CELEX: 62004TJ0194
Language: de
Date: 2007-11-08
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Dritte Kammer) vom 8. November 2007.#The Bavarian Lager Co. Ltd gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften.#Zugang zu Dokumenten - Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 -Dokumente betreffend ein Vertragsverletzungsverfahren - Entscheidung, den Zugang zu verweigern - Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten - Verordnung (EG) Nr. 45/2001 - Begriff ‚Privatsphäre.#Rechtssache T-194/04.

Rechtssache T-194/04
      The Bavarian Lager Co. Ltd
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Zugang zu Dokumenten – Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 – Dokumente betreffend ein Vertragsverletzungsverfahren – Entscheidung, den Zugang zu verweigern – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verordnung (EG) Nr. 45/2001 – Begriff ‚Privatsphäre‘“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Nichtigkeitsklage – Befugnisse des Gemeinschaftsrichters
      (Art. 230 EG)
      2.      Nichtigkeitsklage – Anfechtbare Handlungen
      (EG-Vertrag, Art. 169 [jetzt Art. 226 EG])
      3.      Rechtsangleichung – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verarbeitung dieser Daten durch
            die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft – Verordnung Nr. 45/2001
      (Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 45/2001, Art. 5 Buchst. a und b, und Nr. 1049/2001)
      4.      Europäische Gemeinschaften – Organe – Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten – Verordnung Nr. 1049/2001
      (Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 45/2001, Art. 8 Buchst. b, und Nr. 1049/2001, Art. 2 und 6 Abs. 1)
      5.      Europäische Gemeinschaften – Organe – Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten – Verordnung Nr. 1049/2001
      (Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 45/2001, Art. 8 Buchst. b, und Nr. 1049/2001, Art. 4 Abs. 1 Buchst. b)
      6.      Rechtsangleichung – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verarbeitung dieser Daten durch
            die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft – Verordnung Nr. 45/2001
      (Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 45/2001, Art. 5 Buchst. b und 18, und Nr. 1049/2001, Art. 4 Abs. 1
            Buchst. b)
      7.      Rechtsangleichung – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verarbeitung dieser Daten durch
            die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft – Verordnung Nr. 45/2001
      (Art. 6 Abs. 2 EU; Verordnung Nr. 45/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates)
      8.      Europäische Gemeinschaften – Organe – Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten – Verordnung Nr. 1049/2001
      (Art. 6 Abs. 2 EU; Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nrn. 45/2001, Art. 10, und 1049/2001, Art. 4 Abs.
            1 Buchst. b; Richtlinie 95/46 des Europäischen Parlaments und des Rates)
      9.      Rechtsangleichung – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verarbeitung dieser Daten durch
            die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft – Verordnung Nr. 45/2001
      (EG-Vertrag, Art. 169 [jetzt Art. 226 EU]; Verordnungen des Europäischen Parlaments und des Rates Nr. 45/2001, Art. 2 Buchst.
            a, und Nr. 1049/2001, Art. 4 Abs. 1 Buchst. b)
      10.    Europäische Gemeinschaften – Organe – Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten – Verordnung Nr. 1049/2001
      (Verordnung Nr. 1049/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 4 Abs. 2 3. Gedankenstrich)
      11.    Europäische Gemeinschaften – Organe – Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten – Verordnung Nr. 1049/2001
      (Verordnung Nr. 1049/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates)
      1.      Anträge im Rahmen einer Nichtigkeitsklage, die darauf gerichtet sind, dass der Kommission der Erlass spezifischer Maßnahmen
         aufgegeben wird, sind unzulässig. Der Gemeinschaftsrichter ist nämlich im Rahmen der von ihm ausgeübten Rechtmäßigkeitskontrolle
         nicht befugt, den Organen Weisungen zu erteilen oder sich an ihre Stelle zu setzen. Diese Beschränkung der Rechtmäßigkeitskontrolle
         gilt für alle Arten von Rechtsstreitigkeiten, für deren Entscheidung das Gericht zuständig ist, einschließlich solcher über
         den Zugang zu Dokumenten.
      
      (vgl. Randnrn. 47-48)
      2.      Eine Klage, mit der ein Einzelner die Nichtigerklärung der Weigerung der Kommission beantragt, gegen einen Mitgliedstaat ein
         Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, ist unzulässig.
      
      Aus Art. 169 EG-Vertrag (jetzt Art. 226 EG) folgt nämlich, dass die Kommission nicht verpflichtet ist, ein Vertragsverletzungsverfahren
         einzuleiten, sondern insoweit über ein Ermessen verfügt, das ein Recht Einzelner, von ihr eine Stellungnahme in einem bestimmten
         Sinne zu verlangen und gegen ihre Weigerung, tätig zu werden, eine Nichtigkeitsklage zu erheben, ausschließt.
      
      (vgl. Randnrn. 54-55)
      3.      Die Verarbeitung muss rechtmäßig im Sinne von Art. 5 Buchst. a oder b der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen
         bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr
         sein, wonach die Verarbeitung für die Wahrnehmung einer Aufgabe, die im öffentlichen Interesse ausgeführt wird, oder für die
         Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung, der der für die Verarbeitung Verantwortliche unterliegt, erforderlich sein muss.
         Das Recht auf Zugang zu Dokumenten der Organe, das Art. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission den Unionsbürgern sowie jeder natürlichen oder juristischen
         Person mit Wohnsitz oder Sitz in einem Mitgliedstaat zuerkennt, entspricht einer rechtlichen Verpflichtung im Sinne von Art. 5
         Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001. Schreibt also die Verordnung Nr. 1049/2001 die Weitergabe von Daten vor, die eine „Verarbeitung“
         im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 darstellt, ist die Weitergabe nach Art. 5 dieser Verordnung insoweit
         rechtmäßig.
      
      (vgl. Randnr. 106)
      4.      Für den Zugang zu Dokumenten, die personenbezogene Daten enthalten, ist die Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission maßgeblich. Nach Art. 6 Abs. 1 dieser Verordnung ist
         derjenige, der den Zugang begehrt, nicht verpflichtet, Gründe für seinen Antrag anzugeben, und braucht daher kein wie auch
         immer geartetes Interesse nachzuweisen, um Zugang zu den angeforderten Dokumenten zu erhalten. In den Fällen, in denen im
         Rahmen der Anwendung des Art. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001, der das Recht aller Unionsbürger auf Zugang zu Dokumenten vorsieht,
         personenbezogene Daten übermittelt werden, fällt also der betreffende Sachverhalt unter diese Verordnung, so dass der Antragsteller
         nicht die Notwendigkeit der Verbreitung im Sinne von Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen
         bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr
         nachweisen muss. Wenn nämlich als eine durch die Verordnung Nr. 45/2001 vorgeschriebene zusätzliche Voraussetzung verlangt
         würde, dass der Antragsteller die Notwendigkeit der Übermittlung nachweist, würde diese Voraussetzung dem Zweck der Verordnung
         Nr. 1049/2001 zuwiderlaufen, der Öffentlichkeit den größtmöglichen Zugang zu den Dokumenten der Organe zu verschaffen.
      
      (vgl. Randnr. 107)
      5.      Da nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen
         Parlaments, des Rates und der Kommission der Zugang zu einem Dokument in den Fällen verweigert wird, in denen durch dessen
         Verbreitung der Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen beeinträchtigt würde, kann eine Übermittlung personenbezogener
         Daten, die nicht unter diese Ausnahme fällt, grundsätzlich nicht die berechtigten Interessen des Betroffenen gemäß Art. 8
         Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die
         Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr beeinträchtigen.
      
      (vgl. Randnr. 108)
      6.      Art. 18 der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die
         Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr sieht vor, dass der Betroffene das Recht hat, jederzeit
         aus zwingenden, schutzwürdigen, sich aus seiner besonderen Situation ergebenden Gründen gegen die Verarbeitung von ihn betreffenden
         Daten Widerspruch einzulegen, außer in den u. a. unter Art. 5 Buchst. b dieser Verordnung fallenden Fällen. Da die in der
         Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission
         genannte Verarbeitung eine gesetzliche Verpflichtung im Sinne des Art. 5 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 darstellt, steht
         dem Betroffenen daher grundsätzlich kein Widerspruchsrecht zu. Angesichts des Umstands jedoch, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 1049/2001 eine Ausnahme von dieser gesetzlichen Verpflichtung vorsieht, sind auf dieser Grundlage die Auswirkungen
         einer Verbreitung von Daten über die betreffende Person zu berücksichtigen. Insoweit ist festzustellen, dass, wenn die Weitergabe
         dieser Daten nicht den Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Betroffenen beeinträchtigt, wie es Art. 4 Abs. 1 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 1049/2001 verlangt, die Weigerung des Betroffenen diese Weitergabe nicht verhindern kann.
      
      (vgl. Randnrn. 109-110)
      7.      Die Bestimmungen der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch
         die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr sind, soweit sie die Verarbeitung personenbezogener
         Daten betreffen, die zu Beeinträchtigungen der Grundfreiheiten und insbesondere des Rechts auf Achtung des Privatlebens führen
         kann, im Licht der Grundrechte auszulegen, die zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen gehören, deren Wahrung Gerichtshof und
         Gericht zu sichern haben, und die als allgemeine Grundsätze des Gemeinschaftsrechts ausdrücklich in Art. 6 Abs. 2 EU übernommen
         worden sind.
      
      (vgl. Randnrn. 111-112)
      8.      Gemäß Art. 6 Abs. 2 EU muss jede nach der Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen
         Parlaments, des Rates und der Kommission ergangene Entscheidung Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention beachten.
         Insoweit legt diese Verordnung gemäß Art. 255 Abs. 2 EG die allgemeinen Grundsätze und die aufgrund öffentlicher oder privater
         Interessen geltenden Einschränkungen für die Ausübung des Rechts auf Zugang zu Dokumenten fest. Daher sieht Art. 4 Abs. 1
         Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 eine Ausnahme zum Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen vor. Da
         die Ausnahmen vom Grundsatz des Zugangs zu Dokumenten eng auszulegen sind, betrifft diese Ausnahme nur personenbezogene Daten,
         die geeignet sind, konkret und tatsächlich die Achtung der Privatsphäre und die Integrität des Einzelnen zu beeinträchtigen.
      
      Der Umstand, dass der Begriff „Privatleben“ nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte weit
         gefasst ist und dass das Recht auf Schutz personenbezogener Daten einer der Aspekte des Rechts auf Achtung des Privatlebens
         sein kann, bedeutet nicht, dass alle personenbezogenen Daten notwendig unter den Begriff „Privatsphäre“ fallen.
      
      Erst recht sind nicht alle personenbezogenen Daten ihrer Art nach geeignet, die Privatsphäre des Betroffenen zu beeinträchtigen.
         Im 33. Erwägungsgrund der Richtlinie 95/46 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten und
         zum freien Datenverkehr wird nämlich auf Daten Bezug genommen, die aufgrund ihrer Art geeignet sind, die Grundfreiheiten oder
         die Privatsphäre zu beeinträchtigen, und nicht ohne ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person verarbeitet werden dürfen,
         was darauf hindeutet, dass nicht alle Daten von gleicher Art sind. Solche sensiblen Daten können in denen enthalten sein,
         auf die sich Art. 10 der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten
         durch die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr bezieht, der die Verarbeitung besonderer Kategorien
         von Daten betrifft, wie solchen, aus denen die rassische oder ethnische Herkunft oder religiöse oder philosophische Überzeugungen
         hervorgehen, oder solche über Gesundheit oder Sexualleben.
      
      (vgl. Randnrn. 116-119)
      9.      Eine im Protokoll eines im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens nach Art. 169 EG-Vertrag (jetzt Art. 226 EG) stattfindenden
         Treffens enthaltene Liste der Teilnehmer dieses Treffens, die nach den Körperschaften, in deren Namen und zu deren Vertretung
         sie am Treffen teilgenommen haben, unter Angabe ihres Titels, des Anfangsbuchstabens ihres Vornamens, ihres Familiennamens
         und gegebenenfalls der Dienststelle, Einrichtung oder Vereinigung, der sie innerhalb der betreffenden Körperschaft angehören,
         aufgeführt sind, enthält personenbezogene Daten im Sinne des Art. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 45/2001 zum Schutz natürlicher
         Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr,
         da die Personen, die an diesem Treffen teilgenommen haben, im Protokoll identifiziert werden können. Allerdings bedeutet die
         bloße Tatsache, dass ein Dokument, zu dem der Zugang nach der  Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission beantragt wird, personenbezogene Daten enthält, nicht
         notwendig, dass die Privatsphäre oder die Integrität der Betroffenen beeinträchtigt wäre, auch wenn berufliche Tätigkeiten
         grundsätzlich nicht vom Begriff „Privatleben“ im Sinne des Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention ausgenommen sind.
      
      Durch die Tatsache, dass das Protokoll die Namen dieser Repräsentanten enthält, wird nicht die Privatsphäre der betreffenden
         Personen berührt, da sie als Vertreter ihrer Körperschaften am Treffen teilgenommen haben. Außerdem enthält das Protokoll
         keine diesen Personen zuzuschreibenden Einzelmeinungen, sondern Stellungnahmen, die den von diesen Personen vertretenen Körperschaften
         zuzurechnen sind. Jedenfalls ist die Bekanntgabe der Namen der Vertreter nicht geeignet, den Schutz der Privatsphäre und der
         Integrität der Betroffenen konkret und tatsächlich zu beeinträchtigen. Die bloße Nennung des Namens eines Betroffenen in der
         Liste der Teilnehmer eines Treffens für die Körperschaft, die er vertritt, stellt keine solche Beeinträchtigung dar, und der
         in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 vorgeschriebene Schutz der Privatsphäre und der Integrität der Betroffenen
         wird hierdurch nicht in Frage gestellt.
      
      (vgl. Randnrn. 121-123, 125-126)
      10.    Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen
         Parlaments, des Rates und der Kommission, der „[den Zweck] von Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten“ schützen
         soll, ist nur anwendbar, wenn die Zugänglichmachung der betreffenden Dokumente dazu führen könnte, dass die Inspektions-,
         Untersuchungs- und Audittätigkeiten nicht abgeschlossen werden können. Dazu ist festzustellen, dass diese Ausnahme, wie sich
         aus ihrer Formulierung ergibt, nicht die Untersuchungstätigkeiten als solche, sondern deren Zweck schützen soll, der im Fall
         eines Vertragsverletzungsverfahrens darin besteht, den betreffenden Mitgliedstaat dazu zu bewegen, das Gemeinschaftsrecht
         zu beachten.
      
      In einem Fall, in dem die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen einen Mitgliedstaat schon sechs Jahre vor der
         Beantragung des Zugangs  zu Dokumenten eingestellt hatte, weil dieser Mitgliedstaat seine einschlägigen Rechtsvorschriften
         geändert hatte, war jedoch der Zweck der Untersuchungstätigkeiten erreicht. Zum Zeitpunkt des Erlasses der Entscheidung der
         Kommission, mit der sie den Zugang zum Protokoll eines im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens stattfindenden Treffens
         verweigert hatte, war also keine Untersuchungstätigkeit mehr im Gange, deren Zweck durch eine Offenlegung des Protokolls,
         das die Namen einiger Vertreter von Körperschaften enthielt, die an dem Treffen teilgenommen hatten, hätte gefährdet werden
         können; daher kann die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 nicht eingreifen.
      
