CELEX: 51979PC0158
Language: de
Date: 1979-03-30
Title: Vorschlag für einen BESCHLUSS DES RATES zur Festlegung eines Fünfjahresforschungs- und Ausbildungsprogramms (1980-1984) der Europäischen Atomgemeinschaft auf dem Gebiet Biologie - Gesundheitsschutz (Strahlenschutzprogramm) (von der Kommission dem Rat vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (79) 158
Vol. 1979/0070
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983
concernant l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique
européenne et de la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983,
p. 1), tel que modifié par le règlement (CE, Euratom) n° 1700/2003 du 22 septembre 2003
(JO L 243 du 27.9.2003, p. 1), ce dossier est ouvert au public. Le cas échéant, les documents
classifiés présents dans ce dossier ont été déclassifiés conformément à l'article 5 dudit
règlement.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983
concerning the opening to the public of the historical archives of the European Economic
Community and the European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as
amended by Regulation (EC, Euratom) No 1700/2003 of 22 September 2003 (OJ L 243,
27.9.2003, p. 1), this file is open to the public. Where necessary, classified documents in this
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983,
S. 1), geändert durch die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1700/2003 vom 22. September 2003
(ABI. L 243 vom 27.9.2003, S. 1), ist diese Datei der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit
erforderlich, wurden die Verschlusssachen in dieser Datei in Übereinstimmung mit Artikel 5
der genannten Verordnung freigegeben.
 ---pagebreak--- KOMMISSION DER EUROPAISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                                   KOM(79)158 endg.
                                                                   Brüssel , den 30 . März 1979
                                      4/ ' r      a            -   \
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                                  Vorschlag für einen
                                BESCHLUSS DES RATES
               zur Festlegung eines Fünfjahresforschungs- und Aus­
               bildungsprogramms ( 1980-1984 ) der Europäischen Atom­
               gemeinschaft auf dem Gebiet Biologie - Gesundheits­
               schutz ( Strahlenschutzprogramm )
                      ( von der Kommission dem Rat vorgelegt )
 K0M(79 ) 158 endg .
 ---pagebreak---                                        INHALT
                                                                      Seite
0.   Zusammenfassung                                                     1
 1.  Einführung                                                          3
2.   Ziele des St rahlenschutzprogramms der Gemeinschaft                 3
     2.1 . Ziele der Forschungsaktivitäten                               3
     2.2 . Koordination des Strahlenschutzes - eine Verpflichtung
           der Gemeinschaft                                              4
3.  Derzeitiger Stand der Strahlenschutzforschung und seine
    Konsequenzen                                                          4
    3.1 .  Das laufende Forschungsprogramm der Gemeinschaft              4
    3.2 .  ICRP und UNSCEAR                                               5.
    3.3 .  Konsequenzen für das Programm der Gemeinschaft                 5
           3.3.1 . Wissenschaftliche Neuorientierung                      5
           3.3.2 . Organisatorische Verbesserung - ein gleitendes
                    Programm                                              6
4.  Programmvorschlag " Strahlenschutz " 1980-1984                        8
    4.1 . Aktionsvorschlage                                               8
           4.1.1 . Strahlendosimetrie und ihre Interpretat ion           9
           4.1.2 .  Verhalten und Kontrolle der Radionuklide in
                    der Umwelt                                          13
           4.1.3 . Somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung   16
           4.1.4 . Somatische Spatwirkungen ionisierender Strahlung     18
           4.1.5 . Genetische Wirkungen ionisierender Strahlung         22
           4.1.6. Abschätzung des Strahlenrisikos                       27
    4.2 .  Durchführung                                                 29
           4.2.1 . Beteiligte Laboratorien                              29
           4.2.2 .  Management                                          29
           4.2.3 .  Koordinierung                                       30
           4.2.4 .  BewertungsmasstSbe                                  30
           4.2.5 . Verbreitung der Kenntnisse                           32
    4.3 .  Mittelausstattung                                            32
           4.3.1 .  Personal                                            32
           4.3.2 .  Budget                                              32
           4.3.3 .  Finanzielle Aufschlüsselung                         34
ANLAGE I            Forschung 1976-1978 - (Übersicht über einige        35
                    wissenschaftliche Ergebnisse
ANLAGE II           Vorschlag für einen Bescbluss des Rates + Anhang    48
ANLAGE III          Stellungnahme des Beratenden Programmaussehusse's
                    BPA " Strahlenschut 2 "                             51
ANLAGE IV           Stellungnahme des Ausschur ses für   ? senschaft
                    und Technik                                         52
 ---pagebreak--- Zusammenfassung
Dieser Vorschlag zur Weiterf ührung des Strahlenschutzprogramms der Kommissi «
wird gemäss Artikel 7 des EAG-Vertrags vorgelegt .   Es handelt sich um ein
gleitendes Programm für den Zeitraum vom 1.1.1980 bis zum 31.12.1984 .
Wissenschaftliche und verwaltungstechnische Gründe haben die Kommission
veranlasst , ein solches gleitendes Programm vorzuschlagen , um so jüngste
Fortschritte der Strahlenschutzforschung schnell nutzen und den sich
ändernden Erfordernissen des Strahlenschutzes in der Gemeinschaft Rechnung
tragen zu können ; ferner ist dieses Vorgehen geeignet , das Management des
Programms zu erleichtern .   Das Jahr 1980 ist das letzte Jahr des zur Zeit
laufenden Programms ( 1976-1980 ) und würde nun - dem Vorschlag entsprechend
das erste Jahr des neuen Programms werden .
Das Programm ist ausgerichtet auf ein angemessenes Verständnis und eine
Kontrolle der Strahlenrisiken ;   es verfolgt dabei zwei Hauptziele :
-   Erweiterung der wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse mit
   dem Zweck , die Grundnormen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung
   und der Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender Strahlung
   auf den neuesten Stand zu bringen .
-  Beurteilung der biologischen und ökologischen Auswirkungen der
    Tätigkeiten im Nuklearbereich und der Anwendung der Kernenergie und
    ionisierenden Strahlung , um einen angemessenen Schutz des Menschen
    und der Umwelt in all den Fällen sicherzustellen , in denen sonst
    ein unannehmbarer Schaden verursacht werden könnte .
Das Programm wird aus sechs eng zusammenhängenden Hauptabschnitten bestehet
die - willkürlich aber zweckdienlich - seine Gesamt struktur aufzeigen :
-   Strahlendosimetrie und ihre Interpretation ,
 -  Verhalten und Kontrolle der Radionuklide in der Umwelt ,
 -   somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung ,
 -   somatische Spätwirkungen ionisierender Strahlung ,
 -  genetische Wirkungen ionisierender Strahlung ,
 -   Abschätzung der Strahlenrisiken .
 Die Durchführung vorhergehender Programme hat erwiesen , dass eine Zusammen­
 arbeit auf der Basis von Forschungsverträgen mit nationalen Institutionen
 und Hochschulen (" indirekte Aktionen") - in Verbindung mit einem vom BPA
 unterstützten leistungsfähigen Management und gestützt auf objektive
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Bewertungsverfahren - die geeignete Methode zur Durchführung dieses Forschungs-
programms der Gemeinschaft ist . Im Rahmen der Programmabwicklung gilt die
besondere Aufmerksamkeit der stetigen Suche nach möglichen Verbesserungen der
Methoden zur Durchführung des Programms . Im allgemeinen wird die Belastung
der Vertragsnehmer und der Wissenschaftler mit administrativen Aufgaben so
niedrig gehalten als es nach rationellen Gesichtspunkten durchführbar und
im Hinblick auf die Programmziele vertretbar ist .
Die Kommission schätzt den Gesamtbedaff für die Gesamtdauer des Programms
( 1980-1984 ) auf 68,2 Mio ERE und 64 Bedienstete . 10 Mio ERE dieser
68,2 Mio ERE werden bereits durch den Programmbeschluss 1976-1980 gedeckt .
Eine Zusammenstellung einiger wichtiger Ergebnisse wird In Anlage I gegeben .
 ---pagebreak---                                       - 3 -
1. Einführung
   Am 15 . März 1976 hat der Rat ein Forschungs - und Ausbildungsprogramm für
   die Europäische     Atomgemeinschaft auf dem Gebiet Biologie-Gesundheits-
   schutz ( Programm Strahlenschutz ) für den Zeitraum von fünf Jahren vom
   1.1.1976 bis zum 31.12.1980 verabschiedet .    Die Budgetzuweisung betrug
   39 Mio ERE .
   Der vorliegende Vorschlag zur Weiterführung des Strahlenschutzprogramms
   der Kommission wird gemäss Artikel 7 des EAG-Vertrags vorgelegt . Er
   berücksichtigt jüngste wissenschaftliche Fortschritte und die sich
   ändernden Erfordernisse auf dem Gebiet des Strahlenschutzes in der
   Gemeinschaft .    Diese Faktoren führen notwendigerweise zu einer Weiter­
   entwicklung des wissenschaftlichen Inhalts des Programms .
2. Ziele des Strahlenschutzprogramms der Gemeinschaft
   2.1 .   Ziele der Forschungsaktivitäten
           Die Nutzung der Kernenergie - einschliesslich des wahrscheinlichen
           Einsatzes der Kernfusion in fernerer Zukunft - die Behandlung der
           Abfälle , der Abwässer und der Brennstoffe während des gesamten
           Kreislaufs sowie die verschiedenen Anwendungen von ionisierenden
           Strahlen und Radioisotopen - einschliesslich der Verwendung in der
           Medizin für Diagnose und Therapie - sind Faktoren , die angemessene
           Vorsichts - und Kontrollmassnahmen erfordern , um den Schutz gegen
           ionisierende Strahlen zu sichern .
           Das Ziel dieses Forschungsprogramms besteht darin , genügende In­
           formationen zu erarbeiten , die dazu beitragen , innerhalb eines
           grösseren Rahmens begründete Entscheidungen zu Problemen zu treffen ,
           denen die öffentliche Meinung sehr kritisch gegenübersteht . Das Strahlen-
           schutzprogramm der Gemeinschaft ist deshalb auf die Untersuchung und
           Kontrolle der Strahlenrisiken abgestellt .  Unter dieser Zielsetzung ist
           es auf zwei Hauptziele ausgerichtet :
           -  Erweiterung der wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse mit dem
              Ziel , die Grundnormen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und
              der Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender Strahlung auf den
              neuesten Stand zu bringen*.
           -  Beurteilung der biologischen und Ökologischen Auswirkungen der
     * Die Festlegung von Sicherheitsgrundnormen für den Schutz gegen ionisierend«
         Strahlung gehört zu den Aufgaben der Kommission im Rahmen des Euratofrr-Vertr
 ---pagebreak---                                   - 4 -
      Tätigkeiten im Nuk Learberei ch und der Anwendung der Kernenergie ond
      ionisierenden Strahlung , um einen angemessenen Schutz des Mens^e-
      und der Umwelt in all den Fällen sicherzustellen , in denen sonst
      ein unannehmbarer Schaden verursacht werden könnte .
  Diese Ziele stehen in unmittelbarem Zusammenhang zu Gemeinschaftsr
  tiken , deren Bedeutung unumstritten ist :   zur Sozialpolitik , zur f
  weLtpolitik und zur Energiepolitik .
  Koordination des Strahlenschutzes - eine Verpflichtung der Gemein
  Strahlengefahren machen nicht an nationalen Grenzen halt , und die
  bleme , die durch sie auftreten , sind in jedem Mitgliedstaat die gleich «"
  Begrenzte wissenschaftliche Arbeitskapazität und begrenzte finanz
  Mittel stehen in krassem Gegensatz zu der Kompliziertheit und dem
  der Probleme , die einer Losung bedürfen .   Dementsprechend bemühte
  die Kommission seit Beginn ihrer Aktivitäten auf diesem Gebiet , e,r .
  Zusammenarbeit der geeigneten nationalen Institute an den ScnwerpunKcer
  des Programms zustandezubringen .    Der ErfoLg dieser Bemühungen lässt
  sich heute daran ablesen , dass die überwiegende Anzahl der auf diese-
  Gebiet tätigen nationalen Institutionen und viele Hochschulinstitute
  unter den Teilnehmern am Programm der Gemeinschaft zu finden sind .       J
  konnten unnötige Parallelarbeiten vermieden , und ein sinnvoller Eir. -^- t*
  der vorhandenen aber begrenzten Kapazitäten durch eine Arbeitsteilung o .--»
  den Projekten und durch gemeinschaftliche Planung erreicht werden .
  Düren dieses Programm werden die nationalen Anstrengungen nicht dupi. .*• ert .
  Vielmehr stimuliert es diese und vervollständigt sie in Themenkreis ..- ge­
  meinsamen Interesses . Gemeinschaftliche Planung und koordinierte Projekte
  haben die Wirksamkeit der Strahlenschutzforschung in den Mitgliedstca .; . er
  fühlbar verbessert .
 erzeitiger Stand der Strahlenschutzforschung und seine Konsequenzen
5.1 .   Das laufende Forschungsprogramm der Gemeinschaft
        Das Programm hat verschiedene Ergebnisse erbracht , die einem be­
        deutenden wissenschaftlichen Fortschritt entsprechen .    Statistisch
        gesehen sind im Jahre 1977 aus diesem Programm mehr als 600 wis­
        senschaftliche Veröffentlichungen hervorgegangen . 550 Wissenschaft­
        ler , die in den meisten Fällen nationalen Instituten angehören ,
        haben dabei mitgewirkt ( dies entspricht 300 Wissenschaftler-Jahren ),
        Einige Beispiele der veröffentlichten Ergebnisse sind in Anlage I
 ---pagebreak---          angegeben . Eine vollständige Beurteilung des vorliegenden Programms
         wäre jedoch verfrüht , da bisher nur die Ergebnisse aus den erster,
         beiden Jahren des Fünf j ahresprogramms vorliegen .
         Neben dem Beitrag , den dieses und frühere Forschungsprogramme zu
         der weltweiten Zusammenstellung und Bewertung durch UNSCEAR und
         ICRP lieferten , haben die Dienststellen der Kommission Monographien
         zu speziellen Forschungsthemen veröffentlicht ( z.B. Behandlung
         akuter Strahlenschäden , Risikoabschätzung von       Ra , Zusammenstel­
         lung der Daten zur Neutronendosimetrie, Vergleichsprogramme ).
         Ausserdem wurden die wissenschaftlichen Daten durch ständige
        Arbeiten der Studiengruppen in jedem der Programmabschnitte ausge­
         wertet .
 3.2 .  ICRP und UNSCEAR
        Zwei wichtige Ereignisse kennzeichnen die derzeitige Situation
        der Strahlenschutzforschung : einerseits hat UNSCEAR* kürzlich
        eine sehr vollständige und aktuelle Zusammenstellung von wissen­
        schaftlichen Informationen über Strahlenwirkungen , -quellen und
       - risiken veröffentlicht .     Dieser Bericht bewertet im Hinblick auf
       Risikoabschätzungen Forschungsergebnisse , die über somatische
       Spätwirkungen und genetische Wirkungen bis 1977 vorlagen .       Darüber
       hinaus wird er für die künftige Strahlenschutzforschung wesentliche
       Bedeutung haben , besonders , weil er viele Probleme neu be­
       leuchtet .
       Ferner hat die ICRP** neue Empfehlungen herausgegeben . Diesen
       Empfehlungen folgend wird zur Zeit eine Revision der Strahlen-
       schutzgrundnormen von Euratom durchgeführt .     Zur Anwendung der
       neuen Normen muss noch eine detaillierte Stellungnahme erarbeitet
       werden , dies besonders im Hinblick auf die Einführung neuer
       Konzepte wie Detriment , kollektive Aquivalentdosis und Optimierung
       und Rechtfertigung von Bestrahlungen .
       Mit dem Strahlenschutzprogramm der Gemeinschaft aktiv befasste
       Wissenschaftler haben an der Erstellung beider Dokumente mitgear­
       beitet ;     die Forschungsergebnisse aus diesem Programm haben zu
       einem beträchtlich erweiterten Wissensstand auf dem Gebiet des
       Strahlenschutzes beigetragen .
3.3 .  Konsequenzen für das Programm der Gemeinschaft
       3.3.1 .     Wissenschaftliche Neuori ent ierung
                   Aus den vorhergehenden Abschnitten geht klar hervor , dass
*                •
    United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation .
    International Commission on Radiological Protection .
 ---pagebreak---                               - 6 -
        solche sich ändernden Konzepte des Strahlenschutzes sich
        in jedem zukünftigen Programm niederschlagen sollten . Die
        daraus resultierenden Anderungsvorschläge des Wissenschaft-
        liehen Inhalts finden sich unter Punkt 4 , wo neue Themen
        und Prioritäten eingeführt wurden .
