CELEX: 51989PC0334
Language: de
Date: 1989-09-06
Title: VORSCHLAG FUER EINE RICHTLINIE DES RATES UEBER DEN TRANSIT VON ERDGAS IM BEREICH GROSSER NETZE

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                            K0MC89) 334 endg. - SYN 206
                                            Brüssel, den 6. September 1989
                 DIE VOLLENDUNG DES BINNENMARKTES
                             FÜR ERDGAS
                    (Mitteilung der Kommission)
                        Vorschlag für eine
                       RICHTLINIE DES RATES
       ÜBER DEN TRANSIT VON ERDGAS IM BEREICH GROSSER NETZE
                  (von der Kommission vorgelegt)
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                      DIE VOLLENDUNG DES BINNENMARKTES
                                  FÜR ERDGAS
INHALT
ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
EINFUHRUNG
TEIL I.                WICHTIGE ASPEKTE DES ERDGASSEKTORS
     A.                SPEZIFISCHE MERKMALE
     B.                DER GASHANDEL DER GEMEINSCHAFT
TEIL II.    AUF DEM WEGE ZU EINEM OFFENEREN GASMARKT
     A.                NOTWENDIGKEIT VON MEHR WETTBEWERB IM GASSEKTOR
     B.                "GAS/GAS--WETTBEWERB
TEIL III.   EIN SCHRITTWEISES ANGEHEN DES PROBLEMS:
            VORSCHLÄGE FÜR DIE ZUKUNFT
     A.                TRANSITRECHT
     B.                ZUGANG FÜR DRITTE
     C.                GEMEINSCHAFTSDIMENSION VON INVESTITIONEN IN
                       TRANSPORTLEITUNGEN
ANHANG:      VORSCHLAG FÜR EINE RICHTLINIE ÜBER   DEN  TRANSITVERKEHR MIT
            ERDGAS IM BEREICH GROSSER NETZE
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ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
In dem allgemeinen Rahmen der Vollendung eines Binnenmarktes für
Energie hält es die Kommission für notwendig, einen offeneren
Binnenmarkt für Erdgas zu erreichen.
In der gegenwärtigen Lage, in der es aus praktischen und technischen
Gründen keinen Wettbewerb zwischen Gastieferanten um Verkäufe an
Endverbraucher in der Gemeinschaft gibt, fehlt es an Druck auf die
Gasgesellschaften, effizient zu arbeiten und die Kosten zu minimieren,
um wettbewerbsfähig zu sein.
Um die Effizienz des Systems der Gasversorgung zu verbessern und um zum
Nutzen des Verbrauchers einen "Gas/Gas"-Wettbewerb ins Leben zu rufen,
schlägt die Kommission den nachstehenden schrittweisen Ansatz vor:
a)  Einführung (Richtlinie Artikel 100A EWG) der Modalitäten für die
    Anwendung    des    Trans it rechts    zwischen    Gasunternehmen    der
    Gemeinschaft über das Hochdrucknetz der EWG;
 )  Schaf ung durch die Kommission eines repräsentativen Organs der für
    die Hochdruck-Gasnetze zuständigen Unternehmen. Dieses Organ wird
    auf Verlangen der Kommission diese bei den Modalitäten eines
    gestiegenden    Rückgriffs     auf   den   Transit   unterstützen    und
    gegebenenfalls einen Ausgleich zwischen den Partelen Im Fall von
    Schwierigkelten herbeiführen und ihm Jährlich einen Bericht über
    seine Tätigkeiten erstatten.
c)  Einrichtung durch die Kommission eines Konzertatlonsverfahrens
    (wofür zwei Beratende Ausschüsse eingesetzt werden - einer mit den
    Mitglledstaaten und einer mit den betreffenden Industriezweigen),
    um eingehend zu erörtern, ob der Zugang Dritter zum europäischen
    Transportnetz ermöglicht werden soll und gegebenenfalls unter
    welchen Voraussetzungen, damit der Erhalt des Zugangs für den
    Verbraucher und die Versorgungssicherheit gewährleistet bleiben.
Der Nettonutzen, der der Gemeinschaft insgesamt entstünde, wenn sie ein
System des Zugangs Dritter zum Gastransportnetz einführte, ist auf etwa
625 Millionen ECU geschätzt worden. Es sei hervorgehoben, daß aus dem
verstärkten Wettbewerb      der    Gasgesellschaften    Indirekte   Vorteile
erwachsen, deren längerfristige günstige Auswirkungen auf sämtliche
Gasverbraucher nicht quantifiziert werden können.
d)  Verbesserung des Verfahrens der Information und Abstimmung über die
    zukünftigen gemeinschaftlichen Investitionen auf dem Gebiet des
    Erdgastransports; dies wird In einer gesonderten Mitteilung der
    Kommission über die Investitionen Im Energiebereich behandelt.
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Einführung
1.  Die Europäische Kommission hat In ihrer Arbeltsunterlage von Mai
    1988 ( 1 ) die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht, einen offeneren
    Binnenmarkt für Gas zu erreichen. Dieses Thema wurde ganz
    spezifisch in der Ratsentschließung vom September 1986 über neue
    energiepolitische Ziele der Gemeinschaft für 1 9 9 5 ( 2 ) wie folgt
    angesprochen: ..."bessere Integration des von Handelshemmnissen
    befreiten       Energiebinnenmarktes        mit      dem     Ziel,     die
    Versorgungssicherheit zu erhöhen, die Kosten zu verringern und die
    wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu verstärken."
2.  Die Arbeitsunter tage der Kommission           lieferte ein umfassendes
    Verzeichnis der möglichen Hemmnisse für den Gashandel und stellte
    vorrangige Gebiete für Maßnahmen zur Beseitigung der wichtigsten
    Hemmnisse heraus.
    Zu den Prioritäten gehörten:
    a)  Verbesserung der Preistransparenz bei nicht tarifgebundenen
        Verkäufen, Insbesondere im Vereinigten Königreich und In der
        Bundesrepublik;
    b)  Harmonisierung der Energiesteuern;
    c)  Möglichkeit eines direkten Zugangs Dritter zum Transportnetz
        gegen Entrichtung eines angemessenen Tarifs.