      (vgl. Randnrn. 148-149)
      11.    Die Prüfung, die im Rahmen der Bearbeitung eines Antrags auf Zugang zu Dokumenten, der in dem in der Verordnung Nr. 1049/2001
         über den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission vorgesehenen Verfahren
         gestellt wird, erforderlich ist, muss konkret sein. Zum einen kann der bloße Umstand, dass ein Dokument ein durch eine Ausnahme
         geschütztes Interesse betrifft, nicht ausreichen, um die Anwendung der Ausnahme zu rechtfertigen. Zum anderen muss die Gefahr
         einer Beeinträchtigung eines geschützten Interesses absehbar und darf nicht rein hypothetisch sein. Die Prüfung, die das Organ
         durchführen muss, um eine Ausnahme anzuwenden, muss daher konkret sein und aus der Begründung der Entscheidung hervorgehen.
      
      So stellt zwar die Notwendigkeit, die Anonymität der Personen zu wahren, die der Kommission Informationen über etwaige Verstöße
         gegen das Gemeinschaftsrecht erteilen, einen schutzwürdigen Zweck dar, der die Weigerung der Kommission, einen vollständigen
         oder auch nur teilweisen Zugang zu bestimmten Dokumenten zu gewähren, rechtfertigen kann; jedoch hat sich die Kommission im
         vorliegenden Fall zum möglichen Eingriff in ihre Untersuchungstätigkeit durch Offenlegung des alle Namen enthaltenden fraglichen
         Dokuments nur abstrakt geäußert, ohne rechtlich hinreichend darzutun, dass die Weitergabe dieses Dokuments konkret und tatsächlich
         den Schutz des Zwecks von Untersuchungstätigkeiten beeinträchtigen würde. Mithin ist im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen
         worden, dass der Zweck der Untersuchungstätigkeiten durch Weitergabe von sechs Jahre nach Abschluss dieser Tätigkeiten verlangten
         Daten konkret und tatsächlich gefährdet worden wäre.
      
      (vgl. Randnrn. 151-152)
URTEIL DES GERICHTS (Dritte Kammer)
      8. November 2007(*)
      
      „Zugang zu Dokumenten – Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 – Dokumente betreffend ein Vertragsverletzungsverfahren – Entscheidung, den Zugang zu verweigern – Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten – Verordnung (EG) Nr. 45/2001 – Begriff ‚Privatsphäre‘“
      In der Rechtssache T‑194/04
      The Bavarian Lager Co. Ltd mit Sitz in Clitheroe (Vereinigtes Königreich), Prozessbevollmächtigte: zunächst J. Pearson und C. Bright, sodann J. Webber
         und M. Readings, Solicitors,
      
      Klägerin,
      unterstützt durch
      Europäischer Datenschutzbeauftragter (EDSB), vertreten durch H. Hijmans als Bevollmächtigten,
      
      Streithelfer,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch C. Docksey und P. Aalto als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung der Entscheidung der Kommission vom 18. März 2004, mit dem sie einen Antrag der Klägerin auf Gewährung
         des vollständigen Zugangs zum Protokoll eines Treffens, das im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens stattgefunden hatte,
         abgelehnt hat, und Feststellung, dass die Kommission das gegen die Regierung des Vereinigten Königreichs Großbritannien und
         Nordirland nach Art. 169 EG-Vertrag (jetzt Art. 226 EG) eingeleitete Verfahren zu Unrecht beendet hat,
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Dritte Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten M. Jaeger, der Richterin V. Tiili und des Richters O. Czúcz,
      Kanzler: C. Kristensen, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 13. September 2006
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1        Art. 6 EU bestimmt:
      
      „(1)  Die Union beruht auf den Grundsätzen der Freiheit, der Demokratie, der Achtung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie
         der Rechtsstaatlichkeit; diese Grundsätze sind allen Mitgliedstaaten gemeinsam.
      
      (2)       Die Union achtet die Grundrechte, wie sie in der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutze
         der Menschenrechte und Grundfreiheiten gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen
         der Mitgliedstaaten als allgemeine Grundsätze des Gemeinschaftsrechts ergeben.
      
      …“
      2        Art. 255 EG bestimmt:
      
      „(1)      Jeder Unionsbürger sowie jede natürliche oder juristische Person mit Wohnsitz oder Sitz in einem Mitgliedstaat hat das Recht
         auf Zugang zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission vorbehaltlich der Grundsätze und Bedingungen,
         die nach den Absätzen 2 und 3 festzulegen sind.
      
      (2)       Die allgemeinen Grundsätze und die aufgrund öffentlicher oder privater Interessen geltenden Einschränkungen für die Ausübung
         dieses Rechts auf Zugang zu Dokumenten werden vom Rat binnen zwei Jahren nach Inkrafttreten des Vertrags von Amsterdam gemäß
         dem Verfahren des Artikels 251 [EG] festgelegt.
      
      …“
      3        Die Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2001 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission (ABl. L 145, S. 43) legt die Grundsätze, die Voraussetzungen
         und die Grenzen des in Art. 255 EG vorgesehenen Rechts auf Zugang zu den Dokumenten dieser Organe fest. Sie gilt seit dem
         3. Dezember 2001.
      
      4        Durch den Beschluss 2001/937/EG, EGKS, Euratom der Kommission vom 5. Dezember 2001 zur Änderung ihrer Geschäftsordnung (ABl.
         L 345, S. 94) wurde der Beschluss 94/90/EGKS, EG, Euratom der Kommission vom 8. Februar 1994 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu den der Kommission vorliegenden Dokumenten (ABl. L 46, S. 58) aufgehoben, mit dem die Anwendung des Verhaltenskodex über
         den Zugang der Öffentlichkeit zu Kommissions- und Ratsdokumenten (ABl. 1993, L 340, S. 41, im Folgenden: Verhaltenskodex)
         in Bezug auf die Kommission sichergestellt worden war.
      
      5        In den Erwägungsgründen 4 und 11 der Verordnung Nr. 1049/2001 heißt es:
      
      „(4)      Diese Verordnung soll dem Recht auf Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten größtmögliche Wirksamkeit verschaffen und gemäß
         Artikel 255 Absatz 2 [EG] die allgemeinen Grundsätze und Einschränkungen dafür festlegen.
      
      …
      (11)      Grundsätzlich sollten alle Dokumente der Organe für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Schutz bestimmter öffentlicher
         und privater Interessen sollte jedoch durch Ausnahmen gewährleistet werden. Es sollte den Organen gestattet werden, ihre internen
         Konsultationen und Beratungen zu schützen, wo dies zur Wahrung ihrer Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen, erforderlich ist.
         Bei der Beurteilung der Ausnahmen sollten die Organe in allen Tätigkeitsbereichen der Union die in den Rechtsvorschriften
         der Gemeinschaft verankerten Grundsätze über den Schutz personenbezogener Daten berücksichtigen.“
      
      6        Art. 4 der Verordnung Nr. 1049/2001 über die Ausnahmeregelung für das Zugangsrecht bestimmt:
      
      „(1)  Die Organe verweigern den Zugang zu einem Dokument, durch dessen Verbreitung Folgendes beeinträchtigt würde:
      …
      b)       der Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen, insbesondere gemäß den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft über
         den Schutz personenbezogener Daten.
      
      (2)       Die Organe verweigern den Zugang zu einem Dokument, durch dessen Verbreitung Folgendes beeinträchtigt würde:
      …
      –        der Schutz des Zwecks von Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten,
      es sei denn, es besteht ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Verbreitung.
      (3)       Der Zugang zu einem Dokument, das von einem Organ für den internen Gebrauch erstellt wurde oder bei ihm eingegangen ist und
         das sich auf eine Angelegenheit bezieht, in der das Organ noch keinen Beschluss gefasst hat, wird verweigert, wenn eine Verbreitung
         des Dokuments den Entscheidungsprozess des Organs ernstlich beeinträchtigen würde, es sei denn, es besteht ein überwiegendes
         öffentliches Interesse an der Verbreitung.
      
      Der Zugang zu einem Dokument mit Stellungnahmen zum internen Gebrauch im Rahmen von Beratungen und Vorgesprächen innerhalb
         des betreffenden Organs wird auch dann, wenn der Beschluss gefasst worden ist, verweigert, wenn die Verbreitung des Dokuments
         den Entscheidungsprozess des Organs ernstlich beeinträchtigen würde, es sei denn, es besteht ein überwiegendes öffentliches
         Interesse an der Verbreitung.
      
      …
      (6)      Wenn nur Teile des angeforderten Dokuments einer der Ausnahmen unterliegen, werden die übrigen Teile des Dokuments freigegeben.
      …“
      7        Nach Art. 6 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1049/2001 „[ist] der Antragsteller … nicht verpflichtet, Gründe für seinen Antrag anzugeben“.
      
      8        Die Richtlinie 95/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Oktober 1995 zum Schutz natürlicher Personen bei
         der Verarbeitung personenbezogener Daten und zum freien Datenverkehr (ABl. L 281, S. 31) verpflichtet die Mitgliedstaaten,
         bei der Sicherstellung des freien Verkehrs personenbezogener Daten in der Gemeinschaft den Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten
         und insbesondere den Schutz der Privatsphäre natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten zu gewährleisten.
      
      9        Nach Art. 286 EG finden die Rechtsakte der Gemeinschaft über den Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener
         Daten und dem freien Verkehr solcher Daten auf Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft Anwendung.
      
      10      Die Verordnung (EG) Nr. 45/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2000 zum Schutz natürlicher Personen
         bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch die Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft und zum freien Datenverkehr
         (ABl. 2001, L 8, S. 1) wurde auf der Grundlage des Art. 286 EG erlassen.
      
      11      Im 15. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 45/2001 heißt es:
      
      „Der Zugang zu den Dokumenten, einschließlich der Bedingungen für den Zugang zu Dokumenten, die personenbezogene Daten enthalten,
         unterliegt den Bestimmungen, die auf der Grundlage von Artikel 255 [EG] erlassen wurden, dessen Anwendungsbereich sich auf
         die Titel V und VI des Vertrags über die Europäische Union erstreckt.“
      
      12      Die Verordnung Nr. 45/2001 bestimmt: 
      
      „Artikel 1
      Gegenstand der Verordnung
      (1)       Die durch die Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften oder aufgrund dieser Verträge geschaffenen Organe und
         Einrichtungen, nachstehend ‚Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft‘ genannt, gewährleisten nach den Bestimmungen dieser
         Verordnung den Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten und insbesondere den Schutz der Privatsphäre natürlicher Personen
         bei der Verarbeitung personenbezogener Daten; sie dürfen den freien Verkehr personenbezogener Daten untereinander oder mit
         Empfängern, die dem in Anwendung der Richtlinie 95/46/EG erlassenen einzelstaatlichen Recht der Mitgliedstaaten unterliegen,
         weder beschränken noch untersagen. 
      
      (2)       Die durch diese Verordnung eingerichtete unabhängige Kontrollbehörde, nachstehend ‚Europäischer Datenschutzbeauftragter‘ genannt,
         überwacht die Anwendung der Bestimmungen dieser Verordnung auf alle Verarbeitungen durch Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft.
      
      Artikel 2
      Begriffsbestimmungen
      Im Sinne dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck 
      a)       ‚personenbezogene Daten‘ alle Informationen über eine bestimmte oder bestimmbare natürliche Person …; als bestimmbar wird
         eine Person angesehen, die direkt oder indirekt identifiziert werden kann, insbesondere durch Zuordnung zu einer Kennnummer
         oder zu einem oder mehreren spezifischen Elementen, die Ausdruck ihrer physischen, physiologischen, psychischen, wirtschaftlichen,
         kulturellen oder sozialen Identität sind; 
      
      b)      ‚Verarbeitung personenbezogener Daten‘ … jeden mit oder ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführten Vorgang oder jede
         Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten wie das Erheben, das Speichern, die Organisation, die Aufbewahrung,
         die Anpassung oder Veränderung, das Wiederauffinden, das Abfragen, die Nutzung, die Weitergabe durch Übermittlung, Verbreitung
         oder jede andere Form der Bereitstellung, die Kombination oder die Verknüpfung sowie das Sperren, Löschen oder Vernichten;
         
      
      c)       ‚Datei mit personenbezogenen Daten‘ … jede strukturierte Sammlung personenbezogener Daten, die nach bestimmten Kriterien zugänglich
         sind, unabhängig davon, ob diese Sammlung zentral, dezentral oder nach funktionalen oder geografischen Gesichtspunkten aufgeteilt
         geführt wird;
      
      …
      Artikel 3
      Anwendungsbereich
      (1)       Diese Verordnung findet auf die Verarbeitung personenbezogener Daten durch alle Organe und Einrichtungen der Gemeinschaft
         Anwendung, soweit die Verarbeitung im Rahmen von Tätigkeiten erfolgt, die ganz oder teilweise in den Anwendungsbereich des
         Gemeinschaftsrechts fallen. 
      
      (2)       Diese Verordnung gilt für die ganz oder teilweise automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten sowie für die nichtautomatisierte
         Verarbeitung personenbezogener Daten, die in einer Datei gespeichert sind oder gespeichert werden sollen.
      
      …
      Artikel 4
      Qualität der Daten
      (1)      Personenbezogene Daten dürfen nur 
      a)       nach Treu und Glauben und auf rechtmäßige Weise verarbeitet werden; 
      b)       für festgelegte, eindeutige und rechtmäßige Zwecke erhoben und nicht in einer mit diesen Zwecken nicht zu vereinbarenden Weise
         weiterverarbeitet werden. …
      
      …
      Artikel 5
      Rechtmäßigkeit der Verarbeitung
      Personenbezogene Daten dürfen nur verarbeitet werden, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:
      a)       Die Verarbeitung ist für die Wahrnehmung einer Aufgabe erforderlich, die aufgrund der Verträge zur Gründung der Europäischen
         Gemeinschaften oder anderer aufgrund dieser Verträge erlassener Rechtsakte im öffentlichen Interesse oder in legitimer Ausübung
         öffentlicher Gewalt ausgeführt wird, die dem Organ oder der Einrichtung der Gemeinschaft oder einem Dritten, dem die Daten
         übermittelt werden, übertragen wurde; oder 
      
      b)       die Verarbeitung ist für die Erfüllung einer rechtlichen Verpflichtung erforderlich, der der für die Verarbeitung Verantwortliche
         unterliegt; oder
      
      …
      d)       die betroffene Person hat ohne jeden Zweifel ihre Einwilligung gegeben …
      …
      Artikel 8
      Übermittlung personenbezogener Daten an Empfänger, die nicht Organe oder Einrichtungen der Gemeinschaft sind und die der Richtlinie
         95/46/EG unterworfen sind
      
      Unbeschadet der Artikel 4, 5, 6 und 10 werden personenbezogene Daten an Empfänger, die den aufgrund der Richtlinie 95/46/EG
         erlassenen nationalen Rechtsvorschriften unterliegen, nur übermittelt,
      
      a)       wenn der Empfänger nachweist, dass die Daten für die Wahrnehmung einer Aufgabe, die im öffentlichen Interesse liegt oder zur
         Ausübung der öffentlichen Gewalt gehört, erforderlich sind oder 
      
      b)       wenn der Empfänger die Notwendigkeit der Datenübermittlung nachweist und kein Grund zu der Annahme besteht, dass die berechtigten
         Interessen der betroffenen Person beeinträchtigt werden könnten.
      
