CELEX: 32006D0971
Language: de
Date: 2006-12-19 00:00:00
Title: 2006/971/EG: Entscheidung des Rates vom 19. Dezember 2006 über das spezifische Programm Zusammenarbeit zur Durchführung des Siebten Rahmenprogramms der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration (2007-2013) (Text von Bedeutung für den EWR).

L 400/86         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.12.2006
                                    Entscheidung des Rates
                                    vom 19. Dezember 2006
  über das spezifische Programm „Zusammenarbeit“ zur Durchführung des Siebten Rahmen-
 programms der Europäischen Gemeinschaft für Forschung, technologische Entwicklung und
                                   Demonstration (2007-2013)
                                (Text von Bedeutung für den EWR)
                                          (2006/971/EG)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere auf
Artikel 166 Absatz 4,
auf Vorschlag der Kommission,
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments 1,
nach Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses 2,
1
        Stellungnahme vom 30. November 2006 (noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht).
2
        ABl. C 185 vom 8.8.2006, S. 10.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/87
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1)      Gemäß Artikel 166 Absatz 3 des Vertrags erfolgt die Durchführung des Beschlusses
         Nr. 1982/2006/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006
         über das Siebte Rahmenprogramm der Europäischen Gemeinschaft für Forschung,
         technologische Entwicklung und Demonstration (2007-2013)1 (nachstehend
         "Rahmenprogramm" genannt) durch spezifische Programme, in denen die Einzelheiten der
         Durchführung, die Laufzeit und die für notwendig erachteten Mittel festgelegt werden.
(2)      Das Rahmenprogramm ist in vier Arten von Maßnahmen gegliedert: grenzüberschreitende
         Zusammenarbeit bei nach politischen Erwägungen festgelegten Themen (nachstehend
         "Zusammenarbeit" genannt), von den Forschern angeregte Forschungsarbeiten (nach-
         stehend "Ideen" genannt), Förderung der Ausbildung und Laufbahnentwicklung von
         Forschern (nachstehend "Menschen" genannt) und Unterstützung der Forschungskapazitä-
         ten (nachstehend "Kapazitäten" genannt). Mit diesem spezifischen Programm sollten die in
         den Maßnahmenbereich "Zusammenarbeit" fallenden indirekten Maßnahmen durchgeführt
         werden.
(3)      Für dieses spezifische Programm sollten die für das Rahmenprogramm festgelegten Regeln
         für die Beteiligung von Unternehmen, Forschungszentren und Hochschulen sowie für die
         Verbreitung der Forschungsergebnisse (nachstehend "Beteiligungs- und Verbreitungs-
         regeln" genannt) gelten.
1
        ABl. L 412 vom 30.12.2006, S. 1.
 ---pagebreak--- L 400/88         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
(4)      Das Rahmenprogramm sollte die Maßnahmen der Mitgliedstaaten sowie andere Maß-
         nahmen der Gemeinschaft im Rahmen der Gesamtstrategie zur Umsetzung der Ziele von
         Lissabon, ferner insbesondere die Maßnahmen in den Bereichen Strukturfonds, Landwirt-
         schaft, Bildung, Ausbildung, Kultur, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation, Industrie,
         Gesundheit, Verbraucherschutz, Beschäftigung, Energie, Verkehr und Umwelt ergänzen.
(5)      Maßnahmen für Innovation und KMU, die nach diesem Rahmenprogramm unterstützt
         werden, sollten die Maßnahmen des Rahmenprogramms für Wettbewerbsfähigkeit und
         Innovation ergänzen, die dazu beitragen werden, die Lücke zwischen Forschung und
         Innovation zu schließen und Innovation in jeglicher Form zu fördern.
(6)      Die Durchführung des Rahmenprogramms kann weitere Programme zur Folge haben, an
         denen nur bestimmte Mitgliedstaaten teilnehmen, zur Beteiligung der Gemeinschaft an
         Programmen mehrerer Mitgliedstaaten, zur Gründung gemeinsamer Unternehmen oder zu
         anderen Vereinbarungen im Sinne der Artikel 168, 169 und 171 des Vertrags führen.
(7)      Dieses spezifische Programm sollte einen Beitrag an die Europäische Investitionsbank
         (nachstehend "EIB" genannt) für die Einrichtung einer "Fazilität für Finanzierungen auf
         Risikoteilungsbasis" leisten, um den Zugang zu EIB-Darlehen zu erleichtern.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/89
(8)      Im Rahmen dieses spezifischen Programms sollte in Ergänzung anderer Gemeinschaftspro-
         gramme eine angemessene Beteiligung von KMU durch konkrete Maßnahmen und spezi-
         fische Aktionen zu ihren Gunsten gefördert werden.
(9)      Nach Artikel 170 des Vertrags hat die Gemeinschaft mehrere internationale Forschungs-
         abkommen geschlossen; eine Verstärkung der internationalen Forschungszusammenarbeit
         sollte mit dem Ziel einer weiteren Integration der Gemeinschaft in die globale Forschungs-
         gemeinschaft angestrebt werden. Daher sollte dieses spezifische Programm den Ländern
         zur Teilnahme offen stehen, die einschlägige Abkommen geschlossen haben, und auch auf
         Projektebene zur Teilnahme offen stehen und – zum gegenseitigen Nutzen – auch der
         Beteiligung von Einrichtungen aus Drittländern und internationalen Organisationen für
         wissenschaftliche Zusammenarbeit offen stehen.
(10)     Bei den im Rahmen dieses Programms durchgeführten Forschungstätigkeiten sollten
         ethische Grundprinzipien beachtet werden, einschließlich derjenigen, die in der Charta der
         Grundrechte der Europäischen Union festgelegt sind.
(11)     Die Durchführung des Rahmenprogramms sollte einen Beitrag zur nachhaltigen Entwick-
         lung leisten.
 ---pagebreak--- L 400/90         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
(12)     Im Einklang mit der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1605/2002 des Rates vom
         25. Juni 2002 über die Haushaltsordnung für den Gesamthaushaltsplan der Europäischen
         Gemeinschaften 1 und der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 2342/2002 der Kommission 2
         mit Durchführungsbestimmungen zu dieser Haushaltsordnung sowie allen künftigen Ände-
         rungen derselben sollte unter Wahrung der Rechtssicherheit und Gewährleistung des
         Zugangs zum Programm für alle Teilnehmer auf möglichst effiziente und nutzerfreund-
         liche Weise die wirtschaftliche Haushaltsführung des Rahmenprogramms und seiner
         Durchführung sichergestellt werden.
(13)     Zur Verhinderung von Unregelmäßigkeiten und Betrug sollten dem Umfang der finanziel-
         len Interessen der Europäischen Gemeinschaften angemessene Maßnahmen zur Über-
         wachung sowohl der Wirksamkeit der finanziellen Unterstützung wie auch der wirksamen
         Nutzung dieser Mittel ergriffen werden, und es sollten die notwendigen Schritte unter-
         nommen werden, um entgangene, zu Unrecht gezahlte oder nicht ordnungsgemäß
         verwendete Beträge gemäß der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 2988/95 des Rates vom
         18. Dezember 1995 über den Schutz der finanziellen Interessen der Gemeinschaften 3, der
         Verordnung (Euratom, EG) Nr. 2185/96 des Rates vom 11. November 1996 betreffend die
         Kontrollen und Überprüfungen vor Ort durch die Kommission zum Schutz der finanziellen
         Interessen der Europäischen Gemeinschaften vor Betrug und anderen Unregelmäßig-
         keiten 4 und der Verordnung (EG) Nr. 1073/1999 des Europäischen Parlaments und
         des Rates vom 25. Mai 1999 über die Untersuchungen des Europäischen Amtes für
         Betrugsbekämpfung (OLAF) 5 wieder einzuziehen.
1
        ABl. L 248 vom 16.9.2002, S.1.
2
        ABl. L 357 vom 31.12.2002, S.1. Geändert durch die Verordnung (EG, Euratom)
        Nr. 1261/2005 der Kommission (ABl. L 201 vom 2.8.2005, S. 3).
3
        ABl. L 312 vom 23.12.1995, S. 1.
4
        ABl. L 292 vom 15.11.1996, S. 2.
5
        ABl. L 136 vom 31.5.1999, S. 1.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/91
(14)     Da es sich bei den zur Durchführung dieser Entscheidung erforderlichen Maßnahmen im
         Wesentlichen um Verwaltungsmaßnahmen handelt, sollten sie folglich nach dem Verwal-
         tungsverfahren beschlossen werden, das in Artikel 4 des Beschlusses 1999/468/EG des
         Rates vom 28. Juni 1999 zur Festlegung der Modalitäten für die Ausübung der der Kom-
         mission übertragenen Durchführungsbefugnisse 1 vorgesehen ist. Andererseits werfen
         Forschungsarbeiten unter Verwendung menschlicher Embryos und menschlicher embryo-
         naler Stammzellen, wie in Artikel 4 der vorliegenden Entscheidung dargelegt, besondere
         ethische Fragen auf. Darüber hinaus stellen FTE-Maßnahmen mit Forschungsarbeiten zum
         Themenbereich "Sicherheit" einen neuen und sehr empfindlichen Bereich insbesondere im
         Hinblick auf potenzielle Bedrohungen und sicherheitsrelevante Zwischenfälle dar. Daher
         sollten Maßnahmen zur Finanzierung derartiger Vorhaben nach dem in Artikel 5 des
         Beschlusses 1999/468/EG vorgesehenen Regelungsverfahren erlassen werden.
(15)     Für jeden Themenbereich sollte im Gesamthaushaltsplan der Europäischen Gemein-
         schaften eine eigene Haushaltslinie vorgesehen werden.
(16)     Bei der Durchführung dieses Programms müssen der Gleichstellung von Mann und Frau
         sowie u. a. den Arbeitsbedingungen, der Transparenz der Einstellungsverfahren und der
         Laufbahnentwicklung bei der Einstellung von Wissenschaftlern für im Rahmen dieses
         Programms geförderte Projekte und Programme angemessen Rechnung getragen werden;
         die Empfehlung der Kommission vom 11. März 2005 über die Europäische Charta für
         Forscher und einen Verhaltenskodex für die Einstellung von Forschern bietet hierfür einen
         Bezugsrahmen, wobei der freiwillige Charakter gewahrt bleibt –
HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN:
1
        ABl. L 184 vom 17.7.1999, S. 23. Geändert durch den Beschluss 2006/512/EG vom 17. Juli
        2006 (ABl. L 200 vom 22.7.2006, S. 11).
 ---pagebreak--- L 400/92         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                   30.12.2006
                                              Artikel 1
Für den Zeitraum vom 1. Januar 2007 bis zum 31. Dezember 2013 wird das spezifische Programm
"Zusammenarbeit" für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Forschung, technologischen
Entwicklung und Demonstration (nachstehend "spezifisches Programm" genannt) angenommen.
                                              Artikel 2
Mit dem spezifischen Programm "Zusammenarbeit" wird das gesamte Spektrum der in grenzüber-
schreitender Zusammenarbeit durchgeführten Forschungsmaßnahmen in folgenden Themenberei-
chen unterstützt:
a)       Gesundheit;
b)       Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Biotechnologie
c)       Informations- und Kommunikationstechnologien;
d)       Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien
e)       Energie;
f)       Umwelt (einschließlich Klimaänderung);
g)       Verkehr (einschließlich Luftfahrt);
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    L 400/93
h)       Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften,
i)       Weltraum;
j)       Sicherheit.
Die Durchführung dieses spezifischen Programms kann zu Zusatzprogrammen führen, an denen nur
bestimmte Mitgliedstaaten teilnehmen, und zur Beteiligung der Gemeinschaft an Programmen
mehrerer Mitgliedstaaten, oder zur Gründung gemeinsamer Unternehmen oder zu anderen Verein-
barungen im Sinne der Artikel 168, 169 und 171 des Vertrags.
Die Ziele und Grundzüge der Maßnahmen sind in Anhang I dargelegt.
                                               Artikel 3
Der für die Durchführung des spezifischen Programms für notwendig erachtete Betrag beläuft sich
gemäß Anhang II des Rahmenprogramms auf 32 413 Mio. EUR; davon werden weniger als 6 % für
die Verwaltungsausgaben der Kommission verwendet. Die vorläufige Aufteilung dieses Betrags ist
Anhang II zu entnehmen.
                                               Artikel 4
1.       Bei allen Forschungsmaßnahmen innerhalb des spezifischen Programms sind ethische
         Grundprinzipien zu beachten.
 ---pagebreak--- L 400/94          DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
2.       Folgende Forschungsgebiete werden im Rahmen dieses Programms nicht finanziert:
         –      Forschungstätigkeiten mit dem Ziel des Klonens von Menschen zu Reproduktions-
                zwecken,
         –      Forschungstätigkeiten zur Veränderung des Erbguts des Menschen, durch die solche
                Änderungen vererbbar werden könnten 1,
         –      Forschungstätigkeiten zur Züchtung menschlicher Embryonen ausschließlich zu For-
                schungszwecken oder zur Gewinnung von Stammzellen, auch durch Kerntransfer so-
                matischer Zellen.
3.       Forschung an – sowohl adulten als auch embryonalen – menschlichen Stammzellen darf
         nach Maßgabe sowohl des Inhalts des wissenschaftlichen Vorschlags als auch der recht-
         lichen Rahmenbedingungen des/der betreffenden Mitgliedstaats/Mitgliedstaaten gefördert
         werden.
         Jeder Antrag auf Finanzierung von Forschungsarbeiten an menschlichen embryonalen
         Stammzellen hat gegebenenfalls Einzelheiten der Genehmigungs- und Kontrollmaß-
         nahmen zu enthalten, die von den zuständigen Behörden des/der betreffenden Mitglied-
         staats/Mitgliedstaaten ergriffen werden, sowie Einzelheiten der ethischen Zulassung(en),
         die erteilt wird (werden).
         Bei der Gewinnung menschlicher embryonaler Stammzellen unterliegen Institutionen,
         Organisationen und Forscher strengen Genehmigungs- und Kontrollvorschriften gemäß
         den rechtlichen Rahmenbedingungen des/der betreffenden Mitgliedstaats/Mitgliedstaaten.
1
        Forschungstätigkeiten mit dem Ziel der Krebsbehandlung an den Gonaden können finanziert
        werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/95
4.       Die genannten Forschungsbereiche werden für die zweite Phase dieses Programms (2010
         bis 2013) unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Fortschritte überprüft.
                                                Artikel 5
1.       Das spezifische Programm wird mittels der in Anhang III des Rahmenprogramms
         festgelegten Förderformen durchgeführt.
2.       In Anhang III dieses spezifischen Programms sind die Modalitäten eines Zuschusses an die
         EIB zur Einrichtung einer Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis dargelegt.
3.       Anhang IV enthält eine vorläufige Liste möglicher gemeinsamer Technologieinitiativen,
         für die gesonderte Entscheidungen erlassen werden könnten, und eine vorläufige Liste
         möglicher Initiativen für die gemeinsame Durchführung nationaler Forschungsprogramme,
         für die eine gesonderte Entscheidung auf der Grundlage von Artikel 169 des Vertrags
         erlassen werden könnte.
4.       Für dieses spezifische Programm gelten die Beteiligungs- und Verbreitungsregeln.
                                                Artikel 6
1.       Die Kommission erstellt ein Arbeitsprogramm zur Durchführung dieses spezifischen Pro-
         gramms, in dem die in Anhang I genannten Ziele und wissenschaftlichen und technolo-
         gischen Prioritäten, die für die ausgeschriebenen Themen jeweils festgelegten Förder-
         formen sowie der Zeitplan für die Durchführung im Einzelnen beschrieben sind.
 ---pagebreak--- L 400/96         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
2.       Das Arbeitsprogramm trägt relevanten Forschungstätigkeiten der Mitgliedstaaten,
         assoziierter Staaten sowie europäischer und internationaler Organisationen und der
         Erzielung eines europäischen Zusatznutzens sowie den Auswirkungen auf die industrielle
         Wettbewerbsfähigkeit und der Relevanz für andere Gemeinschaftspolitiken Rechnung. Es
         wird gegebenenfalls aktualisiert.
3.       Bei der Bewertung von Vorschlägen für indirekte Maßnahmen im Rahmen der Förder-
         formen und bei der Auswahl von Projekten werden die in Artikel 15 Absatz 1a der
         Beteiligungs- und Verbreitungsregeln festgelegten Kriterien beachtet.
4.       Im Arbeitsprogramm können angegeben werden:
         a)    Organisationen, die Mitgliedsbeiträge erhalten,
         b)    Maßnahmen zur Unterstützung der Tätigkeiten bestimmter Rechtspersonen.
                                               Artikel 7
1.       Für die Durchführung des spezifischen Programms ist die Kommission zuständig.
2.       Das in Artikel 8 Absatz 2 genannte Verwaltungsverfahren gilt für die Annahme folgender
         Maßnahmen:
         a)    das in Artikel 6 genannte Arbeitsprogramm einschließlich der anzuwendenden
               Förderformen, des Inhalts der Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen
               sowie der anzuwendenden Bewertungs- und Auswahlkriterien;
         b)    alle Anpassungen der vorläufigen Mittelaufteilung gemäß Anhang II;
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/97
         c)    die Billigung der Finanzierung von Maßnahmen innerhalb der in Artikel 2 Buch-
               staben a bis g und i genannten Themenbereiche, soweit sich der im Rahmen dieses
               Programms für den Gemeinschaftsbeitrag veranschlagte Betrag auf 1,5 Mio. EUR
               oder mehr beläuft;
         d)    die Billigung der Finanzierung von Maßnahmen – mit Ausnahme der unter Buch-
               stabe c dieses Absatzes genannten Maßnahmen und der Maßnahmen innerhalb des
               Themenbereichs nach Artikel 2 Buchstabe j –, soweit sich der im Rahmen dieses
               Programms für den Gemeinschaftsbeitrag veranschlagte Betrag auf 0,6 Mio. EUR
               oder mehr beläuft;
         e)    die Ausarbeitung der Bedingungen für die in Artikel 7 Absätze 2 und 3 des Rahmen-
               programms vorgesehenen Bewertungen.
3.       Das in Artikel 8 Absatz 3 genannte Regelungsverfahren gilt für die Annahme folgender
         Maßnahmen:
         a)    das Arbeitsprogramm für den Themenbereich nach Artikel 2 Buchstabe j und die
               Billigung der Finanzierung von Maßnahmen innerhalb dieses Themenbereichs;
         b)    die Billigung der Finanzierung von Maßnahmen, bei denen menschliche Embryos
               und menschliche embryonale Stammzellen verwendet werden.
                                                Artikel 8
1.       Die Kommission wird von einem Ausschuss unterstützt.
 ---pagebreak--- L 400/98        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
2.       Wird auf diesen Absatz Bezug genommen, so gelten die Artikel 4 und 7 des Beschlus-
         ses 1999/468/EG.
         Der Zeitraum nach Artikel 4 Absatz 3 des Beschlusses 1999/468/EG wird auf zwei Monate
         festgesetzt.
3.       Wird auf diesen Absatz Bezug genommen, so gelten die Artikel 5 und 7 des Beschlus-
         ses 1999/468/EG.
         Der Zeitraum nach Artikel 5 Absatz 6 des Beschlusses 1999/468/EG wird auf zwei Monate
         festgesetzt.
4.       Die Kommission unterrichtet den Ausschuss regelmäßig über die Gesamtfortschritte bei
         der Durchführung des spezifischen Programms und legt ihm gemäß Anhang V rechtzeitig
         Informationen über alle im Rahmen dieses Programms vorgeschlagenen oder finanzierten
         FTE-Maßnahmen vor.
5.       Der Ausschuss gibt sich eine Geschäftsordnung.
                                              Artikel 9
Die Kommission veranlasst die in Artikel 7 des Rahmenprogramms vorgesehene unabhängige
Überwachung, Bewertung und Überprüfung der Maßnahmen auf den unter das spezifische Pro-
gramm fallenden Gebieten.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/99
                                               Artikel 10
Diese Entscheidung tritt am dritten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen
Union in Kraft.
Diese Entscheidung ist an die Mitgliedstaaten gerichtet.
Geschehen zu Brüssel am 19. Dezember 2006
                                              Im Namen des Rates
                                              Der Präsident
                                              J. KORKEAOJA
 ---pagebreak--- L 400/100        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
                                             ANHANG I
                   WISSENSCHAFTLICHE UND TECHNOLOGISCHE ZIELE,
                      GRUNDZÜGE DER THEMEN UND MASSNAHMEN
Dieses spezifische Programm betrifft die Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit jeder
Größenordnung in der Europäischen Union und darüber hinaus in mehreren Themenbereichen, die
wichtigen Gebieten des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts entsprechen, in denen
die Forschung unterstützt und gestärkt werden muss, damit die Herausforderungen in den Bereichen
Soziales, Wirtschaft, öffentliche Gesundheit, Ökologie und Industrie in Europa bewältigt werden
können.
Das übergeordnete Ziel besteht dabei darin, auf allerhöchster Ebene nachhaltige Forschung zu
fördern, deren Hauptziel die Vermehrung von Wissen ist.
Die zehn Themenbereiche für Gemeinschaftsmaßnahmen sind:
1.        Gesundheit;
2.        Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Biotechnologie;
3.        Informations- und Kommunikationstechnologien;
4.        Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien;
5.        Energie;
6.        Umwelt (einschließlich Klimaänderung);
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/101
7.       Verkehr (einschließlich Luftfahrt);
8.       Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften;
9.       Weltraum;
10.      Sicherheit.
Zu jedem Themenbereich werden die Ziele, die Art der Umsetzung und die Maßnahmen genannt,
darunter diejenigen, die groß angelegten Initiativen (entsprechend der vorläufigen Beschreibung in
Anhang IV), die internationale Zusammenarbeit, sich abzeichnende Erfordernisse und unvorher-
gesehene politische Erfordernisse zum Gegenstand haben.
Der Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung wird gebührend berücksichtigt. Entsprechend der in
den Artikeln 2 und 3 des Vertrages niedergelegten europäischen Politik zur Gleichstellung von
Frauen und Männern wird bei den Tätigkeiten im Rahmen des spezifischen Programms dafür ge-
sorgt, dass geeignete Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und der Be-
teiligung von Forscherinnen durchgeführt werden. Darüber hinaus werden die ethischen, sozialen,
rechtlichen und umfassenderen kulturellen Aspekte der durchzuführenden Forschungsarbeiten und
ihrer möglichen Anwendungen sowie die sozioökonomischen Auswirkungen wissenschaftlicher
und technologischer Entwicklungen und Perspektiven einbezogen, soweit dies für die Tätigkeiten
im Rahmen dieses spezifischen Programms relevant ist.
 ---pagebreak--- L 400/102        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Multidisziplinäre und themenübergreifende Forschung einschließlich gemeinsamer
Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen
Besonderes Augenmerk wird auf vorrangigen Bereichen von Wissenschaft und Technologie liegen,
die mehrere Themenbereiche betreffen, wie zum Beispiel Meereswissenschaften und -technologien.
Durch gemeinsame, themenübergreifende Ansätze für Forschungs- und Technologieaspekte, die für
mehr als einen Themenbereich relevant sind, wird Multidisziplinarität gefördert. Diese themenüber-
greifenden Ansätze werden unter anderem dadurch verwirklicht, dass
– gemeinsame Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen für mehrere Themenbereiche
   veröffentlicht werden, sofern ein Forschungsthema auch von eindeutiger Relevanz für die jewei-
   ligen anderen Themenbereiche ist;
– bei der interdisziplinären Forschung besonderer Wert auf die "sich abzeichnenden Erfordernisse"
   gelegt wird;
– bei der Ausarbeitung des Arbeitsprogramms externe Experten, darunter auch Forscher, hinzu-
   gezogen werden, um so auf eine breite Palette von Fachrichtungen und Erfahrungen zurückgrei-
   fen zu können;
– als Teil der Gesamtüberwachung, –bewertung und –überprüfung des Programms regelmäßig
   über themenübergreifende Forschungsgebiete berichtet wird;
– bei politisch relevanten Forschungsarbeiten für die Kohärenz mit den anderen Politikbereichen
   der Gemeinschaft gesorgt wird.
Die Europäische Kommission sorgt für die Koordinierung zwischen den Themenbereichen dieses
spezifischen Programms und den auf der Grundlage anderer spezifischer Programme des Siebten
Rahmenprogramms ergriffenen Maßnahmen wie etwa in Bezug auf die Forschungsinfrastrukturen
des spezifischen Programms "Kapazitäten" 1.
1
        Um die Durchführung des Programms zu erleichtern, erstattet die Kommission im Einklang
        mit ihren geltenden Leitlinien für jede Tagung des Programmausschusses entsprechend der
        Tagesordnung die Kosten für einen Vertreter je Mitgliedstaat sowie in Bezug auf diejenigen
        Tagesordnungspunkte, für die ein Mitgliedstaat besonderen Sachverstand benötigt, die
        Kosten für einen Experten/Berater je Mitgliedstaat.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/103
Anpassung an neue Anforderungen und Perspektiven
Damit die Themenbereiche auch in Zukunft für die Industrie relevant sind und die Industrie sich
weiterhin an ihnen beteiligt, wird unter anderem auf die Arbeiten der verschiedenen "europäischen
Technologieplattformen" zurückgegriffen. Hiermit trägt dieses spezifische Programm zusammen
mit den Beiträgen der Industrie zur Durchführung der relevanten strategischen Forschungsagenden
bei – wie sie etwa von den europäischen Technologieplattformen ausgearbeitet und weiterent-
wickelt werden –, sofern diese einen echten Mehrwert für Europa erwarten lassen. Der in den stra-
tegischen Forschungsagenden dargelegte grundlegende Forschungsbedarf ist bereits bei den zehn
Themenbereichen gebührend berücksichtigt. Europäische Technologieplattformen mit möglicher
Beteiligung regionaler forschungsorientierter Cluster können eine Rolle dabei spielen, die Beteili-
gung der Industrie, einschließlich der KMU, an Forschungsprojekten auf ihrem jeweiligen Gebiet
zu erleichtern und zu organisieren, einschließlich Projekte, die für eine Förderung nach dem
Rahmenprogramm in Frage kommen. Wie ihr fachlicher Inhalt im Einzelnen eingebunden wird, ist
dann aus der detaillierten Ausformulierung der Arbeitsprogramme für die jeweiligen Aufforderun-
gen zur Einreichung von Vorschlägen ersichtlich.
Darüber hinaus wird sichergestellt, dass die Themenbereiche auch weiterhin bei der Konzipierung,
Durchführung und Bewertung der Politik und der Vorschriften der Gemeinschaft berücksichtigt
werden. Hierunter fallen Gebiete wie Gesundheit, Sicherheit, Verbraucherschutz, Energie, Umwelt,
Entwicklungshilfe, Fischerei, Seewirtschaft, Landwirtschaft, Tierschutz, Verkehr, allgemeine und
berufliche Bildung, Informationsgesellschaft und Medien, Beschäftigung, soziale Angelegenheiten,
Zusammenhalt sowie die Schaffung eines Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ebenso
wie die pränormative und die konormative Forschung zur Verbesserung der Interoperabilität und
der Qualität von Normen und deren Anwendung. Hier können sich Plattformen einbringen, die inte-
ressierte Kreise mit Wissenschaftlern zusammenbringen und der Frage nachgehen, inwieweit stra-
tegische Forschungsagenden für die Sozial- oder die Umweltpolitik bzw. für sonstige Politikberei-
che aufgestellt werden sollten.
 ---pagebreak--- L 400/104         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Innerhalb jedes Themenbereichs werden neben den festgelegten Maßnahmen spezifische Maßnah-
men durchgeführt, mit denen auf "sich abzeichnende Erfordernisse" und "unvorhergesehene politi-
sche Erfordernisse" offen und flexibel eingegangen werden soll. Damit wird eine einfache, kohä-
rente und koordinierte Vorgehensweise für das gesamte spezifische Programm und die Förderung
interdisziplinärer Forschungsarbeiten, die mehrere Themenbereiche betreffen bzw. außerhalb der
Themenbereiche liegen, gewährleistet.
• Künftige und neu entstehende Technologien: spezielle Unterstützung von Vorschlägen für
   Forschungsarbeiten, mit denen auf einem bestimmten Gebiet und/oder in Verbindung mit ande-
   ren relevanten Bereichen oder Fachgebieten neue wissenschaftliche und technologische Mög-
   lichkeiten ermittelt oder weiter erkundet werden sollen; spezielle Unterstützung spontaner For-
   schungsvorschläge, auch durch gemeinsame Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen;
   Förderung innovativer Konzepte und grundlegend neuer Anwendungen sowie Erkundung neuer
   Möglichkeiten innerhalb von Forschungsprogrammen, vor allem wenn sie das Potenzial für
   einen bedeutenden Durchbruch aufweisen; angemessene Koordinierung mit den Maßnahmen des
   Programms "Ideen", um Überschneidungen zu vermeiden und eine optimale Nutzung der
   Finanzmittel sicherzustellen. Dies soll durch folgende Maßnahmen erreicht werden:
          – Offene, dem "Bottom-up"-Ansatz folgende Forschungsarbeiten zu Themen, die von den
             Wissenschaftlern selbst vorgebracht werden und mit denen auf neue wissenschaftliche
             und technologische Herausforderungen reagiert werden soll ("Adventure"-Maßnahmen)
             oder mit denen neue Entdeckungen oder neu beobachtete Phänomene, die auf Gefahren
             oder Probleme für die Gesellschaft hinweisen könnten, eingeschätzt werden sollen
             ("Insight"-Maßnahmen).
          – Initiativen zu bestimmten, höchst anspruchsvollen Zielen in neuen wissenschaftlich-
             technologischen Bereichen, die für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ent-
             wicklungen große Fortschritte und potenziell weit reichende Auswirkungen erwarten
             lassen und an denen Gruppen komplementärer Projekte beteiligt sein können
             ("Pathfinder"-Maßnahmen).
 ---pagebreak--- 30.12.2006         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/105
• Unvorhergesehene politische Erfordernisse: Vorgesehen ist eine flexible Reaktion auf neue
   politische Bedürfnisse, die sich im Laufe der Durchführung des Rahmenprogramms ergeben, wie
   etwa unvorhergesehene Entwicklungen oder Ereignisse, die ein schnelles Handeln verlangen,
   beispielsweise neue Epidemien, neu auftretende Probleme im Bereich der Lebensmittelsicher-
   heit, die Bewältigung von Naturkatastrophen oder Solidaritätsmaßnahmen. Die Umsetzung
   erfolgt eng angelehnt an die jeweilige Politik der Gemeinschaft. Das jährliche Arbeitsprogramm
   kann bei dringendem Forschungsbedarf geändert werden.
Verbreitung der Ergebnisse, Wissenstransfer und Einbeziehung weiterer Kreise
Verbreitung und Übertragung von Kenntnissen stellen einen wesentlichen Mehrwert europäischer
Forschungsmaßnahmen dar; deshalb werden weitere Maßnahmen ergriffen, um die Nutzung der
Ergebnisse durch Industrie, politische Entscheidungsträger und Gesellschaft zu verbessern und die
auf diese Weise erzielte Wirkung zu steigern. Die Verbreitung wird als integrale Aufgabe in allen
Themenbereichen betrachtet – mit entsprechenden Einschränkungen für den Themenbereich "Si-
cherheit" aufgrund der Vertraulichkeitsaspekte der betreffenden Maßnahmen; dazu werden unter
anderem Mittel für Vernetzungs-/Vermittlungsdienstinitiativen, für Seminare und Veranstaltungen,
für die Unterstützung durch externe Experten und für elektronische Informationsdienste bereitge-
stellt. Hierzu ist für jeden Themenbereich Folgendes vorgesehen:
– Einbeziehung der Verbreitung und Weitergabe von Wissen im Rahmen der Projekte und Kon-
   sortien durch entsprechende Bestimmungen in den Förderregelungen und Berichtsvorschriften;
– gezielte Hilfsangebote für Projekte und Konsortien, um ihnen den Rückgriff auf die für eine opti-
   male Nutzung der Ergebnisse notwendigen Fähigkeiten zu erleichtern;
 ---pagebreak--- L 400/106       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
– proaktive Maßnahmen zur Verbreitung projektübergreifender Ergebnisse – auch solcher aus vor-
   herigen Rahmenprogrammen und anderen Forschungsprogrammen –, die sich speziell an
   bestimmte Sektoren oder interessierte Kreise richten, besonders an potenzielle Nutzer;
– Weitergabe der Erkenntnisse an die politisch Verantwortlichen, auch an Normungsgremien, mit
   dem Ziel einer leichteren Verwertbarkeit der politisch relevanten Ergebnisse durch die entspre-
   chenden internationalen, europäischen, nationalen oder regionalen Gremien;
– Einsatz der CORDIS-Dienste für die nutzerfreundliche Verbreitung von Wissen und die Nutzung
   der Forschungsergebnisse;
– Initiativen zur Förderung des Dialogs und der Debatten über wissenschaftliche Fragen und For-
   schungsergebnisse mit einer über die Wissenschaftskreise hinausgehenden breiteren Öffentlich-
   keit, wozu auch Organisationen der Zivilgesellschaft zählen;
Über das gesamte Rahmenprogramm hinweg wird die Koordinierung der Verbreitung und der
Weitergabe von Wissen gewährleistet. Komplementarität und Synergie zwischen diesem Programm
und anderen Gemeinschaftsprogrammen werden sichergestellt, insbesondere im Bereich der
Bildung, um wissenschaftliche Laufbahnen zu fördern. Maßnahmen zur Förderung der Innovation
werden im Rahmen des Programms "Wettbewerbsfähigkeit und Innovation" durchgeführt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/107
Beteiligung der KMU
Die optimale Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) wird themenbereichsübergrei-
fend erleichtert, vor allem durch verbesserte Finanzierungs- und Verwaltungsverfahren und eine
größere Flexibilität bei der Auswahl der geeigneten Förderform. Darüber hinaus werden der
Forschungsbedarf und die Fähigkeiten der KMU bei der inhaltlichen Konzipierung der Themen-
bereiche dieses spezifischen Programms gebührend berücksichtigt; die Bereiche, die für KMU von
besonderem Interesse sind, werden im Arbeitsprogramm entsprechend ausgewiesen. Konkrete Maß-
nahmen, darunter flankierende Maßnahmen zur Förderung der Beteiligung von KMU, werden
innerhalb dieses Programmteils im Rahmen einer für jeden Themenbereich zu entwickelnden
Strategie durchgeführt. Diese Strategien werden durch ein quantitatives und qualitatives Monitoring
anhand der gesteckten Ziele begleitet. Es wird angestrebt, dass mindestens 15 % der im Rahmen
dieses Programms verfügbaren Mittel an KMU gehen.
Während spezielle Maßnahmen zur Forschungsförderung zugunsten von KMU oder KMU-Zusam-
menschlüssen unter das spezifische Programm "Kapazitäten" fallen, werden Maßnahmen zur Förde-
rung der Beteiligung der KMU am Rahmenprogramm über das Programm "Wettbewerbsfähigkeit
und Innovation" gefördert.
 ---pagebreak--- L 400/108         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Ethische Aspekte
Bei der Durchführung dieses spezifischen Programms und den damit verbundenen Forschungstätig-
keiten müssen ethische Grundprinzipien beachtet werden. Hierzu gehören unter anderem die Prinzi-
pien, auf die sich die Charta der Grundrechte der Europäischen Union stützt, wie der Schutz der
menschlichen Würde und des menschlichen Lebens, der Schutz personenbezogener Daten und der
Privatsphäre sowie der Tier- und Umweltschutz gemäß dem Gemeinschaftsrecht und den letzten
Fassungen der einschlägigen internationalen Übereinkünfte, Leitlinien und Verhaltensregeln wie die
Erklärung von Helsinki, das am 4. April 1997 in Oviedo unterzeichnete Übereinkommen des Euro-
parates über Menschenrechte und Biomedizin und seine Zusatzprotokolle, das VN-Übereinkommen
über die Rechte des Kindes, die Allgemeine Erklärung der UNESCO über das menschliche Genom
und Menschenrechte, das VN-Übereinkommen über das Verbot biologischer Waffen und von
Toxinwaffen, der Internationale Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und
Landwirtschaft wie auch die einschlägigen Entschließungen der Weltgesundheitsorganisation
(WHO).
Zu berücksichtigen sind ferner die Stellungnahmen der Europäischen Beratergruppe für Fragen der
Ethik in der Biotechnologie (1991–1997) sowie der Europäischen Gruppe für Ethik der Natur-
wissenschaften und der Neuen Technologien (ab 1998).
Im Einklang mit dem Subsidiaritätsprinzip müssen die Teilnehmer an Forschungsprojekten ange-
sichts der Vielfalt der Ansätze in Europa die geltenden Rechtsvorschriften, Regelungen und
ethischen Regeln der Länder, in denen die Forschung durchgeführt wird, einhalten. Es gelten in
jedem Fall die nationalen Bestimmungen, so dass Forschungsarbeiten, die in einem Mitgliedstaat
oder einem anderen Land verboten sind, von der Gemeinschaft in diesem Mitgliedstaat bzw. Land
nicht finanziell unterstützt werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/109
Gegebenenfalls müssen die Teilnehmer an Forschungsprojekten vor der Aufnahme von FTE-Tätig-
keiten Genehmigungen der zuständigen nationalen oder lokalen Ethikausschüsse einholen. Bei Vor-
schlägen zu ethisch sensiblen Themen oder solchen, bei denen ethische Aspekte nicht ausreichend
gewürdigt wurden, führt die Kommission systematisch eine Ethikprüfung durch. In Einzelfällen
kann eine Ethikprüfung auch während der Durchführung des Projekts vorgenommen werden.
Forschungsmaßnahmen, die in allen Mitgliedstaaten untersagt sind, werden nicht gefördert.
Das dem Vertrag von Amsterdam beigefügte Protokoll über den Tierschutz und das Wohlergehen
der Tiere bestimmt, dass die Gemeinschaft bei der Festlegung und Durchführung der Gemein-
schaftspolitiken einschließlich der Forschung den Erfordernissen des Wohlergehens der Tiere in
vollem Umfang Rechnung trägt. Nach der Richtlinie 86/609/EWG des Rates vom 24. November
1986 zur Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten zum Schutz der
für Versuche und andere wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere 1 müssen alle Versuche so
konzipiert sein, dass
– Ängste, unnötige Schmerzen und Leiden der Versuchstiere vermieden werden,
– die geringstmögliche Anzahl von Tieren verwendet wird,
– die sinnesphysiologisch am wenigsten entwickelten Tiere verwendet werden und
– die geringsten Schmerzen, Leiden, Ängste oder dauerhaften Schäden auftreten.
