CELEX: 51990PC0132(01)
Language: de
Date: 1990-05-04
Title: VORSCHLAG FUER EINEN BESCHLUSS DES RATES UEBER DIE DURCHFUEHRUNG EINES AKTIONSPROGRAMMS ZUR FOERDERUNG DER ENTWICKLUNG DER EUROPAEISCHEN AUDIOVISUELLEN INDUSTRIE ( 1991-1995 )

23. 5. 90                                Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                             Nr. C 127/5
                                                              II
                                                  (Vorbereitende Rechtsakte)
                                                KOMMISSION
              Vorschlag für einen Beschluß des Rates über die Durchführung eines Aktionsprogramms zur
                   Förderung der Entwicklung der europäischen audiovisuellen Industrie (1991—1995)
                                                     KOM(90) 132 endg.
                                     (Von der Kommission vorgelegt am 18. April 1990)
                                                       (90/C 127/07)
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN —                        Der Rat hat am 27. April 1989 den Beschluß
                                                                 89/337/EWG über das hochauflösende Fernsehen ge-
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäi-               faßt o .
schen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf Artikel
235,                                                             Die Kommission und die französische Regierung haben
                                                                 vom 30. September bis 2. Oktober 1989 in Paris gemein-
auf Vorschlag der Kommission,                                    sam die Europäische Konferenz über audiovisuelle Me-
                                                                 dien veranstaltet. Die dort zusammengetretenen Bran-
                                                                 chenvertreter haben darauf hingewiesen, daß die Aktion
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,                  der Gemeinschaft, insbesondere zugunsten der kreativen
                                                                 audiovisuellen Tätigkeit, ausgebaut werden muß.
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialaus-
schusses,
                                                                 Mit der Gemeinsamen Erklärung vom 2. Oktober 1989,
                                                                 die 26 europäische Länder und die Kommission gebilligt
in Erwägung nachstehender Gründe:                                haben, ist eine Struktur für die länderübergreifende Zu-
                                                                 sammenarbeit, genannt EUREKA-Audiovision, geschaf-
Die am 2. und 3. Dezember 1988 in Rhodos im Europäi-             fen worden.
schen Rat vereinigten Staats- und Regierungschefs haben
darauf hingewiesen, daß es von höchster Bedeutung ist,           Die am 8. und 9. Dezember 1989 in Straßburg vereinig-
verstärkte Anstrengungen — einschließlich der Zusam-             ten Staats- und Regierungschefs haben den Wunsch ge-
menarbeit — zu unternehmen, um die audiovisuelle Ka-             äußert, daß das Aktionsprogramm der Gemeinschaft im
pazität Europas durch den freien Austausch der Pro-              Anschluß an MEDIA (Maßnahmen zur Förderung der
gramme, durch die Förderung des europäischen hoch-               Entwicklung der audiovisuellen Industrie) die notwen-
auflösenden Fernsehens (HDTV) und durch eine Politik             dige finanzielle Unterstützung erhält und daß die erfor-
zur Förderung der Kreativität, der Produktion und des            derlichen Synergiemaßnahmen mit EUREKA-Audiovi-
Vertriebs zu steigern, in der der Reichtum und die Viel-         sion gewährleistet werden.
falt der europäischen Kultur zum Ausdruck kommen
können.
                                                                 Der Rat hat die Mitteilung der Kommission über die
                                                                 Medienpolitik gebilligt. Darin sind die vorrangigen Ziele
Die Gemeinschaft verfügt bereits über Instrumente zur            und Schwerpunkte einer Gemeinschaftspolitik festgelegt,
Verwirklichung dieser Politik.                                   mit der die rechtlichen, technologischen und industriellen
                                                                 Fragen der Medienindustrie global angegangen werden
Der Rat hat am 3. Oktober 1989 die Richtlinie                    können. Ferner wird darin ein vorläufiger Zeitplan für
89/552/EWG zur Koordinierung bestimmter Rechts-                  die Vorlage der zu ihrer Verwirklichung notwendigen
und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über             spezifischen Vorschläge aufgestellt.
