CELEX: 31991D0678
Language: de
Date: 1991-12-19 00:00:00
Title: 91/678/Euratom: Entscheidung des Rates vom 19. Dezember 1991 zur Annahme eines Forschungs- und Ausbildungsprogramms auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion ( 1990-1994 )

Avis juridique important

|

31991D0678

91/678/Euratom: Entscheidung des Rates vom 19. Dezember 1991 zur Annahme eines Forschungs- und Ausbildungsprogramms auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion ( 1990-1994 )  

Amtsblatt Nr. L 375 vom 31/12/1991 S. 0011 - 0017

ENTSCHEIDUNG DES RATES vom 19. Dezember 1991 zur Annahme eines Forschungs- und  Ausbildungsprogramms auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion (1990-1994) (91/678/Euratom)  DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft, insbesondere auf Artikel  7, auf Vorschlag der Kommission (1), die den Ausschuß für Wissenschaft und Technik angehört hat, nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments (2), nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (3), in Erwägung nachstehender Gründe: Mit dem Beschluß 90/221/Euratom, EWG (4) hat der Rat ein drittes gemeinschaftliches Rahmenprogramm  im Bereich der Forschung und technologischen Entwicklung (1990-1994) angenommen, das unter anderem  die auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion durchzuführenden Aktivitäten festlegt. Die  vorliegende Entscheidung sollte in Anlehnung an die Gründe ergehen, die in der Präambel des  genannten Beschlusses dargelegt sind. Die Durchführung des dritten Rahmenprogramms erfolgt bei den unter den EAG-Vertrag fallenden  Tätigkeiten nach Artikel 2 des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG in spezifischen Programmen, die  gemäß Artikel 7 des genannten Vertrages festgelegt werden. Die Kommission hat gemäß Artikel 3 der Entscheidung 88/448/Euratom des Rates vom 25. Juli 1988 zur  Annahme eines Mehrjahres-Forschungs- und Ausbildungsprogramms auf dem Gebiet der kontrollierten  Kernfusion (5) eine Begutachtung und Bewertung vornehmen lassen; der vorliegende Programmvorschlag  basiert auf dieser Begutachtung und Bewertung. Die Gemeinsame Forschungsstelle trägt mit ihrem eigenen Programm zur Durchführung der genannten  Maßnahmen bei. Die Grundlagenforschung im Bereich der kontrollierten Kernfusion muß gemeinschaftsweit gefördert  werden. Zusätzlich zu dem spezifischen Programm betreffend Humankapital und Mobilität dürfte es  erforderlich sein, die Ausbildung von Wissenschaftlern und Ingenieuren im Rahmen dieses Programms  zu verstärken. Innerhalb dieses Programms sollten die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen ebenso wie die  technologischen Risiken einer Bewertung unterzogen werden. Gemäß Artikel 4 und Anhang I des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG enthält der für das gesamte  Rahmenprogramm für erforderlich gehaltene Betrag eine Summe von 57 Millionen ECU für die  zentralisierten Maßnahmen zur Verbreitung und Nutzung der Ergebnisse, die proportional zu dem für  jedes Einzelprogramm vorgesehenen Betrag aufzuteilen sind. Die Durchführung des Joint European Torus (JET)-Projekts obliegt dem Gemeinsamen Unternehmen "Joint  European Torus (JET), Joint Undertaking", das mit dem Beschluß 78/471/Euratom (6), zuletzt geändert  durch den Beschluß 91/677/Euratom (7), eingerichtet wurde. Das Programm umfasst alle Arbeiten, die in den Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der kontrollierten  Kernfusion mit magnetischem Einschluß durchgeführt werden. Die Durchführung dieses Programms  schließt die Auswahl von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ein, damit diese aus einer  Gemeinschaftsbeteiligung Nutzen ziehen können. Bei der Auswahl der im Rahmen des Programms