CELEX: 62002TJ0217
Language: de
Date: 2006-11-23
Title: Urteil des Gerichts Erster Instanz (Fünfte erweiterte Kammer) vom 23. November 2006. # Ter Lembeek International NV gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Staatliche Beihilfen - Beihilfe zugunsten der belgischen Unternehmensgruppe Beaulieu - Verzicht auf eine Forderung. # Rechtssache T-217/02.

Rechtssache T-217/02
      Ter Lembeek International NV
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Staatliche Beihilfen − Beihilfe zugunsten der belgischen Unternehmensgruppe Beaulieu − Verzicht auf eine Forderung“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Nichtigkeitsklage – Gründe – Klagegründe, die gegenüber einer Entscheidung der Kommission über staatliche Beihilfen geltend
            gemacht werden können
      (Artikel 88 Absatz 2 EG und 230 EG)
      2.      Staatliche Beihilfen – Begriff
      (Artikel 87 Absatz 1 EG)
      3.      Staatliche Beihilfen – Beeinträchtigung des Wettbewerbs
      4.      Staatliche Beihilfen – Beeinträchtigung des Handelsverkehrs zwischen Mitgliedstaaten
      (Verordnung Nr. 659/1999 des Rates, Artikel 14)
      5.      Staatliche Beihilfen – Prüfung durch die Kommission
      6.      Staatliche Beihilfen – Entscheidung der Kommission, mit der die Unvereinbarkeit einer Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt
            wird – Begründungspflicht – Umfang
      (Artikel 87 Absatz 1 EG und 253 EG)
      1.      Im Rahmen einer Nichtigkeitsklage gemäß Artikel 230 EG ist die Rechtmäßigkeit eines Gemeinschaftsrechtsakts nach dem Kenntnisstand
         zu beurteilen, der bei Erlass des Aktes vorlag. Insbesondere sind die komplexen Würdigungen, die die Kommission vorgenommen
         hat, nur anhand der Kenntnisse zu prüfen, über die sie bei der Vornahme dieser Würdigungen verfügte.
      
      Der Kommission kann also nicht vorgeworfen werden, Informationen, die ihr gegenüber in einem staatliche Beihilfen betreffenden
         Verwaltungsverfahren hätten vorgetragen werden können, aber nicht vorgetragen wurden, nicht berücksichtigt zu haben, da sie
         nicht verpflichtet ist, von Amts wegen näherungsweise zu prüfen, welche Gesichtspunkte ihr gegenüber hätten vorgetragen werden
         können.
      
      Folglich kann sich ein Kläger, der sich am förmlichen Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG beteiligt hat, nicht auf ein
         Sachverhaltsvorbringen berufen, das der Kommission nicht bekannt war und das er dieser nicht im Verlauf des förmlichen Prüfverfahrens
         mitgeteilt hatte. Dagegen ist er durch nichts daran gehindert, gegen die endgültige Entscheidung einen rechtlichen Grund vorzubringen,
         der im Verwaltungsverfahren nicht geltend gemacht worden ist.
      
      Diese Lösung lässt sich, vorbehaltlich völlig außergewöhnlicher Fälle, auf den Fall erstrecken, dass sich ein Unternehmen
         nicht am Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG beteiligt hat.
      
      Sie findet somit auf einen Kläger Anwendung, der sich, obwohl er genau wusste, dass insbesondere in Bezug auf einen Forderungsverzicht
         zu seinen Gunsten ein förmliches Verfahren eingeleitet worden war, und wie notwendig und wichtig es aufgrund der von der Kommission
         bereits geäußerten Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit dieses Forderungsverzichts mit dem Gemeinschaftsrecht war, dass
         er bestimmte Informationen lieferte, nicht am förmlichen Prüfverfahren beteiligt hat, ohne jedoch zu behaupten, dass die Entscheidung
         über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens so unzureichend begründet gewesen sei, dass er seine Rechte nicht sachgerecht
         hätte wahrnehmen können.
      
      (vgl. Randnrn. 82-85, 90, 104)
      2.      Hat eine staatliche Körperschaft, die über eine objektiv bestehende und fällige Forderung gegenüber einem Unternehmen verfügte,
         auf diese Forderung im Austausch gegen Aktien am Kapital einer Gesellschaft verzichtet, die zum Zeitpunkt der Übertragung
         wertlos waren, und hat dieses Unternehmen nicht dargetan, dass es im Anschluss an diesen Forderungsverzicht diesen Betrag
         dem Kapital einer anderen Gesellschaft zugeführt hätte, die somit dessen Empfängerin gewesen wäre, so ist davon auszugehen,
         dass das genannte Unternehmen, in dessen Vermögen dieser Betrag verblieben ist, in den Genuss einer Übertragung öffentlicher
         Mittel im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG gelangt ist.
      
      (vgl. Randnrn. 169-170)
      3.      Beihilfen, mit denen ein Unternehmen von Kosten befreit werden soll, die es normalerweise im Rahmen seines laufenden Betriebes
         oder seiner üblichen Tätigkeiten hätte tragen müssen, verfälschen grundsätzlich die Wettbewerbsbedingungen.
      
      Begünstigt eine staatliche Stelle ein Unternehmen, das in einer durch intensiven Wettbewerb gekennzeichneten Branche tätig
         ist, durch die Einräumung eines Vorteils, so liegt eine Verzerrung des Wettbewerbs oder die Gefahr einer solchen Verzerrung
         vor.
      
      Dies ist beispielsweise der Fall, wenn eine staatliche Körperschaft ohne echte Gegenleistung auf eine Forderung verzichtet,
         die sie gegen ein Unternehmen hatte, das seine Tätigkeit in einer Branche ausübt, in der ein völlig offener Wettbewerb herrscht.
      
      (vgl. Randnrn. 177-180)
      4.      Eine Beihilfe eines Mitgliedstaats beeinflusst den innergemeinschaftlichen Handel, wenn sie die Stellung eines Unternehmens
         gegenüber konkurrierenden Unternehmen im innergemeinschaftlichen Handel stärkt.
      
      Dem ist so, wenn eine Holdinggesellschaft eine Beihilfe erhält, die zu einem finanziellen Vorteil auf dem Markt führt, auf
         dem die von der Holding kontrollierten Gesellschaften tätig sind, indem sie die Stellung der Holding gegenüber anderen Unternehmen
         verbessert und ihr eine Ausweitung ihrer Ausfuhren ermöglicht.
      
      Das Verlangen der wertmäßigen Rückforderung einer solchen Beihilfe kann daher nicht als Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         sowie gegen Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/1999 über besondere Vorschriften für die Anwendung von Artikel [88 EG] betrachtet
         werden.
      
      (vgl. Randnrn. 181, 184, 198-199)
      5.      Der Kommission kann keine Diskriminierung in Form der ungleichen Behandlung vergleichbarer Sachverhalte angelastet werden,
         wenn sie bei der Ermittlung der Höhe einer staatlichen Beihilfe den für Rechtstitel, die eine Gesellschaft nacheinander erworben
         und abgetreten hat, anzusetzenden Wert nach unterschiedlichen Methoden beurteilt hat, denn diese Beurteilung betraf Werte
         zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Zusammenhängen, die zum einen durch das Vorliegen eines durch staatliche
         Regelung festgesetzten Preises und zum anderen durch die Ermittlung des Wertes anhand der wirtschaftlichen Gegebenheiten gekennzeichnet
         waren.
      
      (vgl. Randnrn. 201, 207-211, 218)
      6.      Bei der Begründungspflicht nach Artikel 253 EG handelt es sich um ein wesentliches Formerfordernis, das von der sachlichen
         Richtigkeit der Begründung zu unterscheiden ist, die zur materiellen Rechtmäßigkeit des streitigen Rechtsakts gehört. Daher
         muss die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts angepasst sein und die Überlegungen
         des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen
         ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann.
      
      Außerdem ist das Begründungserfordernis nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der
         Art der angeführten Gründe und dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere von dem Rechtsakt unmittelbar und
         individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich
         einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels
         253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontextes sowie sämtlicher
         Rechtsvorschriften auf dem betreffenden Gebiet.
      
      Wird dieser Grundsatz auf die Einstufung einer Maßnahme als Beihilfe angewandt, so müssen die Gründe angegeben werden, aus
         denen die fragliche Beihilfemaßnahme nach Ansicht der Kommission unter Artikel 87 Absatz 1 EG fällt.
      
      Falls eine Beihilfe gewährt wurde, muss die Kommission darüber hinaus die Tatsachen und rechtlichen Erwägungen, denen in der
         Systematik der Entscheidung eine wesentliche Bedeutung zukommt, hinreichend deutlich darstellen; dazu gehören insbesondere
         diejenigen, aus denen für die Klägerin und den Gemeinschaftsrichter ersichtlich ist, aus welchen Gründen die Kommission der
         Ansicht war, dass der streitige Vorgang zu einer Wettbewerbsverfälschung und Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen
         Handels führe.
      
      (vgl. Randnrn. 234-236, 246)
URTEIL DES GERICHTS (Fünfte erweiterte Kammer)
      23. November 2006(*)
      
      „Staatliche Beihilfen − Beihilfe zugunsten der belgischen Unternehmensgruppe Beaulieu − Verzicht auf eine Forderung“
      In der Rechtssache T‑217/02
      Ter Lembeek International NV mit Sitz in Wielsbeke (Belgien), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte J.-P. Vande Maele, F. Wijckmans und F. Tuytschaever,
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch G. Rozet und H. van Vliet als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung der Artikel 1 und 2 der Entscheidung 2002/825/EG der Kommission vom 24. April 2002 über die staatliche
         Beihilfe, die Belgien zugunsten der Unternehmensgruppe Beaulieu (Ter Lembeek International) (ABl. L 296, S. 60) durchgeführt
         hat,
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZ DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Fünfte erweiterte Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten M. Vilaras, der Richterin M. E. Martins Ribeiro, der Richter F. Dehousse und D. Šváby sowie
         der Richterin K. Jürimäe,
      
      Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 21. Februar 2006
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
      1        Artikel 87 Absatz 1 EG bestimmt:
      
      „Soweit in diesem Vertrag nicht etwas anderes bestimmt ist, sind staatliche oder aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfen
         gleich welcher Art, die durch die Begünstigung bestimmter Unternehmen oder Produktionszweige den Wettbewerb verfälschen oder
         zu verfälschen drohen, mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar, soweit sie den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigen.“
      
      2        Artikel 88 EG lautet:
      
      „1.      Die Kommission überprüft fortlaufend in Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten die in diesen bestehenden Beihilferegelungen.
         Sie schlägt ihnen die zweckdienlichen Maßnahmen vor, welche die fortschreitende Entwicklung und das Funktionieren des Gemeinsamen
         Marktes erfordern.
      
      2.      Stellt die Kommission fest, nachdem sie den Beteiligten eine Frist zur Äußerung gesetzt hat, dass eine von einem Staat oder
         aus staatlichen Mitteln gewährte Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt nach Artikel 87 unvereinbar ist oder dass sie missbräuchlich
         angewandt wird, so entscheidet sie, dass der betreffende Staat sie binnen einer von ihr bestimmten Frist aufzuheben oder umzugestalten
         hat.
      
      Kommt der betreffende Staat dieser Entscheidung innerhalb der festgesetzten Frist nicht nach, so kann die Kommission oder
         jeder betroffene Staat in Abweichung von den Artikeln 226 und 227 den Gerichtshof unmittelbar anrufen.
      
      Der Rat kann einstimmig auf Antrag eines Mitgliedstaats entscheiden, dass eine von diesem Staat gewährte oder geplante Beihilfe
         in Abweichung von Artikel 87 oder von den nach Artikel 89 erlassenen Verordnungen als mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar
         gilt, wenn außergewöhnliche Umstände eine solche Entscheidung rechtfertigen. Hat die Kommission bezüglich dieser Beihilfe
         das in Unterabsatz 1 dieses Absatzes vorgesehene Verfahren bereits eingeleitet, so bewirkt der Antrag des betreffenden Staates
         an den Rat die Aussetzung dieses Verfahrens, bis der Rat sich geäußert hat.
      
      Äußert sich der Rat nicht binnen drei Monaten nach Antragstellung, so entscheidet die Kommission.
      3.      Die Kommission wird von jeder beabsichtigten Einführung oder Umgestaltung von Beihilfen so rechtzeitig unterrichtet, dass
         sie sich dazu äußern kann. Ist sie der Auffassung, dass ein derartiges Vorhaben nach Artikel 87 mit dem Gemeinsamen Markt
         unvereinbar ist, so leitet sie unverzüglich das in Absatz 2 vorgesehene Verfahren ein. Der betreffende Mitgliedstaat darf
         die beabsichtigte Maßnahme nicht durchführen, bevor die Kommission eine abschließende Entscheidung erlassen hat.“
      
      3        Artikel 7 – Entscheidungen der Kommission über den Abschluss des förmlichen Prüfverfahrens – der Verordnung (EG) Nr. 659/1999
         des Rates vom 22. März 1999 über besondere Vorschriften für die Anwendung von Artikel [88 EG] (ABl. L 83, S. 1) bestimmt:
      
      „1.      Das förmliche Prüfverfahren wird unbeschadet des Artikels 8 durch eine Entscheidung nach den Absätzen 2 bis 5 dieses Artikels
         abgeschlossen.
      
      2.      Gelangt die Kommission zu dem Schluss, dass die angemeldete Maßnahme, gegebenenfalls nach entsprechenden Änderungen durch
         den betreffenden Mitgliedstaat, keine Beihilfe darstellt, so stellt sie dies durch Entscheidung fest.
      
      3.      Stellt die Kommission fest, dass, gegebenenfalls nach Änderung durch den betreffenden Mitgliedstaat, die Bedenken hinsichtlich
         der Vereinbarkeit der angemeldeten Maßnahme mit dem Gemeinsamen Markt ausgeräumt sind, so entscheidet sie, dass die Beihilfe
         mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist (nachstehend ‚Positiventscheidung‘ genannt). In der Entscheidung wird angeführt, welche
         Ausnahmevorschrift des Vertrags zur Anwendung gelangt ist.
      
      4.      Die Kommission kann eine Positiventscheidung mit Bedingungen und Auflagen verbinden, die ihr ermöglichen, die Beihilfe für
         mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar zu erklären bzw. die Befolgung ihrer Entscheidung zu überwachen (nachstehend ‚mit Bedingungen
         und Auflagen verbundene Entscheidung‘ genannt).
      
      5.      Gelangt die Kommission zu dem Schluss, dass die angemeldete Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar ist, so entscheidet
         sie, dass diese Beihilfe nicht eingeführt werden darf (nachstehend ‚Negativentscheidung‘ genannt).
      
      6.      Entscheidungen nach den Absätzen 2, 3, 4 und 5 werden erlassen, sobald die in Artikel 4 Absatz 4 genannten Bedenken ausgeräumt
         sind. Die Kommission bemüht sich darum, eine Entscheidung möglichst innerhalb von 18 Monaten nach Eröffnung des Prüfverfahrens
         zu erlassen. Diese Frist kann von der Kommission und dem betreffenden Mitgliedstaat einvernehmlich verlängert werden.
      
      7.      Ist die Frist nach Absatz 6 abgelaufen, so erlässt die Kommission auf Wunsch des betreffenden Mitgliedstaats innerhalb von
         zwei Monaten auf der Grundlage der ihr zur Verfügung stehenden Informationen eine Entscheidung. Reichen die ihr vorgelegten
         Informationen nicht aus, um die Vereinbarkeit festzustellen, so erlässt die Kommission gegebenenfalls eine Negativentscheidung.“
      
      4        Artikel 13 – Entscheidungen der Kommission – der Verordnung Nr. 659/1999 lautet:
      
      „1.      Nach Prüfung einer etwaigen rechtswidrigen Beihilfe ergeht eine Entscheidung nach Artikel 4 Absätze 2, 3 oder 4. Bei Entscheidungen
         zur Eröffnung eines förmlichen Prüfverfahrens wird das Verfahren durch eine Entscheidung nach Artikel 7 abgeschlossen. Bei
         Nichtbefolgung der Anordnung zur Auskunftserteilung wird die Entscheidung auf der Grundlage der verfügbaren Informationen
         erlassen.
      
      2.      Bei etwaigen rechtswidrigen Beihilfen ist die Kommission – unbeschadet des Artikels 11 Absatz 2 – nicht an die in Artikel
         4 Absatz 5 und Artikel 7 Absätze 6 und 7 genannte Frist gebunden.
      
      3.      Artikel 9 gilt entsprechend.“
      5        Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/1999, der die Rückforderung von Beihilfen betrifft, sieht vor:
      
      „1.      In Negativentscheidungen hinsichtlich rechtswidriger Beihilfen entscheidet die Kommission, dass der betreffende Mitgliedstaat
         alle notwendigen Maßnahmen ergreift, um die Beihilfe vom Empfänger zurückzufordern (nachstehend ‚Rückforderungsentscheidung‘
         genannt). Die Kommission verlangt nicht die Rückforderung der Beihilfe, wenn dies gegen einen allgemeinen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts
         verstoßen würde.
      
      2.      Die aufgrund einer Rückforderungsentscheidung zurückzufordernde Beihilfe umfasst Zinsen, die nach einem von der Kommission
         festgelegten angemessenen Satz berechnet werden. Die Zinsen sind von dem Zeitpunkt, ab dem die rechtswidrige Beihilfe dem
         Empfänger zur Verfügung stand, bis zu ihrer tatsächlichen Rückzahlung zahlbar.
      
      3.      Unbeschadet einer Entscheidung des Gerichtshofes der Europäischen Gemeinschaften nach Artikel [242] des Vertrags erfolgt die
         Rückforderung unverzüglich und nach den Verfahren des betreffenden Mitgliedstaats, sofern hierdurch die sofortige und tatsächliche
         Vollstreckung der Kommissionsentscheidung ermöglicht wird. Zu diesem Zweck unternehmen die betreffenden Mitgliedstaaten im
         Fall eines Verfahrens vor nationalen Gerichten unbeschadet des Gemeinschaftsrechts alle in ihren jeweiligen Rechtsordnungen
         verfügbaren erforderlichen Schritte einschließlich vorläufiger Maßnahmen.“
      
       Nationales Recht
      6        Artikel 1 des Koninklijk Besluit (Königliche Verordnung) vom 7. Mai 1985 über die Ausgabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht
         durch Aktiengesellschaften der öffentlichen Hand (Belgisch Staatsblad  vom 11. Mai 1985, S. 6873, im Folgenden: Königliche Verordnung von 1985) bestimmt:
      
      „Die Aktiengesellschaften [bestimmter Bereiche] können unter den in dieser Verordnung festgelegten Bedingungen Aktien ausgeben,
         die ihr Kapital darstellen und nicht mit einem Stimmrecht ausgestattet sind, im Folgenden ‚Vorzugsaktien ohne Stimmrecht‘
         genannt.“
      
      7        Artikel 2 der Königlichen Verordnung von 1985 sieht u. a. vor, dass die Nationale Maatschappij voor de Herstructurering van
         de Nationale Sectoren (im Folgenden: NMNS) solche Vorzugsaktien ohne Stimmrecht zeichnen kann.
      
      8        Artikel 3 der Königlichen Verordnung von 1985 bestimmt: 
      
      „Unbeschadet der in dieser Verordnung vorgesehenen Voraussetzungen sind die Regeln für die Ausgabe von Vorzugsaktien ohne
         Stimmrecht, die Bedingungen und Modalitäten hierfür sowie die mit diesen Aktien verknüpften Rechte Gegenstand einer Übereinkunft,
         die zwischen der ausgebenden Gesellschaft und den in Artikel 2 genannten juristischen Personen, die diese Aktien zeichnen,
         geschlossen wird, und werden in die Statuten der ausgebenden Gesellschaft aufgenommen. In der Übereinkunft wird außerdem festgelegt,
         unter welchen Voraussetzungen die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht von der ausgebenden Gesellschaft zurückgekauft oder von Dritten
         erworben werden können. Der Preis darf 80 % des Ausgabepreises nicht unterschreiten.
      
      Die in Absatz 1 genannte Übereinkunft bedarf der vorherigen Genehmigung durch den Finanz-, den Wirtschafts- und den Haushaltsminister.“
      9        Artikel 4 der Königlichen Verordnung von 1985 sieht vor:
      
      „Für die Ausgabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht gelten folgende Bedingungen:
      1.      die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht sind und bleiben Namensaktien;
      2.      sie dürfen nicht mehr als 49 % des gezeichneten Kapitals vertreten;
      3.      bei der Gewinnverteilung verleihen sie, ungeachtet anderslautender Bestimmungen in den Statuten … Anspruch auf eine Vorzugsdividende
         von 2 % ihres tatsächlich entrichteten Ausgabepreises;
      
      4.      sie sind, ungeachtet anderslautender Bestimmungen in den Statuten, bei der Rückzahlung der Einlage bevorzugt, unbeschadet
         des Anspruchs, der ihnen in den Statuten bei der Verteilung der Liquidationserlöse zuerkannt werden kann.
      
      …“
       Sachverhalt
       Unternehmensgruppe Verlipack und Unternehmensgruppe Beaulieu
      10      Bis zur Konkurserklärung vom 18. Januar 1999 war die Unternehmensgruppe Verlipack der größte belgische Hersteller von Verpackungshohlgläsern
         mit einem Marktanteil von 20 % in Belgien und von 2 % in der Europäischen Union. In ihren Werken Ghlin, Jumet und Mol (Belgien)
         hatte sie 735 Beschäftigte.
      
      11      Die Unternehmensgruppe Beaulieu, die Bezeichnung für eine belgische Holding von Firmen, die im Bereich Teppiche und Chemiefasern
         tätig sind, ist zweitgrößter Teppichhersteller der Welt und Europas führender Teppichhersteller. Die Gruppe untersteht der
         Holding Ter Lembeek International NV.
      
       Zeit vor der Übernahme von Aktien der Unternehmensgruppe Verlipack durch die Unternehmensgruppe Beaulieu: Übereinkunft vom
            30. April 1985 zwischen der Unternehmensgruppe De Backer (Adsum) und der NMNS
      12      Verlipack fiel im Jahr 1985 in Konkurs und ihr mit 410 Millionen Belgischen Franken (BEF) bewertetes Betriebsvermögen wurde
         von der Adsum SA, einer zur Unternehmensgruppe De Backer gehörenden Gesellschaft, übernommen, die keinerlei Verbindung zur
         Klägerin aufweist.
      
