CELEX: 32011R1050
Language: de
Date: 2011-10-20 00:00:00
Title: Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1050/2011 der Kommission vom 20. Oktober 2011 zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben (Darjeeling (g.g.A.))

21.10.2011   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               L 276/5
            
         DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) Nr. 1050/2011 DER KOMMISSION
   vom 20. Oktober 2011
   zur Eintragung einer Bezeichnung in das Register der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben (Darjeeling (g.g.A.))
   DIE EUROPÄISCHE KOMMISSION —
   gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union,
   gestützt auf die Verordnung (EG) Nr. 510/2006 des Rates vom 20. März 2006 zum Schutz von geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel (1), insbesondere auf Artikel 7 Absatz 5 Unterabsatz 3,
   in Erwägung nachstehender Gründe:
   
               (1)
            
            
               Der am 12. November 2007 eingegangene Antrag Indiens auf Eintragung der Bezeichnung „Darjeeling“ als geschützte geografische Angabe wurde gemäß Artikel 6 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 im Amtsblatt der Europäischen Union
                   (2) veröffentlicht.
            
         
               (2)
            
            
               Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, das Vereinigte Königreich und ein indischer Staatsbürger haben gemäß Artikel 7 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 Einspruch gegen eine solche Eintragung erhoben. Die Einsprüche wurden im Sinne von Artikel 7 Absatz 3 Unterabsatz 1 Buchstaben a, c und d der genannten Verordnung für zulässig befunden. Mit Schreiben vom 11. Juni 2010 hat die Kommission die betroffenen Parteien aufgefordert, zu einer Einigung zu kommen.
            
         
               (3)
            
            
               Zwischen Frankreich und Indien wurde eine Einigung erzielt, die zu Präzisierungen im einzigen Dokument führte, wodurch nun lediglich die Verpackung in Großpackungen in dem geografischen Gebiet erfolgen muss, während die Abfüllung in Haushaltspackungen innerhalb oder außerhalb des Gebiets erfolgen kann. Aus diesem Grund sollte in Bezug auf die Etikettierung darauf hingewiesen werden, dass eine Lizenznummer und ein bestimmtes Logo nur für die Erzeugnisse verpflichtend sind, die in Großpackungen aus dem geografischen Gebiet versendet werden.
            
         
               (4)
            
            
               Zwischen Deutschland, Italien, Österreich, dem Vereinigten Königreich und dem indischen Staatsbürger auf der einen und Indien auf der anderen Seite wurde innerhalb der vorgesehenen Frist nur teilweise eine Einigung erzielt. Gemäß der Vereinbarung sollen anstelle des botanischen Namens „Camellia sinensis M Kuntz“ korrekterweise die Bezeichnung „Camellia sincensis L. O. Kuntze“ angegeben und die Verpackung von Darjeeling-Tee in Großpackungen auf das geografische Gebiet begrenzt werden. Alle anderen Verpackungen oder Umverpackungen, einschließlich der Verpackung für den Endverbraucher, können innerhalb oder außerhalb des geografischen Gebiets erfolgen.
            
         
               (5)
            
            
               Die Einspruchsführer geben außerdem an, dass gegen Artikel 2 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 verstoßen wurde.
            
         
               (6)
            
            
               Hinsichtlich der angeblich fehlenden Verbindung zwischen dem Ansehen des Erzeugnisses und dem Erzeugungsgebiet zeigt die Erzeugnisspezifikation, dass die Besonderheit des Erzeugnisses und das Know-how sowie die erworbenen Fähigkeiten der Erzeuger ebenso wie die bodenklimatischen und geografischen Verhältnisse des geografischen Gebiets (natürliche Entwässerung der Böden, komplexes Zusammenspiel von sehr großen Niederschlägen und konstant niedrigen Temperaturen) die Erzeugniseigenschaften erheblich beeinflussen, die den Kern des Ansehens des Erzeugnisses bilden.
            
         
               (7)
            
            
               Die Analysedaten im einzigen Dokument, gegen deren angebliche Unerheblichkeit Einwände erhoben wurden, beeinflussen nicht die auf dem Ansehen beruhende Verbindung, sondern dienen eher der Erzeugnisbeschreibung. Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 ist es nicht erforderlich, die Quelle der Analyse offenzulegen.
            
