CELEX: 62008FJ0080
Language: de
Date: 2009-11-30
Title: Urteil des Gerichts für den öffentlichen Dienst (Erste Kammer) vom 30. November  2009. # Fritz Harald Wenig gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Öffentlicher Dienst - Beamte. # Rechtssache F-80/08.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST 
      (Erste Kammer)
      30. November 2009 
      Rechtssache F-80/08
      Fritz Harald Wenig
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften 
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Disziplinarverfahren – Vorläufige Dienstenthebung eines Beamten – Einbehaltung eines Teilbetrags der Dienstbezüge – Vorwurf eines schweren Dienstvergehens – Verteidigungsrechte – Zuständigkeit – Unterbliebene Bekanntmachung einer Übertragung von Befugnissen – Unzuständigkeit des Urhebers der angefochtenen Maßnahme“
      Gegenstand: Klage gemäß den Art. 236 EG und 152 EA, mit der Herr Wenig die Aufhebung der auf die Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts
         der Beamten der Europäischen Gemeinschaften gestützten Entscheidung der Kommission vom 18. September 2008, ihn für unbestimmte
         Zeit vorläufig seines Dienstes zu entheben und für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines Teilbetrags
         von monatlich 1 000 Euro von seinen Dienstbezügen anzuordnen, beantragt. Außerdem beantragt der Kläger mit besonderem Schriftsatz
         die Aussetzung des Vollzugs der angefochtenen Entscheidung
      
      Entscheidung: Die Entscheidung der Kommission vom 18. September 2008, mit der sie den Kläger gemäß den Art. 23 und 24 des Anhangs IX des
         Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften auf unbestimmte Zeit vorläufig des Dienstes enthoben und für einen Zeitraum
         von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines Teilbetrags von monatlich 1 000 Euro von seinen Dienstbezügen angeordnet hat,
         wird aufgehoben. Die Kommission trägt die Kosten des Verfahrens zur Hauptsache. Jede Partei trägt ihre eigenen Kosten des
         Verfahrens des vorläufigen Rechtsschutzes.
      
      Leitsätze
      1.      Beamte – Klage – Rechtsschutzinteresse – In den Ruhestand versetzter Beamter
      (Beamtenstatut, Anhang IX, Art. 24 Abs. 2)
      2.      Beamte – Disziplinarordnung – Disziplinarverfahren
      (Beamtenstatut, Anhang IX)
      3.      Beamte – Disziplinarordnung – Sanktion – Vorläufige Dienstenthebung
      4.      Anfechtungsklage – Klagegründe – Klagegrund der Unzuständigkeit des Urhebers einer beschwerenden Maßnahme – Von Amts wegen
            zu prüfender Gesichtspunkt
      5.      Beamte – Anstellungsbehörde – Beschluss über die Ausübung der dieser Behörde übertragenen Befugnisse
      (Beamtenstatut, Art. 2)
      1.      Da sich eine Entscheidung, mit der der Kläger auf unbestimmte Zeit vorläufig seines Dienstes enthoben und für einen Zeitraum
         von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines Teilbetrags seiner Dienstbezüge angeordnet wurde, nicht nur auf seine materielle
         Lage, sondern auch auf seine Ehrenhaftigkeit ausgewirkt hat, lässt die Tatsache, dass die Entscheidung stillschweigend, aber
         zwangsläufig durch die Versetzung des Klägers in den Ruhestand aufgehoben wurde und dass diese Entscheidung bereits vor Klageerhebung
         – soweit sie die Einbehaltung eines Teilbetrags von den Dienstbezügen angeordnet hat – hinfällig war, da diese Einbehaltung
         gemäß Art. 24 Abs. 2 des Anhangs IX des Statuts auf einen Zeitraum von sechs Monaten beschränkt war, die Klage weder gegenstandslos
         werden noch das Interesse des Klägers an der Aufhebung der gesamten Entscheidung entfallen.
      
       (vgl. Randnrn. 33 bis 35)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 22. Dezember 2008, Gordon/Kommission, C‑198/07 P, Slg. 2008, I‑10701, Randnrn. 44 und 45
      2.      Nach Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten hat jedermann Anspruch darauf,
         dass seine Sache in billiger Weise öffentlich und innerhalb einer angemessenen Frist gehört wird, und zwar von einem unabhängigen
         und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht, das über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen oder über die Stichhaltigkeit
         der gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Anklage zu entscheiden hat. Ein Verfahren zur vorläufigen Dienstenthebung und Einbehaltung
         eines Teilbetrags von Dienstbezügen ist jedoch kein gerichtliches, sondern ein Verwaltungsverfahren, so dass die Kommission
         nicht als „Gericht“ im Sinne von Art. 6 der genannten Konvention angesehen werden kann. Die Einhaltung der Verpflichtungen,
         die dieser Artikel einem „Gericht“ auferlegt, kann daher von der Kommission, wenn sie einen Beamten vorläufig des Dienstes
         enthebt und Teilbeträge von seinen Dienstbezügen einbehält, nicht verlangt werden.
      
       (vgl. Randnrn. 57 bis 59)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 16. Juli 1998, N/Kommission, C‑252/97 P, Slg. 1998, I‑4871, Randnr. 52
      Gericht für den öffentlichen Dienst: 17. Oktober 1991, de Compte/Parlament, T‑26/89, Slg. 1991, II‑781, Randnr. 94; 21. November
         2000, A/Kommission, T‑23/00, Slg. ÖD 2000, I‑A‑263 und II‑1211, Randnr. 24
      
      3.      Die Kontrolle der Begründetheit einer Maßnahme der vorläufigen Dienstenthebung eines Beamten durch das Gemeinschaftsgericht
         kann in Anbetracht der Vorläufigkeit einer solchen Maßnahme nur sehr eingeschränkt sein. Das Gericht hat sich folglich auf
         die Prüfung zu beschränken, ob der Vorwurf eines schweren Dienstvergehens hinreichend glaubhaft ist und nicht offensichtlich
         jeder Grundlage entbehrt.
      
      (vgl. Randnr. 67)
      Verweisung auf:
      Gericht erster Instanz: 10. Februar 1999, Willeme/Kommission, T‑211/98 R, Slg. ÖD 1999, I‑A‑15 und II 57, Randnr. 30
      4.      Der auf die Unzuständigkeit des Urhebers einer beschwerenden Maßnahme gestützte Klagegrund ist ein Grund zwingenden Rechts,
         den das Gemeinschaftsgericht in jedem Fall von Amts wegen zu prüfen hat.
      
      (vgl. Randnr. 83)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 13. Juli 2000, Salzgitter/Kommission, C‑210/98 P, Slg. 2000, I‑5843, Randnr. 56
      Gericht erster Instanz: 13. Juli 2006, Vounakis/Kommission, T‑165/04, Slg. ÖD 2006, I‑A‑2‑155 und II‑A‑2‑735, Randnr. 30
      Gericht für den öffentlichen Dienst: 13. Dezember 2006, de Brito Sequeira Carvalho/Kommission, F‑17/05, Slg. ÖD 2006, I‑A‑1‑149
         und II‑A‑1‑577, Randnr. 51; 18. September 2007, Botos/Kommission, F‑10/07, Slg. ÖD 2007, I‑A‑1‑0000 und II‑A‑1‑0000, Randnr.
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      5.      Die Beschlüsse über die Verteilung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde übertragen sind, sind interne Verwaltungsvorschriften
         des Organs. Weder die Bestimmungen des Vertrags noch die des Statuts – insbesondere nicht dessen Art. 2 – sehen vor, dass
         die Veröffentlichung derartiger Beschlüsse Voraussetzung für ihr Inkrafttreten und damit für ihre Geltendmachung gegenüber
         Dritten ist.
      
      Jedoch gebietet der Grundsatz der Rechtssicherheit, wonach Bürgern ein hoheitlicher Rechtsakt nicht entgegengehalten werden
         kann, bevor sie die Möglichkeit haben, von ihm Kenntnis zu nehmen, dass Beschlüsse über die Ausübung der Befugnisse, die der
         Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den Beschäftigungsbedingungen
         für die sonstigen Bediensteten übertragen sind, nach den Modalitäten und in den Formen, die von der Verwaltung festzulegen
         sind, angemessen bekannt gemacht werden, und zwar auch dann, wenn dies in keiner Vorschrift ausdrücklich vorgeschrieben wird.
      
      Die Kommission ist selbst grundsätzlich bestrebt, die Bekanntmachung der Beschlüsse über die Ausübung der Befugnisse, die
         der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den Beschäftigungsbedingungen
         für die sonstigen Bediensteten übertragen sind, sicherzustellen, da diese Beschlüsse ja gewöhnlich in den Verwaltungsmitteilungen
         veröffentlicht werden. Außerdem muss eine Gemeinschaftsregelung es nach dem Gebot der Rechtssicherheit den Betroffenen ermöglichen,
         den Umfang der Verpflichtungen, die sie ihnen auferlegt, genau zu erkennen, denn die Einzelnen müssen ihre Rechte und Pflichten
         eindeutig erkennen können. Schließlich ergibt sich das Erfordernis, die Beschlüsse über die Verteilung der Befugnisse, die
         der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den Beschäftigungsbedingungen
         für die sonstigen Bediensteten übertragen sind, angemessen bekannt zu geben, auch aus den Regeln einer ordnungsgemäßen Personalverwaltung.
      
