CELEX: 51994PC0053
Language: de
Date: 1994-02-25
Title: Entwurf für einen BESCHLUSS DES RATES über den Abschluß des Protokoll 2 zum Übereinkommen zwischen der Europäischen Atomgemeinschaft, der Regierung Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines detaillierten technischen Entwurfs (EDA) für den Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER) durch die Kommission

KOMVIISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                          K0M(94) 53 endg.
                                                          Brüssel, den 25.02.1994
                                      Entwurf für einen
                                     BESCHLUSS DES RATES
  über den Abschluß des Protokolls 2 zum Übereinkommen zwischen der Europäischen
  Atomgemeinschaft, der Regierung Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der
  Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines
  detaillierten technischen    Entwurfs   (EDA)  für   den   Internationalen  Thermonuklearen
  Versuchsreaktor (ITER) durch die Kommission.
                              (von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---                                 BEGRÜNDUNG
1. Das Übereinkommen zwischen der Europäischen Atomgemeinschaft, der Regierung
   Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der Regierung der Vereinigten
   Staaten von Amerika (nachstehend "die Parteien" genannt) über die Zusammenarbeit
   bei der Erstellung eines detaillierten technischen Entwurfs (EDA) für den
   Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER) (nachstehend "das ITER-
   EDA-Übereinkommen" genannt), das unter der Schirmherrschaft der Internationalen
   Atomenergieorganisation (IAEO) durchgeführt wird und am 2 1 . Juli 1992 von den
   Parteien geschlossen wurde, soll für sechs Jahre gelten (Grundlage für die
   Gemeinschaft war der Kommissionsbeschluß vom 22. April 1 9 9 2 \ der aufgrund des
   Ratsbeschlusses vom 6. April 1992 gefaßt worden war).
   Gemäß Artikel 3 des ITER-EDA-Öbereinkommens wird die EDA im Rahmen von zwei
   oder mehr Protokollen nach Maßgabe des Fortgangs der Arbeiten erstellt.
   Protokoll 1 zum ITER-EDA-Übereinkommen (nachstehend "Protokoll 1 " genannt),
   welches ebenso am 2 1 . Juli 1992 von den Parteien geschlossen wurde, läuft mit
   Inkrafttreten von Protokoll 2, spätestens jedoch am 20. März 1994 aus.
2. Gemäß Protokoll 1 Abschnitt 4 wurde der Entwurf des Protokolls 2 zum ITER-EDA-
   Übereinkommen      (nachstehend    "Protokoll  2"  genannt)  und Entwürfe     von
   Begleitdokumenten nach Maßgabe des Abschnitts 4 erstellt und von einer gemäß
   Protokoll 1 Abschnitt 1 eingerichteten Sonderarbeitsgruppe dem ITER-Rat vorgelegt.
   Am 22. April 1993 stimmte der ITER-Rat zu, daß der Entwurf des Protokolls 2 und
   die Entwürfe der Begleitdokumente, die von der Sonderarbeitsgruppe zur Ergänzung
   des EDA in Protokoll 2 ausgearbeitet worden waren, den Behörden der Parteien
   unterbreitet  würden, damit      Protokoll 2  möglichst bald   ausgehandelt   und
   abgeschlossen werden könnte.
   ABI. Nr. L 244 vom 26.8.1992, S. 13
                                                                                      A
 ---pagebreak--- 3. Im Beschluß des Rates vom 10. Dezember 1993
        wurde die Kommission ermächtigt, auf der Grundlage des Entwurfs von
        Protokoll 2 und der in Punkt 2 oben genannten Entwürfe der Begleitdokumente
        Verhandlungen über Protokoll 2 zu führen; dabei wurde davon ausgegangen,
        daß diese Entwürfe der Begleitdokumente zum Ziel haben, unter anderem die
        von den Parteien für erforderlich gehaltenen Durchführungsmaßnahmen zum
        gemeinsamen Abschluß der Tätigkeiten im Sinne des Artikels 2 des
        Übereinkommens im einzelnen darzulegen; ferner wurde davon ausgegangen,
        daß diese Entwürfe der Begleitdokumente durch den vom ITER-Rat gebilligten
        Bericht über den Grobentwurf und durch einen gemäß der Vorgaben der
        Anlage 4 der Direktiven für die Kommission erstellten Anhang vervollständigt
        werden;
        wurde es nicht für angebracht gehalten, daß ein Vorschlag für einen Beschluß
        zur Genehmigung der Unterzeichnung von Protokoll 2 vorgelegt wird, bevor
        der Kommission - die den Bericht über den Grobentwurf, sobald er verfügbar
        ist, dem Rat der Europäischen Union und dem Beratenden Ausschuß für das
        Programm Fusion (BAPF) unterbreitet, um sich zu vergewissern, daß der
         "Grobentwurf" annehmbar ist - die Stellungnahme des Rates und des BAPF
        sowie die Zustimmung des ITER-Rates zur Annahme jenes Berichts als
        Begleitdokument zu Protokoll 2 zugegangen ist.
4. Zu Punkt 3 wurden folgende Stellungnahmen abgegeben:
        Der BAPF hat in seiner Stellungnahme zum Grobentwurf am 19. Januar 1994
        empfohlen, daß die Mitglieder aus der Gemeinschaft im ITER-Rat dafür
        eintreten, daß der Bericht über den Grobentwurf, der Begleitdokument zu
        Protokoll 2 wird, durch den ITER-Rat angenommen wird;
        Der ITER-Rat kam am 28. Januar 1994 zu dem Schluß, daß der Bericht über
        den Grobentwurf eine annehmbare Grundlage für Überlegungen der Parteien
        zum Abschluß von Protokoll 2 darstellt;
        Der Rat der Europäischen Union kam am 2 1 . Februar 1994 zu dem Schluß,
        daß der Bericht über den Grobentwurf eine annehmbare Grundlage für künftige
        Arbeiten darstellt, die Protokoll 2 als Begleitdokument angefügt werden
        könnten.
                                                                                     1
 ---pagebreak--- 5.    Aus den Viererverhandlungen gingen folgende Dokumente hervor, die dem
      beiliegenden Vorschlag für einen Beschluß des Rates angefügt sind: Entwurf des
      Protokolls   2   (ANHANG       I),   Kurzbericht   des   Ko-Vorsitzenden   über   die
      Verhandlungssitzung am 28. Januar 1994 (ANHANG II):
      -   Der Entwurf des Protokolls 2 ist mit dem Entwurf identisch, der den
          Verhandlungsdirektiven beiliegt;
      -   Der Kurzbericht des Ko-Vorsitzenden enthält neben dem Entwurf des Protokolls
          2 (ANLAGE I) den gemeinsamen Standpunkt der Unterhändler (ANLAGE II), der
          den Entwürfen der Begleitdokumente entspricht, die den Verhandlungsdirektiven
          beiliegen, mit Ausnahme folgender Änderungen, die auf Verlangen des EAG-
          Unterhändlers vorgenommen wurden, um den Direktiven des Rates Rechnung zu
          tragen:
          . ein Punkt "5. Überwachung der Arbeit am detaillierten technischen Entwurf
             (EDA) für den ITER" (siehe Punkt 3 oben) wurde angefügt;
          . ein Punkt "6. Grobentwurf" (siehe Punkt 3 und 4 oben) wurde zusammen mit
             der entsprechenden "NSV Anlage 4" angefügt;
          . der Wortlaut der NSV Anlage 1 (Detaillierte technische Ziele für den ITER)
             wurde leicht abgeändert;
      (        Die NSV Anlagen 2 und 3 wurden nicht verändert)
6. Die Kommission vertritt den Standpunkt, daß die Gemeinschaft auch in Zukunft ihren
   Beitrag zu ITER EDA im Rahmen ihrer allgemeinen FuE-Aktivitäten für den "Nächsten
   Schritt" leisten muß, um weiterhin in der Lage zu sein, eine Anlage für den Nächsten
   Schritt entweder im Rahmen eines internationalen Kooperationsprogramms oder im
   Alleingang zu entwickeln.
7. Die beabsichtigte Kooperation ist technisch vereinbar mit den Leitlinien für die
   spezifischen Ziele für die kontrollierte thermonukleare Fusion, die in den politischen
   Orientierungen des Rates vom 22. Dezember 1993 zum Vorschlag für einen Beschluß
   des Rates über ein Rahmenprogramm für gemeinschaftliche Maßnahmen im Bereich der
   Forschung und Ausbildung für die Europäische Atomgemeinschaft (1994-1998)
   festgelegt sind, und ist in finanzieller Hinsicht vereinbar mit der Aufschlüsselung des
   Betrags, der in diesem Beschlußentwurf für die finanzielle Beteiligung der Gemeinschaft
   an der kontrollierten thermonuklearen Fusion für notwendig erachtet wird.
