CELEX: 31972R0618
Language: de
Date: 1972-03-29
Title: Verordnung (EWG) Nr. 618/72 der Kommission vom 29. März 1972 über die Merkmale von Olivenöl und bestimmten, Olivenöl enthaltenden Erzeugnissen

31.3.72                                   Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            Nr. L 78 /5:
                                VERORDNUNG (EWG) Nr. 618/72 DER KOMMISSION
                                                     vom 29. März 1972
                über die Merkmale von Olivenöl und bestimmten, Olivenöl enthaltenden Erzeugnissen
DIE KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN                                   Das Zolltarifschema dieser Verordnung ist im Ge­
GEMEINSCHAFTEN —                                                  meinsamen Zolltarif wiedergegeben.
                                                                  Die in dieser Verordnung vorgesehenen Maßnahmen
                                                                  entsprechen der Stellungnahme des Verwaltungsaus­
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Euro­                   schusses für Fette —
päischen Wirtschaftsgemeinschaft,
gestützt auf die Verordnung Nr. 136/66/EWG des
Rates vom 22. September 1966 über die Errichtung
einer gemeinsamen Marktorganisation für Fette ( x),               HAT FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN :
zuletzt geändert durch die Verordnung (EWG)
Nr. 2727/71 ( 2), insbesondere auf Artikel 18 Ab­
satz 3 ,
                                                                                              Artikel 1
gestützt auf die Verordnung (EWG) Nr. 443 /72 des
Rates vom 29 . Februar 1972 über die Abschöpfungen                 ( 1 ) Als Olivenöl im Sinne der Tarifstelle 15.07 A
für raffiniertes Olivenöl sowie für bestimmte Oliven­              des Gemeinsamen Zolltarifs gilt nur das ausschließ­
öl enthaltende Erzeugnisse (3 ), insbesondere auf                  lich aus der Verarbeitung von Oliven gewonnene
 Artikel 8 ,                                                       Öl, nicht jedoch wiederverestertes Olivenöl und
                                                                   Mischungen von Olivenöl mit anderen ölen.
gestützt auf die Verordnung Nr. 162/66/EWG des                     (2 ) Zu den Tarifstellen 15.07 A I a ) und 15.07 Alb)
 Rates vom 27 . Oktober 1966 über den Handel mit                   des Gemeinsamen Zolltarifs gehören die öle, die
 Fetten zwischen der Gemeinschaft und Griechen­                    die im Anhang I beschriebenen Merkmale aufweisen.
 land (4), insbesondere auf Artikel 4 Absatz 2, Arti­
 kel 5 Absatz 3 und Artikel 9,
                                                                   (3 ) Zu der Tarifstelle 15.17 A des Gemeinsamen
                                                                   Zolltarifs gehören die Erzeugnisse der Tarifnum­
 in Erwägung nachstehender Gründe :                                mer 15.17, soweit sie nicht nach Anhang II von dieser
                                                                   Tarifstelle ausgenommen sind .
 Die Erstattungen bei der Ausfuhr von Olivenöl
 können je nach Art des Öls in verschiedener Höhe                   (4) Im Rahmen der Gewährung der Erstattung bei
 festgesetzt werden . Hierzu muß das Olivenöl nach                  der Ausfuhr gehören zu den in Artikel 2 der Verord­
 seinen chemischen Merkmalen unterschieden werden .                nung (EWG) Nr. 616/72 (5 ) genannten Tarifstellen
                                                                    15.07 A II ( a) und 15.07 A II (b ) die öle, die die in
                                                                    Anhang I beschriebenen Merkmale aufweisen.
 In der Verordnung (EWG ) Nr. 443 /72 sind unter­
 schiedliche Abschöpfungen für Olivenöl, das durch
 Raffinieren von Jungfernöl gewonnen wird, und für
 raffiniertes Olivenöl festgesetzt. Diese öle sind nach                                       Artikel 2
  ihren chemischen Merkmalen zu unterscheiden .
                                                                    Im Gemeinsamen Zolltarif wird die zusätzliche Vor­
                                                                    schrift zu Kapitel 15 durch den Text in Anhang III
                                                                    ersetzt .
  0)  ABl . Nr. 172 vom 30. 9. 1966, S. 3025/66.
  (2) ABl.  Nr. L 282 vom 23 . 12. 1971 , S 8 .
  (3) ABl.  Nr. L 54 vom 3 . 3 . 1972 , S. 3 .
  (4) ABl.  Nr. 197 vom 29 . 10. 1966 , S. 3393/66.                  (5) Siehe Seite 1 dieses Amtsblatts.
