CELEX: 62004CJ0334
Language: de
Date: 2007-10-25 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Zweite Kammer) vom 25. Oktober 2007. # Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Hellenische Republik. # Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats - Richtlinie 79/409/EWG -Anhang I - Erhaltung der wildlebenden Vogelarten - Besondere Schutzgebiete - IBA 2000 - Wert - Qualität der Daten - Kriterien - Ermessen - Offensichtlich unzureichende Ausweisung - Feuchtgebiete. # Rechtssache C-334/04.

Rechtssache C‑334/04
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Hellenische Republik
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinie 79/409/EWG – Anhang I – Erhaltung der wildlebenden Vogelarten – Besondere Schutzgebiete – IBA 2000 – Wert – Qualität der Daten – Kriterien – Ermessen – Offensichtlich unzureichende Ausweisung – Feuchtgebiete“
      Leitsätze des Urteils
      Umwelt – Erhaltung der wildlebenden Vogelarten – Richtlinie 79/409 – Ausweisung als besonderes Schutzgebiet
      (Richtlinie 79/409 des Rates, Art. 4 Abs. 1 und 2)
      Art. 4 der Richtlinie 79/409 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten sieht eine besonders gezielte und verstärkte Regelung
         für die in Anhang I dieser Richtlinie aufgeführten Arten und die durch diesen Anhang nicht erfassten Zugvogelarten vor, was
         dadurch gerechtfertigt ist, dass es sich um die am meisten bedrohten Arten bzw. um Arten handelt, die ein gemeinsames Erbe
         der Europäischen Gemeinschaft darstellen. Im Übrigen ergibt sich aus dem neunten Erwägungsgrund dieser Richtlinie, dass Schutz,
         Pflege oder Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume für die Erhaltung
         aller Vogelarten unentbehrlich ist. Die Mitgliedstaaten sind daher verpflichtet, die zur Erhaltung dieser Arten erforderlichen
         Maßnahmen zu erlassen und somit alle Gebiete zu besonderen Schutzgebieten (BSG) zu erklären, die nach ornithologischen Kriterien
         am geeignetsten für die Erhaltung der betreffenden Arten erscheinen. 
      
      Dazu ist eine Aktualisierung der wissenschaftlichen Daten erforderlich, um die Lage der am meisten bedrohten Arten und der
         Arten, die ein gemeinsames Erbe der Gemeinschaft darstellen, zu ermitteln. Mit dem „Inventory of Important Bird Areas in the
         European Community“ (Verzeichnis bedeutsamer Vogelgebiete in der Europäischen Gemeinschaft) (IBA 2000) wird ein aktualisiertes
         Verzeichnis der für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen Gebiete aufgestellt, das mangels entgegenstehender wissenschaftlicher
         Beweise eine Bezugsgröße darstellt, auf deren Grundlage beurteilt werden kann, ob ein Mitgliedstaat zahlen‑ und flächenmäßig
         genügend Gebiete als BSG ausgewiesen hat, um allen in Anhang I der Richtlinie 79/409 aufgezählten Vogelarten sowie den nicht
         in diesem Anhang aufgeführten Zugvogelarten Schutz zu bieten. 
      
      Da keine wissenschaftlichen Studien vorgelegt wurden, die die Ergebnisse des IBA 2000 widerlegen könnten, verstößt ein Mitgliedstaat
         gegen seine Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409, wenn er Gebiete als BSG ausweist, deren Zahl und
         Gesamtfläche offensichtlich hinter der Zahl und Gesamtfläche der die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG erfüllenden
         Gebiete zurückbleiben, kein BSG zum Schutz bestimmter Arten bezeichnet und Gebiete als BSG ausweist, in denen andere Arten
         nicht ausreichend vertreten sind.
      
      Die Mitgliedstaaten sind zwar für die Ausweisung von BSG ausschließlich zuständig und müssen sich dabei auf die besten verfügbaren
         wissenschaftlichen Erkenntnisse stützen, doch folgt daraus nicht, dass eine solche Pflicht entfällt, solange die zuständigen
         Stellen neue wissenschaftliche Erkenntnisse nicht überprüft und verifiziert haben. Eine solche Ausweisungspflicht besteht
         seit dem Ablauf der Frist für die Umsetzung der Richtlinie 79/409.
      
      (vgl. Randnrn. 24-25, 28, 32, 34, 48, 60, 62 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Zweite Kammer)
      25. Oktober 2007(*)
      
      „Vertragsverletzung eines Mitgliedstaats – Richtlinie 79/409/EWG –Anhang I – Erhaltung der wildlebenden Vogelarten – Besondere Schutzgebiete – IBA 2000 – Wert – Qualität der Daten – Kriterien – Ermessen – Offensichtlich unzureichende Ausweisung – Feuchtgebiete“
      In der Rechtssache C‑334/04
      betreffend eine Vertragsverletzungsklage nach Art. 226 EG, eingereicht am 30. Juli 2004,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch M. Patakia und M. van Beek als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Klägerin,
      gegen
      Hellenische Republik, vertreten durch E. Skandalou als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch:
      Königreich Spanien, vertreten durch N. Díaz Abad als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Französische Republik, vertreten durch G. de Bergues und C. Jurgensen-Mercier als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Portugiesische Republik, vertreten durch L. Fernandes und M. Lois als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Republik Finnland, vertreten durch T. Pynnä als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Streithelfer,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Zweite Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten C. W. A. Timmermans, des Richters L. Bay Larsen, der Richterin R. Silva de Lapuerta
         sowie der Richter P. Kūris (Berichterstatter) und J. Klučka, 
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 22. Juni 2006,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 14. September 2006
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrer Klageschrift beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften, festzustellen, dass die Hellenische Republik
         dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die
         Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (ABl. L 103, S. 1) in der u. a. durch die Richtlinie 97/49/EG der Kommission vom 29.
         Juli 1997 (ABl. L 223, S. 9) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 79/409) verstoßen hat, dass sie
      