                                                                                            3
 ---pagebreak--- 8. Protokoll 2 muß von der Kommission in Übereinstimmung mit Artikel 101 Absatz 2 des
   Vertrags zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft abgeschlossen werden.
9. Die Kommission schlägt vor, daß der Rat in Anwendung von Artikel 101 Absatz 2
   Satz 1 des Vertrags zur Gründung der EAG den beigefügten Beschluß des Rates über
   den Abschluß von Protokoll 2 durch die Kommission verabschiedet.
                                                                                      4
 ---pagebreak---                                        E N T W U RF
                                  BESCHLUSS DES RATES
                                       vom
über den Abschluß des Protokolls 2 zum Übereinkommen zwischen der Europäischen
Atomgemeinschaft, der Regierung Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines
detaillierten   technischen   Entwurfs  (EDA)    für   den   Internationalen Thermonuklearen
Versuchsreaktor (ITER) durch die Kommission.
DER RAT 0 « EUROPA ISCHEN UNION,
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft, insbesondere auf
Artikel 101 Absatz 2,
gestützt auf den von der Kommission vorgelegten Entwurf eines Beschlusses,
in Erwägung folgender Gründe:
Die Kommission hat gemäß den Verhandlungsrichtlinien des Rates vom 10. Dezember 1993
Verhandlungen über das Protokoll 2 des Übereinkommens zwischen der Europäischen
Atomgemeinschaft, der Regierung Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines
detaillierten technischen Entwurfs für den Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor
geführt.
Der Abschluß des Protokolls 2 durch die Kommission soll genehmigt werden.
BESCHLIESST:
                                        Einziger Artikel
Der Abschluß des Protokolls 2 zum Übereinkommen zwischen der Europäischen
Atomgemeinschaft, der Regierung Japans, der Regierung der Russischen Föderation und der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika über die Zusammenarbeit bei der Erstellung
eines detaillierten technischen Entwurfs für den Internationalen Thermonuklearen
Versuchsreaktor durch die Kommission im Namen der Gemeinschaft wird hiermit genehmigt.
Der Wortlaut des Protokolls 2 ist diesem Beschluß als Anhang beigefügt, ebenso wie der
Kurzbericht der Ko-Vorsitzenden über die Verhandlungssitzung.
Geschehen zu
                                                  Im Namen des Rates                           V
                                                  Der Präsident
 ---pagebreak---                                                                              ANHANG I
                              ENTWURF DES PROTOKOLLS 2
ZUM ÜBEREINKOMMEN ZWISCHEN DER EUROPÄISCHEN ATOMGEMEINSCHAFT, DER
REGIERUNG JAPANS, DER REGIERUNG DER RUSSISCHEN FÖDERATION UND DER REGIERUNG
DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA ÜBER DIE ZUSAMMENARBEIT BEI DER
ERSTELLUNG EINES DETAILLIERTEN TECHNISCHEN ENTWURFS FÜR DEN INTERNATIONALEN
THERMONUKLEAREN VERSUCHSREAKTOR
die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) und die Regierungen Japans, der Russischen
Föderation und der Vereinigten Staaten von Amerika, nachstehend "die Parteien" genannt -
Im Hinblick auf das zwischen den Parteien am 2 1 . Juli 1992 geschlossene Übereinkommen über
die Zusammenarbeit bei der Erstellung eines detaillierten technischen Entwurfs (EDA) für einen
Internationalen Thermonuklearen Versuchsreaktor (ITER), nachstehend "das Übereinkommen"
genannt, insbesondere auf Artikel 3,
ANGESICHTS des Beginns der Arbeiten an einem detaillierten technischen Entwurf (EDA) im
Rahmen des Protokolls 1 zu dem Übereinkommen, das die Parteien am 2 1 . Juli 1992
unterzeichnet haben, und angesichts des Absicht, den EDA im Rahmen des Protokolls 2
gemeinsam fertigzustellen -
SIND WIE FOLGT ÜBEREINGEKOMMEN:
                                        ABSCHNITT 1
                                       Geltungsbereich
Die Parteien führen gemeinsam und im Einklang mit den detaillierten technischen Zielen für den
ITER, die aufgrund der Bestimmungen des Übereinkommens festgelegt wurden, die in Artikel 2
des Übereinkommens beschriebenen Tätigkeiten durch.
                                        ABSCHNITT 2
                                  Besondere Arbeitsgruppe
Es wird eine besondere Arbeitsgruppe (SWG) eingerichtet. Diese wird, in Zusammenarbeit mit
dem Direktor und gemäß Artikel 2(e) des Übereinkommens, dem Rat Konzeptvorschläge für die
Beschlußfassung durch die Parteien über die eventuelle zukünftige gemeinsame Durchführung
von Bau, Betrieb, Nutzung und Stillegung des ITER vorlegen.
                                                                                               G
 ---pagebreak---                                      ABSCHNITT 3
                         Durchführung des Arbeitsprogramms
1. Der Direktor sorgt mit Zustimmung des Rates und im Einklang mit den im
   Arbeitsprogramm für die einzelnen Arbeiten festgelegten Zeitplänen für die Durchführung
   des Arbeitsprogramms und dessen Aktualisierungen.
2. Die technische Beschreibung einer Aufgabe, die Aufgabenzuweisung und die
   Ausführungsbedingungen werden im Einklang mit vom Rat erstellten Leitlinien für die
   Auf gabenzuweisung festgelegt und Gegenstand einer Arbeitsvereinbarung sein. Diese
   wird vom Direktor ausgearbeitet und von ihm sowie von dem Leiter des Heimat-Teams,
   dem die Aufgabe zugewiesen wurde, unterzeichnet. Arbeitsvereinbarungen werden im
   Einklang mit dem genehmigten Arbeitsprogramm und dessen Aktualisierungen getroffen.
3. Der jeweilige Heimat-Team-Leiter stellt sicher, daß dem Direktor bzw. den vom Direktor
   ermächtigten Mitgliedern des gemeinsamen zentralen Teams der Zugang zu den Orten und
   Gebäuden, an denen eine einem Heimat-Team übertragene Arbeit durchgeführt wird,
   sowie zu dem damit beauftragten Personal und den einschlägigen Dokumenten nicht
   ungebührlich verweigert wird, wenn dieser dem Zwecke der Zusammenarbeit, der
   Überwachung der laufenden Arbeiten und der Bewertung der Qualitätskontrolle dient. Der
   Leiter des Heimat-Teams ist rechtzeitig über derartige Zugangsabsichten zu informieren.
   Detaillierte Bestimmungen für diesen Zugang werden in der Arbeitsvereinbarung
   niedergelegt.
                                     ABSCHNITT 4
                               Abstellungsvereinbarungen
1. Für diesen Abschnitt gelten folgende Definitionen:
   "Abstellende Partei" ist die Partei, die dem gemeinsamen zentralen Team nach Artikel 8
   Absatz 2 des Übereinkommens eine Person zur Verfügung stellt, unabhängig davon, ob
   die Partei Arbeitgeber dieser Person ist;
   Die "abgestellte Person" oder "abgestelltes Personal" ist die Person bzw. sind die
   Personen, die die abstellende Partei dem gemeinsamen zentralen Team zur Verfügung
   gestellt hat.
2. Nach Auswahl einer Person nach Artikel 8 Absatz 2 des Übereinkommens stellt deren
   Arbeitgeber sie unter Vermeidung unangemessener Verzögerungen an das gemeinsame
   zentrale Team ab. Für jede abgestellte Person wird vom Direktor eine eigene
   Abstellungsvereinbarung abgefaßt, die der Direktor, die abgestellte Person, deren
   Arbeitgeber und der Betreiber des gemeinsamen Standorts, an dem die abgestellte Person
   arbeiten wird, unterzeichnen. Sind Arbeitgeber und abstellende Partei nicht identisch,
   unterzeichnet auch die abstellende Partei die Abstellungsvereinbarung(en) zum Zeichen
   dafür, daß das abgestellte Personal dem gemeinsamen zentralen Team gemäß Artikel 8
   Absatz 2 des Übereinkommens zur Verfügung gestellt wird. Die Abstellungsvereinbarung
   für den Direktor wird vom Vorsitzenden des Rates gegengezeichnet.
                                                                                           7
 ---pagebreak---         In der Abstellungsvereinbarung wird festgelegt, welche Arbeiten die abgestellte Person
        auszuführen hat, welchem gemeinsamen Standort sie zugewiesen wird, wem sie Bericht
        erstatten muß, daß die abgestellte Person und ihr Arbeitgeber den Bestimmungen der
        Artikel 8 Absatz 2 und 15 des Übereinkommens und dieses Absatzes insoweit
        nachkommen müssen, als sie die Abstellung betreffen und daß die abgestellte Person die
        internen Sicherheits- und Schutzvorschriften, die am gemeinsamen Standort zu beachten
        sind, zu befolgen hat. Die Geltungsdauer einer Abstellungsvereinbarung darf über die
        dieses Protokolls nicht hinausgehen.
