CELEX: 62006TJ0409
Language: de
Date: 2010-03-04 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts (Achte Kammer) vom 4. März  2010. # Sun Sang Kong Yuen Shoes Factory (Hui Yang) Corp. Ltd gegen Rat der Europäischen Union. # Dumping - Einfuhren von Schuhen mit Oberteil aus Leder mit Ursprung in der Volksrepublik China und Vietnam - Status eines unter marktwirtschaftlichen Bedingungen tätigen Unternehmens - Stichprobenauswahl - Mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit - Verteidigungsrechte - Schädigung - Begründungspflicht. # Rechtssache T-409/06.

Rechtssache T‑409/06
      Sun Sang Kong Yuen Shoes Factory (Hui Yang) Corp. Ltd
      gegen
      Rat der Europäischen Union
      „Dumping – Einfuhren von Schuhen mit Oberteil aus Leder mit Ursprung in China und Vietnam – Status eines unter marktwirtschaftlichen Bedingungen tätigen Unternehmens – Stichprobenauswahl – Mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit – Verteidigungsrechte – Schädigung – Begründungspflicht“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Dumpingpraktiken – Dumpingspanne – Bestimmung des Normalwerts – Verwendung der verfügbaren
            Informationen im Fall mangelnder Bereitschaft des Unternehmens zur Mitarbeit
      (Verordnung Nr. 384/96 des Rates, Art. 18)
      2.      Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Dumpingpraktiken – Antidumpingverfahren – Verteidigungsrechte – Endgültige Unterrichtung
            der Unternehmen durch die Kommission
      (Verordnung Nr. 384/96 des Rates, Art. 20 Abs. 2 und 4)
      3.      Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verteidigungsrechte – Wahrung im Rahmen von Verwaltungsverfahren – Antidumping – Verpflichtung
            der Organe zur Unterrichtung der betroffenen Unternehmen – Ergänzendes Dokument zur endgültigen Unterrichtung
      (Verordnung Nr. 384/96 des Rates, Art. 20 Abs. 5)
      4.      Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Dumpingpraktiken – Schädigung – Zu berücksichtigender Zeitraum
      (Verordnung Nr. 384/96 des Rates, Art. 3 Abs. 2)
      5.      Gemeinsame Handelspolitik – Schutz gegen Dumpingpraktiken – Dumpingspanne – Vergleich zwischen dem Normalwert und dem Ausfuhrpreis
      (Verordnung Nr. 384/96 des Rates, Art. 2 Abs. 10)
      1.      Art. 18 der Antidumping-Grundverordnung Nr. 384/96 stellt die Umsetzung von Nr. 6.8 und des Anhangs II des Übereinkommens
         zur Durchführung des Artikels VI des Allgemeinen Zoll‑ und Handelsabkommens 1994 in das Gemeinschaftsrecht dar und ist nach
         Möglichkeit im Licht dieser Bestimmungen auszulegen. Dazu ist zu bemerken, dass der Rückgriff auf verfügbare Daten gerechtfertigt
         ist, wenn sich ein Unternehmen weigert, mitzuarbeiten, oder wenn es unwahre oder irreführende Informationen vorlegt, denn
         Art. 18 Abs. 1 Satz 2 der Grundverordnung setzt kein vorsätzliches Handeln voraus.
      
      Das Ausmaß der Bemühungen, die eine interessierte Partei im Hinblick auf die Übermittlung bestimmter Auskünfte unternimmt,
         hängt nämlich nicht unbedingt mit der Qualität der gewährten Auskünfte zusammen und ist auf jeden Fall nicht das einzig maßgebliche
         Kriterium. Die Kommission ist daher, wenn sie die erbetenen Auskünfte letztlich nicht erhalten hat, berechtigt, auf verfügbare
         Daten zu den erbetenen Auskünften zurückzugreifen.
      
      Für diese Auffassung spricht Art. 18 Abs. 3 der Grundverordnung, wonach die übermittelten Informationen, wenn sie sich nicht
         in jeder Hinsicht als vollkommen erweisen, nicht unberücksichtigt bleiben, sofern sie angemessene und zuverlässige Feststellungen
         nicht über Gebühr erschweren und sofern sie fristgerecht übermittelt werden, nachprüfbar sind und die interessierte Partei
         nach besten Kräften gehandelt hat. Die Tatsache, nach besten Kräften gehandelt zu haben, ist daher eine der Voraussetzungen
         für die Verpflichtung der Kommission, mit Mängeln behaftete Informationen zu berücksichtigen.
      
      Übermittelt daher ein Hersteller, der einem Antidumpingverfahren unterzogen wurde, der Kommission im Laufe des Verwaltungsverfahrens
         widersprüchliche Daten über seine Ausfuhrverkäufe, obwohl er Daten über seine sämtlichen Ausfuhren in die Gemeinschaft besitzt,
         so kann nicht davon die Rede sein, dass er nach besten Kräften gehandelt hat. Die Kommission ist unter diesen Umständen nicht
         verpflichtet, zum Zweck der Ermittlung der Ausfuhrpreise Listen der auf dem Gemeinschaftsmarkt getätigten Verkäufe zu berücksichtigen,
         wenn die Verwendung sämtlicher darin enthaltenen Daten zwangsläufig zu einem falschen Ergebnis geführt hätte.
      
       (vgl. Randnrn. 103-106)
      2.      Die Unternehmen, die von einem dem Erlass einer Antidumpingverordnung vorausgehenden Untersuchungsverfahren betroffen sind,
         müssen im Laufe des Verwaltungsverfahrens in die Lage versetzt worden sein, ihren Standpunkt zur Richtigkeit und Erheblichkeit
         der behaupteten Tatsachen und Umstände sowie zu den Beweisen, auf die die Kommission ihre Beurteilung des Vorliegens einer
         Dumpingpraktik und der daraus resultierenden Schädigung stützt, sachgerecht zu vertreten.
      
      In diesem Zusammenhang führt die Unvollständigkeit der von den Parteien gemäß Art. 20 Abs. 2 der Antidumping-Grundverordnung
         Nr. 384/96 begehrten endgültigen Unterrichtung nur dann zur Rechtswidrigkeit einer Verordnung zur Einführung endgültiger Antidumpingzölle,
         wenn die betroffenen Parteien aufgrund dieses Versäumnisses nicht in der Lage gewesen sind, ihre Interessen sachgerecht zu
         verteidigen. Das wäre insbesondere dann der Fall, wenn sich das Versäumnis auf als die für die vorläufigen Maßnahmen herangezogenen
         andere Tatsachen und Erwägungen bezöge, denen gemäß der genannten Vorschrift bei der endgültigen Unterrichtung besondere Aufmerksamkeit
         zu schenken ist. Es ist, wie sich aus Art. 20 Abs. 4 Satz 4 der Grundverordnung ergibt, auch dann der Fall, wenn sich das
         Versäumnis auf andere Tatsachen oder Erwägungen stützt als die, auf denen ein nach Übermittlung des Dokuments zur endgültigen
         Unterrichtung ergangener Beschluss der Kommission oder des Rates beruht.
      
      Die Tatsache, dass die Kommission ihre Analyse aufgrund der Bemerkungen geändert hat, die ihr von den betroffenen Parteien
         zum Dokument zur endgültigen Unterrichtung übermittelt worden waren, stellt als solche jedoch keine Verletzung der Verteidigungsrechte
         dar. Aus Art. 20 Abs. 4 Satz 4 der Grundverordnung ergibt sich nämlich, dass das Dokument zur endgültigen Unterrichtung einem
         etwaigen späteren Beschluss der Kommission oder des Rates nicht vorgreift. Diese Vorschrift gebietet der Kommission lediglich,
         so bald wie möglich die Tatsachen und Erwägungen mitzuteilen, die von denen abweichen, auf die sie ihren im Dokument zur endgültigen
         Unterrichtung enthaltenen ursprünglichen Vorschlag gestützt hat. Um festzustellen, ob die Kommission die in Art. 20 Abs. 4
         Satz 4 der Grundverordnung festgelegten Rechte der betroffenen Parteien berücksichtigt hat, ist folglich des Weiteren zu prüfen,
         ob die Kommission ihnen die Tatsachen und Erwägungen, die der neuen Analyse der Schädigung und der Form der zu ihrer Beseitigung
         erforderlichen Maßnahmen zugrunde gelegt wurden, mitgeteilt hat, soweit diese Tatsachen und Erwägungen von denen abweichen,
         die im Dokument zur endgültigen Unterrichtung zugrunde gelegt worden waren.
      
      (vgl. Randnrn. 134-135, 140-141)
      3.      Die Kommission hat dadurch, dass sie einem Hersteller, der einem Antidumpingverfahren unterzogen wurde, eine Frist von weniger
         als zehn Tagen eingeräumt hat, um sich zu dem ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung zu äußern, gegen Art. 20
         Abs. 5 der Antidumping-Grundverordnung Nr. 384/96 verstoßen. Dieser Umstand allein kann jedoch nicht zur Nichtigerklärung
         der angefochtenen Verordnung führen. Es ist nämlich noch zu prüfen, ob der Umstand, dass die ihm zur Verfügung stehende Frist
         kürzer war als die gesetzliche Frist, geeignet war, seine Verteidigungsrechte im Rahmen des betreffenden Verfahrens konkret
         zu beeinträchtigen.
      
      (vgl. Randnr. 147)
      4.      Die Einführung von Antidumpingzöllen stellt keine Sanktion für ein früheres Verhalten dar, sondern eine Verteidigung-. und
         Schutzmaßnahme gegen den unlauteren Wettbewerb, der sich aus Dumpingpraktiken ergibt. Die Untersuchung ist daher auf der Grundlage
         möglichst aktueller Daten durchzuführen, damit die Antidumpingzölle festgesetzt werden können, die der Schutz des Wirtschaftszweigs
         der Gemeinschaft gegen Dumpingpraktiken erfordert.
      
      Wenn die Gemeinschaftsorgane feststellen, dass die Einfuhren eines Produkts, das bislang mengenmäßigen Beschränkungen unterlag,
         nach Auslaufen dieser Beschränkungen zunehmen, können sie diese Zunahme bei ihrer Beurteilung der Schädigung des Wirtschaftszweigs
         der Gemeinschaft berücksichtigen.
      
      5.      Wenn in einem Antidumpingverfahren die betroffene Ware eine Vielzahl von in Bezug auf ihre Merkmale und ihre Preise sehr unterschiedlichen
         Gütern umfasst, kann es unerlässlich sein, sie in mehr oder weniger homogenen Gruppen zusammenzufassen. Dieses Vorgehen hat
         den Zweck, einen angemessenen Vergleich zwischen vergleichbaren Waren zu ermöglichen und dadurch eine fehlerhafte Berechnung
         der Dumpingspanne und der Schädigung durch ungeeignete Vergleiche zu verhindern.
      
      (vgl. Randnr. 172)
URTEIL DES GERICHTS (Achte Kammer)
      4. März 2010(*)
      
      „Dumping – Einfuhren von Schuhen mit Oberteil aus Leder mit Ursprung in China und Vietnam – Status eines unter marktwirtschaftlichen Bedingungen tätigen Unternehmens – Stichprobenauswahl – Mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit – Verteidigungsrechte – Schädigung – Begründungspflicht“
      In der Rechtssache T‑409/06
      Sun Sang Kong Yuen Shoes Factory (Hui Yang) Corp. Ltd mit Sitz in Hui Yang City (China), Prozessbevollmächtigte: I. MacVay, Solicitor, R. Thompson, QC, und K. Beal, Barrister,
      
      Klägerin,
      gegen
      Rat der Europäischen Union, vertreten durch J.‑P. Hix als Bevollmächtigten im Beistand von Rechtsanwalt G. Berrisch,
      
      Beklagter,
      unterstützt durch
      Europäische Kommission, vertreten durch H. van Vliet und T. Scharf als Bevollmächtigte,
      
      Confédération européenne de l’industrie de la chaussure (CEC) mit Sitz in Brüssel (Belgien), Prozessbevollmächtigte: zunächst Rechtsanwälte P. Vlaemminck, G. Zonnekeyn und S. Verhulst,
         dann Rechtsanwälte P. Vlaemminck und A. Hubert, 
      
      und
      BA.LA. di Lanciotti Vittorio & C. Sas mit Sitz in Monte Urano (Italien) und 16 weitere, im Anhang namentlich aufgeführte Streithelferinnen, Prozessbevollmächtigte:
         Rechtsanwälte G. Celona, P. Tabellini und C. Cavaliere, 
      
      Streithelferinnen,
      wegen Klage auf Teilnichtigerklärung der Verordnung (EG) Nr. 1472/2006 des Rates vom 5. Oktober 2006 zur Einführung eines
         endgültigen Antidumpingzolls und zur endgültigen Vereinnahmung des vorläufigen Zolls auf die Einfuhren bestimmter Schuhe mit
         Oberteil aus Leder mit Ursprung in der Volksrepublik China und Vietnam (ABl. L 275, S. 1), soweit die Verordnung die Klägerin
         betrifft,
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Achte Kammer)
      unter Mitwirkung der Präsidentin E. Martins Ribeiro sowie der Richter S. Papasavvas (Berichterstatter) und A. Dittrich,
      Kanzler: C. Kantza, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 18. Februar 2009
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1        Art. 1 Abs. 1, 2 und 4 der Verordnung (EG) Nr. 384/96 des Rates vom 22. Dezember 1995 über den Schutz gegen gedumpte Einfuhren
         aus nicht zur Europäischen Gemeinschaft gehörenden Ländern (ABl. 1996, L 56, S. 1) in geänderter Fassung (im Folgenden: Grundverordnung)
         bestimmt:
      
      „(1)      Ein Antidumpingzoll kann auf jede Ware erhoben werden, die Gegenstand eines Dumpings ist und deren Überführung in den zollrechtlich
         freien Verkehr in der Gemeinschaft eine Schädigung verursacht.
      
      (2)      Eine Ware gilt als gedumpt, wenn ihr Preis bei der Ausfuhr in die Gemeinschaft niedriger ist als der vergleichbare Preis der
         zum Verbrauch im Ausfuhrland bestimmten gleichartigen Ware im normalen Handelsverkehr.
      
      …
      (4)      Im Sinne dieser Verordnung gilt als ‚gleichartige Ware‘ eine Ware, die mit der betreffenden Ware identisch ist, d. h., ihr
         in jeder Hinsicht gleicht, oder, wenn es eine solche Ware nicht gibt, eine andere Ware, die zwar der betreffenden Ware nicht
         in jeder Hinsicht gleicht, aber Merkmale aufweist, die denen der betreffenden Ware sehr ähnlich sind.“
      
      2        Art. 2 Abs. 1 Unterabs. 1 der Grundverordnung sieht vor: „Der Normalwert stützt sich normalerweise auf die Preise, die im
         normalen Handelsverkehr von unabhängigen Abnehmern im Ausfuhrland gezahlt wurden oder zu zahlen sind.“
      
      3        Hinsichtlich der Voraussetzungen für die Zuerkennung des Status eines unter marktwirtschaftlichen Bedingungen tätigen Unternehmens
         (im Folgenden: MWS) bestimmt Art. 2 Abs. 7 Buchst. b der Grundverordnung:
      
      „In Antidumpinguntersuchungen betreffend Einfuhren aus … der Volksrepublik China … wird der Normalwert gemäß den Absätzen
         1 bis 6 ermittelt, sofern auf der Grundlage ordnungsgemäß begründeter Anträge des oder der von der Untersuchung betroffenen
         Hersteller(s) … nachgewiesen wird, dass für diesen oder diese Hersteller bei der Fertigung und dem Verkauf der betreffenden
         gleichartigen Ware marktwirtschaftliche Bedingungen herrschen. Andernfalls findet Buchstabe a) Anwendung.“ 
      
      4        Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung lautet: 
      
      „Ein Antrag im Sinne von [Art. 2 Abs. 7 Buchst. b] muss schriftlich gestellt werden und ausreichendes Beweismaterial dahin
         gehend enthalten, dass der Hersteller unter marktwirtschaftlichen Bedingungen tätig ist, d. h., wenn folgende Kriterien erfüllt
         sind:
      
      –        Die Unternehmen treffen ihre Entscheidungen über die Preise, Kosten und Inputs, einschließlich beispielsweise der Rohstoffe,
         der Kosten von Technologie und Arbeitskräften, Produktion, Verkäufen und Investitionen auf der Grundlage von Marktsignalen,
         die Angebot und Nachfrage widerspiegeln, und ohne nennenswerte diesbezügliche Staatseingriffe; dabei müssen die Kosten der
         wichtigsten Inputs im Wesentlichen auf Marktwerten beruhen;
      
      …
      Eine Entscheidung darüber, ob der Hersteller den vorstehend aufgeführten Kriterien entspricht, erfolgt innerhalb von drei
         Monaten ab dem Beginn der Untersuchung, nach besonderer Anhörung des Beratenden Ausschusses und nach Ermöglichung der Stellungnahme
         seitens des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft. Diese Entscheidung bleibt sodann während der gesamten Untersuchung gültig.“
      
      5        Art. 9 Abs. 5 Unterabs. 2 und Abs. 6 der Grundverordnung bestimmt:
      
      „(5)      …
      Findet Artikel 2 Absatz 7 Buchstabe a) Anwendung, so werden jedoch unternehmensspezifische Zölle für diejenigen Ausführer
         festgesetzt, die anhand ordnungsgemäß begründeter Anträge Folgendes nachweisen:
      
      a)      Die Ausführer können, sofern es sich um ganz oder teilweise in ausländischem Eigentum befindliche Unternehmen oder Joint Ventures
         handelt, Kapital und Gewinne frei zurückführen.
      
      b)      Die Ausfuhrpreise und -mengen sowie die Verkaufsbedingungen werden frei festgelegt.
      c)      Die Mehrheit der Anteile ist im Besitz von Privatpersonen. Staatliche Vertreter, die im Leitungsgremium sitzen oder Schlüsselpositionen
         im Management bekleiden, sind entweder in der Minderheit, oder das Unternehmen ist dennoch nachweislich von staatlichen Eingriffen
         hinreichend unabhängig.
      
      d)      Währungsumrechnungen erfolgen zu Marktkursen, und
      e)      der Staat nimmt nicht in einem solchen Maße Einfluss, dass Maßnahmen umgangen werden können, wenn für einzelne Ausführer unterschiedliche
         Zollsätze festgesetzt werden.
      