         
               (8)
            
            
               Der Name „Darjeeling“ darf nur als Verkehrsbezeichnung für Tee verwendet werden, der entsprechend der Spezifikation vollständig in dem geografischen Gebiet erzeugt wurde, wobei Mischungen aus diesem Tee jedoch innerhalb oder außerhalb dieses geografischen Gebiets hergestellt werden dürfen. Mischungen aus Darjeeling-Tee und anderen Tees sollten nicht die Verkehrsbezeichnung „Darjeeling“ tragen und gemäß den EU-Vorschriften gekennzeichnet sein, insbesondere um eine Irreführung der Verbraucher zu vermeiden.
            
         
               (9)
            
            
               Der Einspruch hat gezeigt, dass der Name „Darjeeling“ für die Bezeichnung bestimmter Erzeugnisse verwendet wird, die nicht der Spezifikation entsprechen, jedoch mit solchen Erzeugnissen vergleichbar sind. Die weitere Verwendung des Namens für diese Erzeugnisse wird als Gefährdung für den Namen „Darjeeling“ angesehen. Daher sollte den Erzeugern solcher Erzeugnisse für die Verwendung des besagten Namens gemäß Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr. 510/2006 eine Übergangszeit von fünf Jahren gewährt werden, wenn diese Erzeugnisse vor dem 14. Oktober 2009 mindestens fünf Jahre rechtmäßig vermarktet wurden und unter der Voraussetzung, dass die Rechtsordnung der Europäischen Union, insbesondere die Richtlinie 2000/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. März 2000 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Etikettierung und Aufmachung von Lebensmitteln sowie die Werbung hierfür (3), eingehalten wird.
            
         
               (10)
            
            
               Es wurde nicht nachgewiesen, dass der für die Eintragung vorgeschlagene Name als Gattungsbezeichnung anzusehen ist.
            
         
               (11)
            
            
               Daher sollte der Name „Darjeeling“ in das Verzeichnis der geschützten Ursprungsbezeichnungen und der geschützten geografischen Angaben eingetragen werden und das einzige Dokument entsprechend aktualisiert und veröffentlicht werden.
            
         
               (12)
            
            
               Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnahmen entsprechen der Stellungnahme des Ständigen Ausschusses für geografische Angaben und Ursprungsbezeichnungen —
            
         HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
   Artikel 1
   Die in Anhang I dieser Verordnung genannte Bezeichnung wird eingetragen.
   Artikel 2
   Die Eintragung unterliegt einer fünfjährigen Übergangszeit, in der Namen, deren Bestandteil „Darjeeling“ ist, für Erzeugnisse verwendet werden dürfen, die nicht gemäß der Spezifikation hergestellt wurden, wenn diese Erzeugnisse vor dem 14. Oktober 2009 mindestens fünf Jahre rechtmäßig vermarktet wurden und unter der Voraussetzung, dass die Rechtsordnung der Europäischen Union, insbesondere die Vermeidung der Irreführung des Käufers gemäß Artikel 2 der Richtlinie 2000/13/EG, eingehalten wird.
   Artikel 3
   Anhang II der vorliegenden Verordnung enthält das aktualisierte einzige Dokument.
   Artikel 4
   Diese Verordnung tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union in Kraft.
   
      Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem Mitgliedstaat.
      Brüssel, den 20. Oktober 2011
      
         
            Für die Kommission
         
         
            Der Präsident
         
         José Manuel BARROSO
      
   
   
      (1)  ABl. L 93 vom 31.3.2006, S. 12.
   
      (2)  ABl. C 246 vom 14.10.2009, S. 12.
   
      (3)  ABl. L 109 vom 6.5.2000, S. 29.
   
      ANHANG I
      Für den menschlichen Verzehr bestimmte Agrarerzeugnisse gemäß Anhang I EG-Vertrag:
      
         Klasse 1.8.   Andere unter Anhang I des Vertrags fallende Erzeugnisse (Gewürze usw.)
      
      INDIEN
      Darjeeling (g.g.A.)
   
