CELEX: 62001CJ0227
Language: de
Date: 2004-09-16
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 16. September 2004. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Königreich Spanien. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Richtlinie 85/337/EWG - Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten - Fehlerhafte Anwendung - Eisenbahnlinienprojekt Valencia - Tarragona, Abschnitt Las Palmas - Oropesa. # Rechtssache C-227/01.

Rechtssache C-227/01
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Königreich Spanien
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinie 85/337/EWG – Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten – Fehlerhafte Anwendung – Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt Las Palmas–Oropesa“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Gemeinschaftsrecht – Auslegung – Mehrsprachige Vorschriften – Einheitliche Auslegung – Abweichungen zwischen den verschiedenen
            Sprachfassungen – Allgemeine Systematik und Zweck der fraglichen Regelung als Bezugspunkt
      2.        Umwelt – Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten Projekten – Richtlinie 85/337 – Geltungsbereich – Zweigleisiger Ausbau
            einer bereits vorhandenen Eisenbahnstrecke, der eine neue Eisenbahntrasse erfordert – Einbeziehung
      (Richtlinie 85/337 des Rates, Anhänge I Nr. 7 und II Nr. 12)
      3.        Vertragsverletzungsverfahren – Objektiver Charakter – Berücksichtigung einer unzutreffenden Auslegung einer Gemeinschaftsvorschrift
            – Ausschluss
      (Artikel 226 EG)
      4.        Umwelt – Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten Projekten – Richtlinie 85/337 – Anwendbarkeit – Maßgebliches Kriterium
      (Richtlinie 85/337 des Rates)
      1.        Falls die verschiedenen Sprachfassungen einer Bestimmung voneinander abweichen, gebietet die Notwendigkeit einer einheitlichen
         Auslegung des Gemeinschaftsrechts, dass die fragliche Bestimmung anhand der allgemeinen Systematik und des Zweckes der Regelung
         ausgelegt wird, zu der sie gehört.
      
      (vgl. Randnr. 45)
      2.        Ein Projekt wie der zweigleisige Ausbau einer bereits vorhandenen Eisenbahnstrecke kann erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt
         im Sinne der Richtlinie 85/337 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten haben,
         da es z. B. geeignet ist, die Fauna und Flora, die Zusammensetzung der Böden oder die Landschaft nachhaltig zu beeinträchtigen
         oder etwa zu beträchtlichen Lärmbelästigungen zu führen; es ist daher in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie einzubeziehen.
         Ein solches Projekt kann somit nicht als eine bloße Änderung eines früheren Projekts im Sinne von Anhang II Nummer 12 der
         Richtlinie 85/337 angesehen werden, sondern wird von deren Anhang I Nummer 7 erfasst, in der die einer Umweltverträglichkeitsprüfung
         zu unterziehenden Projekte aufgezählt sind.
      
      Diese Schlussfolgerung ist umso mehr geboten, wenn die Durchführung des fraglichen Projekts eine neue Eisenbahntrasse erfordert,
         auch wenn diese nur einen Teil dieses Projekts ausmacht. Ein solches Bauvorhaben ist nämlich seiner Natur nach geeignet, erhebliche
         Auswirkungen auf die Umwelt im Sinne der Richtlinie 85/337 zu haben.
      
      (vgl. Randnrn. 48-50)
      3.        Die auf Feststellung einer Vertragsverletzung gerichtete Klage nach Artikel 226 EG hat objektiven Charakter, und der Umstand,
         dass die gerügte Vertragsverletzung das Ergebnis einer unzutreffenden Auslegung der Gemeinschaftsbestimmungen durch einen
         Mitgliedstaat ist, kann den Gerichtshof nicht daran hindern, eine Vertragsverletzung festzustellen.
      
       (vgl. Randnr. 58)
      4.        Für die Anwendung der Richtlinie 85/337 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten
         ist darauf abzustellen, dass ein bestimmtes Projekt „möglicherweise“ erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat. Die Kommission
         hat daher nicht zu prüfen, welche konkreten negativen Wirkungen ein Projekt tatsächlich auf die Umwelt hat.
      
      (vgl. Randnr. 59)

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTSHOFES (Zweite Kammer)16. September 2004(1)
         
         
               „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats  –  Richtlinie 85/337/EWG  –  Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten  –  Fehlerhafte Anwendung  –  Eisenbahnlinienprojekt Valencia – Tarragona, Abschnitt Las Palmas – Oropesa“
               
             In der Rechtssache C-227/01betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Artikel 226 EG,eingereicht am 7. Juni 2001,
            
            
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch  G. Valero Jordana als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in  Luxemburg,
            
            
            Klägerin,
            
            gegen
            Königreich Spanien, vertreten durch  S. Ortiz Vaamonde als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in  Luxemburg,
            