      (6)      Wenn die Kommission ihre Untersuchung gemäß Artikel 17 beschränkt hat, dürfen die Antidumpingzölle auf die Einfuhren von Ausführern
         oder Herstellern, die sich gemäß Artikel 17 selbst gemeldet haben, aber nicht in die Untersuchung einbezogen wurden, die gewogene
         durchschnittliche Dumpingspanne nicht übersteigen, die für die Stichprobenauswahl ermittelt wurde. ... Auf die Einfuhren von
         den Ausführern oder Herstellern, denen gemäß Artikel 17 eine individuelle Behandlung gewährt wird, werden individuelle Zölle
         angewandt.“
      
      6        Art. 2 Abs. 8 und 9 Unterabs. 1 der Grundverordnung bestimmt:
      
      „(8)      Der Ausfuhrpreis ist der tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis der zur Ausfuhr aus dem Ausfuhrland in die Gemeinschaft
         verkauften Ware.
      
      (9)      Gibt es keinen Ausfuhrpreis …, so kann er auf der Grundlage des Preises errechnet werden, zu dem die eingeführten Waren erstmals
         an einen unabhängigen Käufer weiterverkauft werden, oder, wenn die Waren nicht an einen unabhängigen Käufer oder nicht in
         dem Zustand weiterverkauft werden, in dem sie eingeführt wurden, auf jeder anderen angemessenen Grundlage.“ 
      
      7        Art. 2 Abs. 10 Unterabs. 1 der Grundverordnung lautet:
      
      „Zwischen dem Ausfuhrpreis und dem Normalwert wird ein gerechter Vergleich durchgeführt. Dieser Vergleich erfolgt auf derselben
         Handelsstufe und unter Zugrundelegung von Verkäufen, die zu möglichst nahe beieinander liegenden Zeitpunkten getätigt werden,
         sowie unter gebührender Berücksichtigung anderer Unterschiede, die die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussen. Ist die Vergleichbarkeit
         der auf diese Weise ermittelten Normalwerte und Ausfuhrpreise nicht gegeben, werden, auf Antrag, jedes Mal gebührende Berichtigungen
         für Unterschiede bei Faktoren vorgenommen, die nachweislich die Preise und damit die Vergleichbarkeit der Preise beeinflussen.
         …“
      
      8        Art. 2 Abs. 11 der Grundverordnung bestimmt:
      
      „Vorbehaltlich der einschlägigen Bestimmungen über einen gerechten Vergleich werden die Dumpingspannen im Untersuchungszeitraum
         normalerweise durch einen Vergleich des gewogenen durchschnittlichen Normalwerts mit dem gewogenen Durchschnitt der Preise
         aller Ausfuhrgeschäfte in die Gemeinschaft oder durch einen Vergleich der einzelnen Normalwerte und der einzelnen Preise bei
         der Ausfuhr in die Gemeinschaft je Geschäftsvorgang ermittelt. Der gewogene durchschnittliche Normalwert kann jedoch auch
         mit den Preisen aller Ausfuhrgeschäfte in die Gemeinschaft verglichen werden, wenn die Ausfuhrpreise je nach Käufer, Region
         oder Verkaufszeitraum erheblich voneinander abweichen und wenn die im ersten Satz dieses Absatzes genannten Methoden die Dumpingpraktiken
         nicht in vollem Umfang widerspiegeln würden. Dieser Absatz schließt eine Stichprobenauswahl gemäß Artikel 17 nicht aus.“ 
      
      9        Art. 3 Abs. 2, 3 und 6 der Grundverordnung bestimmt in Bezug auf die Feststellung einer Schädigung:
      
      „(2)      Die Feststellung einer Schädigung stützt sich auf eindeutige Beweise und erfordert eine objektive Prüfung a) des Volumens
         der gedumpten Einfuhren und ihrer Auswirkungen auf die Preise gleichartiger Waren auf dem Gemeinschaftsmarkt und b) der Auswirkungen
         dieser Einfuhren auf den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft.
      
      (3)      … Im Zusammenhang mit den Auswirkungen der gedumpten Einfuhren auf die Preise ist in Betracht zu ziehen, ob im Vergleich zu
         dem Preis einer gleichartigen Ware des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft eine erhebliche Preisunterbietung durch die gedumpten
         Einfuhren stattgefunden hat oder ob diese Einfuhren auf andere Weise einen erheblichen Preisrückgang verursacht oder Preiserhöhungen,
         die andernfalls eingetreten wären, deutlich verhindert haben. Weder eines noch mehrere dieser Kriterien sind notwendigerweise
         ausschlaggebend.
      
      …
      (6)      Aus allen einschlägigen gemäß Absatz 2 vorgelegten Beweisen muss hervorgehen, dass die gedumpten Einfuhren eine Schädigung
         im Sinne dieser Verordnung verursachen. Insbesondere gehört dazu der Nachweis, dass das gemäß Absatz 3 ermittelte Volumen
         und/oder Preisniveau für die in Absatz 5 genannten Auswirkungen auf den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft verantwortlich sind
         und dass diese Auswirkungen ein solches Ausmaß erreichen, dass sie als bedeutend bezeichnet werden können.“ 
      
      10      Gemäß dem letzten Satz von Art. 9 Abs. 4 der Grundverordnung „[darf d]er Betrag des Antidumpingzolls … die festgestellte Dumpingspanne
         nicht übersteigen, sollte aber niedriger sein als die Dumpingspanne, wenn ein niedrigerer Zoll ausreicht, um die Schädigung
         des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft zu beseitigen“.
      
      11      Bezüglich der Stichprobenauswahl bestimmt Art. 17 Abs. 1 und 3 der Grundverordnung:
      
      „(1)      In den Fällen, in denen die Anzahl der Antragsteller, der Ausführer oder der Einführer, der Warentypen oder der Geschäftsvorgänge
         sehr groß ist, kann die Untersuchung auf eine vertretbare Anzahl von Parteien, Waren oder Geschäftsvorgängen durch Stichproben,
         die nach den normalen statistischen Verfahren auf der Grundlage der zum Zeitpunkt der Auswahl zur Verfügung stehenden Informationen
         gebildet werden, oder auf das größte repräsentative Volumen von Produktion, Verkäufen oder Ausfuhren beschränkt werden, die
         in angemessener Weise in der zur Verfügung stehenden Zeit untersucht werden können. 
      
      …
      (3)      In den Fällen, in denen die Untersuchung gemäß diesem Artikel beschränkt wurde, wird dennoch eine individuelle Dumpingspanne
         für jeden ursprünglich nicht ausgewählten Ausführer oder Hersteller berechnet, der die erforderlichen Informationen innerhalb
         der durch diese Verordnung gesetzten Frist vorlegt, außer wenn die Anzahl der Ausführer oder der Hersteller so groß ist, dass
         individuelle Ermittlungen eine zu große Belastung darstellen und den fristgerechten Abschluss der Untersuchung verhindern
         würden.“
      
      12      Art. 18 Abs. 1, 3, 4 und 6 der Grundverordnung lautet:
      
      „(1)      Verweigert eine interessierte Partei den Zugang zu den erforderlichen Informationen oder erteilt sie nicht innerhalb der durch
         diese Verordnung gesetzten Fristen die erforderlichen Auskünfte oder behindert sie erheblich die Untersuchung, so können vorläufige
         oder endgültige positive oder negative Feststellungen auf der Grundlage der verfügbaren Fakten getroffen werden. Wird festgestellt,
         dass eine interessierte Partei unwahre oder irreführende Informationen vorgelegt hat, so werden diese Informationen nicht
         berücksichtigt, und die verfügbaren Informationen können zugrunde gelegt werden. Die interessierten Parteien sollten über
         die Folgen der mangelnden Bereitschaft zur Mitarbeit unterrichtet werden.
      
      …
      (3)      Erweisen sich die von einer interessierten Partei übermittelten Informationen nicht in jeder Hinsicht als vollkommen, so bleiben
         diese Informationen nicht unberücksichtigt, sofern die Mängel nicht derart sind, dass sie angemessene und zuverlässige Feststellungen
         über Gebühr erschweren, und sofern die Informationen in angemessener Weise und fristgerecht übermittelt werden, nachprüfbar
         sind und die interessierte Partei nach besten Kräften gehandelt hat.
      
      (4)      Werden Nachweise oder Informationen nicht akzeptiert, wird die Partei, die sie vorgelegt hat, unverzüglich über die Gründe
         unterrichtet und erhält die Möglichkeit, innerhalb der festgesetzten Frist weitere Erläuterungen zu geben. Werden die Erläuterungen
         nicht für ausreichend gehalten, so sind die Gründe für die Zurückweisung solcher Nachweise oder Informationen anzugeben und
         in veröffentlichten Feststellungen darzulegen.
      
      …
      (6)      Ist eine interessierte Partei nicht oder nur zum Teil zur Mitarbeit bereit und werden maßgebliche Informationen vorenthalten,
         so kann dies zu einem Ergebnis führen, das für diese Partei weniger günstig ist, als wenn sie mitgearbeitet hätte.“ 
      
      13      Anhang II Nr. 3 des Übereinkommens zur Durchführung des Artikels VI des Allgemeinen Zoll‑ und Handelsabkommens 1994 (GATT)
         (ABl. L 336, S. 103, im Folgenden: Antidumping-Kodex 1994), das dem Übereinkommen zur Errichtung der Welthandelsorganisation
         (WTO) als Anhang 1 A beigefügt ist (ABl. 1994, L 336, S. 3), bestimmt:
      
      „Bei den Feststellungen sollen alle überprüfbaren Informationen berücksichtigt werden, die fristgerecht und so vorgelegt werden,
         dass sie ohne ungebührliche Schwierigkeiten für die Untersuchung verwendet werden können, und die gegebenenfalls auf dem von
         den Behörden gewünschten Datenträger oder in dem von ihnen gewünschten Datenformat übermittelt werden. …“
      
      14      Art. 20 Abs. 1, 2, 4 und 5 der Grundverordnung lautet:
      
      „(1)      Die Antragsteller, die Einführer und Ausführer sowie ihre repräsentativen Verbände und die Vertreter des Ausfuhrlandes können
         eine Unterrichtung über die wesentlichen Tatsachen und Erwägungen beantragen, auf deren Grundlage die vorläufigen Maßnahmen
         eingeführt worden sind. Eine derartige Unterrichtung ist schriftlich sofort nach der Einführung der vorläufigen Maßnahmen
         zu beantragen, und die Unterrichtung erfolgt schriftlich möglichst bald danach.
      
      (2)      Die in Absatz 1 genannten Parteien können die endgültige Unterrichtung über die wichtigsten Tatsachen und Erwägungen beantragen,
         auf deren Grundlage beabsichtigt wird, die Einführung endgültiger Maßnahmen oder die Einstellung einer Untersuchung oder eines
         Verfahrens ohne die Einführung von Maßnahmen zu empfehlen, wobei die Unterrichtung über die Tatsachen und Erwägungen besondere
         Beachtung verdient, die sich von denjenigen unterscheiden, die für die vorläufigen Maßnahmen herangezogen wurden.
      
      …
      (4)      Die Unterrichtung über die endgültigen Feststellungen erfolgt schriftlich. Sie erfolgt unter der erforderlichen Wahrung der
         Vertraulichkeit der Informationen so bald wie möglich und normalerweise spätestens einen Monat vor einer endgültigen Entscheidung
         oder der Vorlage eines Vorschlags der Kommission für endgültige Maßnahmen gemäß Artikel 9. Ist die Kommission nicht in der
         Lage, über bestimmte Tatsachen oder Erwägungen innerhalb dieser Frist zu unterrichten, so werden diese so bald wie möglich
         danach mitgeteilt. Die Unterrichtung greift einem etwaigen späteren Beschluss der Kommission oder des Rates nicht vor; stützt
         sich dieser Beschluss jedoch auf andere Tatsachen und Erwägungen, so erfolgt die Unterrichtung darüber so bald wie möglich.
      
      (5)      Nach der Unterrichtung über die endgültigen Feststellungen vorgebrachte Bemerkungen werden nur berücksichtigt, wenn sie innerhalb
         einer von der Kommission im Einzelfall festgesetzten Frist eingehen, die mindestens zehn Tage beträgt, wobei der Dringlichkeit
         der Angelegenheit gebührend Rechnung getragen wird.“
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtene Verordnung
      15      Die Klägerin, die Sun Sang Kong Yuen Shoes Factory (Hui Yang) Corp. Ltd, ist ein im Jahr 2000 gegründetes Unternehmen mit
         Sitz in China, das Schuhe herstellt und ausführt.
      
      16      Die Einfuhr aus China von Schuhen bestimmter Tarifpositionen der Kombinierten Nomenklatur unterlag einer Regelung für mengenmäßige
         Kontingente, die am 1. Januar 2005 auslief.
      
      17      Aufgrund einer am 30. Mai 2005 von der Confédération européenne de l’industrie de la chaussure (CEC) eingereichten Beschwerde
         leitete die Kommission der Europäischen Gemeinschaften ein Antidumpingverfahren betreffend Einfuhren bestimmter Schuhe mit
         Oberteil aus Leder mit Ursprung in der Volksrepublik China und Vietnam ein. Die Bekanntmachung über die Einleitung dieses
         Verfahrens wurde im Amtsblatt der Europäischen Union vom 7. Juli 2005 (ABl. C 166, S. 14, im Folgenden: Bekanntmachung) veröffentlicht.
      
      18      Wegen der Vielzahl der betroffenen Parteien wurde in Nr. 5.1 Buchst. a der Bekanntmachung festgelegt, gemäß Art. 17 der Grundverordnung
         mit Stichproben zu arbeiten. Außerdem wies die Kommission in Nr. 5.1 Buchst. b der Bekanntmachung darauf hin, dass sie zum
         Erhalt von Informationen, die sie für ihre Untersuchung für erforderlich halte, Fragebögen versenden werde, insbesondere an
         die in die Stichprobe einbezogenen chinesischen und vietnamesischen ausführenden Hersteller sowie an die Behörden der betroffenen
         Ausfuhrländer.
      
      19      Die Klägerin nahm mit der Kommission Kontakt auf und lieferte ihr am 23. und 25. Juli 2005 die nach Nr. 5.1 Buchst. a Ziff. i
         und Buchst. e der Bekanntmachung erforderlichen Informationen, um zwecks Zuerkennung des MWS oder andernfalls einer individuellen
         Behandlung in die Stichprobe der ausführenden Hersteller einbezogen zu werden, die die Kommission nach Art. 17 der Grundverordnung
         treffen wollte.
      
      20      Da die Klägerin in die Stichprobe der chinesischen ausführenden Hersteller einbezogen worden war, wurde sie aufgefordert,
         den Fragebogen der Kommission bis zum 12. September 2005 zu beantworten, und sie übermittelte ihre Antwort auf diesen Fragebogen
         am genannten Tag.
      
      21      Die Kommission nahm bei der Klägerin in der Zeit vom 4. bis 7. Oktober 2005 eine Überprüfung vor Ort durch. Mit E-Mail vom
         21. Oktober 2005 übermittelte die Klägerin der Kommission eine jedes einzelne Geschäft enthaltende abschließende Liste ihrer
         Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt.
      
      22      Mit Fernkopie vom 12. Dezember 2005 sandte die Kommission der Klägerin ihr vorläufiges Ergebnis in Bezug auf deren Antrag
         auf MWS oder individuelle Behandlung. Zu dem Kriterium betreffend die Entscheidungen der Unternehmen (siehe oben, Randnr.
         4) wies die Kommission darauf hin, dass die Klägerin nach ihrer Satzung und ihrem Gewerbeschein verpflichtet sei, ihre gesamte
         Produktion auszuführen, und dass sie nichts unternommen habe, um an dieser Situation etwas zu ändern. Daraus folge, dass die
         Klägerin nennenswerten Eingriffen des Staates unterliege, der ihre Tätigkeit im Wege des Gewerbescheins auf die Ausfuhr beschränkt
         habe. Was dasselbe Kriterium in Bezug auf Gewinnrückführungen angehe, könne die Klägerin diese nicht ohne vorherige behördliche
         Genehmigung vornehmen. Unter diesen Umständen schlug die Kommission vor, den fraglichen Antrag auf MWS zurückzuweisen, obwohl
         die Klägerin die übrigen in Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung genannten Kriterien erfüllte.
      
      23      Die Kommission forderte die Klägerin auf, ihr ihre etwaige Stellungnahme zu diesem Dokument bis zum 19. Dezember 2005 zu übersenden,
         und die Klägerin übermittelte ihre Antwort am genannten Tag. Hinsichtlich der Ausfuhr ihrer gesamten Produktion hob die Klägerin
         hervor, dass sie dies aus freiem Willen und aus Erwägungen der „administrativen Zweckmäßigkeit“ im Zusammenhang mit ihrer
         Umsatzsteuerpflicht tue sowie aus dem Grund, dass ihre Produkte ausschließlich für die Märkte der Gemeinschaft und der Vereinigten
         Staaten bestimmt seien. Außerdem legte die Klägerin eine Bescheinigung des Büros für Außenhandel und wirtschaftliche Zusammenarbeit
         des Bezirks Hui Yang der Stadt Hui Zhou (Provinz Guangdong, China) vor, wonach sie ihre Satzung in Bezug auf die Bestimmung
         ihrer Produktion ändern könne, ohne entsprechenden Beschränkungen seitens der chinesischen Behörden zu unterliegen. Zu den
         Gewinnrückführungen wies die Klägerin darauf hin, dass das behördliche Genehmigungsverfahren ein rein formelles Verfahren
         sei, denn es habe lediglich den Zweck, die Gültigkeit der damit zusammenhängenden Unterlagen zu überprüfen, d. h. der Unterlagen
         über die Feststellung der Gewinne, über die Zahlung der entsprechenden Steuern, darüber, dass die Unternehmensverwaltung tatsächlich
         über die Verwendung der Gewinne entschieden habe, usw. Als Beweis für ihr Vorbringen legte die Klägerin ein Rundschreiben
         der chinesischen Verwaltung und ein Rechtsgutachten mit Einzelheiten zur Anwendung des fraglichen Rundschreibens vor.
      
      24      Die Kommission antwortete mit Fernkopie vom 23. Februar 2006, dass sie es ablehne, von ihrem ursprünglichen Standpunkt abzugehen.
         Was die Bestimmung der Produktion der Klägerin angehe, stehe deren Vorbringen der Tatsache nicht entgegen, dass es ihr im
         Untersuchungszeitraum verboten gewesen sei, auf dem chinesischen Markt zu verkaufen; jegliche Änderung dieser Situation hätte
         eine vorherige staatliche Genehmigung vorausgesetzt. Bezüglich der Gewinnrückführungen räumte die Kommission in Anbetracht
         der dazu von der Klägerin gegebenen Erläuterungen ein, dass das damit verbundene Verwaltungsverfahren keinen nennenswerten
         staatlichen Eingriff im Sinne von Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung erfordere. Angesichts der Feststellungen in
         Bezug auf die Bestimmung der Produktion der Klägerin erfülle diese jedoch nicht das fragliche Kriterium. Deshalb sei ihr der
         MWS nicht zuerkannt worden.
      
