CELEX: 62003CC0176
Language: de
Date: 2005-05-26 00:00:00
Title: Schlussanträge des Generalanwalts Ruiz-Jarabo Colomer vom 26. Mai 2005.#Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen Rat der Europäischen Union.#Nichtigkeitsklage - Artikel 29 EU, 31 Buchstabe e EU, 34 EU und 47 EU - Rahmenbeschluss 2003/80/JI - Umweltschutz - Strafrechtliche Sanktionen - Zuständigkeit der Gemeinschaft - Rechtsgrundlage - Artikel 175 EG.#Rechtssache C-176/03.

SCHLUSSANTRÄGE DES GENERALANWALTS
      DÁMASO RUIZ-JARABO COLOMER
      vom 26. Mai 20051(1)
      
      Rechtssache C‑176/03
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      gegen
      Rat der Europäischen Union
      „Umwelt – Schutz durch das Strafrecht – Rechtsgrundlage – Rahmenbeschluss 2003/80/JI – Nichtigkeit – Harmonisierung der Straftatbestände – Zuständigkeit der Gemeinschaft gemäß Artikel 175 EG“I –    Einleitung
      1.     Die Kommission ficht im Wege des Artikels 35 Absatz 6 EU den Rahmenbeschluss 2003/80/JI des Rates vom 27. Januar 2003 über
         den Schutz der Umwelt durch das Strafrecht (nachstehend: Rahmenbeschluss)(2) an. Ihrer Auffassung nach ist die gewählte Rechtsgrundlage unzutreffend, da dieses normative Unternehmen im Rahmen des EG-Vertrags
         und nicht, wie geschehen, in dem des Titels VI des EU-Vertrags angegangen werden müsse.
      
      2.     Hinter dieser einfachen Problematik verbirgt sich eine weitreichende Frage, die die Zuständigkeiten der Gemeinschaft betrifft;
         geht man nämlich davon aus, dass der Schutz der natürlichen Umwelt in der Europäischen Union eine konzertierte Aktion durch
         die strafrechtliche Ahndung schwerwiegender Verstöße verlangt(3), so muss geklärt werden, ob der Erlass der unentbehrlichen Koordinierungsvorschriften gemäß Artikel 34 Absatz 2 Buchstabe
         b EU in Verbindung mit Artikel 31 Absatz 1 Buchstabe e EU zum dritten Pfeiler und damit zur Zuständigkeit des Rates oder aber
         zum ersten Pfeiler gehört, weil es sich um eine Gemeinschaftsaufgabe gemäß Artikel 175 EG handelt(4).
      
      3.     Die Positionen, die in den verschiedenen Schriftsätzen und in der mündlichen Verhandlung zum Ausdruck gekommen sind, erscheinen
         klar abgegrenzt, und zwar nicht nur in Bezug auf die jeweiligen Anträge, sondern auch auf die verwendeten Argumente. Die Kommission,
         das Europäische Parlament sowie der Wirtschafts- und Sozialausschuss schließen sich der zweiten der genannten Thesen an, während
         der Rat und die elf Mitgliedstaaten, die ihm folgen(5), die erste These vertreten.
      
      4.     Die Entscheidung für die eine oder die  andere Position hat bedeutende Konsequenzen. Wählt man die „unionistische“ Alternative,
         so ist die Harmonisierungskraft geringer, weil der Nichtumsetzung der Rahmenbeschlüsse – abgesehen davon, dass sie keine unmittelbare
         Wirkung haben – nicht mit einer Vertragsverletzungsklage begegnet werden kann, wie sie in Artikel 226 EG vorgesehen ist, und
         die Zuständigkeit des Gerichtshofes für Vorabentscheidungen nach Artikel 35 EU, um obligatorisch zu sein, der Anerkennung
         durch die Mitgliedstaaten bedarf. Diese Erwägungen erklären das Interesse der Kommission daran, die Zuständigkeit dem ersten
         Pfeiler zuzuordnen.
      
      5.      Vor der Prüfung der Klage soll ein Überblick über die Rechtsvorschriften gegeben und der Ablauf des Verfahrens vor dem Gerichtshof
         geschildert werden.
      
      II – Rechtlicher Rahmen
      A –    Das Gemeinschaftsrecht
      1.      Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft
      6.     Eines der Ziele der Gemeinschaft besteht darin, ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität zu erreichen
         (Artikel 2 EG), und zwar durch ein angemessenes sektorielles Vorgehen (Artikel 3 Absatz 1 Buchstabe l EG) und durch Einbeziehung
         der Erfordernisse des Umweltschutzes bei der Festlegung und Durchführung der anderen Gemeinschaftspolitiken zur Förderung
         einer nachhaltigen Entwicklung (Artikel 6 EG).
      
      7.     Artikel 174 EG nennt die Ziele der Umweltpolitik (Absätze 1 und 2) und die bei deren Erarbeitung zu beachtenden Kriterien
         (Absatz 3), während Artikel 175 EG die Wege für die Beschlussfassung über die relevanten Maßnahmen angibt (Absätze 1 bis 3),
         deren Finanzierung und Durchführung den Mitgliedstaaten obliegen (Absatz 4), die aber auf jeden Fall gemäß Artikel 176 EG
         befugt bleiben, verstärkte Schutzmaßnahmen zu ergreifen, sofern sie mit dem Vertrag vereinbar sind.
      
      8.     Daher besteht nach Artikel 174 Absatz 4 EG für diesen Bereich eine geteilte Verantwortung(6), die eine gemeinsame oder eine gesonderte Zusammenarbeit mit dritten Ländern oder internationalen Organisationen ermöglicht.
      
      9.     Was die Gemeinschaft betrifft, so wird die Zuständigkeit grundsätzlich im Verfahren der „Mitentscheidung“ gemäß Artikel 251
         EG ausgeübt, auch wenn der Rat in den in Artikel 175 Absatz 2 EG genannten Bereichen(7) auf Vorschlag der Kommission und nach Anhörung des Europäischen Parlaments, des Wirtschafts- und Sozialausschusses sowie
         des Ausschusses der Regionen allein tätig werden kann.
      
      2.      Vorschlag für eine Richtlinie über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt(8)
      
      10.   Die Kommission legte auf der Grundlage von Artikel 175 Absatz 1 EG gemäß Artikel 251 EG einen Vorschlag für eine Richtlinie
         zur stärkeren Anwendung des Umweltschutzrechts der Gemeinschaft durch die gemeinschaftsweite Festlegung eines Mindestkatalogs
         von Straftaten (Artikel 1) vor.
      
      11.   Artikel 3 des vorgelegten Textes schreibt die strafrechtliche Ahndung bestimmter Handlungen(9) vor, die vorsätzlich oder grob fahrlässig begangen werden, und Artikel 4 verpflichtet die Mitgliedstaaten, die Täterschaft
         sowie die Beihilfe und die Anstiftung zu diesen Straftaten mit „wirksamen, angemessenen und abschreckenden Sanktionen“ einschließlich
         des Freiheitsentzugs zu bestrafen. Außerdem sieht der Text – sowohl für natürliche als auch für juristische Personen – andere
         Arten von Sanktionen vor, darunter Geldbußen, den Entzug von Rechten und die Unterstellung unter richterliche Aufsicht.
      
      B –    Das Recht der Europäischen Union
      1.      Der Vertrag über die Europäische Union
      12.   Die Union, die eine neue Stufe bei der Verwirklichung eines immer engeren Zusammenschlusses der Völker Europas darstellt,
         beruht auf den Gemeinschaften, ergänzt durch die im EU‑Vertrag umrissenen Politiken und Formen der Zusammenarbeit (Artikel 1).
         Drei Pfeiler sind zu unterscheiden:
      
      –       Der erste ist der „Gemeinschaftspfeiler“.
      –       Der zweite umfasst die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (Titel V).
      –       Der dritte betrifft die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Titel VI).
      13.   Dieser dritte Pfeiler verfolgt unbeschadet der Befugnisse der Gemeinschaft das Ziel, den Bürgern in einem Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ein hohes Maß an Schutz zu bieten, und zwar
         durch ein gemeinsames Vorgehen der Mitgliedstaaten in den genannten Bereichen zur Verhütung und Bekämpfung der Kriminalität
         mittels einer Annäherung der Strafvorschriften nach Artikel 31 Buchstabe e, soweit dies erforderlich ist (Artikel 29).
      
      14.   Die justizielle Zusammenarbeit umfasst die schrittweise Annahme von Maßnahmen zur Festlegung von Mindestvorschriften über
         die Tatbestandsmerkmale strafbarer Handlungen und die Strafen in den Bereichen organisierte Kriminalität, Terrorismus und
         illegaler Drogenhandel (Artikel 31 Absatz 1 Buchstabe e).
      
      15.   Eines der dafür vorgesehenen Instrumente ist der Rahmenbeschluss, der die Angleichung der innerstaatlichen Rechts‑ und Verwaltungsvorschriften
         fördert. Ebenso wie die Richtlinien beim ersten Pfeiler ist er hinsichtlich des zu erreichenden Zieles verbindlich und überlässt
         den innerstaatlichen Stellen die Wahl der Form und der Mittel, doch ist er anders als die Richtlinien nie unmittelbar wirksam
         (Artikel 34 Absatz 2 Buchstabe b).
      
      16.   Die Zuständigkeiten des dritten Pfeilers können auf die Gemeinschaft übertragen werden, damit diese sie im Rahmen des Titels
         IV des EG‑Vertrags – Visa, Asyl, Einwanderung und andere Politiken betreffend den freien Personenverkehr – ausübt (Artikel
         42).
      
      17.   Der EU‑Vertrag lässt die Verträge zur Gründung der Europäischen Gemeinschaften sowie die nachfolgenden Verträge und Akte zu
         deren Änderung oder Ergänzung unberührt (Artikel 47).
      
      2.      Der Rahmenbeschluss
      18.   Der Rat nahm unter Bezugnahme auf die Artikel 29, 31 Buchstabe e und 34 Absatz 2 Buchstabe b EU den jetzt von der Kommission
         angefochtenen Rahmenbeschluss an, um auf Umweltbedrohungen mit aller Schärfe und abgestimmt zu reagieren (zweite und dritte
         Begründungserwägung).
      
      19.   Nach den Artikeln 2 und 3 des Rahmenbeschlusses haben die Mitgliedstaaten bestimmte vorsätzlich oder fahrlässig begangene
         Handlungen als Straftaten zu umschreiben(10), während Artikel 4 die Strafbarkeit auf die Beihilfe und die Anstiftung ausdehnt.
      
      20.   Nach Artikel 5 Absatz 1 sind diese Handlungen „mit wirksamen, angemessenen und abschreckenden Strafen“ zu bedrohen, die zumindest
         in schwerwiegenden Fällen auch Freiheitsstrafen umfassen müssen, die zu einer Auslieferung führen können, unbeschadet anderer
         Sanktionen und Maßnahmen, wie sich aus Absatz 2 ergibt(11).
      
      21.   Artikel 6 regelt die Verantwortlichkeit juristischer Personen für Handlungen oder Unterlassungen(12), und Artikel 7 definiert die insoweit zu verhängenden Strafen(13).
      
      22.   Die genannten Bestimmungen zeigen, dass der Rahmenbeschluss praktisch ein Abbild des Richtlinienvorschlags ist, wie in der
         fünften Begründungserwägung anerkannt wird, während es in der siebten Begründungserwägung heißt, dass der Rat diesen Vorschlag
         zwar erörtert, aber nicht angenommen habe, weil er über die der Gemeinschaft durch den EG-Vertrag übertragenen Befugnisse
         hinausgehe(14).
      
      23.   Artikel 8 bezieht sich auf die Gerichtsbarkeit, die an das Hoheitsgebiet anknüpft, während Artikel 9 die Auslieferung und
         die Verfolgung betrifft, wenn ein Mitgliedstaat seine Staatsangehörigen nicht ausliefert.
      
      III – Verfahren vor dem Gerichtshof
      24.   Neben der Kommission und dem Rat haben sich das Europäische Parlament, der Wirtschafts- und Sozialausschuss, Dänemark, Deutschland,
         Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, die Niederlande, Portugal, Spanien, das Vereinigte Königreich und Schweden als
         Streithelfer an diesem Verfahren beteiligt und auch schriftliche Erklärungen eingereicht.
      
      25.   In der Sitzung vom 5. April 2005 haben die Vertreter der Klägerin und des Beklagten sowie die Bevollmächtigten der Streithelfer
         mit Ausnahme der Bevollmächtigten der griechischen Regierung und des Wirtschafts- und Sozialausschusses mündliche Ausführungen
         gemacht.
      
      IV – Prüfung der Klage
      A –    Abgrenzung des Streitgegenstands
      26.   Im Mittelpunkt des Rechtsstreits stehen die Artikel 1 bis 7 des Rahmenbeschlusses, während es um die Artikel 8 bis 12 nur
         am Rande geht. Die Befugnis des Rates der Union zum Erlass dieser Vorschriften steht nicht in Frage(15), wohl aber seine Verpflichtung, wegen des in Artikel 47 EU verankerten Vorrangs des Gemeinschaftsrechts von einem solchen
         Erlass abzusehen(16), weil die Gemeinschaft nach dem Römischen Vertrag befugt ist, den Mitgliedstaaten eine strafrechtliche Reaktion auf bestimmte
         Umweltverstöße vorzuschreiben.
      
      27.   Die Debatte verlagert sich daher vom dritten auf den ersten Pfeiler, wenn geprüft wird, ob es eine Rechtsgrundlage gibt, die
         der Gemeinschaft ein Tätigwerden in diesem Bereich gestattet und damit die Befugnisse der Union neutralisiert. In diesem Punkt
         herrscht ebenfalls Einigkeit darüber, dass das Gemeinschaftsrecht weder eine ausdrückliche noch eine stillschweigende allgemeine
         Befugnis zur Anordnung von Strafen kennt(17).
      
      28.   Andererseits erkennen alle der Gemeinschaft nach dem in Artikel 10 EG niedergelegten Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit,
         um die Wirksamkeit ihrer Rechtsordnung zu gewährleisten, die Befugnis zu, die Mitgliedstaaten zu zwingen, diejenigen Verhaltensweisen
         strafrechtlich zu ahnden, die diese Rechtsordnung verletzen. Die Parteien und ihre Streithelfer streiten allerdings darüber,
         ob diese Befugnis sie ermächtigt, die Mitgliedstaaten zur Festlegung von Straftatbeständen zu verpflichten.
      
      29.   Die Lösung erfordert eine ganz genaue Untersuchung der Urteile, die den Gemeinschaftsorganen eine Rechtsetzungsbefugnis im
         Bereich des Strafrechts zuerkennen.
      
      B –    Die Rechtsprechung zur Strafgewalt der Gemeinschaft
      30.   Im Urteil Amsterdam Bulb(18) hat der Gerichtshof festgestellt, dass die Mitgliedstaaten dann, wenn die Gemeinschaftsregelung keine Vorschrift enthalte, die für den Fall ihrer Verletzung durch den Einzelnen bestimmte Sanktionen vorsehe, befugt seien, die Sanktionen zu wählen,
         die ihnen sachgerecht erscheinen (Randnr. 33)(19). Diese Feststellung beruht auf der Aufgabe der Mitgliedstaaten nach Artikel 5 EG-Vertrag (jetzt Artikel 10 EG), die Erfüllung
         ihrer europäischen Verpflichtungen zu gewährleisten (Randnr. 32).
      
      31.   Generalanwalt Capotorti hat in seinen Schlussanträgen in dieser Rechtssache den Grund für eine solche Entscheidung beleuchtet.
         Er hat in Nummer 4 zunächst darauf hingewiesen, dass die Mitgliedstaaten nach der Rechtsprechung keine Maßnahmen ergreifen
         dürften, die eine Gemeinschaftsregelung abändern, auch wenn damit bezweckt werde, deren Anwendung zu gewährleisten, und sodann
         ausgeführt, dass eine Strafandrohung nicht die Tragweite der Regelung ändere, weil jede Strafbestimmung, mit der eine grundlegende
         Verhaltensnorm versehen sei, von der Hypothese eines gegen diese Norm verstoßenden Verhaltens ausgehe und die Norm daher mit
         dem Inhalt voraussetze, den sie besitze. Er hat hinzugefügt, dass der unterschiedliche Schutz, der sich so ergebe, mit den
         Unterschieden zwischen den nationalen Systemen zusammenhänge, von denen Artikel 5 des Vertrages verlange, dass sie die Wirksamkeit
         des Gemeinschaftsrechts stärken. Abschließend hat er darauf hingewiesen, dass die einzige Grenze dafür, dass ein Mitgliedstaat
         Strafsanktionen einführe, dort liege, wo die Gemeinschaftsvorschriften bereits bestimmte Sanktionen vorsähen.
      
      32.   Das Urteil Amsterdam Bulb beruht somit auf drei Leitgedanken: 1. Das Gemeinschaftsrecht darf Strafvorschriften einführen,
         die seine Wirksamkeit schützen; 2. bei Fehlen solcher Vorschriften können die Mitgliedstaaten derartige Mittel, die sie für
         angebracht halten, anwenden; 3. in diesem Fall steht es ihnen frei, die Modalitäten zu wählen, die ihnen am geeignetsten erscheinen,
         auch wenn dieses System zwangsläufig Divergenzen enthält.
      
      33.   Der erste Leitgedanke beruht auf der Annahme, dass die Gemeinschaftssanktion die gleiche Geltung beansprucht wie das verwendete
         Rechtsinstrument, also eine Verordnung oder eine Richtlinie. Da aber die Gemeinschaft keine Strafbefugnisse hat, muss sie
         sich darauf beschränken, zivil- oder verwaltungsrechtliche Sanktionen festzulegen. Dies ist den Worten des Generalanwalts
         Capotorti am Ende der erwähnten Nummer seiner Schlussanträge zu entnehmen, wo er sagt, dass ein Mitgliedstaat, der der Gemeinschaftsregelung
         Strafandrohungen hinzufügt, um ihre Einhaltung zu gewährleisten, nicht gegen die Grundsätze des Gemeinschaftsrechts verstößt,
         sofern, wie ich hinzufügen möchte, die Garantien beachtet werden, die für die Ausübung jeder Strafgewalt gelten, insbesondere
         die Regel ne bis in idem(20).
      34.   In der Rechtssache Kommission/Griechenland, bekannt unter dem Namen „Griechischer Mais“(21), hat der Gerichtshof die Formel in Randnummer 32 des Urteils Amsterdam Bulb aufgegriffen, ohne das Urteil zu zitieren (Randnr.
         23), wobei er zwei Erfordernisse für die Rechtmäßigkeit nationaler Sanktionen zur Sicherung des Gemeinschaftsrechts hinzugefügt
         hat: 1. Die Verstöße werden nach ähnlichen sachlichen und verfahrensrechtlichen Regeln geahndet wie nach Art und Schwere gleichartige
         Verstöße gegen nationales Recht; 2. die Sanktion muss wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein (Randnr. 24). In seinen
         Schlussanträgen in dieser Rechtssache hat Generalanwalt Tesauro ausgeführt, dass Artikel 5 des Vertrages den Mitgliedstaaten
         aufgebe, die für die Verletzung des Gemeinschaftsrechts Verantwortlichen in angemessener Weise zu verfolgen, damit das Gemeinschaftsrecht
         in seiner Wirksamkeit nicht angetastet werde (Nr. 12, zweiter Absatz)(22).
      
      35.   Den Mitgliedstaaten ist somit der Weg eröffnet, um Verhaltensweisen zu beseitigen, die gegen die Gemeinschaftsrechtsordnung
         verstoßen, sowohl wenn diese in dem Punkt schweigt als auch wenn sie ausdrückliche Vorschriften enthält. Die nationale Regelung
         bedeutet ein Mehr an Schutz, jedoch zieht das Gemeinschaftsrecht, wie bereits in Randnummer 17 des Urteils Drexl(23) festgestellt, bestimmte Grenzen und verlangt, dass die Bestrafung derjenigen entspricht, die bei Verstößen gegen nationales
         Recht angewandt wird (Grundsatz der Gleichstellung oder der Gleichwertigkeit), und außerdem wirksam ist.
      
      36.   Der Beschluss vom 13. Juli 1990 (Zwartveld u. a.)(24), der im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens des Rechter-commissaris bei der Arrondissementsrechtbank Groningen ergangen ist,
         hat dem Urteil „Griechischer Mais“ eine Aussage beigelegt, die im Wortlaut dieses Urteils nicht enthalten ist, sich aber aus
         seinem Geist und dem des Urteils Amsterdam Bulb ergibt: Die Mitgliedstaaten können und müssen die Einhaltung des Vertrages
         gewährleisten, soweit erforderlich auch durch strafrechtliche Sanktionen (Randnr. 17).
      
      37.   Die Entwicklung erscheint mit dem Urteil vom 8. Juli 1999 (Nunes und de Matos)(25) abgeschlossen, in dem es um eine Vorabentscheidungsfrage des Tribunal de Círculo Porto ging, mit der geklärt werden sollte,
         ob ein Mitgliedstaat berechtigt ist, Verhaltensweisen, die gegen Vermögensinteressen der Gemeinschaft verstoßen, als Straftaten
         einzustufen, wenn die Gemeinschaftsregelung für sie nur eine zivilrechtliche Sanktion vorsieht. Der Gerichtshof hat entschieden,
         dass die Maßnahmen im Sinne des Artikels 10 EG strafrechtliche Sanktionen einschließen, und ausgeführt,
      
      –       dass, wenn das Gemeinschaftsrecht keine Maßnahmen enthalte, die die Beachtung seiner Vorschriften gewährleisten, die Mitgliedstaaten
         verpflichtet seien, sie zu erlassen; enthalte es solche Maßnahmen, so nähmen die Mitgliedstaaten eine ergänzende Aufgabe wahr,
         die den Schutz dieser Vorschriften verstärken solle;
      
      –       dass die Wahl der Sanktionsart den nationalen Behörden zustehe, auch wenn die Sanktion derjenigen entsprechen müsse, die für
         einen nach Art und Schwere vergleichbaren Verstoß gegen nationales Recht gelte, und außerdem wirksam, verhältnismäßig und
         abschreckend sein müsse.
      
      38.   Kurz gesagt, der Rat und seine Streithelfer vertreten nicht zu Unrecht die Auffassung, dass die Rechtsprechung nicht ausdrücklich
         eine Gemeinschaftsbefugnis anerkenne, von den Mitgliedstaaten zu verlangen, dass sie die Verhaltensweisen, die die Verwirklichung
         der in den Verträgen festgelegten Ziele beeinträchtigen, als Straftaten qualifizieren.
      
      39.   Eine Prüfung des abgeleiteten Gemeinschaftsrechts führt zum selben Ergebnis.
      C –    Das abgeleitete Recht
      40.   Artikel 1 Absatz 2 der Verordnung (EWG) Nr. 2241/87 des Rates vom 23. Juli 1987 zur Festlegung bestimmter Maßnahmen zur Kontrolle
         der Fischereitätigkeit(26) sowie Artikel 31 Absatz 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2847/93 des Rates vom 12. Oktober 1993 zur Einführung einer Kontrollregelung
         für die gemeinsame Fischereipolitik(27), die die erstgenannte Verordnung ersetzt, überlassen den Mitgliedstaaten die Wahl der Sanktion bei Verstößen gegen die Vorschriften,
         die diese Politik regeln. Diese Auslegung wird, was die erste dieser Verordnungen betrifft, durch das Urteil vom 1. Februar
         2001 (Kommission/Frankreich)(28) bestätigt, in dem der Gerichtshof geprüft hat, ob die in der nationalen Regelung vorgesehenen Verfahren, einige verwaltungsrechtlicher,
         andere strafrechtlicher Natur, den Gemeinschaftsverpflichtungen auf dem Gebiet der Erhaltung und Kontrolle der Fischbestände
         entsprachen.
      
      41.   Die Richtlinie 91/308/EWG des Rates vom 10. Juni 1991 zur Verhinderung der Nutzung des Finanzsystems zum Zwecke der Geldwäsche(29) fordert nach der Feststellung, dass dieses Phänomen vor allem mit strafrechtlichen Mitteln zu bekämpfen ist (vierte Begründungserwägung),
         von den Mitgliedstaaten nur, dass sie die vollständige Anwendung des Inhalts der Richtlinie gewährleisten, indem sie festlegen,
         wie Verstöße zu ahnden sind (Artikel 14), unbeschadet strengerer Vorschriften zur Verhinderung solcher Verhaltensweisen (Artikel
         15).
      
      42.   Die Richtlinie 2002/90/EG des Rates vom 28. November 2002 zur Definition der Beihilfe zur unerlaubten Ein- und Durchreise
         und zum unerlaubten Aufenthalt(30) verlangt von den Mitgliedstaaten, dass sie mit „wirksamen, angemessenen und abschreckenden Sanktionen“ die Begehung, die
         Beihilfe, die Anstiftung und den Versuch bestimmter Handlungen ahnden (Artikel 1 bis 3), wobei im Rahmenbeschluss 2002/946/JI(31) der strafrechtliche Charakter dieser Ahndung konkretisiert wird.
      
      43.   Gelegentlich wird die strafrechtliche Sanktion unumgänglich, weil sie die einzige ist, die die im Urteil „Griechischer Mais“
         aufgestellten Erfordernisse erfüllt, nämlich „wirksam, verhältnismäßig und abschreckend“ zu sein.
      
      D –    Der unbestimmte Rechtsbegriff der „wirksamen, angemessenen und abschreckenden Sanktion“ 
      44.   Dieser Begriff, abstrakt betrachtet, weist einige vage Konturen auf, kann aber wie alle derartigen Begriffe eingegrenzt werden,
         wenn man ihn auf konkrete Fälle anwendet, hält man sich vor allem den Zweck vor Augen, dem er dient.
      
      45.   Die vom Gerichtshof verwendete Formel ist nicht zufällig gewählt, weil sie mit der Bezugnahme auf Wirksamkeit, Verhältnismäßigkeit
         und Abschreckung auf die Grunderfordernisse dafür abstellt, dass die Gemeinschaftsvorschrift ungeachtet ihrer Verletzung eine
         vollständige Anwendung erfährt. Da außerdem jede Verurteilung an einem doppelten Zweck, dem der General‑ und der Spezialprävention,
         ausgerichtet ist, indem sie den Täter mit dem angemessenen Rechtsinstrument bestraft und der Allgemeinheit eine gleichartige
         Strafe androht, wenn sie sich ebenfalls in vorwerfbarer Weise verhält, erscheint mir der Katalog möglicher Sanktionen sehr
         umfangreich.
      
      46.   In einigen Fällen reicht die Wiederherstellung der Lage, die vor dem Verstoß bestanden hat. Diese Folge, die nicht repressiv
         im engeren Sinne ist und die gewöhnlich als „zivile Sanktion“ bezeichnet wird, benötigt jedoch oft, um diese präventiven Zwecke
         zu erreichen, eine Ergänzung durch Strafen stricto sensu, deren Intensität je nach der Bedeutung des angegriffenen Rechtsguts
         und der sozialen Ächtung des strafbaren Verhaltens unterschiedlich ausfallen muss.
      
      47.   Je nach dem Ausmaß der Reaktion ist zwischen Strafsanktionen – dem schwereren Grad – und Verwaltungssanktionen zu unterscheiden.
         Die einen wie die anderen sind Ausprägungen des ius puniendi des Staates und folgen denselben ontologischen Grundsätzen(32); die geringere Strenge der Verwaltungssanktionen lockert allerdings die Garantien, die bei ihrer Anwendung gelten müssen,
         unbeschadet der Tatsache, dass, wie ich in meinen Schlussanträgen in der Rechtssache Kommission/Griechenland(33) dargelegt habe, in beiden Fällen ähnliche Grundsätze zu beachten sind(34). 
      
      48.   Es erscheint offensichtlich, dass, wie auch der Rat und einige seiner Streithelfer vortragen, niemand besser in der Lage ist,
         die Möglichkeit, Angemessenheit und Wirksamkeit einer strafrechtlichen Reaktion zu beurteilen, als die nationalen Gesetzgeber.
         Diese Auffassung habe ich vertreten, als es darum ging, im Licht des Effektivitätsgrundsatzes festzustellen, ob bestimmte
         nationale Verfahrensfristen für die Erhebung von Klagen zur Verteidigung der in der Gemeinschaftsrechtsordnung anerkannten
         Rechte ausreichend sind(35), wenn auch unter dem Vorbehalt, dass diese allgemeine Regel in klaren Fällen zurücktritt(36), in denen die Gemeinschaft wegen dieser Offenkundigkeit berechtigt ist, die Beurteilung vorzunehmen.
      
      49.   Es darf nicht vergessen werden, dass der Schutz der Gemeinschaftsrechtsordnung den Organen der Gemeinschaft obliegt, auch
         wenn diese durch nichts daran gehindert sind, die Mitgliedstaaten aufzufordern, die gemeinschaftsrechtswidrigen Handlungen
         unter Strafe zu stellen. Nur soweit in Ermangelung der unentbehrlichen Beurteilungskriterien nicht die zweckmäßigste Reaktion
         zur Verfügung gestellt werden kann, wird diese Aufgabe den nationalen Gesetzgebern übertragen. A contrario gibt es, wenn die
         Bestimmung der „wirksamen, angemessenen und abschreckenden“ Strafe offenkundig ist, keinen wesentlichen Grund dafür, die Wahl
         dieser Sanktion nicht demjenigen zu überlassen, der die materielle Zuständigkeit besitzt(37).
      
      50.   Mit anderen Worten, es lässt sich leicht verstehen, dass die angemessene Sanktion z. B. für Angriffe auf das Leben oder den
         Missbrauch von Minderjährigen Strafcharakter haben muss, so dass, wenn die bei diesen Verstößen geschützten Rechtsgüter eines
         der Ziele der Gemeinschaft darstellten, niemand die Befugnis ihrer Rechtsetzungsorgane in Zweifel ziehen würde, von den Mitgliedstaaten
         die strafrechtliche Verfolgung zu verlangen.
      
      51.   Der nächste Schritt besteht also darin, festzustellen, ob der Umweltschutz, für den die Gemeinschaft nach dem, was ich oben
         in den Nummern 6 bis 9 ausgeführt habe, unzweifelhaft zuständig ist, eine strafrechtliche Verteidigung erfordert. In diese
         Prüfung ist der Prozess der „Vergemeinschaftlichung“ des Umweltschutzes einzubeziehen.
      
      E –    Der Umweltschutz in der Gemeinschaft
      52.   In meinen Schlussanträgen vom 30. November 2004 in der Rechtssache C‑6/03 (Deponiezweckverband Eiterköpfe), in der das Urteil
         am 14. April 2005 ergangen ist (noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht), habe ich darauf hingewiesen, dass für
         die Verfasser der Verträge die Umwelt und ihre Erhaltung zwar kein großes Anliegen waren, dass aber nicht lange gewartet werden
         musste, bis 1972 die Konferenz der Staats‑ und Regierungschefs, die in Paris stattfand, beschloss, eine eigene Politik für
         diesen Bereich einzuführen(38), und anregte, sich der Deckung zu bedienen, die die Artikel 100 und 235 EG-Vertrag(39) (jetzt Artikel 94 EG und 308 EG) boten. 
      
      53.   Der Gerichtshof hat diese Anregung aufgegriffen und die Bestimmungen in diesem Bereich auf Artikel 100(40) gestützt, wobei er im Urteil ADBHU(41) ausgeführt hat, dass der Umweltschutz „ein wesentliches Ziel der Gemeinschaft“ sei (Randnr. 13), ein Gedanke, der Jahre später,
         nach Inkrafttreten der Einheitlichen Europäischen Akte(42), im Urteil Kommission/Dänemark (Randnr. 8) wieder auftauchte(43).
      
      54.   Die Einheitliche Europäische Akte hat in den EG-Vertrag einen besonderen Abschnitt –Titel VII (jetzt Titel XIX)(44) – aufgenommen, der die Artikel 130r und 130s (nach Änderung jetzt Artikel 174 EG und 175 EG) sowie 130t (jetzt Artikel 176
         EG) enthält, zu denen noch Artikel 100a Absatz 3 (nach Änderung jetzt Artikel 95 Absatz 3 EG) hinzukommt, wonach die Kommission
         verpflichtet ist, bei ihren Vorschlägen nach Absatz 1 von einem „hohen Schutzniveau“ für die Umwelt auszugehen.
      
      55.   Die neue Konfiguration rückte den Umweltschutz in das Zentrum der Gemeinschaftstätigkeit, der diese inspiriert und prägt,
         worauf der Gerichtshof im Urteil Kommission/Rat (Randnrn. 22 und 24)(45) hingewiesen hat, und mit der Unterzeichnung des EU-Vertrags in Maastricht ist der Umweltschutz zu einem Ziel der Gemeinschaft
         geworden. 
      
      56.   Heute sind die Erreichung eines hohen Maßes an Erhaltung und Verbesserung des natürlichen Lebensraums sowie die Hebung der
         Lebensqualität als Gemeinschaftsziele verankert (Artikel 2 EG) und verlangen ein spezifisches Vorgehen (Artikel 3 Absatz 1
         Buchstabe l EG). Ferner müssen „[d]ie Erfordernisse des Umweltschutzes … bei der Festlegung und Durchführung der in Artikel
         3 genannten Gemeinschaftspolitiken und -maßnahmen insbesondere zur Förderung einer nachhaltigen Entwicklung einbezogen werden“
         (Artikel 6 EG). Dieses Anliegen ist auch in anderen Bestimmungen des Vertrages erkennbar: im bereits genannten Artikel 95
         EG oder in Artikel 161 EG, wonach die Errichtung eines Kohäsionsfonds vorgesehen ist, der „zu Vorhaben in den Bereichen Umwelt …
         finanziell bei[trägt]“.
      
      57.   Die Erhaltung der Umwelt hat einer normativen Anerkennung von Grundsätzen wie denen der Vorsorge und Vorbeugung (Artikel 174
         Absatz 2 Unterabsatz 1 EG) den Weg bereitet, die für weite Bereiche des Gemeinschaftsrechts gelten, in denen die Natur, das
         Leben und die Unversehrtheit des Menschen wegen der Globalisierung der mit dem technologischen und industriellen Fortschritt
         verbundenen Bedrohungen eine universelle Dimension annehmen(46).
      
      58.   Der Vertrag über eine Verfassung für Europa(47) folgt  diesem Ansatz. Gemäß Artikel II‑97, der auf Artikel 2 EG beruht, müssen „[e]in hohes Umweltschutzniveau und die Verbesserung
         der Umweltqualität … in die Politik der Union einbezogen und nach dem Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung sichergestellt
         werden“; Artikel III‑119 wiederholt den Inhalt von Artikel 6 EG. Die Artikel III‑233 und III‑234 geben im Wesentlichen die
         Artikel 174 EG bis 176 EG wieder.
      
      59.   Es steht also außer Zweifel, dass, wie ich in Nummer 51 dieser Schlussanträge festgestellt habe, die „Umwelt“ eine Zuständigkeit
         der Gemeinschaft ist, die auch zu einem Rechtsgut geworden ist, dessen Verteidigung die anderen Politiken inspiriert und eine
         Schutztätigkeit darstellt, die außerdem als wesentliches Vorhaben des Gemeinschaftssystems bezeichnet werden kann.
      
      60.   Das Anliegen des Umweltschutzes ist nicht auf Europa beschränkt, sondern hat weltweite Dimension angenommen.
      F –    Die Globalisierung der „Umweltpolitik“
      61.   Zahlreiche internationale Pakte und Übereinkünfte suchen nach Antworten, um der ständigen Beschädigung der Ökosysteme und
         des Lebens auf dem Planeten Einhalt zu gebieten.
      
      62.   Ein Beispiel ist der Prozess innerhalb der Vereinten Nationen(48), der mit der Stockholmer Konferenz vom 5. bis 16. Juni 1972 begann und der wichtige Marksteine gesetzt hat. Diese Zusammenkunft
         wurde zu einem großen Ereignis, da sie mit einer Erklärung über die Umwelt des Menschen, in der 26 Grundsätze für die Erhaltung
         der natürlichen Ressourcen formuliert wurden, die Aufmerksamkeit der Welt auf den Ernst der Umweltsituation gelenkt hat.
      
      63.   Die Weltcharta für die Natur von 1982(49) ging weiter auf dem eingeschlagenen Weg und verstärkte die Verpflichtung in Bezug auf den Inhalt der Verhaltensregeln und
         deren Aufnahme in die nationalen Rechtsordnungen. 
      
      64.   Die Erklärung von Rio, die von den Regierungen verabschiedet wurde, die am Gipfel der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung
         vom Juni 1992 in Rio teilnahmen, hat einen entscheidenden Impuls gegeben. Die Wichtigkeit des Kontextes, in den sie sich einfügt,
         und der für ihre Verabschiedung erzielte breite Konsens weisen ihr eine besondere Bedeutung als universale Übereinkunft zu,
         die die Frucht eines gemeinsamen Bewusstseins ist, das auf der Notwendigkeit beruht, den Planeten für die künftigen Generationen
         zu erhalten.
      
      65.   Das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen von 1992 und das Protokoll von Kyoto von 1997, das dieses
         Übereinkommen mit dem Ziel weiterentwickelt, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren(50), symbolisieren zwei weitere wichtige Glieder in dieser unzerreißbaren Kette, zu der auch das Protokoll zur Biosicherheit
         gehört, das am 28. Januar 2000 auf der Konferenz der Unterzeichnerstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt
         unterzeichnet wurde, die ebenfalls auf den Gipfel von Rio zurückgeht.
      
      G –    Das Recht auf eine angemessene Umwelt und die öffentliche Verantwortung für ihre Erhaltung
      66.   Die Begriffe „nachhaltige Entwicklung“ und „Lebensqualität“, die im EG-Vertrag verwendet werden, erscheinen eng mit dem Begriff
         „Umwelt“ verbunden und weisen auf eine persönliche Dimension hin, die nicht außer Acht gelassen werden darf, wenn es darum
         geht, die Umwelt zu schützen und zu verbessern. In dem geophysischen Kontext, den die natürliche Umgebung darstellt, wird
         die Lebensqualität als Recht der Bürger garantiert, das sich aus verschiedenen Faktoren ergibt, von denen einige materieller
         Natur (vernünftige Nutzung der Ressourcen und nachhaltige Entwicklung) und andere eher intellektueller Natur (Fortschritt
         und kulturelle Entwicklung) sind. Sobald die quantitative Grenze überschritten ist, die zum Überleben ausreicht, handelt es
         sich darum, zu einem auch in qualitativer Hinsicht würdigen Leben zu gelangen(51).
      
      67.   So zeichnet sich ein Recht darauf ab, eine angemessene Umwelt zu genießen, nicht für das Individuum als solches, sondern als
         Mitglied der Gesellschaft, in der es gemeinsame soziale Interessen teilt(52). Zu der Zeit, als der angefochtene Rahmenbeschluss angenommen wurde, erkannten einige Verfassungen der Mitgliedstaaten der
         Gemeinschaft dieses Recht an(53). So bestimmt Artikel 20a des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland(54), dass „[d]er Staat … auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung [schützt]“(55). In Spanien proklamiert Artikel 45 der Verfassung(56) unter den sozial- und wirtschaftspolitischen Grundsätzen das Recht aller, „eine der Entfaltung der Persönlichkeit förderliche
         Umwelt zu genießen“(57). Ähnlich drückt dies Artikel 66 Absatz 1 der Verfassung der Portugiesischen Republik(58) aus. In Schweden wiederholt Kapitel II Artikel 18 Absatz 3 des Gesetzes vom 24. November 1994 zur Änderung der Verfassung(59) das Recht auf Zugang zur Natur.
      
      68.   Dieses Recht wird durch die entsprechenden Pflichten der öffentlichen Stellen ergänzt. Ich habe bereits an den Wortlaut des
         Bonner Grundgesetzes erinnert. Nach Artikel 45 Absatz 2 der spanischen Verfassung hat die öffentliche Gewalt über die vernünftige
         Nutzung der natürlichen Ressourcen zu wachen, um „die Lebensqualität zu schützen und zu verbessern und die Umwelt zu erhalten
         und wiederherzustellen. Dabei stützt sie sich auf die unerlässliche Solidarität der Gesellschaft.“ In gleicher Weise weist
         die finnische Verfassung(60) auf die gemeinsame Verantwortung im Bereich der Natur und der Artenvielfalt sowie der Umwelt hin (Artikel 20), während die
         griechische (Artikel 24 Absatz 1)(61), die niederländische (Artikel 21)(62) und die portugiesische Verfassung (Artikel 9 Buchstabe e) den Staat zur Erhaltung der Umwelt verpflichten. In Italien ist
         die Verpflichtung der Republik zum Schutz der Landschaft, wie sie in Artikel 9 Absatz 2 der Verfassung verankert ist(63), auf den der Umwelt und des Landes ausgedehnt worden(64).
      
      69.   Die persönliche Dimension dieser Anliegen findet in der Europäischen Union implizit Berücksichtigung, deren Charta der Grundrechte
         vom 7. Dezember 2000(65) nach der Erklärung in ihrer Präambel, dass sich die Union auf die unteilbaren und universellen Werte der Würde des Menschen,
         der Freiheit, der Gleichheit und der Solidarität gründet, im Kapitel über die Solidarität neben den Sozialrechten eine Bestimmung
         einführt, wonach die Politiken der Union ein hohes Umweltschutzniveau und die Verbesserung der Umweltqualität einbeziehen
         und nach dem Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung sicherstellen (Artikel 37). Diese Bestimmung ist, wie ich bereits gesagt
         habe, Teil des Vertrages über eine Verfassung für Europa (Artikel II‑97).
      
      70.   Ich möchte diese Ausführungen nicht abschließen, ohne zu betonen, dass unabhängig davon, wie das Recht auf eine angemessene
         natürliche Umwelt konzipiert ist(66), sein Zusammenhang mit dem Inhalt bestimmter Grundrechte leicht zu erkennen ist. Ich brauche nur zwei Entscheidungen des
         Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte zu nennen, die diesen Gedanken bestätigen. Im Urteil vom 9. Dezember 1994 in
         der Sache López Ostra gegen Spanien(67) hat dieser Gerichtshof es für offensichtlich gehalten, dass schwere Umweltverschmutzungen das Wohl Einzelner beeinträchtigen
         und sie daran hindern können, sich in ihrer Wohnung wohlzufühlen, wodurch in ihr Privat- und Familienleben eingegriffen werde
         (Abschnitt 51)(68). Im Urteil vom 19. Februar 1998 in der Sache Guerra u. a. gegen Italien(69) ist entschieden worden, dass das Fehlen amtlicher Informationen über die angemessene Reaktion der Bürger auf kontaminierende
         Emissionen einer nahe gelegenen Fabrik gegen das erwähnte Grundrecht verstoße (Abschnitt 60).
      
      H –    Die strafrechtliche Reaktion auf schwere Beeinträchtigungen der Umwelt
      71.   Das beschriebene Panorama illustriert klar die Bedeutung, die das so genannte „ökologische Bewusstsein“ in den letzten Jahrzehnten
         erlangt hat. Weder steht die tatsächliche noch die potenzielle Auswirkung der Veränderungen fest, zu denen die Tätigkeit des
         Menschen in den Ökosystemen geführt hat, man ahnt aber, dass diese Veränderungen das Leben auf der Erde beeinträchtigen oder
         unmöglich machen können. Die Tatsache, dass der Mensch und seine Eingriffe in die Natur sein Überleben als Spezies in Gefahr
         bringen, hat die Dringlichkeit vor Augen geführt, Verhaltensregeln zu entwickeln und eine „Umweltethik“ anzuwenden, deren
         Ziel darin besteht, den Menschen harmonisch in die Umwelt, in der er lebt, zu integrieren.
      
      72.   Die Staaten bedienen sich ihrer Strafgesetzbücher als ultima ratio, um sich gegen die Angriffe auf die Werte, auf denen das
         Zusammenleben beruht, zur Wehr zu setzen, und sie haben in letzter Zeit beschlossen, bestimmte Verhaltensweisen, die die Umwelt
         schädigen, unter Strafe zu stellen(70). Will man ein hohes Schutzniveau und eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen (Artikel 2 EG), so erscheint der Gedanke
         logisch, dass sich das Gemeinschaftsrecht über die Befugnisse, die den Organen zur Verwirklichung dieser Ziele übertragen
         worden sind, in bestimmten Fällen der strafrechtlichen Sanktion als einziger „wirksamer, angemessener und abschreckender“
         Reaktion bedienen muss.
      
      73.   Im Schrifttum hat sich ein gewisser Konsens über die Betrachtung der Ökosysteme als Rechtsgüter von besonderer Relevanz ergeben,
         deren Schutz für die menschliche Existenz wesentlich erscheint, weshalb ihre Bewahrung und Erhaltung es in vollem Umfang rechtfertigen,
         dass das Strafrecht mit einem spezifischen Schutz eingreift(71).
      
      74.   Administrative Sanktionen reichen häufig aus, sichern aber nicht in allen Fällen schwerer Schäden einen angemessenen Schutz.
         Die Strafe bedeutet dagegen einen zusätzlichen Druck, der in vielen Fällen zur Beachtung der Erfordernisse anhalten und zu
         einer raschen Zunahme der gesetzlichen Verbote im Zusammenhang mit der Ausübung von stark umweltgefährdenden Tätigkeiten führen
         kann. Der Einzug der Ökologie in die Gesetzbücher soll außerdem nicht nur die generalpräventive Wirkung erhöhen, sondern auch
         das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die „Sozialschädlichkeit“ der Eingriffe in die Natur schärfen, wobei bekräftigt wird,
         dass die autonomen Umweltrechtsgüter mit demselben Rang wie die strafrechtlich geschützten klassischen Werte anerkannt werden(72). Die ethische Dimension der strafrechtlichen Sanktion darf nicht außer Acht gelassen werden: Wird ein Verhalten strafrechtlich
         geahndet, so wird angenommen, dass es den schärfsten Tadel verdient, weil es gegen die Grundlagen der Rechtsordnung gerichtet
         ist.
      
      75.   Betrachtet man also den wesentlichen Inhalt der Rechtsprechung, die der Gemeinschaft eine Sanktionsgewalt mit der Befugnis
         zur Harmonisierung der nationalen Rechtsvorschriften einräumt, und berücksichtigt man den ständigen Prozess der Übernahme
         von Gemeinschaftskompetenzen im Bereich des Umweltschutzes(73) sowie die Bedeutung oder die Fragilität der Umweltbelange, so gibt es hinreichende Gründe dafür, der Gemeinschaft die Befugnis
         zuzuerkennen, von den Mitgliedstaaten eine strafrechtliche Reaktion auf bestimmte, für den Planeten schädliche Verhaltensweisen
         zu verlangen(74).
      
      76.   Der Rat und diejenigen, die ihn in diesem Verfahren unterstützen, weisen diese Auffassung zurück, weil sie die Souveränität
         der Staaten beeinträchtige. Diese Rüge erscheint mir unbegründet. Zunächst ist daran zu erinnern, dass die Gemeinschaft, wie
         im Urteil Van Gend & Loos(75) festgestellt, eine neue Rechtsordnung darstellt, zu deren Gunsten die Mitgliedstaaten ihre Befugnisse beschränkt haben, so
         dass das „Souveränitätsargument“ nichts Neues zur Diskussion beiträgt, nicht einmal im Bereich des Strafrechts. Ein guter
         Beleg dafür ist, dass das Gemeinschaftsrecht zahlreiche in den nationalen Gesetzbüchern tatbestandlich erfasste Verhaltensweisen
         entkriminalisiert hat, ohne dass diese „Einmischung“ irgendjemanden alarmiert hätte(76). Ich könnte hier eine lange Liste von Fällen anfügen, die alle kennen und in denen das Gemeinschaftsrecht die staatlichen
         Gesetzgebungskompetenzen eingeschränkt hat, und zwar nicht nur im Bereich des Strafrechts: Das Steuerrecht und das Verfahrensrecht
         sind hierfür zwei gute Beispiele.
      
      77.   Diese Kontroverse wirft eine andere Frage auf, die nicht so sehr die Staaten als vielmehr die Bürger betrifft: Es handelt
         sich um deren Recht darauf, dass die Straftatbestände von den demokratisch gewählten Repräsentanten festgelegt werden, was
         juristisch betrachtet im Grundsatz der Legalität des Strafrechts zum Ausdruck kommt, der eine doppelte Dimension hat, nämlich
         eine materielle, d. h. die vorherige normative Festlegung der Verhaltensweisen, und eine formelle, die im absoluten Vorbehalt
         für den Träger der Gesetzgebungsgewalt besteht. Bei der Position, die ich vertrete, bleibt der Grundsatz nullum crimen sine
         lege unangetastet, weil die Gemeinschaftsharmonisierung ein Tätigwerden der nationalen Parlamente für die endgültige Aufnahme
         der externen Vorschriften in ihre Rechtsordnung verlangt(77).
      
      78.   Diese Position wird auch nicht dadurch widerlegt, dass die Artikel 135 EG und 280 EG in den Bereichen des Zollwesens und der
         Bekämpfung von Betrügereien zum Nachteil der finanziellen Interessen der Gemeinschaft, bei denen die staatliche Zusammenarbeit
         enger und intensiver sein muss, „die Anwendung des Strafrechts“ und „die Strafrechtspflege“ unberührt lassen, beides Ausdrücke,
         die sich nicht auf die Befugnis, Normen zu erlassen, sondern auf die beziehen, sie anzuwenden, die aber in diesem Rechtsstreit
         nicht in Rede steht und eine Zuständigkeit betrifft, die ohne Zweifel bei den Richtern der Strafjustiz liegt.
      
      79.   Man könnte einwenden, dass angesichts der Tatsache, dass die Zusammenarbeit in Strafsachen dem dritten Pfeiler zugeordnet
         wird, jede Initiative auf diesem Gebiet, auch die der Gemeinschaft, unter Titel VI des EU-Vertrags fallen muss; für diesen
         Syllogismus fehlt es jedoch am Obersatz.
      
      80.   Artikel 29 EU sieht ein koordiniertes Vorgehen vor, um die Kriminalität auf dreierlei Wegen zu verhüten und zu bekämpfen.
         Die ersten beiden sind als polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit ausgestaltet, während der letzte auf eine Annäherung
         der Strafvorschriften der Mitgliedstaaten „nach Artikel 31 Buchstabe e“ abzielt, der sich auf die schrittweise Annahme von
         Mindestvorschriften „über die Tatbestandsmerkmale strafbarer Handlungen und die Strafen in den Bereichen organisierte Kriminalität,
         Terrorismus und illegaler Drogenhandel“ bezieht. Es gibt daher, wie bereits gesagt(78), keine „Universalzuständigkeit“ der Europäischen Union dafür, das Strafrecht der Mitgliedstaaten durch die in Artikel 34
         Absatz 2 Buchstabe b erwähnten Rahmenbeschlüsse zu harmonisieren, sondern nur eine auf bestimmte Straftaten von länderüberschreitender
         Bedeutung beschränkte Befugnis.
      
      81.   Der dritte Pfeiler sieht eine gegenseitige operative Unterstützung der Polizei‑ und Justizbehörden vor, um die Kriminalität
         wirksamer zu bekämpfen, aber die normative Annäherung, die über den Gedanken der Zusammenarbeit hinausgeht und einen radikaleren
         Schritt zur Integration bedeutet, bleibt auf solche Elemente beschränkt, die wegen ihrer „Internationalisierung“ eine einheitliche
         Reaktion verdienen.
      
      82.   Ebenso wie die Gemeinschaft keine allgemeine strafrechtliche Kompetenz hat, fehlt ihr auch eine „natürliche Fähigkeit“ des
         dritten Pfeilers, die wie eine Schwerkraft alle derartigen Fragen, die sich in der Union stellen, an sich ziehen würde. Die
         Lösung muss auf anderen Wegen gefunden werden, und zwar auf der Linie, die die Rechtsprechung bei der Entwicklung der Sanktionsgewalt
         zur Verteidigung der Gemeinschaftsrechtsordnung vorgezeichnet hat.
      
      83.   Nachdem die vom Rat und von den Mitgliedstaaten erhobenen Einwände zurückgewiesen sind, setze ich nun die Argumentation fort.
         Ohne auf die Gründe einzugehen, die für eine koordinierte Reaktion sprechen, da die Vorteile einer Harmonisierung(79) unbestritten sind(80), ist ihre Tragweite näher zu bestimmen. Das Ziel besteht, wie wir gesehen haben, darin, eine „wirksame, angemessene und abschreckende“
         Sanktion für schwere Verstöße gegen die Umweltpolitik der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen. Die strafrechtliche Ahndung
         vereint diese Merkmale, weshalb die Gemeinschaft, um die Wirksamkeit ihrer Tätigkeit in diesem Bereich zu sichern, die Mitgliedstaaten
         zwingen kann, von ihr Gebrauch zu machen; sie ist aber nach meiner Ansicht nicht berechtigt, darüber hinauszugehen. Diese
         Feststellung stützt sich einmal auf die Grundlagen der Rechtsprechung, die diese Befugnis anerkennt, und zum anderen auf den
         Charakter ihrer Zuständigkeiten im Umweltbereich. 
      
      I –    Die Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts verlangt nur, dass es sich um eine strafrechtliche Sanktion handelt
      84.   Die zivil‑, verwaltungs‑ oder strafrechtliche Sanktionsgewalt ist als instrumentale Befugnis(81) im Dienst der Wirksamkeit des Gemeinschaftsrechts zu betrachten(82). Wenn die Unversehrtheit dieses Rechtssystems eine Strafdimension erfordert, müssen die Mitgliedstaaten die dafür notwendigen
         Mechanismen festlegen, deren Charakter die Gemeinschaft zu bestimmen hat, sofern sie in der Lage ist, ihre Nützlichkeit für
         den verfolgten Zweck zu prüfen, weil andernfalls die Aufgabe den nationalen Legislativen obliegen würde. Was die Umwelt angeht,
         so dürfte es klar sein, dass die Reaktion auf Verhaltensweisen, die sie ernsthaft schädigen, Strafrechtscharakter haben muss,
         doch ist auf der Ebene der Bestrafung die Wahl der Strafe, mit der diese Verhaltensweisen bekämpft und dem Gemeinschaftsrecht
         Wirksamkeit verliehen werden soll, Sache der Mitgliedstaaten.
      
      85.   Sobald die Gemeinschaftsharmonisierung einheitliche Straftatbestände eingeführt hat, haben die nationalen Rechtsordnungen
         diese verbotenen Verhaltensweisen unter Strafe zu stellen und dabei die konkreten Strafmaßnahmen anzugeben, die an das Fehlverhalten
         geknüpft sind, um auf diese Weise die tatsächliche Situation und die Rechtsordnung, die beeinträchtigt wurden, wiederherzustellen.
         Bei diesem Unternehmen ist niemand in einer besseren Lage als der nationale Gesetzgeber, der, weil er die rechtlichen und
         soziologischen Besonderheiten seiner Sozialordnung aus erster Hand kennt, in dem vorher von der Gemeinschaft abgegrenzten
         Rahmen die Reaktion zu wählen hat, die für den Fortbestand des Gemeinschaftsrechts am geeignetsten ist(83).
      
      86.   Das Strafrecht bietet die einzige „wirksame, angemessene und abschreckende“ Lösung bei Verhaltensweisen, die wie die in Artikel
         2 des Rahmenbeschlusses genannten die Umwelt schwer beeinträchtigen, doch sind diese einmal unter Strafe gestellt, so kann
         die konkrete Sanktion nur in der nationalen Rechtsordnung bestimmt werden, die die für diese Aufgabe unerlässlichen Parameter
         enthält, da die Gemeinschaft gegenwärtig nicht über die erforderlichen Instrumente verfügt, um beurteilen zu können, wie die
         Umweltbelange in jedem Mitgliedstaat am besten verteidigt werden, ob durch Freiheitsentzug oder durch die Beschränkung von
         Rechten oder durch eine finanzielle Sanktion.
      
      87.   Dieses Schema weist der Gemeinschaft die Befugnis zu, das geschützte Rechtsgut und die Art des Vorwurfs genau zu definieren,
         während die Mitgliedstaaten die Ausarbeitung der Strafvorschrift übernehmen(84), entweder individuell oder koordiniert im Wege der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit, die im dritten Pfeiler des EU-Vertrags
         geregelt ist.
      
      J –    Die Art der Gemeinschaftszuständigkeiten in Bezug auf die Umwelt
      88.   Die Befugnisse in diesem Bereich teilt die Gemeinschaft mit den Mitgliedstaaten(85), wobei zugelassen wird, dass die nationalen Rechtsvorschriften strenger sind.
      
      89.   Nach Artikel 176 EG dürfen die Mitgliedstaaten, wie bereits gesagt, verstärkte Schutzmaßnahmen beibehalten oder ergreifen,
         sofern diese mit dem Vertrag vereinbar sind und der Kommission notifiziert werden. Außerdem erlaubt ihnen Artikel 95 EG, auch
         bei Vorhandensein von Harmonisierungserfordernissen, eigene Vorschriften beizubehalten (Absatz 4) oder einzuführen (Absatz 5),
         wenn diese durch den Umweltschutz gerechtfertigt sind und der Kommission mitgeteilt werden. Schließlich sieht Artikel 174
         Absatz 2 Unterabsatz 2 EG eine Schutzklausel vor, „mit der die Mitgliedstaaten ermächtigt werden, aus nicht wirtschaftlich
         bedingten umweltpolitischen Gründen vorläufige Maßnahmen zu treffen, die einem gemeinschaftlichen Kontrollverfahren unterliegen“.
      
      90.   In meinen bereits erwähnten Schlussanträgen in der Rechtssache Deponiezweckverband Eiterköpfe habe ich darauf hingewiesen,
         dass die Mitgliedstaaten deshalb eine wichtige Rolle zu spielen haben, was dazu führt, dass europäische Normen neben nationalen
         Normen bestehen, die die gemeinschaftlichen Rechtsvorschriften konkretisieren oder von ihnen abweichen, um einen stärkeren
         Schutz zu gewähren, so dass es absolut kohärent erscheint, wenn die nationalen Rechtsordnungen, nachdem die Gemeinschaft die
         Mindestschwelle (die strafrechtliche Reaktion auf die Verstöße) bestimmt hat, diese Rechtsvorschriften spezifizieren, präzisieren
         und mit der Kraft versehen, die für die Erreichung des festgelegten Zieles unerlässlich ist. 
      
      K –     Die Artikel 1 bis 7 des Rahmenbeschlusses als Grundlage der Gemeinschaftszuständigkeit
      91.   Die vorstehenden Erwägungen lassen es ratsam erscheinen, die Artikel 1 bis 7 des Rahmenbeschlusses daraufhin zu prüfen, ob
         ihr Inhalt in den Geltungsbereich des Gemeinschaftsrechts fällt, weil sie in diesem Fall, da der Rat der Union sie auf der
         Grundlage der Artikel 29 EU, 31 Buchstabe e EU und 34 Absatz 2 Buchstabe b EU erlassen hat, gegen Artikel 47 EU verstießen
         und damit nichtig wären.
      
      92.   Gemäß den Artikeln 2 und 3 ist die vorsätzliche und zumindest grob fahrlässige Begehung von sieben Gruppen umweltschädigender
         Handlungen unter Strafe zu stellen, die durch ihre Bedeutung gekennzeichnet sind, und zwar sowohl aufgrund ihrer Eignung,
         den Tod oder eine schwere Körperverletzung von Personen oder erhebliche Schäden an Bestandteilen der natürlichen und kulturellen
         Umgebung sowie an Pflanzen und Tieren herbeizuführen, als auch aufgrund der Beeinträchtigung geschützter Arten oder der Ozonschicht.
         Nach dem bisher Ausgeführten ist klar, dass die Zuständigkeit für die Wahl der Sanktionsart für derartige Verhaltensweisen
         bei der Gemeinschaft liegt. Das Gleiche gilt für Artikel 4, soweit er die strafrechtliche Erfassung anderer Beteiligungsformen
         als der Täterschaft sowie der Anstiftung vorschreibt. Die einen wie die anderen Bestimmungen gehören zum „gemeinschaftlichen
         Harmonisierungsminimum“, da sie sich mit der Abgrenzung des persönlichen Bereichs der strafrechtlichen Verantwortlichkeit
         auf deren Natur auswirken.
      
      93.   Artikel 5 Absatz 1, wonach die in den Artikeln 2 und 3 genannten Handlungen mit wirksamen, angemessenen und abschreckenden
         Strafen zu bedrohen sind, ist in gleicher Weise zu beurteilen wie die vorerwähnten Bestimmungen, weil in diesen Fällen die
         Wahl des Sanktionsmodells – das straf-, verwaltungs- oder zivilrechtlich sein kann – aus den dargelegten Gründen der Gemeinschaft
         zusteht.
      
      94.   Jedoch geht die Bestimmung dieses Artikels 5 Absatz 1, wonach die schwerwiegenden Fälle mit Freiheitsstrafen belegt werden,
         die zu einer Auslieferung führen können, über die eigentlichen Grenzen des ersten Pfeilers hinaus, weil im Bereich des Strafrechts
         die Wahl der angemessenen Sanktion zur staatlichen Zuständigkeit gehört. Aus den gleichen Gründen ist die Berücksichtigung
         ergänzender Sanktionen in Artikel 5 Absatz 2 nicht zu beanstanden.
      
      95.   Artikel 6 regelt die Verantwortlichkeit juristischer Personen für Handlungen und Unterlassungen in Bezug auf die in den Artikeln
         2 bis 4 genannten Verhaltensweisen, während Artikel 7 für ihre Bestrafung „wirksame, angemessene und abschreckende“ Sanktionen
         vorsieht, ohne deren Charakter näher zu bezeichnen; beide Bestimmungen weisen den gleichen Defekt auf wie die Artikel 2 bis
         4 und 5 Absatz 1. Die Klarstellung, dass nicht nur natürliche, sondern auch juristische Personen zu verfolgen sind, betrifft
         die Ausgestaltung des Grundmodells der Reaktion auf Umweltverstöße, die eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Jedoch fällt Artikel
         7, soweit er fünf konkrete Sanktionen anführt, nicht in den Anwendungsbereich des Gemeinschaftsrechts.
      
      96.   Artikel 1 schließlich beschränkt sich auf die Definition dreier Begriffe, die in den Artikeln 2 und 6 verwendet werden.
      97.   Ich meine demnach, dass aufgrund der Tatsache, dass die Wahl der strafrechtlichen Reaktion auf schwere Umweltverstöße zur
         Zuständigkeit der Gemeinschaft gehört, der Rat der Union nicht befugt ist, die Artikel 1 bis 4, 5 Absatz 1 – mit Ausnahme
         der Bezugnahme auf die Freiheitsstrafen und die Auslieferung –, 6 und 7 Absatz 1 des Rahmenbeschlusses zu erlassen. Folglich
         ist die Klage der Kommission begründet, weshalb ihr stattzugeben ist und die genannten Vorschriften für nichtig zu erklären
         sind.
      
      V –    Kosten
      98.   Da der Klage der Kommission stattzugeben ist, sind dem Rat der Europäischen Union nach Artikel 69 § 2 der Verfahrensordnung
         die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
      
      99.   Die Mitgliedstaaten, das Europäische Parlament und der Wirtschafts- und Sozialausschuss, die dem Rechtsstreit als Streithelfer
         beigetreten sind, haben nach Artikel 69 § 3 ihre eigenen Kosten zu tragen.
      
      VI – Ergebnis
      100. Nach alledem schlage ich dem Gerichtshof vor,
      1.         der Nichtigkeitsklage der Kommission der Europäischen Gemeinschaften gegen den Rahmenbeschluss 2003/80/JI des Rates vom 27.
         Januar 2003 über den Schutz der Umwelt durch das Strafrecht stattzugeben und diesen Rahmenbeschluss in dem sich aus der vorstehenden
         Nummer 97 ergebenden Umfang für nichtig zu erklären;
      
      2.         dem Rat der Europäischen Union die Verfahrenskosten aufzuerlegen und festzustellen, dass die Streithelfer ihre eigenen Kosten
         tragen.
      
      1 –	Originalsprache: Spanisch.
      
      2 –	ABl. L 29, S. 55.
      
      3 –	Diese Überzeugung besteht auch im weiteren Rahmen des Europarats, der am 4. November 1998 eine Konvention mit der gleichen
         Zielrichtung und gleichem Titel wie der Rahmenbeschluss verabschiedet hat (Série des traités européens –  Nr. 172).
      
      4 –	Das Schrifttum hat sich mit dieser Streitfrage befasst. Vgl. F. Comte, „Droit pénal de l’environnement et compétence communautaire“,
         Revue du droit de l’Union européenne,  Nr. 4 (2002), S. 775 bis 799, sowie I. Blanco Cordero, „El derecho penal y el primer pilar de la Unión Europea“, Revista Electrónica de Ciencia Penal y Criminología,  06-05 (2004).
      
      5 –	Die Niederlande vertreten allerdings einen differenzierten Standpunkt (vgl. Fußnote 74 a. E.).
      
      6 –	Die spanische Rechtsordnung folgt einem ähnlichen Schema, bei dem der Staat die Grundvorschriften zum Schutz der Umwelt
         verabschiedet, unbeschadet der Befugnis der autonomen Regionen, zusätzliche Schutzvorschriften zu erlassen, und die Regionen
         mit der Verwaltung in diesem Bereich betraut sind (Artikel 149.1.23ª und 148.1.9ª der Verfassung von 1978).
      
      7 –	Die Bestimmung betrifft steuerliche Vorschriften, Vorschriften über Raumordnung und Städtebau, über die Bewirtschaftung
         der Wasserressourcen und alle Vorschriften, die die Wahl eines Mitgliedstaats zwischen verschiedenen Energiequellen und die
         allgemeine Struktur seiner Energieversorgung erheblich berühren.
      
      8 –	Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt, von
         der Kommission vorgelegt am 15. März 2001 (ABl. C 180 E, S. 238).
      
      9 –	Die Vorschrift bezieht sich auf Ableitungen und Ablagerungen, Gefährdung geschützter Tier- oder Pflanzenarten, erhebliche
         Schädigung geschützter Lebensräume, unerlaubten Handel mit Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht führen, sowie den rechtswidrigen
         Betrieb einer Anlage, in der eine gefährliche Tätigkeit ausgeübt wird oder in der gefährliche Stoffe oder Zubereitungen gelagert
         oder verwendet werden.
      
      10 –	Artikel 2 bestimmt: „Jeder Mitgliedstaat trifft die erforderlichen Maßnahmen, um nach einzelstaatlichem Recht folgende
         Handlungen, wenn sie vorsätzlich begangen werden, als Straftaten zu umschreiben: a) das Einleiten, Abgeben oder Einbringen
         einer Menge von Stoffen oder ionisierender Strahlung in die Luft, den Boden oder das Wasser, welches den Tod oder eine schwere
         Körperverletzung einer Person verursacht; b) das rechtswidrige Einleiten, Abgeben oder Einbringen einer Menge von Stoffen
         oder ionisierender Strahlung in die Luft, den Boden oder das Wasser, welches deren anhaltende oder erhebliche Verschlechterung
         oder den Tod oder eine schwere Körperverletzung einer Person oder erhebliche Schäden an geschützten Denkmälern, sonstigen
         geschützten Gegenständen, Vermögensgegenständen, Tieren oder Pflanzen verursacht oder zu verursachen geeignet ist; c) das
         rechtswidrige Beseitigen, Behandeln, Lagern, Befördern, Ausführen oder Einführen von Abfällen, einschließlich gefährlicher
         Abfälle, welches den Tod oder eine schwere Körperverletzung einer Person oder erhebliche Schäden hinsichtlich der Luft-, Boden-
         oder Wasserqualität sowie an Tieren oder Pflanzen verursacht oder zu verursachen geeignet ist; d) das rechtswidrige Betreiben
         einer Fabrik, in der eine gefährliche Tätigkeit durchgeführt wird, welches außerhalb dieser Fabrik den Tod oder eine schwere
         Körperverletzung einer Person oder erhebliche Schäden hinsichtlich der Luft-, Boden- oder Wasserqualität sowie an Tieren oder
         Pflanzen verursacht oder zu verursachen geeignet ist; e) das rechtswidrige Herstellen, Behandeln, Lagern, Verwenden, Befördern,
         Ausführen oder Einführen von Kernmaterial oder anderen gefährlichen radioaktiven Stoffen, welches den Tod oder eine schwere
         Körperverletzung einer Person oder erhebliche Schäden hinsichtlich der Luft-, Boden- oder Wasserqualität sowie an Tieren oder
         Pflanzen verursacht oder zu verursachen geeignet ist; f) das rechtswidrige Besitzen, Entnehmen, Beschädigen oder Töten von
         sowie der rechtswidrige Handel mit geschützten wild lebenden Tier- und Pflanzenarten oder Teilen davon, zumindest in den Fällen,
         in denen sie nach der Definition in den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften vom Aussterben bedroht sind; g) der rechtswidrige
         Handel mit Stoffen, die zum Abbau der Ozonschicht führen.“ 
      
      11 –	Dieser Absatz nennt als Beispiel das Verbot für eine natürliche Person, eine Tätigkeit, die eine offizielle Genehmigung
         oder Billigung erfordert, aufzunehmen sowie ein Unternehmen oder eine Stiftung zu gründen, zu verwalten oder zu leiten, „wenn
         sich aus dem Sachverhalt, aufgrund dessen sie abgeurteilt wurde, ein eindeutiges Risiko ergibt, dass sie die gleiche Art der
         kriminellen Aktivität fortsetzt“.
      
      12 –	Nach Absatz 1 trifft jeder Mitgliedstaat die erforderlichen Maßnahmen, „um sicherzustellen, dass eine juristische Person
         für die in den Artikeln 2 und 3 genannten Handlungen, die zu ihren Gunsten von einer Person begangen werden, die entweder
         allein oder als Teil eines Organs der juristischen Person gehandelt hat und die eine Führungsposition innerhalb der juristischen
         Person innehat aufgrund a) der Befugnis zur Vertretung der juristischen Person, b) der Befugnis, Entscheidungen im Namen der
         juristischen Person zu treffen, oder c) einer Kontrollbefugnis innerhalb der juristischen Person, sowie für die Beihilfe oder
         Anstiftung zu der Begehung der in Artikel 2 aufgeführten Handlungen verantwortlich gemacht werden kann“. Absatz 2 ergänzt,
         dass „[n]eben den bereits in Absatz 1 vorgesehenen Fällen … jeder Mitgliedstaat die erforderlichen Maßnahmen [trifft], um
         sicherzustellen, dass eine juristische Person verantwortlich gemacht werden kann, wenn mangelnde Überwachung oder Kontrolle
         seitens einer der in Absatz 1 genannten Personen die Begehung einer der in den Artikeln 2 und 3 genannten Handlungen durch
         eine dieser unterstellten Person zugunsten der juristischen Person ermöglicht hat“.
      
      13 –	„Jeder Mitgliedstaat trifft die erforderlichen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass gegen eine im Sinne des Artikels 6 verantwortliche
         juristische Person wirksame, angemessene und abschreckende Sanktionen verhängt werden können, zu denen strafrechtliche oder
         nichtstrafrechtliche Geldsanktionen gehören und andere Sanktionen gehören können, beispielsweise: a) Maßnahmen des Ausschlusses
         von öffentlichen Zuwendungen und Hilfen; b) Maßnahmen des vorübergehenden oder ständigen Verbots der Ausübung einer Gewerbe-
         oder Handelstätigkeit; c) richterliche Aufsicht; d) richterlich angeordnete Auflösung; e) Verpflichtung zum Ergreifen spezieller
         Maßnahmen, um die Folgen der die strafrechtliche Verantwortlichkeit begründenden Handlung zu beseitigen.“
      
      14 –	Diesen Ausführungen in den Begründungserwägungen des Rahmenbeschlusses und einigen Erklärungen in der mündlichen Verhandlung
         ist zu entnehmen, dass der Richtlinienvorschlag nicht angenommen wurde, weil es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mitgliedstaaten
         gab und keine Übereinstimmung erzielt werden konnte.
      
      15 –	Diese Zuständigkeit tritt gleichwohl im EU‑Vertrag nicht so deutlich hervor, da Artikel 29, wenn er der Union die Annäherung
         des Strafrechts der Mitgliedstaaten gestattet, auf Artikel 31 Buchstabe e Bezug nimmt, der von Mindestvorschriften über die
         Tatbestandsmerkmale strafbarer Handlungen und die Strafen in den Bereichen organisierte Kriminalität, Terrorismus und illegaler Drogenhandel spricht. Der Rat hat verschiedene Rahmenbeschlüsse angenommen, in denen er die Strafen für bestimmte Handlungen aufeinander
         abstimmt. Im Bereich der Wirtschaftskriminalität sind dies der Rahmenbeschluss 2000/383/JI vom 29. Mai 2000 über die Verstärkung des mit strafrechtlichen und anderen Sanktionen bewehrten
            Schutzes gegen Geldfälschung im Hinblick auf die Einführung des Euro (ABl. L 140, S. 1), geändert durch den Rahmenbeschluss
            2001/888/JI vom 6. Dezember 2001 (ABl. L 329, S. 3), der Rahmenbeschluss 2001/413/JI vom 28. Mai 2001 zur Bekämpfung von Betrug
            und Fälschung im Zusammenhang mit unbaren Zahlungsmitteln(ABl. L 149, S. 1) sowie der Rahmenbeschluss 2001/500/JI vom 26. Juni 2001 über Geldwäsche sowie Ermittlung, Einfrieren, Beschlagnahme
            und Einziehung von Tatwerkzeugen und Erträgen aus Straftaten (ABl. L 182, S. 1). Die strafrechtliche Bekämpfung des Terrorismus ist Gegenstand des Rahmenbeschlusses 2002/475/JI vom 13. Juni 2002 (ABl. L 164, S. 3), und mit dem Menschenhandel befasst sich der Rahmenbeschluss 2002/629/JI vom 19. Juli
            2002 (ABl. L 203, S. 1). Um den Schutz der Opfer in Fällen illegaler Einwanderung geht es im Rahmenbeschluss 2002/946/JI vom 28. November 2002 betreffend die Verstärkung des strafrechtlichen Rahmens für die Bekämpfung der Beihilfe
            zur unerlaubten Ein- und Durchreise und zum unerlaubten Aufenthalt(ABl. L 328, S. 1). Der Rahmenbeschluss 2003/568/JI vom 22. Juli 2003 harmonisiert die nationalen Vorschriften zur strafrechtlichen Verfolgung der Bestechung im privaten
            Sektor (ABl. L 192, S. 54). D ie strafrechtliche Bekämpfung von Angriffen auf Informationssysteme wird s chließlich im Rahmenbeschluss 2005/222/JI vom 24. Februar 2005 (ABl. L 69, S. 67) geregelt.
      16 –	Zu berücksichtigen ist, dass Artikel 29 EU das Ziel der Union „unbeschadet der Befugnisse der Europäischen Gemeinschaft“
         festlegt, so dass bei einem Widerspruch diese vorrrangig sind. F. Benzo Sáinz, „El título VI del Tratado UE: instrumentos,
         instancias decisorias e instituciones comunitarias en el tercer pilar“, El tercer pilar de la Unión Europea. La cooperación en asuntos de justicia e interior, (Spanisches) Innenministerium, Madrid, 1997, S. 24, vertritt die Auffassung, dass im Licht dieser Bestimmung die Handlungswege
         des Titels VI nicht die einzigen sind, um die verfolgten Ziele zu erreichen, und ausschließlich dann zu beschreiten sind,
         wenn diese Ziele nicht auf den überkommenen Wegen des Gemeinschaftsrechts erreicht werden können.
      
      17 –	Im Urteil vom 11. November 1981 in der Rechtssache 203/80 (Casati, Slg. 1981, 2595) heißt es, dass die Strafgewalt grundsätzlich
         zur Zuständigkeit der Mitgliedstaaten gehöre (Randnr. 27). J. Vogel, „Stand und Tendenzen der Harmonisierung des materiellen
         Strafrechts in der Europäischen Union“, Strafrecht und Kriminalität in Europa, 2003, S.  232, und G. Dannecker, „Strafrecht in der Europäischen Gemeinschaft“, Juristenzeitung,  1996, S. 869, sind der Meinung, dass die Lehre in diesem Punkt uneins sei. 1972 hat J. Bigay, „Droit communautaire et droit
         pénal“, Revue trimestrielle du droit européen,  1972, Nr. 4, S. 734, unterstrichen, dass die Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Verordnung zur Anwendung
         der Artikel 85 und 86 EG-Vertrag (jetzt Artikel 81 EG und 82 EG), ausdrücklich festgelegt habe, dass ihre Sanktionen keinen
         Strafrechtscharakter hätten. 
      
      18 –	Urteil vom 2. Februar 1977 in der Rechtssache 50/76 (Slg. 1977, 137).
      
      19 –	Es handelte sich um eine niederländische Regelung, die Verstöße gegen die Gemeinschaftsvorschriften über Mindestpreise
         bei der Ausfuhr bestimmter Blumenzwiebelsorten für strafbar erklärte.
      
      20 –	Zur Anwendbarkeit dieses Grundsatzes bei Bestrafung desselben Verhaltens durch verschiedene Rechtsordnungen vgl. meine
         Schlussanträge in den Rechtssachen C‑213/00 P (Italcementi/Kommission), C‑217/00 P (Buzzi Unicem/Kommission) und C‑219/00 P
         (Cementir/Kommission), in denen das Urteil am 7. Januar 2004 ergangen ist (Slg. 2004, I-123). Vgl. insbesondere im Rahmen
         des dritten Pfeilers und des Schengener Übereinkommens meine Schlussanträge in den verbundenen Rechtssachen C‑187/01 und C‑385/01
         (Gözütok und Brügge), in denen der Gerichtshof am 11. Februar 2003 entschieden hat (Slg. 2003, I‑1345).
      
      21 –	Aus dem Urteil vom 21. September 1989 in der Rechtssache 68/88 (Slg. 1989, 2965) ergibt sich, dass dieser Mitgliedstaat
         u. a. dadurch gegen seine Verpflichtungen verstoßen hatte, dass er diejenigen Personen nicht strafrechtlich oder disziplinarrechtlich
         verfolgt hatte, die möglicherweise an der Begehung und Verschleierung von Handlungen beteiligt waren, durch die die Agrarabschöpfungen
         hinterzogen werden konnten, die auf bestimmte, im Mai 1986 aus einem Drittland eingeführte Partien Mais zu entrichten waren.
      
      22 –	Die in diesem Urteil vertretene Auffassung findet sich auch im Urteil vom 10. Juli 1990 in der Rechtssache C‑326/88 (Hansen,
         Slg. 1990, I‑2911, Randnr. 17) bei der Beantwortung einer Vorabentscheidungsfrage, die sich im Rahmen eines in Dänemark geführten
         Strafverfahrens gegen einen Unternehmer wegen Verstoßes gegen die Verordnung (EWG) Nr. 543/69 des Rates vom 25. März 1969
         über die Harmonisierung bestimmter Sozialvorschriften im Straßenverkehr (ABl. L 77, S. 49) gestellt hatte. In diesem Urteil
         wird ausgeführt, dass weder diese Verordnung noch die allgemeinen Grundsätze des Gemeinschaftsrechts nationalen Vorschriften
         entgegenstünden, nach denen ein Arbeitgeber, dessen Fahrer die tägliche Höchstfahrzeit überschritten und gegen die Ruhepausenregelung
         verstoßen hat, bestraft werden könne, sofern die vorgesehene Sanktion den Sanktionen entspreche, die bei Verstößen gegen nationale
         Rechtsvorschriften gelten, und sofern diese Sanktion der Schwere der begangenen Zuwiderhandlung angemessen sei (Urteilstenor).
      
      23 –	Urteil vom 25. Februar 1988 in der Rechtssache 299/86 (Slg. 1988, 1213).
      
      24 –	Rechtssache C‑2/88 Imm. (Slg. 1990, I‑3365).
      
      25 –	Rechtssache C‑186/98 (Slg. 1999, I‑4883).
      
      26 –	ABl. L 207, S. 1.
      
      27 –	ABl. L 261, S. 1.
      
      28 –	Rechtssache C‑333/99 (Slg. 2001, I‑1025).
      
      29 –	ABl. L 166, S. 77.
      
      30 –	ABl. L 328, S. 17.
      
      31 –	Zitiert in Fußnote 15.
      
      32 –	Der Senat für Verwaltungsstreitsachen des spanischen Tribunal Supremo verneint von jeher jeden metaphysischen Unterschied
         zwischen beiden Kategorien. Vgl. in diesem Sinne das Urteil vom 9. Februar 1972, das zu einem Zeitpunkt erging, als die spanische
         Rechtsordnung viele rechtsstaatliche Grundsätze noch nicht kannte und diese Gleichstellung dazu verwendete, um die Verhängung
         von Verwaltungssanktionen größtenteils den Garantien zu unterwerfen, die bei strafrechtlicher Verurteilung galten. E. García
         de Enterría und T. R. Fernández, Curso de derecho administrativo, Band II, 7. Auflage, Madrid 2000, S. 163, berichten, dass die Verwaltungssanktionen eine ungewöhnliche Ausweitung während
         der Diktatur von General Primo de Rivera, der zweiten Republik und der Francozeit erfahren haben, als sie als ein normales
         Mittel zur Bekämpfung der politischen Opposition eingesetzt wurden.
      
      33 –	Urteil vom 4. Juli 2000 in der Rechtssache C‑387/97 (Slg. 2000, I‑5047).
      
      34 –	Das spanische Tribunal Constitucional ist der Auffassung, dass die für das Strafverfahren vorgeschriebenen Formalien auch
         für Verfahren zur Verlängerung von Verwaltungssanktionen gelten, soweit dies erforderlich sei, um die wesentlichen Werte zu
         wahren, die dem Recht auf ein faires Verfahren zugrunde liegen (Urteile 18/1981, BOE Nr. 143 vom 16. Juni 1981, und 181/1990,
         BOE Nr. 289 vom 3. Dezember 1990), unbeschadet der erforderlichen Anpassung an ihre besondere Natur (Urteile 2/1987, BOE Nr.
         35 vom 10. Februar 1987, 29/1989, BOE Nr. 50 vom 28. Februar 1989, 181/1990, a. a. O., 3/1999, BOE Nr. 48 vom 25. Februar
         1999, sowie 276/2000, BOE Nr. 299 vom 14. Dezember 2000).
      
      35 –	Vgl. meine Schlussanträge in den Rechtssachen C‑255/00 (Grundig Italiana, Nrn. 27 bis 29, Urteil vom 24. September 2002,
         Slg. 2002, I‑8003) und C‑30/02 (Recheio, Nrn. 23 bis 35, Urteil vom 17. Juni 2004, Slg. 2004, I-6051).
      
      36 –	Nr. 27 der Schlussanträge in der Rechtssache Grundig Italiana und Nr. 29 der Schlussanträge in der Rechtssache Recheio.
      
      37 –	Der Inhaber dieser Zuständigkeit muss grundsätzlich auch die formelle Zuständigkeit besitzen. Der Bevollmächtigte der finnischen
         Regierung hat in der mündlichen Verhandlung betont, dass das Strafrecht nicht nur ein Werkzeug sei, da es eine eigene Substanz
         habe, doch lässt diese Position einen bloßen Nominalismus erkennen, weil die Strafrechtsnorm wie jede andere repressive Norm
         im Dienst eines Zweckes steht, der sie durchdringt und der mit ihr erreicht werden soll. Im Urteil vom 27. Oktober 1992 in
         der Rechtssache C‑240/90 (Deutschland/Kommission, Slg. 1992, I‑5383), das sich auf andere Urteile stützt, wird die Gemeinschaft
         für berechtigt gehalten, im Rahmen ihrer Aufgaben (es ging um die gemeinsame Agrarpolitik) die Sanktionen vorzusehen, die
         von den nationalen Behörden gegen Wirtschaftsteilnehmer, die sich eines Betrugs schuldig gemacht haben, verhängt werden können
         (Randnrn. 11 bis 13).
      
      38 –	Diese ursprüngliche normative Lücke hatte zu ernsthaften Zweifeln bei der Suche nach einer Rechtsgrundlage für das Umweltrecht
         der Gemeinschaft geführt, die im spanischen Schrifttum von M. Bravo-Ferrer Delgado, „La determinación de la base jurídica
         en el derecho comunitario del medio ambiente“, Gaceta Jurídica,  Nrn. B‑92 und B‑93, März und April 1994, S. 13 bis 20 und 5 bis 13, beschrieben worden sind. Auch D. Géradin, „Les compétences
         respectives de la Communauté et des États membres dans le domaine de l’environnement: base juridique, subsidiarité et proportionnalité“,
         Le droit communautaire de l’environnement. Mise en œuvre et perspectives,  Paris 1998, S. 33 bis 55, hat diese Frage behandelt.
      
      39 –	Artikel 100 erwies sich als Weg zur Harmonisierung der Vorschriften, die sich unmittelbar auf die Errichtung oder das Funktionieren
         des Gemeinsamen Marktes auswirken, und der weitergehende Artikel 235 war Grundlage für den Erlass von geeigneten Maßnahmen
         zur Erreichung von Gemeinschaftszielen, die im Vertrag nicht ausdrücklich genannt sind.
      
      40 –	Im Urteil vom 18. März 1980 in der Rechtssache 91/79 (Kommission/Italien, Slg. 1980, 1099, Randnr. 8) heißt es, dass keineswegs
         ausgeschlossen sei, dass Umweltschutzbestimmungen ihre Rechtsgrundlage in Artikel 100 EG-Vertrag finden könnten, da derartige
         Bestimmungen die Unternehmen, für die sie gelten, belasten könnten und mangels einer Angleichung der einschlägigen nationalen
         Vorschriften der Wettbewerb spürbar verfälscht werden könnte.
      
      41 –	Urteil vom 7. Februar 1985 in der Rechtssache 240/83 (Slg. 1985, 531).
      
      42 –	ABl. 1987, L 169, S. 1.
      
      43 –	Urteil vom 20. September 1988 in der Rechtssache 302/86 (Slg. 1988, 4607).
      
      44 –	Titel VII wurde in den Dritten Teil des Vertrages durch Artikel 25 der Einheitlichen Europäischen Akte eingefügt und Artikel
         100a durch Artikel 18. Mit dem EU‑Vertrag (Artikel G.28) ist er zu Titel XVI geworden.
      
      45 –	Urteil vom 11. Juni 1991 in der Rechtssache C‑300/89 (Slg. 1991, I‑2867).
      
      46 –	Zum Vorsorgegrundsatz vgl. L. González-Vaqué, „La definición del contenido y ámbito de aplicación del principio de precaución
         en el derecho comunitario“, Gaceta Jurídica de la Unión Europea,  Nr. 221, September/Oktober 2002, S. 4 bis 20, sowie meine Abhandlung El desarrollo comunitario del principio de precaución (im Druck).
      47 –	ABl. 2004, C 310, S. 1.
      
      48 –	Dabei war die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (verkündet von der Generalversammlung der Vereinten Nationen mit
         der Resolution 217 A [III] vom 10. Dezember 1948) insoweit der Ausgangspunkt, als sie das Recht auf einen Lebensstandard vorsieht,
         der Gesundheit und Wohl gewährleistet (Artikel 25 Absatz 1). Präziser noch bezieht sich der internationale Pakt über wirtschaftliche,
         soziale und kulturelle Rechte (verkündet von der Generalversammlung mit Resolution 2002 A [XXI] vom 16. Dezember 1966, in
         Kraft getreten am 3. Januar 1976) auf die Notwendigkeit einer Verbesserung der Umwelt als eines der Erfordernisse für die
         angemessenen Entfaltung der Persönlichkeit (Artikel 12 Absatz 2 Buchstabe b).
      
      49 –	Diese Charta wurde mit der Resolution 37/7 vom 28. Oktober1982 angenommen.
      
      50 –	Die Richtlinie 2003/87/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Oktober 2003 über ein System für den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten in der Gemeinschaft und zur Änderung der Richtlinie 96/61/EG
            des Rates (ABl. L 275, S. 32) setzt das Kyoto‑Protokoll in der Gemeinschaft um.
      
      51 –	Vgl. R. de Mendizábal Allende, „Pasado, presente y futuro de la jurisdicción contencioso-administrativa“, Actualidad Administrativa,  Nr. 19, 1994, S. 289. D. Loperena Rota, „Los derechos al medio ambiente adecuado y a su protección“, Revista Electrónica de Derecho Ambiental,  Nr. 3, November 1999, weist darauf hin, dass eine angemessene Umwelt nicht das Ergebnis der gesellschaftlichen Entwicklung,
         sondern eine Vorbedingung für ihre Existenz sei, die ein mit dem menschlichen Leben verbundenes Recht darstelle, ohne das
         es weder den Menschen noch die Gesellschaft, noch das Recht gebe. 
      
      52 –	Der prozessuale Reflex dieses Phänomens zeigt sich in der Klageberechtigung der Träger „diffuser Interessen“, d. h. von
         weit gefassten Werten, die sich auf Gruppen beziehen, deren Zusammensetzung wenig präzise ist und die im Allgemeinen anonym
         und unbestimmt sind, auch wenn sie – mit Schwierigkeiten – bestimmt werden könnten. Dieser Weg, der sich beim gerichtlichen
         Rechtsschutz für Verbraucher und Anwender als zweckmäßig erwiesen hat, wird im angelsächsischen Recht bei den so genannten
         class actions (Gruppenklagen) beschritten, die eine Lösung in Fällen mit zahlreichen Betroffenen in der Weise bieten, dass
         mit der Erhebung einer solchen Klage individuell und ohne ausdrückliche förmliche Ermächtigung das gemeinsam Erstrebte mit
         Wirkung für alle geltend gemacht werden kann.
      
      53 –	F. Velasco Caballero, „Protección del medio ambiente en el constitucionalismo europeo“, Noticias de la Unión Europea,  Nr. 190, November 2000, S. 183 bis 190.
      
      54 –	Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, beschlossen in Bonn am 23. Mai 1949 vom Parlamentarischen Rat.
      55 –	Hervorhebung von mir.
      
      56 –	Genehmigt durch Referendum am 6. Dezember 1978 (BOE Nr. 311-1 vom 29. Dezember 1978).
      
      57 –	Das spanische Tribunal Constitucional hat betont, dass diese Bestimmung die in den letzten Jahrzehnten in weiten Bereichen
         der öffentlichen Meinung aufgetretenen ökologischen Anliegen widerspiegele, die sich auch in zahlreichen internationalen Dokumenten
         konkretisierten (Urteil 64/1982 vom 4. November, BOE Nr. 296 vom 22. Oktober 1982).
      
      58 –	Gebilligt von der Verfassunggebenden Versammlung in ihrer Plenarsitzung vom 2. April 1976.
      
      59 –	Lag om ändring i regeringsformen, veröffentlicht in der Svensk Författningssamling (Gesetzessammlung) am 16.  Dezember 1994.
      
      60 –	Diese Verfassung, die die Verfassung von 1919 ersetzt hat, ist am 1. März 2000 in Kraft getreten (Suomen perustuslaki 731/1999).
      
      61 –	Verfassung von Griechenland, beschlossen von dem fünften Verfassungsändernden Parlament am 9. Juni 1975.
      
      62 –	Verfassung des Königreichs der Niederlande, revidierter Text vom 19. Januar 1983 (Staatsblad  Nrn. 15 bis 51).
      
      63 –	Verfassung der Italienischen Republik vom 27. Dezember 1947.
      
      64 –	F. Merusi, Comentario della Costituzione,  Rom/Bologna, 1975, S. 445, und B. Cavallo, „Profili amministrativi della tutela dell’ambiente: il bene ambientale tra tutela
         del paesaggio e gestione del territorio“, Rivista Trimestrale di Diritto Pubblico,  2 (1990), S. 412.
      
      65 –	ABl. C 364, S. 1.
      
      66 –	J. Jordano Fraga, La protección del derecho a un medio ambiente adecuado, José María Bosch Editor, SA, Barcelona, 1995, untersucht die unterschiedlichen Standpunkte der Lehre zur Qualifizierung dieses
         Rechts (S. 453 bis 499). Nach der Klassifizierung von K. Vasak, Le droit international de droits de l’homme,  1972, gehört es zu den Menschenrechten der Solidarität oder der dritten Generation.
      
      67 –	Sache 41/1993/436/515, Serie A, 303-C, S. 55. Das Urteil vom 16. November 2004, Sache Moreno Gómez gegen Spanien (Klage
         Nr. 4143/02), lautet ähnlich.
      
      68 –	J. Huelin, „Intimidad personal y familiar, domicilio y medio ambiente“, Perfiles del derecho constitucional a la vida privada y familiar,  Consejo General del Poder Judicial, Madrid 1996, S. 257 bis 273, ist der Auffassung, dass diese apodiktische Feststellung
         der neun Richter, die in diesem Fall den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bildeten, von großer Tragweite sei. Sie
         bedeutet, dass je nach den Umständen des Falles die Passivität der öffentlichen Stellen gegenüber Situationen, in denen eine,
         mehrere oder viele Personen in ihren Wohnungen schlechte Gerüche, Rauchentwicklungen und dauernde Geräuschbelästigungen von
         einer Abwasser- und Abfallkläranlage hinnehmen müssen, die, ohne ihre Gesundheit schwer zu beeinträchtigen, ihre Lebensqualität
         verschlechtern, gegen Artikel 8 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten verstoßen kann.
         Diese Position des Straßburger Gerichtshofes kündigte sich bereits im Urteil vom 21. Februar 1990, Powell und Rainer gegen
         Vereinigtes Königreich (Sache 3/1989/163/219, Serie A, 172) an, wonach bei Lärm von Flugzeugen eines Flughafens, soweit er
         die Lebensqualität und den Genuss der Wohnung mindert, Artikel 8 der Konvention zu beachten sei (Abschnitt 40).
      
      69 –	Sache 116/1996/735/932, Slg. 1998-I.
      
      70 –	Artikel 45 Absatz 3 der spanischen Verfassung sieht bei Beeinträchtigungen der Umwelt eine Strafverfolgung vor. Unter Berufung
         auf diese Bestimmung hat der Zweite Senat des spanischen Tribunal Supremo die Ansicht zurückgewiesen, dass das Strafrecht
         beim Umweltschutz nur eine nebensächliche und sekundäre Bedeutung gegenüber dem Verwaltungsrecht habe (Urteil vom 29. September
         2001, Kassationsbeschwerde 604/2000).
      
      71 –	N. de la Mata Barranco, „Derecho comunitario y derecho estatal en la tutela penal del ambiente“, Revista Electrónica de Ciencia Penal y Criminología,  02-04 (2000). Vgl. auch P. M. de la Cuesta Aguado, „¿Intervención penal para la protección del medio ambiente?“, Revista penal on line (www.geocities.com/icapda/ambiente.htm).
      
      72 –	N. de la Mata Barranco, a. a. O., widmet diesem Punkt einige treffende Überlegungen. F. Schmalenberg, Ein europäisches Umweltstrafrecht: Anforderungen und Umsetzungsprobleme unter Berücksichtigung des Richtlinienvorschlags KOM(2001)
            139 endg., Berlin 2004, S. 32, meint, dass die Verwaltungssanktionen in diesem Bereich nicht die gleiche Wirkung haben wie die Strafsanktionen.
      
      73 –	Die Lektüre des Anhangs des Richtlinienvorschlags für einen strafrechtlichen Schutz der Umwelt zeigt den Umfang der Gemeinschaftszuständigkeiten
         in diesem Bereich.
      
      74 –	T. C. Hartley hat am 25. Oktober 1979 während eines von der Universität Parma veranstalteten Kolloquiums über die Beziehungen
         zwischen Gemeinschaftsrecht und Strafrecht nicht die Befugnis der Gemeinschaft bezweifelt, die Mitgliedstaaten zur Festlegung
         von Straftatbeständen zu verpflichten („L’impact du droit communautaire sur le procès pénal“, Droit communautaire et droit pénal, Verlag Giuffrè, Mailand 1981, S. 33, 47 und 48). Ein gutes Beispiel ist Artikel 30 der EG-Satzung des Gerichtshofes, wonach
         Eidesverletzungen von Zeugen oder Sachverständigen in Verfahren vor den Gemeinschaftsgerichten als Straftaten einzustufen
         sind. G. Dannecker, Evolución del derecho penal y sancionador comunitario, Madrid, Marcial Pons, 2001, S. 58, hebt die Meinung einiger Autoren hervor, für die der Umstand, dass die Europäische Gemeinschaft
         keine strafrechtlichen Zuständigkeiten hat, nicht bedeutet, dass sie nicht befugt ist, Anordnungen zu treffen, damit bestimmte
         Verhaltensweisen durch Strafsanktionen geahndet werden. Nach Auffassung von L. Stortini, „L’environnement: des éléments de
         droit pénal dans la législation européenne“, Les nouveaux droits de l’homme en Europe, 1999, S. 269 bis 268, müssen die Mitgliedstaaten, wenn ein tatsächlicher supranationaler Schutz der Umwelt erreicht werden
         solle, verpflichtet werden, ein gemeinsames Modell zu beschließen. Aus einer größeren Perspektive vertritt G. Grasso, Comunidades Europeas y derecho penal. Las relaciones entre el ordenamiento comunitario y los sistemas penales de los Estados
            miembros, Mitherausgeber Universität Castilla-La Mancha und OPOCE, 1993, S. 198 ff., die Meinung, dass die Mitgliedstaaten durch das
         Gemeinschaftsrecht veranlasst werden könnten, der Strafoption zu folgen. J. Biancarelli, „Le droit communautaire et le droit
         pénal“, Les lundis du droit communautaire, 21. Juni 1993, nimmt an, dass die Gemeinschaft die Mitgliedstaaten anzuhalten habe, bestimmte Betätigungen, die gegen ihre
         grundlegenden Werte verstoßen, unter Strafe zu stellen. Theoretisch folgt die niederländische Regierung dieser Auffassung,
         wenn sie in Nr. 15 ihres Schriftsatzes erklärt, dass die Gemeinschaft von den Mitgliedstaaten verlangen könne, bestimmte Verhaltensweisen
         unter Strafe zu stellen, sofern dies für den Schutz der materiellen Vorschriften des EG-Vertrags unerlässlich sei; in Wirklichkeit
         schließt sie sich aber dem Rat an, weil bei der Umweltpolitik ihrer Meinung nach eine Strafandrohung nicht erforderlich ist
         (Nr. 16).
      
      75 –	Urteil vom 5. Februar 1963 in der Rechtssache 26/62 (Slg. 1963, 1).
      
      76 –	Bei dem in Fußnote 74 zitierten Kolloquium hat G. Olmi dargelegt, dass das Gemeinschaftsrecht die Abschaffung nationaler
         Strafbestimmungen verlangen könne („La sanction des infractions au droit communautaire“, Droit communautaire et droit pénal, Verlag Giuffrè, Mailand 1981, S. 167). Im Urteil vom 23. Februar 1995 in den verbundenen Rechtssachen C‑358/93 und C‑416/93
         (Bordessa u. a., Slg. 1995, I‑361) ist die Ausfuhr ohne vorherige Genehmigung von Hartgeld, Banknoten und Inhaberschecks aus
         den Strafgesetzbüchern entfernt worden. Es sei daran erinnert, dass im Urteil Casati (zitiert in Fußnote 17) zwar anerkannt
         worden ist, dass für die Strafgesetzgebung und die Strafverfahrensvorschriften grundsätzlich die Mitgliedstaaten zuständig
         seien, dass der Gerichtshof aber auch betont hat, dass diese Vorschriften nicht dazu missbraucht werden dürften, die Ziele
         des Vertrages zu gefährden (Randnr. 27), so dass, wie in den Urteilen vom 16. Februar 1978 in der Rechtssache 88/77 (Schonenberg,
         Slg. 1978, 473, Randnr. 16) und vom 16. Dezember 1981 in der Rechtssache 269/80 (Tymen, Slg. 1981, 3079, Randnr. 16) ausgeführt,
         eine strafrechtliche Verurteilung aufgrund gemeinschaftsrechtswidriger nationaler Rechtsvorschriften ebenfalls mit dem Gemeinschaftsrecht
         unvereinbar sei. Schließlich setzt das Gemeinschaftsrecht, wie der Gerichtshof im Urteil vom 2. Februar 1989 in der Rechtssache
         186/87 (Cowan, Slg. 1989, 195, Randnr. 19) entschieden hat, den nationalen Zuständigkeiten Grenzen. Nationale Vorschriften
         einschließlich der strafrechtlichen dürfen nicht die vom Vertrag garantierten Grundfreiheiten beschränken. M. Zuleeg, „Der
         Beitrag des Strafrechts zur europäischen Integration“, Juristenzeitung, 1992, S. 762, stützt sich auf das letztgenannte Urteil, um die Ansicht zurückzuweisen, dass das Strafrecht „ausschließlich“
         zur staatlichen Souveränität gehöre.
      
      77 –	Für G. Grasso, a. a. O., S. 218, würden die nationalen Parlamente, wenn sie die Gemeinschaftsregelung ablehnten, entsprechende
         Vertragsverletzungsverfahren veranlassen, nicht aber die Ersetzung der entgegenstehenden innerstaatlichen Vorschriften durch
         die Gemeinschaftsnormen. J. Eisele, „Einflussnahme auf nationales Strafrecht durch Richtliniengebung der Europäischen Gemeinschaft“,
         Juristenzeitung, 2001, S. 1160, ist der Meinung, dass die Strafvorschriften, die auf der Umsetzung einer Richtlinie beruhen, nach den Verfahren
         erlassen würden, die jeder Mitgliedstaat frei festgelegt habe, weshalb sie unter demokratischen Gesichtspunkten ausreichend
         legitimiert seien.
      
      78 –	Vgl. Fußnote 15.
      
      79 –	G. Grasso legt sie in seinem in Fußnote 74 zitierten Werk dar (S. 223 und 224). I. Appel, Kompetenzen der Europäischen Gemeinschaft zur Überwachung und sanktionsrechtlichen Ausgestaltung des Lebensmittelstrafrechts
            und Verwaltungssanktionen in der Europäischen Union, Trier 1994, S. 165, ist der Auffassung, dass nur eine einheitliche Pönalisierung das unerlässliche Vertrauen schaffe, um
         den Prozess der europäischen Integration fortzuführen.
      
      80 –	Sowohl der Rat der Union als auch die Kommission halten eine abgestimmte strafrechtliche Reaktion für sachgemäß.
      
      81 –	Im deutschen Schrifttum wird die Befugnis zum Erlass einer Richtlinie für das Umweltstrafrecht als „Annex“ des Artikels
         175 EG betrachtet. So F. Schmalenberg, a. a. O., S. 29, J. Vogel, a. a. O., S. 37 und 47, I. Appel, a. a. O., S. 175 und 178,
         und F. Zeder, „Auf dem Weg zu einem Strafrecht der EU?“, Juridikum, 2001, S. 51. Vgl. Fußnote 37.
      
      82 –	M. Zuleeg, a. a. O., S. 762, tritt dafür ein, dass die Mitgliedstaaten ihre Rechtssysteme auf die Integration hin ausrichten,
         die gefährdet wäre, wenn so wichtige Materien wie das Strafrecht ohne weiteres dem Geltungsbereich des Gemeinschaftsrechts
         entzogen würden.
      
      83 –	G. Grasso, a. a. O., S. 219, rät zu einer Regelung mit einer gewissen Flexibilität, die die strafbaren Handlungen sowie
         die Typologie der Delikte und Sanktionen festlegt, ohne ein starres Strafmaß vorzusehen.
      
      84 –	Im Schrifttum vertritt diesen Standpunkt J. P. Jacqué, „La question de la base juridique dans le cadre de la Justice et
         des affaires intérieures“, L'espace pénal européen: enjeux et perspectives,  Institut d’études européennes, Brüssel 2002, S. 255 und 256. J. Eisele, a. a. O., S. 1162, ist der Meinung, dass der Gemeinschaftsgesetzgeber
         bei der Definition des strafbaren Verhaltens einen Mindeststandard festsetzen müsse, während der nationale Gesetzgeber die
         Strafe zu bestimmen habe. G. Grasso, a. a. O., S. 218, nimmt an, dass die Organe der Gemeinschaft befugt seien, für eine Harmonisierung
         der Strafrechtsvorschriften zu sorgen oder die Einführung einheitlicher Tatbestände zu verlangen, sofern dies erforderlich
         sei und die Verträge diesen Organen besondere Befugnisse verliehen, um die Ziele der Gemeinschaft zu erreichen. Im Übrigen
         müsse das Gemeinschaftsrecht in die Rechtsordnung jedes Mitgliedstaats umgesetzt werden, wobei die supranationalen Strafvorschriften
         übernommen und die Strafsanktionen im vorher festgelegten Rahmen festgelegt würden. Ebenso F. Comte, a. a. O., S. 781.
      
      85 –	Dieser Umstand, der sich aus der geltenden Regelung ergibt, wird in Artikel I‑14 Absatz 2 Buchstabe e des Vertrages über
         eine Verfassung für Europa ausdrücklich anerkannt; nach Artikel I‑12 Absatz 2 gilt: „Überträgt die Verfassung der Union für
         einen bestimmten Bereich eine mit den Mitgliedstaaten geteilte Zuständigkeit, so können die Union und die Mitgliedstaaten
         in diesem Bereich gesetzgeberisch tätig werden und verbindliche Rechtsakte erlassen. Die Mitgliedstaaten nehmen ihre Zuständigkeit
         wahr, sofern und soweit die Union ihre Zuständigkeit nicht ausgeübt hat oder entschieden hat, diese nicht mehr auszuüben.“