                                         ABSCHNITT 5
                            Abschluß der Arbeiten und Schlußbericht
Anläßlich der Genehmigung des Arbeitsprogramms und dessen jährlicher aktualisierter Fassungen
trägt der Rat, in Zusammenarbeit mit dem Direktor, dafür Sorge, daß die im Rahmen des
Übereinkommens durchgeführten Arbeiten, einschließlich des Schlußberichts, koordiniert and
rechtzeitig abgeschlossen werden. Sollten weitere Maßnahmen, auch von seiten der Parteien,
erforderlich bzw. angemessen sein, legt der Rat, in Zusammenarbeit mit dem Direktor, geeignete
Vorschläge vor.
                                         ABSCHNITT 6
                                          Finanzmittel
Die für die Umsetzung dieses Protokolls erforderlichen Finanzmittel werden von den Parteien im
Einklang mit den Bestimmungen des Übereinkommens bereitgestellt.
                                         ABSCHNITT 7
                                         Geltungsdauer
Das Protokoll tritt nach Unterzeichnung durch die Parteien in Kraft und läuft gleichzeitig mit dem
Übereinkommen aus.
Geschehen zu                 am               in vierfacher Ausfertigung.
Für die Europäische Atomgemeinschaft
Für die Regierung Japans
Für die Regierung der Russischen Föderation
Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
                                                                                                   8
 ---pagebreak---                                                                         ANHANG II
         KURZBERICHT DER KO-VORSITZENDEN ÜBER DIE VERHANDLUNGSSITZUNG
Die vier ITER-Delegationen zeigten sich erfreut über die zum Ausdruck gebrachte allseitige
Bereitschaft, die Verhandlungen zum Abschluß zu bringen, und erklärten sich bereit, ihrer
jeweiligen Regierung die zwei Anlagen vorzulegen, um das Protokoll 2 des ITER-EDA-
Übereinkommens sobald wie möglich verabschieden zu können.
Paraphen der Unterhändler:
        JD    TO
        PF    EV
Datum         28. Januar 1994
Ort           Garching
                                                                                           3
 ---pagebreak---                                 ANLAGE
 ENTWURF DES PROTOKOLLS 2 ZUM
    ITER-EDA-ÜBEREINKOMMEN
GEMÄß ANHANG I ZUM VORLIEGENDEN
       BESCHLUß DES RATES
                                       0
 ---pagebreak---                                                                                           ANLAGE II
                       GEMEINSAMER STANDPUNKT DER UNTERHÄNDLER
Anläßlich des Abschlusses der Arbeiten an der Endfassung des Entwurfes des Protokolls 2
einigten sich die Verhandlungspartner zum obengenannten Datum auf folgende Punkte:
 1. Detaillierte technische Ziele
 Die in Abschnitt 1 des Protokolls 2 genannten detaillierten technischen Ziele für den ITER wurden
von den Parteien im Rat am 15./16. Dezember 1992 angenommen (Anlage 1).
 2. Leitlinien für die Durchführung von Aufoabenzuweisunoen
 Die in Abschnitt 3 des Protokolls 2 angesprochenen Leitlinien für die Durchführung von
 Aufgabenzuweisungen wurden vom Rat am 22. April 1993 angenommen (Anlage 2).
 3. Abstellunqsvereinbarunaen
 Die in Abschnitt 4 des Protokolls 2 genannten Abstellungsvereinbarungen sollten so einheitlich
 wie möglich sein und den Leitlinien für Abstellungsvereinbarungen (Anlage 3) entsprechen.
 Ist die abstellende Partei nicht der Arbeitgeber der abgestellten Person, wird sie sich soweit wie
 möglich darum bemühen, sicherzustellen, daß der Arbeitgeber der abgestellten Person die
 Bestimmungen des Abschnitts 4 des Protokolls 2 und die Leitlinien beachtet.
 4. Finanzmittel.
 Gemäß Abschnitt 6 des Protokolls 2 gelten folgende Bestimmungen:
i(1) Jede Partei trägt die Kosten
ia)      der Beteiligung ihrer Mitglieder und Sachverständigen an der Arbeit und den Sitzungen des
          Rates, des TAC, des MAC und der SWGs, einschließlich der Reise- und
         Aufenthaltskosten;
 b)      der Abstellung ihres Personals zu den gemeinsamen Standorten;
 c)      der Erfüllung der dem Heimat-Team zugewiesenen Aufgaben gemäß Abschnitt 3 des
         Protokolls 2;
d)       der Durchführung von Workshops auf ihrem Hoheitsgebiet sowie der Teilnahme von
         Mitgliedern des Heimat-Teams an Workshops, einschließlich Reise- und
         Aufenthaltskosten.
 (2) Bei der Anwendung von Artikel 14 des Übereinkommens wird der Rat die Höhe der von den
einzelnen Gastgeberparteien für ihren gemeinsamen Standort insgesamt bereitgestellten Mittel
 berücksichtigen;
 (3) Weitere Ausgaben, die der Rat für die zufriedenstellende Durchführung des Protokolls 2 für
 erforderlich hält, werden über einen gemeinsamen Fonds (Joint Fund) finanziert.
                                                                                                    A4
 ---pagebreak--- 5. Überwachung der Arbeit am detaillierten technischen Entwurf (EDAj
Jährlich soll geprüft werden, ob die in Abschnitt 1 der Anlage 1 genannten aHgeme
Rahmenbedingungen und der Fortgang der Arbeiten gemäß Artikel 16 des Oberen ik^ ,ii .>
übereinstimmen. Entsprechend Punkt 1(f) der Anlage A des Übereinkommens soll Insocr
der jeweilige Stand der Technik festgestellt und überprüft werden, ob die veranschlagten Kco .*,-
für den Bau des ITER eingehalten werden; dies soll auch auf der Grundlage heimischer D^a
geschehen, insofern wesentliche Komponenten der Einrichtung betroffen sind. Gegebenenfalls
können diese Berechnungen den ITER-Rat zu einer Änderung der Rahmenbedingungen c,          n-.-f;
technischer Lösungen veranlassen.
6. Grobentwurf
Der Rat hat der TAC-4 Antwort zugestimmt, in der es heißt: "der Grobentwurf [Anlage 41 wird
eine sichere Grundlage bilden, auf der die ingenieurmäßigen Entwurfsarbeiten fortgesetzt werden
können; - nach (1 ) einer maßvollen, weiteren Optimierung der wichtigsten Parameter der Anlage,
um eine Reserve gegen Kostensteigerungen zu bilden, (2) einer Änderung der technischen
Ansätze in gewissen Punkten, und (3) einer Auf fächerung der technischen Möglichkeiten, um auf
diese Weise eine größere Flexibilität im Betrieb zu erreichen."
                                                                                                  9
 ---pagebreak---                                                                                      Anlage 1
                              Detaillierte technische Ziele für den ITER
li     Allgemeine Auflagen
Dis detaillierten technischen Ziele und technischen Konzepte für den ITER, einschließlich eines
angemessenen Spielraums, sollen mit den Kosten de Anlage innerhalb des im Schfußbericht über
die Erstellung des ITER Vorentwurfs genannten Höchstbeträge verträglich sein und dem Projekt
seine Rolle in der langfristigen Fusionsforschung und Entwicklung bewahren.
Der ITER soll im Hinblick auf einen sicheren Betrieb ausgelegt werden und die Sicherheit und
Umweltfreundlichkeit der Fusionsenergie nachweisen.
Z,      Leistunosfähigheit und Versuchsprogramm
        Plasmaphysikalische Ziele
Das Einschlußvermögen des ITER soll eine kontrollierte Zündung ermöglichen. Die Abschätzung
des Einschlußvermögens von ITER soll, wie in der CDA-Phase, auf erreichten und ermutigenden
Plasmabetriebsbedingungen beruhen.
In ITER ist anzustreben
        die Demonstration der kontrollierten Zündung und von ausgedehnten Brenndauern mit
        Pulszeiten, die zur Erreichung stationärer Bedingungen für alle Zeitskalen bei
        Plasmavorgängen und Plasma-Wand-Wechselwirkungen sowie für die Prüfung der
        Brutmantelkomponenten unter nuklearen Test-Bedingungen erforderlich sind. Dies kann
        durch Pulse mit einer 'Flat-Top'-Zeit von etwa 1000 s erreicht werden. Für die Prüfung
        spezieller Bmtmantelauslegungen wären Pulse von etwa 2000 s wünschenswert;
        die Demonstration des stationären Betriebs mit nichtinduktiver Stromerzeugung in
        reaktorrelevanten Plasmen.