      25      Mit Fernkopie vom 24. Februar 2006 teilte die Kommission der Klägerin mit, dass sie zu den auf dem Gemeinschaftsmarkt getätigten
         Verkaufsgeschäften keine repräsentative Stichprobe habe bilden können, um die Ausfuhrpreise und die cif-Preise, frei Grenze
         der Gemeinschaft, zu ermitteln. Dies sei unmöglich gewesen, weil die Daten in der von der Klägerin zur Verfügung gestellten,
         jedes einzelne Geschäft enthaltenden Liste ihrer Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt gegenüber den tatsächlichen Gesamtzahlen
         erheblich zu hoch angesetzt worden seien, was die Klägerin bestätigt habe. Unter diesen Umständen seien die Dumpingspannen
         gemäß Art. 18 der Grundverordnung anhand der vorhandenen Daten berechnet worden.
      
      26      Die Kommission forderte die Klägerin auf, ihr ihre etwaige Stellungnahme zu diesem Dokument bis zum 6. März 2006 zu übersenden,
         und die Klägerin kam dieser Aufforderung an diesem Tag nach. Die Klägerin machte hierzu geltend, dass die Rügen der Kommission
         derart vage formuliert seien, dass sie nicht erkennen könne, inwiefern überhöhte Angaben vorlägen. Außerdem habe sie zu keiner
         Zeit bestätigt, dass überhöhte Angaben vorlägen; sie habe mehrfach erläutert, dass ihre Ausfuhren über unabhängige Handelsgesellschaften
         getätigt würden und dass es daher unmöglich sei, in allen Fällen die endgültige Bestimmung des Produkts zu kennen. Überdies
         habe sie stets fob verkauft, so dass sie keine Angaben über cif-Preise, frei Grenze der Gemeinschaft, habe. Die Kommission
         habe bei der Überprüfung vor Ort keine Ungenauigkeiten festgestellt und die Genauigkeit der zusammengestellten Daten nicht
         bestritten. Unter diesen Umständen widersprach die Klägerin der Anwendung von Art. 18 der Grundverordnung zur Ermittlung des
         Ausfuhrpreises oder der Dumpingspanne.
      
      27      Am 23. März 2006 erließ die Kommission die Verordnung (EG) Nr. 553/2006 zur Einführung eines vorläufigen Antidumpingzolls
         auf die Einfuhren bestimmter Schuhe mit Oberteil aus Leder mit Ursprung in der Volksrepublik China und Vietnam (ABl. L 98,
         S. 3, im Folgenden: vorläufige Verordnung).
      
      28      Gemäß dem neunten Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung betraf die Untersuchung von Dumping und Schädigung den Zeitraum
         vom 1. April 2004 bis zum 31. März 2005 (im Folgenden: Untersuchungszeitraum). Die Untersuchung der für die Beurteilung der
         Schädigung relevanten Entwicklungen betraf den Zeitraum vom 1. Januar 2001 bis zum 31. März 2005 (im Folgenden: Bezugszeitraum).
      
      29      Da für die Produkte der ausführenden Hersteller in China und Vietnam, denen unter Umständen kein MWS gewährt werden konnte,
         ein Normalwert anhand von Daten aus einem Vergleichsland – in diesem Fall Brasilien – ermittelt werden musste, wurde in den
         Betrieben von drei brasilianischen Unternehmen ein Kontrollbesuch durchgeführt (achter Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung).
      
      30      Hinsichtlich der betroffenen Ware ergibt sich aus den Erwägungsgründen 10, 11, 40 und 41 der vorläufigen Verordnung, dass
         sie im Wesentlichen Sandalen, Stiefel, Straßen‑ und Stadtschuhe umfasst mit Oberteil aus Leder oder rekonstituiertem Leder.
         Außerdem ergibt sich aus den Erwägungsgründen 12 bis 31 der vorläufigen Verordnung, dass die Kommission nach Spezialtechniken
         hergestellte Schuhe für Sportzwecke („Special Technology Athletic Footwear“) von der Definition der betroffenen Ware ausnahm
         und Kinderschuhe in diese Definition einbezog.
      
      31      Was die gleichartige Ware angeht, stellte die Kommission im 46. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung fest, dass die betroffene
         Ware und die in China und Vietnam hergestellten und verkauften Schuhe mit Oberteil aus Leder sowie die in der Europäischen
         Gemeinschaft hergestellten und verkauften Schuhe mit Oberteil aus Leder sich in ihren grundlegenden materiellen und technischen
         Eigenschaften nicht wesentlich unterschieden und dass sie in der Verbrauchervorstellung austauschbar seien. Deshalb seien
         alle Schuhtypen mit Oberteil aus Leder oder rekonstituiertem Leder, die in den betroffenen Ländern und in Brasilien hergestellt
         und verkauft würden, und die Ware, die vom Wirtschaftszweig der Gemeinschaft hergestellt und in der Gemeinschaft verkauft
         werde, und die aus den betroffenen Ländern in die Gemeinschaft ausgeführte Ware gleichartig.
      
      32      Dem 57. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung ist zu entnehmen, dass die Kommission im Rahmen der Berechnung des Dumpings
         mit Stichproben arbeitete. Dazu bezog sie 13 chinesische ausführende Hersteller in die Stichprobe ein, auf die mehr als 20 %
         des chinesischen Ausfuhrvolumens in die Europäische Gemeinschaft entfielen. Gemäß dem achten Erwägungsgrund Buchst. c der
         vorläufigen Verordnung steht die Klägerin in der Liste der chinesischen ausführenden Hersteller, die in die Stichprobe einbezogen
         wurden, an elfter Stelle.
      
      33      Gemäß dem 69. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung wurde der Klägerin der MWS verweigert, weil sie das erste Kriterium
         in Bezug auf das Treffen von Entscheidungen ohne nennenswerte staatliche Eingriffe nicht erfülle (siehe oben, Randnrn. 22
         bis 24).
      
      34      Zu dem Antrag auf individuelle Behandlung stellte die Kommission im 94. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung fest, dass
         die Verpflichtung eines Unternehmens, die gesamte oder aber einen Teil seiner Produktion auszuführen, auch dazu führe, dass
         es das in Art. 9 Abs. 5 Unterabs. 2 Buchst. b der Grundverordnung genannte Kriterium nicht erfülle (siehe oben, Randnr. 5).
         
      
      35      Hinsichtlich der Ausfuhrpreise erklärte die Kommission im 130. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung, dass sie, wenn die
         Verkäufe zur Ausfuhr in die Gemeinschaft über unabhängige Handelsgesellschaften getätigt worden seien, gemäß Art. 2 Abs. 9
         der Grundverordnung anhand der Preise ermittelt worden seien, die die betreffenden Hersteller den Handelsgesellschaften beim
         Verkauf zur Ausfuhr in Rechnung stellten (siehe oben, Randnr. 6).
      
      36      Gemäß dem 131. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung wurde der Vergleich des Normalwerts mit dem Ausfuhrpreis auf der
         Stufe ab Werk vorgenommen. Im Interesse eines fairen Vergleichs des Normalwerts mit dem Ausfuhrpreis wurden gemäß Art. 2 Abs. 10
         der Grundverordnung für Unterschiede, die die Preise und ihre Vergleichbarkeit beeinflussten, gebührende Berichtigungen vorgenommen
         (132. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung).
      
      37      Hinsichtlich der Schädigung prüfte die Kommission insbesondere die Preisunterbietung bei der Einfuhr. Dazu wurden die cif-Einfuhrpreise,
         frei Grenze der Gemeinschaft, verzollt, nach oben angepasst, um den Einführern in der Gemeinschaft entstandene Kosten für
         z. B. Design, Rohstoffwahl usw. zu berücksichtigen, und mit den Preisen der Gemeinschaftsindustrie ab Werk und auf derselben
         Handelsstufe verglichen. Dieser Vergleich ergab für Schuhe mit Ursprung in der Volksrepublik China eine Preisunterbietungsspanne
         von 12,8 % (Erwägungsgründe 167 und 168 der vorläufigen Verordnung).
      
      38      Mit Schreiben vom 7. April 2006 übersandte die Kommission der Klägerin gemäß Art. 14 Abs. 2 und Art. 20 Abs. 1 der Grundverordnung
         jeweils eine Kopie der vorläufigen Verordnung sowie ein Dokument, das Informationen zu den wesentlichen Tatsachen und Erwägungen
         enthielt, auf deren Grundlage vorläufige Antidumpingzölle angeordnet worden waren (im Folgenden: Dokument zur vorläufigen
         Unterrichtung). Die Kommission forderte die Klägerin auf, ihr ihre etwaige Stellungnahme zu diesen Dokumenten bis zum 8. Mai
         2006 zu übersenden.
      
      39      Die Klägerin beschwerte sich per E-Mail vom 27. April 2006 darüber, dass die in dem Dokument zur vorläufigen Unterrichtung
         enthaltenen Informationen lückenhaft seien, und verwies insbesondere auf die Angaben über die Preisanpassungen zur Berechnung
         des Dumpings und der Preisunterbietung. In ihren am 8. Mai 2006 eingereichten schriftlichen Erklärungen wiederholte sie diese
         Beanstandungen.
      
      40      Mit E-Mail vom 16. Mai 2006 wies die Klägerin u. a. darauf hin, dass die im Hinblick auf Ausgaben für Forschung und Entwicklung
         vorgenommene Anpassung ihres Ausfuhrpreises auf 15 % niedriger sei als die tatsächlich hierfür aufgewandten Kosten, denn diese
         Anpassung lasse die Kosten und die erheblichen Spannen der Handelsgesellschaften außer Acht, über die bestimmte chinesische
         Hersteller ihre Produktion auf den europäischen Markt brächten.
      
      41      Mit Fernkopie vom 7. Juli 2006 sandte die Kommission der Klägerin gemäß Art. 20 Abs. 2 bis 4 der Grundverordnung ein Dokument
         zur endgültigen Unterrichtung über die dem Vorschlag, endgültige Antidumpingzölle einzuführen, zugrunde liegenden wesentlichen
         Tatsachen und Erwägungen.
      
      42      Im Abschnitt H dieses Dokuments erläuterte die Kommission ihre Erwägungen zu den endgültigen Antidumpingmaßnahmen, die dem
         Rat der Europäischen Union vorgeschlagen werden sollten. Hinsichtlich der Art dieser Maßnahmen wies sie darauf hin, dass erstens
         die Zusagen der Hersteller, nicht unter dem Preis zu verkaufen, der die erhebliche Schädigung beseitigt hätte, der der Wirtschaftszweig
         der Gemeinschaft ausgesetzt sei, keine geeignete Maßnahme seien und dass zweitens ein Delayed Duty System anzuwenden sei (Nrn. 278
         bis 291 des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung).
      
      43      Zu dem Delayed Duty System bemerkte die Kommission, dass sich das Volumen der Einfuhren seit dem 1. Januar 2005, als die Regelung
         für mengenmäßige Kontingente ausgelaufen sei (siehe oben, Randnr. 16), auf den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft schädigend
         ausgewirkt habe. In den ersten drei Monaten des Jahres 2005, die zum Untersuchungszeitraum gehörten (siehe oben, Randnr. 28),
         habe der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft proportional den stärksten Abschwung innerhalb des Bezugszeitraums verzeichnet,
         und zwar in Bezug auf mehrere Wirtschaftsindikatoren wie Rentabilität, Verkaufspreise, Marktanteile, Absatz, Beschäftigungslage
         und Produktion. Unter diesen Umständen schenkte die Kommission dem Mengenfaktor der Dumpingpraktiken bei der Untersuchung,
         ob eine Schädigung vorlag, besondere Aufmerksamkeit. Sie ging davon aus, dass nur Einfuhren oberhalb einer bestimmten Menge
         eine bedeutende Schädigung verursachen könnten, so dass ein Eingriff in Form eines Antidumpingwertzolls zur Wiederherstellung
         eines lauteren Wettbewerbs nicht erforderlich sei. Deshalb seien lediglich für diejenigen Mengen Antidumpingzölle zu erheben,
         die über eine bestimmte Jahresmenge hinausgingen. Im vorliegenden Fall sei ein derartiges Delayed Duty System für die Beseitigung
         der Schädigung angemessen, da es die Auswirkungen der Einfuhrkontingente berücksichtige und für einen Ausgleich der Interessen
         der betroffenen Parteien sorge. Die vorgeschlagenen Antidumpingzölle müssten daher für Einfuhren aus China gelten, die über
         140 Mio. Paar Schuhe pro Jahr hinausgingen. Dieses Volumen entsprach der Beurteilung der Kommission hinsichtlich der Einfuhren
         aus China im Jahr 2005 unter Berücksichtigung der Einfuhrmengen des Jahres 2004 (Nrn. 285 bis 287 und 291 des Dokuments zur
         endgültigen Unterrichtung).
      
      44      Die Kommission schlug daher für Einfuhren aus China, die über 140 Mio. Paar Schuhe pro Jahr hinausgehen, die Einführung eines
         endgültigen Antidumpingzolls in Höhe der Spanne zur Beseitigung der Schädigung vor. Diese Spanne wurde in Höhe der Zielpreisunterbietungsspanne
         von 23 % festgelegt (Nr. 293 des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung).
      
      45      Die Kommission forderte die Klägerin auf, sich zum Dokument zur endgültigen Unterrichtung bis zum 17. Juli 2006 zu äußern.
      
      46      Mit Schreiben vom 13. Juli 2006 sandte die Klägerin der Kommission eine Kopie ihres Gewerbescheins und der Entscheidung über
         die Änderung ihres Gesellschaftszwecks, wonach ihre Produkte künftig sowohl für die Ausfuhr als auch für den chinesischen
         Markt bestimmt seien. Mit Schreiben vom 22. August 2006 lehnte die Kommission es ab, die Frage der Zuerkennung des MWS erneut
         aufzugreifen, weil die hierfür vorgesehene Frist abgelaufen sei.
      
      47      Mit Schreiben vom 28. Juli 2006 übermittelte die Kommission der Klägerin ein ergänzendes Dokument zur endgültigen Unterrichtung.
         Der Zweck dieses Dokuments bestand gemäß seinen ersten beiden Absätzen darin, die betroffenen Parteien über eine Änderung
         der Ausgestaltung der endgültigen Antidumpingzölle zu informieren, die vorgeschlagen werden sollten. Die Generaldirektion
         (GD) Handel der Kommission habe die Stellungnahmen einiger Wirtschaftsteilnehmer zu dem ursprünglich geplanten Delayed Duty
         System (siehe oben, Randnrn. 42 bis 44) geprüft. Mit diesem Dokument gab die Kommission den Plan eines derartigen Systems
         auf. Sie wies im Rahmen ihres neuen Ansatzes darauf hin, dass der tatsächlich schädigende Anstieg der Einfuhren im Jahr 2004
         bis zum Ende des Untersuchungszeitraums erfolgt sei. 2005 sei das erste Jahr gewesen, in dem die Schuheinfuhren aus China
         keiner Kontingentierung mehr unterlegen hätten. Außerdem ermittelte die Kommission ein nicht schädigendes Einfuhrvolumen –
         109 Mio. Paar Schuhe – unter Zugrundelegung von Einfuhren aus China und Vietnam im Jahr 2003. Die wirtschaftlichen Auswirkungen
         dieser Menge sollten gemäß dem neuen Ansatz bei der Ermittlung der Schädigungsschwelle berücksichtigt werden. Somit wurde
         zum einen die Schädigungsschwelle gesenkt, um das Volumen der nicht schädigenden Einfuhren zu berücksichtigen, und zum anderen
         galten die endgültigen Zölle vom ersten eingeführten Paar Schuhe an. Nach dieser Methode, die vier in diesem Dokument erläuterte
         Abschnitte umfasst, legte die Kommission für Einfuhren aus China einen endgültigen Antidumpingzoll in der zur Beseitigung
         der Schädigung erforderlichen Höhe – 16,5 % – fest.
      
      48      Um diesem neuen Vorschlag die erforderliche Form zu geben, fügte die Kommission dem Schreiben vom 28. Juli 2006 als Anlage
         die Punkte bei, die in dem neuen Abschnitt H des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung stehen und die Punkte ersetzen sollten,
         die in dem entsprechenden Abschnitt dieses Dokuments standen (siehe oben, Randnr. 42). Die Kommission führte in den Nrn. 278
         und 279 aus, dass in dem neuen Abschnitt H des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung nur Einfuhren oberhalb einer bestimmten
         Menge aufgeführt sein sollten, die vor Auslaufen der Regelung für mengenmäßige Kontingente eine bedeutende Schädigung verursachen
         konnten, obwohl die Tatsache, dass bestimmte Einfuhrmengen keine Schädigung verursacht hatten, im Rahmen der Ermittlung der
         Schädigungsschwelle anhand der Ergebnisse für den Untersuchungszeitraum berücksichtigt werden sollte. Demzufolge sollten die
         Mengen, die keine bedeutende Schädigung verursachten, bei der Ermittlung der Schädigungsschwelle berücksichtigt werden. In
         Nr. 280 desselben Dokuments erläuterte die Kommission die angewandte Methode.
      
      49      Die Kommission forderte die Klägerin auf, sich zu dem ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung bis zum 2. August
         2006 zu äußern.
      
      50      Am 5. Oktober 2006 erließ der Rat die Verordnung (EG) Nr. 1472/2006 zur Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls und
         zur endgültigen Vereinnahmung des vorläufigen Zolls auf die Einfuhren bestimmter Schuhe mit Oberteil aus Leder mit Ursprung
         in der Volksrepublik China und Vietnam (ABl. L 275, S. 1, im Folgenden: angefochtene Verordnung). Mit dieser Verordnung führte
         er auf die Einfuhr von Schuhen mit Oberteil aus Leder oder rekonstituiertem Leder – mit Ausnahme von Sportschuhen, nach Spezialtechniken
         hergestellten Schuhen, Pantoffeln und anderen Hausschuhen sowie Schuhen mit einem Schutz in der Vorderkappe – mit Ursprung
         in der Volksrepublik China, die unter verschiedene Codes der Kombinierten Nomenklatur fallen, einen endgültigen Antidumpingzoll
         ein (Art. 1 der angefochtenen Verordnung). Der auf den Nettopreis frei Grenze der Gemeinschaft, unverzollt, anzuwendende endgültige
         Antidumpingzollsatz wurde für die von der Klägerin hergestellten Schuhe auf 16,5 % festgesetzt. Gemäß Art. 3 der angefochtenen
         Verordnung galt dieser Zollsatz für einen Zeitraum von zwei Jahren.
      