   
      ANHANG II
      EINZIGES DOKUMENT
      
         VERORDNUNG (EG) Nr. 510/2006 DES RATES
      
      
         „DARJEELING“
      
      
         EG-Nr.: IN-PGI-0005-0659-12.11.2007
      
      
         g.g.A. ( X ) g.U. ( )
      
      1.   Name
      
      „Darjeeling“
      2.   Mitgliedstaat oder Drittland
      
      Indien
      3.   Beschreibung des Agrarerzeugnisses oder des Lebensmittels
      
      3.1.   Erzeugnisart
      
      
                  Klasse 1.8:
               
               
                  Andere unter Anhang I fallende Erzeugnisse (Gewürze usw.)
               
            3.2.   Beschreibung des Erzeugnisses, für das der unter Punkt 1 aufgeführte Name gilt
      
      Die botanische Bezeichnung der Darjeeling-Teepflanze lautet Camellia sinensis (L. O.) Kuntze. Die Darjeeling-Teepflanze ist ein mehrstämmiges, langsam wachsendes, immergrünes und winterhartes Strauchgewächs, das bei entsprechendem ungestörtem Wachstum eine Höhe von bis zu 2,5 Metern erreichen kann. Sie benötigt ungefähr 6 bis 8 Jahre, bis sie den für eine wirtschaftliche Ernte notwendigen Reifegrad erreicht hat, und kann erfahrungsgemäß bei geeigneten landwirtschaftlichen Praktiken eine wirtschaftliche Lebensdauer von weit über 100 Jahren erreichen. Die Pflanze hält strengen Wintern, längeren Dürrephasen und den Klimabedingungen der Höhenlagen von Darjeeling stand. Ihre Blätter sind klein, von heller, glänzend grüner Farbe und häufig mit silbrigen Flaumhaaren besetzt; sie entwickeln sich aus länglichen Blattknospen. Die Produktivität im Anbaugebiet Darjeeling ist wesentlich geringer als in allen anderen Teeanbaugebieten, weshalb dieser Tee in der Ernte und Erzeugung sehr teuer ist. Diese geringere Produktivität ist auf die Höhenlage des geografischen Anbaugebiets und die außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen zurückzuführen. Die Darjeeling-Teepflanze wurde erstmals zu Beginn des 19. Jahrhunderts angepflanzt. Im Laufe der Zeit hat sie sich an ihre natürliche Umgebung angepasst und ihre spezifischen Eigenschaften entwickelt, d. h. den einzigartigen Charakter des Darjeeling-Tees, den renommierte Teeverkoster und die Verbraucher schätzen.
      „Darjeeling“ zeigt im Aufguss eine blass zitronenfarbene bis tief bernsteinfarbene Tönung. Der Aufguss ist bekannt für seine bemerkenswerten Variationen in der optischen Helligkeit, Tiefe und Fülle. Der frisch aufgebrühte Tee entfaltet eine Duftnote mit komplexem, angenehmem Geschmack und Nachgeschmack, mit besonderem Aroma, Bouquet und markanter Ausprägung. Die organoleptischen Eigenschaften des Darjeeling-Teeaufgusses werden gemeinhin als weich, sanft, abgerundet, delikat, reif, süß, lebhaft, trocken und markant charakterisiert.
      Zu den in „Darjeeling“ in höheren Konzentrationen enthaltenen chemischen Bestandteilen zählen Linalooloxid I, II, III und IV, Linalool, Geraniol, Methylsalicylat, Benzylalkohol, 2-Phenylethanol, Dihydroactinidiolid, Hexansäure, cis-3-Hexensäure, trans-2-Hexensäure, trans-Geraniumsäure, 3,7-Dimethyl-1,5,7-octatrien-3-ol (zwischen 0,36 % und 1,24 %) und 2,6-Dimethyl-3,7-octadien-2,6-diol (zwischen 3,36 % und 9,99 %). Die beiden letztgenannten Bestandteile sind in sehr hoher Konzentration enthalten (bis zu 1,24 % bzw. 9,99 %).
      Der typische Geschmack von „Darjeeling“ ist auf eine Reihe wichtiger Faktoren zurückzuführen: auf die Kombination von Pflanzengenen, wie sie nur im Gebiet Darjeeling anzutreffen sind, die Bodenchemie (reich an Mineralien), die Gebirgshügel der Region mit ihren hohen Niederschlagsmengen (bis zu 4 000 mm pro Jahr), die Höhenlage des Anbaugebiets (600-2 250 m) und die extreme Temperaturschwankungsbreite (5-30 °C). Die Wirkung der agroklimatischen Bedingungen einschließlich Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag usw. spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion sekundärer Metaboliten für „Darjeeling“. Beobachtungen zeigen, dass einige Kultivare beim Anbau in anderen Landesteilen mit anderen agroklimatischen Bedingungen nicht die einzigartige Aroma- bzw. Geschmacksnote von „Darjeeling“ hervorbringen.
      Die „Darjeeling“-Teeindustrie basiert auf landwirtschaftlichen Anbaupraktiken, die im Verlauf von mehr als 150 Jahren entwickelt wurden, um das Wachstum der Teeblätter zu fördern und zugleich die Höhe der Sträucher auf einer für das Pflücken von Hand geeigneten Höhe zu halten. Für jedes Kilogramm aufgussfertigen Tee werden rund 20 000 handgepflückte Teeblätter benötigt. Dies vermittelt eine Vorstellung vom Umfang der für die Teeerzeugung notwendigen Handarbeit.
      „Darjeeling“ wird ausschließlich nach dem traditionellen Verfahren verarbeitet, bei dem in jeder Phase menschliche Arbeitskraft und überlieferte Kenntnisse und Wissen erforderlich sind; dies wird als „Darjeeling-Herstellungsverfahren“ bezeichnet.
      Bei „Darjeeling“ wird zwischen drei verschiedenen Blattgraden unterschieden, die traditionell durch die Bezeichnungen „Whole Leaf“ (ganzes Blatt), „Broken“ und „Fannings“ gekennzeichnet werden.
      3.3.   Rohstoffe (nur für Verarbeitungserzeugnisse)
      