      13      Aufgrund einer Übereinkunft vom 30. April 1985 brachte Adsum dieses Betriebsvermögen in drei neue Gesellschaften ein, die
         Verlipack Mol NV, die Verlipack Jumet SA und die Verlipack Ghlin SA, an deren Kapital sich auch die NMNS mit einem Betrag
         von 620 020 000 BEF beteiligte. Diese erhielt im Gegenzug zu ihrer Einlage zum Gesellschaftskapital Aktien der so genannten
         „Kategorie B“ ohne Stimmrecht und mit einem Nennwert von jeweils 10 000 BEF sowie im Gegenzug zu einer nicht zum Gesellschaftskapital
         zählenden Einlage Gewinnanteilscheine der so genannten „Kategorie I“ und der „Kategorie II“. 1985 hielt die NMNS eine 49%ige
         Kapitalbeteiligung an der Unternehmensgruppe, die einzig Aktien der Kategorie B entsprach [Artikel 3 Nummer 1 Buchstabe a
         der Übereinkunft vom 30. April 1985]. Die Kommission hatte diese Beteiligung gebilligt.
      
      14      Nach einem Sondergesetz vom 15. Januar 1989 erwarben die Region Wallonien die Rechtstitel ohne Stimmrecht an den in ihrem
         Sprachraum gelegenen Standorten Ghlin und Jumet, und die Region Flandern die Rechtstitel am Standort Mol.
      
      15      Artikel 10 der Übereinkunft vom 30. April 1985 sah vor:
      
      „Adsum wird sich bemühen, die im Einvernehmen mit der [NMNS] zu bestimmenden Gesellschaften zu veranlassen, jährlich, und
         zwar erstmals fünf Jahre nach Abschluss der vorliegenden Übereinkunft, ein Angebot über den Rückkauf von mindestens 10 % der
         Aktien der Kategorie B und 10 % der Gewinnanteilscheine der Kategorie I abzugeben, soweit der Gewinnvortrag und die verfügbaren
         Rücklagen der Gesellschaften dies erlauben.
      
      Der Rückkaufpreis wird dem Nennwert dieser Aktien entsprechen und 10 000 BEF je Anteilsschein der Kategorie I betragen. 
      Kommt es nicht zu solchen Vereinbarungen zwischen den Gesellschaften und der [NMNS], wird auf jeden Fall Adsum die in diesem
         Artikel vorgesehenen Verpflichtungen erfüllen.“
      
      16      In Artikel 11 sah diese Übereinkunft weiter vor:
      
      „Adsum verpflichtet sich, den einzelnen Gesellschaften eine Option für den Kauf der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine
         der Kategorie I einzuräumen. Zu diesem Zweck verpflichtet sie sich zum Abschluss einer Vereinbarung mit jeder einzelnen Gesellschaft,
         in der der Inhalt des Anhangs 1 der vorliegenden Übereinkunft wiedergegeben ist.“
      
      17      In Artikel 14 Absatz 2 der Übereinkunft vom 30. April 1985 hieß es:
      
      „Soweit eine Abtretung von Aktien, die Adsum an den Gesellschaften hält, zu einem Wechsel bei der Aufsicht und/oder in der
         Leitung der Gesellschaften führen würde, bedarf diese Abtretung der Zustimmung der [NMNS].“
      
      18      Artikel 16 der Übereinkunft vom 30. April 1985 bestimmte:
      
      „Die Statuten der [Verlipack]-Gesellschaften werden geändert, um den Bestimmungen der vorliegenden Übereinkunft Rechnung zu
         tragen.“
      
      19      Von der Kommission unwidersprochen trägt die Klägerin vor, sie sei an der Ausarbeitung der Übereinkunft vom 30. April 1985
         nicht beteiligt gewesen, da sie zu jener Zeit entgegen der Aussage in Randnummer 7 der Entscheidung 2002/825/EG über die staatliche
         Beihilfe, die Belgien zugunsten der Unternehmensgruppe Beaulieu (Ter Lembeek International) durchgeführt hat (ABl. L 296,
         S. 60, im Folgenden: angefochtene Entscheidung), nicht Aktionärin der Verlipack-Gesellschaften gewesen sei.
      
       Übernahme von Aktien der Unternehmensgruppe Verlipack durch die Unternehmensgruppe Beaulieu und Nachtrag vom 18. November
            1987 zur Übereinkunft vom 30. April 1985
      20      In der Zeit von 1985 bis 1987 trat Adsum ihre Beteiligungen (51 %) an den drei Verlipack-Gesellschaften an eine weitere ihrer
         Tochtergesellschaften, die Imcour NV, ab, die der Übereinkunft vom 30. April 1985 beitrat und die am 25. Juni 1987 zum Zwecke
         ihrer Aufspaltung in drei Gesellschaften, nämlich die Imcour Holding NV, die Imcour Lease NV und die Patrimcour NV, in Liquidation
         überführt wurde. Die Anteile an den Gesellschaften Verlipack Jumet, Verlipack Ghlin und Verlipack Mol wurden dem Vermögen
         der Imcour Holding zugeführt.
      
      21      Bei der Aufspaltung von Imcour 1987 übernahm die Unternehmensgruppe Beaulieu von der Unternehmensgruppe De Backer die Anteile
         an der Imcour Holding zu einem Preis von 425 Millionen BEF und wurde so mittelbare Eigentümerin der Gesellschaften Verlipack
         Jumet, Verlipack Ghlin und Verlipack Mol.
      
      22      Im Übrigen genehmigte die NMNS mit Nachtrag vom 18. November 1987 zur Übereinkunft vom 30. April 1985 und gemäß Artikel 14
         Absatz 2 der Übereinkunft vom 30. April 1985 die (mittelbare) Übertragung der drei Verlipack-Gesellschaften auf die Unternehmensgruppe
         Beaulieu unter der Bedingung, dass die Imcour Holding und Herr De Clerck der Übereinkunft vom 30. April 1985 beitreten. Darüber
         hinaus verlangte die NMNS, dass sich die Unternehmensgruppe Beaulieu verpflichte, die Tätigkeit der drei Verlipack-Gesellschaften
         zwei weitere Jahre fortzusetzen. Dieser Nachtrag wurde von allen Beteiligten, also von Adsum, der NMNS, der Imcour Holding,
         Herrn De Clerck und Herrn De Backer unterzeichnet.
      
      23      Artikel 3 des Nachtrags vom 18. November 1987 lautet:
      
      „Die Unterzeichneten Imcour NV und R. De Clerck verpflichten sich unwiderruflich, ab dem 1. Oktober 1987 alle für die Adsum
         NV und Herrn De Backer an diesem Tag bestehenden Verpflichtungen in der in der Übereinkunft vom 30. April 1985 und ihrem Anhang
         festgelegten Form zu übernehmen und zu erfüllen.“ 
      
      24      In Artikel 4 dieses Nachtrags hieß es:
      
      „Aufgrund der Artikel 1 und 3 ist ab dem 1. Oktober 1987 in der Übereinkunft vom 30. April 1985 und in ihrem Anhang ‚Imcour
         NV‘ anstelle von ‚Adsum NV‘ und ‚R. De Clerck’ anstelle von ‚W. De Backer’ zu lesen … “
      
      25      Artikel 5 dieses Nachtrags bestimmte:
      
      „Der Anspruch auf die Rückkaufoption bleibt nach den im Anhang zur Übereinkunft vom 30. April 1985 vorgesehenen Modalitäten
         für die SA Verlipack Ghlin, Mol und Jumet bestehen.“
      
       Die in der Übereinkunft vom 30. April 1985 enthaltene Verpflichtung der drei Verlipack-Gesellschaften zum Rückkauf der Aktien
            und Gewinnanteilscheine von der NMNS
      26      Als am 1. Mai 1990 der in Artikel 10 der Übereinkunft vom 30. April 1985 vorgesehene Fünfjahreszeitraum abgelaufen war, stand
         die Erfüllung der Verpflichtung zum Rückkauf von 10 % der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der Kategorie
         I an. Wie die Klägerin von Kommission unwidersprochen vorträgt, verlangten die belgischen Behörden von den drei Verlipack-Gesellschaften
         die Erfüllung der Verpflichtung zum Rückkauf ihrer Aktien der Kategorie B und ihrer Gewinnanteilscheine der Kategorie I. Wegen
         ihrer Finanzschwäche musste die Unternehmensgruppe Beaulieu dabei nach einem sehr genauen Zeitplan vorgehen. Zwischen April
         1991 und April 1994 zahlte die Unternehmensgruppe Beaulieu in fünf Raten (April 1991, Mai 1991, April 1992, April 1993 und
         April 1994) 213 100 000 BEF an den öffentlichen Anteilseigner.
      
      27      Nach diesem Rückkauf hielt die NMNS (für die Region Wallonien inzwischen die Société de gestion des participations de la Région
         wallonne dans des sociétés commerciales [Gesellschaft zur Verwaltung der Beteiligungen der Region Wallonien an Handelsgesellschaften],
         im Folgenden: Sowagep) an der Verlipack Ghlin SA noch 5 087 Aktien der Kategorie B ohne Stimmrecht und 3 937 Gewinnanteilscheine
         der Kategorie I, insgesamt also 9 024 Wertpapiere, die über einen Zeitraum von fünf Jahren zu einem in der Übereinkunft vom
         30. April 1985 vorgesehenen einheitlichen Nennwert von 10 00 BEF, d. h. zu einem Gesamtpreis von 90 240 000 BEF zurückzukaufen
         waren, und an der Verlipack Jumet SA 2 923 Aktien der Kategorie B ohne Stimmrecht und 2 267 Gewinnanteilscheine der Kategorie
         I, insgesamt also 5 190 Wertpapiere, die über einen Zeitraum von fünf Jahren zu einem in der Übereinkunft vom 30. April 1985
         vorgesehenen einheitlichen Nennwert von 10 000 BEF, d. h. zu einem Gesamtpreis von 51 900 000 BEF zurückzukaufen waren. Der
         Preis für die Gesamtheit dieser 14 214 Aktien und Gewinnanteilscheine belief sich somit auf 142 140 000 BEF.
      
      28      Nach verschiedenen Kapitalerhöhungen durch den privaten Aktionär (Imcour Holding, jetzt: Imcopack Wallonie SA, Inhaberin der
         Produktionsstätten Ghlin und Jumet, und Imcopack Vlaanderen NV, Inhaberin der Produktionsstätte Mol) wurde der Anteil der
         öffentlichen Finanzierung in der Unternehmensgruppe Verlipack schrittweise so weit abgebaut, dass am Ende dieses fortschreitenden
         Rückzugs die öffentliche Hand nur noch 20,7 % des Kapitals dieser Unternehmensgruppe hielt.
      
       Beihilfen von 1992 an die Unternehmensgruppe Verlipack 
      29      1992 kam die Unternehmensgruppe Verlipack in Anwendung einer Regionalbeihilferegelung in den Genuss zweier Investitionsbeihilfen
         in Höhe von insgesamt 502 122 500 BEF. Im Übrigen war der Beschluss der (mit Gesetz vom 2. April 1962 gegründeten) Société
         Régionale d’investissement, ein konvertibles Beteiligungsdarlehen in Höhe von 500 Millionen BEF zu gewähren, Gegenstand einer
         am 25. November 1992 erlassenen Entscheidung der Kommission, keine Einwände zu erheben (ABl. 1993, C 83, S. 3); dieses Darlehen
         wurde allerdings nicht freigegeben.
      
      30      Nach den Erläuterungen der belgischen Regierung im Laufe des Verfahrens, das zur Entscheidung 2001/856/EG vom 4. Oktober 2000
         über die staatlichen Beihilfen zugunsten von Verlipack – Belgien (ABl. 2001, L 320, S. 28) führte, hatte die Unternehmensgruppe
         Verlipack Probleme, die hauptsächlich durch die Qualität ihres Managements und insbesondere ihrer Produktion bedingt waren,
         so dass die Unternehmensgruppe Beaulieu die Last und das Management ihres Investitionsprogramms in Höhe von 5 500 Millionen
         BEF nicht allein tragen konnte, was erklärte, warum die Region Wallonien die genehmigten Beihilfen nicht auszahlte.
      
       Übernahme von Aktien der Unternehmensgruppe Verlipack durch die Unternehmensgruppe Heye-Glas
      31      Im Jahr 1996 weiteten sich die Verluste der drei Verlipack-Gesellschaften weiter aus, so dass sie nicht in der Lage waren,
         Ende 1996 die fälligen Bankdarlehen zurückzuzahlen. Daraufhin beschloss die Unternehmensgruppe Beaulieu, die Kapitalbeteiligungen
         umzustrukturieren und mit der deutschen Heye-Glas-Gruppe (im Folgenden: Heye), einem der führenden deutschen Glashersteller,
         zu verhandeln.
      
      32      Am 1. September 1996 unterzeichneten die Unternehmensgruppe Verlipack und Heye eine Vereinbarung über technische Zusammenarbeit,
         die am 11. April 1997 auf eine Unterstützung im Bereich Management und Finanzen ausgedehnt wurde, in deren Rahmen Heye unmittelbaren
         Einfluss auf Management und Leitung der Unternehmensgruppe Verlipack nahm.
      
       Übereinkunft vom 18. Dezember 1996
      33      Mit der zwischen der Klägerin und der Sowagep geschlossenen Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 übernahm die Unternehmensgruppe
         Beaulieu die von der Sowagep gehaltenen Aktien und Gewinnanteilscheine der Gesellschaften Verlipack Ghlin und Verlipack Jumet.
         Nach dieser Übereinkunft erwarb die Klägerin von der Sowagep nämlich folgende Beteiligungen: 5 087 Aktien der Kategorie B
         ohne Stimmrecht und 3 937 Gewinnanteilscheine der Kategorie I der Gesellschaft Verlipack Ghlin im Gegenzug zur Zahlung von
         72 192 000 BEF sowie 2 923 Aktien der Kategorie B ohne Stimmrecht und 2 267 Gewinnanteilscheine der Kategorie I der Gesellschaft
         Verlipack Jumet im Gegenzug zur Zahlung von 41 520 000 BEF, insgesamt also 14 214 Aktien und Gewinnanteilscheine zu einem
         Preis von 113 712 000 BEF, der „netto zinslos am 31. Dezember 2001“ an die Sowagep zu zahlen war.
      
       Gründung von Verlipack Holding I und Verlipack Holding II
      34      Die Unternehmensgruppe Beaulieu und Heye gründeten am 24. Januar 1997 eine übergeordnete Holding, Verlipack Holding I. Das
         Gesellschaftskapital von Verlipack Holding I betrug 1 030 500 000 BEF und setzte sich zusammen aus 515 500 000 BEF, die von
         Heye eingebracht wurden, während der andere Teil aus der von der Unternehmensgruppe Beaulieu eingebrachten gesamten Ausstattung
         der drei Produktionsstätten bestand, die einen Wert von 515 Millionen BEF hatte. Am 11. April 1997 wurde eine zweite Holding
         gegründet, Verlipack Holding II, mit einer Kapitalausstattung von 1 230 500 000 BEF (Verlipack Holding I hielt 100 000 Aktien
         im Wert von 1 030 500 000 BEF und die Sowagep hielt 19 408 Aktien im Wert von 200 Millionen BEF). Die Leitungsfunktionen des
         gesamten neuen Industriekonzerns konzentrierten sich auf der Ebene von Verlipack Holding II, in der Heye die Mehrheit hatte,
         wobei die verschiedenen Abteilungen in der gesamten Gruppe unter derselben Leitung standen.
      
       Situation der Gesellschaften der Unternehmensgruppe Verlipack im Jahr 1997
      35      Die von Heye und Verlipack angekündigten Ergebnisse verschlechterten sich 1997 erheblich. Am 30. November 1997 wies die vorläufige
         konsolidierte, „ungeprüfte“ Situation für dieses Jahr einen Nettoverlust von 828 592 044 BEF auf.
      
       Vereinbarung (Heads of Agreement) zur Wiederbelebung vom 5. Juni 1998 
      36      Am 5. Juni 1998 wurde wegen der Verschlechterung der Situation der Gesellschaften der Unternehmensgruppe Verlipack von den
         Partnern (Banken, Unternehmensgruppe Beaulieu, Heye und Sowagep) eine Vereinbarung (Heads of Agreement) zur Wiederbelebung
         geschlossen. Diese Vereinbarung sah für Heye eine Einlage in Höhe von 200 Millionen BEF und für die Region Wallonien zum einen
         die Umwandlung des Verlipack Holding II von dieser Region 1997 gewährten Beteiligungsdarlehens von 150 Millionen BEF in Kapital
         und zum anderen eine Kapitalerhöhung von 100 Millionen BEF bei Verlipack Holding II vor, für die die Region Wallonien einen
         privaten Investor finden musste. Den belgischen Behörden zufolge (Schreiben vom 11. Januar 2001, eingegangen am 15. Januar
         2001) schlug die Unternehmensgruppe Beaulieu hinsichtlich der Suche nach einem neuen Investor vor, dieser Verpflichtung selbst
         nachzukommen, „sofern diese Intervention nur befristet ist und eine Erstattung durch den neuen Investor erfolgt, der von der
         [Sowagep] gesucht werden muss“, damit der Wiederbelebungsplan sofort umgesetzt werden konnte. Darüber hinaus habe die Unternehmensgruppe
         Beaulieu, für die die „Heads of Agreement“ den Verzicht auf eine Forderung von 600 Millionen BEF vorgesehen hätten, großes
         Interesse daran, dass der Plan zu den beabsichtigten Ergebnissen führen würde.
      
      37      Nach dem Protokoll der außerordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre von Verlipack Holding II vom 26. Juni 1998 wurde eine
         Erhöhung des Kapitals beschlossen, bei der Heye 200 Millionen BEF für 19 408 neue Aktien und Worldwide Investors Luxembourg
         (im Folgenden: Worldwide Investors) 100 Millionen BEF für 9 704 neue Aktien einbrachten. Worldwide Investors, die von der
         Unternehmensgruppe Beaulieu gefunden worden waren, nahmen nach Angaben der belgischen Regierung die Kapitalerhöhung für diese
         Unternehmensgruppe vor.
      
       Nachtrag vom 20. November 1998 zur Übereinkunft vom 18. Dezember 1996
      38      Da der neue Wiederbelebungsplan am 20. November 1998 noch nicht zu den beabsichtigten Ergebnissen geführt hatte und die Region
         Wallonien daher keinen neuen privaten Investor finden konnte, beschlossen sie und die Unternehmensgruppe Beaulieu, den Wortlaut
         der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 durch einen Nachtrag zu ändern (im Folgenden: Nachtrag vom 20. November 1998), wonach
         die Bezahlung der von Beaulieu in Durchführung der Vereinbarung vom 18. Dezember 1996 für 113 712 000 BEF erworbenen Aktien
         der Gesellschaften Verlipack Ghlin und Verlipack Jumet spätestens am 31. Dezember 2001 „entweder durch Überweisung auf das
         Konto [der Region Wallonien] oder durch Überlassung an Zahlungs statt von 9 704 Kapitalaktien von Holding Verlipack SA II
         erfolgen“ sollte.
      
      39      Am 21. Dezember 1998 trat Worldwide Investors der Unternehmensgruppe Beaulieu 9 704 Aktien von Verlipack Holding II ab. Dafür
         trat die Unternehmensgruppe Beaulieu der Firma Worldwide Investors 9 704 Aktien von Verlipack Holding I ab. Anschließend überließ
         die Unternehmensgruppe Beaulieu der Region Wallonien zwischen dem 21. und dem 31. Dezember 1998 9 704 Aktien von Verlipack
         Holding II „im Gegenzug zum Verzicht auf die Forderung der Region an der Unternehmensgruppe Beaulieu“.
      
      40      Diese letztgenannte Abtretung, die Gegenstand des Nachtrags vom 20. November 1998 ist, erfolgte wenige Wochen vor der Veröffentlichung
         der Bilanz von Verlipack in der Form einer Überlassung an Zahlungs statt zur Tilgung der Schulden, die die Unternehmensgruppe
         Beaulieu bei der Region Wallonien gemacht hatte und die sich aus dem Erwerb der im Dezember 1996 von dieser gehaltenen Verlipack-Aktien
         durch diese Unternehmensgruppe ergaben; diese Aktien waren mit 113 712 000 BEF bewertet; die zinslose Tilgung sollte erst
         am 31. Dezember 2001 beginnen.
      
      41      Am 8. Januar 1999 beantragte Verlipack den gerichtlichen Vergleich für die Fabriken in Jumet und Ghlin und kündigte die Einstellung
         der Tätigkeit der Fabrik in Mol an. Die Rechtbank van Koophandel te Turnhout (Belgien) erklärte am 11. Januar 1999 den Konkurs
         des Verlipack-Werks in Mol und die Rechtbank van Koophandel te Bergen (Belgien) erklärte am 18. Januar 1999 den Konkurs der
         sechs Firmen des Glaskonzerns Verlipack (die Produktionsstätten in Ghlin und Jumet, Verlipack Belgium, Verlipack Engineering,
         Verlimo und Imcour Lease).
      
      42      Die Verlipack Holding II musste feststellen, dass sie nicht mehr liquide genug war bzw. keine ausreichenden Aktiva mehr zur
         Verfügung hatte, um ihre Schulden zu decken, meldete am 11. Februar 1999 vor der Rechtbank van Koophandel te Bergen Konkurs
         an und gab an, dass es schon im Juni 1998 zur Einstellung der Zahlungen gekommen sei. Vor diesem Gericht bekundete die Sowagep
         ihren Verzicht auf die Beitreibung ihrer Forderungen, was die Wirkung einer Kreditgewährung an ihre Schuldnerin hatte. Daraufhin
         stellte die Rechtbank mit Urteil vom 31. Mai 1999 fest, dass die Voraussetzungen für einen Konkurs in der Sache Verlipack
         Holding II nicht gegeben seien, auch wenn sich die künftige Tätigkeit der Firma wegen Wegfalls ihres Gesellschaftszwecks auf
         ihre Abwicklung reduziere.
      
