CELEX: 51996PC0120
Language: de
Date: 1996-03-26
Title: Entwurf für eine ENTSCHLIESSUNG DES RATES über Bildungssoftware und Multimedia in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
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                                                Brüssel, den 26.03.1996
                                                KOM(96) 120 endg.
                               Entwurf für eine
                      ENTSCHLIESSUNG DES RATES
                    über Bildungssoftware und Multimedia
              in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung
                       (von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---  ---pagebreak--- BEGRÜNDUNG
Die Vorbereitung der Europäer auf die Informationsgesellschaft ist - insbesondere im
Bildungssektor - zu einer Priorität geworden. In diesem Zusammenhang hat die Kommission
im März 1995 eine Task Force Forschung - Industrie "Bildungssoftware und Multimedia"
eingerichtet, die eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Situation im Bereich der
Bildungsmultimedia sowie die Ausarbeitung eines Entwurfs für einen Aktionsplan ermöglichte,
um die Forschungsbemühungen in diesem Bereich über Forschungsaktionen und Aktionen der
technologischen Entwicklung des Vierten Rahmenprogrammes (1994-1998) zu verstärken.
Hierdurch soll den betroffenen Benutzern die Möglichkeit gegeben werden, den größtmöglichen
Nutzen aus den neuen Technologien im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung zu
ziehen, die Effizienz der europäischen Forschung verbessert sowie die Position der
europäischen Industrie für Bildungsmultimedia verstärkt werden.
Aus dieser Bilanz ergeben sich mehrere Bemerkungen zur derzeitigen Lage.
 Zu allererst bieten die Multimedia- und Lernprogramme ein bedeutendes Potential für die
 Pädagogik, und die Akteure im Bildungsektor sind fur die Multimediaindustrie wichtige
 Gesprächspartner. Die Lehrkräfte und die Ausbilder übernehmen eine Reihe von Funktionen,
 die die Maschine nicht wahrnehmen kann. Die Lehrkräfte tauschen sich mit ihren Schülern aus
 und diskutieren mit ihnen. Sie stimulieren und bewerten die pädagogischen Inhalte und passen
 sie an. Sie analysieren die zur Verfugung stehenden Ressourcen und treffen hierbei eine
 Auswahl. Die derzeit laufenden Versuche zeigen außerdem, daß das Multimediasystem, dessen
 spezifisches Interesse auf der Interaktivität lokal oder über Entfernung beruht, zusätzliche
 Dimensionen einbringt. Das Multimediasystem ermöglicht eine eigenständige "Darstellung" der
 Kenntnisse und die Schaffung eines virtuellen Umfeldes, in welchem der Student in gewissem
 Umfang die Auswirkungen seiner Tätigkeiten bewerten kann. Zusammen mit dem Zugang zu
 den Telematiknetzen bietet es die Möglichkeit einer interpersonellen Kommunikation, die ein
 kollektiver und für den Ablauf des Lernprozesses unerläßlicher Bestandteil ist. Weiterhin bietet
 die Benutzung des Multimediasystems neue Möglichkeiten, um einem wachsenden Teil der
 Bevölkerung den Zugang zu einem guten Niveau der Allgemeinbildung sowie zu einer soliden
 beruflichen Bildung zu sichern und um die Erneuerung der Kenntnisse und der Fähigkeiten im
 Zusammenliang mit einer zunehmenden Spezialisierung und Komplexität zu gewährleisten.
 Eine zweite Feststellung der Task Force ist, daß die Europäische Union die in diesem Bereich
 erworbenen Fähigkeiten aufwerten und die Zusammenarbeit zwischen all denen stimulieren
  muß, die in den Mitgliedstaaten an diesen Entwicklungen beteiligt sind. Um die potentiellen.
  Möglichkeiten des Multimedia- und Lernprogrammes in pädagogische Fortschritte und
  konkrete Leistungen umzusetzen, sind Bemühungen im Bereich der Forschung und der Anreize
  notwendig. Diese Bemühungen müssen insbesondere auf eine bessere Koordinierung der
  Gemeinschaftsprogramme - unabhängig davon, ob es sich um Forschungs- und
  Entwicklungsprogramme, um Programme im Zusammenhang mit der Produktion von
  Multimedia-Inhalten oder um Programme zur allgemeinen und beruflichen Bildung handelt -
  ausgerichtet sein und die nationalen Initiativen ergänzen. Die Strukturfonds sowie die für die
 ---pagebreak--- transeuropäischen Netze bereitgestellten Mittel könnten ebenfalls vorteilhaft zu diesem
Bemühungen beitragen.
