CELEX: 62003CJ0088
Language: de
Date: 2006-09-06 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 6. September 2006. # Portugiesische Republik gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Nichtigkeitsklage - Staatliche Beihilfen - Entscheidung 2003/442/EG - Von einer regionalen oder lokalen Körperschaft erlassene steuerliche Maßnahmen - Senkung der Einkommensteuer für natürliche und juristische Personen mit steuerlichem Sitz auf den Azoren - Qualifizierung als staatliche Beihilfe - Selektiver Charakter - Rechtfertigung durch die Natur und den inneren Aufbau des Steuersystems - Begründungspflicht - Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt. # Rechtssache C-88/03.

Rechtssache C‑88/03
      Portugiesische Republik
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Nichtigkeitsklage – Staatliche Beihilfen – Entscheidung 2003/442/EG – Von einer regionalen oder lokalen Körperschaft erlassene steuerliche Maßnahmen – Senkung der Einkommensteuer für natürliche und juristische Personen mit steuerlichem Sitz auf den Azoren – Qualifizierung als staatliche Beihilfe – Selektiver Charakter – Rechtfertigung durch die Natur und den inneren Aufbau des Steuersystems – Begründungspflicht – Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt“
      Schlussanträge des Generalanwalts L. A. Geelhoed vom 20. Oktober 2005 
      Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 6. September 2006 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Staatliche Beihilfen – Begriff – Selektivität der Maßnahme 
      (Artikel 87 Absatz 1 EG)
      2.     Staatliche Beihilfen – Begriff – Selektivität der Maßnahme 
      (Artikel 87 Absatz 1 EG)
      3.     Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Umfang 
      (Artikel 87 Absatz 1 EG und 253 EG)
      4.     Staatliche Beihilfen – Verbot – Ausnahmen – Ermessen der Kommission 
      (Artikel 87 Absatz 3 EG)
      1.     Artikel 87 Absatz 1 EG verbietet staatliche Beihilfen zur „Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige“ gegenüber
         anderen Unternehmen oder Produktionszweigen, die sich im Hinblick auf das mit der betreffenden Regelung verfolgte Ziel in
         einer vergleichbaren tatsächlichen und rechtlichen Situation befinden, d. h. selektive Beihilfen. Der Begriff der staatlichen
         Beihilfe erfasst jedoch staatliche Maßnahmen, die eine Differenzierung zwischen Unternehmen vornehmen und damit a priori selektiv
         sind, dann nicht, wenn diese Differenzierung aus der Natur oder dem inneren Aufbau der Lastenregelung folgt, mit der sie in
         Zusammenhang stehen.
      
      Eine Maßnahme, die eine Ausnahme von der Anwendung des allgemeinen Steuersystems darstellt, kann durch die Natur und den inneren
         Aufbau des Steuersystems gerechtfertigt sein, wenn der betreffende Mitgliedstaat nachweisen kann, dass sie unmittelbar auf
         den Grund- oder Leitprinzipien seines Steuersystems beruht. Insoweit ist zu unterscheiden zwischen den mit einer bestimmten
         Steuerregelung verfolgten Zielen, die außerhalb dieser Regelung liegen, und den dem Steuersystem selbst inhärenten Mechanismen,
         die zur Erreichung dieser Ziele erforderlich sind.
      
      (vgl. Randnrn. 52, 54, 81)
      2.     Für die Prüfung, ob eine Maßnahme selektiv ist, kommt der Bestimmung des Bezugsrahmens wesentliche Bedeutung zu; der Bezugsrahmen
         muss nicht zwangsläufig in den Grenzen des Staatsgebiets festgelegt werden.
      
      So ist zur Beurteilung der Selektivität einer Maßnahme, die von einer unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten
         Einrichtung erlassen wird, um nur für einen Teil des Gebietes eines Mitgliedstaats einen niedrigeren Steuersatz als im übrigen
         Gebiet dieses Staates festzusetzen, zu prüfen, ob die Maßnahme von dieser Einrichtung in Ausübung von Befugnissen erlassen
         worden ist, die gegenüber der Zentralgewalt ausreichend autonom sind, und gegebenenfalls, ob sie tatsächlich für alle im Zuständigkeitsgebiet
         dieser Einrichtung ansässigen Unternehmen oder dort vorhandenen Produktionszweige gilt.
      
      In einer Situation, in der eine regionale oder lokale Körperschaft in Ausübung von Befugnissen, die gegenüber der Zentralgewalt
         ausreichend autonom sind, einen unter dem nationalen Satz liegenden Steuersatz festsetzt, der ausschließlich für die Unternehmen
         in seinem Zuständigkeitsgebiet gilt, kann der maßgebende rechtliche Bezugsrahmen für die Beurteilung der Selektivität einer
         steuerlichen Maßnahme dann auf das betreffende geografische Gebiet beschränkt sein, wenn der unterhalb der nationalstaatlichen
         Ebene angesiedelten Einrichtung insbesondere aufgrund ihrer Stellung und ihrer Befugnisse eine grundlegende Rolle bei der
         Festlegung des politischen und wirtschaftlichen Umfelds zukommt, in dem die Unternehmen ihres Zuständigkeitsgebiets tätig
         sind.
      
      Damit davon ausgegangen werden kann, dass eine unter solchen Umständen getroffene Entscheidung in Ausübung von ausreichend
         autonomen Befugnissen erlassen wurde, muss sie von einer regionalen oder lokalen Körperschaft erlassen worden sein, der verfassungsrechtlich
         ein gegenüber der Zentralregierung eigener politischer und administrativer Status eingeräumt worden ist. Sodann muss sie getroffen
         worden sein, ohne dass die Zentralregierung die Möglichkeit hatte, ihren Inhalt unmittelbar zu beeinflussen. Schließlich dürfen
         die finanziellen Auswirkungen einer Senkung des nationalen Steuersatzes für die Unternehmen in der Region nicht durch Zuschüsse
         oder Subventionen aus den anderen Regionen oder von der Zentralregierung ausgeglichen werden.
      
      (vgl. Randnrn. 56-58, 62, 65-67)
      3.     Die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung muss dem Wesen des betreffenden Rechtsakts entsprechen und die Überlegungen
         des Gemeinschaftsorgans, das den beanstandeten Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die
         Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und der Gemeinschaftsrichter seine Kontrollaufgabe
         wahrnehmen kann. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu
         werden, da die Frage, ob die Begründung den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur anhand des Wortlauts des
         Rechtsakts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden
         Gebiet.
      
      Angewandt auf die Qualifizierung einer Beihilfemaßnahme verlangt dieser Grundsatz, dass die Gründe angeführt werden, aus denen
         die betreffende Maßnahme nach Ansicht der Kommission in den Anwendungsbereich des Artikels 87 Absatz 1 EG fällt. Dabei hat
         die Kommission auch in den Fällen, in denen sich aus den Umständen, unter denen die Beihilfe gewährt worden ist, ergibt, dass
         sie den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt und den Wettbewerb verfälscht oder zu verfälschen droht, zumindest
         diese Umstände in der Begründung ihrer Entscheidung anzugeben.
      
      (vgl. Randnrn. 88-89)
      4.     Die Kommission verfügt bei der Anwendung von Artikel 87 Absatz 3 EG über ein weites Ermessen, dessen Ausübung wirtschaftliche
         und soziale Wertungen voraussetzt, die in einem Gemeinschaftskontext vorzunehmen sind. Der Gemeinschaftsrichter darf bei der
         Kontrolle der Rechtmäßigkeit der Ausübung dieser Entscheidungsfreiheit die Beurteilung durch die Stelle, die die Entscheidung
         erlassen hat, nicht durch seine eigene Beurteilung ersetzen, sondern muss sich auf die Prüfung beschränken, ob diese Beurteilung
         offensichtlich irrig oder ermessensmissbräuchlich ist.
      
      (vgl. Randnr. 99)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Große Kammer)
      6. September 2006(*)
      
      „Nichtigkeitsklage – Staatliche Beihilfen – Entscheidung 2003/442/EG – Von einer regionalen oder lokalen Körperschaft erlassene steuerliche Maßnahmen – Senkung der Einkommensteuer für natürliche und juristische Personen mit steuerlichem Sitz auf den Azoren – Qualifizierung als staatliche Beihilfe – Selektiver Charakter – Rechtfertigung durch die Natur und den inneren Aufbau des Steuersystems – Begründungspflicht – Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt“
      In der Rechtssache C‑88/03
      betreffend eine Nichtigkeitsklage nach Artikel 230 EG, eingereicht am 24. Februar 2003,
      Portugiesische Republik, vertreten durch L. Fernandes als Bevollmächtigten im Beistand von J. da Cruz Vilaça und L. Romão, advogados, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      unterstützt durch
      Königreich Spanien, vertreten durch N. Díaz Abad als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      und
      Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, vertreten durch R. Caudwell als Bevollmächtigte im Beistand von D. Anderson, QC, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Streithelfer,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch V. Di Bucci und F. de Sousa Fialho als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Große Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten V. Skouris, der Kammerpräsidenten P. Jann, C. W. A. Timmermans, A. Rosas (Berichterstatter)
         und J. Malenovský, der Richter J.‑P. Puissochet und R. Schintgen, der Richterin N. Colneric sowie der Richter S. von Bahr,
         J. Klučka und U. Lõhmus,
      
      Generalanwalt: L. A. Geelhoed,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 6. September 2005,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 20. Oktober 2005
      folgendes
      Urteil
      1       Mit ihrer Klageschrift beantragt die Portugiesische Republik die Nichtigerklärung der Entscheidung 2003/442/EG der Kommission
         vom 11. Dezember 2002 über den Teil der Regelung zur Anpassung des portugiesischen Steuersystems an die besonderen Bedingungen
         der autonomen Region der Azoren, der die Einkommensteuersenkungen betrifft (ABl. 2003, L 150, S. 52, im Folgenden: angefochtene
         Entscheidung).
      
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
      2       Artikel 87 Absatz 1 EG bestimmt:
      „Soweit in diesem Vertrag nicht etwas anderes bestimmt ist, sind staatliche oder aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfen
         gleich welcher Art, die durch die Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verfälschen oder
         zu verfälschen drohen, mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar, soweit sie den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigen.“
         
      
      3       Die Mitteilung der Kommission vom 10. Dezember 1998 über die Anwendung der Vorschriften über staatliche Beihilfen auf Maßnahmen
         im Bereich der direkten Unternehmensbesteuerung (ABl. C 384, S. 3, im Folgenden: Mitteilung über staatliche Beihilfen im Bereich
         der direkten Besteuerung) hat nach ihrer Randnummer 2 Klarstellungen bezüglich der Einstufung als Beihilfe gemäß Artikel 87
         Absatz 1 EG im Fall steuerlicher Maßnahmen zum Gegenstand.
      