                                                                                                3
 ---pagebreak---        Ingenieurtechnische Ziele und Versuchsprogramm
In ITER ist anzustreben
       der Nachweis, daß die für einen Fusionsreaktor wesentlichen Technologien verfügbar ^ ,1
       (z.B. supraleitende Magnete, fernbediente Wartung);
       die Prüfung von Reaktorkomponenten (z.B. Systeme für die Abfuhr von Energie -,;n^
       Teilchen aus dem Plasma);
       die Prüfung von Auslegungskonzepten für reaktorrelevante Tritium-Brutmäntel. Die fl
       Brutmantelkomponenten vorgesehenen Versuchsprogramme betreffen u.a. den Nachweis
       eines Brutvermögens, das die Tritium-Selbstversorgung eines Reaktors sicherstellen
       würde, die Abfuhr von Hochtemperaturwärme und die Stromerzeugung.
3,     Aqslequnq
Die Parameter für die Basisanlage sollten mit einem Spielraum gewählt werden, der das Erreichen
des erforderlichen technischen und plasmaphysikalischen Leistungsfähighkeit erwarten läßt. Der
Entwurf soll hinreichend flexibel sein, um die Einbeziehung fortschrittlicher Merkmale und neuer
Fähigkeiten sowie eine Optimierung des Plasmaverhaltens während des Betriebs zu ermöglichen.
Die Auslegung soll mit Hilfe der wissenschaftlich un technologischen Datenbasis, die bei
Abschluß der EDA-Phase verfügbar sein wird, bestätigt werden.
Die 'Flat-Top'-Zeitdauer des induktiven Pulses soll etwa 1000 s betragen (unter
Zündungsbedingungen). Angesichts des Endziels eines stationären Betriebs soll der ITER Entwurf
mit nichtinduktiver Stromerzeugung verträglich sein; das für die Zündung in der erster?
Betriebsphase erforderliche Heizsystem soll auch die Möglichkeit des Stromtriebs bieten.
im Hinblick auf die Prüfung der einer sehr hohen Wärmebelastung ausgesetzten Komponenten
und der Nuklearkomponenten unter fusionsreaktorrelevanten Bedingungen soll:
       die durchschnittliche Neutronen-Wandbelastung etwa 1 MW/m2 betragen ;
       die Anlage für eine Leistung von mindestens 1 MWa/m2 ausgelegt sein, um langfristige
       Gesamt- und Materialtests zu ermöglichen.
Ein höheres Fluß- und Fluenzniveau beim Betrieb des Anlage ist erstrebenswert. Innerhalb des
technologischen Spielraums soll bei der Auslegung des ITER die Folgen und Möglichkeiten der
Nutzung weiterer Betriebsbereiche geprüft werden. Die Auslegung der permanenten Bauteile der
Anlage soll eine Fluenz von bis zu 3 MWa/m2 zulassen. Für die zweite Betriebsphase soll bei der
Auslegung die Möglichkeit vorgesehen werden, das Schutzschild durch einen Brutmantel zu
ersetzen.
                                                                                                 u
                                                                                                   -t
 ---pagebreak--- 4.     Betriebsanforderungen
Der Betiieb des ITER wird zwei Phasen umfassen:
      Db ^rste Phase, die Grundphase, wird voraussichtlich 10 Jahre dauern und einige
      ""< v.£.end Stunden vollen DT-Betrieb umfassen, in dieser Phase sollten folgende Bereiche
       • v. • rbril'jt werden: kontrollierte Zündur.g, lenge Brennzeiten, stationärer Betrieb, Prüfung
      V' a Btutmantelmoduln. Für diese ; • ise wird eine angemessene externe
      Tritiumvarsorgung vorausgesetzt.
                Bei den Versuchen zur kontrollierten Zündung in ITER werden Fragen des
                Einschlusses, der Stabilität sowie der Kontrolle von Verunreinigungen m durch
                Alphateilchen aufgeheizten Plasmen behandaft. Versuchesprogramme mit
                ausgedehnten Brennzeiten w e r d e n f e r n e r die Kontrolle der
                Ftisionsenergieerzeugung, der Plasmaprofile und die Abfuhr der Heliumasche
                behandeln.
                Zie! der Stromtriebexperimente in dieser Phase soll die Demonstration des
                stationären Betriebs bei Plasmen sein, deren Alphateilchen-Heizleistung der von
                außen zugeführten Leistung mindestens entspricht. Die Anwendung der
                Heizsysteme in ihrem Stromtrieb-Modus soll genutzt werden, um nichtinduktiven
                Stromtrseb zur Profil- und Brennkontrolle, zur Entwicklung von Moden verbesserten
                Einschlusses und zur Ermittlung der Bedingungen und des Leistungsbedarfs des
                obengenannten stationären Betriebs einzusetzen. Abhängig vom Ergebnis dieser
                Versuche werden eventuell zusätzliche Stromtriebkapazitäten installiert werden
                müssen.
                In dieser Phase sollten Funktionstests bei Brutmantelmoduln mit einigen tausend
                Stunden integraler Brenndauer durchgeführt werden, die parallel zu dem
                physikalischen Programm laufen (einschließlich Dauertestperioden von 3-6 Tagen
                bei einer Neutronen-Wandbelastung von etwa 1 MW/m 2 ).
       Die zweite - erweiterte - Phase wird vermutlich ebenfalls 10 Jahre dauern, wobei der
       Schwerpunkt auf der Verbesserung des Gesamtleistungvermögens und der Durchführung
       eines Versuchsprogramms für Komponenten und Materialien bei höherer Fluenz liegen
       wird. In dieser Phase soll eine hohe Betriebs-Verfügbarkeit und fortgeschrittene Verfahren
       des Plasmabetriebs untersucht sowie die Demonstration                        reaktorrelevanter
       Brutmantelsegmente behandelt werden. Der Betrieb in dieser Phase soll Dauertests von
        1 - 2 Wochen beinhalten und eine Fluenz von mindestens 1 MWa/m 2 erreichen.
       Die Entscheidung darüber, ob das Brutvermögen Gegenstand dieser Phase sein soll, ist
       unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Tritium aus externen Quellen, der
       Ergebnisse der Brutmanteltests und der Erfahrungen bezüglich des Plasmabetriebs und der
       Leistungssfähigkeit der Anlage treffen.
Diese Zweite, erweiterte Phase ist im Anschluß an die Bewertung der Ergebnisse der Ersten
Phase und einer relativierenden Bewertung der vorgeschlagenen Programmpunkte durchzuführen.
                                                                                                       I5
 ---pagebreak---                    Leitlinien für die Durchführung von Aufgabenzuweisungen
A. Genehmigung und Änderung von Arbeitsvereinbarungen
(1)     Arbeitsvereinbarungen, deren Umfang 300 IUA übersteigen, können erst nach >l*x
Genehmigung der Aufgabe, ihrer technischen Beschreibung und ihrer Zuweisung an eine Partei
durch den ITER-Rat getroffen werden.
(2)    Arbeitsvereinbarungen bis zu einem Umfang von 300 iUA können direkt zwischen dem
Direktor und dem jeweiligen Heimat-Team-Leiter getroffen werden. Der Direktor unterrichtet
unverzüglich die anderen drei Heimat-Team-Leiter über solche Vereinbarungen.
(3)     Der Gesamtbetrag der zwischen zwei Sitzungen des MAC gemäß Absatz (2) getroffenen
Arbeitsvereinbarungen (jewels bis zu 300 IUA) soll 3 000 IUA nicht übersteigen.
(4)     Kleine technische Änderungen im Rahmen des vom Rat bereits genehmigten
Arbeitsgebietes können mit Zustimmung des Direktors und des jeweiligen Heimat-Team-Leiters
an den Arbeitsvereinbarungen vorgenommen werden. Das gleiche gilt für Änderungen des
Arbeitsumfangs bis zu +/- 300 IUA oder 20% (es gilt der niedrigere Betrag) je Aufgabe.
Arbeiten, deren Ergebnisse nicht mehr erforderlich sind, können vom Direktor und dem jeweiligen
Heimat-Team-Leiter im gegenseitigen Einvernehmen als abgeschlossen erklärt werden. Die im
Rahmen von ITER dafür bereitgestellten Beträge müssen entsprechend angepaßt werden.
Änderungen, die nicht unter 1) kleine technische Änderungen, 2) Änderungen des
Arbeitsumfangs bis zu 300 IUA, und 3) Abschluß der Arbeiten (s.o.) fallen, müssen vom Rat
gemäß den in der Vereinbarung über neue Aufgabenzuweisungen festgelegten Verfahren
genehmigt werden. In solchen Fällen wird der von ITER bereitgestellte Betrag vom Direktor
entsprechend angepaßt.
(5)     Sämtliche Änderungen bzw. Arbeitsvereinbarungen, die nicht der Genehmigung des Rates
bedürfen, müssen diesem mitgeteilt werden.