      51      Hinsichtlich der Definition der gleichartigen Ware bestätigte der Rat in den Erwägungsgründen 40 und 41 der angefochtenen
         Verordnung die von der Kommission im 52. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung vertretene Auffassung (siehe oben, Randnr.
         31).
      
      52      Die Vorlage einer geänderten Satzung, die keine Verkaufsbeschränkungen mehr enthielt, durch zwei chinesische ausführende Hersteller
         erfolgte gemäß dem 77. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung zu spät, um berücksichtigt werden zu können, da zu diesem
         Zeitpunkt nicht mehr genug Zeit für eine Überprüfung gemäß Art. 16 Abs. 1 der Grundverordnung zur Verfügung gestanden habe.
         Diese Beschränkungen seien jedenfalls nicht der einzige Grund gewesen, diesen Unternehmen die Zuerkennung des MWS zu verweigern.
      
      53      Deshalb wurde im 78. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung zu der Frage, ob der Klägerin der MWS zuzuerkennen sei, das
         in der vorläufigen Verordnung genannte negative Ergebnis bestätigt. 
      
      54      Zu dem Antrag auf individuelle Behandlung bestätigte der Rat im 83. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung das negative
         Ergebnis, zu dem die Kommission im 94. Erwägungsgrund der vorläufigen Verordnung gekommen war (siehe oben, Randnr. 34). 
      
      55      Bezüglich der Ausfuhrpreise und ihres Vergleichs mit dem Normalwert bestätigte der Rat in den Erwägungsgründen 123 und 138
         der angefochtenen Verordnung die von der Kommission in den Erwägungsgründen 128 bis 133 der vorläufigen Verordnung vertretene
         Auffassung (siehe oben, Randnrn. 35 und 36).
      
      56      Hinsichtlich der Zollhöhe, die für die Beseitigung der durch die Einfuhren aus der Volksrepublik China verursachte Schädigung
         erforderlich ist, griff der Rat in den Erwägungsgründen 296 bis 301 der angefochtenen Verordnung auf die Nrn. 275 bis 280
         des neuen Abschnitts H des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung zurück, das dem ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung
         als Anlage beigefügt ist (siehe oben, Randnr. 47), und wies darauf hin, dass den Besonderheiten des vorliegenden Verfahrens
         und insbesondere der Tatsache Rechnung getragen werden müsse, dass bis zum 1. Januar 2005 eine Regelung für mengenmäßige Kontingente
         gegolten habe. Da diese Regelung eine schwere Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft verhindert habe, der Anstieg
         der Einfuhren nach Auslaufen dieser Regelung jedoch eine besonders große Schädigung zur Folge gehabt habe, hätten nur diejenigen
         Einfuhren, die vor Aufhebung der Regelung für mengenmäßige Kontingente über ein bestimmtes Volumen hinausgegangen seien, eine
         erhebliche Schädigung verursachen können. Demzufolge müsse die anhand der Ergebnisse des Untersuchungszeitraums ermittelte
         Schädigungsschwelle dem Rechnung tragen, dass bestimmte Einfuhrmengen keine erhebliche Schädigung verursacht hätten. Bei dieser
         Untersuchung sei auf den Wert der Einfuhrmengen des Jahres 2003 abgestellt worden, was bei den Einfuhren aus China zu einer
         Schädigungsschwelle von 16,5 % geführt habe, anstelle von 23 %, dem Prozentsatz, der nach dem 295. Erwägungsgrund der angefochtenen
         Verordnung angewandt worden wäre, wenn der Rat nicht die Besonderheiten des vorliegenden Falles berücksichtigt hätte.
      
       Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      57      Die Klägerin hat mit Klageschrift, die am 21. Dezember 2006 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, die vorliegende
         Klage erhoben.
      
      58      Mit Schriftsatz, der am 2. April 2007 bei der Kanzlei eingereicht worden ist, hat die Kommission die Zulassung als Streithelferin
         zur Unterstützung der Anträge des Rates beantragt. Mit Schreiben vom 4. Oktober 2007 hat die Kommission dem Gericht mitgeteilt,
         dass sie auf die Einreichung eines Streithilfeschriftsatzes verzichte, aber an der mündlichen Verhandlung teilnehmen werde.
      
      59      Mit Schriftsatz, der am 5. April 2007 bei der Kanzlei des Gerichts eingereicht worden ist, hat die CEC in der vorliegenden
         Rechtssache ihre Zulassung als Streithelferin zur Unterstützung der Anträge des Rates beantragt.
      
      60      Mit Schriftsätzen, die am 13. April 2007 bei der Kanzlei des Gerichts eingereicht worden sind, haben die Provincia di Ascoli
         Piceno (Italien), die Comune di Monte Urano (Italien), BA.LA. di Lanciotti Vittorio & C. Sas und 16 weitere, im Anhang namentlich
         aufgeführte italienische Schuhhersteller (im Folgenden: italienische Hersteller) beantragt, in den vorliegenden Rechtssachen
         als Streithelfer zur Unterstützung der Anträge des Rates zugelassen zu werden.
      
      61      Mit Beschluss vom 4. September 2007 hat der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts den Anträgen der Kommission, der CEC
         und der italienischen Hersteller auf Zulassung als Streithelfer entsprochen. Die Anträge der Provincia di Ascoli Piceno und
         der Comune di Monte Urano hat er dagegen zurückgewiesen.
      
      62      Im Zuge einer Änderung der Besetzung der Kammern des Gerichts ist der Berichterstatter der Achten Kammer zugeteilt worden,
         der deshalb die vorliegende Rechtssache zugewiesen worden ist.
      
      63      Mit Schriftsatz, der am 4. Oktober 2007 bei der Kanzlei des Gerichtshofs eingereicht worden ist, haben die Provincia di Ascoli
         Piceno und die Comune di Monte Urano gemäß Art. 57 Abs. 1 der Satzung des Gerichtshofs Rechtsmittel eingelegt, mit dem sie
         die Aufhebung des Beschlusses vom 4. September 2007 beantragt haben, soweit das Gericht darin ihre Streithilfeanträge zurückgewiesen
         hat. Der Präsident des Gerichtshofs hat dieses Rechtsmittel mit Beschluss vom 25. Januar 2008, Provincia di Ascoli Piceno
         und Comune di Monte Urano/Rat (C‑461/07 P[I], nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht), zurückgewiesen.
      
      64      Die CEC und die italienischen Hersteller haben ihre Streithilfeschriftsätze am 15. bzw. am 18. Oktober 2007 eingereicht.
      
      65      Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht die mündliche Verhandlung eröffnet und im Rahmen prozessleitender Maßnahmen
         die Klägerin, den Rat und die Kommission aufgefordert, mehrere Fragen schriftlich zu beantworten.
      
      66      Mit Schreiben, die am 2. Februar 2009 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, sind diese Parteien den prozessleitenden
         Maßnahmen des Gerichts nachgekommen.
      
      67      Mit Schreiben vom 17. Februar 2009 hat der Rat beantragt, bestimmte Teile der Antworten der Klägerin zum zweiten Klagegrund
         und die dazu beigefügten Unterlagen aus der Akte zu entfernen, weil diese Antworten in keinem Zusammenhang mit den gestellten
         Fragen stünden; es handele sich vielmehr um neue Angriffsmittel.
      
      68      Die Parteien haben in der Sitzung vom 18. Februar 2009 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      
      69      In der mündlichen Verhandlung hat das Gericht die Klägerin aufgefordert, ein Dokument vorzulegen und eine Angabe schriftlich
         zu übermitteln. Die Klägerin ist diesen Aufforderungen mit Schreiben vom 25. Februar 2009 nachgekommen. 
      
      70      Die Klägerin beantragt,
      
      –        die angefochtene Verordnung für nichtig zu erklären, soweit sie sie betrifft;
      –        dem Rat die Kosten aufzuerlegen. 
      71      Der Rat beantragt,
      
      –        die Klage als unzulässig oder unbegründet abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen. 
      72      Die Kommission beantragt, die Klage abzuweisen.
      
      73      Die CEC und die italienischen Hersteller beantragen,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen. 
       Rechtliche Würdigung
      74      Die Klägerin stützt ihre Klage auf folgende sechs Klagegründe:
      
      –        Verstoß gegen Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung;
      –        Verstoß gegen Art. 18 der Grundverordnung;
      –        Verstoß gegen Art. 3 der Grundverordnung;
      –        Verstoß gegen Art. 20 der Grundverordnung, Verletzung der Verteidigungsrechte und mangelhafte Begründung hinsichtlich der
         Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft;
      
      –        Rechtsfehler und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug auf die Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft;
      –        Verstoß gegen Art. 2 Abs. 10 der Grundverordnung und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug auf den Vergleich von Ausfuhrpreis
         und Normalwert.
      
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      75      Die Klägerin tritt der Auffassung der Kommission entgegen, wonach das erste in Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung
         genannte Kriterium in ihrem Fall nicht erfüllt sei. Die im Verwaltungsverfahren vorgelegten Unterlagen zeigen ihrer Ansicht
         nach, dass sie völlig frei über die Vermarktung ihrer Produktion auf dem nationalen Markt und auf dem Ausfuhrmarkt habe entscheiden
         können. Die Verpflichtung, einen Gewerbeschein zu beantragen und diesen ändern zu lassen, diene der Erfassung der Daten und
         sei nicht Ausdruck eines nennenswerten staatlichen Eingriffs im Sinne von Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung. Außerdem
         habe sie der Kommission erläutert, dass die Tatsache, dass ihre gesamte Produktion für die Ausfuhr bestimmt sei, auf ihrer
         eigenen geschäftlichen Entscheidung beruhe (siehe oben, Randnrn. 22 und 23).
      
      76      Außerdem habe die Kommission u. a. gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, indem sie einem anderen in die Stichprobe
         einbezogenen Unternehmen, der Foshan City Nanhai Golden Step Industrial Co., Ltd (im Folgenden: Golden Step), den MWS zuerkannt
         habe, obwohl diese unterschiedliche Behandlung durch nichts gerechtfertigt sei.
      
      77      Die Klägerin weist darauf hin, dass sie der Kommission am 13. Juli 2006, d. h. vor Ablauf der für eine Stellungnahme zum Dokument
         zur endgültigen Unterrichtung gesetzten Frist, die gleichen Beweise wie Golden Step, d. h. eine Kopie ihres Gewerbescheins
         und ihrer geänderten Satzung, als Nachweis dafür vorgelegt habe, dass sie keiner Ausfuhrpflicht mehr unterlegen habe (siehe
         oben, Randnr. 46). Die Weigerung der Kommission, diese Unterlagen zu prüfen, verstoße gegen Art. 20 Abs. 5 der Grundverordnung
         sowie gegen die Grundsätze der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Gleichbehandlung, denn auch Golden Step habe die Beweise
         nach Ablauf der Frist vorgelegt, die für eine Stellungnahme zum Dokument zur vorläufigen Unterrichtung (siehe oben, Randnr.
         38) gesetzt worden sei. Außerdem sehe die Grundverordnung für die Vorlage von Beweisen für veränderte Umstände keine Frist
         vor. Im Übrigen habe die Kommission die dreimonatige Frist, die nach Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung für die Entscheidung
         über den Antrag der Klägerin auf Zuerkennung des MWS vorgesehen sei, nicht eingehalten.
      
      78      Die im 77. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung vertretene Auffassung, dass die fraglichen Angaben nicht geprüft worden
         seien, weil eine Überprüfung gemäß Art. 16 Abs. 1 der Grundverordnung nicht möglich gewesen sei (siehe oben, Randnr. 52),
         sei unzutreffend. Erstens nämlich seien seit dem 13. Juli 2006 (dem Zeitpunkt der Vorlage zusätzlicher Beweise) bis zum 5.
         Oktober 2006 (dem Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verordnung) mehr als drei Monate vergangen, zweitens seien die
         gleichartigen Beweise, die Golden Step vorgelegt habe, keiner Überprüfung unterzogen worden, drittens habe die Kommission
         ihr erst am 7. Juli 2006 mitgeteilt, dass sie bereit sei, zusätzliche Beweise entgegenzunehmen, und viertens habe sie die
         in Rede stehenden Beweise gerade auf die Feststellungen hin vorgelegt, die im Rahmen einer Überprüfung vor Ort gemacht worden
         seien. Im Übrigen folge aus der Rechtsprechung, dass die Kommission über ein Ermessen verfüge, wenn sie über die Berücksichtigung
         von Beweismaterial entscheiden müsse, das nach Fristablauf übermittelt worden sei.
      
      79      Die Behauptung, dass die der Kommission für die Ermittlung des Normalwerts zur Verfügung stehende Zeit, selbst wenn der Klägerin
         der MWS hätte zuerkannt werden müssen, unzureichend gewesen sei, sei nicht stichhaltig. Diese Überlegung sei nämlich kein
         Grund im Sinne von Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung, diesen Status zu verweigern. Außerdem seien die Angaben über
         die Produktionskosten der Klägerin bereits im Rahmen des Antidumping-Fragebogens gemacht worden und von der Kommission vor
         Ort geprüft worden. Überdies seien, wie bereits ausgeführt (siehe oben, Randnr. 78), zwischen der Übermittlung der letzten
         Angaben über die Bestimmung der Produktion der Klägerin und dem Erlass der angefochtenen Verordnung drei Monate vergangen.
      
      80      Die Klägerin bestreitet die Auffassung des Rates, wonach die Zurückweisung des zweiten Klagegrundes die Zurückweisung des
         ersten zur Folge habe. Selbst wenn nämlich das Gericht feststellen sollte, dass sie im Hinblick auf die Ermittlung des Ausfuhrpreises
         nicht mitgearbeitet habe, hätte der Normalwert anhand der Angaben ermittelt werden können, die sich aus ihrer eigenen Buchhaltung
         ergäben, so dass für sie eine individuelle Gewinnspanne hätte erstellt werden können. Außerdem habe sie eindeutig alle erbetenen
         Auskünfte gewährt, so dass eine Anwendung von Art. 18 Abs. 6 der Grundverordnung nicht in Betracht komme. Nach dieser Vorschrift
         könne sich ein Wirtschaftsteilnehmer, der über einschlägige Angaben verfüge, nicht darüber beklagen, wenn seine fehlende Mitarbeit
         für ihn nachteilige Folgen habe. Deshalb stehe keine Vorschrift und keine Praxis dem entgegen, ihr den MWS zuzuerkennen, wenn
         sie die Voraussetzungen hierfür erfülle.
      
      81      Daraus folge, dass die Entscheidung der Kommission, ihr die Zuerkennung des MWS zu verweigern, mit einem offensichtlichen
         Beurteilungsfehler behaftet sei und insofern gegen Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung verstoße.
      
      82      Der Rat tritt mit Unterstützung der Kommission dem Vorbringen der Klägerin entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      83      Im 125. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung heißt es: „Für die in die Stichproben einbezogenen Unternehmen, die die
         Kriterien [für die Zuerkennung des MWS oder einer individuellen Behandlung] nicht erfüllten, wurde eine gewogene durchschnittliche
         Dumpingspanne berechnet. … [D]iese gewogene durchschnittliche Dumpingspanne gilt … für nicht in die Stichprobe einbezogene
         kooperierende Unternehmen. Da … die Mitarbeit gut war, wurde dieselbe Dumpingspanne auch bei allen anderen ausführenden chinesischen
         Herstellern zugrunde gelegt.“ Außerdem bemerkte der Rat im 146. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung: „[D]ie Mitarbeit
         war gut, und daher wurde es entsprechend der gängigen Praxis als angemessen betrachtet, die Dumpingspanne für alle nicht mitarbeitenden
         ausführenden Hersteller in Höhe des gewogenen Durchschnitts der Dumpingspannen der in die Stichprobe einbezogenen kooperierenden
         ausführenden Hersteller in den betroffenen Ländern festzusetzen.“ Aus einer Gesamtbetrachtung dieser Bestimmungen, deren Rechtmäßigkeit
         vor dem Gericht nicht in Frage gestellt worden ist, ergibt sich somit, dass die Gemeinschaftsorgane auf die Klägerin in dem
         Fall, dass ihr der MWS zuerkannt, jedoch angenommen worden wäre, dass sie nicht kooperiert habe, aufgrund ihrer fehlenden
         Kooperation auf jeden Fall die gewogene durchschnittliche Dumpingspanne angewandt hätten, die für die in die Stichproben einbezogenen
         ausführenden Hersteller ermittelt worden war. Folglich wäre, selbst wenn die Gemeinschaftsorgane der Klägerin die Zuerkennung
         des MWS zu Unrecht verweigert hätten, dieser Fehler im Ergebnis unerheblich, falls das Gericht die Auffassung der Gemeinschaftsorgane
         bestätigen sollte, wonach die Klägerin bei der Untersuchung nicht mitgearbeitet habe. Sollte daher das Gericht den zweiten
         Klagegrund, mit dem die entsprechende Auffassung der Gemeinschaftsorgane in Frage gestellt wird, zurückweisen, so könnte ein
         etwaiger Fehler der Gemeinschaftsorgane in Bezug auf die Zuerkennung des MWS keinen entscheidenden Einfluss auf die Dumpingspanne
         haben, die auf die Klägerin angewandt wurde, und deshalb würde ein solcher Fehler nicht ausreichen, um die Nichtigerklärung
         der angefochtenen Verordnung zu rechtfertigen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Mai 2002, Graphischer Maschinenbau/Kommission,
         T‑126/99, Slg. 2002, II‑2427, Randnr. 49).
      
      84      Zunächst ist daher der zweite Klagegrund zu prüfen
      
       Zum zweiten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 18 der Grundverordnung
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      85      Die Klägerin macht geltend, dass die Kommission Art. 18 Abs. 1 der Grundverordnung in Verbindung mit Anhang II Nr. 3 des Antidumping-Kodex
         1994 (siehe oben, Randnrn. 12 und 13) fehlerhaft angewandt habe. Die Anwendung dieser Vorschrift sei nämlich, wie die Klägerin
         mit Schreiben vom 6. März 2006 (siehe oben, Randnr. 26) dargelegt habe, durch die in der Mitteilung der Kommission vom 24.
         Februar 2006 (siehe oben, Randnr. 25) vorgetragene Begründung nicht gerechtfertigt. Unter diesen Umständen habe die Kommission
         auch gegen Art. 18 Abs. 3 und 4 der Grundverordnung verstoßen.
      
      86      Die Kommission habe die sich aus dieser Vorschrift ergebenden Anforderungen dadurch nicht erfüllt, dass sie ihr mehr als vier
         Monate nach der Überprüfung vor Ort mitgeteilt habe, dass die von ihr bei dieser Überprüfung zur Verfügung gestellte, jedes
         einzelne Geschäft enthaltende Liste ihrer Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt nicht zuverlässig sei.
      
