CELEX: 62011FJ0117
Language: de
Date: 2013-12-11
Title: Urteil des Gerichts für den öffentlichen Dienst (Plenum) vom 11. Dezember 2013. # Catherine Teughels gegen Europäische Kommission. # Rechtssache F-117/11.

URTEIL DES GERICHTS FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST DER EUROPÄISCHEN UNION (Plenum)
      11. Dezember 2013(*)
      
      „Öffentlicher Dienst – Beamte – Ruhegehalt – Übertragung der in einem nationalen Rentenversicherungssystem erworbenen Ruhegehaltsansprüche – Verordnung zur Anpassung des Beitragssatzes zum Versorgungssystem der Union – Anpassung der versicherungsmathematischen Werte – Erfordernis des Erlasses allgemeiner Durchführungsbestimmungen – Zeitliche Geltung der neuen allgemeinen Durchführungsbestimmungen“
      In der Rechtssache F‑117/11
      betreffend eine Klage nach Art. 270 AEUV, der nach Art. 106a EA auch für den EAG-Vertrag gilt,
      Catherine Teughels, Beamtin der Europäischen Kommission, wohnhaft in Eppegem (Belgien), Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt L. Vogel,
      
      Klägerin,
      gegen
      Europäische Kommission, vertreten durch D. Martin und J. Baquero Cruz als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      erlässt
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST (Plenum),
      
      unter Mitwirkung des Präsidenten S. Van Raepenbusch sowie der Kammerpräsidentin M. I. Rofes i Pujol sowie der Richter E. Perillo
         (Berichterstatter), R. Barents und K. Bradley,
      
      Kanzler: J. Tomac, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 24. April 2013
      folgendes
      Urteil
      1        Mit Klageschrift, die am 8. November 2011 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat Frau Teughels die vorliegende
         Klage erhoben, mit der sie im Wesentlichen die Aufhebung der Entscheidung der Europäischen Kommission vom 24. Mai 2011, die
         die Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre im Sinne des Versorgungssystems der Europäischen Union bei Übertragung ihrer
         nationalen Ruhegehaltsansprüche festsetzte, sowie die Aufhebung der Entscheidung vom 28. Juli 2011 begehrte, mit der die Kommission
         ihre Beschwerde gegen den Beschluss K(2011) 1278 der Kommission vom 3. März 2011 über die allgemeinen Durchführungsbestimmungen
         zu den Artikeln 11 und 12 des Anhangs VIII des Statuts der Beamten der Europäischen Union (im Folgenden: Statut) betreffend
         die Übertragung von Ruhegehaltsansprüchen (im Folgenden: ADB 2011) zurückgewiesen hatte.
      
       Rechtlicher Rahmen
      2        Art. 83a des Statuts lautet:
      
      „1. Das Gleichgewicht des Versorgungssystems wird nach den Modalitäten des Anhangs XII [des Statuts] gewährleistet.
      …
      3. Im Rahmen der fünfjährlichen versicherungsmathematischen Bewertungen gemäß Anhang XII [des Statuts] setzt der Rat zur Sicherstellung
         des Gleichgewichts des Versorgungssystems [der Europäischen Union] den Beitragssatz fest und beschließt über eine etwaige
         Änderung des Alters für den Eintritt in den Ruhestand.
      
      4. Alljährlich legt die Kommission dem Rat eine aktualisierte Fassung der versicherungsmathematischen Bewertung gemäß Anhang
         XII Artikel 1 Absatz 2 [des Statuts] vor. Ergibt sich hieraus, dass der geltende Beitragssatz um wenigstens 0,25 Punkte von
         dem für die Sicherstellung des versicherungsmathematischen Gleichgewichts erforderlichen Beitragssatz abweicht, so prüft der
         Rat, ob der Beitragssatz gemäß den vorgesehenen Modalitäten des Anhangs XII [des Statuts] geändert werden muss.
      
      …“
      3        Art. 84 des Statuts bestimmt:
      
      „Die Versorgung ist im Einzelnen in Anhang VIII [des Statuts] geregelt.“
      4        Art. 110 Abs. 1 des Statuts sieht vor:
      
      „Die allgemeinen Durchführungsbestimmungen zu diesem Statut werden von jedem Organ nach Anhörung seiner Personalvertretung
         und nach Stellungnahme des Statutsbeirats erlassen. …“ 
      
      5        Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts lautete vor dem Inkrafttreten der Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1324/2008 des Rates vom
         18. Dezember 2008 zur Anpassung des Beitragssatzes zum Versorgungssystem der Beamten und sonstigen Bediensteten der Europäischen
         Gemeinschaften mit Wirkung vom 1. Juli 2008 (ABl. L 345, S. 17) wie folgt: 
      
      „Als versicherungsmathematischer Gegenwert des Ruhegehalts gilt der Kapitalwert der dem Beamten zustehenden Leistung; dieser
         Betrag errechnet sich nach der in Anhang XII Artikel 9 des Statuts genannten Sterblichkeitstafel und auf der Grundlage eines
         Jahreszinssatzes von 3,5 %, der nach den Modalitäten des Anhangs XII Artikels 10 des Statuts geändert werden kann.“
      
      6        Art. 2 der Verordnung Nr. 1324/2008 bestimmt insoweit:
      
      „Mit Wirkung vom 1. Januar 2009 wird der Zinssatz … nach Anhang VIII Artikel 4 Absatz 1 und Artikel 8 des Statuts … auf 3,1 %
         festgesetzt.“ 
      
      7        In Art. 11 Abs. 1 des Anhangs VIII des Statuts heißt es: 
      
      „Scheidet ein Beamter aus dem Dienst aus, um
      –        in den Dienst einer Verwaltung oder einer innerstaatlichen oder internationalen Einrichtung zu treten, die mit der Union ein
         Abkommen getroffen hat,
      
      …
      so ist er berechtigt, den zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung bestehenden versicherungsmathematischen Gegenwert seines
         bei der Union erworbenen Ruhegehaltsanspruchs auf die Pensionskasse dieser Verwaltung oder Einrichtung … zu übertragen …“
      
      8        Dagegen heißt es in Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts:
      
      „Ein Beamter, der in den Dienst der Union tritt 
      –        nach Ausscheiden aus dem Dienst bei einer Verwaltung, einer innerstaatlichen oder internationalen Einrichtung … 
      …
      kann in der Zeit zwischen seiner Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit und dem Zeitpunkt, zu dem er den Anspruch auf ein Ruhegehalt …
         erwirbt, den Kapitalwert der Ruhegehaltsansprüche, die er aufgrund der genannten Tätigkeit erworben hat, an die Union zahlen
         lassen; zugrunde gelegt wird hierbei der zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung bestehende Kapitalwert.
      
      In diesem Fall legt das Organ, bei dem der Beamte im Dienst steht, unter Berücksichtigung des Grundgehalts, des Alters und
         des Wechselkurses zum Zeitpunkt des Antrags auf Übertragung mittels allgemeiner Durchführungsbestimmungen die Anzahl der ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahre fest, die es ihm gemäß der Versorgungsordnung der Union für die frühere Dienstzeit unter Zugrundelegung des übertragenen
         Kapitals und abzüglich des Wertzuwachses zwischen dem Zeitpunkt des Antrags auf Übertragung und der tatsächlichen Übertragung
         anrechnet. 
      
      Diese Möglichkeit kann der Beamte je Mitgliedstaat und Pensionskasse nur ein einziges Mal in Anspruch nehmen.“ 
      9        Art. 26 Abs. 4 des Anhangs XIII des Statuts lautet: 
      
      „In den in den Absätzen 2 und 3 vorgesehenen Fällen legt das Organ, in dem der Beamte Dienst tut, die Anzahl der ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahre fest, die es entsprechend seinen Durchführungsbestimmungen zu Artikel 11 Absatz 2 des Anhangs VIII des Statuts
         anrechnet. …“
      
      10      Mit Beschluss K(2004) 1588 vom 28. April 2004, der in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 60 vom 9. Juni 2004 veröffentlicht wurde, erließ die Kommission die allgemeinen Durchführungsbestimmungen zu den Artikeln
         11 und 12 des Anhangs VIII des Statuts betreffend die Übertragung von Ruhegehaltsansprüchen (im Folgenden: ADB 2004). Die
         ADB 2004 nehmen Bezug auf zwei Tabellen der versicherungsmathematischen Werte, die in zwei Anhängen enthalten sind, nämlich
         Anhang 1, der die versicherungsmathematischen Werte (V1) für die Berechnung des in Anwendung von Art. 11 Abs. 1 und Art. 12
         des Anhangs VIII des Statuts übertragbaren versicherungsmathematischen Gegenwerts betrifft, und Anhang 2, der die versicherungsmathematischen
         Werte (V2) für die Berechnung der in Anwendung von Art. 11 Abs. 2 und 3 des Anhangs VIII des Statuts anzurechnenden ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahre betrifft.
      