      4       Nach Artikel 87 Absatz 3 EG können als mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar angesehen werden: 
      „a)      Beihilfen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung von Gebieten, in denen die Lebenshaltung außergewöhnlich niedrig
         ist oder eine erhebliche Unterbeschäftigung herrscht;
      
      …
      c)      Beihilfen zur Förderung der Entwicklung gewisser Wirtschaftszweige oder Wirtschaftsgebiete, soweit sie die Handelsbedingungen
         nicht in einer Weise verändern, die dem gemeinsamen Interesse zuwiderläuft; 
      
      …“
      5       Artikel 299 Absatz 2 EG bestimmt, dass der Vertrag für die französischen überseeischen Departements, die Azoren, Madeira und
         die Kanarischen Inseln gilt. Der Gemeinschaftsgesetzgeber kann jedoch mit Rücksicht darauf, dass die strukturbedingte soziale
         und wirtschaftliche Lage dieser Gebiete durch bestimmte Faktoren erschwert wird, die als ständige Gegebenheiten und durch
         ihr Zusammenwirken die Entwicklung schwer beeinträchtigen, spezifische Maßnahmen beschließen, die insbesondere darauf abzielen,
         die Bedingungen für die Anwendung des Vertrages auf die genannten Gebiete festzulegen.
      
      6       Nach Ziffer 4.15 der Leitlinien der Kommission für staatliche Beihilfen mit regionaler Zielsetzung (ABl. 1998, C 74, S. 9)
         in der am 9. September 2000 geänderten Fassung (ABl. 2000, C 258, S. 5) (im Folgenden: Leitlinien für staatliche Beihilfen
         mit regionaler Zielsetzung) sind Regionalbeihilfen, mit denen die laufenden Ausgaben eines Unternehmens gesenkt werden sollen,
         also Betriebsbeihilfen, verboten. 
      
      7       Jedoch können nach Ziffer 4.16.2 dieser Leitlinien in Gebieten in äußerster Randlage, die unter die Ausnahmebestimmung des
         Artikels 87 Absatz 3 Buchstaben a und c EG fallen, Beihilfen auch dann genehmigt werden, wenn die Bedingungen der Degressivität
         beziehungsweise zeitlichen Begrenzung nicht erfüllt sind, soweit sie die aufgrund der in Artikel 299 Absatz 2 EG genannten
         Faktoren, die als ständige Gegebenheiten und durch ihr Zusammenwirken die Entwicklung dieser Gebiete schwer beeinträchtigen,
         entstehenden Mehrkosten bei der Ausübung einer Wirtschaftstätigkeit ausgleichen. In dieser Ziffer ist außerdem ausgeführt,
         dass es dem Mitgliedstaat obliegt, den Umfang dieser Mehrkosten zu veranschlagen und den Zusammenhang mit den genannten Faktoren
         nachzuweisen. Ferner müssen die Beihilfevorhaben aufgrund ihres Beitrags zur Regionalentwicklung und ihrer Art nach gerechtfertigt
         sein, und ihre Höhe muss in einem Verhältnis zu den auszugleichenden Mehrkosten stehen. 
      
       Nationales Recht
      8       Die Verfassung der Portugiesischen Republik vom 2. April 1976 bestimmt: „Die Inselgruppen Azoren und Madeira bilden autonome
         Regionen mit eigenem politisch-administrativem Status und eigenen Regierungseinrichtungen.“ Sie enthält hierzu einen Komplex
         von Vorschriften, in denen die Befugnisse, Aufgaben und Zuständigkeiten dieser Regionen sowie ihre politischen Organe und
         Verwaltungseinrichtungen geregelt sind.
      
      9       Aus diesen Vorschriften ergibt sich, dass den autonomen Regionen eigene Steuereinnahmen sowie nach einem Grundsatz der effektiven
         nationalen Solidarität ein Teil der Steuereinnahmen des Staates zustehen. Außerdem besteht eine ausschließliche Zuständigkeit
         der gesetzgebenden Versammlungen dieser Regionen, unter den in einem Rahmengesetz, das von der Assembleia da República erlassen
         wird, vorgesehenen Bedingungen eine eigene Steuerzuständigkeit auszuüben und die Steuern des Staates an die regionalen Besonderheiten
         anzupassen.
      
      10     Mit dem Gesetz Nr. 13/98 vom 24. Februar 1998 zur Regelung der Finanzen in den autonomen Regionen (lei n° 13/98, de 24 de
         Fevereiro, Lei de Finanças das Regiões Autónomas, Diário da República  I, Serie A, Nr. 46, vom 24. Februar 1998, S. 746, im Folgenden: Gesetz Nr. 13/98) hat der portugiesische Staat die Bedingungen
         dieser Finanzautonomie genau festgelegt. In diesem Gesetz sind die Grundsätze und die Ziele der regionalen Finanzautonomie
         niedergelegt, ferner ist darin die Koordinierung der Finanzen der autonomen Regionen mit den Staatsfinanzen vorgesehen und
         der Grundsatz der nationalen Solidarität sowie die Kooperationspflicht zwischen Staat und autonomen Regionen verankert. 
      
      11     Zur Kooperation zwischen Staat und autonomen Regionen sieht Artikel 5 Absätze 1 bis 3 des Gesetzes Nr. 13/98 u. a. vor: 
      „1.      In Durchführung der kraft Verfassung und Gesetzes bestehenden Solidaritätspflicht beteiligt sich der Staat unter Berücksichtigung
         seiner Haushaltslage und des Erfordernisses, die Gleichbehandlung aller Teile des Staatsgebiets zu sichern, zusammen mit den
         Behörden der autonomen Regionen an der Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklung, an der Korrektur der sich aus der geografischen
         Isolation ergebenden Ungleichheiten und an der Angleichung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse an das übrige Staatsgebiet
         und an die Europäische Union.
      
      2.      Die nationale Solidarität kommt insbesondere in finanzieller Hinsicht in der Übertragung der in diesem Gesetz vorgesehenen
         Haushaltsmittel zum Ausdruck und ist jederzeit dem Entwicklungsniveau der autonomen Regionen anzupassen, wobei vor allem anzustreben
         ist, dass die Voraussetzungen für eine bessere finanzielle Deckung aus deren eigenen Einnahmen geschaffen werden. 
      
      3.      Die nationale Solidarität soll einen fundamentalen Grundsatz der Gleichbehandlung aller Bürger Portugals gewährleisten und
         für sie alle die Möglichkeit des Zugangs zu den auf nationaler Ebene festgelegten Sozialpolitiken sichern sowie zur Angleichung
         der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse an das übrige Staatsgebiet und die … Union beitragen, und sie kommt insbesondere
         in der Übertragung der im Einklang mit diesem Gesetz zu bestimmenden Haushaltsmittel zum Ausdruck.“ 
      
      12     Wie in Begründungserwägung 7 der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, sieht das Gesetz Nr. 13/98 außerdem vor, dass die
         nationale Einkommensteuer der natürlichen und juristischen Personen eine Einnahmequelle der autonomen Regionen nach den von
         ihnen selbst festzulegenden Bedingungen ist. Nach Artikel 37 dieses Gesetzes sind die Gesetzgebenden Regionalversammlungen
         insbesondere dazu berechtigt, die in den autonomen Regionen nach der nationalen Gesetzgebung anwendbaren Einkommensteuersätze
         bis zu 30 % zu senken.
      
       Sonderregelung der Autonomen Region Azoren
      13     Mit der regionalen legislativen Verordnung Nr. 2/99/A vom 20. Januar 1999 in der durch die regionale legislative Verordnung
         Nr. 33/99/A vom 30. Dezember 1999 geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 2/99/A) hat die gesetzgebende Körperschaft
         der Region Azoren in Anwendung der ihr insoweit übertragenen Befugnisse die Modalitäten für die Anpassung des nationalen Steuersystems
         an die besonderen regionalen Bedingungen erlassen. Diese legislative Verordnung ist seit dem 1. Januar 1999 in Kraft und enthält
         u. a. einen Teil über Einkommensteuersenkungen.
      
      14     Diese Steuersenkungen gelten automatisch für alle Wirtschaftsteilnehmer (natürliche und juristische Personen). Den portugiesischen
         Behörden zufolge sollen sie vor allem die auf den Azoren ansässigen Unternehmen in die Lage versetzen, die strukturellen Nachteile
         zu überwinden, die sich aus ihrem Standort auf einer Insel und in einem Gebiet in äußerster Randlage ergeben. Deshalb wird
         allen natürlichen und juristischen Personen, die in der Region Azoren der Einkommensteuer bzw. der Körperschaftsteuer unterliegen,
         eine Steuersenkung in Höhe von 20 % (15 % im Jahr 1999) bei der Einkommensteuer und 30 % bei der Körperschaftssteuer gewährt.
         Die Kosten, die sich für den Haushalt aus dieser Maßnahme ergeben, werden von den portugiesischen Behörden auf der Grundlage
         der Steuermindereinnahmen auf jährlich ca. 26,25 Mio. EUR veranschlagt.
      
       Die angefochtene Entscheidung
      15     Mit Schreiben vom 5. Januar 2000 meldeten die portugiesischen Behörden bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
         eine Regelung zur Anpassung ihres nationalen Steuersystems an die besonderen Bedingungen der Autonomen Region Azoren an. Diese
         Regelung, die verspätet, und zwar auf ein Auskunftsverlangen hin, das die Kommissionsdienststellen am 7. Dezember 1999 aufgrund
         von Presseberichten gestellt hatten, angemeldet wurde und ohne Genehmigung der Kommission in Kraft trat, wurde in das Verzeichnis
         der nicht angemeldeten Beihilfen aufgenommen.
      
      16     Nach Prüfung der von den portugiesischen Behörden übermittelten Informationen beschloss die Kommission, hinsichtlich des Teils
         der Regelung, der die Senkung der Einkommen- und der Körperschaftsteuer betrifft, das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG
         einzuleiten. Im Rahmen dieses Verfahrens übermittelte die Regionalregierung der Ålandinseln (Finnland) der Kommission eine
         Stellungnahme, in der sie die Auffassung der portugiesischen Behörden unterstützte.
      
      17     Am Ende dieses Verfahrens erließ die Kommission die angefochtene Entscheidung.
      18     In Begründungserwägung 23 dieser Entscheidung verweist die Kommission unter Bezugnahmen auf ihre Mitteilung über staatliche
         Beihilfen im Bereich der direkten Besteuerung auf die Kriterien, mit denen eine staatliche Beihilfe im Sinne von Artikel 87
         Absatz 1 EG definiert wird. Die fragliche Maßnahme müsse ihren Begünstigten einen Vorteil verschaffen, durch den die ihnen
         normalerweise entstehenden Kosten gesenkt würden. Ein solcher Vorteil müsse unabhängig von seiner Form vom Staat oder aus
         staatlichen Mitteln gewährt werden. Die betreffende Maßnahme müsse sich auf den Wettbewerb und den Handel zwischen den Mitgliedstaaten
         auswirken. Schließlich müsse eine solche Maßnahme spezifisch oder selektiv sein, also bestimmte Unternehmen oder Produktionszweige
         begünstigen.
      
