CELEX: 62009CC0482
Language: de
Date: 2011-02-03 00:00:00
Title: Schlussanträge der Generalanwältin Trstenjak vom 3. Februar 2011. # Budějovický Budvar, národní podnik gegen Anheuser-Busch Inc.. # Ersuchen um Vorabentscheidung: Court of Appeal (England & Wales) (Civil Division) - Vereinigtes Königreich. # Marken - Richtlinie 89/104/EWG - Art. 9 Abs. 1 - Begriff der Duldung - Verwirkung durch Duldung - Ausgangspunkt der Verwirkungsfrist - Notwendige Voraussetzungen für das Ingangsetzen der Verwirkungsfrist - Art. 4 Abs. 1 Buchst. a - Eintragung zweier identischer Marken, mit denen identische Waren gekennzeichnet werden - Funktionen der Marke - Redliche gleichzeitige Benutzung. # Rechtssache C-482/09.

SCHLUSSANTRÄGE DER GENERALANWÄLTIN
      VERICA Trstenjak
      vom 3. Februar 2011(1)
      
      Rechtssache C‑482/09
      Budějovický Budvar, národní podnik
      gegen
      Anheuser-Busch, Inc.
      (Vorabentscheidungsersuchen des Court of Appeal, England & Wales [Vereinigtes Königreich])
      „Richtlinie 89/104/EWG – Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Marken – Art. 4 Abs. 1 Buchst. a und 9 Abs. 1 – Verwirkung durch Duldung – Begriff der Duldung – Unionsrechtlicher Begriff – Möglichkeit, auf das nationale Markenrecht, einschließlich der Bestimmungen über die redliche gleichzeitige Benutzung zweier
         identischer Marken, zurückzugreifen“
      Inhaltsverzeichnis
      
      I – Einleitung
      II – Normativer Rahmen
      A – Unionsrecht
      B – Nationales Recht
      III – Sachverhalt, Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      IV – Verfahren vor dem Gerichtshof
      V – Wesentliche Argumente der Parteien
      A – Zur ersten Vorlagefrage
      B – Zur zweiten Vorlagefrage
      C – Zur dritten Vorlagefrage
      VI – Rechtliche Würdigung
      A – Einleitende Anmerkungen
      B – Untersuchung der Vorlagefragen
      1. Der unionsrechtliche Begriff der „Duldung“
      a) Keine ausdrückliche Verweisung auf das Recht der Mitgliedstaaten
      b) Harmonisierung der Rechte aus der Marke und deren Einreden
      c) Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung
      d) Ergebnis
      
      2. Die Verwirkungsregelung in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104
      a) Definition des Begriffs der „Duldung“
      b) Ausschluss der Fallkonstellation der „erzwungenen Passivität“
      c) Ausgestaltung der Verwirkungsregelung
      i) Voraussetzungen für den Beginn der fünfjährigen Duldungsfrist
      ii) Die Kenntnis des Inhabers der älteren Marke als subjektives Merkmal
      iii) Keine Notwendigkeit der Eintragung der älteren Marke
      iv) Ergebnis
      3. Vereinbarkeit des Grundsatzes der redlichen gleichzeitigen Benutzung mit dem Unionsrecht
      C – Weitere relevante Rechtsfragen
      1. Zeitliche Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
      a) Allgemeines
      b) Verfahren der Markeneintragung
      i) Zeitliche Anknüpfungspunkte
      ii) Keine Rückwirkung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
      iii) Keine Anwendbarkeit ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie
      c) Verfahren betreffend die Gültigkeit der eingetragenen Marke
      d) Ergebnis
      2. Zum Vorwurf des Rechtsmissbrauchs
      VII – Schlussfolgerungen
      VIII – Ergebnis
      
      I –    Einleitung
      1.        Dem vorliegenden Verfahren liegt ein Vorabentscheidungsersuchen des Court of Appeal (England & Wales, Civil Division; im Folgenden:
         vorlegendes Gericht) nach Art. 234 EG(2)  zugrunde, mit dem dieser dem Gerichtshof mehrere Fragen zur Auslegung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a und 9 Abs. 1 der Ersten
         Richtlinie 89/104/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die
         Marken(3) stellt. 
      
      2.        Das Vorabentscheidungsersuchen hat seinen Ursprung in einem Rechtsstreit zwischen der Brauerei Budĕjovický Budvar, národní
         podnik (im Folgenden: BB), mit Sitz in der Stadt Česke Budějovice (Böhmisch Budweis, Tschechische Republik), und der Brauerei
         Anheuser-Busch (im Folgenden: AB), mit Sitz in der Stadt Saint Louis (Missouri, Vereinigte Staaten), anlässlich eines Antrags
         seitens AB beim Patent Office/Trade Marks Registry (im Folgenden: nationales Markenamt) auf Ungültigerklärung der zugunsten
         von BB eingetragenen Marke „Budweiser“, deren Inhaber AB ebenfalls seit etlichen Jahren ist. Mit dem Antrag auf Ungültigerklärung
         ist ein knapp fünf Jahre währender Zustand beendet worden, in dem beide gleichnamige Marken im Gebiet des Vereinigten Königreichs
         friedlich koexistierten.
      
      3.        Die Hauptrechtsfrage, die sich im Ausgangsrechtsstreit stellt, ist, ob BB dem Antrag auf Ungültigerklärung von AB die Einrede
         der Verwirkung seiner Rechte aus einer älteren Marke entgegensetzen kann. Dies hängt wiederum von einer Klärung der Frage
         ab, ob die in Art. 9 Abs. 1 der  Richtlinie 89/104 vorgeschriebene fünfjährige Frist, nach deren Ablauf eine Verwirkung durch
         Duldung eintritt, tatsächlich verstrichen ist. Die Besonderheit im Ausgangsverfahren ist der Umstand, dass der Antrag auf
         Ungültigerklärung nach Angaben des vorlegenden Gerichts genau einen Tag vor Ablauf dieser fünfjährigen Frist gestellt worden
         ist. Dies ist im Einzelnen jedoch noch klärungsbedürftig. Das Vorabentscheidungsersuchen zielt dementsprechend darauf ab,
         vom Gerichtshof Auskunft darüber zu erhalten, unter welchen Voraussetzungen die Verwirkung eintritt, ab welchem Zeitpunkt
         die fünfjährige Frist zu laufen beginnt und ob das Unionsrecht gegebenenfalls einen Grundsatz anerkennt, auf Grundlage dessen
         eine Koexistenz zwischen einer älteren und einer jüngeren Marke gleichen Namens, aber bezogen auf unterschiedliche Produkte
         rechtlich möglich ist.
      
      II – Normativer Rahmen
      A –    Unionsrecht(4)
      
      4.        Wie in ihren Erwägungsgründen 1 und 3 als ihr Zweck angegeben, will die Richtlinie 89/104 eine Angleichung der Rechtsvorschriften
         der Mitgliedstaaten über die Marken herbeiführen. Indessen beschränkt sie sich auf diejenigen innerstaatlichen Rechtsvorschriften,
         die sich am unmittelbarsten auf das Funktionieren des Binnenmarktes auswirken, indem sie den freien Warenverkehr und den freien
         Dienstleistungsverkehr behindern oder die Wettbewerbsbedingungen im Gemeinsamen Markt verfälschen können.
      
      5.        Der elfte Erwägungsgrund der Richtlinie besagt, dass „aus Gründen der Rechtssicherheit und ohne in die Interessen der Inhaber
         älterer Marken in unangemessener Weise einzugreifen, vorgesehen werden [muss], dass diese nicht mehr die Ungültigerklärung
         einer jüngeren Marke beantragen oder sich deren Benutzung widersetzen können, wenn sie deren Benutzung während einer längeren
         Zeit geduldet haben, es sei denn, dass die Anmeldung der jüngeren Marke bösgläubig vorgenommen worden ist“.
      
      6.        Art. 4 („Weitere Eintragungshindernisse oder Ungültigkeitsgründe bei Kollision mit älteren Rechten“) der Richtlinie 89/104
         bestimmt:
      
      „(1) Eine Marke ist von der Eintragung ausgeschlossen oder unterliegt im Falle der Eintragung der Ungültigerklärung,
      a) wenn sie mit einer älteren Marke identisch ist und die Waren oder Dienstleistungen, für die die Marke angemeldet oder eingetragen
         worden ist, mit den Waren oder Dienstleistungen identisch sind, für die die ältere Marke Schutz genießt;
      
      …
      (2) ‚Ältere Marken‘ im Sinne von Absatz 1 sind
      a) Marken mit einem früheren Anmeldetag als dem Tag der Anmeldung der Marke, gegebenenfalls mit der für diese Marken in Anspruch
         genommenen Priorität, und die den nachstehenden Kategorien angehören:
      
      i) Gemeinschaftsmarken;
      ii) in dem Mitgliedstaat oder, soweit Belgien, Luxemburg und die Niederlande betroffen sind, beim Benelux-Markenamt eingetragene
         Marken;
      
      iii) mit Wirkung für den Mitgliedstaat international registrierte Marken;
      …
      d) Marken, die am Tag der Anmeldung der Marke, gegebenenfalls am Tag der für die Anmeldung der Marke in Anspruch genommenen
         Priorität, in dem Mitgliedstaat im Sinne des Artikels 6bis der Pariser Verbandsübereinkunft notorisch bekannt sind.
      
      …
      (4) Jeder Mitgliedstaat kann ferner vorsehen, dass eine Marke von der Eintragung ausgeschlossen ist oder im Falle der Eintragung
         der Ungültigerklärung unterliegt, wenn und soweit
      
      a) sie mit einer älteren nationalen Marke im Sinne des Absatzes 2 identisch ist oder dieser ähnlich ist und für Waren oder
         Dienstleistungen eingetragen werden soll oder eingetragen worden ist, die nicht denen ähnlich sind, für die die ältere Marke
         eingetragen ist, falls diese ältere Marke in dem Mitgliedstaat bekannt ist und die Benutzung der jüngeren Marke die Unterscheidungskraft
         oder die Wertschätzung der älteren Marke ohne rechtfertigenden Grund in unlauterer Weise ausnutzen oder beeinträchtigen würde;
      
      b) Rechte an einer nicht eingetragenen Marke oder einem sonstigen im geschäftlichen Verkehr benutzten Kennzeichenrecht vor
         dem Tag der Anmeldung der jüngeren Marke oder gegebenenfalls vor dem Tag der für die Anmeldung der jüngeren Marke in Anspruch
         genommenen Priorität erworben worden sind und diese nicht eingetragene Marke oder dieses sonstige Kennzeichenrecht dem Inhaber
         das Recht verleiht, die Benutzung einer jüngeren Marke zu untersagen;
      
      c) die Benutzung der Marke aufgrund eines sonstigen, nicht in Absatz 2 oder in vorliegendem Absatz unter Buchstabe b) genannten
         älteren Rechts untersagt werden kann, insbesondere aufgrund eines
      
      i) Namensrechts,
      ii) Rechts an der eigenen Abbildung,
      iii) Urheberrechts,
      iv) gewerblichen Schutzrechts;
      …
      (5) Die Mitgliedstaaten können zulassen, dass in geeigneten Umständen die Eintragung nicht versagt oder die Marke nicht für
         ungültig erklärt wird, wenn der Inhaber der älteren Marke oder des älteren Rechts der Eintragung der jüngeren Marke zustimmt.
      
      
      (6) Jeder Mitgliedstaat kann vorsehen, dass abweichend von den Absätzen 1 bis 5 die Eintragungshindernisse oder Ungültigkeitsgründe,
         die in diesem Staat vor dem Zeitpunkt gegolten haben, zu dem die zur Durchführung dieser Richtlinie erforderlichen Bestimmungen
         in Kraft treten, auf Marken Anwendung finden, die vor diesem Zeitpunkt angemeldet worden sind.“
      
      7.        Art. 5 („Rechte aus der Marke“) der Richtlinie bestimmt:
      
      „(1) Die eingetragene Marke gewährt ihrem Inhaber ein ausschließliches Recht. Dieses Recht gestattet es dem Inhaber, Dritten
         zu verbieten, ohne seine Zustimmung im geschäftlichen Verkehr
      
      a)      ein mit der Marke identisches Zeichen für Waren oder Dienstleistungen zu benutzen, die mit denjenigen identisch sind, für
         die sie eingetragen ist;
      
      …“
      8.        Art. 9 („Verwirkung durch Duldung“) der Richtlinie sieht Folgendes vor:
      
      „(1) Hat in einem Mitgliedstaat der Inhaber einer älteren Marke im Sinne von Artikel 4 Absatz 2 die Benutzung einer jüngeren
         eingetragenen Marke in diesem Mitgliedstaat während eines Zeitraums von fünf aufeinanderfolgenden Jahren in Kenntnis dieser
         Benutzung geduldet, so kann er für die Waren oder Dienstleistungen, für die die jüngere Marke benutzt worden ist, aufgrund
         der älteren Marke weder die Ungültigerklärung der jüngeren Marke verlangen noch sich ihrer Benutzung widersetzen, es sei denn,
         dass die Anmeldung der jüngeren Marke bösgläubig vorgenommen worden ist.
      
      (2) Die Mitgliedstaaten können vorsehen, dass Absatz 1 auch für den Inhaber einer in Artikel 4 Absatz 4 Buchstabe a) genannten
         älteren Marke oder eines sonstigen in Artikel 4 Absatz 4 Buchstabe b) oder c) genannten älteren Rechts gilt.
      
      …“
      9.        Die am 28. November 2008 in Kraft getretene Richtlinie 2008/95/EG vom 22. Oktober 2008 des Europäischen Parlaments und des
         Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Marken (kodifizierte Fassung)(5) hat die Richtlinie 89/104 ersetzt. Vor dem Hintergrund, dass sich die Ereignisse, die Anlass zu dem Ausgangsrechtsstreit
         gegeben haben, vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie 2008/95 zugetragen haben, ist allein die Richtlinie 89/104
         bei der rechtlichen Würdigung der vorliegenden Rechtssache heranzuziehen.
      
      B –    Nationales Recht
      10.      Die Richtlinie 89/104 ist durch das Markengesetz von 1994 (Trade Marks Act 1994) in nationales Recht umgesetzt worden. Dabei
         finden Art. 4 Abs. 1 Buchst. a und Art. 9 der Richtlinie ihre Entsprechung jeweils in Art. 6 Abs. 1 und in Art. 48 des Markengesetzes
         von 1994.
      
      11.      Art. 7 des Markengesetzes von 1994(6) enthält Bestimmungen, die das Verfahren im Zusammenhang mit der Eintragung einer Marke regeln und auf den im englischen Markenrecht
         bekannten Grundsatz der redlichen gleichzeitigen Benutzung zweier identischen Marken  („honest concurrent use“) Bezug nehmen:
      
      „Die Geltendmachung von relativen Eintragungshindernissen im Fall einer redlichen gleichzeitigen Benutzung 
      (1) Dieser Artikel gilt, wenn ein Antrag auf Eintragung einer Marke gestellt worden ist und der Registerführer die Vermutung
         hat
      
      (a)      dass eine ältere Marke vorliegt, im Hinblick auf die die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 1, 2 oder 3 erfüllt sind, oder
      (b)      eine ältere Marke vorliegt, im Hinblick auf die die Voraussetzungen von Art. 5 Abs. 4 erfüllt sind,
      der Anmelder aber nachweisen kann, dass eine redliche gleichzeitige Benutzung der Marke, deren Eintragung begehrt wird, stattgefunden
         hat.
      
      (2) In diesem Fall kann der Registerführer den Antrag nicht mit Hinweis auf eine ältere Marke oder ein anderes älteres Recht
         zurückweisen, sofern der Inhaber jener älteren Marke oder jenes älteren Rechts keinen Widerspruch dagegen eingelegt hat.
      
      (3) Für die Zwecke dieses Abschnitts ist unter „honest concurrent use“ jene Benutzung einer Marke durch den Anmelder oder
         mit dessen Zustimmung zu verstehen, die ursprünglich als „honest concurrent use“ im Sinne von Art. 12 Abs. 2 des Markengesetzes
         von 1938 [Trade Marks Act 1938] galt.
      
      (4) Dieser Abschnitt berührt nicht
      (a) die Verweigerung der Eintragung aus den in Abschnitt 3 aufgeführten Gründen (absolute Eintragungshindernisse) oder
      (b) die Beantragung einer Ungültigkeitserklärung gemäß Art. 47 Abs. 2 (Antrag aufgrund des relativen Eintragungshindernisses
         der nicht erteilten Zustimmung zur Eintragung).“
      
      III – Sachverhalt, Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      12.      Aus der Vorlageentscheidung geht hervor, dass BB und AB jeweils in den Jahren 1973 und 1974 erstmals aktiv auf dem britischen
         Markt aufgetreten sind. Sie vertreiben beide Bier unter einer Marke, die aus dem Wort „Budweiser“ besteht oder dieses Wort
         enthält.
      
      13.      Wie der Vorlageentscheidung weiter zu entnehmen ist, sind die Bezeichnungen zwar identisch, die Biere sind es dennoch nicht.
         Sie unterscheiden sich seit jeher im Geschmack, im Preis und in der Aufmachung. Auf Märkten, auf denen sie nebeneinander bestehen,
         ist den Verbrauchern im Großen und Ganzen der Unterschied klar, obwohl immer eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht.
      
      14.      Im November 1976 meldete BB die Marke „Bud“ an. Dagegen legte AB Widerspruch ein. 
      
      15.      Im Jahr 1979 erhob AB Klage gegen BB wegen Kennzeichenmissbrauchs mit dem Antrag, BB die Benutzung des Wortes „Budweiser“
         zu untersagen. BB erhob seinerseits Gegenklage und beantragte, AB den Kennzeichenmissbrauch, der in der Benutzung des Wortes
         „Budweiser“ bestehe, zu untersagen. Während dieses Verfahrens blieb das Markenwiderspruchsverfahren ausgesetzt. Allerdings
         blieben sowohl Klage und Gegenklage erfolglos, da die Gerichte entschieden, dass keine der beiden Seiten eine Falschdarstellung
         begangen habe. Kennzeichen und Bezeichnung genössen doppelte Bekanntheit.
      
      16.      Am 11. Dezember 1979 meldete AB das Wort „Budweiser“ für „Bier, Ale und Porter“ an. Dagegen legte BB Widerspruch ein. Am 28.
         Juni 1989 meldete BB mit einem Gegenantrag „Budweiser“ an, dem AB widersprach.
      
      17.      Im Februar 2000 wies der Court of Appeal beide Widersprüche zurück, so dass beide Seiten „Budweiser“ eintragen lassen konnten.
         Die Entscheidung erging nach dem alten Markengesetz des Vereinigten Königreichs aus dem Jahr 1938, das ausdrücklich die gleichzeitige
         Eintragung identischer oder zum Verwechseln ähnlicher Kennzeichen in Fällen redlicher gleichzeitiger Benutzung oder bei Vorliegen
         sonstiger besonderer Umstände zuließ. Im Anschluss an diese Entscheidung wurden am 19. Mai 2000 beide Seiten jeweils als Inhaber
         der Wortmarke „Budweiser“ im Markenregister eingetragen. Dies hatte zur Folge, dass zwei Eintragungen zugunsten von BB bestanden,
         nämlich eine für „Bud“ (Anmeldung: November 1976) und eine für „Budweiser“ (Anmeldung: Juni 1989). Zugunsten von AB bestand
         die Eintragung „Budweiser“ (Anmeldung: Dezember 1979).
      