      …
      Artikel 18
      Widerspruchsrecht der betroffenen Person
      Die betroffene Person hat das Recht,
      a)       jederzeit aus zwingenden, schutzwürdigen, sich aus ihrer besonderen Situation ergebenden Gründen gegen die Verarbeitung von
         sie betreffenden Daten Widerspruch einzulegen, außer in den unter Artikel 5 Buchstaben b), c) und d) fallenden Fällen. Bei
         berechtigtem Widerspruch darf sich die betreffende Verarbeitung nicht mehr auf diese Daten beziehen;
      
      …“
      13      Art. 8 der am 4. November 1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
         (EMRK) bestimmt:
      
      „(1)      Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz.
      (2)      Eine Behörde darf in die Ausübung dieses Rechts nur eingreifen, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen
         Gesellschaft notwendig ist für die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung
         der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten
         anderer.“
      
      14      Die am 7. Dezember 2000 in Nizza proklamierte Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. C 364, S. 1, im Folgenden:
         Grundrechtecharta) sieht vor:
      
      „Artikel 7
      Achtung des Privat- und Familienlebens
      Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat- und Familienlebens, ihrer Wohnung sowie ihrer Kommunikation.
      Artikel 8
      Schutz personenbezogener Daten
      (1)       Jede Person hat das Recht auf Schutz der sie betreffenden personenbezogenen Daten.
      (2)       Diese Daten dürfen nur nach Treu und Glauben für festgelegte Zwecke und mit Einwilligung der betroffenen Person oder auf einer
         sonstigen gesetzlich geregelten legitimen Grundlage verarbeitet werden. Jede Person hat das Recht, Auskunft über die sie betreffenden
         erhobenen Daten zu erhalten und die Berichtigung der Daten zu erwirken.
      
      (3)       Die Einhaltung dieser Vorschriften wird von einer unabhängigen Stelle überwacht.
      …
      Artikel 42
      Recht auf Zugang zu Dokumenten
      Die Unionsbürgerinnen und Unionsbürger sowie jede natürliche oder juristische Person mit Wohnsitz oder satzungsmäßigem Sitz
         in einem Mitgliedstaat haben das Recht auf Zugang zu den Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission.
      
      …“
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      15      Die Klägerin wurde am 28. Mai 1992 zum Zweck der Einfuhr deutschen Biers gegründet, das für den Ausschank in Gaststätten im
         Vereinigten Königreich, hauptsächlich in Nordengland, bestimmt war.
      
      16      Die Klägerin war jedoch am Absatz ihres Erzeugnisses dadurch gehindert, dass im Vereinigten Königreich viele Gastwirte durch
         Alleinbezugsvereinbarungen gebunden waren, die sie zum ausschließlichen Bierbezug von einer bestimmten Brauerei verpflichteten.
      
      17      Nach der Supply of Beer (Tied Estate) Order 1989 SI 1989/2390 (britische Bierlieferungsverordnung) müssen britische Brauereien
         mit Lieferungsrechten für mehr als 2 000 Gaststätten es deren Betreibern gestatten, auch von einer anderen Brauerei Bier zu
         beziehen, allerdings – gemäß Art. 7 Abs. 2 Buchst. a der Verordnung – nur Fassbier mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2
         Vol.-%. Diese Bestimmung wird allgemein als „Guest Beer Provision“ (im Folgenden: GBP) bezeichnet.
      
      18      Die meisten außerhalb des Vereinigten Königreichs erzeugten Biere können jedoch nicht als „Fassbier“ im Sinne der GBP angesehen
         werden und fallen somit nicht unter diese Bestimmung.
      
      19      Da die Klägerin die GBP als eine mit Art. 30 EG-Vertrag (nach Änderung jetzt Art. 28 EG) unvereinbare Maßnahme mit gleicher
         Wirkung wie eine mengenmäßige Einfuhrbeschränkung ansah, reichte sie mit Schreiben vom 3. April 1993 eine Beschwerde bei der
         Kommission ein, die unter dem Aktenzeichen P/93/4490/UK in das Register eingetragen wurde.
      
      20      Nach Untersuchung des Sachverhalts beschloss die Kommission am 12. April 1995, gegen das Vereinigte Königreich Großbritannien
         und Nordirland ein Verfahren gemäß Art. 169 EG-Vertrag (jetzt Art. 226 EG) einzuleiten. Sie teilte der Klägerin am 28. September
         1995 mit, dass sie den Fall untersucht und dem Vereinigten Königreich am 15. September 1995 ein Mahnschreiben übermittelt
         habe. Am 26. Juni 1996 beschloss die Kommission, an das Vereinigte Königreich eine mit Gründen versehene Stellungnahme zu
         richten; diesen Beschluss gab sie am 5. August 1996 in einer Pressemitteilung bekannt.
      
      21      Am 11. Oktober 1996 fand ein Treffen statt (im Folgenden: Treffen vom 11. Oktober 1996 oder Treffen), an dem Vertreter der
         Generaldirektion (GD) „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“ der Kommission, des Ministeriums für Handel und Industrie des
         Vereinigten Königreichs und der Confédération des brasseurs du marché commun (Verband der Bierbrauer des Gemeinsamen Marktes,
         im Folgenden: CBMC) teilnahmen. Die Klägerin hatte mit Schreiben vom 27. August 1996 um Teilnahme am Treffen ersucht, ihrem
         Ersuchen gab die Kommission jedoch nicht statt.
      
      22      Am 15. März 1997 kündigte das Ministerium für Handel und Industrie des Vereinigten Königreichs ein Vorhaben zur Änderung der
         GBP an, wonach neben Fassbier künftig auch Flaschenbier einer anderen Brauerei verkauft werden könne. Die Kommission setzte
         ihre Entscheidung, eine mit Gründen versehene Stellungnahme an das Vereinigte Königreich zu richten, zweimal, am 19. März
         und am 26. Juni 1997, aus, worauf der Leiter des Referats 2 „Anwendung der Artikel 30 bis 36 EG-Vertrag (Notifizierung, Beschwerden,
         Verstöße usw.) und Beseitigung der Handelshemmnisse“ der Direktion B „Freier Warenverkehr und öffentliches Auftragswesen“
         der GD „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“ der Klägerin mit Schreiben vom 21. April 1997 mitteilte, dass das Verfahren
         des Art. 169 EG-Vertrag wegen der geplanten Änderung der GBP ausgesetzt und die mit Gründen versehene Stellungnahme der Regierung
         des Vereinigten Königreichs nicht übermittelt worden sei. Sie wies darauf hin, dass das Verfahren eingestellt werde, sobald
         die Änderung der GBP in Kraft trete. Die neue Fassung der GBP wurde am 22. August 1997 zu geltendem Recht. Infolgedessen wurde
         die mit Gründen versehene Stellungnahme dem Vereinigten Königreich nie übersandt und das Vertragsverletzungsverfahren mit
         Beschluss der Kommission vom 10. Dezember 1997 endgültig eingestellt.
      
      23      Mit Telefax vom 21. März 1997 ersuchte die Klägerin den Generaldirektor der GD „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“, ihr
         gemäß dem Verhaltenskodex die mit Gründen versehene Stellungnahme in Kopie zu übermitteln. Dieser Antrag wurde ebenso abgelehnt
         wie ein erneut gestellter Antrag.
      
      24      Mit Schreiben vom 18. September 1997 (im Folgenden: Entscheidung vom 18. September 1997) bestätigte der Generalsekretär der
         Kommission die Ablehnung des beim Generaldirektor der GD „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“ gestellten Antrags.
      
      25      Gegen die Entscheidung vom 18. September 1997 erhob die Klägerin beim Gericht eine Klage, die unter dem Aktenzeichen T‑309/97
         in das Register der Kanzlei eingetragen wurde. Mit Urteil vom 14. Oktober 1999, Bavarian Lager/Kommission (T‑309/97, Slg.
         1999, II‑3217), wies das Gericht diese Klage mit der Begründung ab, die Sicherung des Zwecks, es dem Mitgliedstaat zu ermöglichen,
         seine Vertragspflichten freiwillig zu erfüllen oder gegebenenfalls seine Position zu rechtfertigen, rechtfertige es, zum Schutz
         des öffentlichen Interesses den Zugang zu einem Entwurf zu verweigern, der sich auf die Untersuchungsphase eines Verfahrens
         nach Art. 169 EG-Vertrag beziehe.
      
      26      Am 4. Mai 1998 stellte die Klägerin bei der Kommission gemäß dem Verhaltenskodex einen Antrag auf Zugang zu allen Schriftstücken,
         die von elf namentlich genannten Unternehmen und Organisationen sowie drei bezeichneten Gruppen von Personen oder Unternehmen
         zum Verfahren P/93/4490/UK eingereicht worden seien. Die Kommission lehnte den ursprünglichen Antrag mit der Begründung ab,
         der Verhaltenskodex finde nur auf Dokumente Anwendung, deren Verfasser die Kommission sei. Ein Zweitantrag wurde mit der Begründung
         abgelehnt, dass die Kommission nicht Verfasser der fraglichen Schriftstücke sei und dass Anträge an den Verfasser zu richten
         seien.
      
      27      Am 8. Juli 1998 legte die Klägerin beim Europäischen Bürgerbeauftragten (im Folgenden: Bürgerbeauftragter) eine Beschwerde
         ein, die unter dem Aktenzeichen 713/98/IJH in das Register eingetragen wurde und zu der sie mit Schreiben vom 2. Februar 1999
         darauf hinwies, dass ihr daran gelegen sei, die Namen der Vertreter der CBMC, die am Treffen vom 11. Oktober 1996 teilgenommen
         hätten, sowie die Namen der Unternehmen und Personen zu erfahren, die zu den 14 Gruppen gehörten, die sie in ihrem ursprünglichen
         Antrag auf Zugang zu denjenigen Dokumenten bezeichnet habe, die der Kommission im Verfahren P/93/4490/UK übermittelte Stellungnahmen
         enthielten.
      
      28      Im Anschluss an einen Schriftwechsel zwischen dem Bürgerbeauftragten und der Kommission teilte diese dem Bürgerbeauftragten
         im Oktober und November 1999 mit, dass sie auf die 45 Schreiben, die sie an die betroffenen Personen gerichtet habe, um sie
         um Genehmigung der Offenlegung ihrer Identität gegenüber der Klägerin zu ersuchen, 20 Antworten erhalten habe, davon 14 zustimmende
         und 6 abschlägige. Die Kommission leitete die Namen und Anschriften der Personen, die mit der Nennung ihres Namens einverstanden
         waren, weiter. Die Klägerin wies den Bürgerbeauftragten darauf hin, dass die von der Kommission erteilten Auskünfte immer
         noch unvollständig seien.
      
      29      In seinem im Beschwerdeverfahren 713/98/IJH an die Kommission gerichteten Empfehlungsentwurf vom 17. Mai 2000 schlug der Bürgerbeauftragte
         der Kommission vor, der Klägerin die Namen der Vertreter der CBMC mitzuteilen, die am Treffen vom 11. Oktober 1996 teilgenommen
         hätten, sowie die Namen der Unternehmen und Personen, die zu den 14 Gruppen gehörten, die sie in ihrem ursprünglichen Antrag
         auf Zugang zu denjenigen Dokumenten bezeichnet habe, die der Kommission im Verfahren P/93/4490/UK übermittelte Stellungnahmen
         enthielten.
      
      30      In ihrer am 3. Juli 2000 an den Bürgerbeauftragten gerichteten mit Gründen versehenen Stellungnahme erhielt die Kommission
         ihre Auffassung aufrecht, dass es weiterhin eines Einverständnisses der Betroffenen bedürfe, dass sie jedoch die Namen derjenigen
         Personen mitteilen könne, die auf ihr Genehmigungsersuchen nicht geantwortet hätten, da das Interesse sowie die Grundrechte
         und Grundfreiheiten der Betroffenen dann keinen Vorrang hätten, wenn diese nicht antworteten. Die Kommission nannte daher
         die Namen weiterer 25 Personen.
      
      31      Am 23. November 2000 überreichte der Bürgerbeauftragte dem Parlament seinen Sonderbericht, der sich dem an die Kommission
         im Beschwerdeverfahren 713/98/IJH gerichteten Empfehlungsentwurf anschloss (im Folgenden: Sonderbericht) und in dem er zu
         dem Ergebnis gelangte, dass es kein Grundrecht gebe, das der Offenlegung von einer Verwaltungsbehörde vertraulich mitgeteilten
         Informationen entgegenstehe, und dass die Richtlinie 95/46 nicht verlange, dass die Kommission die Namen von Personen geheim
         halte, die ihr Stellungnahmen oder Informationen im Zusammenhang mit der Ausübung ihrer eigenen Tätigkeit unterbreiteten.
      
      32      In einem Schreiben vom 30. September 2002 an den Präsidenten der Kommission, Herrn Prodi, gab der Bürgerbeauftragte zu bedenken:
      
      „Der Bürgerbeauftragte ist besorgt, dass die Datenschutzbestimmungen in der Weise falsch verstanden werden könnten, als ob
         sie das Bestehen eines allgemeinen Rechts auf anonyme Beteiligung an öffentlichen Aktivitäten begründeten. Diese Fehlinterpretation
         könnte den Grundsatz der Transparenz und des Rechts der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten sowohl auf der Ebene der Union
         als auch auf derjenigen der Mitgliedstaaten untergraben, wo Transparenz und öffentlicher Zugang in den nationalen Verfassungen
         oder Gesetzen verankert sind.“
      
      33      Der Pressemitteilung Nr. 23/2001 des Bürgerbeauftragten vom 12. Dezember 2001 ist zu entnehmen, dass das Parlament eine Entschließung
         zu seinem Sonderbericht annahm, in der es die Kommission aufgefordert habe, die von der Klägerin angeforderten Informationen
         zu erteilen.
      
      34      Mit E-Mail vom 5. Dezember 2003 ersuchte die Klägerin die Kommission gemäß der Verordnung Nr. 1049/2001 um Zugang zu den in
         Randnr. 27 dieses Urteils genannten Schriftstücken.
      
      35      Die Kommission antwortete hierauf mit Schreiben vom 27. Januar 2004, in dem sie darauf hinwies, dass zwar einige sich auf
         das Treffen vom 11. Oktober 1996 beziehende Dokumente offengelegt werden könnten, dass jedoch fünf Namen im Protokoll dieses
         Treffens geschwärzt worden seien, weil sich zwei Personen ausdrücklich der Preisgabe ihrer Identität widersetzt hätten und
         die Kommission mit den drei übrigen Personen nicht in Kontakt habe treten können.
      
      36      Mit E-Mail vom 9. Februar 2004 stellte die Klägerin einen Zweitantrag im Sinne von Art. 7 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001
         auf Zurverfügungstellung des vollständigen Protokolls des Treffens vom 11. Oktober 1996 mit den Namen aller Teilnehmer.
      
      37      Mit Schreiben vom 18. März 2004 (im Folgenden: angefochtene Entscheidung) lehnte die Kommission den Zweitantrag der Klägerin
         ab. Sie bestätigte, dass auf den Antrag auf Offenlegung der Namen der übrigen Teilnehmer die Verordnung Nr. 45/2001 anwendbar
         sei. Da die Klägerin weder einen konkreten schutzwürdigen Zweck noch die Notwendigkeit einer solchen Offenlegung dargetan
         habe, seien die Voraussetzungen des Art. 8 dieser Verordnung nicht erfüllt und sei die Ausnahmeregelung des Art. 4 Abs. 1
         Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 anwendbar. Selbst wenn aber die Vorschriften über den Schutz personenbezogener Daten
         nicht anwendbar wären, könnte sie die Offenlegung der übrigen Namen doch nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung
         Nr. 1049/2001 ablehnen, um nicht ihre Fähigkeit zur Durchführung von Untersuchungen zu gefährden.
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      38      Mit Klageschrift, die am 27. Mai 2004 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      39      Mit Beschluss vom 6. Dezember 2004 hat der Präsident der Dritten Kammer des Gerichts die Republik Finnland als Streithelferin
         zur Unterstützung der Anträge der Klägerin zugelassen. Nachdem die Republik Finnland ihren Streithilfeantrag zurückgenommen
         hat, hat der Präsident der Dritten Kammer des Gerichts mit Beschluss vom 27. April 2005 diesen Streitbeitritt im Register
         gestrichen.
      