die Ausübung von Tätigkeiten im Bereich des Rundfunks
und des Fernsehens verabschiedet ('); diese Richtlinie           Beim industriellen Teil dieser globalen Politik ist von der
trägt zur Schaffung eines großen audiovisuellen Marktes          bisherigen Erfahrung und den positiven Ergebnissen aus-
bei, der den Vertretern der Branche und den Bürgern              zugehen, die die Kommission bei der Durchführung der
zugute kommen soll und der gefestigt werden muß.                 Pilotphase des MEDIA-Programms erzielt hat. Die Be-
                                                                 wertung dieser Phase sowohl durch die Kommission als
(') ABl. Nr. L 298 vom 17. 10. 1989, S. 23.                      O ABl. Nr. L 142 vom 25. 5. 1989, S. 1.
 ---pagebreak---  Nr. C 127/6                            Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                23. 5. 90
 auch durch eine Gruppe unabhängiger Sachverständiger            Angesichts der kulturellen, technologischen und indu-
 hat ergeben, daß es zur Steigerung der audiovisuellen           striellen Herausforderungen als Folge der Entwicklung
 Kapazität Europas eines längerfristigen Programms be-           der Kommunikationstechniken und des wachsenden Be-
 darf.                                                           darfs an audiovisuellen Programmen gilt es vor allem,
                                                                 die Mobilisierung und die Dynamik der Branchenvertre-
                                                                 ter zu gewährleisten.
 Über die Fortsetzung und den Ausbau der während der
 Pilotphase durchgeführten Vorhaben hinaus kann die
 Durchführung neuer Pilotprojekte in den noch ungenü-            Die Branchenvertreter und die Mitgliedstaaten müssen
 gend erschlossenen Sektoren der europäischen audiovisu-        eng an den Entwicklungen der Hauptphase des Pro-
 ellen Industrie eine Katalysatorwirkung haben.                 gramms beteiligt werden. Die gegenseitige Information,
                                                                der Erfahrungsaustausch und die Konzertierung zwi-
                                                                schen den betroffenen Akteuren und der Kommission
 Die Aktion der Gemeinschaft kann nur erfolgreich sein,         sind wesentliche Voraussetzungen für die Steigerung der
wenn sie der europäischen Dimension des Medienmark-             Wirksamkeit und der Gesamtkohäsion der Medienpolitik
 tes Rechnung trägt. Hierzu muß auch die künftige Tä-           der Gemeinschaft.
 tigkeit im Rahmen von EUREKA-Audiovision berück-
sichtigt werden.
                                                                Die Aktion der Gemeinschaft in diesem Bereich soll die
                                                                von der öffentlichen Hand in den Mitgliedstaaten durch-
Zu diesem Zweck gilt es, mit Hilfe der geeigneten In-           geführten Maßnahmen nicht ersetzen, sondern sie ergän-
strumente und im Einklang mit der Gemeinsamen Erklä-            zen und erweitern. Diese einzelstaatlichen Maßnahmen
rung vom 2. Oktober 1989 die Komplementarität der               werden durch Verbindungs-, Kooperations- und Ausbil-
Gemeinschaftsmaßnahmen und der Maßnahmen im Rah-                dungsmechanismen ergänzt.
men von EUREKA-Audiovision zu fördern.
                                                                Die finanziellen Maßnahmen der Gemeinschaft sollen
                                                                vor allem dazu dienen, das Interesse zu wecken und ei-
Gemäß der Gemeinsamen Erklärung vom 2. Oktober
                                                                nen Anreiz für ergänzende Finanzierungsbeiträge der be-
 1989 sollen die Vorhaben im Rahmen von EUREKA-
                                                                troffenen Parteien zu bieten, so daß sie bei der Förde-
Audiovision nicht an die Stelle der Gemeinschaftsaktio-
                                                                rung der audiovisuellen Industrie eine Multiplikatorwir-
nen treten, sondern vielmehr diese erweitern und ergän-
                                                                kung entfalten.
zen.
