CELEX: 62007CJ0440
Language: de
Date: 2009-07-16
Title: Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 16. Juli 2009.#Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Schneider Electric SA.#Rechtsmittel - Zusammenschlüsse von Unternehmen - Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 - Entscheidung der Kommission, mit der ein Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird - Nichtigerklärung - Außervertragliche Haftung der Gemeinschaft wegen des festgestellten Rechtsverstoßes - Voraussetzungen.#Rechtssache C-440/07 P.

Rechtssache C‑440/07 P
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Schneider Electric SA
      „Rechtsmittel – Zusammenschlüsse von Unternehmen – Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 – Entscheidung der Kommission, mit der ein Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird – Nichtigerklärung – Außervertragliche Haftung der Gemeinschaft wegen des festgestellten Rechtsverstoßes – Voraussetzungen“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Rechtsmittel – Gründe – Überprüfung der Beweiswürdigung durch den Gerichtshof – Ausschluss außer bei Verfälschung
      (Art. 225 EG; Satzung des Gerichtshofs, Art. 58)
      2.        Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt – Grenzen – Wahrung
            der Verteidigungsrechte
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Art. 18)
      3.        Rechtsmittel – Gründe – Unzureichende oder widersprüchliche Begründung – Zulässigkeit – Reichweite der Begründungspflicht
      (Art. 225 EG; Satzung des Gerichtshofs, Art. 58)
      4.        Außervertragliche Haftung – Voraussetzungen – Hinreichend qualifizierte Verletzung des Gemeinschaftsrechts
      (Art. 288 Abs. 2 EG)
      5.        Wettbewerb – Zusammenschlüsse – Verwaltungsverfahren – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt – Wahrung der
            Verteidigungsrechte
      (Verordnung Nr. 4064/89 des Rates, Art. 18 Abs. 3)
      6.        Rechtsmittel – Gründe – Fehlerhafte Tatsachenwürdigung – Unzulässigkeit – Überprüfung der Beweiswürdigung durch den Gerichtshof
            – Ausschluss außer bei Verfälschung – Überprüfung des Kausalzusammenhangs zwischen einer auslösenden Tatsache und einem Schaden
            durch den Gerichtshof – Einbeziehung
      (Art. 225 EG; Satzung des Gerichtshofs, Art. 58 Abs. 1)
      7.        Außervertragliche Haftung – Voraussetzungen – Rechtswidrigkeit – Schaden – Kausalzusammenhang
      (Art. 288 Abs. 2 EG)
      1.        Tatsachenfeststellungen und die Beurteilung der Beweismittel durch das Gericht sind der Überprüfung durch den Gerichtshof
         in der Rechtsmittelinstanz unterliegende Rechtsfragen, wenn sich die Unrichtigkeit der Tatsachenfeststellungen des Gerichts
         aus den zu den Akten gereichten Schriftstücken ergibt und wenn Beweismittel verfälscht worden sind.
      
      (vgl. Randnr. 104)
      2.        Die Formulierung einer Rüge wie die eines Verflechtungsproblems in einer Mitteilung der Beschwerdepunkte setzt keine vollständige,
         am Ende einer erschöpfenden wirtschaftlichen Analyse stehende Beweisführung für ihre Stichhaltigkeit voraus. Eine solche Beweisführung,
         die auf dem Gebiet der Unternehmenszusammenschlüsse tatsächlich erhebliche Schwierigkeiten aufwerfen kann, ist im Licht namentlich
         der Stellungnahmen der beteiligten Unternehmen, die zuvor, damit sie ihre Verteidigungsrechte wirksam ausüben können, durch
         die Mitteilung der Beschwerdepunkte über das Bestehen wettbewerblicher Probleme ordnungsgemäß ins Bild gesetzt worden sind,
         vollständig erst im weiteren Verfahren zu leisten. Im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte muss die Kommission das
         Problem der Verflechtung, das einer Erklärung des Zusammenschlusses für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar entgegenstehen
         kann, nur hinreichend klar und deutlich benennen.
      
      (vgl. Randnrn. 130-132)
      3.        Die dem Gericht obliegende Begründungspflicht verlangt nicht, dass es bei seinen Ausführungen alle von den Parteien des Rechtsstreits
         vorgetragenen Argumente nacheinander erschöpfend behandelt; daher kann die Begründung implizit erfolgen, sofern sie es den
         Betroffenen ermöglicht, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht ihrer Argumentation nicht gefolgt ist, und dem Gerichtshof
         ausreichende Angaben liefert, damit er seine Kontrolle ausüben kann.
      
      (vgl. Randnrn. 135, 175)
      4.        Die Entstehung der außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft ist von der Erfüllung mehrerer Voraussetzungen abhängig, zu
         denen, wenn die Rechtswidrigkeit eines Rechtsakts in Frage steht, das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten Verstoßes
         gegen eine Rechtsnorm gehört, die bezweckt, dem Einzelnen Rechte zu verleihen. Im Rahmen dieser Voraussetzung liegt für die
         Beurteilung, ob ein Verstoß gegen das Gemeinschaftsrecht als hinreichend qualifiziert anzusehen ist, das entscheidende Kriterium
         darin, ob ein Gemeinschaftsorgan die Grenzen, die seinem Ermessen gesetzt sind, offenkundig und erheblich überschritten hat.
         Wenn das Gemeinschaftsorgan nur über einen erheblich verringerten oder gar auf null reduzierten Gestaltungsspielraum verfügt,
         kann die bloße Verletzung des Gemeinschaftsrechts ausreichen, um einen hinreichend qualifizierten Verstoß anzunehmen. Gegebenenfalls
         trägt das System, das der Gerichtshof zur außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft entwickelt hat, der Komplexität der
         zu regelnden Sachverhalte Rechnung.
      
      (vgl. Randnrn. 160-161)
      5.        Die Mitteilung der Beschwerdepunkte stellt ein wesentliches Schriftstück für die Durchführung des Grundsatzes der Wahrung
         der Verteidigungsrechte dar, der durch Art. 18 Abs. 3 der Verordnung Nr. 4064/89 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen
         bekräftigt wird. Um die wirksame Ausübung der Verteidigungsrechte zu ermöglichen, legt die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         den Gegenstand des von der Kommission eingeleiteten Verwaltungsverfahrens fest und hindert diese somit daran, in ihrer das
         Verfahren abschließenden Entscheidung andere Beschwerdepunkte in Betracht zu ziehen. Demgemäß impliziert Art. 18 Abs. 3 der
         Verordnung Nr. 4064/89, dass die Kommission, wenn sie im Verfahren zur eingehenden Prüfung nach der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         feststellt, dass in Letzterer ein möglicherweise eine Unvereinbarkeitserklärung nach sich ziehendes wettbewerbliches Problem
         nicht oder nur unzureichend benannt worden ist, entweder auf diese Rüge im Stadium ihrer Endentscheidung verzichten oder vor
         deren Erlass es den beteiligten Unternehmen ermöglichen muss, uneingeschränkt in der Sache Stellung zu nehmen und sachdienliche
         Korrekturmaßnahmen vorzuschlagen.
      
      (vgl. Randnrn. 162-165)
      6.        Hat das Gericht die Tatsachen festgestellt oder gewürdigt, ist der Gerichtshof gemäß Art. 225 EG zur Kontrolle der rechtlichen
         Qualifizierung dieser Tatsachen und der Rechtsfolgen befugt, die das Gericht aus ihnen gezogen hat. Auf dem Gebiet der außervertraglichen
         Haftung der Gemeinschaft ist jedoch die Frage, ob ein Kausalzusammenhang zwischen der auslösenden Tatsache und dem Schaden
         besteht, der eine Voraussetzung für die Begründung dieser Haftung ist, eine Rechtsfrage, die damit der Kontrolle durch den
         Gerichtshof unterliegt. Unter diesen Umständen ist ein Rechtsmittelgrund zulässig, mit dem geltend gemacht wird, dass das
         Gericht zu Unrecht einen Kausalzusammenhang zwischen einem Fehler der Kommission und dem behaupteten Schaden eines Unternehmens
         bejaht habe, weil er gerade auf eine Kontrolle der rechtlichen Qualifizierung der Tatsachen durch das Gericht, aus der es
         das Bestehen des unmittelbaren Kausalzusammenhangs hergeleitet hat, gerichtet ist und diese Kontrolle ausgeübt werden kann,
         ohne dass die getroffenen Feststellungen und vorgenommenen Beurteilungen von Tatsachen in Frage gestellt werden.
      
      (vgl. Randnrn. 191-193)
      7.        In einem Kontext, in dem die Kommission an ein Unternehmen, das die Kontrolle über eine Gesellschaft übernommen hatte, zunächst
         eine Entscheidung, mit der dieser Zusammenschluss für mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt worden war, und sodann
         eine weitere Entscheidung, mit der die Trennung der beiden Unternehmen angeordnet worden war, gerichtet hatte, in dem daraufhin
         das Unternehmen einen Vertrag über die Veräußerung der Gesellschaft geschlossen hatte, der erst später, weil ihn das Unternehmen
         bis zu einem bestimmten Stichtag gegen Zahlung eines Reugelds kündigen konnte, endgültig wirksam werden sollte, und in dem
         schließlich das Unternehmen, weil die beiden Entscheidungen der Kommission wegen eines die außervertragliche Haftung der Gemeinschaft
         begründenden Rechtsverstoßes der Kommission vor Ablauf der Kündigungsfrist aufgehoben worden waren, von der Kündigungsmöglichkeit
         keinen Gebrauch machte, bildet es einen Rechtsfehler, dass das Gericht für die Feststellung, dass das Unternehmen einen Anspruch
         auf Ersatz des durch den Preisnachlass, den es dem Erwerber als Gegenleistung für die verzögerte endgültige Bindungswirkung
         der Übertragung der Gesellschaft hatte einräumen müssen, erlittenen Schadens hat, einen unmittelbaren Kausalzusammenhang zwischen
         dem Rechtsverstoß der Kommission und dem Schaden des Unternehmens bejaht.
      
      In einer solchen Situation ist ein unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen dem streitigen Preisnachlass und dem Rechtsverstoß
         in der Entscheidung der Kommission über die Unvereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt vielmehr zu verneinen.
         Denn die unmittelbare Ursache des geltend gemachten Schadens ist die von dem Unternehmen getroffene Entscheidung, die Übertragung
         der Gesellschaft endgültig wirksam werden zu lassen, obgleich die logische rechtliche Folge einer Nichtigerklärung der Entscheidung,
         mit der die Unvereinbarkeit der Fusion mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt worden war, darin bestanden hätte, dass sich
         das Unternehmen am wiederaufgenommenen Verfahren zur eingehenden Prüfung bis zu dessen Abschluss beteiligt hätte, der entweder
         im Erlass einer Entscheidung, mit der die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt worden
         wäre, bestanden hätte, womit das Unternehmen nicht zur Übertragung der Gesellschaft verpflichtet gewesen wäre und damit auch
         nicht den geltend gemachten Preisnachlass hätte gewähren müssen, oder aber im Erlass einer Entscheidung, mit der die Unvereinbarkeit
         des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt worden wäre, womit die Übertragung der Gesellschaft die rechtliche
         Konsequenz der festgestellten Unvereinbarkeit gewesen wäre und damit nicht die Ursache eines ersatzfähigen Schadens.
      
      (vgl. Randnrn. 200-202, 204-205, 221)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Große Kammer)
      16. Juli 2009(*)
      
      
      Inhaltsverzeichnis
      
      I –  Rechtlicher Rahmen
      II –  Sachverhalt
      III –  Verfahren vor dem Gerichtshof und angefochtenes Urteil
      IV –  Anträge der Verfahrensbeteiligten
      V –  Die Rechtsmittelgründe
      VI –  Zu dem Rechtsmittel
      A –  Zum ersten Rechtsmittelgrund, mit dem geltend gemacht wird, das Gericht habe zu Unrecht ein „Fehlen“ der Verflechtungsrüge
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 festgestellt und befunden, dass die Formulierung dieser Rüge „keine
         besondere technische Schwierigkeit“ beinhaltet habe
      
      1.  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2.  Würdigung durch den Gerichtshof
      a)  Zu den drei ersten Teilen des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Rechtskraft des Urteils Schneider I, falsche Tatsachenfeststellungen
         und Verfälschung von Beweismitteln
      
      i)  Zur Existenz eines Hinweises auf die Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001
      ii)  Zum Vorliegen von Schwierigkeiten, die einer hinreichend klaren und deutlichen Formulierung der Verflechtungsrüge in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 entgegenstanden
      
      b)  Zum vierten Teil des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Begründungspflicht
      B –  Zum zweiten Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass das Gericht zu Unrecht das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten
         Verstoßes der Kommission gegen eine Rechtsnorm, die dem Einzelnen Rechte zu verleihen bezwecke, festgestellt habe
      
      1.  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2.  Würdigung durch den Gerichtshof
      a)  Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: fehlerhafte rechtliche Qualifizierung der Tatsachen
      b)  Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Begründungspflicht
      C –  Zum dritten Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass das Gericht zu Unrecht einen unmittelbaren Kausalzusammenhang
         zwischen dem Verstoß der Kommission und dem Schaden bejaht habe, der Schneider aus dem bei der Veräußerung von Legrand gewährten
         Preisnachlass entstanden sein soll
      
      1.  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      2.  Würdigung durch den Gerichtshof
      a)  Zur Zulässigkeit
      b)  Zur Begründetheit
      VII –  Zu den Folgen der teilweisen Aufhebung des angefochtenen Urteils
      A –  Zu dem Schaden, der aus den Schneider entstandenen Kosten für ihre Beteiligung an dem wiederaufgenommenen Verfahren zur
         Kontrolle des Zusammenschlusses besteht
      
      B –  Zu dem Schaden infolge des Nachlasses auf den Preis für die Übertragung von Legrand
      VIII –  Kosten
      „Rechtsmittel – Zusammenschlüsse von Unternehmen – Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 – Entscheidung der Kommission, mit der ein Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird – Nichtigerklärung – Außervertragliche Haftung der Gemeinschaft wegen des festgestellten Rechtsverstoßes – Voraussetzungen“
      In der Rechtssache C‑440/07 P
      betreffend ein Rechtsmittel nach Art. 56 der Satzung des Gerichtshofs, eingelegt am 21. September 2007,
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch M. Petite, F. Arbault, T. Christoforou, R. Lyal und C.‑F. Durand als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Rechtsmittelführerin,
      andere Verfahrensbeteiligte:
      Schneider Electric SA mit Sitz in Reuil-Malmaison (Frankreich), Prozessbevollmächtigte: M. Pittie und A. Winckler, avocats,
      
      Klägerin im ersten Rechtszug,
      Bundesrepublik Deutschland,
      Französische Republik,
      Streithelferinnen im ersten Rechtszug,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Große Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten V. Skouris, der Kammerpräsidenten P. Jann, C. W. A. Timmermans, A. Rosas, K. Lenaerts, A. Ó Caoimh
         und J.‑C. Bonichot sowie der Richter J. Makarczyk, P. Kūris, E. Juhász, G. Arestis, A. Borg Barthet und L. Bay Larsen (Berichterstatter),
      
      Generalanwalt: D. Ruiz-Jarabo Colomer,
      Kanzler: M.‑A. Gaudissart, Referatsleiter,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 3. Dezember 2008,
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 3. Februar 2009
      folgendes
      Urteil
      1        Mit ihrem Rechtsmittel beantragt die Kommission der Europäischen Gemeinschaften die Aufhebung des Urteils des Gerichts erster
         Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 11. Juli 2007, Schneider Electric/Kommission (T‑351/03, Slg. 2007, II‑2237, im
         Folgenden: angefochtenes Urteil), mit dem
      
      –        die Europäische Gemeinschaft verurteilt worden ist, der Schneider Electric SA (im Folgenden: Schneider) zum einen die Kosten,
         die dieser durch die Beteiligung an dem nach der Verkündung der Urteile des Gerichts vom 22. Oktober 2002, Schneider Electric/Kommission
         (T‑310/01, Slg. 2002, II‑4071, im Folgenden: Schneider I, und T‑77/02 Slg. 2002, II‑4201, im Folgenden: Schneider II), wiederaufgenommenen
         Verfahren zur Kontrolle des Zusammenschlusses entstanden sind, und zum anderen zwei Drittel des Schadens zu ersetzen, der
         Schneider aufgrund des Nachlasses auf den Preis für die Übertragung der Legrand SA (im Folgenden: Legrand) entstanden ist,
         den Schneider dem Erwerber als Gegenleistung für den Aufschub des Termins für die tatsächliche Durchführung des Verkaufs von
         Legrand bis zum 10. Dezember 2002 einräumen musste;
      
      –        die Klage im Übrigen abgewiesen worden ist;
      –        die Parteien aufgefordert worden sind, dem Gericht binnen drei Monaten mitzuteilen, auf welchen Betrag sie sich in Bezug auf
         den ersten Schaden geeinigt haben, oder bei Nichtzustandekommen einer Einigung dem Gericht ihre bezifferten Anträge vorzulegen;
      
      –        die Einholung eines Gutachtens angeordnet worden ist, um die Höhe des zweiten Schadens zu ermitteln;
      –        entschieden worden ist, dass die Schneider seit dem 10. Dezember 2002, als mit der tatsächlichen Durchführung des Verkaufs
         von Legrand der Schaden eintrat, geschuldete Entschädigung neu bewertet wird, indem ihr Zinsen bis zum Tag der Verkündung
         des die Schadensersatzpflicht feststellenden Urteils und ab diesem Tag bis zur vollständigen Zahlung Verzugszinsen hinzugerechnet
         werden;
      
      –        die Kostenentscheidung vorbehalten worden ist.
      I –  Rechtlicher Rahmen
      2        Gemäß Art. 2 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates vom 21. Dezember 1989 über die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen
         (ABl. L 395, S. 1, mit Berichtigung in ABl. 1990, L 257, S. 13) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 1310/97 des Rates vom
         30. Juni 1997 geänderten Fassung (ABl. L 180, S. 1, im Folgenden: Verordnung) werden Zusammenschlüsse im Sinne dieser Verordnung
         von der Kommission auf ihre Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt geprüft.
      
