CELEX: 62004CJ0519
Language: de
Date: 2006-07-18
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 18. Juli 2006.#David Meca-Medina und Igor Majcen gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Rechtsmittel - Dopingkontrollregeln des Internationalen Olympischen Komitees - Unvereinbarkeit mit den Gemeinschaftsregelungen über den Wettbewerb und denen über die Dienstleistungsfreiheit - Beschwerde - Zurückweisung.#Rechtssache C-519/04 P.

Rechtssache C-519/04 P
      David Meca-Medina und Igor Majcen
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Rechtsmittel – Dopingkontrollregeln des Internationalen Olympischen Komitees – Unvereinbarkeit mit den Gemeinschaftsregelungen über den Wettbewerb und denen über die Dienstleistungsfreiheit – Beschwerde – Zurückweisung“
      Schlussanträge des Generalanwalts P. Léger vom 23. März 2006 
      Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 18. Juli 2006 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Gemeinschaftsrecht – Geltungsbereich – Sport – Beschränkung auf Betätigungen im Rahmen des Wirtschaftslebens
      (Artikel 2 EG)
      2.     Freizügigkeit und freier Dienstleistungsverkehr – Arbeitnehmer – Wettbewerb – Bestimmungen des Vertrages – Geltungsbereich
            
      (Artikel 39 EG, 49 EG, 81 EG und 82 EG)
      3.     Wettbewerb – Kartelle – Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen – Begriff 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      1.     Nach den Zielen der Gemeinschaft fällt die Ausübung des Sports insoweit unter das Gemeinschaftsrecht, als sie zum Wirtschaftsleben
         im Sinne von Artikel 2 EG gehört.
      
      (vgl. Randnr. 22)
      2.     Hat eine sportliche Betätigung den Charakter einer entgeltlichen Arbeits- oder Dienstleistung wie bei professionellen oder
         semiprofessionellen Sportlern, so gelten für sie die Artikel 39 ff. EG oder die Artikel 49 ff. EG.
      
      Diese Gemeinschaftsbestimmungen über die Freizügigkeit und den freien Dienstleistungsverkehr gelten nicht nur für behördliche
         Maßnahmen, sondern erstrecken sich auch auf Vorschriften anderer Art, die zur kollektiven Regelung unselbständiger Arbeit
         und der Erbringung von Dienstleistungen dienen. Die in diesen Bestimmungen des EG-Vertrags enthaltenen Verbote gelten jedoch
         nicht für Fragen, die ausschließlich von sportlichem Interesse sind und als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung
         zu tun haben.
      
      Was die Trennung der wirtschaftlichen Aspekte einer sportlichen Tätigkeit von ihren sportlichen Aspekten betrifft, so stehen
         die Gemeinschaftsbestimmungen über die Freizügigkeit und den freien Dienstleistungsverkehr Regelungen oder Praktiken nicht
         entgegen, die aus nichtwirtschaftlichen Gründen, die mit dem spezifischen Charakter und Rahmen bestimmter Begegnungen zusammenhängen,
         gerechtfertigt sind. Diese Beschränkung des Geltungsbereichs der fraglichen Bestimmungen darf jedoch nicht weiter gehen, als
         ihr Zweck es erfordert. Sie kann daher nicht herangezogen werden, um eine sportliche Tätigkeit im Ganzen vom Geltungsbereich
         des Vertrages auszuschließen.
      
      Nach alledem führt der bloße Umstand, dass eine Regelung rein sportlichen Charakters ist, nicht dazu, dass derjenige, der
         die dieser Regelung unterliegende sportliche Tätigkeit ausübt, oder die Institution, die diese Regelung erlassen hat, nicht
         in den Geltungsbereich des EG-Vertrags fällt. Fällt die fragliche sportliche Tätigkeit also in den Geltungsbereich des EG-Vertrags,
         so unterliegen die Bedingungen ihrer Ausübung sämtlichen sich aus den einzelnen Vorschriften des EG-Vertrags ergebenden Verpflichtungen.
         Daraus folgt, dass die für diese Tätigkeit geltenden Regeln die Voraussetzungen für die Anwendung dieser Vorschriften erfüllen
         müssen, die insbesondere die Freizügigkeit der Arbeitnehmer, die Niederlassungsfreiheit, die Dienstleistungsfreiheit und den
         Wettbewerb gewährleisten sollen.
      
      Wenn also die Ausübung dieser sportlichen Tätigkeit nach den Vorschriften des EG-Vertrags über die Freizügigkeit der Arbeitnehmer
         oder die Dienstleistungsfreiheit zu prüfen ist, so ist zu untersuchen, ob die für diese Tätigkeit geltenden Regeln den Tatbestand
         der Artikel 39 EG und 49 EG erfüllen, d. h., ob sie eine nach diesen Artikeln verbotene Beschränkung darstellen. Bei der Beurteilung
         der Ausübung der genannten Tätigkeit im Hinblick auf die Wettbewerbsregeln des EG-Vertrags ist außerdem zu prüfen, ob die
         Regeln für diese Tätigkeit unter Berücksichtigung des Tatbestands der Artikel 81 EG und 82 EG von einem Unternehmen aufgestellt
         wurden, ob dieses den Wettbewerb beschränkt oder seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und ob diese Beschränkung oder
         dieser Missbrauch den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt.
      
      Selbst unterstellt, dass diese Regeln den freien Verkehr nicht beschränken, weil sie Fragen betreffen, die allein von sportlichem
         Interesse sind und als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun haben, würde dies weder bedeuten, dass die entsprechende
         sportliche Tätigkeit zwangsläufig nicht in den Geltungsbereich der Artikel 81 EG und 82 EG fällt, noch, dass die genannten
         Regeln den Tatbestand dieser Artikel nicht erfüllen.
      
      (vgl. Randnrn. 23-31)
      3.     Die Vereinbarkeit eines Regelwerks mit den gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln kann nicht abstrakt beurteilt werden. Nicht
         jede Vereinbarung zwischen Unternehmen oder jeder Beschluss einer Unternehmensvereinigung, durch die die Handlungsfreiheit
         der Parteien oder einer der Parteien beschränkt wird, fällt zwangsläufig unter das Verbot des Artikels 81 Absatz 1 EG. Bei
         der Anwendung dieser Vorschrift im Einzelfall sind nämlich der Gesamtzusammenhang, in dem der fragliche Beschluss zustande
         gekommen ist oder seine Wirkungen entfaltet, und insbesondere seine Zielsetzung zu würdigen. Weiter ist dann zu prüfen, ob
         die mit dem Beschluss verbundenen wettbewerbsbeschränkenden Wirkungen notwendig mit der Verfolgung der genannten Ziele zusammenhängen
         und ob sie im Hinblick auf diese Ziele verhältnismäßig sind.
      
