CELEX: 51986PC0205
Language: de
Date: 1986-05-20
Title: VORSCHLAG FUER EINE EMPFEHLUNG DES RATES UEBER DIE KOORDINIERTE EINFUEHRUNG DES DIENSTINTEGRIERENDEN DIGITALEN FERNMELDENETZES ( ISDN ) IN DER EUROPAEISCHEN GEMEINSCHAFT - AUF DEM WEG ZU EINEM EUROPAWEITEN TELEMATIKMARKT

24.6. 86                                  Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                              Nr. C 157/3
                                                               II
                                                    (Vorbereitende Rechtsakte)
                                                  KOMMISSION
              Vorschlag für eine Empfehlung des Rates über die koordinierte Einführung des diensteintegrie-
              renden digitalen Fernmeldenetzes (ISDN) in der Europäischen Gemeinschaft — Auf dem Weg
                                             zu einem europaweiten Telematikmarkt
                                                      KOM(86) 205 endg.
                                  (Von der Kommission dem Rat vorgelegt am 28. Mai 1986)
                                                         (86/C 157/03)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                          derlichen Entwicklungsvoraussetzungen zu schaffen, die
                                                                   es der europäischen Fernmeldeindustrie ermöglichen
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäi-                 werden, ihren Anteil an den Weltmärkten zu behaupten
schen Wirtschaftsgemeinschaft,                                     und auszubauen.
auf Vorschlag der Kommission,                                      Die Richtlinie 83/189/EWG des Rates (2) über ein Infor-
                                                                   mationsverfahren auf dem Gebiet der Normen und tech-
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,                    nischen Vorschriften muß umgesetzt werden.
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-                 Die Kommission hat Vorschläge für Richtlinien über die
schusses,                                                          Normung auf dem Gebiet der Informationstechnologie
                                                                   und der Telekommunikation sowie über die erste Phase
                                                                   der Durchführung der gegenseitigen Anerkennung der
in Erwägung nachstehender Gründe:
                                                                   Zulassungen von Telekommunikationsendgeräten vorge-
                                                                   legt; weitere Richtlinienvorschläge sind zu erwarten.
Die Empfehlung 84/549/EWG des Rates (») sieht die
Einführung von Diensten auf der Grundlage eines ge-
meinsamen harmonisierten Konzepts auf dem Gebiet der               Die volle Nutzung des Potentials der Finanzinstrumente
Telekommunikation vor.                                             der Gemeinschaft zur Förderung der Entwicklung der
                                                                   Infrastruktur der Gemeinschaft ist angebracht.
Die durch die Fernmeldenetze gebotenen Ressourcen
sollten im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung            Die Realisierung einer solchen Politik wird zu einer en-
der Gemeinschaft voll ausgeschöpft werden.                         geren Zusammenarbeit zwischen der Fernmeldeindustrie
                                                                   und den Verwaltungen und anerkannten privaten Betrei-
Die technischen Ressourcen für das diensteintegrierende            bern, die Fernmeldedienste anbieten, nachstehend die
digitale Netz (ISDN) bieten die Möglichkeit, eine Reihe            „Fernmeldeverwaltungen" genannt, auf Gemeinschafts-
                                                                   ebene führen.
harmonisierter und kompatibler Dienste für alle Benutzer
der Gemeinschaft bereitzustellen und neue Kommunika-
tionsmittel für die Benutzung von Ton, Text und Bildern            Die Gruppe Hoher Beamter „Telekommunikation"
 zu schaffen.                                                       (SOGT) hat in einer befürwortenden Stellungnahme
                                                                   festgestellt, daß die von der Gruppe Analyse und Pro-
 Die derzeitigen Investitionen im Bereich der digitalen            gnosen (GAP) aufgestellten detaillierten Empfehlungen
Vermittlungs- und Übertragungsanlagen in den Mit-                  eine strategische Grundlage für die Entwicklung eines
gliedstaaten bieten die Möglichkeit, die Entwicklung des           ISDN darstellen, das den europäischen Benutzern er-
diensteintegrierenden digitalen Netzes ins Auge zu fas-            möglichen wird, wirksam und wirtschaftlich zu kommu-
 sen.                                                              nizieren.