3.3.2 . Organisatorische Verbesserung :   ein gleitendes Programm
        Unter den Konsequenzen für das Programm-Management ist der
        Vorschlag für ein gleitendes Programm zu unterstreichen ,
        wobei 1980 ein " überlappendes" Jahr sein soll .  Dieser
        beruht auf folgenden Überlegungen :
        - Modifizierung und in einigen Fällen Neuorientierung von
           Forschungsprojekten sind eine notwendige Folge der derzeiti­
           gen Situation . Allerdings wäre es schwierig, grössere der­
           artige Neuorientierungen während des letzten Jahres eines
           Programms einzuführen .   In Anbetracht der in der Strahlen-
           schutzforschung erforderlichen , langfristigen Arbeiten er­
           scheint es deshalb vorteilhafter , eine angemessene Öberlei-
           tungsphase für die Neuorientierung eines neuen Mehrjahres-
           programms vorzusehen .
        -  Für die obligatorische detaillierte Bewertung der Forschungs­
           projekte , die sich auf die laufenden Verträge und die neuen
           Vorschläge erstrecken wird, wäre eine solche (Jberleitungs-
           phase von grossem Vorteil ; sie würde dazu beitragen , die
           Entwicklung und die Kontinuität des Programms zu sichern .
           Bestehende Verträge könnten vertragsgemäss beendet oder am
           Ende des Überleitungs jahres verlängert werden , während neue
           Verträge im Verlauf dieses Jahres beginnen könnten .
        -  Die Einleitungsphase der Vertragsverhandlungen war früher
           häufig sowohl für die Vertragsnehmer als auch für die
           Kommission sehr schwierig . So konnte z.B. aufgrund des
           Programmbeschlusses im März 1976 eine erste Bewertung der
           Vorschläge durch den BPA erst im Mai 1976 erfolgen . Erst
           danach konnten die Verhandlungen mit den Vertragspartnern
           aufgenommen werden . Die Unterzeichnung der Verträge , die am
           1*1.1976 in Kraft treter» sollten , musste daher bis Ende 1976
           aufgeschoben werden .
 ---pagebreak---                         - 7 -
-   Die Anzahl wirklich profilierter Wissenschaftler , die auf dem
   Gebiet des Strahlenschutzes arbeiten , ist sehr begrenzt . Es
   nimmt viele Jahre in Anspruch , gute und seriöse Forschungs­
   projekte aufzubauen . So ist es eine vorrangige Aufgabe des
   Programms , die Zusammenarbeit mit hervorragenden Forschungs­
   gruppen aufrecht zu erhalten . Umso bedauerlicher ist es , dass
   die Dienststellen der Kommission am Ende einer Fünfjahres-
   periode die Vertragsnehmer bitten und sie zu überzeugen ver­
   suchen müssen , ihre Forschungsteams für ein weiteres Jahr auf
   ihr eigenes finanzielles Risiko arbeiten zu lassen, bis
   schliesslich die Vertragsunterzeichnung die Situation legalisiert .
-  Ausserdem ergibt sich , wenn Entscheidungen über eine
   eventuelle Verlängerung nicht rechtzeitig vor dem Vertrags-
   ende getroffen werden , häufig für die Dienststellen der
   Kommission und den BPA , der gewi ssermassen moralische
   Zwang , den Vertrag zu verlängern .  Tatsächlich wirkt
   sich ein später Ratsbeschluss als nachteilige Einschrän­
   kung der Möglichkeiten des BPA aus , zur Ablehnung oder
   Neuorientierung von Projektvorschlägen Stellung zu nehmen ,
   Vertragsnehmer zu empfehlen , Forschungsteams abzulösen
   oder für andere Projekte einzusetzen .   Die sozialen
   Probleme des im Rahmen der Verträge angestellten
   Forschungspersonals sollten möglichst gering gehalten
   werden .
Alle diese Faktoren sprechen für eine Entscheidung für ein
gleitendes Programm mit 1980 als Oberleitungs jähr .  Das
Budget für das Jahr 1980 wird innerhalb der oberen Grenze
von 39 Mio ERE für den Zeitraum 1976-1980 vollständig ge­
deckt sein .  Bestehende Verträge werden 1980 bis zu dem
Zeitpunkt der Beendigung , der in dem Vertrag ursprünglich
vorgesehen war oder gegebenenfalls aus anderen Gründen not­
wendig wurde , fortgeführt .  Neue Verträge mit einer Laufzeit
bis zu fünf Jahren - also bis Ende 1984 - können 1980 nach
den Leitlinien des neuen wissenschaftlichen Programms abge­
schlossen werden .
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4. Programmvorschlag     Strah lenschutz " 1980-1984
   4. 1 . Aktions vor Schläge
          Das vorgeschlagene Strahlenschutzprogramm der Gemeinschaft bemüht sich ,
          durch eine gemeinsame europäische Anstrengung das Wissen auf dem Gebiet
          des Strahlenschutzes zu erweitern , wobei den besonderen Problemen und
          Erfahrungen im europäischen Bereich Rechnung getragen werden soll .
          Das Programm besteht aus sechs Hauptabschnitten, die mehr oder weniger
          willkürlich aber zweckorientiert seine Gesamtstruktur aufzeigen sollen*:
          -  Strahlendosimetrie und ihre Interpretation ,
          -  Verhalten und Kontrolle der Radionuklide in der Umwelt ,
             Somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung ,
          -  Somatische Spätwirkungen ionisierender Strahlung ,
          -  Genetische Wirkungen ionisierender Strahlung ,
          -  Abschätzung der Strahlenrisiken .
          Informationen , die aus früheren Forschungsprogrammen der Gemeinschaft
          oder aus sonst in der Welt auf vergleichbarem Gebiet durchgeführten
          Forschungen stammen , wurden überprüft , die derzeitigen Kenntnisse - so
          wie sie im UNSCEAR-Beri cht dargestellt sind - wurden gesichtet , die Zu­
          kunft igen Anforderungen in Bezug auf praktische Schutzmassnahmen und
          Leitlinien wurden zusammengestellt und die hierfür notwendigen Forschungs-
          themen definiert .
          Der Programmvorschlag der Kommission ist ausgerichtet auf die vorher­
          sehbaren Erfordernisse des Strahlenschutzes in der Gemeinschaft , die
          Aktualisierung und Anpassung der bereits laufenden Aktivitäten im
          Hinblick auf die zu erwartenden Entwicklungen im Bereich des Kernan-
          lagenbaus und anderer Quellen ionisierender Strahlungen sowie auf die
          möglichen Folgen für den Menschen und die Umwelt . Es ist erforderlich ,
          die Forschungsanstrengungen auf verschiedenen für die Zukunft entschei­
          dend wichtigen Gebieten zu verstärken . Auf den folgenden Seiten wird
          ein Überblick über die einzelnen Hauptabschnitte des Gesamtvorschlags
          gegeben .
   * Eine solche Unterteilung kann den komplexen, wissenschaftlichen Inhalt eines
      ausgewogenen Strahlenschutzprogramms nicht wirklich angemessen erfassen . t Es
      gibt deutliche Überschneidungen zwischen einzelnen Abschnitten ; ferner gibt
      es Themen , die zu allen oder mehreren Programmteilen gehören .  Dosimetrie
      z.B. ist in allen Bereichen erforderlich « Synergi sti sehe Effekte werden unter
      vielen verschiedenen Bedingungen beobachtet « Die Probleme der niedrigen Dosen
      oder Dosisleistungen sowie die der Grundmcchanistnen ck-r beobachteten Wir­
      kungen und die Notwendigkeit epidemiologischer Jnt?--,uchungen -spielen in
      mehreren Abschnitten eine Reils ,
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4.1*1 . Strahlendosimetrie und ihre Interpretation
        Die Anwendung der Bestimmungen für den Strahlenschutz und die Untersu­
        chung der Wirkungen ionisierender Strahlung können nur dann korrekt
        erfolgen , wenn die absorbierte Dosis und / oder andere Bestrahlungspara-
        meter bestimmt und ihre biologischen Wirkungen sowie die durch sie be­
        dingten Risiken interpretiert werden können .    Die in den Grundnormen
        festgelegten Euratom-Richtlinien fordern ausserdem die Messung und
        Registrierung bestimmter Bestrahlungsdaten , die innerhalb der Gemein­
        schaft in vergleichbarer Weise durchgeführt werden sollten .     Deshalb
        sind auf den folgenden Gebieten weitere Forschungsarbeiten nötig , um
        das Strahlenschutzprogramm als Ganzes zu unterstützen .
        -  Physikalische Aspekte der Strahlenwirkung ( Mikrodosimetrie )
           Biologische Auswirkungen ionisierender Strahlung sind von verschie­
           denen Bestrahlungsparametern abhängig , besonders von der Strahlen-
           qualität , die durch die räumliche und zeitliche Verteilung innerhalb
           empfindlicher Bereiche sowie durch die sofortigen chemischen Effekte
           beschrieben wird .  Obwohl beim Erfassen der notwendigen physika­
           lischen Daten beträchtliche Fortschritte gemacht wurden , sind
           detaillierte Untersuchungen erforderlich , um die Beziehungen
           zwischen der Art der Strahlenwirkung und den Dosis-Wirkungskurven
           bei Bestrahlung von aussen und durch inkorporierte Radionuklide
           überzeugend darzustellen .   Mikrodosimetrische Untersuchungen über
           die Induktion von Tumoren oder von Defekten der Organfunktionen .
           sollten zur Lösung dringender Probleme des Strahlenschutzes bei­
           tragen : ob z.B. die relativen Risiken niedriger Dosen sowohl von
           Strahlungen niedriger als auch hoher LET über- oder unterschätzt
           worden sind , ob Qualitätsfaktoren geändert werden müssen mit all
           den Problemen , die sich durch solche Änderungen für Abschirmplanung
           und Personendosimetrie ergeben könnten .
        -   Dosimetrie bei Bestrahlung von innen
            Es müssen weitere quantitative Methoden entwickelt werden , um in
            Fällen einer Inkorporation von radioaktiven Isotopen ( z.B. Tritium
           und Transurane ) oder einer Inhalation von radioaktiven Aerosolen
                                    ι
           die tatsächliche Strahlungsdosi s messen zu können .   Verbesserungen
           der von der ICRP verwendeten Dosimetriemodelle für Lunge , Darm und
           Knochen sowie der Bestimmung des Gehaltes der Lunge und     des g «-
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samten Korpers an alpha-emittierenden Radionukliden durch Ganz-
korperzähler bzw . durch Ausmessen der Exkretion als auch die Unter­
suchung der Wirkungen markierter DNS-Vorstufen im Zellkern spielen
für den Strahlenschutz eine grosse Rolle .
Dosimetrie bei Bestrahlung von aussen
Bei einer Bestrahlung von aussen ergibt sich gewöhnlich eine ziemlich
inhomogene Dosisverteilung oder eine partielle Bestrahlung des
Körpers , die die Bestimmung der Dosis in bestrahlten Organen oder
gefährdeten Geweben erheblich erschwert .    Es müssen daher physika­
lische Methoden weiterentwickelt werden , um eine klarere Beziehung
zwischen Organdosis und Feldcharakteristiken bei Bestrahlung von
aussen , wie Exposition , Strahlungsart , Unterschiede in der Gewebe-
dichte , zu erstellen .
Personendosimetrie und ArbeitsplatzDberwachung
Nach den Empfehlungen in neuesten ICRP-Publikationeri bedarf die
Revision der Strahlenschutznormen einer Unterstützung durch die
Entwicklung von Methoden zur Anwendung und Bewertung dieser
Empfehlungen .  Die Einführung der effektiven Aquivalentdosis und
des Aquivalentdosis-Indexes bedeutet , dass bestehende Messmethoden
angepasst und Umrechnungsfaktoren und - funktionen theoretisch und
experimentell für die verschiedenen Grössen aufgestellt werden
müssen , besonders im Hinblick auf die Eichung der Geräte .
Es gibt in den einzelnen Ländern unterschiedliche Methoden der
Personendosimetrie .    Es wird eine Analyse von Parametern wie
Bestrahlung von innen und von aussen , Kontamination, Inkorporation
und Exkretion durchgeführt werden ^ damit Entscheidungen zu Risiko­
abschätzungen sowohl bei akuter wie bei chronischer Exposition
als auch über therapeutische Massnahmen getroffen werden können .
Messmethoden sollen entwickelt und koordiniert werden . Schutz-
normen für beta-Tei Ichen und die dazu erforderlichen Informationen
sind ein weiterer notwendiger Forschungstei Ibereich .   Informa­
tionen aus Vergleichsprogrammen und Feldst jdien werden die
Forschungsergebnisse ergänzen .
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-  Dosimetrie von Strahlung hoher LET und Neut ronendosimetrie
   Ein konzertiertes Vorgehen ist gegenwärtig nötig , um das Datenmaterial
   über Strahlungen hoher LET einschliesslich der Neutronen bestimmter
   praktisch wichtiger Energien zu vervollständigen .    Obgleich viele
   physikalische Daten und Messmethoden für Neutronen in den letzten
   Jahren veröffentlicht worden sind , müssen wirklich befriedigende
   Methoden sowohl für die Personendosimetrie bei Neutronenstrahlung als
   auch für die Neutronen- und Hoch - LET- Dosimetrie bei radiobiologischen
   Experimenten noch weiter ausgearbeitet werden .    Die Zusammenstellung
   und Bewertung von Daten , die eine allgemeine Übereinstimmung im Bereich
   der Neut ronendosimetrie selbst ermöglichen könnte , stellt sicherlich
   ein Problem dar .  Auch auf diesem Gebiet haben Vergleichsstudien ge­
   zeigt , dass weitere Anstrengungen erforderlich sein werden , denn sie
   haben unerwartete Diskrepanzen bei den Verfahren und bei der Ge­
   nauigkeit der Dosimetrie aufgezeigt .
Um den sich ändernden Erfordernissen des Strahlenschutzes zu entsprechen ,
ist ein Programm notwendig , das die Methoden der Dosimetrie stetig
weiterentwickelt und anpasst - so wie es bisher bereits geschehen ist .
So ist einige Flexibilität erforderlich , um zweckorientierte Probleme
zu lösen und notwendige aktuelle Forschungsaufgaben durchzuführen , oder
um neue Geräte zu entwickeln und auf diese Weise Flexibilität und
Befähigung zur Innovation in der Zukunft zu garantieren .
-  Umweltdosimetrie wird ein solches Problem sein .    Die Dosis , die der
   Mensch durch natürliche Radioaktivität und erhöhte natürliche Expo­
   sition aufnimmt , sollte realistischer eingeschätzt werden . Dies
   stellt einen Teil der korrekten Risikoabschätzung für die Gefährdung
   durch künstliche Strahlenquellen dar .
-  Exposition bei der medizinischen Diagnose ist ein weiteres Problem
   von zunehmendem Interesse . Diese hat den grössten Anteil von allen
   künstlichen Strahlenquellen an der Strahlenbelastung der Bevölkerung .
   Dosimetrische Untersuchungen sollen dazu führen , dass die nicht not­
   wendig erforderliche Strahlenbelastung reduziert wird, bei Erhaltung
   der Qualität der diagnostischen Information .    Ausserdem soll die
   Brauchbarkeit dieser Daten für epidemiologische Untersuchungen der
   Strahlenwirkungen geprüft werden .
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                             I
Die Möglichkeit , die biologische Dosimetrie bei Unfällen einzusetzen ,
stellt noch ein weiteres solches Problem dar .  Mit ihrer Hilfe sollen
wichtige , zusätzliche Informationen über die tatsächlich erhaltene
Dosis geliefert werden .  Leider haben sich diese Methoden in bestimmten
Unfallsituationen als nicht wirklich ausreichend herausgestellt .
Untersuchungen zur Verbesserung zuverlässiger biologischer Dosimeter
sind notwendig .  Ausserdem sollen die Einflüsse eines weiten Bereichs
der Dosisleistung und einer inhomogenen räumlichen Dosisve.rtei lung
auf die biologischen Indikatoren erforscht werden .
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4» 1 . 2. Verhalten und Kontrolle der Radionuklide in der Umwelt
          Das Programm dieses Sektors ist darauf gerichtet , vermehrt Daten
          zum Verhalten bestimmtgr Radionuklids in verschiedenen Bereichen
          der Umwelt zu erfassen .   Diese Daten sind wesentlich für eine Beur­
          teilung von Strahlenschäden und einer möglichen Beeinträchtigung
          der Gesundheit , bei Routinearbeiten      sowie bei Ereignissen
          ( z.B. Unfälle ), bei denen sich ein Freisetzen radioaktiver Stoffe
          in die Umwelt ergeben würde ( s . Abschnitt 4.1 . 6 .). Ein wichtiges •
          Problem dieses Sektors sind jene Tätigkeiten , die nicht mit der
          Kernenergie in Verbindung stehen , durch die jedoch der Mensch einer
          erhöhten natürlichen Grundstrahlung ausgesetzt ist .
          Die Beurteilung von Strahlenschäden macht die Abschätzung der
          kollektiven und individuellen Dosen der exponierten Bevölkerung
          erforderlich .   Dies geschieht gewöhnlich durch Modelle , die den Trans­
          fer von Radionukliden über verschiedene und häufig komplizierte
          Reaktionsfolgen in der Umwelt simulieren .
          Eine Erfassung dieser Daten wird auch den Instanzen dienlich sein ,
          die für die Genehmigung der Abgabe radioaktiver Stoffe und
          für die Festsetzung angemessener Grenzwerte für solche Abgabe
          in die Umwelt zuständig sind .    Ausserdem kann die wissenschaftliche
          Basis für Umweltüberwachungsprogramme verbessert werden .