B. Ermittlung, Festlegung und Wertfestsetzung der Aufgaben
Bei der Ermittlung und Festlegung der Aufgaben sind folgende Leitlinien anzuwenden:
(1)     Der Direktor arbeitet bei der Ermittlung der Aufgaben eng mit den Heimat-Team-Leitern
zusammen und legt die von ITER bereitgestellten Mittel fest, die die Parteien fü, die jeweiligen
Arbeiten von ITER erhalten. Diese Zusammenarbeit soll, soweit möglich, zu einer Einigung über
eine durchführbare und effiziente Ermittlung, Festlegung und Wertfestsetzung der Aufgaben
führen.
 ---pagebreak---  2.
 (2)     Vor der Übermittlung der Aufgabenliste an die Heimat-Team-Leiter im Hinblick auf eine
 förmliche Antwort unterrichtet der Direktor die Heimat-Team-Leiter über die Aufgabenliste sowie
 über die Finanzmittel, die der Partei, die eine Aufgabe übernimmt, dafür zur Verfügung gestellt
 werden. Die Parteien, die an der Durchführung einer Aufgabe interessiert sind, sollen dies dem
 Direktor rasch mitteilen, so daß der Direktor bei Interesse von Seiten mehrerer Parteien in enger
 Zusammenarbeit mit den Heimat-Team-Leitern et Mitteln kann, wie diesem Interesse am besten
 gerecht zu werden ist (entweder Aufteilung in Ideinere Aufgaben, parallele oder gemeinsame
 Arbeiten).
 (3)      Innerhalb von zwei Monaten nach Erhalt der Aufgabenliste und der technischen
  Beschreibung der Aufgaben vom Direktor übermitteln die Parteien eine förmliche Antwort
  betreffend die sie interessierenden Aufgaben, die folgende Informationen enthält:
          (a)     Nachweis ihrer Fähigkeit, die Spezifikationen und Zeitpläne zu erfüllen, sowie der
                  Verfügbarkeit der erforderlichen Mittel, der Anlagen und des Know-Hows.
          (b)     Angabe des Ortes der Durchführung der Arbeiten; ist diese Angabe aufgrund der
                  stufenweisen Vertragsvergabeverfahren der betroffenen Partei nicht möglich, ist
                  dem Direktor- die Art der in Frage kommenden Einrichtungen anzugeben.
                  Unmittelbar nach der Auswahl der Einrichtung, die die Arbeiten durchführt, ist der
                  Direktor davon zu unterrichten.
          (c)     Bewertung des technischen Risikos. Ist dieses sehr hoch, sind Vorschläge für
                  parallele Arbeiten vorzulegen.
  (4)     Auf der Grundlage der obengenannten Informationen, der in Anhang B, 1 (C) zu dem
  Übereinkommen niedergelegten Leitlinien und dieser Leitlinien schlägt der Direktor im Rahmen
  des Arbeitsprogramms, das er dem Rat gemäß Artikel 11 des Übereinkommens regelmäßig
  vorlegt, die Zuweisung von Aufgaben an die Heimat-Teams vor.
*(5)       Beim Abschluß einzelner Arbeitsvereinbarungen berücksichtigt der Direktor bei der
  Vergabe der ITER-Finanzmittel Arbeiten, die die jeweilige Partei nach Unterzeichnung des
  ITER/EDA - Übereinkommens und des Protokolls 1 begonnen hat, und die im Zusammenhang mit
  den Arbeiten stehen, die Gegenstand der Arbeitsvereinbarung sind.
  (6)     Die Aufgaben eines Bereiches (task system area) werden auf die Heimat-Teams annähernd
  gleichmäßig verteilt, wobei die qualitativen Merkmale der zu übertragenden Aufgaben (z.B. Art
  der Test-Anlagen, technologisches Niveau) zu berücksichtigen sind.
  (7)     Zeigt keine der Parteien Interesse an einer bestimmten Aufgabe, bemüht sich der Direktor
  in enger Zusammenarbeit mit den Heimat-Team-Leitern darum, zumindest eine der Parteien dafür
  zu interessieren. Ist er damit nicht erfolgreich, befaßt er gemäß Artikel 2 1 ( 1 ) den Rat mit dieser
  Frage.
  (8)     Bei einigen einzelnen Aufgaben können aufgrund eines hohen technischen Risikos bzw.
  Unsicherheitsfaktors parallele Arbeiten mehrerer Parteien angebracht sein (eine Staffelung der
 Arbertszuweisungen ist möglich).
                                                                                                         7
 ---pagebreak--- (9)     Der ITER Direktor stellt in enger Zusammenarbeit mit den Heimat-Team-Leite n ;i          1aù
die Aufteilung der Arbeit in Aufgaben, über die Arbeitsvereinbarungen abgeschloss* :> w r Jen
nur so weit geht, als es die effiziente Durchführung der Arbeiten erfordert, wobei eine ;rn     crnd
gleichmäßige Verteilung der Arbeit auf die Parteien anzustreben ist. Jede Arbeitsverein;. -iv ig soii
einen sinnvollen, zusammenhängenden und abgeschlossen Arbeitsbereich mit genau rief c te;i
Schnittstellen umfassen.
(10)    Bei der Aufteilung der Auslegungsarbeiten zwischen dem gemeinsamen zentralen T-:-m
und den Heimat-Teams soll grundsätzlich angestrebt werden, daß dem gemeinsamen zentr? n
Team nur die Aufgaben zufallen, die von einem zentralen Team besser gelöst werden können.
Insgesamt stehen für die ITER-Auslegungsarbeiten Mittel für etwa 5 0 0 Fach-Mann-Jahre für die
Heimat-Teams zur Verfügung.
C. Auswahlkriterien
(1)     Interessensbekundungen betreffend die Durchführung von Arbeiten können bei der
Auswahl nur dann berücksichtigt werden, wenn nachgewiesen w i r d , daß die Fähigkeit, die
Spezifikationen zu erfüllen und die Zeitpläne einzuhalten, sowie die erforderlichen Anlagen und
das entsprechende Know-How vorhanden sind.
Bevor er eine Interessensbekundung wegen Nichterfüllung der technischen Voraussetzungen
zurückweist, unterrichtet der ITER Direktor den zuständigen Heimat-Team-Leiter, der den
entsprechenden Vorschlag innerhalb einer kurzen Frist überarbeiten kann.
 (2)    Die Auswahl unter den Interessensbekundungen, die die technischen Voraussetzungen
erfüllen, findet anhand folgender Kriterien statt:
        (a)     technische Erfahrung und Kompetenz der für die Durchführung vorgeschlagenen
                Einrichtungen,
        (b)     technisches Risiko der vorgeschlagenen Vorgehensweise,
        (c)     nachgewiesene        Erfüllung der  technischen    und    verwaltungstechnischen
                Voraussetzungen.
Weitere Faktoren, wie z. Bsp. gleichmäßige Aufgabenverteilung                     innerhalb eines
Aufgabenbereiches, Stellenwert der Arbeiten für die Parteien, Eigenschaft der vorgeschlagenen
Vorgehensweise, sind angemessen zu berücksichtigen.
D. Rolle des Beratenden Managementausschusses (MAC)
Der MAC tritt so oft zusammen, wie es erforderlich ist, um sicherzustellen, daß zwischen den
Ratssitzungen die Vorschläge des Direktors rasch weiterbehandelt werden. Elektronische und
andere Kommunikationsmittel sollen eingesetzt werden, um eine rasche Genehmigung dar
einstimmigen Empfehlungen des MAC durch den Rat zu gewährleisten. In anderen Fällen ist die
Genehmigung des Rates gemäß den normalen Verfahrensregeln erforderlich.
                                                                                                      IX
 ---pagebreak--- 4.
E. Unzureichende Leistungen einer Partei bei Auslegungs-, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
(1 )   Unter unzureichenden Leistungen einer Partei bei der Durchführung einer ihr übertragenen
       Aufr?he ist zu verstehen, daß das jeweilige Heimat-Team nicht in der Lage ist,
       oï^tsmessone Fortschritte im Hinblick auf die Erfüllung der Aufgabe (wie sie in der
       AE toitsvereinbarung festgelegt ist) bzw. ein ^ g e m e s s e n e s Niveau bei der Auslegung oder
       Ausführung zu erreichen.
       In jeder Arbeitsvereinbarung soll ein Standardartikel über die allgemeinen Grundsätze im
       Zusammenhang mit unzureichenden Leistungen enthalten sein.
 (2)   Stellt ein Heimat-Team-Leiter fest, daß bei einer seiner Partei übertragenen Aufgabe die
       Möglichkeit besteht, daß die Leistungen nicht ausreichen, setzt er den Direktor
       unverzüglich davon in Kenntnis.
