CELEX: 62005CJ0129
Language: de
Date: 2006-09-28
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 28. September 2006.#NV Raverco (C-129/05) und Coxon & Chatterton Ltd (C-130/05) gegen Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit.#Ersuchen um Vorabentscheidung: College van Beroep voor het bedrijfsleven - Niederlande.#Richtlinie 97/78/EG - Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 - Veterinärkontrollen - Aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführte Erzeugnisse - Rücksendung von Erzeugnissen, die die Einfuhrbedingungen nicht erfüllen - Beschlagnahme und Beseitigung.#Verbundene Rechtssachen C-129/05 und C-130/05.

Verbundene Rechtssachen C‑129/05 und C‑130/05
      NV Raverco
      und
      Coxon & Chatterton Ltd 
      gegen
      Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit
      (Vorabentscheidungsersuchen des College van Beroep voor het bedrijfsleven)
      „Richtlinie 97/78/EG – Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 – Veterinärkontrollen – Aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführte Erzeugnisse – Rücksendung von Erzeugnissen, die die Einfuhrbedingungen nicht erfüllen – Beschlagnahme und Beseitigung“
      Schlussanträge des Generalanwalts M. Poiares Maduro vom 30. Mai 2006 
      Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 28. September 2006 
      Leitsätze des Urteils
      Landwirtschaft – Angleichung der gesundheitsrechtlichen Vorschriften – Veterinärkontrollen bei Erzeugnissen aus Drittländern
      (Verordnung Nr. 2377/90 des Rates, Artikel 5, Richtlinie 97/78 des Rates, Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a und 22 Absatz 2)
      Nach Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der Richtlinie 97/78 zur Festlegung von Grundregeln für die Veterinärkontrollen von aus
         Drittländern in die Gemeinschaft eingeführten Erzeugnissen können die nationalen Behörden die Rücksendung einer Sendung, die
         nicht den Einfuhrbedingungen genügt, wegen Nichterfüllung der Gemeinschaftsbedingungen ablehnen.
      
      Zudem haben die zuständigen Veterinärbehörden nach Artikel 22 Absatz 2 dieser Richtlinie in Verbindung mit Artikel 5 der Verordnung
         Nr. 2377/90 zur Schaffung eines Gemeinschaftsverfahrens für die Festsetzung von Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände
         in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs zwingend die Beschlagnahme und die Beseitigung von Erzeugnissen anzuordnen, für die
         eine nach dieser Richtlinie durchgeführte Veterinärkontrolle ergeben hat, dass sie einen in Anhang IV dieser Verordnung aufgeführten
         Stoff enthalten.
      
      (vgl. Randnrn. 17, 29, Tenor 1 und 2)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Zweite Kammer)
      28. September 2006(*)
      
      „Richtlinie 97/78/EG – Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 – Veterinärkontrollen – Aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführte Erzeugnisse – Rücksendung von Erzeugnissen, die die Einfuhrbedingungen nicht erfüllen – Beschlagnahme und Beseitigung“
      In den verbundenen Rechtssachen C‑129/05 und C‑130/05
      betreffend Vorabentscheidungsersuchen nach Artikel 234 EG, eingereicht vom College van Beroep voor het bedrijfsleven (Niederlande)
         mit Entscheidungen vom 17. März 2005, beim Gerichtshof eingegangen am 21. März 2005, in den Verfahren
      
      NV Raverco (C‑129/05),
      
      Coxon & Chatterton Ltd (C‑130/05)
      
      gegen
      Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans sowie der Richter R. Schintgen, P. Kūris, J. Klučka (Berichterstatter)
         und L. Bay Larsen,
      
      Generalanwalt: M. Poiares Maduro,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 9. März 2006,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –       der Coxon & Chatterton Ltd, vertreten durch A. Braakman, advocaat,
      –       der niederländischen Regierung, vertreten durch H. G. Sevenster und M. de Grave als Bevollmächtigte,
      –       der griechischen Regierung, vertreten durch S. Charitaki und E. Svolopoulou als Bevollmächtigte,
      –       der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A. Bordes und M. van Heezik als Bevollmächtigte,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 30. Mai 2006
      folgendes
      Urteil
      1       Die Vorabentscheidungsersuchen betreffen die Auslegung der Richtlinie 97/78/EG des Rates vom 18. Dezember 1997 zur Festlegung
         von Grundregeln für die Veterinärkontrollen von aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführten Erzeugnissen (ABl. 1998,
         L 24, S. 9, im Folgenden: Richtlinie) in Verbindung mit der Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 des Rates vom 26. Juni 1990 zur Schaffung
         eines Gemeinschaftsverfahrens für die Festsetzung von Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln tierischen
         Ursprungs (ABl. L 224, S. 1, im Folgenden: Verordnung).
      