3.  Die Kommission hat es übernommen, sämtliche in dem Verzeichnis
    aufgelisteten Hindernisse zu prüfen, und wird dem Rat berichten,
    sobald diese Prüfungen abgeschlossen sind. Der Rat hat die
    Kommission     aufgefordert, vorrangig       ihre Ansichten     über   die
    Hindernisse für den Gashandei der Gemeinschaft und das Konzept des
    Zugangs für Dritte Im Laufe des Jahres 1989 zu unterbreiten. In
    dieser Mitteilung wird auf die Struktur der Gasindustrie, die
    Verbraucher Interessen und die Notwendigkeit von mehr Wettbewerb
    eingegangen, im Rahmen Ihrer Bewertung hat die Kommission die
    Ergebnisse der In Ihrem Auftrag von einem unabhängigen Berater
    erstellten Studien berücksichtigt wie auch die verschiedenen
    Auffassungen,      die     ihr    von   den     Gassachverständigen    der
    MItglledstaaten, der Öl- und Gasindustrle, Verbraucherverbänden und
    sonstigen interessierten Partelen zur Kenntnis gebracht wurden. Die
    Kommission befaßte sich ebenfalls mit dem Im Vereinigten Königreich
    und in den Vereinigten Staaten praktizierten System des Zugangs für
    Dritte.
4.  Um die Effizienz des Gasversorgungssystems zu verbessern und einen
    "Gas/Gas"-Wettbewerb zum Nutzen des Verbrauchers zu schaffen,
    schlägt die Kommission das nachstehende "schrittweise" Konzept vor:
    a)  Erarbeitung      eines     Vorschlages    für    eine   RatsrIchtIinle
         (Rechtsgrundlage: Artikel 100A EWG) über die Modalitäten der
        Anwendung einer Verpflichtung zum Transit von Erdgas zwischen
        Gasunternehmen der Gemeinschaft über das Hochdrucknetz der EWG;
(1) K0M(88) 238 endg. Der Binnenmarkt fur Energie.
(2) ABI. Nr. C 241 vom 25.9.86.
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    b)   ein Verfahren gründlicher Konsultationen mit allen betroffenen
         Kreisen zur Ermittlung der Bedingungen, zu denen ein
         allgemeiner Zugang Dritter (Insbesondere von Endvertellern der
         öffentlichen Hand und/oder Industriellen Verbrauchern) zum
         Transportnetz erfolgen könnte.
    Außerdem enthält eine gesonderte Veröffentlichung (K0M(89) 335) den
    Entwurf einer Richtlinie des Rates über die Unterrichtung der
    Kommission    über    Investitionsvorhaben     Im    Erdgasbereich     von
    gemeinschaftlichem      Interesse; die Kommission         Ist   hierdurch
    gehalten,    sich    zu     diesen   Vorhaben   zu    äußern,    um    das
    gemeinschaftliche Anliegen zu fördern.
TEIL I     WICHTIGE ASPEKTE DES ERDGASSEKTORS
A.  Spezifische Merkmale
a) Rolle des Erdgases für die Energie-Gesamtbilanz
5.   Im Rahmen der energiepolitischen Zielsetzungen der Gemeinschaft hat
    das Erdgas signifikant zu dem Ziel der Diversifizierung der
    Energieversorgung weg vom öl und zur Weiterentwicklung der eigenen
    Energieressourcen der Gemeinschaft beigetragen.
    Zwischen 1975 und 1988 konnte das Erdgas seinen Anteil an der
    GesamtenergiebIlanz der Gemeinschaft mehr als verdoppeln und damit
    seinen gegenwärtigen Anteil von 18% erreichen.
    Der gegenwärtige Anteil des Erdgases am Bruttoenergieverbrauch
    schwankt stark zwischen den Mitgliedstaaten: in einigen Ländern
     (dem    Vereinigten     Königreich,    den    Niederlanden,      Italien,
    Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg) gibt es einige "reife"
    Gasmärkte, und      In einigen anderen (Griechenland, Portugal,
    Dänemark, Irland, Spanien) gibt es Pläne, neue Gasindustrien zu
    entwickeln oder die vorhandenen beträchtlich auszubauen.
    Für die Zukunft hat die Kommission dem Gas eine dauerhafte und
    wichtige Rolle in einem diverslfIzierten Energieversorgungs-Mlx für
    die Gemeinschaft zugedacht.
b) Organisatorische Struktur der Gasindustrie
6.  Die Art und Welse, in der die Gasindustrie strukturiert und
    organisiert Ist, variiert zwischen den MItglledstaaten recht stark,
    obgleich In einigen Fällen gewisse gemeinsame Züge zu erkennen
    sind. Typischerweise ist die Gasförderung (wo sie stattfindet)
    organisatorisch tendenziell von Transport und Verteilung getrennt.
    Häufig berühren die mit Exploration und Förderung verbundenen
    Aktivitäten     einen     breiteren    Fächer    von     Interessen    der
     internationalen Öl- und Gasgesellschaften als die nachgelagerten
    Tätigkeitsbereiche der Gaslndustrle. Die Gaserzeugung Ist daher in
    den meisten Staaten kein Staatsmonopol oder QuasI-MonopoI.
    Nichtsdestoweniger         Ist     der     Staat       In     wichtigeren
    Gasverbraucher Iändern, wie beispielsweise Frankreich und Italien,
     in beträchtlichem Ausmaß in den vorgelagerten Bereichen der
    Gaslndustrle engagiert.
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7. im Gegensatz zur Produktion sind Einfuhr und Transport von Gas als
   Massengut     Tätigkelten,    die    In    der   großen    Mehrheit     der
   Gemeinschaftsländer von einer einzigen nationalen Organisation
   ausgeübt werden. In zahlreichen Fällen steht diese Organisation zu
   100% Im Staatseigentum (beispielsweise           In Dänemark, Italien,
   Spanien und der Republik Irland), während In anderen Fällen
   (Belgien und die Niederlande) gemischt wirtschaftliche Eigentümer
   gegeben sind, wobei die staatliche Beteiligung und Kontrolle
   beträchtliche Ausmaße haben. Das Vereinigte Königreich stellt nun
   (bis zum Auftauchen von Wettbewerbern) eine insofern interessante
   Ausnahme    von    dem   allgemeinen     Muster   dar,    als   es    einen
   monopolistischen Verkäufer im Privateigentum gibt, der mit aller
   Wahrscheinlichkeit der marktbeherrschende Massentransporteur von
   Erdgas bleiben wird. Nur In Westdeutschland gibt es mehrere
   bedeutende importierende Transportgesellschaften, doch neigen diese
    in der Praxis eher zur Kooperation als zum Wettbewerb um
   Masseneinkäufe, und eine von ihnen dominiert sehr stark In bezug
   auf Größe und Bedeutung, da über sie mehr als 70% des in
   Westdeutschland gekauften Gases laufen.