      87      Gemäß der von ihr am 12. September 2005 übermittelten ersten Antwort auf den Antidumping-Fragebogen habe sie im Untersuchungszeitraum
         … [vertraulich](1) Paar Schuhe auf den Gemeinschaftsmarkt ausgeführt. Diese korrekte Zahl sei von der Kommission bei der Überprüfung vor Ort
         akzeptiert worden. Der Unterschied zwischen dieser Zahl und der Zahl von … [vertraulich] ausgeführten Paar Schuhen, die in dem Dokument erwähnt werde, das sie am 19. September 2005 übermittelt habe, resultiere
         erstens daraus, dass in die letztgenannte Zahl … [vertraulich] Paar Schuhe einbezogen worden seien, die nicht für den Gemeinschaftsmarkt bestimmt gewesen seien, zweitens daraus, dass
         sie nicht die endgültige Bestimmung aller ihrer Produkte kenne, da sie über unabhängige Handelsgesellschaften ausführe, und
         drittens daraus, dass die genannte Liste Schuhverkäufe mit einbeziehe, die nicht unter die Definition der betroffenen Ware
         fielen. 
      
      88      Nach mehreren Überprüfungen, mit denen die endgültige Bestimmung der maßgeblichen Ausfuhren habe festgestellt und der Verkauf
         von anderen als den betroffenen Waren habe ausgeschlossen werden sollen, habe sie am 21. Oktober 2005 – d. h. vor Ablauf der
         Frist, die nach der Überprüfung vor Ort für die Übermittlung korrigierter Angaben gesetzt worden sei – eine endgültige Liste
         vorgelegt.
      
      89      Was den Ablauf dieser Überprüfung angehe, hätten die Bediensteten der Kommission am ersten Tag eine Stichprobe von 21 Geschäften
         (von denen sich 12 auf die betroffene Ware bezogen hätten) gebildet und am nächsten Tag die damit zusammenhängenden Unterlagen
         geprüft. Außerdem hätten sie 13 Geschäfte, bei denen es sich um Ausfuhren auf den Gemeinschaftsmarkt gehandelt habe, ausgewählt,
         um die Ausfuhrpreise anhand der entsprechenden Unterlagen zu prüfen. Die Überprüfung habe ergeben, dass die Ausfuhrpreise
         korrekt gewesen seien. Es sei daher unzutreffend, wenn der Rat behaupte, dass die Bediensteten der Kommission bei der Vor-Ort-Überprüfung
         der Geschäfte keine Stichprobe hätten bilden und diese überprüfen können. Überdies ergebe sich aus dem Vorstehenden, dass
         nach der Übermittlung der abschließenden Liste vom 21. Oktober 2005 (siehe oben, Randnrn. 21 und 88) keine Überprüfungen erforderlich
         gewesen seien, denn in diesem Dokument seien lediglich die nicht für den Gemeinschaftsmarkt bestimmten Verkäufe und die von
         Produkten, die von der Definition der betroffenen Ware nicht erfasst würden, d. h. also die nicht einschlägigen Elemente,
         ausgelassen worden, ohne irgendetwas hinzuzufügen. Die Überprüfung sei deshalb keineswegs fehlerhaft gewesen.
      
      90      Auf jeden Fall meint die Klägerin entgegen dem Vorbringen des Rates, mit der Vorlage der endgültigen Liste vom 21. Oktober
         2005 gegen keinerlei Vorschrift der Grundverordnung verstoßen zu haben. Selbst wenn die Anwendung von Art. 18 Abs. 1 der Grundverordnung
         aufgrund der vom Rat geltend gemachten Umstände gerechtfertigt wäre (quod non), gebe es keinen Grund für die Kommission, die vor Ort überprüften und nicht beanstandeten Ausfuhrpreise (die allein maßgeblich
         seien) nicht zu verwenden, denn die Rügen des Rates beträfen nur die Menge der ausgeführten Schuhe. Bei diesen Preisen habe
         es sich daher für die Kommission um verfügbare Fakten im Sinne von Art. 18 Abs. 1 der Grundverordnung gehandelt.
      
      91      Ferner habe die Kommission auf die Ausführungen, die sie mit Schreiben vom 6. März 2006 vorgetragen habe, nicht geantwortet
         und sich auch zu den von ihr bei der Überprüfung vor Ort gegebenen Erläuterungen nicht geäußert, mit denen die Kommission
         sämtliche Unstimmigkeiten hätte klären, sämtliche Daten über die Preise hätte bestätigen und die Besonderheiten der Vertriebskette
         der Klägerin hätte zur Kenntnis nehmen können. Somit habe die Kommission diese Liste nicht sorgfältig und unvoreingenommen
         geprüft.
      
      92      Ferner macht die Klägerin geltend, dass sie bei der Überprüfung vor Ort nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden sei, dass
         die Kommission keine erneuten Korrekturen akzeptiere, obwohl sie der Kommission die mit der Ausarbeitung der endgültigen Liste
         verbundenen Schwierigkeiten erläutert habe. Das Verhalten der Kommission habe vielmehr klar zum Ausdruck gebracht, dass sie
         es nicht ausschließe, dass sie – wie sie es im Übrigen auch bei anderen Daten gemacht habe – die berichtigten Listen prüfen
         werde.
      
      93      Bezüglich der cif-Preise, frei Grenze der Gemeinschaft (siehe oben, Randnrn. 25 und 26), habe sie bei der Untersuchung darauf
         hingewiesen, dass in den Rechnungen für diese Verkäufe fob-Preise und nicht cif-Preise, frei Grenze der Gemeinschaft, angegeben
         seien. Deshalb könne sie keine Angaben zu den Kosten machen, die zwischen Ausgang Herstellungsbetrieb und Ankunft an der Gemeinschaftsgrenze
         entstanden seien und zu denen die beträchtliche, von den unabhängigen Handelsgesellschaften erzielte Gewinnspanne gehöre,
         deren Höhe ihr nicht bekannt sei. Da sie die cif-Werte, frei Grenze der Gemeinschaft, nicht habe in Erfahrung bringen können,
         habe sie die Kommission gebeten, sich auf die zuverlässigen, von den unabhängigen Handelsgesellschaften zur Verfügung gestellten
         Daten über die Kosten zu stützen, die zwischen fob-Verkauf und Ankunft an der Gemeinschaftsgrenze entstanden seien. Sie habe
         demzufolge „nach besten Kräften gehandelt“, um die ihr vorliegenden Angaben zu übermitteln, und die Kommission hätte diese
         ergänzen können, um zu „angemessenen und zuverlässigen Feststellungen“ zu gelangen.
      
      94      Der Rat tritt mit Unterstützung der Kommission dem Vorbringen der Klägerin entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      95      Es ist festzustellen, dass sich die Verfahrensbeteiligten über den Sachverhalt, der diesem Klagegrund zugrunde liegt, nicht
         einig sind. Während die Klägerin behauptet, die Bediensteten der Kommission hätten eine Stichprobe der Ausfuhrverkäufe der
         betroffenen Ware in die Gemeinschaft bilden, die damit zusammenhängenden Unterlagen prüfen und schließlich die Ausfuhrpreise
         überprüfen können, wird dies vom Rat weitgehend bestritten. Dieser meint, die Bediensteten der Kommission hätten bei der Überprüfung
         vor Ort die Unterlagen über die Ausfuhren der betroffenen Ware in die Gemeinschaft nicht prüfen können und somit keine Überprüfung
         der Ausfuhrpreise vorgenommen.
      
      96      Dazu ist festzustellen, dass der Rat nicht bestreitet, dass die Bediensteten der Kommission am ersten Tag der Überprüfung
         vor Ort tatsächlich eine Stichprobenauswahl der Ausfuhrverkäufe der betroffenen Ware in die Gemeinschaft getroffen haben.
         Der Rat führt das darauf zurück, dass die Bediensteten der Kommission zu diesem Zeitpunkt noch nicht gewusst hätten, welche
         der beiden von der Klägerin vorgelegten Tabellen – die vom 12. oder die vom 19. September 2005 – korrekt sei. Wenn sich daher
         die Liste vom 19. September 2005, auf deren Grundlage die Überprüfung erfolgt sei, als korrekt herausgestellt hätte, hätten
         die Bediensteten der Kommission am nächsten Tag, nachdem die Klägerin in der Zwischenzeit über die in die Stichprobe einbezogenen
         Geschäfte sämtliche Unterlagen zusammengestellt hätte, die Stichprobenauswahl überprüft.
      
      97      Der Rat weist jedoch zutreffend darauf hin, dass die Überprüfung einer Stichprobenauswahl von Geschäften zum Zweck der Ermittlung
         des Ausfuhrpreises anhand sämtlicher Geschäfte, die in der jedes einzelne Geschäft enthaltenden Liste der Verkäufe in die
         Gemeinschaft aufgeführt sind, keinen Sinn hat, wenn feststeht, dass diese Liste auch Ausfuhrverkäufe einschließt, die in ihr
         nicht aufgeführt sein dürften. Wenn nämlich feststeht, dass eine solche Liste in erheblichem Umfang nicht zuordnungsfähige
         Verkäufe enthält – entweder von Waren, die unter die Definition der betroffenen Ware fallen, oder von Waren, bei denen es
         sich nicht um Ausfuhren in die Gemeinschaft handelt –, ändert die Überprüfung einer Stichprobenauswahl von Verkäufen, selbst
         wenn sie sich als schlüssig erweisen sollte, nichts daran, dass man sich nicht auf alle in der Liste enthaltenen Geschäftsdaten
         stützen kann, weil diese Liste nicht zuverlässig ist.
      
      98      Im vorliegenden Fall haben die Verfahrensbeteiligten erstens nicht bestritten, dass die Bediensteten der Kommission bei der
         Überprüfung vor Ort mit den Vertretern der Klägerin Einigkeit über das Gesamtvolumen der Ausfuhren der betroffenen Ware in
         die Gemeinschaft (… [vertraulich] Paar Schuhe) erzielt haben. Die Verfahrensbeteiligten sind sich auch darüber einig, dass die Angabe dieses Volumens dem
         Hauptbuch der Klägerin entnommen wurde. Demzufolge ist festzustellen, dass die gegenüber der Kommission gemachten Angaben
         vom 19. September 2005 (… [vertraulich] Paar Schuhe, siehe oben, Randnr. 87) zum Ausfuhrvolumen gegenüber den tatsächlichen Ausfuhren der betroffenen Ware in die
         Gemeinschaft um etwa 60 % überhöht waren, ohne dass es möglich gewesen wäre, bei der Überprüfung vor Ort die nicht einschlägigen
         Ausfuhren festzustellen. Außerdem ist daran zu erinnern, dass die Klägerin bereits am 12. September 2005 eine dritte Zahl
         in Höhe von … [vertraulich] Paar Schuhen nannte. Obwohl die Klägerin also Daten über das Gesamtvolumen ihrer Ausfuhren in die Gemeinschaft besaß, enthielten
         die Listen, die sie im Laufe des Verfahrens vorlegte, widersprüchliche Angaben und boten darüber hinaus keinen Ansatz zur
         Klärung der festgestellten Widersprüche.
      
      99      Zweitens hat die Kommission in Beantwortung einer schriftlichen Frage des Gerichts vorgetragen, dass sie den Ausfuhrpreis
         unter Berücksichtigung sämtlicher in der Liste enthaltenen Geschäfte ermittelt hätte, wenn die jedes einzelne Geschäft enthaltende
         Liste der Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt, die die Klägerin vor oder bei der Überprüfung vor Ort vorgelegt habe, nicht
         die festgestellten Abweichungen enthalten hätte. Sie hätte diese Liste als zuverlässig angesehen, wenn diese zum einen mit
         dem im Hauptbuch der Klägerin angegebenen Gesamtvolumen der Ausfuhren der betroffenen Ware übereingestimmt hätte und zum anderen,
         wenn es gelungen wäre, eine Stichprobe von Geschäften zu überprüfen.
      
      100    Drittens ist festzustellen, dass die Akten keinen Hinweis darauf enthalten, dass die Bediensteten der Kommission die Daten
         aus der bei der Überprüfung vor Ort gebildeten Stichprobe der Verkäufe tatsächlich geprüft haben. Die Kriterien, auf die sich
         die Klägerin stützt und die auf handschriftlichen Anmerkungen beruhen, die die Bediensteten der Kommission in der von der
         Klägerin zur Verfügung gestellten, jedes einzelne Geschäft enthaltenden Liste ihrer Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt in
         Bezug auf bestimmte Geschäfte gemacht haben, beweisen überdies, dass diese Bediensteten die Verkäufe in die Stichprobe einbezogen
         haben, nicht jedoch, dass sie die Unterlagen über jeden dieser Verkäufe geprüft haben.
      
      101    Viertens ergibt sich aus den Akten nicht, dass sich die Kommission entweder bei der Überprüfung vor Ort oder später dazu bereit
         erklärt hätte, eine jedes einzelne Geschäft enthaltende Liste der Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt entgegenzunehmen und
         zu prüfen, die das tatsächliche Gesamtvolumen der Ausfuhren der betroffenen Ware auf den Gemeinschaftsmarkt wiedergibt. Dazu
         ist zu bemerken, dass es sich bei der Mitteilung, auf die die Klägerin ihr Vorbringen stützt, um eine E-Mail vom 13. Oktober
         2005 ihres Prozessbevollmächtigten an einen ihrer Mitarbeiter handelt. In diesem Schreiben heißt es erstens, dass ein Bediensteter
         der Kommission es akzeptiert habe, eine Frist zu verlängern, die für die Übermittlung bestimmter Daten für die Ermittlung
         des Normalwerts (Produktionskosten) gesetzt worden sei, und zweitens, dass derselbe Bedienstete wissen wolle, ob die im Besitz
         der Kommission befindliche, jedes einzelne Geschäft enthaltende Liste der Verkäufe der Klägerin auf dem Gemeinschaftsmarkt
         endgültig sei.
      
      102    Abgesehen davon, dass dieses Schreiben nicht von der Kommission, sondern von der Klägerin stammt, geht aus ihm nicht hervor,
         dass die Kommission für das Übermitteln einer korrigierten Fassung der jedes einzelne Geschäft enthaltenden Liste der auf
         dem Gemeinschaftsmarkt getätigten Verkäufe eine Frist bis zum 21. Oktober 2005 gesetzt hätte. Außerdem bedeutet die Tatsache,
         dass die Kommission in Bezug auf den Normalwert die Übermittlung berichtigter Daten, z. B. über die Produktionskosten, nach
         der Überprüfung vor Ort akzeptierte, nicht, dass die Kommission ganz allgemein bereit gewesen wäre, nach der Überprüfung vor
         Ort die Übermittlung korrigierter Daten in Bezug auf irgendeinen anderen Aspekt zu akzeptieren. Aus den bei der Überprüfung
         vor Ort erstellten handschriftlichen Anmerkungen über die Produktionskostentabelle, die die Klägerin im Rahmen ihrer Antwort
         auf den Antidumping-Fragebogen übermittelt hatte, wird deutlich, dass die Bediensteten der Kommission die Klägerin gebeten
         hatten, nur eine ganz bestimmte Berichtigung vorzunehmen, nämlich zu den Kosten der Sun Sang Kong Yuen (Hongkong) einen bestimmten
         Betrag zu addieren.
      
      103    Fünftens ist darauf hinzuweisen, dass Art. 18 der Grundverordnung die Umsetzung von Nr. 6.8 und des Anhangs II des Antidumping-Kodex
         1994 in das Gemeinschaftsrecht darstellt und nach Möglichkeit im Licht dieser Bestimmungen auszulegen ist (vgl. in diesem
         Sinne Urteil des Gerichts vom 24. September 2008, Reliance Industries/Rat und Kommission, T‑45/06, Slg. 2008, II‑0000, Randnr.
         91). Dazu ist zu bemerken, dass der Rückgriff auf verfügbare Daten gerechtfertigt ist, wenn sich ein Unternehmen weigert,
         mitzuarbeiten, oder wenn es unwahre oder irreführende Informationen vorlegt, denn Art. 18 Abs. 1 Satz 2 der Grundverordnung
         setzt kein vorsätzliches Handeln voraus.
      
      104    Das Ausmaß der Bemühungen, die eine interessierte Partei im Hinblick auf die Übermittlung bestimmter Auskünfte unternimmt,
         hängt nicht unbedingt mit der Qualität der gewährten Auskünfte zusammen und ist auf jeden Fall nicht das einzig maßgebliche
         Kriterium. Die Kommission ist daher, wenn sie die erbetenen Auskünfte letztlich nicht erhalten hat, berechtigt, auf verfügbare
         Daten zu den erbetenen Auskünften zurückzugreifen (vgl. in Bezug auf Nr. 6.8 des Antidumping-Kodex 1994 den von einem WTO-Panel
         erstellten und am 1. Oktober 2002 angenommenen Bericht mit dem Titel „Ägypten – endgültige Antidumpingmaßnahmen für die Einfuhr
         von Stahlbewehrungsstäben mit Ursprung in der Türkei“, Nr. 7.242).
      
      105    Für diese Auffassung spricht Art. 18 Abs. 3 der Grundverordnung, wonach die übermittelten Informationen, wenn sie sich nicht
         in jeder Hinsicht als vollkommen erweisen, nicht unberücksichtigt bleiben, sofern sie angemessene und zuverlässige Feststellungen
         nicht über Gebühr erschweren und sofern sie fristgerecht übermittelt werden, nachprüfbar sind und die interessierte Partei
         nach besten Kräften gehandelt hat. Die Tatsache, nach besten Kräften gehandelt zu haben, ist daher eine der Voraussetzungen
         für die Verpflichtung der Kommission, mit Mängeln behaftete Informationen zu berücksichtigen. Wie sich jedoch aus der vorstehenden
         Randnr. 98 ergibt, waren die Daten, die die Klägerin der Kommission im Laufe des Verwaltungsverfahrens über ihre Ausfuhrverkäufe
         übermittelte, widersprüchlich, obwohl sie Daten über ihre sämtlichen Ausfuhren in die Gemeinschaft besaß, so dass nicht davon
         die Rede sein kann, dass sie nach besten Kräften gehandelt hat.
      
      106    Unter diesen Umständen war die Kommission nicht verpflichtet, zum Zweck der Ermittlung der Ausfuhrpreise die von der Klägerin
         vor der Überprüfung vor Ort übermittelten, jedes einzelne Geschäft enthaltenden Listen der auf dem Gemeinschaftsmarkt getätigten
         Verkäufe zu berücksichtigen, da die Verwendung sämtlicher darin enthaltenen Daten zwangsläufig zu einem falschen Ergebnis
         geführt hätte (siehe oben, Randnrn. 97 bis 99).
      