      –        als besondere Schutzgebiete (im Folgenden: BSG) Gebiete bezeichnet hat, deren Zahl und deren Gesamtfläche offensichtlich hinter
         der Zahl und der Gesamtfläche der Gebiete zurückbleiben, die die Voraussetzungen für die Bezeichnung als BSG im Sinne des
         Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 79/409 erfüllen;
      
      –        BSG mit einer Fläche bestimmt hat, die offensichtlich hinter der Fläche der entsprechenden Gebiete des im Jahr 2000 veröffentlichten
         Inventory of Important Bird Areas in the European Community (Verzeichnis bedeutsamer Vogelgebiete in der Europäischen Gemeinschaft)
         (im Folgenden: IBA 2000) zurückbleibt, die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG erfüllen;
      
      –        keine BSG für viele Vogelarten bezeichnet, die in Anhang I der Richtlinie 79/409 verzeichnet sind, oder als BSG Gebiete ausgewiesen
         hat, in denen die betreffenden Arten nicht ausreichend vertreten sind;
      
      –        keine BSG für viele Zugvogelarten bezeichnet oder als BSG Gebiete ausgewiesen hat, in denen die betreffenden Arten nicht ausreichend
         vertreten sind.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Der neunte Erwägungsgrund der Richtlinie 79/409 lautet:
      
      „Schutz, Pflege oder Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume ist
         für die Erhaltung aller Vogelarten unentbehrlich; für einige Vogelarten müssen besondere Maßnahmen zur Erhaltung ihres Lebensraums
         getroffen werden, um Fortbestand und Fortpflanzung dieser Arten in ihrem Verbreitungsgebiet zu gewährleisten; diese Maßnahmen
         müssen auch die Zugvogelarten berücksichtigen und im Hinblick auf die Schaffung eines zusammenhängenden Netzes koordiniert
         werden.“ 
      
      3        Art. 1 Abs. 1 der Richtlinie 79/409 bestimmt:
      
      „Diese Richtlinie betrifft die Erhaltung sämtlicher wildlebenden Vogelarten, die im europäischen Gebiet der Mitgliedstaaten,
         auf welches der Vertrag Anwendung findet, heimisch sind. Sie hat den Schutz, die Bewirtschaftung und die Regulierung dieser
         Arten zum Ziel und regelt die Nutzung dieser Arten.“
      
      4        Art. 2 dieser Richtlinie sieht vor:
      
      „Die Mitgliedstaaten treffen die erforderlichen Maßnahmen, um die Bestände aller unter Artikel 1 fallenden Vogelarten auf
         einem Stand zu halten oder auf einen Stand zu bringen, der insbesondere den ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen
         Erfordernissen entspricht, wobei den wirtschaftlichen und freizeitbedingten Erfordernissen Rechnung getragen wird.“ 
      
      5        Art. 4 Abs. 1, 2 und 3 dieser Richtlinie lautet: 
      
      „(1)      Auf die in Anhang I aufgeführten Arten sind besondere Schutzmaßnahmen hinsichtlich ihrer Lebensräume anzuwenden, um ihr Überleben
         und ihre Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen.
      
      In diesem Zusammenhang ist Folgendes zu berücksichtigen:
      a)      vom Aussterben bedrohte Arten; 
      b)      gegen bestimmte Veränderungen ihrer Lebensräume empfindliche Arten;
      c)      Arten, die wegen ihres geringen Bestands oder ihrer beschränkten örtlichen Verbreitung als selten gelten; 
      d)      andere Arten, die aufgrund des spezifischen Charakters ihres Lebensraums einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. 
      Bei den Bewertungen werden Tendenzen und Schwankungen der Bestände der Vogelarten berücksichtigt. 
      Die Mitgliedstaaten erklären insbesondere die für die Erhaltung dieser Arten zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete
         zu Schutzgebieten, wobei die Erfordernisse des Schutzes dieser Arten in dem geografischen Meeres- und Landgebiet, in dem diese
         Richtlinie Anwendung findet, zu berücksichtigen sind.
      
      (2)      Die Mitgliedstaaten treffen unter Berücksichtigung der Schutzerfordernisse in dem ischen Meeres- und Landgebiet, in dem diese
         Richtlinie Anwendung findet, entsprechende Maßnahmen für die nicht in Anhang I aufgeführten, regelmäßig auftretenden Zugvogelarten
         hinsichtlich ihrer Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie der Rastplätze in ihren Wanderungsgebieten. Zu diesem
         Zweck messen die Mitgliedstaaten dem Schutz der Feuchtgebiete und ganz besonders der international bedeutsamen Feuchtgebiete
         besondere Bedeutung bei.
      
      (3)      Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission alle sachdienlichen Informationen, so dass diese geeignete Initiativen im Hinblick
         auf die erforderliche Koordinierung ergreifen kann, damit die in Absatz 1 und die in Absatz 2 genannten Gebiete ein zusammenhängendes
         Netz darstellen, das den Erfordernissen des Schutzes der Arten in dem geografischen Meeres‑ und Landgebiet, in dem diese Richtlinie
         Anwendung findet, Rechnung trägt.“
      
       Vorprozessuales Verfahren
      6        Nach Ansicht der Kommission hatte die Hellenische Republik im Jahr 2001 nicht alle im IBA 2000 als bedeutsam für die Erhaltung
         der Vogelarten bezeichneten Gebiete als BSG ausgewiesen. In diesem Verzeichnis würden auf der Grundlage von in ihm definierten
         und erläuterten ornithologischen Kriterien 186 für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsame Gebiete mit einer Gesamtfläche
         von 3 320 027 ha, entsprechend etwa 25,2 % des griechischen Hoheitsgebiets, bezeichnet, die als BSG im Sinne der Richtlinie
         79/409 ausgewiesen werden müssten.
      