durchzuführenden Vorhaben ist dem Grundsatz des  wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts der Gemeinschaft, dem grenzueberschreitenden Charakter  der Vorhaben sowie der Unterstützung für die kleinen und mittleren Unternehmen besondere  Aufmerksamkeit beizumessen. Zu den Maßnahmen der Gemeinschaft zur Verstärkung der wissenschaftlichen und technologischen  Grundlagen der europäischen Industrie und zur Förderung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gehört auch die  Förderung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Forschung und technologischen Entwicklung mit  dritten Ländern und internationalen Organisationen; eine solche Zusammenarbeit kann sich für die  Entwicklung dieses Programms als besonders fruchtbar erweisen. Gemäß Artikel 101 des EAG-Vertrages hat die Gemeinschaft Kooperationsabkommen auf dem Gebiet der  kontrollierten Kernfusion und der Plasmaphysik mit dem Königreich Schweden und mit der  Schweizerischen Eidgenossenschaft abgeschlossen. Mit Japan, der Union der Sozialistischen  Sowjetrepubliken und den Vereinigten Staaten von Amerika hat die Gemeinschaft ein Übereinkommen zur  Beteiligung an den Vorentwurfsaktivitäten zum Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor  (ITER) geschlossen und handelt gegenwärtig mit diesen Ländern ein Übereinkommen zur Beteiligung an  den Aktivitäten zu einem Konstruktionsentwurf des Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktors  (ITER) aus. Ausserdem hat die Gemeinschaft eine gemeinsame Absichtserklärung mit der Regierung von  Kanada betreffend die Beteiligung Kanadas am europäischen Beitrag zu den  ITER-Vorentwurfsaktivitäten unterzeichnet. Nach Anhang II des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG ist in der Gemeinschaft ein Fusionsprogramm  durchzuführen, dessen langfristiges Ziel die gemeinsame Verwirklichung sicherer und  umweltverträglicher Reaktorprototypen ist -  HAT FOLGENDE ENTSCHEIDUNG ERLASSEN: Artikel 1 Es wird ein Forschungs- und Ausbildungsprogramm der Europäischen  Atomgemeinschaft auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion gemäß der Beschreibung in Anhang I  für den Zeitraum vom 19. Dezember 1991 bis zum 31. Dezember 1994 beschlossen. Artikel 2 (1)  Die für die Durchführung des Programms für erforderlich gehaltenen Mittel belaufen  sich auf 411,84 Millionen ECU; in diesem Betrag sind 77 Millionen ECU für Personal- und  Verwaltungskosten enthalten. (2)  Eine vorläufige Aufschlüsselung der Mittelzuweisungen ist in Anhang II gegeben. (3)  Erlässt der Rat einen Beschluß in Anwendung von Artikel 1 Absatz 4 des Beschlusses  90/221/Euratom, EWG, so wird die vorliegende Entscheidung zur Berücksichtigung des genannten  Beschlusses angepasst. Artikel 3 Die Einzelheiten der Durchführung des Programms und der finanziellen Beteiligung der  Gemeinschaft sind in Anhang III festgelegt. Artikel 4 (1)  Die Kommission überprüft das Programm im Laufe des zweiten Jahres der Durchführung  und legt dem Europäischen Parlament, dem Wirtschafts- und Sozialausschuß und dem Rat einen Bericht  über die Ergebnisse dieser Prüfung vor, dem erforderlichenfalls Änderungsvorschläge beigefügt  werden. (2)  Nach Abschluß des Programms lässt die Kommission die Ergebnisse durch eine Gruppe von  unabhängigen Sachverständigen bewerten. Der Bericht dieser Gruppe wird zusammen mit etwaigen  Bemerkungen der Kommission, dem Europäischen Parlament, dem Wirtschafts- und Sozialausschuß und dem  Rat vorgelegt. (3)  Die in den Absätzen 1 und 2 genannten Berichte werden unter Berücksichtigung der in Anhang I  der vorliegenden Entscheidung festgelegten Ziele gemäß Artikel 2 Absatz 4 des Beschlusses  90/221/Euratom, EWG erstellt. Artikel 5 Bei der Durchführung des Programms wird die Kommission