CELEX: 31995M0630
Language: de
Date: 1995-10-18 00:00:00
Title: ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 18/10/1995 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.630 - Henkel / Schwarzkopf) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)

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31995M0630

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 18/10/1995 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.630 - Henkel / Schwarzkopf) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 298 vom 11/11/1995 S. 0007

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 18/10/1995 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.630 - Henkel / Schwarzkopf)  gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der Deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des Amtes für  Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. ÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN Artikel 6 (1)(b) Entscheidung  Einschreiben mit Empfangsbestätigung An die anmeldenden Parteien Betrifft : Fall Nr. IV/M. 630 HENKEL/SCHWARZKOPF <ind> Ihre Anmeldung gemäß Art. 4 der Ratsverordnung (EG) Nr. 4064/89  (Fusionsverordnung) 1.<ind> Die Henkel KGaA (Henkel) meldete bei der Kommission am 25. September 1995 ein  Zusammenschlußvorhaben an. Henkel beabsichtigt über ihre Tochtergesellschaft Thompson  Siegel GmbH (Thompson) von der Hoechst AG 77% der Anteile der Schwarzkopf GmbH  (Schwarzkopf) zu erwerben. 2.<ind> Nach Prüfung der Anmeldung hat die Kommission festgestellt, daß das angemeldete  Vorhaben in den Anwendungsbereich der Ratsverordung (EWG) Nr. 4064/89 fällt und keinen  Anlaß zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt  gibt. I.<ind> DIE PARTEIEN 3.<ind> Henkel ist ein deutsches Unternehmen, das weltweit tätig ist. Seine Hauptaktivitäten  bestehen in der Herstellung und dem Vertrieb von Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika,  chemischen Grundstoffen für industrielle Anwendungen und andere chemisch-technische  Produkte wie Klebstoffe. 4.<ind> Thompson ist eine 100%-ige Tochtergesellschaft von Henkel, verwaltet einen  Produktionsbetrieb und dient darüber hinaus als Holdinggesellschaft für eine andere  Tochtergesellschaft von Henkel. 5.<ind> Schwarzkopf ist ebenfalls ein deutsches Unternehmen, welches weltweit tätig ist. Es  produziert und vertreibt hauptsächlich Haar- und Körperpflegemittel. II.<ind> DER ZUSAMMENSCHLUSS 6.<ind> Henkel beabsichtigt, über ihre Tochtergesellschaft Thompson, die bisher von der Hoechst  AG gehaltenen 77% der Anteile der Schwarzkopf zu erwerben. Die verbleibenden 23% der  Anteile werden von vier Mitgliedern der Familie Schwarzkopf gehalten. Henkel erwirbt die  alleinige Kontrolle über Schwarzkopf. Es gibt keine Verträge oder andere Abreden zwischen  Henkel und den anderen Anteilseignern, die Henkel zwingen würden, die Geschäftspolitik mit  diesen anderen Anteilseignern einvernehmlich festzulegen. Das Vorhaben stellt einen  Zusammenschluß im Sinne von Art. 3 (1)(b) der Verordnung dar. III.<ind> GEMEINSCHAFTSWEITE BEDEUTUNG 7.<ind> Der konzerninterne Umsatz von Thompson resultiert einzig aus Dienstleistungen an  Henkel und wird gemäß Art. 5 (1) und (4) der Verordnung nicht in die Berechnung einbezogen.  