CELEX: 62007TJ0117
Language: de
Date: 2011-03-03
Title: Urteil des Gerichts (Zweite Kammer) vom 3. März 2011.#Areva und andere (T-117/07) und Alstom (T-121/07) gegen Europäische Kommission.#Wettbewerb - Kartelle - Markt für Projekte im Bereich gasisolierter Schaltanlagen - Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR-Abkommen festgestellt wird - Verteidigungsrechte - Begründungspflicht - Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung - Dauer der Zuwiderhandlung - Geldbußen -Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße - Erschwerende Umstände - Rolle als Anführer - Mildernde Umstände - Kooperation.#Rechtssachen T-117/07 und T-121/07.

Rechtssachen T-117/07 und T-121/07
      Areva u. a.
      gegen
      Europäische Kommission
      „Wettbewerb – Kartelle – Markt für Projekte im Bereich gasisolierter Schaltanlagen – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR-Abkommen festgestellt wird – Verteidigungsrechte – Begründungspflicht – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Dauer der Zuwiderhandlung – Geldbußen – Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße – Erschwerende Umstände – Rolle als Anführer – Mildernde Umstände – Kooperation“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Unternehmen – Begriff – Wirtschaftliche Einheit
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      2.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Zurechnung – Zum Zeitpunkt der Zuwiderhandlung für den Betrieb
            des Unternehmens verantwortliche juristische Person – Ausnahmen
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      3.      Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Von einer Tochtergesellschaft begangene Zuwiderhandlung – Zurechnung an die Muttergesellschaft
            in Anbetracht der zwischen ihnen bestehenden wirtschaftlichen und rechtlichen Bindungen
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      4.      Handlungen der Organe – Begründung – Pflicht – Umfang – Klagegrund einer fehlenden oder unzureichenden Begründung – Klagegrund
            einer unzutreffenden Begründung – Unterscheidung
      (Art. 253 EG)
      5.      Gemeinschaftsrecht – Allgemeine Rechtsgrundsätze – Verbot der Rückwirkung von Strafvorschriften – Geltungsbereich – Wettbewerb
      (Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 4, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 5)
      6.      Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beweislast der Kommission für die Dauer der Zuwiderhandlung
      (Art. 81 Abs. 1 EG; Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 3)
      7.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Verfolgungsverjährung – Beginn
      (Art. 81 EG; EWR-Abkommen, Art. 53; Verordnung Nr. 1/2003, Art. 25)
      8.      Handlungen der Organe – Begründung – Pflicht – Umfang
      (Art. 253 EG)
      9.      Wettbewerb – Geldbußen – Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung – Voraussetzungen
      (Art. 81 Abs. 1 EG; EWR-Abkommen, Art. 53)
      10.    Wettbewerb – Geldbußen – Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung – Umfang
      (Art. 81 Abs. 1 EG; EWR-Abkommen, Art. 53)
      11.    Wettbewerb – Geldbußen – Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung – Möglichkeit jedes einzelnen Schuldners, gegen eine
            solche Entscheidung eine Nichtigkeitsklage zu erheben
      (Art. 81 Abs. 1 EG; EWR-Abkommen, Art. 53)
      12.    Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Zurechnung – Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen
            – Tragweite
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      13.    Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Anspruch auf effektiven gerichtlichen Rechtsschutz – Verankerung in der Europäischen Menschenrechtskonvention
            und erneute Bekräftigung in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
      (Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Art. 47)
      14.    Wettbewerb – Grundsätze – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Effektiver gerichtlicher
            Rechtsschutz gegen Entscheidungen der Kommission – Unabhängiges und unparteiisches Gericht – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
      (Art. 81 EG, 229 EG und 230 EG; Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 17, und Nr. 1/2003, Art. 31)
      15.    Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zwingendes Recht
      (Art. 81 EG; EWR-Abkommen, Art. 53)
      16.    Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt und eine Geldbuße verhängt wird
            – Verpflichtung zur Einhaltung des Grundsatzes der begrenzten Ermächtigung 
      (Art. 5 EG und 81 EG; EWR-Abkommen, Art. 53; Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 7 Abs. 1,
            und 23 Abs. 2)
      17.    Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Vorläufiger Charakter
            – Fallenlassen von Rügen, die sich gegenüber bestimmten Gesellschaften als unbegründet erweisen, was zu einer Verschlechterung
            der Position der Gesellschaft führt, die als Adressatin der angefochtenen Entscheidung beibehalten wird – Zulässigkeit im
            Hinblick auf die Wahrnehmung des Anspruchs auf rechtliches Gehör durch diese Gesellschaften
      (Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 19 Abs. 1, und Nr. 1/2003, Art. 27 Abs. 1)
      18.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Erschwerende Umstände – Rolle als
            Anführer oder Anstifter der Zuwiderhandlung  – Begriff
      (Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nrn.
            2 und 3)
      19.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Erschwerende Umstände – Rolle als
            Anführer der Zuwiderhandlung – Von verschiedenen Unternehmen und den sie leitenden Gesellschaften nacheinander wahrgenommene
            Rolle
      (Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 2)
      20.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Ermessen der Kommission – Gerichtliche Nachprüfung  – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
      (Art. 229 EG; Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 17, und Nr. 1/2003, Art. 31)
      21.    Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Berücksichtigung des weltweiten Umsatzes, der im letzten vollständigen
            Kalenderjahr der Zuwiderhandlung mit den Waren und Dienstleistungen erzielt wurde, auf die sich die Zuwiderhandlung bezieht
      (Verordnungen Nr. 17 des Rates, Art. 15 Abs. 2, und Nr. 1/2003, Art. 23 Abs. 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Nr. 1 Buchst.
            A)
      1.      Im Wettbewerbsrecht ist unter dem Begriff des Unternehmens eine im Hinblick auf den jeweiligen Gegenstand der Zuwiderhandlung
         bestehende wirtschaftliche Einheit zu verstehen. Das den Unternehmen in Art. 81 Abs. 1 EG u. a. auferlegte Verbot von Vereinbarungen
         und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen, die den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet sind und
         eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezwecken oder bewirken,
         richtet sich an wirtschaftliche Einheiten, die jeweils in einer einheitlichen Organisation persönlicher, materieller und immaterieller
         Mittel bestehen, mit der dauerhaft ein bestimmter wirtschaftlicher Zweck verfolgt wird, und die an einer Zuwiderhandlung im
         Sinne dieser Vorschrift beteiligt sein können.
      
      (vgl. Randnr. 63)
      2.      Im Wettbewerbsrecht hat nach dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit, wonach eine Person nur für ihre eigenen Handlungen
         verantwortlich gemacht werden kann, grundsätzlich die Person, die das Unternehmen zu dem Zeitpunkt leitete, zu dem es an der
         Zuwiderhandlung beteiligt war, für diese Zuwiderhandlung einzustehen, selbst wenn das genannte Unternehmen am Tag des Erlasses
         der die Zuwiderhandlung feststellenden Entscheidung unter der Verantwortlichkeit oder Leitung einer anderen Person steht.
      
      Unter bestimmten außergewöhnlichen Umständen lässt die Rechtsprechung zu, dass vom Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit
         nach dem Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“ abgewichen werden darf, wonach ein Verstoß gegen Wettbewerbsregeln,
         damit die praktische Wirksamkeit dieser Regeln nicht durch u. a. an der Rechtsform der betroffenen Gesellschaften vorgenommene
         Änderungen vereitelt werden kann, dem wirtschaftlichen Nachfolger einer juristischen Person zugerechnet werden kann, die der
         Urheber dieses Verstoßes ist, selbst wenn diese juristische Person zum Zeitpunkt des Erlasses der die genannte Zuwiderhandlung
         feststellenden Entscheidung noch besteht.
      
      Die Kommission kann das Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“ unangewendet lassen und für die Beteiligung eines Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung dessen Muttergesellschaft, die dieses Unternehmen bis zu seiner Übertragung an völlig oder fast völlig
         in ihrem Alleineigentum stehende Tochtergesellschaften unmittelbar geleitet hat, persönlich bis zu dem Zeitpunkt verantwortlich
         machen, zu dem sie diese Tochtergesellschaften und dieses Unternehmen schließlich an einen anderen Konzern veräußert hat.
      
      (vgl. Randnrn. 65-66, 72, 78)
      3.      Im Wettbewerbsrecht ist es grundsätzlich Sache der Kommission, nachzuweisen, dass die Muttergesellschaft tatsächlich einen
         entscheidenden Einfluss auf das Verhalten ihrer Tochtergesellschaft auf dem Markt gehabt hat, und zwar auf der Grundlage von
         Sachverhaltsangaben wie insbesondere eines eventuellen Weisungsrechts der Muttergesellschaft gegenüber der Tochtergesellschaft.
         Die Kommission kann allerdings vernünftigerweise vermuten, dass eine 100%ige Tochtergesellschaft einer Muttergesellschaft
         im Wesentlichen die Weisungen ihrer Muttergesellschaft ausführt, und braucht aufgrund dieser Haftungsvermutung nicht nachzuprüfen,
         ob die Muttergesellschaft dieses Weisungsrecht gegenüber der Tochtergesellschaft tatsächlich ausgeübt hat. Erklärt die Kommission
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte, dass sie beabsichtige, die Muttergesellschaft für eine Zuwiderhandlung der Tochtergesellschaft
         persönlich verantwortlich zu machen, und beruft sie sich dabei auf die Haftungsvermutung, die sich daraus ergibt, dass die
         Muttergesellschaft das gesamte Kapital an der Tochtergesellschaft hält, ist es Sache der Muttergesellschaft, die ihre Haftung
         bestreiten möchte, im Lauf des Verwaltungsverfahrens oder spätestens vor den Gerichten der Union hinreichende Beweise vorzulegen,
         um die Vermutung zu entkräften, indem sie beweist, dass die Tochtergesellschaft, obwohl die Muttergesellschaft das gesamte
         Kapital an ihr hielt, tatsächlich eigenständig ihr Marktverhalten bestimmte.
      
      Die Kommission muss in der Lage sein, in ihrer eine Zuwiderhandlung feststellenden Entscheidung die Antworten der betroffenen
         Unternehmen auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu berücksichtigen. Hierbei muss sie nicht nur die Argumente der betroffenen
         Unternehmen zulassen oder zurückweisen können, sondern auch selbst die von ihnen angeführten Angaben zum Sachverhalt prüfen
         können, sei es, um die Beschwerdepunkte fallen zu lassen, die sich womöglich als nicht stichhaltig erweisen, sei es, um sowohl
         auf tatsächlicher als auch auf rechtlicher Ebene ihr Vorbringen zur Stützung der von ihr weiter aufrechterhaltenen Beschwerdepunkte
         zu ordnen oder zu vervollständigen. Das ist der Fall, wenn sich die Entscheidung der Kommission nicht nur auf die Haftungsvermutung,
         die sich aus dem Halten des gesamten Kapitals an den Tochtergesellschaften durch ihre Muttergesellschaft ergibt, stützt, sondern
         auch auf Angaben zum Sachverhalt, die im Lauf des Verwaltungsverfahrens gemacht wurden und die belegen, dass
      
       – innerhalb der Gruppe die betriebliche Organisation Vorrang vor der Rechtsstruktur hatte und die Tätigkeiten auf dem Gebiet
         der gerügten Vorhaben auf der obersten Ebene von der Muttergesellschaft und ihren Vorgängergesellschaften geleitet wurden,
      
       – sechs Mitglieder des Verwaltungsrates der Tochtergesellschaften gleichzeitig oder nacheinander Mitglieder des Verwaltungsrates
         der Muttergesellschaften in der Gruppe gewesen waren, bevor sie an eine neue Gruppe veräußert wurden,
      
       – die von der Muttergesellschaft vorgenommene Ernennung eines neuen Mitglieds im Verwaltungsrat ihrer im fraglichen Geschäftsbereich
         tätigen Tochtergesellschaften das Ergebnis stützt, dass durch die erstgenannte Gesellschaft ein entscheidender Einfluss auf
         die Zweitgenannten ausgeübt wurde,
      
       – im Rahmen der konzerninternen Umstrukturierungsmaßnahmen die im fraglichen Geschäftsbereich tätigen Tochtergesellschaften,
         wie ihr unmittelbar nach der konzernübergreifenden Veräußerung stattgefundener Firmenwechsel zeigt, in die Gruppe integriert
         wurden.
      
      Ebenso kann die Kommission feststellen, dass die Übertragung von Funktionen geschäftlicher Art die Muttergesellschaft nicht
         ihrer Haftung entheben könne, wenn diese Gesellschaft selbst einräumt, dass sie in der Zeit der Zuwiderhandlung sämtliche
         Angebotsentwürfe für die beanstandeten Vorhaben zu genehmigen gehabt habe, die eine bestimmte Schwelle überstiegen oder für
         die Gruppe erhebliche Risiken mit sich gebracht hätten.
      
      (vgl. Randnrn. 86-87, 91, 97, 116, 144)
      4.      Was die der Kommission obliegende Begründungspflicht insbesondere beim Erlass einer eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften
         feststellenden Entscheidung angeht, ist die Rüge einer fehlenden oder nicht hinreichenden Begründung von der Rüge einer unzutreffenden
         Begründung der Entscheidung aufgrund eines Sachverhaltsirrtums oder eines Fehlers in der rechtlichen Bewertung zu unterscheiden.
         Letzterer Gesichtspunkt betrifft die Prüfung der materiellen Rechtmäßigkeit der Entscheidung und nicht die Prüfung des Verstoßes
         gegen wesentliche Formerfordernisse und kann somit keinen Verstoß gegen Art. 253 EG darstellen. 
      
      (vgl. Randnr. 88)
      5.      Der Grundsatz des Verbots der Rückwirkung von Strafvorschriften ist ein allen Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten gemeinsamer
         Grundsatz, der auch in Art. 7 der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist und zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen
         gehört, deren Wahrung die Unionsgerichte zu sichern haben. Selbst wenn nach Art. 15 Abs. 4 der Verordnung Nr. 17 und nach
         Art. 23 Abs. 5 der Verordnung Nr. 1/2003 Entscheidungen der Kommission, mit denen Geldbußen wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht
         festgesetzt werden, nicht strafrechtlicher Art sind, muss die Kommission gleichwohl in jedem Verwaltungsverfahren, das in
         Anwendung des Wettbewerbsrechts zu Sanktionen führen kann, die allgemeinen Grundsätze des Unionsrechts und insbesondere das
         Rückwirkungsverbot beachten.
      
      Demnach müssen die Regeln, nach denen natürlichen oder juristischen Personen im Wettbewerbsrecht Zuwiderhandlungen angelastet
         werden, denen entsprechen, die zur Zeit der Begehung der Zuwiderhandlung vorgesehen waren. Haften mehrere Personen persönlich
         für die Beteiligung ein und desselben Unternehmens im wettbewerbsrechtlichen Sinne an einer Zuwiderhandlung, sind sie als
         gesamtschuldnerisch für diese Zuwiderhandlung haftend anzusehen. Außerdem können für die Beteiligung ein und desselben Unternehmens
         an einer Zuwiderhandlung die Person, unter deren Verantwortlichkeit oder Leitung das Unternehmen im Zeitpunkt der Zuwiderhandlung
         unmittelbar stand, und die Person, die dasselbe Unternehmen im Zeitpunkt der Zuwiderhandlung mittelbar leitete, weil sie tatsächlich
         eine Kontrollbefugnis über die erstgenannte Person ausübte und deren Marktverhalten bestimmte, persönlich und gesamtschuldnerisch
         haftbar gemacht werden.
      
      (vgl. Randnrn. 131-134)
      6.      Hinsichtlich der Dauer einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln verlangt der Grundsatz der Rechtssicherheit, dass
         die Kommission, soweit es an Beweismaterial fehlt, mit dem diese Dauer direkt belegt werden kann, zumindest Beweismaterial
         beibringt, das sich auf Fakten bezieht, die zeitlich so nahe beieinander liegen, dass sie vernünftigerweise den Schluss zulassen,
         dass die Zuwiderhandlung zwischen zwei konkreten Zeitpunkten ohne Unterbrechung erfolgt ist. Was die Beweismittel angeht,
         so ist üblich, dass die Tätigkeiten, mit denen wettbewerbswidrige Verhaltensweisen und Vereinbarungen verbunden sind, im Geheimen
         ablaufen, dass die Zusammenkünfte heimlich stattfinden, meist in einem Drittland, und dass die Unterlagen darüber auf ein
         Minimum reduziert werden. Selbst wenn die Kommission Schriftstücke findet, die – wie z. B. die Protokolle einer Zusammenkunft
         – eine unzulässige Kontaktaufnahme zwischen Wirtschaftsteilnehmern explizit bestätigen, handelt es sich normalerweise nur
         um lückenhafte und vereinzelte Belege, so dass es häufig erforderlich ist, bestimmte Einzelheiten durch Schlussfolgerungen
         zu rekonstruieren. In den meisten Fällen muss das Vorliegen einer Verhaltensweise oder wettbewerbswidrigen Vereinbarung aus
         einer Reihe von Koinzidenzen und Indizien abgeleitet werden, die bei einer Gesamtbetrachtung mangels einer anderen schlüssigen
         Erklärung den Beweis für eine Verletzung der Wettbewerbsregeln darstellen können. Im Rahmen einer Zuwiderhandlung, die sich
         über mehrere Jahre erstreckt, bleibt die Tatsache, dass sich das Kartell während verschiedener Zeitabschnitte manifestiert,
         die durch mehr oder weniger lange Zwischenräume voneinander getrennt sein können, ohne Einfluss auf den Bestand dieses Kartells,
         sofern mit den verschiedenen Maßnahmen, die Teil dieser Zuwiderhandlung sind, im Rahmen einer einzigen und fortgesetzten Zuwiderhandlung
         das gleiche Ziel verfolgt wird.
      
      Da die gegen die Wettbewerbsregeln verstoßenden Vereinbarungen, insgesamt betrachtet, ihre Wirkungen zwischen dem Datum des
         Inkrafttretens einer von ihnen und dem Enddatum der Geltung einer anderen von ihnen zeitigten, konnte die Kommission zu Recht
         diese Vereinbarungen als einen Hinweis darauf verstehen, dass die Zuwiderhandlung ununterbrochen während des ganzen fraglichen
         Zeitraums fortdauerte. So sind die Tatsache, dass das Kartell wiederholt in Erscheinung getreten ist, und das Bündel von Indizien,
         das die Kommission dafür zusammengetragen hat, dass die Tätigkeiten, mit denen das betroffene Unternehmen am Kartell beteiligt
         war, während des gesamten fraglichen Zeitraums weiterbetrieben wurden, als hinreichender Beweis dafür anzusehen, dass das
         Kartell ununterbrochen zwischen den von der Kommission festgestellten Daten fortbestand.
      
      (vgl. Randnrn. 164-166, 176-177)
      7.      Nach Art. 25 der Verordnung Nr. 1/2003 verjährt die Befugnis der Kommission zur Verhängung einer Sanktion wegen eines Verstoßes
         gegen Art. 81 EG und Art. 53 des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum in fünf Jahren. Die Verjährung beginnt mit
         dem Tag, an dem die Zuwiderhandlung begangen worden ist. Bei dauerhaften oder fortgesetzten Zuwiderhandlungen beginnt die
         Verjährung jedoch erst an dem Tag, an dem die Zuwiderhandlung beendet ist.
      
      (vgl. Randnr. 188)
      8.      Der Kommission kann nicht vorgeworfen werden, sie habe bei einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln die Entscheidung,
         gegen zwei Gesellschaften eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festzusetzen, nicht speziell im Hinblick auf die Tatsache
         begründet, dass diese Gesellschaften am Tag des Erlasses dieser Entscheidung keine wirtschaftliche Einheit mehr gebildet hätten,
         da dieser Umstand ihrer Ansicht nach dieser Festsetzung nicht entgegensteht. Die Kommission ist nämlich nicht gehalten, in
         ihrer Entscheidung genau die Gründe für bestimmte Aspekte darzulegen, die ihrer Ansicht nach offenkundig neben der Sache liegen
         oder keine oder eine eindeutig untergeordnete Bedeutung für ihre Beurteilung haben.
      
      (vgl. Randnr. 200)
      9.      Die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen, die aufgrund eines Verstoßes gegen die Art. 81 EG und 53 des
         Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) geschuldet werden, ist eine Rechtswirkung, die sich von Gesetzes wegen
         aus den materiellen Bestimmungen dieser Artikel ergibt.
      
      Die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung einer Geldbuße wegen Beteiligung eines Unternehmens an einem Verstoß gegen
         die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen folgt daraus, dass jede der betroffenen Personen persönlich für die Beteiligung des Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht werden kann. Die Einheitlichkeit des Verhaltens des Unternehmens auf dem Markt
         rechtfertigt es für die Anwendung des Wettbewerbsrechts, dass die Gesellschaften oder, allgemein gesprochen, die Rechtssubjekte,
         die persönlich hierfür verantwortlich gemacht werden können, gesamtschuldnerisch haften. Die gesamtschuldnerische Haftung
         für die Zahlung der wegen eines Verstoßes gegen die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen festgesetzten Geldbußen gehört, da sie
         dazu beiträgt, deren tatsächliche Beitreibung zu garantieren, zum Ziel der Abschreckung, das allgemein mit dem Wettbewerbsrecht
         verfolgt wird, und dies unter Beachtung des Grundsatzes des Verbots der Doppelbestrafung, das ein grundlegendes Prinzip des
         Unionsrechts ist und auch in Art. 4 des Protokolls Nr. 7 zur Europäischen Menschenrechtskonvention verankert ist, wonach eine
         mehrfache Bestrafung desselben unternehmerischen Marktverhaltens bei derselben wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung bei
         den Rechtssubjekten verboten ist, die hierfür persönlich verantwortlich gemacht werden können.
      
      Dass die jeweilige persönliche Verantwortlichkeit, die mehrere Gesellschaften wegen der Beteiligung desselben Unternehmens
         an einer Zuwiderhandlung trifft, nicht identisch ist, bedeutet nicht, dass gegen diese Gesellschaften keine gesamtschuldnerisch
         zu zahlende Geldbuße verhängt werden dürfte, denn die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße deckt nur
         den Zuwiderhandlungszeitraum ab, während dessen diese Gesellschaften eine wirtschaftliche Einheit und somit im wettbewerbsrechtlichen
         Sinne ein Unternehmen bildeten.
      
      (vgl. Randnrn. 204-206)
      10.    Soweit sich der Klagegrund, der aus einem Verstoß gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit hergeleitet wird, als Einwand der
         Rechtswidrigkeit gegen die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen bei Zuwiderhandlungen
         gegen die Wettbewerbsregeln auslegen lässt mit der Begründung, dass diese Regeln eine Quelle der Unsicherheit in Bezug auf
         die zu zahlende Geldbuße, auf die Bestimmung des Schuldners der Zahlungsverpflichtung und auf die Rechtslage der Gesamtschuldner
         seien, impliziert dieser Klagegrund, dass zur Rechtmäßigkeit der Regelung der gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung
         der Geldbußen im Wettbewerbsrecht Stellung zu nehmen und zu prüfen ist, ob die Rechte und Verpflichtungen, die sich daraus
         ergeben, hinreichend genau von den von der Sanktion betroffenen Gesellschaften erkannt werden können.
      
      Ebenso wie der Begriff des „Unternehmens“ im Sinne des Wettbewerbsrechts, aus dem er sich von Rechts wegen ergibt, ist der
         Begriff der „gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung der Geldbußen“ ein autonomer Begriff, der unter Bezugnahme auf
         die Ziele und die Systematik des Wettbewerbsrechts auszulegen ist, wovon er ein Teil ist, und zwar gegebenenfalls unter Bezugnahme
         auf die allgemeinen Grundsätze, die sich aus der Gesamtheit der nationalen Rechtssysteme ergeben. In Ermangelung einer gegenteiligen
         Angabe in der Entscheidung, mit der sie eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße gegenüber mehreren Gesellschaften wegen
         eines eine Zuwiderhandlung darstellenden Verhaltens eines Unternehmens festsetzt, rechnet die Kommission diesen Gesellschaften
         das genannte Verhalten zu gleichen Teilen zu. Außerdem sind die zur gesamtschuldnerischen Zahlung einer Geldbuße verurteilten
         Gesellschaften gehalten, eine einzige Geldbuße zu zahlen, deren Betrag unter Bezugnahme auf die Umsätze des fraglichen Unternehmens
         berechnet worden ist.
      
      Folglich schuldet jede Gesellschaft den Gesamtbetrag der Geldbuße gegenüber der Kommission, und die Zahlung, die eine von
         ihnen bewirkt, hat gegenüber der Kommission für alle befreiende Wirkung. Die Gesellschaften, gegen die eine gesamtschuldnerisch
         zu zahlende Geldbuße festgesetzt wird und die, ausgenommen gegenteiliger Angaben in der die Geldbuße festsetzenden Entscheidung,
         gleichermaßen für die Begehung der Zuwiderhandlung verantwortlich sind, müssen grundsätzlich zu gleichen Teilen zur Zahlung
         der wegen dieser Zuwiderhandlung festgesetzten Geldbuße beitragen. Demzufolge kann die Gesellschaft, die, eventuell nachdem
         sie von der Kommission auf Zahlung in Anspruch genommen worden ist, den gesamten Betrag der Geldbuße entrichtet, schon auf
         der Grundlage der Entscheidung der Kommission gegenüber ihren Mitgesamtschuldnern, und zwar gegen jeden in Höhe seines Anteils,
         Erstattung verlangen. Wenn somit zwar die Entscheidung, die gegenüber mehreren Gesellschaften eine gesamtschuldnerisch zu
         zahlende Geldbuße festsetzt, es nicht von vornherein erlaubt, die Gesellschaft zu bestimmen, die der Kommission tatsächlich
         den Betrag der Geldbuße zu zahlen haben wird, so verhindert sie doch nicht, dass jede dieser Gesellschaften zweifelsfrei den
         Anteil des Geldbußenbetrags, der letztlich auf sie entfällt, kennen und gegen ihre Gesamtschuldner wegen Erstattung der Beträge
         vorgehen kann, die sie über diesen Anteil hinausgehend womöglich gezahlt hat.
      
      (vgl. Randnrn. 213, 215)
      11.    Die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen im Wettbewerbsrecht nimmt keiner der von der Sanktion betroffenen
         Gesellschaften das Recht, eine Klage auf Nichtigerklärung der Entscheidung zu erheben, mit der die Kommission ihnen gegenüber
         eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festgesetzt hat.
      
      (vgl. Randnr. 217)
      12.    Der Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen, der in jedem Verwaltungsverfahren anwendbar ist, das
         zu Sanktionen nach dem Wettbewerbsrecht führen kann, verlangt, dass eine Sanktion gegen eine Person nur wegen Taten verhängt
         wird, die ihr individuell zur Last gelegt werden. Das ist der Fall, wenn gegen zwei Unternehmen wegen der Beteiligung eines
         Unternehmens an einer Zuwiderhandlung Sanktionen wegen Taten, die ihnen von der Kommission individuell zur Last gelegt worden
         sind, aufgrund der Verantwortlichkeit verhängt worden sind, die sie als unmittelbare oder mittelbare Leiter dieses Unternehmens
         trifft.
      
      (vgl. Randnrn. 219-220)
      13.    Das Erfordernis einer gerichtlichen Kontrolle ist ein allgemeiner Grundsatz des Unionsrechts, der sich aus den gemeinsamen
         Verfassungstraditionen in den Mitgliedstaaten ergibt und auch in den Art. 6 und 13 der Europäischen Menschenrechtskonvention
         verankert ist. Das Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf wurde ferner in Art. 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen
         Union erneut bekräftigt.
      
      (vgl. Randnr. 224)
      14.    Das Erfordernis einer effektiven gerichtlichen Kontrolle gilt insbesondere für jede Entscheidung der Kommission, mit der ein
         Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt und geahndet wird. Nach Art. 17 der Verordnung Nr. 17 und Art. 31 der Verordnung
         Nr. 1/2003 hat das Gericht bei Klagen gegen Entscheidungen, mit denen die Kommission eine Geldbuße festgesetzt hat, die Befugnis
         zu unbeschränkter Nachprüfung der Entscheidung im Sinne von Art. 229 EG; es kann die festgesetzte Geldbuße aufheben, herabsetzen
         oder erhöhen.
      
      Bei den auf Art. 230 EG gestützten Klagen ist eine Kontrolle der Rechtmäßigkeit einer Entscheidung der Kommission, mit der
         natürlichen oder juristischen Personen ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zur Last gelegt und gegen sie deswegen eine
         Geldbuße verhängt wird, als effektiver gerichtlicher Rechtsschutz dieser Entscheidung anzusehen. Die Intensität der vom Unionsrichter
         ausgeübten Kontrolle und somit die Effektivität der Klagen gegen die Entscheidungen, mit denen die Kommission einen Verstoß
         gegen die Wettbewerbsregeln feststellt und eine Geldbuße verhängt, werden noch durch die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
         verstärkt, die dem Gericht auf diesem Gebiet verliehen ist. Über eine bloße Kontrolle der Rechtmäßigkeit hinaus, die lediglich
         eine Abweisung der Nichtigkeitsklage oder die Nichtigerklärung des angefochtenen Rechtsakts ermöglicht, ermächtigt die Befugnis
         zu unbeschränkter Nachprüfung, über die der Unionsrichter verfügt, ihn zur Änderung der angefochtenen Entscheidung selbst
         ohne deren Nichtigerklärung unter Berücksichtigung sämtlicher Sachverhaltsumstände, beispielsweise um den Betrag der verhängten
         Geldbuße zu ändern.
      
      (vgl. Randnrn. 225-227)
      15.    Art. 81 EG und entsprechend Art. 53 des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind dem Bereich der öffentlichen
         Ordnung zuzurechnende Vorschriften, die für die Erfüllung der der Europäischen Gemeinschaft und dem EWR anvertrauten Aufgaben
         unerlässlich sind, so dass die Verantwortlichkeit und die Sanktion, die die Gesellschaften treffen, nicht zu deren freier
         Disposition stehen können.
      
      (vgl. Randnr. 229)
      16.    Gemäß Art. 5 EG wird die Europäische Gemeinschaft innerhalb der Grenzen der ihr im Vertrag zugewiesenen Befugnisse und gesetzten
         Ziele tätig. Sie verfügt somit nur über begrenzte Ermächtigungen.
      
      Wenn die Kommission ein Verfahren zum Erlass einer Entscheidung eröffnet, mit der ein Verstoß gegen die Art. 81 EG und 53
         des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum festgestellt werden soll, ist allein sie gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung
         Nr. 17 oder Art. 7 Abs. 1 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 dafür zuständig, diesen Verstoß festzustellen und den
         Unternehmen, die vorsätzlich oder fahrlässig hieran beteiligt waren, Geldbußen aufzuerlegen. Die Kommission würde gegen den
         Grundsatz der begrenzten Ermächtigung verstoßen, wenn sie die Befugnisse, die ihr so durch die vorgenannten Vorschriften übertragen
         worden sind, auf einen Dritten übertrüge.
      
      Es kann nicht gesagt werden, dass die Kommission in einem bestimmten Fall einem nationalen Richter oder Schiedsrichter einen
         Teil der ihr übertragenen Befugnisse bei der Feststellung und Ahndung solcher Verstöße überantwortet habe, wenn die Kommission
         in der in diesem Fall angefochtenen Entscheidung den jeweiligen Haftungsanteil zweier eigenständiger Gesellschaften im Rahmen
         der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der festgestellten Zuwiderhandlung und mithin ihren jeweiligen Anteil an der
         Geldbuße bestimmt, für deren Zahlung sie der Kommission gegenüber gesamtschuldnerisch haften.
      
      (vgl. Randnrn. 233-234, 236)
      17.    Die Mitteilung der Beschwerdepunkte ist ein vorbereitendes Dokument, dessen tatsächliche und rechtliche Beurteilungen rein
         vorläufiger Art sind. Aus diesem Grund kann und muss sogar die Kommission Tatsachen berücksichtigen, die sich aus dem Verwaltungsverfahren
         ergeben, um insbesondere Beschwerdepunkte fallen zu lassen, die sich als unbegründet erweisen. Wenn eine Gesellschaft, gegen
         die wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht Sanktionen verhängt worden sind, vor Erlass der angefochtenen Entscheidung
         in der Lage war, sachdienlich ihren Standpunkt dazu geltend zu machen, dass die Kommission in dieser Entscheidung eine zuvor
         gegen andere Gesellschaften erhobene Rüge fallen lassen würde, um diese Gesellschaften zusammen mit der erstgenannten Gesellschaft
         gesamtschuldnerisch für die Beteiligung eines einzelnen Unternehmens an einer Zuwiderhandlung haftbar zu machen, sind die
         Verteidigungsrechte der erstgenannten Gesellschaft durch die Diskrepanz zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der
         angefochtenen Entscheidung nicht verletzt worden.
      
      (vgl. Randnrn. 248-249, 262)
      18.    Die von einem oder mehreren Unternehmen in einem Kartell gespielte Rolle eines Anführers ist bei der Bemessung der Geldbuße
         zu berücksichtigen, da die Unternehmen, die eine solche Rolle gespielt haben, im Verhältnis zu den anderen Unternehmen eine
         besondere Verantwortung tragen müssen. Um als Anführer eines Kartells eingestuft werden zu können, muss ein Unternehmen eine
         wichtige Antriebskraft für das Kartell gewesen sein oder eine besondere, konkrete Verantwortung für dessen Funktionieren getragen
         haben. Dies ist der Fall, wenn ein Unternehmen dadurch bei der Zuwiderhandlung eine Anführerrolle gespielt hat, dass es die
         Funktion des „Europa-Sekretariats“ des Kartells wahrgenommen hat, die ihr die Rolle eines Anführers bei der Koordinierung
         des Kartells und jedenfalls im Rahmen der konkreten Funktionsweise des Kartells zugewiesen hat, insbesondere wenn das „Europa-Sekretariat“
         Kontaktstelle für die Mitglieder des Kartells war und ihm eine zentrale Rolle im Rahmen des konkreten Funktionierens des Kartells
         insoweit zufiel, als es den Informationsaustausch innerhalb des Kartells erleichterte und Informationen, die für dessen Funktionieren
         wesentlich waren, insbesondere Informationen über bestimmte besonders wichtige Projekte, bündelte, zusammentrug und mit den
         anderen Kartellmitgliedern austauschte, als es das Sekretariat für die Arbeitstreffen organisierte und versah und als es gelegentlich
         die Codes änderte, die der Verschleierung dieser Treffen oder dieser Kontakte dienten.
      
      (vgl. Randnrn. 280, 283, 287)
      19.    Im Wettbewerbsrecht gebieten es die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit bei einer lang anhaltenden
         Zuwiderhandlung, während deren verschiedene Unternehmen unter der Leitung unterschiedlicher Gesellschaften nacheinander für
         einen jeweils genau bestimmten Zeitraum die Rolle als Anführer der Zuwiderhandlung wahrgenommen haben, dass gegen die Gesellschaften,
         die ein oder mehrere Unternehmen geleitet haben, die unter ihrer Leitung die Rolle eines Anführers des Verstoßes gespielt
         haben, dann eine unterschiedliche Erhöhung des Grundbetrags ihrer Geldbuße festgesetzt wird, wenn die Zeiträume, in denen
         das oder die jeweiligen Unternehmen diese Rolle unter ihrer Leitung wahrgenommen haben, erheblich voneinander abweichen. Die
         Anführerrolle bezieht sich auf die Funktionsweise des Kartells und im Gegensatz zur Rolle als Anstifter des Verstoßes notwendig
         auf eine bestimmte Dauer. Daher muss dem Umstand Rechnung getragen werden, dass einer Gesellschaft, die eines der am Kartell
         beteiligten Unternehmen geleitet hat, die Rolle als treibende Kraft für das Funktionieren des Kartells zugerechnet werden
         kann, die von diesem Unternehmen während höchstens knapp über einem Viertel des Verstoßzeitraums gespielt worden ist, wohingegen
         einer anderen Gesellschaft, die ein anderes am Kartell beteiligtes Unternehmen geleitet hat, die Rolle als treibende Kraft
         für das Funktionieren des Kartells zugerechnet werden kann, die von diesem Unternehmen während fast drei Vierteln des Verstoßzeitraums
         gespielt worden ist.
      
      Folglich hat die Kommission gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen, indem sie Gesellschaften,
         die über die von ihnen geleiteten Unternehmen die Rolle als Anführer des Kartells wahrgenommen hatten, die gleiche Erhöhung
         des Grundbetrags der Geldbuße auferlegt hat, obwohl die Zeiträume, in denen das oder die fraglichen Unternehmen unter der
         Leitung dieser Gesellschaften die Funktion als Anführer des Kartells des Kartells ausgeübt hatten, erheblich voneinander abwichen.
      
      Selbst wenn aber unterstellt würde, dass die Kommission die Kriterien für eine Qualifikation als Anführer des Verstoßes dadurch
         rechtswidrig angewandt habe, dass sie diese Qualifikation bei einem Unternehmen trotz der bedeutenden Rolle, die dieses im
         Kartell gespielt hat, nicht bejaht hat, würde ein solcher Rechtsverstoß, der zugunsten eines anderen begangen worden wäre,
         es doch nicht rechtfertigen, die Rügen der Nichtbeachtung des Grundsatzes der Gleichbehandlung oder des Diskriminierungsverbots
         als begründet anzusehen.
      
      (vgl. Randnrn. 307-308, 311-312)
      20.    Der Unionsrichter kann aufgrund der Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung aus Art. 17 der Verordnung Nr. 17 und Art. 31 der
         Verordnung Nr. 1/2003 über die reine Kontrolle der Rechtmäßigkeit der Zwangsmaßnahme hinaus die Beurteilung der Kommission
         durch seine eigene Beurteilung ersetzen und demgemäß die verhängte Geldbuße aufheben, herabsetzen oder erhöhen, wenn ihm die
         Frage nach deren Höhe zur Beurteilung vorgelegt worden ist. Bei dieser Beurteilung muss sichergestellt werden, dass der Aufschlag
         wegen der Rolle des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes auf eine Höhe festgesetzt wird, die seine Abschreckungswirkung
         gewährleistet.
      
      (vgl. Randnrn. 318-319)
      21.    Im Fall der Verhängung von Geldbußen gegen mehrere Gesellschaften wegen der Beteiligung von durch diese Gesellschaften geleiteten
         Unternehmen an einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften weicht die Kommission bei der Bestimmung der jeweiligen
         Höhe dieser Geldbußen nicht von der in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15
         Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS festgesetzt werden, genannten Methode ab, geht nicht über
         den in Art. 15 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 der Verordnung Nr. 1/2003 festgelegten rechtlichen Sanktionsrahmen hinaus
         und verletzt nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, indem sie beschließt, für die Beurteilung der Größe und Wirtschaftskraft,
         die jedes einzelne Unternehmen zur Zeit der Zuwiderhandlung besaß, grundsätzlich auf den vom jeweiligen Unternehmen im letzten
         vollen Kalenderjahr der Zuwiderhandlung erzielten weltweiten Umsatz mit den beanstandeten Projekten abzustellen. Dies gilt
         besonders für den Fall, dass die Kommission es angesichts des weltweiten Charakters eines Kartells für angebracht hält, für
         den Vergleich der jeweiligen Bedeutung der einzelnen Unternehmen denjenigen Anteil am weltweiten Umsatz zugrunde zu legen,
         den das fragliche Unternehmen im letzten vollen Kalenderjahr seiner Beteiligung an der festgestellten Zuwiderhandlung mit
         den vom Kartell erfassten Projekten erzielt hat; diese Grundlage ist nämlich geeignet, die Fähigkeit der einzelnen Unternehmen,
         andere Wirtschaftsteilnehmer im Gebiet des Europäischen Wirtschaftsraums zu schädigen, genau abzubilden und eine Aussage über
         den jeweiligen Beitrag zur Wirksamkeit des Kartells insgesamt bzw. die Instabilität zu treffen, in die das Kartell ohne Mitwirkung
         des Unternehmens geraten wäre.
      
      (vgl. Randnrn. 360, 362)
URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)
      3. März 2011(*)
      
      „Wettbewerb – Kartelle – Markt für Projekte im Bereich gasisolierter Schaltanlagen – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR-Abkommen festgestellt wird – Verteidigungsrechte – Begründungspflicht – Zurechenbarkeit der Zuwiderhandlung – Dauer der Zuwiderhandlung – Geldbußen –Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße – Erschwerende Umstände – Rolle als Anführer – Mildernde Umstände – Kooperation“
      In den Rechtssachen T‑117/07 und T‑121/07
      Areva, Aktiengesellschaft mit Sitz in Paris (Frankreich),
      
      Areva T&D Holding SA mit Sitz in Paris,
      
      Areva T&D SA mit Sitz in Paris,
      
      Areva T&D AG mit Sitz in Oberentfelden (Schweiz),
      
      Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte A. Schild und J.‑M. Cot,
      Alstom, Aktiengesellschaft mit Sitz in Levallois-Perret (Frankreich), Prozessbevollmächtigte: zunächst Rechtsanwalt J. Derenne, W. Broere,
         Solicitor, Rechtsanwälte A. Müller‑Rappard und C. Guirado, dann Rechtsanwälte Derenne und Müller-Rappard,
      
      Klägerinnen,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten zunächst durch X. Lewis und F. Arbault, dann durch M. Lewis und schließlich durch V. Bottka und N. Von Lingen als
         Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung der Entscheidung K(2006) 6762 endg. der Europäischen Kommission vom 24. Januar 2007 in einem
         Verfahren nach Art. 81 EG und Art. 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/F/38.899 – Gasisolierte Schaltanlagen) und, hilfsweise, Herabsetzung
         der gegen die Klägerinnen verhängten Geldbuße,
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung der Präsidentin I. Pelikánová (Berichterstatterin) sowie der Richter K. Jürimäe und S. Soldevila Fragoso,
      Kanzler: C. Kristensen, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. März 2009
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Die Vorgeschichte des Rechtsstreits ergibt sich im Wesentlichen aus den Feststellungen der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
         in der Entscheidung K(2006) 6762 endg. der Kommission vom 24. Januar 2007 in einem Verfahren nach Art. 81 EG und Art. 53 EWR-Abkommen
         (Sache COMP/F/38.899 – Gasisolierte Schaltanlagen) (im Folgenden: angefochtene Entscheidung). Soweit dieser Sachverhalt von
         den Parteien nicht oder jedenfalls nicht wirksam bestritten worden ist, ist er für den vorliegenden Rechtsstreit als festgestellt
         anzusehen.
      
       Betroffenes Produkt
      2        Gasisolierte Schaltanlagen (im Folgenden auch: GIS) dienen zur Kontrolle des Energieflusses in Stromnetzen. Es handelt sich
         um schweres elektrisches Gerät, das ein wichtiger Bestandteil von schlüsselfertigen Umspannwerken ist.
      
      3        Umspannwerke sind Hilfskraftanlagen, in denen elektrischer Strom umgewandelt wird. Zu einem Umspannwerk gehören neben dem
         Transformator Steuersysteme, Relais, Akkus, Ladegeräte und Schaltanlagen. Die Schaltanlage soll den Transformator vor Überlast
         schützen und/oder den Stromkreis oder den defekten Transformator isolieren.
      
      4        Schaltanlagen können gasisoliert oder luftisoliert sein oder, wenn sie diese beiden Techniken miteinander kombinieren, eine
         hybride Isolierung haben. GIS werden weltweit als Bestandteile schlüsselfertiger Umspannwerke oder als gesondertes, dort erst
         noch einzubauendes Zubehör verkauft. Sie machen etwa 30 % bis 60 % der Gesamtkosten dieser Umspannwerke aus.
      
      5        Die angefochtene Entscheidung betrifft GIS-Projekte mit einer Spannung von 72,5 kV aufwärts (im Folgenden: GIS-Projekte),
         was reine gasisolierte Schaltanlagen als solche einschließlich der damit verbundenen Serviceleistungen (Anlieferung, Aufbau,
         Testläufe, Isolierung usw.) und schlüsselfertige GIS-gestützte Umspannwerke, bestehend aus gasisolierten Schaltanlagen und
         anderen Teilen wie Transformatoren mitsamt den damit verbundenen Serviceleistungen (Anlieferung, Verkabelung, Aufbau, Isolierung
         usw.), umfasst.
      
       Vom Verfahren betroffene Unternehmen
      6        Alstom (vormals unter Alsthom firmierend), eine Aktiengesellschaft französischen Rechts mit Verwaltungsrat, ist die Muttergesellschaft
         einer Gruppe von Gesellschaften (im Folgenden: Alstom-Gruppe). Vom 15. April 1988 bis zum 8. Januar 2004 war die Alstom-Gruppe
         auf dem Gebiet der Übertragung (Transmission) von und der Versorgung (Distribution) mit Strom (im Folgenden: Geschäftsbereich
         T & D) und insbesondere im GIS-Geschäft tätig.
      
      7        Das Frankreich-Geschäft der Alstom-Gruppe mit gasisolierten Schaltanlagen lag bis 1989 – d. h. bis zur Umbenennung in GEC
         Alsthom SA, einer l00%igen Tochter von GEC Alsthom NY – in den Händen der Alsthom SA (Frankreich). Am 16. November 1992 wurde
         die Kléber Eylau SA gegründet, der das französische GIS‑Geschäft auf der Grundlage einer Vereinbarung, die am 7. Dezember
         1992 wirksam wurde, übertragen wurde. Kléber Eylau befand sich zu 99,76 % im Eigentum von GEC Alsthom SA; 0,04 % hielt Étoile
         Kléber. Im Juni 1993 wurde Kléber Eylau zur GEC Alsthom T&D SA, woraus im Juni 1998 die Alstom T&D SA wurde. Die Alstom T&D
         SA war eine l00%ige Tochter der Alstom Holdings (Frankreich), die wiederum eine 100%ige Tochter von Alstom war.
      
