erneuten Prüfung der individuellen Fälle vorzusehen. Das Gericht folgerte daraus, dass das gemeinschaftsrechtliche
         Prinzip des Anspruchs auf rechtliches Gehör unter solchen Umständen, unter denen eine Anhörung des Betroffenen die Organe
         keinesfalls veranlassen konnte, ihren Standpunkt zu revidieren, keine Anwendung fand (Urteile Yusuf, oben in Randnr. 29 angeführt,
         Randnr. 328, und Kadi, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 258). 
      
      101    In der vorliegenden Rechtssache bestimmt die Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats zwar in ihrer Ziffer 1 Buchstabe c
         u. a., dass alle Staaten unverzüglich Gelder und sonstige finanzielle Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen von Personen,
         die terroristische Handlungen begehen, zu begehen versuchen oder sich an deren Begehung beteiligen oder diese erleichtern,
         sowie von Einrichtungen, die im Eigentum oder unter der Kontrolle dieser Personen stehen, und von Personen und Einrichtungen,
         die im Namen oder auf Anweisung dieser Personen und Einrichtungen handeln, einfrieren werden, ohne jedoch die Personen, Vereinigungen
         und Einrichtungen, die diesen Maßnahmen unterliegen sollen, einzeln zu bezeichnen. Der Sicherheitsrat hat auch weder präzise
         Rechtsnormen für das Verfahren zum Einfrieren der Gelder vorgesehen noch Garantien oder Rechtsbehelfe, die sicherstellen,
         dass die von einem solchen Verfahren betroffenen Personen und Einrichtungen die von den Mitgliedstaaten gegen sie getroffenen
         Maßnahmen wirksam anfechten können.
      
      102    Daher obliegt es im Zusammenhang mit der Resolution 1373 (2001) den Mitgliedern der Organisation der Vereinten Nationen (UNO)
         – im vorliegenden Fall der Gemeinschaft, über die ihre Mitgliedstaaten zu handeln beschlossen haben –, unter Einhaltung der
         Vorschriften ihrer eigenen Rechtsordnung konkret die Personen, Vereinigungen und Einrichtungen festzulegen, deren Gelder gemäß
         dieser Resolution einzufrieren sind.
      
      103    Hierzu hat der Rat in der mündlichen Verhandlung vorgetragen, dass im Rahmen der Durchführung der Resolution 1373 (2001) des
         Sicherheitsrats die Maßnahmen, die er aufgrund einer gebundenen Befugnis ergriffen habe und die daher an der „Vorrangwirkung“
         aus den Artikeln 25 und 103 der Charta der Vereinten Nationen teilhätten, im Wesentlichen die von den materiellen Bestimmungen
         der Verordnung Nr. 2580/2001 vorgesehenen seien, die den Inhalt der restriktiven Maßnahmen gegen die in Ziffer 1 Buchstabe c
         der Resolution genannten Personen festlegten. Im Gegensatz zu den Rechtsakten, um die es in den Rechtssachen gegangen sei,
         in denen die Urteile Yusuf und Kadi, oben in Randnummer 29 angeführt, ergangen seien, seien die Rechtsakte, die wie der angefochtene
         Beschluss die restriktiven Maßnahmen konkret auf diese oder jene Person oder Einrichtung anwendeten, nicht in Ausübung einer
         gebundenen Befugnis ergriffen worden und hätten daher nicht an der fraglichen „Vorrangwirkung“ teil. Diese Rechtsakte seien
         vielmehr in Ausübung des weiten Ermessens erlassen worden, über das der Rat im Rahmen der GASP verfüge.
      
      104    Diesen Erwägungen kann das Gericht im Wesentlichen folgen, abgesehen von eventuellen Schwierigkeiten bei der Anwendung der
         Ziffer 1 Buchstabe c der Resolution 1373 (2001), die sich daraus ergeben könnten, dass es bisher im Völkerrecht keine allgemein
         akzeptierte Definition der Begriffe „Terrorismus“ und „terroristische Handlung“ gibt (vgl. insoweit das Schlussdokument [A/60/L1],
         das von der Generalversammlung der UNO am 15. September 2005 anlässlich des Weltgipfels zur Feier des sechzigsten Jahrestags
         der UNO verabschiedet wurde).
      
      105    Schließlich hat der Rat in der mündlichen Verhandlung geltend gemacht, dass er sich als Gemeinschaftsorgan, das die Verordnung
         Nr. 2580/2001 und die sie durchführenden Beschlüsse erlassen habe, nicht an die Gemeinsamen Standpunkte gebunden sieht, die
         vom Rat als aus den Vertretern der Mitgliedstaaten zusammengesetztes Organ im Rahmen der GASP angenommen würden, auch wenn
         er sonst über die Kohärenz seiner Handlungen im Rahmen der GASP und des EG-Vertrags wache.
      
      106    Der Rat weist damit zu Recht darauf hin, dass die Gemeinschaft nicht aufgrund einer durch den Willen der Union oder ihrer
         Mitgliedstaaten gebundenen Befugnis tätig wird, wenn der Rat wie im vorliegenden Fall wirtschaftliche Sanktionen auf der Grundlage
         der Artikel 60 EG, 301 EG und 308 EG verhängt. Im Übrigen ist dies die einzige mit dem Wortlaut des Artikels 301 EG zu vereinbarende
         Sichtweise, in dem es heißt, dass der Rat auf diesem Gebiet „auf Vorschlag der Kommission mit qualifizierter Mehrheit“ entscheidet;
         dasselbe gilt für den Wortlaut des Artikels 60 Absatz 1 EG, wonach der Rat nach demselben Verfahren die Sofortmaßnahmen ergreifen
         „kann“, die durch einen Rechtsakt im Bereich der GASP für notwendig erachtet werden.
      
      107    Da die Identifizierung der in der Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats genannten Personen, Vereinigungen und Einrichtungen
         und das anschließende Einfrieren von Geldern in Ausübung einer eigenen Befugnis aufgrund einer Ermessensentscheidung der Gemeinschaft
         erfolgen, müssen die betreffenden Gemeinschaftsorgane, im vorliegenden Fall der Rat, grundsätzlich die Verteidigungsrechte
         der Betroffenen wahren, wenn sie tätig werden, um dieser Resolution nachzukommen.
      
      108    Daraus folgt, dass die Verteidigungsrechte im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach
         der Verordnung Nr. 2580/2001 grundsätzlich in vollem Umfang zu gewährleisten sind.
      
      –       Begründungspflicht
      109    Grundsätzlich ist auch die in Artikel 253 EG vorgesehene Begründungspflicht im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über
         das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 in vollem Umfang zu gewährleisten, was im Übrigen von keinem
         Verfahrensbeteiligten angezweifelt worden ist.
      
      –       Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz
      110    Hinsichtlich der Gewährleistung des Anspruchs auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz ist daran zu erinnern, dass Einzelne
         nach ständiger Rechtsprechung die Möglichkeit haben müssen, einen effektiven gerichtlichen Schutz der Rechte, die sie aus
         der Gemeinschaftsrechtsordnung herleiten, in Anspruch zu nehmen; das Recht auf einen solchen Schutz gehört zu den allgemeinen
         Rechtsgrundsätzen, die sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten ergeben, und ist in den Artikeln
         6 und 13 EMRK verankert (vgl. Urteil des Gerichts vom 5. April 2006 in der Rechtssache T‑279/02, Degussa/Kommission, Slg.
         2006, II‑0000, Randnr. 421 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      111    Dies gilt u. a. auch für das Einfrieren der Gelder von Personen oder Organisationen, die terroristischer Handlungen verdächtigt
         werden (vgl. in diesem Sinne Punkt XIV der Leitlinien über die Menschenrechte und den Kampf gegen den Terrorismus, die das
         Ministerkomitee des Europarats am 11. Juli 2002 verabschiedet hat).
      
      112    Im Rahmen der vorliegenden Klage wendet der Rat gegen die grundsätzliche Geltung dieser Garantie nur ein, dass das Gericht
         seiner Ansicht nach für die Kontrolle der materiellen Rechtmäßigkeit der materiellen Bestimmungen der Verordnung Nr. 2580/2001
         nicht zuständig sei, da diese aufgrund einer durch die Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats gebundenen Befugnis erlassen
         worden seien, wodurch sie an der oben in Randnummer 103 erwähnten „Vorrangwirkung“ teilhätten.
      
      113    Jedoch braucht sich das Gericht zur Berechtigung dieses Vorbehalts nicht zu äußern, weil der vorliegende Rechtsstreit, wie
         im Folgenden auszuführen sein wird, allein auf der Grundlage der gerichtlichen Kontrolle der Rechtmäßigkeit des angefochtenen
         Beschlusses entschieden werden kann, von der keiner der Verfahrensbeteiligten bestreitet, dass sie in die Zuständigkeit des
         Gerichts fällt.
      