            Beklagter,
             erlässt
            
            DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer),
            
             unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans, der Richter C. Gulmann, J. N. Cunha Rodrigues und R. Schintgen
            (Berichterstatter) sowie der Richterin  F. Macken, 
            
             Generalanwalt: M. Poiares Maduro, Kanzler: M.  Múgica Arzamendi,  Hauptverwaltungsrätin,
             aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 19. Februar 2004,unter Berücksichtigung der Erklärungen der Parteien,
            
            nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 24. März 2004,
         folgendes
         
         
         Urteil
         1
            
          Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass das Königreich Spanien
         dadurch gegen seine Verpflichtungen aus den Artikeln 2, 3, 5 Absatz 2 und 6 Absatz 2 der Richtlinie 85/337/EWG des Rates vom
         27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten verstoßen hat, dass
         es das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt Las Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des Projekts „Corredor
         del Mediterráneo“ ist, keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen hat.
         
         
            
               Rechtlicher Rahmen
            Gemeinschaftsregelung
         
         2
            
          Die Richtlinie 85/337 bezweckt gemäß ihrer ersten und sechsten Begründungserwägung, die Verschmutzung und sonstige Beeinträchtigungen
         der Umwelt dadurch zu verhindern, dass sie für bestimmte öffentliche oder private Projekte eine vorherige Prüfung ihrer Umweltverträglichkeit
         vorschreibt.
         
         
         
         3
            
          Hierzu stellt diese Richtlinie, wie sich aus ihrer fünften Begründungserwägung ergibt, allgemeine Grundsätze für Umweltverträglichkeitsprüfungen
         auf, um die Genehmigungsverfahren für öffentliche und private Projekte, die möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf die
         Umwelt haben, zu ergänzen und zu koordinieren.
         
         
         
         4
            
          Nach der achten und der elften Begründungserwägung der Richtlinie 85/337 haben Projekte bestimmter Klassen erhebliche Auswirkungen
         auf die Umwelt und sind grundsätzlich einer systematischen Prüfung zu unterziehen, um die menschliche Gesundheit zu schützen,
         durch eine Verbesserung der Umweltbedingungen zur Lebensqualität beizutragen, für die Erhaltung der Artenvielfalt zu sorgen
         und die Reproduktionsfähigkeit des Ökosystems als Grundlage allen Lebens zu erhalten.
         
         
         
         5
            
          In der vorliegenden Rechtssache geht es um folgende Bestimmungen der Richtlinie 85/337 in der Fassung, die vor der zu ihrer
         Änderung ergangenen Richtlinie 97/11/EG des Rates vom 3. März 1997 (ABl. L 73, S. 5) galt.
         
         
         
         6
            
          Artikel 1 der Richtlinie 85/337 lautet:
         „(1)   Gegenstand dieser Richtlinie ist die Umweltverträglichkeitsprüfung bei öffentlichen und privaten Projekten, die möglicherweise
         erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben.
         (2)     Im Sinne dieser Richtlinie sind:
          Projekt:
         
         
         
          
         –
            die Errichtung von baulichen oder sonstigen Anlagen,
         
         
         
         
          
         –
            sonstige Eingriffe in Natur und Landschaft ...“
         
         
         
         
         
         7
            
          Artikel 2 der Richtlinie 85/337 bestimmt:
         „(1)   Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, damit vor der Erteilung der Genehmigung die Projekte, bei denen
         insbesondere aufgrund ihrer Art, ihrer Größe oder ihres Standortes mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen
         ist, einer Prüfung in Bezug auf ihre Auswirkungen unterzogen werden.
          Diese Projekte sind in Artikel 4 definiert.
         …
         (3)     Die Mitgliedstaaten können in Ausnahmefällen ein einzelnes Projekt ganz oder teilweise von den Bestimmungen dieser Richtlinie
         ausnehmen.
          In diesem Fall müssen die Mitgliedstaaten:
         
         a)
            prüfen, ob eine andere Form der Prüfung angemessen ist und ob die so gewonnenen Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung
               gestellt werden sollen;
            
         
         
         b)
            der Öffentlichkeit die Informationen betreffend diese Ausnahme zur Verfügung stellen und sie über die Gründe für die Gewährung
               der Ausnahme unterrichten;
            
         
         
         c)
            die Kommission vor Erteilung der Genehmigung über die Gründe für die Gewährung dieser Ausnahme unterrichten und ihr die Informationen
               übermitteln, die sie gegebenenfalls ihren eigenen Staatsangehörigen zur Verfügung stellen.
            