8. Nur in Frankreich und dem Vereinigten Königreich sind Gastransport
   und Verteilungstätigkelten vertikal In eine einzige Gesellschaft
    integriert, obgleich die Republik Irland sich ebenfalls In diese
   Richtung bewegt. In anderen Fällen wird eine einzige nationale
   Transportgesellschaft von einer Anzahl regionaler oder lokaler
   GasvertellungsgeselI Schäften      ergänzt,     von    denen    viele     Im
   Gemeindeeigentum stehen. Die westdeutsche Situation stellt Insofern
   eine Ausnahme dar, als es eine dritte industrielle Schicht
    regionaler Transportgesellschaften zwischen den hauptsächlichen
    Einfuhrunternehmen und den Verteilern gibt. Im Falle Belgiens ist
    der    ungewöhnlich     hohe     Anteil     privater     Eigentümer      im
   Ver te 11ungssektor Interessant.
   Wo Transport und Verteilung getrennte Aktivitäten sind, sieht es
   üblicherweise so aus, daß die nationale Transportgesellschaft das
   Gas direkt an größere Verbraucher wie auch an die Verteiler
    verkauft, die dann an die Haushalte und sonstige kleinere
   Gasverwender weiterverkaufen.
9. Wie vorerwähnt, Ist die Struktur der westdeutschen Gas Industrie
    besonders komplex und dürfte eine getrennte Diskussion verdienen,
   wenn man sich den Umfang des westdeutschen Markts und seine
    zentrale    Bedeutung    für   das    integrierte    Gasfern leitungsnetz
   Westeuropas vor Augen hält. Das Muster der Eigentumsverhältnisse
    Ist ein kompliziertes Gewebe von Holdings mit gegenseitiger
    Beteiligung und Unterholdings, woran eine Anzahl der wichtigsten
    westdeutschen Industrie- und Bergbaukonzerne wie auch einige der
    wichtigsten      internationalen      ÖlgeselI Schäften      oder      ihre
    westdeutschen Töchter beteiligt sind. Obgleich in einem gewissen
    Ausmaß der öffentliche Sektor Indirekt beteiligt Ist, Ist der
    Anteil des Privateigentums an den wichtigsten westdeutschen
    Gastransportgesellschaften signifikant höher als In den meisten
    übrigen Mitgliedstaaten.
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B.  Der Gashandel der Gemeinschaft
a)  Das europäische Gastransportnetz
10. Die zwischen den meisten europäischen Gastransportgesellschaften
    bestehende Zusammenarbeit spiegelt sich In dem Vorhandensein eines
    recht gut Integrierten europäischen Gasfern leitungsnetzes wider,
    das gegenwärtig Frankreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg,
    Westdeutschland, Dänemark und Italien zusammen mit Österreich und
    der Schweiz überzieht. Einige Mitgliedstaaten sind noch nicht an
    das europäische Gasfern leItungsnetz angeschlossen (Vereinigtes
    Königreich, Irland, Spanien, Griechenland und Portugal). Die Zahl
    der Gasfernleitungen In Westeuropa Ist relativ begrenzt. Das
    Eigentum daran konzentriert sich In den Händen einer kleinen Anzahl
    größerer Gasunternehmen und (In geringerem Ausmaß) Internationaler
    ÖlgeselIschaften, die manchmal     Im Rahmen von Joint ventures
    operleren.
b)  Die Bedeutung des Gashandels der Gemeinschaft
11. Die Erdgasströme In dem verbundenen europäischen Fern leItungsnetz
    sind recht bedeutend. Im Jahre 1988 stammte die Hälfte des In der
    Gemeinschaft verbrauchten Gases aus Internationalen Transaktionen
    zwischen Mltglledstaaten und mit Drittländern. Auf der Grundlage
    der Jüngsten Vorausschätzungen der Mitgliedstaaten wird angenommen,
    daß Im Jahre 2000 der Anteil der Internationalen Gastransaktionen
    zwischen Mitgliedstaten und mit Drittländern am Gesamtverbrauch
     immer noch hoch sein wird (+. 50%). Die Jüngsten Vorausschätzungen
    von IEA und weiteren Fach Instituten ergeben einen noch größeren
    Anteil.
12. Der einen oder mehr Mitgliedstaaten berührende Gastransit Innerhalb
    der Gemeinschaft machte 1987 (Jüngstverfügbare Zahl) + 22% der
    gesamten Gaseinfuhr (Intra + extra EG) aus. Auf der Basis von
    Vorausschätzungen der Mitgliedstaaten wird In Jahre 2000 der
    Gastransit Innerhalb der EG auf rund 33% der gesamten Gaseinfuhr
    ansteigen (Intra + extra EG), wie Im Nachstehenden ausgeführt.
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Vertraglich festgelegte Gas-Aus-/Elnfuhren, die im Transitverkehr einen
Mitgliedstaat durchqueren müssen        (Jahr 2000, In Mio. t ROE)
Exporteur        Importeur      Im Transit durch             VoI umen
Nieder lande     Frankreich    Be I g I en                       3,8
Nieder lande     Italien       Westdeutsch Iand/SchweIz          3,3
Nieder lande     Luxemburg*    Belglen                           0,4
Norwegen         Niederlande   Westdeutschland                   3,8
Norwegen         Frankreich    Belgien                           6,3
Norwegen         Spanien       Be Ig Ien/FrankreIch              0,8
UdSSR            Frankreich    Westdeutschland                   9,1
                                                               27,5**
TEIL II      AUF DEM WEGE ZU EINEM OFFENEREN GASMARKT
A.  Notwendigkeit von mehr Wettbewerb Im Gassektor
13. Die Erdgasversorgung in der Gemeinschaft 1st (siehe weiter oben
    Ziffern 7 und 8) durch eine Reihe nationaler, regionaler oder
     lokaler Monopole gekennzeichnet. Obgleich das Gas auf seinen
    meisten Endmärkten mit anderen Brennstoffen im Wettbewerb steht -
    wie z.B. schwerem Heizöl für die Dampferzeugung in der Industrie
    und Elektrizität oder leichtem Heizöl für die Raumheizung Im
    Haushaltssektor -, gibt es aus praktischen und technischen Gründen
    nirgends      In   der   Gemeinschaft      einen   Wettbewerb     zwischen
    Gaslleferanten für Verkäufe an Endverbraucher, in den Fällen, wo
    der Wettbewerbsdruck anderer Brennstoffe nicht besonders Intensiv
     ist, fehlt es unbestreitbar an einem Zwang für die Gaslieferanten,
    effizient zu operieren und die Kosten zu minimieren.
     Im Rahmen der Vollendung des großen Binnenmarktes für Energie
     stellt sich die grundlegende Frage, wie die Effizienz des
    Gasversorgungssystems zu verbessern und ein "Gas/Gas"-Wettbewerb
     zum Nutzen des Verbrauchers zu schaffen ist.
     Indirekte Einfuhren, die von Dlstrigaz (Belgien) und Soteg
     (Luxemburg) weiterverkauft werden.