      3        Nach Art. 4 Abs. 1 der Verordnung sind Zusammenschlüsse innerhalb einer Woche nach dem Vertragsabschluss, der Veröffentlichung
         des Kauf‑ oder Tauschangebots oder des Erwerbs einer die Kontrolle begründenden Beteiligung bei der Kommission anzumelden.
      
      4        Nach den Art. 6 und 8 der Verordnung
      
      –        beginnt die Kommission unmittelbar nach dem Eingang der Anmeldung mit deren Prüfung;
      –        trifft sie im Fall ihrer Feststellung, dass der angemeldete Zusammenschluss zwar unter die Verordnung fällt, jedoch keinen
         Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt, die Entscheidung, keine Einwände
         zu erheben, und erklärt den Zusammenschluss für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt;
      
      –        trifft sie hingegen im Fall ihrer Feststellung, dass der angemeldete Zusammenschluss unter die Verordnung fällt und Anlass
         zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt gibt, die Entscheidung, das Verfahren
         zur eingehenden Prüfung zu eröffnen;
      
      –        kann sie, wenn sie – gegebenenfalls nach Änderungen durch die beteiligten Unternehmen – feststellt, dass der Zusammenschluss
         keinen Anlass mehr zu Bedenken gibt, die Entscheidung treffen, den Zusammenschluss für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt
         zu erklären;
      
      –        trifft sie im Fall ihrer Feststellung, dass der Zusammenschluss nicht mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist, eine Entscheidung,
         mit der der Zusammenschluss für unvereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird;
      
      –        kann sie, wenn der Zusammenschluss bereits vollzogen ist, in der Entscheidung selbst, mit der der Zusammenschluss für unvereinbar
         mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird, oder in einer gesonderten Entscheidung die Trennung der zusammengefassten Unternehmen
         oder Vermögenswerte, die Beendigung der gemeinsamen Kontrolle oder andere Maßnahmen anordnen, die geeignet sind, wirksamen
         Wettbewerb wiederherzustellen.
      
      5        Nach Art. 7 Abs. 1 der Verordnung darf ein Zusammenschluss weder vor der Anmeldung noch so lange vollzogen werden, bis er
         für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt worden ist.
      
      6        Jedoch steht diese Bestimmung nach Art. 7 Abs. 3 der Verordnung der Verwirklichung eines öffentlichen Kauf‑ oder Tauschangebots
         nicht entgegen, das bei der Kommission angemeldet worden ist, sofern der Erwerber die mit den Anteilen verbundenen Stimmrechte
         nicht ausübt oder nur zur Erhaltung des vollen Wertes seiner Investition und aufgrund einer von der Kommission erteilten Befreiung
         ausübt.
      
      7        Wird ein Zusammenschluss angemeldet, ergeht nach Art. 10 Abs. 1 der Verordnung die Entscheidung der Kommission, ihn für vereinbar
         mit dem Gemeinsamen Markt zu erklären oder das Verfahren zur eingehenden Prüfung zu eröffnen, innerhalb einer Frist von höchstens
         einem Monat, die mit dem Tag beginnt, der auf den Tag des Eingangs der Anmeldung folgt, oder, wenn die bei der Anmeldung zu
         erteilenden Auskünfte unvollständig sind, mit dem Tag, der auf den Tag des Eingangs der vollständigen Auskünfte folgt.
      
      8        Nach Art. 10 Abs. 2 und 3 muss die Kommission im Verfahren zur eingehenden Prüfung eine Entscheidung über die Vereinbarkeit
         des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt innerhalb einer Frist von höchstens vier Monaten nach der Einleitung des Verfahrens
         erlassen. 
      
      9        Wird durch ein Urteil des Gemeinschaftsrichters eine nach der Verordnung erlassene Entscheidung der Kommission ganz oder teilweise
         für nichtig erklärt, beginnen die in der Verordnung festgelegten Fristen gemäß deren Art. 10 Abs. 5 mit dem Tage der Verkündung
         des Urteils von neuem.
      
      10      Nach Art. 10 Abs. 6 gilt ein angemeldeter Zusammenschluss für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklärt, wenn die Kommission
         innerhalb einer Frist von höchstens einem Monat ab dem Tag, der auf den Tag des Eingangs der Anmeldung oder der vollständigen
         Auskünfte folgt, keine Entscheidung über die Einleitung eines Verfahrens zur eingehenden Prüfung oder, wird ein solches Verfahren
         eingeleitet, innerhalb der Frist von vier Monaten nach der Einleitung keine Entscheidung über die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt getroffen hat.
      
      11      Gemäß Art. 18 Abs. 1 der Verordnung gibt die Kommission insbesondere vor einer Entscheidung, mit der ein Zusammenschluss für
         mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt wird, den betroffenen Unternehmen Gelegenheit, sich zu den ihnen gegenüber geltend
         gemachten Einwänden in allen Abschnitten des Verfahrens bis zur Anhörung des in Art. 19 vorgesehenen Beratenden Ausschusses
         zu äußern.
      
      12      Nach Art. 18 Abs. 3 stützt die Kommission ihre Entscheidungen nur auf die Einwände, zu denen die betroffenen Unternehmen Stellung
         nehmen konnten, und wird das Recht der Betroffenen auf Verteidigung während des Verfahrens in vollem Umfang gewährleistet.
      
      II –  Sachverhalt
      13      Am 16. Februar 2001 meldeten Schneider, die französische Muttergesellschaft einer mit der Herstellung und dem Verkauf von
         Erzeugnissen und Systemen in den Bereichen Elektrizitätsverteilung, industrielle Prozesssteuerung und Automatisation befassten
         Unternehmensgruppe, und Legrand, die ihrerseits die französische Muttergesellschaft einer im Bereich der Herstellung und des
         Verkaufs von Niederspannungs-Elektrogeräten tätigen Unternehmensgruppe ist, gemäß Art. 4 Abs. 1 der Verordnung bei der Kommission
         ein Vorhaben an, mit dem Schneider mittels eines öffentlichen Aktientauschangebots die Kontrolle über das gesamte Unternehmen
         von Legrand übernehmen wollte.
      
      14      Da nach Ansicht der Kommission ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit des Vorhabens mit dem Gemeinsamen Markt
         bestanden, leitete sie das Verfahren zur eingehenden Prüfung ein.
      
      15      Am 3. August 2001 richtete die Kommission an Schneider eine Mitteilung der Beschwerdepunkte, in der sie feststellte, dass
         durch den Zusammenschluss eine beherrschende Stellung auf einer Reihe von nationalen Einzelmärkten begründet oder verstärkt
         werde.
      
      16      Am 6. August 2001 veröffentlichte die Kommission für die Börsentätigkeit das endgültige Ergebnis des öffentlichen Aktientauschangebots
         von Schneider, die danach 98,7 % der Legrand-Aktien erworben hatte.
      
      17      In ihrer Antwort vom 16. August 2001 auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte erhoben die am Zusammenschluss Beteiligten Einwände
         gegen die von der Kommission zugrunde gelegte Definition der Märkte sowie gegen die Auffassung der Kommission über die Auswirkungen
         des Zusammenschlusses auf diese Märkte.
      
      18      Am 29. August 2001 kam es zu einem Treffen der anmeldenden Unternehmen mit den Dienststellen der Kommission, um etwaige Änderungen
         des Zusammenschlusses festzulegen, die die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission ausräumen sollten. 
      
      19      Schneider schlug der Kommission wiederholt verschiedene Korrekturmaßnahmen vor.
      
      20      Am Ende des Verfahrens zur eingehenden Prüfung kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass der Zusammenschluss mit dem Gemeinsamen
         Markt unvereinbar sei. Sie war der Ansicht, dass der Zusammenschluss eine beherrschende Stellung begründen würde, durch die
         ein wirksamer Wettbewerb auf verschiedenen nationalen Einzelmärkten, nämlich in Dänemark, Griechenland, Spanien, Frankreich,
         Italien und Portugal sowie im Vereinigten Königreich, erheblich behindert würde, und überdies eine beherrschende Stellung
         auf verschiedenen französischen Einzelmärkten verstärkt würde.
      
      21      Am 10. Oktober 2001 erließ die Kommission die Entscheidung 2004/275/EG zur Erklärung der Unvereinbarkeit eines Zusammenschlusses
         mit dem Gemeinsamen Markt (ABl. 2004, L 101, S. 1, im Folgenden: Negativentscheidung), in der sie feststellte, dass die von
         Schneider vorgeschlagenen Korrekturmaßnahmen die festgestellten wettbewerblichen Probleme nicht ausräumen könnten.
      
      22      Am 24. Oktober 2001 richtete die Kommission an Schneider eine zweite Mitteilung der Beschwerdepunkte, die die Trennung von
         Schneider und Legrand betraf.
      
      23      Am 13. Dezember 2001 erhob Schneider gegen die Negativentscheidung beim Gericht eine Nichtigkeitsklage (Rechtssache T‑310/01)
         und beantragte mit besonderem Schriftsatz, nach Art. 76a der Verfahrensordnung des Gerichts im beschleunigten Verfahren zu
         entscheiden.
      
      24      Am 23. Januar 2002 wies das Gericht den letztgenannten Antrag zurück.
      
      25      Am 30. Januar 2002 erließ die Kommission die Entscheidung 2004/276/EG zur Anordnung einer Trennung von Unternehmen gestützt
         auf Artikel 8 Absatz 4 der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (ABl. 2004, L 101, S. 134, im Folgenden: Trennungsentscheidung).
      
      26      Mit dieser Entscheidung wurde Schneider aufgegeben, sich binnen einer Frist von neun Monaten, die am 5. November 2002 auslief,
         von Legrand zu trennen.
      
      27      Am 18. März 2002 erhob Schneider eine Klage auf Nichtigerklärung der Trennungsentscheidung (Rechtssache T‑77/02), stellte
         einen Antrag auf Entscheidung im beschleunigten Verfahren und beantragte außerdem die Aussetzung des Vollzugs der Trennungsentscheidung
         (Rechtssache T‑77/02 R).
      
      28      In der Rechtssache T‑77/02 wurde dem Antrag auf Durchführung des beschleunigten Verfahrens mit am 25. März 2002 zugestelltem
         Beschluss stattgegeben.
      
      29      Nach der mündlichen Verhandlung vom 23. April 2002 im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes (Rechtssache T‑77/02 R) verlängerte
         die Kommission mit Schreiben vom 8. Mai 2002 die Schneider für die Trennung von Legrand gesetzte Frist bis zum 5. Februar
         2003; der Vollzug der einzelnen Trennungsschritte innerhalb der Fristverlängerung blieb unberührt.
      
      30      Am 3. Mai 2002 gab das Gericht in der Rechtssache T‑310/01 dem Antrag von Schneider auf Entscheidung im beschleunigten Verfahren
         statt, nachdem Schneider bestätigt hatte, dass sie an der am 12. April 2002 vorgelegten gekürzten Fassung ihrer Klageschrift
         festhalte. 
      
      31      Angesichts der Fristverlängerung, die die Kommission mit Schreiben vom 8. Mai 2002 für die Trennung gewährt hatte, nahm Schneider
         in der Rechtssache T‑77/02 R ihren Antrag auf Aussetzung des Vollzugs zurück. 
      
      32      Schneider bereitete die im Fall einer Abweisung ihrer beiden Nichtigkeitsklagen durchzuführende Veräußerung von Legrand vor
         und schloss zu diesem Zweck am 26. Juli 2002 mit dem Konsortium Wendel/KKR (im Folgenden: Wendel/KKR) einen Übertragungsvertrag,
         der spätestens am 10. Dezember 2002 durchgeführt werden sollte und eine Klausel enthielt, nach der Schneider die Möglichkeit
         hatte, den Vertrag für den Fall, dass die Negativentscheidung für nichtig erklärt werden sollte, gegen Zahlung eines Reugelds
         in Höhe von 180 Millionen Euro bis zum 5. Dezember 2002 zu kündigen.
      
      33      Am 22. Oktober 2002 erklärte das Gericht mit dem Urteil Schneider I die Negativentscheidung für nichtig. Es begründete dies
         mit einer fehlerhaften Analyse und Würdigung der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die außerhalb Frankreichs liegenden
         nationalen Einzelmärkte sowie mit einer Verletzung der Verteidigungsrechte, durch die die Analyse der Auswirkungen des Zusammenschlusses
         auf die französischen Einzelmärkte und der von Schneider vorgeschlagenen Korrekturmaßnahmen rechtsfehlerhaft geworden sei.
      
      34      Zu den außerhalb Frankreichs liegenden nationalen Einzelmärkten führte das Gericht insbesondere aus, dass die Kommission die
         wirtschaftliche Macht der durch den Zusammenschluss entstandenen neuen Einheit überbewertet und hinsichtlich bestimmter Märkte
         die wirtschaftliche Macht von zwei wichtigen Konkurrenten dieser Einheit unterbewertet, umgekehrt also auch insoweit die Stellung
         dieser Einheit überbewertet habe.
      
      35      Hinsichtlich der von dem angemeldeten Vorhaben betroffenen französischen Einzelmärkte entschied das Gericht über einen Klagegrund,
         mit dem Schneider gerügt hatte, dass die Kommission im Verfahren zur eingehenden Prüfung ihre Verteidigungsrechte verletzt
         habe.
      
      36      Dazu stellte das Gericht fest, es gehe aus dem Wortlaut der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 nicht hervor,
         dass sich diese Mitteilung hinreichend klar und deutlich damit befasst habe, dass die Stellung von Schneider gegenüber den
         französischen Händlern im Bereich der Niederspannungs-Betriebsmittel nicht nur aufgrund der Summierung der Verkäufe von Legrand
         auf den Märkten für Bauteile von Verteilungsanlagen, sondern auch aufgrund der Vormachtstellung von Legrand in den Marktsegmenten
         für elektrische Endeinrichtungen gestärkt worden sei. 
      
      37      Das Gericht wies ferner darauf hin, dass die allgemeine Schlussfolgerung in der Mitteilung der Beschwerdepunkte zwar die einzelnen
         durch den Zusammenschluss beeinträchtigten nationalen Einzelmärkte angebe, aber auf keinerlei Verbindung hinweise, die zwischen
         der Stellung eines der beiden Unternehmen auf einem bestimmten Produktmarkt und der Stellung des anderen Unternehmens auf
         einem anderen Einzelmarkt bestehe.
      
      38      Das Gericht kam daher zu dem Schluss, dass es die Mitteilung der Beschwerdepunkte Schneider nicht ermöglicht habe, die von
         der Kommission auf dem französischen Markt für Niederspannungs-Betriebsmittel auf der Vertriebsebene festgestellten wettbewerblichen
         Bedenken in ihrem ganzen Umfang zu erfassen.
      