      40      Mit am 28. Februar 2006 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangenem Schriftsatz hat der Europäische Datenschutzbeauftragte
         (EDSB; im Folgenden: Datenschutzbeauftragter) beantragt, im vorliegenden Verfahren als Streithelfer zur Unterstützung der
         Anträge der Klägerin zugelassen zu werden. Der Präsident der Dritten Kammer hat diese Streithilfe mit Beschluss vom 6. Juni
         2006 zugelassen.
      
      41      Die Klägerin und die Kommission sind im Rahmen prozessleitender Maßnahmen zur Vorlage bestimmter Schriftstücke aufgefordert
         worden. Sie sind den Aufforderungen fristgemäß nachgekommen.
      
      42      Mit Beschluss vom 16. Mai 2006 hat das Gericht gemäß Art. 65 Buchst. b, Art. 66 § 1 und Art. 67 § 3 Abs. 3 seiner Verfahrensordnung
         der Kommission aufgegeben, das vollständige Protokoll des Treffens vom 11. Oktober 1996 mit den Namen aller Teilnehmer vorzulegen,
         dabei jedoch darauf hingewiesen, dass dieses Schriftstück der Klägerin im vorliegenden Verfahren nicht übermittelt werde.
         Die Kommission hat dieser Aufforderung entsprochen.
      
      43      Die Parteien haben in der Sitzung vom 13. September 2006 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      
      44      Die Klägerin beantragt,
      
      –        festzustellen, dass die Akzeptierung der von der Regierung des Vereinigten Königreichs vorgenommenen Änderung der GBP durch
         die Kommission gegen Art. 30 EG-Vertrag (jetzt Art. 28 EG) verstößt;
      
      –        festzustellen, dass die Kommission diese Änderung nicht hätte akzeptieren dürfen und deshalb gegen Art. 30 EG-Vertrag verstoßen
         hat;
      
      –        die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären;
      –        anzuordnen, dass die Kommission eine vollständige Liste der Personen, die am Treffen teilgenommen haben, mitzuteilen hat;
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      45      In der mündlichen Verhandlung hat der Datenschutzbeauftragte zur Unterstützung des Antrags der Klägerin auf Dokumentenzugang
         beantragt, die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären.
      
      46      Die Kommission beantragt, 
      
      –        die Anträge bezüglich des Vertragsverletzungsverfahrens als unzulässig zurückzuweisen;
      –        den Antrag auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung zurückzuweisen;
      –        den Antrag, der Kommission aufzugeben, die Namen der übrigen Teilnehmer des Treffens offenzulegen, als unzulässig zurückzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
       Zur Zulässigkeit des Antrags, anzuordnen, dass die Kommission die Namen aller Teilnehmer des Treffens mitzuteilen hat
      47      Nach ständiger Rechtsprechung ist das Gericht im Rahmen der von ihm ausgeübten Rechtmäßigkeitskontrolle nicht befugt, den
         Organen Weisungen zu erteilen oder sich an ihre Stelle zu setzen. Diese Beschränkung der Rechtmäßigkeitskontrolle gilt für
         alle Arten von Rechtsstreitigkeiten, für deren Entscheidung das Gericht zuständig ist, einschließlich solcher über den Zugang
         zu Dokumenten (Urteil des Gerichts vom 12. Juli 2001, Mattila/Rat und Kommission, T‑204/99, Slg. 2001, II‑2265, Randnr. 26,
         bestätigt durch Urteil des Gerichtshofs vom 22. Januar 2004, Mattila/Rat und Kommission, C‑353/01 P, Slg. 2004, I‑1073, Randnr.
         15).
      
      48      Der Antrag der Klägerin, anzuordnen, dass die Kommission ihr die Namen aller Teilnehmer des Treffens vom 11. Oktober 1996
         mitzuteilen hat, ist daher unzulässig.
      
       Zur rechtswidrigen Einstellung des Vertragsverletzungsverfahrens nach Art. 169 EG-Vertrag 
       Vorbringen der Parteien
      49      Die Klägerin macht geltend, die Kommission habe es unter Verstoß gegen Art. 30 EG-Vertrag, hilfsweise gegen Art. 6 EG-Vertrag
         (nach Änderung jetzt Art. 12 EG), akzeptiert, ein Vertragsverletzungsverfahren einzustellen, von dem das Treffen vom 11. Oktober
         1996 ein maßgeblicher Teil gewesen sei.
      
      50      Angesichts der fehlenden Bereitschaft der Kommission, eine Teilnahme der Klägerin am Treffen zuzulassen, sowie des Umstands,
         dass sie das Vertragsverletzungsverfahren fälschlicherweise eingestellt habe, der fortdauernden Diskriminierung von Bieren
         aus anderen Mitgliedstaaten als dem Vereinigten Königreich durch die geänderte GBP und des äußersten Widerwillens der Kommission,
         die Namen der Teilnehmer des Treffens offenzulegen, sei dieses Treffen nämlich von der Regierung des Vereinigten Königreichs
         und den großen Bier erzeugenden Unternehmen des Vereinigten Königreichs dazu benutzt worden, die Kommission zu überreden,
         eine Gesetzesänderung zu akzeptieren, die dazu gedient habe, Bierimporteure wie die Klägerin daran zu hindern, ihre Erzeugnisse
         auf einem erheblichen Teil des britischen Marktes abzusetzen. Aufgrund dieser Absprache, die auf eine rechtswidrige Einstellung
         des Vertragsverletzungsverfahrens gerichtet gewesen sei, seien der Klägerin ein Geschäft entgangen und damit beträchtliche
         finanzielle Verluste entstanden. Daher liege ein Verstoß gegen Art. 30 EG-Vertrag vor.
      
      51      Die geänderte GBP verstoße außerdem gegen Art. 6 EG-Vertrag, da sie gegenüber Bieren, die in anderen Mitgliedstaaten als dem
         Vereinigten Königreich erzeugt würden, eine Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit bewirke.
      
      52      Die Kommission vertritt im Wesentlichen die Auffassung, die Anträge der Klägerin auf Feststellung, dass die Akzeptierung der
         von der Regierung des Vereinigten Königreichs vorgenommenen Änderung der GBP durch die Kommission gegen Art. 30 EG-Vertrag
         verstoße, dass die Kommission diese Änderung nicht hätte akzeptieren dürfen und dass sie damit gegen Art. 30 EG-Vertrag verstoßen
         habe, seien offensichtlich unzulässig.
      
       Würdigung durch das Gericht
      53      Die Klägerin beantragt, festzustellen, dass die Akzeptierung der von der Regierung des Vereinigten Königreichs vorgenommenen
         Änderung der GBP durch die Kommission gegen die Art. 30 und 6 EG-Vertrag verstößt. Dieser Antrag ist so zu verstehen, dass
         die Klägerin in Wirklichkeit geltend macht, die Kommission habe das Verfahren über ihre Beschwerde, mit der sie gemeinschaftsrechtswidrige
         Maßnahmen des Vereinigten Königreichs beanstandet habe, zu Unrecht eingestellt.
      
      54      Hierzu ist daran zu erinnern, dass eine Klage, mit der ein Einzelner die Nichtigerklärung der Weigerung der Kommission beantragt,
         gegen einen Mitgliedstaat ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, unzulässig ist (Beschluss des Gerichtshofs vom 12.
         Juni 1992, Asia Motor France/Kommission, C‑29/92, Slg. 1992, I‑3935, Randnr. 21; Beschlüsse des Gerichts vom 15. März 2004,
         Institouto N. Avgerinopoulou u. a./Kommission, T‑139/02, Slg. 2004, II‑875, Randnr. 76, und vom 19. September 2005, Aseprofar
         und Edifa/Kommission, T‑247/04, Slg. 2005, II‑3449, Randnr. 40).
      
      55      Aus Art. 169 EG-Vertrag folgt nämlich, dass die Kommission nicht verpflichtet ist, ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten,
         sondern insoweit über ein Ermessen verfügt, das ein Recht Einzelner, von ihr eine Stellungnahme in einem bestimmten Sinne
         zu verlangen und gegen ihre Weigerung, tätig zu werden, eine Nichtigkeitsklage zu erheben, ausschließt (Beschlüsse des Gerichts
         vom 16. Februar 1998, Smanor u. a./Kommission, T‑182/97, Slg. 1998, II‑271, Randnr. 27, und Institouto N. Avgerinopoulou u. a./Kommission,
         Randnr. 77).
      
      56      Im vorliegenden Fall ist daher der Antrag der Klägerin unzulässig, die Weigerung der Kommission für nichtig zu erklären, gegen
         das Vereinigte Königreich deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, weil die geänderte GBP gegen die Art. 6 und
         30 EG-Vertrag verstoße. Unter diesen Umständen kann nicht gerügt werden, dass die Kommission mit der Einstellung des fraglichen
         Verfahrens selbst gegen diese Artikel verstoßen habe.
      
      57      Selbst wenn die Klägerin mit ihrem Antrag nicht die Nichtigerklärung dieser Weigerung, sondern diejenige der Entscheidung
         vom 10. Dezember 1997 über die Einstellung des Verfahrens über ihre Beschwerde begehren sollte, wäre jedenfalls darauf hinzuweisen,
         dass eine Entscheidung der Kommission über die Einstellung eines Verfahrens, das auf eine Beschwerde, durch die sie von einem
         Verhalten eines Staats unterrichtet wurde, das zur Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens führen kann, hin eingeleitet
         wurde, keine bindende Kraft hat und daher nicht angefochten werden kann (Beschluss Aseprofar und Edifa/Kommission, Randnr.
         48). Außerdem wäre der Antrag angesichts des Zeitpunkts des Erlasses dieser Entscheidung offensichtlich verspätet.
      
      58      Die Rügen der Klägerin bezüglich der Einstellung des Verfahrens über ihre Beschwerde sind somit unzulässig.
      
      59      Was im Übrigen die Rüge der Klägerin angeht, durch die rechtswidrige Einstellung des Vertragsverletzungsverfahrens seien ihr
         ein Geschäft entgangen und beträchtliche finanzielle Verluste entstanden, so genügt die Feststellung, dass die Klägerin im
         Rahmen ihrer Klage keinen Schadensersatzantrag gestellt hat. Über diesen Punkt ist daher nicht zu entscheiden.
      
       Zum Zugang zu den Dokumenten
       Vorbringen der Parteien
      60      Die Klägerin macht geltend, nach den Schlussfolgerungen des Sonderberichts des Bürgerbeauftragten sei die Ausnahme nach Art. 4
         Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar, da die Richtlinie 95/46 die Kommission
         nicht verpflichte, die Namen der Personen, die ihr Stellungnahmen oder Informationen übermittelten, geheim zu halten. Sie
         beruft sich insoweit auf das in Randnr. 32 des vorliegenden Urteils angeführte Schreiben des Bürgerbeauftragten vom 30. September
         2002 an den Präsidenten der Kommission, in dem er der Kommission vorwerfe, die Richtlinie 95/46 falsch anzuwenden.
      
      61      Auch Art. 4 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1049/2001 sei unanwendbar. Angesichts des Umstands, dass das Treffen im Jahr 1996 stattgefunden
         habe, könne der Entscheidungsprozess der Kommission, wenn überhaupt, allenfalls minimal beeinträchtigt werden, da zwischen
         dem Treffen und der Klageerhebung sieben Jahre lägen. Selbst wenn diese Bestimmung aber anwendbar sei, könne sich die Kommission
         doch nicht auf sie berufen, um ihre Weigerung der Erteilung der gewünschten Auskünfte zu begründen, da ein überwiegendes öffentliches
         Interesse an dieser Offenlegung bestehe. Der Bürgerbeauftragte und das Parlament hätten nämlich in der vorliegenden Rechtssache
         ein Interesse daran gehabt, zu erfahren, was es damit auf sich habe, dass einflussreiche Dritte der Kommission ihre Standpunkte
         unter großer Geheimhaltung hätten mitteilen können, was gegen den Grundsatz der Transparenz verstoße.
      
      62      In ihrer Erwiderung macht die Klägerin geltend, dass in der Klagebeantwortung eine neue Tatsache vorgetragen werde, nämlich
         diejenige, dass die Personen, deren Namen sie angefordert habe, Vertreter der CBMC gewesen seien, die nach den Anweisungen
         der von ihnen vertretenen Einrichtung gehandelt hätten. Da die Kommission preisgegeben habe, dass diese Personen Vertreter
         der CBMC gewesen seien, sei diese Information nunmehr öffentlich, und der Ruf der Kommission, Vertraulichkeit zu wahren, würde
         durch eine Weitergabe der Namen dieser Personen nicht weiter beschädigt. 
      
      63      Wirtschaftsverbände wie die CBMC verträten gewöhnlich alle oder die meisten Wirtschaftsteilnehmer eines bestimmten Marktes
         und neigten daher dazu, Stellungnahmen für einen gesamten Industriezweig abzugeben. Der Ruf der Kommission könne nur dann
         beschädigt werden, wenn sich herausstellen sollte, dass die Vertreter der CBMC auf dem Treffen vom 11. Oktober 1996 eine bestimmte
         Gruppe von Bierbrauern vertreten hätten, um sich dafür einzusetzen, dass der Markt für in den Gaststätten des Vereinigten
         Königreichs verkauftes Bier weiterhin abgeschottet bleibe. Ein Entfallen dieser Vertraulichkeit sei dann nicht problematisch,
         wenn Angestellte eines solchen Wirtschaftsverbands die Auskünfte erteilt hätten, es sei denn, der Verband gebe nicht korrekt
         die Meinung aller seiner Mitglieder wieder.
      
      64      Die Klägerin gelangt zu dem Ergebnis, dass die Kommission nach Art. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001 zur uneingeschränkten Offenlegung
         der Namen der Teilnehmer des Treffens sowie der im Vertragsverletzungsverfahren übermittelten Stellungnahmen verpflichtet
         sei und dass keine der in Art. 4 der Verordnung Nr. 1049/2001 angeführten Ausnahmen auf den vorliegenden Fall anwendbar sei.
      
      65      Der Datenschutzbeauftragte vertritt nach seinem Vorbringen in der mündlichen Verhandlung die Auffassung, dass die Kommission
         gegen Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 verstoßen habe. Er bezieht sich insoweit auf ein Dokument mit dem
         Titel „Der Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten und der Datenschutz“ (Thematische Abhandlungen, Nr. 1, Juli 2005, EDSP
         – European Data Protection Supervisor), das auf der Website des Datenschutzbeauftragten zu finden ist.
      