      8        Ab der 100%igen Übernahme der Sprecher Energie AG durch Alsthom im Januar 1986 betrieb die Alstom-Gruppe parallel zum GIS‑Geschäft
         in Frankreich auch in der Schweiz ein Geschäft mit gasisolierten Schaltanlagen. Im November 1993 änderte Sprecher Energie
         ihren Namen in GBC Alsthom T&D AG, woraus im Juli 1997 die GEC Alsthom AG und im Juni 1998 die Alstom AG (im Folgenden: Alstom
         [Schweiz]) wurde. Am 22. Dezember 2000 wurde Alstom (Schweiz) von der Alstom Power (Schweiz) AG übernommen. Das neue Unternehmen
         nannte sich Alstom (Schweiz) AG. Im November 2002 wurde in der Alstom-Gruppe eine neue rechtliche Einheit geschaffen, auf
         die die Aktivitäten im Schweizer Geschäftsbereich T & D übertragen wurden. Diese Einheit hieß zunächst Alstom (Schweiz) Services
         AG und wurde in der Folge in Alstom T&D AG umbenannt.
      
      9        Sämtliche Aktivitäten der Alstom-Gruppe im Geschäftsbereich T & D wurden am 8. Januar 2004 auf die Gruppe übertragen, deren
         Muttergesellschaft Areva, eine Aktiengesellschaft französischen Rechts mit Vorstand und Aufsichtsrat, ist (im Folgenden: Areva‑Gruppe).
         In der Zeit vom 9. Januar bis zum 11. Mai 2004 wurden die T & D‑Geschäfte der Areva-Gruppe von der Areva T&D SA und der Areva
         T&D AG betrieben, zwei 100%igen Tochtergesellschaften der Areva T&D Holding SA, die selbst zu 100 % Areva gehört (im Folgenden
         zusammen: Gesellschaften der Areva-Gruppe).
      
       Verwaltungsverfahren
      10      Am 3. März 2004 informierte die ABB Ltd die Kommission über das Bestehen wettbewerbswidriger Praktiken im GIS‑Sektor, wobei
         sie mündlich einen Geldbußenerlass auf der Grundlage der Mitteilung der Kommission über den Erlass und die Ermäßigung von
         Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 2002, C 45, S. 3, im Folgenden: Kronzeugenregelung) beantragte.
      
      11      Die von ABB offengelegten Praktiken bestanden in einer weltweiten Koordinierung des Verkaufs gasisolierter Schaltanlagen unter
         Aufteilung der Märkte, Zuteilung von Kontingenten und Erhaltung der jeweiligen Marktanteile, Zuteilung einzelner GIS‑Projekte
         an ausgewählte Hersteller und Manipulation der Ausschreibungsverfahren für jene Projekte (Angebotsabsprache), um sicherzustellen,
         dass die festgelegten Hersteller den jeweiligen Vertrag erhielten, Festsetzung von Preisen durch komplexe Vereinbarungen für
         nicht zugeteilte GIS‑Projekte, Beendigung von Lizenzvereinbarungen mit Nichtkartellmitgliedern und Austausch sensibler Marktinformationen.
      
      12      Der mündliche Antrag von ABB auf Geldbußenerlass wurde u. a. am 7. Mai 2004 durch mündliche Erklärungen und schriftliche Beweisstücke
         ergänzt. Am 25. April 2004 gewährte die Kommission ABB einen bedingten Geldbußenerlass.
      
      13      Auf der Grundlage der Erklärungen von ABB leitete die Kommission eine Untersuchung ein und führte am 11. und 12. Mai 2004
         Nachprüfungen in den Geschäftsräumen mehrerer auf dem GIS‑Sektor tätiger Gesellschaften durch.
      
      14      Zwischen dem 14. und dem 25. Mai 2004 arbeitete die Areva‑Gruppe mit der Kommission zusammen und lieferte ihr nach der Kronzeugenregelung
         bestimmte schriftliche Beweisstücke und Informationen.
      
      15      Am 4. Oktober 2004 antwortete ABB auf ein Auskunftsverlangen der Kommission.
      
      16      Am 6. Februar 2006 übermittelte die Kommission Alstom ein Auskunftsverlangen, das am 24. Februar 2006 beantwortet wurde.
      
      17      Am 20. April 2006 nahm die Kommission eine Mitteilung der Beschwerdepunkte an, die außer an Alstom und die Gesellschaften
         der Areva‑Gruppe an ABB, die Fuji Electric Holdings Co., Ltd und die Fuji Electric Systems Co., Ltd (im Folgenden zusammen:
         Gesellschaften der Fuji‑Gruppe), an Hitachi und die Hitachi Europe Ltd (im Folgenden zusammen: Gesellschaften der Hitachi‑Gruppe),
         an die Japan AE Power Systems Corp. (im Folgenden: JAEPS), an die Mitsubishi Electric System Corp. (im Folgenden: Melco),
         an die Nuova Magrini Galileo SpA, an die Schneider Electric SA (im Folgenden: Schneider), an die Siemens AG, an die Toshiba
         Corp. sowie an fünf Gesellschaften der Gruppe gesandt wurde, deren Muttergesellschaft die VA Technologie AG war (im Folgenden:
         VA Tech‑Gruppe), darunter die VA Technologie selbst.
      
      18      Am 5. Mai 2006 konnte Alstom gemäß der Kronzeugenregelung in die von den übrigen beteiligten Gesellschaften abgegebenen mündlichen
         Erklärungen Einsicht nehmen.
      
      19      Am 30. Juni 2006 übersandten Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe fristgerecht ihre jeweiligen Stellungnahmen auf
         die Mitteilung der Beschwerdepunkte. Als Anlage zu ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte fügte Alstom mehrere
         Unterlagen mit Gruppeninterna bei, für die gegenüber jedem Dritten außer der Kommission eine vertrauliche Behandlung gefordert
         wurde. Ebenso antworteten ABB, die Gesellschaften der Fuji‑Gruppe, Hitachi und JAEPS, Melco, Schneider, die Siemens AG Österreich,
         Siemens und Toshiba schriftlich und fristgerecht auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte.
      
      20      Mit Schreiben vom 12. Juli 2006 arbeiteten die Gesellschaften der Fuji‑Gruppe mit der Kommission zusammen und lieferten ihr
         gemäß der Kronzeugenregelung verschiedene schriftliche Beweisstücke und Informationen.
      
      21      Am 14. Juli 2006 übersandte ABB der Kommission einen „Zusatz zur Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte“.
      
      22      Am 18. und 19. Juli 2006 hörte die Kommission die Gesellschaften an, denen die Mitteilung der Beschwerdepunkte übersandt worden
         war.
      
      23      Am 25. August 2006 stellte die Kommission den Verfahrensbeteiligten Auszüge der nicht vertraulichen Fassung der Antwort der
         Gesellschaften der Fuji‑Gruppe auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, den Antrag der Gesellschaften der Fuji‑Gruppe vom
         12. Juli 2006 nach der Kronzeugenregelung (siehe oben, Randnr. 20), den Antwortzusatz von ABB auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und zusätzliche Unterlagen zur Verfügung. Alstom nahm am 15. September 2006 zu diesen Unterlagen Stellung und legte eine Erklärung
         eines ihrer Angestellten, Herrn S., vor, der den streitigen Sachverhalt unmittelbar gekannt habe.
      
      24      Am 20. September 2006 sandte die Kommission ein Auskunftsverlangen an die Gesellschaften der Areva‑Gruppe, worauf diese am
         6. Oktober 2006 unter Vorlage zahlreicher Unterlagen über die Umorganisation der Tätigkeiten im Geschäftsbereich T & D innerhalb
         der Alstom‑Gruppe zum Zweck der vorstehenden in Randnr. 9 erwähnten konzernübergreifenden Übertragung antworteten.
      
      25      Am 14. November 2006 übermittelte die Kommission Alstom ihre Stellungnahme in englischer Sprache zu den zusätzlichen, vorstehend
         in Randnr. 23 genannten Unterlagen und auf Antrag von Alstom vom 17. November 2006 hin diese Stellungnahme am 22. November
         2006 in französischer Sprache. Am 27. November 2006 äußerte sich Alstom zu der Stellungnahme.
      
      26      Am 4. Dezember 2006 übersandte Alstom der Kommission ein Schreiben zur Bestimmung der von dem Sachverhalt betroffenen juristischen
         Personen. Das genannte Schreiben enthielt insbesondere zahlreiche Schemata, die die verschiedenen Umstrukturierungsvorgänge
         der Aktivitäten im Geschäftsbereich T & D innerhalb der Alstom‑Gruppe veranschaulichten.
      
       Angefochtene Entscheidung
      27      Am 24. Januar 2007 erließ die Kommission die angefochtene Entscheidung, von der eine Zusammenfassung im Amtsblatt vom 10. Januar 2008 veröffentlicht ist (ABl. C 5, S. 7). Diese Entscheidung wurde Alstom und den Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         am 8. Februar 2007 zugestellt.
      
      28      Außer an Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe war die angefochtene Entscheidung gerichtet an ABB, die Gesellschaften
         der Fuji‑Gruppe, JAEPS, Melco, Nuova Magrini Galileo, Schneider, Siemens, die Siemens AG Österreich, die Siemens Transmission
         & Distribution Ltd (im Folgenden: Reyrolle), die Siemens Transmission & Distribution SA, Toshiba und die VA Tech Transmission
         & Distribution GmbH & Co. KEG.
      
      29      In den Randnrn. 113 bis 123 der angefochtenen Entscheidung führte die Kommission aus, die am Kartell beteiligten Unternehmen
         hätten die weltweite Zuteilung von GIS‑Projekten mit Ausnahme einiger Märkte nach vereinbarten Regeln koordiniert, um insbesondere
         Kontingente beizubehalten, die weitgehend ihren geschätzten historischen Marktanteilen entsprächen. Die Zuteilung der GIS‑Projekte
         sei auf der Grundlage eines gemeinsamen „japanischen“ Gesamtkontingents und eines gemeinsamen „europäischen“ Gesamtkontingents
         vorgenommen worden, die sodann von den japanischen und den europäischen Herstellern jeweils untereinander aufgeteilt worden
         seien. Eine in Wien am 15. April 1988 unterzeichnete Vereinbarung („GQ-Agreement“, im Folgenden: GQ-Abkommen) habe die Regeln
         festgelegt, nach denen die GIS‑Projekte den japanischen oder den europäischen Herstellern zuzuteilen und ihr Wert auf das
         jeweilige Kontingent anzurechnen gewesen seien. In den Randnrn. 124 bis 132 der angefochtenen Entscheidung legte die Kommission
         weiter dar, dass die einzelnen am Kartell beteiligten Unternehmen eine nicht schriftlich abgefasste Vereinbarung getroffen
         hätten (im Folgenden: Übereinkunft), nach der die GIS‑Projekte in Japan einerseits und in den Ländern der europäischen Kartellmitglieder
         andererseits, die zusammen als die „Stammländer“ für die GIS-Projekte bezeichnet worden seien, den japanischen bzw. europäischen
         Mitgliedern des Kartells vorbehalten gewesen seien. Über die GIS‑Projekte in den „Stammländern“ seien keine Informationen
         zwischen den beiden Gruppen ausgetauscht und sie seien nicht auf die jeweiligen Kontingente angerechnet worden.
      
      30      Das GQ‑Abkommen habe des Weiteren Bestimmungen enthalten über den – insbesondere durch die Sekretariate der genannten Gruppen
         besorgten – Austausch der notwendigen Informationen über die Arbeitsweise des Kartells zwischen den beiden Herstellergruppen,
         die Manipulation der betreffenden Ausschreibungen und die Festsetzung von Preisen für die GIS‑Projekte, die nicht hätten zugeteilt
         werden können. Ausweislich seines Anhangs 2 sei das GQ-Abkommen auf die ganze Welt mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, Kanadas,
         Japans und von siebzehn westeuropäischen Ländern anwendbar gewesen. Zudem seien nach der Übereinkunft GIS-Projekte in anderen
         europäischen Ländern als den „Stammländern“ ebenfalls der europäischen Gruppe vorbehalten gewesen, da sich die japanischen
         Hersteller verpflichtet hätten, für GIS-Projekte in Europa keine Angebote abzugeben.
      
      31      Den Ausführungen der Kommission zufolge war die Aufteilung der GIS-Projekte auf die europäischen Hersteller in einem ebenfalls
         in Wien am 15. April 1988 unterzeichneten Abkommen mit der Bezeichnung „E‑Group Operation Agreement for GQ‑Agreement“ (Abkommen
         der Gruppe E über die Durchführung des GQ-Abkommens, im Folgenden: EQ-Abkommen) geregelt. Danach habe die Zuteilung der in
         Europa durchzuführenden GIS-Projekte nach den gleichen Regeln und Verfahren wie die Zuteilung der GIS-Projekte in anderen
         Ländern erfolgen sollen. Insbesondere hätten auch die in Europa durchzuführenden GIS‑Projekte mitgeteilt, in eine Liste eingetragen,
         zugeteilt, abgesprochen oder mit einem Mindestpreis versehen werden sollen.
      
      32      In Randnr. 142 der angefochtenen Entscheidung stellte die Kommission fest, dass die einzelnen Kartellmitglieder im GQ- und
         im EQ-Abkommen für die Zwecke der Organisation und Arbeitsweise des Kartells mit einem Code bezeichnet worden seien, und zwar
         die europäischen Mitglieder mit einem Zahlencode und die japanischen Mitglieder mit einem Buchstabencode. Die ursprünglichen
         Codes seien ab Juli 2002 durch Ziffern ersetzt worden.
      
      33      In Art. 1 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung stellte die Kommission fest, dass Alstom gegen Art. 81 EG und Art. 53 des
         Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum (im Folgenden: EWR‑Abkommen) verstoßen habe, indem sie in der Zeit vom 15.
         April 1988 bis 8. Januar 2004 im EWR an einer Gesamtheit von Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen betreffend den
         GIS‑Sektor teilgenommen habe. In Art. 1 Buchst. c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung stellte sie diese zweifache Zuwiderhandlung
         außerdem für Areva und die Areva T&D Holding in der Zeit vom 9. Januar bis 11. Mai 2004, für die Areva T&D AG Holding in der
         Zeit vom 22. Dezember 2003 bis 11. Mai 2004 und für die Areva T&D SA Holding in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 11. Mai
         2004 fest.
      
      34      Für die in Art. 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlungen wurden gegen Alstom in Art. 2 Buchst. b
         und c der angefochtenen Entscheidung eine Einzelgeldbuße in Höhe von 11 475 000 Euro und eine gesamtschuldnerisch mit der
         Areva T&D SA zu zahlende Geldbuße von 53 550 000 Euro verhängt.
      
      35      Für die in Art. 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlungen wurde gegen die Areva T&D SA in Art. 2 Buchst. c
         der angefochtenen Entscheidung eine gesamtschuldnerisch mit Alstom zu zahlende Geldbuße von 53 550 000 Euro verhängt, wovon
         25 500 000 Euro gesamtschuldnerisch mit Areva, der Areva T&D Holding und der Areva T&D AG geschuldet wurden.
      
       Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      36      Mit Klageschriften, die am 18. April 2007 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind, haben die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         und Alstom die vorliegenden Klagen erhoben, die unter den Aktenzeichen T‑117/07 und T‑121/07 in das Register eingetragen worden
         sind.
      
      37      Auf Bericht des Berichterstatters hat das Gericht (Zweite Kammer) beschlossen, die mündliche Verhandlung in den Rechtssachen
         T‑117/07 und T‑121/07 zu eröffnen.
      
      38      Der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts hat die Rechtssachen T‑117/07 und T‑121/07 nach Anhörung der Parteien mit Beschluss
         vom 12. März 2009 gemäß Art. 50 der Verfahrensordnung des Gerichts zu gemeinsamer mündlicher Verhandlung verbunden. Den der
         Antwort von Alstom auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte beigefügten und zu den Akten der Rechtssache T‑121/07 genommenen
         Unterlagen (siehe oben, Randnr. 19) hat er außerdem eine vertrauliche Behandlung zugebilligt.
      
      39      Die Parteien haben in der Sitzung vom 24. März 2009 mündlich verhandelt und die Fragen des Gerichts beantwortet. Die Klägerinnen
         haben bestätigt, dass ihre Klagegründe oder ihre Rügen zu dem Verstoß gegen Art. 81 EG auch als für Art. 53 EWR‑Abkommen geltend
         auszulegen seien. Die Kommission hat sich dahin geäußert, dass die gesamtschuldnerische Haftung wegen eines Wettbewerbsverstoßes
         als eine Haftung zu gleichen Teilen vermutet werde, wenn der verfügende Teil der Entscheidung, mit der die genannte Haftung
         festgestellt werde, hierzu keine Klarstellung enthalte. Die Klägerinnen haben hingegen in Abrede gestellt, dass eine derartige
         Vermutung eingreifen könne. Schließlich hat die Kommission bekräftigt, dass bei der Beurteilung der Rolle als Anführer einer
         wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung sämtliche Kriterien abzuwägen seien, einschließlich der Dauer, während der diese Rolle
         als Anführer ausgeübt worden sei, und ihrer Intensität. Diese Erklärungen sind in das Sitzungsprotokoll aufgenommen worden.
         In ihren abschließenden Stellungnahmen haben die Gesellschaften der Areva‑Gruppe einen sachlichen Fehler gerügt, der in der
         Annahme bestanden habe, davon auszugehen, dass die Areva T&D AG und die Alstom T&D AG dieselbe Gesellschaft seien, bei der
         sich lediglich die Firma geändert habe.
      
      40      Mit Schreiben, die bei der Kanzlei am 29. und 30. April 2009 eingegangen sind, haben Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         jeweils zum Inhalt des Sitzungsprotokolls in Bezug auf die Antworten Stellung genommen, die die Kommission auf die Fragen
         des Gerichts zum System der gesamtschuldnerischen Haftung bei wettbewerbsrechtlichen Verstößen gegeben hat.
      
      41      Mit Beschluss des Gerichts vom 3. Juni 2009 ist das mündliche Verfahren wiedereröffnet worden. Gemäß Art. 7 Abs. 2 der Dienstanweisung
         für den Kanzler des Gerichts hat der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts beschlossen, die am 29. und 30. April 2009
         eingereichten Schreiben zu den Akten zu nehmen.
      
      42      Mit Schreiben, das am 18. Juni 2009 in das Register der Kanzlei des Gerichts eingetragen worden ist, hat die Kommission zu
         den genannten Schreiben Stellung genommen. Sie hat dabei geltend gemacht, dass sie, wenn sie ohne weitere Klarstellung oder
         Hinweis im verfügenden Teil ihrer Entscheidung gegen mehrere Gesellschaften eine von diesen als Gesamtschuldner zu zahlende
         Geldbuße verhänge, nicht die Frage zu regeln beabsichtige, was im Innenverhältnis der verschiedenen Gesamtschuldner der jeweils
         zur Begleichung dieser Geldbuße zu erbringende Beitrag sei.
      
      43      Mit Entscheidung vom 1. Juli 2009 hat der Präsident der Zweiten Kammer des Gerichts die Anträge auf Änderung des Sitzungsprotokolls
         zurückgewiesen, nachdem er die üblichen Nachprüfungen zum genauen Inhalt der von der Kommission mündlich in der Sitzung gegebenen
         Antworten vorgenommen hat.
      
      44      Alstom beantragt,
      
      –        Art. 1 Buchst. b und Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung für nichtig zu erklären;
      –        hilfsweise, den Betrag der gegen sie in Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung verhängten Geldbuße herabzusetzen;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      45      Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe beantragen,
      
      –        Art. 1 der angefochtenen Entscheidung insoweit für nichtig zu erklären, als er die Areva T&D SA und Alstom zum einen für die
         Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und zum anderen für die Zuwiderhandlung in der Zeit vom
         9. Januar bis 11. Mai 2004 gesamtschuldnerisch haften lässt;
      
      –        hilfsweise, den Betrag der gegen sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung verhängten Geldbuße für nichtig zu
         erklären oder wesentlich herabzusetzen;
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      46      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klagen als unbegründet abzuweisen;
      –        den Klägerinnen die Kosten aufzuerlegen.
       Rechtliche Würdigung
      47      Da die vorliegenden Rechtssachen ihrem Gegenstand nach miteinander in Zusammenhang stehen und nachdem die Verfahrensbeteiligten
         hierzu angehört worden sind, ist das Gericht der Ansicht, dass sie gemäß Art. 50 der Verfahrensordnung zu gemeinsamer Entscheidung
         zu verbinden sind.
      
      48      In erster Linie zielen die Klagen auf die Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. b, c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung,
         in erster Linie oder hilfsweise auf die Nichtigerklärung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung und hilfsweise
         auf die Abänderung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung ab.
      
      49      Zunächst sind die Anträge auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. b, c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung zu prüfen.
         Sodann werden, soweit erforderlich, die Anträge auf Nichtigerklärung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung
         geprüft. Schließlich werden gegebenenfalls die Anträge auf Abänderung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung
         geprüft.
      
      50      Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe stützen ihre Anträge in der Rechtssache T‑117/07 auf sieben Klagegründe. Der erste wird
         aus einem Verstoß gegen die in Art. 253 EG vorgesehene Begründungspflicht hergeleitet. Der zweite wird im Wesentlichen auf
         einen sich aus Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen ergebenden Verstoß gegen die Regeln für die Zurechnung der
         Zuwiderhandlungen sowie auf einen Verstoß gegen die allgemeinen Grundsätze der Rechtssicherheit und des Rückwirkungsverbots
         gestützt. Der dritte Klagegrund wird im Wesentlichen aus einem Verstoß gegen die Regeln für die Zurechnung der Zuwiderhandlungen
         hergeleitet, die sich aus Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen ergeben. Mit dem vierten Klagegrund werden im
         Wesentlichen ein Verstoß gegen die Regeln für die Zurechnung der Zuwiderhandlungen und der gesamtschuldnerischen Haftung für
         die Zahlung der Geldbußen nach Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen, ein Verstoß gegen Art. 7 EG sowie ein Verstoß
         gegen die allgemeinen Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit, der Rechtssicherheit, des Rückwirkungsverbots
         und des effektiven gerichtlichen Rechtsschutzes gerügt. Mit dem fünften Klagegrund wird ein Verstoß gegen die Regeln der gesamtschuldnerischen
         Haftung für die Zahlung der Geldbußen beanstandet, die sich aus Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen ergeben.
         Mit dem sechsten Klagegrund werden im Wesentlichen ein Verstoß gegen Art. 23 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung (EG) Nr. 1/2003
         des Rates vom 16. Dezember 2002 zur Durchführung der in den Artikeln 81 [EG] und 82 [EG] niedergelegten Wettbewerbsregeln
         (ABl. L 1, S. 1) sowie gegen Nr. 2 der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 [KS] festgesetzt werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien),
         ein Beurteilungsfehler sowie ein Verstoß gegen die allgemeinen Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
         gerügt. Schließlich ist der siebte Klagegrund im Wesentlichen gegen einen Beurteilungsfehler und einen Verstoß gegen Art. 81
         EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen sowie gegen die Kronzeugenregelung gerichtet.
      
      51      Alstom stützt ihre Anträge in der Rechtssache T‑121/07 auf acht Klagegründe. Der erste Klagegrund wird aus einem Verstoß gegen
         das Recht auf einen effektiven Rechtsbehelf hergeleitet. Der zweite wird im Wesentlichen auf einen sich aus Art. 81 Abs. 1
         EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen ergebenden Verstoß gegen die Regeln der gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung der
         Geldbußen, einen Verstoß gegen die allgemeinen Grundsätze der Rechtssicherheit und der individuellen Strafzumessung sowie
         auf einen Verstoß gegen die Begründungspflicht gestützt. Der dritte wird aus einem Verstoß gegen die in Art. 253 EG vorgesehene
         Begründungspflicht hergeleitet. Mit dem vierten Klagegrund werden in erster Linie ein Verstoß gegen die sich aus Art. 81 Abs. 1
         EG und Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen ergebenden Regeln für die Zurechnung der Zuwiderhandlungen sowie ein Rechtsfehler und,
         hilfsweise, ein Verstoß gegen Art. 25 der Verordnung Nr. 1/2003 gerügt. Der fünfte Klagegrund wird im Wesentlichen aus einem
         Beurteilungsfehler, einem Verstoß gegen die Leitlinien, einem Verstoß gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
         sowie aus einem Verstoß gegen die Begründungspflicht hergeleitet. Mit dem sechsten Klagegrund werden im Wesentlichen ein Verstoß
         gegen die Beweisvorschriften für die Dauer einer Zuwiderhandlung, die sich aus Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 und
         Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81 EG]
         und [82 EG] in geänderter Fassung (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204), ergeben, sowie ein Verstoß gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit
         gerügt. Der siebte Klagegrund beruht auf einem Verstoß gegen den Grundsatz der Beachtung der Verteidigungsrechte sowie gegen
         Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003. Der achte Klagegrund beruht im Wesentlichen auf einem Verstoß gegen die Leitlinien
         und, hilfsweise, einem Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
      
      52      Soweit sich bestimmte der von den Klägerinnen geltend gemachten Klagegründe überschneiden, werden sie im Interesse einer geordneten
         Rechtspflege zusammen behandelt.
      
       Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. b, c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung
      53      Gegen Art. 1 Buchst. b, c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung sind die Klagegründe oder Rügen gerichtet, die darauf
         abzielen, die Feststellung der Kommission zu bestreiten, wonach die Gesellschaften der Areva‑Gruppe und Alstom durch ihre
         Beteiligung an einer Gesamtheit von Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen im EWR während der in dem genannten Artikel
         erwähnten Zeiträume gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen verstoßen haben (siehe oben, Randnr. 33).
      
      54      In der Rechtssache T‑117/07 sind die Anträge auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung
         auf die in der Klageschrift enthaltenen Klagegründe oder Rügen gestützt, die sich gegen die Beurteilungen der Kommission richten,
         wonach die Areva T&D SA in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 11. Mai 2004, die Areva T&D AG in der Zeit vom 22. Dezember 2003
         bis 11. Mai 2004 sowie Areva und die Areva T&D Holding SA in der Zeit vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 persönlich für die Beteiligung
         ihrer GIS‑Sparten oder für die Beteiligung ihrer Tochtergesellschaften an einer Gesamtheit von Vereinbarungen und abgestimmten
         Verhaltensweisen im EWR haftbar zu machen seien (Klagegründe 2, 3, 4 und 5), oder mit denen ein Verstoß gegen wesentliche
         Formvorschriften eingewandt wird, der möglicherweise Auswirkungen auf die genannten Beurteilungen gehabt habe (erster Klagegrund).
      
      55      In der Rechtssache T‑121/07 sind die Anträge auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung auf
         die in der Klageschrift enthaltenen Klagegründe oder Rügen gestützt, die sich gegen die Beurteilungen der Kommission richten,
         wonach Alstom in der Zeit vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 persönlich für die Beteiligung ihrer GIS‑Sparten oder für
         die Beteiligung ihrer Tochtergesellschaften an einer Gesamtheit von Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen im EWR
         haftbar zu machen sei (Klagegründe 4 und 6), oder mit denen ein Verstoß gegen wesentliche Formvorschriften gerügt wird, der
         möglicherweise Auswirkungen auf die genannten Beurteilungen gehabt habe (Klagegründe 3 und 7).
      
       Vorbemerkungen
      56      Aus den in den Klageschriften vorgebrachten Klagegründen oder Rügen geht hervor, dass die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         und Alstom völlig entgegengesetzte Thesen zur Zurechnung der Zuwiderhandlung in dem gesamten Zeitraum vom 15. April 1988 bis
         11. Mai 2004 oder für einen Teil dieses Zeitraums vertreten.
      
      57      Alstom trägt im Wesentlichen vor, dass die persönliche Haftung, die sie aufgrund der Beteiligung ihrer GIS‑Sparten an der
         Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 treffe, infolge der konzerninternen Umstrukturierungsvorgänge
         der Aktivitäten im Geschäftsbereich T & D auf die Alstom T&D SA und die Alstom T&D AG übergegangen sei. Außerdem könne sie
         für die Beteiligung der genannten Tochtergesellschaften an der Zuwiderhandlung in den Zeiten vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar
         2004 und vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 nicht persönlich haftbar gemacht werden, da die Alstom T&D SA und die Alstom
         T&D AG, auf die die genannten Tätigkeiten übertragen worden seien, selbständig ihr Verhalten auf dem Markt bestimmt hätten.
         Schließlich sei die persönliche Haftung, die man ihr aufgrund der Beteiligung ihrer GIS‑Sparte an der Zuwiderhandlung, der
         Beteiligung von Alstom T&D SA und der von Alstom T&D AG an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar
         2004 anlaste, mit dem genannten Tätigkeitsbereich und den genannten Tochtergesellschaften (die sodann zur Areva T&D SA und
         zur Areva T&D AG geworden seien) im Rahmen eines konzernübergreifenden Veräußerungsvorgangs betreffend Tätigkeiten im Geschäftsbereich
         T & D auf die Gesellschaften der Areva‑Gruppe übergegangen.
      
      58      Demgegenüber sind die Gesellschaften der Areva‑Gruppe der Ansicht, dass sie für die Zeiträume vom 7. Dezember 1992 bis 8.
         Januar 2004 und vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 keine persönliche Haftung für die Beteiligung der Gesellschaften
         der Alstom‑Gruppe an der Zuwiderhandlung treffe, da das Marktverhalten von Alstom T&D SA und von Alstom T&D AG, auf die die
         Tätigkeiten auf dem Gebiet der GIS übertragen worden seien, von Alstom bestimmt worden sei. Ferner tragen Areva und die Areva
         T&D Holding SA vor, sie könnten wegen der Beteiligung ihrer Tochtergesellschaften an der Zuwiderhandlung für den Zeitraum
         vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 nicht selbst verantwortlich gemacht werden, weil die Areva T&D SA und die Areva T&D AG, auf
         die die genannten Tätigkeiten übertragen worden seien, selbständig ihr Marktverhalten bestimmt hätten.
      
      59      Es ist darauf hinzuweisen, dass sich die Klägerinnen in ihren Schriftsätzen darauf stützen, dass Areva T&D SA und Areva T&D
         AG nur die neuen Firmen seien, auf die die Alstom T&D SA und die Alstom T&D AG nach ihrer am 8. Januar 2004 erfolgten Veräußerung
         an die Areva‑Gruppe umfirmiert hätten. Insoweit kann der Vortrag der Gesellschaften der Areva‑Gruppe in ihrer abschließenden
         Stellungnahme in der mündlichen Verhandlung, der Kommission sei ein sachlicher Fehler unterlaufen, als sie der Ansicht gewesen
         sei, dass die Areva T&D AG und die Alstom T&D AG dieselbe Gesellschaft seien, nicht berücksichtigt werden. Denn soweit auf
         diese Behauptungen ein Klagegrund gestützt werden sollte, wonach die angefochtene Entscheidung insoweit sachlich unrichtig
         sei, ist zu beachten, dass nach Art. 48 § 2 Abs. 1 der Verfahrensordnung neue Angriffs- und Verteidigungsmittel im Lauf des
         Verfahrens nicht mehr vorgebracht werden können, es sei denn, dass sie auf rechtliche oder tatsächliche Gründe gestützt werden,
         die erst während des Verfahrens zutage getreten sind. Da im vorliegenden Fall die Gesellschaften der Areva‑Gruppe nicht die
         wesentlichen tatsächlichen Gründe dargelegt haben, auf die sich ihr neuer Klagegrund stützt, und schon gar nicht vorgetragen
         haben, dass diese Gründe während des Verfahrens zutage getreten seien, ist ihr vorgenanntes Vorbringen als unzulässig zurückzuweisen.
         Mithin ist in den Rechtssachen T‑117/07 und T‑121/07 davon auszugehen, dass Alstom T&D AG und Areva T&D AG verschiedene Firmen
         ein und derselben juristischen Person sind.
      
       Zum Übergang der Alstom aufgrund der Beteiligung ihrer GIS‑Sparte an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis
         6. Dezember 1992 treffenden persönlichen Haftung auf die Areva T&D SA und die Areva T&D AG
      
      –       Vorbringen der Parteien
      60      Alstom wirft der Kommission im Rahmen des zweiten Teils ihres vierten Klagegrundes, mit dem ein Rechtsfehler gerügt wird,
         vor, in der angefochtenen Entscheidung die persönliche Haftung, die sie wegen der Beteiligung eines Teils ihres „Geschäftsbereichs
         T & D“ an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 treffe, nicht auf die Areva T&D SA und die
         Areva T&D AG übertragen zu haben.
      
      61      Der Kommission sei ein Rechtsfehler bei der Anwendung der Vorschriften für die Zurechnung einer Zuwiderhandlung in Art. 81
         EG und Art. 53 EWR‑Abkommen unterlaufen, indem sie das sogenannte Kriterium der „wirtschaftlichen Kontinuität“, wie es sich
         aus der Rechtsprechung ergebe (Urteil des Gerichtshofs vom 7. Januar 2004, Aalborg Portland u. a./Kommission, C‑204/00 P,
         C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P und C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123, Randnrn. 356 bis 359, und Urteil des Gerichts
         vom 27. September 2006, Jungbunzlauer/Kommission, T‑43/02, Slg. 2006, II‑3435, Randnr. 132), nicht auf ihre Beziehungen zu
         ihren ehemaligen, im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften angewandt habe und sie persönlich für die Beteiligung
         eines Teils ihres Geschäftsbereichs T & D an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 habe
         haften lassen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass dieses Unternehmen infolge von Umstrukturierungsvorgängen innerhalb der
         Alstom‑Gruppe an ihre ehemaligen, im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften veräußert worden sei. Im Wesentlichen
         ist Alstom der Ansicht, dass zwar der „Geschäftsbereich T & D“ der Alstom‑Gruppe vor dem 7. Dezember 1992 keine Rechtspersönlichkeit
         gehabt habe, dass aber die Gründung einer spezifisch hiermit betrauten Tochtergesellschaft zu diesem Datum außerhalb der Schweiz,
         nämlich der Kléber Eylau (später unter Alstom T&D SA, sodann unter Areva T&D SA firmierend), es der Kommission erlaubt habe,
         am Tag des Erlasses der angefochtenen Entscheidung eine juristische Person namhaft zu machen, auf die dieses Unternehmen,
         das an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen sei, übertragen worden sei und dem diese Zuwiderhandlung somit habe zugerechnet
         werden können. Eine entsprechende Überlegung könne für die Übertragung der Aktivitäten im Geschäftsbereich T & D in der Schweiz
         von Alstom auf die Alstom (Schweiz) Services AG (später unter Alstom T&D AG, sodann unter Areva T&D AG firmierend) gelten.
      
      62      Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, die vorliegende Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      63      Im Wettbewerbsrecht ist unter dem Begriff des Unternehmens eine im Hinblick auf den jeweiligen Gegenstand der Zwiderhandlung
         bestehende wirtschaftliche Einheit zu verstehen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 12. Juli 1984, Hydrotherm
         Gerätebau, 170/83, Slg. 1984, 2999, Randnr. 11; Urteile des Gerichts vom 29. Juni 2000, DSG/Kommission, T‑234/95, Slg. 2000,
         II‑2603, Randnr. 124, und vom 15. September 2005, DaimlerChrysler/Kommission, T‑325/01, Slg. 2005, II‑3319, Randnr. 85). Das
         den Unternehmen in Art. 81 Abs. 1 EG u. a. auferlegte Verbot von Vereinbarungen und aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen,
         die den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet sind und eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung
         des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezwecken oder bewirken, richtet sich an wirtschaftliche Einheiten, die
         jeweils in einer einheitlichen Organisation persönlicher, materieller und immaterieller Mittel bestehen, mit der dauerhaft
         ein bestimmter wirtschaftlicher Zweck verfolgt wird, und die an einer Zuwiderhandlung im Sinne dieser Vorschrift beteiligt
         sein können (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 17. Dezember 1991, Enichem Anic/Kommission, T‑6/89, Slg. 1991,
         II‑1623, Randnr. 235, und vom 10. März 1992, Shell/Kommission, T‑11/89, Slg. 1992, II‑757, Randnr. 311).
      
      64      Zu ihrer Anwendung und Durchführung müssen sich jedoch die nach Art. 81 EG erlassenen Entscheidungen gegen Einheiten mit Rechtspersönlichkeit
         richten (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 20. April 1999, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, PVC
         II, T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Slg. 1999, II‑931,
         Randnr. 978, und vom 12. Dezember 2007, Akzo Nobel u. a./Kommission, T‑112/05, Slg. 2007, II‑5049, Randnr. 59). Somit muss
         die Kommission, wenn sie eine Entscheidung nach Art. 81 Abs. 1 EG erlässt, die Person oder die Personen – natürliche oder
         juristische – namhaft machen, die für das Verhalten des fraglichen Unternehmens verantwortlich gemacht werden kann oder können
         und gegen die deswegen Sanktionen verhängt werden können; gegen diese Personen ist die Entscheidung gerichtet (vgl. in diesem
         Sinne Urteil Hydrotherm Gerätebau, oben in Randnr. 63 angeführt, Randnr. 11).
      
      65      Nach dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit (Urteile des Gerichtshofs vom 14. Juli 1972, ICI/Kommission, 48/69,
         Slg. 1972, 619, Randnrn. 131 bis 141, vom 8. Juli 1999, Kommission/Anic Partecipazioni, C‑49/92 P, Slg. 1999, I‑4125, Randnr.
         78, und vom 11. Dezember 2007, ETI u. a., C‑280/06, Slg. 2007, I‑10893, Randnr. 39; vgl. auch Schlussanträge von Generalanwältin
         Kokott in der Rechtssache ETI u. a., Slg. 2007, I‑10892, Nrn. 71 ff.), wonach eine Person nur für ihre eigenen Handlungen
         verantwortlich gemacht werden kann (Schlussanträge von Generalanwalt Cosmas in der Rechtssache Kommission/Anic Partecipazioni,
         Slg. 1999, I‑4130, Nr. 74), hat grundsätzlich die Person, die das Unternehmen zu dem Zeitpunkt leitete, zu dem es an der Zuwiderhandlung
         beteiligt war, für diese Zuwiderhandlung einzustehen, selbst wenn das genannte Unternehmen am Tag des Erlasses der die Zuwiderhandlung
         feststellenden Entscheidung unter der Verantwortlichkeit oder Leitung einer anderen Person steht (Urteile des Gerichtshofs
         vom 16. November 2000, SCA Holding/Kommission, C‑297/98 P, Slg. 2000, I‑10101, Randnr. 27, und Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission,
         C‑286/98 P, Slg. 2000, I‑9925, Randnr. 37; vgl. in diesem Sinne auch Urteil des Gerichtshofs vom 16. November 2000, Cascades/Kommission,
         C‑279/98 P, Slg. 2000, I‑9693, Randnr. 79).
      
      66      Unter bestimmten außergewöhnlichen Umständen lässt die Rechtsprechung zu, dass vom Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit
         nach dem sogenannten Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“ abgewichen werden darf, wonach ein Verstoß gegen Wettbewerbsregeln,
         damit die praktische Wirksamkeit dieser Regeln nicht durch u. a. an der Rechtsform der betroffenen Gesellschaften vorgenommene
         Änderungen vereitelt werden kann, dem wirtschaftlichen Nachfolger einer juristischen Person zugerechnet werden kann, die der
         Urheber dieses Verstoßes ist, selbst wenn diese juristische Person zum Zeitpunkt des Erlasses der die genannte Zuwiderhandlung
         feststellenden Entscheidung noch besteht (Urteil des Gerichts vom 20. März 2002, HFB u. a./Kommission, T‑9/99, Slg. 2002,
         II‑1487, Randnrn. 105 und 106).
      
      67      Im Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (oben in Randnr. 61 angeführt, Randnrn. 356 bis 359) hat der Gerichtshof entschieden,
         dass das Gericht rechtsfehlerfrei die Ansicht vertreten hat, dass die Kommission bei einem konzerninternen Unternehmenskauf
         die Erwerbergesellschaft für die von dem Unternehmen vor seinem Erwerb begangene Zuwiderhandlung haften lassen konnte, und
         zwar selbst dann, wenn die veräußernde Gesellschaft weiter fortbestand. Zur Abgrenzung von der in Randnr. 145 seines Urteils
         Kommission/Anic Partecipazioni (oben in Randnr. 65 angeführt) entwickelten Lösung, nach der das Kriterium „der wirtschaftlichen
         Kontinuität“ nur dann eingreifen kann, wenn die für den Betrieb des Unternehmens verantwortliche juristische Personen nach
         Begehung der Zuwiderhandlung aufgehört hat, juristisch zu existieren, hat sich der Gerichtshof darauf gestützt, dass die veräußernde
         Gesellschaft sämtliche wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Erwerbergesellschaft übertragen hatte, dabei aber mit der Erwerbergesellschaft,
         an der sie 50 % der Aktien hielt, strukturell verbunden blieb.
      
      68      Im Urteil Jungbunzlauer/Kommission (oben in Randnr. 61 angeführt, Randnrn. 132 und 133) hat das Gericht unter Bezugnahme auf
         das Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (oben in Randnr. 61 angeführt) entschieden, dass die Tatsache, dass eine Gesellschaft
         als juristische Einheit fortbesteht, nach dem Wettbewerbsrecht nicht ausschließt, dass sie einen Teil ihrer Tätigkeiten, die
         ein Unternehmen im Sinne des Wettbewerbsrechts bilden, auf eine andere Gesellschaft überträgt, die damit für die von dem genannten
         Unternehmen begangenen Zuwiderhandlungen verantwortlich wird. Demnach hat das Gericht entschieden, dass die Kommission bei
         einem konzerninternen Unternehmenskauf rechtsfehlerfrei die Ansicht vertreten konnte, dass die vor der Veräußerung begangene
         Zuwiderhandlung dieses Unternehmens der Erwerbergesellschaft zuzurechnen sei, obwohl die veräußernde Gesellschaft weiterhin
         rechtlich fortbestehe. Im vorliegenden Fall hatte das übertragene Unternehmen zwar die zum fraglichen Unternehmen gehörende
         Produktionstätigkeit beibehalten, aber insbesondere Verwaltung oder Leitung dieses Unternehmens an die Erwerbergesellschaft
         übertragen, die insoweit als wirtschaftlicher Nachfolger der Veräußerergesellschaft angesehen werden konnte.
      
      69      In den Randnrn. 38 bis 42 des Urteils ETI u. a. (oben in Randnr. 65 angeführt) hat der Gerichtshof das Kriterium der „wirtschaftlichen
         Kontinuität“ mit der Notwendigkeit gerechtfertigt, sicherzustellen, dass die Sanktion der Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht
         abschreckend wirkt. Unter Bezugnahme auf sein Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission (oben in Randnr. 61 angeführt) hat
         der Gerichtshof in den Randnrn. 48 bis 51 des Urteils ausgeführt, dass eine derartige Durchführung der Sanktion zulässig ist
         und nicht gegen den Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit verstößt, selbst wenn die Einrichtung, die die Zuwiderhandlung
         begangen hat, noch zu dem Zeitpunkt existiert, in dem gegen die Einrichtung, auf die sie ihre wirtschaftlichen Aktivitäten
         übertragen hat, die Sanktion verhängt wird, wenn diese Einrichtungen der Kontrolle derselben Person unterstanden und sie somit
         in Anbetracht der zwischen ihnen auf wirtschaftlicher und organisatorischer Ebene bestehenden engen Bindungen im Wesentlichen
         dieselben geschäftlichen Leitlinien anwandten. Der Gerichtshof hat somit entschieden, dass die Art. 81 ff. EG dahin auszulegen
         sind, dass in einem Fall, in dem eine Verhaltensweise, die eine einheitliche Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln darstellt,
         von einer Einrichtung, die einer öffentlichen Stelle untersteht, begangen und dann von einer anderen, derselben öffentlichen
         Stelle unterstehenden Einrichtung bis zum Abschluss fortgeführt wird, wobei die zweitgenannte Einrichtung Rechtsnachfolgerin
         der erstgenannten Einrichtung ist und diese noch besteht, der zweitgenannten Einrichtung wegen der gesamten Zuwiderhandlung
         Sanktionen auferlegt werden können, sofern nachgewiesen ist, dass beide Einrichtungen der Aufsicht der betreffenden öffentlichen
         Stelle unterstehen.
      
      70      Die vorgenannte Rechtsprechung gilt für Art. 53 Abs. 1 EWR entsprechend.
      
      71      Im vorliegenden Fall ist zunächst das „Unternehmen“ im wettbewerbsrechtlichen Sinne zu bestimmen, das an der Zuwiderhandlung
         beteiligt war, die Alstom in Art. 1 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung zugerechnet wird. Aus der Darstellung der „vom
         Verfahren betroffenen Branche“ in den Randnrn. 5 bis 87 der angefochtenen Entscheidung und der „Verfahrensbeteiligten“ in
         den Randnrn. 16 bis 22 der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass das fragliche Unternehmen in der einheitlichen Organisation
         persönlicher, materieller und immaterieller Mittel bestand, mit der zunächst in der Alstom‑Gruppe und sodann nach der konzernübergreifenden
         Veräußerung vom 8. Januar 2004 (siehe oben, Randnr. 9) in der Areva‑Gruppe die GIS‑Geschäfte betrieben wurden (im Folgenden:
         betroffenes Unternehmen). Somit behauptet Alstom zu Unrecht, dass das betroffene Unternehmen den „Geschäftsbereich T & D“
         der Alstom‑Gruppe oder in einem weiteren Sinne sämtliche Mittel umfasst habe, die zur Zeit des Sachverhalts zu den Tätigkeiten
         in diesem Bereich beitrugen.
      
