CELEX: 62008TJ0055
Language: de
Date: 2011-02-17
Title: Urteil des Gerichts (Siebte Kammer) vom 17. Februar 2011.#Union des associations européennes de football (UEFA) gegen Europäische Kommission.#Fernsehen - Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG - Maßnahmen des Vereinigten Königreichs in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats - Fußballeuropameisterschaft - Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden - Begründung - Art. 49 EG und 86 EG - Eigentumsrecht.#Rechtssache T-55/08.

Rechtssache T‑55/08
      Union des associations européennes de football (UEFA)
      gegen
      Europäische Kommission
      „Fernsehen – Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG – Maßnahmen des Vereinigten Königreichs in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats
         – Fußballeuropameisterschaft – Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden – Begründung – Art. 49 EG und 86 EG – Eigentumsrecht“
      
      Leitsätze des Urteils
      1.      Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen – Unmittelbare
            Betroffenheit – Beschluss der Kommission, mit dem die Vereinbarkeit von gemäß Art. 3a der Richtlinie 89/552 erlassenen nationalen
            Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht wird – Kein Ermessensspielraum der Mitgliedstaaten – Klage des ursprünglichen
            Inhabers von Übertragungsrechten an einem Ereignis, die von dem genannten Beschluss erfasst werden – Unmittelbare Betroffenheit
      (Art. 263 Abs. 4 AEUV; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a; Beschluss 2007/730 der Kommission)
      2.      Nichtigkeitsklage – Natürliche oder juristische Personen – Handlungen, die sie unmittelbar und individuell betreffen – Möglichkeit,
            von einer allgemeinen Entscheidung individuell betroffen zu sein – Voraussetzungen – Beschluss der Kommission, mit dem die
            Vereinbarkeit von gemäß Art. 3a der Richtlinie 89/552 erlassenen nationalen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht wird
            – Klage des ursprünglichen Inhabers von Übertragungsrechten an einem Ereignis, die von dem genannten Beschluss erfasst werden
            – Zum Zeitpunkt des Erlasses dieses Beschlusses identifizierbarer Kläger – Individuell betroffener Kläger
      (Art. 263 Abs. 4 AEUV, Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a; Beschluss 2007/730 der Kommission)
      3.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Befugnis der Mitgliedstaaten, die Ausübung der vom
            Unionsrecht aufgestellten Grundfreiheiten zu beschränken – Rechtfertigung – Gewährleistung des Rechts auf Informationen
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, Erwägungsgründe 18 und 21; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a
            Abs. 1)
      4.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Ereignisse von erheblicher Bedeutung
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, 18. Erwägungsgrund; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a)
      5.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Nationale Verfahren zur Festlegung der Ereignisse von
            erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
      (Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a Abs. 1)
      6.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552
      (Richtlinie 97/36 des Europäischen Parlaments und des Rates, 21. Erwägungsgrund; Richtlinie 89/552 des Rates, Art. 3a Abs. 1
            und 2)
      7.      Freier Dienstleistungsverkehr – Fernsehtätigkeit – Richtlinie 89/552 – Beschränkungen durch einen Mitgliedstaat, die durch
            zwingende Gründe des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind und den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz beachten – Mittelbare Auswirkungen
            auf den Wettbewerb
      (Richtlinie 89/552 des Rates)
      8.      Freier Dienstleistungsverkehr – Niederlassungsfreiheit – Beschränkungen – Rechtfertigung durch zwingende Gründe des Allgemeininteresses
            – Beurteilung in Ansehung der allgemeinen Rechtsgrundsätze – Unzulässigkeit von nicht grundrechtskonformen Maßnahmen
      (Art. 46 EG und 55 EG)
      1.      Der mit Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten
         über die Ausübung der Fernsehtätigkeit vorgesehene Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung, der mit einem Beschluss der
         Kommission ausgelöst wird, mit dem diese die Vereinbarkeit von Maßnahmen eines Mitgliedstaats gemäß Art. 3a Abs. 1 dieser
         Richtlinie mit dem Gemeinschaftsrecht bejaht, schafft für die Mitgliedstaaten eine Verpflichtung zur Wahrung der Rechtsfolgen,
         die sich aus den betreffenden Maßnahmen ergeben. Insbesondere müssen die Mitgliedstaaten dafür sorgen, dass sich die ihrer
         Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter an die Bedingungen halten, wie sie von dem fraglichen Mitgliedstaat in seinen
         gebilligten und im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Maßnahmen für die Fernsehübertragung der Ereignisse von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung, die auf der dem genannten Beschluss beigefügten Liste verzeichnet sind, in dem betreffenden
         Mitgliedstaat festgelegt wurden. Die Verpflichtung, dieses Ergebnis zu erreichen, greift aber unmittelbar in die Rechtsstellung
         der Fernsehveranstalter ein, die der Rechtshoheit anderer Mitgliedstaaten als des Mitgliedstaats, der diese Maßnahmen erlassen
         hat, unterliegen und Übertragungsrechte für diesen Mitgliedstaat erwerben möchten, deren Inhaber ursprünglich der Veranstalter
         eines Ereignisses war. Ein solcher Beschluss wirkt sich daher auf die Rechtsstellung der Veranstalter solcher Ereignisse in
         Bezug auf die ursprünglich ihnen zustehenden Rechte unmittelbar aus, und er lässt den Mitgliedstaaten keinerlei Ermessensspielraum
         hinsichtlich des beabsichtigten Ergebnisses, das automatisch vorgegeben ist und sich unabhängig von der Ausgestaltung der
         einzelnen Mechanismen, die von den nationalen Behörden zur Erreichung dieses Ergebnisses eingerichtet werden, allein aus der
         Gemeinschaftsregelung ergibt. Diese Veranstalter sind somit von einem solchen Beschluss unmittelbar betroffen.
      
      (vgl. Randnrn. 32-35)
      2.      Eine andere Person als der Adressat einer Entscheidung kann nur dann geltend machen, individuell betroffen zu sein, wenn diese
         Entscheidung sie wegen bestimmter persönlicher Eigenschaften oder wegen sie aus dem Kreis aller übrigen Personen heraushebender
         Umstände berührt und sie dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer derartigen Entscheidung.
      
      Die Endrunde der Fußballeuropameisterschaft (EURO) ist unabhängig von der Rechtsnatur und der Quelle der Übertragungsrechte
         an ihr ein Ereignis im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung
         bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit, weil sie im Voraus
         von einem Veranstalter organisiert wird, der kraft Gesetzes zur Veräußerung dieser Rechte befugt ist, was auch zum Zeitpunkt
         des Erlasses des Beschlusses 2007/730 der Kommission über die Vereinbarkeit der vom Vereinigten Königreich gemäß Art. 3a Abs.
         1 der Richtlinie 89/552 getroffenen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht galt. Der Veranstalter der EURO war zum Zeitpunkt
         des Erlasses dieses Beschlusses leicht identifizierbar und ist daher von diesem individuell betroffen.
      
      (vgl. Randnrn. 36-38)
      3.      Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten
         über die Ausübung der Fernsehtätigkeit hat die Möglichkeit der Mitgliedstaaten konkretisiert, im audiovisuellen Bereich die
         Ausübung der vom primären Gemeinschaftsrecht festgelegten Grundfreiheiten aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses zu
         beschränken.
      
      Die Freiheit der Meinungsäußerung, wie sie in Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) verankert ist, gehört
         zu den von der Gemeinschaftsrechtsordnung verbürgten Grundrechten und stellt einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses
         dar, der solche Beschränkungen rechtfertigen kann. Nach Art. 10 Abs. 1 EMRK schließt die Freiheit der Meinungsäußerung auch
         die Freiheit ein, Informationen zu empfangen.
      
      Wie sich aus dem 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552 ergibt, sollen die Maßnahmen im
         Sinne des Art. 3a der letztgenannten Richtlinie das Recht auf Informationen schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang
         zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verschaffen.
         Nach dem 21. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 kommt einem Ereignis erhebliche Bedeutung zu, wenn es herausragend ist, von
         Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union, in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem bedeutenden
         Teil eines bestimmten Mitgliedstaats ist und im Voraus von einem Veranstalter organisiert wird, der befugt ist, die Rechte
         daran zu veräußern.
      
      Demnach sind die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552, da sie Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung betreffen, aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt. Diese Maßnahmen müssen sodann geeignet
         sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung
         dieses Ziels erforderlich ist.
      
      (vgl. Randnrn. 44, 47-50)
      4.      Art. 3a der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
         Ausübung der Fernsehtätigkeit, auf den sich der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552
         bezieht, nimmt keine Harmonisierung der spezifischen Ereignisse vor, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung angesehen werden können. Daraus folgt, dass der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 nicht so verstanden werden
         kann, dass danach die Aufnahme der Endrunde der Fußballeuropameisterschaft (EURO) in eine nationale Liste von Ereignissen
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung ohne Weiteres mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar ist. Erst recht kann dieser
         Erwägungsgrund nicht so verstanden werden, dass es danach in allen Fällen gerechtfertigt ist, die EURO in ihrer Gesamtheit
         und unabhängig von dem Interesse, das dieser Wettbewerb in dem betroffenen Mitgliedstaat hervorruft, in eine solche Liste
         aufzunehmen.
      
      Ungeachtet dieses Fehlens einer Harmonisierung der spezifischen Ereignisse, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden können, bedeutet die Erwähnung der EURO im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie
         97/36, dass die Kommission die Aufnahme der Spiele dieses Wettbewerbs in eine Ereignisliste nicht aus dem Grund als gemeinschaftsrechtswidrig
         ansehen kann, weil der betroffene Mitgliedstaat ihr nicht die besonderen Gründe für deren Eigenschaft als Ereignis von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung mitgeteilt hat. Die etwaige Schlussfolgerung der Kommission, dass die Aufnahme der EURO in ihrer
         Gesamtheit in eine Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats mit dem Gemeinschaftsrecht
         deshalb vereinbar sei, weil es gerechtfertigt sei, diesen Wettbewerb aufgrund seiner Merkmale als ein einheitliches Ereignis
         anzusehen, kann jedoch auf der Grundlage spezifischer Anhaltspunkte in Frage gestellt werden, die belegen, dass die „Normalspiele“
         nicht von einer solchen Bedeutung für die Gesellschaft dieses Staates sind.
      
      (vgl. Randnrn. 51-52, 120)
      5.      Die Verfahren, die die Mitgliedstaaten gemäß Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und
         Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit zwecks Erlasses der Liste von Ereignissen
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung einrichten, müssen eindeutig und transparent in dem Sinn sein, dass sie auf objektiven,
         den Betroffenen im Voraus bekannten Kriterien beruhen müssen, so dass verhindert wird, dass das Ermessen, über das die Mitgliedstaaten
         bei der Entscheidung über die konkreten, in ihre Listen aufzunehmenden Ereignisse verfügen, willkürlich ausgeübt wird. Auch
         wenn nämlich die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste nach Art. 3a der Richtlinie 89/552 erfordert, dass es von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung ist, stellt doch die vorherige Aufstellung spezifischer Kriterien, anhand deren die Bedeutung
         beurteilt wird, einen wesentlichen Aspekt dafür dar, dass die nationalen Entscheidungen transparent erlassen werden und sich
         im Rahmen des Ermessens halten, über das die nationalen Behörden insoweit verfügen. Das Erfordernis der Eindeutigkeit und
         Transparenz des Verfahrens bedeutet auch, dass die das Verfahren betreffenden Bestimmungen die für die Erstellung der Ereignisliste
         zuständige Stelle und die Voraussetzungen nennen, unter denen die Betroffenen Stellung nehmen können.
      
      Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 verlangt jedoch von den Mitgliedstaaten nicht, dass sie unterschiedliche Verfahren für
         die Festlegung der einzelnen Kategorien vorsehen, die sie für die Aufteilung der Ereignisse von erheblicher Bedeutung für
         ihre Gesellschaft als nützlich erachtet haben mögen. Das Bestehen eines einzigen Verfahrens für die Erstellung der Liste insgesamt
         stellt für sich allein nicht die Eindeutigkeit und Transparenz des Verfahrens in Frage.
      
      (vgl. Randnrn. 90-91, 100)
      6.      Art. 3a der Richtlinie 89/552 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
         Ausübung der Fernsehtätigkeit räumt den Mitgliedstaaten, indem er bestimmt, dass es ihre Sache ist, die Ereignisse von erheblicher
         Bedeutung für ihre Gesellschaft im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 zur Änderung der Richtlinie 89/552
         festzulegen, insoweit einen weiten Ermessensspielraum ein.
      
      Wenn ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats ist, verstößt die Kommission nicht gegen
         den Grundsatz der Gleichbehandlung, wenn sie bei der von ihr nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 ausgeübten Kontrolle
         der Aufnahme des Ereignisses in die von dem betreffenden Mitgliedstaat erstellte Liste nicht aus dem Grund widerspricht, weil
         ein anderes Ereignis nicht darauf verzeichnet ist, das von vielleicht noch größerer Bedeutung für diese Gesellschaft ist.
      
      Da es sich nämlich um die Auswahl zwischen mehreren konkreten Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im
         Sinne der Richtlinie 97/36 handelt, kann den Mitgliedstaaten weder unmittelbar noch mittelbar vorgegeben werden, in ihre Listen
         andere Ereignisse als die ihrer Wahl aufzunehmen und von den Vorschriften des Vertrags in weiterem Umfang abzuweichen, als
         sie es wünschen. 
      
      (vgl. Randnrn. 119, 194-195)
      7.      Die Folgen dessen, dass in Anbetracht der Bedeutung, die der Ausschließlichkeit der Übertragung der Spiele der Endrunde der
         Fußballeuropameisterschaft (EURO) im Fernsehen für die Rundfunkanstalten der zweiten mit den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats
         geschaffenen Kategorie zukommt, diese kein Interesse am Erwerb der nicht ausschließlichen Übertragungsrechte haben, ergeben
         sich mittelbar aus den Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs durch die Maßnahmen des betreffenden Mitgliedstaats.
         Die Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs durch die Aufnahme aller Spiele der EURO in die Liste von Ereignissen
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Staates sind aber aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt
         und weder ungeeignet noch unverhältnismäßig. Die Auswirkungen auf der Ebene der Zahl potenzieller Konkurrenten, die eine unausweichliche
         Folge dieser Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs sind, können deshalb nicht als Verstoß gegen die Wettbewerbsbestimmungen
         des Vertrags angesehen werden. Unter diesen Umständen muss die Kommission keine eingehendere Prüfung hinsichtlich dieser Folgen
         vornehmen.
      
      (vgl. Randnrn. 163-164)
      8.      Wenn sich ein Mitgliedstaat auf Bestimmungen wie die Art. 46 EG und 55 EG beruft, um eine Regelung zu rechtfertigen, die geeignet
         ist, die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit oder der Niederlassungsfreiheit zu behindern, ist diese im Gemeinschaftsrecht
         vorgesehene Rechtfertigung im Lichte der allgemeinen Rechtsgrundsätze und insbesondere der Grundrechte auszulegen. Die in
         diesen Bestimmungen vorgesehenen Ausnahmen können einer solchen nationalen Regelung so nur zugutekommen, wenn sie im Einklang
         mit den Grundrechten steht, deren Wahrung die Gemeinschaftsgerichte zu sichern haben. Dementsprechend kommt es nicht in Betracht,
         dass eine nicht mit den Grundrechten wie dem Eigentumsrecht vereinbare nationale Maßnahme deshalb in den Genuss der anerkannten
         Ausnahmen kommen kann, weil sie zwingenden Gründen des Allgemeininteresses entspricht wie dem Fernsehzugang der breiten Öffentlichkeit
         zu den Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
      
      (vgl. Randnr. 179)
URTEIL DES GERICHTS (Siebte Kammer)
      17. Februar 2011(*)
      
      „Fernsehen – Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG – Maßnahmen des Vereinigten Königreichs in Bezug auf die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats
         – Fußballeuropameisterschaft – Beschluss, mit dem die Maßnahmen für mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar erklärt werden – Begründung – Art. 49 EG und 86 EG – Eigentumsrecht“
      
      In der Rechtssache T‑55/08
      Union des associations européennes de football (UEFA) mit Sitz in Nyon (Schweiz), Prozessbevollmächtigte: A. Bell, K. Learoyd, Solicitors, D. Anderson, QC, und B. Keane, Solicitor,
      
      Klägerin,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch F. Benyon und E. Montaguti als Bevollmächtigte im Beistand von J. Flynn, QC, und M. Lester, Barrister,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Königreich Belgien, vertreten durch C. Pochet als Bevollmächtigte im Beistand von Rechtsanwalt J. Stuyck,
      
      und durch
      Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland, zunächst vertreten durch S. Behzadi-Spencer und V. Jackson, dann durch S. Behzadi-Spencer und L. Seeboruth als Bevollmächtigte
         im Beistand von T. de la Mare und B. Kennelly, Barristers, 
      
      Streithelfer,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung des Beschlusses 2007/730/EG der Kommission vom 16. Oktober 2007 über die Vereinbarkeit der
         vom Vereinigten Königreich gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie 89/552/EWG des Rates zur Koordinierung bestimmter Rechts-
         und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit getroffenen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht
         (ABl. L 295, S. 12)
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Siebte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten N. J. Forwood (Berichterstatter) sowie der Richter L. Truchot und J. Schwarcz,
      Kanzler: K. Pocheć, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. Februar 2010
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1        Art. 49 Abs. 1 EG lautet:
      
      „Die Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs innerhalb der Gemeinschaft für Angehörige der Mitgliedstaaten, die
         in einem anderen Staat der Gemeinschaft als demjenigen des Leistungsempfängers ansässig sind, sind nach Maßgabe der folgenden
         Bestimmungen verboten.“
      
      2        Nach Art. 86 Abs. 1 EG „[werden d]ie Mitgliedstaaten … in Bezug auf öffentliche Unternehmen und auf Unternehmen, denen sie
         besondere oder ausschließliche Rechte gewähren, keine diesem Vertrag und insbesondere dessen Artikeln 12 und 81 bis 89 widersprechende
         Maßnahmen treffen oder beibehalten“.
      