    Diese Zahl von 27.5 Mio. t RÖE entspricht 28,7% der bereits für das
    Jahr 2000 vertraglich festgelegten Gas-Gesamteinfuhren (Intra +
    extra E G ) . Darin Ist der Transit zusätzlicher Gaseinfuhren, die
    erforderlich sein werden, um die erwartete Gesamtnachfrage von
    230 Mio. t RÖE im Jahre 2000 zu befriedigen, nicht enthalten. Wird
    dieser jedoch mitberücksichtigt, so steigt der Prozentsatz auf
    + 33%.
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B.  "Gas/Gas"-Wettbewerb
14. Über den zwischen den Betrieben der Hochdrucknetze bereits
    eingeführten Transit hinaus hat die Kommission die Möglichkeiten
    untersucht, einen Gas/Gas-Wettbewerb zu erzielen,              indem auf
    Gemeinschaftsebene ein Systems des Zugangs Dritter, zum Beispiel
    großer Industrieller Verbraucher zum europäischen Transportnetz
    eingeführt wird.
    In diesem Zusammenhang prüfte die Kommission die zu erwartenden
    Vor- und Nachteile der Einführung eines solchen Systems für die
    Verbraucher, die Gas Industrie und die Gemeinschaft insgesamt.
    Insbesondere    untersuchte    die    Kommission    die     nachstehenden
    Kernfragen:
    a)  Würde der Zugang Dritter über einen            Preiswettbewerb     der
        Erzeuger zu niedrigeren Preisen führen?
    b)  Würden sich niedrigere Preise und ein stärkerer Wettbewerb auf
        die   Erschließung    einheimischer     Ressourcen    und    auf   die
        Versorgungssicherheit auswirken?
    c)  Würden   die potentiellen      Vorteile    größer    sein    als   die
        potentiellen Nachteile?
15. Die hauptsächlichen potentiallen Vor- und Nachtelle eines Systems
    des Zugangs Dritter wurden wie folgt herausgestellt:
    Vorteile
    a)  die Möglichkeit niedrigerer Einkaufspreise für Gas, wenn die
        direkten    Vermarktungsgelegenheiten      die    Gaserzeuger     dazu
        bewegen, agresslver um Marktantella zu konkurrieren;
    b)  das (durch Vereinbarungen über den Zugang Dritter bewirkte)
        Abbröckeln von Monopolgewinnen auf gewisse Gasverkäufe mit
        hoher GewInnspanne an Indust rIe11e Kunden;
    c)  ein stärkerer durch die Konkurrenz bedingter Druck auf die
        Gasunternehmen, die Gemeinkosten zu senken und effizienter zu
        operleren;
    d)  erweiterte    Optionen    für    den    Gaseinkauf     (und    dadurch
        möglicherweise niedrigere       Preise) für neue         gasbefeuerte
        Kraftwerke;
    e)  mehr Optionen für die Gaserzeuger Großbritanniens (VK), an die
        übrige    Gemeinschaft    zu    verkaufen,     wodurch     sich    die
        Wahrscheinlichkeit einer kanaldurchquerenden Verbindung und
        noch besseren Integration erhöhen würde.
    Nachte!le
    a)  die Möglichkeit, daß In einem engeren Gasmarkt als heute der
        Wettbewerb     zwischen     neuen     und    bereits      vorhandenen
        Großeinkäufern von Gas durch gegenseitiges Überbieten zu einem
        Anstieg der Einkaufspreise für Gas führen könnte;
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     b)  mögliche Preiserhöhungen für Verkäufe an Kleinverbraucher, um
         die Gasunternehmen für Ihre GewInneInbußen beim Absatz an die
         Industrie zu entschädigen-,
     c)  gestiegene Unsicherheit auf dem Markt, wodurch die notwendigen
          langfristigen Investitionen In die Gasversorgungskapazität
          Innerhalb    wie     außerhalb    der     Gemeinschaft     und    die
         Versorgungssicherheit gefährdet werden könnten;
     d)  nachteilige Folgen der Marktunsicherheit für die Entwicklung
         "neuer" oder junger Wirtschaftszweige auf dem Gasgebiet.
16. Die "Größenordnung" der finanziellen Auswirkung des Zugangs Dritter
     wurde wie folgt bewertet:
16.1     Gaspreise ab der Grenze
         Es darf nicht vergessen werden, daß der Internationale Gasmarkt
         kaum ein Modell des vollkommenen atomist Ischen Wettbewerbs Ist.
          In        Kontinentaleuropa          Ist        er        tatsächlich
         olIgopolistlsch/olIgopsonlstIsch, mit auf der einen Seite
         vielleicht nur drei oder vier großen potentiellen Quellen für
         zusätzliches Gas In den kommenden zehn oder fünfzehn Jahren,
         die in der Lage wären, direkt an die Verbraucher zu verkaufen
          (UdSSR, Norwegen, Algerien und eventuell die Niederlande), und
         andererseits Käuferkonsortlen, die die Zahl der unabhängigen
         Einkäufer effektiv auf eine handvoll reduzieren. Daher ist es
         unwahrscheinlich, daß dieser Markt wie ein vollkommener
         Konkurrenzmarkt funktioniert, selbst wenn sich durch den Zugang
         Dritter die Zahl der Käufer verdoppelte oder verdreifachte.
          In der gegenwärtigen Situation muß die Auswirkung eines Systems
         des Zugangs dür Dritte auf die Einkaufspreise für Gas Importe
         als eine offene Frage betrachet werden, die Im wesentlichen von
         der Strategie der wichtigsten Mitspieler abhängt.
          Ein Intensivierter Wettbewerb kann in einem gewissen Ausmaß
          dort stattfinden, wo große neue Märkte zur Verfügung stehen
          (beispielsweise     gasbefeuerte     Kraftwerke),    doch    scheinen
         we Itverbreitete Preissenkungen unter          den olIgopolIt Ischen
          Bedingungen des europäischen Gasmarkts höchst unwahrscheinlich.
          Nichtsdestoweniger würde es zu einem erhöhten Konkurrenzdruck
          auf die vorhandenen Gaskäufer kommen, für Ihre zusätzlichen
          Lieferungen die bestmöglichen Einfuhrkonditionen auszuhandeln.
          Daher   wird    mit    einer   recht    bescheidenen    Senkung   der
          Durchschnittspreise für das In der Gemeinschaft eingeführte Gas
          (2 bis 3%) und - wegen des gestiegenden Wettbewerbsdrucks -
          mit   einer    gewissen Senkung       der   Kosten   für   die   neue
          Gasproduktion Innerhalb der Gemeinschaft gerechnet.