         
          Die Kommission übermittelt den anderen Mitgliedstaaten unverzüglich die ihr zugegangenen Unterlagen.
         …“
         
         
         
         8
            
          Artikel 3 dieser Richtlinie bestimmt:
         „Die Umweltverträglichkeitsprüfung identifiziert, beschreibt und bewertet in geeigneter Weise nach Maßgabe eines jeden Einzelfalls
         gemäß den Artikeln 4 bis 11 die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen eines Projekts auf folgende Faktoren:
         
         
         
          
         –
            Mensch, Fauna und Flora,
         
         
         
         
          
         –
            Boden, Wasser, Luft, Klima und Landschaft,
         
         
         
         
          
         –
            die Wechselwirkung zwischen den unter dem ersten und dem zweiten Gedankenstrich genannten Faktoren,
         
         
         
         
          
         –
            Sachgüter und das kulturelle Erbe.“
         
         
         
         
         
         9
            
          Artikel 4 der Richtlinie 85/337, auf den Artikel 2 Absatz 1 Unterabsatz 2 verweist, sieht vor:
         „(1)   Projekte der in Anhang I aufgeführten Klassen werden vorbehaltlich des Artikels 2 Absatz 3 einer Prüfung gemäß den Artikeln
         5 bis 10 unterzogen.
         (2)     Projekte der in Anhang II aufgezählten Klassen werden einer Prüfung gemäß den Artikeln 5 bis 10 unterzogen, wenn ihre Merkmale
         nach Auffassung der Mitgliedstaaten dies erfordern.
         ...“
         
         
         
         10
            
          Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337 führt unter anderen Projekten den „Bau von ... Eisenbahn‑Fernverkehrsstrecken“ an.
         
         
         
         11
            
          Anhang II Nummer 12 dieser Richtlinie bezieht sich u. a. auf die „Änderung von Projekten des Anhangs I“.
         
         
         
         12
            
          Artikel 5 Absätze 1 und 2 der Richtlinie 85/337 bestimmt:
         „(1)   Bei Projekten, die nach Artikel 4 einer Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß den Artikeln 5 bis 10 unterzogen werden müssen,
         ergreifen die Mitgliedstaaten die erforderlichen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass der Projektträger die in Anhang III genannten
         Angaben in geeigneter Form vorlegt, soweit
         
         a)
            die Mitgliedstaaten der Auffassung sind, dass die Angaben in einem bestimmten Stadium des Genehmigungsverfahrens und in Anbetracht
               der besonderen Merkmale eines spezifischen Projekts oder einer bestimmten Art von Projekten und der möglicherweise beeinträchtigten
               Umwelt von Bedeutung sind;
            
         
         
         b)
            die Mitgliedstaaten der Auffassung sind, dass von dem Projektträger unter anderem unter Berücksichtigung des Kenntnisstandes
               und der Prüfungsmethoden billigerweise verlangt werden kann, dass er die Angaben zusammenstellt.
            
         
         (2)     Die vom Projektträger gemäß Absatz 1 vorzulegenden Angaben umfassen mindestens Folgendes:
         
         
         
          
         –
            eine Beschreibung des Projekts nach Standort, Art und Umfang;
         
         
         
         
          
         –
            eine Beschreibung der Maßnahmen, mit denen bedeutende nachteilige Auswirkungen vermieden, eingeschränkt und soweit möglich
               ausgeglichen werden sollen;
            
         
         
         
         
          
         –
            die notwendigen Angaben zur Feststellung und Beurteilung der Hauptwirkungen, die das Projekt voraussichtlich für die Umwelt
               haben wird;
            
         
         
         
         
          
         –
            eine nichttechnische Zusammenfassung der unter dem ersten, zweiten und dritten Gedankenstrich genannten Angaben.“
         
         
         
         
         
         13
            
          Artikel 6 Absatz 2 der Richtlinie bestimmt:
         „Die Mitgliedstaaten tragen dafür Sorge,
         
         
         
          
         –
            dass der Öffentlichkeit jeder Genehmigungsantrag sowie die nach Artikel 5 eingeholten Informationen zugänglich gemacht werden;
         
         
         
         
          
         –
            dass der betroffenen Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben wird, sich vor Durchführung des Projekts dazu zu äußern.“
         
         
         
         
         
         14
            
          Artikel 12 der Richtlinie lautet:
         „(1)   Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, um dieser Richtlinie innerhalb von drei Jahren nach ihrer Bekanntgabe
         nachzukommen.
         (2)     Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission den Wortlaut der innerstaatlichen Rechtsvorschriften mit, die sie auf dem unter
         diese Richtlinie fallenden Gebiet erlassen.“
         
         
         
         15
            
          Die Richtlinie 85/337 wurde den Mitgliedstaaten am 3. Juli 1985 bekannt gegeben.
         
         Nationale Regelung
         
         16
            
          Nach der spanischen Regelung, mit der Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337 umgesetzt wurde, gehören zu den Projekten, die
         einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen werden müssen, „Eisenbahn‑Fernverkehrsstrecken mit neuer Trasse“.
         