      Der allgemeine Zweck einer Anti-Doping-Regelung im Sport ist die Dopingbekämpfung mit dem Ziel eines fairen Ablaufs der Sportwettkämpfe;
         dieser Zweck soll zugleich die Chancengleichheit der Sportler, ihre Gesundheit, die Ehrlichkeit und Objektivität des Wettkampfs
         sowie die ethischen Werte des Sports gewährleisten. Da außerdem Sanktionen erforderlich sind, um die Einhaltung des Dopingverbots
         sicherzustellen, hängt die Auswirkung der Sanktionen auf die Handlungsfreiheit der Sportler im Prinzip notwendig mit der Anti-Doping-Regelung
         zusammen.
      
      Selbst unterstellt, dass die streitige Anti-Doping-Regelung eine Entscheidung von Unternehmensverbänden wäre, die die Handlungsfreiheit
         der von ihr betroffenen Personen einschränkt, wäre sie deshalb nicht unbedingt eine mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbare
         Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Artikel 81 EG, da sie durch einen legitimen Zweck gerechtfertigt ist. Eine solche Beschränkung
         ist nämlich mit der Organisation und dem ordnungsgemäßen Ablauf eines sportlichen Wettkampfs untrennbar verbunden und dient
         gerade dazu, einen fairen Wettstreit zwischen den Sportlern zu gewährleisten.
      
      Der Strafcharakter einer solchen Anti-Doping-Regelung und das Ausmaß der im Fall eines Verstoßes gegen die Regelung anwendbaren
         Sanktionen können jedoch negative Auswirkungen auf den Wettbewerb haben, denn sollten sich diese Sanktionen letztlich als
         unbegründet erweisen, könnten sie zum ungerechtfertigten Ausschluss eines Sportlers von Wettkämpfen führen und somit die Bedingungen
         für die Ausübung der fraglichen Tätigkeit verfälschen. Daraus folgt, dass die mit diesem Regelwerk auferlegten Beschränkungen
         nur dann nicht unter das Verbot des Artikels 81 Absatz 1 EG fallen, wenn sie auf das zum ordnungsgemäßen Funktionieren des
         sportlichen Wettkampfs Notwendige begrenzt sind. Ein solches Regelwerk könnte nämlich überzogen sein, zum einen hinsichtlich
         der Grenze zwischen Fällen von unter Sanktionsandrohung stehendem Doping und zum anderen hinsichtlich der Schärfe dieser Sanktionen.
      
      (vgl. Randnrn. 42-45, 47-48)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Dritte Kammer)
      18. Juli 2006(*)
      
      „Rechtsmittel – Dopingkontrollregeln des Internationalen Olympischen Komitees – Unvereinbarkeit mit den Gemeinschaftsregelungen über den Wettbewerb und denen über die Dienstleistungsfreiheit – Beschwerde – Zurückweisung“
      In der Rechtssache C‑519/04 P
      betreffend ein Rechtsmittel nach Artikel 56 der Satzung des Gerichtshofes, eingereicht am 22. Dezember 2004,
      David Meca-Medina, wohnhaft in Barcelona (Spanien),
      
      Igor Majcen, wohnhaft in Ljubljana (Slowenien),
      
      Prozessbevollmächtigte: J.‑L. Dupont und M.‑A. Lucas, avocats,
      Rechtsmittelführer,
      andere Verfahrensbeteiligte:
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch O. Beynet und A. Bouquet als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte im ersten Rechtszug,
      Republik Finnland, vertreten durch T. Pynnä als Bevollmächtigte,
      
      Streithelferin im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas sowie der Richter J. Malenovský (Berichterstatter), J.‑P. Puissochet, A. Borg Barthet
         und A. Ó Caoimh,
      
      Generalanwalt: P. Léger,
      Kanzler: B. Fülöp, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 23. März 2006,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 23. März 2006
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihrem Rechtsmittel beantragen die Kläger Meca-Medina und Majcen die Aufhebung des Urteils des Gerichts erster Instanz
         der Europäischen Gemeinschaften vom 30. September 2004 in der Rechtssache T‑313/02 (Meca-Medina und Majcen/Kommission, Slg.
         2004, II‑3291, im Folgenden: angefochtenes Urteil), mit dem das Gericht ihre Klage auf Nichtigerklärung der Entscheidung der
         Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 1. August 2002 abgewiesen hat, mit der die von den Klägern gegen das Internationale
         Olympische Komitee (IOC) erhobene Beschwerde auf Feststellung der Unvereinbarkeit bestimmter vom IOC erlassener und vom Internationalen
         Schwimmverband (FINA) durchgeführter Vorschriften und bestimmter Dopingkontrollpraktiken mit den Gemeinschaftsregelungen über
         den Wettbewerb und die Dienstleistungsfreiheit zurückgewiesen wurde (COMP/38158 – Meca-Medina und Majcen/IOC, im Folgenden:
         streitige Entscheidung). 
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      2       Das Gericht hat die fragliche Anti-Doping-Regelung (im Folgenden: „streitige Anti-Doping-Regelung“) in den Randnummern 1 bis
         6 des angefochtenen Urteils folgendermaßen zusammengefasst:
      
      „1      Das … IOC ist die höchste Instanz der Olympischen Bewegung, in der verschiedene internationale Sportverbände, darunter … [die]
         FINA, zusammengefasst sind.
      
      2      Die FINA führt mit ihren Doping Control Rules (zur fraglichen Zeit geltende Dopingkontrollregeln, im Folgenden: DC) den Anti-Doping-Code
         der Olympischen Bewegung auf dem Gebiet des Schwimmens durch. Regel 1.2a DC definiert das Doping als einen Verstoß, bei dem
         eine verbotene Substanz im Gewebe oder in der Körperflüssigkeit eines Sportlers gefunden wird. Diese Definition entspricht
         der von Artikel 2 Absatz 2 des genannten Anti-Doping-Codes, wonach als Doping das Vorhandensein einer verbotenen Substanz
         im Körper eines Athleten oder deren Verwendung oder die Verwendung einer verbotenen Methode bezeichnet wird.
      
      3      Das Nandrolon und seine Metaboliten Norandrosteron (NA) und Noretiocholanolon (NE) (im Folgenden insgesamt Nandrolon genannt)
         sind verbotene Anabolika. In der Praxis der 27 beim IOC und der FINA akkreditierten Labore und zur Berücksichtigung einer
         möglichen körpereigenen und mithin nicht vorwerfbaren Nandrolonproduktion wird allerdings das Vorhandensein dieser Substanz
         im Körper männlicher Athleten nur jenseits eines Schwellenwerts von zwei Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) Urin als Doping
         bezeichnet.
      
