CELEX: 62006CJ0220
Language: de
Date: 2007-12-18
Title: Urteil des Gerichtshofes (Erste Kammer) vom 18. Dezember 2007.#Asociación Profesional de Empresas de Reparto y Manipulado de Correspondencia gegen Administración General del Estado.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Audiencia Nacional - Spanien.#Öffentliche Aufträge - Liberalisierung der Postdienste - Richtlinien 92/50/EWG und 97/67/EG - Art. 43 EG, 49 EG und 86 EG - Nationale Regelung, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge mit einer staatlichen Gesellschaft, dem Anbieter des postalischen Universaldienstes im betreffenden Mitgliedstaat, Verträge über die Erbringung reservierter und nicht reservierter Postdienste zu schließen.#Rechtssache C-220/06.

URTEIL DES GERICHTSHOFS (Erste Kammer)
      18. Dezember 2007(*)
      
      „Öffentliche Aufträge – Liberalisierung der Postdienste – Richtlinien 92/50/EWG und 97/67/EG − Art. 43 EG, 49 EG und 86 EG – Nationale Regelung, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe öffentlicher
         Aufträge mit einer staatlichen Gesellschaft, dem Anbieter des postalischen Universaldienstes im betreffenden Mitgliedstaat,
         Verträge über die Erbringung reservierter und nicht reservierter Postdienste zu schließen“
      
      In der Rechtssache C‑220/06
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht von der Audiencia Nacional (Spanien) mit Entscheidung
         vom 15. März 2006, beim Gerichtshof eingegangen am 15. Mai 2006, in dem Verfahren
      
      Asociación Profesional de Empresas de Reparto y Manipulado de Correspondencia
      gegen
      Administración General del Estado 
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Erste Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten P. Jann (Berichterstatter) sowie der Richter R. Schintgen, A. Borg Barthet, M. Ilešič
         und E. Levits,
      
      Generalanwalt: Y. Bot,
      Kanzler: M. Ferreira, Hauptverwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 14. Juni 2007,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der Asociación Profesional de Empresas de Reparto y Manipulado de Correspondencia, vertreten durch J. M. Piqueras Ruíz, abogado,
      –        der spanischen Regierung, vertreten durch F. Díez Moreno als Bevollmächtigten,
      –        der belgischen Regierung, vertreten durch A. Hubert als Bevollmächtigte,
      –        der österreichischen Regierung, vertreten durch M. Fruhmann als Bevollmächtigten,
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch X. Lewis und K. Simonsson als Bevollmächtigte im Beistand
         von C. Fernández und I. Moreno-Tapia Rivas, abogadas,
      
      nach Anhörung der Schlussanträge des Generalanwalts in der Sitzung vom 20. September 2007
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung der Art.  43 EG und 49 EG in Verbindung mit Art. 86 EG im Zusammenhang
         mit der Liberalisierung der Postdienste und im Licht der Gemeinschaftsregelung für die Vergabe öffentlicher Aufträge. 
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen der Asociación Profesional de Empresas de Reparto y Manipulado
         de Correspondencia (Berufsverband der Unternehmen für Postverteilung und -behandlung, im Folgenden: AP) und der Administración
         General del Estado, Ministerio de Educación, Cultura y Deporte (Staatliche Verwaltung, Ministerium für Bildung, Kultur und
         Sport, im Folgenden: Ministerium), in dem es um die Entscheidung des Ministeriums geht, ohne öffentliche Ausschreibung Postdienste
         an die  Sociedad Estatal Correos y Telégrafos SA (Staatliche Post- und Telegrafengesellschaft, im Folgenden: Correos) zu vergeben,
         die in Spanien den postalischen Universaldienst anbietet.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
       Richtlinie 97/67/EG
      3        Die Richtlinie 97/67/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Dezember 1997 über gemeinsame Vorschriften für die
         Entwicklung des Binnenmarktes der Postdienste der Gemeinschaft und die Verbesserung der Dienstequalität (ABl. 1998, L 15,
         S. 14) enthält gemäß ihrem Art. 1 gemeinsame Vorschriften für die Bereitstellung eines postalischen Universaldienstes in der
         Europäischen Gemeinschaft und die Kriterien zur Abgrenzung der für die Anbieter von Universaldienstleistungen reservierbaren
         Dienste.
      
      4        Nach Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 97/67 stellen die Mitgliedstaaten sicher, dass den Nutzern ein Universaldienst zur Verfügung
         steht, der ständig flächendeckend postalische Dienstleistungen einer bestimmten Qualität zu tragbaren Preisen für alle Nutzer
         bietet. 
      
      5        Art. 3 Abs. 4 dieser Richtlinie lautet:
      
      „Jeder Mitgliedstaat erlässt die erforderlichen Maßnahmen, damit der Universaldienst mindestens folgendes Angebot umfasst:
         
      
      –        Abholung, Sortieren, Transport und Zustellung von Postsendungen bis 2 kg;
      –        Abholung, Sortieren, Transport und Zustellung von Postpaketen bis 10 kg;
      –        die Dienste für Einschreib- und Wertsendungen.“
      6        Art. 1 der Richtlinie in Kapitel 3 („Harmonisierung der reservierbaren Dienste“) bestimmt in Abs. 1 und 2: 
      
      „(1)      Soweit es für die Aufrechterhaltung des Universaldienstes notwendig ist, kann jeder Mitgliedstaat folgende Dienste für den
         (die) Anbieter von Universaldienstleistungen reservieren: Abholung, Sortieren, Transport und Zustellung von Inlandsbriefsendungen,
         entweder als beschleunigte Sendungen oder normale Sendungen, mit einem Gewicht von weniger als 350 g und zu einem Preis unter
         dem Fünffachen des öffentlichen Tarifs für eine Briefsendung der ersten Gewichtsklasse der, soweit vorhanden, schnellsten
         Kategorie der Standardsendungen. …
      
      (2)      Soweit es für die Aufrechterhaltung des Universaldienstes notwendig ist, können die grenzüberschreitende Post und Direktwerbung
         innerhalb der Preis- und Gewichtsgrenzen des Absatzes 1 weiterhin reserviert werden.“ 
      
       Richtlinie 92/50/EWG
      7        Nach Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 92/50/EWG des Rates vom 18. Juni 1992 über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe
         öffentlicher Dienstleistungsaufträge (ABl. L 209, S. 1) in der durch die Richtlinie 2001/78/EG der Kommission vom 13. September
         2001 (ABl. L 285, S. 1) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 92/50) gelten als „öffentliche Dienstleistungsaufträge“
         die zwischen einem Dienstleistungserbringer und einem öffentlichen Auftraggeber geschlossenen schriftlichen entgeltlichen
         Verträge, ausgenommen die in Ziff. i bis ix dieser Bestimmung aufgeführten Verträge. 
      