      72      Aus den Randnrn. 357 und 358 der angefochtenen Entscheidung ergibt sich außerdem, dass die Kommission, als sie Alstom die
         Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 zurechnete,
         darauf hinwies, dass das GIS‑Geschäft in der Alstom‑Gruppe unmittelbar durch die Alsthom SA und sodann durch die GEC Alsthom
         SA und nicht durch die Vorgängergesellschaften von Areva T&D SA und Areva T&D AG ausgeübt wurde. Die Kommission wies außerdem
         darauf hin, dass die Tätigkeiten der Alstom‑Gruppe im Geschäftsbereich T & D in der Schweiz durch Sprecher Energie (von Alsthom
         SA im Januar 1986 erworben) ausgeübt worden waren, die dann zur Alstom AG (Schweiz) wurde. Nach der Feststellung, dass die
         betreffenden juristischen Personen unter neuer Firma immer noch in der Alstom‑Gruppe existierten, vertrat die Kommission die
         Ansicht, dass Alstom als 100%ige Muttergesellschaft dieser verschiedenen Einrichtungen weiterhin für deren Tätigkeiten vor
         der Gründung der Vorgängergesellschaften der Areva T&D SA und der Areva T&D AG hafte. Daraus folgerte die Kommission, dass
         die Areva T&D SA und die Areva T&D AG nicht für die Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung im fraglichen
         Zeitraum als Rechtsnachfolger und wirtschaftliche Nachfolger verantwortlich gemacht werden könnten, selbst wenn die Tätigkeiten
         im Geschäftsbereich T & D der Alstom‑Gruppe auf ihre jeweiligen Vorgängergesellschaften übertragen worden wären.
      
      73      Alstom bringt zu den Gründen der angefochtenen Entscheidung, die sie für die Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der
         Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 deshalb verantwortlich machen, weil Alstom zur Zeit des
         Sachverhalts das genannte Unternehmen über völlig oder fast völlig im Alleineigentum stehende Tochtergesellschaften geleitet
         habe, keinen Klagegrund und keine spezifische Rüge vor. Sie trägt lediglich vor, dass die sie insoweit treffende Verantwortlichkeit
         nach dem sogenannten Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“, wie es in den Urteilen Aalborg Portland u. a./Kommission
         und Jungbunzlauer/Kommission (beide oben in Randnr. 61 angeführt) entwickelt worden sei, auf die Areva T&D SA und die Areva
         T&D AG übergegangen sei.
      
      74      Zunächst ist klarzustellen, dass Randnr. 339 der angefochtenen Entscheidung, auf die Randnr. 357 verweist, nicht als Stütze
         der Entscheidung der Kommission angesehen werden kann, die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 nicht auf die Areva T&D SA und die Areva T&D AG
         zu übertragen. Denn in Randnr. 339 der angefochtenen Entscheidung geht es um die Möglichkeit einer Haftungsübertragung zwischen
         Gesellschaften derselben Gruppe aufgrund des sogenannten Kriteriums „der wirtschaftlichen Kontinuität“ im Hinblick auf die
         Grundsätze, die in den Randnrn. 356 bis 359 des Urteils Aalborg Portland u. a./Kommission und in Randnr. 132 des Urteils Jungbunzlauer/Kommission
         (beide oben in Randnr. 61 angeführt) entwickelt wurden. Dort weist die Kommission darauf hin, dass die Tatsache, dass eine
         Gesellschaft ihre Rechtspersönlichkeit bewahre, nachdem ein Teil ihrer Tätigkeiten auf eine andere Gesellschaft innerhalb
         derselben Unternehmensgruppe übertragen worden sei, die Kommission nicht daran hindere, die zweitgenannte Gesellschaft für
         die von der Erstgenannten begangenen Zuwiderhandlungen haftbar zu machen. Daraus folgt, dass der in Randnr. 357 enthaltene
         Verweis auf Randnr. 339 der angefochtenen Entscheidung nicht berücksichtigt werden kann, wenn es um die Würdigung der Begründetheit
         eines fehlenden Haftungsübergangs für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für die Zeit vom
         15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 auf die Areva T&D SA und auf die Areva T&D AG geht.
      
      75      Die Kommission hat in ihrer Klagebeantwortung in der Rechtssache T‑121/07 geltend gemacht, dass sie sich in der angefochtenen
         Entscheidung daran gehalten habe, die Regeln anzuwenden, die aus dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit resultierten
         (siehe oben, Randnr. 65). Aus den Randnrn. 357 und 358 der angefochtenen Entscheidung, deren Inhalt in der vorstehenden Randnr.
         72 zusammengefasst ist, ergibt sich in der Tat, dass die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für
         die Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 Alstom deshalb zugerechnet wird, weil diese Gesellschaft zur Zeit des Sachverhalts
         das genannte Unternehmen über völlig oder fast völlig im Alleineigentum stehende Tochtergesellschaften geleitet hat, die immer
         noch in der Alstom‑Gruppe existieren.
      
      76      Daher ist die Frage zu klären, ob die Haftung für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für
         die Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992, wie Alstom vorträgt, auf die Areva T&D SA und die Areva T&D AG deshalb zu
         übertragen ist, weil das betroffene Unternehmen an ihre jeweiligen Rechtsvorgänger veräußert wurde, nämlich an Kléber Eylau
         und Alstom (Schweiz) Services durch die GEC Alsthom SA am 7. Dezember 1992 und durch die Alstom AG (Schweiz) am 22. Dezember
         2003.
      
      77      Hierbei ist zu beachten, dass die von Alstom vertretene Ansicht darauf hinauslaufen würde, dass die Areva T&D SA und die Areva
         T&D AG für eine Zuwiderhandlung einzustehen hätten, die der GEC Alsthom SA und der Alstom AG (Schweiz) persönlich zuzurechnen
         ist, die in der Alstom‑Gruppe zur Zeit des Sachverhalts völlig oder fast völlig im Alleineigentum von Alstom oder ihrer Rechtsvorgängerinnen
         stehende Tochtergesellschaften waren.
      
      78      In einer solchen Lage ist das sogenannte Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“ jedoch nur anwendbar, wenn das betroffene
         Unternehmen infolge der Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der Alstom‑Gruppe am 7. Dezember 1992 und am 22. Dezember 2003
         nicht mehr unter der Verantwortung oder der Leitung von Alstom gestanden hat. Falls hingegen Alstom niemals aufgehört hat,
         über ihre völlig oder fast völlig im Alleineigentum stehenden Tochtergesellschaften das betroffene Unternehmen bis zur konzernübergreifenden
         Veräußerung am 8. Januar 2004 zu leiten, bliebe sie persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         für den Zeitraum vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich, und der Kommission wäre kein Rechtsfehler unterlaufen,
         als sie in den Beziehungen zwischen Alstom und ihren im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften das sogenannte
         Kriterium „der wirtschaftlichen Kontinuität“ im Hinblick auf die vorgenannten konzerninternen Umstrukturierungsmaßnahmen nicht
         angewandt hat (vgl. in diesem Sinne Schlussanträge von Generalanwalt Mischo in der Rechtssache SCA Holding/Kommission, Urteil
         vom 16. November 2000, oben in Randnr. 65 angeführt, Slg. 2000, I‑10104, Randnr. 26).
      
      79      Aus allen diesen Gründen erscheint es sachdienlich, vor der Entscheidung über die vorliegende Rüge auf die Klagegründe oder
         Rügen einzugehen, die sich dagegen richten, dass in Art. 1 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung die Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 Alstom als 100%iger Muttergesellschaft
         der Alstom T&D SA und derAlstom T&D AG zugerechnet wird.
      
       Zur persönlichen Verantwortlichkeit von Alstom als 100%iger Muttergesellschaft der Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG aufgrund
         der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004
      
      –       Vorbringen der Parteien
      80      Alstom macht mit dem ersten Teil ihres vierten Klagegrundes, der auf einen Verstoß gegen die Zurechnungsvorschriften für Zuwiderhandlungen
         in Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen gestützt wird, der Kommission zum Vorwurf, ihr als 100%iger Muttergesellschaft der
         Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG in der angefochtenen Entscheidung die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der
         Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 zugerechnet zu haben.
      
      81      Mit ihrem dritten Klagegrund wirft Alstom der Kommission vor, gegen Art. 253 EG verstoßen zu haben, indem sie nicht rechtlich
         hinreichend begründet habe, dass ihr die Zuwiderhandlung als 100%iger Muttergesellschaft der Alstom T&D SA und der Alstom
         T&D AG aufgrund der Angaben, die sie im Lauf des Verwaltungsverfahrens geliefert habe, zuzurechnen sei. In der mündlichen
         Verhandlung hat sie insoweit einen Verstoß gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte und gegen den Grundsatz
         der Gleichheit der Verfahrensbeteiligten eines Verfahrens vor den Unionsgerichten geltend gemacht.
      
      82      Im Rahmen ihres siebten Klagegrundes rügt Alstom einen Verstoß gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte und
         gegen Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003, der daraus hergeleitet wird, dass die Kommission zu ihren Lasten als 100%iger
         Muttergesellschaft der Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG bei der Zurechnung der Verantwortlichkeit für die Beteiligung des
         betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für den Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 in der angefochtenen
         Entscheidung auf bestimmte tatsächliche Angaben abgestellt habe, die von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe geliefert worden
         seien, ohne dass Alstom zuvor darauf hingewiesen worden sei, dass diese Angaben zu ihren Lasten verwendet werden könnten,
         und ohne dass ihr erlaubt worden wäre, sich hierzu zu äußern. Gleiches gelte für die in den Randnrn. 351 und 354 der angefochtenen
         Entscheidung erwähnten Angaben in Bezug auf die Verurteilung der Alsthom SA, einer ihrer Vorgängergesellschaften, durch eine
         Entscheidung des französischen Conseil de la concurrence vom 1. März 1988 und den Umstand, dass gleichzeitig oder nacheinander
         sechs Mitglieder des Verwaltungsrats der Alstom T&D SA dort leitende Posten bekleideten.
      
      83      Die Kommision tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, die Klagegründe oder Rügen zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      84      Für die Anwendung des Wettbewerbsrechts ist die formelle Trennung zwischen zwei Gesellschaften aufgrund ihrer unterschiedlichen
         Rechtspersönlichkeit nicht entscheidend, denn es kommt darauf an, ob ihr Marktverhalten einheitlich ist oder nicht (vgl. in
         diesem Sinne Urteil ICI/Kommission, oben in Randnr. 65 angeführt, Randnr. 140). Es kann also notwendig sein, zu ermitteln,
         ob zwei Gesellschaften mit je eigener Rechtspersönlichkeit ein und dasselbe Unternehmen oder ein und dieselbe wirtschaftliche
         Einheit mit einheitlichem Marktverhalten bilden (Urteil DaimlerChrysler/Kommission, oben in Randnr. 63 angeführt, Randnr.
         85).
      
      85      Nach ständiger Rechtsprechung genügt der Umstand, dass eine Tochtergesellschaft eine eigene Rechtspersönlichkeit besitzt,
         nicht, um auszuschließen, dass ihr Verhalten der Muttergesellschaft zugerechnet werden kann, namentlich, wenn die Tochtergesellschaft
         trotz eigener Rechtspersönlichkeit ihr Marktverhalten nicht selbständig bestimmt, sondern im wesentlichen Weisungen der Muttergesellschaft
         befolgt (Urteil ICI/Kommission, oben in Randnr. 65 angeführt, Randnrn. 132 und 133, und Urteil PVC II, oben in Randnr. 64
         angeführt, Randnr. 960). Bestimmt die Tochtergesellschaft ihr Marktverhalten nicht wirklich autonom, sind die Verbote des
         Art. 81 Abs. 1 EG auf die Beziehungen zwischen der Tochtergesellschaft und der Muttergesellschaft, mit der sie eine wirtschaftliche
         Einheit bildet, als unanwendbar anzusehen (Urteil ICI/Kommission, oben in Randnr. 65 angeführt, Randnr. 134, Urteil des Gerichts
         vom 12. Januar 1995, Viho/Kommission, T‑102/92, Slg. 1995, II‑17, Randnr. 51).
      
      86      In diesem Zusammenhang ist es grundsätzlich Sache der Kommission, nachzuweisen, dass die Muttergesellschaft tatsächlich einen
         entscheidenden Einfluss auf das Verhalten ihrer Tochtergesellschaft auf dem Markt gehabt hat, und zwar auf der Grundlage von
         Sachverhaltsangaben wie insbesondere eines eventuellen Weisungsrechts der Muttergesellschaft gegenüber der Tochtergesellschaft
         (vgl. Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Avebe/Kommission, T‑314/01, Slg. 2006, II‑3085, Randnr. 136 und die dort
         angeführte Rechtsprechung). Nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs und des Gerichts kann die Kommision vernünftigerweise
         vermuten, dass eine 100%ige Tochtergesellschaft einer Muttergesellschaft im Wesentlichen die Weisungen ihrer Muttergesellschaft
         ausführt, und braucht aufgrund dieser Haftungsvermutung nicht nachzuprüfen, ob die Muttergesellschaft dieses Weisungsrecht
         gegenüber der Tochtergesellschaft tatsächlich ausgeübt hat. Erklärt die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte,
         dass sie beabsichtige, die Muttergesellschaft für eine Zuwiderhandlung der Tochtergesellschaft persönlich verantwortlich zu
         machen, und beruft sie sich dabei auf die Haftungsvermutung, die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaft das gesamte
         Kapital an der Tochtergesellschaft hält, ist es Sache der Muttergesellschaft, die ihre Haftung bestreiten möchte, im Lauf
         des Verwaltungsverfahrens oder spätestens vor den Gerichten der Union hinreichende Beweise vorzulegen, um die Vermutung zu
         entkräften, indem sie beweist, dass die Tochtergesellschaft, obwohl die Muttergesellschaft das gesamte Kapital an ihr hielt,
         tatsächlich eigenständig ihr Marktverhalten bestimmte (vgl. Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Akzo Nobel/Kommission,
         T‑330/01, Slg. 2006, II‑3389, Randnrn. 82 und 83 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      87      Die Kommission muss in der Lage sein, in ihrer eine Zuwiderhandlung feststellenden Entscheidung die Antworten der betroffenen
         Unternehmen auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu berücksichtigen. Hierbei muss sie nicht nur die Argumente der betroffenen
         Unternehmen zulassen oder zurückweisen können, sondern auch selbst die von ihnen angeführten Angaben zum Sachverhalt prüfen
         können, sei es, um die Beschwerdepunkte fallen zu lassen, die sich womöglich als nicht stichhaltig erweisen, sei es, um sowohl
         auf tatsächlicher als auch auf rechtlicher Ebene ihr Vorbringen zur Stützung der von ihr weiter aufrechterhaltenen Beschwerdepunkte
         zu ordnen oder zu vervollständigen (Urteil des Gerichts vom 15. März 2006, BASF/Kommission, T‑15/02, Slg. 2006, II‑497, Randnr.
         93; vgl. in diesem Sinne auch Urteile des Gerichtshofs vom 15. Juli 1970, ACF Chemiefarma/Kommission, 41/69, Slg. 1970, 661,
         Randnrn. 91 und 92, vom 16. Dezember 1975, Suiker Unie u. a./Kommission, 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73, 111/73,
         113/73 und 114/73, Slg. 1975, 1663, Randnrn. 437 und 438, und vom 29. Oktober 1980, van Landewyck u. a./Kommission, 209/78
         bis 215/78 und 218/78, Slg. 1980, 3125, Randnr. 68).
      
      88      Was die der Kommission obliegende Begründungspflicht insbesondere beim Erlass einer eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsvorschriften
         feststellenden Entscheidung angeht, ist nach ständiger Rechtsprechung die Rüge einer fehlenden oder nicht hinreichenden Begründung
         von der Rüge einer unzutreffenden Begründung der Entscheidung (aufgrund eines Sachverhaltsirrtums oder eines Fehlers in der
         rechtlichen Bewertung) zu unterscheiden. Letzterer Gesichtspunkt betrifft die Prüfung der materiellen Rechtmäßigkeit der Entscheidung
         und nicht die Prüfung des Verstoßes gegen wesentliche Formerfordernisse und kann somit keinen Verstoß gegen Art. 253 EG darstellen
         (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 2. April 1998, Kommission/Sytraval und Brink‘s France, C‑367/95 P, Slg.
         1998, I‑1719, Randnrn. 67 und 72, vom 30. März 2000, VBA/Florimex u. a., C‑265/97 P, Slg. 2000, I‑2061, Randnr. 114, und vom
         2. Oktober 2003, International Power u. a./NALOO, C‑172/01 P, C‑175/01 P, C‑176/01 P und C‑180/01 P, Slg. 2003, I‑11421, Randnr.
         145; Urteil des Gerichts vom 7. November 1997, Cipeke/Kommission, T‑84/96, Slg. 1997, II‑2081, Randnr. 47). Als wesentliches
         Formalerfordernis muss die nach Art. 253 EG erforderliche Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts angepasst sein
         und die Überlegungen des Organs, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen
         ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann
         (Urteil des Gerichtshofs vom 18. September 2003, Volkswagen/Kommission, C‑338/00 P, Slg. 2003, I‑9189, Randnr. 124). Zwar
         ist die Kommission nach Art. 253 EG gehalten, die tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte, von denen die Rechtfertigung
         der Entscheidung abhängt, sowie die rechtlichen Erwägungen zu erwähnen, die sie dazu veranlasst haben, diese Entscheidung
         zu erlassen, doch verlangt diese Vorschrift nicht, dass sie sämtliche tatsächlichen und rechtlichen Fragen thematisiert, die
         im Lauf des Verwaltungsverfahrens behandelt worden sind (Urteile des Gerichtshofs vom 17. Januar 1984, VBVB und VBBB/Kommission,
         43/82 und 63/82, Slg. 1984, 19, Randnr. 22; vom 11. Juli 1989, Belasco u. a./Kommission, 246/86, Slg. 1989, 2117, Randnr.
         55, und Volkswagen/Kommission, Randnr. 127). Das Begründungserfordernis ist nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere
         nach dem Inhalt des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und nach dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder
         andere von dem Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können (Urteil Kommission/Sytraval
         und Brink‘s France, Randnr. 63 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      89      Die vorstehend angeführte Rechtsprechung gilt entsprechend für die Entscheidungen der Kommission, mit denen eine Zuwiderhandlung
         gegen Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen festgestellt wird.
      
      90      Im vorliegenden Fall hat die Kommission in den Randnrn. 331 und 337 der Mitteilung der Beschwerdepunkte ihre Absicht bekundet,
         Alstom zusammen und gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA und der Areva T&D AG für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 15. April 1988 bis zum 8. Januar 2004 haften zu lassen, und zwar gestützt auf die Haftungsvermutung,
         die sich daraus ergibt, dass das gesamte Kapital an den Tochtergesellschaften von ihrer Muttergesellschaft gehalten wird (siehe
         oben, Randnr. 86).
      
      91      Aus den Randnrn. 335, 348 bis 356 und 358 der angefochtenen Entscheidung ergibt sich, dass sich die Kommission, als sie Alstom
         gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für den Zeitraum
         vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 verantwortlich machte, letztlich nicht nur auf die Haftungsvermutung, die sich aus
         dem Halten des gesamten Kapitals an den Tochtergesellschaften durch ihre Muttergesellschaft ergibt, gestützt hat, sondern
         auch auf Angaben zum Sachverhalt gestützt hat, die im Lauf des Verwaltungsverfahrens gemacht wurden. So hat die Kommission
         in Randnr. 351 der angefochtenen Entscheidung Bezug auf eine Entscheidung des französischen Conseil de la concurrence vom
         1. März 1988 genommen, mit der gegen Alsthom nach französischem Wettbewerbsrecht eine Geldbuße wegen Angebotsmanipulationspraktiken
         verhängt wurde, die ebenfalls elektrische Ausrüstungen (Mittelspannungstransformatoren) betrafen. Die Kommission hat außerdem
         in Randnr. 353 der angefochtenen Entscheidung Bezug auf die von Alstom selbst gemachten Angaben genommen, in denen sich ein
         Beleg dafür sehen lasse, dass die betriebliche Organisation Vorrang vor der Rechtsstruktur gehabt habe und dass im Geschäftsbereich
         T&D die Tätigkeiten auf dem Gebiet der GIS‑Vorhaben auf der obersten Entscheidungsebene von Alstom und ihren Vorgängergesellschaften
         geleitet worden seien. Schließlich hat die Kommission in den Randnrn. 354 und 355 der angefochtenen Entscheidung auf die von
         der Areva‑Gruppe vorgelegten Angaben Bezug genommen, die es erlaubten, sechs Mitglieder des Verwaltungsrats der Alstom T&D
         SA namhaft zu machen, die vor Januar 2004 gleichzeitig oder nacheinander Mitglieder des Verwaltungsrats der „Muttergesellschaften“
         der Alstom‑Gruppe waren oder sogar als Generaldirektor fungierten.
      
      92      Alstom bestreitet nicht die tatsächlichen Bewertungen in der angefochtenen Entscheidung, wonach die Alstom T&D SA und die
         Alstom T&D AG im Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 ihre 100%igen Tochtergesellschaften gewesen seien. Entgegen
         dem Vorbringen von Alstom berechtigten aber bereits diese Feststellungen die Kommission zu der Vermutung, dass die Alstom
         T&D SA und die Alstom T&D AG ihr Marktverhalten gegenüber Alstom nicht eigenständig bestimmten und dass diese Gesellschaften
         somit zusammen mit Alstom ein einziges Unternehmen im wettbewerbsrechtlichen Sinne bildeten. Entsprechend der vorstehend in
         Randnr. 86 angeführten Rechtsprechung war es Sache von Alstom, die sich darauf berief, dass ihre im Geschäftsbereich T & D
         tätigen Tochtergesellschaften eigenständig ihr Marktverhalten während des fraglichen Zeitraums bestimmt hätten, durch Vorlage
         insoweit hinreichend beweiskräftiger Beweise die Haftungsvermutung zu widerlegen, die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaft
         das Gesamtkapital ihrer Tochtergesellschaften hielt.
      
      93      In den Nrn. 90 bis 150 ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte hat Alstom vorgetragen, dass das betroffene Unternehmen
         den „Geschäftsbereich T & D“ der Alstom‑Gruppe abgedeckt habe und dass, da dieser Sektor sein Marktverhalten unabhängig bestimmt
         habe, allein die operativen Tochtergesellschaften, denen dieser Bereich zugewiesen gewesen sei, haftbar gemacht werden könnten.
         Innerhalb der Alstom‑Gruppe fielen betriebliche Organisation und Rechtsstruktur auseinander und bestätigten die fehlende Verbindung
         zwischen den Kapitalverhältnissen und dem Marktverhalten der Geschäftsbereiche und ihrer unterschiedlichen Aktivitäten, die
         vollkommen dezentralisiert und eigenständig funktioniert und ihre Entscheidungen getroffen hätten. Als Muttergesellschaft
         der Alstom‑Gruppe habe Alstom, und sei es nur in personeller, organisatorischer und fachkundiger Hinsicht, nicht über die
         Mittel verfügt, entscheidend die Geschäftspolitik dieser Geschäftsbereiche zu bestimmen. Die Gesellschaft habe sich daher
         darauf beschränkt, über ihren Exekutivausschuss die allgemeine Strategie und die in ihnen zu erreichenden finanziellen Ziele,
         die ihren Tätigkeiten innewohnenden geschäftlichen Risiken sowie die Entscheidungen der mit ihnen betrauten operativen Tochtergesellschaften
         zu bestimmen und zu überwachen, wenn sie ein finanzielles Risiko für die Alstom‑Gruppe insgesamt hätten bedeuten können. Der
         „Geschäftsbereich T&D“ der Alstom‑Gruppe habe somit seine eigenen Regeln entwickelt und bestimmt, wie seine unterschiedlichen
         geschäftlichen Aktivitäten zu strukturieren und zu verwalten seien. Insbesondere beim Betrieb der GIS‑Geschäfte habe sich
         die Rolle von Alstom darauf beschränkt, im Exekutivkommitee und auf der Grundlage einer kurzen Information die Angebotsentwürfe
         in Bezug auf GIS‑Vorhaben zu genehmigen, die eine bestimmte Schwelle überstiegen oder für die Alstom‑Gruppe bestimmte „erhebliche
         Risiken“ mit sich gebracht hätten. In diesem Zusammenhang sei es für Alstom in Anbetracht der beschränkten Informationen,
         über die die Gesellschaft verfügt habe, gänzlich unmöglich gewesen, die Beteiligung eines Teils des „Geschäftsbereichs T & D“
         der Alstom‑Gruppe an der Zuwiderhandlung festzustellen. Die wenigen Personen, die an den Aktivitäten des GIS‑Geschäfts beteiligt
         gewesen seien und zu den operativen Tochtergesellschaften gehört hätten, die mit diesen Aktivitäten betraut gewesen seien,
         nämlich zur Alstom T&D SA und zur Alstom T&D AG, und die an den Kartellsitzungen teilgenommen hätten, hätten in Unkenntnis
         von Alstom und deren Führungspersonal gehandelt.
      
      94      Ihre in Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragene Argumentation hat Alstom auf verschiedene Unterlagen
         gestützt, die in der Rechtssache T‑121/07 auch zu den Akten gereicht worden sind und für die eine vertrauliche Behandlung
         bewilligt worden ist (siehe oben, Randnrn. 19 und 38). Es handelt sich dabei um das „Information Memorandum“ (Informationsmemorandum),
         das im März 2003 für den Verkauf des „Geschäftsbereichs T & D“ der Alstom‑Gruppe an die Areva‑Gruppe verfasst wurde, um eine
         Abschrift der internen Anweisungen des genannten Geschäftsbereichs, die ab 1999 auf der Internetseite der Alstom‑Gruppe verfügbar
         waren, um das „e-Book“ von Alstom, zwei nicht ausgefüllte Vordrucke zur Genehmigung von Angeboten für GIS‑Vorhaben und schließlich
         eine Abschrift der Protokolle sämtlicher Sitzungen des Exekutivausschusses der Alstom‑Gruppe zwischen Anfang 1999 und Ende
         2003.
      
      95      In Randnr. 348 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt, dass Alstom in den Nrn. 90 bis 150 ihrer in
         den Randnrn. 345 bis 347 der angefochtenen Entscheidung kurz zusammengefassten Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         keine befriedigenden Erklärungen oder überzeugenden Argumente vorgebracht habe, aus denen man habe schließen können, dass
         die Gesellschaft nicht in der Lage gewesen sei, entscheidenden Einfluss auf die Geschäftspolitik ihrer im Geschäftsbereich
         T & D tätigen Tochtergesellschaften auszuüben.
      
      96      Die Verfahrensbeteiligten streiten sich erstens darüber, ob die Kommission rechtlich hinreichend die Zurückweisung der von
         Alstom im Verwaltungsverfahren vorgelegten Beweise als nicht hinreichend beweiskräftig begründet hat.
      
      97      In den Randnrn. 350 bis 356 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission im Einzelnen die Gründe dargelegt, aus denen
         sie der Ansicht war, dass die von Alstom im Lauf des Verwaltungsverfahrens vorgelegten Beweise, und zwar insbesondere im Hinblick
         auf diesen widersprechende, von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe vorgelegte Beweise, nicht hinreichend beweiskräftig gewesen
         seien. In den Randnrn. 350 bis 352 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt, dass die Übertragung von
         Funktionen geschäftlicher Art auf der Ebene des „Geschäftsbereichs T & D“ oder der GIS‑Geschäfte der Alstom‑Gruppe Alstom
         nicht ihrer Haftung entheben könne, da diese Gesellschaft selbst eingeräumt habe, dass sie in der Zeit der Zuwiderhandlung
         sämtliche GIS‑Vorhaben zu genehmigen gehabt habe, die eine bestimmte Schwelle überstiegen oder für die Alstom‑Gruppe bestimmte
         „erhebliche Risiken“ mit sich gebracht hätten. In Anbetracht der empfindlichen Geldbuße, die der französische Conseil de la
         concurrence mit seiner Entscheidung vom 1. März 1988 verhängt habe, sei es unwahrscheinlich gewesen, dass Alstom einen Verstoß
         gegen das Wettbewerbsrecht nicht als erhebliches Risiko erkannt haben sollte, das eine verstärkte Wachsamkeit rechtfertige.
         In den von Alstom vorgelegten Beweisen dafür, dass innerhalb der Alstom‑Gruppe die betriebliche Organisation gegenüber der
         Rechtsstruktur Vorrang habe, lasse sich außerdem ein Beleg dafür sehen, dass Alstom über die Betriebsleiter des „Geschäftsbereichs
         T & D“ der Alstom‑Gruppe, die ihr zugeordnet und ihr gegenüber berichtspflichtig gewesen seien, einen entscheidenden Einfluss
         auf die Tätigkeiten im GIS‑Geschäft ihrer im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften ausgeübt habe. In den Randnrn.
         354 bis 356 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission außerdem die Behauptung Alstoms für wenig glaubhaft erachtet,
         wonach die Führungskräfte über die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung nicht informiert gewesen
         seien, und zwar in Anbetracht der von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe vorgelegten Beweise, die belegten, dass mehrere
         Personen gleichzeitig oder nacheinander Führungspositionen bei Alstom oder bei Muttergesellschaften und in den Tochtergesellschaften
         der Alstom‑Gruppe ausgeübt hatten, und in Anbetracht dessen, dass die verschiedenen Tochtergesellschaften, die nacheinander
         innerhalb der Alstom‑Gruppe die GIS‑Geschäfte betrieben hätten, immer unmittelbar oder mittelbar zu 100 % von Alstom oder
         ihren Vorgängergesellschaften gehalten worden seien.
      
      98      Zwar weist Alstom zu Recht darauf hin, dass die Kommission in den Randnrn. 350 bis 356 der angefochtenen Entscheidung nicht
         im Einzelnen sämtliche rechtlichen und tatsächlichen Gründe diskutiert, die sie im Lauf des Verwaltungsverfahrens vorgetragen
         hat, doch enthält die angefochtene Entscheidung eine hinreichende Begründung, anhand deren Alstom erkennen konnte, dass die
         Kommission der Ansicht war, dass diese Beweismaterialien nicht beweiskräftig gewesen seien, und dass sie sie demzufolge für
         persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8.
         Januar 2004 verantwortlich hielt. Denn das behauptete Fehlen einer Begründung hat im vorliegenden Fall Alstom nicht daran
         gehindert, vor dem Gericht vorzutragen, dass die rechtlichen und tatsächlichen Gründe, die sie im Lauf des Verwaltungsverfahrens
         vorgetragen habe, zeigten, dass ihre im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften eigenständig ihr Marktverhalten
         im betreffenden Zeitraum bestimmt hätten und dass somit die Haftungsvermutung, die sich daraus ergebe, dass die Muttergesellschaft
         das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaften halte, vor der Kommission widerlegt worden sei. Es hindert auch das Gericht
         nicht daran, seine Rechtmäßigkeitskontrolle der angefochtenen Entscheidung auszuüben, soweit diese sich auf die genannte Vermutung
         stützt, um die Zuwiderhandlung Alstom anzulasten.
      
      99      Die Rüge eines Verstoßes gegen die Begründungspflicht, die Alstom im Rahmen des dritten Klagegrundes vorgetragen hat, ist
         daher als unbegründet zurückzuweisen.
      
      100    Soweit Alstom in der mündlichen Verhandlung versucht hat, die ursprünglich zu diesem Aspekt der angefochtenen Entscheidung
         vorgetragenen Rügen auszuweiten, indem sie einen Verstoß gegen den Grundsatz der Beachtung der Verteidigungsrechte und den
         Grundsatz der Gleichheit der Verfahrensbeteiligten in einem Verfahren vor dem Unionsrichter geltend gemacht hat, hat sie damit
         neue Angriffsmittel vorgebracht, die nicht auf rechtliche oder tatsächliche Gründe gestützt sind, die erst während des Verfahrens
         zutage getreten sind. Nach Art. 48 § 2 Abs. 1 der Verfahrensordnung sind derartige Angriffsmittel als unzulässig zurückzuweisen.
      
      101    Die Verfahrensbeteiligten streiten zweitens darüber, ob das Vorbringen von Alstom in den Nrn. 90 bis 150 ihrer Antwort auf
         die Mitteilung der Beschwerdepunkte, wie es in den Randnrn. 345 bis 347 der angefochtenen Entscheidung kurz zusammengefasst
         worden ist, und die zur Untermauerung dieser Antwort vorgelegten Unterlagen geeignet waren, die Haftungsvermutung zu widerlegen,
         die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaft das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaft hielt, und zu beweisen,
         dass Alstom T&D SA und Alstom T&D AG trotzdem zum Zeitpunkt der Zuwiderhandlung ihr Marktverhalten eigenständig gegenüber
         ihrer Muttergesellschaft bestimmten.
      
      102    Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die von Alstom zur Untermauerung ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         vorgelegten Unterlagen belegen, dass die betriebliche Organisation in der Alstom‑Gruppe Vorrang gegenüber der Rechtsstruktur
         hatte. Die Verfahrensbeteiligten selbst gehen im Hinblick auf diese Beweisstücke übereinstimmend davon aus, dass die Organisation
         der Abteilungen oder der betrieblichen Bereiche Vorrang vor der rechtlichen Struktur hatte. Das von Alstom vorgelegte „e-Book“,
         das die Weisungen und allgemeinen Politiken der Alstom‑Gruppe, die der Generaldirektor von Alstom festgelegt hat, enthält,
         bestätigt unter Punkt 3.1.1 Abs. 3, dass „[vertraulich](1)“. Insbesondere ergibt sich aus Punkt 1.4 des „Information Memorandum“, dass vor seiner Veräußerung an die Areva‑Gruppe der
         Geschäftsbereich T & D „[vertraulich]“ innerhalb der Alstom‑Gruppe, so dass „[vertraulich]“. Daher ist von den Verfahrensbeteiligten nicht wirksam bestritten worden, dass die Alstom T&D SA und die Alstom T&D AG
         während der fraglichen Zeiträume, nämlich vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar
         2004, Inhaber von Rechten in Bezug auf die Sach- und Humanressourcen waren, die an den Tätigkeiten auf dem Gebiet der GIS‑Geschäfte
         beteiligt waren und im vorliegenden Fall dem betroffenen Unternehmen entsprachen (siehe oben, Randnr. 71; vgl. in diesem Sinne
         auch Schlussanträge von Generalanwältin Kokott in der Rechtssache ETI u. a., Urteil oben in Randnr. 65 angeführt, Nr. 31).
         Daher lässt sich die Frage der Bestimmung der vom betroffenen Unternehmen verfolgten Politik während der vorgenannten Zeiträume
         nicht von derjenigen der Bestimmung der von der Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG während dieser Zeit verfolgten Politik
         unterscheiden.
      
      103    Außerdem erlauben die von Alstom vorgelegten Unterlagen nicht die Feststellung, dass der „Geschäftsbereich T & D“ der Alstom‑Gruppe
         und innerhalb dessen die GIS‑Geschäfte vollkommen dezentral und eigenständig innerhalb der Alstom‑Gruppe betrieben worden
         wären. Vielmehr belegen diese Unterlagen, dass die Geschäftsleitung der Alstom‑Gruppe, die Alstom unterstellt war, an der
         Festlegung der Ausrichtung des Marktverhaltens im „Geschäftsbereich T & D“ der Alstom‑Gruppe und seiner verschiedenen Sparten
         beteiligt war und dass sie ständig überwachte, dass in dem genannten Geschäftsbereich und seinen verschiedenen Sparten diese
         Ausrichtung beibehalten wurde.
      
      104    Das „e-Book“ beschreibt in seinen Punkten 3.1, 2.1 und 3.1, 2.2 den Aufbau der Geschäftsleitung der Alstom‑Gruppe. [vertraulich]
      
      105    [vertraulich]
      
      106    [vertraulich]
      
      107    [vertraulich]
      
      108    [vertraulich]
      
      109    [vertraulich]
      
      110    Aufgrund der organisatorischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verbindungen, die die von Alstom während des Verwaltungsverfahrens
         vorgelegten Beweismaterialien zum einen zwischen der Geschäftsleitung der Alstom‑Gruppe, die Alstom untersteht, und zum anderen
         den GIS‑Geschäften der genannten Gruppe erkennen lassen, die zu dieser Zeit von der Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG über
         den „Geschäftsbereich T & D“ betrieben wurden, konnte die Kommission zu Recht in der angefochtenen Entscheidung davon ausgehen,
         dass diese Beweise es nicht erlaubten, die Haftungsvermutung zu widerlegen, die sich daraus ergibt, dass das gesamte Kapital
         der Tochtergesellschaften von ihrer Muttergesellschaft gehalten wurde. Somit konnte die Kommission ebenfalls zu Recht in der
         angefochtenen Entscheidung Alstom die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 anlasten.
      
      111    Soweit das vorstehende Ergebnis zum einen zeigt, dass Alstom niemals aufgehört hat, über völlig oder fast völlig in ihrem
         Eigentum stehende Tochtergesellschaften das betroffene Unternehmen bis zur konzernübergreifenden Veräußerung am 8. Januar
         2004 zu leiten, und zum anderen, dass Alstom insoweit bis zu diesem Datum persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der festgestellten Zuwiderhandlung verantwortlich war, erlaubt es auch, auf die Rüge einer rechtsfehlerhaften Nichtanwendung
         des sogenannten Kriteriums „der wirtschaftlichen Kontinuität“ auf die Umstrukturierungsvorgänge innerhalb der Gruppe am 7.
         Dezember 1992 und am 22. Dezember 2003 (siehe oben, Randnr. 79) einzugehen und diese Rüge in Anbetracht der Beziehungen zwischen
         Alstom und ihren im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften als unerheblich zurückzuweisen.
      
      112    Schließlich ermöglicht dieses Ergebnis auch die Zurückweisung wegen Unbegründetheit der im Rahmen des siebten Klagegrundes
         geltend gemachten Rüge eines Verstoßes gegen den Grundsatz der Beachtung der Verteidigungsrechte, was bestimmte zusätzliche
         Beweise betrifft, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zur Stützung der Haftungsvermutung angeführt hat, die
         sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaft das gesamte Kapital der Tochtergesellschaft hielt (siehe oben, Randnr. 91).
         Zum einen kann ein Verstoß gegen den Grundsatz der Beachtung der Verteidigungsrechte nur dann vorliegen, wenn aufgrund eines
         von der Kommission begangenen Fehlers die Möglichkeit besteht, dass das von ihr durchgeführte Verwaltungsverfahren zu einem
         anderen Ergebnis hätte führen können (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 2. Oktober 2003, Thyssen Stahl/Kommission,
         C‑194/99 P, Slg. 2003, I‑10821, Randnr. 31 und die dort angeführte Rechtsprechung). Zum anderen hat Alstom nicht dargetan,
         dass sie sich besser hätte verteidigen können, wenn sie im Verwaltungsverfahren gewusst hätte, dass die Kommission die zusätzlichen
         Beweise zur Stützung der Haftungsvermutung geltend machen wollte, die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaft das
         gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaften hielt (vgl. in diesem Sinne das Urteil Thyssen Stahl/Kommission, Randnr. 31 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
       Zum Übergang der persönlichen Verantwortlichkeit von Alstom wegen Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         im Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 auf die Gesellschaften der Areva‑Gruppe in Anbetracht der Veräußerung dieses
         Unternehmens an die Areva‑Gruppe
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      113    Alstom wirft im Rahmen des zweiten Teils ihres vierten Klagegrundes, mit dem ein Rechtsfehler gerügt wird, der Kommission
         vor, diese habe in der angefochtenen Entscheidung die Verantwortlichkeit, die Alstom wegen der Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 getroffen habe, nicht in Anbetracht
         der konzernübergreifenden Veräußerung vom 8. Januar 2004 auf die Areva‑Gruppe übertragen.
      
      114    Alstom zufolge ist der Kommission bei der Anwendung der Regeln für die Zurechnung einer Zuwiderhandlung in Art. 81 EG und
         Art. 53 EWR‑Abkommen ein Rechtsfehler unterlaufen, soweit sie Alstom die Verantwortlichkeit für die vom betroffenen Unternehmen
         begangene Zuwiderhandlung vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 angelastet habe, während mit dem Übertragungsvertrag, der
         am 25. September 2003 geschlossen worden sei, die meisten Aktiva und Passiva, Angestellten und Einstandspflichten des „Geschäftsbereichs
         T & D“ der Alstom‑Gruppe in der T & D Holding Etranger umstrukturiert worden seien, die mit Wirkung zum 8. Januar 2004 an
         die Areva‑Gruppe veräußert und zur Areva T&D Holding geworden sei, die das gesamte Kapital der Alstom T&D SA und der Alstom
         T&D AG (zuvor unter Alstom T&D SA und Alstom T&D AG firmierend) gehalten habe. Die Angaben zur Bestimmung der von dem streitigen
         Sachverhalt betroffenen juristischen Personen im Schreiben vom 4. Dezember 2006 (siehe oben, Randnr. 26), das in der Akte
         der Rechtssache T‑121/07 enthalten sei, zeigten, dass sämtliche Aktiva, Angestellte und Passiva des „Geschäftsbereichs T & D“
         der Alstom‑Gruppe auf die Areva‑Gruppe übertragen worden seien. Dies erkläre, dass im Übertragungsvertrag für die im „Geschäftsbereich
         T & D“ in der Vergangenheit entstandenen Einstandspflichten eine Garantieklausel vereinbart worden sei. Folglich hätte allein
         den Gesellschaften der Areva‑Gruppe die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         für den gesamten Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 angelastet werden müssen.
      
      115    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, die vorliegende Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      116    Wie aus der vorstehend in Randnr. 65 erwähnten Rechtsprechung hervorgeht, hat grundsätzlich die Person, die das Unternehmen
         zu dem Zeitpunkt leitete, zu dem es an der Zuwiderhandlung beteiligt war, für diese Zuwiderhandlung einzustehen, selbst wenn
         das genannte Unternehmen am Tag des Erlasses der die Zuwiderhandlung feststellenden Entscheidung unter der Verantwortlichkeit
         oder Leitung einer anderen Person steht.
      
      117    Im vorliegenden Fall hat die Kommission Alstom persönlich die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 zugewiesen, und zwar gesamtschuldnerisch mit der
         Areva T&D SA für die Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und mit der Areva T&D AG für die Zeit vom 22. Dezember 2002
         bis 8. Januar 2004. Während dieser Zeiträume war es, wie vorstehend in den Randnrn. 110 und 111 dargelegt, gerechtfertigt,
         davon auszugehen, dass Alstom dieses Unternehmen über die Alstom T&D SA und die Alstom T&D AG, ihre 100%igen Tochtergesellschaften,
         die die GIS‑Geschäfte betrieben, leitete.
      
      118    Von den Verfahrensbeteiligten wird nicht bestritten, dass Alstom ab dem 8. Januar 2004 und gemäß den Bestimmungen des Übertragungsvertrags
         die Kontrolle über die Alstom T&D SA und die Alstom T&D AG verloren hat. Von diesem Tag an stand somit das betroffene Unternehmen
         nicht mehr unter ihrer Verantwortlichkeit oder Leitung.
      
      119    Daher konnte die Kommission zu Recht die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         in der Zeit vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 der Person zuweisen, die über ihre 100%igen Tochtergesellschaften dieses
         Unternehmen leitete. Ihr ist daher kein Rechtsfehler unterlaufen, als sie Alstom persönlich für die Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 verantwortlich machte und davon absah,
         diese Verantwortlichkeit allein deshalb auf die Gesellschaften der Areva‑Gruppe zu übertragen, weil das betroffene Unternehmen
         ab dem 9. Januar 2004 unter deren Verantwortlichkeit oder Leitung stand.
      
      120    Daher ist die vorliegende Rüge zurückzuweisen.
      
       Zur persönlichen Verantwortlichkeit der Areva T&D SA und der Areva T&D AG für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in den Zeiträumen vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 bzw. vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar
         2004
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      121    Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe machen mit dem ersten Teil ihres ersten Klagegrundes geltend, dass die Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung die ihr obliegende Begründungspflicht verletzt habe, da sie in widersprüchlicher Weise und jedenfalls
         unzureichend begründet habe, weswegen die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in den Zeiträumen
         vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 bzw. vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 der Areva T&D SA und der Areva T&D AG
         zugerechnet worden sei. In den Randnrn. 368 und 369 der angefochtenen Entscheidung, sehe man diese in Verbindung mit der in
         Randnr. 337 der Entscheidung angeführten Rechtsprechung, habe sich die Kommission widersprochen, indem sie zum einen darauf
         abgestellt habe, dass Alstom einen entscheidenden Einfluss auf ihre 100%igen Tochtergesellschaften ausgeübt habe, die in den
         Zeiträumen vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 im Geschäftsbereich T & D
         tätig gewesen seien, und zum anderen darauf, dass dieselben Tochtergesellschaften während der genannten Zeiträume eigenständig
         auf dem Markt tätig gewesen seien. Jedenfalls habe die Kommission nicht rechtlich hinreichend die Feststellung eines eigenständigen
         Marktverhaltens der genannten Gesellschaften während der betreffenden Zeiträume begründet.
      
      122    Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe machen im Rahmen des ersten Teils ihres zweiten Klagegrundes außerdem der Kommission den
         Vorwurf, sie habe in der angefochtenen Entscheidung die sich aus Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen ergebenden Regeln
         für die Zurechnung der Zuwiderhandlungen verletzt, da sie nicht Alstom, die das genannte Unternehmen in der Zeit der Begehung
         der Zuwiderhandlung geleitet habe, die ausschließliche Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung zugewiesen habe.
      