1
        ABl. L 358 vom 18.12.1986, S. 1. Geändert durch Richtlinie 2003/65/EG des Europäischen
        Parlaments und des Rates (ABl. L 230 vom 16.9.2003, S. 32).
 ---pagebreak--- L 400/110        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Die Veränderung des genetischen Erbguts von Tieren und das Klonen von Tieren können nur in
Erwägung gezogen werden, wenn die Ziele aus ethischer Sicht gerechtfertigt, das Wohlbefinden der
Tiere gewährleistet und die Prinzipien der biologischen Vielfalt gewahrt sind.
Während der Durchführung dieses Programms werden wissenschaftliche Fortschritte sowie natio-
nale und internationale Bestimmungen von der Kommission regelmäßig verfolgt, damit sämtliche
Entwicklungen berücksichtigt werden können.
Die Ethikforschung in Bezug auf wissenschaftliche und technische Entwicklungen fällt unter den
Teil "Wissenschaft und Gesellschaft" des spezifischen Programms "Kapazitäten".
Verbundforschung
Die Verbundforschung wird den größten Teil und das Kernstück der gemeinschaftlichen For-
schungsförderung darstellen. Ziel dabei ist, in den Hauptbereichen des wissenschaftlichen Fort-
schritts herausragende Forschungsprojekte und -netze aufzubauen, die Forscher und Investitionen
aus Europa und der ganzen Welt anziehen und so die industriellen und technologischen Grundlagen
Europas stärken und die Politik der Gemeinschaft unterstützen.
Dazu soll die Verbundforschung auch mit aktiver Beteiligung der Industrie durch die verschiedenen
Förderformen unterstützt werden, nämlich durch Verbundprojekte, Exzellenznetze und Koordinie-
rungs- bzw. Unterstützungsmaßnahmen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/111
Gemeinsame Technologieinitiativen
In einer sehr begrenzten Anzahl von Fällen rechtfertigen der Umfang eines FTE-Ziels und die
Größenordnung der eingesetzten Ressourcen die Einrichtung langfristiger öffentlich-privater Part-
nerschaften in Form von gemeinsamen Technologieinitiativen. Diese Initiativen, die in erster Linie
auf die Arbeit europäischer Technologieplattformen zurückgehen und einen Aspekt oder einige we-
nige ausgewählte Aspekte der Forschung in ihrem Bereich betreffen, kombinieren privatwirtschaft-
liche Investitionen mit nationaler und europäischer Finanzierung durch die öffentliche Hand,
worunter auch die Zuschussfinanzierung durch das Forschungsrahmenprogramm und die Darle-
hensfinanzierung durch die Europäische Investitionsbank fallen. Jede gemeinsame Technologie-
initiative wird einzeln entweder auf der Grundlage von Artikel 171 des Vertrags (dazu kann auch
die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zählen) oder auf der Grundlage einer Änderung an
diesem spezifischen Programm gemäß Artikel 166 Absatz 3 des Vertrags beschlossen.
Gemeinsame Technologieinitiativen werden auf offene und transparente Weise anhand mehrerer
Kriterien festgelegt, zu denen unter anderem die Folgenden gehören:
– mangelnde Eignung der vorhandenen Instrumente zur Erreichung des Ziels;
– Größenordnung der Auswirkungen auf Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum der Industrie;
– Mehrwert des Handelns auf europäischer Ebene;
– detaillierte und klare Bestimmung des zu verfolgenden Ziels und der zu liefernden materiellen
   Ergebnisse;
– Niveau des Engagements der Industrie hinsichtlich der Bereitstellung von Finanzmitteln und
   Ressourcen;
 ---pagebreak--- L 400/112        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                   30.12.2006
– Bedeutung des Beitrags zu allgemeineren politischen Zielen einschließlich des Nutzens für die
   Gesellschaft;
– Möglichkeit, zusätzliche nationale Unterstützung zu gewinnen und Hebelwirkung auf unmittel-
   bare oder künftige Finanzierungen durch die Industrie zu entfalten.
Die Art der gemeinsamen Technologieinitiativen muss klar festgelegt werden, insbesondere im
Hinblick auf folgende Punkte:
– finanzielles Engagement;
– Dauer des Engagements der Teilnehmer;
– Regeln für die Aufnahme und die Beendigung der vertraglichen Tätigkeit;
– Rechte des geistigen Eigentums.
Angesichts der besonderen Aufgabenstellung und der Komplexität der gemeinsamen Technologie-
initiativen werden große Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass sie in transparenter
Weise durchgeführt werden und dass die Bereitstellung von Gemeinschaftsmitteln durch die
gemeinsamen Technologieinitiativen auf der Grundlage der im Rahmenprogramm festgelegten
Grundsätze der Exzellenz und des Wettbewerbs erfolgt.
Unter Beachtung der jeweils geltenden Durchführungsverfahren wird besonderes Augenmerk auf
die Gesamtkohärenz und -koordinierung zwischen gemeinsamen Technologieinitiativen und
nationalen Programmen und Projekten in den gleichen Bereichen 1 gerichtet sowie darauf, dass die
Teilnahme an ihren Projekten einem breiten Teilnehmerkreis in ganz Europa und insbesondere
KMU offen steht.
1
         Insbesondere mit den Maßnahmen der zwischenstaatlichen Forschungsstruktur EUREKA.
         Darüber hinaus könnten die Erfahrungen mit den EUREKA-Clustern für gemeinsame
         Technologieinitiativen in entsprechenden Bereichen relevant sein.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/113
Eine vorläufige Liste gemeinsamer Technologieinitiativen ist in Anhang IV enthalten. Anhand der
vorstehenden Kriterien können weitere gemeinsame Technologieinitiativen entworfen und während
der Durchführung des Siebten Rahmenprogramms vorgeschlagen werden.
Koordinierung von Forschungsprogrammen außerhalb des Gemeinschaftsrahmens
Für diesen Bereich wird auf zwei wichtige Instrumente zurückgegriffen: das ERA-NET-System und
die Beteiligung der Gemeinschaft an von mehreren Mitgliedstaaten gemeinsam durchgeführten na-
tionalen Forschungsprogrammen (Artikel 169 des Vertrags). Darüber hinaus sollen mit diesem
Maßnahmenbereich die Komplementarität und die Synergie zwischen dem Rahmenprogramm und
den im Rahmen zwischenstaatlicher Strukturen wie EUREKA, EIROforum und COST durchge-
führten Tätigkeiten verstärkt werden. Damit COST auch in Zukunft einen Beitrag zur Koordinie-
rung und zum Austausch zwischen national geförderten Forscherteams leisten kann, werden die
Verwaltungs- und Koordinierungstätigkeiten von COST finanziell unterstützt.
Fallen diese Tätigkeiten unter einen der Themenbereiche, werden sie als Bestandteil der im Rahmen
dieses Themenbereichs durchgeführten Maßnahmen unterstützt. Handelt es sich um horizontale
oder nicht direkt mit den zehn Themenbereichen in Zusammenhang stehende Maßnahmen, werden
sie gemeinsam themenbereichsübergreifend unterstützt 1.
Fallen die Maßnahmen unter ein anderes spezifisches Programm zur Durchführung des Siebten
Rahmenprogramms, werden sie über das jeweilige spezifische Programm gefördert.
1
        Hierzu könnte die eventuelle gemeinsame Durchführung von Programmen auf dem Gebiet
        der Metrologie zählen.
 ---pagebreak--- L 400/114         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
Innerhalb des ERA-NET-Systems wird die Koordinierung nationaler und regionaler Forschungs-
tätigkeiten folgendermaßen entwickelt und ausgebaut:
– Bereitstellung eines Rahmens für Akteure, die staatliche Forschungsprogramme durchführen, im
    Hinblick auf die stärkere Koordinierung ihrer Maßnahmen. Hierzu werden die Unterstützung
    neuer ERA-NETs gehören sowie die Förderung der Erweiterung und Vertiefung der bestehenden
    ERA-NETs, z.B. durch Ausweitung ihrer Partnerschaft, aber auch die gegenseitige Öffnung ihrer
    Programme. Gegebenenfalls könnten ERA-NETs für die Programmkoordinierung zwischen eu-
    ropäischen Regionen und zwischen Mitgliedstaaten zum Einsatz kommen, um ihre Zusammen-
    arbeit mit größeren Initiativen zu ermöglichen.
– In einer begrenzten Anzahl von Fällen Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Unterstützung
    durch die Gemeinschaft für diejenigen Teilnehmer, die ihre Ressourcen für gemeinsame Auffor-
    derungen zur Einreichung von Vorschlägen im Rahmen ihrer jeweiligen nationalen und regio-
    nalen Programme bündeln ("ERA-NET PLUS").
Die Beteiligung der Gemeinschaft an nationalen Forschungsprogrammen, die auf der Grundlage
von Artikel 169 gemeinsam durchgeführt werden, ist besonders relevant für die europäische
Zusammenarbeit in großem Maßstab, "die in variabler Geometrie" zwischen Mitgliedstaaten mit
gemeinsamen Bedürfnissen und/oder Interessen erfolgt. In genau festgelegten Fällen werden solche
auf Artikel 169 beruhende Initiativen in Bereichen in Angriff genommen, die in enger Abstimmung
mit den Mitgliedstaaten auf der Grundlage der in dem Beschluss über das Siebte Rahmenprogramm
aufgeführten Kriterien festzulegen sind, wobei auch die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit
zwischenstaatlichen Programmen besteht.
Eine vorläufige Liste von Initiativen für die gemeinsame Durchführung nationaler Forschungs-
programme ist in Anhang IV aufgeführt und könnte Gegenstand einer eigenen Entscheidung auf der
Grundlage von Artikel 169 des Vertrages sein. Weitere Initiativen können noch während der Durch-
führung des Siebten Rahmenprogramms entworfen und vorgeschlagen werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/115
Internationale Zusammenarbeit
Maßnahmen der internationalen Zusammenarbeit, die einen europäischen Zusatznutzen aufweisen
und von gegenseitigem Interesse sind, unterstützen eine internationale Wissenschafts- und Techno-
logiepolitik, die die beiden folgenden miteinander zusammenhängenden Ziele verfolgt:
– Förderung der Wettbewerbsfähigkeit Europas durch strategische wissenschaftlich-technische
   Partnerschaften mit Drittländern, auch mit hoch industrialisierten Ländern und Schwellenlän-
   dern, durch die Gewinnung der besten Wissenschaftler aus Drittländern für die Arbeit in und mit
   Europa;
– auf der Grundlage des gegenseitigen Interesses und des gegenseitigen Vorteils geführte Ausein-
   andersetzung mit besonderen Problemen, mit denen Drittländer konfrontiert sind oder die einen
   globalen Charakter haben.
Die Politik der Gemeinschaft auf dem Gebiet der internationalen wissenschaftlichen Zusammen-
arbeit wird bei dieser Zusammenarbeit einen Schwerpunkt setzen und sie ausbauen, um unter
Berücksichtigung des internationalen, nationalen, regionalen und sozioökonomischen Kontexts und
des Wissensfundus von Partnerländern durch ausgewogene Forschungspartnerschaften Erkenntnisse
hervorzubringen, gemeinsam zu nutzen und anzuwenden. Mit diesem strategischen Ansatz sollen
die Wettbewerbsfähigkeit der EU und die globale nachhaltige Entwicklung dadurch gestärkt wer-
den, dass – gestützt auf gegenseitiges Interesse und gegenseitigen Vorteil – bilaterale, regionale und
globale Partnerschaften zwischen der EU und Drittländern entstehen. Daher sollte die Rolle der EU
als globaler Akteur auch mit Hilfe multilateraler internationaler Forschungsprogramme gestärkt
werden. Die Maßnahmen zur internationalen Zusammenarbeit werden so gebündelt, dass die inter-
nationalen Verpflichtungen der EU ebenso berücksichtigt werden wie – unter dem Dach der nach-
haltigen Entwicklung – ihr Beitrag zu den Werten Europas, zur Wettbewerbsfähigkeit, zum sozio-
ökonomischen Fortschritt, zum Umweltschutz und zum Wohlstand.
 ---pagebreak--- L 400/116         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
Die internationale Zusammenarbeit wird in diesem spezifischen Programm themenbereichsbezogen
und themenbereichsübergreifend folgendermaßen verwirklicht:
• Die Beteiligung von Forschern und Forschungseinrichtungen aus allen Partnerländern der inter-
   nationalen Kooperation und Industrieländern 1 in den einzelnen Themenbereichen wird ver-
   stärkt – wobei für alle Drittländer, die keine assoziierten Länder sind, aufgrund der Vertraulich-
   keitsaspekte entsprechende Einschränkungen für den Themenbereich "Sicherheit" gelten. Ferner
   wird besonderer Wert darauf gelegt, Drittländer zur Teilnahme an den Bereichen von gegenseiti-
   gem Interesse zu ermuntern.
• Vorgesehen sind auf Drittländer zugeschnittene spezielle Kooperationsmaßnahmen in jedem
   Themenbereich, falls beiderseitiges Interesse an einer Zusammenarbeit bei Einzelthemen be-
   steht; die Auswahl erfolgt auf der Grundlage des wissenschaftlichen und technologischen Ni-
   veaus und Bedarfs dieser Länder. Die Ermittlung des Bedarfs und der Schwerpunkte steht in en-
   gem Zusammenhang mit den jeweiligen bilateralen Kooperationsabkommen und mit den laufen-
   den multilateralen und bi-regionalen Gesprächen zwischen der EU und diesen Ländern oder
   Ländergruppen. Über die Schwerpunkte wird anhand des jeweiligen Bedarfs und Potenzials so-
   wie der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region bzw. in dem Land entschieden.
Hierzu werden eine Strategie für die internationale Zusammenarbeit und ein Durchführungsplan
aufgestellt, die spezielle gezielte Maßnahmen zu einzelnen oder übergreifend zu mehreren Themen-
bereichen wie Gesundheit, Landwirtschaft, Hygiene, Wasser, Lebensmittelsicherheit, sozialer Zu-
sammenhalt, Energie, Umwelt, Fischerei, Aquakultur und natürliche Ressourcen, nachhaltige Wirt-
schaftspolitik und Informations- und Kommunikationstechnologien enthalten.
1
        Gemäß den Beteiligungs– und Verbreitungsregeln.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/117
Diese Maßnahmen stehen bei der Verwirklichung der Zusammenarbeit zwischen der Gemeinschaft
und diesen Ländern im Vordergrund. Hierzu gehören insbesondere Maßnahmen zum Ausbau der
Forschungs- und Kooperationskapazitäten von Bewerberländern, Anrainerstaaten sowie von Ent-
wicklungs- und Schwellenländern. Durchgeführt werden diese Maßnahmen mittels gezielter Auf-
forderungen zur Einreichung von Vorschlägen, wobei besonderer Wert darauf gelegt wird, den
jeweiligen Drittländern, insbesondere den Entwicklungsländern, den Zugang zu diesen Maßnahmen
zu erleichtern.
Diese Maßnahmen werden im Einklang mit den Maßnahmen für die internationale Zusammenarbeit
im Rahmen der spezifischen Programme "Menschen" und "Kapazitäten" durchgeführt. Unterstützt
wird diese Maßnahme durch eine Gesamtstrategie für internationale Zusammenarbeit innerhalb des
Rahmenprogramms.
                                      THEMENBEREICHE
1.       Gesundheit
Ziel
Verbesserung der Gesundheit der europäischen Bürger und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit
und Innovationskraft der im Gesundheitssektor tätigen europäischen Unternehmen auch mit Blick
auf globale Gesundheitsfragen, wie neu auftretende Epidemien. Schwerpunkte bilden die "transla-
tionale Forschung" (Übertragung der Ergebnisse der Grundlagenforschung in klinische Anwendun-
gen einschließlich der wissenschaftlichen Validierung von Testergebnissen), die Entwicklung und
Validierung neuer Therapien und Verfahren für Gesundheitsförderung und Prävention einschließ-
lich der Förderung der Gesundheit von Kindern, des Alterns in Gesundheit, Diagnoseinstrumente
und Medizintechnik sowie nachhaltige und wirksame Gesundheitssysteme.
 ---pagebreak--- L 400/118         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Ansatz
Dieser Forschungsbereich wird unser Verständnis dafür erweitern, wie die Gesundheitsförderung,
der Abbau von Unterschieden in der Gesundheitsversorgung in Europa, die Prävention und Be-
handlung schwerer Krankheiten sowie der Erbringung von Leistungen der Gesundheitsfürsorge ef-
fizienter gestaltet werden können. Die biomedizinische Grundlagenforschung wird integraler Be-
standteil dieses Themenbereichs sein, in dem eine multidisziplinäre Vorgehensweise besonders
wichtig ist.
Diese Forschung wird dazu beitragen, dass die riesigen Mengen von genomischen, epidemiologi-
schen, biologischen und biotechnologischen Daten integriert und Schlüsseltechnologien für gesund-
heitsbezogene Branchen entwickelt werden, damit Wissen und Kapazitäten für Behandlungen auf-
gebaut werden können. Gefördert wird ferner die translationale Gesundheitsforschung, die uner-
lässlich ist, wenn aus den Erkenntnissen der biomedizinischen Forschung ein praktischer Nutzen –
auch im Hinblick auf eine bessere Lebensqualität – erwachsen soll. Damit kann Europa wirksamer
zu den internationalen Anstrengungen zur Bekämpfung von Krankheiten mit globaler Bedeutung
beitragen, wie das laufende Programm "Partnerschaft der Europäischen Länder und der Entwick-
lungsländer zur Durchführung klinischer Studien (EDCTP)" bei der Bekämpfung von HIV/AIDS,
Malaria und Tuberkulose (Artikel 169) zeigt 1. Dies stärkt die gesundheitspolitisch ausgerichteten
europaweiten Forschungsarbeiten und ermöglicht insbesondere Vergleiche zwischen den Modellen,
Systemen und Daten der nationalen Datenbanken. In diesem Zusammenhang kommt der Vernet-
zung der einschlägigen Datenbanken besondere Bedeutung zu.
1
        Bei Bedarf können auch weitere wichtige Initiativen zur Koordinierung der nationalen For-
        schungsprogramme unterstützt werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/119
Die betreffenden Forschungsarbeiten werden dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit in der me-
dizinischen Biotechnologie und Medizintechnik in Europa, in denen die wichtigsten wirtschaftli-
chen Impulse von den KMU kommen, sowie in der Arzneimittelindustrie zu verbessern. Diese Ar-
beiten können die Förderung der europäischen Technologieplattform 1 zur innovativen Medizin ein-
schließen, mit der Forschungsengpässe in der Arzneimittelentwicklung überwunden werden sollen.
Besonderes Augenmerk gilt dem Brückenschlag zwischen Forschung und Verwertung, wobei
Machbarkeitsnachweise und klinische Validierung gefördert werden sollen. Damit wird auch ein
Beitrag zur Ausarbeitung von Normen und Standards für neue fortschrittliche Therapien (wie z.B.
die regenerative Medizin) geleistet, die die Unternehmen in der EU benötigen, um im weltweiten
Wettbewerb Schritt zu halten. Es sollte gewährleistet werden, dass europäische Forschung und
Innovation im Bereich alternativer Prüfstrategien, insbesondere Prüfmethoden ohne Tierversuche,
weltweit führend sind.
Gegebenenfalls werden bei den Forschungsprojekten geschlechterspezifische Fragen berücksichtigt
und einbezogen 2. Insbesondere wird darauf Wert gelegt, dass zu einem möglichst frühen Zeitpunkt
die Ergebnisse neuer Entwicklungen aus der biomedizinischen und genetischen Forschung weiter-
gegeben werden und dass ein Dialog mit der Bürgergesellschaft, insbesondere mit Patientengrup-
pen, aufgenommen wird. Ferner wird eine weite Verbreitung und Anwendung der Ergebnisse
sichergestellt.
1
        Strategische Forschungsagenden anderer europäischer Technologieplattformen können dann
        gefördert werden, wenn sie für Unternehmen des Gesundheitssektors von großer Bedeutung
        sind.
2
        Häufig gibt es bei den Risikofaktoren, den biologischen Mechanismen, den Ursachen, den
        klinischen Auswirkungen, den Folgen und der Behandlung von Krankheiten und
        Dysfunktionen Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Daher muss bei allen im
        Rahmen dieses Themenbereichs geförderten Maßnahmen berücksichtigt werden, dass sich
        diese Unterschiede in den Forschungsprotokollen, der Methodik und der
        Ergebnisauswertung niederschlagen können.
 ---pagebreak--- L 400/120        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Den strategischen Fragen – Gesundheit von Kindern 1 und Gesundheit der alternden Bevölkerung –
wird besonderes Augenmerk gewidmet; sie müssen bei allen Maßnahmen in diesem Themenbereich
berücksichtigt werden, wann immer dies angebracht ist, wobei die Schwerpunkte dem Arbeits-
programm zu entnehmen sind. Ferner werden weitere multidisziplinäre Bereiche einbezogen. Damit
wird sichergestellt, dass Überschneidungen vermieden und diese Fragen in allen Themenbereichen
sichtbar und kohärent behandelt werden.
Ethische, rechtliche und sozioökonomische Fragen werden im Rahmen jeder der folgenden Maß-
nahmen berücksichtigt 2.
Maßnahmen
• Biotechnologie, generische Instrumente und Medizintechnik im Dienst der menschlichen
   Gesundheit
Mit dieser Maßnahme sollen die Instrumente und Technologien entwickelt und validiert werden, die
für die Gewinnung neuer Erkenntnisse und deren Umsetzung in praktische Anwendungen in der
Gesundheitsfürsorge und der Medizin benötigt werden.
– Hochdurchsatzforschung: Beschleunigung des Fortschritts bei der Entwicklung neuer
   Forschungsinstrumente für die moderne Biologie einschließlich der grundlegenden Genomik, die
   die Datengenerierung sowie die Standardisierung, Erfassung und Auswertung von Daten und
   Proben (Biobanken) deutlich verbessern. Schwerpunkt sind die neuen Technologien für Sequen-
   zierung, Genexpression, Genotypisierung und Phänotypisierung, Struktur– und Funktions-
   genomik, Bioinformatik und Systembiologie sowie andere "-omik"-Disziplinen.
1
        Unterstützt werden insbesondere spezielle klinische Studien, mit denen Nachweise für den
        geeigneten Einsatz von patentfreien Arzneimitteln erbracht werden sollen, die derzeit ohne
        ausdrückliche pädiatrische Zulassung Kindern verabreicht werden.
2
        Die spezifischen Forschungsarbeiten in Bezug auf ethische, rechtliche und
        sozioökonomische Aspekte werden im Themenbereich "Sozial-, Wirtschafts- und
        Geisteswissenschaften" im Rahmen des spezifischen Programms "Zusammenarbeit" und im
        spezifischen Programm "Kapazitäten" behandelt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/121
– Erkennung, Diagnose und Monitoring: Entwicklung von Instrumenten und Technologien für
   Visualisierung, Bildgebung, Nachweis- und Analysewerkzeuge und -technologien für die
   biomedizinische Forschung, für Vorhersage, Diagnose, Monitoring und Prognose von Krank-
   heiten sowie zur Unterstützung und Begleitung therapeutischer Maßnahmen. Schwerpunkt ist ein
   multidisziplinärer Ansatz zur Einbeziehung von Bereichen wie Molekular- und Zellbiologie,
   Physiologie, Genetik, Physik, Chemie, biomedizinische Techniken einschließlich Nanotechno-
   logie, Mikrosysteme, Geräte und Informationstechnologien. Besonderes Gewicht wird auf
   nichtinvasive bzw. minimalinvasive und quantitative Verfahren sowie Fragen der Qualitäts-
   sicherung gelegt.
– Prognosen zur Eignung, Sicherheit und Wirksamkeit von Therapien: Entwicklung und Validie-
   rung von Parametern, Instrumenten, Verfahren und Normen zur Versorgung des Patienten mit
   sicheren und wirksamen neuen oder verbesserten Arzneimitteln aus der Biomedizin 1. Schwer-
   punkt sind Konzepte wie die Pharmakogenomik, die Entwicklung und Validierung von biologi-
   schen Markern, Konzepten für therapeutisch selektive Wirkstoffe und Wirkstofffreisetzung so-
   wie von In-silico-, In-vitro- (auch Alternativen zu Tierversuchen) und In-vivo-Verfahren und –
   Modellen 2.
– Innovative therapeutische Ansätze und Behandlungsmethoden: Erforschung, Konsolidierung und
   Weiterentwicklung fortschrittlicher Therapien und Technologien mit großer potenzieller An-
   wendungsbreite. Schwerpunkt sind u. a. die Gen- und Zelltherapie, regenerative Medizin, Trans-
   plantation, Immunotherapie und Impfstoffe sowie andere Medizinbereiche. Behandelt werden
   auch verwandte Technologien, wie fortschrittliche Systeme zur gezielten Verabreichung, mo-
   derne Implantate und Prothetik sowie nichtinvasive oder minimalinvasive technologiegestützte
   Eingriffe.
1
        Bei herkömmlichen Arzneimitteln (Pharmaka und Biopharmaka) werden diese Fragen im
        Rahmen der gemeinsamen Technologieinitiative zur innovativen Medizin behandelt.
2
        Alternativen (im Sinne von Ersetzung, Verfeinerung und Verringerung) zu Tierversuchen in
        der biomedizinischen Forschung.
 ---pagebreak--- L 400/122         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
• Translationale Forschung im Dienst der menschlichen Gesundheit
Ziel dieser Maßnahme ist es, mehr Erkenntnisse über die biologischen Prozesse und Mechanismen
bei normaler Gesundheit und bestimmten Krankheiten zu gewinnen, dieses Wissen in klinische
Anwendungen einschließlich der Bekämpfung und Behandlung von Krankheiten zu übertragen und
sicherzustellen, dass die klinischen Daten einschließlich der epidemiologischen Daten für weitere
Forschungsarbeiten genutzt werden.
-         Integration biologischer Daten und Prozesse: groß angelegte Datenerhebung und System-
          biologie
          • Groß angelegte Datenerhebung: Einsatz von Hochdurchsatztechnologien zur Generie-
             rung von Daten, mit denen sich die Funktion von Genen und Genprodukten sowie deren
             Wechselwirkungen in komplexen Netzen in wichtigen biologischen Prozessen erhellen
             lassen. Schwerpunktbereiche sind Genomik, Proteomik, "RNS-omik", Populations-
             genetik sowie komparative, strukturelle und funktionelle Genomik.
          • Systembiologie: Schwerpunkt ist die multidisziplinäre Forschung unter Einbeziehung
             einer großen Bandbreite biologischer Daten, mit deren Hilfe Systemkonzepte entwickelt
             und angewendet werden, um so biologische Prozesse in allen relevanten Organismen
             und auf allen Organisationsstufen verstehen und modellieren zu können.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/123
-        Hirnforschung und Erforschung von Hirnerkrankungen, der Humanentwicklung und des
         Alterns
          • Erkrankungen des Gehirns und verwandte Krankheiten: bessere Erforschung der
            integrierten Struktur und Dynamik des Gehirns, von Hirnerkrankungen – einschließlich
            relevanter altersbedingter Krankheiten (wie beispielsweise Demenz, parkinsonsche
            Krankheit) – und neuen Therapien. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines umfas-
            senden Verständnisses des Gehirns durch Untersuchung der Hirnfunktionen – von den
            Molekülen bis hin zur Wahrnehmung einschließlich der Neuroinformatik – und der
            Funktionsstörungen des Gehirns, von synaptischen Störungen bis zur Neurodegenera-
            tion. Die Forschung wird auf neurologische und psychiatrische Erkrankungen und
            Dysfunktionen, einschließlich regenerativer und restaurativer therapeutischer Ansätze,
            abstellen.
          • Entwicklung und Altern des Menschen: Nutzung eines breiten Spektrums von Metho-
            den und Instrumenten zur besseren Erforschung der lebenslangen Entwicklungsprozesse
            und des Alterns in Gesundheit. Schwerpunkt ist die Untersuchung von Human- und
            Modellsystemen, auch der Wechselwirkungen mit Faktoren wie Umwelt, Genetik,
            Verhalten und Geschlecht.
-        Translationale Forschung über Infektionskrankheiten: Bekämpfung schwerwiegender
         Bedrohungen der Gesundheit der Bevölkerung
          • Resistenzen gegen antimikrobielle Arzneimittel einschließlich fungaler Pathogene:
            Schwerpunkt ist die Verknüpfung der Grundlagenforschung auf den Gebieten Moleku-
            larmechanismen der Resistenz, mikrobielle Ökologie und Wirt-Erreger-Wechselwir-
            kung mit der klinischen Erforschung neuer Maßnahmen zur Reduzierung des Auftretens
            und der Verbreitung von multiresistenten Infektionen.
 ---pagebreak--- L 400/124         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
          • HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose: Schwerpunkt ist die Entwicklung neuer Thera-
             pien, Diagnoseverfahren, präventiver Mittel wie Impfstoffe und chemischer Übertra-
             gungshemmer wie HIV-Mikrobizide. Die Forschungsanstrengungen gelten der welt-
             weiten Bekämpfung der drei Krankheiten, befassen sich aber auch mit bestimmten
             europaspezifischen Aspekten der drei Krankheiten sowie mit Hepatitis. Besonderer
             Wert wird auf präklinische und frühklinische Forschungstätigkeiten gelegt, gegebenen-
             falls in Zusammenarbeit mit globalen Initiativen (z.B. für HIV/AIDS-Impfstoffe).
          • Potenzielle neu oder erneut auftretende Epidemien: Schwerpunkt ist die Bekämpfung
             neu auftretender Krankheitserreger mit pandemischem Potenzial, einschließlich Zoo-
             nosen (wie SARS und hochpathogene Influenza). Gegebenenfalls werden Vorkehrun-
             gen für die rasche Aufnahme von Verbundforschungstätigkeiten getroffen, um im Not-
             fall die Entwicklung neuer Diagnostika, Arzneimittel und Impfstoffe für die wirksame
             Prävention, Behandlung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten zu beschleunigen.
-         Translationale Forschung bei sonstigen schweren Krankheiten 1
          • Krebs: Schwerpunkte sind die Ätiologie der Erkrankung, neue Arzneimittel und neue
             Therapien, die Ermittlung und Validierung von Zielstrukturen und biologischen
             Markern für Arzneimittel für die Prävention, Frühdiagnose und Behandlung sowie die
             Bewertung präventiver Prognose-, Diagnose- und Therapiemaßnahmen.
1
        Aspekte der Palliativmedizin und des Wirkstoffeinsatzes werden berücksichtigt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/125
          • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Schwerpunkt ist die Diagnose, Prävention, Behandlung
              und Überwachung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (einschließlich vaskulärer Aspekte
              beim Schlaganfall) unter Einsatz breit gefasster multidisziplinärer Konzepte.
          • Diabetes und Adipositas: In Bezug auf Diabetes liegt der Schwerpunkt auf der Ätiologie
              der verschiedenen Diabetesarten und ihrer jeweiligen Prävention und Behandlung. In
              Bezug auf Adipositas liegt der Schwerpunkt auf multidisziplinären Konzepten unter
              Einschluss von Genetik, Lebensstil und Epidemiologie. In Bezug auf Diabetes wie auch
              Adipositas wird Jugendkrankheiten und in der Kindheit wirkenden Faktoren besondere
              Aufmerksamkeit gewidmet.
          • Seltene Krankheiten: Schwerpunkte sind europaweite Studien der natürlichen Ent-
              stehung und der Pathophysiologie sowie die Entwicklung von Präventions-, Diagnose-
              und Therapiemaßnahmen. Hierunter fallen auch seltene Phänotypen verbreiteter Krank-
              heiten.
          • Sonstige chronische Krankheiten: Schwerpunkte sind nicht tödlich verlaufende Krank-
              heiten, die sich jedoch erheblich auf die Lebensqualität im Alter auswirken, wie funk-
              tionelle und sensorische Beeinträchtigungen, und sonstige chronische Krankheiten (wie
              Arthritis, rheumatische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie Erkran-
              kungen der Atemwege auch infolge von Allergien).
• Optimierung der Gesundheitsfürsorge für die europäischen Bürger
Ziel ist es, die notwendigen Grundlagen bereitzustellen, auf die sich fundierte gesundheitspolitische
Entscheidungen und wirksamere und effizientere faktengestützte Strategien zur Gesundheitsförde-
rung, Krankheitsprävention, -diagnose und -therapie stützen können.
 ---pagebreak--- L 400/126         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
-         Übertragung der Ergebnisse klinischer Forschung in die klinische Praxis: Hierzu gehören
          unter anderem der verbesserte Einsatz von Arzneimitteln und angepasste verhaltens-
          medizinische und organisatorische Maßnahmen sowie neue Gesundheitstherapien und
          -technologien. Besonderes Augenmerk gilt der Patientensicherheit einschließlich negativer
          Wirkungen der Medikation: Optimierung der klinischen Praxis, Gewinnung von Erkennt-
          nissen über die klinische Entscheidungsfindung bei der Erbringung primärer und speziali-
          sierter Leistungen, verstärkte Anwendung faktengestützter Medizin und Stärkung der
          Patientenrechte. Schwerpunkte sind der Leistungsvergleich von Strategien, die Auswertung
          der Ergebnisse unterschiedlicher Behandlungen einschließlich Arzneimittel, wissenschaft-
          lich getestete ergänzende und alternative Arzneimittel sowie neue Therapien und Gesund-
          heitstechnologien, wobei Verschreibungsstrategien, einige Aspekte der Erkenntnisse aus
          der Arzneimittelüberwachung, spezielle Merkmale der Patienten (wie genetische
          Dispositionen, Alter, Geschlecht und Therapietreue) sowie Kostenfragen berücksichtigt
          werden.
-         Qualität, Effizienz und Solidarität der Gesundheitssysteme, einschließlich der Gesundheits-
          systeme im Umbau: Damit soll den Ländern ermöglicht werden, aus den Erfahrungen
          anderer Gesundheitssysteme und ihrer Nachhaltigkeit zu lernen, wobei die jeweiligen
          nationalen Zusammenhänge und Bevölkerungsmerkmale (Alterung, Mobilität, Migration,
          Bildung, sozioökonomischer Status, veränderte Arbeitswelt usw.) zu berücksichtigen sind.
          Schwerpunkte sind die organisatorischen, finanziellen und ordnungspolitischen Aspekte
          der Gesundheitssysteme (Beurteilung der Kosten, der Wirksamkeit und des Nutzens
          verschiedener Behandlungsmethoden auch im Hinblick auf die Sicherheit der Patienten)
          sowie Umsetzung und Ergebnisse in Bezug auf Effizienz, Wirksamkeit und Gleich-
          behandlung (auch benachteiligter Bevölkerungsgruppen). Besonderes Augenmerk gilt den
          Investitionen und Humanressourcen einschließlich der Strategien für die häusliche
          Betreuung. Behandelt wird auch die Frage von Autonomie, Lebensqualität und Mobilität
          der alternden Bevölkerung.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/127
-         Verstärkte Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention: Ziel ist die Bereitstellung von
          Nachweisen zur Optimierung der Maßnahmen, die das öffentliche Gesundheitswesen auf
          unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Zusammenhängen hinsichtlich Lebensstil
          sowie Arbeits- und Lebensumfeld ergreifen kann. Schwerpunkte bilden gesundheits-
          relevante Faktoren im weiteren Sinne und deren Wechselwirkung bei Individuen und
          Gruppen (wie Ernährung, Stress, Tabak, Alkohol und andere Stoffe, körperliche Betäti-
          gung, kultureller Hintergrund, sozioökonomische und ökologische Faktoren). Besonderes
          Augenmerk gilt der mentalen Gesundheit im gesamten Lebensverlauf.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Zusammenarbeit bildet einen integralen Bestandteil dieses Themenbereichs und
ist besonders für die Bereiche von Bedeutung, die sich mit globalen Gesundheitsproblemen, wie
Resistenzen gegen antimikrobielle Arzneimittel, HIV/AIDS, Malaria, Tuberkulose, vernachlässig-
ten Krankheiten und neu auftretenden Pandemien befassen. Dies kann sich auch auf die Festlegung
von Schwerpunkten bei internationalen Initiativen wie das "Global HIV Vaccine Enterprise" (Welt-
weites Projekt für einen HIV/AIDS-Impfstoff) auswirken. Vorbehaltlich der Konsolidierung einer
langfristigen und nachhaltigen Partnerschaft in der klinischen Forschung zwischen Europa und den
Entwicklungsländern und vorbehaltlich der Einbeziehung nationaler Programme oder Maßnahmen
der teilnehmenden Länder kann je nach den Ergebnissen und dem künftigen Bedarf das Programm
"Partnerschaft der europäischen Länder und Entwicklungsländer zur Durchführung klinischer Stu-
dien" (EDCTP) weiter unterstützt werden 1. Der Schwerpunkt des EDCTP-Programms liegt auch in
Zukunft auf der fortgeschrittenen klinischen Erprobung neu entwickelter Impfstoffe, Mikrobizide
und Arzneimittel gegen die genannten drei Krankheiten in den afrikanischen Ländern südlich der
Sahara. Zu diesem Zweck kann im Arbeitsprogramm ein Beitrag der Gemeinschaft für die Europäi-
sche Wirtschaftliche Interessenvereinigung EDCTP zur Durchführung des Programms vorgesehen
werden; hierfür – und für die Neuzuweisung des Gemeinschaftsbeitrags – ist die Zustimmung der
Kommission erforderlich.
1
        Die Kommission wird eine Bewertung des EDCTP vornehmen.