         Vorverfahren
         
         17
            
          Aufgrund einer im Mai 1999 bei ihr eingegangenen Beschwerde und nach einem Briefwechsel mit den spanischen Behörden forderte
         die Kommission, nach deren Ansicht die spanischen Behörden die Richtlinie 85/337 dadurch fehlerhaft angewandt hatten, dass
         sie das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt Las Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des Projekts „Corredor
         del Mediterráneo“ ist, keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen hatten, das Königreich Spanien mit Mahnschreiben vom
         13. April 2000 auf, binnen zwei Monaten Stellung zu nehmen.
         
         
         
         18
            
          Da die Kommission die Erklärungen der spanischen Regierung für unzureichend hielt, richtete sie am 26. September 2000 eine
         mit Gründen versehene Stellungnahme an das Königreich Spanien, mit der sie dieses aufforderte, dieser Stellungnahme innerhalb
         von zwei Monaten nach Zustellung durch den Erlass der notwendigen Maßnahmen nachzukommen.
         
         
         
         19
            
          Nachdem die spanische Regierung die mit Gründen versehene Stellungnahme mit einem Schreiben von 2. Januar 2001 beantwortet
         hatte, in dem sie ihr bisheriges Vorbringen wiederholte, hat die Kommission die vorliegende Klage eingereicht.
         
         Zur Klage
         
         20
            
          Die Kommission legt dem Königreich Spanien zur Last, dadurch gegen seine Verpflichtungen aus den Artikeln 2, 3, 5 Absatz 2
         und 6 Absatz 2 der Richtlinie 85/337 verstoßen zu haben, dass es das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt
         Las Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des Projekts „Corredor del Mediterráneo“ ist, der die spanische Region Levante mit
         Katalonien und der französischen Grenze verbindet, keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen hat.
         
         Zur Zulässigkeit
         
         21
            
          In der mündlichen Verhandlung hat die spanische Regierung geltend gemacht, die Klage sei unzulässig, weil die Klageschrift
         auf eine andere Rüge als die im Vorverfahren erhobene abstelle.
         
         
         
         22
            
          Im Vorverfahren sei nämlich der Streitgegenstand eindeutig auf den 13,2 km langen Abschnitt der Eisenbahnlinie zwischen den
         Ortschaften Las Palmas und Oropesa begrenzt worden. In diesem Verfahrensstadium habe die Kommission der spanischen Regierung
         u. a. vorgeworfen, nicht die Anforderungen der Richtlinie 85/337 hinsichtlich eines 7,64 km langen Teils dieses Abschnitts
         eingehalten zu haben, bei dem die Trasse um maximal 800 m nach Westen verlegt worden sei, um die Ortschaft Benicasim zu umgehen.
         Dagegen habe sie weder im Mahnschreiben noch in der mit Gründen versehenen Stellungnahme auf den zweigleisigen Ausbau des
         übrigen Teils des 13,2 km langen Eisenbahnabschnitts abgestellt und insbesondere nie behauptet, dass der zweigleisige Ausbau
         einer vorhandenen Eisenbahnstrecke in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie falle.
         
         
         
         23
            
          Im Rahmen ihrer Klage begehre die Kommission jedoch die Feststellung, dass ein solcher zweigleisiger Ausbau einer vorhandenen
         Eisenbahnlinie den Vorschriften der Richtlinie 85/337 unterliege. Überdies habe sie sich auf die gesamte Linie Valencia–Tarragona
         mit einer Länge von 251 km bezogen.
         
         
         
         24
            
          Damit sei der Streitgegenstand eindeutig erweitert worden.
         
         
         
         25
            
          Zunächst ist festzustellen, dass im vorliegenden Fall die Ordnungsgemäßheit der mit Gründen versehenen Stellungnahme und des
         ihr vorausgehenden Verfahrens nicht in Abrede gestellt wird. Die spanische Regierung macht aber geltend, dass die in der Klageschrift
         formulierte Rüge von der im Mahnschreiben und in der mit Gründen versehenen Stellungnahme erhobenen abweiche.
         
         
         
         26
            
          Nach ständiger Rechtsprechung wird der Gegenstand der nach Artikel 226 EG erhobenen Klage durch das in dieser Bestimmung vorgesehene
         Vorverfahren umschrieben, weshalb die mit Gründen versehene Stellungnahme und die Klage auf dieselben Rügen gestützt werden
         müssen (u. a. Urteil vom 11. Juli 2002 in der Rechtssache C‑139/00, Kommission/Spanien, Slg. 2002, I‑6407, Randnr. 18).
         
         
         
         27
            
          Im vorliegenden Fall kann jedoch nicht mit Erfolg behauptet werden, dass der Gegenstand des Rechtsstreits, wie er im Vorverfahren
         festgelegt worden ist, erweitert oder verändert worden wäre.
         
         
         
         28
            
          Zum einen hat nämlich die Kommission in Beantwortung einer Frage des Gerichtshofes bestätigt, dass der Gegenstand des vorliegenden
         Rechtsstreits auf den 13,2 km langen Abschnitt zwischen Las Palmas und Oropesa beschränkt sei und sich entgegen der Auffassung
         der spanischen Regierung keineswegs auf die gesamte 251 km lange Trasse der Linie Valencia–Tarragona erstrecke.
         