      19     In Begründungserwägung 24 der angefochtenen Entscheidung gelangt die Kommission zu dem Ergebnis, dass bei den fraglichen Steuersenkungen
         jedes dieser Kriterien erfüllt sei. Zu den ersten drei Kriterien führt sie insbesondere aus:
      
      „–      … Soweit die betreffenden Steuersenkungen auf Unternehmen angewandt werden, führt dies zu einem Vorteil, durch den die ihnen
         normalerweise entstehenden Kosten gesenkt werden.
      
      –      Die Gewährung von Steuersenkungen führt zu Steuermindereinnahmen, die … ‚der Verwendung staatlicher Mittel in Form von Steuerausgaben
         gleichkommen’. Soweit dieses Prinzip auch auf Beihilfen anwendbar ist, die von regionalen und lokalen Einrichtungen der Mitgliedstaaten
         gewährt werden …, werden die betreffenden Steuersenkungen aus staatlichen Mitteln oder aus Mitteln gewährt, die im portugiesischen
         Staatshaushalt der autonomen Region der Azoren zugewiesen sind.
      
      –      Das Kriterium, wonach sich die Maßnahme auf den Wettbewerb und den Handel zwischen den Mitgliedstaaten auswirken soll, setzt
         voraus, dass der von ihr Begünstigte unabhängig von seiner Rechtsform oder Finanzierungsweise eine Wirtschaftstätigkeit ausübt.
         Nach ständiger Rechtsprechung ist diese Voraussetzung der Auswirkung auf den Handel erfüllt, wenn die begünstigten Unternehmen
         eine Wirtschaftstätigkeit ausüben, die Gegenstand des Handels zwischen den Mitgliedstaaten ist … Unter Berücksichtigung des
         Umfangs ihrer branchenbezogenen Anwendung und soweit zumindest ein Teil der fraglichen Unternehmen eine Wirtschaftstätigkeit
         ausübt, die Gegenstand des Handels zwischen den Mitgliedstaaten ist, [ist dies bei den betrachteten Steuersenkungen der Fall].“
      
      20     Zum Kriterium der Selektivität verweist die Kommission auf Randummer 17 ihrer Mitteilung über staatliche Beihilfen im Bereich
         der direkten Besteuerung. Dort heißt es, die bisherige Entscheidungspraxis der Kommission zeige, „dass sich nur die Maßnahmen,
         die im gesamten Mitgliedstaat Anwendung finden, dem in Artikel 87 Absatz 1 [EG] festgelegten Kriterium des selektiven Charakters
         entziehen“ und „der EG-Vertrag selbst Maßnahmen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region als Beihilfen
         ein[stuft]“. Nach Auffassung der Kommission stellen die fraglichen Steuersenkungen für die in einer bestimmten Region Portugals
         ansässigen Unternehmen einen Vorteil dar, der den Unternehmen, die in anderen Regionen Portugals vergleichbare wirtschaftliche
         Tätigkeiten ausüben wollten, nicht zugestanden werde. Sie begünstigten daher im Sinne von Artikel 87 Absatz 1 EG die in der
         Region Azoren steuerpflichtigen Unternehmen gegenüber allen anderen portugiesischen Unternehmen (Begründungserwägung 24 der
         angefochtenen Entscheidung).
      
      21     Die Kommission stützt dieses Ergebnis auf folgende, in den Begründungserwägungen 26, 27, 31 und 33 der angefochtenen Entscheidung
         dargelegte Überlegungen.
      
      22     Erstens könne das Kriterium der Selektivität beim Begriff der Beihilfe, da es auf einem Vergleich zwischen zwei Gruppen von
         Unternehmen innerhalb ein und desselben Bezugsrahmens (Unternehmen, denen der Vorteil zugestanden werde, und Unternehmen,
         denen er nicht zugestanden werde) beruhe, nur aufgrund einer als normal definierten Besteuerung festgestellt werden. Nach
         Auffassung der Kommission „ergibt sich aus der Ökonomie des Vertrages, der die vom Staat oder aus staatlichen Mitteln zu gewährenden
         Beihilfen regelt, sowie aus der grundlegenden Rolle, die [den Zentralbehörden der Mitgliedstaaten] bei der Definition des
         politischen und wirtschaftlichen Umfelds, in dem die Unternehmen tätig sind, durch ihre Maßnahmen, durch die von ihnen erbrachten
         Leistungen sowie eventuell durch von ihnen getätigte Finanztransaktionen [zukommt], dass der Bezugsrahmen, innerhalb dessen
         ein solcher Vergleich vorzunehmen ist, der Wirtschaftsraum des Mitgliedstaats ist. … Die ständige Praxis der Kommission …
         besteht … darin, solche steuerlichen Regelungen als Beihilfen einzustufen, die in bestimmten Regionen oder Territorien gelten
         und im Vergleich zur allgemeinen Regelung in einem Mitgliedstaat vorteilhaft sind …“
      
      23     Zweitens sei die von den portugiesischen Behörden vertretene Auffassung, dass Vergünstigungen mit begrenztem regionalem Umfang
         als allgemeine Maßnahmen in der betreffenden Region einzustufen seien, nur weil sie nicht von der Zentralbehörde, sondern
         von der Regionalbehörde eingeführt worden seien und in der gesamten der regionalen Gerichtsbarkeit unterliegenden Region anwendbar
         seien, unvereinbar mit dem Begriff der Beihilfe, der sämtliche Eingriffe umfasse, die die einem oder mehreren Unternehmen
         normalerweise entstehenden Kosten senkten, und dies unabhängig von ihrem Zweck, ihrer Begründung, ihrem Ziel und vom Status
         der öffentlichen Behörde, die sie angeordnet habe oder aus deren Haushalt sie finanziert würden. „Eine Unterscheidung, die
         allein anhand der Stelle erfolgt, die über die Maßnahme entscheidet, würde Artikel 87 [EG], [der] die betreffenden Maßnahmen
         ausschließlich [nach ihren Auswirkungen] auf den Wettbewerb und den Handel in der Gemeinschaft [erfassen soll, jede praktische
         Wirksamkeit nehmen] …“ 
      
      24     Die Kommission fügt hinzu, dass „die vorliegende Entscheidung sich nicht auf einen Mechanismus bezieht, der sämtlichen lokalen
         Gebietskörperschaften einer bestimmten Ebene (Regionen, Bezirke oder andere) die Einführung und Erhebung von lokalen Steuern
         ohne Bezug zur nationalen Besteuerung gestattet. Im vorliegenden Fall handelt es sich dagegen um eine allein auf den Azoren
         anwendbare Steuersenkung, die von der nationalen Gesetzgebung festgelegt wurde und auf dem portugiesischen Festland anwendbar
         ist. [Unter diesen Umständen ist offensichtlich, dass die von den regionalen Behörden erlassene Maßnahme eine Ausnahme vom
         nationalen Steuersystem darstellt.]“
      
      25     Drittens könnten die genannten Steuersenkungen nicht durch die Natur oder den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems
         gerechtfertigt sein. „Soweit diese Senkungen insbesondere nicht durch Anwendung des Prinzips der Verhältnismäßigkeit oder
         der steuerlichen Progressivität bedingt sind, sondern im Gegenteil die in einer spezifischen Region ansässigen Unternehmen
         unabhängig von ihrer finanziellen Situation [begünstigen, können die ihnen zugeschriebenen regionalen Entwicklungsziele] nicht
         als Bestandteile des portugiesischen Steuersystems eingestuft werden.“
      
      26     Nachdem sie die fraglichen Maßnahmen in Begründungserwägung 34 der angefochtenen Entscheidung als staatliche Beihilfen eingestuft
         hat, vertritt die Kommission in Begründungserwägung 35 die Auffassung, dass diese Beihilfen Betriebsbeihilfen darstellten,
         da sie zum Ziel hätten, die dauerhaften strukturellen Nachteile, die sich aus der Insellage der Azoren und ihrer Abgelegenheit
         im Verhältnis zu den Wirtschaftszentren auf dem Festland ergäben, durch Senkung der laufenden Ausgaben der Unternehmen zu
         überwinden. Solche Beihilfen könnten nur genehmigt werden, wenn sie darauf gerichtet seien, die Mehrkosten für die Ausübung
         der Wirtschaftstätigkeit zu senken, die auf die in Artikel 299 Absatz 2 EG dargelegten Nachteile zurückgingen, und dies unter
         Einhaltung der in Ziffer 4.16.2 der Leitlinien für staatliche Beihilfen mit regionaler Zielsetzung festgelegten Bedingungen,
         d. h., wenn sie aufgrund ihres Beitrags zur Regionalentwicklung und ihrer Art nach gerechtfertigt seien und ihre Höhe in einem
         Verhältnis zu den auszugleichenden Mehrkosten stehe. 
      
      27     Hierzu macht die Kommission in Begründungserwägung 38 der angefochtenen Entscheidung geltend, sie könne die fraglichen Steuersenkungen,
         soweit sie für Unternehmen gälten, die „außerhalb des Finanzbereichs tätig“ seien, als Beihilfen ansehen, die nach der Ausnahmeregelung
         des Artikels 87 Absatz 3 Buchstabe a EG mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar seien. 
      
      28     Dagegen seien die Steuersenkungen, soweit sie für im Finanzbereich tätige Unternehmen gälten, nicht aufgrund ihres Beitrags
         zur Regionalentwicklung gerechtfertigt, und ihre Höhe stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den durch sie auszugleichenden
         Nachteilen. Die Kommission könne daher nicht davon ausgehen, dass diese Senkungen mit dem Gemeinsamen Markt vereinbare Beihilfen
         im Sinne von Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG seien, zumal weiterhin quantifizierte Daten fehlten, die eine objektive Berechnung
         der Höhe der von den auf den Azoren im Finanzbereich tätigen Unternehmen zu tragenden Mehrkosten ermöglichen würden. Diese
         Beihilfen könnten auch nicht unter eine andere vom Vertrag vorgesehene Ausnahmeregelung fallen.
      
      29     In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission in Begründungserwägung 18 der angefochtenen Entscheidung
         in Bezug auf die von den portugiesischen Behörden übermittelte Studie bemerkt, dass sich in der Grundstichprobe kein im Finanzbereich
         tätiges Unternehmen befinde. Die portugiesischen Behörden hätten sich darauf beschränkt, dieses Fehlen mit dem Mangel an statistischen
         Daten in Bezug auf diese Tätigkeiten zu rechtfertigen, und hätten somit anerkannt, dass sie im Hinblick auf diese Wirtschaftstätigkeiten
         nicht eindeutig nachweisen könnten, dass die fraglichen Steuersenkungen ihrer Art und Höhe nach geeignet seien, die spezifischen
         Probleme der Region Azoren zu lösen. 
      