          Unter Berücksichtigung dessen könnte bis zum Jahre 2000 für die
          Gemeinschaft der gesamte "Gaskosten"-Nutzen 250 Mio. ECU im
          Jahr betragen. In dieser Zahl ist das VK deswegen nicht
          enthalten, well es dort bereits Rechtsvorschriften über den
          Zugang Dritter gibt und ein Beschluß, ein gemeinschaftsweites
          System des Zugangs Dritter einzuführen, kaum einen zusätzlichen
          Effekt hätte.
 ---pagebreak---                                 - 10 -
     Dieser Nutzen könnte wahrscheinlich erzielt werden, wenn die
     gegenwärtigen Bedingungen des "Käufermarkts" anhalten. In eir.^m
     "Verkäufermarkt" könnte die gestiegene Anzahl               von Gas-
     Großeinkäufern, die eine Folge der Zugangsrechte für Dritte
     wäre,    die   Tendenz     zum     "Hochbieten"   des    Preisniveaus
     verschärfen, wenn mit einer Gasknappheit gerechnet wird. Jedoch
     sei darauf hingewiesen, daß es wegen der sehr günstigen
     Gasreserven der traditionellen und potentiellen Lieferanten der
     Gemeinschaft so aussieht, als ob es für die nächsten zehn bis
     fünfzehn Jahre weiterhin einen "Käufermarkt" geben würde.
16.2 Effizienz der Gasindustrie
     Die    Wettbewerbsdrohung      der    DirektVermarktung    wird    die
     Gasunternehmen zusätzlich unter Druck setzen, effizienter zu
     operleren und ihre Nichtgaskosten zu senken, Insbesondere auf
     der Ebene des Transports. Der Effizienzgewinn wird für die
     Gemeinschaft    Insgesamt auf rund 250 Mio. ECU               jährlich
     geschätzt.
16.3 Effekte der Einkommensumverteilung
     Einige europäische Transportgesellschaften könnten In dem
     Falle, daß Dritte ihre Systeme nutzen dürfen, eine direkte
     Handelsgewinneinbuße erleiden. Es wird angenommen, daß jene,
     Unternehmen, deren Rentabilität gegenwärtig unterhalb eines
     "normalen" Niveaus liegt, aufgrund Ihrer bereits bedenklichen
     Finanzlage die gestiegenen spezifischen Kosten auf kleinere
     Inländische und gewerbliche Kunden abwälzen.
     Andererseits wären unter einem Regime mit Zugang für Dritte
     sehr große örtliche oder regionale Verteiler ebenfalls in der
     Lage, zwischen einer Reihe von Lieferanten zu wählen. Diese
     örtlichen oder regionalen Verteiler würden Ihre beträchtliche
     Marktmacht für die kleineren Verbraucher ausüben und könnten
     bessere Bedingungen aushandeln als diejenigen, die von großen
      Industrieilen Verbrauchern erzielt werden. Da die Cltygabe-
     Prelse von Organisationen ausgehandelt werden, In denen sowohl
     die kleineren als auch die größeren Verteiler vertreten sind,
     werden die kleineren Verteiler ebenfalls Nutzen aus den
     Möglichkeiten der großen Verteiler zur Aushandlung besserer
     Bedingungen ziehen.
     Sofern     der    Zugang     Dritter     dazu    führt,     daß    die
     Transportgesellschaften     Gewinnelnbußen erleiden,      würden   wir
     folgendes erwarten:
     a)    Einkommensumverteilung von den TransportgeselISchäften zu
           den industreiIlen Verwendern In Italien, Westdeutschland
           und dem Vereinigten Königreich und
     b)    Umverteilung     von     den     Kleinverbrauchern     zu    den
           Großverwendern in Belgien und Spanien.
 ---pagebreak---                                      - 11  -
16.4     Makro-ökonomische Effekte
         Soweit der Zugang Dritter zu niedrigeren Gaspreisen für die
         Industrie      führt,    dürfte     dies    zu     einer     verbesserten
         Hände Is le Istung der Gemeinschaft auf den Weltmärkten für
         VerarbeltungserZeugnisse und damit zu einem                 längerfristig
         höheren Niveau der Wirtschaftstätigkeit führen. Obgleich einige
         Verarbeitungserzeugnisse         (wie      z.B.       stickstoffhaltiger
         Kunstdünger) sehr gas intensiv sind, machen die Gaskosten nur
         rund     0,5%     des     Produktionswertes        für     die     gesamte
          Industrieproduktion der EG aus. Aus diesem Grunde dürfte der
         Außenhandelseffekt relativ bescheiden ausfallen. Eine recht
         vorsichtige Schätzung ergab einen Jährlichen Nutzen von rund
         125 Mio. ECU.
16.5     Übersicht
         Für die Gemeinschaft insgesamt         lauten die besten       Schätzungen
         für das Jahr 2000 wie folgt:
         a)    Senkung     der   Ab-Grenze-Prelse       und     der   Preise    der
               gemeinschaftlichen Gasproduktion - rund 250 Mio. ECU Im
               Jahr,      vorausgesetzt,      daß     die      Bedingungen      des
               "Käufermarkts" anhalten-,
         b)    erhöhte Effizienz der Gasindustrie - rund 250 Mio. ECU Im
               Jahr ; und
         c)    makroökonomischer (Handels-) Nutzen - rund 125 Mio. ECU Im
               Jahr.
         Der Gesamtnutzen von Jährlich rund 625 Mio. ECU entspricht rund
         2% der projizierten jährlichen Gesamtkosten der Gasversorgung
         der Gemeinschaft       Im Jahre 2000. Auch hier sei                 darauf
         hingewiesen, daß es sich bei diesen Ergebnissen nur um
         Größenordnungen handelt und die Gefahr der Fehl Interprétât ion
         besteht.     Beispielswelse     dürfte     durch     den    Wegfall    der
         Monopolgewinne auf Ebene der RessourçonsllokatIon ein Nutzen
         entstehen, den wir nicht quantifizieren können. Auch sind die
         möglichen negativen Effekte auf die Versorgungssicherheit nicht
          in Geld umgerechnet worden.
17. Nach der Bewertung der Kommission würde der größte direkte Nutzen
     des Zugangs Dritter sehr großen Gasverbrauchern zufließen, obgleich
     kleine    Stromabnehmer     indirekt     von    der     wettbewerbsgerechten
     Preisstellung für Gas zur kombinierten Krafterzeugung profitieren
     könnten. Mittelgroße        Industrieunternehmen, die          nicht    direkt
     einkaufen können, könnten nichtsdestoweniger Einkaufskonsortien
     bilden oder über unabhängige Gasvermarkter/-händler einkaufen.