      8        Nach Art. 1 Buchst. b der Richtlinie 92/50 gelten als „‚öffentliche Auftraggeber‘ der Staat, Gebietskörperschaften, Einrichtungen
         des öffentlichen Rechts und Verbände, die aus einer oder mehreren dieser Körperschaften oder Einrichtungen bestehen“. Nach
         Art. 1 Buchst. c gelten als „‚Dienstleistungserbringer‘ natürliche und juristische Personen sowie öffentliche Einrichtungen,
         die Dienstleistungen anbieten“.
      
      9        Nach Art. 3 Abs. 2 dieser Richtlinie sorgen die Auftraggeber dafür, dass keine Diskriminierung von Dienstleistungserbringern
         stattfindet.
      
      10      Art. 6 der Richtlinie 92/50 bestimmt:
      
      „Diese Richtlinie gilt nicht für die Vergabe von Dienstleistungsaufträgen, die an eine Stelle vergeben werden, die ihrerseits
         ein Auftraggeber im Sinne des Artikels 1 Buchstabe b) ist, aufgrund eines ausschließlichen Rechts derselben, das diese gemäß
         veröffentlichter, mit dem [EG-]Vertrag übereinstimmender Rechts- oder Verwaltungsvorschriften innehat.“
      
      11      Nach Art. 7 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich Ziff. ii der Richtlinie 92/50 in Verbindung mit Kategorie 4 von Anhang IA
         dieser Richtlinie gilt diese für öffentliche Dienstleistungsaufträge, die Dienstleistungen der Postbeförderung im Landverkehr
         sowie Luftpostbeförderung zum Gegenstand haben, die von den in Art. 1 Buchst. b der Richtlinie genannten Auftraggebern, die
         nicht zugleich in Anhang I der Richtlinie 93/36/EWG des Rates vom 14. Juni 1993 über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe
         öffentlicher Lieferaufträge (ABl. L 199, S. 1) genannt sind, vergeben werden und deren geschätzter Wert ohne Mehrwertsteuer
         mindestens dem Gegenwert von 200 000 SZR (Sonderziehungsrechten) in Euro entspricht.
      
      12      Art. 7 Abs. 5 der Richtlinie 92/50 bestimmt:
      
      „Bei Aufträgen, für die kein Gesamtpreis angegeben wird, ist Berechnungsgrundlage für den voraussichtlichen Vertragswert:
      –        bei zeitlich begrenzten Verträgen der geschätzte Gesamtwert für die Laufzeit des Vertrages, soweit diese 48 Monate nicht überschreitet;
      –        bei Verträgen mit unbestimmter Laufzeit oder mit einer Laufzeit von mehr als 48 Monaten der Vertragswert aus der monatlichen
         Zahlung multipliziert mit 48.“
      
      13      Nach Art. 8 der Richtlinie 92/50 werden Aufträge, deren Gegenstand Dienstleistungen des Anhangs IA sind, nach den Vorschriften
         der Abschnitte III bis VI vergeben, was insbesondere bedeutet, dass sie ausgeschrieben und angemessen bekannt gemacht werden
         müssen. 
      
       Nationale Regelung
      14      Nach dem Gesetz 24/1998 über den postalischen Universaldienst und die Liberalisierung der Postdienste (Ley 24/1998 del Servicio
         Postal Universal y de Liberalización de los Servicios Postales) vom 13. Juli 1998, das der Umsetzung der Richtlinie 97/67
         in das nationale spanische Recht dient, werden die Postdienste als im Allgemeininteresse liegende Dienste angesehen, die im
         freien Wettbewerb erbracht werden. Nur der postalische Universaldienst wird als ein Dienst der Leistungsverwaltung angesehen
         oder unterliegt entsprechenden Verpflichtungen. Art. 18 dieses Gesetzes reserviert bestimmte Postdienste für den mit der Erbringung
         des postalischen Universaldienstes betrauten Wirtschaftsteilnehmer.
      
      15      Der Anbieter dieses postalischen Universaldienstes in Spanien, Correos, ist eine öffentliche Aktiengesellschaft, deren Kapital
         vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird.
      
      16      Nach Art. 11 des Gesetzes über Aufträge der öffentlichen Verwaltungen (Ley de Contratos de las Administraciones Públicas),
         dessen kodifizierte Fassung durch das Real Decreto Legislativo 2/2000 über die Billigung der kodifizierten Fassung des Gesetzes
         über Aufträge der öffentlichen Verwaltungen (Real Decreto Legislativo 2/2000 por el que se aprueba el texto refundido de la
         Ley de Contratos de las Administraciones Públicas) vom 16. Juni 2000 gebilligt worden ist (im Folgenden: Gesetz über öffentliche
         Aufträge), unterliegen öffentliche Aufträge – vorbehaltlich der in diesem Gesetz genannten Ausnahmen – dem Publizitäts- und
         dem Wettbewerbsgrundsatz sowie dem Gleichheits- und dem Nichtdiskriminierungsgrundsatz.
      
      17      Nach Art. 206 Abs. 4 des Gesetzes über öffentliche Aufträge gehört die Vergabe von Aufträgen für die Erbringung von Postdienstleistungen
         grundsätzlich unter vertraglichen Gesichtspunkten zu den durch dieses Gesetz geregelten öffentlichen Aufträgen.
      
      18      Nach Art. 3 Abs. 1 Buchst. d des Gesetzes über öffentliche Aufträge sind jedoch Kooperationsvereinbarungen, die entsprechend
         den besonderen Bestimmungen, die sie regeln, von der Verwaltung mit natürlichen oder juristischen Personen des Privatrechts
         geschlossen werden, vom Anwendungsbereich dieses Gesetzes ausgenommen, wenn der Gegenstand dieser Vereinbarungen nicht zu
         den öffentlichen Aufträgen gehört, die durch dieses Gesetz oder durch Verwaltungsvorschriften geregelt werden.
      
      19      Der Untersuchung des rechtlichen Rahmens des Rechtsstreits durch das vorlegende Gericht zufolge ist eine solche Kooperationsvereinbarung
         ein Rechtsakt, der nicht von den für öffentliche Aufträge geltenden Bestimmungen erfasst wird und auf den infolgedessen die
         Grundsätze der Wettbewerbsfähigkeit, der Publizität und des freien Wettbewerbs, die den Bereich der öffentlichen Aufträge
         kennzeichnen, nicht anwendbar ist.
      
      20      Nach Art. 58 des Gesetzes 14/2000 über Steuer-, Verwaltungs- und soziale Maßnahmen (Ley 14/2000 de medidas Fiscales, Administrativas
         y de Orden Social) vom 29. Dezember 2000 (im Folgenden: Gesetz 14/2000) können die öffentlichen Verwaltungen Kooperationsvereinbarungen
         im Sinne von Art. 3 des Gesetzes über öffentliche Aufträge mit Correos über die Erbringung von Dienstleistungen abschließen,
         die zu deren Gesellschaftszweck gehören. 
      