       Entscheidung 2001/856 und förmliches Prüfverfahren das zur angefochtenen Entscheidung führte
      43      Mit Entscheidung 2001/856 beschloss die Kommission, das Verfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG in Bezug auf einige der Beihilfen,
         die das Königreich Belgien zugunsten der Unternehmensgruppe Verlipack gewährt hatte, abzuschließen. Gleichzeitig widerrief
         sie ihre Entscheidung vom 16. September 1998, in der sie gegen einen Teil dieser Beihilfen keine Einwände erhoben hatte (ABl.
         1999, C 29, S. 13), mit der Begründung, die Entscheidung vom 16. September 1998 habe auf fehlerhaften Angaben beruht, erklärte
         einen Teil dieser Beihilfen für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar und verlangte deren Rückforderung. 
      
      44      Das Königreich Belgien erhob eine Nichtigkeitsklage gegen diese Entscheidung vor dem Gerichtshof, die dieser mit Urteil vom
         3. Juli 2003 in der Rechtssache C‑457/00 (Belgien/Kommission, Slg. 2003, I‑6931) abwies.
      
      45      Im Verlauf der Prüfung der Beihilfe, die zur Entscheidung 2001/856 führte, erhielt die Kommission Kenntnis von weiteren Maßnahmen,
         die eine Beihilfe zugunsten der Unternehmensgruppe Verlipack oder der Unternehmensgruppe Beaulieu darstellen könnten.
      
      46      Im Rahmen seiner Antwort auf die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens, das zur Annahme der Entscheidung 2001/856 führte,
         hatte das Königreich Belgien mit Schreiben vom 28. September 1999 die Kommission darauf hingewiesen, dass die Überlassung
         an Zahlungs statt im Dezember 1998 zur Tilgung der Schulden der Unternehmensgruppe Beaulieu bei der Region Wallonien als „von
         Beaulieu finanzierte neuerliche Erhöhung des Kapitals von Verlipack“ zu betrachten und diese „durch die Tilgung ihrer Schulden
         bei der Region Wallonien abgegolten“ worden sei.
      
      47      Mit Schreiben an das Königreich Belgien vom 5. Juli 2000 erklärte die Kommission u. a., sie habe Bedenken hinsichtlich einer
         möglichen Beihilfe der Region Wallonien zugunsten der Unternehmensgruppe Beaulieu, weil diese Gruppe beim Erwerb der Anteile
         an den Produktionsstätten Jumet und Ghlin im Dezember 1996 Zahlungsbedingungen erhalten habe, die für einen privaten Kapitalgeber
         nicht annehmbar wären. Außerdem sei fraglich, ob die wenige Wochen vor der Veröffentlichung der Bilanz von Verlipack erfolgte
         Überlassung an Zahlungs statt nicht eine Beihilfe zugunsten der Unternehmensgruppe Beaulieu gewesen sei.
      
      48      Vor diesem Hintergrund bat die Kommission das Königreich Belgien um Auskünfte zu folgenden Punkten: „Tätigkeit von Worldwide
         Investors, Tätigkeit der Sowagep bei der Suche nach einem privaten Investor, Verwendung der von Worldwide Investors im Juni
         1998 gezeichneten 100 Mio. BEF, eine Erklärung zu der Wertdifferenz der von der Unternehmensgruppe Beaulieu 1996 erworbenen
         14 214 Aktien, eine Erklärung darüber, dass die deutsche Heye-Gruppe keine Kenntnis von diesen Transaktionen hatte, die auch
         eine Intervention der wallonischen Behörden umfassten, eine Erklärung über die der Unternehmensgruppe Beaulieu eingeräumte
         zinslose Zahlungsfrist von vier Jahren für die Bezahlung der 14 214 Aktien sowie zu den Umständen, die die Region Wallonien
         wenige Wochen vor Veröffentlichung der Bilanz der Verlipack-Produktionsstätten und folglich in vollständiger Kenntnis der
         defizitären Situation von Verlipack veranlassten, die Tilgung dieser Schuld im Voraus zu akzeptieren.“ In demselben Schreiben
         fragte die Kommission nach der Ermittlung des tatsächlichen Nutznießers der Verlipack-Kapitalerhöhung, zu der sich Worldwide
         Investors im Juni 1998 verpflichtet hatte.
      
      49      In Ermangelung einer belgischen Antwort auf dieses Schreiben vom 5. Juli 2000 schickte die Kommission am 29. September 2000
         ein Erinnerungsschreiben. Da das Königreich Belgien die erbetenen Auskünfte nicht fristgerecht erteilte, forderte die Kommission
         mit Schreiben vom 19. Januar 2001 Belgien gemäß Artikel 10 Absatz 3 der Verordnung Nr. 659/1999 förmlich auf, alle Dokumente,
         Auskünfte und Daten zu liefern, die für die Prüfung der Vereinbarkeit der zugunsten von Verlipack oder der Unternehmensgruppe
         Beaulieu vereinbarten Maßnahmen mit Artikel 87 EG erforderlich waren.
      
      50      Jedoch noch bevor dies dem Königreich Belgien zur Kenntnis gegeben wurde, beantwortete dieses mit Schreiben vom 11. Januar
         2001, eingegangen am 15. Januar 2001, das Schreiben der Kommission vom 5. Juli 2000 dahin, dass trotz der schlechten Ergebnisse
         von Verlipack im Jahr 1997 ab März 1998 dank einer erheblichen Produktivitätssteigerung eine Verringerung der Verluste festzustellen
         gewesen sei. Belgien gab weiter an, dass die privaten und öffentlichen Partner mit einer Vereinbarung (Heads of Agreement)
         vom 5. Juli 1998 beschlossen hätten, einen neuen Wiederbelebungsplan anzunehmen. Die Antwort auf die Aufforderung der Kommission
         sei wegen mangelnder Zusammenarbeit der Unternehmensgruppe Beaulieu zwangsläufig unvollständig gewesen.
      
      51      Im Licht der vorhandenen Informationen kam die Kommission am 6. Juni 2001 zu dem Ergebnis, der erwähnte Forderungsverzicht
         sei mit einem dem belgischen Staat anzulastenden Transfer öffentlicher Mittel gleichzusetzen, der prima facie eine staatliche
         Beihilfe im Sinne von Artikel 87 EG darstelle. Ferner hielt die Kommission die Vereinbarkeit der Beihilfen, die der Unternehmensgruppe
         Verlipack oder der Unternehmensgruppe Beaulieu zugute kamen, mit Artikel 87 EG und mit Artikel 61 des Abkommens über den Europäischen
         Wirtschaftsraum für fraglich, leitete infolgedessen wegen dieser Beihilfen das in Artikel 88 Absatz 2 EG vorgesehene förmliche
         Prüfverfahren ein, wovon sie das Königreich Belgien mit Schreiben vom 8. Juni 2001 in Kenntnis setzte, und forderte die Beteiligten
         zur Stellungnahme auf (ABl. 2001, C 313, S. 2).
      
      52      Die Interessengemeinschaft der entlassenen Verlipack-Arbeitnehmer in Jumet und Ghlin mit Schreiben vom 3. Dezember 2001, das
         Vereinigte Königreich mit Schreiben vom 7. Dezember 2001 und das Königreich Belgien mit am 16. Januar 2002 bei der Kommission
         eingegangenem Schreiben gaben Stellungnahmen ab. 
      
      53      Mit Schreiben vom 23. Juli 2001 wurde der Anwalt der Klägerin von der Entscheidung über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens
         in Kenntnis gesetzt. Die Kommission erhielt keine Stellungnahme der Klägerin. 
      
      54      Mit Schreiben, das am 26. Juli 2001 bei der Kommission einging, antwortete das Königreich Belgien der Kommission unter Wiederholung
         des Vorbringens, das es nach der Aufforderung gemacht hatte.
      
      55      Am 24. April 2002 erließ die Kommission die angefochtene Entscheidung.
      
       Angefochtene Entscheidung
      56      Die Kommission betonte in der angefochtenen Entscheidung Folgendes: „Unabhängig von der Komplexität der rechtlichen und finanziellen
         Bestimmungen, die die Grundlage für die Intervention der luxemburgischen Finanzbeteiligungsgesellschaft Worldwide Investors
         im Juni 1998 darstellen, [hatte d]ie Unternehmensgruppe Beaulieu … im Dezember 1998 eine Schuld von 113 712 000 BEF bei der
         Region Wallonien durch die Überlassung von 9 704 Aktien der Verlipack Holding II mit einem Nennwert von 100 Mio. BEF an Zahlungs
         statt [getilgt], wobei der tatsächliche Wert jedoch auf Grund der wirtschaftlichen Lage dieses Unternehmens deutlich darunter
         gelegen haben dürfte.“
      
      57      Zum Preis, zu dem die Klägerin mit der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 einige der von der Region Wallonien an den Verlipack-Gesellschaften
         gehaltenen Anteile übernommen hatte, führte die Kommission u. a. aus, dass im Falle einer solchen Übernahme die Verpflichtung,
         einen Preis in Höhe von 80 % des Ausgabepreises festzulegen, ein durch belgisches Gesetz festgelegtes Erfordernis gewesen
         sei, das ausnahmslos für alle gegolten habe, die Vorzugsaktien dieser Art hätten kaufen wollen.
      
      58      Die Kommission schloss daraus, dass „die Schuld der Unternehmensgruppe Beaulieu in Höhe von 113 712 000 BEF gegenüber der
         Region Wallonien eine objektiv bestehende Schuld war, deren Rückzahlung in keiner Weise an die finanzielle Situation der Verlipack-Gruppe
         gebunden war“.
      
      59      Die Kommission ging daher davon aus, dass die Region Wallonien, indem sie zur Deckung einer objektiv bestehenden Schuld in
         Höhe von 113 712 000 BEF wertlose Aktien von Verlipack Holding II akzeptiert habe, der Unternehmensgruppe Beaulieu gegenüber
         auf eine Einforderung dieses Betrages verzichtet habe.
      
      60      Das Königreich Belgien machte hingegen geltend, dass die Unternehmensgruppe Beaulieu aus diesem Vorgang keinerlei wirtschaftlichen
         Vorteil gezogen habe, weil es der Unternehmensgruppe Beaulieu durch den Verzicht auf diese Forderung einen Ausgleich für „die
         im Juni 1998 eingebrachte Kapitaleinlage“ gewährt habe.
      
      61      Die Kommission führte in der angefochtenen Entscheidung allerdings aus, die „Heads of Agreement“ vom 5. Juni 1998 hätten lediglich
         vorgesehen, dass sich die wallonischen Behörden verpflichtet hätten, einen Investor zu finden, nicht aber, 100 Millionen BEF
         in das Kapital von Verlipack Holding II einzubringen.
      
      62      Die Kommission stellte weiter fest, dass das Königreich Belgien für das Vorliegen einer Absprache, wonach die Unternehmensgruppe
         Beaulieu die von der Region Wallonien eingegangene Verpflichtung übernommen habe, einen Investor zu finden, der zur Einlage
         von 100 Millionen BEF bereit gewesen sei, ebenso wenig wie für das Vorliegen einer zweiten – davon unabhängigen und die erste
         Vereinbarung übersteigenden – Vereinbarung, wonach die Region Wallonien der Unternehmensgruppe Beaulieu die Erstattung der
         100 Millionen BEF garantiert haben solle, die ein privater Investor eingebracht hätte, einen Nachweis habe erbringen können.
      
      63      Zweifelsfrei fest stehe allein die Tatsache, dass die Region Wallonien am 20. November 1998 im Austausch gegen 9 704 Aktien
         eines Unternehmens, Verlipack Holding II, auf eine objektiv bestehende Schuld der Unternehmensgruppe Beaulieu in Höhe von
         113 712 000 BEF verzichtet habe, deren Situation sich noch weiter verschlechtert habe, so dass im Juni 1998 ein neuer Refinanzierungsplan
         nötig gewesen sei, in dessen Rahmen sich kein privater Investor habe finden lassen, der zur Einbringung von 100 Millionen
         BEF in das Gesellschaftskapital bereit gewesen wäre. Das Kapital dieses Unternehmen sei am 11. Februar 1999 auf 1 BEF geschätzt
         worden.
      
      64      Was die mögliche Vereinbarkeit der staatliche Beihilfe mit dem Gemeinsamen Markt betrifft, so prüfte die Kommission diesen
         Punkt, obwohl das Königreich Belgien keinen Grund für die Vereinbarkeit vorgebracht hatte, gleichwohl und gelangte im Wesentlichen
         zu dem Ergebnis, dass die der Unternehmensgruppe Beaulieu gewährte Beihilfe lediglich eine Betriebsbeihilfe gewesen sei, die
         diese von Kosten befreit habe, die sie normalerweise im Rahmen ihrer laufenden Geschäftstätigkeit oder anderweitigen Tätigkeit
         selbst hätte tragen müssen. Eine solche Beihilfe sei mit den gemeinschaftlichen Regeln unvereinbar, da die Produktionsstätten
         der Unternehmensgruppe Beaulieu nicht in einer der in Artikel 87 Absatz 3 Buchstabe a EG genannten Regionen lägen.
      
      65      Schließlich führte die Kommission unter Hinweis auf Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/99 aus, dass, „[u]m die wirtschaftlichen
         Bedingungen wiederherzustellen, die das Unternehmen hätte bewältigen müssen, wenn die unvereinbare Beihilfe ihm nicht gewährt
         worden wäre, … die belgischen Behörden … die Beihilfen vom Empfänger zurückzufordern [hätten]“.
      
      66      Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung bestimmt:
      
      „Die Beihilfe, die Belgien in Höhe von 113 712 000 BEF in Form des Verzichts auf eine Forderung zugunsten der Unternehmensgruppe
         Beaulieu (Ter Lembeek International) gewährt hat, ist mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar.“ 
      
      67      Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung 1 sieht vor:
      
      „(1)      Belgien ergreift alle notwendigen Maßnahmen, um die in Artikel 1 genannte, rechtswidrig zur Verfügung gestellte Beihilfe von
         dem Empfänger zurückzufordern.
      
      (2)      Die Rückforderung der Beihilfe erfolgt unverzüglich nach den nationalen Verfahren, sofern diese die sofortige, tatsächliche
         Vollstreckung der Entscheidung ermöglichen. Die zurückzufordernde Beihilfe umfasst Zinsen von dem Zeitpunkt an, ab dem die
         rechtswidrige Beihilfe dem Empfänger zur Verfügung stand, bis zu ihrer tatsächlichen Rückzahlung. Die Zinsen werden auf der
         Grundlage des für die Berechnung des Subventionsäquivalents der Regionalbeihilfen verwendeten Bezugssatzes berechnet.“
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      68      Mit Klageschrift, die am 22. Juli 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      69      Die Klägerin beantragt,
      
      –        die Nichtigkeitsklage für zulässig und begründet zu erklären;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      70      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage für unzulässig zu erklären oder sie abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
      71      Da die Zusammensetzung der Kammern des Gerichts zu Beginn des neuen Gerichtsjahres geändert worden war, wurde der Berichterstatter
         der Fünften Kammer zugewiesen. Die vorliegende Rechtssache wurde daher der Fünften erweiterten Kammer übertragen.
      
      72      Das Gericht (Fünfte erweiterte Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung ohne vorherige
         Beweisaufnahme zu eröffnen. Im Rahmen prozessleitender Maßnahmen hat es jedoch die Kommission um Vorlage bestimmter Dokumente
         sowie des Verzeichnisses der im Rahmen des Verfahrens, das zu der vorliegenden Rechtssache geführt hat, in ihren Besitz gelangten
         Unterlagen gebeten. Die Kommission ist dieser Aufforderung fristgerecht nachgekommen.
      
      73      Die Parteien haben in der Sitzung vom 21. Februar 2006 mündlich verhandelt und die Fragen des Gerichts beantwortet.
      
       Zulässigkeit 
       Vorbringen der Parteien
      74      Die Kommission trägt vorab vor, dass die Klägerin zu keiner Zeit, weder im Rahmen des förmlichen Prüfverfahrens, das zu der
         angefochtenen Entscheidung geführt habe, noch im Rahmen des Verfahrens, das in die Entscheidung 2001/856 gemündet sei, eine
         Stellungnahme abgegeben habe, obwohl in der letztgenannten Entscheidung eine Untersuchung der betreffenden Beihilfe bereits
         angekündigt worden sei.
      
      75      Sämtliche von der Klägerin geltend gemachten Klagegründe seien unzulässig, weil sie auf Tatsachenbehauptungen beruhten, die
         sie im förmlichen Prüfverfahren nie vorgebracht habe, und weil ein Großteil der der Klageschrift beigefügten Dokumente, soweit
         nicht ausdrücklich etwas Anderes angegeben sei, der Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung nicht
         bekannt gewesen sei. In Bezug auf die den ersten Klagegrund betreffenden Tatsachenbehauptungen gelte dies, erstens, für diejenige,
         dass die Klägerin von der Region Wallonien zum Abschluss der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 „gezwungen“ worden sei, so
         dass der faktische Verzicht auf diese Forderung durch den Nachtrag vom 20. November 1998 keine staatliche Beihilfe darstelle.
         Das Gleiche gelte für die Behauptung, die Klägerin sei deshalb nicht die Empfängerin der Beihilfe, weil sie die Aktien nur
         während eines begrenzten Zeitraums gehalten habe. Die Kommission hält, zweitens, das Vorbringen der Klägerin, mit dem diese
         die Auslegung des Königlichen Erlasses von 1985 beanstande, für unzulässig, da es im förmlichen Prüfverfahren nicht vortragen
         worden sei. Drittens könne die Klägerin die angefochtene Entscheidung nicht im Hinblick darauf beanstanden, dass die in Rede
         stehende Beihilfe den Handel, insbesondere auf dem Textilmarkt, beeinträchtigen und den Wettbewerb verfälschen könne, da diese
         Gesichtspunkte in der Entscheidung über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens dargestellt worden seien. Was den zweiten
         Klagegrund betrifft, so beruft sich die Kommission auf dessen Unzulässigkeit mit der Begründung, er beruhe auf der irrigen
         Annahme, die Beihilfe habe zum Ausgleich des behaupteten Verlustes im Zusammenhang mit einem angeblich erzwungenen Aktienrückkauf
         gedient. Auch den dritten Klagegrund hält die Kommission für unzulässig, da er auf die Behauptung hinauslaufe, der Nachtrag
         vom 20. November 1998 habe der Klägerin keinerlei Vorteil verschafft, da er lediglich ein Ausgleich für den erzwungenen Erwerb
         von Aktien und Gewinnanteilsscheinen im Jahr 1996 gewesen sei.
      
      76      Zu den der Klageschrift beigefügten Dokumenten führt die Kommission aus, mit Ausnahme der Statuten des Unternehmens und des
         den Anwälten erteilten Mandats und ausweislich ihres Schreibens vom 20. Dezember 2002 hätten ihr elf der Klageschrift als
         Anlage beigefügte Dokumente, nämlich die Anlagen 4, 4 a, 5, 7, 8, 9, 10, 13, 18, 20 a und 21, nicht vorgelegen. Daraus folge,
         dass diese Anlagen, soweit die Klagegründe und Argumente der Klägerin auf sie gestützt seien, für unzulässig zu erklären seien.
      
      77      Außerdem seien entgegen dem Vorbringen der Klägerin einige Unterlagen, die der Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung nicht vorgelegen hätten, für die Argumentation der Klägerin von Bedeutung. Dies gelte für die Anlagen betreffend
         die zwischen den Herren De Backer und De Clerck geschlossene Übereinkunft vom 29. September 1987 (Nr. 11 der Klageschrift),
         die Einlage der Unternehmensgruppe Beaulieu bei Verlipack (Nrn. 17 und 18 der Klageschrift), den jährlichen Rückkauf durch
         die Unternehmensgruppe Beaulieu (Nr. 20 der Klageschrift) sowie die zwischen der Imcopack Vlaanderen NV und der Imcopack Wallonie
         auf der einen und Heye auf der anderen Seite geschlossene Übereinkunft vom 26. Dezember 1996 (Nr. 30. Klageschrift). Die Kommission
         hält daher die Behauptung für falsch, diese Unterlagen beträfen lediglich Nebenaspekte der Vorgeschichte der vorliegenden
         Rechtssache.
      
      78      Die Klägerin ist der Meinung, die von ihr vorgebrachten Klagegründe seien zulässig, da sie ausschließlich auf Unterlagen beruhten,
         von denen die Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung Kenntnis gehabt habe, und da die Kommission,
         obwohl sie in dieser Entscheidung nicht alle einschlägigen, für eine ordnungsgemäße Prüfung der vorliegenden Rechtssache anhand
         des für staatliche Beihilfen geltenden Rechts wesentlichen Tatsachen aufführe, eine gründliche Kenntnis des Sachverhalts habe,
         der sich auf die fragliche, der Entscheidung 2001/856 zugrunde liegende Akte beziehe, und sogar Unterlagen vorlege, die, wie
         die Anlage IV zur Klagebeantwortung, sich nicht im Besitz der Klägerin befänden.
      
      79      Die Klägerin führt aus, sie habe mit Schreiben vom 6. Dezember und per E-Mail vom 11. Dezember 2002 um ein Verzeichnis der
         Unterlagen, die der Kommission beim Erlass der angefochtenen Entscheidung vorgelegen hätten, sowie um Erläuterungen zu den
         Tatsachenbehauptungen gebeten, die im vorprozessualen Verfahrensabschnitt nicht vorgebracht worden seien. Mit Schreiben vom
         20. Dezember 2002 habe die Kommission ihr in Bezug auf die Tatsachenbehauptungen geantwortet, sie müsse nicht die Arbeit der
         Anwälte der Klägerin erledigen, und in Bezug auf die Unterlagen habe sie sich darauf beschränkt, ungefähr anzugeben, welche
         der von der Klägerin aufgeführten Unterlagen ihr nicht vorgelegen hätten, ohne ihr ein Verzeichnis zur Verfügung zu stellen.
         Die Kommission hätte aber den Nachweis führen müssen, dass sie nicht im Besitz dieser Angaben gewesen sei, denn dadurch, dass
         sie in ihrem Schreiben vom 20. Dezember 2002, in dem sie es abgelehnt habe, ihre Akte offenzulegen, auf die Anfrage der Klägerin
         eine unvollständige Antwort gebe, mache sie es sowohl der Klägerin als auch dem Gericht unmöglich, festzustellen, ob sie im
         Hinblick auf die ihr vorliegenden tatsächlichen Angaben die angefochtene Entscheidung habe erlassen können.
      