      11      Die versicherungsmathematischen Werte V1 und V2, die unter Berücksichtigung des Alters zum Zeitpunkt des Antrags und unter
         Zugrundelegung der Parameter in Anhang XII des Statuts berechnet werden, sind identisch.
      
      12      Mit Beschluss vom 3. März 2011 hob die Kommission die ADB 2004 auf und erließ die ADB 2011, die in den Verwaltungsmitteilungen Nr. 17 vom 28. März 2011 veröffentlicht wurden.
      
      13      Die ADB 2011 traten am 1. April 2011 in Kraft. In ihrem Art. 9 heißt es:
      
      „Diese allgemeinen Durchführungsbestimmungen … treten am ersten Tag des Monats in Kraft, der auf den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung
         in den [Verwaltungsmitteilungen] folgt. 
      
      Damit werden die [ADB 2004] aufgehoben und ersetzt.
      [Die ADB 2004] behalten jedoch ihre Gültigkeit für Übertragungen gemäß Artikel 11 Absatz 1 und Artikel 12 des Anhangs VIII
         des Statuts, sofern der betroffene Bedienstete vor dem 1. [Januar] 2009 aus dem Dienst ausgeschieden ist. Sie gelten zudem
         weiterhin für Bedienstete, deren Übertragungsantrag gemäß Artikel 11 Absätze 2 und 3 des Anhangs VIII des Statuts vor dem
         1. [Januar] 2009 registriert wurde.
      
      Die Umrechnungskoeffizienten … gemäß Anhang 1 sind mit Wirkung vom 1. [Januar] 2009 anwendbar. Diese Umrechnungskoeffizienten
         werden ipso jure geändert, wenn eine Anpassung des in Artikel 8 des Anhangs VIII des Statuts angegebenen Zinssatzes wirksam
         wird.“ 
      
      14      Im Unterschied zu den ADB 2004 enthält Anhang 1 der ADB 2011 nur eine Tabelle, in der die – jetzt „Umrechnungskoeffizienten“
         genannten – versicherungsmathematischen Werte aufgeführt sind, die sowohl für die Berechnung des Betrags des übertragbaren
         versicherungsmathematischen Gegenwerts als auch für die Berechnung der Zahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre gelten. Diese
         Umrechnungskoeffizienten, die ebenfalls unter Berücksichtigung des Alters zum Zeitpunkt des Antrags und unter Zugrundelegung
         der Parameter in Anhang XII des Statuts berechnet werden, sind größer als die versicherungsmathematischen Werte V1 und V2
         in den Anhängen 1 und 2 der ADB 2004.
      
       Sachverhalt
      15      Die Klägerin, eine Beamtin der Kommission, beantragte am 3. November 2009 die Übertragung der Ruhegehaltsansprüche, die sie
         bei dem belgischen Office national des pensions vor Eintritt in den Dienst der Kommission erworben hatte (im Folgenden: Übertragungsantrag).
      
      16      Mit Schreiben vom 29. Juni 2010 an die Klägerin (im Folgenden: erster Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren)
         legte die zuständige Dienststelle der Kommission, hier der Sektor „Übertragung“ des Referats „Ruhegehälter“ des Amtes „Feststellung
         und Abwicklung individueller Ansprüche“ (PMO) (im Folgenden: PMO 4), die Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre, die im
         Versorgungssystem der Union anzurechnen sind und sich aus der Übertragung der in Belgien von der Klägerin erworbenen Ansprüche
         ergeben, auf 22 Jahre, einen Monat und sechs Tage fest. Der Kapitalüberschuss in Höhe von 12 531,41 Euro, der nicht in statutarische
         ruhegehaltsfähige Dienstjahre umgerechnet werden konnte, sollte an die Klägerin ausgezahlt werden, sobald die Übertragung
         ihrer Ruhegehaltsansprüche endgültig war. Der erste Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren stellte auch
         klar, dass die Anzahl der zuerkannten Dienstjahre bei einer Änderung der allgemeinen Durchführungsbestimmungen zu Art. 11
         des Anhangs VIII des Statuts nicht geändert werde. Der Klägerin stand eine Frist von zwei Monaten zur Verfügung, um den ersten
         Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren anzunehmen oder abzulehnen.
      
      17      Die Klägerin bat um nähere Angaben zum ersten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren. Anschließend erfolgte
         ein Austausch von E-Mails.
      
      18      Inzwischen hatten die Dienststellen der Kommission in einer Mitteilung an das Personal vom 5. Mai 2010 (im Folgenden: Mitteilung
         vom 5. Mai 2010) darauf hingewiesen, dass „die aktualisierten [allgemeinen Durchführungsbestimmungen] am ersten Tag des Monats
         [nach] ihrer Veröffentlichung in den Verwaltungsmitteilungen in Kraft treten“ und dass „alle Übertragungsanträge, die vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens [der neuen allgemeinen Durchführungsbestimmungen]
         registriert werden, nach den [ADB 2004] bearbeitet werden“.
      
      19      Der Generaldirektor der Generaldirektion „Humanressourcen und Sicherheit“ der Kommission hatte mit Schreiben vom 25. Mai 2010,
         das an den Generalsekretär der Kommission sowie an drei Generaldirektoren der Kommission gerichtet war, darauf hingewiesen,
         dass, „um eine höhere Transparenz des Systems zur Übertragung von Ruhegeldansprüchen sowie eine größere Rechtssicherheit zu
         gewährleisten, [er] beschlossen habe, einer geänderten Fassung der [allgemeinen Durchführungsbestimmungen], die keine Rückwirkung
         vorsieht, zuzustimmen“.
      
      20      Die Kommission wies ferner in einer Mitteilung an das Personal, die am 30. Juli 2010 in den Verwaltungsmitteilungen veröffentlicht wurde (im Folgenden: Mitteilung vom 30. Juli 2010), darauf hin, dass „[d]ie aktualisierten [allgemeinen Durchführungsbestimmungen] …
         am ersten Tag des Monats [nach] ihrer Veröffentlichung in den Verwaltungsmitteilungen in Kraft [treten]“ und dass „alle Übertragungsanträge, die vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens [der künftigen allgemeinen
         Durchführungsbestimmungen] registriert werden, nach den [ADB 2004] bearbeitet werden“. Die Mitteilung vom 30. Juli 2010 stellte
         klar, dass die Änderung der ADB 2004 die Übertragung der bei der Union erworbenen Ansprüche auf ein nationales Versorgungssystem
         und die Übertragung der bei einem Mitgliedstaat erworbenen Ansprüche auf das Versorgungssystem der Union betrifft.
      
      21      Auf Antrag der Klägerin verlängerte das PMO 4 mit E-Mail vom 20. August 2010 die der Klägerin für die Stellungnahme zum ersten
         Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren eingeräumte Frist bis zum 30. September 2010. Die Klägerin hat
         den ersten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren weder ausdrücklich angenommen noch ausdrücklich abgelehnt.
      
      22      In einer Mitteilung an das Personal vom 17. September 2010 (im Folgenden: Mitteilung vom 17. September 2010) stellte die Kommission
         fest, dass „im Vorgriff auf den Erlass neuer allgemeiner Durchführungsbestimmungen … zu den Art. 11 und 12 des Anhangs VIII
         des Statuts durch die Kommission“ „zahlreiche“ Beamte Anträge auf Übertragung ihrer Ruhegehaltsansprüche eingereicht hätten
         und so „mehr als 10 000 Anträge“ seit dem 1. Januar 2010 beim PMO 4 registriert worden seien. Die Mitteilung vom 17. September
         2010 stellte jedoch klar, dass „trotz der missverständlichen Mitteilung u. a. der Verwaltung von Mai 2010 … die Umsetzung
         der neuen [allgemeinen Durchführungsbestimmungen], insbesondere der neuen versicherungsmathematischen Werte nach den Vorschriften
         de[s] Statuts und vor allem nach denen der Verordnung … Nr. 1324/2008 … zu erfolgen [hat]. [Die neuen allgemeinen Durchführungsbestimmungen]
         gelten daher zwingend für alle Übertragungen [der bei einem Mitgliedstaat erworbenen Ansprüche auf das Versorgungssystem der
         Union], für die der Antrag ab dem 1. Januar 2009 eingereicht wurde, und für alle Übertragungen [des Kapitalwerts der von einem
         Beamten in der Union erworbenen Ruhegehaltsansprüche auf ein nationales Versorgungssystem], die ab dem genannten Zeitpunkt
         stattgefunden haben“. Schließlich heißt es in der Mitteilung vom 17. September 2010, dass „[d]ie geringe Zahl von Übertragungen,
         für die bereits ein Vorschlag gemacht wurde oder eine Auszahlung des Kapitals durch die ursprüngliche Pensionskasse erfolgte, …
         entsprechend behandelt [werden]. Die betroffenen Kollegen werden über den weiteren Fortgang ihrer Übertragung persönlich so
         schnell wie möglich schriftlich unterrichtet.“
      
      23      Im Anschluss an die Mitteilung vom 17. September 2010 teilte das PMO 4 der Klägerin mit E-Mail vom 28. September 2010 mit,
         dass die Kommission „verpflichtet ist, den [ihr] unterbreiteten Vorschlag zu überprüfen“, um die künftigen allgemeinen Durchführungsbestimmungen
         anzuwenden, „die am 1. Januar 2009 rückwirkend in Kraft treten“.
      