 ---pagebreak--- Nr . L 78 / 6                       Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 31.3.72
                        Artikel 3                           Die Verordnung Nr. 177/66/EWG der Kommission
                                                            vom 7. November 1966 zur Unterscheidung der
                                                            verschiedenen raffinierten Olivenöle (*) wird auf­
Diese Verordnung tritt am 1 . April 1972 in Kraft.          gehoben .
              Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
              Mitgliedstaat.
              Brüssel, den 29. März 1972
                                                                                 Für die Kommission
                                                                                     Der Präsident
                                                                                 S. L. MANSHOLT
                                                            i1) ABl . Nr. 203 vom 8 . 11 . 1966, S. 3491 /66.
 ---pagebreak--- 31.3.72                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 78 /7
                                                      ANHANG I
          Merkmale von Olivenölen der Tarifstellen 15.07 A I a), 15.07 A I b), 15.07 A II (a) und (b)
        1 . Zu Tarifstelle 15.07 A I a) gehört Olivenöl mit folgenden Merkmalen :
             a) Gehalt an freien Fettsäuren, berechnet als Ölsäure, höchstens 3 % ;
             b) Extinktionskoeffizient K270 (Extinktion einer auf 100 ml aufgefüllten Lösung von 1 g Öl
                 in Isooktan (2,2,4-Trimethylpentan) bei einer Schichtdicke von 1 cm und im Wellenlängen­
                 bereich von 270 nm) größer als 0,25 , höchstens jedoch 1,10 und nach Behandlung der Öl­
                 probe mit aktiviertem Aluminiumoxid größer als 0,11 ;
             c) Schwankung des Extinktionskoeffizienten im Wellenlängenbereich von 270 nm größer als
                 0,01 , jedoch höchstens 0,16 .
                 Diese Schwankung ist definiert durch den Ausdruck :
                                           AK — Km — 0,5 ( Km — 4 -4- Km + 4).
                 Dabei bezeichnet Km den Extinktionskoeffizienten für die im Bereich von 270 nm liegende
                 Wellenlänge, die im Maximum der Absorptionskurve liegt.
                 Km — 4 und Km + 4 bezeichnen die Extinktionskoeffizienten für eine um 4 nm niedriger
                 bzw. höher liegende Wellenlänge als Km ;
             d) keine positive Reaktion auf Tresteröl .
        2. Zu Tarifstelle 15.07 Alb) gehört Olivenöl, das entweder :
             a) die unter Ziffer 1 Buchstaben a) bis c) aufgeführten Merkmale und eine positive Reaktion
                 auf Tresteröl aufweist oder
             b) das unter Ziffer 1 Buchstabe a) beschriebene Merkmal und einen Extinktionskoeffizienten
                 K27O von mehr als 1,10, höchstens jedoch 2,00, besitzt, sowie eine Schwankung des Ex­
                 tinktionskoeffizienten im Bereich von 270 nm von höchstens 0,20 aufweist .
        3 . Zu Tarifstelle 15.07 A II ( a ) gehört Olivenöl mit folgenden Merkmalen :
             a) Extinktionskoeffizient K270 nach Behandlung der Ölprobe mit aktiviertem Aluminium­
                 oxid höchstens 0,11 .
                 In Ausnahmefällen können gewisse Öle mit hohem Gehalt an freien Fettsäuren nach Be­
                 handlung mit aktiviertem Aluminiumoxid einen Extinktionskoeffizienten K270 von mehr
                 als 0,11 aufweisen . In diesem Fall müssen sie nach Neutralisieren und Bleichen im Labora­
                 torium die unter Punkt 1 aufgeführten Merkmale aufweisen ;
             b) Schwankung des Extinktionskoeffizienten im Bereich von 270 nm höchstens 0,01 ;
             c) keine positive Reaktion auf Tresteröl .
        4. Zu Tarifstelle 15.07 A II ( b) gehört Olivenöl mit folgenden Merkmalen :
             a) Gehalt an freien Fettsäuren, berechnet als Ölsäure, mehr als 3 % , sowie
             b) positive Reaktion auf Tresteröl oder nach Neutralisieren und Bleichen im Laboratorium die
                  gleichen Merkmale wie unter Ziffer 2 Buchstabe b).
                                               ANALYSENMETHODE
          I. BEHANDLUNG DER ÖLPROBE MIT AKTIVIERTEM ALUMINIUMOXID
             1 . Man gibt 30 g basisches Aluminiumoxid, das nach dem unter Absatz 2 genannten Verfahren
                  hergestellt wurde, in eine chromatische Säule mit einem Durchmesser von 35 mm , einer
                  Länge von 450 mm und einem Abflußrohr von etwa 10 mm Durchmesser .