      2       Diese Ersuchen ergehen im Rahmen von Rechtsstreitigkeiten zwischen der NV Raverco (im Folgenden: Raverco) bzw. der Coxon &
         Chatterton Ltd (im Folgenden: Coxon) einerseits und dem Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit (Minister für Landwirtschaft,
         Natur und Lebensmittelqualität) andererseits über dessen Bescheide, mit denen die Beschwerden von Raverco bzw. von Coxon gegen
         die Entscheidungen vom 1. bzw. 22. März 2002 über die Anordnung der Beseitigung von Fleischsendungen aus China, deren Einfuhr
         untersagt worden war, zurückgewiesen wurden.
      
       Rechtlicher Rahmen 
       Die Richtlinie
      3       Die Artikel 1, 2, 17 und 22 der Richtlinie bestimmen:
      „Artikel 1
      Die Veterinärkontrollen der in eines der in Anhang I aufgeführten Gebiete der Gemeinschaft verbrachten Drittlandserzeugnisse
         werden von den Mitgliedstaaten nach Maßgabe dieser Richtlinie durchgeführt.
      
      Artikel 2
      …
      (2)      Ferner gelten folgende Begriffsbestimmungen:
      …
      j)      ‚Einfuhrbedingungen‘: die für einzuführende Erzeugnisse nach dem Gemeinschaftsrecht geltenden Veterinärbedingungen; 
      …
      Artikel 17
      …
      (2)      Stellt die zuständige Behörde bei den Kontrollen nach dieser Richtlinie fest, dass das Erzeugnis nicht den Einfuhrbedingungen
         genügt oder dass eine Unregelmäßigkeit vorliegt, so ordnet sie nach Anhörung des Beteiligten oder seines Vertreters eine der
         beiden folgenden Maßnahmen an:
      
      a)      die Rücksendung des Erzeugnisses mit demselben Transportmittel ab derselben Grenzkontrollstelle innerhalb einer Frist von
         60 Tagen aus den in Anhang I aufgeführten Gebieten an eine mit dem Beteiligten vereinbarte Bestimmung, sofern dem aufgrund
         der Ergebnisse der Veterinärkontrolle und gesundheits- oder tierseuchenrechtlicher Auflagen nichts entgegensteht.
      
      …
      b)      oder die unschädliche Beseitigung des Erzeugnisses in der für diesen Zweck vorgesehenen Einrichtung gemäß der Richtlinie 90/667/EWG
         des Rates vom 27. November 1990 zum Erlass veterinärrechtlicher Vorschriften für die Beseitigung, Verarbeitung und Vermarktung
         tierischer Abfälle und zum Schutz von Futtermitteln tierischen Ursprungs, auch aus Fisch, gegen Krankheitserreger …, die der
         Grenzkontrollstelle am nächsten gelegen ist, sofern die Rücksendung nicht möglich oder die unter Buchstabe a) genannte Frist
         von 60 Tagen überschritten ist oder der Beteiligte sein sofortiges Einverständnis erteilt. 
      
      Bis zur Rücksendung der unter diesen Absatz fallenden Erzeugnisse oder zur Bestätigung der Gründe für deren Abweisung werden
         die betreffenden Erzeugnisse von den zuständigen Behörden unter deren Kontrolle auf Kosten des Beteiligten gelagert.
      