vom Beratenden Ausschuß für das  Fusionsprogramm unterstützt, der mit dem Beschluß des Rates vom 16. Dezember 1980 eingesetzt  wurde. Artikel 6 Die Kommission wird ermächtigt, gemäß Artikel 101 Absatz 2 des EAG-Vertrages  internationale Abkommen mit Drittländern auszuhandeln, die Mitglieder von COST sind, insbesondere  mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Freihandelszone (EFTA) und den Ländern Mittel- und  Osteuropas, um sie an dem gesamten Programm oder an einem Teil des Programms zu beteiligen. Artikel 7 Diese Entscheidung ist an die Mitgliedstaaten gerichtet. Geschehen zu Brüssel am 19. Dezember 1991. Im Namen des RatesDer PräsidentP. DANKERT          (1)ABl. Nr. C 261 vom 16. 10. 1990, S. 8.  (2)Stellungnahme vom 10. Dezember 1991 (noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht).  (3)ABl. Nr. C 120 vom 6. 5. 1991, S. 1.  (4)ABl. Nr. L 117 vom 8. 5. 1990, S. 28.  (5)ABl. Nr. L 222 vom 12. 8. 1988, S. 5.  (6)ABl. Nr. L 151 vom 7. 6. 1978, S. 10.  (7)Siehe S. 9 dieses Amtsblatts.   ANHANG I WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHER INHALT UND ZIELE Das vorliegende Programm steht  in voller Übereinstimmung mit dem Ansatz des dritten Rahmenprogramms hinsichtlich seiner  wissenschaftlich-technischen Zielsetzung sowie der ihm zugrundeliegenden Motivation. Anhang II Nummer 5 Buchstabe C) des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG mit dem Rahmenprogramm ist Teil  des vorliegenden Programms. Die wissenschaftlich-technischen Ziele und der Inhalt dieses Programms entsprechen den Empfehlungen  des Gutachtenausschusses für das Europäische Fusionsprogramm (EUR 13104/1990). Die langfristige Zielsetzung des Fusionsprogramms der Gemeinschaft, das alle Arbeiten einschließt,  die in den Mitgliedstaaten auf dem Gebiet der kontrollierten Kernfusion mit magnetischem Einfluß  unternommen werden, ist entsprechend dem Beschluß 90/221/Euratom, EWG die gemeinsame Verwirklichung  sicherer und umweltverträglicher Reaktorprototypen. Es ist eine schrittweise Strategie in Richtung  eines kommerziellen Prototyp-Reaktors vorgesehen, die nach JET einen Experimentalreaktor (Next  Step) und einem Demonstrationsreaktor (DEMO) beinhaltet. Die vorrangige Zielsetzung des Fusionsprogramms (1990-1994) sind die Erarbeitung der  wissenschaftlichen und technologischen Grundlage, die Festlegung von Umwelt- und  Sicherheitskriterien sowie die Vorbereitung der Industrie auf den Bau des Reaktors der Phase "Next  Step". Das wesentliche physikalische Ziel im Hinblick auf den "Next Step" sind das Erreichen eines  thermonuklearen, selbstbrennenden Deuterium-Tritium-Plasmas und seine Kontrolle während des  Betriebs mit langen Pulsdauern. Mit dem Next-Step-Reaktor sollen der sichere Betrieb einer Anlage,  in der wichtige Technologien eines Fusionsreaktors eingesetzt werden, nachgewiesen und wesentliche  Komponenten und Untersysteme eines solchen Fusionsreaktors getestet werden. Der Next-Step-Reaktor  muß die grundlegenden Daten für den Konstruktionsentwurf eines Demonstrationsreaktors (DEMO)  liefern, der in der Lage ist, unter gebührender Berücksichtigung der Umweltschutzaufgaben  bedeutende Elektrizitätsmengen zu erzeugen. Weitere Zielsetzungen des Fusionsprogramms: - Neben dem Nachweis der wissenschaftlichen und technologischen Durchführbarkeit sollen  Fortschritte beim Nachweis der Durchführbarkeit der Kernfusion in bezug auf Sicherheit und  Umweltschutz erzielt werden. - Die europäische Industrie soll im Hinblick auf die Einbringung industrieller Fachkenntnisse bei  der Verwirklichung des "Next Step" stärker herangezogen werden. Dies auch um sicherzustellen, daß  Europa alle Technologien beherrschen wird, die zum Bau zukünftiger Fusionsreaktoren notwendig  sind. - Bestimmung