Aus der von der Task Force durchgeführten Bestandsaufnahme geht außerdem hervor, daß die
derzeitige Situation durch ein sehr ungleiches und insgesamt unzureichendes Niveau der
Ausstattung mit Materialien und Multimedia- und Lernprogrammen in den Einrichtungen für
allgemeine und berufliche Bildung gekennzeichnet ist. Es besteht die ernste Gefahr, daß die
Ausstattung der Haushalte gegenüber der Ausstattung der Bildungseinrichtungen an Gewicht
gewinnt, wobei die Kinder von Familien mit bescheidenen Einkommen kaum noch Zugang zu
den derzeit laufenden Versuchen haben. Ein besserer Zugang zu den neuen Informations- und
Ausbildungsträgern in den Schulen und in allen Lehreinrichtungen stellt eine Herausforderung
dar, die angenommen werden muß, wenn man eine Dualisierung der Gesellschaft entsprechend
dem Zugang zu den Technologien vermeiden will.
Diese drei wichtigen Feststellungen veranlassen zur Abgabe folgender Empfehlungen auf
mehreren Ebenen:
-       die Forschung und die Festsetzung von Prioritäten in bezug auf die Benutzer und die
        Industrie,
-       die Planung der Multimedia- und Lernprogramme,
-       die Ausbildung der Lehrkräfte und der Ausbilder,
-       die Infrastrukturen für Ausstattungen und Dienstleistungen zur Unterstützung der
        Benutzer, der Lehrkräfte oder der Ausbilder und zur Verbreitung der besten Praktiken.
Durch das Multimediasystem ermöglichte koordinierte und zielgerichtete Forschung über das
pädagogische Umfeld sollten es erlauben, die speziell didaktische Bedeutung dieser
Entwicklungen und die Anpassung des Angebots an die Nachfrage besser zu verstehen.
Der Bedarf der Benutzer muß bereits bei der Planung der Geräte, Dienstleistungen und
Anwendungen berücksichtigt werden, um die Anpassung der Software an die pädagogischen
Prozesse zu ermöglichen. Schüler und Lehrer müssen im Zentrum der Planung der Multimedia-
Anwendungen und -Dienstleistungen stehen.
Die Ausbildung der Lehrkräfte und der Benutzer im weiten Sinne hat grundlegende Bedeutung.
Es ist angezeigt, die spezifischen Rollen des Lehrers, des Ausbilders, des Schülers und des
Studenten im Prozeß der Benutzung der Multimedia- und Lernprogramme zu berücksichtigen
und auch über den grundlegenden Beitrag der Strukturen für die Erstausbildung und
Weiterbildung der Lehrkräfte nachzudenken. Das Multimediasystem könnte die Verbreitung der
pädagogischen und organisationsbezogenen Neuerungen erleichtern, unabhängig davon, ob es
sich dabei um die Verbreitung von neuen Formen der schulischen und außerschulischen
Organisation oder von Lernmethoden auf allen Ebenen handelt.
Die Infrastrukturen sind unerläßlich. Eine ausreichende Ausstattung an geeigneten
Multimediaeinrichtungen ist die Voraussetzung für jegliche gelungene Integration des
Multimediasystems in der Schule, der Universität und allen Einrichtungen für allgemeine und
 ---pagebreak--- berufliche Bildung. Diese Einrichtung ist nach Maßgabe ihrer Eignung für das entsprechende
pädagogische Umfeld und den entsprechenden Haushaltsrahmen zu bestimmen. Diesbezüglich
sollten neue Formeln für den Zugang zu den Ressourcen und zur Finanzierung ausgearbeitet
werden. Die Einrichtung von Zentren für Softwareträger und für Fernunterstützung, die
Entwicklung von Netzwerken zwischen Personnen zur Zusammenarbeit sowie die Entwicklung
von Bewertungs- und Demonstrationsstellen wären die beste Mittel zur Verbreitung der
bewährten Praktiken.
Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen setzt ein Zusammenwirken aller Beteiligten voraus:
Lehrkräfte, Familien, territoriale Körperschaften, Verwalter von Institutionen, Vereinigungen
oder Unternehmen, Schüler, Studenten und Lohn- und Gehaltsempfänger zur Ausarbeitung
eines allgemeinen Konsenses über die auf diesen verschiedenen Ebenen zu erreichenden Ziele.
Die Aushandlung von dauerhaften Partnerschaften zwischen Schulen/Unternehmen sollte die
Schaffung von für alle Seiten nützlichen Beziehungen im Rahmen flexibler und
entwicklungsfähiger        Verträge      ermöglichen.       Insbesondere       sollten    die
Telekommunikationsunternehmen und die Dienstleistungserbringer dazu angeregt werden,
technologische Lösungen und innovative Tarifangebote in Zusammenarbeit mit den
Bildungsbehörden, den Lehrkräften, den Eltern und den Studenten zu erproben.
Spezifische Maßnahmen sollten zugunsten von Kindern und Studenten aus benachteiligten
Schichten oder von Schulabbrechern, von Behinderten, von in ländlichen Gebieten wohnhaften
Schülern oder Studenten, von Arbeitslosen und von Beschäftigten in kleinen Unternehmen
getroffen werden.
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit könnten spezifische Maßnahmen innerhalb
von bestehenden Programmen sowie in Verbindung mit den spezifischen Hilfsprogrammen für
die Länder Mittel- und Osteuropas, für die Mittelmeerländer sowie für Drittländer in Betracht
gezogen werden, gemäß den durch das Phare Programm in den Bereichen des offenen
Unterrichts und der Fernlehre gewonnenen Erfahrungen.
Artikel 126 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft, der insbesondere die Anregung der
Förderung der Fernlehre als allgemeines Ziel der Zusammenarbeit im Bildungsbereich und
unter Einhaltung der Subsidiarität im Bereich der Lehrinhalte und der Gestaltung der
Bildungssysteme vorsieht, erlaubt es nicht, juristisch verbindliche Texte vorzuschlagen. Aus
diesem Grund schlägt die Kommission die Annahme einer Entschließung vor, die darauf
 abzielt, die Grundlagen für eine fruchtbare und dauerhafte Zusammenarbeit im Bereich der
 Multimedia und Lernprogramme zu schaffen, da diesem Sektor eine zentrale Rolle im Hinblick
 auf die Zukunft der europäischen Bildungssysteme zu zukommt. Außerdem soll die
 Entschließung die für die allgemeine Bildung in den Mitgliedstaaten zuständigen Stellen bei
 ihren Maßnahmen in diesem Bereich ermutigen und unterstützen. Schließlich ist die
 Entschließung auf eine bessere Koordinierung im Rahmen dieser Fragen auf Grund der
 Empfehlungen der Task Force "Bildungssoftware und Multimedia" ausgerichtet.
 ---pagebreak---                                       Entschließung des Rates
                                            vom
                             über Bildungssofrwarc und Multimedia
                      in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung
DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION
gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft,
gestützt auf den von der Europäischen Kommission vorgelegten Entwurf einer Entschließung,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Es finden Aktionen zur Entwicklung einer Bildung hoher Qualität statt, wobei die
Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten unter Beachtung ihrer Zuständigkeit in diesem
Bereich gefördert wird.
Der Beschluß Nr. 819/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Annahme
des Aktionsprogramms SOKRATES wurde am 14. März 1995 gefaßt ( ).
Der Beschluß Nr. 94/819/EG des Rates über die Annahme des Programms LEONARDO DA
VINCI zur Durchführung einer Berufsbildungspolitik der Europäischen Gemeinschaft wurde
am 06.12.1994 gefaßt(2).
Der Beschluß 818/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Annahme der
dritten Phase des Programms "JUGEND FÜR EUROPA" wurde am 14. März 1995 gefaßt (3)
Der Beschluß Nr. 1110/94/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26.04.1994
über die Annahme eines Rahmenprogramms für gemeinschaftliche Aktionen im Bereich der
Forschung und technologischen Entwicklung (1994-1998) sieht u.a. Forschungen auf dem
Gebiet der Anwendung der Informations- und Telekommunikationstechnologien vor, um
gemeinsamen sozialen Bedürfnissen zu entsprechen ( ).