      7        Am 11. Oktober 2001 übermittelten die griechischen Behörden der Kommission eine Liste mit Vorschlägen über die Einrichtung
         von neuen BSG, die Erweiterung von bestehenden BSG und die Rücknahme der Ausweisung als BSG von Gebieten, die künftig in die
         neuen BSG einbezogen sein sollten. Da diesen Vorschlägen weder geografische Angaben, insbesondere in Bezug auf die Fläche,
         noch die erforderlichen technischen Auskünfte beigefügt waren, um die Ausweisung der Gebiete als BSG abzuschließen, wie es
         Art. 4 Abs. 3 der Richtlinie 79/409 erfordert, vertrat die Kommission die Auffassung, dass die Hellenische Republik gegen
         ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 dieser Richtlinie verstoßen habe, und richtete am 21. Dezember 2001 an sie ein
         Mahnschreiben.
      
      8        In der Antwort auf das Mahnschreiben am 25. März 2002 beanstandete die griechische Regierung zum Teil die Methodologie und
         die Kriterien, die für die Ausarbeitung der IBA 2000 verwendet worden waren, und unterrichtete die Kommission von den Schwierigkeiten,
         auf die sie bei der Ausweisung bestimmter Gebiete dieses Verzeichnisses als BSG gestoßen sei. In der Folge verpflichteten
         sich die griechischen Behörden, der Kommission eine Liste von etwa 40 neuen Gebieten zuzuschicken, die sie als BSG ausweisen
         wollten.
      
      9        Mit Schreiben vom 30. September 2002 übermittelten die griechischen Behörden kartografische und technische Informationen,
         durch die die Ausweisung als BSG der Gebiete vervollständigt wurde, die in der am 11. Oktober 2001 übermittelten Liste aufgeführt
         sind. Auf der Grundlage dieser Informationen stellte die Kommission fest, dass die Hellenische Republik 110 BSG mit einer
         Fläche von 811 236 ha ausgewiesen hatte. Nachdem die Kommission keine zusätzlichen Informationen über die Ausweisung anderer
         BSG erhalten hatte, richtete sie am 19. Dezember 2002 eine mit Gründen versehene Stellungnahme an diesen Mitgliedstaat, mit
         der sie ihn aufforderte, binnen zwei Monaten die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um dieser Stellungnahme nachzukommen.
      
      10      In ihrer ersten Antwort auf die mit Gründen versehene Stellungnahme legten die griechischen Behörden mit Schreiben vom 20.
         Februar 2003 technische und kartografische Informationen über 51 Gebiete vor und schlugen eine Änderung der Grenzen dieser
         Gebiete für zehn von ihnen vor.
      
      11      Nachdem die Kommission Kenntnis von dieser Antwort sowie von den am 5. Mai und 2. Dezember 2003 übermittelten zusätzlichen
         Antworten der griechischen Behörden genommen hatte, hielt sie die Lage weiter nicht für zufriedenstellend und hat die vorliegende
         Klage erhoben.
      
      12      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofs vom 10. Dezember 2004 sind das Königreich Spanien, die Französische Republik,
         die Portugiesische Republik und die Republik Finnland als Streithelfer zur Unterstützung der Anträge der Hellenischen Republik
         zugelassen worden. 
      
       Zur Klage
       Zur ersten und zur zweiten Rüge: Ausweisung als BSG von Gebieten, deren Zahl und deren Gesamtfläche offensichtlich hinter
            der Zahl und der Gesamtfläche der Gebiete zurückbleiben, die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG im Sinne der
            Richtlinie 79/409 erfüllen, und Ausweisung von BSG mit einer Fläche, die offensichtlich hinter der Fläche der entsprechenden
            im IBA 2000 bezeichneten Gebiete zurückbleibt 
      13      Vorab sind die ersten beiden Rügen der Kommission als eine einzige Rüge zu prüfen, mit der die Nichtausweisung und die Unzulänglichkeit
         der Ausweisung als BSG von im IBA 2000 bezeichneten Gebieten beanstandet werden.
      
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      14      Die Kommission vertritt die Auffassung, die Hellenische Republik habe 45 für die Erhaltung von Vogelarten bedeutsame Gebiete
         nicht ausgewiesen und 141 dieser Gebiete, die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG im Sinne von Art. 4 Abs. 1 der
         Richtlinie 79/409 erfüllten, nur teilweise ausgewiesen. Diese Gebiete bildeten 151 BSG, die durch keinen rechtlich zwingenden
         Akt erfasst würden, denn der Kommission sei keine gemeinsame Verordnung des Ministers für Umwelt, Raumordnung und öffentliche
         Arbeiten und des Landwirtschaftsministers mitgeteilt worden. Darüber hinaus erstrecke sich diese Ausweisung nur auf eine Fläche
         von 1 360 069 ha, die nur 40 % der Gesamtfläche der im IBA 2000 erfassten 186 für die Erhaltung von Vogelarten bedeutsamen
         Gebiete ausmache. 
      
      15      Schließlich betreffe die Feststellung, dass die im IBA 2000 bezeichneten für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen Gebiete
         nur teilweise ausgewiesen seien, insbesondere die in Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 79/409 genannten Feuchtgebiete, u. a. diejenigen
         von internationaler Bedeutung, wie sie in dem am 2. Februar 1971 in Ramsar geschlossenen Übereinkommen über Feuchtgebiete,
         insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel, von internationaler Bedeutung (im Folgenden: Übereinkommen von Ramsar)
         definiert seien.
      
