CELEX: 31996M0781
Language: de
Date: 1996-09-13 00:00:00
Title: Entscheidung der Kommission vom 13/09/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.781 - Schering / Gehe- Jenapharm) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)

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31996M0781

Entscheidung der Kommission vom 13/09/1996 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.781 - Schering / Gehe- Jenapharm) gemäss der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates (Nur der Deutsche Text ist verbindlich)  

Amtsblatt Nr. C 306 vom 15/10/1996 S. 0003

 ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 13/09/1996 zur Vereinbarkeit eines  Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt (Fall IV/M.781 - Schering /  Gehe-Jenapharm) gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 4064/89 des Rates  (Nur der Deutsche Text ist verbindlich). Die gedruckte Fassung der Entscheidung ist bei den Verkaufsstellen des  Amtes für Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften. ÖFFENTLICHE VERSION FUSIONSVERFAHREN ARTIKEL 6(1)(b) ENTSCHEIDUNG Einschreiben mit Empfangsbestätigung An die anmeldenden Parteien Betrifft :<ind> Fall Nr. IV/M. 781  Schering/Gehe  Jenapharm <ind> Ihre Anmeldung vom 09.08.1996 gemäß Art. 4 der Ratsverordnung (EWG)  Nr. 4064/89 <ind> (Fusionsverordnung) Am 9.8.1996 erhielt die Kommission die Anmeldung eines beabsichtigten  Zusammenschlusses nach Artikel 4 der Ratsverordnung (EG) Nr. 4064/89,  wonach die Schering AG, Berlin eine Beteiligung von 74,9 % und mit der  Gehe AG, Stuttgart (25,1%) gemeinsame Kontrolle an der Jenapharm GmbH &  Co. KG erwirbt. Jenapharm war bisher eine 100%ige Tochtergesellschaft von  Gehe, die ihrerseits zum HanielKonzern gehört.  I.<ind> Die Parteien 1. <ind> Schering ist ein weltweit tätiges Pharmaunternehmen mit einem  Umsatz von 2480 MECU (1995).  Seine wesentlichen und im Vergleich mit den  Grossunternehmen relativ spezialisierten Geschäftsbereiche sind Diagnostika  mit 34 %, Fruchtbarkeitskontrolle und Hormontherapeutika mit 31%, sonstige  Therapeutika mit 25 % und dermatologische Erzeugnisse mit 8 % des  Umsatzes. Schering ist mit der Hoechst Schering AgrEvo GmbH, Berlin, einem  40:60Gemeinschaftsunternehnen auch im Bereich Pflanzenschutzmitteltätig. 2.<ind> Gehe repräsentiert mit einem weltweiten Umsatz im Jahre 1995 von  10 Mrd ECU die Pharmainteressen des HanielKonzerns (Weltumsatz rd. 13 Mrd  ECU). Sie liegen nach dem Erwerb von OCP (Frankreich) und AAH (Vereinigtes  Königreich) zu 90 % im Pharmagroßhandel. Daneben ist Gehe mit einem Umsatz  von rd. 245 MECU als Pharmahersteller am Markt, betreibt  Gesundheitsdienste und einen Spezialversand für Büro, Betriebs und  Lagereinrichtungen.  3.<ind> Das künftige Gemeinschaftsunternehmen Jenapharm ist aus dem  früheren VEB Jenapharm hervorgegangen, den Gehe/Haniel 1991 von der  Treuhandanstalt übernommen hatte. Jenapharm ist in F & E, Herstellung und  Vertrieb von Pharmazeutika in Deutschland und einzelnen Ländern des  ehemaligen Ostblocks tätig. Der Gesamtumsatz liegt bei rd. 115 MECU. Die  Geschäftsschwerpunkte sind Gynäkologie mit 61 %, Herz/Kreislauf mit 22 %  und pflanzliche Arzneimittel mit 17 % des Umsatzes wobei besondere  Erfahrungen und Erfolge in Fruchtbarkeitskontrolle und Hormontherapie  vorliegen.  II.<ind> Das Vorhaben a)<ind> Gemeinsame Kontrolle  4.<ind> Nach dem GUVertrag werden Schering mit 74,9 % und Gehe/Haniel mit  25,1 % am stimmberechtigten Kapital der Jenapharm GmbH & Co. beteiligt  sein. Allerdings ist bei für das strategische Wirtschaftsverhalten der  Jenapharm wesentlichen Entscheidungen die Zustimmung von Gehe/Haniel  erforderlich (§ 2 (3) GUVertrag, § 8 (3) KGVertrag, § 7 (3) GmbHVertrag).  Dabei handelt es sich um <ind> <ind> Beschlüsse über die Bestellung, Abberufung und Vergütung der  Geschäftsführer sowie über die Geschäftsverteilung zwischen mehreren  Geschäftsführern, <ind> <ind> Beschlüsse über den jeweils im voraus aufzustellenden  Finanzplan sowie die [zur Veröffentlichung entfernt] Budgetplanung,  <ind> <ind> im Finanzplan nicht vorgesehene Investitionen mit einem  Gesamtvolumen von mehr als DM [zur Veröffentlichung entfernt] Mio. sowie <ind> <ind> Entscheidungen über wesentliche Änderungen der  Geschäftstätigkeit 5.<ind> Demgemäß wird das GU von Schering und Gehe/Haniel gemeinsam  kontrolliert, obwohl das stimmberechtigte Kapital zwischen ihnen ungleich  verteilt ist.  b)<ind> Dauerhaftes Vollfunktions GU 6.<ind> Jenapharm wird wie bisher über eigenständige F & E , Produktion  und Vertrieb verfügen.  Die Vertriebsstruktur ist dabei bisher auf den  Absatz in Deutschland und einzelnen osteuropäischen Ländern begrenzt.  Das  GU wird künftig die europaweiten Vertriebs und Marketingstrukturen von  Schering nutzen, wenn es seine Aktivitäten geographisch ausdehnt.  