 (3)   Hält der Direktor im Zusammenhang mit einer Arbeit unzureichende Leistungen für
       wahrscheinlich, übermittelt er dem Leiter des Heimat-Teams eine förmliche Mitteilung
        (notice of inadequate performance) mit folgenden Angaben:
                Gründe des Direktors für die Vermutung unzureichender Leistungen;
                Festlegung eines sinnvollen Zeitraums, innerhalb dessen das betroffene Heimat-
               Team dem Direktor überzeugend nachzuweisen hat, daß angemessene Leistungen
                errreicht werden können.
                Bei den Parteien zugewiesenen Aufgaben, deren Mittelausstattung bis zu 3 0 0 IUA
                beträgt, kann der Direktor im Anschluß an diesen Zeitraum die Aufgabe einer
                anderen Partei zuweisen.
 (4)    Bei Aufgaben, deren Mittelausstattung 3 0 0 IUA übersteigt, ist dem Rat eine Kopie der
        förmlichen Mitteilung zur Information zu übermitteln.
        Können nach Ablauf des obengenannten Zeitraums angemessene Leistungen nicht
        nachgewiesen werden, legt der Direktor dem Rat einen Vorschlag über die weitere
        Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Aufgabe vor.
 (5)    Schlägt der Direktor im Anschluß an das unter (4) genannte Verfahren die Neuzuweisung
        der Aufgabe oder eines Teils derselben an eine andere Partei vor, muß sein Vorschlag
        folgende Angaben enthalten:
                Nennung der neu zuzuweisenden Arbeiten und deren Rolle im Rahmen der
                ursprünglichen Aufgabe;
               die Partei, an die Arbeiten zugewiesen werden;
               die Höhe der neu zuzuweisenden ITER-Finanzmittel;
               die von der Partei, deren Leistungen unzureichend sind, zu liefernden %.
               Informationen, Hardware und Ausrüstungen im Zusammenhang m i n . den
               durchgeführten Arbeiten; vertrauliche Geschäftsinformationen, die. bereits dem
               gemeinsamen zentralen Team übermittelt wurden, werden der* m i t | der
               Durchführung der Arbeiten betrauten Partei mit eine/^Verpflichtung zur
               Vertraulichkeit              weitergegeben (dies      gilt    n i c h t ^ . f ü r * vertrauliche
               Geschäftsinformationen, die dem JCT nicht jzur .Verfügung gestellt wurden).
                                                                                                                9
                                ;_,'*'':^si;1Sy"' ""••
 ---pagebreak--- (6)     Wurde eine Aufgabe aufgrund unzureichender Leistungen vollständig oder... i-.e«
        zugewiesen bzw. annulliert, bemüht sich der Direktor bei der Zuweisung wc;;e;
        Aufgaben darum, die in Anhang B genannte annähernd gleichmäßige Vet .a un*.
        Aufgaben wiederherzustellen, ohne einer Partei, die eine Arbeit auf zuirieoe.^ .1 *-\
        Weise durchführt, diese zu entziehen.
F. Weiterverwendung von Anlagen oder sonstigen Aktiva, die bei der Durchführung eine?
Aufgabe im Rahmen einer Arbeitsvereinbarung geschaffen wurden
Der Direktor nimmt gegebenenfalls in die Aufforderungen an die Parteien zur
Interessensbekundung einen Punkt betreffend die mögliche Weiterverwendung innerhalb des für
die EDA-Phase vorgesehenen Zeitraums - von Anlagen und anderen Aktiva auf, die bei der
Durchführung einer Aufgabe geschaffen wurden. Diesbezügliche Artikel der Arbeitsvereinbarung
werden von dem Direktor und dem/den betroffenen Heimat-Team-Leiter/n ausgehandelt.
Definitionen
Den Leitlinien für die Durchführung von Aufgabenzuweisungen liegen folgende Definitionen
zugrunde:
Aufgabe: von dem gemeinsamen zentralen Team (JCT) oder einem Heimat-Team durchgeführte
Arbeiten. Eine einem Heimat-Team zugewiesene Aufgabe ist Gegenstand einer
Arbeitsvereinbarung. (Davon sind Hunderte möglich.) An einer einem Heimat-Team zugewiesenen
Aufgabe können andere Heimat-Teams beteiligt sein.
Aufgabenbereich (Task system area): eine Gruppe von mehreren Aufgaben, die eine funktionelle
 Einheit des ITER betreffen (Davon können Dutzende existieren).
Auf gabenzuweisung: Verfahren der Zuweisung von Aufgaben an die Heimat-Teams und das JCT,
Arbeitsvereinbarung: schriftliche Vereinbarung, die die technische Beschreibung der Aufgabe, die
 Ergebnisse des Zuweisungsverfahrens sowie die Durchführungsbedingungen enthält.
 Gestaffelte Aufoabenzuweisunq: stufenweise Zuweisung der Arbeiten bei Aufgaben, deren
technische Komplexität bzw. Risiken eine solche erfordern. Konzipierung, Auslegung,
 Entwicklung und Prüfung (oder andere Phasen) werden schrittweise derselben Partei oder
 mehreren Parteien zugewiesen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß im Verlauf der
Arbeiten die Beteiligung einer immer geringeren Anzahl von Parteien erforderlich ist.
 Ausleoungsarbeiten: Arbeiten zur technischen und physikalischen Auslegung (JCT und Heimat-
Teams). Die dafür geschätzten Ausgaben sind in den im Schlußbericht über die Erstellung des
 ITER-Vorentwurfs für die Auslegung veranschlagten 250 Mio. USD (Preise Januar 1989)
enthalten.
Technologische FuE-Arbeiten: unterstützen die Auslegungsarbeiten (technologische Grundlagert
 FuE, spezifische ingenieurtechnische FuE, s. obengenannter Schlußbericht). In dem Schlußbericht
 wurden die Gesamtkosten auf etwa 750 Mio. USD (Preise Januar 1989) veranschlagt (400 bzw.
 350 Mio.).
                                                                                                 10
 ---pagebreak--- Arbeitsprogramm: s. Artikel 11. Das Arbeitsprogramm wird in der EDA-Phase regelmäßig
überarbeitet.
EDEEdEiDiUlzniiöel (ITER credit): die in ITER-Verrechnungseinheiten (ÎUA-ITER Units of Account,
eine IUA entspricht 1000 USD, Preise Januar 1989) angegebenen Finanzmittel, die der ITER-
Direktor anläßlich der Aufforderung zur Interessensbekundung an die Heimat-Team-Leiter für eine
bestimmte Aufgabe (Auslegung, technologische FuE) bereitstellt. Änderungen dieses Betrages
sind nur im Zusammenhang mit Änderungen des Umfangs der Arbeiten möglich. Alle ITER-
Finanzmittel zusammengenommen sollen ungefähr mit der Schätzung im Schlußbericht über die
Erstellung des Vorentwurfs übereinstimmen.
                                                                        Vom Rat angenommen
22. April 1993
                                                                                               2.1
 ---pagebreak---                     LEITLINIEN FÜR ABSTELLUNGSVEREINBARUNGEN
(a) Das abgestellte Personal bleibt weiterhin beim bisherigen Arbeitgeber angestellt, tief
    Anstellungsvertrag zwischen dem abgestellten Personal und seinem Arbeitgeber g«,t v.
    den Zeitraum der Abstellung fort. Der Arbeitgeber bezahlt weiterhin die Gehälter int
    andere Aufwendungen wie Sozialabgaben, Zulagen, Vergütungen und Rückerstattuno vo
    Auslagen gemäß den für ihn geltenden Gesetzen, Verordnungen und sonstigen
    Vorschriften.
(b) Der Arbeitgeber stellt sicher, da/? Unfall- und andere Versicherungen zugunsten der
    abgestellten Person, die aufgrund der Beschäftigungsbedingungen bestehen, für den
    Zeitraum der Absteilung an das gemeinsame zentrale Team weiterlaufen. Der Arbeitgeber
    informiert seine zuständigen Abteilungen und Versicherer umgehend über die Abstellung.
    Fällt der bestehende Versicherungsschutz der abgestellten Person fort, ist der Arbeitgeber
    für die Sicherstellung eines gleichwertigen Versicherungsschutzes verantwortlich.
(c) Während der Abstellung gelten die Uriaubsregelungen des Arbeitgebers, von denen der
    Direktor in Kenntnis gesetzt wird. Der Zeitpunkt und die Dauer des Urlaubs während der
    Abstellung wird mit dem Direktor abgesprochen, der den Arbeitgeber hiervon in Kenntnis
    setzt. Nach Buchstabe b) bestehen die Regelungen des bisherigen Arbeitgebers für die
    Abwesenheit wegen Erkrankung für den Zeitraum der Abstellung fort.
(d) Der Arbeitgeber des abgestellten Personals berücksichtigt im Hinblick auf dessen
    Beförderung die Leistung dieser Personen während ihrer Abstellung an das gemeinsame
    zentrale Team in angemessener Weise.
