CELEX: 31995M0539
Language: de
Date: 1995-04-03 00:00:00
Title: ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 03/04/1995 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.539 - Allianz / Elvia / Lloyd Adriatico) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)

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31995M0539

ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 03/04/1995 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.539 - Allianz / Elvia / Lloyd Adriatico) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 180 vom 14/07/1995 S. 0004

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 03/04/1995 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.539 - Allianz / Elvia /  Lloyd Adriatico) gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der Deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des Amtes für  Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. ÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6(1)(b) ENTSCHEIDUNG An die enmeldende Pärtei Betrifft :<ind> Fall Nr. IV/M. 539 - Allianz/Elvia/Llyod Adriatico <ind> <ind> Ihre Anmeldung vom 28.2. 1995 gemäß Art. 4 der Ratsverordnung (EG)  Nr. 4064/89 Sehr geehrte Damen und Herren, am  28.2.1995 hat die Allianz Aktiengesellschaft  Holding das Vorhaben angemeldet,  von der Schweizer Rückversicherungsgesellschaft (Schweizer Rück) eine  Mehrheitsbeteiligung an der Elvia Schweizerische Versicherungsgesellschaft (Elvia)  und der Lloyd Adriatico S.p.A. (Adriatico) zu erwerben. Nach Prüfung der  Anmeldung hat die Kommission festgestellt, daß das angemeldete Vorhaben in den  Anwendungsbereich der Verordnung des Rates (EG) 4064/89 (Fusionsverordnung)  fällt und daß keine ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit  mit dem  Gemeinsamen Markt und dem Vertrag über den Europäischen Wirtschaftsraum  bestehen. I.<ind> Die Parteien <ind> Allianz Aktiengesellschaft Holding ist die Dachgesellschaft des Allianz  Konzerns (Allianz), dem grössten deutschen Versicherungsunternehmen. Allianz ist in  allen Zweigen des privaten Versicherungswesens tätig und unterhält Aktivitäten in  zahlreichen Ländern in- und ausserhalb der Gemeinschaft. Elvia ist ein schweizerischer  Versicherungskonzern. Der Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit in der  Gemeinschaft liegt im Bereich Reiseversicherungen und in der Schweiz im Bereich  Schaden-, Unfall- und Lebensversicherung. Adriatico ist ein italienischer  Versicherungskonzern, der vornehmlich in der Schaden-, Unfall- und  Lebensversicherungs tätig ist. Die Aktivitäten von Adriatico sind weitgehend auf  Italien konzentriert. II.<ind> Das Vorhaben <ind> Die zur Allianz-Gruppe gehörende Allianz Riunione Adriatica di Sicurta S.p.A.  (RAS) erwirb über ihre Tochtergesellschaft RAS International N.V. eine Beteiligung  von 59,87 % an Elvia. Die Allianz Aktiengesellschaft Holding erwirbt eine  Beteiligung von 62,7 % an Adriatico. Beide Beteiligungen wurden bisher von der  Schweizer Rück gehalten. <ind> In der ursprünglichen Verkaufsvereinbarung zwischen Allianz und Schweizer  Rück war vorgesehen, daß Allianz auch eine von der Schweizer Rück gehaltene  Mehrheitsbeteiligung an der Vereinte-Gruppe, einem deutschen  Versicherungskonzern, erwerben sollte.  In der Folge haben jedoch Allianz und  Schweizer Rück eine vertragliche Vereinbarung getroffen, wonach die Schweizer  Rück zunächst weiterhin Inhaber dieser Mehrheitsbeteiligung bleiben wird und die  entsprechenden Aktien direkt auf einen zukünftigen Dritterwerber übertragen wird.  Die Auswahl dieses Dritterwerbers ist der Investmentbank Credit Swiß First Boston  übertragen, die dabei keinem Weisungsrecht der Allianz unterliegt. Die Kommission  ist nach Prüfung der vertraglichen Regelungen zu dem Ergebnis gelangt, daß Allianz  keine Kontrolle im Sinne von Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe b über die Vereinte- Gruppe erwirbt. III.<ind> Zusammenschluß <ind> Mit dem angemeldeten Vorhaben wird Allianz die Kontrolle über die beiden  Unternehmen Elvia und Adriatico erwerben. Dieser Erwerb ist in einem einheitlichen  Gesamtvertragswerk zwischen demselben Erwerber und Veräusserer begründet. Es ist  daher von einem einheitlichen Zusammenschlußvorhaben auszugehen (Artikel 5  Absatz 2 Unterabsatz 2 der Fusionsverordnung). IV.<ind> Gemeinschaftsweite Bedeutung <ind> Der weltweite Gesamtumsatz der beteiligten Unternehmen, der nach Artikel 5  Absatz 3 Buchstabe b der Fusionsverordnung zu berechnen ist, beträgt mehr als 5  Milliarden ECU. Allianz einerseits und Elvia und Adriatico andererseits erzielen  jeweils einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 Millionen ECU. Allianz  und die beiden zu erwerbenden Unternehmen erzielen auch nicht jeweils zwei Drittel  ihres gemeinschaftsweiten Umsatzes in ein und demselben Mitgliedstaat. Der  Zusammenschluß hat daher eine gemeinschaftsweite Bedeutung. V.<ind> Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt A.