 Eine koordinierte Politik zur Einführung des ISDN wird             Die Fernmeldeverwaltungen, die Europäische Konferenz
 den Aufbau eines europäischen Marktes für Fernmelde-              für Post und Fernmeldewesen (CEPT) und die Hersteller
 und Datenverarbeitungsgeräte ermöglichen, der auf-                von Fernmeldeanlagen in den Mitgliedstaaten haben be-
 grund seiner Größe in der Lage ist, die unbedingt erfor-           fürwortende Stellungnahmen abgegeben —
 (l) ABl. Nr. L 298 vom 16. 11. 1984, S. 49.                        O ABl. Nr. L 109 vom 26. 4. 1983, S. 8.
 ---pagebreak--- Nr. C 157/4                                 Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                      24.6.86
EMPFIEHLT:                                                              4. daß die Fernmeldeverwaltungen alle Maßnahmen er-
                                                                            greifen, die die koordinierte Einführung des ISDN er-
1. daß die Fernmeldeverwaltungen die detaillierten Emp-                     leichtern, und zwar insbesondere solche, die sich auf
   fehlungen über die koordinierte Einführung des                           die Einführung von CEPT-Spezifikationen in Anlagen
   diensteintegrierenden digitalen Netzes (ISDN) an-                        beziehen, die durch das ISDN tangiert werden;
   wenden, wie im Anhang beschrieben;
                                                                        5. daß die Finanzierungsinstrumente der Gemeinschaft
2. daß sich die Anwendung dieser Empfehlungen vor al-                       diese Empfehlung, vor allem im Hinblick auf die für
   lem auf folgende Punkte konzentriert:                                    die Einführung des ISDN erforderlichen Investitio-
                                                                            nen, im Rahmen ihrer Interventionen berücksichtigen;
   a) Normung und Einführung der S/T-Schnittstelle,
   b) Zeitplan, wie dargestellt,                                        6. daß die Regierungen der Mitgliedstaaten die Fernmel-
                                                                            deverwaltungen dazu anhalten, diese Empfehlung an-
   c) Zielsetzungen bezüglich Marktdurchdringung, in                        zuwenden;
      Übereinstimmung mit den kommerziellen Strate-
      gien;                                                             7. daß die Regierungen der Mitgliedstaaten die Kom-
                                                                            mission jeweils am Ende des Jahres, und zwar erst-
3. daß die Fernmeldeverwaltungen die Harmonisie-                            mals Ende 1986, über die ergriffenen Maßnahmen so-
   rungsarbeiten der Europäischen Konferenz für Post-                       wie die Probleme unterrichten, die sich bei der An-
   und Fernmeldewesen (CEPT), vor allem bezüglich                           wendung dieser Empfehlung ergeben. Der Fortgang
   der aufgestellten Ziele und des Zeitplans, wie im An-                    der Arbeiten wird von der Kommission und von der
   hang aufgezeigt, für die noch fertigzustellenden                         vom Rat am 4. November 1983 eingesetzten Gruppe
   ISDN-Spezifikationen fortsetzen;                                         Hoher Beamter „Telekommunikation" geprüft.
                                                               ANHANG
             1. EMPFEHLUNGEN IM HINBLICK AUF DIE SCHNELLSTMÖGLICHE KONVERGENZ DER
                AKTIVITÄTEN IM ZUSAMMENHANG MIT DER EINFÜHRUNG DES ISDN
                Alle nachstehend gemachten Empfehlungen hängen miteinander zusammen und sollten nicht getrennt
                werden.
                1.1. Grundlegende Philosophie
                     Alle Mitgliedstaaten stimmen darin überein, daß das ISDN (Teilnehmeranschlüsse mit 144 Kbit/s
                     und 2 Mbit/s) als eine natürliche Fortentwicklung des heutigen Telefonnetzes anzusehen ist, d. h.,
                     daß es sowohl von geschäftlichen als auch von privaten Teilnehmern genutzt werden sollte und daß
                     die heutige Struktur des Telefonnetzes durch diese Fortentwicklung nicht grundlegend geändert
                     werden sollte. Diese Zielsetzung muß bereits bei den ersten Entscheidungen im Auge behalten wer-
                     den.