Der weltweite Gesamtumsatz der beteiligten Unternehmen zusammen übersteigt 5 Milliarden  Ecu. Henkels Umsatz betrug 1994 ungefähr 7300 Millionen Ecu, derjenigen von Schwarzkopf  zirka 620 Millionen Ecu. Der gemeinschaftsweite Umsatz der beteiligten Unternehmen ist auch  jeweils grösser als 250 Millionen Ecu. Die Parteien erzielen nicht jeweils mehr als zwei Drittel  ihres gemeinschaftsweiten Gesamtumsatzes in einem und demselben Mitgliedstaat. Das  angemeldete Vorhaben hat daher eine gemeinschaftsweite Bedeutung. IV.<ind> VEREINBARKEIT MIT DEM GEMEINSAMEN MARKT A.<ind> RELEVANTER PRODUKTMARKT 8.<ind> Der Zusammenschluß wird sich auf einigen Märkten im Kosmetiksektor auswirken,  insbesondere auf verschiedenen Märkten für Produkte der Haarkosmetik und der Körperpflege  und in einem Markt für Produkte der Herrenkosmetik. 9.<ind> Nach Angabe der Parteien kann der Sektor Haarkosmetik in folgende Märkte gegliedert  werden: <ind> -<ind> Haarwaschmittel (Shampoos) <ind> - <ind> Stylinghilfen (Haarspray, Festiger, Gel und Wachs) <ind> - <ind> Spülungen und Kuren zum Zweck der "Reparatur" von Haaren <ind> - <ind> (Heim)Colorationen (Haarfarben) <ind> -<ind> (Heim)Dauerwellen <ind> Für die Zwecke dieses Falls kann offen gelassen werden, ob Haarsprays, Festiger, Gel und  Wachs tatsächlich zu ein und demselben Markt gehören, weil auch bei der engsten  Marktdefinition keine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt wird (vgl. Randziffer  18). 10.<ind> Während Henkel all diese Produkte nur an den Einzelhandel verkauft, verkauft  Schwarzkopf Colorationen und Dauerwellprodukte an Friseure und an den Großhandel, der  seinserseits wiederum die Friseure beliefert. Henkel ist deshalb der Meinung, daß die Märkte für  Colorationen und Dauerwellen vom Zusammenschluß nicht betroffen sind. Die Feststellungen der  Kommission haben ergeben, daß <ind> -<ind> Heimcolorationen und Heimdauerwellen, welche an den Einzelhandel verkauft  werden, sich in ihrer chemischen Zusammensetzung von Colorationen und Dauerwellprodukten,  die an Friseure verkauft werden, unterscheiden. Der Friseur als Spezialist darf stärkere Produkte  verwenden, mit z.B. höherem Säuregehalt, als dies bei möglicherweise falsch angewendeten  Heimprodukten zulässig ist. Weil bei Dauerwellmitteln ein höherer Säuregehalt die gewünschte  Wirkung in kürzerer Zeit erzielt (nach 20 Minuten anstatt erst nach 45 Minuten), ist der Friseur  am stärkeren Produkt interessiert, weil eine kurze Einwirkzeit für seine Umsatzmöglichkeiten  wichtig ist. Bei Colorationen setzt der Friseur die Farbpigmente und Anwendungsprodukte für  jede Kundin individuell zusammen und erreicht damit eine sehr grosse Auswahl verschiedener  Farbergebnisse, während Heimcolorationen nur in einer beschränkten Anzahl Farbnuancen  erhältlich sind und in ihrer Anwendung möglichst einfach und sicher sein müssen. <ind> -<ind> Colorationen und Dauerwellen, die an Friseure geliefert werden, überwiegend in  Großgebinden (1 Liter) exklusive Anwendungswerkzeuge angeboten werden, während die  Heimprodukte in kleinen Quantitäten inklusive Anwendungswerkzeuge verkauft werden. <ind> - <ind> Friseure keine Colorationen und Dauerwellmittel an Endverbraucher verkaufen,  sondern nur Shampoos, Kuren und Stylinghilfen. <ind> - <ind> für die Verbraucher die Haarcoloration oder Dauerwelle durch den