      21      Nach den Feststellungen des vorlegenden Gerichts beschränkt sich in Anbetracht des Gesellschaftszwecks von Correos, wie er
         in Art. 58 des Gesetzes 14/2000 festgelegt ist, die Möglichkeit, solche Kooperationsvereinbarungen zu schließen, nicht auf
         die nicht liberalisierten oder reservierten Postdienste, sondern erstreckt sich auf die Verwaltung und den Betrieb des gesamten
         Postdienstes. Eine solche Möglichkeit ist daher nicht auf den postalischen Universaldienst beschränkt und unterscheidet innerhalb
         dessen nicht nach reservierten und nicht reservierten Diensten.
      
      22      Ferner führt das vorlegende Gericht aus, dass nach Art. 58 des Gesetzes 14/2000 Correos zur Leistung bestimmter Postdienste
         verpflichtet sei. Zu den ihr obliegenden Aufgaben gehöre die zwingende Übernahme von Diensten, die mit ihrem Gesellschaftszweck
         in Verbindung stünden und die die öffentlichen Verwaltungen ihr übertragen könnten. Damit fehle bei einer der Parteien der
         Wille zum Vertragsabschluss.
      
       Das Ausgangsverfahren und die Vorlagefrage
      23      Das Ministerium und Correos unterzeichneten nach Abschluss von Verhandlungen, ohne dass eine öffentliche Ausschreibung vorgenommen
         worden wäre, am 6. Juni 2002 eine Kooperationsvereinbarung für die Leistung von Post- und Telegrafendiensten (Convenio de
         colaboración para la prestación de servicios postales y telegráficos, im Folgenden: Kooperationsvereinbarung). 
      
      24      Diese Kooperationsvereinbarung sieht vor, dass Correos für das Ministerium folgende Post- und Telegrafendienste erbringt:
      
      –        Briefe (gewöhnliche, Einschreiben und Eilbriefe), lokale, überregionale und internationale, ohne Gewichts‑ oder Umfangsbeschränkung;
         
      
      –        Pakete (postalische, blaue und internationale) ohne Gewichts- oder Umfangsbeschränkung; 
      –        nationale Eilpost und internationaler Schnellpostdienst (Express Mail Service [EMS]) ohne Gewichts- oder Umfangsbeschränkung;
         
      
      –        Zustellung von Büchern, Bibliothekspost und Zeitschriften sowie des Amtsblatts des Ministeriums auf nationaler Ebene (lokal
         und überregional) und international (auf dem Land- und dem Luftweg) ohne Gewichts- oder Umfangsbeschränkung.
      
      25      Das Entgelt für die Erbringung der Dienste wurde nicht festgesetzt, da es vom Umsatz abhängt. Vor dem vorlegenden Gericht
         ist es unbestritten auf einen jährlichen Betrag von mehr als 12 020,42 Euro geschätzt worden.
      
      26      Die Kooperationsvereinbarung wurde für unbestimmte Zeit geschlossen und war zum Zeitpunkt der Vorlageentscheidung noch in
         Kraft. 
      
      27      Die AP legte beim Ministerium Widerspruch gegen die Verwaltungsentscheidung ein, durch die liberalisierte Postdienste mittels
         der Kooperationsvereinbarung ohne öffentliche Ausschreibung vergeben wurden.
      
      28      Mit Entscheidung vom 20. März 2003 wies das Ministerium diesen Widerspruch mit der Begründung zurück, dass das Verfahren über
         die Vergabe der Postdienste auf dem Bestehen einer Kooperationsvereinbarung beruhe, die nicht der Regelung für öffentliche
         Aufträge unterliege und für die daher nicht die Grundsätze der Publizität und des freien Wettbewerbs gälten. 
      
      29      Das Ministerium ist der Ansicht, es habe mit Correos keinen Vertrag geschlossen, sondern Correos erbringe seine Leistungen
         aufgrund einer Kooperationsvereinbarung, die gemäß Art. 3 Abs. 1 Buchst. d des Gesetzes über öffentliche Aufträge und Art. 58
         Abs. 2 Unterabs. 5 des Gesetzes 14/2000 geschlossen worden sei.
      
      30      Gegen diese ablehnende Entscheidung des Ministeriums vom 20. März 2003 erhob die AP Klage bei der Audiencia Nacional. 
      
      31      Nach Ansicht dieses Gerichts hängt die Entscheidung des bei ihm anhängigen Rechtsstreits von der Auslegung des Gemeinschaftsrechts
         ab. Der Gerichtshof könnte nämlich feststellen, dass die Verwendung von Kooperationsvereinbarungen mit den die für die Vergabe
         öffentlicher Aufträge geltenden Grundsätzen der Publizität und des freien Wettbewerbs unvereinbar sei, da solche Vereinbarungen
         nur im Bereich der Postdienste verwendet werden könnten, die das Gesetz dem Anbieter des postalischen Universaldienstes vorbehalten
         habe, oder mit diesen Grundsätzen auch in diesem Bereich unvereinbar seien. Im Fall einer solchen Feststellung müsse auf die
         Rechtswidrigkeit einer Kooperationsvereinbarung wie der im vorliegenden Fall angefochtenen geschlossen werden, so dass deren
         Inhalt entweder insgesamt oder nur insoweit nichtig sei, als er über die Postdienste hinausgehe, für die der Gerichtshof entscheiden
         würde, dass die Verwendung einer solchen Vereinbarung zulässig sei.
      
      32      Daher hat das vorlegende Gericht das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof die folgende Frage zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      Sind die Art. 43 EG und 49 EG in Verbindung mit Art. 86 EG bei ihrer Anwendung im Rahmen der Liberalisierung der Postdienste
         nach den Richtlinien 97/67 und 2002/39 und im Rahmen der für öffentliche Aufträge geltenden Kriterien, die die einschlägigen
         Richtlinien aufstellen, in dem Sinne auszulegen, dass sie einer Vereinbarung, die die Erbringung von Postdiensten – sowohl
         reservierten als auch nicht reservierten, d. h. liberalisierten – umfasst, entgegenstehen, die zwischen einer staatlichen
         Gesellschaft mit ausschließlich öffentlichem Kapital, die außerdem der für die Erbringung des postalischem Universaldienstes
         ermächtigte Wirtschaftsteilnehmer ist, und einer Behörde der Staatsverwaltung geschlossen wird?
      
       Zur Vorlagefrage
      33      Vorab ist festzustellen, dass das vorlegende Gericht in seiner Frage zwar auf die Richtlinie 2002/39/EG des Europäischen Parlaments
         und des Rates vom 10. Juni 2002 zur Änderung der Richtlinie 97/67 im Hinblick auf die weitere Liberalisierung des Marktes
         für Postdienste in der Gemeinschaft (ABl. L 176, S. 21) abstellt, dass diese Richtlinie auf das Ausgangsverfahren aber nicht
         angewandt werden kann. Denn nach ihrem Art. 2 Abs. 1 ist die Frist, die den Mitgliedstaaten für deren Umsetzung in ihre nationalen
         Rechtsordnungen gesetzt worden ist, erst am 31. Dezember 2002 abgelaufen.
      