      30     Außerdem führt die Kommission in Begründungserwägung 42 der angefochtenen Entscheidung weiter aus, dass „Tätigkeiten des Typs
         ‚gruppeninterne Dienstleistungen‘ (Tätigkeiten, deren wirtschaftliche Grundlage darin besteht, Dienstleistungen gegenüber
         Unternehmen der gleichen Gruppe zu erbringen, wie [Koordinierungszentren, Einnahmepools oder Verteilungszentren])“ aus Gründen
         der Transparenz und der Rechtssicherheit ebenfalls von einer Entscheidung über die Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt
         ausgenommen werden müssten. Nach ihrer Auffassung tragen nämlich „solche Wirtschaftstätigkeiten nicht in ausreichendem Maße
         zur Regionalentwicklung [bei] und [können] daher weder kraft Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a [EG] noch aufgrund sonstiger
         vom Vertrag vorgesehener Ausnahmeregelungen für vereinbar erklärt werden …, und zwar aus denselben Gründen, die im Zusammenhang
         mit den Tätigkeiten im Finanzbereich aufgeführt wurden“.
      
      31     Demzufolge erklärt die Kommission in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung den Teil der Regelung zur Anpassung des portugiesischen
         Steuersystems an die besonderen Bedingungen der Autonomen Region Azoren, der die Einkommensteuersenkungen betrifft, für mit
         dem Gemeinsamen Markt vereinbar vorbehaltlich der Bestimmungen gemäß Artikel 2 der Entscheidung, wonach der Teil der in Artikel
         1 genannten Beihilferegelung mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar ist, soweit er für Unternehmen gilt, die finanzielle Tätigkeiten
         oder Tätigkeiten des Typs „gruppeninterne Dienstleistungen“ ausüben. In Artikel 3 der angefochtenen Entscheidung gibt die
         Kommission Portugal auf, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um die Beihilfen, die aufgrund des in Artikel 1 genannten
         Teils der Beihilferegelung gezahlt worden sind, von den Unternehmen zurückzufordern, die die in Artikel 2 genannten Tätigkeiten
         ausüben.
      
       Anträge der Parteien
      32     Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 16. September 2003 ist das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland
         als Streithelfer zur Unterstützung der Anträge der Portugiesischen Republik zugelassen worden. 
      
      33     Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 9. Juni 2005 ist das Königreich Spanien als Streithelfer zur Unterstützung
         der Anträge der Portugiesischen Republik zugelassen worden.
      
      34     Die Portugiesische Republik beantragt,
      –      die vorliegende Klage für zulässig zu erklären;
      –      der vorliegenden Klage stattzugeben und folglich die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit darin die Senkung
         der Einkommensteuer für natürliche und juristische Personen mit steuerlichem Sitz auf den Azoren als staatliche Beihilfen
         eingestuft werden;
      
      –      hilfsweise, der vorliegenden Klage stattzugeben und die angefochtene Entscheidung teilweise für nichtig zu erklären, soweit
         darin die Senkung der Körperschaftsteuer für im Finanzbereich tätige Unternehmen und für Unternehmen, die Tätigkeiten des
         Typs „gruppeninterne Dienstleistungen“ ausüben, für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt und der Portugiesischen
         Republik in Artikel 3 aufgegeben wird, den betreffenden Betrag zurückzufordern;
      
      –      der Kommission sämtliche Verfahrenskosten aufzuerlegen einschließlich der Kosten, die der Portugiesischen Republik entstanden
         sind.
      
      35     Die Kommission beantragt,
      –      die Klage als unbegründet abzuweisen;
      –      der Portugiesischen Republik die Kosten aufzuerlegen.
      36     Das Vereinigte Königreich, das als Streithelfer die Anträge Portugals unterstützt, beantragt, der Klage stattzugeben und folglich
         die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit darin die Senkung der Einkommen- und der Körperschaftsteuer
         für natürliche und juristische Personen mit steuerlichem Wohnsitz oder Sitz auf den Azoren als staatliche Beihilfe eingestuft
         wird.
      
       Zur Klage
      37     Die portugiesische Regierung stützt ihre Klage auf drei Klagegründe. Erstens werde Artikel 87 Absatz 1 EG in der angefochtenen
         Entscheidung in zweifacher Hinsicht rechtsfehlerhaft angewandt. Zweitens sei die Entscheidung nicht ausreichend begründet,
         was einen Verstoß gegen Artikel 253 EG darstelle. Drittens liege eine offensichtlich fehlerhafte Beurteilung der Tatsachen
         vor, die Voraussetzung für die Anwendung von Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG seien.
      
       Zum ersten Klagegrund: Rechtsfehlerhafte Anwendung von Artikel 87 Absatz 1 EG 
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      38     Mit ihrem ersten Klagegrund macht die portugiesische Regierung geltend, dass die in der Verordnung Nr. 2/99/A vorgesehenen
         Steuersenkungen zugunsten der auf den Azoren ansässigen natürlichen und juristischen Personen keine selektiven, sondern allgemeine
         Maßnahmen seien und dass die Differenzierung, die diese Senkungen im Bereich der Kosten bewirkten, jedenfalls durch die Natur
         oder den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems gerechtfertigt sei. 
      
      39     Zur Beurteilung des selektiven Charakters dieser Maßnahmen trägt die portugiesische Regierung zunächst vor, dass die Kommission
         zu Unrecht das gesamte portugiesische Staatsgebiet als Bezugsrahmen herangezogen habe. Um die Selektivität einer Maßnahme
         zu beurteilen, sei die Maßnahme nicht zwangsläufig in einem nationalen Bezugsrahmen zu betrachten. So müsse, wenn eine unterhalb
         der nationalstaatlichen Ebene angesiedelte Behörde für den ihrer Zuständigkeit unterliegenden Teil des Hoheitsgebiets steuerliche
         Vergünstigungen gewähre, die auf einen Teil des Hoheitsgebiets beschränkt seien, die betreffende Region der Bezugsrahmen sein.
         Da unter solchen Voraussetzungen gewährte steuerliche Vergünstigungen für alle Unternehmen gälten, die in dieser Region steuerpflichtig
         seien, handele es sich um allgemeine und nicht um selektive Maßnahmen.
      
      40     Sodann gingen die fraglichen Steuersenkungen unmittelbar auf die Grundprinzipien des portugiesischen Steuersystems, insbesondere
         die Grundsätze der Umverteilung und der nationalen Solidarität, sowie auf den Grad der Autonomie der betreffenden Region zurück.
         Sie seien das Ergebnis der Ausübung der in der Verfassung verankerten Souveränität und beruhten auf den Faktoren, die in Artikel
         299 Absatz 2 EG festgelegt seien, nämlich Insellage, schwierige Klimabedingungen und wirtschaftliche Abhängigkeit der Azoren
         von einigen wenigen Erzeugnissen. 
      
      41     Jedenfalls sei in der angefochtenen Entscheidung nicht der Umstand berücksichtigt, dass die fraglichen Steuersenkungen durch
         die Natur und den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems gerechtfertigt seien. Diese Maßnahmen trügen zur Verwirklichung
         der strukturellen Zielsetzungen des portugiesischen Steuersystems, nämlich einer Verteilung der Steuerlast im Einklang mit
         der Steuerkraft zum Zweck der Umverteilung, bei. Außerdem bestünden zwischen den Steuerpflichtigen, die auf dem portugiesischen
         Festland, und denjenigen, die auf den Azoren ansässig seien, objektive Unterschiede. Diese beiden Faktoren gingen im Übrigen
         unmittelbar auf die Verfassungs- und Gesetzesbestimmungen zurück, die die Grundprinzipien des portugiesischen Steuersystems
         und die Autonomie der Gebiete in äußerster Randlage festlegten. 
      
      42     Die Kommission trägt vor, aus dem System des EG-Vertrags ergebe sich, dass die Selektivität einer Maßnahme anhand des nationalen
         Bezugsrahmens zu beurteilen sei. Die Region, die die Maßnahme erlassen habe, als Bezugsrahmen heranzuziehen, widerspreche
         der Funktion und dem Sinn der Vertragsvorschriften über die staatlichen Beihilfen. Selbst bei Fehlen einer materiellen Selektivität
         hätten die Vorteile, die den Unternehmen vorbehalten seien, die in bestimmten Regionen eines Mitgliedstaats tätig seien, selektiven
         Charakter und könnten somit staatliche Beihilfen darstellen. Im vorliegenden Fall begünstigten die streitigen Steuersenkungen
         die Unternehmen, die in der Region Azoren steuerpflichtig seien, gegenüber allen anderen portugiesischen Unternehmen, da in
         den kontinentalen Regionen Portugals die fraglichen nationalen Steuern von den lokalen Behörden nicht ermäßigt werden könnten
         und daher in voller Höhe gälten; dies sei ausreichend, um die streitige Maßnahme als selektiv im Sinne von Artikel 87 Absatz
         1 EG anzusehen. Dass die fraglichen Steuersenkungen von einer anderen Körperschaft als dem Zentralstaat beschlossen worden
         seien, sei unerheblich: Für die Einstufung einer Maßnahme könnten nur deren Wirkungen und nicht ihre Form berücksichtigt werden.
      
      43     Außerdem sei die der Autonomen Region Azoren eingeräumte Autonomie in Wirklichkeit begrenzt. Der portugiesische Zentralstaat
         spiele bei der Definition der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, innerhalb deren die Unternehmen ihren Geschäften nachgingen,
         nach wie vor eine grundlegende Rolle. Zum Beispiel kämen den auf den Azoren tätigen Unternehmen die vom Zentralstaat finanzierte
         Infrastruktur und das System der sozialen Sicherheit zugute, für dessen finanzielles Gleichgewicht der Zentralstaat sorge.
         Im Übrigen würden die Steuermindereinnahmen, die sich für die betreffende Region aus den fraglichen Steuersenkungen ergäben,
         im Haushaltsplan indirekt ausgeglichen, und zwar durch Mittel, die der Zentralstaat nach dem Grundsatz der finanziellen Solidarität
         übertrage. 
      
      44     Zur Frage der Rechtfertigung der streitigen Steuervergünstigungen durch die Natur und den inneren Aufbau des portugiesischen
         Steuersystems trägt die Kommission vor, dass diese nur dann bejaht werden könne, wenn die Vergünstigungen auf objektiven Unterschieden
         zwischen den Steuerpflichtigen beruhten. Dies sei bei den fraglichen Steuersenkungen aber nicht der Fall, da sie für alle
         auf den Azoren ansässigen Unternehmen gälten, unabhängig von deren finanzieller Lage, und sich aus den wirtschaftlichen Merkmalen
         der Region ergäben, die außerhalb des Steuersystems lägen. Der Begriff „Natur oder innerer Aufbau des Systems“ beziehe sich
         auf die innere Logik des Systems von Pflichtabgaben und auf erforderliche und angemessene technische Differenzierungen, mit
         denen den objektiv unterschiedlichen Situationen, auf die das System Anwendung finde, Rechnung getragen werden solle und die
         dem Erfordernis entsprächen, dass ein solches System in allen von ihm erfassten Fällen bestmöglich funktioniere.
      