 ---pagebreak--- L 400/128        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Besondere Maßnahmen der Zusammenarbeit werden auf den Gebieten ergriffen, die im Rahmen
bi-regionaler Gespräche in Drittländern bzw. -regionen und internationalen Foren sowie im Zusam-
menhang mit den Millenniums-Entwicklungszielen benannt wurden. Zu diesen an lokale Bedürf-
nisse angepassten und im Rahmen der Partnerschaften abgestimmten Schwerpunkten zählt Folgen-
des: gesundheitspolitische Forschung, Gesundheitssysteme, Gesundheitsfürsorgedienste, Gesund-
heit von Müttern und Kindern, reproduktive Gesundheit, Bekämpfung und Überwachung vernach-
lässigter übertragbarer Krankheiten und neu auftretende, nicht vorhergesehene politische Erforder-
nisse in den betreffenden Regionen.
In Kombination mit dem Themenbereich "Informations- und Kommunikationstechnologien" wird
ein jährlicher Mitgliedsbeitrag an die internationale "Human Frontier Science Programme Organi-
sation" (HFSPO) 1 entrichtet. Dies eröffnet den EU-Mitgliedstaaten, die nicht der G8-Runde an-
gehören, die Möglichkeit, das "Human Frontier Science Programme" (HFSP) uneingeschränkt zu
nutzen, und wird bewirken, dass die europäische Forschung besser wahrgenommen wird.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Forschungstätigkeiten aufgrund neu auftretender Erfordernisse werden auf der Grundlage von nach
dem "Bottom-up-Ansatz" konzipierten gezielten Initiativen in Abstimmung mit anderen Themen-
bereichen ergriffen, was zu einem breit gefassten interdisziplinären Forschungsspektrum führt. Die
Förderung bei unvorhergesehenen politischen Erfordernissen kann sich beispielsweise auf Folgen-
des erstrecken: Lebens- und Arbeitsbedingungen, Abschätzung von Folgen für die Gesundheit,
Risikoabschätzung, statistische Indikatoren, Management und Kommunikation im öffentlichen
Gesundheitswesen sowie Verpflichtungen aufgrund internationaler Verträge zum Schutz der
Gesundheit, wie etwa das Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums 2 und die
internationalen Gesundheitsvorschriften 3. Dies stellt eine Ergänzung der bereits genannten gesund-
heitspolitisch ausgerichteten förderfähigen Forschungstätigkeiten dar.
1
        Die Europäische Gemeinschaft ist Mitglied der HFSP-Organisation (HFSPO) und hat bereits
        das HFSP im Rahmen der vorhergehenden Forschungsrahmenprogramme gefördert.
2
        Rahmenübereinkommen über die Eindämmung des Tabakkonsums im Anhang des
        Beschlusses 2004/513/EG.
3
        Internationale Gesundheitsvorschriften 2005 – Entschließung 58.3 der 58. WHO-
        Versammlung vom 23. Mai 2005.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/129
2.     Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei und Biotechnologie
Ziel
Aufbau einer europäischen wissensgestützten Bio-Wirtschaft 1 durch die Zusammenführung von
Wissenschaft, Industrie und anderen Interessenträgern zur Erkundung neuer und sich abzeichnender
Forschungsmöglichkeiten, die sich mit den gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen
Herausforderungen befassen: wachsende Nachfrage nach sichereren, gesünderen und höherwertigen
Lebensmitteln und Forderung nach nachhaltiger Nutzung und Produktion erneuerbarer biologischer
Ressourcen; wachsende Gefahr von Epizoonosen und Zoonosen sowie von lebensmittelbedingten
Dysfunktionen; Gefährdung der Nachhaltigkeit und Sicherheit der landwirtschaftlichen Erzeugung,
der Aquakultur und der Fischerei; wachsende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Lebensmit-
teln, deren Erzeugung dem Tierschutz, dem ländlichen Umfeld und den Gegebenheiten in Küsten-
gebieten und speziellen Ernährungsbedürfnissen der Verbraucher Rechnung trägt.
1
        Der Begriff der "Bio-Wirtschaft" bezieht sich auf alle Unternehmen und
        Wirtschaftssektoren, die biologische Ressourcen erzeugen, bewirtschaften und anderweitig
        nutzen, sowie auf verwandte Dienstleistungen, und Unternehmen, wie landwirtschaftliche
        Betriebe, die Lebensmittel-, Fischerei- und Forstindustrie, die Erzeugnissen anbieten bzw.
        selbst verbrauchen.
 ---pagebreak--- L 400/130        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Ansatz
Mit diesem Themenbereich werden die Wissensgrundlagen verbreitert, es werden Innovationen
gefördert und die Politik wird beim Auf- und Ausbau einer europäischen wissensgestützten Bio-
Wirtschaft unterstützt. Schwerpunkte sind die nachhaltige Bewirtschaftung, Erzeugung und Nut-
zung biologischer Ressourcen, vor allem durch den Einsatz der Biowissenschaften und der Biotech-
nologien im Zusammenspiel mit anderen Technologien, die Bereitstellung neuer, sichererer, er-
schwinglicher, umweltfreundlicher und wettbewerbsfähiger Produkte durch die europäische Land-
wirtschaft, Fischerei und Aquakultur, sowie durch die Futtermittel-, Lebensmittel- 1, Gesundheits-
und Forstindustrie und verwandte Industriezweige. Die Forschungsarbeiten werden einen wichtigen
Beitrag dazu leisten, Gemeinschaftsstrategien und -vorschriften insbesondere für folgende Bereiche
auszuarbeiten und umzusetzen: Gemeinsame Agrarpolitik, landwirtschaftliche Fragen, Handels-
fragen, Sicherheitsaspekte von GVO, Vorschriften über Lebensmittelsicherheit, Gemeinschaftsvor-
schriften über Pflanzengesundheit, Tiergesundheit in der Gemeinschaft, Krankheitsbekämpfung und
Sozialstandards, Umweltschutz und biologische Vielfalt, europäische forstwirtschaftliche Strategie,
Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik mit Blick auf eine nachhaltige Entwicklung der Fische-
rei und der Aquakultur und auf die Sicherheit der aus dem Meer stammenden Lebensmittel. Zur
Auswertung, Weiterentwicklung und Überwachung dieser Strategien sollen mit den Forschungs-
arbeiten auch neue Indikatoren entwickelt und bereits vorhandene angepasst werden.
Die Forschung wird unter Berücksichtigung der multifunktionalen Rolle der Landwirtschaft die
ländliche Wirtschaft dabei unterstützen, zur Erreichung des Ziels der nachhaltigen Entwicklung
beizutragen.
1
        Der Begriff "Lebensmittel" schließt auch Meeresfrüchte ein.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/131
Vor allem die Unternehmen des Agro-Lebensmittelbereichs, zu 90 % KMU, werden von vielen
Forschungstätigkeiten profitieren, z.B. von den gezielten Maßnahmen für die Verbreitung der
Ergebnisse und den Technologietransfer, insbesondere hinsichtlich der Einbeziehung und Über-
nahme moderner umweltfreundlicher Technologien und Verfahren und der Ausarbeitung von
Normen. Von den High Tech-Neugründungen im Bio-, Nano- und IKT-Bereich wird ein beträcht-
licher Beitrag zur Pflanzenzüchtung, zur Verbesserung der Kulturpflanzen und zum Pflanzenschutz
sowie zu modernen Nachweis- und Überwachungstechnologien erwartet, mit denen die Lebens-
mittelsicherheit und -qualität sichergestellt und neue industrielle Bioverfahren entwickelt werden
sollen.
Mehrere europäische Technologieplattformen, die sich mit Fragen der Pflanzengenomik, der Bio-
technologie, der Forstwirtschaft und der forstwirtschaftlichen Unternehmen, der globalen Tier-
gesundheit, der Tierzucht, der Lebensmittel, der Aquakultur und der industriellen Biotechnologie
befassen, können dazu beitragen, gemeinsame Forschungsschwerpunkte für diesen Themenbereich
festzulegen und etwaige künftige groß angelegte Initiativen, wie etwa Demonstrationsprojekte zu
ermitteln, und für eine breite Teilnahme und Einbindung sämtlicher interessierten Kreise sorgen.
Gegebenenfalls werden in enger Zusammenarbeit mit den ERA-NET-Projekten, den Technologie-
plattformen und anderen in Frage kommenden Akteuren, wie dem ständigem Agrarforschungsaus-
schuss oder einer künftigen europäischen Struktur zur Koordinierung der Meeresforschung, Maß-
nahmen ergriffen, um die Koordinierung nationaler Forschungsprogramme zu verbessern.
Die Maßnahmen beinhalten gegebenenfalls die Berücksichtigung gesellschaftlicher, ethischer,
geschlechtsspezifischer, rechtlicher, ökologischer, wirtschaftlicher und im weitesten Sinne
kultureller Fragen sowie Risiken und Auswirkungen (Prognosen) der wissenschaftlichen und
technologischen Entwicklung.
 ---pagebreak--- L 400/132         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Maßnahmen
• Nachhaltige Erzeugung und Bewirtschaftung der biologischen Ressourcen aus Böden, Wäl-
   dern und der aquatischen Umwelt 1
-         Erforschung der wichtigsten langfristigen Faktoren für eine nachhaltige Erzeugung und
          Bewirtschaftung biologischer Ressourcen (Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere), ein-
          schließlich der Nutzung der biologischen Vielfalt und neuartiger bioaktiver Moleküle
          innerhalb dieser biologischen Systeme. Zu den Forschungsgebieten gehören auch die
          "-omik"-Technologien, wie Genomik, Proteomik, Metabolomik und konvergierende
          Technologien und deren Einbindung in die Systembiologie, sowie die Entwicklung grund-
          legender Instrumente und Technologien, wie der Bioinformatik und entsprechender Daten-
          banken, sowie von Verfahren zum Nachweis von Varietäten innerhalb von Artengruppen.
-         Stärkung der Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit bei Gewährleistung der Gesundheit
          der Verbraucher und – unter Berücksichtigung der Klimaänderung – verringerten Umwelt-
          auswirkungen in Landwirtschaft, Gartenbau, Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur
          durch die Entwicklung neuer Technologien, Geräte, Überwachungssysteme, neuartiger
          Pflanzen und Produktionssysteme, Bewirtschaftung von Kulturpflanzen durch selektive
          Pflanzenzüchtung, Pflanzengesundheit und optimierte Produktionssysteme, bessere
          wissenschaftliche und technologische Grundlagen für die Fischereiwirtschaft sowie durch
          ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Systemen
          (Landwirtschaft und Forstwirtschaft, Fischerei und Aquakultur) durch die ganzheitliche
          Betrachtung von Ökosystemen. Forschungsmaßnahmen zur Erhaltung autochthoner
          Ökosysteme, zur Entwicklung biologischer Pflanzenschutzmittel, zur mikrobiologischen
          Dimension der biologischen Vielfalt und der Metagenomik.
1
        Ergänzende Forschungsarbeiten zur nachhaltigen Bewirtschaftung und Erhaltung werden
        unter dem Thema "Umwelt (einschließlich Klimaänderungen)" behandelt.
        Forschungstätigkeiten zu sonstigen Instrumenten und Technologien für die nachhaltige
        Erzeugung und Bewirtschaftung fallen unter die jeweiligen Themenbereiche.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/133
          • Bei den biologischen Bodenressourcen wird besonderer Wert gelegt auf organische Pro-
            duktionssysteme mit geringen Einträgen (z.B. Pflanzenschutzmittel und Düngemittel),
            eine bessere Ressourcenbewirtschaftung und neuartige Lebens- und Futtermittel und
            Pflanzen (Kulturpflanzen und Bäume) im Hinblick auf ihre Zusammensetzung, Stress-
            resistenz, ökologische Wirkung, effizientere Nährstoff- und Wasserverwertung und
            einen besseren Pflanzenaufbau. Hierzu werden Forschungsarbeiten zur biologischen
            Sicherheit, Koexistenz und Rückverfolgbarkeit neuartiger Pflanzensysteme und Pro-
            dukte sowie eine Überwachung und Bewertung der Wirkung genetisch veränderter
            Feldfrüchte auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit durchgeführt, und die
            Möglichkeit eines umfassenderen Nutzens für die Gesellschaft wird untersucht.
          • Zur Verbesserung der Pflanzengesundheit und des Pflanzenschutzes sollen Ökologie
            und Biologie von Seuchen, Krankheiten, Unkraut und anderen Bedrohungen mit pflan-
            zengesundheitlicher Bedeutung näher erforscht und die Bekämpfung von Krankheits-
            ausbrüchen sowie Instrumente und Techniken für eine nachhaltigere Seuchen- und
            Unkrautbekämpfung unterstützt werden. Es werden bessere Methoden zur Über-
            wachung, Erhaltung und Verbesserung der Fruchtbarkeit der Böden entwickelt.
          • Bei biologischen Ressourcen der aquatischen Umwelt wird besonderer Wert gelegt auf
            die wesentlichen biologischen Funktionen, sichere und umweltfreundliche Produktions-
            systeme und Futtermittel für kultivierte Arten sowie auf die Fischereibiologie, die
            Dynamik gemischter Fischereien, die Wechselwirkungen zwischen Fischereiaktivitäten
            und dem Meeresökosystem und auf die regionalen und mehrjährigen Bewirtschaftungs-
            systeme unter Einsatz der Fangflotten.
 ---pagebreak--- L 400/134         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
-         Optimierung der Tiergesundheit, der Tiererzeugung und des Tierschutzes in Landwirt-
          schaft, Fischerei und Aquakultur, u. a. durch:
          • die Anwendung von Wissen aus der Genetik und
          • neuer Erkenntnisse über Zuchtverfahren, die Tierphysiologie, das Verhalten von Tieren
             und die Bekämpfung von Seuchen, Schädlingen und ansteckenden Tierkrankheiten
             sowie anderen Gefahren für die Nachhaltigkeit und die Sicherheit der Lebensmittel-
             erzeugung, wie Zoonosen.
          Letztere sind Gegenstand von Hintergrundforschung und angewandter Forschung mit dem
          Ziel, Instrumente für ihre Überwachung, Prävention und Bekämpfung sowie Impfstoffe
          und Diagnoseverfahren zu entwickeln und die Ökologie bekannter und neu auftretender
          Krankheitserreger sowie andere Gefahren, wie böswillige Eingriffe und die Auswirkungen
          unterschiedlicher Anbausysteme und des Klimas zu untersuchen.
          Erforscht werden soll auch die sichere Entsorgung von Tierabfällen und eine bessere
          Bewirtschaftung der Nebenprodukte.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/135
-        Bereitstellung der Instrumente, die politische Entscheidungsträger und andere Akteure für
         die Umsetzung entsprechender Strategien, politischer Maßnahmen und Vorschriften
         benötigen und die vor allem für den Aufbau der europäischen wissensgestützten Biowirt-
         schaft sowie für die Entwicklung des ländlichen Raums und der Küstengebiete notwendig
         sind. Die Gemeinsame Fischereipolitik wird durch die Entwicklung anpassungsfähiger
         Konzepte unterstützt, die die ganzheitliche Betrachtung von Ökosystemen bei der Nutzung
         von Meeresressourcen zum Ziel haben. Die Forschungstätigkeiten in allen Politik-
         bereichen, einschließlich der Gemeinsamen Agrarpolitik, umfassen sozioökonomische
         Studien und Kosten-Nutzen-Analysen, komparative Untersuchungen verschiedener, auch
         multifunktionaler Anbausysteme, kosteneffiziente Systeme für die Fischereiwirtschaft, die
         Aufzucht von Tieren, die nicht für die Lebensmittelerzeugung vorgesehen sind, Wechsel-
         wirkungen mit der Forstwirtschaft und Untersuchungen zur Verbesserung der Lebens-
         grundlagen in ländlichen Gebieten und in Küstengebieten.
• Rückkopplung "vom Tisch bis zum Bauernhof": Lebensmittel (einschließlich Fische und
   Meeresfrüchte), Gesundheit und Wohlergehen
-        Untersuchung des Verbraucherverhaltens und der Verbrauchergewohnheiten als elemen-
         tarer Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensmittelindustrie und der Auswirkungen
         von Lebensmitteln auf die Gesundheit und das Wohlergehen der europäischen Bürger.
         Schwerpunkte sind die Wahrnehmung der Verbraucher und ihre Einstellung zu Lebens-
         mitteln, einschließlich traditioneller Lebensmittel, die Untersuchung gesellschaftlicher und
         kultureller Trends sowie die Ermittlung der für die Wahl der Lebensmittel und des
         Verbraucherzugangs zu Lebensmitteln ausschlaggebenden Faktoren. Die Forschungstätig-
         keiten werden auch die Entwicklung einer Datenbank für Lebensmittel- und Ernährungs-
         forschung umfassen.
 ---pagebreak--- L 400/136          DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
-         Erforschung von nützlichen und schädlichen Ernährungsfaktoren sowie von spezifischen
          Bedürfnissen und Gewohnheiten bestimmter Bevölkerungsgruppen als wichtiger kontrol-
          lierbarer Faktor bei der Entwicklung und Abnahme ernährungsbedingter Krankheiten und
          Dysfunktionen, einschließlich Fettleibigkeit und Allergien. Dies beinhaltet die Unter-
          suchung neuer diätetischer Strategien, die Entwicklung und Anwendung der Nutrigenomik
          und Systembiologie sowie die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Ernährung,
          physiologischen und psychologischen Funktionen. Die Forschungen könnten auch zur
          Neuzusammensetzung verarbeiteter Lebensmittel sowie zur Entwicklung neuartiger
          Lebensmittel und Zutaten, diätetischer Lebensmittel und von Lebensmitteln mit besonde-
          ren Ernährungs- und Gesundheitsauswirkungen führen. Von Bedeutung ist auch die Unter-
          suchung herkömmlicher, lokaler und saisonbedingter Lebensmittel und Ernähungs-
          gewohnheiten, um die Auswirkungen bestimmter Lebensmittel auf die Gesundheit
          feststellen und integrierte Ernährungsleitfäden ausarbeiten zu können.
-         Optimierung der Innovationstätigkeit in der europäischen Lebensmittelindustrie durch die
          Einbeziehung moderner Technologien in die herkömmliche Lebensmittelproduktion ein-
          schließlich fermentierter Lebensmittel, durch maßgeschneiderte Technologien zur Verbes-
          serung der Funktionalität, der Qualität und des Nährwerts von Lebensmitteln; dies betrifft
          auch organoleptische Aspekte der Lebensmittelproduktion, einschließlich neuer Lebens-
          mittel. Entwicklung und Demonstration hoch technisierter und umweltfreundlicher Ver-
          arbeitungs- und Verpackungssysteme, intelligente Kontrollen und die Aufwertung und
          effizientere Bewirtschaftung von Nebenprodukten, Abfall, Wasser und Energie. Aus den
          neuen Forschungstätigkeiten werden auch nachhaltige und neuartige Technologien für
          Futtermittel, auch für deren sichere Verarbeitung, sowie für die Qualitätskontrolle von
          Futtermitteln hervorgehen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/137
-        Gewährleistung der chemischen und mikrobiellen Sicherheit und Verbesserung der
         Qualität in der Lebensmittelversorgung in Europa. Dies beinhaltet die Erforschung der
         Zusammenhänge zwischen mikrobieller Ökologie und Lebensmittelsicherheit, die
         Entwicklung von Verfahren und Modellen zur Integrität der Lebensmittelketten, neue
         Nachweisverfahren, Rückverfolgbarkeit und deren Weiterentwicklung, sowie Technolo-
         gien und Instrumente für die Abschätzung, Beherrschung und Mitteilung von Risiken, auch
         neu entstehender Risiken, sowie die Verbesserung ihrer Wahrnehmung. Einbezogen
         werden außerdem wissenschaftliche Methoden für das Benchmarking in Bezug auf Risiken
         im Bereich der Lebensmittelsicherheit.
-        Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt durch eine bessere Erforschung der
         Umweltauswirkungen auf und von Lebensmittel(n) bzw. Lebensmittelketten. Dies
         beinhaltet die Untersuchung von Lebensmittelkontaminierungen und deren gesundheit-
         lichen Folgen, die Überwachung der Umweltauswirkungen, die Entwicklung besserer
         Instrumente und Verfahren für die Bewertung und das Management der Auswirkungen
         weltweiter Veränderungen, insbesondere der Umwelt, auf Lebens- und Futtermittelketten
         und deren Resistenz gegenüber diesen Veränderungen. Die Gewährleistung der Qualität
         und Integrität der Lebensmittelkette erfordert neue Modelle für die Auswertung von
         Warenketten und Konzepte für das Management der gesamten Lebensmittelkette,
         einschließlich Verbraucheraspekte.
 ---pagebreak--- L 400/138          DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
• Biowissenschaften, Biotechnologie und Biochemie im Dienst nachhaltiger Non-Food-
   Erzeugnisse und entsprechende Verfahren:
-         Stärkung der Wissensgrundlage und Entwicklung moderner Technologien für die
          Biomasseerzeugung an Land oder im Meer zur Anwendung in industriellen Verfahren und
          in der Energieerzeugung. Dies beinhaltet Pflanzen-, Tier- und mikrobielle Genomik und
          Metabolomik mit dem Ziel, die Produktivität und Zusammensetzung von Rohstoffen und
          Biomasse aus der Tierhaltung im Hinblick auf eine optimale Umwandlung in Produkte mit
          hohem Mehrwert, einschließlich biologischer Ressourcen, die in der Pharmaindustrie und
          in der Medizin nutzbar sind, zu verbessern und hierzu auch natürliche oder verbesserte
          terrestrische und aquatische Organismen als neuartige Rohstoffe zu nutzen. Hierunter fällt
          die Lebenszyklusanalyse von Praktiken der Biomasseerzeugung, Transport und Lagerung
          sowie die Marktfähigkeit von Produkten der Biotechnologie.
-         Behandlung von Fragen der Anwendung der industriellen Biotechnologien innerhalb der
          gesamten Biomasseketten forst- und landwirtschaftlicher Pflanzen, um das Potenzial des
          Bioraffinerie-Konzepts (z.B. "grüne" Chemikalien) unter Einbeziehung sozioökono-
          mischer, agronomischer, ökologischer und verbraucherrelevanter Aspekte voll ausschöpfen
          zu können. Einen Beitrag hierzu leisten verstärkte Forschungsarbeiten zum zellulären und
          subzellulären Stoffwechsel von Pflanzen und Bakterien, sowie zu der Frage der Einbezie-
          hung in die Gesamtsystemleistung, bei der Erzeugung hochwertiger Produkte, für die Bio-
          prozesse und biokatalytische Prozesse genutzt werden, die zu einer Verbesserung der
          Erträge, Qualität und Reinheit der Umwandlungsprodukte führen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/139
-        Nutzung oder Entwicklung von Biotechnologien für neuartige und verbesserte qualitativ
         hochwertige und erneuerbare Produkte und Verfahren der Forstwirtschaft mit hohem
         Mehrwert, um die Nachhaltigkeit von Wäldern und der Holzproduktion, auch von
         erneuerbaren Rohstoffen und Bioenergiebeständen zu erhöhen.
-        Erforschung des Potenzials der Biotechnologie zur Erkennung, Überwachung,
         Vermeidung, Behandlung und Beseitigung von Verschmutzungen.
-        Maximierung des Wirtschaftswertes von Abfall und Nebenprodukten mit Hilfe neuer und
         möglicherweise energiesparender Bioverfahren allein oder in Kombination mit Pflanzen-
         systemen und/oder chemischen Katalysatoren.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Aspekt der Forschungsgebiete Lebensmittel,
Landwirtschaft und Biotechnologie und wird im gesamten Maßnahmenbereich gefördert. Unter-
stützt werden Forschungsarbeiten, die von besonderem Interesse für Entwicklungsländer und
Schwellenländer sind und die die Millenniums-Entwicklungsziele und bereits laufende Aktivitäten
berücksichtigen. Zur Stärkung der Zusammenarbeit mit prioritären Partnerregionen und –ländern
werden besondere Maßnahmen ergriffen, insbesondere für die Länder und Regionen, die sich an
bi-regionalen Gesprächen und Wissenschafts- und Technologieabkommen beteiligen, sowie für
Nachbarländer, Schwellenländer und Entwicklungsländer.
 ---pagebreak--- L 400/140        DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Darüber hinaus werden in multilateraler Zusammenarbeit Fragen behandelt, die sich entweder mit
Herausforderungen befassen, die breit angelegter internationaler Anstrengungen bedürfen, wie die
Dimension und Komplexität der Systembiologie bei Pflanzen und Mikroorganismen, oder mit glo-
balen Herausforderungen und den internationalen Verpflichtungen der EU (Sicherheit von Lebens-
mitteln und Trinkwasser, globale Ausbreitung von Tierkrankheiten, gleichberechtigte Nutzung der
biologischen Vielfalt, Wiederherstellung, (in Zusammenarbeit mit der VN-Organisation für Ernäh-
rung und Landwirtschaft), des höchstmöglichen Dauerertrags bis 2015 für die weltweite Fischerei
und Einflüsse durch/auf den Klimawandel).
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Forschungsarbeiten zu neuen Erfordernissen können sich zum Beispiel mit der Entwicklung neuer
Konzepte und Technologien, wie Systeme für das Krisenmanagement und die Integrität der Le-
bensmittelkette, befassen.
Einschlägige Strategien für den Aufbau einer europäischen wissensgestützten Biowirtschaft finden
besondere Berücksichtung bei einer flexiblen Reaktion auf unvorgesehene Erfordernisse der Politik.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/141
3.     Informations- und Kommunikationstechnologien
Ziel
Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie soll verbessert werden und Europa soll in
die Lage versetzt werden, die künftige Entwicklung der Informations- und Kommunikationstech-
nologien (IKT) zu beherrschen und zu gestalten, so dass dem Bedarf von Gesellschaft und Wirt-
schaft entsprochen wird. IKT sind das Kernstück der Wissensgesellschaft. Die Maßnahmen werden
die wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen Europas stärken und seine weltweite Spit-
zenposition in den IKT sicherstellen, durch IKT-Nutzung Produkt-, Dienstleistungs- und Verfah-
rensinnovation und Kreativität anregen und sicherstellen, dass sich Fortschritte der IKT rasch in
Vorteile für Bürger, Unternehmen, Industrie und staatliche Stellen in Europa verwandeln. Mit die-
sen Maßnahmen wird außerdem zur Verminderung der digitalen Kluft und der sozialen Ausgren-
zung beigetragen.
Ansatz
Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) spielen eine einzigartige, vielfach bestätigte
Rolle bei der Förderung von Innovation, Kreativität und Wettbewerbsfähigkeit in allen Bereichen
der Industrie und des Dienstleistungsgewerbes. Ohne sie lassen sich wichtige gesellschaftliche Her-
ausforderungen nicht bewältigen und die öffentlichen Dienste nicht modernisieren, und sie sind ein
maßgeblicher Faktor für Fortschritte in allen Bereichen der Wissenschaft und Technik. Daher muss
Europa die künftige Entwicklung der IKT beherrschen und gestalten und sicherstellen, dass IKT-
gestützte Dienste und Produkte eingeführt und genutzt werden, um Bürgern und Unternehmen den
größtmöglichen Nutzen zu bringen.
Dieses sind die Ziele der Politik der Gemeinschaft für die Informationsgesellschaft, wie sie in der
Initiative i2010 hervorgehoben werden. Angestrebt werden eine wettbewerbsfähige konvergente
Informationswirtschaft in Europa, eine deutliche Steigerung der europäischen Investitionen in die
IKT-Forschung und -Innovation und eine sehr hohe Zugänglichkeit in der Informationsgesellschaft.
 ---pagebreak--- L 400/142        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
Neue IKT-Technologien werden zahlreiche neue Chancen für höherwertige Produkte und Dienste
eröffnen – viele davon in den Bereichen, in denen Europa bereits eine industrielle und technologi-
sche Führungsposition innehat. Der optimale Ansatz für IKT-Investitionen sind Partnerschaften auf
europäischer Ebene. Forschungsaktivitäten im Bereich der IKT auf der Grundlage des Open-
Source-Entwicklungsmodells erweisen sich als Quelle von Innovation und verstärkter Zusammen-
arbeit als sinnvoll. Solche Anstrengungen sind mehr als je zuvor nötig, um in einer Zeit des globa-
len Wettbewerbs und zunehmend komplexer und wechselseitig abhängiger Technologien mit den
stark steigenden Forschungskosten Schritt zu halten.
Oberste Priorität innerhalb dieses Themenbereichs haben strategische Forschungsarbeiten zu den
zentralen Säulen der IKT; ferner geht es darum, die durchgehende Integration von Technologien zu
gewährleisten und das Wissen und die Mittel zur Entwicklung eines breiten Spektrums innovativer
IKT-Anwendungen bereitzustellen. Die Maßnahmen werden industrielle und technologische Fort-
schritte im IKT-Sektor verstärken und sich positiv auf die Wettbewerbsvorteile wichtiger IKT-
intensiver Branchen auswirken, und zwar sowohl durch innovative, hochwertige, IKT-gestützte
Produkte und Dienste als auch durch neue oder verbesserte organisatorische Abläufe in Unter-
nehmen und Behörden. Dieser Themenbereich unterstützt durch Mobilisierung der IKT zur Erfül-
lung des öffentlichen und gesellschaftlichen Bedarfs, insbesondere von Menschen mit besonderen
Bedürfnissen (u. a. alternde Bevölkerung und Menschen mit Behinderungen), auch andere Politik-
bereiche der Gemeinschaft wie Gesundheit und Umweltschutz.
Die Maßnahmen werden Kooperations- und Vernetzungsmaßnahmen umfassen und könnten
gemeinsame Technologieinitiativen 1 sowie nationale Initiativen zur Programmkoordinierung 2
unterstützen. Die vorrangigen Maßnahmen werden sich unter anderem auf die Arbeiten europäi-
scher Technologieplattformen stützen. Auch werden thematische Synergien mit verwandten Maß-
nahmen im Rahmen anderer spezifischer Programme entwickelt.
1
        Hierzu könnten ausgewählte Aspekte der Forschung in den Bereichen Nanoelektronik und
        eingebettete Computersysteme zählen.
2
        Hierzu könnte die gemeinsame Durchführung von Programmen auf dem Gebiet des
        umgebungsunterstützten Lebens zählen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/143
Die aktive Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen und anderer kleiner Einrichtungen an den
Maßnahmen ist wegen deren Rolle bei der Förderung der Innovation von wesentlicher Bedeutung.
Sie sind oft entscheidend für die Entwicklung und Aufrechterhaltung neuer Visionen auf dem
Gebiet der IKT und ihren Anwendungen sowie bei deren Umsetzung in geschäftliche Aktivposten.
Maßnahmen
• Säulen der IKT
-        Nanoelektronik, Fotonik und integrierte Mikro-/Nanosysteme: Prozess-, Geräte-, Entwurfs-
         und Prüftechnologien und -methoden zur Verbesserung der Größe, Dichte, Leistung,
         Energieeffizienz, Fertigung und Kostengünstigkeit von Komponenten, Ein-Chip-Systemen,
         gepackten Komplettsystemen und integrierten Systemen; fotonische Grundkomponenten
         für ein breites Spektrum von Anwendungen, einschließlich ultraschneller Komponenten;
         Hochfrequenz- (HF-) Systeme; Datenspeichersysteme hoher Leistung/hoher Dichte; sehr
         großflächige/hoch integrierte Anzeigeschirme; Sensoren, Aktoren, Sichtgeräte und bild-
         gebende Geräte; Systeme mit extrem niedriger Leistungsaufnahme, Leistungsbauteile,
         alternative Energiequellen bzw. -speicher; Integration heterogener Technologien/Systeme;
         intelligente Systeme; multifunktionelle integrierte Mikro-Nano-Bio-Info-Systeme; groß-
         flächige Elektronik; Integration in unterschiedlichen Werkstoffen/Objekten; Schnittstellen
         mit lebenden Organismen; (Selbst)Anordnung von Molekülen oder Atomen in stabile
         Strukturen.
 ---pagebreak--- L 400/144         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                         30.12.2006
-         Allgegenwärtige Kommunikationsnetze von unbeschränkter Kapazität: kostengünstige,
          rekonfigurierbare und flexible Mobil- und Breitbandnetztechnologien, -systeme und
          -architekturen einschließlich terrestrischer und satellitengestützter Netze und optischer
          Vermittlungstechnik und anderer Techniken für Hochgeschwindigkeitsverbindungen
          zwischen Endgeräten; Konvergenz unterschiedlicher Netze (Festnetze, Mobilfunknetze,
          drahtlose und Rundfunknetze) und entsprechender Dienste, die sich vom persönlichen
          Bereich bis zur regionalen und globalen Ebene erstrecken; Interoperabilität drahtgebun-
          dener und drahtloser Kommunikationsdienste und -anwendungen, Verwaltung vernetzter
          Ressourcen, Rekonfigurierbarkeit von Diensten; komplexe Vernetzung spontan intelligen-
          ter multimedialer Geräte, Sensoren und Mikrochips.
-         Eingebettete Systeme, Datenverarbeitung und Steuerung: leistungsfähigere, sichere,
          verteilte, zuverlässige und effiziente Hardware-/Software-Systeme, die bei optimaler
          Ressourcennutzung ihre Umgebung wahrnehmen, steuern und sich an sie anpassen
          können; Methoden und Werkzeuge für die Modellierung, die Analyse, den Entwurf, den
          Bau und die Validierung von Systemen zur Beherrschung der Komplexität; offene,
          zusammensetzbare Architekturen und maßstabsfreie Plattformen, Middleware und verteilte
          Betriebssysteme zur Ermöglichung wirklich nahtloser kooperativer intelligenter
          Umgebungen für Sensorik, Stelltechnik, Berechnung, Kommunikation, Speicherung und
          Dienstbereitstellung; Rechnerarchitekturen unter Einbezug heterogener, vernetzter und
          rekonfigurierbarer Komponenten, einschließlich Kompilierung, Programmierung und
          Laufzeitunterstützung, Hochleistungssysteme und -dienste; Steuerung großer, verteilter,
          unbestimmter Systeme.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/145
-        Software, Rechnergitterverbunde, Sicherheit und Zuverlässigkeit: Technologien, Werk-
         zeuge und Methoden für dynamische und vertrauenswürdige Software, Architekturen und
         Middlewaresysteme, die wissensintensive Dienste unterstützen, einschließlich ihrer Bereit-
         stellung als Hilfsinstrumente; dienstorientierte, interoperable und maßstabsfreie Infra-
         strukturen, gitternetzähnliche Virtualisierung von Ressourcen, einschließlich domänen-
         spezifischer Plattformen, netzzentrierte Betriebssysteme; quelloffene Software; auf offenen
         Standards beruhende Plattformen und kooperative Ansätze für die Entwicklung und
         Validierung von Software, Diensten und Systemen; Kompositionswerkzeuge (composition
         tools) einschließlich Programmiersprachen; Beherrschung neu aufkommender Merkmale
         komplexer Systeme; Verbesserung der Zuverlässigkeit und Robustheit großer, verteilter
         und vorübergehend verbundener Systeme und Dienste; sichere und vertrauenswürdige
         Systeme und Dienste, einschließlich Zugangskontrolle und Authentifizierung unter Schutz
         personenbezogener Daten; dynamische Konzepte für Sicherheit und Vertrauensschutz
         sowie Metamodelle für Zuverlässigkeit und Vertrauensschutz.
-        Wissensbasierte, kognitive und lernende Systeme: Methoden und Techniken, um Wissen
         zu erwerben, zu schaffen und zu interpretieren, darzustellen und zu personalisieren und
         Wissensbestände zu durchsuchen und Wissensobjekte zu finden, gemeinsam zu nutzen und
         weiterzugeben, und zwar unter Erkennung der semantischen Beziehungen zwischen
         Inhalten und zur Nutzung durch Menschen und Maschinen; künstliche Systeme, die Infor-
         mationen wahrnehmen, interpretieren und auswerten und die zusammenarbeiten, selbst-
         ständig handeln und lernen können; Theorien und Experimente, die über inkrementelle
         Fortschritte hinausgehen, indem sie Einsichten über das natürliche Erkenntnisvermögen,
         insbesondere Lernen und Gedächtnis, nutzen, und zwar auch, um Fortschritte bei Systemen
         für das menschliche Lernen zu bewirken.
 ---pagebreak--- L 400/146         DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
-         Simulation, Visualisierung, Interaktion und gemischte Realitäten: Werkzeuge für die
          Modellierung, Simulation, Interaktion, die virtuelle, erweiterte und gemischte Realität und
          ihre Einbeziehung in durchgehende Umgebungen; Werkzeuge für innovativen Entwurf und
          für Kreativität bei Produkten, Diensten und digitalen audiovisuellen Medien; natürlichere,
          intuitivere und leichter nutzbare Schnittstellen und neue Arten der Interaktion mit der
          Technik, mit Maschinen, Geräten und anderen Gebrauchsgegenständen; Sprachtechnologie
          einschließlich mehrsprachiger und automatischer Maschinenübersetzungssysteme.
-         Neue Aussichten durch Nutzung der Ergebnisse anderer wissenschaftlicher und techno-
          logischer Disziplinen (Mathematik und Physik, Werkstoffwissenschaften, Biotechnologie,
          Biowissenschaften, Chemie, kognitive und Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften
          usw.) sind für den gesamten Bereich der IKT zu erwarten. Diese bringen bahnbrechende
          Entwicklungen mit sich, die zur Innovation in den IKT und zu gänzlich neuen Industrie-
          und Dienstleistungszweigen führen. Sie reichen von der Miniaturisierung von IKT-Geräten
          bis auf Größen, die mit lebenden Organismen kompatibel sind und mit diesen in Wechsel-
          wirkung treten können (etwa neuartige IKT-Komponenten und Rechnersysteme auf der
          Grundlage synthetischer biomolekularer Strukturen), über neue IKT-Wissenschaften, die
          von der Natur inspiriert sind, bis zu vollständig umweltgerechten IKT-Geräten nach dem
          Vorbild natürlicher Systeme und zur Simulation der Natur (etwa Simulation der mensch-
          lichen Physiologie über mehrere biologische Ebenen hinweg).