       Gegenstand und Grenzen der Garantien betreffend die Wahrung der Verteidigungsrechte, die Begründungspflicht und den Anspruch
         auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der
         Verordnung Nr. 2580/2001
      
      –       Verteidigungsrechte
      114    Als Erstes ist der Gegenstand der Gewährleistung der Verteidigungsrechte im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das
         Einfrieren von Geldern nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 zu bestimmen, wobei zwischen dem in Artikel 1
         Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 vorgesehenen Ausgangsbeschluss über das Einfrieren von Geldern (im Folgenden:
         Ausgangsbeschluss über das Einfrieren von Geldern) und einem der in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts vorgesehenen
         Folgebeschlüsse über die Aufrechterhaltung des Einfrierens der Gelder nach regelmäßiger Überprüfung (im Folgenden: Folgebeschlüsse
         über das Einfrieren von Geldern) zu unterscheiden ist.
      
      115    In diesem Zusammenhang ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Verteidigungsrechte nur in Bezug auf die tatsächlichen und
         rechtlichen Umstände ausgeübt werden können, von denen die Anwendung der betreffenden Maßnahme auf den Betroffenen gemäß der
         einschlägigen Regelung abhängt.
      
      116    Im vorliegenden Fall ist die einschlägige Regelung Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001, wonach der Rat einstimmig
         und im Einklang mit Artikel 1 Absätze 4 bis 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 die Liste der dieser Verordnung unterfallenden
         Personen, Vereinigungen oder Körperschaften erstellt, überprüft und ändert. Die fragliche Liste ist also nach Artikel 1 Absatz
         4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 auf der Grundlage genauer Informationen bzw. der einschlägigen Akten zu erstellen,
         aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde – gestützt auf ernsthafte und schlüssige Beweise oder Indizien – gegenüber
         den betreffenden Personen, Vereinigungen oder Körperschaften einen Beschluss gefasst hat, bei dem es sich um die Aufnahme
         von Ermittlungen oder um Strafverfolgung wegen einer terroristischen Handlung oder des Versuchs, eine terroristische Handlung
         zu begehen, daran teilzunehmen oder sie zu erleichtern oder um eine Verurteilung für derartige Handlungen handelt. Der Ausdruck
         „zuständige Behörde“ bezeichnet eine Justizbehörde oder, sofern die Justizbehörden keine Zuständigkeit auf diesem Gebiet haben,
         eine entsprechende zuständige Behörde in diesem Bereich. Zudem sind nach Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931
         die Namen von Personen oder Körperschaften, die in der Liste aufgeführt sind, mindestens einmal pro Halbjahr einer regelmäßigen
         Überprüfung zu unterziehen, um sicherzustellen, dass ihr Verbleib auf der Liste nach wie vor gerechtfertigt ist.
      
      117    Wie der Rat und das Vereinigte Königreich zutreffend ausgeführt haben, findet das Verfahren, das nach der einschlägigen Regelung
         zum Einfrieren von Geldern führen kann, auf zwei Ebenen statt, auf nationaler und auf Gemeinschaftsebene. Zunächst muss eine
         zuständige nationale Behörde, in der Regel eine Justizbehörde, einen Beschluss, auf den die Definition in Artikel 1 Absatz
         4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 zutrifft, gegenüber dem Betroffenen fassen. Handelt es sich um einen Beschluss über
         die Aufnahme von Ermittlungen oder der Strafverfolgung, so muss dieser auf ernsthafte und schlüssige Beweise oder Indizien
         gestützt sein. Sodann muss der Rat auf der Grundlage genauer Informationen bzw. der einschlägigen Akten, aus denen sich ergibt,
         dass ein solcher Beschluss gefasst wurde, einstimmig beschließen, den Betroffenen auf die streitige Liste zu setzen. In der
         Folge muss sich der Rat regelmäßig, mindestens einmal pro Halbjahr, vergewissern, dass der Verbleib des Betroffenen auf der
         Liste nach wie vor gerechtfertigt ist. Insoweit ist die Überprüfung, ob ein Beschluss einer nationalen Behörde vorliegt, auf
         den die genannte Definition zutrifft, eine wesentliche Voraussetzung für den Erlass des Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren
         von Geldern durch den Rat, während die Überprüfung der im Anschluss an diesen Beschluss auf nationaler Ebene zu treffenden
         Maßnahmen für den Erlass eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von Geldern unerlässlich ist.
      
      118    Daher kann sich auch die Frage nach der Wahrung der Verteidigungsrechte beim Erlass einer Maßnahme zum Einfrieren von Geldern
         auf diesen beiden Ebenen stellen (vgl. in diesem Sinne entsprechend Beschluss „Invest“ Import und Export und Invest commerce/Kommission,
         oben in Randnr. 69 angeführt, Randnr. 40).
      
      119    Die Verteidigungsrechte des Betroffenen sind zunächst im Rahmen des nationalen Verfahrens wirksam zu wahren, das zum Erlass
         des in Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 vorgesehenen Beschlusses durch die zuständige nationale Behörde
         geführt hat. Insbesondere in diesem nationalen Rahmen muss der Betroffene zu den ihm zur Last gelegten Umständen, auf die
         der fragliche Beschluss gestützt ist, sachgerecht Stellung nehmen können, unbeschadet eventueller Beschränkungen der Verteidigungsrechte,
         die im nationalen Recht u. a. aus Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der Aufrechterhaltung der internationalen
         Beziehungen gerechtfertigt sind (vgl. in diesem Sinne EGMR, Urteil Tinnelly & Sons u. a. und McElduff u. a./Vereinigtes Königreich
         vom 10. Juli 1998, Recueil des arrêts et décisions  1998-IV, § 78).
      
      120    Sodann sind die Verteidigungsrechte des Betroffenen im Rahmen des Gemeinschaftsverfahrens wirksam zu wahren, das zu einem
         Beschluss des Rates nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 führen soll, ihn in die streitige Liste aufzunehmen
         oder auf ihr zu belassen. Grundsätzlich muss der Betroffene in diesem Rahmen nur zu den rechtlichen Voraussetzungen für die
         Anwendung der betreffenden Gemeinschaftsmaßnahme sachgerecht Stellung nehmen können, d. h., wenn es sich um einen Ausgangsbeschluss
         über das Einfrieren von Geldern handelt, zum Vorliegen genauer Informationen oder einschlägiger Akten, aus denen sich ergibt,
         dass eine zuständige nationale Behörde ihm gegenüber einen Beschluss gefasst hat, auf den die Definition in Artikel 1 Absatz
         4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 zutrifft, und, wenn es sich um einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern
         handelt, zu der Begründung für seinen Verbleib auf der streitigen Liste.
      
      121    Stammt der fragliche Beschluss von einer zuständigen Behörde eines Mitgliedstaats, so ist für die Wahrung der Verteidigungsrechte
         auf Gemeinschaftsebene in diesem Stadium normalerweise nicht mehr erforderlich, dass der Betroffene erneut in die Lage versetzt
         wird, sich zur Zweckmäßigkeit und Begründetheit dieses Beschlusses zu äußern, da diese Fragen nur auf nationaler Ebene vor
         der fraglichen Behörde oder vor dem vom Betroffenen angerufenen zuständigen nationalen Gericht erörtert werden können. Ebenso
         hat der Rat grundsätzlich nicht darüber zu befinden, ob das gegen den Betroffenen eingeleitete, vom anwendbaren Recht des
         Mitgliedstaats vorgesehene Verfahren, das diesen Beschluss hervorgebracht hat, ordnungsgemäß geführt wurde oder ob die Grundrechte
         des Betroffenen von den nationalen Behörden gewahrt wurden. Dies ist nämlich ausschließlich Sache der zuständigen nationalen
         Gerichte oder gegebenenfalls des EGMR (vgl. entsprechend Urteil des Gerichts vom 10. April 2003 in der Rechtssache T‑353/00,
         Le Pen/Parlament, Slg. 2003, II‑1729, Randnr. 91, im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes vom 7.
         Juli 2005 in der Rechtssache C‑208/03 P, Le Pen/Parlament, Slg. 2005, I‑6051).
      
      122    Wird die Gemeinschaftsmaßnahme zum Einfrieren von Geldern auf der Grundlage eines im Rahmen von Ermittlungen oder der Strafverfolgung
         gefassten Beschlusses einer mitgliedstaatlichen Behörde (und nicht auf der Grundlage einer Verurteilung) erlassen, ist es
         für die Wahrung der Verteidigungsrechte grundsätzlich auch nicht erforderlich, dass der Betroffene zu der Frage Stellung nehmen
         kann, ob dieser Beschluss „auf ernsthafte und schlüssige Beweise oder Indizien gestützt“ ist, wie dies Artikel 1 Absatz 4
         des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 vorschreibt. Denn obwohl dieser Umstand eine der rechtlichen Voraussetzungen für die
         Anwendung der fraglichen Maßnahme ist, wäre es nach Ansicht des Gerichts im Hinblick auf den in Artikel 10 EG niedergelegten
         Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit unangebracht, ihn unter den Vorbehalt der Ausübung der Verteidigungsrechte auf Gemeinschaftsebene
         zu stellen.
      