       Zur Zulässigkeit
      34      Die spanische Regierung hält das Vorabentscheidungsersuchen für unzulässig, da der Gerichtshof in Wirklichkeit danach gefragt
         werde, ob die Kooperationsvereinbarung den Richtlinien über die Vergabe öffentlicher Aufträge und die Liberalisierung der
         Postdienste entspreche; für diese Frage sei das nationale Gericht zuständig. 
      
      35      Zunächst ist festzustellen, dass weder der Wortlaut der Vorlagefrage noch die die Vorlageentscheidung tragenden Gründe, wie
         sie in dieser Entscheidung dargelegt worden sind, einen Anhaltspunkt dafür enthalten, dass das vorlegende Gericht den Gerichtshof
         auffordern würde, selbst die Frage zu entscheiden, ob die Kooperationsvereinbarung mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar ist.
      
      36      Im Übrigen ist daran zu erinnern, dass der Gerichtshof im Verfahren nach Art. 234 EG zwar nicht befugt ist, die Normen des
         Gemeinschaftsrechts auf einen Einzelfall anzuwenden oder die Vereinbarkeit von Bestimmungen des nationalen Rechts mit diesen
         Normen zu beurteilen, dass er aber dem nationalen Gericht alle Hinweise zur Auslegung des Gemeinschaftsrechts geben kann,
         die diesem bei der Beurteilung der Wirkungen der Bestimmungen dieses Rechts dienlich sein können (vgl. Urteil vom 9. Juli
         2002, Flightline, C‑181/00, Slg. 2002, I‑6139, Randnr. 20).
      
      37      Das Vorabentscheidungsersuchen ist somit zulässig. 
      
       Zur Begründetheit
      38      Mit seiner Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob das Gemeinschaftsrecht dahin auszulegen ist, dass es einer Regelung
         eines Mitgliedstaats entgegensteht, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe
         öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, sowohl reservierter als auch nicht reservierter, einer staatlichen
         Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von öffentlichen Stellen gehalten wird und die in diesem Staat
         Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist. 
      
       Die reservierten Postdienste im Sinne der Richtlinie 97/67
      39      Eingangs ist daran zu erinnern, dass Art. 7 der Richtlinie 97/67 die Mitgliedstaaten ermächtigt, bestimmte Postdienste für
         den (die) Anbieter des postalischen Universaldienstes zu reservieren, soweit es für die Aufrechterhaltung dieses Dienstes
         notwendig ist. Soweit daher Postdienste gemäß dieser Richtlinie einem einzigen Erbringer des Universaldienstes vorbehalten
         sind, sind solche Dienste notwendigerweise dem Wettbewerb entzogen, da kein anderer Wirtschaftsteilnehmer diese Dienste anbieten
         kann.
      
      40      Daher ist festzustellen, dass auf solche reservierten Dienste die Gemeinschaftsvorschriften über das öffentliche Auftragswesen,
         deren Hauptziel der freie Verkehr von Waren und Dienstleistungen und die Öffnung für einen unverfälschten Wettbewerb in allen
         Mitgliedstaaten ist (Urteile vom 11. Januar 2005, Stadt Halle und RPL Lochau, C‑26/03, Slg. 2005,  I‑1, Randnr. 44, und vom
         11. Mai 2006, Carbotermo und Consorzio Alisei, C‑340/04, Slg. 2006, I‑4137, Randnr. 58), keine Anwendung finden können.
      
      41      Daher ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass das Gemeinschaftsrecht dahin auszulegen ist, dass es einer Regelung eines
         Mitgliedstaats nicht entgegensteht, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe
         öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die im Einklang mit der Richtlinie 97/67 reserviert sind, einer staatlichen
         Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird und die in diesem Staat
         Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist.
      
       Die nicht reservierten Postdienste im Sinne der Richtlinie 97/67
      42      Nur im Hinblick auf die nicht reservierten Postdienste im Sinne der Richtlinie 97/67 ist die Frage zu prüfen, ob beim Abschluss
         einer Kooperationsvereinbarung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen die Gemeinschaftsbestimmungen über öffentliche Aufträge
         zu beachten sind.
      
      –       Richtlinie 92/50
      43      Erstens ist zu prüfen, ob eine Vereinbarung wie die im Ausgangsverfahren in Rede stehende in den Anwendungsbereich der Richtlinie
         fiel, die zur Zeit des Sachverhalts des Rechtsstreits, mit dem das vorlegende Gericht befasst ist, für öffentliche Aufträge
         für Postdienste galt, nämlich der Richtlinie 92/50.
      
      44      Diese Richtlinie macht die Vergabe öffentlicher Aufträge, für die sie gilt, von der Einhaltung bestimmter Verfahrens‑ und
         Publizitätserfordernisse abhängig.
      
      45      Nach dem Wortlaut von Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 92/50 setzt ein öffentlicher Auftrag das Bestehen eines zwischen einem
         Dienstleistungserbringer und einem öffentlichen Auftraggeber im Sinne von Art. 1 Buchst. b geschlossenen schriftlichen entgeltlichen
         Vertrags voraus.
      
      46      Wie der Generalanwalt in Nr. 63 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, ist das Ministerium ein öffentlicher Auftraggeber und
         Correos ein Dienstleistungserbringer im Sinne der in der vorhergehenden Randnummer erwähnten Bestimmungen. Ferner steht fest,
         dass die Kooperationsvereinbarung schriftlich geschlossen wurde und entgeltlich ist.
      
      47      Da das vorlegende Gericht jedoch nur angegeben hat, dass der jährliche Betrag der aufgrund dieser Vereinbarung erbrachten
         Dienste 12 020,42 Euro übersteigt, stellt sich die Frage, ob dieser Betrag die in Art. 7 Abs. 1 Buchst. a zweiter Gedankenstrich
         Ziff. ii der Richtlinie 92/50 festgesetzte Schwelle von 200 000 SZR, was zu dem im Ausgangsverfahren maßgeblichen Zeitpunkt
         249 681 Euro entsprach, erreicht.
      
      48      Es ist Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob nach den nationalen Bestimmungen, mit denen Art. 7 Abs. 5 zweiter Gedankenstrich
         der Richtlinie 92/50 umgesetzt worden ist, die Schwelle von 249 681 Euro erreicht wird.
      
      49      Sollte diese Schwelle erreicht sein, stellt sich die Frage, ob die Kooperationsvereinbarung tatsächlich einen Vertrag im Sinne
         von Art. 1 Buchst. a der Richtlinie 92/50 darstellt. Die spanische Regierung ist nämlich der Ansicht, dass diese Vereinbarung
         keinen vertraglichen, sondern instrumentellen Charakter habe, da Correos keine Möglichkeit habe, den Abschluss einer solchen
         Vereinbarung zu verweigern, sondern zu deren Annahme gezwungen sei.
      
      50      Hierzu ist daran zu erinnern, dass die Definition eines öffentlichen Dienstleistungsauftrags in den Bereich des Gemeinschaftsrechts
         fällt, so dass die Qualifizierung der Kooperationsvereinbarung nach spanischem Recht nicht entscheidungserheblich für die
         Frage ist, ob diese in den Anwendungsbereich der Richtlinie 92/50 fällt (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 20. Oktober 2005,
         Kommission/Frankreich, C‑264/03, Slg. 2005, I‑8831, Randnr. 36, und vom 18. Juli 2007, Kommission/Italien, C‑382/05, Slg.
         2007, I-0000, Randnr. 30).
      
