CELEX: 62003TJ0102
Language: de
Date: 2005-06-22 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Erste Kammer) vom 22. Juni  2005. # Centro informativo per la collaborazione tra le imprese e la promozione degli investimenti in Sicilia SpA (CIS) gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Europäischer Fonds für regionale Entwicklung - Streichung einer finanziellen Beteiligung - Nichtberücksichtigung der vom Begünstigten der Beteiligung getätigten Ausgaben - Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 4253/88 - Begründungspflicht - Prüfung von Amts wegen. # Rechtssache T-102/03.

Rechtssache T‑102/03
      Centro informativo per la collaborazione tra le imprese e la promozione degli investimenti in Sicilia SpA (CIS)
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – Streichung einer finanziellen Beteiligung – Nichtberücksichtigung der vom Begünstigten der Beteiligung getätigten Ausgaben – Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 4253/88 – Begründungspflicht – Prüfung von Amts wegen“
      Urteil des Gerichts (Erste Kammer) vom 22. Juni 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Nichtigkeitsklage – Gründe – Unzureichende Begründung – Gerichtliche Prüfung von Amts wegen
      (Artikel 230 EG)
      2.     Wirtschaftlicher und sozialer Zusammenhalt – Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – Entscheidung über die Streichung
            einer finanziellen Beteiligung – Begründungspflicht – Umfang – Entscheidung ohne Berücksichtigung der Aspekte, die die Erstattung
            der von der nationalen Einrichtung getätigten Ausgaben rechtfertigen könnten – Unzureichende Begründung
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 4253/88 des Rates, Artikel 24)
      1.     Eine fehlende oder unzureichende Begründung stellt eine Verletzung wesentlicher Formvorschriften im Sinne des Artikels 230
         EG dar und ist ein Gesichtspunkt, den der Gemeinschaftsrichter von Amts wegen prüfen muss.
      
      (vgl. Randnr. 46)
      2.     Die Begründung einer beschwerenden Einzelfallentscheidung muss die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt
         erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen
         können und das zuständige Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann.
      
      Daher ist die Begründung der Entscheidung der Kommission über die Streichung einer finanziellen Beteiligung des Europäischen
         Fonds für regionale Entwicklung insoweit unzureichend, als diese Entscheidung zu den verschiedenen Tatsachen und Argumenten,
         die bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen könnten, insbesondere was die Frage angeht, ob diese Aspekte die Erstattung
         der von der Zwischeninstanz vor der Streichung der Beteiligung getätigten Ausgaben rechtfertigen konnten oder nicht, keine
         Aussage enthält, obwohl die Stellungnahme zu diesen Aspekten für das Gericht wesentlich ist, um prüfen zu können, ob die angefochtene
         Entscheidung begründet ist.
      
      (vgl. Randnrn. 47-48, 60)
URTEIL DES GERICHTS (Erste Kammer)
      22. Juni 2005(*)
      
      „Europäischer Fonds für regionale Entwicklung – Streichung einer finanziellen Beteiligung – Nichtberücksichtigung der vom Begünstigten der Beteiligung getätigten Ausgaben – Artikel 24 der Verordnung (EWG) Nr. 4253/88 – Begründungspflicht – Prüfung von Amts wegen“
      In der Rechtssache T‑102/03
      Centro informativo per la collaborazione tra le imprese e la promozione degli investimenti in Sicilia SpA (CIS) mit Sitz in Catania (Italien), Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwälte A. Scuderi und G. Motta,
      
      Kläger,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch E. de March und L. Flynn als Bevollmächtigte im Beistand von Rechtsanwalt A. Dal Ferro, Zustellungsanschrift
         in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung der Entscheidung C(2002) 4155 der Kommission vom 15. November 2002 über die Streichung einer durch
         die Entscheidung C(93) 256/4 der Kommission vom 16. Februar 1993 in Form eines Globalzuschusses für die Tätigkeit eines Informationszentrums
         für die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und zur Investitionsförderung gewährten Beteiligung des Europäischen Fonds
         für regionale Entwicklung (EFRE) und über die Rückzahlung des von der Kommission auf diese Beteiligung gezahlten Vorschusses
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Erste Kammer)
      
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten J. D. Cooke sowie des Richters R. García‑Valdecasas und der Richterin I. Labucka,
      Kanzler: J. Palacio González, Hauptverwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 1. Februar 2005
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1       Nach Artikel 158 EG entwickelt und verfolgt die Gemeinschaft weiterhin ihre Politik zur Stärkung ihres wirtschaftlichen und
         sozialen Zusammenhalts. Sie setzt sich insbesondere zum Ziel, die Unterschiede im Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen
         und den Rückstand der am stärksten benachteiligten Gebiete zu verringern, um eine harmonische Entwicklung der Gemeinschaft
         als Ganzes zu fördern. Nach Artikel 159 EG unterstützt die Gemeinschaft auch diese Bemühungen durch die Politik, die sie mit
         Hilfe der Strukturfonds, insbesondere des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), führt.
      
      2       Zur Erreichung dieser Ziele und zur Regelung der Aufgaben der Fonds erließ der Rat die Verordnung (EWG) Nr. 2052/88 vom 24.
         Juni 1988 über Aufgaben und Effizienz der Strukturfonds und über die Koordinierung ihrer Interventionen untereinander sowie
         mit denen der Europäischen Entwicklungsbank und der anderen vorhandenen Finanzinstrumente (ABl. L 185, S. 9), geändert u. a.
         durch die Verordnung (EWG) Nr. 2081/93 des Rates vom 20. Juli 1993 (ABl. L 193, S. 5). 
      
      3       Am 19. Dezember 1988 erließ der Rat die Verordnung (EWG) Nr. 4253/88 zur Durchführung der Verordnung Nr. 2052/88 hinsichtlich
         der Koordinierung der Interventionen der verschiedenen Strukturfonds einerseits und zwischen diesen und den Interventionen
         der Europäischen Investitionsbank und der sonstigen vorhandenen Finanzinstrumente andererseits (ABl. L 374, S. 1). Diese Verordnung
         trat am 1. Januar 1989 in Kraft und wurde wiederholt geändert, bis sie am 31. Dezember 1999 durch die Verordnung (EG) Nr.
         1260/1999 des Rates vom 21. Juni 1999 mit allgemeinen Bestimmungen über die Strukturfonds (ABl. L 161, S. 1) aufgehoben wurde.
         