                                                                Es gilt, die erforderlichen Maßnahmen zu beschließen,
Die Abstimmung von Angebot und Nachfrage ist ein ab-            damit der Binnenmarkt bis zum 31. Dezember 1992
solutes Gebot für die europäische audiovisuelle Industrie,      schrittweise errichtet werden kann.
die folglich die Segmentierung der Märkte überwinden
und ihre zu engen und zu wenig rentablen Produktions-
und Vertriebsstrukturen anpassen muß.                           Der Binnenmarkt umfaßt einen Raum ohne Binnengren-
                                                                zen, in dem für Waren, Personen, Dienstleistungen und
                                                                Kapital die Freizügigkeit gewährleistet ist.
In diesem Zusammenhang sind die kleinen und mittleren
Unternehmen sowie die Regionen der Gemeinschaft mit             Damit die in Artikel 2 des Vertrages vorgesehenen Ziele
geringer audiovisueller Kapazität bei der Anpassung der         erreicht werden können, muß im Rahmen des Funktio-
Marktstrukturen besonders zu berücksichtigen. Hierzu            nierens des Binnenmarktes die europäische audiovisuelle
ist die notwendige Koordinierung mit den Gemein-                Programmindustrie gefördert werden. Da jedoch die
schaftsinitiativen zu gewährleisten, die auf diesem Gebiet      hierzu erforderlichen Befugnisse im Vertrag nicht vorge-
im Gange sind.                                                  sehen sind, ist auf Artikel 235 zurückzugreifen.
Bei der Förderung der Programmindustrie muß die kul-            Der als Gemeinschaftsbeitrag zu dem vorgeschlagenen
turelle Identität der einzelnen Länder und Regionen ge-         Programm als notwendig erachtete Betrag beläuft sich
wahrt werden. Hierzu ist auch die Lage der Regionen             auf 235 Millionen ECU, verteilt auf fünf Jahre ab 1991.
mit eingeengtem Sprachraum in Europa zu berücksichti-           Die entsprechenden Mittelzuweisungen werden nach
gen.                                                            Maßgabe der finanziellen Vorausschau und der jährlich
                                                                verfügbaren Haushaltsmittel festgelegt —
Die Förderung der Programmindustrie erfordert die
Beherrschung der neuen Technologien und muß Grö-                BESCHLIESST:
ßenersparnisse ermöglichen.
                                                                                         Artikel 1
Der verstärkte Einsatz der neuen europäischen Techno-
logien, insbesondere der des hochauflösenden Fernse-            Für einen am 1. Januar 1991 beginnenden Zeitraum von
hens, in den Bereichen der Produktion und des Vertriebs         fünf Jahren wird ein Aktionsprogramm, genannt
audiovisueller Programme kann zur Aufwertung dieser             „MEDIA", verabschiedet, um die Entwicklung der euro-
Technologien beitragen.                                         päischen audiovisuellen Industrie zu fördern.
 ---pagebreak--- 23. 5. 90                              Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                            Nr. C 127/7
                         Artikel 2                             — Förderung neuer audiovisueller Dienste, insbesondere
                                                                   jener, die die neuen audiovisuellen Techniken der In-
Mit dem Aktionsprogramm werden folgende Ziele ange-
                                                                   formationsverbreitung und -Übermittlung einsetzen;
strebt:
                                                               — Ausbau des audiovisuellen Potentials der Regionen
— Beitrag zur Schaffung eines europäischen audiovisu-              mit geringer Produktionskapazität oder mit sprach-
    ellen Raums, in dem die Unternehmen der Gemein-                lichen Minderheiten, insbesondere durch Errichtung
    schaft neben denen der anderen europäischen Länder             länderübergreifender Netze für die Förderung und
    eine maßgebende Rolle spielen;                                 den Ausbau von Tätigkeiten im Mediensektor;
— Stimulierung und Steigerung der wettbewerbsfähigen           — Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Bran-
    Angebotskapazität der europäischen Hersteller von              chen der Gemeinschaft und der europäischen Dritt-
    Filmen und audiovisuellen Programmen, insbeson-                länder, insbesondere den Ländern Mittel- und Ost-
    dere unter Berücksichtigung der Rolle und des Be-              europas.
    darfs der kleinen und mittleren Unternehmen, der le-
    gitimen Interessen der Urheber und der Lage der            Diese Maßnahmen werden in Anhang I im einzelnen be-
    Länder mit geringer audiovisueller Produktionskapa-        schrieben.