      51      Zwar hat der Gerichtshof in Randnr. 54 des Urteils vom 19. April 2007, Asemfo (C‑295/05, Slg. 2007, I-2999) entschieden, dass
         die Voraussetzung für die Anwendbarkeit der Richtlinien über die Vergabe öffentlicher Aufträge, dass nämlich ein Vertrag besteht,
         nicht erfüllt ist, wenn die in jener Rechtssache betroffene staatliche Gesellschaft nach den vom vorlegenden Gericht zu treffenden
         Feststellungen weder im Hinblick auf die Ausführung eines von den zuständigen Behörden erteilten Auftrags noch im Hinblick
         auf die für ihre Leistungen geltenden Gebühren über irgendeinen Spielraum verfügt.
      
      52      Diese Erwägung ist jedoch in ihrem spezifischen Kontext zu sehen. Sie folgt auf die Feststellung, dass diese staatliche Gesellschaft
         nach spanischem Recht ein Instrument und ein technischer Dienst der allgemeinen Staatsverwaltung und der Verwaltung der betroffenen
         Autonomen Regionen ist, nachdem der Gerichtshof bereits in einem anderen Kontext als demjenigen der Rechtssache Asemfo festgestellt
         hatte, dass die betreffende Gesellschaft als Instrument und technischer Dienst der spanischen Verwaltung verpflichtet war,
         selbst oder über ihre Tochtergesellschaften ausschließlich die Arbeiten durchzuführen, mit denen die allgemeine staatliche
         Verwaltung, die Autonomen Regionen und die diesen unterstellten öffentlichen Einrichtungen sie betrauten (Urteil Asemfo, Randnrn.
         49 und 53). 
      
      53      Correos hat jedoch als Anbieterin des postalischen Universaldienstes eine völlig andere Aufgabe, die es insbesondere mit sich
         bringt, dass ihre Kundschaft aus allen Personen besteht, die den postalischen Universaldienst in Anspruch nehmen möchten.
         Der Umstand, dass diese Gesellschaft weder im Hinblick auf die Ausführung eines vom Ministerium erteilten Auftrags noch im
         Hinblick auf die für ihre Leistungen geltenden Gebühren über einen Spielraum verfügt, kann nicht automatisch zur Folge haben,
         dass zwischen diesen beiden Stellen kein Vertrag geschlossen worden ist.
      
      54      Ein solcher Sachverhalt unterscheidet sich nämlich nicht notwendigerweise von demjenigen, bei dem ein privater Kunde die Dienste
         von Correos, die zum postalischen Universaldienst gehören, in Anspruch nehmen möchte, da sich bereits aus der Aufgabe eines
         Anbieters dieses Dienstes ergibt, dass er in einem solchen Fall auch gezwungen ist, den verlangten Dienst zu erbringen, und
         zwar gegebenenfalls zu festen oder jedenfalls zu transparenten und nicht diskriminierenden Tarifen. Es unterliegt jedoch keinem
         Zweifel, dass ein solches Verhältnis als vertraglich qualifiziert werden muss. Nur dann, wenn die zwischen Correos und dem
         Ministerium geschlossene Vereinbarung in Wirklichkeit ein einseitiger Verwaltungsakt wäre, der Verpflichtungen allein für
         Correos vorsähe und der deutlich von den normalen Bedingungen des kommerziellen Angebots dieser Gesellschaft abwiche, was
         zu prüfen Sache des vorlegenden Gerichts ist, wäre zu schließen, dass kein Vertrag besteht und dass daher die Richtlinie 92/50
         keine Anwendung finden kann.
      
      55      Im Rahmen dieser Prüfung wird das vorlegende Gericht insbesondere zu untersuchen haben, ob Correos über die Möglichkeit verfügt,
         mit dem Ministerium den konkreten Inhalt der zu erbringenden Leistungen und die für diese geltenden Tarife auszuhandeln, und
         ob diese Gesellschaft in Bezug auf die nicht reservierten Dienste die Möglichkeit hat, sich von den Verpflichtungen aus der
         Kooperationsvereinbarung unter Einhaltung der darin vorgesehenen Frist zu befreien.
      
      56      Die übrigen Argumente, mit denen die spanische Regierung darzutun sucht, dass eine Kooperationsvereinbarung der im Ausgangsverfahren
         fraglichen Art nicht den Bestimmungen über die Vergabe öffentlicher Aufträge unterliege, sind ebenfalls zurückzuweisen.
      
      57      Die spanische Regierung macht insbesondere geltend, dass die Kooperationsvereinbarung jedenfalls nicht den Bestimmungen über
         öffentliche Aufträge unterliegen könne, da die „In‑house“‑Kriterien, die die Rechtsprechung des Gerichtshofs aufgestellt habe,
         erfüllt seien. 
      
      58      In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass nach ständiger Rechtsprechung des Gerichtshofs eine Ausschreibung gemäß
         den Richtlinien über die Vergabe öffentlicher Aufträge – selbst wenn der Vertragspartner eine vom öffentlichen Auftraggeber
         rechtlich getrennte Einrichtung ist – dann nicht zwingend ist, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens muss die öffentliche
         Stelle, die ein öffentlicher Auftraggeber ist, über die fragliche Einrichtung eine ähnliche Kontrolle ausüben wie über ihre
         eigenen Dienststellen, und zweitens muss diese Einrichtung ihre Tätigkeit im Wesentlichen mit der oder den öffentlichen Körperschaften
         ausführen, die ihre Anteile innehaben (vgl. Urteile vom 18. November 1999, Teckal, C‑107/98, Slg. 1999, I‑8121, Randnr. 50,
         Stadt Halle und RPL Lochau, Randnr. 49, Carbotermo und Consorzio Alisei, Randnr. 33, sowie Asemfo, Randnr. 55).
      
      59      Es kann dahinstehen, ob die erste der beiden in der vorstehenden Randnummer genannten Voraussetzungen erfüllt ist, da jedenfalls
         im Ausgangsverfahren die zweite Voraussetzung nicht vorliegt. Denn unstreitig führt Correos als Anbieterin des postalischen
         Universaldienstes in Spanien ihre Tätigkeit nicht im Wesentlichen für das Ministerium oder die öffentliche Verwaltung im Allgemeinen
         aus, sondern sie erbringt Postdienste für eine unbestimmte Anzahl von Kunden dieses Postdienstes.
      
      60      Die spanische Regierung macht jedoch geltend, dass die Beziehungen zwischen der öffentlichen Verwaltung und einer Gesellschaft,
         die Inhaberin eines Ausschließlichkeitsrechts sei, ihrer Natur nach Ausschließlichkeitsbeziehungen seien, was über das Niveau
         der „wesentlichen Tätigkeit“ hinausgehe. Correos sei Inhaberin eines Ausschließlichkeitsrechts, weil sie nach Art. 58 des
         Gesetzes 14/2000 verpflichtet sei, den öffentlichen Verwaltungen die Dienste zu erbringen, die zu ihrem Gesellschaftszweck
         gehörten, was reservierte und nicht reservierte Dienste einschließe.
      