      123    Schließlich tragen die Gesellschaften der Areva‑Gruppe im Rahmen des zweiten Teils ihres zweiten Klagegrundes im Wesentlichen
         vor, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung gegen den allgemeinen Grundsatz der Rechtssicherheit verstoßen
         habe, da sie die Verantwortlichkeit für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in den fraglichen
         Zeiträumen persönlich der Areva T&D SA und der Areva T&D AG zugewiesen habe, die das genannte Unternehmen zum Zeitpunkt der
         Feststellung der Zuwiderhandlung geleitet hätten. Die Kommission habe nämlich in der angefochtenen Entscheidung eine neue
         Sanktionspolitik für eine vor Erlass dieser Entscheidung begangene Zuwiderhandlung angewandt.
      
      124    Die Kommission tritt dem Vorbringen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe entgegen und beantragt, die vorgenannten Klagegründe
         oder Rügen zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      125    Als Erstes ist der erste Teil des ersten Klagegrundes zu prüfen, der von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe vorgebracht und
         aus einem Verstoß gegen die Begründungspflicht hergeleitet wird, die sich auf die Verletzung einer wesentlichen Formvorschrift
         bezieht (siehe oben, Randnr. 88).
      
      126    Wie bereits vorstehend in Randnr. 88 dargelegt, müssen Einzelfallentscheidungen der Kommission, um den Anforderungen von Art. 253
         EG zu genügen, den Betroffenen ermöglichen, zur Wahrnehmung ihrer Rechte die Gründe für die erlassene Maßnahme zu erkennen,
         und den Unionsgerichten die Wahrnehmung ihrer Kontrollaufgabe ermöglichen. Sie müssen daher widerspruchsfrei und hinreichend
         begründet sein (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteil des Gerichtshofs vom 8. Februar 2007, Groupe Danone/Kommission, C‑3/06 P,
         Slg. 2007, I‑1331, Randnrn. 45 und 46).
      
      127    In den Randnrn. 333 bis 339 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission unter Bezugnahme auf die Rechtsprechung des
         Gerichtshofs und des Gerichts die Regeln für die Zurechnung der Zuwiderhandlungen gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen
         angegeben, die sie in der angefochtenen Entscheidung angewandt hat. Den Randnrn. 368 und 369 der angefochtenen Entscheidung
         zufolge hat die Kommission zunächst befunden, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG unter ihrer damaligen Firma unmittelbar
         an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen seien, um diese beiden Gesellschaften gesamtschuldnerisch mit Alstom persönlich für
         die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für die Zeiträume vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004
         bzw. vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 haftbar zu machen. Die Kommission hat somit berücksichtigt, dass sie für das
         betroffene Unternehmen, wie in den Randnrn. 20, 21, 357, 358, 366 und 367 der angefochtenen Entscheidung festgestellt, zum
         Zeitpunkt seiner Beteiligung an der Zuwiderhandlung unmittelbar verantwortlich waren. Sodann hat die Kommission festgestellt,
         dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG unter ihrer damaligen Firma mit Alstom, die 100 % ihrer Anteile hielt und prinzipiell
         ihr Marktverhalten bestimmte, eine einheitliche wirtschaftliche Einheit bildeten. Die Kommission hat folglich die Ansicht
         vertreten, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG gemäß dem Grundsatz der persönlichen Verantwortlichkeit (siehe oben,
         Randnr. 65) gesamtschuldnerisch mit Alstom persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         in den Zeiträumen vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 bzw. vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 haftbar zu machen
         seien.
      
      128    Die Kommission nimmt zwar in den Randnrn. 357 und 366 bis 367 der angefochtenen Entscheidung auf die persönliche Verantwortlichkeit
         der ehemaligen, im Geschäftsbereich T & D der Alstomgruppe tätigen Tochtergesellschaften Bezug, verweist aber auf kein eigenständiges
         Verhalten der genannten Tochtergesellschaften gegenüber ihrer ehemaligen Muttergesellschaft Alstom. Im vorliegenden Fall lässt
         sich ein solcher Verweis auch nicht implizit in der Bezugnahme auf die in Randnr. 337 der angefochtenen Entscheidung angeführte
         Rechtsprechung sehen, da die Kommission in Randnr. 369 der Entscheidung ausdrücklich festgestellt hat, dass die Areva T&D
         SA und die Areva T&D AG unter ihrer damaligen Firma „nicht in der Lage waren, selbstständige Entscheidungen zu treffen“.
      
      129    Nach alledem ist die ausschließliche Verantwortlichkeit von Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der
         Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 als Leitung des genannten Unternehmens in der angefochtenen
         Entscheidung rechtlich hinreichend und widerspruchsfrei begründet worden. Folglich ist der erste Teil des ersten Klagegrundes
         der Gesellschaften der Areva‑Gruppe, der aus einem Verstoß gegen die Begründungspflicht hergeleitet wird, als unbegründet
         zurückzuweisen.
      
      130    Als Zweites sind die beiden Teile des zweiten Klagegrundes und der zweite Teil des vierten Klagegrundes zu prüfen, die die
         Gesellschaften der Areva‑Gruppe vorgebracht haben, mit denen sie in der Sache beanstanden, dass die Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung für die Zeiträume vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 bzw. vom 22. Dezember 2003 bis
         8. Januar 2004 der Areva T&D SA und der Areva T&D AG zugerechnet wird.
      
      131    Es ist darauf hinzuweisen, dass der Grundsatz des Verbots der Rückwirkung von Strafvorschriften ein allen Rechtsordnungen
         der Mitgliedstaaten gemeinsamer Grundsatz ist, der auch in Art. 7 der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Konvention
         zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK) verankert ist und zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen
         gehört, deren Wahrung die Unionsgerichte zu sichern haben (Urteile des Gerichtshofs vom 10. Juli 1984, Kirk, 63/83, Slg. 1984,
         2689, Randnr. 22, und vom 28. Juni 2005, Dansk Rørindustri u. a./Kommission, C‑189/02 P, C‑202/02 P, C‑205/02 P bis C‑208/02 P
         und C‑213/02 P, Slg. 2005, I‑5425, Randnr. 202; Urteile des Gerichts vom 20. März 2002, LR AF 1998/Kommission, T‑23/99, Slg.
         2002, II‑1705, Randnr. 219, und vom 9. Juli 2003, Cheil Jedang/Kommission, T‑220/00, Slg. 2003, II‑2473, Randnr. 43).
      
      132    Selbst wenn nach Art. 15 Abs. 4 der Verordnung Nr. 17 und nach Art. 23 Abs. 5 der Verordnung Nr. 1/2003 Entscheidungen der
         Kommission, mit denen Geldbußen wegen Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht festgesetzt werden, nicht strafrechtlicher Art
         sind, muss die Kommission gleichwohl in jedem Verwaltungsverfahren, das in Anwendung des Wettbewerbsrechts zu Sanktionen führen
         kann, die allgemeinen Grundsätze des Unionsrechts und insbesondere das Rückwirkungsverbot beachten (Urteil Cheil Jedang/Kommission,
         oben in Randnr. 131 angeführt, Randnr. 44).
      
      133    Demnach müssen die Regeln, nach denen natürlichen oder juristischen Personen im Wettbewerbsrecht Zuwiderhandlungen angelastet
         werden, denen entsprechen, die zur Zeit der Begehung der Zuwiderhandlung vorgesehen waren (vgl. entsprechend für die bei der
         Sanktion von Zuwiderhandlung geltenden Regeln Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnr.
         202; Urteile LR AF 1998/Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnr. 221, und Cheil Jedang/Kommission, oben in Randnr.
         131 angeführt, Randnr. 45). Auch wenn der Grundsatz des Rückwirkungsverbots eine schrittweise Klärung der Vorschriften über
         die strafrechtliche Verantwortlichkeit nicht untersagt, steht er doch der rückwirkenden Anwendung einer neuen Auslegung dieser
         Vorschriften entgegen, deren Ergebnis insbesondere unter Berücksichtigung der älteren Rechtsprechung nicht hinreichend vorhersehbar
         war (vgl. in diesem Sinne Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnrn. 217 und 218).
      
      134    Nach der Rechtsprechung sind, wenn mehrere Personen persönlich für die Beteiligung ein und desselben Unternehmens im wettbewerbsrechtlichen
         Sinne an einer Zuwiderhandlung haften, diese Personen als gesamtschuldnerisch für die genannte Zuwiderhandlung haftend anzusehen
         (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 6. März 1974, Istituto Chemioterapico Italiano und Commercial Solvents/Kommission,
         6/73 und 7/73, Slg. 1974, 223, Randnr. 41, und vom 16. November 2000, Metsä-Serla u. a./Kommission, C‑294/98 P, Slg. 2000,
         I‑10065, Randnrn. 33 und 34; Urteile des Gerichts HFB u. a./Kommission, oben in Randnr. 66 angeführt, Randnrn. 54, 524 und
         525, vom 15. Juni 2005, Tokai Carbon u. a./Kommission, T‑71/03, T‑74/03, T‑87/03 und T‑91/03, nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht, Randnr. 62, und Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 64 angeführt, Randnrn. 57 bis 62). Außerdem folgt
         aus diesen Urteilen, dass für die Beteiligung ein und desselben Unternehmens an einer Zuwiderhandlung die Person, unter deren
         Verantwortlichkeit oder Leitung das Unternehmen im Zeitpunkt der Zuwiderhandlung unmittelbar stand, und die Person, die dasselbe
         Unternehmen im Zeitpunkt der Zuwiderhandlung mittelbar leitete, weil sie tatsächlich eine Kontrollbefugnis über die erstgenannte
         Person ausübte und deren Marktverhalten bestimmte, persönlich und gesamtschuldnerisch haftbar gemacht werden können. Die in
         den vorstehenden Randnrn. 65 und 116 angeführte Rechtsprechung ist daher so zu verstehen, dass sie auf die persönliche Verantwortlichkeit
         sowohl der Person, die das Unternehmen in der Zeit der Zuwiderhandlung unmittelbar leitete, als auch der Person abstellt,
         die zur selben Zeit dieses Unternehmen mittelbar leitete.
      
      135    Die vorgenannte Rechtsprechung ist entsprechend zu Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen heranzuziehen.
      
      136    Wie vorstehend in Randnr. 71 festgestellt, entspricht im vorliegenden Fall das von der angefochtenen Entscheidung betroffene
         Unternehmen nicht, wie die Gesellschaften der Areva‑Gruppe vortragen, dem „Geschäftsbereich T & D“ der Alstom‑Gruppe, der
         später an die Areva‑Gruppe veräußert wurde, sondern umfasst sämtliche Mittel, die innerhalb dieses Geschäftsbereichs oder
         über diesen an den GIS‑Geschäften beteiligt waren. Außerdem ist nicht wirksam bestritten worden, dass die Areva T&D SA und
         die Areva T&D AG rechtlich Inhaber dieser Mittel während der fraglichen Zeiträume der Zuwiderhandlungen und für diese Mittel
         unmittelbar verantwortlich waren (siehe oben, Randnr. 102). Schließlich ist nachgewiesen, dass Alstom das Marktverhalten ihrer
         100%igen, im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften bestimmte und somit mittelbar das betroffene Unternehmen
         in der Zeit der Begehung der Zuwiderhandlung leitete (siehe oben, Randnr. 110). Außerdem ergibt sich aus den Randnrn. 358
         und 371 der angefochtenen Entscheidung, dass die Areva T&D SA und Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 21. Dezember 2003 gesamtschuldnerisch haftbar gemacht wurden und
         dass die Areva T&D SA, die Areva T&D AG und Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 gesamtschuldnerisch haftbar gemacht wurden.
      
      137    Außerdem ergibt sich aus der von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe angeführten Rechtsprechung und insbesondere aus den vorstehend
         in Randnr. 65 angeführten Urteilen des Gerichtshofs Cascades/Kommission (Randnrn. 79 und 80) und vom 16. November 2000, KNP
         BT/Kommission (C‑248/98 P, Slg. 2000, I‑9641, Randnr. 71), nicht, dass allein die ehemalige Muttergesellschaft, die mittelbar
         über ihre Tochtergesellschaft das Unternehmen leitete, im Fall der Übertragung der Kontrolle über die Tochtergesellschaft,
         die unmittelbar das Unternehmen leitete, das die Zuwiderhandlung beging, persönlich für die Beteiligung dieses Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der vor der Übertragung liegenden Zeit verantwortlich gemacht werden müsste. Im Übrigen geht es
         in der vorgenannten Rechtsprechung im Kern um die Möglichkeit, der Erwerbergesellschaft eines Unternehmens im wettbewerbsrechtlichen
         Sinne dessen Beteiligung an der Zuwiderhandlung für den Zeitraum vor seiner Veräußerung zuzurechnen.
      
      138    Da sich die Kommission mit der Entscheidung, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG persönlich und gesamtschuldnerisch
         mit Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens in den Zeiträumen vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und
         vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar 2004 haftbar gemacht werden konnten, im Einklang mit den Zurechnungsvorschriften für Zuwiderhandlungen
         in Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen gehandelt hat, kann ihr nicht vorgeworfen werden, insoweit gegen einen dieser Artikel
         verstoßen zu haben.
      
      139    Ebenso wenig kann der Kommission vorgeworfen werden, sie habe in der angefochtenen Entscheidung gegen den Grundsatz des Rückwirkungsverbots
         verstoßen, weil sie rückwirkend eine neue Sanktionspolitik zur Anwendung gebracht habe. Die Regeln für die Zurechnung der
         Zuwiderhandlungen, die im vorliegenden Fall von der Kommission angewandt wurden, ergeben sich aus der Anwendung des Grundsatzes
         der persönlichen Verantwortlichkeit für Zuwiderhandlungen in Art. 81 EG und in Art. 53 EWR‑Abkommen. Aus der in den vorstehenden
         Randnrn. 65, 116 und 134 angeführten Rechtsprechung geht hervor, dass derartige Regeln bereits anwendbar waren, als die Zuwiderhandlung
         begangen wurde, und dass sie zwar zu dieser Zeit oder in der Folgezeit Gegenstand bestimmter Klarstellungen oder Präzisionen
         gewesen sein mögen, dass diese Klarstellungen oder Präzisionen aber nicht zu einer neuen Auslegung der genannten Regeln geführt
         haben, deren Ergebnis nicht in Anbetracht der früheren Rechtsprechung vorhersehbar gewesen wäre. Folglich kann in der angefochtenen
         Entscheidung selbst keine Umsetzung einer neuen Sanktionspolitik durch Erlass neuer Regeln für die Zurechnung der Zuwiderhandlung
         in Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen gesehen werden.
      
      140    Der von den Gesellschaften der Areva‑Gruppe nicht bestrittene Umstand, dass diese Gesellschaften in den Übertragungsvertrag
         eine Garantieklausel für Einstandspflichten aufgenommen haben, die insbesondere das Risiko betrifft, dass der Areva T&D SA
         und der Areva T&D AG die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an einer wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung im Zeitraum
         vor der Abtretung zugerechnet und dass gegen sie insoweit persönlich eine Sanktion verhängt wird, zeigt im Übrigen, dass die
         Zurechnung der Zuwiderhandlung, zu der die Kommission in der angefochtenen Entscheidung gelangt ist, vernünftigerweise selbst
         vor Erlass dieser Entscheidung für die Gesellschaften der Areva‑Gruppe vorhersehbar war, und zwar im Hinblick auf die damals
         geltenden Regeln für die Zurechnung von Zuwiderhandlungen.
      
      141    Nach alledem sind die beiden Teile des zweiten Klagegrundes sowie der zweite Teil des vierten Klagegrundes, die die Gesellschaften
         der Areva‑Gruppe vorgebracht haben, vollumfänglich als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zur persönlichen Verantwortlichkeit der Areva und der Areva T&D Holding als 100%ige Muttergesellschaften der Areva T&D SA
         und der Areva T&D AG wegen Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 9. Januar bis 11.
         Mai 2004
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      142    Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe machen im Rahmen ihres dritten Klagegrundes geltend, dass die Kommission in Art. 1 Buchst. e
         und f der angefochtenen Entscheidung gegen die Regeln für die Zurechnung von Zuwiderhandlungen verstoßen habe, die sich aus
         Art. 81 Abs. 1 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen ergäben, da sie ihnen die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         in der Zeit vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 als 100%ige Muttergesellschaften der Areva T&D SA und der Areva T&D AG zugerechnet
         habe, obwohl die Beweise, die sie im Lauf des Verwaltungsverfahrens vorgelegt hätten, hinreichend beweiskräftig gewesen seien,
         um im vorliegenden Fall die Haftungsvermutung zu widerlegen, die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaften das gesamte
         Kapital ihrer Tochtergesellschaften hielten.
      
      143    Die Kommission tritt dem Vorbringen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe entgegen und beantragt die Zurückweisung des vorgenannten
         Klagegrundes.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      144    Aus den Randnrn. 370 und 371 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung sowie aus den Randnrn. 333 bis 337, 354 und 364, auf
         die Randnr. 370 verweist, geht hervor, dass die Kommission, als sie Areva und die Areva T&D Holding gesamtschuldnerisch mit
         der Areva T&D SA und der Areva T&D AG für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit
         vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 haftbar machte, nicht nur auf die Haftungsvermutung Bezug genommen hat, die sich daraus ergibt,
         dass eine Muttergesellschaft das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaft hält, sondern auch auf Angaben zum Sachverhalt,
         die Areva und die Areva T&D Holding im Lauf des Verwaltungsverfahrens gemacht haben, um zu versuchen, die genannte Vermutung
         zu widerlegen (siehe unten, Randnr. 148). So macht die Kommission geltend, dass die von Alstom vorgenommene Ernennung eines
         neuen Mitglieds im Verwaltungsrat ihrer im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften das Ergebnis stütze, dass
         durch die erstgenannte Gesellschaft ein entscheidender Einfluss auf die Zweitgenannten ausgeübt worden sei, da, wie aus einer
         öffentlich zugänglichen Information auf der Homepage der Areva‑Gruppe hervorgehe, dieses neue Verwaltungsratsmitglied am 19.
         Januar 2004, also lediglich 10 Tage nach der konzernübergreifenden Veräußerung, auch zum Direktor des „Geschäftsbereichs T & D“
         der Areva‑Gruppe ernannt worden sei und er gleichzeitig in das Exekutivkomitee der Areva‑Gruppe aufgenommen worden sei. Außerdem
         war die Kommission in Bezug auf die konzerninternen Umstrukturierungsmaßnahmen der Ansicht, dass der Firmenwechsel der im
         Geschäftsbereich T & D der Alstom‑Gruppe tätigen Tochtergesellschaften, der unmittelbar nach der konzernübergreifenden Veräußerung
         stattgefunden habe und wodurch diese Gesellschaften in Areva T&D SA und in Areva T&D AG umbenannt worden seien, belege, dass
         sie in die Aeva‑Gruppe integriert worden seien. Jedenfalls macht die Kommission geltend, dass die von Areva und Areva T&D
         Holding angeführten Tatsachen nicht bewiesen, dass diese Gesellschaften zur Zeit der fraglichen Zuwiderhandlung keinen entscheidenden
         Einfluss auf ihre 100%igen Tochtergesellschaften ausgeübt hätten, die im Geschäftsbereich T & D tätig gewesen seien.
      
      145    Wie bereits vorstehend in Randnr. 86 dargelegt, wird, wenn eine Muttergesellschaft das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaft
         hält, vermutet, dass sie einen entscheidenden Einfluss auf deren Marktverhalten ausübt, so dass sie persönlich für das genannte
         Marktverhalten verantwortlich gemacht werden kann. Es ist Sache der Muttergesellschaft, die sich gegen die Entscheidung der
         Kommission wenden will, die sie für die ihrer Tochtergesellschaft zurechenbare Zuwiderhandlung verantwortlich macht, die Haftungsvermutung
         zu widerlegen, die sich daraus ergibt, dass sie das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaft hält, indem sie hinreichende
         Beweise beibringt, um darzutun, dass diese Tochtergesellschaft ihr Marktverhalten tatsächlich eigenständig bestimmte (Urteile
         Avebe/Kommission, oben in Randnr. 86 angeführt, Randnr. 136, und Akzo Nobel u. a./Kommission, oben in Randnr. 64 angeführt,
         Randnr. 60; vgl. in diesem Sinne auch Urteil Stora Kopparbergs Bergslags/Kommission, oben in Randnr. 65 angeführt, Randnr.
         29).
      
      146    Im vorliegenden Fall bestreiten Areva und Areva T&D Holding nicht die tatsächlichen Bewertungen in der angefochtenen Entscheidung,
         wonach vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 die Areva T&D SA und die Areva T&D AG 100%ige Tochtergesellschaften waren. Diese Feststellungen
         allein berechtigten die Kommission zu der Vermutung, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG ihr Marktverhalten nicht eigenständig
         gegenüber Areva und Areva T&D Holding bestimmten und dass sie somit mit den Letztgenannten ein und dasselbe Unternehmen im
         wettbewerbsrechtlichen Sinne bildeten. Nach der vorstehend in Randnr. 86 angeführten Rechtsprechung oblag es somit Areva und
         Areva T&D Holding, die sich darauf beriefen, dass ihre im Geschäftsbereich T & D tätigen 100%igen Tochtergesellschaften ihr
         Marktverhalten während der fraglichen Zeit eigenständig bestimmten, die Haftungsvermutung, die sich daraus ergab, dass die
         Muttergesellschaften das gesamte Kapital ihrer Tochtergesellschaften hielten, dadurch zu widerlegen, dass sie insoweit hinreichende
         Beweise vorlegten.
      
      147    Somit ist zu prüfen, ob die von Areva und Areva T&D Holding im Lauf des Verwaltungsverfahrens angeführten Tatsachen, auf die
         sie sich erneut in der Rechtssache T‑117/07 berufen, hinreichend beweiskräftig sind, um die Haftungsvermutung, wie sie durch
         die vorgenannten ergänzenden Tatsachen verstärkt wird, auf die sich die angefochtene Entscheidung stützt, dadurch zu widerlegen,
         dass sie dartun, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG ihr Marktverhalten tatsächlich eigenständig bestimmt hatten.
      
      148    Wie sich aus den Nrn. 246 bis 269 ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ergibt, haben Areva und Areva T&D
         Holding im Verwaltungsverfahren im Wesentlichen vorgetragen, dass sie zwischen dem 9. Januar und dem 11. Mai 2004 davon abgesehen
         hätten, einen entscheidenden Einfluss auf ihre 100%igen Tochtergesellschaften auszuüben, die im Geschäftsbereich T & D tätig
         gewesen seien, da sie zu dieser Zeit auf diesem Gebiet und seinen verschiedenen Tätigkeitsfeldern über keinerlei Erfahrung
         verfügt hätten. Dies werde dadurch belegt, dass sie die Betriebsleiter, die von der Alstom‑Gruppe eingestellt und ausgebildet
         worden seien, in ihren Funktionen belassen hätten. Lediglich ein Mitglied des Verwaltungsrats ihrer Tochtergesellschaften
         übe gleichzeitig auch bei ihnen Funktionen aus. Davon abgesehen seien Areva und Areva T&D Holding, da die Veräußerung des
         „Geschäftsbereichs T & D“ von der Alstom‑ an die Areva‑Gruppe mit zahlreichen, komplexen Umstrukturierungsmaßnahmen einhergegangen
         sei, von denen einige erst nach dem 8. Januar 2004 zum Abschluss gelangen sollten, nicht in der Lage gewesen, zu diesem Zeitpunkt
         tatsächlich die operationelle Kontrolle über diesen Geschäftsbereich und seine verschiedenen Tätigkeitsfelder zu übernehmen.
         Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe tragen ferner vor, es lasse sich vernünftigerweise nicht vermuten, dass ein Schweizer
         Konzern sogleich und schon an dem Tag, an dem er einen neuen Geschäftsbereich erwerbe, eine tatsächliche Kontrolle über diesen
         ausüben und feststellen könne, dass er an einem Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht beteiligt sei. Ihnen könne insoweit – in
         Anbetracht zum einen ihrer fehlenden Erfahrung im Geschäftsbereich T & D und bei den GIS‑Geschäften und zum anderen angesichts
         der schriftlichen Versicherungen der Alstom‑Gruppe bei der konzernübergreifenden Veräußerung dahin, dass es in der Vergangenheit
         keine Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht gegeben habe – keine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden.
      
      149    Dieses Vorbringen vermag jedoch weder bei einer Einzelbetrachtung noch bei einer Gesamtbetrachtung zu beweisen, dass die Areva
         T&D SA und die Areva T&D AG ihr Marktverhalten tatsächlich eigenständig gegenüber Areva und Areva T&D Holding bestimmten.
         Folglich ist der Kommission in der angefochtenen Entscheidung kein Beurteilungsfehler unterlaufen, als sie dieses Vorbringen
         als nicht beweiskräftig zurückwies.
      
      150    Zum einen sind die Behauptungen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe nicht substantiiert, dass Areva und Areva T&D Holding
         in der Zeit vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 nicht über eine hinreichende Erfahrung im Geschäftsbereich T & D und bei den GIS‑Geschäften
         verfügt hätten, um tatsächlich einen entscheidenden Einfluss auf das Verhalten der Areva T&D SA und der Areva T&D AG auszuüben.
         Die Areva‑Gruppe war zwar vor der Veräußerung nicht im Geschäftsbereich T & D tätig und ging keinen GIS‑Geschäften nach; auch
         ist allgemein die Eingliederung eines neuen Geschäftsbereichs in einen Konzern ein heikler Vorgang. Daraus lässt sich jedoch
         nicht folgern, dass Areva und Areva T&D Holding zwangsläufig darauf verzichtet hätten, zwischen dem 9. Januar und dem 11.
         Mai 2004 tatsächlich einen entscheidenden Einfluss auf die Areva T&D SA und die Areva T&D AG auszuüben. Außerdem ist zu berücksichtigen,
         dass die Ende 2003 durchgeführten Umstrukturierungen, wie sich aus den eigenen schriftsätzlichen Äußerungen der Gesellschaften
         der Areva‑Gruppe in der Klageschrift in der Rechtssache T‑117/07 oder ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte,
         die der genannten Klage als Anlage beigefügt sind, sowie den von diesen als Antwort auf das Auskunftsverlangen der Kommission
         vom 20. September 2006 vorgelegten Unterlagen (siehe oben, Randnr. 24) ergibt, im am 25. September 2003 geschlossenen Übertragungsvertrag
         vereinbart und geplant worden waren. Daher lässt sich nicht ausschließen, dass dieser Vertrag und seine Durchführung im Lauf
         des Jahres 2003 Areva und Areva T&D Holding die Gelegenheit boten, Kenntnisse im Geschäftsbereich T & D oder über die GIS‑Geschäfte
         zu erwerben oder diese jedenfalls auszubauen. Außerdem geht sowohl aus den Schriftsätzen der Kommission als auch aus den eigenen
         schriftsätzlichen Äußerungen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und den von dieser als Antwort auf das Auskunftsersuchen der Kommission vom 20. September 2006 vorgelegten Unterlagen hervor,
         dass Herr G., den sie als neues Mitglied in die Verwaltungsräte der Areva T&D SA und der Areva T&D AG entsandt hatten und
         der ab dem 19. Januar 2004 ebenfalls Präsident und Generaldirektor von Areva T&D und in dieser Funktion Präsident des „Sektors
         T & D“ und Mitglied des Exekutivkomitees der Areva‑Gruppe war, „außerhalb der Gruppe“ rekrutiert worden war. Es lässt sich
         nicht ausschließen, dass diese externe Einstellung es Areva und Areva T&D Holding ermöglicht hat, sich das Fachwissen zu verschaffen,
         das ihnen in dem betreffenden Bereich gefehlt haben soll. Diese Einstellung einer neuen Führungskraft von außen zeigt keineswegs
         die Eigenständigkeit der Areva T&D SA und der Areva T&D AG innerhalb der Areva‑Gruppe, sondern belegt im Gegenteil, dass Areva
         und Areva T&D Holding sich eine Organiationsstruktur aufgebaut hatten, die es ihnen erlaubte, eine tatsächliche Kontrolle
         über ihre 100%igen Tochtergesellschaften auszuüben, die im Geschäftsbereich T & D tätig waren, und entscheidend deren Marktverhalten
         zu beeinflussen.
      
      151    Zum anderen ist das Vorbringen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe, Areva und Areva T&D Holding hätten erst am 11. Mai 2004
         Kenntnis von der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung erhalten, selbst wenn seine Richtigkeit unterstellt
         wird, nicht geeignet, die Eigenständigkeit des Marktverhaltens der Areva T&D SA und der Areva T&D AG in der Zeit vom 9. Januar
         bis 11. Mai 2004 darzutun.
      
      152    In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist der dritte Klagegrund der Gesellschaften der Areva‑Gruppe als unbegründet zurückzuweisen.
      
       Zur Frage einer Unterbrechung der Alstom zugerechneten Zuwiderhandlung zwischen September 1999 und März 2002
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      153    Alstom machte mit ihrem sechsten Klagegrund im Kern der Kommission den Vorwurf, sie habe gegen die Beweisvorschriften zur
         Dauer einer Zuwiderhandlung, die sich aus Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 und aus Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr.
         17 ergäben, und gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit verstoßen, da die Kommission in Art. 1 Buchst. b der angefochtenen
         Entscheidung festgestellt habe, dass die Zuwiderhandlung ununterbrochen vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 fortgedauert
         und sich über einen Zeitraum von 15 Jahren und acht Monaten erstreckt habe, was eine Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße,
         der ihr in Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung auferlegt worden sei, um 155 % rechtfertige.
      
      154    Alstom macht geltend, die Kommission habe nicht rechtlich hinreichend nachgewiesen, dass das Kartell nicht ein erstes Mal
         für 13 Monate vom 28. Oktober 1999 bis 15. Dezember 2000 und sodann ein zweites Mal für 14 Monate vom 22. Januar 2001 bis
         26. März 2002 unterbrochen gewesen sei, was einer Gesamtdauer von 27,5 Monaten entspreche. Jeder dieser Zeiträume sei so lang,
         dass der ununterbrochene Fortgang der Zuwiderhandlung durch die Kommission gemäß der Rechtsprechung nicht vermutet werden
         könne (Urteil des Gerichts vom 20. März 2002, Dansk Rørindustri/Kommission, T‑21/99, Slg. 2002, II‑1681, Randnr. 62). Der
         einzige von der Kommission zur Untermauerung eines ununterbrochenen Fortdauerns der Zuwiderhandlung vorgebrachte Hinweis sei
         die Liste vom 12. Mai 2000 über die „Komiteesitzungen“, die zwischen dem 18. Mai 2000 und dem 17. Mai 2001 hätten stattfinden
         sollen. Diese von ABB vorgelegte und in Randnr. 197 der angefochtenen Entscheidung abgedruckte Liste sei allerdings kein hinreichender
         Beweis für die Fortdauer der Zuwiderhandlung während der beiden streitigen Zeiträume, da zum einen nicht bestätigt sei, dass
         einige dieser Sitzungen tatsächlich stattgefunden hätten, und zum anderen kein weiterer Anhaltspunkt in den Akten belege,
         dass es bei diesen Sitzungen zu Zuwiderhandlungen gekommen sei. Außerdem habe die Kommission den Beweis des wettbewerbswidrigen
         Gegenstands der in der Liste erwähnten Sitzungen nicht erbracht, was jedoch nach der Rechtsprechung erforderlich sei (Urteil
         des Gerichts vom 5. April 2006, Degussa/Kommission, T‑279/02, Slg. 2006, II‑897, Randnrn. 116 ff.). Alstom trägt außerdem
         vor, dass die Kommission zu ihren Lasten nicht auf die Gültigkeitsdauer bestimmter GIS‑Vorhaben als Beweis für ihre Beteiligung
         am Kartell während der streitigen Zeiträume abstellen könne, da sie dies gegenüber Siemens nicht getan habe, wie dies aus
         Randnr. 198 der angefochtenen Entscheidung hervorgehe. Jedenfalls erlaube dieser Beweis nicht die Feststellung, dass die Zuwiderhandlung
         während eines Zeitraums von 10 Monaten vom 17. Mai 2001 bis 26. März 2002 fortgedauert habe.
      
      155    Im Rahmen ihres siebten Klagegrundes trägt Alstom außerdem vor, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung gegen
         den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte und Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003 verstoßen habe, indem sie insoweit
         Dokumente über eine am 24. September 1999 geschlossene und bis 28. September 2001 gültige Vereinbarung über ein GIS‑Vorhaben
         mit der Nummer [vertraulich] berücksichtigt habe, zu denen sich Alstom nicht habe äußern können.
      
      156    Nach alledem trägt Alstom vor, dass die Dauer der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung, die ihr
         zugerechnet werde, auf 13 Jahre und drei Monate verkürzt und die Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße, die gegen sie verhängt
         worden sei, folglich auf 130 % herabzusetzen sei.
      
      157    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, die vorgenannten Klagegründe und Rügen zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      158    Aus den Randnrn. 2, 3, 248, 270 und 299 der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass die Kommission den Gesellschaften,
         an die diese Entscheidung gerichtet ist, zum Vorwurf machte, an einem komplexen, aber einheitlichen und fortgesetzten Verstoß
         gegen Art. 81 EG in der Zeit vom 15. April 1988 bis 11. Mai 2004 und gegen Art. 53 EWR‑Abkommen in der Zeit vom 1. Januar
         1994 bis 11. Mai 2004 beteiligt gewesen zu sein, in dessen Rahmen sich diese Gesellschaften weltweit im Hinblick auf den Verkauf
         von GIS‑Projekten über die Aufteilung der Märkte, die Zuteilung von Kontingenten und Erhaltung der jeweiligen Marktanteile,
         die Zuteilung einzelner GIS‑Projekte an ausgewählte Hersteller und die Manipulation der Ausschreibungsverfahren (Angebotsabsprache),
         um sicherzustellen, dass die festgelegten Hersteller den jeweiligen Vertrag erhielten, die Festsetzung von Preisen durch komplexe
         Vereinbarungen für nicht zugeteilte GIS‑Projekte, die Beendigung von Lizenzvereinbarungen mit Nichtkartellmitgliedern und
         den Austausch sensibler Marktinformationen verständigt hätten.
      
      159    In Randnr. 323 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt, dass die Vereinbarungen und/oder abgestimmten
         Verhaltensweisen zwischen den Herstellern von GIS mindestens vom 15. April 1988 bis 11. Mai 2004 gedauert hätten. Aus den
         Randnrn. 324 und 326 der angefochtenen Entscheidung in Verbindung mit ihrer Randnr. 358 und Art. 1 Buchst. b ihres verfügenden
         Teils geht hervor, dass Alstom an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988, dem Datum der Annahme und des Inkrafttretens
         des GQ‑Abkommens und des EQ‑Abkommens (siehe oben, Randnrn. 29 und 31), bis 8. Januar 2004, dem Datum, an dem die Alstom‑Gruppe
         ihren „Geschäftsbereich T & D“ an die Areva‑Gruppe veräußerte, beteiligt war.
      
      160    In den Randnrn. 177 bis 216 der angefochtenen Entscheidung gibt die Kommission eine „Chronologische Übersicht über die Entwicklung
         des Kartells“. Was die Entwicklung des Kartells während der beiden streitigen Zeiträume, nämlich vom 28. Oktober 1999 bis
         15. Dezember 2000 und vom 22. Januar 2001 bis 26. März 2002 betrifft, hat die Kommission in den Randnrn. 178 und 179 der angefochtenen
         Entscheidung Folgendes festgestellt:
      
      „(178) Siemens unterbrach seine Mitwirkung in den Kartelltreffen im September 1999; Hitachi und Schneider/VA TECH schlossen
         sich diesem Schritt 2000 an. Aus europäischer Sicht wirkte die Abwesenheit von Siemens besonders destabilisierend, da es seit
         1988 als Sekretariat des E‑Komitees fungierte und sowohl innerhalb als auch außerhalb Europas über eine erhebliche Marktpräsenz
         verfügte. Das Kartell führte seine Tätigkeiten jedoch weiter, und [Alstom] übernahm das Sekretariat des E‑Komitees. Der Mitgliederschwund
         im Vergleich zu 1988 erleichterte das Organisatorische, und eine komplexe Struktur war nicht länger gerechtfertigt.
      
      (179) 2002 kehrten Siemens, Hitachi und VA TECH ins Kartell zurück. …“
      161    In den Randnrn. 191 bis 198 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission die von ABB oder den Gesellschaften der Fuji‑Gruppe
         beigebrachten Beweismaterialien dargelegt, die nach Ansicht der Kommission zeigten, dass das Kartell nach dem Ausscheiden
         von Siemens im September 1999, dem sich Hitachi und „Schneider/VA TECH“ im Jahr 2000 anschlossen, und vor deren schrittweiser
         Rückkehr ab März 2002 fortgedauert habe. Zunächst hat die Kommission in den Randnrn. 191 bis 196 der angefochtenen Entscheidung
         auf Unterlagen Bezug genommen, die ABB in ihrem Antrag nach der Kronzeugenregelung (siehe oben, Randnr. 10) vorgelegt hat,
         und zwar eine Reihe von Faxen, die zwischen dem 18. Dezember 2000 und dem 22. Januar 2001 zwischen ABB, Melco und Alstom wegen
         Sitzungen und Zuteilungen von GIS‑Vorhaben ausgetauscht wurden. Sodann verweist die Kommission in Randnr. 197 der angefochtenen
         Entscheidung auf ein Dokument, das ABB in ihrem Antrag nach der Kronzeugenregelung übermittelt hat und das eine Liste von
         „Komiteesitzungen“ für einen Teil des Zeitraums 2000–2001 enthält und vom 12. Mai 2000 datiert. Die Kommission hat darauf
         hingewiesen, dass dieser Liste zufolge Reyrolle, Alstom, Schneider, ABB, Melco und Toshiba, nicht aber Siemens und „JAEPS
         (Hitachi)“ an diesen Sitzungen teilgenommen hätten, was mit der Erklärung von ABB in ihrer Antwort vom 4. Oktober 2004 auf
         das Auskunftsverlangen der Kommission (siehe oben, Randnr. 15) in Einklang stehe, „dass diese beiden Unternehmen zu diesem
         Zeitpunkt nicht an dem Kartell teilnahmen“. Schließlich hat sich die Kommission in Randnr. 198 der angefochtenen Entscheidung
         auf eine Gesamtheit von Dokumenten berufen, die die Gesellschaften der Fuji‑Gruppe in ihrem Antrag nach der Kronzeugenregelung
         (siehe oben, Randnr. 20) und ABB in einer Ergänzung ihres Antrags nach der Kronzeugenregelung vom 7. Mai 2004 (siehe oben,
         Randnr. 12) vorgelegt haben und die sich auf Vereinbarungen zwischen den Mitgliedern des Kartells über acht GIS‑Projekte beziehen,
         die innerhalb des Kartells die Referenznummern [vertraulich] trugen und zeigten, dass das Kartell während dieser Zeit tätig gewesen sei.
      
      162    In Randnr. 286 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission darauf hingewiesen, dass diese Teile der Akte zeigten, dass
         „das Kartell auch in … Abwesenheit [von Siemens und Hitachi] fortgesetzt wurde (siehe Rdnrn. 191 bis 198), nachdem Siemens
         und Hitachi ihre Beteiligung vorübergehend unterbrochen hatten“.
      
      163    Aus Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 und Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 geht hervor, dass bei der Bestimmung
         der Geldbuße, die wegen der Beteiligung eines Unternehmens an einer wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung zu verhängen ist,
         neben der Schwere der Zuwiderhandlung deren Dauer zu berücksichtigen ist.
      
      164    Bei einem Streit über das Vorliegen einer Zuwiderhandlung bedeutet das Erfordernis der Rechtssicherheit, auf die die Wirtschaftsteilnehmer
         Anspruch haben, dass die Kommission, der die Beweislast für die von ihr festgestellten Zuwiderhandlungen obliegt, Beweismaterial
         beibringen muss, mit dem sie rechtlich hinreichend das Vorliegen eines Sachverhalts belegen kann, der eine Zuwiderhandlung
         darstellt. Für die behauptete Dauer der Zuwiderhandlung verlangt dieser Grundsatz der Rechtssicherheit, dass die Kommission,
         soweit es an Beweismaterial fehlt, mit dem die Dauer der Zuwiderhandlung direkt belegt werden kann, zumindest Beweismaterial
         beibringt, das sich auf Fakten bezieht, die zeitlich so nahe beieinander liegen, dass sie vernünftigerweise den Schluss zulassen,
         dass die Zuwiderhandlung zwischen zwei konkreten Zeitpunkten ohne Unterbrechung erfolgt ist (Urteile des Gerichts vom 7. Juli
         1994, Dunlop Slazenger/Kommission, T‑43/92, Slg. 1994, II‑441, Randnr. 79, vom 6. Juli 2000, Volkswagen/Kommission, T‑62/98,
         Slg. 2000, II‑2707, Randnr. 188, und Degussa/Kommission, oben in Randnr. 154 angeführt, Randnrn. 114 und 153).
      
      165    In Bezug auf die Beweismittel, die die Kommission insoweit heranziehen kann, ist darauf hinzuweisen, dass es, da das Verbot,
         an wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen und Vereinbarungen teilzunehmen, sowie die Sanktionen, die Zuwiderhandelnden auferlegt
         werden können, allgemein bekannt sind, üblich ist, dass die Tätigkeiten, mit denen diese Verhaltensweisen und Vereinbarungen
         verbunden sind, im Geheimen ablaufen, dass die Zusammenkünfte heimlich stattfinden, meist in einem Drittland, und dass die
         Unterlagen darüber auf ein Minimum reduziert werden. Selbst wenn die Kommission Schriftstücke findet, die – wie z. B. die
         Protokolle einer Zusammenkunft – eine unzulässige Kontaktaufnahme zwischen Wirtschaftsteilnehmern explizit bestätigen, handelt
         es sich normalerweise nur um lückenhafte und vereinzelte Belege, so dass es häufig erforderlich ist, bestimmte Einzelheiten
         durch Schlussfolgerungen zu rekonstruieren. In den meisten Fällen muss das Vorliegen einer Verhaltensweise oder wettbewerbswidrigen
         Vereinbarung aus einer Reihe von Koinzidenzen und Indizien abgeleitet werden, die bei einer Gesamtbetrachtung mangels einer
         anderen schlüssigen Erklärung den Beweis für eine Verletzung der Wettbewerbsregeln darstellen können (Urteil Aalborg Portland
         u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnrn. 55 bis 57). Derartige Indizien und Koinzidenzen können nicht nur
         Aufschluss über das Bestehen wettbewerbswidriger Verhaltensweisen oder Vereinbarungen geben, sondern auch über die Dauer eines
         fortgesetzten wettbewerbswidrigen Verhaltens und den Zeitraum der Anwendung einer unter Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht
         getroffenen Vereinbarung (Urteil des Gerichtshofs vom 21. September 2006, Technische Unie/Kommission, C‑113/04 P, Slg. 2006,
         I‑8831, Randnr. 166).
      
      166    Auch wenn der Beweis für die Existenz einer fortgesetzten Zuwiderhandlung für bestimmte Zeiträume nicht erbracht wurde, kann
         davon ausgegangen werden, dass die Zuwiderhandlung während eines längeren Gesamtzeitraums fortbestand, sofern eine solche
         Feststellung auf objektiven und übereinstimmenden Indizien beruht. Im Rahmen einer Zuwiderhandlung, die sich über mehrere
         Jahre erstreckt, bleibt die Tatsache, dass sich das Kartell während verschiedener Zeitabschnitte manifestiert, die durch mehr
         oder weniger lange Zwischenräume voneinander getrennt sein können, ohne Einfluss auf den Bestand dieses Kartells, sofern mit
         den verschiedenen Maßnahmen, die Teil dieser Zuwiderhandlung sind, im Rahmen einer einzigen und fortgesetzten Zuwiderhandlung
         das gleiche Ziel verfolgt wird (Urteil Technische Unie/Kommission, oben in Randnr. 165 angeführt, Randnr. 169).
      
      167    Im vorliegenden Fall bestreitet Alstom nicht, dass die Tätigkeiten, an denen das betroffene Unternehmen im Rahmen des Kartells
         beteiligt war, während des gesamten Zeitraums vom 15. April 1988 bis 28. Oktober 1999, sodann vom 15. Dezember 2000 bis 22.
         Januar 2001 und schließlich vom 26. März 2002 bis 11. Mai 2004 entfaltet worden sind. Alstom bestreitet ebenso wenig, dass
         mit den verschiedenen Maßnahmen, die Teil der Zuwiderhandlung sind, das gleiche Ziel im Rahmen einer einzigen und fortgesetzten
         Zuwiderhandlung verfolgt wurde. Sie bestreitet lediglich die Dauer dieser Zuwiderhandlung mit der Begründung, dass die Kommission
         die Tätigkeiten des Kartells in der Zeit vom 28. Oktober 1999 bis 15. Dezember 2000 und vom 22. Januar 2001 bis 26. März 2002
         nicht rechtlich hinreichend und gemäß den Anforderungen, die sich aus Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003, Art. 15 Abs. 2
         der Verordnung Nr. 17 und dem Grundsatz der Rechtssicherheit ergeben, bewiesen habe. Mit anderen Worten bestreitet Alstom
         mit dem vorliegenden Klagegrund die Beurteilung der Kommission hinsichtlich des einheitlichen und fortgesetzten Charakters
         der Zuwiderhandlung nicht dem Grunde nach, sondern beschränkt sich darauf, in Bezug auf die Beurteilung der Dauer dieser Zuwiderhandlung
         einen Verstoß gegen Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003, Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und den Grundsatz der Rechtssicherheit
         auf dem Gebiet der Beweislast geltend zu machen.
      