      …
      Artikel 22
      …
      (2)      Wird im Laufe der in dieser Richtlinie vorgesehenen Kontrollen festgestellt, dass eine Sendung von Erzeugnissen die menschliche
         oder tierische Gesundheit gefährden könnte, so trifft die zuständige Veterinärbehörde unverzüglich folgende Maßnahmen:
      
      –       Beschlagnahme und unschädliche Beseitigung der beanstandeten Sendung, 
      –       unverzügliche Unterrichtung der anderen Grenzkontrollstellen und der Kommission über die Feststellungen und den Ursprung der
         Erzeugnisse gemäß der Entscheidung 92/438/EWG.
      
      …“
       Die Verordnung
      4       Artikel 5 der Verordnung sieht vor:
      „Kann für die Rückstände eines in Tierarzneimitteln verwendeten pharmakologisch wirksamen Stoffes keine Höchstmenge festgesetzt
         werden, da Rückstände des betreffenden Stoffes in Lebensmitteln tierischen Ursprungs in jeder Konzentration eine Gefahr für
         die Gesundheit des Verbrauchers darstellen, wird dieser Stoff in das Verzeichnis des Anhangs IV aufgenommen, der nach dem
         Verfahren des Artikels 8 angenommen wird. Sofern Artikel 9 nichts anderes bestimmt, gilt dasselbe Verfahren auch für Änderungen
         des Anhangs IV.
      
      Die Verabreichung von in Anhang IV aufgeführten Stoffen an Tiere, die zur Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden, ist in der
         ganzen Gemeinschaft verboten.“ 
      
      5       In Anhang IV der Verordnung sind als pharmakologisch wirksame Stoffe u. a. Furazolidon und Chloramphenicol aufgeführt.
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      6       Im Februar und im März 2002 meldeten Raverco und Coxon Sendungen von gefrorenen Entenbrüsten bzw. gefrorenem Kaninchenfleisch
         aus China zur Einfuhr in die Europäische Union an. Diesen Sendungen lagen von den chinesischen Behörden für die Zwecke des
         Versands ausgestellte Gesundheits- und Ausfuhrbescheinigungen bei.
      
      7       Entsprechend den nach der Richtlinie vorgesehenen Kontrollen wurden diesen Sendungen Proben entnommen und analysiert. In den
         Sendungen Entenbrüste wurden Rückstände von Chloramphenicol (1,4 ppb [Teile pro Milliarde]) und Furazolidon (49 ppb) nachgewiesen,
         in den Sendungen Kaninchenfleisch Rückstände von Furazolidon (2,7 ppb).
      
      8       Aufgrund der Ergebnisse dieser Analysen lehnte der Kontrolltierarzt des Rijksdienst voor de keuring van Vee en Vlees (Reichsdienst
         für die Vieh- und Fleischbeschau, im Folgenden: RVV) durch Entscheidungen vom 1. bzw. 22. März 2002 die Einfuhr dieser Sendungen
         ab und ordnete ihre Beseitigung an.
      
      9       Am 18. März bzw. 26. April 2002 legten Raverco bzw. Coxon beim Beklagten der Ausgangsverfahren gegen diese Entscheidungen
         Beschwerde ein und machten geltend, dass diese Sendungen nicht beseitigt, sondern nach China hätten zurückgesandt werden müssen,
         denn
      
      –       eine etwaige Rücksendung nach China stelle keine Gefahr für die menschliche oder tierische Gesundheit in den Niederlanden
         dar;
      
      –       die Richtlinie diene nicht dem Schutz von Verbrauchern außerhalb der Union;
      –       hinsichtlich der Anwendung von Artikel 5 der Verordnung bestehe Unklarheit, und für Furazolidon oder Chloramphenicol brauche
         kein Null-Grenzwert zu gelten;
      
      –       bis zum 30. März 2002 sei in mehreren Fällen die Rücksendung von Fleischsendungen, die eine bestimmte Menge dieser Stoffe
         enthielten, angeordnet worden.
      