      61      Dazu ist festzustellen, dass, selbst wenn diese Verpflichtung tatsächlich als Ausschließlichkeitsrecht eingestuft werden könnte
         – eine Frage, deren Beurteilung Sache des vorlegenden Gerichts wäre – ein solches Recht im Rahmen der Untersuchung, die in
         Bezug auf die beiden in Randnr. 58 dieses Urteils genannten Voraussetzungen durchzuführen ist, nicht dem Erfordernis genügen
         könnte, dass der betreffende Erbringer von Diensten seine Tätigkeit im Wesentlichen mit der oder den Stellen ausführen muss,
         die seine Anteile innehaben.
      
      62      Das letztgenannte Erfordernis soll nämlich insbesondere sicherstellen, dass die Richtlinie 92/50 anwendbar bleibt, wenn ein
         von einer oder von mehreren Stellen kontrolliertes Unternehmen auf dem Markt tätig ist und daher mit anderen Unternehmen in
         Wettbewerb treten kann (vgl. entsprechend Urteil Carbotermo und Consorzio Alisei, Randnr. 60). Es steht fest, dass Correos
         auf dem spanischen Postmarkt tätig ist und – außer in Bezug auf die reservierten Dienste im Sinne der Richtlinie 97/67 – im
         Wettbewerb mit anderen Postunternehmen steht, deren Zahl sich nach den Ausführungen der spanischen Regierung auf ungefähr
         2 000 beläuft.
      
      63      Somit erfüllt eine Kooperationsvereinbarung der im Ausgangsverfahren fraglichen Art nicht die in Randnr. 58 dieses Urteils
         aufgeführten Voraussetzungen und kann daher nicht von der Anwendung der Richtlinie 92/50 ausgenommen werden.
      
      64      Allerdings kann das Bestehen eines Ausschließlichkeitsrechts die Nichtanwendung der Richtlinie 92/50 rechtfertigen, da diese
         nach ihrem Art. 6 „nicht für die Vergabe von Dienstleistungsaufträgen [gilt], die an eine Stelle vergeben werden, die ihrerseits
         ein Auftraggeber im Sinne des Artikels 1 Buchstabe b ist, aufgrund eines ausschließlichen Rechts derselben, das diese gemäß
         veröffentlichter, mit dem Vertrag übereinstimmender Rechts- und Verwaltungsvorschriften innehat“.
      
      65      Ohne dass geprüft zu werden braucht, ob die erste der drei in Art. 6 aufgeführten Voraussetzungen in Bezug auf die Eigenschaft
         von Correos als Auftraggeber erfüllt ist, und unterstellt, dass diese gemäß Art. 58 des Gesetzes 14/2000 über ein ausschließliches
         Recht verfügt, den öffentlichen Verwaltungen die Postdienste zu erbringen, die zu ihrem Gesellschaftszweck gehören, genügt
         die Feststellung, dass jedenfalls die dritte dieser Voraussetzungen nicht erfüllt ist, wonach die Bestimmung über die Verleihung
         des Ausschließlichkeitsrechts mit dem Vertrag vereinbar sein muss.
      
      66      Diese nationale Bestimmung ist nämlich, unterstellt, sie verleiht dem nationalen Anbieter des postalischen Universaldienstes
         das ausschließliche Recht, den öffentlichen Verwaltungen die nicht reservierten Postdienste im Sinne von Art. 7 der Richtlinie
         97/67 zu erbringen, auf die sich diese Prüfung beschränkt, mit der Zielsetzung dieser Richtlinie unvereinbar.
      
      67      Wie aus der Rechtsprechung des Gerichtshofs hervorgeht, haben die Mitgliedstaaten nicht die Befugnis, nach Belieben die für
         die Anbieter des postalischen Universaldienstes gemäß Art. 7 der Richtlinie 97/67 reservierten Dienste zu erweitern, da eine
         solche Erweiterung dem Zweck der Richtlinie zuwiderliefe, die nach ihrem achten Erwägungsgrund darauf abzielt, im Postsektor
         eine schrittweise und kontrollierte Liberalisierung einzuführen (Urteil vom 11. März 2004, Asempre und Asociación Nacional
         de Empresas de Externalización y Gestión de Envíos y Pequeña Paquetería, C‑240/02, Slg. 2004, I‑2461, Randnr. 24).
      
      68      Diese Feststellung gilt nicht nur für eine horizontale Reservierung, d. h. für die Reservierung eines bestimmten Postdienstes
         als solchen, sondern sie gilt, um die praktische Wirksamkeit von Art. 7 der Richtlinie 97/67 zu gewährleisten, auch für eine
         vertikale Reservierung eines solchen Dienstes, die, wie im Ausgangsverfahren, die ausschließliche Erbringung von Postdiensten
         für bestimmte Kunden betrifft. Wie die Kommission der Europäischen Gemeinschaften ausführt, würde nämlich die Anwendung der
         im Ausgangsverfahren in Rede stehenden spanischen Regelung bedeuten, dass in der Praxis alle von einer spanischen öffentlichen
         Einrichtung verlangten Postdienste möglicherweise von Correos unter Ausschluss jedes anderen Postbetreibers erbracht werden
         könnten, was eindeutig der Zielsetzung dieser Richtlinie zuwiderliefe.
      
      69      Daher ist auf die Vorlagefrage zu antworten, dass die Richtlinie 92/50 dahin gehend auszulegen ist, dass sie einer Regelung
         eines Mitgliedstaats entgegensteht, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe
         öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die im Sinne der Richtlinie 97/67 nicht reserviert sind, einer staatlichen
         Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird und die in diesem Staat
         Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist, soweit die Vereinbarungen, auf die diese Regelung Anwendung findet,
      
      –        die in Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 92/50 vorgesehene Schwelle erreichen und 
      –        schriftliche entgeltliche Verträge im Sinne von Art. 1 Buchst. a dieser Richtlinie darstellen,
      was zu prüfen Sache des vorlegenden Gerichts ist.
      –       Die sich aus dem EG‑Vertrag ergebenden Anforderungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge 
      70      Soweit die im Ausgangsverfahren in Rede stehende nationale Regelung auf Vereinbarungen angewandt wird, die nicht die in Art. 7
         Abs. 1 der Richtlinie 92/50 vorgesehene Schwelle erreichen, ist zweitens zu prüfen, ob eine solche Regelung den sich aus dem
         EG‑Vertrag ergebenden Anforderungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge genügt.
      