      39      Damit sei Schneider zum einen die Möglichkeit genommen worden, die Richtigkeit der Auffassung der Kommission sachgerecht in
         Frage zu stellen. Zum anderen habe Schneider infolgedessen keine Gelegenheit gehabt, sachgerecht und rechtzeitig Vorschläge
         für angemessene Korrekturmaßnahmen zu unterbreiten.
      
      40      Mit dem Urteil Schneider II erklärte das Gericht die Trennungsentscheidung für nichtig, da diese eine Maßnahme zur Durchführung
         der für nichtig erklärten Negativentscheidung sei.
      
      41      Die Kommission legte gegen die Urteile Schneider I und Schneider II kein Rechtsmittel ein, so dass diese rechtskräftig wurden.
      
      42      Mit Schreiben vom 13. November 2002 teilte die Kommission Schneider mit, dass der Zusammenschluss den Wettbewerb auf den französischen
         Einzelmärkten unter folgenden Aspekten beeinträchtigen könnte: bedeutende Überschneidungen der Marktanteile von Schneider
         und Legrand, der Wegfall ihres herkömmlichen Konkurrenzverhältnisses, die Bedeutung der Marken der Einheit Schneider/Legrand,
         die Macht dieser Einheit gegenüber den Großhändlern und die Tatsache, dass kein Wettbewerber den Wettbewerbsdruck ersetzen
         könne, den Legrand vor dem Zusammenschluss ausgeübt habe.
      
      43      Die Kommission war der Ansicht, dass der Zusammenschluss auf jedem der betroffenen Märkte, auf denen eine der Beteiligten
         zuvor eine beherrschende Stellung innegehabt habe, die Beseitigung eines unmittelbaren Konkurrenten zur Folge habe, der allein
         in der Lage gewesen sei, dank seiner Verflechtung mit den ausgesprochen starken Stellungen desselben Konzerns in anderen Segmenten
         desselben Sektors auf das beherrschende Unternehmen Wettbewerbsdruck auszuüben.
      
      44      Am 14. November 2002 unterbreitete Schneider der Kommission einen Vorschlag für Korrekturen mit dem Ziel, die Überschneidungen
         ihrer Tätigkeiten mit denjenigen von Legrand auf den betroffenen französischen Einzelmärkten zu beseitigen.
      
      45      Am 15. November 2002 veröffentlichte die Kommission im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften (ABl. C 279, S. 22) eine Bekanntmachung über die Wiederaufnahme des Verfahrens zur Kontrolle des Vorhabens, in der sie erklärte,
         dass gemäß Art. 10 Abs. 5 der Verordnung die Fristen für die Prüfung des Zusammenschlusses ab dem 23. Oktober 2002 liefen,
         dem Tag nach der Verkündung des Urteils Schneider I, und ihr alle Unternehmen und Dritte gegebenenfalls Stellungnahmen übermitteln
         könnten.
      
      46      Mit Schreiben vom 25. November 2002 rügte Schneider gegenüber der Kommission, dass die Ausführungen in dem Schreiben vom 13.
         November 2002, da die Auswirkungen des Zusammenschlusses nicht im Hinblick auf die jeweiligen Einzelmärkte geprüft worden
         seien, ihrem Wesen und ihrem Umfang nach unpräzise seien und keinesfalls das Vorliegen einer wettbewerbswidrigen Wirkung auf
         die betroffenen Märkte belegten; die allgemeinen Erwägungen der Kommission würden durch die Wirklichkeit widerlegt.
      
      47      Mit Schreiben vom 29. November 2002 teilte die Kommission Schneider mit, dass die Korrekturen, die sie nacheinander angeboten
         habe, nicht ausreichten, um sämtliche aus dem Zusammenschluss folgenden Wettbewerbsbeschränkungen zu beseitigen. Es blieben
         immer noch Zweifel an der Durchführbarkeit und Autonomie der übertragenen Tätigkeiten, und die vorgeschlagenen Maßnahmen seien
         nicht geeignet, ein Gegengewicht zu der Marktmacht der Einheit Schneider/Legrand zu schaffen.
      
      48      Mit Schreiben vom 2. Dezember 2002 erklärte Schneider, dass in diesem weit fortgeschrittenen Verfahrensstadium eine Fortsetzung
         der Diskussionen aufgrund des Standpunkts der Kommission nicht mehr realistisch sei und sie daher, um die seit einem Jahr
         andauernde Ungewissheit zu beenden, beschlossen habe, Legrand an Wendel/KKR zu verkaufen.
      
      49      Mit Fax vom 3. Dezember 2002 bestätigte Schneider gegenüber der Kommission ihre Entscheidung. Sie stellte klar, dass sie gemäß
         dem Übertragungsvertrag vom 26. Juli 2002 keine weiteren Schritte zur Durchführung des Verkaufs von Legrand an Wendel/KKR
         mehr unternehmen müsse und dass diese am 10. Dezember 2002 stattfinden werde.
      
      50      Mit Entscheidung vom 4. Dezember 2002 leitete die Kommission das Verfahren zur eingehenden Prüfung ein, da die von Schneider
         vorgeschlagenen Korrekturen wegen der Auswirkungen des Zusammenschlusses auf die in der Negativentscheidung bezeichneten französischen
         Einzelmärkte im gegenwärtigen Verfahrensstadium nicht geeignet seien, die ernsthaften Bedenken hinsichtlich der Vereinbarkeit
         des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt zu beseitigen.
      
      51      Am 11. Dezember 2002 bestätigte Schneider gegenüber der Kommission, dass die Übertragung ihrer Beteiligung an Legrand auf
         Wendel/KKR am 10. Dezember 2002 durchgeführt worden sei.
      
      52      Mit Schreiben vom 13. Dezember 2002 teilte die Kommission Schneider mit, dass sie das Prüfverfahren, da es gegenstandslos
         geworden sei, eingestellt habe.
      
      53      Am 10. Februar 2003 reichte Schneider eine Nichtigkeitsklage gegen die Entscheidung vom 4. Dezember 2002 über die Einleitung
         des Verfahrens zur eingehenden Prüfung und gegen die Einstellungsentscheidung vom 13. Dezember 2002 ein (Rechtssache T‑48/03).
      
      54      Mit Beschlüssen vom 29. Oktober 2004, Schneider Electric/Kommission (T‑310/01 DEP und T‑77/02 DEP), setzte das Gericht die
         Schneider von der Kommission zu erstattenden Kosten in der Rechtssache T‑310/01 auf 419 595,32 Euro und in den Rechtssachen
         T‑77/02 und T‑77/02 R auf 426 275,06 Euro fest.
      
      55      Mit Beschluss vom 31. Januar 2006, Schneider Electric/Kommission (T‑48/03, Slg. 2006, II‑111), wies das Gericht die Nichtigkeitsklage
         in der Rechtssache T‑48/03 als unzulässig ab, da die angefochtenen Entscheidungen zur Einleitung des eingehenden Prüfverfahrens
         und über die Einstellung keine Maßnahmen seien, durch die Schneider beschwert werde. 
      
      56      Gegen diesen Beschluss legte Schneider mit Rechtsmittelschrift, die am 12. April 2006 bei der Kanzlei des Gerichtshofs einging,
         Rechtsmittel ein. 
      
      57      Dieses Rechtsmittel wurde mit Beschluss des Gerichtshofs vom 9. März 2007, Schneider Electric/Kommission (C‑188/06 P), zurückgewiesen.
      
      III –  Verfahren vor dem Gerichtshof und angefochtenes Urteil
      58      Am 10. Oktober 2003 erhob Schneider beim Gericht eine Klage gegen die Kommission auf Ersatz des Schadens, der ihr durch Rechtsverstöße
         im Verfahren zur Kontrolle des angemeldeten Zusammenschlusses entstanden sei.
      
      59      Schneider beantragte beim Gericht,
      
      –        die Gemeinschaft zu verurteilen, an sie 1 663 734 716,76 Euro zu zahlen, abzüglich der nach den Festsetzungsbeschlüssen in
         den Rechtssachen T‑310/01 DEP und T‑77/02 DEP zu erstattenden Kosten sowie zuzüglich 4 % Zinsen jährlich seit dem 4. Dezember
         2002 bis zur vollständigen Zahlung und des von Schneider auf den zugesprochenen Schadensersatzbetrag bei dessen Vereinnahmung
         zu entrichtenden Steuerbetrags;
      
      –        hilfsweise,
      –        die Klage für zulässig zu erklären;
      –      festzustellen, dass die Gemeinschaft außervertraglich haftet;
      –      das Verfahren festzulegen, das für die Feststellung der Höhe des Schneider tatsächlich entstandenen und zu ersetzenden Schadens
         einzuhalten ist;
      
      –        der Kommission die gesamten Kosten aufzuerlegen.
      60      Am 11. Dezember 2003 beschränkte das Gericht die Erörterungen auf den Grundsatz der außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft
         und die Methodologie der Schadensbemessung.
      
      61      Mit Beschlüssen vom 20. April und 6. Dezember 2004 wurden die Bundesrepublik Deutschland zur Unterstützung der Anträge der
         Kommission und die Französische Republik zur Unterstützung der Anträge von Schneider als Streithelferinnen zugelassen.
      
      62      Mit dem angefochtenen Urteil hat das Gericht entschieden, wie in Randnr. 1 des vorliegenden Urteils wiedergegeben.
      
      63      In den Randnrn. 152 und 156 des angefochtenen Urteils hat das Gericht befunden, dass die im Urteil Schneider I festgestellte
         Verletzung der Verteidigungsrechte hinsichtlich der französischen Einzelmärkte einen offensichtlichen und schwerwiegenden
         Verstoß gegen eine Rechtsnorm darstelle, die bezwecke, dem Einzelnen Rechte zu verleihen, nämlich Art. 18 Abs. 1 und 3 der
         Verordnung.
      
      64      In Randnr. 155 des angefochtenen Urteils hat das Gericht das Vorbringen der Kommission, dass ihre Dienststellen im Verfahren
         zur eingehenden Prüfung unter besonderen Zwängen gestanden hätten, wie folgt zurückgewiesen:
      
      „Das Argument der Beklagten, dass es schwierig sei, eine komplexe Marktanalyse unter sehr starkem Zeitdruck zu erstellen,
         ist unerheblich, da die hier in Betracht kommende Schadensursache nicht die Analyse der relevanten Märkte in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte oder in der Unvereinbarkeitsentscheidung ist, sondern das Fehlen einer in ihren Konsequenzen entscheidenden
         Aussage in der Mitteilung der Beschwerdepunkte und im verfügenden Teil der Unvereinbarkeitsentscheidung, die keine besondere
         technische Schwierigkeit beinhaltete, keine spezifische ergänzende Prüfung, die aus zeitlichen Gründen nicht hätte vorgenommen
         werden können, verlangte und deren Fehlen nicht einem zufälligen oder versehentlichen Redaktionsproblem zugeschrieben werden
         kann, das eine Gesamtbetrachtung der Mitteilung der Beschwerdepunkte hätte ausräumen können.“
      
      65      In Randnr. 157 des angefochtenen Urteils ist das Gericht zu dem Ergebnis gelangt, dass die fragliche Verletzung der Verteidigungsrechte
         eine die außervertragliche Haftung der Gemeinschaft auslösende Pflichtverletzung der Gemeinschaft sei.
      
      66      Im Rahmen seiner Prüfung, ob ein Schaden entstanden war und zwischen ihm und dem Rechtsverstoß der Kommission ein Kausalzusammenhang
         bestanden hatte, hat das Gericht in Randnr. 269 des angefochtenen Urteils ausgeführt, dass der hinreichend qualifizierte Verstoß
         gegen die Verteidigungsrechte von Schneider zwar zur Rechtswidrigkeit der Negativentscheidung geführt habe, aus ihm jedoch
         deshalb nicht folge, dass ohne den Verstoß der Zusammenschluss für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt hätte erklärt werden
         müssen.
      
      67      Das Gericht hat in Randnr. 278 des angefochtenen Urteils festgestellt, dass Schneider durch den festgestellten Fehler in der
         Negativentscheidung nicht ein Anspruch auf eine Entscheidung entzogen worden sei, mit der der Zusammenschluss für vereinbar
         erklärt werde und die es rechtfertigen würde, alle finanziellen Konsequenzen, die sich aus dem Entzug dieses Rechts und insbesondere
         aus der Pflicht zur Übertragung der Vermögenswerte von Legrand ergäben, als Schaden anzusehen, für den die Gemeinschaft hafte.
      
      68      In Randnr. 279 des angefochtenen Urteils hat das Gericht dann entschieden, Schneider könne nicht mit Erfolg geltend machen,
         dass ihr ein Schaden in Höhe des gesamten Wertverlusts entstanden sei, den die am 10. Oktober 2001 in ihrem Besitz befindlichen
         Vermögenswerte von Legrand erfahren hätten, weil zwischen diesem Schaden und dem die Schadenshaftung auslösenden Verstoß kein
         hinreichend unmittelbarer Kausalzusammenhang bestehe.
      
      69      In den Randnrn. 288 und 316 hat das Gericht hingegen einen hinreichend unmittelbaren Kausalzusammenhang zwischen dem Rechtsverstoß
         und zwei Arten des von Schneider erlittenen Schadens bejaht, nämlich
      
      –        den Kosten, die dem Unternehmen durch die Beteiligung an dem wiederaufgenommenen Verfahren zur Kontrolle des Zusammenschlusses
         nach den vom Gericht am 22. Oktober 2002 ausgesprochenen Nichtigerklärungen entstanden seien;
      
      –        dem Nachlass auf den Preis für die Übertragung der Vermögenswerte von Legrand, der dem Erwerber habe eingeräumt werden müssen,
         um die Wirkung der Veräußerung so lange aufzuschieben, dass die damals vor den Gemeinschaftsgerichten anhängigen Gerichtsverfahren
         nicht vor ihrem Abschluss gegenstandslos würden.
      
      70      Zu den Kosten für die Wiederaufnahme des Verfahrens zur Kontrolle des Zusammenschlusses, d. h. den Rechtsberatungs-, Honorar-
         und verschiedenen Verwaltungskosten, hat das Gericht in Randnr. 301 erläutert, dass Schneider, wenn der Beschwerdepunkt der
         Verflechtung in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 zum Ausdruck gebracht worden wäre, sich hierzu zwar
         vor dem Erlass der Entscheidung der Kommission über die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses hätte äußern und gegebenenfalls
         geeignete Korrekturmaßnahmen hätte vorbereiten müssen, wie sie es nach der Nichtigerklärung dieser Entscheidung und der nachfolgenden
         Wiederaufnahme des Verfahrens zur Kontrolle des Zusammenschlusses habe tun müssen.
      
      71      In derselben Randnummer des angefochtenen Urteils hat es aber weiter ausgeführt, dass die Wiederaufnahme eines seit zwölf
         Monaten unterbrochenen Verwaltungsverfahrens für Schneider zwangsläufig einen Aufwand bedeutet habe, der unvergleichlich höher
         gewesen sei als der, den die Stellungnahme im ursprünglichen Kontrollverfahren zu demselben Beschwerdepunkt durch das Unternehmen
         und seine Berater, die in die Treffen und den Meinungsaustausch mit den zuständigen Dienststellen der Kommission bereits voll
         einbezogen gewesen seien, verursacht hätte.
      
      72      Zum von Schneider gewährten Nachlass auf den Übertragungspreis hat das Gericht in Randnr. 308 dargelegt, dass das Unternehmen
         gezwungen gewesen sei, den Vertrag über die Veräußerung von Legrand auszuhandeln und am 26. Juli 2002 zu schließen sowie den
         Zeitpunkt der tatsächlichen Durchführung dieser Übertragung bis zum 10. Dezember 2002 aufzuschieben.
      
      73      In Randnr. 311 hat das Gericht befunden, dass die Notwendigkeit, die tatsächliche Durchführung des Verkaufs von Legrand aufzuschieben,
         Schneider zwangsläufig dazu gebracht habe, Wendel/KKR auf den Preis für die Veräußerung einen Nachlass im Verhältnis zu dem
         Preis einzuräumen, den sie bei einem festen Vertragsabschluss erzielt hätte, zu dem es ohne die Rechtswidrigkeit der Negativentscheidung
         gekommen wäre.
      
