CELEX: 51973PC2050
Language: de
Date: 1973-12-05
Title: Vorschlag einer RICHTLINIE DES RATS betreffend die Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Zusammensetzung von Benzin - Probleme über das Bleigehalt von Benzin - (von der Kommission dem Rat vorgelegt)

ARCHIVES HISTORIQUES
DE LA COMMISSION
COLLECTION RELIEE DES
DOCUMENTS "COM"
COM (73) 2050
Vol. 1973/0368
 ---pagebreak--- Disclaimer
Conformément au règlement (CEE, Euratom) n° 354/83 du Conseil du 1er février 1983
concernant l'ouverture au public des archives historiques de la Communauté économique
européenne et de la Communauté européenne de l'énergie atomique (JO L 43 du 15.2.1983,
p. 1), tel que modifié par le règlement (CE, Euratom) n° 1700/2003 du 22 septembre 2003
(JO L 243 du 27.9.2003, p. 1), ce dossier est ouvert au public. Le cas échéant, les documents
classifiés présents dans ce dossier ont été déclassifiés conformément à l'article 5 dudit
règlement.
In accordance with Council Regulation (EEC, Euratom) No 354/83 of 1 February 1983
concerning the opening to the public of the historical archives of the European Economic
Community and the European Atomic Energy Community (OJ L 43, 15.2.1983, p. 1), as
amended by Regulation (EC, Euratom) No 1700/2003 of 22 September 2003 (OJ L 243,
27.9.2003, p. 1), this file is open to the public. Where necessary, classified documents in this
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In Übereinstimmung mit der Verordnung (EWG, Euratom) Nr. 354/83 des Rates vom 1.
Februar 1983 über die Freigabe der historischen Archive der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft (ABI. L 43 vom 15.2.1983,
S. 1), geändert durch die Verordnung (EG, Euratom) Nr. 1700/2003 vom 22. September 2003
(ABI. L 243 vom 27.9.2003, S. 1), ist diese Datei der Öffentlichkeit zugänglich. Soweit
erforderlich, wurden die Verschlusssachen in dieser Datei in Übereinstimmung mit Artikel 5
der genannten Verordnung freigegeben.
 ---pagebreak--- KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                   KOM(73)2050 endg.
                                                   Brüssel , den 5 » Dezember 1973
                                   Vorschlag einer
                                 RICHTLINIE DES RATS
           "betreffend die Angleichung der Rechtsvorschriften der
           Kitgliedstaaten über die Zusammensetzung von Benzin
                     - Probleme über das Bleigehalt von Benzin -
                       (von der Kommission dem Rat vorgelegt )
  KGMI 73 ) 2o5o endg.
 ---pagebreak---                            /         /'          ;                                                        \
               Einleitung ' /                     \                                                        \
         Die VerE-chiedciiartigkeit der Rechtis– und Verwaltungsvorschriften in
         den I&tgliedstaaten der EWG bezüglich der Begrenzung des Bleigehaltes
         von Kraftfahrz eUgbenz inen "bringt die Gefahr von Hemmnissen im freien
         Warenverkehr innerhalb der Gemeinschaft sowohl für Kraftstoffe als
         auch       JD^£tfpi:EZßUgß
                                                       II ,. IH', liilU"*! 1 ' Kff' 1|' "I         ■mi", j' inv' """ 1'' !
     land                      Bleigohalt                       ^nwendungs-                                    Bemerkungen
                       gpgenwart ig in Zukunft                           datum
                                                                                                                               S.
  Belgien                0,84                         in Anwenduïjg                                     empfohlene Grenze
  Prankreich             0,64                         in Anwenduhg                                      gesetzliche Grenze
                                        0,55                 1.1,1974                                   vorgeschlagene Re- '•
                                                                                  f
                                                                                                        gelur.g                         t
                                        0,45                 l.l.l^                                     vorgeschlagene He– ;
                                                                                                        gelur.g                         |
  Italien                0,64                         m Anwehd                 .ciung                   gesetzliche Grenze ■
             /
                         0,40                         in Anwelnddung                                    Wert für Anspruch '
                                                                                                      • auf Steuererleich­
                                                                                                        terungen
  Niederlande            O.84                         m Anwendung                                       empfohlene Grenze \
  Bundesrepu­
  blik peutsob-
  land                   0,40                         in Anwendung                                      gesetzliche Grenze .
