CELEX: 51997PC0159
Language: de
Date: 1997-05-02
Title: Vorschlag für eine Empfehlung des Rates zu Europäischer Zusammenarbeit in der Sicherung der Qualität der Hochschulbildung

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                           Brüssel, den 02.05.1997
                           KOM(97) 159 endg.
                           97/0121 (SYN)
             Vorschlag für eine
        PM?FR^nr TING DES RATES
                    ZU
   EUROPÄISCHER ZUSAMMENARBEIT
                  INDER
      SICHERUNG DER QUALITÄT
       DER HOCHSCHULBILDUNG
       (von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---  ---pagebreak---                                             BEGRÜNDUNG
1.    EINFÜHRUNG
1.    Es hat sich herausgestellt, daß die Qualität der Lehre im Hochschulbereich sowohl für die
     Mftgiiedstaten als auch für die Hochschufen selbst ein Anliegen von großer Dringlichkeit
     ist. Die Förderung, Unterstützung und Ergänzung nationaler Maßnahmen durch die
     Europäische Union kann nachhaltig zur Entwicklung der Qualität der Bildung in diesem
     Bereich beitragen.
2.   Aus dem Memorandum der Kommission zur Hochschulbildung1 und den Stellungnahmen
     der Mitgliedstaaten zu diesem Memorandum2 war deutlich hervorgegangen, daß die
     Frage der Qualität im Hochschulwesen, das sich zunehmend diversifiziert, eine
     Angelegenheit von entscheidender Bedeutung ist. Es war auch festgestellt worden, daß die
     wissenschaftliche Qualität der Forschung und der Hochschullehrer allein die Qualität der
     Lehre nicht mehr garantieren können: nicht weniger wichtig sei die Evaluierung der
     Qualität der Organisation der Studiengänge, der Lehrmethoden sowie der
     administrativen, strukturellen und kommunikativen Gegebenheiten. Betont wurden die
     Bedeutung der Evaluierung für das strategische Management von Hochschulen sowie
     deren kulturelle Dimension. Die Einführung von effizienten und akzeptablen
     Evaluierungsmethoden, die sich auf europäische Kooperation und transnationalen
     Erfahrungsaustausch stützen, und die Zusammenarbeit von Evaluierungsexperten für den
     Hochschulbereich in einem Netzwerk erhielten eine erste positive Stellungnahme.
3.   Die Erkenntnisse des Memorandums und die mehrjährigen Erfahrungen intensiver
     Zusammenarbeit im Rahmen des ERASMUS-Programms bewogen den Rat3 und die im
     Rat vereinigten Bildungsminister im November 1991, eine Gemeinschaftsaktion im
     Bereich der Qualitätsevaluierung der Lehre im Hochschulbereich zu entwickeln. Die
     Bildungsminister waren der Meinung, daß die Vielzahl nationaler Methoden der
     Qualitätsevaluierung durch europäische Versuche in diesem Bereich bereichert werden
     könnten, ohne daß dadurch die Befugnisse und Verantwortlichkeiten der Mitgliedstaaten
     und die Autonomie der Hochschulen in Frage gestellt würden. Auf Anregung der
     Kommission wurde eine Studie4 über die in den einzelnen Mitgliedstaaten angewandten
     Methoden der Qualitätsevaluierung erstellt, die einen Überblick über die „traditionellen
     Verfahren" und die damals „neuen Verfahren" der Evaluierung in den Mitgliedstaaten
     bot. Da in dieser Studie festgestellt wurde, daß das Interesse an der Qualität der
     Hochschulbildung wuchs, und daß die in einigen Mitgliedstaaten bereits eingeführten
     „neuen" Methoden eine Reihe gemeinsamer Elemente aufwiesen, legte die Kommission in
     Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten zwei europäische
     Pilotprojekte auf - eines im Bereich der Ingenieurwissenschaften, das andere im Bereich
     Kommunikation / Information bzw. Kunst / Design - , an denen 42 Hochschulen aus den
     Mitgîiedstaaten sowie 4 Hochschulen aus Island und Norwegen teilgenommen haben.
4.   Anfang der 90er Jahre, als die Kommission diese Projekte ins Leben rief, hatten erst
     wenige       europäische      Staaten      systematische         Qualitätsevaluierungssysteme        im
1
   KOM(91) 349endg
2
   Ausblick auf das Hochschulwesen In der Europäischen Gemeinschaft. Reaktionen auf das Memorandum, Studie
   Nr. 2 der Task force Humanressourcen, allgemeine und berufliche Bildung, Jugend, Luxemburg 1993
3
   ABI. C 321 /91 vom 12.12.1991, S.2.
4
   Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung im Europäischen Hochschulwesen: Methoden und Mechanismen;
   Studien, Nr. 1, Task Force Humanressourcen, allgemeine und berufliche Bildung, Jugend; Luxemburg 1993.
 ---pagebreak---      Hochschulbereich entwickelt. Die Zielsetzung der Projekte bestand dementsprechend
     darin, das Bewußtsein für die Notwendigkeit einer Evaluierung der Hochschulbildung in
     Europa weiter zu schärfen, die bestehenden nationalen Verfahren zur Qualitâtsevakiierung
     auszubauen, die Evaluierung um eine europäische Dimension zu erweitern, den
     Erfahrungsaustausch zu unterstützen und durch die Förderung der Zusammenarbeit
     zwischen den Hochschulen zu einem wachsenden Verständnis für die kulturellen
     Hintergründe der verschiedenen BÜdungsangebote beizutragen und das Vertrauen
     entstehen zu lassen, das für die gegenseitige Anerkennung von Studlenieistungen und
     Diplomen notwendig Ist
5.   Die Pilotprojekte zur Qualitätsevaluierung im Hochschulwesen wurden 1994 und 1995 in
     Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen der Mitglledstaaten durchgeführt. Im
     Mittelpunkt stand die Evaluierung der Qualität der Lehre in einer bestimmten Disziplin an
     einer Hochschule. Eventuelle Interaktionen mit Forschungsaktivkaten und Aspekten des
     Hochschulmanagements waren |edoch nicht ausgeschlossen. Der Methode lagen die vier
     Prinzipien zugrunde, die den vier zu lener Zeit vorhandenen Evaiuierungssysternen In
     Europa gemein waren (Dänemark, Frankreich, Niederlande und Vereinigtes Königreich).