      Entfällt.
      3.4.   Futter (nur für Erzeugnisse tierischen Ursprungs)
      
      Entfällt.
      3.5.   Besondere Erzeugungsschritte, die in dem abgegrenzten geografischen Gebiet erfolgen müssen
      
      Die Ernte von „Darjeeling“ beginnt je nach Witterungsbedingungen und Umgebungstemperatur Ende Februar/Anfang März und endet Mitte November; die kalten Wintermonate Dezember bis Februar bilden die Ruhephase. Ein Darjeeling-Teestrauch liefert einen Ertrag von nur 50-100 Gramm aufgussfertigen Tee pro Jahr. Das Pflücken der Teeblätter erfordert besondere Fertigkeiten bzw. Techniken, die als traditionelles Wissen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Pflücken erfolgt in erster Linie durch besonders geschickte Arbeiterinnen, da die grünen Blätter eine vorsichtige und sorgfältige Handhabung erfordern, damit ihre Qualität erhalten bleibt.
      Nach der Ernte werden die Teeblätter gemäß der traditionellen Methode des typischen Darjeeling-Herstellungsverfahrens in den Teefabriken verarbeitet, die ausschließlich in den Teegärten innerhalb des genau abgegrenzten Darjeeling-Teeanbaugebiets angesiedelt sind. Die traditionellen Fertigkeiten bzw. Kenntnisse wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie fließen in jeden einzelnen Verarbeitungsschritt ein. Die naturbedingt hohe Empfindlichkeit der fein gepflückten grünen Blätter gebietet eine besonders vorsichtige Behandlung. Zwar erfordern die unterschiedlichen Blattvarianten präzise abgestimmte Unterschiede in der Verarbeitung, doch sind die aufeinander folgenden Verarbeitungsschritte identisch.
      Die Verarbeitung des Darjeeling-Tees erfolgt in den Teefabriken, die durchweg in den angegebenen Teegärten angesiedelt sind. Trocknen, Sortieren, Gradierung und Verpackung in Großbindungen des Darjeeling-Tees erfolgen ausschließlich in den Betrieben, die in den gemeldeten Teegärten angesiedelt sind. Außerhalb der Teegärten findet keinerlei Verarbeitung statt.
      Sämtliche Schritte der Teeerzeugung (Ernte, Trocknen und Verarbeitung) erfolgen also in den genau abgegrenzten Gebieten.
      Nach dem Eintreffen in der Teefabrik durchlaufen die Teeblätter zunächst eine „Welkphase“. Das Ziel des Welkvorgangs ist, den grünen Blättern über einen Zeitraum von 14-16 Stunden langsam Feuchtigkeit zu entziehen. Das Blatt schrumpft und wird so weich, dass es mechanisch verdreht und gerollt werden kann. Aufgrund physikalischer und chemischer Veränderungen in der Blattstruktur beginnen sich in dieser Phase auch die Aufgusseigenschaften herauszubilden.
      Die grünen Blätter werden getrennt und gleichmäßig auf Drahtsieben ausgebreitet, die auf besonders gestaltete, sehr langen Holzkisten ähnelnde „Tröge“ aufgezogen sind. Jeder Trog bildet eine Luftkammer, die dafür sorgt, dass Frischluft auf geregelte Weise die grünen Blätter durchströmen kann, bis der gewünschte „Welkungsgrad“ erreicht ist. In dieser Phase werden dem frischen grünen Blatt ungefähr 75 % des Wassergehalts entzogen.