      3        Art. 3a der Richtlinie 89/552/EWG des Rates vom 3. Oktober 1989 zur Koordinierung bestimmter Rechts- und Verwaltungsvorschriften
         der Mitgliedstaaten über die Ausübung der Fernsehtätigkeit (ABl. L 298, S. 23), der durch die Richtlinie 97/36/EG des Europäischen
         Parlaments und des Rates vom 30. Juni 1997 zur Änderung der Richtlinie [89/552] (ABl. L 202, S. 60) eingefügt wurde, lautet:
      
      „(1)      Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit dem Gemeinschaftsrecht Maßnahmen ergreifen, mit denen sichergestellt werden soll,
         dass Fernsehveranstalter, die seiner Rechtshoheit unterliegen, nicht Ereignisse, denen der betreffende Mitgliedstaat eine
         erhebliche gesellschaftliche Bedeutung beimisst, auf Ausschließlichkeitsbasis in der Weise übertragen, dass einem bedeutenden
         Teil der Öffentlichkeit in dem Mitgliedstaat die Möglichkeit vorenthalten wird, das Ereignis im Wege direkter oder zeitversetzter
         Berichterstattung in einer frei zugänglichen Fernsehsendung zu verfolgen. Falls ein Mitgliedstaat entsprechende Maßnahmen
         ergreift, so erstellt er dabei eine Liste der nationalen und nichtnationalen Ereignisse, denen er eine erhebliche gesellschaftliche
         Bedeutung beimisst. Er trägt dafür auf eindeutige und transparente Weise rechtzeitig und wirksam Sorge. Dabei legt der betreffende
         Mitgliedstaat auch fest, ob diese Ereignisse im Wege direkter Gesamt- oder Teilberichterstattung oder, sofern im öffentlichen
         Interesse aus objektiven Gründen erforderlich oder angemessen, im Wege zeitversetzter Gesamt- oder Teilberichterstattung verfügbar
         sein sollen.
      
      (2)      Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission unverzüglich alle Maßnahmen mit, die sie gemäß Absatz 1 getroffen haben oder in
         Zukunft treffen werden. Die Kommission prüft binnen drei Monaten nach der Mitteilung, ob die Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar sind, und teilt sie den anderen Mitgliedstaaten mit. Sie holt die Stellungnahme des gemäß Artikel 23a eingesetzten
         Ausschusses ein. Sie veröffentlicht die getroffenen Maßnahmen unverzüglich im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften; mindestens einmal jährlich veröffentlicht sie eine konsolidierte Liste der von den Mitgliedstaaten getroffenen Maßnahmen.
      
      (3)      Die Mitgliedstaaten stellen im Rahmen des innerstaatlichen Rechts durch geeignete Maßnahmen sicher, dass die ihrer Rechtshoheit
         unterliegenden Fernsehveranstalter die von ihnen nach der Veröffentlichung dieser Richtlinie erworbenen ausschließlichen Rechte
         nicht in der Weise ausüben, dass einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit in einem anderen Mitgliedstaat die Möglichkeit
         vorenthalten wird, die von diesem anderen Mitgliedstaat gemäß den Absätzen 1 und 2 bezeichneten Ereignisse als direkte Gesamt-
         oder Teilberichterstattung oder, sofern im öffentlichen Interesse aus objektiven Gründen erforderlich oder angemessen, als
         zeitversetzte Gesamt- oder Teilberichterstattung in einer frei zugänglichen Fernsehsendung zu verfolgen, wie dies von dem
         anderen Mitgliedstaat gemäß Absatz 1 festgelegt worden ist.“
      
      4        In den Erwägungsgründen 18 bis 22 der Richtlinie 97/36 heißt es:
      
      „(18) Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Mitgliedstaaten in der Lage sind, Maßnahmen zu ergreifen, um das Recht auf Informationen
         zu schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung zu verschaffen, wie die Olympischen Spiele, die Fußballweltmeisterschaft und
         die Fußballeuropameisterschaft. Zu diesem Zweck steht es den Mitgliedstaaten weiterhin frei, mit dem Gemeinschaftsrecht zu
         vereinbarende Maßnahmen zu ergreifen, mit denen die Ausübung ausschließlicher Senderechte für solche Ereignisse durch die
         ihrer Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter geregelt werden soll.
      
      (19)      Es müssen innerhalb eines Gemeinschaftsrahmens Vorkehrungen getroffen werden, damit etwaige rechtliche Unsicherheit und Marktstörungen
         vermieden werden und der freie Verkehr für Fernsehdienste mit der Notwendigkeit, einer möglichen Umgehung der zum Schutz eines
         rechtmäßigen allgemeinen Interesses erlassenen Maßnahmen zu begegnen, in Einklang gebracht wird.
      
      (20)      Es ist insbesondere angezeigt, in dieser Richtlinie Bestimmungen für die Ausübung der ausschließlichen Senderechte festzulegen,
         die Fernsehveranstalter möglicherweise für Ereignisse erworben haben, die für die Gesellschaft in einem anderen Mitgliedstaat
         als demjenigen, dessen Rechtshoheit die Veranstalter unterliegen, von erheblicher Bedeutung sind. …
      
      (21)      Ereignisse von ‚erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung‘ im Sinne dieser Richtlinie sollten bestimmten Kriterien genügen,
         d. h., es sollten herausragende Ereignisse sein, die von Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union,
         in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem bedeutenden Teil eines bestimmten Mitgliedstaats sind und die im Voraus von
         einem Veranstalter organisiert werden, der kraft Gesetzes befugt ist, die Rechte an diesem Ereignis zu veräußern.
      
      (22)      Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Begriff ‚frei zugängliche Fernsehsendung‘ die Ausstrahlung eines der Öffentlichkeit
         zugänglichen Programms auf einem öffentlichen oder privaten Kanal, ohne dass neben den in dem betreffenden Mitgliedstaat überwiegend
         anzutreffenden Arten der Gebührenentrichtung für das Fernsehen (beispielsweise Fernsehgebühren und/oder Grundgebühren für
         einen Kabelanschluss) eine weitere Zahlung zu leisten ist.“
      
       Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtener Beschluss
      5        Die Klägerin, die Union des associations européennes de football (UEFA), ist der europäische Fußball-Dachverband. Ihre Hauptaufgabe
         ist es, für die Entwicklung des europäischen Fußballs zu sorgen, und sie richtet eine Reihe von internationalen Fußballwettbewerben
         aus, so auch die Endrunde der Fußballeuropameisterschaft (im Folgenden: EURO), bei der alle vier Jahre 16 Nationalmannschaften
         in insgesamt 31 Spielen aufeinandertreffen. Nach ihrer eigenen Aussage sind es die Einnahmen aus dem Verkauf der kommerziellen
         Rechte im Zusammenhang mit diesen Wettbewerben, die es ihr erlaubten, die Entwicklung des europäischen Fußballs zu fördern.
         Sie bringt insoweit vor, dass 64 % der Einnahmen aus dem Verkauf der kommerziellen Rechte im Zusammenhang mit der EURO aus
         der Vergabe der Fernsehübertragungsrechte für die Spiele stammten. 
      
      6        Mit Entscheidung vom 25. Juni 1998 erstellte der Minister für Kultur, Medien und Sport des Vereinigten Königreichs Großbritannien
         und Nordirland (im Folgenden: Minister) gemäß Teil IV des Broadcasting Act (Rundfunkgesetz) 1996 eine Liste von Ereignissen
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs, die auch die EURO umfasst.
      
      7        Dem Erlass dieser Liste ging eine Konsultation von 42 verschiedenen Organen voraus, die vom Minister im Juli 1997 in Bezug
         auf die Kriterien eingeleitet worden war, anhand deren die Bedeutung der verschiedenen Ereignisse für die Gesellschaft des
         Vereinigten Königreichs beurteilt werden sollte. Im Anschluss an dieses Verfahren wurde eine Liste von Kriterien erlassen,
         die in einem Dokument des Ministeriums für Kultur, Medien und Sport vom November 1997 enthalten ist und die dem Minister für
         die Zwecke der Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs
         dient. Nach diesem Dokument kann ein Ereignis u. a. in die Liste aufgenommen werden, wenn es auf nationaler Ebene und nicht
         nur bei denjenigen, die den betreffenden Sport ohnehin verfolgen, besonderen Anklang findet. Dies trifft nach demselben Dokument
         auf ein nationales oder internationales Sportereignis zu, das hervorsticht oder an dem eine Nationalmannschaft oder Sportler
         des Vereinigten Königreichs beteiligt sind. Unter den Ereignissen, die diese Kriterien erfüllen, steigt die Aussicht, in die
         Liste aufgenommen zu werden, für diejenigen, die bei vielen Fernsehzuschauern Interesse finden oder die traditionell auf frei
         zugänglichen Fernsehkanälen direkt übertragen werden. Außerdem lässt der Minister auch andere, die Folgen für den jeweiligen
         Sport betreffende Faktoren in seine Beurteilung einfließen wie etwa, ob das Angebot einer Direktübertragung eines Ereignisses
         in seiner Gesamtheit angebracht ist, welche Auswirkung sich für die Einnahmen in dem fraglichen Sportsektor ergibt, welche
         Folgen sich für den Rundfunkmarkt ergeben und ob Umstände vorliegen, die den Zugang zu dem Ereignis über eine zeitversetzte
         Fernseh- oder Radioübertragung gewährleisten.
      
      8        In der Folge leitete der Minister gemäß Section 97 des Broadcasting Act 1996 ein Konsultationsverfahren zu den konkreten,
         in die Liste aufzunehmenden Ereignissen ein. Im Rahmen dieser Konsultation forderte er mehrere betroffene Organe und Wirtschaftsteilnehmer
         sowie die Inhaber der Fernsehübertragungsrechte wie die UEFA zu Stellungnahmen auf. Außerdem nahm ein von ihm eingerichtetes
         beratendes Gremium, die „Advisory Group on listed events“ (Beratungsgruppe Listenereignisse), Stellung zu den in die Liste
         aufzunehmenden Ereignissen und schlug hinsichtlich der EURO die Aufnahme des Endspiels, der Halbfinalspiele und der Spiele
         mit Beteiligung der Nationalmannschaften des Vereinigten Königreichs in die Liste vor.
      
      9        Nach Section 98 des Broadcasting Act 1996 in seiner durch die Television Broadcasting Regulations (Fernsehverordnung) 2000
         geänderten Fassung sind die Fernsehveranstalter in zwei Kategorien unterteilt. Zur ersten Kategorie zählen diejenigen, die
         ihre Dienste kostenlos anbieten und darüber hinaus von mindestens 95 % der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs empfangen
         werden können. In die zweite Kategorie fallen die übrigen.
      
      10      Außerdem kann nach Section 101 des Broadcasting Act 1996 in seiner durch die Television Broadcasting Regulations 2000 geänderten
         Fassung, wer einen Fernsehdienst erbringt, der in eine dieser beiden Kategorien fällt, ein auf der Liste verzeichnetes Ereignis
         nur dann ganz oder teilweise direkt übertragen, wenn ein Anbieter, der zur anderen der zwei Kategorien gehört, das Recht erworben
         hat, dasselbe Ereignis zur Gänze oder zu demselben Teil in der gleichen oder im Wesentlichen gleichen Gegend direkt zu übertragen.
         Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, muss die Anstalt, die das betreffende Ereignis ganz oder teilweise direkt übertragen
         möchte, die vorherige Genehmigung des Office of Communications (Kommunikationsamt) einholen.
      
      11      Nach Abschnitt 3 des Code on sports and other listed and designated events (Kodex für Sport- und sonstige gelistete und bezeichnete
         Ereignisse) in seiner im Jahr 2000 geltenden Fassung gliedern sich die in die Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung aufgenommenen Ereignisse in zwei Gruppen. Die „Gruppe A“ umfasst die Ereignisse, die nicht auf Ausschließlichkeitsbasis
         direkt übertragen werden dürfen, sofern nicht bestimmte Kriterien erfüllt sind. Zur „Gruppe B“ gehören die Ereignisse, die
         nur auf Ausschließlichkeitsbasis direkt übertragen werden dürfen, wenn angemessene Vorkehrungen für eine Sekundärberichterstattung
         getroffen wurden.
      
      12      Nach Abschnitt 13 des Code on sports and other listed and designated events kann eine Genehmigung vom Office of Communications
         für die Listenereignisse der „Gruppe A“, zu denen die EURO gehört, erteilt werden, wenn die Übertragungsrechte dafür allen
         Fernsehveranstaltern zu billigen und angemessenen Bedingungen offen angeboten wurden, ohne dass sich eine Anstalt der anderen
         Kategorie an ihrem Erwerb interessiert gezeigt hätte.
      
      13      Mit Schreiben vom 25. September 1998 übermittelte das Vereinigte Königreich der Kommission der Europäischen Gemeinschaften
         nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 die vom Minister erstellte Ereignisliste. Nach einem Schriftwechsel zwischen dem
         Vereinigten Königreich und der Kommission und einer neuen Mitteilung der Maßnahmen am 5. Mai 2000 unterrichtete der Generaldirektor
         der Generaldirektion (GD) „Bildung und Kultur“ der Kommission das Vereinigte Königreich mit Schreiben vom 28. Juli 2000 davon,
         dass die Kommission keine Einwände gegen die Maßnahmen dieses Mitgliedstaats erhebe, die deshalb demnächst im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften veröffentlicht würden.
      
      14      Mit Urteil vom 15. Dezember 2005, Infront WM/Kommission (T‑33/01, Slg. 2005, II‑5897), erklärte das Gericht die in dem Schreiben
         vom 28. Juli 2000 enthaltene Entscheidung mit der Begründung für nichtig, dass sie eine Entscheidung im Sinne des Art. 249 EG
         sei, die das Kollegium der Kommissionsmitglieder selbst hätte erlassen müssen (Urteil Infront WM/Kommission, Randnr. 178).
      
      15      Infolge des Urteils Infront WM/Kommission (oben in Randnr. 14 angeführt) erließ die Kommission den Beschluss 2007/730/EG vom
         16. Oktober 2007 über die Vereinbarkeit der vom Vereinigten Königreich gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie [89/552] getroffenen
         Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht (ABl. L 295, S. 12, im Folgenden: angefochtener Beschluss).
      
      16      Der verfügende Teil des angefochtenen Beschlusses lautet:
      
      „Artikel 1
      Die vom Vereinigten Königreich gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie [89/552] getroffenen Maßnahmen, die der Kommission
         am 5. Mai 2000 notifiziert und im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften C 328 vom 18. November 2000 veröffentlicht wurden, sind mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar.
      
      Artikel 2
      Die im Anhang zu diesem Beschluss aufgeführten Maßnahmen werden gemäß Artikel 3a Absatz 2 der Richtlinie [89/552] im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.“
      
      17      Der angefochtene Beschluss wird u. a. mit folgenden Erwägungen begründet:
      
      „(4)      Die in den Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] enthaltene Liste der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         wurde in eindeutiger und transparenter Weise erstellt, und [in diesem Mitgliedstaat] war dazu eine umfassende Konsultation
         eingeleitet worden. 
      
      (5)      Die Kommission hat festgestellt, dass die in den … Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] aufgelisteten [Ereignisse] mindestens
         zwei der folgenden Kriterien erfüllen, die als verlässliche Indikatoren für die gesellschaftliche Bedeutung von Ereignissen
         gelten: i) Das Ereignis findet im betreffenden Mitgliedstaat in der breiten Öffentlichkeit besondere Resonanz und ist nicht
         nur für diejenigen von Bedeutung, die die entsprechenden Sport- oder sonstigen Veranstaltungen ohnehin verfolgen; ii) das
         Ereignis hat eine allgemein anerkannte spezifische kulturelle Bedeutung für die Bevölkerung des betreffenden Mitgliedstaats,
         insbesondere aufgrund seines identitätsstiftenden Charakters; iii) die Nationalmannschaft nimmt an dem Ereignis im Rahmen
         eines Wettkampfs oder Turniers von internationaler Bedeutung teil; iv) das Ereignis wurde bisher in einer frei zugänglichen
         Fernsehsendung übertragen und erreichte eine große Zahl von Zuschauern. 
      
      (6)      Viele der in den Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] aufgeführten Veranstaltungen, darunter die Olympischen Sommer- und
         Winterspiele sowie die Endrunden der Welt- und Europameisterschaften, werden üblicherweise der Kategorie der Ereignisse von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung zugerechnet, auf die in Erwägung 18 der Richtlinie [97/36] ausdrücklich verwiesen
         wird. [Diese] Ereignisse [finden in ihrer Gesamtheit] im [Vereinigten Königreich] in der breiten Öffentlichkeit besondere
         Resonanz, da sie (ungeachtet der Nationalität der Teilnehmer) sehr populär sind, und zwar nicht nur bei den ohnehin Sportinteressierten.
         
      
      …
      (18)      Die aufgelisteten Veranstaltungen, einschließlich derjenigen, die in ihrer Gesamtheit – und nicht als Aneinanderreihung von
         Einzelveranstaltungen – zu sehen sind, wurden bisher im frei zugänglichen Fernsehen übertragen und erreichten eine große Zahl
         von Zuschauern. …
      
      (19)      Die Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] erscheinen [verhältnismäßig] und rechtfertigen daher eine Ausnahme vom Grundsatz
         des freien Dienstleistungsverkehrs im EG-Vertrag, und zwar wegen zwingender Gründe des Allgemeininteresses an der Gewährleistung
         eines breiten öffentlichen Zugangs zu Fernsehübertragungen von Veranstaltungen [von] erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
         
      
      (20)      Die Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] sind insofern mit [den Wettbewerbsregeln des EG-Vertrags] vereinbar, als die Definition
         von Fernsehveranstaltern, die für die Übertragung der [aufgelisteten] Veranstaltungen qualifiziert sind, auf objektiven Kriterien
         beruht, die einen tatsächlichen und möglichen Wettbewerb um den Erwerb der Senderechte für diese Veranstaltungen zulassen.
         Außerdem ist die Zahl der aufgelisteten Veranstaltungen nicht unverhältnismäßig hoch, so dass es nicht zu Wettbewerbsverzerrungen
         auf den nachgelagerten Märkten des frei zugänglichen Fernsehens und des Bezahlfernsehens kommt. 
      
      (21)      Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen [des Vereinigten Königreichs] erscheint umso eher gegeben, als für eine Reihe der aufgelisteten
         Ereignisse nur eine angemessene Sekundärberichterstattung erforderlich ist. 
      
      …
      (24)      Aufgrund des Urteils [Infront WM/Kommission] stellt die Erklärung, dass Maßnahmen gemäß Artikel 3a Absatz 1 der Richtlinie
         [89/552] mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind, eine Entscheidung dar, die [deshalb] von der Kommission erlassen werden
         muss. Folglich ist durch diesen Rechtsakt festzustellen, dass die vom [Vereinigten Königreich] mitgeteilten Maßnahmen mit
         dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind. Die im Anhang zu diesem Beschluss aufgeführten Maßnahmen sollten gemäß Artikel 3a Absatz
         2 der Richtlinie [89/552] im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden.“
      
       Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      18      Mit Schriftsatz, der am 5. Februar 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die UEFA die vorliegende Klage erhoben.
      
      19      Die UEFA beantragt beim Gericht auch, der Kommission im Rahmen prozessleitender Maßnahmen die Vorlage mehrerer Dokumente aufzugeben,
         die sie für hilfreich für einen wirkungsvollen Ablauf des schriftlichen Verfahrens, für die Klärung der Streitfragen und für
         die gerichtliche Überprüfung, zu der das Gericht aufgerufen sei, hält.
      