      Die Verpflichtung der Kommission, einen Beschluss über die vorläufige Dienstenthebung eines Beamten angemessen bekannt zu
         machen, gilt in besonderem Maße, wenn eine solche Befugnis einer einzigen Person, nämlich dem für das Personal zuständigen
         Kommissionsmitglied, übertragen wurde, nachdem sie vorher der höchsten Stelle der Kommission – dem Kollegium der Kommissionsmitglieder
         – zustand. Eine von einer einzigen Person getroffene Maßnahme bietet aber dem von ihr betroffenen Beamten einen geringeren
         Grad an Schutz als eine Maßnahme, die von einer Kollegialbehörde getroffen wird, denn eine Kollegialbehörde ist aufgrund der
         Beratung ihrer Mitglieder imstande, eine größere Zahl relevanter Informationen zu berücksichtigen.
      
       (vgl. Randnrn. 87, 89 bis 91, 93, 94 und 96)
      Verweisung auf:
      Gerichtshof: 30. Mai 1973, De Greef/Kommission, 46/72, Slg. 1973, 543, Randnr. 18; 25. Januar 1979, Racke, 98/78, Slg. 1979,
         69, Randnr. 15; 25. Januar 1979, Weingut Decker, 99/78, Slg. 1979, 101, Randnr. 3; 21. Juni 2007, ROM-projecten, C‑158/06,
         Slg. 2007, I‑5103, Randnr. 25; 11. Dezember 2007, Skoma-Lux, C‑161/06, Slg. 2007, I‑10841, Randnrn. 37 und 38
      
      Gericht erster Instanz: 25. März 1999, Hamptaux/Kommission, T‑76/98, Slg. 1999, I‑A‑59 und II‑303, Randnr. 23
      Gericht für den öffentlichen Dienst: 9. Juli 2008, Kuchta/EZB, F‑89/07, Slg. ÖD 2008, I‑A‑1‑0000 und II‑A‑1‑0000, Randnr.
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URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST DER EUROPÄISCHEN UNION (Erste Kammer)
      30. November 2009(*)
      
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Disziplinarverfahren – Vorläufige Dienstenthebung eines Beamten – Einbehaltung eines Teilbetrags der Dienstbezüge – Vorwurf eines schweren Dienstvergehens – Verteidigungsrechte – Zuständigkeit – Unterbliebene Bekanntmachung einer Übertragung von Befugnissen – Unzuständigkeit des Urhebers der angefochtenen Maßnahme“
      In der Rechtssache F‑80/08
      betreffend eine Klage nach den Art. 236 EG und 152 EA,
      Fritz Harald Wenig, Beamter der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, wohnhaft in Woluwé-Saint-Pierre (Belgien), Prozessbevollmächtigte:
         Rechtsanwälte G.-A. Dal, D. Voillemot, D. Bosquet und S. Woog,
      
      Kläger,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch J. Currall und D. Martin als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DAS GERICHT (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten S. Gervasoni sowie der Richter H. Kreppel (Berichterstatter) und H. Tagaras,
      Kanzler: R. Schiano, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 16. Juni 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Mit Klageschrift, die bei der Kanzlei des Gerichts am 13. Oktober 2008 auf elektronischem Weg eingegangen ist (Eingang der
         Urschrift am selben Tag), beantragt Herr Wenig die Aufhebung der Entscheidung vom 18. September 2008, mit der die Kommission
         der Europäischen Gemeinschaften, ihn nach den Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften
         (im Folgenden: Statut) für unbestimmte Zeit vorläufig des Dienstes enthoben und für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten
         die Einbehaltung eines Teilbetrags von monatlich 1 000 Euro von seinen Dienstbezügen angeordnet hat.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Art. 86 des Statuts bestimmt:
      
      „(1)      Gegen Beamte oder ehemalige Beamte, die vorsätzlich oder fahrlässig die ihnen durch das Statut auferlegten Pflichten verletzen,
         kann eine Disziplinarstrafe verhängt werden.
      
      …
      (3)      Die Disziplinarvorschriften und ‑verfahren sowie die für Verwaltungsuntersuchungen geltenden Vorschriften und Verfahren sind
         in Anhang IX des Statuts geregelt.“
      
      3        Art. 23 des Anhangs IX des Statuts lautet:
      
      „(1)      Hat die Anstellungsbehörde einem Beamten ein schweres Dienstvergehen, sei es eine Dienstpflichtverletzung oder eine rechtswidrige
         Handlung, zur Last zu legen, so kann sie den Beamten unverzüglich für einen befristeten oder unbefristeten Zeitraum vorläufig
         seines Dienstes entheben.
      
      (2)      Außer in Ausnahmefällen erlässt die Anstellungsbehörde diese Verfügung nach Anhörung des betreffenden Beamten.“
      4        Art. 24 Abs. 1 und 2 des Anhangs IX des Statuts sieht vor:
      
      „(1)      In der Verfügung über die vorläufige Dienstenthebung muss bestimmt werden, ob der Beamte während der Dauer der Dienstenthebung
         seine vollen Bezüge behält oder ob ein in derselben Verfügung festzusetzender Teilbetrag einzubehalten ist. Die dem Beamten
         gezahlten Bezüge dürfen jedoch das in Anhang VIII Artikel 6 des Statuts vorgesehene Existenzminimum zuzüglich etwaiger Familienzulagen
         nicht unterschreiten.
      
      (2)      Die Rechtsstellung des vorläufig seines Dienstes enthobenen Beamten ist binnen einer Frist von sechs Monaten, gerechnet vom
         Tag des Inkrafttretens der Verfügung über die vorläufige Dienstenthebung, endgültig zu regeln. Ist nach Ablauf der sechs Monate
         eine Entscheidung nicht ergangen, so erhält der Beamte wieder seine vollen Dienstbezüge vorbehaltlich der Bestimmungen in
         Absatz 3.“
      
      5        Am 30. November 2007 erließ die Kommission den Beschluss K(2007) 5730 über die Ausübung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde
         im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den Beschäftigungsbedingungen für die sonstigen
         Bediensteten (im Folgenden: BSB) übertragen sind. Art. 1 Abs. 1 dieses in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 57‑2007 vom 6. Dezember 2007 veröffentlichten Beschlusses sieht vor:
      
      „Die Befugnisse, die der [Anstellungsbehörde] im Statut und der [zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde] in
         den [BSB] übertragen sind, werden im Falle des aus Verwaltungsmitteln besoldeten Personals der Kommission und des aus Mitteln
         für Forschung und technologische Entwicklung besoldeten Personals mit Ausnahme des Personals der Gemeinsamen Forschungsstelle
         – je nach Fall und vorbehaltlich der folgenden Bestimmungen – von der Kommission, dem für das Personal zuständigen Kommissionsmitglied,
         dem für den einheitlichen Außendienst zuständigen Kommissionsmitglied, dem Generaldirektor für Personal und den anderen Generaldirektoren,
         einschließlich der Leiter von Diensten und der Direktoren des [Amtes für die Feststellung und Abwicklung individueller Ansprüche],
         des [Amtes für Gebäude, Anlagen und Logistik in Brüssel] und des [Amtes für Gebäude, Anlagen und Logistik in Luxemburg] ausgeübt.“
      
      6        Nach Nr. 14 des Abschnitts VI „Disziplinarordnung …“ der „Übersicht über die Anstellungsbehörden für aus dem Verwaltungshaushalt
         und aus Forschungsmitteln (außer [Gemeinsame Forschungsstelle]) besoldetes Personal der Kommission“, auf die Anhang I des
         Beschlusses K(2007) 730 verweist, wurden die der Anstellungsbehörde übertragenen Befugnisse zur Dienstenthebung eines Beamten
         nach den Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts in Bezug auf Beamte der Besoldungsgruppen AD 16 und AD 15 und Beamte der
         Besoldungsgruppe AD 14 der höheren Führungsebene (Direktoren oder diesen vergleichbar) von der Kommission und hinsichtlich
         der anderen Beamten vom Generaldirektor für Personal ausgeübt.
      
      7        Mit Schreiben vom 9. Dezember 2008 wurde ein Beschlussentwurf K(2008) 5085 zur Änderung des Beschlusses K(2007) 5730 in die
         Tagesordnung der 1842. Sitzung des Kollegiums der Kommissionsmitglieder vom 10. September 2008 aufgenommen. Nach diesem Beschlussentwurf
         sollte die Befugnis zur vorläufigen Dienstenthebung von Beamten der Besoldungsgruppen AD 16 und AD 15 sowie von Beamten der
         Besoldungsgruppe AD 14 der höheren Führungsebene (Direktoren oder diesen vergleichbar) auf das für Personalfragen zuständige
         Kommissionsmitglied übertragen werden. In der Sitzung vom 10. September 2008 entschied das Kollegium der Kommissionsmitglieder,
         den „Beschluss K(2007) 5730 … nach Maßgabe des Dokuments K(2008) 5085 zu ändern“, und fügte hinzu, dass dieser Beschluss „sofort
         Wirkung [entfalte]“ (im Folgenden: Beschluss vom 10. September 2008). Dieser Beschluss wurde nicht in den Verwaltungsmitteilungen veröffentlicht.
      
      8        Am 29. April 2009 erließ die Kommission den Beschluss K(2009) 3074 zur Änderung des Beschlusses K(2007) 5730, in dem vorgesehen
         war, dass die der Anstellungsbehörde übertragenen Befugnisse zur Dienstenthebung eines Beamten im Hinblick auf Beamte der
         Besoldungsgruppen AD 16 und AD 15 und Beamte der Besoldungsgruppe AD 14 der höheren Führungsebene (Direktoren oder diesen
         vergleichbar) in der Zukunft von dem für Personalfragen zuständigen Kommissionsmitglied ausgeübt werden. Dieser Beschluss
         wurde in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 33‑2009 vom 8. Mai 2009 veröffentlicht.
      