      
      4       Kraft der Übergangsbestimmungen des Artikels 52 Absatz 1 der Verordnung Nr. 1260/1999 sieht Artikel 24 der Verordnung Nr.
         4253/88 – Kürzung, Aussetzung und Streichung der Beteiligung – in der durch die Verordnung (EWG) Nr. 2082/93 des Rates vom
         20. Juli 1993 (ABl. L 193, S. 20) geänderten Fassung, die am 15. November 2002, als die Kommission die Streichung der hier
         fraglichen Beteiligung beschloss, anwendbar war (nachstehend: Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88), Folgendes vor: 
      
      „(1)      Wird eine Aktion oder eine Maßnahme so ausgeführt, dass die gewährte finanzielle Beteiligung weder teilweise noch insgesamt
         gerechtfertigt erscheint, so nimmt die Kommission eine entsprechende Prüfung des Falls im Rahmen der Partnerschaft vor und
         fordert insbesondere den Mitgliedstaat oder die von ihm für die Durchführung der Aktion benannten Behörden auf, sich innerhalb
         einer bestimmten Frist dazu zu äußern. 
      
      (2)      Nach dieser Prüfung kann die Kommission die finanzielle Beteiligung an der betreffenden Aktion oder Maßnahme kürzen oder aussetzen,
         wenn durch die Prüfung bestätigt wird, dass eine Unregelmäßigkeit oder eine erhebliche Veränderung der Art oder der Durchführungsbedingungen
         der Aktion oder Maßnahme vorliegt und diese Veränderung der Kommission nicht zur Zustimmung unterbreitet wurde. 
      
      (3)      Nicht rechtmäßig gezahlte Beträge sind an die Kommission zurückzuzahlen. Auf nicht zurückgezahlte Beträge werden in Übereinstimmung
         mit der Haushaltsordnung und nach den Durchführungsbestimmungen, die die Kommission nach den Verfahren des Titels VIII erlässt,
         Verzugszinsen erhoben.“ 
      
       Sachverhalt und Verfahren 
       Entscheidung über die Genehmigung der Beteiligung
      5       Mit Entscheidung C(93) 256/4 vom 16. Februar 1993 bewilligte die Kommission der Italienischen Republik im Rahmen des gemeinschaftlichen
         Förderkonzepts für Strukturinterventionen der Gemeinschaft – Ziel 1 – der Region Sizilien eine Beteiligung des Europäischen
         Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Form eines Globalzuschusses für die Tätigkeit eines Informationszentrums für die
         Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und zur Investitionsförderung (nachstehend: Genehmigungsentscheidung). 
      
      6       Artikel 1 Absatz 2 der Genehmigungsentscheidung sah vor, dass die Beteiligung des EFRE dem Informationszentrum für die Zusammenarbeit
         zwischen den Unternehmen und zur Investitionsförderung, der verantwortlichen Zwischeninstanz, in Höhe von 6 760 000 ECU gewährt
         wird. Die Einzelheiten der Verwendung der Beteiligung sollten nach dieser Bestimmung in einem im Einvernehmen mit dem betreffenden
         Mitgliedstaat zu schließenden Vertrag zwischen der Kommission und den Zwischeninstanzen festgelegt werden. 
      
      7       Nach Artikel 2 in Verbindung mit der der Genehmigungsentscheidung beigefügten Tabelle belief sich die Beteiligung des EFRE
         auf etwa 60 % der für das Vorhaben veranschlagten Gesamtkosten und sollte durch eine Beteiligung der Region Sizilien in Höhe
         von 3 758 000 ECU und eine Beteiligung des Privatsektors in Höhe von 540 000 ECU ergänzt werden. 
      
      8       Nach Artikel 3 Absatz 1 der Genehmigungsentscheidung mussten alle für die Ausgaben erforderlichen rechtsverbindlichen Verpflichtungen
         bis zum 31. Dezember 1993 eingegangen und die Ausgaben bis zum 31. Dezember 1995 getätigt worden sein: 
      
      „Die Beteiligung der Gemeinschaft kann für Ausgaben gewährt werden, die für Vorgänge, für die der Globalzuschuss vorgesehen
         ist, getätigt werden und die in dem Mitgliedstaat – bis zum 31. Dezember 1993 – Gegenstand rechtsverbindlicher Akte und einer
         entsprechenden besonderen finanziellen Verpflichtung geworden sind. Die Frist für die Tätigung dieser Ausgaben endet am 31.
         Dezember 1995.“
      
      9       Nach Artikel 3 Absatz 2 der Genehmigungsentscheidung konnte die Kommission diese Fristen verlängern:
      „Die Kommission kann diese Fristen jedoch auf Antrag des Mitgliedstaats, der innerhalb der letztgenannten Frist eingereicht
         worden sein muss, verlängern, wenn die gelieferten Informationen dies rechtfertigen. Ohne eine Verlängerung der von der Kommission
         gesetzten Frist können Ausgaben, die nach Ablauf der dafür festgesetzten Frist getätigt werden, für die Beteiligung der Gemeinschaft
         nicht mehr berücksichtigt werden.“
      
      10     Am 22. März 1993 zahlte die Kommission an das italienische Ministerium für Finanzen auf die Beteiligung des EFRE einen Vorschuss
         in Höhe von 3 380 000 ECU. Dieser Vorschuss wurde nicht an das Centro informativo per la collaborazione tra le imprese e la
         promozione degli investimenti in Sicilia SpA (nachstehend: CIS), der für diese Beteiligung verantwortlichen Zwischeninstanz
         und Kläger des vorliegenden Verfahrens, gezahlt.
      
       Vertrag zwischen dem CIS und der Kommission
      11     Am 2. September 1993 unterzeichneten das CIS und die Kommission gemäß Artikel 1 Absatz 2 der Genehmigungsentscheidung einen
         Vertrag, um die Einzelheiten der Verwendung des durch die Genehmigungsentscheidung gewährten Globalzuschusses festzulegen
         (nachstehend: Vertrag CIS/Kommission).
      