Friseur nicht  mit einer Heimcoloration oder Heimdauerwelle austauschbar ist. Dies wird bereits durch den  vielfach höheren Preis einer Haarcoloration oder Dauerwelle beim Friseur deutlich, selbst wenn  man die Dienstleistung des Friseurs berücksichtigt. <ind> Aus diesen Gründen ergibt sich, daß Heimcolorationen und Heimdauerwellen keine  Substitute für Friseure darstellen und daher eigenständige Produktmärkte sind. Aus denselben  Gründen sind Colorationen und Dauerwellen, die an Friseure verkauft werden, keine Substitute  für den Einzelhandel und bilden ebenfalls eigenständige Produktmärkte. 11.<ind> Im Bereich Körperpflege werden folgende Märkte unterschieden: <ind> - <ind> Seifen <ind> - <ind> Bade- und Duschprodukte (Duschgel, Badeschaum und sonstige Badezusätze) <ind> - <ind> Deodorantien <ind> - <ind> Eau de Colognes <ind> Die Parteien vertreten die Auffassung, daß Duschgels und Badeschaum normalerweise als  Substitute betrachtet würden. Es scheint zweifelhaft, ob diese beiden Produkte tatsächlich zum  selben Markt gehören. Für die Zwecke dieses Falles kann diese Frage aber offen gelassen werden,  weil auch bei der engsten Marktdefinition keine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt  wird (vgl. Randziffer 18). 12.<ind> Der Bereich Herrenkosmetik wird in folgende Märkte gegliedert: <ind> - <ind> Duft- und Rasierwasser <ind> - <ind> Rasierschaum <ind> - <ind> Grooming (speziell auf Männer ausgerichtete Haar- und Körperpflegeprodukte) <ind> Der Zusammenschluß führt nur zu einer Überschneidung im Markt für Duft- und  Rasierwasser, so daß wiederum offen bleiben kann, ob Grooming tatsächlich einen einheitlichen  Produktmarkt bildet. B.<ind> GEOGRAFISCH RELEVANTER MARKT 13.<ind> AAlle Wettbewerber im Kosmetiksektor verfolgen internationale Produktstrategien und  sind in den meisten Mitgliedstaaten präsent. Die Produktionsstätten befinden sich aber nur in  einigen wenigen dieser Länder, weil die Beförderungskosten nur eine unbedeutende Rolle spielen.  Der nachfragende Einzelhandel, der zunehmend internationale Einkaufsorganisationen gründet,  kauft die Produkte vermehrt auf einem internationalen und immer weniger auf einem nationalen  Markt ein. 14.<ind> Andererseits ist festzustellen, daß die Marktanteile der Wettbewerber in den  verschiedenen Mitgliedstaaten unterschiedlich sind. Ein und dasselbe Produkt wird in  verschiedenen Mitgliedstaaten zum Teil unter einer anderen Marke verkauft. Zudem wird  dasselbe Produkt in verschiedenen Mitgliedstaaten zu sehr unterschiedlichen Preisen verkauft  (Preisdifferenzen von zum Teil [In der veröffentlichten Fassung dieser Entscheidung wurden  gemäß Art. 17 Abs. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 bezueglich der Wahrung von  Geschäftsgeheimnissen nachfolgend einige Angaben ausgelassen.]). 15.<ind> Die Abgrenzung des geografischen Referenzmarktes kann jedoch offen gelassen  werden, weil auch bei der engsten Marktdefinition keine beherrschende Stellung begründet oder  verstärkt wird (vgl. Randziffer 16 und die folgenden). C.<ind> WETTBEWERBLICHE BEURTEILUNG 16.<ind> Henkel hat auf den österreichischen und deutschen Märkten für Heimcolorationen  Marktanteile von knapp 50% und auf denselben nationalen Märkten für Heimdauerwellen  Marktanteile von 80%. Auf den benachbarten deutschen und österreichischen Märkten für  Colorationen, die an Friseure verkauft werden, liegen die entsprechenden Marktanteile von  Schwarzkopf [zwischen 0% und 10% und zwischen 10% und 20%.]