      4      Beim erstmaligen Dopingverstoß mit einem Anabolikum verlangt die Regel 9.2a DC, dass der Athlet mindestens für vier Jahre
         gesperrt wird; jedoch kann diese Sanktion nach dem letzten Satz der Regel 9.2 DC und den Regeln 9.3 und 9.10 DC gemildert
         werden, wenn der Athlet beweist, dass er die verbotene Substanz nicht wissentlich eingenommen hat oder dass diese Substanz
         ohne Sorgfaltsverletzung seinerseits in seinen Körper gelangt ist.
      
      5      Die Sanktionen werden vom Doping Panel (Doping-Ausschuss) der FINA verhängt, dessen Entscheidungen nach Regel 8.9 DC vor dem
         Sportschiedsgericht (im Folgenden: TAS) angefochten werden können. Das TAS mit Sitz in Lausanne wird von einer vom IOC unabhängigen
         Organisation, der Internationalen Schiedsgerichtskammer für Sportfragen (im Folgenden: CIAS), finanziert und verwaltet.
      
      6      Die Schiedssprüche des TAS können Gegenstand eines Rechtsbehelfs beim Schweizer Bundesgerichtshof sein, der zuständigen Gerichtsbarkeit
         für die Überprüfung internationaler Schiedssprüche, die in der Schweiz ergangen sind.“
      
      3       Das Gericht hat den dem Rechtsstreit zugrunde liegenden Sachverhalt in den Randnummern 7 bis 20 des angefochtenen Urteils
         folgendermaßen zusammengefasst:
      
      „7      Die Kläger sind Berufssportler in der Disziplin des Langstreckenschwimmens, dem Gegenstück zum Marathon auf dem Gebiet des
         Wassersports.
      
      8      Bei einer am 31. Januar 1999 durchgeführten Dopingkontrolle während der Weltmeisterschaft in dieser Disziplin in Salvador
         de Bahia (Brasilien), bei der die Kläger den ersten und den zweiten Platz belegten, fiel ihr Nandrolontest positiv aus. Bei
         Herrn D. Meca-Medina wurde ein Wert von 9,7 ng/ml und bei Herrn I. Majcen ein Wert von 3,9 ng/ml festgestellt.
      
      9      Am 8. August 1999 wurden die Kläger vom Doping-Ausschuss der FINA für vier Jahre gesperrt.
      10      Die Entscheidung über die Sperre wurde von den Klägern vor dem TAS angefochten und von diesem mit Schiedsspruch vom 29. Februar
         2000 bestätigt.
      
      11      Im Januar 2000 zeigten wissenschaftliche Versuche, dass Nandrolonmetaboliten bei Verzehr bestimmter Nahrungsmittel wie dem
         Fleisch unkastrierter Keiler endogen vom menschlichen Organismus in einer Größenordnung erzeugt werden können, die die zulässige
         Toleranzschwelle übersteigt.
      
      12      Angesichts dieser Entwicklung einigten sich die FINA und die Kläger mit Schiedsvereinbarung vom 20. April 2000, die Sache
         dem TAS zwecks neuerlicher Prüfung vorzulegen.
      
      13      Mit Schiedsspruch vom 23. Mai 2003 reduzierte das TAS die Sperre der Kläger auf zwei Jahre.
      14      Gegen diesen Schiedsspruch legten die Kläger keinen Rechtsbehelf beim Schweizer Bundesgericht ... ein.
      15      Mit Schreiben vom 30. Mai 2001 reichten die Kläger nach Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 vom 6. Februar 1962: Erste Durchführungsverordnung
         zu den Artikeln [81 EG] und [82 EG] (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204) bei der Kommission eine Beschwerde ein, mit der sie einen
         Verstoß gegen Artikel 81 EG und/oder 82 EG rügten.
      
      16      Mit ihrer Beschwerde stellten die Kläger die Vereinbarkeit bestimmter vom IOC erlassener und von der FINA durchgeführter Vorschriften
         sowie bestimmter Dopingkontrollpraktiken mit den Gemeinschaftsregelungen über den Wettbewerb und die Dienstleistungsfreiheit
         in Frage. Zunächst sei die Festlegung der Toleranzschwelle bei 2 ng/ml eine zwischen dem IOC und den 27 bei diesen akkreditierten
         Laboren abgestimmte Verhaltensweise. Wissenschaftlich sei dieser Schwellenwert schlecht begründet und könne zum Ausschluss
         unschuldiger oder bloß nachlässiger Athleten führen. Im Fall der Kläger könnten die festgestellten Überschreitungen der Toleranzschwelle
         vom Verzehr eines Gerichts herrühren, das das Fleisch nicht kastrierter Keiler enthalten habe. Schließlich werde der wettbewerbswidrige
         Charakter dieser Schwelle dadurch verstärkt, dass das IOC ein System objektiver Verantwortlichkeit eingeführt habe und dass
         mit der schiedsrichterlichen Entscheidung von Streitfällen im Bereich des Sports betraute Instanzen (TAS und CIAS) geschaffen
         worden seien, die gegenüber dem IOC nicht hinlänglich unabhängig seien.
      
      17      Der Beschwerde zufolge führt die Anwendung dieser Regeln (im Folgenden unterschiedslos: streitige Anti-Doping-Regeln oder
         streitige Anti-Doping-Regelung) zu einer Verletzung der wirtschaftlichen Freiheiten der Athleten, die insbesondere durch Artikel
         49 EG garantiert seien, und in wettbewerbsrechtlicher Hinsicht zu einer Verletzung der Rechte, auf die sich die Athleten nach
         Artikel 81 EG und 82 EG berufen könnten.
      
      18      Mit Schreiben vom 8. März 2002 teilte die Kommission den Klägern gemäß Artikel 6 der Verordnung (EG) Nr. 2842/98 der Kommission
         vom 22. Dezember 1998 über die Anhörung in bestimmten Verfahren nach Artikel [81 EG] und [82 EG] (ABl. L 354, S. 18) unter
         Angabe von Gründen mit, dass sie der Beschwerde nicht stattgeben wolle.
      