       Sachverhalt
      9        Zur Zeit der für diesen Rechtsstreit maßgeblichen Ereignisse war der Kläger Kommissionsbeamter der Besoldungsgruppe AD 15
         und nahm die Aufgaben des Direktors der Direktion G „Marktzugang und Industrie“ wahr, die der Generaldirektion (GD) Handel
         der Kommission unterstellt und insbesondere für die Durchführung der Antidumpingpolitik zuständig ist.
      
      10      Am 7. September 2008 veröffentlichte die britische Wochenzeitung Sunday Times in ihrer Papierausgabe sowie auf ihrer Website einen Artikel mit dem Titel „Enthüllt: wie ein Eurokrat Geschäftsgeheimnisse
         bei verschwenderischen Diners durchsickern ließ“ („Revealed: how Eurocrat leaked trade secrets over lavish dinners“). In diesem
         Artikel war die Sprache von drei Abendessen, bei denen sich der Kläger zwischen März und September 2008 in Brüsseler Restaurants
         (Belgien) mit Journalisten der Sunday Times getroffen habe, die sich ihm als Geschäftspartner eines chinesischen Exporteurs vorgestellt hätten, der interessiert an bestimmten,
         von der Kommission eingeleiteten Antidumpingverfahren sei. In dem Artikel hieß es weiter, dass der Kläger seinen Gesprächspartnern
         im Verlauf dieser Abendessen und in telefonischen Gesprächen Informationen zu laufenden Kommissionsverfahren gegeben habe,
         und zwar Informationen, die er nicht hätte weitergeben dürfen. Als Gegenleistung für diese Informationen sei dem Betroffenen
         außerdem angeboten worden, mit dem angeblichen chinesischen Exporteur bei Geschäften für ein Entgelt von jährlich 600 000
         Euro zusammenzuarbeiten; der Kläger habe eine derartige Zusammenarbeit jedoch nur für den Zeitraum nach seinem Eintritt in
         den Ruhestand in Betracht gezogen. Auf das ihm während des zweiten Abendessens unterbreitete Angebot hin, ihm einen Betrag
         von 100 000 Euro zu zahlen, habe der Betroffene entgegnet, dass ihm dieser Betrag auf ein Sperrkonto überwiesen werden könne,
         zu dem er Zugang habe, sobald er in den Ruhestand versetzt worden sei; die Überweisung könne allerdings nur anhand der Ergebnisse
         erfolgen, die der angebliche chinesische Exporteur aufgrund der übermittelten Informationen habe erzielen können.
      
      11      Im Rahmen einer von der Kommission eingeleiteten Verwaltungsuntersuchung wurde der Kläger am 10. September 2008 von zwei Beamten
         des Untersuchungs- und Disziplinaramts der Kommission (im Folgenden: IDOC) angehört. Im Verlauf dieser Anhörung räumte der
         Kläger im Beistand seines Rechtsanwalts ein, zu den drei im Artikel der Sunday Times beschriebenen Abendessen eingeladen worden zu sein und daran teilgenommen zu haben, ohne seine Vorgesetzten davon in Kenntnis
         zu setzen. Er räumte weiter ein, seinen Gesprächspartnern mehrere Informationen gegeben zu haben, insbesondere die Namen zweier
         Kerzen herstellender chinesischer Gesellschaften, denen im Anschluss an ein zu diesem Zeitpunkt noch laufendes Antidumpingverfahren
         Marktwirtschaftsbehandlung hätte zuerkannt werden können. Der Kläger betonte jedoch, dass diese Informationen halb öffentlich
         gewesen seien und jedenfalls keinen geschäftsrelevanten Wert gehabt hätten. Schließlich gab er zwar gegenüber den Beamten
         des IDOC an, dass ihm seine Gesprächspartner im Verlauf des zweiten Abendessens angeboten hätten, ihm im Austausch für die
         Informationen einen Geldbetrag auf ein Bankkonto in einem steuerbegünstigten Land zu überweisen, doch bestritt er, dieses
         Angebot angenommen zu haben, und betonte, dass er im Verlauf dieser Kontakte lediglich die Möglichkeit in Betracht gezogen
         habe, nach seiner Versetzung in den Ruhestand geschäftlich mit dem chinesischen Exporteur zusammenzuarbeiten.
      
      12      Mit Schreiben vom 11. September 2008 teilte das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied dem Kläger in seiner Eigenschaft
         als Anstellungsbehörde mit, dass er gegen ihn nach den Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts eine Dienstenthebungsmaßnahme
         und die Einbehaltung eines Teilbetrags von seinen Dienstbezügen in Betracht ziehe, und lud ihn zu einer Anhörung, die am 12. September
         2008 stattfinden sollte.
      
      13      Mit Schreiben vom 12. September 2008 beantragte der Rechtsbeistand des Klägers bei der Kommission, die Anhörung zu verschieben,
         und teilte mit, dass der Betroffene „während des gesamten gegen ihn eingeleiteten Verfahrens von der französischen Sprache
         Gebrauch machen“ wolle.
      
      14      Ebenfalls am 12. September 2008 informierte das für Personal zuständige Kommissionsmitglied den Kläger, dass die Anhörung
         am 16. September 2008 stattfinde und der Betroffene in dieser Anhörung die französische Sprache gebrauchen könne.
      
      15      Am 16. September 2008 wurde der Kläger von dem für das Personal zuständigen Kommissionsmitglied gehört. In dieser Anhörung,
         von der ein in englischer Sprache verfasstes Protokoll aufgenommen wurde, wiederholte der Betroffene im Wesentlichen die gegenüber
         den Beamten des IDOC gemachten Erklärungen.
      
      16      Ebenfalls am 16. September 2008 stellte der Kläger als Privatkläger Strafantrag u. a. gegen die Autoren des Artikels der Sunday Times.
      
      17      Mit Entscheidung vom 18. September 2008, deren Bezugsvermerke auf den Beschluss K(2007) 5730 der Kommission vom 30. November
         2007 über die Ausübung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten
         Behörde in den BSB übertragen sind, „in der zuletzt mit Beschluss … vom 10. September 2008 geänderten Fassung“ verwiesen,
         enthob das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied den Kläger gemäß den Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts
         für unbestimmte Zeit vorläufig seines Dienstes und ordnete für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines
         Teilbetrags von monatlich 1 000 Euro von seinen Dienstbezügen an (im Folgenden: streitige Entscheidung).
      
      18      Das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied begründete die streitige Entscheidung mit dem Umstand, der durch „in verschiedenen
         Presseartikeln, insbesondere in der Sunday Times“, veröffentlichte Informationen und bei den von den Beamten des IDOC sowie von ihm selbst durchgeführten Anhörungen des Klägers
         zutage getretenen sei, dass der Betroffene gegen die Art. 11, 12 und 17 Abs. 1 des Statuts verstoßen habe. Der Kläger habe
         vertrauliche Informationen an unbefugte Personen weitergegeben, sich bereit gezeigt für eine spätere Anstellung durch diese
         Personen für ein beachtliches Gehalt als Gegenleistung für eine Zusammenarbeit, die noch vor seiner Versetzung in den Ruhestand
         begonnen habe, und weder seine Vorgesetzten informiert, dass er von diesen Gesprächspartnern kontaktiert worden sei, noch
         ihre Zustimmung eingeholt, diese wiederholten Kontakte fortzuführen. Schließlich seien derartige Machenschaften, sollten sie
         festgestellt werden, in Anbetracht insbesondere der „schweren Beschädigung des Ansehens der Kommission“, zu der sie geführt
         hätten, und angesichts des hohen Ranges des Betroffenen innerhalb der Kommission ein „schweres Dienstvergehen des Klägers“.
      
      19      Am 24. September 2008 reichte der Kläger einen vom 23. September 2008 datierten Antrag auf Beistand nach Art. 24 des Statuts
         an die Kommission ein, alle geeigneten Maßnahmen zur Wiederherstellung seiner Berufsehre zu treffen und insbesondere Klage
         zu erheben, damit die Rechtswidrigkeit der Machenschaften der Autoren des Artikels der Sunday Times festgestellt würden.
      
      20      Am 3. Oktober 2008 legte der Kläger Beschwerde nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts ein, um die Aufhebung der streitigen Entscheidung
         zu erreichen.
      
      21      Mit Note vom 22. Januar 2009 antwortete die Kommission auf den Antrag des Klägers auf Beistand vom 24. September 2008, dass
         die vom Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) eingeleitete Untersuchung an die Stelle der Untersuchungen der Anstellungsbehörde
         nach Art. 24 des Statuts trete. Die Kommission fügte hinzu, dass diese Note keine Ablehnung des Antrags auf Beistand bedeute.
      
      22      Am 29. Januar 2009 schloss das OLAF die Untersuchung ab und übermittelte seine Schlussfolgerungen am 12. Februar 2009 den
         belgischen Justizbehörden.
      
      23      Mit Entscheidung vom 3. Februar 2009 wies die Anstellungsbehörde die Beschwerde gegen die streitige Entscheidung zurück.
      
      24      Mit Entscheidung vom 18. Februar 2009 wurde dem Kläger auf seinen Antrag hin gestattet, seine Ruhestandsansprüche mit Wirkung
         vom 1. Mai 2009 geltend zu machen.
      
       Anträge der Parteien und Verfahren
      25      Mit Klageschrift, die bei der Kanzlei des Gerichts am 13. Oktober 2008 per E-Mail eingegangen ist, hat der Kläger die vorliegende
         Klage erhoben. Am selben Tag ist beim Gericht außerdem ein Antrag auf Aussetzung des Vollzugs der streitigen Entscheidung
         eingegangen.
      