                     Dennoch wird die Marktdurchdringung von zahlreichen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
                     Faktoren und selbstverständlich auch von der "Wirkung des Netzes selbst, d. h. von der Verbreitung
                     oder tatsächlichen Durchdringung der neuen Dienste zu einem gegebenen Zeitpunkt abhängen.
                     Es ist unbestritten, daß der geschäftliche Bereich in allen Ländern sehr viel größere Erwartungen an
                     die neuen Dienste stellt und entsprechende Bedürfnisse hat als der private Bereich.
                     Der geschäftliche Bereich wird durch das Angebot von „Multi-Service"-Nebenstellenanlagen
                     (PABX) und ISDN-Basisanschlüssen erschlossen werden. In diesem Bereich ist es von entscheiden-
                     der Bedeutung, daß auch die an den ISDN-Basisanschluß und über Nebenstellen-Anschlüsse ange-
                     schlossenen Endgeräte miteinander kompatibel sind. Dies erfordert die Anwendung einer gemeinsa-
                     men Schnittstellen-Norm für öffentliche und private Netze.
 ---pagebreak--- 24.6.86                                Amtsblatt d e r E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                      Nr. C 157/5
                Eine signifikante Nachfrage im privaten Bereich wird sich nur nach einer auf das zu erreichende
                Angebot ausgerichteten stetigen Politik über einen längeren Zeitraum mit dem Ziel der Erreichung
                einer kritischen Teilnehmerzahl bei neuen Diensten einstellen, so daß ein „Schneeballeffekt" er-
                reicht wird.
                 Diese Politik sollte durch Marketing-Aktivitäten und ein entsprechendes Vorgehen bei der Fest-
                 legung der Gebühren zur Stimulierung der Nachfrage unterstützt werden.
           1.2. Definition der Schnittstelle zwischen dem öffentlichen Netz und dem privaten Netz
                 Eine genormte physisch implementierte Schnittstelle zwischen den ISDN-Endgeräten und dem
                 öffentlichen Netz sollte existieren. Diese Schnittstelle sollte am CCTCT S- oder T-Referenzpunkt
                 liegen und in Übereinstimmung mit den CCITT- und CEPT-Empfehlungen definiert sein. Im Falle
                 des Basisanschlusses (d. h. 144 Kbit/s) muß die physisch implementierte Schnittstelle am S- und
                 T-Referenzpunkt identisch sein.
                 Diese Endgerätsschnittstelle sollte auch von den Herstellern von Nebenstellenanlagen angeboten
                 werden, damit ein gemeinsames Konzept für Endgeräte erzielt werden kann.
                 Die vorstehenden Feststellungen beinhalten, daß zumindest für den Basisanschluß die NT1 -Funk-
                 tion vom Betreiber des öffentlichen Netzes gestellt wird.
                 Eine Übereinstimmung zwischen den Fernmeldeverwaltungen im Rahmen der CEPT bezüglich
                 einer genormten physisch implementierten Schnittstelle am T-Referenzpunkt für den Primärmulti-
                 plexanschluß (2 048 Kbit/s) ist dringend erforderlich.
                 Es ist zu erwarten, daß die Multi-Service-Nebenstellenanlagen (PABX) während einer Übergangs-
                 phase von mehreren Jahren verschiedene Normen benutzen werden. Diese Nebenstellenanlagen
                 sollten jedoch schnellstmöglich zusätzlich zu diesen Normen die S-Schnittstelle anbieten. Die be-
                 fragten Vertreter der Hersteller waren sich in diesem Punkt einig.
        2. BIS ENDE 1986 ZU DEFINIERENDE, IM EINZELNEN ZU SPEZIFIZIERENDE U N D IN
           ALLEN MITGLIEDSTAATEN AB 1988 ANZUBIETENDE DIENSTE
           Die folgenden Punkte sind bis spätestens Ende 1986 im einzelnen zu spezifizieren:
           a) Trägerdienste („Bearer Services")
               Transparenter leitungsvermittelter 64 Kbit/s-Kanal.
           b) Teledienste („Teleservices")
               — Fernsprechen mit 64 Kbit/s, entsprechend 3,1 k H z ;
               — Telefax-Dienst mit 64 Kbit/s (Gruppe IV);
               — Teletex-Dienst mit 64 Kbit/s;
               — „Mixed-mode" Teletex/Telefax-Dienst mit 64 Kbit/s.
            c) Dienstmerkmale („Supplementary Services")
               Um die Attraktivität der Dienste zu erhöhen, empfiehlt die GAP eine Anzahl gemeinsamer Dienst-
               merkmale innerhalb der Mitgliedstaaten zu implementieren.