des Reaktorpotentials vom Tokamak-ähnlichen toroidalen magnetischen Konfigurationen  unter Konzentration auf Stellaratoren und "Pinche" mit umgekehrtem Feld. - Die Entwicklung anderer Ansätze in der kontrollierten Kernfusion ist weiterhin zu beobachten. - Die Verbindungen zwischen den Assoziationen und den übrigen europäischen  Wissenschaftseinrichtungen, insbesondere mit den Universitäten und ähnlichen Institutionen, sind zu  verbessern. - Die leistungsstarke Neutronenquelle, die für die Experimente erforderlich ist, soll - nach  Möglichkeit im Rahmen eines internationalen Abkommens - für die Gemeinschaft bereitgestellt  werden. - Ausbau der aktuellen Kenntnisse und Techniken hinsichtlich folgender Punkte: Abfälle und Tritium,  erste Wand, Auswirkungen starker Magnetfelder auf den Menschen und wissenschaftlich-technische  Alternativen, die im Rahmen des Fusionsprogramms zur Anwendung kommen sollen. Um die vorrangige Zielsetzung des spezifischen Programms zu erfuellen, wird ein grosser Teil der  Aktivitäten für 1990-1994, einschließlich derer, die an JET und in den Assoziationen durchgeführt  werden, zur Unterstützung des "Next Step" dienen. Zwischen den Entwurfsaktivitäten für den "Next  Step", der unterstützenden Forschung und Entwicklung in Physik und Technologie und der Beteiligung  der Industrie wird ein Gleichgewicht hergestellt und diesbezueglich eine kohärente Planung  vorgenommen. Auf der Grundlage und unter Berücksichtigung sowohl der vorgenannten Elemente als auch der 1990  gemäß dem Beschluß 88/448/Euratom durchgeführten unabhängigen Bewertung des Programms und der  Untersuchung der Umwelt- und Sicherheitsaspekte sowie des wirtschaftlichen Potentials der Fusion  wird im folgenden eine analytische Beschreibung des Inhalts des Programms vorgenommen. BEREICH 1: ENTWURF DES NÄCHSTEN SCHRITTS Die Arbeiten zum Vorentwurf des "Next Step" sind  im Abschluß begriffen, und zwar sowohl im europäischen Rahmen für NET (Next European Torus) als  auch im Rahmen der Internationalen Vierer-Zusammenarbeit für ITER (International Thermonuclear  Experimental Reactor) zwischen der Gemeinschaft, Japan, der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten  von Amerika. Der Konstruktionsentwurf des Next-Step-Reaktors wird entsprechend den folgenden  Richtlinien durchgeführt werden: - Die Vierer-Zusammenarbeit für ITER wird aus technischen und wirtschaftlichen Gründen bevorzugt.  Die gegenwärtig überlegene Stellung der Gemeinschaft im Bereich grosser Tokamaks, die insbesondere  durch JET gewonnen wurde, wird durch ein umfassendes Engagement für das Vorhaben erhalten bleiben; - es wird auf eine Annäherung der NET- und ITER-Entwürfe hingearbeitet; - eine etwaige Ausweitung der ITER-Zusammenarbeit wird mit dem Augenmerk auf eine gemeinsame  Benutzung der wichtigsten Anlagen zur Fusionsreaktorentwicklung durch die Projektpartner geprüft.  Die im Rahmen des ITER-Vorhabens aus der internationalen Zusammenarbeit gewonnene Erfahrung soll  von der Kommission einer Bewertung unterzogen werden; hierzu wird sie verlangen, daß ein  entsprechender Bericht erstellt wird, der etwaigen anderen internationalen Kooperationsvorhaben  zugute kommen kann; - das Fusionsprogramm der Gemeinschaft wird die Möglichkeit aufrechterhalten, NET allein  weiterzuführen, falls sich die Fortsetzung der ITER-Zusammenarbeit als zu schwierig erweisen  sollte. Der Konstruktionsentwurf des "Next Step" wird begonnen, sobald der Rahmen, in dem er unternommen  werden soll, vereinbart ist. Sollte die Entscheidung für den ITER ausfallen, so wird man sich die  Möglichkeit erhalten, eine NET-Version zu konstruieren, mit der es nach wie vor möglich sein wird,  Zuendung und lange Brennzeiten unter reaktorrelevanten Bedingungen zu