      123    Hierzu erinnert das Gericht daran, dass nach Artikel 10 EG das Verhältnis zwischen den Mitgliedstaaten und den Gemeinschaftsorganen
         durch die Verpflichtung zu beiderseitiger loyaler Zusammenarbeit bestimmt wird (vgl. Urteil des Gerichtshofes vom 16. Oktober
         2003 in der Rechtssache C‑339/00, Irland/Kommission, Slg. 2003, I‑11757, Randnrn. 71 und 72 und die dort zitierte Rechtsprechung).
         Dieser Grundsatz ist allgemein anwendbar und gilt u. a. im Rahmen des in Titel VI des EU-Vertrags geregelten Bereichs JI,
         der im Übrigen vollständig auf der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten und den Organen beruht (Urteil des Gerichtshofes
         vom 16. Juni 2005 in der Rechtssache C‑105/03, Pupino, Slg. 2005, I‑5285, Randnr. 42).
      
      124    Für den Fall der Anwendung des Artikels 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 und des Artikels 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 2580/2001 – Bestimmungen, die eine besondere Form der Zusammenarbeit zwischen dem Rat und den Mitgliedstaaten bei der
         gemeinsamen Bekämpfung des Terrorismus schaffen – ist das Gericht der Auffassung, dass aus diesem Grundsatz die Verpflichtung
         für den Rat folgt, sich zumindest dann, wenn es sich um eine Justizbehörde handelt, so weit wie möglich auf die Beurteilung
         durch die nationale Behörde zu verlassen, sowohl hinsichtlich des Vorliegens der „ernsthaften und schlüssigen Beweise oder
         Indizien“, auf den sie sich für ihren Beschluss stützt, als auch hinsichtlich der Anerkennung eventueller Beschränkungen des
         Zugangs zu diesen Beweisen oder Indizien, die im nationalen Recht aus zwingenden Gründen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit
         sowie der Aufrechterhaltung internationaler Beziehungen gerechtfertigt sind (vgl. entsprechend Urteil des Gerichts vom 18.
         September 1996 in der Rechtssache T‑353/94, Postbank/Kommission, Slg. 1996, II‑921, Randnr. 69 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      125    Es ist jedoch hinzuzufügen, dass diese Erwägungen nur gelten, soweit die betreffenden Beweise oder Indizien auch tatsächlich
         von der in der vorstehenden Randnummer erwähnten zuständigen nationalen Behörde geprüft worden sind. Stützt der Rat seinen
         Ausgangsbeschluss oder einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern im Laufe des bei ihm stattfindenden Verfahrens
         dagegen auf Informationen oder Beweisumstände, die ihm von den Vertretern der Mitgliedstaaten übermittelt worden sind, ohne
         dass sie dieser zuständigen nationalen Behörde zur Prüfung vorgelegen haben, so sind sie als neue zur Last gelegte Umstände
         anzusehen, die grundsätzlich Gegenstand einer Mitteilung und einer Anhörung auf Gemeinschaftsebene sein müssen, wenn dies
         noch nicht auf nationaler Ebene geschehen ist.
      
      126    Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass im Rahmen der Beziehungen zwischen der Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten die Wahrung
         der Verteidigungsrechte auf der Ebene des Gemeinschaftsverfahrens zum Einfrieren von Geldern einen relativ eingeschränkten
         Gegenstand hat. Im Fall eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern ist es zur Wahrung der Verteidigungsrechte
         zum einen grundsätzlich erforderlich, dass der Rat dem Betroffenen die genauen Informationen bzw. die einschlägigen Akten
         mitteilt, aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde eines Mitgliedstaats ihm gegenüber einen Beschluss gefasst hat,
         auf den die Definition in Artikel 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 zutrifft, sowie gegebenenfalls die oben
         in Randnummer 125 erwähnten neuen Umstände, und zum anderen, dass er zu diesen Informationen oder Akten sachgerecht Stellung
         nehmen kann. Im Fall eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von Geldern ist es zur Wahrung der Verteidigungsrechte ebenfalls
         erforderlich, dass dem Betroffenen die Informationen oder Akten mitgeteilt werden, die nach Ansicht des Rates seinen Verbleib
         auf den streitigen Listen rechtfertigen, sowie gegebenenfalls die oben in Randnummer 125 erwähnten neuen Umstände, und außerdem,
         dass er hierzu sachgerecht Stellung nehmen kann.
      
      127    Unter Umständen wie denen des vorliegenden Falles, in denen es um spezifische restriktive Maßnahmen zum Einfrieren der Gelder
         und Vermögenswerte von Personen, Vereinigungen und Körperschaften geht, deren Beteiligung an terroristischen Handlungen der
         Rat festgestellt hat, sind jedoch zugleich bestimmte Beschränkungen der so nach ihrem Gegenstand definierten Verteidigungsrechte
         legitim und können den Betroffenen auferlegt werden.
      
      128    Dem folgend, was im Urteil Yusuf, oben in Randnummer 29 angeführt, entschieden wurde und was der Rat und das Vereinigte Königreich
         im vorliegenden Fall vortragen, ist das Gericht deshalb der Ansicht, dass eine Mitteilung der zur Last gelegten Umstände und
         eine Anhörung der Betroffenen vor Erlass des Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern die Wirksamkeit der Sanktionen
         beeinträchtigen könnten und daher mit dem von der Gemeinschaft in Übereinstimmung mit der Resolution 1373 (2001) verfolgten
         Ziel von allgemeinem Interesse unvereinbar wären. Eine Maßnahme zum erstmaligen Einfrieren von Geldern muss ihrem Wesen nach
         einen Überraschungseffekt haben und sofort zur Anwendung kommen. Sie kann deshalb vor ihrer Umsetzung nicht angekündigt werden
         (Urteil Yusuf, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 308; vgl. in diesem Sinne entsprechend auch Schlussanträge des Generalanwalts
         Warner in der Rechtssache 136/79, National Panasonic/Kommission, Urteil des Gerichtshofes vom 26. Juni 1980, Slg. 1980, 2033,
         2061, 2068, 2069).
      
      129    Damit die Betroffenen ihre Rechte u. a. im Rahmen einer eventuellen Klage vor dem Gericht sachgerecht verteidigen können,
         ist dann allerdings erforderlich, dass ihnen die zur Last gelegten Umstände so weit wie möglich mitgeteilt werden, entweder
         gleichzeitig mit dem Erlass des Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern oder so früh wie möglich im Anschluss
         daran (vgl. auch unten, Randnr. 139). 
      
      130    In diesem Zusammenhang müssen die Betroffenen auch die Möglichkeit haben, eine sofortige Überprüfung der Maßnahme zum erstmaligen
         Einfrieren ihrer Gelder zu beantragen (vgl. in diesem Sinne in dienstrechtlichen Streitigkeiten Urteile des Gerichts vom 15.
         Juni 2000 in der Rechtssache T‑211/98, F/Kommission, Slg. ÖD 2000, I‑A‑107 und II‑471, Randnr. 34, vom 18. Oktober 2001 in
         der Rechtssache T‑333/99, X/EZB, Slg. 2001, II‑3021, Randnr. 183, und Campolargo/Kommission, oben in Randnr. 94 angeführt,
         Randnr. 32). Eine solche nachträgliche Anhörung muss jedoch bei einem Ausgangsbeschluss über das Einfrieren von Geldern nicht
         von Amts wegen durchgeführt werden, weil die Betroffenen auch die Möglichkeit haben, umgehend Klage beim Gericht zu erheben
         – eine Möglichkeit, die ebenfalls einen Ausgleich schafft zwischen der Wahrung der Grundrechte der in der streitigen Liste
         aufgeführten Personen und der Notwendigkeit, im Rahmen der Bekämpfung des internationalen Terrorismus präventive Maßnahmen
         zu ergreifen (vgl. in diesem Sinne entsprechend Schlussanträge des Generalanwalts Warner in der Rechtssache National Panasonic/Kommission,
         oben in Randnr. 128 angeführt, Slg. 1980, 2069).
      
      131    Die vorstehenden Erwägungen gelten jedoch nicht für die Folgebeschlüsse über das Einfrieren von Geldern, die der Rat im Rahmen
         der in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 vorgesehenen, mindestens einmal pro Halbjahr stattfindenden
         regelmäßigen Überprüfung fasst, ob der Verbleib der Betroffenen auf der streitigen Liste gerechtfertigt ist. In diesem Stadium
         sind die Gelder nämlich schon eingefroren, so dass es nicht mehr notwendig ist, einen Überraschungseffekt zu wahren, um die
         Wirksamkeit der Sanktionen zu gewährleisten. Vor jedem Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern muss deshalb erneut
         die Möglichkeit einer Anhörung bestehen und sind gegebenenfalls die neuen zur Last gelegten Unstände mitzuteilen.
      
      132    Insoweit kann das Gericht nicht der vom Rat und dem Vereinigten Königreich in der mündlichen Verhandlung vertretenen Ansicht
         folgen, dass der Rat die Betroffenen im Zusammenhang mit dem Erlass eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von Geldern
         nur anhören müsse, wenn diese ihn vorher ausdrücklich darum ersucht hätten. Denn nach Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts
         2001/931 kann der Rat einen solchen Beschluss nur fassen, nachdem er sich vergewissert hat, dass der Verbleib der Betroffenen
         auf der Liste nach wie vor gerechtfertigt ist, was voraussetzt, dass er ihnen zuvor ermöglicht, zu dieser Frage sachgerecht
         Stellung zu nehmen.
      