      12     Nach Artikel 1 Absatz 2 dieses Vertrages wird mit der Intervention der Gemeinschaft das Ziel verfolgt, „ein Zentrum zu schaffen,
         das den Unternehmen, insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen, … sowohl Informationsdienste mit Wertschöpfung als
         auch Dienstleistungen liefert, die Initiativen zur unternehmerischen Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Mailand oder mit solchen
         Unternehmen verbundenen Unternehmen verstärken“. 
      
      13     In Artikel 5 des Vertrages sind folgende sieben vom CIS im Rahmen der Intervention der Gemeinschaft durchzuführende Maßnahmen
         beschrieben:
      
      –       Maßnahme 1: Aufbau des Informationszentrums;
      –       Maßnahme 2: Schaffung eines Informationssystems betreffend sizilianische Unternehmen;
      –       Maßnahme 3: Angebot fortschrittlicher Informationsdienste für Unternehmen;
      –       Maßnahme 4: Durchführung von kombinierten Investitions‑ und Zusammenarbeitsprojekten;
      –       Maßnahme 5: Nutzung externer Büros;
      –       Maßnahme 6: Förderung der Zusammenarbeit;
      –       Maßnahme 7: Vermarktung und Kommunikation.
      Maßnahme 1 zielt auf „Gründung und Aufbau eines Dienstleistungszentrums, das in der Lage ist, auf die nationalen und internationalen
         Dienstleistungsnetzwerke zurückzugreifen, um die Eingliederung der sizilianischen Unternehmen in den Markt zu fördern“. 
      
      14     Artikel 14 des Vertrages CIS/Kommission bestimmt:
      „Die Kommission kann, sofern sich die Zwischeninstanz schwerer Verstöße schuldig macht, im Einvernehmen mit dem Mitgliedstaat
         die mit dem vorliegenden Vertrag eingegangenen Verpflichtungen jederzeit kündigen, wobei der Zwischeninstanz diejenigen Beträge
         zustehen, die für die bis zum Zeitpunkt der Mitteilung der Kündigung zur Durchführung des Globalzuschusses eingegangenen Verpflichtungen
         und durchgeführten Tätigkeiten fällig sind.“ 
      
       Zustandekommen des Vertrages zwischen dem CIS und der Region Sizilien
      15     Mit Schreiben vom 12. November 1993, das an die Kommission, die italienischen Behörden und die Region Sizilien gerichtet war,
         stellte das CIS bei der Kommission den Antrag, die Fristen des Artikels 3 der Genehmigungsentscheidung (d. h. den 31. Dezember
         1993 für die Begründung aller rechtsverbindlichen finanziellen Verpflichtungen und den 31. Dezember 1995 für die Tätigung
         der Ausgaben) um ein Jahr zu verlängern.
      
      16     In diesem Schreiben wurde erläutert, die Verzögerung, die beim Abschluss des Vertrages zwischen dem CIS und der Region Sizilien
         über den Zuschuss dieser Region an das CIS eingetreten sei, beruhe auf der verspäteten Mitteilung des Gutachtens des Consiglio
         di giustizia amministrativa (Rat für Verwaltungsgerichtsbarkeit) und ziehe eine Verzögerung bei der Stellung der erforderlichen
         Bankbürgschaften nach sich, die für das Inkrafttreten des Vertrages CIS/Kommission erforderlich seien. 
      
      17     Die Kommission erklärte sich bereit, die Frist für die Begründung der finanziellen Verpflichtungen bis zum 31. Dezember 1994
         zu verlängern.
      
      18     Am 13. Dezember 1994 unterzeichneten das CIS und die Region Sizilien einen Vertrag, um die Einzelheiten der Verwendung des
         von der Region Sizilien ergänzend zu der Beteiligung des EFRE gewährten Zuschusses festzulegen (nachstehend: Vertrag CIS/Region
         Sizilien).
      
      19     In Artikel 15 des Vertrages CIS/Region Sizilien war jedoch vereinbart, dass es zum Inkrafttreten dieses Vertrages eines Dekrets
         des Präsidenten der Region und der Beteiligung des Rechnungshofs bedurfte. Diese Förmlichkeiten sollten am 29. März 1995,
         dem Tag des Inkrafttretens dieses Vertrages, erfüllt sein.
      
      20     Nach Artikel 11 des Vertrages CIS/Region Sizilien kann die Region Sizilien, wenn sich die Zwischeninstanz sehr schwerer Verstöße
         schuldig macht, die mit dem Vertrag eingegangenen Verpflichtungen jederzeit kündigen, wobei „der Zwischeninstanz diejenigen
         Beträge zustehen, die für die bis zum Zeitpunkt der Mitteilung der Kündigung zur Durchführung des Globalzuschusses eingegangenen
         Verpflichtungen und durchgeführten Tätigkeiten fällig sind“.
      
      21     1994 führte das CIS mit vorläufiger Finanzierung durch Mittel aus seinem Gesellschaftskapital die erste Maßnahme durch, die
         im Rahmen der Intervention der Gemeinschaft vorgesehen war, nämlich „Gründung und Aufbau eines Dienstleistungszentrums, das
         in der Lage ist, auf die nationalen und internationalen Dienstleistungsnetzwerke zurückzugreifen, um die Eingliederung der
         sizilianischen Unternehmen in den Markt zu fördern“. Die Aktionen bestanden darin, besondere Personal‑ und Finanzmittel bereitzustellen,
         um eine konkrete Unterstützung der Einrichtungen der Region und der Gemeinschaft zu gewährleisten und Kontakte mit den Unternehmen
         und Vereinigungen herzustellen. Diese Aktionen waren nach Auffassung des CIS erforderlich, da sonst der eingetretene Rückstand
         nicht mehr hätte aufgeholt werden können. Das CIS unterrichtete die Kommission von diesen Aktionen über die staatlichen und
         regionalen Stellen der italienischen Verwaltungsbehörden.
      