      16      Die griechische Regierung räumt ein, dass 45 für die Erhaltung von im IBA 2000 erfassten Vogelarten bedeutsame Gebiete nicht
         als BSG ausgewiesen worden seien und im „Programm für die Überprüfung von 69 für Vogelarten bedeutsamen Gebieten im Hinblick
         auf deren Ausweisung als BSG für die Vogelfauna. Ausarbeitung von Aktionsprojekten für den Schutz der prioritären Arten“ vom
         11. Februar 2004 (im Folgenden: Überprüfungsprogramm) geprüft würden. 
      
      17      Ferner sei die Ausweisung der 151 BSG auf der Grundlage der neuesten ornithologischen Daten vorgenommen worden, die von den
         zuständigen griechischen Behörden und von einem besonderen interministeriellen Ausschuss unter Beteiligung der Elliniki Ornithologiki
         Etaireia (Griechische Ornithologische Gesellschaft, im Folgenden: EOE) definiert worden seien.
      
      18      Schließlich seien bei den Feuchtgebieten alle Gebiete, die für die Erhaltung von Vogelarten bedeutsam seien, als BSG ausgewiesen
         worden. Insbesondere seien die Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, mit Ausnahme derjenigen des Deltas von Nestou
         und Vistonida, mit mehr als 85 % ihrer Fläche als BSG ausgewiesen worden. Die Meeresflächen, die zu den im Übereinkommen von
         Ramsar definierten Feuchtgebieten gehörten, seien ebenfalls in die BSG einbezogen. Die Flächen der BSG unterschieden sich
         von den Flächen der in diesem Übereinkommen definierten Gebiete, denn für einige dieser Gebiete fehle ein ornithologisches
         Interesse, aufgrund dessen sie als BSG ausgewiesen werden könnten.
      
      19      Im Ergebnis vertritt die griechische Regierung die Auffassung, auch wenn die Zahl und die Fläche der Gebiete, die als BSG
         ausgewiesen worden seien, hinter der Zahl und der Fläche der Gebiete zurückblieben, die für die Erhaltung der im IBA 2000
         erfassten Vogelarten bedeutsam seien, bleibe eine solche Ausweisung insoweit nicht offensichtlich hinter diesem Verzeichnis
         zurück, als sie dadurch, dass sie 151 BSG bezeichnet habe, 141 der 186 in diesem Verzeichnis erfassten für die Erhaltung der
         Vogelarten bedeutsamen Gebiete ausgewiesen habe, was einen Prozentsatz darstelle, der über der Hälfte dieser Gebiete liege.
      
      20      Die spanische Regierung trägt vor, das IBA 2000 weise insbesondere insoweit Schwächen auf, als keine in Umweltfragen zuständige
         öffentliche Verwaltung die Ausarbeitung dieses Verzeichnisses überwacht habe, um die Genauigkeit und die Richtigkeit der in
         ihm enthaltenen Daten zu gewährleisten, und es sei infolgedessen nicht möglich, ihm den gleichen Wert beizumessen wie dem
         1989 veröffentlichten „Inventory of Important Bird Areas in the European Community“ (im Folgenden: IBA 89). 
      
      21      Die französische Regierung trägt vor, das IBA 2000 stelle eine nützliche Bezugsgröße dar, reiche aber nicht aus, um die Gebiete,
         die in diesem Verzeichnis aufgeführt seien, als BSG im Sinne der Richtlinie 79/409 auszuweisen, und diese Richtlinie lege
         keine Kriterien für die Ausweisung von BSG in Bezug auf Gesamtfläche oder Prozentsatz fest. 
      
      22      Die portugiesische Regierung macht geltend, den Mitgliedstaaten müsse eine angemessene Frist für die Durchführung der erforderlichen
         Studien eingeräumt werden. Verzeichnisse wie das IBA 2000 stellten anerkannte und unbestreitbare Referenzgrundlagen dar, die
         keine quantitativen Matrizen für die Kontrolle der Erfüllung der durch die Richtlinie 79/409 auferlegten Verpflichtungen darstellen
         könnten.
      
      23      Nach Ansicht der finnischen Regierung führt der Rückgriff auf das IBA 2000 dazu, dass die Beweislast unverhältnismäßig werde,
         denn die Mitgliedstaaten stünden vor der Verpflichtung, wissenschaftliche Daten vorzulegen, um nachzuweisen, dass ein Gebiet
         die Kriterien für die Ausweisung als BSG nicht erfülle, obwohl es in diesem Verzeichnis als solches bezeichnet sei. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      24      Art. 4 der Richtlinie 79/409 sieht eine besonders gezielte und verstärkte Regelung für die in Anhang I dieser Richtlinie aufgeführten
         Arten und die durch diesen Anhang nicht erfassten Zugvogelarten vor, was dadurch gerechtfertigt ist, dass es sich um die am
         meisten bedrohten Arten bzw. um Arten handelt, die ein gemeinsames Erbe der Gemeinschaft darstellen (Urteil vom 13. Juli 2006,
         Kommission/Portugal, C‑191/05, Slg. 2006, I‑6853, Randnr. 9 und die dort angeführte Rechtsprechung). Im Übrigen ergibt sich
         aus dem neunten Erwägungsgrund dieser Richtlinie, dass Schutz, Pflege oder Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt
         und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume für die Erhaltung aller Vogelarten unentbehrlich ist. Die Mitgliedstaaten
         sind daher verpflichtet, die zur Erhaltung dieser Arten erforderlichen Maßnahmen zu erlassen (Urteil vom 28. Juni 2007, Kommission/Spanien,
         C‑235/04, Slg. 2007, I‑0000, Randnr. 23).
      
      25      Dazu ist eine Aktualisierung der wissenschaftlichen Daten erforderlich, um die Lage der am meisten bedrohten Arten und der
         Arten, die ein gemeinsames Erbe der Gemeinschaft darstellen, zu ermitteln, damit die geeignetsten Gebiete als BSG ausgewiesen
         werden. Daher sind die aktuellsten wissenschaftlichen Daten heranzuziehen, die bei Ablauf der in der mit Gründen versehenen
         Stellungnahme gesetzten Frist verfügbar waren (Urteil Kommission/Spanien, Randnr. 24).
      