      45     Die Regierung des Vereinigten Königreichs, die als Streithelferin die Portugiesische Republik unterstützt, konzentriert ihre
         Argumentation auf die Beurteilung des Kriteriums der Selektivität. Sie widerspricht dem Vorbringen der Kommission, dass Maßnahmen,
         die nicht für das gesamte Gebiet eines Mitgliedstaats gälten, das Kriterium der Selektivität im Sinne von Artikel 87 Absatz
         1 EG erfüllten, und führt aus, dass dieses Kriterium bei steuerlichen Maßnahmen einer dezentralisierten oder autonomen Region,
         die für ihr gesamtes Zuständigkeitsgebiet gälten und nicht branchenspezifisch seien, durchaus auch nicht erfüllt sein könne.
         
      
      46     Wenn, wie im vorliegenden Fall, der Gesetzgeber einer autonomen Region Steuersätze festlege, die einheitlich für die gesamte
         Region unter den Sätzen lägen, die aufgrund einer Entscheidung des nationalen Gesetzgebers für die übrigen Teile des Mitgliedstaats
         Anwendung fänden, so könne die Selektivität der Maßnahme nicht allein daraus abgeleitet werden, dass für die anderen Gebiete
         ein anderes Besteuerungsniveau gelte. Je nach den Umständen sei diese Selektivität im Rahmen der Region selbst zu beurteilen
         und nicht im Rahmen des gesamten Mitgliedstaats. Dies sei der Fall, wenn die in einem Verfassungssystem eingeräumte fiskalische
         Autonomie ausreiche, um die von einer lokalen Körperschaft gewährte Steuererleichterung als von einer autonomen oder dezentralisierten
         Region gewährt anzusehen, die dazu nicht nur befugt sei, sondern überdies die finanziellen und politischen Auswirkungen dieser
         Entscheidung tragen müsse. 
      
      47     Daher hätte die Kommission, bevor sie die gegenüber den nationalen Steuersätzen ermäßigten regionalen Steuersätze als staatliche
         Beihilfe qualifiziert habe, den Grad der Autonomie der unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten Körperschaft,
         die diese Steuersätze gesenkt habe, berücksichtigen müssen, und zwar im Hinblick auf mehrere Faktoren wie den Umstand, dass
         die Zuständigkeit auf dem Gebiet der Steuern in ein Verfassungssystem eingebettet sei, das der Region eine erhebliche politische
         Autonomie übertrage, sowie den Umstand, dass die Entscheidung über die Steuersenkung von einem Organ getroffen worden sei,
         das von der Bevölkerung der fraglichen Region gewählt oder ihm zur Rechenschaft verpflichtet sei, und den Umstand, dass die
         finanziellen Auswirkungen dieser Entscheidung von der Region getragen und nicht durch Zuschüsse oder Subventionen anderer
         Regionen oder der Zentralregierung ausgeglichen würden.
      
      48     Die Beurteilung der Natur eines regionalen Steuersystems unter dem Gesichtspunkt der staatlichen Beihilfen werfe weiter gehende
         Probleme in Bezug auf die regionale Autonomie auf, denen auf Verfassungsebene eine sehr große Bedeutung zukomme. Insbesondere
         könnte das Verfassungssystem der „asymmetrischen“ Dezentralisierung des Vereinigten Königreichs in Bezug auf die Stellung
         Schottlands und Nordirlands in Frage gestellt werden. 
      
      49     Das Königreich Spanien, das als Streithelfer ebenfalls die Portugiesische Republik unterstützt, weist darauf hin, dass die
         Dezentralisierung, so vorhanden, Teil des verfassungsrechtlichen Rahmens des Mitgliedstaats sei. Würde der Auffassung der
         Kommission gefolgt, so würde daher dieser verfassungsrechtlichen Struktur nicht Rechnung getragen, insbesondere da für die
         Politik der Direktbesteuerung weiterhin eine eigene Befugnis der Mitgliedstaaten bestehe.
      
      50     Die Kommission bestreitet in ihrer Stellungnahme zum Streithilfeschriftsatz des Vereinigten Königreichs, dass der in der angefochtenen
         Entscheidung vertretene Ansatz Schottland oder Nordirland an der Ausübung der ihnen auf fiskalischem Gebiet eingeräumten Befugnisse
         hindern könne. 
      
      51     Sie fügt hinzu, dass die Gleichbehandlung von in einer bestimmten Region geltenden Steuersenkungen, die auf nationaler Ebene
         beschlossen würden, und von entsprechenden Steuersenkungen, die von einer regionalen Einrichtung beschlossen würden, dem Grundsatz
         entspreche, dass für den Beihilfebegriff auf die Auswirkungen der Maßnahme auf die Unternehmen oder Erzeuger und nicht auf
         die Gründe oder Ziele der Beihilfe oder die Stellung der für ihre Verteilung und Verwaltung zuständigen Einrichtungen abzustellen
         sei (Urteile vom 2. Juli 1974 in der Rechtssache 173/73, Italien/Kommission, Slg. 1974, 709, Randnrn. 27 und 28, sowie vom
         22. März 1977 in der Rechtssache 78/76, Steinike und Weinlig, Slg. 1977, 595, Randnr. 21). Dagegen seien die vom Vereinigten
         Königreich vorgeschlagenen Kriterien, wonach die Selektivität einer Maßnahme „je nach den Umständen“ im Rahmen der Region
         oder im Kontext des Mitgliedstaats in seiner Gesamtheit zu beurteilen sei, mit diesem Grundsatz unvereinbar und führten zu
         einer Rechtsunsicherheit, die die Kontrolle der staatlichen Beihilfe beeinträchtigen könnte. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      52     Artikel 87 Absatz 1 EG verbietet staatliche Beihilfen zur „Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige“, d. h.
         selektive Beihilfen (vgl. Urteil vom 15. Dezember 2005 in der Rechtssache C‑66/02, Italien/Kommission, Slg. 2005, I‑10901,
         Randnr. 94). Nach ständiger Rechtsprechung erfasst jedoch der Begriff der staatlichen Beihilfe staatliche Maßnahmen, die eine
         Differenzierung zwischen Unternehmen vornehmen und damit a priori selektiv sind, dann nicht, wenn diese Differenzierung aus
         der Natur oder dem inneren Aufbau der Lastenregelung folgt, mit der sie in Zusammenhang stehen (vgl. in diesem Sinne Urteile
         vom 2. Juli 1974, Italien/Kommission, Randnr. 33, und vom 15. Dezember 2005 in der Rechtssache C‑148/04, Unicredito Italiano,
         Slg. 2005, I‑11137, Randnr. 51).
      
      53     Daher ist zunächst zu prüfen, ob die fraglichen Steuersenkungen selektiven Charakter haben und, wenn ja, ob diese Maßnahmen,
         wie die portugiesische Regierung vorträgt, durch die Natur und den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems gerechtfertigt
         sind.
      
      54     Zur Beurteilung des Merkmals der Selektivität, das zum Begriff der staatlichen Beihilfe gehört, verlangt Artikel 87 Absatz
         1 EG nach ständiger Rechtsprechung die Feststellung, ob eine nationale Maßnahme im Rahmen einer bestimmten rechtlichen Regelung
         geeignet ist, „bestimmte Unternehmen oder Produktionszweige“ gegenüber anderen Unternehmen oder Produktionszweigen zu begünstigen,
         die sich im Hinblick auf das mit der betreffenden Regelung verfolgte Ziel in einer vergleichbaren tatsächlichen und rechtlichen
         Situation befinden (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 8. November 2001 in der Rechtssache C‑143/99, Adria-Wien Pipeline und
         Wietersdorfer & Peggauer Zementwerke, Slg. 2001, I‑8365, Randnr. 41, vom 29. April 2004 in der Rechtssache C‑308/01, GIL Insurance
         u. a., Slg. 2004, I‑4777, Randnr. 68, und vom 3. März 2005 in der Rechtssache C‑172/03, Heiser, Slg. 2005, I‑1627, Randnr.
         40).
      
      55     Einer solchen Feststellung bedarf es auch bei einer Maßnahme, die nicht vom nationalen Gesetzgeber, sondern von einer unterhalb
         der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten Behörde erlassen wurde, da eine von einer Gebietskörperschaft und nicht vom Zentralstaat
         erlassene Maßnahme eine Beihilfe darstellen kann, wenn die Tatbestandsmerkmale des Artikels 87 Absatz 1 EG erfüllt sind (vgl.
         Urteil vom 14. Oktober 1987 in der Rechtssache 248/84, Deutschland/Kommission, Slg. 1987, 4013, Randnr. 17). 
      
      56     Folglich ist zur Beurteilung der Selektivität der fraglichen Maßnahme zu prüfen, ob sie im Rahmen einer bestimmten rechtlichen
         Regelung bestimmte Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen, die sich in einer vergleichbaren tatsächlichen und rechtlichen
         Situation befinden, begünstigt. Der Bestimmung des Bezugsrahmens kommt im Fall von steuerlichen Maßnahmen eine besondere Bedeutung
         zu, da das tatsächliche Vorliegen einer Vergünstigung nur in Bezug auf eine so genannte „normale“ Besteuerung festgestellt
         werden kann. Der normale Steuersatz ist der Satz, der in dem geografischen Gebiet gilt, das den Bezugsrahmen bildet.
      
      57     Der Bezugsrahmen muss dabei nicht zwangsläufig in den Grenzen des Staatsgebiets des betreffenden Mitgliedstaats festgelegt
         werden, so dass eine Maßnahme, die nur für einen Teil des Staatsgebiets eine Vergünstigung gewährt, nicht schon deshalb selektiv
         im Sinne von Artikel 87 Absatz 1 EG ist. 
      
      58     Es ist nicht auszuschließen, dass eine unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelte Einrichtung aufgrund ihrer rechtlichen
         und tatsächlichen Stellung gegenüber der Zentralregierung eines Mitgliedstaats so autonom ist, dass sie – und nicht die Zentralregierung
         – durch die von ihr erlassenen Maßnahmen eine grundlegende Rolle bei der Festlegung des politischen und wirtschaftlichen Umfelds
         spielt, in dem die Unternehmen tätig sind. In einem solchen Fall bildet das Zuständigkeitsgebiet der unterhalb der nationalstaatlichen
         Ebene angesiedelten Einrichtung, die die Maßnahme erlassen hat, und nicht das gesamte Staatsgebiet den maßgebenden Kontext
         für die Prüfung der Frage, ob eine Maßnahme einer solchen Einrichtung bestimmte Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen
         begünstigt, die sich im Hinblick auf das mit ihr oder der betreffenden rechtlichen Regelung verfolgte Ziel in einer vergleichbaren
         tatsächlichen und rechtlichen Situation befinden. 
      