      24      Am 17. Dezember 2010 legte die Klägerin nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts Beschwerde gegen die Mitteilung vom 17. September
         2010 ein. Die Beschwerde wurde am 12. April 2011 mit der Begründung zurückgewiesen, dass die Mitteilung vom 17. September
         2010 keine beschwerende Maßnahme enthalte.
      
      25      Nach Erlass der ADB 2011 sandte das PMO 4 am 24. Mai 2011 an die Klägerin einen zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren zusammen mit einem Schreiben, in dem ausgeführt wurde, dass der neue Vorschlag den ersten Vorschlag zur Anrechnung
         von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren „aufhebt und ersetzt“ (im Folgenden: zweiter Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren). In dem zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren heißt es, dass die in dem ersten
         Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren berücksichtigten Umrechnungskoeffizienten „obsolet“ seien und
         „seit dem 1. Januar 2009 keine Rechtsgrundlage haben“, da zum genannten Zeitpunkt der in der Verordnung Nr. 1324/2008 festgesetzte
         Zinssatz in Kraft getreten sei. Dieser Zinssatz sei einer der Faktoren für die Berechnung der Umrechnungskoeffizienten gewesen,
         die bei der Umrechnung der früher erworbenen Ruhegehaltsansprüche in anzurechnende ruhegehaltsfähige Dienstjahre nach dem
         Statut anzuwenden seien. Der erste Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren sei daher „als null und nichtig
         zu betrachten“. Nach den Umrechnungskoeffizienten in den ADB 2011 betrügen die anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre
         nach Neuberechnung 17 Jahre und sieben Monate.
      
      26      Am 3. Juni 2011 legte die Klägerin nach Art. 90 Abs. 2 des Statuts Beschwerde gegen die ADB 2011 ein, insbesondere gegen Art. 9
         der ADB 2011, da sie der Auffassung war, dass diese Bestimmung gegen das Rückwirkungsverbot verstoße.
      
      27      Mit Entscheidung vom 28. Juli 2011, die dem Anwalt der Klägerin am 29. Juli 2011 bekannt gegeben wurde, stellte die Anstellungsbehörde
         zunächst fest, dass, „[u]nabhängig von der Frage, ob die ADB [2011] als eine beschwerende Maßnahme angesehen werden können, …
         der [zweite] Vorschlag [zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren] … als beschwerende Maßnahme eingestuft [wurde]“
         und dass demzufolge der zweite Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren „Gegenstand der vorliegenden Entscheidung
         ist“, und wies sodann die Beschwerde zurück (im Folgenden: Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde).
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      28      Mit gesondertem Schriftsatz, der am 4. Januar 2012 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Kommission aufgrund
         von Art. 78 der Verfahrensordnung des Gerichts eine Einrede der Unzulässigkeit erhoben und beantragt, über diese Einrede vorab
         zu entscheiden.
      
      29      Mit Schriftsatz, der am 27. Januar 2012 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin Erklärungen zu der
         von der Kommission erhobenen Einrede der Unzulässigkeit abgegeben.
      
      30      Mit Schreiben vom 25. Mai 2012 teilte die Kanzlei des Gerichts den Parteien mit, dass das Gericht beschlossen habe, die Entscheidung
         über die Einrede der Unzulässigkeit dem Endurteil vorzubehalten.
      
      31      Die Klägerin beantragt,
      
      –        die Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde aufzuheben;
      –        soweit erforderlich, den zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren aufzuheben;
      –        „gegebenenfalls gemäß Art. 277 [AEUV]“ die ADB 2011, insbesondere deren Art. 9, für nichtig zu erklären;
      –        der Beklagten die Kosten aufzuerlegen. 
      32      Die Kommission beantragt, 
      
      –        die Klage für unzulässig oder jedenfalls für unbegründet zu erklären;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
      33      Mit Schreiben vom 28. Januar 2013 hat das Gericht die Parteien im Rahmen prozessleitender Maßnahmen aufgefordert, bestimmte
         Punkte ihrer schriftlichen Ausführungen zu verdeutlichen und eine Reihe von Dokumenten vorzulegen. Die Parteien sind dieser
         Aufforderung gemäß den Anweisungen des Gerichts nachgekommen.
      
      34      Die Rechtssache, die zunächst der Dritten Kammer des Gerichts zugewiesen worden war, ist an das Plenum des Gerichts verwiesen
         worden, worüber die Parteien mit Schreiben der Kanzlei vom 7. Februar 2013, das die Ladung zur mündlichen Verhandlung und
         den vorbereitenden Sitzungsbericht enthielt, unterrichtet worden sind.
      
       Rechtliche Würdigung
       Zum Klagegegenstand
      35      Als Erstes beantragt die Klägerin, die Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde aufzuheben. 
      
      36      Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass ein Aufhebungsantrag, der formal gegen die Entscheidung über die Zurückweisung einer Beschwerde
         gerichtet ist, in dem Fall, dass diese Entscheidung keinen eigenständigen Gehalt hat, bewirkt, dass das Gericht mit der beschwerenden
         Maßnahme befasst wird, gegen die die Beschwerde gerichtet ist (Urteil des Gerichtshofs vom 17. Januar 1989, Vainker/Parlament,
         293/87, Randnr. 8). 
      
      37      Im vorliegenden Fall wurde die Beschwerde, obwohl sie gegen die ADB 2011 gerichtet war, von der Anstellungsbehörde dahin ausgelegt,
         dass sie sich allein gegen den zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren richtet, was von der Klägerin
         vor dem Gericht nicht in Frage gestellt worden ist.
      
      38      Die Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde bestätigt jedoch den zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren. Folglich ist der Antrag, der sich gegen die Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde richtet, als
         gegen den zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren gerichtet anzusehen, der im Übrigen Gegenstand
         des zweiten Klagantrags ist.
      
      39      Mit dem dritten Klagantrag begehrt die Klägerin, „soweit erforderlich, … gegebenenfalls gemäß Art. 277 [AEUV]“, die ADB 2011,
         insbesondere deren Art. 9, für nichtig zu erklären.
      
      40      Aus der Bezugnahme auf Art. 277 AEUV und den Darlegungen in der Klageschrift ergibt sich, dass die Klägerin in Wirklichkeit
         die Einrede der Rechtswidrigkeit des Art. 9 der ADB 2011, eines Rechtsakts mit allgemeiner Geltung, erhebt. Diese Einrede
         kann im vorliegenden Fall, selbst wenn sie begründet wäre, nur zur Aufhebung des zweiten Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren führen, die gerade Gegenstand des zweiten Klagantrags ist.
      
      41      Nach alledem ist allein der Antrag auf Aufhebung des zweiten Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren
         zu prüfen.
      
       Zur Einrede der Unzulässigkeit
       Vorbringen der Parteien
      42      Die Kommission macht geltend, die Klage sei unzulässig, da sie gegen den zweiten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren gerichtet sei, der keine beschwerende Maßnahme darstelle.
      
      43      Die Kommission ist der Auffassung, das Verwaltungsverfahren, das die Bearbeitung der Anträge auf Übertragung der in einem
         nationalen Versorgungssystem erworbenen Ruhegehaltsansprüche betreffe, bestehe aus mehreren Phasen. Der Vorschlag zur Anrechnung
         von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren stelle nur eine Phase dieses Verfahrens dar.
      
      44      Die in dem Vorschlag an die betreffende Person dargelegte Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren werde erst bestandskräftig,
         nachdem die dem aktualisierten Kapitalwert der Ruhegehaltsansprüche entsprechenden Beträge von den betreffenden nationalen
         oder internationalen Pensionskassen auf das Bankkonto der Kommission tatsächlich eingezahlt worden seien, so dass die Entscheidung
         über die Anrechnung, die dem Beamten nach Eingang des übertragenen Kapitals mitgeteilt werde, die einzige den Beamten, der
         einen Übertragungsantrag gestellt habe, beschwerende Maßnahme sei.
      
      45      Unter diesen Umständen sei der zweite Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren eine Vorbereitungshandlung,
         deren Zweck allein die Vorbereitung der endgültigen Entscheidung über die Anrechnung sei.
      
      46      In der mündlichen Verhandlung hat die Kommission ferner geltend gemacht, die Ruhegehaltsansprüche des Beamten würden durch
         den Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren nicht konkretisiert, was erst recht gelte, wenn der Vorschlag
         von der betreffenden Person nicht angenommen werde, und in der Zeit zwischen der Annahme des Vorschlags und dem Erlass einer
         das Verfahren abschließenden Entscheidung könne sich die Höhe des übertragenen Kapitals und damit die Anzahl der ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahre ändern. Die Kommission stützt sich insoweit auf Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts, der bestimmt, dass
         das betreffende Organ die Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre festlegt, die es gemäß der Versorgungsordnung der Union
         für die frühere Dienstzeit „unter Zugrundelegung des übertragenen Kapitals“ anrechnet.
      