     Ziele, Methoden und Organisation der Projekte wurden in den „Leitlinien für die
     teilnehmenden Einrichtungen" beschrieben, die In alle Gemeinschaftssprachen übersetzt
     und an alle Teilnehmer der Pilotprojekte verteilt wurden.
6.   Die Ergebnisse des Dialogs, der während der Durchführung der Piloiprojekte zwischen
     teilnehmenden            Hochschulen,            Experten,          staatlichen        Stellen   und
     Nichtregierungsorganisationen In ganz Europa geführt wurde, sind in der
     Informationsnote5 zusammengefaßt, die Edith Cresson den Gemeinschaftsinstitutionen
     zusammen mit dem Bericht der Managementgruppe, die die Kommission bei der
      Umsetzung der Pfiotprojekte unterstützte, vorgelegt hat. Be! allen Beteiligten herrschte
     große Zufriedenheit über die Einführung und Umsetzung der Europäischen Pilotprojekte.
     Gleichzeitig wuchs das Bewußtsein der Notwendigkeit einer Qualitätsevaluierung im-
      Bereich der Hochschutbildung welter. Die Teilnehmer brachten ihre Entschlossenheit zum
     Ausdruck,        Kooperation         und       Erfahrungsaustausch          fortzusetzen     und  dk
      Kooperationsstrukturen, die durch die Püotprojekte in allen teilnehmenden Staaten
      entstanden sind, weiter zu nutzen, und dies unabhängig davon, ob sie zuvor bereits eigene
      nationale Quafltätssicherungsstrategien entwickelt hatten.
7.    Der Rat der Minister für das Bildungswesen begrüßte auf seiner Sitzung vom 6. Mai
      1996, auf der die Informationsnote über die Ergebnisse der Pfiotprojekte präsentiert
      wurde, die Zusammenarbeit in diesem wichtigen Bereich und nahm dk Absicht der
      Kommission, einen          Vorschlag mit der in der Note beschriebenen Ausrichtung
      vorzulegen, zur Kenntnis6.
II.   HINTERGRUND
8.    Das neue Kapitel 3 in Titel II des Vertrags über die Europäische Union beschreibt, welche
      wichtige Rolle die Gemeinschaft zur Entwicklung einer qualitativ hochstehenden Bildung in
      Europa zu spielen hat, ohne dabei die Rechts- und Verwaltungsvorschriften der
      Mitgliedstaaten zu harmonisieren, und bestätigt die Verantwortung der Mitgliedstaaten für
      die Lehrinhalte und die Gestaltung ihrer Bildungssysteme. Um Freizügigkeit in einem
      gemeinsamen europäischen Markt zu garantieren, 1st es notwendig, einen offenen
      Bildungsraum zu schaffen und die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen zu
      gewährleisten. Transnationale Mobilität und transnationale Zusammenarbeit sind die
      Voraussetzungen für die Bereitstellung eines qualitativ hochstehenden Biidungsangebots,
 5  SEQ96) 800.
 6
    Protokole der 1920. Sitzung des Erziehungsministerrates (SI (96) 428)
 ---pagebreak---      das europäischen und weltweiten Standards genügt und den Einzelnen in die Lage
     versetzt, die Möglichkeiten der Freizügigkeit innerhalb der Gemeinschaft zu nutzen. Die
     Mobilitätsprogrammme der Gemeinschaft im Bereich der allgemeinen und beruflichen
     Bildung haben seit ihrer Einführung 1986 immer wieder unter Beweis gestellt, daß
     Mobilität und Kooperation auf der Ebene der Europäischen Union das gegenseitige
     Verständnis und die Kenntnisse über die unterschiedlichen nationalen Bildungssysteme
     vertiefen können. Durch eine größere Transparenz und die Stärkung des gegenseitigen
     Vertrauens konnten sie einen wichtigen Beitrag zum Abbau der Hindernisse für die
     Anerkennung von Qualifikationen und beruflichen Befähigungen leisten. Allerdings wird
     in dem vor kurzem veröffentlichten Grünbuch7 der Kommission zum Thema allgemeine
     und berufliche Bildung und Forschung mit dem Titel "Hindernisse für die
     grenzüberschreitende Mobilität" eingeräumt, daß der Mobilität noch zahlreiche
     Hindernisse entgegenstehen.
9.   Qualitätsevaluierung und Qualitätssicherung im Bereich der Hochschulbildung und
     transnationale Zusammenarbeit in Fragen der Qualität der Hochschulbildung stehen in
     dieser Tradition. Sie sind ein Beitrag zur weiteren Verbesserung der positiven
     Wechselwirkungen         zwischen    Freizügigkeit, Bildungsqualität,    Transparenz    und
     gegenseitigem Verständnis.