      19      Mit Schreiben vom 11. April 2002 sandten die Kläger der Kommission ihre Erwiderung auf das Schreiben vom 8. März 2002.
      20      Mit Entscheidung vom 1. August 2002 … wies die Kommission die Beschwerde der Beklagten zurück, nachdem sie die streitige Anti-Doping-Regelung
         nach wettbewerbsrechtlichen Kriterien analysiert hatte und zu dem Schluss gelangt war, dass diese Regelung nicht unter das
         Verbot der Artikel 81 EG und 82 EG falle ...“
      
       Das Verfahren vor dem Gericht und das angefochtene Urteil
      4       Am 11. Oktober 2002 erhoben die Kläger vor dem Gericht Klage auf Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung. Dabei stützten
         sie sich auf drei Klagegründe. Zum einen sei der Kommission in tatsächlicher wie in rechtlicher Hinsicht ein offensichtlicher
         Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie die Auffassung vertreten habe, das IOC sei kein Unternehmen im Sinne der Gemeinschaftsrechtsprechung.
         Zum anderen habe sie die im Urteil des Gerichtshofes vom 19. Februar 2002 in der Rechtssache C‑309/99 (Wouters u. a., Slg.
         2002, I‑1577) aufgestellten Kriterien fehlerhaft angewandt, als sie festgestellt habe, dass die streitige Anti-Doping-Regelung
         keine Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Artikel 81 EG sei. Schließlich sei der Kommission in Nummer 71 der Begründung der
         streitigen Entscheidung in tatsächlicher und in rechtlicher Hinsicht ein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen,
         als sie die von den Klägern auf Artikel 49 EG gestützten Rügen gegen die Anti-Doping-Regelung zurückgewiesen habe.
      
      5       Am 24. Januar 2003 hat die Republik Finnland beantragt, als Streithelferin zur Unterstützung der Kommission zugelassen zu
         werden. Mit Beschluss vom 25. Februar 2003 hat der Präsident der Vierten Kammer des Gerichts diese Streithilfe zugelassen.
         
      
      6       Das Gericht hat die von den Klägern erhobene Klage mit dem angefochtenen Urteil abgewiesen. 
      7       In den Randnummern 40 und 41 des angefochtenen Urteils hat das Gericht unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Gerichtshofes
         festgestellt, dass die in den Artikeln 39 EG und 49 EG enthaltenen Verbote zwar auf diejenigen Regeln auf dem Gebiet des Sports
         Anwendung fänden, die den wirtschaftlichen Aspekt beträfen, den die sportliche Betätigung aufweisen könne, dass aber die Verbote,
         die diese Bestimmungen des EG-Vertrags aufstellten, keine rein sportlichen Regeln, d. h. Regeln über Fragen erfassten, die
         allein von sportlichem Interesse seien und als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun hätten.
      
      8       In Randnummer 42 des angefochtenen Urteils erklärt das Gericht, dass ein rein sportliches Regelwerk nichts mit wirtschaftlicher
         Betätigung zu tun habe, weswegen es nicht in den Geltungsbereich der Artikel 39 EG und 49 EG falle, bedeute auch, dass es
         nichts mit wirtschaftlichen Wettbewerbsbeziehungen zu tun habe, so dass es auch nicht in den Geltungsbereich der Artikel 81
         EG und 82 EG falle.
      
      9       In den Randnummern 44 und 47 des angefochtenen Urteils hat das Gericht festgestellt, dass das Dopingverbot auf rein sportlichen
         Erwägungen beruhe und daher mit wirtschaftlichen Erwägungen nichts zu tun habe. Daraus folge, dass die Regeln zur Dopingbekämpfung
         nicht in den Geltungsbereich der Bestimmungen des EG-Vertrags über die wirtschaftlichen Freiheiten, insbesondere der Artikel
         49 EG, 81 EG und 82 EG, fielen. 
      
      10     In Randnummer 49 des angefochtenen Urteils hat das Gericht festgestellt, dass die streitige Anti-Doping-Regelung, die keinen
         diskriminierenden Zweck verfolge, mit dem Sport als solchem eng verknüpft sei. Ferner heißt es in Randnummer 57 des angefochtenen
         Urteils, dass das IOC die – nach dem klägerischen Vorbringen legitime – Sorge gehabt haben möge, bei der Festlegung der streitigen
         Anti-Doping-Regelung das wirtschaftliche Potenzial der Olympischen Spiele zu wahren, führe als solches noch nicht dazu, dieser
         Regelung ihre rein sportliche Natur zu nehmen. 
      
      11     Des Weiteren heißt es in Randnummer 66 des angefochtenen Urteils, dass die Bezugnahme auf die Prüfungsmethode des Urteils
         Wouters jedenfalls nicht das Ergebnis in Frage stellen könne, zu dem die Kommission in der angefochtenen Entscheidung gelangt
         sei, wonach die streitige Anti-Doping-Regelung aufgrund ihrer rein sportlichen Natur nicht in den Geltungsbereich der Artikel
         81 EG und 82 EG falle. Ferner hat das Gericht in Randnummer 67 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass die Beanstandung
         der genannten Regelung in die Zuständigkeit der mit der Beilegung sportlicher Streitigkeiten betrauten Stellen falle.
      
      12     Das Gericht hat auch den dritten von den Klägern geltend gemachten Klagegrund zurückgewiesen und in Randnummer 68 des angefochtenen
         Urteils festgestellt, dass die streitige Anti-Doping-Regelung nicht in den Geltungsbereich des Artikels 49 EG falle, da sie
         ein rein sportliches Regelwerk sei.
      
       Die Rechtsmittelanträge
      13     Die Kläger beantragen,
      –       das angefochtene Urteil aufzuheben;
      –       den in erster Instanz gestellten Anträgen stattzugeben;
      –       der Kommission die Kosten beider Instanzen aufzuerlegen.
      14     Die Kommission beantragt,
      –       das Rechtsmittel in vollem Umfang zurückzuweisen;
      –       hilfsweise, den in erster Instanz gestellten Anträgen stattzugeben und die Klage auf Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung
         abzuweisen;
      
      –       den Klägern die Kosten des Verfahrens einschließlich der Kosten des Verfahrens erster Instanz aufzuerlegen.
      15     Die Republik Finnland beantragt,
      –       das Rechtsmittel in vollem Umfang zurückzuweisen.
       Zum Rechtsmittel
      16     Die Kläger stützen ihr Rechtsmittel auf vier Rechtsmittelgründe. Mit dem ersten Rechtsmittelgrund, der aus mehreren Teilen
         besteht, machen sie geltend, dass das angefochtene Urteil rechtsfehlerhaft sei, weil das Gericht festgestellt habe, dass die
         streitige Anti-Doping-Regelung nicht in den Geltungsbereich der Artikel 49 EG, 81 EG und 82 EG falle. Mit dem zweiten Rechtsmittelgrund
         tragen sie vor, dass das angefochtene Urteil den Inhalt der streitigen Entscheidung verfälsche. Mit dem dritten Rechtsmittelgrund
         machen sie geltend, dass dem Urteil ein Formfehler anhafte, da seine Begründung widersprüchlich und unzureichend sei. Mit
         dem vierten Rechtsmittelgrund tragen sie vor, dass das angefochtene Urteil nach einem Verfahren ergangen sei, das nicht ordnungsgemäß
         verlaufen sei, weil das Gericht ihre Verfahrensrechte verletzt habe.
      