          Viele Daten zum Verhalten verschiedener Radionuklide in einzelnen
          Umweltbereichen sind bereits bekannt , z.B. aus Untersuchungen des
          radioaktiven Niederschlags nach Atomwaffentests in der Atmosphäre
          und aus Laborexperimenten »    Es bestehen jedoch noch zahlreiche
          Lücken , und viele der vorhandenen Daten bedürfen einer Verbesserung .
          Bei der Ausführung dieses Programms müssen Labor- und Feldversuche
          in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen »     Allerdings
          besteht ein ansteigender Bedarf an Feldversuchen , um die Richtigkeit
          der aus Laborversuchen abgeleiteten Transfer-Koeffizienten zu
          bestätigen .
          Nützliche Informationen über die Zuverlässigkeit von Transfer-
          Koeffizienten und über mögliche unerwartete Kontaminationsquellen
          könnten auch aus dem kürzlich gesammelten Datenmaterial von mehreren
          überwachungsprogrammen abgeleitet werden »
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Besonderer Vorrang wird denjenigen Radionukliden und Reaktionsfolgen in
der Umwelt eingeräumt werden , die in Kernenergieprogrammen der kommenden
Jahrzehnte , oder die als Folge radioaktiven Materials , das aus anderen
Quellen in die Umwelt gelangen konnte , vermutlich grössere Bedeutung
erlangen werden . Bei der Zusammenstellung des detaillierten Programms
werden andere , die nukleare Sicherheit und den Umweltschutz betreffende
Programme der Gemeinschaft ( siehe Fussnote ) berücksichtigt werden .
Die Oberprüfung des bereits vorhandenen Datenmaterials und der voraus­
sehbaren Techniken in den verschiedenen Phasen des Brennstoffkreislaufs
ergibt , dass im Zusammenhang mit diesem Programm folgende Aktivitäten
wichtig sind :
-   Uranbergbau und Uranaufbereitung ,
-   Urananreicherungsanlagen ,
-   Wiederaufbereitung bestrahlter Brennstoffe ,
- Wiedergewinnung von Uran und Plutonium und Herstellung von
                                     I
    Mischoxidbrennstof fen ,
-   Einführung fortschrittlicher Reaktorsysteme ,
- Möglichkeiten der Einführung alternativer Brennstoffkreisläufe /
-   Stillegung von Reaktoren ,
- Management und Lagerung der flüssigen , gasförmigen und festen
    Abfälle , die bei den o.a . Aktivitäten anfallen könnten .
Besondere Aufmerksamkeit wird Methoden gewidmet werden, die bei Unfall-
situationen die Abschätzung des Kontaminationsgrades , die Abgrenzung
der kontaminierten Gebiete und die Reduzierung oder Eliminierung des
Radionuklidtransfers ermöglichen .
 Die augenblicklich als wichtigste geltenden Radionuklide sind die
Transurane und H-3, C– 14 , S-35 , Kr~85 , Tc-99 , Ru-106 , 1-129, 1-131
 sowie einige Aktivierungsprodukte ( Mn-54 , Co-60 ) und natürliche Radio­
 isotope ( Radium , Thorium und ! Tochterprodukte ). Hierbei ist auch die
 chemische Toxizität einiger dieser Nuklide ( Tc-99, 1-129 ) in Betracht
 zu ziehen .                           1
 - Programm "Bewirtschaftung und Lagerung radioaktiver Abfälle .
 - Programm " Verwendung von Plutonium".
 - Programm "Uranschürfung uHd Urangewinnung".
 - Programm " Stil legung von Kernkraftwerken .
 - Programm " Sicherheit thermischer Leichtwasserreaktoren •
 ---pagebreak---                                    - 15 -
Die wichtigsten Transferprozesse in die Umwelt , die weitere Unter­
suchungen erfordern , sind im folgenden zusammengef asst :
-   Resuspension von Radionukliden von der Meeresoberfläche , von Sedimenten
    und typischen europäischen Bodenarten            ( dies gilt besonders für
    Np , Pu , Am , Cm und Langlebige Zerfallsprodukte );
-   Transfer von Radionukliden , die sich auf landwirtschaftlich        ge­
    nutzten Flächen abgelagert haben , in den Boden und in das Wasser ,
    auf Pflanzen und Tiere ( dies gilt' insbesondere für die Transurane ,
    die Elemente der Thorium- und Radiumzerfallsreihen und andere
    Radionuklide einschliesslich S-35 , Tc-99, Ru~106, 1-129 ). Die Art
    und Weise , wie die Organkontamination bei Tieren durch die Inkorpora-
    tion von in biologischem Material enthaltenen Radionukliden sowie
    durch ständige Exposition beeinflusst wird , erfordert besondere
    Aufmerksamkeit ;
-   Die Migration und Retention von Radionukliden in einer Reihe von
    Gesteinen und Böden , die für die Länder der Gemeinschaft typisch
    sind ( dies gilt besonders für die Transurane und langlebigen
    Zerfallsprodukte );
-   Der Transfer in Sedimente von Radionukliden , die in das aquatische
    Milieu abgeleitet worden sind und deren mögliche Remobi lisierung
    ( dies gilt besonders für Transurane und langlebige Zerfallsprodukte );
-   Die regionale Verteilung und das Verhalten von langlebigen Radio­
    nukliden ( z.B. C – 14 , Tc-99 , 1-129 ), insbesondere im Hinblick auf
    ihren Obergang zwischen verschiedenen Umweltbereichen ( z.B. Ober-
    gang zwischen aquatischem und terrestrischem Milieu );
-   Die Aufnahme bestimmter Radionuklide ( z.B. Tc~99 ) durch im Wasser
    lebende Spezies , wozu noch      gründlichere Informationen erforderlich
    sind;
-   Die Untersuchung möglicher synergistischer Effekte von Radionukliden
  • und konventionellen , in die Umwelt abgegebenen Schadstoffen , besonders
    im Hinblick auf die Aufnahme von Radionukliden in Nahrungsketten;
-   Der Austausch von C-14 und HTO zwischen Atmosphäre und dem
    terrestrischen Milieu ;
-   Dispersion in der Atmesphäre und Vorgänge der Ablagerung in
    Wohngebieten .
 ---pagebreak---                                        - 16 -
4.1 . 3 . Somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung
          Strahlenschäden werden im Augenblick der Exposition induziert .      Alle
          sich daraus ergebenden biologischen Wirkungen hängen im wesentlichen
          von den schnellen Veränderungen ab , die während eines extrem kurzen ,
          auf die Energieabsorption folgenden Zeitraums auftreten . Eine genaue
          Kenntnis dieser Vorgänge könnte zu einem Verständnis der Mechanismen
          der Strahlenwirkungen führen .    Es ist bereits seit vielen Jahren
          bekannt , dass freie Radikale und ihre Reaktionsprodukte während der
          Frühphase der Strahlenschädigung eine entscheidende Rolle spielen .
          Es ist jedoch erst durch neuere technologische Entwicklungen möglich
          geworden , diese in biologischem Material zu messen und zu bestimmen .
          In nur wenigen Jahren sind grosse Fortschritte erzielt worden .      Heute
          sind die Reaktionen von strahleninduzierten , freien Radikalen mit
          Nukleinsäuren - den Strahlungen gegenüber anfälligstem biologischen
          Material - ziemlich gut bekannt .    Weitere Untersuchungen auf diesem
          Gebiet sollten - bei guter Koordinierung - ein klares Bild der primären
          Mechanismen der Strahlenschädigungen ergeben .      Diese könnten zum Ver­
          ständnis und zu Möglichkeiten der Kontrolle der Folgen einer Bestrah­
          lung von lebendem MateriaL genutzt werden .
          Untersuchungen früher schädigender Wirkungen auf Zellen und Gewebe
          durch Strahlung von innen oder von aussen werden in Anbetracht ihrer
          wachsenden Bedeutung in Industrie , Forschung und klinischer Medizin
          Intensiviert .   Die einer Behandlung zugänglichen , krankhaften Ver­
          änderungen umfassen in der Hauptsache lokalisierte Strahlenver-
           letzungen und - Schäden des lympho-hämopoi et i sehen Systems . Diese
          pathogenetischen Untersuchungen werden für die Entwicklung thera­
          peutischer Behandlungsmethoden von grundlegender Bedeutung sein .
          Da akute , subakute oder chronische lokale Strahlenschäden häufig
          auftreten , wird den Untersuchungen ihrer Mechanismen , ihrer Prognose ,
          ihrer Komplikationen und ihrer Behandlung besondere Aufmerksamkeit
          gewidmet werden .   Aufgrund der Vielfalt der' Bestrahlungsmodalitäten
          - einschliesslich der Bestrahlung von aussen und von innen. ( Absorption
          radioaktiven Materials durch Nahrungsaufnahme , Einatmung oder Ver­
           letzung ) - müssen sie sicfi nicht nur auf die Haut , sondern auch auf
          tieferliegende Oberflachen wie die des Darmtrakts , der Atemwege und
          vieler anderer Organe erstrecken .    Dem konnektiven und vaskulären
          Gewebe , das sich praktisch überall im Körper befindet , sind besondere
          Untersuchungen im Hinblick auf mögliche Spätwirkungen vorbehalten .
 ---pagebreak---                                    17 -
 Das häufige Auftreten krebsartiger Veränderungen nach dem Heilungspro­
 zess ist ebenfalls typisch für Strahlenverbrennungen .     Daher werden
die Pathogenese dieser Ver letzungen , der erschwerenden Faktoren ,, des
Mechanismus und der Kinetik zellulärer Repopulafc ion eingehend unter­
sucht .  Die Untersuchung befasst sich ausserdem mit den typischen Kenn­
zeichen der Antigenveränderungen , der möglichen neoplastischen Ver­
änderungen des geschadigten Gewebes , mit der Rolle , die eine Schädigung
des Immunsystems spielt , sowie mit spezifischen Problemen , die bei An­
wendung der Therapie mit Hauttransplantationen auftreten .
Frühwirkungen der Strahlenverletzungen auf das blutbildende System bei
totaler oder teilweiser Körperbestrahlung sowie die Therapie solcher
Verletzungen sind bereits in früheren      Programmen untersucht worden .
Zum Verständnis und zur Behandlung des " Knochenmarksyndroms " sind be­
trächtliche Fortschritte erzielt worden .     Allerdings ist die Beurteilung
der Schädigung und des Regenerationspotentials der blutbildenden
Funktionen mit den vorhandenen diagnostischen Methoden - insbesondere
im Hinblick auf Schädigungen der Stammzellen bestimmter Lymphozyten-
populationen - noch nicht optimal .     Daher soll der Einsatz von Chromo-
somenindikatoren und anderen Kontrollmöglichkeiten für Strahlenschäden
untersucht werden .    Was die Therapie anbetrifft , so erfordern verschie­
dene Probleme weiter grosse Aufmerksamkeit .      Erst vor kurzem wurden
neue Radioprotektoren entdeckt , die bei weiterer Untersuchung für eine
Anwendung beim Menschen in Frage kommen könnten .      Die immunologischen
Probleme stellen immer noch eine der Hauptschwierigkeiten dar , obwohl
Fortschritte in der Immunforschung die Möglichkeiten der Knochenmark-
transplantation beim Menschen wesentlich verbessert haben :       Immunologisch
reaktive Lymphozyten können aus der Knochenmarksuspension entfernt werden
( Stammzel lenseparat ion ); Gewebecharakteri sierung und Gefrierkonser-
vierung der Stammzellen ( Knochenmarkbanken ) wurden verbessert ;    die
Immunreaktionsfähigkeit , die für die mit Knochenmarktransplantation
behandelten Patienten eine zentrale Rolle spielt ( Immunschwäche ist die
schwerwiegendste Spätfolge ), kann manipuliert werden .     In diesem Teil
des Forschungsprogramms werden daher immunologische Probleme folgenden
Inhalts besonders betont werden :    ;
a)   Weitere Verbesserung des Nachweises neu entdeckter Gewebeantigene ,
b)   Separation und Gef rierkonservierung von Stammzellen ^ einschliesslich
     einer standardisierten Methode , für die Bestimmung Ihrer Lebens­
     fähigkeit .
 ---pagebreak---                                          - 18 -
        c)    Überwachung und Stärkung der Immunreaktionsfähigkeit des Knochen-
              markempfängers zur Vorbeugung gegen Spätfolgen ( Inf ektionen , Mög­
              lichkeit strahleninduzierter Tumore ).
4.1.4 . Somatische Spätwirkungen ionisierender Strahlung
        Zwei Arten von schädigenden Wirkungen können durch Strahlung induziert
        werden ;    einige davon können erst lange nach der ersten Exposition in
        Erscheinung treten .     Bei dem einen Typ , der die sogenannten
        " stochastlschen" Wirkungen umfasst , hängt die Häufigkeit , mit der die
        Wirkung auftritt , von der Höhe der Strahlendosis ab ;      die Schwere der
        Wirkung ist im allgemeinen jedoch nicht von der Dosis abhängig .        Das
        wichtigste Beispiel für eine solche Wirkung ist die Induzierung maligner
        Krankheiten .
        Bei dem anderen Typ , der die " nicht-stochastischen" Wirkungen umfasst ,
        kann im allgemeinen bis zu einer gewissen Dosis kein signifikanter
        Schaden nachgewiesen werden , die Schwere der dann auftretenden Wirkung
        kann jedoch mit der Höhe der Dosis variieren .       Die Induzierung des
        grauen Stars oder einer verminderten Fruchtbarkeit , die Schwächung der
        Organfunktionen oder der Blutbildung sind Veränderungen dieses Typs .
        "    Induzierung stochastischer Wirkungen
            a)    Beobachtungen am Menschen :   Durch Strahlen induzierte maligne
                  Veränderungen haben im Strahlenschutz besondere Bedeutung .     Die
                  Kommission betont daher die weiterhin bestehende Notwendigkeit ,
                  die Häufigkeit der verschiedenen Typen maligner Veränderungen
                  bei Gruppen zu bestimmen , die mit einer bekannten Dosis be­
                  strahlt werden ( aus medizinischen oder anderen Gründen ) und die
                  über lange Zeiträume hinweg umfassend beobachtet werden können ,
                  und festzustellen , ob sie höher liegt als es den normalen Er­
                  wartungen entspräche .   Der ideale Beobachtungszeitraum umfasst
                  mehrere Jahrzehnte , während derer weitere strahleninduzierte
                  Tumore nachweisbar werden könnten .
                  Besondere Aufmerksamkeit sollte gerichtet werden auf die
                  Dosimetrie , auf Dauer und Aussagekraft von fol low- up- Studien,
                  die Vergleichbarkeit von Kontrollserien , den Einfluss von Ge­
                  schlecht , Alter , Expositionszeit , die durch strahleninduzierte
                  Tumore verursachte Sterblichkeit , die mit der Dosis oder anderen
                  Faktoren variierende Latenzzeit zwischen Bestrahlung und Nach­
                  weis von Tumoren , den Einfluss der Strahlenqualität ( LET ), die
 ---pagebreak---                                         - 19 -
     dosisabhangige Veränderung dieses Einflusses ( RBE ) und die Art der Dosis /
     Wi rkung-Beziehung .
     Gruppen von Patienten , die wiederholten oder umf angrei chen radiologischen
     diagnostischen Untersuchungen ausgesetzt waren , werden immer dann überprüft ,
     wenn vollständige Protokolle , z.B. zur Häufigkeit des Todes durch maligne
     Krankheiten , verfügbar sind .
     Statistische Erhebungen an Patienten , die bei der Behandlung nicht
     maligner Krankheiten mittleren Strahlendosen von innen oder aussen ausge­
     setzt waren , sollten zusätzliche Werte für die Abschätzung des Risikos
     der Krebsinduzierung in relevante Organe erbringen .    Diese Erhebungen
     haben nur dann einen Sinn , wenn Kontrollwerte über die Anzahl der Krebs­
     erkrankungen von Patienten , die an derselben Krankheit litten , aber nicht
     bestrahlt wurden, erstellt werden können .    Diese Untersuchungen sollten
     ausserdem einige Anleitung zu den Sicherheitsanforderungen bei diesen
     Therapiemethoden erbringen .   Ähnliche Studien zur Bestrahlungstherapie
     bei malignen Erkrankungen - sei es diese Therapie allein oder in Ver­
     bindung mit einer Chemotherapie - könnten ebenfalls dazu beitragen, die
     möglichen Folgewirkungen und die geeignete Behandlung zu definieren , um
     die Häufigkeit dieser Schäden auf ein Mindestmass zu reduzieren .     Ausser-
     dem könnten diese Arbeiten einen möglichen Synergismus von Strahlung und
     chemischen Substanzen oder eine grössere Anfälligkeit bestimmter Gewebe
   . bei bestimmten Krankheiten gegen die durch Strahlen hervorgerufene
     Karzinogenese aufzeigen .
b)   Untersuchungen an Tieren :   Um den Mechanismus der Krebsinduktion klären
     zu können , sind grundlegende , experimentelle Arbeiten zur Natur dieses
     Phänomens und zur Häufigkeit , mit der maligne Veränderungen besonders
     durch niedrige Dosen und niedrige Dosisleistung wahrscheinlich induziert
     werden , erforderlich .  Solche Informationen können eine Grundlage schaffen ,,
     von der aus auf die Häufigkeit geschlossen werden kann , mit der maligne
     Veränderungen als Folge der noch niedrigeren Dosen erwartet werden müssen ,
     die bei berufsbedingter oder anderer Strahlenexposition auftreten .