      168    Der sechste Klagegrund wirft somit die Frage auf, ob die Kommission rechtlich hinreichend und gemäß Art. 23 Abs. 3 der Verordnung
         Nr. 1/2003, Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und dem Grundsatz der Rechtssicherheit nachgewiesen hat, dass das Kartell
         während der Zeit vom 28. Oktober 1999 bis 15. Dezember 2000 und vom 22. Januar 2001 bis 26. März 2002 fortgedauert hat.
      
      169    Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Alstom die Beurteilungen der Kommission zur Organisation und zur Arbeitsweise des Kartells
         nicht bestreitet, die in Randnr. 170 der angefochtenen Entscheidung wie folgt dargelegt sind: „Sowohl auf weltweiter als auch
         europäischer Ebene trafen die Teilnehmer umfangreiche Vorkehrungen, um ihre Kontakte und Treffen geheim zu halten. Diese Vorkehrungen
         bestanden von Beginn des Kartells an und wurden ab 2002 verstärkt.“ Im Licht der vorstehend in Randnr. 165 angeführten Rechtsprechung
         hat die Kommission zu Recht im vorliegenden Fall ihre Beurteilung zur Dauer der Zuwiderhandlung auf eine Gesamtbetrachtung
         der Beweise und der Indizien gestützt, die sie insoweit für erheblich hielt.
      
      170    Alstom behauptet im Kern, dass die Beweise und Indizien, auf die die Kommission abgestellt habe, nicht die Feststellung erlaubten,
         dass die Tätigkeiten, an denen das betroffene Unternehmen im Rahmen des Kartells beteiligt gewesen sei, zwischen dem 28. Oktober
         1999 und dem 15. Dezember 2000, also während einer Zeit von 13 Monaten, fortgedauert hätten, nachdem sie zuvor 11 Jahre und
         sechs Monate lang entfaltet worden seien. Außerdem seien diese Beweismaterialien und Indizien kein Beweis dafür, dass die
         genannten Tätigkeiten, nachdem sie für gut einen Monat wieder aufgenommen worden seien, in der Zeit zwischen dem 22. Januar
         2001 und dem 26. März 2002, also während eines neuen Zeitraums von 14 Monaten, fortgedauert hätten, bevor sie neuerlich für
         eine Zeit von einem Jahr und acht Monaten wieder aufgenommen worden seien. Somit stellt sich die Frage nach dem Beweiswert
         der einzelnen Beweismaterialien und Indizien, auf die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung abgestellt hat.
      
      171    Alstom trägt zu Unrecht vor, dass diese einzelnen Beweismaterialien oder Indizien Tätigkeiten des Kartells nur zu der Zeit
         ihrer jeweiligen Feststellung belegten. Sie übersieht nämlich, dass diese Unterlagen auch einen fortgesetzten Charakter der
         Zuwiderhandlung belegen können.
      
      172    Im vorliegenden Fall ging die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zutreffend davon aus, dass die Reihe der von ABB
         vorgelegten Telefaxe Tätigkeiten des Kartells „ungefähr im Jahr 2000“ belegte. Abgesehen davon, dass diese Faxe das Bestehen
         einer Einzelvereinbarung zwischen ABB, Melco und Alstom wegen einer Liste mit GIS‑Vorhaben beweisen, liefern sie auch ein
         Indiz für die Fortdauer der Kartelltätigkeiten zwischen diesen Unternehmen zu Beginn des Jahres 2001 im Zusammenhang mit einer
         anderen Liste mit GIS‑Vorhaben, die dem ersten Telefax der Reihe mit Datum vom 18. Dezember 2000 beigefügt war.
      
      173    Sodann ist die Kommission zu Recht davon ausgegangen, dass die Liste vom 12. Mai 2000, die sich auf 13 „Komiteesitzungen“
         bezieht, die zwischen dem 18. Mai 2000 und dem 17. Mai 2001 angesetzt waren, ein Indiz dafür ist, dass die Aktivitäten des
         Kartells zwischen Reyrolle, Alstom, Schneider, ABB, Melco und Toshiba bis zum 17. Mai 2001 fortdauerten. Der wettbewerbswidrige
         Gegenstand dieser „Komiteesitzungen“ lässt sich daraus herleiten, dass die Liste jedes der betroffenen Unternehmen über den
         Code bezeichnet, der ihm im Rahmen des Kartells, wie in den Randnrn. 142 und 197 der angefochtenen Entscheidung wiedergegeben,
         zugewiesen war, und daraus, dass, wie mehrere Mitglieder des Kartells bestätigen, bestimmte Sitzungen der Gremien – das Gemeinsame
         Komitee Europa/Japan und das Komitee Europa –, die am laufenden Betrieb des Kartells beteiligt waren, geplant wurden, wie
         dies auch aus den Randnrn. 150 und 151 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht.
      
      174    Schließlich hat die Kommission, auch wenn die Vereinbarung über das GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich], für die Alstom mit ihrem siebten Klagegrund einen Verstoß gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte rügt,
         und die Vereinbarung, die zu dem GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich] erzielt wurde, an der Alstom nicht beteiligt war, außer Betracht gelassen werden, zutreffend die Ansicht vertreten, dass
         die Vereinbarungen, an denen Alstom betreffend sechs weitere GIS‑Projekte mit den Referenznummern [vertraulich] beteiligt war, belegten, dass das Kartell aktiv war oder jedenfalls zwischen dem 27. August 1998, als die Vereinbarung über
         das GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich] geschlossen wurde, und dem 28. Oktober 2001, als die Vereinbarung über das GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich] auslief, Wirkungen entfaltete.
      
      175    Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass eine Vereinbarung im Sinne von Art. 81 Abs. 1 EG und entsprechend Art. 53 EWR‑Abkommen
         schon dann vorliegt, wenn die betroffenen Unternehmen ihren gemeinsamen Willen zum Ausdruck gebracht haben, sich auf dem Markt
         in einer bestimmten Weise zu verhalten (Urteile des Gerichts vom 24. Oktober 1991, Petrofina/Kommission, T‑2/89, Slg. 1991,
         II‑1087, Randnr. 211, und vom 10. März 1992, ICI/Kommission, T‑13/89, Slg. 1992, II‑1021, Randnr. 253; vgl. in diesem Sinne
         auch Urteile ACF Chemiefarma/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 112, und van Landewyck u. a./Kommission, oben
         in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 86). Ferner ist Art. 81 EG anwendbar, wenn die Wirkungen eines Kartells weiter angehalten
         haben, ohne dass es förmlich beendet worden wäre (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts, ICI/Kommission, Randnr. 254,
         und vom 13. Dezember 2001, Acerinox/Kommission, T‑48/98, Slg. 2001, II‑3859, Randnr. 63). Die vorgenannte Rechtsprechung gilt
         entsprechend für Art. 53 Abs. 1 EWR‑Abkommen.
      
      176    Da Alstom nicht bestritten hat, unter Anwendung der Kartellregeln Vereinbarungen zur Zuteilung der sechs GIS‑Projekte mit
         den Referenznummern [vertraulich] geschlossen zu haben, und da diese Vereinbarungen, insgesamt betrachtet, in Anbetracht des Datums ihres Inkrafttretens und
         ihrer Geltungsdauer ihre Wirkungen zwischen dem 27. August 1998, dem Datum des Inkrafttretens der Vereinbarung über das GIS‑Projekt
         mit der Referenznummer [vertraulich], und dem 28. Oktober 2001, dem Enddatum der Geltung der Vereinbarung über das GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich], zeitigten, konnte die Kommission zu Recht diese Vereinbarungen als einen Hinweis darauf verstehen, dass die Zuwiderhandlung
         ununterbrochen während des ganzen fraglichen Zeitraums fortdauerte.
      
      177    Alstom übersieht, dass, auch wenn jedes der vorgenannten Elemente, für sich allein betrachtet, lediglich Aktivitäten des Kartells
         zwischen September 1999 und März 2002 belegt, diese, insgesamt betrachtet und bei Fehlen einer anderen schlüssigen Erklärung,
         einen hinreichenden Beweis für den fortgesetzten Charakter der Zuwiderhandlung liefern. Im Rahmen des vorliegenden Verfahrens
         hat Alstom keine schlüssige Erklärung geliefert, die geeignet wäre, ihr Vorbringen zur Unterbrechung der Tätigkeiten zu erklären,
         an denen das betroffene Unternehmen im Rahmen des Kartells zwischen dem 28. Oktober 1999 und dem 15. Dezember 2000 und zwischen
         dem 22. Januar 2001 und dem 26. März 2002, wie sie vorträgt (siehe oben, Randnr. 170), beteiligt war, und insbesondere die
         Gründe zu erläutern, aus denen die genannten Tätigkeiten nur während einer begrenzten Dauer von etwas mehr als einem Monat
         vom 15. Dezember 2000 bis 22. Januar 2001, zwischen zwei Unterbrechungszeiträumen vom 28. Oktober 1999 bis zum 15. Dezember
         2000 und vom 22. Januar 2001 bis 26. März 2002, wieder aufgenommen worden wären. In diesem Zusammenhang sind die Tatsache,
         dass das Kartell zwischen September 1999 und März 2002 trotz der unterbrochenen Beteiligung von Siemens, der sich Hitachi
         und „Schneider/VA Tech“ anschlossen, wiederholt in Erscheinung getreten ist, und das Bündel von Indizien, das die Kommission
         dafür zusammengetragen hat, dass die Tätigkeiten, mit denen das betroffene Unternehmen am Kartell beteiligt war, während des
         gesamten fraglichen Zeitraums weiterbetrieben wurden, als hinreichender Beweis dafür anzusehen, dass das Kartell ununterbrochen
         zwischen dem 28. Oktober 1999 und dem 15. Dezember 2000 sowie zwischen dem 22. Januar 2001 und dem 26. März 2002 fortbestand.
      
      178    Außerdem lässt sich die Lage von Alstom nicht mit der von Siemens vergleichen, weil sich die Kommission im letzteren Fall
         auf übereinstimmende Erklärungen von anderen Mitgliedern des Kartells in der Akte stützen konnte, um zu dem Ergebnis zu gelangen,
         dass Siemens im September 1999 seine Beteiligung am Kartell eingestellt hatte, um zu der Ansicht zu gelangen, dass Siemens
         zu diesem Zeitpunkt aufgehört hatte, sich an die Vereinbarungen zu halten, die die GIS‑Projekte mit den Referenznummern [vertraulich] betrafen, die weiterhin zwischen dem 27. August 1998 und dem 28. Oktober 2001 ihre Wirkungen zeigen sollten. Überdies weist
         die von Alstom nicht bestrittene Randnr. 169 der angefochtenen Entscheidung darauf hin, dass die Akte Beweise enthält, wonach
         die übrigen Mitglieder des Kartells, als Siemens zeitweilig seine Beteiligung am Kartell unterbrach, eine Zeit lang versuchten,
         diese Gesellschaft wegen ihres Rückzugs zu bestrafen, indem sie ihr bei GIS‑Projekten weltweit Konkurrenz machten, was belegt,
         dass Siemens sich selbst nicht mehr an die Kartellregeln hielt.
      
      179    Folglich ist festzustellen, dass die Kommission weder die Beweisvorschriften verletzt hat, die sich aus Art. 23 Abs. 3 der
         Verordnung Nr. 1/2003 und Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 ergeben, noch gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit verstoßen
         hat, als sie in Art. 1 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung feststellte, dass die Alstom zugerechnete Zuwiderhandlung
         ununterbrochen vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004, also während eines Zeitraums von 15 Jahren und acht Monaten, fortdauerte,
         was eine Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße um 155 % rechtfertigte, die gegen sie in Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen
         Entscheidung verhängt wurde.
      
      180    Der sechste von Alstom vorgebrachte Klagegrund ist somit als nicht begründet zurückzuweisen.
      
      181    Außerdem folgt aus den vorstehenden Ausführungen, dass die Vereinbarung über das GIS‑Projekt mit der Referenznummer [vertraulich] kein unerlässlicher Bestandteil für die Feststellung ist, dass die Beurteilung der Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         begründet ist, wonach die fragliche Zuwiderhandlung ununterbrochen während des gesamten Zeitraums vom 28. Oktober 1999 bis
         26. März 2002 fortdauerte, und dass diese sich anhand anderer Gründe, die die gleiche Bewertung stützten, rechtlich hinreichend
         rechtfertigen ließ.
      
      182    Somit ist die Rüge eines Verstoßes gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte, die im Rahmen des siebten Klagegrundes
         erhoben wird, als unerheblich zurückzuweisen, da sie sich auf einen Beweis bezieht, der als nicht tragend für die angefochtene
         Entscheidung erachtet werden kann.
      
       Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung oder Abänderung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung
      183    Mit ihren Klagegründen 4 und 7 begehrt Alstom die Nichtigerklärung oder, hilfsweise, die Herabsetzung des Betrags der individuellen
         Geldbuße, die gegen sie in Art. 2 Buchst. b der angefochtenen Entscheidung verhängt wurde. Mit ihren Klagegründen 1 und 2,
         die zusammen zu prüfen sind, begehrt sie die Nichtigerklärung oder, hilfsweise, die Herabsetzung des Betrags der Geldbuße,
         die gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA zu zahlen ist, die gegen sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung
         verhängt wurde.
      
      184    Im Rahmen ihrer Klagegründe 1 und 4 begehren die Gesellschaften der Areva‑Gruppe die Aufhebung der Geldbuße, die gegen sie
         in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung verhängt wurde, oder, hilfsweise, die Herabsetzung ihres Betrags.
      
       Zum Verstoß gegen die Verjährungsregeln betreffend die individuelle Geldbuße, die gegen Alstom in Art. 2 Buchst. b der angefochtenen
         Entscheidung verhängt wurde
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      185    Alstom rügt im dritten Teil ihres vierten Klagegrundes hilfsweise für den Fall, dass der erste Teil dieses genannten Klagegrundes
         durchdringen sollte, ohne dass sein zweiter Teil Erfolg haben sollte, einen Verstoß gegen Art. 25 der Verordnung Nr. 1/2003,
         der im Kern daraus resultieren soll, dass am Tag des Erlasses der angefochtenen Entscheidung die Befugnis der Kommission,
         gegen sie eine individuelle Geldbuße aufgrund der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für den
         Zeitraum vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 festzusetzen, verjährt gewesen sei.
      
      186    Die Kommission tritt dem Vorbringen der Klägerin entgegen und beantragt, den vorliegenden Klagegrund zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      187    Die vorliegende Rüge ist von Alstom für den Fall geltend gemacht worden, dass entschieden würde, dass sie, da sie keinen entscheidenden
         Einfluss auf ihre im Geschäftsbereich T & D tätigen 100%igen Tochtergesellschaften ausgeübt habe, nicht für die Beteiligung
         des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 verantwortlich gemacht
         werden kann, aber dass die persönliche Haftung, die sie aufgrund der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         für den vorangehenden Zeitraum vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 trifft, nicht auf die genannten Tochtergesellschaften
         übergegangen ist.
      
      188    Nach Art. 25 der Verordnung Nr. 1/2003 verjährt die Befugnis der Kommission zur Verhängung einer Sanktion aufgrund eines Verstoßes
         gegen Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen in fünf Jahren. Die Verjährung beginnt mit dem Tag, an dem die Zuwiderhandlung begangen
         worden ist. Bei dauerhaften oder fortgesetzten Zuwiderhandlungen beginnt die Verjährung jedoch erst an dem Tag, an dem die
         Zuwiderhandlung beendet ist. Für den Fall, dass die Alstom zuzurechnende Zuwiderhandlung am 6. Dezember 1992 beendet gewesen
         wäre, wäre die Befugnis der Kommission, gegen diese Gesellschaft eine Geldbuße wegen dieser Zuwiderhandlung zu verhängen,
         am Tag des Erlasses der angefochtenen Entscheidung, nämlich am 24. Januar 2007, verjährt gewesen.
      
      189    Da der erste Teil des vierten Klagegrundes jedoch deshalb keinen Erfolg hatte, weil Alstom einen entscheidenden Einfluss auf
         ihre im Geschäftsbereich T & D tätigen Tochtergesellschaften in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 ausgeübt
         hat (siehe oben, Randnrn. 80 bis 110), liegt die Fallgestaltung, auf der die vorliegende Rüge beruht, nicht vor. Daher kann
         diese Rüge keinen Erfolg haben.
      
       Zum Verstoß gegen die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen, die sich aus Art. 81 EG
         und Art. 53 EWR‑Abkommen ergeben, zum Verstoß gegen Art. 7 EG, zum Verstoß gegen die Grundsätze der Rechtssicherheit, des
         Rückwirkungsverbots, der Gleichbehandlung, der Verhältnismäßigkeit, des Rechts auf einen effektiven Rechtsschutz, der individuellen
         Strafzumessung sowie zum Verstoß gegen die Begründungspflicht in Bezug auf die gegen Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung festgesetzten Geldbußen
      
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      190    Alstom wirft der Kommission mit ihrem ersten Klagegrund vor, gegen den Grundsatz des Rechts auf einen effektiven Rechtsschutz
         dadurch verstoßen zu haben, dass die Kommission in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen sie eine gesamtschuldnerisch
         mit der Areva T&D SA zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro festgesetzt habe. Damit sei ihre verfahrensrechtliche
         Lage an die der Areva T&D SA gekoppelt worden.
      
      191    Mit ihrem zweiten Klagegrund macht Alstom zunächst geltend, dass die Kommission, indem sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen
         Entscheidung gegen Alstom eine gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro festgesetzt
         habe, gegen die Regeln der gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung von Geldbußen verstoßen habe, die sich aus Art. 81
         EG und Art. 53 EWR‑Abkommen ergäben. Diese erlaubten die Festsetzung einer gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbuße nur bei
         Gesellschaften, die am Tag des Erlasses der die Geldbuße festsetzenden Entscheidung zu derselben Gruppe gehörten und die jeweils
         unmittelbar und förmlich für die Zuwiderhandlung verantwortlich seien, weil sie aus dieser einen unmittelbaren Vorteil herleiteten.
         Außerdem trägt Alstom vor, dass die Kommission gegen die ihr obliegende Pflicht zur Begründung der Einzelfallentscheidungen,
         die sie erlasse, verstoßen habe, indem sie in der angefochtenen Entscheidung nicht die Gründe angegeben habe, die sie zu der
         Auffassung veranlasst hätten, dass Alstom eine wirtschaftliche Einheit mit der Areva T&D SA am Tag des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung gebildet habe, und indem sie dort nicht angegeben habe, welchen unmittelbaren Vorteil Alstom persönlich aus der
         Zuwiderhandlung gezogen haben solle. Überdies beruhe die angefochtene Entscheidung in dieser Hinsicht auf widersprüchlichen
         Gründen, da es in ihren Randnrn. 358 Buchst. b und c und 371 Buchst. a heiße, dass die gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße
         einem Zeitraum gelte, in dem Alstom eine wirtschaftliche Einheit mit der Areva T&D SA gebildet habe, während Randnr. 371 Buchst. c
         offenbare, dass diese Geldbuße praktisch auch einen Zeitraum abdecke, in dem dies nicht der Fall gewesen sei. Außerdem macht
         Alstom geltend, dass die Kommission gegen den allgemeinen Grundsatz der individuellen Strafzumessung verstoßen habe, da sie
         eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße wegen einer Zuwiderhandlung verhängt habe, für die Alstom nicht persönlich verantwortlich
         sei. Schließlich trägt Alstom vor, dass die Kommission gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit verstoßen habe, da sie eine
         Situation von Rechtsunsicherheit in Bezug auf die Durchführung der angefochtenen Entscheidung geschaffen habe, denn die Bestimmung
         des Schuldners der Verpflichtung zur Zahlung der Geldbuße erfolge erst dann, wenn die Kommission zur Zahlung an einen der
         beiden Gesamtschuldner herantrete, und da sie die rechtliche Lage jedes Schuldners mit der des anderen verknüpft habe.
      
      192    Die Gesellschaften der Areva‑Gruppe machen mit dem ersten Teil ihres vierten Klagegrundes und mit dem zweiten Teil ihres ersten
         Klagegrundes der Kommission den Vorwurf, diese habe, indem sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen die
         Areva T&D SA gesamtschuldnerisch mit Alstom eine Geldbuße von 53 550 000 Euro verhängt habe, gegen die Regeln über die gesamtschuldnerische
         Haftung für die Zahlung von Geldbußen verstoßen, die sich aus den Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen ergäben. Diese Regeln erlaubten
         es nicht, eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße gegen Gesellschaften zu verhängen, die am Tag des Erlasses der Entscheidung,
         mit der die Geldbuße verhängt werde, nicht oder nicht mehr zur selben Gruppe gehörten. Außerdem machen die Gesellschaften
         der Areva‑Gruppe geltend, dass die Kommission gegen die ihr obliegende Pflicht zur Begründung der Einzelfallentscheidungen,
         die sie erlasse, verstoßen habe, indem sie in der angefochtenen Entscheidung nicht die Gründe angegeben habe, die sie zu der
         Ansicht veranlasst hätten, dass die Areva T&D SA mit Alstom am Tag des Erlasses der angefochtenen Entscheidung eine einheitliche
         wirtschaftliche Einheit gebildet habe.
      
      193    Mit dem fünften Teil ihres vierten Klagegrundes machen die Gesellschaften der Areva‑Gruppe der Kommission auch den Vorwurf,
         diese habe gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit verstoßen, da sie, als sie gegen die Areva T&D SA und Alstom eine gesamtschuldnerisch
         zu zahlende Geldbuße verhängt habe, eine neue Sanktionspolitik oder neue Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für
         die Zahlung von Geldbußen für einen Sachverhalt angewandt habe, der sich vor deren Erlass zugetragen habe.
      
      194    Mit dem dritten und dem vierten Teil ihres vierten Klagegrundes machen die Gesellschaften der Areva‑Gruppe geltend, die Kommission
         habe gegen Art. 7 EG und die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen, da sie dem nationalen
         Richter oder dem Schiedsrichter die Befugnis überantwortet habe, die Haftung einer jeden der Sanktion unterworfenen Gesellschaften
         und mithin ihre jeweiligen Beiträge im Rahmen der Zahlung der gegen sie verhängten Geldbuße zu bestimmen, und indem sie die
         Areva T&D SA dem Risiko ausgesetzt habe, an die Kommission Beträge zu zahlen, die letztlich von Alstom getragen werden müssten.
         Außerdem tragen die Gesellschaften der Areva‑Gruppe mit dem sechsten Teil dieses Klagegrundes vor, dass die Kommission gegen
         den Grundsatz des Rechts auf einen effektiven Rechtsschutz verstoßen habe, da sie, indem sie gegen die Areva T&D SA und Alstom
         eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße verhängt habe, beider rechtliche Lage verknüpft habe.
      
      195    Außerdem werfen die Gesellschaften der Areva‑Gruppe mit ihrem fünften Klagegrund der Kommission vor, sie habe gegen die Regeln
         über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen, die sich aus den Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen ergäben,
         verstoßen, als sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen sie eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße
         in Höhe von 25 500 000 Euro verhängt habe, ohne vorab, wie sich aus dem dritten Klagegrund (siehe oben, Randnr. 142) ergebe,
         festgestellt zu haben, dass diese Gesellschaften zum Zeitpunkt der Begehung der Zuwiderhandlung eine wirtschaftliche Einheit
         gebildet hätten und dass jede dieser Gesellschaften persönlich für die genannte Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht werden
         könne.
      
      196    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom und der Gesellschaften der Areva‑Gruppe entgegen und beantragt, sämtliche Klagegründe
         und Rügen zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      197    Zunächst ist die Rechtmäßigkeit der gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro zu prüfen, die in
         Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und die Areva T&D SA festgesetzt worden ist.
      
      198    Hierbei sind zunächst die Klagegründe oder Rügen zu prüfen, mit denen im Wesentlichen ein Verstoß gegen Art. 81 EG, Art. 53
         EWR‑Abkommen und die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen sowie ein Verstoß gegen die
         Begründungspflicht beanstandet werden, wobei mit dem angeblichen Verstoß gegen die Begründungspflicht begonnen wird.
      
      199    Wie vorstehend in den Randnrn. 96 bis 99 und 125 bis 129 ausgeführt worden ist, hat die Kommission rechtlich hinreichend in
         der angefochtenen Entscheidung die persönliche Verantwortlichkeit von Alstom und der Areva T&D SA aufgrund der Beteiligung
         des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 begründet, indem sie
         feststellte, dass diese Gesellschaften unmittelbar oder mittelbar das genannte Unternehmen während dieses Zeitraums geleitet
         hatten. Zudem geht ausdrücklich aus den Randnrn. 348 bis 356, 358 Buchst. b und c, 369 und 371 Buchst. a und b der angefochtenen
         Entscheidung hervor, dass die Kommission mit der Begründung, dass Alstom und die Alstom T&D SA innerhalb der Alstom‑Gruppe
         eine wirtschaftliche Einheit gebildet hätten, entschieden hat, Alstom und die Areva T&D SA (vormals Alstom T&D SA) für die
         Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 persönlich
         verantwortlich zu machen und gegen sie deswegen eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro
         in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung festzusetzen.
      
      200    Der Kommission kann nicht vorgeworfen werden, nicht speziell die gesamtschuldnerisch gegen Alstom und die Areva T&D SA festgesetzte
         Geldbuße im Hinblick auf die Tatsache begründet zu haben, dass diese Gesellschaften am Tag des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung keine wirtschaftliche Einheit mehr gebildet hätten, da dieser Umstand, wie aus der angefochtenen Entscheidung
         hervorgeht, nach Ansicht der Kommission der Festsetzung einer gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbuße gegen sie nicht entgegensteht.
         Denn nach der Rechtsprechung ist die Kommission nicht gehalten, in ihrer Entscheidung genau die Gründe für bestimmte Aspekte
         darzulegen, die ihrer Ansicht nach offenkundig neben der Sache liegen oder keine oder eine eindeutig untergeordnete Bedeutung
         für ihre Beurteilung haben (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteile des Gerichts vom 8. Juli 2003, Verband der freien Rohrwerke
         u. a./Kommission, T‑374/00, Slg. 2003, II‑2275, Randnr. 186, und vom 9. Juli 2007, Sun Chemical Group u. a./Kommission, T‑282/06,
         Slg. 2007, II‑2149, Randnr. 58). Die Frage, ob die Kommission zu Recht die fraglichen Gesichtspunkte in ihrer Beurteilung
         ausgeklammert hat, gehört zur Prüfung der materiellen Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung und nicht zu der eines
         Verstoßes gegen wesentliche Formvorschriften. Somit kann hierin kein Verstoß gegen Art. 253 EG liegen (siehe oben, Randnr.
         88).
      
      201    Ebenso wenig begründet ist die von Alstom vorgebrachte Rüge, dass die Kommission sich in Randnr. 371 Buchst. c der angefochtenen
         Entscheidung widersprochen habe, indem sie Alstom persönlich und gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA und der Areva T&D
         AG für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit nach der Veräußerung des Geschäftsbereichs
         T & D der Alstom‑Gruppe am 8. Januar 2004 haftbar gemacht habe. Denn aus der genannten Randnummer geht hervor, dass nur Areva,
         die Areva T&D Holding, die Areva T&D SA und die Areva T&D AG und nicht Alstom wegen der Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 9. Januar bis 11. Mai 2004 haften.
      
      202    Sämtliche Klagegründe oder Rügen, die aus einem Verstoß gegen die Begründungspflicht hergeleitet werden, sind somit als unbegründet
         zurückzuweisen.
      
      203    Daher sind die materiellen Klagegründe oder Rügen zu prüfen, die Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe vorgebracht
         haben, und zwar an erster Stelle diejenigen, mit denen sie im Kern geltend machen, dass die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen
         sowie die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen es nicht erlaubten, eine gesamtschuldnerisch
         zu zahlende Geldbuße gegen Gesellschaften festzusetzen, die nicht persönlich für die Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht
         werden könnten und die am Tag des Erlasses der die Geldbuße festsetzenden Entscheidung keine wirtschaftliche Einheit mehr
         bildeten.
      
      204    Hierbei ist zu beachten, dass die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen, die aufgrund eines Verstoßes
         gegen die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen geschuldet werden, eine Rechtswirkung ist, die sich von Gesetzes wegen aus den materiellen
         Bestimmungen dieser Artikel ergibt.
      
      205    Wie sich aus der vorstehend in Randnr. 134 dargelegten Rechtsprechung ergibt, folgt die gesamtschuldnerische Haftung für die
         Zahlung einer Geldbuße, die mehrere Personen wegen Beteiligung eines Unternehmens an einem Verstoß gegen die Art. 81 EG und
         53 EWR‑Abkommen schulden, daraus, dass jede dieser Personen persönlich für die Beteiligung des Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         verantwortlich gemacht werden kann. Die Einheitlichkeit des Verhaltens des Unternehmens auf dem Markt rechtfertigt es für
         die Anwendung des Wettbewerbsrechts, dass die Gesellschaften oder, allgemein gesprochen, die Rechtssubjekte, die persönlich
         hierfür verantwortlich gemacht werden können, gesamtschuldnerisch haften (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs Istituto
         Chemioterapico Italiano und Commercial Solvents/Kommission, oben in Randnr. 134 angeführt, Randnr. 41; Urteile des Gerichts
         HFB u. a./Kommission, oben in Randnr. 66 angeführt, Randnrn. 54, 524 und 525, und Tokai Carbon u. a./Kommission, oben in Randnr.
         134 angeführt, Randnr. 62). Die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der festgesetzten Geldbußen wegen eines Verstoßes
         gegen die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen gehört, da sie dazu beiträgt, die tatsächliche Beitreibung der genannten Geldbuße
         zu garantieren, zum Ziel der Abschreckung, das allgemein mit dem Wettbewerbsrecht verfolgt wird (vgl. in diesem Sinne Urteile
         des Gerichtshofs ACF Chemiefarma/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnrn. 172 und 173, und vom 29. Juni 2006, Showa
         Denko/Kommission, C‑289/04 P, Slg. 2006, I‑5859, Randnr. 61), und dies unter Beachtung des Grundsatzes des Verbots der Doppelbestrafung,
         das ein grundlegendes Prinzip des Unionsrechts ist und auch in Art. 4 des Protokolls Nr. 7 zur EMRK verankert ist, wonach
         eine mehrfache Bestrafung desselben unternehmerischen Marktverhaltens bei derselben wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung
         bei den Rechtssubjekten verboten ist, die hierfür persönlich verantwortlich gemacht werden können (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 338; Urteil PVC II, oben in Randnr. 64 angeführt,
         Randnrn. 95 bis 99, und Urteil des Gerichts vom 13. Dezember 2006, FNCBV u. a./Kommission, T‑217/03 und T‑245/03, Slg. 2006,
         II‑4987, Randnr. 340).
      
      206    Dass die jeweilige persönliche Verantwortlichkeit, die mehrere Gesellschaften wegen der Beteiligung desselben Unternehmens
         an einer Zuwiderhandlung trifft, nicht identisch ist, bedeutet nicht, dass gegen diese Gesellschaften keine gesamtschuldnerisch
         zu zahlende Geldbuße verhängt werden dürfte, denn die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße deckt nur
         den Zuwiderhandlungszeitraum ab, während dessen diese Gesellschaften eine wirtschaftliche Einheit und somit im wettbewerbsrechtlichen
         Sinne ein Unternehmen bildeten. Jedenfalls geht aus der von den Klägerinnen angeführten Rechtsprechung nicht hervor, dass
         nur gegen Gesellschaften, die am Tag des Erlasses der die Geldbuße festsetzenden Entscheidung eine wirtschaftliche Einheit
         bilden, eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festgesetzt werden könnte. Daher konnte die Kommission, als sie in Art. 2
         Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und gegen die Areva T&D SA eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße
         in Höhe von 53 550 000 Euro festsetzte, zu Recht davon absehen, zu berücksichtigen, dass diese beiden Gesellschaften am 24.
         Januar 2007 keine wirtschaftliche Einheit mehr bildeten.
      
      207    Nach alledem konnte die Kommission in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und gegen die Areva T&D
         SA eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro wegen Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 festsetzen, da sie, wie aus den vorstehenden Randnrn.
         80 bis 141 hervorgeht, zutreffend festgestellt hatte, dass jede dieser beiden Gesellschaften persönlich für diese Beteiligung
         verantwortlich gemacht werden konnte.
      
      208    Folglich sind die Klagegründe oder Rügen, mit denen im Wesentlichen ein Verstoß gegen Art. 81 EG, Art. 53 EWR‑Abkommen und
         die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung bei der Zahlung von Geldbußen beanstandet werden, als unbegründet zurückzuweisen.
      
      209    Sodann sind die Klagegründe und Rügen zu prüfen, mit denen ein Verstoß gegen die Grundsätze des Rückwirkungsverbots und der
         Rechtssicherheit beanstandet wird.
      
      210    Die Rechtssicherheit, ein allgemeiner Grundsatz des Rechts der Union, verlangt, dass jede Unionsregelung, insbesondere, wenn
         sie den Erlass von Sanktionen ermöglicht, selbst wenn diese nicht strafrechtlicher Art sind, klar und präzise sein muss, damit
         die Betroffenen ihre sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten zweifelsfrei erkennen und sich entsprechend darauf einstellen
         können (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 25. September 1984, Könecke, 117/83, Slg. 1984, 3291, Randnr. 11;
         Urteil Jungbunzlauer/Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 71 und die dort angeführte Rechtsprechung). Dieser
         Grundsatz gilt nicht nur für Normen strafrechtlicher Art, sondern auch für die spezifischen verwaltungsrechtlichen Regelungen,
         die den Erlass von Verwaltungssanktionen auferlegen oder ermöglichen. Er gilt nicht nur für die Normen, die den Tatbestand
         einer Zuwiderhandlung festlegen, sondern auch für diejenigen, die die Folgen einer Zuwiderhandlung gegen Erstere regeln (vgl.
         Urteil Jungbunzlauer/Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 72 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      211    Außerdem ist der Grundsatz des Rückwirkungsverbots, wie in den vorstehenden Randnrn. 131 bis 133 erwähnt, integrierender Bestandteil
         der allgemeinen Grundsätze, deren Beachtung die Unionsgerichte sicherstellen, und verlangt, dass die Regeln über die Zurechnung
         und über die Sanktionen wegen Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht, die in einer Entscheidung zur Anwendung der Art. 81
         EG und 53 EWR‑Abkommen angewandt werden, denjenigen entsprechen, die in dem Zeitpunkt, in dem die festgestellte und geahndete
         Zuwiderhandlung begangen worden ist, anwendbar waren. Dieser Grundsatz steht der rückwirkenden Anwendung neuer Regeln über
         die Zurechnung und über die Sanktionen auf eine Zuwiderhandlung entgegen, deren Ergebnis am Tag der Begehung der Zuwiderhandlung
         nicht vernünftigerweise vorhersehbar gewesen wäre.
      
      212    Aus der in den vorstehenden Randnrn. 134 und 205 angeführten Rechtsprechung geht hervor, dass die Regeln über die Zurechnung
         und Sanktionen von Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht, die die Kommission im vorliegenden Fall angewandt hatte, bereits
         zu dem Zeitpunkt, in dem die Zuwiderhandlung begangen worden war, nämlich im vorliegenden Fall in der Zeit vom 7. Dezember
         1992 bis 8. Januar 2004, herausgearbeitet waren und dass sie jedenfalls nicht als erstmalig in der angefochtenen Entscheidung
         festgelegt angesehen werden können. Zur Zeit des Sachverhalts kannten Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe diese
         Regeln oder mussten sie jedenfalls kennen. Außerdem waren diese Regeln hinreichend klar und präzise, damit diese Gesellschaften
         vernünftigerweise das Ergebnis ihrer Anwendung unter den Umständen des Sachverhalts voraussehen konnten. Wie vorstehend in
         Randnr. 140 erwähnt, kann dies im Übrigen erklären, dass eine Garantieklausel für Einstandspflichten im Übertragungsvertrag
         für den Fall aufgenommen wurde, dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG wegen zuvor begangener Zuwiderhandlungen haftbar
         gemacht würden. Folglich können sich Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe im vorliegenden Fall nicht mit Erfolg
         auf einen Verstoß gegen den Grundsatz des Rückwirkungsverbots oder der Rechtssicherheit wegen der gesamtschuldnerisch zu zahlenden
         Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro berufen, die in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und die
         Areva T&D SA verhängt wurde.
      
      213    Soweit sich der Klagegrund, der aus einem Verstoß gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit hergeleitet wird, als Einwand der
         Rechtswidrigkeit gegen die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen auslegen lässt mit der
         Begründung, dass diese Regeln eine Quelle der Unsicherheit in Bezug auf die zu zahlende Geldbuße, auf die Bestimmung des Schuldners
         der Zahlungsverpflichtung und auf die Rechtslage der Gesamtschuldner seien, impliziert dieser Klagegrund, dass zur Rechtmäßigkeit
         der Regelung der „gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung der Geldbußen“ im Wettbewerbsrecht Stellung zu nehmen und
         zu prüfen ist, ob die Rechte und Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, hinreichend genau von den von der Sanktion betroffenen
         Gesellschaften erkannt werden können. Ebenso wie der Begriff des „Unternehmens“ im Sinne des Wettbewerbsrechts, aus dem er
         sich von Rechts wegen ergibt (siehe oben, Randnr. 205), ist der Begriff der „gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung
         der Geldbußen“ ein autonomer Begriff, der unter Bezugnahme auf die Ziele und die Systematik des Wettbewerbsrechts ausgelegt
         werden muss, wovon er ein Teil ist, und zwar gegebenenfalls unter Bezugnahme auf die allgemeinen Grundsätze, die sich aus
         der Gesamtheit der nationalen Rechtssysteme ergeben.
      
      214    In dem bei der Kanzlei des Gerichts am 18. Juni 2009 eingetragenen Schreiben (siehe oben, Randnr. 42) und entgegen ihrem Vorbringen
         in der mündlichen Verhandlung (siehe oben, Randnr. 39) hat die Kommission geltend gemacht, dass sie, wenn sie ohne weitere
         Klarstellungen oder Hinweise im verfügenden Teil der Entscheidung eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße gegenüber
         mehreren Gesellschaften anordne, nicht die Frage zu regeln beabsichtige, was im Innenverhältnis der verschiedenen Gesamtschuldner
         der jeweils zur Begleichung dieser Geldbuße zu erbringende Beitrag sei. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass die Entscheidung,
         mit der die Kommission gegenüber mehreren Gesellschaften die gesamtschuldnerische Zahlungsverpflichtung für eine Geldbuße
         festsetzt, zwangsläufig sämtliche Wirkungen auslöst, die von Rechts wegen an die rechtliche Regelung der Zahlung von Geldbußen
         im Wettbewerbsrecht anknüpfen, und dies sowohl in den Beziehungen zwischen Gläubiger und Gesamtschuldnern als auch in den
         Beziehungen zwischen den Gesamtschuldnern untereinander. Daher können weder die Kommission noch die Klägerinnen mit dem Vorbringen
         durchdringen, dass die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbuße für das Verhältnis zwischen Gläubiger und
         Gesamtschuldnern gelte, nicht aber auf der Ebene der Gesamtschuldner untereinander. Auch können die Kommission und die Klägerinnen
         nicht mit Erfolg vortragen, die Gesellschaften könnten frei darüber bestimmen, wie sie untereinander den Betrag einer gesamtschuldnerisch
         zu zahlenden Geldbuße aufteilen, die gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 oder Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003
         wegen Verstoßes gegen die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen festgesetzt worden ist, da insoweit allein die Kommission zur Entscheidung
         befugt ist.
      
      215    Es ist davon auszugehen, dass die Kommission in Ermangelung einer gegenteiligen Angabe in der Entscheidung, mit der sie eine
         gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße gegenüber mehreren Gesellschaften wegen eines eine Zuwiderhandlung darstellenden
         Verhaltens eines Unternehmens festsetzt, diesen Gesellschaften das genannte Verhalten zu gleichen Teilen zurechnet (vgl. in
         diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 2. Oktober 2003, Aristrain/Kommission, C‑196/99 P, Slg. 2003, I‑11005, Randnrn. 100
         und 101). Außerdem ist bereits entschieden worden, dass die zur gesamtschuldnerischen Zahlung einer Geldbuße verurteilten
         Gesellschaften gehalten sind, eine einzige Geldbuße zu zahlen, deren Betrag unter Bezugnahme auf die Umsätze des fraglichen
         Unternehmens berechnet worden ist (vgl. in diesem Sinne Urteil Aristrain/Kommission, Randnr. 101). Folglich schuldet jede
         Gesellschaft den Gesamtbetrag der Geldbuße gegenüber der Kommission, und die Zahlung, die eine von ihnen bewirkt, hat gegenüber
         der Kommission für alle befreiende Wirkung. Die Gesellschaften, gegen die eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festgesetzt
         wird und die, ausgenommen gegenteiliger Angaben in der die Geldbuße festsetzenden Entscheidung, gleichermaßen für die Begehung
         der Zuwiderhandlung verantwortlich sind, müssen grundsätzlich zu gleichen Teilen zur Zahlung der wegen dieser Zuwiderhandlung
         festgesetzten Geldbuße beitragen. Demzufolge kann die Gesellschaft, die, eventuell nachdem sie von der Kommission auf Zahlung
         in Anspruch genommen worden ist, den gesamten Betrag der Geldbuße entrichtet, schon auf der Grundlage der Entscheidung der
         Kommission gegenüber ihren Mitgesamtschuldnern, und zwar gegen jeden in Höhe seines Anteils, Erstattung verlangen. Wenn somit
         zwar die Entscheidung, die gegenüber mehreren Gesellschaften eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festsetzt, es nicht
         von vornherein erlaubt, die Gesellschaft zu bestimmen, die der Kommission tatsächlich den Betrag der Geldbuße zu zahlen haben
         wird, so verhindert sie doch nicht, dass jede dieser Gesellschaften zweifelsfrei den Anteil des Geldbußenbetrags, der letztlich
         auf sie entfällt, kennen und gegen ihre Gesamtschuldner wegen Erstattung der Beträge vorgehen kann, die sie über diesen Anteil
         hinausgehend womöglich gezahlt hat.
      
      216    Nach alledem hindert die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen im Wettbewerbsrecht keine der von der
         Sanktion betroffenen Gesellschaften daran, zweifelsfrei die finanziellen Folgen zu kennen, die sich für sie aus der Sanktion
         ergeben können. Der Umstand, dass in diesem Zusammenhang die angefochtene Entscheidung keinen Aufschluss darüber gibt, welche
         dieser Gesellschaften tatsächlich der Kommission den Betrag der Geldbuße zu zahlen haben wird, bedeutet als solcher keinen
         Verstoß gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit.
      
      217    Außerdem nimmt die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung der Geldbußen im Wettbewerbsrecht keiner der von der Sanktion
         betroffenen Gesellschaften das Recht, eine Klage auf Nichtigerklärung der Entscheidung, mit der die Kommission ihnen gegenüber
         eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße festgesetzt hat, zu erheben. Im vorliegenden Fall haben sowohl Alstom als auch
         die Areva T&D SA ihr Klagerecht ausgeübt, indem jede auf der Grundlage von Art. 230 EG eine Klage auf Nichtigerklärung erhoben
         hat.
      
      218    Die aus einem Verstoß gegen die Grundsätze des Rückwirkungsverbots in der Rechtssicherheit hergeleiteten Klagegründe und Rügen
         sind daher insgesamt zurückzuweisen.
      
      219    Was die Klagegründe und Rügen betrifft, mit denen ein Verstoß gegen den Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen
         und Sanktionen beanstandet wird, ist zu beachten, dass dieser Grundsatz, der in jedem Verwaltungsverfahren anwendbar ist,
         das zu Sanktionen nach dem Wettbewerbsrecht führen kann, verlangt, dass eine Sanktion gegen eine Person nur wegen Taten verhängt
         wird, die ihr individuell zur Last gelegt werden (Urteile des Gerichts vom 13. Dezember 2001, Krupp Thyssen Stainless und
         Acciai speciali Terni/Kommission, T‑45/98 und T‑47/98, Slg. 2001, II‑3757, Randnr. 63; vom 25. Oktober 2005, Groupe Danone/Kommission,
         T‑38/02, Slg. 2005, II‑4407, Randnr. 278, und vom 30. Januar 2007, France Télécom/Kommission, T‑340/03, Slg. 2007, II‑107,
         Randnr. 66).
      
      220    Gegen Alstom und die Areva T&D SA wurden im vorliegenden Fall Sanktionen wegen der Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 wegen Taten verhängt, die ihnen von der Kommission
         individuell zur Last gelegt worden sind. Wie bereits vorstehend in Randnr. 127 festgestellt, wurden diese Gesellschaften aufgrund
         der sie als unmittelbare oder mittelbare Leiter des betroffenen Unternehmens treffenden Verantwortlichkeit persönlich für
         die Beteiligung dieses Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 verantwortlich
         gemacht. Somit wurde gegen Alstom und gegen die Areva T&D SA wegen eines Verstoßes gegen Art. 81 EG und gegen Art. 53 EWR‑Abkommen,
         für den sie aufgrund der Leitung, die sie zu dieser Zeit über das betroffene Unternehmen ausübten, als persönliche Täter gelten
         (vgl. in diesem Sinne Urteil vom 16. November 2000, Metsä-Serla u. a./Kommission, oben in Randnr. 134 angeführt, Randnr. 28),
         eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung
         verhängt.
      
      221    Daher sind die Klagegründe und Rügen, mit denen ein Verstoß gegen den Grundsatz der persönlichen Zumessung der Strafen und
         Sanktionen beanstandet wird, ebenfalls zurückzuweisen.
      