       Zum ersten Rechtsmittelgrund
      17     Der auf einen Rechtsfehler gestützte erste Rechtsmittelgrund besteht aus drei Teilen. Erstens machen die Kläger geltend, dass
         das Gericht die Rechtsprechung des Gerichtshofes über das Verhältnis zwischen sportlichen Regelwerken und dem Geltungsbereich
         der Vorschriften des EG-Vertrags falsch ausgelegt habe. Zweitens habe das Gericht in Anbetracht dieser Rechtsprechung die
         Tragweite der Bestimmungen über das Dopingverbot im Allgemeinen und über die streitige Anti-Doping-Regelung im Besonderen
         verkannt. Drittens habe das Gericht zu Unrecht festgestellt, dass diese Regelung nicht mit einem Marktverhalten gleichgesetzt
         werden könne, das in den Geltungsbereich der Artikel 81 EG und 82 EG falle, und dass die vom Gerichtshof im Urteil Wouters
         u. a. angewandte Prüfungsmethode deshalb auf diese Regelung nicht anwendbar sei.
      
       Zum ersten Teil
      –       Vorbringen der Parteien
      18     Die Kläger machen geltend, dass das Gericht die Rechtsprechung des Gerichtshofes, nach der die Ausübung des Sports nur insoweit
         unter das Gemeinschaftsrecht falle, als er zum Wirtschaftsleben gehöre, falsch ausgelegt habe. Insbesondere habe der Gerichtshof
         entgegen dem Urteil des Gerichts rein sportliche Regelwerke niemals generell vom Geltungsbereich des EG-Vertrags ausgeschlossen.
         Zwar habe der Gerichtshof festgestellt, dass die Bildung von Nationalmannschaften ausschließlich den Sport betreffe und als
         solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun habe, jedoch könne das Gericht daraus nicht schließen, dass jede ausschließlich
         den Sport betreffende Regel als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun habe und daher nicht unter die Verbote
         der Artikel 39 EG, 49 EG, 81 EG und 82 EG falle. Der Begriff des rein sportlichen Regelwerks müsse sich daher allein auf Regeln
         über die Zusammensetzung und Bildung von Nationalmannschaften beschränken.
      
      19     Außerdem habe das Gericht zu Unrecht festgestellt, dass ein Regelwerk, das sich nur auf den Sport beziehe, mit der Organisation
         und dem ordnungsgemäßen Ablauf des sportlichen Wettkampfs untrennbar verbunden sei, obwohl es nach der Rechtsprechung des
         Gerichtshofes auch den besonderen Charakter und den Rahmen dieser Begegnungen hätte berücksichtigen müssen. Da eine sachliche
         Unterteilung der professionellen Ausübung von Sport nicht möglich sei, sei die vom Gericht getroffene Unterscheidung zwischen
         der wirtschaftlichen und der nichtwirtschaftlichen Dimension ein und desselben Sports willkürlich. 
      
      20     Nach Ansicht der Kommission hat sich das Gericht genau an die Rechtsprechung des Gerichtshofes gehalten, nach der rein sportliche
         Regelwerke als solche nicht unter die Regeln über den freien Verkehr fielen. Es handele sich daher bei rein sportlichen Regelwerken
         sehr wohl um eine generelle Ausnahme, die sich nicht auf die Zusammensetzung und die Bildung von Nationalmannschaften beschränke.
         Überdies sei nicht nachzuvollziehen, wie eine Regelung, die sich nur auf den Sport beziehe und auf die Besonderheit von Sportveranstaltungen
         abstelle, mit dem ordnungsgemäßen Ablauf der Sportwettbewerbe nicht untrennbar verbunden sein könnte. 
      
      21     Nach Ansicht der finnischen Regierung steht das Vorgehen des Gerichts in Einklang mit dem Gemeinschaftsrecht. 
      –       Würdigung durch den Gerichtshof
      22     Nach den Zielen der Gemeinschaft fällt die Ausübung des Sports insoweit unter das Gemeinschaftsrecht, als sie zum Wirtschaftsleben
         im Sinne von Artikel 2 EG gehört (vgl. Urteile vom 12. Dezember 1974 in der Rechtssache 36/74, Walrave und Koch, Slg. 1974,
         1405, Randnr. 4, vom 14. Juli 1976 in der Rechtssache 13/76, Donà, Slg. 1976, 1333, Randnr. 12, vom 15. Dezember 1995 in der
         Rechtssache C‑415/93, Bosman, Slg. 1995, I‑4921, Randnr. 73, vom 11. April 2000 in den Rechtssachen C‑51/96 und C‑191/97,
         Deliège, Slg. 2000, I‑2549, Randnr. 41, und vom 13. April 2000 in der Rechtssache C‑176/96, Lehtonen und Castors Braine, Slg.
         2000, I‑2681, Randnr. 32). 
      
      23     Hat eine sportliche Betätigung den Charakter einer entgeltlichen Arbeits- oder Dienstleistung wie bei professionellen oder
         semiprofessionellen Sportlern (vgl. in diesem Sinne Urteile Walrave und Koch, Randnr. 5, Donà, Randnr. 12, und Bosman, Randnr.
         73), so gelten für sie die Artikel 39 ff. EG oder die Artikel 49 ff. EG.
      
      24     Diese Gemeinschaftsbestimmungen über die Freizügigkeit und den freien Dienstleistungsverkehr gelten nicht nur für behördliche
         Maßnahmen, sondern erstrecken sich auch auf Vorschriften anderer Art, die zur kollektiven Regelung unselbständiger Arbeit
         und der Erbringung von Dienstleistungen dienen (Urteile Deliège, Randnr. 47, sowie Lethonen und Castors Braine, Randnr. 35).
      
      25     Der Gerichtshof hat jedoch festgestellt, dass die in diesen Bestimmungen des EG-Vertrags enthaltenen Verbote nicht für Fragen
         gelten, die ausschließlich von sportlichem Interesse sind und als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun haben
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Walrave und Koch, Randnr. 8).
      