    zität oder mit sprachlichen Minderheiten in Europa;
                                                                                        Artikel 4
— Ausbau des innereuropäischen Austauschs von Filmen
    und audiovisuellen Programmen und maximale Nut-            Die Durchführung des Aktionsprogramms umfaßt auch
    zung der in Europa bestehenden oder zu schaffenden         die Beteiligung der Gemeinschaft an Vorhaben im Rah-
    Vertriebsmöglichkeiten im Hinblick auf eine höhere         men von EUREKA-Audiovision, die die in Artikel 3 be-
    Rentabilität der Investitionen;                            schriebenen Maßnahmen ergänzen oder erweitern und
                                                               den in Anhang II aufgeführten Kriterien für eine Beteili-
— Verbesserung der Stellung der europäischen Produk-           gung der Gemeinschaft genügen.
    tions- und Vertriebsfirmen auf den Weltmärkten;
                                                               Ferner trägt die Gemeinschaft zu den Verwaltungskosten
— Förderung und Aufwertung der neuen europäischen              des Sekretariats von EUREKA-Audiovision (sowie zur
    Kommunikationstechnologien bei der Produktion              Einrichtung der europäischen Beobachtungsstelle für die
    und dem Vertrieb audiovisueller Werke;                     audiovisuelle Industrie) bei.
— Förderung eines globalen Konzepts, das es ermög-
                                                                                        Artikel 5
    licht, der Interdependenz der einzelnen audiovisuel-
    len Bereiche Rechnung zu tragen und die Komple-            Die Haushaltsmittel für die im Programm vorgesehenen
    mentarität der auf einzelstaatlicher und europäischer      Maßnahmen werden im Rahmen des Haushaltsverfah-
    Ebene durchgeführten Tätigkeiten sicherzustellen.          rens festgesetzt.
                         Artikel 3                                                      Artikel 6
Zur Erreichung der in Artikel 2 vorgesehenen Ziele wer-        Die an der Durchführung der Maßnahmen nach Artikel
den nach den in Artikel 7 vorgesehenen Verfahren fol-          3 beteiligten Vertragspartner der Kommission überneh-
gende Maßnahmen durchgeführt:                                  men in der Regel einen wesentlichen Teil der Finanzie-
                                                               rung; ihr Anteil beträgt mindestens 50 % der Gesamtko-
— Verbesserung des Vertriebs europäischer Produktio-           sten.
    nen, insbesondere durch die Schaffung spezialisierter
    Netze, die Förderung der Mehrsprachigkeit und den                                   Artikel 7
    Zugang zu den Märkten für unabhängige Produktio-
    nen;                                                       (1)    Die Kommission ist für die Durchführung des
                                                               Aktionsprogramms verantwortlich.
— Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Pro-
    duktion, insbesondere hinsichtlich der Drehbuchge-         (2)    Bei der Durchführung des Aktionsprogramms
    staltung und der Vorproduktion, des Einsatzes neuer        wird die Kommission von einem Beratenden Ausschuß
    Technologien, einschließlich des hochauflösenden           unterstützt, dem Vertreter der Mitgliedstaaten angehö-
    Fernsehens, der Förderung spezifischer Bereiche wie        ren und in dem der Vertreter der Kommission den Vor-
    des Zeichentrickfilms und der Schaffung eines              sitz führt.
    „Zweitmarktes", insbesondere durch Auswertung der
    Archive;                                                   Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Aus-
                                                               schuß einen Entwurf der zu treffenden Maßnahmen. Der
— Schaffung eines günstigen Umfelds für die Finanzie-          Ausschuß gibt seine Stellungnahme dazu innerhalb einer
    rung der Produktion und der Koproduktion, insbe-           Frist ab, die der Vorsitzende unter Berücksichtigung der
    sondere durch Schaffung europäischer Kapitalrisiko-        Dringlichkeit der betreffenden Frage — erforderlichen-
    fonds- und Garantiefonds-Netze;                            falls durch eine Abstimmung — festsetzen kann.