• Integration von Technologien
-         Persönliche Umgebung: Integration von multimodalen Schnittstellen, Sensortechniken,
          Mikrosystemen, persönlichen Kommunikations- und DV-Geräten, IKT-Systemen in Form
          von Accessoires, in die Kleidung integrierten Geräten ("Wearables") und Implantaten und
          ihre Verbindung zu Diensten und Ressourcen, mit Betonung der Integration aller Aspekte
          der Präsenz und Identität einer Person.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/147
-        Heimumgebung: Kommunikation, Überwachung, Steuerung, Hilfe zuhause, in Gebäuden
         und an öffentlichen Orten; nahtlose Interoperabilität und Nutzung aller Geräte unter
         Berücksichtigung von Kosteneffizienz, Erschwinglichkeit, Nutzbarkeit und Sicherheit;
         neue Dienste und neue Formen interaktiver digitaler Inhalte und Dienste, auch im Unter-
         haltungssektor; Zugang zu Informationen und zur Verwaltung des Wissens.
-        Robotersysteme: flexible und zuverlässige Robotersysteme, die in menschlichen und
         unstrukturierten Umgebungen operieren und mit Menschen zusammenarbeiten; vernetzte
         und kooperierende Roboter; Miniroboter; Humanoidtechniken; modulare(r)
         Entwurf/Modellierung integrierter Robotersysteme.
-        Intelligente Infrastrukturen: IKT-Werkzeuge zur Verbesserung von kritischen Infrastruktu-
         ren unter den Aspekten Effizienz, Benutzerfreundlichkeit, Anpassbarkeit und Wartbarkeit,
         Widerstandsfähigkeit und Fehlertoleranz; Werkzeuge für die Datenintegration; IKT für die
         Bewertung von Systemrisiken, Frühwarnsysteme und automatische Warnmeldungen sowie
         für Planungs- und Entscheidungsunterstützung.
• Anwendungsforschung
-        IKT zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen: Gewährleistung, dass alle
         Bürger Europas den größtmöglichen Nutzen aus IKT-Produkten und –Diensten ziehen
         können, Verbesserung der sozialen Einbeziehung, des nahtlosen Zugangs und der Inter-
         aktivität von Diensten im öffentlichen Interesse und Stärkung der Innovation bei Diensten
         des öffentlichen Sektors, um so ihre Effizienz und Wirksamkeit zu verbessern.
 ---pagebreak--- L 400/148         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
-         Im Bereich Gesundheit: persönliche, unauffällige Systeme, mit deren Hilfe Bürger für ihr
          eigenes Wohlergehen sorgen können, wie in die Kleidung integrierte oder implantierbare
          Überwachungsgeräte und autonome Systeme zur Unterstützung der Gesundheit; neue
          Techniken wie molekulare Bildgebung für eine bessere Vorbeugung und eine personali-
          sierte Medizin; Gewinnung und Verwaltung von Gesundheitswissen und seine Anwendung
          in der klinischen Praxis; Modellierung und Simulation von Organfunktionen; mikro- und
          nanorobotische Geräte für minimalinvasive chirurgische und therapeutische
          Anwendungen.
-         Im Bereich der öffentlichen Verwaltung auf allen Ebenen: interdisziplinäre Nutzung der
          IKT in öffentlichen Verwaltungen zusammen mit organisatorischen Veränderungen und
          neuen Qualifikationen, um innovative, bürgerorientierte Dienste für alle anzubieten; fort-
          geschrittene, IKT-gestützte Forschungsarbeiten und Lösungen zur Verbesserung der
          demokratischen Beteiligungsprozesse und der Leistung und Qualität öffentlicher Dienste
          sowie der Interaktion mit und zwischen Verwaltungen und Regierungen, und zur Unter-
          stützung der Gesetzgebung und der Entwicklung der Politik auf allen Stufen der
          Demokratie.
-         Im Bereich der sozialen Einbeziehung: zur Verbesserung der gleichberechtigten Teilhabe
          aller Bürger (Einzelpersonen und Bevölkerungsgruppen) an der Informationsgesellschaft
          unter Vermeidung einer digitalen Kluft aufgrund von Behinderung, geringer Qualifikation,
          Armut, geografischer Abgeschiedenheit, Kultur, Geschlecht oder Alter, u. a. durch Förde-
          rung von Unterstützungstechnologie, unabhängigem Leben, besseren IT-Qualifikationen
          sowie durch Entwicklung von Produkten und Diensten, die für jedermann entworfen sind
          ("Design for all").
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/149
-        Im Bereich Mobilität: integrierte IKT-gestützte Sicherheitssysteme für Fahrzeuge auf der
         Grundlage offener, sicherer und zuverlässiger Architekturen und Schnittstellen; inter-
         operable kooperative Systeme für einen effizienten, sicheren und umweltfreundlichen
         Verkehr auf der Grundlage der Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie zwischen
         Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur und Integration hochgenauer und zuverlässiger
         Technologien zur Standortbestimmung und Navigation; standortbezogene personalisierte,
         multimodale Mobilitätsinformationsdienste einschließlich intelligenter Dienstleistungen
         für den Fremdenverkehr.
-        Im Bereich Umwelt, Risikomanagement und nachhaltige Entwicklung: Risiko- und
         Notfallmanagement; intelligente Sensornetze für eine bessere Risikovorhersage, Bewirt-
         schaftung der natürlichen Ressourcen unter Einschluss von Systemen zur Schadstoff-
         verringerung; Steigerung der Energieeffizienz; Maßnahmen zur Steuerung der Antwort des
         Menschen auf Belastungen der Umwelt und zum Erhalt der biologischen Vielfalt; Warn-
         systeme sowie rechtzeitige und zuverlässige Kommunikation bezüglich der öffentlichen
         Sicherheit; Unterstützungstechnologien und -systeme für Arbeiten unter rauen, gefähr-
         lichen oder riskanten Bedingungen; ökoeffiziente und nachhaltige Produktion von IKT
         einschließlich Elektronik; fortgeschrittene Daten- und Informationsverwaltung für die
         Umweltüberwachung und die Risikoabschätzung, Beiträge zu INSPIRE, GMES und
         GEOSS.
-        IKT für Inhalte, Kreativität und persönliche Weiterentwicklung
          • Neue Formen interaktiver, nicht linearer und sich selbst anpassender Inhalte, auch für
            den Unterhaltungs- und den Designsektor; Kreativität und reichhaltigere Erlebens-
            eindrücke für die Nutzer; medienübergreifende individuelle Aufbereitung von Inhalten
            und deren Bereitstellung; Kombination rein digitaler Produktion und Verwaltung von
            Inhalten mit neu entstehenden semantischen Technologien; Verwendung von, Zugang
            zu und Generierung von Inhalten unter Berücksichtigung des Nutzers.
 ---pagebreak--- L 400/150        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
          • Technologiegestützte Lernsysteme, -werkzeuge und –dienste, die an unterschiedliche
            Lernende in unterschiedlichen Umfeldern angepasst sind; Fragen des menschlichen
            Lernens, einschließlich pädagogischer Theorien, wenn dabei IKT eingesetzt werden;
            Hilfen auf dem Weg zum aktiv Lernenden.
          • Intelligente Dienste für den Zugang zum kulturellen Erbe in digitaler Form; Zugang zu
            wissenschaftlichen Ressourcen und deren Nutzung; Instrumente, die Gemeinschaften
            bei der Schaffung neuer "kultureller Gedächtnisse" auf der Grundlage des lebenden
            Erbes helfen; Methoden und Werkzeuge für die Bewahrung digitaler Inhalte; Nutzbar-
            machung digitaler Objekte für künftige Nutzer, ohne ihre ursprüngliche Authentizität
            und Integrität oder ihren Nutzungskontext zu verändern.
-         IKT zur Unterstützung der Wirtschaft
          • Dynamische, netzorientierte Geschäftssysteme für die Herstellung und Auslieferung
            von Produkten bzw. Erbringung von Dienstleistungen, einschließlich Echtzeitüber-
            wachung; dezentrale Überwachung und Verwaltung intelligenter Elemente; digitale
            Wirtschaftssysteme (DBE), insbesondere (auch auf Gitterverbunden beruhende)
            Softwarelösungen, die sich an die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen
            anpassen lassen; Kooperationsdienste für verteilte, kontextsensitive Arbeitsbereiche;
            erweiterte Gruppenpräsenz-Funktionen, Verwaltung von Gruppen und Werkzeuge zur
            Unterstützung der Zusammenarbeit; Weitergabe von Wissen und interaktive Dienste.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                          L 400/151
          • Fertigung, einschließlich traditioneller Branchen: vernetzte intelligente Steuerung für
            hochgenaue Fertigung und geringen Ressourcenverbrauch; drahtlose Automatisierung
            und Logistik für die rasche Rekonfigurierung von Anlagen; integrierte Umgebungen für
            Modellierung, Simulation, Optimierung und Darstellung sowie virtuelle Produktion;
            Fertigungstechnologien für IKT-Systeme im Kleinmaßstab und für Systeme, die mit
            Werkstoffen und Objekten aller Art verflochten sind.
-        IKT im Dienst des Vertrauensschutzes
          • Werkzeuge zur Förderung des Vertrauens in die IKT und ihre Anwendungen; mehr-
            stufige und miteinander verknüpfte Identitätsmanagementsysteme; Authentifizierungs-
            und Autorisierungstechniken; Systeme, die dem Bedürfnis nach Schutz der Privatsphäre
            nachkommen, das sich aus neuen technologischen Entwicklungen ergibt; Rechte- und
            Assetmanagement; Instrumente zum Schutz gegen Online-Bedrohungen, in Koordi-
            nierung mit anderen Themenbereichen, insbesondere dem Themenbereich "Sicherheit".
Internationale Zusammenarbeit
Im Rahmen des Themenbereichs IKT geht es um eine Förderung der Zusammenarbeit, um für
Probleme von gemeinsamem Interesse mit strategischen Partnern interoperable Lösungen zu finden,
die einen hohen beiderseitigen Nutzen ergeben, und um zur Ausbreitung der Informationsgesell-
schaft in Schwellen- und Entwicklungsländern beizutragen. Es werden für diejenigen Länder oder
Regionen spezifische Maßnahmen ausgesucht, mit denen Europa seine Zusammenarbeit verstärken
muss, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwick-
lungsländern sowie Nachbarländern der Union liegt.
 ---pagebreak--- L 400/152        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
In Kombination mit dem Themenbereich 1 "Gesundheit" wird eine Mitgliedschaft im Human
Frontier Science Programme (HFSP) angeboten, um die interdisziplinäre Forschung und neue
Kooperationen zwischen Wissenschaftlern aus verschiedenen Bereichen zu fördern und Mitglied-
staaten, die nicht der G-8-Runde angehören, die Möglichkeit zu geben, das HFSP uneingeschränkt
zu nutzen.
Maßnahmen innerhalb dieses Themenbereichs dienen auch der Unterstützung der Initiative Intelli-
gente Fertigungssysteme (IMS), die die FTE-Zusammenarbeit zwischen ihren Mitgliedsregionen
ermöglicht 1.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Im Rahmen einer Maßnahme mit dem Titel Neue und künftige Technologien werden herausragende
interdisziplinäre Arbeiten auf künftigen IKT-bezogenen Forschungsgebieten gefördert. Schwer-
punkte sind u. a.: Untersuchung der neuen Grenzen der Miniaturisierung und Datenverarbeitung
einschließlich etwa der Ausnutzung von Quanteneffekten; Beherrschung der Komplexität vernetzter
DV- und Kommunikationssysteme einschließlich Software; Untersuchung neuer Konzepte für
intelligente Systeme für neue personalisierte Produkte und Dienste und entsprechende Experimente.
Im Rahmen von Forschungsarbeiten mit dem Ziel eines besseren Verständnisses der IKT-Trends
und ihrer Auswirkungen auf Gesellschaft und Wirtschaft können etwa folgende Aspekte untersucht
werden: Auswirkungen der IKT auf Produktivität, Beschäftigung, Qualifikationen und Löhne; IKT
als Triebkraft der Innovation bei Diensten des öffentlichen und des privaten Sektors; Hindernisse,
die einer umfassenderen und schnelleren Innovation und Nutzung der IKT im Wege stehen; neue
Geschäftsmodelle und Nutzungsmöglichkeiten in Koordinierung mit anderen Themenbereichen, in
denen die IKT eine wichtige Rolle bei der Änderung der Produktions- und Dienstleistungskonzepte
spielen; Nutzbarkeit, Nutzen und Akzeptanz IKT-gestützter Lösungen; Schutz der Privatsphäre,
Sicherheit und Vertrauensschutz im Zusammenhang mit IKT-Infrastrukturen; ethische Fragen bei
IKT-Entwicklungen; Zusammenhang mit rechtlichen, regulatorischen und administrativen IKT-
Konzepten; Analysen, wie die IKT die Gemeinschaftspolitik unterstützen und wie sie sich darauf
auswirken.
1
        Das Übereinkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der IMS
        wurde zwischen der Europäischen Gemeinschaft und den USA, Japan, Australien, Kanada, Korea
        und den EFTA-Ländern Norwegen und Schweiz geschlossen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                    L 400/153
4.      Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue Produktionstechnologien
Ziel
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Hervorbringung von
Wissen, um ihre Umwandlung von einer ressourcenintensiven in eine wissensintensive Industrie
sicherzustellen, indem Quantensprünge im Wissensfortschritt erzielt und entscheidende Erkennt-
nisse für neue Anwendungen im Grenzbereich verschiedener Technologien und Disziplinen umge-
setzt werden. Hieraus werden sowohl neue Hochtechnologiebranchen als auch höherwertig positio-
nierte, wissensbasierte traditionelle Branchen Nutzen ziehen, wobei besonders auf die angemessene
Weitergabe von FTE-Ergebnissen an KMU geachtet wird. Diese Maßnahmen zielen in erster Linie
auf grundlegende Technologien ab, die Auswirkungen auf alle Branchen und viele andere Themen-
bereiche des Siebten Rahmenprogramms haben.
Ansatz
Zur Stärkung seiner Wettbewerbsfähigkeit benötigt Europa radikale Innovationen. Es muss sich auf
Produkte, damit zusammenhängende Prozesse und Technologien mit hohem Mehrwert konzentrie-
ren, um die Anforderungen der Verbraucher sowie Erwartungen in Bezug auf Umwelt, Gesundheit
und Gesellschaft zu erfüllen. Ohne Forschung lassen sich diese miteinander konkurrierenden Her-
ausforderungen nicht bewältigen. Die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie der Zukunft wird in
hohem Maße von der Nanotechnologie und ihren Anwendungen abhängen. Die Umwandlung der
europäischen Industrie kann beschleunigt werden, wenn FTE-Ergebnisse aus Nanowissenschaft und
Nanotechnologie in verschiedenen Bereichen aufgegriffen werden. Die EU besitzt eine anerkannte
Führungsrolle in Bereichen wie Nanowissenschaft, Nanotechnologie sowie Werkstoff- und Produk-
tionstechnologien, die ausgebaut werden muss, um die Stellung der EU in einem wettbewerbsinten-
siven globalen Umfeld zu sichern und zu stärken. Die Wettbewerbsfähigkeit bereits etablierter
Branchen wird auch in hohem Maße davon abhängen, inwieweit sie neue Technologien über-
nehmen können.
 ---pagebreak--- L 400/154         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
Ein Schlüsselelement dieses Themenbereichs ist die echte Integration von Nanotechnologie, Werk-
stoffwissenschaften, Konstruktion und neuen Produktionsverfahren, um – bei gleichzeitiger Unter-
stützung nachhaltiger Produktions- und Verbrauchsmuster – zu einem industriellen Wandel mit
größtmöglichen Auswirkungen zu gelangen. In dieser Hinsicht sind Werkstoffe mit neuen Eigen-
schaften für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft besonders wichtig und
bilden die Grundlage für technischen Fortschritt in vielen Bereichen. Im Rahmen dieses Themenbe-
reichs werden industrielle Maßnahmen unterstützt, bei denen Synergien mit anderen Themenberei-
chen vorliegen. Es werden Anwendungen in allen Bereichen gefördert, einschließlich Werkstoff-
wissenschaften und -technologien, Hochleistungsfertigungs- und -prozesstechnologien, Nanobio-
technologie und Nanoelektronik.
Mittelfristig setzt Europa auf die Konvergenz von Wissen und Fähigkeiten aus unterschiedlichen
Disziplinen, indem es anwendungsorientierte wissenschaftliche und technologische Synergien aus-
nutzt. Langfristig soll in diesem Themenbereich das enorme Potenzial der Nanowissenschaften und
Nanotechnologien zur Schaffung einer echten wissensgestützten Industrie und Wirtschaft ausge-
schöpft werden. In beiden Fällen muss das erworbene Wissen durch wirksame Verbreitung und
Nutzung der Ergebnisse allgemein übernommen werden.
Wesentliche Beiträge, die den Bedürfnissen der Industrie entgegenkommen, und einander ergän-
zende Initiativen und bezuschusste Projekte erfolgen insbesondere durch Maßnahmen wie die euro-
päischen Technologieplattformen (z.B. in den Bereichen nachhaltige Chemie, Energie, neue Ferti-
gungsverfahren, Stromerzeugung, industrielle Sicherheit, Nanomedizin, Stahl, Textilien, Keramik,
Forstindustrie usw.) sowie durch eine etwaige Unterstützung gemeinsamer Technologieinitiativen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/155
Dieser Themenbereich ist für KMU besonders relevant, da sie großen Bedarf an technologischen
Fortschritten haben und auch bei der Nutzung der Technologien eine bedeutende Rolle spielen. Zu
den besonders interessanten Gebieten gehören: Nano-Instrumente, Nano-Werkzeuge und Nano-
Geräte sowie Luft- und Raumfahrtsysteme (wegen der Konzentration wachstumsstarker, wissens-
intensiver KMU auf diesen Gebieten); technische Textilien einschließlich ihrer Beschichtung
(typisch für eine traditionelle Branche in rascher Umstrukturierung, die viele KMU betrifft);
Maschinenbau (z.B. Werkzeugmaschinenbau, in dem europäische KMU weltweit führend sind);
chemische Stoffe mit hohem Mehrwert sowie andere Branchen, in denen es viele KMU gibt, die
von neuen Geschäftsmodellen, Werkstoffen und Produkten profitieren.
Über ERA-NET und ERA-NETPLUS werden spezielle Maßnahmen zur Koordinierung von Pro-
grammen und gemeinsamen Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene durchgeführt, um die
Konvergenz von Forschungsprogrammen zu fördern, zur Erreichung einer kritischen Größe beizu-
tragen und Synergien im Rahmen der europäischen Technologieplattformen zu erzielen. Die
Industrieforschung wird auch von der Koordinierung von Maßnahmen in Bereichen wie Metrologie,
Toxikologie, Normen und Nomenklaturen profitieren.
Maßnahmen
• Nanowissenschaften und Nanotechnologien
Ziel ist es, auf der Grundlage umfangreicherer Kenntnisse und Erfahrungen mit Materie auf Nano-
Ebene Werkstoffe und Systeme zu schaffen, deren Eigenschaften und Verhalten vorher festgelegt
werden können. Dies wird zu einer neuen Generation wettbewerbsfähiger, hochleistungsfähiger
Produkte und Dienste mit hohem Mehrwert für ein breites Spektrum von Anwendungen führen, bei
denen mögliche nachteilige Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit auf ein Minimum reduziert
sind. Es wird die Interdisziplinarität gefördert, bei der theoretische und experimentelle Ansätze zu-
sammengeführt werden.
 ---pagebreak--- L 400/156        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
Schwerpunkte:
– neues Wissen über die Wechselwirkungen von Atomen und Molekülen und ihren Verbunden mit
   natürlichen und künstlichen Einheiten;
– Verwirklichung von Nanostrukturen, Systemen oder Werkstoffen unter Nutzung dieses Wissens;
– Maßnahmen mit dem Ziel, die natürlichen Prozesse im Nanometerbereich zu verstehen oder zu
   imitieren;
– Prozesse für die Nanofertigung, Oberflächenfuktionalisierung, dünne Schichten, Eigenschaften
   der Selbstorganisation;
– Methoden und Prozesse für Messung und Charakterisierung.
Die Forschungsarbeiten gelten auch den relevanten Instrumenten, Werkzeugen, Piloteinrichtungen
und Demonstrationsmaßnahmen, die für völlig neuartige Konzepte der nanotechnologischen
Fertigung in den am meisten Erfolg versprechenden Wirtschaftszweigen erforderlich sind.
Darüber hinaus wird der Schwerpunkt auf damit zusammenhängenden Herausforderungen und dem
gesellschaftlichen Umfeld sowie der Akzeptanz der Nanotechnologie liegen. Dazu gehören
Forschungsarbeiten zu allen Aspekten der Risikobewertung (z.B. Nanotoxikologie und Nano-Öko-
toxikologie) sowie zu Sicherheit, Nomenklatur, Metrologie und Normen, die immer stärker dazu
beitragen, den Weg für industrielle Anwendungen zu ebnen. Außerdem können spezielle Maßnah-
men eingeleitet werden, um Wissens- und Know-how-Zentren sowie eine Anlaufstelle einzurichten,
die bei der Durchführung des integrierten und verantwortungsvollen Konzepts der Kommission für
die Nanotechnologie (siehe den entsprechenden Aktionsplan 1) hilft.
1
        Mitteilung der Kommission, Nanowissenschaften und Nanotechnologien – Ein Aktionsplan
        für Europa 2005-2009 – KOM(2005) 243.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                          L 400/157
• Werkstoffe
Neue fortgeschrittene Werkstoffe und Oberflächen mit höherem Wissensgehalt, neuen Funktionali-
täten und besserer Leistung werden für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und die nachhaltige
Entwicklung immer wichtiger. Nach den neuen Modellen der verarbeitenden Industrie sind es die
Werkstoffe selbst und nicht die Verfahrensschritte, die in erster Linie für den höheren Wert der
Produkte und ihre Leistung verantwortlich sind.
Die Forschungsarbeiten werden sich auf die Entwicklung neuer wissensgestützter multifunktionel-
ler Oberflächen und Werkstoffe mit maßgeschneiderten Eigenschaften und vorhersagbaren Leis-
tungsmerkmalen für neue Prozesse und Produkte sowie für deren Instandsetzung konzentrieren. Der
Schwerpunkt liegt auf multifunktionellen Hochleistungswerkstoffen mit einem breiten Spektrum
von Anwendungsmöglichkeiten.
Dies erfordert die Steuerung der immanenten Eigenschaften und Leistungsmerkmale, der Verar-
beitung und der Produktion, wobei während ihres gesamten Lebenszyklus die möglichen Auswir-
kungen auf Gesundheit und Umwelt berücksichtigt werden müssen. Der Schwerpunkt wird auf
neuen fortgeschrittenen Werkstoffen und Systemen liegen, die durch Ausschöpfung des Potenzials
der Nanotechnologien und Biotechnologien und/oder durch das "Lernen von der Natur" gewonnen
wurden – insbesondere also auf Nanowerkstoffen, Biowerkstoffen, hybriden Werkstoffen und
künstlichen Werkstoffen mit höherer Leistung und elektromagnetischen Eigenschaften, die in der
Natur nicht vorkommen.
 ---pagebreak--- L 400/158        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Es wird ein multidisziplinärer Ansatz gefördert, der Chemie, Physik, Ingenieurwissenschaften ein-
schließlich Modellrechnungen und zunehmend auch die Biowissenschaften einbezieht. Auch die
Charakterisierung, der Entwurf und die Simulation von Werkstoffen sind entscheidend für ein bes-
seres Verständnis von Phänomenen im Zusammenhang mit Werkstoffen, insbesondere der Bezie-
hungen zwischen Struktur und Eigenschaften in verschiedenen Größenordnungen, ferner zur besse-
ren Beurteilung von Werkstoffen im Hinblick auf eine höhere Zuverlässigkeit einschließlich der
Alterungsbeständigkeit und zur Erweiterung des Konzepts virtueller Werkstoffe bei der Konzipie-
rung von Werkstoffen. Unterstützt wird die Integration der Nano-, der Molekular- und der Makro-
ebene in Chemie- und Werkstofftechnologien, um neue Konzepte und Verfahren in den Bereichen
Katalyse, Prozessverstärkung und -optimierung zu entwickeln. Fragen im Zusammenhang mit der
Prozessentwicklung, der Maßstabsvergrößerung und der Nutzung neuer Werkstoffe in industriellem
Maßstab werden ebenfalls behandelt.
• Neue Produktion
Um die Industrie der EU von einer ressourcenintensiven zu einer nachhaltigen wissensgestützten
Industrie umzuwandeln, sind neue Fertigungskonzepte erforderlich. Diese hängen davon ab, dass
eine völlig neue Haltung im Hinblick auf den fortlaufenden Erwerb, den Einsatz und Schutz und die
Finanzierung neuen Wissens und seiner Nutzung – auch hin zu nachhaltigen Produktions- und
Verbrauchsmustern – Einzug hält. Nötig sind dazu die richtigen Voraussetzungen für ein Engage-
ment der Industrie für ständige Innovation (bei industriellen Tätigkeiten und Produktionssystemen
einschließlich Entwurf, Konstruktion, Geräten und Diensten) und für die Entwicklung grundlegen-
der "Produktionswerte" (Technologien, Organisation und Produktionseinrichtungen sowie Human-
ressourcen) unter Einhaltung der Sicherheits- und Umweltauflagen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/159
Maßnahmenschwerpunkte:
– Entwicklung und Validierung neuer industrieller Modelle und Strategien, die alle Aspekte des
   Lebenszyklus von Produkten und Prozessen abdecken;
– anpassungsfähige Produktionssysteme, die bestehende Beschränkungen von Prozessen überwin-
   den und neue Fertigungs- und Verarbeitungsverfahren ermöglichen;
– vernetzte Produktion zur Entwicklung von Werkzeugen und Methoden für kooperative, Mehr-
   wert schaffende Tätigkeiten in globalem Maßstab;
– Instrumente für den raschen Transfer und die Einbeziehung neuer Technologien in den Entwurf
   und die Praxis von Fertigungsprozessen;
– Nutzung multidiszipinärer Forschungsnetze und der Konvergenz der Nano-, Mikro-, Bio-, Geo-,
   Info-, optischen und kognitiven Technologien zur Entwicklung neuer Hybridtechnologien,
   Produkte und technischer Konzepte mit Zusatznutzen einschließlich der Möglichkeit neuer
   Wirtschaftszweige.
Besondere Aufmerksamkeit sollte der Förderung von Maßnahmen, die die Anpassung und Einbe-
ziehung von KMU im Hinblick auf neue Bedürfnisse der Versorgungskette unterstützen, sowie der
Stimulierung der Gründung von Hochtechnologie-KMU gewidmet werden.
 ---pagebreak--- L 400/160       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
• Integration von Technologien für industrielle Anwendungen
Die Integration von Wissen und Technologien der drei oben genannten Forschungsbereiche ist ent-
scheidend für die beschleunigte Umgestaltung der Industrie und Wirtschaft Europas unter Berück-
sichtigung von Sicherheit, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit.
Der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten wird auf neuen Anwendungen und neuartigen, radikal
anderen Lösungen wichtiger Probleme liegen sowie auf der Erfüllung der FTE-Anforderungen,
auch derjenigen, die von den verschiedenen europäischen Technologieplattformen ermittelt wurden.
Unterstützt wird die Integration neuen Wissens aus den Nano-, Werkstoff- und
Produktionstechnologien in Anwendungen für einzelne oder mehrere Sektoren, wie zum Beispiel in
den Bereichen Gesundheit, Lebensmittel, Hoch- und Tiefbau einschließlich Kulturerbe, Luft- und
Raumfahrtindustrie, Verkehr, Energie, Chemie, Umwelt, Information und Kommunikation,
Textilien, Kleidung und Schuhe, Forstindustrie, Stahl, Maschinenbau und Verfahrenstechnik sowie
in den übergreifenden Bereichen industrielle Sicherheit und Messen und Prüfen.
Internationale Zusammenarbeit
Die zunehmende Internationalisierung der Industrieforschung erfordert eine gute Koordinierung der
Zusammenarbeit mit Drittländern. Die internationale Zusammenarbeit spielt also für den gesamten
Themenbereich eine große Rolle.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/161
Folgende spezielle Maßnahmen sind denkbar: gemeinsame Tätigkeiten mit Industrieländern und
solchen Ländern, die ein Abkommen über die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit auf
Gebieten dieses Themenbereichs unterzeichnet haben; besondere Initiativen zusammen mit
Schwellen- und Entwicklungsländern, um ihnen den Zugang zum Wissen zu sichern; Dialog mit
den wichtigsten Ländern über einen Verhaltenskodex im Hinblick auf die verantwortungsvolle und
sichere Entwicklung der Nanotechnologie und die Initiative Intelligente Fertigungssysteme (IMS),
die die FTE-Zusammenarbeit zwischen ihren Mitgliedsregionen ermöglicht 1. Es werden Initiativen
angeregt, die bei Koordinierung und Austausch von Forschungsdaten helfen sollen (etwa zur
Sicherheit der Nanotechnologien in Bezug auf Umwelt und Gesundheit), um den Weg für ein
gemeinsames Verständnis des Regelungsbedarfs durch politische Entscheidungsträger in der ganzen
Welt zu ebnen.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Forschungsarbeiten zu sich abzeichnenden Erfordernissen werden insbesondere durchgeführt, um
die europäischen Kapazitäten in bestimmten aufkommenden und interdisziplinären, zukunftsträch-
tigen Forschungsbereichen zu entwickeln und zu festigen. Unvorhergesehene politische Erforder-
nisse werden flexibel angegangen. Dabei kann es etwa um die Normung gehen, um die Unterstüt-
zung des sicheren Wandels hin zu einer wissensgestützten Industrie oder um die möglichen Aus-
wirkungen auf Umwelt und Gesundheit aufgrund der Nanotechnologien.
1
        Das Übereinkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
        IMS wurde zwischen der Europäischen Gemeinschaft und den USA, Japan, Australien,
        Kanada, Korea und den EFTA-Ländern Norwegen und Schweiz geschlossen.
 ---pagebreak--- L 400/162        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
5.      Energie
Ziel
Umwandlung der derzeitigen Energiewirtschaft in eine nachhaltigere Energiewirtschaft, die weniger
von Brennstoffimporten abhängt und auf einem breiteren Energieträgermix, insbesondere aus
erneuerbaren Energien, Energieträgern und schadstofffreien Quellen, beruht; Verbesserung der
Energieeffizienz, auch durch rationellere Energienutzung und -speicherung; Bewältigung der
drängenden Herausforderungen der Versorgungssicherheit und der Klimaänderung und zugleich
Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.
Ansatz
Aktuelle Prognosen in der EU und weltweit zeigen, dass die Mehrzahl der entscheidenden Ener-
gieindikatoren (z.B. Energieverbrauch, Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, die Endlichkeit
konventioneller Erdöl- und Erdgasvorkommen, Importabhängigkeit, CO2-Emissionen, Energie-
preise) eine Entwicklung anzeigt, die sich von einem nachhaltigen und zuverlässigen Energiesystem
entfernt. Die Energieforschung wird die Umkehr dieser Trends dadurch erleichtern, dass sie für ein
ausgewogenes Verhältnis zwischen Effizienzsteigerung, Erschwinglichkeit, Akzeptanz und Sicher-
heit der vorhandenen Technologien und Energiequellen sorgt und gleichzeitig auf einen länger-
fristigen Paradigmenwechsel hinsichtlich der Art und Weise, in der in Europa Energie erzeugt und
verbraucht wird, abzielt. Die Energieforschung wird daher einen unmittelbaren Beitrag zum Erfolg
der Gemeinschaftspolitik, insbesondere zur Erfüllung der aktuellen und der künftigen Energie-
einspar- und Treibhausgasminderungsziele der EU, leisten.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/163
Ausgehend vom Ansatz eines umfassenden Technologieportfolios im Einklang mit den Schlussfol-
gerungen des Grünbuchs (2000) "Hin zu einer europäischen Strategie für Energieversorgungssi-
cherheit" 1, des Grünbuchs (2005) über Energieeffizienz 2 und des Grünbuchs (2006) "Eine europäi-
sche Strategie für nachhaltige, wettbewerbsfähige und sichere Energie" 3 wird sich die Forschung,
ausgehend von bezahlbaren Energiepreisen für unsere Bürger und Unternehmen, auf die Ermittlung
und Entwicklung kostengünstiger Technologien für eine stärker nachhaltig ausgerichtete Energie-
wirtschaft in Europa (und weltweit) konzentrieren und die europäische Industrie in die Lage
versetzen, im globalen Wettbewerb erfolgreich zu bestehen. Die Maßnahmen werden einzeln oder
kombiniert alle Zeithorizonte betreffen, die gesamte Spanne von der Grundlagenforschung bis zur
angewandten Forschung und von der technologischen Entwicklung bis zur großmaßstäblichen
Technologiedemonstration umfassen und durch bereichsübergreifende und sozioökonomische For-
schungsarbeiten zur Validierung der Forschungsergebnisse und zur Bereitstellung einer rationalen
Grundlage für politische Entscheidungen und für die Konzipierung von Marktrahmenbedingungen
unterlegt werden.
Soweit möglich wird ein integrierter Ansatz verfolgt werden, der die notwendige Rückkopplung
und die erforderliche Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten begünstigt. Inte-
grierte Maßnahmen, die forschungsbereichsübergreifend sind oder Synergien zwischen verschiede-
nen Forschungsbereichen nutzen, sind von besonderem Interesse.
Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Energiebranche ist angesichts des harten
globalen Wettbewerbs ein wichtiges Ziel dieses Themenbereichs und soll die europäische Industrie
dazu befähigen, bei zentralen Technologien und Werkstoffen für Energieerzeugung und Energieef-
fizienz ihre weltweit führende Position zu behaupten und auszubauen. Dazu bedarf es umfangrei-
cher FuE-Anstrengungen und internationaler Zusammenarbeit. Vor allem KMU sind wichtige Ak-
teure auf dem Energiesektor; sie spielen eine wichtige Rolle in der Energieversorgungskette und ih-
nen wird bei der Innovationsförderung eine Schlüsselfunktion zukommen. Ihre starke Beteiligung
an Forschungs- und Demonstrationstätigkeiten ist von grundlegender Bedeutung und wird aktiv ge-
fördert werden.
1
        KOM(2002) 279 vom 29.11.2000.
2
        KOM(2005) 265.
3
        KOM(2006) 105.
 ---pagebreak--- L 400/164        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Die von den europäischen Technologieplattformen ausgearbeiteten strategischen Forschungspläne
und Einführungsstrategien sind ein wichtiger Beitrag zu den Forschungsprioritäten dieses Themen-
bereichs. Solche Plattformen gibt es für Wasserstoff, Brennstoffzellen und Photovoltaik, wobei das
Konzept auf Biokraftstoffe, die emissionsfreie Stromerzeugung und die künftigen Elektrizitätsnetze
sowie auf andere energiebezogene Bereiche ausgedehnt wird. Maßnahmen für eine bessere Koordi-
nierung nationaler Programme werden, soweit angemessen, durchgeführt werden.
Die Steigerung der Effizienz im gesamten Energiesystem, d.h. von der Energiequelle bis zum Ver-
braucher, ist unerlässlich und bildet das Rückgrat des gesamten Themenbereichs Energie. Wegen
ihres wichtigen Beitrags zu künftigen nachhaltigen Energiesystemen werden erneuerbare Energie-
quellen und Endenergieeffizienz wesentliche Aspekte dieses Themenbereichs sein. Besonderes
Augenmerk wird auf die Förderung von Forschung, Entwicklung und Demonstration sowie den
Aufbau von Fähigkeiten in diesem Bereich gelegt. Dazu werden die Synergien mit der Programm-
komponente "Intelligente Energie für Europa" des Programms "Wettbewerbsfähigkeit und Innova-
tion" umfassend genutzt werden. Ferner wird das Potenzial für künftige umfangreiche Initiativen
mit Finanzierung aus verschiedenen Quellen (z.B. gemeinsame Technologieinitiativen) untersucht
werden.
Um die Verbreitung und Nutzung der Forschungsergebnisse zu stärken, werden in allen Bereichen
die Weitergabe von Kenntnissen und der Transfer von Ergebnissen – auch an politische Entschei-
dungsträger – unterstützt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                          L 400/165
Maßnahmen
• Wasserstoff und Brennstoffzellen
Die von der europäischen Plattform für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien konzipierte
integrierte Forschungs- und Einführungsstrategie ist die Grundlage eines integrierten strategischen
Programms für stationäre und mobile Anwendungen sowie für Verkehrsanwendungen, das eine
starke technologische Basis für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Industrie für die Versorgung
mit Brennstoffzellen und Wasserstoff und für die entsprechenden Geräte schaffen soll. Das Pro-
gramm wird Folgendes beinhalten: Grundlagenforschung, angewandte Forschung und technologi-
sche Entwicklung, Demonstrationsprojekte in geeignetem Maßstab zur Validierung der Forschungs-
ergebnisse und für den Erhalt von Rückmeldungen für die weitere Forschung, bereichsübergreifen-
de und sozioökonomische Forschungsarbeiten unter Einbeziehung von Infrastrukturfragen als Basis
für solide Übergangsstrategien und zur Bereitstellung einer rationalen Grundlage für politische Ent-
scheidungen und für die Konzipierung von Marktrahmenbedingungen.
Die angewandte Industrieforschung, die Demonstrationstätigkeiten und die bereichsübergreifenden
Maßnahmen im Rahmen des Programms können mittels einer gemeinsamen Technologieinitiative
durchgeführt werden. Diese strategisch geleitete, zielorientierte Maßnahme wird ergänzt durch eine
stärker vorgelagerte Verbundforschung, die darauf ausgerichtet ist, einen Durchbruch bei kritischen
Werkstoffen, Verfahren und neu entstehenden Technologien zu erzielen, und ist eng mit ihr abge-
stimmt.
 ---pagebreak--- L 400/166        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
• Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern
Forschung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf integrierte Technologien für die Stromer-
zeugung aus erneuerbaren Energieträgern, die für unterschiedliche regionale Bedingungen – soweit
ein ausreichendes wirtschaftliches und technisches Potenzial nachgewiesen werden kann – geeignet
sind, zwecks Bereitstellung der Mittel für eine nennenswerte Steigerung des Anteils der Stromer-
zeugung aus erneuerbaren Energieträgern in der EU. Die Forschung sollte den Gesamtwirkungsgrad
und die Kosteneffizienz erhöhen, die Kosten der Stromerzeugung aus einheimischen erneuerbaren
Energieträgern einschließlich der biologisch abbaubaren Abfallanteile signifikant senken, die Pro-
zesszuverlässigkeit verbessern, die Umweltfolgen weiter verringern und vorhandene Hindernisse
beseitigen. Der Schwerpunkt wird auf der Photovoltaik, der Windenergie und der Biomasse ein-
schließlich Kraft-Wärme-Kopplung liegen. Ein weiteres Ziel der Forschung wird die umfassende
Nutzung des Potenzials anderer erneuerbarer Energiequellen – Geothermie, thermische Solarener-
gie, Meeresenergie (z.B. Wellen- und Gezeitenkraftwerke) und Wasserkraft – sein.