Dabei  wird Schering als Verkaufsvertreter des GU tätig.  7.<ind> Nach Ablauf von [zur Veröffentlichung entfernt] Jahren nach dem  Zusammenschluß sind erstmalig für Gehe eine putOption und für Schering  eine callOption bezueglich der Anteile der Gehe an Jenapharm vorgesehen.  Die Optionen sind nur innerhalb von 3 Monaten ausübbar. [zur  Veröffentlichung entfernt] .  Die Optionsregelung beinträchtigt jedoch  nicht die dauerhafte Veränderung der Unternehmensstruktur durch das  Vorhaben. Die Gesellschaft ist auf unbestimmte Zeit gegründet. Die  Optionen sind erstmalig nach fünf Jahren anzuwenden, nur innerhalb kurzer  Fristen vorgesehen und nicht etwa jederzeit ausübbar. Daher ist von einer  dauerhaften Grundlage für das Gemeinschaftsunternehmen auszugehen.  c)<ind> Keine Koordinierung 8.<ind> Gehe zieht sich mit der Bildung des Gemeinschaftsunternehmens aus  den Märkten der Hormonpräparate und Verhütungsmittel vollständig zurück  und unterwirft sich für die Dauer des GU insoweit einem Wettbewerbsverbot.  Ein Kooridinierungsrisiko besteht für die beteiligten Unternehmen hier  nicht, weil Gehe künftig nur noch über das GU in diesen Märkten vertreten  ist.  9.<ind> Soweit sich Aktivitäten von Schering und Gehe auf anderen  Produktmärkten auch geographisch überschneiden  (vgl. Anlage 1),  trifft  dies nur für Deutschland zu und es handelt sich um minimale "overlaps" auf  Märkten wo die gemeinsamen Marktanteile jeweils bei unter 5%, zumeist  unter 1%, liegen.  Eine Koordinierung ist daher auf diesen Märkten durch  die Zusammenarbeit im GU zwischen den Obergesellschaften nicht zu  erwarten. d)<ind> Leiras 10.<ind> Die Anmelder haben die Kommission über ein weiteres dem jetzigen  Zusammenschluß zeitlich und wirtschaftlich eng verbundenes Vorhaben  informiert, das aber nicht in den Anwendungsbereich der europäischen  Fusionskontrolle fällt, weil es die Schwellenwerte des Art. 1 (2) FKVO  nicht erfuellt.  Die Schering AG hat mit der Huhtamäki Oy am 16. Juli 1996  einen Kaufvertrag geschlossen, der auf den unmittelbaren bzw. mittelbaren  Erwerb sämtlicher Anteile an den Gesellschaften der LeirasGruppe sowie der  Anteile der HuhtamäkiGruppe an den beiden Gemeinschaftsunternehmen  Leiras  Synthelabo Oy und Oy Pharmacal AB gerichtet ist. Das Bundeskartellamt hat  dieses Vorhaben inzwischen freigegeben. 11.<ind> Durch den beabsichtigten Erwerb der LeirasGruppe, die  hauptsächlich in Finnland tätig ist,  ergeben sich keine zusätzlichen  Überschneidungen der Aktitivitäten von Schering und Gehe.<ind> Europaweit  erhöht sich der gemeinsame Anteil der Parteien am hormonellen  Kontrazeptivageschäft geringfügig von 29% auf 29,6%. e)<ind> Ergebnis 12.<ind> Das Vorhaben stellt einen Zusammenschluß nach Artikel 3 (1) b der  FKVO dar.  III.<ind> Gemeinschaftsweite Bedeutung 13.<ind> Die beteiligten Unternehmen haben zusammen einen weltweiten  Gesamtumsatz von mehr als 5 Mrd ECU. Jedes der beteiligten Unternehmen hat  auch einen gemeinschaftsweiten Umsatz von mehr als 250 MECU (Schering rd  990 MECU, Gehe/Haniel rd 12 490 MEC). Allerdings erzielen sie nicht mehr  als zwei Drittel ihres gemeinschaftsweiten Gesamtumsatzes in einem und  demselben Mitgliedstaat. Das Vorhaben hat folglich gemeinschaftsweite  Bedeutung, stellt aber keinen Kooperationsfall aufgrund des EWRAbkommens  dar.  IV. <ind> Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen Markt <ind> a) Relevante Produktmärkte <ind> Medikamente 14.<ind> Die Kommission hat in früheren Entscheidungen darauf abgestellt,  daß Medikamente in therapeutische Gruppen nach der anatomischen  therapeutischen Klassifizierung (ATC) unterteilt werden können, wie sie  von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt sind und genutzt werden  [siehe u.a. Entscheidung IV/M.495 Behringwerke/Armour vom 3.4.95.]. Die  Klassifizierung gruppiert die Stoffe nach ihrer Zusammmensetzung und ihren  therapeutischen Eigenschaften. Ihr drittes Niveau stellt auf die  Therapiegruppen ab und damit auf den beabsichtigten Nutzen. Es ist deshalb  als geeignete Marktabgrenzung anerkannt. Im Einzelfall kann es jedoch  erforderlich sein, auf einem Niveau den Markt zu bilden, das mehrere  solcher Gruppen zusammenfasst oder einen engeren Markt des vierten Niveaus  zu bilden.   Demgegenüber stellt die Anmeldung bei hormonalen und lokalen  Kontrazeptiva (G3A, G2B) auf einen einheitlichen Markt zur Kontrazeption  ab, der alle Empfängsnisverhütungsmittel ausserhalb der männlichen oder  weiblichen Sterilisierung einschließt. 15.<ind>  Zwischen den verschiedenen Mitteln der Empfängsnisverhütung,  den <ind> <ind> <ind> <ind> <ind> <ind> <ind> <ind> <tab> <ind> hormonalen  Kontrazeptiva in unterschiedlichen Anwendungsformen <ind> <tab> <ind> chemischen Spermiziden <tab> <ind> Pessaren <tab> <ind> Diaphragmen <tab> <ind> Kondomen <ind> bestehen vielfältige produktbezogene, "anwendungstechnische",  anwenderspezifische auch ärztlich therapeutische, qualitative und  preisliche Unterschiede.   