      222    Soweit Alstom im Rahmen der Klagegründe und Rügen, mit denen ein Verstoß gegen den Grundsatz der persönlichen Zumessung der
         Strafen und Sanktionen beanstandet wird, in der Erwiderung in der Rechtssache T‑127/07 geltend gemacht hat, dass das aus der
         gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung der Geldbußen folgende Fehlen einer persönlichen Zumessung der Sanktionen das
         Ziel beeinträchtige, die abschreckende Wirkung der Geldbußen sicherzustellen, das insbesondere von Art. 23 Abs. 2 der Verordnung
         Nr. 1/2003 verfolgt werde, ist festzustellen, dass eine derartige Rüge, die nicht auf rechtliche oder tatsächliche Gründe
         gestützt wird, die erst während des streitigen Verfahrens zutage getreten sind, eine neue Rüge darstellt, die im Sinne von
         Art. 48 § 2 der Verfahrensordnung unzulässig ist. Jedenfalls ist diese Rüge nicht begründet, weil, wie bereits vorstehend
         in Randnr. 215 festgestellt, jeder der Gesamtschuldner gegenüber den anderen gehalten ist, seinen Anteil an der Geldbuße zu
         entrichten, und in diesem Umfang die Last der von der Kommission verhängten Geldbuße trägt.
      
      223    Sodann sind die Klagegründe und Rügen zu prüfen, mit denen ein Verstoß gegen das Recht auf einen effektiven Rechtsschutz beanstandet
         wird, da sich die rechtliche Lage von Alstom infolge ihrer gesamtschuldnerischen Verurteilung als verfahrensmäßig an die der
         Areva T&D SA gekoppelt darstelle.
      
      224    Das Erfordernis einer gerichtlichen Kontrolle ist ein allgemeiner Grundsatz des Unionsrechts, der sich aus den gemeinsamen
         Verfassungstraditionen in den Mitgliedstaaten ergibt und auch in den Art. 6 und 13 EMRK verankert ist (Urteile des Gerichts
         vom 15. Mai 1986, Johnston, 222/84, Slg. 1986, 1651, Randnr. 18, und vom 25. Juli 2002, Unión de Pequeños Agricultores/Rat,
         C‑50/00 P, Slg. 2002, I‑6677, Randnr. 39; Urteil vom 5. August 2003, P & O European Ferries [Vizcaya] und Diputación Foral
         de Vizcaya/Kommission, T‑116/01 und T‑118/01, Slg. 2003, II‑2957, Randnr. 209). Das Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf
         wurde ferner in Art. 47 der am 7. Dezember 2000 in Nizza proklamierten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl.
         C 364, S. 1) erneut bekräftigt.
      
      225    Das Erfordernis einer effektiven gerichtlichen Kontrolle gilt insbesondere für jede Entscheidung der Kommission, mit der ein
         Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt und geahndet wird (Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998, Enso Española/Kommission,
         T‑348/94, Slg. 1998, II‑1875, Randnr. 60, und vom 8. Juli 2008, Lafarge/Kommission, T‑54/03, nicht in der amtlichen Sammlung
         veröffentlicht, Randnr. 42).
      
      226    Nach Art. 17 der Verordnung Nr. 17 und Art. 31 der Verordnung Nr. 1/2003 hat das Gericht bei Klagen gegen Entscheidungen,
         mit denen die Kommission eine Geldbuße festgesetzt hat, die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung der Entscheidung im Sinne
         von Art. 229 EG; es kann die festgesetzte Geldbuße aufheben, herabsetzen oder erhöhen.
      
      227    Bei den auf Art. 230 EG gestützten Klagen ist eine Kontrolle der Rechtmäßigkeit einer Entscheidung der Kommission, mit der
         natürlichen oder juristischen Personen ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht zur Last gelegt und gegen sie deswegen eine
         Geldbuße verhängt wird, als effektiver gerichtlicher Rechtsschutz dieser Entscheidung anzusehen. Denn die Klagegründe, die
         von den jeweiligen natürlichen oder juristischen Personen zur Stützung ihres Antrags auf Nichtigerklärung des Rechtsakts geltend
         gemacht werden können, erlauben es dem Gericht, in rechtlicher wie in sachlicher Hinsicht zu beurteilen, ob eine festgestellte
         Zuwiderhandlung gegeben ist, und die Begründetheit einer von der Kommission auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts verhängten
         Geldbuße zu beurteilen (vgl. in diesem Sinne Urteil Lafarge/Kommission, oben in Randnr. 225 angeführt, Randnr. 45). Die Intensität
         der vom Unionsrichter ausgeübten Kontrolle und somit die Effektivität der Klagen gegen die Entscheidungen, mit denen die Kommission
         einen Verstoß gegen die Wettbewerbsregeln feststellt und eine Geldbuße verhängt, werden noch durch die Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung verstärkt, die dem Gericht auf diesem Gebiet verliehen ist. Über eine bloße Kontrolle der Rechtmäßigkeit hinaus,
         die lediglich eine Abweisung der Nichtigkeitsklage oder die Nichtigerklärung des angefochtenen Rechtsakts ermöglicht, ermächtigt
         die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung, über die der Unionsrichter verfügt, ihn zur Änderung der angefochtenen Entscheidung
         selbst ohne deren Nichtigerklärung unter Berücksichtigung sämtlicher Sachverhaltsumstände, beispielsweise um den Betrag der
         verhängten Geldbuße zu ändern (Urteil des Gerichtshofs vom 15. Oktober 2002, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission,
         C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 692).
      
      228    Im vorliegenden Fall hat die Tatsache, dass die Kommission Alstom und die Areva T&D SA für die Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 verantwortlich gemacht hat und ihnen
         aus diesem Grund eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen
         Entscheidung auferlegt hat, nicht das Recht einer dieser beiden Gesellschaften als Adressaten der angefochtenen Entscheidung
         beeinträchtigt, die letztgenannte Entscheidung einer gerichtlichen Kontrolle durch die effektive Ausübung der im Recht der
         Union und im EWR‑Abkommen garantierten Rechtsbehelfe zu unterziehen. Denn sowohl Alstom als auch die Areva T&D SA konnten
         vor dem Gericht eine Klage auf der Grundlage von Art. 230 EG erheben, die nicht nur einen Antrag auf teilweise Nichtigerklärung
         der angefochtenen Entscheidung enthielt, um die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung zu überprüfen, insbesondere soweit sie
         ihnen eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße auferlegte, sondern auch einen Antrag auf Abänderung der angefochtenen
         Entscheidung in Bezug auf die Höhe der gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbuße, die gegen sie verhängt worden ist. Folglich
         konnte jede dieser Gesellschaften die Frage der Rechtmäßigkeit der gesamtschuldnerischen Zahlung der Geldbuße eines Betrags
         von 53 550 000 Euro, die gegen sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung festgesetzt worden war, unter dem Blickwinkel
         des Unionsrechts der Kontrolle durch den Unionsrichter unterbreiten. Aufgrund der Rückwirkung (Urteil des Gerichtshofs vom
         26. April 1988, Asteris u. a./Kommission, 97/86, 99/86, 193/86 und 215/86, Slg. 1988, 2181, Randnr. 30) und der absoluten
         Verbindlichkeit der Rechtskraft (Urteile des Gerichts vom 14. September 1999, Kommission/AssiDomän Kraft Products u. a., C‑310/97 P,
         Slg. 1999, I‑5363, Randnr. 54; vom 15. Februar 2001, Nachi Europe, C‑239/99, Slg. 2001, I‑1197, Randnr. 26, und vom 29. April
         2004, Italien/Kommission, C‑372/97, Slg. 2004, I‑3679, Randnr. 36), die von Nichtigkeitsurteilen ausgehen, könnte Alstom oder
         die Areva T&D SA von jeder Verantwortlichkeit für die festgestellte Zuwiderhandlung befreit und von jeder Verpflichtung, die
         Geldbuße, die gegen sie wegen dieser Zuwiderhandlung festgesetzt worden ist, an die Kommission zu zahlen, oder von jeder Verpflichtung,
         in Höhe ihres Anteils zur Zahlung der genannten Geldbuße im Fall ihrer Zahlung durch ihren Mitgesamtschuldner beizutragen,
         freigestellt werden.
      
      229    Dass die im Übertragungsvertrag enthaltene Garantieklausel für Einstandspflichten, wie Alstom vorträgt, den Nutzen, den diese
         Gesellschaft aus ihrer Klage in der Rechtssache T‑121/07 ziehen könnte, vereiteln kann, ist als Rechtsfolge des zwischen den
         Parteien geschlossenen Vertrags und nicht als Wirkung der angefochtenen Entscheidung selbst anzusehen. Folglich ist, wie aus
         Randnr. 368 a. E. der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, die Tatsache, dass eine derartige Garantieklausel für Einstandspflichten
         im Übertragungsvertrag vereinbart worden ist, ohne Belang für die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung. Art. 81 EG
         und entsprechend Art. 53 EWR‑Abkommen sind dem Bereich der öffentlichen Ordnung zuzurechnende Vorschriften, die für die Erfüllung
         der der Europäischen Gemeinschaft und dem EWR anvertrauten Aufgaben unerlässlich sind (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs
         vom 4. Juni 2009, T‑Mobile Netherlands u. a., C‑8/08, Slg. 2009, I‑4529, Randnr. 49 und die dort angeführte Rechtsprechung),
         so dass die Verantwortlichkeit und die Sanktion, die die Gesellschaften treffen, nicht zu deren freier Disposition stehen
         können.
      
      230    Somit kann darin, dass mit der angefochtenen Entscheidung in Art. 2 Buchst. c eine gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße
         in Höhe von 53 550 000 Euro gegen Alstom und die Areva T&D SA verhängt wird, kein Verstoß gegen den Grundsatz des Rechts auf
         einen effektiven Rechtsschutz gesehen werden.
      
      231    Daher sind die Klagegründe und Rügen, mit denen ein Verstoß gegen das Recht auf einen effektiven Rechtsschutz beanstandet
         wird, als unbegründet zurückzuweisen.
      
      232    Schließlich sind die Klagegründe und Rügen zu prüfen, mit denen ein Verstoß gegen Art. 7 EG und gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung
         und der Verhältnismäßigkeit beanstandet wird, weil die Kommission mit der gesamtschuldnerischen Verurteilung von Alstom und
         der Areva T&D SA zur Zahlung einer Geldbuße dem nationalen Richter oder Schiedsrichter die Befugnis überantwortet habe, die
         Verantwortlichkeit einer jeden der Gesellschaften für die Begehung der festgestellten Zuwiderhandlung und mithin ihren jeweiligen
         Beitrag zur Zahlung der Geldbuße zu bestimmen, und sie die Areva T&D SA dem Risiko ausgesetzt habe, an die Kommission Beträge
         zu zahlen, die letztlich von Alstom getragen werden müssten.
      
      233    Gemäß Art. 5 EG wird die Europäische Gemeinschaft innerhalb der Grenzen der ihr im Vertrag zugewiesenen Befugnisse und gesetzten
         Ziele tätig. Sie verfügt somit nur über begrenzte Ermächtigungen (vgl. in diesem Sinne Gutachten 2/94 des Gerichtshofs vom
         28. März 1996, Slg. 1996, I‑1759, Randnr. 23). Nach Art. 7 Abs. 1 EG handeln die Organe, die wie die Kommission die der Gemeinschaft
         zugewiesenen Aufgaben wahrnehmen, selbst nach Maßgabe der ihnen im Vertrag zugewiesenen Befugnisse. Ein Organ kann nicht auf
         seine Befugnisse verzichten, ohne die Rolle zu verkennen, die es nach Art. 7 Abs. 1 EG bei der Wahrnehmung der der Gemeinschaft
         zugewiesenen Aufgaben spielen muss.
      
      234    Wenn die Kommission wie im vorliegenden Fall ein Verfahren zum Erlass einer Entscheidung eröffnet, mit der ein Verstoß gegen
         die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen festgestellt werden soll, ist allein sie gemäß Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 oder
         Art. 7 Abs. 1 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 dafür zuständig, diesen Verstoß festzustellen und den Unternehmen,
         die vorsätzlich oder fahrlässig hieran beteiligt waren, Geldbußen aufzuerlegen. Die Kommission würde gegen den Grundsatz der
         begrenzten Ermächtigung verstoßen, wenn sie die Befugnisse, die ihr so durch die vorgenannten Vorschriften übertragen worden
         sind, auf einen Dritten übertrüge (vgl. in diesem Sinne zu den Ermittlungsbefugnissen der Kommission nach Art. 3 der Verordnung
         Nr. 17 Urteil des Gerichts vom 17. September 2007, Microsoft/Kommission, T‑201/04, Slg. 2007, II‑3601, Randnr. 1264).
      
      235    Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission in jedem Einzelfall, wenn sie die Festsetzung von Geldbußen nach dem
         Wettbewerbsrecht beschließt, die allgemeinen Rechtsgrundsätze einhalten muss, zu denen die Grundsätze der Gleichbehandlung
         und der Verhältnismäßigkeit in ihrer Auslegung durch die Gerichte der Union gehören (Urteil des Gerichts vom 27. September
         2006, Archer Daniels Midland/Kommission, T‑59/02, Slg. 2006, II‑3627, Randnr. 315). Nach ständiger Rechtsprechung liegt ein
         Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung oder das Diskriminierungsverbot nur dann vor, wenn vergleichbare Sachverhalte
         unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt werden, sofern eine solche Behandlung nicht objektiv gerechtfertigt
         ist (Urteile des Gerichtshofs vom 13. Dezember 1984, Sermide, 106/83, Slg. 1984, 4209, Randnr. 28, und vom 28. Juni 1990,
         Hoche, C‑174/89, Slg. 1990, I‑2681, Randnr. 25; Urteil des Gerichts vom 14.. Mai 1998, BPB de Eendracht/Kommission, T‑311/94,
         Slg. 1998, II‑1129, Randnr. 309). Nach diesem Grundsatz dürfen die Handlungen der Gemeinschaftsorgane nicht die Grenzen dessen
         überschreiten, was zur Erreichung der mit der fraglichen Regelung zulässigerweise verfolgten Ziele geeignet und erforderlich
         ist; dabei ist von mehreren geeigneten Maßnahmen die am wenigsten belastende zu wählen, und die verursachten Nachteile müssen
         in angemessenem Verhältnis zu den angestrebten Zielen stehen (Urteile des Gerichtshofs vom 13. November 1990, Fedesa u. a.,
         C‑331/88, Slg. 1990, I‑4023, Randnr. 13, und vom 5. Mai 1998, Vereinigtes Königreich/Kommission, C‑180/96, Slg. 1998, I‑2265,
         Randnr. 96).
      
      236    Im vorliegenden Fall hat die Kommission entgegen dem Vorbringen der Gesellschaften der Areva‑Gruppe den jeweiligen Haftungsanteil
         der Areva T&D SA und von Alstom im Rahmen der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit
         vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 und mithin ihren jeweiligen Anteil an der Geldbuße bestimmt, die sie der Kommission
         gesamtschuldnerisch schulden. Denn wie bereits vorstehend in Randnr. 215 festgestellt, haften in Ermangelung einer gegenteiligen
         Angabe in der angefochtenen Entscheidung die Areva T&D SA und Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der
         Zuwiderhandlung in der Zeit vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 zu gleichen Teilen, woraus sich ergibt, dass der jeweilige
         Anteil an der gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbuße grundsätzlich bei 50 % liegt. Da sich dies der angefochtenen Entscheidung
         selbst entnehmen lässt, kann nicht gesagt werden, dass die Kommission im vorliegenden Fall einem nationalen Richter oder Schiedsrichter
         einen Teil der ihr übertragenen Befugnisse bei der Feststellung und Ahndung der Verstöße gegen die Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen
         überantwortet habe.
      
      237    Da die geprüften Klagegründe und Rügen auf einer irrigen Annahme beruhen, sind sie als unbegründet zurückzuweisen.
      
      238    Somit sind sämtliche Klagegründe und Rügen zurückzuweisen, die Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe in Bezug auf
         die gesamtschuldnerisch zu zahlende, Alstom und der Areva T&D SA in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung auferlegte
         Geldbuße in Höhe von 53 550 000 Euro vorgebracht haben und mit denen ein Verstoß gegen die aus den Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen
         folgenden Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen, ein Verstoß gegen Art. 7 EG, ein Verstoß
         gegen die Grundsätze der Rechtssicherheit, der Gleichbehandlung, der Verhältnismäßigkeit, das Recht auf einen effektiven Rechtsschutz
         und den Grundsatz der persönlichen Strafzumessung sowie ein Verstoß gegen die Begründungspflicht beanstandet werden.
      
      239    Zu prüfen bleibt an zweiter Stelle der Klagegrund, der aus einem Verstoß gegen die aus Art. 81 EG und Art. 53 EWR‑Abkommen
         folgenden Regeln über die Gesamtschuld bei der Zahlung von Geldbußen in Bezug auf den Betrag von 25 500 000 Euro hergeleitet
         wird, den die Gesellschaften der Areva‑Gruppe nach Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gesamtschuldnerisch zu
         zahlen haben.
      
      240    In den Randnrn. 370 und 371 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt, dass die Gesellschaften
         der Areva‑Gruppe persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 9. Januar
         bis 11. Mai 2004 verantwortlich gemacht werden könnten, da sie dieses Unternehmen während des fraglichen Zuwiderhandlungszeitraums
         unmittelbar oder mittelbar geleitet und damals im wettbewerblichen Sinne ein einziges Unternehmen gebildet hätten.
      
      241    Aus der vorstehend in den Randnrn. 134 und 205 dargelegten Rechtsprechung geht hervor, dass der Kommission kein Fehler unterlaufen
         ist, als sie die Ansicht vertrat, dass die Gesellschaften, die dieses Unternehmen zum Zeitpunkt seiner Beteiligung an der
         Zuwiderhandlung unmittelbar oder mittelbar leiteten, persönlich für das eine Zuwiderhandlung darstellende Verhalten verantwortlich
         gemacht werden können. Im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes haben die Gesellschaften der Areva‑Gruppe nicht bestritten,
         dass die Areva T&D SA und die Areva T&D AG das betroffene Unternehmen zwischen dem 9. Januar und dem 11. Mai 2004 unmittelbar
         leiteten, sondern nur, dass die Areva und die Areva T&D Holding dieses Unternehmen über ihre im Geschäftsbereich T & D tätigen
         100%igen Tochtergesellschaften leiteten. Jedoch geht aus den Ausführungen in den vorstehenden Randnrn. 144 bis 152 hervor,
         dass der Kommission kein Fehler unterlaufen ist, als sie die Ansicht vertrat, dass Areva und die Areva T&D Holding eine tatsächliche
         Kontrolle über die Areva T&D SA und die Areva T&D AG ausübten und deren Marktverhalten bestimmten.
      
      242    Daher kann nicht geltend gemacht werden, dass die Kommission gegen die aus den Art. 81 EG und 53 EWR‑Abkommen folgenden Regeln
         über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen in Bezug auf den Betrag von 25 500 000 Euro verstoßen
         habe, für den die Kommission die Gesellschaften der Areva‑Gruppe in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung gesamtschuldnerisch
         haftbar macht.
      
      243    Folglich sind die Klagegründe und Rügen als unbegründet zurückzuweisen, mit denen die Klägerinnen die ihnen in Art. 2 Buchst. c
         der angefochtenen Entscheidung auferlegte gesamtschuldnerisch zu zahlende Geldbuße beanstanden.
      
       Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte und gegen Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003
      –       Vorbringen der Parteien
      244    Alstom wirft der Kommission in ihrem siebten Klagegrund vor, in der angefochtenen Entscheidung gegen den Grundsatz der Wahrung
         der Verteidigungsrechte und gegen Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003 verstoßen zu haben, da die ihr gegenüber in der
         angefochtenen Entscheidung zugrunde gelegten Beschwerdepunkte nicht mit denjenigen übereinstimmten, die in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte formuliert worden seien. Sie ist der Ansicht, sie habe zu der ihr in der angefochtenen Entscheidung in
         Anbetracht der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember
         1992 angelasteten „ausschließlichen Verantwortlichkeit“ nicht Stellung nehmen können, da die Kommission in Randnr. 337 der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte angegeben habe, insoweit treffe sie mit der Areva T&D SA und der Areva T&D AG eine „gesamtschuldnerische
         Haftung“.
      
      245    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, die vorliegende Rüge zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      246    Die Wahrung der Verteidigungsrechte stellt in allen Verfahren, die zu Sanktionen, insbesondere zu Geldbußen oder Zwangsgeldern,
         führen können, einen fundamentalen Grundsatz des Unionsrechts dar, der auch in einem Verwaltungsverfahren beachtet werden
         muss (Urteile des Gerichts vom 13. Februar 1979, Hoffmann-La Roche/Kommission, 85/76, Slg. 1979, 461, Randnr. 9, und vom 2.
         Oktober 2003, ARBED/Kommission, C‑176/99 P, Slg. 2003, I‑10687, Randnr. 19; Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt,
         Randnr. 44).
      
      247    Die Wahrung der Verteidigungsrechte erfordert, dass das betroffene Unternehmen im Verwaltungsverfahren zum Vorliegen und zur
         Erheblichkeit des angeführten Sachverhalts sowie zu den von der Kommission zur Stützung ihrer Behauptung, dass ein Verstoß
         gegen das Wettbewerbsrecht vorliege, herangezogenen Schriftstücken sachgerecht Stellung nehmen kann (Urteile des Gerichts
         vom 7. Juni 1983, Musique Diffusion française u. a./Kommission, 100/80 bis 103/80, Slg. 1983, 1825, Randnr. 10, und Aalborg
         Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 66).
      
      248    In diesem Sinne sieht die Verordnung Nr. 1/2003 wie auch zuvor die Verordnung Nr. 17 vor, dass den Beteiligten eine Mitteilung
         der Beschwerdepunkte übersandt wird, in der alle wesentlichen Tatsachen, auf die sich die Kommission in diesem Verfahrensstadium
         stützt, klar angegeben werden müssen. Jedoch kann diese Angabe kurz ausfallen, und die Entscheidung muss nicht zwangsläufig
         eine Kopie der Darlegung der Beschwerdepunkte sein (Urteile Musique Diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr.
         247 angeführt, Randnr. 14, und Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 67), denn die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte ist ein vorbereitendes Dokument, dessen tatsächliche und rechtliche Beurteilungen rein vorläufiger Art
         sind (vgl. Urteile des Gerichtshofs Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 67 und die dort
         angeführte Rechtsprechung; vgl. in diesem Sinne auch Urteil des Gerichtshofs vom 10. Juli 2008, Bertelsmann und Sony Corporation
         of America/Impala, C‑413/06 P, Slg. 2008, I‑4951, Randnr. 63 und die dort angeführte Rechtsprechung). Aus diesem Grund kann
         und muss sogar die Kommission Tatsachen berücksichtigen, die sich aus dem Verwaltungsverfahren ergeben, um insbesondere Beschwerdepunkte
         fallen zu lassen, die sich als unbegründet erweisen (Urteile Musique Diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr.
         247 angeführt, Randnr. 14, und Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 67).
      
      249    Mit der vorliegenden Rüge trägt Alstom vor, die Kommission habe gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte verstoßen,
         da sie in der angefochtenen Entscheidung einen Beschwerdepunkt fallen gelassen habe, den sie zuvor gegen die Areva T&D SA
         und die Areva T&D AG in Randnr. 337 der Mitteilung der Beschwerdepunkte angeführt habe und der darin bestanden habe, diese
         Gesellschaften persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April
         1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich zu machen.
      
      250    Die Kommission, die das Vorbringen von Alstom bestreitet, wonach sie nicht angegeben habe, dass sie sie für die Zuwiderhandlung
         in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 für alleinverantwortlich gehalten habe, macht geltend, aus Randnr. 337
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte in Zusammenhang mit deren Randnr. 331 ergebe sich, dass sie Alstom allein für die Beteiligung
         des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 habe verantwortlich
         machen wollen. In Anbetracht dieser Einwände müsse zunächst zur Begründetheit dieses Vorbringens Stellung genommen werden.
      
      251    In Randnr. 331 der Mitteilung der Beschwerdepunkte hat die Kommission an die Rechtsprechung des Gerichtshofs und des Gerichts
         zur Vermutung der Verantwortlichkeit der Muttergesellschaften für wettbewerbswidriges Verhalten erinnert, das ihren Tochtergesellschaften
         zuzurechnen ist, die sich daraus ergibt, dass die Muttergesellschaften vollständig oder nahezu vollständig das Gesellschaftskapital
         der Tochtergesellschaften halten.
      
      252    In Randnr. 336 der Mitteilung der Beschwerdepunkte hat die Kommission darauf hingewiesen, dass Alstom und ihre rechtlichen
         und wirtschaftlichen Vorgängergesellschaften das ganze oder nahezu das ganze Gesellschaftskapital der rechtlichen Einheiten
         gehalten hätten, die an dem kollusiven Verhalten, das in der Mitteilung der Beschwerdepunkte beschrieben worden sei, beteiligt
         gewesen seien, nämlich zum einen an der Alsthom SA (France), der GEC Alsthom SA, Kléber Eylau, der GEC Alsthom T&D SA der
         Alstom T&D SA, deren Nachfolger in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht die Areva T&D SA ist, und zum anderen Sprecher
         Energie, die GEC Alsthom T&D, die Alstom T&D AG, Alstom Power (Schweiz) und die Alstom AG (Suisse), deren rechtlicher und
         wirtschaftlicher Nachfolger die Areva T&D AG ist.
      
      253    In Randnr. 337 der Mitteilung der Beschwerdepunkte hat die Kommission dargelegt, dass sie aus den in deren Randnr. 331 dargelegten
         Gründen die Absicht habe, Alstom, die Areva T&D SA und die Areva T&D AG gemeinsam und gesamtschuldnerisch für die Beteiligung
         des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit zwischen dem 15. April 1988, dem Datum, zu dem das genannte
         Unternehmen dem GQ-Abkommen und dem EQ-Abkommen beigetreten sei, und dem 8. Januar 2004 verantwortlich zu machen, dem Datum,
         zu dem die Alstom Gruppe ihren „Geschäftsbereich T & D“ an die Areva‑Gruppe veräußert habe.
      
      254    Angesichts des klaren Wortlauts von Randnr. 337 der Mitteilung der Beschwerdepunkte ist davon auszugehen, dass Alstom zu Recht
         geltend macht, dass die Mitteilung der Beschwerdepunkte die Absicht der Kommission zum Ausdruck brachte, die Areva T&D SA
         und die Areva T&D AG persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung insbesondere in der
         Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich zu machen. Da die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         lediglich Alstom für die Zuwiderhandlung innerhalb dieses Zeitraums verantwortlich macht, lässt sie somit im Kern einen ursprünglich
         gegenüber der Areva T&D SA und der Areva T&D AG in der Mitteilung der Beschwerdepunkte formulierten Beschwerdepunkt fallen;
         in diesem Umfang steht die angefochtene Entscheidung nicht mit der Mitteilung der Beschwerdepunkte in Einklang.
      
      255    Aus der Akte geht hervor, dass die Gesellschaften der Areva-Gruppe in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         der Kommission zusätzliche Informationen geliefert haben, die zeigten, dass der gegenüber der Areva T&D SA und der Areva T&D
         AG geltend gemachte Beschwerdepunkt nicht begründet war. Denn Randnr. 344 der angefochtenen Entscheidung, auf die sich die
         Kommission berufen hat, lässt sich entnehmen, dass die Kommission berücksichtigt hat, dass die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte erklärt haben, zumindest bis 1993 müsse allein Alstom für die
         Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht werden, da die spätere Alstom‑Gruppe unmittelbar die Tätigkeiten auf dem Gebiet T&D
         in der Zeit von 1988 bis 1993 bis zur Gründung der Vorgängergesellschaften der Alstom T&D SA, nämlich der GEC Alsthom T&D
         SA, kontrolliert habe. In den Randnrn. 20, 357 und 366 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt, dass
         die Areva T&D SA und die Areva T&D AG unter ihrer damaligen Firma nicht vor dem 7. Dezember 1992, dem Tag, an dem die französischen
         GIS‑Geschäfte der Alstom‑Gruppe auf Kléber Eylau übertragen worden seien, bzw. dem 22. Dezember 2003, als die GIS‑Geschäfte
         der Alstom‑Gruppe in der Schweiz auf Alstom (Schweiz) Services übertragen worden seien, nicht existiert hätten, und hieraus
         in den Randnrn. 358 und 371 der angefochtenen Entscheidung gefolgert, dass diese Gesellschaften nicht persönlich für die Beteiligung
         des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich gemacht
         werden konnten.
      
      256    Daher ist zu prüfen, ob die Alstom treffende Haftung aufgrund der Tatsache, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         davon abgesehen hat, die Areva T&D SA und die Areva T&D AG persönlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an
         der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich zu machen, verschärft worden ist.
      
      257    In Anbetracht der Wirkungen der gesamtschuldnerischen Haftung für die Zahlung der Geldbußen, wie sie vorstehend in den Randnrn.
         205 und 215 dargestellt worden sind, ist festzustellen, dass die Tatsache, dass allein Alstom in der angefochtenen Entscheidung
         als verantwortlich für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988
         bis 6. Dezember 1992 angesehen worden ist, ihre rechtliche Lage verändert hat und dass die vorstehend in Randnr. 254 dargestellte
         Diskrepanz zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung diese Gesellschaft beschwert hat.
         Denn die Kommission hat, indem sie davon absah, die Areva T&D SA und die Areva T&D AG für die Beteiligung des betroffenen
         Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 persönlich zur Verantwortung zu ziehen,
         und indem sie folglich davon absah, gegen sie eine gesamtschuldnerisch mit Alstom für diesen Zeitraum geschuldete Geldbuße
         zu verhängen, letztlich Alstom mit der gesamten Verantwortlichkeit und damit der Geldbuße belastet, während bei gesamtschuldnerischer
         Haftung für die Zahlung der Geldbuße jeder der Gesamtschuldner letztlich gegenüber den anderen nur in Höhe seines Anteils
         am gesamtschuldnerisch zu zahlenden Geldbußenbetrag hätte einstehen müssen.
      
      258    Der vorläufige Charakter der Mitteilung der Beschwerdepunkte erlaubte im vorliegenden Fall zwar der Kommission, einen in dieser
         Mitteilung formulierten Beschwerdepunkt gegenüber der Areva T&D SA und der Areva T&D AG in Anbetracht zusätzlicher Informationen,
         die Areva im Lauf des Verwaltungsverfahrens beigebracht hat und die ihn gerechtfertigt hätten, fallen zu lassen. Soweit jedoch
         Alstom dadurch beschwert wurde, hätte ihr vorher Gelegenheit zu einer sachdienlichen Stellungnahme eingeräumt werden müssen.
      
      259    In Randnr. 344 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission in Anbetracht der Bemerkungen der Areva-Gruppe in ihrer Erwiderung
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, wonach allein Alstom für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 (siehe oben, Randnr. 255) verantwortlich zu machen sei, festgestellt,
         dass Alstom ausdrücklich in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte eingeräumt habe, Zugang zu der Erwiderung
         der Gesellschaften der Areva-Gruppe gemäß den zwischen beiden Gruppen im Übertragungsvertrag vorgesehenen Bedingungen gehabt
         zu haben und auf die Ausführungen der Areva-Gruppe zu Haftungsfragen ausführlich eingegangen zu sein. Bei der Anhörung vom
         18. und 19. Juli 2006 hätten Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe außerdem Gelegenheit gehabt, ihre jeweiligen Argumente
         vorzutragen und auf die der Gegenseite zu antworten. In den Randnrn. 345 bis 347 der angefochtenen Entscheidung geht die Kommission
         auf das Vorbringen von Alstom in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein. In Randnr. 347 hat sie insbesondere
         festgestellt, dass Alstom bestreite, dass sie vor 1993 im GIS‑Geschäft selbst aktiv oder an dem Kartell beteiligt gewesen
         sei, da die „T&D‑Abteilung“, die später in „T&D‑Sektor“ (dem Alstom T&D SA und Alstom T&D AG angehört hätten) umbenannt worden
         sei, im Markt stets als unabhängiges Unternehmen sowohl vor als auch nach der Verleihung der Rechtspersönlichkeit gehandelt
         habe, und dass Alstom vortrage, dass nur der „Geschäftsbereich T & D“ und folglich die Areva T&D SA und die Areva T&D AG für
         die Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht werden sollten.
      
      260    Die Randnrn. 344, 345 und 347 der angefochtenen Entscheidung hat Alstom inhaltlich nicht bestritten. Dies belegt rechtlich
         hinreichend, dass Alstom schon vor Erlass der angefochtenen Entscheidung zu der grunsätzlichen Frage ihrer ausschließlichen
         Haftung aufgrund der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis 6.
         Dezember 1992 Stellung nehmen konnte und dass sie von den von den Gesellschaften der Areva-Gruppe in ihrer Erwiderung auf
         die Mitteilung der Beschwerdepunkte vorgetragenen Argumenten Kenntnis nehmen konnte. Daraus ergibt sich außerdem, dass Alstom
         in der Lage war, die Gründe darzulegen, aus denen sie der Ansicht war, der ursprünglich gegenüber der Areva T&D SA und der
         Areva T&D AG in der Mitteilung der Beschwerdepunkte formulierte Beschwerdepunkt solle nicht fallen gelassen werden.
      
      261    Dies wird durch den Abschlussbericht des Anhörungsbeauftragten vom 15. Januar 2007 bestätigt, der angibt, dass in Anbetracht
         der schriftlichen Antworten auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte und den darauf folgenden Schriftwechsel sowie in Anbetracht
         der Ergebnisse der Anhörung die Dauer der Zuwiderhandlung, wie sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte beschrieben worden
         sei, insbesondere für die Areva T&D SA und die Areva T&D AG herabgesetzt worden sei und dass das Recht aller Verfahrensbeteiligten
         auf Anhörung im vorliegenden Fall gewahrt worden sei.
      
      262    Da feststeht, dass Alstom vor Erlass der angefochtenen Entscheidung in der Lage gewesen ist, insoweit sachdienlich ihren Standpunkt
         geltend zu machen, ist zu folgern, dass die Verteidigungsrechte von Alstom durch die Diskrepanz zwischen der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung nicht verletzt worden sind, die sich daraus ergibt, dass in dieser Entscheidung
         die Areva T&D SA und die Areva T&D AG nicht für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der
         Zeit vom 15. April 1988 bis 6. Dezember 1992 verantwortlich gemacht werden.
      
      263    Folglich ist die von Alstom in ihrem siebtem Klagegrund geltend gemachte Rüge, mit der ein Verstoß gegen den Grundsatz der
         Wahrung der Verteidigungsrechte und ein Verstoß gegen Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003 beanstandet wird, zurückzuweisen.
      
       Zur Erhöhung des Grundbetrags der in Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und die Gesellschaften
         der Areva-Gruppe festgesetzten Geldbußen
      
      –       Vorbringen der Parteien
      264    Mit ihrem in drei Teile unterteilten fünften Klagegrund rügt Alstom, dass die Kommission den Grundbetrag der gegen sie in
         Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung verhängten Geldbußen wegen eines erschwerenden Umstands erhöht habe,
         den die Kommission mit der Anführerrolle des betroffenen Unternehmens als „Europa-Sekretariat“ des Kartells begründe.
      
      265    Den ersten Teil ihres fünften Klagegrundes stützt Alstom auf einen Fehler, mit dem die Beurteilung der Kommission behaftet
         sei, nach der das betroffene Unternehmen eine Anführerrolle als „Europa-Sekretariat“ des Kartells gespielt habe.
      
      266    Alstom räumt ein, dass das betroffene Unternehmen die Rolle als „Europa-Sekretariat“ des Kartells für den Zeitraum von „‚ungefähr
         2000‘ bis 2004“ wahrgenommen habe. Weiter räumt sie ein, dass dem betroffenen Unternehmen durch „die [von ihm wahrgenommene]
         Rolle als [‚Europa-Sekretariat‘ des Kartells] eine zentrale Rolle oder die Rolle als ‚Kontaktstelle‘ [im Kartell] zugefallen
         sei“ und dass „die Arbeitsweise des Kartells … natürlich durch eine Bündelung und/oder Weiterleitung der Informationen wirksamer
         geworden“ sei. Alstom bestreitet nicht, dass mit der Rolle des „Europa-Sekretariats“ die „Übernahme der Tätigkeiten [der]
         Bündelung, [des] Zusammentragens und [des] Austauschs der Informationen zwischen den europäischen Beteiligten sowie zwischen
         diesen und den [japanischen Beteiligten], die Verteilung der [GIS-]Projekte nach Maßgabe der eingegangenen Meldeformulare
         der Beteiligten und die Anwendung mechanisch anzuwendender Grundsätze (Kontingente) und schließlich die materielle Verwaltung
         bestimmter, allerdings nicht aller Zusammenkünfte“ verbunden war. Schließlich räumt sie ein, dass sie als „Europa-Sekretariat“
         des Kartells „die Entwicklung des Kontingents jedes einzelnen Beteiligten aufgrund der Aufteilung der [GIS-]Projekte einerseits
         und sodann aufgrund der erhaltenen Kundenaufträge andererseits zur Kenntnis genommen“ habe.
      
      267    Alstom meint jedoch, dass ihr aufgrund der von ihr wahrgenommenen Aufgaben als „Europa-Sekretariat“ keine Anführerrolle zugeschrieben
         werden könne, da ihr diese Aufgaben, wie sich aus der angefochtenen Entscheidung und dem Inhalt der Akten der Kommission ergebe,
         zunächst vorläufig – zwischen dem Jahr 2000 und März 2002 – und sodann dauerhaft – nach März 2002 – von den anderen Mitgliedern
         des Kartells aufgedrängt worden seien. Außerdem gehe aus der Mitteilung der Beschwerdepunkte, der angefochtenen Entscheidung
         und den Akten der Kommission hervor, dass die Tätigkeit als „Europa-Sekretariat“ rein administrativer Natur gewesen sei und
         dem betroffenen Unternehmen keine bedeutendere Rolle als Anführer oder Anstifter des Verstoßes als den übrigen Mitgliedern
         des Kartells verliehen habe.
      
      268    Mit dem zweiten Teil ihres fünften Klagegrundes macht Alstom im Wesentlichen einen Verstoß gegen Nr. 2 dritter Gedankenstrich
         der Leitlinien und eine Verletzung der Begründungspflicht geltend. Die üblicherweise zur Kennzeichnung einer Anführerrolle
         im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien herangezogenen Kriterien hätten im vorliegenden Fall entweder nicht
         vorgelegen oder seien allen Mitgliedern des Kartells gemeinsam gewesen. Zum einen hätten einige Kriterien, die für die Qualifikation
         als Anstifter eines Verstoßes bestimmend seien, im vorliegenden Fall nicht vorgelegen. Alstom habe weder Drohungen gegenüber
         Wettbewerbern, die sich nicht am Kartell beteiligt hätten, ausgesprochen noch Entscheidungen über die Ausweitung des Kartells
         oder über dessen Beziehungen zu Dritten getroffen. Ebenso wenig sei es ihre Aufgabe gewesen, die Einhaltung des Kartells durch
         dessen Mitglieder zu überwachen. Ihre Stellung auf dem relevanten Markt sei im Verhältnis zu der anderer Gesellschaften, wie
         Siemens oder ABB, die größere Marktanteile als sie gehalten hätten, nicht vorherrschend gewesen und habe ihr nicht ermöglicht,
         auf ihre Wettbewerber Druck auszuüben. Nach der Rechtsprechung könne sie auch nicht als Initiator oder Entwerfer des Kartells
         oder seiner Arbeitsregeln angesehen werden, da das erste, im Jahr 1988 geschlossene Abkommen von neun europäischen Gesellschaften
         gemeinsam unterzeichnet und das Kartell von diesen gemeinsam eingerichtet worden sei. Zum anderen hätten einige Wesensmerkmale
         einer Anführerrolle nicht speziell auf Alstom, sondern ebenso auf alle anderen oder einige andere Mitglieder des Kartells
         zugetroffen. So seien die Vorbereitung von und die Teilnahme an strategischen Zusammenkünften des Kartells sowie die Häufigkeit
         dieser Teilnahmen Kriterien gewesen, die Alstom, Siemens und ABB im Zusammenhang mit den die Verwaltung des Kartells betreffenden
         sogenannten Treffen auf „Managementebene“ und den Zusammenkünften des gemeinsamen Ausschusses Europa/Japan gemeinsam gewesen
         seien. In den Arbeitsgruppen und bei den Treffen jeder Gruppe zur Vorbereitung auf die Zusammenkünfte des gemeinsamen Ausschusses
         Europa/Japan seien alle Beteiligten des Kartells vertreten gewesen. Es sei nicht erwiesen, dass Alstom im Kartell mehr Initiative
         als die anderen Beteiligten ergriffen oder etwa bei den regelmäßigen Änderungen der Codes innerhalb des Kartells unabhängig
         gehandelt habe. Schließlich sei die Einhaltung der Instruktionen, die Kontrolle und die Disziplin innerhalb des Kartells von
         jedem seiner Mitglieder, das über die Wahrung seiner Interessen im Kartell gewacht habe, oder, soweit es um die Beachtung
         der Verpflichtungen durch die japanischen Kartellmitglieder gehe, vom Europa-Ausschuss sichergestellt worden. Insoweit habe
         die Kommission aus der Bezeichnung von Alstom als „Europa-Sekretariat“ allein keinen erschwerenden Umstand mit der Begründung
         herleiten können, dass sie für die Funktionsweise des Kartells eine größere Rolle als die anderen und für dessen Fortbestand
         sogar eine entscheidende Rolle gespielt habe. Zudem habe die Kommission unangemessen und unzureichend ihre Schlussfolgerungen
         begründet, wonach die Rolle des „Europa-Sekretariats“ des Kartells für die Funktionsweise des Kartells insoweit substanziell
         und sogar notwendig gewesen sei, als es im Rahmen des Kartells erhebliche Ressourcen aufgewandt und Initiativen ergriffen
         habe.
      
      269    Den dritten Teil ihres fünften Klagegrundes stützt Alstom auf eine Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung und der
         Verhältnismäßigkeit. Die Kommission habe den Grundsatz der Gleichbehandlung insoweit verletzt, als sie das betroffene Unternehmen
         unter dem Gesichtspunkt des mit der Anführerrolle begründeten erschwerenden Umstands genauso behandelt habe wie Siemens, obwohl
         sich diese Unternehmen nicht in einer vergleichbaren Lage befunden hätten, und anders behandelt habe als ABB und an der festgestellten
         Zuwiderhandlung beteiligte japanische Unternehmen, obwohl sich die Unternehmen in einer vergleichbaren Situation befunden
         hätten. Zu rügen sei weiter eine Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit, weil das betroffene Unternehmen und Siemens
         gleichbehandelt worden seien.
      
      270    Die Gesellschaften der Areva-Gruppe wenden sich mit ihrem in vier Teile gegliederten sechsten Klagegrund gegen die wegen der
         Anführerrolle des betroffenen Unternehmens in seiner Eigenschaft als „Europa-Sekretariat“ des Kartells vorgenommene Erhöhung
         der Geldbuße, die gegen sie in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung festgesetzt worden sei.
      
      271    Den ersten Teil ihres sechsten Klagegrundes stützen die Gesellschaften der Areva-Gruppe auf einen Verstoß gegen Art. 23 Abs. 2
         Buchst. a der Verordnung Nr. 1/2003 und Nr. 2 der Leitlinien, soweit die Kommission sie als Anführer eingestuft habe, ohne
         nachzuweisen, dass sie Leitungsaufgaben oder eine Initiativrolle bei der Durchführung des Kartells wahrgenommen hätten. Das
         betroffene Unternehmen habe zwar zwischen Ende 1999 und Mai 2004 als „Europa-Sekretariat“ Vollzugsaufgaben administrativer
         Art, jedoch nie Leitungsaufgaben oder eine Initiativrolle im Kartell wahrgenommen. Wie sich aus den Akten der Kommission ergebe,
         sei dem betroffenen Unternehmen durch das Sekretariat der Arbeitstreffen kein entscheidender Einfluss auf strategische Fragen
         des Kartells vermittelt worden. Diese Fragen seien vielmehr auf den Verwaltungstreffen des Kartells behandelt worden, bei
         denen ABB den Vorsitz geführt habe. Außerdem habe die Rolle des Europa-Sekretariats mit der Zeit an Bedeutung verloren und
         sei am Ende nicht einmal mehr vergütet worden. Jedenfalls habe das betroffene Unternehmen im Gegensatz zu Siemens und ABB
         nicht über die notwendige Marktmacht verfügt, um eine Rolle als Anführer des Verstoßes spielen zu können.
      
      272    Mit dem zweiten Teil ihres sechsten Klagegrundes machen die Gesellschaften der Areva-Gruppe geltend, dass die Kommission die
         Natur der vom betroffenen Unternehmen mit dem „Europa-Sekretariat“ des Kartells wahrgenommenen Aufgaben fehlerhaft beurteilt
         habe.
      