      22     Am 15. Dezember 1994 fand in Palermo eine Zusammenkunft des mit der Überwachung des Vorhabens betrauten Gremiums statt, an
         der Vertreter des CIS und ein Beamter der Generaldirektion (GD) „Regionalpolitik“ der Kommission teilnahmen. Bei dieser Zusammenkunft
         erläuterte dieser Beamte, dass der Beschluss des Verwaltungsrats des CIS über die Durchführungsentwürfe und über seine Verpflichtung
         zur Durchführung des Vorhabens unter den Begriff der „bis zum 31. Dezember 1994 einzugehenden Verpflichtungen“ im Sinne von
         Artikel 3 der Genehmigungsentscheidung subsumiert werden könne. 
      
       Vom zweiten Antrag auf Verlängerung der Fristen des Artikels 3 der Genehmigungsentscheidung bis zur angefochtenen Entscheidung
            
      23     Im Dezember 1994 stellte die Region Sizilien bei der Kommission einen zweiten Antrag auf Verlängerung der Fristen für die
         Gewährung der Beteiligung des EFRE, den die Kommission ablehnte. 
      
      24     Mit Schreiben vom 21. September 1995 gab die Kommission dem CIS die Ablehnung der von der Region Sizilien beantragten Verlängerung
         bekannt und forderte es auf, die Höhe der getätigten Ausgaben mitzuteilen, um die Quote der Beteiligung des EFRE festsetzen
         zu können: 
      
      „… Wir teilen Ihnen mit, dass sich die Kommission außerstande sah, Ihrem Antrag auf Verlängerung der Fristen für die finanziellen
         Verpflichtungen stattzugeben, da trotz der seinerzeit gewährten Verlängerung um ein Jahr (abgelaufen am 31. Dezember 1994)
         bezüglich der begünstigten Unternehmen keine gültigen Verpflichtungen vorliegen. Außerdem bitten wir, uns unverzüglich den
         Umfang Ihrer Verpflichtungen mitzuteilen, damit wir den Umfang unseres Engagements festlegen können.“
      
      25     Am 20. Oktober 1995, nach Ablehnung der Verlängerung der Fristen für die Durchführung des Globalzuschusses, stellte das CIS
         fest, dass es das Vorhaben, das seinen Gesellschaftszweck darstelle, nicht weiterverfolgen könne, und beschloss die vorzeitige
         Auflösung der Gesellschaft, was deren Liquidation zur Folge hatte. 
      
      26     Um eine Erstattung der für die Durchführung des Vorhabens getätigten Ausgaben in Höhe der von der Region Sizilien übernommenen
         Quote zu erlangen, reichte das CIS bei den Behörden dieser Region ein Verzeichnis der in diesem Rahmen getätigten Ausgaben
         ein, in dem ein Gesamtbetrag von 711 587 000 ITL ausgewiesen war. Außerdem beantragte das CIS bei der Region Sizilien, einen
         entsprechenden Erstattungsantrag zu Lasten des an das italienische Ministerium für Finanzen als Beteiligung des EFRE gezahlten
         Betrages weiterzuleiten. 
      
      27     Mit Schreiben vom 9. März 2001 übermittelten die italienischen Behörden der Kommission eine Schlussaufstellung der vom CIS
         im Rahmen der Beteiligung getätigten Ausgaben samt der dazugehörigen Unterlagen und wiesen als von den regionalen Stellen
         für zuschussfähig erklärte Ausgaben einen Betrag von 688 505 743 ITL aus. 
      
      28     Mit Schreiben vom 27. Dezember 2001 eröffnete die Kommission das in Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 vorgesehene Verfahren
         und forderte die italienischen Behörden und den Begünstigten der Beteiligung zur Äußerung auf. In diesem Schreiben hieß es,
         dass die Kommission beabsichtige, die Beteiligung zu streichen und die Rückzahlung des gezahlten Zuschusses zu verlangen,
         da die Prüfung der übermittelten Unterlagen „ergeben [hat], dass die angemeldeten Ausgaben nur die Aufnahme der Tätigkeit
         des [CIS] betrafen“, aber nicht die Aktionen der Information, Unterstützung und Förderung erfassten, die das CIS nach dem
         Vertrag CIS/Kommission hätte durchführen sollen; die Kommission könne daher annehmen, dass „das [CIS], das seine Tätigkeit
         am 6. Dezember 1995 einstellte, niemals in Betrieb war“.
      
      29     Mit Schreiben vom 11. März 2002 übermittelte die Region Sizilien der Kommission die Stellungnahme des Liquidationsbevollmächtigten
         des CIS zu der Entscheidung über die Eröffnung des Verfahrens nach Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88. In diesem Schreiben
         wurde daran erinnert, dass die italienischen Behörden der Kommission mitgeteilt hätten, dass sich die nach Feststellung durch
         die Region Sizilien für zuschussfähig erklärten Ausgaben auf 688 505 743 ITL beliefen, dass das CIS diese Ausgaben im Rahmen
         von Tätigkeiten, die zu der Maßnahme 1 „Aufbau des Informationszentrums“ gehörten, getätigt habe und dass der Verwaltungsrat
         des CIS mehrere Beschlüsse gefasst habe, die andere unter die Beteiligung fallende Maßnahmen betroffen hätten, so die Maßnahme
         3 „Angebot fortschrittlicher Informationsdienste für Unternehmen“, für die die erforderlichen Datenbanken und Personalressourcen
         ermittelt worden seien, und die Maßnahme 5 „Nutzung externer Büros“, für die die Durchführbarkeitsentwürfe verabschiedet worden
         seien. Außerdem wurde in diesem Schreiben darauf hingewiesen, dass die Nichtdurchführung des Vorhabens nicht auf das Verhalten
         des CIS zurückzuführen sei, sondern auf den verspäteten Abschluss des Vertrages CIS/Region Sizilien, also die verspätete Kofinanzierung
         durch diese Region. 
      
      30     Mit der Entscheidung C(2002) 4155 vom 15. November 2002, die an die Italienische Republik gerichtet ist, strich die Kommission
         die durch die Genehmigungsentscheidung gewährte Beteiligung des EFRE und forderte die italienischen Behörden zur Rückzahlung
         des auf diese Beteiligung gezahlten Vorschusses auf (nachstehend: angefochtene Entscheidung).
      
       Verfahren und Anträge der Parteien
      31     Mit Klageschrift, die am 14. März 2003 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, hat der Kläger die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      32     Das Gericht hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen, und im Wege prozessleitender
         Maßnahmen den Kläger und die Kommission aufgefordert, bestimmte Schriftstücke vorzulegen und schriftlich eine Reihe von Fragen
         zu beantworten. 
      