      26      Mit den nationalen Bestandsverzeichnissen, darunter dem von der EOE erstellten IBA 2000, wurde die erste, mit dem IBA 89 verwirklichte
         paneuropäische Studie in der Weise überarbeitet, dass genauere und aktuellere wissenschaftliche Daten vorgelegt wurden. 
      
      27      In Bezug auf das IBA 89 hat der Gerichtshof entschieden, dass dieses Verzeichnis in Anbetracht des wissenschaftlichen Wertes
         und mangels Vorlage irgendeines wissenschaftlichen Beweises seitens eines Mitgliedstaats dafür, dass die Verpflichtungen aus
         Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409 dadurch erfüllt werden können, dass andere als die in diesem Verzeichnis aufgeführten
         Gebiete mit einer kleineren Gesamtfläche als diese zu BSG erklärt werden, obwohl es für den betreffenden Mitgliedstaat rechtlich
         nicht verbindlich ist, vom Gerichtshof als Bezugsgrundlage verwendet werden kann, um zu beurteilen, ob der entsprechende Mitgliedstaat
         zahlen- und flächenmäßig ausreichende Gebiete zu BSG im Sinne der vorgenannten Bestimmungen der Richtlinie 79/409 erklärt
         hat (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 19. Mai 1998, Kommission/Niederlande, C‑3/96, Slg. 1998, I‑3031, Randnrn. 68 bis 70,
         und vom 20. März 2003, Kommission/Italien, C‑378/01, Slg. 2003, I‑2857, Randnr. 18, und Urteil Kommission/Spanien, Randnr. 26).
      
      28      Es ist festzustellen, dass mit dem IBA 2000 ein aktualisiertes Verzeichnis der für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen
         Gebiete in Griechenland aufgestellt wird, das mangels entgegenstehender wissenschaftlicher Beweise eine Bezugsgröße darstellt,
         auf deren Grundlage beurteilt werden kann, ob dieser Mitgliedstaat zahlen- und flächenmäßig genügend Gebiete als BSG ausgewiesen
         hat, um allen in Anhang I der Richtlinie 79/409 aufgezählten Vogelarten sowie den nicht in diesem Anhang aufgeführten Zugvogelarten
         Schutz zu bieten.
      
      29      In diesem Zusammenhang ist zu unterstreichen, dass – wie die griechische Regierung selbst vorträgt – die im IBA 2000 enthaltenen
         Angaben, was Griechenland angeht, in erster Linie durch die EOE ermittelt worden sind. Im Übrigen ist die Auswahl der 151
         BSG in Zusammenarbeit mit dieser Organisation, die wissenschaftliche und technische Unterstützung geboten hat, durchgeführt
         worden.
      
      30      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass die Hellenische Republik das Überprüfungsprogramm, dessen Ergebnisse bei Ablauf
         der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten Frist immer noch nicht zur Verfügung standen, fortgeführt und der
         Kommission bis zum Ablauf dieser Frist die Informationen über die in diesem Programm verfolgte Methodologie wie auch andere
         wissenschaftliche Daten nicht übermittelt und damit nichts vorgelegt hat, was die Ergebnisse, die das IBA 2000 enthält, widerlegen
         könnte.
      
      31      Die vorstehende Feststellung kann nicht mit dem Argument in Frage gestellt werden, dass es notwendig sei, den Mitgliedstaaten
         eine angemessene Frist für die Durchführung langfristiger Observations‑ und Kartografiestudien zur Festlegung der für die
         Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen Gebiete einzuräumen.
      
      32      Wie die Generalanwältin in den Nrn. 48 und 49 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, sind die Mitgliedstaaten zwar für die Ausweisung
         von BSG ausschließlich zuständig und müssen sich dabei auf die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse stützen,
         doch folgt daraus nicht, dass eine solche Pflicht entfällt, solange die zuständigen Stellen neue wissenschaftliche Erkenntnisse
         nicht überprüft und verifiziert haben. Eine solche Ausweisungspflicht besteht seit dem Ablauf der Frist für die Umsetzung
         der Richtlinie 79/409, d. h. für die Hellenische Republik seit dem 6. April 1981.
      
      33      Nach alledem ist festzustellen, dass das IBA 2000 – da keine wissenschaftlichen Studien vorgelegt wurden, die seine Ergebnisse
         widerlegen könnten – die aktuellste und genaueste Bezugsgröße für die Ermittlung der zur Erhaltung der Vogelarten zahlen-
         und flächenmäßig geeignetsten Gebiete ist.
      
      34      Was sodann die offensichtliche Unzulänglichkeit der Ausweisung als BSG von Gebieten angeht, die die Voraussetzungen für eine
         Ausweisung als BSG im Sinne von Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 79/409 erfüllen, ist darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten
         verpflichtet sind, alle Gebiete zu BSG zu erklären, die nach ornithologischen Kriterien am geeignetsten für die Erhaltung
         der betreffenden Arten erscheinen (vgl. Urteil Kommission/Niederlande, Randnr. 62).
      
      35      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass mit 141 der von der Hellenischen Republik bezeichneten 151 BSG nur 40 % der Gesamtfläche
         der im IBA 2000 erfassten 186 für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen Gebiete geschützt werden können. Daraus folgt,
         dass 45 für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsame Gebiete, die 60 % der oben genannten Gesamtfläche ausmachen, nicht als
         BSG ausgewiesen sind.
      