Auch der Verwendungszweck umfasst neben der  Verhütung mit differierender Sicherheit den Schutz der Gesundheit, den  einzelne Erzeugnisse z.B. gar nicht erfuellen können. 16.<ind> Aus diesen Gründen ist eine weitgehende funktionale  Austauschbarkeit der verschiedenen zur Empfängsnisverhütung geeigneten  Erzeugnisse nicht anzunehmen. Dem stehen auch nicht die Ergebnisse einer  von den Parteien herangezogenen EMNID StichprobenUmfrage entgegen. Sie  belegen allenfalls einen Methodenwechsel im Zeitablauf, ohne die  gewandelte "Verbraucherpräferenz" erkennen zu lassen. Auch die nach der  Umfrage beobachtete "Entscheidung des Verbrauchers in der Partnerschaft"  ändert nichts an der letztlich aus Verbrauchersicht maßgeblichen  geschlechtsspezifischen Individualentscheidung, die ebenfalls für  unterschiedliche Produktmärkte spricht.  17.<ind> Im Bereich der Empfängsnisverhütung sind daher hormonale bzw.  orale Kontrazeptiva (G3A) als relevanter Produktmarkt anzusehen.  Diese  Produktmarktabgrenzung haben die befragten Hersteller und Abnehmer auf der  Handelsstufe überwiegend bestätigt, während für sie eine Einbeziehung  aller Kontrazeptiva wie auch engere Produktmärkte innerhalb der hormonalen  Kontrazeptiva nicht in Betracht kommen. 18.<ind> Auf der Grundlage der ATCKlassifizierung, 3. Stufe ergeben sich  aus der Anmeldung fünf relevante Märkte, auf denen sich die Tätigkeit der  Parteien signifikant überschneidet und wo in Deutschland gemeinsame  Marktanteile von 15% oder mehr erreicht werden (1995). ATC <tab> therapeut. Beschreibung <tab> MECUSchering <tab> Jenapharm <tab> insgesamt <tab> Markanteil in % G3A <tab> Hormonelle Kontrazeptiva <tab> 244[zur Veröffentlichung entfernt] [zur  Veröffentlichung entfernt] [zur Veröffentlichung entfernt  zwischen 25 und  35%.] G3B <tab> Androgene + Kombinationen   <tab> 7,5[zur Veröffentlichung  entfernt.]  [zur Veröffentlichung entfernt] [zwischen 55 und 65%] G3D <tab> Progestogene +  Kombinationen <tab> 9,4[zur Veröffentlichung entfernt] [zur  Veröffentlichung entfernt] [zwischen 15 und 25%] G3F <tab> ÖstrogenProgestogen Kombinationen <tab> 107,2[zur Veröffentlichung entfernt]  [zur  Veröffentlichung entfernt] [zwischen 15 und 25%] G3C G3E G3F <tab> Klimakteriums präparate <tab> 173,2 <tab> [zur Veröffentlichung entfernt]  [zur  Veröffentlichung entfernt] [zwischen 15 und 25%]  <ind>  <ind> Wirkstoffe 19.<ind> Die Herstellung von Pharmazeutika erfolgt im allgemeinen in zwei  getrennten Prozessen: Herstellung der Wirkstoffe und der Pharmazeutika.  Unter Herstellung der Pharmazeutika versteht man die Mischung des  Wirkstoffes mit anderen Stoffen und die Herstellung der galenischen Form  wie Kapseln oder Tabletten. Wirkstoffe werden sowohl für eigene Zwecke  hergestellt als auch gehandelt. Daher gibt es eigene Märkte für  Wirkstoffe, die den Märkten für Pharmazeutika vorgelagert sind. 20.<ind> Wirkstoffe können im Hinblick auf ihre Endprodukte für  verschiedene ATCKlassen verwendet werden.  Die Wirkstoffverkäufe der  beteiligten Unternehmen überschneiden sich 1995 in drei von sechs  Sexualsteroiden der Jenapharm mit den 42 Wirkstoffen dieser Gruppe bei  Schering.  Die Wirkstoffe sind auf dem Weltmarkt grundsätzlich verfügbar,  werden über spezialisierte Händler oder Makler beschafft und in der Regel  auftragsgebunden produziert. Im Fall von vertikal integrierten Unternehmen  wie Schering und Jenapharm werden Wirkstoffe nur vertrieben soweit dies  Eigenverbrauch und Kapazität zulassen.  <ind> Zukünftige Märkte 21.<ind> Gehe betreibt ausserhalb der Jenapharm keine eigenständige  Forschung und Entwicklung. In den relevanten Forschungsbereichen sind die  Parteien wie folgt tätig: ATC Gruppe <tab> Klinische Phasen <tab> Schering <tab> Jenapharm Angestrebte Forschungziel <tab> I <tab> II <tab> III <tab> I <tab> II  <tab> III G3A <tab> 2 <tab> 1112 G3B <tab>  <tab> 2 G3D <tab>  <tab> 11 G3C/G3F <tab>  <tab> 2112 G3  versch. <tab>  <tab> 1  22.<ind> Die Marktabgrenzung solcher zukünftigen Märkte kann sich dann an  den vorhandenen ATCKlassen orientieren, wenn dadurch bereits existierende  Produkte ersetzt werden sollen.  Andernfalls muß sie sich vorrangig an den  Indikationen orientieren auf die die zukünftigen Produkte angewendet  werden sollen [Fall Nr. IV/M. 737  CibaGeigy/Sandoz Pt. 44] und die eine  umfassendere Marktabgrenzung bewirken. <ind> Für Phase I und II  Projekte ist eine zuverlässige Aussage über den  zukünftigen Produktmarkt noch nicht möglich.  Insoweit drückt die  Zuordnung in der Übersicht nur das angestrebte Forschungsziel aus. <ind> Großhandel 23.<ind> Schließlich führt die weit überwiegende wirtschaftliche Aktivität  der Gehe als Europas grösstes Unternehmen im Pharmagroßhandel dazu, daß auf  diesem nachgelagerten Markt im Vereinigten Königreich, in Irland und in  Frankreich Marktanteile von mehr als 25 % erzielt werden, die daher als  relevante vertikal betroffene Märkte zu berücksichtigen sind.  <ind> b) Relevante geographische Märkte <ind> Medikamente und Großhandel 24<ind> Aus dem Gesichtspunkt der wissenschaftlichen und technischen  Anforderung an Medikamente bedeutet die Harmonisierung der technischen  Gesetzgebung in der Gemeinschaft und das Inkrafttreten der neuen  Zulassungsverfahren für Medikamente am 1.1.1995 die Vollendung des  einheitlichen Binnenmarktprogramms. Seit Anfang 1995 haben pharmazeutische  Unternehmen die Möglichkeit und bei biotechnischen Produkten die  Verpflichtung einen Zulassungsantrag für neue Medikamente an die  europäische Prüfungsagentur zu richten, die eine Empfehlung an die  Kommission gibt, deren Entscheidung für alle Mitgliedstaaten bindend ist. 25.<ind> Die Verschreibungsbedingungen und Erstattungsregeln für  Medikamente hängen von verschiedenen gesetzlichen und regulatorischen  Maßnahmen ab und unterscheiden sich in den einzelnen Mitgliedstaaten.  Die  Preise der meisten Medikamente sind durch nationales Recht direkt oder  indirekt geregelt.  Der Unterschied im Preis und Erstattungsmechanismus  führt zu stark unterschiedlichen Preisniveaus für Medikamente in den  verschiedenen Mitgliedstaaten.  Auch die Verteilungssysteme für  Medikamente variieren zwischen den Mitgliedstaaten insbesondere im  Einzelhandel (Apothekenstufe). 26.<ind> Aus diesen fortbestehenden Gründen bleibt der geographische  Bezugsmarkt für den Medikamentenverkauf einschließlich dem vertikal  betroffenen Großhandelsmarkt bei der Beurteilung dieses Falles im  wesentlichen national. Die Parteien haben in ihrer jetzigen Anmeldung  diesen Ansatz ebenfalls  wie in früheren Verfahren  nicht angezweifelt.  <ind> Wirkstoffe und Zukünftige Märkte 27.<ind> Die den Pharmamärkten vorgelagerten Wirkstoffe bilden dagegen als  Zwischenprodukte internationale Märkte, die zumindest EGweit wenn nicht  weltweit abzugrenzen sind.  Soweit aufgund von F + E Projekten zukünftige  Produktmärkte betrachtet werden können, ist angesichts der im Regelfall  globalen Forschung und Entwicklung mindestens auf gemeinschaftsweite und  möglicherweise auf weltweite Märkte abzustellen [vgl. Falle N  IV/M. 737   CibaGeigy/Sandoz Pt. 50, 51] <ind> c) Wettbewerbliche Beurteilung 28.<ind> Der Gesamtumsatz des Gemeinschaftsunternehmens von 115 MECU wird  nahezu ausschließlich in Deutschland als betroffenem Markt und vereinzelt  in Osteuropa erzielt.  Soweit sich die Aktivitäten der beteiligten  Unternehmen auch ausserhalb der betroffenen Märkte von Hormontherapeutika  und Fruchtbarkeitskontrolle überschneiden, betrifft dies in den  Indikationsgruppen (vgl. Anlage 1) solche Märkte auf denen die gemeinsamen  Marktanteile höchstens 2% erreichen oder wo bei einem einzelnen höheren  Marktanteil die Überschneidung nur etwa 1% ausmacht, sodaß signifikante  Auswirkungen durch den Zusammenschluß hier nicht zu erwarten sind. <ind> Hormonale Kontrazeptiva (G3A) Deutschland 29.<ind> Mit hormonalen Kontrazeptiva werden nach Angaben der Parteien  europaweite Umsätze von insgesamt über 670 MECU erzielt, wovon allein 244  MECU auf das Marktvolumen in Deutschland entfallen. Sie bestehen  normalerweise aus einer Östrogen und einer Progestogenkomponente. 30.<ind> Der Markanteil von Schering war rückläufig und hat sich in den  letzten Jahren bei [zwischen 10 und 15%] stabilisiert. Gehe/Jenapharm  konnte seinen Anteil durch die Einführung von Valette seit März 1995 von  [zur Veröffentlichung entfernt] (1994) auf [zur Veröffentlichung entfernt]   im Jahr 1995 steigern.  Er liegt zusammen mit Schering bei [zwischen 25  und 35%].  Die wichtigsten Wettbewerber sind Akzo mit [zwischen 20 und  30%],  American Home mit [zwischen 10 und 15%],  Johnson + Johnson mit  [unter 10%] und Grünenthal mit [unter 10%]. Die Parallelimporte von  Originalprodukten durch Dritte aus Niedrigpreismärkten, dieinsgesamt in  1995 13,4% des deutschen Marktes ausmachen, erhöhen diese Marktanteile  nach Schätzung der Kommission wie folgt : Schering/Jenapharm etwa  [zwischen 35 und 45%], Akzo/Organon etwa [zwischen 25 und 35%], American  Home etwa [zwischen 10 und 20%] und sonstige insgesamt mit etwa 18%. 32.<ind> American Home/Wyeth (AHW) ist mit den Parteien vertraglich  verbunden.  Zwischen  Schering und American Home Products besteht ein [zur  Veröffentlichung entfernt] 33.<ind> Unter diesen Bedingungen kann AHW nicht als völlig unabhängiger  Wettbewerber in Bezug auf den erzielten Marktanteil in Deutschland  angesehen werden. Allerdings entfallen auf gestodenhaltige hormonale  Kontrazeptiva in Deutschland keine bedeutende Marktanteile. Auch beruht  die Marktstellung von American Home in Deutschland nur zu [zwischen 15 und  25%] auf gestodenhaltigen Produkten. Demgegenüber werden in erster Linie  Erzeugnisse mit anderen Wirkstoffen eingesetzt, bei denen keine  vertraglichen Beziehungen, anders als auf arm's length basis zu den  beteiligten Unternehmen bestehen. <ind>  34.