         
         
         29
            
          Zum anderen beziehen sich sowohl das Mahnschreiben als auch die mit Gründen versehene Stellungnahme, die die Kommission an
         das Königreich Spanien gerichtet hat, genau wie die Klageschrift auf den „Abschnitt Las Palmas–Oropesa“, dessen Länge von
         13,2 km von der spanischen Regierung nicht bestritten wird. Außerdem weist die Klagebeantwortung der spanischen Regierung
         unzweideutig aus, dass diese den Umfang des Rechtsstreits keineswegs verkannt hat, da sie darin selbst die Auffassung vertreten
         hat, dass das streitige Projekt den 13,2 km langen Abschnitt zwischen den Ortschaften Las Palmas und Oropesa betreffe, auf
         dem die vorhandenen Eisenbahngleise zweigleisig und für eine Geschwindigkeit von bis zu 220 km/h ausgebaut würden und von
         dem ein 7,64 km langer Teil einer neuen Trasse entspreche, mit der die Ortschaft Benicasim umgangen werden solle.
         
         
         
         30
            
          Demgemäß ist die Klage zulässig.
         
         Zur Begründetheit  Vorbringen der Parteien
         
         
         31
            
          Zur Begründung ihrer Klage führt die Kommission aus, es stehe fest, dass das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt
         Las Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des Projekts „Corredor del Mediterráneo“ ist, nicht der Umweltverträglichkeitsprüfung
         nach der Richtlinie 85/337 unterzogen worden sei.
         
         
         
         32
            
          Diese Umweltverträglichkeitsprüfung sei jedoch im vorliegenden Fall zwingend vorgeschrieben gewesen, da es um eines der in
         Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337, auf den Artikel 4 Absatz 1 dieser Richtlinie verweise, angeführten Projekte gegangen
         sei.
         
         
         
         33
            
          Die Richtlinie sei daher hinsichtlich des fraglichen Projekts fehlerhaft angewandt worden, und das Königreich Spanien habe
         gegen ihre Artikel 2, 3, 5 Absatz 2 und 6 Absatz 2 verstoßen.
         
         
         
         34
            
          Dabei sei keiner der von der spanischen Regierung angeführten Gründe, mit denen diese ihre Vorgehensweise im vorliegenden
         Fall rechtfertigen wolle, stichhaltig.
         
         
         
         35
            
          So werde das Vorbringen der spanischen Regierung vom Wortlaut der Richtlinie 85/337, insbesondere ihres Anhangs I Nummer 7,
         nicht gedeckt. Überdies sei es mit dem Sinn und Zweck dieser Richtlinie nicht vereinbar.
         
         
         
         36
            
          Die spanische Regierung räumt zwar ein, dass das fragliche Projekt formal nicht der Umweltverträglichkeitsprüfung nach der
         Richtlinie 85/337 unterzogen worden sei, hält dieses Verfahren im vorliegenden Fall aber nicht für erforderlich.
         
         
         
         37
            
          Diese Richtlinie sei nämlich nicht anwendbar gewesen, da die durchgeführten Arbeiten nur in der Verbesserung einer bereits
         vorhandenen Eisenbahnlinie durch zweigleisigen Ausbau der ursprünglich eingleisigen Strecke bestanden hätten, ohne dass es
         sich dabei um den Bau einer neuen Eisenbahnlinie gehandelt und ohne dass es einer längeren neuen Trasse bedurft habe.
         
         
         
         38
            
          Diese Ansicht werde durch den Wortlaut der Regelung zur Umsetzung von Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337 in spanisches
         Recht bestätigt, wobei die Kommission nie behauptet habe, dass diese nationale Regelung mit den Vorschriften dieser Richtlinie
         unvereinbar sei. Im Übrigen stelle, was den Wortlaut dieser Nummer 7 angehe, dessen englische Fassung ebenfalls auf den Begriff
         „Linien“ („lines“) und nicht auf den der „Strecken“ ab. 
         
         
         
         39
            
          Zudem sei das fragliche Projekt nicht für den Fernverkehr im Sinne der Nummer 7 bestimmt, da mit ihm zwei nur 13,2 km voneinander
         entfernte Ortschaften verbunden werden sollten.
         
         
         
         40
            
          Außerdem habe der zweigleisige Ausbau keine tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt, die zu denen hinzuträten, die durch
         den Bau der ursprünglichen Linie verursacht worden seien; jedenfalls habe die Kommission solche Auswirkungen nicht nachgewiesen.
         