      33     Mit Schreiben vom 31. Dezember 2004 ist der Kläger und mit Schreiben vom 6. Januar 2005 die Kommission der Aufforderung des
         Gerichts nachgekommen. 
      
      34     Die Parteien haben in der Sitzung vom 1. Februar 2005 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet. Der Kläger
         hat bei dieser Gelegenheit bestätigt, dass er die angefochtene Entscheidung nicht anfechte, soweit durch sie die Beteiligung
         gestrichen werde, sondern nur, soweit durch sie nicht entsprechend der auf den EFRE entfallenden Quote die Erstattung der
         Ausgaben, die das CIS im Rahmen der Beteiligung in Höhe eines bestätigten Betrages von 688 505 743 ITL getätigt habe, gewährt
         werde. 
      
      35     Der Kläger beantragt, 
      –       die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit durch sie nicht entsprechend der Quote des EFRE die Erstattung
         der Ausgaben, die das CIS im Rahmen der Beteiligung in Höhe eines bestätigten Betrages von 688 505 743 ITL getätigt hat, gewährt
         wird; 
      
      –       der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen. 
      36     Die Kommission beantragt, 
      –       die Klage abzuweisen; 
      –       dem Kläger die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
       Entscheidungsgründe 
       Vorbringen der Parteien
      37     Der Kläger stützt seine Klage auf acht Klagegründe: erstens, Verstoß gegen Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88; zweitens,
         Ermessensmissbrauch seitens der Kommission; drittens, Verstoß gegen Artikel 14 des Vertrages CIS/Kommission; viertens, Verletzung
         des im Fall höherer Gewalt geltenden Grundsatzes; fünftens, Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit; sechstens,
         Verletzung des Grundsatzes der Rechtssicherheit; siebtens, Verletzung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes; achtens, Befugnismissbrauch.
         
      
      38     Im Rahmen des zweiten Klagegrundes macht der Kläger inzidenter geltend, die Kommission habe nicht außer Acht lassen dürfen,
         dass ihre Ablehnung einer Verlängerung der Fristen für die Aktion zwangsläufig die Einstellung der Tätigkeiten nach sich ziehen
         würde, die zur vollständigen Durchführung des Globalzuschusses hätten führen sollen. 
      
      39     Ferner wirft der Kläger der Kommission im Rahmen des dritten Klagegrundes vor, gegen Artikel 14 des Vertrages CIS/Kommission
         verstoßen zu haben, da sie nach dieser Bestimmung berechtigt sei, die mit diesem Vertrag eingegangenen Verpflichtungen zu
         kündigen, wenn sich die Zwischeninstanz schwerer Verstöße schuldig gemacht habe, wobei der Zwischeninstanz ein Anspruch auf
         Erstattung der Ausgaben für die zu diesem Zweck eingegangenen Verpflichtungen und durchgeführten Tätigkeiten zustehe. Die
         Kommission hätte daher im vorliegenden Fall die Erstattung der vom CIS im Rahmen der Durchführung des Zuschusses getätigten
         Ausgaben erst recht gewähren müssen, da das Nichtzustandekommen nicht auf der Untätigkeit des CIS, sondern auf Umständen beruhe,
         die von dessen Willen unabhängig seien, und das CIS alles in seiner Macht Stehende getan habe, um die verlangten Tätigkeiten
         durchzuführen. 
      
      40     Nach Auffassung der Kommission ist Artikel 14 des Vertrages CIS/Kommission im vorliegenden Fall nicht anwendbar, da er den
         Fall regele, in dem die Kommission den Vertrag einseitig kündige. Die vorliegende Rechtssache betreffe dagegen die Streichung
         einer Beteiligung der Gemeinschaft durch die Kommission wegen Unregelmäßigkeiten oder erheblicher Veränderungen der Durchführungsbedingungen
         des Vorhabens, und es komme allein Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 zur Anwendung. 
      
      41     Im Rahmen des fünften Klagegrundes rügt der Kläger, die Kommission habe den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt, indem
         sie durch die Ablehnung des Antrags auf Erstattung der vom CIS bereits getätigten Kosten die Grenzen dessen überschritten
         habe, was zur Erreichung des verfolgten Zieles geeignet und erforderlich sei (Urteil des Gerichtshofes vom 17. Mai 1984 in
         der Rechtssache 15/83, Denkavit Nederland, Slg. 1984, 2171, Randnr. 25, und Urteil des Gerichts vom 12. Oktober 1999 in der
         Rechtssache T‑216/96, Conserve Italia, Slg. 1990, II‑3139, Randnr. 101). So hätte die Kommission die Umstände des Falles berücksichtigen
         müssen, um den Erlass einer Entscheidung zu vermeiden, die das CIS bestrafe, indem sie ihm die Verantwortung für die von der
         Region Sizilien zu vertretenden Verzögerungen aufbürde. Der Kläger weist darauf hin, dass er durch die angefochtene Entscheidung
         den Anspruch auf die volle in der Genehmigungsentscheidung vorgesehene Beteiligung verloren habe, was er nicht anfechte. Er
         halte es jedoch für unverhältnismäßig, dass die Kommission es abgelehnt habe, ihm die Ausgaben zu erstatten, die er im Rahmen
         der Durchführung des Vorhabens getätigt habe und für die die italienischen Behörden festgestellt und bestätigt hätten, dass
         sie tatsächlich getätigt worden und gerechtfertigt seien, und die sogar von der Kommission zunächst gebilligt worden seien.
         
      
      42     Die Kommission trägt vor, die volle Streichung einer Beteiligung stelle keine Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit
         dar, wenn Umstände vorlägen, die sie rechtfertigten. In der vorliegenden Rechtssache sei sie angesichts der von den nationalen
         Behörden vorgelegten Unterlagen und aufgrund des ihr durch Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88 eingeräumten Ermessens der
         Ansicht gewesen, dass die Beteiligung der Gemeinschaft zu streichen sei. Es sei nur eine der sieben Maßnahmen des Vorhabens
         durchgeführt worden; diese Maßnahme habe lediglich im Aufbau der Struktur bestanden, die zur Durchführung der anderen Maßnahmen
         bestimmt gewesen sei, und diese Struktur wiederum sei wegen ihrer Liquidation im Oktober 1995, also noch vor Ablauf der Frist
         für die Zahlungen und jedenfalls bevor sie ihren Betrieb habe aufnehmen können, nicht funktionsfähig gewesen.
      