     Hierzu werden Dosis / Wirkung-Beziehu'ngen bei niedrigen Dosen , mikrodosi-
     metrische Untersuchungen sowie der Vergleich von Strahlungen hoher und
     niedriger LET und der Dosisprotraktion durchgeführt werden ,.    In Unter­
     suchungen , die die Vorgänge nach einer Inkorporation von Radionukliden
     betreffen , werden folgende Parameter berücksichtigt :   Aufnahme ( durch
     Nahrungsaufnahme oder Einatmen ), Strahlenqualität , biologische Halbwerts­
     zeit , Verteilung auf die Organe , Affinität zu bestimmten Geweben, Inhomo­
     genität der Ablagerung , Stoffwechsel und Ausscheidung , ferner Unter­
 ---pagebreak---                                    - 20 -
     suchungen über den Nutzen oder möglichen Schaden chelatbi Idender Sub­
    stanzen .
    Besondere Aufmerksamkeit wird der Veränderung der Faktoren beigemessen
    die den karzinogenen Prozess wahrscheinlich beeinflussen .     Diese Faktoren
    sind endogen - wie Alter , Geschlecht , Hormone , Viren , Immunsystem und
    lokale Gewebereaktionen - sowie exogen - wie einige Aspekte der Kokarzino-
    genese und synergistische Effekte .
    Die exakte Identifizierung gefährdeter Zellen sowie früher und inter­
    mediärer Abläufe von Vorgängen während der Karzinogenese erfordert die
    Entwicklung neuer Methoden ( einschliesslich biochemischer und immuno­
     logischer Marker ).  Ausserdem sollten die Zusammenhänge zwischen mutage­
    nen und kanzerogenen Wirkungen geklärt werden .
     Die Standardisierung der Tierversuche , der Tumornomenklatur und die
    quantitative Bestimmung der morphologischen Endstadien wird fortgesetzt .
Induzierung ni cht-stochasti scher Wirkungen
Wenn angemessene Verfahren und Dosis-Höchstwerte für den Strahlenschutz fest­
gelegt werden sollen , ist es wichtig , die Formen nicht-stochastischer Wir­
kungen zu kennen , die durch Strahlung beim Menschen induziert werden können .
Ausserdem müssen die Schwere dieser verschiedenen Effekte und die Dosishöhe ,
bei denen sie mit Sicherheit induziert werden , bekannt sein .    Es ist be­
sonders wichtig , Informationen über solche Wirkungen zu erhalten , die durch
Dosen hervorgerufen werden , die sich auf einige Zehntel eines Sievert pro
Jahr belaufen und dies während vieler Jahre oder Jahrzehnte .
Diese praktische Voraussetzung gilt besonders für die Gewebe oder Organe ,
in denen die Krebsinduzierungsquote pro absorbierte Dosiseinheit wahrschein­
lich niedrig ist , während die jährliche Höchstdosis für Gewebe wie Knochen ,
Haut und Schilddrüse weniger über eine mögliche Induzierung maligner Er­
krankungen zu bestimmen ist als über die von schädlichen nicht-stochast ischen
Veränderungen .
An Menschen und Tieren werden Daten gesucht werden , über die gesamte akkumu­
lierte Dosis , die verteilt über einen längeren Zeitraum des menschlichen
oder tierischen Lebens verabreicht wurde und die dieselben Wirkungen zeigt
wie jene , die durch eine einzige Dosis hervorgeruf en werden .
Zur Lösung dieser Fragen ist daher eine Oberprüfung sowohl der Wirkungen
beim Menschen als auch der experimentell bei Tieren induzierten Wirkungen
notwendig .   Beim Menschen ist es wichtig , die Dosis zu untersuchen , ober­
halb der verschiedene nicht-stochastische Effekte beobachtet werden .     Dies
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gilt besonders im Verlauf der Strahlentherapie , bei der entsprechende
Dosiswerte erreicht werden .   Wo es möglich ist ,, sollen jedoch auch die
Strahlenwirkungen bei hoher LET und die Auswirkungen nach Radionuklidthera-
pie beobachtet werden -   Untersuchungen der Pathogenese dieser Wirkungen
werden wahrscheinlich die Bedeutung der Reparationsmechanismen klären .
In diesem Zusammenhang ist es ferner erforderlich , die Unterschiede zwischen
den Reaktionen normaler und kranker Gewebe auf Bestrahlung zu erfassen .
In vielen Fällen kann erwartet werden , dass die akkumulierte Dosis , die zu
malignen Veränderungen in einem Gewebe führt , ausserdem auch nicht maligne
Veränderungen hervorgerufen oder initiiert hat .     Alle Wechselwirkungen
zwischen der Entwicklung dieser beiden Wirkungsarten ebenso wie der Ein­
fluss nicht maligner Veränderungen auf die Häufigkeit der Krebserkrankungen
sind wichtig .  Die Untersuchung des frühen Entwicklungsstadiums von späten ,
nicht-stochastischen Wirkungen könnte sich ebenfalls für die Beurteilung
der Wahrscheinlichkeit solcher Spätwirkungen als relevant herausstellen .
Im Hinblick auf Gefahren durch Bestrahlung während der Schwangerschaft
müssen teratogene Wirkungen speziell auf folgende       Detailfragen hin untersucht
werden :  mögliches Vorhandensein eines Schwellenwertes , Einfluss der LET ,
mögliche Inaktivierung , Erholung oder Wiederherstellung embryonaler Zellen ,
Beziehungen zwischen der Schädigung von Einzetzellen des Embryos , grössere
Störungen in der Entwicklung des Fötus und Dosis / Wirkung-Verhältnis in ver­
schiedenen Stadien der embryonalen Entwicklung .
Die Häufigkeitsraten der unterschiedlichen Formen von Entwicklungsdefekten
( meistens des Nervensystems ) durch   Strahlen Induktion beim Menschen und
bei jeder Art experimenteller Modelle sollten weitgehendst übereinstimmen .
Eine nicht-spezifische Verkürzung der Lebenszeit durch Ionisierende
Strahlungen ist noch ungewiss , sollten die experimentellen Arbeiten dies­
bezüglich Hinweise erbringen , so wären die entsprechenden Mechanismen zu
untersuchen .
 ---pagebreak---                                      - 22 -
4.1.5 . Genetische Wirkungen ionisierender Strahlung
        Eine Untersuchung der Strahlenwirkungen auf genetisches Material ist
        wichtig , weil Strahlung zu einem erhöhten Auftreten chromosomaler
        Defekte und zu Erbkrankheiten führen kann und weil detaillierte
        Analysen der komplizierten Reaktionsfolgen erforderlich sind , mit
        denen die bestrahlten Zellen prämutagene oder präkanzerogene Schädi - ,
        gungen verarbeiten .   Die Hauptaufgaben dieses Sektors bestehen darin ,
        Informationen zu folgenden Problemen zu liefern :
        -  Bewertung der durch Strahlung verursachten genetischen Schäden
           beim Menschen mit Hilfe der gängigen Methoden ( direkte Messung
           und Methode der Verdoppelungsdosis ). Um hier zu Ergebnissen zu
           gelangen , müssen Messungen der Häufigkeit von Geburten mit Erb­
           krankheiten , Bestimmung der Werte der Verdoppelungsdosen und
           Messungen der auftretenden genetischen Defekte pro rad durchgeführt
           werden .
        -  Verständnis der Faktoren , die das Auftreten der Schädigung steuern
           oder verhindern .   Die bisher durchgeführte Forschung ermöglicht
           es heute , einige der Vorgänge, der DNS-Reparation in menschlichen
           Zellen genetisch und biochemisch zu beschreiben .    Die Forschung
           zur Klärung der Mechanismen anzuregen , würde nicht nur bedeuten ,
           dass diese Arbeiten fortgesetzt würden , sondern es könnten letzt­
            lich  neue Möglichkeiten gefunden werden , Wechselwirkungen und
           Effekte vorauszusagen , Beziehungen zwischen Mutagenese und Karzino­
           genese zu erfassen und Strahlenschäden vorzubeugen oder davor zu
           schützen . Ausserdem sollten Methoden beschleunigt entwickelt werden ,
           durch die sensitive Individuen nachgewiesen werden könnten und
           darunter solche , die für Erbkrankheiten heterozygot sind , wodurch
           eine Reparationsschwäche gegeben ist,und die gegenüber mutagenen
           und karzinogenen Faktoren erhöht anfällig sind .
        Um diese Ziele zu erreichen , liegt in dem im - folgenden vorgeschlagenen
        Programm der Schwerpunkt - wo immer es möglich ist - auf der direkten
        Analyse des menschlichen Systems .   Allerdings wird der Einsatz von
        experimentellen Arten überall dort beibehalten, wo keine zuverlässige
        Alternative gegeben ist .
 ---pagebreak---                                       23
  Beurteilung und Analyse von genetischen Schäde n in Eukaryoten
  Spontan auftretende Genmutationen und Chromosomenaberrationen treffen
  den Msnschen empfindlich ^, denn sie sind für einen wesentlichen Teil
  spontaner Fehlgeburten und bei über lebenden Neugeborenen für angeborene
  Missbildungen sowie für geistige und körperliche Störungen verantwortlich .
  Nach UNSCEAR beträgt die Häufigkeit natürlich auftretender Erbmängel und
  Erbkrankheiten in der menschlichen Bevölkerung etwa 1% bei dominanten
  und X-Chromosomgebundenen Krankheiten ,. 0,1% bei rezessiven Krankheiten ,
  0,4% bei Chromosomendefekten und 9% bei angeborenen Missbildungen , die
  von vielen Faktoren beeinflussbar und unter unregelmässig, vererbten Be­
  dingungen entstanden sind . In Anbetracht der bekannten Tatsache , dass
  Strahlenwirkungen Mutationen und Chromosomenanomalien hervorrufen können ,
  ist es daher besonders wichtig , die vorhandenen Methoden zum Nachweis
  von genetischen Strahlenwirkungen so ,weit wie möglich zu verbessern und
  nach Analyse der Induktionsmechanismen eine zusammenfassende Liste der
  verschiedenen Faktoren und Umstände zu erstellen , die für ein Ansteigen der
  Häufigkeitsraten eine Rolle spielen könnten .
  Da das menschliche System detaillierten genetischen Analysen gewöhnlich
  nicht zugänglich ist , wird ein wesentlicher Teil der Forschung an anderem
  eukaryotischem Material durchzuführen sein . Aus der Ähnlichkeit in der
  Organisation der Chromosomen ( DNS , Histone , usw .) und der Zellorganellen
  ergibt sich , dass viele Induktionsmechanismen der Kern- und Zytoplasma-
  schäden mit denen in menschlichen Zellen übereinstimmen .     Das Programm
. umfasst folgende Punkte :
  a)  Verbesserung und Entwicklung von Messystemen und Versuchsmethoden
      zum Nachweis induzierter Veränderungen in menschlichen somatischen
      und Keimzellen ;
  b)   Klärung der Mechanismen, die zur " non-disjunetion" der Chromosomen
      und anderen Alternationen führen , Untersuchungen zur Beziehung
      zwischen Chromosomenstruktur und - verhalten ( Heterochromatin ,
      Synaptinemal-Komplex und Satellit-Assoziation );
  c)  Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen Strshlenempf Indlichkeit ,
      Reparation und Segregationsanomalien ;
 ---pagebreak---                                     - 24
d)    spezifische Untersuchungen über Wechselwirkungen und Beziehungen
      zwischen den biologischen Wirkungen der Strahlungen und anderer
      Umwe Itagent ien ;
e)    einige ausgewählte Untersuchungen zur Klärung der Strahlenwirkung auf
      das Genom der Mitochondrien und seine Bedeutung für das Uberleben
      der Zelle .
Dos i s / Wirkung-Beziehung
Es ist ausserordentlich schwierig , beim Menschen die Beziehung zwischen
Dosis und Wirkung zu erfassen , da nicht genügend Daten zur Verfügung stehen
und da die quantitative Extrapolation von Versuchsergebnissen auf die beim
Menschen vorliegenden Verhältnisse ernste Probleme stellt .       In Anbetracht
der Bedeutung der Dosis / Wirkung-Beziehung für die Beurteilung des
Strahlenrisikos umfasst das Programm folgende Themenbereiche :
a)    Epidemiologische Erhebungen über die Beziehungen zwischen aufgenommener
      Dosis , Häufigkeit der Fehlentwicklungen von Lymphozyten und von biolo­
      gischen Spätfolgen der Exposition ( Aplasie der Keimzellen und induzierte
      Wirkungen bei lebend- und totgeborenen Kindern );
b)    Bestimmung der in-vivo Kinetik von Lymphozyten , um die Dosen bei
      nicht gleichmässiger Exposition leichter auswerten zu können ;
c)    Untersuchungen mit Versuchssäugetieren ( wenn möglich einschliesslich
      Primaten ), uin mehr genetische und zytogeneti sehe Daten zu sammeln , die
      für die quantitative Extrapolation genetischer     Strahlenschäden auf den
      Menschen von Nutzen sein können ; ;
d)    Studien zur Bewertung der Methoden und Ausgangshypothesen , die bei
      einer Risikoabschätzung durch Extrapolation von somatischen auf .
      Keimzellen und von Versuchsarten auf den Menschen eingesetzt werden ;
e)    Untersuchungen über die Induzierung von Mutationen in Keim- und
      somatischen Zellen bei sehr niedrigen Dosen sowie Entwicklung von
      Techniken zur Erleichterung dieser Untersuchungen .
 ---pagebreak---                                   - 25 -
Biochemie und Genetik der Strahlenempf indlichkeit und Reparationsvorgänge
Die Forschung , die sich mit solchen menschlichen Zellen befasst , die zu
Reparationsschwäche führende Mutationen aufweisen , konnte auf den in­
zwischen gut fortschreitenden Erkenntnissen der Reaktionsfolgen bei der
Wiederherstellung der DNS in Mikroorganismen aufbauen .     Sie konnte nach­
weisen , dass die Mechanismen der Reparation von DNS-Schäden für die
menschliche Gesundheit von grosser Bedeutung sind .     Mehrere spezifische
Faktoren greifen das Reparat ionsvermögen an .    Einer ganzen Reihe von
Erbkrankheiten , mit denen erhöhte Strahlenempfindlichkeit und Krebsan-
fälligkeit einhergehen , liegen Mängel in der DNS-Reparation zugrunde .
Ein grosser Teil der geplanten Forschung soll an Säugetier- und insbeson­
dere an menschlichen Systemen    durchgeführt werden .   Für eine weitergehende
Analyse und für die Ausarbeitung komplexer biochemischer und genetischer
Mechanismen wird jedoch der Einsatz von anderem als Säugetiermaterial
notwendig sein .
Das Programm umfasst folgende Themen :
a)   Überprüfung der Strahlenempfindlichkeit verschiedener menschlicher
     Zellen ( Fibroblasten , Lymphozyten usw .), die zum einen von normalen
     " Kontroll"-Gruppen und zum anderen von Gruppen stammen , deren
     Vertreter Krankheiten mit erhöhter Empfindlichkeit gegenüber mutagenen
     Umweltfaktoren aufweisen .  Wo es möglich ist , sollen die unter Einzel­
    personen auftretenden Unterschiede der Strahlenempfindlichkeit gründ­
     lich untersucht werden .
b)   Identifizierung sowie genetische und biochemische Chrakterisierung
     verschiedener Zelltypen von Säugetieren , die unterschiedliche
     Empfindlichkeit und Reparationsschwäche bei DNS-Schädigung aufweisen .
c)   Enzymologische Untersuchung der Reaktionsfolgen bei der DNS-Reparation
     ( sie sind bisher an Mikroorganismen , deren normale Biochemie und
     Genetik gut bekannt sind , am gründlichsten untersucht worden )
     sowie Arbeiten zur biochemischen Spezifität und biologischen Be­
     deutung von DNS-Verletzungen in Säugetiersystemen . Dabei sollen
     Proteine , die spezifische Verletzungen erkennen können, als
     analytische Mittel eingesetzt werden . Auf diese Weise sollen die
     enzymatische Wiederherstellung und der Einfluss der Verletzungen
     auf Mutation , Rekombination und Chronosomenaberrationen verfolgt
     werden .
 ---pagebreak---                                 - 26 -
d) Untersuchungen der Mutagenese und der Rolle der in der Säugetierzelle
   vorhandenen und in die Zelle induzierbaren Reparationsreaktionen .