                                        0,15                 1*1*1976 V                    . \
                                                                                                        gesetzliche Grenze ;
  veremigtes                                                                               t   \
                                                                                                                                       <
  KÏJnigreich            0,84                         in Anwendung 1                             i enpfdhlene Grenze ;
                                        0.64                 1 * 1»1>' (3 \                      <
                                                                                                  1
                                                                                                                                       t
                                                                                                                                       î
                                        0,55                 1.1,1574V                         t        vorgeschlagene
                                        0,45                 1.1.1976'                                 Empfehlungen . –-i­
, Schweiz                0,57 -^U7 Ô-                 in Anwendung
                                                                                                                       ) gesetzliche.
                         0,54 -ior'1 .              i
                                                                                                                           Grenze
  USA                    1.12            –            in Anwendung                                      empfohlene Grenz
                                        0,53 0'              1.1.1975
                                        0,45 (*);            1.1.197'6 ;                                vorgeschlagene
                                        0,40 (*>: - I.I.I977 )
                                        0,33 <*) 1„1»197δ)
     „       _                                                                        –,                                ■    ,    77 .
     *    vi .: r.ritUnet i soh eu Mf.ttelw« -»t "b er Z Ho:.?, - te Cec B oi'jo'v- te~
          t.:i /.u      der P»*finier i© einzuhcltende Greiise .
 ---pagebreak---                                - ? -
 Die Anwendung dieser verschiedenen Regelungen "bedeutet für den Ver­
 braucher nicht nur Behinderungen bei Reisen zwischen den Mitglieds-
 ländern , sondern auch erhöhte Ausgaben , bedingt durch den Zwang der
Mineralöl– und Kraft fahrzeugindustrie für den Export Sonderherstellun–
 g^n entsprechend den von Land zu Land unterschiedlichen Regelungen
vorzusehen» Diese Schwierigkeit gilt besonders für die Kraftfahrzeug-
Hersteller , für die der Betriebsertrag iiresertlich von der SeriengrBsse
 abliangt . Es wäre zudem bedauerlich , wenn der sich durch den Beitritt-
 Grossbritanniens , Irlands und Dänemarks ergebenden Markt von 250
Millionen Verbrauchern durch Vorschriften technischer Art auf diesem
 Sektor wieder zerteilt würde »
    Bisherige Aktionen der Kommission
Als die Kommission im Anfang der- Jahres 1971 von den Initiativen einzel­
ner Mit gliedst aa.ten zur Begrenzimg des Bleigehaltes der Benzine unter­
richtet wurde , berief sie eine Arbeitsgruppe , die die Untersuchung der
durch die Luftverunreinigung durch Kraftfahrzeuge bedingten Probleme
zar Aufgäbe hat » Diese Gruppe konstituierte sich im März 1971 » wöbe i
sich schnell die Notwendigkeit herausstellte , die technischen und
gesundheitlichen Aspekte getrennt zu untersuchen«
Auf den Sitzungen der Gruppe " Technische Aspekte " wurden im wesent­
lichen die Folgen für den Kraft fahrzeugbau einer Verwendung von Kraft­
stoffen untersucht , die auf Grund ihres verringerten Bleigehaltes Eigen­
schaften haben , die von denen der jetzigen Kraftstoffe abweichen« Im
Verlaufe der Untersuchungen wurden interessierte Firmen insbesondere
über den Stand der Entwicklung von als "Bleifilter" bekannten Vorrich­
tungen befragt , die die Bleiteilchen im Auspuffsystem zurückhalten
sollen »
Die Sitzunger des Ausschusses " Gesundheitliche Aspekte" galten im wesent­
lichen der Untersuchung der Auswirkungen des Bleis auf den menschlichen
Organismus und der Harmonisierung der Methoden zur Bestimmung des Blei–
gehalts der Luft und des menschlichen Körpers . Dieser Austichuss hat im
besonderen ein Seminar über den Stoffwechsel des Bleis durchgeführt mit
dem Ziel , die zur Abschätzung des Beitrages der verschiedenen Bleiquellen
                                                                    •/»
 ---pagebreak--- zur gesamten Bleibelastung des Körpers erforderlichen Grundlagen zu
erhalten » Daneben wurde auf seine Initiative im Oktober 1972 ein
internationales Symposium zur Ermittlung des gegenwärtigen Standes der
gesagten Forschungen Uber die Auswirkungen des Sleis in der Umwelt auf
den Menschen abgehalten»
Ausserdem veranstaltete die Kommission zwei Sitzungen^um mit Vertretern
der Mineralölwirtschaft und der     Autonobilindustrie die wirtschaftlichen
und technischen Auswirkungen einer Verringerung des Benzinbleigehaltss
auf dem Mineralölnarkt zu diskutieren .