      66      Der Datenschutzbeauftragte hebt die Notwendigkeit hervor, zwischen dem Schutz personenbezogener Daten und dem Grundrecht der
         Unionsbürger auf Zugang zu Dokumenten der Organe ein ausgewogenes Verhältnis zu erzielen. Diesem in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 1049/2001 ausdrücklich geregelten Gleichgewicht werde jedoch von der Kommission bei ihrer Argumentation
         nicht gebührend Rechnung getragen. Da ein Antrag auf Zugang zu Dokumenten auf demokratischen Grundsätzen beruhe, sei die Angabe
         von Gründen für die Anforderung von Dokumenten nicht erforderlich, so dass Art. 8 der Verordnung Nr. 45/2001 im vorliegenden
         Fall nicht einschlägig sei. Ebenso wenig lasse sich aus den Datenschutzbestimmungen ein allgemeines Recht auf anonyme Teilnahme
         an öffentlichen Tätigkeiten herleiten.
      
      67      Das durch Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 geschützte Interesse sei die Privatsphäre und nicht der Schutz
         personenbezogener Daten, bei dem es sich um einen viel weiteren Begriff als den der Privatsphäre handele. Zwar falle der im
         Protokoll einer Sitzung genannte Name eines Teilnehmers unter die personenbezogenen Daten, da die Identität dieser Person
         offengelegt werde und der Begriff des Schutzes personenbezogener Daten auf solche Angaben unabhängig davon Anwendung finde,
         ob sie zur Privatsphäre gehörten oder nicht, doch habe die Bekanntgabe eines Namens im Rahmen beruflicher Tätigkeiten im Allgemeinen
         nichts mit der Privatsphäre zu tun. Die Kommission könne sich daher nicht auf Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001
         berufen, um die Bekanntgabe der Namen der Betroffenen abzulehnen.
      
      68      Im Ergebnis sei jedenfalls Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 dahin auszulegen, dass das Recht, die Verbreitung
         zu verweigern, nicht absolut sei, sondern einen intensiven oder qualifizierten Eingriff in die Privatsphäre voraussetze, was
         nach den Vorschriften und Grundsätzen des Schutzes personenbezogener Daten zu beurteilen sei. Es gebe kein allgemeines Recht
         des Betroffenen, sich der Verbreitung zu widersetzen. Der Betroffene, der sich der Verbreitung widersetze, müsse plausibel
         begründen, weshalb ihm durch eine Verbreitung ein Schaden entstehen könne.
      
      69      Die Kommission hält den Antrag auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung für unbegründet. Sie stellt fest, dass
         im vorliegenden Fall zwei Rechte wechselseitig aufeinander einwirkten, nämlich das Recht auf Zugang der Öffentlichkeit zu
         Dokumenten und das Recht auf Schutz der Privatsphäre und auf Datenschutz.
      
      70      Das Recht auf Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten nach der Verordnung Nr. 1049/2001 sei ein im Allgemeinen unbeschränktes,
         automatisches Recht, das nicht vom Nachweis eines besonderen Interesses der Person, die den Zugang zu einem Dokument beantrage,
         abhängig sei. Der Antragsteller sei normalerweise nicht zur Angabe von Gründen verpflichtet.
      
      71      Personenbezogene Daten könnten demgegenüber nur nach den für das Recht auf Privatsphäre geltenden Grundprinzipien und den
         besonderen Bestimmungen über die Verarbeitung personenbezogener Daten rechtmäßig und legitim verbreitet werden. Zu verweisen
         sei auf Art. 8 EMRK, Art. 286 EG sowie die Art. 7 und 8 der Grundrechtecharta. Nach der Verordnung Nr. 45/2001 müsse die Person,
         die Zugang zu personenbezogenen Daten beantrage, die Notwendigkeit der Verbreitung dieser Daten nachweisen, und für die Kommission
         müsse Gewissheit bestehen, dass diese Verbreitung nicht die berechtigten Interessen des Betroffenen beeinträchtige.
      
      72      Die Klägerin trage für ihre Auffassung, dass die in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 und des Weiteren
         in der Verordnung Nr. 45/2001 vorgesehene Ausnahmeregelung unanwendbar sei, keine rechtlichen Argumente vor, sondern berufe
         sich nur auf den Empfehlungsentwurf des Bürgerbeauftragten und die ihn stützende Entschließung des Parlaments. Die Schlussfolgerung
         des Bürgerbeauftragten gründe sich jedoch auf eine Auslegung der Richtlinie 95/46 und des Verhaltenskodex, die vom Gerichtshof
         inzwischen verworfen worden sei (Urteil des Gerichtshofs vom 6. März 2003, Interporc/Kommission, C‑41/00 P, Slg. 2003, I‑2125;
         Urteile des Gerichts vom 7. Dezember 1999, Interporc/Kommission, T‑92/98, Slg. 1999, II‑3521, Randnr. 70, und vom 16. Oktober
         2003, Co-Frutta/Kommission, T‑47/01, Slg. 2003, II‑4441, Randnrn. 63 und 64). Da zudem der letzte Antrag der Klägerin auf
         Dokumentenzugang nach dem Inkrafttreten der Verordnungen Nrn. 1049/2001 und 45/2001 gestellt worden sei, sei die Weigerung
         der Kommission, die angeforderten Auskünfte zu erteilen, nach diesen Vorschriften zu prüfen. Jedenfalls sei eine abschließende
         Auslegung der Rechtsvorschriften weder Sache des Bürgerbeauftragten noch des Parlaments.
      
      73      Der Gerichtshof habe seinen Standpunkt zur Tragweite der Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten bestätigt. Er habe
         festgestellt, dass die Vorschriften zum Schutz personenbezogener Daten und insbesondere der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         auf die Veröffentlichung von Namen natürlicher Personen anwendbar seien, auch wenn es sich hierbei um öffentliche Bedienstete
         handele und die Verarbeitung der Daten im Allgemeininteresse erfolgt sei (Urteil des Gerichtshofs vom 20. Mai 2003, Österreichischer
         Rundfunk u. a., C‑465/00, C‑138/01 und C‑139/01, Slg. 2003, I‑4989, Randnr. 64). In Bezug auf die Richtlinie 95/46 sei diese
         Auslegung später vom Gerichtshof im Urteil vom 6. November 2003, Lindqvist (C‑101/01, Slg. 2003, I‑12971, Randnr. 24), bestätigt
         worden, wonach der Ausdruck „personenbezogene Daten“ die Nennung des Namens einer Person in Verbindung mit deren Telefonnummern
         oder mit Informationen über ihr Arbeitsverhältnis oder ihre Freizeitbeschäftigungen eindeutig erfasse.
      
      74      Die spezifische Methode, anhand deren das Recht der Öffentlichkeit auf Zugang zu Dokumenten mit dem Recht auf Privatsphäre
         und Datenschutz in Einklang zu bringen sei, sei in Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 verankert, der in
         Verbindung mit dem 11. Erwägungsgrund dieser Verordnung zu lesen sei, wonach „bei der Beurteilung der Ausnahmen … die Organe
         in allen Tätigkeitsbereichen der Union die in den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft verankerten Grundsätze über den Schutz
         personenbezogener Daten berücksichtigen [sollten]“. Diese Ausnahme sei nach der Verordnung Nr. 1049/2001 nicht gegen ein überwiegendes
         öffentliches Interesse an der Verbreitung des betreffenden Dokuments abzuwägen, sondern verlange von den Gemeinschaftsorganen
         konkret, den Zugang zu einem Dokument dann zu verweigern, wenn dessen Weitergabe den Schutz der Privatsphäre und den Schutz
         personenbezogener Daten unterlaufen würde.
      
      75      Die Verordnung Nr. 45/2001 hindere die Kommission nicht an der Verbreitung oder anderen Verarbeitung personenbezogener Daten,
         sondern stelle das Mittel für die Beurteilung in jedem Einzelfall bereit, ob eine Verarbeitung personenbezogener Daten durch
         ein Organ rechtmäßig und legitim wäre oder den Datenschutz unterlaufen würde.
      
      76      Wenn in einem konkreten Fall die Datenverarbeitung nach der Verordnung 45/2001 rechtmäßig und legitim sei, greife die Ausnahme
         vom Recht auf Zugang der Öffentlichkeit nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 nicht ein und sei das personenbezogene
         Daten enthaltende Dokument offenzulegen. Wenn jedoch die gewünschte Datenverarbeitung nicht rechtmäßig und legitim sei und
         der Antragsteller die Notwendigkeit einer Verbreitung nicht nachweisen könne, sei die Kommission nicht verpflichtet, diese
         Daten zu verbreiten.
      
      77      Da die beiden fraglichen Rechte gleicher Natur, gleicher Wichtigkeit und gleichen Ranges seien, seien sie zusammen anzuwenden
         und in jedem Einzelfall eines Antrags auf Zugang zu einem öffentlichen Dokument, das personenbezogene Daten enthalte, gegeneinander
         abzuwägen.
      
      78      Die Kommission bezieht sich auf einen 2002 erstellten Bericht des EU-Netzwerks unabhängiger Grundrechtsexperten (CFR-CDF)
         über den Stand der Grundrechte in der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten, worin es heißt: „Zwar ist die Möglichkeit
         zu berücksichtigen, dass zu bestimmten Dokumenten nur teilweiser Zugang gewährt wird, jedoch ist es wichtig, dass das Gemeinschaftsorgan
         dann keinen Zugang zu Dokumenten gewährt, wenn das Interesse des Antragstellers in keinem angemessenen Verhältnis zu dem aus
         diesem Zugang resultierenden Eingriff in das Recht des Betroffenen steht, seine Privatsphäre vor der Verarbeitung personenbezogener
         Daten zu schützen.“
      
      79      Die Notwendigkeit eines solchen ausgewogenen Lösungsansatzes sei in der Stellungnahme 5/2001 der nach Art. 29 der Richtlinie
         95/46 eingesetzten Datenschutzgruppe vom 17. Mai 2001 zum Sonderbericht des Bürgerbeauftragten hervorgehoben worden. Darin
         heißt es: 
      
      „Es sei darauf hingewiesen, dass die Verpflichtung zur Zugänglichmachung von Daten, die in den Rechtsvorschriften über den
         Zugang der Öffentlichkeit zu Verwaltungsunterlagen verankert ist, keine absolute Pflicht zur Offenheit festlegt. Es handelt
         sich vielmehr um die Verpflichtung, unter gebührender Berücksichtigung des Datenschutzes Zugang zu Unterlagen zu gewähren.
         Diese Bestimmung rechtfertigt daher keine unbegrenzte oder uneingeschränkte Offenlegung personenbezogener Daten. Im Gegenteil,
         eine Berücksichtigung sowohl der Rechtsvorschriften über den Zugang der Öffentlichkeit zu Unterlagen öffentlicher Stellen
         als auch der Datenschutzvorschriften ergibt normalerweise, dass jeweils eine Einzelfallprüfung erfolgen muss, um eine Abwägung
         zwischen den beiden Rechten vornehmen zu können. Das Ergebnis dieser Bewertung kann dazu führen, dass in die Rechtsvorschriften
         über den Zugang der Öffentlichkeit zu Unterlagen öffentlicher Stellen für unterschiedliche Kategorien von Daten und betroffenen
         Personen unterschiedliche Regeln aufgenommen werden.“
      
      80      Die Kommission verweist darauf, dass die Verordnung Nr. 1049/2001 keine automatische, uneingeschränkte Verpflichtung zur Verbreitung
         von Dokumenten oder Teilen von Dokumenten, die personenbezogene Daten enthielten, vorsehe, sondern dass diese Verpflichtung
         nur insoweit gelte, als sie nicht den Datenschutzvorschriften zuwiderlaufe.
      
      81      Im vorliegenden Fall habe sie alle Umstände der Angelegenheit berücksichtigt. Was die Repräsentanten der britischen Behörden
         und der CBMC angehe, so sei die Klägerin in vollem Umfang über die Interessen und die auf dem Treffen vertretenen Körperschaften
         in Kenntnis gesetzt worden. Als Repräsentanten hätten die anwesenden Personen auf Weisung ihres jeweiligen Vertretungsherrn
         gehandelt, und dies in ihrer Eigenschaft als Beschäftigte dieser Körperschaften und nicht aus eigener Machtvollkommenheit.
         Die Wirkungen der auf dem Treffen gefassten Beschlüsse hätten die vertretenen Körperschaften und nicht deren Repräsentanten
         persönlich betroffen. Deshalb seien es die Informationen über die vertretenen Körperschaften, die für die Beurteilung durch
         die Öffentlichkeit nach dem Transparenzgrundsatz relevant seien, und die Weigerung der Kommission, die Identität der diese
         Interessen vertretenden Personen preiszugeben, könne nicht als Eingriff in die Rechte der Klägerin angesehen werden. Daneben
         habe die Kommission die Notwendigkeit berücksichtigt, ihre Fähigkeit zur Durchführung von Untersuchungen sowie ihre Informationsquellen
         zu schützen. 
      
      82      Die Klägerin habe auch nie die Verpflichtung aus Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001, die Notwendigkeit der Datenübermittlung
         nachzuweisen, erfüllt. Eine Weitergabe der Namen der Teilnehmer würde nämlich keine zusätzlichen Erkenntnisse für die Entscheidung
         der Kommission erbringen, das Vertragsverletzungsverfahren einzustellen. Da der Inhalt des Protokolls bekannt gegeben worden
         sei, seien der Öffentlichkeit die Tatsachen und Argumente bekannt, auf deren Grundlage die Kommission ihre Entscheidung erlassen
         habe. Angesichts des Umstands, dass kein spezifischer, überzeugender Grund für den Nachweis der Notwendigkeit, Dritten personenbezogene
         Daten mitzuteilen, angeführt worden sei, sei die Kommission daher verpflichtet gewesen, diese Offenlegung abzulehnen.
      
      83      Die Tatsache, dass die Namen der Beschäftigten der CBMC veröffentlicht seien, bedeute entgegen dem Vortrag der Klägerin in
         der Erwiderung nicht, dass dies auch für die Personen, die am Treffen teilgenommen hätten, so sein müsse. Die Namen der einzelnen
         Beschäftigten eines Wirtschaftsverbands, die diesen Verband in einer Sitzung vertreten hätten, könnten nämlich nicht notwendig
         aus der Veröffentlichung der Namen seines gesamten Personals hergeleitet werden. Denn wenn dies der Fall wäre, bestünde für
         die Klägerin kein Grund, die Weitergabe dieser Namen an sie zu verlangen. Die Klägerin habe auch nicht vorgetragen, dass die
         Vertreter der CBMC bei dem Treffen etwa nicht die Auffassung des Verbands vertreten hätten. Sie lege nicht dar, inwieweit
         sie mit einer Bekanntgabe der Namen der betreffenden Personen relevantere Informationen als die erhielte, die im Protokoll
         des Treffens und den anderen verteilten Dokumenten enthalten seien.
      
      84      Bezüglich des Vorbringens der Klägerin zur angeblichen Anwendung von Art. 4 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1049/2001 weist die
         Kommission darauf hin, dass sie ihre Weigerung, die Namen bekannt zu geben, nicht auf diese Ausnahme, sondern auf diejenige
         des Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 gestützt habe.
      
      85      Der Klägerin sei mitgeteilt worden, dass, selbst wenn die Datenschutzvorschriften auf ihren Antrag nicht anwendbar wären,
         die Kommission gleichwohl berechtigt gewesen wäre, es abzulehnen, die Namen von fünf Personen gegen deren Willen preiszugeben,
         um nicht ihre Fähigkeit zur Durchführung von Untersuchungen über die behaupteten Verstöße gegen das Gemeinschaftsrecht zu
         beeinträchtigen. Das Treffen vom 11. Oktober 1996 habe im Rahmen einer solchen Untersuchung stattgefunden. Wenn es zulässig
         wäre, die Namen der Personen, die ihr Informationen erteilt hätten, gegen deren Willen offenzulegen, könnte der Kommission
         eine wichtige Informationsquelle genommen werden, was ihre Fähigkeit zur Durchführung dieser Untersuchungen in Frage stellen
         könnte. 
      