      80      In Bezug auf die Unterlagen, von denen die Kommission ausdrücklich erklärt, dass sie sich zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung nicht in ihrem Besitz befunden hätten, macht die Klägerin geltend, dass sich alle von ihr im Verfahren vorgelegten
         Unterlagen beim Erlass der angefochtenen Entscheidung im Besitz der Kommission befunden hätten, mit Ausnahme derjenigen, die
         lediglich eine Reihe von Nebenaspekten im Zusammenhang mit der Vorgeschichte dieser Rechtssache (wie das Protokoll der Hauptversammlung
         von Imcour oder die einzelnen von der Unternehmensgruppe Beaulieu der Unternehmensgruppe Verlipack gewährten Darlehen) erläuterten
         oder zum Gegenstand hätten, so dass die Kommission sich nicht auf die Unzulässigkeit der von der Klägerin vorgebrachten Klagegründe
         berufen könne.
      
      81      Zu den Tatsachenbehauptungen, von denen die Kommission erkläre, sie habe sie zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung nicht gekannt, stellt die Klägerin fest, dass die Kommission mit Ausnahme der Behauptung, die Sowagep habe im
         Dezember 1997 eine neue Kapitaleinlage von 100 Millionen BEF bei Verlipack zugesagt, die im Übrigen keinerlei Auswirkung auf
         die vorliegende Rechtssache habe, nur hinsichtlich einer einzigen dieser Tatsachenbehauptungen gerügt habe, dass sie ihr unbekannt
         gewesen sei, nämlich diejenige, dass der Kauf der Aktien und Gewinnanteilsscheine mittels der Übereinkunft vom 18. Dezember
         1996 nicht freiwillig erfolgt sei. Die Klägerin trägt vor, dass dieser Zwang zum Kauf der Aktien, ungeachtet wirtschaftlicher
         Erwägungen, die bereits zeigten, dass dieser Kauf aufgezwungen gewesen sei, aus der Note der Region Wallonien vom 25. Mai
         1998, die an die Kommission gerichtet und somit in deren Besitz gewesen sei, ausdrücklich hervorgehe.
      
       Würdigung durch das Gericht
      82      Für die Feststellung, ob der Empfänger einer Beihilfe sich auf Tatsachen und Unterlagen berufen kann, die der Kommission vor
         Erlass ihrer Entscheidung nicht zur Kenntnis gebracht geworden sein sollen, und ob auf diese Tatsachen und Unterlagen gestützte
         Klagegründe zulässig sind, ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung die Rechtmäßigkeit eines Gemeinschaftsrechtsakts
         im Rahmen einer Nichtigkeitsklage gemäß Artikel 230 EG nach dem Kenntnisstand zu beurteilen ist, der bei Erlass des Aktes
         vorlag. Insbesondere sind die komplexen Würdigungen, die die Kommission vorgenommen hat, nur anhand der Kenntnisse zu prüfen,
         über die diese bei der Vornahme dieser Würdigungen verfügte (Urteile des Gerichtshofes vom 7. Februar 1979 in den Rechtssachen
         15/76 und 16/76, Frankreich/Kommission, Slg. 1979, 321, Randnr. 7, vom 10. Juli 1986 in der Rechtssache 234/84, Belgien/Kommission,
         Slg. 1986, 2263, Randnr. 16, vom 26. September 1996 in der Rechtssache C‑241/94, Frankreich/Kommission, Slg. 1996, I‑4551,
         Randnr. 33, und vom 11. September 2003 in der Rechtssache C‑197/99 P, Belgien/Kommission, Slg. 2003, I‑8461, Randnr. 86, Urteile
         des Gerichts vom 25. Juni 1998 in den Rechtssachen T‑371/94 und T‑394/94, British Airways u. a. und British Midland Airways/Kommission,
         Slg. 1998, II‑2405, Randnr. 81, vom 15. September 1998 in den Rechtssachen T‑126/96 und T‑127/96, BFM und EFIM/Kommission,
         Slg. 1998, II‑3437, Randnr. 88, vom 6. Oktober 1999 in der Rechtssache T‑110/97, Kneissl Dachstein/Kommission, Slg. 1999,
         II‑2881, Randnr. 47, in der Rechtssache T‑123/97, Salomon/Kommission, Slg. 1999, II‑2925, Randnr. 48, und vom 11. Mai 2005
         in den Rechtssachen T‑111/01 und T‑133/01, Saxonia Edelmetalle und ZEMAG/Kommission, Slg. 2005, II‑1579, Randnr. 67).
      
      83      Der Kommission kann also nicht vorgeworfen werden, Informationen, die ihr gegenüber im Verwaltungsverfahren hätten vorgetragen
         werden können, aber nicht vorgetragen wurden, nicht berücksichtigt zu haben, da sie nicht verpflichtet ist, von Amts wegen
         näherungsweise zu prüfen, welche Gesichtspunkte ihr gegenüber hätten vorgetragen werden können (vgl. in diesem Sinne Urteile
         des Gerichtshofes vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719,
         Randnr. 60, und vom 11. September 2003, Belgien/Kommission, oben, Randnr. 82, Randnr. 87, Urteil des Gerichts vom 14. Januar
         2004 in der Rechtssache T‑109/01, Fleuren Compost/Kommission, Slg. 2004, II‑127, Randnr. 49).
      
      84      Das Gericht hat daraus gefolgert, dass sich ein Kläger, der sich am förmlichen Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG beteiligt
         hat, nicht auf ein Sachverhaltsvorbringen berufen kann, das der Kommission nicht bekannt war und das er dieser nicht im Verlauf
         des förmlichen Prüfverfahrens mitgeteilt hatte. Dagegen ist er durch nichts daran gehindert, gegen die endgültige Entscheidung
         einen rechtlichen Grund vorzubringen, der im Verwaltungsverfahren nicht geltend gemacht worden ist (vgl. Urteil Saxonia Edelmetalle
         und ZEMAG/Kommission, oben, Randnr. 82, Randnr. 68, und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      85      Diese Rechtsprechung lässt sich, vorbehaltlich völlig außergewöhnlicher Fälle, auf den Fall erstrecken, dass sich – wie hier
         – ein Unternehmen nicht am Prüfverfahren nach Artikel 88 Absatz 2 EG beteiligt hat (vgl. in diesem Sinne Urteil Saxonia Edelmetalle
         und ZEMAG/Kommission, oben, Randnr. 82, Randnr. 69).
      
      86      Es steht nämlich fest, dass die Klägerin von ihrem Recht auf Teilnahme am förmlichen Prüfverfahren keinen Gebrauch gemacht
         hat, obwohl, wie aus dem an die Kommission gerichteten Schreiben des Königreichs Belgien vom 11. Januar 2001, eingegangen
         am 15. Januar 2001, hervorgeht, die wallonischen Behörden sie ausschließlich um aktive Zusammenarbeit bei der Vorbereitung
         ihrer Antwort auf die Aufforderung zur Auskunftserteilung, die die Kommission am 5. Juli 2000 an das Königreich Belgien gerichtet
         hatte, gebeten hatten. Im Übrigen hatte der Anwalt des Königreichs Belgien trotz wiederholter Aufforderungen und in Ermangelung
         jeglicher Antwort auf die Anfrage der Kommission die Klägerin mit Schreiben vom 28. September 2000 aufgefordert, ihm Informationen
         zukommen zu lassen, damit er der Kommission in sachdienlicher Weise antworten könne. Die beiden letzten Absätze dieses Schreibens
         haben folgenden Wortlaut:
      
      „Im Hinblick auf diese Feststellungen macht meine Mandantin die Ihre auf die Gefahr aufmerksam, dass die Europäische Kommission
         in ihrer kommenden Entscheidung den belgischen Behörden wahrscheinlich aufgeben wird, den Betrag von 113 712 000 BEF zuzüglich
         Zinsen von ihrer Mandantin zurückzufordern.
      
      Ungeachtet des Fristablaufs wäre es allerdings sehr wünschenswert, dass Ihre Mandantin im Sinne der Dringlichkeit der Untersuchung
         des Falles mitarbeitet, indem sie alle von ihr erbetenen Angaben macht, was es der Region Wallonien vielleicht ermöglichen
         wird, ihren Standpunkt gegenüber der Europäischen Kommission noch vor einer Entscheidung geltend zu machen.“ 
      
      87      In dem erwähnten Schreiben vom 11. Januar 2001 teilten die wallonischen Behörden der Kommission auch mit, dass ihr Anwalt
         gegenüber dem Anwalt der Unternehmensgruppe Beaulieu ohne jeden Erfolg die Bedeutung des von der Kommission eingeleiteten
         Verfahrens und die Risiken deutlich gemacht habe, die mit einem solchen Verfahren für diese Unternehmensgruppe verbunden seien,
         und dass ihre Antwort auf die Aufforderung der Kommission zur Auskunftserteilung so lange unvollständig sei, als die Unternehmensgruppe
         Beaulieu nicht mit ihnen zusammengearbeitet habe.
      
      88      Zudem wurde dem Anwalt der Klägerin mit Schreiben vom 23. Juli 2001 die Entscheidung der Kommission vom 6. Juni 2001 über
         die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens in Abschrift mitgeteilt.
      
      89      Schließlich steht fest, dass die Klägerin in der Entscheidung über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens – insbesondere
         in Titel II. 2., der speziell die Unternehmensgruppe Beaulieu betrifft, die, wie in Randnummer 20 ausgeführt, von der Klägerin
         beherrscht wird – namentlich bezeichnet ist und dass diese Entscheidung, insbesondere in den Randnummern 29 bis 43 und 70
         bis 75 sowie in Fußnote 4, Zweifel daran erkennen ließ, dass die Region Wallonien am 20. November 1998 im Austausch gegen
         9 704 Aktien von Verlipack Holding II, deren Situation sich so weit verschlechtert hatte, dass ihr Betriebsvermögen am 11.
         Februar 1999 mit 1 BEF bewertet wurde, auf eine objektiv bestehende Forderung in Höhe von 113 712 000 BEF gegenüber der Unternehmensgruppe
         Beaulieu verzichtete. 
      
      90      Obwohl also die Klägerin genau wusste, dass insbesondere in Bezug auf den in Rede stehenden Forderungsverzicht ein förmliches
         Verfahren eingeleitet worden war, und wie notwendig und wichtig es aufgrund der von der Kommission bereits geäußerten Bedenken
         hinsichtlich der Vereinbarkeit dieses Forderungsverzichts mit dem Gemeinschaftsrecht war, dass sie bestimmte Informationen
         lieferte, hat sie sich nicht am förmlichen Prüfverfahren beteiligt, ohne im Übrigen behauptet zu haben, dass die Entscheidung
         über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens so unzureichend begründet gewesen sei, dass sie ihre Rechte nicht sachgerecht
         hätte wahrnehmen können (vgl. in diesem Sinne Urteil Fleuren Compost/Kommission, oben, Randnr. 83, Randnr. 46).
      
      91      Nach alledem kann sich die Klägerin nicht erstmals vor dem Gericht auf Informationen berufen, die der Kommission zu dem Zeitpunkt,
         zu dem sie die angefochtene Entscheidung erließ, nicht bekannt waren. Dies gilt namentlich für Vorbringen der Klägerin zum
         Sachverhalt, das nach deren Auffassung für eine ordnungsgemäße Prüfung der vorliegenden Rechtssache anhand des für staatliche
         Beihilfen geltenden Rechts wesentlich ist.
      
      92      Außerdem ist eine Rüge des Empfängers einer Beihilfe unzulässig, die lediglich auf Informationen gestützt ist, die der Kommission
         zu dem Zeitpunkt, zu dem sie die angefochtene Entscheidung erließ, unbekannt waren, da die Rechtmäßigkeit einer Entscheidung
         auf dem Gebiet staatlicher Beihilfen aufgrund der Kenntnisse zu beurteilen ist, über die die Kommission bei deren Erlass verfügen
         konnte.
      
      93      Es ist jedoch festzustellen, dass die von der Klägerin zur Stützung ihrer Klage vorgebrachten Klagegründe auf Kenntnissen
         beruhen, die die Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung bereits hatte.
      
      94      Im Rahmen ihres ersten Klagegrundes trägt die Klägerin, erstens, vor, dass der Erwerb gemäß der Übereinkunft vom 18. Dezember
         1996 von 14 214 Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheinen der Kategorie I am Kapital von Verlipack mittels Zahlung eines
         Betrages von 113 712 000 BEF von den wallonischen Behörden erzwungen worden sei. Dass dieser Zwang auf sie ausgeübt worden
         sei, stelle eine Tatsache dar, der die Kommission hätte Rechnung tragen müssen, als sie ermittelt habe, ob die Voraussetzungen
         – zum einen das Vorliegen einer bestimmte Unternehmen begünstigenden Beihilfe und zum anderen, gegebenenfalls, der Umstand,
         dass die Klägerin das begünstigte Unternehmen sei, was hier nicht der Fall sei – erfüllt gewesen seien.
      
      95      Ihr Vorbringen zu dieser Zwangslage stützt die Klägerin auf die von der Region Wallonien an die Kommission gerichtete Note
         vom 25. Mai 1998, in der es heiße: „Da die Region Wallonien das Vertrauen in die Unternehmensgruppe Beaulieu verloren hat,
         macht sie ihre Zustimmung zur Gründung der beiden Holdings von der Bedingung des Rückkaufs ihrer Anteile an den Betriebsstandorten
         Verlipack Ghlin und Verlipack Jumet abhängig.“
      
      96      Zur Zulässigkeit des Vorbringens hinsichtlich dieser Zwangslage ist festzustellen, dass die Kommission, wie aus den Akten
         und den vom Gericht in der Sitzung zu diesem Punkt gestellten Fragen hervorgeht, nicht bestreitet, zum Zeitpunkt des Erlasses
         der angefochtenen Entscheidung von der Note vom 25. Mai 1998 Kenntnis gehabt zu haben. Die Parteien sind lediglich hinsichtlich
         der Bedeutung dieser Note und darüber verschiedener Meinung, wie das darin enthaltene Verb „abhängig machen“ auszulegen sei,
         nicht jedoch über den Sachverhalt, den der Rückkauf der von der Region Wallonien gehaltenen Aktien durch die Klägerin darstellt.
         Das Vorbringen der Klägerin zur Zwangslage richtet sich somit in Wirklichkeit auf den Vorwurf, die Kommission habe bei der
         Beurteilung des Inhalts dieser Note einen Fehler begangen, so dass dieses Argument für zulässig zu erklären ist.
      
      97      Zweitens ist zum Vorbringen der Klägerin, mit dem sie bestreitet, dass die Überbewertung des in der Übereinkunft vom 18. Dezember
         1996 festgelegten Preises der in Rede stehenden Aktien und Gewinnanteilscheine durch die Königliche Verordnung von 1985 gerechtfertigt
         gewesen sei, festzustellen, dass dies der Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung bekannt war,
         wie insbesondere aus den Randnummern 62 bis 64 und der Fußnote 21 der Entscheidung über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens
         hervorgeht. Im Übrigen haben die wallonischen Behörden in dem an die Kommission gerichteten Schreiben vom 11. Januar 2001,
         eingegangen am 15. Januar 2001, ausgeführt:
      
      „Es ist daran zu erinnern, dass der Gesamtpreis von 113 712 000 BEF für die Vorzugsaktien ohne Stimmrecht und die Gewinnanteilscheine,
         die die Region Wallonien an Verlipack Ghlin und Verlipack Jumet hielt, damals auf der Grundlage ihres Ausgabepreises 80 %
         des Wertes dieser Aktien und Gewinnanteilscheine darstellte.
      
      Die Königliche Verordnung vom 7. Mai 1985 (Artikel 3) über die Ausgabe von Vorzugsaktien ohne Stimmrecht durch Aktiengesellschaften
         der öffentlichen Hand schreibt nämlich vor: ‚Der Preis darf 80 % des Ausgabepreises nicht unterschreiten‘, falls die Vorzugsaktien
         ohne Stimmrecht an die ausgebende Gesellschaft oder an Dritte weiterverkauft werden.
      
      Unter Berücksichtigung der finanziellen Situation der damals voll in der Umstrukturierung befindlichen Unternehmensgruppe
         Verlipack entsprach dieser Preis jedoch zweifellos nicht dem tatsächlichen Wert der Aktien und Gewinnanteilscheine, sondern
         war festgelegt worden, um den erwähnten belgischen Rechtsvorschriften Rechnung zu tragen, was die Unternehmensgruppe Beaulieu
         akzeptierte.
      
      …
      Daher setzten die Parteien für die Schulden der Unternehmensgruppe Beaulieu eine Fälligkeit zur Rückzahlung von vier Jahren
         ohne Zinsen fest, um ein wenig die Mehrkosten auszugleichen, die sich aus der Anwendung der (zum Tag der Zahlung aktualisierten)
         Regelung gegenüber dem wirtschaftlichen Wert des Gutes ergaben.“
      
      98      Diese Information ist im Übrigen im Kern auch in Nummer 2 des an die Kommission gerichteten Schreibens des Königreichs Belgien
         vom 26. Juli 2001 enthalten.
      
      99      Zudem kann das auf die Königliche Verordnung von 1985 bezogene Vorbringen nicht als Gesichtspunkt betrachtet werden, der dem
         Gericht nicht zur Beurteilung unterbreitet werden könnte, da es sich um eine Frage der Auslegung dieser Verordnung handelt.
      
      100    Drittens ist zur Unzulässigkeit des Vorbringens der Klägerin, die angefochtene Entscheidung sei hinsichtlich der Untersuchung
         der beiden Voraussetzungen betreffend die Beschränkung des Wettbewerbs und die Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
         kurz und fehlerhaft, festzustellen, dass die Klägerin sich auf keine Kenntnisse beruft, die der Kommission zum Zeitpunkt des
         Erlasses der angefochtenen Entscheidung nicht gehabt hätte, sondern lediglich die Bewertung in den Randnummern 70 bis 72 der
         angefochtenen Entscheidung beanstandet, die auf die Stellung der Unternehmensgruppe Beaulieu auf dem Textilmarkt abstelle,
         während sie als Aktionärin der Gesellschaften der Unternehmensgruppe Verlipack, nicht aber als Herstellerin von Textilien
         betroffen sei.
      
      101    Demnach ist die von der Kommission gegen den ersten Klagegrund erhobene Rüge der Unzulässigkeit zurückzuweisen.
      
      102    Der zweite Klagegrund, mit dem die Klägerin behauptet, die Kommission habe dadurch gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         verstoßen, dass sie die Rückforderung der Beihilfe verlangt habe, obwohl der angeblich erzwungene Rückkauf der in Rede stehenden
         Aktien und Gewinnanteilscheine der Klägerin keinerlei Vorteil gebracht habe, ist auf dieselben Kenntnisse gestützt, die im
         Rahmen des ersten Klagegrundes geltend gemacht wurden und die die Kommission im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung
         hatte. Daher ist auch die gegen diesen Klagegrund erhobene Rüge der Unzulässigkeit zurückzuweisen.
      
      103    Mit dem dritten Klagegrund, mit dem Klägerin einen Verstoß der Kommission gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz geltend macht,
         werden die Methode der Berechnung des Wertes der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der Kategorie I, der Zeitpunkt
         der Berechnung ihres Wertes sowie die Ermittlung des Empfängers der Beihilfe gerügt und darauf abgestellt, dass der Nachtrag
         vom 20. November 1998 nur eine Art Ausgleich für den erzwungenen Rückkauf dieser Aktien und Gewinnanteilscheine im Jahr 1996
         gewesen sei. Damit stützt sich die Klägerin erneut auf Kenntnisse, über die die Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der
         angefochtenen Entscheidung verfügte. Die gegen diesen Klagegrund erhobene Rüge der Unzulässigkeit kann daher keinen Erfolg
         haben.
      
      104    Zu den von der Klägerin zur Stützung ihrer Klage herangezogenen und in Randnummer 76 des vorliegenden Urteils genannten Unterlagen,
         von denen einige ihrer Auffassung nach lediglich bestimmte Nebenaspekte der vorliegenden Rechtssache erläutern, ist festzustellen,
         dass sie nach der oben in den Randnummern 82 bis 84 angeführten Rechtsprechung unbeachtet bleiben müssen. Wie aus den Akten
         und den vom Gericht in der mündlichen Verhandlung hierzu gestellten Fragen hervorgeht, ist außerdem kein Klagegrund oder Vorbringen
         der Klägerin auf die Unterlagen gestützt, von denen die Kommission sagt, dass sie ihr zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung nicht vorgelegen hätten und dass sie weder in der die angefochtene Entscheidung betreffenden Akte, noch in einer
         mit ihr in Zusammenhang stehenden Akte enthalten gewesen seien.
      
      105    Zu dem auf die Anlage 18 zur Klageschrift gestützten Vorbringen der Klägerin, die Sowagep habe im Dezember 1997 eine neue
         Kapitaleinlage von 100 Millionen BEF bei Verlipack versprochen, genügt schließlich die Feststellung, dass dieses Vorbringen
         nach dem eigenen Vortrag der Klägerin keinerlei Auswirkung auf die vorliegende Rechtssache hat.
      
      106    Aus alledem ergibt sich zum einen, dass die Klägerin sich nicht auf die in Randnummer 76 des vorliegenden Urteils genannten
         Unterlagen berufen kann, die daher unbeachtet bleiben müssen, und zum anderen, dass die von der Kommission erhobene Rüge der
         Unzulässigkeit zurückzuweisen ist.
      
       Begründetheit 
      107    Die Klägerin stützt ihre Klage auf vier Klagegründe, nämlich auf Verstöße gegen, erstens, Artikel 87 Absatz 1 EG sowie gegen
         die Artikel 7 und 13 der Verordnung Nr. 659/1999, zweitens den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sowie gegen Artikel 14 der
         Verordnung Nr. 659/1999, drittens den Gleichbehandlungsgrundsatz und viertens die Begründungspflicht.
      
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Artikel 87 Absatz 1 EG und gegen Artikel 7 in Verbindung mit Artikel 13 der Verordnung
            Nr. 659/1999 
      108    Die Klägerin gliedert den ersten Klagegrund in drei Teile betreffend, zunächst, das Vorliegen bestimmte Unternehmen begünstigender
         Beihilfen, sodann den Umstand, dass die Klägerin, falls ein Vorteil gewährt worden sei, nicht als begünstigtes Unternehmen
         im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG angesehen werden könne, und schließlich die Beeinträchtigung des Wettbewerbs und des
         innergemeinschaftlichen Handels.
      