     Die Kommission wird weiterhin darauf achten, daß die Ausweitung des
     innergemeinschaftlichen Austausches, von einer Verbesserung der
     Wettbewerbsbedingungen begleitet,          sich     entsprechend     auf   die
     Verbraucherpreise auswirkt.
 ---pagebreak---                                   - 12 -
    Salbst wenn von dem System des Zugangs Dritter nicht kriftig
    Gebrauch gemacht würde, könnte Immer noch die hypothet U c h e
    Mögllenke 11 eines Wettbewerbs zu Änderungen eines restriktiven oder
    wettbewerbsfelndlIchen Geschäftsverhaltens führen.
    Daher läßt sich ganz allgemein sagen, daß ein offenes, flexibles
    Gasversorgungssystem mit größerer Wahrscheinlichkeit nützlicher
    Ist, als etwas anderes.
TEIL M i      EIN SCHRITTWEISES ANGEHEN DES PROBLEMS: VORSCHLAGE FUR DIE
              ZUKUNFT
18. Im Hinblick auf einen offeneren Gasmarkt prüft die Kommission die
    nachstehenden Fragen, deren Lösung eine Öffnung des Marktes über
    die aktuelle Stufe des Transits hinaus ermöglichen würde, und über
    die sie dem Rat getrennt berichten wird.
    a)   Der Wettbewerb In den neuen Rahmenbedingungen darf nicht durch
         staatliche      Beihilfen,      Verdrängungswettbewerb      oder
         diskriminierende Praktiken, Absprachen oder wettbewerbswidriges
         Verhaltens seitens der Mitspieler im Lager der Gasindustrie
         verzerrt werden.
    b)   Die durch gesetzliche Monopole, Exklusivrechte, gesetzliche
         Restriktionen     und      restriktive     Handelsvereinbarungen
         geschaffenen Hindernisse für den freien Wettbewerb mit Erdgas
         müssen abgebaut werden,
         ba)  unter Slcherstellung der Vereinheitlichung der gemeinsamen
              Handelspolitik unter Einbeziehung des Erdgassektors.
    c)   Es Ist ratsam, die Richtlinie über Gas in Kraftwerken
         aufzuheben, obgleich dieser Punkt weniger zwingend Ist als a)
         welter oben. Dies würde einen großen neuen Markt für Gas
         schaffen, der dem Wettbewerb mehr Raum bietet. Die Kommission
         beabsichtigt, bei der Erarbeitung neuer energiepolitischer
         Ziele der Gemeinschaft auf diesen Kernpunkt zurückzukommen.
     Im Blick darauf hält es die Kommission ebenfalls für notwendig,
     i)       die Modalitäten festzulegen, die den freien Verkehr     von
              Erdgas in der Gemeinschaft sicherstellen,
     II)      einen "Gas/Gas"-Wettbewerb durch ein System des Zugangs
              Dritter zum Transportnetz einzuführen,
     Ml)      aktiv eine Gemeinschaftsdimension von Investitionen In das
              Transportsystem zu fördern.
    Bei der Behandlung der obigen Themenkreise gedenkt die Kommission
    schrittweise wie folgt vorzugehen:
 ---pagebreak---                                    - 13 -
A.      Ausarbeitung eines Rechts Instruments über die Modelitäten der
         Einführung einer Verpflichtung zum Transit von Erdgas In der
         Gemeinschaft
19. Wie oben erläutert (Ziffern 11 und 12), findet in der Gemeinschaft
    bereits In großem Umfang ein Internationaler Gashandel statt.
    Erdgas wird aufgrund von Vereinbarungen           zwischen   Pipeline-
    Eigentümern durch das integrierte Leitungsnetz befördert. Wir haben
    in Ziffer 10 eine Reihe von joint venture-pipelines erwähnt, die
    Gas für die an dem Joint venture Beteiligten transportieren.
    Gas wird auch gegen Gebühr transportiert, statt Im Rahmen eines
    Joint ventures. Diese Vereinbarungen werden fast sämtlich zwischen
    Gasunternehmen auf langfristiger Basis getroffen.
20. Es kann für den freien Fluß von Erdgas über die nationalen Grenzen
    Restriktionen aufgrund von Rechtsvorschriften oder administrativen
    Behinderungen des Gashandels geben (siehe Absatz             18), die
    möglicherweise normale Handelsabsprachen zwischen Interessierten
    Partelen verhindern.
     im Hinblick auf eine Verstärkung der Integration des europäischen
    Gasmarktes Ist es wichtig, das Trans Itrecht, welches dem Grundsatz
    nach schon durch den EWG-Vertrag begründet wurde, zum Gegenstand
    einer wirkungsvollen Anwendung durch die Mitgliedstaaten zu machen.
     Im Anhang Ist der Entwurf einer RatsrIchtIInie hierzu beigefügt
     (Rechtsgrundlage: Artikel 100a). Darin sind die Modalitäten der
    Anwendung des Transitrechtes für den Transport von Erdgas zwischen
    TransportgeselISchäften verankert.
21. Zur Unterstützung In den für den wachsenden Rückgriff auf den
    Transit     notwendigen   Modalitäten    wird   die   Kommission    ein
     repräsentatives Organ der die Netze betreibenden Unternehmen
    einsetzen.
    Dieses Organ Ist damit beauftragt, die Kommission           auf  deren
    Aufforderung hin zu unterstützen durch Untersuchung
          der Voraussetzungen (technischer, finanzieller und rechtlicher
         Art) des Transits,
          der geeigneten Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung des
          Austausches   und    Verbesserung    der   Infrastruktur    durch
          gemeinschaftliche Vorhaben,
          der Voraussetzungen für eine Begünstigung der vorherigen
          Abstimmung bei der Entwicklung neuer Ausrüstungen für die
          Förderung und den Transport von Gas,
          der MöglIchkelten    zur   Zusammenarbeit  mit   Unternehmen   In
          Drittländern.
 ---pagebreak---                                   - 14 -
    Auf Verlangen der Kommission wird dieses Organ gleichfalls damit
    beauftragt, wie ein privilegiertes Forum zu wirken mit dem Zweck,
    durch Ausgleich eine Übereinkunft          zwischen den Netzen     zu
    begünstigen, die von Transitgeschäften im gemeinschaftlicher.
    Interesse betroffen sind. Schließlich wird dieses Organ der
    Kommission Jährlich Bericht über seine Tätigkeit erstatten.