      59     Der Argumentation der Kommission, dass eine solche Analyse mit dem Wortlaut des Vertrages und einer gefestigten Rechtsprechung
         auf diesem Gebiet unvereinbar sei, ist nicht zu folgen. 
      
      60     Der Gerichtshof hat zwar bereits entschieden, dass der Umstand, dass ein Förderungsprogramm von einer Gebietskörperschaft
         aufgestellt worden ist, der Anwendung von Artikel 87 Absatz 1 EG nicht entgegensteht, wenn die Tatbestandsmerkmale dieses
         Artikels erfüllt sind (vgl. in diesem Sinne Urteil Deutschland/Kommission, Randnr. 17). Außerdem deutet, wie die Kommission
         in Begründungserwägung 26 der angefochtenen Entscheidung betont, der Wortlaut des EG-Vertrags, der in Artikel 87 Absatz 3
         Buchstaben a und c Maßnahmen „zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region“ als staatliche Beihilfen einstuft,
         die für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklärt werden können, darauf hin, dass Vergünstigungen, deren Geltung auf einen
         Teil des der Beihilferegelung unterliegenden Staatsgebiets beschränkt ist, als selektive Vergünstigungen eingestuft werden
         können. Daraus kann jedoch nicht gefolgert werden, dass eine Maßnahme schon deshalb selektiv im Sinne von Artikel 87 Absatz
         1 EG ist, weil sie nur in einem begrenzten geografischen Gebiet eines Mitgliedstaats gilt.
      
      61     Ebenso wenig kann aus dem Urteil vom 19. September 2000 in der Rechtssache C‑156/98 (Deutschland/Kommission, Slg. 2000, I‑6857)
         abgeleitet werden, dass eine Maßnahme, die nur Unternehmen in bestimmten Regionen begünstigt, allein aufgrund dessen selektiv
         ist. Der Gerichtshof hat in Randnummer 23 dieses Urteils ausgeführt, dass der Umstand, dass eine Steuervergünstigung bestimmte,
         in den neuen Bundesländern und Westberlin ansässige Unternehmen begünstigte, ihr den Charakter einer allgemeinen steuer- oder
         wirtschaftspolitischen Maßnahme genommen habe. Die fragliche Steuervergünstigung war jedoch vom nationalen Gesetzgeber erlassen
         worden und galt als Ausnahme von der im Übrigen einheitlichen nationalen Regelung nur für einen Teil der in bestimmten Regionen
         Deutschlands ansässigen Unternehmen, nämlich Unternehmen, die nicht mehr als 250 Arbeitnehmer beschäftigten und ihren Sitz
         und ihre Geschäftsleitung in den neuen Bundesländern oder in Westberlin unterhielten. 
      
      62     Zur Beurteilung der Selektivität einer Maßnahme, die von einer unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten Einrichtung
         erlassen wird, um, wie im Fall der in Rede stehenden Maßnahme, nur für einen Teil des Gebietes eines Mitgliedstaats einen
         niedrigeren Steuersatz als im übrigen Gebiet dieses Staates festzusetzen, ist, wie in Randnummer 58 des vorliegenden Urteils
         ausgeführt, zu prüfen, ob die Maßnahme von dieser Einrichtung in Ausübung von Befugnissen erlassen worden ist, die gegenüber
         der Zentralgewalt ausreichend autonom sind, und gegebenenfalls, ob sie tatsächlich für alle im Zuständigkeitsgebiet dieser
         Einrichtung ansässigen Unternehmen oder dort vorhandenen Produktionszweige gilt.
      
      63     Der Generalanwalt hat in den Nummern 50 ff. seiner Schlussanträge insbesondere drei Situationen beschrieben, in denen sich
         für eine Maßnahme, mit der für ein geografisch begrenztes Gebiet niedrigere als die auf nationaler Ebene geltenden Steuersätze
         eingeführt werden sollen, die Frage der Einstufung als staatliche Beihilfe stellen kann.
      
      64     In der ersten Situation beschließt die Zentralregierung einseitig, in einem bestimmten geografischen Gebiet einen niedrigeren
         Steuersatz als den anzuwenden, der auf nationaler Ebene gilt. Die zweite Situation entspricht einem Modell der aufgeteilten
         Steuerhoheit, in dem alle lokalen Körperschaften einer bestimmten Ebene (Regionen, Bezirke oder andere) in den Grenzen der
         ihnen verliehenen Zuständigkeiten befugt sind, den Steuersatz für ihr Zuständigkeitsgebiet frei festzusetzen. Die Kommission
         hat ebenso wie die portugiesische Regierung und die Regierung des Vereinigten Königreichs eingeräumt, dass eine von einer
         lokalen Körperschaft in dieser zweiten Situation erlassene Maßnahme nicht selektiv ist, weil es nicht möglich ist, ein normales
         Besteuerungsniveau zu bestimmen, das als Bezugsgröße herangezogen werden könnte. 
      
      65     In der dritten Situation setzt eine regionale oder lokale Körperschaft in Ausübung von Befugnissen, die gegenüber der Zentralgewalt
         ausreichend autonom sind, einen unter dem nationalen Satz liegenden Steuersatz fest, der ausschließlich für die Unternehmen
         in seinem Zuständigkeitsgebiet gilt. 
      
      66     In der letztgenannten Situation könnte der maßgebende rechtliche Bezugsrahmen für die Beurteilung der Selektivität einer steuerlichen
         Maßnahme dann auf das betreffende geografische Gebiet beschränkt sein, wenn der unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelten
         Einrichtung insbesondere aufgrund ihrer Stellung und ihrer Befugnisse eine grundlegende Rolle bei der Festlegung des politischen
         und wirtschaftlichen Umfelds zukommt, in dem die Unternehmen ihres Zuständigkeitsgebiets tätig sind.
      
      67     Damit davon ausgegangen werden kann, dass eine unter solchen Umständen getroffene Entscheidung in Ausübung von ausreichend
         autonomen Befugnissen erlassen wurde, muss sie, wie der Generalanwalt in Nummer 54 seiner Schlussanträge hervorgehoben hat,
         von einer regionalen oder lokalen Körperschaft erlassen worden sein, der verfassungsrechtlich ein gegenüber der Zentralregierung
         eigener politischer und administrativer Status eingeräumt worden ist. Sodann muss sie getroffen worden sein, ohne dass die
         Zentralregierung die Möglichkeit hatte, ihren Inhalt unmittelbar zu beeinflussen. Schließlich dürfen die finanziellen Auswirkungen
         einer Senkung des nationalen Steuersatzes für die Unternehmen in der Region nicht durch Zuschüsse oder Subventionen aus den
         anderen Regionen oder von der Zentralregierung ausgeglichen werden. 
      
      68     Daher setzt eine politische und fiskalische Autonomie gegenüber der Zentralregierung, die in Bezug auf die Anwendung der Gemeinschaftsregeln
         über die staatlichen Beihilfen ausreichend ist, wie von der Regierung des Vereinigten Königreichs vorgetragen, voraus, dass
         die unterhalb der nationalstaatlichen Ebene angesiedelte Einrichtung nicht nur befugt ist, in ihrem Zuständigkeitsgebiet Steuersenkungen
         ohne jede Rücksichtnahme auf das Verhalten des Zentralstaats zu erlassen, sondern überdies die politischen und finanziellen
         Auswirkungen einer solchen Maßnahme trägt. 
      
      69     Da die portugiesische Regierung der von der Kommission vorgenommenen Beurteilung der Selektivität der fraglichen Steuersenkungen
         widerspricht, ist zu prüfen, ob diese Maßnahmen, die die in der Region Azoren steuerpflichtigen Unternehmen begünstigen, die
         in den Randnummern 67 und 68 des vorliegenden Urteils genannten Voraussetzungen erfüllen.
      
      70     Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Azoren nach der Verfassung der Portugiesischen Republik eine autonome Region mit
         eigenem politisch-administrativem Status und eigenen Regierungsorganen bilden, die nach dem Gesetz Nr. 13/98 und der Verordnung
         Nr. 2/99/A zur Ausübung ihrer eigenen Steuerzuständigkeit und zur Anpassung des nationalen Steuerrechts an die regionalen
         Besonderheiten befugt sind.
      
      71     Was die Autonomie in wirtschaftlicher Hinsicht angeht, so hat die portugiesische Regierung der Argumentation der Kommission,
         dass die Autonome Region Azoren wegen der Übertragung von Ausgleichsmitteln aus dem Zentralstaat insoweit nicht autonom sei,
         lediglich entgegengehalten, dass die Kommission keinen Nachweis für die Richtigkeit dieses Vorbringens erbracht habe; sie
         hat jedoch ihrerseits nicht dargetan, dass die Autonome Region Azoren keine staatlichen Mittel zum Ausgleich der Steuermindereinnahmen
         erhält, die sich gegebenenfalls aus den Steuersenkungen ergeben.
      
      72     Dazu ist festzustellen, dass nach Artikel 5 Absatz 1 des Gesetzes Nr. 13/98 der verfassungsrechtliche Grundsatz der nationalen
         Solidarität im Rahmen der Anpassung des nationalen Steuersystems an die besonderen regionalen Bedingungen dahin konkretisiert
         wurde, dass sich der Zentralstaat zusammen mit den Behörden der autonomen Regionen an der Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklung,
         an der Korrektur der sich aus der geografischen Isolation ergebenden Ungleichheiten und an der Angleichung der wirtschaftlichen
         und sozialen Verhältnisse an das übrige Staatsgebiet beteiligt.
      
      73     Nach Artikel 32 des Gesetzes Nr. 13/98 schlägt sich dieser Grundsatz in einer sowohl den Zentral- als auch den Regionalbehörden
         obliegenden Verpflichtung nieder, die Korrektur der sich aus der geografischen Isolation ergebenden Ungleichheiten durch Verringerung
         der steuerlichen Belastungen in den Regionen zu fördern, sowie in der Verpflichtung, ein angemessenes Niveau öffentlicher
         Dienstleistungen und privater Tätigkeiten zu gewährleisten.
      
      74     Wie die portugiesische Regierung einräumt, ist die mit der Verordnung Nr. 2/99/A vorgenommene Anpassung des nationalen Steuersystems
         an die besonderen regionalen Bedingungen eine logische Folge dieser verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Konstruktion.
      
      75     Der Rückgang des Steueraufkommens, der sich für die Region Azoren aus den fraglichen Steuersenkungen eventuell ergibt, kann
         zwar die Verwirklichung des von der portugiesischen Regierung anerkannten Ziels, Ungleichheiten im Bereich der wirtschaftlichen
         Entwicklung zu korrigieren, beeinträchtigen, doch wird er jedenfalls durch einen auf zentralstaatlicher Ebene geführten Finanzierungsmechanismus
         ausgeglichen. Im vorliegenden Fall sieht Artikel 5 Absatz 2 des Gesetzes Nr. 13/98 diese Finanzierung ausdrücklich in Form
         von Übertragungen von Haushaltsmitteln vor.
      