 ---pagebreak--- Nr. L 78/ 8                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 31.3.72
                     Das Aluminiumoxid wird durch mehrmaliges leichtes Aufstoßen der Säule auf einer Holz­
                     unterlage festgestampft, wobei die Säule vertikal gehalten wird. In die so vorbereitete
                     Säule gibt man 100 ml einer Lösung von 10% Öl in Hexan. Das Eluat wird gesammelt
                     und das Lösungsmittel im Vakuum bei einer Temperatur unterhalb 25 °C verdampft.
                     Von dem so gewonnenen Öl wird unverzüglich der Extinktionskoeffizient bei 270 nm
                     bestimmt .
                 2 . Man erhält basisches Aluminiumoxid mit einer Brockmannschen Aktivitätsstufe I (0 %
                     Wasser), indem man basisches Aluminiumoxid (für die Chromatographie) mit einer Kör­
                     nung zwischen 30 [µm und 130 µm (Mittelwert 80 [im) 3 Stunden bei 380-400 °C erhitzt.
                     Zu 100 g dieses Produkts gibt man 5 ml destilliertes Wasser, rührt kräftig um und läßt es
                     über Nacht in einem gut verschlossenen Gefäß stehen. Man erhält damit basisches Alumi­
                     niumoxid mit einer Brockmannschen Aktivitätsstufe zwischen II und III .
                     Prüfung der Aktivität des Aluminiumoxids :
                     Man gibt 30 g basisches Aluminiumoxid (hergestellt nach dem vorstehend beschriebenen
                     Verfahren) in eine chromatographische Säule von etwa 35 mm Durchmesser und 450 mm
                     Länge ; durch diese Säule läßt man unter den im Verfahren angegebenen Bedingungen eine
                     Mischung von 95% Jungfernöl und 5% Erdnußöl laufen . Das Jungfernöl soll einen Ex­
                     tinktionskoeffizienten K27O von weniger als 0,18 , das bei der Raffination mit Bleicherde
                     behandelte Erdnußöl einen Extinktionskoeffizienten K270 von 4 oder mehr aufweisen .
                     Ergibt diese Mischung einen Extinktionskoeffizienten von mehr als 0,11 , so ist das Alumi­
                     niumoxid verwendbar. Erfolgt mit diesem Aluminiumoxid keine Elution der konjugierten
                     Triene, so muß stärker hydratisiertes Aluminiumoxid verwendet werden, nachdem über­
                     prüft worden ist, ob es die Anforderungen des obengenannten Tests erfüllt.
            II . NACHWEIS VON TRESTEROL
                 1.  Geräte :
                     — 100-ml-Rundkolben mit Rückflußkühler,
                     — 5-ml-Meßpipette mit 0,1 ml Graduierung,
                     — Heizvorrichtung, die ein Erwärmen des Kolbens auf ca . 80 C C ermöglicht ,
                     — Thermometer von 15 bis 60 °C .
                 2 . Reagenzien :
                     — wäßrig-alkoholische Kalilauge (42,5 g KOH in 72 ml destilliertem Wasser auflösen
                          und mit 95 vol. %igem Äthylalkohol auf 500 ml auffüllen),
                     — 70 vol . %iger Äthylalkohol,
                     — wäßrige Lösung von Essigsäure 1+2 (Volumenteile); 1,5 ml müssen genau 5 ml der
                          wäßrig-alkoholischen Kalilauge unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator
                          neutralisieren .
                 3 . Vorbereitung der Probe :
                     Das Öl wird durch Dekantieren und Filtrieren durch ein Papierfilter vom Wasser befreit,
                      und zwar bei einer Temperatur, die leicht über dem Schmelzpunkt bestimmter Bestandteile
                     liegt, die sich möglicherweise aus dem flüssigen Öl abgesetzt haben .
                 4.   Verfahren :
                      In den Kolben etwa 1 ml des nach Absatz 3 vorbereiteten Olivenöls geben. 5 ml wäßrig­
                      alkoholische Kalilauge hinzufügen. Den Rückflußkühler anschließen und 10 Minuten unter
                      gelegentlichem Schütteln kochen. Auf Raumtemperatur abkühlen 1 assen. 1,5 ml der wäß­
                      rigen Essigsäurelösung und 50 ml des zuvor auf 50 °C erwärmten Äthylalkohols zugeben.
                      Durch Umrühren mischen, das Thermometer einführen und abkühlen lassen , wobei das
                      Aussehen der Lösung beobachtet wird, sobald sie die Temperatur 45 °C erreicht hat. Bil­
                      det sich oberhalb 40 °C ein flockiger Niederschlag, so ist die Reaktion positiv. Bildet sich
                      kein flockiger Niederschlag, so wird die Lösung bei Raumtemperatur, d.h. zwischen 20
                      und 22 °C mindestens 24 Stunden, erforderlichenfalls 48 Stunden, stehengelassen und er­
                      neut beobachtet ; bildet sich ein in der Mitte der Lösung suspendierter flockiger Nieder­
                      schlag, so ist die Reaktion ebenfalls positiv.