      47      Die Klägerin ist demgegenüber der Ansicht, nach der Rechtsprechung stelle ein Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren eine beschwerende Maßnahme unabhängig davon dar, ob er von dem betreffenden Beamten angenommen worden sei. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      48      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass das System der Übertragung von Rentenansprüchen gemäß Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII
         des Statuts durch eine Koordinierung der nationalen Versorgungssysteme mit dem Versorgungssystem der Union bezweckt, das Überwechseln
         von Tätigkeiten im öffentlichen oder privaten nationalen und auch internationalen Bereich zur Verwaltung der Union zu erleichtern
         und so der Union möglichst gute Möglichkeiten zu eröffnen, qualifiziertes und bereits ausreichend berufserfahrenes Personal
         einzustellen (Beschluss des Gerichtshofs vom 9. Juli 2010, Ricci, C‑286/09 und C‑287/09, Randnr. 28 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      49      In diesem Kontext ist das Gericht erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften insbesondere zu der Auffassung gelangt, dass
         die Vorschläge zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren, die dem Beamten zur Zustimmung übermittelt werden, „Entscheidungen“
         mit einer doppelten Wirkung sind: Sie bewahren zum einen dem betreffenden Beamten in der ursprünglichen Rechtsordnung den
         Betrag der von ihm in dem entsprechenden Ruhegehaltssystem erworbenen Ansprüche und gewährleisten zum anderen in der Rechtsordnung
         der Union vorbehaltlich der Erfüllung bestimmter zusätzlicher Bedingungen, dass diese Ansprüche im Ruhegehaltssystem der Union
         berücksichtigt werden (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 18. Dezember 2008, Belgien und Kommission/Genette, T‑90/07 P
         und T‑99/07 P, Randnr. 91 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      50      Das Gericht hat ebenfalls bereits entschieden, dass die Vorschläge zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren einseitige
         Maßnahmen darstellen, die keiner weiteren Maßnahme des zuständigen Organs bedürfen und den betreffenden Beamten beschweren.
         Wäre es anders, könnten diese Maßnahmen als solche nicht gerichtlich angefochten werden oder könnten allenfalls erst nach
         Erlass einer späteren Entscheidung, die eine andere Behörde als die Anstellungsbehörde zu einem unbestimmten Zeitpunkt erlassen
         würde, mit einer Beschwerde oder einer Klage angefochten werden. Diese Auffassung würde weder den Anspruch der Beamten auf
         effektiven gerichtlichen Rechtsschutz noch das der Fristenregelung des Statuts zugrunde liegende Erfordernis der Rechtssicherheit
         wahren (Beschluss des Gerichts vom 10. Oktober 2007, Pouzol/Rechnungshof, F‑17/07, Randnrn. 52 und 53).
      
      51      Diese Rechtsprechung ist auch durch das Urteil des Gerichts vom 11. Dezember 2012, Cocchi und Falcione/Kommission (F‑122/10,
         Rechtsmittel beim Gericht der Europäischen Union anhängig, Rechtssache T‑103/13 P, Randnrn. 37 bis 39), bestätigt worden,
         in dem das Gericht festgestellt hat, dass der Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren eine den betreffenden
         Beamten beschwerende Maßnahme darstellt.
      
      52      Aus der in den Randnrn. 49 bis 51 des vorliegenden Urteils angeführten Rechtsprechung ergibt sich letztlich, dass der Vorschlag
         zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren, den die zuständigen Dienststellen der Kommission dem Beamten im Rahmen
         des oben beschriebenen mehrstufigen Verwaltungsverfahrens zur Übertragung der Ruhegehaltsansprüche unterbreiten, eine einseitige
         Maßnahme darstellt, die sich von dem verfahrensrechtlichen Rahmen, in dem sie ergeht, trennen lässt und die aufgrund einer
         gebundenen Befugnis erlassen wird, die dem Organ kraft Gesetzes eingeräumt ist, da sie sich unmittelbar aus dem Individualrecht
         herleitet, das Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts den Beamten und Bediensteten beim Eintritt in den Dienst der Union
         ausdrücklich gewährt.
      
      53      Die Ausübung dieser gebundenen Befugnis verpflichtet die Kommission nämlich zur Ausarbeitung eines Vorschlags zur Anrechnung
         von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren, der alle relevanten Daten einbezieht, die die Kommission von den betreffenden nationalen
         oder internationalen Behörden in enger und loyaler Zusammenarbeit zwischen diesen und den Dienststellen der Kommission beschaffen
         muss. Dieser Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren kann daher nicht dahin verstanden werden, dass die
         Dienststellen der Kommission die „bloße Absicht“ bekunden, den betreffenden Beamten zu informieren in der Erwartung, dass
         dieser tatsächlich zustimmt und dass dann der Kapitalbetrag eingeht, der die Anrechnung ermöglicht. Der Vorschlag beinhaltet
         vielmehr die erforderliche Verpflichtung der Kommission, den Anspruch auf Übertragung der Ruhegehaltsansprüche, den der Beamte
         mit Stellung seines Übertragungsantrags geltend gemacht hat, ordnungsgemäß und effektiv zu erfüllen. Die Übertragung des aktualisierten
         Kapitals auf das Versorgungssystem der Union stellt dagegen eine hiervon getrennt zu sehende Leistung dar, die den nationalen
         oder internationalen Behörden obliegt und die erforderlich ist, um das Verfahren zur Übertragung der Ruhegehaltsansprüche
         auf das Versorgungssystem der Union insgesamt abzuschließen.
      
      54      Die Ausübung der gebundenen Befugnis zur Durchführung des Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts verpflichtet die Kommission
         ferner, mit der gebotenen Sorgfalt vorzugehen, damit der Beamte, der einen Antrag auf Durchführung des Art. 11 Abs. 2 des
         Anhangs VIII des Statuts gestellt hat, dem Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren in Kenntnis aller
         Umstände zustimmen kann, und zwar sowohl bezüglich der für die Berechnung der statutarischen ruhegehaltsfähigen Dienstjahre
         erforderlichen Angaben als auch bezüglich der Vorschriften, die die Modalitäten dieser Berechnung „zum Zeitpunkt des Übertragungsantrags“
         regeln, wie der Wortlaut des Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts klarstellt. Diese Bestimmung sieht nämlich vor, dass
         das Organ, bei dem der Beamte im Dienst steht, unter Berücksichtigung des Grundgehalts, des Alters und des Wechselkurses zum
         Zeitpunkt des Antrags auf Übertragung mittels allgemeiner Durchführungsbestimmungen „die Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre
         fest[legt]“.
      
      55      Aus alledem ergibt sich, dass ein Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren eine den Beamten, der einen
         Antrag auf Übertragung seiner Ruhegehaltsansprüche gestellt hat, beschwerende Maßnahme ist.
      
      56      Diese Schlussfolgerungen werden auch durch die nachfolgenden Erwägungen bestätigt.
      
      57      Erstens sehen die ADB 2011 nunmehr in ihrem Art. 8 ausdrücklich vor, dass die Zustimmung zum Vorschlag zur Anrechnung von
         ruhegehaltsfähigen Dienstjahren, zu deren Abgabe der Beamte aufgefordert wird, mit ihrer Erteilung „unwiderruflich“ ist, und
         bestätigen damit eine frühere Praxis, die in Klauseln der Vorschläge zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren zum
         Ausdruck kam. Die Unwiderruflichkeit der Zustimmung ist nur gerechtfertigt, wenn die Kommission der betreffenden Person einen
         Vorschlag unterbreitet, dessen Inhalt mit der erforderlichen Sorgfalt errechnet und ausgearbeitet wurde und der die Kommission
         in dem Sinne bindet, dass sie verpflichtet ist, das Verfahren der Übertragung auf dieser Grundlage fortzuführen, sofern die
         betreffende Person ihre Zustimmung erteilt.
      
      58      Zweitens liegt dem Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren prinzipiell dieselbe Berechnungsmethode zugrunde
         wie die, die zu dem Zeitpunkt angewandt wird, zu dem das von den ursprünglichen nationalen oder internationalen Pensionskassen
         endgültig übertragene Kapital insgesamt bei dem Versorgungssystem der Union eingeht.
      
      59      Was sich zwischen dem Zeitpunkt des Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren und dem Zeitpunkt des endgültigen
         Kapitaleingangs höchstens ändern kann, ist die Höhe des betreffenden Betrags, da die Höhe des übertragbaren Kapitals, das
         zum Zeitpunkt des Übertragungsantrags aktualisiert wurde, von der Höhe des tatsächlich übertragenen Kapitals – abhängig z. B.
         von Wechselkursschwankungen – abweichen kann. Selbst im letzten Fall, der im Übrigen nur die in anderen Währungen als dem
         Euro angegebenen Kapitalübertragungen betreffen kann, ist die auf die beiden Kapitalwerte angewandte Berechnungsmethode dieselbe.
      