• Herstellung von Brennstoffen aus erneuerbaren Energieträgern
Forschung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf verbesserte Brenn- bzw. Kraftstoffher-
stellungs- und -umwandlungstechnologien für nachhaltig ausgerichtete Produktions- und Versor-
gungsketten für feste, flüssige und gasförmige Brenn- bzw. Kraftstoffe aus Biomasse (einschließ-
lich der biologisch abbaubaren Abfallanteile). Der Schwerpunkt sollte auf neuen Biobrenn- bzw.
Kraftstoffarten insbesondere für Verkehr und Stromerzeugung und auf neuen Produktions-, Lager-
und Vertriebskonzepten für die vorhandenen Biobrenn- bzw. Kraftstoffe, auch auf der integrierten
Energieerzeugung und der Erzeugung anderer Mehrwertprodukte durch Bioraffinerien, liegen. Um
eine positive Kohlenstoffbilanz "von der Quelle bis zum Nutzer" zu erzielen, wird die Forschung
sich auf die Verbesserung der Energieeffizienz, der Technologieintegration und der Nutzung von
Ausgangsstoffen konzentrieren. Fragen wie die Logistik der Ausgangsstoffe, die pränormative For-
schung und die Normung für eine sichere und zuverlässige Nutzung für Verkehrsanwendungen und
stationäre Anwendungen werden ebenfalls behandelt werden. Zur Nutzung des Potenzials der Was-
serstofferzeugung aus erneuerbaren Energieträgern werden Verfahren auf der Basis von Biomasse,
Ökostrom und Sonnenenergie gefördert werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/167
• Einsatz erneuerbarer Energieträger für Heiz- und Kühlzwecke
Forschung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf ein ganzes Spektrum von Technologien
und Geräten (einschließlich Speichertechnologien) zur Steigerung des Potenzials der aktiven und
passiven Heizung und Kühlung mittels erneuerbarer Energiequellen als Beitrag zu einer nachhalti-
gen Energiewirtschaft. Erreicht werden sollen nennenswerte Kostensenkungen, Effizienzsteigerun-
gen, eine weitere Verringerung der Umweltfolgen und eine optimierte Nutzung von Technologien
unter unterschiedlichen regionalen Bedingungen – soweit ein ausreichendes wirtschaftliches und
technisches Potenzial nachgewiesen werden kann. Forschung und Demonstration sollten neue Sys-
teme und Komponenten für industrielle Anwendungen (einschließlich thermischer Meerwasserent-
salzung), für Anwendungen im Bereich der Fernheizung und/oder speziellen Raumheizung und -
kühlung, der baulichen Integration und der Energiespeicherung einbeziehen.
• CO2-Abscheidungs- und -Speichertechnologien für die emissionsfreie Stromerzeugung
Die fossilen Brennstoffe werden in den nächsten Jahrzehnten unweigerlich weiterhin einen erhebli-
chen Anteil des Energieträgermixes ausmachen. Um diese Option, insbesondere im Hinblick auf
den Klimawandel, umweltverträglich zu gestalten, müssen die negativen ökologischen Auswirkun-
gen der Nutzung fossiler Brennstoffe drastisch verringert werden mit dem Ziel, zu einer hoch-
effizienten, wirtschaftlichen und weitgehend emissionsfreien Strom- und/oder Wärmeerzeugung zu
gelangen. Forschung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf effiziente, wirtschaftliche und
zuverlässige CO2-Abscheidungs- und -Speichertechnologien, insbesondere die unterirdische
Speicherung, sind von entscheidender Bedeutung für verschiedene Arten geologischer CO2-Lager-
stätten; Ziel ist es, die Kosten der CO2-Abscheidung und -Speicherung auf weniger als
20 EUR/Tonne mit Abscheidungsraten von mehr als 90 % zu senken und zugleich die langfristige
Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit der CO2-Speicherung nachzuweisen.
 ---pagebreak--- L 400/168         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
• Umweltfreundliche Kohletechnologien
Der Großteil der Stromerzeugung erfolgt weltweit nach wie vor durch kohlegefeuerte Kraftwerke,
bei denen jedoch ein erhebliches Potenzial für weitere Effizienzsteigerungen und Emissionssen-
kungen (vor allem der CO2-Emissionen) besteht. Zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit
und als Beitrag zur Ressourcenerhaltung und zur Bewältigung der CO2-Emissionen werden For-
schung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf saubere Umwandlungstechnologien für
Kohle und andere feste Kohlenwasserstoffe gefördert werden, und zwar sowohl für bestehende als
auch für künftige Kraftwerke. Technologien zur Umwandlung von Kohle und anderen festen
Brennstoffen, einschließlich chemischer Prozesse, bei denen auch sekundäre Energieträger (ein-
schließlich Wasserstoff) sowie flüssige oder gasförmige Brennstoffe erzeugt werden, werden eben-
falls unterstützt. Dadurch werden der Wirkungsgrad und die Zuverlässigkeit der Kraftwerke signifi-
kant erhöht, die Schadstoffemissionen minimiert und die Kosten unter verschiedenen Betriebs-
bedingungen insgesamt gesenkt. Diese Maßnahmen werden mit Blick auf die künftige emissions-
freie Stromerzeugung mit CO2-Abscheidungs- und -Speichertechnologien und mit der Mitverwen-
dung von Biomasse kombiniert bzw. diese vorbereiten.
 ---pagebreak--- 30.12.2006         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/169
• Intelligente Energienetze
Um den Übergang zu einem stärker nachhaltig ausgerichteten Energiesystem zu erleichtern, sind
weit reichende FuE-Anstrengungen erforderlich, damit Effizienz, Flexibilität, Sicherheit, Zuverläs-
sigkeit und Qualität der europäischen Strom- und Gassysteme und -netze insbesondere im Rahmen
eines stärker integrierten europäischen Energiemarktes verbessert werden. Was die Stromnetze be-
trifft, so erfordert die angestrebte Umwandlung der derzeitigen Stromnetze in ein belastbares inter-
aktives (Kunden-/Betreiber-)Dienstleistungsnetz und die beabsichtigte Kontrolle des Echtzeit-Flus-
ses sowie die Beseitigung der Hemmnisse für den großtechnischen Einsatz und für die tatsächliche
Integration erneuerbarer Energieträger und der dezentralen Erzeugung (z.B. Brennstoffzellen,
Mikroturbinen, Kolbenmaschinen) auch Forschung, Entwicklung und Demonstration in Bezug auf
wichtige Basistechnologien (z.B. innovative IKT-Lösungen, Speichertechnologien für erneuerbare
Energien, Leistungselektronik und supraleitende Vorrichtungen), einschließlich der Entwicklung
neuer Regel- und Zuverlässigkeitsinstrumente für Elektrizitätssysteme. Bei den Gasnetzen sollen
intelligentere und effizientere Verfahren und Systeme für Gastransport und Gasverteilung unter
Einbeziehung erneuerbarer Energieträger und unter Verwendung von Biogas in bestehenden Netzen
demonstriert werden.
 ---pagebreak--- L 400/170         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
• Energieeffizienz und Energieeinsparung
Die umfassenden Möglichkeiten für Einsparungen beim End- und Primärenergieverbrauch und Ver-
besserungen der Energieeffizienz 1 müssen durch Forschung, Optimierung, Validierung und De-
monstration in Bezug auf neue Konzepte sowie durch Optimierung bewährter und neuer Konzepte
und Technologien für Gebäude, Dienstleistungen und Industrie nutzbar gemacht werden. Dazu
gehören die Kombination von nachhaltigen Strategien und Technologien für größere Energie-
effizienz, der Einsatz erneuerbarer Energieträger und der Ko- und Polygeneration und die großflä-
chige Einbeziehung von Energienachfragesteuerungsmaßnahmen und -vorrichtungen in Städten und
Gemeinden sowie Demonstrationsmaßnahmen bei Gebäuden mit minimalen Klimawirkungen (um-
weltfreundliche Gebäude). Diese groß angelegten Maßnahmen können durch innovative Forschung
und Entwicklung, die auf spezielle Komponenten oder Technologien, z.B. auf die Polygeneration
und umweltfreundliche Gebäude (einschließlich Beleuchtung), abstellen, unterstützt werden. Ein
zentrales Ziel besteht darin, die Energiesysteme in den Gemeinden dadurch zu optimieren, dass eine
nennenswerte Senkung der Energienachfrage mit der erschwinglichsten und am stärksten nachhaltig
ausgerichteten Energieversorgungslösung, zu der auch die Nutzung neuer Kraftstoffe in speziellen
Fahrzeugflotten gehört, gekoppelt wird 2.
• Wissensbasis für die energiepolitische Entscheidungsfindung
Entwicklung von Instrumenten, Methoden und Modellen für die Bewertung der wichtigsten wirt-
schaftlichen und sozialen Fragen im Zusammenhang mit Energietechnologien. Zu den Maßnahmen
gehören der Aufbau von Datenbanken und die Entwicklung von Szenarien für eine erweiterte EU
und die Bewertung der Folgen der Energiepolitik und der damit verbundenen Konzepte für Versor-
gungssicherheit, Umwelt, Gesellschaft und Wettbewerbsfähigkeit der Energiewirtschaft sowie
Fragen der öffentlichen Akzeptanz. Von besonderer Bedeutung sind die Auswirkungen des techni-
schen Fortschritts auf die Gemeinschaftspolitik. Im Rahmen der Maßnahmen wird auch wissen-
schaftliche Unterstützung für die Gestaltung der Politik geleistet.
1
        Wie im Grünbuch "Energieeffizienz oder Weniger ist mehr" – KOM(2005) 265 vom
        22.6.2005 – anerkannt.
2
        Aufbauend auf den Erfahrungen, die mit den im Sechsten Rahmenprogramm geförderten
        Initiativen CONCERTO und CIVITAS gemacht wurden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/171
Internationale Zusammenarbeit
In Anbetracht des globalen Charakters der Herausforderungen, Gefahren und Chancen ist die inter-
nationale Zusammenarbeit ein immer wichtigeres Element der Energieforschung. Strategisch wich-
tige multilaterale Initiativen der Zusammenarbeit, etwa die Internationale Partnerschaft für die Was-
serstoffwirtschaft (IPHE), das Führungsforum zur Kohlenstoffsequestrierung (CSLF) und die Jo-
hannesburger Koalition für erneuerbare Energien (JREC), werden durch spezielle Maßnahmen un-
terstützt werden. Weitere spezielle Maßnahmen, die sich z.B. mit den Umweltfolgen der Energie-
politik, der gegenseitigen Abhängigkeit bei der Energieversorgung, dem Technologietransfer und
dem Aufbau von Kapazitäten befassen, werden gleichfalls gefördert werden; in ihrem Rahmen wird
auch die Problematik der Schwellenländer mit erheblichem Energiebedarf angegangen.
Die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit im Energiebereich wird ebenfalls die EU-Ini-
tiative "Bekämpfung der Armut und nachhaltige Entwicklung durch Energie" unterstützen, die auf
dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung ins Leben gerufen wurde, insbesondere um durch die
Bereitstellung eines zuverlässigen und erschwinglichen Zugangs zu umweltverträglicher Energie
für die Armen einen Beitrag zu den Entwicklungszielen für das neue Jahrtausend zu leisten.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische Erforder-
nisse
Die Forschung zu neu entstehenden Erfordernissen wird dazu beitragen, neue wissenschaftliche und
technologische Möglichkeiten im Bereich der Energieversorgung, der Energieumwandlung und der
Nachhaltigkeit – häufig in Verbindung mit anderen Fachbereichen und Disziplinen (z.B. Biotech-
nologie, neue Werkstoffe und Produktionsverfahren) – aufzuzeigen und auszuloten. Beispiele für
unvorhergesehene Anforderungen an die Politik, die unter Umständen eine schnelle Reaktion erfor-
dern, sind u. a. die Entwicklung internationaler Maßnahmen für den Klimaschutz und die Reaktion
auf schwerwiegende Störungen oder instabile Verhältnisse bei der Energieversorgung oder Preis-
bildung.
 ---pagebreak--- L 400/172        DE               Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
6.        Umwelt (einschließlich Klimaänderungen)
Ziel
Nachhaltiges Management der Umwelt und ihrer Ressourcen durch die Erweiterung der Kenntnisse
über die Wechselwirkungen zwischen Klima, Biosphäre, Ökosystemen und menschlichen Tätig-
keiten, durch die Entwicklung neuer Technologien, Werkzeuge und Dienstleistungen, um globale
Umweltprobleme mit einem integrierten Ansatz lösen zu können. Schwerpunkte: Vorhersage von
Veränderungen beim Klima sowie bei Öko-, Erd- und Meeressystemen; Werkzeuge und Technolo-
gien zur Überwachung, Verhütung und Abschwächung von Umweltbelastungen und -risiken sowie
zur Anpassung daran, auch im Hinblick auf die Gesundheit, sowie für die Nachhaltigkeit der natür-
lichen und vom Menschen geschaffenen Umwelt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/173
Ansatz
Für die Lebensqualität der heutigen und künftiger Generationen sowie für das Wirtschaftswachstum
ist Umweltschutz von grundlegender Bedeutung. Da die natürlichen Ressourcen der Erde und die
vom Menschen geschaffene Umwelt Belastungen durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung,
Bautätigkeit, stetiges Wachstum von Landwirtschaft, Aquakultur und Fischerei, Verkehr und
Energiesektor, Bodennutzung sowie durch Klimaschwankungen und lokale, regionale und globale
Erwärmungsprozesse ausgesetzt sind, steht die EU vor der Herausforderung, ein kontinuierliches
und nachhaltiges Wachstum bei gleichzeitiger Eindämmung negativer Umweltauswirkungen sicher-
stellen zu müssen. Eine EU-weite Zusammenarbeit bietet sich deshalb an, weil Länder, Regionen
und Städte vor den gleichen Umweltproblemen stehen und angesichts des Umfangs, der Aufgaben-
stellung und der hohen Komplexität der Umweltforschung eine kritische Masse erforderlich ist.
Eine solche Zusammenarbeit erleichtert auch die gemeinsame Planung, die Nutzung vernetzter und
interoperabler Datenbanken sowie die Entwicklung von gemeinsamen Indikatoren, Beurteilungs-
verfahren und kohärenten und großmaßstäblichen Beobachtungs- und Vorhersagesystemen. Die
internationale Zusammenarbeit ist ferner zur Erweiterung des Wissensstandes und eines besseren
Managements auf globaler Ebene notwendig.
 ---pagebreak--- L 400/174        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Die Forschungsarbeiten zu diesem Thema 1 werden zur Erfüllung der internationalen Verpflichtun-
gen der EU und der Mitgliedstaaten (z.B. Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über
Klimaänderungen, Protokolle von Kyoto und Montreal, Maßnahmen im Anschluss an das Kyoto-
Protokoll, VN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt, VN-Übereinkommen zur Bekämp-
fung der Wüstenbildung, Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe und
Ziele des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung 2002 einschließlich der EU-Wasserinitiative)
beitragen (und ein nachhaltiges Produktions- und Verbrauchsverhalten fördern). Sie werden ferner
einen Beitrag zur Arbeit des zwischenstaatlichen Gremiums für Klimaänderung und zur GEO-Ini-
tiative (Gruppe für Erdbeobachtung) leisten und die Millenniumserhebung zu den Ökosystemen be-
rücksichtigen. Darüber hinaus werden die Forschungsarbeiten unterstützt, die auf die Erfordernisse
bestehender und sich abzeichnender Rechtsvorschriften und Maßnahmen der Gemeinschaft (wie
beispielsweise Natura 2000 und REACH), die Durchführung des sechsten Umweltaktionspro-
gramms, damit verbundene thematische Strategien (Strategien für Meeresumwelt, Boden usw.) und
neue Strategien (z.B. Strategie für Quecksilber) sowie der Aktionspläne für Umwelttechnologien
und für Umwelt und Gesundheit zurückgehen.
Mit der Förderung innovativer Umwelttechnologien soll ein Beitrag zur nachhaltigen Ressourcen-
nutzung, zur Eindämmung der Klimaänderung und zur Anpassung daran sowie zum Schutz der
Ökosysteme und der vom Menschen geschaffenen Umwelt geleistet werden. Die Forschungsarbei-
ten werden auch zu technologischen Entwicklungen beitragen, die in Bereichen wie Umwelttech-
nologien die Marktstellung europäischer Unternehmen, insbesondere diejenigen der KMU verbes-
sern sollen. Europäische Technologieplattformen, z.B. für Wasserversorgung und Sanitärtechnolo-
gien, nachhaltige Chemie, Bauwesen und Forstwirtschaft, bestätigen, dass es Handlungsbedarf für
ein Vorgehen auf EU-Ebene gibt; die relevanten Teile der Forschungsagenden für diese Plattformen
werden bei den nachstehend beschriebenen Maßnahmen berücksichtigt.
1
         Ergänzende Forschungsarbeiten zur Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen
         werden im Rahmen des Themenbereichs "Lebensmittel, Landwirtschaft und
         Biotechnologie" behandelt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                    L 400/175
Die Koordinierung der nationalen Programme soll durch die Ausweitung der bestehenden ERA-
NETs in der Umweltforschung verstärkt werden 1.
Besondere Aufmerksamkeit gilt einer verstärkten Verbreitung der Ergebnisse der Gemeinschafts-
forschung – auch durch die Nutzung von Synergien mit anderen Finanzierungsmechanismen auf
Ebene der Gemeinschaft oder in den Mitgliedstaaten – sowie der Förderung ihrer Übernahme durch
die jeweiligen Endnutzer, insbesondere die politisch Verantwortlichen.
Gegebenenfalls werden im Rahmen der nachstehend genannten Maßnahmen integrierte Konzepte,
Instrumente und Managementstrategien entwickelt. Für die Abstimmung mit Querschnittsthemen 2
wird gesorgt. Bei den einzelnen Maßnahmen werden gegebenenfalls die sozioökonomischen As-
pekte der Strategien und Technologien berücksichtigt.
1
        Hierzu könnten unter anderem die gemeinsame Durchführung der
        Ostseeforschungsprogramme und neue ERA-NETs gehören.
2
        Hinsichtlich der Umwelttechnologien ist die Abstimmung mit dem Rahmenprogramm für
        Wettbewerbsfähigkeit und Innovation von besonderer Bedeutung.
 ---pagebreak--- L 400/176        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Maßnahmen
• Klimaänderung, Umweltverschmutzung und Risiken
– Belastung von Umwelt und Klima
Zur Funktionsweise von Klima- sowie Erd- und Meeressystem einschließlich der Polargebiete sind
integrierte Forschungsarbeiten erforderlich, um die bisherige Entwicklung dieser Systeme zu beob-
achten und zu analysieren und ihre künftige Entwicklung vorherzusagen; dies schließt experimen-
telle Studien und fortgeschrittene Modellbildung sowie die Berücksichtigung des anthropogenen
Einflusses ein. Dies soll die Entwicklung effizienter Maßnahmen zur Milderung der Klimaänderun-
gen und ihrer Folgen und zur Anpassung daran ermöglichen. Es sollen fortgeschrittene Modelle für
die Klimaänderung – vom globalen bis zum lokalen Maßstab – entwickelt und validiert werden.
Diese Modelle werden angewendet, um Veränderungen, potenzielle Auswirkungen und kritische
Schwellenwerte (beispielsweise für den Säuregehalt der Ozeane) zu ermitteln. Veränderungen bei
der Zusammensetzung der Atmosphäre und beim Wasserkreislauf sollen untersucht und risikobezo-
gene Konzepte entwickelt werden, bei denen Veränderungen bei den Mustern für das Auftreten von
Dürren, Stürmen und Überschwemmungen berücksichtigt werden. Das Kohlenstoff- und das Treib-
hausgasbudget (letzteres einschließlich der Aerosole) sollen quantifiziert und untersucht werden.
Ferner werden die Belastungen, denen die Umweltqualität und das Klima durch natürliche und vom
Menschen verursachte Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung ausgesetzt sind, sowie außerdem
die Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Ozonschicht der Stratosphäre, Erdboden, Eis und
Meeren erforscht. Berücksichtigt werden Feed-back-Mechanismen und abrupte Veränderungen
(z.B. bei den Meeresströmungen) sowie die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und die
Ökosysteme, einschließlich der Auswirkungen des Anstiegs des Meeresspiegels auf die Küstenre-
gionen und der Auswirkungen auf empfindliche Gebiete wie Bergregionen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/177
– Umwelt und Gesundheit
Zur Unterstützung des Aktionsplans für Umwelt und Gesundheit und im Hinblick auf die Berück-
sichtigung von Fragen des öffentlichen Gesundheitswesens und der Charakterisierung von Krank-
heiten im Zusammenhang mit neuen Umweltrisiken sind multidisziplinäre Forschungsarbeiten zu
den Wechselwirkungen zwischen umwelt- und klimabezogenen Risikofaktoren und menschlicher
Gesundheit erforderlich. Der Schwerpunkt liegt auf den Auswirkungen globaler Veränderungen
(Klimaänderung, Landnutzung, Globalisierung), der Mehrfachbelastung über unterschiedliche
Übertragungswege, der Ermittlung der Verschmutzungsquellen und neuer bzw. sich abzeichnender
Umweltstressoren und -vektoren (beispielsweise Innen- und Außenumgebung, Aspekte des
Siedlungsumfelds, Luftverschmutzung, elektromagnetische Felder, Lärm und Exposition gegenüber
toxischen Substanzen einschließlich der Entwicklung von integrierter Risikobewertung und
Methodiken für gefährliche Stoffe) und ihren potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen. Ferner
sollen die Forschungsmaßnahmen zum Biomonitoring des Menschen im Hinblick auf die Entwick-
lung eines koordinierten und kohärenten Konzepts in Bezug auf wissenschaftliche Aspekte, Ver-
fahren und Instrumente integriert werden. Es sollen auch europäische Kohortenstudien unter
Berücksichtigung gefährdeter Bevölkerungsgruppen durchgeführt werden; außerdem geht es um
Verfahren und Instrumente, mit denen Risikocharakterisierung, Risikobewertung und der Vergleich
von Risiken und gesundheitlichen Auswirkungen verbessert werden sollen. Im Rahmen der
Forschungsarbeiten sollen Biomarker und Modellierungsinstrumente entwickelt werden, die
Kombinationen von Umweltbelastungen, unterschiedliche Anfälligkeiten und den Unsicherheits-
faktor berücksichtigen. Ferner sollen fortschrittliche Verfahren und Entscheidungshilfeinstrumente
(Indikatoren, Datenbanken, Kosten-Nutzen- und Mehrfachkriterienanalysen, Abschätzung von
Gesundheitsfolgen, Analyse der Krankheitsbelastung und der Nachhaltigkeit) für die Analyse,
Validierung und Verknüpfung von Modellen und Systemen sowie für Bewältigung und Bekannt-
gabe entwickelt werden, die die Entwicklung von politischen Maßnahmen sowie deren Bewertung
und Überwachung unterstützen.
 ---pagebreak--- L 400/178        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
– Naturrisiken
Die Beherrschung von Naturkatastrophen erfordert ein Konzept für Mehrfachrisiken, bei dem spezi-
fische Erfordernisse mit einer umfassenden Planung kombiniert werden. Kenntnisse und Verfahren
müssen verbessert werden und es ist ein einheitlicher Rahmen für die Bewertung von Gefahren,
Anfälligkeit und Risiken erforderlich. Ferner sind Kartierungs-, Vermeidungs-, Erkennungs- und
Eindämmungsstrategien zu entwickeln, wobei auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren
zu berücksichtigen sind. Klimabedingte Naturkatastrophen (Stürme, Dürren, Waldbrände, Lawinen,
Erdrutsche, Überschwemmungen und andere Extremereignisse) und geologische Gefahren (z.B.
Erdbeben, Vulkane, Tsunamis) und deren Auswirkungen werden ebenfalls untersucht. Dies wird ein
besseres Verständnis der zu Grunde liegenden Prozesse ermöglichen und ferner die Verbesserung
der Methoden für Ermittlung und Vorhersage – auf der Grundlage deterministischer und probabi-
listischer Ansätze – zur Folge haben. Die Entwicklung von Frühwarn- und Informations- und
Krisenreaktionssystemen, mit denen auch die Anfälligkeit von Siedlungen verringert werden soll,
wird hierdurch ebenfalls unterstützt. Außerdem sollen die gesellschaftlichen Auswirkungen großer
Naturkatastrophen und auch ihre Auswirkungen auf die Ökosysteme quantifiziert werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/179
• Nachhaltiges Ressourcenmanagement
– Erhaltung und nachhaltiges Management der natürlichen und vom Menschen geschaffenen
   Ressourcen und der biologischen Vielfalt
Mit den Forschungsmaßnahmen soll die Wissensbasis erweitert und es sollen fortgeschrittene
Modelle und Instrumente für die nachhaltige Bewirtschaftung der Ressourcen und die Förderung
nachhaltiger Verbrauchsmuster entwickelt werden. Dies soll die Vorhersage des Verhaltens von
Ökosystemen und ihre Wiederherstellung sowie eine geringere Schädigung bzw. geringere Verluste
an wichtigen strukturellen und funktionalen Elementen der Ökosysteme (in Bezug auf biologische
Vielfalt, Wasser, Boden und Meeresressourcen) ermöglichen. Bei den Arbeiten zur Modellierung
von Ökosystemen werden die Vorgehensweisen im Naturschutz berücksichtigt. Gefördert werden
innovative Konzepte zur Entwicklung von Wirtschaftstätigkeiten auf der Grundlage der Leistungen
von Ökosystemen. Es werden integrierte Konzepte zur Vermeidung und Bekämpfung von Deserti-
fikation, Bodenverschlechterung und Erosion (auch zur rationellen Nutzung des Wassers) sowie des
weiteren Verlustes an biologischer Vielfalt und zur Milderung negativer Folgen des Eingreifens des
Menschen entwickelt werden. Gegenstand der Forschungsarbeiten sind ferner die nachhaltige Nut-
zung und Bewirtschaftung von Wäldern, Landschaften und des städtischen Umfelds einschließlich
postindustrieller Gebiete – unter besonderer Berücksichtigung der Planung – sowie die nachhaltige
Bewirtschaftung von Abfällen. Die Arbeiten sollen von der Entwicklung offener, verteilter und
interoperabler Datenverwaltungs- und Informationssysteme profitieren und zu diesen beitragen
sowie ferner Erhebungen, Vorhersagen und Dienste im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen
und deren Nutzung unterstützen.
 ---pagebreak--- L 400/180        DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
– Bewirtschaftung der Meeresumwelt
Es sind gezielte Forschungsarbeiten zur Verbesserung des Verständnisses der Auswirkungen
menschlicher Tätigkeiten auf die Meere und die Ressourcen der Meeresumwelt, u. a. der Ver-
schmutzung und Eutrophierung regionaler Meeresgewässer und Küstenregionen, erforderlich.
Forschungsarbeiten zur aquatischen Umwelt – was Ökosysteme der Küste, regionaler Gewässer und
der Tiefsee sowie den Meeresboden einschließt – werden durchgeführt, um das Verhalten dieses
Umfelds zu beobachten, zu überwachen und vorherzusagen und die Kenntnisse über die Meere und
die nachhaltige Nutzung der Meeresressourcen zu erweitern. Die Auswirkungen menschlicher
Tätigkeiten auf die Meere sollen im Rahmen integrierter Konzepte beurteilt werden, bei denen die
biologische Vielfalt der Meere, Ökosystemprozesse und -leistungen, die Meeresströmungen und die
Geologie der Meeresböden berücksichtigt werden. Es werden Konzepte und Instrumente für die
Unterstützung von Strategien für die nachhaltige Nutzung der Meere und ihrer Ressourcen ent-
wickelt. Hierzu gehören Verfahren, Informationssysteme und Datenbanken sowie Werkzeuge für
die Bewertung von Strategien und Instrumenten.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/181
• Umwelttechnologien
– Umwelttechnologien zur Beobachtung, Simulation, Schadensverhütung, Schadensbegrenzung,
   Anpassung, Sanierung und Wiederherstellung der natürlichen und vom Menschen geschaffenen
   Umwelt:
Es sind neue bzw. verbesserte Umwelttechnologien notwendig, um die Auswirkungen menschlicher
Tätigkeiten auf die Umwelt einzudämmen, die Umwelt zu schützen und die Ressourcen effizienter
zu bewirtschaften und um neue, umweltfreundlichere Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zu
entwickeln. Die Forschungsarbeiten werden sich insbesondere auf Folgendes erstrecken: Technolo-
gien zur Vermeidung bzw. Verringerung von Umweltrisiken, zur Eindämmung von Gefahren und
Katastrophen und zur Begrenzung der Klimaänderung und des Verlusts an biologischer Vielfalt;
Technologien zur Förderung der nachhaltigen Produktion und des nachhaltigen Verbrauchs; Tech-
nologien für eine effizientere Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und eine effizientere Be-
handlung der Umweltverschmutzung in Bezug auf Wasser, Boden, Luft, Meere und sonstige Res-
sourcen unter Einbeziehung des städtischen Umfelds und von Abfall (einschließlich Abfall-
recycling). Für die themenübergreifende Abstimmung mit anderen damit zusammenhängenden
Themenbereichen wird gesorgt.
– Schutz, Erhaltung und Sanierung des kulturellen Erbes einschließlich des menschlichen
   Lebensraums
Dabei geht es um Technologien für die umweltgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung der
Umwelt des Menschen einschließlich der bebauten Umwelt, städtischer Gebiete und der Landschaft
sowie für den Schutz, den Erhalt bzw. die Wiederherstellung des kulturellen Erbes in Bezug auf die
Umweltverschmutzung; hierzu gehören auch Umweltverträglichkeitsprüfungen, Modelle und
Werkzeuge für die Risikobewertung, fortgeschrittene zerstörungsfreie Techniken zur Schadens-
diagnose, neuartige Produkte und Verfahren für die Restaurierung, Strategien für Schadens-
minderung und Anpassung, die eine nachhaltige Bewirtschaftung beweglicher wie unbeweglicher
Kulturgüter ermöglichen sollen.
 ---pagebreak--- L 400/182        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
– Technologiebewertung, -prüfung und -erprobung
Der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten liegt auf der Risiko- und Leistungsbewertung von Tech-
nologien, einschließlich Prozessen, Produkten und Dienstleistungen, sowie der Weiterentwicklung
entsprechender Verfahren wie z.B. der Lebenszyklusanalyse. Folgendes sind weitere Schwerpunkte:
langfristige Möglichkeiten, Marktpotenzial und sozioökonomische Aspekte von Umwelttechnolo-
gien; Plattform für forstwirtschaftliche Technologie, Wasserversorgung und Abwassertechnologien,
Plattform für nachhaltige Chemie; Risikobewertung von Chemikalien mit dem Schwerpunkt auf
intelligenten Versuchsstrategien und Verfahren zur Minimierung von Tierversuchen sowie Ver-
fahren zur Risikoquantifizierung; wissenschaftliche Unterstützung der Forschungsarbeiten in Bezug
auf ein europäisches Prüf- und Erprobungssystem für Umwelttechnologien zur Ergänzung der
Instrumente zur Drittbewertung.
• Erdbeobachtung und Bewertungswerkzeuge für die nachhaltige Entwicklung
– Erd- und Meeresbeobachtungssysteme und Überwachungsverfahren für Umwelt und nachhaltige
   Entwicklung
Die Forschungsarbeiten dienen der Entwicklung und Integration von GEOSS (System globaler Erd-
beobachtungssysteme) für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte im Rahmen der GEO-Initiative 1,
die durch die Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES) ergänzt wird. Ferner geht es
um Interoperabilität der Beobachtungssysteme, Informationsmanagement und Datenaustausch,
Optimierung der Informationen im Hinblick auf die Erforschung, Modellierung und Vorhersage von
Umweltphänomenen und damit verbundener Tätigkeiten des Menschen. Den Schwerpunkt bilden
natürliche Gefahren, Klimaänderung, Wetter, Ökosysteme, natürliche Ressourcen, Wasser, Land-
nutzung, Umwelt und Gesundheit sowie biologische Vielfalt (einschließlich der Aspekte Risiko-
bewertung, Vorhersagemethoden und Bewertungsinstrumente); damit sollen Fortschritte in den
gesellschaftlich nutzbringenden Bereichen von GEOSS erzielt und ein Betrag zu GMES geleistet
werden.
1
        Einschließlich der finanziellen Unterstützung zugunsten des GEO-Sekretariats.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/183
– Vorhersagemethoden und Bewertungswerkzeuge für die nachhaltige Entwicklung unter Berück-
   sichtigung der verschiedenen Beobachtungsmaßstäbe
Es werden Instrumente für die quantitative Erfassung des Beitrags der Umwelt- und der
Forschungspolitik zur Wettbewerbsfähigkeit und zur nachhaltigen Entwicklung benötigt, unter
anderem zur Bewertung marktorientierter und ordnungspolitischer Konzepte sowie zur Erfassung
der Folgen aktueller Trends bei Produktions- und Verbrauchsmustern. Zu diesen Instrumenten
gehören auch Modelle, die die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft
berücksichtigen und somit nützliche und effiziente Vermeidungs- und Anpassungsstrategien liefern.
Eine umfassende Bewertung der globalen Umweltänderungen einschließlich des Zusammenwirkens
der Ökosysteme und der sozioökonomischen Systeme wird ein Bestandteil dieser interdisziplinären
Forschung sein. Im Rahmen der Forschungsarbeiten sollen auch bestehende Indikatoren zur Bewer-
tung politischer Prioritäten für die nachhaltige Entwicklung und zur Analyse der Verbindungen
zwischen diesen verbessert bzw. neue Indikatoren entwickelt werden, wobei die bestehenden EU-
Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung zu berücksichtigen sind. Gegenstand der Forschung
sind ferner die Analyse von Technologien, sozioökonomischen Antriebskräften, externen Effekten
und Steuerungswirkungen, Nachhaltigkeitsbewertungen sowie Zukunftsforschung. Anwendungs-
bereiche sind Landnutzung und Maßnahmen im Zusammenhang mit der Meeresumwelt, Stadtent-
wicklung, die biologische Vielfalt sowie die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen
Konflikte im Zusammenhang mit der Klimaänderung.
 ---pagebreak--- L 400/184          DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                   30.12.2006
Internationale Zusammenarbeit
Umweltprobleme haben zwangsläufig eine grenzüberschreitende, regionale oder globale Dimen-
sion, weshalb die internationale Zusammenarbeit bei diesem Themenbereich ein wichtiger Aspekt
ist. Einige Forschungsgebiete stehen im Zusammenhang mit internationalen Verpflichtungen der
EU, wie den Übereinkommen über den Klimaschutz, die biologische Vielfalt, Wüstenbildung,
Bewirtschaftung der Wasserressourcen, Chemikalien und Abfall, den Beschlüssen des
Johannesburger Gipfels zur nachhaltigen Entwicklung und anderen regionalen Übereinkünften.
Berücksichtigt werden auch die einschlägigen Forschungsmaßnahmen auf der Grundlage der
Umweltstrategien und Aktionspläne der EU 1.
Wissenschaftliche und technologische Partnerschaften mit Entwicklungs- und Schwellenländern
sollen zu den Millenniums-Entwicklungszielen in mehreren Bereichen beitragen (z.B. Verhütung
und Eindämmung der Auswirkungen der Klimaänderung und von Naturkatastrophen, Umkehrung
des Trends zum Verlust an Umweltressourcen, bessere Wasserbewirtschaftung, Wasserversorgung
und Sanitärtechnologien, Vermeidung und Bekämpfung von Desertifikation, nachhaltige Produk-
tion und nachhaltiger Verbrauch und Bewältigung der mit der Urbanisierung verbundenen Umwelt-
probleme), in denen auch KMU eine wichtige Rolle spielen könnten. Besondere Aufmerksamkeit
gilt der Beziehung zwischen globalen Umweltfragen und regionalen bzw. lokalen Entwicklungs-
problemen im Zusammenhang mit natürlichen Ressourcen, biologischer Vielfalt, Ökosystemen,
Landnutzung, natürlichen und anthropogenen Gefahren und Risiken, Klimaänderung, Umwelt-
technologien, Umwelt und Gesundheit sowie Instrumenten für die politische Analyse. Die
Zusammenarbeit mit den Industrieländern wird einen leichteren Zugang zur internationalen
Spitzenforschung ermöglichen; Wissenschaftler aus den Entwicklungsländern sollten aktiv beteiligt
werden, und zwar insbesondere in Bezug auf ein besseres Verständnis der Aspekte der nachhaltigen
Entwicklung.
1
         Z.B. die Killarney-Empfehlungen zu den Forschungsprioritäten im Bereich der biologischen
         Vielfalt für das Ziel 2010 (Malahide-Konferenz 2004), der EU-Aktionsplan in Bezug auf die
         Klimaänderung im Zusammenhang mit der Entwicklungszusammenarbeit (2004), die vom
         UNCCD-Ausschuss für Wissenschaft und Technologie ausgewiesenen vorrangigen
         Maßnahmen, EU-Strategien und weltweite Strategien im Bereich des sicheren Umgangs mit
         chemischen Stoffen und Pestiziden usw.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/185
Die Einrichtung von GEOSS für die Erdbeobachtung soll die internationale Zusammenarbeit bei der
Erforschung des Erdsystems und der Untersuchung von Fragen der Nachhaltigkeit sowie eine koor-
dinierte Sammlung von Daten für wissenschaftliche und politische Zwecke unter Einbindung von
öffentlichen und privaten Interessenten fördern.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Im Rahmen der Forschungsarbeiten aufgrund neuer Erfordernisse in diesem Bereich können
Themen wie die Wechselwirkungen zwischen Mensch, Ökosystemen und Biosphäre oder neue
Risiken aufgrund natürlicher, anthropogener oder technologiebedingter Katastrophen behandelt
werden.