      26      Den Parteien ist mit Schreiben der Kanzlei vom 14. Oktober 2008 die Aussetzung des Verfahrens zur Hauptsache bis zur ausdrücklichen
         oder stillschweigenden Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde des Klägers vom 3. Oktober 2008 mitgeteilt worden.
      
      27      Mit Beschluss vom 17. Dezember 2008 hat der Präsident des Gerichts den Antrag auf Aussetzung des Vollzugs der streitigen Entscheidung
         zurückgewiesen.
      
      28      Nach der Zurückweisung der Beschwerde sind die Parteien mit Schreiben der Kanzlei vom 25. Februar 2009 über die Wiederaufnahme
         des Verfahrens vor Gericht informiert worden.
      
      29      Der Kläger beantragt,
      
      –        die streitige Entscheidung aufzuheben;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      30      Die Kommission beantragt,
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        dem Kläger seine eigenen Kosten und die Kosten der Kommission aufzuerlegen.
      31      Im Rahmen einer prozessleitenden Maßnahme hat das Gericht die Kommission aufgefordert, Auskunft darüber zu geben, ob der in
         den Bezugsvermerken der streitigen Entscheidung erwähnte Beschluss vom 10. September 2008 erlassen wurde, und falls ja, eine
         Abschrift dieses Beschlusses vorzulegen und anzugeben, ob er veröffentlicht wurde. Die Kommission hat daraufhin mit Schreiben
         vom 3. Juni 2009 die Abschrift der Mitteilung des Vizepräsidenten der Kommission vom 9. September 2008, in der der Entwurf,
         der dem Beschluss vom 10. September 2008 zugrunde lag, enthalten war, und das Protokoll der Sitzung des Kollegiums der Kommissionsmitglieder
         vom 10. September 2008 vorgelegt, in der der Entwurf angenommen worden war. Außerdem hat die Kommission eingeräumt, dass der
         Beschluss vom 10. September 2008 nicht in den Verwaltungsmitteilungen veröffentlicht worden sei, gleichzeitig aber darauf hingewiesen, dass die Mitteilung vom 9. September 2008 im Intranet der
         Kommission verbreitet worden sei, und die elektronische Verknüpfung angegeben, mit der sie aufgerufen werden konnte.
      
      32      Im vorbereitenden Sitzungsbericht hat das Gericht die Parteien aufgefordert, ihre mündlichen Ausführungen auf die Frage nach
         der Zuständigkeit des für das Personal zuständigen Kommissionsmitglieds zum Erlass der streitigen Entscheidung zu konzentrieren.
      
       Rechtliche Würdigung
       Zur Zulässigkeit
      33      Die Kommission erinnert hat, dass der Kläger mit der streitigen Entscheidung auf unbestimmte Zeit vorläufig seines Dienstes
         enthoben und für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines Teilbetrags von monatlich 1 000 Euro von seinen
         Dienstbezügen angeordnet worden sei, und macht sodann geltend, dass er, nachdem er am 1. Mai 2009 in den Ruhestand versetzt
         worden sei, kein Interesse mehr daran haben, die Aufhebung der streitigen Entscheidung zu verlangen, zumindest soweit er mit
         dieser Entscheidung seines Amtes enthoben worden sei.
      
      34      Hierzu ist festzustellen, dass die streitige Entscheidung, soweit mit ihr die vorläufige Dienstenthebung des Klägers auf unbestimmte
         Zeit angeordnet wurde, stillschweigend, aber zwangsläufig aufgehoben wurde als der Kläger am 1. Mai 2009 in den Ruhestand
         versetzt wurde, da eine Maßnahme der vorläufigen Dienstenthebung nur im aktiven Dienst befindliche Beamte betreffen kann.
         Die streitige Entscheidung war zudem bereits vor Erhebung der vorliegenden Klage hinfällig, soweit sie die Einbehaltung eines
         Teilbetrags von den Dienstbezügen des Klägers angeordnet hat, denn diese Einbehaltung war gemäß Art. 24 Abs. 2 des Anhangs IX
         des Statuts auf einen Zeitraum von sechs Monaten beschränkt.
      
      35      Gleichwohl haben diese Umstände die vorliegende Klage weder gegenstandslos werden lassen noch dazu geführt, dass der Kläger
         kein Interesse mehr daran hätte, die Aufhebung der streitigen Entscheidung in vollem Umfang zu verlangen, da sich diese Entscheidung
         nicht nur auf seine materielle Lage, sondern auch auf seine Ehrenhaftigkeit ausgewirkt hat (vgl. entsprechend zum Rechtsschutzinteresse
         eines wegen Vollinvalidität in den Ruhestand versetzten Beamten an der Aufhebung seiner Beurteilung Urteil des Gerichtshofs
         vom 22. Dezember 2008, Gordon/Kommission, C‑198/07 P, Slg. 2008, I‑0000, Randnrn. 44 und 45).
      
      36      Die Einrede der Unzulässigkeit ist daher zurückzuweisen.
      
       Zur Begründetheit
      37      Der Kläger stützt seine Klage auf folgende sieben Gründe:
      
      –        Verstoß gegen Art. 25 Abs. 2 des Statuts wegen Begründungsmangels; 
      –        Verletzung der Verteidigungsrechte;
      –        Verstoß gegen Art. 6 der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte
         und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK);
      
      –        offensichtliche Beurteilungsfehler in Bezug auf die zur Last gelegten Tatsachen;
      –        Verstoß gegen Art. 23 des Anhangs IX des Statuts in Bezug auf den Vorwurf des schweres Dienstvergehens;
      –        Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit;
      –        Nichtbeachtung der Fürsorgepflicht.
      38      In der mündlichen Verhandlung hat der Kläger mit einem einen achten Klagegrund geltend gemacht, die streitige Entscheidung
         sei ohne entsprechende Zuständigkeit erlassen worden.
      
       Zum ersten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 25 Abs. 2 des Statuts wegen Begründungsmangels
      –       Vorbringen der Parteien
      39      Der Kläger macht geltend, dass die streitige Entscheidung weder hinreichend noch ordnungsgemäß begründet worden sei, da in
         ihr nicht im Einzelnen dargelegt werde, aus welchen Gründen es sich bei den ihm zur Last gelegten Tatsachen um ein Dienstvergehen,
         zudem um ein schweres, handele.
      
      40      Die Kommission beantragt, den Klagegrund zurückzuweisen, da die streitige Entscheidung hinreichend begründet sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      41      Nach ständiger Rechtsprechung soll die Verpflichtung, eine beschwerende Entscheidung zu begründen, es dem Gemeinschaftsrichter
         ermöglichen, die Rechtmäßigkeit der Entscheidung zu überprüfen, und dem Betroffenen ausreichende Hinweise zu geben, damit
         er erkennen kann, ob die Entscheidung zu Recht ergangen ist oder ob sie einen Fehler aufweist, aufgrund dessen ihre Rechtmäßigkeit
         in Frage gestellt werden kann. Diese Verpflichtung ist erfüllt, wenn die angefochtene Maßnahme in einem Kontext ergangen ist,
         der dem betroffenen Beamten bekannt ist und der es ihm ermöglicht, die Tragweite der ihm gegenüber getroffenen Maßnahme zu
         verstehen (Urteile des Gerichts erster Instanz vom 16. Dezember 1993, Turner/Kommission, T‑80/92, Slg. 1993, II‑1465, Randnr. 62,
         und vom 27. November 1997, Pascall/Kommission, T‑20/96, Slg. ÖD 1997, I‑A‑361 und II‑977, Randnr. 44).
      
      42      Im vorliegenden Fall geht aus den Akten hervor, dass die Kommission in der streitigen Entscheidung, deren Inhalt in Randnr. 18
         des vorliegenden Urteils wiedergegeben ist, eingehend geschildert hat, worin das dem Kläger zur Last gelegte schwere Dienstvergehen
         bestehen soll. Sie hat außerdem angegeben, dass dieser Vorwurf auf Informationen beruhe, die „in verschiedenen Presseartikeln,
         insbesondere [im Artikel] der Sunday Times“ aufgedeckt worden seien, und dass derartige Machenschaften, sollten sie festgestellt werden, in Anbetracht insbesondere
         der dadurch hervorgerufenen „schweren Beschädigung des Ansehens der Kommission“, zu der sie geführt hätten, und angesichts
         des hohen Ranges des Betroffenen innerhalb der Kommission ein „schweres Dienstvergehen des Klägers“ seien.
      
      43      Daraus folgt, dass die streitige Entscheidung entgegen dem Vorbringen des Klägers hinreichend begründet ist.
      
      44      Der erste Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
      
       Zum zweiten Klagegrund: Verletzung der Verteidigungsrechte
      –       Vorbringen der Parteien
      45      Der Kläger macht geltend, die Kommission habe die streitige Entscheidung auf „in verschiedenen Presseartikeln, insbesondere
         in der Sunday Times vom 7. September 2008“, veröffentlichte Informationen gestützt. Ihm sei jedoch nur der Artikel der Sunday Times übermittelt worden, und nicht die anderen Presseartikel. Daher sei der Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte verletzt
         worden.
      
      46      Die Kommission entgegnet, dass sie die Verteidigungsrechte dadurch gewahrt habe, dass sie den Kläger vor Erlass der streitigen
         Entscheidung angehört habe.
      