      71      Auch wenn nämlich bestimmte Verträge vom Anwendungsbereich der Gemeinschaftsrichtlinien auf dem Gebiet des öffentlichen Auftragswesens
         ausgenommen sind, müssen die Auftraggeber, die sie schließen, doch die Grundregeln des EG-Vertrags und insbesondere das Verbot
         der Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit beachten (Urteil vom 20. Oktober 2005, Kommission/Frankreich, C‑264/03,
         Slg. 2005, I‑8831, Randnr. 32 und die dort angeführte Rechtsprechung). 
      
      72      So verhält es sich u. a. bei öffentlichen Dienstleistungsaufträgen, deren Wert nicht die in der Richtlinie 92/50 festgelegten
         Schwellen erreicht. Allein die Tatsache, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber der Auffassung war, dass die in den Richtlinien
         über öffentliche Aufträge vorgesehenen besonderen und strengen Verfahren nicht angemessen sind, wenn es sich um öffentliche
         Aufträge von geringem Wert handelt, bedeutet nicht, dass diese vom Anwendungsbereich des Gemeinschaftsrechts ausgenommen sind
         (Beschluss vom 3. Dezember 2001, Vestergaard, C‑59/00, Slg. 2001, I-9505, Randnr. 19, und Urteil Kommission/Frankreich, Randnr.
         33).
      
      73      Zu den Bestimmungen des Vertrags, die speziell auf öffentliche Dienstleistungsaufträge, deren Wert nicht die in der Richtlinie
         92/50 festgelegen Schwellen erreicht, anwendbar sind, gehören u. a. die Art. 43 EG und 49 EG.
      
      74      Außer dem Verbot der Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit ist auch der Grundsatz der Gleichbehandlung der Bieter
         auf solche öffentlichen Aufträge anwendbar, und zwar auch dann, wenn keine Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit
         vorliegt (vgl. entsprechend Urteile vom 13. Oktober 2005, Parking Brixen, C‑458/03, Slg. 2005, I‑8585, Randnr. 48, und vom
         6. April 2006, ANAV, C‑410/04, Slg. 2006, I‑3303, Randnr. 20).
      
      75      Der Grundsatz der Gleichbehandlung und das Verbot der Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit schließen insbesondere
         eine Verpflichtung zur Transparenz ein, damit die öffentliche Stelle, die Auftraggeberin ist, feststellen kann, ob sie beachtet
         worden sind. Diese der genannten Stelle obliegende Transparenzpflicht besteht darin, dass zugunsten der potenziellen Bieter
         ein angemessener Grad von Öffentlichkeit sicherzustellen ist, der den Dienstleistungsauftrag dem Wettbewerb öffnet und die
         Nachprüfung ermöglicht, ob die Vergabeverfahren unparteiisch durchgeführt worden sind (vgl. entsprechend Urteile Parking Brixen,
         Randnr. 49, und ANAV, Randnr. 21).
      
      76      Grundsätzlich entspricht das völlige Fehlen einer Ausschreibung im Fall der Vergabe eines öffentlichen Dienstleistungsauftrags
         wie des im Ausgangsverfahren fraglichen weder den Anforderungen der Art. 43 EG und 49 EG noch den Grundsätzen der Gleichbehandlung,
         der Nichtdiskriminierung und der Transparenz (vgl. entsprechend Urteile Parking Brixen, Randnr. 50, und ANAV, Randnr. 22).
      
      77      Aus Art. 86 Abs. 1 EG folgt außerdem, dass die Mitgliedstaaten keine nationalen Rechtsvorschriften fortgelten lassen dürfen,
         die die Vergabe öffentlicher Dienstleistungsaufträge ohne Ausschreibung ermöglichen, da eine solche Vergabe gegen die Art. 43
         EG oder 49 EG oder gegen die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Nichtdiskriminierung und der Transparenz verstößt (vgl.
         entsprechend Urteile Parking Brixen, Randnr. 52, und ANAV, Randnr. 23).
      
      78      Wie sich aus Art. 86 Abs. 1 EG in Verbindung mit dessen Abs. 2 ergibt, kann sich zwar ein Mitgliedstaat auf Art. 86 Abs. 2
         stützen, um einem Unternehmen, das mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse betraut ist, den Bestimmungen
         des Vertrags zuwiderlaufende besondere oder ausschließliche Rechte zu übertragen, sofern die Erfüllung der diesem übertragenen
         besonderen Aufgabe nur durch die Einräumung solcher Rechte gesichert werden kann und soweit die Entwicklung des Handelsverkehrs
         nicht in einem Ausmaß beeinträchtigt wird, das dem Interesse der Gemeinschaft zuwiderläuft (Urteil vom 17. Mai 2001, TNT Traco,
         C‑340/99, Slg. 2001, I‑4109, Randnr. 52).
      
      79      Auch ist ein Unternehmen wie Correos, das nach der Regelung eines Mitgliedstaats mit der Gewährleistung des postalischen Universaldienstes
         betraut ist, ein Unternehmen, das mit Dienstleistungen von allgemeinem wirtschaftlichem Interesse im Sinne von Art. 86 Abs. 2
         EG betraut ist (vgl. in diesem Sinne Urteil TNT Traco, Randnr. 53). 
      
      80      Selbst wenn aber die Correos gemäß Art. 58 des Gesetzes 14/2000 auferlegte Verpflichtung, den öffentlichen Verwaltungen die
         Dienste zu erbringen, die zu ihrem Gesellschaftszweck gehören, als ein ausschließliches Recht zugunsten dieser Gesellschaft
         angesehen werden könnte, ist festzustellen, dass eine Berufung auf Art. 86 Abs. 2 EG für die Rechtfertigung einer nationalen
         Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen nicht möglich ist, soweit diese nicht reservierte Postdienste im Sinne der
         Richtlinie 97/67 betrifft. 
      
      81      Wie der Generalanwalt in Nr. 99 seiner Schlussanträge ausgeführt hat, führt nämlich die Richtlinie 97/67 Art. 86 Abs. 2 EG
         in Bezug auf die Möglichkeit durch, bestimmte Postdienste dem Erbringer des postalischen Universaldienstes zu reservieren.
         Wie in Randnr. 67 dieses Urteils in Erinnerung gerufen worden ist, hat der Gerichtshof bereits entschieden, dass die Mitgliedstaaten
         nicht die Befugnis haben, nach Belieben die für die Anbieter des postalischen Universaldienstes im Sinne von Art. 7 der Richtlinie
         97/67 reservierten Dienste zu erweitern, da eine solche Erweiterung dem Zweck der Richtlinie zuwiderliefe, die darauf abzielt,
         im Postsektor eine schrittweise und kontrollierte Liberalisierung einzuführen.
      
      82      In diesem Kontext ist daran zu erinnern, dass im Rahmen der Richtlinie 97/67 die Frage berücksichtigt wird, ob es notwendig
         ist, bestimmte Postdienste für den Anbieter des postalischen Universaldienstes zu reservieren, damit dieser Dienst zu wirtschaftlich
         annehmbaren Bedingungen erbracht werden kann (Urteil vom 15. November 2007, International Mail Spain, C‑162/06, Slg. 2007,
         I‑0000, Randnr. 50).
      