   In diesem Teil des Programms werden mehrere kürzlich aus Drosophi la
   isolierte Mutanten / die keine DNS-Reparationen ausführen können ,
   eingesetzt . Bei dieser Gelegenheit kann die Rolle der DNS-Repara-
   tionsreaktionen bei einer durch Strahlen induzierten genetischen
   Schädigung an einem eukaryoti sehen Modellsystem untersucht werden .
e) Analyse der Beziehungen von DNS-Reparation und Mechanismen, die
   in Zusammenhang mit der Karzinogenese stehen .
 ---pagebreak---                                       - 27 -
4.1.6 . Abschätzung des Strahlenrisikos
        Im Strahlenschutz benutzte Konzepte werden in den Mitgliedstaaten in
        verschiedener Weise angewandt . Aus diesem Grunde muss versucht werden ,
        allgemein gültige Methoden für eine möglichst exakte und möglichst
        objektive Bewertung von Strahlenfolgen für den Menschen und seine
        Umwelt zu entwickeln .   Die dabei erzielten Ergebnisse werden auch
        benötigt , wenn über Fragen des Standortes und der Art der Energiever-
        sorgung entschieden werden soll .    Die 1977 von ICRP empfohlenen neuen
        Grundsätze für die Optimierung und Limitierung im Strahlenschutz be­
        ruhen auf einem Konzept von Risiko und Schädigung und erfordern die
        Beurteilung realistischer Beziehungen zwischen dosimetrlschen Grössen
        und genetischen und karzinogenen Risiken .    Neue dosimetrische Grössen
        und Konzepte sind entwickelt worden .    Darunter befinden sich die
        effektive Aquivalentdosis und der Aquivalentdosisindex zur Beschreibung
        der individuellen Exposition sowie die kollektive Dosis und die kollek­
        tive Folgedosis für die Bewertung des kollektiven gesundheitlichen
        Schadens .  Die praktische Anwendung dieser neuen Begriffe muss getestet
        und ihre Beziehung zu messbaren Grössen bestimmt werden .
        Dabei sind drei Problemkreise in Betracht zu ziehen :
        Der erste betrifft die Bewertung individueller und kollektiver Dosen ,
        die sich aus normaler Ableitung und unbeabsichtigtem Freiwerden radio­
        aktiver Substanzen ergeben .    Die Bewertung der Dosen muss sich auf
        Daten berufen , die bei Untersuchungen des Radionuklidtransportes in der
        Umwelt ermittelt wurden ( siehe Abschnitt 4.1 . 2 .).  Sie sollte zu
        einer genaueren Bestimmung der Dosisverteilung innerhalb der Bevölkerung
        und der Grösse der kollektiven Dosis unter Berücksichtigung der na­
        türlichen Grundstrahlung führen .    Ausserdem sind Modelle erforderlich ,
        um jede wahrscheinliche Einwirkungsmöglichkeit auf den Menschen und
        seine Umwelt zu untersuchen , die den gesamten nuklearen Brennstoff-
                                      i
        kreislauf miterfassen .
        Was die augenblicklich befürwortete Optimierung des Strahlenschutzes
        anbetrifft , so müssen auch alle Risiken mitberücksichtigt werden , die
        sich aus menschlichen Aktivitäten ergeben , bei denen ionisierende
        Strahlen eingesetzt oder die Strahlungsverhältni s?e b^einf lüsst
        werden , wie medizinische Anwendungen und technologisch erhöhte
        Radioaktivität . Das Programm wird in sukzessiven Phasen die zu
        untersuchenden Themen ermitteln » die Bewertung der Dosen , denen
 ---pagebreak---                             - 28 -
Arbeitskräfte und Bevölkerung ausgesetzt waren , erarbeiten und die
Forschung über mögliche Schutzmassnahmen und ihre Kosten umfassen .
Der zweite Problemkreis umfasst methodologische Forschung zur
Bestimmung des Schadens ( detriment ). Sie muss die Ergebnisse aus­
werten , die durch die experimentellen und epidemiologischen , in den
entsprechenden Abschnitten des Programms beschriebenen Untersuchungen
erzielt wurden . Dabei sollten zwei Problemgruppen behandelt werden :
die Probleme der Bestimmung des Detriments im Falle mittlerer oder
hoher Exposition nach einem Unfall und die Probleme im Zusammenhang
mit niedrigen Dosen - und dies insbesondere bei allen berufsbedingt
exponierten Personen .
Der dritte Problemkreis betrifft die Beurteilung ökonomischer und
sozialer Konsequenzen bei einer Bestrahlung . Dies ist ein neues
Thema, das entwickelt werden sollte , damit Hinweise zur " Optimierung"
der Strahlenschutzmassnahmen gegeben werden können . Diese Mass-
nahmen sollten sich darauf stützen, Bestrahlungswerte " as low as
reasonably achievable ( ALARA )" vorzusehen, die wiederum an die in
Europa gegebenen Bedingungen angepasst sind .
 ---pagebreak---                                        - 29 -
4.2 . Durchführung
      Die Durchführung der vorausgegangenen Programme hat gezeigt , dass die
      " indirekte Aktion" - in Verbindung mit einem leistungsfähigen Management ,
      das die Unterstützung des BPA erfährt , und auf der Grundlage sorgfältiger
      Forschungsbewertung - die geeignete Methode ist , dieses Forschungspro­
      gramm der Gemeinschaft zu realisieren .   Einige Aspekte dieses Systems
      können verbessert werden ;   in jedem Fall jedoch muss die Belastung der
      Vertragsnehmer und der Wissenschaftler mit Verwaltungsaufgaben " as low
      as reasonably achievable " gehalten werden .
      4.2.1 .  Beteiligt Laboratorien
               Entsprechend der seit Beginn des Gesamtprogramms verfolgten
               Leitlinien wird sich die Kommission bemühen , die Zusammenarbeit
               auf der Basis von Kostenteilungsverträgen mit den geeigneten ,
               auf den verschiedenen Hauptgebieten tätigen nationalen Insti­
               tutionen und Hochschulen zu organisieren .  In Anbetracht der
               begrenzten finanziellen Mittel , der Vielzahl der verschiedenen
               wissenschaftlichen Aspekte der Strahlenschutzforschung und der
               geographischen Entfernung zwischen den Forschungsgruppen , die
               über die notwendigen speziellen Qualifikationen verfügen , sind
               kooperatives Vorgehen und organisierte Verteilung der Aufgaben
               erforderlich .  Ausserdem wird die Arbeit der " Gruppe Biologie"
               der Kommission in Ispra weiterhin einen integralen Tei l des
               Programms darstellen und bestimmte im Rahmen der Vertragspro-
               gramme durchgeführte Forschungsaufgaben ergänzen und unterstützen .
      4.2.2 .  Management
               Die Kommission - unterstützt vom BPA - wird für das Programm-
               Management und für die Verträge verantwortlich sein .   Sie wird
               ferner für eine enge Zusammenarbeit mit den einschlägigen
               Forschungs - und Entwicklungsarbeiten in den Mitgliedstaaten
               sorgen . Zweifellos hat der BPA einen direkten Einfluss auf das
               Management des Strahlenschutzprogramms der Kommission , und auf­
               grund des nationalen Status seiner Mitglieder hat er auch Einfluss
                                           !
               auf die Programme der Mitgliedstaaten .
 ---pagebreak---                                       - 30 -
4.2.3 . Koordinierung
                                   i
        Optimale Durchfuhrung und Koordinierung sind ein Hauptantiegen des
        BPA , wenn er Forschungsvorschlä'ge und Verträge bewertet und Stellung
        nimmt zu ihrer Relevanz und Integration in das Programm und zur Aus­
        wahl der Laboratorien , denen die Aufgaben anvertraut werden sollen .
        Besondere Aufmerksamkeit wird der Koordinierung während des Programms
        gelten .  Treffen von Studiengruppen , Symposien und Konferenzen haben
        sich als besonders wirksame Mittel zur Förderung der Koordination
        herausgestellt , weil sie wissenschaftlicher Arbeit entsprechen und
        von den Wissenschaftlern günstig aufgenommen werden .    An diesen auf
        die Beurteilung bestimmter Themenkreise des Programms ausgerichteten
        Tagungen werden an dem Vertragsprogramm beteiligte Forscher , Wissen­
        schaftler aus nicht beteiligten Laboratorien oder Organisationen
        sowie wissenschaftliche Mitarbeiter der Kommission anwesend sein .
        Existierende Gelegenheiten zum Informations - und Erfahrungsaustausch
        zwischen den Vertragspartnern sollten durch mögliche , zeitlich be­
        fristete Arbeitsaufenthalte der in dem Vertragsprogramm engagierten
        Forscher ergänzt werden .    Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt ,
        wie nützlich eine erhöhte Mobilität der Wissenschaftler für die
        Partner der Kommission ist , dadurch dass die Forscher für Zeiträume
        von einigen Monaten bis zu zwei Jahren in Vertragslaboratorien
        arbeiten können .
        Die Verbindungen mit den wichtigsten internationalen , auf dem Gebiet
        des Strahlenschutzes tätigen Organisationen werden aufrechterhalten .
4.2.4 . Bewertungsmasstabe
        Seit der Einsetzung des BPA im Jahre 1968 sind Masstäbe für die
        Bewertung der Programme entwickelt worden, jedoch war grössere
        Flexibilität notwendig , um sie in der Strahlenschutzforschung anzu-
 ---pagebreak---                              - 31 -
wenden .   In diesem Programm arbeiten Hochschulen und nationale
Institutionen mit , die auf so unterschiedlichen Gebieten wie
Immunologie und Statistik tätig sind .   Vom BPA und den Dienststellen
der Kommission wird eine Bewertung zu drei verschiedenen Zeit­
punkten durchgeführt .
Die Beurteilung von Forschungsvorschlägen vor dem Beginn eines
Projekts :   Hierbei werden die Vorschläge in Obere instimmung mit den
vereinbarten Leitlinien des Programs angenommen oder abgelehnt ,
geändert oder angepasst .
Der Verlauf eines Projekts wird jährlich überprüft , auch hier wieder
um die Abwicklung zu billigen oder erforderlichenfalls Änderungen
und Neuorientierungen vorzunehmen und den Vertragspartnern eventuell
neue Empfehlungen zu machen :
-  Die erzielten Ergebnisse werden überprüft und jährlich ausgewertet ,
   wenn die Kommission den Jahresbericht " Strahlenschutz " vorlegt ,
   der die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres aus allen Projekten
   darlegt .   In dieser Beziehung stellen die wissenschaftlichen
   Veröffentlichungen , die in den Jahresberichten zitiert werden ,
   und die auf die Ergebnisse des Gemeinschaftprogramms aufmerksam
   machen , ein wichtiges Element für die Burteilung dar .
-  Ebenfalls jährlich werden die geplanten Aktivitäten bei der
   Diskussion des " Arbeitsprogramms für das nächste Jahr" bewertet .
-  Schliesslich werden spezielle Forschungsgebiete bei Tagungen
   der Studiengruppen und in direkten , individuellen Kontakten
   beurteilt .
Am Ende des Projekts werden die Ergebnisse ausgewertet :    Die
Beurteilung stützt sich auf abschliessende und zusammenfassende
Berichte sowie Monographien .
 ---pagebreak---                                        - 32 -
      4.2.5 . Verbreitung der Kenntnisse
              Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse des Programms erscheinen
              in Artikeln , die in wissenschaftlichen Zeitschr if ten , in den Euratom-
              Berichten , in den von der Kommission herausgegebenen Monographien
              und in den Tagungsberichten über die Symposien und Seminare ver­
              öffentlicht werden .
4.3 . Mittelausstattung
      Die Kommission strebt die grosstmögli che Effizienz beim Einsatz der für die
      Durchführung dieses Programms zur Verfügung gestellten Mittel an . Da es
      sich im wesentlichen um ein Programm indirekter Aktionen handelt , muss den
      Verträgen der Hauptanteil zugewiesen werden .
      4.3.1 . Personal
              Die Kommission schlagt für den Zeitraum 1980-1984 einen Personal-
              bestand von 64 Bediensteten vor . In diesem Zusammenhang muss daran
              erinnert werden , dass 1973 ein Personalbestand von 97 Bediensteten
              genehmigt war und im Jahr 1976 68 Bedienstete , zu denen weitere
              10 Ortskräfte für die Gruppe Biologie in Ispra hinzugezählt werden
              müssen , die im Budget vorgesehen waren .
      4.3.2 . Budget
              Die Kommission hat die Gesamtkosten des Programms für den Zeitraum
              1981-1984 auf 58,2 Mio ERE Veranschlagt , dazu kommen etwa 10 Mio ERE
              für das Jahr 1980 , die voll durch die Mittelzuweisungen von 39 Mio ERE
              für die Periode 1976-1980 gedeckt sind .
              Verglichen mit dem laufenden Programm ist dies sicherlich in abso­
              luten Beträgen gesprochen eine substantielle Erhöhung . Im Hinblick
              jedoch auf die allgemein anerkannte grosse soziale Bedeutung des
              Strahlenschutzes , seine Bedeutung für die Sicherstellung der Ener-
              gieversorgung und die daraus resultierenden hohen Anforderungen an
              die radiobiologische Forschung wird dieser Betrag als notwendig
              veranschlagt , um ein ausgeglichenes Programm , das alle Prioritäten
              berücksichtigt , durchzuführen . Das Programm stützt sich auf eine
              Neuorientierung und Weiterentwicklung des gegenwärtigen Programms , wobei
              Weiterentwicklung , die neue Gesichtspunkt -» wie die Risikoabschätzung
              und die Behandlung der akuten , insbesondere lokalen, Bestrahlung
              unterstreicht .        1
              Die Expansion wird beWusst in Grenzen gehalten und wird sich nur auf
              die vertraglichen Aktionen beziehen, denen mehr als 81 X der
 ---pagebreak---                                 - 33
Gesamtmittel zufliessen werden ( weniger als 7 7. für das Management und
die Verwaltung des Programms ).
Folgende spezifische Fakten wurden der Budgetschätzung von 58,2 Mio ERE
zugrunde gelegt :             j
-  die Ausgaben des Jahres 1980 , das ursprünglich als letztes Jahr des
   laufenden Programms 1976-1980 vorgesehen war ( 10 Mio ERE );
-  die Notwendigkeit , der Kostensteigerung bis zu einem gewissen Grad
   Rechnung zu tragen (+ 6 % pro Jahr );
-  die Wiederanhebung der Beteiligung der Kommission an den Vertragsaus-
   gaben von derzeit durchschnittlich 33 % auf den früheren Stand von
   40 % .  Dies garantiert einen wesentlichen Anteil der Kommission an den
   gemeinsamen Anstrengungen in der europäischen Strahlenschutzforschung .
   Zudem und insbesondere gestattet es die Mobilität der Forscher in
   europäischen Laboratorien ;
-  eine begrenzte Expansion (+ 15 7. für Vertragsaktivitäten ).
Der Betrag von 10 Mio ERE für das Jahr 1980 wird vollständig durch die
Budget Zuweisung von 39 Mio ERE für den Zeitraum 1976-1980 gedeckt .
Darin sind enthalten :
-  die Personalausgaben , laufenden Verwaltungsausgaben und die Aus­
   gaben für die Benutzung der wissenschaftlichen und technischen
   Dienste der gemeinsamen Forschungsstelle Ispra durch die Gruppe
   Biologie , entsprechend dem Haushaltsvorentwurf 1980;
-  die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft an Verträgen für das
   Jahr 1980 oder nicht beanspruchte Mittel aus früheren Jahren , die
   innerhalb des Höchstbetrages von 1976-1980 ( 39 Mio ERE ) genehmigt
   worden waren .
Der Betrag von 10 Mio ERE für das Jahr 1980 ist keineswegs das Ergebnis
einer Programmexpansion , sondern ergibt sich aus folgenden Faktoren :
-  den Inflationsraten innerhalb des Zeitraum 1976-1980
-  dem Ansatz der "BruttobezOge" anstelle der " NettobezDge", wie
   früher verfahren wurde .