      60      Drittens widerspricht die Auffassung der Kommission, dass erst die nach dem endgültigen Eingang des betreffenden Kapitals
         erlassene Entscheidung über die Anrechnung eine den betreffenden Beamten beschwerende Maßnahme sei, eindeutig dem Zweck des
         Verwaltungsverfahrens zur Übertragung der Ruhegehaltsansprüche. Dieses Verfahren soll dem betreffenden Beamten gerade die
         Möglichkeit geben, in Kenntnis aller Umstände und vor der endgültigen Übertragung des seinen gesamten Beiträgen entsprechenden
         Kapitals auf das Versorgungssystem der Union zu entscheiden, ob es für ihn vorteilhafter ist, seine bisherigen Ruhegehaltsansprüche
         mit denen zu kumulieren, die er als Beamter der Union erwirbt, oder im Gegenteil diese Ansprüche in der nationalen Rechtsordnung
         zu bewahren (vgl. Urteil Belgien und Kommission/Genette, Randnr. 91). Die Auffassung der Kommission würde den betreffenden
         Beamten nämlich zwingen, die von den Dienststellen der Kommission erstellte Berechnung der anzurechnenden Dienstjahre, auf
         die er erst nach endgültiger Übertragung des Kapitals durch die nationalen oder internationalen Pensionskassen auf die Kommission
         Anspruch hat, anzufechten, wodurch das dem Beamten durch Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts gewährte Recht, sich
         entweder für die Übertragung seiner Ruhegehaltsansprüche oder für den Verbleib dieser Ansprüche in den ursprünglichen nationalen
         oder internationalen Pensionskassen zu entscheiden, praktisch ihres Wesens beraubt würde.
      
      61      Viertens lässt sich nicht behaupten, wie es die Kommission tut, dass die Vorschläge zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren deswegen lediglich Vorbereitungshandlungen seien, weil nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts die Anzahl
         der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre „unter Zugrundelegung des übertragenen Kapitals“ errechnet werden müsse.
      
      62      Insoweit ist zunächst darauf hinzuweisen, dass nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts das betreffende Organ die
         Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre zunächst „unter Berücksichtigung des Grundgehalts, des Alters und des Wechselkurses
         zum Zeitpunkt des Antrags auf Übertragung mittels allgemeiner Durchführungsbestimmungen fest[legt]“ und dass es sodann die
         auf diese Weise festgelegte Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre gemäß der Versorgungsordnung der Union „unter Zugrundelegung
         des übertragenen Kapitals“ anrechnet. 
      
      63      Dieser Wortlaut findet seine Bestätigung in dem des Art. 7 der ADB 2004 und des Art. 7 der ADB 2011. Beide Artikel bestimmen
         nämlich jeweils in ihrem Abs. 1, dass die Zahl der anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre „unter Zugrundelegung des
         übertragbaren Betrags berechnet [wird], der dem [erworbenen] Anspruch entspricht, … abzüglich des Betrags, der dem Wertzuwachs
         des Kapitals zwischen dem Zeitpunkt der Registrierung des Übertragungsantrags und dem Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung
         entspricht“. 
      
      64      Abs. 2 der Art. 7 der ADB 2004 und 2011 legt dagegen fest, dass die Zahl der anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre
         „sich danach … auf der Grundlage des übertragenen Betrags [berechnet]“, und zwar nach der im ersten Gedankenstrich dieses
         Absatzes aufgeführten mathematischen Formel.
      
      65      Aus den vorstehend genannten Bestimmungen ergibt sich somit, dass die Vorschläge zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren
         auf der Grundlage des übertragbaren Betrags zum Zeitpunkt der Registrierung des Antrags, wie er von den zuständigen nationalen
         oder internationalen Behörden den Dienststellen der Kommission mitgeteilt wird, errechnet werden, gegebenenfalls abzüglich
         des Betrags, der dem Wertzuwachs des Kapitals zwischen dem Zeitpunkt der Registrierung des Übertragungsantrags und dem Zeitpunkt
         der tatsächlichen Übertragung entspricht, da diese finanzielle Differenz nicht vom Versorgungssystem der Union zu tragen ist.
      
      66      Aus den gesamten vorstehenden Erwägungen folgt, dass der zweite Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren
         eine beschwerende Maßnahme ist und der Aufhebungsantrag somit zulässig ist. Die von der Kommission erhobene Einrede der Unzulässigkeit
         ist folglich zurückzuweisen.
      
       Zur Begründetheit
      67      Zur Begründung ihres Antrags auf Aufhebung des zweiten Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren führt
         die Klägerin als einzigen Grund „den Verstoß gegen Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts [und] Art. 26 Abs. 4 des Anhangs
         XIII des Statuts, die Verletzung der wohlerworbenen Rechte sowie den Verstoß gegen die Grundsätze der Rechtssicherheit und
         das Rückwirkungsverbot [und] einen offensichtlichen Beurteilungsfehler“ an.
      
       Vorbringen der Parteien 
      68      Die Klägerin macht geltend, Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts verpflichte die Kommission, wenn sie die versicherungsmathematischen
         Werte für die Anträge auf Übertragung von in einem Mitgliedstaat erworbenen Ruhegehaltsansprüchen auf das Versorgungssystem
         der Union (im Folgenden: Übertragung „auf die Union“) ändern wolle, zuvor neue allgemeine Durchführungsbestimmungen zu erlassen.
         Die Kommission habe jedoch neue allgemeine Durchführungsbestimmungen erst am 3. März 2011 erlassen. Auf den Übertragungsantrag
         seien daher allein die vor diesem Zeitpunkt geltenden ADB 2004 anwendbar.
      
      69      Das Inkrafttreten der Verordnung Nr. 1324/2008 am 1. Januar 2009 sei ohne Einfluss auf den Zinssatz, der bei der Berechnung
         der Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre anzuwenden sei. Diese Verordnung habe nämlich den in Art. 8 des Anhangs VIII
         des Statuts vorgesehenen Zinssatz geändert, der ausschließlich bei einer Übertragung des versicherungsmathematischen Gegenwerts
         auf ein nationales Versorgungssystem angewandt werde, d. h. des Kapitalwerts der Ruhegehaltsansprüche, die ein Beamter in
         der Union erworben habe (im Folgenden: Übertragung „aus der Union“), und sei somit nicht bei einer Übertragung „auf die Union“
         anwendbar.
      
      70      Ferner schrieben weder das Statut noch die Verordnung Nr. 1324/2008 vor, dass der von der Verordnung Nr. 1324/2008 festgelegte
         Zinssatz in Bezug auf die Berechnung der Anzahl der ruhegehaltsfähigen Dienstjahre im Fall einer Übertragung „auf die Union“
         kraft Gesetzes sofort angewandt werde.
      
      71      Gemäß den fünfjährlichen versicherungsmathematischen Bewertungen nach Art. 83a Abs. 3 des Statuts habe die Verordnung Nr.
         1324/2008 lediglich den Beitragssatz zum Versorgungssystem der Union und den Zinssatz gemäß den in Art. 2 der genannten Verordnung
         angeführten Vorschriften abschließend anpassen können. Mit diesen Maßnahmen habe der Rat daher alle Befugnisse, die ihm Art. 83a
         des Statuts einräume, „ausgeschöpft“. Der Rat habe nicht das Recht gehabt, eine Entscheidung gleich welcher Art zu treffen,
         die für die Berechnung nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts von Bedeutung sei.
      
      72      Auch könne die vom Rat beschlossene Änderung des Zinssatzes nicht zwingend für alle versicherungsmathematischen Berechnungen
         gleichzeitig gelten.
      
      73      Die Klägerin macht auch geltend, dass ihre Ansprüche zum Zeitpunkt des Übertragungsantrags, d. h. am 3. November 2009, konkretisiert
         worden seien und damit nach Maßgabe der zu diesem Zeitpunkt allein geltenden ADB 2004 hätten bestimmt werden müssen.
      
      74      Schließlich ist die Klägerin der Ansicht, die rückwirkende Anwendung der ADB 2011 sei „unerwartet“ gewesen. In dem Schreiben
         des Generaldirektors der Generaldirektion „Humanressourcen und Sicherheit“ vom 25. Mai 2010 und der Mitteilung vom 30. Juli
         2010 sei mitgeteilt worden, dass die neuen Vorschriften nicht rückwirkend angewandt würden.
      
      75      Die Kommission erwidert, die Verordnung Nr. 1324/2008 habe zwar nicht Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts ändern können,
         weil diese Vorschrift den für die Berechnung des versicherungsmathematischen Gegenwerts anzuwendenden Zinssatz nicht erwähne,
         doch verwendeten die allgemeinen Durchführungsbestimmungen zu Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts Umrechnungskoeffizienten,
         die „unmittelbar von dem in Art. 8 des Anhangs VIII [des Statuts] genannten Zinssatz abhängen“ würden.
      