         
         
         41
            
          Hilfsweise trägt die spanische Regierung weiter vor, die Anforderungen der Richtlinie seien im vorliegenden Fall im Kern erfüllt
         worden, da der im Jahr 1992 erfolgten Änderung des allgemeinen Städtebauplans für Benicasim eine einer öffentlichen Anhörung
         unterliegende Impaktstudie und eine Erklärung zu den Umweltauswirkungen vorausgegangen sei. Da diese Änderung speziell die
         Reservierung eines Gebietes für die Zwecke des Baus der Umgehung der Ortschaft Benicasim bezweckt habe, sei eine neue Studie
         über die Auswirkungen der hierzu unternommenen Arbeiten nicht erforderlich gewesen.
         
         
         
         42
            
          Die zuständigen nationalen Behörden hätten im vorliegenden Fall schließlich auch in gutem Glauben gehandelt und sich kooperativ
         gezeigt, indem sie sich der Auffassung der Kommission für den Teil des Vorhabens, der dies noch zugelassen habe, angeschlossen
         hätten, da sie hinsichtlich der im Wesentlichen den Bau eines 754,5 m langen Viadukts betreffenden „Änderung Nr. 3“ dieses
         Projekts vor Abschluss der Arbeiten eine öffentliche Anhörung durchgeführt hätten.
         
          Würdigung durch den Gerichtshof
         
         
         43
            
          Im Rahmen der Prüfung der Begründetheit der Klage der Kommission ist in Anbetracht des Vorbringens der beklagten spanischen
         Regierung erstens zu prüfen, ob die Richtlinie 85/337 und speziell die darin vorgesehene Verpflichtung, eine Umweltverträglichkeitsprüfung
         durchzuführen, auf das streitige Projekt Anwendung finden und, wenn ja, zweitens, ob dieses Projekt unter Einhaltung der Vorschriften
         dieser Richtlinie verwirklicht worden ist.
         
         
         
         44
            
          Was den ersten Punkt angeht, so ist das Vorbringen der spanischen Regierung, dass Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337
         sich nur auf den Bau einer neuen Linie im Sinne einer neuen Eisenbahnstrecke zwischen zwei Ortschaften beziehe und daher auf
         einen zweigleisigen Ausbau vorhandener Gleise nicht anwendbar sei, zurückzuweisen.
         
         
         
         45
            
          Hierzu braucht im Rahmen der vorliegenden Klage nicht darüber entschieden zu werden, ob alle Sprachfassungen von Anhang I
         Nummer 7 der Richtlinie 85/337 einen dem Begriff „Strecken“ („vías“ in der spanischen Fassung) entsprechenden Begriff verwenden
         oder ob die zur Durchführung dieser Bestimmung erlassene spanische Regelung mit dieser Richtlinie vereinbar ist, soweit sie
         den Begriff „Linien“ („líneas“) verwendet, denn nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes gebietet, falls die verschiedenen
         Sprachfassungen einer Bestimmung voneinander abweichen, die Notwendigkeit einer einheitlichen Auslegung des Gemeinschaftsrechts,
         dass die fragliche Bestimmung anhand der allgemeinen Systematik und des Zweckes der Regelung ausgelegt wird, zu der sie gehört
         (u. a. Urteile vom 24. Oktober 1996 in der Rechtssache C‑72/95, Kraaijeveld u. a., Slg. 1996, I‑5403, Randnr. 28).
         
         
         
         46
            
          Wie jedoch der Gerichtshof zur Richtlinie 85/337 bereits festgestellt hat, lässt sich deren Wortlaut entnehmen, dass ihr Anwendungsbereich
         ausgedehnt ist und ihr Zweck sehr weit reicht (Urteil Kraaijeveld u. a., Randnrn. 31 und 39).
         
         
         
         47
            
          Wie sich insbesondere aus den Artikeln 1 Absatz 1 und 2 Absatz 1 sowie aus der ersten, der fünften, der sechsten, der achten
         und der elften Begründungserwägung der Richtlinie 85/337 ergibt, ist es deren wesentliches Ziel, dass Projekte, bei denen
         insbesondere aufgrund ihrer Art, ihrer Größe oder ihres Standorts mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen ist,
         vor Erteilung der Genehmigung zwingend einer Prüfung in Bezug auf ihre Auswirkungen unterzogen werden (in diesem Sinne Urteil
         vom 19. September 2000 in der Rechtssache C‑287/98, Linster, Slg. 2000, I‑6917, Randnr. 52).
         
         
         
         48
            
          Schon aufgrund dieser Erwägungen ist festzustellen, dass Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337 so zu verstehen ist, dass
         er sich auch auf den zweigleisigen Ausbau einer bereits vorhandenen Eisenbahnstrecke bezieht.
         