      20      Mit Schriftsätzen, die am 11. und 16. Juni 2008 bei der Kanzlei des Gerichts eingereicht worden sind, haben das Vereinigte
         Königreich und das Königreich Belgien ihre Zulassung als Streithelfer in der vorliegenden Rechtssache zur Unterstützung der
         Anträge der Kommission beantragt.
      
      21      Mit Beschluss vom 29. September 2008 hat der Präsident der Siebten Kammer des Gerichts diese Streitbeitritte zugelassen. Die
         Streithelfer haben ihre Schriftsätze und die UEFA hat ihre Stellungnahmen dazu fristgerecht eingereicht. 
      
      22      Das Gericht hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und im Rahmen prozessleitender
         Maßnahmen eine schriftliche Frage an die UEFA und zwei schriftliche Fragen an die Kommission gerichtet. Die Fragen des Gerichts
         sind fristgerecht beantwortet worden. 
      
      23      Die UEFA beantragt,
      
      –        den angefochtenen Beschluss für nichtig zu erklären, soweit damit die Aufnahme der gesamten EURO in die nationale Liste des
         Vereinigten Königreichs gemeinschaftsrechtlich gebilligt wird; 
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      24      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        der UEFA die Kosten aufzuerlegen.
      25      Das Königreich Belgien und das Vereinigte Königreich beantragen Klageabweisung.
      
       Rechtliche Würdigung
       Zur Zulässigkeit
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      26      Das Königreich Belgien hält die Klage für unzulässig, weil die UEFA von dem angefochtenen Beschluss weder individuell noch
         unmittelbar betroffen sei und das Gericht für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit nationaler Maßnahmen nicht zuständig sei.
         Außerdem sei die UEFA im Vereinigten Königreich nicht gerichtlich gegen dessen Maßnahmen vorgegangen, so dass ihre Klage vor
         dem Gericht zu spät erhoben sei, denn die etwaige Nichtigerklärung des angefochtenen Beschlusses berühre nicht die Gültigkeit
         der fraglichen nationalen Rechtsvorschriften.
      
      27      Die UEFA ist der Auffassung, der angefochtene Beschluss betreffe sie unmittelbar und individuell.
      
       Würdigung durch das Gericht
      28      Die vom Königreich Belgien vorgebrachten Unzulässigkeitsgründe betreffen unverzichtbare Prozessvoraussetzungen, da damit die
         Klagebefugnis der UEFA, die Einhaltung der Klagefrist und die Zuständigkeit des Gerichts in Frage gestellt werden. Diese Prozessvoraussetzungen
         sind somit vom Gericht von Amts wegen zu prüfen, auch wenn das Königreich Belgien als Streithelfer nach Art. 40 Abs. 4 der
         Satzung des Gerichtshofs und Art. 116 § 3 der Verfahrensordnung des Gerichts nicht befugt ist, sie geltend zu machen, da die
         Kommission die Zulässigkeit der Klage nicht in Abrede gestellt hat (vgl. in diesem Sinne entsprechend Urteil des Gerichtshofs
         vom 24. März 1993, CIRFS u. a./Kommission, C‑313/90, Slg. 1993, I‑1125, Randnrn. 21 bis 23).
      
      29      Zur unmittelbaren Betroffenheit der UEFA ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung die in Art. 230 Abs. 4
         EG genannte Voraussetzung, dass eine natürliche oder juristische Person von der Entscheidung unmittelbar betroffen sein muss,
         nur dann erfüllt ist, wenn sich die beanstandete Maßnahme der Gemeinschaft auf die Rechtsstellung dieser Person unmittelbar
         auswirkt und ihren Adressaten, die mit ihrer Durchführung betraut sind, keinerlei Ermessensspielraum lässt, ihre Durchführung
         vielmehr rein automatisch erfolgt und sich allein aus der Gemeinschaftsregelung ergibt, ohne dass weitere Durchführungsvorschriften
         angewandt werden (vgl. Urteil des Gerichtshofs vom 13. März 2008, Kommission/Infront WM, C‑125/06 P, Slg. 2008, I‑1451, Randnr. 47
         und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      30      Dazu ist festzustellen, dass nach Section 101 des Broadcasting Act 1996 (siehe oben, Randnr. 10) kein Fernsehveranstalter,
         der zu einer der oben in Randnr. 9 beschriebenen Kategorien gehört, ein auf der Liste des Vereinigten Königreichs verzeichnetes
         Ereignis direkt und auf Ausschließlichkeitsbasis übertragen darf. Nur wenn keine Anstalt der anderen Kategorie ein Interesse
         am Erwerb der Übertragungsrechte für dieses Ereignis gezeigt hat und wenn die sonstigen oben in Randnr. 12 genannten Voraussetzungen
         erfüllt sind, kann das Office of Communications der Anstalt, die die Rechte erworben hat, die Genehmigung erteilen, das betreffende
         Ereignis direkt und auf Ausschließlichkeitsbasis zu übertragen.
      
      31      Aus dieser Regelung ergibt sich, dass die Vergabe der Übertragungsrechte an der EURO, deren Veranstalter im Sinne des 21.
         Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 die UEFA ist, an Fernsehveranstalter, die der Rechtshoheit des Vereinigten Königreichs
         unterliegen, in einer Weise, die anderen Anstalten, die unter die Zuständigkeit desselben Mitgliedstaats fallen und sich am
         Erwerb der Rechte interessiert gezeigt haben, die Möglichkeit nimmt, das ganze Ereignis oder Teile davon in diesem Land zu
         übertragen, nicht die Rechtsfolgen erzeugt, die eine solche Ausschließlichkeitsklausel im Regelfall mit sich bringt.
      
      32      Zwar ergeben sich diese Rechtsfolgen aus den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs und nicht aus dem angefochtenen
         Beschluss, doch der mit diesem nach Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552 ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung
         schafft für die Mitgliedstaaten eine Verpflichtung zur Wahrung dieser Folgen. Insbesondere müssen die Mitgliedstaaten dafür
         sorgen, dass sich die ihrer Rechtshoheit unterliegenden Fernsehveranstalter an die Bedingungen für die Fernsehübertragung
         der auf der Liste des Vereinigten Königreichs verzeichneten Ereignisse in diesem Mitgliedstaat halten, wie sie vom Vereinigten
         Königreich in seinen gebilligten und im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichten Maßnahmen festgelegt wurden. Die Verpflichtung, dieses Ergebnis zu erreichen, greift aber unmittelbar in
         die Rechtsstellung der Fernsehveranstalter ein, die der Rechtshoheit anderer Mitgliedstaaten als des Vereinigten Königreichs
         unterliegen und Übertragungsrechte für das Vereinigte Königreich erwerben möchten, deren Inhaberin ursprünglich die UEFA war
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Infront WM, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnrn. 62 und 63).
      
      33      Der durch den angefochtenen Beschluss ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung verpflichtet deshalb die Mitgliedstaaten,
         dafür zu sorgen, dass ihrer Rechtshoheit unterliegende Fernsehveranstalter von Rechten wie den oben in Randnr. 31 beschriebenen
         keinen Gebrauch machen, so dass die UEFA eine Beeinträchtigung der Rechte, die sie ursprünglich innehat, auch erfährt, wenn
         sie öffentlich Anstalten angeboten werden, die nicht der Rechtshoheit des Vereinigten Königreichs, sondern der eines anderen
         Mitgliedstaats unterliegen.
      
      34      Daher wirkt sich der angefochtene Beschluss unmittelbar auf die Rechtsstellung der UEFA aus, was die ursprünglich ihr zustehenden
         Rechte betrifft, und er lässt den Mitgliedstaaten keinerlei Ermessensspielraum hinsichtlich des beabsichtigten Ergebnisses,
         das automatisch vorgegeben ist und sich unabhängig von der Ausgestaltung der einzelnen Mechanismen, die von den nationalen
         Behörden zur Erreichung dieses Ergebnisses eingerichtet werden, allein aus der Gemeinschaftsregelung ergibt (vgl. in diesem
         Sinne Urteil Kommission/Infront WM, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnrn. 60 und 61).
      
      35      Mithin ist die UEFA von dem angefochtenen Beschluss unmittelbar betroffen.
      
      36      Was die Frage angeht, ob die UEFA von dem angefochtenen Beschluss individuell betroffen ist, so kann eine andere Person als
         der Adressat einer Entscheidung nur dann geltend machen, individuell betroffen zu sein, wenn diese Entscheidung sie wegen
         bestimmter persönlicher Eigenschaften oder wegen sie aus dem Kreis aller übrigen Personen heraushebender Umstände berührt
         und sie dadurch in ähnlicher Weise individualisiert wie den Adressaten einer derartigen Entscheidung (vgl. Urteil Kommission/Infront
         WM, oben in Randnr. 29 angeführt, Randnr. 70 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      37      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass die EURO unabhängig von der Rechtsnatur und der Quelle der Übertragungsrechte an
         ihr ein Ereignis im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 ist, weil sie im Voraus von einem Veranstalter organisiert
         wird, der kraft Gesetzes zur Veräußerung dieser Rechte befugt ist, und dass die UEFA dieser Veranstalter ist. Da dies auch
         zum Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Beschlusses galt, war die UEFA zum damaligen Zeitpunkt leicht identifizierbar.
      
      38      Die UEFA ist daher von dem angefochtenen Beschluss individuell betroffen.
      
      39      Zum Vorbringen des Königreichs Belgien, dass das Gericht im Rahmen des Art. 230 EG nicht für die Beurteilung der Rechtmäßigkeit
         von nationalen Maßnahmen zuständig sei und dass die UEFA die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs nicht vor den nationalen
         Gerichten angefochten habe, genügt der Hinweis, dass die UEFA mit ihrer Klage namentlich die Rechtmäßigkeit von Art. 1 des
         angefochtenen Beschlusses in Abrede stellt, mit dem die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs für mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar erklärt wurden.
      
      40      Daraus folgt, dass die Prüfung, um die das Gericht im vorliegenden Fall ersucht wird, die Rechtmäßigkeit dieser Feststellung
         betrifft, ohne dass die unterbliebene Anfechtung der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs vor den nationalen Gerichten die
         Zulässigkeit der – im Übrigen innerhalb der Frist des Art. 230 EG eingereichten – Klage auf die eine oder die andere Weise
         berührt (vgl. in diesem Sinne Urteil Infront WM/Kommission, oben in Randnr. 14 angeführt, Randnr. 109).
      
      41      Das Vorbringen des Königreichs Belgien, mit dem die Unzulässigkeit der Klage geltend gemacht wird, ist deshalb zurückzuweisen.
      
       Zur Begründetheit
      42      Die UEFA macht acht Klagegründe geltend, nämlich erstens einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552, zweitens
         einen Begründungsmangel, drittens einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552, viertens einen Verstoß gegen die
         Wettbewerbsbestimmungen des Vertrags, fünftens einen Verstoß gegen die Vertragsbestimmungen über den freien Dienstleistungsverkehr,
         sechstens eine Verletzung ihres Eigentumsrechts, siebtens einen Verstoß gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz und achtens
         einen Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung.
      
      43      Der Prüfung der Klagegründe der UEFA sind einige allgemeine Ausführungen voranzustellen, denen bei der Beurteilung der Begründetheit
         der Klagegründe Rechnung zu tragen ist.
      
      44      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 die Möglichkeit der Mitgliedstaaten konkretisiert
         hat, im audiovisuellen Bereich die Ausübung der vom primären Gemeinschaftsrecht festgelegten Grundfreiheiten aus zwingenden
         Gründen des Allgemeininteresses zu beschränken.
      
      45      Selbst wenn nämlich die von den Mitgliedstaaten im Rahmen von Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 erlassenen Maßnahmen unterschiedslos
         sowohl für die im Inland ansässigen als auch für die in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Unternehmen gelten, sind sie schon
         dann als Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs im Sinne des Art. 49 EG anzusehen, wenn sie bestimmten, im Inland
         ansässigen Unternehmen zugutekommen (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 5. Juni 1997, SETTG, C‑398/95, Slg.
         1997, I‑3091, Randnr. 16, und vom 13. Dezember 2007, United Pan-Europe Communications Belgium u. a., C‑250/06, Slg. 2007,
         I‑11135, Randnrn. 37 und 38).
      
      46      Solche Beschränkungen von vom Vertrag garantierten Grundfreiheiten können aber gerechtfertigt sein, wenn sie zwingenden Gründen
         des Allgemeininteresses entsprechen, geeignet sind, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels zu gewährleisten, und nicht
         über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist (vgl. in diesem Sinne Urteil United Pan-Europe Communications
         Belgium u. a., oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 39 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      47      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Freiheit der Meinungsäußerung, wie sie in Art. 10 der am 4. November 1950 in Rom
         unterzeichneten Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK) verankert ist, zu den von
         der Gemeinschaftsrechtsordnung verbürgten Grundrechten gehört und einen zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellt,
         der solche Beschränkungen rechtfertigen kann (vgl. in diesem Sinne Urteil United Pan-Europe Communications Belgium u. a.,
         oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 41 und die dort angeführte Rechtsprechung). Außerdem schließt nach Art. 10 Abs. 1 EMRK
         die Freiheit der Meinungsäußerung auch die Freiheit ein, Informationen zu empfangen.
      
      48      Hier beschränken, wie im 19. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ausgeführt, die vom Vereinigten Königreich erlassenen
         Maßnahmen den freien Dienstleistungsverkehr. Wie sich jedoch aus dem 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 ergibt, sollen
         die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a der Richtlinie 89/552 das Recht auf Informationen schützen und der Öffentlichkeit breiten
         Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         verschaffen. Nach dem 21. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 kommt einem Ereignis erhebliche Bedeutung zu, wenn es herausragend
         ist, von Interesse für die breite Öffentlichkeit in der Europäischen Union, in einem bestimmten Mitgliedstaat oder in einem
         bedeutenden Teil eines bestimmten Mitgliedstaats ist und im Voraus von einem Veranstalter organisiert wird, der befugt ist,
         die Rechte daran zu veräußern.
      
      49      Daraus folgt, dass die Maßnahmen im Sinne des Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552, da sie Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung betreffen, aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind.
      
      50      Die fraglichen Maßnahmen müssen sodann, wie oben in Randnr. 46 ausgeführt, geeignet sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten
         Ziels zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist.
      
      51      Schließlich ist zur Bedeutung des 18. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 erstens darauf hinzuweisen, dass, wie von der
         Kommission hervorgehoben, Art. 3a der Richtlinie 89/552, auf den sich dieser Erwägungsgrund bezieht, keine Harmonisierung
         auf der Ebene der spezifischen Ereignisse vornimmt, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         angesehen werden können. Im Gegensatz zu der Fassung dieser Vorschrift in dem Beschluss des Europäischen Parlaments betreffend
         den Gemeinsamen Standpunkt des Rates im Hinblick auf den Erlass der Richtlinie [97/36] (ABl. 1996, C 362, S. 56), die ausdrücklich
         auf die Olympischen Sommer‑ und Winterspiele und die Fußballwelt‑ und ‑europameisterschaften Bezug nimmt, enthält jene Bestimmung
         nämlich keine Bezugnahme auf bestimmte Ereignisse, die in die nationalen Listen aufgenommen werden können.
      
      52      Daraus folgt, dass der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 nicht so verstanden werden kann, dass danach die Aufnahme der
         EURO in eine nationale Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung ohne Weiteres mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar ist. Erst recht kann dieser Erwägungsgrund nicht so verstanden werden, dass es danach in allen Fällen gerechtfertigt
         ist, die EURO in ihrer Gesamtheit und unabhängig von dem Interesse, das dieser Wettbewerb in dem betroffenen Mitgliedstaat
         hervorruft, in eine solche Liste aufzunehmen.
      
      53      In Anbetracht der Ausführungen in den vorstehenden Randnrn. 44 bis 49 bedeutet dieser Erwägungsgrund dagegen, dass ein Mitgliedstaat,
         wenn er Spiele der EURO in die Liste seiner Wahl aufnimmt, in seiner Mitteilung an die Kommission keine besondere Begründung
         zu ihrer Eigenschaft als Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung geben muss.
      
      54      Diese Überlegungen bilden den Maßstab für die Prüfung der Begründetheit der von der UEFA erhobenen Klagegründe.
      
      55      Schließlich wird sich das Gericht, da die UEFA mit ihrem zweiten Klagegrund einen Begründungsmangel hinsichtlich der von der
         Kommission vorgenommenen Bewertung der Eindeutigkeit und der Transparenz des im Vereinigten Königreich durchgeführten Verfahrens
         geltend macht, mit diesem Klagegrund vor der Prüfung des ersten Klagegrundes befassen, mit dem die Richtigkeit dieser Bewertung
         in Abrede gestellt wird. Außerdem wird das Gericht den fünften Klagegrund vor dem vierten prüfen. 
      
       Zum zweiten Klagegrund: Begründungsmangel
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      56      Die UEFA macht geltend, der angefochtene Beschluss sei unzureichend begründet und hindere das Gericht damit an dessen Kontrollaufgabe.
         Da mit dem angefochtenen Beschluss der freie Dienstleistungsverkehr, der Wettbewerb und das Eigentumsrecht eingeschränkt worden
         seien, hätte er eingehend begründet werden müssen. Er enthalte aber keine hinreichende Begründung in Bezug auf die Eindeutigkeit
         und die Transparenz des im Vereinigten Königreich befolgten Verfahrens oder in Bezug auf den freien Dienstleistungsverkehr
         und die Wettbewerbsvorschriften. 
      
      57      Dem Wortlaut des angefochtenen Beschlusses sei nämlich zu entnehmen, dass die Kommission für dessen Erlass keiner Entwicklung
         seit dem Jahr 2000 Rechnung getragen habe, so dass sie 2007 nicht über die für den Erlass eines ordnungsgemäß begründeten
         Beschlusses notwendigen Grundlagen verfügt habe. Die Zuschauerzahlen für die EURO 2000 und die EURO 2004 zeigten aber, dass
         die Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs dort nur ein Drittel der Fernsehzuschauer
         angezogen hätten, die die Spiele mit Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Landes verfolgt hätten. Indem die Kommission
         nach dem Urteil Infront WM/Kommission (oben in Randnr. 14 angeführt), das den Erlass eines Beschlusses über die Liste des
         Vereinigten Königreichs erforderlich gemacht habe, keine Informationen zu veränderten Umständen eingeholt habe, habe sie auch
         gegen den Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung verstoßen. Außerdem sei mit jenem Urteil nicht die im Schreiben vom 28.
         Juli 2000 (siehe oben, Randnrn. 13 und 14) enthaltene Beurteilung der Vereinbarkeit der Liste des Vereinigten Königreichs
         mit dem Gemeinschaftsrecht bestätigt worden.
      