 ---pagebreak---                                                                                    Anlage 4
GROBENTWURF
Der Rat hat den TAC-Bericht über den Grobentwurf zur Kenntnis genommen und, einer
Empfehlung des TAC folgend befunden, daß der Bericht über den Grobentwurf eine annehmbare
Grundlage bildet, auf der die Parteien Protokoll 2 abschließen können, obwohl anerkannt wird,
daß der detaillierte, technische Entwurf weiterentwickelt werden muß, um auf die Bedenken
einzugehen, die vom TAC genannt wurden.
Aus diesem Grunde bittet der Rat den Direktor, auf jede den Grobentwurf im TAC-Bericht
betreffende Empfehlung einzugehen.
Einer Empfehlung des TAC folgend bittet der Rat den Direktor und das JCT insbesondere um eine
Empfindlichkeitsanalyse, um den optimalen Weg zur Kostensenkung bei geringster Einschränkung
der Leistungsfähigkeit herauszuarbeiten.
                                                                                             £3
 ---pagebreak---                             GROßENTWURF FÜR DEN ITER
I       EINLEITUNG
        Dieser Bericht beschreibt den Grobentwurf für den ITER, der in den ersten : ;h:.*s'
Monaten 6er Arbeit an einem detaillierten technischen Entwurf (EDA) entwickelt wurde. Es wurü-
ein zusammenhängender Entwurf erstellt, der den erforderlichen Sicherheitsansprüchen unö ckr
erklärten programmatischen und technischen Zielen des ITER gerecht wird. Nach Einschätzung
belaufen sich die Kosten für den Bau des ITER für die Grundphase auf einen Betrag, der ungef&;
in den Grenzen derjenigen Kosten liegt, die im Abschlußbericht für den ITER-CDA angegeben
wurden.
        Jetzt bildet der Grobentwurf eine Grundlage für die weitere technische
Entwicklungsarbeit, für die Konzentration auf die ITER-Forschung und -Entwicklung und für
andere verwandte Tätigkeiten innerhalb der Zielsetzungen des ITER-EDA-Übereinkommens.
 II      PROGRAMMATISCHE UND TECHNISCHE ZIELE
         Nach Definition in dem ITER-EDA-Übereinkommen ist das programmatische Gesamtziei
des ITER, der Nachweis der wissenschaftlichen und technologischen Realisierbarkeit der
 Fusionsenergie zu friedlichen Zwecken. ITER würde dieses Ziel erreichen durch Demonstration
der kontrollierten Zündung und ausgedehnter Brenndauer von Deuterium-Tritium-Plasmen, mit
 stationären Betrieb als Endziel, durch Demonstration von Technologien, die für einen Reaktor in
 einem integrierten System von wesentlicher Bedeutung sind, und durch Durchführung von
 integralen Tests der einer sehr hohen Wärmebeiastung ausgesetzten Komponenten und der
 Nuklearkomponenten, die zur praktische Nutzung der Fusionenergie erforderlich sind.
         Im Zusammenhang mit den technischen Lösungsansätzen zur Ermittlung des besten
 praktischen Weges zur Erreichung der ITER-Ziele hat der ITER-Rat im Protokoll 1 des ITER-EDA-
 Abkommens detaillierte technische Zielsetzungen gebilligt.
         Aus den vereinbarten programmatischen und detaillierten technischen Zielsetzungen
 ergeben sich die wesentlichen Charakteristika und Parameter des Grobentwurfs für den ITER. Im
 Text über die detaillierten technischen Zielsetzungen wird die Notwendigkeit zweier
 Betriebsphasen zur Erreichung der programmatischen Ziele festgestellt: die Grundphase und eine
 Phase erweiterter Leistungsfähigkeit, die erweiterte Phase. Der Grobentwurf bildet den Entwurf
 zur Grundphase, und er gestattet die zukünftig Einbindung von Elementen, die zur Erreichung der
 Ziele der erweiterten Phase benötigt werden könnten.
         Die Größe, die Konfiguration und die Leistung des Plasmas wurden im Grobentwurf so
 festgelegt, daß das Ziel der Demonstration der kontrollierten Zündung durch induktive Puise mit
 einer "Flat-Top"-Zeit bei Zündung von etwa 1000 s erreicht werden kann. Aus dieser Zielsetzung
 und dem Ziel des Entwurfs, Nukleartests und Tests von Hochwärmeflus Komponenten unter
 Bedingungen wie in einem Fusionsreaktor durchzuführen, ergeben sich die Charakteristika der
 Komponenten innerhalb der Vakuumkammer und die Größenordnung des Tokamaks überhaupt.
         Entsprechend der großen Bedeutung dieses Schrittes in der Fusionsentwicklung beinhaltet
 der Grobentwurf Sicherheitsspielräume sowie technische Spielräume.
                                                                                                 -?4
 ---pagebreak--- Ill HAUPTELEMENTE DES GROBENTWURFS
    111.1   Wesentliche Parameter
    Die wesentlichen Parameter des Grobentwurfs für den ITER sind in Tabelle 1 aufgeführt:
                 Tabelle 1 : Wesentliche Parameter des ITER Grobentwurfs
             Fusionsleistung (nominell)                                       1.5 GW
             Brenndauer (nominell)                                            1000 Sekunden
             Plasmastrom                                                     24 MA
             Großer Radius (nominell *)                                      7.7 m
             Kleiner Plasmaradius (maximal)                                  3.0 m
             Elongation                                                       1.6
             Konfiguration des Divertors                                      "Single Null"
             Toroidalfeld (am nominellen großen Radius)                       6 Tesla
             Variation des toroidalen Feldes am Plasmarand (maximal)          ±2%
             * Der nominelle große         Radius   ist der    Schwerpunkt     der   Standard-
                Plasmakonfiguration.
             Die wesentlichen Züge des Grobentwurfs sind in der Querschnitts-zeichnung und
    im dreidimensionalen Aufbau in den Abbildungen 1 und 2 gezeigt.
     111.2   Physikalische Grundlagen
             Physikalische Studien des Plasmazentrums, die auf der Grundlage statistischer
    Analysen und der Extrapolation experimenteller Ergebnisse führender Fusionsanlagen
     durchgeführt wurden, weisen darauf hin, daß der Grobentwurf gute Aussichten für
     anhaltende und kontrollierte Zündung unter einer Reihe von Bedingungen und Szenarien
     bietet. Der Zündbereich kann je nach physikalischen Unsicherheiten in Schlüsselbereichen
     - sie betreffen den Einschluß des Plasmas, den Grad der Verunreinigung des Plasmas und
     die Abfuhr thermischen Heliums - unterschiedlich ausfallen. Die Abmessungen der Anlage
     wurden insgesamt so klein wie möglich gewählt, um angemessene Sicherheitsspielräume
     zu gewährleisten und das Risiko zu vermeiden, das von Instabilitäten oder Plasma
     abbrüchen ("disruptions") herrührt.
     111.3   Supraleitende Spulen und mechanische Stützstruktur
             Die Zielsetzungen des ITER schreiben den Einsatz der Technologie supraleitender
     Magnete im ITER vor. Um die Belastung der mechanischen Stützstruktur im Einsatz unter
     den geplanten Bedingungen zu minimieren, wurde bei der Entwicklung das gesamte
     System der Magnete in die mechanische Stützstruktur integriert. Das System enthält 24
     Spulen für das Toroidalfeld, eine Solenoidspule im Zentrum und sechs externe Spulen für
     das Poloidalfeld. Die Toroidalf eidspülen sind an den Zentralsolenoid angehängt, um ein
     Maximum an Voltsekunden und ausgeglichene elektromagnetische Kräfte zu
     gewährleisten. Die Spulen für das Toroidalfeld sind in Schichten gewickelt, so daß durch
     Stahlplatten zwischen den Schichten der Leiter die Steifigkeit der Anordnung erhöht wird.
     Der Zentralsolenoid ist auch in Schichten gewickelt und mit einem dickwandigen Leiter,
     der die notwendige mechanische Festigkeit gewährleistet versehen. Das System der
     Poloidalspulen ist hinreichend flexibel, um eine Vielzahl von Plasmakonfigurationen
     zuzulassen, die in der erweiterten Phase interessant sein könnten.
