CELEX: 62004CC0195
Language: de
Date: 2007-01-18
Title: Schlussanträge der Generalanwältin Sharpston vom 18. Januar 2007. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Republik Finnland. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Öffentlicher Auftrag über die Lieferung einer Catering-Einrichtung - Art. 28 EG - Mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen - Maßnahmen gleicher Wirkung - Diskriminierungsverbot - Verpflichtung zur Transparenz. # Rechtssache C-195/04.

SCHLUSSANTRÄGE DER GENERALANWÄLTIN
      ELEANOR SHARPSTON
      vom 18. Januar 20071(1)
      
      Rechtssache C‑195/04
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Finnland
      „Vertragsverletzungsverfahren – Öffentlicher Auftrag über die Lieferung einer Catering‑Einrichtung – Art. 28 EG – Maßnahmen mit gleicher Wirkung wie mengenmäßige Beschränkungen – Diskriminierungsverbot – Verpflichtung zur Transparenz“1.     Mit dieser Klage wird vor dem Gerichtshof die Frage aufgeworfen, inwieweit ein öffentlicher Auftraggeber, der einen Auftrag
         vergibt, dessen Wert unter dem in der maßgebenden Gemeinschaftsrichtlinie über öffentliche Aufträge festgelegten Schwellenwert
         liegt, zur Transparenz verpflichtet ist. Auch wenn ein Auftrag, dessen Wert den maßgebenden Schwellenwert nicht erreicht,
         in wirtschaftlicher Hinsicht dennoch erheblich sein kann, werde ich einen solchen Auftrag in diesen Schlussanträgen zur Vereinfachung
         als „geringwertigen Auftrag“ bezeichnen.
      
      2.     Die Kommission beantragt nach Art. 226 EG die Feststellung, dass „die Republik Finnland gegen ihre Verpflichtungen aus Art.
         28 EG verstoßen hat, weil die [Behörde, die in Finnland für die Verwaltung staatlicher Gebäude zuständig ist,] beim Auftrag
         über eine Catering‑Einrichtung die fundamentalen Rechtsgrundsätze des EG‑Vertrags und insbesondere den Grundsatz der Nichtdiskriminierung,
         der die Verpflichtung zur Transparenz einschließt, verletzt hat“.
      
       Einschlägiges Gemeinschaftsrecht
      3.     Die Richtlinie 93/36/EWG(2) des Rates vom 14. Juni 1993 über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Lieferaufträge legt die Voraussetzungen
         für die Vergabe solcher Aufträge fest.
      
      4.     Die Präambel lautet, soweit hier von Belang:
      „[10] … Lieferaufträge von weniger als [214 326 Euro(3) können] für den Wettbewerb, wie ihn diese Richtlinie vorsieht, außer Acht gelassen werden und sollten daher nicht unter die
         Koordinierungsmaßnahmen fallen.
      
      [14] Damit auf dem Gebiet des öffentlichen Auftragswesens ein echter Wettbewerb entsteht, ist es erforderlich, dass die beabsichtigten
         Auftragsvergaben der öffentlichen Auftraggeber der Mitgliedstaaten in der gesamten Gemeinschaft bekanntgemacht werden. Die
         in diesen Ausschreibungen enthaltenen Angaben sollten es den in der Gemeinschaft ansässigen Lieferanten ermöglichen zu beurteilen,
         ob die vorgesehenen Aufträge für sie von Interesse sind, und sie zu diesem Zweck über die zu liefernden Waren und die damit
         verbundenen Bedingungen ausreichend informieren. Bei den nicht offenen Verfahren sollte die Bekanntmachung es den Lieferanten
         der Mitgliedstaaten ermöglichen, ihr Interesse an den Aufträgen dadurch zu bekunden, dass sie sich bei den öffentlichen Auftraggebern
         um eine Aufforderung bewerben, unter den vorgeschriebenen Bedingungen ein Angebot einzureichen.“
      
      5.     Gemäß Art. 1 Buchst. a Ziff. i umfassen öffentliche Lieferaufträge Verträge, die zwischen Lieferanten und öffentlichen Auftraggebern
         über den Kauf von Waren geschlossen werden. Gemäß Art. 1 Buchst. b gelten als öffentliche Auftraggeber der Staat, Gebietskörperschaften,
         Einrichtungen des öffentlichen Rechts und Verbände, die aus einer oder mehreren dieser Körperschaften oder Einrichtungen bestehen.
         
      
      6.     Gemäß Art. 5 Abs. 1 Buchst. a erster Gedankenstrich finden die materiellrechtlichen Harmonisierungsbestimmungen der Richtlinie
         (Art. 6 bis 27) – einschließlich der in den Art. 9 bis 14 festgelegten gemeinsamen Bekanntmachungsvorschriften – nur auf öffentliche
         Lieferaufträge Anwendung, die von öffentlichen Auftraggebern im Sinne von Art. 1 Buchst. b vergeben werden, „vorausgesetzt,
         dass der geschätzte Auftragswert ohne MwSt. mindestens [214 326 Euro(4)] beträgt“. Somit unterliegen geringwertige Aufträge nicht den gemeinsamen Bekanntmachungsvorschriften und die Mitgliedstaaten
         sind zur Anwendung der Vorschriften der Richtlinie auf solche Aufträge nicht verpflichtet, auch wenn es ihnen selbstverständlich
         freisteht, sie nach nationalem Recht anzuwenden.
      
      7.     Aufträge, die in den Anwendungsbereich der Richtlinien über öffentliche Aufträge fallen, müssen unter Anwendung eines offenen,
         eines nicht offenen oder eines Verhandlungsverfahrens vergeben werden. Bei nicht offenen Verfahren wird die beabsichtigte
         Auftragsvergabe bekannt gemacht, indem Unternehmen aufgefordert werden, ihr Interesse an der Einreichung eines Angebots zu
         bekunden, und anschließend fordert der öffentliche Auftraggeber eine begrenzte Anzahl von Unternehmen dazu auf, ein Angebot
         einzureichen. Bei Verhandlungsverfahren kann der öffentliche Auftraggeber Unternehmen auswählen, mit denen er über den Auftrag
         verhandelt, ohne dass die beabsichtigte Auftragsvergabe vorher bekanntgegeben wurde und ohne Durchführung eines Wettbewerbs(5).
      
      8.     Nach Art. 6 Abs. 3 Buchst. a können öffentliche Auftraggeber Lieferaufträge im Verhandlungsverfahren ohne vorherige öffentliche
         Vergabebekanntmachung vergeben, „wenn nach Durchführung eines offenen oder nicht offenen Verfahrens keine Angebote bzw. keine
         geeigneten Angebote abgegeben worden sind, sofern die ursprünglichen Bedingungen des Auftrags nicht grundlegend geändert werden
         und unter der Voraussetzung, dass der Kommission ein Bericht vorgelegt wird“.
      
       Hintergrund des Vertragsverletzungsverfahrens
      9.     Die Kommission und Finnland berufen sich auf teilweise voneinander abweichende Sachverhaltsdarstellungen, die im Laufe des
         ganzen Verfahrens jeweils entschieden bestritten worden sind. Ich werde daher den maßgeblichen Hintergrund recht detailliert
         darlegen und auf umstrittene Punkte hinweisen und diese würdigen.
      
       Phase 1: März 1998
      10.   Im März 1998 veröffentlichte der öffentliche Auftraggeber(6) im Rahmen eines nicht offenen Verfahrens in den Amtsblättern der Gemeinschaft und Finnlands(7) eine Aufforderung, Interesse an einem öffentlichen Bauauftrag über Renovierung und Umbau des Gebäudes der Regionalverwaltung
         von Turku zu bekunden. Finnland bezeichnet dies als „Phase 1“(8).
      
      11.   Der Auftrag setzte sich aus Teillosen zusammen. Diese umfassten u. a. die Installation einer Catering‑Einrichtung. In Übereinstimmung
         mit Anhang IV der Richtlinie 93/37/EWG(9) des Rates wurde festgelegt, dass Angebote sowohl für ein einzelnes Teillos als auch für mehrere oder alle Teillose eingereicht
         werden konnten. Der Wert der einzelnen Teillose schwankte zwischen 1 Million und 22 Millionen FIM (ungefähr zwischen 168 000
         Euro und 3,7 Millionen Euro), und der Gesamtwert der Lose überstieg den Schwellenwert für die Anwendung der Baurichtlinie(10). Die Arbeiten waren in zwei Tranchen auszuführen.
      
      12.   Die Küche, in der die Einrichtung installiert werden sollte, gehörte zu dem Restaurant, das sich auf dem Gelände der Regionalverwaltung
         Turku befand.
      
      13.   Die Parteien streiten darüber, ob in Phase 1 ein Angebot über die Lieferung einer Catering‑Einrichtung einging.
      14.   Auf eine Frage des Gerichtshofs  hat Finnland in der mündlichen Verhandlung erklärt, dass in Phase 1 nur ein Angebot über
         die Lieferung der Catering‑Einrichtung eingegangen sei, und zwar von Kopal Markkinointi Oy (im Folgenden: Kopal). Nähere Einzelheiten
         zu diesem Angebot konnten von Finnland nicht beigebracht werden. Da keine weiteren Angebote eingereicht worden seien, sei
         es nicht möglich gewesen, Angebote zu vergleichen. Daher habe man das Angebot der Kopal abgelehnt.
      
      15.   Die Kommission hat erklärt, dass Kopal ihres Wissens 1998 kein Angebot eingereicht habe.
      16.   Dem Gerichtshof sind keine weiteren Beweismittel zu Phase 1 vorgelegt worden. In jedem Fall sind die Parteien sich darüber
         einig, dass in diesem Stadium kein Angebot über die Lieferung einer Catering‑Einrichtung angenommen wurde.
      
       Phase 2: Anfang 2000
      17.   Anfang 2000(11) wurden vier Unternehmen unmittelbar vom öffentlichen Auftraggeber angeschrieben und zur Abgabe eines Angebots über die Lieferung
         und Installation einer Catering‑Einrichtung aufgefordert. Aus dem nachfolgenden Schreiben vom 9. April 2001(12) kann geschlossen werden, dass es sich bei den vier Unternehmen um Dieta Oy (im Folgenden: Dieta), Electrolux Professional
         Oy (im Folgenden: Electrolux), Kopal und den letztendlich ausgewählten Lieferanten Hackman-Metos Oy (im Folgenden: Hackman-Metos)
         handelte. Somit war es der öffentliche Auftraggeber, der den Kontakt zu Hackman-Metos herstellte. Finnland behauptet, dass
         zu diesen Unternehmen die finnische Vertretung eines in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Lieferanten von Catering‑Einrichtungen
         (vermutlich Electrolux) gezählt habe Die Kommission hat dies nicht bestritten.
      