     Die Institutionalisierung von Qualitätsevaluierung und Qualitätssicherung in den
     Mitgliedstaaten und die Institutionalisierung der europaweiten Zusammenarbeit stellen
     eine Bereicherung der Qualität der europäischen Hochschulbildung dar: die Hochschulen
     in den Mitgliedstaaten können, mit Unterstützung regierungsunabhängiger Gruppen oder
     Organisationen, ihre Stärken und Schwächen herausfinden, indem sie ihre
     Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die Zielsetzungen der jeweiligen Fachrichtung und auf
     ihr institutionelles Profil wie auch im Hinblick auf das Qualifikationsniveau im
     europäischen und im weitweiten Vergleich einer ständigen Überprüfung unterziehen. So
     können Qualität und Leistung der Hochschulen in den unterschiedlichen Bildungssystemen
     gewahrt werden. Flexibilität und Anhebung des Qualifikationsniveaus schließlich tragen
     wesentlich zur Förderung der Freizügigkeit bei. Auf der anderen Seite eröffnen der
     institutionalisierte Erfahrungsaustausch und die europäische Kooperation im Bereich der
     Qualitätsevaiuierung und Qualitätssicherung der europäischen Bildung neue Perspektiven
     was gegenseitige Kenntnisse über den aktuellen Entwicklungsstand der einzelnen
     Fachrichtungen, das den verschiedenen in den europäischen Staaten angebotenen
     Studiengängen zugrundeliegende Verständnis und dk in den Hochschulen praktizierten
     Quaiitätssicherungsmechanismen betrifft.
     Die institutionalisierte Zusammenarbeit im Bereich der Qualitätsevaiuierung und
     Qualitätssicherung kann langfristig die kluge Nutzung            kulturell unterschiedlicher
     Problemlösungsansätze mit der Entwicklung gemeinsamer methodologischer Elemente der
     Qualitätsevaiuierung kombinieren, die so auf freiwilliger Basis und gegründet auf
      gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Kenntnis entstünden. Damit wäre ein großer
      Schritt getan hin zu einer Überwindung der Hindernisse für Mobilität.
10.   im übrigen führt die Verwendung gemeinsamer methodologischer Elemente nicht zu einer
      Rangordnung oder zu gemeinsamen europäischen Beurteilungsstandards. Bei den
      Methoden der Qualitätsevaiuierung und -Sicherung handelt es sich um Verfahrensregeln,
      nicht um inhaltliche Regeln. Festgelegt wird lediglich, auf welche Weise die Qualität
      gemessen wird (wer daran beteiligt wird, worauf zu achten ist etc.); worin die
      Qualitätskriterien als solche bestehen, wird jedoch nicht definiert. Unter Anleitung durch
      die vereinbarten Methoden können die jeweiligen Akteure selbst erkennen, wo ihre
      Stärken und Schwächen liegen, indem sie den "output" ihres Faches oder ihrer
7
    KOM(96) 462 endg.
                                           W
 ---pagebreak---     Hochschule daraufhin überprüfen, ob er eine angemessene Antwort auf die konkreten
    Probleme im ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontext Ihrer Hochschule darstellt.
    Beurteilt wird diese "Antwort"der Hochschule durch die betreffenden Akteure selbst,
    bzw. durch diejenigen, die sie bei der Untersuchung zu Rate ziehen.
11. Angesichts der Globalisierung der Wirtschaft und der internationalen Konkurrenz auf
    einem immer stärker integrierten Weltmarkt gewinnen die ökonomischen, sozialen und
    kulturellen Ziele, die mit der Entwicklungsaufgabe einer Europäischen Gemeinschaft
    verbunden sind, eine neue Dimension: Diese Ziele können nur mehr erreicht werden,
    wenn eine ganze Reihe struktureller Veränderungen stattfinden,                             die die
    Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinschaft steigern. Im Hinblick darauf liegen die
    Hauptaufgaben der gesellschaftlichen Organisationen und öffentlichen Verwaltungen
    darin, die komparativen Vorteile Europas beim Übergang zu einer "Ökonomie des
    Wissens" (knowledge economy) strategisch zu nutzen. Der Qualität der allgemeinen und
    beruflichen Bildung kommt daher eine neue zentrale Rolle für die Entwicklung der Ziele
    der Gemeinschaft zu. Im Weißbuch „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und
    Beschäftigung"8 werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich aus den dort
    vorgeschlagenen Maßnahmen diejenigen herauszugreifen, die sie als positiven Beitrag zu
    ihren eigenen Aktionen annehmen können. Gleichzeitig wird vorgeschlagen, durch
    Gemeinschaftsaktionen Anstöße zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Europas zu
    geben.
12. Das jüngst erschienene Weißbuch „Lehren und Lernen"9 weist entsprechend darauf hin,
    daß sich im Rahmen der derzeitigen Entwicklungen die Zugangsmöglichkeiten zu
    information und Wissen bedeutend ausgeweitet haben. Gleichzeitig haben sich aber auch
    die Arbeitsformen und der Qualsflkationsbedarf verändert. Eine umfassende
    Neuorganisation der Biidungsressourcen ist daher erforderlich, will man eine
    weitreichende Verunsicherung und soziale Ausgrenzung In einer immer stärker
    wissenszentrierten Gesellschaft vermeiden, in der die soziale Steifung des einzelnen
    zunehmend von dem Stand seines Wissens und seiner Fachkenntnisse bestimmt wird,
13. in diesem Zusammenhang müssen auch durch öffentliche Verwaltungen benutzte alte
    Steuerungsmechanismen umgestellt werden um die notwendige Flexibilität zu erlangen.
    Ein neues Verständnis von Hochschulautonomie beginnt sich abzuzeichnen: die
    Hochschulen erhalten bei der Definition ihrer Aufgaben wie auch bei deren Realisierung,
    einschließlich der Zuweisung von Mitteln, einen größeren Spielraum, gleichzeitig wird
    aber ihre Eigenverantwortung für die Qualität ihres Bildungsangebots größer.