Die Unterstützung für Maßnahmen aufgrund unvorhergesehener Erfordernisse der Umweltpolitik
könnte sich beispielsweise auf Nachhaltigkeitsprüfungen für neue politische Maßnahmen – etwa in
den Bereichen Umwelt, Meeresumwelt, Normen und Vorschriften – erstrecken.
7.      Verkehr (einschließlich Luftfahrt)
Ziel
Entwicklung von integrierten, sichereren, umweltfreundlicheren und intelligenteren gesamteuro-
päischen Verkehrssystemen zum Nutzen aller Bürger und der Gesellschaft und im Interesse der
Klimapolitik unter Schonung der Umwelt und der natürlichen Ressourcen auf der Grundlage
technologischer und operativer Fortschritte und der europäischen Verkehrspolitik sowie Sicherung
und weiterer Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie auf dem Weltmarkt.
 ---pagebreak--- L 400/186        DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Ansatz
Das europäische Verkehrssystem ist ein wesentliches Element des wirtschaftlichen und sozialen
Wohlstands in Europa. Es spielt eine Schlüsselrolle für die Beförderung von Personen und Gütern
auf lokaler, regionaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene. In diesem Themen-
bereich werden einige der noch immer aktuellen Herausforderungen aufgegriffen, die bereits im
Weißbuch über die Verkehrspolitik 1 aufgeführt sind: Die Verkehrssysteme in der erweiterten EU
sollen einen größeren Beitrag für die Gesellschaft und zur Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
leisten, die negativen Auswirkungen des Verkehrs auf Umwelt, Energieverbrauch, Sicherheit und
Gesundheit der Bevölkerung dabei aber möglichst gering gehalten werden.
In einem neuen integrierten Ansatz, der sowohl Innovationen als auch den politischen Rahmen
einbezieht, sollen alle Verkehrsträger miteinander verknüpft und der sozioökonomische und
technologische Aspekt von Forschung und Wissensentwicklung berücksichtigt werden.
Im Rahmen der verschiedenen in diesem Bereich eingerichteten Technologieplattformen (ACARE
für Luftfahrt und Luftverkehr, ERRAC für den Schienenverkehr, ERTRAC für den Straßenverkehr,
WATERBORNE für die Schifffahrt, Wasserstoff und Brennstoffzellen) wurden langfristige Visio-
nen und strategische Forschungsagenden ausgearbeitet, die nützliche Beiträge für die Festlegung
dieses Themenbereichs darstellen und den Bedarf der politisch Verantwortlichen und die Erwartun-
gen der Gesellschaft ergänzen. Einzelne Aspekte der strategischen Forschungsagenden können
unter Umständen gemeinsame Technologieinitiativen rechtfertigen. ERA-NET-Maßnahmen bieten
Chancen zur Vereinfachung der grenzübergreifenden Koordinierung für bestimmte Themen im
Verkehrsbereich und werden getroffen, wann immer dies zweckmäßig ist.
1
         "Die Europäische Verkehrspolitik bis 2010: Weichenstellungen für die Zukunft" –
         Dok. KOM(2001) 370.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                    L 400/187
Die besonders für die KMU relevanten Maßnahmen sind unter anderem darauf ausgerichtet, zuver-
lässige technologieorientierte Versorgungsketten in den verschiedenen Sektoren zu gewährleisten,
den KMU Zugang zu Forschungsinitiativen zu verschaffen und Rolle und Gründung von KMU der
Hochtechnologiebranche zu erleichtern, insbesondere bei den fortschrittlichen Verkehrstechno-
logien und verkehrsspezifischen "dienstleistungsbezogenen" Tätigkeiten sowie bei der Entwicklung
von Systemen und Anwendungen im Bereich der Satellitennavigation.
Auf bestehende Erfordernisse der Politik sowie auf Entwicklung, Bewertung und Umsetzung neuer
politischer Maßnahmen (beispielsweise die Seeverkehrspolitik und die Verwirklichung des einheit-
lichen europäischen Luftraums) wird im Rahmen der verschiedenen Maßnahmenpakete auch
themenübergreifend eingegangen. Die Arbeiten umfassen Studien, Modelle und Instrumente für
strategische Überwachung und Vorhersage und führen die Kenntnisse über die wichtigsten wirt-
schaftlichen, sozialen, sicherheits- und gefahrenabwehrrelevanten und ökologischen Probleme des
Verkehrs zusammen. Die Maßnahmen zur Unterstützung bereichsübergreifender Themen werden
gezielt auf die Besonderheiten des Verkehrs ausgerichtet, beispielsweise Aspekte der Gefahren-
abwehr, die sich aus dem Wesen des Verkehrssystems ergeben, Einsatz alternativer Energiequellen
im Verkehr, Überwachung der Umweltauswirkungen des Verkehrs, unter anderem der Klimaände-
rung, und Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Integration. Die Umweltforschung
sollte Wege zur Verringerung der negativen Auswirkungen des Verkehrs und zur Verkehrs-
optimierung umfassen, und sie sollte die Effizienz des Verkehrswesens steigern.
Darüber hinaus wird die Verbreitung und Verwertung der Ergebnisse sowie die Folgenabschätzung
gefördert, wobei besonders dem speziellen Bedarf der Nutzer – auch dem benachteiligter Gruppen –
und den Erfordernissen der Politik im Verkehrssektor Rechnung getragen wird.
 ---pagebreak--- L 400/188        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Maßnahmen
• Luftfahrtindustrie und Luftverkehr
Die Maßnahmen sollen einen Beitrag zu den wichtigsten Politikbereichen der Gemeinschaft sowie
zur Umsetzung der strategischen Forschungsagenda ACARE leisten. Die quantitativen Ziele ent-
sprechen dem in diesem Plan vorgegebenen Zeitrahmen bis zum Jahr 2020. In die Forschungs-
arbeiten sind alle Luftfahrzeuge sowie die den Personenverkehr betreffenden Aspekte und die luft-
seitigen Aspekte des Luftverkehrssystems einbezogen.
– Umweltfreundlicherer Luftverkehr: Entwicklung von Technologien zur Verringerung der
   Umweltauswirkungen des Luftverkehrs mit dem Ziel, das freigesetzte Kohlendioxid (CO2) um
   die Hälfte zu reduzieren, bestimmte Emissionen von Stickstoffoxiden (NOx) um 80 % zu
   verringern und den Pegel der empfundenen Lärmbelastung auf den halben Wert zu senken.
   Forschungsschwerpunkte sind die Förderung von Technologien im Bereich umweltfreundlicher
   Triebwerke einschließlich alternativer Treibstoffe sowie verbesserte Fahrzeugeffizienz von
   Festflügel- und Drehflügel-Flugzeugen (auch Hubschrauber und Schwenkrotorflugzeuge), neue
   intelligente Leichtgewichtstrukturen und verbesserte Aerodynamik. Dies schließt Aspekte wie
   Verbesserung der Flugzeugabfertigung im Flughafen (luft- und landseitig) und Flugverkehrs-
   management, Fertigung, Wartung und Recyclingvorgänge ein.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/189
– Steigerung der Zeiteffizienz: Radikale Beschleunigung der Vorgänge im Luftverkehr, um die
   erwartete dreifache Zunahme der Flugbewegungen aufzufangen, indem unter Wahrung der
   Sicherheit die Pünktlichkeit bei allen Wetterbedingungen verbessert und die Zeit für flug-
   bezogene Verfahren in Flughäfen erheblich verkürzt wird. Im Zuge der Forschungsarbeiten wird
   ein innovatives Flugverkehrsmanagementsystem (ATM) im Rahmen der SESAR-Initiative 1
   entwickelt und eingeführt, bei dem – unter Optimierung der Steuerung des Verkehrsflusses und
   mit größerer Autonomie der Luftfahrzeuge – Komponenten an Bord, am Boden und im Welt-
   raum einbezogen werden. Des Weiteren geht es um Aspekte der Konstruktion der Luftfahrzeuge
   zur Verbesserung der Abfertigung von Passagieren und Fracht, neuartige Lösungen für die
   effiziente Nutzung der Flughäfen und die Einbindung des Luftverkehrs in das Verkehrsgesamt-
   system. Über die SESAR-Initiative wird eine möglichst effiziente Koordinierung bei der Ent-
   wicklung des ATM-Systems in Europa sichergestellt 2.
– Kundenzufriedenheit und Sicherheit: Erzielung eines Qualitätssprungs hinsichtlich der Wahl-
   möglichkeiten der Passagiere und der Flexibilität der Flugpläne bei gleichzeitiger Senkung der
   Unfallrate auf ein Fünftel. Neue Technologien werden eine größere Auswahl von Flugzeug-
   /Triebwerkskonfigurationen, vom Großraumflugzeug bis zu kleineren Luftfahrzeugen
   einschließlich Drehflügler, und ein höheres Maß an Automation bei allen Bestandteilen des
   Systems, einschließlich der Flugführung, ermöglichen. Ein weiterer Schwerpunkt sind
   Verbesserungen in den Bereichen Komfort, Wohlbefinden und neue Dienste für Passagiere,
   Kabinenlogistik-Systeme sowie Maßnahmen für die aktive und passive Sicherheit mit beson-
   derer Berücksichtigung des Faktors Mensch. Die Forschungsarbeiten erstrecken sich auch auf
   die Anpassung der Flughafen- und Luftverkehrsoperationen an verschiedene Arten von Fahr-
   zeugen und die Nutzung rund um die Uhr mit vertretbaren gemeinschaftsweit festgelegten
   Lärmpegeln.
1
        SESAR (ATM-Forschung im Hinblick auf den einheitlichen europäischen Luftraum) –
        Modernisierung der europäischen Flugverkehrsmanagementinfrastruktur im Zuge der
        Verwirklichung des einheitlichen europäischen Luftraums.
2
        Hierfür ist die Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Koordinierung der ATM-
        Maßnahmen vorgesehen.
 ---pagebreak--- L 400/190        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
– Steigerung der Kosteneffizienz: Förderung einer wettbewerbsfähigen Lieferkette, mit der die
   Marktreife in der Hälfte der Zeit erzielt werden kann, und Reduzierung der Produktentwick-
   lungs- und Betriebskosten, so dass die Beförderung für den Bürger erschwinglicher wird. Die
   Forschung wird gezielt auf Verbesserungen der gesamten Geschäftsprozesse ausgerichtet, von
   der Konzeption bis zur Produktentwicklung, Fertigung und zum Flugbetrieb einschließlich der
   Integration der Lieferkette. Dazu gehören die Verbesserung der Simulationskapazitäten und die
   Erhöhung des Automatisierungsgrads, Technologien und Verfahren für den Bau von wartungs-
   freien Luftfahrzeugen und Luftfahrzeugen mit innovativen Wartungskonzepten auch für Instand-
   setzung und Überholung sowie die Verschlankung von Flugzeug- und Flughafenbetrieb und
   Flugverkehrsmanagement.
– Schutz von Luftfahrzeugen und Fluggästen: Verhinderung widerrechtlicher Eingriffe jeder Art,
   bei denen Reisende oder Bürger durch den missbräuchlichen Einsatz von Luftfahrzeugen
   Verletzungen, Verluste, Schäden oder Reiseunterbrechungen erleiden. Die Forschungsmaß-
   nahmen konzentrieren sich auf die relevanten Elemente des Luftverkehrssystems einschließlich
   der Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei der Kabinen- und Cockpitauslegung, automatischer
   Steuerung und Landung im Falle der nicht autorisierten Nutzung des Luftfahrzeugs, Schutz
   gegen Angriffe von außen sowie Aspekte der Gefahrenabwehr bei Luftraummanagement und
   Flughafenbetrieb.
– Luftverkehr der Zukunft: Erforschung grundlegend anderer, umweltfreundlicher, zugänglicher
   und innovativer Technologien, die den Quantensprung erleichtern könnten, den der Luftverkehr
   in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts und darüber hinaus vollziehen muss. Die Forschungs-
   arbeiten betreffen Aspekte wie neue Antriebs- und Auftriebskonzepte, neue Ideen für den Innen-
   raum von Luftfahrzeugen auch auf konstruktiver Ebene, neue Flughafenkonzepte, neue Leit- und
   Kontrollverfahren für Flugzeuge, alternative Methoden für die Abwicklung des Luftverkehrs und
   seine Anbindung an andere Verkehrsträger.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/191
• Nachhaltiger Land- und Schiffsverkehr (Schiene, Straße, Wasser)
– Umweltfreundlicherer Land- und Schiffsverkehr: Entwicklung von Technologien und Aufbau
   von Kenntnissen im Hinblick auf die Reduzierung der Umweltbelastung (Luft einschließlich der
   Treibhausgase, Wasser und Böden) und der Umweltauswirkungen auf Gebieten wie Klima-
   änderung, Gesundheit, biologische Vielfalt und Lärm. Die Forschungsmaßnahmen dienen der
   Verbesserung der Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz von Antrieben (beispielsweise
   Hybridantriebe) und der Förderung des Einsatzes alternativer Treibstoffe, unter anderem
   Wasserstoff und Brennstoffzellen als mittel- und langfristige Optionen, unter Berücksichtigung
   der Kosten- und der Energieeffizienz. Die Maßnahmen umfassen Infrastrukturen, Fahrzeuge,
   Schiffe und Komponententechnologien einschließlich der Optimierung des Gesamtsystems. Die
   Forschung im Bereich verkehrsspezifischer Entwicklungen bezieht Fertigung, Konstruktion,
   Betrieb, Wartung, Diagnose, Reparatur, Inspektion, Demontage, Entsorgung, Recycling,
   Strategien für Altfahrzeuge und -geräte und das Eingreifen auf See bei Unfällen ein.
 ---pagebreak--- L 400/192        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
– Förderung und Verstärkung der Verkehrsverlagerung und Staubekämpfung in den Verkehrs-
   korridoren 1: Entwicklung und Demonstration von Systemen für die nahtlose Haus-zu-Haus-
   Beförderung von Personen und Gütern sowie von Technologien und Systemen zur Gewähr-
   leistung einer effektiven Intermodalität, auch unter Berücksichtigung der Wettbewerbsfähigkeit
   des Schienenverkehrs und der Beförderung auf Wasserwegen. Dazu gehören Maßnahmen in
   Bezug auf die Interoperabilität und die Optimierung des Betriebs lokaler, regionaler, nationaler
   und europäischer Verkehrsnetze, -systeme und -dienste und ihre intermodale Integration nach
   einem integrierten Ansatz. Die Maßnahmen zielen ab auf europaweite Strategien, die optimierte
   Nutzung der Infrastrukturen einschließlich der Terminals und von Spezialnetzen, Verbesserun-
   gen bei Beförderung, Verkehrs- und Informationsmanagement, verbesserte Frachtlogistik und
   Intermodalität im Personenverkehr sowie Strategien für den kombinierten Verkehr, um Anreize
   zur Nutzung energieeffizienter Verkehrsträger zu vermitteln. Es werden intelligente Systeme,
   neue Fahrzeug-/Schiffskonzepte und -technologien entwickelt, und zwar auch für die Be- und
   Entladevorgänge und die Benutzerschnittstellen. Zur Wissensgrundlage für politische Ent-
   scheidungen gehören Infrastrukturkosten und -gebühren, Bewertungen der verkehrspolitischen
   Maßnahmen der Gemeinschaft sowie die Politik der transeuropäischen Netze und entsprechende
   Vorhaben.
1
        Angesichts der angestrebten Fortschreibung der 1998 festgelegten Aufteilung auf die
        Verkehrsträger konzentrieren sich Maßnahmen, die nur einen Verkehrsträger betreffen, auf
        den Schienenverkehr oder die Schifffahrt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/193
– Gewährleistung einer nachhaltigen innerstädtischen Mobilität für alle Bürger einschließlich
   benachteiligter Gruppen: Ausrichtung auf die Mobilität von Personen und Gütern durch
   Forschungsarbeiten zum "Fahrzeug der nächsten Generation", wobei alle Elemente eines
   sauberen, energieeffizienten, sicheren und intelligenten Straßenverkehrssystems zusammen-
   geführt werden, sowie zur Markteinführung dieses Fahrzeugs. Durch Forschungsarbeiten zu
   neuen Verkehrs- und Mobilitätskonzepten, innovativen Organisations- und Mobilitäts-
   managementsystemen und einem qualitativ hochwertigen öffentlichen Verkehr sollen der
   Zugang für alle und ein hohes Maß an intermodaler Integration gewährleistet werden. Es werden
   innovative Strategien für einen sauberen städtischen Nahverkehr 1 entwickelt und getestet.
   Besonderes Augenmerk wird auf saubere Verkehrsträger, Nachfragesteuerung, Rationalisierung
   des Individualverkehrs sowie auf Informations- und Kommunikationsstrategien, -dienste und
   -infrastrukturen gelegt. Zu den Instrumenten und Modellen zur Unterstützung der Entwicklung
   und der Umsetzung von politischen Maßnahmen gehören Verkehrs- und Raumplanung; berück-
   sichtigt wird ferner der Zusammenhang mit Wachstum und Beschäftigung.
1
        Aufbauend auf den mit der CIVITAS-Initiative gesammelten Erfahrungen.
 ---pagebreak--- L 400/194        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
– Erhöhung der technischen Sicherheit und verbesserte Gefahrenabwehr: Entwicklung von
   Technologien und intelligenten Systemen zum Schutz gefährdeter Personen wie Fahrer, Zwei-
   radfahrer, Fahrgäste, Betriebspersonal und Fußgänger. Es werden fortschrittliche Techniken und
   Methoden der Risikoanalyse für den Bau und den Betrieb von Fahrzeugen, Schiffen und Infra-
   strukturen entwickelt. Der Schwerpunkt liegt auf integrativen Ansätzen, die den Faktor Mensch,
   strukturelle Integrität, Vorbeugung, passive und aktive Sicherheit unter Einbeziehung von
   Überwachungssystemen, Rettungsmaßnahmen und Krisenmanagement gleichermaßen berück-
   sichtigen. Sicherheit gilt als Grundvorgabe für das gesamte Verkehrssystem, das Infrastrukturen,
   Fracht (Güter und Container), Nutzer und Betreiber von Verkehrsdiensten, Fahrzeuge und
   Schiffe sowie Maßnahmen auf politischer und gesetzgeberischer Ebene einschließlich der
   Flankierung von Entscheidungen und Validierungsinstrumente umfasst; die Gefahrenabwehr
   wird stets dann behandelt, wenn es sich aus dem Wesen des Verkehrssystems ergibt.
– Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit: Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Verkehrs-
   gewerbes, Gewährleistung nachhaltiger, effizienter und erschwinglicher Verkehrsdienste, Auf-
   bau neuer Fachkenntnisse und Schaffung von Arbeitsplätzen durch Forschung und Entwicklung.
   Die Technologien für fortschrittliche industrielle Prozesse umfassen Entwurf, Fertigung,
   Montage, Konstruktion und Wartung und zielen darauf ab, Lebenszykluskosten und Vorlauf-
   zeiten bei der Entwicklung zu reduzieren. Der Schwerpunkt liegt auf innovativen und verbes-
   serten Produkt- und Systemkonzepten und Verkehrsdiensten, die eine größere Kundenzufrieden-
   heit gewährleisten. Es werden neue Arten der Produktionsorganisation einschließlich des
   Lieferkettenmanagements und der Verteilungssysteme entwickelt.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/195
• Unterstützung des europäischen globalen Satellitennavigationssystems (Galileo und
   EGNOS)
Das europäische globale Satellitennavigationssystem umfasst Galileo und EGNOS und ermöglicht
weltweite Standort- und Zeitangaben 1.
– Ausschöpfung des gesamten Potenzials: Förderung der zunehmenden Nutzung der offenen oder
   aber kommerziellen "Safety-of-life"-Dienste und "Search-and-rescue"-Dienste und öffentlichen
   regulierten Dienste, Anwendungen des Verkehrsmanagements einschließlich der Beförderung
   von Fracht und Gefahrgütern, Nutzung von Diensten als Nebenprodukt sowie Demonstration
   von Nutzen und Leistungsfähigkeit der Satellitennavigation.
– Bereitstellung der Instrumente und Schaffung der geeigneten Rahmenbedingungen: Gewähr-
   leistung der sicheren und ungefährdeten Nutzung der Dienste, vor allem durch die Zertifizierung
   in wichtigen Anwendungsbereichen; Vorbereitung und Tests, um zu gewährleisten, dass die
   Dienste neuen politischen Vorgaben und Rechtsvorschriften, auch den diesbezüglichen Durch-
   führungsvorschriften, entsprechen; Behandlung von Fragen im Zusammenhang mit öffentlichen
   regulierten Diensten entsprechend den vereinbarten Zugangsmodalitäten; Entwicklung der
   wesentlichen digitalen Topologie-, Kartografie-, Geodäsiedaten und -systeme für Navigations-
   anwendungen; Berücksichtigung von Erfordernissen und Anforderungen in Bezug auf Sicherheit
   und Gefahrenabwehr.
– Anpassung der Empfangsgeräte an die Anforderungen und Modernisierung der wichtigsten
   Technologien: Verbesserung der Empfängerleistung, Einbeziehung von Technologien für
   geringe Leistungsaufnahme und Miniaturisierung, Verbesserung des Abdeckungsgrads von
   Innenraumnavigation, Kopplung mit HF-Identifizierungsvorrichtungen, Nutzung von Software-
   empfängertechnologie, Kombination mit anderen Funktionen wie Telekommunikation, Unter-
   stützung wichtiger bodengestützter Navigationsinfrastruktur-Technologie, um Zuverlässigkeit
   und Flexibilität zu gewährleisten.
1
        Die Forschungsmaßnahmen werden von der Europäischen GNSS-Aufsichtsbehörde geleitet.
 ---pagebreak--- L 400/196        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
– Förderung des Infrastrukturaufbaus: Vorbereitung eines Systems der zweiten Generation,
   Anpassung an den sich ändernden Nutzerbedarf und geänderte Marktprognosen, Nutzung der
   grenzüberschreitenden Infrastrukturen für den Zugang zum Weltmarkt und Entwicklung
   weltweiter Standards.
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Zusammenarbeit ist ein wichtiges Element der FTE-Maßnahmen in diesem
Bereich und soll gefördert werden, wenn dies im Interesse der Industrie und der politisch Verant-
wortlichen liegt. Besondere Maßnahmen mit breiter Themenfächerung sollen in Bereichen in
Betracht gezogen werden, in denen es Marktanreize gibt (beispielsweise globale Entwicklung des
Handels und Verknüpfung von Netzen und Diensten auf kontinentaler und interkontinentaler
Ebene), Möglichkeiten für den Zugang zu wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnissen
und deren Erwerb bestehen, die das derzeit in Europa vorhandene Wissen ergänzen und von
gegenseitigem Nutzen sind, und in denen Europa einem globalen Erfordernis nachkommt
(beispielsweise Klimaänderung) oder einen Beitrag zu internationalen Standards und globalen
Systemen leistet (beispielsweise angewandte Logistik und Satellitennavigationsinfrastrukturen).
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Im Rahmen der Maßnahmen, die aufgrund neuer Erfordernisse durchgeführt werden, werden
Forschungsarbeiten gefördert, die auf kritische Vorkommnisse und auf die Herausforderungen
künftiger Beförderungssysteme reagieren, beispielsweise neuartige Verkehrs- und Fahrzeug-
konzepte, Automation, Mobilität oder Organisation.
Unvorhergesehene Erfordernisse der Politik, für die unter Umständen spezielle verkehrsbezogene
Forschungsmaßnahmen nötig sind, ergeben sich möglicherweise aus weit reichenden gesellschaft-
lichen Fragen wie demografischen Veränderungen, geänderten Lebensstilen und Erwartungen der
Gesellschaft in Bezug auf Verkehrssysteme sowie aus neu entstehenden Gefahren oder Problemen,
die für die Gesellschaft in Europa von großer Bedeutung sind.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/197
8.      Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften
Ziel
Schaffung eines umfassenden, gemeinsamen Verständnisses der komplexen, miteinander ver-
knüpften gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen Europa steht, wie
Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit, sozialer Zusammenhalt, soziale, kulturelle
und bildungspolitische Herausforderungen in einer erweiterten EU und Nachhaltigkeit, umwelt-
relevante Herausforderungen, demografische Entwicklung, Migration und Integration, Lebens-
qualität und globale Verflechtung, insbesondere mit Blick auf die Bereitstellung einer besseren
Wissensgrundlage für die Politik in den jeweiligen Bereichen.
Ansatz
Die Forschungsschwerpunkte orientieren sich an den wesentlichen gesellschaftlichen, wirtschaft-
lichen und kulturellen Herausforderungen, denen sich Europa und die ganze Welt heute bzw. in
Zukunft zu stellen haben. Die vorgeschlagene Forschungsagenda beinhaltet einen kohärenten
Ansatz, mit dem diesen Herausforderungen begegnet werden kann. Der Aufbau einer Wissens-
grundlage auf dem Gebiet der Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften im Zusammenhang
mit diesen wesentlichen Herausforderungen ist ein wichtiger Beitrag zur Förderung eines gemein-
samen Verständnisses in Europa und zur Lösung größerer Probleme im internationalen Rahmen.
Die Forschungsschwerpunkte sind ein Schritt zu einer besseren Konzipierung, Durchführung, Wirk-
samkeit und Beurteilung politischer - auch ordnungspolitischer - Maßnahmen, in vielen Bereichen
der Gemeinschaftspolitik auf europäischer, nationaler, regionaler und kommunaler Ebene, wobei
beim Großteil der Forschungsarbeiten internationale Aspekte umfassend berücksichtigt werden.
 ---pagebreak--- L 400/198        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Neben der sozioökonomischen und soziokulturellen Forschung und der diesbezüglichen Zukunfts-
forschung wird besonderes Gewicht auf die geisteswissenschaftliche Forschung gelegt, denn sie
bietet verschiedene Perspektiven und liefert für den gesamten Themenbereich entscheidende
Impulse, beispielsweise für historische, kulturelle und philosophische Belange wie auch für Fragen
im Zusammenhang mit Sprache, Identität und Wertvorstellungen.
Eine weitere Grundlage für die Maßnahmen könnten die entsprechenden nationalen Forschungs-
programme darstellen, die die nachstehend genannten Forschungsmaßnahmen ergänzen, wobei die
Vorteile von ERA-NET und gegebenenfalls der Anwendung von Artikel 169 des Vertrags genutzt
werden sollten. Auch gesellschaftliche Foren können zur Diskussion über künftige Forschungs-
agenden unter Beteiligung von Forschern und gesellschaftlichen Interessengruppen genutzt werden.
Unterstützt wird die Forschungsarbeit durch Infrastrukturen, durch die – beispielsweise mittels
(sowohl quantitativer als auch qualitativer) Umfragen – neue Forschungsdaten gewonnen und vor-
handene Daten für die international vergleichende Forschung bereitgestellt werden und durch die
auf Quellenmaterial und modernste Forschungsinstrumente sowie auf vorliegende Forschungs-
ergebnisse zahlreicher Gebiete zugegriffen werden kann. Einige dieser Maßnahmen werden im
Rahmen des Themenbereichs "Forschungsinfrastrukturen" des Programms "Kapazitäten" bzw. in
zugehörigen Projekten durchgeführt. Grundlage für die Forschung ist der Zugang zu offiziellen
Statistiken und ihre Verwendung.
Der Verbreitung dienen an bestimmte Zielgruppen oder an die breite Öffentlichkeit gerichtete Maß-
nahmen wie Workshops und Konferenzen zum Gedankenaustausch zwischen Forschern, politischen
Verantwortlichen und sonstigen Interessenvertretern sowie die Veröffentlichung von Ergebnissen
über die diversen Medien.
Eine angemessene Koordinierung der sozioökonomischen und geisteswissenschaftlichen Forschung
sowie der diesbezüglichen Zukunftsforschung innerhalb des Programms "Zusammenarbeit" und
zwischen den übrigen spezifischen Programmen wird gewährleistet.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/199
Maßnahmen
• Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit in der Wissensgesellschaft
Hier geht es darum, dass die Forschung zu den Fragen, die sich auf Wachstum, Beschäftigung und
Wettbewerbsfähigkeit auswirken, ausgebaut und zusammengeführt wird, um ein besseres und
umfassendes Verständnis dieser Problematik für die weitere Entwicklung der Wissensgesellschaft
zu erzielen. Daraus erwachsen Impulse für politische Maßnahmen ebenso wie für die Verwirk-
lichung der genannten Ziele. Die folgenden Aspekte dieser Thematik werden Gegenstand der
Forschung sein:
– die sich wandelnde Rolle des Wissens in der Wirtschaft, einschließlich der Bedeutung, die den
   verschiedenen Arten von Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen in globalem Maßstab, der
   schulischen und außerschulischen Bildung und dem lebenslangen Lernen sowie immateriellen
   Werten und Investitionen zukommt;
– Wirtschaftsstrukturen, Strukturwandel einschließlich räumlicher Aspekte wie z.B. Regionalisie-
   rung und Internationalisierung, sowie produktivitätsbezogene Fragestellungen einschließlich der
   Rolle des Dienstleistungs- und des Finanzsektors, demografischer Faktoren, der Nachfrage und
   langfristiger Veränderungsprozesse;
– institutionelle und politische Fragen wie z.B. die makroökonomische Politik, Arbeitsmärkte,
   Sozialsysteme und Wohlfahrtswesen, nationale und internationale institutionelle Gegebenheiten
   sowie die Kohärenz und Koordinierung politischer Maßnahmen.
 ---pagebreak--- L 400/200        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Untersucht werden dabei ebenfalls bedeutsame neue Herausforderungen wie auch Möglichkeiten im
Zusammenhang mit der zunehmenden Globalisierung, den Schwellenländern, der Produktionsver-
lagerung und der EU-Erweiterung sowie die sozioökonomische Stabilität, die Rolle von Technolo-
gie und internationalem Technologietransfer, verschiedene Formen der Innovation und der wirt-
schaftlichen Erneuerung, Outsourcing und Insourcing, Jugend und Jugendpolitik, wirtschaftlich und
sozial denkendes Unternehmertum und das wirtschaftliche Potenzial des europäischen kulturellen
Erbes und des Sektors des kreativen Schaffens. Unter die Problematik der Beschäftigung fallen
auch die Themen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.
• Verknüpfung wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Ziele auf europäischer Ebene
Hierdurch soll dazu beigetragen werden, wirtschaftliche, soziale und ökologische Ziele zu
verknüpfen, um eine bessere Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung zu schaffen. Gegenstand
der Forschung in diesem Themenbereich sind zwei miteinander verflochtene Fragen:
– Erfolg sozioökonomischer Modelle in und außerhalb Europas bei der Verknüpfung dieser Ziele,
   jeweilige Bedingungen hierfür, z.B. die Rolle von Dialog, Sozialpartnerschaften, sektor-
   spezifischem Wandel und institutionellen Veränderungen, sowie ihre Anpassungsfähigkeit an
   neue Herausforderungen;
– wirtschaftlicher Zusammenhalt zwischen den Regionen und Stadt- und Regionalentwicklung in
   einer erweiterten EU sowie sozialer Zusammenhalt (unter Berücksichtigung von Ungleichheiten,
   sozialer Sicherheit und Sozialdiensten, Steuerpolitik, Beziehungen zwischen Volksgruppen und
   Migration, Bildung, sozialer Ausgrenzung und Gesundheit) und die damit verbundenen Aus-
   wirkungen auf gesellschaftliche Probleme wie Armut, Wohnsituation, Kriminalität und Drogen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    L 400/201
Bei der Untersuchung dieser Fragen gilt das Augenmerk folgenden Aspekten:
– vorhandene Ausgleichslösungen oder Synergien zwischen den wirtschaftlichen, sozialen und
   ökologischen Zielen im internationalen Rahmen;
– Wechselbeziehungen zwischen Umwelt 1, Energie und Gesellschaft;
– langfristige Nachhaltigkeit;
– Belange der Entwicklungsländer;
– räumliche Aspekte, einschließlich Stadtplanung, Rolle von Städten, Metropolen und anderen
   städtischen Regionen und damit verbundene ordnungspolitische Fragen;
– kulturelle Fragen und die sozioökonomischen Auswirkungen der europäischen Politik und des
   Gemeinschaftsrechts.
Auch das Thema Wohlfahrtsstaat als Entwicklungsressource sowie die Beschäftigung und Wohn-
situation von Migranten und ihren Nachkommen werden behandelt.
1
        Weltweite Veränderungen der Umwelt werden hauptsächlich im Themenbereich Umwelt
        behandelt.
 ---pagebreak--- L 400/202        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
• Wichtigste gesellschaftliche Tendenzen und ihre Auswirkungen
Damit zahlreiche Politikbereiche auf einer soliden Grundlage aufbauen können, sind die Ursachen
und Auswirkungen bestimmter wesentlicher Tendenzen in der Gesellschaft, die erhebliche Folgen
für die europäischen Bürger, ihre Lebensqualität und die Politikgestaltung haben, zu verstehen und
zu bewerten. Gegenstand empirischer und theoretischer Forschungsarbeiten sollen zunächst drei
Hauptbereiche sein:
– demografischer Wandel einschließlich Alterung, Fruchtbarkeit und Migration. Die übergreifen-
   den sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen und Fragen werden behandelt, einschließlich
   des sozialen und wirtschaftlichen Potenzials des aktiven Alterns und der Auswirkungen auf die
   Rentensysteme, der Herauforderungen der Migration und der Integration sowie der Folgen für
   die Stadtentwicklung;
– Veränderungen bei damit zusammenhängenden Aspekten wie Lebensstil, Familie, Arbeit,
   Konsumverhalten, einschließlich Fragen des Verbraucherschutzes, Gesundheit und Lebens-
   qualität unter Einbeziehung von Fragen im Zusammenhang mit Kindheit, Jugend und
   Behinderungen sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie;
– kulturelle Interaktion im internationalen Maßstab unter Berücksichtigung von Traditionen ver-
   schiedener Gesellschaften, von Bevölkerungsvielfalt unter Einbeziehung der Aspekte ethnische
   Gruppen, multikulturelle Fragen, unterschiedliche Identitäten, Sprachen und Religions-
   zugehörigkeiten sowie von möglichen Fragen in diesem Zusammenhang, einschließlich
   Diskriminierung, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.
Die Gleichstellungsproblematik, Ungleichheiten und die sich wandelnden Wertvorstellungen sind
ebenfalls einzubeziehen. Untersucht werden sollen ferner die Veränderungen in der Kriminalität
und der Wahrnehmung von Straftaten sowie die sich verändernde soziale Verantwortung von
Unternehmen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/203
• Europa in der Welt
Ziel ist hierbei das Verständnis der sich ändernden Interaktionen und Interdependenzen zwischen
den Weltregionen, einschließlich der Schwellen- und Entwicklungsländer, und ihrer Auswirkungen
auf die betroffenen Regionen, insbesondere auf Europa, und in diesem Zusammenhang die
Auseinandersetzung mit weltweit neu aufkommenden Bedrohungen und Risiken, auch im Hinblick
auf Menschenrechte, Freiheit und Lebensqualität. Die Forschung wird sich vor diesem Hintergrund
auf zwei Bereiche erstrecken:
– Handels-, Finanz-, Investitions- und Migrationsströme und deren Auswirkungen; ungleich-
   mäßige Entwicklung, Armut und Nachhaltigkeit; wirtschaftliche und politische Beziehungen und
   weltweite Entscheidungsprozesse, auch in internationalen Organisationen. Dies dient der
   Untersuchung kultureller Interaktion – beispielsweise durch Medien und Religionen – sowie
   spezifischer nichteuropäischer Konzepte.
– Konflikte, deren Ursachen und Lösung sowie Förderung des Friedens; die Beziehung zwischen
   Sicherheit und destabilisierenden Faktoren wie Armut, Kriminalität, Umweltzerstörung,
   Ressourcenknappheit, ungleichmäßiger Entwicklung, finanzieller Instabilität und Verschuldung;
   Terrorismus, seine Ursachen und Folgen; sicherheitsbezogene politische Maßnahmen und
   Wahrnehmung von Unsicherheit sowie Beziehungen zwischen Zivilsektor und Militär.
Im Mittelpunkt stehen in beiden Fällen die Rolle Europas in der Welt, die Entwicklung von
Multilateralismus und Völkerrecht, die Förderung von Demokratie und Grundrechten unter
Einbeziehung unterschiedlicher konzeptueller Vorstellungen davon sowie das Bild Europas in der
Welt.
 ---pagebreak--- L 400/204        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
• Der Bürger in der Europäischen Union
Angesichts der künftigen Entwicklung der EU besteht das Ziel in einem besseren Verständnis
erstens von Fragen im Zusammenhang mit der Entstehung eines demokratischen Mitverantwor-
tungsgefühls und der aktiven Beteiligung der Bürger sowie einer effektiven, demokratischen Staats-
führung auf allen Ebenen, einschließlich innovativer administrativer Prozesse für eine verstärkte
Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit der öffentlichen und privaten Akteure, und zweitens der
Vielfalt und der Gemeinsamkeiten Europas hinsichtlich Kultur, Religion, Institutionen, Recht,
Geschichte, Sprachen und Werten. Schwerpunkte der Forschung werden sein:
– Mitwirkung (auch im Hinblick auf Jugend, Minderheiten und Fragen der Geschlechterrollen),
   Vertretung, Rechenschaftspflicht und Rechtmäßigkeit; Öffentlichkeit, Medien und Demokratie
   in Europa; verschiedene Formen der Staatsführung in der EU einschließlich wirtschaftlicher und
   rechtlicher Ordnungspolitik und der Rolle des öffentlichen und des privaten Sektors, politische
   Entscheidungsprozesse und Möglichkeiten der Politikgestaltung; die Rolle der Zivilgesellschaft;
   Staatsbürgerschaft und Rechte; Auswirkungen der Erweiterung und damit verbundene Wert-
   vorstellungen der Bevölkerung;
– Vielfalt und Gemeinsamkeiten in Europa unter Berücksichtigung ihrer geschichtlichen Wurzeln
   und ihrer Entwicklung; institutionelle Unterschiede (z.B. Normen, Verfahren und Gesetze);
   kulturelles Erbe; verschiedene Vorstellungen und Perspektiven hinsichtlich der europäischen
   Integration und der Erweiterung unter Einbeziehung der Ansichten der Bürger; Identitäten
   einschließlich der europäischen Identität; Ansätze für das Zusammenleben verschiedener
   Kulturen; die Rolle von Sprache, Kunst und Religionen; Haltungen und Wertvorstellungen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/205
• Sozioökonomische und wissenschaftliche Indikatoren
Zur besseren Nutzung von Indikatoren in der Politik besteht das Ziel darin, ein tiefer gehendes
Verständnis der Indikatorenverwendung bei der Konzipierung und Durchführung politischer Maß-
nahmen zu erlangen sowie Verbesserungen an den Indikatoren und ihren Anwendungsmethoden
vorzuschlagen. Schwerpunkte der Forschung werden sein:
– die Art und Weise der Verwendung von Indikatoren bei politischen Zielen und der Konzipierung
   und Durchführung politischer Maßnahmen in verschiedenen Bereichen und unter Berücksichti-
   gung von Makro- bis hin zu Mikrostrukturen, die Angemessenheit bestehender Indikatoren und
   ihrer Verwendung; entsprechende Analysetechniken sowie Vorschläge für neue Indikatoren bzw.