      10     Mit Bescheiden vom 16. bzw. 22. Mai 2003 wies der Beklagte der Ausgangsverfahren die Beschwerden von Raverco und von Coxon
         u. a. mit der Begründung zurück, dass
      
      –       die Beschlagnahme und unverzügliche Beseitigung von Erzeugnissen, die die menschliche oder tierische Gesundheit gefährden
         könnten, nach Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie geboten und die Rücksendung also nicht möglich gewesen sei;
      
      –       gemäß Artikel 5 in Verbindung mit Anhang IV der Verordnung für Furazolidon und Chloramphenicol ein Null-Grenzwert gelte.
      11     Raverco und Coxon erhoben gegen diese Bescheide beim vorlegenden Gericht Klage. Nach dessen Ansicht hängt die Entscheidung
         der beiden Rechtsstreitigkeiten von der Auslegung von Vorschriften des Gemeinschaftsrechts ab; es hat daher die Verfahren
         ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende vier Fragen, die in beiden Verfahren gleichlauten, zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Ist Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der Richtlinie dahin auszulegen, dass der Grund, der einer Rücksendung einer Sendung,
         die nicht den Einfuhrbedingungen genügt, entgegensteht, darin liegt, dass die Gemeinschaftsbedingungen für die Einfuhr nicht
         erfüllt sind, oder aber in den Bedingungen zu suchen ist, die an dem mit dem Beteiligten vereinbarten Bestimmungsort außerhalb
         der in Anhang I der Richtlinie aufgeführten Gebiete gelten?
      
      2.      Ist Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der Richtlinie in Verbindung mit deren Artikel 22 Absatz 2 und mit Artikel 5 der Verordnung
         dahin auszulegen, dass diese Bestimmung in allen Fällen, in denen eine in der Richtlinie vorgesehene Kontrolle ergibt, dass
         eine Sendung von Erzeugnissen die menschliche oder tierische Gesundheit gefährden könnte, die Beseitigung der betreffenden
         Sendungen tierischer Erzeugnisse zwingend vorschreibt?
      
      3.      Ist Artikel 22 der Richtlinie in Verbindung mit Artikel 5 der Verordnung dahin auszulegen, dass der Nachweis von Rückständen
         eines in Anhang IV der Verordnung aufgeführten Stoffes in einer Sendung schon bedeutet, dass die betreffende Sendung eine
         solche Gefahr für die menschliche oder tierische Gesundheit darstellt, dass die Rücksendung ausgeschlossen ist?
      
      4.      Ist, wenn die zweite Frage verneint wird, Artikel 17 Absatz 2 der Richtlinie dahin auszulegen, dass diese Bestimmung gleichzeitig
         dem Schutz der Belange des Drittlandes dient, in das die Sendung nach Rücksendung eingeführt werden soll, auch wenn diese
         Belange nicht gleichzeitig den Schutz von Interessen beinhalten, die in den Mitgliedstaaten der Union bestehen?
      
      12     Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom 25. April 2005 sind die Rechtssachen C‑129/05 und C‑130/05 zu gemeinsamem
         schriftlichem und mündlichem Verfahren und zu gemeinsamer Entscheidung verbunden worden.
      
       Zu den Vorlagefragen
       Zur ersten Frage
      13     Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob nach Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der
         Richtlinie der Grund, der der Rücksendung einer Sendung, die nicht den Einfuhrbedingungen genügt, entgegensteht, in der Nichterfüllung
         der Gemeinschaftsbedingungen oder der in dem Drittland, in das die Rücksendung erfolgen würde, geltenden Bedingungen liegt.
      
      14     Hierzu ist festzustellen, dass sowohl aus dem Wortlaut von Artikel 17 Absatz 2 der Richtlinie als auch aus deren Zielsetzung
         hervorgeht, dass die Hindernisse für die Rücksendung eines Erzeugnisses in der Nichterfüllung der Gemeinschaftsbedingungen
         liegen.
      
      15     Nach dieser Bestimmung kann nämlich, wenn die zuständige Behörde bei den Kontrollen nach der Richtlinie feststellt, dass das
         Erzeugnis nicht den Einfuhrbedingungen genügt, die Rücksendung eines Erzeugnisses unter bestimmten Bedingungen ausgeschlossen
         sein, wobei die Einfuhrbedingungen gemäß Artikel 2 Absatz 2 der Richtlinie die für die einzuführenden Erzeugnisse nach Gemeinschaftsrecht
         geltenden Veterinärbedingungen sind.
      