<ind> Die Befragung der Wettbewerber hat bestätigt, daß Schwankungen  ihrer Marktanteile im mittelfristigen Zeitablauf hauptsächlich durch den  andauernden Innovationswettbewerb und im Zusammenhang mit der hohen  Nachfragebeweglichkeit eintreten.  Letztere ist auch Folge von immer  wieder erforderlichen Diskussionen um Nebenfolgen von oralen  Kontrazeptiva.  Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte  hat bestätigt, daß (eingeschränkte) Bedenken gegen Kontrazeptiva bereits  in der Vergangenheit erhoben werden mussten, die die Nachfrage jeweils  beeinflussten. 35.<ind> Auch der im Zeitablauf wachsende Anteil der G3AParallelimporte  nach Deutschland aus Niedrigpreismärkten wie Vereinigtes Königreich oder  Spanien beeinflusst den Verhaltensspielraum der führenden Hersteller.  Solche Importe betreffen zwar Erzeugnisse der Originalhersteller, werden  jedoch von unabhängigen Handelsfirmen auf den Markt gebracht. Selbst wenn  man diese Parallelimporte dem Marktanteil des Originalherstellers  zurechnet, entfalten Sie doch eine preisdämpfende Wirkung im Markt. Dies  ergibt sich, weil die Kosten für hormonale Kontrazeptiva im Allgemeinen  von den Kunden zu tragen sind, deren Nachfrage die Bestellung der  Apotheken beeinflusst. 36.<ind> Die Marktanteilsstruktur für die bedeutendsten Wettbewerber  Schering, Akzo und American Home/Wyeth wiederholt sich in gelegentlich  unterschiedlicher Rangfolge in den wichtigsten anderen nationalen Märkten  in denen Jenapharm nicht tätig ist, und bewirkt europaweite Anteile von  jeweils 20  25%.  Dennoch sind andere grosse internationale Gruppen, wie  Monsanto (Searle) und Johnson + Johnson in einigen nationalen Märkten  stark engagiert. Auch sind andere grosse internationale Konzerne wie  Hoechst Marion Roussel oder Pharmacia & Upjohn in geringerem Umfang in  verschiedenen Mitgliedstaaten und in den USA vertreten. 37.<ind> Die Marktzutrittschwellen für neue Wettbewerber sind, mit  abnehmender Stärke, bei den F+E Kosten, den erforderlichen  Produktzulassungen, den notwendigen Produktionserfahrungen und bei der  Marketingstruktur relativ hoch. Dies gilt im geringeren Umfang für  eingeführte Pharmaunternehmen, die auf andern Märkten tätig sind und für  solche, die bei hormonellen Kontrazeptiva ausserhalb Deutschland tätig  sind. 38.<ind> Jeder Anbieter eines hormonalen Kontrazeptivums in einem anderen  Land der Europäischen Gemeinschaft als Deutschland kann, gestützt auf die  Zulassung im jeweiligen Referenzstaat, eine Anerkennung der Erstzulassung  in der Bundesrepublik Deutschland betreiben (MutualRecognitionProcedure).  Ausserdem können die Hersteller seit Anfang 1995 Ihre neuen Medikamente  nach einem Zulassungantrag an die europäische Prüfungsagentur und einer  positiven Entscheidung der Kommission in allen Mitgliedstaaten  vertreiben. 39.<ind> Marktzutritte zum deutschen Markt erfolgten in den letzten Jahren  nicht, während neue Produkte seit 1994 ausser von Schering, Jenapharm und  American Home (2) auch von Grünenthal eingeführt wurden.  40.<ind> Die bedeutenden Wettbewerber Akzo, Johnson + Johnson, AHW sowie  eine Vielzahl auch von ressourcenstarken Grossunternehmen wie Hoechst,  Roche u.a., betreiben den Haupteil der Kontrazeptiva  F + E Projekte.  Einige von Ihnen sind bei Kontrazeptiva ausserhalb Europa, und auch in  einzelnen Mitgliedstaaten stärker als inDeutschland tätig.  Auch auf  anderen Pharmamärkten sind diese Unternehmen bereits in Deutschland und  Europa aktiv, wie etwa BristolMyers Squibb, Yamanouchi Seiyaku und  Roberts. Damit kommen sie angesichts der bezueglich des Produktmarketings  niedrigeren Marktzutrittsschwelle als potentielle Wettbewerber in Betracht  und zwar auch die aus Forschungsprojekten, die marktfähigen Produkten nahe  sind,  wie z.B. denen  der klinische Phase III. 41.<ind> Die beteiligten Unternehmen betreiben etwa 20% der gegenwärtigen  Forschungprojekte bei hormonellen Kontrazeptiva [vgl. Pharmaprojects PLUS  v2.0, 1996, by PJB Publications Ltd. Richmond Surrey UK]. [zur  Veröffentlichung entfernt] hat bis 1998 vor,  [zur Veröffentlichung  entfernt] derzeitige Phase III  Projekte als marktfähige Kontrazeptiva  einzuführen.  Dies gilt nach Veröffentlichungen und Wettbewerberangaben  ebenfalls für Forschungsprojekte der Firmen Hoechst Marion Roussel,  Johnson + Johnson und  Applied Medical Research. Diese Projekte sind ein  wesentlicher Teil des potentielles Wettbewerbs (vgl. Informationen über  die Projekte in Pt. 58 "Zukünftige Märkte"). 42.<ind> Für den Bereich hormonaler Kontrazeptiva ergibt sich potentieller  Wettbewerb auch durch Unternehmen, die sich derzeit im Wachstumsmarkt für  Klimakteriumspräparate (Hormonal Replacement Therapie), nicht aber im  Bereich hormonale Kontrazeptiva betätigen.  