Die Konmission unterstützte die Arbeiten dieser Gruppe durch Untersu­
chungen , die sie auf dem Vertragsweg an renommierte Organisationen und
Sachverbände vergab .
3 « Ausxirirkungen des Bleis auf den Betrieb der Kotore
Im Laufe ihrer Entwicklung haben die Motore der europäischen Kraftfahr­
zeuge einen Stand erreicht , der durch sehr hohen Wirkungsgrad und hohe
spezifische Leistungen gekennzeichnet ist . Diese sind wiederum durch ein
hohes Verdichtungsverhältnis und ein beträchtliches Drehzahlniveau er­
möglicht worden. Dadurch bedingt , sind jedoch auch die Ansprüche an die
Kraft st offqualität mehr und mehr gestiegen. Bei der gegebenen Situation
der Mineralöl Industrie konnte diese Qualität nur noch durch Zugabe von
Gegenklopfmitteln zu den Kraftstoffen für Motore mit Fremdzündung ver­
bessert werden«
Gegenwärtig liegt die Kraft st offqualität , Üblicherweise gekannzeichnet
durch die "Research–Oktanzahl" ( liOZ), zwischen 93 und 100 für " Super"–
Kraftstoffe und zwischen 90 und- 92 für " ITormal "-Kraftstoffe , Für das
"klare " Benzin ohne Zusätze können Research–Oktanzahlen von 90 "bis $1
für Super- und 85 für Normalkraft stoffe angenommen werden»
Die zur Erhöhung der Klopffestigkeit des Benzins hauptsächlich verwendeten
Zusätze sind das Bleitetraäthyl und das Bleitetramethyl , die bislang in
wirtschaftlicher und technischer Hinsicht als am vorteilhaftesten galten.
                                                                      A
 ---pagebreak--- Die Verwendung nicht ausreichend klopffester Kraftstoffe "bewirkt in den
meisten Motoren schlagartige Verbrennungserscheinungesu Die dabei im
Zylinder auftretenden Druckschwingungen rufen das als "Klopfen" "be­
zeichnete anormale Betriebsgeräusch hervor . Dabei wird der Ilotor
thermisch und mechanisch Uberlastet , ein häufiger Betrieb unter diesen
Bedingungen führt zu seinen vorzeitigen Verschleiss .
Die Motore der gegenwärtig im Verkehr befindlichen Falirzeuge können an
eine geringere als die bei ihrem Entwurf vorgesehene Kraft st offqualität
durch Änderung der Vorzündung angepasst werden , jedoch nur in durch
Überhit zungsprobloae bedingten sehr engen Grenzen» Bei der Entwicklung
der Motore zukünftiger Fahrzeuggenerationen kann gegebenenfalls der
verminderten Qualität neuer Treibstoffe dadurch Rechnung getragen
vre rden , dass zum Beispiel ein geringeres Verdichtungsverhältnis vor*- .
gesehen wird als bei den jetzigen Motoren « In beiden Fällen muss jedoch
wegen der Verringerung des Wir^rungs grade s der llotore nit einer Erhöhung
des Verbrauchs ( die nach manchen Schätzungen bis zu IOJJ erreichen kann )
bei unter Umständen geringeren Leistungen gerechnet Vierden. Dieser
Mehrverbrauch würde naturgemäss zu einem vergrösserten Abgasvolumen
und damit , absolut gesehen , zu einer Erhöhung der Schadstoffemission
führen» Diese wäre noch grösser , wenn ein Hersteller zrun Ausgleich der
oben erwähnten etwaigen Leistungseinbussen den Hubraum seiner Motore
erhöhen würde .
Daneben wirkt das in den Zylindern niedergeschlagene Blei als Schmier­
mittel für die Ventile und ihre Sitze » Im Interesse der Lebensdauer
der jetzigen Motore , bei deren Entwurf eine derartige SchutzWirkung ein­
geplant war , kann ein gewisser Mindestbleigehalt des Benzins nicht
unterschritten werden .