         
         
         49
            
          Ein Projekt dieser Art kann nämlich erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt im Sinne dieser Richtlinie haben, da es z. B. geeignet
         ist, die Fauna und Flora, die Zusammensetzung der Böden oder die Landschaft nachhaltig zu beeinträchtigen oder etwa zu beträchtlichen
         Lärmbelästigungen zu führen; es ist daher in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie einzubeziehen. Es würde einen schwerwiegenden
         Verstoß gegen den mit der Richtlinie 85/337 verfolgten Zweck bedeuten, wenn ein solches Projekt des Baus einer neuen Eisenbahnstrecke,
         auch wenn sie parallel zu einer bereits vorhandenen Strecke verläuft, der Verpflichtung zur Durchführung einer Prüfung ihrer
         Auswirkungen auf die Umwelt entzogen werden könnte. Ein solches Projekt kann somit nicht als eine bloße Änderung eines früheren
         Projekts im Sinne von Anhang II Nummer 12 dieser Richtlinie angesehen werden.
         
         
         
         50
            
          Diese Schlussfolgerung ist umso mehr geboten, wenn wie im vorliegenden Fall die Durchführung des fraglichen Projekts eine
         neue Eisenbahntrasse erfordert, auch wenn diese nur einen Teil dieses Projekts ausmacht. Ein solches Bauvorhaben ist nämlich
         seiner Natur nach geeignet, erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt im Sinne der Richtlinie 85/337 zu haben. 
         
         
         
         51
            
          Auch das Argument der spanischen Regierung, die Voraussetzungen einer Anwendung von Anhang I Nummer 7 der Richtlinie 85/337
         seien nicht erfüllt, da das fragliche Projekt nicht den Fernverkehr im Sinne dieser Bestimmung betreffe, sondern vielmehr
         einen nur 13,2 km langen Abschnitt zwischen benachbarten Ortschaften, geht fehl.
         
         
         
         52
            
          So gehört das streitige Projekt, wie die Kommission zutreffend dargelegt hat, zu einer 251 km langen Eisenbahnlinie zwischen
         Valencia und Tarragona, die sich in den „Corredor del Mediterráneo“ einfügt, der die spanische Region Levante mit Katalonien
         und der französischen Grenze verbindet.
         
         
         
         53
            
          Folgte man dem Vorbringen der spanischen Regierung, so wäre die praktische Wirksamkeit der Richtlinie 85/337 möglicherweise
         ernsthaft in Frage gestellt, da dann die betreffenden nationalen Behörden nur ein sich über eine längere Entfernung erstreckendes
         Projekt in mehrere aufeinander folgende kürzere Abschnitte aufzuteilen brauchten, um sowohl das Projekt als Ganzes als auch
         die sich aus dieser Aufteilung ergebenden einzelnen Abschnitte den Vorschriften dieser Richtlinie zu entziehen.
         
         
         
         54
            
          Angesichts der vorstehenden Erwägungen gehört das Projekt, auf das sich die Klage der Kommission bezieht und das den Bau einer
         zusätzlichen Eisenbahnstrecke einer Länge von 13,2 km betrifft, für die zur Umgehung der Ortschaft Benicasim eine sich über
         einen Abschnitt von 7,64 km erstreckende neue Trasse anzulegen ist und die Teil einer 251 km langen Eisenbahnlinie ist, zu
         einer der in Anhang I der Richtlinie 85/337 aufgezählten Klassen, für die nach den Artikeln 4 Absatz 1 und 5 Absatz 1 dieser
         Richtlinie eine systematische Prüfung grundsätzlich zwingend vorgeschrieben ist.
         
         
         
         55
            
          Zu der Frage, ob dieses Projekt unter Beachtung der Vorschriften der Richtlinie 85/337 verwirklicht worden ist, ist zunächst
         darauf hinzuweisen, dass die spanische Regierung einräumt, dass das Projekt als solches nicht den Anforderungen der Richtlinie
         hinsichtlich einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterworfen worden ist. Die spanische Regierung behauptet auch nicht, dass
         im vorliegenden Fall die Voraussetzungen von Artikel 2 Absatz 3 dieser Richtlinie erfüllt seien.
         
         
         
         56
            
          Was sodann das Vorbringen der spanischen Regierung angeht, der Änderung des allgemeinen Städtebauplans für Benicasim von 1992
         sei eine einer öffentlichen Anhörung unterliegende Impaktstudie und eine Erklärung zu den Umweltauswirkungen vorausgegangen,
         so kann dieser Städtebauplan, selbst wenn man annähme, dass er alle zur Erfüllung der Mindestvoraussetzungen der Richtlinie
         85/337 erforderlichen Angaben enthielt, jedenfalls nicht als ausreichend angesehen werden, da er, wie die Kommission vorgetragen
         hat, ohne dass ihr insoweit von der beklagten Regierung ernsthaft widersprochen worden wäre, nur das Gebiet der Gemeinde Benicasim,
         speziell die Umgehung dieser Ortschaft, betrifft, während das fragliche Projekt unstreitig weiter ist. Folglich sind zumindest
         hinsichtlich des übrigen Teils dieses Projekts die Vorschriften der Richtlinie 85/337 nicht ordnungsgemäß angewandt worden.
         