      47      Falls später Straf‑ oder Disziplinarverfahren eingeleitet werden sollten, erhalte der Kläger jedenfalls erneut Gelegenheit,
         sich zu äußern.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      48      Nach ständiger Rechtsprechung ist die Beachtung der Verteidigungsrechte ein fundamentaler Grundsatz des Gemeinschaftsrechts,
         der in allen gegen eine Person eingeleiteten Verfahren, die zu einer diese Person beschwerenden Maßnahme führen können, auch
         dann gewahrt werden muss, wenn dies in der Regelung für das betreffende Verfahren nicht ausdrücklich angeordnet ist (vgl.
         Urteile des Gerichts erster Instanz vom 6. Mai 1997, Quijano/Kommission, T‑169/95, Slg. ÖD 1997, I‑A‑91 und II‑273, Randnr. 44,
         und vom 10. Juli 1997, Gaspari/Parlament, T‑36/96, Slg. ÖD 1997, I‑A‑201 und II‑595, Randnr. 32).
      
      49      Dieser Grundsatz, der den Erfordernissen einer ordnungsgemäßen Verwaltung entspricht, gebietet es, jeder Person, der gegenüber
         eine beschwerende Entscheidung ergehen kann, Gelegenheit zu geben, zu den Gesichtspunkten Stellung zu nehmen, auf die bei
         der Begründung dieser Entscheidung zu ihrem Nachteil abgestellt wird (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 6. Dezember 1994,
         Lisrestal u. a./Kommission, T‑450/93, Slg. 1994, II‑1177, Randnr. 42, bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes vom 24. Oktober
         1996, Kommission/Lisrestal u. a., C‑32/95 P, Slg. 1996, I‑5373, Randnr. 21).
      
      50      Nach Art. 23 Abs. 2 des Anhangs IX des Statuts, der die Wahrung der Verteidigungsrechte in Verfahren der vorläufigen Dienstenthebung
         von Beamten garantieren soll, kann die Anstellungsbehörde außer in Ausnahmefällen eine dahin gehende Entscheidung erst nach
         Anhörung des betreffenden Beamten erlassen.
      
      51      Im vorliegenden Fall ergibt sich aus den Akten, dass der Kläger am 16. September 2008, also vor Erlass der streitigen Entscheidung,
         nach Art. 23 Abs. 2 des Anhangs IX des Statuts durch den für das Personal zuständigen Vizepräsidenten der Kommission angehört
         wurde, der den Kläger über die Vorwürfe eines schweren Dienstvergehens informierte und so in die Lage versetzte, dazu Stellung
         zu nehmen.
      
      52      Was darüber hinaus das Vorbringen des Klägers betrifft, die Kommission habe ihm vor der Anhörung am 16. September 2008 nur
         den Artikel der Sunday Times übermittelt, während sie selbst in der streitigen Entscheidung angegeben habe, sich auf „verschiedene Presseartikel, insbesondere
         [den Artikel] der Sunday Times“ gestützt zu haben, geht aus den Akten hervor, dass sich die nach der Veröffentlichung des Artikels der Sunday Times verbreiteten Presseartikel tatsächlich darauf beschränkt haben, die von den Journalisten der Sunday Times aufgedeckten Informationen inhaltlich zu wiederholen, was der Kläger in der mündlichen Verhandlung auch eingeräumt hat.
      
      53      Der Kläger kann folglich nicht behaupten, dass die Kommission den Grundsatz der Wahrung der Verteidigungsrechte verletzt habe.
      
      54      Der zweite Klagegrund ist somit zurückzuweisen.
      
       Zum dritten Klagegrund: Verstoß gegen Art. 6 EMRK
      –       Vorbringen der Parteien
      55      Der Kläger macht geltend, die streitige Entscheidung verstoße gegen den in Art. 6 EMRK garantierten Grundsatz der prozessualen
         Waffengleichheit, da sich die Anstellungsbehörde bei der vorläufigen Dienstenthebung auf Informationen gestützt habe, die
         ohne sein Wissen und infolge einer von den Journalisten der Sunday Times gestellten Falle erlangt worden seien.
      
      56      Die Kommission entgegnet hierauf, dass die Rechtsprechung der Gemeinschaftsgerichte, wonach Art. 6 EMRK nicht für Disziplinarverfahren
         gelte, erst recht auf eine vorläufige Dienstenthebung zu übertragen sei.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      57      Die Grundrechte sind nach ständiger Rechtsprechung integraler Bestandteil der allgemeinen Rechtsgrundsätze, deren Wahrung
         der Gemeinschaftsrichter zu sichern hat. Er lässt sich dabei von den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten
         und von den Hinweisen leiten, die die völkerrechtlichen Verträge über den Schutz der Menschenrechte geben, an deren Abschluss
         die Mitgliedstaaten beteiligt waren oder denen sie beigetreten sind. Hierbei kommt der EMRK besondere Bedeutung zu (Urteile
         des Gerichtshofs vom 12. Juni 2003, Schmidberger, C‑112/00, Slg. 2003, I‑5659, Randnr. 71, und vom 27. Juni 2006, Europäisches
         Parlament/Rat, C‑540/03, Slg. 2006, I‑5769, Randnr. 35, und vom 18. Januar 2007, PKK und KNK/Rat, C‑229/05 P, Slg. 2007, I‑439,
         Randnr. 76).
      
      58      Nach Art. 6 Abs. 1 EMRK hat jedermann Anspruch darauf, dass seine Sache in billiger Weise öffentlich und innerhalb einer angemessenen
         Frist gehört wird, und zwar von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz beruhenden Gericht, das über zivilrechtliche
         Ansprüche und Verpflichtungen oder über die Stichhaltigkeit der gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Anklage zu entscheiden
         hat.
      
      59      Ein Verfahren zur vorläufigen Dienstenthebung und Einbehaltung eines Teilbetrags von Dienstbezügen ist jedoch kein gerichtliches,
         sondern ein Verwaltungsverfahren, so dass die Kommission nicht als „Gericht“ im Sinne von Art. 6 EMRK angesehen werden kann
         (vgl. entsprechend Beschluss des Gerichtshofs vom 16. Juli 1998, N/Kommission, C‑252/97 P, Slg. 1998, I‑4871, Randnr. 52;
         Urteile des Gerichts erster Instanz vom 17. Oktober 1991, de Compte/Parlament, T‑26/89, Slg. 1991, II‑781, Randnr. 94, und
         vom 21. November 2000, A/Kommission, T‑23/00, Slg. ÖD 2000, I‑A‑263 und II‑1211, Randnr. 24). Die Einhaltung der Verpflichtungen,
         die dieser Artikel einem „Gericht“ auferlegt, kann daher von der Kommission, wenn sie einen Beamten vorläufig des Dienstes
         enthebt und Teilbeträge von seinen Dienstbezügen einbehält, nicht verlangt werden.
      
      60      Folglich kann sich der Kläger nicht mit Erfolg auf einen Verstoß der Kommission gegen Art. 6 Abs. 1 EMRK berufen.
      
      61      Der dritte Klagegrund kann daher nicht durchgreifen.
      
       Zum vierten und zum fünften Klagegrund: offensichtliche Beurteilungsfehler in Bezug auf die behaupteten Tatsachen und Verstoß
         gegen Art. 23 des Anhangs IX des Statuts in Bezug auf den Vorwurf eines schweren Dienstvergehens
      
      –       Vorbringen der Parteien
      62      Der Kläger macht geltend, dass das ihm von der Kommission zur Last gelegte schwere Dienstvergehen, insbesondere der Vorwurf,
         er habe gegen Art. 11 Abs. 2 und Art. 17 Abs. 1 des Statuts verstoßen, offensichtlich jeder Grundlage entbehre, da es auf
         falschen Informationen aus dem Artikel der Sunday Times beruhe.
      
      63      Er habe nur „halb öffentliche“, jeglicher geschäftsrelevanter Auswirkungen entbehrende Informationen zu Antidumpingverfahren
         weitergegeben, die insbesondere die voraussichtliche Dauer dieser Verfahren, die für die Marktwirtschaftsbehandlung zu erfüllenden
         Kriterien oder die Notwendigkeit einen Rechtsanwalt oder einen in diesem Bereich tätigen Berater beizuziehen, betroffen hätten.
      
      64      Außerdem habe er zwar drei Einladungen zu Abendessen mit Journalisten der Sunday Times angenommen, die sich als Geschäftspartner eines chinesischen Exporteurs ausgegeben hätten, doch sei die Teilnahme an Abendessen
         – die bei der Kommission gängige Praxis sei – nicht unvereinbar mit den Dienstpflichten der Beamten und erfordere nicht die
         Einholung der vorherigen Zustimmung nach Art. 11 Abs. 2 des Statuts.
      
      65      Schließlich habe er zu keinem Zeitpunkt eine Geldsumme erhalten oder die Weitergabe weiterer Informationen davon abhängig
         gemacht, dass er nach seiner Versetzung in den Ruhestand bei dem fraglichen chinesischen Exporteur angestellt werde.
      
      66      Die Kommission tritt dem damit entgegen, dass die Frage, ob der Kläger tatsächlich das ihm zur Last gelegte schwere Dienstvergehen
         begangen habe, nur im Rahmen eines etwaigen Disziplinarverfahrens untersucht werden könne. Jedenfalls sei der dem Kläger gemachte
         Vorwurf nicht völlig unbegründet, da der Artikel der Sunday Times, auf den sich der Vorwurf gestützt habe, sehr ausführlich sei und der Kläger teilweise eingeräumt habe, dass er stimme.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      67      Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die gerichtliche Kontrolle der Begründetheit einer Maßnahme der vorläufigen Dienstenthebung
         in Anbetracht der Vorläufigkeit einer solchen Maßnahme nur sehr eingeschränkt sein kann. Das Gericht hat sich folglich auf
         die Prüfung zu beschränken, ob der Vorwurf eines schweren Dienstvergehens hinreichend glaubhaft ist und nicht offensichtlich
         jeder Grundlage entbehrt (vgl. entsprechend zu einem Beschluss über die Zurückweisung eines Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz
         gegen eine vorläufige Dienstenthebung, Beschluss des Präsidenten des Gerichts erster Instanz vom 10. Februar 1999, Willeme/Kommission,
         T‑211/98 R, Slg. ÖD 1999, I‑A‑15 und II‑57, Randnr. 30).
      