      76     Folglich sind die beiden Aspekte der Steuerpolitik der Regionalregierung, nämlich zum einen die Entscheidung, die regionale
         Steuerbelastung durch Ausübung ihrer Befugnis zur Senkung der Einkommensteuer zu verringern, und zum anderen die Erfüllung
         ihrer Aufgabe, die sich aus der geografischen Isolation ergebenden Ungleichheiten zu korrigieren, untrennbar miteinander verbunden
         und sind in finanzieller Hinsicht von den Mittelübertragungen der Zentralregierung abhängig.
      
      77     Unter diesen Umständen ist zu folgern, dass beim Erlass der Entscheidung der Regierung der Autonomen Region Azoren, ihre Befugnis
         zur Senkung der Sätze der nationalen Einkommensteuern auszuüben, um die Wirtschaftsteilnehmer der Region in die Lage zu versetzen,
         die sich aus ihrem Standort auf einer Insel und in einem Gebiet in äußerster Randlage ergebenden strukturellen Nachteile zu
         überwinden, nicht alle in den Randnummern 67 und 68 des vorliegenden Urteils genannten Voraussetzungen erfüllt waren.
      
      78     Daher kann der rechtliche Bezugsrahmen für die Beurteilung der Selektivität der fraglichen steuerlichen Maßnahmen nicht ausschließlich
         in den geografischen Grenzen der Region Azoren festgelegt werden. Diese Maßnahmen sind in Bezug auf das gesamte portugiesische
         Staatsgebiet zu beurteilen, in dessen Rahmen sie als selektiv erscheinen.
      
      79     Daraus ergibt sich, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zu Recht davon ausgegangen ist, dass die streitigen
         Steuersenkungen selektive Maßnahmen darstellen und nicht allgemeine Maßnahmen.
      
      80     Nach der in Randnummer 52 des vorliegenden Urteils angeführten Rechtsprechung ist daher zu prüfen, ob die fraglichen steuerlichen
         Maßnahmen durch die Natur oder den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems gerechtfertigt sind, wofür der Nachweis
         dem betreffenden Mitgliedstaat obliegt. 
      
      81     Eine Maßnahme, die eine Ausnahme von der Anwendung des allgemeinen Steuersystems darstellt, kann durch die Natur und den inneren
         Aufbau des Steuersystems gerechtfertigt sein, wenn der betreffende Mitgliedstaat nachweisen kann, dass sie unmittelbar auf
         den Grund- oder Leitprinzipien seines Steuersystems beruht. Insoweit ist zu unterscheiden zwischen den mit einer bestimmten
         Steuerregelung verfolgten Zielen, die außerhalb dieser Regelung liegen, und den dem Steuersystem selbst inhärenten Mechanismen,
         die zur Erreichung dieser Ziele erforderlich sind.
      
      82     Bei Maßnahmen wie den in Rede stehenden, die für jeden Wirtschaftsteilnehmer ungeachtet seiner finanziellen Situation gelten,
         kann nicht angenommen werden, dass sie einem Bestreben entsprechen, in einer Logik der Umverteilung der Steuerkraft zu beachten.
         Zwar könnten die sich aus der geografischen Isolation der Azoren ergebenden Nachteile grundsätzlich jeden Wirtschaftsteilnehmer
         unabhängig von seiner finanziellen Situation betreffen, doch berechtigt der bloße Umstand, dass das regionale Steuersystem
         so angelegt ist, dass es solche Ungleichheiten korrigiert, nicht zu der Annahme, dass jede von den Behörden der fraglichen
         autonomen Region gewährte steuerliche Vergünstigung durch die Natur und den inneren Aufbau des nationalen Steuersystems gerechtfertigt
         ist. Dass ein Handeln auf eine Politik der regionalen Entwicklung oder des sozialen Zusammenhalts gestützt ist, reicht für
         sich allein nicht aus, um eine im Rahmen dieser Politik erlassene Maßnahme als gerechtfertigt anzusehen.
      
      83     Folglich hat die portugiesische Regierung nicht nachgewiesen, dass der Erlass der fraglichen Maßnahmen durch die Autonome
         Region Azoren für das Funktionieren und die Wirksamkeit des allgemeinen Steuersystems erforderlich war. Sie hat es bei der
         allgemeinen Behauptung bewenden lassen, ohne diese durch genaue Angaben zu untermauern. Daher ist nicht dargetan, dass die
         fraglichen Maßnahmen durch die Natur oder den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems gerechtfertigt sind.
      
      84     Demzufolge hat die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zu Recht angenommen, dass die unterschiedliche Belastung,
         die sich aus den fraglichen Steuersenkungen ergibt, nicht durch die Natur oder den inneren Aufbau des portugiesischen Steuersystems
         gerechtfertigt ist.
      
      85     Aus alledem ergibt sich, dass der erste Klagegrund nicht durchgreift.
       Zum zweiten Klagegrund: Unzureichende Begründung in Bezug auf das Vorliegen einer Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen
            Handels und von spürbaren Wettbewerbsbeschränkungen
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      86     Mit ihrem zweiten Klagegrund macht die portugiesische Regierung im Wesentlichen geltend, dass die Begründung der angefochtenen
         Entscheidung nicht den Erfordernissen des Artikels 253 EG entspreche, da in der Entscheidung weder im Einzelnen dargelegt
         noch belegt werde, welche Auswirkungen die fraglichen Steuersenkungen auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten hätten und welche
         spürbaren Auswirkungen die sich aus diesen Maßnahmen ergebende Wettbewerbsverzerrung habe.
      
      87     Die Kommission tritt dem insbesondere unter Berufung auf die Rechtsprechung des Gerichtshofes entgegen, wonach bei einer Beihilferegelung
         mit allgemeiner Geltung nur angegeben werden müsse, dass die Maßnahme zumindest im Fall bestimmter Empfänger den Handel beeinträchtige,
         und die Kommission nicht verpflichtet sei, in ihren Entscheidungen insoweit auf Einzelheiten einzugehen (Urteil vom 7. März
         2002 in der Rechtssache C‑310/99, Italien/Kommission, Slg. 2002, I‑2289). Im vorliegenden Fall gälten die Steuersenkungen
         für alle in der Region Azoren steuerpflichtigen Wirtschaftsteilnehmer. Da zumindest ein Teil der betroffenen Unternehmen eine
         Wirtschaftstätigkeit ausübe, die Gegenstand des Handels zwischen Mitgliedstaaten sei und dem gemeinschaftsweiten Wettbewerb
         unterliege, sei die Entscheidung ausreichend begründet.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      88     Nach ständiger Rechtsprechung muss die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung dem Wesen des betreffenden Rechtsakts
         entsprechen und die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den beanstandeten Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig
         zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und der Gemeinschaftsrichter
         seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte
         genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur anhand des Wortlauts
         des Rechtsakts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden
         Gebiet (vgl. u. a. Urteile vom 29. Februar 1996 in der Rechtssache C‑56/93, Belgien/Kommission, Slg. 1996, I‑723, Randnr.
         86, vom 15. Mai 1997 in der Rechtssache C‑278/95 P, Siemens/Kommission, Slg. 1997, I‑2507, Randnr. 17, und vom 15. Juli 2004
         in der Rechtssache C‑501/00, Spanien/Kommission, Slg. 2004, I‑6717, Randnr. 73). 
      
      89     Angewandt auf die Qualifizierung einer Beihilfemaßnahme verlangt dieser Grundsatz, dass die Gründe angeführt werden, aus denen
         die betreffende Maßnahme nach Ansicht der Kommission in den Anwendungsbereich des Artikels 87 Absatz 1 EG fällt. Dabei hat
         die Kommission auch in den Fällen, in denen sich aus den Umständen, unter denen die Beihilfe gewährt worden ist, ergibt, dass
         sie den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt und den Wettbewerb verfälscht oder zu verfälschen droht, zumindest
         diese Umstände in der Begründung ihrer Entscheidung anzugeben (Urteile vom 7. Juni 1988 in der Rechtssache 57/86, Griechenland/Kommission,
         Slg. 1988, 2855, Randnr. 15, vom 24. Oktober 1996 in den Rechtssachen C‑329/93, C‑62/95 und C‑63/95, Deutschland u. a./Kommission,
         Slg. 1996, I‑5151, Randnr. 52, und vom 19. September 2000, Deutschland/Kommission, Randnr. 98).
      
      90     In der vorliegenden Rechtssache genügt insoweit der Hinweis, dass die angefochtene Entscheidung die Kriterien, die eine Maßnahme
         erfüllen muss, um eine staatliche Beihilfe darzustellen, klar angibt und anwendet.
      
      91     Zu der von der Kommission vorgenommenen Beurteilung der Auswirkungen der Beihilfe auf den innergemeinschaftlichen Handel ist
         festzustellen, dass in Begründungserwägung 24 der angefochtenen Entscheidung, wie in Randnummer 19 des vorliegenden Urteils
         angeführt, aus den Merkmalen des fraglichen Systems und der allgemeinen Geltung der Steuersenkungen, die dieses System zur
         Folge hat, da diese Steuersenkungen für alle Wirtschaftszweige auf den Azoren gelten, logisch gefolgert wird, dass zumindest
         ein Teil der betroffenen Unternehmen eine Wirtschaftstätigkeit ausübt, die Gegenstand des Handels zwischen Mitgliedstaaten
         ist, und dass dieser Handel somit beeinträchtigt sein kann.
      
      92     Nach alledem ist der zweite Klagegrund, mit dem die portugiesische Regierung eine unzureichende Begründung rügt, zurückzuweisen.
       Zum dritten Klagegrund: Offensichtlicher Beurteilungsfehler bei der Anwendung von Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      93     Mit ihrem dritten Klagegrund wirft die portugiesische Regierung der Kommission vor, bei der Anwendung von Artikel 87 Absatz
         3 Buchstabe a EG einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen zu haben, indem sie die Anwendung dieser Ausnahmeregelung
         auf die fraglichen Steuersenkungen abgelehnt habe, soweit sie für Unternehmen gälten, die finanzielle Tätigkeiten oder Tätigkeiten
         des Typs „gruppeninterne Dienstleistungen“ ausübten, und sie insoweit in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung für unvereinbar
         mit dem Gemeinsamen Markt erklärt habe. 
      
      94     Die portugiesische Regierung macht geltend, dass es Tätigkeiten des Typs „gruppeninterne Dienstleistungen“ in der portugiesischen
         Rechtsordnung nicht gebe und dass die im Finanzsektor tätigen Unternehmen die gleichen durch die äußerste Randlage und die
         geografische Isolation der Region Azoren bedingten Mehrkosten zu tragen hätten, wie sie für Unternehmen anderer Branchen in
         einer Studie des Centre for European Policy Studies aufgeführt seien, die am 3. November 1999 im Rahmen eines Verfahrens über
         staatliche Beihilfen betreffend die Autonome Region Madeira vorgelegt worden sei. Gegenstand dieser Studie sei es gewesen,
         die Auswirkungen von Artikel 299 Absatz 2 EG auf die autonomen Regionen Madeira und Azoren zu ermitteln.
      