      74      In Randnr. 312 hat das Gericht ausgeführt, dass es der Aufschub des Verkaufs bis zum 10. Dezember 2002 erforderlich gemacht
         habe, Wendel/KKR eine Vergütung für das Risiko einer Wertminderung der Vermögenswerte von Legrand zu gewähren, die sich aus
         etwaigen ungünstigen Kursänderungen der Industrieaktien in der Zeit des Aufschubs hätte ergeben können.
      
      75      In Randnr. 322 des angefochtenen Urteils hat das Gericht festgestellt, dass der Schaden, der in dem Nachlass auf den Veräußerungspreis
         bestanden habe, der Differenz zwischen dem tatsächlich vereinbarten Preis für die Übertragung und dem Preis entspreche, den
         Schneider hätte erzielen können, wenn ihr am Ende des ersten Verfahrens zur Kontrolle des Zusammenschlusses am 10. Oktober
         2001 eine rechtmäßige Entscheidung über die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt vorgelegen hätte.
      
      76      In Randnr. 329 hat das Gericht jedoch darauf hingewiesen, dass Schneider mit dem rechtmäßigen Erwerb der Kontrolle über Legrand
         dennoch das Risiko eingegangen sei, dass die Kontrolle des Zusammenschlusses zu einer negativen Entscheidung über die Zulässigkeit
         des Zusammenschlusses und einer entsprechenden Verpflichtung führen würde, die Vermögenswerte der bereits fusionierten Unternehmen
         zu trennen.
      
      77      In Randnr. 330 hat das Gericht angenommen, dass Schneider angesichts des Umfangs der durchgeführten Fusion und der erheblichen
         Verstärkung der wirtschaftlichen Macht, die diese für die beiden einzigen maßgeblichen Akteure auf den französischen Einzelmärkten
         für Niederspannungs-Betriebsmittel mit sich gebracht habe, nicht habe verborgen bleiben können, dass die durchgeführte Fusion
         zumindest in einem wesentlichen Teil des Gemeinsamen Markts eine beherrschende Stellung zu begründen oder zu verstärken gedroht
         habe und deshalb von der Kommission verboten werden würde.
      
      78      Daraus hat das Gericht in Randnr. 334 den Schluss gezogen, dass Schneider ein Drittel des aus dem Preisnachlass resultierenden
         Schadens tragen müsse.
      
      79      Demgemäß hat das Gericht in Randnr. 335 entschieden, dass die Kommission zwei Drittel dieses Schadens zu ersetzen habe.
      
      80      In den Randnrn. 342 und 344 bis 346 hat das Gericht schließlich befunden, dass der Betrag der Schneider seit dem 10. Dezember
         2002, als der Schaden mit der tatsächlichen Durchführung der Veräußerung von Legrand eingetreten sei, geschuldeten Entschädigung
         neu zu bewerten sei, indem ihm Zinsen bis zur Verkündung des den Schadensersatz zusprechenden Urteils und Verzugszinsen ab
         dem letztgenannten Zeitpunkt bis zur vollständigen Zahlung hinzuzurechnen seien.
      
      IV –  Anträge der Verfahrensbeteiligten
      81      Die Kommission beantragt, das angefochtene Urteil aufzuheben und Schneider die Kosten aufzuerlegen.
      
      82      Schneider beantragt, das Rechtsmittel zurückzuweisen und der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      
      V –  Die Rechtsmittelgründe
      83      Die Kommission stützt ihr Rechtsmittel formell auf sieben Aufhebungsgründe, die im Wesentlichen zu fünf Rechtsmittelgründen
         zusammengefasst werden können.
      
      84      Mit diesen Rechtsmittelgründen wirft die Kommission dem Gericht vor, es habe zu Unrecht
      
      –        in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils ein „Fehlen“ der Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3.
         August 2001 festgestellt und befunden, dass die Formulierung dieser Rüge „keine besondere Schwierigkeit“ beinhaltet hätte;
      
      –        in Randnr. 156 des angefochtenen Urteils das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten Verstoßes der Kommission gegen eine
         Rechtsnorm bejaht, die bezwecke, dem Einzelnen Rechte zu verleihen;
      
      –        in Randnr. 316 des angefochtenen Urteils einen unmittelbaren Kausalzusammenhang zwischen dem Rechtsverstoß der Kommission
         und dem Schaden festgestellt, der Schneider aufgrund des Nachlasses auf den Preis für die Veräußerung von Legrand entstanden
         sei, der als Gegenleistung für einen Aufschub der tatsächlichen Durchführung des am 26. Juli 2002 vereinbarten Verkaufs bis
         zum 10. Dezember 2002 gewährt worden sei;
      
      –        in Randnr. 288 des angefochtenen Urteils einen Schaden angenommen, den Schneider nicht geltend gemacht habe, nämlich einen
         Schaden durch den Preisnachlass, der gewährt worden sei, um einen Aufschub für die Wirksamkeit der Veräußerung von Legrand
         bis zum 10. Dezember 2002 zu erreichen;
      
      –        in den Randnrn. 345 und 346 des angefochtenen Urteils hinsichtlich des durch den Preisnachlass bewirkten Schadens Zinsen ab
         10. Dezember 2002 bis zur Verkündung des Schadensersatz zusprechenden Urteils zugesprochen, obgleich solche Zinsen nur in
         Ausnahmefällen zuerkannt werden dürften.
      
      VI –  Zu dem Rechtsmittel
      A –  Zum ersten Rechtsmittelgrund, mit dem geltend gemacht wird, das Gericht habe zu Unrecht ein „Fehlen“ der Verflechtungsrüge
            in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 festgestellt und befunden, dass die Formulierung dieser Rüge „keine
            besondere technische Schwierigkeit“ beinhaltet habe
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      85      Die Kommission trägt vor, sie habe im ganzen Verfahren im ersten Rechtszug nie bestritten, dass sie im Verfahren zur Kontrolle
         des Zusammenschlusses den Anspruch von Schneider auf rechtliches Gehör verkannt habe. Förmlich bestritten habe sie hingegen,
         dass der festgestellte Rechtsverstoß die Haftung der Gemeinschaft begründe.
      
      86      Die Kommission untergliedert ihren ersten Rechtsmittelgrund in vier Teile.
      
      87      Sie meint, das Gericht habe mit seiner in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils getroffenen Feststellung, dass die Verflechtungsrüge
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 gefehlt habe und ihre Formulierung keine besondere Schwierigkeit
         aufgeworfen hätte,
      
      –        die Rechtskraft des Urteils Schneider I verkannt,
      –        falsche Tatsachenfeststellungen getroffen,
      –        Beweise verfälscht und
      –        seine Begründungspflicht verletzt.
      88      In Wirklichkeit habe das Gericht in Randnr. 445 des Urteils Schneider I nur festgestellt, dass die Verflechtungsrüge nicht
         „hinreichend klar und deutlich“ gefasst worden sei. Soweit das Gericht der Kommission im Urteil Schneider I anschließend vorgeworfen
         habe, dass sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte auf „keinerlei Verbindung“ hingewiesen habe, habe es sich auf die Feststellung
         beschränkt, dass die Kommission diese spezielle Rüge am Ende ihrer Prüfung nicht hinreichend klar zum Ausdruck gebracht habe.
      
      89      Es sei gleichwohl davon auszugehen, dass nach Auffassung des Gerichts die Kommission diese Rüge im Text der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte zumindest implizit zum Ausdruck gebracht habe.
      
      90      Dies lasse eine zweite Unstimmigkeit zwischen dem Urteil Schneider I und dem angefochtenen Urteil erkennen, in dessen Randnr. 155
         ausdrücklich das Fehlen des Vortrags dieser Rüge festgestellt werde, das „eine Gesamtbetrachtung der Mitteilung der Beschwerdepunkte“
         nicht ausräumen könne.
      
      91      Eine dritte Unstimmigkeit zwischen beiden Urteilen bestehe in der unterschiedlichen Beurteilung der Konsequenzen, die die
         Mängel der Mitteilung der Beschwerdepunkte für Schneider gehabt hätten.
      
      92      So habe das Gericht in Randnr. 453 des Urteils Schneider I entschieden, dass es die Abfassung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         Schneider nicht ermöglicht habe, die auf dem französischen Markt festgestellten wettbewerblichen Probleme „in ihrem ganzen
         Umfang zu erfassen“, während es in Randnr. 152 des angefochtenen Urteils heiße, dass Schneider „nicht wissen konnte“, dass
         sie „keine Chancen hatte“, ohne geeignete Maßnahmen zur Korrektur der durch den Zusammenschluss herbeigeführten Verflechtung
         eine positive Entscheidung über den Zusammenschluss zu erlangen.
      
      93      Dieser Vergleich der beiden Urteile zeige, dass das Gericht im Urteil Schneider I angenommen habe, dass Schneider den wettbewerblichen
         Problemcharakter der Verflechtung habe erkennen können, jedoch das darin liegende Hindernis, weil dieses in den Schlussfolgerungen
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht ausdrücklich dargelegt worden sei, nicht in vollem Umfang habe ermessen können,
         während im angefochtenen Urteil das Gericht davon ausgegangen sei, dass Schneider das Problem niemals hätte erkennen können,
         und damit auch nicht, dass sie geeignete Korrekturen hätte vorschlagen müssen.
      
      94      Die Kommission macht im Übrigen geltend, dass sie vor dem Gericht auf die Schwierigkeiten hingewiesen habe, die die Erstellung
         einer komplexen Marktanalyse unter dem sehr starken Zeitdruck, den die Bestimmungen der Verordnung erzeugt hätten, mit sich
         gebracht habe. Sie habe insbesondere unterstrichen, dass die Ausarbeitung einer Mitteilung der Beschwerdepunkte ein überaus
         diffiziles Unterfangen sei, das rasch genug nach der Einleitung des Verfahrens und der Beendigung der Untersuchung abzuschließen
         sei, um den Beteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben.
      
      95      Das Gericht habe dieses Vorbringen zu Unrecht mit dem Hinweis verworfen, dass mit ihm nur die Schwierigkeiten einer komplexen
         Marktanalyse beschrieben würden, was aber unerheblich sei, weil die Schadensursache in Wirklichkeit das Fehlen einer Rüge
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte gewesen sei, die keine besondere technische Schwierigkeit beinhaltet und keine – aus
         Zeitgründen nicht mögliche – spezifische ergänzende Prüfung verlangt habe und deren Fehlen nicht einem zufälligen oder versehentlichen
         Problem zugeschrieben werden könne.
      
      96      Diese Darlegungen des Gerichts, bei denen es sich um Tatsachenfeststellungen handele, seien angesichts des ihm im Verfahren
         zur Beurteilung unterbreiteten Sachverhalts offensichtlich fehlerhaft und zeigten eine Verfälschung des Beweismaterials.
      
      97      Jedenfalls habe das Gericht hinsichtlich seiner Feststellungen, dass die Verflechtungsrüge gefehlt und dass ihre Formulierung
         keine besondere technische Schwierigkeit beinhaltet habe, seine Begründungspflicht verletzt.
      
      98      Im Ergebnis sei daher das angefochtene Urteil allein aufgrund des ersten Rechtsmittelgrundes in vollem Umfang aufzuheben.
      
      99      Nach Auffassung von Schneider ist dieser Rechtsmittelgrund zurückzuweisen.
      
      100    Schneider hält den Rechtsmittelgrund für unzulässig, da die Kommission
      
      –        Tatsachenfeststellungen angreife; 
      –        die neuen Behauptungen aufstelle, dass, erstens, in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 die Verflechtungsrüge,
         wie angeblich vom Gericht im Urteil Schneider I implizit festgestellt worden sei, zumindest implizit enthalten gewesen sei
         und dass, zweitens, das Gericht im Urteil Schneider I davon ausgegangen sei, dass Schneider den wettbewerblichen Problemcharakter
         der Verflechtung hätte erkennen können;
      
      –        nicht erkläre, inwiefern ihr Rechtsmittelgrund auf eine Verfälschung von Beweismitteln oder eine Verletzung der Begründungspflicht
         gestützt sei.
      
      101    Jedenfalls sei der Rechtsmittelgrund unbegründet.
      
      2.     Würdigung durch den Gerichtshof
      a)     Zu den drei ersten Teilen des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Rechtskraft des Urteils Schneider I, falsche Tatsachenfeststellungen
         und Verfälschung von Beweismitteln
      
      102    Die Rechtskraft erstreckt sich auf diejenigen Tatsachen- und Rechtsfragen, die tatsächlich oder notwendigerweise Gegenstand
         der betreffenden gerichtlichen Entscheidung waren (vgl. u. a. Urteil vom 15. Oktober 2002, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission,
         C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P, Slg. 2002, I‑8375, Randnr. 44 und
         die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      103    Im Übrigen ergibt sich aus Art. 225 EG und Art. 58 Abs. 1 der Satzung des Gerichtshofs, dass allein das Gericht dafür zuständig
         ist, die Tatsachen festzustellen – sofern sich nicht aus den Prozessakten ergibt, dass seine Feststellungen tatsächlich falsch
         sind – und sie zu würdigen. Der Gerichtshof ist somit nicht für die Feststellung der Tatsachen zuständig und grundsätzlich
         nicht befugt, die Beweise zu prüfen, auf die das Gericht seine Feststellungen gestützt hat. Sind diese Beweise ordnungsgemäß
         erhoben und die allgemeinen Rechtsgrundsätze sowie die Vorschriften über die Beweislast und das Beweisverfahren eingehalten
         worden, ist es nämlich allein Sache des Gerichts, den Beweiswert der ihm vorgelegten Beweismittel zu beurteilen. Diese Beurteilung
         ist somit, sofern die Beweismittel nicht verfälscht werden, keine Rechtsfrage, die als solche der Kontrolle des Gerichtshofs
         unterliegt (vgl. u. a. Urteil vom 10. Juli 2008, Bertelsmann und Sony Corporation of America/Impala, C‑413/06 P, Slg. 2008,
         I‑0000, Randnr. 29).
      
      104    Anders gesagt sind Tatsachenfeststellungen und die Beurteilung der Beweismittel durch das Gericht dann der Überprüfung durch
         den Gerichtshof in der Rechtsmittelinstanz unterliegende Rechtsfragen, wenn sich die Unrichtigkeit der Tatsachenfeststellungen
         des Gerichts aus den zu den Akten gereichten Schriftstücken ergibt und wenn Beweismittel verfälscht worden sind (vgl. in diesem
         Sinne Urteil vom 4. März 1999, Ufex u. a./Kommission, C‑119/97 P, Slg. 1999, I‑1341, Randnr. 66).
      
      105    Mit dem ersten Teil des Rechtsmittelgrundes – Verletzung der Rechtskraft des Urteils Schneider I – möchte die Kommission dartun,
         dass das Gericht im angefochtenen Urteil Tatsachenfeststellungen getroffen habe, die denen widersprächen, die tatsächlich
         oder notwendigerweise Gegenstand des rechtskräftigen Urteils Schneider I gewesen seien.
      
      106    Mit dem zweiten und dem dritten Teil dieses Rechtsmittelgrundes will die Kommission im Hinblick auf die vorstehend wiedergegebene
         Rechtsprechung in der Sache dartun, dass
      
      –        die vom Gericht im angefochtenen Urteil getroffenen Feststellungen zu dem tatsächlich im Urteil Schneider I zugrunde gelegten
         Sachverhalt falsch seien, was sich unmittelbar aus dem Wortlaut des Urteils Schneider I ergebe;
      
      –        das Gericht im angefochtenen Urteil den Aussagegehalt des Urteils Schneider I als ein Beweismittel verfälscht habe, das erforderlichenfalls
         ausgelegt werden müsse, um den Sachverhalt zu ermitteln, der für die Entscheidung über die außervertragliche Haftung der Gemeinschaft
         zu prüfen sei.
      
      107    Die drei ersten Teile des Rechtsmittelgrundes erfordern daher die Prüfung der Fragen,
      
      –        auf welche Tatsachen das Gericht in den Randnrn. 152 und 156 des angefochtenen Urteils seine Feststellung gestützt hat, dass
         die Kommission die ihr durch die Verteidigungsrechte von Schneider gesetzten Grenzen „offenkundig und erheblich überschritten“
         habe;
      
      –        ob diese Tatsachen Gegenstand des Urteils Schneider I waren;
      –        ob diese Tatsachen, so wie sie im angefochtenen Urteil festgestellt worden sind, in Widerspruch zu den Tatsachen stehen, die
         Gegenstand des Urteils Schneider I waren.
      