      273    Die Gesellschaften der Areva-Gruppe räumen ein, dass das betroffene Unternehmen „tatsächlich der europäische Sekretär des
         Kartells von Ende 1999 bis Mai 2004 gewesen“ sei und insofern eine „administrative Rolle“ oder eine „instrumentelle Funktion“
         wahrgenommen habe, die „wahrscheinlich die Funktionsweise des Kartells erleichtert“ habe. Hinsichtlich des Inhalts dieser
         Rolle erkennen sie an, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells „den Informationsaustausch [im Kartell] erleichtert“ habe,
         da es bestimmte Informationen über die Arbeitsweise des Kartells gebündelt, zusammengetragen und ausgetauscht habe. Im Übrigen
         räumen sie ein, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells „das Sekretariat der Arbeitssitzungen [des Kartells] ... organisierte
         [und] versah“ und in diesem Rahmen nach Maßgabe dessen, „was sich aus den Gesprächen und Vorschlägen aller Mitglieder des
         Kartells ergab“, die Tagesordnung habe verfassen und „die Anfragen und Vorschläge der Mitglieder des Kartells sowie ... das
         Ergebnis der Gespräche [habe] zusammenfassen“ müssen, insbesondere was die Zuteilung der GIS-Projekte betroffen habe. Schließlich
         geht aus ihren Schriftsätzen hervor, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells bis zum „Jahr 2002“ eine Rolle bei der „Verteilung
         der [GIS-]Projekte“ gespielt habe.
      
      274    Die Gesellschaften der Areva-Gruppe vertreten jedoch die Auffassung, dass ihnen wegen ihrer Funktion als „Europa-Sekretariat“
         keine Anführerrolle zugeschrieben werden könne. Die Kommission habe in Randnr. 512 der angefochtenen Entscheidung irrig angenommen,
         dass das „Europa-Sekretariat“ Angelpunkt für die Kommunikation zwischen den Kartellmitgliedern gewesen sei und die der Durchführung
         des Kartells dienenden Treffen einberufen und dabei den Vorsitz geführt habe. Hinsichtlich des Informationsflusses innerhalb
         des Kartells könne nicht gesagt werden, dass das „Europa-Sekretariat“ als „Treibriemen“ zwischen den europäischen Mitgliedern
         des Kartells fungiert hätte, da nahezu die Hälfte der Informationen von diesen Mitgliedern auf bilateraler Basis ausgetauscht
         worden und die Übermittlung der Informationen durch das Sekretariat nach September 1999 deutlich zurückgegangen sei. Auch
         habe das „Europa-Sekretariat“ die Aufgabe, die Treffen einzuberufen, nach dem Ende des auf dem GQ-Abkommen beruhenden Systems
         nicht mehr wahrgenommen. Zudem habe es die mit den Treffen verbundenen tatsächlichen (Überwachung, Abfassung der Protokolle
         usw.) und finanziellen Belastungen nicht allein getragen, sondern diese seien den Beteiligten im Wechsel übertragen worden.
         Schließlich sei auch die Annahme falsch, dass das „Europa-Sekretariat“ den Vorsitz der Sitzungen in dem Sinne geführt habe,
         dass es Leitungsaufgaben oder eine Initiativrolle im Kartell wahrgenommen habe; vielmehr habe es sich in diesem Rahmen darauf
         beschränkt, die Anfragen und Vorschläge der einzelnen Beteiligten zu sammeln und sie sowie die Ergebnisse der Besprechungen
         zu einem Bericht zusammenzufassen. Jedenfalls habe die Kommission in Randnr. 513 der angefochtenen Entscheidung fehlerhaft
         festgestellt, dass die Rolle des Sekretariats für die Funktionsweise des Kartells substanziell und sogar notwendig gewesen
         sei. Im Jahr 2002, nach dem Ausscheiden von Siemens aus dem Kartell, seien das GQ- und das EQ-Abkommen nicht mehr angewandt
         worden, was die Wahrnehmung der Rolle des Europa-Sekretariats des Kartells erheblich vereinfacht habe. Insbesondere habe das
         Sekretariat die ausschließliche Zuständigkeit für die Organisation der Treffen verloren und sei auch nicht mehr für die Zuteilung
         der Aufträge zuständig gewesen. Das „Europa-Sekretariat“ habe sich somit auf die Rolle der bloßen Durchführung der Entscheidungen
         der Mitglieder des Kartells beschränkt, indem es dessen Arbeitsweise erleichtert habe, ohne jedoch für das Kartell unverzichtbar
         zu sein.
      
      275    Mit dem dritten Teil ihres sechsten Klagegrundes machen die Gesellschaften der Areva-Gruppe eine Verletzung des Grundsatzes
         der Gleichbehandlung geltend, soweit die Kommission das betroffene Unternehmen genauso behandelt habe wie Siemens, obwohl
         sich diese Unternehmen nicht in in einer vergleichbaren Lage befunden hätten, und anders behandelt habe als ABB und am Kartell
         beteiligte japanische Unternehmen, obwohl sich diese Unternehmen in einer vergleichbaren Situation befunden hätten. Den vierten
         Teil stützen sie auf eine Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit, soweit der Abstand zwischen der Schwere der
         vom betroffenen Unternehmen begangenen Zuwiderhandlung und der Schwere der von den anderen Mitgliedern des Kartells begangenen
         Zuwiderhandlungen nicht ausreiche, um eine Erhöhung des Grundbetrags der gegen sie verhängten Geldbußen um 50 % zu rechtfertigen.
      
      276    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe entgegen und gelangt zu der Schlussfolgerung,
         dass deren Klagegründe und Rügen zurückzuweisen seien.
      
      –        Würdigung durch das Gericht
      277    Die Kommission hat in Randnr. 514 der angefochtenen Entscheidung dem betroffenen Unternehmen insbesondere eine Rolle als Anführer
         des Verstoßes im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien wegen seiner Funktion als „Europa-Sekretariat“ des
         Kartells zur Last gelegt. In den Randnrn. 514 und 522 der angefochtenen Entscheidung hat sie die Auffassung vertreten, dass
         der Grundbetrag der gegen Alstom festzusetzenden Geldbußen um 50 % auf 65 020 000 Euro und der Grundbetrag der gegen Areva
         T&D SA und die anderen Gesellschaften der Areva-Gruppe festzusetzenden Geldbußen um 50 % auf 53 550 000 Euro bzw. 25 500 000
         Euro zu erhöhen sei.
      
      278    Sind für die Beteiligung mehrerer Unternehmen an einer Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG und/oder Art. 53 EWR-Abkommen bestimmte
         Gesellschaften verantwortlich, so hat die Kommission bei der Bemessung des Grundbetrags der gegen jede einzelne dieser Gesellschaften
         nach Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 oder Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 zu verhängenden Geldbußen die relative
         Schwere des Tatbeitrags des von der betreffenden Gesellschaft geleiteten Unternehmens an der Zuwiderhandlung zu prüfen (vgl.
         in diesem Sinne Urteile Suiker Unie u. a./Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 623, und Aalborg Portland u. a./Kommission,
         oben in Randnr. 61 angeführt, Randnr. 92; Urteil vom 25. Oktober 2005, Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 219 angeführt,
         Randnr. 277). Danach muss insbesondere festgestellt werden, welche Rolle jedes Unternehmen bei der Zuwiderhandlung während
         der Dauer seiner Beteiligung an ihr (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, oben in Randnr. 65 angeführt,
         Randnr. 150; Urteile Enichem Anic/Kommission, oben in Randnr. 63 angeführt, Randnr. 264, und vom 25. Oktober 2005, Groupe
         Danone/Kommission, Randnr. 277) unter der Leitung der einen oder der anderen der fraglichen Gesellschaften gespielt hat. Diese
         Schlussfolgerung stellt die logische Konsequenz des Grundsatzes der individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen dar,
         wie er in der vorstehenden Randnr. 219 in Erinnerung gerufen worden ist (vgl. Urteil vom 25. Oktober 2005, Groupe Danone/Kommission,
         oben in Randnr. 219 angeführt, Randnr. 278 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      279    In Übereinstimmung mit dem Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen sehen die Nrn. 2 und 3 der Leitlinien
         eine Anpassung der Geldbußenhöhe je nach bestimmten erschwerenden und mildernden Umständen vor, die bei den einzelnen Unternehmen,
         die sich an der Zuwiderhandlung beteiligt haben, und den Gesellschaften, denen diese Beteiligung anschließend zuzurechnen
         ist, individuell vorliegen. Nr. 2 enthält namentlich eine nicht abschließende Liste erschwerender Umstände, die berücksichtigt
         werden können.
      
      280    Die von einem oder mehreren Unternehmen in einem Kartell gespielte Rolle des „Anführers“ ist bei der Bemessung der Geldbuße
         zu berücksichtigen, da die Unternehmen, die eine solche Rolle gespielt haben, im Verhältnis zu den anderen Unternehmen eine
         besondere Verantwortung tragen müssen (Urteile Tokai Carbon u. a./Kommission, oben in Randnr. 134 angeführt, Randnr. 316,
         und BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 281; vgl. in diesem Sinne auch Urteile des Gerichts vom 14. Mai
         1998, Mayr-Melnhof/Kommission, T‑347/94, Slg. 1998, II‑1751, Randnr. 291). Die in Nr. 2 der Leitlinien festgelegte, nicht
         abschließende Liste von Umständen, die eine Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße rechtfertigen können, umfasst namentlich
         im dritten Gedankenstrich die vom Unternehmen gespielte „Rolle als Anführer oder Anstifter des Verstoßes“.
      
      281    Wie sich schon aus dem Wortlaut von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien ergibt, ist der Begriff des „Anführers“ von
         dem des „Anstifters“ eines Verstoßes zu unterscheiden. Während die Anstifterrolle den Zeitpunkt der Errichtung oder Ausweitung
         eines Kartells betrifft, geht es bei der Anführerrolle um dessen Funktionsweise (Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87
         angeführt, Randnr. 316). Da dem betroffenen Unternehmen in der angefochtenen Entscheidung nur eine Rolle als Anführer des
         Verstoßes zur Last gelegt wird, ist das auf den Begriff des „Anstifters“ abstellende Vorbringen von Alstom als unbegründet
         zurückzuweisen.
      
      282    Im Hinblick auf die auf einen Beurteilungsfehler und einen Verstoß gegen Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien gestützten
         Rügen ist sodann zu prüfen, ob die Kommission angesichts des Kontexts des vorliegenden Falls zu Recht angenommen hat, dass
         die vom betroffenen Unternehmen wahrgenommenen Aufgaben eines Europa-Sekretariats der Rolle eines Anführers des Verstoßes
         im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien gleichgesetzt werden können. Im Rahmen der Nachprüfung der Rechtmäßigkeit
         der Beurteilung zum einen der Rolle des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes und zum anderen der besonderen
         Verantwortung, die Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe aus diesem Grund zu tragen haben, hat das Gericht seine
         Prüfung auf die tatsächlichen Umstände zu beschränken, die in der angefochtenen Entscheidung als Beweise für diese Rolle angeführt
         worden sind.
      
      283    Um als Anführer eines Kartells eingestuft werden zu können, muss ein Unternehmen eine wichtige Antriebskraft für das Kartell
         gewesen sein (Urteile des Gerichts BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 374, und vom 18. Juni 2008, Hoechst/Kommission,
         T‑410/03, Slg. 2008, II‑881, Randnr. 423) oder eine besondere, konkrete Verantwortung für dessen Funktionieren getragen haben
         (vgl. in diesem Sinne Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 300). Dieser Umstand ist im Rahmen einer
         Gesamtbetrachtung unter Berücksichtigung des Kontexts des betreffenden Falls zu bewerten (vgl. in diesem Sinne Urteil BASF/Kommission,
         oben in Randnr. 87 angeführt, Randnrn. 299 und 373). Sein Vorliegen ist u. a. daraus zu folgern, dass das Unternehmen dem
         Kartell durch punktuelle Initiativen spontan einen grundlegenden Impuls gegeben hat (vgl. in diesem Sinne Urteile BASF/Kommission,
         oben in Randnr. 87 angeführt, Randnrn. 348, 370 bis 375 und 427, und Hoechst/Kommission, Randnr. 426). Er lässt sich auch
         aus einer Gesamtheit von Indizien schließen, die das Bestreben des Unternehmens zeigen, die Stabilität und den Erfolg des
         Kartells zu sichern (vgl. in diesem Sinne Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 351). Dieser Fall
         liegt vor, wenn nachgewiesen ist, dass das Unternehmen im Kartell die Aufgaben eines Koordinators übernommen und namentlich
         das mit der konkreten Durchführung des Kartells betraute Sekretariat organisiert und mit Personal ausgestattet hatte (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003, Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission,
         T‑224/00, Slg. 2003, II‑2597, Randnrn. 246 und 247). Gleiches gilt, wenn erwiesen ist, dass das betroffene Unternehmen im
         Rahmen der konkreten Betätigung des Kartells eine zentrale Rolle etwa dadurch spielte, dass es zahlreiche Treffen organisierte,
         die Informationen innerhalb des Kartells entgegennahm und verteilte, die Vertretung einiger Mitglieder im Kartell übernahm
         oder die meisten Vorschläge zur Arbeitsweise des Kartells machte (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 8. November
         1983, IAZ International Belgium u. a./Kommission, 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, Slg. 1983, 3369, Randnrn.
         57 und 58, und Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnrn. 404, 439 und 461).
      
      284    Dass ein Unternehmen Druck ausgeübt oder sogar das Verhalten der anderen Kartellmitglieder bestimmt hat, ist hingegen keine
         zwingende Voraussetzung für seine Einstufung als Anführer des Kartells (Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt,
         Randnr. 374). Auch die Marktstellung eines Unternehmens oder seine Ressourcen können keine Indizien für eine Rolle als Anführer
         des Verstoßes darstellen, auch wenn sie zum Kontext gehören, unter dessen Berücksichtigung solche Indizien zu bewerten sind
         (vgl. in diesem Sinne Urteile Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, oben in Randnr. 283
         angeführt, Randnr. 241, sowie BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 299).
      
      285    Im vorliegenden Fall hat die Kommission, wie aus den Randnrn. 511 bis 513 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, dem Umstand
         Rechnung getragen, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells während dessen gesamter Dauer trotz Änderung zahlreicher organisatorischer
         Merkmale des Kartells stabil über die Zeit fortbestanden habe. Die Aufgaben des Sekretariats seien zahlreich gewesen. Unter
         Verweisung auf die Randnrn. 121 bis 123, 131, 132, 142, 147 bis 149, 157 bis 161, 173, 185 und 191 bis 198 der angefochtenen
         Entscheidung weist die Kommission darauf hin, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells als Angelpunkt für die Kommunikation
         zwischen den europäischen Unternehmen, die Mitglieder des Kartells gewesen seien, sowie zwischen diesen und dem Japan-Sekretariat
         gedient habe, dass es die Treffen einberufen und deren Vorsitz geführt habe und dass es für die Überwachung der Einhaltung
         der Kontingente verantwortlich gewesen sei. Nach Ansicht der Kommission geht aus den Mitteilungen des „Europa-Sekretariats“,
         dem Inhalt des GQ-Abkommens und des EQ-Abkommens sowie der konkreten Funktionsweise des Kartells klar hervor, dass die Rolle
         des „Europa-Sekretariats“ des Kartells wesentlich gewesen sei. Durch das Ergreifen von Initiativen und den Einsatz erheblicher
         Ressourcen für das Kartell habe dieses Sekretariat dem Kartell einen beträchtlichen Dienst erwiesen und ganz besonders zu
         seinem reibungslosen Funktionieren beigetragen.
      
      286    In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Kommission, ohne gegen Art. 23 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 1/2003 und
         Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien zu verstoßen und ohne einen Beurteilungsfehler zu begehen, allein in Anbetracht
         der in der angefochtenen Entscheidung aufgeführten, von Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe nicht bestrittenen
         tatsächlichen Umstände (siehe insbesondere oben, Randnrn. 266 und 273) zu dem Schluss gelangen konnte, dass das betroffene
         Unternehmen dadurch bei der Zuwiderhandlung eine Anführerrolle gespielt habe, dass es, wie sich aus Randnr. 147 der angefochtenen
         Entscheidung ergibt, von Ende 1999 bis 11. Mai 2004 die Funktion des „Europa-Sekretariats“ des Kartells wahrgenommen habe.
      
      287    Dazu ist festzustellen, dass die vom „Europa-Sekretariat“ wahrgenommenen Aufgaben diesem die Rolle eines Anführers bei der
         Koordinierung des Kartells und jedenfalls im Rahmen der konkreten Funktionsweise des Kartells zuwiesen. Wie die Kommission
         nämlich in der angefochtenen Entscheidung zu Recht festgestellt hat, war das „Europa-Sekretariat“ Kontaktstelle für die Mitglieder
         des Kartells und ihm fiel eine zentrale Rolle im Rahmen des konkreten Funktionierens des Kartells insoweit zu, als es den
         Informationsaustausch innerhalb des Kartells erleichterte und Informationen, die für dessen Funktionieren wesentlich waren,
         insbesondere Informationen über GIS-Projekte, bündelte, zusammentrug und mit den anderen Kartellmitgliedern austauschte, als
         es das Sekretariat für die Arbeitstreffen organisierte und versah und als es gelegentlich die Codes änderte, die der Verschleierung
         dieser Treffen oder dieser Kontakte dienten. Darüber hinaus hat die Kommission in den Randnrn. 147 und 513 der angefochtenen
         Entscheidung zutreffend darauf hingewiesen, dass das „Europa-Sekretariat“ des Kartells mit großer Verantwortung verbunden
         gewesen sei, mit der die Zurverfügungstellung beträchtlicher Ressourcen, sei es auch lediglich in Form von Zeit und Personal,
         einhergegangen sei. Ohne die von diesem Sekretariat gewährleistete Koordinierung und zentrale Organisation hätte sich das
         Kartell angesichts seiner Komplexität wahrscheinlich nicht so wirkungsvoll betätigen können. Überdies ist die Kommission angesichts
         des Umstands, dass das betroffene Unternehmen die genannten Tätigkeiten unstreitig von Ende 1999 bis 8. Januar 2004 dauerhaft
         ausgeübt hat, zu Recht zu der Schlussfolgerung gelangt, dass dieses Unternehmen im vorliegenden Fall eine wesentliche treibende
         Kraft für das Kartell darstellte und damit eine Rolle als Anführer des Verstoßes im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich
         der Leitlinien spielte.
      
      288    Diese Schlussfolgerung wird durch das weitere Vorbringen von Alstom und der Gesellschaften der Areva-Gruppe nicht in Frage
         gestellt.
      
      289    Zunächst ist zu bemerken, dass Alstom die angefochtene Entscheidung nicht in der Weise kritisieren kann, dass sie sich auf
         einige tatsächliche und rechtliche Wertungen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte beruft (siehe oben, Randnr. 264). Insoweit
         genügt der Hinweis, dass es sich bei der Mitteilung der Beschwerdepunkte um ein vorbereitendes Schriftstück handelt, dessen
         tatsächliche und rechtliche Wertungen lediglich vorläufiger Natur sind (siehe oben, Randnr. 248).
      
      290    Was sodann die sich auf die Qualifizierung als Anführer eines Verstoßes beziehenden Kriterien – Drohungen gegenüber sich nicht
         am Kartell beteiligenden Unternehmen, Treffen von Entscheidungen über die Ausweitung des Kartells oder dessen Beziehungen
         zu Dritten oder aber Rolle als Initiator oder Entwerfer des Kartells – angeht, die im vorliegenden Fall nicht vorliegen sollen,
         ist festzustellen, dass diese Kriterien den Zeitpunkt der Errichtung oder Ausweitung eines Kartells und damit die Rolle eines
         „Anstifters des Verstoßes“ betreffen, wie sie in der vorstehenden Randnr. 281 in Erinnerung gerufen worden ist. Diese Umstände
         können daher zwar für die Feststellung, dass das Unternehmen weitere Unternehmen zur Errichtung des Kartells oder zum Beitritt
         zu ihm gedrängt oder ermutigt hat, oder für die Qualifizierung des Unternehmens als „Anstifter des Verstoßes“ im Sinne von
         Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien bestimmend sein (vgl. in diesem Sinne Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr.
         87 angeführt, Randnrn. 316 und 321), nicht aber für die Qualifikation des Unternehmens als Anführer des Verstoßes, weil in
         diesem Fall, wie hier, der Nachweis genügt, dass das betroffene Unternehmen auf die eine oder andere Weise eine wichtige Antriebskraft
         für das Kartell darstellte (siehe oben, Randnr. 283).
      
      291    Doch auch wenn man annähme, dass das betroffene Unternehmen nicht über eine wirtschaftliche Macht oder Autoritätsstellung
         verfügt habe, die für eine Überwachung und Gewährleistung der Einhaltung des Kartells ausgereicht hätte, würde dieser Umstand
         seine Rolle als Anführer des Verstoßes im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien nicht ausschließen. Wie sich
         aus der in den vorstehenden Randnrn. 283 und 284 angeführten Rechtsprechung ergibt, ist aus der Tatsache, dass das betroffene
         Unternehmen nicht notwendigerweise in der Lage war, gegenüber den übrigen Kartellmitgliedern die Annahme einer bestimmten
         Verhaltensweise durchzusetzen, nicht schon zu schließen, dass es auf die eine oder andere Weise – hier: durch die Ausübung
         der Tätigkeit als „Europa-Sekretariat“ des Kartells über längere Zeit, sei sie auch nur administrativer Art – nicht doch eine
         wichtige Antriebskraft für das Kartell dargestellt hat, indem es diesem ermöglicht hat, beständig und wirksam zu funktionieren.
      
      292    Was die Behauptung von Alstom angeht, die Rolle als „Europa-Sekretariat“ des Kartells sei dem betroffenen Unternehmen „ungefähr
         im Jahr 2000“ aufgedrängt worden, so wird sie weder durch die Unterlagen der Akten des vorliegenden Verfahrens noch durch
         die Erklärung von Herrn S. vom 15. September 2006 (siehe oben, Randnr. 23) oder die Randnrn. 147 und 191 der angefochtenen
         Entscheidung belegt, auf die sich Alstom hierfür beruft. Auch schließt das Vorbringen von Alstom, das betroffene Unternehmen
         habe die Aufgaben als „Europa-Sekretariat“ des Kartells nicht spontan übernommen oder bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben
         bestimmte im Kartell im Voraus festgelegte Regeln befolgen müssen, seine Rolle als Anführer des Verstoßes nicht aus. Maßgeblich
         ist insoweit, dass das betroffene Unternehmen die Tätigkeit als „Europa-Sekretariat“ tatsächlich von Ende 1999 bis 8. Januar
         2004, d. h. über einen Zeitraum von etwa vier Jahren und zwei Monaten, dauerhaft ausgeübt und dadurch eine Anführerrolle bei
         der Koordinierung und dem konkreten Funktionieren des Kartells gespielt hat.
      
      293    Auch das Vorbringen, das darauf gestützt wird, dass nicht alle Tätigkeiten des „Europa-Sekretariats“ ausschließlich vom betroffenen
         Unternehmen ausgeübt worden seien, sondern dass andere Unternehmen nach den Regeln des Kartells bestimmte Informationen unmittelbar
         untereinander hätten austauschen, Treffen des Kartells, insbesondere diejenigen zur Verwaltung des Kartells, hätten organisieren
         oder das Kartell insbesondere hinsichtlich der Zuteilung der GIS-Projekte hätten durchführen können, ohne das „Europa-Sekretariat“
         einzuschalten, ist nicht geeignet, die Feststellung der Kommission in Frage zu stellen, dass das betroffene Unternehmen im
         Kartell dadurch eine Rolle als Anführer des Verstoßes gespielt hat, dass es dauerhaft sämtliche dem „Europa-Sekretariat“ des
         Kartells übertragenen Aufgaben wahrgenommen hat. Weder die von Alstom angeführten Randnrn. 120, 122, 149, 152, 157, 162, 180,
         182, 185, 194, 197, 205 und 207 der angefochtenen Entscheidung noch die in den Akten des vorliegenden Verfahrens enthaltenen
         Unterlagen lassen den Schluss zu, dass ABB oder die übrigen am Kartell beteiligten Unternehmen, die nicht formal die Rolle
         als „Europa-Sekretariat“ wahrnahmen, in der Praxis im Wesentlichen auf die gleiche Art und Weise – sowohl unter dem Gesichtspunkt
         der Häufigkeit oder der Dauer als auch dem der Wichtigkeit oder der Intensität – wie das betroffene Unternehmen an der Funktionsweise
         des Kartells mitgewirkt hätten. Selbst wenn man im Übrigen unterstellt, dass auch andere am Kartell beteiligte Unternehmen,
         insbesondere ABB, eine wichtige Rolle gespielt haben, indem sie die allgemeine Strategie des Kartells bestimmt haben oder
         eine Autoritätsstellung in ihm einnahmen, könnte damit allenfalls begründet werden, dass auch sie für das Funktionieren des
         Kartells zur Verantwortung gezogen werden müssten, weil sie eine Rolle als Anführer gespielt haben, jedoch keinesfalls die
         Feststellung der Kommission in Frage gestellt werden, dass das betroffene Unternehmen dadurch eine Rolle als „Anführer des
         Verstoßes“ gespielt habe, dass es sämtliche dem „Europa-Sekretariat“ des Kartells zugewiesenen Aufgaben dauerhaft wahrgenommen
         habe (vgl. in diesem Sinne Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 376).
      
      294    Somit hat die Kommission ohne Verstoß gegen Art. 23 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 1/2003 oder Nr. 2 dritter Gedankenstrich
         der Leitlinien und ohne Beurteilungsfehler festgestellt, dass das betroffene Unternehmen durch die dauerhafte Ausübung der
         Tätigkeit des „Europa-Sekretariats“ des Kartells von Ende 1999 bis 8. Januar 2004 eine Rolle als Anführer des Verstoßes gespielt
         habe.
      
      295    Die angefochtene Entscheidung ist auch im Sinne der in der vorstehenden Randnr. 283 angeführten Rechtsprechung rechtlich hinreichend
         begründet worden, da die Randnrn. 512 und 513 der angefochtenen Entscheidung klar die Argumentation erkennen lassen, anhand
         deren die Kommission das betroffene Unternehmen als Anführer des Verstoßes qualifiziert hat und die auf den vom betroffenen
         Unternehmen ausgeübten Funktionen als Koordinator und seiner zentralen Rolle im Rahmen der konkreten Arbeitsweise des Kartells
         beruht. Daher ist die Rüge, mit der Alstom insoweit einen Begründungsmangel der angefochtenen Entscheidung geltend macht,
         als unbegründet zurückzuweisen. Im Übrigen geht, wie die Kommission zutreffend hervorgehoben hat, aus den eigenen Schriftsätzen
         von Alstom hervor, dass diese in der Lage war, die Argumentation nachzuvollziehen, der die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung hinsichtlich der Qualifikation des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes gefolgt ist.
      
      296    Mit der Rüge einer Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit soll letztlich im Wesentlichen
         geltend gemacht werden, dass die Erhöhung des Grundbetrags der gegen Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe festgesetzten
         Geldbußen um 50 % unangemessen sei.
      
      297    Nach ständiger Rechtsprechung muss die Beachtung des Grundsatzes der Gleichbehandlung oder des Diskriminierungsverbots, wie
         sie in der vorstehenden Randnr. 235 dargestellt worden sind, mit der Beachtung des Gebots rechtmäßigen Handelns in Einklang
         gebracht werden, wonach sich niemand zu seinem Vorteil auf eine zugunsten eines anderen begangene Rechtsverletzung berufen
         kann (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 4. Juli 1985, Williams/Rechnungshof, 134/84, Slg. 1985, 2225, Randnr.
         14 und die dort angeführte Rechtsprechung; Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998, Cascades/Kommission, T‑308/94, Slg. 1998,
         II‑925, Randnr. 259, und LR AF 1998/Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnr. 367).
      
      298    Überdies gebietet die Beachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit, wie er in der vorstehenden Randnr. 235 in Erinnerung
         gerufen worden ist, dass die Geldbußen in angemessenem Verhältnis zu den angestrebten Zielen, d. h. der Beachtung des Wettbewerbsrechts,
         stehen und dass die Höhe der wegen einer Zuwiderhandlung gegen das Wettbewerbsrecht verhängten Geldbuße zur Zuwiderhandlung
         im Verhältnis steht, die insgesamt und insbesondere unter Berücksichtigung ihrer Schwere zu würdigen ist (Urteile des Gerichts
         vom 6. Oktober 1994, Tetra Pak/Kommission, T‑83/91, Slg. 1994, II‑755, Randnr. 240, vom 8. Juli 2004, JFE Engineering u. a./Kommission,
         T‑67/00, T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00, Slg. 2004, II‑2501, Randnr. 532, und vom 12. September 2007, Prym und Prym Consumer/Kommission,
         T‑30/05, nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 224).
      
      299    Bei der Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen, die je nach Art der betreffenden
         Zuwiderhandlung und nach den Umständen des Einzelfalls von unterschiedlicher Art und Bedeutung sind (Urteile Musique Diffusion
         française u. a./Kommission, oben in Randnr. 247 angeführt, Randnr. 120, und JFE Engineering u. a./Kommission, oben in Randnr.
         298 angeführt, Randnr. 532).
      
      300    Außerdem können Unternehmen, die sich an einer lang anhaltenden Zuwiderhandlung beteiligen, zu verschiedenen Zeitpunkten alternierend
         eine Rolle als Anführer des Verstoßes wahrnehmen, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass jedem von ihnen der erschwerende
         Umstand der Rolle als Anführer des Verstoßes zur Last gelegt wird (Urteil BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr.
         460).
      
      301    Bei der Prüfung, ob der Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt worden ist, ist im Hinblick auf den erschwerenden Umstand
         der Rolle als „Anführer des Verstoßes“ zu vergleichen, wie Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe einerseits und Siemens,
         ABB oder die Gesellschaften, die die an der Zuwiderhandlung beteiligten japanischen Unternehmen geleitet haben, andererseits
         behandelt wurden.
      
      302    Zunächst ist festzustellen, dass in Anbetracht dieses erschwerenden Umstands gegenüber Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe
         wie gegenüber Siemens eine Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße um 50 % angewandt wurde, weil das betroffene Unternehmen
         ebenso wie das von Siemens geleitete Unternehmen dauerhaft die Aufgaben des „Europa-Sekretariats“ des Kartells wahrgenommen
         hatte. Alstom beanstandet speziell diese Gleichbehandlung mit der Begründung, die Lage des betroffenen Unternehmens unterscheide
         sich von der des von Siemens geleiteten Unternehmens insoweit, als es die Aufgaben des „Europa-Sekretariats“ des Kartells
         nur halb so lange wie das von Siemens geleitete Unternehmen wahrgenommen habe.
      
      303    Wie bereits festgestellt worden ist, ist den Randnrn. 147 und 178 der angefochtenen Entscheidung zu entnehmen, dass das von
         Siemens geleitete Unternehmen die Aufgaben des „Europa-Sekretariats“ des Kartells von dessen Beginn am 15. April 1988 bis
         September 1999, d. h. während eines Zeitraums von etwa elf Jahren und fünf Monaten, wahrgenommen hat und dass das betroffene
         Unternehmen diese Aufgaben nach dem Ausscheiden von Siemens aus dem Kartell von Ende 1999 bis zum Ende der Betätigung des
         Kartells am 11. Mai 2004 übernommen hat. Außerdem können Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe, da auf sie die Theorie
         der wirtschaftlichen Nachfolge nicht angewandt worden ist (siehe oben, Randnr. 111), im vorliegenden Fall nur für den Zeitraum,
         in dem sie die Tätigkeiten des betroffenen Unternehmens unmittelbar oder mittelbar geleitet haben, für dessen Rolle als treibende
         Kraft selbst verantwortlich gemacht werden. Aus Art. 1 Buchst. b bis f in Verbindung mit den Randnrn. 358 und 371 der angefochtenen
         Entscheidung ergibt sich, dass die Rolle des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes
      
      –        Alstom nur von Ende 1999 bis 8. Januar 2004, also für einen Zeitraum von etwa vier Jahren und zwei Monaten,
      –        der Areva T&D SA nur von Ende 1999 bis 11. Mai 2004, also für einen Zeitraum von vier Jahren und sieben Monaten,
      –        der Areva T&D AG nur vom 22. Dezember 2003 bis 11. Mai 2004, also für einen Zeitraum von etwa fünf Monaten,
      –        und Areva sowie der Areva T&D Holding nur vom 9. Januar bis 11. Mai 2004, also für einen Zeitraum von etwa vier Monaten,
      zugerechnet werden kann.
      304    In all diesen Fällen besteht somit ein erheblicher Unterschied zwischen der Dauer der Ausübung der Tätigkeiten des „Europa-Sekretariats“
         des Kartells durch ein unter der Leitung von Siemens stehendes Unternehmen und der Dauer der Ausübung dieser Tätigkeiten durch
         das betroffene Unternehmen unter der Leitung von Alstom und der Gesellschaften der Areva-Gruppe.
      
      305    In der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission das Schwergewicht darauf gelegt, dass sowohl das von Siemens geleitete
         als auch das betroffene Unternehmen die Funktion des „Europa-Sekretariats“ des Kartells jeweils allein, beständig und dauerhaft
         wahrgenommen hätten. Insofern weist Alstom zwar zu Recht darauf hin, dass in den Randnrn. 147 und 191 der angefochtenen Entscheidung
         das betroffene Unternehmen Ende 1999 oder Anfang 2000 nur als „vorübergehendes europäisches Sekretariat“ des Kartells bezeichnet
         worden sei, bestreitet jedoch nicht, dass im März 2002 vereinbart worden sei, dass sie dieses Sekretariat auf unbestimmte
         Zeit und damit beständig und dauerhaft übernehmen werde. Die Feststellung, dass das betroffene Unternehmen die Funktion als
         „Europa-Sekretariat“ des Kartells allein, beständig und dauerhaft wahrgenommen habe, wird zudem nicht dadurch in Frage gestellt,
         dass es diese Funktion, wie Alstom vorträgt, nur während eines beschränkten Zeitraums von etwa vier Jahren und zwei Monaten
         wahrgenommen habe; denn dieser tatsächliche Umstand ist vom Willen von Alstom unabhängig und nur darauf zurückzuführen, dass
         die Kommission aufgrund der Anzeige von ABB (siehe oben, Randnr. 10) tätig geworden ist, um die Einstellung der Zuwiderhandlung
         zu veranlassen.
      
      306    Fraglich ist, ob die erheblichen Unterschiede in der Dauer der den einzelnen fraglichen Unternehmen zuzuschreibenden Ausübung
         der Tätigkeit des „Europa-Sekretariats“ des Kartells in Anbetracht des erschwerenden Umstands der Rolle als Anführer der Zuwiderhandlung
         von Bedeutung ist oder ob diese Unterschiede im vorliegenden Fall im Hinblick darauf zu vernachlässigen waren, dass das Europa-Sekretariat
         von diesen Unternehmen jeweils allein, beständig und dauerhaft wahrgenommen wurde.
      
      307    Unter den Umständen des vorliegenden Falles – also bei einer lang anhaltenden Zuwiderhandlung, während deren verschiedene
         Unternehmen unter der Leitung unterschiedlicher Gesellschaften nacheinander für einen jeweils genau bestimmten Zeitraum die
         Rolle als Anführer der Zuwiderhandlung wahrgenommen haben – gebieten die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit,
         dass gegen die Gesellschaften, die ein oder mehrere Unternehmen geleitet haben, die unter ihrer Leitung die Rolle eines „Anführers
         des Verstoßes“ gespielt haben, dann eine unterschiedliche Erhöhung des Grundbetrags ihrer Geldbuße festgesetzt wird, wenn
         die Zeiträume, in denen das oder die jeweiligen Unternehmen diese Rolle unter ihrer Leitung wahrgenommen haben, erheblich
         voneinander abweichen. Dabei ist zu beachten, dass sich die Anführerrolle auf die Funktionsweise des Kartells (siehe oben,
         Randnr. 281) und im Gegensatz zur Rolle als Anstifter des Verstoßes notwendig auf eine bestimmte Dauer bezieht. Daher muss
         dem Umstand Rechnung getragen werden, dass einer Gesellschaft, die eines der am Kartell beteiligten Unternehmen geleitet hat,
         die Rolle als treibende Kraft für das Funktionieren des Kartells zugerechnet werden kann, die von diesem Unternehmen während
         höchstens knapp über einem Viertel des Verstoßzeitraums gespielt worden ist, wie es bei Alstom und den Gesellschaften der
         Areva-Gruppe der Fall ist, wohingegen einer anderen Gesellschaft, die ein anderes am Kartell beteiligtes Unternehmen geleitet
         hat, die Rolle als treibende Kraft für das Funktionieren des Kartells zugerechnet werden kann, die von diesem Unternehmen
         während fast drei Vierteln des Verstoßzeitraums gespielt worden ist, wie es bei Siemens der Fall ist. Im Übrigen hat die Kommission
         in der mündlichen Verhandlung selbst eingeräumt, dass die Dauer, während deren ein Unternehmen eine Rolle als „Anführer des
         Verstoßes“ gespielt habe, ein Kriterium gewesen sei, das bei der Beurteilung der Erhöhung der Verantwortlichkeit, die aus
         dieser Rolle abzuleiten sei, berücksichtigt werden müsse (siehe oben, Randnr. 39).
      
      308    Folglich hat die Kommission dadurch, dass sie in der angefochtenen Entscheidung Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe
         die gleiche Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße auferlegt hat wie Siemens, obwohl die Zeiträume, in denen das oder die
         fraglichen Unternehmen unter der Leitung dieser Gesellschaften die Tätigkeiten des „Europa-Sekretariats“ des Kartells ausgeübt
         hatten, erheblich voneinander abwichen, gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit verstoßen.
      
      309    Sodann ist festzustellen, dass ABB, soweit es um den erschwerenden Umstand der Rolle als Anführer des Verstoßes geht, eine
         andere Behandlung als Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe zuteilgeworden ist, da sie im Gegensatz zu diesen nicht
         als „Anführer des Verstoßes“ qualifiziert und gegen sie daher auch keine Erhöhung des Grundbetrags ihrer Geldbuße wegen dieses
         erschwerenden Umstands festgesetzt worden ist. Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe rügen diese unterschiedliche
         Behandlung mit der Begründung, dass die Lage von ABB hinsichtlich des erschwerenden Umstands der Rolle als Anführer des Verstoßes
         mit der ihren vergleichbar gewesen sei.
      
      310    Es ist jedoch nicht nachgewiesen und noch nicht einmal vorgetragen worden, dass ABB die Funktion als „Europa-Sekretariat“
         des Kartells übernommen, oder auch nur, dass sie sämtliche diesem Sekretariat gewöhnlich übertragenen Aufgaben allein, beständig
         und dauerhaft wahrgenommen hätte. Zudem ist zwar allgemein – auch von der Kommission – anerkannt worden, dass ABB im Kartell
         eine „bedeutende Rolle“ gespielt habe, jedoch ist nicht dargetan worden, dass diese Rolle hinsichtlich der Funktionsweise
         des Kartells mit derjenigen vergleichbar gewesen wäre, die vom betroffenen Unternehmen und von dem von Siemens geleiteten
         Unternehmen in ihrer Funktion als „Europa-Sekretariat“ des Kartells gespielt wurde. Somit ist nicht erwiesen, dass sich ABB
         in einer Lage befunden hat, die mit der von Alstom und derjenigen der Gesellschaften der Areva-Gruppe oder selbst der von
         Siemens vergleichbar gewesen wäre.
      
      311    Selbst wenn aber unterstellt würde, dass die Kommission die Kriterien für eine Qualifikation als Anführer des Verstoßes, wie
         sie in der vorstehenden Randnr. 283 aufgeführt worden sind, dadurch rechtswidrig angewandt habe, dass sie diese Qualifikation
         bei ABB trotz der bedeutenden Rolle, die dieses Unternehmen im Kartell gespielt hat, nicht bejaht hat, würde ein solcher Rechtsverstoß,
         der zugunsten eines anderen begangen worden wäre, es nach der oben in Randnr. 297 angeführten Rechtsprechung doch nicht rechtfertigen,
         die vorliegenden von Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe geltend gemachten Nichtigkeitsrügen als begründet anzusehen.
      
      312    Die Rügen, mit denen eine Verletzung des Diskriminierungsverbots geltend gemacht wird, soweit Alstom und die Gesellschaften
         der Areva-Gruppe nicht in gleicher Weise wie ABB behandelt worden seien, obwohl sie sich in einer vergleichbaren Lage befunden
         hätten, sind daher zurückzuweisen.
      
      313    Schließlich ist festzustellen, dass Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe hinsichtlich des erschwerenden Umstands
         der Wahrnehmung einer Rolle als Anführer des Verstoßes, bezogen auf die Zeit ihrer Beteiligung an der Zuwiderhandlung, wie
         sie in Art. 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellt worden ist, auch anders behandelt worden sind als die Gesellschaften,
         die die japanischen Unternehmen leiteten. Die Kommission hat dazu in Randnr. 511 ausgeführt, dass „das japanische Sekretariat
         ... hauptsächlich den Austausch unter den japanischen Teilnehmern und mit dem europäischen Sekretariat bezüglich der [GIS‑]Projekte
         außerhalb des EWR [betraf und] in kürzeren Zeiträumen zwischen Hitachi, Toshiba und Melco rotierte“, und daraus im Wesentlichen
         geschlossen, dass diese Rolle nicht derjenigen eines „Anführers des Verstoßes“ im Sinne von Nr. 2 dritter Gedankenstrich der
         Leitlinien gleichzusetzen sei. Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe beanstanden diese Ungleichbehandlung mit der
         Begründung, da das von ihnen nacheinander geleitete Unternehmen die Funktion als „Europa-Sekretariat“ des Kartells etwa vier
         Jahre lang wahrgenommen habe, hätten sie sich in einer Lage befunden, die mit derjenigen der Gesellschaften, die jeweils ein
         japanisches Unternehmen geleitet hätten, das während eines entsprechenden Zeitraums die Funktion als „Japan-Sekretariat“ wahrgenommen
         habe, vergleichbar gewesen sei.
      
      314    In der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission im Rahmen ihrer Beurteilung des erschwerenden Umstands der Rolle als
         Anführer der Zuwiderhandlung die Auffassung vertreten, dass die Wahrnehmung der Funktion des „Europa-Sekretariats“ des Kartells
         nicht mit derjenigen des „Japan-Sekretariats“ des Kartells vergleichbar gewesen sei. Sie hat in Rechnung gestellt, dass „das
         japanische Sekretariat ... hauptsächlich den Austausch unter den japanischen Teilnehmern und mit dem europäischen Sekretariat
         bezüglich der Projekte außerhalb des EWR [betraf]“. Dazu hat sie in den Randnrn. 127, 128 und 246 der angefochtenen Entscheidung
         ausgeführt, dass die in Art. 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Beteiligung der japanischen Unternehmen an der
         Zuwiderhandlung hauptsächlich an das Bestehen der „Übereinkunft“ geknüpft gewesen sei (siehe oben, Randnr. 29), wonach die
         japanischen Unternehmen keine Angebote für GIS-Projekte im EWR hätten abgeben dürfen. Aus der „Übereinkunft“ geht nämlich
         hervor, dass das „Japan-Sekretariat“ im Gegensatz zum „Europa-Sekretariat“ keine Rolle im Rahmen der Funktionsweise des Kartells
         im EWR spielte und dass die Gesellschaften, die die mit diesem Sekretariat betrauten Unternehmen leiteten, insoweit keine
         besondere Verantwortung auf sich geladen haben. Die Rügen, mit denen Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe geltend
         machen, sie seien insoweit anders als die japanischen Gesellschaften behandelt worden, als die Kommission auf Letztere keine
         Erhöhung der Geldbuße aus Gründen des erschwerenden Umstands der Rolle als Anführer des Verstoßes angewandt habe, die von
         den von diesen japanischen Gesellschaften geleiteten Unternehmen gespielt worden sei, sind daher zurückzuweisen, da ihre Lage
         nicht mit derjenigen der fraglichen japanischen Gesellschaften vergleichbar war.
      
      315    Selbst wenn angenommen würde, dass die Kommission die Kriterien für die Qualifikation als Anführer des Verstoßes, wie sie
         in der vorstehenden Randnr. 283 in Erinnerung gerufen worden sind, dadurch rechtswidrig angewandt habe, dass sie diese Qualifikation
         bei den japanischen Gesellschaften, die die Unternehmen leiteten, welche nacheinander die Funktion als „Japan-Sekretariat“
         des Kartells für die Dauer von jeweils zwei Jahren wahrnahmen, nicht bejaht hat, würde eine solche Rechtsverletzung, die zugunsten
         eines anderen begangen worden wäre, es nach der oben in Randnr. 297 angeführten Rechtsprechung doch nicht rechtfertigen, die
         in der vorstehenden Randnr. 314 angeführten Rügen als begründet anzusehen.
      
      316    Die Rügen, mit denen Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe eine Verletzung des Diskriminierungsverbots geltend machen,
         soweit sie, obwohl sie sich in einer vergleichbaren Lage befunden hätten, anders als die japanischen Gesellschaften behandelt
         worden seien, sind daher zurückzuweisen.
      
      317    Nach alledem verstößt Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sowie
         den Grundsatz der Gleichbehandlung oder das Diskriminierungsverbot, soweit darin gegen Alstom und die Gesellschaften der Areva-Gruppe
         wegen des erschwerenden Umstands einer Rolle als Anführer des Verstoßes die gleiche Erhöhung des Grundbetrags ihrer Geldbußen
         um 50 % wie gegen Siemens festgesetzt worden ist. Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung wird deshalb für nichtig
         erklärt.
      