14. Sowohl die Erfahrungen in den einzelnen Mitgliedstaaten als auch die gemeinsamen
    Erfahrungen, die im Rahmen der Durchführung der Europäischen Pilotprojekte gewonnen
    werden konnten, haben gezeigt, daß Verfahren der Qualitätsevaluierung und -Sicherung
    den Hochschulen nicht nur Aufschluß über die von ihnen erbrachten Leistungen geben
    können. Sie können auch die Fähigkeit der Hochschulen zur Selbstreflexion und zur
    Reorganisation ihres Angebots erhöhen, so daß dies besser in ihr jeweiliges ökonomisches,
    soziales und kulturelles Umfeld paßt. Dies darf als ein erster Schritt zur Entwicklung
    kohärenter Quaiitätsevalurerungs- und Qualitätssicherungsstrategien der Hochschulen
8
      Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung - Herausforderungen der Gegenwart und Wege ins 2 1 .
      Jahrhundert - Weißbuch, Luxemburg 1994.
9     Weißbuch zur allgemeinen und beruflichen Bildung, Lehren und Lernen - Auf dem Weg zur kognitiven
      Geselischaft, Luxemburg 1996.
                                                  r
 ---pagebreak---      betrachtet werden, und damit als Teil einer umfassenderen Entwicklung hin zu einer
     Fähigkeit zu permanenter Innovation im Sinne "lernender Organisationen".
     In einigen Mitgliedstaaten bzw. Hochschulen wird systematisch nach neuen Methoden
     gesucht, diese Entwicklung als Teil einer umfassenden Strategie voranzutreiben, die die
     Beziehungen zwischen Hochschule, Staat und Gesellschaft neu definiert. Die Fähigkeit der
     Hochschulen, angemessen und schnell auf komplexe Veränderungen in ihrer Umwelt zu
     reagieren, kann durch die Einführung zusätzlicherMechanismen der Selbstreflexion und
     der Selbstkorrektur innerhalb der Hochschulen unterstützt werden. Auf diese Weise
     könnten Verfahren der Qualitätsbewertung unf -Sicherung zum Beispiel nicht nur dazu
     beitragen, die akademischen Traditionen Europas mit der nötigen Erhöhung der
     Wettbewerbsfähigkeit in Einklang zu bringen; sie könnten auch dazu beitragen, eine
     "ganzheitlichere" Hochschulbildung zu entwicklen, die sowohl ökonomischen als auch
     sozialen und kulturellen Notwendigkeiten gerecht wird.
15.  Die europäischen Bürger sind an einem Nachweis darüber, was aus investierten Mitteln
     wird, interessiert, da sie nicht nur als Steuerzahler wesentlich zur staatlichen Finanzierung
     der Hochschulbildung beitragen, sondern teilweise auch als diejenigen, die für ihre
     Ausbildung an einer Hochschule Studiengebühren zu entrichten haben. )unge Menschen
     haben Anspruch darauf, sich über die Qualität des Bildungsangebots informieren zu
     können, um sich für den ihren Bildungswünschen entsprechenden Studiengang
     entscheiden und sich die erforderlichen Kenntnisse aneignen zu können.
III. RECHTSGRUNDLAGEN DER EMPFEHLUNG
16.  Unter den Tätigkeiten der Europäischen Gemeinschaft, mittels deren sie ihre
     Entwicklungsaufgabe erfüllen soll, befinden sich die Beseitigung der Hindernisse für den
     freien Waren-, Personen-, Dienstieistungs- und Kapitalverkehr zwischen den
     Mitgliedstaaten (Artikel 3, Buchst, c) EGV) und der Beitrag zu einer qualitativ
     hochstehenden allgemeinen und beruflichen Bildung sowie zur Entfaltung des Kulturlebens
     der Mitgliedstaaten (Artikel 3, Buchst, p) EGV).
     Entsprechend dem Subsidiaritätsprinzip, wie es in Artikel 3b EGV für diejenigen Bereiche
     festgelegt ist, in denen die Gemeinschaft keine ausschließliche Zuständigkeit hat, wird die
     Gemeinschaft nur tätig, sofern und soweit die Ziele der in Betracht gezogenen
     Maßnahmen auf der Ebene der Mitgliedstaaten nicht ausreichend erreicht werden können
     und daher wegen ihres Umfangs oder ihrer Wirkungen besser auf Gemeinschaftsebene
     erreicht werden können.
     in Artikel 126 und 127 wird für Bildung und Ausbildung präzisiert, daß der Beitrag der
     Gemeinschaft in diesem Bereich in der Förderung der Zusammenarbeit zwischen den
     Mitgliedstaaten besteht, sowie erforderlichenfalls in der Unterstützung und Ergänzung
     ihrer Tätigkeiten unter strikter Beachtung ihrer alleinigen Verantwortung für die
      Lehrinhalte und die Gestaltung der Bildungssysteme sowie der Vielfalt ihrer Kulturen und
      Sprachen.
 17.  Die vorgeschlagene Empfehlung respektiert die Vielfalt der europäischen Bildungs- und
      Ausbildungssysteme und stützt sich auf Zusammenarbeit und freiwilliges
      Aufeinanderzugehen. Eine Gemeinschaftsaktion in diesem Bereich könnte insofern eine
      Bereicherung für alle sein, als gerade im Bereich der Qualitätsevaluierung und
      Qualitätssicherung kein einzelner Staat und keine einzelne Staatengruppe allein dieVorteile
      erzielen kann, die entstehen, wenn sie mit allen anderen Mitgliedstaaten in Verbindung
      treten. Die Geschwindigkeit der Entwicklung in diesem Bereich ist so groß, daß ein
      ständiger Austausch von Informationen und Erfahrungen über sämtliche Entwicklungen in
      den Mitgliedstaaten notwendig ist, um mit ihr Schritt zu halten. In dem Maß, in dem
                                                 c
 ---pagebreak---       dieser Austausch das gesamte Potential der europäischen Problemlösungskapazitäten
      fruchtbar macht, kann er als solcher die Dynamik der Entwicklung beschleunigen und die
      Erhöhung der Qualität der europäischen Hochschulbildung wirksam vorantreiben.
IV. ZIELSETZUNGEN UND MASSNAHMEN UND IHRE SYNERGETISCHEN EFFEKTE
18. Die vorliegende Empfehlung fordert die Mitgliedstaaten auf, die Einrichtung von
      Qualitätsevaluierungs- und Qualitätssicherungsmechanismen für ihre Hochschulsysteme zu
      erwägen. Dabei wird auf die Nützlichkeit derartiger Verfahren sowie der Einhaltung
      einiger Funktionsprinzipien hingewiesen. Es werden jedoch keine Vorgaben hinsichtlich
      der Methoden, Strukturen oder Finanzierungsmodalitäten gemacht. Diese unterliegen der
      alleinigen Verantwortung der Mitgliedstaaten.
19. In der Empfehlung wird besonderer Wert auf die Feststellung gelegt, daß die europäische
      Zusammenarbeit in der Qualitätsevaiuierung und Qualitätssicherung den Mitgliedstaaten
      und helfen kann, sich den neuen Anforderungen an die Qualität der Bildungssysteme zu
      stellen. Um unerwünschte Nebenwirkungen der Qualitätsevaluierungs- und -
      sicherungsverfahren in den Mitgliedstaaten zu vermeiden und zu ihrer Effizienz
      beizutragen, sind permanente Beobachtung und kontinuierlicher Vergleich der
      Beziehungen zwischen den rechtlichen bzw. institutionellen Rahmenbedingungen und den
      erstellten Leistungen notwendig. Auch die Entwicklung von Innovationsstrategien im
      Hochschulbereich wird dadurch erleichtert.
20. Das europäische Netz für die Qualitätsevaiuierung und Qualitätssicherung in der
      Hochschulbildung soll durch die institutionalisierung des Informations- und
      Erfahrungsaustausches auf europäischer Ebene die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten
      und der Hochschulen fördern.
21.   Es kann eine Reihe von Wechselwirkungen zwischen den bestehenden
      Gemeinschaftprogrammen zur Förderung der Zusammenarbeit Im Bildungsbereich auf der
      einen und den Qualitätsevaluierungs- und Sicherungsstrukturen der Mitgliedstaaten sowie
      dem vorgeschlagenen Netzwerk auf der anderen Seite erwartet werden. Um nur einige
      der naheliegendsten Beispiele zu nennen: Universitäten, die in ihre Hochschulverträge im
      Rahmen           von        SOKRATESVERASMUS-Aktivitäten                   wie      die     gemeinsame
      Lehrplanentwicklung oder die Einführung des ECTS-Systems aufnehmen, könnten
      wertvolle zusätzliche              Informationen      von      den       im     Qualitätssicherungsnetz
      zusammenwirkenden nationalen Einrichtungen bzw. von Qualitätssicherungsprojekten
      erhalten. Ferner könnten „Thematische Netze", die beschließen, auf der Grundlage ihrer
      bisherigen Arbeit für ihre Fachrichtung(en) europaweit Qualitätsevaluierungen
      durchzuführen, direkte Unterstützung durch dieses Netz erhalten. Beide Strukturen
      könnten sich gegenseitig mit Informationen versorgen und außerdem eine wichtige Quelle
      für den Aufbau einer Datei von internationalen Fachkollegen (Peers) für den Bereich der
      Qualitätsbewertung darstellen. Langfristig sind auch Verbindungen zu anderen Aktivitäten
      denkbar, die zur Verbesserung der Eingliederung von Hochschulabsolventen in den
      Arbeitsmarkt beitragen könnten - etwa zu den Bereichen Offener Unterricht und
      Fernlehre oder Kooperation zwischen Hochschule und Wirtschaft.
22.   An der Vorbereitung der Pilotprojekte waren europäische und internationale Verbände
      und Vereinigungen beteiligt, die entsprechende Aufgaben im Bereich der
       Hochschulbildung haben und aktiv verfolgen. Eine von der Kommission in Auftrag
       gegebene Studie10 lieferte einen systematischen Überblick über die Aktivitäten
 1
   ° "Initiativen zur Qualitätssicherung und Bewertung der Hochschulbildung in Europa" - Kommissionsdokument.
                                                      ^
 ---pagebreak--- internationaler Organisationen und über deren Projekte im Bereich der Qualitätssicherung
und Qualitätsevaiuierung in der Hochschulbildung. Als allgemeines Ergebnis dieser Studie
kann festgehalten werden, daß initiativen zur Steigerung der Qualität des
Biidungsangebots der Hochschulen durch die einschlägigen Nichtregierungsorganisationen
zahlreich und äußerst interessant sind, leider aber auch sehr punktuell. Eine engere
Zusammenarbeit mit diesen Organisationen und ihre Beteiligung an dem
Qualitätssicherungsnetz würde nicht nur dazu beitragen, die Interessen in diesem Bereich
besser aufeinander abzustimmen und Multiplikatorwirkungen zu erzielen; die Kooperation
würde vor allem auch für Transparenz sorgen - in einem Bereich, in dem der Überblick
leicht verloren gehen kann, wenn zu viele verschiedene Netze mit unterschiedlichen
Dimensionen und auf verschiedenen Ebenen nebeneinander operieren.
 ---pagebreak---       VORSCHLAG FÜR EINE
     EMPFEHLUNG DES RATES
                ZU
EUROPÄISCHER ZUSAMMENARBEIT
              INDER
   SICHERUNG DER QUALITÄT
               DER
       HOCHSCHULBILDUNG
   (Von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---  DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION,
Gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere seine
Artikel 126 und 127,
Auf Vorschlag der Kommission1 ],
 Nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses12
 Nach Stellungnahme des Ausschusses der Regionen13,
gemäß dem Verfahren des Artikels 189c des Vertrags14,
In Erwägung nachstehender Gründe:
Alle Mitgliedstaaten bemühen sich darum, eine qualitativ hochstehende allgemeine und
berufliche Bildung zu sichern, und die Gemeinschaft ist aufgefordert, zu diesen Anstrengungen
beizutragen, indem sie die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten fördert und indem sie
deren Tätigkeit unter strikter Beachtung ihrer Verantwortung für die Lehrinhalte und die
Organisation ihrer Bildungssysteme sowie ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt
erforderlichenfalls unterstützt und ergänzt.
In seinen Schlußfolgerungen vom 25. November 1991 1 5 hat der Rat festgestellt, daß die
Verbesserung der Qualität der Lehre im Hochschulbereich ein Anliegen ist, das alle
Mitgliedstaaten und alle Hochschulen der Europäischen Gemeinschaft teilen. Angesichts der
nationalen Methodenvieifalt der Qualitätsbewertungsverfahren seien die auf nationaler Ebene
gesammelten Erfahrungen durch europäische Erfahrungen ergänzbar, die durch eine begrenzte
Zahl von Pilotprojekten zu gewinnen seien, die auf die Herstellung oder Verbesserung von
Zusammenarbeit in diesem Bereich gerichtet sein sollten.
Die Entwicklungen in den Mitgliedstaaten und deren Aktivitäten haben ebenso wie die
transnationale Zusammenarbeit und die Mobilität von Studenten und Lehrkräften (insbesondere
in Gemeinschaftsprogrammen wie dem SOKRATES-Programm und dessen ERASMUS-Teil) die
europäischen Hochschulen für das Problem der Anerkennung der Qualität von Studien im
Ausland und für deren Vergleich mit der Qualität ihrer eigenen Systeme sensibilisiert.
In einem der wichtigsten Themenbereiche im dem Problemaufriß, der aus den Antworten zum
Memorandum der Kommission über den Hochschulunterricht16 zusammengestellt wurde, wird
betont, daß die frühere Vorstellung von einer qualitativ begründeten Hierarchie zwischen den
Hochschulen, deren jeweilige Diplome traditionell für bestimmte Eintrittsrechte in die
Gesellschaft standen, mehr und mehr veraltet. Es besteht jetzt eher die Tendenz, eine hohe
Qualität auf allen Ebenen des Bildungssystems und für jede einzelne Hochschule für wichtig zu
erachten. Qualität soilte auf allen Stufen und in allen Sektoren gewährleistet sein, Unterschiede
sollten sich auf Ziele, Methoden und die Art der Biidungsnachfrage beschränken. Gegenüber
der Einführung effizienter und annehmbarer Qualitätsbewertungsmethoden, die sich auf
 1
   1 Abi. Nr. ...
 12
     Abi. Nr. ...
 13
     Abi. Nr. ...
 14
 15
     Abi. Nr. C 321 vom 12. Dezember 1991, S. 2
 16
     Welche Zukunft für den Hochschulunterricht in der Europäischen Gemeinschaft? Antworten zum
     Memorandum, Studie Nr. 2 der Task Force Humanressourcen, allgemeine und berufliche Bildung und ]ugend,
     Luxemburg, 1993
 ---pagebreak--- europäische Zusammenarbeit und transnationalen Erfahrungsaustausch gründen und ihre
Bedeutung für strategisches Management wie auch ihre kulturelle Dimension deutlich machen,
wurde erstmals eine positive Haltung festgestellt.
Aus einer Kommissions-Studie17 über die Lage im Bereich der Qualitätssicherung in den
Mitgliedstaaten geht hervor, daß die damals neuen Systeme zur Qualitätssicherung gewisse
gemeinsame Elemente beinhalteten. Die beiden anschließend in diesem Bereich durchgeführten
Piiotprojekte beruhten auf diesem Kern gemeinsamer methodologischer Elemente. Sie
erprobten diese gemeinsame Methode erfolgreich und haben gezeigt, daß alle Beteiligten
lebhaft an einem Erfahrungsaustausch parallel zur Neuorganisation der Hochschulbildung im
allgemeinen und zur Entwicklung von                 Qualitätsbewertung und Qualitätssicherung im
besonderen interessiert sind 18 .
Die Hochschulen müssen nicht nur den akademischen und beruflichen Herausforderungen einer
weitweiten "Wissensgesellschaft" gerecht werden, sie müssen im nationalen Zusammenhang
auch Antworten auf soziale Probleme geben. Um die Qualität der Lehre zu sichern, bemühen
sie sich darum, durch die Entwicklung neuer Initiativen den von ihnen angebotenen Leistungen
die erforderlichen Eigenschaften zu verleihen (als einzelne Hochschule oder in Zusammenarbeit
mit Zusammenschlüssen von Hochschulen).
Die immer nachhaltiger wirkenden Zwänge der Öffnung des Weltmarktes einerseits und die der
Massenuniversität andererseits stellen die Hochschulverwaltungen aller Mitgliedstaaten vor die
Aufgabe, ihre Hochschulsysteme und deren Verhältnis zu Staat und Gesellschaft auf eine Art
neu zuzuschneiden, die die bestehenden akademischen Normen und Werte respektiert und die
Autonomie und Verantwortung der Hochschulen stärkt.
Aus der Diskussion zur Mitteilung der Kommission vom 13. Februar 1 9 9 4 1 9 geht hervor, daß
die Mitgliedstaaten derzeit die Schaffung von Systemen zur Verbesserung der gegenseitigen
Anerkennung von akademischen und beruflichen Qualifikationen oder deren Verbesserung
planen. Qualitätssicherung der Lehre kann den Hochschulen die nötige Flexibilität verleihen und
zu ihrer Modernisierung beitragen.