      133    Unter Umständen wie denen des vorliegenden Falles, in dem es um eine Sicherungsmaßnahme geht, die die Verfügbarkeit des Vermögens
         bestimmter Personen, Vereinigungen und Körperschaften im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus einschränkt, können der
         Mitteilung bestimmter zur Last gelegter Umstände an die Betroffenen und damit ihrer Anhörung hierzu im Laufe des Verwaltungsverfahrens
         zwingende Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer internationalen Beziehungen
         entgegenstehen (vgl. entsprechend Urteil Yusuf, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 320). 
      
      134    Wie der Rat und das Vereinigte Königreich unter Hinweis darauf, dass in vielen Mitgliedstaaten Ausnahmen vom allgemeinen Anspruch
         auf rechtliches Gehör in einem Verwaltungsverfahren aus Gründen des öffentlichen Interesses, der öffentlichen Ordnung oder
         der Aufrechterhaltung internationaler Beziehungen oder dann zugelassen werden, wenn der Zweck der zu treffenden Entscheidung
         bei Gewährung des Anspruchs vereitelt würde oder werden könnte (vgl. die oben in Randnr. 72 angeführten Beispiele), vorgetragen
         haben, stehen solche Beschränkungen mit den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten im Einklang.
      
      135    Im Übrigen stehen sie mit der Rechtsprechung des EGMR im Einklang, der selbst im strengeren Rahmen eines kontradiktorischen
         Strafverfahrens, das den Anforderungen des Artikels 6 EMRK genügen muss, zugesteht, dass in Fällen, die die nationale Sicherheit
         betreffen, und insbesondere im Bereich des Terrorismus, bestimmte Beschränkungen der Verteidigungsrechte in Betracht gezogen
         werden können, u. a. in Bezug auf die Bekanntmachung zur Last gelegter Umstände und die Art und Weise des Aktenzugangs (vgl.
         z. B. Urteile Chahal/Vereinigtes Königreich vom 15. November 1996, Slg. 1996-V, § 131, und Jasper/Vereinigtes Königreich vom
         16. Februar 2000, Nr. 27052/95, nicht im Recueil des arrêts et décisions veröffentlicht, §§ 51 bis 53 und die dort zitierte Rechtsprechung, vgl. auch Punkt IX.3 der oben in Randnr. 111 angeführten
         Leitlinien des Ministerkomitees des Europarats).
      
      136    Unter den Umständen des vorliegenden Falles gelten diese Erwägungen vor allem für die dem nationalen Beschluss über die Aufnahme
         von Ermittlungen oder Strafverfolgung zugrunde liegenden „ernsthafte[n] und schlüssige[n] Beweise oder Indizien“, wie sie
         dem Rat zur Kenntnis gebracht worden sein können, doch ist denkbar, dass die Zugangsbeschränkungen auch den genauen Inhalt
         oder die besondere Begründung dieses Beschlusses oder sogar die Nennung der Behörde betreffen können, die den Beschluss gefasst
         hat. Unter ganz besonderen Umständen könnte sogar die Nennung des Mitgliedstaats oder des Drittlands, in dem eine zuständige
         Behörde einen Beschluss gegenüber einer Person gefasst hat, die öffentliche Sicherheit gefährden, indem dem Betroffenen eine
         sensible Information mitgeteilt wird, die er missbrauchen könnte.
      
      137    Aus alledem folgt, dass der allgemeine Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte verlangt, dass dem Betroffenen die zur
         Last gelegten Umstände, wie sie oben in Randnummer 126 erläutert wurden, so weit wie möglich mitgeteilt werden, entweder gleichzeitig
         mit dem Erlass eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern oder so früh wie möglich im Anschluss daran, es sei
         denn, dem stehen zwingende Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft oder ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer
         internationalen Beziehungen entgegen. Unter denselben Einschränkungen müssen jedem Folgebeschluss über das Einfrieren von
         Geldern grundsätzlich eine Mitteilung der neuen zur Last gelegten Umstände und eine Anhörung vorausgehen. Für die Wahrung
         der Verteidigungsrechte ist es hingegen weder erforderlich, dass dem Betroffenen die zur Last gelegten Umstände vor dem Erlass
         einer Maßnahme zum erstmaligen Einfrieren von Geldern mitgeteilt werden, noch, dass er in einem solchen Zusammenhang im Nachhinein
         von Amts wegen angehört wird.
      
      –       Begründungspflicht
      138    Nach ständiger Rechtsprechung dient die Pflicht zur Begründung von beschwerenden Rechtsakten dem Zweck, den Betroffenen so
         ausreichend zu unterrichten, dass er erkennen kann, ob der Rechtsakt sachlich richtig oder eventuell mit einem Mangel behaftet
         ist, der seine Anfechtung vor dem Gemeinschaftsrichter zulässt, und außerdem dem Gemeinschaftsrichter die Rechtmäßigkeitsprüfung
         des Rechtsakts zu ermöglichen (Urteile des Gerichtshofes vom 2. Oktober 2003 in der Rechtssache C‑199/99 P, Corus UK/Kommission,
         Slg. 2003, I‑11177, Randnr. 145, und vom 28. Juni 2005 in den Rechtssachen C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P
         und C‑213/02 P, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, Slg. 2005, I‑5425, Randnr. 462). Die so verstandene Begründungspflicht
         ist ein wesentlicher Grundsatz des Gemeinschaftsrechts, von dem Ausnahmen nur aufgrund zwingender Erwägungen möglich sind
         (vgl. Urteil des Gerichts vom 29. September 2005 in der Rechtssache T‑218/02, Napoli Buzzanca/Kommission, Slg. ÖD 2005, I‑A‑0000
         und II‑0000, Randnr. 57 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      139    Die Begründung ist dem Betroffenen daher grundsätzlich gleichzeitig mit dem ihn beschwerenden Rechtsakt mitzuteilen. Das Fehlen
         der Begründung kann nicht dadurch geheilt werden, dass der Betroffene die Gründe für den Rechtsakt während des Verfahrens
         vor dem Gemeinschaftsrichter erfährt (Urteile vom 26. November 1981 in der Rechtssache 195/80, Michel/Parlament, Slg. 1981,
         2861, Randnr. 22, und Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 138 angeführt, Randnr. 463). Denn wäre es möglich,
         das völlige Fehlen einer Begründung nach Klageerhebung zu heilen, würde dies die Verteidigungsrechte beeinträchtigen, weil
         dem Kläger nur die Erwiderung zur Verfügung stünde, um seine Argumente gegen die ihm erst nach der Einreichung der Klageschrift
         bekannt gewordene Begründung vorzutragen. Dadurch würde der Grundsatz der Gleichheit der Parteien vor dem Gemeinschaftsrichter
         beeinträchtigt (Urteile des Gerichts vom 15. September 2005 in der Rechtssache T‑132/03, Casini/Kommission, Slg. ÖD 2005,
         I‑A‑0000 und II‑0000, Randnr. 33, und Napoli Buzzanca/Kommission, oben in Randnr. 138 angeführt, Randnr. 62).
      
      140    Da dem Betroffenen vor dem Erlass eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern kein Anhörungsrecht zusteht, kommt
         der Erfüllung der Begründungspflicht umso größere Bedeutung zu, als sie die einzige Gewähr dafür bietet, dass der Betroffene
         zumindest nach dem Erlass dieses Beschlusses die ihm zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit des Beschlusses zur Verfügung stehenden
         Rechtsbehelfe sachgerecht in Anspruch nehmen kann (Urteil des Gerichts vom 8. Dezember 2005 in der Rechtssache T‑237/00, Reynolds/Parlament,
         Slg. 2005, II‑0000, Randnr. 95; vgl. in diesem Sinne auch Urteil des Gerichts vom 25. Juni 1998 in den Rechtssachen T‑371/94
         und T‑394/04, British Airways und British Midland Airways/Kommission, Slg. 1998, II‑2405, Randnr. 64). 
      