       Zum ersten Teil: Vorliegen bestimmte Unternehmen begünstigender Beihilfen 
      –       Vorbringen der Parteien
      109    Die Klägerin hält in erster Linie die in der angefochtenen Entscheidung enthaltene Argumentation, dass sie eine objektiv bestehende
         und fällige Schuld von 113 712 000 BEF gehabt habe, die sie durch die Abtretung von 9 704 Aktien, die sie an der Verlipack
         Holding II gehalten habe und die von geringerem Wert, ja sogar wertlos gewesen seien, zurückgezahlt habe, für zu stark vereinfacht.
         Diese Argumentation stütze sich nämlich in vollem Umfang auf eine abstrakte Berücksichtigung der Forderung in Höhe von 113 712 000
         BEF und trage dem Sachverhalt oder der wirtschaftlichen Realität in keiner Weise Rechnung. Die angefochtene Entscheidung behandle
         diese Schuld, als handle es sich um eine Verpflichtung zur Rückzahlung von Mitteln, die der Klägerin von der öffentlichen
         Hand tatsächlich zur Verfügung gestellt worden seien, was nicht der Fall sei.
      
      110    So sei sie mit der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 zum Erwerb der Aktien von der Region Wallonien gezwungen worden und
         habe sie nur sehr kurze Zeit gehalten, nämlich vom 18. Dezember 1996 bis zum 11. April 1997, dem Tag, an dem Heye die Kontrolle
         über die Verlipack Holding II übernommen habe. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Verlipack Holding I, über die Heye
         die Kontrolle habe übernehmen sollen, der tatsächliche Adressat gewesen sei. Für die Klägerin habe daher der Vermögenswert
         dieser Aktien bei Null gelegen. Außerdem seien es nicht nur wirtschaftliche Erwägungen gewesen, die der Kommission die Erkenntnis
         hätten vermitteln müssen, dass die Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 von der Klägerin nicht freiwillig geschlossen worden
         sei. Die Kommission sei nämlich im Laufe des förmlichen Prüfverfahrens schriftlich vollständig darüber unterrichtet worden,
         dass der Klägerin diese Übereinkunft aufgedrängt worden sei. So gehe aus der von der Region Wallonien an die Kommission gerichteten
         Note vom 25. Mai 1998 hervor, dass die Erstgenannte jedes Vertrauen in die Klägerin verloren und den Wunsch gehegt habe, zu
         einer von Heye kontrollierten Unternehmensgruppe zu gehören. Daher habe die Region Wallonien von der Unternehmensgruppe Beaulieu
         verlangt, ihre gesamte Beteiligung zu übernehmen, bevor sie einen neuen Partner in die Aktionärsgemeinschaft der Unternehmensgruppe
         Verlipack habe aufnehmen können. Gleichzeitig habe sich Heye nicht einer Unternehmensgruppe anschließen wollen, an der die
         öffentliche Hand eine Beteiligung gehalten habe.
      
      111    Außerdem könne der erzwungene Rückkauf der Aktien der Verlipack Jumet und der Verlipack Ghlin nicht als ein Vorteil im Sinne
         des Artikels 87 EG bewertet werden.
      
      112    Erstens sei hinsichtlich der objektiven Bewertung der betreffenden Aktien nicht zu bestreiten, dass der wahre Wert der Anteile
         sicher nicht bei 113 712 000 BEF gelegen habe. Die Region Wallonien habe in dem an die Kommission gerichteten Schreiben vom
         11. Januar 2001, eingegangen am 15. Januar 2001, übrigens eingeräumt, dass der auf die Königliche Verordnung von 1985 gestützte
         Preis unverhältnismäßig und ohne jeden Bezug zum wirtschaftlichen Wert der Aktien und Gewinnanteilscheine gewesen sei, während
         ein Fachmann, wenn er eine Bewertung vorgenommen hätte, zu dem Ergebnis gelangt wäre, dass der Wert der übernommenen Aktien
         bei Null gelegen habe. Diese Feststellung werde durch das an die Kommission gerichtete Schreiben des Königreichs Belgien vom
         26. Juli 2001 bestätigt, wonach die finanzielle Lage der drei Verlipack-Gesellschaften Besorgnis erregend gewesen sei und
         der gemäß der Königlichen Verordnung von 1985 festgesetzte Verkaufspreis der Aktien und Gewinnanteilscheine nicht mehr deren
         wahrem Wert entsprochen habe. Kein gewöhnlicher Wirtschaftsteilnehmer hätte einen solchen Kauf zu diesen Bedingungen tätigen
         wollen, so dass dieser Kauf angesichts der in Rede stehenden Umstände nicht als freiwilliger Erwerb qualifiziert werden könne.
         Außerdem sei Heye zum Zeitpunkt des Rückkaufs keine Verpflichtung hinsichtlich ihrer möglichen Beteiligung am Kapital der
         Unternehmensgruppe Verlipack eingegangen; eine solche Verpflichtung sei erst durch die Übereinkunft vom 26. Dezember 1996
         zwischen Imcopack Vlaanderen und Imcopack Wallonie auf der einen und Heye auf der anderen Seite übernommen worden.
      
      113    Der Erwerb der Aktien habe auch zur Folge gehabt, dass sich die Region Wallonien vollständig von Verlipack Jumet und von Verlipack
         Ghlin zurückgezogen habe, was ein erheblicher zusätzlicher Nachteil gewesen sei.
      
      114    Dass der wahre Wert der Aktien bereits zu dieser Zeit Null, ja sogar negativ gewesen sei, werde durch die Entscheidung 2001/856
         bestätigt, in deren Randnummer 104 es heiße: „Die von den Standorten Ghlin und Jumet erzielten Ergebnisse wiesen für 1996
         gegenüber den Vorjahren erhebliche Betriebsverluste sowie stark rückläufige Umsätze auf“; in Randnummer 107 „bemerkt die Kommission,
         dass die finanzielle Situation von Verlipack vor dem Eintritt von Heye nicht auf eine Lebensfähigkeit schließen ließ“, und
         Randnummer 115 gelange zu dem Ergebnis, dass die „Betriebsergebnisse [von Verlipack] vor dem Eintritt von Heye unzweifelhaft
         die Schwierigkeiten dieser Gruppe gezeigt haben“. Außerdem habe die Kommission die verheerende finanzielle Lage selbst gekannt,
         in der sich Verlipack Ende des Jahres 1996 befunden habe. In den Randnummern 11 und 12 der angefochtenen Entscheidung habe
         die Kommission ausgeführt: „Die beiden in Wallonien angesiedelten Unternehmen verzeichneten zu jener Zeit Verluste“, d. h.
         in den Jahren 1995 und 1996, und: „Die Verlipack-Gruppe wäre nicht in der Lage gewesen, Ende 1996 die fälligen Bankdarlehen
         … zurückzuzahlen“. Die Argumentation, die die Kommission entwickle, um den 9 704 Aktien der Verlipack Holding II jeden Wert
         abzusprechen, müsse auch für die in Rede stehenden Anteile gelten.
      
      115     Diese fehlende Existenzfähigkeit der Unternehmensgruppe Verlipack im Jahr 1996 habe auch Generalanwalt Jacobs in seinen Schlussanträgen
         in der Rechtssache C‑457/00 (oben, Randnr. 44, I‑6934) gesehen.
      
      116    Wenn die Kommission an ihrer Auffassung in Bezug auf den Wert der Aktien im Jahr 1996 festhalte, dringe die Klägerin darauf,
         dass die Kommission einen Bewertungsbericht vorlege, um ihren Standpunkt zu untermauern, und angebe, inwieweit sie insbesondere
         die Lage der Gesellschaften der Unternehmensgruppe Verlipack sowie dem Umstand Rechnung getragen habe, dass die Aktien nicht
         mit einem Stimmrecht verbunden gewesen seien und selbst nach ihrer Umwandlung in Aktien mit Stimmrecht einen verschwindend
         geringen Prozentsatz am Kapital von Verlipack ausgemacht hätten.
      
      117    Im Übrigen werde diese Bewertung, dass der Betrag von 113 712 000 BEF nicht als die Höhe des verschafften Vorteils angesehen
         werden könne, durch zwei weitere Argumente gestützt: erstens sei diese Forderung zivilrechtlich erloschen. Aufgrund der Durchführung
         des Nachtrags vom 20. November 1998 sei sie schuldrechtlich entfallen; zweitens sei der Betrag von 113 712 000 BEF der Klägerin
         von der Region Wallonien aufgrund der Königlichen Verordnung von 1985 auferlegt worden.
      
      118    Die Klägerin führt hierzu aus, die Region Wallonien habe sich auf eine einschlägige rechtliche Verpflichtung berufen, um den
         in der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 vorgesehenen wirtschaftlich missbräuchlichen Preis zu rechtfertigen, so dass der
         gesetzlich oder vertraglich vorgegebene Preis als nicht verhandelbar und auferlegt dargestellt worden sei.
      
      119    Die Klägerin führt weiter aus, dass die Königliche Verordnung von 1985 zunächst, insbesondere in Artikel 3, keineswegs eine
         Rückkaufsverpflichtung festlege, sondern einen Rückkaufsanspruch betreffe, sodann vorsehe, dass die Zeichnungsvereinbarung
         einen Rückkaufsanspruch festlegen und dessen Modalitäten regeln müsse, die im vorliegenden Fall in Artikel 11 und in Anhang
         1 der Übereinkunft vom 30. April 1985 enthalten seien, und schließlich dem Unternehmen, in das der Staat investiere, den Anspruch
         auf Rückkauf der Rechtstitel von diesem verleihe, indem sie einen Preis festlege, der 80 % ihres Ausgabepreises nicht unterschreiten
         dürfe. Diese Bestimmung schließe nicht aus, dass der Staat außerhalb der Zeichnungsvereinbarung eine Kaufoption einräumen
         und einen Preis festlegen könne, der 80 % des Ausgabepreises unterschreite. Diese Bestimmung betreffe nicht die Fälle, in
         denen der Staat selbst als Antragsteller auftrete, um Kapital zu entnehmen, oder ein Privatunternehmen unter Druck setze,
         um seine Beteiligung zu beenden. Jede andere Auslegung würde bedeuten, dass der Staat in seiner Rolle als Aktionär gefangen
         wäre und seine Beteiligung nie mehr weiterveräußern könnte. Artikel 3 der Königlichen Verordnung von 1985 stehe daher der
         Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 und dem Nachtrag vom 20. November 1998, die offenkundig nicht auf den in der Übereinkunft
         vom 30. April 1985 enthaltenen Rückkaufsanspruch gestützt seien, nicht entgegen. 
      
      120    Somit gehe das Vorbringen der Kommission, die Klägerin habe durch den Abschluss des Nachtrags vom 20. November 1998 gegen
         Artikel 3 der Königlichen Verordnung von 1985 verstoßen, fehl, da die Region Wallonien nicht gesetzlich verpflichtet gewesen
         sei, den Preis für die Abtretung der Aktien auf 80 % ihres Nennwerts festzusetzen.
      
      121    Auch dem Vorbringen, der Preis der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der Kategorie I in Höhe von 113 712 000
         BEF sei durch die Übereinkunft vom 30. April 1985 vorgegeben gewesen, könne nicht gefolgt werden.
      
      122    Es sei nämlich keine der Bestimmungen der Übereinkunft vom 30. April 1985, insbesondere nicht deren Artikel 10 und 11, auf
         die vorliegende Rechtssache anwendbar. Denn Artikel 10 dieser Übereinkunft stelle eine Bedingung auf, die im Rahmen der Übereinkunft
         vom 18. Dezember 1996 unmöglich verwirklicht werden könne, da die in dieser Bestimmung vorgesehene Rückkaufsverpflichtung
         nur gelte, „soweit der Gewinnvortrag und die verfügbaren Rücklagen der Gesellschaften dies erlauben“. Außerdem kenne die Klägerin,
         die Herrn De Clerck nicht gleichgestellt werden könne, kein Papier, aus dem sich ergäbe, dass sie diese spezielle Verpflichtung
         übernommen hätte, und dieser Artikel 10 sei keine durch die Königliche Verordnung von 1985 auferlegte Bestimmung. Artikel
         11 der Übereinkunft vom 30. April 1985 stehe zwar im Einklang mit der Königlichen Verordnung von 1985, sei aber in der vorliegenden
         Rechtssache nicht einschlägig. Sowohl dieser Artikel als auch die dem Anhang 1 der Übereinkunft von 30. April 1985 beigefügte
         Vereinbarung über die Festlegung einer Option räumten den Verlipack-Gesellschaften nämlich nur ein Optionsrecht ein, legten
         ihnen aber keine Rückkaufsverpflichtung auf, wobei darauf hinzuweisen sei, dass dieses Recht den letztgenannten Gesellschaften
         und nicht der Klägerin zustehe.
      
      123    Schließlich habe die Region Wallonien vier Monate nach der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 mit Heye eine entsprechende
         Kaufverpflichtung ausgehandelt, in deren Rahmen sie auf den auf eine allgemeine Verpflichtung gestützten übermäßigen Preis
         verzichtet habe, da, wie aus Artikel 1 der Vereinbarung über die Option hervorgehe, auf den Nettowert der Aktiva und daher
         auf den wahren Wert der fraglichen Aktien und nicht auf den Ausgabepreis als Kriterium für die Preisfestsetzung abgestellt
         worden sei.
      
      124    Der Nachtrag vom 20. November 1998, den die Kommission zu Unrecht als völlig eigenständige Übereinkunft betrachte, was in
         Anbetracht seines Wortlauts sinnwidrig sei (seine Überschrift, seine Begründungserwägungen und seine Bestimmungen zeigten,
         dass es an der Eigenständigkeit dieses Nachtrags fehle; er sei vielmehr Bestandteil der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996),
         und bei dem die Kommission aus dem Blick verliere, dass dieser Vorgang die Bezahlung der von der Klägerin im Jahr 1996 erworbenen
         Aktien betreffe, nehme damit lediglich eine Anpassung des Transaktionspreises vor, indem die Regelung über die Zahlung derjenigen
         angeglichen werde, die Heye bereits zugestanden gewesen sei, wobei der Klägerin die Möglichkeit eingeräumt worden sei, die
         Region Wallonien für die zwangsweise erworbenen Aktien durch Abtretung einer Anzahl von Aktien im entsprechenden tatsächlichen
         wirtschaftlichen Wert zu bezahlen.
      
      125    Was, zweitens, die konkrete Beurteilung des Aspekts „Vorteil“ betrifft, so führt die Klägerin zunächst aus, dass die zurückgenommenen
         Aktien ihr keine zusätzliche Kontrolle verliehen hätten, da sie nicht mit einem Stimmrecht verbunden gewesen seien, solange
         die Region Wallonien sie gehalten habe (und daher von dieser jedenfalls nicht dazu hätten benutzt werden können, in den Entscheidungsfindungsprozess
         der Verlipack-Gesellschaften einzugreifen), ferner, dass sie auf Grund der Inhaberschaft der betreffenden Aktien keine Dividende
         oder anderen finanziellen Vorteil erlangt habe und schließlich, dass sie die betreffenden Aktien nicht habe zu Geld machen
         können, da sie im Rahmen des Eintritts von Heye die betreffenden Aktien zusammen mit ihrer Beteiligung an der Kontrolle über
         die Verlipack Holding I habe einbringen müssen. 
      
      126    Die Kommission hätte daher die tatsächlichen Zusammenhänge umfassend prüfen müssen, den Sachverhalt nicht isoliert untersuchen
         dürfen und von der wirtschaftlichen Realität ausgehen müssen, ohne ihre Prüfung auf die formaljuristischen Aspekte zu beschränken,
         wie der Gerichtshof in Bezug auf die Bestimmung des Wertes von Aktien im Urteil vom 24. Oktober 1996 in den Rechtssachen C‑329/93,
         C‑62/95 und C‑63/95 (Deutschland u. a./Kommission Slg. 1996, I‑5151, Randnr. 36) entschieden habe. Die Klägerin hält die Vorgehensweise
         der Kommission für restriktiv, da diese sich unter Ausschluss aller anderen Faktoren auf den Nennwert der Aktien beschränke,
         zu deren Erwerb die Klägerin gezwungen worden sei.
      
      127    Die Klägerin erläutert die Fehlerhaftigkeit der Prüfung durch die Kommission wie folgt: Hätte die Region Wallonien ihr die
         Aktien von Anfang an unentgeltlich ohne jede Vergütung oder Gegenleistung überlassen, anstatt sie ihr zu verkaufen und vorzuschreiben,
         dass die Rückzahlung später entweder durch Barzahlung oder durch Überlassung an Zahlungs statt erfolgen solle, so wäre bei
         der Beurteilung, ob ein Vorteil vorgelegen und welchen Umfang dieser gehabt habe, lediglich der Wert der unentgeltlich enthaltenen
         Aktien berücksichtigt worden. Deshalb vertritt die Klägerin die Ansicht, dass in dieser Rechtssache den spezifischen Umständen,
         d. h. dem erzwungenen Rückkauf und dem willkürlich festgelegten Preis, Rechnung zu tragen sei und dass, da die tatsächlich
         gegebene und die oben dargestellte Situation einander sehr ähnlich seien, sie im Hinblick auf das Recht staatlicher Beihilfen
         gleich zu beurteilen seien. In beiden Fällen halte nämlich die Klägerin bestimmte Aktien; darauf, ob diese unentgeltliche
         Bereitstellung unmittelbar oder mittels einer Befreiung von der Zahlungsverpflichtung erfolge, dürfe es nicht ankommen. Die
         Kommission hätte daher ihre Prüfung auf den wirklichen Wert der an die Klägerin abgetretenen Aktiva erstrecken müssen, anstatt
         sich auf eine abstrakte Forderung zu stützen. Nur eine solche Prüfung hätte die Beurteilung ermöglicht, ob in der wirtschaftlichen
         Realität ein Vorteil vorliege.
      
      128    Die Kommission beantragt, diesen Teil zurückzuweisen. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      129    Zunächst ist das Vorbringen der Klägerin zu prüfen, sie sei von der Region Wallonien durch die Übereinkunft vom 18. Dezember
         1996 zum Erwerb von 14 214 Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheinen der Kategorie I für einen Betrag von 113 712 000
         BEF gezwungen worden. Dieses Vorbringen stützt sich auf die Note vom 25. Mai 1998, in der die belgischen Behörden der Kommission
         mitteilten: „Da die Region Wallonien das Vertrauen in die Unternehmensgruppe Beaulieu verloren hat, macht sie ihre Zustimmung
         zur Gründung der beiden Holdings von der Bedingung des Rückkaufs ihrer Aktien an den Betriebsstandorten Verlipack Ghlin et
         Verlipack Jumet abhängig.“
      
      130    Vorab ist festzustellen, dass der Rückkauf der Aktien, der Gegenstand der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 war, von der
         Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht als staatliche Beihilfe qualifiziert wird. 
      
      131    Weiter hat Artikel 3 des Nachtrags vom 18. November 1987 folgenden Wortlaut: „Die Unterzeichneten Imcour NV und R. De Clerck
         verpflichten sich unwiderruflich, ab dem 1. Oktober 1987 alle für die Adsum NV und Herrn De Backer an diesem Tag bestehenden
         Verpflichtungen in der in der Übereinkunft vom 30. April 1985 und ihrem Anhang festgelegten Form zu übernehmen und zu erfüllen.“
      
      132    Zu diesen Verpflichtungen gehörte die in Artikel 10 Absatz 1 der Übereinkunft vom 30. April 1985 genannte, nach der sich Adsum
         verpflichtete, dass die drei Verlipack-Gesellschaften ab dem fünften Geschäftsjahr nach Unterzeichnung dieser Übereinkunft
         jährlich 10 % der von der NMNS gehaltenen Aktien der Kategorie B (Rückkauf zu ihrem Nennwert) und der Gewinnanteilscheine
         der Kategorie I (Rückkauf zum Einheitspreis von 10 000 BEF) zurückkaufen, soweit der Gewinnvortrag und die verfügbaren Rücklagen
         dieser Gesellschaften dies erlaubten. Nach Artikel 10 Absatz 3 dieser Übereinkunft sollte Adsum, käme es nicht zu solchen
         Vereinbarungen, selbst die in diesem Artikel vorgesehenen Verpflichtungen erfüllen.
      
      133    Ferner hieß es im Nachtrag vom 18. November 1987, dass ein Wechsel bei der Aufsicht über den Vorstand der Verlipack-Gesellschaften
         erfolgt sei und die Minister für Wirtschaft und für Finanzen gemäß Artikel 14 Absatz 2 der Übereinkunft vom 30. April 1985
         am 17. November 1987 ihre Zustimmung erteilt hätten.
      
      134    Schließlich sah Artikel 16 der Übereinkunft vom 30. April 1985 eine Änderung der Statuten der Gesellschaften vor, um den in
         dieser Übereinkunft enthaltenen Bestimmungen Rechnung zu tragen.
      
      135    Daraus ergibt sich, dass die Klägerin in voller Kenntnis des Sachverhalts einwilligte, nicht nur die Rechte, sondern auch
         die in der Übereinkunft vom 30. April 1985 festgelegten Verpflichtungen zu übernehmen, die Adsum und Herr De Backer gegenüber
         Verlipack und dem belgischen Staat besaßen bzw. eingegangen waren und die nach Artikel 16 dieser Übereinkunft fester Bestandteil
         der Statuten der Verlipack-Gesellschaften sein sollten. Insbesondere die Imcour Holding, deren Nachfolge die Klägerin angetreten
         hat, verpflichtete sich gemäß Artikel 3 des Nachtrags vom 18. November 1987 unwiderruflich, die Verpflichtungen und die Bedingungen
         für den Rückkauf der von der NMNS am Kapital von Verlipack gehaltenen Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der
         Kategorie I zu erfüllen.
      
      136    Die Klägerin kann im Übrigen die Geltung dieser Rückkaufsverpflichtung auch nicht dadurch ausschließen, dass sie sich auf
         die in Artikel 10 Absatz 1 der Übereinkunft vom 30. April 1985 erwähnte Bedingung des Vorliegens eines Gewinnvortrags und
         der Verfügbarkeit von Rücklagen der Verlipack- Gesellschaften beruft, da nach Artikel 10 Absatz 3 dieser Übereinkunft die
         Klägerin die von der NMNS gehaltenen Aktien der Kategorie B und die Gewinnanteilscheine der Kategorie I auf jeden Fall selbst
         zurückkaufen musste, falls kein Erwerb durch die Verlipack-Gesellschaften erfolgte.
      
      137    Zudem ist die Klägerin durch den vorzeitigen Rückkauf der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der Kategorie
         I, der Gegenstand der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 war, in den Genuss mehrerer Vorteile gelangt.
      