      58      Die Kommission habe lediglich das Schreiben vom 28. Juli 2000 in einen Beschluss umgewandelt, ohne jedoch eine eingehendere
         Analyse vorzunehmen als die summarische, die sie nach ihrer eigenen Darstellung vor dem Gericht in der Rechtssache, in der
         das Urteil Infront WM/Kommission (oben in Randnr. 14 angeführt) ergangen sei, durchgeführt habe. Diese Missachtung der Pflicht
         zu einer vertieften Untersuchung habe unweigerlich zu einem Verstoß gegen die Begründungspflicht und zu offensichtlichen Beurteilungsfehlern
         betreffend den freien Dienstleistungsverkehr und die Wettbewerbsvorschriften geführt. 
      
      59      Die UEFA bringt insoweit vor, die Beschränkung des freien Dienstleistungsverkehrs werde mit der schlichten Berufung auf den
         Zugang zu Fernsehübertragungen der Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung begründet, worin nur ein Verweis
         auf Art. 3a der Richtlinie 89/552 ohne Darstellung der tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte zur Rechtfertigung dieser
         Abweichung von einer grundlegenden Bestimmung des Vertrags liege. Außerdem enthalte der angefochtene Beschluss in Bezug auf
         die Wettbewerbsvorschriften nicht einmal ansatzweise eine Definition der relevanten Märkte.
      
      60      Schließlich macht die UEFA geltend, die Kommission hätte besonders begründen müssen, weshalb sie einen anderen Ansatz gewählt
         habe als denjenigen, den sie gegenüber den Mitgliedstaaten verfolgt habe, die in ihre jeweiligen Listen nur bestimmte Spiele
         der EURO aufgenommen hätten.
      
      61      Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      62      Nach ständiger Rechtsprechung muss die nach Art. 253 EG vorgeschriebene Begründung der Natur des betreffenden Rechtsakts angepasst
         sein und die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen,
         dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe
         wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist anhand der Umstände des Einzelfalls, insbesondere des Inhalts des Rechtsakts,
         der Art der angeführten Gründe und des Interesses zu beurteilen, das die Adressaten oder andere durch den Rechtsakt unmittelbar
         und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht alle tatsächlich oder
         rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts den Erfordernissen
         des Art. 253 EG genügt, nicht nur anhand seines Wortlauts, sondern auch seines Kontextes sowie sämtlicher Rechtsvorschriften
         auf dem betreffenden Gebiet zu beurteilen ist (Urteil des Gerichtshofs vom 30. März 2000, VBA/Florimex u. a., C‑265/97 P,
         Slg. 2000, I‑2061, Randnr. 93).
      
      63      Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei der Begründungspflicht um ein wesentliches Formerfordernis handelt, das
         von der Stichhaltigkeit der Begründung zu unterscheiden ist, die zur materiellen Rechtmäßigkeit des streitigen Rechtsakts
         gehört (Urteil des Gerichts vom 12. Dezember 2007, Akzo Nobel u. a./Kommission, T‑112/05, Slg. 2007, II‑5049, Randnr. 94).
      
      64      Zu der Frage, ob das im Vereinigten Königreich eingerichtete Verfahren den Bedingungen der Eindeutigkeit und Transparenz entspricht,
         hat die Kommission im vierten Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ausgeführt, dass die Liste von Ereignissen von
         erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs in eindeutiger und transparenter Weise erstellt und
         dazu eine umfassende Konsultation in diesem Mitgliedstaat eingeleitet worden sei (siehe oben, Randnr. 17).
      
      65      Dazu ist erstens festzustellen, dass die UEFA selbst als Ausrichterin der EURO an dem fraglichen Verfahren beteiligt war und
         mit Schreiben vom 23. Dezember 1997 an den Minister ihre Stellungnahme zur etwaigen Aufnahme dieses Wettbewerbs in die Liste
         von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs abgab.
      
      66      Zweitens sind die Bestimmungen des Broadcasting Act 1996 über die Ereignisse von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         im Anhang des angefochtenen Beschlusses enthalten. Section 97 dieses Gesetzes sieht vor, dass die fragliche Liste vom Minister
         nach Konsultation u. a. desjenigen erstellt wird, von dem die Rechte für die Fernsehübertragung eines Ereignisses von nationalem
         Interesse, dessen Aufnahme in die oder Streichung aus der Liste der Minister vorschlägt, erworben werden können.
      
      67      Drittens ergibt sich aus dem fünften Erwägungsgrund in Verbindung mit den Erwägungsgründen 6 und 18 des angefochtenen Beschlusses,
         dass die Aufnahme der EURO in die Liste des Vereinigten Königreichs von der Kommission deshalb gebilligt wurde, weil sie in
         diesem Mitgliedstaat besondere Resonanz nicht nur bei den ohnehin Sportinteressierten finde und bisher im frei zugänglichen
         Fernsehen übertragen worden sei und eine große Zahl von Zuschauern erreicht habe. Die betreffenden Kriterien zählen aber zu
         denjenigen, die das Ministerium vor dem Konsultationsverfahren zu den konkreten, in die Liste des Vereinigten Königreichs
         aufzunehmenden Ereignissen festgelegt hatte (siehe oben, Randnrn. 7 und 8).
      
      68      Daraus folgt, dass der angefochtene Beschluss die notwendigen Informationen enthält, denen die UEFA den Grund entnehmen kann,
         aus dem die Kommission zu dem Ergebnis kam, dass das vom Minister befolgte Verfahren in Anbetracht der für die Auswahl der
         in die Liste aufzunehmenden Ereignisse angewandten Kriterien, der Konsultation zu dieser Auswahl und der Bestimmung der dafür
         zuständigen Stelle eindeutig und transparent gewesen sei, und die es dem Gericht erlauben, die Stichhaltigkeit dieses Ergebnisses
         zu überprüfen.
      
      69      Soweit die UEFA auch allgemein einen Begründungsmangel hinsichtlich des freien Dienstleistungsverkehrs und der Wettbewerbsvorschriften
         geltend macht, ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission in den Erwägungsgründen 19 und 20 des angefochtenen Beschlusses
         die Gründe dargestellt hat, aus denen sie der Ansicht ist, dass die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs den gemeinschaftsrechtlichen
         Vorschriften auf diesen Gebieten nicht zuwiderliefen (siehe oben, Randnr. 17). 
      
      70      Die Kommission hat insoweit ausgeführt, dass die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs verhältnismäßig erschienen und eine
         Ausnahme vom freien Dienstleistungsverkehr aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses wie dem Grund des breiten öffentlichen
         Zugangs zu Fernsehübertragungen von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung rechtfertigten. Aus dem 19. Erwägungsgrund
         des angefochtenen Beschlusses ist ersichtlich, dass die Kommission die Gründe, weshalb ihrer Auffassung nach die Vertragsbestimmungen
         über den freien Dienstleistungsverkehr der Aufnahme der EURO in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die
         Gesellschaft des Vereinigten Königreichs nicht entgegenstehen, so ausgeführt hat, dass die UEFA sie nachvollziehen und ihre
         Stichhaltigkeit in Frage stellen und das Gericht seine Kontrollaufgabe ausüben kann. Da nämlich die Erwägungsgründe 5, 6 und
         18 des angefochtenen Beschlusses die Gründe enthalten, aus denen die Kommission die EURO für ein Ereignis von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung hielt, ist die UEFA, die ursprüngliche Inhaberin der Übertragungsrechte an der EURO, in der Lage,
         zu beurteilen, ob es Anhaltspunkte gibt, die diese Einschätzung in Frage stellen können oder mit denen dargetan werden kann,
         dass die Aufnahme aller Spiele dieses Wettbewerbs in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft
         des Vereinigten Königreichs etwa unverhältnismäßig oder sonst gemeinschaftsrechtswidrig ist.
      
      71      Zu den Wettbewerbsvorschriften hat die Kommission im 20. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ausgeführt, dass die
         für die Kategorisierung der Rundfunkanstalten festgelegten Kriterien objektiv seien und die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs
         einen tatsächlichen und möglichen Wettbewerb um den Erwerb der Senderechte für die betreffenden Ereignisse zuließen. Außerdem
         war die Kommission der Ansicht, dass die Zahl der aufgelisteten Ereignisse nicht unverhältnismäßig hoch sei, so dass deren
         Aufnahme in die Liste nicht zu Wettbewerbsverzerrungen auf den nachgelagerten Märkten des frei zugänglichen Fernsehens und
         des Bezahlfernsehens führe. 
      
      72      In diesem Erwägungsgrund hat die Kommission ausgeführt, weshalb ihrer Ansicht nach die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs
         nicht gegen Art. 86 EG verstoßen. Außerdem ergibt sich aus diesem Erwägungsgrund, dass die Kommission ihren Standpunkt unter
         Bezugnahme auf den Markt für den Erwerb der Senderechte an den betroffenen Ereignissen sowie auf die nachgelagerten Märkte
         des frei zugänglichen Fernsehens und des Bezahlfernsehens ausführt. Ferner ist klarzustellen, dass es bei dem angefochtenen
         Beschluss nicht um die Prüfung der Rechtmäßigkeit des Verhaltens von Unternehmen in Ansehung der Art. 81 EG und 82 EG und
         gegebenenfalls den Erlass von Maßnahmen auf der Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002 zur
         Durchführung der in den Artikeln 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln (ABl. 2003, L 1, S. 1) geht, sondern
         um die Beurteilung der Vereinbarkeit der staatlichen Maßnahmen mit Art. 86 EG. In diesem Zusammenhang genügt die Kommission
         ihrer Begründungspflicht nach Art. 253 EG, wenn sie in eindeutiger Weise die Gründe darstellt, aus denen ihrer Ansicht nach
         die nationalen Rechtsvorschriften nicht zu einer Wettbewerbsbeschränkung führen, die mit den einschlägigen Vertragsbestimmungen
         in Bezug auf Unternehmen, denen besondere oder ausschließliche Rechte gewährt werden, unvereinbar ist.
      
      73      Da diese Gründe im 20. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses enthalten sind, kann die UEFA die Argumentation der Kommission
         nachvollziehen und ihre Stichhaltigkeit vor dem Gericht in Frage stellen, und das Gericht kann außerdem insoweit seiner Kontrollaufgabe
         nachkommen.
      
      74      Zum Vorbringen der UEFA, dass die Kommission den angefochtenen Beschluss nicht rechtlich hinreichend begründet habe, weil
         sie für die Überprüfung der Richtigkeit der Beurteilungen des Ministers, die zur Aufnahme der EURO in die Liste von Ereignissen
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs geführt hätten, keine Gesichtspunkte aus der Zeit
         nach dem Jahr 2000 berücksichtigt habe, ist festzustellen, dass es nicht die Begründung des angefochtenen Beschlusses, sondern
         deren Stichhaltigkeit betrifft. Da die Kommission nämlich in den Erwägungsgründen 5, 6 und 18 des angefochtenen Beschlusses
         die Gründe genannt hat, aus denen ihrer Ansicht nach die Aufnahme der EURO in die fragliche Liste gerechtfertigt war, würde
         die unterbliebene Berücksichtigung der Gesichtspunkte, die ihre Beurteilung insoweit entkräften könnten, ihr Vorliegen unterstellt,
         die Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses in der Sache berühren. Dieses Vorbringen wird somit im Rahmen des dritten
         Klagegrundes geprüft werden.
      
      75      Zum Vorbringen, dass die Kommission besonders hätte begründen müssen, weshalb sie einen anderen Ansatz gewählt habe als denjenigen,
         den sie gegenüber den Mitgliedstaaten verfolgt habe, die in ihre jeweiligen Listen nur bestimmte Spiele der EURO aufgenommen
         hätten, ist festzustellen, dass die Kommission im vorliegenden Fall keine solche Pflicht traf.
      
      76      Insoweit können, da Art. 3a der Richtlinie 89/552 keine Harmonisierung auf der Ebene der spezifischen Ereignisse vornimmt,
         die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden können (siehe oben, Randnrn.
         51 und 52), mehrere Herangehensweisen an die Aufnahme der Spiele der EURO in eine nationale Liste gleichermaßen mit dieser
         Bestimmung vereinbar sein.
      
      77      Unter diesen Bedingungen spricht, wenn die Aufnahme der EURO in ihrer Gesamtheit in eine nationale Liste mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar ist, nichts dagegen, dass dies auch für die Aufnahme nur mancher Spiele dieses Wettbewerbs in eine Liste gilt. Daher
         liegt in dem Umstand als solchem, dass die Kommission in ihren Beschlüssen auch andere Herangehensweisen für mit dem Gemeinschaftsrecht
         vereinbar erklärt hat, keinerlei Widerspruch, und er macht entgegen dem Vorbringen der Klägerin keine besondere Begründung
         erforderlich. 
      
      78      Der zweite Klagegrund ist daher zurückzuweisen. 
      
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      79      Die UEFA weist darauf hin, dass die Mitgliedstaaten nach Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 die Liste von Ereignissen von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung nach einem eindeutigen und transparenten Verfahren rechtzeitig und wirksam erstellen
         müssten. In dem angefochtenen Beschluss heiße es dazu im vierten Erwägungsgrund lediglich, dass diese Voraussetzung erfüllt
         und im Vereinigten Königreich eine umfassende Konsultation eingeleitet worden sei. 
      
      80      Diese Konsultation sei aber unzureichend gewesen, da der Minister die in diesem Rahmen von der UEFA abgegebenen Kommentare
         nicht ordnungsgemäß berücksichtigt habe. Außerdem habe er die Stellungnahmen der Advisory Group on listed events (siehe oben,
         Randnr. 8), die sich dafür ausgesprochen habe, die Spiele ohne Beteiligung der Nationalmannschaften des Vereinigten Königreichs
         in die „Gruppe B“ der Liste aufzunehmen, und des Office of Fair Trading (OFT, Wettbewerbsbehörde des Vereinigten Königreichs),
         das die Aufnahme der Spiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung nur für den Fall vorgeschlagen
         habe, dass ein „überragendes öffentliches Interesse“ dies erforderlich mache, außer Acht gelassen. Gleichwohl habe der Minister
         weder Gründe genannt, weshalb er diesen Empfehlungen nicht gefolgt sei, noch erläutert, warum alle Spiele der EURO als von
         erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs angesehen werden müssten.
      
      81      Außerdem habe keine Konsultation zu den Kriterien für die Aufteilung der Rundfunkanstalten in die mit Section 98 des Broadcasting
         Act 1996 festgelegten Kategorien (siehe oben, Randnr. 9) stattgefunden, die die Wettbewerbsbeschränkungen durch die Rechtsvorschriften
         des Vereinigten Königreichs verstärkten und den Erwerb der Exklusivfernsehübertragungsrechte an den Listenereignissen durch
         nicht im Inland ansässige Rundfunkanstalten praktisch unmöglich machten. Die Aufteilung der Rundfunkanstalten in Kategorien
         verschärfe zudem die Folgen, die sich aus der Aufnahme eines Ereignisses in die Liste ergäben. 
      
      82      Das Vereinigte Königreich habe die Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung seit 1998 nicht geändert,
         obwohl sich der Markt seither tiefgreifend verändert habe. Eine 1997 und 1998 durchgeführte Konsultation könne daher für die
         Zwecke des Erlasses eines Beschlusses der Kommission im Oktober 2007 nicht als angemessen angesehen werden. 
      
      83      Der Broadcasting Act 1996 genüge nicht den Anforderungen des Art. 3a der Richtlinie 89/552, da er den Minister nicht zu der
         Prüfung verpflichte, ob eine zeitversetzte Übertragung genüge, um das Allgemeininteresse am Zugang zu einer Fernsehübertragung
         eines Ereignisses von erheblicher Bedeutung zu wahren. Außerdem sei das Verfahren, nach dem entschieden werde, welcher Gruppe
         der Liste die einzelnen Ereignisse zugeordnet würden, weder eindeutig noch transparent. Insoweit sage die Erklärung im 21.
         Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses, dass die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs umso
         eher gegeben erscheine, als für eine Reihe von aufgelisteten Ereignissen nur eine angemessene Sekundärberichterstattung erforderlich
         sei, nichts darüber aus, weshalb es angemessen und verhältnismäßig sei, alle Spiele der EURO in die „Gruppe A“ der Liste aufzunehmen.
      
      84      Die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs beschränkten die ab dem 1. Oktober 1996 erworbenen ausschließlichen Rechte, obwohl
         die EURO erst am 25. Juni 1998 in die Liste dieses Mitgliedstaats aufgenommen worden sei. Die Kommission habe aber nicht die
         Rechtmäßigkeit der Verhängung von rückwirkenden Beschränkungen der Rechte im Zusammenhang mit der EURO geprüft, obwohl eine
         solche weder mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs noch mit Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552 vereinbar
         erscheine. 
      
      85      Schließlich betont die UEFA, dass ihre Rügen die Gültigkeit des angefochtenen Beschlusses erschütterten, soweit die Kommission
         nicht zu dem Ergebnis gekommen sei, dass das auf nationaler Ebene befolgte Verfahren weder eindeutig noch transparent gewesen
         sei, ohne dass die unterbliebene Anfechtung der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs vor den nationalen Gerichten ihr die
         Möglichkeit nehme, diesen Klagegrund geltend zu machen. 
      
      86      Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      87      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 nicht die spezifischen Merkmale nennt, die die Verfahren
         kennzeichnen müssen, die auf nationaler Ebene zur Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung eingerichtet werden. Diese Bestimmung belässt den Mitgliedstaaten einen Ermessensspielraum bei der Durchführung
         der fraglichen Verfahren hinsichtlich der Verfahrensabschnitte, der etwaigen Hinzuziehung Betroffener und der Zuweisung der
         Verwaltungsbefugnisse, wobei klargestellt wird, dass die Verfahren insgesamt von Eindeutigkeit und Transparenz geprägt sein
         müssen.
      
      88      Die Beschränkungen der Ausübung der vom Vertrag verbürgten Grundfreiheiten durch nationale Maßnahmen, die aus zwingenden Gründen
         des Allgemeininteresses gerechtfertigt sind, müssen nämlich noch geeignet sein, die Erreichung des mit ihnen verfolgten Ziels
         zu gewährleisten, und dürfen nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist (siehe oben, Randnr.
         46).
      
      89      So müssen, selbst wenn nationale Rechtsvorschriften wie diejenigen im Sinne des Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 auf den
         Schutz der Freiheit der Meinungsäußerung abzielen (siehe oben, Randnrn. 47 bis 49), die Erfordernisse, die sich aus den Maßnahmen
         zur Durchführung einer entsprechenden Politik ergeben, auf jeden Fall gemessen an diesem Ziel verhältnismäßig sein, und die
         Modalitäten ihrer Anwendung dürfen nicht zur Diskriminierung von Angehörigen anderer Mitgliedstaaten führen (vgl. in diesem
         Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 28. November 1989, Groener, C‑379/87, Slg. 1989, 3967, Randnr. 19, und vom 12. Juni 2003,
         Schmidberger, C‑112/00, Slg. 2003, I‑5659, Randnr. 82).
      