      Nach der Welkphase werden die Blätter vom Trog entfernt und in die Rollmaschinen gegeben. Dort erfolgt das Verdrehen, d. h. das welke Blatt wird unter Druck einer Rollbewegung unterzogen und verdreht, die Zellen reißen auf und der Zellsaft tritt aus, wodurch der Oxidationsprozess befördert und die Pigmentierung beschleunigt werden. Rolldruck und -abfolge werden genauestens überwacht, um die richtige Blattbeanspruchung zu erreichen, ohne dass es zu einer schädlichen Überhitzung kommt.
      Anschließend werden die Blätter in einem kühlen, gut belüfteten Raum zu einer dünnen Schicht ausgebreitet, damit sie langsam oxidieren (fermentieren) können. Diese Phase, in der sich die Flavanole mit dem Luftsauerstoff verbinden, erstreckt sich, in Abhängigkeit vor allem von der Umgebungstemperatur und der Luftfeuchtigkeit, über einen Zeitraum von 2-4 Stunden. Ein erfahrener Teehersteller beurteilt in regelmäßigen Abständen anhand des von den Blättern freigesetzten aromatischen Dufts den Fortschritt der Qualitätsentwicklung. Diese sensorische Beurteilung ist von entscheidender Bedeutung für die Qualität des Teeaufgusses. Beim Besucher hinterlässt das reiche, blumige Aroma, das die Roll- und Fermentations- bzw. Oxidationsräume für „Darjeeling“ erfüllt, einen absolut unvergesslichen, berauschenden Eindruck.
      Nach Erreichen der optimalen Fermentation (Oxidation) werden die oxidierten Blätter geröstet (getrocknet), um durch Deaktivierung der Enzyme die weitere Fermentation (Oxidation) zu stoppen und die Restfeuchtigkeit im Blatt fast vollständig zu entfernen. Dies erfolgt in einer Trockenkammer („Tea Dryer“), in der die fermentierten (oxidierten) Blätter 20-30 Minuten lang bei geregelten, variierenden Temperaturen heißer und trockener Luft ausgesetzt werden. Eine gute Trocknung verringert den Feuchtigkeitsgehalt im Enderzeugnis auf weniger als 2 %, so dass feste, trockene Teeblätter entstehen, die im nachfolgenden Schritt auf Rüttelsieben nach Größe in unterschiedliche Blattgrade sortiert werden. Diese Blattgrade werden anschließend in Losen/Chargen in folienverpackten Packungseinheiten ausgeliefert, in denen Frische und Qualität des Tees über längere Zeit erhalten bleiben.
      Nach der abschließenden Sortierung nach Blattgraden werden dem Tee entsprechend der Blattgröße bestimmte Qualitätsbezeichnungen zugewiesen. Diese gliedern sich in drei Kategorien:
      
                  a)
               
               
                  Whole Leaf (ganzes Blatt) — FTGOP — Fine Tippy Golden Flowery Orange Pekoe
               
            
                  b)
               
               
                  Brokens — TGBOP — Tippy Golden Broken Orange Pekoe
               
            
                  c)
               