      138    Erstens erwarb sie unmittelbar das Eigentum an sämtlichen noch von den wallonischen Behörden gehaltenen Aktien der Kategorie
         B und Gewinnanteilscheinen der Kategorie I, die sie aufgrund des Nachtrags vom 18. November 1987 auf jeden Fall in jährlichen
         Tranchen übernehmen musste, was es ihr ermöglichte, die Umstrukturierung von Verlipack vorzunehmen, indem sie Heye in die
         Gesellschaft aufnahm, und die Struktur der Unternehmensgruppe dadurch zu vereinfachen, dass sie sämtliche Aktien auf die Verlipack
         Holding I übertrug.
      
      139    Wie aus den Akten hervorgeht (vgl. u. a. Randnrn. 11 und 12 der angefochtenen Entscheidung, Nr. 23 der Klageschrift und Absätze
         6 und 7 des an die Kommission gerichteten Schreibens des Königreichs Belgien vom 26. Juli 2001), war die Lage der Gesellschaften
         der Unternehmensgruppe Verlipack 1996 so Besorgnis erregend, dass die Aufnahme eines Spezialisten auf dem Gebiet der Glaserzeugung
         unerlässlich schien, um die wirtschaftliche Erholung der Unternehmensgruppe zu ermöglichen. Im Übrigen wollte sich dieser
         Spezialist, Heye, nicht am Kapital einer Unternehmensgruppe beteiligen, an dem die öffentliche Hand eine Beteiligung hielt,
         was in den Augen von Heye „die Gefahr eines Wechsels der Mehrheit im Fall eines Bündnisses zwischen der Region Wallonien und
         der Unternehmensgruppe Beaulieu hätte bedeuten können“.
      
      140    Diese in der Note vom 25. Mai 1998 enthaltene Feststellung wird von der Klägerin übrigens nicht bestritten, die in Nummer
         22 ihrer Klageschrift ausführt: „Die Unternehmensgruppe Beaulieu spürt deutlich, dass der öffentliche Aktionär zu einer aktiven
         Unterstützung der drei Verlipack-Gesellschaften nicht mehr bereit ist, und ohne radikale Maßnahmen steuern diese direkt auf
         den Konkurs zu. Beaulieu unternimmt es daher, eine Sanierungsaktion zustande zu bringen und sucht hierfür strategische Partner,
         die über anerkannte Erfahrung auf dem Glasmarkt verfügen. In diesem Zusammenhang finden die Verhandlungen mit … Heye …, einem
         der führenden deutschen Glashersteller, statt.“ 
      
      141    Zudem geht aus dem an die Kommission gerichteten Schreiben des Königreichs Belgien vom 26. Juli 2001 hervor, dass „Beaulieu
         und Heye sowie die Region Wallonien Verhandlungen aufgenommen haben, um den Verkauf der Unternehmensgruppe Verlipack an Heye
         zu gestalten und eine neue, im April 1997 eingerichtete Finanzstruktur einzuführen“, und dass „im Anschluss an eine Absprache
         zwischen Beaulieu und Heye vereinbart wurde, dass die von der Region Wallonien an Verlipack Ghlin und Verlipack Jumet gehaltenen
         Aktien und Gewinnanteilscheine von Beaulieu zurückzukaufen sind, bevor die Region Wallonien erneut interveniert“.
      
      142    Im Übrigen war die Region Wallonien an der Umstrukturierung der Unternehmensgruppe Verlipack, mit der die ihr drohenden Verluste
         eingedämmt werden sollten, aktiv beteiligt. Wie den Randnummern 18 bis 22 der Entscheidung 2001/856 zu entnehmen ist, vergab
         die Region Wallonien 1997 zwei Darlehen in Höhe von jeweils 250 Millionen BEF an Heye, mit denen im Hinblick auf diese Umstrukturierung
         die Kapitaleinlage der Letztgenannten bei Verlipack finanziert wurde (vgl. hierzu auch Urteil vom 3. Juli 2003, Belgien/Kommission,
         oben, Randnr. 44, Randnrn. 22 bis 24).
      
      143    Zweitens ist im Zusammenhang mit den erwähnten Verhandlungen und der erfolgten Absprache zwischen Beaulieu und Heye auch auf
         die Vorteile hinzuweisen, die die Klägerin in Bezug auf den Preis der von ihr erworbenen Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheine
         der Kategorie I sowie in Bezug auf die Zahlungsmodalitäten dafür erlangt hat.
      
      144    So gelangte die Klägerin zunächst, während sie nach der Übereinkunft vom 30. April 1985, der sie sich durch den Nachtrag vom
         18. November 1987 angeschlossen hatte, den vereinbarten Preis nach Maßgabe der Fälligkeiten hätte entrichten müssen, durch
         die Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 in den Genuss der Möglichkeit, die Zahlung des Preises für die betreffenden Aktien
         und Gewinnanteilscheine bis zum 31. Dezember 2001, und zwar ohne Zinsen, aufzuschieben, obwohl sie die Gesamtheit dieser Aktien
         und Gewinnanteilscheine unmittelbar erworben hatte und somit die Umstrukturierung von Verlipack erleichtern konnte. 
      
      145    Ferner gelangte die Klägerin entgegen ihrem Vorbringen, dass der Preis nicht verhandelbar gewesen sei und sie somit den Betrag
         von 142 140 000 BEF habe entrichten müssen, der 100 % des Nennwerts der betreffenden Anteile und Gewinnanteilscheine entsprochen
         habe, in den Genuss einer Minderung in Höhe von 28 428 000 BEF, da der entrichtete Preis gemäß Artikel 3 der Königlichen Verordnung
         von 1985 80 % des Ausgabepreises entsprach, obwohl sie unmittelbar ein Eigentumsrecht sowie das Recht erworben hatte, den
         Betrag von 113 712 000 BEF erst am einen 31. Dezember 2001, und zwar ohne Zinsen, zu entrichten. 
      
      146    Schließlich geht dieses Ergebnis auch aus dem an die Kommission gerichteten Schreiben des Königreichs Belgien vom 26. Juli
         2001 hervor, wonach „die Unternehmensgruppe Beaulieu den Rückkauf dieser Aktien und dieser Gewinnanteilscheine im Austausch
         gegen günstige Zahlungsbedingungen, d. h. eine Fälligkeit der Rückzahlung in vier Jahren ohne Zinsen, akzeptierte, um die
         geplante Umstrukturierung unter Leitung von Heye und in Zusammenarbeit mit der Region Wallonien erleichtern zu können“.
      
      147    Somit ist der letzte der Note vom 25. Mai 1998 entnommene Absatz, auf den sich die Klägerin zur Stützung ihres Vorbringens
         berufen hat, dass es bei dem Rückkauf der betreffenden Aktien und Gewinnanteilscheine durch die Übereinkunft vom 18. Dezember
         1996 keinerlei Verhandlungsspielraum gegeben habe, im Licht des gesamten Kontextes des oben dargestellten Rückkaufs auszulegen,
         insbesondere im Licht der erwiesenen Verhandlungen zwischen Heye und der Klägerin, die zu einer Vereinbarung und dem Einverständnis
         der Klägerin mit dem betreffenden und mit den erwähnten Bedingungen verbundenen Rückkauf geführt hat, und kann daher nicht
         dahin verstanden werden, er lasse die Ausübung von Zwang gegenüber der Klägerin durch die Region Wallonien erkennen. 
      
      148    Im Übrigen wird dieses Ergebnis insoweit durch die weiteren Absätze der besagten Note vom 25. Mai 1998 gestützt, als darin
         ausdrücklich auf die Notwendigkeit Bezug genommen wird, die Aufsicht über die Unternehmensgruppe auf Heye zu übertragen, um
         die Lage von Verlipack zu verbessern, damit die Mehrheit des neuen Investors in dieser Holding gesichert werden könne, was
         eher dem von der Klägerin geäußerten Willen zuzurechnen war, Heye am Vorgang der wirtschaftlichen Erholung der Unternehmensgruppe
         Verlipack zu beteiligen.
      
      149    In Anbetracht der von der Klägerin im Nachtrag vom 18. November 1987 eingegangenen Verpflichtung zum Rückkauf der Aktien der
         Kategorie B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I sowie der zwischen der Unternehmensgruppe Beaulieu und Heye getroffenen
         Vereinbarung, die diesem Rückkauf vorausgegangen war, und der sich hieraus ergebenden Vorteile ist das Vorbringen der Klägerin,
         sie sei von den wallonischen Behörden zu diesem Vorgehen gezwungen worden, daher zurückzuweisen.
      
      150    Weiter ist das Vorbringen der Klägerin zu prüfen, der Preis der betreffenden Aktien und Gewinnanteilscheine, deren Wert bei
         Null gelegen habe, ja sogar negativ gewesen sei, sei bei der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 überschätzt worden und Gegenstand
         des Nachtrags vom 20. November 1998 sei eine Anpassung des dort festgelegten Preises gewesen, um ihn demjenigen anzugleichen,
         der vier Monate später von der Verlipack Holding I oder – wie die Klägerin vorträgt – von Heye im Rahmen einer entsprechenden
         Rückkaufsverpflichtung in der Übereinkunft vom 9. April 1997 für Aktien gezahlt worden sei, deren Preis nach Maßgabe ihres
         tatsächlichen Wertes und nicht nach ihrem Nennwert festgelegt worden sei.
      
      151    Erstens ist in Bezug auf die Überbewertung des in der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 festgelegten Preises daran zu erinnern,
         dass die Klägerin dadurch, dass sie sich mit dem Nachtrag vom 18. November 1987 der Übereinkunft vom 30. April 1985 anschloss,
         in den Rückkauf der von der NMNS gehaltenen Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I nach dem dort festgelegten
         Zeitplan und Preis einwilligte und zudem wusste, dass der Preis der Vorzugsaktien ohne Stimmrecht nach dem Wortlaut der bereits
         spezifisch in Artikel 4 Buchstaben f letzter Absatz der Übereinkunft vom 30. April 1985 erwähnten Königlichen Verordnung von
         1985 80 % ihres Ausgabepreises nicht unterschreiten konnte.
      
      152    Dem in Randnummer 97 des vorliegenden Urteils wiedergegebenen Wortlaut des Schreibens vom 11. Januar 2001, eingegangen am
         15. Januar 2001, ist zu entnehmen, dass die wallonischen Behörden der Kommission schriftlich mitgeteilt haben, dass der Preis
         von 113 712 000 BEF gemäß der Königlichen Verordnung von 1985 80 % des Ausgabepreises dieser Aktien und Gewinnanteilscheine
         darstellte.
      
      153    Auch aus dem an die Kommission gerichteten Schreiben des Königreichs Belgien vom 26. Juli 2001 geht hervor, dass die belgischen
         Behörden auf die Behauptung der Kommission, „[d]ie Verpflichtung, einen Preis in Höhe von 80 % des Ausgabepreises festzulegen,
         ist ein gesetzliches Erfordernis, das ausnahmslos für alle gilt, die Vorzugsaktien dieser Art kaufen wollen“, antworteten,
         dass sie bereits der Tatsache Rechnung getragen hätten, dass die Königlichen Verordnung von 1985 nicht die Bedingungen vorgebe,
         unter denen die Zahlung zu erfolgen habe, und dass die vereinbarten Sonderbedingungen durch die Mehrkosten gerechtfertigt
         seien, die sich für die Unternehmensgruppe Beaulieu aus der Anwendung der belgischen Rechtsvorschriften ergäben.
      
      154    Damit bestätigten die belgischen Behörden zwar, wie aus den Randnummern 77 bis 79 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht,
         dass für die betreffenden Aktien und Gewinnanteilscheine ein Preis gezahlt wurde, der ihrer Ansicht nach nicht der wirtschaftlichen
         Realität entsprach, sie rechtfertigten diesen Preis jedoch im Hinblick auf die Königliche Verordnung von 1985, die auf jedes
         Erwerbsgeschäft der in der vorliegenden Rechtssache in Rede stehenden Art anwendbar sei, und betont in den in den Randnummern
         152 und 153 des vorliegenden Urteils erwähnten Schreiben vom 11. Januar und 26. Juli 2001, diese Mehrkosten dadurch ausgeglichen
         zu haben, dass sie vorteilhafte Rückzahlungsbedingungen, nämlich die Zahlung durch die Klägerin vier Jahre nach dem Eigentumsübergang
         ohne Zinsen gewährt sowie für die Akzeptanz dieses Preises durch die Unternehmensgruppe Beaulieu gesorgt hätten.
      
      155    Im Übrigen zeigen die Randnummern 10 und 13 der Entscheidung über die Einleitung des förmlichen Prüfverfahrens, dass die Aktiva
         höher als die Schulden waren, wobei das aus den drei Betriebsstandorten (Ghlin, Jumet und Mol) bestehende Vermögen auf 515
         Millionen BEF und die Schulden auf über 362,8 Millionen BEF geschätzt wurden. 
      
      156    Schließlich ist den Akten nicht zu entnehmen, dass die Klägerin im Rahmen irgendeines innerstaatlichen Gerichtsverfahrens
         ihre Verpflichtung zur Zahlung des Preises für die in Rede stehenden Aktien und Gewinnanteilscheine in der in der Übereinkunft
         vom 18. Dezember 1996 genannten und von ihr im Übrigen auch akzeptierten Höhe oder die Anwendbarkeit der Königlichen Verordnung
         von 1985 in Frage gestellt hätte.
      
      157    Zweitens ist zum Gegenstand des Nachtrags vom 20. November 1998 festzustellen, dass er als Gründe für die Tilgung der Schuld
         entweder die Zahlung durch Überweisung eines Betrages von 113 712 000 BEF oder die Übertragung von 9 704 Aktien am Kapital
         der Gesellschaft Verlipack Holding II vorsah.
      
      158    Indem der Nachtrag vom 20. November 1998 festlegte, dass die Schuld nicht nur durch Überweisung eines Betrages von 113 712 000
         BEF, sondern auch durch die Übertragung von 9 704 wertlosen Aktien getilgt werden konnte, kann er somit keine Anpassung des
         in der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 vereinbarten Preises an denjenigen zum Gegenstand haben, der in der Übereinkunft
         vom 9. April 1997 festgelegt worden war, da er sich seinem eigenen Wortlaut nach darauf beschränkte, die Möglichkeit einer
         Tilgung der Schuld durch die Übertragung wertloser Aktien hinzuzufügen.
      
      159    Hätte der Wille vorgelegen, eine Anpassung des Preises vorzunehmen, müsste man im Übrigen vernünftigerweise annehmen, dass
         auch eine Minderung des durch Überweisung zu zahlenden Preises vorgesehen worden wäre und dass ein solcher Nachtrag nicht
         am 20. November 1998, also ungefähr 20 Monate nach der Unterzeichnung der Übereinkunft vom 9. April 1997 zwischen der Region
         Wallonien und der (von Heye gehaltenen) Verlipack Holding I angenommen worden wäre, einem Zeitpunkt, zu dem, wie aus Randnummer
         75 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, die Verlipack Holding II zahlungsunfähig war. Die Rechtbank van Koophandel te
         Bergen stellte nämlich mit Urteil vom 31. Mai 1999 fest, dass die Verlipack Holding II die Zahlungen bereits im Juni 1998
         eingestellt habe.
      
      160    Folglich kann dem Vorbringen der Klägerin, der tatsächliche Wert der Anteile sei im Jahr 1996 Null, ja sogar negativ, gewesen
         und der Nachtrag vom 20. November 1998 habe eine Anpassung des in der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 festgelegten Preises
         an denjenigen zum Gegenstand gehabt, der in der Übereinkunft vom 9. April 1997 festgelegt worden sei, nicht gefolgt werden.
      
      161    Nach alledem ist der erste Teil des ersten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
       Zum zweiten Teil: Wenn ein Vorteil gewährt worden sei, könne die Klägerin nicht als begünstigtes Unternehmen im Sinne des
         Artikels 87 Absatz 1 EG angesehen werden
      
      –        Vorbringen der Parteien
      162    Zur Begründung dieses Teils stützt sich die Klägerin auf die Entscheidung 2001/856, insbesondere deren Randnummern 109 und
         110, in denen die Kommission ausführe, dass der Empfänger einer Beihilfe, der diese gegebenenfalls zurückzahlen müsse, nicht
         unbedingt das Unternehmen sei, das die Mittel direkt von den staatlichen Stellen erhalten habe, sondern das Unternehmen, das
         ihr tatsächlicher Nutznießer gewesen sei. Dies werde laut Randnummer 110 der Entscheidung 2001/856 durch die Rechtsprechung
         des Gerichtshofs bestätigt, der zwischen Unternehmen, die nur als Träger für die Weiterleitung der Mittel gedient hätten,
         einerseits und denjenigen, die daraus einen Nutzen gezogen hätten, durch den sie als Empfänger gelten könnten, andererseits
         unterscheide. Die Klägerin weist aber erneut darauf hin, dass sie die Aktien, zu deren Erwerb sie gezwungen worden sei und
         die sie nicht habe behalten wollen, nur über einen beschränkten Zeitraum gehalten habe. Wie der an die Kommission gerichteten
         Note der Region Wallonien vom 25. Mai 1998 zu entnehmen sei, müsse der erzwungene Rückkauf dieser Aktien im Licht der Tatsache
         gesehen werden, dass Heye die Kontrolle über die Unternehmensgruppe Verlipack habe übernehmen sollen, weshalb die betreffenden
         Aktien bei der Verlipack Holding I platziert worden und unmittelbar in die Hände von Heye gelangt seien.
      
      163    Die Klägerin ist daher der Ansicht, dass sie nicht als im Sinne des Artikels 87 Absatz 1 EG begünstigt angesehen werden könne.
      
      164    Folglich verstoße die angefochtene Entscheidung dadurch, dass sie die Klägerin als Empfängerin einer staatlichen Beihilfe
         ansehe, sowohl gegen Artikel 87 Absatz 1 EG als auch gegen Artikel 7 in Verbindung mit Artikel 13 der Verordnung Nr. 659/1999.
      
      165    Die Kommission beantragt, diesen Teil zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      166    Erstens ist festzustellen, dass das Vorbringen der Klägerin, soweit es auf dem angeblichen Zwang beruht, der beim Rückkauf
         der 14 214 Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I durch die Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 auf
         die Klägerin ausgeübt worden sei, aus den in den Randnummern 129 bis 149 des vorliegenden Urteils dargelegten Gründen zurückzuweisen
         ist.
      
      167    Zweitens wäre dem Vorbringen der Klägerin auch dann nicht zu folgen, wenn es nicht im Licht dieses erzwungenen Rückkaufs zu
         sehen wäre.
      
      168    Wie in den Randnummern 131 bis 149 des vorliegenden Urteils festgestellt, willigte die Klägerin aufgrund einer Verpflichtung,
         die Adsum im Rahmen der Übereinkunft vom 30. April 1985, der sich die Klägerin durch Nachtrag vom 18. November 1987 anschloss,
         übernommen hatte und die in die Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 aufgenommen worden war, nämlich ein, die Aktien der Kategorie
         B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I, die die Region Wallonien am Kapital der Verlipack Jumet SA und der Verlipack Ghlin
         SA hielt, durch Zahlung von 113 712 000 BEF zurückzukaufen.
      
      169    Somit verzichtete die Region Wallonien, die daher über eine objektiv bestehende und fällige Forderung in Höhe von 113 712 000
         BEF gegenüber der Klägerin verfügte, am 20. November 1998 auf diese Forderung im Austausch gegen Aktien am Kapital einer Gesellschaft,
         die zu diesem Zeitpunkt wertlos waren, was die Klägerin nicht bestreitet. Diese hat aber nicht dargetan, dass sie im Anschluss
         an diesen Forderungsverzicht im November 1998 diesen Betrag dem Kapital von Verlipack Holding II oder dem einer anderen Gesellschaft
         zugeführt hätte, die somit Empfängerin gewesen wäre, so dass dieser Betrag im Vermögen der Klägerin verblieben ist.
      
      170    Die Kommission ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass die Klägerin in den Genuss einer Übertragung öffentlicher Mittel
         zu ihren Gunsten gelangte.
      
      171    Folglich ist der zweite Teil dieses Klagegrundes zurückzuweisen.
      
       Zum dritten Teil: Beeinträchtigung des Wettbewerbs und des innergemeinschaftlichen Handels
      –       Vorbringen der Parteien
      172    Die Klägerin trägt vor, dass die Kommission in den Randnummern 70 bis 72 der angefochtenen Entscheidung nur eine sehr kurze
         Prüfung der beiden Voraussetzungen betreffend die Beeinträchtigung des Wettbewerbs und die Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen
         Handels vornehme, denn sie beschränke sich auf die Behauptung, dass diese Voraussetzungen erfüllt seien, da die Unternehmensgruppe
         Beaulieu ein führender Akteur auf den Textilmarkt sei und einen Großteil seiner Produktion ausführe.
      
      173    Dies laufe auf die Aussage hinaus, dass die Kommission bei Wirtschaftsteilnehmern wie der Unternehmensgruppe Beaulieu von
         der Verpflichtung befreit sei, nachzuweisen, dass diese beiden Voraussetzungen erfüllt seien. Die Klägerin sei aber in erster
         Linie als Aktionärin der Verlipack-Gesellschaften betroffen, nicht als Herstellerin von Textilien, und der Umstand, dass sie
         zum Erwerb von Aktien einer Unternehmensgruppe gezwungen worden sei, die Verpackungsgläser herstelle, und diese Aktien in
         einer von einem anderen Wirtschaftsteilnehmer auf diesem Markt kontrollierten Holding habe platzieren müssen, weise kaum einen
         Bezug zur Tätigkeit der Unternehmensgruppe Beaulieu auf den Textilmarkt auf. Da die Beihilfe auf einem anderen Markt als demjenigen
         angesiedelt sei, auf dem sich die Wettbewerbsverzerrung zeige, sei die angefochtene Entscheidung fehlerhaft, da sie in Bezug
         auf die beiden in Artikel 87 Absatz 1 EG genannten Voraussetzungen nur auf die Stellung der Unternehmensgruppe Beaulieu auf
         dem Textilmarkt Bezug nehme. Außerdem habe der Umstand, dass die Klägerin Mittel aus ihrem Vermögen abgezogen habe, um sie
         bei Verlipack zu platzieren, ihre Tätigkeit in der Textilbranche gehemmt und nicht gefördert, und zwar umso mehr, als der
         sich aus dieser Investition ergebende Verlust erheblich gewesen sei. 
      