      83      Daher kann bei nicht reservierten Postdiensten im Sinne der Richtlinie 97/67, die allein Gegenstand der vorliegenden Untersuchung
         sind, Art. 86 Abs. 2 EG nicht als Rechtsgrundlage für ein zugunsten des Anbieters des postalischen Universaldienstes bestehendes
         ausschließliches Recht, den öffentlichen Verwaltungen solche Leistungen zu erbringen, dienen.
      
      84      Die spanische Regierung macht jedoch geltend, dass die Kooperationsvereinbarung wegen ihres instrumentellen und nicht vertraglichen
         Charakters nicht den Bestimmungen über die Vergabe öffentlicher Aufträge unterworfen werden könne. Denn Correos habe keine
         Möglichkeit, den Abschluss einer Kooperationsvereinbarung wie der im Ausgangsverfahren in Rede stehenden abzulehnen, sondern
         sei zu deren Annahme gezwungen.
      
      85      Wie in Randnr. 54 dieses Urteils festgestellt worden ist, wäre nur dann, wenn die Kooperationsvereinbarung in Wirklichkeit
         ein einseitiger Verwaltungsakt wäre, der Verpflichtungen allein für Correos vorschriebe und der erheblich von den normalen
         Bedingungen des kommerziellen Angebots dieser Gesellschaft abwiche, was zu prüfen Sache des vorlegenden Gerichts ist, zu schließen,
         dass eine solche Vereinbarung nicht unter die Gemeinschaftsbestimmungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge fällt.
      
      86      Was das Argument der spanischen Regierung angeht, dass die Kooperationsvereinbarung den Bestimmungen über die Vergabe öffentlicher
         Aufträge nicht unterworfen werden könne, da es sich um eine „In‑house“‑Situation handele, ist einzuräumen, dass die Anwendung
         der in den Art. 12 EG, 43 EG und 49 EG aufgestellten Regeln sowie der allgemeinen Grundsätze, deren spezielle Ausprägung sie
         darstellen, im Bereich der öffentlichen Dienstleistungsaufträge dann ausgeschlossen ist, wenn die öffentliche Stelle, die
         Auftraggeberin ist, über die Einrichtung, die den Zuschlag erhält, eine Kontrolle ausübt wie über ihre eigenen Dienststellen
         und wenn diese Einrichtung zugleich ihre Tätigkeit im Wesentlichen mit der Stelle ausführt, die ihre Anteile innehat (vgl.
         entsprechend Urteile Parking Brixen, Randnr. 62, und ANAV, Randnr. 24).
      
      87      Wie jedoch in Randnr. 63 dieses Urteils festgestellt worden ist, erfüllt eine Kooperationsvereinbarung wie die im Ausgangsverfahren
         fragliche nicht die zweite der in der vorstehenden Randnummer erwähnten Voraussetzungen und kann daher nicht von der Anwendung
         der in den Art. 12 EG, 43 EG und 49 EG aufgestellten Regeln sowie der allgemeinen Grundsätze, deren spezielle Ausprägung diese
         Regeln darstellen, ausgenommen werden. 
      
      88      Daher ist auf die Vorlagefrage außerdem zu antworten, dass die Art. 43 EG, 49 EG und 86 EG sowie die Grundsätze der Gleichbehandlung,
         der Nichtdiskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit und der Transparenz dahin auszulegen sind, dass sie einer Regelung
         eines Mitgliedstaats entgegenstehen, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe
         öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die im Sinne der Richtlinie 97/67 nicht reserviert sind, einer staatlichen
         Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird und die in diesem Staat
         Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist, soweit die Vereinbarungen, auf die diese Regelung Anwendung findet,
      
      –        die in Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 92/50 vorgesehene Schwelle nicht erreichen und
      –        nicht in Wirklichkeit einen einseitigen Verwaltungsakt darstellen, der Verpflichtungen allein für den Anbieter des postalischen
         Universaldienstes vorschreibt und der erheblich von den normalen Bedingungen des kommerziellen Angebots dieses Anbieters abweicht,
      
      was zu prüfen Sache des vorlegenden Gerichts ist.
       Kosten
      89      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Erste Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Das Gemeinschaftsrecht ist dahin auszulegen, dass es einer Regelung eines Mitgliedstaats nicht entgegensteht, die es den öffentlichen
            Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die
            im Einklang mit der Richtlinie 97/67/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Dezember 1997 über gemeinsame Vorschriften
            für die Entwicklung des Binnenmarktes der Postdienste der Gemeinschaft und die Verbesserung der Dienstequalität reserviert
            sind, einer staatlichen Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird
            und die in diesem Staat Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist.
      2.      Die Richtlinie 92/50/EWG des Rates vom 18. Juni 1992 über die Koordinierung der Verfahren zur Vergabe öffentlicher Dienstleistungsaufträge
            in der durch Richtlinie 2001/78/EG der Kommission vom 13. September 2001 geänderten Fassung ist dahin auszulegen, dass sie
            einer Regelung eines Mitgliedstaats entgegensteht, die es den öffentlichen Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen
            für die Vergabe öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die im Sinne der Richtlinie 97/67 nicht reserviert
            sind, einer staatlichen Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig von der öffentlichen Hand gehalten wird
            und die in diesem Staat Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist, soweit die Vereinbarungen, auf die diese Regelung
            Anwendung findet,
      –        die in Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 92/50 in der durch die Richtlinie 2001/78 geänderten Fassung vorgesehene Schwelle erreichen
            und 
      –        schriftliche entgeltliche Verträge im Sinne von Art. 1 Buchst. a der der Richtlinie 92/50 in der durch die Richtlinie 2001/78
            geänderten Fassung darstellen;
      dies zu prüfen ist Sache des vorlegenden Gerichts.
      3.      Die Art. 43 EG, 49 EG und 86 EG sowie die Grundsätze der Gleichbehandlung, der Nichtdiskriminierung aufgrund der Staatsangehörigkeit
            und der Transparenz sind dahin auszulegen, dass sie einer Regelung eines Mitgliedstaats entgegenstehen, die es den öffentlichen
            Verwaltungen erlaubt, außerhalb der Bestimmungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge die Erbringung von Postdiensten, die
            im Sinne der Richtlinie 97/67 nicht reserviert sind, einer staatlichen Aktiengesellschaft zu übertragen, deren Kapital vollständig
            von der öffentlichen Hand gehalten wird und die in diesem Staat Anbieterin des postalischen Universaldienstes ist, soweit
            die Vereinbarungen, auf die diese Regelung Anwendung findet,
      –        die in Art. 7 Abs. 1 der Richtlinie 92/50 in der durch die Richtlinie 2001/78 geänderten Fassung vorgesehene Schwelle nicht
            erreichen und
      –        nicht in Wirklichkeit einen einseitigen Verwaltungsakt darstellen, der Verpflichtungen allein für den Anbieter des postalischen
            Universaldienstes vorschreibt und der erheblich von den normalen Bedingungen des kommerziellen Angebots dieses Anbieters abweicht,
      dies zu prüfen ist Sache des vorlegenden Gerichts.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Spanisch.