         
         
         57
            
          Auch die Behauptung der spanischen Regierung, dass die zuständigen Behörden den Vorschriften der Richtlinie 85/337 in Bezug
         auf die „Änderung Nr. 3“ des Projekts nachgekommen seien, ist nicht begründet. Zum einen wurden nach dem Vortrag der beklagten
         spanischen Regierung die für die Öffentlichkeit bestimmten Informationen erst nach Beginn der Durchführung des Projekts veröffentlicht.
         Diese Vorgehensweise verstößt aber offensichtlich gegen Artikel 6 Absatz 2 der Richtlinie 85/337, wonach der betroffenen Öffentlichkeit
         Gelegenheit gegeben werden muss, sich vor Durchführung des Projekts zu ihm zu äußern. Auf den von der spanischen Regierung
         angeführten Umstand, dass die öffentliche Anhörung vor Abschluss der Arbeiten stattgefunden hat, kommt es daher nicht an.
         Zum anderen betraf dieses Verfahren nur einen 13,2 km langen Teil des fraglichen Abschnitts, nämlich die „Änderung Nr. 3“,
         bei der es im Wesentlichen um den Bau eines Viadukts einer Länge von 750 m ging.
         
         
         
         58
            
          Unerheblich ist auch, dass die nationalen Behörden in gutem Glauben gehandelt haben sollen. Nach ständiger Rechtsprechung
         hat nämlich die auf Feststellung einer Vertragsverletzung gerichtete Klage objektiven Charakter und kann der Umstand, dass
         die gerügte Vertragsverletzung das Ergebnis einer unzutreffenden Auslegung der Gemeinschaftsbestimmungen durch einen Mitgliedstaat
         ist, den Gerichtshof nicht daran hindern, eine Vertragsverletzung festzustellen (Urteil vom 17. November 1993 in der Rechtssache
         C‑73/92, Kommission/Spanien, Slg. 1993, I‑5997, Randnr. 19).
         
         
         
         59
            
          Was schließlich den Vortrag der spanischen Regierung angeht, die Kommission habe die gerügte Vertragsverletzung nicht hinreichend
         begründet, da sie nicht den Nachweis erbracht habe, dass der zweigleisige Ausbau einer vorhandenen Eisenbahnstrecke tatsächliche
         Auswirkungen auf die Umwelt habe, die über die hinausgingen, die durch den Bau der ursprünglichen Linie verursacht worden
         seien, so genügt der Hinweis, dass für die Anwendung der Richtlinie 85/337 darauf abzustellen ist, dass ein bestimmtes Projekt
         „möglicherweise“ erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat (vgl. dazu Artikel 1 Absatz 1 sowie die fünfte und die sechste
         Begründungserwägung dieser Richtlinie). Die Kommission hat daher nicht zu prüfen, welche konkreten negativen Wirkungen ein
         Projekt tatsächlich auf die Umwelt hat. Hingegen hat die Kommission im vorliegenden Fall rechtlich hinreichend nachgewiesen,
         dass das fragliche Projekt in den Anwendungsbereich einer der Bestimmungen von Anhang I der Richtlinie fällt, so dass es zwingend
         einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen ist. Im Übrigen ist ein Projekt dieser Art unbestreitbar geeignet, neue
         erhebliche Belästigungen zu verursachen, und sei es auch nur deshalb, weil die Eisenbahnlinie für einen Verkehr mit Geschwindigkeiten
         von bis zu 220 km/h ausgebaut werden soll.
         
         
         
         60
            
          In Anbetracht aller vorstehenden Erwägungen ist die Klage der Kommission begründet.
         
         
         
         61
            
          Daher ist festzustellen, dass das Königreich Spanien dadurch gegen seine Verpflichtungen aus den Artikeln 2, 3, 5 Absatz 2
         und 6 Absatz 2 der Richtlinie 85/337 verstoßen hat, dass es das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt Las
         Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des Projekts „Corredor del Mediterráneo“ ist, keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen
         hat.
         
         
         Kosten
         62
            
          Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Kommission die Verurteilung des Königreichs Spanien beantragt hat und dieses mit seinem Vorbringen unterlegen ist, sind
         ihm die Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         
            
            
         
         
          Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Das Königreich Spanien hat dadurch gegen seine Verpflichtungen aus den Artikeln 2, 3, 5 Absatz 2 und 6 Absatz 2 der Richtlinie
                     85/337/EWG des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten
                     verstoßen, dass es das „Eisenbahnlinienprojekt Valencia–Tarragona, Abschnitt Las Palmas–Oropesa. Bahnkörper“, das Teil des
                     Projekts „Corredor del Mediterráneo“ ist, keiner Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen hat.
                  
               
            
            
            
             
               2.
                  Das Königreich Spanien trägt die Kosten des Verfahrens.
               
            
             Unterschriften.
      
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Spanisch.