Da für Klimakteriumspräparate  teilweise dieselben Wirkstoffe wie für hormonale Kontrazeptiva eingesetzt  werden, verfügen diese Unternehmen über das erforderliche knowhow und  Fertigungseinrichtungen für Steroide.  Dabei sind insbesondere CibaGeigy,  Solvay und Novo Nordisk als potentielle Wettbewerber zu nennen. 43.<ind> Die Forschungaktivitäten und Innovationen sind fûr Steroide in  letzter Zeit von zunehmender Bedeutung. Die drei erfolgreichsten  Neueinführungen von Arzneimitteln in Deutschland in den letzten 12 Monaten  waren Präparate auf Steroidbasis. Neben Valette (Jenapharm) waren dies <ind> <ind> Flutide (Wirkstoff : Fluticason) von GlaxoWellcome zur  Behandlung von Bronchialasthma und <ind> <ind> Proscar (Wirkstoff : Finasterid) von Merck Sharp Dome (MSD)  zur Behandlung der ProstataHyperplasie. <ind> Diese Entwicklung verstärkt den Trend, daß auch grosse  Pharmahersteller, die bislang nur geringe oder keine Aktivitäten im  Steroidbereich hatten, an einem Einstieg in derartige Präparate arbeiten. 45.<ind> Unter diesen Wettbewerbsbedingungen bedeutet der gemeinsame  Marktanteil für Schering und Jenapharm/Gehe, daß ein von Wettbewerb nicht  mehr kontrollierter Verhaltensspielraum für die beteiligten Unternehmen  noch nicht indiziert ist, weil leistungsstarke aktuelle und potentielle  Wettbewerber am Markt wirksam sind, deren individuelle Marktanteile aus  den dargelegten Gründen auch nach dem Zusammenschluß instabil bleiben  werden, weil Innovationswettbewerb, Parallelimporte und potentieller  Wettbewerb leistungsstarker Grossunternehmen den Verhaltensspielraum  hinreichend kontrollieren. <ind> Androgene + Kombinationen (G3B) Deutschland 46.<ind> Medikamente gegen Hypogonadismus (Hodenschrumpfen) und zur  Behandlung des Mammakarzinoms bei Frauen sind ein Markt mit europaweiten  Umsätzen von 18 MECU, wovon auf den primär betroffenen deutschen Markt ein  Volumen von 7,5 MECU entfällt. Der gemeinsame Marktanteil von Schering und  Gehe/Jenapharm lag 1995 bei [zwischen 55 und 65%] wozu Jenapharm mit  [unter 10%] beiträgt, AKZO Nobel erreicht [zwischen 25 und 30%] und  sonstige Hersteller wie Besins/Iscovesco (BI), Pharmacia & Upjohn liegen  unter 10 %. BI hat in Frankreich Marktanteile über 20 % und ist in der  Lage ebenso wie Pharmacia & Upjohn verstärkt in den deutschen Markt zu  gehen, weil sie über vergleichbare Vertriebs und Marketingsressourcen  verfügen. Dies gilt auch für SmithKline, die unlängst ein innovatives  Hormonpflaster einführten, das für Europa vorgesehen ist oder für Alza  (USA) deren Testosteronpflaster für Deutschland im Zulassungsverfahren ist  (Vermarktung über Stada). Auch die Hexal AG (Generikahersteller) will nach  einem östrogenhaltigen ein TestosteronPflaster (G3B) als eigenes  transdermales  System auf den Markt bringen. 47.<ind> Die Wirkstoffe dieser Präparate sind nach Angaben der Parteien  frei verfügbar und jedem Hersteller von Hormonpräparaten ist die  Produktionsaufnahme möglich, wenn dies aufgrund des Marktverhaltens der  traditionellen Hersteller kaufmännisch sinnvoll wäre. Auch die Befragung  der Wettbewerber hat ergeben, daß,angesichts der  Angebotsumstellungsmöglichkeit der Hersteller von Hormonen, die hohen  Marktanteile von Schering/Jenapharm durch den Zusammenschluß keine  beherrschende Stellung indizieren.  Der bestehende aktuelle und  potentielle Wettbewerb auf dem stagnierenden Produktmarkt begrenzt den  Verhaltensspielraum von Schering/Gehe hinreichend , sodaß insoweit keine  wettbewerblichen Bedenken aufkommen.  <ind> Progestogene + Kombinationen (G3D) Deutschland 48.<ind> Diese Produkte sind bei Blutungsstörungen und als Zusatz zur  Östrogenbehandlung anzuwenden. Das Umsatzvolumen liegt europaweit bei rd.  170 MECU wovon jedoch nur ein Marktvolumen von 9 MECU den deutschen Markt  bildet. Der Marktanteil von Schering hat sich hier seit 1993 von rd. [zur  Veröffentlichung entfernt] auf derzeit [zur Veröffentlichung entfernt]  verringert. Er liegt damit etwa gleich hoch wie bei Jenapharm/Gehe  [zur  Veröffentlichung entfernt]. 49.<ind> Die führenden Wettbewerber sind Solvay mit  [zur Veröffentlichung  entfernt] und Pharmacia + Upjohn mit rd.  [zur Veröffentlichung entfernt]  in 1995 neben weiteren bedeutenden Herstellern mit Marktanteilen zwischen  5 und 10 % (Akzo Nobel, CibaGeigy, Kade und Merck).  50.<ind> Hinsichtlich des potentiellen Wettbewerbs gelten für diesen Markt  ähnliche Feststellungen wie fûr die bereits erwähnten Produktmärkte. Eine  beherrschende Stellung ist damit für Progestogene + Kombination durch den  Zusammenschluß Schering/Jenapharm nicht zu erwarten. <ind> ÖstrogenProgestogenKombinationen (G3F) Deutschland <ind> Östrogene (G3C) Deutschland <ind> Androgene und weibliche Sexualhormone (G3E) Deutschland 51.