. Das gilt ebenso für dieselben  nationalen Märkte für Dauerwellprodukte, die an Friseure verkauft werden. Henkel und  Schwarzkopf scheiden durch den Zusammenschluß auf den jeweiligen Märkten als potentieller  Wettbewerber aus. Nach wie vor sind aber als aktuelle und potentielle Wettbewerber auf all diesen  Märkten so bedeutende Unternehmen wie L'Oréal, Wella, Kao und Goldwell zu berücksichtigen.  Aus diesem Grund gibt der Zusammenschluß insoweit keinen Anlaß zu ernsthaften Bedenken  hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt. 17.<ind> Die Marktanteile, welche die beteiligten Unternehmen nach dem Zusammenschluß  erreichen, übersteigen 15% nur auf den folgenden Märkten: <ind> Haarkosmetika: <ind> - <ind> Märkte für Haarwaschmittel in Deutschland [zwischen 15% und 25%] und  Österreich [zwischen 25% und 35%] <ind> - <ind> Märkte für Stylinghilfen in Deutschland [zwischen 30% und 40%], Österreich  [zwischen 30% und 40%] und den Niederlanden [zwischen 20% und 30%] <ind> - <ind> Märkte für Spülungen und Kuren in Deutschland [zwischen 20% und 30%.] und  Österreich [zwischen 30% und 40%] <ind> Körperpflege: <ind> - <ind> Markt für Bade- und Duschprodukte in Österreich [zwischen 10% und 20%] <ind> - <ind> Märkte für Deodorantien in Österreich [zwischen 10% und 20%] und den  Niederlanden [zwischen 10% und 20%] <ind> (i)<ind> MÄRKTE FÜR HAARKOSMETIKA 18.<ind> Es wurde offen gelassen, ob Stylinghilfen tatsächlich einen einzigen Markt bilden oder  ob Haarsprays, Festiger, Gel und Wachs jeweils einen eigenen Markt begründen (vgl. Randziffer  9). Die Marktanteile der beteiligten Unternehmen weichen bei separater Betrachtung dieser  Märkte nicht wesentlich von denjenigen ab, die sich ergeben, wenn alle Produkte im Bereich  Stylinghilfen einen einzigen Markt bilden würden (die Abweichungen betragen zwischen +/-  3%). Die Kommission ist der Auffassung, daß weder ein Marktanteil von 33% noch von 36%  allein eine beherrschende Stellung begründet oder verstärkt. Aus diesem Grund und weil die  Wettbewerbsverhältnisse in den möglicherweise zu unterscheidenden Märkten dieselben sind,  werden die Märkte für Haarsprays, Festiger, Gel und Wachs nicht einzeln beurteilt, sondern  gemeinsam als Markt für Stylinghilfen. Entsprechendes gilt auf niedrigerem Marktanteilsniveau  für den Markt für Bade- und Duschprodukte, der möglicherweise in einen Markt für Badeschaum  und einen Markt für Duschgel zu unterteilen wäre (vgl. Randziffer 11). 19.<ind> Schwarzkopf verkauft Haarwaschmittel, Spülungen und Stylingprodukte an Friseure,  die diese wiederum an ihre Kunden verkaufen. Falls diese Produkte ebenfalls zu den  entsprechenden Märkten für Haarwaschmittel, Spülungen und Kuren und Stylinghilfen gehören,  obwohl z.B. der Preis eines Shampoos, das der Friseur verkauft, ungefähr fünf mal höher ist als  der Preis eines Shampoos im Einkaufszentrum, dann würden sie Schwarzkopfs Marktanteil in  den entsprechenden Märkten erhöhen. Die Umsätze, die die Einzelhändler mit Haarwaschmitteln,  Spülungen und Kuren und Stylinghilfen in Deutschland erzielen betragen ungefähr 1000  Millionen Ecu. Laut Schätzungen der Parteien beträgt der Umsatz in Deutschland, den  Schwarzkopf mit denjenigen Produkten erzielt, die er via Friseure verkauft, ungefähr [5 - 15  Millionen ECU]. Dies entspricht einem durchschnittlichen Marktanteil in den genannten Märkten  von [0,5% - 1,5%]. Die oben angegebenen Marktanteile werden sich folgedessen nur  unwesentlich erhöhen, wenn der Verkauf von Haarwaschmitteln, Spülungen und Stylinghilfen,  den Schwarzkopf via Friseure tätigt, hinzu addiert wird. 20.