      108    Daher ist im Hinblick auf die Fragen, ob es in der Mitteilung der Beschwerdepunkte einen Hinweis auf die Verflechtungsrüge
         gab und ob ihrer hinreichend klaren und deutlichen Formulierung in diesem Schriftstück des Verfahrens zur eingehenden Prüfung
         Schwierigkeiten entgegenstanden, das Vorbringen zu diesen drei Teilen des Rechtsmittelgrundes zusammen zu prüfen.
      
      109    Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass sich der zweite und der dritte Teil mit dem ersten überschneiden, soweit sie Tatsachen
         betreffen, die, wie sich aus der nachstehenden Prüfung ergibt, tatsächlich oder notwendigerweise Gegenstand des Urteils Schneider I
         waren. Die Teile des Rechtsmittelgrundes bewahren eine eigenständige Existenz nur, soweit sie sich auf Tatsachen beziehen,
         von denen sich herausstellt, dass über sie im Urteil Schneider I nicht entschieden worden ist.
      
      i)     Zur Existenz eines Hinweises auf die Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001
      110    In Randnr. 140 des angefochtenen Urteils hat das Gericht ausgeführt, Schneider habe vor ihm geltend gemacht, dass die Kommission
         in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 den gegen die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen
         Markt bestehenden Einwand, dass auf den französischen Märkten für Niederspannungs-Betriebsmittel auf der Großhandelsebene
         eine Verflechtung bestehe, nicht hinreichend klar und deutlich abgefasst habe.
      
      111    Im Rahmen seiner Beurteilung hat das Gericht zunächst in den Randnrn. 145 bis 150 des angefochtenen Urteils den Inhalt und
         Umfang der Pflichten in Erinnerung gerufen, die sich für die Kommission aus Art. 18 der Verordnung ergeben. Daraus hat es
         in Randnr. 151 geschlossen, dass sich Schneider im Sinne der für die außervertragliche Haftung der Gemeinschaft geltenden
         Regeln auf eine Norm berufe, die bezwecke, dem Einzelnen Rechte zu verleihen.
      
      112    Das Gericht hat sodann in Randnr. 152 befunden, dass „[e]s … einen offensichtlichen und schwerwiegenden Verstoß gegen Art. 18
         Abs. 1 und 3 der Verordnung dar[stellt], wenn die Kommission, wie vorliegend, eine Mitteilung der Beschwerdepunkte so abfasste,
         dass, wie aus dem Urteil Schneider I hervorgeht, [Schneider] nicht wissen konnte, dass sie keine Chancen hatte, eine Entscheidung
         zu erlangen, mit der der Zusammenschluss für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird, sofern sie nicht Korrekturmaßnahmen
         vorschlägt, die geeignet sind, die bestehende Verflechtung ihrer eigenen Stellung mit der von Legrand auf den französischen
         Einzelmärkten zu verringern oder zu beseitigen“.
      
      113    Mit dieser Formulierung der Randnr. 152 des angefochtenen Urteils, die das Vorliegen einer der Voraussetzungen für die Haftung
         der Gemeinschaft unter Hinweis auf das bejaht, was „aus dem Urteil Schneider I hervorgeht“, hat das Gericht in diesem Stadium
         seiner Entscheidungsfindung seine Feststellung eines „offensichtlichen und schwerwiegenden Verstoßes“ notwendigerweise auf
         die in den Randnrn. 440 bis 461 des Urteils Schneider I näher dargelegte Prüfung der Umstände gestützt, unter denen die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte abgefasst wurde.
      
      114    Hinsichtlich der Abfassung der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 hat das Gericht damit folgende Tatsachen
         berücksichtigt, die in den Randnrn. 445 und 453 des Urteils Schneider I tatsächlich festgestellt und beurteilt wurden:
      
      –        Die Mitteilung der Beschwerdepunkte befasste sich nicht „hinreichend klar und deutlich damit …, dass die Stellung [von Schneider]
         gegenüber den französischen Händlern im Bereich der Niederspannungs-Betriebsmittel nicht nur aufgrund der Summierung der Verkäufe
         von Legrand auf den Märkten für Bauteile von Verteilungsanlagen, sondern auch aufgrund der Vormachtstellung von Legrand auf
         den Marktsegmenten für elektrische Endeinrichtungen gestärkt war“.
      
      –        „[D]ie allgemeine Schlussfolgerung in der Mitteilung der Beschwerdepunkte [enthält] zwar die einzelnen, durch den Zusammenschluss
         beeinträchtigten nationalen Einzelmärkte; sie weist jedoch auf keinerlei Verbindung hin, die zwischen der Stellung eines der
         beiden Anmelder auf einem bestimmten Produktmarkt und der Stellung des anderen Beteiligten auf einem anderen Einzelmarkt besteht.“
      
      –        „[D]ie Mitteilung der Beschwerdepunkte [hat] es [Schneider] nicht ermöglicht …, die von der Kommission wegen des angemeldeten
         Zusammenschlussvorhabens auf dem französischen Markt für Niederspannungs-Betriebsmittel auf der Vertriebsebene festgestellten
         Wettbewerbsbedenken in ihrem ganzen Umfang zu erfassen.“
      
      115    Folglich hat sich das Gericht mit seiner Bezugnahme auf das Urteil Schneider I keineswegs auf ein schlichtes Fehlen jedes
         Hinweises auf die Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 gestützt, sondern genauso wie
         zuvor im Urteil Schneider I eine mangelnde Klarheit und Deutlichkeit hinsichtlich der Frage der Verflechtung im Text der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte sowie das Fehlen eines ausdrücklichen Hinweises auf diese Frage in der allgemeinen Schlussfolgerung dieser
         Mitteilung berücksichtigt.
      
      116    Unter diesen Umständen lässt sich dem Gericht nicht vorwerfen, dass es hinsichtlich dieser im Urteil Schneider I behandelten
         Tatsachen dessen Rechtskraft verletzt habe.
      
      117    Diesem Ergebnis steht nicht entgegen, dass das Gericht anschließend in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils, um ein ihre
         Haftung verneinendes Vorbringen der Kommission zurückzuweisen, darauf hingewiesen hat, dass die Schadensursache „das Fehlen
         einer in ihren Konsequenzen entscheidenden Aussage in der Mitteilung der Beschwerdepunkte und im verfügenden Teil der [Negativ]entscheidung“
         gewesen sei. Im oben beschriebenen Kontext muss der Ausdruck „Fehlen einer … entscheidenden Aussage“ so verstanden werden,
         dass er sich auf das Fehlen eines hinreichend klaren und deutlichen Hinweises auf die Verflechtungsrüge bezieht.
      
      118    Jedenfalls lässt sich nicht annehmen, dass die Verwendung des Ausdrucks „Fehlen“ durch das Gericht zu einer fehlerhaften Beurteilung
         in Randnr. 152 des angefochtenen Urteils geführt hätte, der zufolge Schneider „nicht wissen konnte, dass sie keine Chancen
         hatte, eine Entscheidung zu erlangen, mit der der Zusammenschluss für vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird, sofern
         sie nicht Korrekturmaßnahmen vorschlägt, die geeignet sind, die bestehende Verflechtung ihrer eigenen Stellung mit der von
         Legrand auf den französischen Einzelmärkten zu verringern oder zu beseitigen“.
      
      119    Im Urteil Schneider I ging es dem Gericht nämlich um die Klärung der Frage, ob es die Mitteilung der Beschwerdepunkte Schneider
         erlaubt hatte, eindeutig zu erkennen, dass die Herbeiführung einer Verflechtung den Grund für eine Erklärung, dass der Zusammenschluss
         mit dem Gemeinsamen Markt unvereinbar ist, und damit ein definitives Hindernis für den Zusammenschluss bilden könnte.
      
      120    Ebenso wie ein Fehlen jedes Hinweises auf eine Rüge kann aber auch deren unzureichend klare und deutliche Formulierung, die
         es gemäß der Randnr. 453 des Urteils Schneider I nicht ermöglicht, bestimmte wettbewerbliche Probleme „in ihrem ganzen Umfang“
         zu erfassen, die betroffenen Unternehmen daran hindern, sich der entscheidenden Bedeutung dieser Probleme für den Ausgang
         des Kontrollverfahrens bewusst zu werden.
      
      121    Darum hat das Gericht in den Randnrn. 455, 456, 458 und 460 des Urteils Schneider I festgestellt, dass
      
      –        Schneider „die Möglichkeit genommen [war], die Richtigkeit der Auffassung der Kommission, der zufolge in Frankreich auf der
         Vertriebsebene die beherrschende Stellung [von Schneider] im Sektor der Bauteile von Bereichs- und Endverteilungsanlagen durch
         die Vormachtstellung von Legrand im Bereich der Endeinrichtungen verstärkt werde, sachgerecht in Frage zu stellen“;
      
      –        Schneider „weder in ihrer Beantwortung der Mitteilung der Beschwerdepunkte noch in der Sitzung vom 21. August 2001 Gelegenheit
         [hatte], insoweit sachgerecht Stellung zu nehmen“;
      
      –        „davon auszugehen [ist], dass [Schneider] keine Gelegenheit hatte, sachgerecht und rechtzeitig Vorschläge zur Vornahme von
         Vermögensübertragungen in einem Umfang vorzulegen, der ausreichend gewesen wäre, um die von der Kommission festgestellten
         Wettbewerbsbedenken auf den relevanten französischen Einzelmärkten auszuräumen“;
      
      –        Schneider „mittelbar die Möglichkeit genommen [wurde], eine Zustimmung für die Abhilfemaßnahmen zu erhalten, die von der Kommission
         hätte erteilt werden können, wenn den Anmeldern Gelegenheit gegeben worden wäre, rechtzeitig ausreichende Rückzugsvorschläge
         vorzulegen, um sämtliche von der Kommission auf der Vertriebsebene in Frankreich festgestellten Wettbewerbsbedenken auszuräumen“.
      
      122    Die Formulierungen „die Möglichkeit genommen [war]“, „weder in … noch in … Gelegenheit [hatte]“, „keine Gelegenheit hatte“
         und „die Möglichkeit genommen [wurde]“ bringen insoweit die vom Gericht im Urteil Schneider I vorgenommene Beurteilung zum
         Ausdruck, dass es Schneider wegen des der Mitteilung der Beschwerdepunkte anhaftenden Mangels unmöglich gewesen sei, die entscheidende
         Bedeutung der Verflechtungsrüge zu erkennen.
      
      123    Unter diesen Umständen hat das Gericht, als es in Randnr. 152 des angefochtenen Urteils ausgeführt hat, dass „[Schneider]
         nicht wissen konnte, dass sie keine Chancen hatte, eine Entscheidung zu erlangen, mit der der Zusammenschluss für vereinbar
         mit dem Gemeinsamen Markt erklärt wird“, keine andere Beurteilung als die vorgenommen, zu der es im Urteil Schneider I gelangt
         war, sondern lediglich die gleiche Beurteilung in andere Worte gekleidet.
      
      124    Ebenso wenig hat das Gericht damit eine abweichende Beurteilung vorgenommen, dass es in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils
         ausgeführt hat, dass eine „Gesamtbetrachtung der Mitteilung der Beschwerdepunkte [das Redaktionsproblem nicht] hätte ausräumen
         können“. Die im Urteil Schneider I enthaltene Berücksichtigung des Umstands, dass ein Erkennen des in einer Verflechtung liegenden
         Hindernisses nicht möglich gewesen sei, setzte nämlich gerade voraus, dass eine Gesamtbetrachtung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         deren mangelhafte Abfassung nicht ausräumen konnte.
      
      125    Aus dem Vorstehenden folgt, dass das Vorbringen der Kommission, wonach es in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August
         2001 einen Hinweis auf die Verflechtungsrüge gegeben habe, nicht durchgreifen kann.
      
      ii)  Zum Vorliegen von Schwierigkeiten, die einer hinreichend klaren und deutlichen Formulierung der Verflechtungsrüge in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 entgegenstanden
      
      126    Bei der Lektüre der Randnrn. 437 ff. des Urteils Schneider I ist zunächst festzustellen, dass die Frage, ob die Formulierung
         einer Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 für die Kommission eine „besondere technische
         Schwierigkeit“ beinhaltete oder nicht, nicht Gegenstand des Urteils Schneider I war.
      
      127    Weiter ist festzustellen, dass diese Tatsachenfrage keine Feststellung von Tatsachen, sondern eine Beurteilung von Tatsachen
         ist.
      
      128    Hinsichtlich dieser Tatsachenfrage gehen daher die ersten beiden Teile des Rechtsmittelgrundes, mit denen eine Verletzung
         der Rechtskraft und eine unrichtige Tatsachenfeststellung gerügt werden, ins Leere.
      
      129    Hinsichtlich des dritten Teils des Rechtsmittelgrundes ist in der Sache zu klären, ob die vom Gericht aufgestellte Behauptung,
         dass die Formulierung der Verflechtungsrüge „keine besondere technische Schwierigkeit“ beinhaltet habe, auf einer Verfälschung
         von Beweismitteln beruht.
      
      130    Dazu ist zu sagen, dass die Formulierung einer Rüge wie die einer Verflechtung in einer Mitteilung der Beschwerdepunkte keine
         vollständige, am Ende einer erschöpfenden wirtschaftlichen Analyse stehende Beweisführung für ihre Stichhaltigkeit voraussetzt.
      
      131    Eine solche Beweisführung, die auf dem Gebiet der Unternehmenszusammenschlüsse tatsächlich erhebliche Schwierigkeiten aufwerfen
         kann, ist im Licht namentlich der Stellungnahmen der beteiligten Unternehmen, die zuvor, damit sie ihre Verteidigungsrechte
         wirksam ausüben können, durch die Mitteilung der Beschwerdepunkte über das Bestehen wettbewerblicher Probleme ordnungsgemäß
         ins Bild gesetzt worden sind, vollständig erst im weiteren Verfahren zu leisten.
      
      132    Im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte muss die Kommission das Problem der Verflechtung, das einer Erklärung des Zusammenschlusses
         für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar entgegenstehen kann, nur hinreichend klar und deutlich benennen.
      
      133    Angesichts der vorstehenden Überlegungen ist festzustellen, dass die vom Gericht vorgenommene Beurteilung, der zufolge die
         Benennung eines Problems der Verflechtung keine besondere technische Schwierigkeit beinhaltet habe, nicht einer Verfälschung
         der ihm vorgelegten Beweismittel entspringt.
      
      134    Nach alledem sind die ersten drei Teile des ersten Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      b)     Zum vierten Teil des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Begründungspflicht
      135    Nach ständiger Rechtsprechung verlangt die Begründungspflicht nicht, dass das Gericht bei seinen Ausführungen alle von den
         Parteien des Rechtsstreits vorgetragenen Argumente nacheinander erschöpfend behandelt; daher kann die Begründung implizit
         erfolgen, sofern sie es den Betroffenen ermöglicht, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht ihrer Argumentation nicht
         gefolgt ist, und dem Gerichtshof ausreichende Angaben liefert, damit er seine Kontrolle ausüben kann (vgl. u. a. Urteil vom
         9. September 2008, FIAMM u. a./Rat und Kommission, C‑120/06 P und C‑121/06 P, Slg. 2008, I‑0000, Randnr. 96 und die dort angeführte
         Rechtsprechung).
      
      136    In Randnr. 152 des angefochtenen Urteils hat sich das Gericht zur Frage der Formulierung der Verflechtungsrüge hinsichtlich
         der Art und Weise, in der die Mitteilung der Beschwerdepunkte abgefasst worden war, auf das bezogen, was „aus dem Urteil Schneider I
         hervorgeht“.
      
      137    Wie in Randnr. 114 des vorliegenden Urteils ausgeführt, hat das Gericht damit auf die Tatsachen verwiesen, die in den Randnrn.
         445 und 453 des Urteils Schneider I berücksichtigt wurden und die Gegenstand der ersten drei Teile des ersten Rechtsmittelgrundes
         sind. Das Urteil lässt damit erkennen, dass die in ihm enthaltene Feststellung eines „offensichtlichen und schwerwiegenden
         Verstoßes“ auf diese Tatsachen gestützt war.
      
      138    Außerdem steht dieser Verweis, wie aus Randnr. 117 des vorliegenden Urteils hervorgeht, in einem Kontext, der es ermöglicht,
         die Tragweite der anschließend in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils verwendeten Formulierung „Fehlen einer … entscheidenden
         Aussage“ einzugrenzen.
      