<ind> Die Erzeugnisse der Indikationsgruppe G3F und der überwiegende  Teil in den Gruppen G3C und G3E dienen nach Anmelderangaben der Behandlung  von Klimakteriumsbeschwerden und im übrigen als Hormonersatztherapie von  eng benachbarten Indikationen.  Die Zusammengefasste Abgrenzung ist im  Markt allgemein als zutreffend angesehen worden.  Es handelt sich dabei um  Wachstumsmärkte mit hohen Marktvolumen auf denen die Tätigkeit einiger der  weltgrössten Pharmaunternehmen, der spezialisierten Hersteller und auch  kleiner Pharmärzeuger zu vergleichbaren heterogenen Strukturen geführt  haben, was die Marktstellung der beteiligten Unternehmen angeht. 52.<ind> Sie erreichen 1995 in Deutschland zusammen [zwischen 15 und 25%]  für die Gruppe G3F. Führende Anbieter sind Novonordisk mit [zwischen 30  und 40%], Solvay mit [zwischen 25 und 35%], American Home und Akzo Nobel  liegen jeweils zwischen 5% und 10%.  Für den zusammengefassten Markt liegen  in 1995 die Anteile der beteiligten Unternehmen bei [zwischen 15 und 25%],  gegenüber Solvay  [zwischen 15 und 25%], Novonordisk  [zwischen 15 und  25%] und Ciba Geigy  [zwischen 15 und 25%]. Die sonstigen Anbieter  American Home, Akzo Nobel, Pfizer und Johnson & Johnson liegen jeweils  unter 6%. 53.<ind> Angesichts des Marktanteils von unter [zur Veröffentlichung  entfernt] für die beteiligten Unternehmen und der hier ebenfalls geltenden  Wettbewerbsbedingungen der bereits abgehandelten Märkte ist eine  beherrschende Stellung nicht indiziert.  Selbst wenn bei der Entwicklung  neuer Zuführungsmethoden (delivery systems) über Hautpflaster durch den  Erwerb der Leiras deren besondere Leistungsfähigkeit bei solchen Systemen  Schering zugute kommt, würde dies nur bisherige Nachteile ausgleichen, da  Schering bisher delivery systems in Lizenz der 3MCompany vertreibt.  Eine  besondere Verstärkung der Stellung von Schering folgt daraus im Ergebnis  nicht.  54.<ind> Eine beherrschende Stellung wird aus diesen Gründen auf den  genannten Märkten durch den Zusammenschluß nicht geschaffen oder  verstärkt.  <ind> Wirkstoffe 55.<ind> Es ist zu erwarten, daß durch den Zusammenschluß aktuell  erfolgreiche Wirkstoffe wie das Progestogen Dienogest (Jenapharm) und der  Zuwachs von insgesamt 4 Sexualsteroiden zu den 42 Wirkstoffen dieser  Gruppe bei Schering deren Angebot geringfügig erweitern. Dies gilt  insbesondere weil die Kapazität von Jenapharm gering und zumeist für den  Eigenverbrauch benötigt wird. Die Wirkstoffumsätze im Bereich der  relevanten Produktmärkte lagen in 1995 für Schering bei [zur  Veröffentlichung entfernt.] MECU und für Jenapharm bei nur [zur  Veröffentlichung entfernt] bis [zur Veröffentlichung entfernt] MECU. Der  Umsatzzuwachs liegt bei weniger als 1 %. 56.<ind> Bezueglich der für Kontrazeptiva verwendeten Wirkstoffe, werden  gegenwärtig 2 Östrogene sowie etwa 14 Progestogene eingesetzt.  Ein  Patentschutz besteht derzeit nur für Dienogest (Jenapharm).  Bei  Levonorgestrol wird die Angebotsstruktur durch den Zusammenschluß zwar   verengt. Zwei weitere Anbieter produzieren jedoch in Ungarn und in China.  Bei anderen Wirkstoffen sind zwischen vier und sechs Hersteller weltweit  am Markt. Hierbei handelt es sich um Norethisteronacetat, Ethinylestradiol  und Mestranol die als Progestogenkomponente eingesetzt werden.  57.<ind> Vertikale Auswirkungen auf die nachgelagerten Produktmärkte sind  wegen der Vielzahl einsetzbarer Progestogenkomponenten und bestehender  Bezugsalternativen auch für Progestogene, die von nur wenigen Herstellern  produziert und genutzt werden, nicht zu erwarten, sodaß auch insoweit  keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken durch den Zusammenschluß  entstehen. <ind> Zukünftige Märkte 58.<ind> Die Parteien verfügen nur auf dem Markt für Androgene +   Kombinationen (G3B) nicht über Phase II oder III Forschungsprojekte.  Bei  hormonalen Kontrazeptiva  (G3A) sind drei Phase II und ein Phase III   Projekt und bei Progestogenen + Kombinationen  (G3D) ein Phase III Projekt  in der "pipeline" der Parteien.  Klimakteriumspräparate (G3C und G3F)  stellen mit drei Projekten in Phase 3 und zwei Projekten in Phase 2 einen  bedeutenden Forschungsbereich dar. Eine Überprüfung der  Wettbewerbssituationen in allen diesen Märkten anhand der Erhebungen in  der erwähnten Veröffentlichung Pharmaprojects und durch Befragung der  Wettbewerber ergibt, daß eine Vielzahl anderer Pharmahersteller, die,  anders als die beteiligen Unternehmen, auch zu den gemessen an Umsatz  weltweit führenden Unternehmen zählen, gleichfalls mit solchen  Forschungsvorhaben vertreten sind. 59.