      86      Beschwerdeführer hätten im Rahmen von Beschwerde- und Vertragsverletzungsverfahren die Möglichkeit, zwischen einer „vertraulichen“
         und einer „nicht vertraulichen“ Behandlung zu wählen. Es gebe keinen stichhaltigen Grund, anderen Personen, die ein Interesse
         am Vertragsverletzungsverfahren hätten, das gleiche Recht auf Vertraulichkeit zu verweigern.
      
      87      Nach der Ausnahme des Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 sei es der Kommission daher verwehrt
         gewesen, der Klägerin die fünf noch nicht bekannten Namen mitzuteilen.
      
      88      Schließlich vertritt die Kommission die Auffassung, die Klägerin habe nicht den Nachweis eines „überwiegenden öffentlichen
         Interesses an der Verbreitung“ dieser Namen erbracht, das der Anwendung dieser Ausnahme entgegengehalten werden könnte.
      
      89      Im vorliegenden Fall würde es den Schutz aller Untersuchungen untergraben, wenn die Namen der übrigen Personen gegen deren
         Willen und entgegen ihrer Erwartung auf eine vertrauliche Behandlung im Fall ihrer Mitwirkung an der Untersuchung über die
         behauptete Vertragsverletzung bekannt gegeben würden. Somit bestehe bei Untersuchungen ein offensichtliches öffentliches Interesse
         eher an der Wahrung als an der Gefährdung der Vertraulichkeit.
      
       Würdigung durch das Gericht
       Vorbemerkungen
      90      Vorab ist festzustellen, dass der Antrag der Klägerin auf Zugang zum vollständigen Dokument und ihre Klageschrift auf die
         Verordnung Nr. 1049/2001 gestützt sind.
      
      91      Sodann ist daran zu erinnern, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die Ansicht vertreten hat, dass auf den
         Antrag auf Offenlegung der Namen der Teilnehmer des Treffens vom 11. Oktober 1996 die Verordnung Nr. 45/2001 anwendbar sei.
         Da die Klägerin weder einen konkreten schutzwürdigen Zweck noch die Notwendigkeit einer solchen Offenlegung dargetan habe,
         seien die Voraussetzungen des Art. 8 dieser Verordnung nicht erfüllt und sei die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der
         Verordnung Nr. 1049/2001 anwendbar. Die Kommission hat hinzugefügt, dass sie, selbst wenn die Vorschriften zum Schutz personenbezogener
         Daten nicht anwendbar gewesen wären, die Offenlegung der übrigen Namen doch nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der
         Verordnung Nr. 1049/2001 hätte ablehnen müssen, um nicht ihre Fähigkeit zur Durchführung von Untersuchungen zu gefährden.
      
      92      Dazu ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 6 Abs. 1 der Verordnung Nr. 1049/2001 derjenige, der den Zugang zu einem Dokument
         beantragt, nicht zur Angabe von Gründen für seinen Antrag verpflichtet ist und daher kein wie auch immer geartetes Interesse
         nachzuweisen braucht, um Zugang zu den angeforderten Dokumenten zu erhalten (vgl. Urteil des Gerichts vom 6. Juli 2006, Franchet
         und Byk/Kommission, T‑391/03 und T‑70/04, Slg. 2006, II‑2023, Randnr. 82 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      93      Außerdem ist daran zu erinnern, dass der Zugang zu den im Besitz von Organen befindlichen Dokumenten die Regel darstellt und
         eine ablehnende Entscheidung nur dann rechtmäßig ist, wenn sie sich auf eine der Ausnahmen nach Art. 4 der Verordnung Nr.
         1049/2001 gründet.
      
      94      Nach ständiger Rechtsprechung müssen diese Ausnahmen eng ausgelegt und angewandt werden, um die Anwendung des allgemeinen
         Grundsatzes, der in dieser Verordnung verankert ist, nicht zu beeinträchtigen (Urteil des Gerichtshofs vom 11. Januar 2000,
         Niederlande und van der Wal/Kommission, C‑174/98 P und C‑189/98 P, Slg. 2000, I‑1, Randnr. 27, Urteile des Gerichts vom 7.
         Februar 2002, Kuijer/Rat, T‑211/00, Slg. 2002, II‑485, Randnr. 55, sowie Franchet und Byk/Kommission, Randnr. 84).
      
      95      Die Anwendung der Ausnahmen nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b und Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 durch
         die Kommission ist unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung zu prüfen.
      
       Zur Ausnahme betreffend den Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung
         Nr. 1049/2001 
      
      
       – Vorbemerkungen zum Verhältnis zwischen den Verordnungen Nrn. 1049/2001 und 45/2001
      96      Nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 verweigern die Organe den Zugang zu einem Dokument, durch dessen
         Verbreitung der Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen, insbesondere gemäß den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft
         über den Schutz personenbezogener Daten, beeinträchtigt würde.
      
      97      Dazu ist festzustellen, dass zwar die Klägerin in ihrer Klageschrift nur auf die Richtlinie 95/46 und nicht auf die Verordnung
         Nr. 45/2001 Bezug nimmt, die Klage jedoch so zu verstehen ist, dass sie sich auf die letztgenannte Verordnung bezieht, da
         die angefochtene Entscheidung teilweise auf diese gestützt ist. In der mündlichen Verhandlung hat sich die Klägerin im Übrigen
         zutreffend auf die Verordnung Nr. 45/2001 bezogen.
      
      98      Zunächst ist das Verhältnis zwischen den Verordnungen Nrn. 1049/2001 und 45/2001 im Hinblick auf die Anwendung der Ausnahme
         des Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 auf den vorliegenden Fall zu prüfen. Dabei ist zu beachten, dass
         diese beiden Verordnungen unterschiedliche Ziele haben. Die erste zielt darauf ab, die größtmögliche Transparenz des Entscheidungsprozesses
         staatlicher Stellen und der Informationen, auf denen ihre Entscheidungen beruhen, zu gewährleisten. Sie soll also die Ausübung
         des Rechts auf Zugang zu Dokumenten so weit wie möglich erleichtern und eine gute Verwaltungspraxis fördern. Die zweite Verordnung
         bezweckt, den Schutz der Grundrechte und Grundfreiheiten der natürlichen Personen und insbesondere deren Recht auf die Privatsphäre
         bei der Verarbeitung personenbezogener Daten sicherzustellen.
      
      99      Dem 15. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 45/2001 zufolge unterliegt der Zugang zu den Dokumenten, einschließlich der Bedingungen
         für den Zugang zu Dokumenten, die personenbezogene Daten enthalten, den Bestimmungen, die auf der Grundlage von Art. 255 EG
         erlassen wurden.
      
      100    Daher fällt der Zugang zu Dokumenten, die personenbezogene Daten enthalten, unter die Verordnung Nr. 1049/2001, wonach grundsätzlich
         alle Dokumente der Organe für die Öffentlichkeit zugänglich sein sollten. Diese Verordnung sieht daneben vor, dass der Schutz
         bestimmter öffentlicher und privater Interessen durch Ausnahmen gewährleistet werden sollte.
      
      101    So sieht diese Verordnung die bereits angeführte Ausnahme vor, die die Fälle betrifft, in denen durch die Verbreitung des
         Dokuments der Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen, insbesondere gemäß den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft
         über den Schutz personenbezogener Daten, wie der Verordnung Nr. 45/2001, beeinträchtigt würde.
      
      102    Dem 11. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 1049/2001 zufolge sollten außerdem die Organe bei der Beurteilung der Ausnahmen
         in allen Tätigkeitsbereichen der Union die in den Rechtsvorschriften der Gemeinschaft, also auch in der Verordnung Nr. 45/2001,
         verankerten Grundsätze über den Schutz personenbezogener Daten berücksichtigen.
      
      103    In diesem Zusammenhang sind die wichtigsten Bestimmungen der Verordnung Nr. 45/2001 in Erinnerung zu rufen.
      
      104    Nach Art. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 45/2001 enthalten „personenbezogene Daten“ alle Informationen über eine bestimmte
         oder bestimmbare natürliche Person. Als bestimmbar wird eine Person angesehen, die direkt oder indirekt identifiziert werden
         kann, insbesondere durch Zuordnung zu einer Kennnummer oder zu einem oder mehreren spezifischen Elementen, die Ausdruck ihrer
         physischen, physiologischen, psychischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder sozialen Identität sind. Als personenbezogene
         Daten sind daher z. B. anzusehen: Nachname, Vornamen, Postanschrift, E-Mail-Adresse, Kontonummer, Nummern von Kreditkarten,
         Sozialversicherungsnummer, Telefonnummer oder etwa Nummer der Fahrerlaubnis.
      
      105    Außerdem umfasst die „Verarbeitung personenbezogener Daten“ nach Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 jeden mit oder
         ohne Hilfe automatisierter Verfahren ausgeführten Vorgang oder jede Vorgangsreihe im Zusammenhang mit personenbezogenen Daten,
         wie das Erheben, das Speichern, die Organisation, die Aufbewahrung, die Anpassung oder Veränderung, das Wiederauffinden, das
         Abfragen, die Nutzung, die Weitergabe durch Übermittlung, Verbreitung oder jede andere Form der Bereitstellung, die Kombination
         oder die Verknüpfung sowie das Sperren, Löschen oder Vernichten. Damit fällt die Weitergabe von Daten durch Übermittlung,
         Verbreitung oder jede andere Form der Bereitstellung unter die Definition von „Verarbeitung“, so dass die Verordnung Nr. 45/2001
         unabhängig von der Verordnung Nr. 1049/2001 selbst die Möglichkeit einer Veröffentlichung personenbezogener Daten vorsieht.
      
      106    Die Verarbeitung muss darüber hinaus rechtmäßig im Sinne von Art. 5 Buchst. a oder b der Verordnung Nr. 45/2001 sein, wonach
         die Verarbeitung für die Wahrnehmung einer Aufgabe, die im öffentlichen Interesse ausgeführt wird, oder für die Erfüllung
         einer rechtlichen Verpflichtung, der der für die Verarbeitung Verantwortliche unterliegt, erforderlich sein muss. Es ist festzustellen,
         dass das Recht auf Zugang zu Dokumenten der Organe, das Art. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001 den Unionsbürgern sowie jeder
         natürlichen oder juristischen Person mit Wohnsitz oder Sitz in einem Mitgliedstaat zuerkennt, einer rechtlichen Verpflichtung
         im Sinne von Art. 5 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 entspricht. Schreibt also die Verordnung Nr. 1049/2001 die Weitergabe
         von Daten vor, die eine „Verarbeitung“ im Sinne von Art. 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 darstellt, ist die Weitergabe
         nach Art. 5 dieser Verordnung insoweit rechtmäßig.
      
      107    In Bezug auf die Verpflichtung zum Nachweis der Notwendigkeit einer Datenübermittlung in Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr.
         45/2001 ist daran zu erinnern, dass für den Zugang zu Dokumenten, die personenbezogene Daten enthalten, die Verordnung Nr.
         1049/2001 maßgeblich ist und dass nach Art. 6 Abs. 1 dieser Verordnung derjenige, der den Zugang begehrt, nicht verpflichtet
         ist, Gründe für seinen Antrag anzugeben, und daher kein wie auch immer geartetes Interesse nachzuweisen braucht, um den Zugang
         zu den angeforderten Dokumenten zu erhalten (vgl. Randnr. 92 des vorliegenden Urteils). In den Fällen, in denen im Rahmen
         der Anwendung des Art. 2 der Verordnung Nr. 1049/2001, der das Recht aller Unionsbürger auf Zugang zu Dokumenten vorsieht,
         personenbezogene Daten übermittelt werden, fällt also der betreffende Sachverhalt unter diese Verordnung, so dass der Antragsteller
         nicht die Notwendigkeit der Verbreitung im Sinne von Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 nachweisen muss. Wenn nämlich
         als eine durch die Verordnung Nr. 45/2001 vorgeschriebene zusätzliche Voraussetzung verlangt würde, dass der Antragsteller
         die Notwendigkeit der Übermittlung nachweist, würde diese Voraussetzung dem Zweck der Verordnung Nr. 1049/2001 zuwiderlaufen,
         der Öffentlichkeit den größtmöglichen Zugang zu den Dokumenten der Organe zu verschaffen.
      
      108    Da zudem nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 der Zugang zu einem Dokument in den Fällen verweigert wird,
         in denen durch dessen Verbreitung der Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen beeinträchtigt würde, kann
         eine Übermittlung, die nicht unter diese Ausnahme fällt, grundsätzlich nicht die berechtigten Interessen des Betroffenen gemäß
         Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 beeinträchtigen.
      
      109    Hinsichtlich des Widerspruchsrechts des Betroffenen sieht Art. 18 der Verordnung Nr. 45/2001 vor, dass dieser das Recht hat,
         jederzeit aus zwingenden, schutzwürdigen, sich aus seiner besonderen Situation ergebenden Gründen gegen die Verarbeitung von
         ihn betreffenden Daten Widerspruch einzulegen, außer in den u. a. unter Art. 5 Buchst. b dieser Verordnung fallenden Fällen.
         Da die in der Verordnung Nr. 1049/2001 genannte Verarbeitung eine gesetzliche Verpflichtung im Sinne des Art. 5 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 45/2001 darstellt, steht dem Betroffenen daher grundsätzlich kein Widerspruchsrecht zu. Angesichts des
         Umstands jedoch, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 eine Ausnahme von dieser gesetzlichen Verpflichtung
         vorsieht, sind auf dieser Grundlage die Auswirkungen einer Verbreitung von Daten über die betreffende Person zu berücksichtigen.
      
      110    Insoweit ist festzustellen, dass, wenn die Weitergabe dieser Daten nicht den Schutz der Privatsphäre und der Integrität des
         Betroffenen beeinträchtigt, wie es Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 verlangt, die Weigerung des Betroffenen
         diese Weitergabe nicht verhindern kann.
      
      111    Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Bestimmungen der Verordnung Nr. 45/2001, soweit sie die Verarbeitung personenbezogener
         Daten betreffen, die zu Beeinträchtigungen der Grundfreiheiten und insbesondere des Rechts auf Achtung des Privatlebens führen
         kann, im Licht der Grundrechte auszulegen sind, die nach ständiger Rechtsprechung zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen gehören,
         deren Wahrung Gerichtshof und Gericht zu sichern haben (vgl. entsprechend zur Richtlinie 95/46 Urteil Österreichischer Rundfunk
         u. a., Randnr. 68).
      
      112    Diese Grundsätze sind ausdrücklich in Art. 6 Abs. 2 EU übernommen worden, wonach die Union die Grundrechte achtet, wie sie
         in der EMRK gewährleistet sind und wie sie sich aus den gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen der Mitgliedstaaten als allgemeine
         Grundsätze des Gemeinschaftsrechts ergeben.
      
      113    Dazu ist festzustellen, dass zwar in Art. 8 Abs. 1 EMRK der Grundsatz aufgestellt wird, dass Behörden nicht in die Ausübung
         des Rechts auf Achtung des Privatlebens eingreifen dürfen, dass in Abs. 2 ein solcher Eingriff jedoch für zulässig erklärt
         wird, soweit er „gesetzlich vorgesehen ist und eine Maßnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die nationale
         Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung, das wirtschaftliche Wohl des Landes, die Verteidigung der Ordnung und zur Verhinderung
         von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesundheit und der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer notwendig
         ist“.
      