      18.      Am 18. Mai 2005, d. h. vier Jahre und 364 Tage nach Eintragung der „Budweiser“-Marken der Parteien, beantragte AB beim nationalen
         Markenamt die Ungültigerklärung der zugunsten von BB eingetragenen Marke „Budweiser“. Dieser Antrag wurde wie folgt begründet:
      
      –        Die Marken beider Seiten seien zwar am selben Tag im Register eingetragen worden, die Marke von AB sei aber eine „ältere Marke“
         im Sinne von Art. 4 Abs. 2 – ihr Anmeldetag sei früher gelegen, und darauf komme es an.
      
      –        Die Marken und die Waren seien identisch, so dass die Marke von BB nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Ungültigerklärung unterliege.
      –        Eine Duldung komme nicht in Betracht, da der in Art. 9 vorgesehene Zeitraum von fünf Jahren nicht abgelaufen sei.
      19.      Das Markenamt war der Auffassung, dass AB nicht daran gehindert war, den Antrag auf Ungültigerklärung zu stellen, da die in
         Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104 vorgesehene fünfjährige Duldungsfrist ab dem Zeitpunkt der Eintragung der jüngeren Marke
         zu laufen begonnen habe. Das Markenamt gab dem Antrag auf Ungültigerklärung daher statt.
      
      20.      Gegen diese Entscheidung legte BB einen Rechtsbehelf beim High Court of Justice (England & Wales) ein. Dieses Gericht entschied
         insbesondere, dass gemäß Art. 48 des Markengesetzes von 1994 der Inhaber der älteren Marke, d.h. AB, die Benutzung einer eingetragenen
         Marke hätte dulden müssen und nicht etwa einer Benutzung einer nichteingetragenen Marke, deren Eintragung zwar beantragt,
         jedoch nicht vorgenommen worden sei. Da AB die Benutzung nicht geduldet habe, gab das Gericht dem Antrag auf Ungültigerklärung
         statt.
      
      21.      Daraufhin hat BB Rechtsmittel beim Court of Appeal eingelegt. Dieses Gericht äußert Zweifel hinsichtlich der Bedeutung des
         Begriffs der „Duldung“ im Sinne des Art. 9, vor allem bezüglich der Frage, ab wann die Duldung der Benutzung einer jüngeren
         Marke seitens des Inhabers einer älteren Marke einsetzt. Seine Auslegungszweifel betreffen jedoch auch die Auslegung von Art.
         4 der Richtlinie 89/104. Aus diesem Grund hat es beschlossen, das Verfahren auszusetzen und dem Gerichtshof folgende Fragen
         zur Vorabentscheidung vorzulegen:
      
      1.         Was bedeutet „geduldet“ in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104, insbesondere:
      a)      Ist „geduldet“ ein gemeinschaftsrechtlicher Begriff, oder steht es dem nationalen Gericht frei, nationale Regeln zum Begriff
         der Duldung (wie z. B. Verspätung oder seit Langem bestehende redliche gleichzeitige Benutzung) anzuwenden?
      
      b)      Falls „geduldet“ ein gemeinschaftsrechtlicher Begriff ist, kann dann davon ausgegangen werden, dass der Inhaber einer Marke
         eine langdauernde und gefestigte redliche Benutzung einer identischen Marke durch einen Dritten geduldet hat, wenn er seit
         langem Kenntnis von der Benutzung hatte, diese jedoch nicht verhindern konnte?
      
      c)      Muss der Inhaber einer Marke diese eintragen lassen, bevor seine „Duldung“ der Benutzung i) eines identischen  oder ii) eines
         zum Verwechseln ähnlichen Kennzeichens durch einen Dritten beginnen kann?
      
      2.         Wann beginnt der Zeitraum von „fünf aufeinanderfolgenden Jahren“, und kann er insbesondere beginnen (und, wenn ja, enden),
         bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner Marke tatsächlich erwirkt; und, wenn ja, welche Voraussetzungen
         müssen für das Ingangsetzen der Frist erfüllt sein?
      
      3.         Findet Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 in der Weise Anwendung, dass der Inhaber einer älteren Marke auch dann
         obsiegt, wenn über lange Zeit hinweg eine redliche gleichzeitige Benutzung zweier identischer Marken für identische Waren
         erfolgt ist, so dass die Herkunftsgarantie der älteren Marke nicht dahin zu verstehen ist, dass die Marke ausschließlich die
         Waren des Inhabers der älteren Marke bezeichnet, sondern dass sie seine Waren oder die Waren des anderen Benutzers bezeichnet?
      
      IV – Verfahren vor dem Gerichtshof
      22.      Die Vorlageentscheidung mit Datum vom 20. Oktober 2008 ist am 30. November 2008 bei der Kanzlei des Gerichtshofs eingegangen.
         
      
      23.      Schriftliche Erklärungen haben AB, BB, die Regierung des Vereinigten Königreichs, die tschechische, die italienische, die
         slowakische und die portugiesische Regierung sowie die Europäische Kommission innerhalb der in Art. 23 der Satzung des Gerichtshofs
         genannten Frist eingereicht.
      
      24.      In der mündlichen Verhandlung vom 24. November 2010 sind die Prozessbevollmächtigten von AB, BB, der tschechischen Regierung
         sowie der Kommission erschienen, um Ausführungen zu machen.
      
      V –    Wesentliche Argumente der Parteien
      A –    Zur ersten Vorlagefrage
      25.      BB vertritt die Auffassung, dass der Begriff der „Duldung“ im Sinne von Art. 9 der Richtlinie 89/104 ein autonomer Begriff des
         Unionsrechts sei. Davon umfasst sei die unterlassene Verhinderung der Benutzung der Marke durch einen Dritten, wenn die Möglichkeit
         dazu bestanden habe.
      
      26.      AB ist ebenfalls der Ansicht, dass der Begriff der „Duldung“ ein autonomer Begriff des Unionsrechts sei und dass die mitgliedstaatlichen
         Instanzen nicht befugt seien, nationale Regeln anzuwenden, um diesen Begriff zu definieren.
      
      27.      Aufgrund der Definition dieses Begriffs müsse der Inhaber einer älteren Marke notwendigerweise in der Lage gewesen sein, die
         Benutzung einer jüngeren Marke zu verhindern, um sie überhaupt dulden zu können. Es könne ihm nicht unterstellt werden, die
         redliche und langjährige Benutzung einer jüngeren Marke geduldet zu haben, wenn er zwar Kenntnis von ihr gehabt habe, jedoch
         nicht in der Lage gewesen sei, ihre Benutzung zu verhindern. AB macht ferner geltend, um eine „Duldung“ im Sinne von Art.
         9 der Richtlinie 89/104 zu unterstellen sei es erforderlich, dass der Inhaber einer Marke deren Eintragung erlange bevor die
         eigentliche Duldung einer identischen oder ähnlichen Marke beginne, die Anlass zur Verwechslung gebe.
      
      28.      Die Regierung desVereinigten Königreichs trägt vor, es handele sich bei dem Begriff der „Duldung“ um einen autonomen Begriff des Unionsrechts. Dem Inhaber einer Marke
         könne nicht unterstellt werden, die redliche langjährige Benutzung einer identischen Marke durch einen Dritten geduldet zu
         haben, wenn es zwar Kenntnis von ihr gehabt, jedoch keine Möglichkeit gehabt habe, diese Benutzung zu unterbinden. Ferner
         sei nicht erforderlich, dass der Inhaber einer Marke deren Eintragung erreiche, bevor die Duldung der Benutzung einer identischen
         oder ähnlichen Marke beginne.
      
      29.      Die italienische Regierung macht geltend, der Begriff der Duldung im Sinne von Art. 9 der Richtlinie 89/104 sei ein harmonisiertes Konzept des Unionsrechts
         und impliziere die rechtliche Möglichkeit für den Inhaber einer älteren Marke, sich der Benutzung durch einen Dritten einer
         jüngeren Marke, die identisch oder täuschend ähnlich sei, zu widersetzen. 
      
      30.      Da der Begriff der älteren Marke, wie er in Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 89/104 definiert sei, nicht deren Eintragung voraussetze,
         sei es für den Beginn der „Duldung“ der Benutzung einer identischen oder ähnlichen Marke durch einen Dritten nicht notwendig,
         dass der Inhaber der älteren Marke die Eintragung erwirkt habe, um anzufangen, die Benutzung einer identischen oder ähnlichen
         Marke durch einen Dritten zu „dulden“. Art. 9 Abs. 2 der Richtlinie 89/104 verwehre es den Mitgliedstaaten nicht, vorzusehen,
         dass eine Situation der Duldung im Sinne von Art. 9 Abs. 1 bereits vor Eintragung der älteren Marke bestehe, einschließlich
         der in Art. 4 Abs. 4 Buchst. a, b und c beschriebenen Konstellationen.
      
      31.      Die portugiesische Regierung ist der Ansicht, dass im Fall einer langjährigen Koexistenz zweier Marken auf dem Markt im Interesse des guten Glaubens und
         der Rechtssicherheit die in Art. 9 der Richtlinie 89/104 vorgesehene Verwirkungsfrist mit dem Augenblick übereinstimmen müsse,
         zu dem die tatsächliche Benutzung der Marken begonnen habe, sowie mit dem Augenblick, in dem die Inhaber der vorrangigen Bezeichnungen
         bereits über die Mitteln verfügten – z.B. die in den Regelungen über den unlauteren Wettbewerb vorgesehenen Mittel –, um eine
         eventuell den Interessen des Markeninhabers schadende Benutzung zu unterbinden.
      
      32.      Die Kommission trägt vor, dass es sich bei dem Begriff „Duldung“ um einen autonomen Begriff des Unionsrechts handele, der einheitlich ausgelegt
         werden müsse. 
      
      33.      Dem Inhaber einer älteren Marke könne keine Duldung einer jüngeren eingetragenen Marke unterstellt werden, bevor Letztere
         überhaupt eingetragen worden sei, und zwar auch dann nicht, wenn er Kenntnis von deren Benutzung gehabt habe und nichts dagegen
         habe unternehmen können. Des Weiteren brauche die ältere Marke gemäß Art. 4 Abs. 2 nicht notwendigerweise eingetragen worden
         zu sein, bevor deren Inhaber die Benutzung der in diesem Mitgliedstaat eingetragenen jüngeren Marke geduldet habe.
      
      B –    Zur zweiten Vorlagefrage
      34.      Nach Ansicht von BB beginnt die in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104 vorgesehene Duldungsfrist ab dem Zeitpunkt, ab dem der Interessierte von
         der Benutzung durch einen Dritten erfahre. Der Umstand, dass diese Frist vor oder nach der Eintragung der älteren Marke beginne,
         sei unerheblich.
      
      35.      AB vertritt hingegen die Meinung, dass der Zeitraum von „fünf aufeinanderfolgenden Jahren“ dann zu laufen beginne, sobald die
         folgenden drei Voraussetzungen erfüllt seien: Die ältere Marke sei eingetragen; der Inhaber der älteren Marke habe Kenntnis
         der Benutzung einer identischen oder ähnlichen Marke; die jüngere Marke sei ebenfalls eingetragen. Dieser Zeitraum könne vor
         der tatsächlichen Eintragung der älteren Marke weder beginnen noch enden.
      
      36.      Die Regierung desVereinigten Königreichs weist darauf hin, dass der Zeitraum von „fünf aufeinanderfolgenden Jahren“ dann zu laufen beginne, sobald die jüngere Marke
         eingetragen und benutzt worden sei und der Inhaber Kenntnis von deren Benutzung erlangt habe.
      
      37.      Die slowakische Regierung untersucht zunächst die zweite Vorlagefrage, bevor sie sich der ersten Vorlagefrage zuwendet. Ihrer Ansicht nach beginnt
         die fünfjährige Frist ab dem Zeitpunkt der Eintragung der jüngeren Marke zu laufen, sofern der Inhaber der älteren Marke Kenntnis
         von der Benutzung der jüngeren Marke habe und deren Eintragung redlich beantragt worden sei, und zwar ungeachtet dessen, ob
         die ältere Marke bereits beim Markenamt eingetragen oder angemeldet worden sei.
      
      38.      Die italienische Regierung schlägt vor, die Vorlagefrage dahin gehend zu beantworten, dass der in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104 vorgesehene Duldungszeitraum
         beginne und eventuell auch enden könne, bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner Marke erreiche, dass er
         jedoch weder vor der Eintragung der jüngeren Marke noch vor dem Zeitpunkt beginnen könne, zu dem der Inhaber der älteren Marke
         tatsächlich Kenntnis von der jüngeren eingetragenen Marke erlangt habe.
      
      39.      Die Kommission ist der Auffassung, dass der Duldungszeitraum ab dem Zeitpunkt zu laufen beginne, ab dem der Inhaber der älteren Marke Kenntnis
         von der Benutzung der jüngeren eingetragenen Marke erlange. Die Frist könne also frühestens ab dem Zeitpunkt der Eintragung
         der jüngeren Marke beginnen, sofern Letztere ab diesem Zeitpunkt benutzt worden sei und der Inhaber der älteren Marke Kenntnis
         von dieser Benutzung ab diesem Zeitpunkt erlange. Das Datum der Eintragung der jüngeren Marke werde anhand der jeweils anwendbaren
         Regelungen betreffend das Eintragungsverfahren jedes Mitgliedstaats festgelegt. Des Weiteren könne der Lauf der Duldungsfrist
         beginnen, noch bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner Marke erreiche.
      
      C –    Zur dritten Vorlagefrage
      40.      BB macht geltend, dass im Fall einer gleichzeitigen redlichen sowie langjährige Verwendung zweier identischer Marken, die sich
         auf zwei identischen Produkte bezögen, und zwar dergestalt, dass die Marke nicht allein die Produkte des Inhabers der älteren
         Marke, sondern im Gegenteil die Produkte der des Inhabers der jüngeren Marke bezeichnet und wenn keine bedeutende Verwechslungsgefahr
         bestehe, keine Verletzung der Hauptfunktion der älteren Marke seitens der jüngeren Marke vorliege, wie sie Art. 4 Abs. 1 Buchst.
         a der Richtlinie 89/104 voraussetze.
      
      41.      AB ist der Ansicht, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 absoluten Schutz gewähre und daher dem Inhaber einer
         älteren Marke gestatte, seine Rechte durchzusetzen, und zwar auch im Fall einer gleichzeitigen redlichen langjährigen Benutzung
         zweier Marken betreffend identische Produkte, mit der Folge, dass die Herkunftsgarantie der älteren Marke nicht bedeute, dass
         die Marke nicht allein diese Produkte des Inhabers der älteren Marke und sonst keines anderen kennzeichne, sondern im Gegenteil
         die Produkte dieses und des anderen Benutzers gleichermaßen bezeichne.
      
      42.      Die Regierung desVereinigten Königreichs schlägt vor, diese Frage dahin gehend zu beantworten, dass vorbehaltlich der Regelungen in Art. 6 Abs. 2 und Art. 9 die Regelung
         in Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 insofern Anwendung findet, als sie dem Inhaber der älteren Marke die Durchsetzung
         seiner Rechte gestattet, und zwar auch im Fall einer gleichzeitigen redlichen langjährigen Benutzung zweier Marken betreffend
         identische Produkte.
      
      43.      Nach Ansicht der tschechischen Regierung findet Art. 4 der Richtlinie 89/104 keine Anwendung auf einen Sachverhalt wie den des Ausgangsverfahrens, da diese Richtlinie
         voraussetze, dass im Fall zweier überaus bekannter identischer oder zumindest ähnlicher Marken keine dieser Marken einen formalen
         Rechtsschutz erlangen können wird, d.h., beide Marken genössen gleichermaßen Schutz, mit der Folge, dass sie parallel benutzt
         werden könnten gemäß den Bestimmungen des nationalen und internationalen Rechts betreffend nichteingetragene Marken.
      
      44.      Vorsorglich macht die tschechische Regierung geltend, dass Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104 dahin gehend ausgelegt werden
         müsse, dass die darin vorgesehene Frist für die Verwirkung durch Duldung nicht vor dem Zeitpunkt der Eintragung der angefochtenen
         Marke zu laufen beginne.
      
      45.      Nach Ansicht der tschechischen Regierung ist im Fall eines Rechtsmissbrauchs eine Berufung auf Art. 4 der Richtlinie 89/104
         ausgeschlossen. Unter Rechtsmissbrauch sei der Versuch zu verstehen, sich im Widerspruch zu dem mit der Rechtsnorm verfolgten
         Ziel Vorteile zulasten eines Dritten zu sichern. Die Beurteilung darüber, ob Rechtsmissbrauch vorliege, sei Sache des nationalen
         Richters.
      
      46.      Die slowakische Regierung ist der Auffassung, dass die Richtlinie 89/104 dem Inhaber der älteren Marke nicht gestatte, seine Rechte im Sinne von Art.
         4 durchzusetzen, wenn die Durchsetzung dieses Rechts missbräuchlich ist.
      
      47.      Der Nachweis eines solchen Rechtsmissbrauchs setze zum einen voraus, dass die Durchsetzung des Rechts auf Ungültigerklärung
         trotz der formalen Erfüllung der Tatbestandsvoraussetzungen der Richtlinie sowie des entsprechenden nationalen Umsetzungsrechts
         zu einem taktischen Vorteil führe, dessen Gewährung im Widerspruch zu den Richtlinienzielen stünde. Zum anderen müsse sich
         aus einer Beurteilung der Gesamtumstände ergeben, dass das Hauptziel des Antrags auf Ungültigerklärung in der Erlangung eines
         taktischen Vorteils bestehe. Gleichwohl müsse dem nationalen Richter die Aufgabe der Prüfung überlassen werden, ob im konkreten
         Fall Rechtsmissbrauch vorliege.
      
      48.      Die italienische Regierung betont, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 dem Inhaber einer offenkundig älteren Marke nicht das Recht einräume,
         die Benutzung einer offenkundig jüngeren Marke zu unterbinden oder gar für ungültig zu erklären. In einer Situation der gleichzeitigen
         redlichen langjährigen Benutzung identischer oder täuschend ähnlicher Marken müsse gefolgert werden, dass die Richtlinie 89/104
         der Entscheidung eines Mitgliedstaats nicht entgegenstehe, den Inhabern zweier Marken das Recht auf Ungültigerklärung der
         anderen Marke oder auf Untersagung der Benutzung zu verweigern, und zwar unabhängig von der Reihenfolge der Eintragung oder
         gar einer eventuellen Duldung.
      
      49.      Die Kommission weist darauf hin, dass Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 die Koexistenz zweier identischer Marken betreffend
         zwei identische, jedoch von unterschiedlichen Herstellern vermarktete Produkte im Anschluss an eine langjährige gutgläubige
         Benutzung nicht ausschließe, sofern die Hauptfunktion der älteren Marke, den Ursprung der betreffenden Produkte zu kennzeichnen,
         nicht beeinträchtigt werde.
      
      VI – Rechtliche Würdigung
      A –    Einleitende Bemerkungen
      50.      Die Entwicklung unionsweiter Standards auf dem Gebiet des Schutzes geistigen Eigentums ist im Bereich des Markenrechts am
         weitesten fortgeschritten. Die Rechtsvereinheitlichung auf diesem Rechtsgebiet stützt sich auf zwei unterschiedliche, parallel
         verfolgte Regelungsansätze, die allerdings vielfältige Bezüge zueinander aufweisen und einander ergänzen(7). Zum einen gibt es das mit der Verordnung (EG) Nr. 40/94(8) eingeführte System der Gemeinschaftsmarke als supranationales gewerbliches Schutzrecht, das mit dem Inkrafttreten der Verordnung
         am 15. März 1994 ein über die nationalen Grenzen hinausgehendes, sich auf das gesamte Gebiet der Europäischen Union erstreckendes,
         einheitliches Markenrecht geschaffen hat. Zum anderen gibt es die im Wege der Rechtsangleichung mittels des Rechtsinstruments
         der Richtlinie vorangetriebene Annäherung der nationalen Rechtsordnungen. Diese Methode der Rechtsangleichung setzt den Grundsatz
         der Territorialität(9), d.h. die Bindung der Rechtswirkungen einer Marke an das Territorium des jeweiligen Mitgliedstaats, der das Markenrecht seit
         jeher kennzeichnet, zwar nicht außer Kraft, trägt aber immerhin dazu bei, bestehende Unterschiede zwischen den nationalen
         Regelungen und daraus resultierende Hindernisse für den freien Warenverkehr und den freien Dienstleistungsverkehr im Gemeinsamen
         Markt zu beseitigen(10). 
      
      51.      Dies ist auch das Ziel, das der Unionsgesetzgeber mit dem Erlass der Richtlinie 89/104 verfolgte, wie aus ihrem ersten Erwägungsgrund
         hervorgeht. Ihrem dritten Erwägungsgrund zufolge war damit allerdings keine vollständige Rechtsangleichung der nationalen
         Markenrechte beabsichtigt. Vielmehr wurde es als ausreichend angesehen, die Angleichung auf diejenigen Rechtsvorschriften
         zu beschränken, die sich am unmittelbarsten auf das Funktionieren des Binnenmarktes auswirken. Dazu gehören, worauf der siebte
         Erwägungsgrund zu dieser Richtlinie hindeutet, insbesondere jene Rechtsvorschriften, die „für den Erwerb und die Aufrechterhaltung
         einer eingetragenen Marke gelten“. Dies gilt insbesondere für Eintragungshindernisse und Ungültigkeitsgründe, die insofern
         erschöpfend aufzuführen sind. Die Herstellung gleicher Bedingungen in diesem Bereich wird darin ausdrücklich als Voraussetzung
         für die Erreichung der angestrebten Ziele angesehen. Die mitgliedstaatliche Kompetenz zur Regelung verfahrensrechtlicher Aspekte
         im Zusammenhang mit der Eintragung, dem Verfall oder der Ungültigkeit der durch Eintragung erworbenen Marken sollte hingegen
         laut dem fünften Erwägungsgrund der Richtlinie weitgehend unangetastet bleiben.
      
      52.      Vor dem Hintergrund einer nur teilweisen Harmonisierung der nationalen Markenrechte stellt sich die für die vorliegende Rechtssache
         relevante Frage, ob und inwieweit der Begriff „Duldung“ in Art. 9 der Richtlinie den Vorgaben des Unionsrechts unterworfen
         ist. Die Frage 1a) des vorlegenden Gerichts befasst sich mit der grundsätzlichen rechtlichen Einordnung dieses Begriffs in
         die Kategorien des Unionsrechts, während die Fragen 1b) bis 2) den Inhalt dieses Begriffs sowie die genaue Ausgestaltung der
         Regelung betreffend die Verwirkung der Rechte aus einer älteren Marke durch Duldung zum Gegenstand haben. Davon wiederum zu
         unterscheiden ist die Frage 3, die in erster Linie die Auslegung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie sowie die Vereinbarkeit
         des bisher im englischen Markenrecht bekannten Rechtsinstituts des „honest concurrent use“ („redliche gleichzeitige Benutzung“)
         mit dem Unionsrecht betrifft. Im Interesse der Übersichtlichkeit werde ich die vorgelegten Fragen entsprechend den oben genannten
         drei Themenkomplexen neu ordnen und auch in dieser Reihenfolge beantworten. Schließlich ist sowohl auf den Aspekt der zeitlichen
         Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie im Ausgangsfall als auch auf den im Rahmen des Verfahrens vor dem
         Gerichtshof von der tschechischen und der slowakischen Regierung erhobenen Vorwurf der missbräuchlichen Rechtsausübung seitens
         AB einzugehen.
      
      B –    Untersuchung der Vorlagefragen
      1.      Der unionsrechtliche Begriff „Duldung“ 
      53.      Die erste Frage, der es nachzugehen gilt, ist, ob der Begriff „Duldung“ in Art. 9 der Richtlinie einen Begriff des Unionsrechts
         darstellt, der autonom und einheitlich ausgelegt werden muss. Die Richtlinie selbst enthält keine Legaldefinition dieses Begriffs.
         Es stellt sich die Frage, ob dieser Umstand einer Einordnung als unionsrechtlicher Begriff entgegensteht. 
      
      a)      Keine ausdrückliche Verweisung auf das Recht der Mitgliedstaaten
      54.      Für eine entsprechende Einordnung lässt sich jedenfalls die mittlerweile wohl ständige Rechtsprechung des Gerichtshofs(11) anführen, wonach die einheitliche Anwendung des Unionsrechts und der Gleichheitssatz verlangen, dass die Begriffe einer Vorschrift
         des Unionsrechts, die für die Ermittlung ihres Sinns und ihrer Bedeutung nicht ausdrücklich auf das Recht der Mitgliedstaaten
         verweist, in der Regel in der gesamten Europäischen Union autonom und einheitlich auszulegen sind, wobei diese Auslegung unter
         Berücksichtigung des Regelungszusammenhangs und des mit der Regelung verfolgten Zwecks zu erfolgen hat. Verweist hingegen
         der Unionsgesetzgeber in einem Unionsrechtsakt stillschweigend auf die einzelstaatlichen Gebräuche(12), ist es nicht Sache des Gerichtshofs, dem verwendeten Begriff eine einheitliche unionsrechtliche Definition zu geben. 
      
      55.      Dazu ist festzustellen, dass die Richtlinie keine ausdrückliche Verweisung auf das Recht der Mitgliedstaaten enthält, aus
         der gefolgert werden könnte, dass beabsichtigt war, Letzteren die Kompetenz zur Ausfüllung dieses unbestimmten Rechtsbegriffs
         zu belassen(13). 
      
      b)      Harmonisierung der Rechte aus der Marke und deren Einreden
      56.      Eine mitgliedstaatliche Kompetenz kann auch nicht implizit aus dem Umstand geschlossen werden, dass die Richtlinie 89/104
         ausweislich ihres dritten Erwägungsgrundes lediglich eine teilweise Harmonisierung vorsieht. Wie der Gerichtshof bereits klargestellt
         hat, schließt dieser Umstand nicht aus, dass insbesondere jene innerstaatlichen Rechtsvorschriften, die sich am unmittelbarsten
         auf das Funktionieren des Binnenmarkts auswirken, Gegenstand einer umfassenden Harmonisierung werden(14). Dies trifft auf die hier relevante durch Art. 9 der Richtlinie geregelte Verwirkung von Rechten aus einer älteren Marke
         zu. Wie ich eingangs erwähnt habe(15), stellt der siebte Erwägungsgrund klar, dass die mit der Richtlinie angestrebte Harmonisierung des Markenrechts jene Aspekte
         erfasst, die den „Erwerb“ und die „Aufrechterhaltung“ einer eingetragenen Marke in allen Mitgliedstaaten betreffen. Daraus
         lässt sich schließen, dass Gegenstand der Harmonisierung insbesondere solche Aspekte sind, die sowohl den „Bestand“(16) als auch die „Durchsetzung“ des Rechts aus einer eingetragenen Marke betreffen. 
      
      57.      Der „Durchsetzung“ des Rechts aus einer Marke dienen Art. 4 Abs. 1 sowie Art. 5 Abs. 1 der Richtlinie. Beide Bestimmungen
         sind Ausdruck des im Markenrecht geltenden „Prioritätsprinzips“, das besagt, dass aus einem älteren Recht gegen sämtliche
         jüngeren kollidierenden Zeichen vorgegangen werden kann(17). Art. 4 Abs. 1 räumt dem Inhaber einer Marke das Recht ein, die  Ungültigerklärung einer jüngeren Marke, die wegen ihrer
         Identität oder Ähnlichkeit mit der eigenen Marke Anlass zu Verwechslungen geben könnte, zu beantragen. Art. 5 Abs. 1 räumt
         wiederum dem Markeninhaber das ausschließliche Recht an der Marke sowie das Recht ein, Dritten die Nutzung im geschäftlichen
         Verkehr zu verbieten(18). 
      
      58.      Zu den Aspekten, die einer Harmonisierung unterliegen, müssten aber notwendigerweise auch etwaige materiell-rechtliche Einreden
         des Inhabers einer jüngeren Marke gehören, dem vorgeworfen wird, die Rechte aus einer älteren Marke zu verletzen. Die in Art.
         9 der Richtlinie geregelte Verwirkung stellt nämlich eine solche Einrede gegen das in Art. 4 Abs. 1 Buchst. a gewährleistete
         Recht des Markeninhabers auf Beantragung der Ungültigerklärung der anderen Marke dar. 
      
      59.      Bestätigung findet dieser Ansatz in der Rechtsprechung des Gerichtshofs zu Art. 7 der Richtlinie, der die Erschöpfung des
         Rechts aus einer Marke regelt und insoweit ebenfalls eine Einrede gegen das Recht aus Art. 5 darstellt. Der Gerichtshof hat
         daher zu Recht angenommen, dass die Richtlinie im Hinblick auf diesen Bereich des Markenrechts eine umfassende Harmonisierung
         bewirkt(19). Es gibt keinen ersichtlichen Grund, im Fall der Verwirkung zu einer anderen Schlussfolgerung zu kommen(20).
      
      60.      In rechtsmethodischer Hinsicht stellt das Rechtsinstitut der Verwirkung eine Konkretisierung des Grundsatzes von Treu und
         Glauben dar, genauer, des in der Maxime venire contra factum proprium zum Ausdruck kommenden Rechtsgedankens, dem zufolge im Fall widersprüchlichen Verhaltens des Rechtsinhabers diesem die Ausübung
         dieses Rechts gegen den Verpflichteten untersagt werden soll(21). Nach dem Recht der Mitgliedstaaten gilt ein Recht in der Regel als verwirkt, wenn der Berechtigte es über einen gewissen
         Zeitraum hinweg (Zeitmoment) nicht geltend gemacht hat (Untätigkeit des Berechtigten) und der Verpflichtete sich darauf eingerichtet
         hat und sich bei objektiver Beurteilung des Verhaltens des Berechtigten auch darauf einrichten durfte (Vertrauenstatbestand),
         dass dieser das Recht auch in Zukunft nicht geltend machen werde. Der Verstoß gegen Treu und Glauben liegt in diesem Fall
         in der illoyalen Verspätung der Rechtsausübung. Geschützt wird das in Anbetracht der spezifischen Umstände des Einzelfalls
         von der Rechtsordnung als berechtigt angesehene Vertrauen des grundsätzlich Verpflichteten auf einen bestimmten Rechtszustand.
         
      
      61.      Dieser Rechtsgedanke hat in den spezifischen Bereich des Markenrechts Eingang gefunden. Wie der Gerichtshof im Urteil Levi
         Strauss(22) festgestellt hat, bezweckt die Richtlinie 89/104, ein Gleichgewicht zwischen dem Interesse des Inhabers einer Marke an der
         Wahrung ihrer Hauptfunktion und dem Interesse der anderen Wirtschaftsteilnehmer an der Verfügbarkeit von Zeichen, die ihre
         Waren und Dienstleistungen bezeichnen können, herzustellen. Dies kommt ausdrücklich im elften Erwägungsgrund der Richtlinie
         zum Ausdruck, wonach aus Gründen der Rechtssicherheit und ohne in die Interessen der Inhaber älterer Marken in unangemessener
         Weise einzugreifen vorgesehen werden muss, dass diese nicht mehr die Ungültigerklärung einer jüngeren Marke beantragen oder
         sich deren Benutzung widersetzen können, wenn sie deren Benutzung während einer längeren Zeit geduldet haben, es sei denn,
         dass die jüngere Marke bösgläubig angemeldet worden ist.
      
      c)      Notwendigkeit einer einheitlichen Regelung
      62.      Nicht zuletzt aufgrund der wesentlichen Funktion, die dem Rechtsinstitut der Verwirkung bei der Schaffung von Rechtssicherheit
         zukommt(23), hat der Unionsgesetzgeber einheitliche Regelungen in Art. 9 der Richtlinie erlassen. Die Detailliertheit dieser Regelung,
         insbesondere in Bezug darauf, welche Voraussetzungen für das Eintreten der Verwirkungsrechtsfolge konkret vorliegen müssen
         – auf die ich bei der Untersuchung des zweiten Themenkomplexes näher eingehen werde(24) –, lässt darauf schließen, dass es im Sinne des Unionsgesetzgebers war, möglichst einheitliche Regelungen in allen Mitgliedstaaten
         einzuführen. Weder dem Harmonisierungsziel noch dem Ziel, Rechtssicherheit im Gemeinsamen Markt zu schaffen, wäre gedient,
         wenn den Mitgliedstaaten gestattet wäre, eigene – unter Umständen sogar voneinander abweichende – Bestimmungen zu erlassen,
         die das Duldungsverhalten des Inhabers der älteren Marke definieren. 
      
      63.      Was das Tatbestandsmerkmal der „Duldung“, das an ein bestimmtes Verhalten des Markeninhabers anknüpft, konkret angeht, bin
         ich der Auffassung, dass man sich dessen Bedeutung im Gesamtkontext des Markenrechts vor Augen führen muss. Die Hauptfunktion
         einer Marke besteht darin, Kunden die Unterscheidung von Unternehmen und ihren Waren bzw. Dienstleistungen am Markt ohne Verwechslungsgefahr
         zu ermöglichen(25). Sie erfüllt damit aber zugleich eine Vielzahl wichtiger wirtschaftlicher und rechtlicher Funktionen(26) im Wettbewerb zwischen Wirtschaftsteilnehmern, die in der Rechtsprechung des Gerichtshofs anerkannt sind. Zum Markenrecht
         hat der Gerichtshof festgestellt(27), dass es ein wesentlicher Bestandteil des Systems eines unverfälschten Wettbewerbs ist, das der Vertrag schaffen will. In
         einem solchen System müssen die Unternehmen nach Auffassung des Gerichtshofs in der Lage sein, die Kunden durch die Qualität
         ihrer Waren oder ihrer Dienstleistungen an sich zu binden, was nur möglich ist, wenn es Kennzeichen gibt, mit denen sich diese
         identifizieren lassen. Damit die Marke diese Aufgabe erfüllen kann, muss sie die Gewähr dafür bieten, dass alle Waren, die
         mit ihr versehen sind, unter der Kontrolle eines einzigen Unternehmens hergestellt worden sind, das für ihre Qualität verantwortlich
         gemacht werden kann. 
      
      64.      Wie der Gerichtshof wiederholt festgestellt hat(28), besteht folglich der spezifische Gegenstand des Markenrechts insbesondere darin, dass der Inhaber durch das ausschließliche
         Recht, die Marke beim erstmaligen Inverkehrbringen einer Ware zu benutzen, Schutz vor Konkurrenten erlangt, die unter Missbrauch
         der aufgrund der Marke erworbenen Stellung und Kreditwürdigkeit widerrechtlich mit der Marke versehene Waren veräußern. Eine
         Marke ist rechtlich gesehen aber auch Ausdruck des Rechts des geistigen Eigentums des Inhabers(29), das durch die gesetzliche Anerkennung einer Verwirkungsmöglichkeit im Endeffekt eine beträchtliche Einschränkung erfährt.
         Der elfte Erwägungsgrund der Richtlinie spricht ausdrücklich von einem Eingriff in die Interessen des Inhabers der älteren
         Marke. Infolgedessen erscheint die Forderung gerechtfertigt, dass das ausschließliche Recht, das die Marke gewährt, nur ausnahmsweise
         und zwar unter gesetzlich genau festgelegten Voraussetzungen, verwirken kann. Es wäre insofern befremdlich, anzunehmen, dass
         der Unionsgesetzgeber in Anbetracht der schwerwiegenden Folgen für die Rechtsposition des Markeninhabers, für dessen Recht
         Verwirkung eintritt, sich dafür entschieden hätte, alle Voraussetzungen der Verwirkung mit Ausnahme des Begriffs der „Duldung“
         in der Richtlinie festzulegen. Eine entsprechende Auslegung wäre nicht mit den Zielsetzungen der Richtlinie vereinbar.
      
      d)      Ergebnis
      65.      Nach dieser systematischen und teleologischen Auslegung der Richtlinie 89/104 komme ich zu der Schlussfolgerung, dass mit
         „Duldung“ im Sinne von Art. 9 Abs. 1 ein Begriff des Unionsrechts gemeint ist, der autonom und einheitlich ausgelegt werden
         muss(30).
      
      2.      Die Verwirkungsregelung in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104
      66.      Wie eingangs erwähnt, haben die Fragen 1b) bis 2) den normativen Inhalt dieses Begriffs sowie die genaue Ausgestaltung der
         Regelung betreffend die Verwirkung der Rechte aus einer älteren Marke durch Duldung zum Gegenstand.
      
      a)      Definition des Begriffs „Duldung“
      67.      Entsprechend der logischen Abfolge der Fragen gilt es zuerst zu ermitteln, was rechtlich unter „Duldung“ im Sinne dieser Bestimmung
         zu verstehen ist. Aus der Art, wie die Frage 1b) formuliert ist, kann entnommen werden, dass das vorlegende Gericht Zweifel
         hat, ob das Unvermögen des Inhabers einer älteren Marke, die Benutzung einer identischen jüngeren Marke durch einen Dritten
         zu verhindern, etwas an der Beurteilung ändert, ob im konkreten Fall eine „Duldung“ vorliegt. Das vorlegende Gericht unterscheidet
         in seiner Vorlageentscheidung(31) zwischen einer „engen“ Auslegung des Begriffs, der zufolge eine Partei das Verhalten einer anderen nur dulden kann, wenn
         sie in der Lage ist, das Verhalten zu unterbinden, und einer „weiten“ Auslegung, der zufolge eine Duldung auch dann vorliegt,
         wenn man nichts an einer bestimmten Situation ändern kann. Das vorlegende Gericht erläutert, wenn der Kontext des Art. 9 eine
         weite Auslegung des Begriffs erfordern würde, wäre davon auszugehen, dass AB und BB zwangsläufig die Benutzung der Marke Budweiser
         durch die jeweils andere Partei seit mehr als 30 Jahren geduldet haben.
      
      68.      Die Ermittlung des normativen Bedeutungsgehalts dieses Begriffs setzt eine Auslegung unter Berücksichtigung sowohl des Wortlauts
         als auch der systematischen Stellung und des Telos von Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie voraus. Ausgangspunkt und zugleich Grenze
         jeder Auslegung ist nach den hergebrachten Auslegungsgrundsätzen stets der Wortlaut einer Norm(32). Mit der Wortlautauslegung wird der allgemeine Sprachgebrauch erforscht und hinterfragt. Aus diesem allgemeinen Sprachgebrauch
         werden der mögliche Wortsinn und der Bedeutungsgehalt einer Norm ermittelt(33). Im Unionsrecht besteht indes die Besonderheit, dass nicht zuletzt aufgrund der Sprachenvielfalt(34) geringfügige Abweichungen von einer Sprachfassung zur anderen auftreten können(35). Dennoch bleibt eine Rechtsnorm in allen offiziellen Sprachen der Union verbindlich, mit der Folge, dass bei ihrer Auslegung
         alle anderen Sprachfassungen in gleicher Weise zu berücksichtigen sind(36). Die Exegese einer Unionsrechtsnorm erfordert deshalb in Zweifelsfällen eine komplexe Herangehensweise, die impliziert, dass
         die einzelnen Sprachfassungen einer vergleichenden Untersuchung unterzogen werden(37). 
      
      69.      Was den hier streitigen Begriff „Duldung“ angeht, ist festzustellen, dass die englische Sprachfassung der Richtlinie zwei
         unterschiedliche Ausdrücke verwendet, um das Verhalten des Inhabers der älteren Marke zu umschreiben. Darauf weist auch das
         vorlegende Gericht hin. Während in Art. 9, sowohl in der Überschrift als auch in Abs. 1 dieser Regelung, der Ausdruck „acquiescence“
         bzw. „to acquiesce“ verwendet wird, ist in der für das Verständnis dieser Regelung maßgeblichen Präambel der Richtlinie von
         „to tolerate“ die Rede. Letzterer Ausdruck, der dem lateinischen Verb „tolerare“ entlehnt ist, wird auch durchgehend und einheitlich
         in allen romanischen Sprachfassungen verwendet. Sofern ich es überblicken kann, ist in keiner anderen Sprachfassung eine vergleichbare
         Abweichung in der Wortwahl zu erkennen(38). Diese Abweichungen wirken sich letzten Endes aber nicht auf das Auslegungsergebnis aus, zumal eine semantische Untersuchung
         der jeweiligen Ausdrücke hinreichend klar erkennen lässt, was der Richtliniengeber tatsächlich gemeint hat. 
      
      70.      Die in den verschiedenen Sprachfassungen verwendeten Ausdrücke umschreiben jeweils eine individuelle Haltung, gekennzeichnet
         durch die Nachsicht und den fehlenden Widerspruch gegenüber einem nicht zwangsläufig erwünschten Zustand. Als typisch für
         diese Haltung kann eine gewisse Passivität insofern bezeichnet werden, als der Duldende, obwohl er Kenntnis von diesem Umstand
         hat, darauf verzichtet, Gegenmaßnahmen zu ergreifen(39). Dieser Aspekt wird gerade in der dänischen und der schwedischen Sprachfassung(40) besonders hervorgehoben. Dieser Passivität steht das aktive Tun eines Drittens gegenüber, dessen Verhalten durch die Untätigkeit
         des Duldenden geradezu gefördert wird(41). Folgerichtig endet die Duldung erst dann, wenn sich der Betroffene offenkundig zur Wehr setzt.
      
      71.      All dies schließt nicht aus, dass sich aus dieser passiven Haltung unter Umständen sogar eine implizite Zustimmung des Duldenden
         herleiten lässt. Damit ist auch zu erklären, dass die Rechtsordnung an diese Passivität die Rechtsfolge der Verwirkung des
         formal dem Duldenden zustehenden Rechts anknüpft. Dennoch muss die bloße „Duldung“ klar von der „Zustimmung“ unterschieden
         werden, die, wie der Gerichtshof in seiner Rechtsprechung erklärt hat(42), auf eine Weise geäußert werden muss, die einen Willen zum Verzicht auf dieses Recht mit Bestimmtheit erkennen lässt. Ein
         solcher Wille ergibt sich in der Regel aus einer ausdrücklichen Erteilung der Zustimmung. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen
         werden, dass er sich in bestimmten Fällen konkludent aus Anhaltspunkten und Umständen ergibt, die nach der Beurteilung des
         nationalen Gerichts ebenfalls mit Bestimmtheit einen Verzicht des Inhabers auf sein Recht erkennen lassen.
      
      b)      Ausschluss der Fallkonstellation der „erzwungenen Passivität“
      72.      Es wäre allerdings mit diesem Verständnis dieses Begriffs unvereinbar, wenn auch eine von außen erzwungene Situation, beispielsweise
         das rechtliche oder faktische Unvermögen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, als „Duldung“ bezeichnet werden würde. Der Begriff
         „Duldung“ impliziert doch gerade, dass der Duldende theoretisch imstande wäre, etwas gegen einen nicht erwünschten Zustand
         zu unternehmen, dies aber gleichwohl bewusst nicht tut. Erzwungene Passivität entspricht meines Erachtens weder der natürlichen
         Bedeutung dieses Begriffs noch dem bereits beschriebenen Konzept der Verwirkung(43). Darüber hinaus ist zu bedenken, dass der Unionsgesetzgeber im elften Erwägungsgrund der Richtlinie die Einschränkung der
         Interessen des Inhabers der älteren Marke im Wege der Verwirkung ausdrücklich allein unter dem Vorbehalt der „Angemessenheit“
         zugelassen hat. In Anbetracht der Tatsache, dass niemand zu etwas Unmöglichem rechtlich verpflichtet werden kann (impossibilium nulla obligatio est(44)), wäre es als unangemessen zu bezeichnen, die Rechte des Inhabers der älteren Marke im Wege der Verwirkung mit der Begründung
         auszuschließen, dass er sich nicht gegen die rechtswidrige Verwendung seiner Marke durch einen Dritten zur Wehr gesetzt hat,
         obwohl er dazu überhaupt nicht imstande war.
      
      c)      Ausgestaltung der Verwirkungsregelung
      73.      Die Fragen 1c) und 2) beziehen sich auf die Art und Weise, wie die Regelung in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie 89/104 ausgestaltet
         ist, und zielen im Wesentlichen darauf ab, vom Gerichtshof feststellen zu lassen, von welchem Zeitpunkt an die in dieser Bestimmung
         genannte fünfjährige Frist zu laufen beginnt und welche Voraussetzungen dabei konkret vorliegen müssen. 
      
      i)      Voraussetzungen für den Beginn der fünfjährigen Duldungsfrist
      74.      Der Wortlaut von Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie sowie der Sinn und Zweck dieser Regelungen deuten meines Erachtens klar darauf
         hin, dass der Beginn des Laufs der fünfjährigen Duldungsfrist von der Erfüllung folgender drei Voraussetzungen abhängig ist:
         Erstens ist es erforderlich, dass die jüngere Marke eingetragen worden ist; zweitens muss diese Marke benutzt worden sein; drittens muss der Inhaber der älteren Marke Kenntnis der Eintragung und der Benutzung dieser jüngeren Marke gehabt haben. Diese Regelung ist so konzipiert, dass alle drei Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein
         müssen.
      
      ii)    Die Kenntnis des Inhabers der älteren Marke als subjektives Merkmal 
      75.      Letztere Voraussetzung ist von besonderer Relevanz angesichts der im Raum stehenden Rechtsprobleme und bedarf daher einer
         näheren Erörterung. 
      
      76.      Zunächst einmal ist festzustellen, dass der Richtliniengeber sich bei der Formulierung von Art. 9 Abs. 1 für eine Verwirkung
         durch Duldung und wohl bewusst gegen die Rechtsfigur der Verjährung entschieden hat. Zwischen den vorgenannten Rechtsinstituten
         bestehen nämlich wesentliche Unterschiede. Die Verjährung als Rechtsfigur zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie nur auf
         die Untätigkeit des Rechtsinhabers für einen bestimmten Zeitraum abstellt (objektives Merkmal), während die Verwirkung durch
         Duldung auch auf ein subjektives Merkmal rekurriert. Auf dieses subjektive Merkmal kommt es im vorliegenden Fall an. Danach
         muss der Markeninhaber für eine bestimmte Frist in Kenntnis der Tatsache, dass ein Dritter Verletzungshandlungen vornimmt,
         untätig geblieben sein(45). Die Bedeutung dieses Merkmals darf bei der Auslegung von Art. 9 der Richtlinie, vor allem bei der Klärung der Frage, wann
         die fünfjährige Frist zu laufen beginnt, nicht in den Hintergrund treten. Dementsprechend ist zu fordern, dass der Zeitpunkt
         der Kenntnisnahme und der Beginn der Verwirkungsfrist zeitlich übereinstimmen.
      
      77.      Dieser Umstand sagt andererseits nichts darüber aus, ob der Lauf der fünfjährigen Frist erst ab dem Zeitpunkt der tatsächlichen
         Kenntnis des Inhabers der älteren Marke von der Eintragung und der Benutzung der jüngeren Marke beginnen darf („tatsächliche
         Kenntnis“). Ebenso denkbar ist es nämlich, auf den Zeitpunkt abzustellen, ab dem dieser erwartungsgemäß hätte Kenntnis davon
         erlangen können („potenzielle Kenntnis“). 
      
      78.      In diesem Zusammenhang ist allerdings festzustellen, dass der Richtliniengeber offensichtlich auf den Zeitpunkt der Eintragung
         der jüngeren Marke („die Benutzung einer jüngeren eingetragenen Marke“) als maßgeblichen Zeitpunkt abgestellt hat, denn andernfalls hätte er für die Gewährung von Schutz gegenüber den Rechten
         des Inhabers der älteren Marke bereits die Anmeldung der jüngeren Marke für ausreichend gehalten. Gleichwohl ist darauf hinzuweisen,
         dass die Richtlinie selbst allein den Schutz der eingetragenen Marken bezweckt(46), während sie den Mitgliedstaaten das Recht belässt, die durch Benutzung erworbenen Marken weiterhin zu schützen, wie aus
         dem vierten Erwägungsgrund unmissverständlich hervorgeht. Die Eintragung der jüngeren Marke stellt somit eine wichtige zeitliche
         Zäsur dar. Die Eintragung selbst richtet sich gemäß dem fünften Erwägungsgrund der Richtlinie nach den Verfahrensbestimmungen
         der Mitgliedstaaten. 
      
      79.      Auf den Zeitpunkt der Eintragung abzustellen, um die fünfjährige Frist beginnen zu lassen, erscheint auch im Interesse der
         Rechtssicherheit sachgerecht, stellt die Eintragung der jüngeren Marke doch einen öffentlichen Akt mit Publizitätswirkung
         dar, auf den sich der Inhaber der jüngeren Marke jederzeit berufen kann, um die Einrede der Verwirkung aus Art. 9 Abs. 1 der
         Richtlinie gegen einen Antrag des Inhabers der älteren Marke auf Ungültigerklärung aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
         geltend zu machen. 
      
      80.      Das Vertrauen des Inhabers der jüngeren Marke darauf, dass fünf Jahre nach Eintragung seiner Marke kein entsprechender Antrag
         auf Ungültigerklärung gestellt wird, erscheint auch schutzwürdig, zumal vernünftigerweise angenommen werden kann, dass der
         Inhaber der älteren Marke im Rahmen eines entsprechend langen Zeitraums zwangsläufig Kenntnis der Benutzung einer identischen
         Marke gehabt haben muss und dennoch nichts unternommen hat. Im Ergebnis erweist sich die fünfjährige Frist ab dem Zeitpunkt
         der Eintragung der jüngeren Marke bei näherer Betrachtung als eine Art Vermutungsregel. Danach wird von Gesetzes wegen die
         Vermutung aufgestellt, dass der Inhaber der älteren Marke ab Eintragung der jüngeren Marke jedenfalls die Möglichkeit der
         Kenntnisnahme hatte. Den Behörden und den Gerichten, aber auch den Wirtschaftsteilnehmern wird damit gestattet, aus einem
         objektiven Vorgang auf eine entsprechende Kenntnis des Markeninhabers zu schließen. 
      
      81.      Eine solche Vermutungsregel ist im Markenrecht nichts Ungewöhnliches, wie der Gerichtshof im Urteil Chocoladefabriken Lindt
         & Sprüngli(47) zutreffend festgestellt hat. Darin hat er nämlich erklärt, dass „sich eine Vermutung dahin, dass der Anmelder von der Verwendung
         eines gleichen oder ähnlichen Zeichens für eine gleiche oder mit dem angemeldeten Zeichen verwechselbar ähnliche Ware Kenntnis
         hatte, u. a. aus einer allgemeinen Kenntnis davon ergeben kann, dass eine derartige Verwendung in dem betreffenden Wirtschaftssektor
         besteht, wobei sich diese Kenntnis u. a. aus der Dauer einer derartigen Verwendung herleiten lässt“. Wie der Gerichtshof zutreffend
         festgestellt hat, ist es „umso wahrscheinlicher …, dass der Anmelder zum Zeitpunkt der Anmeldung davon Kenntnis hatte je länger
         diese Verwendung zurückreicht“.
      
      82.      Eine entsprechende gesetzliche Vermutung schließt jedoch nicht aus, dass der Inhaber der älteren Marke sie im Einzelfall widerlegen
         kann (praesumptio juris tantum). Will man die Grenze zwischen den Rechtsinstituten der Verwirkung und der Verjährung nicht verwischen und zulassen, dass
         der Zeitablauf zum allein maßgeblichen Faktor für den Eintritt der Verwirkung wird, so muss bei der Auslegung von Art. 9 Abs.
         1 der Richtlinie gefordert werden, dass es letztlich doch auf die tatsächliche Kenntnis ankommt(48), sofern der Inhaber der älteren Marken einen anderen Zeitpunkt der Kenntniserlangung nachweisen kann. Das Erfordernis der
         positiven Kenntnis korrespondiert mit dem besonderen Gewicht der Rechtssicherheit, das bei der Verwirkungsregelung in der
         festen Zeitschranke zum Ausdruck kommt.
      
      83.      Für die Zwecke des vorliegenden Verfahrens braucht indes nicht abschließend zu der Frage Stellung genommen zu werden, ob es
         auf die tatsächliche oder gar auf die potenzielle Kenntnis ankommt, da diese Frage erst in einer Fallkonstellation relevant
         sein dürfte, in der der Inhaber der älteren Marke erst irgendwann nach Eintragung der jüngeren Marke Kenntnis erlangt hat.
         Eine solche Fallkonstellation liegt im Ausgangsfall jedoch nicht vor, zumal mit Sicherheit angenommen werden kann, dass AB
         Kenntnis von der Eintragung der Marke „Budweiser“ zugunsten von BB am 19. Mai 2000 hatte. An diesem Tag sind nämlich beide
         Seiten nach einem langjährigen Rechtsstreit jeweils als Inhaber dieser Wortmarke im Markenregister eingetragen worden. Darüber
         hinaus hatte AB Kenntnis davon, dass die Benutzung der Marke „Budweiser“ durch BB bereits auf die 70er Jahre zurückging. Demzufolge
         stimmten Eintragung der späteren Marke und Erlangung der Kenntnis von ihrer Eintragung und Benutzung zeitlich überein.
      
      iii) Keine Notwendigkeit der Eintragung der älteren Marke 
      84.      Ob die fünfjährige Frist bereits zu laufen beginnen kann, noch bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner Marke
         tatsächlich erwirkt hat, wie das vorlegende Gericht vermutet und in seinen Fragen 1c) und 2 andeutet, ist meines Erachtens
         angesichts der in Art. 9 Abs. 1 enthaltenen Verweisung auf Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie eindeutig zu bejahen.
      
      85.      Aus dem Wortlaut sowie der systematischen Verknüpfung beider Bestimmungen („ältere Marke im Sinne von“) folgt, dass Art. 4
         Abs. 2 eine Definition dessen enthält, was als „ältere Marke“ im Sinne der Richtlinie zu verstehen ist. Diese Bestimmung lässt
         deutlich erkennen, dass bei der Unterscheidung zwischen einer älteren und einer jüngeren Marke auf den Zeitpunkt der jeweiligen Anmeldung und nicht den der tatsächlichen Eintragung abzustellen ist. Der Begriff der „älteren Marke“ ist somit nicht auf Marken beschränkt,
         die vor der Eintragung eines identischen  oder eines zum Verwechseln ähnlichen Kennzeichens eingetragen wurden. Daraus folgt
         also, dass sofern die drei oben genannten Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, eine eventuell noch ausstehende Eintragung
         der zeitlich älteren Marke einem Beginn des Laufs der fünfjährigen Frist nicht entgegensteht. 
      
      86.      Mithin ist auf die Frage 1c) zu antworten, dass der Inhaber einer Marke diese nicht eintragen lassen muss, bevor seine „Duldung“
         der Benutzung eines identischen oder eines zum Verwechseln ähnlichen Kennzeichens durch einen Dritten beginnen kann. Demzufolge
         ist auch auf die Frage 2) zu antworten, dass die fünfjährige Duldungsfrist beginnen und theoretisch auch enden kann, bevor
         der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner Marke tatsächlich erwirkt hat.
      
      iv)    Ergebnis
      87.      Aus den vorstehenden Erwägungen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen:
      
      –        Die in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie vorgesehene fünfjährige Duldungsfrist beginnt ab dem Zeitpunkt zu laufen, zu dem der Inhaber
         der älteren Marke Kenntnis erlangt von der Eintragung und der Benutzung der jüngeren Marke in dem Mitgliedstaat, in dem Letztere
         auch eingetragen worden ist. Die Duldungsfrist kann frühestens ab dem Zeitpunkt von deren Eintragung zu laufen beginnen, sofern
         die jüngere Marke ab diesem Zeitpunkt benutzt worden ist und der Inhaber der älteren Marke zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von
         dieser Benutzung erlangt hat.
      
      –        Der Zeitpunkt der Eintragung bestimmt sich wiederum nach den einschlägigen Verfahrensbestimmungen der Mitgliedstaaten. 
      –        Die fünfjährige Duldungsfrist kann bereits zu laufen beginnen, noch bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung seiner
         Marke tatsächlich erwirkt hat.
      
      3.      Vereinbarkeit des Grundsatzes der redlichen gleichzeitigen Benutzung mit dem Unionsrecht
      88.      Mit seiner Frage 3) möchte das vorlegende Gericht im Wesentlichen wissen, ob es angesichts einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens
         möglich ist, in Anwendung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie die Ungültigerklärung der jüngeren Marke zu beantragen.
         Das vorlegende Gericht wirft dabei konkret die Frage auf, ob das Unionsrecht eine Ausnahme für den Fall einer seit Langem
         bestehenden redlichen gleichzeitigen Benutzung zweier identischer Marken vorsieht, die dem Inhaber der jüngeren Marke Schutz
         gewährt. In rechtsdogmatischer Hinsicht geht es dabei um die Tragweite des markenrechtlichen Prioritätsgrundsatzes im Unionsrecht
         sowie um die rechtliche Zulässigkeit einer Koexistenz zweier identischer Marken.
      
      89.      Der in der Vorlageentscheidung wiedergegebenen Prozessgeschichte zum Ausgangsverfahren ist zu entnehmen, dass die Entscheidung
         des Court of Appeal vom Februar 2000, AB und BB die Eintragung der Markenbezeichnung „Budweiser“ zu gestatten, auf eine sowohl
         im Common Law als auch im kodifizierten Recht Englands seit Langem anerkannte Rechtsfigur („honest concurrent use“) rechtlich
         gestützt wurde, die unter bestimmten Voraussetzungen eine solche Koexistenz ermöglicht. Diese Rechtsfigur ist zwar in Art.
         7 des Markengesetzes 1994 im Hinblick auf ihre verfahrensrechtliche Anwendung kodifiziert(49). Nicht in dieser nationalen Bestimmung genannt sind dagegen ihre materiell-rechtlichen Tatbestandsvoraussetzungen, die vielmehr
         richterrechtlich festgelegt sind(50).
      
      90.      Dies wirft die Frage auf, ob Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie einem Rückgriff auf diese Rechtsfigur entgegensteht. Es
         müsste sich dabei rechtlich gesehen um eine Ausnahme von dem in dieser Richtlinienbestimmung verankerten Prioritätsgrundsatz
         handeln. In diesem Zusammenhang ist allerdings festzustellen, dass eine derartige Ausnahmeregelung keine Entsprechung in der
         Richtlinie selbst findet, die als rechtliche Grundlage dienen könnte.
      
      91.      Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass das Unionsrecht einer derartigen Rechtsfigur des nationalen Rechts generell
         entgegensteht, zumal die Richtlinie 89/104 nur eine teilweise Harmonisierung vorsieht(51). Es wäre also durchaus vorstellbar, dass diese Rechtsfigur zu einem Bereich gehört, der weiterhin in die Regelungskompetenz
         der Mitgliedstaaten fällt. Allerdings ist diese Rechtsfigur ähnlich wie die Verwirkungsregelung in Art. 9 der Richtlinie als
         Einrede ausgestaltet. Art. 7 des Markengesetzes von 1994(52) ermöglicht nämlich dem Anmelder einer jüngeren Marke im Verfahren vor dem Registerführer, früheren Rechten die redliche gleichzeitige
         Benutzung der anzumeldenden Marke entgegenzuhalten(53). Letztlich betrifft diese Regelung ebenfalls die „Durchsetzung“ des Rechts aus der Marke. Dies bedeutet, dass sie einen Regelungsgegenstand
         betrifft, der, wie bereits festgestellt(54), der Harmonisierung unterliegt.
      
      92.      Sofern die Richtlinie 89/104 eine entsprechende nationalrechtliche Ausnahme nicht gestattet, müsste diese als mit der Richtlinie
         nicht vereinbar angesehen werden, zumal der Wortlaut von Art. 4 Abs. 1 eindeutig ist und keine Auslegungsspielräume offenlässt.
         Dieser besagt ausdrücklich, dass eine Marke „von der Eintragung ausgeschlossen ist“ oder „im Falle der Eintragung der Ungültigerklärung
         unterliegt“, wenn sie in Konflikt mit einer älteren Marke oder einem älteren Recht gerät.
      
      93.      Eine systematische Auslegung der Richtlinie liefert gewichtige Anhaltspunkte gegen eine Vereinbarkeit dieser Rechtsfigur mit
         der Richtlinie. Als Argument lässt sich nämlich anführen, dass die Ausnahmen von Art. 4 Abs. 1 abschließend geregelt sind
         und dass keine von ihnen die dem Ausgangsverfahren zugrunde liegende Fallkonstellation erfasst.
      
      94.      So sieht beispielsweise Art. 4 Abs. 5 der Richtlinie vor, dass die Mitgliedstaaten zulassen können, dass in geeigneten Umständen
         die Eintragung nicht versagt oder die Marke nicht für ungültig erklärt wird, wenn der Inhaber der älteren Marke oder des älteren
         Rechts der Eintragung der jüngeren Marke zustimmt. Gleichwohl entspricht die im Ausgangsverfahren gegebene Fallkonstellation
         offenkundig nicht der des Ausgangsfalls. Die Gestattung der Koexistenz zweier identischer Marken auf der Grundlage der oben
         genannten Rechtsfigur geht allein auf eine hoheitliche Entscheidung und nicht etwa auf eine „Zustimmung“ im Sinne einer Willenserklärung
         des Inhabers der älteren Marke zurück, wie sie der Wortlaut dieser Richtlinienbestimmung verlangt. Eine entsprechende hoheitliche
         Entscheidung – wie die des Court of Appeal vom Februar 2000 –  kann daher nicht als Umsetzung dieser Ausnahmeregelung angesehen
         werden. 
      
      95.      Art. 4 Abs. 6 der Richtlinie ist ebenso wenig einschlägig(55), zumal diese Bestimmung lediglich einem Mitgliedstaat für eine Übergangszeit den Fortbestand bestimmter nationalrechtlich
         vorgesehener Eintragungshindernisse und Ungültigkeitsgründe gestattet, die vor dem Zeitpunkt gegolten haben, zu dem die zur
         Durchführung dieser Richtlinie erforderlichen Bestimmungen in Kraft traten. Bei der streitgegenständlichen Rechtsfigur des
         „honest concurrent use“, wie sie in Art. 7 des Markengesetzes von 1994 kodifiziert ist, handelt es sich aber weder um ein
         Eintragungshindernis noch um einen Ungültigkeitsgrund im Sinne von Art. 4 Abs. 6 der Richtlinie, sondern vielmehr um eine
         Einrede, die der Inhaber der jüngeren Marke gegenüber dem nationalen Markenamt geltend machen kann, falls es im Rahmen seiner
         von Amts wegen durchgeführten Prüfung des Antrags auf Eintragung der Marke auf eventuelle Schutzhindernisse verweist, wie
         z.B. das Bestehen einer älteren identischen Marke im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Markengesetzes von 1994, der Umsetzungsbestimmung
         zu Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie. Der sachliche Anwendungsbereich dieser Ausnahme ist somit erst gar nicht eröffnet,
         so dass der Umstand, dass die Anträge von AB und BB auf Eintragung der Marke „Budweiser“ im Geltungszeitraum des Markengesetzes
         1938, d.h. vor Umsetzung der Richtlinie 89/104 in englisches Recht, gestellt wurden, in diesem Zusammenhang als für die vorliegende
         Rechtssache irrelevant anzusehen ist.
      
      96.      Als weiteres systematisches Argument lässt sich schließlich die bereits untersuchte Verwirkungsregelung des Art. 9 anführen,
         die der Richtliniengeber ja gerade im Interesse der Rechtssicherheit geschaffen hat und die insofern im Wesentlichen dasselbe
         bezweckt wie die oben genannte nationalrechtliche Rechtsfigur. Angesichts einer derart klaren Regelung in der Richtlinie erscheint
         es überflüssig, eine weitere Ausnahmeregelung zu suchen, um eine Koexistenz zweier identischer Marken zu legitimieren.
      
      97.      Demnach sieht die Richtlinie 89/104 keine Ausnahmeregelung vor, die in einer Situation wie der des Ausgangsverfahrens eine
         Koexistenz zweier identischer Marken auf der Basis der streitgegenständlichen Rechtsfigur des „honest concurrent use“ gestatten
         würde. Es muss daher von der grundsätzlichen Unvereinbarkeit dieser Rechtsfigur mit dem Unionsrecht ausgegangen werden(56). Eine Koexistenz zweier identischer Marken kann somit nach heute geltendem Unionsrecht grundsätzlich nicht mit dem Argument
         einer eventuellen redlichen gleichzeitigen Benutzung über einen bestimmten Zeitraum hinweg begründet werden.
      
      98.      Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Richtlinie 89/104 keine Ausnahmeregelung vorsieht, die in einer Situation
         wie der des Ausgangsverfahrens eine Koexistenz zweier identischer Marken gestatten würde. Demnach steht Art. 4 Abs. 1 Buchst.
         a der Richtlinie – seine zeitliche Anwendbarkeit auf den Ausgangsfall vorausgesetzt – einer langjährigen redlichen gleichzeitigen
         Benutzung zweier identischer Marken, die identische Waren erfassen, durch zwei unterschiedliche Markeninhaber grundsätzlich
         entgegen.
      
      C –    Weitere relevante Rechtsfragen
      99.      Neben den drei oben genannten Themenkomplexen wirft die vorliegende Rechtssache zwei weitere relevante Rechtsfragen auf. Zum
         einen geht es um die zeitliche Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie im Ausgangsfall, zum anderen um den
         Vorwurf der rechtsmissbräuchlichen Ausübung des in dieser Richtlinienbestimmung verankerten Rechts des Inhabers einer älteren
         Marke darauf, die Ungültigerklärung einer jüngeren identischen Marke zu beantragen.
      
      1.      Zeitliche Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
      a)      Allgemeines
      100. Wie bereits in der Einleitung zu diesen Schlussanträgen dargelegt(57), entzündet sich der Ausgangsrechtsstreit im Wesentlichen an der Frage, ob AB sich auf Art. 4 Abs. 1 Buchst. a bzw. auf die
         entsprechende nationale Umsetzungsbestimmung berufen darf, um die Ungültigerklärung der gleichnamigen eingetragenen Marke
         „Budweiser“ zu fordern. In diesem Zusammenhang erhebt sich – wenngleich sich das nationale Gericht hierzu in der Vorlageentscheidung
         nicht äußert – die Frage der zeitlichen Geltung (Anwendbarkeit ratione temporis) von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 gegenüber dem Ausgangssachverhalt, die meines Erachtens zu verneinen ist.
         Dies werde ich im Folgenden erläutern.
      
      101. Zunächst ist daran zu erinnern, dass der Gerichtshof dem vorlegenden Gericht alle Hinweise zur Auslegung des Unionsrechts
         zu geben hat, die diesem bei der Entscheidung des bei ihm anhängigen Verfahrens von Nutzen sein können, und zwar unabhängig
         davon, worauf dieses Gericht bei der Darlegung seiner Fragen Bezug genommen hat(58). Die Klärung dieser Frage ist in der vorliegenden Rechtssache von besonderer Relevanz, und zwar weil die Rechtsfigur des
         „honest concurrent use“, wie bereits festgestellt, nicht mit Art. 4 Abs. 1 Buchst. a vereinbar ist. Dies würde im Fall der
         zeitlichen Anwendbarkeit dieser Richtlinienbestimmung wiederum bedeuten, dass die Entscheidung des Court of Appeal vom Februar
         2000, eine Koexistenz zweier identischer Marken auf der Grundlage dieser Rechtsfigur zuzulassen, nicht in Einklang mit dem
         Unionsrecht stand. 
      
      102. Mit dieser Gerichtsentscheidung wurde allerdings nur eines der beiden nationalen Verfahren abgeschlossen, die zugleich die
         beiden maßgeblichen Zeiträume für eine eventuelle zeitliche Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104
         darstellen, nämlich zum einen das Verfahren der Eintragung der beiden identischen Marken „Budweiser“, einschließlich der jeweiligen
         Widerspruchsverfahren, zum anderen das Verfahren betreffend die Gültigkeit der zugunsten von BB eingetragenen Marke, das mit
         dem Antrag von AB vom 18. Mai 2005 in Gang gesetzt wurde. Letzteres ist das Verfahren im Rahmen dessen das Vorabentscheidungsersuchen
         ergangen ist und damit auch der für die vorliegende Rechtssache allein relevante Zeitraum. Da allerdings nicht ausgeschlossen
         werden kann, dass eine eventuell fehlende zeitliche Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a im Rahmen des ersten Verfahrens
         Auswirkungen auf das zweite Verfahren hat, ist die zeitliche Anwendbarkeit dieser Richtlinienbestimmung für beide Verfahren
         bzw. Zeiträume der Reihe nach zu prüfen.
      
      b)      Verfahren der Markeneintragung
      i)      Zeitliche Anknüpfungspunkte
      103. Die Beantwortung der Frage der zeitlichen Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 erweist sich als
         durchaus komplex, zumal die maßgeblichen Fakten sich zu einer Zeit abgespielt haben, als diese Bestimmung noch nicht in Kraft
         bzw. noch nicht in nationales Recht umgesetzt worden war. 
      
      104. Die Richtlinie 89/104 selbst ist am 27. Dezember 1988 in Kraft getreten. Gemäß Art. 16 Abs. 1 der Richtlinie mussten die Mitgliedstaaten
         die erforderlichen Umsetzungsvorschriften spätestens bis zum 28. Dezember 1991 erlassen. Der Rat war gemäß Art. 16 Abs. 2
         befugt, diese Frist auf Vorschlag der Kommission bis spätestens zum 31. Dezember 1992 zu verschieben. Das Vereinigte Königreich
         ist dieser Umsetzungspflicht jedenfalls mit Verspätung nachgekommen, und zwar am 31. Oktober 1994 mit Inkrafttreten des Markengesetzes
         1994. 
      
      105. Bei seiner Entscheidung vom Februar 2000 hat der Court of Appeal allerdings nicht das Markengesetz 1994 angewandt, das eigentlich
         zur Umsetzung der Richtlinie 89/104 bestimmt war, sondern allein das Markengesetz 1938, das im maßgeblichen Zeitraum, d.h.
         zum Zeitpunkt der Anmeldungen in den Jahren 1979 und 1989, das zeitlich allein anwendbare Gesetz war. Vor diesem Hintergrund
         stellt sich die Frage, ob der Court of Appeal in Anbetracht der zeitlichen Anwendbarkeit des Markengesetzes 1938 bereits zur
         Anwendung der Richtlinie 89/104 verpflichtet war. Dies setzt wiederum eine rückwirkende Anwendbarkeit der Richtlinie 89/104
         (im Hinblick auf die Anmeldung im Jahr 1979) bzw. eine Anwendbarkeit ab ihrem Inkrafttreten, aber vor ihrer Umsetzung in nationales
         Recht (im Hinblick auf die Anmeldung im Jahr 1989) voraus.
      
      ii)    Keine Rückwirkung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 
      106. Der Gerichtshof geht in seiner Rechtsprechung davon aus, dass materielle Bestimmungen des Unionsrechts wegen der Gewährleistung
         der Grundsätze der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes grundsätzlich so auszulegen sind, dass sie nur für nach ihrem
         Inkrafttreten entstandene Sachverhalte gelten(59). Eine Ausnahme von diesem Grundsatz gilt dann, wenn sich aus dem Wortlaut, der Zielsetzung oder dem Aufbau dieser materiellen
         Bestimmungen eindeutig ergibt, dass sie auch für vor ihrem Inkrafttreten entstandene Sachverhalte gelten(60). In dieser Konstellation treten zwar, anders als in der vorgenannten Konstellation, keine Rechtsfolgen vor Inkrafttreten
         der Bestimmung ein; eine Rückwirkung im eigentlichen Wortsinn liegt somit nicht vor(61). Dennoch sind auch in diesem Zusammenhang die Grundsätze der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes zu berücksichtigen,
         da an einen in der Vergangenheit liegenden und daher nicht mehr zu ändernden Sachverhalt Rechtsfolgen für die Gegenwart oder
         die Zukunft geknüpft werden(62). 
      
      107. Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 lassen sich keine Anhaltspunkte dafür entnehmen, dass er dazu bestimmt war,
         Rechtswirkungen für die Zeit vor seinem Inkrafttreten zu entfalten. Zwar enthält beispielsweise Art. 4 Abs. 6 der Richtlinie
         insofern eine intertemporale Regelung, als er für eine Übergangszeit den Fortbestand bestimmter nationalrechtlich vorgesehener
         Eintragungshindernisse und Ungültigkeitsgründe gestattet, die vor dem Zeitpunkt gegolten haben, zu dem die zur Durchführung
         dieser Richtlinie erforderlichen Bestimmungen in Kraft traten. Gleichwohl ergibt sich eindeutig aus dem Sinn und Zweck dieser
         Regelung, dass ihre Rechtswirkungen allein auf die Zukunft gerichtet sind. Eine rückwirkende Anwendbarkeit von Art. 4 Abs.
         1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 auf den Zeitpunkt der ersten Anmeldung im Jahr 1979 scheidet daher insoweit aus.
      
      iii) Keine Anwendbarkeit ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie
      108. Etwas anderes könnte allerdings im Hinblick auf die Anmeldung der Marke „Budweiser“ durch BB gelten, zumal sie am 28. Juni
         1989 erfolgte, d.h. nachdem die Richtlinie 89/104 in Kraft getreten war. Fraglich ist, ob der Court of Appeal vor dem Hintergrund,
         dass diese Anmeldung bereits während der Umsetzungsfrist der Richtlinie erfolgte, verpflichtet war, zu prüfen, ob eine Koexistenz
         zwischen den beiden identischen Marken, gestützt auf die Rechtsfigur des „honest concurrent use“, aufgrund einer eventuellen
         Unvereinbarkeit mit Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 auszuschließen war.
      
      109. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass den Mitgliedstaaten vor Ablauf der Frist für die Umsetzung einer Richtlinie nicht zur Last
         gelegt werden kann, dass sie die Maßnahmen zu deren Umsetzung in innerstaatliches Recht noch nicht erlassen haben(63). Allerdings sind sie schon während der Umsetzungsfrist an den Regelungsgehalt einer Richtlinie im Sinne einer Vorwirkung
         dergestalt gebunden, dass sie sich nicht so verhalten dürfen, dass Gegenstand und Zweck der Richtlinie insoweit unterlaufen
         werden, als aufgrund des mitgliedstaatlichen Verhaltens ein späteres richtlinienkonformes Verhalten der Mitgliedstaaten ausgeschlossen
         ist. Sie haben den Erlass von Vorschriften zu unterlassen, die geeignet sind, das in der Richtlinie vorgeschriebene Ziel ernstlich
         in Frage zu stellen(64).
      
      110. Was die für die Rechtsanwendung zuständigen Gerichte der Mitgliedstaaten angeht, ist darauf hinzuweisen, dass auch sie als
         Träger öffentlicher Gewalt an diese Unterlassungspflicht gebunden sind, so dass sie nach der Rechtsprechung des Gerichtshofs
         ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens einer Richtlinie so weit wie möglich unterlassen müssen, das innerstaatliche Recht auf
         eine Weise auszulegen, die die Erreichung des mit dieser Richtlinie verfolgten Ziels nach Ablauf der Umsetzungsfrist ernsthaft
         gefährden würde(65).
      
      111. Wie der Gerichtshof mehrfach erklärt hat, findet diese Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung des nationalen Rechts allerdings
         ihre Schranken in den allgemeinen Rechtsgrundsätzen, insbesondere im Grundsatz der Rechtssicherheit, und zwar in dem Sinne,
         dass sie nicht als Grundlage für eine Auslegung contra legem des nationalen Rechts dienen darf(66). 
      
      112. In Anbetracht der Tatsache, dass eine richtlinienkonforme Auslegung des nationalen Rechts letztlich bedeutet hätte, die Rechtsfigur
         des „honest concurrent use“ contra legem unangewandt zu lassen, kann dem Court of Appeal nicht im Nachhinein zur Last gelegt werden, dass er bei seiner Entscheidung
         vom Februar 2000, der er das in den Jahren 1979 und 1989 geltende nationale Recht zugrunde legte, unionsrechtswidrig gehandelt
         hat.
      
      c)      Verfahren betreffend die Gültigkeit der eingetragenen Marke
      113. Schließlich ist zu klären, ob Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 im hier relevanten Verfahren um die Gültigkeit
         der zugunsten von BB eingetragenen Marke zeitlich zur Anwendung kommt. 
      
      114. Meines Erachtens sprechen die Grundsätze der Rechtssicherheit und des Vertrauensschutzes in Anbetracht des weit zurückliegenden
         Sachverhalts dafür, die Koexistenz beider identischer Marken ausnahmsweise zuzulassen und damit die Entscheidung des Court
         of Appeal vom Februar 2000 samt ihrer Rechtswirkungen auch für das Ausgangsverfahren unangetastet zu lassen. Dies würde notwendigerweise
         die Feststellung der zeitlichen Unanwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104 auch im Ausgangsverfahren
         erfordern. Die Voraussetzungen dafür liegen meiner Ansicht nach vor. Ich werde meinen Standpunkt im Folgenden erläutern.
      
      115. Im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens ist der Gerichtshof gehalten, dem vorlegenden Gericht eine sachdienliche Antwort
         auf seine Vorlagefragen zu geben, die möglichst zur Beilegung des Ausgangsrechtsstreits beiträgt. Der Gerichtshof kann nicht
         entscheiden, ohne den Umständen des Ausgangsrechtsstreits, die durch ihre besondere Komplexität gekennzeichnet sind, hinreichend
         Rechnung zu tragen. Er kann insbesondere nicht außer Acht lassen, dass die Situation, in der sich beide Unternehmen heute
         befinden, hauptsächlich auf jene Rechtslage zurückzuführen ist, die im Vereinigten Königreich vor Inkrafttreten der Richtlinie
         bestand und die Koexistenz von identischen Marken zuließ. Eine nachträgliche Anpassung dieser Rechtslage im Sinne der Vorgaben
         des Unionsrechts war auch nach diesem Zeitpunkt nicht möglich, zumal dies für den nationalen Richter bedeutet hätte, sich
         über sein eigenes Recht hinwegzusetzen(67). Ein schrittweiser Übergang in einen unionsrechtskonformen Rechtszustand war nach der Umsetzung der Richtlinie 89/104 in
         nationales Recht auch nicht möglich. Diese Rechtslage hat dazu geführt, dass trotz der Identität der geschäftlich verwendeten
         Wortbezeichnung („Budweiser“) sowie der Konkurrenzsituation im selben Marktsektor beide Unternehmen in einem Zeitraum von
         mehreren Jahrzehnten nebeneinander operiert haben und sich offensichtlich einen gewissen markenrechtlichen Geschäfts- bzw.
         Firmenwert („Goodwill“)(68) erarbeiten konnten, der der jeweiligen Marke einen gewissen Wiedererkennungswert gibt(69). Im Vertrauen auf diese Rechtslage haben beide Unternehmen parallel gewirtschaftet und Marktanteile erobert. Dieses Vertrauen
         würde erschüttert werden, wenn ein Unternehmen rechtlich gezwungen wäre, die Wortbezeichnung, mit der die Kunden einen bestimmten
         Wert assoziieren, endgültig aufzugeben. Gerade dies würde aber geschehen, wenn die zugunsten von BB eingetragene Marke für
         ungültig erklärt würde.
      
      116. Die gegenteilige Auffassung, d.h. die uneingeschränkte Anwendung von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a auf den Ausgangsfall, würde außerdem
         im Ergebnis dazu führen, den zeitlichen Anwendungsbereich der Richtlinie zurück auf das Jahr 1979, als AB die Marke „Budweiser“
         anmeldete, auszudehnen. Indes kann dem Richtliniengeber nicht unterstellt werden, dass er einen Sachverhalt, der sich im Jahr
         1979 abgespielt hat, zeitlich erfassen wollte.
      
      d)      Ergebnis
      117. Nach alledem komme ich zu dem Ergebnis, dass weder eine rückwirkende Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
         89/104 noch eine Anwendbarkeit ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie gerechtfertigt ist. Dementsprechend ist
         von der zeitlichen Unanwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie im Ausgangsfall auszugehen. Die Vorlagefragen
         müssten somit als gegenstandslos angesehen werden.
      
      2.      Zum Vorwurf des Rechtsmissbrauchs
      118. Abschließend gilt es der weiteren Frage nachzugehen, ob die Ausübung des Rechts aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie
         durch AB im Ausgangsfall deshalb als rechtsmissbräuchlich zu bewerten ist, weil sie erst einen Tag vor Ablauf der fünfjährigen
         Duldungsfrist die Ungültigerklärung der zugunsten von BB eingetragenen Marke beantragt hat. Dies wird vom vorlegenden Gericht
         zwar nicht ausdrücklich ausgesprochen, im Rahmen seiner Ausführungen jedoch zumindest angedeutet(70). Hingegen werfen die tschechische und die slowakische Republik AB ausdrücklich Rechtsmissbrauch vor. In diesem Zusammenhang
         ist zu beachten, dass es dem Gerichtshof freisteht, im Interesse einer sachdienlichen Beantwortung des Vorabentscheidungsersuchens
         diejenigen Elemente des Unionsrechts herauszuarbeiten, die unter Berücksichtigung des Gegenstands des Rechtsstreits einer
         Auslegung bedürfen(71). Ich bin der Auffassung, dass gerade in Anbetracht der besonderen Umstände des Ausgangsverfahrens sowie der im Raum stehenden
         Unterstellungen eine Prüfung des Rechtsmissbrauchsvorwurfs angezeigt ist.
      
      119. Das Unionsrecht kennt einen Begriff des Rechtsmissbrauchs(72), der auf die Rechtsprechung des Gerichtshofs zurückgeht(73) und mittlerweile einen verhältnismäßig klar festgelegten Inhalt aufweist(74). Ursprünglich im Bereich der Grundfreiheiten entstanden, hat der Gerichtshof diesen Gedanken auf andere spezifische Bereiche
         des Unionsrechts übertragen und weiterentwickelt. Er lässt sich – stark vereinfacht – im Sinne eines Grundsatzes des Verbots
         missbräuchlicher Praktiken verstehen, demgemäß „die missbräuchliche oder betrügerische Berufung auf Gemeinschaftsvorschriften
         nicht gestattet [ist]“(75). Nach Auffassung des Gerichtshofs setzt der Nachweis eines Missbrauchs zum einen voraus, dass eine Gesamtwürdigung der objektiven
         Umstände des Einzelfalls ergibt, dass trotz formaler Einhaltung der unionsrechtlichen Bedingungen das Ziel der Regelung nicht
         erreicht wurde. Zum anderen setzt er ein subjektives Element voraus, nämlich die Absicht, sich einen unionsrechtlich vorgesehenen
         Vorteil dadurch zu verschaffen, dass die entsprechenden Voraussetzungen willkürlich geschaffen werden(76).
      
      120. Zwar ist es Sache des nationalen Gerichts, festzustellen, ob die Tatbestandsvoraussetzungen einer missbräuchlichen Praxis
         im Ausgangsverfahren erfüllt sind(77). Doch kann der Gerichtshof, wenn er auf Vorlage entscheidet, gegebenenfalls Klarstellungen vornehmen, um dem nationalen Gericht
         eine Richtschnur für seine Auslegung zu geben(78).
      
      121. Das Vorbringen der tschechischen und der slowakischen Regierung ist dahin gehend zu verstehen, dass ihrer Ansicht nach die
         rechtsmissbräuchliche Ausübung des Rechts aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie darin liegen soll, dass AB den Antrag
         auf Ungültigerklärung der zugunsten von BB eingetragenen Marke „Budweiser“ einen Tag vor Ablauf der fünfjährigen Duldungsfrist
         gestellt hat, womit BB die Möglichkeit genommen worden sein soll, sich dagegen zu wehren. Diese Argumentation überzeugt mich
         nicht, beruht sie doch auf der fragwürdigen Grundannahme, dass dem Duldenden aus Rücksicht auf einen Dritten, der im Regelfall
         rechtswidrig eine identische Marke benutzt, verwehrt sein soll, die in Art. 9 Abs. 1 genannte Frist voll auszuschöpfen. Dem
         Berechtigten muss aber das Recht zugestanden werden, die Normen des materiellen Rechts und des Verfahrensrechts zu seinem
         bestmöglichen Vorteil anzuwenden, ohne sich dem Vorwurf des Rechtsmissbrauchs ausgesetzt zu sehen(79).
      
      122. Ungeachtet der bereits eingehend untersuchten Frage, ob eine Koexistenz beider Marken aufgrund des nationalrechtlich anerkannten
         Grundsatzes der redlichen gleichzeitigen Benutzung unionsrechtlich zulässig ist, ist diesem Vorbringen deshalb entgegenzuhalten,
         dass eine zur Fristwahrung notwendigen Handlung grundsätzlich bis zum Ablauf des letzten Tages vorgenommen werden können muss.
         Dies entspricht sowohl den Grundsätzen des Verfahrensrechts der Union(80) und ihrer Mitgliedstaaten(81) als auch den Richtlinienzielen. Das Vertrauen des Inhabers der jüngeren Marke darauf, dass er sie ohne den Widerspruch des
         Inhabers der älteren Marke wird benutzen können, wird nämlich bereits dadurch hinreichend geschützt, dass die Unionsrechtsordnung
         den Eintritt der Verwirkungsrechtsfolge nach Ablauf der fünfjährigen Duldungsfrist vorsieht. Vor Ablauf dieser Frist muss
         sich der Inhaber der jüngeren Marke darauf einstellen, dass der andere jederzeit Gegenmaßnahmen ergreifen wird. Die Festlegung
         einer starren zeitlichen Grenze von fünf Jahren dient, wie bereits dargelegt, der Rechtssicherheit und schützt letztlich beide
         Parteien, indem sie Rechtsfrieden schafft(82). Dem Inhaber der älteren Marke zu verwehren, sein Recht aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie einen Tag vor Ablauf der
         fünfjährigen Duldungsfrist geltend zu machen, würde letztlich darauf hinauslaufen, die Gültigkeit dieser Regelung in Frage
         zu stellen. Eine Aufweichung der starren zeitlichen Grenze aus Gründen der Rücksichtnahme, wie sie die tschechische und die
         slowakische Regierung ersinnen, wäre dem Grundsatz der Rechtssicherheit abträglich und daher nicht im Sinne des Richtliniengebers.
         Infolgedessen muss ihr Vorbringen zurückgewiesen werden.
      
      123. Demnach kann keine rechtsmissbräuchliche Ausübung des Rechts aus Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie darin gesehen werden,
         dass der Antrag von AB auf Ungültigerklärung der jüngeren Marke einen Tag vor Ablauf der fünfjährigen Duldungsfrist gestellt
         worden ist. 
      
      VII – Schlussfolgerungen
      124. Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder eine rückwirkende Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie 89/104
         noch eine Anwendbarkeit dieser Richtlinienbestimmung ab den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie im Ausgangsfall in
         Frage kommt. Somit erübrigt sich eine Beantwortung der einzelnen Vorlagefragen. Die Antwort des Gerichtshofs müsste also wie
         folgt lauten:
      
      –        Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie ist auf einen Sachverhalt wie den des Ausgangsverfahrens zeitlich nicht anwendbar.
      –        Folglich ist in einem Fall wie dem des Ausgangsverfahrens nach nationalem Recht zu beurteilen, ob der Inhaber einer älteren
         Marke auch dann beantragen kann, dass eine Marke von der Eintragung ausgeschlossen oder im Falle der Eintragung für ungültig
         erklärt wird, wenn über lange Zeit hinweg eine redliche gleichzeitige Benutzung dieser Marken für identische Waren erfolgt
         ist. 
      
      125. Für den Fall, dass der Gerichtshof, anders als hier vertreten, von der zeitlichen Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 Buchst.
         a der Richtlinie 89/104 auf einen Sachverhalt wie den des Ausgangsverfahrens ausgehen sollte, müssten die Vorlagefragen wie
         folgt beantwortet werden:
      
      –        Der Begriff „Duldung“ im Sinne von Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie ist ein autonomer Begriff des Unionsrechts, der in allen Mitgliedstaaten
         einheitlich auszulegen ist. Er setzt die rechtliche Möglichkeit für den Inhaber einer älteren Marke voraus, sich der Benutzung
         einer jüngeren eingetragenen Marke zu widersetzen, die wegen ihrer Identität oder Ähnlichkeit mit der älteren Marke und der
         Identität oder Ähnlichkeit der durch die beiden Marken erfassten Waren oder Dienstleistungen für das Publikum die Gefahr von
         Verwechslungen birgt. 
      
      –        Der Inhaber einer älteren Marke muss diese nicht eintragen lassen, bevor seine „Duldung“ der Benutzung einer jüngeren Marke
         in diesem Mitgliedstaat durch einen Dritten beginnen kann. Die in Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie vorgesehene Duldungsfrist beginnt
         ab dem Zeitpunkt zu laufen, zu dem der Inhaber der älteren Marke Kenntnis von der Benutzung einer jüngeren eingetragenen Marke
         in diesem Mitgliedstaat erlangt. Die Duldungsfrist kann somit frühestens ab dem Zeitpunkt der Eintragung beginnen, sofern
         die jüngere Marke ab diesem Zeitpunkt benutzt wird und der Inhaber Kenntnis davon hat. Die Duldungsfrist kann zu laufen beginnen
         und eventuell auch enden, bevor der Inhaber der älteren Marke die Eintragung dieser Marke erwirkt hat.
      
      –        Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Richtlinie steht einer langjährigen redlichen gleichzeitigen Benutzung zweier identischer Marken,
         die identische Waren erfassen, durch zwei unterschiedliche Markeninhaber grundsätzlich entgegen.
      
      VIII – Ergebnis
      126. In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen schlage ich dem Gerichtshof vor, das Vorabentscheidungsersuchen des Court of Appeal
         (England & Wales) wie folgt zu beantworten: 
      
      1.         Art. 4 Abs. 1 Buchst. a der Ersten Richtlinie 89/104/EWG des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechtsvorschriften
         der Mitgliedstaaten über die Marken ist auf einen Sachverhalt wie den des Ausgangsverfahrens zeitlich nicht anwendbar.
      
      2.         Folglich ist in einem Fall wie dem des Ausgangsverfahrens nach nationalem Recht zu beurteilen, ob der Inhaber einer älteren
         Marke auch dann beantragen kann, dass eine Marke von der Eintragung ausgeschlossen oder im Falle der Eintragung für ungültig
         erklärt wird, wenn über lange Zeit hinweg eine redliche gleichzeitige Benutzung dieser Marken für identische Waren erfolgt
         ist.
      
      1 –	Originalsprache der Schlussanträge: Deutsch
      
      	Verfahrenssprache: Englisch	
      2 –	Das Vorabentscheidungsverfahren ist gemäß dem Vertrag von Lissabon zur Änderung des Vertrags über die Europäische Union
         und des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft vom 13. Dezember 2007 (ABl. C 306, S. 1) nunmehr in Art. 267 des
         Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union geregelt.
      
      3 –	ABl. L 40, S. 1.
      
      4 –	In Anlehnung an die im EUV und im AEUV verwendeten Bezeichnungen wird der Begriff „Unionsrecht“ als Gesamtbegriff für Gemeinschaftsrecht
         und Unionsrecht verwendet. Soweit es im Folgenden auf einzelne primärrechtliche Bestimmungen ankommt, werden die ratione temporis geltenden Vorschriften angeführt.
      
      5 –	ABl. L 299, S. 25.	
      
      6 –	Ihre Vorgängerbestimmung befindet sich in Art. 12 Abs. 2 des Markengesetzes von 1938, mit der sie inhaltlich im Wesentlichen
         identisch ist.
      
      7 –	In diesem Sinne Knaak, R., Gemeinschaftsmarke und Recht der EU-Mitgliedstaaten (hrsg. von Eva-Marina Bastian/Roland Knaak/Gerhard Schricker), München 2006, S. 71; v. Mühlendahl, A., „Territorialität und
         Einheitlichkeit im europäischen Markenrecht“, Perspektiven des geistigen Eigentums und Wettbewerbsrechts – Festschrift für Gerhard Schricker zum 70. Geburtstag, München 2005, S. 853.
      
      8 –	Verordnung (EG) Nr. 40/94 des Rates vom 20. Dezember 1993 über die Gemeinschaftsmarke (ABl. L 11, S. 1).
      
      9 –	Gemäß dem Grundsatz der Territorialität im Markenrecht sind die Rechtswirkungen einer Marke auf das Gebiet des jeweiligen
         Schutzstaates beschränkt. Der Markenschutz richtet sich in jedem Staat nach dessen nationaler Rechtsordnung (vgl. Fezer, K.-H.,
         Markenrecht, 4. Aufl., München 2009, Erster Teil, F. I 1, Randnr. 1; Kaiser, G., Strafrechtliche Nebengesetze [hrsg. von Georg Erbs/Max Kohlhaas/Friedrich Ambs], 178. Ergänzungslieferung, München 2010, Markengesetz, Vorbemerkungen,
         Randnr. 18).
      
      10 –	In diesem Sinne Novak, M., „Rechtsprechung der Europäischen Gerichtshöfe zum Markenrecht“, Europäische Zeitschrift für Wirtschaftsrecht, 2001, S. 613.
      
      11 –	Vgl. u.a. Urteile vom 21. Oktober 2010, SGAE (C-467/08, Slg. 2010, I-0000, Randnr. 32), vom 16. Juli 2009, Hadadi (C-168/08,
         Slg. 2009, I-6871, Randnr. 38), vom 2. April 2009, A (C-523/07, Slg. 2009, I-2805, Randnr. 34), vom 18. Dezember 2007, Société
         Pipeline Méditerranée et Rhône (C-314/06, Slg. 2007, I-12273, Randnr. 21), vom 27. Januar 2005, Junk (C-188/03, Slg. 2005,
         I-885, Randnr. 29), vom 12. Oktober 2004, Kommission/Portugal (C-55/02, Slg. 2004, I-9387, Randnr. 45), vom 22. Mai 2003,
         Kommission/Deutschland (C-103/01, Slg. 2003, I-5369, Randnr. 33), vom 19. September 2000, Linster (C-287/98, Slg. 2000, I-6917,
         Randnr. 43), vom 2. April 1998, EMU Tabac u. a. (C-296/95, Slg. 1998, I-1605, Randnr. 30), und vom 18. Januar 1984, Ekro (327/82,
         Slg. 1984, 107, Randnr. 14).
      
      12 –	Als Beispiel für eine Verweisung auf die Terminologie des nationalen Rechts lässt sich die Erste Richtlinie 68/151/EWG
         des Rates vom 9. März 1968 zur Koordinierung der Schutzbestimmungen, die in den Mitgliedstaaten den Gesellschaften im Sinne
         des Artikels 58 Absatz 2 des Vertrags im Interesse der Gesellschafter sowie Dritter vorgeschrieben sind, um diese Bestimmungen
         gleichwertig zu gestalten, anführen (ABl. L 65, S. 8). Diese Richtlinie sieht weder einen einheitlichen Begriff der Aktiengesellschaften
         noch der Gesellschaft mit beschränkter Haftung vor. Sie schreibt nicht vor, was eine solche Gesellschaft zu sein hat, sondern
         beschränkt sich darauf, Vorschriften vorzusehen, die auf bestimmte Arten von Gesellschaften anzuwenden sind, die vom Gesetzgeber
         der Union als Aktiengesellschaften oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung identifiziert wurden (vgl. Urteil vom 21.
         Oktober 2010, Idryma Typou, C-81/09, Slg. 2010, I-0000, Randnrn. 40 und 41, sowie meine Schlussanträge vom 2. Juni 2010 in
         derselben Rechtssache, Nrn. 42 und 43). Als weiteres Beispiel lässt sich der Begriff „Arbeitnehmer“ in Art. 2 Abs. 2 der Richtlinie
         80/987/EWG des Rates vom 20. Oktober 1980 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Schutz der Arbeitnehmer
         bei Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers (ABl. L 283, S. 23) anführen. Die Bestimmung dieses Begriffs und die Festlegung seines
         Inhalts obliegt dem nationalen Recht (vgl. Urteil vom 12. Dezember 2002, Rodríguez Caballero, C-442/00, Slg. 2002, I-11915,
         Randnr. 27, sowie meine Schlussanträge vom 2. April 2009 in der Rechtssache Visciano, C-69/08, Urteil vom 16. Juli 2009, Slg.
         2009, I-6741, Nr. 63).
      
      13 –	Vgl. Meyer, A., „Das deutsche und französische Markenrecht nach der Umsetzung der Ersten Markenrichtlinie (RL 89/104/EWG)“,
         Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, Internationaler Teil, 1996, S. 592, der darauf hinweist, dass die mitgliedstaatlichen Markengesetze richtlinienkonform auszulegen seien. Die Markenrichtlinie
         verwende eine autonome Terminologie, ohne auf die vorhandenen einzelstaatlichen Rechtsordnungen zu verweisen. Rechtsbegriffe,
         die bisher von den nationalen Rechtsanwendungsorganen eigenständig ausgelegt werden konnten, seien gemeinschaftsrechtlicher
         Natur und besäßen einen spezifisch europarechtlichen Gehalt.
      
      14 –	Urteile vom 16. Juli 1998, Silhouette International Schmied (C-355/96, Slg. 1998, I-4799, Randnr. 23), und vom 11. März
         2003, Ansul (C-40/01, Slg. 2003, I-2439, Randnr. 27).
      
      15 –	Siehe Nr. 51 dieser Schlussanträge.
      
      16 –	So offenbar auch Novak, M., a.a.O. (Fn. 10), S. 613.
      
      17 –	Vgl. Neu, C., „Die Verwirkung im Wettbewerbs- und Warenzeichenrecht“, Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, 1987, S. 683.
      
      18 –	Vgl. Urteil vom 7. Januar 2004, Gerolsteiner Brunnen (C-100/02, Slg. 2004, I-691, Randnr. 17).
      
      19 –	Urteile Silhouette International Schmied (oben in Fn. 14 angeführt, Randnrn. 25 und 29), vom 20. November 2001, Zino Davidoff
         und Levi Strauss (C-414/99, C-415/99 und C-416/99, Slg. 2001, I-8691, Randnr. 39), vom 30. November 2004, Peak Holding (C-16/03,
         Slg. 2004, I-11313, Randnr. 30), vom 23. April 2009, Copad (C-59/08, Slg. 2009, I-3421, Randnr. 40), und vom 15. Oktober 2009,
         Makro Zelfbedieningsgroothandel u.a. (C-324/08, Slg. 2009, I-10019, Randnrn. 20 und 21).
      
      20 –	So auch Stuckel, M., Kommentar zum Markenrecht, 2. Aufl., Frankfurt am Main 2007, § 21, S. 468, Randnr. 14, der darauf aufmerksam macht, dass Art. 9 Abs. 1 der Richtlinie
         89/104 eine umfassende Harmonisierung der Verwirkung der Rechte einer prioritätsälteren Marke im Hinblick auf die Duldung
         der Benutzung einer prioritätsjüngeren Marke, soweit Rechte aus Art. 4 Abs. 1 berührt seien, bezwecke. Nach Ansicht des Autors
         ist nicht ersichtlich, warum insoweit etwas anderes gelten solle als zu Art. 5 der Richtlinie, der die „Rechte aus der Marke“
         betrifft, und Art. 7 der Richtlinie, der die „Erschöpfung des Rechts aus der Marke“ regelt.
      
      21 –	Haft, K./Jonas, K.-U./Nack, R./Schulte, C./Schweyer, S., „Duldung (Tolerierung) der Verletzung von Rechten des geistigen
         Eigentums“, Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, Internationaler Teil, 2006, S. 793.
      
      22 –	Urteil vom 27. April 2006, Levi Strauss (C-145/05, Slg. 2006, I-3703, Randnr. 29).	
      
      23 –	Stuckel, M., a.a.O. (Fn. 20), S. 464, Randnr. 1, unterstreicht die Bedeutung, die der Einwand der Verwirkung bei der Schaffung
         von Rechtssicherheit spielt.
      
      24 –	Siehe Nrn. 66 bis 87 dieser Schlussanträge.
      
      25 –	Urteile vom 5. September 2005, BioID/HABM (C-37/03 P, Slg. 2005, I-7975, Randnr. 27), vom 20. März 2003, LTJ Diffusion
         (C-291/00, Slg. 2003, I-2799, Randnr. 44),	und vom 29. September 1998, Canon (C-39/97, Slg. 1998, I-5507, Randnr. 28).
      
      26 –	Die einer Marke innewohnenden, wesenseigenen oder ihr zugeschriebenen Funktionen sind vielfältig. Dazu zählen gemäß dem
         markenrechtlichen Schrifttum u.a. die Codierungsfunktion, die Garantiefunktion, die Herkunftsfunktion, die Identifizierungs-
         und Individualisierungsfunktion, die Informations- und Kommunikationsfunktion, die Monopolisierungsfunktion, die Namensfunktion,
         die Qualitätsfunktion, die Unterscheidungsfunktion, die Vertrauensfunktion, die Vertriebsfunktion und die Werbefunktion, ohne
         dass den einzelnen Funktionen immer auch rechtliche Relevanz zugesprochen würde (vgl. Marx, C., Deutsches, europäisches und internationales Markenrecht, 2. Aufl., Köln 2007, S. 23, Randnr. 64; Fezer, K.-H., Markenrecht, 2. Aufl., Einleitung, S. 68, Randnr. 30; Phillips, J., Trade Mark Law – A Practical Anatomy, Oxford 2003, S. 23 f.; Torremans, P./Holyoak, J., Intellectual Property Law, 2. Aufl., London 1998, S. 347;  Kucsko, G., Geistiges Eigentum, Wien 2003, Randnr. 37; Novak, M., a.a.O., Fn. 10, S. 614). Nach Auffassung des Gerichtshofs bestehen neben der Hauptfunktion
         der Marke – die Gewährleistung der Herkunft der Ware oder Dienstleistung gegenüber den Verbrauchern – auch andere Funktionen
         wie u. a. die Gewährleistung der Qualität dieser Ware oder Dienstleistung oder die Kommunikations-, Investitions- oder Werbefunktionen
         (vgl. Urteil vom 18. Juni 2009, L’Oréal u.a. (C-487/07, Slg. 2009, I-5185, Randnr. 58).
      
      27 –	Vgl. u.a. Urteile vom 17. Oktober 1990, HAG II (C-10/89, Slg. 1990, I-3711, Randnr. 13), vom 22. Juni 1994, IHT Internationale
         Heiztechnik und Danziger (C-9/93, Slg. 1994, I-2789, Randnrn. 37 und 45), vom 11. Juli 1996, Bristol-Myers Squibb u.a. (C-427/93,
         C-429/93 und C-436/93, Slg. 1996, I-3457, Randnr. 43), vom 11. Juli 1996, MPA Pharma (C-232/94, Slg. 1996, I-3671, Randnr.
         16), vom 11. Juli 1996, Eurim-Pharm Arzneimittel (C-71/94 bis C-73/94, Slg. 1996, I-3603, Randnr. 30), vom 11. November 1997,
         Loendersloot (C-349/95, Slg. 1997, I-6227, Randnr. 22), Canon (oben in Fn. 25 angeführt, Randnr. 28), vom 23. Februar 1999,
         BMW (C-63/97, Slg. 1999, I-905, Randnr. 52), vom 4. Oktober 2001, Merz & Krell (C-517/99, Slg. 2001, I-6959, Randnr. 21),
         vom 12. November 2002, Arsenal Football Club (C-206/01, Slg. 2002, I-10273, Randnr. 47), Gerolsteiner Brunnen (oben in Fn.
         18 angeführt, Randnr. 17) und vom 17. März 2005, Gillette Company (C-228/03, Slg. 2005, I-2337, Randnr. 25).
      
      28 –	Vgl. Urteile vom 23. Mai 1978, Hoffmann-La Roche (102/ 77, Slg. 1978, 1139, Randnr. 7), HAG (oben in Fn. 27 angeführt,
         Randnr. 14), Bristol-Myers Squibb u.a. (oben in Fn. 27 angeführt, Randnr. 44) und Loendersloot (oben in Fn. 27 angeführt,
         Randnr. 22).
      
      29 –	Das Eigentumsrecht, unter das das Recht des geistigen Eigentums fällt, ist gemäß der Rechtsprechung des Gerichtshofs ein
         Grundrecht, das als allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts in der Gemeinschaftsrechtsordnung geschützt ist (vgl. in
         diesem Sinne Urteile vom 12. September 2006, Laserdisken, C-479/04, Slg. 2006, I-8089, Randnr. 65, und vom 29. Januar 2008,
         Promusicae, C-275/06, Slg. 2008, I-271, Randnr. 62). Ferner schreibt Art. 17 Abs. 2 der Grundrechtecharta, die Ausdruck der
         Selbstverpflichtung der Union zur Wahrung der Grundrechte ist und mit Inkrafttreten des Änderungsvertrags von Lissabon primärrechtlichen
         Status erlangt hat, den Schutz geistigen Eigentums vor. Vgl. ferner meine Schlussanträge vom 11. Mai 2010, SGAE (Urteil oben
         in Fn. 11 angeführt, Nr. 80). 
      
      30 –	So auch Stuckel, M., a.a.O. (Fn. 20), S. 466, Randnr. 9.
      
      31 –	Siehe Randnr. 41 der Vorlageentscheidung.	
      
      32 –	In diesem Sinne Ehlers, D., Allgemeines Verwaltungsrecht (hrsg. von Hans-Uwe Erichsen u.a.), § 2 I 6, S. 59, Randnr. 14. Generalanwalt Léger ist in seinen Schlussanträgen vom 28.
         September 2004, Schulte (C-350/03, Urteil vom 25. Oktober 2005, Slg. 2005, I-9215, Nrn. 84 f.) gewissermaßen von einem Vorrang
         der Wortlautauslegung ausgegangen, als er erklärt hat, dass die finalistische Auslegung nur dann angewendet werde, wenn verschiedene
         Auslegungen der fraglichen Vorschrift möglich seien bzw. wenn die fragliche Vorschrift allein anhand ihres Wortlauts, etwa
         wegen ihrer Mehrdeutigkeit, nur schwer auszulegen sei. 
      
      33 –	In diesem Sinne Pechstein, M./Drechsler, C., „Die Auslegung und Fortbildung des Primärrechts“, in: Europäische Methodenlehre (hrsg. von Karl Riesenhuber), Berlin 2006, S. 167, Randnr. 18.
      
      34 –	Gab es im Jahr 1952 noch vier Amtssprachen, waren es im Jahr 1973 sechs, im Jahr 1981 sieben, im Jahr 1986 neun und im
         Jahr 1995 elf Amtssprachen. Diese Zahl stieg dann auf zwanzig im Jahr 2004, einundzwanzig im Jahr 2005 und schließlich auf
         dreiundzwanzwig im Jahr 2007 (vgl. Gaudissart, M.-A., „Le régime et la pratique linguistiques de la Cour de Justice des Communautés
         européennes“, Langues et construction européenne, Brüssel 2010, S. 146).
      
      35 –	Baldus, C./Vogel, F., „Gedanken zu einer europäischen Auslegungslehre: grammatikalisches und historisches Element“, Fiat iustitia – Recht als Aufgabe der Vernunft, Festschrift für Peter Krause zum 70. Geburtstag, Berlin 2006, S. 247 f., bestreiten nicht, dass die Wortlautinterpretation Ausgangspunkt der Auslegung jeder gemeinschaftsrechtlichen
         Norm ist. Sie verweisen jedoch auf die Schwierigkeit, angesichts der sprachlichen Vielfalt innerhalb der Gemeinschaft eine
         verlässliche Auslegung zu finden, was einen Rückgriff auf andere Auslegungsmethoden wie die teleologische und die historische
         Auslegung notwendig mache.
      
      36 –	Urteil vom 9. September 2003, Kik (C-361/01 P, Slg. 2003, I-8283, Randnr. 87). Vgl. zur Sprachregelung in der Europäischen
         Union Sibony, A.-L./De Sadeleer N., „La traduction en droit positif : les régimes linguistiques en droit communautaire“, Traduction et droits européens: hommage au recteur Michel Van de Kerchove, 2009, S. 78.
      
      37 –	Nach der ständigen Rechtsprechung des Gerichtshofs verbietet es die Notwendigkeit einer einheitlichen Auslegung des Gemeinschaftsrechts
         nämlich, im Fall von Zweifeln die Fassung einer Bestimmung für sich allein zu betrachten. Vielmehr zwingt sie nach Auffassung
         des Gerichtshofs dazu, sie unter Berücksichtigung ihrer Fassungen in den anderen Amtssprachen auszulegen (vgl. insbesondere
         Urteil vom 12. Juli 1979, Koschniske 9/79, Slg. 1979, 2717, Randnr. 6). Des Weiteren hat der Gerichtshof erklärt, dass grundsätzlich
         allen Sprachfassungen der gleiche Wert beizumessen ist, der nicht je nach Größe der Bevölkerung der Mitgliedstaaten, die die
         betreffende Sprache gebraucht, schwanken kann (vgl. Urteil EMU Tabac u.a., oben in Fn. 11 angeführt, Randnr. 36). 
      
      38 –	Mit Ausnahme des Slowenischen, das in der Präambel den Ausdruck „dopuščal“, in Art. 9 aber „privolitve“ bzw. „privolil“
         verwendet. Vgl. im Übrigen die deutsche („geduldet“/„Duldung“), die französische („toléré“/„tolérance“), die spanische („tolerado“/„tolerancia“),
         die portugiesische („tolerado“/„tolerância“), die italienische („tollerato“/„tolleranza“) sowie die niederländische („gedoogt“/„gedogen“)
         Sprachfassung. 
      
      39 –	Nach Auffassung von Stuckel, M., a.a.O. (Fn. 20), S. 464, Randnr. 6, ist eine „Duldung“ im Sinne von Art. 9 der Richtlinie
         89/104 dann anzunehmen, wenn der Inhaber des prioritätsälteren Kennzeichens untätig bleibt und keine Maßnahmen gegen den Verletzer
         ergreift.
      
      40 –	Siehe die Überschrift zu Art. 9 in der dänischen („Rettighedsfortabelse på grund af passivitet“) und der schwedischen („Begränsningar
         till följd av passivitet“) Sprachfassung.
      
      41 –	In diesem Sinne Fernández-Nóvoa, C., „Die Verwirkung durch Duldung im System der Gemeinschaftsmarke“, Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, Internationaler Teil, 1996, S. 443.
      
      42 –	Urteil Zino Davidoff und Levi Strauss (oben in Fn. 19 angeführt, Randnr. 45).
      
      43 –	Siehe Nr. 60 dieser Schlussanträge. Vgl. Palandt/Heinrichs, H., Bürgerliches Gesetzbuch, 64. Aufl., München 2005, §242 BGB, S. 257, Randnr. 93), der ebenfalls davon ausgeht, dass der Berechtigte die Möglichkeit
         gehabt haben soll, das Recht geltend zu machen. Ähnlich auch Ingerl/Rohnke, Markengesetz, 3. Aufl., München 2010, Randnr. 11, nach deren Ansicht Duldung nur vorliegen kann, wenn dem Berechtigten ein Vorgehen gegen
         den Verletzer rechtlich überhaupt möglich war.
      
      44 –	Diese römischrechtliche Maxime ist in den Digesten 50, 17, 185 wiedergegeben.
      
      45 –	Andererseits – und im Gegensatz zum Fall der Verjährung – setzt die Verwirkung durch Duldung ein bestimmtes Verhalten des
         Begünstigten voraus. Der Inhaber der jüngeren Marke muss nämlich die Marke genau in dem Zeitraum ernsthaft benutzt haben,
         in dem der Inhaber der älteren Marke bewusst untätig geblieben ist. Zu diesen Unterschieden kommt noch ein weiterer und besonders
         deutlicher Aspekt; die Verjährung bewirkt einen endgültigen Ausschluss der Rechte mit der Folge, dass die Stellung des Inhabers
         der jüngeren Marke mit Wirkung erga omnes unanfechtbar wird. Demgegenüber bewirkt die Verwirkung durch Duldung keine Unanfechtbarkeit erga omnes, sondern nur den Ausschluss der Ansprüche gegen den Inhaber der älteren Marke, der die Benutzung der jüngeren Marke bewusst
         toleriert hat (vgl. dazu Fernández-Nóvoa, C., a.a.O., Fn. 41, S. 443).
      
      46 –	So auch Knaak, R., a.a.O. (Fn. 7), S. 72, der darauf hinweist, dass im Markenrecht durch die Markenrichtlinie nur ein Teil
         des materiellen Markenrechts harmonisiert worden sei, und zwar der Schutz der eingetragenen Marken.
      
      47 –	Urteil vom 11. Juni 2009, Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli (C-529/07, Slg. 2009, I-4893, Randnr. 39).
      
      48 –	Vgl. Ingerl/Rohnke, a.a.O. (Fn. 43), Randnr. 10, die ebenfalls der Auffassung sind, dass es auf die positive Kenntnis des
         Berechtigten ankommen sollte. Kennenmüssen oder bloße (auch grob) fahrlässige Unkenntnis genügt ihrer Meinung nach nicht.
         In diesem Sinne auch Nordemann, W., Wettbewerbs- und Markenrecht, 9. Aufl., Baden-Baden 2003, S. 400, Randnr. 2413.
      
      49 –	Morcom, C./Roughton, A./Graham, J./Malynicz, S., The Modern Law of Trade Marks, 2. Aufl., Suffolk 2005, S. 221, Randnr. 6.87, weisen darauf hin, dass Art. 7 des Markengesetzes 1994 lediglich verfahrensrechtlichen
         Charakter habe und das materielle Recht unberührt lasse.
      
      50 –	In der Regel wird im Schrifttum auf die Rechtssache Hammerhill Paper Co’s Opposition to Application for Registration by Alex Pirie, (1933) 50 RPC 147, Bezug genommen. In jener Rechtssache hat Lord Tomlin die Kriterien festgelegt, um zu beurteilen, ob eine
         redliche gleichzeitige Benutzung zweier identischer Marken vorliegt. Diese Kriterien sind folgende: 1) die Dauer und Tragweite
         der Benutzung sowie der fragliche Geschäftsbereich, 2) der Grad der Verwechslungsgefahr, die aus der Ähnlichkeit der Marken
         herrühren kann, 3) die Redlichkeit bei der gleichzeitigen Benutzung, 4) der Nachweis eines Falls von Verwechslung, 5) die
         Verwechslung, die entstehen würde, wenn die Marke eingetragen worden wäre.
      
      51 –	Siehe Nr. 52 dieser Schlussanträge.
      
      52 –	Vgl. die inhaltlich im Wesentlichen gleiche Vorgängervorschrift in Art. 12 Abs. 2 des Markengesetzes von 1938.
      
      53 –	Vgl. die Erläuterungen von Pfeiffer, T., „Markenanmeldung in Großbritannien – Ein praktischer Leitfaden“, Wettbewerb in Recht und Praxis, 2000, S. 1386 und Mountstephens, A./Ohly, A., Gemeinschaftsmarke und Recht der EU-Mitgliedstaaten a.a.O. (Fn. 7), S. 634; Schumann, H.-J., Der Schutz von Unternehmenskennzeichen und Wortmarken in England und Deutschland, 2000, S. 195.
      
      54 –	Siehe Nr. 56 dieser Schlussanträge.
      
      55 –	In diesem Sinne Annand, R./Norman, H., Blackstone’s Guide to the Trade Marks Act 1994, London 1994, S. 110.
      
      56 –	So auch ein großer Teil des englischsprachigen Schrifttums. Torremans, P./Holyoak, J., a.a.O. (Fn. 26), S. 367, weisen
         darauf hin, dass die Richtlinie 89/104 keine derartige Ausnahme vorsehe. Die Autoren stellen sogar einen Widerspruch zwischen
         den gemeinschaftsrechtlichen und den nationalen Regelungen fest. Angesichts dieses Befunds sind sie der Meinung, dass „es
         keinen Grund für den Inhaber einer älteren Marke gebe, dessen Interessen infolge der Eintragung der jüngeren Marke beeinträchtigt
         würden, nicht in das erste Flugzeug nach Luxemburg einzusteigen und vom Gerichtshof [der Europäischen Union] die Streichung
         von Art. 7 des Markengesetzes von 1994 aus Gründen der völligen Unvereinbarkeit mit der Richtlinie, deren Umsetzung diese
         nationale Bestimmung angeblich bezweckt, zu verlangen“. Morcom, C./Roughton, A./Graham, J./Malynicz, S., a.a.O. (Fn. 49),
         S. 174, Randnr. 6.79, und Smith, E., „The approach of the UK-IPO to co-ownership of registered trade marks: nanny leaves the
         Registry, but not completely“, Trade Mark Law and Sharing Names – Exploring Use of the Same Mark by Multiple Undertakings (hrsg. von Llana Simon Fhina), Cheltenham 2009, S. 74, weisen lediglich darauf hin, dass eine derartige Ausnahme nicht in
         der Richtlinie zu finden sei. Kitchin, D., Kerly's law of trade marks and trade names, 14. Aufl., London 2005, S. 275, Randnrn. 9-150 und 9-153, erklären, dass Art. 7 des Markengesetzes, der die Rechtsfigur
         des „honest concurrent use“ kodifiziert, keine Grundlage in der Richtlinie 89/104 finde. Ferner weisen sie darauf hin, dass
         ihre Aufnahme in den Gesetzestext ursprünglich auf den Widerstand der Regierung des Vereinigten Königreichs getroffen sei,
         da Letztere Zweifel hinsichtlich der Vereinbarkeit dieser Rechtsfigur mit den zwingenden Bestimmungen des Art. 4 der Richtlinie
         gehabt habe. Die Autoren halten selbst Art. 7 des Markengesetzes für mit der zwingenden Aussage von Art. 4 der Richtlinie
         89/104 schwer vereinbar. Nach Auffassung von Annand, R./Norman, H., a.a.O. (Fn. 55), S. 110 f., widerspricht Art. 7 des Markengesetzes
         von 1994 dem zwingenden Wortlaut von Art. 4 der Richtlinie, der ausdrücklich besage, dass eine Marke „von der Eintragung ausgeschlossen
         ist“, wenn sie in Konflikt mit einer älteren Marke oder einem älteren Recht gerate. Vgl. ferner Schumann, H.-J., Der Schutz von Unternehmenskennzeichen und Wortmarken in England und Deutschland, 2000, S. 46, 47, 195, der das Konzept von „honest concurrent use“ ebenfalls für mit der Richtlinie unvereinbar hält, da
         Letztere eine solche Ausnahme nicht vorsehe. Vielmehr sei durch Art. 4, der die gleichen relativen Hinderungsgründe wie Art.
         5 vorsieht, den Mitgliedstaaten kein Spielraum für die Schaffung einer solchen Regelung gelassen. In dieser Hinsicht stehe
         das Markengesetz von 1994 in Widerspruch zur Richtlinie, so dass ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das Vereinigte Königreich
         eingeleitet werden könne.
      
      57 –	Siehe Nr. 3 dieser Schlussanträge.	
      
      58 –	Vgl. Urteile vom 12. Dezember 1990, SARPP (C-241/89, Slg. 1990, I-4695, Randnr. 8), vom 2. Februar 1994, Verband Sozialer
         Wettbewerb, „Clinique“ (C-315/92, Slg. 1994, I-317, Randnr. 7), vom 4. März 1999, Consorzio per la tutela del formaggio Gorgonzola
         (C-87/97, Slg. 1999, I-1301, Randnr. 16), vom 7. September 2004, Trojani (C-456/02, Slg. 2004, I-7573, Randnr. 38), und vom
         17. Februar 2005, Oulane (C-215/03, Slg. 2005, I-1215, Randnr. 47).
      
      59 –	Urteile vom 12. November 1981, Meridionale Industria Salumi u. a. (212/80 bis 217/80, Slg. 1981, 2735, Randnrn. 9 f.),
         vom 15. Juli 1993, GruSa Fleisch (C-34/92, Slg. 1993, I-4147, Randnr. 22), vom 24. September 2002, Falck und Acciaierie di
         Bolzano/Kommission (C-74/00 P und C-75/00 P, Slg. 2002, I-7869, Randnr. 119), und vom 9. März 2006, Beemsterboer Coldstore
         Services (C-293/04, Slg. 2006, I-2263, Randnr. 21). 
      
      60 –	Oben in Fn. 59 angeführte Urteile Meridionale Industria Salumi u. a. (Randnrn. 9 f.), GruSa Fleisch (Randnr. 22), Falck
         und Acciaierie di Bolzano/Kommission (Randnr. 119) und Beemsterboer Coldstore Services (Randnr. 21). 
      
      61 –	Urteil vom 14. Januar 1987, Kommission/Deutschland (278/84, Slg. 1987, 1, Randnr. 35). Vgl. Berger, T., Zulässigkeitsgrenzen der Rückwirkung von Gesetzen, Peter Lang 2002, S. 180 und 196 ff., der darauf hinweist, dass der Gerichtshof normstrukturelle Elemente berücksichtige,
         indem er auch auf den zeitlichen Anwendungsbereich der jeweils betroffenen Norm abstelle. Maßgebliches Rückwirkungskriterium
         sei der Beginn der Geltungsdauer einer Regelung in Beziehung zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung. 
      
      62 –	Oben in Fn. 59 angeführte Urteile Meridionale Industria Salumi u. a. (Randnrn. 9 f.), GruSa Fleisch (Randnr. 22), Falck
         und Acciaierie di Bolzano/Kommission (Randnr. 119) und Beemsterboer Coldstore Services (Randnr. 21).
      
      63 –	Vgl. Urteile vom 18. Dezember 1997, Inter-Environnement Wallonie (C-129/96, Slg. 1997, I-7411, Randnr. 43), und vom 4.
         Juli 2006, Adeneler u. a. (C-212/04, Slg. 2006, I-6057, Randnr. 114).
      
      64 –	Vgl. Kahl, W., in: EUV/EGV Kommentar (hrsg. von Christian Calliess/Matthias Ruffert), 3. Aufl., München 2007, S. 459, Randnr. 63. Vgl. Urteile Inter-Environnement
         Wallonie (oben in Fn. 63 angeführt, Randnr. 45) und vom 22. Februar 2005, Mangold (C-144/04, Slg. 2005, I-9981, Randnr. 67).
      
      65 –	Urteile vom 14. Januar 2010, Plus Warenhandelsgesellschaft (C-304/08, Slg. 2010, I-0000, Randnr. 29), vom 23. April 2009,
         VTB-VAB und Galatea (C-261/07 und C-299/07, Slg. 2009, I-2949, Randnr. 39), und Adeneler u. a. (oben in Fn. 63 angeführt,
         Randnrn. 122 und 123). Vgl. zuletzt Nr. 34 der Schlussanträge von Generalanwalt Mengozzi vom 17. November 2010 in der noch
         anhängigen Rechtssache Defossez (C-477/09).
      
      66 –	Vgl. in diesem Sinne Urteile vom 8. Oktober 1987, Kolpinghuis Nijmegen (80/86, Slg. 1987, 3969, Randnr. 13), Adeneler u.
         a. (oben in Fn. 63 angeführt, Randnr. 110), vom 15. April 2008, Impact (C-268/06, Slg. 2008, I-2483, Randnr. 100), vom 23.
         April 2009, Angelidaki u. a. (C-378/07, Slg. 2009, I-3071, Randnr. 199), und vom 16. Juli 2009, Mono Car Styling (C-12/08,
         Slg. 2009, I-6653, Randnr. 61).
      
      67 –	Siehe Nr. 112 dieser Schlussanträge.
      
      68 –	Der Begriff „Goodwill“ im Markenrecht des Vereinigten Königreichs bezeichnet in der Regel die herkunftsidentifizierende
         Bedeutung bzw. die Güte- und Qualitätsvorstellung, die ein maßgeblicher Teil der inländischen angesprochenen Verkehrskreise
         einem Kennzeichen beimisst (vgl. Mountstephens, A./Ohly, A., a.a.O., Fn. 53, S. 621).
      
      69 –	Vgl. Randnr. 5 der Vorlageentscheidung. Wie das vorlegende Gericht dort erklärt, sind die Biere trotz der Identität der
         Bezeichnungen nicht gleich. Sie unterscheiden sich nämlich seit jeher im Geschmack, im Preis und in der Aufmachung, so dass
         den Verbrauchern im Großen und Ganzen der Unterschied klar sei, obwohl eine gewisse Verwechslungsgefahr nicht auszuschließen
         sei.
      
      70 –	Vgl. Randnrn. 1, 18, 22 und 23 der Vorlageentscheidung.
      
      71 –	Vgl. Urteil vom 29. November 1978, Pigs Marketing Board/Redmond (83/78, Slg. 1978, 2347, Randnr. 26).
      
      72 –	Vgl. im Zusammenhang mit der Gefahr der missbräuchlichen Berufung auf den gemeinschaftsrechtlich in Art. 7 der Richtlinie
         2003/88 anerkannten Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub in Krankheitszeiten meine Schlussanträge vom 24. Januar 2008, Stringer
         u.a. (C-520/06, Urteil vom 20. Januar 2009, Slg. 2009, I-179, Nr. 80). In Fn. 53 der Schlussanträge habe ich den Rechtsmissbrauch
         als zweckwidrige Inanspruchnahme einer Rechtsposition definiert, welche die Möglichkeit, ein bestehendes Recht auszuüben,
         begrenzt. Dies bedeutet, dass die Inanspruchnahme eines formal gegebenen Rechtsanspruchs durch den Grundsatz von Treu und
         Glauben beschränkt ist. Auch wer über ein formal einklagbares Recht verfügt, darf dieses nicht missbräuchlich ausüben. Ähnlich
         Creifelds, Rechtswörterbuch (hrsg. von Klaus Weber), 17. Aufl., München 2002, S. 1109, wonach die Ausübung eines subjektiven Rechts missbräuchlich ist,
         wenn sie zwar formell dem Gesetz entspricht, die Geltendmachung jedoch wegen der besonderen Umstände des Einzelfalls treuwidrig
         ist.
      
      73 –	Vgl. Urteile vom 7. Februar 1979, Knoors (115/78, Slg. 1979, 399, Randnr. 25), vom 3. Oktober 1990, Bouchoucha (C-61/89,
         Slg. 1990, I-3551, Randnr. 14), vom 7. Juli 1992, Singh (C-370/90, Slg. 1992, I-4265, Randnr. 24), vom 12. Mai 1998, Kefalas
         u.a. (C-367/96, Slg. 1998, I-2843, Randnr. 20), vom 9. März 1999, Centros (C-212/97, Slg. 1999, I-1459, Randnr. 24), vom 23.
         März 2000, Diamantis (C-373/97, Slg. 2000, I-1705, Randnr. 33), vom 21. November 2002, X und Y (C-436/00, Slg. 2002, I-10829,
         Randnrn. 41 und 45), vom 30. September 2003, Inspire Art (C-167/01, Slg. 2003, I-10155, Randnr. 136), vom 21. Februar 2006,
         Halifax u.a. (C-255/02, Slg. 2006, I-1609, Randnr. 68), vom 12. September 2006, Cadbury Schweppes und Cadbury Schweppes Overseas
         (C-196/04, Slg. 2006, I-7995, Randnr. 35), vom 21. Februar 2008, Part Service (C-425/06, Slg. 2008, I-897, Randnr. 42), und
         vom 25. Juli 2008, Metock u.a. (C-127/08, Slg. 2008, I-6241, Randnr. 75).
      
      74 –	So auch Generalanwalt Poiares Maduro in seinen Schlussanträgen vom 28. Februar 2008 Consiglio Nazionale degli Ingegneri
         (C-311/06, Urteil vom 29. Januar 2009, Slg. 2009, I-415, Nrn. 43 ff.).
      
      75 –	Vgl. oben in Fn. 73 angeführte Urteile Kefalas u.a. (Randnr. 20), Diamantis (Randnr. 33), Halifax u.a. (Randnr. 68), sowie
         Cadbury Schweppes und Cadbury Schweppes Overseas (Randnr. 35).
      
      76 –	Vgl. Urteile vom 14. Dezember 2000, Emsland-Stärke (C-110/99, Slg. 2000, I-11569, Randnrn. 52 und 53) und vom 21. Juli
         2005, Eichsfelder Schlachtbetrieb (C-515/03, Slg. 2005, I-7355, Randnr. 39). Vgl. ferner meine Schlussanträge vom 10. Februar
         2010, Internetportal (C-569/08, Urteil vom 3. Juni 2010, Slg. 2010, I-0000, Nr. 113), sowie vom 2. Juni 2010, Koller (C-118/09,
         Urteil vom 22. Dezember 2010, Slg. 2010, I-0000, Nr. 81).
      
      77 –	Vgl. Urteile Eichsfelder Schlachtbetrieb (oben in Fn. 76 angeführt, Randnr. 40) und Halifax u. a. (oben in Fn. 73 angeführt,
         Randnr. 76).
      
      78 –	Vgl. Urteile vom 17. Oktober 2002, Payroll u. a. (C-79/01, Slg. 2002, I-8923, Randnr. 29), und Halifax u. a. (oben in Fn.
         73 angeführt, Randnrn. 76 und 77).
      
      79 –	Vgl. Drew, J./Priestley, H., „Anheuser-Busch and Budvar march on to the ECJ“, Journal of Intellectual Property Law & Practice, 2010, Band 5, Nr. 2, S. 80, nach deren Ansicht der Berechtigte die Normen des materiellen Rechts und des Verfahrensrechts
         zu seinem bestmöglichen Vorteil anwenden dürfen muss.
      
      80 –	Beispielsweise darf bei der Übermittlung von Schriftsätzen an den Gerichtshof mittels Fernkopierer oder sonstiger beim
         Gerichtshof vorhandener technischer Kommunikationsmittel gemäß Art. 37 §6 und 7 der Verfahrensordnung die jeweilige Frist
         voll ausgeschöpft werden (vgl. Wägenbaur, B., EuGH Satzung und Verfahrensordnungen – Kommentar, München 2008, Art. 37, S. 142, Randnr. 8).
      
      81 –	Gemäß §188 Abs. 1 BGB endet eine nach Tagen bestimmte Frist mit dem Ablauf des letzten Tages der Frist. Wie Heinrichs/Palandt,
         BGB Kommentar, München 2005, § 188, Randnr. 4, S. 199, zutreffend erklären, darf die zur Fristwahrung notwendige Handlung grundsätzlich
         bis zum Ablauf des letzten Tages (24 Uhr) vorgenommen werden. Auch Schroeter, U., „Die Fristenberechnung im Bürgerlichen Recht“,
         Juristische Schulung, 2007, S. 31, weist darauf hin, dass dem Betroffenen auch der letzte Tag der berechneten Frist voll zur Verfügung steht und
         er daher die fristwahrende Handlung noch bis 24 Uhr des letzten Fristtags erbringen kann. Gemäß Art. 2229 des französischen
         Code Civil tritt die Verjährung nach Ablauf des letzten Tages der Verjährungsfrist ein. Art. 2228 stellt klar, dass die Verjährungsfristen
         in Tagen und nicht in Stunden berechnet werden. Dasselbe ist auch in Art. 2261 und Art. 2260 des belgischen Code Civil geregelt. Gemäß Art. 2962 des italienischen Codice Civile tritt die Verjährung nach Ablauf des letzten Tages der Verjährungsfrist ein. Nach Art. 1961 des spanischen Código Civil tritt die Verjährung mit Ablauf der gesetzlichen Frist ein.
      
      82 –	So auch Meyer, A., a.a.O. (Fn. 13), S. 597, der darauf hinweist, dass mit dieser Regelung außer den berechtigten Individualinteressen
         an der jüngeren Marke auch dem allgemeinen Bedürfnis nach Rechtssicherheit entsprochen werde.