      174    Indem die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Rückzahlung des erwähnten Betrages fordere, beseitige sie keine
         Wettbewerbsverzerrung, eher im Gegenteil, und bestrafe die Unternehmensgruppe Beaulieu, obwohl die öffentliche Hand selbst
         eingeräumt habe, dass der von der Klägerin als Gegenleistung für die Aktien gezahlte Preis unverhältnismäßig gewesen sei und
         die Region Wallonien die Gegenleistung durch den Nachtrag vom 20. November 1998 berichtigt habe. Außerdem habe die Klägerin
         die Aktien in Verlipack Holding I nur vorübergehend gehalten, ohne aus ihnen irgendeinen finanziellen oder wirtschaftlichen
         Vorteil zu ziehen. Selbst bei der Annahme, die Klägerin hätte diese Aktien unentgeltlich erhalten, kann dieses Geschenk nach
         Ansicht der Klägerin keinen Einfluss auf den Wettbewerb auf dem Textilmarkt haben.
      
      175    Die Kommission beantragt, in diesen Teil zurückzuweisen. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      176    Vorab ist festzustellen, dass die Klägerin mit diesem Teil zum einen die Prüfung, die die Kommission in Bezug auf die Feststellung
         der in Artikel 87 Absatz 1 EG genannten Voraussetzungen der Wettbewerbsverzerrung und der Beeinträchtigung des Handels zwischen
         Mitgliedstaaten vorgenommen hat, und außerdem die angeblich kurze Begründung in der angefochtenen Entscheidung hinsichtlich
         dieser beiden Voraussetzungen rügt, was auch Gegenstand des vierten Klagegrundes und daher im Zusammenhang mit diesem zu prüfen
         ist.
      
      177    In Bezug auf die Voraussetzung der Wettbewerbsverzerrung ist daran zu erinnern, dass nach ständiger Rechtsprechung Beihilfen,
         mit denen ein Unternehmen von Kosten befreit werden soll, die es normalerweise im Rahmen seines laufenden Betriebes oder seiner
         üblichen Tätigkeiten hätte tragen müssen, grundsätzlich die Wettbewerbsbedingungen verfälschen (vgl. Urteile des Gerichts
         vom 8. Juni 1995 in der Rechtssache T‑459/93, Siemens/Kommission, Slg. 1995, II‑1675, Randnrn. 48 und 77, und die dort zitierte
         Rechtsprechung, und vom 30. April 1998 in der Rechtssache T‑214/95, Vlaamse Gewest/Kommission, Slg. 1998, II‑717, Randnr.
         43).
      
      178    Begünstigt ferner eine staatliche Stelle ein Unternehmen, das in einer durch intensiven Wettbewerb gekennzeichneten Branche
         tätig ist, durch die Einräumung eines Vorteils, so liegt eine Verzerrung des Wettbewerbs oder die Gefahr einer solchen Verzerrung
         vor (Urteil Vlaamse Gewest/Kommission, oben, Randnr. 177, Randnr. 46).
      
      179    Wie im Rahmen der Prüfung des ersten und des zweiten Teils dieses Klagegrundes festgestellt worden ist, hat die Region Wallonien
         im vorliegenden Fall auf eine Forderung in Höhe von 113 712 000 BEF verzichtet, die sie gegen die Klägerin hatte, die ihre
         Tätigkeit in einer Branche, nämlich der Textilbranche, ausübt, in der ein völlig offener Wettbewerb herrscht.
      
      180    Somit ist die Kommission in Randnummer 71 der angefochtenen Entscheidung zu Recht davon ausgegangen, dass die streitige Beihilfe
         den Wettbewerb verfälschte oder zu verfälschen drohte.
      
      181    In Bezug auf die Voraussetzung der Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten geht aus der ständigen Rechtsprechung
         hervor, dass eine staatliche Beihilfe den innergemeinschaftlichen Handel beeinflusst, wenn sie die Stellung eines Unternehmens
         gegenüber konkurrierenden Unternehmen im innergemeinschaftlichen Handel stärkt (Urteile des Gerichtshofes vom 17. September
         1980 in der Rechtssache 730/79, Philip Morris/Kommission, Slg. 1980, 2671, Randnr. 11, und vom 17. Juni 1999 in der Rechtssache
         C‑75/97, Belgien/Kommission, Slg. 1999, I‑3671, Randnr. 47, Urteile des Gerichts, Vlaamse Gewest/Kommission, oben, Randnr.
         177, Randnr. 50, vom 11. Juli 2002 in der Rechtssache T‑152/99, HAMSA/Kommission, Slg. 2002, II‑3049, Randnr. 220, und Fleuren
         Compost/Kommission, oben, Randnr. 83, Randnr. 57).
      
      182    Im vorliegenden Fall hat die Kommission in Randnummer 70 der angefochtenen Entscheidung von der Klägerin unbeanstandet eine
         Tabelle erstellt, der zu entnehmen ist, dass für Teppiche und andere textile Bodenbeläge zwischen Belgien und dem Rest der
         Welt ein reger Handel stattfindet, wobei Belgien im Jahr 1998 Ausfuhren im Wert von 2 009 560 000,84 Euro und Einfuhren im
         Wert von 211 659 000,19 Euro getätigt hat. 
      
      183    Aus Randnummer 71 der angefochtenen Entscheidung, insbesondere der Fußnote 17, geht ferner hervor, dass die Klägerin Europas
         führender Teppichhersteller ist, der 98 % seiner Produktion ausführt. Die Kommission hat weiter angegeben, dass die Umsätze
         der Klägerin 1997 4 379 764 000 BEF, 1998 5 182 220 000 BEF und 1999 4 821 857 000 BEF betragen hätten.
      
      184    Schließlich kann dem Vorbringen der Klägerin nicht gefolgt werden, die Voraussetzungen nach Artikel 87 Absatz 1 EG seien im
         vorliegenden Fall nicht erfüllt, da die streitige Beihilfe auf einem anderen Markt als dem angesiedelt sei, auf dem sich die
         Wettbewerbsverzerrung gezeigt habe. Nach der angefochtenen Entscheidung betraf das Verfahren in Bezug auf die in Rede stehende
         staatliche Beihilfe nämlich die Unternehmensgruppe Beaulieu, die, wie aus Randnummer 22 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht,
         von der Klägerin beherrscht wird. Die gewährte Beihilfe in Höhe von 113 712 000 BEF, die, wie in Randnummer 169 des vorliegenden
         Urteils festgestellt worden ist, nicht dem Kapital von Verlipack Holding II oder demjenigen einer anderen Gesellschaft in
         der Glasbranche zugeführt wurde, ist im Vermögen der Unternehmensgruppe Beaulieu verblieben. Diese Beihilfe hatte daher zwangsläufig
         Auswirkungen auf den Tätigkeitsbereich, in dem die Unternehmensgruppe Beaulieu aktiv ist, nämlich die Textilbranche. Die Beihilfe,
         in deren Genuss die Klägerin gelangt ist, hat somit zu einem Wettbewerbsvorteil auf dem Textilmarkt geführt. 
      
      185    Folglich kann der dritte Teil keinen Erfolg haben und ist der erste Klagegrund insgesamt zurückzuweisen. 
      
       Zum zweiten Klagegrund: Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sowie gegen Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/1999
       Vorbringen der Parteien
      186    Die Klägerin erinnert daran, dass nach der Rechtsprechung die Handlungen der Gemeinschaftsorgane nicht die Grenzen dessen
         überschreiten dürften, was zur Erreichung des verfolgten Zieles geeignet und erforderlich sei (Urteil des Gerichtshofes vom
         17. Mai 1984 in der Rechtssache 15/83, Denkavit Nederland, Slg. 1984, 2171, Urteil des Gerichts vom 22. November 2001 in der
         Rechtssache T‑9/98, Mitteldeutsche Erdöl-Raffinerie/Kommission, Slg. 2001, II‑3367), und dass dieser Grundsatz in Artikel
         14 der Verordnung Nr. 659/1999 Eingang gefunden habe, der vorsehe, dass die Kommission nicht die Rückforderung einer Beihilfe
         verlange, wenn dies gegen einen allgemeinen Grundsatz des Gemeinschaftsrechts verstoßen würde.
      
      187    Die Klägerin glaubt jedoch, dargetan zu haben, dass ihr der erzwungene Rückkauf der in Rede stehenden Aktien und Gewinnanteilscheine
         an den Verlipack-Gesellschaften keinen finanziellen oder sonstigen Vorteil im Sinne des Artikels 87 EG gebracht habe, so dass
         es gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoße, ihr die Rückforderung einer nicht vorhandenen Beihilfe aufzuerlegen.
      
      188    Außerdem sei es, selbst wenn man annehme, dass eine sie begünstigende staatliche Beihilfe gewährt worden sei, nicht möglich,
         den angeblich gewährten Vorteil in gewohnter Weise zu bemessen. In den meisten Fällen werde nämlich vorausgesetzt, dass die
         Höhe der Betriebsbeihilfe, die einem Unternehmen zugute gekommen sei, im Wesentlichen der Behinderung des Wettbewerbs in seinem
         Tätigkeitsbereich entspreche. Im vorliegenden Fall liege aber keine Übertragung von Geldmitteln der öffentlichen Hand auf
         den Privatsektor vor und sei zudem der Vorteil nicht in ihrem herkömmlichen Tätigkeitsbereich angesiedelt. Daher sei es falsch,
         den Umfang der Wettbewerbsverzerrung auf dem Textilmarkt allein anhand des Nennwerts der Aktien zu bestimmen, die die Klägerin
         an einer Unternehmensgruppe, die Verpackungsgläser herstelle, erworben habe. Dem gesamten Sachverhalt der Rechtssache sei
         zu entnehmen, dass der Nennwert der Aktien nicht nur deshalb nicht dem Umfang der behaupteten Wettbewerbsverzerrung auf dem
         Textilmarkt entsprechen könne, weil ein solcher Wert missbräuchlich hoch wäre und in keiner Weise ihrem tatsächlichen Wert
         entspräche, sondern auch deshalb, weil selbst bei der Annahme, der erzwungene Rückkauf der Aktien hätte ihr einen Vorteil
         gebracht, nicht zur die Verfälschung des Wettbewerbs auf dem Textilmarkt geführt hätte, da der unentgeltliche Erwerb von Aktien
         auf dem Glasmarkt nicht ohne Weiteres einen operativen Vorteil auf dem Textilmarkt bedeute.
      
      189    Demnach stehe die Behauptung der Kommission, die Rückforderung des Nennwerts der von der Klägerin erworben Aktien sei zur
         Beseitigung einer Wettbewerbsverzerrung erforderlich, im Widerspruch zur wirtschaftlichen Realität, so dass die Kommission
         gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sowie gegen Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/1999 verstoße, indem sie diese Rückforderung
         verlange.
      
      190    Die Kommission beantragt, diesen Klagegrund zurückzuweisen. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      191    Das Vorbringen der Klägerin, die Kommission habe dadurch gegen Artikel 14 Absatz 1 der Verordnung Nr. 659/1999 und gegen den
         Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen, dass sie die Rückforderung der Beihilfe verlange, obwohl der erzwungene Rückkauf
         der Aktien der Kategorie B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I gemäß der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 der Klägerin
         keinen finanziellen Vorteil gebracht habe, ist, soweit dieser Verstoß auf dem Argument einer angeblichen Ausübung von Zwang
         bei diesem Rückkauf gegenüber der Klägerin beruht, aus den in den Randnummern 129 bis 149 des vorliegenden Urteils genannten
         Gründen zurückzuweisen.
      
      192    Es ist auch dann zurückzuweisen, wenn man annimmt, das Vorbringen der Klägerin stütze sich nicht auf einen solchen Zwang,
         sondern lediglich auf den von ihr getätigten Rückkauf der Aktien selbst. 
      
      193    Wie aus der angefochtenen Entscheidung, insbesondere den Randnummern 91 und 92, hervorgeht, bestand die staatliche Beihilfe
         im vorliegenden Fall nämlich darin, dass die Region Wallonien am 20. November 1998 im Austausch gegen die Rückgabe von 9 704
         Aktien am Kapital der Verlipack Holding II, die zum Zeitpunkt ihrer Abtretung im Dezember 1998 wertlos waren, da das Vermögen
         dieser Gesellschaft am 11. Februar 1999 mit 1 BEF bewertet wurde, auf eine objektiv bestehende Forderung in Höhe von 113 712 000
         BEF gegenüber der Unternehmensgruppe Beaulieu verzichtete. 
      
      194    Die Klägerin geht daher von einer falschen Voraussetzung aus, wenn sie u. a. behauptet, der Umfang der Wettbewerbsverzerrung
         sei fälschlicherweise anhand des Nennwerts der im Jahr 1996 erworben Aktien bestimmt worden, denn nicht dieser Vorgang wurde
         als staatliche Beihilfe qualifiziert, sondern der Verzicht der Region Wallonien am 20. November 1998 auf eine objektive bestehende
         und fällige Forderung in Höhe von 113 712 000 BEF, die sie gegen die Klägerin hatte und die diese zu keinem Zeitpunkt vor
         den innerstaatlichen Gerichten bestritten hat.
      
      195    Durch den Verzicht auf diese Forderung zugunsten eines Privatunternehmens hat das Königreich Belgien aber eine Beihilfe der
         öffentlichen Hand in Höhe von 113 712 000 BEF an den Privatsektor vergeben.
      
      196    Der Umfang der Verzerrung musste daher danach beurteilt werden, dass die Region Wallonien beschloss, eine gegenüber der Klägerin
         objektiv bestehende und fällige Forderung in Höhe von 113 712 000 BEF nicht geltend zu machen.
      
      197    Die Kommission verlangte also im Hinblick auf den Verzicht auf eine Forderung in dieser Höhe in Randnummer 111 der angefochtenen
         Entscheidung, die Beihilfe zurückzufordern, „[u]m die wirtschaftlichen Bedingungen wiederherzustellen, die das Unternehmen
         hätte bewältigen müssen, wenn die unvereinbare Beihilfe ihm nicht gewährt worden wäre“.
      
      198    Zum Vorbringen der Klägerin, die gewährte Beihilfe habe nicht zu einer Wettbewerbsverfälschung auf dem Textilmarkt geführt,
         da der unentgeltliche Erwerb von Aktien auf dem Glasmarkt nicht ohne Weiteres die Verschaffung eines operativen Vorteils auf
         dem Textilmarkt mit sich gebracht habe, ist bereits in Randnummer 184 des vorliegenden Urteils festgestellt worden, dass die
         der Klägerin gewährte Beihilfe im Vermögen der Unternehmensgruppe Beaulieu verblieben ist und damit zu einem finanziellen
         Vorteil auf dem Textilmarkt geführt hat, so dass sie, da sie geeignet ist, die Stellung des begünstigten Unternehmens gegenüber
         anderen Unternehmen zu verbessern und ihm eine Ausweitung seiner Ausfuhren zu ermöglichen, zwangsläufig den Wettbewerb im
         Gemeinsamen Markt verfälschen und den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigen kann.
      
      199    Der Kommission kann somit nicht vorgeworfen werden, sie habe deshalb gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit sowie gegen
         Artikel 14 der Verordnung Nr. 659/1999 verstoßen, weil sie die wertmäßige Rückforderung der im Verzicht auf eine Forderung
         in Höhe von 113 712 000 BEF bestehenden Beihilfe verlangte.
      
      200    Demnach ist der zweite Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Dritter Klagegrund: Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      201    Die Klägerin, die diesen Klagegrund in drei Teile gliedert, wirft der Kommission vor, sie habe gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung,
         wie er vom Gerichtshof im Urteil vom 19. Oktober 1977 in den Rechtssachen 117/76 und 16/77 (Ruckdeschel u. a., Slg. 1977,
         1753) aufgestellt worden sei, zunächst dadurch verstoßen, dass sie zwei unterschiedliche Schätzmethoden angewandt habe, um
         den Wert der an den Verlipack-Gesellschaften gehaltenen Aktien und Gewinnanteilscheine zu ermitteln, sodann dadurch, dass
         sie diese Schätzung zu zwei verschiedenen Zeitpunkten vorgenommen habe, und schließlich dadurch, dass sie das Vorbringen in
         Bezug auf den endgültigen Empfänger der staatlichen Beihilfe in zweierlei Art und Weise verwendet habe.
      
       Zum ersten Teil: Die angefochtene Entscheidung verstoße dadurch gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, dass zur Ermittlung
         des Wertes der Aktien und Gewinnanteilscheine zwei unterschiedliche Methoden zur Anwendung gelangt seien
      
      –       Vorbringen der Parteien
      202    Die Klägerin wirft der Kommission vor, sie habe zwei unterschiedliche Methoden angewandt, um den Wert der an den Verlipack-Gesellschaften
         gehaltenen Anteile und Gewinnanteilscheine zu ermitteln, deren eine auf den Ausgabepreis (Nennwert, d. h. 113 712 000 BEF,
         den Preis, zu dem die Klägerin zu deren Erwerb verpflichtet gewesen sei) gestützt gewesen sei, während die andere auf den
         tatsächlichen Wert der Aktien im Zeitpunkt ihrer Abtretung an die Region Wallonien abstelle, der laut Randnummer 80 der angefochtenen
         Entscheidung letztlich bei Null gelegen habe.
      
      203    Im Rahmen dieser beiden Vorgänge hätten sich die Region Wallonien und die Klägerin aber praktisch in der gleichen Lage befunden:
         Beide hätten einen Bestand an Rechtstiteln an den Verlipack-Gesellschaften zu einem Zeitpunkt abgetreten, zu dem sich diese
         Gesellschaften in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befunden hätten, sei es im Dezember 1996, dem Zeitpunkt der Abtretung der
         betreffenden Aktien und Gewinnanteilscheine durch die Region Wallonien an die Klägerin, oder im November 1998, dem Zeitpunkt
         der Abtretung der Anteile durch die Klägerin an die Region Wallonien. Im Dezember 1996 hätten Verlipack Jumet und Verlipack
         Ghlin nämlich ganz erhebliche Verluste erlitten.
      
      204    Die Klägerin bezweifelt daher, dass die Kommission Gründe dafür hatte, für die Ermittlung des Wertes eines Bestandes von Rechtstiteln
         an im Wesentlichen identischen Gesellschaften, zwar zu unterschiedlichen Zeitpunkten aber bei sehr ähnlicher finanzieller
         Lage, zwei unterschiedliche Methoden anzuwenden.
      
      205    Die Klägerin verweist darauf, dass die Kommission als einzige Rechtfertigung die Königliche Verordnung von 1985 genannt habe.
         Dieser Gesichtspunkt sei jedoch nach der in Randnummer 126 des vorliegenden Urteils genannten Rechtsprechung zu förmlich,
         streng und restriktiv und verkenne den tatsächlichen und wirtschaftlichen Rahmen der vorliegenden Rechtssache. Zum einen habe
         die Region Wallonien nämlich mehrfach wiederholt, dass der von der Klägerin im Jahr 1996 gezahlte Preis übermäßig hoch gewesen
         sei, und zum anderen habe die Region Wallonien im Jahr 1997 in Bezug auf Heye den tatsächlichen Wert der Aktien berücksichtigt.
      
      206    Die Kommission beantragt, diesen Teil zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      207    Eine Diskriminierung liegt nach ständiger Rechtsprechung insbesondere dann vor, wenn vergleichbare Sachverhalte ungleich behandelt
         und dadurch bestimmte Wirtschaftsteilnehmer gegenüber anderen benachteiligt werden, ohne dass diese Ungleichbehandlung durch
         das Vorliegen objektiver Unterschiede von einigem Gewicht gerechtfertigt wäre (Urteile des Gerichtshofes vom 13. Juli 1962
         in den Rechtssachen 17/61 und 20/61, Klöckner-Werke und Hoesch/Hohe Behörde, Slg. 1962, 615, 652, vom 15. Januar 1985 in der
         Rechtssache 250/83, Finsider/Kommission, Slg. 1985, 131, Randnr. 8, und vom 26. September 2002 in der Rechtssache C‑351/98,
         Spanien/Kommission, Slg. 2002, I‑8031, Randnr. 57, Urteil des Gerichts vom 7. Juli 1999 in der Rechtssache T‑106/96, Wirtschaftsvereinigung
         Stahl/Kommission, Slg. 1996, II‑2155, Randnr. 103).
      
      208    Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Klägerin nach dem Wortlaut der Übereinkunft vom 30. April 1985, der sie sich aufgrund
         des Nachtrags vom 18. November 1987 anschloss, einwilligte, die Rechte und Pflichten zu übernehmen, die sich aus dieser Übereinkunft
         ergeben, in der in Artikel 10 die Bedingungen, denen der Rückkauf der Aktien der Kategorie B und der Gewinnanteilscheine der
         Kategorie I unterlag, insbesondere der Preis, genau festgelegt waren. Diese Übereinkunft verwies außerdem ausdrücklich auf
         die Königliche Verordnung von 1985, in der u. a. die Preisbedingungen für den Rückkauf dieser Anteile und Gewinnanteilscheine
         festgelegt sind.
      
      209    Wie aus den Randnummern 77 und 78 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, entsprach der durch die Übereinkunft vom 18.
         Dezember 1996 im Einklang mit der Königlichen Verordnung von 1985 festgelegte Preis 80 % des in der Übereinkunft vom 30. April
         1985 festgelegten Wertes der Vorzugsaktien ohne Stimmrecht. Aufgrund dieses Vorgangs hatte die Klägerin gegenüber der Region
         Wallonien eine objektiv bestehende und fällige Schuld in Höhe von 113 712 000 BEF. 
      
      210    Da der Wert der Aktien, die die Region Wallonien durch Nachtrag vom 20. November 1998 als Zahlung auf die Forderung von 113 712 000
         BEF annahm – wie aus den Randnummern 73 bis 76 und 80 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht – hingegen keineswegs mit
         der Königlichen Verordnung von 1985 in Zusammenhang stand, musste er im Licht des Sachverhalts festgelegt werden, wie er sich
         zum Zeitpunkt dieses Nachtrags darstellte. Zum Zeitpunkt des Nachtrags vom 20. November 1998 befand sich Verlipack Holding II,
         deren Aktien auf die Region Wallonien übertragen worden waren, im Zustand der Zahlungsunfähigkeit, die nach dem Urteil der
         Rechtbank van Koophandel te Bergen vom 31. Mai 1999 seit Juni 1998 bestand, und ihr Vermögen wurde mit 1 BEF bewertet. Diese
         Aktien, deren Nennwert 100 Millionen BEF betrug, hatten daher zum Zeitpunkt des Nachtrags von 20. November 1998 überhaupt
         keinen Wert mehr, was die Klägerin übrigens nicht bestreitet. Die Kommission konnte daher diesen Nachtrag unter Berücksichtigung
         des tatsächlichen Wertes der betreffenden Aktien beurteilen.
      