 ---pagebreak---                                     - 34 -
Zusammenfassende Berechnung :
Budget 1980                                                       10,0 Mio ERE
Budget 1981-1984 berechnet auf der Grundlage des
Budgets 1980 zuzügl . 6 % Steigerung pro Jahr                     46,4 Mio   ERE
Wiederherstellung einer Beteiligung an Verträgen
von durchschnittlich 40 %                                       +    6,9 Mio ERE
Ausweitung bestimmter Aktivitäten , Berechnungs­
grundlage : Ausweitung des Vertragsprogramms um 15 %            +    4,9 Mio ERE
Insgesamt 1981-1984                                               58,2 Mio   ERE
Insgesamt 1980-1984                                               68,2 Mio   ERE
Finanzielle Aufschlüsselung
Zur Orientierung ergibt sich folgende Aufschlüsselung nach Ausgaben-
kategorien :
                                                          Mio ERE
                                                     ' 1981-84                    %
                                              1980
                                                                    j Total
Forschungen im Vertragswege :                7,770       47,800       55,570      81
   finanzielle Beteiligung an
   For sc hungsvert ragen                  ( 5,850 )   ( 38,9 )
   Aufwendungen für im Rahmen der
   Verträge arbeitendes Personal
   der Kommission                          ( 1,920 )   ( 8,9)
Gruppe Biologie ,       Ispra :              1,410        6,500        7,910      12
   Forschungsauf wendungen                 ( 0,110 )   ( 0,5 )
   Aufwendungen für Infrastruktur
   und techn . Unterstützung               ( 0,330 )   ( 1,5 )
   Personalausgaben                        ( 0,970 )   ( 4,5 )    I
Management und Verwaltung :             I    0,830        3,900        4,730        7
   Aufwendungen für Sachverstandige ,
   Sitzungen usw .                         ( 0,140 )   ( 0,7)
   Personal für die zentrale
   Verwaltung                              ( 0,690 )   ( 3,2 )
   Insgesamt                           j ! 10,010        58,200       68,210     100
 ---pagebreak---                                       - 35 -                     ANLAGE I
                               FORSCHUNG 1976-1978
            - Übersicht über einige wissenschaftliche Ergebnisse -
Die Forschungsergebnisse des Programms " Strahlenschutz" der Europäischen
Gemeinschaften helfen die wissenschaftlichen Grundlagen zu vertiefen , die
eine verlässliche Beurteilung der biologisch-ökologischen Folgen der An­
wendungen ionisierender Strahlung und der Tätigkeiten im Bereich der Kerntech-
nik ermöglichen sowie den bestmöglichen Schutz des Menschen und seiner Umwelt
gewährleisten .    Diese Forschungsarbeiten tragen zur genaueren Abschätzung
des Strahlenrisikos und zum Abbau von Unsicherheiten und Widersprüchen bei .
Das Programm umfasst derzeit 130 Verträge mit ca . 240 Forschungsvorhaben ;
mehr als 500 Forscher sind ganz oder teilweise beteiligt .
In den ersten 3 Jahren des laufenden Programms sind etwa 1800 Einzelver-
öffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen ;     zahlreiche
Monographien , Proceedings , technische Berichte über Strahlenschutzdaten
zeugen von grosser wissenschaftlicher Aktivität .
Jährlich etwa 40 Symposien , Seminare , Treffen von Studiengruppen , von
Experten und Ausschüssen mit etwa 1000 Teilnehmern sorgen für Koordination ,
Stimulation und wirken katalytisch auf nationale , bi - und multilaterale
Programme .
Die Kommission hat bei der Durchführung des Programms der Tatsache Rechnung
getragen , dass :
         -  gesellschaftspolitische Ziele mehr und mehr Masstäbe
            der Forschungspolitik im Strahlenschutz werden ,
         -  die einzelnen Forschungsarbeiten noch stärker und in
            grösserem Rahmen abzustimmen sind .
Die Kommission hat deshalb im Rahmen ihrer Möglichkeiten :
            langfristige Forschungsprogramme entwickelt ,
         -  die Forschung auf den für die Öffentlichkeit wichtigen
            Gebieten intensiviert ( z.B. Abschätzung des Strahlenrisikos ),
        -   den Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in die
            praktische Anwendung gefördert ( z.B. Entwicklung von Per-
            sonendosimetern , Diagnose und Behandlung von akuten Strahlen-
            schäden , Durchführung von Vergleichsprogrammen ),
 ---pagebreak---                                          - 36 -
           langerfnstige Prognosen erarbeitet ( z.B. Tritium-Studie ),
       -  die schnelle Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in
          politische Entscheidungsprozesse unterstützt ( z.B. Erstellung
          von Strahlenschutz-Grundnormen , Erarbeitung von Grundlagen
          für Standortentscheidungen ).
Die Kommission hat sich bei ihrer Arbeit an den folgenden Kriterien , die
die Forschung in der Gemeinschaft positiv beeinflusst haben , orientiert :
       -  Verstärkung der interdisziplinären Thematik und Zusammenarbeit
          innerhalb der geförderten Arbeiten ( z.B. Gruppenverträge ,
          EULEP , CENDOS , Primary-effects Gruppe ),
       -  Verbesserung der Information und der Kooperation zwischen
          Wissenschaftlern mit ähnlichen Arbeitsgebieten ( z.B. Studien-
          gruppen , Konferenzen , Austausch von Wissenschaftlern ),
          Neuorientierung von Forschungsarbeiten entsprechend dem wissen­
   »
          schaft liehen Fortschritt ( eine permanente Aufgabe in Zusammen­
          arbeit mit dem BPA ).
Aus der Fülle der wissenschaftlichen Ergebnisse der letzten Jahre lassen
sich in kurzer Form nur einzelne Beispiele stellvertretend beschreiben .
Deshalb werden im folgenden aus den Gebieten der Dosimetrie , der Umwelt-
kontamination , der somatischen und genetischen Strahlenwirkungen sowie der
Risikoabschätzung einige Details ausgewählt und dargestellt .
                                   i
 ---pagebreak---                                          - 37 -
  Strahlendosimetrie und ihre Interpretation
  Es ist das Hauptziel der Dosimetrie , zu zuverlässigen Messungen und Berech­
  nungen der absorbierten Dosis und der Dosisverteilungen zu kommen .      Sie sind '
  erforderlich für ein besseres Verständnis der biologischen Effekte , die es dann
  erlauben, das Strahlenrisiko genau zu beurteilen .     Ausserdem sind sie wesent­
  lich , um den Schutz strahlenexponierter Arbeiter zu sichern .
 -     Kooperative Strahlenschutzforschung hängt weitgehend von dem Grad ab , zu
       dem Versuchsmethoden und -material standardisiert sind .   Daher sind ver­
       schiedene Vergleichsuntersuchungen auf dem Gebiet der Dosimetrie durchge­
       führt worden , z.B. für Personendosimeter in der Röntgendosimetrie und für
      Neutronen .  Alle diese Vergleichsuntersuchungen haben gezeigt , dass Ver-
      suchsanordnungen Mängel aufweisen , dass unterschiedliche grundlegende physi­
      kalische Daten bei der Bestimmung der absorbierten Dosis benutzt werden
     und dass bei den dosimetrischen Verfahren Diskrepanzen auftreten .      Die Durch­
      führung der Vergleichsuntersuchungen hat eine deutliche Verbesserung der
      Forschungsverfahren bewirkt und die Genauigkeit und Reproduzierbarkeit der
     Messungen gesteigert .    In den letzten Vergleichsuntersuchungen in der
     Röntgendosimetrie hat sich beispielsweise ergeben , dass früher beobachtete ,
     starke Standardabweichungen in den Ergebnissen mehrerer Laboratorien eli"!'' "
     niert werden konnten , hierzu trugen besonders auch Besuche der Laboratorien
     bei .
-    Bei den Messungen und der Berechnung von Parametern , die der Dosimetrie
     zugrunde liegen, sind grosse Fortschritte gemacht worden . Die Simulierung
     des Transports energiearmer Elektronen ( 10 eV - 30 KeV ) in Wasser wurde be­
     friedigend abgeschlossen; Wirkungsquerschnitte , Bremsvermögen und W-Werte
     wurden für verschiedene Materialien und verschiedene Teilchen gemessen und
     die für die Transportrechnungen benutzten Wirkungsquerschnitt-Sammlungen
     erweitert . Einige Probleme bei der Messung der Komponenten einer Misch-
     strahlung von Neutronen- und Gamma-Strahlung wurden gelöst . Die Bahnen von
     Elektronen und geladenen Teilchen und die Entstehung von Sekundärteilchen
     und ihre radiale Verteilung wurden untersucht .    Mikrodosimetrische Grössen
     wurden bestimmt und auf Gewebebereiche von 10 ~ 100 nm Durchmesser ausge­
     dehnt ;   sie wurden zur Definition der Strableriqualität eingesetzt und in
     mikrodosimetrische Modelle eingeführt , die zur Interpretation von Mutations-
     und Oberlebensdaten von Säugetierzellen entwickelt worden sind .
- Die Untersuchung fundamentaler Mechanismen in der Strahlenphysik hat in­
     teressante Möglichkeiten für den Einsatz der Lyolumineszenz bei der Dosime­
     trie von Strahlenunfällen aufgezeigt , da einige menschliche Gewebe
     Lyolumineszenseigenschaften aufweisen .
 ---pagebreak---                                      - 38 -
 Es wurden grundlegende Probleme der mathematischen Analyse der Tumorindu-
 zierung durch ionisierende Strahlung untersucht .     Statistische Methoden zur
Bewertung von Tumorraten und Tumorhäufigkeit als Funktion der Zeit nach der
Bestrahlung wurden getestet .     So konnte ein statistisch signifikantes An­
steigen der Entwicklung von Brusttumoren in Sprague-Dawley Ratten bei einer
Dosis schneller Neutronen von nur 0,1 rad nachgewiesen werden .      Die relative
biologische Wirksamkeit ( RBW ) dieser Neutronen scheint bei niedrigen Dosen
Werte von 100 und mehr zu erreichen .     Bei höheren Dosen sinkt die RBW auf
schon aus anderen Experimenten bekannte Werte ab .
Es konnte gezeigt werden , dass Radionuklide , die energiearme beta-Tei Ichen
oder Augerelektronen emittieren , wenn sie in verschiedenen Organen , Zellen
oder Zellstrukturen inkorporiert sind , biologische Effekte hervorrufen , die
weitgehend davon abhängen , ob Zerfallsort und strahlenempfindliche Strukturen
übereinstimmen .    Es hat sich herausgestellt , dass der Zellkern der Stammzellen
in bezug auf Spätwirkungen ein kritisches Mikrovolumen ist .      Auf der Grundlage
von Messungen des turnover der Stammzellen , der Aufnahme von Radionukliden
in den Stammzel Inuk leus und der Dosisberechnungen bei bestimmten Mikrover-
tei Lungen wurden verschiedene , veränderliche Faktoren definiert und berech­
net , um die biologische Wirkung pro Einheit der Aufnahme bestimmen zu können .
Auf diese Weise konnten die Strahlenwirkungen bestimmter tritiierter oder
I - 125- markierter, organischer Verbindungen mit denen anorganischen Tritiums
oder 1-125 im Hinblick auf die Festlegung der Inkorporationsgrenzen ver­
glichen werden .
Obwohl völlig befriedigende Personendosimeter für Neutronen noch nicht
existieren , sind bei der Entwicklung der Albedo-Dosimeter und der Kernspur-
Detektoren Fortschritte gemacht worden .     Mit neuen Atztechniken ist es
jetzt möglich , die Bahnen von energiearmen Rückstosskernen und von alpha-
Tei Ichen sichtbar zu machen .
Ein kleines Beta-Dosimeter für Dosismessungen an der Oberfläche von
Beta-Quellen ist entwickelt worden .     Mit seiner Hilfe können die Dosen
für Finger , Hände und    Unterarme genau bestimmt werden .
 ---pagebreak---                                       - 39 -
Verhalten und Kontrolle der Radionuklide in der Umwelt
Das Hauptziel des laufenden Programms besteht darin, die Daten zu erfassen ,
die in verschiedene Modelle zur Beschreibung des Radionuklidtransfers in der
Umwelt eingeführt werden müssen , um so die Strahlenschäden zu bestimmen .    Ein
weiteres Ziel ist es , Methoden zur Bestimmung und Kontrolle möglicher Schädi­
gung der Umwelt und ihrer Komponenten zu finden .
-  Zahlreiche Ergebnisse sind zu radiochemischen , chemischen , biologischen
   und ozeanographischen Aspekten verschiedener Radionuklide und zum Transfer
   begleitender Schadstoffe in unterschiedliche marine Ökosysteme zusammenge­
   tragen worden .   Besondere Aufmerksamkeit wurde den Langzeitverhalten der
   Transurane , den möglichen synergistischen Effekten von Radionukliden und
   konventionellen Schadstoffen ( Hitze , Chlorverbindungen usw .) und dem Ver­
   halten stabiler und radioaktiver Isotope gewidmet .    Mathematische Modelle
   zur Berechnung des Kreislaufs von Chemikalien in mariner Umgebung sind
   wesentlich verbessert worden .   Durch diese Arbeiten ist die notwendige
   Prognosekapazität bei der Kontrolle der Umgebung von Wiederaufbereitungs-
   anlagen und im Falle unfallbedingter radioaktiver Abgabe erweitert worden .
-  Forschung zur Strahlenkontamination von Festland- und Frischwasserökosystemen
   war in der Hauptsache auf die Aktinide sowie auf einige wichtige Radioisotope
   mit langer Halbwertszeit wie H-3 , Tc-99 , 1-129 , Pu-239 und Pu-240 konzen­
   triert .  Eine empfindliche Methode zur Pu-Bestimmung in grossen Bodenproben
   steht jetzt zur Verfügung .   Dennoch müssen viele heute verfügbare Daten ver­
   bessert werden :   z.B. muss die beobachtete , durch das Altern bewirkte Ver­
   änderung von Pu-Transferf aktoren gemessen und erklärt werden .    Erste Be­
   obachtungen der Eigenschaften von Technitium haben sowohl seine Mobilität
   als auch seine Toxizität für lebende Organismen aufgezeigt .
-  Tritiumuntersuchungen haben ergeben , dass eventuell ein erhöhtes Risiko dort
   besteht , wo Tritium in lebende Organismen inkorporiert wird , bevor es in der
   Umgebung verdünnt wird .
-  Arbeiten mit 1-129 schreiten fort .   Die entwickelte Extraktionsmethode wird
   jetzt bei Schilddrüsenproben eingesetzt , die in ausgewählten Gebieten der
   Gemeinschaft gesammelt wurden .
-  Die Möglichkeiten einer Dekontaminierung landwirtschaftlicher Gebiete nach
   einem Unfall sind untersucht worden .   VerschH Jjne Dekortamioierungsmethoden
   sind geprüfi: worden . Die Anwendung che latbi Idsnden Polyamins im Boden lässt
   bereits ein «? bedeutende Herabsetzung des Transfers einiger Akt ' vierungspro-
   dukte vom Boden in die Pflanze erwarten .
 ---pagebreak---                                          - 40 -
 Somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung
 Die Hauptziele des Programms 1976-1980 auf diesem Gebiet sind die Diagnose
und die Behandlung akuter Strahlenschäden .
-    Nach Ganzkörperbestrahlung mit einer vergleichsweise hohen Dosis zeigen
     als erstes die Stammzellen des blutbildenden Systems schwere Schäden .
     Beim Menschen befinden sich diese Zellen im Knochenmark . Im Prinzip könnte
     eine Person , die stark bestrahlt worden ist , durch Transplantation einer
     bestimmten Menge Knochenmark eines gesunden Spenders geheilt werden .    Wie
     Versuche gezeigt haben , bietet dieses Verfahren in der Praxis jedoch viele
     Schwierigkeiten , die durch fortgesetzte Forschung schrittweise bewältigt
     werden . Zum Beispiel müssen Spender und Empfänger genetisch so nah ver­
     wandt wie möglich sein ;  anderenfalls reagiert das transplantierte Mark
     gegen den Empfänger und kann sogar seinen Tod verursachen .    Dies ist die
     sogenannte " Graft versus Host"-Reaktion ( G.v.H.).Die zur vollständigen
     Wiederherstellung des Patienten erforderliche Mindestzahl an Knochenmark­
     zellen ist jetzt bestimmt .  Durch intensive Versuche mit Knochenmarkzellen
     vom Menschen und Affen kann die Aufrechterhaltung der Regenerationsfähig-
     keit dieser Zellen nach einer Lagerung jetzt garantiert werden .    Die
     Mindestdosis bei Ganzkörperbestrahlung , die ein " Annehmen" unter bestimmten
     Bedingungen erlaubt , ist ebenfalls bestimmt worden .   Mehrere Methoden sind
     entwickelt worden , um die G.v.H. - Reaktion zu verhindern oder zu behandeln .
     In jüngster Zeit sind bei der Entnahme und dem Einsatz blutbildender
     Stammzellen aus dem peripheren Blut Fprtschritte erzielt worden »
-    Beträchtlicher Fortschritt ist auch bei der Klärung der durch ionisierende
     Strahlen induzierten Schäden an der Desoxyribonukleinsäure ( DNS ) geleistet
     worden . Physikalische , chemische und biologische Techniken sind bei der
     gründlichen Untersuchung der wichtigsten strahteninduzierten Schäden der
     Nukleinsäuren und ihrer Bestandteile erfolgreich angewendet worden .    Ein
     umfangreiches Wissen über den Sitz und die strukturellen Eigenschaften
     freier Radikale , über die die Reäktionskette bis hin zur stabilen chemischen
     Veränderung verläuft , konnte erlangt werden .   Die letzteren sind detailliert
    .untersucht worden und geben Anhaltspunkte über solche Veränderungen , die für
     biologische Fehlfunktionen mitverantwortlich sind .    Biologische Schäden,
     wie Basenveränderungen und Strangbrüche sind an geeigneten Modellsystemen
     gut charakterisiert worden .
 ---pagebreak---                                      - 41 -
Somatische Spatwirkungen ionisierender Strahlung
In dem laufenden Programm wurde den somatischen Spätwirkungen nach akuter
oder andauernder Bestrahlung oder Inkorporation von Radioisotopen besondere
Aufmerksamkeit gewidmet .  Die Untersuchungen sind auf Bestrahlungswerte bei
der medizinischen Diagnose und auf jene Radioisotope wie Plutonium und die
anderen Aktinide , die möglicherweise zu den gefährlichsten zählen / konzentriert .