 ---pagebreak--- Nr. C 127/8                           Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 23. 5. 90
Die Stellungnahme wird in das Protokoll aufgenommen;          — Bewertung der Vorhaben,
darüber hinaus hat jeder Mitgliedstaat das Recht zu ver-
langen, daß sein Standpunkt im Protokoll festgehalten         — Abweichungen von Artikel 6,
wird.
Die Kommission berücksichtigt soweit wie möglich die          — Bewertung des Programms im Hinblick auf die Er-
Stellungnahme des Ausschusses. Sie unterrichtet den               stellung des in Artikel 8 vorgesehenen Berichts.
Ausschuß darüber, inwieweit sie seine Stellungnahme be-
rücksichtigt hat.
                                                                                        Artikel 8
(3)    Die Kommission hört den Ausschuß insbesondere          Nach zweijähriger Laufzeit unterbreitet die Kommission
zu folgenden Fragen an:                                       dem Europäischen Parlament, dem Rat und dem Wirt-
                                                              schafts- und Sozialausschuß einen Bericht, in dem die
— vorrangige Maßnahmen,                                       erzielten Ergebnisse bewertet werden.
— Kriterien für die Auswahl der Vorhaben und der
    Vertragspartner,                                          Nach Abschluß des Programms richtet die Kommission
                                                              nach dem in Artikel 7 vorgesehenen Verfahren einen Be-
— Mittelzuweisungen für die Prioritäten,                      richt über die Durchführung und Ergebnisse des Pro-
                                                              gramms an das Europäische Parlament, den Rat und den
— finanzielle Beteiligungen im Sinne von Artikel 4,           Wirtschafts- und Sozialausschuß.
 ---pagebreak--- 23. 5. 90                               Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                 Nr. C 127/9
                                                            ANHANG I
          DURCHZUFÜHRENDE                MASSNAHMEN           UND INDIKATIVE        AUFSCHLÜSSELUNG           DER
                                                             KOSTEN
                                                                                               (in Millionen ECU)
          1. Vertriebsmechanismen                                                                           100
             1.1. Filmverleib in Kinos                                                             40
                  — Signifikanter Ausbau der Tätigkeit des EFDO (Europäisches Filmver-
                      triebsbüro) zur Förderung des transnationalen Verleihs und der Vorfüh-
                      rung europäischer Filme in Kinos; davon sollen Werke mit Produktions-
                      kosten bis zu 4 500 000 ECU betroffen sein;
                  — Werbemaßnahmen für europäische Filme außerhalb der Gemeinschaft
                      (Werbebüros für europäische Filme und Fernsehprogramme, gruppierte
                      Beteiligung an Festspielen und Märkten);
                  — Prüfung und Durchführung der Förderungsmaßnahmen zugunsten der
                      Filmtheater.
             1.2. Vertrieb über Videokassetten und Sendeanstalten                                   20
                  — Fortsetzung des Projekts EVE (Europäischer Videoraum), rückzahlbare
                      Vorschüsse zur Förderung des Verleihs und des grenzüberschreitenden
                      Vertriebs europäischer Programme auf Videokassetten, Ergänzung dieses
                      Systems durch die Vernetzung öffentlicher Mediatheken, und Biblio-
                      theken;
                  — Förderung der Ausstrahlung von Programmen unabhängiger europäischer
                      Produzenten über die Fernsehanstalten.
             1.3. Förderung der mehrsprachigen Ausstrahlung von Fernsehprogrammen                      10
                  — Ausdehnung des BABEL-Vorhabens (Europäischer Fonds für die Mehr-
                      sprachigkeit in Film und Fernsehen) zur Förderung der Verbreitung euro-
                      päischer Fernsehproduktionen;
                  — Förderung mehrsprachiger Fernsehsender;
                  — im Rahmen von BABEL Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen für
                      Journalisten und sonstige Fachkräfte des Mediensektors, die in mehrspra-
                      chiger Umgebung arbeiten.
             1.4. Förderung der unabhängigen europäischen Produktion                                  30
                  Ausbau der Tätigkeit von EURO-AIM, einer Dienstleistungsstruktur, die die
                  gruppierte Präsenz unabhängiger Produzenten auf den internationalen Märk-
                  ten organisiert und sie berät, indem sie:
                  — die europäische Präsenz auf den großen Märkten deutlicher macht;
                  — besondere Produktionsbereiche (Archive, Dokumentarfilme, Jugend usw.)
                      herausstellt;
                  — die Werbetätigkeiten auf den außergemeinschaftlichen Märkten ausbaut;
                  — die den in der Produktion tätigen KMU zur Verfügung stehenden Dienst-
                      leistungen verbessert;
                  — die Zusammenstellung und Verbreitung von Daten über die unabhängige
                      europäische Produktion computerisiert.
 ---pagebreak--- Nr. C 127/10                             Amtsblatt d e r E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                          23. 5. 90
                                                                                                     (in Millionen  ECU)
           2. Verbesserung der Produktionsbedingungen                                                              90
              2.1. Förderung der Vorproduktion                                                           25
                   — Ausbau des Europäischen SCRIPT-Fonds (Förderung der Drehbuchge-
                       staltung und der Vorproduktion) durch Steigerung der Interventionskapa-
                        zitäten und durch Bereitstellung flankierender fachlicher Dienste, u. a.
                       zur:
                       — Unterstützung bei der Drehbuchgestaltung,
                       — Unterstützung bei der Produktionsfinanzierung;
                   — Förderung der Vorproduktion auch im Fall der Produktionsgesellschaften,
                       die „Programmpakete" präsentieren;
                   — Einbeziehung der Dokumentarfilme in diese (vorrangig für Spielfilme und
                       Fernsehserien vorgesehenen) Maßnahmen;
                   — Förderung der fachlichen Kompetenzen der europäischen Drehbuchauto-
                       ren durch Veranstaltung sogenannter ,,script-doctoring"-Seminare im
                       Rahmen von SCRIPT.
              2.2. Umstrukturierung der Zeichentrickfilmindustrie                                       25
                   — Förderung der Vernetzung der Produktionsstudios durch Kofinanzierung
                       der Koordinierungs- und Verwaltungskosten; Organisation der für eine
                       solche Vernetzung erforderlichen ergänzenden Ausbildungsmaßnahmen
                       für Trickfilmzeichner, Leiter von Trickfilmstudios und Grafikkoordinato-
                       ren;
                   — Beitrag zur Harmonisierung, zur Computerisierung der Produktionsmittel
                       und zur Industrialisierung der Arbeitsmethoden;
                   — Unterstützung von „Pilotprojekten" durch Bereitstellung eines Startkapi-
                       tals in Form von Vorschüssen auf die Filmeinnahmen;
                   — Entwicklung eines spezifischen Informationssystems für den europäischen
                       Trickfilm durch Veranstaltung von Treffen zwischen Produktions- und
                       Vertriebsfirmen sowie durch Computerisierung der Fachinformationen.
              2.3. Förderung des Einsatzes neuer europäischer Technologien bei der Programm-            25
                   Produktion
                   Ausweitung der Tätigkeit des MEDIA-Investment-Clubs durch:
                   — Erhöhung der Mitgliederzahl;
                   — Ausschreibungen zur Durchführung neuartiger Vorhaben;
                   — Unterstützung der Maßnahmen zur Förderung von Film- und Programm-
                       produktionen unter Nutzung der europäischen HDTV-Norm (in Verbin-
                       dung mit EUREKA-Audiovision und EWIV „Vision 1250"),
                   — Einführung der Fachleute der Produktionsbranche in die neuen Technolo-
                       gien (Synthesebilder, Digitalfernsehen, hochauflösendes Fernsehen, inter-
                       aktive Systeme usw.).
              2.4. Beitrag zur Schaffung eines „Zweitmarktes",        insbesondere durch Nutzung der    15
                   Archive
                   — Unterstützung der Tätigkeit und des Ausbaus von MAP-TV (Vernetzung
                       der europäischen Archivdienste);
                   — Nutzung dieses „kollektiven Gedächtnisses" durch Neuverleih, durch
                       Funkübertragungen oder durch Nutzung der Werke für die Produktion
                       neuer Serien;
                   — Erarbeitung und Erprobung von Lösungen für die rechtlichen Probleme
                       bei der Nutzung der Archive;
                   — Erstellung der Kataloge für die Förderung der Archive.