      139    Was die Beurteilung anbelangt, dass die Formulierung der Verflechtungsrüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte keine besondere
         technische Schwierigkeit beinhaltet habe, hat das Gericht in derselben Randnr. 155 des angefochtenen Urteils mit ausreichender
         Begründung im Wesentlichen die Unterscheidung betont, die zwischen einer vertieften Analyse der relevanten Märkte, um eine
         Unvereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt zu beweisen, einerseits und der bloßen Benennung eines wettbewerblichen
         Problems, das – vorbehaltlich der Stellungnahmen der beteiligten Unternehmen – der Erklärung, dass der Zusammenschluss mit
         dem Gemeinsamen Markt vereinbar ist, entgegenstehen kann, in der Mitteilung der Beschwerdepunkte andererseits zu treffen ist.
      
      140    Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass der vierte Teil des ersten Rechtsmittelgrundes ebenfalls zurückzuweisen ist.
      
      141    Folglich ist der erste Rechtsmittelgrund insgesamt als unbegründet zurückweisen, ohne dass über seine Zulässigkeit zu entscheiden
         ist.
      
      B –  Zum zweiten Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass das Gericht zu Unrecht das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten
            Verstoßes der Kommission gegen eine Rechtsnorm, die dem Einzelnen Rechte zu verleihen bezwecke, festgestellt habe
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      142    Die Kommission unterteilt ihren zweiten Rechtsmittelgrund in zwei Teile, mit denen sie eine fehlerhafte rechtliche Qualifizierung
         der Tatsachen und eine Verletzung der Begründungspflicht rügt.
      
      143    Im Rahmen des ersten Teils dieses Rechtsmittelgrundes räumt die Kommission ein, dass nach den für die außervertragliche Haftung
         der Gemeinschaft geltenden Regeln, wenn dem in Frage stehenden Organ nur ein erheblich verringertes oder gar auf null reduziertes
         Ermessen zustehe, die bloße Verletzung des Gemeinschaftsrechts ausreichen könne, um einen hinreichend qualifizierten Verstoß
         gegen eine Rechtsnorm anzunehmen, die bezwecke, dem Einzelnen Rechte zu verleihen.
      
      144    Hinsichtlich der Gewährleistung des in Art. 18 Abs. 1 und 3 der Verordnung niedergelegten Anspruchs auf rechtliches Gehör
         erkennt die Kommission an, dass ihre Verpflichtung, die Verflechtungsrüge hinreichend klar und deutlich zu formulieren, nicht
         von der Ausübung eines ihr zustehenden Ermessens abhängig gewesen sei, sondern sich aus der bloßen Anwendung der einschlägigen
         Verfahrensregeln ergeben habe.
      
      145    Die Kommission meint aber, dass hinsichtlich des Anspruchs von Schneider auf rechtliches Gehör das Gericht über die Berücksichtigung
         eines nur geringen oder völlig fehlenden Ermessens der Kommission hinaus die Komplexität der zu regelnden Sachverhalte hätte
         berücksichtigen müssen, mit der sie im Verwaltungsverfahren konfrontiert gewesen sei.
      
      146    Die Kommission erinnert daran, dass sie vor dem Gericht geltend gemacht habe, dass die Abfassung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         vom 3. August 2001 nicht nur wegen der auf ihr lastenden zeitlichen Zwänge besonders komplex gewesen sei, sondern auch und
         vor allem wegen des Umfangs der wettbewerblichen Probleme, die ein sich auf eine Vielzahl nationaler Einzelmärkte erstreckender
         Zusammenschluss mit sich bringe. Die klare und genügend präzise Formulierung jeder einzelnen Rüge, die die Kommission hinsichtlich
         jedes nationalen Einzelmarkts erhoben habe, sei deshalb nicht nur gedanklich, sondern auch redaktionell von beträchtlicher
         Komplexität gewesen.
      
      147    Die Verflechtungsrüge selbst habe sich durch eine besondere und zusätzliche Komplexität ausgezeichnet, die darauf beruht habe,
         dass ihre Ausarbeitung und Abfassung nicht nur – wie im Fall der übrigen Rügen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte – eine
         Analyse jedes nationalen Einzelmarkts für sich betrachtet, sondern auch eine Querschnittsanalyse der Gesamtheit aller Märkte
         für Niederspannungs-Betriebsmittel innerhalb jedes Mitgliedstaats erfordert habe, und zwar einschließlich der Einzelmärkte,
         für die der Zusammenschluss kein horizontales Wettbewerbsproblem mit sich gebracht habe.
      
      148    Die Darlegung der Rüge einer Verflechtung, bei der es sich um einen komplexen ökonomischen Begriff handele, hätte es erfordert,
         die Stellungen der Beteiligten und ihrer Wettbewerber auf verschiedenen Einzelmärkten innerhalb jedes Mitgliedstaats zueinander
         in Bezug zu setzen und sodann die Vertriebsstruktur und die Beziehungen zwischen den Lieferanten und den Großhändlern in jedem
         einzelnen Mitgliedstaat zu untersuchen.
      
      149    Die Kommission hebt hervor, dass sie sich nicht auf die Schwierigkeiten der Beweisführung, dass die Verflechtungsrüge in der
         Sache begründet sei, berufe, sondern durchaus auf die besondere Komplexität, die die hinreichend klare und deutliche Abfassung
         der Rüge als solche aufweise.
      
      150    Die Kommission verweist darauf, dass Schneider vor dem Gericht geltend gemacht habe, dass sie seit der Anmeldung des Zusammenschlusses
         das Bestehen einer Verflechtung bestritten habe, was es für die Kommission hätte leichter machen müssen, eine Rüge in diesem
         Punkt hinreichend klar und deutlich zu formulieren. Damals habe die Kommission entgegnet, dass dieser Umstand das Gewicht
         des begangenen Verfahrensverstoßes noch weiter mindere.
      
      151    Nachdem Schneider selbst die Auswirkungen des Verflechtungsproblems herabgespielt habe, könne die unzureichend klare und deutliche
         Formulierung der entsprechenden Rüge jedenfalls keinen hinreichend qualifizierten Verstoß darstellen.
      
      152    Die Kommission meint, dass das Gericht im vorliegenden Fall hätte berücksichtigen müssen, dass sie bei der Abfassung einer
         145 Seiten starken Mitteilung der Beschwerdepunkte unter großem Zeitdruck mit einem komplexen Sachverhalt konfrontiert gewesen
         sei, was das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten Verstoßes ausschließe.
      
      153    Im Rahmen des zweiten Teils ihres zweiten Rechtsmittelgrundes macht die Kommission geltend, dass es dem Gericht oblegen hätte,
         mit besonderer Sorgfalt die Gründe darzulegen, die es zu dem Schluss geführt hätten, dass der im Urteil Schneider I festgestellte
         Verstoß hinreichend qualifiziert sei.
      
      154    In Wirklichkeit enthalte aber das angefochtene Urteil praktisch kaum eine Begründung zu diesem Punkt.
      
      155    Diese Begründung erlaube es nicht, zu verstehen, warum die geltend gemachten verschiedenartigen Zwänge das Gewicht des Verstoßes
         nicht mindern sollten.
      
      156    Jedenfalls habe sich das Gericht nicht hinreichend mit den von der Kommission vor ihm vorgebrachten Argumenten auseinandergesetzt,
      
      –        dass die Kommission das Problem der Verflechtung durchaus in verschiedenen Randnummern der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         angesprochen habe;
      
      –        mit denen sie auf die Schwierigkeiten verwiesen habe, die eine kurzfristige Ausarbeitung der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und die komplexe Beurteilung sowohl des sachlichen Vorbringens, in dem die Verflechtungsrüge nur einen unter vielen Gesichtspunkten
         dargestellt habe, als auch der vorgeschlagenen Korrekturmaßnahmen aufgeworfen hätten;
      
      –        mit denen sie dargelegt habe, dass die Schwere des begangenen Verfahrensverstoßes weiter dadurch reduziert werde, dass Schneider
         der Kommission Informationen zum Beweis dafür unterbreitet habe, dass der Zusammenschluss kein Problem der Verflechtung mit
         sich bringe;
      
      –        mit denen sie geltend gemacht habe, dass sie es völlig gutgläubig für zulässig habe halten dürfen, die vorher benannte Verflechtungsrüge
         in der Negativentscheidung in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht zusätzlich zu untermauern;
      
      –        mit denen sie darauf verwiesen habe, dass sich aus der damaligen Rechtsprechung die Anforderung einer klaren Abfassung der
         Mitteilungen der Beschwerdepunkte auf dem Gebiet von Unternehmenszusammenschlüssen noch nicht so klar ergeben habe.
      
      157    Nach Auffassung von Schneider ist der zweite Rechtsmittelgrund zurückzuweisen.
      
      158    Schneider hält den ersten Teil des Rechtsmittelgrundes für unzulässig, da mit ihm die Beurteilung von Tatsachen angegriffen
         werde und er neues Vorbringen enthalte, nämlich die Behauptung, dass die Formulierung der Verflechtungsrüge redaktionell komplex
         gewesen sei.
      
      159    Jedenfalls sei der Rechtsmittelgrund nicht begründet.
      
      2.     Würdigung durch den Gerichtshof
      a)     Zum ersten Teil des Rechtsmittelgrundes: fehlerhafte rechtliche Qualifizierung der Tatsachen
      160    Die Entstehung der außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft ist von der Erfüllung mehrerer Voraussetzungen abhängig, zu
         denen, wenn die Rechtswidrigkeit eines Rechtsakts in Frage steht, das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten Verstoßes
         gegen eine Rechtsnorm gehört, die bezweckt, dem Einzelnen Rechte zu verleihen. Im Rahmen dieser Voraussetzung liegt für die
         Beurteilung, ob ein Verstoß gegen das Gemeinschaftsrecht als hinreichend qualifiziert anzusehen ist, das entscheidende Kriterium
         darin, ob ein Gemeinschaftsorgan die Grenzen, die seinem Ermessen gesetzt sind, offenkundig und erheblich überschritten hat.
         Wenn das Gemeinschaftsorgan nur über einen erheblich verringerten oder gar auf null reduzierten Gestaltungsspielraum verfügt,
         kann die bloße Verletzung des Gemeinschaftsrechts ausreichen, um einen hinreichend qualifizierten Verstoß anzunehmen (Urteil
         vom 19. April 2007, Holcim [Deutschland]/Kommission, C‑282/05 P, Slg. 2007, I‑2941, Randnr. 47 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      161    Gegebenenfalls trägt das System, das der Gerichtshof zur außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft entwickelt hat, der Komplexität
         der zu regelnden Sachverhalte Rechnung (Urteil Holcim [Deutschland]/Kommission, Randnr. 50 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      162    Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass der geltend gemachte Rechtsverstoß, wie das Gericht zutreffend in den Randnrn. 145
         bis 151 des angefochtenen Urteils entschieden hat, die Verletzung einer Rechtsnorm ist, die bezweckt, dem Einzelnen Rechte
         zu verleihen, nämlich des Art. 18 Abs. 3 der Verordnung, der die Geltung des Grundsatzes der Wahrung der Verteidigungsrechte
         bekräftigt.
      
      163    Insoweit ist zunächst hervorzuheben, dass die Mitteilung der Beschwerdepunkte ein für die Durchführung dieses Grundsatzes
         wesentliches Schriftstück darstellt.
      
      164    Um die wirksame Ausübung der Verteidigungsrechte zu ermöglichen, legt die Mitteilung der Beschwerdepunkte den Gegenstand des
         von der Kommission eingeleiteten Verwaltungsverfahrens fest und hindert diese somit daran, in ihrer das Verfahren abschließenden
         Entscheidung andere Beschwerdepunkte in Betracht zu ziehen (Urteil Bertelsmann und Sony Corporation of America/Impala, Randnr. 63).
      
      165    Demgemäß impliziert Art. 18 Abs. 3 der Verordnung, dass die Kommission, wenn sie im Verfahren zur eingehenden Prüfung nach
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte feststellt, dass in Letzterer ein möglicherweise eine Unvereinbarkeitserklärung nach sich
         ziehendes wettbewerbliches Problem nicht oder nur unzureichend benannt worden ist, entweder auf diese Rüge im Stadium ihrer
         Endentscheidung verzichten oder vor deren Erlass es den beteiligten Unternehmen ermöglichen muss, uneingeschränkt in der Sache
         Stellung zu nehmen und sachdienliche Korrekturmaßnahmen vorzuschlagen.
      
      166    Ferner ist darauf hinzuweisen, dass die Verpflichtung der Kommission zur hinreichend klaren und deutlichen Formulierung der
         Verflechtungsrüge, wie die Kommission anerkennt, von einer bloßen Anwendung der einschlägigen Verfahrensregeln abhing, so
         dass hinsichtlich des Anspruchs von Schneider auf rechtliches Gehör das Ermessen erheblich verringert oder gar auf null reduziert
         war.
      
      167    Der vorliegende Teil des Rechtsmittelgrundes beruht erstens auf dem Vorwurf, dass das Gericht die Komplexität des zu regelnden
         Sachverhalts nicht berücksichtigt habe, um das Vorliegen eines hinreichend qualifizierten Verstoßes auszuschließen.
      
      168    Diesem Teil des Rechtsmittelgrundes liegt damit eine Prämisse zugrunde, mit der die in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils
         vorgenommene Tatsachenbeurteilung in Frage gestellt wird, der zufolge die Einbeziehung der Verflechtungsrüge in die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte vom 3. August 2001 „keine besondere technische Schwierigkeit“ beinhaltet habe. Diese Tatsachenbeurteilung
         fällt jedoch in die Zuständigkeit des Gerichts.
      
      169    Hinsichtlich dieser Beurteilung ist das Vorbringen, es seien Beweismittel verfälscht worden, jedoch bereits in Randnr. 133
         des vorliegenden Urteils als unbegründet zurückgewiesen worden.
      
      170    Unter diesen Umständen kann sich die Kommission nicht auf die Komplexität des zu regelnden Sachverhalts berufen, um eine fehlerhafte
         rechtliche Qualifizierung darzutun.
      
      171    Der erste Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes beruht zweitens auf dem Vorwurf, dass das Gericht das Verhalten der Kommission
         als einen hinreichend qualifizierten Verstoß eingestuft habe, obgleich seit der Anmeldung des Zusammenschlusses Schneider
         selbst die Auswirkungen des Verflechtungsproblems heruntergespielt und damit dieses wettbewerbliche Problem gekannt habe,
         was die Schwere des begangenen Verfahrensverstoßes mindere.
      
      172    Auch wenn man jedoch annimmt, dass Schneider seit der Anmeldung des Zusammenschlusses der Kommission vorbeugend tatsächlich
         versicherte, dass der Zusammenschluss kein Verflechtungsproblem aufwerfe, war die ungenügend klare und deutliche Benennung
         einer diesen Punkt betreffenden Rüge in der Mitteilung der Beschwerdepunkte keineswegs dazu angetan, das Unternehmen auf die
         Gefahr einer Unvereinbarkeitserklärung aufmerksam zu machen, sondern musste es vielmehr in seiner Auffassung bestärken und
         bei der Vorbereitung seiner Stellungnahme von dem Gedanken abbringen, seine Begründung zu ergänzen und/oder Vorschläge für
         sachdienliche Korrekturmaßnahmen zu machen.
      
      173    Folglich hat das Gericht die Tatsachen nicht fehlerhaft eingeordnet, als es einen hinreichend qualifizierten Verstoß feststellte,
         ohne zum einen das Vorliegen eines zu regelnden komplexen Sachverhalts und zum anderen zu berücksichtigen, dass Schneider
         das Risiko, mit dem der Zusammenschluss infolge eines Verflechtungsproblems belastet war, gekannt hätte.
      
      174    Der erste Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes ist daher als unbegründet zurückzuweisen, ohne dass über seine Zulässigkeit
         zu entscheiden ist.
      
      b)     Zum zweiten Teil des Rechtsmittelgrundes: Verletzung der Begründungspflicht
      175    Wie aus Randnr. 135 des vorliegenden Urteils hervorgeht, verlangt die Begründungspflicht nicht, dass das Gericht bei seinen
         Ausführungen alle von den Parteien des Rechtsstreits vorgetragenen Argumente nacheinander erschöpfend behandelt, sondern es
         genügt, dass die – auch implizite – Begründung es den Betroffenen ermöglicht, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht
         ihrer Argumentation nicht gefolgt ist, und dem Gerichtshof ausreichende Angaben liefert, damit er seine Kontrollaufgabe wahrnehmen
         kann.
      