               
                  Fannings — GOF — Golden Orange Fannings
               
            Der Hauptunterschied zwischen diesen drei Kategorien besteht in der Blattgröße.
      Der Begriff „Orange Pekoe“ wird in erster Linie zur Beschreibung einer Gradierung verwendet, die im gleichnamigen Gradierungssystem für die Sortierung von Schwarztees existiert. Dieses System basiert ausschließlich auf der Größe der verarbeiteten und getrockneten Schwarzteeblätter.
      Die obigen Blattgrade beziehen sich ausschließlich auf die Größe des vollständigen Blattes nach der Verarbeitung und nicht auf Qualitätsunterschiede. Sämtliche Blattgrade stammen aus demselben grünen Blatt. Durch die Blattgradbezeichnungen sollen Unterschiede in der Beschaffenheit des aufgussfertigen Tees anhand der Größe der Teeblätter nach der Verarbeitung ausgedrückt werden.
      3.6.   Besondere Vorschriften für Vorgänge wie Schneiden, Reiben, Verpacken usw.
      
      Für „Darjeeling“ bestehen keine besonderen Verpackungsanforderungen. Darjeeling-Tee gelangt in Großpackungen oder Haushaltsverpackungen zum Endverbraucher in der EU. 95 % der Verpackungsarbeiten bis hin zur Abfüllung in Einzelverpackungen erfolgen in der EU (die restliche Verpackung erfolgt in Indien).
      3.7.   Besondere Vorschriften für die Etikettierung
      
      Gemäß dem unter Federführung des „Tea Board of India“ (eine nach dem Tea Act von 1953 durch die indische Regierung gebildete Körperschaft des öffentlichen Rechts für die Überwachung und Verwaltung der Teeerzeugung) stehenden „Darjeeling Protection Certified Trade Mark Scheme 1999“ muss jede Packung die Lizenznummer des Erzeugers/Abpackers sowie das eingetragene Darjeeling-Logo enthalten (eine stilisierte Darstellung einer indischen Frau, die Teeblätter hält, in einem runden Medaillon). Die grafische Darstellung des Frauenkopfes weist einen stilisierten runden Ohrring sowie einen Nasenstecker auf. Die Wortmarke „Darjeeling“ ist im linken Teil des Medaillons angeordnet. Diese Elemente bilden in ihrer Verbindung miteinander das Darjeeling-Logo.
      
         
      Das spezielle Darjeeling-Logo wurde 1983 geschaffen und in Indien als Kollektivmarke eingetragen. Für Tee, dem mit der Zertifizierung durch das „Tea Board of India“ die Einhaltung der Standards und Erfüllung der Merkmale für „Darjeeling“ bescheinigt wurde, gilt die Etikettierungspflicht mit diesem Logo. Seit seiner Einführung wird das Darjeeling-Logo stets auf den Verpackungskartons/Kisten verwendet, die unter der Aufsicht des „Tea Board of India“ abgepackt wurden.
      Das „Tea Board“ hat das Darjeeling-Logo außerdem nach dem „Indian Trade and Merchandise Marks Act 1958“ als Kontrollzeichen eintragen lassen.
      Darüber hinaus hat das „Tea Board“ das Darjeeling-Logo auch nach dem neuen „Geographical Indication of Goods (Registration & Protection) Act 1999“ eintragen lassen.
      Die Verwendung der Gradierungsbezeichnungen auf dem Etikett ist nicht zwingend vorgeschrieben.
      4.   Kurzbeschreibung der Abgrenzung des geografischen Gebiets
      
      „Darjeeling“ wird im Bezirk Darjeeling im indischen Bundesstaat West Bengal angebaut. Entsprechende Teegärten finden sich auf dem Gebiet der folgenden Gebietskörperschaften des Bezirks: Gebietskörperschaft Sadar, die hügeligen Regionen der Gebietskörperschaft Kalimpong einschließlich Samabeong Tea Estate, Ambiok Tea Estate, Mission Hill Tea Estate, Upper Fagu und Kumai Tea Estates sowie Gebietskörperschaft Kurseong mit Ausnahme der Gebiete mit den Nummern 20, 21, 23, 24, 29, 31 und 33 in der Gerichtsbezirksliste; letztere umfassen die Gebietskörperschaft Subtiguri des New Chumta Tea Estate, das Simulbari und das Marionbari Tea Estate der Kurseong Police Station in der Gebietskörperschaft Kurseong. Die Teegärten liegen in einer Höhe von 600 bis 2 250 m an steilen Hanglagen, die eine ideale natürliche Dränage der reichlichen Niederschlagsmengen in diesem Bezirk ermöglichen.
      5.   Zusammenhang mit dem geografischen Gebiet
      