      114    Zu beachten ist ferner, dass nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) „Privatleben“
         ein weit gefasster, einer erschöpfenden Definition nicht zugänglicher Begriff ist. Art. 8 EMRK schützt danach auch das Recht
         auf Identität und Entfaltung der Persönlichkeit sowie das Recht jedes Einzelnen, Beziehungen zu anderen Menschen und zur Außenwelt
         zu knüpfen und fortzuentwickeln. Es gebe keinen prinzipiellen Grund, berufliche und geschäftliche Tätigkeiten vom Begriff
         „Privatleben“ auszunehmen (vgl. Urteile des EGMR vom 16. Dezember 1992, Niemitz/Deutschland, Serie A Nr. 251‑B, § 29, vom
         16. Februar 2000, Amann/Schweiz, Recueil des arrêts et décisions 2000‑II, § 65, und vom 4. Mai 2000, Rotaru/Rumänien, Recueil des arrêts et décisions 2000‑V, § 43). Es existiere also ein Bereich der Wechselbeziehung zwischen dem Einzelnen und anderen, der – selbst in einem
         Kontext der Öffentlichkeit – zum „Privatleben“ gehören könne (vgl. Urteil des EGMR vom 28. Januar 2003, Peck/Vereinigtes Königreich,
         Recueil des arrêts et décisions, 2003‑I, § 57 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      115    Um einen Verstoß gegen Art. 8 EMRK annehmen zu können, ist erstens zu prüfen, ob ein Eingriff in das Privatleben des Betroffenen
         vorliegt, und zweitens, wenn dies der Fall ist, ob dieser Eingriff gerechtfertigt ist. Der Eingriff ist gerechtfertigt, wenn
         er gesetzlich vorgesehen ist, mit ihm ein schutzwürdiger Zweck verfolgt wird und er in einer demokratischen Gesellschaft notwendig
         ist. Im Rahmen der letztgenannten Voraussetzung, ob eine Verbreitung „in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist“,
         ist zu prüfen, ob die zu ihrer Rechtfertigung angeführten Gründe „ausreichend begründet“ sind und ob die getroffenen Maßnahmen
         in einem angemessenen Verhältnis zu den verfolgten schutzwürdigen Zwecken stehen. In den die Verbreitung personenbezogener
         Daten betreffenden Rechtssachen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte anerkannt, dass den zuständigen Behörden
         bei der Ermittlung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen den widerstreitenden öffentlichen und privaten Interessen ein
         gewisser Beurteilungsspielraum einzuräumen sei. Mit diesem Beurteilungsspielraum gehe jedoch eine gerichtliche Kontrolle einher,
         und seine Größe richte sich nach Faktoren wie Art und Umfang der betroffenen Interessen und Schwere des Eingriffs (vgl. Urteil
         Peck/Vereinigtes Königreich, insbesondere §§ 76 und 77; vgl. auch Schlussanträge des Generalanwalts Léger in den Rechtssachen
         C‑317/04 und C‑318/04, Parlament/Rat und Kommission, Urteil des Gerichtshofs vom 30. Mai 2006, Slg. 2006, I‑4721, I‑4724,
         Nrn. 226 bis 228).
      
      116    Gemäß Art. 6 Abs. 2 EU muss jede nach der Verordnung Nr. 1049/2001 ergangene Entscheidung Art. 8 EMRK beachten. Insoweit legt
         die Verordnung Nr. 1049/2001 gemäß Art. 255 Abs. 2 EG die allgemeinen Grundsätze und die aufgrund öffentlicher oder privater
         Interessen geltenden Einschränkungen für die Ausübung des Rechts auf Zugang zu Dokumenten fest. Daher sieht Art. 4 Abs. 1
         Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 eine Ausnahme zum Schutz der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen vor.
      
      117    Außerdem ist wiederum zu beachten, dass die Ausnahmen vom Grundsatz des Zugangs zu Dokumenten eng auszulegen sind. Die Ausnahme
         nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 betrifft nur personenbezogene Daten, die geeignet sind, konkret
         und tatsächlich die Achtung der Privatsphäre und die Integrität des Einzelnen zu beeinträchtigen.
      
      118    Auch bedeutet der Umstand, dass der Begriff „Privatleben“ nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
         weit gefasst ist und dass das Recht auf Schutz personenbezogener Daten einer der Aspekte des Rechts auf Achtung des Privatlebens
         sein kann (vgl. in diesem Sinne Schlussanträge des Generalanwalts Léger in den Rechtssachen Parlament/Rat und Kommission,
         Nr. 209), nicht, dass alle personenbezogenen Daten notwendig unter den Begriff „Privatsphäre“ fallen.
      
      119    Erst recht sind nicht alle personenbezogenen Daten ihrer Art nach geeignet, die Privatsphäre des Betroffenen zu beeinträchtigen.
         Im 33. Erwägungsgrund der Richtlinie 95/46 wird nämlich auf Daten Bezug genommen, die aufgrund ihrer Art geeignet sind, die
         Grundfreiheiten oder die Privatsphäre zu beeinträchtigen, und nicht ohne ausdrückliche Einwilligung der betroffenen Person
         verarbeitet werden dürfen, was darauf hindeutet, dass nicht alle Daten von gleicher Art sind. Solche sensiblen Daten können
         in denen enthalten sein, auf die sich Art. 10 der Verordnung Nr. 45/2001 bezieht, der die Verarbeitung besonderer Kategorien
         von Daten betrifft, wie solchen, aus denen die rassische oder ethnische Herkunft oder religiöse oder philosophische Überzeugungen
         hervorgehen, oder solche über Gesundheit oder Sexualleben. 
      
      120    Nach alledem ist im vorliegenden Fall für die Entscheidung der Frage, ob die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung
         Nr. 1049/2001 anwendbar ist, zu untersuchen, ob der Zugang der Öffentlichkeit zu den Namen der Teilnehmer des Treffens vom
         11. Oktober 1996 geeignet ist, konkret und tatsächlich den Schutz der Privatsphäre und der Integrität der Betroffenen zu beeinträchtigen.
      
      –       Anwendung der Ausnahme in Bezug auf die Beeinträchtigung des Schutzes der Privatsphäre und der Integrität der Betroffenen
         nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 auf den vorliegenden Fall
      
      121    Im vorliegenden Fall betrifft der fragliche Antrag den Zugang zum Protokoll einer Kommissionssitzung, an der Vertreter der
         GD „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“ der Kommission, Vertreter des Ministeriums für Handel und Industrie des Vereinigten
         Königreichs und Vertreter der CBMC teilgenommen haben. Dieses Protokoll enthält eine Liste der Teilnehmer des Treffens, die
         nach den Körperschaften, in deren Namen und zu deren Vertretung sie am Treffen teilgenommen haben, aufgeführt sind, unter
         Angabe ihres Titels, des Anfangsbuchstabens ihres Vornamens, ihres Familiennamens und gegebenenfalls der Dienststelle, Einrichtung
         oder Vereinigung, der sie innerhalb der betreffenden Körperschaft angehören. Der Wortlaut des Protokolls nimmt nicht auf natürliche
         Personen Bezug, sondern auf die betreffenden Körperschaften, wie die CBMC, die GD „Binnenmarkt und Finanzdienstleistungen“
         oder das Ministerium für Handel und Industrie des Vereinigten Königreichs.
      
      122    Damit ist festzustellen, dass die Liste der Teilnehmer des Treffens im fraglichen Protokoll personenbezogene Daten im Sinne
         des Art. 2 Buchst. a der Verordnung Nr. 45/2001 enthält, da die Personen, die an diesem Treffen teilgenommen haben, im Protokoll
         identifiziert werden können.
      
      123    Allerdings bedeutet die bloße Tatsache, dass ein Dokument personenbezogene Daten enthält, nicht notwendig, dass die Privatsphäre
         oder die Integrität der Betroffenen beeinträchtigt wäre, auch wenn berufliche Tätigkeiten grundsätzlich nicht vom Begriff
         „Privatleben“ im Sinne des Art. 8 EMRK ausgenommen sind (vgl. Randnr. 114 des vorliegenden Urteils und die dort angeführte
         Rechtsprechung des EGMR).
      
      124    Wie nämlich die Kommission selbst ausgeführt hat, haben die auf dem Treffen vom 11. Oktober 1996 anwesenden Personen, deren
         Namen nicht bekannt gegeben worden sind, als Vertreter der CBMC und nicht im eigenen Namen an ihm teilgenommen. Die Kommission
         weist ferner darauf hin, dass die auf dem Treffen gefassten Beschlüsse Wirkungen nur für die vertretenen Körperschaften und
         nicht für deren Vertreter persönlich entfalteten.
      
      125    Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass durch die Tatsache, dass das Protokoll die Namen dieser Repräsentanten enthält,
         nicht die Privatsphäre der betreffenden Personen berührt wird, da sie als Vertreter ihrer Körperschaften am Treffen teilgenommen
         haben. Außerdem enthält das Protokoll, wie bereits festgestellt, keine diesen Personen zuzuschreibenden Einzelmeinungen, sondern
         Stellungnahmen, die den von diesen Personen vertretenen Körperschaften zuzurechnen sind.
      
      126    Jedenfalls ist festzustellen, dass die Bekanntgabe der Namen der Vertreter der CBMC nicht geeignet ist, den Schutz der Privatsphäre
         und der Integrität der Betroffenen konkret und tatsächlich zu beeinträchtigen. Die bloße Nennung des Namens eines Betroffenen
         in der Liste der Teilnehmer eines Treffens für die Körperschaft, die er vertritt, stellt keine solche Beeinträchtigung dar,
         und der Schutz der Privatsphäre und der Integrität der Betroffenen wird hierdurch nicht in Frage gestellt.
      
      127    Dem steht auch nicht das von der Kommission angeführte Urteil Österreichischer Rundfunk u. a. entgegen. In diesem Urteil hat
         der Gerichtshof ausgeführt, dass die Erhebung personenbezogener Daten über die beruflichen Einkünfte Einzelner zur Weitergabe
         an Dritte in den Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK falle. Zwar könne die bloße Speicherung personenbezogener Daten über die
         an das Personal gezahlten Gehälter durch einen Arbeitgeber als solche keinen Eingriff in die Privatsphäre begründen, jedoch
         stelle die Weitergabe dieser Daten an einen Dritten – im dortigen Fall an eine Behörde – unabhängig von der späteren Verwendung
         der weitergegebenen Informationen eine Beeinträchtigung des Rechts der Betroffenen auf Achtung ihres Privatlebens und damit
         einen Eingriff im Sinne von Art. 8 EMRK dar (Urteil Österreichischer Rundfunk u. a., Randnr. 74). Für die Feststellung eines
         solchen Eingriffs komme es nicht darauf an, ob die übermittelten Informationen als sensibel anzusehen seien oder ob die Betroffenen
         durch den Vorgang irgendwelche Nachteile erlitten hätten. Vielmehr genüge, dass Daten über die Einkünfte eines Arbeitnehmers
         oder eines Ruhegehaltsempfängers vom Arbeitgeber an einen Dritten weitergeleitet worden seien (Urteil Österreichischer Rundfunk
         u. a., Randnr. 75).
      
      128    Der Sachverhalt dieser Rechtssache unterscheidet sich von dem des vorliegenden Falls. Im vorliegenden Fall findet nämlich
         die Verordnung Nr. 1049/2001 Anwendung, und die in deren Art. 4 Abs. 1 Buchst. b vorgesehene Ausnahme betrifft nur die Verbreitung
         jener personenbezogenen Daten, die die Achtung der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen beeinträchtigen können. Wie
         jedoch in Randnr. 119 des vorliegenden Urteils festgestellt worden ist, sind nicht alle personenbezogenen Daten ihrer Art
         nach geeignet, die Privatsphäre des Betroffenen zu beeinträchtigen. Bei der Sachlage des vorliegenden Falls kann die bloße
         Offenlegung der Teilnahme einer in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit als Vertreter einer Vereinigung handelnden natürlichen
         Person an einer mit einem Gemeinschaftsorgan abgehaltenen Sitzung, ohne dass die bei dieser Gelegenheit geäußerte persönliche
         Meinung der betroffenen Person erkennbar wäre, nicht als Eingriff in ihre Privatsphäre gewertet werden. Sie ist daher von
         der Fallgestaltung in der Rechtssache Österreichischer Rundfunk u. a. zu unterscheiden, in der es um die Erhebung und Weitergabe
         einer spezifischen Verknüpfung personenbezogener Daten durch einen Arbeitgeber an eine Behörde ging, nämlich um die Weitergabe
         der Namen der beschäftigten Personen in Verbindung mit den von ihnen bezogenen Einkünften.
      
      129    In dem ebenfalls von der Kommission angeführten Urteil Lindqvist hat der Gerichtshof festgestellt, dass die Handlung, die
         darin besteht, auf einer Internetseite auf verschiedene Personen hinzuweisen und sie entweder durch ihren Namen oder auf andere
         Weise, etwa durch Angabe ihrer Telefonnummer oder durch Informationen über ihr Arbeitsverhältnis oder ihre Freizeitbeschäftigungen,
         erkennbar zu machen, eine „ganz oder teilweise automatisierte Verarbeitung personenbezogener Daten“ im Sinne der Richtlinie
         95/46 darstelle (Urteil Lindqvist, Randnr. 27). Dieses Urteil ist für den vorliegenden Fall nicht entscheidungserheblich.
         Wie nämlich in der vorstehenden Randnummer ausgeführt, fällt der vorliegende Rechtsstreit unter die Verordnung Nr. 1049/2001,
         und es geht daher, abgesehen von der Frage, ob eine Verarbeitung personenbezogener Daten vorliegt, um die Feststellung, ob
         durch eine Weitergabe der fraglichen Daten die Achtung der Privatsphäre und der Integrität des Einzelnen beeinträchtigt würde.
      
      130    Die Auffassung des Gerichts widerspricht auch nicht der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, wonach
         das Recht auf Achtung des Privatlebens das Recht des Einzelnen umfasst, Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen und fortzuentwickeln,
         und sich auch auf berufliche oder geschäftliche Tätigkeiten erstrecken kann (Urteile Niemitz/Deutschland, § 29, Amann/Schweiz,
         § 65, Rotaru/Rumänien, § 43, und Peck/Vereinigtes Königreich, § 57).
      
      131    Es ist nämlich zwar nicht von vornherein auszuschließen, dass der Begriff des Privatlebens bestimmte Aspekte der beruflichen
         Tätigkeit des Einzelnen erfasst; das kann jedoch nicht bedeuten, dass sich der Schutz des Rechts auf Achtung des Privatlebens
         notwendig auf jede berufliche Tätigkeit insgesamt erstreckt. Nach Auffassung des Gerichts berührt unter den Umständen des
         vorliegenden Falls die bloße Teilnahme eines Vertreters einer Vereinigung an einer Sitzung mit einem Gemeinschaftsorgan nicht
         die Privatsphäre des Betreffenden, so dass die Verbreitung eines Protokolls, in dem seine Anwesenheit in der genannten Sitzung
         vermerkt wird, keinen Eingriff in sein Privatleben darstellen kann.
      
      132    Mithin bewirkt eine Verbreitung der fraglichen Namen keinen Eingriff in die Privatsphäre der Teilnehmer an der Sitzung, und
         der Schutz ihrer Privatsphäre und Integrität wird nicht beeinträchtigt.
      
      133    Folglich ist die Kommission zu Unrecht davon ausgegangen, dass die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr.
         1049/2001 im vorliegenden Fall eingreife. 
      