   Indikatorengruppen;
– Wege zur besseren Unterstützung einer faktengestützten Politik durch Indikatoren und Methoden
   für deren Verwendung; Indikatoren für politische Maßnahmen, die auf mehrere Ziele ausge-
   richtet sind, für die Koordinierung von Strategien und für Regulierungsmaßnahmen; Stützung
   solcher Indikatoren durch offizielle Statistiken;
– Verwendung von Indikatoren und damit verbundenen Konzepten für die Bewertung von
   Forschungsprogrammen einschließlich der Folgenabschätzung.
 ---pagebreak--- L 400/206         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
• Zukunftsforschung
Ziel ist es, den politisch Verantwortlichen auf nationaler, regionaler und gemeinschaftlicher Ebene
und anderen Akteuren zur frühzeitigen Erkennung von Aufgaben und Bereichen von gemeinsamem
Interesse Erkenntnisse aus der Zukunftsforschung an die Hand zu geben, auf die sich diese bei der
Politikgestaltung stützen können. Vier Arten von Maßnahmen sind dafür vorgesehen:
– umfassende sozioökonomische Zukunftsforschung zu einer begrenzten Anzahl bedeutender Her-
   ausforderungen und Möglichkeiten für die EU unter Einbeziehung von Fragen wie der künftigen
   Entwicklung und der Auswirkungen von Alterung, Migration, Globalisierung der Generierung
   und Verbreitung von Wissen, Veränderungen in der Kriminalität und größeren Risiken;
– stärker thematisch ausgerichtete Zukunftsforschung über die Entwicklung in neuen Forschungs-
   bereichen oder in übergreifenden Disziplinen sowie in bestimmten Wissenschaftszweigen;
– Prognose der künftigen Forschungsstrukturen und -strategien in Europa und anderswo sowie der
   künftigen Rolle der wesentlichen Akteure;
– Erfahrungsaustausch und Kooperation zwischen nationalen und/oder regionalen Initiativen zur
   Zukunftsforschung; Zusammenarbeit bei Initiativen zur Zukunftsforschung innerhalb der EU,
   mit Drittländern und auf internationaler Ebene.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/207
Internationale Zusammenarbeit
In Anbetracht der ausgeprägten internationalen Dimension der Forschung wird in sämtlichen unter
das Thema fallenden Bereichen eine internationale Zusammenarbeit angestrebt. In Abhängigkeit
von den Bedürfnissen der Partnerländer wie auch Europas werden zu einer Reihe ausgewählter
Schwerpunkte gezielte internationale Kooperationsmaßnahmen auf multi- oder bilateraler Ebene
durchgeführt.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Im Rahmen der Forschung zu sich abzeichnenden Erfordernissen haben Forscher die Möglichkeit,
im Vorstehenden nicht genannte Forschungsaufgaben anzugehen. Angeregt werden sollen damit
innovative Überlegungen zu europäischen Herausforderungen, die bislang nicht umfassend erörtert
werden, oder zu anderen wichtigen Fragenkomplexen, Perspektiven und Bereichen. Ferner wird in
enger Abstimmung mit politischen Entscheidungsträgern Forschung im Dienste unvorhergesehener
politischer Erfordernisse geleistet.
9.       Weltraum
Ziel
Unterstützung eines europäischen Raumfahrtprogramms, das sich auf Anwendungen wie GMES
konzentriert und sowohl den Bürgern als auch der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Raum-
fahrtindustrie nutzt. Dies wird zur Entwicklung einer europäischen Raumfahrtpolitik beitragen und
die Anstrengungen der Mitgliedstaaten und anderer maßgebender Beteiligter, unter anderem der
Europäischen Weltraumorganisation (ESA), ergänzen.
 ---pagebreak--- L 400/208        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Ansatz
In diesem Bereich trägt die Gemeinschaft zur Definition gemeinsamer Ziele bei, die auf den
Erfordernissen der Anwender und auf politischen Zielen gründen, sowie zur Koordinierung von
Maßnahmen, zur Vermeidung von Überschneidungen, zur Erleichterung der Interoperabilität und
zur Verbesserung der Kosteneffizienz. Sie trägt darüber hinaus zur Festlegung von Standards bei.
Die europäische Raumfahrtpolitik 1 wird staatliche Behörden und Entscheidungsträger bei der
Verwirklichung ihrer Ziele unterstützen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen
Industrie stärken. Sie wird durch ein europäisches Raumfahrtprogramm umgesetzt. Das Siebte
Rahmenprogramm trägt zur Unterstützung oder Ergänzung von Maßnahmen im Bereich der
Forschung und Technologieentwicklung bei, die von anderen, staatlichen und privaten,
Interessengruppen in Europa durchgeführt werden.
Die Maßnahmen in diesem Themenbereich unterstützen die Verwirklichung von politischen Zielen
der Gemeinschaft, beispielsweise in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei,
Umwelt, Telekommunikation, Sicherheit, Entwicklung, Gesundheit, humanitäre Hilfe, Verkehr,
Wissenschaft und Bildung, und gewährleisten darüber hinaus, dass Europa an der regionalen und
internationalen Zusammenarbeit teilnimmt. Weltraumgestützte Instrumente sollen ebenfalls zur
Durchsetzung von Rechtsvorschriften in einigen dieser Bereiche beitragen.
Mit den dargelegten vorrangigen Maßnahmen werden – unter besonderer Berücksichtigung der
Nutzung bestehender Fähigkeiten in Europa – in erster Linie folgende Ziele verfolgt: Nutzung
weltraumgestützter Systeme zur Verwirklichung von Anwendungen, insbesondere GMES (Global
Monitoring for Environment and Security, Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung), die
zusammen mit Galileo das Aushängeschild der europäischen Raumfahrtpolitik bilden, sowie Maß-
nahmen im Bereich der Erforschung des Weltraums und grundlegende Technologien, die der Euro-
päischen Union die Wahrnehmung ihrer strategischen Rolle ermöglichen.
1
        "Die europäische Raumfahrtpolitik – Erste Ansätze" – Dok. KOM(2005) 208.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/209
Anwendungsorientierte Maßnahmen sollen jene Maßnahmen ergänzen, welche in anderen Themen-
bereichen des spezifischen Programms "Zusammenarbeit" durchgeführt werden (insbesondere jene
im Themenbereich "Umwelt" in Verbindung mit Erdbeobachtung und GEOSS und im Themen-
bereich "Informations- und Kommunikationstechnologien"). Auch werden thematische Synergien
mit verwandten Maßnahmen anderer spezifischer Programme entwickelt. Ergänzende Maßnahmen
sind im Rahmen der Programme für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation und für Aus- und
Weiterbildung geplant.
Die Maßnahmen für Forschung und Technologietransfer in diesem Themenbereich könnten vor
allem für KMU interessant sein, die innovative Technologien entwickeln und sich mit neuartiger
Raumfahrttechnologie vertraut machen müssen (Spin-in-Effekt). Im Gegenzug könnten die
Anwendungen, die von ihnen für ihre eigenen Raumfahrttechnologien entwickelt werden, für
andere Märkte von Interesse sein (Spin-off-Effekt).
Die Abwicklung bestimmter Teile der Weltraumaktivitäten könnte bereits bestehenden externen
Stellen wie der ESA 1 und anderen Einrichtungen oder Agenturen auf europäischer oder nationaler
Ebene übertragen werden. Im Falle von GMES könnten die Forschungsmaßnahmen über eine
gemeinsame Technologieinitiative durchgeführt werden (siehe Anhang III).
1
        Auf der Grundlage des Rahmenabkommens zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
        der Europäischen Weltraumorganisation (ABl. L 261 vom 6.8.2004, S. 64).
 ---pagebreak--- L 400/210        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Maßnahmen
• Weltraumgestützte Anwendungen im Dienst der europäischen Gesellschaft
– Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES)
Das Ziel besteht darin, geeignete satellitengestützte Überwachungs- und Frühwarnsysteme – auch
im Hinblick auf die Sicherheit der Bürger – als einzigartige und weltweit verfügbare Datenquellen
zu entwickeln und den weiteren Ausbau ihres operationellen Einsatzes zu fördern. Unterstützt
werden soll darüber hinaus die Entwicklung operativer GMES-Dienste, die es Entscheidungsträgern
erleichtern sollen, potenzielle Krisen frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen und Umwelt- und
Sicherheitsprobleme angemessen anzugehen sowie Naturkatastrophen zu bewältigen; den Anfang
bilden "Schnelldienste" (Notfall-, Landüberwachungs- und Seedienste). Die Forschungsmaßnahmen
sollten vorwiegend dazu beitragen, einen möglichst großen Nutzen aus den GMES-Daten, die
mittels raumgestützter Quellen gesammelt wurden, zu erzielen und diese Daten zusammen mit
Daten aus anderen Beobachtungssystemen in komplexe Produkte zu integrieren. Deren Zweck ist
die Bereitstellung von Informationen und kundenspezifischen Dienstleistungen für den End-
anwender mittels effizienter Datenintegration und Informationsmanagement. Gegebenenfalls
werden weitere Satellitentechnologien (z.B. Kommunikation, Navigation) in die Entwicklung der
GMES-Dienste integriert. Die Forschungsmaßnahmen sollten auch zu einer Verbesserung von
Überwachungstechniken und damit verbundener Instrumententechnologien, zur Entwicklung
gegebenenfalls notwendiger neuer raumgestützter Systeme oder zur Verbesserung der
Interoperabilität bestehender Systeme beitragen sowie deren Verwendung in (vor)operationellen
Diensten je nach dem spezifischen Bedarf ermöglichen. Die Forschungsarbeiten sollten die
Entwicklung nachhaltiger raumgestützter In-Situ-Systeme (einschließlich der Komponenten an
Land und in der Luft) unterstützen, insbesondere für Landüberwachung, Meeresüberwachung und
Krisenmanagement, unter Einsatz hochauflösender Bildgebung mit zeitlich hoher Abtastrate für
besonders wichtige Gebiete, einschließlich empfindlicher, städtischer und in raschem Wandel
begriffener Gebiete, und im Hinblick auf Risikoprävention und Risikomanagement und Notfälle
jeder Art unter Verbesserung der Konvergenz mit nicht raumgestützten Systemen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006      DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/211
• Im Umweltbereich umfasst der Bedarf den Erwerb unabhängiger Zustands- und Entwicklungs-
   daten in Bezug auf die nachhaltige Verwendung erneuerbarer Ressourcen (beispielsweise
   Vegetation und Wälder), Feuchtgebiete, Wüstenbildung, Bodendecke einschließlich Schnee und
   Eis und Bodennutzung, Lebensmittelversorgung, Agrarumwelt und Fischerei, Kohlenstoffsenken
   und -bestände, Abläufe in der Atmosphäre und Atmosphärenchemie sowie den Zustand der
   Meere. Der sechste EU-Umweltaktionsplan für umweltpolitische Maßnahmen zur Überwachung
   des Klimawandels sowie der Qualität von Luft, Boden und Wasser wird berücksichtigt.
• Im Bereich der Sicherheit umfasst der Bedarf die Verbesserungen bei der Beschaffung von, beim
   Zugang zu und beim Austausch von Daten und Informationen, die bei Notfalleinsätzen und bei
   der Notfallbewältigung benötigt werden. Unterstützung ist für die Schadensverhütung bzw.
   -begrenzung bereitzustellen, sowie für die Überwachung, das Risikomanagement und die
   Bewertung natürlicher und technologischer Gefahren sowie für die humanitäre Hilfe zwecks
   angemessener Bedarfsbewertung und Notfallplanung im Zusammenhang mit Naturkatastrophen
   (z.B. Waldbrände, Überschwemmungen und Erdbeben) und humanitären Krisen (Flüchtlinge,
   Binnenvertriebene, usw.). Auch die Umsetzung von Gemeinschaftspolitiken wie der Aufbau
   eines Raums der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts sowie im Bereich der Grenzüber-
   wachung sollte unterstützt werden.
 ---pagebreak--- L 400/212         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
– Aspekte der Gefahrenabwehr (als Ergänzung zu Sicherheitsforschung und den GMES-
   Maßnahmen)
In dem Bericht EC SPASEC 1 wird betont, dass weltraumgestützte Dienste eine so wichtige
Schlüsselrolle für das Wohlergehen der europäischen Gesellschaft einnehmen, dass der Schutz
kritischer Infrastruktur im Weltraumsektor vorrangig ist. Dies erfordert möglicherweise Dienste und
Fähigkeiten für die Überwachung von Komponenten im Weltraum und für den Schutz von
terrestrischer Infrastruktur. Das Weltraumüberwachungssystem könnte beispielsweise Informatio-
nen über die Hauptmerkmale von Satelliten (z.B. Umlaufbahnparameter, Aktivitätsstatus), von
möglicherweise gefährlichen Weltraumtrümmern (z.B. Flugbahn, physikalische Daten) und
wichtige Informationen über das Weltraumwetter und erdnahe Objekte liefern. Machbarkeitsstudien
und die Finanzierung von Demonstrationsprojekten lassen sich in diesem Bereich einplanen.
– Anwendungen der Satellitenkommunikation
Das Ziel besteht in der Förderung innovativer Anwendungen und Dienste zur Satellitenkommunika-
tion mit nahtloser Integration in die globalen elektronischen Kommunikationsnetze für Bürger und
Unternehmen in Anwendungsbereichen wie Katastrophenschutz, Sicherheit, elektronische Behör-
dendienste, Telemedizin und Teleunterricht, Rettungsaufgaben, Tourismus und Freizeitaktivitäten,
Verkehr einschließlich Fuhrparkmanagement und persönliche Navigationsdienste, sowie Land- und
Forstwirtschaft und Meteorologie. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Entwicklung neuer
Anwendungen, der Durchführung von Aufgaben zu Demonstrationszwecken und der voroperatio-
nellen Inbetriebnahme von Systemen, wobei die satellitengestützte Kommunikation eine wirksame
Antwort auf diese Erfordernisse im Hinblick auf die nachgelagerten GMES-Dienste darstellt.
1
         Bericht des Sachverständigenausschusses zu Weltraum und Sicherheit, März 2005 ("Report
         of the Panel of Experts on Space and Security").
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/213
• Weltraumforschung
– Das Ziel besteht darin, mit Hilfe von FuE Beiträge zu leisten und den wissenschaftlichen
   Mehrwert im Rahmen von Synergien mit Initiativen der ESA oder anderer Einrichtungen und
   Agenturen auf europäischer oder nationaler Ebene im Bereich der Erforschung des Weltraums zu
   optimieren, beispielsweise durch Technologietransfer, sowie der Wissenschaftsgemeinde den
   Zugriff auf Ergebnisse/Daten zu erleichtern, die durch Erkundungsmissionen im Rahmen des
   europäischen Raumfahrtprogramms gewonnen werden. Die Forschungsmaßnahmen werden
   insbesondere in Form von flankierenden Maßnahmen, Machbarkeitsstudien und voroperatio-
   nellen Projekten durchgeführt. Als weitere Aspekte sind zu berücksichtigen die inhärenten
   Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit und die Bedeutung der kontinuierlichen
   Aufklärungsarbeit sowie der Verbreitung von Ergebnissen.
– Ferner kommen Unterstützungsmaßnahmen und Machbarkeitsstudien in Betracht zur besseren
   Koordinierung der Bemühungen für die Entwicklung raumgestützter Teleskope und Detektoren
   sowie für die Datenanalyse in den Weltraumwissenschaften. Die diesbezüglichen Maßnahmen
   ergänzen die einschlägigen nationalen und internationalen Programme (u. a. der ESA) und zielen
   darauf ab, die Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit zu sondieren.
• FTE zur Stärkung der raumfahrttechnischen Grundlagen
– Raumfahrttechnologie
Im Allgemeinen besteht das Ziel darin, in großem Umfang die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit,
der Kosteneffizienz und der Unabhängigkeit des europäischen Raumfahrttechnologiesektors zu
unterstützen.
 ---pagebreak--- L 400/214        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
Dieses Ziel könnte insbesondere durch Weltraumforschung und Entwicklungsmaßnahmen in Bezug
auf langfristigen Bedarf, einschließlich Raumtransport, beispielsweise mit folgenden Mitteln
erreicht werden: Bewertung des langfristigen Bedarfs; Beiträge zu Systemstudien unter Berück-
sichtigung der Anforderungen der Endnutzer; Beiträge zur vorgelagerten Technologieforschung für
die nächste Generation von Raumtransport- und Antriebssystemen.
– Weltraumwissenschaften
Das Ziel besteht darin, zur Entwicklung moderner Technologien beizutragen, die für Weltraum-
wissenschaften genutzt werden. Weltraumwissenschaften ermöglichen nicht nur tiefe Einsichten in
den Aufbau des Universums, ein besseres Verständnis des Planeten Erde und des Sonnensystems
sowie eine neue Herangehensweise an Biomedizin sowie Biowissenschaften und die Physik,
sondern sind auch Impulsgeber für die Entwicklung neuer Technologien mit zahlreichen Folge-
anwendungen zum Nutzen der Gesellschaft. Das Siebte Rahmenprogramm soll die derzeit
laufenden wissenschaftlichen Programme da ergänzen, wo Lücken erkennbar sind, und darüber
hinaus die wissenschaftlichen Aktivitäten auch an Bord der Internationalen Raumstation (ISS)
unterstützen. Flankierende Maßnahmen mit dem Ziel, den Zugang zu wissenschaftlichen Daten,
auch zu Daten vorangegangener Missionen, zu erleichtern, sind ebenfalls vorgesehen.
Internationale Zusammenarbeit
Die Erschließung und Nutzung des Weltraums sind naturgemäß globale Unternehmungen. Eine
wirksame internationale Zusammenarbeit im Weltraumsektor wird dazu beitragen, das politische
Ansehen der Europäischen Union in der Welt zu mehren, ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit
zu stärken und ihren Ruf im Bereich wissenschaftlicher Höchstleistungen auszubauen. Die Zusam-
menarbeit im Weltraumsektor wird sich darüber hinaus unterstützend auf die Verwirklichung von
außenpolitischen Zielen der Gemeinschaft auswirken (z.B. Hilfe für Entwicklungsländer und
Nachbarstaaten).
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/215
In diesem Zusammenhang werden in erster Linie die Entwicklung einer umfassenden Strategie in
der internationalen Weltraumzusammenarbeit sowie ein effizienter Koordinierungsmechanismus
angestrebt, der alle einschlägigen europäischen Akteure einbezieht.
Der Weltraumsektor ist ein bevorzugter Bereich für den Ausbau internationaler Aktivitäten, ins-
besondere in Zusammenarbeit mit den etablierten oder neuen Raumfahrtnationen, z.B. Russland,
den Vereinigten Staaten, China, Indien, Kanada, Japan, der Ukraine und sonstigen Staaten, die
Weltraumaktivitäten betreiben.
Die Förderung der Nutzung weltraumgestützter Lösungen zur Unterstützung der nachhaltigen
Entwicklung und zur Vermeidung von Risiken im Zusammenhang mit Naturkatastrophen und
humanitären Krisen, vor allem in Afrika, wird weiterverfolgt. Dies steht im Einklang mit dem
weltweiten Ansatz, der in der GMES-Initiative in Bezug auf die Umwelt- 1 und
Sicherheitsüberwachung verfolgt wird.
Spezifische Maßnahmen zur Zusammenarbeit kommen bei bilateralen oder multilateralen
Projekten, internationalen und globalen Initiativen sowie in der Zusammenarbeit mit Schwellen-
und Entwicklungsländern zum Einsatz, um verbesserte Möglichkeiten für eine wirksame
Zusammenarbeit zu erhalten und um zu gewährleisten, dass das beste internationale Fachwissen aus
dem Bereich der Weltraumforschung im europäischen Rahmfahrtprogramm vertreten ist. Die Maß-
nahmen umfassen die Bewertung und Überwachung internationaler Verpflichtungen.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Die Forschung in Bezug auf sich abzeichnende Erfordernisse wird zu innovativen Lösungen bei den
technologischen Entwicklungen in der Weltraumforschung und zu möglichen Anpassungen und
Anwendungen in anderen Bereichen (z.B. in der Ressourcenbewirtschaftung, bei biologischen
Prozessen und bei neuartigen Materialien) führen. Die Forschung hinsichtlich der Reaktion auf
unvorhergesehene politische Erfordernisse betrifft beispielsweise folgende Aspekte: Bereitstellung
weltraumgestützter Lösungen zur Unterstützung von Entwicklungsländern, Entwicklung neuer
weltraumgestützter Mittel und Methoden zur Beobachtung und Kommunikation für spezifische
Politikbereiche der Gemeinschaft sowie Mitwirkung im Bereich der gesellschaftlichen Integration.
1
        Beispielsweise das Kyoto-Protokoll, das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur
        Bekämpfung der Wüstenbildung, das Übereinkommen der Vereinten Nationen zur
        biologischen Vielfalt, die Schlussfolgerungen des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung
        von 2002 und die Schlussfolgerungen des G8-Gipfels von 2005.
 ---pagebreak--- L 400/216        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
10.       Sicherheit
Ziel
Entwicklung von Technologien und Wissensbeständen für den Aufbau der Kapazitäten, die nötig
sind, um die Bürger – unter Wahrung der grundlegenden Menschenrechte und der Privatsphäre –
vor Bedrohungen wie Terrorismus, Naturkatastrophen und Kriminalität zu schützen; Gewähr-
leistung eines optimalen und abgestimmten Einsatzes verfügbarer und sich weiterentwickelnder
Technologien zugunsten der zivilen Sicherheit Europas, Förderung der Zusammenarbeit zwischen
Anbietern und Anwendern ziviler Sicherheitslösungen, Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der
europäischen Sicherheitsbranche und Bereitstellung praxisbezogener Forschungsergebnisse zur
Schließung von Sicherheitslücken.
Ansatz
Sicherheit in Europa ist die Voraussetzung für Wohlstand und Freiheit. Der Anwendungsschwer-
punkt der Sicherheitsforschung liegt ausschließlich im zivilen Bereich. Durch diese zivile Ausrich-
tung der Sicherheitsforschung soll die Durchführung der sicherheitsrelevanten Gemeinschaftspoliti-
ken und einschlägiger Gemeinschaftsinitiativen wie z.B. der Schaffung eines Raums der Freiheit,
der Sicherheit und des Rechts, Verkehr, Gesundheit (einschließlich des Gesundheitssicherheits-
programms der EU 1), Katastrophenschutz (einschließlich Naturkatastrophen und Industrieunfälle),
Energie, Umwelt und Außenpolitik unterstützt werden. Dadurch trägt die Sicherheitsforschung auch
zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Sicherheitsindustrie bei.
Dies wird den verschiedenen nationalen und internationalen Akteuren die Zusammenarbeit erleich-
tern und die Abstimmung untereinander vereinfachen, um Doppelarbeit zu vermeiden und wann
immer möglich Synergien zu ermitteln. Ziel ist es, Lücken bei den Fähigkeiten zu schließen, so dass
die Sicherheitsforschung im Hinblick auf die Sicherheitsbedürfnisse in Europa einen eindeutigen
Mehrwert hervorbringen wird. Die Achtung der Privatsphäre und der bürgerlichen Freiheiten sind
ein Leitprinzip in diesem Themenbereich. Arbeiten zu Technologien für tödliche Waffen oder zu
Waffen mit zerstörender Wirkung werden nicht durchgeführt.
1
        Mit dem Ziel der Verbesserung von Vorsorge und Reaktionsfähigkeit in Bezug auf die
        vorsätzliche Freisetzung biologischer und/oder chemischer Stoffe.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/217
Bei der nötigen Durchsetzung der besonderen Anforderungen an die Geheimhaltung sollte die
Transparenz von Forschungsergebnissen nicht ohne Notwendigkeit eingeschränkt werden. Zudem
sind Bereiche zu bestimmen, in denen das heutige Maß an Transparenz bei Forschungsergebnissen
möglich ist.
Diese nicht verteidigungsbezogenen Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene betreffen vier große
Bereiche der zivilen Sicherheit, die als Reaktion auf spezifische Herausforderungen hoher politi-
scher Relevanz und hinsichtlich des Mehrwertes für Europa in Bezug auf Bedrohungen und poten-
zielle sicherheitsrelevante Zwischenfälle bestimmt wurden. Außerdem sind drei weitere Bereiche
mit Querschnittscharakter impliziert. Jeder Bereich umfasst die folgenden sechs Phasen von unter-
schiedlicher Dauer und mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Lagefeststellung (bei Zwischenfall),
Prävention (bei Bedrohung), Schutz (eines Ziels), Vorbereitung (einer Operation), Reaktion (auf
eine Krise) und Bewältigung (der Folgen); damit werden die Maßnahmen beschrieben, die in der
jeweiligen Phase zu ergreifen sind. Die ersten vier Phasen beziehen sich auf die Maßnahmen, die
zur Vermeidung eines Zwischenfalles und der Abmilderung seiner potenziellen negativen Auswir-
kungen zu ergreifen sind; die letzten beiden beziehen sich auf die Maßnahmen, die zur Bewältigung
eines tatsächlichen Zwischenfalles und seiner längerfristigen Folgen zu ergreifen sind.
Für jede Phase der einzelnen Sicherheitsbereiche sind spezifische Fähigkeiten erforderlich, über
welche die für die Sicherheit der Bürger verantwortlichen Stellen verfügen müssen, um wirksam auf
Bedrohungen und Zwischenfälle reagieren zu können. Durch die Fähigkeiten ist einerseits festge-
legt, wie die Maßnahmen durchzuführen sind; andererseits können sie aber auch in mehr als einer
Phase und/oder einem Sicherheitsbereich zur Geltung kommen. Der Erwerb dieser Fähigkeiten voll-
zieht sich auf der Grundlage einer Kombination aus Wissen, Technologien und organisatorischen
Maßnahmen. In diesem Themenbereich wird ferner die Frage behandelt, wie eine wirksame Ver-
knüpfung zwischen erweiterten Wissensbeständen und verbesserten Technologien sowie einer
besseren Nutzung gemeinsamer IKT-Systeme in den unterschiedlichen Einsatzbereichen einerseits
und den entwickelten Verfahren und ihrer tatsächlichen Umsetzung durch unterschiedliche End-
anwender andererseits garantiert werden kann, um Verbesserungen bei den europäischen Sicher-
heitsfähigkeiten zu erreichen.
 ---pagebreak--- L 400/218        DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Die Forschung wird insbesondere darauf abzielen, Lücken bei den Fähigkeiten zu schließen, indem
Technologien und Fertigkeiten entwickelt werden, die im spezifischen Bereich benötigt werden und
in einem am Dialog mit dem Endanwender orientierten Top-Down-Verfahren im Einklang mit den
Zielen und Prioritäten ermittelt wurden. Als Endanwender der Ergebnisse der Forschungstätigkeiten
im Bereich Sicherheit werden Behörden, der Privatsektor und die Bürger der EU uneingeschränkt
an der Ermittlung des Forschungsbedarfs in diesem Bereich beteiligt. Im Rahmen einer System-
analyse werden die Lücken bei der zivilen Sicherheit und der FuE-Bedarf, der sich daraus in jedem
Bereich ergibt, analysiert. Die Tätigkeiten umfassen die Analyse des Sicherheitsbedarfs der Zivil-
wirtschaft. Diese Ermittlung des Forschungsbedarfs sollte kontinuierlich als wichtiges Element der
Forschung in diesen Themenbereich einfließen.
Dieser Ansatz, der von den Lücken bei den Fähigkeiten ausgeht, wird durch einen Bottum-up-
Ansatz ergänzt, bei dem Technologien daraufhin sondiert und untersucht werden, wie sie zur Ver-
besserung der europäischen Sicherheit genutzt werden könnten. Wichtig ist dabei, aufbauend auf
den außergewöhnlichen Leistungen der Angebotsseite (z.B. Industrie, Universitäten, Forschungs-
zentren) innovative Sicherheitslösungen hervorzubringen.
Die Forschung wird multidisziplinär sein und sich an den Aufgaben orientieren; ausgehend von der
Entwicklung von Technologie und Methodologie erstreckt sie sich über die technologische Integra-
tion und die Integration der Systeme bis hin zu Demonstration und Validierung. Die Entwicklung
von Mehrzwecktechnologien wird gefördert, um deren Anwendungsbereich zu maximieren und
einen fruchtbaren Austausch und die Übernahme vorhandener und sich weiterentwickelnder Tech-
nologien für den zivilen Sicherheitssektor zu verstärken. Die Sicherheitsforschung zielt darauf ab,
mittel- und langfristig wirksame Lösungen zu entwickeln, die anpassungsfähig und innovativ genug
sind, um einschlägigen Bedrohungen zu begegnen. Sie wird außerdem die technologie- und system-
orientierte Forschung, die für die zivile Sicherheit relevant ist und in anderen Themenbereichen
durchgeführt wird, ergänzen und einbinden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/219
Für die Sicherheitsforschung sind spezifische Durchführungsregeln erforderlich, um einerseits ihren
besonderen Merkmalen Rechnung zu tragen und sicherheitsrelevante Informationen zu schützen
und andererseits den Mitgliedstaaten und den Endanwendern ausreichende Informationen über die
Ergebnisse zur Verfügung zu stellen.
Der Schwerpunkt der Forschung liegt ausschließlich auf Anwendungen im Bereich der zivilen
Sicherheit. Da jedoch einige Bereiche Technologien mit doppeltem Verwendungszweck, d.h. mit
zivilen und militärischen Anwendungen, umfassen, ist ein geeigneter Rahmen für die Abstimmung
mit der Tätigkeit der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) zu schaffen. Ferner ist eine
Koordinierung der Sicherheitsforschung mit anderen Maßnahmen auf nationaler und europäischer
Ebene vorgesehen, um für den Informationsaustausch zu sorgen und unnötige Doppelfinanzie-
rungen zu vermeiden.
Die Beteiligung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) an den Maßnahmen wird in demselben
Maße gefördert wie die Beteiligung von Behörden und Organisationen, die für die Sicherheit der
Bürger verantwortlich sind. Die vom Europäischen Beirat für Sicherheitsforschung 1 ausgearbeitete
längerfristige Forschungsagenda wird zur Festlegung von Inhalt und Struktur der Forschung in
diesem Bereich beitragen.
1
        Eingerichtet im Verlauf der vorbereitenden Maßnahmen für die Sicherheitsforschung
        (PASR 2004-2006)
 ---pagebreak--- L 400/220         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
Maßnahmen
Die Maßnahmen betreffen folgende Bereiche:
• Schutz der Bürger: Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt auf den drei folgenden Aspekten
   potenzieller Zwischenfälle von grenzüberschreitender Bedeutung: Täter, Material, das von ihnen
   verwendet wird, sowie sonstige Ressourcen, die bei der Ausführung von Anschlägen zum
   Einsatz kommen. Eine Reihe von Fähigkeiten ist für die Bewältigung dieses Bereiches
   erforderlich. Viele dieser Fähigkeiten betreffen in erster Linie die Phasen "Lagefeststellung",
   "Prävention", "Vorbereitung" und "Reaktion". Im Mittelpunkt steht dabei das Bestreben, einen
   Zwischenfall zu vermeiden und seine möglichen Folgen einzudämmen. Beim Aufbau der
   erforderlichen Fähigkeiten mit dem Ziel, Katastrophenschutz einschließlich biologischer
   Sicherheit und Schutz vor Gefahren aufgrund von Verbrechen und Terroranschlägen bereit-
   zustellen, liegt der Schwerpunkt beispielsweise in folgenden Bereichen: Bedrohung (z.B.
   chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Art – CBRN), Feststellen einer
   Bedrohungssituation (z.B. durch nachrichtendienstliche Beschaffung von Erkenntnissen,
   Datensammlung, -auswertung und -austausch, Warnung), Bedrohungserkennung (z.B. gefähr-
   liche Stoffe, Sprengstoffe, für biologische oder chemische Bedrohungen relevante Stoffe,
   Personen oder Personengruppen, verdächtiges Verhalten), Identifizierung und Authentifizierung
   (z.B. von Personen, Art und Menge der Substanzen), Prävention (z.B. Kontrolle des Zugangs zu
   und der Bewegungen von Finanzmitteln, Kontrolle finanzieller Strukturen), Vorbereitung (z.B.
   Risikobewertung; Schutz vor CBRN-Bedrohungen; Kontrolle vorsätzlich freigesetzter biologi-
   scher und chemischer Stoffe; Bewertung der strategischen Reserven, beispielsweise bei Personal,
   Fähigkeiten, Ausrüstung, Verbrauchsmaterial; im Hinblick auf Großveranstaltungen usw.),
   Neutralisierung (z.B. von Raketen, Kommunikationsmitteln, Fahrzeugen, nicht zerstörenden
   Systemen) und Eindämmung der Folgen von Terroranschlägen und Kriminalität, Verarbeitung
   von Daten der Vollzugsbehörden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/221
• Sicherheit von Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen: Im Mittelpunkt der
   Maßnahmen steht der Gegenstand eines Zwischenfalls oder einer Katastrophe von grenzüber-
   schreitender Bedeutung; die Infrastrukturen umfassen z.B. für Großveranstaltungen vorgesehene
   Orte bzw. Orte von besonderer politischer (z.B. Parlamentsgebäude) oder symbolischer Bedeu-
   tung (z.B. bestimmte Denkmäler); unter Versorgungseinrichtungen fallen Anlagen zur Ver-
   sorgung mit Energie (Öl, Strom, Gas) und Wasser, Verkehrsmittel (Luft, See, Land), Kommuni-
   kationsmittel (einschließlich des Rundfunks), Finanz- und Verwaltungsmittel, öffentliche
   Gesundheitseinrichtungen usw. Eine Reihe von Fähigkeiten ist für die Bewältigung dieses
   Bereiches erforderlich. Viele dieser Fähigkeiten betreffen in erster Linie die Phasen "Schutz",
   aber auch "Vorbereitung". Im Mittelpunkt steht dabei das Bestreben, einen Zwischenfall zu
   vermeiden und seine möglichen Folgen einzudämmen. Beim Aufbau der erforderlichen
   Fähigkeiten liegt der Schwerpunkt beispielsweise in folgenden Bereichen: Feststellen,
   Simulation und Bewerten der Schwachstellen der physischen Infrastruktur und ihres Betriebes;
   Sicherung bestehender und künftiger öffentlicher und privater kritischer vernetzter Infra-
   strukturen, Systeme und Dienste in physischer, logischer und funktionaler Hinsicht; Kontroll-
   und Warnsysteme für eine schnelle Reaktion bei Eintreten eines Ernstfalls; Schutz vor nach-
   folgenden Kettenreaktionen bei den Auswirkungen eines Zwischenfalls; Festlegung und
   Ausgestaltung von Kriterien für neue sichere Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen.
 ---pagebreak--- L 400/222         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                        30.12.2006
• "Intelligente" Überwachung und Grenzsicherung: Die Forschungstätigkeiten werden sich mit
   Fragen zu allen aufeinander folgenden Stufen der europäischen Strategie für die Grenzsicherung
   befassen, beginnend mit den Verfahren für Visumanträge in Botschaften und Konsulaten
   (1. Ebene), der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit (2. Ebene), Maßnahmen an den Grenz-
   übertrittsstellen an Landgrenzen, in Häfen und Flughäfen sowie zwischen den Grenzübertritts-
   stellen an der grünen und der blauen Grenze (3. Ebene) und schließlich Maßnahmen innerhalb
   der europäischen Außengrenzen (4. Ebene), wie z.B. Informationsaustausch, Ausgleichs-
   maßnahmen, Schengener Informationssystem (SIS), Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz
   und Polizei, Zoll und Grenzschutz. Eine Reihe von Fähigkeiten ist für die Bewältigung dieses
   Bereiches erforderlich. Viele dieser Fähigkeiten betreffen in erster Linie die Phasen "Lage-
   feststellung", "Prävention" und "Schutz". Im Mittelpunkt steht dabei das Bestreben, einen
   Zwischenfall zu vermeiden und seine möglichen Folgen einzudämmen.