Das Weißbuch über Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung20 sieht das Fehlen
eines offenen Bildungsraums in der Gemeinschaft, das sich aus der mangelnden Transparenz der
Quaiifikationssysteme ergibt, als europäisches Manko an. Es vertritt die Auffassung, daß der
Reichtum der Nationen mehr und mehr auf der Schaffung und Nutzung von Wissen beruht und
daß zu den Schlüsselelementen der Wettbewerbsfähigkeit insbesondere die Qualität der
allgemeinen und beruflichen Bildung gehört sowie die Art und Weise, in der gesellschaftliche
Organisationen mit ihren Strategien auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren
vermögen.
Das Weißbuch "Lehren und Lernen"21 und das Konzept der "Kognitiven Gesellschaft", auf
dem es beruht, heben die Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung als "wichtigste Träger
von Identität, Zugehörigkeit, sozialem Aufstieg und persönlicher Entwicklung" sowie die
 17
     Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung im europäischen Hochschulunterricht. Methoden und
     Mechanismen, Studie Nr. 1 der Task Force Humanressourcen, allgemeine und berufliche Bildung und lügend,
     Luxemburg, 1993
 i 8 Informationsmitteilung zu den Ergebnissen der europäischen Pilotvorhaben zur Qualitätsbewertung im
     Hochschulunterricht (SEC(96) 800), dem Ministerrat am 6. Mai 1996 von der Kommission vorgelegt
 19
     KOM(94) 596endg.
 20
     Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung. Herausforderung der Gegenwart und Wege ins XXIe
     ]ahrhundert, Weißbuch, Brüssel, Luxemburg 1994, S. 145, 83
 21
     Lehren und Lernen - Auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft, Weißbuch, Brüssel Luxemburg 1995, S. 17
 ---pagebreak--- Tatsache hervor, daß "die Stellung des Einzelnen innerhalb der gesellschaftlichen Beziehungen
zunehmend von seiner Fähigkeit zum Lernen und der Beherrschung von Grundkenntnissen
bestimmt" wird. Die sozialen und kulturellen Funktionen der Bildung einerseits und ihre
wirtschaftliche Funktion andererseits hängen unauflöslich miteinander zusammen, was bedeutet,
daß auch die Qualität der allgemeinen und beruflichen Bildung multidimensiona! und von
lebenswichtiger Bedeutung für die europäischen Bürger ist.
Das Grünbuch der Kommission über die grenzüberschreitende Mobilität22 wirft ein Schlaglicht
auf die Schwierigkeiten, denen die Studenten begegnen, die transnational studieren wollen. Es
wird hervorgehoben, daß diese Art von grenzüberschreitender Mobilität für eine qualitativ
hochstehende Bildung wesentlich ist, die die Individuen in den Stand setzt, europäischen und
weitweiten Anforderungen zu genügen und von der Freizügigkeit in der Gemeinschaft zu
profitieren.
I. EMPFIEHLT DEN MITGLIEDSTAATEN:
     A. Unter Berücksichtigung ihrer Verantwortung                       für die Organisation           ihrer
          Hochschulsysteme          Schaffung        transparenter         Qualitätsevaluierungs-        und
          Qualitätssicherungssysteme mit dem Zweck,
          - die Qualität der Hochschulbildung unter Berücksichtigung der europäischen
              Dimension und weltweiter Anforderungen entsprechend den jeweiligen
              wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bedingungen ihrer Länder zu sichern;
              die Hochschulen dabei zu unterstützen, Qualltätsslcherungstechniken als
              Steuerungsmechanismen zu nutzen, die ihre organisatorische Flexibilität zu ständiger
              Verbesserung in einer sich rasch verändernden Umwelt gewährleisten;
          - sie als Brückenköpfe für die europäische und weltweite Zusammenarbeit fungieren
              zu lassen, um wechselseitig aus den Erfahrungen zu lernen, die mit der Erfüllung der
              beiden zuvor genannten Aufgaben gemacht werden.
     B. Aufbau der Qualitätsevaluierungs- und Qualitätssicherungssysteme auf folgenden
          Prinzipien:
          Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der mit der Qualitätsbewertung und -Sicherung
          beauftragten Stellen
          Diese Stellen müssen sowohl gegenüber den politischen Kräften als auch gegenüber den
          Hochschulen eigenständig und unabhängig sein, was Verfahrensweisen und Methoden
          betrifft.
          Die Bewertungsverfahren müssen dem Profil der Hochschulen angepaßt sein und ihrer
          Autonomie gerecht werden.
          Alle Qualitätsevaluierungs- und Qualitätssicherungsverfahren müssen vom institutionellen
          Selbstverständnis der Hochschulen ausgehen, insbesondere von der Art, wie die
          Hochschulen ihre Aufgabe als Ganze ebenso wie auf der Ebene der Fakultäten und Fächer
          definieren, um vielfältige Antworten des Bildungsbereichs                  auf     verschiedenartige
          gesellschaftliche Bedarfe und Bedürfnisse zuzulassen.
22
    Grünbuch - Allgemeine und berufliche Bildung, Forschung, Hindernisse für die grenzüberschreitende Mobilität.
    KOM(96) 462 endg.
 ---pagebreak---           Interne und externe Verfahrenselemente
          Alle Verfahren zur Qualitätsbewertung und Qualitätssicherung sollten eine interne,
          selbstreflexive Komponente und eine externe, auf dem Urteil externer Sachverständiger
          basierende Komponente haben.
          Beteiligung aller Betroffenen
          Die internen Verfahrenselemente sollten alle relevanten Akteure der Hochschulen am
          Prozeß der Reflexion beteiligen, insbesondere diejenigen Lehr- und Verwaltungskräfte, die
         für die akademische und berufsausbildungsbezogene Orientierung der Hochschulen
          verantwortlich sind, ebenso wie die Studenten.