      90      In diesem Zusammenhang müssen die Verfahren, die die Mitgliedstaaten zwecks Erlasses der Liste von Ereignissen von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung einrichten, eindeutig und transparent in dem Sinn sein, dass sie auf objektiven, den Betroffenen
         im Voraus bekannten Kriterien beruhen müssen, so dass verhindert wird, dass das Ermessen, über das die Mitgliedstaaten bei
         der Entscheidung über die konkreten, in ihre Listen aufzunehmenden Ereignisse verfügen, willkürlich ausgeübt wird (vgl. in
         diesem Sinne Urteil United Pan-Europe Communications Belgium u. a., oben in Randnr. 45 angeführt, Randnr. 46). Auch wenn nämlich
         die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste nach Art. 3a der Richtlinie 89/552 erfordert, dass es von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung ist, stellt doch die vorherige Aufstellung spezifischer Kriterien, anhand deren die Bedeutung beurteilt wird, einen
         wesentlichen Aspekt dafür dar, dass die nationalen Entscheidungen transparent erlassen werden und sich im Rahmen des Ermessens
         halten, über das die nationalen Behörden insoweit verfügen (vgl. unten, Randnr. 119).
      
      91      Das Erfordernis der Eindeutigkeit und Transparenz des Verfahrens bedeutet auch, dass die das Verfahren betreffenden Bestimmungen
         die für die Erstellung der Ereignisliste zuständige Stelle und die Voraussetzungen nennen, unter denen die Betroffenen Stellung
         nehmen können.
      
      92      Das bloße Bestehen von Anhaltspunkten, mit denen die Beurteilung der gesellschaftlichen Bedeutung eines bestimmten Ereignisses
         durch eine nationale Stelle in Frage gestellt werden soll, betrifft dagegen weder die Eindeutigkeit noch die Transparenz des
         befolgten Verfahrens, sondern die Begründetheit dieser Beurteilung. Das Gleiche gilt, wenn diese Anhaltspunkte in Empfehlungen
         oder Stellungnahmen von beratenden Organen, Dienststellen der zuständigen Stelle oder Betroffenen, die am Verfahren beteiligt
         waren, bestehen. 
      
      93      Das Vorbringen der UEFA im Zusammenhang mit der Nichtberücksichtigung der Empfehlungen der Advisory Group on listed events
         und des Office of Fair Trading sowie ihrer eigenen Stellungnahme ist daher nicht geeignet, die Beurteilung in Frage zu stellen,
         die die Kommission hinsichtlich der Eindeutigkeit oder der Transparenz des Verfahrens vorgenommen hat, das vom Minister zur
         Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs befolgt wurde
         (siehe oben, Randnrn. 6 bis 8). 
      
      94      Außerdem ist es weder Zweck noch Wirkung des in Art. 3a der Richtlinie 89/552 aufgestellten Erfordernisses der Eindeutigkeit
         und Transparenz, die zuständige nationale Stelle zur Darlegung der Gründe zu zwingen, aus denen sie Empfehlungen oder Stellungnahmen
         nicht gefolgt ist, die bei ihr im Konsultationsverfahren eingereicht wurden. Mit dem Vorbringen der UEFA, das darauf gestützt
         ist, dass weder der Minister noch die Kommission erläutert hätten, weshalb der Empfehlung der Advisory Group on listed events
         nicht gefolgt worden sei, kann deshalb nicht dargetan werden, dass der angefochtene Beschluss hinsichtlich der Einstufung
         des im Vereinigten Königreich durchgeführten Verfahrens als eindeutig und transparent mit einem Fehler behaftet ist.
      
      95      Dies gilt erst recht in Bezug auf die EURO, die im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 genannt wird und vernünftigerweise
         eher als ein Gesamtereignis und nicht als eine Zusammenstellung einzelner, in „Topspiele“, „Normalspiele“ und Spiele mit Beteiligung
         der betreffenden Nationalmannschaft aufgeteilter Ereignisse angesehen werden kann (siehe unten, Randnr. 103).
      
      96      Unter diesen Umständen kann ein Betroffener, wenn er der Ansicht ist, dass die im Konsultationsverfahren vorgelegten Empfehlungen
         oder Stellungnahmen Anhaltspunkte enthalten, die die abschließende Beurteilung der gesellschaftlichen Bedeutung des betreffenden
         Ereignisses durch die zuständige Stelle entkräften, erstens gegen diese Beurteilung auf nationaler Ebene gerichtlich vorgehen
         und zweitens die Begründetheit der etwaigen Entscheidung der Kommission, mit der diese die fragliche Beurteilung billigt,
         vor dem Gericht anfechten, wie es die UEFA im Übrigen im Rahmen des dritten Klagegrundes tut.
      
      97      Im Übrigen stellt die unterbliebene Konsultation zu den Kriterien für die Aufteilung der Rundfunkanstalten, ihr Fehlen unterstellt,
         nicht die von der Kommission vorgenommene Beurteilung der Eindeutigkeit oder Transparenz des Verfahrens in Frage, das vom
         Minister für die Zwecke des Erlasses der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten
         Königreichs befolgt wurde. Die Verpflichtung zu Eindeutigkeit und Transparenz betrifft nämlich nach Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie
         89/552 das Verfahren zur Erstellung der fraglichen Liste und nicht das Verfahren, nach dem der gesamte Rechtsrahmen zum Schutz
         des Rechts auf Informationen eingerichtet wurde. Im Übrigen befasst sich die Kommission im Rahmen des Art. 3a Abs. 2 dieser
         Richtlinie mit der Vereinbarkeit dieses Rechtsrahmens mit dem Gemeinschaftsrecht.
      
      98      Auch die Frage, ob die Kommission berechtigt war, sich für den Erlass des angefochtenen Beschlusses im Jahr 2007 auf die Grundlagen
         zu stützen, die aus einer Konsultation herrühren, die vor dem Jahr 1998 stattgefunden hat, betrifft weder die Eindeutigkeit
         noch die Transparenz des auf nationaler Ebene durchgeführten Verfahrens, sondern die Stichhaltigkeit der von der Kommission
         vorgenommenen Würdigung hinsichtlich der Aufnahme der EURO in die Liste des Vereinigten Königreichs und wird im Rahmen des
         dritten Klagegrundes geprüft werden.
      
      99      Desgleichen kann das Vorbringen der UEFA keinen Erfolg haben, dass der Broadcasting Act 1996 den Minister nicht verpflichte,
         zunächst zu prüfen, ob das öffentliche Interesse durch eine zeitversetzte Übertragung der Ereignisse von erheblicher Bedeutung
         für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs auf frei zugänglichen Fernsehsendern angemessen gewahrt werden könne. Dieses
         Vorbringen gründet auf einem falschen Verständnis des letzten Satzes von Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552. Dieser Teil
         der in Rede stehenden Bestimmung verpflichtet die Mitgliedstaaten nämlich nicht zu der Prüfung, ob das Ziel des Zugangs eines
         bedeutenden Teils der Öffentlichkeit zur Fernsehübertragung eines Ereignisses von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         angemessen gewahrt werden kann, wenn das Ereignis von einem Bezahlsender direkt und von einem frei zugänglichen Sender zeitversetzt
         ausgestrahlt wird. Dieser Satz eröffnet den Mitgliedstaaten die Möglichkeit, die Übertragung eines Ereignisses von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung im Fernsehen vorzuschreiben, von der das Vereinigte Königreich keinen Gebrauch gemacht hat. Die
         betreffenden nationalen Rechtsvorschriften schaffen nämlich keine Übertragungspflichten für die Rundfunkanstalten, wie auch
         aus Abschnitt 9 des Code on sports and other listed and designated events hervorgeht.
      
      100    Dementsprechend verlangt Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 von den Mitgliedstaaten nicht, unterschiedliche Verfahren für
         die Festlegung der einzelnen Kategorien vorzusehen, die sie für die Aufteilung der Ereignisse von erheblicher Bedeutung für
         ihre Gesellschaft als nützlich erachtet haben mögen. Diese Bestimmung erfordert nämlich, dass die in die Liste aufgenommenen
         Ereignisse tatsächlich von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung sind, ohne dass sie in die Beurteilung eingreift, die
         ein Mitgliedstaat hinsichtlich der Frage vornimmt, ob eine Aufteilung dieser Ereignisse in mehrere Kategorien angebracht ist.
         Das Bestehen eines einzigen Verfahrens für die Erstellung der fraglichen Liste insgesamt entkräftet daher nicht die Beurteilung
         der Kommission in Bezug auf die Eindeutigkeit und Transparenz des im Vereinigten Königreich zu diesem Zweck durchgeführten
         Verfahrens. Die Rüge der UEFA kann deshalb keinen Erfolg haben.
      
      101    Die Kommission musste folglich in dem angefochtenen Beschluss nicht besonders begründen, weshalb es sachgerecht war, alle
         Spiele der EURO in die „Gruppe A“ der Liste des Vereinigten Königreichs aufzunehmen, so dass auch das entsprechende Vorbringen
         der UEFA zurückzuweisen ist.
      
      102    Zu dem Vorbringen, dass der Minister nicht die Gründe erläutert habe, aus denen jedes Spiel der EURO als von erheblicher gesellschaftlicher
         Bedeutung anzusehen sei, ist erstens darauf hinzuweisen, dass die EURO im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 als Beispiel
         für ein Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung genannt wird. Zweitens macht die UEFA im Rahmen ihres dritten
         Klagegrundes geltend, dass nur die sogenannten „Topspiele“ wie das Eröffnungsspiel und das Endspiel sowie die Spiele mit Beteiligung
         einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs wirklich von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats
         seien. 
      
      103    Drittens enthält zwar der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36 keine Aussage zu der Frage, ob alle oder nur einige Spiele
         der EURO in eine nationale Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung aufgenommen werden sollten (siehe
         oben, Randnr. 52), doch gibt es keine Erwägung, die die Annahme rechtfertigt, dass grundsätzlich nur die „Topspiele“ und die
         Spiele mit Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs diese Einstufung mit Blick auf die Gesellschaft
         dieses Mitgliedstaats verdienen und daher zu einer solchen Liste gehören können. Die EURO ist nämlich ein Wettbewerb, der
         vernünftigerweise eher als ein Gesamtereignis und nicht als eine Zusammenstellung einzelner Ereignisse angesehen werden kann,
         die in „Topspiele“, „Normalspiele“ und Spiele mit Beteiligung der betreffenden Nationalmannschaft aufgeteilt sind. Bekanntlich
         bestimmen bei der EURO die Ergebnisse der „Normalspiele“ das Schicksal der Mannschaften, so dass von ihnen deren Beteiligung
         an den „Topspielen“ oder an den Spielen mit Beteiligung der betreffenden Nationalmannschaft abhängen kann. So werden in den
         „Normalspielen“ die Gegner ermittelt, auf die die betreffende Nationalmannschaft in den späteren Runden des Wettbewerbs trifft.
         Außerdem kann von den Ergebnissen der „Normalspiele“ sogar abhängen, ob diese Nationalmannschaft die nächste Runde des Wettbewerbs
         erreicht oder nicht. 
      
      104    In Anbetracht dieses besonderen Zusammenhangs, aufgrund dessen die EURO als ein Gesamtereignis angesehen werden kann, musste
         der Minister seine Beurteilung hinsichtlich der einzelnen Spiele dieses Wettbewerbs, d. h. auch hinsichtlich der „Normalspiele“,
         nicht näher begründen, und zwar insbesondere, wenn die einschlägigen Statistiken nicht belegen, dass diese Spiele systematisch
         eine zu vernachlässigende Zahl von Fernsehzuschauern interessieren (siehe unten, Randnrn. 126 bis 135).
      
      105    Außerdem betrifft das Vorbringen im Zusammenhang mit der angeblichen Rückwirkung der Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs
         weder die Eindeutigkeit noch die Transparenz des Verfahrens zur Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung
         für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats. Soweit die UEFA damit auf einen Verstoß gegen Art. 3a Abs. 3 der Richtlinie 89/552
         abstellt, genügt die Feststellung, dass diese Bestimmung im Rahmen des Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung die Verpflichtungen
         der anderen Mitgliedstaaten als desjenigen, der eine Liste von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung erlassen
         hat, festlegt. Der Verweis auf die nach der Veröffentlichung der Richtlinie 97/36 erworbenen Rechte betrifft somit die Regelung,
         die die anderen Mitgliedstaaten treffen müssen, um ihren Verpflichtungen zur gegenseitigen Anerkennung nachzukommen, und nicht
         das Handeln des Mitgliedstaats, der die Liste erlassen hat, hier des Vereinigten Königreichs. 
      
      106    Mit dem Vorbringen der UEFA wird mithin nicht dargetan, dass die Kommission einen Fehler begangen hat, als sie das oben in
         den Randnrn. 7 und 8 beschriebene Verfahren für eindeutig und transparent hielt. 
      
      107    Der erste Klagegrund ist somit zurückzuweisen. 
      
       Zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      108    Die UEFA macht geltend, keines der von der Kommission im fünften Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses angeführten
         Kriterien (siehe oben, Randnr. 17) sei für alle Spiele der EURO erfüllt.
      
      109    Zum ersten Kriterium bringt sie vor, die Beurteilung, die die Kommission im sechsten Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses
         schildere und nach der die EURO in ihrer Gesamtheit besondere Resonanz im Vereinigten Königreich finde, da sie bei der breiten
         Öffentlichkeit und nicht nur bei den ohnehin Sportinteressierten sehr populär sei, sei offensichtlich fehlerhaft. Dieser Fehler
         berühre die Einstufung der EURO insgesamt als Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs,
         weil die EURO entgegen der Auffassung der Kommission dem ersten Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses
         nicht genüge.
      
      110    Aus zwei das Vereinigte Königreich betreffenden und von der UEFA bei einer Facheinrichtung in Auftrag gegebenen Untersuchungen
         ergebe sich nämlich, dass von denjenigen, die an Fußball „nicht regelmäßig interessiert“ oder „überhaupt nicht interessiert“
         seien, nur ein geringer Prozentsatz an den Spielen der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs
         interessiert sei. So zeigten 20 % derjenigen, die an Fußball „nicht regelmäßig interessiert“ seien, ein gewisses Interesse
         an solchen Spielen, gegenüber 1 % mit sehr großem Interesse und 45 % mit Interesse an Spielen der EURO mit Beteiligung einer
         Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs. Außerdem seien nur 33 % derjenigen, die Fernsehübertragungen von Fußballspielen
         gelegentlich verfolgten, an einem Spiel ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs interessiert,
         gegenüber 56 %, die im gegenteiligen Fall interessiert seien, während von denen, die sich nie Fußball im Fernsehen anschauten,
         nur 4 % Interesse an einem Spiel ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs hätten.
      
      111    Diese Ergebnisse würden durch die Zuschauerzahlen für das Vereinigte Königreich bestätigt, nach denen die Spiele der EURO
         2004 ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs durchschnittlich nur 32 % derjenigen angezogen
         hätten, die zur Zeit der Spiele ferngesehen hätten, gegenüber 67 % der Fernsehzuschauer, die durchschnittlich von den Spielen
         mit Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats angezogen worden seien. Die Daten zur EURO 2000 und zur EURO
         2008 ergäben ein ähnliches Bild, während bei der EURO 1996 die Gruppenspiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des
         Vereinigten Königreichs durchschnittlich die Hälfte der Fernsehzuschauer angezogen hätten, die die Gruppenspiele einer Nationalmannschaft
         dieses Mitgliedstaats angeschaut hätten. Dies zeige, dass die Spiele der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des
         Vereinigten Königreichs keine besondere Resonanz bei der Gesellschaft dieses Mitgliedstaats fänden, so dass es falsch sei,
         den Schluss zu ziehen, dass die Fernsehzuschauer, die im Allgemeinen den Fußball nicht verfolgten, an diesen Spielen interessiert
         seien und dass diese von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs seien.
      
      112    Außerdem seien jeweils zwei Spiele der EURO 2004 und der EURO 2008 nach Genehmigung durch das Office of Communications von
         Fernsehsendern der zweiten der mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorien (siehe oben,
         Randnr. 9) übertragen worden und hätten zwischen 4 000 und 739 000 Fernsehzuschauer angezogen. Wenn aber diese Spiele wirklich
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs gewesen wären, hätten die BBC und ITV nicht um
         die Genehmigung ersucht, sie auf ihren Sekundärsendern zu übertragen, und die Spiele hätten nicht so geringe Zuschauerzahlen
         erzielt. Zudem könnten die Sender, die diese Spiele übertragen hätten, von einem bedeutenden Teil der Öffentlichkeit des Vereinigten
         Königreichs empfangen werden (31,6 Millionen im Jahr 2004 und 50,4 Millionen im Jahr 2008), so dass die fraglichen Zuschauerzahlen
         nicht auf einen niedrigen Deckungsgrad zurückgeführt werden könnten. 
      
      113    Das vierte der genannten Kriterien, das die Kommission hinsichtlich der EURO anscheinend im 18. Erwägungsgrund des angefochtenen
         Beschlusses für erfüllt gehalten habe, sei ungeeignet, die gesellschaftliche Bedeutung eines Ereignisses zu bemessen. Vor
         dem Aufkommen des Bezahlfernsehens sei dieses Kriterium nämlich für alle im Fernsehen übertragenen Sportereignisse erfüllt
         gewesen. 
      
      114    Außerdem zögen die Spiele der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs dort systematisch
         wesentlich weniger Fernsehzuschauer an als die Spiele mit Beteiligung einer dieser Mannschaften, so dass außer den „Topspielen“
         nur die Spiele mit Beteiligung einer solchen Mannschaft wirklich von Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs
         insgesamt seien. Dieser Umstand sei sogar im Rahmen einer Entscheidung der Kommission auf dem Gebiet des Wettbewerbs im audiovisuellen
         Bereich anerkannt worden. Im Übrigen sei bezeichnend, dass die Spiele der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des
         Vereinigten Königreichs es von den Zuschauerzahlen her weder in die 10 beliebtesten Sportereignisse im Jahr 2007 noch in die
         100 beliebtesten Fernsehsendungen in den Jahren 2006 und 2007 geschafft hätten. 
      
      115    Das überwiegende Interesse an der Nationalmannschaft sei auch kennzeichnend für die Gewohnheiten der Fernsehzuschauer in anderen
         Mitgliedstaaten wie Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und den Niederlanden, wobei die Daten für das Vereinigte Königreich
         noch stärker in diese Richtung wiesen, und zwar auch für andere Sportarten. Mit Ausnahme des Königreichs Belgien und des Vereinigten
         Königreichs hätten aber fast alle anderen Mitgliedstaaten, die Listen von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         erstellt hätten, hinsichtlich der EURO in diese nur die „Topspiele“ und die Spiele der jeweiligen Nationalmannschaft aufgenommen.
         Es gebe jedoch keinen objektiven Unterschied, der den vom Vereinigten Königreich gewählten Ansatz rechtfertige, was die Kommission
         im Fall von Ermittlungen zu dieser Frage hätte feststellen können.
      
      116    Die Kommission habe somit, indem sie zu dem Ergebnis gelangt sei, dass die EURO in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung
         für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs sei, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen. Dieser Fehler äußere
         sich auch in einer faktischen Diskriminierung der UEFA im Rahmen der Vergabe der Fernsehübertragungsrechte an der EURO für
         das Vereinigte Königreich. Mithin habe die Kommission die Vereinbarkeit der nationalen Maßnahmen mit dem Gemeinschaftsrecht
         unter Verstoß gegen ihre Verpflichtung aus Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 nicht richtig überprüft.
      
      117    Im Übrigen sei der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36, falls er so auszulegen sein sollte, dass danach der EURO in ihrer
         Gesamtheit eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zukomme, mit einem Rechtsfehler behaftet, der im Rahmen des Art. 241 EG
         festgestellt werden könne.
      
      118    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei, und betont, dass
         die UEFA eine Einrede nach Art. 241 EG gegen die Richtlinie 97/36 nicht wirksam habe erheben können. Außerdem bekräftigt sie,
         dass die EURO in ihrer Gesamtheit das erste und das vierte Kriterium des fünften Erwägungsgrundes des angefochtenen Beschlusses
         erfülle, wie im Übrigen aus dessen Erwägungsgründen 6 und 18 hervorgehe. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      119    Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a der Richtlinie 89/552 den Mitgliedstaaten, indem er bestimmt, dass es ihre Sache
         ist, die Ereignisse von erheblicher Bedeutung für ihre Gesellschaft im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36
         festzulegen, insoweit einen weiten Ermessensspielraum einräumt.
      
      120    Sodann bedeutet ungeachtet dessen, dass Art. 3a der Richtlinie 89/552 keine Harmonisierung der spezifischen Ereignisse vornimmt,
         die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden können (siehe oben, Randnrn.
         51 und 52), die Erwähnung der EURO im 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36, dass die Kommission die Aufnahme der Spiele
         dieses Wettbewerbs in eine Ereignisliste nicht aus dem Grund als gemeinschaftsrechtswidrig ansehen kann, weil der betroffene
         Mitgliedstaat ihr nicht die besonderen Gründe für deren Eigenschaft als Ereignis von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung
         mitgeteilt hat (siehe oben, Randnr. 53). Die etwaige Schlussfolgerung der Kommission, dass die Aufnahme der EURO in ihrer
         Gesamtheit in eine Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats mit dem Gemeinschaftsrecht
         deshalb vereinbar sei, weil es gerechtfertigt sei, diesen Wettbewerb aufgrund seiner Merkmale als ein einheitliches Ereignis
         anzusehen, kann jedoch auf der Grundlage spezifischer Anhaltspunkte in Frage gestellt werden, die belegen, dass die „Normalspiele“
         nicht von einer solchen Bedeutung für die Gesellschaft dieses Staates sind.
      
      121    Wie nämlich oben in den Randnrn. 51 und 52 ausgeführt worden ist, spricht weder der 18. Erwägungsgrund der Richtlinie 97/36
         noch Art. 3a der Richtlinie 89/552 die Frage an, ob es gerechtfertigt ist, die EURO in ihrer Gesamtheit und unabhängig von
         dem Interesse, das ihre Spiele und insbesondere die „Normalspiele“ in dem betroffenen Mitgliedstaat hervorrufen, in eine Liste
         von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung aufzunehmen.
      
      122    Folglich ist jede Erörterung betreffend die Rechtmäßigkeit der Richtlinie 97/36 in Bezug auf die Einstufung der EURO insgesamt
         und nicht nur der „Topspiele“ und der Spiele mit Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs als Ereignis
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats (siehe oben, Randnr. 117) gegenstandslos, da ihr 18.
         Erwägungsgrund zu dieser Frage keine Aussage enthält. Somit kann dahingestellt bleiben, ob die UEFA insoweit eine Einrede
         nach Art. 241 EG in ihrer Erwiderung hat wirksam erheben können.
      
      123    Außerdem kann, wie oben in Randnr. 103 ausgeführt worden ist, die EURO vernünftigerweise eher als ein Gesamtereignis und nicht
         als eine Zusammenstellung einzelner, in Spiele von unterschiedlich hohem Interesse aufgeteilter Ereignisse angesehen werden,
         so dass der Ansatz des Ministers nicht willkürlich ist, sondern sich innerhalb der Grenzen seines Ermessensspielraums hält.
      
      124    Die Bedeutung der „Normalspiele“ ergibt sich im Übrigen auch schlicht daraus, dass sie Teil der EURO sind, wie auch bei anderen
         Sportarten das normalerweise begrenzte Interesse an ihnen steigt, wenn sie im Rahmen der Olympischen Spiele stattfinden.
      
      125    Daraus folgt, dass der Kommission kein Fehler unterlaufen ist, als sie davon ausgegangen ist, dass für die Zwecke der Beurteilung
         der Bedeutung der EURO für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs nicht zwischen „Topspielen“ und Spielen mit Beteiligung
         einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats einerseits und „Normalspielen“ andererseits zu unterscheiden sei, sondern dieser
         Wettbewerb in seiner Gesamtheit und nicht als Aneinanderreihung einzelner Ereignisse betrachtet werden müsse (Erwägungsgründe
         6 und 18 des angefochtenen Beschlusses, siehe oben, Randnr. 17).
      
      126    Schließlich widerlegen die Ergebnisse der von der UEFA in Auftrag gegebenen Untersuchungen diese Schlussfolgerung nicht, sondern
         bestätigen sie, so dass die Argumente, die sie im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes dagegen vorbringt, die Beurteilungen
         in den Erwägungsgründen 6 und 18 des angefochtenen Beschlusses nicht entkräften.
      
      127    Erstens ist nämlich darauf hinzuweisen, dass die Aufnahme der „Normalspiele“ in die nationale Liste von Ereignissen von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung weder erfordert, dass sie von der gleichen Zahl von Fernsehzuschauern verfolgt werden wie die
         „Topspiele“ und die Spiele der jeweiligen Nationalmannschaft, noch, dass sie bei den Nichtfußballfans ein gleich starkes Interesse
         erwecken wie die „Topspiele“ oder die Spiele mit Beteiligung der betreffenden Nationalmannschaft.
      
      128    Zweitens zeigt entgegen dem Vorbringen der UEFA der Umstand, dass sich 21 % der nicht regelmäßig fußballinteressierten Einwohner
         des Vereinigten Königreichs für an den Spielen der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs
         interessiert erklärten, gegenüber 45 %, bei denen dies für Spiele mit einer dieser Mannschaften der Fall ist (siehe oben,
         Randnr. 110), dass die erste dieser Spielkategorien bei den Nichtfußballfans ein Interesse weckt, das durchaus größer ist
         als das Interesse innerhalb derselben Gruppe an Spielen, die nicht Teil eines bedeutenden internationalen Fußballwettbewerbs
         auf Nationalmannschaftsebene sind und an denen keine Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs beteiligt ist. Gleiches
         gilt hinsichtlich der 7 % der überhaupt nicht fußballinteressierten Einwohner des Vereinigten Königreichs, die sich dennoch
         für an den Spielen der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs interessiert erklärten,
         gegenüber 17 % aus dieser Gruppe, bei denen dies für Spiele mit einer dieser Mannschaften der Fall ist. Anders als es sich
         für die „Normalspiele“ der EURO erweist, zeigen nämlich Personen, die nach der Prämisse der fraglichen Untersuchung selbst
         nicht regelmäßig oder überhaupt nicht fußballinteressiert sind, definitionsgemäß kein Interesse an Spielen, die nicht Teil
         eines bedeutenden internationalen Fußballwettbewerbs auf Nationalmannschaftsebene sind und an denen darüber hinaus keine Nationalmannschaft
         des Vereinigten Königreichs beteiligt ist.
      
      129    Dies wird auch dadurch bestätigt, dass sich nach derselben Untersuchung 33 % der Einwohner des Vereinigten Königreichs, die
         gelegentlich Fußball im Fernsehen anschauen, für die Spiele der EURO ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats
         interessieren, gegenüber 56 %, die an den Spielen interessiert sind, an denen eine dieser Mannschaften teilnimmt. Die betreffenden
         Prozentsätze belaufen sich auf 36 % bzw. 55 %, wenn der Kreis um diejenigen erweitert wird, die nie Fußball im Fernsehen anschauen,
         und zeigen, dass der Schlussfolgerung der Kommission, wonach alle Spiele der EURO in der breiten Öffentlichkeit besondere
         Resonanz fänden, kein Fehler anhaftet.
      
      130    Zu den Daten, die die von der UEFA in Bezug auf die EURO 2004 vorgelegten Zuschauerzahlen betreffen, ist festzustellen, dass
         die „Normalspiele“ zwischen 25,5 % und 44,2 % aller Fernsehzuschauer bei einem Höchstwert von 8,8 Millionen Fernsehzuschauern
         anziehen konnten, während die entsprechenden Prozentsätze für die Spiele der englischen Nationalmannschaft zwischen 65,9 %
         und 72,5 % lagen, mit einem Höchstwert von 20,7 Millionen Fernsehzuschauern. 
      
      131    Die Daten zur EURO 2000 ergeben ein ähnliches Bild, denn die „Normalspiele“ erzielten Einschaltquoten zwischen 25,7 % und
         49,6 % bei allen Fernsehzuschauern mit einem Höchstwert von 9,7 Millionen Fernsehzuschauern, und die Spiele der englischen
         Nationalmannschaft wurden bei einem Höchstwert von 16,9 Millionen Fernsehzuschauern von zwischen 58,5 % und 74,9 % aller Fernsehzuschauer
         verfolgt. 
      
      132    Die in absoluten Fernsehzuschauerzahlen ausgedrückten Daten zur EURO 1996 zeigen, dass die „Normalspiele“ zwischen 2,9 und
         8,5 Millionen Fernsehzuschauer anziehen konnten, während die Spiele der englischen Nationalmannschaft von zwischen 8,7 und
         23,8 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt wurden.
      
      133    Hinzuzufügen ist, dass nach derselben Untersuchung das Endspiel des Football Association (FA) Cup (englischer Fußballpokalwettbewerb)
         2007 ungefähr 10,1 Millionen Fernsehzuschauer anzog.
      
      134    Sowohl absolut als auch im Verhältnis nicht nur zu den Prozentsätzen und Zuschauerzahlen für die Spiele der englischen Nationalmannschaft,
         sondern auch zu den Zuschauerzahlen für das Endspiel des FA Cup 2007 gesehen, bestätigen die Prozentsätze und Zuschauerzahlen
         für die „Normalspiele“, dass diese im Vereinigten Königreich von außergewöhnlich vielen Zuschauern verfolgt werden, was sich
         nur dadurch erklärt, dass sie im Rahmen der EURO stattfinden. Diese statistischen Daten bestätigen somit die oben in den Randnrn.
         103 und 124 vorgenommene Beurteilung und den im 18. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses vertretenen Standpunkt, dass
         die Spiele der EURO einschließlich der „Normalspiele“ traditionell von vielen Fernsehzuschauern verfolgt würden. Selbst wenn
         man daher wie die UEFA von der Annahme ausgeht, dass die Kommission keine Daten aus der Zeit nach dem Jahr 2000 berücksichtigt
         hat, kann dies nicht die Schlussfolgerungen in Frage stellen, zu denen sie auf der Grundlage älterer Anhaltspunkte gelangt
         ist.
      
      135    Daran ändern auch die von der UEFA in Bezug auf jeweils zwei Spiele der EURO 2004 und der EURO 2008 angeführten angeblich
         besonders niedrigen Zuschauerzahlen (siehe oben, Randnr. 112) nichts. Wie nämlich die UEFA hervorhebt, fanden drei dieser
         Spiele zeitgleich mit anderen Spielen statt, an denen keine Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs beteiligt war und
         die auf frei zugänglichen Sendern der ersten mit den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats geschaffenen Kategorie zwischen
         4,6 und 8,8 Millionen Fernsehzuschauer anzogen. Daraus ergibt sich, dass mit diesem Vorbringen nicht dargetan wird, dass die
         Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs im Allgemeinen nur wenige Fernsehzuschauer anziehen.
         Das vierte Spiel, Frankreich gegen die Schweiz, fand zeitgleich mit einem von 18,2 Millionen Fernsehzuschauern verfolgten
         Spiel der englischen Nationalmannschaft statt, was völlig erklärt, warum es, zumal auf einem Internetsender wie BBCi, nur
         4 000 Fernsehzuschauer anzog.
      
      136    Dem Vorbringen, dass diese „Normalspiele“, wenn sie von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung wären, von den Rundfunkanstalten
         auf ihren Hauptsendern hätten übertragen werden müssen, kann nicht gefolgt werden. Dazu ist erstens darauf hinzuweisen, dass
         die Aufnahme dieser Spiele in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs
         dadurch gerechtfertigt ist, dass die EURO mit triftigem Grund in ihrer Gesamtheit als ein solches Ereignis angesehen werden
         kann (siehe oben, Randnr. 103) und dass zweitens die Aufnahme der „Normalspiele“ in diese Liste nicht erfordert, dass sie
         die gleiche Bedeutung wie die „Topspiele“ oder die Spiele mit Beteiligung der betreffenden Nationalmannschaft haben (siehe
         oben, Randnr. 127). Außerdem müssen nicht alle „Normalspiele“ zwangsläufig von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft
         des Vereinigten Königreichs sein, damit es gerechtfertigt ist, die EURO in ihrer Gesamtheit in die Liste solcher Ereignisse
         dieses Mitgliedstaats aufzunehmen. Um die Nichtunterscheidung zwischen den Spielen der EURO im Hinblick auf ihre Bedeutung
         für die Gesellschaft zu rechtfertigen, genügt es im Gegenteil, dass die oben in Randnr. 103 beschriebene Charakteristik auf
         manche „Normalspiele“ zutrifft, hinsichtlich deren weder die Zahl noch die Teilnehmer zum Zeitpunkt der Erstellung der Liste
         oder des Erwerbs der Übertragungsrechte genau festgestellt werden können. Somit entkräftet angesichts dessen, dass die Zuschauerzahlen
         für diese konkreten Spiele Ausnahmecharakter haben und erklärbar sind (siehe oben, Randnrn. 134 und 135), der Umstand, dass
         die BBC oder ITV sie nicht auf einem ihrer Hauptsender übertragen haben, nicht die oben in Randnr. 125 enthaltene Schlussfolgerung.
      
      137    Die oben in Randnr. 134 gezogene Schlussfolgerung steht auch nicht in Widerspruch zu derjenigen, die sich im 40. Erwägungsgrund
         der Entscheidung 2000/400/EG der Kommission vom 10. Mai 2000 in einem Verfahren nach Artikel 81 [EG] (Sache Nr. IV/32.150
         – Eurovision, ABl. L 151, S. 18) findet, auf die die UEFA anspielt (siehe oben, Randnr. 114). Nach diesem Erwägungsgrund sind
         internationale Sportereignisse oft für die Zuschauer in einem bestimmten Land attraktiver als rein nationale, sofern die eigene
         Nationalmannschaft oder der eigene Landesmeister mitwirkt; ist das nicht der Fall, stoßen die internationalen Ereignisse eher
         auf geringes Interesse. Die EURO findet aber ganz überwiegend unter Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs
         statt. Selbst wenn dies ausnahmsweise nicht der Fall ist, stellt sich außerdem die Nichtteilnahme der Nationalmannschaften
         des Vereinigten Königreichs an der EURO im Regelfall nicht nur nach der Erstellung der Liste von Ereignissen von erheblicher
         Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats heraus, sondern auch nach der Vergabe der Fernsehübertragungsrechte für
         das betreffende Jahr.
      
      138    Der Umstand, dass das Vereinigte Königreich eine andere Herangehensweise gewählt hat als andere Mitgliedstaaten, die in ihre
         Listen hauptsächlich „Topspiele“ oder Spiele ihrer jeweiligen Nationalmannschaft aufgenommen haben, berührt nicht die vorstehenden
         Beurteilungen, nach denen es gerechtfertigt ist, diesen Wettbewerb in seiner Gesamtheit als ein Ereignis von erheblicher Bedeutung
         für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs anzusehen. Da Art. 3a der Richtlinie 89/552 keine Harmonisierung auf der
         Ebene der spezifischen Ereignisse vornimmt, die von den Mitgliedstaaten als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen
         werden können (siehe oben, Randnrn. 51 und 52), können nämlich mehrere Herangehensweisen an die Aufnahme der Spiele der EURO
         in eine nationale Liste gleichermaßen mit dieser Bestimmung vereinbar sein.
      
      139    Deshalb kann dem Vorbringen der UEFA nicht gefolgt werden, mit dem dargetan werden soll, dass die Beurteilungen in den Erwägungsgründen
         6 und 18 des angefochtenen Beschlusses in Bezug auf die besondere Resonanz, die die EURO in ihrer Gesamtheit in der Gesellschaft
         des Vereinigten Königreichs findet, und hinsichtlich der Zahl von Fernsehzuschauern, die von den Spielen dieses Wettbewerbs
         angezogen werden, fehlerhaft sind.
      
      140    Gleiches gilt für das Vorbringen, dass vor dem Aufkommen des Bezahlfernsehens alle Ereignisse auf frei zugänglichen Sendern
         übertragen worden seien, so dass das darauf bezogene Kriterium nicht maßgeblich sei. Dazu ist festzustellen, dass, selbst
         wenn das Bezahlfernsehen weit nach dem frei zugänglichen Fernsehen entstanden ist, der Umstand, dass ein Ereignis zuvor herkömmlicherweise
         auf einem frei zugänglichen Sender übertragen wurde, ein maßgebliches Kriterium bleibt. Auch schon vor dem Aufkommen des Bezahlfernsehens
         wurden nämlich nicht wenige Ereignisse nicht auf den damaligen frei zugänglichen Sendern übertragen, so dass das betreffende
         Kriterium bei einem solchen Ereignis heutzutage nicht ohne Weiteres als erfüllt angesehen werden kann. Aus einer Mitteilung
         des Vereinigten Königreichs an die Kommission vom 24. März 1999, deren Inhalt in einem der Klagebeantwortung beigefügten Dokument
         mit dem Titel „Draft Reply to European Commission’s letter of 23 December 1998 [Antwortentwurf zum Schreiben der Europäischen
         Kommission vom 23. Dezember 1998]“ enthalten ist, ergibt sich aber, dass die EURO im Vereinigten Königreich herkömmlicherweise
         auf frei zugänglichen Sendern übertragen wurde und dass seit 1988 alle ihre Spiele direkt übertragen wurden. Da die UEFA dies
         nicht bestritten hat, ist ihr Vorbringen zur bisherigen Übertragung der EURO durch frei zugängliche Sender zurückzuweisen.
      