      36      Es ist festzustellen, dass die Hellenische Republik mangels wissenschaftlicher Daten, mit denen die Ergebnisse des IBA 2000
         widerlegt werden könnten, als BSG Gebiete ausgewiesen hat, deren Zahl und Gesamtfläche offensichtlich hinter der Zahl und
         Gesamtfläche der Gebiete zurückbleiben, die für die Erhaltung der betreffenden Arten als am geeignetsten angesehen werden.
         Der Klage ist daher in diesem Punkt stattzugeben.
      
      37      Schließlich ist, was die teilweise Ausweisung der für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen Gebiete und insbesondere die
         Ausweisung der Feuchtgebiete angeht, darauf hinzuweisen, dass die Mitgliedstaaten nach Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 79/409
         dem Schutz der Feuchtgebiete und ganz besonders der international bedeutsamen Feuchtgebiete besondere Bedeutung beimessen
         (vgl. Urteil Kommission/Spanien, Randnr. 81).
      
      38      In diesem Zusammenhang geht aus dem IBA 2000 hervor, dass 32 Feuchtgebiete mehr als 1 % der bioischen Wasservogelbestände
         aufnehmen und 49 andere Gebiete mehr als 1 % der Zugvogelbestände einer oder mehrerer Wasservogelarten aufnehmen.
      
      39      Es ist daher zu prüfen, ob die Hellenische Republik, wie die Kommission behauptet, als BSG eine Zahl von Feuchtgebieten von
         internationaler Bedeutung, insbesondere die in dem Übereinkommen von Ramsar bezeichneten, ausgewiesen hat, die nur teilweise
         der Fläche der für die Erhaltung der entsprechenden Vogelarten bedeutsamen Gebiete entsprechen, die im IBA 2000 erfasst sind,
         und ob – so die Kommission – bestimmte Gebiete, die die in diesem Übereinkommen aufgezählten Kriterien erfüllen und die für
         die Erhaltung der im IBA 2000 erfassten Vogelarten bedeutsam sind, nach Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 79/409 als BSG ausgewiesen
         werden müssen und dies immer noch nicht sind.
      
      40      Als Beispiel für Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung, die nicht als BSG ausgewiesen worden sind oder die als BSG ausgewiesen
         worden sind, bei denen aber weniger als 50 % ihrer Fläche durch BSG erfasst werden, nimmt die Kommission die Gebiete Nrn.
         45 (Lake Vegoritis and Lake Petron), 91 (Lakes Trichonida and Lysimachia), 99 (Kotychi Lagoon), 166 (Mount Dikios, Cape Louros,
         Lake Psalidi and Alyki) und 180 (Lake Kourna, Almyrou Delta and Georgioupolis Beach), in Bezug auf die die griechische Regierung
         die Gründe für die Unterschiede hervorhebt, die zwischen den im IBA 2000 erfassten für die Erhaltung der Vogelarten bedeutsamen
         Gebieten und den Gebieten bestehen, die sie als BSG ausgewiesen hat. 
      
      41      In Bezug auf das Gebiet Nr. 45 macht die griechische Regierung geltend, dass nur der See von Petron (Lake Petron) als BSG
         ausgewiesen werden müsse, denn nur er biete der Zwergscharbe (Phalacrocorax pygmaeus) Aufnahme. Das Gleiche gelte für das
         Gebiet Nr. 59, wo nur der See von Lysimachia (Lake Lysimachia) von Interesse für die Moorente (Aythya nyroca) sei.
      
      42      Es ist daran zu erinnern, dass der Ermessensspielraum der Mitgliedstaaten bei der Auswahl der Gebiete, die für die Ausweisung
         als BSG am geeignetsten sind, die Anwendung der ornithologischen Kriterien für die Bestimmung der Gebiete betrifft, die für
         die Erhaltung der betroffenen Arten am besten geeignet sind (vgl. in diesem Sinne Urteil Kommission/Niederlande, Randnr. 61).
         
      
      43      Wie die Generalanwältin in Nr. 54 ihrer Schlussanträge ausführt, zeigt sich aber, dass die beiden oben genannten Gebiete aufgrund
         der im Übereinkommen von Ramsar festgelegten Kriterien wegen der Bedeutung der Zwergscharbe und der Moorente ausgewählt worden
         sind. Da die Kommission nicht bestreitet, dass die nicht erfassten Flächen für diese beiden Arten nicht von Interesse sind,
         ist dem Vorbringen der griechischen Regierung zu diesem Punkt zu folgen. 
      
      44      Was das Gebiet Nr. 166 angeht, ergibt sich aus seiner Beschreibung im IBA 2000, dass es aus einem mit dichtem Wald bedeckten
         Bergmassiv besteht und auch Feuchtgebiete umfasst. Dieses Gebiet wird als wichtiger Brut‑ und Durchzugsort für Greifvögel
         beschrieben.
      
      45      Auch erscheint das im Bestandsverzeichnis des IBA 2000 genannte Gebiet Nr. 166 mangels entgegenstehender wissenschaftlicher
         Daten als für die Erhaltung der betreffenden Arten am besten geeignet (vgl. Urteil Kommission/Niederlande, Randnr. 62). Nur
         den See von Psalidi und Alyki (Lake Psalidi and Alyki) in seiner Eigenschaft als Feuchtgebiet als BSG auszuweisen, genügt
         folglich nicht, um die Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409 zu erfüllen. Daher ist der Klage der
         Kommission in diesem Punkt stattzugeben.
      
      46      Was die Gebiete Nrn. 99 und 180 angeht, ist die griechische Regierung der Auffassung, dass sie nicht von ornithologischem
         Interesse seien. Die Kommission bestreitet dies, da ihr keine wissenschaftliche Beurteilung mitgeteilt worden sei. Da die
         griechische Regierung bis zum Ablauf der in der mit Gründen versehenen Stellungnahme gesetzten Frist keinen wissenschaftlichen
         Gegenbeweis beigebracht hat, ist der Klage der Kommission in diesem Punkt stattzugeben.
      