          Die externen Verfahrenselemente sollten ein Prozeß kooperativer Einholung und Erteilung
          von Ratschlägen zwischen unabhängigen externen Sachverständigen und den Akteuren der
          jeweiligen Hochschule sein.
          Ehemalige Studenten, die Sozialpartner, Berufsvereinigungen und andere interessierte
          soziale Gruppen sollten in den externen Sachverständigengruppen vertreten sein, um die
          Berücksichtigung einschlägiger sozialer und beruflicher Kriterien zu gewährleisten.
          Es empfiehlt sich, ausländische Sachverständige aus anderen Mitgliedstaaten in die
          externen Expertengruppen aufzunehmen. Sie können zur Qualitätsbewertung und -
          Sicherung beitragen, indem sie mit den Praktiken anderer Länder bekannt machen, indem
          sie das, was sie beobachten, mit den Standards anderer Länder in Beziehung setzen und
           indem sie zum gegenseitigen kulturellen Verständnis beitragen.
           Veröffentlichung von Bewertungsberichten
           Die Berichte über Ergebnisse von Qualitätsbewertungs- und sicherungsverfahren sind in
           einer dem jeweiligen Mitgliedstaat gemäßen Form zu veröffentlichen und sollten für
           Kooperationspartner und für die interessierte Öffentlichkeit ein zuverlässiges
           Bezugsmaterial darstellen.
    C.     Sicherstellung von Folgemaßnahmen auf nationaler, regionaler oder anderer Ebene, die
           es den Hochschulen erlauben, ihre Pläne zur Verbesserung der Qualität und zur
           besseren Eingliederung der Hochschulabsolventen in den Arbeitsmarkt umzusetzen.
    D.     Einräumung einer hohen Priorität für den ständigen Erfahrungsaustausch und die
           Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedstaaten sowie mit internationalen
           Hochschulverbänden und -Organisationen durch behördliche Stellen und
           Hochschulleitungen bei der Qualitätsbewertung und -Sicherung.
II.        UND SPRICHT ZU DIESEM ZWECK FOLGENDE AUFFORDERUNGEN AN DIE KOMMISSION
           AUS:
       1. Unterstützung der Errichtung eines "Europäischen Netzwerks für Qualitätssicherung",
           das einerseits aus den für die Qualitätsbewertung und -Sicherung zuständigen und von
           den Mitgliedstaaten benannten Stellen, andererseits aus Organisationen und
           Zusammenschlüssen in der Europäischen Gemeinschaft besteht, die über
           Qualitätsevaluierungs-oder Qualitätssicherungserfahrungen        im Hochschulbereich
           verfügen.
           Dieses "Netzwerk" könnte unter anderem folgende Aufgaben haben:
                                                      •11
 ---pagebreak--- a)  Informations- und Erfahrungsaustausch durch Organisation            europäischer
    Konferenzen und Workshops sowie mit Hilfe neuer Technologien;
b)  technische Unterstützung von Behörden einzelner Mitgliedstaaten bei konkreten
    Projekten zur Einrichtung oder Verbesserung von Verfahren und Mechanismen
    zur Qualitätsbewertung und -Sicherung;
c)  Unterstützung von Gruppen von Hochschulen aus verschiedenen Mitgliedstaaten,
    die gemeinsam an einem Qualitätsbewertungs oder -sicherungsverfahren
    teiinehmen wollen, insbesondere im Rahmen der "Thematischen Netze" des
    ERASMUS-Kapitels des SOKRATES-Programms;
d)  sonstige Unterstützung von Hochschulen, beispielsweise durch Weitergabe von
    Informationen über neue methodologische Entwicklungen und von Beispielen
    guter Praxis, durch Kontakterleichterung zu internationalen Sachverständigen
    durch Bildung eines "Pools" oder durch Erstellung eines "Baukastensystems" mit
    verschiedenen methodologischen Instrumenten zur Erlangung von Informationen
    wie sie für Qualitätsevaluierung und -Sicherung gebraucht werden;
e)  Herstellung von Verbindungen zwischen der Qualitätssicherung und anderen
    Gemeinschaftaktivitäten, die insbesondere im Rahmen des SOKRATES-und des
    LEONARDO DA VINCl-Programms entwickelt worden sind, ebenso wie mit der
    Anerkennung von Qualifikationen auf europäischer Ebene;
f)  Entwicklung von Methoden zur besseren Eingliederung der Hochschulabsolventen
    in den europäischen Arbeitsmarkt.
Das "Europäische Netzwerk für Qualitätssicherung" wird im Rahmen der Aufgaben
und der normalen Antragsverfahren der Programme SOKRATES und LEONARDO
DA VINCI zuschußberechtigt sein. Eine reale Einbeziehung und aktive Mitwirkung von
Unternehmen bei der Qualitätssicherung der Hochschulbildung ist im Falle des
LEONARDO DA VINCI-Programms Voraussetzung, ist aber auch im Falle des
SOKRATES-Programms wünschenswert.
Jeweils nach zwei Jahren Vorlage von Berichten an den Rat, das Europäische Parlament
und andere Institutionen der Europäischen Gemeinschaft über die Entwicklung der
Qualitätsbewertungs- und Sicherungssysteme in den Mitgliedstaaten und über die
europäischen Kooperationsaktivitäten in diesem Bereich.
Unterbreitung angemessener Vorschläge zur weiteren Verbesserung der
Qualitätssicherung der Hochschulbildung entsprechend den Schlußfolgerungen dieser
Berichte.
                                     /M
 ---pagebreak---                                                                     ISSN 0254-1467
                                                       KOM(97)159endg.
                                         DOKUMENTE
DE                                                                              16
                                    Katalognummer : CB-CO-97-147-DE-C
                                                            ISBN 92-78-18317-2
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg
                                          u