      5.1.   Besonderheit des geografischen Gebiets
      
      Die Teegärten liegen in einer Höhe von 600 bis 2 250 m an steilen Hanglagen, die eine ideale natürliche Dränage der reichlichen Niederschlagsmengen in diesem Bezirk ermöglichen. Diese Höhenlage ist besonders wichtig, da sie eine zentrale Voraussetzung für die Qualität von „Darjeeling“ darstellt. Darüber hinaus trägt auch der Wechsel aus Bewölkung und Sonnenschein zum einzigartigen Charakter dieses Tees bei.
      Die Böden sind fruchtbar, und das hügelige Gelände ermöglicht eine natürliche Dränage der reichlichen Niederschlagsmengen in diesem Bezirk.
      Aufgrund der anhaltend niedrigen Temperaturen ist der Energieumsatz (Fotosynthese) der Darjeeling-Teepflanze wesentlich geringer als bei allen anderen Teepflanzen, wodurch das Wachstum der grünen Blätter gebremst und die Konzentration der natürlichen chemischen Eigenschaften verstärkt werden.
      Das Anbaugebiet von „Darjeeling“ befindet sich in den sieben Tälern der Darjeeling-Hügel in den unmittelbaren Vorbergen des Himalaya-Gebirges und des Kanchenjunga, des dritthöchsten Bergs der Welt. Die kalten Winde aus dem Himalaya-Gebirge, die die sieben Täler im Jahresverlauf mit unterschiedlichen Temperaturen durchströmen, sind einer der Gründe für das charakteristische Darjeeling-Aroma. Darüber hinaus kommt es in den Hügelgegenden des Bezirks Darjeeling zu nächtlicher Nebelbildung und zur Kondensation der Wassermoleküle, die sich auf den Teeblättern niederschlagen und sie über Nacht befeuchten. Des Weiteren sind die Darjeeling-Hügel durch sehr hohe jährliche Niederschlagsmengen (zwischen ca. 2 000 und 4 000 mm) gekennzeichnet. In dieser Region werden in einem Zeitraum von 180 Tagen lediglich vier bis fünf Sonnenstunden täglich verzeichnet. Diese Naturphänomene tragen in hohem Maße zur Herausbildung des bemerkenswerten Aromas und der Merkmale des Darjeeling-Tees bei.
      5.2.   Besonderheit des Erzeugnisses
      
      „Darjeeling“ genießt einen hervorragenden Ruf, da er aufgrund seines unverwechselbaren Aromas an keinem anderen Ort der Welt erzeugt werden kann. Seit über 150 Jahren werden in der Bergregion von Darjeeling Teesträucher angepflanzt, und sie gedeihen hier durch den Wechsel von Regen, Sonnenschein und feuchten, milden Nebeln hervorragend. Die Teepflücker entnehmen nur die obersten zwei Blätter und die Blattknospe, damit das besondere Aroma erhalten bleibt. Diese natürlichen Elemente und die schlichte Tatsache, dass im Bezirk Darjeeling pro Jahr nur rund 9-10 Mio. kg Tee erzeugt werden, haben diesen Tee zu einem exklusiven und begehrten Getränk gemacht. Es handelt sich um ein Nischen-Luxuserzeugnis. Die Einhaltung der außerordentlich hohen Qualitätsanforderungen führt zu äußerst geringen Erträgen. Trotz der hohen anfallenden Kosten arbeiten die Darjeeling-Erzeuger gezielt auf die Einhaltung höchster Qualitätsstandards hin. Der von Generation zu Generation weitervererbten Fertigkeit des Teepflückens kommt ein geradezu künstlerischer Wert zu. Die Arbeitskraft des Menschen spielt (wie oben erläutert) in verschiedenen Phasen der Teeerzeugung eine große Rolle.
      Die Verarbeitung von „Darjeeling“ erfolgt ausschließlich nach dem traditionellen Verfahren, bei dem in jeder Phase auf Handarbeit und traditionelle Fertigkeiten/Kenntnisse zurückgegriffen wird.
      5.3.   Ursächlicher Zusammenhang zwischen dem geografischen Gebiet und der Qualität oder den Merkmalen des Erzeugnisses (im Falle einer g.U.) bzw. einer bestimmten Qualität, dem Ansehen oder sonstigen Eigenschaften des Erzeugnisses (im Falle einer g.g.A.)
      