      107    Zu der am 21. Oktober 2005 übermittelten Liste ist zu bemerken, dass die Kommission – obwohl die Gemeinschaftsorgane berechtigt
         sind, Informationen, die ihnen nach Ablauf der von ihnen selbst gesetzten Fristen übermittelt wurden, zu berücksichtigen (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 13. Juli 2006, Shandong Reipu Biochemicals/Rat, T‑413/03, Slg. 2006, II‑2243, Randnr.
         67) – berechtigt war, eine Berücksichtigung dieser Liste abzulehnen, da diese nicht ohne einen zweiten Termin vor Ort hätte
         überprüft werden können.
      
      108    Hinzu kommt, dass die Kommission mit ihrer Auffassung, dass die Ausfuhrpreise anhand der zur Zeit der Überprüfung vor Ort
         verfügbaren Daten nicht hätten wirksam ermittelt werden können (siehe oben, Randnrn. 97 bis 99), ihr Ermessen nicht überschritten
         hat. Diese Auffassung beruht darauf, dass die nach der genannten Überprüfung vor Ort übermittelte Liste nach Ansicht der Kommission
         für die Ermittlung der Ausfuhrpreise nicht verwendet werden konnte, weil sie die von der Stichprobe erfassten Geschäfte nicht
         überprüft habe. Die Tatsache, dass die von der Stichprobe erfassten Geschäfte auch in der am 21. Oktober 2005 übermittelten
         Liste aufgeführt sind, ist unter diesen Umständen unerheblich.
      
      109    Aus den erheblichen Widersprüchen, die in Bezug auf die von der Klägerin im Verwaltungsverfahren übermittelten, jedes einzelne
         Geschäft enthaltenden Listen der auf dem Gemeinschaftsmarkt getätigten Verkäufe festgestellt wurden, ist zu schließen, dass
         die Klägerin bei der Ermittlung ihrer Ausfuhrpreise nicht im Sinne von Art. 18 der Grundverordnung mitgearbeitet hat. Daher
         ist der zweite Klagegrund zurückzuweisen.
      
      110    Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass der von der Klägerin im Rahmen des ersten Klagegrundes geltend gemachte Fehler
         nicht zur Folge haben kann, dass die angefochtene Verordnung rechtswidrig wäre, denn selbst wenn der Klägerin der MWS zuerkannt
         worden wäre, hätten die Gemeinschaftsorgane auf sie in jedem Fall die gewogene durchschnittliche Dumpingspanne der in die
         Stichprobe einbezogenen Wirtschaftsteilnehmer angewandt. Daraus folgt, dass auch der erste Klagegrund zurückzuweisen ist.
      
      111    Angesichts der Zurückweisung des zweiten Klagegrundes braucht der Antrag des Rates, bestimmte Teile der Antworten der Klägerin
         auf schriftliche Fragen des Gerichts aus der Akte zu entfernen (siehe oben, Randnr. 67), nicht geprüft zu werden.
      
       Zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3 der Grundverordnung
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      112    Die Klägerin meint in Bezug auf die Ermittlung der Ausfuhrpreise, dass der Rat in der angefochtenen Verordnung berücksichtigt
         habe, dass sie ihre Produkte an unabhängige Handelsgesellschaften verkauft habe, die zwischen den chinesischen Herstellern
         und den auf dem Gemeinschaftsmarkt niedergelassenen Wiederverkäufern als Zwischenhändler gewirkt hätten.
      
      113    Unabhängige Handelsgesellschaften wie Pagoda, ein Unternehmen, das als Zwischenhändler umfangreiche Verkäufe auf dem Gemeinschaftsmarkt
         tätige, trügen einen erheblichen Teil der Produktions‑ und Vertriebskosten, insbesondere in Bezug auf Marketing, Organisation
         der Ausfuhren, Forschung und Entwicklung. Diese Kosten und die Gewinne der Handelsgesellschaften hätten bei der Bestimmung
         des cif-Preises, frei Grenze der Gemeinschaft, und insofern bei der Ermittlung der Preisunterbietung und der aus den Ausfuhren
         der Klägerin resultierenden Schädigung berücksichtigt werden müssen.
      
      114    Obwohl die Kommission die Zahlen betreffend die Rolle und die Gewinnspannen der Handelsgesellschaften kenne, habe sie gegen
         ihre Pflicht aus Art. 3 der Grundverordnung und Art. 3 des Antidumping-Kodex 1994 verstoßen, sämtliche einschlägigen Gesichtspunkte
         einer objektiven Prüfung zu unterziehen, um festzustellen, ob eine Schädigung vorliege. Die Kommission habe dadurch, dass
         sie zum einen nicht sämtliche angefallenen Kosten, vom fob-Preis der Klägerin bis hin zur Ankunft an der Gemeinschaftsgrenze,
         berücksichtigt und zum anderen die Gewinne der unabhängigen Handelsgesellschaften wie Pagoda außer Acht gelassen habe, die
         Preisunterbietungsspanne der Klägerin fehlerhaft berechnet. Bei zutreffender Berechnung wäre ein niedrigerer oder sogar überhaupt
         kein Antidumpingzoll verhängt worden.
      
      115    Daraus folge, dass die Berücksichtigung der vorstehend genannten Gesichtspunkte in dem Fall, dass der Klägerin der MWS zuerkannt
         worden wäre, zu einer im Verhältnis zu ihrer Dumpingspanne niedrigeren Schädigungsspanne hätte führen können.
      
      116    Der Rat stellt zunächst die Zulässigkeit dieses Klagegrundes unter Hinweis darauf in Frage, dass dieser Klagegrund insofern
         nicht den Anforderungen des Art. 44 der Verfahrensordnung genüge, als der ihm zugrunde liegende Sachverhalt nicht klar dargelegt
         worden sei. Es handele sich nämlich um einen Klagegrund ohne kohärente Begründung. Mit den mit diesem Klagegrund aufgestellten
         Behauptungen werde der von den Gemeinschaftsorganen festgestellte Sachverhalt nicht in Frage gestellt und kein von diesen
         begangener Fehler dargetan.
      
      117    Ferner habe es die Klägerin versäumt, darauf hinzuweisen, dass der Grund, weshalb für sie kein Ausfuhrpreis ermittelt worden
         sei, darin zu sehen sei, dass es an einer zuverlässigen, jedes einzelne Geschäft enthaltenden Liste ihrer Verkäufe in der
         Gemeinschaft fehle. Deshalb sei ihr Ausfuhrpreis bei der Berechnung der Preisunterbietungsspanne hinsichtlich der chinesischen
         Einfuhren nicht verwendet worden. Diese Spannen seien im Hinblick auf die Ausfuhrpreise der in die Stichprobe einbezogenen
         Unternehmen festgelegt worden, die vollen Umfangs kooperiert hätten. Selbst wenn die Gemeinschaftsorgane daher zu den Ausfuhrpreisen
         der Klägerin die Spanne der zwischengeschalteten Handelsgesellschaften hätten addieren müssen, würde dies am Endergebnis nichts
         ändern.
      
       Würdigung durch das Gericht
      118    Zunächst ist die vom Rat erhobene, vorstehend in Randnr. 116 zusammengefasste Einrede der Unzulässigkeit zurückzuweisen. Die
         Klägerin hat nämlich eindeutig geltend gemacht, dass die Nichtberücksichtigung der Tatsache, dass es Handelsgesellschaften
         wie Pagoda gebe, und die Nichtberücksichtigung der von diesen Handelsgesellschaften erzielten Gewinnspannen bei der Berechnung
         der Schädigungsspanne einen Verstoß gegen Art. 3 Abs. 2 der Grundverordnung darstelle, da diese Vorschrift eine objektive
         Prüfung der Preisunterbietung verlange. Im Übrigen hat die Klägerin mit dem Hinweis darauf, dass die unabhängigen Handelsgesellschaften
         ihre Gewinnspannen erzielten, bevor die Produkte in die Gemeinschaft gelangten, den Grund dafür genannt, weshalb die Gemeinschaftsorgane
         ihrer Ansicht nach die genannten Spannen bei der Ermittlung ihrer eigenen Ausfuhrpreise hätten berücksichtigen müssen, wenn
         sie diese Preisunterbietung objektiv ermitteln wollten. Die Klägerin hat also ihre Rügen hinreichend genau vorgetragen, damit
         der Rat erkennen kann, welche Unterlassungen ihm vorgeworfen werden und welche Bedeutung sie für die Berechnung der Schädigung
         haben, und damit das Gericht die Begründetheit des fraglichen Vorbringens prüfen kann.
      
      119    Hinsichtlich der Begründetheit des Klagegrundes ergibt sich aus den vorstehenden Randnrn. 112 bis 115, dass die Klägerin dem
         Rat vorwirft, die Gewinnspannen der Handelsgesellschaften, insbesondere die von Pagoda, bei der Berechnung der cif-Preise
         ihrer Ausfuhren, frei Grenze der Gemeinschaft, zum Zweck der Ermittlung der Preisunterbietung nicht berücksichtigt zu haben.
      
      120    Dazu ist zu bemerken, dass die Gemeinschaftsorgane, wie sich aus der Prüfung des zweiten Klagegrundes (siehe oben, Randnrn.
         95 bis 110) ergibt, ihr Ermessen nicht durch die Feststellung überschritten haben, dass die von der Klägerin übermittelte,
         jedes einzelne Geschäft enthaltende Liste der Verkäufe in der Gemeinschaft für die Ermittlung der Ausfuhrpreise der von ihr
         hergestellten Produkte nicht habe verwendet werden können. Selbst wenn die Gemeinschaftsorgane daher die Preisunterbietungsspanne
         unter Berücksichtigung der zwischengeschalteten Handelsgesellschaft Pagoda bei der Ermittlung der cif-Preise, frei Grenze
         der Gemeinschaft, der Klägerin hätten berechnen müssen, hätte dies auf die Berechnung der Preisunterbietungsspanne keinen
         Einfluss gehabt. Da nämlich der Ausfuhrpreis der Waren der Klägerin bei der Berechnung der Preisunterbietung nicht verwendet
         wurde, kann die Berücksichtigung der Gewinnspannen, die Pagoda im Rahmen der Vermarktung der genannten Waren in der Gemeinschaft
         erzielte, auf die Preisunterbietungsspanne, die anhand der Ausfuhrpreise der übrigen in die Stichprobe einbezogenen Unternehmen
         festgelegt wurde, die in vollem Umfang kooperierten, keinen Einfluss haben.
      
      121    Daraus folgt, dass der dritte Klagegrund zurückzuweisen ist
      
       Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 20 der Grundverordnung, Verletzung der Verteidigungsrechte und mangelhafte Begründung
            
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      122    Die Klägerin macht geltend, die Gemeinschaftsorgane hätten ihr weder die neue Sachverhaltsanalyse in Bezug auf die angebliche
         Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft in angemessener Weise übermittelt noch eine Möglichkeit geboten, sich zu
         dieser neuen Beurteilung der Ausgestaltung der endgültigen Antidumpingzölle (siehe oben, Randnrn. 41 bis 48) zu äußern. Außerdem
         habe die Kommission nicht hinreichend erläutert, weshalb sie ihre Analyse habe ändern und andere Daten habe verwenden müssen
         als die, die ihrem ersten Vorschlag zugrunde gelegen hätten.
      
      123    Während die Kommission in dem Dokument zur endgültigen Unterrichtung die Auffassung vertreten habe, dass die Einfuhr von 140 Mio.
         Paar Schuhen pro Jahr für den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft keine schädigenden Auswirkungen habe, habe sie diese Zahl
         in ihrem ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung erheblich verringert, ohne zu erläutern, wodurch diese Änderung
         gerechtfertigt sei. Diese Änderung habe durch eine Manipulation an der Grundlage der Vergleichsjahre die „widersinnige Wirkung“
         gehabt, die Höhe der China und Vietnam auferlegten Zölle umzukehren. Die durch ein Delayed Duty System eingeführten Kontingente
         hätten den wirtschaftlichen Zweck gehabt, dem aus dem Volumen der Einfuhren resultierenden Druck entgegenzuwirken, obwohl
         diese nicht auf unlautere Praktiken zurückzuführen gewesen seien, während Antidumpingmaßnahmen als Reaktion auf unlautere
         Dumpingpraktiken gedacht seien. In Anbetracht dieser Unterschiede sei die fünftägige Äußerungsfrist, die die Kommission der
         Klägerin im Hinblick auf den neuen Vorschlag gesetzt habe, unzureichend. Sie habe sich darüber im Verwaltungsverfahren beschwert.
      
      124    Die angefochtene Verordnung, in deren 301. Erwägungsgrund es heiße, dass der letzte Vorschlag der Kommission angenommen worden
         sei, nenne für diese Abweichung keine ausreichende Begründung und keine Gründe, die eine Anwendung der neuen Methode rechtfertigten.
         Der 301. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung gebe vielmehr lediglich den Wortlaut von Nr. 280 des ergänzenden Dokuments
         zur endgültigen Unterrichtung wieder, das keine weiteren Angaben enthalte. Außerdem enthalte das ergänzende Dokument zur endgültigen
         Unterrichtung keine Zahl oder Berechnung, die der im 301. Erwägungsgrund beschriebenen Methode zugrunde liege, und verdeutliche
         nicht, weshalb andere Jahre, Werte und Mengen zur Anwendung kämen als im ersten Vorschlag. Außerdem hätten die Gemeinschaftsorgane
         gegen Art. 20 der Grundverordnung verstoßen, der eine Unterrichtung über die wesentlichen Tatsachen und Erwägungen vorschreibe,
         auf deren Grundlage die Kommission den Erlass endgültiger Maßnahmen beabsichtige. Die Sachverhaltsbeurteilung, die dem neuen
         Ansatz der Kommission zugrunde liege, sei nämlich weder erläutert worden noch gerechtfertigt.
      
      125    Überdies habe die Kommission die Verteidigungsrechte der Klägerin dadurch verletzt, dass sie es ihr nicht ermöglicht habe,
         ihren Standpunkt zu einer Reihe wichtiger Fragen geltend zu machen, wie etwa dazu, ob der neue Vorschlag sachgerecht sei,
         ob der vorgetragene Sachverhalt und die genannten Umstände zutreffend und erheblich seien, sowie zu Fragen nach den durchgeführten
         Berechnungen und den von der Kommission angeführten Kriterien, auf die sie ihre Schlussfolgerungen betreffend Dumping und
         die Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft stütze. Die beiden Systeme wiesen nämlich in der Sachverhaltsanalyse,
         auf die sie sich stützten, grundlegende Unterschiede auf. Diese Unterschiede hätten für die chinesischen und die vietnamesischen
         Hersteller völlig entgegengesetzte Folgen gehabt, ohne dass die Kommission erläutert habe, wie sie zu diesem Ergebnis gekommen
         sei, oder den Betroffenen Gelegenheit gegeben habe, ihre Verteidigungsrechte wahrzunehmen.
      
      126    Der Versuch des Rates, die Unterschiede zwischen den beiden Vorschlägen unter Hinweis darauf herunterzuspielen, dass das gewählte
         System die Tatsache berücksichtige, dass lediglich Einfuhren oberhalb bestimmter Mindestmengen eine Schädigung verursachten,
         führe dazu, dass auf Einfuhren, die keine Schädigung verursachten, Antidumpingzölle erhoben würden, was gegen Art. 1 Abs. 1
         der Grundverordnung verstoße. Im Übrigen könne der Klägerin die Tatsache, dass sie innerhalb einer kürzeren als der nach Art. 20
         Abs. 5 der Grundverordnung vorgesehenen Mindestfrist von zehn Tagen zu diesem System einige Bemerkungen hätte vorbringen können,
         nicht entgegengehalten werden und ändere auch nichts daran, dass die von der Kommission zur Verfügung gestellten Angaben unzureichend
         seien. Die Frage, ob die von der Kommission eingeräumte Frist zur Wahrung der Verteidigungsrechte der Klägerin angemessen
         sei, sei nämlich im Hinblick auf das Ausmaß der Änderung der von der Kommission gewählten Methode sowie das Fehlen von Angaben
         oder Erläuterungen zu der neuen Beurteilung der Rechts- und Sachlage zu beantworten. Wenn die Gemeinschaftsorgane zu der von
         ihnen gewählten Methode und der von ihnen vorgenommenen Sachverhaltsbeurteilung keine angemessenen Erläuterungen gäben, sei
         die Tatsache, dass einige Bemerkungen hätten vorgebracht werden können, von geringem Gewicht und bedeute nicht, dass die sich
         aus Art. 20 der Grundverordnung, aus den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts und aus dem Recht der WTO ergebenden
         Anforderungen erfüllt seien. Außerdem habe die Kommission selbst einen sehr engen Zeitplan aufgestellt, was eine etwaige Verlängerung
         der Frist, die für die Einreichung von Stellungnahmen zum ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung gewährt worden
         sei, völlig ausgeschlossen habe. Außerdem hätten sich die mehrmonatigen Diskussionen auf das Delayed Duty System und nicht
         auf das letztlich gewählte System bezogen.
      
      127    Die Klägerin ist der Auffassung, sie habe aufgrund der Unzulänglichkeiten des ergänzenden Dokuments zur endgültigen Unterrichtung
         und der unzureichenden Frist, die ihr gesetzt worden sei, keine Möglichkeit gehabt, der Kommission die Gründe vorzutragen,
         weshalb der gewählte Ansatz unangemessen oder nicht sachgerecht sei, oder ihre Auffassung zur Methode und zu den Zahlenangaben
         darzutun, die dem in diesem Dokument enthaltenen Vorschlag zugrunde lägen.
      
      128    Schließlich komme noch hinzu, dass sie, wenn sie sich in angemessener Art und Weise hätte äußern können, vorgetragen hätte,
         dass erstens das vorgeschlagene System einem Verstoß gegen Art. 1 Abs. 1 der Grundverordnung gleichkomme, da es auf die Erhebung
         von Antidumpingzöllen auf Einfuhren hinauslaufe, die keine Schädigung verursachten, dass zweitens für sie eine individuelle
         Schädigungsspanne hätte berechnet werden müssen und dass drittens der letzte Vorschlag der Kommission nicht sachgerecht und
         unverhältnismäßig sei, da die geänderte Sachverhaltsbeurteilung, die weder erläutert worden noch gerechtfertigt sei, die „widersinnige
         Wirkung“ gehabt habe, die jeweilige Last der Antidumping-Maßnahmen zwischen China und Vietnam umzukehren.
      