Die Mitteilung KOM(96)12 endgültig der Kommission über den Beschlußentwurf des
Europäischen Parlaments und des Rates zur zweiten Anpassung des Beschlusses 1110/94/EG
über das Vierte Rahmenprogramm im Bereich der Forschung, der technologischen Entwicklung
 1
         ABl. Nr. L 87 vom 20.04. ! 995, S. 10
 2
         ABl. Nr. L 340 vom 29.12.1994, S. 8
 3
         ABl. Nr. L 87 vom 20.04.1995, S. 1
4
         ABl. Nr. L 126 vom 18.05.1994, S. 1
 ---pagebreak--- und der Demonstrationsvorhaben (1994-1998), die eine Erhöhung des maximalen
Gesamtbetrags der finanziellen Beteiligung der Gemeinschaft am Vierten Rahmenprogramm
und den Einsatz einen finanziellen Zuwendung für Aktivitäten in bezug auf Multimedia- und
Lernprogramme vorsieht,
Der Beschluß Nr. 802/94/EG des Rates vom 23.11.1994 sieht die Annahme des spezifischen
Programms für Forschung und technologische Entwicklung im Bereich der
Informationstechnologien (1994-98) vor (5).
Der Beschluß Nr. 801/94/EG des Rates vom 23.11.1994 sieht die Annahme des spezifischen
Programms für Forschung und technologische Entwicklung im Bereich Telematikanwendungen
von gemeinsamem Interesse vor (1994-1998) ( 6 ).
Der Beschluß Nr. 915/94/EG des Rates vom 15.12.94 sieht die Annahme des spezifischen
Programms für Forschung und technologische Entwicklung im Bereich der sozio-
ökonomischen Schwerpunktforschung vor ( 1994-1998) ( ).
Die Mitteilung der Kommission vom 30.06.1995 betrifft den Vorschlag für den Beschluß des
Rates im Hinblick auf eine mehrjähriges Gemeinschaftsprogramm, das auf die Entwicklung
einer europäischen Multimedia-Industrie abzielt und Integration dieser Multimedia-Industrie in
die neue Informationsgesellschaft unterstützt (INFO 2000) ( ).
Der Beschluß Nr. 563/95/EG des Rates vom 10.07.1995 sieht die Durchführung eines
Förderprogramms für die Entwicklung und den Vertrieb audiovisueller Werke vor (MEDIA II -
Entwicklung und Vertrieb) ( ). Der Beschluß 564/95/EG des Rates vom 22.12.1995 sieht die
 Durchführung eines Ausbildungsprogramms für Personen vor, die in der europäischen Industrie
für audiovisuelle Programme tätig sind (MEDIA II - Ausbildung) ( ).
Die Entschließung des Rates über "Kultur und Multimedia" wurde am 4. April 1995
angenommen. Sie unterstreicht insbesondere die Dringlichkeit, Aktionen zur Unterstützung des
Aufbaus und der Entwicklung eines Marktes der kulturellen Multimedia unter Berücksichtigung
der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas durchzuführen ( ),
 Das Weißbuch der Kommission "Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung -
 Herausforderungen der Gegenwart und Wege ins 21. Jahrhundert" betont die katalysatorische
 Rolle der allgemeinen und beruflichen Bildung in einer Gesellschaft im Wandel ( ).
 5
         ABl. Nr. L 334 vom 22.12.1994, S. 24
 6
         ABl. Nr. L 334 vom 22.12.1994, S. 1
 7
        ABl. Nr. L 361 vom 31.12.1994, S. 77
 8
         ABl. Nr. C 250 vom 26.09.1995, S. 4
 9
         ABl. Nr. L 321 vom 30.12.1995, S. 25
 10
         ABl. Nr. L 321 vom 30.12.1995, S. 33
 11
         ABl. Nr. C 247 vom 23.9.1995
 12
         KOM(93) 700 endg., 05.12.1993
 ---pagebreak--- Die Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament sowie an den
Wirtschafts- und Sozialausschuß und den Ausschuß der Regionen befaßt sich mit dem Thema
"Europas Wege in die Informationsgesellschaft - ein Aktionsplan" (13).
Die Ergebnisse des Treffens der G-7 vom 25. und 26. Februar 1995 in Brüssel zum Thema
Informationsgesellschaft werden zur Kenntnis genommen, insbesondere die Empfehlungen zu
Pilotprojekten über interkulturelle allgemeine und berufliche Bildung.