 ---pagebreak--- 31 . 3 . 72                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   Nr. L 78 /9
            III . NEUTRALISIEREN UND BLEICHEN DES OLIVENÕLS IM LABORATORIUM
                  A. Neutralisieren des Öls
                     1.  Geräte :
                         —  hohes 300-ml-Becherglas ,
                         —  Laborzentrifuge mit 100-ml-Gläsern ;
                         —  250-ml-Becherglas,
                         —  100-ml-Rundkolben ,
                         — 1 -Liter-Scheidetrichter.
                     2. Reagenzien :
                         —  12%ige wäßrige Natriumhydroxidlösung,
                         —  1 %ige Lösung von Phenolphthalein in Äthylalkohol,
                         —  Hexan , analysenrein ,
                         —  Isopropylalkohol , analysenrein.
                     3.  Verfahren :
                         a) Öle mit einem Gehalt an freien Fettsäuren, berechnet als Ölsäure, von weniger als
                            30% .
                            Man gibt 50 g rohes Öl in ein hohes 300-ml-Becherglas und erwärmt im Wasserbad
                            auf 65 °C. Unter langsamem Rühren gibt man — mit einem Überschuß von 5 %
                            — so viel 12% ige Natriumhydroxidlösung hinzu, wie dem Gehalt des Öls an freien
                            Fettsäuren entspricht. Unter Aufrechterhaltung der Temperatur von 65 °C wird
                            5 Minuten weitergerührt.
                            Das Ganze wird in 100-ml-Zentrifugengläser überführt und die Seifenmasse durch
                            Zentrifugieren abgetrennt. Das dekantierte Öl wird in ein 250-ml-Becherglas gege­
                            ben und mit 50 bis 60 ml kochendem destilliertem Wasser gewaschen. Die wäßrige
                            Phase wird mit Hilfe eines Saughebers entfernt. Die Waschungen werden wieder­
                            holt, bis auch Spuren von Seifenresten entfernt sind (Verschwinden der Rosafärbung
                            des Phenolphthaleins).
                            Zur Entfernung der geringen Restwassermengen wird das Öl zentrifugiert.
                         b) Öle mit einem Gehalt an freien Fettsäuren, berechnet als Ölsäure , von mehr als 30 % .
                            In einen 1-Liter-Scheidetrichter gibt man 50 g rohes Öl, 200 ml Hexan, 100 ml Iso­
                            propylalkohol und — mit einem Überschuß von 0,3% — soviel 12%ige Natrium­
                            hydroxidlösung, wie dem Gehalt des Öls an freien Fettsäuren entspricht.
                            Eine Minute lang kräftig rühren. 100 ml destilliertes Wasser hinzugeben, erneut
                            rühren und stehen lassen . Nach der Phasentrennung wird die untere seifenhaltige
                            Schicht abgelassen. In vielen Fällen bildet sich zwischen den beiden Phasen (ölhal­
                            tige obere und seifenhaltige untere Schicht) eine Zwischenschicht, die Schleimstoffe
                            und unlösliche Substanzen enthält und die ebenfalls entfernt werden müssen .
                            Anschließend wird die Hexanlösung des neutralen Öls mit Portionen von jeweils
                            50 bis 60 ml einer Lösung aus Isopropylalkohol und destilliertem Wasser im Verhält­
                            nis 1:1 (Volumenteile), bis zum Verschwinden der Rosafärbung des Phenolphtha­
                            leins gewaschen. Darauf wird das Hexan durch Abdestillieren im Vakuum (z.B. mit
                             Hilfe eines Rotationsverdampfers) vollständig entfernt.
                  B. Bleichen des neutralisierten Öls
                      1. Geräte :
                         — 250-ml-Dreihalskolben mit Schliffansätzen für :
                             a) Thermometer mit Unterteilung in 1 °C für Messungen bis 90 °C,
                             b ) mechanisches Rührwerk , 250 bis 300 Umdrehungen/min ., geeignet zum Betrieb
                                  im Vakuum ,
                             c) Anschluß für die Vakuumpumpe ;
                         — Vakuumpumpe für 15 bis 30 Millibar Endvakuum , mit Manometer.