22. Um In der Lage zu sein, Verzerrungen und Diskriminierung während
    dieses begrenzten Zeltraums der Anwendung des Transitrechts zu
    vermelden, und wegen verschiedener vergangener und aktueller
    Strategien, die In den Mitgliedstaaten verfolgt werden Im Hinblick
    auf die Strukturen für die Förderung, Vermarktung und Verteilung
    von Erdgas sowie der Art der Finanzierung von Investitionen und
    Produkten, wird die Kommission vor dem 1. Juli 1990 die Transparenz
    auf folgende Gebiete herstellen:
         Finanzierung der Investitionen,
         Strukturen bzw. Finanzierung der Produktion, der Vermarktung
         und der Verteilung von Erdgas in den Mitgliedstaaten.
B.       Der Zugang Dritter
23. Im Hinblick auf die vorerwähnte Bewertung (siehe Ziffern 14-17)
    schlägt die Kommission nachstehendes vor:
    i)        Die Kommission setzt ihre Erörterungen mit sämtlichen
              Interessierten Partelen für höchstens ein Jahr verstärkt
              fort, ob der Zugang Dritter zum europäischen Transportnetz
              ermöglicht werden soll und gegebenenfalls unter welchen
              Voraussetzungen, damit der Erhalt des Zugriffs für den
              Verbraucher und die Versorgungssicherheit gewährleistet
              bleiben.
              Zu diesem Zweck wird sie zwei Beratende Ausschüsse
              einsetzen, einen mit den Mitgliedstaaten und einen mit den
               Interessierten  Partelen     (Erzeuger,  Transport-    und
              Verteilungsgesellschaften und Verbraucher).
     li)      Auf der Basis dieser Konsultationen wird die Kommission
               Ihren Beschluß zur Einführung eines Systems des Zugangs
              Dritter zum Gasfern leitungsnetz fassen.
C.       Förderung der Gemeinschaftsdimension       von Investitionen  In
         Gastransportsysteme
24. Ziel ist es, sicherzustellen, daß die Investitionsentscheidung der
    einzelnen GasgeseiISchäften die Mögt Ichkelten berücksichtigt, den
    Verbund auszuweiten und den Intégrâtlonsprozess des europäischen
    Gasfern leItungsnetzes in kohärenter Weise voranzutreiben. Dies wird
     in einer gesonderten Mitteilung der Kommission über Investitionen
     Im Energiebereich behandelt.
 ---pagebreak---                                              ANHANG
                           Vorschlag für eine
                          RICHTLINIE DES RATES
                                 ÜBER DEN
                 TRANSIT VON ERDGAS DURCH GROSSE NETZE
DER RAT DER EUROPA ISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt   auf    den    Vertrag     zur   Gründung   der    Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft, Insbesondere auf Artikel 100 a,
auf Vorschlag der Kommission,
in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament,
nach Stellungnahme des Wlrtschafts- und SozI a Iausschusses,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Es Ist angezeigt, die Maßnahmen zur schrittweisen Verwirklichung des
Binnenmarktes Im Zeitraum bis zum 31. Dezember 1992 zu erlassen. Der
Europäische Rat hat die Notwendigkeit, einen einzigen Binnenmarkt zu
errichten, wiederholt hervorgehoben; Insbesondere der Europäische Rat
von Rhodos hat dies für den Energiesektor getan.
Die Verwirklichung des Binnenmarktes setzt voraus, daß der europäische
Energiemarkt besser integriert wird. Das Erdgas hat einen wesentlichen
Anteil an der Energiebilanz der Gemeinschaft.
Das Ziel des Binnenmarktes für Erdgas besteht darin, ohne Inakzeptable
Behinderungen des Wettbewerbs hohe Schwellen der Rentabilität und der
Versorgungssicherheit durch den freien Handelsaustausch zu begünstigen.
Die Verfolgung dieses Ziels muß, wenn es erreicht werden soll, den
spezifischen Eigenheiten des Erdgassektors Rechnung tragen.
Zwischen den großen Hochdruck-Gas leitungsnetzen der europäischen Länder
besteht bereits ein Austausch von Erdgas, deren Bedeutung von Jahr zu
Jahr zunimmt. Die Koordinierung des Baus und des Betriebs der
Verbundnetze, über die dieser Austausch abgewickelt wird, würde es
gestatten, die Versorgungssicherheit der Europäischen Gemeinschaft bei
Erdgas zu erhöhen und zugleich die Kosten dieser Energieform zu senken.
Es ist möglich und wünschenswert, den Netzverbund auszubauen, um mehr
Regionen oder selbst Mltglledstaaten, die nicht oder nur unzulänglich
angeschlossen     sind,      In     das    System    der     europäischen
Gastransport leitungen zu Integrieren und damit Sicherheit und Qualität
der Erdgasversorgung zu verbessern.
 In den kommenden Jahren sind noch Netzverbindungen zwischen mehreren
Mtiglledstaaten herzustellen, um eine angemessene Versorgung zu
 ---pagebreak---                                   - 2 -
erleichtern-, die Einhaltung der Verpflichtung zur Duldung des Transits
von Erdgas verringert die Zahl der nichttechnischen Hindernisse-, die
Einhaltung dieser Verpflichtung stellt Jedoch nur die erste Etappe auf
dem Wege zum europäischen Erdgasmarkt dar.
Diese Verpflichtung muß sich zumindest In diesem         Stadium  auf  den
Erdgastransit In Hochdruck-Netzen beschränken.
Die finanziellen, technischen und juristischen Voraussetzungen für
diesen Transit müssen normalerweise durch unmittelbare Vereinbarung
zwischen den beteiligten Transportgesellschaften festgelegt werden.
Die Trans itVoraussetzungen müssen angeglichen sein und dürfen direkt
oder    indirekt   nichts   enthalten,    das    den    gemeinschaftlichen
Wettbswerbsregeln entgegensteht.
Um diese erste Stufe des Binnenmarktes für Energie unter befriedigenden
wettwerblIchen Bedingungen zu verwirklichen, Ist es notwendig, die von
den Mitgliedstaten erlassenen Rechts- und Verwaltungsvorschriften
einander anzugleichen, damit die Erarbeitung solcher Übereinkünfte in
einem möglichst transparenten prozeduralen Rahmen erfolgen kann.
Es kann sich als notwendig erweisen, daß der Rat unbeschadet der
Zuständigkeit der Kommission vor dem 1. Januar 1993 zusätzliche
Bestimmungen für die Einzelheiten des InnergerneInschaftlIchen Transits
beschllesst -
HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:
                                Artikel 1
Die Mitgliedstaaten erlassen die notwendigen Bestimmungen, damit die
Verpflichtung zum Erdgastransit durch Hochdrucknetze unter den In
dieser Richtlinie festgelegten Bedingungen eingehalten wird.