<ind> Nach einer Umfrage sind in Europa folgende Entwicklungen  (ausserhalb von Schering/Jenapharm, Akzo Nobel und AH/Wyeth) in einem  reifen klinischen Stadium mit der Möglichkeit des Marktzutritts in den  nächsten drei Jahren : <ind> <ind> Trimegeston (neues Progestin, Hoechst Marion Roussel) <ind> Innovative Aspekte : <ind> <ind> Fehlende androgene, estrogene, glucocorticoide und  mineralglucocorticoide Aktivität, deutlich verringerte Nebenwirkungen. <ind> <ind> Kombination NETA + Melatonin zur Kontrazeption (Applied  Medical Research) <ind> Innovative Aspekte : <ind> <ind> Fehlende Nebenwirkungen im Vergleich zu Pillen auf  EstrogenBasis, mit dem natürlichen Hormon Melatonin wird zusätzlich eine  zentrale ovulationshemmende Wirkung (antigonadotrop) erzielt. <ind> <ind> TestosteronEster (Testosteronbuciclat, WHOProgramm) <ind> Innovative Aspekte : <ind> <ind> "Pille für den Mann"; bessere Pharmakokinetik, deutlich  grössere Applikationsintervalle möglich als bei Testosteronenanthat; WHO  vergibt Lizenzen an interessierte Hersteller. 60.<ind> Mit diesen Entwicklungen wird nicht nur eine deutliche  Intensivierung des Wettbewerbs, sondern darüber hinaus auch eine  Ausweitung des Marktes erwartet (Pflaster, estrogenfreie Pille, männliche  Kontrazeption). Die Entstehung oder Verstärkung einer beherrschenden  Stellung in den zukünftigen Märkten von F & E ist aus diesen Gründen von  dem Zusammenschluß  nicht zu erwarten . <ind> Pharmagroßhandel 61.<ind> Der jetzigen Zusammenschluß bewirkt keine horizontale  Überscheidung im Pharmagroßhandel, weil nur Gehe hier tätig ist.  Seine  Wettbewerbsparameter liegen im wesentlichen beim Service und in der  differenzierten Weitergabe der Handelsspanne an die Apotheken. 62.<ind> Gehe erzielt in diesem nachgelagerten pharmazeutischen Großhandel  Marktanteile von [zur Veröffentlichung entfernt] in Irland, [zur  Veröffentlichung entfernt] im Vereinigten Königreich und von [zur  Veröffentlichung entfernt] in Frankreich. Für Deutschland wird der Anteil  mit knapp [zur Veröffentlichung entfernt] angegeben. Anders als der  "normale" Sortimentsgroßhandel kann der Pharmagroßhandel auf den  betroffenen Märkten nur begrenzt über Rabatte und Service die Nachfrage  beeinflussen. Er ist auf Leistungen der Lagerhaltung, Logistik und des  Transportes ausgerichtet und kann wegen der aus der ärztlichen  Verschreibung abgeleiteten Nachfrage weder autonom Hersteller auswählen  oder benachteiligen noch können diese wegen der jeweils  geltendenRechtsrahmen bestimmte Großhändler autonom unterschiedlich  behandeln.   Auch Hersteller und als Abnehmer in Betracht kommende  ReImporteure halten vertikale Beschränkungen durch den Großhandel unter  dem  geltenden Rechtsrahmen (aut simile Verbot, keine Großvertriebsformen  im Apothekenmarkt) und bei den gegenwärtigen Marktanteilsstrukturen für  unrealistisch. 63.<ind> Anders als in anderen Wirtschaftsbereichen sind vertikale  Beziehungen zwischen Pharmagroßhandel (Gehe) und herstellern  (Schering/Jenapharm) durch den Zusammenschluß deshalb bisher kaum  geeignet, die jeweilige Marktstellung entscheidend zu beeinflussen, so  weit es die betroffenen Produktmärkte dieses Zusammenschlusses angeht.  Wirkungen des Zusammenschlusses, die zu einer Marktabschließung im  Pharmagroßhandel oder zu Ausschlusseffekten gegenüber Wettbewerbern unter  den Pharmaherstellern führen könnten, sind insoweit nicht zu erwarten,  wenn nach dem Zusammenschluß Produkte der Jenapharm europaweit vermarktet  werden.   Auch konkurrierende Großhändler und befragte Reimporteure haben  bestätigt, daß ihre Bezugsmöglichkeiten nicht entscheidend berührt  werden. 64.<ind> Bezueglich des nicht rezeptgebundenen Großhandelssortimentes  besteht eine wesentlich weitere Wettbewerbsstruktur, weil rezeptfreie  Medikamente und insbesondere sonstige Gesundheitsprodukte dem Rechtsrahmen  weniger unterworfen und dadurch weniger im Wettbewerb begrenzt sind.  Dies  führt zu einer grösseren Anbieterzahl und auch mehr Wettbewerb auf der  Handelsstufe. Signifikante Auswirkungen durch den Zusammenschluß durch die  die Marktstellung von Gehe verstärkt werden könnte, sind auch wegen der  fehlenden Aktivitäten von Schering und Jenapharm ausserhalb der  Medikamentenproduktion unwahrscheinlich .  V.<ind> Nebenabreden 65.<ind> Das zwischen den Parteien vereinbarte Wettbewerbsverbot für Gehe  bei Hormonpräparaten  und Verhütungsmitteln ist Ausdruck des endgültigen  Rückzugs von den Märkten des GU, steht daher in unmittelbarem Zusammenhang  mit dem Zusammenschluß und ist auch für seine Durchführung erforderlich. Aufgrund der oben getroffenen Feststellungen ist die Kommission zu dem  Ergebnis gelangt, daß das Zusammenschlußvorhaben keinen Anlaß zu  ernsthaften Bedenken hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit dem Gemeinsamen  Markt gibt. Aus diesen Gründen hat die Kommission entschieden, den Zusammenschluß für  vereinbar mit dem Gemeinsamen Markt und mit der Funktionsfähigkeit des  EWRAbkommens zu erklären. Diese Entscheidung beruht auf Art. 6(1)(b) der  Fusionsverordnung. Für die Kommission