      26     Was die Trennung der wirtschaftlichen Aspekte einer sportlichen Tätigkeit von ihren sportlichen Aspekten betrifft, so hat
         der Gerichtshof im Urteil Donà (Randnrn. 14 f.) entschieden, dass die Gemeinschaftsbestimmungen über die Freizügigkeit und
         den freien Dienstleistungsverkehr Regelungen oder Praktiken nicht entgegenstehen, die aus nichtwirtschaftlichen Gründen, die
         mit dem spezifischen Charakter und Rahmen bestimmter Begegnungen zusammenhängen, gerechtfertigt sind. Jedoch dürfe diese Beschränkung
         des Geltungsbereichs der fraglichen Bestimmungen nicht weiter gehen, als ihr Zweck es erfordere. Sie könne daher nicht herangezogen
         werden, um eine sportliche Tätigkeit im Ganzen vom Geltungsbereich des Vertrages auszuschließen (Urteile Bosman, Randnr. 76,
         und Deliège, Randnr. 43).
      
      27     Nach alledem führt der bloße Umstand, dass eine Regelung rein sportlichen Charakters ist, nicht dazu, dass derjenige, der
         die dieser Regelung unterliegende sportliche Tätigkeit ausübt, oder die Institution, die diese Regelung erlassen hat, nicht
         in den Geltungsbereich des EG-Vertrags fällt.
      
      28     Fällt die fragliche sportliche Tätigkeit also in den Geltungsbereich des EG-Vertrags, so unterliegen die Bedingungen ihrer
         Ausübung sämtlichen sich aus den einzelnen Vorschriften des EG-Vertrags ergebenden Verpflichtungen. Daraus folgt, dass die
         für diese Tätigkeit geltenden Regeln die Voraussetzungen für die Anwendung dieser Vorschriften erfüllen müssen, die insbesondere
         die Freizügigkeit der Arbeitnehmer, die Niederlassungsfreiheit, die Dienstleistungsfreiheit und den Wettbewerb gewährleisten
         sollen.
      
      29     Wenn also die Ausübung dieser sportlichen Tätigkeit nach den Vorschriften des EG-Vertrags über die Freizügigkeit der Arbeitnehmer
         oder die Dienstleistungsfreiheit zu prüfen ist, so ist zu untersuchen, ob die für diese Tätigkeit geltenden Regeln den Tatbestand
         der Artikel 39 EG und 49 EG erfüllen, d. h., ob sie eine nach diesen Artikeln verbotene Beschränkung darstellen (Urteil Deliège,
         Randnr. 60). 
      
      30     Bei der Beurteilung der Ausübung der genannten Tätigkeit im Hinblick auf die Wettbewerbsregeln des EG-Vertrags ist außerdem
         zu prüfen, ob die Regeln für diese Tätigkeit unter Berücksichtigung des Tatbestands der Artikel 81 EG und 82 EG von einem
         Unternehmen aufgestellt wurden, ob dieses den Wettbewerb beschränkt oder seine marktbeherrschende Stellung missbraucht und
         ob diese Beschränkung oder dieser Missbrauch den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt.
      
      31     Selbst unterstellt, dass diese Regeln den freien Verkehr nicht beschränken, weil sie Fragen betreffen, die allein von sportlichem
         Interesse sind und als solche nichts mit wirtschaftlicher Betätigung zu tun haben (Urteile Walrave und Koch sowie Donà), würde
         dies weder bedeuten, dass die entsprechende sportliche Tätigkeit zwangsläufig nicht in den Geltungsbereich der Artikel 81
         EG und 82 EG fällt, noch, dass die genannten Regeln den Tatbestand dieser Artikel nicht erfüllen.
      
      32     Das Gericht hat in Randnummer 42 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass ein rein sportliches Regelwerk nichts mit wirtschaftlicher
         Betätigung zu tun habe, weswegen es nach Ansicht des Gerichtshofes nicht in den Geltungsbereich der Artikel 39 EG und 49 EG
         falle, bedeute auch, dass es nichts mit wirtschaftlichen Wettbewerbsbeziehungen zu tun habe, so dass es auch nicht in den
         Anwendungsbereich der Artikel 81 EG und 82 EG falle.
      
      33     Das Gericht hat dadurch, dass es entschieden hat, dass ein Regelwerk von vornherein dem Anwendungsbereich der genannten Artikel
         allein dadurch entzogen sein könne, dass es in Bezug auf die Anwendung der Artikel 39 EG und 49 EG rein sportlicher Art sei,
         ohne dass zuvor zu prüfen wäre, ob dieses Regelwerk den in Randnummer 30 dieses Urteils genannten Tatbestand der Artikel 81
         EG und 82 EG erfüllt, einen Rechtsfehler begangen.
      
      34     Folglich ist das Vorbringen der Kläger begründet, dass das Gericht ihren Antrag in Randnummer 68 des angefochtenen Urteils
         zu Unrecht mit der Begründung zurückgewiesen habe, dass die streitige Anti-Doping-Regelung weder unter Artikel 49 EG falle,
         noch dem Wettbewerbsrecht unterliege. Demzufolge ist das angefochtene Urteil aufzuheben, ohne dass es einer Prüfung der anderen
         Teile des ersten oder der übrigen Rechtsmittelgründe bedürfte.
      
       Zur Begründetheit
      35     Nach Artikel 61 der Satzung des Gerichtshofes ist, da der Rechtsstreit entscheidungsreif ist, über die Begründetheit der Anträge
         der Kläger auf Nichtigerklärung der streitigen Entscheidung zu entscheiden. 
      
      36     Wie erinnerlich, haben die Kläger ihre Klage auf drei Klagegründe gestützt. Sie haben der Kommission vorgeworfen, festgestellt
         zu haben, dass das IOC kein Unternehmen im Sinne der Gemeinschaftsrechtsprechung sei, dass die streitige Anti-Doping-Regelung
         keine Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Artikel 81 EG sei und dass ihre Beschwerde keinen Anhaltspunkt für einen Verstoß
         gegen Artikel 49 EG enthalte.
      
       Zum ersten Klagegrund
      37     Die Kläger machen geltend, dass die Kommission das IOC im Hinblick auf die Anwendung von Artikel 81 EG zu Unrecht nicht als
         Unternehmen eingestuft habe.
      
      38     Es steht jedoch fest, dass die Kommission – wie Nummer 37 der streitigen Entscheidung ausdrücklich zu entnehmen ist – zur
         Entscheidung über die Beschwerde der Kläger betreffend die Artikel 81 EG und 82 EG unterstellt hat, dass das IOC als Unternehmen
         und im Rahmen der olympischen Bewegung als ein Verband von internationalen und nationalen Unternehmensverbänden zu beurteilen
         ist.
      
      39     Da dieser Klagegrund auf einem falschen Verständnis der streitigen Entscheidung beruht, ist er verfehlt und deshalb zurückzuweisen.
         
      
       Zum zweiten Klagegrund
      40     Die Kläger tragen vor, dass die Kommission bei der Zurückweisung ihrer Beschwerde zu Unrecht festgestellt habe, dass die streitige
         Anti-Doping-Regelung keine Wettbewerbsbeschränkung im Sinne von Artikel 81 EG sei. Die Kommission habe die vom Gerichtshof
         im Urteil Wouters u. a. aufgestellten Kriterien fehlerhaft angewandt, um die restriktiven Auswirkungen der streitigen Anti-Doping-Regelung
         auf die Handlungsfreiheit der Kläger zu rechtfertigen. Die Regelung sei nämlich entgegen der Auffassung der Kommission zum
         einen mit den einzigen Zielen der Regelung, die Integrität des Wettbewerbs und die Gesundheit der Sportler zu erhalten, nicht
         untrennbar verbunden, sondern diene dazu, die eigenen wirtschaftlichen Interessen des IOC zu wahren. Zum anderen sei sie dadurch,
         dass sie einen Höchstwert von 2 ng/ml Urin vorsehe, der auf keinem wissenschaftlich abgesicherten Kriterium beruhe, überzogen
         und gehe daher über das hinaus, was für eine wirksame Dopingbekämpfung erforderlich sei.
      
      41     Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Kläger zwar geltend machen, der Kommission sei ein offensichtlicher Beurteilungsfehler
         unterlaufen, indem sie den Gesamtzusammenhang des Erlasses der fraglichen Regelung durch das IOC mit demjenigen gleichgesetzt
         habe, in dem die Niederländische Rechtsanwaltskammer die Regelung erlassen habe, über die der Gerichtshof im Urteil Wouters u. a.
         entschieden habe, erläutern diesen Klagegrund jedoch nicht derart, dass er geprüft werden könnte.
      
      42     Außerdem kann die Vereinbarkeit eines Regelwerks mit den gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln nicht abstrakt beurteilt werden
         (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 15. Dezember 1994 in der Rechtssache C‑250/92, DLG, Slg. 1994, I‑5641, Randnr. 31). Nicht
         jede Vereinbarung zwischen Unternehmen oder jeder Beschluss einer Unternehmensvereinigung, durch die die Handlungsfreiheit
         der Parteien oder einer der Parteien beschränkt wird, fällt zwangsläufig unter das Verbot des Artikels 81 Absatz 1 EG. Bei
         der Anwendung dieser Vorschrift im Einzelfall sind nämlich der Gesamtzusammenhang, in dem der fragliche Beschluss zustande
         gekommen ist oder seine Wirkungen entfaltet, und insbesondere seine Zielsetzung zu würdigen. Weiter ist dann zu prüfen, ob
         die mit dem Beschluss verbundenen wettbewerbsbeschränkenden Wirkungen notwendig mit der Verfolgung der genannten Ziele zusammenhängen
         (Urteil Wouters u. a., Randnr. 97) und ob sie im Hinblick auf diese Ziele verhältnismäßig sind.
      
      43     Bezüglich des Gesamtzusammenhangs, in dem das streitige Regelwerk erlassen wurde, durfte die Kommission annehmen, dass der
         allgemeine Zweck dieser Regelung – was keine der Parteien bestreitet – die Dopingbekämpfung mit dem Ziel eines fairen Ablaufs
         der Sportwettkämpfe ist; dieser Zweck soll zugleich die Chancengleichheit der Sportler, ihre Gesundheit, die Ehrlichkeit und
         Objektivität des Wettkampfs sowie die ethischen Werte des Sports gewährleisten. 
      
      44     Da außerdem Sanktionen erforderlich sind, um die Einhaltung des Dopingverbots sicherzustellen, hängt die Auswirkung der Sanktionen
         auf die Handlungsfreiheit der Sportler im Prinzip notwendig mit der Anti-Doping-Regelung zusammen. 
      
      45     Selbst unterstellt, dass die streitige Anti-Doping-Regelung eine die Handlungsfreiheit der Kläger einschränkende Entscheidung
         von Unternehmensverbänden wäre, wäre sie deshalb nicht unbedingt eine mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbare Wettbewerbsbeschränkung
         im Sinne von Artikel 81 EG, da sie durch einen legitimen Zweck gerechtfertigt ist. Eine solche Beschränkung ist nämlich mit
         der Organisation und dem ordnungsgemäßen Ablauf eines sportlichen Wettkampfs untrennbar verbunden und dient gerade dazu, einen
         fairen Wettstreit zwischen den Sportlern zu gewährleisten. 
      
      46     Die Kläger bestreiten zwar nicht, dass es tatsächlich um dieses Ziel geht, jedoch vertreten sie die Auffassung, dass die streitige
         Anti-Doping-Regelung auch den Zweck verfolge, die eigenen wirtschaftlichen Interessen des IOC zu wahren, und dass überzogene
         Regeln wie die hier angefochtenen im Hinblick auf diesen Zweck erlassen worden seien. Diese seien daher mit dem ordnungsgemäßen
         Ablauf des Wettkampfs nicht untrennbar verbunden und fielen unter die Verbote des Artikels 81 EG.
      
      47     Sicherlich können der Strafcharakter der streitigen Anti-Doping-Regelung und das Ausmaß der im Fall eines Verstoßes gegen
         die Regelung anwendbaren Sanktionen negative Auswirkungen auf den Wettbewerb haben, denn sollten sich diese Sanktionen letztlich
         als unbegründet erweisen, könnten sie zum ungerechtfertigten Ausschluss eines Sportlers von Wettkämpfen führen und somit die
         Bedingungen für die Ausübung der fraglichen Tätigkeit verfälschen. Daraus folgt, dass die mit diesem Regelwerk auferlegten
         Beschränkungen nur dann nicht unter das Verbot des Artikels 81 Absatz 1 EG fallen, wenn sie auf das zum ordnungsgemäßen Funktionieren
         des sportlichen Wettkampfs Notwendige begrenzt sind (vgl. in diesem Sinne Urteil DLG, Randnr. 35).
      
      48     Ein solches Regelwerk könnte nämlich überzogen sein, zum einen hinsichtlich der Grenze zwischen Fällen von unter Sanktionsandrohung
         stehendem Doping und anderen, zum anderen hinsichtlich der Schärfe dieser Sanktionen.
      
      49     Im vorliegenden Fall liegt diese Grenze in der streitigen Anti-Doping-Regelung bei dem Schwellenwert von 2 ng/ml Urin; überschreitet
         die Konzentration von Nandrolon im Körper des Sportlers diesen Schwellenwert, liegt Doping vor. Die Kläger wenden sich gegen
         diese Regelung mit der Begründung, dass dieser Schwellenwert zu niedrig festgelegt sei und auf keinem wissenschaftlich abgesicherten
         Kriterium beruhe.
      
      50     Sie haben jedoch nicht nachgewiesen, dass der Kommission dadurch ein offensichtlicher Beurteilungsfehler unterlaufen wäre,
         dass sie diese Regelung als gerechtfertigt bezeichnet habe. 
      
      51     Es ist nämlich unstreitig, dass Nandrolon ein Anabolikum ist, das, wenn es im Körper eines Sportlers vorhanden ist, dessen
         Leistungen verbessern und den fairen Ablauf des Wettkampfs, an dem der Sportler teilnimmt, verfälschen kann. Das grundsätzliche
         Verbot dieser Substanz ist daher im Hinblick auf den Zweck der Anti-Doping-Regelung gerechtfertigt. 
      
      52     Es ist ebenso unstreitig, dass diese Substanz endogen erzeugt werden kann und dass die sportlichen Instanzen, insbesondere
         das IOC, deshalb im Rahmen der streitigen Anti-Doping-Regelung einen Dopingfall nur dann angenommen haben, wenn die Konzentration
         der genannten Substanz einen bestimmten Schwellenwert übersteigt. Das genannte Regelwerk wäre daher nur dann im Hinblick auf
         den angestrebten Zweck nicht gerechtfertigt, wenn der Schwellenwert nach dem Stand der wissenschaftlichen Kenntnisse zum Zeitpunkt
         des Erlasses der streitigen Anti-Doping-Regelung oder auch zum Zeitpunkt der Anwendung der Anti-Doping-Regelung zur Sanktionierung
         der Kläger im Jahr 1999 derart niedrig festgesetzt worden wäre, dass dieser Umstand nicht hinreichend berücksichtigt worden
         wäre.
      
      53     Aus den Akten ergibt sich jedoch, dass zum maßgeblichen Zeitpunkt die in allen bis dahin veröffentlichten Studien festgestellte
         durchschnittliche Erzeugung von Endogenen 20-mal niedriger als 2 ng/ml Urin war und dass der höchste festgestellte Wert für
         erzeugte Endogene um etwa ein Drittel niedriger lag. Die Kläger tragen zwar vor, dass das IOC seit 1993 den Hinweis eines
         Experten auf die Gefahr hätte kennen müssen, dass der bloße Verzehr einer beschränkten Menge von Fleisch unkastrierter Keiler
         dazu führen könne, dass bei völlig unschuldigen Sportlern der fragliche Schwellenwert überschritten werde, es ist aber jedenfalls
         nicht erwiesen, dass dieses Risiko zum maßgeblichen Zeitpunkt in der Wissenschaft herrschende Meinung war. Außerdem haben
         die Ergebnisse der Studien und Experimente, die nach der streitigen Entscheidung hierzu unternommen wurden, keinen Einfluss
         auf deren Rechtmäßigkeit.
      
      54     Die Beschränkungen, die der Schwellenwert den Sportlern auferlegt, gehen unter diesen Umständen, zumal die Kläger nicht angeben,
         auf welchen Wert die Toleranzschwelle zum maßgeblichen Zeitpunkt hätte festgesetzt sein müssen, nicht über das hinaus, was
         für die Organisation und den ordnungsgemäßen Ablauf sportlicher Wettkämpfe erforderlich ist.
      
      55     Da die Kläger im Übrigen nicht geltend gemacht haben, dass die im vorliegenden Fall anwendbaren und verhängten Sanktionen
         überzogen seien, ist die Unverhältnismäßigkeit der fraglichen Anti-Doping-Regelung nicht erwiesen.
      
      56     Demzufolge ist der zweite Klagegrund zurückzuweisen.
       Zum dritten Klagegrund
      57     Die Kläger tragen vor, dass die streitige Entscheidung rechtsfehlerhaft sei, weil in deren Nummer 71 ihr Vorbringen zurückgewiesen
         werde, dass die IOC-Regeln gegen Artikel 49 EG verstießen.
      
      58     Der Antrag, den die Kläger beim Gericht gestellt haben, bezieht sich jedoch auf die Rechtmäßigkeit einer Entscheidung, die
         die Kommission nach Abschluss eines Verfahrens getroffen hat, das auf einer nach der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar
         1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81 EG] und [82 EG] (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204) eingereichten Beschwerde
         beruht. Daraus folgt, dass sich die gerichtliche Nachprüfung dieser Entscheidung auf die Wettbewerbsregeln beschränken muss,
         wie sie sich aus den Artikeln 81 EG und 82 EG ergeben, und sich nicht auf die Einhaltung anderer Vorschriften des EG-Vertrags
         erstrecken kann (vgl. in diesem Sinne Beschluss vom 23. Februar 2006 in der Rechtssache C‑171/05 P, Piau, Slg. 2006, nicht
         in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 58).
      
      59     Der von den Klägern auf Artikel 49 EG gestützte Klagegrund ist daher, was auch immer der Grund der Kommission gewesen sein
         mag, ihn zurückzuweisen, verfehlt und ebenfalls zurückzuweisen.
      
      60     Nach alledem ist die Klage der Kläger gegen die streitige Entscheidung abzuweisen. 
       Kosten
      61     Nach Artikel 122 Absatz 1 der Verfahrensordnung entscheidet der Gerichtshof über die Kosten, wenn das Rechtsmittel zurückgewiesen
         wird oder wenn das Rechtsmittel begründet ist und er selbst den Rechtsstreit endgültig entscheidet. Nach Artikel 69 § 2 der
         Verfahrensordnung, der gemäß Artikel 118 der Verfahrensordnung auf das Rechtsmittelverfahren entsprechende Anwendung findet,
         ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Jedoch kann der Gerichtshof nach Artikel 69
         § 3 erster Unterabsatz die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt, wenn jede Partei teils
         obsiegt, teils unterliegt oder wenn ein außergewöhnlicher Grund gegeben ist. Nach Artikel 69 § 4 tragen die Mitgliedstaaten,
         die dem Rechtsstreit als Streithelfer beigetreten sind, ihre eigenen Kosten.
      
      62     Da die Kommission die Verurteilung der Kläger zur Tragung der Kosten beantragt hat und die Kläger im Wesentlichen unterlegen
         sind, sind diesen die Kosten beider Rechtszüge aufzuerlegen. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 30. September 2004 in der Rechtssache T‑313/02
            (Meca-Medina und Majcen/Kommission) wird aufgehoben.
      2.      Die beim Gericht erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften erhobene, unter der Nummer T‑313/02 eingetragene Klage auf
            Nichtigerklärung der Entscheidung der Kommission vom 1. August 2002 über die Zurückweisung der Beschwerde der Kläger wird
            abgewiesen. 
      3.      Die Kläger tragen die Kosten beider Rechtszüge.
      4.      Die Republik Finnland trägt ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Französisch.