                                Artikel 2
(1) Unter Erdgastransit durch Netze Im Sinne dieser Richtlinie Ist
     jeder Transport von Erdgas zu verstehen, der folgende Bedingungen
     erfüllt:
     a)  Der Transport erfolgt über das Hochdruck-Netz     Im Gebiet eines
         Mitgliedstaates;
     b)  der    Transport    erfolgt    zwischen     Gasunternehmen    der
         Mitgliedstaaten.
 ---pagebreak---                                    - 3 -
(2) Die Operationen, die zur Durchführung des Transports und zur
     Sicherheit und Qualität der ErdgasIleferung beitragen, gelten als
     zum Transit Im Sinne dieser Richtlinie gehörig.
(3) Die Bestimmungen      dieser Richtlinie gelten      für die Erdgas-
     Hochdrucknetze und die dafür zuständigen Unternehmen, deren Liste
     in der Anlage beigefügt Ist. Diese Liste wird, so oft erforderlich,
     durch Kommissionsentscheidung revidiert.
                                 Artikel 3
(1) Die Konditionen des Erdgastransits zwischen großen Netzen werden
     zwischen den Stellen, die für die beteiligten Netze sowie für die
     Qualität der Lieferungen verantwortlich sind, ausgehandelt.
(2) Die Mitgliedstaaten treffen die notwendigen Maßnahmen dafür, daß
     die verantwortlichen Unternehmen Ihres Hoheitsgebietes verpflichtet
     werden, die Anträge auf Transit unter Beachtung            folgender
     Bedingungen prüfen:
         Jeder Antrag auf Transit wird binnen einer Frist von acht
         Tagen von dem/den Antragsteller(n) der Kommission sowie den
         zuständigen nationalen Behörden mitgeteilt;
         Die zuständigen Unternehmen     sind verpflichtet, binnen eines
         Monats Verhandlungen     über    den beantragten   Erdgastransit
         aufzunehmen;
         Die Trans Itbedingungen müssen für alle betroffenen Parteien
         gerecht und billig sein und dürfen keine mißbräuchlichen
         Vorschriften oder ungerechtfertigte Restriktionen enthalten;
         die Trans itVergütung muß       insbesondere der   Verantwortung
         Rechnung   tragen, die das Unternehmen, das den Transit
         durchführt, zur Slcherstellung der Versorgung sowie der
         vertraglich ausbedungenen Qualität hat;
         Die Kommission sowie die zuständigen nationalen Behörden werden
         binnen einer Frist von acht Tagen von dem Abschluß eines
         Transi tabkommens unterrichtet;
         Haben binnen 12 Monaten nach Mitteilung des Antrags die
         Verhandlungen nicht zu einer Vereinbarung geführt, so sind die
         Kommission sowie die zuständigen nationalen Behörden hierüber
          von den interessierten Partelen unverzüglich unter Angabe Ihrer
         Gründe zu unterrichten.
                                 Artikel 4
Ist das NI chtZustandekommen einer Vereinbarung nicht gerechtfertigt
oder nicht ausreichend begründet, so leitet die Kommission auf Klage
der antragstellenden Stelle oder von sich aus die Im Vertrag
vorgesehenen Verfahren ein oder trifft eine andere Massnahme des
Gerne Inschaftsrechts.
 ---pagebreak---                                  - 4 -
                               Artikel 5
Vor dem 1. Januar 1993 und unbeschadet der Zuständigkeit der Kommission
wird der Rat erforderlichenfalls über zusätzliche Bestimmungen für die
Einzelheiten des Innergemeinschaft I ichen Transits beschlossen.
                               Artikel 6
Die MltglIed8taaten erlassen        die erforderlichen Rechte- und
Verwaltungsvorschriften, um dieser Richtlinie spätestens am 1. Juli
1990 nachzukommen, sie setzen die Kommission unverzüglich davon In
Kenntnis und teilen Ihr die Rechtsvorschriften mit, die sie auf de«
unter diese Richtlinie fallenden Gebiet erlassen.
                               Artikel 7
Die auf Grund des ersten Unterabsatzes erlassenen Vorschriften
enthalten eine ausdrückliche Verweisung auf diese Richtlinie.
Diese Richtlinie Ist an die Mltglledstaaten gerichtet.
Geschehen zu •russeI
                                                      Rates
                                        Osr Präsident
 ---pagebreak---                                                          Anlage
          Verzeichnis der Unternehmen und der Erdgas-Hochdrucknetze
      Staat      Unternehmen/Betreiber       Netz
BundesrepbulIk   Bayerngas GmbH              Versorgungsnetz fur
Deutschland                                  Endverteiler (Stadt-
                 BEB Erdgas und Erdol GmbH   verwaltungen usw.)
                                             und wichtige Endver-
                 Deutsche Erdgas Transport   braucher
                 GmbH
                 Energleversorgung Weser
                 Ams AG (EWE)
                 Erdgas Verkaufs Gesell-              "
                 schaft mbH
                                                      H
                 Ferngas Nordbayern GmbH
                 Ferngas Salzglttsr GmbH               "
                                                      H
                 Gas-Union GmbH
                 Mobil Oil AG
                 Ruhrgas AG                            "
                 Saar Ferngas AG
                 Thyssengas GmbH                       "
                 Vereinigte Elektrizitäts-
                 werke Westfalen AG (VEW)
                 Westfälische Ferngas AG
                 Energieversorgung
                 Mittelrhein
                 EWAG, Nürnberg
                 Erdgas Schwaben GmbH
                 Erdgas Südbayern GmbH
                 GEW Köln
                 Gasversorgung Süddeutsch-
                  land
                 Gasversorgung Südhannover
                 Nordhessen
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      Staat    Unternehmen/Betreiber      Netz
                                                   N
              Hamburger Gaswerke
              Landesgasversorgung
              Niedersachsen
                                                   H
              Main-Gaswerke AG
              Schleswag AG                         "
              Sudhesslsche Gas und
              Wasser AG
              Technlsche Werke der Stadt
              Stuttgart AG
              Thuga AG
              GASAG, Berlin
Belglen       Dletrigaz SA                         "
Danemark      Dansk Naturgas A/S
SpanIen       Empreea Naclonal de Gas SA           "
              (ENAGAS)
              Catalana de Gas
              Gas ds Euskadl                       "
GrIechenIand  DEPA                                  •
Luxemborg     SOTEG                                 •
Nlederlande   NV Nederlandse Gasunle               "
Italian       Snam S.p.A.                          "
Frankrelch    Gaz de France              allgemelne
                                         Versorgung
              SNGSO
Vereln.Konig. British Gas                          "
Irland        Irish Gas Board                      "
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                                                        KOM(89) 334 endg.
                                                   DOKUMENTE
                                                                           13 12
DE
                                Katalognummer : CB-CO-89-398-DE-C
                                                           ISBN 92-77-52838-9
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg