CELEX: 62006TJ0040
Language: de
Date: 2010-09-13
Title: Urteil des Gerichts (Sechste Kammer) vom 13. September 2010.#Trioplast Industrier AB gegen Europäische Kommission.#Wettbewerb - Kartelle - Markt für industrielle Sackverpackungen aus Kunststoff - Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird -Dauer der Zuwiderhandlung - Geldbußen - Schwere der Zuwiderhandlung - Mildernde Umstände - Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens - Verhältnismäßigkeit - Gesamtschuldnerische Haftung - Grundsatz der Rechtssicherheit.#Rechtssache T-40/06.

Rechtssache T‑40/06
      Trioplast Industrier AB
      gegen
      Europäische Kommission
      „Wettbewerb – Kartelle – Markt für Industriesäcke aus Kunststoff – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Dauer der Zuwiderhandlung – Geldbußen – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens – Verhältnismäßigkeit – Gesamtschuldnerische Haftung – Grundsatz der Rechtssicherheit“
      Leitsätze des Urteils
      1.      Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Beweislast
            der Kommission für die Zuwiderhandlung und ihre Dauer – Umfang der Beweislast
      (Art. 81 Abs. 1 EG)
      2.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Unternehmen, das im Laufe der Zuwiderhandlung mehrfach veräußert
            wird – Zeitliche Aufeinanderfolge von mehreren Muttergesellschaften
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      3.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Beurteilung – Berücksichtigung der
            tatsächlichen wirtschaftlichen Lage zur Zeit der Begehung der Zuwiderhandlung
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 3; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      4.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Passive Mitwirkung
            oder Mitläufertum des Unternehmens – Beurteilungskriterien
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission, Randnr. 3, erster Gedankenstrich)
      5.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Ermessen der Kommission – Pflicht, sicherzustellen, dass der Betrag
            der Geldbußen im Verhältnis zum Gesamtvolumen des Markts des betreffenden Erzeugnisses steht – Fehlen
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 3)
      6.      Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Höchstbetrag – Berechnung – Zu berücksichtigender Umsatz – Geldbuße, die den
            mit dem betreffenden Produkt erzielten Jahresumsatz übersteigt – Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit – Fehlen
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates, Art. 23 Abs. 2)
      7.      Wettbewerb – Geldbußen – Gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung – Festsetzung der Höhe der von dem gesamtschuldnerisch
            haftenden Unternehmen zu zahlenden Geldbuße – Unternehmen, das im Laufe der Zuwiderhandlung mehrfach veräußert wird – Zeitliche
            Aufeinanderfolge von mehreren Muttergesellschaften
      (Verordnung Nr. 1/2003 des Rates; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      1.      Die Kommission hat nicht nur das Bestehen eines Kartells, sondern auch dessen Dauer zu beweisen. Soweit es an Beweismaterialien
         fehlt, mit denen die Dauer der Zuwiderhandlung direkt belegt werden kann, muss die Kommission zumindest Beweismaterialien
         beibringen, die sich auf Fakten beziehen, die zeitlich so nahe beieinander liegen, dass sie vernünftigerweise den Schluss
         zulassen, dass die Zuwiderhandlung zwischen zwei konkreten Zeitpunkten ohne Unterbrechung erfolgt ist.
      
      In einem Fall, in dem feststeht, dass ein Unternehmen sowohl vor als auch nach einem bestimmten Zeitraum an einer Zuwiderhandlung
         mitgewirkt hat, indem es an einer Reihe wettbewerbswidriger Sitzungen teilgenommen hat, ohne sich offen von deren Inhalt zu
         distanzieren, kann angenommen werden, dass die Zuwiderhandlung ohne Unterbrechung erfolgte, wenn das Unternehmen zu den in
         diesem Zeitraum stattfindenden wettbewerbswidrigen Sitzungen eingeladen wurde und sein Fehlen mehrmals entschuldigte.
      
      (vgl. Randnrn. 41-42, 46-48)
      2.      Im Rahmen der Berechnung des Betrags der wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln verhängten Geldbußen kann der Ansatz der Kommission,
         für eine Muttergesellschaft denselben Ausgangsbetrag anzusetzen wie für die unmittelbar am Kartell beteiligte Tochtergesellschaft,
         ohne diesen Betrag bei einer zeitlichen Aufeinanderfolge von mehreren Muttergesellschaften aufzuteilen, für sich genommen
         nicht als ungeeignet angesehen werden. Die Kommission will mit dieser Berechnungsmethode nämlich erreichen, dass für eine
         Muttergesellschaft, die im Wege der Zurechnung für eine Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht wird, derselbe Ausgangsbetrag
         angesetzt werden kann, als wäre sie selbst unmittelbar am Kartell beteiligt gewesen. Dies steht aber in Einklang mit dem Ziel
         der Wettbewerbspolitik, und insbesondere mit dem Instrument dieser Politik, das die Geldbußen darstellen, nämlich, das Verhalten
         der Unternehmen auf die Einhaltung der Wettbewerbsregeln auszurichten.
      
      Allein daraus, dass die für die aufeinander folgenden Muttergesellschaften festgesetzten Beträge insgesamt den für ihre Tochtergesellschaft
         festgesetzten Betrag übersteigen, lässt sich nicht schließen, dass diese Berechnungsmethode offensichtlich falsch ist. Denn
         im Hinblick auf die Anwendung des in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2
         der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 § 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, festgelegten Verfahrens und den Grundsatz der
         individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen auf die Umstände des Einzelfalls darf die Kommission, wenn erwiesen ist,
         dass eine wirtschaftliche Einheit an der Zuwiderhandlung mitgewirkt hat, eine der juristischen Personen, die zu dieser Einheit
         gehört oder gehört hat, sei es die Mutter- oder eine Tochtergesellschaft, für einen höheren Betrag haften lassen als die andere
         juristische Person oder die anderen juristischen Personen, die diese wirtschaftliche Einheit bilden oder gebildet haben. Somit
         kann im Fall einer Zuwiderhandlung, die von einer Tochtergesellschaft begangen worden ist, die während der Zuwiderhandlung
         nacheinander mehreren wirtschaftlichen Einheiten gehört hat, nicht von vornherein angenommen werden, dass es unangemessen
         wäre, dass die für die Muttergesellschaften festgesetzten Beträge insgesamt höher ausfallen als der Betrag oder die Beträge,
         die für diese Tochtergesellschaft insgesamt festgesetzt worden sind.
      
      (vgl. Randnrn. 74, 76)
      3.      Im Rahmen der Berechnung des Betrags der wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln verhängten Geldbußen muss sich die Beurteilung
         der Schwere der Zuwiderhandlung auf die tatsächliche wirtschaftliche Lage zur Zeit ihrer Begehung beziehen. Die insoweit relevanten
         Gesichtspunkte sind insbesondere die Größe und die Wirtschaftskraft jedes Unternehmens sowie das Ausmaß der von jedem von
         ihnen begangenen Zuwiderhandlung. Bei der Beurteilung dieser Gesichtspunkte ist zwangsläufig der während der in Rede stehenden
         Zeit erzielte Umsatz heranzuziehen.
      
      Das Referenzjahr muss nicht stets das letzte volle Jahr sein, in dem die Zuwiderhandlung angedauert hat.
      Wenn die Kommission im Rahmen der Berechnung der Geldbußen einem individualistischen Ansatz folgt, um die nur als Muttergesellschaften
         haftenden Adressaten der Entscheidung als unmittelbare Teilnehmer an der Zuwiderhandlung zu behandeln, kann das Referenzjahr
         nicht ohne Weiteres ein Jahr sein, in dessen Verlauf die durch die Muttergesellschaft und die Tochtergesellschaft gebildete
         wirtschaftliche Einheit noch nicht bestand.
      
      (vgl. Randnrn. 91, 93, 95)
      4.      Nach Nr. 3 erster Gedankenstrich der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15 Abs. 2
         der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 § 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, stellt die „ausschließlich passive Mitwirkung
         oder reines Mitläufertum“ eines Unternehmens bei der Zuwiderhandlung – sofern erwiesen – einen mildernden Umstand dar. Eine
         passive Rolle impliziert, dass sich das betroffene Unternehmen nicht hervorgetan hat, d. h. nicht aktiv an der Ausarbeitung
         der wettbewerbswidrige(n) Absprache(n) teilgenommen hat.
      
      Als Anhaltspunkt für die passive Rolle eines Unternehmens innerhalb eines Kartells kann berücksichtigt werden, dass es im
         Vergleich zu den gewöhnlichen Mitgliedern des Kartells deutlich seltener an den Besprechungen teilgenommen hat, dass es spät
         in den Markt, auf dem die Zuwiderhandlung stattgefunden hat, eingetreten ist, unabhängig davon, wie lange es an der Zuwiderhandlung
         mitgewirkt hat, oder dass es entsprechende ausdrückliche Aussagen von Vertretern dritter an der Zuwiderhandlung beteiligter
         Unternehmen gibt.
      
      Zudem bedeutet die Tatsache, dass andere Unternehmen, die an ein und demselben Kartell beteiligt gewesen sind, aktiver gewesen
         sein mögen als ein bestimmter Teilnehmer, noch nicht, dass dieser ausschließlich passiv mitwirkte oder reiner Mitläufer war.
         Denn nur seine völlige Passivität könnte berücksichtigt werden und müsste von der Partei, die sich darauf beruft, bewiesen
         werden.
      
      (vgl. Randnrn. 106-108)
      5.      Bei der Festlegung der Höhe einer wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln verhängten Geldbuße verfügt die Kommission über ein
         Ermessen und ist nicht verpflichtet, hierbei eine exakte mathematische Formel anzuwenden. Gemäß Art. 23 Abs. 3 der Verordnung
         Nr. 1/2003 zur Durchführung der in den Art. 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln richtet sich die Höhe
         der Geldbuße nach der Schwere der Zuwiderhandlung und deren Dauer. Ferner ist dieser Betrag das Ergebnis einer Reihe von zahlenmäßigen
         Bewertungen, die die Kommission entsprechend den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Art. 15
         Abs. 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Art. 65 § 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, vornimmt. Für die Festlegung dieses Betrags
         sind u. a. verschiedene Umstände maßgeblich, die mit dem individuellen Verhalten des fraglichen Unternehmens zusammenhängen,
         etwa dem Vorliegen von erschwerenden oder mildernden Umständen.
      
      Aus diesem rechtlichen Rahmen lässt sich nicht ableiten, dass die Kommission sicherstellen müsste, dass der Gesamtbetrag der
         solchermaßen errechneten und gegen die Kartellteilnehmer verhängten Geldbußen im Verhältnis zum Marktvolumen des betreffenden
         Erzeugnisses in einem bestimmten Jahr der Zuwiderhandlung steht, wenn die Zuwiderhandlung mehr als 20 Jahre angedauert hat
         und die Höhe der Geldbußen auch von anderen Umständen abhängt, die mit dem individuellen Verhalten der betroffenen Unternehmen
         zusammenhängen.
      
      (vgl. Randnrn. 141-142)
      6.      Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 zur Durchführung der in den Artikeln 81 und 82 des Vertrags niedergelegten Wettbewerbsregeln
         soll verhindern, dass Geldbußen unverhältnismäßig sind. In einem Fall, in dem die endgültige Geldbuße die Umsatz-Obergrenze
         von 10 % nicht übersteigt, kann sie nicht deswegen als unverhältnismäßig angesehen werden, weil die Geldbußen insgesamt das
         Gesamtvolumen des relevanten Markts oder die Geldbuße den mit dem betreffenden Produkt erzielten Jahresumsatz eines Unternehmens
         übersteigen. Die Umsatz-Obergrenze von 10 % ist anzuwenden, ohne dass die besondere Rolle eines Unternehmens in dem Kartell
         berücksichtigt werden müsste.
      
      Was den Vergleich zwischen den Unternehmen angeht, die Adressaten einer Bußgeldentscheidung sind, kann eine unterschiedliche
         Behandlung die unmittelbare Folge der in der Verordnung Nr. 1/2003 festgelegten Obergrenze für Geldbußen sein, die offensichtlich
         nur für die Fälle gilt, in denen die vorgesehene Geldbuße 10 % des Umsatzes des betroffenen Unternehmens überschreiten würde.
         Eine solche unterschiedliche Behandlung kann keine Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung darstellen.
      
      (vgl. Randnrn. 144, 147)
      7.      Bei dem Grundsatz der Rechtssicherheit handelt es sich um einen allgemeinen Grundsatz des Unionsrechts, der insbesondere verlangt,
         dass jede Maßnahme der Organe der Union, insbesondere wenn sie Sanktionen verhängt oder die Verhängung gestattet, klar und
         bestimmt ist, damit die Betroffenen ihre Rechte und Pflichten unzweideutig erkennen und somit ihre Vorkehrungen treffen können.
      
      Wenn eine Muttergesellschaft und eine Tochtergesellschaft eine wirtschaftliche Einheit bilden oder gebildet haben, die an
         einem Kartell beteiligt gewesen ist, kann die Kommission diese Gesellschaften als Gesamtschuldner für die Zuwiderhandlung
         gegen die Wettbewerbsregeln verantwortlich machen.
      
      In dem Fall einer Tochtergesellschaft, die nacheinander verschiedenen Muttergesellschaften gehört hat, steht nichts dem entgegen,
         dass die Kommission die verschiedenen Muttergesellschaften als Gesamtschuldner für die Zahlung der gegen ihre Tochtergesellschaft
         festgesetzten Geldbuße verantwortlich macht. Dagegen hängt bei einer Entscheidung, die der Kommission bei der Beitreibung
         der Geldbuße bei der einen oder anderen der betreffenden juristischen Personen alle Freiheiten lässt, und in Anwendung derer
         die Kommission folglich die Geldbuße nach ihrer Wahl ganz oder zu einem Teil bei der Tochtergesellschaft oder bei einer oder
         allen Muttergesellschaften beitreiben kann, die die Tochtergesellschaft nacheinander kontrolliert haben, bis sie vollständig
         befriedigt ist, der tatsächlich bei der einen der Muttergesellschaften beigetriebene Betrag von den bei den anderen beigetriebenen
         Beträgen ab, ohne dass dies in irgendeiner Weise mit dem abschreckenden Charakter der Geldbußen gerechtfertigt werden könnte.
         Da aber diese aufeinander folgenden Muttergesellschaften zu keinem Zeitpunkt zusammen eine wirtschaftliche Einheit gebildet
         haben, haften sie in keiner Weise untereinander gesamtschuldnerisch. Nach dem Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen
         und Sanktionen darf der tatsächlich von einer der Muttergesellschaften gezahlte Betrag deren Anteil an der gesamtschuldnerischen
         Haftung nicht übersteigen. Eine Entscheidung, in der der auf die Muttergesellschaften entfallende Anteil nicht angegeben wird
         und die der Kommission bei der Umsetzung der jeweiligen gesamtschuldnerischen Haftung der einzelnen aufeinander folgenden
         Muttergesellschaften, die zu keinem Zeitpunkt zusammen eine wirtschaftliche Einheit gebildet haben, eine umfassende Freiheit
         einräumt, ist mit der aus dem Grundsatz der Rechtssicherheit folgenden Verpflichtung der Kommission nicht vereinbar, es diesen
         Gesellschaften zu ermöglichen, unzweideutig zu erkennen, welchen genauen Betrag sie für den Zeitraum, für den sie zusammen
         mit der Tochtergesellschaft gesamtschuldnerisch für die Zuwiderhandlung verantwortlich sind, zu zahlen haben. Eine solche
         Entscheidung verstößt sowohl gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit als auch gegen den Grundsatz der individuellen Zumessung
         von Strafen und Sanktionen.
      
      (vgl. Randnrn. 161, 163-167, 169-170)
URTEIL DES GERICHTS (Sechste Kammer)
      13. September 2010(*)
      
      „Wettbewerb – Kartelle – Markt für Industriesäcke aus Kunststoff – Entscheidung, mit der eine Zuwiderhandlung gegen Art. 81 EG festgestellt wird – Dauer der Zuwiderhandlung – Geldbußen – Schwere der Zuwiderhandlung – Mildernde Umstände – Zusammenarbeit während des Verwaltungsverfahrens – Verhältnismäßigkeit – Gesamtschuldnerische Haftung – Grundsatz der Rechtssicherheit“
      In der Rechtssache T‑40/06
      Trioplast Industrier AB mit Sitz in Smålandsstenar (Schweden), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte T. Pettersson und O. Larsson,
      
      Klägerin,
      gegen
      Europäische Kommission, zunächst vertreten durch F. Castillo de la Torre, P. Hellström und V. Bottka, dann durch F. Castillo de la Torre, L. Parpala
         und V. Bottka als Bevollmächtigte,
      
      Beklagte,
      wegen teilweiser Nichtigerklärung der Entscheidung K(2005) 4634 endg. der Kommission vom 30. November 2005 in einem Verfahren
         nach Artikel 81 [EG] (Sache COMP/38354 – Industriesäcke) betreffend ein Kartell auf dem Markt für Industriesäcke aus Kunststoff
         sowie, hilfsweise, Herabsetzung der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße
      
      erlässt
      DAS GERICHT (Sechste Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten A. W. H. Meij (Berichterstatter) sowie der Richter V. Vadapalas und L. Truchot,
      Kanzler: C. Kristensen, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 30. Juni 2010
      folgendes
      Urteil
       Vorgeschichte des Rechtsstreits
      1        Die Klägerin, die Trioplast Industrier AB, ist die Muttergesellschaft der Trioplast-Gruppe. Adressatin der mit der vorliegenden
         Klage angefochtenen Entscheidung ist sie in ihrer Eigenschaft als Muttergesellschaft der Trioplast Wittenheim SA mit Sitz
         in Wittenheim (Frankreich), die Industriesäcke, Folien und Schlauchfolien herstellt.
      
      2        Die Klägerin erwarb Trioplast Wittenheim, damals Silvallac, 1999 über ihre Tochtergesellschaft Trioplanex France SA von der
         Nyborg Plast International A/S, einer Gesellschaft dänischen Rechts, die später in FLS Plast A/S umbenannt wurde. Diese Veräußerung
         erfolgte am 19. Januar 1999 rückwirkend zum 1. Januar 1999.
      
      3        FLS Plast ihrerseits hatte im Dezember 1990 60 % der Aktien der Trioplast Wittenheim sowie im Dezember 1991 die restlichen
         40 % von der La Cellulose du Pin SA, einem Unternehmen der Compagnie de Saint-Gobain SA Gruppe, erworben. 
      
       Verwaltungsverfahren
      4        Im November 2001 unterrichtete die British Polythene Industries PLC die Kommission von der Existenz eines Kartells im Sektor
         Industriesäcke (im Folgenden: Kartell). Sie bekundete ihren Wunsch nach Zusammenarbeit im Rahmen der Bestimmungen der Mitteilung
         der Kommission über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 1996, C 207,
         S. 4, im Folgenden: Mitteilung über die Zusammenarbeit).
      