      43     Im Rahmen des siebten Klagegrundes macht der Kläger schließlich eine Verletzung des Grundsatzes des Vertrauensschutzes geltend,
         da durch die angefochtene Entscheidung die gesamte Beteiligung gestrichen werde ohne Rücksicht darauf, wie sich eine solche
         Maßnahme auf das CIS auswirke, das unter Beachtung der vorliegend maßgeblichen Vorschriften und im Vertrauen darauf, dass
         sein Verhalten ordnungsgemäß sei, in gutem Glauben und im Rahmen seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten alle zur Durchführung
         des Globalzuschusses erforderlichen Tätigkeiten durchgeführt habe. Daher hätte die Kommission die im Rahmen der Durchführung
         des Zuschusses getätigten Ausgaben, die ordnungsgemäß bestätigt und gemeldet worden seien, berücksichtigen müssen, statt die
         Streichung der Beteiligung ohne Erstattung dieser Ausgaben zu beschließen. 
      
      44     Die Kommission trägt vor, der Vertrauensschutz sei im Gemeinschaftsrecht an drei Voraussetzungen gebunden. Erstens müsse die
         Gemeinschaftsverwaltung dem Betroffenen präzise, nicht an Bedingungen geknüpfte und übereinstimmende Zusicherungen gemacht
         haben. Zweitens müssten diese Zusicherungen geeignet sein, bei dem Adressaten begründete Erwartungen zu wecken. Drittens müssten
         die gegebenen Zusicherungen den geltenden Vorschriften entsprechen (Urteil des Gerichts vom 6. Juli 1999 in der Rechtssache
         T‑203/97, Forvass/Kommission, Slg. ÖD 1999, I‑A-129 und II‑705, Randnrn. 70 und 71). Im vorliegenden Fall sei keine diese
         Voraussetzungen erfüllt. Denn das CIS habe die der Beteiligung entsprechenden Ausgaben auf eigene Initiative getätigt. Die
         Kommission räumt zwar ein, dass sie dieser Initiative des CIS nicht widersprochen habe, sie habe sie aber auch nicht erzwungen,
         so dass dies beim Kläger keinerlei begründete Erwartung habe wecken können, dass diese Ausgaben erstattet werden könnten.
         Überdies enthielten die Genehmigungsentscheidung und der Vertrag CIS/Kommission die Aussage, dass der Globalzuschuss für die
         Eröffnung und den Betrieb des Informationszentrum innerhalb der festgesetzten Fristen gewährt werde. Es gebe daher keine Bestimmung,
         die den Schluss zulasse, dass die für die Durchführung des Vorhabens entstandenen Ausgaben erstattet würden, wenn das Vorhaben
         nicht durchgeführt werde.
      
       Würdigung durch das Gericht
      45     Die Sachverhaltsdarstellung und die Argumente, die der Kläger im Verwaltungsverfahren vorgetragen und in seinen Schriftsätzen
         wiederholt hat, lassen sich wie folgt zusammenfassen:
      
      –       Das CIS habe keine Unregelmäßigkeit begangen und auch die Durchführung des Zuschusses nicht verändert, sondern sei nur Opfer
         des Verhaltens der Region Sizilien gewesen; 
      
      –       das CIS habe die Maßnahme 1 durchgeführt und der Kommission mitgeteilt, dass es mehrere Verpflichtungen insbesondere in Bezug
         auf die Maßnahmen 3 und 5 eingegangen sei; 
      
      –       die Kommission habe nicht die Versicherungen berücksichtigt, die bei der Zusammenkunft des Aufsichtgremiums am 15. Dezember
         1994 abgegeben worden seien, bei der ihr Vertreter erläutert haben soll, welche Maßnahmen zur Erfüllung der Voraussetzung
         ergriffen werden könnten, dass bis zum 31. Dezember 1994 Verpflichtungen einzugehen seien; 
      
      –       die Kommission habe nicht berücksichtigt, dass die im Rahmen der Beteiligung vorgesehenen Tätigkeiten nach der Ablehnung der
         Fristverlängerung, die die Begründung rechtsverbindlicher Verpflichtungen und entsprechender Zahlungsverpflichtungen ermöglicht
         hätte, nicht hätten durchgeführt werden können; 
      
      –       die Liquidation des CIS sei daher nur die direkte Folge der Ablehnung der Verlängerung dieser Frist, die zwangsläufig zur
         Unmöglichkeit der Durchführung des Zuschusses geführt habe; 
      
      –       die Kommission sei auch von ihr Stellungnahme in ihrem Schreiben vom 21. September 1995 abgewichen, in dem sie das CIS aufgefordert
         habe, den Betrag der getätigten Ausgaben mitzuteilen, um die Beteiligungsquote des EFRE ermitteln zu können.
      
      46     Eine fehlende oder unzureichende Begründung stellt eine Verletzung wesentlicher Formvorschriften im Sinne des Artikels 230
         EG dar und ist ein Gesichtspunkt, den der Gemeinschaftsrichter von Amts wegen prüfen muss (Urteile vom 20. Februar 1997 in
         der Rechtssache C‑166/95 P, Kommission/Daffix, Slg. 1997, I‑983, Randnr. 24, und vom 2. April 1998 in der Rechtssache C‑367/95 P,
         Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 67; Urteil des Gerichts vom 21. März 2001 in der Rechtssache
         T‑206/99, Métropole télévision/Kommission, Slg. 2001, II‑1057, Randnr. 43).
      
      47     Ferner ist daran zu erinnern, dass nach ständiger Rechtsprechung die Begründung einer beschwerenden Einzelfallentscheidung
         die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig zum Ausdruck bringen muss,
         dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und der zuständige Gemeinschaftsrichter seine
         Kontrollaufgabe wahrnehmen kann (Urteil Kommission/Sytraval und Brink’s France, Randnr. 63, und Urteil Métropole télévision/Kommission,
         Randnr. 44).
      