      16     Zudem sieht die Richtlinie, wie der Generalanwalt in Nummer 22 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ein System von Veterinärkontrollen
         zu dem Zweck vor, festzustellen, ob die Erzeugnisse die Einfuhrbedingungen der Gemeinschaft erfüllen. Dass diese Kontrollen
         sich ausschließlich auf Gemeinschaftsrecht stützen, ergibt sich im Übrigen eindeutig aus dem Wortlaut u. a. der Artikel 8
         Absätze 2 und 4, 10 Absatz 2 Buchstaben a und f, sowie 12 Absätze 2 und 6 der Richtlinie.
      
      17     In Anbetracht dieser Erwägungen ist auf die erste Frage zu antworten, dass Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der Richtlinie
         dahin auszulegen ist, dass der Grund, der der Rücksendung einer Sendung, die nicht den Einfuhrbedingungen genügt, entgegensteht,
         in der Nichterfüllung der Gemeinschaftsbedingungen liegen muss.
      
       Zur zweiten und zur dritten Frage
      18     Mit der zweiten und der dritten Frage, die gemeinsam zu prüfen sind, möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen,
         ob, falls in einer Sendung bei einer gemäß der Richtlinie durchgeführten Veterinärkontrolle ein nach Artikel 5 der Verordnung
         verbotener Stoff nachgewiesen wurde, definitionsgemäß eine Gefährdung der menschlichen oder tierischen Gesundheit vorliegt,
         so dass diese Sendung gemäß Artikel 17 Absatz 2 und 22 Absatz 2 der Richtlinie zwingend zu beseitigen ist.
      
      19     Hierzu ist zunächst darauf hinzuweisen, dass sich schon aus dem Wortlaut von Artikel 5 der Verordnung ergibt, dass zum einen
         Rückstände von in Anhang IV der Verordnung aufgeführten Stoffen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs in jeder Konzentration
         eine Gefahr für die Gesundheit des Verbrauchers darstellen und zum anderen wegen der Gefährlichkeit solcher Stoffe ihre Verabreichung
         an Tiere, die zur Nahrungsmittelerzeugung genutzt werden, in der ganzen Gemeinschaft verboten ist, ohne dass den Mitgliedstaaten
         ein Ermessen bleibt.
      
      20     Chloramphenicol und Furazolidon, die in den in den Ausgangsverfahren fraglichen Fleischsendungen bei Veterinärkontrollen nachgewiesen
         wurden, sind in Anhang IV der Verordnung als pharmakologisch wirksame Stoffe, für die keine Höchstmengen festgelegt werden
         können, aufgeführt. Damit steht fest, dass eine Sendung Fleisch, das Chloramphenicol und Furazolidon enthält, als Gefahr für
         die Gesundheit des Verbrauchers und als verboten im Sinne von Artikel 5 der Verordnung anzusehen ist.
      
      21     Zur Frage, ob Fleischsendungen, die solche Stoffe enthalten, nach den Artikeln 17 Absatz 2 und 22 Absatz 2 der Richtlinie
         zu beseitigen sind, ist festzustellen, dass Artikel 17 Absatz 2 keine Anwendung mehr findet, sobald festgestellt ist, dass
         eine Sendung von Erzeugnissen im Sinne von Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie die menschliche oder tierische Gesundheit gefährden
         könnte. 
      
      22     Wie nämlich der Generalanwalt in den Nummern 29 und 30 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ist Artikel 17 Absatz 2 der Richtlinie
         in dem Sinne allgemein anwendbar, als er auf alle Fälle abzielt, in denen die vorgeschriebenen Kontrollen an den Grenzkontrollstellen
         ergeben, dass das Erzeugnis entweder nicht den Einfuhrbedingungen genügt oder eine Unregelmäßigkeit vorliegt, auch wenn diese
         nur verwaltungstechnischer Art sein sollte. Dagegen hat Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie einen viel engeren Anwendungsbereich,
         da er spezifisch dann anwendbar ist, wenn die Kontrollen ergeben, dass eine Sendung von Erzeugnissen die menschliche oder
         tierische Gesundheit gefährden könnte.
      