      5        Am 26. und 27. Juni 2002 nahm die Kommission gemäß Art. 14 Abs. 2 und 3 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962,
         Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81 EG] und [82 EG] (ABl. 1962, Nr. 13, S. 204), bei dreizehn Unternehmen Nachprüfungen
         vor. Eines dieser Unternehmen war Trioplast Wittenheim.
      
      6        Die Kommission richtete vom 14. November 2002 bis zum 21. Februar 2003 gemäß Art. 11 der Verordnung Nr. 17 an mehrere Unternehmen
         Auskunftsverlangen, u. a. an Trioplast Wittenheim.
      
      7        Mit Schreiben vom 19. Dezember 2002, ergänzt mit Schreiben vom 16. Januar 2003, teilte Trioplast Wittenheim mit, dass auch
         sie bei der Untersuchung im Rahmen der Mitteilung über die Zusammenarbeit mit der Kommission zusammenarbeiten wolle, und machte
         schriftliche Angaben.
      
      8        Am 4. August 2003 forderte die Kommission Trioplast Wittenheim und die anderen betroffenen Unternehmen auf, ihre Angaben zu
         ergänzen.
      
      9        Am 29. April 2004 leitete die Kommission das Verwaltungsverfahren ein und erließ gegen mehrere Unternehmen, u. a. gegen die
         Klägerin und Trioplast Wittenheim, eine Mitteilung der Beschwerdepunkte. Vom 26. bis zum 28. Juli 2004 fand eine Anhörung
         statt.
      
       Angefochtene Entscheidung
      10      Am 30. November 2005 erließ die Kommission auf der Grundlage der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 des Rates vom 16. Dezember 2002
         zur Durchführung der in den Artikeln 81 [EG] und 82 [EG] niedergelegten Wettbewerbsregeln (ABl. 2003, L 1, S. 1) die Entscheidung
         K(2005) 4634 endg. in einem Verfahren nach Artikel 81 [EG] (Sache COMP/38354 – Industriesäcke), die in einer Zusammenfassung
         im Amtsblatt der Europäischen Union vom 26. Oktober 2007 (ABl. L 282, S. 41) veröffentlicht wurde. Die angefochtene Entscheidung ist u. a. an Trioplast Wittenheim,
         an deren Beteiligung an der Zuwiderhandlung nach Auffassung der Kommission kein Zweifel bestehen kann, sowie an die Klägerin
         gerichtet, die nach den Feststellungen der Kommission zu einer wirtschaftlichen Einheit gehörte, die von 1999 bis 2002 für
         die Zuwiderhandlung verantwortlich war. Die angefochtene Entscheidung ist auch an die FLS Plast und FLSmidth & Co. A/S (im
         Folgenden: FLSmidth), die Holdinggesellschaft der FLS-Gruppe, ehemals FLS Industries A/S, gerichtet. Diese Unternehmen sollen
         von 1990 bis 1999 mit Trioplast Wittenheim eine wirtschaftliche Einheit gebildet haben.
      
      11      Die Kommission stellt in der angefochtenen Entscheidung, insbesondere in den Erwägungsgründen 417 bis 548, fest, dass sich
         mehrere Unternehmen unter Verstoß gegen Art. 81 EG an wettbewerbswidrigen Vereinbarungen oder aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen
         beteiligt hätten, die sich auf Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich und Luxemburg erstreckt hätten. Nach den Erwägungsgründen
         549 bis 576 der angefochtenen Entscheidung fand die Zuwiderhandlung von Januar 1982 bis Juni 2002 statt, wobei die einzelnen
         Unternehmen jeweils unterschiedlich lange beteiligt waren.
      
      12      Nach den Erwägungsgründen 3 bis 14 der angefochtenen Entscheidung besteht der für die Entscheidung relevante Produktmarkt
         aus industriellen Sackverpackungen aus Kunststoff, die sich zur Verpackung von Grund- bzw. Rohstoffen, Düngemitteln, Polymeren,
         Baustoffen, Agrar- und Gartenbauerzeugnissen sowie von Tierfutter eignen. Diese Säcke, die aus demselben Rohstoff, nämlich
         Polyethylen, aber im Wege verschiedener Verfahren hergestellt werden, lassen sich nach der angefochtenen Entscheidung in vier
         Kategorien einteilen: offene Säcke, Ventilsäcke, FFS-Schlauchfolien („form, fill and seal“, d. h. thermisches Formen, Füllen
         und dichtes Verschließen) und Blockbeutel. Nach Auffassung der Kommission bildeten diese Sackarten, auch wenn sie sich in
         einzelnen Punkten voneinander unterscheiden mochten, ein relativ homogenes Ganzes.
      
      13      Nach den Erwägungsgründen 165 bis 186 der angefochtenen Entscheidung funktionierte das Kartell grob gesehen auf zwei Ebenen,
         nämlich auf
      
      –        der globalen Ebene der Association européenne des fabricants de sacs à valve en matière plastique (Europäischer Verband der
         Hersteller von Kunststoffventilsäcken, im Folgenden: Valveplast) und deren funktionellen Untergruppen, u. a. der Untergruppe
         „Blockbeutel“, und
      
      –        der Ebene der regionalen Untergruppen, die teils im Rahmen von Valveplast, teils davon unabhängig agierten, nämlich der Untergruppe
         „Benelux“, der Untergruppe „Belgien“, der Untergruppe „Deutschland“, der Untergruppe „Frankreich“ und der Gruppe „Teppema“
         (von den niederländischen Herstellern von offenen Säcken gegründete Organisation, die hauptsächlich den niederländischen Markt
         und punktuell den belgischen Markt betraf).
      
      14      Nach den Erwägungsgründen 187 bis 416 der angefochtenen Entscheidung nahmen die wettbewerbswidrigen Vereinbarungen und Verhaltensweisen
         folgende Formen an:
      
      –        regelmäßiger systematischer Austausch nicht anonymer Informationen über Absatz und Marktanteil aller Mitglieder der einzelnen
         Gruppen und Untergruppen;
      
      –        Gesamtsystem der Festsetzung und Kontrolle von Absatzquoten nach geografischen Gebieten und innerhalb dieser nach Unternehmen;
      –        gemeinsame Modelle zur Berechnung der Verkaufspreise für Abnehmer;
      –        Einrichtung eines Koordinatorensystems für große Abnehmer auf Ebene der Gruppen und der Untergruppen;
      –        Sanktionsmechanismus bei Überschreiten der Quote oder Nichteinhaltung der festgesetzten Preise;
      –        Abstimmung und Vereinbarung von Preisen und Liefermengen für einzelne Abnehmer und
      –        gegenseitige Zuteilung von Aufträgen und abgestimmte Einreichung von Angeboten und Scheinangeboten.
      15      Nach den Erwägungsgründen 443 und 459 der angefochtenen Entscheidung bewertete die Kommission das Verhalten sämtlicher Unternehmen,
         an die die Entscheidung gerichtet ist – mit Ausnahme von Stempher – und die alle in unterschiedlichem Ausmaß an den Sitzungen
         von Valveplast und/oder den Treffen einer oder mehrerer Untergruppen teilgenommen hätten, als einzigen und fortdauernden Verstoß.
      
      16      Im Erwägungsgrund 765 wertet die Kommission die Zuwiderhandlung als sehr schwerwiegend und kommt zu dem Ergebnis, auch wenn
         die konkreten Auswirkungen aller in Rede stehenden Kartellvorkehrungen nicht mit Genauigkeit messbar seien, könne dennoch
         festgestellt werden, dass diese tatsächlich umgesetzt worden seien und sich deshalb zwangsläufig auf den Markt ausgewirkt
         hätten.
      
      17      Sodann teilt die Kommission in den Erwägungsgründen 766 bis 777 der angefochtenen Entscheidung die betroffenen Unternehmen
         nach ihrem jeweiligen Gewicht auf dem relevanten Markt auf der Grundlage des jeweiligen Marktanteils für das relevante Produkt
         im Jahr 1996 in dem relevanten Gebiet in sechs Kategorien ein. Auf dieser Grundlage setzte die Kommission Ausgangsbeträge
         der Geldbußen von 5,5 bis 35 Mio. Euro fest. Den Ausgangsbetrag der Geldbuße von Trioplast Wittenheim setzte die Kommission
         ausgehend von einem Marktanteil dieses Unternehmens im Jahr 1996 von 2,8 % auf 8,5 Mio. Euro (fünfte Kategorie) fest. Da die
         Klägerin sowie FLS Plast und FLSmidth als Muttergesellschaften von Trioplast Wittenheim beteiligt waren, wurde bei ihnen derselbe
         Ausgangsbetrag angesetzt.
      
      18      Nach den Erwägungsgründen 779 bis 783 der angefochtenen Entscheidung wurden die Ausgangsbeträge der Geldbußen für jedes volle
         Jahr der Zuwiderhandlung um 10 % und für jeden zusätzlichen Zeitraum von sechs oder mehr Monaten, aber weniger als einem Jahr,
         um 5 % erhöht. So wurde der Ausgangsbetrag der Geldbuße bei Trioplast Wittenheim entsprechend einer Dauer der Zuwiderhandlung
         von 20 Jahren und 5 Monaten um 200 % erhöht, so dass sich ein Grundbetrag der Geldbuße von 25,50 Mio. Euro ergab. Bei FLS
         Plast (und FLSmidth) und der Klägerin wurden die Ausgangsbeträge der Geldbußen um 80 % bzw. 30 % erhöht, so dass sich für
         FLS Plast und FLSmidth ein Grundbetrag der Geldbuße von 15,30 Mio. Euro und für die Klägerin von 11,05 Mio. Euro ergab.
      
      19      Wie aus den Erwägungsgründen 802 und 812 bis 822 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, wurden die Grundbeträge der gegen
         Trioplast Wittenheim und ihre Muttergesellschaften festgesetzten Geldbußen wegen erschwerender oder mildernder Umstände oder
         in Anwendung der Regel gemäß Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003, mit der die Obergrenze der Geldbuße auf 10 % des im
         vorausgegangenen Geschäftsjahr erzielten Gesamtumsatzes des betroffenen Unternehmens festgesetzt wird (im Folgenden: Obergrenze
         von 10 % des Umsatzes), weder erhöht noch herabgesetzt. Allerdings wandte die Kommission Abschnitt D der Mitteilung über die
         Zusammenarbeit an, um die Zusammenarbeit von Trioplast Wittenheim zu berücksichtigen. Im Erwägungsgrund 841 der angefochtenen
         Entscheidung führt die Kommission aus, dass Trioplast Wittenheim und die Klägerin wegen dieser Zusammenarbeit Anspruch auf
         Herabsetzung der Geldbuße um 30 % hätten. Hingegen sind die Grundbeträge von FLS Plast und FLSmidth nicht aufgrund dieser
         Regelung herabgesetzt worden.
      
      20      Folglich wurde der Endbetrag der gegen Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße auf 17,85 Mio. Euro festgesetzt. Von diesem
         Betrag haften FLS Plast und FLSmidth gesamtschuldnerisch für 15,30 Mio. Euro. Die Klägerin haftet gesamtschuldnerisch für
         7,73 Mio. Euro.
      
      21      Schließlich enthält der verfügende Teil der angefochtenen Entscheidung u. a. folgende Bestimmungen:
      
      „Artikel 1
      (1)      Die nachstehenden Unternehmen haben durch ihre Mitwirkung an einem System aus Vereinbarungen und abgestimmten Verhaltensweisen
         im Industriesacksektor in Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden, zur Festsetzung von Preisen,
         Erarbeitung gemeinsamer Preisberechnungsmethoden, Aufteilung von Märkten, Zuweisung von Verkaufskontingenten, Kunden und Aufträgen,
         Abstimmungen von Angeboten auf Ausschreibungen und zum Austausch sensibler Informationen über einzelne Verkäufe gegen Artikel
         81 EG-Vertrag verstoßen:
      
      …
      g)      Trioplast Wittenheim … vom 6. Januar 1982 bis 26. Juni 2002 und [die Klägerin] vom 21. Januar 1999 bis 26. Juni 2002;
      h)      FLS Plast … und FLSmidth … vom 31. Dezember 1990 bis 19. Januar 1999;
      …
      Artikel 2
      Für die in Artikel 1 genannten Zuwiderhandlungen werden folgende Geldbußen festgesetzt:
      …
      f)      Trioplast Wittenheim …: 17,85 Mio. EUR. Davon entfallen auf FLSmidth … und FLS Plast … gesamtschuldnerisch 15,30 Millionen
         Euro sowie auf [die Klägerin] gesamtschuldnerisch ein Betrag von 7,73 Millionen Euro.
      
      …
      Artikel 3
      Die in Artikel 1 genannten Unternehmen haben die betreffende Zuwiderhandlung unverzüglich einzustellen, falls dies noch nicht
         erfolgt ist.
      
      Sie sehen künftig von der Wiederholung der in Artikel 1 genannten Handlungen oder Verhaltensweisen sowie von allen Handlungen
         und Verhaltensweisen ab, die denselben oder einen ähnlichen Zweck oder dieselbe oder eine ähnliche Wirkung haben.
      
      …“
       Verfahren und Anträge der Parteien
      22      Mit Klageschrift, die am 9. Februar 2006 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat die Klägerin die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      23      Die Klägerin beantragt:
      
      –        Art. 1 Abs. 1 Buchst. g der angefochtenen Entscheidung insoweit teilweise für nichtig zu erklären, als es um den Zeitraum
         geht, für den ihr eine Zuwiderhandlung zur Last gelegt wird;
      
      –        Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung insoweit teilweise für nichtig zu erklären, als es um den Betrag der
         gegen sie festgesetzten Geldbuße geht, hilfsweise, die Geldbuße herabzusetzen;
      
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      24      Die Kommission beantragt:
      
      –        die Klage abzuweisen;
      –        der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
      25      Im Zuge einer Änderung der Besetzung der Kammern des Gerichts ist der Berichterstatter der Sechsten Kammer zugeteilt worden,
         der die vorliegende Rechtssache deshalb zugewiesen worden ist.
      
      26      Mit Beschluss vom 15. Juni 2010 hat der Präsident der Sechsten Kammer die vorliegende Rechtssache und die Rechtssache T‑26/06
         (Trioplast Wittenheim/Kommission) nach Anhörung der Parteien gemäß Art. 50 der Verfahrensordnung des Gerichts zu gemeinsamem
         mündlichen Verfahren verbunden.
      
      27      Die Parteien haben in der Sitzung vom 30. Juni 2010 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
      
       Rechtliche Würdigung
      28      Die Klägerin stützt ihre Anträge auf sechs Klagegründe.
      
      29      Der erste Klagegrund betrifft die Rechtmäßigkeit von Art. 1 Abs. 1 Buchst. g der angefochtenen Entscheidung und die Rechtmäßigkeit
         der Festsetzung der Geldbuße der Klägerin durch die Kommission. Die Klägerin bestreitet mit dem dritten Teil dieses Klagegrundes
         die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung, da diese die Dauer der von ihr begangenen Zuwiderhandlung nicht richtig
         festgesetzt habe. Der erste und der zweite Teil dieses ersten Klagegrundes betreffen die Rechtmäßigkeit der von der Kommission
         bei der Berechnung der Geldbuße angewandten Methode bzw. die Rechtmäßigkeit der Bemessung der Schwere der Zuwiderhandlung,
         insbesondere im Hinblick auf die Wahl des Referenzjahrs. Folglich ist zunächst der dritte Teil des ersten Klagegrundes zu
         prüfen und dann dessen erster und zweiter Teil.
      
      30      Die übrigen fünf Klagegründe zielen auf die Nichtigerklärung von Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung ab,
         soweit dieser die Höhe der gegen die Klägerin festgesetzten Geldbuße betrifft. Mit dem zweiten Klagegrund bestreitet die Klägerin
         die materielle Rechtmäßigkeit der Entscheidung der Kommission, ihr keine mildernden Umstände zuzubilligen. Mit dem dritten
         Klagegrund wird die Nichtbeachtung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes gerügt. Mit dem vierten Klagegrund soll dargetan werden,
         dass die Kommission die Zusammenarbeit der Klägerin im Rahmen der Mitteilung über die Zusammenarbeit nicht richtig beurteilt
         habe. Mit dem fünften Klagegrund wird geltend gemacht, die Kommission habe gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und
         der Gleichbehandlung verstoßen. Mit dem sechsten Klagegrund wird schließlich gerügt, die Kommission habe bei der Bestimmung
         der gesamtschuldnerischen Haftung der Klägerin gegen die Grundsätze der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Rechtssicherheit
         verstoßen.
      
      31      In der mündlichen Verhandlung hat die Klägerin den dritten Klagegrund fallengelassen. Dieser ist folglich nicht mehr zu prüfen.
      
      1.     Die Anträge auf teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
       Der erste Klagegrund: Fehler bei der Bestimmung der Dauer der Zuwiderhandlung und der Festsetzung der Höhe der Geldbuße
       Der dritte Teil des ersten Klagegrundes: Rechtmäßigkeit der Bestimmung der Dauer der Zuwiderhandlung
      –       Vorbringen der Parteien
      32      Die Klägerin wendet sich gegen die Feststellung der Kommission, die von Trioplast Wittenheim begangene Zuwiderhandlung habe
         20 Jahre und 5 Monate gedauert, nämlich von Januar 1982 bis Juni 2002. Sie vertritt die Auffassung, die gegen sie festgesetzte
         Geldbuße sei entsprechend den von ihr im Hinblick auf die Beteiligung von Trioplast Wittenheim an der Zuwiderhandlung behaupteten
         Tatsachen herabzusetzen.
      
      33      Die Klägerin behauptet zunächst, die Beteiligung von Trioplast Wittenheim an den wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen habe
         mit der Sitzung von Valveplast am 23. März 1999 geendet. Die Zuwiderhandlung von Trioplast Wittenheim habe mithin 17 Jahre
         und 2 Monate gedauert; der Zeitraum, für den sie gesamtschuldnerisch hafte, reiche vom 21. Januar bis zum 23. März 1999. Sie
         habe von den in Rede stehenden wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen nämlich zum ersten Mal auf der Sitzung vom 23. März 1999,
         wenige Wochen nach ihrem Erwerb der Trioplast Wittenheim, erfahren. Herr B., Mitglied ihrer Geschäftsführung, der der neue
         Präsident des Verwaltungsrats von Trioplast Wittenheim geworden sei und dieses Unternehmen vertreten habe, habe sich an den
         rechtswidrigen Besprechungen nicht beteiligt. Sie habe dann in einer internen Richtlinie ihre Mitarbeiter angewiesen, die
         Zuwiderhandlung zu beenden.
      
      34      Trioplast Wittenheim habe 2001 zwar an drei Sitzungen von Valveplast teilgenommen; bei diesen Sitzungen seien bei Valveplast
         aber Verbandsgespräche über zwei für rechtmäßig gehaltene Vorhaben geführt worden, nämlich zum einen über eine Methode für
         die Berechnung der Preise für FFS-Schlauchfolien zur Erleichterung des Übergangs zu dünneren Folien und zum anderen über die
         festzulegenden Parameter für Versteigerungen im Internet. Soweit sich der wettbewerbswidrige Charakter der Gespräche herausgestellt
         habe, habe Trioplast Wittenheim dem keine Bedeutung beigemessen. Trioplast Wittenheim habe somit nicht das Ziel verfolgt,
         einen eigenen Vorteil aus dem Kartell zu ziehen.
      
      35      Für den Fall, dass Trioplast Wittenheim nach Auffassung des Gerichts dadurch an der Zuwiderhandlung mitgewirkt habe, dass
         sie an den drei Sitzungen von Valveplast im Jahr 2001 teilgenommen habe, macht die Klägerin weiter geltend, dass sich Trioplast
         Wittenheim vom 23. März 1999 bis zum 27. März 2001 vom Kartell zurückgezogen habe und ihre Beteiligung an dem Kartell spätestens
         im Juli 2001 beendet habe. In diesem Fall hätte die Zuwiderhandlung von Trioplast Wittenheim höchstens 17 Jahre und 6 Monate
         gedauert.
      
      36      Zur fehlenden Beteiligung ihres Tochterunternehmens an dem Kartell von 1999 bis 2001 macht die Klägerin geltend, dass Trioplast
         Wittenheim in diesem Zeitraum das Ziel verfolgt habe, die von den früheren Eigentümern oder der früheren Geschäftsführung
         begonnene rechtswidrige Zusammenarbeit zu beenden, selbständig und marktkonform zu agieren und somit ihren Umsatz und ihren
         Marktanteil zu steigern sowie bei ihrem geschäftlichen Verhalten die im Zusammenhang mit den in Rede stehenden wettbewerbswidrigen
         Verhaltensweisen erlangten Informationen nicht zu berücksichtigen.
      
      37      Schließlich macht die Klägerin zum endgültigen Rückzug von Valveplast geltend, dass Trioplast Wittenheim nach der Sitzung
         vom 12. Juli 2001 an keinen weiteren Sitzungen teilgenommen habe. Die Trioplast-Gruppe habe im November 2001 ein Programm
         der Konformität mit dem Wettbewerbsrecht erlassen, woraus ersichtlich sei, dass sie sich von jeglichem wettbewerbswidrigen
         Verhalten distanziert habe. Trioplast Wittenheim habe zu keinem Zeitpunkt an etwaigen Absprachen von Geboten im Internet teilgenommen,
         auch wenn das Thema bei den Sitzungen, bei denen sie anwesend gewesen sei, angesprochen worden sei. Trioplast Wittenheim habe
         damals nur an einer Versteigerung teilgenommen; diese sei nicht Gegenstand von Absprachen gewesen.
      
      38      Nach Auffassung der Kommission ist dieser Teil des ersten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      39      Nach der Rechtsprechung hat die Kommission nicht nur das Bestehen eines Kartells, sondern auch dessen Dauer zu beweisen. Soweit
         es an Beweismaterialien fehlt, mit denen die Dauer der Zuwiderhandlung direkt belegt werden kann, muss die Kommission zumindest
         Beweismaterialien beibringen, die sich auf Fakten beziehen, die zeitlich so nahe beieinanderliegen, dass sie vernünftigerweise
         den Schluss zulassen, dass die Zuwiderhandlung zwischen zwei konkreten Zeitpunkten ohne Unterbrechung erfolgt ist (Urteile
         des Gerichts vom 7. Juli 1994, Dunlop Slazenger/Kommission, T‑43/92, Slg. 1994, II‑441, Randnr. 79, und vom 16. November 2006,
         Peróxidos Orgánicos/Kommission, T‑120/04, Slg. 2006, II‑4441, Randnr. 51). Zudem kann, auch wenn der Zeitraum, der zwischen
         zwei Ausdrucksformen einer Zuwiderhandlung liegt, ein relevantes Kriterium für den Nachweis der Kontinuität einer Zuwiderhandlung
         ist, die Frage, ob dieser Zeitraum hinreichend lang ist, um als Unterbrechung der Zuwiderhandlung zu gelten, nicht abstrakt
         beantwortet werden. Sie ist vielmehr im Zusammenhang der Funktionsweise des fraglichen Kartells zu beurteilen (Urteil des
         Gerichts vom 19. Mai 2010, IMI u. a./Kommission, T‑18/05, Slg. 2010, II-0000, Randnr. 89).
      
      40      Demgemäß kann die Beweislastverteilung Änderungen unterliegen, da tatsächliche Gesichtspunkte, die eine Partei anführt, die
         andere Partei zu einer Erläuterung oder Rechtfertigung zwingen können, weil sonst der Schluss zulässig ist, dass der Beweis
         erbracht wurde (Urteil Peróxidos Orgánicos/Kommission, oben in Randnr. 39 angeführt, Randnr. 53; vgl. in diesem Sinne auch
         Urteile des Gerichtshofs vom 7. Januar 2004, Aalborg Portland u. a./Kommission, C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P,
         C‑217/00 P und C‑219/00 P, Slg. 2004, I‑123, Randnr. 79, und vom 17. Juni 2010, Lafarge/Kommission, C‑413/08 P, Slg. 2010,
         I‑0000, Randnr. 21).
      
      41      So ist, wenn die Beteiligung am Kartell oder deren Grad oder Dauer bestritten wird, davon auszugehen, dass ein ausreichender
         Beleg für die Teilnahme eines Unternehmens am Kartell erbracht ist, wenn die Kommission nachweist, dass dieses an Sitzungen
         teilgenommen hat, bei denen wettbewerbswidrige Vereinbarungen getroffen wurden, ohne sich offen dagegen auszusprechen. Ist
         die Teilnahme an solchen Sitzungen erwiesen, so obliegt es dem fraglichen Unternehmen, Indizien dafür vorzutragen, dass die
         Teilnahme an den Sitzungen ohne jegliche wettbewerbswidrige Einstellung erfolgt ist, indem es nachweist, dass es seine Wettbewerber
         darauf hingewiesen hat, dass es an den Sitzungen mit einer anderen Zielsetzung als diese teilnimmt (Urteil Aalborg Portland
         u. a./Kommission, oben in Randnr. 40 angeführt, Randnr. 81).
      
      42      Wenn ein Unternehmen an einer bestimmten Sitzung teilnimmt, ohne sich offen von deren Inhalt zu distanzieren, gibt es den
         anderen Teilnehmern nämlich Anlass zu der Annahme, dass es dem Ergebnis der Sitzung zustimme und sich daran halten werde (Urteil
         Aalborg Portland u. a./Kommission, oben in Randnr. 40 angeführt, Randnr. 82).
      
      43      Im vorliegenden Fall ist unstreitig, dass Trioplast Wittenheim von Januar 1982 bis zum 23. März 1999 an dem Kartell beteiligt
         war und dass die Klägerin vom 21. Januar 1999 bis zum 23. März 1999, da sie zur selben wirtschaftlichen Einheit wie Trioplast
         Wittenheim gehört hat, gegen Art. 81 EG verstoßen hat. Die Klägerin bestreitet aber, dass Trioplast Wittenheim in dem Zeitraum
         vom 23. März 1999 bis Juni 2002 an dem Kartell beteiligt gewesen sei. Hilfsweise macht die Klägerin geltend, Trioplast Wittenheim
         habe sich in dem Zeitraum vom 23. März 1999 bis zum 27. März 2001 vom Kartell zurückgezogen und seit dem 12. Juli 2001 endgültig
         nicht mehr an den Sitzungen von Valveplast teilgenommen.
      
      44      Erstens ist festzustellen, dass die Klägerin einräumt, dass Trioplast Wittenheim am 23. März 1999, am 27. März 2001, am 8.
         Juni 2001 und am 12. Juli 2001 an den wettbewerbswidrigen Sitzungen von Valveplast teilgenommen hat, bei denen es u. a. um
         die Methode der Berechnung der Preise für FFS-Schlauchfolien und die Abstimmung von Geboten im Internet ging. Aus den Akten
         geht hervor, dass Herr B., damals Mitglied der Geschäftsführung der Trioplast-Gruppe und Präsident des Verwaltungsrats von
         Trioplast Wittenheim, dieses Unternehmen bei diesen Sitzungen vertreten hat, mit Ausnahme der Sitzung vom 12. Juli 2001, an
         der ein Herr W. teilgenommen haben soll.
      
      45      Da die Teilnahme von Trioplast Wittenheim an diesen Sitzungen also unstreitig ist, oblag es der Klägerin, Indizien für ihre
         fehlende wettbewerbswidrige Einstellung bei der Teilnahme an diesen Sitzungen vorzutragen. Die Klägerin macht zwar geltend,
         Trioplast Wittenheim sei zu den in Rede stehenden Sitzungen nicht mit der Absicht erschienen, sich an einem rechtswidrigen
         Kartell zu beteiligen, und habe an den rechtswidrigen Gesprächen nicht teilgenommen; sie belegt aber nicht, dass sich Trioplast
         Wittenheim offen von dem Inhalt dieser Zusammenkünfte distanziert hätte. Somit ist die Behauptung der Klägerin, Trioplast
         Wittenheim habe ihre Beteiligung an dem Kartell am 23. März 1999 beendet, nicht belegt.
      
      46      Zweitens ist im Hinblick auf den Zeitraum vom 23. März 1999 bis zum 27. März 2001 festzustellen, dass aus der angefochtenen
         Entscheidung, insbesondere aus deren Anhang 1, der die Einzelheiten der Sitzungen von Valveplast betrifft, hervorgeht, dass
         die Kommission über keine unmittelbaren Beweise für eine Teilnahme von Trioplast Wittenheim an den Sitzungen von Valveplast
         verfügt, die in diesem Zeitraum stattgefunden haben sollen. Die Kommission bestreitet dies nicht.
      
      47      Hingegen ist erwiesen, dass Trioplast Wittenheim zu diesen Sitzungen eingeladen wurde und ihr Fehlen mehrmals entschuldigte.
         Die Kommission hat dies zum einen nämlich nicht nur in ihren Schriftsätzen, sondern auch in der mündlichen Verhandlung im
         Einzelnen dargelegt, ohne dass die Klägerin das in irgendeiner Weise bestritten hätte. Zum anderen wird die Behauptung der
         Kommission durch mehrere Aktenstücke belegt, deren Existenz und Inhalt von der Klägerin nicht bestritten werden. Es handelt
         sich dabei insbesondere um die Berichte über die Sitzungen vom 27. August 1999, vom 25. November 1999, vom 23. März 2000 und
         vom 18. August 2000, aus denen hervorgeht, dass Trioplast Wittenheim ihr Fehlen entschuldigte, und den Bericht über die Sitzung
         vom 5. Dezember 2000, aus dem hervorgeht, dass Trioplast Wittenheim zu dieser Sitzung zumindest eingeladen wurde.
      
      48      Deshalb erlauben die von der Kommission beigebrachten Beweise den Schluss, dass die Zuwiderhandlung vom 23. März 1999 bis
         zum 27. März 2001 ohne Unterbrechung erfolgt ist. Im Übrigen hat die Klägerin keinerlei Nachweis dafür erbracht, dass sich
         Trioplast Wittenheim bei der Sitzung vom 23. März 1999 oder danach vom Kartell distanziert hätte. An dieser Feststellung ändert
         auch die Behauptung der Klägerin nichts, Trioplast Wittenheim habe unabhängig auf dem Markt agiert, ohne bei seinem geschäftlichen
         Handeln die vorher durch die Kontakte mit den anderen Kartellteilnehmern erhaltenen Informationen zu berücksichtigen.
      
      49      Was drittens den Zeitraum zwischen der Sitzung vom 12. Juli 2001 und dem 26. Juni 2002 angeht, genügt die Feststellung, dass
         die Klägerin nicht den Nachweis dafür erbracht hat, dass sich Trioplast Wittenheim bei diesem Zusammentreffen oder danach
         ausdrücklich gegenüber den anderen Teilnehmern vom Inhalt der Sitzung vom 12. Juli 2001 distanziert hätte. Es ist auch nicht
         erwiesen, dass Trioplast Wittenheim sich in dem Zeitraum vom 12. Juli 2001 bis zum 26. Juni 2002 im Sinne der Rechtsprechung
         vom Kartell distanziert hätte.
      
      50      In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass aus den Akten hervorgeht, dass Herr T. Trioplast Wittenheim am 10. Dezember
         2001 schriftlich zu der Sitzung, die am folgenden Tag in Paris stattfinden sollte, einlud. Zudem geht aus den bei dieser Sitzung
         gemachten Aufzeichnungen hervor, dass die anderen Teilnehmer nicht wussten, welche Absichten Trioplast Wittenheim im Hinblick
         auf die Beteiligung am Kartell hatte. In der Einleitung zu diesen Aufzeichnungen heißt es nämlich: „Teilnehmer: nur Fardem,
         B-K, RKW, Cofira und wir, BPI macht nicht mehr mit, und bei TRIO [Trioplast] weiß man es nicht.“
      
      51      Somit kann nicht angenommen werden, dass Trioplast Wittenheim, ihre Beteiligung an dem Kartell am 12. Juli 2001 endgültig
         beendet hätte, wie die Klägerin behauptet.
      
      52      Die Klägerin macht also zu Unrecht geltend, dass die angefochtene Entscheidung, was die Bestimmung der Dauer der von ihrer
         Tochtergesellschaft, Trioplast Wittenheim, begangenen Zuwiderhandlung und somit die Bestimmung ihrer eigenen Zuwiderhandlung
         als Muttergesellschaft, angehe, rechtswidrig sei.
      
      53      Folglich ist der dritte Teil des ersten Klagegrundes und somit auch der Antrag auf teilweise Nichtigerklärung von Art. 1 Abs. 1
         Buchst. g der angefochtenen Entscheidung zurückzuweisen.
      
       Der erste Teil des ersten Klagegrundes: Rechtmäßigkeit der Berechnungsweise der Geldbuße
      –       Vorbringen der Parteien
      54      Die Klägerin macht geltend, die Methode, die die Kommission bei der Berechnung der gegen sie verhängten Geldbuße angewandt
         habe, beruhe auf einem grundlegenden Fehler; außerdem stehe sie im Widerspruch zur Rechtsprechung. Sie sei vorher noch nie
         angewandt worden.
      
      55      Die Klägerin stellt klar, dass sie nicht wegen eines ihr selbst vorgeworfenen Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln haften
         solle. Ihre gesamtschuldnerische Haftung sei nur wegen der Beteiligung von Trioplast Wittenheim an dem wettbewerbswidrigen
         Verhalten während der Zeit, in der sie Eigentümerin dieses Unternehmens gewesen sei, also vom 21. Januar 1999 bis zum 26.
         Juni 2002, angenommen worden.
      
      56      Die Kommission habe aber fehlerhaft bei der Berechnung der Geldbuße nicht berücksichtigt, dass sich die von Trioplast Wittenheim
         begangene Zuwiderhandlung auf drei Zeitabschnitte erstreckt habe, nämlich die Zeit, in der dieses Unternehmen der Compagnie
         de Saint-Gobain gehört habe, die Zeit, in der es FLS Plast und FLSmidth gehört habe, und die Zeit, in der es zur Trioplast-Gruppe
         gehört habe. Nach der Berechnungsweise der Kommission hafteten FLS Plast, FLSmidth und die Klägerin gesamtschuldnerisch insgesamt
         für einen Betrag, der die gegen Trioplast Wittenheim festgesetzte Geldbuße übersteige; das sei abwegig. Gegen diese Unternehmen
         sei auch für die Zeit, in der keines von ihnen Eigentümer von Trioplast Wittenheim gewesen sei, eine gesamtschuldnerische
         Geldbuße verhängt worden. Dies stehe im Widerspruch zur Rechtsprechung, insbesondere zu dem Urteil des Gerichtshofs vom 16.
         November 2000, Cascades/Kommission (C‑279/98 P, Slg. 2000, I‑9693).
      
      57      Zum einen entspreche die gesamtschuldnerische Haftung nach ihren Grundprinzipien der Haftung desjenigen, mit dem zusammen
         gesamtschuldnerisch gehaftet werde; sie könne nicht gesondert angeordnet werden. Mithin hätte sie zusammen mit Trioplast Wittenheim
         für den Teil der Geldbuße gesamtschuldnerisch haften müssen, der auf den Zeitraum entfalle, in dem sie alleinige Anteilseignerin
         dieser Tochtergesellschaft gewesen sei, also drei Jahre. Zum anderen würden die drei Jahre, in denen sie alleinige Anteilseignerin
         von Trioplast Wittenheim gewesen sei, nach der von der Kommission angewandten Methode doppelt berücksichtigt, da diese Jahre
         sowohl Trioplast Wittenheim als auch ihr zugerechnet worden seien.
      
      58      Zu ihrem Vortrag, die Berechnungsmethode sei vorher noch nicht angewandt worden, führt die Klägerin aus, die Behauptung der
         Kommission, dass diese Methode seit der Sache AstraZeneca (Sache COMP/A.37.507/F3 – AstraZeneca, ABl. 2006, L 332, S. 24)
         in einer Reihe von Entscheidungen angewandt worden sei, sei nicht erheblich. Diese Entscheidungen seien nicht durch die Gemeinschaftsgerichte
         geprüft worden und stellten keine ständige Praxis dar.
      
      59      Wegen der Unzuträglichkeiten der angewandten Methode hätte die Kommission die Methode anwenden müssen, die sie in einigen
         früheren Sachen, u. a. der Sache Organische Peroxide (Sache COMP/E‑2/37.857 – Organische Peroxide, ABl. 2005, L 110, S. 44),
         angewandt habe. In dieser Sache, in der es um eine Tochtergesellschaft gegangen sei, die länger als ihre Muttergesellschaft
         an der in Rede stehenden Zuwiderhandlung beteiligt gewesen sei, habe die Kommission nur einen Ausgangsbetrag der Geldbuße
         festgesetzt und diesen – anders als bei Trioplast Wittenheim und ihren Muttergesellschaften – auf die beiden nacheinander
         beteiligten wirtschaftlichen Einheiten aufgeteilt, nämlich die durch die Tochtergesellschaft gebildete und die durch die Tochtergesellschaft
         und ihre Muttergesellschaft gebildete. Sodann sei der Ausgangsbetrag bei diesen wirtschaftlichen Einheiten jeweils nach der
         Dauer der Zuwiderhandlung, erschwerenden und mildernden Umständen und der Obergrenze von 10 % des Umsatzes angepasst worden.
         Ausgehend von den Parametern, die von der Kommission für sie festgesetzt worden seien, hätte sie, die Klägerin, nach dieser
         Methode zusammen mit Trioplast Wittenheim gesamtschuldnerisch für 2,58 Mio. Euro gehaftet.
      
      60      Eine zweite Methode, nach der die Kommission hätte vorgehen können, hätte darin bestanden, den Gesamtbetrag der Geldbuße von
         Trioplast Wittenheim, also 17,85 Mio. Euro, durch 20 Jahre, d. h. die Gesamtdauer der Zuwiderhandlung, zu dividieren, was
         0,89 Mio. Euro pro Jahr ergebe. Um den Betrag der gesamtschuldnerischen Haftung von FLS Plast und FLSmidth einerseits und
         ihr, der Klägerin, andererseits zu bestimmen, hätte die Kommission nach dieser Methode den Jahresbetrag von 0,89 mit 8 bzw.
         3 Jahren multiplizieren müssen. Nach dieser Methode hätte sie, die Klägerin, zusammen mit Trioplast Wittenheim gesamtschuldnerisch
         für 2,67 Mio. Euro gehaftet.
      
      61      Für den Fall, dass das Gericht die im vorliegenden Fall angewandte Methode der Berechnung der Geldbußen billigen sollte, macht
         die Klägerin geltend, dass sie gegenüber Unternehmen diskriminiert worden sei, gegen die Geldbußen nach den beim Erlass der
         Entscheidungen in den Sachen Organische Peroxide und Kupferinstallationsrohre (Sache Nr. C.38.069 – Kupferinstallationsrohre,
         ABl. 2006, L 192, S. 21) maßgeblichen Grundsätzen festgesetzt worden seien. Außerdem sei sie gegenüber denjenigen Unternehmen
         diskriminiert worden, gegen die Geldbußen gemäß den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen gemäß Artikel
         23 Absatz 2 Buchstabe a) der Verordnung (EG) Nr. 1/2003 (ABl. 2006, C 210, S. 2, im Folgenden: neue Leitlinien für das Verfahren
         zur Festsetzung von Geldbußen) festgesetzt worden seien, nach denen sie eine wesentlich niedrigere Geldbuße zu zahlen gehabt
         hätte.
      
      62      Nach Auffassung der Kommission ist der vorliegende Teil des ersten Klagegrundes zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      63      Nach Art. 1 der angefochtenen Entscheidung haben Trioplast Wittenheim, FLS Plast, FLSmidth und die Klägerin gegen Art. 81
         EG verstoßen. In diesem Artikel wird weiter festgestellt, dass die Zuwiderhandlung bei Trioplast Wittenheim vom 6. Januar
         1982 bis zum 26. Juni 2002, bei FLS Plast und FLSmidth vom 31. Dezember 1990 bis zum 19. Januar 1999 und bei der Klägerin
         vom 21. Januar 1999 bis zum 26. Juni 2002 gedauert hat. Nach Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung wird gegen
         Trioplast Wittenheim eine Geldbuße in Höhe von 17,85 Mio. Euro festgesetzt und entfallen davon gesamtschuldnerisch 15,30 Mio.
         Euro auf FLS Plast und FLSmidth und 7,73 Mio. Euro auf die Klägerin.
      
      64      Mit dem vorliegenden Klagegrund zieht die Klägerin im Wesentlichen die Richtigkeit der von der Kommission bei der Festsetzung
         der Höhe der „Geldbußen“ angewandten Methode in Zweifel. Hierzu ist zunächst festzustellen, dass die Kommission insbesondere
         in Randnr. 879 der angefochtenen Entscheidung zwischen den gegen bestimmte Adressaten festgesetzten Geldbußen einerseits und
         den Beträgen, bis zu denen andere Adressaten der angefochtenen Entscheidung gesamtschuldnerisch haften, andererseits unterscheidet.
         Hierbei fällt auf, dass die Kommission in dieser Randnr. 879 der angefochtenen Entscheidung die Beträge, zu denen sie nach
         ihrer Berechnungsmethode gelangt ist, in einigen Fällen bei den Tochtergesellschaften, die sich unmittelbar an dem Kartell
         beteiligt haben, als Geldbuße und bei den Muttergesellschaften als Betrag, bis zu dem sie gesamtschuldnerisch haften, festsetzt.
         In anderen Fällen werden diese Beträge umgekehrt bei den Muttergesellschaften als Geldbuße festgesetzt und bei den Tochtergesellschaften,
         die unmittelbar an dem Kartell beteiligt waren, als Betrag, bis zu dem sie gesamtschuldnerisch für die Zahlung der Geldbuße
         haften.
      
      65      Im Übrigen verwendet die Kommission den Ausdruck „Geldbuße“ unterschiedslos sowohl für die Bezeichnung der Geldbuße als solcher
         als auch des Betrags, bis zu dem der Adressat gesamtschuldnerisch für die Zahlung der Geldbuße haftet. Diese unterschiedslose
         Verwendung des Ausdrucks „Geldbuße“ zeigt sich insbesondere in den Erwägungsgründen 784, 841 oder 867 der angefochtenen Entscheidung,
         in denen die Kommission mit den festgesetzten Beträgen, wie aus dem verfügenden Teil der angefochtenen Entscheidung ersichtlich
         ist, sowohl Geldbußen als auch die gesamtschuldnerische Haftung für die Zahlung dieser Geldbuße meint.
      
      66      Somit ist festzustellen, dass sich die von der Kommission angewandte Berechnungsmethode nur auf die Ermittlung der für die
         Adressaten der angefochtenen Entscheidung festzusetzenden Beträge bezieht, unabhängig davon, als was diese Beträge festgesetzt
         werden. Da mit dieser Methode nicht bestimmt wird, als was die ermittelten Beträge für die Adressaten der angefochtenen Entscheidung
         festgesetzt werden, d. h. als Geldbuße oder als Betrag, bis zu dem das Unternehmen gesamtschuldnerisch für die Zahlung der
         Geldbuße haftet, beschränkt sich das Gericht im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes somit darauf, die beanstandete Berechnungsmethode
         der Kommission insoweit auf ihre Richtigkeit zu prüfen, als mit dieser Methode die Ermittlung der festgesetzten Beträge bestimmt
         wird.
      
      67      Was zunächst die Berechnung des für Trioplast Wittenheim festgesetzten Betrags angeht, gelangte die Kommission, wie oben in
         den Randnr. 17 bis 20 ausgeführt, zu einem Endbetrag von 17,85 Mio. Euro, indem sie dieses Unternehmen im Rahmen einer differenzierten
         Behandlung nach dem mit dem relevanten Produkt in dem relevanten Gebiet erzielten Marktanteil in die fünfte Kategorie einstufte
         und bei ihm einen Ausgangsbetrag von 8,5 Mio. Euro ansetzte. Die Kommission erhöhte den Ausgangsbetrag von 8,5 Mio. Euro dann
         wegen der festgestellten Dauer der Beteiligung an dem Kartell von 20 Jahren und 5 Monaten um 200 %, so dass sich ein Grundbetrag
         von 25,5 Mio. Euro ergab. Mangels erschwerender und mildernder Umstände und weil die Obergrenze von 10 % des Umsatzes nicht
         zum Tragen kam, setzte die Kommission den Grundbetrag nur um 30 % herab, und zwar gemäß der Mitteilung über die Zusammenarbeit.
      
      68      Was dann die Berechnung des für die Klägerin festgesetzten Betrags angeht, setzte die Kommission denselben Ausgangsbetrag
         an wie bei Trioplast Wittenheim. Dann erhöhte sie den Ausgangsbetrag um 30 %, um der Dauer der Beteiligung der Klägerin an
         der Zuwiderhandlung von drei Jahren Rechnung zu tragen. Der Grundbetrag von 11,05 Mio. Euro wurde gemäß der Mitteilung über
         die Zusammenarbeit um 30 % herabgesetzt. Mithin beläuft sich der für die Klägerin festgesetzte Betrag auf 7,73 Mio. Euro.
      
      69      Dieselbe Methode wurde für die ehemalige Muttergesellschaft von Trioplast Wittenheim, FLS Plast, und deren Holdinggesellschaft,
         FLSmidth, angewandt, für die ein Betrag von 15,30 Mio. Euro festgesetzt wurde. Bei diesen Unternehmen wurde keine Erhöhung
         oder Herabsetzung wegen erschwerender oder mildernder Umstände vorgenommen, auch – anders als bei der Klägerin – keine Herabsetzung
         auf der Grundlage der Mitteilung über die Zusammenarbeit.
      
      70      Somit ist festzustellen, dass die Klägerin – vorbehaltlich der Prüfung der anderen von ihr geltend gemachten Klagegründe –
         nicht den Nachweis dafür erbracht hat, dass die Kommission bei der Ermittlung der für Trioplast Wittenheim und die Klägerin
         festgesetzten Beträge gegen die Verordnung Nr. 1/2003 verstoßen hat oder von den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt
         werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen), abgewichen ist. Die
         Klägerin hat im Rahmen des vorliegenden Teils des ersten Klagegrundes nämlich in keiner Weise dargetan, dass die Berechnungsweise
         als solche auf einem grundliegenden Fehler beruht oder im Widerspruch zur Rechtsprechung steht.
      
      71      Hierzu ist als Erstes festzustellen, dass die Behauptung der Klägerin, sie selbst habe nicht gegen die Wettbewerbsregeln verstoßen,
         nicht zutrifft. Für die Klägerin, der die wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen von Trioplast Wittenheim in dem Zeitraum vom
         21. Januar 1999 bis zum 26. Juni 2002 zugerechnet wurden, ist nämlich gemäß Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 ein Betrag
         festgesetzt worden wegen ihrer Verantwortung für eine Zuwiderhandlung, die ihr aufgrund dieser Zurechnung selbst zur Last
         gelegt wird (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 16. November 2000, Metsä-Serla u. a./Kommission, C‑294/98 P,
         Slg. 2000, I‑10065, Randnr. 28). Die Zurechnung des Verhaltens von Trioplast Wittenheim an die Klägerin wird aber in keiner
         Weise bestritten.
      
      72      Als Zweites ist festzustellen, dass die Klägerin zu Unrecht behauptet, die Kommission habe die Tatsache, dass Trioplast Wittenheim
         während der über zwanzigjährigen Dauer des Kartells nacheinander drei Muttergesellschaften gehört habe, nicht berücksichtigt.
         Aus der angefochtenen Entscheidung geht nämlich hervor, dass die Kommission sich bei der Ermittlung der für die Klägerin sowie
         FLS Plast und FLSmidth festgesetzten Beträge jeweils stark an der Dauer der Beteiligung dieser Muttergesellschaften von Trioplast
         Wittenheim orientiert hat. Wie oben in Randnr. 68 ausgeführt, hat die Kommission im Fall der Klägerin den Ausgangsbetrag von
         8,5 Mio. Euro um 30 % erhöht, d. h. um 10 % für jedes volle Jahr, in dem die Klägerin alleinige Anteilseignerin von Trioplast
         Wittenheim war. Genauso ist die Kommission bei FLS Plast und FLSmidth verfahren.
      
      73      Somit trifft die Behauptung der Klägerin, sie werde für eine andere Zuwiderhandlung als diejenige verantwortlich gemacht,
         die sie begangen habe, nicht zu. Insoweit gibt das von der Klägerin angeführte Urteil Cascades/Kommission (oben in Randnr. 56
         angeführt) nichts her; anders als im vorliegenden Fall geht es diesem Urteil nämlich um die Verantwortlichkeit der Muttergesellschaft
         für von den Tochtergesellschaften vor ihrem Erwerb durch diese begangenen Zuwiderhandlungen.
      
      74      Soweit die Klägerin im Übrigen geltend macht, die Kommission hätte den Ausgangsbetrag durch drei dividieren müssen, bevor
         sie ihn nach anderen Gesichtspunkten angepasst habe, legt die Klägerin zum einen keine Vorschrift und keinen Rechtsgrundsatz
         dar, wonach die Kommission hierzu verpflichtet gewesen wäre. Zum anderen kann der Ansatz, für eine Muttergesellschaft denselben
         Ausgangsbetrag anzusetzen wie für die unmittelbar am Kartell beteiligte Tochtergesellschaft, ohne diesen Betrag bei einer
         zeitlichen Aufeinanderfolge von mehreren Muttergesellschaften aufzuteilen, für sich genommen nicht als ungeeignet angesehen
         werden. Die Kommission will mit dieser Berechnungsmethode nämlich erreichen, dass für eine Muttergesellschaft, die im Wege
         der Zurechnung für eine Zuwiderhandlung verantwortlich gemacht wird, derselbe Ausgangsbetrag angesetzt werden kann, als wäre
         sie selbst unmittelbar am Kartell beteiligt gewesen. Dies steht aber in Einklang mit dem Ziel der Wettbewerbspolitik, und
         insbesondere mit dem Instrument dieser Politik, das die Geldbußen darstellen, nämlich, das Verhalten der Unternehmen auf die
         Einhaltung der Wettbewerbsregeln auszurichten (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 6. April 1995, Martinelli/Kommission,
         T‑150/89, Slg. 1995, II‑1165, Randnr. 59).
      
      75      Eine Verpflichtung, den Ausgangsbetrag unter den oben in Randnr. 74 dargelegten Umständen zu dividieren, kann sich jedenfalls
         nicht allein daraus ergeben, dass eine solche Division bei der Bearbeitung von früheren Sachen wie der Sache Organische Peroxide
         vorgenommen worden sein soll. Soweit zu dem für die von der Klägerin genannten Entscheidungen maßgeblichen Zeitpunkt eine
         Entscheidungspraxis der Kommission zur Methode der Berechnung der Beträge bestanden haben sollte, könnte von dieser Praxis
         im vorliegenden Fall ohne Weiteres abgewichen werden oder sie könnte geändert werden. Nach ständiger Rechtsprechung bildet
         die frühere Entscheidungspraxis der Kommission als solche nämlich nicht den rechtlichen Rahmen für die Festsetzung von Geldbußen
         in Wettbewerbssachen, da dieser allein in der Verordnung Nr. 1/2003 geregelt ist (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs
         vom 24. September 2009, Erste Bank der österreichischen Sparkassen/Kommission, C‑125/07 P, C‑133/07 P, C‑135/07 P und C‑137/07 P,
         Slg. 2009, I-0000, Randnr. 233 und die dort angeführte Rechtsprechung; vgl. entsprechend auch Urteil des Gerichts vom 20.
         März 2002, LR AF 1998/Kommission, T‑23/99, Slg. 2002, II‑1705, Randnr. 234).
      
      76      Als Drittes ist anknüpfend an die vorstehenden Randnummern festzustellen, dass sich allein daraus, dass die für die Klägerin
         einerseits und FLS Plast und FLSmidth andererseits festgesetzten Beträge insgesamt den für ihre Tochtergesellschaft, Trioplast
         Wittenheim, festgesetzten Betrag übersteigen, nicht schließen lässt, dass die von der Kommission angewandte Methode offensichtlich
         falsch gewesen wäre. Bei der Anwendung des Verfahrens, das in den Leitlinien für die Festsetzung von Geldbußen festgelegt
         ist, und des Grundsatzes der individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen auf die Umstände des Einzelfalls darf die
         Kommission nämlich, wenn erwiesen ist, dass eine wirtschaftliche Einheit an der Zuwiderhandlung mitgewirkt hat, eine der juristischen
         Personen, die zu dieser Einheit gehört oder gehört hat, sei es die Mutter- oder eine Tochtergesellschaft, für einen höheren
         Betrag haften lassen als die andere juristische Person oder die anderen juristischen Personen, die diese wirtschaftliche Einheit
         bilden oder gebildet haben. Somit kann im Fall einer Zuwiderhandlung, die von einer Tochtergesellschaft begangen worden ist,
         die während der Zuwiderhandlung nacheinander mehreren wirtschaftlichen Einheiten gehört hat, nicht von vornherein angenommen
         werden, dass es unangemessen wäre, dass die für die Muttergesellschaften festgesetzten Beträge insgesamt höher ausfallen als
         der Betrag oder die Beträge, die für diese Tochtergesellschaft insgesamt festgesetzt worden sind.
      
      77      Als Viertes ist zu der Behauptung der Klägerin, die Kommission habe gegen die Grundprinzipien der gesamtschuldnerischen Haftung
         verstoßen, festzustellen, dass die Klägerin im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes weder etwas zu der Art noch zum Inhalt
         dieser Grundsätze ausführt. Sollte die Klägerin geltend machen wollen, dass die drei oben in den Randnrn. 71 bis 76 wiedergegebenen
         Argumente tatsächlich einen Verstoß gegen diese Prinzipien darstellen, so sind diese Argumente, wie bereits dargelegt, nicht
         stichhaltig, ganz gleich, welcher Art die in Rede stehenden Grundsätze sein sollten und welchen Inhalt sie haben sollten.
         Somit ist diese Rüge zurückzuweisen.
      
      78      Im Übrigen ist, soweit die Klägerin den Betrag beanstandet, bis zu dem sie gesamtschuldnerisch für die Zahlung der gegen Trioplast
         Wittenheim festgesetzten Geldbuße haftet, mit der Begründung, dass die Beträge, bis zu denen sie einerseits und FLS Plast
         und FLSmidth andererseits gesamtschuldnerisch hafteten, insgesamt die gegen Trioplast Wittenheim als Hauptschuldnerin verhängte
         Geldbuße überstiegen, festzustellen, dass diese Rüge Gegenstand des sechsten Klagegrundes ist. Auf sie wird also bei der Prüfung
         dieses Klagegrundes eigens eingegangen werden.
      
      79      Als Fünftes ist zu der Behauptung, die drei Jahre, in denen die Klägerin alleinige Anteilseignerin von Trioplast Wittenheim
         gewesen sei, seien bei der Anwendung der Berechnungsmethode doppelt berücksichtigt worden, festzustellen, dass die Kommission
         durch nichts daran gehindert war, diesen Zeitraum von drei Jahren sowohl bei der Ermittlung des für die Klägerin festgesetzten
         Betrags als auch bei der Ermittlung des für Trioplast Wittenheim festgesetzten Betrags zu berücksichtigen. Denn da bei einer
         gesamtschuldnerischen Haftung die Forderung eines jeden Gläubigers sowohl gegenüber den Mitschuldnern des Hauptschuldners
         als auch Letzterem gegenüber durch jegliche Zahlung, gleich durch welche Person, erlischt, kommt es bei einer Gesamtschuld
         nicht zu einer Verdopplung.
      
      80      Als Letztes ist festzustellen, dass die Behauptung der Klägerin, die Berechnungsmethode sei vorher nicht angewandt worden,
         in tatsächlicher Hinsicht nicht zutrifft; in der mündlichen Verhandlung hat sich nämlich herausgestellt, dass die Kommission
         diese Berechnungsmethode vor der angefochtenen Entscheidung in einer Reihe von Entscheidungen angewandt hat. Diese Feststellung
         kann nicht allein dadurch in Frage gestellt werden, dass diese Entscheidungen damals von den Unionsgerichten nicht überprüft
         worden sind. Im Übrigen kann nach der oben in Randnr. 75 angeführten Rechtsprechung dahinstehen, ob die Kommission in den
         der Sache AstraZeneca vorausgegangen Sachen eine andere Methode angewandt hat oder nicht.
      
      81      Mit dem, was die Klägerin im Rahmen des ersten Teils des ersten Klagegrundes vorgebracht hat, hat sie somit nicht dargetan,
         dass die Kommission die vorliegende Berechnungsmethode zur Ermittlung des für die Klägerin festgesetzten Betrags zu Unrecht
         angewandt hätte. Auch die Rüge, die Kommission habe gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung und die neuen Leitlinien für
         das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen verstoßen, ist zurückzuweisen; Letztere sind im vorliegenden Fall im Übrigen nicht
         anwendbar. Insofern genügt es, auf die oben in Randnr. 75 angeführte Rechtsprechung zur Entscheidungspraxis der Kommission
         zu verweisen und auf diejenige, nach der allein der Umstand, dass die Anwendung der in den neuen Leitlinien für das Verfahren
         zur Festsetzung von Geldbußen vorgesehenen Methode zur Festsetzung eines niedrigeren Betrags als des in der angefochtenen
         Entscheidung festgesetzten führen kann, nicht geeignet ist, die Unverhältnismäßigkeit dieses letzteren Betrags zu belegen
         (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Archer Daniels Midland/Kommission, T‑329/01, Slg. 2006,
         II‑3255, Randnr. 380).
      
      82      Mithin ist der erste Teil des ersten Klagegrundes zurückzuweisen, ohne dass es erforderlich wäre, die von der Klägerin vorgeschlagenen
         Berechnungsmethoden zu prüfen.
      
       Der zweite Teil des ersten Klagegrundes: Rechtswidrigkeit der Bemessung der Schwere der Zuwiderhandlung bei der Festsetzung
         der Geldbuße
      
      –       Vorbringen der Parteien
      83      Die Klägerin wirft der Kommission vor, bei der Festsetzung des Ausgangsbetrags auf den Marktanteil von Trioplast Wittenheim
         im Jahr 1996 abgestellt zu haben, bei dem es sich nach der angefochtenen Entscheidung um das letzte Jahr der Zuwiderhandlung
         handelt, in dem sämtliche Unternehmen, an die die angefochtene Entscheidung gerichtet ist, noch auf dem Markt der Industriesäcke
         aktiv waren.
      
      84      Indem sie im Rahmen der differenzierten Behandlung das Jahr 1996 als Referenzjahr gewählt habe, habe sich die Kommission über
         die Praxis hinweggesetzt, die sie im Hinblick auf die Bemessung der Schwere einer Zuwiderhandlung selbst begründet habe. Nach
         dieser Praxis, die von den Gemeinschaftsgerichten gebilligt worden sei, sei das letzte volle Jahr, in dem die Zuwiderhandlung
         angedauert habe, als Referenzjahr heranzuziehen, um die Wirtschaftskraft der einzelnen Teilnehmer so angemessen wie möglich
         zu beurteilen. Demgemäß hätte im vorliegenden Fall das Jahr 2001 das Referenzjahr sein müssen.
      
      85      Die Klägerin macht ferner geltend, dass, wenn die Kommission mit der von ihr angewandten Methode tatsächlich bei FLS Plast
         und FLSmidth sowie bei ihr einen eigenen Ausgangsbetrag habe ansetzen wollen, d. h. einen von dem bei Trioplast Wittenheim
         angesetzten verschiedenen, hätte dieser Betrag auf den Zeitraum bezogen werden müssen, in dem die Muttergesellschaften jeweils
         alleinige Anteilseigner von Trioplast Wittenheim gewesen seien. Der bei ihr angesetzte Ausgangsbetrag könne deshalb nicht
         rechtmäßig auf den Marktanteil gestützt werden, den Trioplast Wittenheim 1996 gehabt habe, da sie dieses Unternehmen erst
         1999 erworben habe.
      
      86      Für den Fall, dass das Gericht die Wahl des Jahres 1996 als Referenzjahr dennoch billigen sollte, macht die Klägerin geltend,
         dass die Kommission gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoßen habe. Indem sie auf den Marktanteil von Trioplast
         Wittenheim im Jahr 1996 abgestellt habe, d. h. 2,8 %, habe die Kommission die Herstellung von offenen Säcken und Ventilsäcken
         mit einbezogen, die Trioplast Wittenheim 1997 eingestellt habe. Nach dem Marktanteil von Trioplast Wittenheim im Jahr 2001,
         der etwa 0,4 % betragen habe, hätte die Kommission Trioplast Wittenheim in die sechste Unternehmenskategorie, wenn nicht gar
         in eine siebte Kategorie einordnen müssen, und nicht in die fünfte.
      
      87      Die Kommission verweist auf ihren Ermessensspielraum; die Wahl des Jahres 1996 als Referenzjahr sei rechtmäßig, da es ihr
         die Heranziehung des in diesem Jahr erzielten Umsatzes ermöglicht habe, die Größe und die Wirtschaftskraft jedes Unternehmens
         in dieser Branche sowie das Ausmaß der von jedem von ihnen begangenen Zuwiderhandlung einzuschätzen. Nach dem Grundsatz der
         Gleichbehandlung sei sie verpflichtet, auf ein einheitliches Referenzjahr abzustellen, auch wenn die Entscheidung für ein
         bestimmtes Jahr als Referenzjahr zwangsläufig bedeute, dass bestimmte Unternehmen möglicherweise einen höheren oder niedrigeren
         Umsatz als in anderen Jahren zu verzeichnen hätten.
      
      88      Die Entscheidung für das Jahr 1996 als Referenzjahr sei gerechtfertigt gewesen, auch wenn die Klägerin Trioplast Wittenheim
         in der Tat 1999 von FLS Plast erworben habe. Trioplast Wittenheim habe sich nämlich auch nach dem Wechsel der Muttergesellschaft
         weiter an dem Kartell beteiligt. Das Referenzjahr könne entweder in den Zeitraum fallen, in dem FLS Plast beteiligt gewesen
         sei, oder in denjenigen, in dem die Klägerin beteiligt gewesen sei, aber nicht in beide gleichzeitig.
      
      89      Was den behaupteten Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit angeht, macht die Kommission geltend, die Tatsache,
         dass Trioplast Wittenheim die Herstellung eines bestimmten Produkts 1997 eingestellt habe, spreche eher für die Wahl des Jahres
         1996 als Referenzjahr, da dieses Jahr besser die Marktposition von Trioplast Wittenheim im Verhältnis zu den anderen Kartellteilnehmern
         während des größten Teils (etwa drei Viertel) der Gesamtdauer der Zuwiderhandlung widerspiegele.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      90      Zunächst ist festzustellen, dass die Kommission, wie oben in Randnr. 75 ausgeführt, nicht an ihre früheren Entscheidungen
         gebunden ist. Selbst wenn die Festsetzung des Referenzjahrs im vorliegenden Fall also eine Änderung einer gefestigten Praxis
         darstellen sollte, hätte dies allein keine Auswirkungen auf die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung.
      
      91      Außerdem muss sich die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung nach ständiger Rechtsprechung auf die tatsächliche wirtschaftliche
         Lage zur Zeit ihrer Begehung beziehen; die insoweit relevanten Gesichtspunkte sind insbesondere die Größe und die Wirtschaftskraft
         jedes Unternehmens sowie das Ausmaß der von jedem von ihnen begangenen Zuwiderhandlung (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998,
         Sarrió/Kommission, T‑334/94, Slg. 1998, II‑1439, Randnr. 397 und die dort angeführte Rechtsprechung). Bei der Beurteilung
         dieser Gesichtspunkte ist zwangsläufig der während der in Rede stehenden Zeit erzielte Umsatz heranzuziehen (Urteil des Gerichtshofs
         vom 16. November 2000, Sarrió/Kommission, C‑291/98 P, Slg. 2000, I‑9991, Randnr. 86 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      92      Zwar weist die Klägerin zu Recht darauf hin, dass in der Sache, in der die Urteile vom 14. Mai 1998, Sarrió/Kommission (oben
         in Randnr. 91 angeführt), und vom 16. November 2000, Sarrió/Kommission (oben in Randnr. 91 angeführt), ergangen sind, bei
         der Berechnung auf den Umsatz im letzten vollen Jahr der Zuwiderhandlung abgestellt worden sei. Das bedeutet aber nicht, dass
         immer so verfahren werden müsste. Nach diesen Urteilen ist nämlich eine Berechnungsmethode zu wählen, die es ermöglicht, Größe
         und Wirtschaftskraft eines jeden betroffenen Unternehmens sowie das Ausmaß der begangenen Zuwiderhandlung anhand der tatsächlichen
         wirtschaftlichen Lage zur Zeit der Begehung der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen (Urteil vom 16. November 2000, Sarrió/Kommission,
         oben in Randnr. 91 angeführt, Randnr. 88). Zudem hat das Gericht festgestellt, dass der zu berücksichtigende Zeitraum so abgegrenzt
         werden muss, dass die ermittelten Umsatzzahlen so weit wie möglich miteinander vergleichbar sind (Urteil des Gerichts vom
         14. Mai 1998, Fiskeby Board/Kommission, T‑319/94, Slg. 1998, II‑1331, Randnr. 42).
      
      93      Folglich kann der Auffassung der Klägerin, dass das Referenzjahr stets das letzte volle Jahr sein muss, in dem die Zuwiderhandlung
         angedauert hat, nicht gefolgt werden.
      
      94      Im vorliegenden Fall ist allerdings festzustellen, dass die Zuwiderhandlung mehr als 20 Jahre lang gedauert hat und dass die
         Zahl der Unternehmen, die an der Zuwiderhandlung mitgewirkt haben, und die Gestalt eines jeden von ihnen sich im Laufe dieser
         20 Jahre möglicherweise verändert haben, ebenso wie die Größe und die Wirtschaftskraft eines jeden von ihnen. Die Klägerin,
         obwohl eigens unter den Adressatinnen der angefochtenen Entscheidung aufgeführt, gehört nicht, wie es in Erwägungsgrund 767
         der angefochtenen Entscheidung heißt, zu jenen sämtlichen Unternehmen, an die die Entscheidung gerichtet ist, die in dem als
         Referenzjahr gewählten Jahr 1996 auf dem Markt für Industriesäcke vertreten waren. Zudem geht aus den Akten hervor, dass die
         wirtschaftliche Einheit, zu der die Klägerin vom 21. Januar 1999 bis zum 26. Juni 2002, also in der Schlussphase der Zuwiderhandlung,
         gehörte, zwei Produkte des Sektors Industriesäcke, die vorher von Trioplast Wittenheim hergestellt worden waren, nicht mehr
         herstellte und ihr Marktanteil in diesem Zeitraum zwischen 0,4 % und 0,5 % betrug. Deshalb lässt sich nicht sagen, dass der
         Umsatz und der Marktanteil, von denen die Kommission ausgegangen ist, d. h. der Umsatz und der Marktanteil von Trioplast Wittenheim
         im Jahr 1996, die Größe und Wirtschaftskraft des Unternehmens widerspiegeln könnten, zu dem die Klägerin seit 1999 gehörte.
      
      95      Ebenso ist festzustellen, dass sich aus der angefochtenen Entscheidung ergibt, dass die Kommission bei der Festsetzung der
         Geldbußen einem individualistischen Ansatz gefolgt ist, um die nur als Muttergesellschaften haftenden Adressaten der angefochtenen
         Entscheidung als unmittelbare Teilnehmer an der Zuwiderhandlung zu behandeln. Da die Klägerin und Trioplast eine wirtschaftliche
         Einheit bildeten, die vor 1999 nicht bestand, kann, wenn bei einer solchen Einheit das Jahr 1996 als Referenzjahr gewählt
         wird, nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass dies der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage zur Zeit der Beteiligung
         dieses Unternehmens an der Zuwiderhandlung entspräche. Dieses Referenzjahr kann folglich für den Umfang der der Klägerin zuzurechnenden
         Zuwiderhandlung nicht aussagekräftig sein.
      
      96      Die Argumente, die die Kommission hierzu vorbringt, sind nicht geeignet, dieses Ergebnis in Frage zu stellen. Soweit sich
         die Kommission nämlich insbesondere in ihrer Antwort auf Fragen des Gerichts auf ihren Ermessensspielraum in diesem Bereich
         beruft, ist festzustellen, dass die Kommission, wie oben in den Randnrn. 94 und 95 ausgeführt, dadurch, dass sie die Klägerin
         im Rahmen der differenzierten Behandlung in dieselbe Kategorie eingeordnet hat, in die sie Trioplast Wittenheim nach ihrem
         Marktanteil im Jahr 1996 eingeordnet hat, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler begangen hat. Im Übrigen kann bei einer
         Situation, die sich – wie im vorliegenden Fall – entwickelt hat, das Abstellen auf den Marktanteil in einem Referenzjahr,
         das nicht mit späteren zu vergleichen ist, eine Diskriminierung schaffen, indem Situationen, die sich in zeitlicher Hinsicht
         unterscheiden, auf der Grundlage ein und desselben Referenzkriteriums behandelt werden.
      
      97      Außerdem übersieht die Kommission, wenn sie geltend macht, dass das Jahr 1996 die Position von Trioplast Wittenheim auf dem
         relevanten Markt während der gesamten Dauer der Zuwiderhandlung besser widerspiegele, als es die Position dieses Unternehmens
         nach der Einstellung der Herstellung bestimmter Produkte des Sektors Industriesäcke im Jahr 1997 tun könne, dass im vorliegenden
         Fall bei der Berechnung der Geldbuße bei der Klägerin ein von dem von der Kommission bei ihrer Tochtergesellschaft angesetzten
         Betrag verschiedener Betrag angesetzt worden ist. Hierbei ist das Argument, dass der Marktanteil von Trioplast Wittenheim
         im Rahmen der differenzierten Behandlung der Klägerin berücksichtigt worden sei, nicht stichhaltig, da bei dieser differenzierten
         Behandlung von einem Umsatz ausgegangen wird, an dem die Klägerin nicht beteiligt gewesen ist. Folglich kann dieser Umsatz
         nicht der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage zu der Zeit entsprechen, in der die Klägerin und Trioplast Wittenheim eine wirtschaftliche
         Einheit gebildet haben.
      
      98      Nach alledem ist der zweite Teil des ersten Klagegrundes begründet. Folglich ist die angefochtene Entscheidung insoweit für
         nichtig zu erklären, als der bei der Klägerin angesetzte Ausgangsbetrag auf dem Marktanteil von Trioplast im Referenzjahr
         1996 beruht.
      
       Der zweite Klagegrund: Rechtswidrigkeit der Weigerung der Kommission, mildernde Umstände zuzubilligen
       Vorbringen der Parteien
      99      Nach Auffassung der Klägerin hätte die Kommission bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße die mildernden Umstände berücksichtigen
         müssen, durch die die Beteiligung von Trioplast Wittenheim an der Zuwiderhandlung gekennzeichnet gewesen sei.
      
      100    Als Erstes macht die Klägerin geltend, Trioplast Wittenheim habe nur sporadisch an den rechtswidrigen Sitzungen teilgenommen.
         Insoweit beruft sich die Klägerin auf mehrere Sitzungsberichte, aus denen insbesondere hervorgehen soll, dass die Beteiligung
         von Trioplast Wittenheim von den anderen Unternehmen angezweifelt worden sei und dieses Unternehmen bei den Sitzungen immer
         wieder gefehlt habe. Diese Dokumente bestätigten außerdem, dass es sich bei Trioplast Wittenheim um eine Wirtschaftsteilnehmerin
         von untergeordneter Bedeutung mit einem geringen Marktanteil gehandelt habe und dass dieses Unternehmen im Hinblick auf die
         im Rahmen der wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen besprochenen Fragen keinen proaktiven Ansatz verfolgt habe.
      
      101    Als Zweites macht die Klägerin geltend, dass Trioplast Wittenheim nur in drei der sechs Untergruppen, nämlich den Untergruppen
         „Frankreich“, „Benelux“ und „Blockbeutel“, mitgewirkt habe und diese Untergruppen spätestens im Februar 1997 verlassen habe.
         Soweit die Mitgliedschaft in den Untergruppen einen Verstoß gegen Art. 81 EG darstelle, macht die Klägerin geltend, diese
         Zuwiderhandlung von Trioplast Wittenheim sei verjährt. Jedenfalls stellten sowohl die auf die Ebene der Untergruppen beschränkte
         Mitwirkung von Trioplast Wittenheim als auch der verhältnismäßig frühe Rückzug dieses Unternehmens mildernde Umstände dar.
      
      102    Als Drittes macht die Klägerin für den Fall, dass das Gericht feststellen sollte, dass Trioplast Wittenheim über den 23. März
         1999 hinaus an der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen sei, geltend, dass die besondere Rolle dieses Unternehmens bei Valveplast
         in der Zeit, in der es ihre Tochtergesellschaft gewesen sei, als mildernder Umstand hätte angesehen werden müssen. Die Klägerin
         habe von den wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen von Valveplast zum ersten Mal in der Sitzung am 23. März 1999 erfahren.
         Das ergebe sich aus dem zwischen FLS Plast und Trioplanex France geschlossenen Vertrag über die Übertragung von Aktien und
         dem Schiedsspruch aus einem Verfahren über eine etwaige Verletzung dieses Vertrags. Im Übrigen sei es bei Trioplast Wittenheim
         nach dieser Sitzung zu einem Einstellungswandel gekommen; den Beschäftigten sei nämlich verboten worden, an wettbewerbswidrigen
         Tätigkeiten von Valveplast teilzunehmen; zu drei Sitzungen, die 2001 stattgefunden hätten, sei Trioplast Wittenheim ausschließlich
         in redlicher Absicht erschienen, nämlich in der Hoffnung, über rechtmäßige Fragen diskutieren zu können.
      
      103    Die Klägerin führt hierzu weiter aus, die gegen das Vorliegen mildernder Umstände sprechenden Tatsachen, die von der Kommission
         geltend gemacht würden, wie die Mitwirkung in den Untergruppen, seien, was sie angehe, unerheblich, da sie sich auf eine Zeit
         bezögen, in der sie Trioplast Wittenheim noch nicht erworben gehabt habe. Für den Fall, dass das Gericht zu der Auffassung
         gelangen sollte, dass gegen sie eine eigene Geldbuße festzusetzen sei, macht die Klägerin geltend, dass die Kommission die
         mildernden Umstände hätte berücksichtigen müssen, die nach diesem Erwerb vorlagen, zumindest was ihre Verantwortlichkeit angehe.
      
      104    Nach Auffassung der Kommission ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      105    Wenn eine Zuwiderhandlung von mehreren Unternehmen begangen worden ist, ist nach der Rechtsprechung die relative Schwere der
         Beteiligung eines jeden einzelnen von ihnen an der Zuwiderhandlung zu prüfen (Urteil des Gerichtshofs vom 16. Dezember 1975,
         Suiker Unie u. a./Kommission, 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73, 111/73, 113/73 und 114/73, Slg. 1975, 1663, Randnr. 623),
         um festzustellen, ob mildernde oder erschwerende Umstände zu berücksichtigen sind.
      
      106    Nach Nr. 3, erster Gedankenstrich, der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen stellt die „ausschließlich
         passive Mitwirkung oder reines Mitläufertum“ eines Unternehmens bei der Zuwiderhandlung – sofern erwiesen – einen mildernden
         Umstand dar. Eine passive Rolle impliziert, dass sich das betroffene Unternehmen nicht hervorgetan hat, d. h. nicht aktiv
         an der Ausarbeitung der wettbewerbswidrige(n) Absprache(n) teilgenommen hat (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom
         9. Juli 2003, Cheil Jedang/Kommission, T‑220/00, Slg. 2003, II‑2473, Randnr. 167).
      
      107    Nach der Rechtsprechung kann als Anhaltspunkt für die passive Rolle eines Unternehmens innerhalb eines Kartells berücksichtigt
         werden, dass es im Vergleich zu den gewöhnlichen Mitgliedern des Kartells deutlich seltener an den Besprechungen teilgenommen
         hat, dass es spät in den Markt, auf dem die Zuwiderhandlung stattgefunden hat, eingetreten ist, unabhängig davon, wie lange
         es an der Zuwiderhandlung mitgewirkt hat, oder dass es entsprechende ausdrückliche Aussagen von Vertretern dritter an der
         Zuwiderhandlung beteiligter Unternehmen gibt (Urteile des Gerichts Cheil Jedang/Kommission, oben in Randnr. 106 angeführt,
         Randnr. 168, und vom 29. April 2004, Tokai Carbon u. a./Kommission, T‑236/01, T‑239/01, T‑244/01 bis T‑246/01, T‑251/01 und
         T‑252/01, Slg. 2004, II‑1181, Randnr. 331).
      
      108    Zudem hat das Gericht bereits entschieden, dass die Tatsache, dass andere Unternehmen, die an ein und demselben Kartell beteiligt
         gewesen sind, aktiver gewesen sein mögen als ein bestimmter Teilnehmer, noch nicht bedeutet, dass dieser ausschließlich passiv
         mitwirkte oder reiner Mitläufer war. Denn nur seine völlige Passivität könnte berücksichtigt werden und müsste von der Partei,
         die sich darauf beruft, bewiesen werden (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 26. April 2007, Bolloré u. a./Kommission,
         T‑109/02, T‑118/02, T‑122/02, T‑125/02, T‑126/02, T‑128/02, T‑129/02, T‑132/02 und T‑136/02, Slg. 2007, II‑947, Randnr. 611).
      
      109    Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass keinem der Argumente, die die passive Mitwirkung und das Mitläufertum betreffen,
         wodurch die Beteiligung der Klägerin am Kartell gekennzeichnet gewesen sein soll, gefolgt werden kann. Diese Argumente lassen
         sich in drei Gruppen aufteilen: Die erste betrifft namentlich das Fehlen von Trioplast Wittenheim bei den Sitzungen von Valveplast
         und die Marktposition dieses Unternehmens, die zweite die Mitwirkung dieses Unternehmens in den Untergruppen und die letzte
         die Ereignisse nach 1999.
      
      110    Als Erstes geht aus Anhang 1 der angefochtenen Entscheidung, der zahlreiche Einzelheiten der Sitzungen von Valveplast von
         1984 bis 2002 enthält, hervor, dass Trioplast Wittenheim außer in der Zeit nach 1999, worauf oben in den Randnrn. 44 bis 50
         hingewiesen worden ist, regelmäßig zu den Sitzungen von Valveplast erschien und mehrmals ihr Fehlen entschuldigte. Da diese
         Tatsachen nicht bestritten werden, kann der Kommission, ohne dass es in diesem Stadium erforderlich wäre, die Häufigkeit der
         Teilnahme von Trioplast Wittenheim an den Sitzungen der Untergruppen von Valveplast zu prüfen, im vorliegenden Fall nicht
         vorgeworfen werden, eine passive Mitwirkung oder Mitläufertum dieses Unternehmens wegen einer begrenzten Häufigkeit seiner
         Teilnahme an den Sitzungen von Valveplast nicht festgestellt zu haben.
      
      111    Die Kommission hatte im Übrigen auch keinen Grund anzunehmen, dass die anderen Wirtschaftsteilnehmer ernsthaft Zweifel an
         der Mitwirkung von Trioplast Wittenheim gehabt hätten. Die Klägerin hat hierfür keine Beweise geliefert, wie z. B. Aussagen
         anderer Kartellteilnehmer zu der Sonderrolle, die Trioplast Wittenheim gespielt haben soll. Die Klägerin stützt ihre Behauptungen
         ausschließlich auf die Sitzungsberichte von Valveplast, aus denen sich nicht schließen lässt, was die Klägerin daraus schließen
         will. Die in dem Bericht über die Sitzung vom 2. März 1993 enthaltene Feststellung über den Wechsel von einer „passiven Teilnahme“
         von Herrn G., dem Vertreter von Trioplast Wittenheim, hin zu einer „aktiven Teilnahme“, stellt nämlich nicht unbedingt ein
         Indiz für Zweifel der anderen Teilnehmer im Hinblick auf die Mitwirkung dieses Unternehmens als solchem dar, da dieses vor
         1992 durch andere Personen vertreten worden war. Jedenfalls wird in dem Bericht festgestellt, dass sich die Teilnahme von
         Herrn G. in Richtung einer aktiven Beteiligung am Kartell ab März 1993 entwickelt habe. Auch daraus, dass 2000 ein Teilnehmer
         von Valveplast beauftragt worden sein soll, sich mit dem Vertreter von Trioplast Wittenheim in Verbindung zu setzen, um über
         die zukünftige Vertretung dieses Unternehmens zu reden, lässt sich noch nicht schließen, dass die Beteiligung dieses Unternehmens
         am Kartell bezweifelt worden wäre.
      
      112    Die Behauptung, Trioplast Wittenheim sei auf dem Markt ein Wirtschaftsteilnehmer von untergeordneter Bedeutung gewesen, trifft
         nicht zu; Trioplast Wittenheim ist sowohl auf dem relevanten Markt als auch bei Valveplast und in den Untergruppen durchaus
         aktiv gewesen. Aus den Erwägungsgründen 134, 135 und 400 der angefochtenen Entscheidung geht nämlich hervor, dass Trioplast
         Wittenheim alle vier Produkte, die Gegenstand des Kartells gewesen sind, nämlich offene Säcke, Ventilsäcke, FFS-Schlauchfolien
         und Blockbeutel, herstellte. Dabei hat Trioplast Wittenheim, wie aus den Erwägungsgründen 173, 176, 185 und 205 der angefochtenen
         Entscheidung hervorgeht, nicht nur bei Valveplast mitgewirkt, sondern auch in den Untergruppen „Blockbeutel“, „Frankreich“
         und „Benelux“.
      
      113    Auch die Behauptung, Trioplast Wittenheim habe im Hinblick auf die im Rahmen der wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen besprochenen
         Fragen keinen proaktiven Ansatz verfolgt, ist nicht haltbar. Wie aus der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, insbesondere
         aus deren Randnr. 802, war Trioplast Wittenheim, eines der Gründungsmitglieder des Kartells, wiederholt an mehreren der in
         Rede stehenden Kartellverstöße beteiligt, insbesondere an dem systematischen Austausch von Informationen über Absatz und Marktanteile
         und der Aufteilung der Kunden.
      
      114    Was als Zweites die Behauptung angeht, Trioplast Wittenheim habe nur in drei der sechs Untergruppen mitgewirkt und diese Untergruppen
         spätestens 1997 verlassen, ist zum einen festzustellen, dass die Mitwirkung in drei Untergruppen im Vergleich zu den anderen
         Kartellteilnehmern nicht gerade selten ist, was für einen vergleichbaren Grad der Mitwirkung auf der Ebene der Untergruppen
         spricht. Aus den Erwägungsgründen 173 bis 185 der angefochtenen Entscheidung geht nämlich hervor, dass lediglich Wavin und
         Fardem Packaging an den Sitzungen von mehr als drei Untergruppen teilnahmen. Zum anderen kann, da Trioplast Wittenheim während
         ungefähr drei Vierteln der Dauer der Zuwiderhandlung tatsächlich in den genannten drei Untergruppen mitgewirkt hat, nicht
         angenommen werden, dass der Rückzug aus diesen Untergruppen eine passive Mitwirkung von Trioplast Wittenheim bedeutet hätte.
      
      115    Was das Vorbringen der Klägerin angeht, die Zuwiderhandlung von Trioplast Wittenheim sei, soweit sie die Mitwirkung in den
         Untergruppen angehe, verjährt, genügt es, darauf hinzuweisen, dass sich die Klägerin nicht gegen die Einstufung als einzige
         und fortgesetzte Zuwiderhandlung wendet. Da die – einzige und fortgesetzte – Zuwiderhandlung am 26. Juni 2002 aufgehört hat
         und somit nicht als verjährt angesehen werden kann, kommt es auf das Ende der Teilnahme von Trioplast Wittenheim an den Untergruppen
         nicht an.
      
      116    Als Drittes ist festzustellen, dass, selbst wenn angenommen würde, dass die Klägerin beim Erwerb von Trioplast Wittenheim
         1999 keinerlei Kenntnis von den wettbewerbswidrigen Verhaltensweisen bei Valveplast gehabt hätte, sie nicht bewiesen hat,
         dass bei ihrer Tochtergesellschaft im Hinblick auf deren Beteiligung am Kartell in dem Zeitraum von Januar 1999 bis Juni 2002
         völlige Passivität im Sinne der oben in Randnr. 108 angeführten Rechtsprechung vorgelegen hätte. Wie aus der Würdigung des
         dritten Teils des ersten Klagegrundes, insbesondere den Randnrn. 44 und 45 des vorliegenden Urteils, hervorgeht, hat Trioplast
         Wittenheim 2001 an drei Sitzungen teilgenommen, bei denen zwei wesentliche Bestandteile des Kartells erarbeitet worden sind,
         nämlich die Preisberechnungsmethode und die Absprache der Gebote im Internet.
      
      117    Da die Klägerin nicht bewiesen hat, dass die Kommission dadurch, dass sie den Betrag, bis zu dem die Klägerin gesamtschuldnerisch
         für die Zahlung der Geldbuße haftet, nicht wegen mildernder Umstände herabgesetzt hat, einen offensichtlichen Beurteilungsfehler
         begangen hätte, ist der zweite Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Der vierte Klagegrund: der Kronzeugenantrag
      –       Vorbringen der Parteien
      118    Die Klägerin vertritt die Auffassung, der Ausgangsbetrag der Geldbuße hätte gemäß Abschnitt D der Mitteilung über die Zusammenarbeit
         um mehr als die ihr von der Kommission zugebilligten 30 % herabgesetzt werden müssen.
      
      119    Die Klägerin macht zunächst geltend, dass Trioplast Wittenheim und sie selbst nach ihrem Antrag auf Herabsetzung der Geldbuße
         wirksam mit der Kommission zusammengearbeitet hätten. Zum einen habe sie Angaben gemacht und Unterlagen vorgelegt, die bei
         der Feststellung der Zuwiderhandlung durch die Kommission sachdienlich gewesen seien; zum anderen hätte die Herabsetzung der
         Geldbuße nicht deshalb beschränkt werden dürfen, weil sie im Rahmen des Verwaltungsverfahrens den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         dargestellten Sachverhalt in bestimmten Punkten bestritten habe. Sie habe nämlich nur bestimmte Umstände hervorgehoben, die
         die Kommission nicht richtig verstanden gehabt habe, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt das Vorliegen des wettbewerbswidrigen Verhaltens
         zu bestreiten. Die Kommission habe die Darstellung des Sachverhalts dann in mehreren Punkten geändert. Sie müsse das Recht
         haben, den Sachverhalt „im Randbereich“ anders zu beurteilen als die Kommission, ohne dass sich dies negativ auf die Behandlung
         ihres Kronzeugenantrags auswirke.
      
      120    Sodann weist die Klägerin darauf hin, dass die Kommission Bischof+Klein eine Herabsetzung in Höhe von 25 % gewährt habe und
         dass die Geldbuße dieses Unternehmens nach der angefochtenen Entscheidung u. a. deshalb herabgesetzt worden sei, weil es den
         in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargestellten Sachverhalt nicht bestritten habe. Da auch sie das Vorliegen des wettbewerbswidrigen
         Verhaltens nicht bestritten habe und mehr Beweismittel geliefert habe als Bischof+Klein, müsse ihr eine höhere Herabsetzung
         gewährt werden.
      
      121    Nach Auffassung der Kommission ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      122    Der Kommission steht hinsichtlich der Methode der Berechnung von Geldbußen ein weites Ermessen zu; sie kann dabei eine Vielzahl
         von Faktoren berücksichtigen, zu denen auch die Kooperationsbeiträge der betroffenen Unternehmen während der von ihren Dienststellen
         durchgeführten Untersuchungen gehören. In diesem Rahmen muss die Kommission komplexe Tatsachenwürdigungen, wie die Würdigung
         der jeweiligen Kooperationsbeiträge dieser Unternehmen, vornehmen (Urteil des Gerichtshofs vom 10. Mai 2007, SGL Carbon/Kommission,
         C‑328/05 P, Slg. 2007, I‑3921, Randnr. 81).
      
      123    Die Kommission verfügt bei der Beurteilung der Qualität und Nützlichkeit des Kooperationsbeitrags eines Unternehmens, insbesondere
         im Vergleich zu den Beiträgen anderer Unternehmen, über ein weites Ermessen (Urteil SGL Carbon/Kommission, oben in Randnr. 122
         angeführt, Randnr. 88). Bei dessen Ausübung darf sie jedoch nicht gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstoßen (Urteil
         des Gerichts vom 28. April 2010, BST/Kommission, T‑452/05, Slg. 2010, II-0000, Randnr. 142).
      
      124    In der Mitteilung über die Zusammenarbeit hat die Kommission die Voraussetzungen genannt, unter denen Geldbußen für Unternehmen,
         die während der Untersuchung eines Kartellfalls mit ihr zusammenarbeiten, entweder nicht oder niedriger festgesetzt werden
         können.
      
      125    Abschnitt D der Mitteilung über die Zusammenarbeit lautet:
      
      „1.      Arbeitet ein Unternehmen mit der Kommission zusammen, ohne dass es alle Voraussetzungen erfüllt, so wird die Höhe der Geldbuße,
         die ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden wäre, um 10 bis 50 % niedriger festgesetzt.
      
      2.      Dies gilt insbesondere, wenn:
      –      ein Unternehmen der Kommission vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte Informationen, Unterlagen oder andere Beweismittel
         liefert, die zur Feststellung des Vorliegens eines Verstoßes beitragen;
      
      –      ein Unternehmen der Kommission nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den
         die Kommission ihre Einwände stützt, nicht bestreitet.“
      
      126    Im vorliegenden Fall stellt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung zum einen fest, dass die detaillierten Angaben
         der Klägerin zum Funktionieren des Kartells auf der Ebene von Valveplast und auf der Ebene der Untergruppen, insbesondere
         der Untergruppe „Frankreich“, und zu den Verkaufkontingenten, den Mechanismen der Zuteilung von Abnehmern und der Bedeutung
         der Tabellen über die Marktanteile zur Feststellung des Vorliegens des Verstoßes betragen haben. Zum anderen hat die Kommission
         berücksichtigt, dass die Klägerin den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargestellten Sachverhalt in manchen Punkten
         bestritten hat. Sie hat die Geldbuße gegen die Klägerin deshalb um 30 % herabgesetzt.
      
      127    Zunächst stellen die Feststellung der Kommission, die Klägerin habe den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargestellten
         Sachverhalt in manchen Punkten bestritten, und die entsprechend geringere Herabsetzung des Betrags, bis zu dem die Klägerin
         gesamtschuldnerisch haftet, keinen offensichtlichen Beurteilungsfehler der Kommission dar.
      
      128    Aus der angefochtenen Entscheidung geht nämlich hervor, dass die Klägerin den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargestellten
         Sachverhalt in bestimmten Punkten in einer Weise bestritten hat, die über den bloßen Hinweis auf Tatsachen, die die Kommission
         nicht richtig verstanden haben soll, hinausgeht. Nach den Erwägungsgründen 275 und 276 der angefochtenen Entscheidung behauptete
         die Klägerin, dass Trioplast Wittenheim an der Einrichtung eines Systems der Absprache von Geboten im Internet nicht beteiligt
         gewesen sei. Es ist aber erwiesen, dass Trioplast Wittenheim an der Sitzung von Valveplast vom 8. Juni 2001 teilgenommen hat,
         bei der diese Frage angesprochen wurde, und dass sie sich nicht offen vom Inhalt der Sitzung distanziert hat. Nach der Randnr. 301
         der angefochtenen Entscheidung bestritt Trioplast Wittenheim, in irgendeiner Form an der Erarbeitung der Methode zur Berechnung
         der Preise von FFS-Schlauchfolien beteiligt gewesen zu sein, obwohl unstreitig ist, dass dieses Unternehmen an der Sitzung
         von Valveplast am 15. September 2000 teilgenommen hat, in der beschlossen wurde, eine entsprechende Arbeitsgruppe zu bilden.
         Trioplast Wittenheim hat sich auch von dem Inhalt dieser Sitzung nicht distanziert.
      
      129    Dieses Bestreiten der Klägerin im Verwaltungsverfahren kann nicht als eine Würdigung des Sachverhalts angesehen werden, die
         nur „im Randbereich“ von derjenigen der Kommission abwiche. Es betrifft zwei wesentliche Bestandteile des Kartells, nämlich
         die Absprache der Gebote im Internet und die Preisberechnungsmethode. Dem steht nicht entgegen, dass die angefochtene Entscheidung
         bei der Darstellung des Sachverhalts aufgrund der Erwiderung der Klägerin in bestimmten Punkten von der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         abweicht.
      
      130    Was sodann den Vergleich der Situation der Klägerin mit derjenigen von Bischof+Klein angeht, einem Unternehmen, dem übrigens
         eine geringere Herabsetzung gewährt worden ist als diejenige in Höhe von 30 %, die der Klägerin gewährt worden ist, ist festzustellen,
         dass aus Randnr. 851 der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, dass Bischof+Klein in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte erklärte, dass sie den Sachverhalt, wie er in dieser Mitteilung dargestellt sei, nicht bestreite. Mithin
         hat dieses Unternehmen Abschnitt D Nr. 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über die Zusammenarbeit beachtet – anders als
         die Klägerin, die sich, wie sich aus den Akten ergibt, zu keinem Zeitpunkt ausdrücklich auf diese Bestimmung berufen hat.
      
      131    Im Übrigen hat die Klägerin nicht dargetan, dass Bischof+Klein im Verwaltungsverfahren den Sachverhalt entgegen ihrer Erklärung
         in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte bestritten hätte, während erwiesen ist, dass sie selbst den Sachverhalt
         in diesem Verfahren in bestimmten Punkten bestritten hat. Selbst wenn die Kommission einerseits Bischof+Klein eine Herabsetzung
         der Geldbuße gewährt hätte oder die Geldbuße stärker herabgesetzt hätte, weil dieses Unternehmen den Sachverhalt nicht bestritten
         hat, andererseits der Klägerin eine solche Herabsetzung nicht gewährt hätte, läge mithin kein offensichtlicher Beurteilungsfehler
         vor.
      
      132    Schließlich ist festzustellen, dass die Klägerin nicht dargetan und erst recht nicht bewiesen hat, dass sie durch die Beweismittel,
         die sie der Kommission geliefert hat, in höherem Maße zur Feststellung des Vorliegens des Verstoßes beigetragen hätte als
         Bischof+Klein. Somit kann der Kommission auch insoweit kein Fehler angelastet werden.
      
      133    Mithin ist der vierte Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Der fünfte Klagegrund: die Beachtung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung
      –       Vorbringen der Parteien
      134    Die Klägerin macht geltend, die Kommission habe gegen die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung verstoßen.
      
      135    Sie macht als Erstes geltend, es sei unverhältnismäßig, dass die Geldbußen aller Unternehmen, die an der Zuwiderhandlung mitgewirkt
         hätten, zusammen genommen mit 290,71 Mio. Euro nach Anwendung der Obergrenze von 10 % des Umsatzes und der Mitteilung über
         die Zusammenarbeit (und mit über 600 Mio. Euro vorher), den Jahresumsatz des gesamten relevanten Markts von etwa 250 Mio.
         Euro überstiegen. Außerdem seien die gegen Trioplast Wittenheim und gegen sie als Gesamtschuldnerin festgesetzten Geldbußen
         im Verhältnis zu dem auf dem relevanten Markt erzielten Umsatz zu hoch. Insoweit sei das Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003,
         Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission (T‑224/00, Slg. 2003, II‑2597), nicht einschlägig,
         da Archer Daniels Midland in dem in Rede stehenden Kartell – anders als sie im vorliegenden Fall – eine führende Rolle gespielt
         habe.
      
      136    Als Zweites vertritt die Klägerin die Auffassung, dass die Kommission vergleichbare Sachverhalte unterschiedlich behandelt
         habe und sich nicht an die eigene Praxis der Festsetzung von Geldbußen gehalten habe. Die Klägerin verweist zum einen auf
         andere Sachen wie z. B. die Sache Methionin (Sache C.37.519 – Methionin, ABl. 2003, L 255, S. 1), in denen das Verhältnis
         zwischen festgesetzten Geldbußen und den auf den relevanten Märkten erzielten Umsätzen angemessener gewesen sei. Zum anderen
         macht die Klägerin geltend, im Fall von Trioplast Wittenheim stehe die Geldbuße in höherem Maße außer Verhältnis zum Umsatz
         als bei den anderen Adressaten der angefochtenen Entscheidung, wie z. B. Bischof+Klein, Nordenia International und Cofira-Sac.
      
      137    Die bei den Unternehmen der ersten Kategorie angesetzten Ausgangsbeträge stünden zu denen der bei den Unternehmen der vierten
         Kategorie angesetzten im Verhältnis von etwa vier zu eins. Der Endbetrag der Geldbuße von Trioplast Wittenheim hätte mindestens
         auf einen (ungefähr) einem Viertel des Endbetrags der Geldbuße von Bischof+Klein entsprechenden Betrag herabgesetzt werden
         müssen, einem Unternehmen, das in die erste Kategorie eingeordnet worden sei.
      
      138    Als Drittes macht die Klägerin geltend, dass es sich bei Trioplast Wittenheim um einen Wirtschaftsteilnehmer von untergeordneter
         Bedeutung gehandelt habe, der keinen entscheidenden Einfluss auf den Markt gehabt habe, und dass sie aus ihrer Beteiligung
         an dem wettbewerbswidrigen Verhalten keinerlei Vorteil gezogen habe. Die Geldbuße in Höhe von 7,3 Mio. Euro, bis zu der sie
         gesamtschuldnerisch hafte, übersteige den von der Trioplast-Gruppe mit dem Verkauf der betreffenden Produkte in den Jahren
         1999, 2000 und 2001 erzielten Gesamtgewinn um das Einundzwanzigfache. Außerdem habe die Kommission bei der Festsetzung der
         Geldbuße die tatsächliche Fähigkeit von Trioplast Wittenheim, diese zu zahlen, nicht berücksichtigt. Die Insolvenz dieses
         Unternehmens hätte vermieden werden können, wenn die Kommission dessen prekäre Lage berücksichtigt und beim Erlass der angefochtenen
         Entscheidung die unmittelbare finanzielle Verantwortlichkeit des vorherigen Eigentümers dieses Unternehmens, d. h. FLS Plast,
         anerkannt hätte.
      
      139    Als Viertes macht die Klägerin geltend, die im vorliegenden Fall festgesetzten Geldbußen wären wesentlich niedriger ausgefallen,
         wenn die neuen Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen angewandt worden wären.
      
      140    Nach Auffassung der Kommission ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      141    Erstens ist, soweit mit dem fünften Klagegrund ein Verstoß gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gerügt wird, festzustellen,
         dass die Kommission bei der Festlegung der Höhe der einzelnen Geldbußen nach der Rechtsprechung über ein Ermessen verfügt
         und nicht verpflichtet ist, hierbei eine exakte mathematische Formel anzuwenden (Urteil des Gerichtshofs vom 16. November
         2000, Mo och Domsjö/Kommission, C‑283/98 P, Slg. 2000, I‑9855, Randnr. 47, und Urteil des Gerichts vom 5. Dezember 2006, Westfalen
         Gassen Nederland/Kommission, T‑303/02, Slg. 2006, II‑4567, Randnr. 151). Außerdem richtet sich die Höhe der Geldbuße gemäß
         Art. 23 Abs. 3 der Verordnung Nr. 1/2003 nach der Schwere der Zuwiderhandlung und deren Dauer. Ferner ist dieser Betrag das
         Ergebnis einer Reihe von zahlenmäßigen Bewertungen, die die Kommission entsprechend den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen vornimmt. Für die Festlegung dieses Betrags sind u. a. verschiedene Umstände maßgeblich, die mit dem individuellen
         Verhalten des fraglichen Unternehmens zusammenhängen, etwa dem Vorliegen von erschwerenden oder mildernden Umständen (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 4. Juli 2006, Hoek Loos/Kommission, T‑304/02, Slg. 2006, II‑1887, Randnrn. 82 und
         85).
      
      142    Aus diesem rechtlichen Rahmen lässt sich nicht ableiten, dass die Kommission sicherstellen müsste, dass der Gesamtbetrag der
         solchermaßen errechneten und gegen die Kartellteilnehmer verhängten Geldbußen im Verhältnis zum Marktvolumen des betreffenden
         Erzeugnisses in einem bestimmten Jahr der Zuwiderhandlung steht, wenn die Zuwiderhandlung mehr als 20 Jahre angedauert hat
         und die Höhe der Geldbußen auch von anderen Umständen abhängt, die mit dem individuellen Verhalten der betroffenen Unternehmen
         zusammenhängen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 18. Juni 2008, Hoechst/Kommission, T‑410/03, Slg. 2008, II‑881,
         Randnr. 342).
      
      143    Zu dem Verhältnis zwischen dem Jahresumsatz der Klägerin und der Höhe der gegen sie festgesetzten Geldbuße ist zum einen festzustellen,
         dass die Kommission bei der Bemessung der Schwere der von der Klägerin begangenen Zuwiderhandlung in der Tat auf den im Jahr
         1996 erzielten Umsatz abgestellt hat, zum anderen, dass der entsprechende Ausgangsbetrag von 8,5 Mio. Euro geringer war als
         derjenige, den die Kommission nach Abschnitt A dritter Gedankenstrich der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von
         Geldbußen hätte ansetzen können, nämlich 20 Mio. Euro (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 28. April 2010, Amann
         & Söhne und Cousin Filterie/Kommission, T‑446/05, Slg. 2010, II-0000, Randnr. 180). Der Umstand, dass die Kommission den Umsatz
         eines Jahres hätte berücksichtigen müssen, in dem die Klägerin auf dem relevanten Markt vertreten war, ist insoweit für sich
         genommen unerheblich.
      
      144    Im Übrigen soll Art. 23 Abs. 2 der Verordnung Nr. 1/2003 verhindern, dass Geldbußen unverhältnismäßig sind. Da die endgültige
         Geldbuße im vorliegenden Fall die Umsatz-Obergrenze von 10 % nicht übersteigt, kann sie nicht deswegen als unverhältnismäßig
         angesehen werden, weil die Geldbußen insgesamt das Gesamtvolumen des relevanten Markts oder die gegen Trioplast Wittenheim
         bzw. die Klägerin verhängte Geldbuße jeweils den mit dem betreffenden Produkt erzielten Jahresumsatz dieser Unternehmen übersteigen
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Archer Daniels Midland und Archer Daniels Midland Ingredients/Kommission, oben in Randnr. 135
         angeführt, Randnr. 200). Anders als die Klägerin geltend macht, ist die Umsatz-Obergrenze von 10 % anzuwenden, ohne dass die
         besondere Rolle eines Unternehmens in dem Kartell berücksichtigt werden müsste.
      
      145    Zweitens ist zu dem behaupteten Verstoß gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung zum einen festzustellen, dass, soweit die
         Klägerin die Entscheidung mit anderen Bußgeldentscheidungen der Kommission vergleicht, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis
         zwischen dem Gesamtbetrag der Geldbußen und dem Volumen des relevanten Markts, diese Entscheidungen im Hinblick auf die Einhaltung
         des Grundsatzes der Gleichbehandlung nur relevant sein können, wenn dargetan wird, dass die diesen Entscheidungen zugrunde
         liegenden tatsächlichen Gegebenheiten wie die Märkte, die Erzeugnisse, die Länder, die Unternehmen und die betroffenen Zeiträume
         die gleichen sind wie im vorliegenden Fall (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 27. September 2006, Archer Daniels
         Midland/Kommission, T‑59/02, Slg. 2006, II‑3627, Randnr. 316).
      
      146    Die Klägerin hat aber nur angegeben, welche Geldbußen in den in Rede stehenden Entscheidungen insgesamt festgesetzt und welche
         Umsätze auf den relevanten Märkten erzielt worden sind; allein aufgrund dieser Angaben kann nicht angenommen werden, dass
         im vorliegenden Fall dieselben Voraussetzungen vorlägen. Die Klägerin hat nämlich nicht bewiesen, dass die Märkte, die Erzeugnisse,
         die Länder, die Unternehmen und die betroffenen Zeiträume die gleichen wären wie im vorliegenden Fall.
      
      147    Zum anderen ist zu dem von der Klägerin angestellten Vergleich mit anderen Adressaten der angefochtenen Entscheidung festzustellen,
         dass im vorliegenden Fall die Obergrenze von 10 % des Umsatzes auf Bischof+Klein, Nordenia International und Cofira-Sac angewandt
         worden ist. Der Betrag, bis zu dem die Klägerin gesamtschuldnerisch haftet, ist hingegen nicht aufgrund dieser Regelung herabgesetzt
         worden. Zum größten Teil hierauf ist zurückzuführen, was die Klägerin als Missverhältnis zwischen den Endbeträgen einstuft.
         Nach der Rechtsprechung kann dies aber nicht als Diskriminierung angesehen werden. Die unterschiedliche Behandlung ist nämlich
         die unmittelbare Folge der in der Verordnung Nr. 1/2003 festgelegten Obergrenze für Geldbußen, deren Rechtmäßigkeit nicht
         in Frage gestellt worden ist und die offensichtlich nur für die Fälle gilt, in denen die vorgesehene Geldbuße 10 % des Umsatzes
         des betroffenen Unternehmens überschreiten würde (Urteil des Gerichts vom 20. März 2002, ABB Asea Brown Boveri/Kommission,
         T‑31/99, Slg. 2002, II‑1881, Randnr. 185).
      
      148    Drittens ist zu dem Vorbringen, die Klägerin habe aus dem Kartell keinen Vorteil gezogen, festzustellen, dass die Tatsache,
         dass ein Unternehmen aus der Zuwiderhandlung keinen Vorteil gezogen hat, der Verhängung einer Geldbuße nicht entgegensteht,
         da diese sonst ihren abschreckenden Charakter verlieren würde. Folglich braucht die Kommission für die Festsetzung der Geldbußen
         weder nachzuweisen, dass die Zuwiderhandlung den betreffenden Unternehmen einen unrechtmäßigen Vorteil verschafft hat, noch
         gegebenenfalls das Fehlen eines aus der fraglichen Zuwiderhandlung gezogenen Vorteils zu berücksichtigen (Urteil des Gerichts
         vom 15. März 2000, Cimenteries CBR u. a./Kommission, T‑25/95, T‑26/95, T‑30/95 bis T‑32/95, T‑34/95 bis T‑39/95, T‑42/95 bis
         T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95, T‑87/95, T‑88/95, T‑103/95 und T‑104/95, Slg. 2000, II‑491, Randnr. 4881).
         Dieses Vorbringen geht daher ins Leere.
      
      149    Zu der Rüge, die Kommission habe die prekäre finanzielle Lage von Trioplast Wittenheim zum Zeitpunkt des Verwaltungsverfahrens
         nicht berücksichtigt, ist festzustellen, dass die Kommission nicht verpflichtet ist, bei der Festsetzung der Geldbuße die
         defizitäre Finanzlage eines Unternehmens zu berücksichtigen, da die Anerkennung einer solchen Verpflichtung darauf hinauslaufen
         würde, den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen
         (Urteil des Gerichtshofs vom 8. November 1983, IAZ International Belgium u. a./Kommission, 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82,
         108/82 und 110/82, Slg. 1983, 3369, Randnrn. 54 und 55).
      
      150    Im Übrigen ist es nicht erforderlich, auf den von der Kommission vorgenommenen, aber von der Klägerin nicht geltend gemachten
         Verweis auf Nr. 5 Buchst. b der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen einzugehen, wonach die tatsächliche
         Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu berücksichtigen ist, denn diese Rechtsprechung wird durch diese Leitlinie nicht in
         Frage gestellt. Diese Leistungsfähigkeit ist nämlich nur im „gegebenen sozialen Umfeld“ relevant, d. h. im Licht der Folgen,
         die die Zahlung der Geldbuße u. a. in Form einer Zunahme der Arbeitslosigkeit oder einer Beeinträchtigung der dem betreffenden
         Unternehmen vor- und nachgelagerten Wirtschaftssektoren hätte (Urteil des Gerichtshofs vom 29. Juni 2006, SGL Carbon/Kommission,
         C‑308/04 P, Slg. 2006, I‑5977, Randnrn. 105 und 106). Im vorliegenden Fall ist im Vorverfahren aber keinerlei Beweismittel
         für das Vorliegen eines solchen Umfelds vorgebracht worden.
      
      151    Zu dem Hinweis der Klägerin auf die Situation von FLS Plast ist festzustellen, dass die Klägerin, obwohl sie vom Gericht in
         der mündlichen Verhandlung aufgefordert worden ist, insoweit nähere Angaben zu machen, einen Zusammenhang zwischen der Insolvenz
         von Trioplast Wittenheim und der Behandlung von FLS Plast durch die Kommission nicht dargetan hat.
      
      152    Viertens ist der von der Klägerin befürwortete Vergleich zwischen den Geldbußen, die im vorliegenden Fall festgesetzt worden
         sind, und denjenigen, die nach den neuen Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen festzusetzen gewesen wären,
         nicht anzustellen. Den rechtlichen Rahmen für den vorliegenden Fall stellen nämlich die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung
         von Geldbußen dar; dass die Kommission später neue Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen veröffentlicht
         hat, lässt die zeitliche Anwendbarkeit der früheren Leitlinien unberührt.
      
      153    Nach alledem ist der fünfte Klagegrund zurückzuweisen.
      
       Der sechste Klagegrund: die Beachtung der Grundsätze der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Rechtssicherheit
      –       Vorbringen der Parteien
      154    Die Klägerin rügt zum einen einen Verstoß gegen die Bestimmungen der Verordnung Nr. 1/2003 und die Art. 23 Abs. 1 dieser Verordnung
         zugrunde liegenden Grundsätze, zum anderen einen Verstoß gegen den Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung, wie er in der
         Rechtsprechung und der am 7. Dezember 2000 in Nizza proklamierten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. C 364,
         S. 1) Ausdruck gefunden hat. Die Klägerin macht geltend, nach diesen Grundsätzen müsse jede Maßnahme der Organe, die Rechtswirkungen
         entfalte, klar und deutlich sein und dem Adressaten so zur Kenntnis gebracht werden, dass dieser die Auswirkungen und Folgen
         dieser Maßnahme sicher erkennen könne.
      
      155    Die Klägerin macht hierzu geltend, in der angefochtenen Entscheidung sei nicht klar bestimmt, inwieweit sie für die Zuwiderhandlung
         von Trioplast Wittenheim hafte und welche Geldbuße sie schließlich zu zahlen habe. Es sei nämlich nicht angegeben, wie die
         Zahlung der gegen Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße in Höhe von 17,85 Mio. Euro zwischen der Klägerin einerseits und
         FLS Plast und FLSmidth andererseits aufzuteilen sei, da die Beträge, bis zu denen diese Muttergesellschaften hafteten, den
         für Trioplast Wittenheim festgesetzten Betrag insgesamt überstiegen. Durch die angefochtene Entscheidung sei so Rechtsunsicherheit
         begründet worden, die möglicherweise zu einem Rechtsstreit zwischen den verschiedenen Muttergesellschaften vor den nationalen
         Gerichten oder einem Schiedsgericht führen könne, da diese noch die Aufteilung ihrer gegenseitigen Verantwortlichkeiten bestimmen
         müssten.
      