      48     Im vorliegenden Fall enthält die angefochtene Entscheidung zu den angeführten Tatsachen und Argumenten, insbesondere was die
         Frage angeht, ob diese Aspekte die Erstattung der vom CIS vor der Streichung der Beteiligung getätigten Ausgaben rechtfertigen
         konnten oder nicht, keine Aussage, obwohl die Stellungnahme zu diesen Aspekten für das Gericht wesentlich ist, um prüfen zu
         können, ob die angefochtene Entscheidung begründet ist.
      
      49     Im Abschnitt „Abwicklung des Vorhabens“ der angefochtenen Entscheidung ist nämlich nur ausgeführt, dass „der Begünstigte am
         20. Oktober 1995 liquidiert worden“ sei (Begründungserwägung 6), dass die Schlussaufstellung der Ausgaben und die dazugehörigen
         Unterlagen der Kommission übermittelt worden seien und dass sich die vom Begünstigten gemeldeten Ausgaben auf 711 584 000 ITL
         beliefen, wovon 688 505 743 ITL nach Überprüfung durch die Behörden der Region Sizilien für zuschussfähig erklärt worden seien
         (Begründungserwägung 7). 
      
      50     Im Abschnitt „Reaktion des betroffenen Mitgliedstaats“ der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägung 10) ist Folgendes
         ausgeführt: 
      
      „Mit Schreiben vom 11. März 2002 … haben die italienischen Behörden die angeforderten zusätzlichen Informationen übermittelt,
         die der Liquidationsbevollmächtigte [des CIS] zusammengestellt hat. Diese Informationen bestätigen: 
      
      –       Es waren Ausgaben in Höhe von 711 584 000 ITL gemeldet worden, und die nach Feststellung seitens der Region Sizilien für zuschussfähig
         erklärten Ausgaben beliefen sich auf 688 505 743 ITL; 
      
      –       die den Globalzuschuss betreffenden Tätigkeiten bezogen sich ausschließlich auf die Maßnahme 1: ‚Aufbau des Informationszentrums‘;
         
      
      –       der Zahlungsanspruch war auf die Behauptung gestützt, die Nichtdurchführung des Vorhabens sei nicht auf die Tätigkeit (oder
         Untätigkeit) des CIS zurückzuführen, sondern auf den verspäteten Abschluss des Vertrages zwischen der Region Sizilien und
         dem Begünstigten, also die verspätete Kofinanzierung durch die Region Sizilien.“ 
      
      51     Im Abschnitt „Beurteilung durch die Kommission“ der angefochtenen Entscheidung (Begründungserwägung 12) heißt es nur:
      „…
      –      der Zweck des Globalzuschusses, der darin bestand, die in Artikel 5 des Vertrages [CIS/Kommission] beschriebenen Tätigkeiten
         durchzuführen, ist nicht erreicht worden, da von den sieben in diesem Artikel vorgesehenen Maßnahmen nur die Maßnahme 1 ‚Aufbau
         des Informationszentrums CIS‘ durchgeführt worden ist; 
      
      –       die Argumente des CIS rechtfertigen auch keine Berücksichtigung derjenigen gemeldeten Ausgaben, die sich auf die Maßnahme
         1 ‚Aufbau des Informationszentrums CIS‘ beziehen. Die für das Scheitern des Globalzuschusses angeführten Gründe, nämlich die
         verspätete Kofinanzierung durch die italienischen Behörden, rechtfertigen die Inanspruchnahme des Beteiligung der Gemeinschaft
         nicht, da der Zuschuss zur Durchführung der in dem Vertrag [CIS/Kommission] angeführten Tätigkeiten gewährt worden war. Die
         Gewährung des Globalzuschusses hatte die Tätigkeit eines Informationszentrums zum Zweck. Dieses Zentrum war niemals in Betrieb
         und wurde liquidiert, nachdem erst eine der sieben in dem Vertrag [CIS/Kommission] vorgesehenen Maßnahmen durchgeführt worden
         war. Folglich rechtfertigt die Nichtbeachtung des Vertrages [CIS/Kommission] die Streichung der in Form eines Globalzuschusses
         gewährten Beteiligung und die Rückforderung des gezahlten Vorschusses.“ 
      
      52     Es ist festzustellen, dass die Ereignisse zwischen dem 2. September 1993, an dem der Vertrag CIS/Kommission in Kraft getreten
         ist, und dem 20. Oktober 1995, an dem das CIS liquidiert wurde, in der angefochtenen Entscheidung nicht erwähnt sind. 
      
      53     Erstens enthält die angefochtene Entscheidung weder einen Hinweis auf den ersten, vom CIS am 12. November 1993 an die Kommission
         gestellten Antrag auf Fristverlängerung noch auf die Entscheidung der Kommission, die in Artikel 3 Absatz 1 der Genehmigungsentscheidung
         vorgesehene Frist für die Begründung der finanziellen Verpflichtungen zu verlängern.
      
      54     Zweitens wird die Ablehnung des zweiten, von der Region Sizilien gestellten Antrags auf Fristverlängerung, die zwangsläufig
         zur Folge hatte, dass das CIS gehindert war, den Zuschuss in Anspruch zu nehmen, in der angefochtenen Entscheidung nicht erwähnt.
         Die Kommission konnte diese beiden Unterlagen, wie sie dem Gericht auf die Aufforderung zu ihrer Vorlage geantwortet hat,
         nicht finden. Im Übrigen ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Kommission nach Artikel 3 Absatz 2 der Genehmigungsentscheidung
         befugt war, diese Fristen zu verlängern, wenn die gelieferten Informationen dies rechtfertigten.
      