<ind> In den Märkten für Stylinghilfen in Österreich und den Niederlanden wird der  Zusammenschluß nur zu einem minimalen Anstieg des Marktanteils der Parteien führen.  Während Schwarzkopfs Marktanteil [zwischen 30% und 40%] bzw. [zwischen 20% und 30%]  beträgt, liegt derjenige von Henkel jeweils unter 1%. Nach Auffassung der Kommission führt ein  Zuwachs von weniger als einem Prozent nicht zur Begründung oder Verstärkung einer  beherrschenden Stellung (vgl. auch IV/M.430 Procter & Gamble/VP Schickedanz (II), Randziffer  153). Dasselbe gilt im Markt für Spülungen und Kuren in Österreich, wo Henkel nur wenig mehr  als 2% zum [zwischen 30% und 40%] Marktanteil der Parteien beiträgt. 21.<ind> Betreffend die Märkte für Haarwaschmittel in Deutschland und Österreich, den Markt  für Stylinghilfen in Deutschland und den Markt für Kuren und Spülungen in Deutschland werden  die Wettbewerbsverhältnisse wie folgt beurteilt: 22.<ind> Auch wenn die Marktanteile in den genannten Märkten relativ hoch sind, sind doch in  all diesen Märkten andere starke Wettbewerber mit gleich hohen oder fast gleich hohen  Marktanteilen anzutreffen. Diese Wettbewerber sind insbesondere L'Oréal, Procter & Gamble,  Unilever, Colgate-Palmolive, Wella, Beiersdorf und Revlon. 23.<ind> Bis in die 80er Jahre wuchsen die Märkte im Kosmetikbereich jährlich um zirka 4%.  Das Wachstum verlangsamte sich in den 90er Jahren und wurde 1995 sogar negativ. Die Märkte  für Stylinghilfen folgten diesem Trend nur bedingt, weil hier das Wachstum von modischen  Trends und anderen gesellschaftlichen Einfluessen abhängig ist. Bei den betroffenen Märkten  handelt es sich aber sicherlich um reife Märkte. 24.<ind> Die betroffenen Märkte sind insofern transparent, als die Hersteller Preislisten mit  eindeutigen Konditionensystemen verwenden. Der Wettbewerb in den Märkten im  Kosmetikbereich ist aber weniger ein Preiswettbewerb, sondern geschieht insbesondere über die  Werbung. Die Wettbewerber wenden ungefähr 18% - 25% ihres Umsatzes für die Positionierung  ihrer Produkte auf. 25.<ind> Aus den verfügbaren Daten geht hervor, daß die Marktanteile nicht stabil sind, sondern  daß einmal Marktanteilsverluste zu tragen sind und ein andermal Marktanteilgewinne erzielt  werden. Innerhalb eines Zeitraums von 3 Jahren sind Marktanteilsveränderungen von zwischen -  3% bis + 5% festzustellen. (vgl. auch Randziffer 33). Gemäß den Parteien ist dies auf die relativ  kurzen Produktzyklen und die entsprechend häufigen Neueinführungen und Relaunches, welche  durch massive Werbekampagnen unterstützt werden, zurückzuführen (vgl. Randziffer 24). Weil  Kosmetikmärkte auf solche Aktionen sehr sensibel reagieren, können so erhebliche Marktanteile  gewonnen werden und verloren gehen (vgl. auch IV/M.430 Procter & Gamble/VP Schickedanz  (II), Randziffer 23). 