      68      Im vorliegenden Fall ist erstens festzustellen, dass der Artikel der Sunday Times, dessen Informationen zusammen mit den Erklärungen, die der Kläger bei seinen Anhörungen abgegeben hat, der streitigen Entscheidung
         zugrunde liegen, sehr detailliert verfasst ist und sich wiederholt auf die in Anführungszeichen gesetzten Antworten des Klägers
         bezieht, die dieser auf die ihm von den Journalisten gestellten Fragen gegeben hat.
      
      69      Zweitens ergibt sich aus den Akten, dass der Kläger bei seinen Anhörungen durch die Beamten des IDOC und das für das Personal
         zuständige Kommissionsmitglied im Beistand seines Rechtsanwalts einen Teil der im Artikel der Sunday Times behaupteten Tatsachen eingeräumt hat. So hat er eingeräumt, seinen Gesprächspartnern bei den Abendessen, zu denen er eingeladen
         worden sei, oder bei den Telefonaten bestimmte Informationen gegeben zu haben, insbesondere die Namen zweier Kerzen herstellender
         chinesischer Gesellschaften, denen im Anschluss an ein zu diesem Zeitpunkt noch laufendes Antidumpingverfahren Marktwirtschaftsbehandlung
         hätte zuerkannt werden können. Der Kläger kann insoweit nicht ernsthaft die Vertraulichkeit dieser Informationen bestreiten
         oder behaupten, dass sie „halb öffentlich“ gewesen seien, da sie einem Wirtschaftsteilnehmer, der vor Beendigung des Antidumpingverfahrens
         Verträge mit diesen Gesellschaften abschließen wollte, einen gewissen Vorteil verschaffen konnten. Die beiden fraglichen Gesellschaften
         haben im Übrigen tatsächlich Marktwirtschaftsbehandlung erhalten und mussten keinen Antidumpingzoll nach der Verordnung (EG)
         Nr. 1130/2008 der Kommission vom 14. November 2008 zur Einführung eines vorläufigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren bestimmter
         Kerzen (Lichte) und dergleichen mit Ursprung in der Volksrepublik China (ABl. L 306, S. 22) zahlen.
      
      70      Drittens, auch wenn der Kläger gegenüber den Beamten des IDOC angegeben hat, dass ihm während des zweiten Abendessens als
         Gegenleistung für die Informationsweitergabe die Überweisung einer Geldsumme auf ein auf seinen Namen lautendes Konto in einem
         steuerbegünstigten Land angeboten worden sei, ist unstreitig, dass er weder seine Vorgesetzten hiervon unterrichtet noch den
         Kontakt zu seinen Gesprächspartnern abgebrochen hat, sondern von diesen vielmehr eine neue Einladung zum Abendessen angenommen
         hat.
      
      71      Viertens wurden die Informationen im Artikel der Sunday Times zwar tatsächlich dadurch erlangt, dass dem Kläger eine Falle gestellt wurde, um ihn zu einem Fehlverhalten zu verleiten,
         doch wurde diese Falle jedenfalls nicht von der Kommission, sondern von Dritten – im vorliegenden Fall von den Journalisten
         der Sunday Times – gestellt, und es ist weder nachgewiesen noch auch nur behauptet worden, dass die Machenschaften von der Verwaltung in Auftrag
         gegeben worden wären. Der Kläger kann der Kommission folglich nicht vorwerfen, sich auf die im Artikel der Sunday Times enthaltenen Informationen gestützt zu haben.
      
      72      Zudem ist zu bemerken, dass sich die streitige Entscheidung nicht auf die Wiedergabe der in der Sunday Times enthaltenen Informationen beschränkt, sondern auch ausdrücklich auf die Angaben Bezug genommen hat, die der Kläger bei den
         Anhörungen durch die Beamten des IDOC und den für das Personal zuständigen Vizepräsidenten der Kommission gemacht hatte.
      
      73      Der Kläger kann folglich schon nach den vorstehend dargelegten Gegebenheiten nicht behaupten, dass der von der Kommission
         erhobene Vorwurf eines schweren Dienstvergehens offensichtlich jeder Grundlage entbehre.
      
      74      Der vierte und der fünfte Klagegrund sind deshalb zurückzuweisen.
      
       Zum sechsten und zum siebten Klagegrund: Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und die Fürsorgepflicht
      –       Vorbringen der Parteien
      75      Der Kläger macht geltend, dass er, da er sich bei seiner Anhörung durch den für das Personal zuständigen Vizepräsidenten der
         Kommission im Urlaub befunden habe, diesem vorgeschlagen habe, seinen Urlaub um acht Wochen zu verlängern. Die Kommission
         habe jedoch, anstatt diese Lösung zu wählen, die seine öffentliche Infragestellung hätte verhindern können und gleichzeitig
         der Verwaltung eine ausreichende Frist verschafft hätte, die Angelegenheit zu untersuchen, den Erlass der streitigen Entscheidung
         vorgezogen. Die Kommission habe daher sowohl den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz als auch die Fürsorgepflicht verletzt.
      
      76      Außerdem habe die Kommission dadurch die Fürsorgepflicht verletzt, dass sie mit ihm in Englisch kommuniziert und die streitige
         Entscheidung ebenfalls in dieser Sprache verfasst habe, obwohl er wiederholt darum gebeten habe, dass im Verfahren die französische
         Sprache gebraucht werde, damit insbesondere seine Rechtsanwälte das Verfahren „perfekt verstehen“ könnten.
      
      77      Die Kommission bestreitet, gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz oder die Fürsorgepflicht verstoßen zu haben, und weist
         darauf hin, dass Urlaubsansprüche von der Befugnis der Anstellungsbehörde, einen Beamten nach Art. 23 des Anhangs IX des Statuts
         vorläufig seines Dienstes zu entheben, völlig zu trennen seien. Außerdem seien die Interessen des Klägers berücksichtigt worden,
         denn die Einbehaltung eines Teilbetrags von seinen Dienstbezügen sei auf monatlich 1 000 Euro begrenzt worden.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      78      In Ansehung, erstens, der Schwere des Vorwurfs, der gegen den Kläger als einen hohen Beamten der GD Handel, der für die Direktion G
         „Marktzugang und Industrie“ verantwortlich ist, erhoben wird, zweitens, der Beschädigung des Ansehens der Kommission aufgrund
         der Publizität, die dieser Angelegenheit gegeben wurde, und drittens, der Notwendigkeit, in der sich die Kommission befand,
         vom OLAF eine unparteiliche Verwaltungsuntersuchung vornehmen zu lassen, ist davon auszugehen, dass die Anstellungsbehörde
         weder gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit noch gegen die Fürsorgepflicht verstoßen hat, indem sie auf der Grundlage
         einer dem vorliegenden Fall angemessenen globalen und vorläufigen Beurteilung die streitige Entscheidung getroffen hat. Dass
         der Kläger als Privatkläger Strafantrag gegen die Autoren des Artikels der Sunday Times gestellt hat, kann diese Schlussfolgerung nicht widerlegen, da dieser Umstand in keinem Zusammenhang zur Richtigkeit oder
         Schwere des dem Betroffenen vorgeworfenen Fehlverhaltens steht.
      
      79      Dem Argument, wonach die Kommission dadurch gegen die Fürsorgepflicht verstoßen habe, dass sie mit dem Kläger in Englisch
         kommuniziert und die streitige Entscheidung in dieser Sprache verfasst habe, kann nicht gefolgt werden. Obwohl nämlich der
         Kläger mit Schreiben seines Anwalts vom 12. September 2008 beantragt hatte, „im Rahmen des gesamten gegen ihn eingeleiteten
         Verfahrens von der französischen Sprache Gebrauch machen“ zu können, ist nämlich unstreitig, dass er sich bei seiner Anhörung
         am 16. September 2008 in Französisch ausdrücken konnte. Darüber hinaus, auch wenn das Protokoll dieser Anhörung in englischer
         Sprache abgefasst ist, weist der Kläger nicht nach und behauptet noch nicht einmal, dass er oder seine Rechtsanwälte diese
         Unterlagen nicht hätten verstehen können. Die Akten zeigen vielmehr, dass der Kläger über eine profunde Kenntnis der englischen
         Sprache verfügt (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichts erster Instanz vom 23. März 2000, Rudolph/Kommission, T‑197/98,
         Slg. ÖD 2000, I‑A‑55 und II‑241, Randnr. 46, und vom 17. Mai 2006, Lavagnoli/Kommission, T‑95/04, Slg. ÖD 2006, I‑A‑2‑121
         und II‑A‑2‑569, Randnr. 48).
      
      80      Der sechste und der siebte Klagegrund sind daher zurückzuweisen.
      
       Zum achten Klagegrund: Unzuständigkeit des Urhebers der Maßnahme
      –       Vorbringen der Parteien
      81      Der Kläger macht geltend, dass die streitige Entscheidung von einer unzuständigen Stelle stamme. Nach dem Beschluss K(2007) 5730
         der Kommission vom 30. November 2007 hätte die Entscheidung vom Kollegium der Kommissionsmitglieder getroffen werden müssen
         und nicht, wie vorliegend geschehen, von dem für das Personal zuständigen Kommissionsmitglied. Auch wenn die Kommission am
         10. September 2008 einen Beschluss erlassen habe, mit dem die Befugnis zur vorläufigen Dienstenthebung von Beamten der Besoldungsgruppe
         AD 15 auf das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied übertragen worden sei, könne dieser Beschluss dem Kläger nicht
         entgegengehalten werden, da er nicht vor Erlass der streitigen Entscheidung veröffentlicht oder verbreitet worden sei.
      