      141    Da dem Vorbringen der UEFA, dass der Kommission Fehler unterlaufen seien, als sie die Beurteilung des Ministers geteilt habe,
         wonach die EURO in ihrer Gesamtheit ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs
         sei, nicht gefolgt werden kann, ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Zum fünften Klagegrund: Verstoß gegen die Vertragsbestimmungen über den freien Dienstleistungsverkehr 
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      142    Die UEFA macht geltend, der angefochtene Beschluss nehme, wie in seinem 19. Erwägungsgrund anerkannt werde, den in anderen
         Mitgliedstaaten ansässigen Rundfunkanstalten die Möglichkeit, Spiele der EURO im Vereinigten Königreich direkt zu übertragen,
         so dass damit der freie Dienstleistungsverkehr beschränkt werde. Zwar könnten Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit mit
         zwingenden Gründen des Allgemeininteresses gerechtfertigt werden, doch müssten sie mit den Zielen des Vertrags vereinbar sein,
         unterschiedslos gelten und verhältnismäßig sein. Die Beweislast dafür obliege demjenigen, der sich auf die Rechtfertigung
         der fraglichen Beschränkung berufe. 
      
      143    Hier umfasse die Liste des Vereinigten Königreichs Ereignisse wie die Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses
         Mitgliedstaats, die nicht mit gutem Grund als von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung angesehen werden könnten. Die Beschränkung
         des freien Dienstleistungsverkehrs, die sich aus der Aufnahme dieser Spiele in die Liste des Vereinigten Königreichs ergebe,
         diene somit weder einem Allgemeininteresse, noch sei sie mit den Zielen des Vertrags vereinbar. 
      
      144    Außerdem führten die fraglichen Beschränkungen faktisch zu einer Diskriminierung der Fernsehveranstalter, die in anderen Mitgliedstaaten
         als dem Vereinigten Königreich ansässig seien, da nur drei Rundfunkanstalten dieses Mitgliedstaats, die BBC, ITV und Channel 4,
         zur ersten Kategorie gehören könnten. Somit schützten die betreffenden Rechtsvorschriften diese drei Wirtschaftsteilnehmer
         vor jeder Konkurrenz durch in anderen Mitgliedstaaten ansässige Rundfunkanstalten. Die Erfahrung zeige aber, dass solche Rundfunkanstalten
         über den Erwerb der Fernsehübertragungsrechte an Fußballspielen, die nicht in der Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung
         für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs verzeichnet seien, Zugang zu dem Markt dieses Mitgliedstaats finden könnten.
      
      145    Ferner stellt die UEFA die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs mit der Begründung in Frage, dass
         mehrere Spiele der EURO nicht von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats seien, so dass auch der
         angefochtene Beschluss gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verstoße. Die Unverhältnismäßigkeit dieser Maßnahmen werde
         noch durch die Anforderungen verschärft, die daran gestellt seien, dass eine Rundfunkanstalt zur ersten Kategorie solcher
         Anstalten gehören könne.
      
      146    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      147    Wie im 19. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses anerkannt wird, bewirkt der durch den angefochtenen Beschluss nach
         Art. 3a der Richtlinie 89/552 ausgelöste Mechanismus der gegenseitigen Anerkennung eine Beschränkung des mit Art. 49 EG eingeführten
         freien Dienstleistungsverkehrs im Gemeinsamen Markt.
      
      148    Wie die UEFA hervorhebt, ist es nämlich, obwohl die oben in den Randnrn. 9 und 10 beschriebenen Rechtsvorschriften unterschiedslos
         für die Wirtschaftsteilnehmer der beiden mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorien gelten,
         faktisch doch viel weniger wahrscheinlich, dass keine Rundfunkanstalt der ersten Kategorie, die mit hoher Wahrscheinlichkeit
         im Vereinigten Königreich ansässig ist, an der Übertragung der EURO interessiert sein wird, was es einem in einem anderen
         Mitgliedstaat ansässigen Konkurrenten ermöglichen würde, vom Office of Communications die Genehmigung zu erhalten, dieses
         Ereignis praktisch exklusiv zu übertragen (siehe oben, Randnr. 12).
      
      149    Diese Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs können jedoch gerechtfertigt sein, wenn sie das Recht auf Informationen
         schützen und der Öffentlichkeit breiten Zugang zur Fernsehberichterstattung über nationale oder nichtnationale Ereignisse
         von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verschaffen sollen und darüber hinaus geeignet sind, die Erreichung des mit ihnen
         verfolgten Ziels zu gewährleisten, und nicht über das hinausgehen, was zur Erreichung dieses Ziels erforderlich ist (siehe
         oben, Randnrn. 44 bis 50).
      
      150    Die UEFA stellt die Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses im Hinblick auf die Vertragsbestimmungen über den freien
         Dienstleistungsverkehr in Abrede, soweit die Kommission die Aufnahme der Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft
         des Vereinigten Königreichs in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats
         billige. Nach Ansicht der UEFA entsprechen die betroffenen Spiele nicht dieser Einstufung, so dass die Beschränkung des freien
         Dienstleistungsverkehrs unverhältnismäßig sei.
      
      151    Dieses Vorbringen der UEFA lässt eine Vermengung erkennen zwischen der erheblichen gesellschaftlichen Bedeutung eines Ereignisses
         auf der einen Seite – der ersten Voraussetzung, die erfüllt sein muss und den zwingenden Grund des Allgemeininteresses darstellt,
         der die Beschränkung einer vom Vertrag verbürgten Grundfreiheit rechtfertigt (siehe oben, Randnrn. 44 bis 49) – und der Verhältnismäßigkeit
         dieser Beschränkung auf der anderen Seite, die eine zweite Voraussetzung bildet, die von den eine solche Freiheit beschränkenden
         nationalen Rechtsvorschriften zu erfüllen ist, damit sie mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar sind (siehe oben, Randnr. 50).
      
      152    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass es, wie sich aus den vorstehenden Randnrn. 123 bis 141 ergibt, gerechtfertigt ist, die EURO
         als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs anzusehen, denn
         die Zuschauerzahlen für die Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats bestätigen die in den Erwägungsgründen
         6 und 18 des angefochtenen Beschlusses dargelegte Beurteilung, anstatt sie zu entkräften. Somit beruht die Rüge, dass den
         fraglichen Spielen keine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zukomme, so dass die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs
         unverhältnismäßig seien, jedenfalls auf einer falschen Prämisse. Demzufolge entkräftet diese Rüge in Anbetracht des einheitlichen
         Charakters der EURO nicht die Schlussfolgerung der Kommission hinsichtlich der Geeignetheit und der Verhältnismäßigkeit der
         Aufnahme aller Spiele dieses Wettbewerbs in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten
         Königreichs. 
      
      153    Der fünfte Klagegrund ist somit zurückzuweisen. 
      
       Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen die Wettbewerbsbestimmungen des Vertrags
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      154    Die UEFA bringt vor, die Kommission habe unter Missachtung des Urteils Infront WM/Kommission (oben in Randnr. 14 angeführt)
         die Auswirkung der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs auf den Wettbewerb nicht geprüft. Dem Wortlaut des 20. Erwägungsgrundes
         des angefochtenen Beschlusses (siehe oben, Randnr. 17) sei nämlich zu entnehmen, dass die Kommission nicht einmal den oder
         die betroffenen Märkte definiert habe. Der Erwerb der Übertragungsrechte an bestimmten bedeutenden Sportereignissen wie der
         EURO stelle insoweit, wie sich aus der Entscheidung 2000/400 ergebe, einen getrennten Markt dar. Die Kommission sei aber nicht
         der Frage nachgegangen, ob der Erwerb der Direktübertragungsrechte an der EURO für sich einen dem Fernsehmarkt vorgelagerten
         Markt bilde, auf dem mehrere Rundfunkanstalten miteinander in Wettbewerb stünden. 
      
      155    Sollte ein solcher Markt bestehen, würde der angefochtene Beschluss und nicht die Richtlinie 89/552 zu einer starken Verringerung
         und Verzerrung des Wettbewerbs auf diesem Markt führen. Insoweit bewirke die Bestimmung der Rundfunkanstalten, die zur ersten
         mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorie gehörten (siehe oben, Randnr. 9), in der Praxis,
         dass nur die BBC, ITV und Channel 4 die Direktübertragungsrechte an den Spielen der EURO erwerben könnten, so dass alle ihre
         Konkurrenten, die Bezahlfernsehsender betrieben, von vornherein von diesem Markt verdrängt seien. 
      
      156    Die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs verliehen somit diesen drei Rundfunkanstalten eine begünstigte Stellung, die zwei
         von ihnen zum Nachteil der UEFA genutzt hätten. Das Ergebnis dieser Lage sei in der Praxis mit der Gewährung besonderer oder
         ausschließlicher Rechte im Sinne des Art. 86 Abs. 1 EG vergleichbar. Die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs gewährten
         nämlich einer begrenzten Zahl von Rundfunkanstalten, hier denjenigen der ersten mit ihnen geschaffenen Kategorie, die Möglichkeit,
         die Rechte zur Direktübertragung der EURO im Vereinigten Königreich zu erwerben, und schlössen damit die Betreiber von Bezahlsendern
         von diesem Verfahren aus. In diesem Zusammenhang gebe es nur einen einzigen potenziellen Erwerber der Übertragungsrechte an
         den Spielen der EURO für das Vereinigte Königreich, weil die BBC und ITV, die einzigen daran interessierten Wirtschaftsteilnehmer,
         herkömmlicherweise gemeinsame Angebote abgäben. Die restriktive Bestimmung der Rundfunkanstalten, die zur ersten mit den Rechtsvorschriften
         des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorie gehörten, verstärke und fördere so zum Nachteil der UEFA und der britischen
         Verbraucher das wettbewerbsfeindliche Verhalten der Rundfunkanstalten, die vor jeder Konkurrenz durch die im Vereinigten Königreich
         oder in anderen Mitgliedstaaten ansässigen Wirtschaftsteilnehmer geschützt seien. Jedenfalls nähmen die Rundfunkanstalten
         der ersten mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorie eine gemeinsame beherrschende Stellung
         auf dem Markt des Erwerbs der Rechte für die Übertragung der EURO in diesem Mitgliedstaat ein.
      
      157    Aus dem 20. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses ergebe sich aber, dass die Kommission diesen Auswirkungen auf den
         Wettbewerb keine Rechnung getragen habe, bevor sie zu dem Ergebnis gelangt sei, dass die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs
         mit den Wettbewerbsbestimmungen des Vertrags vereinbar seien. Außerdem habe die Kommission den Standpunkt des Generaldirektors
         des Office of Fair Trading außer Acht gelassen, nach dem die Aufnahme eines Ereignisses in die Liste von Ereignissen von erheblicher
         gesellschaftlicher Bedeutung gerade wegen ihrer wettbewerbsfeindlichen Wirkungen eine Ausnahmemaßnahme in auf der Hand liegenden
         Fällen sein sollte.
      
      158    Der Kommission sei auch ein Fehler unterlaufen, indem sie im 20. Erwägungsgrund des angefochtenen Beschlusses zwischen einem
         Markt des frei zugänglichen Fernsehens und einem Markt des Bezahlfernsehens unterschieden habe, obwohl die Betreiber beider
         Unternehmensmodelle beim Erwerb der Übertragungsrechte, bei den Einschaltquoten und bei der Werbung miteinander in Wettbewerb
         stünden. Dieser Umstand sei von der Wettbewerbskommission des Vereinigten Königreichs (Competition Commission) anerkannt worden.
      
      159    Diese Versäumnisse seien hier noch offensichtlicher, da die Kommission Informationen über die Entwicklung des audiovisuellen
         Marktes nach dem Jahr 2000 nicht berücksichtigt habe. Jede Prüfung auf dem Gebiet des Wettbewerbs müsse aber der Lage Rechnung
         tragen, die zum Zeitpunkt des Erlasses der Entscheidung der Kommission bestehe. 
      
      160    Die Kommission sei somit fehlerhaft der Ansicht gewesen, dass die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs nicht zu einer bedeutenden
         und unverhältnismäßigen Wettbewerbsverzerrung führten.
      
      161    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      162    Das Vorbringen der UEFA im Rahmen dieses Klagegrundes besteht aus zwei Rügen.
      
      163    Die erste Rüge betrifft die Folgen dessen, dass in Anbetracht der Bedeutung, die der Ausschließlichkeit der Übertragung der
         Spiele der EURO im Fernsehen für die Rundfunkanstalten der zweiten mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs
         geschaffenen Kategorie zukommt, diese kein Interesse am Erwerb der nicht ausschließlichen Übertragungsrechte haben. Dies führt
         nach Ansicht der UEFA zu Wettbewerbsbeschränkungen auf mehreren Märkten wie demjenigen des Erwerbs der genannten Rechte, dem
         Werbungsmarkt und dem Markt für die Übertragung von Sportveranstaltungen durch Bezahlkanäle, weil auf diesen Märkten weniger
         Rundfunkanstalten tätig seien. Im gleichen Zusammenhang rügt die UEFA auch, die Kommission habe diese Märkte nicht definiert
         und ihre Beurteilung in Bezug auf diese Beschränkungen nicht dargelegt. 
      
      164    Dazu ist festzustellen, dass sich die in Rede stehenden Folgen mittelbar aus den Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs
         durch die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs ergeben. Wie aber im Rahmen des fünften Klagegrundes befunden worden ist,
         sind die Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs durch die Aufnahme aller Spiele der EURO in die Liste von Ereignissen
         von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses
         gerechtfertigt und weder ungeeignet noch unverhältnismäßig. Die Auswirkungen auf der Ebene der Zahl potenzieller Konkurrenten,
         die eine unausweichliche Folge dieser Beschränkungen des freien Dienstleistungsverkehrs sind, können deshalb nicht als Verstoß
         gegen die Wettbewerbsbestimmungen des Vertrags angesehen werden. Unter diesen Umständen musste die Kommission keine eingehendere
         Prüfung vornehmen als die von ihr hinsichtlich dieser Folgen durchgeführte.
      
      165    Die zweite Rüge betrifft die der BBC und ITV angeblich gewährten Sonderrechte, durch die ein Missbrauch der beherrschenden
         Stellung zugelassen oder ermöglicht werde, die diese Rundfunkanstalten auf dem relevanten Markt, d. h. nach Ansicht der UEFA
         dem Markt der Übertragungsrechte an den Spielen der EURO, einnähmen.
      
      166    Nach Art. 86 Abs. 1 EG, der als Wettbewerbsvorschrift anwendbar ist, wenn es um staatliche Maßnahmen geht (Urteil des Gerichtshofs
         vom 16. September 1999, Becu u. a., C‑22/98, Slg. 1999, I‑5665, Randnr. 31), ist es den Mitgliedstaaten untersagt, öffentliche
         Unternehmen und Unternehmen, denen sie besondere oder ausschließliche Rechte gewähren, durch Rechtsetzungsakte oder Verwaltungsmaßnahmen
         in eine Situation zu versetzen, in die sich diese Unternehmen durch selbständige Verhaltensweisen nicht ohne Verstoß gegen
         die Art. 12 EG und 81 EG bis 89 EG versetzen könnten (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 13. Dezember 1991,
         GB-Inno-BM, C‑18/88, Slg. 1991, I‑5941, Randnr. 20).
      
      167    Insoweit werden zwar besondere oder ausschließliche Rechte im Sinne dieser Bestimmung gewährt, wenn einer begrenzten Zahl
         von Unternehmen vom Staat ein Schutz verliehen wird und dieser Schutz die Fähigkeit anderer Unternehmen, die fragliche wirtschaftliche
         Tätigkeit im selben Gebiet zu im Wesentlichen gleichen Bedingungen auszuüben, wesentlich beeinträchtigen kann (Urteil des
         Gerichtshofs vom 25. Oktober 2001, Ambulanz Glöckner, C‑475/99, Slg. 2001, I‑8089, Randnr. 24), doch die Rechtsvorschriften
         des Vereinigten Königreichs verleihen den in Rede stehenden Rundfunkanstalten keinen solchen Schutz.
      
      168    So handelt es sich um solche Rechte, wenn die öffentliche Hand ein Monopol gewährt (Urteil des Gerichtshofs vom 12. Februar
         1998, Raso u. a., C‑163/96, Slg. 1998, I‑533, Randnr. 23), wenn sie den Eintritt eines Konkurrenten auf den Markt der Tätigkeit
         des Rechtsinhabers oder auf einen benachbarten Markt aus Gründen der nachteiligen Wirkung eines solchen Markteintritts auf
         die Funktionsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Tätigkeit dieses Rechtsinhabers (Urteil Ambulanz Glöckner, oben in Randnr.
         167 angeführt, Randnrn. 7, 23 und 25) oder auf den Arbeitskräftebedarf (Urteil Becu u. a., oben in Randnr. 166 angeführt,
         Randnr. 23) blockieren kann oder wenn der Rechtsinhaber über die einschlägige Gesetzgebung auf die Bedingungen der Ausübung
         der fraglichen Tätigkeit durch seine Konkurrenten nach Maßgabe seiner Interessen oder der Folgen, die die Tätigkeit der Konkurrenten
         auf diesem Markt oder auch nur auf einem benachbarten Markt hätte, Einfluss nehmen kann (vgl. in diesem Sinne Urteile des
         Gerichtshofs vom 19. März 1991, Frankreich/Kommission, C‑202/88, Slg. 1991, I‑1223, Randnr. 51, vom 18. Juni 1991, ERT, C‑260/89,
         Slg. 1991, I‑2925, Randnr. 37, GB-Inno-BM, oben in Randnr. 166 angeführt, Randnr. 25, und vom 1. Juli 2008, MOTOE, C‑49/07,
         Slg. 2008, I‑4863, Randnr. 43).
      
      169    Die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs sind jedoch weit davon entfernt, irgendeiner Rundfunkanstalt den Erwerb
         der Übertragungsrechte an den Spielen der EURO selbst zu verbieten, die BBC, ITV oder Channel 4 zu einem solchen Verbot zu
         ermächtigen oder auf die Übertragungsbedingungen für diese Spiele Einfluss zu nehmen, sondern beschränken sich darauf, die
         Möglichkeit der Übertragung der Spiele auf Ausschließlichkeitsbasis im Hoheitsgebiet dieses Mitgliedstaats auszuschalten,
         ohne dabei zwischen den beiden Kategorien von Rundfunkanstalten zu unterscheiden (siehe oben, Randnrn. 9 und 10). Dazu ist
         klarzustellen, dass die UEFA zu Unrecht behauptet, dass die BBC und ITV die einzigen Rundfunkanstalten seien, denen es erlaubt
         sei, Übertragungsrechte an der EURO für das Vereinigte Königreich zu erwerben. Ganz im Gegenteil stellt zunächst Section 101
         des Broadcasting Act 1996 im Wesentlichen ein Verbot der Exklusivübertragung auf. Sodann betrifft dieses Verbot, wie bereits
         ausgeführt, alle Rundfunkanstalten der beiden mit den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs geschaffenen Kategorien
         gleichermaßen. Schließlich geht es mit Section 99 des Broadcasting Act 1996 einher, nach dem ohne Ansehung dessen, um welche
         Rundfunkanstalt es sich handelt, jeder Vertrag über die Übertragung eines auf der Liste verzeichneten Ereignisses ungültig
         ist, soweit damit ein ausschließliches Recht gewährt wird. 
      