untersuchen. Auf den "Next Step" bezogene physikalische F & E-Arbeiten werden an JET und an den spezialisierten  Anlagen in den Assoziationen durchgeführt (siehe Bereiche 3 und 4). Arbeiten im Bereich der Fusionstechnologie, die speziell für den "Next Step" bestimmt sind,  insbesondere auf den Gebieten der supraleitenden Magnete, der dem Plasma zugewandten Komponenten,  der Sicherheit bezueglich Betrieb und Umwelt, Brennstoffkreislauf und fernbediente Wartung und  Entsorgung der Anlage, werden in den Assoziationen, bei der Gemeinsamen Forschungsstelle (GFS) und  in der Industrie durchgeführt. Diese spezifischen Arbeiten werden abgestimmt auf die  Konstruktionsentwurfsaktivitäten für ITER, zu denen sich die Gemeinschaft verpflichtet hat. Die  Arbeiten, die darauf ausgerichtet sind, daß der Gemeinschaft die Möglichkeit erhalten bleibt,  gegebenenfalls einen Next-Step-Reaktor in eigener Regie zu bauen, und die eine wesentliche  Mittelbindung bedeuten, sollen im nächsten Rahmenprogramm berücksichtigt werden. Der Bau des Next-Step-Reaktors kann für die Laufzeit des nächsten Rahmenprogramms vorgeschlagen  werden, zusammen mit notwendigen Anpassungen in der Organisation, im Management und in der  Industriepolitik. Bei der Festlegung dieser Konzepte wird den Erfahrungen Rechnung getragen, die  bei anderen europäischen Grossprojekten gesammelt wurden. BEREICH 2: LANGFRISTIGE TECHNISCHE ENTWICKLUNGEN Umwelt- und  sicherheitsrelevante Kriterien werden wesentliche, die Entwicklung des Fusionsprogramms bestimmende  Elemente sein. Insbesondere werden Arbeiten, die Themen wie die Entwicklung von Reaktormaterialien  mit niedriger Aktivierung, von Brutmantel-Modulen und die Erarbeitung eines Referenzentwurfs eines  elektrizitätserzeugenden Fusionsreaktors betreffen, in den Assoziationen, in der Gemeinsamen  Forschungsstelle und in der Industrie durchgeführt werden. Für die Werkstoffprüfung werden leistungsfähige Quellen von hochenergetischen Neutronen benötigt.  Unter das Programm fallen auch die Entwurfsbewertung und eventuelle Konstruktionsaktivitäten. In  einem ersten Schritt wird eine internationale Zusammenarbeit bei der Anpassung und Anwendung einer  vorhandenen Quelle angestrebt. Die Entwicklung von DEMO-relevanten, tritiumbrütenden Brutmantel-Modulen wird im Hinblick auf  später erfolgende Tests im "Next Step" verfolgt. Diese Module sollen, insbesondere was die  Betriebstemperatur und das Tritium-Brutverhältnis betrifft, für einen elektrizitätserzeugenden  Reaktor relevant sein. Der Referenzentwurf eines elektrizitätserzeugenden Reaktors wird auf Deuterium-Tritium-Reaktionen  basieren. Auswirkungen des Einsatzes sogenannter fortgeschrittener Brennstoffe, die zusätzliche  Vorteile bezueglich Sicherheit und Umwelt versprechen, werden untersucht. Bei den Arbeiten am  Referenzentwurf sind die soziale Akzeptanz der Fusion und die Anforderungen der Kraftwerksbetreiber  an den Betrieb eines solchen Reaktors zu berücksichtigen. Sie werden die technische Basis für  weitere Sicherheitsanalysen darstellen. BEREICH 3: JET Die umfassende Nutzung von JET in seinen Arbeitsphasen mit  Deuteriumplasmen im Rahmen einer Verlängerung des Gemeinsamen Unternehmens bis 1996 wird  vervollständigt durch die Erarbeitung zuverlässiger Methoden zur Kontrolle der Plasmareinhaltung  unter für den Tokamak des "Next Step" relevanten Bedingungen. Wo es angebracht ist, werden  Ausrüstung und Fachwissen von JET genutzt, um spezifische Entwicklungen zur Unterstützung des "Next  Step" zu erlauben. Ein wesentlicher Beitrag zum JET-Programm wird von den Assoziationen durch  unterstützende Arbeiten (siehe Bereich 4) und Personalaustausch geleistet. Ausserdem werden Vorbereitungen für die 1995 und 1996 vorgesehene letzte Phase von