 ---pagebreak--- 23. 5. 90                                Amtsblatt d e r E u r o p ä i s c h e n Gemeinschaften                        Nr. C 127/11
                                                                                                    (in Millionen   ECU)
           3. Stimulierung der Finanzinvestitionen                                                                 15
              Förderung der Errichtung und des Ausbaus von Strukturen zur Mobilisierung und
              Stimulierung der Investoren (Risikokapitalfonds, Garantiefonds, Investmentfonds
              usw.).
          4. Sonstige Maßnahmen                                                                                    30
              Weitere Erforschung neuer Mittel und Wege zur Anpassung des Aktionspro-
              gramms an die Entwicklung der europäischen Medienindustrie. Beispielsweise in
              folgenden Bereichen:
              —    Förderung der neuen Mediendienste (Experimente in Bereichen wie der inter-
                   aktiven Kommunikation, der themenorientierten Sender usw.),
              —    Förderung des Potentials in den Ländern und Regionen mit geringer Medien-
                   kapazität oder mit sprachlichen Minderheiten in der Gemeinschaft.
          5. Förderung der Zusammenarbeit mit den Branchenvertretern der Länder Mittel-                           p.m.
              und Osteuropas (ein Teil des für jeden der vorstehend genannten Aktionsbereiche
              1 bis 4 vorgesehenen Finanzvolumens ist jeweils für diesen Sektor der Zusammen-
              arbeit bestimmt).
                                                                                          Insgesamt               235
                                                           ANHANG              II
                                         BETEILIGUNG AN EUREKA-AUDIOVISION
          Global gesehen streben die Politik der Gemeinschaft und EUREKA-Audiovision das gleiche Ziel an: die
          Stärkung der audiovisuellen Kapazität Europas entsprechend den Schlußfolgerungen, die der Europäische
          Rat auf seinen Tagungen in Rhodos und Straßburg verabschiedet hat. In diesem Zusammenhang heißt es in
          Anhang 2 der Gemeinsamen Erklärung von Paris vom 2. Oktober 1989 über EUREKA-Audiovision, daß
          sich die Europäische Gemeinschaft, insbesondere im Rahmen ihrer eigenen Programme, an den EUREKA-
          Audiovisions-Projekten beteiligen kann, wobei bereits bestehende Kooperationsstrukturen dadurch nicht
          ersetzt, sondern vielmehr — je nach Bedarf — erweitert oder ergänzt werden sollen. Diese Beteiligung der
          Gemeinschaft kommt konkret darin zum Ausdruck, daß die Fachkreise der Nichtmitgliedstaaten (nach
          noch festzulegenden Modalitäten) Zugang zu Gemeinschaftsvorhaben haben und daß sich die Gemein-
          schaft an EUREKA-Audiovisions-Projekten beteiligt, die den in Anhang I beschriebenen Aktionslinien ent-
          sprechen.
          Der Beitrag der Kommission zu EUREKA-Audiovision soll sich nach dem Kriterium des gemeinschaftsbe-
          dingten Mehrwerts richten.
          Das Aktionsprogramm der Gemeinschaft und EUREKA-Audiovision können sich aufgrund ihrer unter-
          schiedlichen Strukturen sinnvoll ergänzen:
          — Im Rahmen des Aktionsprogramms werden aufeinander abgestimmte Anreize vor und nach der eigent-
              lichen Produktion geschaffen, wobei die Beteiligung der zwölf EG-Länder einen Größeneffekt mit sich
              bringt.
          — Im Rahmen des audiovisuellen EUREKA-Programms werden in Anlehnung an das technologische
               EUREKA-Programm Strukturen geschaffen, die es den Fachkreisen ermöglichen sollen, durch konzer-
              tierte Einzelmaßnahmen grenzübergreifende Vorhaben, insbesondere im Bereich der Produktion, zu
              konzipieren und durchzuführen und sie bei unterschiedlich gewichteten Beteiligungen privater und öf-
              fentlicher Partner flexibel abzuwickeln.