      318    Das Gericht hat daher gemäß den Abänderungsanträgen von Alstom und der Gesellschaften der Areva-Gruppe unter Ausübung der
         ihm aus Art. 229 EG, Art. 17 der Verordnung Nr. 17 und Art. 31 der Verordnung Nr. 1/2003 verliehenen Befugnis zu unbeschränkter
         Nachprüfung die maßgeblichen Umstände des vorliegenden Falles selbst zu beurteilen, um die Erhöhung des Grundbetrags der Geldbußen
         zu bestimmen, die gegen die fraglichen Gesellschaften wegen des erschwerenden Umstands der Rolle des betroffenen Unternehmens
         als Anführer des Verstoßes festzusetzen ist (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 9. November 1983, Nederlandsche
         Banden-Industrie-Michelin/Kommission, 322/81, Slg. 1983, 3461, Randnr. 111, Volkswagen/Kommission, oben in Randnr. 88 angeführt,
         Randnrn. 149 und 151, sowie BASF/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnrn. 303, 394 und 455). Dabei ist zu beachten,
         dass der Unionsrichter aufgrund der Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung aus Art. 17 der Verordnung Nr. 17 und Art. 31 der
         Verordnung Nr. 1/2003 über die reine Kontrolle der Rechtmäßigkeit der Zwangsmaßnahme hinaus die Beurteilung der Kommission
         durch seine eigene Beurteilung ersetzen und demgemäß die verhängte Geldbuße aufheben, herabsetzen oder erhöhen kann, wenn
         ihm die Frage nach deren Höhe zur Beurteilung vorgelegt worden ist (siehe oben, Randnrn. 226 und 227; Urteil vom 8. Februar
         2007, Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 126 angeführt, Randnrn. 61 und 62, und Urteil des Gerichts vom 12. Dezember
         2007, BASF und UCB/Kommission, T‑101/05 und T‑111/05, Slg. 2007, II‑4949, Randnr. 213).
      
      319    Es muss sichergestellt werden, dass der Aufschlag wegen der Rolle des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes
         auf eine Höhe festgesetzt wird, die seine Abschreckungswirkung gewährleistet (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteil ACF
         Chemiefarma/Kommission, oben in Randnr. 87 angeführt, Randnr. 173, und Urteil Archer Daniels Midland/Kommission, oben in Randnr.
         235 angeführt, Randnr. 141), d. h. auf eine Höhe, die die Unternehmen davon abschreckt, wesentliche Funktionen für das reibungslose
         Funktionieren eines Kartells zu übernehmen.
      
      320    Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass das betroffene Unternehmen unter der Leitung von Alstom und den Gesellschaften
         der Areva-Gruppe das „Europa-Sekretariat“ des Kartells allein, beständig und dauerhaft wahrnahm. Daneben ist zu berücksichtigen,
         dass das betroffene Unternehmen, das damals unmittelbar oder mittelbar von Alstom und der Areva T&D SA (ehemals unter der
         Firma Alstom T&D SA) geleitet wurde, das „Europa-Sekretariat“ zu einem Zeitpunkt übernahm, zu dem das Kartell durch das Ausscheiden
         des von Siemens geleiteten Unternehmens aus „europäischer“ Sicht erheblich destabilisiert war, wobei Siemens, wie sich aus
         Randnr. 178 der angefochtenen Entscheidung ergibt, seit 1988 „Europa-Sekretär“ des Kartells und einer der Hauptakteure des
         Marktes sowohl innerhalb wie außerhalb Europas gewesen war. Außerdem hat Alstom in ihren Schriftsätzen selbst eingeräumt,
         dass sie „zwischen 2002 und 2004 wegen der auf europäischer Ebene bestehenden Interessen das einzige Unternehmen [war], das
         [die] Rolle [des ‚Europa-Sekretariats‘ des Kartells] zu übernehmen in der Lage war“.
      
      321    Aus den vorstehenden Ausführungen folgt, dass das betroffene Unternehmen für die Fortsetzung und die Funktionsweise des Kartells
         zwischen Ende 1999 und dem 8. Januar 2004 eine entscheidende Rolle gespielt hat.
      
      322    Im Übrigen ist in Rechnung zu stellen, dass, wie aus der vorstehenden Randnr. 303 hervorgeht, der Zeitraum, in dem das von
         Siemens geleitete Unternehmen unter deren Leitung die Funktion als „Europa-Sekretariat“ des Kartells wahrnahm, erheblich länger
         war als die Zeiträume, in denen das betroffene Unternehmen diese Funktion unter der Leitung von Alstom und der Areva T&D SA
         wahrnahm, und ganz erheblich länger als die Zeiträume, in denen das betroffene Unternehmen sie unter der Leitung der Areva
         T&D AG, von Areva oder der Areva T&D Holding wahrnahm.
      
      323    Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände ist bei angemessener Würdigung der Alstom und den Gesellschaften der Areva-Gruppe
         zuzurechnenden Rolle des betroffenen Unternehmens als Anführer des Verstoßes
      
      –        Alstom eine Erhöhung des Grundbetrags der verhängten Geldbuße um 35 % aufzuerlegen, so dass die von dieser Aktiengesellschaft
         zu zahlende Geldbuße auf 58 522 500 Euro, davon 48 195 000 Euro gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA, festzusetzen ist;
      
      –        der Areva T&D SA eine Erhöhung des Grundbetrags der verhängten Geldbuße um 35 % aufzuerlegen, so dass die von dieser Gesellschaft
         gesamtschuldnerisch mit Alstom zu zahlende Geldbuße auf 48 195 000 Euro, davon 20 400 000 Euro gesamtschuldnerisch mit der
         Areva T&D AG, Areva und der Areva T&D Holding, festzusetzen ist;
      
      –        und der Areva T&D AG, Areva sowie der Areva T&D Holding eine Erhöhung des Grundbetrags der verhängten Geldbuße um 20 % aufzuerlegen,
         so dass die von diesen Gesellschaften gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA zu zahlende Geldbuße auf 20 400 000 Euro festzusetzen
         ist.
      
       Zum siebten von den Gesellschaften der Areva-Gruppe geltend gemachten Klagegrund, der auf einen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         sowie einen Verstoß gegen Art. 81 EG, Art. 53 des EWR-Abkommens und die Kronzeugenregelung gestützt wird, soweit die Kommission
         es abgelehnt habe, ihnen eine Ermäßigung ihrer Geldbuße wegen ihrer Kooperation im Verwaltungsverfahren zu gewähren
      
      –        Vorbringen der Parteien
      324    Die Gesellschaften der Areva-Gruppe wenden sich mit ihrem in zwei Teile gegliederten siebten Klagegrund dagegen, dass die
         Kommission es abgelehnt habe, ihnen eine Ermäßigung ihrer Geldbuße nach der Kronzeugenregelung zu gewähren, weil die von ihnen
         gelieferten Informationen angeblich keinen erheblichen Mehrwert darstellten. Mit dem ersten Teil wird eine offensichtlich
         fehlerhafte Würdigung ihrer Kooperation geltend gemacht. Die Kommission habe zu Unrecht die Auffassung vertreten, dass die
         Erklärungen der Gesellschaften der Areva-Gruppe, wie sie in ihrer Erklärung nach der Kronzeugenregelung und in ihrer Antwort
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte enthalten seien, widersprüchlich und mehrdeutig seien und es ihnen deshalb an Glaubwürdigkeit
         fehle. Den zweiten Teil stützen sie auf einen Verstoß gegen die Art. 81 EG und 53 EWR-Abkommen sowie die Kronzeugenregelung,
         soweit die Kommission ihnen keine Ermäßigung ihrer Geldbuße gewährt habe. Die Gesellschaften der Areva-Gruppe tragen vor,
         indem sie im Verwaltungsverfahren die Teilnahme des von Siemens geleiteten Unternehmens am Treffen vom September 1999 bestätigt
         hätten, hätten sie der Kommission ein Beweismittel vorgelegt, das gegenüber den bereits in deren Besitz befindlichen Beweismitteln
         einen erheblichen Mehrwert dargestellt habe. Ihre Aussage sei nämlich von entscheidender Bedeutung gewesen, da sie der Kommission
         ermöglicht habe, den Eintritt der Verjährung in Bezug auf die Beteiligung des von Siemens geleiteten Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         für den Zeitraum vom 15. April 1988 bis 24. April 1999 zu verhindern und sogar die Dauer dieser Beteiligung an der Zuwiderhandlung
         darüber hinausgehend bis zum 1. September 1999 festzustellen.
      
      325    Die Kommission tritt dem Vorbringen der Gesellschaften der Areva-Gruppe entgegen und gelangt zu dem Ergebnis, dass der Klagegrund
         zurückzuweisen sei.
      
      –        Würdigung durch das Gericht
      326    Nach der Rechtsprechung beruht die Ermäßigung von Geldbußen, die wegen einer Zuwiderhandlung gegen das Wettbewerbsrecht zu
         verhängen sind, im Fall der Kooperation der Unternehmen, die sich an der Zuwiderhandlung beteiligt haben, auf der Erwägung,
         dass eine solche Kooperation die Aufgabe der Kommission, das Vorliegen dieser Zuwiderhandlung festzustellen und gegebenenfalls
         zu beenden, erleichtert (Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnr. 399; Urteile des
         Gerichts BPB de Eendracht/Kommission, oben in Randnr. 235 angeführt, Randnr. 325, und vom 14. Mai 1998, Finnboard/Kommission,
         T‑338/94, Slg. 1998, II‑1617, Randnr. 363).
      
      327    Die Randnrn. 20 bis 23 der Kronzeugenregelung bestimmen:
      
      „20.      Unternehmen, die die Voraussetzungen in Abschnitt A [‚Ermäßigung der Geldbuße‘] nicht erfüllen, kann eine Ermäßigung der Geldbuße
         gewährt werden, die andernfalls verhängt worden wäre.
      
      21.      Um für eine Ermäßigung der Geldbuße in Betracht zu kommen, muss das Unternehmen der Kommission Beweismittel für die mutmaßliche
         Zuwiderhandlung vorlegen, die gegenüber den bereits im Besitz der Kommission befindlichen Beweismitteln einen erheblichen
         Mehrwert darstellen, und seine Beteiligung an der mutmaßlich rechtswidrigen Handlung spätestens zum Zeitpunkt der Beweisvorlage
         einstellen.
      
      22.      Der Begriff ‚Mehrwert‘ bezieht sich auf das Ausmaß, in dem die vorgelegten Beweismittel aufgrund ihrer Eigenschaft und/oder
         ihrer Ausführlichkeit der Kommission dazu verhelfen, den betreffenden Sachverhalt nachzuweisen. Bei ihrer Würdigung wird die
         Kommission im Allgemeinen schriftlichen Beweisen aus der Zeit des nachzuweisenden Sachverhalts einen größeren Wert beimessen
         als solchen, die zeitlich später einzuordnen sind. Ebenso werden Beweismittel, die den fraglichen Sachverhalt unmittelbar
         beweisen, höher eingestuft als jene, die nur einen mittelbaren Bezug aufweisen.
      
      23.      Die Kommission wird in ihrer am Ende des Verwaltungsverfahrens erlassenen endgültigen Entscheidung darüber befinden,
      a)      ob die von einem Unternehmen vorgelegten Beweismittel einen erheblichen Mehrwert gegenüber den Beweismitteln aufweisen, die
         sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Besitz der Kommission befanden,
      
      b)      und in welchem Umfang die Geldbuße … ermäßigt wird …
      Um den Umfang der Ermäßigung der Geldbuße … zu bestimmen, wird die Kommission den Zeitpunkt berücksichtigen, zu dem das Beweismittel,
         das die Voraussetzungen unter Randnummer 21 erfüllt, vorgelegt wurde, sowie den Umfang des mit dem Beweismittel verbundenen
         Mehrwerts. Sie kann ebenfalls berücksichtigen, ob das Unternehmen seit der Vorlage des Beweismittels kontinuierlich mit ihr
         zusammengearbeitet hat.
      
      Falls ein Unternehmen Beweismittel für einen Sachverhalt vorlegt, von denen die Kommission zuvor keine Kenntnis hatte und
         die die Schwere oder Dauer des mutmaßlichen Kartells unmittelbar beeinflussen, lässt die Kommission diese Faktoren bei der
         Festsetzung der Geldbuße gegen das Unternehmen, das diese Beweismittel geliefert hat, unberücksichtigt.“
      
      328    Die Kronzeugenregelung hat, wie es in ihrer Randnr. 29 heißt, berechtigte Erwartungen begründet, auf die sich die Unternehmen,
         die der Kommission das Bestehen eines Kartells anzeigen oder mit ihr zusammenarbeiten wollen, berufen können. Angesichts des
         berechtigten Vertrauens, das aufgrund dieser Regelung möglicherweise bei den Unternehmen entstanden ist, ist die Kommission
         verpflichtet, sich bei der Beurteilung der Kooperation des fraglichen Unternehmens im Rahmen der Bemessung der zu verhängenden
         Geldbuße an die Regelung zu halten (vgl. entsprechend Urteil des Gerichts vom 15. März 2006, Daiichi Pharmaceutical/Kommission,
         T‑26/02, Slg. 2006, II‑713, Randnr. 147 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      329    Innerhalb der durch die Kronzeugenregelung vorgegebenen Grenzen verfügt die Kommission jedoch über ein weites Ermessen bei
         der Beurteilung der Frage, ob die von einem Unternehmen übermittelten Beweismittel einen Mehrwert im Sinne von Randnr. 22
         der Regelung darstellen oder nicht und ob einem Unternehmen auf ihrer Grundlage ein Nachlass zu gewähren ist (vgl. entsprechend
         Urteil Dansk Rørindustri u. a./Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnrn. 393 und 394). Diese Beurteilung unterliegt
         einer eingeschränkten gerichtlichen Nachprüfung.
      
      330    In den Randnrn. 530 bis 532 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission zur Kooperation von Areva ausgeführt:
      
      „(530) [Areva] war das zweite Unternehmen, das sich an die Kommission in Anwendung der Kronzeugenregelung wandte. Am 14. Mai
         2004 bekundete [sie ihre] Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Am 18. und am 25. Mai 2004 gestand [sie] in einer Untemehmenserklärung
         das Bestehen des Kartells ein und machte allgemeine Angaben zu dessen wettbewerbswidrigen Tätigkeiten.
      
      (531) Das sich aus der Erklärung von [Areva] ergebende Gesamtbild stimmt zwar im Ganzen mit ABBs Erklärungen überein, enthielt
         jedoch kaum Bestandteile, die einen ‚Mehrwert‘ ergaben. Einen Erkenntnisgewinn erbrachte lediglich die Erklärung, dass Siemens
         am 26. März 2002 [ihre] Teilnahme an den Kartellzusammenkünften wieder aufnahm. Da diese Auskunft jedoch lediglich eine Verlängerung
         der Dauer der Kartellteilnahme von Siemens von drei Monaten betraf, verhalf sie der Kommission nicht dazu, den betreffenden
         Sachverhalt darüber hinaus nachzuweisen, und daher kann sie nicht als erheblicher Mehrwert eingestuft werden. Darüber hinaus
         hat die Kommission einige Erklärungen von [Areva] in dieser Entscheidung als unzureichend verlässlich angesehen (z. B. siehe
         [Randnrn. 290 und 291]), was die Ermittlungen der Kommission im vorliegenden Fall nicht erleichterte.
      
      (532) Die von [Areva] vorgelegten Informationen erbringen somit keinen erheblichen Mehrwert, der als Grundlage für eine Ermäßigung
         der Geldbuße entsprechend der Kronzeugenregelung dienen könnte.“
      
      331    In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Kommission einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat, indem sie
         die in Randnr. 531 der angefochtenen Entscheidung genannten Erklärungen der Gesellschaften der Areva-Gruppe für widersprüchlich
         und mehrdeutig und deshalb für nicht verlässlich gehalten hat.
      
      332    In den Randnrn. 290 und 291 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission festgestellt:
      
      „(290) Die Kommission kann sich nicht auf die Ausführungen von [Areva], Melco, Hitachi/JAEPS und Toshiba stützen, soweit sie
         behaupten, das Kartell habe sich zum ersten Mal entweder 1997 ([Areva] …), im September 1999 (Melco … und Toshiba …) oder
         irgendwann 1999 nach Siemens' Ausscheiden (Hitachi/JAEPS …) bzw. im oder ungefähr im September 2000 (Fuji …) aufgelöst. Aus
         folgenden Gründen sind diese Ausführungen nicht verlässlich. Sie widersprechen einander und … Beweisen aus der Kommissionsakte.
         Melco, Toshiba, Fuji, ABB, Alstom, Reyrolle/[VA Tech] und Magrini/Schneider (beide wurden später zu VAS und anschließend zu
         [VA Tech]) nahmen 2000 und/oder 2001 weiterhin an multilateralen Zusammenkünften und Kontakten teil (siehe [Randnrn. 191 bis
         198]). Ferner sind sie mehrdeutig und nicht schlüssig.
      
      (291) [Areva] legt widersprüchliche und mehrdeutige Erklärungen vor. [Sie] sagte [in ihrer Erklärung nach der Kronzeugenregelung]
         aus, [ihrer] Auffassung nach habe das Kartell 1997 geendet, behauptet jedoch im Gegensatz dazu in [ihrer] Antwort auf die
         Mitteilung der Beschwerdepunkte …, die Zeit zwischen September 1999 und März 2002 sei eine Übergangszeit gewesen, in der es
         weniger Zusammenkünfte gab, die zwar nach wie vor wettbewerbswidrig gewesen seien, jedoch keine nennenswerte wettbewerbswidrige
         Wirkung entfaltet hätten.“
      
      333    Was die zu den Akten des vorliegenden Verfahrens gereichte Erklärung der Gesellschaften der Areva-Gruppe nach der Kronzeugenregelung
         vom 18. und 25. Mai 2004 angeht, hat sich die Kommission in Randnr. 291 der angefochtenen Entscheidung unstreitig auf folgende
         Erklärung bezogen:
      
      „Ein erstes Kartell bestand zwischen dem Ende der 1980er Jahre und 1997, als es unterbrochen wurde. Ab 1997 trafen sich die
         Beteiligten wieder, einigten sich jedoch weder über die Aufteilung der Märkte noch über die Preise, und die Zusammenkünfte
         zu diesem Kartell wurden im September 1999 eingestellt, nachdem Siemens endgültig ausgeschieden war.“
      
      334    Hinsichtlich der Antwort der Gesellschaften der Areva-Gruppe auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 30. Juni 2006 hat
         sich die Kommission, wie aus Fn. 353 unter Randnr. 291 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, auf folgende Erklärung bezogen:
      
      „Zwar trafen sich die anderen Kartellmitglieder als Siemens und Hitachi weiter, doch fanden diese Treffen nur noch halb so
         oft wie zuvor statt und hatten keine wettbewerbswidrigen Wirkungen mehr ... Was die angewandten Methoden betrifft, war der
         Zeitraum zwischen September 1999 und März 2002 im Kartell eine Zeit des Zögerns und der ‚Unentschlossenheit‘ zwischen dem
         Zusammenbruch des durch das GQ-Abkommen geschaffenen Systems und dem Entwurf eines nach März 2002 angewandten neuen Systems
         ... Von 1999 bis 2002 behielten diese Treffen zwar in mancher Hinsicht ihren wettbewerbswidrigen Charakter, ihre wettbewerbswidrige
         Wirkung war jedoch wegen der geringen Zahl aufgeteilter [GIS-]Projekte (weshalb sich eine Anwendung der Mechanismen [des GQ-Abkommens]
         erübrigte) und der theoretischen Natur der Diskussionen über eine andere Organisation des Kartells [als nach dem GQ-Abkommen]
         deutlich zurückgegangen …“
      
      335    In Anbetracht des Inhalts dieser Erklärungen ist festzustellen, dass die Kommission keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         begangen hat, indem sie sie als widersprüchlich und mehrdeutig angesehen hat. Denn während sich die Gesellschaften der Areva-Gruppe
         in ihrer Erklärung nach der Kronzeugenregelung offenbar auf eine Aufeinanderfolge verschiedener Zuwiderhandlungen bezogen
         haben, bei der ein erstes Kartell im Jahr 1997, jedenfalls aber im September 1999, geendet habe, scheinen sie in ihrer Antwort
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte das Bestehen einer einheitlichen, dauernden Zuwiderhandlung einzuräumen, wobei sie
         den Zeitraum von September 1999 bis März 2002 als bloße Zeit des Übergangs und der „Unentschlossenheit“ in der Funktionsweise
         des Kartells darstellen. Zu berücksichtigen ist weiter, dass, wie die Kommission in Randnr. 290 der angefochtenen Entscheidung
         ausgeführt hat, den Erklärungen der Gesellschaften der Areva-Gruppe, wonach das Kartell oder ein erstes Kartell erstmals im
         Jahr 1997 geendet habe, durch die Erklärungen anderer Mitglieder des Kartells sowie bestimmte in den Akten vorhandene Beweismittel
         widersprochen wird. Insofern kann nicht davon ausgegangen werden, dass die von den Gesellschaften der Areva-Gruppe vorgelegten
         Beweismittel die Aufgaben der Kommission bei der Feststellung des Vorliegens einer Zuwiderhandlung erleichtert und damit die
         Voraussetzung der Randnr. 21 der Kronzeugenregelung erfüllt hätten.
      
      336    Auch ohne dass es der Prüfung bedürfte, weshalb es den fraglichen Beweismitteln möglicherweise an Verlässlichkeit mangelte,
         ist daher zu folgern, dass die angefochtene Entscheidung nicht mit einem offensichtlichen Beurteilungsfehler behaftet ist,
         soweit sie es ablehnt, den Gesellschaften der Areva-Gruppe eine Ermäßigung der gegen sie verhängten Geldbuße nach der Kronzeugenregelung
         zu gewähren.
      
      337    In einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob die Kommission dadurch gegen die Art. 81 EG und 53 des EWR-Abkommens sowie Randnr.
         21 der Kronzeugenregelung verstoßen hat, dass sie nicht berücksichtigt habe, dass die Erklärung der Gesellschaften der Areva-Gruppe
         nach der Kronzeugenregelung ein Beweismittel mit erheblichem Mehrwert enthalten habe, da darin bestätigt worden sei, dass
         sich das von Siemens geleitete Unternehmen erst im September 1999 vom Kartell zurückgezogen habe.
      
      338    Die Kommission hat in Randnr. 186 der angefochtenen Entscheidung ausgeführt:
      
      „Siemens gibt an, ab dem Gipfeltreffen von Sydney mit Wirkung vom 24. April 1999 [ihre] Mitwirkung am Kartell unterbrochen
         zu haben. Nach Angaben von ABB unterbrach Siemens [ihre] Beteiligung an den Kartellzusammenkünften Ende 1999 … Nach der Feststellung
         der Kommission erfolgte das Ausscheiden von Siemens im September 1999. Ein in den Geschäftsräumen von [VA Tech] aufgefundenes
         Dokument, das in Fußnote 94 vollständig zitiert wird, bestätigt, dass Siemens' Aussetzung [ihrer] Teilnahme an den Treffen
         auf September 1999 zurückgeht: 'Stop 3 == > 09/99 ('3' steht für Siemens); es folgen Marktanteile für die Jahre 1988 bis 1998.
         Dies wird von [Areva] …, Melco …, Fuji … und Hitachi/JAEPS … bestätigt.“
      
      339    Außerdem geht aus der von den Gesellschaften der Areva-Gruppe nicht angegriffenen Fn. 94 der angefochtenen Entscheidung hervor,
         dass „Nummer 3 … der Kode für Siemens [war], als das Dokument am 10. Juni 2003 erstellt wurde“.
      
      340    In Randnr. 142 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission dazu Folgendes festgestellt:
      
      „Ab spätestens Juli 2002 (siehe Tabelle II) benutzten die Kartellmitglieder andere Kodes, wie von ABB … erklärt, von Unterlagen
         aus dieser Zeit … und von durch die Unternehmen nach den Nachprüfungen übermittelte[n] Dokumente[n] ([Areva] …, [VA Tech]
         …, Hitachi/JAEPS … und Siemens …) bestätigt wird.“
      
      341    Die in Randnr. 142 der angefochtenen Entscheidung enthaltene Tabelle [II] führt die „[m]indestens seit Juli 2002 verwendete[n]
         Kodes“ auf. Danach waren folgende Codes zugeteilt: europäische Unternehmen untereinander: „0“, ABB: „1“, Alstom: „2“, Siemens:
         „3“, VA Tech: „4“, japanische Unternehmen untereinander: „5“, JAEPS: „6“, TM T&D: „7“.
      
      342    In Fn. 128 der angefochtenen Entscheidung heißt es:
      
      „Bei Herrn Z. ([VA Tech]) wurde ein Dokument gefunden, das aus der Zeit um August 2002 datiert und bestätigt, dass die Kartellmitglieder
         anstrebten, durch einen ‚Drehpunkt‘ zu kommunizieren, Treffen und schriftliche Korrespondenz vermieden und die Kodes 1, 2,
         3, 4, 6 und 7 für ABB, [Alstom], Siemens, [VA Tech], Hitachi/JAEPS und TM T&D benutzten, wenn sie angaben, wie hoch der Preis
         ihrer Meinung nach in etwa sein sollte.“
      
      343    Aus den vorstehenden Angaben folgt, dass die Kommission schon vor der Erklärung der Gesellschaften der Areva-Gruppe über die
         Erklärung von ABB nach der Kronzeugenregelung verfügte, wonach Siemens ihre Teilnahme an den Treffen des Kartells ab Ende
         1999 eingestellt hatte und ab Juli 2002 mit dem Code „3“ bezeichnet wurde. Sie verfügte zudem über auf die Zeit der Zuwiderhandlung
         zurückgehende schriftliche Beweisstücke, aus denen hervorging oder abgeleitet werden konnte, dass der Code von Siemens im
         Sommer 2002 die Ziffer „3“ war und Siemens ihre Beteiligung am Kartell im September 1999 einstellte. Der Beweiswert dieser
         Schriftstücke, auf die sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung beruft, ist von den Gesellschaften der Areva-Gruppe
         nicht bezweifelt worden und kann daher im Rahmen der Rechtssache T-117/07 nicht in Frage gestellt werden. Somit ist im Rahmen
         der Rechtssache T-117/07 nicht davon auszugehen, dass die Erklärung der Gesellschaften der Areva-Gruppe nach der Kronzeugenregelung
         für die Feststellung der Kommission entscheidend war, dass sich Siemens an der Zuwiderhandlung bis September 1999 beteiligt
         hatte. Ebenso wenig ist in der Rechtssache T-117/07 davon auszugehen, dass die Erklärung der Gesellschaften der Areva-Gruppe
         die Aufgaben der Kommission erleichtert und insoweit die Voraussetzung der Randnr. 21 der Kronzeugenregelung erfüllt hätte,
         aus der die Areva T&D SA, die Areva T&D AG, Areva und die Areva T&D Holding einen Anspruch auf eine Ermäßigung ihrer Geldbußen
         herleiten.
      
      344    Die Kommission hat daher in der angefochtenen Entscheidung weder gegen Art. 81 EG noch gegen Art. 53 des EWR-Abkommens noch
         auch gegen Randnr. 21 der Kronzeugenregelung verstoßen, indem sie es abgelehnt hat, den Gesellschaften der Areva-Gruppe aufgrund
         ihrer Erklärung nach der Kronzeugenregelung eine Ermäßigung der gegen sie verhängten Geldbußen zu gewähren.
      
       Zum achten von Alstom geltend gemachten Klagegrund, der auf eine Verletzung der Leitlinien, hilfsweise, auf eine Verletzung
         des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gestützt wird
      
      –        Vorbringen der Parteien
      345    Mit ihrem achten Klagegrund macht Alstom geltend, Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung sei mit einem Rechtsfehler
         behaftet, soweit er im Rahmen der Bemessung der Geldbuße, die wegen der Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         für den Zeitraum vom 15. April 1988 bis 1. Januar 2004 festgesetzt werde, auf den von dem Unternehmen im gesamten Gebiet des
         Europäischen Wirtschaftsraums erzielten Umsatz abstelle, obwohl das EWR-Abkommen erst am 1. Januar 1994 in Kraft getreten
         sei. Hilfsweise macht Alstom geltend, nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sei es unzulässig, dass die festgesetzte
         Geldbuße künstlich durch die Berücksichtigung eines Umsatzes erhöht werde, der in einem Gebiet erzielt worden sei, das zur
         Zeit der maßgeblichen Vorgänge, d. h. zwischen dem 15. April 1988 und dem 1. Januar 1994, nicht existiert habe.
      
      346    Die Kommission tritt dem Vorbringen von Alstom entgegen und beantragt, den vorliegenden Klagegrund als offensichtlich unbegründet
         zurückzuweisen.
      
      –        Würdigung durch das Gericht
      347    Mit dem vorliegenden Klagegrund wird im Wesentlichen die Frage aufgeworfen, ob die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         die wegen der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung für den Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar
         1994 gegen Alstom festgesetzte Geldbuße auf der Grundlage des vom betroffenen Unternehmen im Europäischen Wirtschaftsraum
         erzielten Umsatzes bemessen hat und, wenn ja, ob sie damit einen Rechtsfehler begangen hat.
      
      348    Wie bereits in der vorstehenden Randnr. 298 festgestellt worden ist, verlangt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, dass
         die Höhe der Geldbuße, die gegen ein Unternehmen wegen einer Zuwiderhandlung gegen das Wettbewerbsrecht verhängt wird, zur
         Zuwiderhandlung, die insgesamt zu würdigen ist, im Verhältnis steht.
      
      349    Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 stellen die maßgebliche Rechtsgrundlage
         für die Kommission dar, um Geldbußen gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen wegen Zuwiderhandlungen gegen Art. 81
         EG (vgl. entsprechend Urteil vom 8. Februar 2007, Groupe Danone/Kommission, oben in Randnr. 126 angeführt, Randnr. 24), gegebenenfalls
         auch gegen Art. 53 des EWR-Abkommens, verhängen zu können. Danach darf die gegen jedes an einer Zuwiderhandlung beteiligte
         Unternehmen verhängte Geldbuße 10 % seines jeweiligen im vorausgegangenen Geschäftsjahr erzielten Gesamtumsatzes nicht übersteigen.
         Durch diese Obergrenze soll gerade verhindert werden, dass die von der Kommission verhängten Geldbußen außer Verhältnis zur
         Größe des betroffenen Unternehmens stehen (Urteil des Gerichtshofs vom 7. Juni 2007, Britannia Alloys & Chemicals/Kommission,
         C‑76/06 P, Slg. 2007, I‑4405, Randnr. 24). Außerdem müssen nach Art. 15 Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 Abs. 3 der
         Verordnung Nr. 1/2003 bei der Bestimmung der Höhe der Geldbuße innerhalb dieser Grenze die Dauer und die Schwere der Zuwiderhandlung
         berücksichtigt werden.
      
      350    Während der Ausgangsbetrag der Geldbuße anhand der Zuwiderhandlung bestimmt wird, ist deren Schwere unter Heranziehung zahlreicher
         anderer Faktoren zu ermitteln, in Bezug auf die die Kommission über ein Ermessen verfügt (Urteil vom 8. Februar 2007, Groupe
         Danone/Kommission, oben in Randnr. 126 angeführt, Randnr. 25). Zu den Faktoren, anhand deren die Schwere einer Zuwiderhandlung
         zu beurteilen ist, können je nach den Umständen die Menge und der Wert der Produkte, die Gegenstand der Zuwiderhandlung waren,
         sowie die Größe und die Wirtschaftskraft des Unternehmens und damit der Einfluss gehören, den es auf den Markt ausüben konnte.
         Die Kommission darf daher bei der Bemessung der Geldbuße sowohl den Gesamtumsatz des Unternehmens, der – wenn auch nur annähernd
         und unvollständig – etwas über dessen Größe und Wirtschaftskraft aussagt, als auch den Teil dieses Umsatzes berücksichtigen,
         der mit den Produkten erzielt worden ist, hinsichtlich deren die Zuwiderhandlung begangen wurde, und der somit einen Anhaltspunkt
         für das Ausmaß der Zuwiderhandlung liefern kann (Urteil Musique Diffusion française u. a./Kommission, oben in Randnr. 247
         angeführt, Randnrn. 120 und 121; vgl. Urteil des Gerichts vom 20. März 2002, Sigma Tecnologie/Kommission, T‑28/99, Slg. 2002,
         II‑1845, Randnr. 86 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      351    Außerdem geht aus der Rechtsprechung hervor, dass zur Beurteilung von Größe und Wirtschaftskraft eines Unternehmens zur Zeit
         der Zuwiderhandlung der Umsatz herangezogen werden muss, den es in dieser Zeit erzielt hat (Urteil des Gerichtshofs vom 16.
         November 2000, Sarrió/Kommission, C‑291/98 P, Slg. 2000, I‑9991, Randnr. 86). Der Umstand allein, dass sich die Kommission
         für die Beurteilung der wirtschaftlichen Realität, wie sich diese während des Zuwiderhandlungszeitraums darstellte, grundsätzlich
         auf das letzte volle Kalenderjahr dieses Zeitraums bezogen hat, läuft dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht zuwider
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Aristrain/Kommission, oben in Randnr. 215 angeführt, Randnrn. 128 und 129).
      
      352    Die Leitlinien stellen zwar nicht die Rechtsgrundlage der von der Kommission im fraglichen Bereich getroffenen Entscheidungen
         dar, schaffen jedoch Rechtssicherheit für die Unternehmen, indem sie eine Regelung des Verfahrens enthalten, das sich die
         Kommission zur Festsetzung der Geldbußen auferlegt hat (vgl. Urteil vom 8. Februar 2007, Groupe Danone/Kommission, oben in
         Randnr. 126 angeführt, Randnr. 23 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      353    Nach den Leitlinien wird die Schwere der Zuwiderhandlung anhand einer Reihe von Umständen ermittelt, von denen die Kommission
         einige zwingend berücksichtigen muss.
      
      354    Insoweit ist es nach den Leitlinien notwendig, abgesehen von der Art des Verstoßes, von seinen konkreten Auswirkungen auf
         den Markt und vom Umfang des betreffenden räumlichen Marktes die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße,
         Wettbewerber und Verbraucher wirtschaftlich in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen und die Geldbuße auf einen
         Betrag festzusetzen, der eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet (Nr. 1 Buchst. A Abs. 4).
      
      355    Darüber hinaus kann auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass Großunternehmen besser imstande sind, zu erkennen, in
         welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und welche Folgen zu gewärtigen sind (Nr. 1 Buchst. A Abs. 5).
      
      356    In Fällen, in denen mehrere Unternehmen beteiligt sind, z. B. bei Kartellen, kann der allgemeine Ausgangsbetrag gewichtet
         werden, um einen spezifischen Ausgangsbetrag festzusetzen, bei dem das jeweilige Gewicht des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens
         und damit seine tatsächliche Auswirkung auf den Wettbewerb berücksichtigt werden, vor allem, wenn an einem Verstoß derselben
         Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren (Nr. 1 Buchst. A Abs. 6).
      
      357    Die Leitlinien sehen zwar nicht vor, dass die Höhe von Geldbußen anhand des Gesamtumsatzes oder des Umsatzes der Unternehmen
         auf dem betreffenden Markt berechnet wird. Sie schließen jedoch auch nicht aus, dass diese Umsätze bei der Bemessung der Geldbuße
         berücksichtigt werden, damit die allgemeinen Grundsätze des Unionsrechts gewahrt bleiben und wenn die Umstände es erfordern.
         Der Umsatz kann insbesondere eine Rolle spielen, wenn es um die Berücksichtigung der verschiedenen in den vorstehenden Randnrn.
         354 bis 356 angeführten Umstände geht (Urteile LR AF 1998/Kommission, oben in Randnr. 131 angeführt, Randnrn. 283 und 284,
         sowie Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, oben in Randnr. 283 angeführt, Randnr. 187).
      
      358    Im vorliegenden Fall hat die Kommission, nachdem sie in den Randnrn. 474 bis 479 der angefochtenen Entscheidung die Schwere
         der Zuwiderhandlung als solcher ermittelt hat, die sie als „besonders schwer“ eingestuft hat, gemäß dem in Nr. 1 Buchst. A
         der Leitlinien festgelegten Verfahren Gesichtspunkte berücksichtigt, die geeignet waren, bei der Behandlung der einzelnen
         Unternehmen zu differenzieren.
      
      359    Insoweit geht aus den Randnrn. 480 bis 491 der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die Kommission die tatsächliche wirtschaftliche
         Fähigkeit jedes Urhebers der Zuwiderhandlung, andere Wirtschaftsteilnehmer in erheblichem Umfang zu schädigen, sowie das jeweilige
         Gewicht der Zuwiderhandlung jedes einzelnen Unternehmens und damit deren tatsächliche Auswirkung auf den Wettbewerb berücksichtigt
         hat, um eine hinreichend abschreckende Wirkung der festgesetzten Geldbußen sicherzustellen.
      
      360    In den Randnrn. 481 und 482 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission die Auffassung vertreten, angesichts des weltweiten
         Charakters des Kartells sei es angebracht, für den Vergleich der jeweiligen Bedeutung der einzelnen Unternehmen den Anteil
         am weltweiten Umsatz zugrunde zu legen, den das fragliche Unternehmen im letzten vollen Kalenderjahr seiner Beteiligung an
         der festgestellten Zuwiderhandlung mit den GIS-Projekten erzielt habe. Nach Ansicht der Kommission war diese Grundlage geeignet,
         die Fähigkeit der einzelnen Unternehmen, andere Wirtschaftsteilnehmer im Gebiet des EWR zu schädigen, genau abzubilden und
         eine Aussage über den jeweiligen Beitrag zur Wirksamkeit des Kartells insgesamt bzw. die Instabilität zu treffen, in die das
         Kartell ohne Mitwirkung des Unternehmens geraten wäre.
      
      361    Bei der Bemessung des Grundbetrags der gegen Alstom verhängten Geldbuße hat sich die Kommission demgemäß auf den vom betroffenen
         Unternehmen im letzten vollen Kalenderjahr der Zuwiderhandlung mit GIS-Projekten erzielten weltweiten Umsatz bezogen und nicht,
         wie Alstom behauptet, auf den Umsatz mit GIS-Projekten, der während der gesamten Dauer der Zuwiderhandlung im Gebiet des EWR
         erzielt wurde. Der Klagegrund von Alstom geht daher in tatsächlicher Hinsicht fehl.
      
      362    Jedenfalls ergibt sich aus den vorstehenden Ausführungen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht von
         der in den Leitlinien genannten Methode abgewichen ist, nicht über den in Art. 15 der Verordnung Nr. 17 und Art. 23 der Verordnung
         Nr. 1/2003 festgelegten rechtlichen Sanktionsrahmen hinausgegangen ist und nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt
         hat, indem sie beschlossen hat, für die Beurteilung der Größe und Wirtschaftskraft, die jedes einzelne Unternehmen zur Zeit
         der Zuwiderhandlung besaß, grundsätzlich auf den vom jeweiligen Unternehmen im letzten vollen Kalenderjahr der Zuwiderhandlung
         erzielten weltweiten Umsatz mit GIS-Projekten abzustellen.
      
      363    Aufgrund dessen ist der Klagegrund einer Verletzung der Leitlinien, hilfsweise, einer Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit,
         zurückzuweisen.
      
       Kosten
      364    Nach Art. 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht, wenn jede Partei teils obsiegt, teils unterliegt, die Kosten teilen
         oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen Kosten trägt.
      
      365    Da in der Rechtssache T‑117/07 der Klage teilweise stattgegeben worden ist, erscheint es bei angemessener Berücksichtigung
         der Umstände des Falles geboten, der Kommission ein Zehntel der Kosten von Areva, der Areva T&D Holding, der Areva T&D SA
         und der Areva T&D AG sowie ein Zehntel ihrer eigenen Kosten aufzuerlegen. Areva, der Areva T&D Holding, der Areva T&D SA und
         der Areva T&D AG sind neun Zehntel ihrer eigenen Kosten und neun Zehntel der Kosten der Kommission aufzuerlegen.
      
      366    Da in der Rechtssache T‑121/07 der Klage teilweise stattgegeben worden ist, erscheint es bei angemessener Berücksichtigung
         der Umstände des Falles geboten, der Kommission ein Zehntel der Kosten von Alstom und ein Zehntel ihrer eigenen Kosten aufzuerlegen.
         Alstom sind neun Zehntel ihrer eigenen Kosten und neun Zehntel der Kosten der Kommission aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Zweite Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Rechtssachen T-117/07 und T-121/07 werden zu gemeinsamer Entscheidung verbunden.
      2.      Art. 2 Buchst. b und c der Entscheidung K(2006) 6762 endg. der Kommission vom 24. Januar 2007 in einem Verfahren nach Art. 81
            EG und Art. 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/F/38.899 – Gasisolierte Schaltanlagen) wird für nichtig geklärt.
      3.      Wegen der in Art. 1 Buchst. b bis f der Entscheidung K(2006) 6762 endg. festgestellten Zuwiderhandlungen werden folgende Geldbußen
            festgesetzt:
      –        Aktiengesellschaft Alstom: 10 327 500 Euro;
      –        Alstom: 48 195 000 Euro gesamtschuldnerisch mit der Areva T&D SA, wobei 20 400 000 Euro des von der Areva T&D SA zu zahlenden
            Betrags gesamtschuldnerisch von dieser sowie der Areva T&D AG, der Aktiengesellschaft Areva und der Areva T&D Holding SA zu
            zahlen sind.
      4.      Im Übrigen werden die Klagen abgewiesen.
      5.      In der Rechtssache T‑117/07 trägt die Kommission ein Zehntel der Kosten von Areva, der Areva T&D Holding, der Areva T&D SA
            und der Areva T&D AG sowie ein Zehntel ihrer eigenen Kosten. Areva, die Areva T&D Holding, die Areva T&D SA und die Areva
            T&D AG tragen neun Zehntel ihrer eigenen Kosten und neun Zehntel der Kosten der Kommission.
      6.      In der Rechtssache T‑121/07 trägt die Kommission ein Zehntel der Kosten der Aktiengesellschaft Alstom und ein Zehntel ihrer
            eigenen Kosten. Die Aktiengesellschaft Alstom trägt neun Zehntel ihrer eigenen Kosten und neun Zehntel der Kosten der Kommission.
      
               Pelikánová
            
            
               Jürimäe
            
            
               Soldevila Fragoso
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 3. März 2011.
      Unterschriften
      
      Inhaltsverzeichnis
      
      Vorgeschichte des Rechtsstreits
      Betroffenes Produkt
      Vom Verfahren betroffene Unternehmen
      Verwaltungsverfahren
      Angefochtene Entscheidung
      Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      Rechtliche Würdigung
      Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung von Art. 1 Buchst. b, c, d, e und f der angefochtenen Entscheidung
      Vorbemerkungen
      Zum Übergang der Alstom aufgrund der Beteiligung ihrer GIS‑Sparte an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 15. April 1988 bis
         6. Dezember 1992 treffenden persönlichen Haftung auf die Areva T&D SA und die Areva T&D AG
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur persönlichen Verantwortlichkeit von Alstom als 100%iger Muttergesellschaft der Alstom T&D SA und der Alstom T&D AG aufgrund
         der Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung im Zeitraum vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum Übergang der persönlichen Verantwortlichkeit von Alstom wegen Teilnahme des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung
         im Zeitraum vom 15. April 1988 bis 8. Januar 2004 auf die Gesellschaften der Areva‑Gruppe in Anbetracht der Veräußerung dieses
         Unternehmens an die Areva‑Gruppe
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur persönlichen Verantwortlichkeit der Areva T&D SA und der Areva T&D AG für die Beteiligung des betroffenen Unternehmens
         an der Zuwiderhandlung in den Zeiträumen vom 7. Dezember 1992 bis 8. Januar 2004 bzw. vom 22. Dezember 2003 bis 8. Januar
         2004
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur persönlichen Verantwortlichkeit der Areva und der Areva T&D Holding als 100%ige Muttergesellschaften der Areva T&D SA
         und der Areva T&D AG wegen Beteiligung des betroffenen Unternehmens an der Zuwiderhandlung in der Zeit vom 9. Januar bis 11.
         Mai 2004
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur Frage einer Unterbrechung der Alstom zugerechneten Zuwiderhandlung zwischen September 1999 und März 2002
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung oder Abänderung von Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung
      Zum Verstoß gegen die Verjährungsregeln betreffend die individuelle Geldbuße, die gegen Alstom in Art. 2 Buchst. b der angefochtenen
         Entscheidung verhängt wurde
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum Verstoß gegen die Regeln über die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung von Geldbußen, die sich aus Art. 81 EG
         und Art. 53 EWR‑Abkommen ergeben, zum Verstoß gegen Art. 7 EG, zum Verstoß gegen die Grundsätze der Rechtssicherheit, des
         Rückwirkungsverbots, der Gleichbehandlung, der Verhältnismäßigkeit, des Rechts auf einen effektiven Rechtsschutz, der individuellen
         Strafzumessung sowie zum Verstoß gegen die Begründungspflicht in Bezug auf die gegen Alstom und die Gesellschaften der Areva‑Gruppe
         in Art. 2 Buchst. c der angefochtenen Entscheidung festgesetzten Geldbußen
      
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum Verstoß gegen den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte und gegen Art. 27 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1/2003
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zur Erhöhung des Grundbetrags der in Art. 2 Buchst. b und c der angefochtenen Entscheidung gegen Alstom und die Gesellschaften
         der Areva-Gruppe festgesetzten Geldbußen
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum siebten von den Gesellschaften der Areva-Gruppe geltend gemachten Klagegrund, der auf einen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         sowie einen Verstoß gegen Art. 81 EG, Art. 53 des EWR-Abkommens und die Kronzeugenregelung gestützt wird, soweit die Kommission
         es abgelehnt habe, ihnen eine Ermäßigung ihrer Geldbuße wegen ihrer Kooperation im Verwaltungsverfahren zu gewähren
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum achten von Alstom geltend gemachten Klagegrund, der auf eine Verletzung der Leitlinien, hilfsweise, auf eine Verletzung
         des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit gestützt wird
      
      – Vorbringen der Parteien
      – Würdigung durch das Gericht
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Französisch.
      
      1 Nicht veröffentlichte vertrauliche Daten.