      18.   Bis zu diesem Zeitpunkt war das Restaurant, in dem die Catering‑Einrichtung installiert werden sollte, vom öffentlichen Auftraggeber
         an Amica Ravintolat (im Folgenden: Amica oder Pächterin) verpachtet worden. Der öffentliche Auftraggeber vereinbarte mit Amica,
         dass diese die Catering‑Einrichtung im Namen des öffentlichen Auftraggebers kaufen würde. Der öffentliche Auftraggeber erklärte
         sich damit einverstanden, 1 050 000 FIM (ungefähr 177 000 Euro) für den Kauf der Catering‑Einrichtung zu zahlen. Dieser Betrag
         liegt unter dem Schwellenwert für die Anwendung der Richtlinie 93/36(13).
      
       Phase 3: später im Jahr 2000
      19.   Im Februar 2000 versandte der öffentliche Auftraggeber ein Schreiben, das die Empfänger davon in Kenntnis setzte, dass alle
         eingereichten Angebote aufgrund der hohen Kosten abgelehnt worden seien. Die Empfänger des Schreibens wurden jedoch aufgefordert,
         sich mit neuen Angeboten an die Pächterin zu wenden, deren Kontaktdaten zur Verfügung gestellt wurden. Finnland bezeichnet
         diese Aufforderung und die darauf folgenden Ereignisse als „Phase 3“.
      
      20.   Zwischen den Parteien ist streitig, ob dieses Schreiben an alle Unternehmen, die 2000 ein Angebot über die Lieferung einer
         Catering‑Einrichtung eingereicht hatten, gerichtet war.
      
      21.   Finnland macht geltend, dass das Schreiben an alle vier Unternehmen versandt worden sei. Die Kommission trägt in ihrer Erwiderung
         vor, nicht alle Unternehmen, die zuvor ein Angebot eingereicht hätten, seien über die Ablehnung aller Angebote in Kenntnis
         gesetzt und anschließend zur Einreichung eines Angebots in „Phase 3“ aufgefordert worden. Mindestens ein Unternehmen, nämlich
         Rakentajamestarit Oy (im Folgenden: Rakentajamestarit), das zuvor ein Angebot über die Lieferung der Catering‑Einrichtung
         eingereicht habe, sei nicht über die Ablehnung aller Angebote in Kenntnis gesetzt und anschließend nicht zur Einreichung eines
         Angebots in Phase 3 aufgefordert worden. Sie verweist auf ein (der Erwiderung beigefügtes) Angebot, das von Rakentajamestarit
         eingereicht worden sei.
      
      22.   Finnland wendet zu Recht ein, dass die Kommission dadurch, dass sie die Beweise für das Angebot der Rakentajamestarit ohne
         eine Erklärung erst in ihrer Erwiderung vorgelegt habe, gegen Art. 42 § 1 der Verfahrensordnung verstoßen habe, wonach eine
         Partei, die in der Erwiderung oder Gegenerwiderung noch Beweismittel benenne, ihre Verspätung zu begründen habe(14). Finnland macht außerdem geltend, dass sich das Angebot der Rakentajamestarit auf die Hauptarbeiten (die die Installation
         von Küchenmobiliar beinhaltet hätten) und nicht auf die Lieferung einer Catering‑Einrichtung  bezogen habe.
      
      23.   Ich bin daher der Auffassung, dass die Beweise für das Angebot der Rakentajamestarit unzulässig sind; in jedem Fall sind sie
         außerdem wohl unerheblich(15).
      
      24.   Die Pächterin schloss einen Vertrag mit Hackman-Metos(16). Die Parteien sind nicht in der Lage gewesen, mitzuteilen, wann dies geschah. In der mündlichen Verhandlung hat die Kommission
         darauf hingewiesen, dass zwischen der Bekanntmachung im Amtsblatt und dem Kauf der Catering‑Einrichtung zwei Jahre verstrichen
         seien. Daher nehme ich an, dass der Vertrag wahrscheinlich in der ersten Hälfte des Jahres 2000 geschlossen wurde(17).
      
      25.   Mit Schreiben vom 9. April 2001 erhielten die Adressaten der Bekanntmachung vom Februar 2000 vom öffentlichen Auftraggeber
         ein Formular für die Anfechtung der Entscheidung über die Ablehnung der Angebote, die in Phase 2 eingereicht worden waren.
         
      
      26.   Ich unterbreche hier für eine Zusammenfassung: In Phase 1 wurde im Rahmen eines nicht offenen Verfahrens in den Amtsblättern der EU und Finnlands eine Vergabebekanntmachung veröffentlicht, mit der dazu aufgefordert wurde, sich für die Einreichung
         von Angeboten für einen Auftrag zu bewerben, bei dem die Installation einer Catering‑Einrichtung ein Teillos darstellte. Anscheinend
         hat wohl ein Unternehmen, Kopal, in Phase 1 die Lieferung einer Catering‑Einrichtung angeboten (d. h. im Laufe des nicht offenen
         Verfahrens), doch selbst wenn dies der Fall war, so wurde dieses Angebot abgelehnt. In Phase 2 wandte sich der öffentliche
         Auftraggeber an Kopal und drei weitere potenzielle Lieferanten – Dieta, Electrolux und Hackman-Metos – und forderte diese
         zur Einreichung eines Angebots auf, doch alle vier Angebote wurden mit der Begründung, dass die Kosten zu hoch seien, abgelehnt.
         In Phase 3 ermächtigte der öffentliche Auftraggeber die neue Pächterin Amica dazu, als seine Vertreterin mit denjenigen der
         vier Unternehmen (Kopal, Dieta, Electrolux und Hackman-Metos), die sich nach einer entsprechenden Aufforderung durch den öffentlichen
         Auftraggeber an Amica wandten, Verhandlungen aufzunehmen. Amica schloss mit Hackman-Metos den Vertrag über die Catering‑Einrichtung.
      
      27.   Gegen die streitige Auftragsvergabe wurde eine Beschwerde bei der Kommission eingelegt, und diese richtete am 18. Juli 2002
         ein förmliches Mahnschreiben an Finnland. Die Kommission war der Auffassung, dass der öffentliche Auftraggeber nicht sichergestellt
         habe, dass der Auftrag mit einem angemessenen Grad von Öffentlichkeit vergeben werde, und dass Finnland daher gegen seine
         Verpflichtungen aus Art. 28 EG (sic) verstoßen habe. Die Kommission fügte hinzu, dass Amica (als Vertreterin des öffentlichen Auftraggebers) nach den der Kommission
         vorliegenden Informationen den Vertrag mit einem Unternehmen geschlossen habe, zu dem es in enger Verbindung stehe und mit
         dem es sich Arbeitnehmer teile, doch die Kommission hat diesen Vorwurf nach dem vorprozessualen Verfahren anscheinend nicht
         weiter verfolgt.
      
      28.   Finnland antwortete mit Schreiben vom 3. September 2002. Es räumte ein, dass öffentliche Vergabeverfahren an die Verpflichtung
         zur Bekanntmachung und zur Transparenz gebunden seien, doch bestritt es, gegen Art. 28 EG oder irgendeine andere Vorschrift
         des Gemeinschaftsrechts verstoßen zu haben.
      
      29.   Da die Kommission die Antwort Finnlands nicht als zufriedenstellend ansah, richtete sie am 19. Dezember 2002 eine mit Gründen
         versehene Stellungnahme an Finnland. Sie verwies ausdrücklich auf das Urteil Telaustria und Telefonadress (im Folgenden: Telaustria)(18) des Gerichtshofs  und wiederholte, dass der öffentliche Auftraggeber ihrer Meinung nach bei dem Auftrag keinen angemessenen
         Grad von Öffentlichkeit(19) sichergestellt habe. 
      
      30.   Da die Kommission Finnlands Antwort vom 12. Februar 2003 (in der dessen Position lediglich wiederholt wurde) nicht als zufriedenstellend
         ansah, hat sie die vorliegende Vertragsverletzungsklage erhoben(20).
      
      31.   Nach der Einleitung dieses Vertragsverletzungsverfahrens durch die Kommission hat Finnland die Kommission am 1. Dezember 2003
         davon in Kenntnis gesetzt, dass es eine Stärkung der Verpflichtung zur Transparenz in Finnland beabsichtige(21).
      
      32.   Dänemark, Deutschland und die Niederlande haben als Streithelfer Stellungnahmen eingereicht. In der Verhandlung vom 8. Juni
         2006 haben die Kommission, Finnland, Deutschland und die Niederlande mündlich Stellung genommen.
      
       Zulässigkeit
       Finnlands Einrede der Unzulässigkeit
      33.   Finnland macht geltend, dass die Klage unzulässig sei. Nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs  werde der Gegenstand einer
         Klage durch das Vorverfahren eingegrenzt und die Klage könne nicht auf andere als die im Vorverfahren erhobenen Rügen gestützt
         werden. Die Kommission habe den Klagegegenstand in zweifacher Hinsicht über den Umfang der mit Gründen versehenen Stellungnahme
         hinaus erweitert.
      
      34.   Erstens habe die Kommission zum ersten Mal in der Klageschrift festgestellt, dass der öffentliche Auftraggeber eine „Aufforderung
         zur Angebotsabgabe“ hätte organisieren müssen. In der mit Gründen versehenen Stellungnahme wurde lediglich die Verpflichtung
         zur Sicherstellung eines angemessenen Grades von Öffentlichkeit genannt(22).
      
      35.   Zweitens werde in der Klageschrift geltend gemacht, dass die erste Aufforderung zur Angebotsabgabe erfolglos gewesen und der
         beabsichtigte Auftrag über eine Catering‑Einrichtung anschließend nicht in Form einer Aufforderung zur Angebotsabgabe bekannt
         gemacht worden sei. Nach der mit Gründen versehenen Stellungnahme sollte sich die Vertragsverletzung jedoch aus der Tatsache
         ergeben, dass die Pächterin als Beschaffungsvertreterin des öffentlichen Auftraggebers den Vertrag geschlossen habe.
      
      36.   Die Kommission entgegnet, dass der Klagegegenstand auf dem Deckblatt und in Randnummer 23 der Klageschrift präzise dargelegt
         werde (die beantragte Feststellung). Sowohl dort als auch in der mit Gründen versehenen Stellungnahme werde im Wesentlichen
         dargelegt, dass Finnland gegen seine Verpflichtungen aus Art. 28 EG verstoßen habe, weil der öffentliche Auftraggeber bei
         der Beschaffung einer Catering‑Einrichtung fundamentale Rechtsgrundsätze des Vertrags verletzt habe.
      
       Würdigung
      37.   Trotz der weiten Formulierung der beantragten Feststellung, mit der ich mich weiter unten befassen werde, ist die von Finnland
         geltend gemachte Einrede der Unzulässigkeit meiner Meinung nach nicht begründet. Die mit Gründen versehene Stellungnahme kommt
         zu dem Schluss, dass Finnland bei der Beschaffung einer Catering‑Einrichtung die fundamentalen Rechtsgrundsätze des Vertrags
         und insbesondere den Grundsatz der Nichtdiskriminierung, der die Verpflichtung zur Transparenz einschließe, verletzt habe;
         folglich habe Finnland gegen seine Verpflichtungen aus Art. 28 EG verstoßen. Mit der Klageschrift wird die Feststellung beantragt,
         dass Finnland gegen seine Verpflichtungen aus Art. 28 EG verstoßen habe, weil der öffentliche Auftraggeber beim Auftrag über
         eine Catering‑Einrichtung die fundamentalen Rechtsgrundsätze des Vertrags und insbesondere den Grundsatz der Nichtdiskriminierung,
         der die Verpflichtung zur Transparenz einschließe, verletzt habe. Mir ist nicht ersichtlich, inwiefern sich der Standpunkt
         der Kommission in diesen beiden Erklärungen unterscheiden soll.
      
      38.   Zwar trifft es zu, dass die Kommission zum ersten Mal in ihrer Klageschrift ausdrücklich geltend gemacht hat, dass eine „Aufforderung
         zur Angebotsabgabe“ hätte erfolgen müssen und dass die erste Aufforderung zur Angebotsabgabe erfolglos gewesen und der beabsichtigte
         Auftrag über eine Catering‑Einrichtung anschließend nicht in Form einer Aufforderung zur Angebotsabgabe bekannt gemacht worden
         sei(23). Eine Klage ist jedoch nicht unzulässig, wenn in der Klageschrift lediglich die in der mit Gründen versehenen Stellungnahme
         dargelegte Rüge erläutert wird, ohne eine neue Rüge zu erheben(24). Meines Erachtens wird durch die zwei Argumente, die in der Klageschrift detailliert dargelegt werden, lediglich die Rüge
         erläutert, die in der mit Gründen versehenen Stellungnahme vorgebracht wird, dass nämlich der betroffene Auftrag nicht angemessen
         veröffentlicht(25) und die Verpflichtung zur Transparenz daher verletzt worden sei. Der Gegenstand der Klage der Kommission wird dadurch nicht
         geändert.
      
      39.   Finnland beruft sich auf die Urteile Kommission/Niederlande(26) und Kommission/Italien(27). Im erstgenannten Urteil hat der Gerichtshof die Klage der Kommission, die Gewässerverschmutzung betraf und deren geografisches
         Ausmaß von dem vor der Kommission im Vorverfahren bezeichneten abwich, für teilweise unzulässig erklärt(28). Im letztgenannten Urteil ist die Klage der Kommission für unzulässig erklärt worden, soweit sie a) auf nationalen Bestimmungen
         beruhte, auf die im Vorverfahren irrtümlich verwiesen worden war, und b) auf nationalen Bestimmungen beruhte, die von den
         Angaben im Vorverfahren abwichen(29). Das geografische Ausmaß und die nationale Rechtsgrundlage einer Vertragsverletzungsklage bilden eindeutig den Kern des Gegenstands
         jener Klage. Für die genauen Einzelheiten der Argumente, die in der Klageschrift zur Stützung der Hauptrüge der Kommission
         vorgebracht wurden, trifft dies nicht zu. Daher können diese Fälle voneinander unterschieden werden.
      
      40.   Die Einrede Finnlands kann folglich nicht durchgreifen. 
       Die beantragte Feststellung
      41.   Jedoch habe ich aus anderen Gründen ernsthafte Zweifel an der Zulässigkeit und Begründetheit der Klage der Kommission.
      42.   Der Gerichtshof hat festgestellt, dass die Kommission in den Anträgen einer nach Art. 226 EG eingereichten Klage genau angeben
         muss, über welche spezifischen Rügen der Gerichtshof entscheiden soll, und dass diese Klagen eindeutig formuliert sein müssen,
         damit der Gerichtshof nicht „ultra petita“ entscheidet oder sogar eine Rüge übergeht(30).
      
      43.   Die Kommission beantragt beim Gerichtshof die Feststellung, dass „die Republik Finnland gegen ihre Verpflichtungen aus Art.
         28 EG verstoßen hat, weil die [Behörde, die in Finnland für die Verwaltung staatlicher Gebäude zuständig ist,] beim Auftrag
         über eine Catering‑Einrichtung die fundamentalen Rechtsgrundsätze des EG‑Vertrags und insbesondere den Grundsatz der Nichtdiskriminierung,
         der die Verpflichtung zur Transparenz einschließt, verletzt hat“.
      
      44.   Diese Formulierung ist alles andere als genau.
      45.   Erstens geht aus dem Wortlaut in dieser Formulierung nicht eindeutig hervor, ob die Kommission die Feststellung beantragt,
         dass (i) Art. 28 EG, (ii) der darin enthaltene Grundsatz der Nichtdiskriminierung, (iii) sonstige fundamentalen Rechtsgrundsätze
         des Vertrags oder (wahrscheinlich) (iv) alle vorgenannten Vorschriften verletzt wurden.
      
      46.   Zweitens erläutert die Kommission nicht klar und deutlich, weshalb Art. 28 EG für ihre Klage erheblich ist.
      47.   Nach Art. 28 EG sind mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen sowie alle Maßnahmen gleicher Wirkung zwischen den Mitgliedstaaten
         verboten. Dieses Verbot erfasst alle nationalen Maßnahmen(31).
      
      48.   In der Klage der Kommission wird jedoch nicht genau dargelegt, welche Handlung die Maßnahme, die Handlung oder das Verfahren
         darstellen soll, mit dem gegen Art. 28 EG verstoßen wurde. Die Kommission rügt lediglich allgemein das Verhalten des öffentlichen
         Auftraggebers „beim Auftrag“ über eine Catering‑Einrichtung.
      
      49.   Ich bin daher der Auffassung, dass in den Anträgen nicht genau angegeben wurde, über welche Rügen der Gerichtshof entscheiden
         soll, und dass die Klage für unzulässig erklärt werden sollte. 
      
      50.   Für den Fall, dass der Gerichtshof diese Auffassung nicht teilt, werde ich nun die Begründetheit der Klage prüfen. 
       Begründetheit
       Vorbemerkung
      51.   Die Kommission hat nicht erläutert, inwiefern der öffentliche Auftraggeber dadurch, dass er den streitigen Auftrag nicht bekannt
         gemacht und kein neues Auftragsvergabeverfahren eingeleitet hat – (was beides mit positiven Verpflichtungen verbunden ist),
         gegen das Verbot des Art. 28 EG verstoßen hat.
      
      52.   Ich sollte klarstellen, dass ich nicht bestreite, dass Art. 28 EG eine Verpflichtung zur Transparenz begründen kann. Wenn
         dies jedoch so ist, so hat die Kommission dies jedenfalls nicht dargelegt. Meiner Meinung nach ist die Klage daher insoweit
         unbegründet, als in ihr nicht eindeutig dargelegt wird, inwiefern die angebliche Verletzung des Transparenzgebots gegen Art.
         28 EG verstößt. 
      
      53.   Für den Fall, dass der Gerichtshof auch diese Auffassung nicht teilt, werde ich die Klage der Kommission nun im Einzelnen
         prüfen.
      
      54.   Es ist unstreitig, dass der streitige Auftrag ein geringwertiger Auftrag war und dass er daher nicht in den Anwendungsbereich
         der Richtlinie 93/36 fällt.
      
      55.   Darüber hinaus müssen die öffentlichen Auftraggeber nach ständiger Rechtsprechung die Grundregeln des Vertrags beachten, auch
         wenn manche Verträge vom Anwendungsbereich der Gemeinschaftsrichtlinien auf dem Gebiet des öffentlichen Auftragswesens ausgenommen
         sind(32). Die öffentlichen Auftraggeber haben insbesondere das Verbot der Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit zu beachten,
         das wiederum eine Verpflichtung zur Transparenz einschließt, damit sich die öffentlichen Auftraggeber davon überzeugen können,
         dass der Grundsatz der Nichtdiskriminierung beachtet wurde(33).
      
      56.   Der Erfolg der Klage der Kommission hängt somit davon ab, ob die Maßnahmen, die der öffentliche Auftraggeber beim Auftrag
         über die Catering‑Einrichtung ergriffen hat, für die Einhaltung des von der Rechtsprechung begründeten Transparenzgebots ausreichten.
         Die Antwort auf diese Frage hängt von der Beantwortung von zwei weiteren Fragen ab.
      
      57.   Wurde mit der Vergabebekanntmachung, die der öffentliche Auftraggeber im Rahmen des nicht offenen Verfahrens gemäß der Baurichtlinie
         im März 1998 veröffentlichte, im Wesentlichen der gleiche Lieferauftrag veröffentlicht, wie er schließlich Anfang 2000 vergeben
         wurde, und daher der erforderliche Grad an Transparenz sichergestellt?
      
      58.   Hilfsweise, falls dies nicht der Fall ist: Hat der öffentliche Auftraggeber 2000 (in den Phasen 2 und 3) die Verpflichtung
         zur Transparenz beachtet, als er zweimal Aufforderungen zur Angebotsabgabe unmittelbar an vier potenzielle Bieter versandte?
      
      59.   Bei der Behandlung dieser Fragen hebe ich hervor, dass die 1998 (Phase 1) und 2000 (Phasen 2 und 3) ergriffenen Maßnahmen
         einen sehr unterschiedlichen Grad von Öffentlichkeit aufweisen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Verpflichtung
         zur Transparenz eingehalten wird, wenn im Amtsblatt der EU eine Vergabebekanntmachung über einen Auftrag, der im Rahmen eines nicht offenen Verfahrens vergeben wird, veröffentlicht
         wird (ungeachtet dessen, dass die ursprüngliche Veröffentlichung gemäß den Anforderungen der Baurichtlinie und nicht der Richtlinie
         93/36 erfolgte). Eher lässt sich darüber streiten, ob die Verpflichtung zur Transparenz auch durch die unmittelbare Kontaktierung
         von vier Unternehmen eingehalten wird.
      
       War der Anfang 2000 vergebene Lieferauftrag von der Vergabebekanntmachung des Jahres 1998 abgedeckt, und war somit die Verpflichtung
            zur Transparenz erfüllt?
      60.   Finnland macht geltend, dass es für die Zwecke der Beurteilung der Frage, ob Art. 28 EG beachtet worden sei, „nur ein Vergabeverfahren“
         gegeben habe. Der Auftrag über die Lieferung der Catering‑Einrichtung sei zunächst als gesondertes Teillos innerhalb des gesamten
         öffentlichen Bauauftrags für das Gebäude in Turku veröffentlicht worden. Der Auftrag sei durch die 1998 im Amtsblatt der EU veröffentlichte Vergabebekanntmachung allen potenziellen Lieferanten bekannt gegeben worden. Die drei Phasen stellten drei
         Abschnitte desselben Verfahrens dar.
      
      61.   Bei einem geringwertigen Auftrag setze die Verpflichtung zur Transparenz nicht notwendigerweise eine besondere Form der Veröffentlichung
         oder eine förmliche Aufforderung zur Angebotsabgabe voraus. Die Anwendung der Verpflichtung zur Transparenz hänge von den
         Umständen ab und sei vorwiegend durch nationales Recht geregelt. Die Auffassung Finnlands wird auch von Dänemark, Deutschland
         und den Niederlanden befürwortet. 
      
      62.   Die Kommission möchte die drei oben beschriebenen Phasen verfahrensmäßig jeweils voneinander trennen. Der öffentliche Auftraggeber
         habe keine neue Aufforderung zur Angebotsabgabe veröffentlicht(34), bevor er die Catering‑Einrichtung erworben habe. Diese Rüge bezieht sich auf die Phasen 2 und 3. Die Kommission ist daher
         der Auffassung, dass beim Auftrag über die Catering‑Einrichtung kein angemessener Grad von Öffentlichkeit sichergestellt worden
         sei und der öffentliche Auftraggeber dadurch gegen die Verpflichtung zur Transparenz verstoßen habe.
      
      63.   Ich teile die Auffassung Finnlands nicht, dass die drei Phasen formal betrachtet ein einziges Vergabeverfahren gebildet hätten.
         Phase 1 war ein nicht offenes Verfahren, das hinsichtlich des Teilloses über die Lieferung der Catering‑Einrichtung ohne Erfolg
         blieb. In Phase 2 wandte sich der öffentliche Auftraggeber unmittelbar an vier Unternehmen, von denen mindestens drei im Rahmen
         des nicht offenen Verfahrens kein Angebot eingereicht hatten. Somit wurde durch Phase 2 ein gesondertes Verhandlungsverfahren
         eingeleitet. Nach Ablehnung der in diesem Verfahren eingereichten Angebote wurde in Phase 3 ein weiteres Verhandlungsverfahren
         eingeleitet.
      
      64.   Dies vorausgeschickt ist zu prüfen, ob die Phasen 2 und 3 aufgrund dieses Sachverhalts als unmittelbare Folge der erfolglosen
         Phase 1 angesehen werden können, so dass die Transparenzanforderungen für die Phasen 2 und 3 bereits durch die 1998 im Amtsblatt der EU veröffentlichte Vergabebekanntmachung erfüllt waren. 
      
      65.   Zur Beantwortung dieser Frage muss erstens festgestellt werden, ob die 1998 im Rahmen des nicht offenen Verfahrens veröffentlichte
         Bekanntmachung als Aufforderung zur Einreichung von Angeboten für die Lieferung von Catering‑Einrichtung als gesondertes Teillos
         zu verstehen ist, und zweitens, ob die Bedingungen des Lieferauftrags im Wesentlichen den Bedingungen des Auftrags gleichen,
         um den es in den Phasen 2 und 3 geht.
      
      66.   Erstens trägt der 1998 im Amtsblatt veröffentlichte öffentliche Bauauftrag die Überschrift „Bauarbeiten (Sanierung, Erweiterung, Umbau- und Reparaturarbeiten)“.
         Die genaue Beschreibung des Auftrags(35) lautete: „Städtisches Gebäude, umfangreiche Renovierungs- und Umbauarbeiten, Bau-, Klempner- und Lüftungsarbeiten, Arbeiten
         an Überwachungs-, Kühlungs-, Sicherungs- und Elektrogeräten und Installation der Catering‑Einrichtung“. Durch die Vergabebekanntmachung
         wurde auch deutlich gemacht(36), dass Bewerber Angebote für ein einzelnes, mehrere oder alle Teillose abgeben konnten, und potenzielle Bieter wurden dazu
         aufgefordert, den öffentlichen Auftraggeber(37) (auf Finnisch) zu kontaktieren und zusätzliche Informationen zu technischen und administrativen Aspekten des Auftrags anzufordern(38).
      
      67.   Die Kommission hat nicht versucht, geltend zu machen, dass die Vergabebekanntmachung nicht hinreichend klar gewesen sei. Anscheinend
         erkennt sie an, dass durch die Vergabebekanntmachung tatsächlich dazu aufgefordert wurde, sich um die Einreichung von Angeboten
         für die Catering‑Einrichtung zu bewerben(39). Ihr Vorbringen scheint sich darauf zu beschränken, dass das, was 2000 geschah, nicht lediglich als Fortsetzung dessen angesehen
         werden kann, was 1998 geschah.
      
      68.   Meines Erachtens könnte die Vergabebekanntmachung von 1998, die zwar vielleicht kein Muster an Klarheit ist, prima facie  als Aufforderung zur Bekundung des Interesses daran, ein Angebot für die Installation der Catering‑Einrichtung einzureichen,
         angesehen werden; dies hat die Kommission auch nicht bestritten. Daher stimme ich der Auffassung Finnlands zu, dass potenzielle
         Bieter die im März 1998 im Amtsblatt veröffentlichte Vergabebekanntmachung dahin verstanden hätten, dass sie sich nach der Lieferung der Catering‑Einrichtung
         als gesondertem Teillos erkundigen und Bewerbungen für die Einreichung eines Angebots abgeben konnten(40).
      
      69.   Die Kommission macht zweitens geltend, dass die Auftragsbedingungen sich zwischen den verschiedenen Phasen geändert hätten.
         Die Vergabebekanntmachung von 1998 habe keinen Hinweis auf den Mietvertrag mit Amica und deren Beteiligung bei der Auftragsvergabe
         enthalten(41). In der mündlichen Verhandlung hat die Kommission unter Bezugnahme auf ein (ihrer Erwiderung beigefügtes) Schreiben des öffentlichen
         Auftraggebers an das finnische Ministerium für Handel und Industrie auch auf eine Änderung des Plans für das Restaurant, eine
         Änderung des dem Auftrag zugeordneten Betrags und eine Änderung hinsichtlich der Kauffinanzierung (die nun zwischen dem öffentlichen
         Auftraggeber und Amica aufgeteilt werden soll) hingewiesen.
      
      70.   Finnland entgegnet, dass die wesentlichen Bestimmungen des Auftrags im Laufe des Verfahrens nicht geändert worden seien. Während
         des gesamten Verfahrens sei der öffentliche Auftraggeber für die Vergabe zuständig gewesen. Die einzigen Änderungen hätten
         darin bestanden, dass Amica den Auftrag in Phase 3 als Vertreterin vergeben und der öffentliche Auftraggeber im Voraus den
         Betrag festgelegt habe, den er für den Kauf aufbringen würde.
      
      71.   Meiner Meinung nach ist es der Kommission nicht gelungen, nachzuweisen, dass sich die Auftragsbedingungen im Laufe der drei
         beschriebenen Phasen so geändert haben, dass die kontinuierliche Verbindung zwischen den drei Phasen unterbrochen wurde. Auch
         wenn der öffentliche Auftraggeber in Phase 3 Amica als Vertreterin für den Kaufabschluss einsetzte und sich die Kosten mit
         ihr teilte, wurden die Aufforderungen zur Angebotsabgabe in Phase 3 doch im Namen des öffentlichen Auftraggebers und nicht
         in Amicas Namen versandt. Außerdem liegt der Betrag, den der öffentliche Auftraggeber als seinen Beitrag zum Kauf festlegte,
         innerhalb des Bereichs der Werte, die für die verschiedenen Teillose im Rahmen des 1998 veröffentlichten Bauauftrags festgelegt
         worden waren. Auch die Aufforderungen zur Angebotsabgabe, die in Phase 3 versandt wurden, stützen meinem Verständnis nach
         die Behauptung der Kommission nicht, dass der Pachtvertrag zwischen dem öffentlichen Auftraggeber und Amica zu einer Änderung
         der Bedingungen des Auftrags geführt habe. Sie dienen lediglich der Klarstellung der Rolle von Amica als Beschaffungsvertreterin.
      
      72.   Entgegen Art. 42 § 1 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs hat die Kommission nicht begründet, warum das Schreiben des öffentlichen
         Auftraggebers an das finnische Ministerium für Handel und Industrie erst im Anhang der Erwiderung als Beweismittel vorgebracht
         wurde. Folglich ist das Schreiben ein verspätet vorgebrachtes Beweismittel im Sinne des Art. 42 § 1 der Verfahrensordnung
         des Gerichtshofs, und es kann nicht berücksichtigt werden(42). Die Kommission hat keine weiteren Beweismittel dafür vorgebracht, dass sich die zu liefernde Catering‑Einrichtung im Laufe
         der Bekanntgaben in den drei verschiedenen Phasen nach Art oder Menge grundlegend geändert hätte.
      
      73.   Aus diesen Gründen bin ich der Auffassung, dass es sich bei dem 1998 im Rahmen eines nicht offenen Verfahrens veröffentlichten
         Auftrag über die Lieferung der Catering‑Einrichtung im Wesentlichen um denselben Auftrag wie den 2000 im Verhandlungsverfahren
         vergebenen handelt.
      
      74.   Wenn dem so ist und das nicht offene Verfahren nicht zum Erfolg führte, weil keine annehmbaren Angebote eingingen, dann stellt
         sich als Nächstes die Frage, ob der öffentliche Auftraggeber dadurch gegen die Verpflichtung zur Transparenz verstoßen hat,
         dass er anschließend für den Kauf der Catering‑Einrichtung ohne weitere Bekanntmachung auf das Verhandlungsverfahren zurückgegriffen
         hat.
      
      75.   Gemäß Art. 6 Abs. 3 Buchst. a der Richtlinie 93/36 kann ein öffentlicher Auftraggeber einen Lieferauftrag, der in den Anwendungsbereich
         der Richtlinie fällt, im Verhandlungsverfahren ohne vorherige öffentliche Vergabebekanntmachung vergeben, wenn nach Durchführung
         eines nicht offenen Verfahrens keine geeigneten Angebote abgegeben worden sind, sofern die ursprünglichen Bedingungen des
         Auftrags nicht grundlegend geändert werden und unter der Voraussetzung, dass der Kommission ein Bericht vorgelegt wird.
      
      76.   Kürzlich ist hervorgehoben worden(43), dass in Fällen, in denen die Richtlinien über öffentliche Aufträge ausdrücklich eine Befreiung vorsähen, ein Verhandlungsverfahren
         ohne vorherige Veröffentlichung einer Aufforderung zur Einreichung eines Angebots möglich sei und daher eine Bekanntmachung
         nicht erforderlich sein könne. Die sich aus dem Vertrag ergebenden Grundsätze könnten nicht ein Öffentlichkeitserfordernis
         aufstellen, das auch dann zu erfüllen sei, wenn die Richtlinien ausdrücklich eine Befreiung vorsähen. Andernfalls wäre die
         Befreiung wirkungslos.
      
      77.   Meiner Meinung nach gilt die gleiche Argumentation für einen Auftrag, der aufgrund seiner Geringwertigkeit nicht in den Anwendungsbereich
         der Richtlinie 93/36 fällt(44). Art. 6 Abs. 3 Buchst. a lässt bei Aufträgen, die unter die Richtlinie fallen, einen Rückgriff auf das Verhandlungsverfahren
         ohne vorherige öffentliche Vergabebekanntmachung ausdrücklich zu. Von diesem Verfahren kann folglich bei geringwertigen Aufträgen
         gleichermaßen Gebrauch gemacht werden. 
      
      78.   Daher komme ich zu dem Ergebnis, dass der öffentliche Auftraggeber nicht gegen die sich aus dem Gemeinschaftsrecht ergebende
         Verpflichtung zur Transparenz verstößt, wenn er nach Durchführung eines bekannt gegebenen nicht offenen Verfahrens, das mangels
         geeigneter Angebote nicht zum Erfolg führt, ein Verhandlungsverfahren ohne Bekanntmachung des Lieferauftrags durchführt, und
         wenn die Bedingungen des Auftrags in beiden Verfahren im Wesentlichen die gleichen sind.
      
       Reichten die im Jahr 2000 versandten Aufforderungen zur Angebotsabgabe für sich allein aus, um die Verpflichtung zur Transparenz
            zu erfüllen?
      79.   Falls der Gerichtshof entgegen meiner Auffassung zu dem Ergebnis kommt, dass die Phasen 2 und 3 nicht in Beziehung zur Phase
         1 stehen und nicht als durch die Vergabebekanntmachung von 1998 abgedeckt angesehen werden können, ist zu prüfen, ob die Verpflichtung
         zur Transparenz durch die im Jahr 2000 unmittelbar an die vier Unternehmen versandten Aufforderungen zur Angebotsabgabe erfüllt
         wurde.
      
      80.   Die Kommission macht hauptsächlich geltend, dass der angefochtene Auftrag in Übereinstimmung mit der im Urteil Telaustria(45) festgelegten Voraussetzung hätte vergeben werden müssen, um die Einhaltung der Verpflichtung zur Transparenz zu gewährleisten.
         Dort hat der Gerichtshof festgestellt: „Kraft dieser Verpflichtung zur Transparenz muss der Auftraggeber zugunsten potenzieller
         Bieter einen angemessenen Grad von Öffentlichkeit sicherstellen, der den [betroffenen Markt] dem Wettbewerb öffnet und die
         Nachprüfung ermöglicht, ob die Vergabeverfahren unparteiisch durchgeführt wurden.“ 
      
      81.   Finnland, Deutschland und die Niederlande tragen alle vor, dass ein öffentlicher Auftraggeber bei der Vergabe eines nicht
         in den Anwendungsbereich der Richtlinien fallenden Auftrags zwar die Verpflichtung zur Transparenz beachten müsse, dass aber
         die Frage weiter offen bleibe, was für die Einhaltung dieser Verpflichtung „ausreichende“ Öffentlichkeit im Zusammenhang mit
         einem bestimmten Vergabeverfahren sei(46). Grundsätzlich ist es Sache des öffentlichen Auftraggebers, unter der Kontrolle der zuständigen Gerichte zu beurteilen, ob
         die Modalitäten der Ausschreibung dem fraglichen Auftrag angemessen sind(47).
      
      82.   Wie Dänemark und die Niederlande ausgeführt haben, ist die Verwendung des Worts „advertising“ in der englischen Urteilsfassung
         problematisch. Einerseits impliziert „advertising“ die Verpflichtung zur Veröffentlichung. Andererseits stehen die Worte,
         die in anderen Sprachfassungen verwendet werden („Öffentlichkeit“ im Deutschen als offizieller Verfahrenssprache der Rechtssache;
         „publicité“ im Französischen; „pubblicità“ im Italienischen; „publicidad“ im Spanischen) dem englischen „publicity“ näher.
         Meines Erachtens nach impliziert „publicity“ nicht notwendigerweise eine Verpflichtung zur Veröffentlichung. Es impliziert
         jedoch die Verpflichtung, mehr zu unternehmen, als lediglich einen einzigen potenziellen Bieter zu kontaktieren und den Auftrag
         an dieses Unternehmen zu vergeben. In seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Telaustria(48) hat Generalanwalt Fennelly darauf hingewiesen, dass die Kommission in jener Rechtssache argumentiert habe, dass die Verpflichtung
         zur Transparenz keine öffentliche Ausschreibung erfordere, und hat die Auffassung der Kommission geteilt(49).
      
      83.   Meiner Meinung nach bestimmt sich der angemessene Grad an Öffentlichkeit bei einem Auftrag, der nicht in den Anwendungsbereich
         der Richtlinien fällt, nach dem potenziellen Markt für diesen Auftrag. Der öffentliche Auftraggeber muss einen Grad an Öffentlichkeit
         sicherstellen, der den jeweiligen Markt dem Wettbewerb öffnet und die Kontrolle der unparteiischen Durchführung des Vergabeverfahrens
         ermöglicht(50). Daher muss für den Auftrag grundsätzlich ein gewisser Grad an Öffentlichkeit sichergestellt sein. Ohne eine solche Öffentlichkeit ist schwer nachvollziehbar, wie Gleichbehandlung
         oder Transparenz gegeben sein soll.
      
      84.   Werden die Anforderungen an die Öffentlichkeit solcher Aufträge durch Gemeinschaftsrecht festgelegt oder bleiben sie dem nationalen
         Recht überlassen?
      
      85.   Meiner Ansicht nach besteht ein grundlegender Unterschied zwischen dem potenziellen Markt für einen Auftrag, der den Schwellenwert
         übersteigt, jedoch, aus welchem Grund auch immer, vom Anwendungsbereich der einschlägigen Richtlinie ausgeschlossen ist, und
         dem potenziellen Markt für einen geringwertigen Auftrag. Beim erstgenannten Auftrag kann es sich dennoch um einen wirtschaftlich
         äußerst bedeutenden Auftrag handeln. Es ist leicht zu verstehen, weshalb das Verbot der Diskriminierung einschließlich der
         daraus folgenden Verpflichtung zur Transparenz in die gemeinschaftsrechtliche Anforderung mündet, eine angemessene länderübergreifende
         Öffentlichkeit eines solchen Auftrags sicherzustellen. Der letztgenannte Auftrag liegt per definitionem unterhalb des Schwellenwertes,
         von dem an die einschlägige Richtlinie gilt. Dieser Schwellenwert markiert den Punkt, an dem der Gesetzgeber sich bewusst
         dafür entschieden hat, detaillierte Öffentlichkeitsanforderungen gelten zu lassen. Meiner Ansicht nach wurde dadurch auch
         implizit definiert, welche öffentlichen Aufträge aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung es verdienen, detaillierten gemeinschaftsrechtlichen
         Öffentlichkeitsanforderungen unterworfen zu werden(51). Ich bin der Auffassung, dass das Gemeinschaftsrecht erfordert, dass für einen solchen Auftrag grundsätzlich immer noch ein
         gewisser Grad an Öffentlichkeit bestehen muss, es jedoch dem nationalen Gesetzgeber überlässt, über die Modalitäten dieser Öffentlichkeit
         zu entscheiden.
      
      86.   Dieser Denkansatz wird durch die Feststellung des Gerichtshofs im Urteil in der Rechtssache Coname(52) bestätigt, dass besondere Umstände wie beispielsweise eine sehr geringfügige wirtschaftliche Bedeutung dazu führen könnten,
         dass ein in einem anderen Mitgliedstaat niedergelassenes Unternehmen kein spürbares Interesse an dem fraglichen Auftrag habe.
         In diesen Fällen seien die Auswirkungen auf die Grundfreiheiten zu zufällig und zu mittelbar, als dass auf eine Verletzung
         dieser Freiheiten durch Ungleichbehandlung infolge fehlender Transparenz geschlossen werden könne(53). Die dort beschriebenen „besonderen Umstände“ stellen die Ausnahme zur allgemeinen Regel dar, dass eine gewisse Öffentlichkeit
         gegeben sein sollte. Ich verstehe diese Feststellung jedoch nicht dahin, dass hiermit das ganze Arsenal der Öffentlichkeitsanforderungen
         der Richtlinien über öffentliche Aufträge auf einen Kontext (geringwertige Aufträge) übertragen wird, den der Gemeinschaftsgesetzgeber
         bewusst ausgenommen hat. 
      
      87.   Demzufolge bin ich mit dem Vorbringen der Kommission nicht einverstanden, dass öffentliche Auftraggeber nach Gemeinschaftsrecht
         verpflichtet seien, detaillierte gemeinschaftsrechtliche Anforderungen für die Veröffentlichung geringwertiger Aufträge anzuwenden.
         Zwei Hauptargumente bestätigen diese Schlussfolgerung. 
      
      88.   Erstens bestimmt der in Art. 5 EG verankerte Subsidiaritätsgrundsatz, dass das Gemeinschaftsrecht das nationale Recht nur
         soweit einschränken darf, wie dies bei Abwägung der Nachteile und Vorteile gerechtfertigt ist(54). Eine detaillierte gemeinschaftsrechtliche Verpflichtung zur Veröffentlichung geringwertiger Aufträge in der gesamten Gemeinschaft
         aufzuerlegen, bedeutet, dass die Absicht des Gesetzgebers, die der Richtlinie 93/36 zugrunde liegt, zum Teil missachtet wird.
         Die Schwellenwerte in den verschiedenen Richtlinien über öffentliche Aufträge markieren die Grenze zwischen dem, was nach
         Übereinkunft der Mitgliedstaaten auf Gemeinschaftsebene harmonisiert werden sollte, und dem, was in der Zuständigkeit der
         Mitgliedstaaten verbleiben sollte. Meiner Ansicht nach ergibt sich hieraus, dass die Festlegung detaillierter Öffentlichkeitsanforderungen
         für geringwertige Aufträge auf Gemeinschaftsebene mit dem Grundsatz der Subsidiarität unvereinbar ist. 
      
      89.   Zweitens würde die Auferlegung einer gemeinschaftsrechtlichen detaillierten Verpflichtung zur Veröffentlichung im Hinblick
         auf den potenziellen Markt – eine Verpflichtung, deren tatsächliche Details allerdings in keiner gemeinschaftsrechtlich verabschiedeten Vorschrift zu finden sind – bei öffentlichen Auftraggebern und potenziellen Bietern,
         die geringwertige Verträge schließen möchten, zu einer erheblichen Rechtsunsicherheit führen. Wann, wo und in welcher Form
         diese Aufträge zu veröffentlichen sind, lässt sich der Rechtsprechung wohl nicht ohne Weiteres entnehmen, und diese Sachverhalte
         sind, worauf ich bereits hingewiesen habe, nicht durch abgeleitetes Recht geregelt. 
      
      90.   Die Rechtsunsicherheit, die durch eine solche Verpflichtung hervorgerufen würde, wird durch die Zweifel veranschaulicht, die
         die Kommission selbst hat. Auf die direkte Frage des Gerichtshofs  konnte die Kommission nur vage andeuten, welche Form der
         Öffentlichkeit erforderlich gewesen wäre, um im vorliegenden Fall der Verpflichtung zur Transparenz zu erfüllen. In jüngster
         Zeit hat die Kommission im Zusammenhang mit der Vergabe von Aufträgen für Notfallrettungsdienste, die nicht unter die Richtlinien
         über öffentliche Aufträge fielen, argumentiert, dass für eine „angemessene“ Öffentlichkeit keine nationalen oder internationalen Ausschreibungen erforderlich seien – Mitteilungen an bestimmte Unternehmen könnten ausreichen(55). Dieses Vorbringen steht im direkten Widerspruch zur Position, die die Kommission in der vorliegenden Rechtssache eingenommen
         hat.
      
      91.   Kurz nach der mündlichen Verhandlung in der vorliegenden Rechtssache hat die Kommission eine Mitteilung veröffentlicht, mit
         der sie sehr detailliert dargelegt hat, wann, wo und in welcher Form ihrer Meinung nach Aufträge, die nicht unter die Richtlinien
         über öffentliche Aufträge fallen, „bekannt zu machen“ seien(56). In der vorliegenden Rechtssache hat die Kommission nicht erläutert, inwiefern der von ihr geltend gemachte Verstoß Finnlands
         gegen Verpflichtungen aus dem Vertrag sich auf die Voraussetzungen bezieht, die von ihr in der Mitteilung vorgeschlagen werden.
         Darüber hinaus wird in der Einleitung der Mitteilung selbst festgestellt, dass die Mitteilung keine neuen Regeln einführe
         und die Auslegung des Gemeinschaftsrechts letztendlich in jedem Fall Sache des Gerichtshofs sei(57).
      
      92.   Meiner Ansicht nach widerspricht das Ergebnis, zu dem ich gelangt bin, nicht der Rechtsprechung im Urteil Telaustria, in dem
         der Gerichtshof von öffentlichen Auftraggebern verlangt hat, dass ein angemessener Grad an „Öffentlichkeit“ sicherzustellen
         ist, durch den in der gesamten Gemeinschaft der Wettbewerb für einen Auftrag, der dem Anwendungsbereich der Richtlinien über
         öffentliche Aufträge nicht unterliegt, geöffnet und die Kontrolle der unparteiischen Durchführung des Vergabeverfahrens ermöglicht
         wird(58). Bei genauerer Prüfung wird deutlich, dass diese Rechtssachen öffentliche Dienstleistungskonzessionen betrafen, die ungeachtet
         ihres wirtschaftlichen Wertes vom Anwendungsbereich der Richtlinien über öffentliche Aufträge ausgenommen sind. Die Werte
         der Konzessionen, um die es in diesen Rechtssachen ging, entsprachen Aufträgen, die den Öffentlichkeitsanforderungen der Richtlinien
         über öffentliche Aufträge unterlagen(59).
      
      93.   Daher besteht kein Widerspruch zwischen der Entscheidung des Gerichtshofs, dass die Vergabe solcher Aufträge einem angemessenen
         Grad an „Öffentlichkeit“ unterliegen muss, durch den in der gesamten Gemeinschaft der Wettbewerb geöffnet wird, und der Betrachtungsweise,
         nach der meines Erachtens bei geringwertigen Aufträgen vorzugehen ist. Das Interesse, das diese hochwertigen Konzessionen
         bei Bietern überall in der Gemeinschaft hervorrufen, kann billigerweise dem Interesse gleichgestellt werden, das die Richtlinien
         über öffentliche Aufträge im Hinblick auf Aufträge, die in ihren Anwendungsbereich fallen, schützen sollen(60). Es ist daher angemessen, solche Konzessionsverträge einer auf dem Vertrag basierenden Verpflichtung zur Transparenz zu unterwerfen
         und festzustellen, dass die Veröffentlichung solcher Verträge nach Gemeinschaftsrecht zu beurteilen ist.
      
      94.   Hiergegen lässt sich einwenden, dass ein Auftrag, dessen Wert knapp unter dem Schwellenwert der einschlägigen Richtlinie über
         öffentliche Aufträge liegt, wirtschaftlich betrachtet wertvoll genug sein kann, um das Interesse von Unternehmen hervorzurufen,
         die in benachbarten Mitgliedstaaten ansässig sind. In der vorliegenden Rechtssache lag der Wert des vergebenen Auftrags (ungefähr
         177 000 Euro) rund 47 000 Euro unterhalb des Schwellenwertes für die Anwendung der Richtlinie 93/36(61). Er lag somit deutlich unterhalb des Wertes von Aufträgen, für die der Gesetzgeber ein Interesse von Lieferanten in der gesamten
         Gemeinschaft angenommen hat(62). Der potenzielle Gewinn, den z. B. ein in Spanien niedergelassener Lieferant durch die Vergabe eines Auftrags im Wert von
         177 000 Euro erzielen könnte, würde sich meiner Meinung nach durch Transportkosten und sonstige mögliche Kosten, z. B. durch
         Änderung der Einrichtung und Bereitstellung von Bedienungsanleitungen, die für finnischsprachige Personen verständlich sind,
         erheblich reduzieren(63). Dies mag für einen in (sagen wir) Schweden oder Dänemark ansässigen potenziellen Lieferanten vielleicht anders sein. Die
         Kommission hat jedoch nicht geltend gemacht, dass sich die Preise für Catering‑Einrichtungen in den Mitgliedstaaten erheblich
         voneinander unterschieden. Erst recht hat sie keine entsprechenden Nachweise vorgelegt. Daher bin ich der Auffassung, dass
         es dem Gerichtshof schwerfallen würde, auf der Grundlage der ihm vorliegenden Unterlagen mit Überzeugung festzustellen, dass
         eine aus dem Gemeinschaftsrecht abgeleitete Verpflichtung, den Auftrag in bestimmten anderen Mitgliedstaaten zu veröffentlichen,
         dem öffentlichen Auftraggeber und potenziell interessierten Lieferanten in anderen (benachbarten) Mitgliedstaaten zugute käme.
         
      
      95.   Allgemeiner ausgedrückt: Müssen öffentliche Auftraggeber aufgrund der Verpflichtung zur Transparenz das Marktinteresse in den einzelnen benachbarten Mitgliedstaaten
         einschätzen und anschließend auf der Grundlage dieser Einschätzung festlegen, in welchen Staaten und in welcher Form der Auftrag
         zu veröffentlichen ist(64)? Anders formuliert: Kann es zwingende Gründe für die Auffassung geben, dass ein öffentlicher Auftraggeber eine detaillierte
         Einschätzung des Marktes und folglich bisweilen einen höheren Grad an Öffentlichkeit sicherstellen muss, als dies nach nationalem
         Recht erforderlich ist? 
      
      96.   Meiner Meinung nach ist die gemeinschaftsrechtliche Verpflichtung zur Transparenz nicht dahin auszulegen, dass sie eine solche
         Verpflichtung für Aufträge unterhalb des Schwellenwerts vorschreibt. Öffentliche Auftraggeber wären verpflichtet, für jeden
         geringwertigen Auftrag mit einer „potenziellen“ Bedeutung (wie auch immer diese definiert wird) das Marktinteresse in einer
         unbestimmten (und unbestimmbaren) Zahl von ausgewählten Mitgliedstaaten einzuschätzen und riskierten bei Fehlverhalten Sanktionen(65). Eine solche Sachlage würde das Gegenteil von Rechtssicherheit darstellen. Darüber hinaus wären meines Erachtens kleine öffentliche
         Auftraggeber (z. B. kommunale Gebietskörperschaften), die eher geringwertige Aufträge zu vergeben haben, wahrscheinlich häufiger
         als große öffentliche Auftraggeber von dieser Verpflichtung betroffen. Wenn ich Recht habe, so wären sie einer unverhältnismäßigen
         und unrealistischen Belastung ausgesetzt.
      
      97.   Meiner Ansicht nach ist der Vorteil, dass Rechtsunsicherheit vermieden wird, der sich bei der von mir vorgeschlagenen Betrachtungsweise
         ergibt, gewichtiger als der marginale Vorteil für die Integration der Märkte für öffentliche Aufträge, den detaillierte gemeinschaftsrechtliche
         Anforderungen an die Veröffentlichung geringwertiger Aufträge vielleicht mit sich bringen würden. 
      
      98.   Ich bin daher der Auffassung, dass es Sache des nationalen Rechts ist, festzulegen, welcher Grad an Öffentlichkeit für geringwertige
         Aufträge angemessen ist(66). Kommt die Kommission bei der Prüfung zu dem Ergebnis, dass die einschlägigen nationalen Vorschriften über öffentliche Aufträge
         in einem bestimmten Mitgliedstaat keine angemessene Transparenz gewährleisten und somit die Anwendung des Grundsatzes der
         Gleichbehandlung gefährden, so wird sie zweifellos ein Vertragsverletzungsverfahren gegen den fraglichen Mitgliedstaat einleiten.
         Auf diese Weise könnten die Ressourcen der Kommission und des Gerichtshofs  vielleicht auch effektiver eingesetzt werden,
         als dies bei der Untersuchung vermeintlicher Vertragsverletzungen bei der Vergabe einzelner geringwertiger Aufträge der Fall
         ist.
      
      99.   Daher komme ich zu dem Ergebnis, dass die Klage der Kommission abzuweisen ist.
       Kosten
      100. Finnland hat beantragt, der Klägerin die Kosten aufzuerlegen. Auch wenn die Art und Weise, in der Finnland im Verfahren aufgetreten
         ist, nicht uneingeschränkt informativ war, sehe ich keinen Grund, aus dem der Gerichtshof von der üblichen Praxis abweichen
         sollte. Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung ist daher die Kommission als unterliegende Partei zur Tragung der Kosten zu
         verurteilen. Gemäß Art. 69 § 4 der Verfahrensordnung sind die dem Verfahren als Streithelfer beigetretenen Mitgliedstaaten
         zur Tragung ihrer eigenen Kosten zu verurteilen. 
      
       Ergebnis
      101. Ich schlage dem Gerichtshof daher vor,
      –       die Klage für unzulässig zu erklären;
      –       hilfsweise, die Klage abzuweisen;
      –       der Kommission ihre eigenen Kosten und die Kosten Finnlands aufzuerlegen;
      –       den dem Verfahren als Streithelfer beigetretenen Mitgliedstaaten ihre eigenen Kosten aufzuerlegen.
      1 –	Originalsprache: Englisch.
      
      2 –	ABl. 1993, L 199, S. 1, in der u. a. durch die Richtlinie 97/52/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Oktober
         1997 (ABl. 1997, L 328, S. 1) geänderten Fassung. Nach der hier maßgeblichen Zeit erfolgten weitere Änderungen durch die Richtlinie
         2001/78/EG der Kommission vom 13. September 2001 (ABl. 2001, L 285, S. 1). Die Richtlinie 93/36 wurde mit Wirkung vom 31.
         Januar 2006 aufgehoben und ersetzt durch die Richtlinie 2004/18/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. März
         2004 über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Bauaufträge, Lieferaufträge und Dienstleistungsaufträge
         (ABl. 2004, L 134, S. 114).
      
      3 –	Vgl. die Schwellenwerte, die durch die am 1. Januar 2000 in Kraft getretene Richtlinie 93/36 (ABl. 1999, C 379, S. 20)
         festgelegt werden. Keine der Parteien hat dem Gerichtshof den genauen Zeitpunkt mitgeteilt, an dem der streitige Vertrag geschlossen
         wurde. Aus Gründen, die ich in Nr. 25 ausführen werde, gehe ich hier davon aus, dass dies in der ersten Hälfte des Jahres
         2000 geschah. Zur hier maßgeblichen Zeit wurde der Schwellenwert, der für die Anwendung der Richtlinie 93/36 erreicht werden
         musste, alle zwei Jahre geändert. Mit Wirkung vom 1. Januar 2002 wurde der Schwellenwert auf 249 681 Euro erhöht (vgl. die
         Schwellenwerte, die durch die Richtlinie 93/36 [ABl. 2001, C 332, S. 21] festgelegt werden).
      
      4 –	Vgl. Fn. 3.
      
      5 –	Bei einer weiteren Form des Verhandlungsverfahrens gibt der öffentliche Auftraggeber die beabsichtigte Auftragsvergabe
         bekannt und fordert eine begrenzte Anzahl von Unternehmen dazu auf, ein Angebot einzureichen; er kann aber die Auftragsbedingungen
         bis zu einem gewissen Umfang ebenfalls aushandeln.
      
      6 –	Valtion kiinteistölaitos ist die frühere Bezeichnung der Behörde, die für die Verwaltung staatlicher Gebäude in Finnland
         zuständig ist. Sie wurde 2001 in Senaatti-kiinteistöt umbenannt.
      
      7 –	Supplement zum Amtsblatt S48 vom 10. März 1998 und Amtsblatt von Finnland, Reihe Öffentliche Aufträge, Nr. 11, vom 12.
         März 1998.
      
      8 –	Bei der Zuordnung folge ich der finnischen Einteilung der drei Phasen und den von Finnland verwendeten Bezeichnungen. Die
         Frage, ob die drei Phasen Teil desselben Verfahrens sind oder als gesonderte Verfahren anzusehen sind, wird in den Nrn. 60
         bis 63 erörtert. 
      
      9 –	Vom 14. Juni 1993 zur Koordinierung der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Bauaufträge (ABl. 1993, L 199, S. 54) (im Folgenden:
         Baurichtlinie). Die Baurichtlinie (und nicht die Richtlinie 93/36) regelte die Vergabebekanntmachung (und das anschließende
         Verfahren) für die Renovierungs- und Umbauarbeiten, die den überwiegenden Teil der Teillose ausmachten.
      
      10 –	Vgl. Art. 6 Abs. 3 der Richtlinie 93/37. Die Höhe der gemäß der Baurichtlinie im ABl. 1998, C 22, S. 22, festgesetzten
         Schwellenwerte (die in der Zeit vom 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 1999 galt) betrug 5 000 000 SDR, was 29 908 547 FIM entspricht.
         Nach der Angabe belief sich der geschätzte Gesamtwert des Auftrags auf 38 Mio. FM.
      
      11 –	Die Kommission erklärt, dass diese Aufforderungen zur Einreichung eines Angebots im Jahr 2000 erfolgt seien, doch weder
         die Kommission noch Finnland haben den genauen Zeitpunkt angegeben. Da die darauf folgenden Angebote im Februar 2000 abgelehnt
         wurden, müssen die Aufforderungen offensichtlich entweder im Januar oder im Februar 2000 ergangen sein.
      
      12 –	Vgl. Nr. 25.
      
      13 –	Vgl. Nrn. 4 und 6.
      
      14 –	Vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 3. Februar 1994, Grifoni/EAG (C-308/87, Slg. 1994, I‑341, Randnr. 7).
      
      15 –	Aus dem Wortlaut des Angebots geht nämlich eindeutig hervor, dass es im Rahmen der zweiten Tranche der Renovierungs- und
         Umbauarbeiten abgegeben wurde, auf die sich die im März 1998 veröffentlichte Vergabebekanntmachung bezog. Anscheinend hatte
         Rakentajamestarit auch angeboten, bestimmtes Küchenmobiliar zu liefern (Vorratsschränke und Ähnliches); doch Finnland hat
         hervorgehoben, dass Rakentajamestarit keine Catering‑Einrichtung (im Sinne von Küchengeräten) herstelle oder liefere und zu
         keinem Zeitpunkt die Lieferung einer solchen Einrichtung angeboten habe.
      
      16 –	Dies hat sich erst in der mündlichen Verhandlung herausgestellt. 
      
      17 –	Da die Phase 3 im Februar 2000 begann, wurde der Vertrag offenbar nach diesem Zeitpunkt geschlossen. Auch wenn für die Feststellung, ob der Schwellenwert für die Anwendung der Richtlinie 214 326
         Euro oder 249 681 Euro betrug, der Zeitpunkt des Vertragsschlusses entscheidend ist (vgl. Fn. 3), so liegt der Auftragswert
         (ungefähr 177 000 Euro) ganz offensichtlich unter beiden Schwellenwerten. 
      
      18 –	Urteil des Gerichtshofs  vom 7. Dezember 2000 (C‑324/98, Slg. 2000, I‑10745).
      
      19 –	Vgl. Randnr. 62 des Urteils.
      
      20 –	Finnland weist darauf hin, dass die Vergabe auf nationaler Ebene vom finnischen Ministerium für Finanzen und vom finnischen
         Ministerium für Handel und Industrie beanstandet, jedoch nicht vor seinem nationalen Verbraucherschutzgericht angefochten
         worden sei.
      
      21 –	Im Oktober 2004 sollte eine Arbeitsgruppe einen Gesetzgebungsvorschlag erarbeiten, der die Verpflichtung begründete, Aufträge
         mit einem Auftragswert oberhalb der festgelegten nationalen Schwellenwerte in einer elektronischen Datenbank zu veröffentlichen.
      
      22 –	In der englischen Fassung in der mit Gründen versehenen Stellungnahme: „a sufficient degree of advertising“. Die französische
         Übersetzung lautet: „un degré de publicité adéquat“. Vgl. Nr. 82 für eine Analyse des unterschiedlichen Bedeutungsgehalts.
      
      23 –	Vermutlich möchte die Kommission in Wirklichkeit geltend machen, dass nach dem Scheitern des nicht offenen Verfahrens ein
         neues Vergabeverfahren – dies hätte ein Verhandlungsverfahren sein können – hätte durchgeführt werden müssen. 
      
      24 –	Urteil des Gerichtshofs vom 14. Oktober 2004, Kommission/Frankreich (C‑340/02, Slg. 2004, I‑9845, Randnr. 29).
      
      25 –	Vgl. Nr. 34.
      
      26 –	Urteil des Gerichtshofs vom 10. Mai 2001, Kommission/Niederlande (C‑152/98, Slg. 2001, I‑3463, Randnr. 23).
      
      27 –	Urteil des Gerichtshofs vom 15. Januar 2002, Kommission/Italien (C‑439/99, Slg. 2002, I‑305, Randnr. 11).
      
      28 –	Vgl. Randnrn. 24 und 25.
      
      29 –	Vgl. Randnrn. 13 und 14.
      
      30 –	Urteil des Gerichtshofs vom 15. Juni 2006, Kommission/Frankreich (C‑255/04, Slg. 2006, I‑0000, Randnr. 24).
      
      31 –	Vgl. z. B. Urteil des Gerichtshofs vom 24. November 2005, Schwarz (C‑366/04, Slg. 2005, I‑10139, Randnr. 28).
      
      32 –	Vgl. Beschluss des Gerichtshofs vom 3. Dezember 2001, Vestergaard (C‑59/00, Slg. 2001, I‑9505, Randnr. 20) und Urteil des
         Gerichtshofs vom 20. Oktober 2005, Kommission/Frankreich (C‑264/03, Slg. 2005, I‑8831, Randnr. 32).
      
      33 –	Urteil Telaustria, angeführt in Fn. 17, Randnrn. 60 und 61. Die Kernaussage dieser Rechtsprechung wurde mittlerweile durch
         den zweiten Erwägungsgrund der in Fn. 2 angeführten Richtlinie 2004/18 bestätigt, in dem es heißt: „Die Vergabe von Aufträgen
         in den Mitgliedstaaten auf Rechnung des Staates, der Gebietskörperschaften und anderer Einrichtungen des öffentlichen Rechts
         ist an die Einhaltung der im Vertrag niedergelegten Grundsätze gebunden, insbesondere des Grundsatzes des freien Warenverkehrs,
         des Grundsatzes der Niederlassungsfreiheit und des Grundsatzes der Dienstleistungsfreiheit sowie der davon abgeleiteten Grundsätze
         wie z. B. des Grundsatzes der Gleichbehandlung, des Grundsatzes der Nichtdiskriminierung, des Grundsatzes der gegenseitigen
         Anerkennung, des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit und des Grundsatzes der Transparenz.“ 
      
      34 –	Ich schließe daraus, dass die eigentliche Rüge darin besteht, dass der öffentliche Auftraggeber kein neues Vergabeverfahren
         eingeleitet habe: vgl. Fn. 20.
      
      35 –	Nr. 3 b) der finnischen Originalfassung der Vergabebekanntmachung. Auch wenn dies nichts daran ändert, dass der öffentliche
         Auftraggeber selbst die notwendigen Maßnahmen ergriffen hat, um in der Gemeinschaft nach Interessenten für die Installation
         der Catering‑Einrichtung zu suchen, sei darauf hingewiesen, dass in anderen Sprachfassungen der Vergabebekanntmachung (die
         in Wirklichkeit eine Zusammenfassung der Originalfassung darstellen) dieses spezielle Teillos nicht erwähnt wird.
      
      36 –	Nr. 3 c).
      
      37 –	Nr. 6 b).
      
      38 –	Nr. 13.
      
      39 –	Randnr. 21 der Klageschrift.
      
      40 –	Zur Stützung dieser Auffassung weist Finnland darauf hin, dass ein potenzieller Lieferant (Kopal) die Bekanntmachung offenbar
         in diesem Sinn verstanden und ein Angebot speziell für die Catering‑Einrichtung eingereicht habe.
      
      41 –	Aus Gründen der Chronologie wäre dies auch kaum möglich gewesen.
      
      42 –	Vgl. Urteil Grifoni/EAG, angeführt in Fn. 14, Randnr. 7.
      
      43 –	So Generalanwalt Jacobs in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Kommission/Italien (C‑525/03, Slg. 2005, I‑9405, Nr.
         47). Der Gerichtshof hat sich nicht mit dieser Fragestellung befasst, da er die Klage für unzulässig erklärt hatte. Vgl. auch
         die Schlussanträge der Generalanwältin Stix-Hackl vom 14. September 2006, Kommission/Irland (C‑532/03, Nr. 111).
      
      44 –	Generalanwalt Jacobs hat in Nr. 48 seiner Schlussanträge in der Rechtssache Kommission/Italien dieselbe Auffassung vertreten.
      
      45 –	Angeführt in Fn. 18, Randnr. 62.
      
      46 –	Vgl. weiter Nr. 75 der Schlussanträge der Generalanwältin Stix-Hackl vom 14. September 2006 (Kommission/Irland, C‑507/03)
         und Nrn. 75 bis 77 der Schlussanträge des Generalanwalts Jacobs vom 21. April 2005 (Impresa Portuale di Cagliari, C‑174/03).
      
      47 –	Urteil des Gerichtshofs vom 13.Oktober 2005, Parking Brixen (C‑458/03, Slg. 2005, I‑8612, Randnr. 50).
      
      48 –	Angeführt in Fn. 18.
      
      49 –	Vgl. Nrn. 42 und 43 der Schlussanträge. 
      
      50 –	Diese Betrachtungsweise ist von Generalanwältin Stix-Hackl in der Rechtssache C‑507/03 (Kommission/Irland), angeführt in
         Fn. 46, in Nr. 80 vorgeschlagen worden.
      
      51 –	Generalanwältin Stix-Hackl hat in Nr. 62 ihrer Schlussanträge in der Rechtssache C‑507/03 (Kommission/Irland) ebenfalls
         darauf hingewiesen, dass sich der Gemeinschaftsgesetzgeber bewusst dafür entschieden habe, für die Vergabe von Aufträgen für
         nichtprioritäre Dienstleistungen eingeschränkte Transparenzpflichten festzulegen – Pflichten, die weniger umfassend seien
         als die allgemeinen Pflichten nach der Richtlinie 92/50/EWG des Rates vom 18. Juni 1992 über die Koordinierung der Verfahren
         zur Vergabe öffentlicher Dienstleistungsaufträge (ABl. 1992, L 209, S. 1).
      
      52 –	Urteil des Gerichtshofs vom 21. Juli 2005 (C‑231/03, Slg. 2005, I‑7287).
      
      53 –	Randnrn. 18 bis 20.
      
      54 –	Vgl. P. Braun, „A Matter of Principle(s) – the Treatment of Contracts Falling Outside the Scope of the European Public
         Procurement Directives“ (2000) 9, Public Procurement Law Review (1), S. 47.
      
      55 –	Vgl. Nr. 29 der Schlussanträge der Generalanwältin Stix-Hackl in der Rechtssache C‑532/03, angeführt in Fn. 43.
      
      56 –	Mitteilung der Kommission zu Auslegungsfragen in Bezug auf das Gemeinschaftsrecht, das für die Vergabe öffentlicher Aufträge
         gilt, die nicht oder nur teilweise unter die Vergaberichtlinien fallen (ABl. 2006, C 179, S. 2): vgl. insbesondere Abschnitt
         2.1. Die in Nr. 82 festgestellten sprachlichen Varianten bestehen hier weiter. Beispielsweise wird in der englischen Fassung
         der Mitteilung „advertising“ verwendet. Die deutsche Fassung schwankt zwischen „Bekanntmachung“ und „Öffentlichkeit“. Die
         französischen, italienischen und spanischen Fassungen verwenden jeweils Varianten von „Öffentlichkeit“ („publicité“, „pubblicità“
         und „publicidad“). Bei allen Beispielen handelt es sich jedoch um Formen der Veröffentlichung. Nach der Mitteilung ist die Wahl des für die Vergabebekanntmachung am besten geeigneten Mediums Sache des jeweiligen Auftraggebers,
         jedoch sollte ein maßgebendes Kriterium dabei die Einschätzung der Binnenmarktrelevanz des Auftrags sein. Je interessanter
         der Auftrag für potenzielle Bieter aus anderen Mitgliedstaaten sei, desto weiter sollte er bekannt gemacht werden. In der
         Mitteilung wird dann eine Reihe von Veröffentlichungsmedien angeführt, die im Einzelfall als „angemessen“ angesehen werden
         können, z. B. das Internet unter Einschluss der Website des Auftraggebers und von Portalen, die Amtsblätter der EU und der
         Mitgliedstaaten, nationale Ausschreibungsblätter, regionale oder überregionale Zeitungen und Fachpublikationen, lokale Medien
         wie Lokalzeitungen, Gemeindeanzeiger und Anschlagtafeln. Es ist für mich nicht ersichtlich, inwiefern diese Mitteilung das
         Problem der Rechtsunsicherheit, das ich oben dargelegt habe, behandeln soll.
      
      57 –	In seinem Urteil vom 15. September 1994, Rat/Kommission (C‑146/91, Slg. 1994, I‑4199) hat der Gerichtshof die fehlende
         Bindungswirkung der Auslegung einer gemeinschaftsrechtlichen Maßnahme durch die Kommission betont.
      
      58 –	Der Gerichtshof hat diese Verpflichtung auch im Hinblick auf die Bekanntmachung der Kriterien für die Auswahl der Bewerber
         bejaht, die im Rahmen eines nicht offenen Verfahrens für einen Auftrag, der nicht dem Anwendungsbereich der Richtlinie 93/37/EWG
         (angeführt in Fn. 9) unterliegt, zur Abgabe eines Angebots aufgefordert worden, wenn diese Richtlinie keine besondere Bestimmung
         über die Anforderungen an die Bekanntmachung enthält (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 12. Dezember 2002, Universale-Bau,
         C‑470/99, Slg. 2002, I‑11617, Randnrn. 87, 92 und 93 und die anschließende Analyse). 
      
      59 –	In der Rechtssache Telaustria belief sich der Wert der Anzeigenfläche, die sich auf die der Konzession unterliegenden Verzeichnisse
         bezog, laut Stellungnahme von Telaustria auf 35 Millionen Ecu. In der Rechtssache Parking Brixen, angeführt in Fn. 47, geht
         der Wert der Konzession nicht aus der amtlichen Sammlung der Rechtsprechung des Gerichtshofs hervor. Aus der Tatsache, dass
         der Dienstleistungserbringer, an den die Konzession erteilt wurde, dem öffentlichen Auftraggeber eine jährliche Entschädigung
         in Höhe von 151 700 Euro zahlte, die an die Preise der Parkkarten gekoppelt war (vgl. Randnr. 26 des Urteils), geht hervor,
         dass die mit den Parkkarten erzielten Einnahmen beträchtlich gewesen sein müssen. Der Gerichtshof hat festgestellt, dass sich
         nicht ausschließen lasse, dass in anderen Mitgliedstaaten ansässige Unternehmen am Vertrag interessiert gewesen wären (Randnr.
         55). Folglich wurde die Transparenz der Vergabe im Licht der im Urteil Telaustria aufgestellten Voraussetzung bewertet, dass
         ein angemessener Grad an „Öffentlichkeit“ sicherzustellen ist (vgl. Randnr. 49 und die anschließende Analyse). In der Rechtssache
         ANAV (Urteil des Gerichtshofs vom 6. April 2006, C‑410/04, Slg. 2006, I‑3303) wurde die Dienstleistungskonzession für die
         Bereitstellung von Verkehrsdiensten in der Gemeinde Bari erteilt, die der Dienstleistungserbringer zumindest teilweise durch
         den Verkauf von Fahrkarten an Benutzer finanzierte. Auch hier wird der genaue Wert der Konzession in der amtlichen Sammlung
         nicht angegeben. Da das Unternehmen, das die Konzession erhalten hatte, seine Tätigkeit einzig und allein auf die Bereitstellung
         des lokalen städtischen Verkehrs in der Stadt Bari beschränkte (Stellungnahme der Comune di Bari, Randnr. 5), ist es jedoch
         äußerst wahrscheinlich, dass der Wert der Konzession oberhalb des Schwellenwerts lag, der für konzessionsfreie Verträge in
         der betroffenen Richtlinie festgelegt war.
      
      60 –	Vgl. z. B. den 14. Erwägungsgrund der Richtlinie 93/36, angeführt in Fn. 4.
      
      61 –	Vgl. Nr. 6.
      
      62 –	Dies geht aus Art. 5 Abs. 1 Buchst. a in Verbindung mit dem 14. Erwägungsgrund hervor. Auf jeden Fall wird die Festlegung
         eines zahlenmäßigen Schwellenwerts für die Anwendung einer Vorschrift notwendigerweise mit sich bringen, dass es (früher oder
         später) einzelne Fälle geben wird, die gerade unter dem Schwellenwert liegen und die daher durch die fragliche Vorschrift
         nicht erfasst werden.
      
      63 –	Ich erkenne an, dass der öffentliche Auftraggeber die Vertretung eines in einem anderen Mitgliedstaat ansässigen Lieferanten
         2000 zur Angebotsabgabe aufgefordert hat. Es sind jedoch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Vertretung selbst
         nicht in Finnland ansässig war. Wäre dies der Fall, befänden sich der Lieferant und seine Vertretung in einer anderen Position
         als die Lieferanten von Catering‑Einrichtungen in der Gemeinschaft, die nicht über Vertretungen in Finnland verfügten.
      
      64 –	Dies ist der Standpunkt, den die Kommission ausdrücklich in ihrer Mitteilung vertreten hat: vgl. Nrn. 1.3 und 2.1.2.
      
      65 –	In ihrer Mitteilung (Nr. 1.3) sichert die Kommission zu: „Erhält die Kommission Kenntnis von einer möglichen Verletzung …,
         prüft sie die Binnenmarktrelevanz des fraglichen Auftrags … Sie wird nur dann ein Verfahren nach Artikel 226 EG‑Vertrag einleiten,
         wenn dies angesichts der Schwere der Vertragsverletzung und ihrer Auswirkungen auf den Binnenmarkt angemessen erscheint.“
         Abgesehen von der Frage, ob das vorliegende Vertragsverletzungsverfahren diese objektiv erfüllt, ist klar, dass es einem erfolglosen
         Wettbewerber gänzlich freisteht, vor den nationalen Gerichten Klage zu erheben und ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art.
         234 EG zu beantragen. 
      
      66 –	Es ist anzumerken, dass Generalanwalt Ruiz-Jarabo Colomer in Nr. 62 seiner Schlussanträge vom 8. November 2006 in der Rechtssache
         C‑412/04 (Kommission/Italien) ebenfalls die Auffassung vertreten hat, dass die Festlegung genauer Vorschriften über die Bekanntmachung
         von Ausschreibungen zwecks Einhaltung der Verpflichtung zur Transparenz innerhalb gewisser Grenzen Aufgabe der Mitgliedstaaten
         sei.