                                                                                               ^
 ---pagebreak---                                        ABBILDUNG         1
                                               METER
1. Zentrale Solenoidspule                            10. Vakuumkammer
2. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF2       11. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF4
3. Spule zur Erzeugung des Toroidalfeldes            12. Divertor
4. Abschluß des oberen Ausgangs                      13. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF5
5. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF3       14. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF6
6. Abschirmung                                       15. Stützstruktur der Machine
7. Mechanische Stützstruktur                         16. Spule zur Erzeugung des Poloidalfeldes, PF7
8. Abschirmung, herausnehmbar,                       17. Zylinder zum Einhängen der Toroidalfeidspulen
   für den Zugang zur fernbedienten Handhabung
9. Herausnehmbares Abschirmungsmodul
                                                                                                   n
                                                                                                     6
 ---pagebreak--- ABBILDUNG 2 ---pagebreak--- III.4      Vakuumkammer
           Die Vakuumkammer besteht aus einer Anordnung von 24 doppelwandigen
Segmenten, die toroidal nicht durchbrochen sind; sie sind zwischen den Zugängen
("ports") geschweisst und mit Metallkugeln und Kühlmittel gefüllt. Die Vakuumkammer
dient auch als Schutzschild und Einschlußbehältnis. In drei Ebenen werden Zugänge
gewährt, oben (für die Installation und den Austausch des Schutz/Brutmantels), in der
Mittelebene (für die Heizung und den Stromtrieb, den Test von Schutz/Brutmantelmodule,
für fernbediente Handhabung und die Diagnostikgeräte) und unten (für Maßnahmen am
Divertor und an den Pumpen).
III.5      Erste Wand und Schutz/Brutmantel
           Die Erste Wand ist Bestandteil eines auf niedriger Temperatur gehaltenen
( < . 2 0 0 ° C ) , wassergekühlten Schutz/Brutmantels, der vornehmlich aus Edelstahl besteht.
Das Material der mit hohen Wärmefluss belasteten Oberflächen ist Kupfer, um gute
Sicherheitsspielräume in der Grundphase für die Referenz-Belastung der Wand zu
gewährleisten. Der Schutz/Brutmantel ist in voneinander separierten innen- und
aussenseitige Komponenten geteilt, die ihrerseits toroidal unterteilt sind, um Installation
und Austausch durch den oberen Zugang zu ermöglichen. Die Erste Wand ist mit einem
Material niedriger Kernladungszahl beschichtet.
           Die zu testenden Mantel-Module werden durch den äußeren Zugang eingebracht.
Ihre Handhabung erfolgt unabhängig vom Schutz/Brutmantel; sie können unabhängig
voreinander ausgebaut werden.
           Der Grobentwurf erlaubt den späteren Einbau eines Brutmantels, der benötigt
werden könnte, um den Zielen der erweiterten Phase gerecht zu werden. Das
Schutzschild und der Mantel sind jeweils selbsttragende, voneinander unabhängige
Komponenten.
III. 6     Divertor
           Der Grobentwurf beinhaltet ein fortgeschrittenes Divertorkonzept, in dem Leistung
vom Rand des Plasmas zunächst zu den Wänden der Divertorkammer geleitet wird, bevor
sie die Divertorplatten selbst erreicht. Der Divertor ist modular aufgebaut; jedes Modul
besteht aus einer Anordnung gekühlter Ablenkplatten, die den Leistungsstrom
unterbrechen. Das Kühlmittel entspricht jenem des Schutz/Brutmantels.
II 1.7     Heizung und Stromtrieb
           Der Grobentwurf sieht eine zusätzliche Heizleistung von 5 0 M W vor. Der Entwurf
geht vom Einsatz von Wellen im Bereich der Ionen-Zyklotron Radiofrequenz (ICRF) aus,
läßt aber den Einsatz anderer Mittel zur Heizung und zum Stromtrieb zu, wie etwa den
Einsatz von Wellen im Bereich der Elektronen-Zyklotronfrequenz und die Injektion von
Neutralteilchen. Die Antennen im ICRF-Entwurf sind in der Lage, die Wellen ("Fast
Waves") so zu emittieren, um einen Stromtrieb zu ermöglichen. Die Gesamtleistung
könnte auf bis zu 100 M W oder mehr erhöht werden, ohne einen Wechsel der Antenne
zu erfordern.
III. 8     Kryostat
           Der Kryostat ist eine gefüllte Doppelwand aus Stahl, die zugleich auch die Rolle
einer Komponente zur Abschirmung und die Aufgabe eines Containments übernimmt.
                                                                                               2£
 ---pagebreak---        III.9   Sicherheit und Umwelt
               Die Anlage für das ITER-Experiment wird die erste Anlage zur Fusion sein, die
       wesentliche Elemente eines thermonuklearen Reaktors in sich vereinigt. Der ITER ist für
       einen sicheren Betrieb ausgelegt und so geplant, daß die Sicherheit der Fusionsenergie
       und ihr Potential für die Umwelt demonstriert werden. Diesbezüglich sieht der
       Grobentwurf insbesondere vor:
           - die schnelle Wiederaufbereitung des Brennstoffes, um das Tritium inventar
             minimieren;
           - mehrere Barrieren zum Einschluß radioaktiven Materials, inklusive des
             Schutz/brutmantels, der Vakuumkammer und des Kryostaten;
           - die Berücksichtigung technischer und physikalischer Spielräume.
       Bisherige Analysen zeigen, daß der Grobentwurf mit den zu erwartenden Grenzwerten für
       die regelmäßige bzw. durch Unfälle bedingte Freisetzung vereinbar ist.
IV     VERANSCHLAGUNG DER BAUKOSTEN
       Auf der Grundlage der bisher geleisteten Arbeiten werden die Kosten für den Bau des ITER
im Grobentwurf auf 5,6 Mrd US-Dollar geschätzt (Daten vom Januar 1989). Eine vorläufige
Aufschlüsselung der Kosten in den wesentlichen Teilbereichen ist in Tabelle 2 aufgeführt:
           Tabelle 2  :      ITER Grobentwurf - Veranschlagung der Baukosten
                             in Millionen US-Dollar (Daten vom Januar 1989)
        System supraleitender Magnete                                            1733
       Vakuumkammer, Mantel, Divertor                                             495
        Kryostat, Kryoanlage, Vakuum und Wärmetransport                           580
        Heizung, Brennstoffnachfüllung, Stromversorgung und andere Anlagen 799
        Gebäude und andere Einrichtungen                                          590
       Werkstattausrüstung und Werkstatthalle                                     470
       Zwischensumme                                                            4667
        Rücklagen für Eventualfälle (20 %)                                        933
        Summe                                                                    5600
        Die Veranschlagung der Kosten basiert auf den spezifischen Anforderungen des Entwurfs,
die den technischen Zielen der Grundphase Rechnung tragen; sie beinhaltet nicht die Kosten für
die ITER-Arbeitsgruppe. Die Schätzungen sind in dieser frühen Phase des Projektes nur vorläufig
und werden mit dem Fortschreiten der Arbeiten der EDA aktualisiert werden. Eine sichere
Bestimmung der Kosten, einschließlich der Kosten veranschlage für Aufträge an die Industrie,
kann erst nach Abschluß eines detaillierten Entwurfs erfolgen.
                                                                                                25
 ---pagebreak---                 Auswirkungen auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Der im Protokoll 2 vorgesehene FuE-Beitrag der Gemeinschaft besteht in der Vergabe von
Aufträgen im Rahmen von Assoziationsverträgen und des NET-Abkommens (Next
European Torus) nach Maßgabe des Vorschlags für einen Beschluß der Kommission über
das Fusionsprogramm.
Bei Materiallieferungen und Dienstleistungen der Industrie, die für die Durchführung von
Assoziationsverträgen oder des NET-Abkommens notwendig sind, ist nach diesen
Verträgen eine Ausschreibung erforderlich. Umfangreiche Verträge werden in allen
Mitgliedstaaten (zuzüglich Schwedens und der Schweiz) ausgeschrieben, und ausgewählt
wird der billigste Anbieter, der die technischen Spezifikationen erfüllen kann.
Im allgemeinen richten sich diese Ausschreibungen nicht speziell an die KMU, da technisch
kompetente KMU an allen Ausschreibungen teilnehmen können. Allerdings wurde in
jüngster Zeit im Rahmen des Qualifizierungssystems für europäische Firmen im Bereich
spezieller Fusionstechnologien, die für den Nächsten Schritt in der Fusionsforschung
unerläßlich sind (ABI. Nr. C 68 vom 11.3.1993, S. 15), vereinbart, daß die KMU bei der
Erstellung von Listen mit Firmen oder Firmengruppen für Ausschreibungen im Rahmen von
Technologien des Nächsten Schritts gebührend berücksichtigt werden.
Die Kommission setzt derzeit einen Ausschuß "Fusion-Industrie" ein, der sich aus
Vertretern des Fusionsprogramms sowie der europäischen Industrie zusammensetzt, als
Kontaktstelle zwischen dem Programm und der Industrie fungiert und die Kommission über
den Beratenden Ausschuß für das Fusionsprogramm in für Fusion und Industrie relevanten
Angelegenheiten berät. Auch die Interessen der KMU werden in diesem Ausschuß
vertreten sein.
 ---pagebreak---                                                                     BSN 0254-1467
                                                            KOM(94) 53 endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                   11 12 14
                                 Katalognummer : CB-CO-94-061-DE-C
                                                           ISBN 92-77-65622-0
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
1^-2985 Luxemburg
                                                                                  3i