 ---pagebreak--- Nr . L 78 / 10                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              31.3.72
               2. Verfahren :
                  In den Dreihalskolben werden 100 g neutralisiertes Öl eingewogen. Thermometer und
                  Rohrwerk einführen ; Vakuumpumpe anschließen und auf 90 °C unter Umrühren er­
                  wärmen ; die Temperatur wird unter ständigem Rühren solange aufrechterhalten, bis
                  das zu untersuchende Öl vollständig vom Wasser befreit ist (etwa 30 Minuten).
                  Danach wird das Vakuum unterbrochen und 2 bis 3 g aktivierte Bleicherde zugegeben.
                  Dann wird das Vakuum mit einem Druck von 15 bis 30 Millibar hergestellt, wobei über
                  eine Zeit von 30 Minuten auf 90 °C und die Drehzahl des Rührwerks bei etwa 250
                  Umdrehungen/ min. gehalten wird. Danach wird in einem thermostatisch regulierten
                  Trockenschrank warm filtriert (50 — 60 °C).
 ---pagebreak--- 31.3.72                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                Nr . L 78 / 11
                                                    ANHANG II
                                           Waren der Tarifnummer 15.17 A
        Nicht zu Tarifnummer 15.17 A gehören :
        a) Rückstände aus der Verarbeitung von Fettstoffen , die Öl enthalten, dessen Jodzahl nach der
             Methode von Wijs ohne Katalysator kleiner als 70 oder größer als 100 ist ;
        b) Rückstände aus der Verarbeitung von Fettstoffen , die Öl enthalten , dessen Jodzahl zwischen
             70 und 100 liegt, bei dem jedoch die Fläche des Peaks , der dem Retentionsvolumen des Beta­
             Sitosterins entspricht und der gemäß nachstehender Vorschrift bestimmt worden ist, weniger
             als 93% der Gesamtfläche der Sterinpeaks ausmacht .
                             ANALYSE DER STERINFRAKTIONEN DER FETTSTOFFE
        Gaschromatographische Bestimmung der aus dem Unverseifbaren durch Dünnschicht-Chroma­
        tographie abgetrennten Sterine . Das Unverseifbare darf nur vorsichtig auf dem Wasserbad ge­
        trocknet werden .
        Geräte :
        1 . Apparatur für die Dünnschicht-Chromatographie mit vier Glasplatten 20 X 20 X 0,4 cm,
             zwei Platten 20 X 5 X 0,4 cm und einer Mikrospritze von 0,1 ml ;
        2. 50-ml-Becherglas ;
        3 . Glashltertiegel, Durchlässigkeit 3 , Durchmesser 15 mm ;
        4.   100-ml-Rundkolben :
        5 . 10-ml-Zentrifugenglas mit konischem Boden und Schliffstopfen ;
         6. 1-ml-Meßpipette mit Graduierung ;
        7 . Gaschromatograph , ausgestattet mit einem Flammenionisationsdetektor , einem Silber- oder
             Gaseinspritzsystem oder einem System zur direkten Einspritzung auf die Säule und einem
             Schreiber ;
        8. Säule für die Gaschromatographie aus Glas oder nichtrostendem Stahl, U- oder spiralförmig,
             Länge 1-2 m, Innendurchmesser 3-4 mm . Die Säulenfüllung enthält als stationäre Phase Methyl­
             silicongummi , das bis 300 °C beständig ist. Damit wird kalzinierte , mit Säure gewaschene und
              silanisierte Diatomeenerde zu 2-4% imprägniert ; Korngröße 80/ 100 oder 100/ 120 mesh.
              Anmerkung -, Da einige Säulentypen aus rostfreiem Stahl infolge Zersetzung von Sterinen zu
                             fehlerhaften Ergebnissen führen können , wird Glas empfohlen ;
         9 . Mikrospritze für Mengen von 5 oder 10 µl .
         Reagenzien :
         1 . Chloroform für Chromatographie ;
         2 . Benzen für Chromatographie ;
         3 . Kieselgel (z.B. Kieselgel G ) ;
         4. Bezugslösung für Plattenchromatographie, 5% ige Cholesterin-Lösung in Chloroform ;
         5 . Aceton für Chromatographie ;
         6 . 0,1 %ige Lösung des Natriumsalzes des 2'-, 7'-Dichlorfluoresceins in absolutem Äthylalkohol ;
         7. Lösung für den Empfindlichkeitstest : 1 mg Cholesterin in 1 ml n-Pentan ;
         8 . Lösung zur Prüfung der Peakauflösung : 0,9 mg Rüböl-Phytosterin und 0,1 mg Cholesterin
              in 1 ml n-Pentan . Die Sterine müssen nach dem unter Punkt A des Kapitels „Arbeitsvorschrift"
              beschriebenen Verfahren frisch zubereitet werden .