Epidemiologische Untersuchungen bestrahlter Gruppen sind hinsichtlich der
Risikoabschätzung beim biologischen Strählenschutz von grosser praktischer
Bedeutung .
-  EULEP hat seine Bemühung um eine erfolgreiche Koordination der Forschung
   auf dem Gebiet der somatischen Spätwirkungen fortgesetzt , wobei auf den
   folgenden Themen besonderer Nachdruck liegt :     die Standardisierung der
   Versuchsbedingungen in den an der Erforschung der Spätwirkungen beteiligten
   Laboratorien , die Koordinierung bei der Planung entsprechender kooperativer
   Forschungsprojekte , die Durchführung spezieller Projekte auf dem Gebiet der
   karzinogenen und nichtkarzinogenen Spätwirkungen sowie auf dem der Radio-
   toxizität inkorporierter Radionuklide .     Vergleichsuntersuchungen in der
   Dosimetrie wurden durchgeführt .    Erste Schritte zu einer Standardisierung
   der Labortiere sind gemacht worden .    Halbjahrlich stattfindende Arbeits-
   tagungen zur Pathologie strahleninduzierter Schäden führten zu der Stan­
   dardisierung der Terminologie , insbesondere bei der Tumorklassifizierung .
   Die Ergebnisse sind im EULEP-Atlas der Pathologie , einem wichtigen Referenz-
   dokument , veröffentlicht .
   Ebenfalls im Zusammenhang mit EULEP hat eine multidisziplinäre Forschungs­
   gruppe ihre koordinierte Untersuchung zur Bedeutung der vaskulären Effekte
   auf die Entwicklung von Strahlenspätschäden fortgesetzt .      Quantitative ,
   biologische Messungen an der Grosshirnrinde zeigten , dass den schweren
   Gef ässabnormitäten ein signifikanter Anstieg der Vaskularität vorausgeht .
   Die Veränderungen sind mit keiner bemerkbaren Veränderung der Ultrastruktur
   verbunden und werden daher als ein Primäreffekt der Strahlung angesehen .
   Der leichte Anstieg im Gesamt - DNS - Gehalt des Gehirns während desselben
   Zeitraums könnte darauf hinweisen , dass die erhöhte Vaskularität ein
   aktiver Prozess ist .
 ---pagebreak---                                      -4 2 -
Es konnte gezeigt werden , dass ein chelatbi Idendes Agens bei der Entfernung
von Plutonium aus der Lunge wirksam ist .    Toxizitätsuntersuchungen haben ge­
zeigt , dass es toxischer als andere bekannte Agentien , wie z.B. DTPA , ist ,
dass aber eine einzige Injektion ausreichend für eine Behandlung ist .          Die
Bedeutung dieser Untersuchungen liegt darin , dass sie zu einer Entfernung
intrazellulären Plutoniums führen könnten .     Die Beseitigung von Plutonium-
nitrat aus intramuskulären Retentionsberei chen ist gemessen worden .
Am-241 befindet sich in bestrahltem Kernbrennstoff .        Realistische Werte der
zulässigen Exposition für in der Luft befindliches Am-241 können nur dann
festgelegt werden , wenn adäquate Daten zu seiner Retention und seiner Vertei­
lung im Körper verfügbar sind .   Das Verhalten von Am-241 wurde bei neun Per­
sonen mit seit langem bestehender Strahlenbelastung nach unfallbedingter
Inhalation untersucht .   Diese Arbeit ist später erweitert worden und umfasst
                                                   241 .  .     . 238
vergleichende Untersuchungen zur Retention von         AmC^ und       PuO ^ in der
Lunge einer erst kürzlich exponierten Person .     Diese Untersuchung ist nicht
nur deshalb von besonderer Wichtigkeit , weil die PuO^'Beseitigung aus der
Lunge interessant ist , sondern auch deshalb , weil der Nachweis der 60-keV
gamma-Strahlen aus begleitendem Am-241 häufig zur Bestimmung von Plutonium-
ablagerungen in der Lunge eingesetzt wird .
Daten zu den verschiedenen Schritten bei der Herstellung von Röntgenaufnahmen
sind für die Optimierung der Bildqualität ( z.B. diagnostischer Wert ) wichtig .
Solche Daten erhält man bei spektrometrischen und dosimetrischen Untersu­
chungen von Röntgenspektren und bei der Bestimmung der Spektralempf indlich-
keit der verschiedenen Bildspeichersysteme . Der Einfluss unterschiedlicher
Einstellung , unterschiedlicher geometrischer und Expositionsfaktoren auf
die Organdosen wurde bestimmt , um das Risiko für den Patienten zu verringern .
Ein wesentlicher Schutz gegen Spatwirkungen konnte an Mäusen demonstriert
werden , die mit einem Gemisch aus chemischen Schutzstoffen behandelt und
dann Röntgenstrahlen ausgesetzt wurden .    Der Schutz war vor allem gegen
Thymus lymphone , myeloide Leukämie , Sarkome , Glomerulosklerose und nicht-
krebsartige Lungenverletzungen wirksam .
Untersuchungen mit dem kurzlebigen alpha-emitt ierenden , knochensuchenden
Ra~224 haben ergeben , dass Dosisprotraktion bei f raktionierter Verabreichung
vermehrtes Auftreten von Knochensarkomen ergibt ( ein mit der Protraktion
und der Gesamtdosis zunehmendes Auftreten ).
 ---pagebreak---                                     - 43 -
Das mit mehr als 90 % höchste Auftreten von Knochensarkomen wurde nsch
einer Durchschnittsdosis von 1080 rad über einen Zeitraum von 36 Wochen
beobachtet .  Andere kürzlich erzielte Ergebnisse haben gezeigt , dass die
Häufigkeit von Knochentumoren nach Inkorporation eines kurzlebigen beta-
Emitters ( Lu-177 ) ebenfalls erhöht werden kann , wenn die Dosis fraktions-
weise über einen längeren Zeitraum hinweg gegeben und nicht auf einmal
verabreicht wird .                ,
Der Vorgang der Krebsinduzierung durch , ionisierende Strahlung wird wahr­
scheinlich durch Viren beeinflusst .   Vergleichende Untersuchungen an ver­
schiedenen Viruspopulationen bei strahleninduzierter Leukämie sind durch­
geführt worden . Zwei Linien splenotroper Viren sind isoliert , physiko­
chemisch charakterisiert und als endogene Mäuseviren identifiziert worden .
Nach der Inkorporation von Ra-224 in Mäuse wurde unmittelbar nach Beginn der
Bestrahlung eine vorübergehende Expression der RNS-Viren vom C-Typ und
während der Tumorentwicklung ( 11-12 Monate nach der Bestrahlung ) ein zweiter
Typ der Virusexpression im Skelett beobachtet .
Synergistische Effekte von Strahlung und anderen Umweltfaktoren müssen in
Zukunft bei Risikoabschätzungen berücksichtigt werden , weil sie u.U. die
biologischen Strahlenwirkungen beeinflussen .    Mit der Untersuchung
synergistischer Wirkungen ist kürzlich begonnen worden .
Folgende Wirkung kann als Beispiel angeführt werden : Die Entwicklung
strahleninduzierter Knochensarkome scheint beschleunigt zu werden , wenn
während der Latenzzeit das häufig angewandte antimitotische Mittel
Zyklophosphamide verabreicht wird .
Epidemiologische Untersuchungen an mit Thorotrast oder Ra-224 behandelten
Patienten werden fortgesetzt .   Vorläufige Ergebnisse hinsichtlich der
Risikokoeffizienten für Ra-224 sind erzielt worden .    Wenn alle diesbe­
züglichen Daten zur Verfügung stehen/, werden jedoch noch weitere statistische
Analysen notwendig sein .
 ---pagebreak---                                       - 44 -
Genetische Wirkungen ionisierender Strahlung
Die Ziele dieses Programmabschnitts sind im wesentlichen die gründliche Analyse
der Mechanismen , die die Evolution der in bestrahlten Zellen induzierten
Schäden steuern , sowie die Entwicklung von Methoden zur Bewertung der Natur
und Häufigkeit zytogeneti scher Schäden bei exponierten Einzelpersonen .
-  Untersuchungen zur Empfindlichkeit und Reparation bei Versuchsarten ,
   besonders bei Bakterien , Hefe und Tetrahymena haben viel zu unserem Ver­
   ständnis von den sehr komplizierten Vorgängen , über die die bestrahlte
   Zelle mit ihren Verletzungen fertig wird , beigetragen .     Viele enzymatische
   und regulierende Reaktionen , die in die Reparation eingreifen , sind identi­
   fiziert worden :   z.B. unter anderem die " S.O.S. "- Induktion ( das ist ein
   Hilfssyndrom , das einen komplexen Stoff wechse Ikrei slauf als Reaktion auf
   nichtreparierte DNS-Verletzungen auslöst und wahrscheinlich sowohl bei der
   Mutagenese als auch bei malignen Veränderungen der Säugetierzellen eine
   Rolle spielt ) und die Hauptreaktionsfolgen zur Mutagenese sind erfasst
   worden .
-  Auf der Basis der bei der Forschung mit Mikroorganismen erzielten Ergebnisse
   und Anhaltspunkte sind verschiedene biochemische Techniken , Methoden zur
   Genlokalisierung , Tests und Verfahrein der pränatalen Diagnose erfolgreich
   entwickelt worden .   Sie dienen dem Nachweis und der Spezifizierung von
   DNS-Reparationsdefekten beim Menschen und stellen damit einen modernen
   molekularen Versuch dar , den Menschen gegen Strahlung zu schlitzen *,    Neben
   vielen , bedeutungsvollen Leistungen ermöglichte die durchgeführte Arbeit
   die Isolierung und Charakterisierung der ersten menschlichen Zellmutanten ,
   bei denen die postreplikative Reparation verändert ist .      Ausserdem trug sie
   zu . der Entdeckung der ersten menschlichen gegenüber ionisierender Strahlung
   abnorm empfindlichen Zellinie bei .    Verschiedene Beziehungen zwischen
   Strahlenempfindlichkeit und Austausch von Schwesterchromatiden , Mutagenese
   und Krebsanfälligkeit sind für bestimmte Linien mit Reparationsmängeln
   festgestellt worden ;   für die Krankheit Xeroderma pigmentosum sind sieben
   genetisch verschiedene Formen mit Hilfe der Komplementäranalysen nachge­
   wiesen worden .   Aus Untersuchungen an Affen konnte geschlossen werden , dass
   eine Dosis von 850 rad die Ovarien der Primaten stark angreift , und es
   wurden Hinweise für die Existenz induzierbarer Reparationssysteme, ähnlich
   dem in Bakterien gefundenen S„0„S . - Reparationsmechanismus gefunden .
 ---pagebreak---                                          - 45   -
- Auf dem Gebiet der Radiozytogerietik verstehen wird inzwischen besser ,
  über welche Mechanismen ionisierende Strahlung Chromosomenaberrationen
  hervorruft ,, und wie die Dosi s / Wi rkung - Bezi ehungen von der Strahlenqualität
  und verschiedenen experimentellen Ansätzen abhängen ,,         Die Analyse der
  Mutationshäufigkeit an 13 loci des X-Chromosoms von Drosophila legt nahe ,
  dass eine Proportionalität zwischen spontanen und induzierten Mutations-
  raten besteht .   Die Dosis / Wirkung-Beziehung nach Röntgenbestrahlung ist
  für Anomalien bei der Verteilung der Geschlechtschromosomen in Säugetier-
  keimzellen bestimmt worden .     Die Analyse der Strahlenwirkung auf die Meiose
  bei menschlichen Zellen konnte erfolgreich angegangen werden , dabei wurden
  zwei verschiedene Richtungen eingeschlagen , zum einen durch die Entwicklung
  von Kulturmethoden und zum anderen durch dreidimensionale Rekonstruktion
  der menschlichen Nuclei nach elektronenmikroskopischen Aufnahmen .
                                              I
 ---pagebreak---                                          - 46
Abschätzung des Strahlenrisikos
Wahrnehmung und Bewertung des " Strahlenrisikos" haben einen solchen Umfang
angenommen , dass es notwendig geworden ist , alle Aspekte gründlich zu analy­
sieren .    Hiermit ist während des laufenden Programms begonnen worden mit der
Absicht , die optimalen Bedingungen für die Entwicklung der Kernenergie zu be­
stimmen .    Die Forschung setzt daher an folgenden Punkten ein :   ökonomische
und soziale Konsequenzen der Bestrahlung , Bewertung der Strahlenschäden , d.h .
die Gesamtheit der durch Exposition hervorgerufenen schädlichen Wirkungen für
die - Bevölkerung , Bewertung der individuellen und kollektiven Dosen bei normaler
Entsorgung von Kernkraftwerken und im Falle eines Unfalls .       .
-   Werte für bestimmte , zur Beurteilung kollektiver Dosen eingesetzte Para­
    meter sind jetzt verfügbar .     Insbesondere ist einModell zur Messung weit-
    entfernter atmosphärischer Dispersionen entwickelt worden ( MESOS-Modell ),
    mit dem die atmosphärische Kontamination auf der Grundlage von Abgasen bei
    mittlerer Entfernung gemessen werden kann .     Ausserdem ist die Kartierung der
    Bevölkerungsverteilung in den 9 Ländern der Gemeinschaft vervollständigt
    worden .   Sie basiert auf einem Programm , das die Bevölkerungsverteilung bei
    einer Kartennetzeinheit von 10 km x 10 km erfasst .      Diese Untersuchung hatte
    zum Ziel , eine genaue Vorstellung der kollektiven von der europäischen Be­
    völkerung erhaltenen Dosis zu bekommen .     Es sollte jedoch angemerkt werden ,
    dass sie auch auf vielen anderen Gebieten von Nutzen ist .      Weiterhin ist in
    Frankreich für marine Produkte ein Modell erstellt worden , dass die Ver­
    breitung kontaminierter Produkte Ober Verteilungs - und Marketingnetze auf­
    zeigt .
-   Im Hinblick auf die Versuche , die Strahlenschäden zu beurteilen , sind viele ,
    sowohl bibliograf ische als auch experimentelle Arbeiten auf einem sehr fort­
    geschrittenen Stand .    Allerdings ergeben sich neue Gedankengänge aus den
    epidemiologischen Untersuchungen von Personen , die entweder während einer
    medizinischen Behandlung oder als Folge ihrer Berufstätigkeit bestrahlt
    worden sind .    Für den letzteren Fall ist eine Arbeit in Angriff genommen
    worden , durch die ein europäisches Bestrahlungsregister für Arbeiter , die
    bei ihrer Arbeit einer Bestrahlung ausgesetzt sind , vorbereitet wird .
-   Im Hinblick auf die Anwendung von Methoden zur Bewertung der ökonomischen
    und sozialen Folgen einer Bestrahlung , sind die     Untersuchungen auf die
    Bestimmung der " as low as reasonably achievable ( ALARA )" Werte ausgerichtet
 ---pagebreak---                                      - 47 -
 worden .  Verschiedene Methoden zur Optimierung des Strahlenschutzes sind
 in der Weise katalogisiert , dass ihre jeweiligen Vor - und Nachteile her­
vorgehoben werden .   Die " Multikriterien"-Methode wurde zunächst für ein
ausgewähltes Thema eingesetzt ( Brennstoffkreislauf für das Programm von
100 1-GWe Druckwasser-Reaktoren ).     Diese Methode , die eine gewisse
Wichtung der verschiedenen Kriterien erfordert , auf deren Basis die Optionen
bestimmt werden sollen , verdeutlicht die Variabilität der möglichen Optionen
( d.h . der ALARA-Werte ) im Licht der von den Entscheidungsgremien gesetzten
Prioritäten .
                                       *
                                 *          *
Diese Auswahl von Ergebnissen aus den im Programm       Strahlenschutz " laufenden
Forschungsprojekten lässt klar erkennen , dass in weiten Bereichen konkrete
Ergebnisse erzielt worden sind , die zum grossen Teil bereits für die
Praxis ihre Bedeutung haben .    Gleichzeitig ist erkennbar , dass eine Menge
Zwischenergebnisse vorliegen , die weiterer intensiver Bearbeitung bedürfen ;
gerade sie werden in den kommenden Monaten und Jahren reiche Früchte
tragen .   Ein Teil der Forschungsvorhaben ist langjährig angelegt , hier ist
mit Ergebnissen erst in späterer Zukunft zu rechnen .      Von diesen Arbeiten
werden insbesondere fundamentale Aussagen zur Strahlenwirkung kleiner und
kleinster Dosen und damit für ein besonders wichtiges Strahlenschutzproblem
erwartet .
Schliesslich sollte darauf hingewiesen werden , dass die Ergebnisse aus dem
Strahlenschutz häufig in andere , verwandte Arbeitsgebiets hineinwirken .