      156    Da die Beträge, bis zu denen die aufeinanderfolgenden Muttergesellschaften gesamtschuldnerisch hafteten, insgesamt die gegen
         Trioplast Wittenheim festgesetzte Geldbuße überstiegen, könne sich die Kommission nicht auf ihre Freiheit berufen, die Geldbuße
         von dem Unternehmen einzufordern, das aller Voraussicht nach in der Lage sei, zu zahlen. Die Muttergesellschaften hafteten
         zusammen mit Trioplast Wittenheim gesamtschuldnerisch jeweils nur für einen verschiedenen Teil der Zuwiderhandlung. Aufgrund
         der gesamtschuldnerischen Haftung sei die Kommission lediglich befugt, einen Teil der Geldbuße je nach dem Zeitraum, auf den
         diese entfalle, entweder von FLS Plast und FLSmidth oder Trioplast Wittenheim bzw. von der Klägerin oder Trioplast Wittenheim
         einzufordern. Im vorliegenden Fall habe die Kommission eine faktische gesamtschuldnerische Haftung von FLS Plast und FLSmidth
         einerseits und der Klägerin andererseits erfunden, für die es keinerlei Rechtsgrundlage gebe.
      
      157    Zum anderen wiederholt die Klägerin Argumente, die sie im Rahmen des ersten Teils des ersten Klagegrundes vorgebracht hat,
         nämlich, dass die Kommission verkannt habe, dass Trioplast Wittenheim zur Compagnie de Saint-Gobain gehört habe, und dass
         die Haftung der Muttergesellschaften insgesamt über den Betrag der gegen Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße hinausgehe.
         Nach ihrer Auffassung hätte die Kommission eine der von ihr vorgeschlagenen Methoden anwenden müssen.
      
      158    Die Kommission stellt zunächst fest, dass Trioplast Wittenheim nach der angefochtenen Entscheidung einen Betrag von 17,85
         Mio. Euro schulde. Von diesem Betrag hätten FLS Plast und FLSmidth gesamtschuldnerisch höchstens 15,30 Mio. Euro zu zahlen
         und die Klägerin höchstens 7,73 Mio. Euro. Jede Zahlung durch eines dieser vier Unternehmen sei auf den Gesamtbetrag von 17,85
         Mio. Euro anzurechnen. Sie, die Kommission, verfüge über das Ermessen, die Zahlung von dem Unternehmen zu verlangen, das am
         ehesten in der Lage sei, diese Verpflichtung zu erfüllen. Wenn eines oder mehrere der gesamtschuldnerisch haftenden Unternehmen
         gezahlt hätten, sei es deren Sache, zu bestimmen, in welchem Verhältnis die Adressaten jeweils die Zahlung zu tragen hätten
         und welche Ausgleichungen gegebenenfalls unter ihnen vorzunehmen seien.
      
      159    Die Kommission stellt klar, dass sie nicht behaupte, dass FLS Plast und FLSmidth zusammen mit der Klägerin gesamtschuldnerisch
         hafteten. Die Klägerin hafte zusammen mit Trioplast Wittenheim gesamtschuldnerisch nur für den sie betreffenden Anteil an
         der Dauer der Zuwiderhandlung. Außerdem habe sie, die Kommission, nicht bestimmen müssen, wie die Verpflichtung zur Zahlung
         letztlich zwischen der Klägerin und Trioplast Wittenheim bzw. FLS Plast und FLSmidth und Trioplast Wittenheim aufzuteilen
         sei.
      
      160    Sodann tritt die Kommission unter Verweis auf ihr Vorbringen im Rahmen des ersten Teils des ersten Klagegrundes dem Vorbringen
         zur Haftung für die Zeit, in der Trioplast Wittenheim der Compagnie de Saint-Gobain gehörte, und zum Übersteigen der gegen
         Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße entgegen.
      
      –       Würdigung durch das Gericht
      161    Bei dem Grundsatz der Rechtssicherheit handelt es sich um einen allgemeinen Grundsatz des Unionsrechts, der insbesondere verlangt,
         dass jede Maßnahme der Organe der Europäischen Union, insbesondere wenn sie Sanktionen verhängt oder die Verhängung gestattet,
         klar und bestimmt ist, damit die Betroffenen ihre Rechte und Pflichten unzweideutig erkennen und somit ihre Vorkehrungen treffen
         können (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom 22. Mai 2008, Evonik Degussa/Kommission und Rat, C‑266/06 P, nicht
         in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 43, und Urteil des Gerichts vom 5. April 2006, Degussa/Kommission, T‑279/02,
         Slg. 2006, II‑897, Randnr. 66).
      
      162    Die Klägerin rügt im Wesentlichen, dass die Beträge, bis zu denen einerseits sie und andererseits FLS Plast und FLSmidth nach
         der angefochtenen Entscheidung gesamtschuldnerisch hafteten, insgesamt die gegen Trioplast Wittenheim verhängte Geldbuße überstiegen,
         so dass der Betrag, den sie letztlich zu zahlen habe, nicht genau bestimmt sei und faktisch die Kommission eine gesamtschuldnerische
         Haftung von ihr zusammen mit FLS Plast und FLSmidth geschaffen habe.
      
      163    Hierzu ist festzustellen, dass die Kommission, wenn eine Muttergesellschaft und eine Tochtergesellschaft eine wirtschaftliche
         Einheit bilden oder gebildet haben, die an einem Kartell beteiligt gewesen ist, diese Gesellschaften als Gesamtschuldner für
         die Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln verantwortlich machen kann (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofs vom
         10. September 2009, Akzo Nobel u. a./Kommission, C‑97/08 P, Slg. 2009, I‑0000, Randnrn. 58 und 59).
      
      164    Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass Trioplast Wittenheim zunächst in dem Zeitraum vom 31. Dezember 1990 bis zum 19.
         Januar 1999 mit FLS Plast und FLSmidth, dann in dem Zeitraum vom 21. Januar 1999 bis zum 26. Juni 2002 mit der Klägerin eine
         wirtschaftliche Einheit gebildet hat. Somit steht nichts dem entgegen, dass die Kommission sowohl FLS Plast und FLSmidth als
         auch die Klägerin als Gesamtschuldner für die Zahlung der gegen ihre Tochtergesellschaft Trioplast Wittenheim festgesetzten
         Geldbuße verantwortlich macht. Die Kommission hat so gegen Trioplast Wittenheim eine Geldbuße in Höhe von 17,85 Mio. Euro
         verhängt und FLS Plast und FLSmidth einerseits und die Klägerin andererseits als Gesamtschuldner in Höhe von 15,30 Mio. Euro
         bzw. 7,73 Mio. Euro für die Zahlung dieser Geldbuße verantwortlich gemacht.
      
      165    Im Übrigen lässt Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung, wie die Kommission geltend macht, dieser bei der
         Beitreibung der Geldbuße bei der einen oder anderen der betreffenden juristischen Personen je nach deren Leistungsfähigkeit
         alle Freiheiten. So kann die Kommission die Geldbuße nach ihrer Wahl ganz oder zu einem Teil bei der Tochtergesellschaft oder
         bei einer oder allen Muttergesellschaften beitreiben, die die Tochtergesellschaft nacheinander kontrolliert haben, bis sie
         vollständig befriedigt ist. Falls sich die Kommission dafür entscheidet, die gesamte Geldbuße bei den Muttergesellschaften
         beizutreiben, kann sie sich gegebenenfalls veranlasst sehen, bei der Klägerin den Höchstbetrag, bis zu dem diese gesamtschuldnerisch
         haftet, beizutreiben, d. h. 7,73 Mio. Euro, und den Rest der Geldbuße bei FLS Plast und FLSmidth, wobei dieser Rest den Betrag
         von 15,30 Mio. Euro notwendigerweise unterschreiten wird, bis zu dem diese Unternehmen gesamtschuldnerisch haften. Umgekehrt
         kann die Kommission es auch vorziehen, bei FLS Plast und FLSmidth den Höchstbetrag, bis zu dem diese Unternehmen gesamtschuldnerisch
         haften, beizutreiben. In diesem Fall könnte sie bei der Klägerin nur einen Betrag beitreiben, der den Betrag, bis zu dem diese
         gesamtschuldnerisch haftet, unterschreitet.
      
      166    Aufgrund der Wahlfreiheit der Kommission bei der Durchführung von Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung hängt
         der tatsächlich bei der Klägerin beigetriebene Betrag also ganz klar von den bei FLS Plast und FLSmidth beigetriebenen Beträgen
         ab und umgekehrt, ohne dass dies in irgendeiner Weise mit dem abschreckenden Charakter der Geldbußen gerechtfertigt werden
         könnte.
      
      167    Die Klägerin einerseits und FLS Plast und FLSmidth andererseits haben aber zu keinem Zeitpunkt eine wirtschaftliche Einheit
         gebildet. Diese Muttergesellschaften haben nacheinander mit Trioplast Wittenheim zwei gesonderte wirtschaftliche Einheiten
         gebildet, die jeweils zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen für das Kartell verantwortlich gewesen sind.
         Da die aufeinanderfolgenden Muttergesellschaften untereinander somit in keiner Weise gesamtschuldnerisch haften, kann die
         angefochtene Entscheidung der Kommission nicht die Befugnis geben, den tatsächlich bei der Klägerin beigetriebenen Betrag
         von dem bei den anderen Muttergesellschaften beigetriebenen abhängig zu machen und umgekehrt.
      
      168    Zwar wird die persönliche Verantwortlichkeit bei der Begehung der in Rede stehenden Zuwiderhandlung in der angefochtenen Entscheidung
         für jede einzelne Muttergesellschaft festgestellt, jeweils unter Berücksichtigung der Dauer, während der sie Trioplast Wittenheim
         kontrolliert hat, des Fehlens von erschwerenden oder mildernden Umständen in ihrem Fall und ihrer Zusammenarbeit mit der Kommission
         während der Untersuchung, wie aus den Erwägungsgründen 782, 783, 785 bis 812, 836 bis 841 und 862 bis 865 der Entscheidung
         hervorgeht. Bei den so festgesetzten Beträgen handelt es sich aber um Höchstbeträge der jeweiligen gesamtschuldnerischen Haftung
         der einzelnen aufeinanderfolgenden Muttergesellschaften für Trioplast Wittenheim.
      
      169    Da die Klägerin einerseits und FLS Plast und FLSmidth andererseits aber zu keinem Zeitpunkt zusammen eine wirtschaftliche
         Einheit gebildet haben, darf der tatsächlich von der Klägerin gezahlte Betrag nach dem Grundsatz der individuellen Zumessung
         von Strafen und Sanktionen deren Anteil an der gesamtschuldnerischen Haftung nicht übersteigen. Dieser Anteil entspricht dem
         Verhältnis des für die Klägerin festgesetzten Betrags zum Gesamtbetrag, bis zu dessen Höhe die aufeinanderfolgenden Muttergesellschaften
         jeweils gesamtschuldnerisch für die Zahlung der gegen Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße haften. Der Grundsatz der individuellen
         Zumessung von Strafen und Sanktionen, nach dem gegen eine wirtschaftliche Einheit nur Sanktionen für die Handlungen verhängt
         werden können, die ihr individuell zur Last gelegt worden sind, gilt in allen Verwaltungsverfahren, die aufgrund der wettbewerbsrechtlichen
         Vorschriften zu Sanktionen führen können (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 29. November 2005, Union Pigments/Kommission,
         T‑62/02, Slg. 2005, II‑5057, Randnr. 119).
      
      170    Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung, der den auf die Klägerin entfallenden Anteil nicht angibt und der
         der Kommission bei der Umsetzung der jeweiligen gesamtschuldnerischen Haftung der einzelnen aufeinanderfolgenden Muttergesellschaften,
         die zu keinem Zeitpunkt zusammen eine wirtschaftliche Einheit gebildet haben, eine umfassende Freiheit einräumt, ist daher
         nicht mit der aus dem Grundsatz der Rechtssicherheit folgenden Verpflichtung der Kommission vereinbar, es der Klägerin zu
         ermöglichen, unzweideutig zu erkennen, welchen genauen Betrag sie für den Zeitraum, für den sie zusammen mit Trioplast Wittenheim
         gesamtschuldnerisch für die Zuwiderhandlung verantwortlich ist, zu zahlen hat. Somit verstößt die angefochtene Entscheidung
         sowohl gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit als auch gegen den Grundsatz der individuellen Zumessung von Strafen und Sanktionen.
      
      171    Aus allen diesen Gründen hat der sechste Klagegrund Erfolg. Somit ist Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der angefochtenen Entscheidung,
         ohne dass der vorliegende Klagegrund unter dem Blickwinkel des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung geprüft werden müsste,
         für nichtig zu erklären, soweit er die Klägerin betrifft.
      
      2.     Der Hilfsantrag auf Herabsetzung der Geldbuße
      172    Soweit die von der Klägerin geltend gemachten Klagegründe zur Stützung ihres Antrags auf Herabsetzung der Geldbuße geltend
         gemacht werden, enthält die angefochtene Entscheidung, wie oben in den Randnrn. 94 bis 98 ausgeführt, insoweit einen offensichtlichen
         Beurteilungsfehler, als die Kommission bei der Klägerin das Jahr 1996 als Referenzjahr für die Bemessung der Schwere der Zuwiderhandlung
         gewählt hat. Somit hat das Gericht in Ausübung seiner Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung gemäß Art. 31 der Verordnung
         Nr. 1/2003 einen neuen Ausgangsbetrag für die Berechnung des Betrags, bis zu dem die Klägerin gesamtschuldnerisch für die
         gegen ihre Tochtergesellschaft festgesetzte Geldbuße haftet, zu bestimmen. Im Hinblick auf die vorstehenden Erwägungen erscheint
         es unter Berücksichtigung der im vorliegenden Fall gegebenen Umstände, wie sie sich aus den Akten ergeben, angemessen, den
         Ausgangsbetrag der Klägerin auf 3 Mio. Euro festzusetzen.
      
      173    Entsprechend ist für die Klägerin unter Berücksichtigung des gebotenen Aufschlags für die Dauer der Beteiligung der Klägerin
         am Kartell einerseits und der gebotenen Herabsetzung wegen der Mitteilung über die Zusammenarbeit andererseits ein Betrag
         von 2,73 Mio. Euro festzusetzen. Aus dem Ergebnis, zu dem das Gericht oben in Randnr. 171 gelangt ist, nämlich, dass der sechste
         Klagegrund Erfolg hat, ergibt sich, dass der Anteil der Klägerin an der gesamtschuldnerischen Haftung der aufeinanderfolgenden
         Muttergesellschaften für die Zahlung der gegen Trioplast Wittenheim verhängten Geldbuße auf der Grundlage dieses Betrags zu
         bestimmen ist.
      
      174    Da die anderen für die Berechnung des auf die Klägerin entfallenden Anteils im Sinne von Randnr. 169 maßgeblichen Faktoren,
         vor allem der für die anderen Muttergesellschaften von Trioplast Wittenheim festgesetzte Betrag, nicht rechtskräftig festgestellt
         sind und im Rahmen des vorliegenden Verfahrens nicht ermittelt werden können, ist es Sache der Kommission, gemäß ihrer Verpflichtung
         aus Art. 266 AEUV die sich aus dem vorliegenden Urteil ergebenden Maßnahmen zu ergreifen und den Anteil der Klägerin nach
         den maßgeblichen Faktoren zu bestimmen, sobald diese rechtskräftig festgestellt sind.
      
       Kosten
      175    Nach Art. 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten teilen, wenn jede Partei teils obsiegt und teils unterliegt
         oder wenn ein außergewöhnlicher Grund gegeben ist.
      
      176    Da die Klägerin im vorliegenden Fall mit ihrer Klage teilweise obsiegt hat, erscheint es angemessen, ihr die Hälfte ihrer
         eigenen Kosten und die Hälfte der Kosten der Kommission aufzuerlegen, während die Kommission die Hälfte ihrer eigenen Kosten
         und die Hälfte der Kosten der Klägerin trägt.
      
      Aus diesen Gründen hat
      DAS GERICHT (Sechste Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Art. 2 Abs. 1 Buchst. f der Entscheidung K(2005) 4634 endg. der Kommission vom 30. November 2005 in einem Verfahren nach Artikel
            81 EG (Sache COMP/F/38.354 – Industrielle Sackverpackungen) wird für nichtig erklärt, soweit er die Trioplast Industrier AB
            betrifft.
      2.      Der Trioplast Industrier zugeschriebene Betrag, auf dessen Grundlage ihr Anteil an der gesamtschuldnerischen Haftung der aufeinanderfolgenden
            Muttergesellschaften für die Zahlung der gegen die Trioplast Wittenheim SA verhängten Geldbuße zu bestimmen ist, wird auf
            2,73 Millionen Euro festgesetzt.
      3.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      4.      Trioplast Industrier trägt die Hälfte ihrer eigenen Kosten und die Hälfte der Kosten der Kommission.
      5.      Die Kommission trägt die Hälfte ihrer eigenen Kosten und die Hälfte der Kosten der Trioplast Industrier.
      
               Meij
            
            
               Vadapalas
            
            
               Truchot
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 13. September 2010.
      Inhaltsverzeichnis
      
      Vorgeschichte des Rechtsstreits
      Verwaltungsverfahren
      Angefochtene Entscheidung
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Rechtliche Würdigung
      1.  Die Anträge auf teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
      Der erste Klagegrund: Fehler bei der Bestimmung der Dauer der Zuwiderhandlung und der Festsetzung der Höhe der Geldbuße
      Der dritte Teil des ersten Klagegrundes: Rechtmäßigkeit der Bestimmung der Dauer der Zuwiderhandlung
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der erste Teil des ersten Klagegrundes: Rechtmäßigkeit der Berechnungsweise der Geldbuße
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der zweite Teil des ersten Klagegrundes: Rechtswidrigkeit der Bemessung der Schwere der Zuwiderhandlung bei der Festsetzung
         der Geldbuße
      
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der zweite Klagegrund: Rechtswidrigkeit der Weigerung der Kommission, mildernde Umstände zuzubilligen
      Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der vierte Klagegrund: der Kronzeugenantrag
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der fünfte Klagegrund: die Beachtung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      Der sechste Klagegrund: die Beachtung der Grundsätze der ordnungsgemäßen Verwaltung und der Rechtssicherheit
      –  Vorbringen der Parteien
      –  Würdigung durch das Gericht
      2.  Der Hilfsantrag auf Herabsetzung der Geldbuße
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Schwedisch.