26.<ind> Aus diesem Grund ist es ebenfalls wahrscheinlich, daß ein Wettbewerber, der auf einem  bestimmten nationalen Markt noch nicht mit dem gesamten Produktsortiment vertreten ist, dies  ohne grösseren Schwierigkeiten ändern könnte. Alle Wettbewerber, die auf einigen Märkten im  Kosmetikbereich anzutreffen sind, sind deshalb potentielle Eintrittskandidaten in andere Märkte  dieses Bereichs. Diese latente Markteintrittsdrohung beschränkt die Möglichkeiten der  eingesessenen Wettbewerber, sich unabhängig zu verhalten und macht marktbeherrschende  Stellungen als Folge eines hohen Marktanteils unwahrscheinlich. 27.<ind> Auf der Nachfrageseite (Einzelhandel) ist in Kosmetikmärkten ein Trend zur  Konzentration und zur Internationalisierung zu beobachten. Der grösste Teil des Outputs eines  Anbieters wird in der Regel von wenigen Käufern abgenommen. Der Verlust eines dieser  Abnehmer bedeutet für den Anbieter deshalb einen erheblichen Umsatzverlust und einen  überproportionalen Gewinnrückgang. Aus diesen Gründen ist der Einzelhandel in der Lage,  Druck auszuüben, um bessere Konditionen durchzusetzen, und nicht von den Produkten eines  einzigen Herstellers abhängig. Im Fall IV/M.430 Procter & Gamble/VP Schickedanz (II),  Randziffer 169, führte die Kommission aus, daß die Handelsunternehmen bei enger Bindung der  Kunden an eine bestimmte Marke zwischen dem Anbieter und der durch dessen Reklame  ausgelösten Nachfrage hin- und hergerissen sind. Durch die Werbung gerät der Händler unter den  Druck der Kundschaft, eine in der Reklame angepriesene Marke in sein Sortiment aufzunehmen,  um die Nachfrage zu befriedigen. Werbung ist ebenfalls in Haarkosmetikmärkten ein sehr  wichtiges Mittel, um die Nachfrage zu fördern, zumal im Gegensatz zum Fall Procter &  Gamble/VP Schickedanz (II) die Bindung des Kunden an eine Marke weniger eng ist, d.h. die  Nachfrage ist recht beweglich (vgl. Randziffer 25). Die Kommission befragte in diesem  Zusammenhang Handelsunternehmen in Deutschland und Österreich, ob sie auch nach dem  Zusammenschluß noch über genügend alternative Bezugsquellen verfügen würden. Die Antwort  auf diese Frage war ausnahmslos ein Ja. 28.<ind> Im Markt für Kuren und Spülungen in Deutschland werden die Parteien und der grösste  Wettbewerber einen Marktanteil von knapp unter 58% erreichen (etwas über [zwischen 20% und  30%] für Henkel und Schwarzkopf und etwas mehr als [zwischen 25% und 35%] für L'Oréal).  Wird der Marktanteil des Wettbewerbers mit dem drittgrössten Marktanteil hinzuaddiert  (Beiersdorf mit einem Anteil von [zwischen 10% und 20%]), ergibt sich ein gemeinsamer  Marktanteil von [zwischen 65% und 75%]. Ungefähr dasselbe eher assymetrische Bild ist im  deutschen Markt für Stylinghilfen anzutreffen, wo die Parteien Marktführer mit einem  Marktanteil von [zwischen 30% und 40%] sein werden, gefolgt von L'Oréal mit etwas mehr als  [zwischen 20% und 30%] und Colgate-Palmolive mit über [zwischen 10% und 20%]. In den  Märkten für Haarwaschmittel in Deutschland und Österreich liegen die Marktanteile der drei  führenden Wettbewerber unter Einschluß der Parteien bei 53% respektive 56%. Insoweit ist die  Frage der oligopolistischen Marktbeherrschung zu beurteilen. 29.