      129    Der Rat tritt mit Unterstützung der Kommission und der CEC dem Vorbringen der Klägerin entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      130    Mit ihrem vierten Klagegrund macht die Klägerin erstens geltend, dass die Gemeinschaftsorgane dadurch gegen Art. 20 der Grundverordnung
         verstoßen hätten, dass die Kommission nicht mitgeteilt habe, worauf sie die Berechnungen im ergänzenden Dokument zur endgültigen
         Unterrichtung gestützt habe, und ihr keine im Einklang mit Art. 20 Abs. 5 der Grundverordnung stehende ausreichende Frist
         für eine umfassende Stellungnahme zum neuen Ansatz der Kommission gesetzt habe.
      
      131    Zweitens trägt sie vor, die Gemeinschaftsorgane hätten weder im Dokument zur endgültigen Unterrichtung noch im ergänzenden
         Dokument zur endgültigen Unterrichtung oder in der angefochtenen Verordnung Gründe zur Rechtfertigung der Methode vorgetragen,
         die angewandt worden sei, um Einfuhrmengen zu berücksichtigen, die keine Schädigung verursacht und die Schädigungsspanne verringert
         hätten, statt auf die unschädlichen Einfuhren keine Antidumpingzölle zu erheben. Dies stelle eine Verletzung der Verteidigungsrechte
         der Klägerin und einen Begründungsmangel dar.
      
      132    Zunächst ist festzustellen, dass Art. 20 der Grundverordnung Einzelheiten zur Ausübung des den betroffenen Parteien, insbesondere
         den Ausführern, zustehenden Rechts auf Anhörung vorsieht, das eines der im Gemeinschaftsrecht anerkannten fundamentalen Rechte
         darstellt und das Recht beinhaltet, über die grundlegenden Tatsachen und Erwägungen unterrichtet zu werden, auf deren Grundlage
         beabsichtigt wird, die Einführung endgültiger Antidumpingzölle zu empfehlen (Urteil des Gerichtshofs vom 27. Juni 1991, Al-Jubail
         Fertilizer/Rat, C‑49/88, Slg. 1991, I‑3187, Randnr. 15, und Urteil des Gerichts vom 19. November 1998, Champion Stationery
         u. a./Rat, T‑147/97, Slg. 1998, II‑4137, Randnr. 55).
      
      133    Unter diesen Umständen ist das Vorbringen der Klägerin in Bezug auf einen Verstoß gegen Art. 20 der Grundverordnung dahin
         auszulegen, dass es sich auf eine Verletzung ihrer in der gemeinschaftlichen Rechtsordnung und auch in dieser Vorschrift verankerten
         Verteidigungsrechte bezieht (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 21. November 2002, Kundan und Tata/Rat, T‑88/98,
         Slg. 2002, II‑4897, Randnr. 131).
      
      134    In dieser Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass die Unternehmen, die von einem dem Erlass einer Antidumpingverordnung vorausgehenden
         Untersuchungsverfahren betroffen sind, im Lauf des Verwaltungsverfahrens in die Lage versetzt worden sein müssen, ihren Standpunkt
         zur Richtigkeit und Erheblichkeit der behaupteten Tatsachen und Umstände sowie zu den Beweisen, auf die die Kommission ihre
         Beurteilung des Vorliegens einer Dumpingpraktik und der daraus resultierenden Schädigung stützt, sachgerecht zu vertreten
         (Urteile Al-Jubail Fertilizer/Rat, oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr. 17, und vom 3. Oktober 2000, Industrie des poudres
         sphériques/Rat, C‑458/98 P, Slg. 2000, I‑8147, Randnr. 99, Champion Stationery u. a./Rat, oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr.
         55, und Kundan und Tata/Rat, oben in Randnr. 133 angeführt, Randnr. 132).
      
      135    Außerdem ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Unvollständigkeit der endgültigen Unterrichtung zur Rechtswidrigkeit
         einer Verordnung zur Einführung endgültiger Antidumpingzölle führt, wenn die betroffenen Parteien aufgrund dieses Versäumnisses
         nicht in der Lage gewesen sind, ihre Interessen sachgerecht zu verteidigen. Das wäre insbesondere dann der Fall, wenn sich
         das Versäumnis auf andere als die für die vorläufigen Maßnahmen herangezogenen Tatsachen und Erwägungen bezöge, denen gemäß
         Art. 20 Abs. 2 der Grundverordnung bei der endgültigen Unterrichtung besondere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Es ist, wie
         sich aus Art. 20 Abs. 4 Satz 4 der Grundverordnung ergibt, aus denselben Gründen auch dann der Fall, wenn sich das Versäumnis
         auf andere Tatsachen oder Erwägungen stützt als die, auf denen ein nach Übermittlung des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung
         ergangener Beschluss der Kommission oder des Rates beruht.
      
      136    Die Kommission hat sich im vorliegenden Fall, wie vorstehend in den Randnrn. 42 bis 44 dargelegt wurde, im Dokument zur endgültigen
         Unterrichtung zunächst für ein Delayed Duty System ausgesprochen, das davon ausging, dass eine Schädigung im Sinne von Art. 3
         der Grundverordnung erst bei Einfuhren von über 140 Mio. Paar Schuhen pro Jahr vorliege. Diese Auffassung beruhte darauf,
         dass bis zum 1. Januar 2005 eine Regelung für mengenmäßige Kontingente galt, die eine solche Schädigung verhindert hätte,
         sowie auf einer Berechnung der im Jahr 2005 aus China eingeführten Mengen. Nach diesem Vorschlag sollte auf Einfuhren aus
         China, die über 140 Mio. Paar Schuhe pro Jahr hinausgehen, ein endgültiger Antidumpingzoll erhoben werden. Dieser Zoll wurde
         in Höhe der Zielpreisunterbietungsspanne von 23 % festgelegt.
      
      137    Die Kommission hat jedoch, wie vorstehend in den Randnrn. 47 und 48 dargelegt, ihren Vorschlag über die zur Beseitigung der
         Schädigung erforderliche Form von Zöllen im Rahmen des ergänzenden Dokuments zur endgültigen Unterrichtung geändert. Dieser
         neue Ansatz ging ebenfalls davon aus, dass es ein Einfuhrvolumen gab, das keine Schädigung im Sinne von Art. 3 der Grundverordnung
         verursachte. Im ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung wichen jedoch sowohl die Methode zur Berechnung des Umfangs
         der nicht schädigenden Einfuhren als auch die Auswirkungen dieser Einfuhren auf die Form der vorgeschlagenen endgültigen Zölle
         von den Ausführungen im Dokument zur endgültigen Unterrichtung ab.
      
      138    Insbesondere wies die Kommission im ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung erstens darauf hin, dass die Zielpreisunterbietungsspanne
         für Einfuhren aus China 23 % betrage. Zweitens stellte sie fest, dass sich die aus diesem Land während des Untersuchungszeitraums
         eingeführten Mengen auf 38 % der Einfuhren aus den beiden Zielländern beliefen. Dieser Prozentsatz, angewandt auf die Gesamtheit
         aller Einfuhren aus China und Vietnam im Jahr 2003 (109 Mio. Paar Schuhe), entspreche etwa 41,5 Mio. Paar Schuhen, einer Menge,
         die den Wirtschaftszweig der Gemeinschaft nicht schädige. Drittens meinte die Kommission, dass diese Menge 28,26 % der Einfuhren
         aus China im Jahr 2005 entspreche. Viertens schließlich senkte sie die ursprünglich festgelegte Schädigungsspanne (23 %) um
         28,26 %, was eine „gewogene“ Schädigungsspanne von 16,5 % ergab.
      
      139    Nach alledem bestehen zwischen der Methode, die im Dokument zur endgültigen Unterrichtung dargelegt wurde, und der im ergänzenden
         Dokument zur endgültigen Unterrichtung dargelegten Methode folgende Unterschiede: Erstens hat die Kommission, statt die Höhe
         der jährlichen nicht schädigenden Einfuhren in Höhe der Einfuhren aus China im Jahr 2005 festzulegen, diese Jahresmenge in
         der Weise festgelegt, dass sie die im Jahr 2003 eingeführten 109 Mio. Paar Schuhe mit 38 % multipliziert hat. Dies ist der
         Prozentsatz, der auf die Einfuhren aus diesem Land im Verhältnis zu sämtlichen Einfuhren aus den beiden Zielländern im Untersuchungszeitraum
         entfällt. Zweitens hat sich die Kommission, statt diese in den Nrn. 278 bis 280 des ergänzenden Dokuments zur endgültigen
         Unterrichtung als nicht schädlich eingestufte Jahresmenge von der Anwendung eines Antidumpingzolls freizustellen, dafür entschieden,
         diese Menge unter Herabsetzung der Schädigungsschwelle und unter Anwendung von Antidumpingzöllen vom ersten eingeführten Paar
         Schuhe an zu berücksichtigen.
      
      140    Dazu ist festzustellen, dass die Tatsache, dass die Kommission ihre Analyse aufgrund der Bemerkungen geändert hat, die ihr
         von den betroffenen Parteien zum Dokument zur endgültigen Unterrichtung übermittelt worden waren, als solche keine Verletzung
         der Verteidigungsrechte darstellt. Aus Art. 20 Abs. 4 Satz 4 der Grundverordnung ergibt sich nämlich, dass das Dokument zur
         endgültigen Unterrichtung einem etwaigen späteren Beschluss der Kommission oder des Rates nicht vorgreift. Diese Vorschrift
         gebietet der Kommission lediglich, so bald wie möglich die Tatsachen und Erwägungen mitzuteilen, die von denen abweichen,
         auf die sie ihren im Dokument zur endgültigen Unterrichtung enthaltenen ursprünglichen Vorschlag gestützt hat. Diese Darlegung
         macht nämlich für die Betroffenen die Gründe verständlich, die die Gemeinschaftsorgane veranlasst haben, ihren Standpunkt
         zu ändern.
      
      141    Um festzustellen, ob die Kommission die in Art. 20 Abs. 4 Satz 4 der Grundverordnung festgelegten Rechte der Klägerin berücksichtigt
         hat, ist folglich des Weiteren zu prüfen, ob die Kommission ihr die Tatsachen und Erwägungen, die der neuen Analyse der Schädigung
         und der Form der zu ihrer Beseitigung erforderlichen Maßnahmen zugrunde gelegt wurden, mitgeteilt hat, soweit diese Tatsachen
         und Erwägungen von denen abweichen, die im Dokument zur endgültigen Unterrichtung zugrunde gelegt worden waren (siehe oben,
         Randnr. 135).
      
      142    Dazu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass die Kommission im ergänzenden Dokument zur endgültigen Unterrichtung ausgeführt
         hat, dass es ihr neuer Vorschlag erlaube, nicht zwischen den verschiedenen Kategorien von Einführern zu unterscheiden.
      
      143    Was sodann die Faktoren angeht, anhand deren die Kommission die Schädigungsspanne von 23 % auf 16,5 % angepasst hat, behauptet
         die Klägerin zu Unrecht, ihr seien diese Faktoren nicht zugänglich gewesen. Die vorstehend in Randnr. 138 beschriebene Methode
         der Anpassung der Schädigungsspanne unter Berücksichtigung eines nicht schädigenden Einfuhrvolumens ist nämlich im ergänzenden
         Dokument zur endgültigen Unterrichtung vorgesehen. Zwar enthält dieses Dokument keine Angaben über das genaue Volumen der
         Einfuhren aus China im Jahr 2005, was eine Nachprüfung ermöglichen würde, ob der Prozentsatz von 28,26 % der Realität entspricht.
         Da die 41,5 Mio. Paar Schuhe jedoch der Kommission zufolge 28,26 % sämtlicher Einfuhren aus China im Jahr 2005 darstellen,
         ist daraus zu schließen, dass diese Einfuhren sich auf 146,85 Mio. Paar Schuhe beliefen. Die Klägerin hat diese Berechnung
         im Übrigen in ihrer E-Mail vom 2. August 2006 selbst angestellt (siehe oben, Randnr. 49).
      
      144    Nach alledem steht fest, dass die Kommission der Klägerin die Gründe für ihre Berechnung der Schädigungsspanne unter Berücksichtigung
         eines bestimmten Volumens nicht schädigender Einfuhren mitgeteilt hat. Außerdem hat sie sämtliche Zahlenangaben, die sie in
         diesem Zusammenhang für einschlägig hielt, erläutert, mit der Folge, dass die Verteidigungsrechte der Klägerin in dieser Hinsicht
         nicht verletzt worden sind.
      
      145    Hinzu kommt, wie der Rat geltend macht, dass sich dieser Klagegrund, wie er in der Klageschrift vorgetragen worden ist, auf
         eine Verletzung der Verteidigungsrechte der Klägerin und nicht auf einen Verstoß gegen Art. 1 Abs. 1 der Grundverordnung bezieht.
         Daraus folgt, dass die Frage, ob das in der angefochtenen Verordnung vorgesehene System mit Art. 1 Abs. 1 der Grundverordnung
         vereinbar ist, soweit es Antidumpingzölle für Einfuhren vorschreibt, die unter dem als nicht schädlich angesehenen jährlichen
         Schwellenwert liegen, als solche dem Gericht nicht zur Prüfung vorgelegt worden ist.
      
      146    Hinsichtlich der gesetzten Frist sind sich die Parteien darüber einig, dass sie am 2. August 2006 abgelaufen ist.
      
      147    Die Kommission hat dadurch, dass sie der Klägerin eine Frist von weniger als zehn Tagen eingeräumt hat, um sich zu dem ergänzenden
         Dokument zur endgültigen Unterrichtung zu äußern, gegen Art. 20 Abs. 5 der Grundverordnung verstoßen (vgl. in diesem Sinne
         Urteil Champion Stationery u. a./Rat, oben in Randnr. 132 angeführt, Randnr. 80). Dieser Umstand allein kann jedoch nicht
         zur Nichtigerklärung der angefochtenen Verordnung führen. Es ist nämlich noch zu prüfen, ob der Umstand, dass die der Klägerin
         zur Verfügung stehende Frist kürzer war als die gesetzliche Frist, geeignet war, ihre Verteidigungsrechte im Rahmen des betreffenden
         Verfahrens konkret zu beeinträchtigen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 28. Oktober 2004, Shanghai Teraoka Electronic/Rat,
         T‑35/01, Slg. 2004, II‑3663, Randnr. 331).
      
      148    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin in ihrer E-Mail vom 2. August 2006 auf die Berechnungen der Kommission verwiesen
         und eine alternative Berechnung vorgelegt hat, die zu einem anderen, ihrer Ansicht nach angemessenen Ergebnis geführt hätte.
         Demzufolge hatte die Klägerin die Begründung der Kommission verstanden und war in der Lage, ihr einen anderen Ansatz vorzuschlagen,
         ohne eine Fristverlängerung zu beantragen. Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass sie in der Lage war, ihre Ansicht
         sachdienlich zum Ausdruck zu bringen.
      
      149    Demzufolge sind die Verteidigungsrechte der Klägerin nicht verletzt worden.
      
      150    Aus denselben Gründen ist das Vorbringen der Klägerin zurückzuweisen, dass hinsichtlich der Methode, die angewandt wurde,
         um die Höhe der Spanne zur Beseitigung der Schädigung zu berechnen, ein Begründungsmangel vorliege. Die Begründung der angefochtenen
         Verordnung ist nämlich unter Berücksichtigung insbesondere der der Klägerin mitgeteilten Informationen und ihrer Stellungnahme
         im Verwaltungsverfahren zu beurteilen (Urteil des Gerichts vom 15. Dezember 1999, Petrotub und Republica/Rat, T‑33/98 und
         T‑34/98, Slg. 1999, II‑3837, Randnr. 107).
      
      151    In den Erwägungsgründen 296 bis 301 der angefochtenen Verordnung werden, wie vorstehend in Randnr. 56 festgestellt worden
         ist, die Überlegungen genannt, die den Rat veranlasst haben, das letztlich angewandte System zu wählen. In Anbetracht der
         Tatsache, dass die Kommission der Klägerin ihre Gründe für die Berechnung der Schädigungsspanne unter Berücksichtigung eines
         bestimmten nichtschädlichen Einfuhrvolumens mitgeteilt und ihr auch sämtliche Zahlenangaben erläutert hat, die sie in diesem
         Zusammenhang für einschlägig hielt (siehe unten, Randnrn. 166 bis 168), ist demnach festzustellen, dass die angefochtene Verordnung
         rechtlich hinreichend begründet ist.
      
      152    Daher ist der vierte Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Zum fünften Klagegrund: Rechtsfehler und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug auf die Schädigung des Wirtschaftszweigs
            der Gemeinschaft
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      153    Die Klägerin ist der Auffassung, dass sich die Entscheidung über die Schädigung nicht auf einen hinreichend langen Zeitraum
         normaler Einfuhren stütze und daher nicht auf zuverlässigen und objektiven Daten beruhe. Da sich der Untersuchungszeitraum
         nämlich vom 1. April 2004 bis zum 31. März 2005 erstreckt habe, sei die Kommission allein unter Berücksichtigung eines Zeitraums
         von drei Monaten, d. h. des ersten Quartals 2005, zu der Überzeugung gelangt, dass die Zunahme der Einfuhren für den Wirtschaftszweig
         der Gemeinschaft nach dem Auslaufen der Kontingentregelung besonders spürbare nachteilige Auswirkungen gehabt habe. Die offensichtlichen
         Anzeichen für das Bestehen einer erheblichen Schädigung im Jahr 2004, auf die die Kommission in Nr. 277 des neuen Abschnitts H
         des ergänzenden Dokuments zur endgültigen Unterrichtung verweise, bedeuteten nicht, dass im Jahr 2004 tatsächlich eine erhebliche
         Schädigung eingetreten sei. Für das Fehlen einer erheblichen Schädigung im Jahr 2004 sprächen die Tatsache, dass die Zunahme
         der Einfuhren in diesem Jahr gegenüber dem Jahr 2003 gering gewesen sei, und Nr. 285 des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung.
      
      154    In den ersten drei Monaten des Jahres 2005 habe die Erschließung eines Marktes begonnen, der über einen Zeitraum von mehr
         als zwölf Jahren einer strengen Kontingentierungsregelung unterlegen habe. Die Kommission habe im Dokument zur endgültigen
         Unterrichtung darauf hingewiesen, dass dieser dem Auslaufen der Kontingentierungsregelung folgende Zeitraum durch die mit
         diesem Ereignis zusammenhängenden Erwartungen künstlich verfälscht worden sei. Die angefochtene Verordnung beruhe daher auf
         Daten für einen kurzen Zeitraum, der aufgrund der Aufhebung der Kontingente keine zuverlässigen Angaben habe liefern können.
         Demzufolge habe der Rat gegen Art. 3 Abs. 2 der Grundverordnung verstoßen. Außerdem gebe es keinen Beweis dafür, dass die
         Kommission die Schädigungsfaktoren für den gesamten Bezugszeitraum geprüft habe. 
      