      95     Die Kommission bestreitet, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen zu haben, und erinnert erstens daran, dass sie
         bei der Beurteilung der Vereinbarkeit von Beihilfen mit dem Gemeinsamen Markt über ein weites Ermessen verfüge, dessen Ausübung
         wirtschaftliche und soziale Wertungen voraussetze. 
      
      96     Zweitens sei die von der portugiesischen Regierung angeführte Studie des Centre for European Policy Studies für die Beurteilung
         der Vereinbarkeit von Steuersenkungen, die für Unternehmen des Finanzsektors gälten, irrelevant. In dieser Studie würden die
         mit der äußersten Randlage der betreffenden Region in Zusammenhang stehenden Kosten aufgeführt, ohne dass die Auswirkung der
         Mehrkosten auf die verschiedenen Branchen quantifiziert werde. Zwar könne vernünftigerweise davon ausgegangen werden, dass
         alle in der Region Azoren ansässigen Unternehmen den gleichen dauerhaften strukturellen Nachteilen ausgesetzt seien, die sich
         aus der geografischen Isolation des Archipels der Azoren und seiner Entfernung von den Wirtschaftszentren des Festlands ergäben,
         doch bedeute dies nicht, dass die Auswirkungen dieser Nachteile auf die bei der Ausübung einer Wirtschaftstätigkeit entstehenden
         Mehrkosten in allen Branchen gleich seien. 
      
      97     Angesichts der sehr großen Mobilität der angebotenen Dienste befinde sich der Finanzsektor in einer anderen Situation als
         die anderen Wirtschaftszweige der Azoren. Deshalb habe die Kommission die portugiesischen Behörden von Beginn des Verfahrens
         an wiederholt aufgefordert, Nachweise dafür beizubringen, dass die Vergünstigungen für den Finanzsektor gerechtfertigt seien.
         In Ermangelung solcher spezifischen Nachweise habe sie auf der Grundlage der von den portugiesischen Behörden vorgelegten
         Unterlagen die Steuersenkungen für die in diesem Sektor tätigen Unternehmen nicht als Beihilfen ansehen können, die nach der
         Ausnahmeregelung des Artikels 87 Absatz 3 Buchstabe a EG mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar seien.
      
      98     Schließlich weist die Kommission darauf hin, dass, wenn ein Mitgliedstaat ihr die angeforderten Informationen nicht oder nur
         unvollständig liefere, die Rechtmäßigkeit ihrer Entscheidung anhand der Informationen beurteilt werden müsse, über die sie
         im Zeitpunkt des Erlasses verfügt habe (Urteil vom 13. Juni 2002 in der Rechtssache C‑382/99, Niederlande/Kommission, Slg.
         2002, I‑5163, Randnr. 49). Dieser Grundsatz müsse in der vorliegenden Rechtssache umso strenger angewandt werden, als die
         portugiesischen Behörden mehrmals aufgefordert worden seien und der Mitgliedstaat nach Ziffer 4.16.2 der Leitlinien für staatliche
         Beihilfen mit regionaler Zielsetzung die Beweislast dafür trage, dass die gewährten Vergünstigungen gerechtfertigt seien.
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      99     Die Kommission verfügt bei der Anwendung von Artikel 87 Absatz 3 EG über ein weites Ermessen, dessen Ausübung wirtschaftliche
         und soziale Wertungen voraussetzt, die in einem Gemeinschaftskontext vorzunehmen sind. Der Gerichtshof darf bei der Kontrolle
         der Rechtmäßigkeit der Ausübung dieser Entscheidungsfreiheit die Beurteilung durch die Stelle, die die Entscheidung erlassen
         hat, nicht durch seine eigene Beurteilung ersetzen, sondern muss sich auf die Prüfung beschränken, ob diese Beurteilung offensichtlich
         irrig oder ermessensmissbräuchlich ist (vgl. u. a. Urteile vom 7. März 2002, Italien/Kommission, Randnrn. 45 und 46; vom 12.
         Dezember 2002 in der Rechtssache C-456/00, Frankreich/Kommission, Slg. 2002, I-11949, Randnr. 41, und vom 15. Dezember 2005,
         Italien/Kommission, Randnr. 135).
      
      100   Nach den Leitlinien für staatliche Beihilfen mit regionaler Zielsetzung sind Regionalbeihilfen, mit denen die laufenden Ausgaben
         eines Unternehmens gesenkt werden sollen, also Betriebsbeihilfen, verboten. Jedoch können nach Ziffer 4.16.2 dieser Leitlinien
         in Gebieten in äußerster Randlage, die unter die Ausnahmebestimmung des Artikels 87 Absatz 3 Buchstaben a und c EG fallen,
         Betriebsbeihilfen genehmigt werden, soweit sie die Mehrkosten ausgleichen, die aufgrund der in Artikel 299 Absatz 2 EG genannten
         Faktoren, die als ständige Gegebenheiten und durch ihr Zusammenwirken die Entwicklung dieser Gebiete schwer beeinträchtigen,
         bei der Ausübung einer Wirtschaftstätigkeit entstehen. 
      
      101   In dieser Ziffer 4.16.2 ist ausgeführt, dass es dem betreffenden Mitgliedstaat obliegt, den Umfang dieser Mehrkosten zu veranschlagen
         und den Zusammenhang mit den genannten Faktoren nachzuweisen. Ferner müssen die Beihilfevorhaben aufgrund ihres Beitrags zur
         Regionalentwicklung und ihrer Art nach gerechtfertigt sein, und ihre Höhe muss in einem Verhältnis zu den auszugleichenden
         Mehrkosten stehen.
      
      102   Die portugiesische Regierung stellt nicht den Wortlaut der Leitlinien für staatliche Beihilfen mit regionaler Zielsetzung
         in Frage, wenn sie geltend macht, dass die fraglichen Maßnahmen die Kriterien dieser Leitlinien nicht nur – wie die Kommission
         in der angefochtenen Entscheidung einräumt – im Hinblick auf andere Wirtschaftszweige als den der Finanzdienstleistungen erfüllten,
         sondern auch im Hinblick auf diesen Sektor. Sie kritisiert lediglich die Art und Weise, in der die Kommission diese Kriterien
         auf den Finanzsektor der Region Azoren angewandt hat. Sie meint nämlich, nachgewiesen zu haben, dass die Unternehmen, die
         finanzielle Tätigkeiten ausüben, den gleichen aus der geografischen Besonderheit der betreffenden Region resultierenden Mehrkosten
         gegenüberstehen wie jedes andere dort ansässige Unternehmen.
      
      103   Wie in Randnummer 101 des vorliegenden Urteils ausgeführt, obliegt es nach den Leitlinien für staatliche Beihilfen mit regionaler
         Zielsetzung dem Mitgliedstaat, der Beihilfen gewährt hat, den Umfang dieser Mehrkosten zu veranschlagen und nachzuweisen,
         dass sie aufgrund ihres Beitrags zur Regionalentwicklung gerechtfertigt sind und dass die Höhe der Vergünstigungen in einem
         Verhältnis zu den auszugleichenden Mehrkosten steht. Aus den Akten und aus Begründungserwägung 18 der angefochtenen Entscheidung
         geht jedoch hervor, dass die portugiesischen Behörden nicht in der Lage waren, solche Nachweise für den Finanzsektor zu liefern.
      
      104   Die angefochtene Entscheidung erläutert zwar nicht den Grund, aus dem die Kommission es für erforderlich hielt, für den Finanzsektor
         über bezifferte Nachweise zu verfügen, doch lässt sich daraus nicht ableiten, dass sie die Grenzen ihres Ermessens überschritten
         hätte.
      
      105   Daher hat die Kommission keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen, als sie den Teil der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung genannten Beihilferegelung, soweit er für Unternehmen gilt, die finanzielle Tätigkeiten ausüben, für mit dem
         Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt hat.
      
      106   Im Übrigen ist in Bezug auf Unternehmen, die Tätigkeiten des Typs „gruppeninterne Dienstleistungen“ ausüben, darauf hinzuweisen,
         dass die Kommission zum Vorbringen der portugiesischen Behörden, dass es solche Tätigkeiten in der portugiesischen Rechtsordnung
         derzeit nicht gebe, in Begründungserwägung 42 der angefochtenen Entscheidung festgestellt hat, dass aus Gründen der Transparenz
         und der Rechtssicherheit für den Fall, dass solche Tätigkeiten praktisch im Rahmen von Dienstleistungen, die in erster Linie
         Unternehmen einer Gruppe erbracht würden, ausgeübt werden könnten, die Steuersenkungen für solche Tätigkeiten ausübende Unternehmen
         – wie bei den im Finanzbereich tätigen Unternehmen – von Rechts wegen von der Ausnahmeregelung des Artikels 87 Absatz 3 Buchstabe
         a EG ausgenommen werden müssten. Die Kommission ist nämlich der Auffassung, dass solche Tätigkeiten, weil ihre Auswirkungen
         auf die Standortentscheidung der Unternehmen einer Gruppe und ihre externen Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft gering
         seien, nicht in einem Maße zur regionalen Entwicklung beitrügen, dass die fraglichen Maßnahmen, soweit sie für diese Tätigkeiten
         gälten, nach Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG oder aufgrund anderer im Vertrag vorgesehener Ausnahmeregelungen für vereinbar
         mit dem Gemeinsamen Markt erklärt werden könnten, und zwar aus den in Bezug auf den Finanzbereich bereits genannten Gründen
         und unabhängig von der Frage, ob es solche Tätigkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt in der portugiesischen Rechtsordnung
         gebe. Da die portugiesische Regierung diesen Darlegungen nicht entgegengetreten ist, ist nicht dargetan, dass in Bezug auf
         solche Unternehmen ein offensichtlicher Beurteilungsfehler begangen worden wäre. 
      
      107   Folglich ist der dritte Klagegrund, mit dem ein Verstoß gegen Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG gerügt wird, zurückzuweisen.
      108   Da keiner der Klagegründe der Portugiesischen Republik durchgreift, ist die Klage abzuweisen.
       Kosten
      109   Nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da
         die Kommission die Verurteilung der Portugiesischen Republik beantragt hat und diese mit ihrem Vorbringen unterlegen ist,
         sind ihr die Kosten aufzuerlegen. Nach Artikel 69 § 4 Absatz 1 der Verfahrensordnung tragen die Mitgliedstaaten, die dem Rechtsstreit
         als Streithelfer beigetreten sind, ihre eigenen Kosten. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Große Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Portugiesische Republik trägt die Kosten des Verfahrens.
      3.      Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland und das Königreich Spanien tragen ihre eigenen Kosten.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Portugiesisch.