<ind> Auch in diesen Märkten blieben die Marktanteile nicht stabil. Die jährlichen  Schwankungen im Zeitraum von 1992 bis 1994 liegen im Bereich von +/- 5%. 30.<ind> Für die in Ziffer 28 erwähnten Märkte nannten die Parteien neben L'Oréal und  Beiersdorf bzw. L'Oréal und Colgate-Palmolive Unilever bzw. Wella als weiteren Wettbewerber.  Das bedeutet nicht, daß dies die einzigen Wettbewerber in diesen Märkten sind, da die Parteien  nur die grössten Wettbewerber in den jeweiligen nationalen Märkten nannten. Weiter oben wurde  erwähnt, daß alle Wettbewerber, welche in einigen Märkten im Kosmetikbereich anzutreffen sind,  potentielle Eintrittskandidaten in andere Märkte des Kosmetikbereichs sind (vgl. Randziffern 25  bis 27). Wettbewerber, die in anderen nationalen Märkten für Stylinghilfen oder Spülungen und  Kuren als dem deutschen anzutreffen sind, können deshalb als potentielle Eintrittskandidaten in  diese deutschen Märkte gelten. Im Markt für Spülungen und Kuren heissen diese Wettbewerber  Unilever, Revlon und Procter & Gamble. Im Markt für Stylinghilfen Revlon und Unilever.  Werden auch Wettbewerber auf benachbarten Märkten, aber im Bereich Haarkosmetik als  potentielle Eintrittskandidaten einbezogen, können insgesamt genannt werden: Die Parteien,  L'Oréal, Beiersdorf, Unilever, Wella, Colgate-Palmolive, Revlon und Procter & Gamble. Neben  den drei grössten Wettbewerbern in den genannten Märkten sind folglich mindestens fünf andere  tatsächliche und potentielle Wettbewerber zu finden. 31.<ind> Die Kommission fragte Handelsunternehmen in Deutschland, ob sie der Meinung seien,  daß die grössten Anbieter eine einheitliche Strategie befolgen würden, d.h. ob es irgendwelche  Hinweise auf fehlenden Wettbewerb zwischen ihnen geben würde. Die Anwort auf diese Frage  war ausnahmslos ein Nein. 32.<ind> Aus diesen Gründen ist die Kommission der Auffassung, daß bei wirksamem Binnen-  und Aussenwettbewerb in den deutschen Märkten für Spülungen und Kuren und Stylinghilfen  und den deutschen und österreichischen Märkten für Haarwaschmittel keine oligopolistische  Marktbeherrschung besteht. <ind> (ii)<ind> MÄRKTE FÜR KÖRPERPFLEGEPRODUKTE 33.<ind> Im Markt für Bade- und Duschprodukte in Österreich und in den Märkten für  Deodarantien in Österreich und den Niederlanden liegen die Marktanteile der Parteien klar unter  25%. Auch auf diesen Märkten gibt es neben den beteiligten Unternehmen starke Wettbewerber  und sind Markteintritte möglich. Als Beispiel nannten die Parteien den Eintritt von Beiersdorf in  den österreichischen Markt für Deodorantien, worauf Beiersdorf im Jahr nach dem Marktzutritt  einen Marktanteil von [zwischen 5% und 10%] erreichen konnte. <ind> Durch den Zusammenschluß wird auch auf diesen Märkten keine marktbeherrschende  Stellung geschaffen oder verstärkt. V.<ind> GESAMTBEURTEILUNG 34.<ind> Aufgrund der oben getroffenen Feststellungen ist die Kommission zu dem Ergebnis  gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben keinen Anlaß zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich  seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt. <ind> Aus diesen Gründen hat die Kommission entschieden, den Zusammenschluß für vereinbar  mit dem Gemeinsamen Markt und mit der Funktionsfähigkeit des EWR-Abkommens zu erklären.  Diese Entscheidung beruht auf Art. 6(1)(b) der Fusionsverordnung. Für die Kommission