         9. Lösung für den Referenztest : 1 mg Sonnenblumenöl-Phytosterin in 1 ml n-Pentan , frisch zu­
               bereitet wie unter Punkt A des Kapitels „Arbeitsvorschrift" beschrieben .
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             Herstellung der Platten für die Dünnschicht-Chromatographie :
             Auf das Beschichtungsgerät werden der Reihe nach eine Platte von 20 X 5 X 0,4 cm, 4 Platten
             von 20 X 20 x 0,4 cm und eine Platte von 20 X 5 X 0,4 cm gelegt .
             In einen 500-ml-Weithalskolben gibt man 40 g Kieselgel und etwa 80 ml Wasser. Mit einem Glas­
             stab bzw . mit einem mechanischen Glasrührwerk wird umgerührt , bis eine homogene Suspension
             entsteht.
             Etwa eingeschlossene Gase werden durch mindestens einminütiges Evakuieren mit einer Wasser­
             strahlpumpe entfernt. Danach wird die Suspension auf das Beschichtungsgerät gegeben, eine
             Schichtdicke von 0,5 mm eingestellt und die Platten gleichmäßig beschichtet.
             Die Platten werden ca . 15 Minuten an der Luft und anschließend 2 Stunden im Trockenschrank
             bei 105 °C getrocknet. Die so hergestellten Platten werden im Exsiccator unter Vakuum aufbe­
             wahrt.
                                                    ARBEITSVORSCHRIFT
              A. Abtrennung der Sterinfraktion durch Dünnschicht-Chromatographie
                 Man gibt in die Entwicklungskammer bis zu einer Höhe von ca. 1 cm eine Mischung von Ben­
                 zol/Aceton 95 :5 (v/v) ; die Kammer wird mit dem Deckel verschlossen und mindestens 3 Stun­
                 den stehengelassen, damit sich ein Gleichgewicht Flüssigkeit/Dampf einstellt. Es wird ferner
                 empfohlen, an der Innenwand der Kammer Filterpapierstreifen zu befestigen, die in das Fließ­
                  mittel tauchen. Diese Vorsichtsmaßnahme hat den Vorzug, die Laufzeit des Fließmittels um
                  etwa ein Drittel zu verkürzen und die Komponenten gleichmäßiger zu eluieren.
                  In der Zwischenzeit wird eine 5% ige Chloroform-Lösung des mit Petroläther extrahierten
                  Unverseifbaren hergestellt. Man entnimmt ca . 0,3 ml dieser Lösung und trägt sie mit der 0,1­
                  ml-Mikrospritze in einem gleichmäßigen kontinuierlichen Streifen auf die Dünnschichtplatte
                  in etwa 1,5 cm Abstand vom unteren Plattenrand auf, und zwar so , daß man am Start einen
                  möglichst schmalen Streifen erhält.
                  Am Rande der Platte werden nach dem üblichen Verfahren einige µl der cholesterinhaltigen
                  Bezugslösung aufgetragen, um den Rf-Wert der Sterinfraktion zu bestimmen.
                  Die Platte wird in die nach obiger Vorschrift vorbereitete Entwicklungskammer gestellt.
                  Die Temperatur der Umgebung muß etwa 20 °C betragen.
                  Man schließt den Deckel und entwickelt, bis die Lösungsmittelfront einen Abstand von etwa
                   1 cm vom oberen Rand der Platte erreicht hat. Man nimmt die Platte aus der Entwicklungs­
                   kammer und verdampft das Lösungsmittel im Warmluftstrom .
                   Die Zonen werden sichtbar gemacht, indem man die Platte gleichmäßig und vorsichtig mit
                   der alkoholischen Lösung des Natriumsalzes des 2',7'-Dichlorofluorescein besprüht. Man
                   betrachtet die Platte im ultravioletten Licht und bestimmt die Lage der Sterine mit Hilfe des
                   Cholesterinfleckens der Bezugslösung.
                   Die Sterinzone wird mit Hilfe eines Metallspachtels abgekratzt .
                   Das abgetrennte Kieselgel wird in ein 50 ml Becherglas mit 15 ml warmem Chloroform gege­
                   ben, gerührt, vollständig auf den Glasfiltertiegel gegeben und filtriert. Das Filter wird dreimal
                   mit je 15 ml warmem Chloroform gewaschen und das Filtrat in einem 100 ml-Kolben gesam­
                   melt .
                   Die Chloroformlösung wird auf 4—5 ml eingeengt und in ein gewogenes Zentrifugenglas mit
                   Schliffstopfen gegeben. Durch vorsichtiges Erwärmen im Stickstoffstrom wird das Lösungs­
                   mittel bis zur Trockne eingedampft, die so gewonnene Sterinfraktion gewogen und in 2 ml
                   Chloroform gelöst.