Die Einsatz von multimedialen Lehrmittel bieten Drittländern beträchtliche Möglichkeiten im
Rahmen der internationalen Zusammenarbeit, insbesondere den Staaten Mittel- und Osteuropas,
den Mittelmeerländern und den Entwicklungsländern.
Die beiden Berichte der Beratergruppe Wettbewerbsfähigkeit vom Juni und Dezember 1995
zum Thema Verbesserung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit, die dem Präsidenten der
Kommission und den Staats- und Regierungschefs vorgelegt worden sind, werden zur Kenntnis
genommen.
Der Bericht der Task Force Forschung - Industrie "Bildungssoftware und Multimedia", der eine
Bilanz der derzeitigen Situation in diesem Bereich in Europa und einen Entwurf für einen
entsprechenden AJctionsplan enthält, wird zur Kenntnis genommen.
In dem Weißbuch "Lehren und Lernen - auf dem Weg zur kognitiven Gesellschaft" (* ) werden
geeignete Maßnahmen empfohlen, um insbesondere die Entwicklung von multimedialen
Instrumenten zu fordern, die für den Erwerb neuer Kenntnisse von Nutzen sind:
-       Veröffentlichung      von      koordinierten   Ausschreibungen    der     betreffenden
        Gemeinschaftsprogramme;
-       Aufbau eines Systems zur Verwertung und Kennzeichnung von Lernprogrammen und
        europäischen Produkten im Bereich allgemeine und berufliche Bildung zur besseren
        Verbreitung dieser Produkte.
Die Kommission hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der es um eine Methodik für den Einsatz
der finanziellen Ressourcen der Gemeinschaft zur Realisierung der Anwendungen der
Informationsgesellschaft und die Notwendigkeit einer wirksamen Koordinierung von
Forschungs- und Bildungsprogrammen geht ( ).
Es sind gemeinsame Aktionen für einen verstärkten Einsatz von multimedialen
Lernprogrammen und -diensten in Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen zu folgenden
Zwecken angezeigt:
        KOM(94) 347 endg., 19.07.1994
14
        KOM(95) 590 endg., 29. II. 1995
        KOM(95) 224 endg., 31.05. Î995
 ---pagebreak--- -    es soll ein Beitrag zur Verbesserung der Qualität und Wirksamkeit der Bildungs- und
     Ausbildungssysteme geleistet werden, insbesondere durch die Einführung neuer
     pädagogischer Praktiken und Organisationsformen;
-    der soziale Zusammenhalt soll gefördert werden, indem jedem Individuum und jedem
     Unternehmen, insbesondere in den benachteiligten Regionen und den kleinen und mittleren
     Unternehmen, die Mittel an die Hand gegeben werden, Zugang zur Informationsgesellschaft
     zu finden und aktiv an dieser Gesellschaft teilzuhaben;
-    die Lehrkräfte und die Schüler sollen für die Anwendung der neuen Instrumente
     sensibilisiert und in ihrem Gebrauch unterrichtet werden;
-    es soll eine nachhaltige Partnerschaft der Bildungseinrichtungen und der Hersteller von
     Hardware und Software bzw. der Erbringer von Dienstleistungen begründet werden, damit
     ein umfassender Markt für multimediale Anwendungen und Dienste geschaffen werden
     kann, der den tatsächlichen pädagogischen Bedürfnissen angepaßt ist.
Der Einsatz der multimedialen Lernprogramme und -dienste setzt eine aktive Rolle der
Gebietskörperschaften, der Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen, der Vereinigungen, der
Lehrkräfte, der Ausbilder und der Unternehmen voraus, damit die erfolgversprechendsten
pädagogischen Verfahren erprobt und eingeführt werden können.
Die multimedialen Telematiknetze leisten einen wichtigen Beitrag zur Herstellung von
kommunikativen Beziehungen zwischen Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen sowie
 Lehrkräften und Schülern und zur Öffnung nach außen, damit es zu einem Zugang zum
 Informations- und Gedankenaustausch sowie zu einer Gegenüberstellung von pädagogischen
 Ideen und Erfahrungen kommen kann.
 Im Rahmen der Gemeinschaftsprogramme wurden wichtige Ergebnisse erzielt, und es gibt eine
 Vielzahl an laufenden Aktionen und an von den Mitgliedstaaten gewonnenen Erfahrungen für
 die Entwicklung und den Austausch von Praktiken in bezug auf den Einsatz von Informations-
 und Kommunikationstechnologien für Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung.