               Diese Dienstmerkmale sollen zu denen hinzukommen, die bereits im Telefonnetz verfügbar sind,
               sowie zu denen, die in der Definition von ISDN-Protokollen enthalten sind (vor allem Unteradres-
               sierung, Portabilität von Endgeräten, Signalisierung von Benutzer zu Benutzer bei Verbindungssteue-
               rungsnachrichten müssen spezifiziert werden, obwohl ihre Implementierung zu einem späteren Zeit-
               punkt vorgesehen ist).
                Die Fernmeldeverwaltungen werden ersucht, im Rahmen der CEPT die folgenden Dienste festzule-
                gen:
               — Anklopfen („call-waiting");
               — Anzeige der Rufnummer des Anrufers („calling-line identification");
               — geschlossene Benutzergruppe („closed-user-group") (dieser Dienst würde in einigen Ländern
                     möglicherweise erst später implementiert werden);
                — Durchwahl zu Nebenstellenanlagen („direct-dialling-in").
 ---pagebreak--- Nr. C 157/6                               Amtsblatt d e r E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                         2 4 . 6 . 86
               d) Endgeräteanpassung („Adapter") für den Anschluß existierender Endgeräte an das ISDN über die
                  S-Schnittstelle
                  — Endgeräteanpassung für die Schnittstelle X 21;
                  — Endgeräteanpassung für die Schnittstelle X 25 auf dem B-Kanal (für den Zugang zu paketvermit-
                      telten Diensten);
                  — A/D-Endgeräteanpassung, die gemäß einzelstaatlichen Bedürfnissen spezifiziert werden.
               Anmerkung     1: Die Definition der Nutzung von Personal-Computern über den Trägerdienst auf dem
                                64 Kbit/s-Kanal sollte besonders aufmerksam geprüft werden.
               Anmerkung    2: Die im Endgerät oder im Netz realisierbare Kompatibilität zwischen leitungsvermittelten
                                und paketvermittelten Diensten sollte besonders aufmerksam geprüft werden.
            3. V O R ENDE 1987 ZU SPEZIFIZIERENDE DIENSTE, DIE IM ZEITRAUM 1988—1993 IMPLE-
               MENTIERT W E R D E N K Ö N N T E N
               (Der genaue Einführungstermin dieser Dienste sollte so bald wie möglich festgelegt werden.)
               a) Trägerdienste
                  Paketvermittlungsträgerdienst auf dem D-Kanal
                  Die Fernmeldeverwaltungen werden ersucht, im Rahmen der CEPT den Nutzen von Telediensten,
                  insbesondere von Bildschirmtext, Teletex, Mitteilungsübermittlung („message handling") und Fern-
                  wirken („teleaction"), auf der Grundlage eines Paketvermittlungsträgerdienstes zu analysieren.
               b) Teledienste mit 64 Kbit/s
                  Um die Nachfrage zu steigern, sollte die folgende Liste von Telediensten vorrangig erwogen werden:
                  — Fernsprechen mit 64 Kbit/s, entsprechend 7 kHz;
                  — Telefonkonferenz („audioconference") mit 64 Kbit/s;
                  — alphageometrischer Bildschirmtext mit 64 Kbit/s;
                  — Bildübertragung und Computerkommunikation mit 64 Kbit/s.