      134    Sie behauptet auch nicht, dass sie sich im vorliegenden Fall bei der Erhebung der Daten, d. h. auf dem Treffen vom 11. Oktober
         1996, zur Geheimhaltung der Namen der Teilnehmer verpflichtet hätte oder dass die Teilnehmer auf dem Treffen von ihr verlangt
         hätten, ihre Identität nicht preiszugeben. Erst 1999, als die Kommission die Betroffenen um Einwilligung in die Preisgabe
         ihrer Identität ersuchte, haben sich einige Teilnehmer der Bekanntgabe ihrer Namen widersetzt.
      
      135    Da jedoch im vorliegenden Fall die Voraussetzung des Art. 4 Abs. 1 Buchst. b der Verordnung Nr. 1049/2001 hinsichtlich des
         Vorliegens einer Beeinträchtigung des Schutzes der Privatsphäre und der Integrität der Betroffenen nicht erfüllt ist, kann
         deren Weigerung die Verbreitung nicht verhindern. Überdies hat die Kommission noch nicht einmal den Versuch unternommen, nachzuweisen,
         dass die Personen, die sich nach der Sitzung einer Offenlegung ihrer Namen widersetzt hatten, dargetan hätten, dass durch
         eine solche der Schutz ihrer Privatsphäre und ihrer Integrität beeinträchtigt worden wäre.
      
      136    Zu beachten ist insoweit auch, dass die Kommission letztlich nur von zwei der fraglichen Personen eine ablehnende Antwort
         erhielt und zu den übrigen drei, deren Namen sie ebenfalls nicht bekannt gegeben hatte, keinen Kontakt aufnehmen konnte (vgl.
         Randnr. 35 des vorliegenden Urteils).
      
      137    Die Personen, die an diesem Treffen teilnahmen, konnten nicht davon ausgehen, dass die Stellungnahmen, die sie im Namen und
         zur Vertretung der von ihnen repräsentierten Körperschaften abgaben, vertraulich behandelt würden. Es ist daran zu erinnern,
         dass es im vorliegenden Fall um eine im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens abgehaltene Sitzung ging. Auch wenn sich
         ein Beschwerdeführer in einem solchen Verfahren nach den internen Vorschriften der Kommission für eine vertrauliche Behandlung
         entscheiden kann, ist eine solche doch nicht für die übrigen an den Untersuchungen Beteiligten vorgesehen. Da zudem die Kommission
         das Protokoll offengelegt hat – wenn darin auch einige Namen geschwärzt waren –, ist klar, dass sie davon ausging, dass es
         sich nicht um unter das Berufsgeheimnis fallende Informationen handele. Die Verordnung Nr. 45/2001 verlangt von der Kommission
         nicht, die Namen der Personen geheim zu halten, die ihr Stellungnahmen oder Informationen zur Ausübung ihrer Tätigkeiten übermitteln.
      
      138    Was das Vorbringen der Kommission angeht, die Klägerin habe nie die Verpflichtung zum Nachweis der Notwendigkeit einer Datenübermittlung
         nach Art. 8 Buchst. b der Verordnung Nr. 45/2001 erfüllt, so genügt es, daran zu erinnern, dass der Antragsteller, wie in
         den Randnrn. 107 und 108 des vorliegenden Urteils festgestellt worden ist, die Notwendigkeit im Sinne des Art. 8 Buchst. b
         der Verordnung Nr. 45/2001 nicht nachzuweisen braucht, sobald die Verbreitung von Daten zur Anwendung von Art. 2 der Verordnung
         Nr. 1049/2001 führt und nicht unter die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b dieser Verordnung fällt. Das Argument der Kommission,
         dass eine Weitergabe der Namen der Teilnehmer keine zusätzlichen Erkenntnisse in Bezug auf ihre Entscheidung, das Vertragsverletzungsverfahren
         einzustellen, erbracht hätte, kann somit nicht durchgreifen.
      
      139    Die Kommission hat folglich einen Rechtsfehler begangen, indem sie in der angefochtenen Entscheidung festgestellt hat, dass
         die Klägerin weder einen konkreten schutzwürdigen Zweck noch das Bestehen der Notwendigkeit dargetan habe, die Namen der fünf
         Teilnehmer an dem Treffen zu erfahren, die sich danach der Weitergabe ihrer Identität an die Klägerin widersetzt hätten.
      
      140    Zu prüfen ist noch die Anwendung der Ausnahme nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001.
      
       Zur Ausnahme in Bezug auf den Schutz des Zwecks von Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten
      141    Nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 verweigern die Organe den Zugang zu einem Dokument,
         durch dessen Verbreitung der Schutz des Zwecks von Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten beeinträchtigt würde,
         es sei denn, es besteht ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Verbreitung.
      
      142    Zwar führt die Klägerin in der Klageschrift irrig Art. 4 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1049/2001 an, doch ist ihre Klageschrift
         so auszulegen, dass sie sich auf Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich dieser Verordnung beruft, denn es ist diese Bestimmung,
         mit der die Kommission hilfsweise ihre Verweigerung einer Gewährung des Zugangs zum vollständigen Protokoll begründet hat.
         Jedenfalls hat sich die Klägerin in der mündlichen Verhandlung auf Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr.
         1049/2001 bezogen.
      
      143    Es ist daran zu erinnern, dass das Organ in jedem Einzelfall prüfen muss, ob die Schriftstücke, deren Offenlegung beantragt
         worden ist, tatsächlich unter die in der Verordnung über den Zugang zu Dokumenten aufgeführten Ausnahmen fallen.
      
      144    Im vorliegenden Fall geht es um das Protokoll einer Sitzung, die im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens stattgefunden
         hat.
      
      145    Der bloße Umstand, dass das betreffende Dokument mit einem Vertragsverletzungsverfahren in Zusammenhang steht und damit Untersuchungstätigkeiten
         betrifft, genügt jedoch nicht, um die Anwendung der geltend gemachten Ausnahme zu rechtfertigen (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Bavarian Lager/Kommission, Randnr. 41). Denn wie bereits ausgeführt, ist jede Ausnahme vom Recht auf Zugang zu Dokumenten
         der Organe, die unter die Verordnung Nr. 1049/2001 fallen, eng auszulegen (Urteil des Gerichts vom 13. September 2000, Denkavit
         Nederland/Kommission, T‑20/99, Slg. 2000, II‑3011, Randnr. 45).
      
      146    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass die Untersuchungstätigkeiten der Kommission zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
         Entscheidung am 18. März 2004 bereits beendet waren. Die Kommission hatte nämlich das Vertragsverletzungsverfahren gegen das
         Vereinigte Königreich schon am 10. Dezember 1997 eingestellt.
      
      147    Somit ist im vorliegenden Fall zu prüfen, ob das sich auf Untersuchungstätigkeiten beziehende Dokument von der Ausnahme nach
         Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 erfasst war, obwohl seit über sechs Jahren die Untersuchung
         beendet und das Vertragsverletzungsverfahren eingestellt war. 
      
      148    Das Gericht hat bereits festgestellt, dass Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001, der „[den Zweck]
         von Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten“ schützen soll, nur anwendbar ist, wenn die Zugänglichmachung der betreffenden
         Dokumente dazu führen könnte, dass die Inspektions-, Untersuchungs- und Audittätigkeiten nicht abgeschlossen werden können
         (Urteil Franchet und Byk/Kommission, Randnr. 109).
      
      149    Dazu ist festzustellen, dass diese Ausnahme, wie sich aus ihrer Formulierung ergibt, nicht die Untersuchungstätigkeiten als
         solche, sondern deren Zweck schützen soll, der im Fall eines Vertragsverletzungsverfahrens, wie aus dem Urteil Bavarian Lager/Kommission
         (Randnr. 46) folgt, darin besteht, den betreffenden Mitgliedstaat dazu zu bewegen, das Gemeinschaftsrecht zu beachten. Im
         vorliegenden Fall hatte die Kommission aber das Vertragsverletzungsverfahren gegen das Vereinigte Königreich schon am 10.
         Dezember 1997 eingestellt, da dieses seine einschlägigen Rechtsvorschriften geändert hatte und damit der Zweck der Untersuchungstätigkeiten
         erreicht war. Zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Entscheidung war also keine Untersuchungstätigkeit mehr im Gange,
         deren Zweck durch eine Offenlegung des Protokolls, das die Namen einiger Vertreter von Körperschaften enthielt, die am Treffen
         vom 11. Oktober 1996 teilgenommen hatten, hätte gefährdet werden können; daher kann die Ausnahme nach Art. 4 Abs. 2 dritter
         Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 im vorliegenden Fall nicht eingreifen.
      
      150    Zur Rechtfertigung ihrer Weigerung, das fragliche Protokoll vollständig weiterzugeben, macht die Kommission weiter geltend,
         dass ihr, wenn es zulässig wäre, die Namen der Personen, die ihr Informationen erteilt hätten, gegen deren Willen offenzulegen,
         eine wichtige Informationsquelle genommen werden könnte, was ihre Fähigkeit zur Durchführung von Untersuchungen über behauptete
         Verstöße gegen das Gemeinschaftsrecht in Frage stellen könnte.
      
      151    Dazu ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger Rechtsprechung die im Rahmen der Bearbeitung eines Antrags auf Zugang zu
         Dokumenten erforderliche Prüfung konkret sein muss. Zum einen kann der bloße Umstand, dass ein Dokument ein durch eine Ausnahme
         geschütztes Interesse betrifft, nicht ausreichen, um die Anwendung der Ausnahme zu rechtfertigen (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Denkavit Nederland/Kommission, Randnr. 45). Zum anderen muss die Gefahr einer Beeinträchtigung eines geschützten Interesses
         absehbar und darf nicht rein hypothetisch sein. Die Prüfung, die das Organ durchführen muss, um eine Ausnahme anzuwenden,
         muss daher konkret sein und aus der Begründung der Entscheidung hervorgehen (Urteile des Gerichts vom 6. April 2000, Kuijer/Rat,
         T‑188/98, Slg. 2000, II‑1959, Randnr. 38, vom 13. April 2005, Verein für Konsumenteninformation/Kommission, T‑2/03, Slg. 2005,
         II‑1121, Randnrn. 69 und 72, sowie Franchet und Byk/Kommission, Randnr. 115).
      
      152    So stellt zwar die Notwendigkeit, die Anonymität der Personen zu wahren, die der Kommission Informationen über etwaige Verstöße
         gegen das Gemeinschaftsrecht erteilen, einen schutzwürdigen Zweck dar, der die Weigerung der Kommission, einen vollständigen
         oder auch nur teilweisen Zugang zu bestimmten Dokumenten zu gewähren, rechtfertigen kann; jedoch hat sich die Kommission im
         vorliegenden Fall zum möglichen Eingriff in ihre Untersuchungstätigkeit durch Offenlegung des alle Namen enthaltenden fraglichen
         Dokuments nur abstrakt geäußert, ohne rechtlich hinreichend darzutun, dass die Weitergabe dieses Dokuments konkret und tatsächlich
         den Schutz des Zwecks von Untersuchungstätigkeiten beeinträchtigen würde. Mithin ist im vorliegenden Fall nicht nachgewiesen
         worden, dass der Zweck der Untersuchungstätigkeiten durch Weitergabe von sechs Jahre nach Abschluss dieser Tätigkeiten verlangten
         Daten konkret und tatsächlich gefährdet worden wäre.
      
      153    Überdies sieht das Vertragsverletzungsverfahren, wie bereits festgestellt, für die an den Untersuchungen beteiligten Personen
         mit Ausnahme des Beschwerdeführers keine vertrauliche Behandlung vor. Wenn die Kommission das fragliche Protokoll ohne die
         Namen der Personen, die ihre Einwilligung in seine Offenlegung versagt hatten, weitergegeben hat, so ist sie offenbar davon
         ausgegangen, dass die Offenlegung dieses Dokuments grundsätzlich nicht von der Ausnahme nach Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich
         der Verordnung Nr. 1049/2001 erfasst werde.
      
      154    In diesem Zusammenhang ist der von der Kommission in der mündlichen Verhandlung gegebene Hinweis auf das Urteil des Gerichtshofs
         vom 7. November 1985, Adams/Kommission (145/83, Slg. 1985, 3539), das die Vertraulichkeit von unter das Berufsgeheimnis fallenden
         Auskünften betraf, irrelevant. Dort ging es um einen wettbewerbswidrige Praktiken seines Arbeitgebers anzeigenden Informanten,
         dessen Identität die Kommission geheim halten sollte. Dieser Informant hatte die Kommission allerdings von Anfang an ausdrücklich
         darum ersucht, seine Identität nicht preiszugeben. Im vorliegenden Fall hat die Kommission jedoch, wie bereits festgestellt,
         nicht dargetan, dass die Betroffenen bei ihrer Teilnahme am fraglichen Treffen davon ausgehen konnten, dass sie in den Genuss
         einer wie auch immer gearteten vertraulichen Behandlung kämen, oder dass sie von der Kommission verlangt hätten, nicht ihre
         Identität preiszugeben. Da die Kommission zudem, wie in Randnr. 137 des vorliegenden Urteils ausgeführt, das Protokoll zur
         Verfügung gestellt hat – wenn darin auch einige Namen geschwärzt waren –, ist festzustellen, dass sie davon ausging, dass
         es sich nicht um unter das Berufsgeheimnis fallende Informationen handele. Schließlich ist daran zu erinnern, dass die Kommission
         nichts vorgetragen hat, um darzutun, inwieweit die Preisgabe der Namen der Personen, die ihre Ablehnung zu erkennen gegeben
         hatten, etwaigen im vorliegenden Fall durchgeführten Untersuchungen hätte schaden können.
      
      155    Unter diesen Umständen ist festzustellen, dass das auf den Schutz des Zwecks von Inspektions- und Untersuchungstätigkeiten
         gestützte Vorbringen nicht durchgreifen kann.
      
      156    Infolgedessen braucht das Bestehen eines überwiegenden öffentlichen Interesses, das die Offenlegung des fraglichen Dokuments
         rechtfertigen könnte, nicht geprüft zu werden.
      
      157    Nach alledem wird das vollständige Protokoll des Treffens vom 11. Oktober 1996 mit sämtlichen Namen nicht von den Ausnahmen
         nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. b oder Art. 4 Abs. 2 dritter Gedankenstrich der Verordnung Nr. 1049/2001 erfasst.
      
      158    Die angefochtene Entscheidung ist daher für nichtig zu erklären.
      
       Kosten
      159    Nach Art. 87 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da die
         Kommission mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr gemäß dem Antrag der Klägerin deren Kosten aufzuerlegen.
      
      160    Nach Art. 87 § 4 Abs. 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht entscheiden, dass ein Streithelfer seine eigenen Kosten trägt.
         Im vorliegenden Fall sind dem Streithelfer zur Unterstützung der Anträge der Klägerin seine eigenen Kosten aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Dritte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung der Kommission vom 18. März 2004 über die Ablehnung eines Antrags auf Zugang zu dem alle Namen enthaltenden,
            vollständigen Protokoll des Treffens vom 11. Oktober 1996 wird für nichtig erklärt.
      2.      Die Kommission trägt die Kosten von The Bavarian Lager Co. Ltd.
      3.      Der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDSB) trägt seine eigenen Kosten.
      
               Jaeger 
            
            
                Tiili 
            
            
                Czúcz
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 8. November 2007.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                     M. Jaeger
            
         * Verfahrenssprache: Englisch.