 FORDERT DIE MITGLIEDSTAATEN AUF,
 -        die Verwendung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien in den
          Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung zu entwickeln und voranzutreiben,
          und zwar im Hinblick auf eine Anpassung an pädagogische Methoden, die großen Wert
          legen auf die Rolle der Lehrkräfte, die Aufwertung der aktiven und kooperativen Rolle
          der Studierenden, die Individualisierung der Lehre, interdisziplinäre Ansätze, die
          Zusammenarbeit von Lehrkräften zur Festlegung didaktischer Projekte sowie die
          Berücksichtigung spezifischer Bedürfnisse;
 -        die Ausbildung der Lehrkräfte und der Ausbilder in der Handhabung der
          Lernprogramme und der On-line Dienstleistungen im multimedialen Bereich und für
          deren Einsatz als Instrumente zu intensivieren, damit diese ihre Unterrichtstätigkeit
          zweckmäßiger gestalten können. Besondere Aufmerksamkeit müßte dabei der Analyse
          und dem Verständnis der Rolle der Lehrkräfte und der Ausbilder, der Verbreitung der
 ---pagebreak--- Ergebnisse der Forschung zur Einbeziehung multimedialer Produkte in die Pädagogik
bei den Lehrkräften gewidmet werden, sowie Aktionen zur Sensibilisierung für die mit
dem Einsatz von multimedialen Produkten verbundenen Vorteile, der Unterstützung und
der Förderung von Initiativen der Lehrkräfte sowie der Zusammenarbeit von
Lehrkräften und Unternehmen im Rahmen der Erprobung von multimedialen Produkten
und Diensten.
Forschungsaktionen, Konzeption und Ausarbeitung multimedialer Lernprogramme in
Europa zu fördern, insbesondere im Rahmen von Partnerschaften der Akteure im
Bereich Bildung, der Verleger und der Unternehmen im Multimediabereich, und zwar
zu folgenden Punkten:
-       Entwicklung von Verfahren zur Konzeption von multimedialen pädagogischen
        Materialien;
-       Unterstützungsmechanismen für Entwicklung und Anpassung von
        multimedialen Lernprogrammen, bei denen Lehrkräfte oder Ausbilder bei der
        Konzeption dieser Produkte einbezogen werden;
-       Festlegung von zweckmäßigen Lizenzsystemen für derartige Programme und
        Entwicklung neuer Systeme für die Aufteilung der Ressourcen;
-       Möglichkeiten des Zugangs zu Multimedia-Bibliotheken für Bildungs- und
        Ausbildungseinrichtungen, wobei der Schutz der Rechte an geistigem Eigentum
        gewährleistet wird;
-       Festlegung von Qualitätskriterien und von Gütezeichen oder passenden Wegen
        zur Anerkennung, in erster Linie, um Synergiewirkungen der Programme mit
        dem für den Heimbedarf bestimmten Multimediaprodukten zu gewährleisten
        und um ein ausreichendes Maß des Verbraucherschutzes sicherzustellen;
die entsprechenden Infrastrukturen zu schaffen, um möglichst vielen Benutzern Zugang
zu multimedialen Geräten, Programmen und On-line Diensten von hoher Qualität sowie
zu der erforderlichen Ausbildung und den notwendigen Unterstützungsstrukturen zu
gewährleisten. Dies müßte sich durch eine Einbeziehung dieser Instrumente in die
betreffenden Einrichtungen bewerkstelligen lassen: Vorschuleinrichtungen und
Einrichtungen der Primär- und Sekundarstufe, Universitäten, öffentliche Bibliotheken,
Unternehmen, Zentren verschiedener Art, gesellschaftliche Bildungszentren für
Jugendliche und Familien, Vereinigungen usw. Besondere Aufmerksamkeit müßte der
Entwicklung von Multimedia-Unterstützungszentren und der Kornmunikation von
Lehrkräften und Partnern im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung im
weiten Sinne gewidmet werden;
spezielle Maßnahmen zu folgenden Zwecken zu ergreifen:
-       im Umfeld der Ausarbeitung und Förderung flexibler Organisationsformen im
        Schulwesen die Erprobung einer Einbeziehung multimedialer Produkte, mit dem
        Ziel, ihre Wirksamkeit und Verbreitung zu verstärken;
 ---pagebreak---     -         Förderung des Einsatzes und des Zugangs zu multimedialen Lehrmitteln, um
              den Bedürfnissen der Jugendlichen, benachteiligter Gruppen und ländlicher