      47      Hinsichtlich der anderen von der Kommission genannten Gebiete Nrn. 59 (Pinios Delta), 61 (Reservoirs of former Lake Karla),
         89 (Lake Amvrakia), 98 (Kalogria lagoon, Strofilia forest, and Lamia marshes), in dem große Teile nicht durch das BSG erfasst
         sind, 132  (Lakes Khortaro and Alyki, Moudros gulf, Diapori fen, and Fakos peninsula), in dem der Golf von Moudros nicht durch
         das BSG erfasst ist, und 138 (Gera Gulf-Dipi and Haramida marshes, Lesvos), das teilweise erfasst ist, ist festzustellen,
         dass die Hellenische Republik angekündigt hat, dass sie eine Neubewertung dieser Gebiete vornehmen werde. 
      
      48      Nach alledem ergibt sich, dass die Hellenische Republik, da keine wissenschaftlichen Studien vorgelegt worden sind, mit denen
         die Ergebnisse des IBA 2000 widerlegt werden könnten, dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie
         79/409 verstoßen hat, dass sie als BSG Gebiete ausgewiesen hat, deren Zahl und Gesamtfläche offensichtlich hinter der Zahl
         und Gesamtfläche der Gebiete zurückbleiben, die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG erfüllen.
      
       Zur dritten und zur vierten Rüge: Nichtausweisung von BSG für zahlreiche in Anhang I der Richtlinie 79/409 genannte Vogelarten
            sowie für zahlreiche in diesem Anhang nicht genannte Zugvogelarten oder Ausweisung als BSG von Gebieten, in denen diese Arten
            nicht ausreichend vertreten sind 
       Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      49      Nach Ansicht der Kommission werden folgende in Anhang I der Richtlinie 79/409 genannte Vogelarten, nämlich die Krähenscharbe
         (Phalacrocorax aristotelis desmarestii), der Bartgeier (Gypaetus barbatus), der Mönchsgeier (Aegypius monachus), der Schreiadler
         (Aquila pomarina), der Kaiseradler (Aquila heliaca), der Adlerbussard (Buteo rufinus), der Habichtsadler (Hieraaetus fasciatus),
         der Rötelfalke (Falco naumanni), der Eleonorenfalke (Falco eleonorae), der Lanner (Falco biarmicus), Krüpers Kleiber (Sitta
         krueperi) und die kleinasiatische Ammer (Emberiza cineracea) nicht ausreichend durch BSG geschützt.
      
      50      In Bezug auf die Zugvogelarten stellt die Kommission fest, dass zahlreiche im IBA 2000 bezeichnete Gebiete auch sehr bedeutsam
         für diese aufgrund von Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 79/409 geschützten Arten seien. Insbesondere betroffen seien einige Gänsevogelarten,
         die Regenpfeiferarten sowie einige in Anhang I dieser Richtlinie genannte weiter verbreitete Arten wegen der Wanderung oder
         der Überwinterung. 
      
      51      Die griechische Regierung vertritt die Auffassung, die in Anhang I der Richtlinie 79/409 genannten Arten seien ausreichend
         geschützt, mit Ausnahme des Adlerbussards, des Rötelfalkens, von Krüpers Kleiber und der kleinasiatischen Ammer. In Bezug
         auf den Kaiseradler gibt sie an, mit Abschluss der die zehn Pilotgebiete betreffenden Studie würden neuere Nachweise zur Verfügung
         stehen.
      
      52      Außerdem könne für eine bestimmte Art der Vergleich des durch BSG geschützten Bestands mit dem im IBA 2000 erfassten nicht
         das einzige und unanfechtbare Kriterium dafür darstellen, ob der Schutz dieser Art ausreichend sei. Es sei möglich, dass je
         nach der Verteilung der betreffenden Art in einem Gebiet die Anforderungen, die durch die Kriteriengruppe C (die die Länder
         der Europäischen Union betreffende Gruppe) im IBA 2000 aufgestellt worden seien, was den Bestand dieser Art angehe, nicht
         erfüllt würden.
      
      53      Was die Methodologie und die verwendeten Kriterien angeht, vertritt die Kommission die Auffassung, dass die griechischen Behörden
         zum einen in bestimmten Fällen die im IBA 2000 aufgeführten Kriterien beanstandeten, während sie dieselben Kriterien in anderen
         Fällen verwendeten und sich damit widersprächen, und dass sie zum anderen ihre Argumente auf die Bedeutung bestimmter Gebiete
         stützten, während das angestrebte Ergebnis der Artenschutz sei. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      54      Mit ihrer dritten und ihrer vierten Rüge wirft die Kommission der Hellenischen Republik vor, für zahlreiche in Anhang I der
         Richtlinie 79/409 angeführte Vogelarten sowie für zahlreiche in diesem Anhang nicht angeführte Zugvogelarten keine BSG ausgewiesen
         zu haben oder als BSG Gebiete ausgewiesen haben, in denen diese Arten nicht ausreichend vertreten seien.
      
      55      Ohne Weiteres zurückzuweisen sind die Anträge der Kommission auf Feststellung, dass die Hellenische Republik dadurch gegen
         ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409 verstoßen hat, dass sie keine BSG für zahlreiche in Anhang I
         der Richtlinie 79/409 aufgezählte Vogelarten sowie für in diesem Anhang nicht angeführte Zugvogelarten bezeichnet hat.
      
      56      Aus dem Verfahren geht nämlich hervor, dass zum einen, was die in Anhang I der Richtlinie 79/409 angeführten Arten betrifft,
         die einzige Art, für die das Hauptreproduktionsgebiet nicht als BSG ausgewiesen worden ist, Krüpers Kleiber ist und dass es
         zum anderen, was die in diesem Anhang nicht angeführten Zugvogelarten betrifft, keine Art gibt, für die kein Gebiet ausgewiesen
         ist. Da die griechische Regierung die Rüge der Kommission in Bezug auf Krüpers Kleiber anerkannt hat, ist den die Nichtausweisung
         von BSG betreffenden Anträgen der Kommission nur in Bezug auf diese Art stattzugeben.
      