      Geografische und agroklimatische Bedingungen: Aufgrund der besonderen, komplexen Kombination agroklimatischer Bedingungen, die in den 87 Teegärten im Bezirk Darjeeling vorherrschen, und aufgrund der Erzeugungsbestimmungen des „Tea Board“ zeichnet sich der hier erzeugte Tee durch markante, natürlich entstehende organoleptische Eigenschaften hinsichtlich Geschmack, Aroma und Beschaffenheit aus, die von anspruchsvollen Kunden in aller Welt wiedererkannt und geschätzt werden und „Darjeeling“ die Etablierung als Nischen-Luxuserzeugnis ermöglicht haben.
      Topografie: Die Darjeeling-Teegärten liegen in einer Höhe von 600 bis 2 250 m an steilen Hanglagen, die eine ideale natürliche Dränage der reichlichen Niederschlagsmengen ermöglichen. Das einzigartige Aroma von „Darjeeling“ ist das Ergebnis einer Kombination aus Pflanzengenen, Bodenchemie, Höhenlage, Temperatur und Niederschlag, wie sie nur in den Darjeeling-Hügeln anzutreffen ist. Die „Darjeeling“-Teeindustrie basiert auf landwirtschaftlichen Anbaupraktiken, die im Verlauf von mehr als 150 Jahren entwickelt wurden, um das Wachstum der Teeblätter zu fördern und zugleich die Höhe der Sträucher auf einer für das Pflücken von Hand geeigneten Höhe zu halten.
      Ernte: Der Ertrag eines Darjeeling-Teestrauchs ergibt nicht mehr als 100 Gramm aufgussfertigen Tee pro Jahr (im Bezirk Darjeeling werden jährlich 9-10 Mio. kg „Darjeeling“ erzeugt). Für jedes Kilogramm aufgussfertigen Tee werden mehr als 20 000 einzelne handgepflückte Teeblätter benötigt. Dies vermittelt eine Vorstellung vom Umfang der für die Teeerzeugung notwendigen Handarbeit.
      Weitere Faktoren: „Darjeeling“ ist geprägt durch historische, traditionelle, kulturelle und soziale Faktoren und durch seine Einzigartigkeit und seinen besonderen Ruf. Der in dieser Region erzeugte Tee mit den genannten besonderen Eigenschaften ist im Handel und in der Öffentlichkeit in Indien und im Ausland seit langem als „Darjeeling“ bekannt und hat sich im In- und Ausland einen hervorragenden Ruf erworben. Händler oder Endkunden in Indien oder im Ausland, die „Darjeeling“ bestellen oder als „Darjeeling“ beworbenen oder angebotenen Tee sehen, gehen davon aus, dass es sich bei dem unter diesem Namen bestellten, beworbenen oder angebotenen Erzeugnis um Tee handelt, der in der oben beschriebenen Region des Bezirks Darjeeling kultiviert, angebaut und erzeugt wurde und die oben beschriebenen besonderen Eigenschaften aufweist. Somit hat die Bezeichnung „Darjeeling“ für Tee aus dem Bezirk Darjeeling im Bundesstaat West Bengal in der öffentlichen Wahrnehmung eine Sonderstellung und einen besonderen Ruf erlangt, wenn sie im Zusammenhang mit Tee verwendet wird, der in der genannten Region des oben angegebenen Bezirks erzeugt wurde. Das Recht zur Führung dieses Namens für entsprechende Teesorten ist also Teil des besonderen Rufs all jener Tees, die üblicherweise mit dieser Region assoziiert werden. Zudem sind die Preise für „Darjeeling“ höher als die Preise anderer Teesorten in Indien und insgesamt auf dem Weltmarkt. Anders ausgedrückt erfüllt der Name „Darjeeling“ bei Verwendung in Verbindung mit Tee die Voraussetzungen für eine geografische Ursprungsbezeichnung in Indien.
      
         Hinweis auf die Veröffentlichung der Spezifikation
      
      http://ec.europa.eu/agriculture/quality/door/publishedName.html?denominationId=1900