      76      Die Änderung des in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts vorgesehenen Zinssatzes, die durch das Inkrafttreten der Verordnung
         Nr. 1324/2008 auf den 1. Januar 2009 festgesetzt worden sei, habe somit „zwingend“ zum selben Zeitpunkt die Änderung der genannten
         Umrechnungskoeffizienten nach sich gezogen. Die Umrechnungskoeffizienten gemäß den ADB 2004 seien damit zum 1. Januar 2009
         „obsolet“ geworden und hätten ihre Rechtsgrundlage verloren, und zwar unabhängig von einer förmlichen und ausdrücklichen Aufhebung
         der ADB 2004.
      
       Würdigung durch das Gericht
      77      Vorab ist festzustellen, dass die Rüge des offensichtlichen Beurteilungsfehlers durch nichts belegt ist, da es an jeder Begründung
         hierfür fehlt. Sie ist daher gemäß Art. 35 Abs. 1 Buchst. e der Verfahrensordnung zurückzuweisen.
      
      78      Im Rahmen ihres einzigen Klagegrundes erhebt die Klägerin die Einrede der Rechtswidrigkeit des Art. 9 Abs. 3 Satz 2 sowie
         des Art. 9 Abs. 4 Satz 1 der ADB 2011. Die Klägerin ist der Auffassung, diese Bestimmungen der ADB 2011 sähen vor, dass die
         in Anhang 1 der ADB 2011 enthaltenen Umrechnungskoeffizienten, die gemäß der Verordnung Nr. 1324/2008 eingeführt worden seien,
         mit Wirkung vom 1. Januar 2009 – dem Tag des Inkrafttretens der genannten Verordnung – gälten, während Anhang 2 der ADB 2004,
         der andere Umrechnungskoeffizienten und die Geltung ab 1. Mai 2004 vorgesehen habe, zu diesem Zeitpunkt nicht Gegenstand einer
         förmlichen Änderung gewesen sei. Eine solche förmliche Änderung sei nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts erforderlich
         gewesen, und die rückwirkende Anwendung der neuen Umrechnungskoeffizienten des Anhangs 1 der ADB 2011 mit Wirkung ab 1. Januar
         2009 unter Einschluss der Beamten und Bediensteten, deren Antrag auf Übertragung „auf die Union“ vor diesem Zeitpunkt gestellt
         worden sei, verstoße gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit und das Rückwirkungsverbot.
      
      79      Zur rechtlichen Begründung von Art. 9 Abs. 3 und 4 des ADB 2011 macht die Kommission im Wesentlichen geltend, dass Art. 2
         der Verordnung Nr. 1324/2008 die ADB 2004 hinsichtlich der Berechnung der Zahl der anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre
         überholt habe und deren Rechtsgrundlage automatisch habe entfallen lassen.
      
      –       Zu den Wirkungen der Verordnung Nr. 1324/2008 auf die ADB 2004
      80      Aus Art. 2 der Verordnung Nr. 1324/2008 ergibt sich, dass die Verordnung in Bezug auf die Beamten und sonstigen Bediensteten
         nur zwei Ziele hat.
      
      81      Das erste Ziel betrifft die Bestimmung des Zinssatzes nach Art. 4 Abs. 1 des Anhangs VIII des Statuts. Dieser Zinssatz gilt
         für die Berechnung der Ruhegehaltsansprüche eines Beamten, der, nachdem er bereits früher bei der Union beschäftigt war, erneut
         bei der Union eingestellt wird. Dieses Ziel ist im vorliegenden Fall von vornherein erkennbar ohne Bedeutung.
      
      82      Das zweite Ziel betrifft die Festsetzung des Zinssatzes, der für die Bestimmung des „versicherungsmathematischen Gegenwerts“
         des Ruhegehalts zu verwenden ist. Dieser Begriff wird jedoch in Art. 11 Abs. 1 des Anhangs VIII des Statuts für Übertragungen
         „aus der Union“, nicht aber in Art. 11 Abs. 2 des genannten Anhangs für Übertragungen „auf die Union“ verwendet.
      
      83      Bekanntlich trifft Art. 11 des Anhangs VIII des Statuts nämlich eine deutliche Unterscheidung zwischen der Übertragung „aus
         der Union“ in Abs. 1 und der Übertragung „auf die Union“ in Abs. 2.
      
      84      Für die Übertragung „aus der Union“ bestimmt Art. 11 Abs. 1 des Anhangs VIII des Statuts, dass der betreffende Beamte berechtigt
         ist, „den zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung bestehenden versicherungsmathematischen Gegenwert [des] bei der Union
         erworbenen Ruhegehaltsanspruchs … zu übertragen“. Für die Übertragung „auf die Union“ sieht dagegen Abs. 2 der genannten Bestimmung
         vor, dass der betreffende Beamte „den Kapitalwert der Ruhegehaltsansprüche, die er [im nationalen oder internationalen Versorgungssystem,
         dem er bis dahin angehörte,] erworben hat, an die Union zahlen lassen [kann]; zugrunde gelegt wird hierbei der zum Zeitpunkt
         der tatsächlichen Übertragung bestehende Kapitalwert“. Im Fall der Übertragung „aus der Union“ ist der übertragene Geldbetrag
         der „versicherungsmathematische Gegenwert“ der bei der Union erworbenen Ansprüche; im Fall der Übertragung „auf die Union“
         ist der übertragene Geldbetrag der „zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung bestehende Kapitalwert“, d. h. ein Geldbetrag,
         der sachlich die aufgrund der früheren Tätigkeiten des betreffenden Beamten im betreffenden nationalen oder internationalen
         Versorgungssystem erworbenen Ruhegehaltsansprüche darstellt, wie er gemäß Art. 11 Abs. 2 Unterabs. 1 des Anhangs VIII des
         Statuts zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung aktualisiert wurde (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 5.
         Dezember 2013, Časta, C‑166/12, Randnr. 26).
      
      85      Der „versicherungsmathematische Gegenwert“ nach Abs. 1 des Art. 11 des Anhangs VIII des Statuts und der „zum Zeitpunkt der
         tatsächlichen Übertragung bestehende Kapitalwert“ nach Abs. 2 des genannten Artikels sind zwei verschiedene Rechtsbegriffe,
         für die voneinander unabhängige Voraussetzungen gelten.
      
      86      Der „versicherungsmathematische Gegenwert“ stellt sich nämlich nach den Rechtsvorschriften des Statuts als ein dem System
         der Versorgungsordnung der Union eigener, autonomer Begriff dar. Er wird in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts definiert
         als „der Kapitalwert der dem Beamten zustehenden Leistung [des Ruhegehalts]; dieser Betrag errechnet sich nach der in Anhang
         XII Artikel 9 des Statuts genannten Sterblichkeitstafel und auf der Grundlage eines Jahreszinssatzes von 3,1 %, der nach den
         Modalitäten des Anhangs XII [Artikel] 10 des Statuts geändert werden kann“. Die letzte Änderung des Zinssatzes nach Art. 8
         des Anhangs VIII des Statuts wurde aufgrund von Art. 10 des Anhangs XII des Statuts eben durch die Verordnung Nr. 1324/2008
         vorgenommen, die den Zinssatz von 3,5 % auf 3,1 % absenkte.
      
      87      Der „zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung bestehende Kapitalwert“ wird dagegen vom Statut nicht definiert, das auch
         keine Methode für dessen Berechnung angibt, und zwar deshalb, weil für die Berechnung des Kapitalwerts und die Ausgestaltung
         der Kontrolle dieser Berechnung nach ständiger Rechtsprechung ausschließlich die betreffenden nationalen oder internationalen
         Behörden zuständig sind (Urteil Belgien und Kommission/Genette, Randnrn. 56 und 57 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      88      Die Kommission macht gleichwohl geltend, der versicherungsmathematische Gegenwert sei auch eine „Berechnungsmethode“, die
         als solche nicht nur bei der Übertragung „aus der Union“ anzuwenden sei, wenn die Geldbeträge aus den Kassen des Versorgungssystems
         der Union in die Kasse des Versorgungssystems eines Mitgliedstaats oder einer internationalen Organisation flössen, sondern
         auch bei einer Übertragung „auf die Union“, wenn umgekehrt die Geldbeträge in die Kassen des Versorgungssystems der Union
         flössen.
      
      89      Als Berechnungsmethode finde der versicherungsmathematische Gegenwert daher sowohl in dem einen wie in dem anderen Fall der
         Übertragung von Ruhegehaltsansprüchen Anwendung. Die Kommission führt insoweit aus, Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts
         habe mit der Reform des Statuts im Jahr 2004 zulasten der betreffenden nationalen Behörden eine neue Voraussetzung aufgestellt,
         nämlich dass der Wert des Kapitals in Höhe der insgesamt geleisteten Beiträge des Beamten, der in den Dienst der Union getreten
         sei, „zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung“ ermittelt werde. Da die neue Voraussetzung im Statut enthalten sei, begründe
         sie für die betreffenden nationalen Behörden die Verpflichtung, das Kapital gemäß den im Statut angegebenen Parametern, zu
         denen der Zinssatz in der zuletzt durch die Verordnung Nr. 1324/2008 geänderten Höhe zähle, zu aktualisieren.
      