      82      Die Kommission beantragt, den Klagegrund zurückzuweisen. Die Veröffentlichung des Beschlusses vom 10. September 2008 sei nicht
         zwingend erforderlich gewesen, und das Fehlen einer Veröffentlichung des Beschlusses habe seinem Inkrafttreten und damit seiner
         Geltendmachung gegenüber Dritten in keiner Weise entgegengestanden. Jedenfalls sei dieser Beschluss in der Datenbank im Intranet
         der Kommission zugänglich gewesen, die die Mitteilungen an das Kollegium der Kommissionsmitglieder sowie die Protokolle ihrer
         Sitzungen enthalte.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      83      Zunächst ist daran zu erinnern, dass der auf Unzuständigkeit des Urhebers einer beschwerenden Maßnahme gestützte Klagegrund
         ein Grund zwingenden Rechts ist, den das Gericht in jedem Fall von Amts wegen zu prüfen hat (Urteil des Gerichtshofs vom 13. Juli
         2000, Salzgitter/Kommission, C‑210/98 P, Slg. 2000, I‑5843, Randnr. 56; Urteil des Gerichts erster Instanz vom 13. Juli 2006,
         Vounakis/Kommission, T‑165/04, Slg. ÖD 2006, I‑A‑2‑155 und II‑A‑2‑735, Randnr. 30; Urteile des Gerichts vom 13. Dezember 2006,
         de Brito Sequeira Carvalho/Kommission, F‑17/05, Slg. ÖD 2006, I‑A‑1‑149 und II‑A‑1‑577, Randnr. 51, und vom 18. September
         2007, Botos/Kommission, F‑10/07, Slg. ÖD 2007, I‑A-1‑0000 und II‑A-1-0000, Randnr. 78).
      
      84      Da die streitige Entscheidung im vorliegenden Fall auf einen Beschluss vom 10. September 2008 zur Änderung des „Beschlusses
         über die Ausübung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten
         Behörde in den [BSB] übertragen sind“, Bezug nimmt und dieser Beschluss vom 10. September 2008 nicht in den Akten war, hat
         das Gericht aufgrund der vorgenannten Rechtsprechung von Amts wegen im Wege einer prozessleitenden Maßnahme die Vorlage einer
         Abschrift dieses Beschlusses und Angaben zu seiner Bekanntmachung verlangt.
      
      85      Wie in Randnr. 31 des vorliegenden Urteils bereits ausgeführt, hat die Kommission in Beantwortung dieser prozessleitenden
         Maßnahme eine Abschrift der Mitteilung des Vizepräsidenten der Kommission vom 9. September 2008, in der der Entwurf, der dem
         Beschluss vom 10. September 2008 zugrunde lag, enthalten war, und das Protokoll der Sitzung des Kollegiums der Kommissionsmitglieder
         vom 10. September 2008 vorgelegt, in der der Entwurf angenommen worden sein soll.
      
      86      Nach Ansicht des Klägers kann ihm der Beschluss vom 10. September 2008 jedoch nicht entgegengehalten werden, da er nicht vor
         Erlass der streitigen Entscheidung veröffentlicht worden sei. Nach dem Beschluss K(2007) 5730 der Kommission vom 30. November
         2007 hätte die streitige Entscheidung vom Kollegium der Kommissionsmitglieder erlassen werden müssen und nicht, wie vorliegend
         geschehen, von dem für das Personal zuständigen Kommissionsmitglied.
      
      87      Das Gericht hält dieses Argument des Klägers, obwohl er es erst in der mündlichen Verhandlung vorgetragen hat, für zulässig,
         was die Kommission auch nicht bestreitet. Zum einen kann nämlich die Frage, ob das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied
         ordnungsgemäß ermächtigt war, die streitige Entscheidung zu erlassen, nur beantwortet werden, wenn die Frage beantwortet wird,
         ob der Beschluss vom 10. September 2008 Dritten entgegengehalten werden konnte. Die letztgenannte Frage ist mit der vorhergehenden
         untrennbar verbunden und stellt somit ebenso wie diese eine Frage zwingenden Rechts dar, die das Gericht von Amts wegen in
         jeder Lage des Verfahrens zu prüfen hat (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 18. Februar 1964, Rotterdam und
         Putterskoek, 73/63 und 74/63, Slg. 1964, 3, 29). Zum anderen wäre, selbst wenn man annähme, dass die Frage nach der Wirksamkeit
         des Beschlusses vom 10. September 2008 gegenüber Dritten nicht mit der Frage nach der Zuständigkeit verbunden wäre und diese
         die einzige Frage wäre, die das Gericht von Amts wegen prüfen könnte, das Vorbringen des Klägers nach Art. 43 Abs. 1 der Verfahrensordnung
         als Angriffsmittel zu prüfen, das auf rechtlichen oder tatsächlichen Gründen beruht, die erst während des Verfahrens, und
         zwar bei der vom Gericht von Amts wegen vorgenommenen Prüfung der Frage nach der Zuständigkeit des Urhebers zum Erlass der
         streitigen Entscheidung, zutage getreten sind. Darüber hinaus ist die Kommission mit der prozessleitenden Maßnahme des Gerichts
         vor der mündlichen Verhandlung in Kenntnis gesetzt worden, dass die Veröffentlichung des Beschlusses vom 10. September 2008
         erörtert werden wird. Folglich ist es der Kommission ermöglicht worden, ihre Verteidigung in Bezug auf diesen Punkt vorzubereiten,
         wie dies im Übrigen ihre schriftliche Antwort auf diese Maßnahme und die Bemerkungen ihres Bevollmächtigten in der mündlichen
         Verhandlung gezeigt haben.
      
      88      Das Vorbringen des Klägers, wonach ihm der Beschluss vom 10. September 2008 nicht entgegengehalten werden könne, weil er nicht
         veröffentlicht worden sei, ist auch begründet.
      
      89      Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Beschlüsse über die Verteilung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde übertragen
         sind, interne Verwaltungsvorschriften des Organs sind (Urteil des Gerichtshofs vom 30. Mai 1973, De Greef/Kommission, 46/72,
         Slg. 1973, 543, Randnr. 18), und dass, wie das Gericht erster Instanz im Urteil vom 25. März 1999, Hamptaux/Kommission (T‑76/98,
         Slg. ÖD 1999, I‑A‑59 und II‑303, Randnr. 23), entschieden hat, weder die Bestimmungen des EG‑Vertrags noch die des Statuts
         – insbesondere nicht dessen Art. 2 – vorsehen, dass die Veröffentlichung derartiger Beschlüsse Voraussetzung für ihr Inkrafttreten
         und damit für ihre Geltendmachung gegenüber Dritten ist.
      
      90      Jedoch gebietet erstens der Grundsatz der Rechtssicherheit, wonach Bürgern ein hoheitlicher Rechtsakt nicht entgegengehalten
         werden kann, bevor sie die Möglichkeit haben, von ihm Kenntnis zu nehmen (Urteile des Gerichtshofs vom 25. Januar 1979, Racke,
         98/78, Slg. 1979, 69, Randnr. 15; Weingut Decker, 99/78, Slg. 1979, 101, Randnr. 3, und vom 11. Dezember 2007, Skoma‑Lux,
         C‑161/06, Slg. 2007, I‑10841, Randnr. 37), dass Beschlüsse über die Ausübung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im
         Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den BSB übertragen sind, nach den Modalitäten und
         in den Formen, die von der Verwaltung festzulegen sind, angemessen bekannt gemacht werden, und zwar auch dann, wenn dies in
         keiner Vorschrift ausdrücklich vorgeschrieben wird.
      
      91      Zweitens ist die Kommission selbst grundsätzlich bestrebt, die Bekanntmachung der Beschlüsse über die Ausübung der Befugnisse,
         die der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den BSB übertragen
         sind, sicherzustellen, da diese Beschlüsse ja gewöhnlich in den Verwaltungsmitteilungen veröffentlicht werden. Insbesondere wurde der Beschluss K(2007) 5730, der durch den Beschluss vom 10. September 2008 geändert
         wurde, in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 57‑2007 vom 6. Dezember 2007 veröffentlicht. Darüber hinaus bestimmt Art. 5 des Beschlusses K(2007) 5730, der den Generaldirektoren
         die Möglichkeit einräumt, Befugnisse an ihnen nachgeordnete Stellen wie stellvertretende Generaldirektoren, Direktoren, Referatsleiter
         oder Bereichsleiter zu übertragen, dass diese Befugnisübertragungen „in geeigneter Weise veröffentlicht und dem Personal zur
         Kenntnis gebracht [werden]“.
      
      92      Drittens hat der Gerichtshof bereits auf die Notwendigkeit hingewiesen, den Beschlüssen über die Bestimmung der für Personalfragen
         zuständigen Stellen eine gewisse Publizität zu verleihen. So hat er in einem Fall, in dem ein Kläger gegen die Entscheidung
         des Europäischen Parlaments über eine im Anschluss an ein internes Auswahlverfahren ausgesprochene Ernennung eines Beamten
         auf die Stelle eines Abteilungsleiters vorging und geltend machte, dass der Generalsekretär des Parlaments die Mitglieder
         des Prüfungsausschusses rechtswidrig benannt habe, weil die dem Generalsekretär zu diesem Zweck vom Präsidium des Parlaments
         übertragene Befugnis dem Personal nicht zur Kenntnis gebracht worden sei, festgestellt, dass diese Übertragung der Befugnis
         „rechtswirksam“ war, da sie eine allgemein zulässige Verteilung organinterner Befugnisse zum Inhalt hatte und darüber hinaus
         den Generaldirektoren des Organs, den Fraktionsvorsitzenden, dem Sekretariat und dem Kontrollbüro sowie der nach Art. 9 des
         Statuts gebildeten Personalvertretung mitgeteilt worden war, deren Aufgabe nach der genannten Bestimmung u. a. darin besteht,
         die Interessen des Personals gegenüber dem Organ wahrzunehmen und für eine ständige Verbindung zwischen dem Organ und dem
         Personal zu sorgen (Urteil des Gerichtshofs vom 25. November 1976, Küster/Parlament, 123/75, Slg. 1976, 1701, Randnrn. 6 bis
         8).
      