      155    Schließlich macht die Klägerin geltend, dass die Kontingentierungsregelung nicht dazu bestimmt gewesen sei, die Folgen von
         gedumpten Einfuhren zu beheben.
      
      156    Der Rat tritt dem Vorbringen der Klägerin mit Unterstützung der Kommission und der CEC entgegen.
      
       Würdigung durch das Gericht
      157    Erstens ist zu beachten, dass die Einführung von Antidumpingzöllen keine Sanktion für ein früheres Verhalten darstellt, sondern
         eine Verteidigungs‑ und Schutzmaßnahme gegen den unlauteren Wettbewerb, der sich aus Dumpingpraktiken ergibt. Die Untersuchung
         ist daher auf der Grundlage möglichst aktueller Daten durchzuführen, damit die Antidumpingzölle festgesetzt werden können,
         die der Schutz des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft gegen Dumpingpraktiken erfordert (Urteil Industrie des poudres sphériques/Rat,
         oben in Randnr. 134 angeführt, Randnrn. 91 und 92, und Urteil des Gerichts vom 14. November 2006, Nanjing Metalink/Rat, T‑138/02,
         Slg. 2006, II‑4347, Randnr. 60).
      
      158    Wenn die Gemeinschaftsorgane daher feststellen, dass die Einfuhren eines Produkts, das bislang mengenmäßigen Beschränkungen
         unterlag, nach Auslaufen dieser Beschränkungen zunehmen, können sie diese Zunahme bei ihrer Beurteilung der Schädigung des
         Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft berücksichtigen.
      
      159    Zweitens ergibt sich, wie der Rat hervorhebt, aus der in Nr. 283 des Dokuments zur endgültigen Unterrichtung zum Ausdruck
         gebrachten Auffassung der Kommission, dass das Volumen der Einfuhren nach dem Auslaufen der Kontingentierungsregelung zugenommen
         habe, nicht, dass sich die Gemeinschaftsorgane allein auf diesen quantitativen Aspekt gestützt hätten, um auf das Bestehen
         einer Schädigung zu schließen.
      
      160    Schließlich haben die Gemeinschaftsorgane, wie sich aus den Erwägungsgründen 162, 168 bis 170, 187 bis 206 und 216 bis 240
         der angefochtenen Verordnung ergibt, hinsichtlich der Schädigung und des Kausalzusammenhangs mehrere Faktoren berücksichtigt,
         die sich nicht nur auf das letzte Quartal des Untersuchungszeitraums, sondern auch auf den Bezugszeitraum beziehen.
      
      161    Demzufolge ist auch der fünfte Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Zum sechsten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 2 Abs. 10 der Grundverordnung und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug
            auf den Vergleich von Ausfuhrpreis und Normalwert
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      162    Die Klägerin macht geltend, dass der Rat gegen Art. 2 Abs. 10 der Grundverordnung verstoßen habe, indem er keinen angemessenen
         Vergleich zwischen Ausfuhrpreis und Normalwert gezogen habe. Die von der Kommission für den Vergleich der verschiedenen Schuhmodelle
         angewandte Methode habe nämlich zu fehlerhaften Ergebnissen geführt.
      
      163    Insbesondere habe die Kommission mehrere Schuharten mit sehr unterschiedlichen Produktionskosten und „Ab-Werk-Preisen“ unter
         einer einzigen Warenkontrollnummer zusammengefasst. Deshalb habe der Vergleich der Ausfuhrpreise mit den Inlandspreisen zu
         „weitgehend verfälschten Dumpingspannen“ geführt.
      
      164    Die Kommission habe im Laufe der Untersuchung Beispiele einer einzigen Warenkontrollnummer genannt, unter der Schuhe sehr
         unterschiedlicher Gestaltung zusammengefasst seien, z. B. „elegante Schuhe“ auf der einen und „Mokassins“ auf der anderen
         Seite. Es sei offensichtlich, dass sich diese Schuharten in Bezug auf das verwendete Leder, den Herstellungsprozess und die
         Qualität unterschieden, was unterschiedliche Preise zur Folge habe. Hätte man das System geringfügig verfeinert, so hätte
         dies den Erfordernissen eines angemessenen Vergleichs entsprochen, ohne die Wirksamkeit der Methode in Frage zu stellen. Die
         Kommission habe im Verwaltungsverfahren eingehende Beweise dafür erhalten, dass mehrere Schuharten mit sehr unterschiedlichen
         Preisen unter derselben Warenkontrollnummer zusammengefasst worden seien. Unter diesen Umständen hätte die Kommission ihr
         System verfeinern müssen, und es sei nicht Sache der Klägerin gewesen, ihr ein anderes System vorzuschlagen.
      
      165    Zu der vom Rat hierzu im 143. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung vertretenen Ansicht, wonach maßgeblich sei, dass
         das System der Warenkontrollnummern kohärent angewandt werde, sei zu bemerken, dass die Fehlerhaftigkeit einer Methode durch
         deren kohärente Anwendung nicht beseitigt werde, wobei der Fehler darin liege, dass Waren miteinander verglichen würden, die
         aus der Sicht des Verbrauchers nicht miteinander vergleichbar seien. Außerdem sei in diesem Zusammenhang kein angemessenes
         Kontrollverfahren durchgeführt worden.
      
      166    Das Vorbringen, es seien Anpassungen vorgenommen worden, sei nicht stichhaltig, da die Folgen der genannten Unzulänglichkeiten
         durch die fraglichen Anpassungen nicht beseitigt würden.
      
      167    Hilfsweise macht die Klägerin geltend, dass die Schlussfolgerungen, die der Rat im 143. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung
         gezogen habe, mit einem Begründungsmangel behaftet seien, da die festgestellten Preisunterschiede lediglich hypothetisch nachgewiesen
         und nicht durch konkrete Beweise untermauert worden seien.
      
      168    Außerdem sei ihr nicht mitgeteilt worden, auf welchen Kriterien diese Schlussfolgerungen beruhten. Dies sei eine Verletzung
         ihrer Verteidigungsrechte.
      
      169    Darüber hinaus habe die Kommission das System der Warenkontrollnummern auch angewandt, um die Preisunterbietung und die Höhe
         der zur Beseitigung der Schädigung erforderlichen Antidumpingzölle einzuschätzen. Daher sei das Vorgehen der Kommission offensichtlich
         fehlerhaft, denn es führe z. B. dazu, den cif-Preis eines chinesischen Schuhs der Art „Mokassin“ und den Ab-Werk-Preis eines
         italienischen „eleganten Schuhs“ miteinander zu vergleichen. Diese Methode verhindere eine „objektive und wohlüberlegte Beurteilung“
         des für die Ermittlung der Schädigung einschlägigen Sachverhalts.
      
      170    Der Rat tritt dem Vorbringen der Klägerin mit Unterstützung der Kommission und der CEC entgegen und bezeichnet es als teils
         unzulässig, teils unbegründet. Was die Zulässigkeit des Vorbringens der Klägerin angehe, sei eine pauschale Bezugnahme auf
         Anlagen zur Klageschrift unzulässig. Dies gelte für das Vorbringen in Bezug auf die Erklärungen, die der Kommission im Verwaltungsverfahren
         vorgetragen worden seien.
      
       Würdigung durch das Gericht
      171    Zu der vom Rat geltend gemachten Einrede der Unzulässigkeit ist zu bemerken, dass die Klägerin ihre Rügen hinreichend genau
         vorgetragen hat, damit der Rat erkennen kann, welche Vorwürfe gegen die angefochtene Verordnung erhoben werden und welche
         Bedeutung sie für die Berechnung der Dumpingspanne und der Schädigung haben, und damit das Gericht die Begründetheit des fraglichen
         Vorbringens prüfen kann. Außerdem dient die Bezugnahme auf Anlagen, wie es im vorliegenden Fall geschehen ist, dazu, die Begründetheit
         des Vorbringens in der Klageschrift zu beweisen; dies ist der wesentliche Zweck von Anlagen.
      
      172    Wenn die betroffene Ware eine Vielzahl von in Bezug auf ihre Merkmale und ihre Preise sehr unterschiedlichen Gütern umfasst,
         kann es unerlässlich sein, sie in mehr oder weniger homogenen Gruppen zusammenzufassen. Dieses Vorgehen hat den Zweck, wie
         die Parteien geltend machen, einen angemessenen Vergleich zwischen vergleichbaren Waren zu ermöglichen und dadurch eine fehlerhafte
         Berechnung der Dumpingspanne und der Schädigung durch ungeeignete Vergleiche zu verhindern.
      
      173    Im vorliegenden Fall wurden die chinesischen, die brasilianischen und die gemeinschaftlichen Wirtschaftsteilnehmer von der
         Kommission aufgefordert, ihre Waren im Hinblick auf die in der nachstehenden Tabelle genannten Merkmale mit Kontrollnummern
         zu versehen: 
      
      
               Beschreibung der Bereiche
            
            
               Bedeutung
            
             
         
               Schuhkategorie
            
            
               Geben Sie die Schuhkategorie an. Zur Auswahl stehen:
            
             
          
            
               – Straßenschuhe
            
            
               A
            
          
            
               – Sandalen
            
            
               B
            
          
            
               – mit Zehengreifern
            
            
               C
            
          
            
               – Clogs
            
            
               D
            
          
            
               – andere: Family footwear, Mokassins, geflochtenes Schuhwerk usw.
            
            
               E
            
         
               Verbrauchertyp
            
            
               Geben Sie den Verbrauchertyp an. Zur Auswahl stehen:
            
             
          
            
               – Männer
            
            
               A
            
          
            
               – Frauen
            
            
               B
            
          
            
               – unisex
            
            
               C
            
          
            
               – Kinder
            
            
               D
            
         
               
               Schuhtyp
            
            
               Geben Sie den Warentyp an. Zur Auswahl stehen:
            
             
          
            
               – den Knöchel nicht bedeckend
            
            
               A
            
          
            
               – den Knöchel, jedoch nicht die Beine bedeckend
            
            
               B
            
          
            
               – den Knöchel und die Beine bedeckend
            
            
               C
            
         
               
               
               
               Material der Laufsohle
            
            
               Geben Sie das Material der Laufsohle an. Zur Auswahl stehen:
            
             
          
            
               – Leder oder Lederkombi mit anderen Materialien
            
            
               1
            
          
            
               – Gummi, Crepekautschuk oder Kork
            
            
               2
            
          
            
               – PU (Polyurethan) – PVC (Polyvinylchlorid) 
            
            
               3
            
          
            
               – Holz
            
            
               4
            
          
            
               – andere
            
            
               5
            
         
               
               Futter des Schuhs
            
            
               Ist der Schuh gefüttert? Zur Auswahl stehen:
            
             
          
            
               – gefüttert
            
            
               1
            
          
            
               – nicht gefüttert
            
            
               2
            
         
      174    Ein Straßenschuh, unisex, den Knöchel nicht bedeckend, mit einer Laufsohle aus Gummi und gefüttert fällt so unter die Warenkontrollnummer
         ACA21.
      
      175    Was die Ermittlung der Dumpingspanne angeht, ergibt sich aus der dem Dokument zur endgültigen Unterrichtung beigefügten Tabelle
         auf Seite 303 der Akte, dass die Kommission für jede Warenkontrollnummer anhand der aus Brasilien erhaltenen Daten einen Normalwert
         ermittelt hat. Außerdem ergibt sich aus der Tabelle auf Seite 302 der Akte, dass die Kommission für jede Warenkontrollnummer
         den Normalwert mit dem Ausfuhrpreis verglichen und eine Dumpingspanne in Höhe von 28,95 % errechnet hat.
      
      176    Hinsichtlich der Ermittlung der durch die Ausfuhren aus China verursachten Schädigung ergibt sich aus der Tabelle auf Seite
         299 der Akte, dass die Kommission für jede Warenkontrollnummer pro Paar Schuhe einen Durchschnittspreis ermittelt hat, um
         ihn mit dem Zielpreis zu vergleichen, den der Wirtschaftszweig der Gemeinschaft unter Erzielung eines Gewinns von 6 % (vgl.
         292. Erwägungsgrund der angefochtenen Verordnung) erhalten sollte. Die positive Differenz zwischen den beiden Preisen stellt
         die in Höhe von 23 % ermittelte Zielpreisunterbietung und insofern die Schädigung des Wirtschaftszweigs der Gemeinschaft dar
         (siehe oben, Randnr. 56).
      
      177    Die Klägerin macht im vorliegenden Fall geltend, dass die Kriterien, nach denen die genannten Kategorien eingeführt worden
         seien, derart unbestimmt seien, dass sie dazu geführt hätten, dass im Hinblick auf ihre Merkmale und damit auf ihre Preise
         sehr unterschiedliche Schuhe unter einer einzigen Warenkontrollnummer zusammengefasst worden seien. Das habe sowohl die Berechnung
         der Dumpingspanne als auch die der Schädigung verfälscht. Als Beweis für ihr Vorbringen hat die Klägerin eine Tabelle vorgelegt,
         nach der mehrere Warenkontrollnummern Schuhe mit so unterschiedlichen Preisen erfassten, dass die entsprechenden Waren nicht
         mehr vergleichbar seien. Diese Daten stammten von fünf chinesischen Wirtschaftsteilnehmern, von denen drei in die Stichprobe
         einbezogen worden seien. Die Warenkontrollnummer AAB21 erfasse z. B. gemäß den Angaben des Herstellers Nr. 4 Schuhe zu einem
         Preis von 26,30 US-Dollar (USD) ab Werk ebenso wie Schuhe zu einem Preis von 112,09 USD ab Werk.
      
      178    Dazu ist zu bemerken, dass die Warenkontrollnummern nach den Merkmalen jeder Warenuntergruppe festgelegt sind, die der Definition
         der betroffenen Ware entspricht, und nicht nach dem Preis der einzelnen Artikel. Die Tatsache, dass unter eine Warenkontrollnummer
         Waren mit einem weiten Preisspektrum fallen, ist als solche kein Beweis dafür, dass die zur Anwendung dieses Systems aufgestellten
         Kriterien nicht sachdienlich sind.
      
      179    Die Klägerin hat, wie der Rat bemerkt, nicht dargetan, welche physischen Unterschiede zwischen den Schuhen bestehen, die zu
         hohen Preisen verkauft werden, und denen, die zu niedrigen Preisen verkauft werden, und auch nicht, wie diese Unterschiede
         bei einem anderen System hätten berücksichtigt werden können. Außerdem können, wie der Rat bereits im 143. Erwägungsgrund
         der angefochtenen Verordnung dargelegt hat, die Preisunterschiede auf eine ganze Reihe von Faktoren zurückzuführen sein, wie
         beispielsweise Modetrends und Marktpsychologie, die nicht zwangsläufig die Vergleichbarkeit von Waren, die unter derselben
         Warenkontrollnummer eingeordnet werden, in Frage stellen. Die Klägerin hat daher nicht nachgewiesen, dass das von der Kommission
         eingeführte, auf fünf Merkmalen beruhende System offensichtlich ungeeignet ist.
      
      180    Zu dem Vorbringen der Klägerin, dass die Schuhkategorie E (andere) sowohl „elegante Schuhe“ als auch „Mokassins“ umfasse (siehe
         oben, Randnr. 164), ist, wie auch der Rat hervorhebt, festzustellen, dass dieses Feld nur einem von fünf Kriterien entsprach,
         die zur Erstellung des Systems der Warenkontrollnummern verwendet wurden, und dass die Klägerin nicht nachgewiesen hat, dass
         die Unterschiede so groß waren, dass sie es gerechtfertigt hätten, weitere Schuhkategorien vorzusehen, um einen angemessenen
         Vergleich zu gewährleisten.
      
      181    Zu den Rügen eines Begründungsmangels (siehe oben, Randnr. 167) ist zu bemerken, dass die Gemeinschaftsorgane – da es keinen
         Hinweis darauf gibt, dass die Preisunterschiede auf physische Unterschiede zurückzuführen wären, denen das System der Warenkontrollnummern
         nicht hinreichend Rechnung getragen hätte – nicht verpflichtet waren, die möglichen Ursachen dieser Unterschiede näher zu
         erläutern.
      
      182    Daraus folgt, dass der sechste Klagegrund zurückzuweisen und somit die gesamte Klage abzuweisen ist.
      
       Kosten
      183    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Klägerin unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag des Rates die Kosten aufzuerlegen.
      
      184    Gemäß Art. 87 § 4 der Verfahrensordnung tragen die Kommission, die CEC und die italienischen Hersteller ihre eigenen Kosten.
         
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Achte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Sun Sang Kong Yuen Shoes Factory (Hui Yang) Corp. Ltd trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten des Rates der Europäischen
            Union.
      3.      Die Europäische Kommission, die Confédération européenne de l’industrie de la chaussure (CEC), die BA.LA. di Lanciotti Vittorio & C.
            Sas und die 16 weiteren, im Anhang namentlich aufgeführten Streithelferinnen tragen ihre eigenen Kosten.
      
               Martins Ribeiro 
            
            
                Papasavvas 
            
            
                Dittrich
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 4. März 2010.
      Unterschriften
      Anhang
      Calzaturificio Elisabet Srl mit Sitz in Monte Urano (Italien),
      
      Calzaturificio Iacovelli di Iacovelli Giuseppe & C. Snc mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calzaturificio Leopamy Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calzaturificio Lunella Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calzaturificio Mia Shoe Snc di Gattafoni Carlo & C. mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calzaturificio Primitempi di Monaldi Geri mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calzaturificio R. G. di Rossi & Galie Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Calz. S. G. di Seghetta Giampiero e Sergio Snc mit Sitz in Monte Urano,
      
      Carim Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Florens Shoes SpA mit Sitz in Monte Urano,
      
      Gattafoni Shoe Snc di Gattafoni Giampaolo & C. mit Sitz in Monte Urano,
      
      Grif Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Missouri Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      New Swing Srl mit Sitz in Monte Urano,
      
      Podosan Medical Shoes di Cirilli Michela mit Sitz in Monte Urano,
      
      Viviane Sas mit Sitz in Monte Urano.
      
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtene Verordnung
      Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      Rechtliche Würdigung
      Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 2 Abs. 7 Buchst. c der Grundverordnung
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum zweiten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 18 der Grundverordnung
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3 der Grundverordnung
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 20 der Grundverordnung, Verletzung der Verteidigungsrechte und mangelhafte Begründung
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum fünften Klagegrund: Rechtsfehler und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug auf die Schädigung des Wirtschaftszweigs
         der Gemeinschaft
      
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zum sechsten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 2 Abs. 10 der Grundverordnung und offensichtlicher Beurteilungsfehler in Bezug
         auf den Vergleich von Ausfuhrpreis und Normalwert
      
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.
      
      1 	Nicht veröffentlichte vertrauliche Daten.