      57      Mit der Rüge, die die Ausweisung als BSG von Gebieten betrifft, in denen zahlreiche in Anhang I der Richtlinie 79/409 angeführte
         Vogelarten und zahlreiche in diesem Anhang nicht angeführte Zugvogelarten nicht ausreichend vertreten seien, macht die Kommission
         geltend, dass, was spezifisch den Bestand von zwölf Vogelarten angeht, die von Griechenland abgegrenzten BSG die Fläche der
         im IBA 2000 bezeichneten Gebiete, in denen diese Arten vorkämen, nicht ausreichend erfassten.
      
      58      Da die griechische Regierung diese Rüge in Bezug auf den Adlerbussard, den Rötelfalken und die kleinasiatische Ammer ausdrücklich
         anerkannt hat, ist der Klage für diese Arten stattzugeben.
      
      59      Was die anderen Arten, nämlich die Krähenscharbe, den Bartgeier, den Mönchsgeier, den Schreiadler, den Kaiseradler, den Habichtsadler,
         den Eleonorenfalken und den Lanner angeht, ist festzustellen, dass die griechische Regierung damit, dass sie auf das Überprüfungsprogramm
         sowie auf die Studie über die zehn Pilotgebiete verwiesen hat, für deren Gesamtheit die Bewertung nicht abgeschlossen war,
         und dass sie die Studie der EOE über den Mönchsgeier nicht übermittelt hat, keine wissenschaftlichen Studien vorgelegt hat,
         mit denen die Ergebnisse des IBA 2000 widerlegt werden könnten und nachgewiesen werden könnte, dass als BSG Gebiete ausgewiesen
         worden sind, in denen diese Arten ausreichend vertreten sind. Daher ist der Klage der Kommission in diesem Punkt stattzugeben.
      
      60      Nach alledem ist festzustellen, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der
         Richtlinie 79/409 verstoßen hat, dass sie kein BSG bezeichnet hat, um Krüpers Kleiber Schutz zu bieten, und dass sie als BSG
         Gebiete ausgewiesen hat, in denen die Krähenscharbe, der Bartgeier, der Mönchsgeier, der Schreiadler, der Kaiseradler, der
         Adlerbussard, der Habichtsadler, der Rötelfalke, der Eleonorenfalke, der Lanner und die kleinasiatische Ammer nicht ausreichend
         vertreten sind.
      
      61      Demzufolge ist die von der Kommission erhobene Klage als begründet anzusehen.
      
      62      In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen ist festzustellen, dass die Hellenische Republik dadurch gegen ihre Verpflichtungen
         aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409 verstoßen hat, dass sie
      
      –        als BSG Gebiete ausgewiesen hat, deren Zahl und Gesamtfläche offensichtlich hinter der Zahl und Gesamtfläche der Gebiete zurückbleiben,
         die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als BSG im Sinne von Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409 erfüllen;
      
      –        keine BSG ausgewiesen hat, um Krüpers Kleiber Schutz zu bieten, und 
      –        als BSG Gebiete ausgewiesen hat, in denen die Krähenscharbe, der Bartgeier, der Mönchsgeier, der Schreiadler, der Kaiseradler,
         der Adlerbussard, der Habichtsadler, der Rötelfalke, der Eleonorenfalke, der Lanner und die kleinasiatische Ammer nicht ausreichend
         vertreten sind.
      
       Kosten
      63      Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Kommission die Verurteilung der Hellenischen Republik beantragt hat und diese mit ihrem Vorbringen im Wesentlichen unterlegen
         ist, sind ihr die Kosten aufzuerlegen. Nach Art. 69 § 4 Unterabs. 1 der Verfahrensordnung tragen das Königreich Spanien, die
         Französische Republik, die Portugiesische Republik und die Republik Finnland, die dem Rechtsstreit als Streithelfer beigetreten
         sind, ihre eigenen Kosten.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Zweite Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Hellenische Republik hat dadurch gegen ihre Verpflichtungen aus Art. 4 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 79/409/EWG des Rates
            vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten in der u. a. durch die Richtlinie 97/49/EG der Kommission
            vom 29. Juli 1997 geänderten Fassung verstoßen, dass sie 
      –        als besondere Schutzgebiete Gebiete ausgewiesen hat, deren Zahl und Gesamtfläche offensichtlich hinter der Zahl und Gesamtfläche
            der Gebiete zurückbleiben, die die Voraussetzungen für eine Ausweisung als besondere Schutzgebiete im Sinne von Art. 4 Abs. 1
            und 2 der Richtlinie 79/409 erfüllen;
      –        keine besonderen Schutzgebiete ausgewiesen hat, um Krüpers Kleiber (Sitta krueperi) Schutz zu bieten, und
      –        als besondere Schutzgebiete Gebiete ausgewiesen hat, in denen die Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis desmarestii), der
            Bartgeier (Gypaetus barbatus), der Mönchsgeier (Aegypius monachus), der Schreiadler (Aquila pomarina), der Kaiseradler (Aquila
            heliaca), der Adlerbussard (Buteo rufinus), der Habichtsadler (Hieraaetus fasciatus), der Rötelfalke (Falco naumanni), der
            Eleonorenfalke (Falco eleonorae), der Lanner (Falco biarmicus) und die kleinasiatische Ammer (Emberiza cineracea) nicht ausreichend
            vertreten sind.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen. 
      3.      Die Hellenische Republik trägt die Kosten. 
      4.      Das Königreich Spanien, die Französische Republik, die Portugiesische Republik und die Republik Finnland tragen ihre eigenen
            Kosten.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Griechisch.