               B. Gaschromatographische Analyse der Sterine
                    1 . Arbeitsbedingungen für die gaschromatische Analyse
                        Säulentemperatur : 220—250 °C
                        Temperatur des Einspritzsystems , wenn es gesondert beheizt werden kann : 20—40 °C
                        über der Säulentemperatur.
                        Stickstoffstrom : 30—60 ml pro Minute. Den Detektoranschluß lösen und neue Säulen
                        unter den vorgenannten Bedingungen in 16—24 Stunden zur Einstellung eines Gleichge­
                        wichtes bringen. Detektor anschließen, Flamme entzünden und Wasserstoff- und Sauer­
 ---pagebreak--- 31.3.72                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                  Nr. L 78 / 13
               Stoff- oder Luftstrom so einregulieren , daß eine geeignete Flammenhöhe und Empfindlich­
               keit erreicht werden . Den Schreiber einschalten und einen geeigneten Papiervorschub ein­
               stellen ; Null-Punkt und Meßbereich einjustieren. Ist die Grundlinie stabil, so ist das Gerät
               einsatzbereit .
           2. Empfindlichkeitstest
               3—5 µl der Lösung für den Empfindlichkeitstest (7) werden eingespritzt. Auf dem Chro­
               matogramm darf nur ein Cholesterin-Peak erscheinen . Der Meßbereich ist so einzuregu­
               lieren , daß fast die gesamte Breite des Schreibers ausgenutzt wird .
           3 . Prüfung der Peakauflösung
               3—5       der Testlösung zur Prüfung der Peakauflösung ( 8 ) werden eingespritzt. Es müssen
               die Peaks von Cholesterin, Brassicasterin, Campesterin und /?-Sitosterin auf dem Chroma­
               togramm erscheinen. Bestimmt werden die Retentionen der Peaks (Abstand vom Ein­
               spritzpunkt bis zum Maximum der Peaks), dcH für Cholesterin, dB für Brassicasterin, de
               für Campesterin und ds für ß-Sitosterin sowie die Breite an der Peak-Basis (Abstand zwi­
               schen den Schnittpunkten der Wendetangenten an der Vorder- und Rückseite der Peaks
               mit der Grundlinie) WCH für Cholesterin und wg für Brassicasterin.
               Die Peakauflösung, ausgedrückt durch die Formel
                                          PR = 2(dß — dcH) / (w B + WCH)
               muß mindestens gleich 1 sein.
               Es werden dann die relativen Retentionszeiten ( Cholesterin = 1,00) für Brassicasterin,
               Campesterin und ß-Sitosterin berechnet .
           4. Referenztest
               Man spritzt 3—5 ,µl der Lösung für den Referenztest (9) ein.
               Es müssen auf dem Chromatogramm die Peaks des Campesterins, Stigmasterins, ß-Sito­
               sterins und A 7-Stigmasterins erscheinen . Es werden die Retentionen der Peaks gemessen
               — de für Campesterin, dsT für Stigmasterin, ds für ß-Sitosterin und dsT-7 für A 7-Stig­
               masterin .
               Die relativen Retentionszeiten werden berechnet ; sie betragen etwa für :
               Cholesterin                                                1,00 ( ungefähr 15 Minuten)
               Brassicasterm                                              1,13—1,15
               Campesterin                                                1,32—1,34
               Stigmasterin                                               1,44—1,46
               /?-Sitosterin                                              1,66—1,68
               A 7-Stigmasterin                                           1,88—1,92
           5 . Analyse
               Es werden 3—5 [xl der zu analysierenden Lösung eingespritzt und das Chromatogramm
               registriert.
        C. Ergebnisse
           Bei der Ermittlung der Zusammensetzung der analysierten Sterin-Fraktion brauchen Peaks,
           deren Retentionszeiten von der experimentell ermittelten Zeit der sechs obengenannten Sterine
           abweichen, nicht berücksichtigt zu werden.
           Der prozentuale Gehalt an /?-Sitosterin wird mit Hilfe folgender Formel ermittelt :
                                       Fläche des ü-Sitosterinpeaks        X   100
                               Summe der Flächen der sechs Sterinpeaks
 ---pagebreak--- Nr. L 78 / 14                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                31.3.72
                                                         ANHANG III
                                              ZUSATZLICHE VORSCHRIFTEN
              1 . Für die Anwendung der Tarifnummer 15.07 gilt folgendes :
                  A. Durch Pressung gewonnene fette pflanzliche Öle, flüssig oder fest, gelten als „roh", wenn
                     sie keine andere Behandlung erfahren haben als
                     — Absetzenlassen in allgemein üblichen Zeiträumen ;
                     — Abschleudern ( Zentrifugieren) oder auch Filtrieren, bei dem zur Trennung des Öls
                         von festen Bestandteilen nur „ mechanische" Kräfte , wie Schwerkraft, Druck- oder
                         Fliehkraft, jedoch keinerlei absorptiv wirkende Filterhilfsmittel oder andere physika­
                         lische oder chemische Verfahren benutzt worden sind .