      141    Nach ständiger Rechtsprechung muss die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts
         und dem Kontext, in dem er erlassen worden ist, angepasst sein. Sie muss die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den
         Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene
         Maßnahme entnehmen können und der Gerichtshof seine Rechtmäßigkeitskontrolle durchführen kann. Das Begründungserfordernis
         ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und nach
         dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere durch den Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen
         an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur
         anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem
         betreffenden Gebiet. Insbesondere ist ein beschwerender Rechtsakt hinreichend begründet, wenn er in einem Zusammenhang ergangen
         ist, der dem Betroffenen bekannt war und ihn in die Lage versetzt, die Tragweite der ihm gegenüber getroffenen Maßnahme zu
         verstehen (Urteile des Gerichtshofes vom 29. Oktober 1981 in der Rechtssache 125/80, Arning/Kommission, Slg. 1981, 2539, Randnr.
         13, vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 63,
         vom 30. September 2003 in der Rechtssache C‑301/96, Deutschland/Kommission, Slg. 2003, I‑9919, Randnr. 87, und vom 22. Juni
         2004 in der Rechtssache C‑42/01, Portugal/Kommission, Slg. 2004, I‑6079, Randnr. 66; vgl. Urteil des Gerichts vom 6. März
         2003 in den Rechtssachen T‑228/99 und T‑233/99, Westdeutsche Landesbank Girozentrale und Land Nordrhein-Westfalen/Kommission,
         Slg. 2003, II‑435, Randnrn. 278 bis 280). Außerdem müssen die Anforderungen, die an die Begründung einer Entscheidung zu stellen
         sind, den tatsächlichen Möglichkeiten sowie den technischen und zeitlichen Bedingungen angepasst werden, unter denen die Entscheidung
         ergeht (vgl. Urteil Delacre u. a./Kommission, oben in Randnr. 83 angeführt, Randnr. 16 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      142    Die Begründung eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 ist vor allem anhand der
         rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung dieser Verordnung auf einen Einzelfall zu beurteilen, wie sie in deren Artikel
         2 Absatz 3 und – über Verweis – entweder in Artikel 1 Absatz 4 oder in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931
         genannt sind, je nachdem, ob es sich um einen Ausgangsbeschluss oder einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern
         handelt.
      
      143    Insoweit kann das Gericht der Ansicht des Rates nicht folgen, dass die Begründung aus einer allgemeinen und stereotypen Formulierung
         bestehen darf, die dem Wortlaut des Artikels 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 und des Artikels 1 Absätze 4 oder 6 des
         Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 entnommen ist. Nach den oben dargestellten Grundsätzen hat der Rat die sachlichen und rechtlichen
         Gesichtspunkte, von denen die Rechtmäßigkeit seines Beschlusses abhängt, sowie die Erwägungen aufzuführen, die ihn zu dessen
         Erlass veranlasst haben. In der Begründung einer solchen Maßnahme sind also die besonderen und konkreten Gründe anzugeben,
         aus denen der Rat zu der Auffassung gelangt, dass die einschlägige Regelung auf den Betroffenen anwendbar ist (vgl. in diesem
         Sinne Urteile des Gerichts vom 20. Februar 2002 in der Rechtssache T‑117/01, Roman Parra/Kommission, Slg. ÖD 2002, I‑A‑27
         und II‑121, Randnr. 31, und Napoli Buzzanca/Kommission, oben in Randnr. 138 angeführt, Randnr. 74).
      
      144    Dies schließt grundsätzlich mit ein, dass sich die Begründung eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern zumindest
         auf jeden der oben in Randnummer 116 genannten Umstände beziehen muss sowie gegebenenfalls auf die oben in den Randnummern
         125 und 126 genannten Umstände, während in der Begründung eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von Geldern die besonderen
         und konkreten Gründe anzugeben sind, aus denen der Rat nach der Überprüfung zu der Auffassung gelangt, dass das Einfrieren
         der Gelder des Betroffenen nach wie vor gerechtfertigt ist.
      
      145    Zudem wird der Rat, wenn er nach der Verordnung Nr. 2580/2001 eine Maßnahme zum Einfrieren von Geldern einstimmig beschließt,
         nicht aufgrund einer gebundenen Befugnis tätig. Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 in Verbindung mit Artikel
         1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 kann nicht dahin verstanden werden, dass der Rat verpflichtet wäre, jede Person,
         gegenüber der eine zuständige Behörde einen Beschluss im Sinne dieser Bestimmungen gefasst hat, in die streitige Liste aufzunehmen.
         Diese Auslegung, die das Vereinigte Königreich in der mündlichen Verhandlung vertreten hat, wird durch Artikel 1 Absatz 6
         des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 bekräftigt, auf den auch Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001 verweist und
         in dem es heißt, dass der Rat mindestens einmal pro Halbjahr eine regelmäßige „Überprüfung“ vornehmen muss, um sicherzustellen,
         dass der Verbleib der Betroffenen auf der Liste „nach wie vor gerechtfertigt ist“.
      
      146    Daraus folgt, dass sich die Begründung einer Maßnahme zum Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001 grundsätzlich
         nicht nur auf die rechtlichen Voraussetzungen der Anwendung dieser Verordnung beziehen muss, sondern auch auf die Gründe,
         aus denen der Rat in Ausübung seines Ermessens annimmt, dass der Betroffene einer solchen Maßnahme zu unterwerfen ist.
      
      147    Bei den oben in den Randnummern 143 bis 146 angestellten Erwägungen muss jedoch berücksichtigt werden, dass ein Beschluss
         über das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001, wie oben in den Randnummern 97 und 98 ausgeführt, auch
         den Normcharakter der Verordnung teilt, obwohl mit ihm eine individuelle Maßnahme zur Verhängung einer wirtschaftlichen und
         finanziellen Sanktion ergriffen wird. Zudem könnte eine detaillierte Veröffentlichung der gegen die Betroffenen erhobenen
         Vorwürfe nicht nur gegen zwingende Erwägungen des Allgemeininteresses verstoßen, die nachstehend in Randnummer 148 zu behandeln
         sein werden, sondern auch die legitimen Interessen der fraglichen Personen und Körperschaften beeinträchtigen, da sie ihren
         Ruf schwer schädigen kann. Es ist deshalb ausnahmsweise zuzulassen, dass in der im Amtsblatt veröffentlichten Fassung des
         Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nur der Tenor und eine allgemeine Begründung wie die oben in Randnummer 143 angesprochene
         erscheinen, während jedoch die spezifische und konkrete Begründung dieses Beschlusses förmlich erteilt und den Betroffenen
         auf einem anderen geeigneten Weg bekannt gegeben werden muss.
      
      148    Unter Umständen wie denen des vorliegenden Falles ist außerdem festzustellen, dass zwingende Erwägungen der Sicherheit der
         Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten oder der Gestaltung ihrer internationalen Beziehungen der Offenlegung der genauen und
         vollständigen Gründe des Ausgangs- oder Folgebeschlusses über das Einfrieren ihrer Gelder gegenüber den Betroffenen entgegenstehen
         können, so wie sie auch der Mitteilung der zur Last gelegten Umstände an diese im Laufe des Verwaltungsverfahrens entgegenstehen
         können. Das Gericht verweist insoweit auf die Erwägungen, die bereits u. a. oben in den Randnummern 113 bis 137 zu den in
         einem solchen Zusammenhang zulässigen Beschränkungen des allgemeinen Grundsatzes der Wahrung der Verteidigungsrechte angestellt
         worden sind. Diese Erwägungen gelten für die zulässigen Einschränkungen der Begründungspflicht entsprechend.
      
      149    Insoweit hält es das Gericht für angebracht, sich von den Bestimmungen der Richtlinie 2004/38/EG des Europäischen Parlaments
         und des Rates vom 29. April 2004 über das Recht der Unionsbürger und ihrer Familienangehörigen, sich im Hoheitsgebiet der
         Mitgliedstaaten frei zu bewegen und aufzuhalten, zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 1612/68 und zur Aufhebung der Richtlinien
         64/221/EWG, 68/360/EWG, 72/194/EWG, 73/148/EWG, 75/34/EWG, 75/35/EWG, 90/364/EWG, 90/365/EWG und 93/965/EWG (ABl. L 158, S. 77,
         Berichtigung ABl. L 229, S. 35) leiten zu lassen, auch wenn die Richtlinie unter den Umständen des vorliegenden Falles nicht
         gilt. Sie sieht in ihrem Artikel 30 Absatz 2 vor: „Dem Betroffenen sind die Gründe der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder
         Gesundheit, die der Entscheidung [mit der die Freizügigkeit und das Aufenthaltsrecht eines Unionsbürgers oder seiner Familienangehörigen
         beschränkt werden] zugrunde liegen, genau und umfassend mitzuteilen, es sei denn, dass Gründe der Sicherheit des Staates dieser
         Mitteilung entgegenstehen.“
      
      150    Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes (Urteile vom 28. Oktober 1975 in der Rechtssache 36/75, Rutili, Slg. 1975, 1219,
         und vom 22. Mai 1980 in der Rechtssache 131/79, Santillo, Slg. 1980, 1585) zur Richtlinie 64/221/EWG des Rates vom 25. Februar
         1964 zur Koordinierung der Sondervorschriften für die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern, soweit sie aus Gründen der
         öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit gerechtfertigt sind (ABl. Nr. 56, S. 850), die durch die Richtlinie 2004/38
         aufgehoben wurde und deren Artikel 6 im Wesentlichen mit Artikel 30 Absatz 2 der Richtlinie 2004/38 übereinstimmte, genießt
         jeder, der durch die genannten Bestimmungen geschützt wird, eine zweifache Garantie, die in der Bekanntgabe der Gründe jeder
         seine Freiheit beschränkenden Maßnahme – es sei denn, dass Gründe der Sicherheit des Staates dieser Bekanntgabe entgegenstehen
         – und in der Gewährung eines Rechtsbehelfs besteht. Unter demselben Vorbehalt erfordert dies insbesondere, dass der betreffende
         Staat dem Betroffenen zugleich mit der Bekanntgabe einer gegen ihn verhängten freiheitsbeschränkenden Maßnahme die Gründe
         hierfür genau und vollständig eröffnet, um ihm Gelegenheit zu geben, sich sachgerecht zu verteidigen.
      