 ---pagebreak--- Nr. C 127/12                             Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften                                   23. 5. 90
           Daraus können zwei Arten von Synergiemaßnahmen entstehen:
           1. Ausdehnung des Aktionsprogramms der Gemeinschaft auf neue Partner:
               Dies bedeutet, daß der gemeinschaftsbedingte Mehrwert durch erweiterte geographische, wirtschaftliche
               und kreative Strukturen noch erhöht wird.
               Die Fachkreise der Unterzeichnerstaaten der „Gemeinsamen Erklärung" sind aufgefordert, sich an den
              Initiativen des Aktionsprogramms zu beteiligen. „Beitritte" werden durch Vereinbarungen zwischen den
              neuen Nicht-FG Partnern und den jeweiligen Projektbeauftragten geregelt. Die von den neuen Part-
              nern einzubringenden Mittel werden auf der Grundlage der operationeilen und Verwaltungskosten des
              Projekts berechnet.
              Das Aktionsprogramm trägt gemeinschaftlichen Charakter und wird von der Kommission verwaltet, die
              dabei von dem in Artikel 7 vorgesehenen Beratenden Ausschuß unterstützt wird. Seine Ausweitung trägt
              jedoch auch zu einer Erweiterung der kommerziellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten bei.
           2. Die Gemeinschaft als Partner der EUREKA-Audiovisions-Projekte
              Der gemeinschaftsbedingte Mehrwert wird in die EUREKA-Vorhaben eingebracht, deren Ausweitung
              positive Auswirkungen auf die Tätigkeit der audiovisuellen Programmindustrie in Europa haben könnte.
              Die Gemeinschaft kann sich im Rahmen ihres Aktionsprogramms an den EUREKA-Audiovisions-Pro-
              jekten beteiligen. Jede Beteiligung der Gemeinschaft ist Gegenstand einer besonderen Vereinbarung.
              Diese Beteiligung, die insbesondere den Auswirkungen dieser Projekte auf die unabhängige Produktion
              und den Zweitmarkt Rechnung tragen wird, wird es ermöglichen, daß
              — die im Rahmen des Aktionsprogramms durchgeführten einzelnen Maßnahmen durch eine Beteili-
                  gung an Vorhaben zur Ergänzung bestehender Initiativen verstärkt aufeinander abgestimmt werden;
              — Synergien im Rahmen von Vorhaben, deren Verflechtung Anreize schaffen könnte, zum Tragen
                  kommen;
              — der Sektor der unabhängigen Produktion einen Aufschwung erfährt;
              — ein Sekundärmarkt im Zusammenhang mit dem Vertrieb europäischer Produktionen geschaffen
                  wird;
              — die erforderlichen zusätzlichen Mittel für Vorhaben zur effizienten Nutzung der bei der Programm -
                  Produktion angewandten neuen europäischen Technologien (insbesondere HDTV) bereitgestellt
                  werden;
              — durch die Beteiligung an einem bestimmten Vorhaben das Potential von Gebieten oder Ländern „mit
                  geringerer audiovisueller Produktionskapazität" besser genutzt werden;
              — im Hinblick auf das vorrangige Ziel einer Stärkung der audiovisuellen Kapazitäten Europas ein Bei-
                  trag zum Erfolg des audiovisuellen EUREKA-Programms geleistet werden kann.
              Für eine Beteiligung der Gemeinschaft kommen alle Vorhaben in Betracht, die einer der unter Artikel 3
              beschriebenen Aktionslinien des Programms entsprechen. Ob eine derartige Beteiligung angezeigt ist,
              hängt von den besonderen Merkmalen des einzelnen Vorhabens sowie davon ab, inwieweit EUREKA-
              Audiovision geeignet ist, die angestrebten Ziele zu erreichen. Der Beratende Ausschuß aus Vertretern
              der Mitgliedstaaten wird gemäß Artikel 7 die EUREKA-Audiovisions-Projekte auswählen, die von der
              Gemeinschaft unterstützt werden.
           3. Andere Formen der Beteiligung an EUREKA-Audiovision
              Die Gemeinschaft beteiligt sich in dem im Ausschuß der Koordinatoren vereinbarten Verhältnis an den
              Sekretariatskosten für EUREKA-Audiovision sowie an den Vorarbeiten für die etwaige Schaffung einer
              europäischen Beobachtungsstelle für audiovisuelle Medien.