JET mit  Deuterium-Tritium-Plasmen unternommen. Eine strenge wissenschaftliche, technische und  sicherheitsanalytische Prüfung wird als Teil dieser Vorbereitung durchgeführt werden. BEREICH 4: UNTERSTÜTZENDES PROGRAMM - Wissenschaftliche Unterstützung für den  "Next Step" und für JET Die Aktivitäten an den spezialisierten Anlagen innerhalb der Assoziationen werden auf  Arbeitsprogramme zur Unterstützung des "Next Step" und von JET sowie auf die Untersuchung von  Konzeptverbesserungen konzentriert. Insbesondere werden Studien über Einschluß,  magneto-hydrodynamische Stabilität, Plasma-Wand-Wechselwirkung, Nachfuellung und Abfuhr, Heizung und  Strombetrieb an existierenden Maschinen durchgeführt, wie z.B. TORE-SUPRA, ASDEX-UPGRADE, TEXTOR,  FTU, COMPASS, TCV, RTP und ISTTOK. Ein überarbeiteter, den kompakten Tokamak IGNITOR betreffender  Vorschlag könnte für eine eingehende Prüfung vorgelegt werden. Neue Plasmadiagnostikmethoden werden entwickelt werden und theoretische Arbeiten, insbesondere zum  Modellieren von Plasmen, werden zur Unterstützung dieser Studien erfolgen. - Studien an alternativen Linien mit toroidalem magnetischem Einschluß Der neu gebaute Stellarator Wendelstein VII-AS wird voll genutzt werden. Vorbehaltlich des  Ergebnisses einer eingehenden Untersuchung könnte der Konstruktionsentwurf eines grossen  fortgeschrittenen Stellarators, Wendelstein VII-X, in Angriff genommen werden. Der mögliche Bau  eines solchen Geräts wird innerhalb des Rahmenprogramms 1993-1997 in Betracht gezogen. Ein anderer  Stellarator, TJ-II, ist im Aufbau begriffen; sein Betriebsbeginn ist für 1995 vorgesehen. Am grossen Pinch mit umgekehrtem Feld, RFX, werden im Anschluß an seine Fertigstellung im Jahre 1991  Untersuchungen zu Plasmäinschluß und Plasmareinheit bei hohen Strömen erfolgen. Der Bau von  EXTRAP-T2 wird abgeschlossen und der Betrieb der Maschine aufgenommen werden. Der Betrieb einiger Anlagen, wie z.B. der Tokamaks ASDEX und TCA sowie der Pinche mit umgekehrtem  Feld HBTX, ist nach Abschluß der Experimentalprogramme ausgelaufen. Die umfassende Auswertung der  gesammelten Daten wird noch abgeschlossen. Der Betrieb einiger kleinerer Maschinen, wie z.B. des  Stellarators STORM, der Pinche mit umgekehrtem Feld ETA-BETA II und EXTRAP-T1, wird auslaufen, wenn  ihre experimentellen Programme abgeschlossen sein werden. - Andere Wege zur kontrollierten Fusion Derzeit an anderer Stelle durchgeführte Arbeiten an anderen Konzepten der Kernfusion werden genau  verfolgt. Die Entwicklung der Arbeiten zur Kernfusion mit Trägheitseinschluß wird abhängig von  regelmässigen Bewertungen ihres Reaktorpotentials im Vergleich zur Kernfusion mit Magneteinschluß  weiterhin verfolgt und beobachtet.        ANHANG II VORLÄUFIGE AUFSCHLÜSSELUNG DES FÜR ERFORDERLICH GEHALTENEN MITTELBEDARFS > PLATZ FÜR EINE TABELLE>Die Aufschlüsselung nach Bereichen schließt nicht die Möglichkeit aus, daß  bestimmteVorhaben mehrere Bereiche abdecken. Insbesondere werden sicherheits- und umweltrelevante  Themen, die den Fortgang des Fusionsprogramms beeinflussen, in allen Bereichen behandelt. Bei JET  sind diese Fragestellungen untrennbar mit dem Betrieb der Anlage verbunden. In den Bereichen 1, 2  und 4 werden annähernd 10 % der Gesamtsumme für diese Aspekte vorgesehen.    ANHANG III EINZELHEITEN DER DURCHFÜHRUNG DES PROGRAMMS UND FINANZIELLE BETEILIGUNG DER  GEMEINSCHAFT 1. Die Kommission führt das Programm nach Maßgabe des in Anhang I festgelegten  wissenschaftlichen und technischen Inhalts durch. 