   Beim Aufbau der erforderlichen Fähigkeiten liegt der Schwerpunkt beispielsweise in folgenden
   Bereichen: Verbesserung der Wirksamkeit und Effizienz aller sicherheitsrelevanten Systeme, der
   Ausrüstung, der Instrumente und der Verfahren, die an Grenzübertrittsstellen zum Einsatz
   kommen (z.B. Identifizierung von Personen beim Grenzübertritt, nichtinvasive Erkennung von
   Personen und Gütern, Aufspüren von Substanzen, Probenentnahme, räumliche Erkennung
   einschließlich der Datenerfassung und -auswertung usw.); Verbesserung der Sicherheit der
   europäischen Land- und Seegrenzen (z.B. durch nichtinvasive bzw. unter Wasser durchgeführte
   Erkennung von Fahrzeugen, Standortbestimmung von Fahrzeugen, räumliche Erkennung
   einschließlich Datenerfassung und -auswertung, Überwachung, Fernoperationen usw.); Sicher-
   heit des Seeverkehrs; Bewertung und Bewältigung von (illegalen) Einwanderungsströmen. Es
   wird ein geeigneter Rahmen für die Abstimmung mit der Tätigkeit der Europäischen Agentur für
   die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen geschaffen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                          L 400/223
• Wiederherstellung der technischen und der allgemeinen Sicherheit in Krisensituationen:
   Der Schwerpunkt der Maßnahmen liegt im Bereich der Technologien, die einen Überblick über
   und Unterstützung für verschiedene Notfallbewältigungsmaßnahmen ermöglichen, beispiels-
   weise im Katastrophenschutz (einschließlich Naturkatastrophen und Industrieunfällen), in der
   humanitären Hilfe und bei Rettungsaufgaben. Eine Reihe von Fähigkeiten ist für die Bewälti-
   gung dieses Bereichs erforderlich. Viele dieser Fähigkeiten betreffen in erster Linie die Phasen
   "Vorbereitung" "Reaktion" und "Bewältigung". Im Mittelpunkt steht dabei das Bestreben, die
   Folgen eines Zwischenfalls einzudämmen. Beim Aufbau der erforderlichen Fähigkeiten liegt der
   Schwerpunkt beispielsweise in folgenden Bereichen: organisatorische und operative Vorbe-
   reitung, um sicherheitsrelevante Zwischenfälle zu bewältigen (z.B. Koordinierung und Notfall-
   Kommunikation unterschiedlicher Organisationen, Bewertung strategischer Reserven,
   strategische Vorräte usw.), Krisenbewältigung (z.B. integrierte Mittel für Warnung und Krisen-
   bewältigung, Bewertung des Zwischenfalls und der vorrangigen Erfordernisse, Einbeziehung
   unterschiedlicher Akteure und Ressourcen, Evakuierung und Isolierung, Neutralisierung und
   Eindämmung der Folgen von Terroranschlägen und Kriminalität usw.), Einsatz in feindlicher
   Umgebung, humanitäre Soforthilfe sowie Bewältigung der Folgen und nachfolgenden Ketten-
   reaktionen eines Zwischenfalls (z.B. Funktionieren des öffentlichen Gesundheitswesens,
   Geschäftskontinuität oder Vertrauen schaffende Maßnahmen, mit denen das beeinträchtigte oder
   zerstörte Funktionieren der Gesellschaft wiederhergestellt werden soll usw.).
 ---pagebreak--- L 400/224        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Die genannten Bereiche werden durch Maßnahmen in folgenden themenübergreifenden Bereichen
unterstützt:
• Integration, Vernetzung und Interoperabilität von Sicherheitssystemen: Die Maßnahmen im
   Zusammenhang mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen, Informationsbeschaffung und
   innerer Sicherheit sollen Voraussetzungen schaffen und/oder zur Leistungsfähigkeit von Techno-
   logien beitragen, die für den Aufbau der oben genannten Fähigkeiten erforderlich sind. Der
   Schwerpunkt liegt dabei auf Querschnittsthemen wie Technologien zur Erhöhung der Inter-
   operabilität und der Fähigkeit zur Interkommunikation von Systemen, Ausrüstung, Diensten und
   Verfahren, einschließlich der Strafverfolgung, der Brandbekämpfung, des Katastrophenschutzes
   und der medizinischen Informationsinfrastrukturen, wobei zugleich die Zuverlässigkeit, der
   Schutz der Vertraulichkeit und die Integrität der Informationen sowie die Nachverfolgbarkeit
   aller Transaktionen und Verarbeitungsschritte gewährleistet werden. Die Maßnahmen betreffen
   auch Fragen der Standardisierung und der Ausbildung (beispielsweise hinsichtlich der
   kulturellen, menschlichen und organisatorischen Interoperabilität).
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/225
• Sicherheit und Gesellschaft: Die Maßnahmen sind themenübergreifender Art und sollten im
   Zusammenwirken von Naturwissenschaften, Technologie und anderen Wissenschaften, insbe-
   sondere der Politik-, Sozial- und Geisteswissenschaften durchgeführt werden. Der Schwerpunkt
   liegt in folgenden Bereichen: aufgabenorientierte kulturelle und sozioökonomische Analysen
   sowie Analysen von Systemrisiken, Szenariengestaltung und andere Forschungsaktivitäten im
   Zusammenhang mit dem Thema Sicherheit als einem sich verändernden Konzept (umfassende
   Analysen sicherheitsrelevanter Erfordernisse zwecks Festlegung der wichtigsten funktionellen
   Anforderungen, um der sich stets verändernden Sicherheitslage Rechnung tragen zu können);
   gegenseitige Abhängigkeiten, Schwachstellen aufgrund von Katastrophen und neue Bedrohun-
   gen (z.B. im Bereich des Terrorismus und des organisierten Verbrechens); die Einstellung der
   Bürger in Krisensituationen (z.B. Wahrnehmung von Terrorismus und Kriminalität, Verhalten
   von Menschenmengen, öffentliches Verständnis der Bürgerrechte und soziokultureller Formen
   des Schutzes und Akzeptanz von Sicherheitskontrollen); Vorsorge der Bürger für den Fall eines
   Terroranschlages; Fragen der Kommunikation zwischen den Behörden und Bürgern in
   Krisensituationen; Sensibilisierung der Öffentlichkeit hinsichtlich Bedrohungen; Leitfaden für
   Bürger zum Thema Sicherheitsinformations- und Hilfssysteme in den Mitgliedstaaten und auf
   EU-Ebene; Verhaltensanalyse, psychologische Analyse sowie andere zweckdienliche Analyse-
   möglichkeiten im Hinblick auf terroristische Straftäter; ethische Fragen hinsichtlich des Schutzes
   personenbezogener Daten und der Integrität von Informationen. Darüber hinaus wird auch die
   Entwicklung statistischer Kriminalitätsindikatoren untersucht, um Bewertungen von
   Veränderungen in der Kriminalität zu ermöglichen.
• Koordinierung und Strukturierung der Sicherheitsforschung: Dieser Bereich betrifft Maß-
   nahmen zur Koordinierung und Strukturierung der nationalen, europäischen und internationalen
   Anstrengungen in der Sicherheitsforschung, zum Ausbau der Synergien zwischen ziviler, sicher-
   heits- und verteidigungsbezogener Forschung, sowie zur Koordinierung der Angebots- und
   Bedarfslage in der Sicherheitsforschung. Ein Schwerpunkt der Maßnahmen wird auch auf der
   Verbesserung der einschlägigen rechtlichen Bedingungen und Verfahren liegen.
 ---pagebreak--- L 400/226         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
Internationale Zusammenarbeit
Die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheitsforschung erfolgt im Einklang mit
den internen und externen Aspekten der jeweiligen Gemeinschaftspolitik. Aufgrund der besonderen
Schutzwürdigkeit dieses Bereichs wird die Möglichkeit der internationalen Zusammenarbeit in
Bezug auf die betroffenen Länder im Einzelfall geprüft. Besondere Erfordernisse und Kriterien
für die internationale Zusammenarbeit können im Arbeitsprogramm präzisiert werden.
Besondere Maßnahmen im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit finden bei Vorliegen eines
gegenseitigen Nutzens Berücksichtigung, z.B. Forschung im Bereich von Sicherheitsmaßnahmen
mit weltweiter Anwendungsmöglichkeit, wie die Bewältigung großer Katastrophen.
Reaktion auf sich abzeichnende Erfordernisse oder unvorhergesehene politische
Erfordernisse
Der Themenbereich der Sicherheitsforschung ist naturgemäß und vom Ansatz her flexibel. Bei
diesen Maßnahmen können noch nicht bekannte künftige Sicherheitsbedrohungen, einschließlich
Katastrophen, und politische Erfordernisse, die im Zusammenhang damit entstehen können, berück-
sichtigt werden. Diese Flexibilität ergänzt den aufgabenbezogenen Charakter der oben beschrie-
benen Forschungsmaßnahmen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006         DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                             L 400/227
                                                ANHANG II
                                  VORLÄUFIGE MITTELAUFTEILUNG
Vorläufige Aufteilung auf die einzelnen Programme (in Millionen EUR):
            Gesundheit                                                                           6 100
            Lebensmittel, Landwirtschaft und Fischerei, Biotechnologie                           1 935
            Informations- und Kommunikationstechnologien                                         9 050
            Nanowissenschaften, Nanotechnologien, Werkstoffe und neue                            3 475
            Produktionstechnologien
            Energie                                                                              2 350
            Umwelt (einschließlich Klimaänderungen)                                              1 890
            Verkehr (einschließlich Luftfahrt)                                                   4 160
            Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften                                        623
            Weltraum                                                                             1 430
            Sicherheit                                                                           1 400
            INSGESAMT 1 2 3 4                                                                  32 413
                                        ________________________
___________________
1
          Einschließlich gemeinsamer Technologieinitiativen (einschließlich Finanzplan usw.) und des Teils
          der Koordinierungsmaßnahmen und der Maßnahmen der internationalen Zusammenarbeit, der im
          Rahmen der Themen finanziell gefördert wird.
2
          Es wird angestrebt, dass mindestens 15 % der für das Programm verfügbaren Mittel an KMU
          gehen.
3
          Darunter ein Beitrag von bis zu 800 Mio. EUR an die Europäische Investitionsbank für ihre
          "Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis" gemäß Anhang III. Die Themenbereiche
          werden einen Beitrag im Verhältnis zu ihrem Umfang leisten, mit Ausnahme des Themenbereichs
          Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften, der nicht zur Fazilität für Finanzierungen auf
          Risikoteilungsbasis beiträgt.
          Ein Betrag in der Größenordnung von 400 Mio. EUR wird in Jahrestranchen für den Zeitraum
          2007-2010 gebunden.
4
          Davon mindestens 210 Mio. EUR und bis zu 250 Mio. EUR für COST, vorbehaltlich der
          Halbzeitüberprüfung. Diese finanzielle Unterstützung wird über einen Zuschuss geleistet, der auf
          der Grundlage einer Finanzhilfevereinbarung zwischen der Kommission und einer Rechtsperson
          ausbezahlt wird, die von COST als Ausführungsbevollmächtigter benannt und vom General-
          sekretariat des Rates der Kommission mitgeteilt und im Arbeitsprogramm angegeben wird.
 ---pagebreak--- L 400/228         DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                     30.12.2006
                                              ANHANG III
                          Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis
Gemäß Anhang II leistet die Gemeinschaft einen Beitrag (Koordinierungs- und Unterstützungsmaß-
nahme) an die Europäische Investitionsbank (EIB), die sich am Risiko der Fazilität für Finanzierun-
gen auf Risikoteilungsbasis beteiligt. Die Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis
(Risk-Sharing Finance Facility – RSFF) wird gemeinsam von der Gemeinschaft und der EIB finan-
ziert und zielt darauf ab, europaweit private Investitionen in Forschung, technologische Entwick-
lung und Demonstration (FTE) sowie Innovation zu fördern.
Der Gemeinschaftsbeitrag wird der Bank mehr Spielraum für das Risikomanagement verschaffen,
wodurch sich die Möglichkeit eröffnet, i) das Volumen von Darlehens- und Bürgschaftstrans-
aktionen der EIB für bestimmte Risiken auszuweiten und ii) europäische FTE-Projekte mit höherem
Risiko zu finanzieren, die ohne Unterstützung der Gemeinschaft nicht finanzierbar wären, was zur
Überwindung von Marktdefiziten beiträgt. Der Gemeinschaftsbeitrag hat folgende Ziele:
• Zusatznutzen in Bereichen, in denen der Markt die erforderlichen Mittel nicht aufbringen kann,
   und
• Katalysatorwirkung für private Investitionen.
Der Gemeinschaftsbeitrag wird gemäß Anhang II in die RSFF eingestellt.
Entsprechend ihren üblichen Vorschriften und Verfahren wird die EIB aus Mitteln, die sie an den
internationalen Kapitalmärkten aufgenommen hat, Darlehen gewähren und ihren Finanzpartnern
Sicherheiten stellen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/229
Sie wird diesen Beitrag im Windhundverfahren als Rückstellung und Kapitalzuweisung innerhalb
der Bank verwenden, um damit einen Teil der Risiken, die ihr bei den Transaktionen zur Unter-
stützung förderfähiger europäischer FTE-Projekte entstehen, abzudecken.
Anhand ihrer Finanzprüfung bewertet die EIB die Höhe des finanziellen Risikos und legt den Wert
der Rückstellung und Kapitalzuweisung fest.
Die Risikobewertung und Risikoeinstufung sowie die sich daraus ergebenden Entscheidungen über
die Bildung von Rückstellungen und die Kapitalzuweisung erfolgen nach Standardverfahren der
Bank im Rahmen ihrer Fazilität für Strukturierte Finanzierungen, die von ihren Anteilseignern
gebilligt und überwacht und von Zeit zu Zeit aktualisiert und geändert werden. Sie werden nicht
aufgrund des Gemeinschaftsbeitrags geändert.
Das Risiko für den Gemeinschaftshaushalt ist auf die gezahlten oder als Zahlungsverpflichtung
gebundenen Beträge begrenzt. Es entstehen keine Eventualverbindlichkeiten für den Gemein-
schaftshaushalt, da die EIB das verbleibende Risiko trägt.
Der Gemeinschaftsbeitrag wird jährlich auf der Grundlage eines Mehrjahresplans und unter Berück-
sichtigung der Bedarfsentwicklung gezahlt. Der jährliche Betrag wird im Arbeitsprogramm auf der
Grundlage des Tätigkeitsberichts und der Prognosen der EIB festgelegt.
Der Mehrjahresplan wird aus jedem der an der Fazilität beteiligten Themenbereiche finanziert und
gegebenenfalls im Einklang mit dem Grundsatz der anteiligen Beiträge angepasst.
 ---pagebreak--- L 400/230        DE                   Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
In der mit der EIB zu schließenden Vereinbarung werden im engen Benehmen mit den Mitglied-
staaten die Bedingungen festgelegt, zu denen die Gemeinschaftsmittel als Rückstellung und
Kapitalzuweisung verwendet werden können. Dies umfasst u. a. die folgenden Bedingungen:
• Die Förderwürdigkeit gemeinschaftlicher FTE-Maßnahmen. Durch die Gemeinschaft finanzierte
   "Gemeinsame Technologieinitiativen", Verbundprojekte, Exzellenznetze und Forschung
   zugunsten von KMU sind automatisch förderwürdig, sofern ihre Ziele in den Anwendungs-
   bereich der an der Fazilität beteiligten Themenbereiche dieses spezifischen Programms fallen.
   Rechtspersonen, die in einem Drittland ansässig sind, das kein assoziiertes Land ist, können
   ebenfalls gefördert werden, wenn sie an indirekten Maßnahmen des Siebten Rahmenprogramms
   teilnehmen und ihre Kosten für eine Gemeinschaftsfinanzierung in Frage kommen.
   Andere europäische Maßnahmen (wie z.B. EUREKA) sind förderwürdig, sofern sie Tätigkeiten
   der Forschung, technologischen Entwicklung oder Demonstration im Rahmen des Anwendungs-
   bereichs der an der Fazilität beteiligten Themenbereiche betreffen, die den Grundsätzen und
   Kriterien der europäischen Forschung entsprechen, und sofern die Darlehensnehmer oder die
   Bürgschaftsempfänger Rechtspersonen mit Sitz in einem Mitgliedstaat oder einem assoziierten
   Land sind.
   Die RSFF wird in allen Mitgliedstaaten und assoziierten Ländern angeboten, um sicherzustellen,
   dass sie von allen Rechtspersonen unabhängig von ihrer Größe (d.h. auch von KMU und
   Forschungseinrichtungen, einschließlich Hochschulen) in allen Mitgliedstaaten für die Finanzie-
   rung ihrer Tätigkeiten im Rahmen förderwürdiger Maßnahmen in Anspruch genommen werden
   kann.
   Innovationsmaßnahmen kommerzieller Natur kommen für die RSFF nur unter Verwendung des
   Eigenbeitrags der EIB in Betracht.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/231
   Im Einklang mit der Verordnung [über die Beteiligungsregeln], die nach Artikel 167 des
   Vertrags erlassen wird, werden in der Vereinbarung auch Verfahren festgelegt, nach denen die
   Gemeinschaft in gebührend begründeten Fällen die Verwendung des Gemeinschaftsbeitrags
   durch die EIB ablehnen kann.
   Die Regeln für die Festlegung des Anteils des finanziellen Risikos, der durch den Gemein-
   schaftsbeitrag gedeckt ist, und der Risikoschwelle, bei deren Überschreitung die EIB auf den
   Gemeinschaftszuschuss zurückgreifen kann, sowie für die Aufteilung entsprechender
   Einnahmen.
   Die Höhe des Gemeinschaftsbeitrags für jede Transaktion hängt von der Bewertung des
   finanziellen Risikos durch die EIB ab. Die Gesamthöhe der Rückstellung und der Kapital-
   zuweisung für die Mehrheit der RSFF-Transaktionen wird voraussichtlich innerhalb einer
   Spanne von 15-20 % des Nominalwerts dieser Transaktionen liegen. Der Gesamtbetrag der
   Rückstellung und der Kapitalzuweisung des Gemeinschaftsbeitrags darf in keinem Fall 50 % des
   nominellen Darlehens- oder Bürgschaftswertes übersteigen. Jede einzelne Transaktion erfolgt
   auf Risikoteilungsbasis.
   Die Vorkehrungen, nach denen die Gemeinschaft die Darlehens- und Bürgschaftstransaktionen
   der EIB in Bezug auf den Gemeinschaftsanteil, einschließlich der von den Finanzierungspartnern
   der EIB durchgeführten Transaktionen, überwachen wird.
Die EIB darf den Gemeinschaftsbeitrag nur für Transaktionen verwenden, die zwischen dem Tag
des Inkrafttretens dieses spezifischen Programms und dem 31. Dezember 2013 gebilligt werden.
 ---pagebreak--- L 400/232        DE                Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Die EIB teilt der Kommission jährlich mit, welche Zinsen und Einkünfte in diesem Zeitraum durch
den Gemeinschaftsbeitrag erwirtschaftet wurden; die Kommission unterrichtet das Europäische
Parlament und den Rat hierüber. Gemäß Artikel 18 Absatz 2 der Haushaltsordnung handelt es sich
hierbei um zweckgebundene Einnahmen der RSFF, die in den Haushalt eingestellt werden.
Bei der Annahme des Arbeitsprogramms kann die Kommission beschließen, von der RSFF nicht
genutzte und daher nach der Halbzeitüberprüfung gemäß Anhang II des Rahmenprogramms von der
EIB wiedereingezogene Beträge anderen indirekten Maßnahmen der an der Fazilität beteiligten
Themenbereiche dieses spezifischen Programms zuzuweisen. Die Halbzeitüberprüfung umfasst eine
externe Bewertung der Wirkungsweise der Fazilität für Finanzierungen auf Risikoteilungsbasis.
Die Kommission wird die tatsächliche Nutzung des Gemeinschaftsbeitrags genau überwachen,
wozu auch ex-post-Bewertungen der erfolgreichen Elemente der Maßnahmen zählen, und dem
Programmausschuss regelmäßig Bericht erstatten. Außerdem wird die Kommission die wichtigsten
diesbezüglichen Ergebnisse in den jährlichen Bericht über Tätigkeiten auf dem Gebiet der
Forschung und technologischen Entwicklung aufnehmen, den sie dem Europäischen Parlament und
dem Rat gemäß Artikel 173 des Vertrags unterbreitet.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       L 400/233
                                            ANHANG IV
Gemeinsame Technologieinitiativen und Koordinierung von Forschungsprogrammen außerhalb des
                                        Gemeinschaftsrahmens
Gemeinsame Technologieinitiativen 1
Gestützt auf die Kriterien in Anhang I werden im Folgenden die Forschungsbereiche genannt, die
für eine vorläufige Liste gemeinsamer Technologieinitiativen in Frage kommen. Mit Hilfe dieser
Initiativen soll eine Reihe unterschiedlicher Herausforderungen bewältigt werden. Die Strukturen
müssen also in jedem Einzelfall so gestaltet werden, dass sie den besonderen Merkmalen des jewei-
ligen Forschungsgebietes gerecht werden. In jedem Fall würde eine bestimmte Struktur festgelegt,
um die vereinbarte Forschungsagenda der gemeinsamen Technologieinitiative durchzuführen, die
erforderlichen öffentlichen und privaten Investitionen aufzubringen und die europäischen Anstren-
gungen zu koordinieren. Für die Umsetzung der Forschungsagenda könnte die Gemeinschaft einen
Zuschuss auf der Grundlage gesonderter Vorschläge gewähren. Anhand der in Anhang I genannten
Kriterien könnten weitere gemeinsame Technologieinitiativen ermittelt und während der Durch-
führung des Siebten Rahmenprogramms vorgeschlagen werden.
• Initiative zur innovativen Medizin
Die gemeinsame Technologieinitiative zur innovativen Medizin soll zur Stärkung der Wettbewerbs-
fähigkeit der europäischen Arzneimittelbranche beitragen. Sie beinhaltet ein koordiniertes Vorge-
hen zur Überwindung der Forschungsengpässe bei der Arzneimittelentwicklung, indem die Ent-
wicklungszeit und die klinische Ausfallrate für neue Medikamente verkürzt bzw. verringert wird.
Dadurch können selektivere Medikamente schneller entwickelt werden, so dass sich die investierten
Forschungsgelder rascher rentieren und somit eine Hebelwirkung für mehr private Gelder für
weitere Forschungsarbeiten entfalten.
1
         Die Liste vorgeschlagener gemeinsamer Technologieinitiativen hat vorläufigen Charakter
         und könnte aufgrund künftiger Entwicklungen angepasst werden. Über jede gemeinsame
         Technologieinitiative wird gesondert befunden (siehe Anhang I Kapitel "Wissenschaftliche
         und technologische Ziele, Grundzüge der Themen und Maßnahmen").
 ---pagebreak--- L 400/234         DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                      30.12.2006
Zur vorwettbewerblichen Forschung, wie sie in der Initiative der strategischen Forschungsagenda
zur innovativen Medizin definiert ist, zählen die Entwicklung von Werkzeugen und Methoden, um
die Eignung, Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln besser vorherzusagen, sowie intelli-
gente Infrastrukturen für die Datenintegration und das Wissensmanagement durch enge Zusammen-
arbeit zwischen Industrie, Hochschulen und klinischen Zentren in allen notwendigen Etappen. Auch
die Lücken in Bildung und Ausbildung werden angegangen, um sicherzustellen, dass Europa in der
Lage ist, die Forschungsergebnisse in Vorteile für den Patienten umzusetzen. Es wird für eine enge
Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Gemeinschaft, der Industrie und anderen interessierten
Kreisen wie Regulierungsstellen, Patienten, Hochschulen, Kliniken usw. wie auch für eine Mobili-
sierung öffentlicher und privater Gelder gesorgt. Die strategische Forschungsagenda wird mittels
der Initiative zur innovativen Medizin – einer angemessenen öffentlich-privaten Partnerschafts-
struktur, die speziell zu diesem Zweck eingerichtet werden soll – durchgeführt.
• Nanoelektronik 2020
Die Nanoelektronik besitzt große strategische Bedeutung für die europäische Wettbewerbsfähigkeit,
denn ihre Produkte sind entscheidende Grundvoraussetzung für Innovation in anderen Bereichen
(Multimedia, Telekommunikation, Verkehr, Gesundheit, Umwelt, industrielle Verarbeitung usw.).
Doch müssen FuE und Innovation besser strukturiert, optimiert und mit all den Beteiligten abge-
stimmt werden, die für Erfolge in den jeweiligen Bereichen herausragende Bedeutung haben.
Die Initiative gilt dem Bedarf an siliziumbasierten Technologien in vier Bereichen: i) Verkleinerung
von logischen Schaltkreisen und Speicherbausteinen mit dem Ziel höherer Leistung und geringerer
Kosten; ii) Entwicklung von Funktionen mit Mehrwert, einschließlich Sensor-, Stell- und Packungs-
funktionen, und ihre Kombination mit Logik- und Speicherkomponenten, um komplexe Ein-Chip-
Systeme oder gepackte Komplettsysteme zu erhalten; iii) Geräte und Werkstoffe; iv) Entwurfs-
automatisierung.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                      L 400/235
• Eingebettete IKT-Systeme
Eingebettete IKT-Systeme – die unsichtbare Elektronik und Software, die Produkten und Prozessen
Intelligenz verleihen – sind von strategischer Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit wichtiger
europäischer Wirtschaftszweige wie Automobilbau, Luftfahrt, Unterhaltungs- und Haushalts-
elektronik, Telekommunikation, medizinische Systeme und Fertigungsindustrie. Außerdem schafft
die zunehmende Verbundfähigkeit dieser Geräte ein Potenzial für gänzlich neue Märkte und gesell-
schaftliche Anwendungen, bei denen sich Europa gut positionieren muss, um davon profitieren zu
können.
Mit der gemeinsamen Technologieinitiative zu eingebetteten IKT-Systemen werden die
Forschungsanstrengungen konzentriert und eine Hebelwirkung für private und öffentliche
Investitionen entfaltet, um die hohen Risiken gemeinsam zu tragen und weiterhin ehrgeizige Ziele
zu verfolgen. Die Initiative wird auf den Entwurf, die Entwicklung und den Einsatz allgegenwärti-
ger, interoperabler und kostengünstiger Elektronik- und Softwaresysteme abzielen, die leistungs-
fähig und zugleich sicher sind. Als Ergebnis entstehen Referenzkonzepte mit Standardarchitekturen
für gegebene Anwendungsbereiche, Middleware, die nahtlose Verbundfähigkeit und Interoperabili-
tät ermöglicht, Softwarewerkzeuge für den integrierten Entwurf und Methoden für eine rasche Ent-
wicklung und Prototyp-Erstellung sowie neue Konzepte für die Interaktion zwischen Rechnern und
der wirklichen Welt.
• Initiative zu Wasserstoff und Brennstoffzellen
Wasserstoff und Brennstoffzellen sind Energietechnologien, die einen Paradigmenwechsel hinsicht-
lich der Art und Weise, in der in Europa Energie erzeugt und verbraucht wird, bewirken können.
Sie versprechen ein enormes Entwicklungspotenzial hin zu einer langfristig nachhaltigen Energie-
versorgung und sollten Europa einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen können. Der
Übergang zu einer wasserstofforientierten Wirtschaft erfordert umfangreiche Forschungsanstren-
gungen und Investitionen in die Schaffung neuer Industrien und Versorgungsketten, in Infrastruktur
und Humanressourcen.
 ---pagebreak--- L 400/236        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
Die gemeinsame Technologieinitiative wird ein zielorientiertes europäisches Programm im Bereich
der Industrieforschung, technologischen Entwicklung und Demonstration festlegen und durchfüh-
ren, das zu zuverlässigen, bis zur Marktreife entwickelten Wasserstoff- und Brennstoffzellentech-
nologien führen soll. Hauptthemen des dazugehörigen Forschungsplans werden sein: Entwicklung
von Brennstoffzellen für alle Anwendungsbranchen und -bereiche; nachhaltige Wasserstoffver-
sorgung einschließlich Erzeugung, Verteilung, Speicherung und Auslieferung; integrierte Groß-
demonstrationen nahezu ausgereifter und fortschrittlicher Technologien unter echten Betriebsbedin-
gungen sowie Vorbereitung des Marktumfelds. Dies wird auf der Grundlage eines soliden und sich
ständig weiterentwickelnden EU-Technologiefahrplans und einer entsprechenden betriebswirt-
schaftlichen Beurteilung durchgeführt, mit genauer Beschreibung der Übergangsstrategien, lang-
fristigen Ziele und Etappenziele während der Durchführung.
• Luftfahrtindustrie und Luftverkehr
Europa muss bei den Schlüsseltechnologien weiterhin eine führende Rolle spielen, wenn es auch in
Zukunft über eine umweltverträgliche, innovative und wettbewerbsfähige Luftfahrtindustrie und
Luftverkehrsbranche verfügen soll. Die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien ist ent-
scheidend für die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Luftverkehrssektors. Ferner sind innovative
Technologien von größter Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit in Bereichen zu erhalten, in
denen ein steigender Wettbewerbsdruck herrscht, und um die Wettbewerbsfähigkeit in Bereichen
wiederzuerlangen, in denen Europa das Potenzial hat, wesentliche Marktanteile zu gewinnen, wie
z.B. Regionalverkehr. Die heutige Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Luftfahrt- und Luftver-
kehrsunternehmen – ein FTE-intensiver Wirtschaftszweig – ist nur durch erhebliche private
Forschungsinvestitionen (typischerweise 13-15 % des Umsatzes) über Jahrzehnte hinweg zustande
gekommen. Wegen der besonderen Merkmale dieser Branche sind neue Entwicklungen oft auf eine
wirksame Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor angewiesen.
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                     L 400/237
Bestimmte Aspekte der strategischen Forschungsagenda des ACARE erfordern ein hohes Maß an
Wirksamkeit und Kontinuität im Hinblick auf die Ziele, das nur durch eine gemeinsame Technolo-
gieinitiative erreicht werden kann, deren Schwerpunkt auf einem konsequenten und gezielten
Forschungsprogramm zu fortschrittlichen Technologien liegt und bei dem Aspekte wie Integration,
Validierung in großem Maßstab und Demonstration im Vordergrund stehen.
In diesem Bereich würden verschiedene Einzelthemen behandelt, wie etwa umweltverträgliche und
kostengünstige Luftverkehrssysteme (das "ökologische Luftverkehrssystem") sowie das Flugver-
kehrsmanagement zur Unterstützung der Politik des einheitlichen europäischen Luftraums und der
Initiative SESAR.
• Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES)
Europa benötigt eigene Kapazitäten auf der Grundlage einer europäischen Norm für die globale
Überwachung. Auf diesem Gebiet, auf dem seine Wettbewerber verstärkt in die Entwicklung von
Normen für globale Überwachungssysteme investieren, würde dies Europa und seiner Industrie
wesentlich helfen.
GMES ist nötig als Reaktion auf den politischen Auftrag, der in der Entschließung des Rates vom
13. November 2001 über den Start der Anfangsphase der globalen Umwelt- und Sicherheitsüber-
wachung ( GMES) 1 im Anschluss an den Gipfel von Göteborg im Juni 2001 formuliert wurde,
sowie auf den im Februar 2004 vorgelegten Aktionsplan 2 und seine Einbeziehung in die
"Wachstumsinitiative" und die Liste der Sofortmaßnahmen.
1
         ABL. C 350 vom 11. Dezember 2001, S. 4.
2
         "Globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES): Schaffung einer Europäischen
         Kapazität für GMES – Aktionsplan (2004-2008)" – Dok. KOM(2004) 65 vom 3.2.2004.
 ---pagebreak--- L 400/238       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                    30.12.2006
Die Zukunft von GMES hängt von umfangreichen langfristigen Investitionen durch (öffentliche wie
private) Benutzer und Infrastrukturanbieter ab. Daher muss GMES für eine deutliche und stimmige
Öffentlichkeitswirkung bei Nutzern, Behörden und Industrie sorgen. Unabhängig von den speziel-
len Anwendungsgebieten von GMES gehört dazu ein Bündel anerkannter Normen, Validierungs-
mechanismen und politischer Konzepte unter ungeteilter politischer Verantwortlichkeit.
Hierzu könnte eine GMES-Verwaltungsstruktur in Form einer gemeinsamen Technologieinitiative
aufgebaut werden, um alle relevanten Beteiligten mit ihren Ressourcen – insbesondere Nutzer-
verbände auf nationaler und europäischer Ebene – zusammenzubringen.
Eine gemeinsame Technologieinitiative für GMES sollte eine straffe Koordinierung der Tätigkeiten
in Bezug auf GMES sicherstellen und unter anderem folgende Aufgaben abdecken:
– Konsolidierung der Nutzeranforderungen für jeden Anwendungsbereich von GMES,
– Beaufsichtigung und Unterstützung der Entwicklung der operativen Dienste von GMES mit den
   zugehörigen Kapazitäten und Infrastrukturen,
– gegebenenfalls Validierung solcher Dienste,
– Entwicklung von Verfahren mit dem Ziel, langfristig den Zugang zu Daten sicherzustellen
   ("Kauf von Daten").
 ---pagebreak--- 30.12.2006        DE                 Amtsblatt der Europäischen Union                        L 400/239
Eine gemeinsame Technologieinitiative für GMES wäre auch ein wirksames Instrument zur Förde-
rung einer aktiven Beteiligung des Privatsektors, da sie der Industrie (einschließlich KMU) und
anderen möglichen Vertragspartnern, die über die entsprechenden Wettbewerbsverfahren zur
Durchführung von GMES beitragen möchten, als Koordinierungs- und Finanzierungsstelle dienen
würde.
GMES wird Europa eine Führungsrolle in einem Bereich der Verwaltung und Nutzung wichtiger
Infrastrukturen einschließlich strategischer Weltraumkapazitäten verschaffen. Auch könnte es eine
Grundlage für eine effiziente Nutzung endlicher natürlicher Ressourcen durch öffentliche und
private Stellen liefern. Daher wird es zur Steigerung der Produktivität in vielen Branchen beitragen,
die zuverlässige und aktuelle Informationen über vorhandene Ressourcen benötigen.
Koordinierung von Forschungsprogrammen außerhalb des Gemeinschaftsrahmens 1
Die nachstehende vorläufige Liste enthält Initiativen für die gemeinsame Durchführung nationaler
Forschungsprogramme, für die eine gesonderte Entscheidung nach Artikel 169 des Vertrags ange-
nommen werden könnte. Weitere Initiativen könnten noch während der Durchführung des Siebten
Rahmenprogramms entworfen und vorgeschlagen werden.
Im Rahmen jeder einzelnen Entscheidung würde im Falle ihrer Annahme eine spezifische Durch-
führungsstruktur errichtet, zusammen mit der organisatorischen Struktur und geeigneten Leitungs-
gremien, die für die Durchführung der Maßnahme erforderlich sind. Gemäß Anhang II könnte die
Gemeinschaft die Initiativen finanziell unterstützen und sich an der Durchführung unter Einsatz der
für die jeweilige Maßnahme am besten geeigneten Mittel beteiligen.
1
        Die Liste hat vorläufigen Charakter und die vorgeschlagenen Initiativen unterliegen
        separaten Beschlüssen auf der Grundlage des Artikels 169 (siehe Anhang I Kapitel
        "Wissenschaftliche und technologische Ziele, Grundzüge der Themen und Maßnahmen").
 ---pagebreak--- L 400/240         DE                Amtsblatt der Europäischen Union                       30.12.2006
• Initiative nach Artikel 169 auf dem Gebiet der Ostseeforschung
Ziel ist die Einleitung und Durchführung eines gemeinsamen FuE-Programms, das eine Reihe
nationaler Programme auf dem Gebiet der Meeresforschung und der nachhaltigen Entwicklung der
Ostsee zusammenführt. Im Einklang mit internationalen, europäischen und regionalen Ostsee-Über-
einkommen wird diese Initiative die Schaffung einer Plattform für die Synthese und Verbreitung
der einschlägigen Ergebnisse ermöglichen und dafür sorgen, dass die zur Unterstützung der nach-
haltigen Entwicklung der Ostsee notwendigen FuE-Arbeiten durchgeführt werden.
• Initiative nach Artikel 169 auf dem Gebiet des umgebungsunterstützten Lebens
Ein gemeinsames FuE-Programm zum umgebungsunterstützten Leben soll die nationalen
Forschungsanstrengungen darüber zusammenführen, wie die IKT die Lebensqualität älterer
Menschen verbessern und die Zeitspanne verlängern kann, während der sie unabhängig in ihrer
heimischen Umgebung leben können. Dazu gehören etwa die Hilfe bei der Durchführung täglicher
Abläufe, die Erleichterung sozialer Kontakte, die Gesundheits- und Tätigkeitsüberwachung und die
Erhöhung der Sicherheit. Der Schwerpunkt wird auf der Integration von Geräten, Systemen und
Diensten in kostengünstige, zuverlässige und vertrauenswürdige Lösungen liegen. Es soll eine
umfangreiche europäische Zusammenarbeit mit ausreichender "kritischer Masse" und einem
langfristigen Engagement erreicht werden.
• Initiative Artikel 169 auf dem Gebiet der Metrologie
Ziel ist die Einleitung und Durchführung eines gemeinsamen FuE-Programms zur Metrologie, das
eine Reihe nationaler Programme zusammenführt und es Europa ermöglichen wird, der wachsenden
Nachfrage nach modernster Messtechnik als Werkzeug der Innovation nachzukommen, das die
wissenschaftliche Forschung und die Wissenschaftspolitik unterstützt. Diese Initiative wird insbe-
sondere zur Erreichung der Ziele der nationalen europäischen Messsysteme beitragen, die über die
miteinander vernetzten nationalen Metrologielabors verfolgt werden.
 ---pagebreak--- 30.12.2006       DE                  Amtsblatt der Europäischen Union                         L 400/241
                                             ANHANG V
             Informationen, die die Kommission nach Artikel 8 Absatz 5 vorlegen muss
1.       Informationen über einzelne Projekte, die die Überwachung jedes Vorschlags während
         seiner gesamten Laufzeit ermöglichen, darunter insbesondere:
         –      unterbreitete Vorschläge;
         –      Bewertungsergebnisse für jeden Vorschlag;
         –      Finanzhilfevereinbarungen;
         –      abgeschlossene Projekte.
2.       Informationen über die Ergebnisse aller Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen
         und über die Durchführung von Projekten, darunter insbesondere:
         –      Ergebnisse jeder Aufforderung;
         –      Ergebnisse der Verhandlungen über Finanzhilfevereinbarungen;
         –      Durchführung der Projekte, einschließlich Zahlungsangaben und Projektergebnisse.
3.       Informationen über die Programmdurchführung, einschließlich Informationen, die auf
         Ebene des Rahmenprogramms, des spezifischen Programms und jedes Themenbereichs
         von Belang sind.
Diese Informationen (insbesondere zu Vorschlägen, ihrer Bewertung und Finanzhilfevereinbarun-
gen) sollten in einem Format vorgelegt werden, das einheitlich strukturiert ist, elektronisch gelesen
und verarbeitet werden kann und den Zugriff mittels eines IT-basierten Informations- und Berichts-
systems ermöglicht, das eine rasche Datenanalyse gestattet.