Das Beispiel der Knochenmarkstransplantation ist typisch für die engen
Beziehungen zwischen Strahlenschutz und medizini scher Therapie .      Diese
komplizierte Methode , die für die Behandlung schwerer Strahlenunfälle
entwickelt worden ist , wird augenblicklich für die klinische Leukämiebe-
handlung getestet .
 ---pagebreak---        VORSCHLAG FÜR EINEN BESCHLUSS DES RATES ZUR FESTLEGUNG EINES
       FONFJAHRESFORSCHUNGS - UND AUSBILDUNGSPROGRAMMS ( 1980-1984 )
       DER EUROPAISCHEN ATOMGEMEINSCHAFT AUF DEM GEBIET BIOLOGIE -
             GESUNDHEITSSCHUTZ ( STRAHLENSCHUTZPROGRAMM )
Der Rat der Europäischen Gemeinschaften , -
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft ,
insbesondere auf Artikel 7,
auf Vorschlag der Kommission , nach Anhörung des Ausschusses
für Wissenschaft und Technik ,
nach Stellungnähme des Europäischen Parlaments ,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses ,
in Erwägung nachstehender Gründe :
Es liegt im Interesse der Gemeinschaft , die zur objektiven Beurteilung der
                    S
Wirkungen und Gefahren ionisierender Strahlung notwendigen Kenntnisse zu ver­
vollständigen , zu erweitern und zu vertiefen , um einen adäquaten Schutz des
Menschen und der Umwelt zu gewährleisten .
Die wissenschaftliche Zusammenarbeit , ; der Austausch von Informationen und
die Mobilität oder der Austausch von Wissenschaftlern innerhalb der Gemein­
schaft sind für den Strahlenschutz unerlässlich .
 Die Erweiterung der Kenntnisse , die neuen Konzepte im Strahlenschutz und die
Notwendigkeit verwaltungsmässiger Verbesserungen erfordern die Ersetzung
                 des gegenwärtigen Programms 1976-1980 durch ein neues Programm
1980-1984 , wobei das Jahr 1980 ein überlappendes Jahr ist . Der Beschluss
76/ 309 / Euratom ( 1 ) des Rates ist daher aufzuheben .
Die Forschungsarbeiten , auf die sich dieser Beschluss bezieht , sind ein
angemessenes Mittel zur Fortsetzung einer solchen Aktion . Es liegt daher im
gemeinsamen Interesse , ein Mehrj ahresproaramm auf dem Gebiet des Strahlen-
schutzes zu verabschieden -
                                     ■ι                              ,
( 1 ) ABl . Nr . L 74 vom 20.3.1976 , S. 32
 ---pagebreak---                                       - ¥1-
BESCHLIESST :
                                    Artikel  1
Mit Wirkung vom 1 . Januar 1980 wird für die Dauer von fünf Jahren ein
Forschungs- und Ausbi Idungsprogramm auf dem Gebiet des Strahlenschutzes
festgelegt . Dieses Programm ist im Anhang beschrieben .
                                    Artikel 2
Die für die Dauer des Programms erforderlichen Gesamtaufwendungen werden auf
68,2 Mio ERE und auf einen Personalbedarf von 64 Bediensteten veranschlagt .
Diese Zahlen stellen nur Richtwerte dar .      Der Wert der Europäischen Rech-
nungseinheit ist in Artikel 10 der Haushaltsordnung vom 21 . Dezember 1977
festgelegt .
                                    Artikel 3
Der Beschluss 76 / 309 / Euratom wird mit Wirkung vom 1 . Januar 1980 aufgehoben
Geschehen zu Brüssel am                     Für den Rat
                                            Der Präsident
 ---pagebreak---                                       - 50                 ANHANG
                            STRAHLENSCHUTZ PROGRAMM
                              ( indirekte Aktion )
Ziel des Programms ist es , durch gemeinsame europäische Anstrengungen die
Kenntnisse im Strahlenschutz unter Berücksichtigung der speziellen Probleme
in Europa und des vorhandenen Fachwissens zu erweitern . Das Programm ist
auf die Untersuchung und Kontrolle der Strahlenrisiken ausgerichtet ; es
verfolgt hierzu zwei Hauptziele :
-   Erweiterung der wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse mit dem
    Ziel , die Grundnormen für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung und der
    Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender Strahlung auf den
    neuesten Stand zu bringen ;
- Beurteilung der biologischen und ökologischen Auswirkungen der Tätigkeit
    im Nuklearbereich und der Anwendung der Kernenergie und ionisierender
    Strahlung , um einen angemessenen Schutz des Menschen und der Umwelt in
    all den Fällen sicherzustellen, in denen sonst ein unannehmbarer Schaden
    verursacht werden könnte .
 Das Programm umfasst sechs Hauptgebiete :
-   Strahlendosimetne und ihre Interpretation ,
- Verhalten und Kontrolle von Radionukliden in der Umwelt ,
- somatische Sofortwirkungen ionisierender Strahlung ,
-! somatische Spätwirkungen ionisierender Strahlung ,
- 'genetische Wirkungen ionisierender Strahlung ,
- Abschätzung des Strahlenrisikos .
 Die entsprechenden Arbeiten werden hauptsächlich über Forschungsverträge
und teilweise von der Gruppe Biologie der Kommission im Zentrum Ispra der
Gemeinsamen Forschungsstelle durchgeführt .
 ---pagebreak---                                  51                  ANLAGE III
       Stellungnahme des Beratenden Programmausschusses BPA
       " Strahlenschutz " zu dem Vorschlag der Kommission für
       ein Forschungs - und Ausbildungsprogramm ( 1980-1984 )
       für die Europäische Atomgemeinschaft auf dem Gebiet
       Bio logie-Gesundheits schütz ( Strahlenschutzprogramm)
In seinen Sitzungen vom 17 . Oktober und 13 . / 14 . November 1978
hat der BPA " Strahlenschutz " den Vorschlag der Gemeinschaft
für ein Forschungs - und Ausbildungsprogramm ( 1980-1984 ) für die
Europäische Atomgemein schaf t auf dem Gebiet Biologie-Gesund-
heitsschutz ( Strahlenschutzprogramm) im Detail geprüft ; dies
gilt insbesondere für die Massnahmen die zur Koordinierung der '
Aktivitäten im nationalen Bereich und in der Gemeinschaft
unternommen werden .
Der BPA stimmt darin überein , dass es im Interesse der Gemein­
schaft liegt , die zur objektiven Beurteilung der Wirkungen
und Gefahren ionisierender Strahlung notwendigen Kenntnisse
zu vervollständigen , zu erweitern und zu vertiefen , um einen
adäquaten Schutz des Menschen und der Umwelt sicherzustellen .
Der BPA stimmt ebenfalls darin überein , dass sich der wissen­
schaftliche Inhalt des Vorschlags auf eine begründete Bewertung
der derzeitigen und der vorhersehbaren Anforderungen an die
Forschung der Gemeinschaft im Bereich des Strahlenschutzes
stützt .
Der BPA befürwortet einstimmig , einem neuen Mehr jähre sprogramm
als der angemessenen Form für die Weiterführung der Strahlen-
 schutzforschung zuzustimmen .
                                      J.W. HARMAN
                                 Vorsitzender des BPA
 ---pagebreak---                                          - 52 -                ANLAGE IV
                                   Stel lungnahme
      des Ausschusses für Wissenschaft und Technik vom 19 . Januar 1979
                                      zu dem
          Vorschlag für ein Programm " BIOLOGIE - GESUNDHEITSSCHUTZ ,
                  Strah Lenschutz " für den Zeitraum 1980-1984
Auf seiner Sitzung vom 19 . Januar 1979 hat der Ausschuss für Wissenschaft und
Technik den Entwurf des Vorschlags für ein Forschungs - und Äusbi Idungsprogramm
( 1980-1984 ) der Europäischen Atomgemeinschaft auf dem Gebiet Biologie-
Gesundheitsschutz ( Strahlenschutz ), der dem Rat von der Kommission vorzulegen
ist , geprüft .
Der AWT schliesst sich der bereits vom BPA geäusserten Meinung an , nach der
es im Interesse der Gemeinschaft liegt , die zur objektiven Beurteilung der
Wirkungen und der Gefahren ionisierender Strahlung notwendigen Kenntnisse zu
vervollständigen , zu erweitern und zu vertiefen , um einen adäquaten Schutz
des Menschen und der Umwelt sicherzustellen .
Der AWT hat auch vermerkt , dass die aus diesem Programm erwachsenden
Kenntnisse einen signifikanten Beitrag zur Fortschreibung der Grundnormen
für den Strahlenschutz leisten werden .
Der AWT beurteilt den Vorschlag der Kommission für ein gleitendes Programm
aus wissenschaftlichen und organisatorischen Gründen ausserordentlich
positiv und gibt eine befürwortende Stellungnahme zu dem Programmvorschlag
ab .
 ---pagebreak---                                  FINANZBOGEN
                        BIOLOGIE ~ GESUNDHEITSSCHUTZ
                           STRAHLENSCHUTZ PROGRAMM
HAUSHALTSLINIE :
   • -    Posten :        3352
      -   Bezeichnung :   Biologie - Gesundheitsschutz , Strahlenschutz
1.1 .   BEZEICHNUNG DER AKTION :
                          Biologie - Gesundheitsschutz
                          Strahlenschutz
RECHTSGRUNDLAGE :
      -   Anwendung von Artikel 7 des EAG-Vertrags und des Anhangs 1
      -   Beschluss des Rates vom
BESCHREIBUNG DER AKTION :
3.1 .   Beschreibung :
        Weiterführung eines koordinierten Forschungsprogramms auf dem
        Gebiet des Strahlenschutzes , insbesondere im Rahmen von Kosten-
        tei lungsverträgen .
3.2 .   Ziel :
        Untersuchung und Bewertung der Gefahrdung durch ionisierende Strahlung
        nach zwei Hauptgesichtspunkten :
            Erweiterung der wissenschaftlichen und technischen Kenntnisse
            mit dem Zweck , die Grundnormen für den Gesundheitsschutz der
            Bevölkerung und der Arbeitskräfte gegen die Gefahren ionisierender
            Strahlung auf den neuesten Stand zu bringen .
        -   Beurteilung der biologischen und ökologischen Auswirkungen der
            Tätigkeiten im Nuk learbereich und der Anwendung der Kernenergie
            und ionisierenden Strahlung , um einen angemessenen Schutz des
           Menschen und der Umwelt in all den Fällen sicherzustellen , in
            denen sonst ein unannehmbarer Schaden verursacht werden könnte .
BEGRÜNDUNG DER AKTION :           '
        Es handelt sich um ein Ziel der Politik in drei Bereichen , deren
        Bedeutung zur Zeit unumstritten ist :
        -   Sozialwesen
        -  Umweltschutz
        -   Energie .
 ---pagebreak---               5.    FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN OER AKTION AUF DIE INTERVENTIONSMITTEL ( einschliess-
                    lich Personal ausgaben , Verwaltungsausgaben sowie Ausgaben für den laufenden
                    technischen Betrieb )
                    5.1 .     Gesamt kosten während der vorgesehenen Laufzeit :                                     143.210.000    ERE
                    5.2 .     Finanzierungsantei I :
                              -  des Gemeinschaf tshaushalts                                                          68.210.000   ERE
                              -  der einzelstaatlichen Haushalte
                                                                                                                       75.000.000  ERE
                              -  anderer Sektoren auf nationaler Ebene
                    5.3 .     MEMRJAHRIGER           FAI LIGKEITSPLAN
                    5.3.1 . 1 .    VERPFLICHTUNG5ERMACHTIGUNGEN
                                           -■  ■ ■■■          -               ...   i .
                          1980                   1980
                                                                     1981                    1982          1983           1984           1985
                      i/ orig.Progr .        neues Procjr
  Personal                 3.583.000                             3.797.000              A. 025 . 000    4.267.000       4.526.000
  Verwaltung ♦
  techn.öetriet              579.000                                615.000                 650.000       689.000          731.000
  Vertrage               ( 5.848.000 )        15.000.000 16.000.000                     5.000.000       2.900.000             ém
                                    < 13                 ( 2)
                                                                                                  »
j Insgesamt                4.162.000        . 15.000.000 20.412.000                     9.675.0p0 |     7.856.000 j|    5.257.000J
                       t + 5.84ft. 000\                                                         ν
                       ^ 10.010.000/                                              *= 58.200.000                                                 I
                     5.3.1.2 .      ZAHLUNGSERMflCHTIGUNGEN
                            1980                 1980
                                                                    1981                     1982          1983            1984         1985
                       vorig.Progr . neues Progr .
                                                                                                                     ,
 Personal                  3.583.000                             3.797.000              4.025.000       4.267.000       4.526.000
 Verwaltung +
 techn.Betr ieb              579.000                                615.000                 650.000       689.000          731.000
                                                                 6.900.000
 Verträqe                  4.100.000                                                    9.150.000       9.750.000      10.400.000    2.700.000
                                                                (1.756.000 )
                                                                             (3)
 Insgesamt                 8.262.000                            Π . 312 . 000
                                                                             * /  λ
                                                                                     il 3. 825 . 000 j 14.706.000      15.657.000    2.700.000 J
                                                                            "V H /       " " ■"y*      mm    " ■" ■                  m–mmmmm
                                         \                                        = 53.200.000 -
   ( 1 ) r>er Betrag von 5.848.000 entspricht dem Finanzbeitrag zu den Verträgen 1980 , der durch
         früher eingegangene und noch nicht erfüllte Verpflichtungen sowie durch aus dem vorigen
         Programm verbleibende Verpf l i chtungsermächt igungen gedeckt wird .
   ( 2 ) Die Verpf lichtungsermächt igungen in Höhe von 15.000.000 ermöglichen die Vorbereitung ,
         den Abschluss und die Unterzeichnung der Verträge im Jahr 1980 , deren Laufzeit
         frühestens am 1.1.1981 beginnt .
   ( 3 ) Es handelt sich um 7.ahlungsermächtigungen für das vorige Programm .
   ( 4 ) 11.312.000 Zahlungsermächtigungen für das neue Programm .
        + 1 . 756 . 000 Zahlungsermächtigungen für das vorige Programm .
         13.068.000
     *   Dieser Betrag wird wie folgt gedeckt : 4.045.000 ERE durch noch nicht verbuchte Mittel für
         das vorige Programm und 117.000 ERE durch verbleibende Verpf l ichtungserw'achtigungen .
 ---pagebreak---                                          - 3 -
    5.3 .?.   Berechnungswei se :
              Bei dem Kostenvoranschlag für die Jahre 1981 bis 1984 wurde ein
              Steigerungssatz von 6 % zugrunde gelegt .
              a)  Persona lausgaben :
                  Der Bedarf wird auf der Grundlage eines Fersonaleinsatzes von
                  64 Bediensteten für dieses Programm berechnet :
                                41  Bedienstete der Laufbahngruppe A
                                12  Bedienstete der Laufbahngruppe B
                                10  Bedienstete der Laufbahngruppe C
                                  1 Bediensteter der Lauf bahngruppe D.
                  Die Gesamtzahl von 64 Bediensteten sowie die Aufschlüsselung
                  nach Besoldungsgruppen entsprechen der Personal läge im Haus­
                  haltsplan 1979 .
              b)  Verwaltungsausgaben und Ausgaben für den laufenden technischen
                  Bet r ieb :
                  Es handelt sich um die Ausgaben für Dienstreisen und Sitzungen ,
                  die Ausgaben für den technischen Betrieb der Gruppe Biologie
                   in Ispra sowie für die Benutzung der wissenschaftlichen und
                  technischen Hilfsdienste der Forschungsanstalt Ispra der GFS .
              c)  Ausgaben je Vertrag :
                  Da die Art des Forschungsobjekts und die Qualifikation der Ver-
                  tragsnehmer unterschiedlich ist , kann keine einheitliche Be-
                  rechnungsweise festgelegt werden . Es kann jedoch von einem
                  durchschnittlichen Beitrag von 40 % zu den Gesamtkosten der
                  Vertragspartner ausgegangen werden . In jedem Fall wird der
                  Beratende Programrnausschuss zur endgültigen Festsetzung der
                  Gemeinschaftsbeiträge gehört .
6.  FINANZIELLE AUSWIRKUNGEN AUF DIE PERS0NALAUSGA8EN UND DIE AUSGABEN FÜR
    DEN LAUFENDEN TECHNISCHEN BETRIEB :
    ( siehe Punkt 5 )
7.  FINANZIERUNG DER AUSGABEN :
    In den künftigen Haushaltsplänen zu veranschlagende Mittel .
8.  ETWAIGE AUSWIRKUNGEN AUF DIE MITTEL :
         Gemeinschaftssteuer auf die Beamtengelder
         Beitrag der Beamten zur Versorgungskasse .
9.  VORGESEHENE KONTROLLE :
   -     Wissenschaftliche Kontrolle durch die Lenkungsausschüsse der Assoziationen ,
         den Beratenden Programrnausschuss und die zustandigen Beamten der GD XII .
   -    Verwaltungskontrolle durch die GD " Finanzkontrolle" für die Ausführung
        des Haushaltsplans sowie der Ordnungsmässigkeit und der Übereinstimmung
        der Ausgaben und durch die Dienststelle " Verträge" der GD XII .