      55     Drittens bleibt das Schreiben der Kommission an das CIS vom 21. September 1995 in der angefochtenen Entscheidung unerwähnt,
         obwohl dem CIS in diesem Schreiben mitgeteilt wird, dass „die Kommission dem [zweiten] Antrag auf Verlängerung der Fristen
         für die finanziellen Verpflichtungen nicht stattgeben konnte, weil bezüglich der begünstigten Unternehmen keine gültigen Verpflichtungen
         vorliegen“. Es ist festzustellen, dass der in diesem Schreiben angegebene Grund dem Standpunkt widerspricht, der in der Zusammenkunft
         des Überwachungsgremiums vom 15. Dezember 1994 in Palermo zum Ausdruck gebracht worden war, bei der in Anwesenheit von Vertretern
         des CIS, eines Beamten der GD „Regionalpolitik“ der Kommission und von Beamten der Region Sizilien die Frage der „bis zum
         31. Dezember 1994 einzugehenden Verpflichtungen“ erörtert worden war. Der Beamte der Kommission hatte bei dieser Zusammenkunft
         nach der Schilderung in der der Kommission am 11. März 2002 übermittelten Stellungnahme des CIS zur Entscheidung über die
         Eröffnung des Verfahrens nach Artikel 24 der Verordnung Nr. 4253/88, der die Kommission nicht widersprochen hat, erläutert:
         „Im konkreten Fall des CIS könnte der Beschluss, mit dem der Verwaltungsrat des CIS die Entwürfe zur Durchführung der Maßnahmen
         und die gesamte Verpflichtung, das Vorhaben wie vorgesehen durchzuführen, billigen würde, unter den Begriff der ‚bis zum 31.
         Dezember 1994 einzugehenden Verpflichtungen‘ subsumiert werden.“ Der Verwaltungsrat des CIS hat also, um dieser Auslegung
         zu folgen, am 20. Dezember 1994 mehrere Beschlüsse über die Durchführung des Vorhabens gefasst, die u. a. die Maßnahme 3 (Angebot
         fortschrittlicher Informationsdienste für Unternehmen), für die die erforderlichen Datenbanken und Personalressourcen ermittelt
         worden wurden, und die Maßnahme 5 (Nutzung externer Büros), für die die Durchführbarkeitsentwürfe verabschiedet wurden, betrafen.
         
      
      56     Hierzu heißt es in der angefochtenen Entscheidung jedoch, dass nur die Maßnahme 1 (Aufbau des Informationszentrums) durchgeführt
         worden sei; auf die vom CIS in seinem Schreiben vom 11. März 2002 angeführten Argumente betreffend die Durchführung der Maßnahmen
         3 und 5 wird nicht eingegangen, obwohl sie sich auf den Zeitraum noch vor der Ablehnung des zweiten Antrags auf Fristverlängerung
         beziehen.
      
      57     Viertens wird in der angefochtenen Entscheidung auch der Inhalt des Schreibens der Kommission an das CIS vom 21. September
         1995 nicht berücksichtigt, in dem die Kommission das CIS aufforderte, „unverzüglich den Umfang Ihrer Verpflichtungen mitzuteilen,
         damit wir den Umfang unseres Engagements festlegen können“. Daraus lässt sich vernünftigerweise herleiten, dass die Kommission
         damals einverstanden war, einen Teil der vom CIS für die Durchführung des Zuschusses getätigten Ausgaben zu erstatten.
      
      58     Im Übrigen wird in der angefochtenen Entscheidung, obwohl sie die Streichung der Beteiligung und die Ablehnung der fraglichen
         Erstattung darauf stützt, dass nicht alle in Artikel 5 des Vertrages CIS/Kommission vorgesehenen Maßnahmen durchgeführt worden
         seien, nicht die Möglichkeit nach Artikel 14 dieses Vertrages berücksichtigt, der vorsieht, dass die Kommission, wenn sich
         die Zwischeninstanz schwerer Verstöße schuldig macht, die mit dem Vertrag eingegangenen Verpflichtungen kündigen kann, „wobei
         [jedoch] der Zwischeninstanz diejenigen Beträge zustehen, die für die bis zum Zeitpunkt der Mitteilung der Kündigung zur Durchführung
         des Globalzuschusses eingegangenen Verpflichtungen und durchgeführten Tätigkeiten fällig sind“. Wenn jedoch die für die Durchführung
         des Globalzuschusses getätigten Ausgaben im Fall schwerer Verstöße seitens der Zwischeninstanz erstattet werden können, so
         ist nicht ersichtlich, warum diese Ausgaben bei Fehlen solcher Verstöße seitens des Klägers nicht erstattet werden können.
      
      59     Aus alledem ergibt sich folglich, dass die angefochtene Entscheidung so mangelhaft begründet ist, dass das Gericht seine Kontrollaufgabe
         nicht wahrnehmen kann. Das Gericht kann insbesondere nicht beurteilen, ob die angefochtene Entscheidung im Hinblick auf die
         Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und des Vertrauensschutzes rechtmäßig ist.
      
      60     Somit ist die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, da die Kommission ihre Begründungspflicht nach Artikel 253
         EG verletzt hat. Die angefochtene Entscheidung ist nämlich hinsichtlich der Frage der der Quote des EFRE entsprechenden Erstattung
         der Ausgaben, die das CIS im Rahmen der Beteiligung in Höhe eines bestätigten Betrages von 688 505 743 ITL getätigt hat, unzureichend
         begründet.
      
       Kosten
      61     Nach Artikel 87 § 2 der Verfahrensordnung des Gerichts ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen.
         Da die Kommission mit ihrem Vorbringen unterlegen ist und der Kläger beantragt hat, ihr die Kosten aufzuerlegen, sind ihr
         ihre eigenen Kosten sowie die Kosten des Klägers aufzuerlegen. 
      
      Aus diesen Gründen
      hat
      DAS GERICHT (Erste Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Die Entscheidung C(2002) 4155 der Kommission vom 15. November 2002 über die Streichung einer durch die Entscheidung C(93) 256/4
            der Kommission vom 16. Februar 1993 gewährten Beteiligung des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung wird für nichtig
            erklärt, soweit durch sie die Beteiligung hinsichtlich der Ausgaben, die das Centro informativo per la collaborazione tra
            le imprese e la promozione degli investimenti in Sicilia SpA in Höhe eines bestätigten Betrages von 688 505 743 ITL getätigt
            hat, gestrichen wird.
      2.      Die Kommission trägt ihre eigenen Kosten sowie die Kosten des Klägers.
      
               Cooke
            
            
               García-Valdecasas
            
            
               Labucka
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 22. Juni 2005.
      
               Der Kanzler
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               H. Jung
            
             
            
                     J. D. Cooke
            
         * Verfahrenssprache: Italienisch.