      90      Die Auffassung der Kommission ist jedoch rechtlich nicht haltbar.
      
      91      Aus der Rechtsprechung ergibt sich nämlich, dass das System der Übertragung „auf die Union“ zwei verschiedene Verwaltungsphasen
         umfasst. Die erste Phase besteht in der Feststellung des aktualisierten Kapitals durch die nationalen oder internationalen
         Behörden, die das Versorgungssystem, dem die betreffende Person bis zu ihrem Eintritt in den Dienst der Union angehörte, verwalten.
         Diese Phase fällt insgesamt in die ausschließliche Zuständigkeit der zuständigen nationalen oder internationalen Behörden.
         Die zweite Phase besteht dagegen in der Umrechnung des auf diese Weise von den ursprünglichen nationalen oder internationalen
         Behörden ermittelten aktualisierten Kapitalwerts durch das betreffende Organ der Union in ruhegehaltsfähige Dienstjahre im
         Sinne des Versorgungssystems der Union, und zwar aufgrund der Vorschriften für das Versorgungssystem der Union, einschließlich
         der Regeln in den allgemeinen Durchführungsbestimmungen, die jedes Organ für die Übertragungen „auf die Union“ zu erlassen
         hat (vgl. in diesem Sinne Urteil Belgien und Kommission/Genette, Randnrn. 56 und 57).
      
      92      Die beiden Entscheidungen über erstens die Bestimmung des aktualisierten Kapitalwerts und zweitens die Umrechnung dieses Vermögenswerts
         in ruhegehaltsfähige Dienstjahre sind somit in zwei verschiedenen Rechtsordnungen angesiedelt und unterliegen der für die
         beiden Rechtsordnungen jeweils geltenden gerichtlichen Kontrolle (Urteil des Gerichts erster Instanz vom 18. März 2004, Lindorfer/Rat,
         T‑204/01, Randnrn. 28 bis 31).
      
      93      Der Umstand, dass Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts seit der Reform des Statuts im Jahr 2004 vorsieht, dass die
         nationalen oder internationalen Behörden den Wert des Kapitals in Höhe der insgesamt geleisteten Beiträge des Beamten oder
         Bediensteten, der in den Dienst der Union getreten ist, zum Zeitpunkt der tatsächlichen Übertragung zu ermitteln haben, beinhaltet
         zwar eine Verpflichtung zulasten der genannten Behörden, bedeutet jedoch insoweit mangels dahin gehender ausdrücklicher Bestimmung
         nicht, dass diese Aktualisierung in der für die Übertragung „aus der Union“ bestimmten Weise zu erfolgen hat. Wie der Gerichtshof
         im Urteil Časta, Randnrn. 25 und 26, entschieden hat, steht es den Mitgliedstaaten vielmehr frei, entweder die Methode „des
         versicherungsmathematischen Gegenwerts“ oder die Methode des „pauschalen Rückkaufswerts“ oder auch andere Methoden anzuwenden.
      
      94      Was daher erstens die Berechnung des aktualisierten Kapitalwerts durch die zuständigen nationalen oder internationalen Behörden
         zwecks Übertragung „auf die Union“ betrifft, wird dieser Kapitalwert nach dem geltenden nationalen Recht und den von diesem
         Recht vorgegebenen Modalitäten bestimmt oder, wenn es sich um eine internationale Organisation handelt, nach deren eigenen
         Vorschriften, nicht aber aufgrund des Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts und des in dieser Vorschrift festgelegten Zinssatzes.
         Dies entspricht im Übrigen dem Urteil des Gerichts erster Instanz, Belgien und Kommission/Genette, Randnr. 57, in dem klargestellt
         wird, dass bei einer Übertragung „auf die Union“ die Entscheidung über die Berechnung des Betrags der zu übertragenden Ruhegehaltsansprüche
         in der zuständigen nationalen Rechtsordnung ergeht und nur der Kontrolle des nationalen Gerichts unterliegt (vgl. in diesem
         Sinne Urteil Časta, Randnr. 24).
      
      95      Hieraus folgt, dass Art. 2 der Verordnung Nr. 1324/2008 nicht als Komponente bei der Berechnung des Kapitals, das den vom
         Beamten oder Bediensteten vor seinem Dienstantritt bei der Union erworbenen Ruhegehaltsansprüchen entspricht, in Betracht
         gezogen werden muss und dass der genannte Artikel von den betreffenden nationalen oder internationalen Behörden bei der Aktualisierung
         des von ihnen zu übertragenden Kapitals nicht zwingend berücksichtigt werden muss.
      
      96      Was zweitens die Berechnung der Anzahl der im Versorgungssystem der Union anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre durch
         die Dienststellen des betreffenden Organs betrifft – eine Berechnung, die sich, wie aus den Randnrn. 91 bis 93 des vorliegenden
         Urteils hervorgeht, von der Berechnung des aktualisierten Kapitals unterscheidet –, ist festzustellen, dass weder Art. 11
         Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts bezüglich der Übertragungen „auf die Union“ noch eine andere Vorschrift des Statuts ausdrücklich
         die Verpflichtung enthält, bei der Berechnung der Anzahl der im Versorgungssystem der Union anzurechnenden ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahre den Zinssatz nach Art. 8 des genannten Anhangs anzuwenden. Die Behauptung der Kommission, dass die Umrechnungskoeffizienten
         bei einer Übertragung „auf die Union“ „unmittelbar“ von dem in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts genannten Zinssatz „abhängen“
         würden, hat daher in keiner der Bestimmungen des Statuts eine Stütze.
      
      97      Ferner kann der Rat nicht durch eine nach Art. 83a des Statuts erlassene Durchführungsverordnung den Geltungsbereich des Art. 11
         Abs. 2 Unterabs. 2 des Anhangs VIII des Statuts in der Weise einschränken, dass er die Autonomie in Frage stellt, die der
         Gesetzgeber der Union in dieser Bestimmung den Organen durch Gewährung der Befugnis eingeräumt hat, die Anzahl der anzurechnenden
         ruhegehaltsfähigen Dienstjahre bei einer Übertragung „auf die Union“ im Wege allgemeiner Durchführungsbestimmungen festzulegen.
      
      98      Zwar verweist Art. 7 Abs. 2 der ADB 2004 für die Berechnung der Anzahl der anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre unter
         Zugrundelegung des tatsächlich auf das Versorgungssystem der Union übertragenen Kapitals auf die in der Tabelle des Anhangs
         2 der ADB 2004 angegebenen versicherungsmathematischen Werte V2, die ihrerseits gemäß Anhang 2 „unter Zugrundelegung der Parameter
         in Anhang XII des Statuts [berechnet]“ sind. Zu diesen Parametern zählt der in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts festgelegte
         Zinssatz.
      
      99      Anhang 2 des ADB 2004 führt jedoch die versicherungsmathematischen Werte an, die auf der Grundlage insbesondere des Zinssatzes
         von 3,5 % gemäß Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts vor dessen Änderung durch die Verordnung Nr. 1324/2008 ermittelt wurden.
         Genau diese Werte wurden von der Kommission für die Ausarbeitung des ersten Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren berücksichtigt, obwohl Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts durch die Verordnung Nr. 1324/2008 zwischenzeitlich
         geändert worden war.
      
      100    Im Rahmen der Durchführung des Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts, insbesondere im Hinblick auf die Aktualisierung
         des Umrechnungskoeffizienten bei einer Übertragung „auf die Union“ unter Berücksichtigung des neuen Zinssatzes von 3,1 % gemäß
         Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts nach dem Inkrafttreten der Verordnung Nr. 1324/2008 oblag es daher der Kommission sowohl
         nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts, der auf die zu seiner Durchführung erlassenen allgemeinen Bestimmungen verweist,
         als auch nach dem Grundsatz der Rechtssicherheit, die ADB 2004 zu ändern und eine neue Tabelle der versicherungsmathematischen
         Werte aufzustellen. Genau dies hat die Kommission auch getan, als sie die neuen ADB 2011 erließ, deren Anhang die neuen versicherungsmathematischen
         Werte enthielt, die in diesen allgemeinen Durchführungsbestimmungen „Umrechnungskoeffizienten“ zur Berechnung der anzurechnenden
         ruhegehaltsfähigen Dienstjahre genannt wurden. 
      