      93      Allgemeiner hat der Gerichtshof – wenn auch nicht in Rechtssachen, in denen Entscheidungen über die Ausübung der Befugnisse,
         die der Anstellungsbehörde im Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den BSB übertragen
         sind, in Frage gestellt wurden – ebenfalls entschieden, dass eine Gemeinschaftsregelung es nach dem Gebot der Rechtssicherheit
         den Betroffenen ermöglichen müsse, den Umfang der Verpflichtungen, die sie ihnen auferlegt, genau zu erkennen, denn die Einzelnen
         müssten ihre Rechte und Pflichten eindeutig erkennen können (Urteil vom 21. Juni 2007, ROM-projecten, C‑158/06, Slg. 2007,
         I‑5103, Randnr. 25; Urteil Skoma‑Lux, Randnr. 38). Im Urteil Skoma‑Lux (Randnrn. 33, 34, 36 und 38) war der Gerichtshof daher
         der Auffassung, dass das Erfordernis einer ordnungsgemäßen Veröffentlichung einer Gemeinschaftsregelung in der Amtssprache
         des Adressaten nicht nur auf Vorschriften wie Art. 254 Abs. 2 EG oder den Art. 4, 5 und 8 Verordnung Nr. 1 des Rates vom 15.
         April 1958 zur Regelung der Sprachenfrage für die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (ABl. 1958, Nr. 17, S. 385) beruhe,
         sondern sich außerdem aus dem Gebot der Rechtssicherheit ableite (vgl. auch Urteil des Gerichtshofs vom 10. März 2009, Heinrich,
         C‑345/06, Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 44).
      
      94      Viertens ergibt sich das Erfordernis, die Beschlüsse über die Verteilung der Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im Statut
         und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den BSB übertragen sind, angemessen bekannt zu geben, auch
         aus den Regeln einer ordnungsgemäßen Personalverwaltung, wie das Gericht im Urteil vom 9. Juli 2008, Kuchta/EZB (F‑89/07,
         Slg. 2008, I‑0000, Randnr. 62) ausdrücklich festgestellt hat.
      
      95      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass der Beschluss vom 10. September 2008 nicht in den Verwaltungsmitteilungen veröffentlicht wurde und zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Entscheidung auch nicht in anderer Weise bekannt gemacht
         worden war. Die Kommission hat zwar auf die prozessleitende Maßnahme des Gerichts geantwortet, dass die Mitteilung vom 9. September
         2008, in der der Entwurf eines Beschlusses zur Änderung des Beschlusses K(2007) 5730 enthalten gewesen sei, im Intranet des
         Organs verbreitet worden sei, doch macht sie keine Angaben zum Zeitpunkt dieser Verbreitung. Jedenfalls weist sie ebenso wenig
         nach, dass das Protokoll der Sitzung vom 10. September 2008, in der dieser Entwurf angenommen wurde, vor dem Erlass der streitigen
         Entscheidung im Intranet verbreitet worden ist. Der Kläger war daher zu dem Zeitpunkt, zu dem die streitige Entscheidung erlassen
         und ihm mitgeteilt wurde, nicht in der Lage, vom Inhalt des Beschlusses vom 10. September 2008 in zweckdienlicher Weise Kenntnis
         zu nehmen.
      
      96      Überdies ist darauf hinzuweisen, dass die Verpflichtung der Kommission, den Beschluss vom 10. September 2008 angemessen bekannt
         zu machen, im vorliegenden Fall in besonderem Maße gilt. Während nämlich die Befugnis zur vorläufigen Dienstenthebung eines
         Beamten nach dem Beschluss K(2007) 5730 der höchsten Stelle der Kommission – dem Kollegium der Kommissionsmitglieder – zustand,
         wurde diese Befugnis mit dem Beschluss vom 10. September 2008 einer einzigen Person, nämlich dem für das Personal zuständigen
         Kommissionsmitglied übertragen. Eine von einer einzigen Person getroffene Maßnahme bietet aber dem von ihr betroffenen Beamten
         einen geringeren Grad an Schutz als eine Maßnahme, die von einer Kollegialbehörde getroffen wird, denn eine Kollegialbehörde
         ist aufgrund der Beratung ihrer Mitglieder imstande, eine größere Zahl relevanter Informationen zu berücksichtigen. Da der
         Beschluss vom 10. September 2008 eine Verringerung des den Beamten garantierten Schutzniveaus und somit eine Beeinträchtigung
         ihrer Rechte zur Folge hatte, hätte er demzufolge erst recht angemessen bekannt gemacht werden müssen.
      
      97      Schließlich hat das Fehlen einer Veröffentlichung des Beschlusses vom 10. September 2008 offenbar auch verhindert, dass die
         Verwaltung selbst von ihrer eigenen Entscheidung angemessen Kenntnis nehmen konnte. Wie sich nämlich in der mündlichen Verhandlung
         ergeben hat, hat die Kommission am 29. April 2009 erneut einen Beschluss über die Befugnisse, die der Anstellungsbehörde im
         Statut und der zum Abschluss von Dienstverträgen ermächtigten Behörde in den BSB übertragen sind, und zwar den Beschluss K(2009) 3074
         „zur Änderung des Beschlusses K(2007) 5730“ erlassen. In diesem Beschluss, der in den Verwaltungsmitteilungen vom 8. Mai 2009 veröffentlicht wurde, hat die Kommission – als hätte es den Beschluss vom 10. September 2008 nie gegeben –
         entschieden, dass die der Anstellungsbehörde übertragenen Befugnisse zur Dienstenthebung eines Beamten im Hinblick auf Beamte
         der Besoldungsgruppe AD 16 und AD 15 und Beamte der Besoldungsgruppe AD 14 der höheren Führungsebene (Direktoren oder diesen
         vergleichbar) in der Zukunft von dem für Personalfragen zuständigen Kommissionsmitglied und nicht mehr vom Kollegium der Kommissionsmitglieder
         ausgeübt werden.
      
      98      Da der Beschluss vom 10. September 2008 dem Kläger folglich nicht entgegengehalten werden kann, kann dieser zu Recht behaupten,
         dass das für das Personal zuständige Kommissionsmitglied zum Erlass der streitigen Entscheidung nicht befugt gewesen sei und
         diese Entscheidung von der im Beschluss K(2007) 5730 bezeichneten Stelle – dem Kollegium der Kommissionsmitglieder – hätte
         getroffen werden müssen.
      
      99      Da der Klagegrund der Unzuständigkeit des für das Personal zuständigen Kommissionsmitglieds für den Erlass der streitigen
         Entscheidung begründet ist, ist die streitige Entscheidung aufzuheben.
      
       Kosten
      100    Nach Art. 87 Abs. 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei vorbehaltlich der übrigen Bestimmungen des Achten Kapitels
         des Zweiten Titels der Verfahrensordnung auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Nach Abs. 2 dieser Vorschrift kann
         das Gericht aus Gründen der Billigkeit entscheiden, dass eine unterliegende Partei zur Tragung nur eines Teils der Kosten
         oder gar nicht zur Tragung der Kosten zu verurteilen ist.
      
      101    Aus dem vorliegenden Urteil ergibt sich, dass die Kommission unterlegen ist. Der Kläger hat auch ausdrücklich beantragt, die
         Kosten der Kommission aufzuerlegen. Da die Umstände des vorliegenden Falls die Anwendung des Art. 87 Abs. 2 der Verfahrensordnung
         nicht rechtfertigen, ist die Kommission daher zur Tragung der Kosten im Verfahren zur Hauptsache zu verurteilen.
      
      102    Was die Kosten des Verfahrens des vorläufigen Rechtsschutzes anbelangt, steht fest, dass der Kläger im Rahmen dieses Verfahrens
         unterlegen ist. Da die Kommission jedoch nicht beantragt hat, dem Kläger die Kosten dieses Verfahrens aufzuerlegen, trägt
         insoweit jede Partei ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Erste Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften vom 18. September 2008, mit der sie Herrn Wenig gemäß den
            Art. 23 und 24 des Anhangs IX des Statuts der Beamten der Europäischen Gemeinschaften auf unbestimmte Zeit vorläufig des Dienstes
            enthoben und für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten die Einbehaltung eines Teilbetrags von monatlich 1 000 Euro von seinen
            Dienstbezügen angeordnet hat, wird aufgehoben.
      2.      Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt die Kosten des Verfahrens zur Hauptsache.
      3.      Jede Partei trägt ihre eigenen Kosten des Verfahrens des vorläufigen Rechtsschutzes.
      
               Gervasoni
            
            
               Kreppel
            
            
               Tagaras
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 30. November 2009.
      
               Die Kanzlerin 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               W. Hakenberg 
            
             
            
                     S. Gervasoni
            
         
         Die vorliegende Entscheidung sowie die darin zitierten und noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlichten Entscheidungen
            der Gemeinschaftsgerichte sind auf der Internetseite des Gerichtshofs verfügbar: www.curia.europa.eu
         
      
      * Verfahrenssprache: Französisch.