<ind> Relevante Produktmärkte <ind> Im Versicherungsgeschäft sind die Bereiche Lebensversicherung, Nicht- Lebensversicherung und Rückversicherung zu unterscheiden. Von dem vorliegenden  Zusammenschluß sind nur die beiden ersten Bereiche betroffen. Sie lassen sich in so  viele unterschiedliche Produktmärkte unterteilen, wie es Versicherungen für  unterschiedliche Risiken gibt. Eigenschaften, Prämien und  Verwendungsmöglichkeiten der einzelnen Versicherungen sind deutlich  unterscheidbar und lassen diese aus der Sicht der Verbraucher nur schwer als  austauschbar erscheinen. Es kann jedoch letztlich im vorliegenden Fall dahingestellt  bleiben, ob jede spezifische von dem Zusammenschluß betroffene  Versicherungssparte einen eigenen relevanten Produktmarkt darstellt. Auch auf der  Grundlage der denkbar engsten Marktabgrenzung gibt der Zusammenschluß keinen  Anlaß zu ernsthaften Bedenken. B.<ind> Geographische Marktabgrenzung <ind> Anders als im Rückversicherungsbereich ist in den Bereichen  Lebensversicherungen und Nicht-Lebensversicherungen gegenwärtig noch  weitgehend von nationalen Märkten auszugehen. Auch wenn die Harmonisierung in  der Gemeinschaft zunehmend zu einer Öffnung für gemeinschaftsweiten Wettbewerb  führt, bestehen noch erhebliche Unterschiede in den Wettbewerbsbedingungen auf  den einzelnen nationalen Märkten im Hinblick auf die etablierten Marktstrukturen, die  Vertriebskanäle, die Haltung der Verbraucher und die nationale Gesetzgebung. Die  Annahme nationaler Märkte gilt insbesondere für Versicherungen, die an  Privatkunden verkauft werden, während Versicherungen, die an industrielle Kunden  verkauft werden, in grösserem Ausmaß im gemeinschaftsweitem Wettbewerb  angeboten werden. C.<ind> Auswirkungen des Zusammenschlusses <ind> Der Zusammenschluß hat vorwiegend Auswirkungen auf den italienischen  Markt. Der Versicherungsmarkt in Italien weist generell eine hohe Wachstumsrate auf  und war in den letzten Jahren durch die Einführung neuer Versicherungsprodukte und  den Zutritt neuer Wettbewerber (ca. 50) gekennzeichnet. Auf dem Gesamtmarkt wird  die neue Unternehmenseinheit einen Anteil von 14 % halten (Allianz 10 %, Adriatico  4 %). Die wichtigsten Wettbewerber sind Generali mit einem Anteil von beinahe 15 %  und die Gruppe Fondiaria und INA mit jeweils über 10 %. Im Bereich  Lebensversicherung wird der Anteil von Allianz RAS nach dem Zusammenschluß bei  etwa 11 % und im Bereich Nicht-Lebensversicherungen bei etwa 16 % liegen. In der  umsatzstärkten Sparte der Allianz RAS, Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung, wird  die neue Einheit einen Marktanteil von 12 % erreichen. Wichtigste Wettbewerber sind  hier die Gruppe Fondiaria mit 11 % und SAI und Assiitalia mit jeweils etwa 8 %. <ind> Die neue Unternehmenseinheit erreicht einen relativ hohen Marktanteil in den  drei Segementen Vermögensschadenshaftpflicht, Rechtsschutz und Assistance (34 %,  28 % und 30 %) Es handelt sich dabei um Segmente mit einem sehr geringen  Prämienaufkommen, die jeweils nur zwischen 0,1 und 0,2 % des Bereiches Nicht- Lebensversicherungen repräsentieren. Rechtsschutz und Assistance sind relative junge  Sparten im italienischen Markt, die in den letzten fünf Jahren jeweils um mehr als 250  % gewachsen sind. Sie befinden sich auch weiterhin in einer sehr dynamischen Phase.  In allen drei Segmenten stehen der Allianz starke Wettbewerber wie Generali und  Toro mit Marktanteilen zwischen 10 und 20 % gegenüber. Die Entstehung einer  marktbeherrschenden Stellung kann nicht erwartet werden. <ind> In Deutschland führt der Zusammenschluß zu einer geringen  Marktanteilsaddition in dem Markt für Reiseversicherungen. Eindeutiger Marktführer  ist hier die Europäische Reiseversicherung, eine Tochtergesellschaft der Münchener  Rückversicherung. Zwar besteht seit langem eine wechselseitige Beteiligung zwischen  Allianz und Münchener Rückversicherung von jeweils 25 %. Dies rechtfertigt jedoch  nicht die Annahme einer wettbewerblichen Einheit ihrer Aktivitäten auf dem Gebiet  der Reiseversicherung. In diesem Zusammenhang ist insbesondere von Bedeutung,  daß Allianz und Münchener Rückversicherung ihre Verflechtungen in einer Reihe von  bedeutenden deutschen Versicherungsunternehmen 1992 durch einen umfangreichen  Aktientausch bereinigten. Als Ergebnis dieses Aktientausches übernahmen entweder  Allianz oder die Münchener Rückversicherung jeweils allein die Mehrheit an diesen  Versicherungsgesellschaften. IV.<ind> Gesamtbeurteilung <ind> Aufgrund der vorstehenden Feststellungen ist die Kommission zu dem Ergebnis  gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben nicht zur Entstehung oder Verstärkung  einer beherrschenden Stellung in den betroffenen Märkten führt und daher keinen  Anlaß zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem  Gemeinsamen Markt oder dem EWR-Vertrag gibt. <ind> <ind> Aus diesem Grund  hat die Kommission entschieden, dem angemeldeten Zusammenschluß nicht zu  widersprechen und ihn für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und dem EWR- Vertrag zu erklären. Diese Entscheidung beruht auf Artikel 6 (1) (b) der  Fusionsverordnung und Artikel 57 des EWR-Vertrages. <ind> Für die Kommission