CELEX: C2006/294/16
Language: de
Date: 2006-12-02 00:00:00
Title: Rechtssache C-467/04: Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 28. September 2006 (Vorabentscheidungsersuchen der Audiencia Provincial de Málaga [Spanien]) — Strafverfahren gegen G. Francesco Gasparini, Jose M a L. A. Gasparini, G. Costa Bozzo, Juan de Lucchi Calcagno, Francesco Mario Gasparini, José A. Hormiga Marrero, Sindicatura Quiebra (Übereinkommen zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen — Artikel 54 — Grundsatz ne bis in idem — Geltungsbereich — Freispruch der Angeklagten wegen Verjährung des Vergehens)

2.12.2006   
            
            
               DE
            
            
               Amtsblatt der Europäischen Union
            
            
               C 294/10
            
         Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 28. September 2006 (Vorabentscheidungsersuchen der Audiencia Provincial de Málaga [Spanien]) — Strafverfahren gegen G. Francesco Gasparini, Jose Ma L. A. Gasparini, G. Costa Bozzo, Juan de Lucchi Calcagno, Francesco Mario Gasparini, José A. Hormiga Marrero, Sindicatura Quiebra
   (Rechtssache C-467/04) (1)
   
   (Übereinkommen zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen - Artikel 54 - Grundsatz ne bis in idem - Geltungsbereich - Freispruch der Angeklagten wegen Verjährung des Vergehens)
   (2006/C 294/16)
   Verfahrenssprache: Spanisch
   Vorlegendes Gericht
   Audiencia Provincial de Malaga (Spanien)
   Beteiligte des Ausgangsverfahrens
   G. Francesco Gasparini, Jose Ma L. A. Gasparini, G. Costa Bozzo, Juan de Lucchi Calcagno, Francesco Mario Gasparini, José A. Hormiga Marrero, Sindicatura Quiebra.
   Gegenstand
   Vorabentscheidungsersuchen der Audiencia Provincial Malaga (Spanien) — Auslegung des Artikels 54 des Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 zwischen den Regierungen der Staaten der Benelux-Wirtschaftsunion, der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik betreffend den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen (ABl. 2000, L 239, S. 19) — Grundsatz ne bis in idem — Anwendungsbereich — Auslegung des Artikels 24 EG — Anwendungsbereich
   Tenor
   
               1.
            
            
               Der Grundsatz des ne bis in idem, der in Artikel 54 des am 19. Juni 1990 in Schengen unterzeichneten Übereinkommens zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985 zwischen den Regierungen der Staaten der Benelux-Wirtschaftsunion, der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik betreffend den schrittweisen Abbau der Kontrollen an den gemeinsamen Grenzen verankert ist, findet auf die in einem Strafverfahren ergangene Entscheidung des Gerichts eines Vertragsstaats Anwendung, mit der ein Angeklagter rechtskräftig wegen Verjährung der Straftat freigesprochen wird, die Anlass zur Strafverfolgung gegeben hat.
            
         
               2.
            
            
               Der genannte Grundsatz findet keine Anwendung auf andere Personen als diejenigen, die von einem Vertragsstaat rechtskräftig abgeurteilt worden sind.
            
         
               3.
            
            
               Ein Strafgericht eines Vertragsstaats kann eine Ware nicht allein deshalb als in seinem Hoheitsgebiet im freien Verkehr befindlich ansehen, weil das Strafgericht eines anderen Vertragsstaats in Bezug auf dieselbe Ware festgestellt hat, dass der Schmuggel verjährt sei.
            
         
               4.
            
            
               In der Vermarktung einer Ware in einem anderen Mitgliedstaat im Anschluss an ihre Einfuhr in den Mitgliedstaat, in dem der Freispruch ergangen ist, liegt eine Handlung, die Bestandteil „derselben Tat“ im Sinne des genannten Artikels 54 sein kann.
            
         
      (1)  ABl. C 6 vom 8.1.2005.