      151    Aus alledem ergibt sich, dass, soweit dem keine zwingenden Erwägungen der Sicherheit der Gemeinschaft oder ihrer Mitgliedstaaten
         oder der Gestaltung ihrer internationalen Beziehungen entgegenstehen und vorbehaltlich auch des oben in Randnummer 147 Gesagten,
         die Begründung eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren von Geldern in spezifischer und konkreter Weise sich zumindest
         auf jeden oben in Randnummer 116 genannten Umstand sowie gegebenenfalls auf die oben in den Randnummern 125 und 126 genannten
         Umstände beziehen und die Gründe nennen muss, aus denen der Rat in Ausübung seines Ermessens annimmt, dass der Betroffene
         einer solchen Maßnahme zu unterwerfen ist. Außerdem sind in der Begründung eines Folgebeschlusses über das Einfrieren von
         Geldern die spezifischen und konkreten Gründe anzugeben, aus denen der Rat nach der Überprüfung zu der Auffassung gelangt,
         dass das Einfrieren der Gelder des Betroffenen nach wie vor gerechtfertigt ist.
      
      –       Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz
      152    Was schließlich die Gewährleistung des Rechts auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz angeht, so wird sie wirksam durch
         das Recht der Betroffenen sichergestellt, gegen einen Beschluss über das Einfrieren von Geldern Klage beim Gericht nach Artikel
         230 Absatz 4 EG zu erheben (vgl. in diesem Sinne EGMR, Urteil Bosphorus/Irland vom 30. Juni 2005, Nr. 45036/98, noch nicht
         im Recueil des arrêts et décisions veröffentlicht, § 165, und Beschluss Segi u. a. und Gestoras pro Amnistía/15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union vom 23. Mai 2002, Nrn. 6422/02
         und 9916/02, Recueil des arrêts et décisions 2002‑V).
      
      153    In diesem Zusammenhang ist die gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit eines nach Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung Nr. 2580/2001
         gefassten Beschlusses über das Einfrieren von Geldern die Kontrolle, die in Artikel 230 Absatz 2 EG vorgesehen ist, wonach
         der Gemeinschaftsrichter für Klagen wegen Unzuständigkeit, Verletzung wesentlicher Formvorschriften, Verletzung des EG-Vertrags
         oder einer bei seiner Durchführung anzuwendenden Rechtsnorm oder wegen Ermessensmissbrauchs zuständig ist.
      
      154    Im Rahmen dieser Kontrolle ist es Sache des Gerichts, unter Berücksichtigung der vom Betroffenen geltend gemachten oder von
         Amts wegen festgestellten Nichtigkeitsgründe u. a. zu überprüfen, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die Anwendung der
         Verordnung Nr. 2580/2001 auf einen Einzelfall vorliegen, wie sie in deren Artikel 2 Absatz 3 und – durch Bezugnahme – entweder
         in Artikel 1 Absatz 4 oder in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 genannt sind, je nachdem, ob es sich
         um einen Ausgangsbeschluss oder einen Folgebeschluss über das Einfrieren von Geldern handelt. Dazu gehört, wie der Rat in
         seinen Schriftsätzen in der Rechtssache, in der das Urteil Yusuf, oben in Randnummer 29 angeführt, ergangen ist, ausdrücklich
         eingeräumt hat (Randnr. 225), dass sich die gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit des fraglichen Beschlusses auf die Beurteilung
         der Tatsachen und Umstände erstreckt, die zu seiner Begründung herangezogen wurden, sowie auf die Prüfung der Beweismittel
         und Informationen, auf die sich diese Beurteilung stützt. Das Gericht muss sich auch von der Wahrung der Verteidigungsrechte
         und von der Erfüllung des insoweit bestehenden Begründungserfordernisses sowie gegebenenfalls von der Berechtigung der zwingenden
         Erwägungen überzeugen, auf die sich der Rat ausnahmsweise beruft, um hiervon abweichen zu können.
      
      155    Im vorliegenden Fall erweist sich diese Kontrolle umso mehr als unverzichtbar, als sie die einzige Verfahrensgarantie darstellt,
         die einen gerechten Ausgleich zwischen den Erfordernissen der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und dem Grundrechtsschutz
         schaffen kann. Da die Beschränkungen, denen die Verteidigungsrechte der Betroffenen vom Rat unterworfen werden, durch eine
         genaue, unabhängige und unparteiische gerichtliche Kontrolle auszugleichen sind (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes
         vom 2. Mai 2006 in der Rechtssache C‑341/04, Eurofood, Slg. 2006, I‑3813, Randnr. 66), muss der Gemeinschaftsrichter die Rechtmäßigkeit
         und die Begründetheit der Maßnahmen zum Einfrieren von Geldern kontrollieren können, ohne dass ihm die Geheimhaltungsbedürftigkeit
         oder die Vertraulichkeit der vom Rat herangezogenen Beweise und Informationen entgegengehalten werden könnte.
      
      156    Der EGMR erkennt zwar an, dass die Verwendung von vertraulichem Material unvermeidbar sein kann, wenn die nationale Sicherheit
         auf dem Spiel steht. Das heißt seiner Ansicht nach jedoch nicht, dass die nationalen Behörden von jeder effektiven Kontrolle
         durch die nationalen Gerichte freigestellt sind, wenn sie behaupten, dass die nationale Sicherheit und der Terrorismus betroffen
         seien (vgl. EGMR, Urteile Chahal/Vereinigtes Königreich, oben in Randnr. 135 angeführt, § 131 und die dort zitierte Rechtsprechung,
         und Öcalan/Türkei vom 12. März 2003, Nr. 46221/99, noch nicht im Recueil des arrêts et décisions veröffentlicht, § 106 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      157    Auch hier hält es das Gericht für angebracht, sich von den Bestimmungen der Richtlinie 2004/38 leiten zu lassen. In Übereinstimmung
         mit der oben in Randnummer 150 angeführten Rechtsprechung des Gerichtshofes sieht diese Richtlinie in ihrem Artikel 31 Absatz
         1 vor, dass die Betroffenen gegen eine aus Gründen der öffentlichen Ordnung, Sicherheit oder Gesundheit ergangene Entscheidung
         einen Rechtsbehelf bei einem Gericht und gegebenenfalls bei einer Behörde des Aufnahmemitgliedstaats einlegen können müssen.
         Zudem sind nach Artikel 31 Absatz 3 dieser Richtlinie im Rechtsbehelfsverfahren die Rechtmäßigkeit der Entscheidung sowie
         die Tatsachen und Umstände, auf denen die Entscheidung beruht, zu überprüfen.
      
      158    Die Frage, ob dem Kläger und/oder seinen Anwälten als vertraulich bezeichnete Beweismittel und Informationen mitgeteilt werden
         können oder ob deren Mitteilung nach einem besonderen Verfahren, das noch in der Weise festzulegen ist, dass die betreffenden
         öffentlichen Interessen gewahrt werden und gleichzeitig dem Betroffenen ausreichender Rechtsschutz gewährt wird, auf das Gericht
         beschränkt werden muss, ist eine andere Frage, die das Gericht im Rahmen der vorliegenden Klage nicht zu beantworten braucht
         (vgl. jedoch EGMR, Urteile Chahal/Vereinigtes Königreich, oben in Randnr. 135 angeführt, §§ 131 und 144, Tinnelly & Sons u. a.
         und McElduff u. a./Vereinigtes Königreich, oben in Randnr. 119 angeführt, §§ 49, 51, 52 und 78, Jasper/Vereinigtes Königreich,
         oben in Randnr. 135 angeführt, §§ 51 bis 53, und Al-Nashif/Bulgarien vom 20. Juni 2002, Nr. 50963/99, nicht im Recueil des arrêts et décisions veröffentlicht, §§ 95 bis 97, sowie Punkt IX.4 der oben in Randnr. 111 angeführten Leitlinien des Ministerkomitees des Europarats).
      
      159    Schließlich verfügt der Rat bei der Beurteilung der Umstände, die bei der Verhängung von wirtschaftlichen und finanziellen
         Sanktionen auf der Grundlage der Artikel 60 EG, 301 EG und 308 EG in Übereinstimmung mit einem im Rahmen der GASP angenommenen
         Gemeinsamen Standpunkt zu berücksichtigen sind, über ein weites Ermessen. Da der Gemeinschaftsrichter insbesondere nicht seine
         Beurteilung der Beweise, Tatsachen und Umstände, die der Verhängung solcher Sanktionen zugrunde liegen, an die Stelle der
         Beurteilung des Rates setzen darf, muss sich die Rechtmäßigkeitskontrolle der Beschlüsse über das Einfrieren von Geldern durch
         das Gericht auf die Prüfung beschränken, ob die Verfahrensvorschriften und die Begründungspflicht beachtet worden sind, der
         Sachverhalt richtig ermittelt wurde und kein offensichtlicher Fehler in der Beurteilung der Tatsachen oder Ermessensmissbrauch
         vorliegt. Diese eingeschränkte Kontrolle gilt insbesondere für die Beurteilung der Zweckmäßigkeitserwägungen, auf denen diese
         Beschlüsse beruhen (vgl. oben, Randnr. 146, und in diesem Sinne EGMR, Urteile Leander/Schweden vom 26. März 1987, Serie A,
         Nr. 116, § 59, und Al-Nashif/Bulgarien, oben in Randnr. 158 angeführt, §§ 123 und 124).
      