                      Bezüglich dieser beiden Teledienste werden die Fernmeldeverwaltungen gebeten, im Rahmen der
                      CEPT mögliche Dienste zu identifizieren und detaillierte Spezifikationen erster Dienste zu erstel-
                      len.
               c) Endgeräteanpassung
                  — Endgeräteanpassung für die Schnittstelle X 21 bis;
                  — Endgeräteanpassung für asynchrone Endgeräte (V 24).
               d) Dienstmerkmale
                  Die Fernmeldeverwaltungen werden gebeten, im Rahmen der CEPT bis Ende 1987 die nachste-
                  hende, auf der Liste der CEPT basierende Liste, zu untersuchen:
                  Gebührenanzeige,
                  automatische Rufwiederholung bei Besetztzeichen („Completion of call meeting busy"),
                  Konferenzschaltung,
                  Anrufweiterschaltung („Diversion of call"),
                  gebührenfreier Ruf („Freephone"),
                  Rufregistrierung („Malicious call identification"),
                  Dreierkonferenz („Three party call"),
                  Anzeige des angerufenen Teilnehmers („Called user identification").
               Anmerkung: Die zur Verfügungstellung dieser Dienstmerkmale setzt die Verfügbarkeit eines ISUP
                             voraus. Sollte das ISUP nicht verfügbar sein, könnte ihre zur Verfügungstellung über das
                             T U P + beschränkt sein.
 ---pagebreak--- 24.6. 86                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                    Nr. C 157/7
         4. VOR ENDE 1990 ZU SPEZIFIZIERENDE DIENSTE
            a) Teledienste basierend auf dem Paketvermittlungsdienst
                (vorausgesetzt, daß die Fernmeldeverwaltungen im Rahmen der CEFT damit einverstanden sind, daß
                solche Paketvermittlungsdienste spezifiziert werden müssen; siehe Ziffer 3 Buchstabe a))
                — Teletex;
                — Bildschirm text;
                — Mitteilungs-Übermittlung („message handling") (siehe CCITT-Empfehlung X 400);
                — Fernwirken („teleaction"), eine Anzahl von Diensten, die dem Benutzer eine zuverlässige Über-
                    mittlung kleiner Volumen von Informationen in „Paketgröße" erlauben.
                    Dieser Dienst kann an verschiedene Teledienste angepaßt werden: Telealarm, Fernüberwachung,
                    Fernwarnung, Fernsteuern, Telemetrie, Ferneinkauf usw.
            b) Teledienste basierend auf 64 Kbit/s
                — Audiographie mit 64 Kbit/s;
                — Alphaphotographischer Bildschirmtext mit 64 Kbit/s;
                — soweit möglich, Bildfernsprechen mit 64 Kbit/s.
            c) Dienstmerkmale
                Die Arbeiten in diesem Bereich sollten fortgesetzt werden.
         5. NUMERIERUNG, ADRESSIERUNG UND SIGNALISIERUNG
            Die Fertigstellung voller CEPT Spezifikationen für den ISDN-Anwenderteil (ISUP), den Steuerteil der
            Signalisierungsverbindung (SCCP) und die Transaktionsfähigkeiten (TCAP) wird den Fernmeldeverwal-
            tungen empfohlen, um in Europa eine gemeinsame Norm zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erzielen.
            Als Zwischenlösung wird den Fernmeldeverwaltungen empfohlen, von 1988 an und mit Einführung des
            CCITT Nr. 7, die digitalen Vermittlungseinrichtungen für den internationalen Verkehr (durch digitale
            oder möglicherweise analoge Leitungen verbunden) mittels des fortentwickelten Fernsprech-Anwender-
            teils (TUP + ) sowohl für das Fernsprechen als auch für die ISDN-Dienste zu verbinden.
            Die Fernmeldeverwaltungen sollten im Rahmen von CEPT und bis Ende 1986 detaillierte technische
            Spezifikationen über TUP+ erstellen.
            Es ist notwendig, auch die Verbindung mit dem existierenden öffentlichen Fernsprechnetz, unter Ein-
            schluß von Möglichkeiten zur Identifizierung verschiedener Teledienste und Endgeräte, sicherzustellen.
            Anmerkung: Das TUP+ basiert auf dem TUP, wie in der Roten Serie von CCITT definiert, entspre-
                           chend weiterentwickelt, um den Erfordernissen des ISDN einschließlich der oben aufge-
                           führten Dienstmerkmale zu genügen.