      23     Überdies ist nach Artikel 17 Absatz 2 der Richtlinie allgemein zu beurteilen, ob der Rücksendung einer Sendung, die der Gemeinschaftsregelung
         nicht entspricht, Hindernisse entgegenstehen oder nicht, während der Wortlaut von Artikel 22 der Richtlinie hinsichtlich der
         Möglichkeit, die Sendung zurückzusenden, keinen Ermessensspielraum lässt, sobald festgestellt ist, dass sie die menschliche
         oder tierische Gesundheit gefährden könnte. Artikel 22 schreibt in einem solchen Fall zwingend die Beschlagnahme und die Beseitigung
         der beanstandeten Sendung vor.
      
      24     Da aber Fleischsendungen wie die in den Ausgangsverfahren fraglichen aufgrund ihres Gehalts an nach Artikel 5 der Verordnung
         verbotenen Stoffen die menschliche Gesundheit gefährden können, ist nur Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie anwendbar.
      
      25     Somit haben die zuständigen Behörden nach dieser Bestimmung solche Sendungen zu beschlagnahmen und zu beseitigen.
      26     Dieser Auslegung steht nicht das Vorbringen von Coxon entgegen, Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie sei nicht mehr anwendbar,
         da Erzeugnisse, die den Einfuhrbedingungen der Gemeinschaft nicht genügten, nach Rücksendung keine Gefahr für die Gesundheit
         von Mensch oder Tier innerhalb der Gemeinschaft mehr darstellten.
      
      27     Dieses Vorbringen widerspricht dem Wortlaut von Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie und deren Zweck, wie er sich insbesondere
         aus ihren Begründungserwägungen 9, 10, 13 und 14 ergibt, nämlich strenge Regeln zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier
         vorzusehen und Betrügereien und Unregelmäßigkeiten vorzubeugen.
      
      28     Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass eine Auslegung von Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie, nach der es zulässig wäre,
         Erzeugnisse, die nach Artikel 5 der Verordnung verbotene Stoffe enthalten, zurückzusenden, die Risiken einer betrügerischen
         Wiedereinfuhr in die Gemeinschaft erhöhen könnte, da der Importeur so gut wie sicher sein könnte, dass seine Erzeugnisse nicht
         beseitigt würden und ihm nur die Kosten der etwaigen Rücksendung entstünden.
      
      29     Nach alledem ist auf die zweite und die dritte Frage zu antworten, dass Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie in Verbindung mit
         Artikel 5 der Verordnung dahin auszulegen ist, dass er den zuständigen Veterinärbehörden zwingend die Beschlagnahme und die
         Beseitigung von Erzeugnissen vorschreibt, für die eine nach dieser Richtlinie durchgeführte Veterinärkontrolle ergeben hat,
         dass sie einen in Anhang IV dieser Verordnung aufgeführten Stoff enthalten. 
      
       Zur vierten Frage
      30     In Anbetracht der Antwort auf die zweite und die dritte Frage ist die vierte Frage nicht zu beantworten.
       Kosten
      31     Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Artikel 17 Absatz 2 Buchstabe a der Richtlinie 97/78/EG des Rates vom 18. Dezember 1997 zur Festlegung von Grundregeln für
            die Veterinärkontrollen von aus Drittländern in die Gemeinschaft eingeführten Erzeugnissen ist dahin auszulegen, dass der
            Grund, der der Rücksendung einer Sendung, die nicht den Einfuhrbedingungen genügt, entgegensteht, in der Nichterfüllung der
            Gemeinschaftsbedingungen liegen muss.
      2.      Artikel 22 Absatz 2 der Richtlinie 97/78 in Verbindung mit Artikel 5 der Verordnung (EWG) Nr. 2377/90 des Rates vom 26. Juni
            1990 zur Schaffung eines Gemeinschaftsverfahrens für die Festsetzung von Höchstmengen für Tierarzneimittelrückstände in Nahrungsmitteln
            tierischen Ursprungs ist dahin auszulegen, dass er den zuständigen Veterinärbehörden zwingend die Beschlagnahme und die Beseitigung
            von Erzeugnissen vorschreibt, für die eine nach dieser Richtlinie durchgeführte Veterinärkontrolle ergeben hat, dass sie einen
            in Anhang IV dieser Verordnung aufgeführten Stoff enthalten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Niederländisch.