      170    Daraus folgt, dass die Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs die Ausschließlichkeit für alle Rundfunkanstalten nicht
         nur auf der Stufe der Übertragung untersagen, sondern auch auf der Stufe des Abschlusses von Fernsehverträgen, so dass keine
         Rundfunkanstalt, die der Rechtshoheit dieses Mitgliedstaats unterliegt, wirksam einen Vertrag über die Exklusivübertragung
         eines auf der Liste verzeichneten Ereignisses schließen kann. Dagegen gestatten es diese Rechtsvorschriften den Rundfunkanstalten
         der beiden mit ihnen geschaffenen Kategorien gleichermaßen, Angebote für den Erwerb der Rechte zur nichtexklusiven Fernsehübertragung
         der Spiele der EURO abzugeben.
      
      171    Unter diesen Voraussetzungen ist der Umstand, dass im Vereinigten Königreich letztlich allein bestimmte Rundfunkanstalten
         der ersten Kategorie wie die BBC und ITV die EURO nach Genehmigung durch das Office of Communications übertragen, weil ihre
         Konkurrenten nur an einer Exklusivübertragung interessiert sind und deshalb keine Angebote für den Erwerb der betreffenden
         Rechte abgeben (siehe oben, Randnr. 12), nicht einer Gewährung besonderer oder ausschließlicher Rechte an die genannten Rundfunkanstalten
         im Sinne des Art. 86 Abs. 1 EG gleichzustellen. Dieser Umstand, sein Vorliegen unterstellt, ist nämlich das Ergebnis der Bedeutung,
         die der Ausschließlichkeit im Rahmen des Unternehmensmodells der Bezahlfernsehsender beigemessen wird, und nicht irgendeines
         Verbots, das sich aus den Rechtsvorschriften des Vereinigten Königreichs ergäbe, weil diese unterschiedslos für die Rundfunkanstalten
         beider Kategorien gelten. Folglich berühren die Maßnahmen des Vereinigten Königreichs als solche nicht die Fähigkeit der Bezahlfernsehbetreiber,
         ihre Tätigkeit in Bezug auf den Erwerb der Fernsehübertragungsrechte an der EURO zu im Wesentlichen gleichen Bedingungen auszuüben,
         wie sie für die BBC oder ITV gelten.
      
      172    Der vierte Klagegrund ist daher zurückzuweisen. 
      
       Zum sechsten Klagegrund: Verletzung des Eigentumsrechts der UEFA
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      173    Die UEFA bringt vor, das Eigentumsrecht sei in der Gemeinschaftsrechtsordnung als allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts
         verbürgt und in Art. 17 der am 7. Dezember 2000 in Nizza proklamierten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl.
         C 364, S. 1) aufgenommen worden. Die Mitgliedstaaten müssten bei der Umsetzung einer Bestimmung wie Art. 3a der Richtlinie
         89/552 die Grundrechte beachten.
      
      174    Hier beeinträchtige, wie die Kommission und das Gericht in der Rechtssache, in der das Urteil Infront WM/Kommission (oben
         in Randnr. 14 angeführt) ergangen sei, anerkannt hätten, die von der Kommission gebilligte Liste das Eigentumsrecht der UEFA,
         da sie die Möglichkeit ausschließe, dass sie ihre Übertragungsrechte an der EURO auf Ausschließlichkeitsbasis vergebe, was
         den Kreis der an einem solchen Geschäft Interessierten erheblich verkleinere. Diese von der Kommission im vorliegenden Fall
         übrigens zugestandene Beschränkung des Eigentumsrechts der UEFA sei aber nicht gerechtfertigt worden, denn der angefochtene
         Beschluss enthalte keine Prüfung der Maßnahmen des Vereinigten Königreichs unter diesem Gesichtspunkt.
      
      175    Außerdem habe die Kommission hier nicht die Aufnahme allein der Spiele von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des
         Vereinigten Königreichs, sondern aller Spiele der EURO in die Liste genehmigt, so dass die fraglichen Maßnahmen nicht die
         am wenigsten einschränkenden seien, die im Hinblick auf das verfolgte Ziel ergriffen werden könnten. 
      
      176    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      177    Wie zwischen den Verfahrensbeteiligten unstreitig ist, ist die UEFA Veranstalterin der EURO im Sinne des 21. Erwägungsgrundes
         der Richtlinie 97/36, so dass jeder, der Fernsehübertragungsrechte an diesem Ereignis verwerten möchte, die Rechte von ihr
         erhalten muss oder von jemandem, an den sie von der UEFA vergeben wurden.
      
      178    Da der Wert dieser Rechte durch die Rechtsfolgen des angefochtenen Beschlusses beeinträchtigt werden kann (siehe oben, Randnrn.
         30 bis 34), wird so davon auch das Eigentumsrecht der UEFA berührt.
      
      179    Außerdem ergibt sich aus der Rechtsprechung, dass, wenn sich ein Mitgliedstaat auf Bestimmungen wie die Art. 46 EG und 55
         EG beruft, um eine Regelung zu rechtfertigen, die geeignet ist, die Ausübung der Dienstleistungsfreiheit oder der Niederlassungsfreiheit
         zu behindern, diese im Gemeinschaftsrecht vorgesehene Rechtfertigung im Lichte der allgemeinen Rechtsgrundsätze und insbesondere
         der Grundrechte auszulegen ist. Die in diesen Bestimmungen vorgesehenen Ausnahmen können der betreffenden nationalen Regelung
         so nur zugutekommen, wenn sie im Einklang mit den Grundrechten steht, deren Wahrung die Gemeinschaftsgerichte zu sichern haben
         (vgl. in diesem Sinne Urteil ERT, oben in Randnr. 168 angeführt, Randnr. 43). Dementsprechend kommt es nicht in Betracht,
         dass eine nicht mit den Grundrechten wie dem Eigentumsrecht (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 10. Juli 2003,
         Booker Aquaculture und Hydro Seafood, C‑20/00 und C‑64/00, Slg. 2003, I‑7411, Randnr. 67) vereinbare nationale Maßnahme deshalb
         in den Genuss der anerkannten Ausnahmen kommen kann, weil sie zwingenden Gründen des Allgemeininteresses entspricht wie dem
         Fernsehzugang der breiten Öffentlichkeit zu den Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung.
      
      180    Der Grundsatz des Schutzes des Eigentumsgrundrechts kann jedoch im Gemeinschaftsrecht keine uneingeschränkte Geltung beanspruchen,
         sondern muss im Hinblick auf seine gesellschaftliche Funktion gesehen werden. Folglich kann die Ausübung des Eigentumsrechts
         Beschränkungen unterworfen werden, sofern diese tatsächlich dem Allgemeininteresse dienenden Zielen entsprechen und nicht
         einen im Hinblick auf den verfolgten Zweck unverhältnismäßigen und nicht tragbaren Eingriff darstellen, der das so gewährleistete
         Recht in seinem Wesensgehalt antasten würde (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofs vom 12. Mai 2005, Regione autonoma
         Friuli-Venezia Giulia und ERSA, C‑347/03, Slg. 2005, I‑3785, Randnr. 119, und vom 12. Juli 2005, Alliance for Natural Health
         u. a., C‑154/04 und C‑155/04, Slg. 2005, I‑6451, Randnr. 126).
      
      181    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass es aus den oben in den Randnrn. 123 bis 141 dargestellten Gründen, anders als die UEFA geltend
         macht, gerechtfertigt ist, die EURO als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten
         Königreichs anzusehen, denn die statistischen Daten zu den „Normalspielen“ bestätigen die in den Erwägungsgründen 6 und 18
         des angefochtenen Beschlusses zum Ausdruck kommende Beurteilung, anstatt sie zu entkräften. Insoweit folgt, wie oben in Randnr.
         152 befunden worden ist, aus dem Gesamtereignischarakter der EURO, dass der Kommission kein Fehler unterlaufen ist, als sie
         die Aufnahme aller Spiele der EURO in die Liste des Vereinigten Königreichs als eine verhältnismäßige Maßnahme ansah.
      
      182    Somit beruht die Rüge, dass die Aufnahme der „Normalspiele“ in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die
         Gesellschaft des Vereinigten Königreichs einen unverhältnismäßigen und nicht tragbaren Eingriff in das Eigentumsrecht der
         UEFA darstelle, weil diese Spiele keine solchen Ereignisse seien, auf einer falschen Prämisse.
      
      183    Außerdem vernichten die fraglichen Rechtsvorschriften, auch wenn sie den von der UEFA für die Überlassung der Rechte zur Übertragung
         der EURO im Vereinigten Königreich erzielbaren Preis beeinträchtigen können, nicht den Handelswert dieser Rechte, weil sie
         erstens die UEFA nicht zu deren Vergabe zu beliebigen Bedingungen verpflichten und zweitens die UEFA gegen etwaige kollusive
         oder missbräuchliche Praktiken der potenziellen Erwerber dieser Rechte sowohl durch das gemeinschaftliche als auch durch das
         nationale Wettbewerbsrecht geschützt ist. Demnach hat die Kommission keinen Fehler begangen, als sie die Maßnahmen des Vereinigten
         Königreichs für verhältnismäßig hielt.
      
      184    Der sechste Klagegrund ist daher zurückzuweisen. 
      
       Zum siebten Klagegrund: Verstoß gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      185    Nach Ansicht der UEFA hat die Kommission gegen den in Art. 5 EG verankerten Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verstoßen, indem
         sie die Aufnahme aller Spiele der EURO in die Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten
         Königreichs gebilligt habe, obwohl die Spiele ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats dieser Einstufung
         nicht entsprächen. 
      
      186    Die Kommission widerspricht, unterstützt durch die Streithelfer, dem Vorbringen der UEFA im Rahmen dieses Klagegrundes.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      187    Jede Maßnahme, die aus zwingenden Gründen des Allgemeininteresses erlassen wird und die Ausübung einer mit dem Vertrag eingerichteten
         Grundfreiheit beschränkt, muss gemessen an dem mit ihr verfolgten Ziel verhältnismäßig sein (siehe oben, Randnr. 46). Außerdem
         leidet auch dieser Klagegrund unter der im Hinblick auf den fünften Klagegrund festgestellten Vermengung (siehe oben, Randnr.
         151).
      
      188    Insoweit genügt der Hinweis, dass die EURO aus den oben in den Randnrn. 123 bis 141 dargestellten Gründen, anders als die
         UEFA geltend macht, mit triftigem Grund als ein einheitliches Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft des
         Vereinigten Königreichs angesehen werden kann, denn die statistischen Daten zu den „Normalspielen“ dieses Wettbewerbs ohne
         Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats bestätigen die in den Erwägungsgründen 6 und 18 des angefochtenen
         Beschlusses zum Ausdruck kommende Beurteilung, anstatt sie zu entkräften.
      
      189    Die Rüge, dass die Aufnahme der „Normalspiele“ ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft des Vereinigten Königreichs in die
         Liste von Ereignissen von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft dieses Mitgliedstaats eine unverhältnismäßige Vorgehensweise
         sei, weil die betreffenden Spiele dieser Einstufung nicht entsprächen, beruht deshalb jedenfalls auf einer falschen Prämisse.
      
      190    Der siebte Klagegrund ist daher zurückzuweisen. 
      
       Zum achten Klagegrund: Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      –       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      191    Die UEFA macht im Rahmen dieses Klagegrundes geltend, von dem angefochtenen Beschluss gehe eine Ungleichbehandlung oder Diskriminierung
         zu ihren Lasten hinsichtlich der Vermarktung der Fernsehübertragungsrechte an der EURO aus. Der angefochtene Beschluss nehme
         nämlich keinen Bezug auf objektive Gründe, die die Aufnahme aller Spiele der EURO in die Liste von Ereignissen von erheblicher
         Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs rechtfertigten, obwohl andere Ereignisse offensichtlich größeren
         Anklang in diesem Mitgliedstaat fänden, ohne aber auf dieser Liste verzeichnet zu sein. Die Kommission habe daher weder kohärent
         noch logisch gehandelt, so dass der von ihr begangene Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung zu einer Wettbewerbsverzerrung
         führe und dem Funktionieren des Gemeinsamen Marktes schade. 
      
      192    Die Kommission macht mit Unterstützung der Streithelfer geltend, dass dieser Klagegrund unbegründet sei. 
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      193    Zunächst dürfen nach dem Grundsatz der Gleichbehandlung zum einen gleiche Sachverhalte nicht ungleich und zum anderen unterschiedliche
         Sachverhalte nicht gleichbehandelt werden, sofern nicht objektive Gründe eine solche Behandlung rechtfertigen (Urteil des
         Gerichtshofs vom 27. Januar 2005, Europe Chemi-Con [Deutschland]/Rat, C‑422/02 P, Slg. 2005, I‑791, Randnr. 33).
      
      194    Sodann ist darauf hinzuweisen, dass Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552 die Mitgliedstaaten weder zur Erstellung einer Liste
         von Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung verpflichtet, noch ihnen für den Fall der Erstellung einer solchen
         Liste vorschreibt, Ereignisse in sie aufzunehmen, auch wenn ihre Aufnahme gerechtfertigt gewesen wäre. In dieser Vorschrift
         heißt es nämlich nicht nur, dass jeder Mitgliedstaat die Maßnahmen zur Erreichung der darin beschriebenen Ziele erlassen „kann“,
         sie konkretisiert auch die Möglichkeiten, die den Mitgliedstaaten offenstehen, um von bestimmten Vorschriften des Vertrags
         wie denjenigen über den freien Dienstleistungsverkehr abzuweichen. Da es sich aber um die Auswahl zwischen mehreren konkreten
         Ereignissen von erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 97/36 handelt, kann den Mitgliedstaaten weder
         unmittelbar noch mittelbar vorgegeben werden, in ihre Listen andere Ereignisse als die ihrer Wahl aufzunehmen und von den
         Vorschriften des Vertrags in weiterem Umfang abzuweichen, als sie es wünschen. Zudem bezieht sich die Prüfung, die die Kommission
         im Rahmen des Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 hinsichtlich der Eigenschaft der gelisteten Ereignisse als Ereignisse von
         erheblicher gesellschaftlicher Bedeutung vornimmt, auf deren jeweils eigene Merkmale und nicht auf die Merkmale anderer, nicht
         gelisteter Ereignisse.
      
      195    Daher ist es, wenn ein Ereignis von erheblicher Bedeutung für die Gesellschaft eines Mitgliedstaats ist, kein Verstoß der
         Kommission gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung, wenn sie bei der von ihr nach Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552 ausgeübten
         Kontrolle der Aufnahme des Ereignisses in die von dem betreffenden Mitgliedstaat erstellte Liste nicht aus dem Grund widerspricht,
         weil ein anderes Ereignis nicht darauf verzeichnet ist, das von vielleicht noch größerer Bedeutung für diese Gesellschaft
         ist.
      
      196    Selbst wenn es also weitere Ereignisse im Sinne des 21. Erwägungsgrundes der Richtlinie 97/36 von für die Gesellschaft des
         Vereinigten Königreichs noch größerer Bedeutung als die EURO gäbe, die aber nicht auf der vom Minister erstellten Liste verzeichnet
         sind, hat die Kommission, die den Rechtsakt erlassen hat, dessen Rechtmäßigkeit vom Gericht überprüft wird, nicht gegen den
         Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen, als sie die Aufnahme der EURO in diese Liste zuließ. 
      
      197    Im Übrigen ist bereits befunden worden, dass es gerechtfertigt ist, die EURO als ein einheitliches Ereignis von erheblicher
         Bedeutung für die Gesellschaft des Vereinigten Königreichs anzusehen, denn die statistischen Daten zu den „Normalspielen“
         dieses Wettbewerbs ohne Beteiligung einer Nationalmannschaft dieses Mitgliedstaats bestätigen die in den Erwägungsgründen
         6 und 18 des angefochtenen Beschlusses zum Ausdruck kommende Beurteilung, anstatt sie zu entkräften (siehe oben, Randnrn.
         123 bis 141).
      
      198    Entgegen dem Vorbringen der UEFA hat die Kommission daher im vorliegenden Fall nicht inkohärent oder unlogisch gehandelt und
         nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen.
      
      199    Der achte Klagegrund ist somit zurückzuweisen. 
      
       Zum Antrag der UEFA auf prozessleitende Maßnahmen
      200    Die Würdigung der Klagegründe der UEFA hat zur Folge, dass die von dieser beantragten prozessleitenden Maßnahmen (siehe oben,
         Randnr. 19) nicht erforderlich sind.
      
      201    Insoweit ist festzustellen, dass, wie bei der Prüfung der Klagegründe der UEFA entschieden worden ist, keines der Argumente,
         das sie mit den Gesichtspunkten zu untermauern beabsichtigt, die möglicherweise in den Unterlagen, deren Vorlage sie begehrt,
         enthalten sind, Einfluss auf die Rechtmäßigkeit des angefochtenen Beschlusses haben kann.
      
      202    Unter diesen Umständen ist der Antrag auf den Erlass prozessleitender Maßnahmen zurückzuweisen, und die Klage ist insgesamt
         abzuweisen.
      
       Kosten
      203    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         UEFA unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      204    Das Königreich Belgien und das Vereinigte Königreich tragen gemäß Art. 87 § 4 der Verfahrensordnung ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Siebte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen.
      2.      Die Union des associations européennes de football (UEFA) trägt neben ihren eigenen Kosten die Kosten der Europäischen Kommission.
      3.      Das Königreich Belgien und das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland tragen ihre eigenen Kosten.
      
               Forwood
            
            
               Truchot
            
            
               Schwarcz
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 17. Februar 2011.
      Unterschriften
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Vorgeschichte des Rechtsstreits und angefochtener Beschluss
      Verfahren und Anträge der Verfahrensbeteiligten
      Rechtliche Würdigung
      Zur Zulässigkeit
      Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Begründetheit
      Zum zweiten Klagegrund: Begründungsmangel
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 1 der Richtlinie 89/552
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 3a Abs. 2 der Richtlinie 89/552
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum fünften Klagegrund: Verstoß gegen die Vertragsbestimmungen über den freien Dienstleistungsverkehr
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum vierten Klagegrund: Verstoß gegen die Wettbewerbsbestimmungen des Vertrags
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum sechsten Klagegrund: Verletzung des Eigentumsrechts der UEFA
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum siebten Klagegrund: Verstoß gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum achten Klagegrund: Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung
      – Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      – Würdigung durch das Gericht
      Zum Antrag der UEFA auf prozessleitende Maßnahmen
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Englisch.