                  B. Durch Extraktion gewonnene fette pflanzliche Öle, flüssig oder fest, gelten als „roh",
                     wenn sich ihre Beschaffenheit weder nach Farbe , Geruch und Geschmack noch durch
                     besondere anerkannte analytische Daten von den entsprechenden durch Pressung gewon­
                     nenen fetten pflanzlichen Ölen unterscheidet.
                  C. Entschleimtes Sojaöl und von Gossypol befreites Baumwollsaatöl gelten ebenfalls als
                     „ rohe" Öle .
              2. A. Als Olivenöl im Sinne der Tarifstelle 15.07 A gilt nur das ausschließlich aus Oliven herge­
                     stellte Öl, nicht jedoch wiederverestertes Olivenöl oder Mischungen von Olivenöl mit
                     anderen Ölen .
                  B. Zu Tarifstelle 15.07 A I a) gehört Olivenöl mit folgenden Merkmalen :
                     a) Gehalt an freien Fettsäuren , berechnet als Ölsäure , höchstens 3 % ;
                     b) Extinktionskoeffizient K270 (optische Dichte einer auf 100 ml aufgefüllten Lösung
                         von 1 g Öl in Isooktan (2,2,4-Trimethylpentan) bei einer Schichtdicke von 1cm und im
                         Wellenlängenbereich von 270 nm) größer als 0,25 , höchstens jedoch 1,10 und nach
                         Behandlung der Ölprobe mit aktiviertem Aluminiumoxid größer als 0,11 .
                     c) Schwankung des Extinktionskoeffizienten im Wellenlängenbereich von 270 nm größer
                         als 0,01 , jedoch höchstens 0,16.
                         Diese Schwankung ist definiert durch den Ausdruck :
                                            A K - Km — 0,5 ( Km—4 + Km+4).
                         Dabei bezeichnet K m den Extinktionskoeffizienten für die im Bereich von 270 nm lie­
                         gende Wellenlänge, die im Maximum der Absorptionskurve liegt.
                         Km—4 und Km+4 bezeichnen die Extinktionskoeffizienten für eine um 4 nm niedriger
                          bzw. höher liegende Wellenlänge als Km ;
                      d) keine positive Reaktion auf Tresteröl .
                  C. Zu Tarifstelle 15.07 Alb) gehört Olivenöl , das entweder :
                      a) die in der Zusätzlichen Vorschrift 2 B Buchstaben a) bis c) aufgeführten Merkmale
                          und eine positive Reaktion auf Tresteröl aufweist oder
                      b) das in der Zusätzlichen Vorschrift 2 B Buchstabe a ) beschriebene Merkmal und einen
                          Extinktionskoeffizienten K270 von mehr als 1,10 , höchstens jedoch 2,00 besitzt , sowie
                          eine Schwankung des Extinktionskoeffizienten im Bereich von 270 nm von höchstens
                          0,20 aufweist.
                  D. Als „Jungfernöl" gilt natürliches Olivenöl , das nur durch mechanische Verfahren, ein­
                      schließlich Pressung, gewonnen ist, ausgenommen jede Mischung mit Olivenöl, das auf
                      andere Weise gewonnen ist.
 ---pagebreak--- 31 . 3 . 72                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. L 78 / 15
            3 . Nicht zu Tarifstelle 15.17 A gehören :
                a) Rückstände aus der Verarbeitung von Fettstoffen, die Öl enthalten, dessen Jodzahl nach
                    der Methode von Wijs ohne Katalysator kleiner als 70 oder größer als 100 ist ;
                b) Rückstände aus der Verarbeitung von Fettstoffen, die Öl enthalten, dessen Jodzahl zwi­
                    schen 70 und 100 liegt, bei dem jedoch die Fläche des Peaks, der dem Retentionsvolumen
                    des Beta-Sitosterins entspricht und der gemäß Anhang II der in der nachstehenden Zusätz­
                    lichen Vorschrift 4 genannten Verordnung bestimmt worden ist, weniger als 93% der
                    Gesamtfläche der Sterinpeaks ausmacht .
            4.  Für die Bestimmung der Merkmale der obengenannten Waren sind die in den Anhängen I und
                II der Verordnung (EWG) Nr. 618 /72 beschriebenen Analysemethoden anzuwenden .