       Anwendung auf den vorliegenden Fall
      160    Das Gericht weist zunächst darauf hin, dass die einschlägige Regelung, d. h. die Verordnung Nr. 2580/2001 und der Gemeinsame
         Standpunkt 2001/931, auf den sie verweist, ausdrücklich kein Verfahren für die Mitteilung der zur Last gelegten Umstände und
         für die Anhörung der Betroffenen vorsieht, weder vor noch gleichzeitig mit dem Erlass eines Ausgangsbeschlusses über das Einfrieren
         von Geldern oder im Zusammenhang mit Folgebeschlüssen, um ihre Streichung von der streitigen Liste erwirken zu können. Darüber
         hinaus heißt es in Artikel 1 Absatz 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931, dass „[d]ie Namen von Personen oder Körperschaften,
         die in der Liste im Anhang aufgeführt sind, mindestens einmal pro Halbjahr einer regelmäßigen Überprüfung unterzogen [werden],
         um sicherzustellen, dass ihr Verbleib auf der Liste nach wie vor gerechtfertigt ist“, und in Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung
         Nr. 2580/2001, dass „[d]er Rat … im Einklang mit Artikel 1 [Absatz] … 6 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 … die Liste …
         überprüft und … ändert“.
      
      161    Weiter stellt das Gericht fest, dass der Klägerin die zur Last gelegten Umstände vor Erhebung der vorliegenden Klage nicht
         mitgeteilt wurden. Die Klägerin weist zutreffend darauf hin, dass sowohl im Ausgangsbeschluss über das Einfrieren ihrer Gelder
         als auch in den Folgebeschlüssen bis zum angefochtenen Beschluss und einschließlich diesem die „genauen Informationen“ und
         „einschlägigen Akten“ nicht einmal erwähnt sind, aus denen sich ergibt, dass eine zuständige Behörde ihr gegenüber einen Beschluss
         gefasst hat, der ihre Aufnahme in die streitige Liste rechtfertigt.
      
      162    Auch wenn die Klägerin gewusst hätte, dass ihre Aufnahme in die streitige Liste bevorstand und sie sogar die Initiative ergriffen
         und den Rat kontaktiert hätte, um zu versuchen, den Erlass einer solchen Maßnahme zu verhindern (vgl. oben, Randnr. 69), hätte
         sie keine Kenntnis von den speziell ihr zur Last gelegten Umständen gehabt, auf die sich die bevorstehende Sanktion gestützt
         hätte, so dass sie hierzu nicht sachgerecht hätte Stellung nehmen können. Unter diesen Umständen ist das Vorbringen des Rates,
         dass er die Klägerin vor dem Einfrieren ihrer Gelder angehört habe, zurückzuweisen.
      
      163    Die vorstehenden Erwägungen zur Wahrung der Verteidigungsrechte gelten für die Einhaltung der Begründungspflicht entsprechend.
      
      164    Im vorliegenden Fall genügen weder der angefochtene Beschluss noch der Beschluss 2002/334, den er aktualisiert, dem Begründungserfordernis,
         wie es oben eingegrenzt wurde, weil es in ihrer zweiten Begründungserwägung nur heißt, dass es „wünschenswert“ sei, eine aktualisierte
         Liste der Personen, Gruppen und Organisationen anzunehmen, auf die die Verordnung Nr. 2580/2001 Anwendung finde.
      
      165    Die Klägerin konnte vor dem Rat nicht nur nicht sachgerecht Stellung nehmen, sie wurde, da im angefochtenen Beschluss keinerlei
         Hinweis auf die ihm zugrunde liegenden spezifischen und konkreten Gründe zu finden ist, angesichts des bereits angesprochenen
         Zusammenhangs zwischen der Gewährleistung der Verteidigungsrechte, der Begründungspflicht und des Anspruchs auf einen effektiven
         gerichtlichen Rechtsbehelf auch nicht in die Lage versetzt, ihre Klage vor dem Gericht sachgerecht zu führen. Insoweit ist
         daran zu erinnern, dass die Zulassung der Möglichkeit, das völlige Fehlen einer Begründung nach der Klageerhebung zu heilen,
         von der Rechtsprechung derzeit als eine Verletzung der Verteidigungsrechte angesehen wird (vgl. oben, Randnr. 139).
      
      166    Zudem erlauben weder die Schriftsätze der Verfahrensbeteiligten noch die dem Gericht vorgelegten Akten diesem, seine gerichtliche
         Kontrolle auszuüben, weil es nach Schluss der mündlichen Verhandlung nicht einmal in der Lage ist, mit Sicherheit den nationalen
         Beschluss im Sinne des Artikels 1 Absatz 4 des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931 zu benennen, auf den sich der angefochtene
         Beschluss stützt.
      
      167    Die Klägerin hat sich in ihrer Klageschrift auf die Aussage beschränkt, dass sie „offensichtlich allein aufgrund der vom Regime
         in Teheran vorgelegten Unterlagen“ in die streitige Liste aufgenommen worden sei. In ihrer Erwiderung hat sie u. a. hinzugefügt,
         dass „nichts [ihr] ermöglicht hat, die tatsächlichen Gründe für ihre Aufnahme in die [streitige] Liste zu erfahren“, sie „auch
         keinerlei Möglichkeit zur Einsicht in ihre Akte hatte“ und „die Gründe für die Aufnahme vermutlich diplomatischer Natur waren“.
      
      168    Der Rat hat sich zu dieser Frage in seiner Klagebeantwortung und Gegenerwiderung nicht geäußert.
      
      169    In seinem Streithilfeschriftsatz hat das Vereinigte Königreich ausgeführt, dass „[d]ie Klägerin nicht geltend gemacht hat
         und nichts darauf hindeutet, dass sie nicht auf der Grundlage eines … Beschlusses in den Anhang aufgenommen wurde, [der von
         einer zuständigen Behörde gefasst und in dem die Klägerin als an terroristischen Aktivitäten beteiligt bezeichnet wurde]“.
         Außerdem scheint sich aus diesem Schriftsatz zu ergeben, dass nach Ansicht des Vereinigten Königreichs der fragliche Beschluss
         der des Home Secretary vom 28. März 2001 ist, der durch den Beschluss des Home Secretary vom 31. August 2001, dann auf den
         Antrag auf gerichtliche Überprüfung hin durch das Urteil des High Court vom 17. April 2002 und schließlich auf die Beschwerde
         hin durch die Entscheidung der POAC vom 15. November 2002 bestätigt wurde.
      
      170    In ihrer Stellungnahme zum Streithilfeschriftsatz hat die Klägerin diesen Ausführungen des Vereinigten Königreichs weder widersprochen
         noch sie auch nur kommentiert. Angesichts der allgemeinen Klagegründe und des allgemeinen Vorbringens der Klägerin und insbesondere
         angesichts ihrer Einlassung, auf die oben in Randnummer 167 noch einmal hingewiesen wurde, kann jedoch der Ansicht des Vereinigten
         Königreichs nicht einfach gefolgt werden. In der mündlichen Verhandlung hat die Klägerin im Übrigen wiederholt, dass sie nicht
         gewusst habe, wer die zuständige Behörde gewesen sei, die den sie betreffenden nationalen Beschluss gefasst habe, und auch
         nicht, auf der Grundlage welcher genauen Umstände und Informationen dieser Beschluss gefasst worden sei.
      
      171    Zudem waren der Rat und das Vereinigte Königreich in der mündlichen Verhandlung auf Nachfrage des Gerichts nicht in der Lage,
         eine übereinstimmende Antwort auf die Frage zu geben, welches der nationale Beschluss war, auf dessen Grundlage der angefochtene
         Beschluss gefasst wurde. Nach Ansicht des Rates handelte es sich nur um den Beschluss des Home Secretary, wie er von der POAC
         bestätigt wurde (vgl. oben, Randnr. 169). Das Vereinigte Königreich geht davon aus, dass der angefochtene Beschluss nicht
         nur auf diesen Beschluss gestützt sei, sondern auch auf andere, nicht weiter spezifizierte nationale Beschlüsse, die von den
         zuständigen Behörden in anderen Mitgliedstaaten gefasst worden seien.
      
      172    Daher ist festzustellen, dass das Gericht selbst nach Schluss der mündlichen Verhandlung nicht in der Lage ist, seine Kontrolle
         der Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses auszuüben.
      
      173    Das Gericht kommt zu dem Schluss, dass der angefochtene Beschluss nicht begründet ist und im Rahmen eines Verfahrens erlassen
         wurde, in dessen Verlauf die Verteidigungsrechte der Klägerin nicht gewahrt wurden. Darüber hinaus ist das Gericht selbst
         in diesem Stadium des Verfahrens nicht in der Lage, die gerichtliche Kontrolle der Rechtmäßigkeit dieses Beschlusses vorzunehmen.
      