              Gebiete sowie von rückläufiger industrieller Entwicklung betroffenen Regionen
              zu entsprechen;
-    die Verbreitung modellhafter pädagogischer Praktiken zu          fördern, die auf der
     Einbeziehung von multimedialen Lernprogrammen und                 -diensten    in den
     Bildungsprozeß beruhen, und die Gründung oder den Ausbau         von Einrichtungen für
     Demonstrations- und Förderungszwecke auf der Grundlage            dieser Erprobung zu
     überprüfen;
-    sich um möglichst effiziente Mittel zur Durchführung gemeinsamer Aktionen im
     Rahmen        von     Kultur-,    Bildungs-    und     Ausbildungsprogrammen       und
     Forschungsprogrammen auf europäischer Ebene zu bemühen, unter Berücksichtigung
     der Möglichkeiten der Strukturfonds;
-    regelmäßig Bericht zu erstatten über den Stand der Einbeziehung der multimedialen
     Lernprogramme in ihre Bildungssysteme;
FORDERT DIE KOMMISSION AUF,
-    eine vergleichende Analyse und ein Follow-up der fortgeschrittensten Pilotversuche zur
     Verwendung von multimedialen Produkten und Diensten im Bildungsbereich in Europa
     und in der gesamten Welt durchzuführen und die Ergebnisse dieser Analyse den
     Mitgliedstaaten mitzuteilen;
-    die Bereiche Bildung und Ausbildung im Rahmen ihrer globalen Initiativen bezüglich
     der Informationsgesellschaft zu berücksichtigen;
 -   die durch den Einsatz der multimedialen Programme und Dienste gebotenen
     Möglichkeiten bei der Durchführung von Aktionen zu berücksichtigen, die von der
     Kommission in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Kultur verfolgt werden,
     einschließlich der internationalen Zusammenarbeit;
 -   gemeinsame Dienstleistungen auf europäischer Ebene festzustellen und zu fördern, u. a.
     zur Information über die Produkte und ihre Bewertung und zum Aufbau von
      Beziehungen zwischen Herstellern und Benutzern sowie Verwaltern der Bildungs- und
     Ausbildungssysteme, damit eine hohe Qualität der Produkte und ein
     zweckentsprechender Einsatz gewährleistet werden;
 -    eine koordinierte Vorgehensweise zu gewährleisten, was Aktionen im Bereich der
      multimedialen Lernprogramme angeht, zum einen im Rahmen der betreffenden
      gemeinschaftlichen Programme und zum anderen im Rahmen der Strukturfonds und der
      Initiativen zur Entwicklung der transeuropäischen Telekommunikationsnetze, wobei
      unter Einhaltung der entsprechenden Verfahren konvergente Ziele zu setzen sind;
                                              10
 ---pagebreak--- besondere Aufmerksamkeit der Darstellung nach außen und der Verwirklichung dieses
koordinierten Ansatzes mit dem Ziel zu widmen, vorrangig die Wirksamkeit der
Bildungs- und Ausbildungssysteme und der Forschungssysteme sowie der Systeme für
den Zugang zum Arbeitsmarkt zu verbessern;
die Verwertung und Verbreitung der modellhaften pädagogischen Praktiken, die auf
dem Einsatz multimedialer Programme und Dienste beruhen, auf europäischer Ebene zu
fördern, wobei man sich so weit wie möglich auf Modalitäten und Strukturen, die auf
allen Ebenen bestehen, stützen sollte;
bis zum 31. Dezember 1997 einen Bericht über die erreichten Fortschritte, über die
vorgefundenen Hindernisse und die zusätzlichen Aktionen vorzulegen, die erforderlich
sind, um die Gesamtheit der hier beschriebenen Maßnahmen vor dem Hintergrund de?
Jahres 2000 umzusetzen.
 ---pagebreak---  ---pagebreak---                                                                     ISSN 0256-2383
                                                       KOM(96) 120 endg.
                                         DOKUMENTE
DE                                                                         16 15
                                    Katalognummer : CB-CO-96-130-DE-C
                                                            ISBN 92-78-01818-X
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg
                                           12-