         6. ÜBERLEGUNGEN ZU DEN GEBÜHREN
            Höhe und Struktur der Gebühren für das ISDN sind für dessen schnelle Verbreitung und Nutzung von
            ausschlaggebender Bedeutung.
            Auf längere Sicht sollte das Investitionsvolumen per Basisanschluß — nach einem unvermeidlichen Zeit-
            raum mit hohen Investitionskosten — mit dem Investitionsvolumen per Anschluß für das gegenwärtige
            Fernsprechnetz vergleichbar sein. Dabei könnte sich die Struktur der Investitionskosten im Zusammen-
            hang mit der digitalen Übertragungs- und Vermittlungstechnik von der derzeitigen Struktur unterschei-
            den.
            Eine Reihe von Studien bezüglich der Gebühren für das ISDN werden noch abzuschließen sein. Die
            Fernmeldeverwaltungen werden ersucht, im Rahmen der CEPT die folgenden Vorschläge zu untersu-
            chen:
            — In Übereinstimmung mit den derzeitigen Trends sollten die Gebühren für alle Dienste, einschließlich
                 Fernsprechen, weniger entfernungsabhängig sein als dies heute der Fall ist (wobei die Probleme der
                 Transitkosten durch andere Staaten zu berücksichtigen sind).
 ---pagebreak--- Nr. C 157/8                               Amtsblatt d e r Europäischen Gemeinschaften                                     2 4 . 6 . 86
               — Für die Übergangsphase vom Analognetz zum ISDN, die dem Zeitraum 1988—1993 entspricht,
                   werden die Fernmeldeverwaltungen ersucht, im Rahmen der CEPT die Beziehung zwischen den
                   Gebühren für die ISDN-Dienste und den ISDN-Basisanschluß einerseits und den Gebühren für den
                   Fernsprechdienst andererseits zu untersuchen.
               — Die Gebühren für die verschiedenen Teledienste, die dieselben Trägerdienst-Eigenschaften benutzen,
                   sollten unabhängig von dem betreffenden Teledienst sein. Dagegen sollte jeder Mehrwert, der vom
                   Netz erbracht wird, unabhängig von der Nutzung des Trägerdienstes in Rechnung gestellt werden.
               — Es sollte ein Übereinkommen bezüglich des Verhältnisses zwischen den monatlichen Grundgebühren
                   für den Primärmultiplexanschluß mit 2 048 Kbit/s und dem Basisanschluß mit 144 Kbit/s erzielt
                   werden.
                   Ein Verhältnis von 1 0 : 1 könnte erörtert werden.
            7. ZUSAMMENWIRKEN ZWISCHEN NATIONALEN ISDN-VERSUCHEN
               Die Verwaltungen, die nationale ISDN-Versuche vor der vollen Ausführung der vorliegenden Empfeh-
               lungen durchführen, sollten gegebenenfalls darauf abzielen, diese Dienste zu verbinden, um eine frühe
               ISDN-Erfahrung in Europa zu fördern.
            8. MARKTDURCHDRINGUNGSGRAD
               Nachfrageprognosen auf neuen Gebieten, wie z. B. von ISDN unterstützte Dienste, sind nur von be-
               grenztem Wert als Grundlage für die Marktplanung.
               Trotzdem ist es realistisch, erreichbare Ziele für die nächsten acht Jahre, d. h. bis Ende 1993, für einen
               ISDN-Durchdringungsgrad zu setzen, der dem Markt für Dienstleistungen und Endgeräte erlaubt, eine
               Reifephase zu erreichen.
               Das Ziel für jedes Land sollte eine angemessene geographische Deckung und Durchdringungsgrad auf
               nationaler Ebene sein.
               Die Verwaltungen sollten bis 1993 die Schaffung von ISDN-Anschlüssen in einer Größenordnung ins
               Auge fassen, die 5 % der Fernsprech-Hauptanschlüsse von 1983 entspricht. Diese Zahl hängt u. a. von
               der Fähigkeit der Industrie ab, kosteneffiziente ISDN-Lösungen für die Infrastruktur und die End-
               geräteeinrichtungen zu liefern.
               Der geographische Deckungsgrad sollte ausreichen, um 80 % der Teilnehmer zu erlauben, einen ISDN-
               Anschluß zu wählen.