      176    In dem angefochtenen Urteil hat das Gericht zur Begründung seiner Feststellung, dass ein hinreichend qualifizierter Verstoß
         vorliege, zunächst in den Randnrn. 145 bis 150 die Bedeutung der Mitteilung der Beschwerdepunkte für die Ausübung der Verteidigungsrechte
         hervorgehoben und sich hierfür auf verschiedene Präzedenzentscheidungen gestützt.
      
      177    Das Gericht hat dazu ausgeführt:
      
      –        „Aus Art. 18 Abs. 3 der Verordnung ergibt sich, dass die Kommission ihre Entscheidungen über die Unvereinbarkeit nur auf die
         Einwände stützen darf, zu denen die betroffenen Unternehmen Stellung nehmen konnten.“
      
      –        „Als Adressaten von Entscheidungen eines Trägers hoheitlicher Gewalt, die ihre Interessen spürbar beeinträchtigen können,
         müssen die an einem Zusammenschluss von gemeinschaftsweiter Bedeutung beteiligten Unternehmen in die Lage versetzt werden,
         sachgerecht Stellung zu nehmen, und zu diesem Zweck rechtzeitig über den Kern der Einwände, die die Kommission gegenüber ihrem
         angemeldeten Zusammenschluss geltend macht, klar unterrichtet werden (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 23.
         Oktober 1974, Transocean Marine Paint/Kommission, 17/74, Slg. 1974, 1063, Randnr. 15, und Urteil des Gerichts vom 4. März
         1999, Assicurazioni Generali und Unicredito/Kommission, T‑87/96, Slg. 1999, II‑203, Randnr. 88).“
      
      –        „Der Mitteilung der Beschwerdepunkte kommt insoweit eine besondere Bedeutung zu, da sie den betroffenen Unternehmen speziell
         die Möglichkeit geben soll, auf die Bedenken des Regulierungsorgans zu reagieren, indem sie Stellung zu ihnen nehmen und der
         Kommission gegebenenfalls Maßnahmen zur Beseitigung negativer Auswirkungen des angemeldeten Zusammenschlusses vorschlagen.“
      
      –        „Für die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen kommt dieser Garantie, die zu den grundlegenden Garantien gehört, die
         die Gemeinschaftsrechtsordnung in Verwaltungsverfahren gewährt, besondere Bedeutung zu (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs
         vom 21. November 1991, Technische Universität München, C‑269/90, Slg. 1991, I‑5469, Randnr. 14).“
      
      178    In Randnr. 152 des angefochtenen Urteils hat das Gericht sodann für seine Beurteilung der Folgen, die die mangelhafte Abfassung
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte für die Ausübung der Verteidigungsrechte hatte, auf das Urteil Schneider I verwiesen.
      
      179    Es hat sich damit auf die Ausführungen in den Randnrn. 445 und 453 ff. des Urteils Schneider I gestützt, wonach 
      
      –        die Mitteilung der Beschwerdepunkte die Verflechtungsrüge nicht hinreichend klar und deutlich angesprochen habe;
      –        die allgemeine Schlussfolgerung dieser Mitteilung keinerlei Hinweis auf irgendeine Verflechtung enthalten habe;
      –        die Mitteilung Schneider die Möglichkeit genommen habe, der Auffassung der Kommission sachgerecht entgegenzutreten und rechtzeitig
         Korrekturmaßnahmen vorzuschlagen.
      
      180    Aus diesen Erwägungen hat das Gericht in derselben Randnr. 152 des angefochtenen Urteils, deren Wortlaut in Randnr. 112 des
         vorliegenden Urteils wiedergegeben ist, im Wesentlichen den entscheidenden Schluss gezogen, dass es Schneider nicht ermöglicht
         worden sei, zu erkennen, dass ein Verflechtungsproblem dazu führen könnte, dass der angemeldete Zusammenschluss für mit dem
         Gemeinsamen Markt unvereinbar erklärt würde.
      
      181    In Randnr. 153 des angefochtenen Urteils hat das Gericht die Schadenswirkung dieser Sachlage dahin beschrieben, dass in der
         Folge die von Schneider vorgeschlagenen Korrekturmaßnahmen objektiv nicht geeignet gewesen seien, das spezifische Problem
         der Verflechtung auf den fraglichen französischen Einzelmärkten zu lösen.
      
      182    Schließlich hat das Gericht, das dafür im Wesentlichen zwischen der vollständigen sachlichen Analyse eines wettbewerblichen
         Problems und dessen Benennung unterschieden und daraus geschlossen hat, dass die bloße Benennung keine besondere Schwierigkeit
         aufgeworfen hätte, in Randnr. 155 des angefochtenen Urteils die Voraussetzung, dass ein hinreichend qualifizierter Verstoß
         vorliegen muss, speziell unter dem Aspekt geprüft, ob ein zu regelnder komplexer Sachverhalt vorlag oder nicht.
      
      183    Es ist festzustellen, dass das Gericht durch die Gesamtheit dieser Erwägungen
      
      –        es der Kommission ermöglicht hat, die Gründe zu erkennen, aus denen das Gericht einen hinreichend qualifizierten Verstoß angenommen
         hat, und dem Gerichtshof die Ausübung seiner Kontrolle dieser rechtlichen Qualifizierung erlaubt hat;
      
      –        die verschiedenen Argumente der Rechtsmittelführerin ausdrücklich oder implizit behandelt hat.
      184    Folglich ist der zweite Teil des zweiten Rechtsmittelgrundes zurückzuweisen.
      
      185    Damit ist der zweite Rechtsmittelgrund insgesamt zurückzuweisen.
      
      C –  Zum dritten Rechtsmittelgrund, mit dem gerügt wird, dass das Gericht zu Unrecht einen unmittelbaren Kausalzusammenhang zwischen
            dem Verstoß der Kommission und dem Schaden bejaht habe, der Schneider aus dem bei der Veräußerung von Legrand gewährten Preisnachlass
            entstanden sein soll
      1.     Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
      186    Der dritte Aufhebungsgrund besteht aus fünf Teilen, mit denen geltend gemacht wird, dass das Gericht im Rahmen seiner Bejahung
         eines unmittelbaren Kausalzusammenhangs zwischen dem Verstoß der Kommission und dem Schaden, der Schneider durch den Preisnachlass
         entstanden sei, der als Gegenleistung für den Aufschub der tatsächlichen Durchführung des am 26. Juli 2002 vereinbarten Verkaufs
         von Legrand bis zum 10. Dezember 2002 gewährt worden sei,
      
      –        falsche Tatsachenfeststellungen getroffen habe, aus denen es abgeleitet habe, dass, erstens, Schneider gezwungen gewesen sei,
         die Verhandlungen über den Wiederverkauf und den Veräußerungspreis von Legrand am 26. Juli 2002 zum Abschluss zu bringen,
         dass, zweitens, der Zeitpunkt, der für den Aufschub der tatsächlichen Durchführung des Verkaufs vereinbart worden sei, der
         10. Dezember 2002, genügend spät nach dem voraussichtlichen Zeitpunkt der Verkündung des Urteils Schneider I gelegen habe,
         um Schneider die Möglichkeit zu verschaffen, mittels des Vorschlags neuer Korrekturmaßnahmen eine erneute Überprüfung des
         Zusammenschlusses durch die Kommission zu erreichen, und dass, drittens, zwischen dem hinreichend qualifizierten Verstoß und
         der von Schneider behaupteten Herabsetzung des Veräußerungspreises ein Kausalzusammenhang bestanden habe;
      
      –        hinsichtlich der gleichen Schlussfolgerungen auch Beweismittel verfälscht habe;
      –        Tatsachen rechtlich fehlerhaft qualifiziert habe;
      –        seine Entscheidung widersprüchlich begründet habe, wenn die zuvor in den Randnrn. 260 bis 286 des angefochtenen Urteils vom
         Gericht vorgenommene Beurteilung berücksichtigt werde, dass kein hinreichend unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen dem
         Verstoß der Kommission und dem völligen Wertverlust des fraglichen Vermögensbestands zwischen seinem Erwerb durch Schneider
         und seiner späteren Veräußerung bestehe;
      
      –        unrichtige Tatsachenfeststellungen getroffen und Rechtsfehler begangen habe, um daraus abzuleiten, dass Schneider nicht zum
         Eintritt des gesamten Schadens beigetragen habe, obgleich der gegenteilige Schluss zwingend gewesen wäre, weil Schneider erstens
         die wettbewerblichen Probleme, die sich aus der mit dem Zusammenschluss geschaffenen Verflechtungssituation zwangsläufig ergeben
         hätten, habe kennen können, zweitens ihren Antrag auf Aussetzung des Vollzugs der Trennungsentscheidung zurückgenommen und
         später hinsichtlich der Verpflichtung zur Veräußerung von Legrand keinen vorläufigen Rechtsschutz beantragt habe sowie drittens
         sich zum Verkauf von Legrand zu einem Zeitpunkt entschlossen habe, zu dem sie hierzu nicht verpflichtet gewesen sei.
      
      187    Zur Stützung ihres dritten Rechtsmittelgrundes macht die Kommission insbesondere geltend, dass nach den Urteilen Schneider I
         und Schneider II und insbesondere nach der darin ausgesprochenen Nichtigerklärung der Trennungsentscheidung Schneider am 10.
         Dezember 2002 nicht verpflichtet gewesen sei, Legrand zu veräußern, was jedoch eine conditio sine qua non für den Eintritt des fraglichen Schadens darstelle.
      
      188    Schneider hält die ersten drei Teile des Rechtsmittelgrundes für unzulässig, da mit ihnen im angefochtenen Urteil getroffene
         Tatsachenfeststellungen angegriffen würden. Auch der fünfte Teil des Rechtsmittelgrundes sei unzulässig, da das ihn stützende
         Vorbringen erstmals in diesem Stadium in den Rechtsstreit eingeführt worden sei.
      
      189    Schneider führt aus, dass das Vorbringen im Rahmen des dritten Rechtsmittelgrundes überdies unbegründet sei oder ins Leere
         gehe.
      
      2.     Würdigung durch den Gerichtshof
      190    Zunächst sind der dritte und der fünfte Teil des Rechtsmittelgrundes zusammen zu prüfen, die sich auf die tatsächliche Durchführung
         des Verkaufs von Legrand am 10. Dezember 2002 beziehen.
      
      a)     Zur Zulässigkeit
      191    Hat das Gericht die Tatsachen festgestellt oder gewürdigt, ist der Gerichtshof gemäß Art. 225 EG zur Kontrolle der rechtlichen
         Qualifizierung dieser Tatsachen und der Rechtsfolgen befugt, die das Gericht aus ihnen gezogen hat (vgl. u. a. Urteile Bertelsmann
         und Sony Corporation of America/Impala, Randnr. 29, und vom 19. März 2009, Archer Daniels Midland/Kommission, C‑510/06 P,
         Slg. 2009, I‑0000, Randnr. 105).
      
      192    Auf dem Gebiet der außervertraglichen Haftung der Gemeinschaft ist jedoch die Frage, ob ein Kausalzusammenhang zwischen der
         auslösenden Tatsache und dem Schaden besteht, der eine Voraussetzung für die Begründung dieser Haftung ist, eine Rechtsfrage,
         die damit der Kontrolle durch den Gerichtshof unterliegt.
      
      193    Unter diesen Umständen ist der dritte Teil des geprüften Rechtsmittelgrundes zulässig, weil er gerade auf eine Kontrolle der
         rechtlichen Qualifizierung der Tatsachen durch das Gericht, aus der es das Bestehen eines unmittelbaren Kausalzusammenhangs
         zwischen dem Verstoß der Kommission und dem von Schneider geltend gemachten Schaden hergeleitet hat, gerichtet ist und diese
         Kontrolle, wie nachstehend darzulegen sein wird, im vorliegenden Fall ausgeübt werden kann, ohne dass die getroffenen Feststellungen
         und vorgenommenen Beurteilungen von Tatsachen in Frage gestellt werden.
      
      194    Im Übrigen ist festzustellen, dass entgegen dem von Schneider erhobenen Einwand das den fünften Teil stützende Vorbringen,
         wonach sich Schneider zum Verkauf von Legrand zu einem Zeitpunkt entschlossen habe, zu dem sie hierzu nicht verpflichtet gewesen
         sei, nicht erstmals im Stadium des Rechtsmittels in das Verfahren eingeführt worden ist.
      
      195    In ihrer Gegenerwiderung im ersten Rechtszug hatte die Kommission, die das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs bestritt, nämlich
         ausdrücklich geltend gemacht, dass
      
      –        ihre Entscheidung, das Verfahren zur eingehenden Prüfung nach den Urteilen Schneider I und Schneider II wiederaufzunehmen,
         den Verkauf keineswegs unausweichlich gemacht habe;
      
      –        sie Schneider keineswegs aufgegeben habe, ihre Aktien zu veräußern, solange Schneider die Möglichkeit hatte, sich der von
         ihr ausgehandelten Kündigungsklausel zu bedienen, um den Verkauf nicht durchzuführen;
      
      –        sich Schneider zum Verkauf von Legrand entschlossen habe, weil sie nicht willens gewesen sei, angemessene Maßnahmen zur Korrektur
         der durch den Zusammenschluss in Frankreich geschaffenen Probleme vorzuschlagen, nicht aber wegen irgendeiner fehlerhaften
         Handlung der Kommission.
      
      196    Demnach ist der fünfte Teil des Rechtsmittelgrundes zulässig, soweit er auf das Vorbringen gestützt ist, dass sich Schneider
         zum Verkauf von Legrand zu einem Zeitpunkt entschlossen habe, zu dem sie hierzu nicht verpflichtet gewesen sei.
      
      b)     Zur Begründetheit
      197    In Randnr. 303 des angefochtenen Urteils hat das Gericht ausgeführt, dass es zu prüfen habe, ob der Rechtsverstoß, mit dem
         die Negativentscheidung behaftet sei, nicht zu einer Minderung des Wertes geführt habe, der in dem Abtretungsvertrag für die
         von Schneider gehaltenen Anteile am Kapital von Legrand ermittelt worden sei.
      
      198    In den Randnrn. 315 und 316 des angefochtenen Urteils ist das Gericht zu dem Ergebnis gelangt, dass
      
      –        die Verletzung der Verteidigungsrechte, die die Negativentscheidung rechtsfehlerhaft mache, in einem hinreichend unmittelbaren
         Zusammenhang mit dem Aufschub des im Übertragungsvertrag vereinbarten Termins für die tatsächliche Durchführung des Vertrags
         über den Kauf von Legrand bis zum 10. Dezember 2002 gestanden habe, weil dieser Aufschub notwendig gewesen sei, damit Schneider
         das jedem Einzelnen zustehende Recht auf eine rechtmäßige Entscheidung über die Vereinbarkeit eines ordnungsgemäß angemeldeten
         Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt sachgerecht habe wahrnehmen und gegebenenfalls in einem Verfahren, das ihr die
         erforderlichen Garantien geboten habe, habe gehört werden können;
      
      –        infolgedessen der festgestellte qualifizierte Verstoß gegen das Gemeinschaftsrecht auch in einem hinreichend unmittelbaren
         Kausalzusammenhang mit dem Schaden stehe, der Schneider aufgrund des auf den Preis für die Veräußerung von Legrand gewährten
         Nachlasses entstanden sei, der seine Ursache in dem Aufschub der tatsächlichen Durchführung der Übertragung gehabt habe.
      
      199    Dieses Ergebnis hat das Gericht in den Randnrn. 304 bis 312 des angefochtenen Urteils im Wesentlichen aus folgenden Überlegungen
         hergeleitet:
      
      –        Die Aufnahme von Verhandlungen über die Veräußerung von Legrand und der Abschluss des Übertragungsvertrags am 26. Juli 2002
         seien unmittelbar auf die Negativentscheidung zurückzuführen, die trotz ihrer Rechtswidrigkeit bis zu ihrer Nichtigerklärung
         durch das Urteil Schneider I vom 22. Oktober 2002 alle ihre Rechtswirkungen entfaltet habe.
      