      211    Folglich hat die Kommission nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, da kein gleichgelagerter Sachverhalt
         vorlag.
      
      212    Diesem Ergebnis steht der Vergleich nicht entgegen, den die Klägerin zwischen ihrer Situation und derjenigen von Heye im Rahmen
         der von Verlipack Holding I und der Region Wallonien unterzeichneten Übereinkunft über die Option vom 9. April 1997 zieht,
         in der vereinbart wurde, dass „der Preis der einzelnen Aktien dem Wert [entspreche], der sich aus einer Division des buchmäßigen
         Reinvermögens … der Verlipack Holding I … durch die Zahl der von dieser Gesellschaft ausgegebenen Aktien ergibt“. 
      
      213    Dieser Übereinkunft ist nämlich nicht zu entnehmen, dass es sich bei den von der Region Wallonien am Kapital der Verlipack
         Holding II gehaltenen Aktien um Vorzugsaktien ohne Stimmrecht im Sinne der Königlichen Verordnung von 1985 gehandelt hätte.
      
      214    Selbst bei der Annahme, die Aktien, die Gegenstand dieser Übereinkunft über die Option waren, wären denen gleichzustellen
         gewesen, die Gegenstand der Abtretung im Rahmen der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 waren, ist zudem festzustellen, dass,
         wie die Kommission zu Recht geltend gemacht hat, es die Region Wallonien wäre, die die Klägerin diskriminierend behandelt
         hätte, nicht aber die Kommission.
      
      215    Der erste Teil des dritten Klagegrundes ist daher zurückzuweisen.
      
       Zum zweiten Teil: Die angefochtene Entscheidung verstoße dadurch gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, dass die Bewertung
         der Aktien und Gewinnanteilscheine zu zwei verschiedenen Zeitpunkten vorgenommen worden sei
      
      –       Vorbringen der Parteien
      216    Nach Auffassung der Klägerin geht aus der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die Aktien, die im Dezember 1998 Gegenstand
         der Überlassung an Zahlungs statt waren, deshalb mit 0 BEF bewertet wurden, weil der Wert des Vermögens der Verlipack Holding II
         am 11. Februar 1999 auf 1 BEF reduziert worden war. Die Kommission habe daher bei der Ermittlung des Wertes der der Region
         Wallonien in Zahlung gegebenen Aktien auf den Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung abgestellt und der späteren
         Entwicklung der betroffenen Gesellschaft der Unternehmensgruppe Verlipack bis zum Zeitpunkt des Konkurses Rechnung getragen.
         Hinsichtlich des Wertes der 1996 erworbenen Aktien habe die Kommission hingegen lediglich deren Nennwert zum Zeitpunkt ihres
         Erwerbs berücksichtigt. In Randnummer 107 der angefochtenen Entscheidung trage die Kommission daher weder der wirtschaftlichen
         und finanziellen Entwicklung der betroffenen Gesellschaften noch der Entscheidung 2001/856 Rechnung, aus der sich ergebe,
         dass die finanzielle Lage von Verlipack vor dem Eintritt von Heye in keiner Weise existenzsichernd erschienen sei. Die Kommission
         verkenne ferner den Nachtrag vom 20. November 1998, aufgrund dessen die Forderung der Region Wallonien nach der Überlassung
         der Aktien der Verlipack Holding II an Zahlungs statt zivilrechtlich bereits erloschen gewesen sei. Die von der Kommission
         somit getroffene Unterscheidung zwischen diesen beiden Sachverhalten, die sich daraus ergebe, dass sie der wirtschaftlichen
         und finanziellen Entwicklung der Unternehmensgruppe Verlipack im ersten Fall, nicht aber im zweiten Fall Rechnung getragen
         habe, sei nicht objektiv gerechtfertigt und stelle einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung dar.
      
      217    Die Kommission beantragt, diesen Teil zurückzuweisen. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      218    Es ist festzustellen, dass die Klägerin mit diesem zweiten Teil im Wesentlichen die Argumente wiederaufgreift, die sie bereits
         im Rahmen des ersten Teils hinsichtlich des Wertes der in Rede stehenden Aktien und Gewinnanteilscheine vorgetragen hat, so
         dass auf die Randnummern 207 bis 211 des vorliegenden Urteils verwiesen wird.
      
      219    Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission bei der Bestimmung der Höhe der der Klägerin durch den Nachtrag vom 20.
         November 1998 gewährten Beihilfe zu Recht den Sachverhalt berücksichtigt hat, der sich zu dem Zeitpunkt ergab, zu dem die
         Region Wallonien als Zahlung auf eine objektiv bestehende und fällige Forderung in Höhe von 113 712 000 BEF die Rückgabe von
         9 704 Aktien der Verlipack Holding II akzeptierte, die zu diesem Zeitpunkt, d. h. am 20. November 1998, keinerlei Wert besaßen.
      
      220    Der zweite Teil des dritten Klagegrundes ist daher zurückzuweisen.
      
       Zum dritten Teil: Die angefochtene Entscheidung verstoße dadurch gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, dass sie das Vorbringen
         in Bezug auf den endgültigen Empfänger der staatlichen Beihilfe in zweierlei Art und Weise verwendet habe
      
      –       Vorbringen der Parteien
      221    Die Klägerin verweist darauf, dass, wie aus den Randnummern 109 und 110 der Entscheidung 2001/856 hervorgehe, Heye nicht als
         der endgültige Empfänger der Beihilfe angesehen worden sei. Auch sie selbst könne nicht als endgültige Empfängerin der Beihilfe
         angesehen werden, da sie den am 18. Dezember 1996 erworbenen Aktienbestand fast unmittelbar (am 24. Januar 1997) an die Verlipack
         Holding I, die vom 11. April 1997 an von Heye kontrolliert worden sei, abgetreten habe. Sie habe daher keinen tatsächlichen
         Nutzen von der angeblichen staatlichen Beihilfe gehabt und ihre Position sei somit die gleiche wie die von Heye in der Entscheidung
         2001/856. Indem die Kommission diese beiden Gesellschaften unterschiedlich behandelt habe, ohne objektive Gründe dafür zu
         nennen, habe sie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen.
      
      222    Die Kommission beantragt, diesen Teil zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      223    Mit diesem dritten Teil bestreitet die Klägerin erneut, Empfängerin der Beihilfe gewesen zu sein, und trägt unter Hinweis
         auf die Randnummern 109 und 110 der Entscheidung 2001/856 vor, sie habe genau wie Heye die ihr am 18. Dezember 1996 zur Verfügung
         gestellten Aktien und Gewinnanteilscheine nicht zu anderen Zwecken verwenden können, als sie unmittelbar über die Verlipack
         Holding I an die Verlipack-Standorte weiterzureichen, so dass sie keinen Nutzen von der angeblichen staatlichen Beihilfe gehabt
         habe.
      
      224    Erstens ist daran zu erinnern, dass, wie aus der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, allein der im Nachtrag vom 20. November
         1998 vorgesehene Forderungsverzicht von der Kommission als staatliche Beihilfe angesehen wurde und die Frage der Qualifizierung
         als staatliche Beihilfe daher den von der Übereinkunft vom 18. Dezember 1996 erfassten Vorgang nicht betreffen kann.
      
      225    Zweitens hatte die Kommission in Randnummer 108 der Entscheidung 2001/856 festgestellt: „Die Zweckbestimmungsklauseln der
         beiden Verträge [nämlich einer Obligationsanleihe und eines Darlehens] besagen expressis verbis, dass sich Heye verpflichtet,
         i) das Kapital der Produktionsstandorte Ghlin und Jumet aufzustocken und ii) Investitionen in die drei Verlipack-Standorte,
         einschließlich des Standortes Mol (Flandern), zu finanzieren“. Daraus ergibt sich, dass Heye mit den erhaltenen Mitteln das
         Kapital von Verlipack aufstocken sollte.
      
      226    Im Nachtrag vom 20. November 1998 gibt es hingegen keine derartige Klausel, wobei die Klägerin im Übrigen nicht vorgetragen
         hat, dass eine solche Klausel hinsichtlich der Übertragung der ihr zur Verfügung gestellten Mittel vorgesehen gewesen sei,
         so dass ihre Lage derjenigen von Heye nicht gleichgestellt werden kann. Die Klägerin hat ferner keineswegs behauptet, sie
         habe nach dem Verzicht auf die der Region Wallonien zustehende Forderung die Aufstockung des Kapitals von Verlipack in Höhe
         der somit aufgegebenen Forderung vorgenommen.
      
      227    Demnach kann der dritte Teil keinen Erfolg haben und ist der dritte Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      
       Vierter Klagegrund: Verstoß gegen die Begründungspflicht
       Vorbringen der Parteien
      228    Nach Auffassung der Klägerin weist die angefochtene Entscheidung in mindestens vier Punkten Lücken bei der Begründung auf.
      
      229    Erstens lasse die angefochtene Entscheidung nicht hinreichend erkennen, aus welchen Gründen sich die Kommission ausdrücklich
         auf den Nennwert des von der Klägerin zurückgekauften Aktienbestandes stütze, ohne den komplexen Sachverhalt dieser Rechtssache
         zu berücksichtigen.
      
      230    Zweitens erläutere die angefochtene Entscheidung nicht die Gründe, aus denen die Kommission sich, soweit es um den Wert der
         in Zahlung gegebenen Aktien geht (deren Wert auf 1 BEF geschätzt wird), zum einen auf das Datum ihres Erlasses und zum anderen
         auf das Datum des erzwungenen Rückkaufs der Aktien durch die Klägerin am 18. Dezember 1996, d. h. ihren Nennwert, stütze.
         In der angefochtenen Entscheidung werde dieser Unterschied nicht hinreichend begründet.
      
      231    Drittens rechtfertige die angefochtene Entscheidung nicht die unterschiedliche Behandlung der Klägerin und von Heye in der
         gesamten Akte Verlipack. So wie Heye in der Entscheidung 2001/856 nicht als endgültige Empfängerin der Beihilfe angesehen
         worden sei, hätte auch in der angefochtenen Entscheidung verfahren werden müssen und hätte die Klägerin nicht als das Unternehmen
         betrachtet werden dürfen, das den tatsächlichen Nutzen des Aktienbestandes gehabt habe, den sie freilich – jedoch unter Zwang
         – erworben habe. Die Klägerin hätte gegebenenfalls nur solange in den Genuss eines finanziellen Vorteil gelangen können, solange
         sie diese Aktien gehalten habe, d. h. vom 18. Dezember 1996 bis zum 11. April 1997.
      
      232    Schließlich behauptet die Klägerin unter Hinweis auf die in den Randnummern 172 bis 174 des vorliegenden Urteils wiedergegebenen
         Ausführungen, die Kommission erläutere nicht, aus welchem Grund die Beihilfe, vorausgesetzt sie sei der Klägerin gewährt worden,
         den Wettbewerb verfälscht und den Handel zwischen Mitgliedstaaten auf dem Textilmarkt beeinträchtigt habe.
      
      233    Die Kommission beantragt, diesen Klagegrund zurückzuweisen. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      234    Nach ständiger Rechtsprechung handelt es sich bei der Begründungspflicht nach Artikel 253 EG um ein wesentliches Formerfordernis,
         das von der sachlichen Richtigkeit der Begründung zu unterscheiden ist, die zur materiellen Rechtmäßigkeit des streitigen
         Rechtsakts gehört. Daher muss die nach Artikel 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts angepasst
         sein und die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen,
         dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe
         wahrnehmen kann (Urteile des Gerichtshofes vom 13. März 1985 in den Rechtssachen 296/82 und 318/82, Niederlande und Leeuwarder
         Papierwarenfabriek/Kommission, Slg. 1985, 809, Randnr. 19, Kommission/Sytraval und Brink’s France, oben, Randnr. 83, Randnrn.
         63 und 67, und vom 19. September 2002 in der Rechtssache C‑114/00, Spanien/Kommission, Slg. 2002, I‑7657, Randnr. 62, Urteil
         Fleuren Compost/Kommission, oben, Randnr. 83, Randnr. 119).
      
      235    Außerdem ist das Begründungserfordernis nach den Umständen des Einzelfalls, insbesondere nach dem Inhalt des Rechtsakts, der
         Art der angeführten Gründe und dem Interesse zu beurteilen, das die Adressaten oder andere von dem Rechtsakt unmittelbar und
         individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder rechtlich
         einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen des Artikels
         253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand seines Kontexts sowie sämtlicher Rechtsvorschriften
         auf dem betreffenden Gebiet (vgl. Urteile Spanien/Kommission, oben, Randnr. 234, Randnr. 63, und vom 28. Januar 2003 in der
         Rechtssache C‑334/99, Deutschland/Kommission, Slg. 2003, I‑1139, Randnr. 58 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      236    Wird dieser Grundsatz auf die Einstufung einer Maßnahme als Beihilfe angewandt, so müssen die Gründe angegeben werden, aus
         denen die fragliche Beihilfemaßnahme nach Ansicht der Kommission unter Artikel 87 Absatz 1 EG fällt (Urteil des Gerichts vom
         30. April 1998 in der Rechtssache T‑16/96, Cityflyer Express/Kommission, Slg. 1998, II‑757, Randnr. 66).
      
      237    Angesichts dieser Rechtsprechung ist nicht zu erkennen, dass die Kommission im vorliegenden Fall gegen ihre Verpflichtung
         verstoßen hätte, die angefochtene Entscheidung in Bezug auf die vier von der Klägerin erhobenen Rügen ausreichend zu begründen.
      
      238    Was, erstens, den Umstand betrifft, dass sich die Kommission auf den Nennwert der von der Klägerin 1996 zurückgekauften Aktien
         der Kategorie B und Gewinnanteilscheine der Kategorie I stützt, genügt die Feststellung, dass, wie aus den Randnummern 150
         bis 156 des vorliegenden Urteils zum Wert der fraglichen Aktien und Gewinnanteilscheine hervorgeht, die Kommission in den
         Randnummern 77 und 78 der angefochtenen Entscheidung dargelegt hat, aus welchen Gründen sie auf diesen Wert abgestellt hat.
         Diese beiden Randnummern haben nämlich folgenden Wortlaut:
      
      „Belgien macht geltend, dass der im Dezember 1996 festgelegte Preis von 113 712 000 BEF für die Aktien ohne Stimmrecht und
         die Gewinnanteilsscheine, die die Sowagep an die Unternehmensgruppe Beaulieu abgetreten hatte, dem Wert dieser Aktien nicht
         entsprach. Es handelte sich Belgien zufolge in diesem Fall um ‚einen durch königlichen Erlass vom 7. Mai 1985 auferlegten
         Preis‘. Nach Artikel 3 dieses Königlichen Erlasses darf der Kaufpreis der Vorzugsaktien ohne Stimmrecht ‚nicht unter 80 %
         des Ausgabepreises liegen‘. Der Preis in Höhe von 113 712 000 BEF für die von der Unternehmensgruppe Beaulieu im Dezember
         1996 aufgekauften Aktien und Gewinnanteilsscheine stellte Belgien zufolge 80 % des Emissionspreises dieser Aktien dar.
      
      Die Verpflichtung, einen Preis in Höhe von 80 % des Emissionspreises festzulegen, ist ein gesetzliches Erfordernis, das ausnahmslos
         für alle gilt, die Vorzugsaktien dieser Art kaufen wollen.“
      
      239    Soweit das Vorbringen der Klägerin daran anknüpfen sollte, dass die Kommission die angefochtene Entscheidung deshalb nicht
         ausreichend begründet habe, weil sie nicht angebe, aus welchen Gründen sie sich ausschließlich auf den Nennwert des von der
         Klägerin 1996 zurückgekauften Aktienbestandes gestützt habe, ohne den komplexeren Sachverhalt dieser Rechtssache, d. h. den
         angeblich auf sie ausgeübten Zwang, zu berücksichtigen, ist es aus den in den Randnummern 129 bis 149 des vorliegenden Urteils
         genannten Gründen zurückzuweisen.
      
      240    Folglich kann der Kommission nicht vorgeworfen werden, die angefochtene Entscheidung insoweit nicht begründet zu haben.
      
      241    Was, zweitens, den Umstand betrifft, dass die angefochtene Entscheidung nicht erläutere, aus welchen Gründen sie sich auf
         das Datum ihres Erlasses, soweit es um den Wert der 1998 der Region Wallonien in Zahlung gegebenen Aktien geht, und auf das
         Datum des erzwungenen Rückkaufs der betreffenden Aktien und Gewinnanteilscheine durch die Klägerin am 18. Dezember 1996 stütze,
         ist festzustellen, dass, wie aus der in den Randnummern 207 bis 211 und 218 bis 220 des vorliegenden Urteils vorgenommenen
         Würdigung hervorgeht, die Kommission in den Randnummern 77 bis 79 der angefochtenen Entscheidung hinreichend dargelegt hat,
         aus welchen Gründen sich im Dezember 1996 die Forderung der Region Wallonien gegenüber der Klägerin auf 113 712 000 BEF belief.
         Das Gleiche gilt für den Wert der Aktien an der Verlipack Holding II, wobei die Kommission in den Randnummern 73 bis 76 und
         80 der angefochtenen Entscheidung dargelegt hat, aus welchen Gründen diese Aktien im November 1998 keinen Wert mehr besaßen.
      
      242    Falls die Klägerin im Übrigen mit diesem Vorbringen die sachliche Richtigkeit der Begründung der angefochtenen Entscheidung
         in Frage stellt, indem sie sich auf den Zwang beruft, dem sie angeblich ausgesetzt war, ist es aus den in den Randnummern
         129 bis 149 des vorliegenden Urteils genannten Gründen zurückzuweisen.
      
      243    Was, drittens, das angebliche Fehlen einer Begründung in der angefochtenen Entscheidung dafür betrifft, dass die Klägerin
         und Heye insoweit unterschiedlich behandelt worden seien, als die Klägerin im Gegensatz zu Heye als das von der Beihilfe begünstigte
         Unternehmen angesehen worden sei, ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission u. a. in den Randnummern 73, 80 und 91 angegeben
         hat, aus welchen Gründen die Klägerin als das Unternehmen anzusehen sei, dem die betreffende Beihilfe zugute gekommen sei.
      
      244    Im Übrigen war der Fall bei der staatlichen Beihilfe, um die es in der Entscheidung 2001/856 ging, anders gelagert. Wie den
         Randnummern 225 und 226 des vorliegenden Urteils zu entnehmen ist, hatte die Kommission in Randnummer 108 dieser letztgenannten
         Entscheidung nämlich festgestellt, dass die Beihilfe dazu dienen sollte, das Kapital der Produktionsstandorte Ghlin und Jumet
         aufzustocken, so dass Heye nicht der endgültige Empfänger der Beihilfe war. 
      
      245    Die Klägerin kann der Kommission somit nicht das Fehlen einer Begründung dafür vorwerfen, dass die Klägerin und Heye angeblich
         unterschiedlich behandelt wurden.
      
      246    Was schließlich den Vorwurf betrifft, die Kommission habe versäumt, anzugeben, aus welchem Grund, angenommen der Klägerin
         wäre eine Beihilfe gewährt worden, diese Beihilfe den Wettbewerb verfälscht und den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt
         habe, so ist festzustellen, dass, wie aus den Randnummern 176 bis 184 des vorliegenden Urteils hervorgeht, die Kommission
         insbesondere in den Randnummern 70 bis 72 der angefochtenen Entscheidung die Tatsachen und rechtlichen Erwägungen, denen in
         der Systematik der Entscheidung insoweit eine wesentliche Bedeutung zukommt, hinreichend deutlich dargestellt hat und aus
         dieser Begründung für die Klägerin und den Gemeinschaftsrichter ersichtlich ist, aus welchen Gründen die Kommission der Ansicht
         war, dass der streitige Vorgang zu einer Wettbewerbsverfälschung und Beeinträchtigung des innergemeinschaftlichen Handels
         führe (Urteil des Gerichts vom 6. März 2003 in den Rechtssachen T‑228/99 und T‑233/99, Westdeutsche Landesbank Girozentrale
         und Land Nordrhein-Westfalen/Kommission, Slg. 2003, II‑435, Randnrn. 292 bis 294).
      
      247    Folglich ist der vierte Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Zum Antrag der Klägerin auf Vorlage von Unterlagen
      248    Die Klägerin beantragt, die Kommission möge, sollte sie an ihrer Auffassung hinsichtlich des Wertes der Aktien im Jahr 1996
         festhalten, einen zur Untermauerung ihres Standpunkts geeigneten Bewertungsbericht vorlegen. 
      
      249    Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, konnte das Gericht auf der Grundlage der Anträge, Klagegründe und Argumente,
         die im Laufe des Verfahrens vorgebracht worden sind, und unter Berücksichtigung der von den Parteien eingereichten Unterlagen
         über die Klage entscheiden (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts vom 19. September 2001 in der Rechtssache T‑152/00,
         Slg. ÖD 2001, I‑A‑179 und II‑813, Randnr. 86, und vom 6. Juli 2004 in der Rechtssache T‑281/01, Huygens/Kommission, Slg. ÖD
         2004, I‑A‑203 und II‑903, Randnr. 145).
      
      250    Deshalb ist der Antrag der Klägerin, der Kommission aufzugeben, weitere Unterlagen über die dem Gericht auf dessen Aufforderung
         hin bereits vorgelegten hinaus vorzulegen, zurückzuweisen (vgl. in diesem Sinne Urteil E/Kommission, oben, Randnr. 249, Randnr.
         87, und Huygens/Kommission, oben, Randnr. 249, Randnr. 146).
      
       Kosten
      251    Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
         Da die Klägerin unterlegen ist, sind ihr entsprechend dem Antrag der Kommission neben ihren eigenen die Kosten der Kommission
         aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Fünfte erweiterte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Klägerin trägt die Kosten.
      
               Vilaras 
            
            
                Martins Ribeiro 
            
            
                Dehousse
            
         
               Šváby 
            
             
            
                      Jürimäe
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 23. November 2006.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                      Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                     M. Vilaras
            
         * Verfahrenssprache: Niederländisch.