      174    Diese Erwägungen können nur zur Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses, soweit er die Klägerin betrifft, führen, ohne
         dass es daher notwendig wäre, im Rahmen des Antrags auf Nichtigerklärung über die beiden letzten Teile des ersten Klagegrundes
         sowie über die anderen Klagegründe und Argumente der Klage zu entscheiden.
      
       Zum Schadensersatzantrag
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      175    Die Klägerin hat keine tatsächlichen oder rechtlichen Umstände zur Begründung des Klageantrags auf Verurteilung des Rates
         zur Zahlung eines Euro an sie als Ersatz des geltend gemachten Schadens vorgetragen. Weder der Rat noch der Streithelfer haben
         sich in ihren Schriftsätzen oder in der mündlichen Verhandlung zu diesem Antrag geäußert.
      
       Würdigung durch das Gericht
      176    Nach Artikel 19 der Satzung des Gerichtshofes und Artikel 44 § 1 Buchstabe c der Verfahrensordnung des Gerichts muss die Klageschrift
         den Streitgegenstand und eine kurze Darstellung der Klagegründe enthalten. Diese Darstellung muss hinreichend klar und deutlich
         sein, um dem Beklagten die Vorbereitung seiner Verteidigung und dem Gericht gegebenenfalls ohne weitere Informationen die
         Entscheidung über die Klage zu ermöglichen. Um die Rechtssicherheit und eine ordnungsgemäße Rechtspflege zu gewährleisten,
         ist es für die Zulässigkeit einer Klage erforderlich, dass sich die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Umstände, auf
         die sich die Klage stützt, zumindest in gedrängter Form, aber zusammenhängend und verständlich unmittelbar aus der Klageschrift
         ergeben (vgl. Urteil des Gerichts vom 3. Februar 2005 in der Rechtssache T‑19/01, Chiquita Brands u. a./Kommission, Slg. 2005,
         II‑315, Randnr. 64 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      177    Eine Klage auf Ersatz der von einem Gemeinschaftsorgan verursachten Schäden genügt diesen Anforderungen nur, wenn sie Angaben
         enthält, anhand deren sich das dem Organ vom Kläger vorgeworfene Verhalten bestimmen lässt, die Gründe angibt, aus denen nach
         Auffassung des Klägers ein Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten und dem angeblich erlittenen Schaden besteht, sowie Art
         und Umfang dieses Schadens bezeichnet (vgl. Urteile des Gerichts vom 10. Juli 1997 in der Rechtssache T‑38/96, Guérin automobiles/Kommission,
         Slg. 1997, II‑1223, Randnrn. 42 und 43, und Chiquita Brands u. a./Kommission, oben in Randnr. 176 angeführt, Randnr. 65 und
         die dort zitierte Rechtsprechung). Einem auf irgendeine Schadensersatzleistung gerichteten Antrag fehlt dagegen die notwendige
         Bestimmtheit, und er ist deshalb als unzulässig anzusehen (Urteil Chiquita Brands u. a./Kommission, oben in Randnr. 176 angeführt,
         Randnr. 66).
      
      178    Insbesondere muss der Antrag auf Ersatz eines immateriellen Schadens, sei er nun auf eine symbolische Entschädigung oder auf
         einen tatsächlichen Schadensersatz gerichtet, die Art des behaupteten Schadens unter Berücksichtigung des dem beklagten Organ
         vorgeworfenen Verhaltens erläutern und zumindest annähernd die Höhe dieses Schadens beziffern (vgl. Urteil des Gerichts vom
         15. Juni 1999 in der Rechtssache T‑277/97, Ismeri Europa/Rechnungshof, Slg. 1999, II‑1825, Randnr. 81 und die dort zitierte
         Rechtsprechung). 
      
      179    Im vorliegenden Fall ist der in der Klageschrift enthaltene Antrag auf Schadensersatz vermutlich als auf den Ersatz eines
         immateriellen Schadens gerichtet zu verstehen, weil er auf den symbolischen Betrag von einem Euro beziffert wird. Die Klägerin
         hat aber nicht die Natur und die Art dieses immateriellen Schadens beschrieben, und sie hat vor allem nicht angegeben, welches
         fehlerhafte Verhalten des Rates den Schaden verursacht haben soll. Es ist aber nicht Sache des Gerichts, aus den verschiedenen
         zur Begründung des Antrags auf Nichtigerklärung erhobenen Rügen diejenige oder diejenigen herauszusuchen, die die Klägerin
         als Grundlage für den Schadensersatzantrag heranziehen möchte. Ebenso wenig ist es Sache des Gerichts, einen eventuell vorhandenen
         Kausalzusammenhang zwischen dem gerügten Verhalten und dem angeblichen immateriellen Schaden zu ermitteln und zu prüfen.
      
      180    Unter diesen Umständen fehlt dem in der Klageschrift enthaltenen Schadensersatzantrag jede Bestimmtheit, so dass er für unzulässig
         zu erklären ist, zumal die Klägerin nicht einmal versucht hat, diesen Mangel in ihrer Erwiderung zu heilen.
      
      181    Daraus folgt auch, dass im Rahmen des Schadensersatzantrags nicht über die Klagegründe und Argumente entschieden zu werden
         braucht, die die Klägerin zur Begründung ihres Antrags auf Nichtigerklärung vorgetragen hat, die aber vom Gericht noch nicht
         geprüft wurden (vgl. oben, Randnr. 174).
      
       Zum Antrag auf Wiedereröffnung des schriftlichen Verfahrens 
      182    Die Erwägungen, die das Gericht veranlasst haben, den angefochtenen Beschluss für nichtig zu erklären, soweit er die Klägerin
         betrifft, stützen sich in keiner Weise auf die neuen Unterlagen, die diese am 18. und 25 Januar 2006 (vgl. oben, Randnrn.
         23 und 24) bei der Kanzlei eingereicht hat. Obwohl diese Unterlagen zur Akte genommen worden sind (vgl. oben, Randnr. 31),
         sind sie daher für das vorliegende Urteil ohne Bedeutung. Unter diesen Umständen ist dem Antrag des Rates auf Wiedereröffnung
         des schriftlichen Verfahrens (vgl. oben, Randnr. 25) nicht stattzugeben.
      
       Kosten
      183    Nach Artikel 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen
         Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt. Unter den vorliegenden Umständen ist zu entscheiden, dass
         der Rat außer seinen eigenen Kosten vier Fünftel der Kosten der Klägerin trägt.
      
      184    Nach Artikel 87 § 4 Absatz 1 der Verfahrensordnung tragen die Mitgliedstaaten, die dem Rechtsstreit als Streithelfer beigetreten
         sind, ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird als teilweise unzulässig und teilweise unbegründet abgewiesen, soweit sie auf die Nichtigerklärung des Gemeinsamen
            Standpunkts 2005/936/GASP des Rates vom 21. Dezember 2005 zur Aktualisierung des Gemeinsamen Standpunkts 2001/931/GASP und
            zur Aufhebung des Gemeinsamen Standpunkts 2005/847/GASP gerichtet ist.
      2.      Der Beschluss 2005/930/EG des Rates vom 21. Dezember 2005 zur Durchführung von Artikel 2 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr.
            2580/2001 über spezifische, gegen bestimmte Personen und Organisationen gerichtete restriktive Maßnahmen zur Bekämpfung des
            Terrorismus und zur Aufhebung des Beschlusses 2005/848/EG wird für nichtig erklärt, soweit er die Klägerin betrifft.
      3.      Der Schadensersatzantrag wird als unzulässig abgewiesen.
      4.      Der Rat trägt außer seinen eigenen Kosten die Kosten der Klägerin zu vier Fünfteln.
      5.      Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland trägt seine eigenen Kosten.
      
               Pirrung 
            
            
               Forwood 
            
            
               Papasavvas
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 12. Dezember 2006.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                     J. Pirrung
            
         Inhaltsverzeichnis
      
      Vorgeschichte des Rechtsstreits
      Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      Zu den Auswirkungen der Aufhebung und Ersetzung der ursprünglich angefochtenen Rechtsakte auf das Verfahren
      Zum zweiten Klageantrag
      Zum Antrag auf Nichtigerklärung des angefochtenen Gemeinsamen Standpunkts
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum Antrag auf Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Geltung der Garantien betreffend die Wahrung der Verteidigungsrechte, die Begründungspflicht und das Recht auf effektiven
         gerichtlichen Rechtsschutz im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der Verordnung Nr. 2580/2001
      
      – Verteidigungsrechte
      – Begründungspflicht
      – Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz
      Gegenstand und Grenzen der Garantien betreffend die Wahrung der Verteidigungsrechte, die Begründungspflicht und den Anspruch
         auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz im Kontext des Erlasses eines Beschlusses über das Einfrieren von Geldern nach der
         Verordnung Nr. 2580/2001
      
      – Verteidigungsrechte
      – Begründungspflicht
      – Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz
      Anwendung auf den vorliegenden Fall
      Zum Schadensersatzantrag
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum Antrag auf Wiedereröffnung des schriftlichen Verfahrens
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Französisch.