      –        Schneider habe sich wegen dieser Entscheidung genötigt gesehen, Verhandlungen über die Abtretung ihrer Anteile an Legrand
         aufzunehmen und abzuschließen, noch bevor das Urteil über ihre Nichtigkeitsklage gegen diese Entscheidung ergangen sei.
      
      –        Schneider habe wegen der Negativentscheidung in dem am 26. Juli 2002 geschlossenen Übertragungsvertrag einen Preis für die
         Veräußerung von Legrand vereinbaren und sich die Möglichkeit sichern müssen, den tatsächlichen Vollzug dieser Übertragung
         bis zum 10. Dezember 2002 aufzuschieben.
      
      –        Dieses Datum habe weit genug nach dem Zeitpunkt gelegen, zu dem voraussichtlich das Urteil Schneider I verkündet werden würde,
         um Schneider in die Lage zu versetzen, im Fall einer Abweisung ihrer Nichtigkeitsklage die Bestätigung der Rechtmäßigkeit
         der Negativentscheidung zu erhalten oder ihr im umgekehrten Fall einer Nichtigerklärung die Möglichkeit zu verschaffen, mittels
         des Angebots neuer Korrekturmaßnahmen noch die Überprüfung des Zusammenschlusses durch die Kommission im Hinblick auf den
         Erlass einer endgültigen und rechtmäßigen Entscheidung über seine Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt zu erreichen.
      
      –        Die Notwendigkeit, die tatsächliche Durchführung des Verkaufs von Legrand aufzuschieben, habe Schneider zwangsläufig dazu
         gebracht, dem Erwerber auf den Preis für die Veräußerung von Legrand einen Nachlass im Verhältnis zu dem Preis einzuräumen,
         den sie bei einem festen Vertragsabschluss erzielt hätte, der ohne die Rechtswidrigkeit der Negativentscheidung stattgefunden
         hätte.
      
      –        Der Aufschub des tatsächlichen Verkaufs der Vermögenswerte von Legrand bis zum 10. Dezember 2002 habe dazu geführt, dass der
         Erwerber eine Vergütung für das Risiko einer Wertminderung der Vermögenswerte von Legrand erhalten habe, sei es auch nur wegen
         etwaiger ungünstiger Kursänderungen der Industrieaktien in der Zeit zwischen dem Tag der Unterzeichnung des Übertragungsvertrags
         und dem Ablauf der von den Vertragsparteien für die tatsächliche Durchführung des Kaufvertrags vereinbarten Frist.
      
      200    Es ist festzustellen, dass Schneider am 26. Juli 2002, als sie mit Wendel/KKR einen Vertrag über die Übertragung von Legrand
         abschloss, dem zufolge diese Übertragung vorbehaltlich eines zugunsten von Schneider ausbedungenen Kündigungsrechts gegen
         Zahlung eines Reugelds in Höhe von 180 Millionen Euro bis zum 10. Dezember 2002 durchzuführen war, zur Vornahme eines Verkaufs
         verpflichtet war, um der Trennungsentscheidung nachzukommen.
      
      201    Es ist jedoch zum einen beachten, dass am 26. Juli 2002 infolge des von Schneider angestrengten Verfahrens des vorläufigen
         Rechtsschutzes, in dem Schneider ihren Antrag anschließend zurücknahm, die Kommission die ursprünglich bis zum 5. November
         2002 bemessene Frist für die Trennung bis zum 5. Februar 2003 verlängert hatte, und zum anderen, dass das Gericht, das die
         Rechtssache dem beschleunigten Verfahren unterworfen hatte, die Negativentscheidung im Urteil Schneider I am 22. Oktober 2002
         und damit vor Ablauf der Frist für nichtig erklärte, die im Übertragungsvertrag für die Durchführung der Übertragung vereinbart
         worden war.
      
      202    In diesem Kontext entschied sich Schneider dafür, das Kündigungsrecht innerhalb der Frist bis zum 5. Dezember 2002 nicht auszuüben
         und damit die Übertragung zum 10. Dezember 2002 wirksam werden zu lassen.
      
      203    Aus den Akten geht hervor, dass Schneider diese Entscheidung im Wesentlichen aufgrund ihrer Befürchtung traf, dass sie im
         wiederaufgenommenen Verfahren zur eingehenden Prüfung selbst bei einem Angebot von Korrekturmaßnahmen keine Entscheidung erreichen
         würde, die den Zusammenschluss für mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar erklären würde, obgleich
      
      –        das Risiko einer Entscheidung, mit der die Unvereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt wird, jedem Kontrollverfahren
         innewohnt, und zwar von Anfang an ebenso wie nach der Nichtigerklärung einer ersten Unvereinbarkeitsentscheidung im Rahmen
         einer Wiederaufnahme des Verwaltungsverfahrens;
      
      –        eine Unvereinbarkeitsentscheidung in jedem Fall der Kontrolle durch den Gemeinschaftsrichter unterworfen bleibt.
      204    Die logische rechtliche Folge einer Nichtigerklärung der Negativentscheidung und der Trennungsentscheidung hätte indessen
         darin bestanden, dass sich Schneider am wiederaufgenommenen Verfahren zur eingehenden Prüfung bis zu dessen Abschluss beteiligt
         hätte, mit dem – wie die Kommission im Wesentlichen mit ihrem Rechtsmittel geltend macht – zwingend eines der beiden folgenden
         Ereignisse eingetreten wäre:
      
      –        entweder der Erlass einer Entscheidung, mit der die Vereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt
         worden wäre, womit Schneider nicht zur Übertragung von Legrand verpflichtet gewesen wäre und damit auch nicht den behaupteten
         Preisnachlass hätte gewähren müssen,
      
      –        oder der Erlass einer Entscheidung, mit der die Unvereinbarkeit des Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt festgestellt
         worden wäre, womit die Übertragung die rechtliche Konsequenz der festgestellten Unvereinbarkeit gewesen wäre und damit nicht
         die Ursache eines ersatzfähigen Schadens, denn eine solche Übertragung gehört zu dem Risiko, das ein Unternehmen normalerweise
         eingeht, wenn es von der in Art. 7 Abs. 3 der Verordnung vorgesehenen Möglichkeit Gebrauch macht, einen Zusammenschluss mittels
         eines öffentlichen Aktientauschangebots vor dem Erlass der Entscheidung der Kommission über diesen Zusammenschluss durchzuführen.
      
      205    Damit ist festzustellen, dass das Gericht nicht die Konsequenzen aus seinen eigenen Feststellungen gezogen hat und die Tatsachen
         rechtlich fehlerhaft qualifiziert hat, da die unmittelbare Ursache des geltend gemachten Schadens die von Schneider getroffene
         Entscheidung, die Übertragung von Legrand zum 10. Dezember 2002 wirksam werden zu lassen, war, zu der sie im Rahmen des unter
         den vorstehend beschriebenen Umständen vereinbarten Verkaufs nicht gezwungen war.
      
      206    Dieser Schluss wird nicht durch den Umstand in Frage gestellt, dass Schneider bei der Ausübung ihres Kündigungsrechts dem
         Risiko ausgesetzt war, ein Reugeld in Höhe von 180 Millionen Euro entrichten zu müssen. Dieses Risiko ergab sich nämlich aus
         dem Übertragungsvertrag, den Schneider unter den vorstehend beschriebenen Umständen geschlossen hatte.
      
      207    Im Ergebnis greift daher der dritte Rechtsmittelgrund durch, ohne dass neben dem drittem und dem fünftem Teil auch der erste,
         der zweite und der vierte Teil dieses Rechtsmittelgrundes geprüft werden müssen.
      
      208    Nach alledem ist – ohne dass über den vierten und den fünften Rechtsmittelgrund entschieden werden muss, wonach das Gericht
         einen von Schneider nicht geltend gemachten Schaden berücksichtigt habe und die Zuerkennung von Zinsen ab dem 10. Dezember
         2002 auf den angeblichen Schaden aus dem Preisnachlass rechtswidrig sei – das angefochtene Urteil aufzuheben, soweit damit
      
      –        die Gemeinschaft verurteilt worden ist, zwei Drittel des Schadens zu ersetzen, den Schneider wegen des Nachlasses auf den
         Preis für die Übertragung von Legrand geltend macht, den sie dem Erwerber als Gegenleistung für den Aufschub des Termins für
         die tatsächliche Durchführung des Verkaufs bis zum 10. Dezember 2002 eingeräumt habe;
      
      –        die Einholung eines Gutachtens angeordnet worden ist, um die Höhe dieses Schadens zu ermitteln;
      –        Zinsen auf die Entschädigung zugesprochen worden sind.
      209    Im Übrigen ist das Rechtsmittel zurückzuweisen.
      
      VII –  Zu den Folgen der teilweisen Aufhebung des angefochtenen Urteils
      210    Ist das Rechtsmittel begründet, hebt der Gerichtshof nach Art. 61 Abs. 1 seiner Satzung die Entscheidung des Gerichts auf.
         Er kann sodann den Rechtsstreit selbst endgültig entscheiden, wenn dieser zur Entscheidung reif ist, oder die Sache zur Entscheidung
         an das Gericht zurückverweisen.
      
      211    Im vorliegenden Fall ist die Sache hinsichtlich des Schadensersatzantrags von Schneider entscheidungsreif.
      
      A –  Zu dem Schaden, der aus den Schneider entstandenen Kosten für ihre Beteiligung an dem wiederaufgenommenen Verfahren zur Kontrolle
            des Zusammenschlusses besteht
      212    Mit dem angefochtenen Urteil ist die Gemeinschaft verurteilt worden, die Schneider durch die Beteiligung an dem nach der Verkündung
         der Urteile Schneider I und Schneider II wiederaufgenommenen Verfahren zur Kontrolle des Zusammenschlusses entstandenen Kosten
         zu ersetzen.
      
      213    Die Rechtsmittelgründe, die die Kommission gegen diese Entscheidung gerichtet hat, sind zurückgewiesen worden.
      
      214    Folglich ist dieser Schaden zu ersetzen.
      
      215    In ihrer Klageschrift, mit der der Schadensersatz beantragt wurde, hat Schneider zusätzliche Kosten in Höhe von insgesamt
         2 107 619,18 Euro geltend gemacht, die im Wesentlichen für den Beistand ihrer Rechts-, Wirtschafts- und Bankberater entstanden
         seien.
      
      216    Wie bereits in Randnr. 320 des angefochtenen Urteils entschieden worden ist, müssen zur Bestimmung des Betrags, den die Kommission
         Schneider zu ersetzen hat, von diesen Gesamtkosten abgezogen werden:
      
      –        die gesamten Kosten, die Schneider in den Rechtssachen T‑310/01, T‑77/02 und T‑77/02 R entstanden sind;
      –        die Kosten für die Inanspruchnahme von Rechts-, Wirtschafts- und Bankberatern sowie sonstige Verwaltungskosten zur Durchführung
         der Trennung gemäß den von der Kommission vorgeschriebenen Modalitäten;
      
      –        die Kosten, die Schneider zwangsläufig im Hinblick auf Maßnahmen zur Korrektur der Verflechtung entstanden wären, die sie
         vor Erlass einer Negativentscheidung, die unter Wahrung ihrer Verteidigungsrechte erlassen worden wäre, in jedem Fall hätte
         vorschlagen müssen.
      
      217    Es obliegt den Verfahrensbeteiligten, dem Gerichtshof innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Verkündung des vorliegenden
         Urteils entweder mitzuteilen, auf welchen Betrag sie sich in Bezug auf diesen Schaden gemäß der in der vorstehenden Randnummer
         bezeichneten Berechnungsart geeinigt haben, oder, falls eine Einigung nicht zustande kommt, ihre bezifferten Anträge vorzulegen.
      
      B –  Zu dem Schaden infolge des Nachlasses auf den Preis für die Übertragung von Legrand
      218    Mit dem angefochtenen Urteil ist die Gemeinschaft verurteilt worden, zwei Drittel des Schadens zu ersetzen, der Schneider
         aufgrund des Nachlasses auf den Preis für die Übertragung von Legrand entstanden sein soll, den sie dem Erwerber als Gegenleistung
         für den Aufschub des Termins für die tatsächliche Durchführung des Verkaufs von Legrand bis zum 10. Dezember 2002 eingeräumt
         hat. Ferner ist die Einholung eines Sachverständigengutachtens angeordnet worden, um die Höhe dieses Schadens zu ermitteln.
      
      219    Diese Teile der Entscheidungsformel des angefochtenen Urteils sind auf das Rechtsmittel der Kommission hin aufgehoben worden.
      
      220    Daher ist über den Schadensersatzantrag von Schneider hinsichtlich dieses Schadens erneut zu entscheiden.
      
      221    Im Licht der Gründe, die zur teilweisen Aufhebung des angefochtenen Urteils geführt haben, ist festzustellen, dass zwischen
         dem streitigen Preisnachlass und dem der Negativentscheidung der Kommission anhaftenden Rechtsverstoß kein unmittelbarer Kausalzusammenhang
         besteht.
      
      222    Die unmittelbare Ursache des geltend gemachten Schadens ist vielmehr die Entscheidung von Schneider, den Verkauf von Legrand
         am 10. Dezember 2002 wirksam werden zu lassen, zu der Schneider nicht gezwungen war.
      
      223    Folglich ist die von Schneider erhobene Klage, soweit mit ihr der Ersatz dieses Schadens zuzüglich Zinsen begehrt wird, abzuweisen.
      
      VIII –  Kosten
      224    Nach Art. 122 Abs. 1 seiner Verfahrensordnung entscheidet der Gerichtshof über die Kosten, wenn das Rechtsmittel begründet
         ist und der Gerichtshof selbst den Rechtsstreit endgültig entscheidet.
      
      225    Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichtshofs, der nach deren Art. 118 im Rechtsmittelverfahren entsprechende Anwendung
         findet, ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
      
      226    Die Kommission hat beantragt, Schneider die Kosten im Zusammenhang mit dem Verfahren im ersten Rechtszug und dem Rechtsmittelverfahren
         aufzuerlegen.
      
      227    Da Schneider in Anbetracht des vorliegenden Urteils mit ihrem Vorbringen und ihren Anträgen weitgehend unterlegen ist, sind
         ihr außer ihren eigenen Kosten im Verfahren im ersten Rechtszug und im vorliegenden Verfahren zwei Drittel der Kosten der
         Kommission in diesen Verfahren aufzuerlegen.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Große Kammer) für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Das Urteil des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 11. Juli 2007, Schneider Electric/Kommission (T‑351/03),
            wird aufgehoben, soweit damit
      –        die Europäische Gemeinschaft verurteilt worden ist, zwei Drittel des Schadens zu ersetzen, den die Schneider Electric SA wegen
            des Nachlasses auf den Preis für die Übertragung der Legrand SA geltend macht, den sie dem Erwerber als Gegenleistung für
            den Aufschub des Termins für die tatsächliche Durchführung des Verkaufs von Legrand bis zum 10. Dezember 2002 eingeräumt habe;
      –        die Einholung eines Gutachtens angeordnet worden ist, um die Höhe dieses Schadens zu ermitteln;
      –        Zinsen auf diese Entschädigung zugesprochen worden sind.
      2.      Im Übrigen wird das Rechtsmittel zurückgewiesen.
      3.      Die Verfahrensbeteiligten teilen dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften binnen drei Monaten nach Verkündung des vorliegenden
            Urteils mit, auf welchen Betrag sie sich gemäß den in Randnr. 216 des vorliegenden Urteils bezeichneten Modalitäten in Bezug
            auf den Schaden geeinigt haben, der aus den Kosten besteht, die der Schneider Electric SA durch die Beteiligung an dem nach
            der Verkündung der Urteile des Gerichts erster Instanz der Europäischen Gemeinschaften vom 22. Oktober 2002, Schneider Electric/Kommission
            (T‑310/0l und T‑77/02), wiederaufgenommenen Verfahren zur Kontrolle des Zusammenschlusses entstanden sind.
      4.      Kommt eine Einigung nicht zustande, legen die Verfahrensbeteiligten innerhalb dieser Frist dem Gerichtshof der Europäischen
            Gemeinschaften ihre bezifferten Anträge vor.
      5.      Im Übrigen wird die Klage der Schneider Electric SA abgewiesen.
      6.      Die Schneider Electric SA trägt außer ihren eigenen Kosten im Verfahren des ersten Rechtszugs und im vorliegenden Verfahren
            zwei Drittel der Kosten der Kommission der Europäischen Gemeinschaften im Verfahren im ersten Rechtszug und im Rechtsmittelverfahren.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Französisch.