2. Die Einzelheiten der Durchführung des Programms gemäß Artikel 3 umfassen Vorhaben der Forschung  und technologischen Entwicklung, das Gemeinsame Unternehmen JET, flankierende Maßnahmen und  konzertierte Aktionen. Bei der Auswahl müssen die in Anhang III des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG  aufgeführten Kriterien sowie die in Anhang I des vorliegenden Programms enthaltenen Ziele  berücksichtigt werden. A. Forschungsvorhaben  Die Vorhaben sind Gegenstand von Verträgen zur Forschung und  technologischen Entwicklung auf Kostenteilungsbasis im Rahmen von Assoziationsverträgen in den  Mitgliedstaaten, Organisationen in den Mitgliedstaaten, Schweden und der Schweiz, dem Gemeinsamen  Unternehmen JET, der NET-Vereinbarung (im Hinblick auf die mögliche Euratom-Beteiligung an ITER zu  erweitern und/oder zu ändern), der Vereinbarung über langfristige Entwicklungen (noch  abzuschließen) und anderer Verträge von begrenzter Dauer. Die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft an den laufenden Ausgaben der Assoziationen bewegt  sich in der Regel auf einem einheitlichen Jahressatz von ungefähr 25 %. Nach Stellungnahme des  Beratenden Ausschusses für das Fusionsprogramm kann die Kommission folgende Ausgaben finanzieren: - die Kapitalkosten eigens abgegrenzter Vorhaben mit einem einheitlichen Jahressatz von ungefähr 45  %; - bestimmte Aufgaben, die ausschließlich von der Industrie wahrgenommen werden können, mit einem  Satz von bis zu 100 %. Universitäten und sonstige Forschungseinrichtungen, die an Vorhaben auf Kostenteilungsbasis  teilnehmen, die nicht von Assoziationsverträgen erfasst werden, können bei jedem einzelnen Vorhaben  zwischen den anhand der Gesamtausgaben berechneten einheitlichen Finanzierungssätzen und dem anhand  der zusätzlichen Grenzkosten berechneten doppelten einheitlichen Finanzierungssatz wählen. Die Forschungsaktionen auf Kostenteilungsbasis sind in der Regel von Teilnehmern mit Sitz in der  Gemeinschaft, in Schweden und in der Schweiz durchzuführen. Die Vorhaben, an denen beispielsweise  Universitäten, Forschungsorganisationen und Firmen, einschließlich kleiner und mittlerer  Unternehmen, teilnehmen können, sollten nach Möglichkeit die Teilnahme von mindestens zwei  voneinander unabhängigen Partnern mit Sitz in verschiedenen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft  und/oder in Schweden und der Schweiz vorsehen. Die Vorhaben werden aufgrund des normalen Verfahrens ausgewählt, das in den Assoziationsverträgen,  der JET-Satzung, der NET-Vereinbarung, der Vereinbarung über langfristige Entwicklungen (noch  abzuschließen) und in jeder der Empfehlung des Beratenden Ausschusses (siehe Artikel 5) folgenden  gemeinschaftsweiten Vereinbarung festgelegt ist. Bei Vorhaben, denen vom Beratenden Ausschuß  Priorität eingeräumt wurde, haben alle Assoziationen das Recht, an den Experimenten an Anlagen  teilzunehmen, die im Rahmen solcher Vorhaben gebaut worden sind. B. Flankierende Maßnahmen  Die flankierenden Maßnahmen umfassen  - die Veranstaltung von Seminaren, Workshops und wissenschaftlichen Konferenzen; - eine interne Koordinierung durch die Einsetzung integrierender Gruppen; - eine hochspezialisierte Ausbildung, wobei der Schwerpunkt auf die Interdisziplinarität ausgelegt  wird; - die Förderung der Verwertung der Ergebnisse; - die unabhängige wissenschaftliche und strategische Bewertung der Funktionsweise der Vorhaben und  des Programms. C. Konzertierte Aktionen  Bestandteil der konzertierten Aktionen sind die  Bemühungen der Gemeinschaft um eine Koordinierung der einzelnen in den Mitgliedstaaten  durchgeführten Forschungsaktionen. Die Kostenbeteiligung kann bis zu 100 % der Koordinierungskosten  betragen. 3. Die Verbreitung der Kenntnisse, die im Rahmen der Durchführung der Vorhaben gewonnen werden,  erfolgt innerhalb des Programms sowie im Wege einer zentralisierten Maßnahme gemäß dem in Artikel 4  Absatz 3 des Beschlusses 90/221/Euratom, EWG genannten Beschluß.