      101    Hinzu kommt, dass Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts in der nach dem Inkrafttreten der Verordnung Nr. 1324/2008 geltenden
         Fassung auf die Übertragungen „auf die Union“ nur auf dem Wege über die allgemeinen Durchführungsbestimmungen, die die Organe
         nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts zu erlassen haben, Anwendung finden könnte. Die Anwendbarkeit des Art. 8
         ergibt sich im vorliegenden Fall daraus, dass die Überschrift des Anhangs 2 der ADB 2004 auf die „Parameter in Anhang XII
         des Statuts“ verweist, und zwar insofern, als der genannte Anhang XII wiederum in Art. 1 Abs. 2, Art. 10 Abs. 2 und Art. 12
         einen Verweis auf den in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts angeführten Zinssatz enthält. Die Überschrift des Anhangs 2 der
         ADB 2004 hat klarstellenden Charakter für die Berechnungsmethode, die die Kommission aufgrund der ihr durch Art. 11 Abs. 2
         des Anhangs VIII des Statuts verliehenen Durchführungsbefugnisse anwendet, und kann nur zur Auslegung der Regelung herangezogen
         werden, die in der Tabelle der versicherungsmathematischen Werte enthalten ist (vgl. hinsichtlich des normativen Werts der
         Überschrift des Artikels einer Richtlinie Urteil des Gerichtshofs vom 3. April 2003, Hoffmann, C‑144/00, Randnrn. 37 bis 40).
         Außerdem können derartige nur schwer nachzuvollziehende Bezugnahmen in Kaskadenform, ohne den Grundsatz der Rechtssicherheit
         zu verletzen, keinen Vorrang vor den ausdrücklichen Angaben in der in Rede stehenden Tabelle der versicherungsmathematischen
         Werte haben.
      
      102    Folglich verstößt des Vorbringen der Kommission, die in Art. 8 des Anhangs VIII des Statuts vorgesehene Methode zur Berechnung
         des versicherungsmathematischen Gegenwerts müsse zwingend auch bei der Bestimmung des aktualisierten Kapitals bzw. der Anzahl
         der nach Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII des Statuts anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre angewandt werden, gegen
         den Wortlaut der letztgenannten Bestimmung sowie gegen den Willen des Gesetzgebers der Union, der im Statut eine deutliche
         Unterscheidung zwischen den beiden Fällen von Übertragung der Ruhegehaltsansprüche, der Übertragung „auf die Union“ und „aus
         der Union“, und folglich auch zwischen den Begriffen des aktualisierten Kapitals und des versicherungsmathematischen Gegenwerts
         beibehalten wollte.
      
      103    Nach alledem ist die Auffassung der Kommission, dass die Verordnung Nr. 1324/2008 die ADB 2004 hinsichtlich der Berechnung
         der Zahl der anzurechnenden ruhegehaltsfähigen Dienstjahre überholt habe und deren Rechtsgrundlage automatisch habe entfallen
         lassen, rechtlich unzutreffend, da sie sowohl den Geltungsbereich der Verordnung als auch Art. 11 Abs. 2 des Anhangs VIII
         des Statuts verkennt.
      
      104    Es ist somit zu prüfen, ob die Kommission die in Anhang 1 der ADB 2011 enthaltenen neuen Umrechnungskoeffizienten auf die
         Übertragungsanträge anwenden durfte, die vor dem Inkrafttreten der ADB 2011 am 1. April 2011 gestellt worden waren.
      
      –       Zur rückwirkenden Anwendung der in Anhang 1 der ADB 2011 enthaltenen Umrechnungskoeffizienten
      105    Zunächst ist zu beachten, dass nach einem allgemein anerkannten Grundsatz eine neue Vorschrift, soweit nichts Abweichendes
         bestimmt ist, unmittelbar auf den entstehenden Sachverhalt sowie auf die künftigen Auswirkungen eines Sachverhalts anwendbar
         ist, der unter der Geltung der alten Vorschrift entstanden, aber noch nicht vollständig abgeschlossen ist (Urteil des Gerichts
         vom 13. Juni 2012, Guittet/Kommission, F‑31/10, Randnr. 47 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      106    Es ist somit zu prüfen, ob der die Klägerin betreffende Sachverhalt zu dem Zeitpunkt, zu dem die neuen Umrechnungskoeffizienten
         der ADB 2011 in Kraft traten, also am 1. April 2011, unter der Geltung der ADB 2004 entstanden und vollständig abgeschlossen
         war. Nur dann könnte tatsächlich anerkannt werden, dass die Umrechnungskoeffizienten der ADB 2011, rückwirkend auf die Klägerin
         angewandt wurden. In diesem Fall wäre die von der Klägerin erhobene Einrede der Rechtswidrigkeit, insbesondere aber die Rechtmäßigkeit
         der rückwirkenden Anwendung der Umrechnungskoeffizienten der ADB 2011, unter Berücksichtigung der Grundsätze der Rechtssicherheit
         und des Vertrauensschutzes zu prüfen (vgl. in diesem Sinne Urteil Guittet/Kommission, Randnr. 48).
      
      107    Im vorliegenden Fall war der einen Beamten oder einen Bediensteten, der einen Antrag auf Übertragung „auf die Union“ gestellt
         hat, betreffende Sachverhalt nur dann unter der Geltung der versicherungsmathematischen Werte V2 im Anhang der ADB 2004 vollständig
         abgeschlossen, wenn festgestellt wird, dass die betreffende Person spätestens am Ende des dem Zeitpunkt des Inkrafttretens
         der neuen Umrechnungskoeffizienten der ADB 2011 vorausgehenden Tages, d. h. des 31. März 2011, den ihm aufgrund der ADB 2004
         unterbreiteten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren angenommen hatte.
      
      108    Wie in Randnr. 21 des vorliegenden Urteils ausgeführt, hat die Klägerin den ersten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren weder ausdrücklich angenommen noch ausdrücklich abgelehnt. Der die Klägerin hinsichtlich ihres Anspruchs auf
         Übertragung „auf die Union“ betreffende Sachverhalt war somit zwar unter der Geltung der ADB 2004 entstanden, aber unter der
         Geltung der ADB 2004 im Zeitpunkt des Inkrafttretens der ADB 2011 nicht vollständig abgeschlossen, so dass diese im vorliegenden
         Fall nicht rückwirkend angewandt wurden.
      
      109    Unter diesen Umständen kann sich die Klägerin auch nicht auf wohlerworbene Rechte oder auf die Nichteinhaltung der Voraussetzungen
         für den Widerruf von Verwaltungsakten berufen (vgl. Urteil Cocchi und Falcione, Randnrn. 42 und 43).
      
      110    Nach alledem ist der Antrag auf Aufhebung des zweiten Vorschlags zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren als unbegründet
         zurückzuweisen.
      
      111    Deshalb ist die vorliegende Klage abzuweisen.
      
       Kosten
      112    Nach Art. 87 Abs. 1 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei vorbehaltlich der übrigen Bestimmungen des Achten Kapitels
         ihres Zweiten Titels auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Nach Art. 87 Abs. 2 kann das Gericht aus Gründen der
         Billigkeit entscheiden, dass eine unterliegende Partei zur Tragung nur eines Teils der Kosten oder gar nicht zur Tragung der
         Kosten zu verurteilen ist.
      
      113    Aus den oben dargelegten Gründen ergibt sich, dass die Klägerin mit ihrer Klage unterlegen ist. Es ist jedoch darauf hinzuweisen,
         dass das Verhalten der Kommission geeignet war, bei der Klägerin vollkommen berechtigte Fragen und Zweifel aufzuwerfen. Erstens
         ist daran zu erinnern, dass die Kommission in der Entscheidung über die Zurückweisung der Beschwerde von sich aus einräumte,
         dass der zweite Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren als beschwerende Maßnahme eingestuft worden sei.
         Im Rahmen der vorliegenden Klage war die Kommission zwar berechtigt, eine Einrede der Unzulässigkeit zu erheben und zu beantragen,
         über diese Einrede vorab zu entscheiden, doch machte sie andererseits geltend, der Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen
         Dienstjahren sei „offenkundig“ keine beschwerende Maßnahme gewesen. Ferner erklärte die Kommission dreimal, nämlich in dem
         ersten Vorschlag zur Anrechnung von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren sowie in den Mitteilungen vom 5. Mai und vom 30. Juli
         2010, dass die ADB 2004 auf die vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der ADB 2011 registrierten Übertragungsanträge angewandt
         würden. Überdies gibt es in diesen Mitteilungen keinen Hinweis auf die Bedeutung, die die Annahme der Vorschläge zur Anrechnung
         von ruhegehaltsfähigen Dienstjahren durch die betreffenden Beamten und Bediensteten in diesem Zusammenhang haben könnte. Das
         Gericht hält deshalb die Anwendung von Art. 87 Abs. 2 der Verfahrensordnung und die Entscheidung für gerechtfertigt, der Kommission
         neben ihren eigenen Kosten die Kosten der Klägerin aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT FÜR DEN ÖFFENTLICHEN DIENST(Plenum)
      
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Klage wird abgewiesen. 
      2.      Die Europäische Kommission trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten, die Frau Teughels entstanden sind. 
      
               Van Raepenbusch 
            
            
               Rofes i Pujol 
            
            
               Perillo 
            
         
               Barents 
            
             
            
                     Bradley
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 11. Dezember 2013.
      
               Die Kanzlerin 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               W. Hakenberg 
            
             
            
                     S. Van Raepenbusch
            
         * Verfahrenssprache: Französisch.