4 * Die Bleiemissionen in den Auspuffgasen
Durch Hitze und Druck des Verbrennungsvorgangs im Zylinder zerfallen
die organischen Verbindungen des Bleis , damit dieses als verbrennungs–
hemmender Katalysator wirken kann, An Ende der Verbrennung bildet das
Blei anorganische Verbindungen mit anderen im Auspuffgas enthaltenen
Stoffen, Diese Verbindungen v/erden im allgemeinen in Form von Bleihalo–
geniden ausgestossen , die bei kühleren Abgasen auch Komplexe mit
 ---pagebreak---                                - 5 -
Anmoniumlialogeniden "bilden.
Grosse und Menge der ausgestossenen Teilchen hängen von den Betriebs­
bedingungen des Motors , seinen Alter und dem Zustand des Auspuffsystems
ab» In einem neuen Auspuffsystem lagern sich die Teilchen bis zu einem
gewissen Sättigungsgrad ab t bevorzugt bei geringen Gast euperaturen
und -geschwindigkeiten , wie sie zum Beispiel in Stadtverkehr vorkommen»
Erfolgt später ein Betrieb mit höheren Gastemperaturen und –geschwindig ­
keiten , so k'dimen diese Ablagerungen teilweise aurgestossen werden »
Die aus dem Brennraun direkt in die Aussenluft gelangenden Teilchen
haben Durchmesser unter 5 Mikron , grossenteils sogar 0,5 Mokron« Da­
gegen liegen die Durchmesser der zunächst in Auspuffsystem abgelagerten
imd dann durch mechanische oder thermische Einwirkung ausgestossenen
Teilchen über 5 Mikron«
üa allgemeinen wird angenommen , dass während der gesamten Lebensdauer
eines Kraftwagens im Mittel fO bis 80% des in verbrauchten Benzin ent­
haltenen Bleis emittiert werden , davon etwa die Hälfte im Gr'dssenbe–
reich unter 5 Mikron. Diese Werte schwanken jedoch individuell in weiten
Grenzen«
5« Das Blei in der Atmosphäre
Die Bleiemissionen von Kraftfahrzeugen machen einen grossen Teil der
Gesamtmenge dieses Stoffes in der Atmosphäre hauptsächlich in Gross-
städten aus . Eine kürzlich auf Veranlassung der Kommission von einem
Saohverständigenausschuss durchgeführt e und als Bericht EUR 4982 ver­
öffentlichte Untersuchung über die Bleikonzentration in der Luft in
der Europäischen Gemeinschaft hat folgende Ergebnisse gebracht :
Diese Werte beruhen auf kontinuierlichen Messungen ( 24 Stunden pro Tag)
in der Zeit vom 1.4»197^       3l»3»1972 »
 ---pagebreak---             Lage                            Hert in Hikrogrc.mra pro rn^
            ländlich                        monatlicher Mittelwert          0,5
                                            täglicher Höchstwert            1
Kleinstadt :     Wohngebiet                 nonatlicner Mittelwert          1
                                            täglicher Höchstwert            2
                 verkehrsreiche Stelle      keintliÎQGSwcrMitt cl-..'ero
Grosstadt :      ?Johngebiet                momtlicher Mittelwert         • 2
                                            -tätlich er IHJchstwert      / 8
                 verkehrsreiche Stelle      monatlicher Mittelwert          6,5
                                            täglicher Höchstwert            10
      6 . Die Auswirkungen der Luftverschmutzung durch Blei auf den mensch­
          lichen Organi smus
      Bleipartikel mit einer Grösse unter 5 Mikron gelangen aus der Luft in
      die Lungen» Ein auf zwischen 25 und 5üf° geschätzter Teil dieser Teil­
      chen setzt sich in den Bronchien und Lungenbläschen ab , die maximale
      Depo sit ionsrate wird für Teilchen zwischen 0,5 und 1 Mikron angenommen .
      Die deponierten Teilchen werden nahezu vollständig resorbiert und ge­
      langen sehr schnell in das Blut ,
      Das eingeatmete Blei trägt jedoch nur zu einem von Experten auf
      zwischen 10 und 4      angenommenen Teil zur gesamten Blcibelastung des
      menschlichen Organismus bei » Tatsächlich werden mit der llahrung und
      Getränken erhebliche Bleimengen aufgenommen, in Europa zwischen 200
      und 500 Mikrogramm Blei täglich,
      Bisher konnten noch keine zuverlässigen Beziehungen zwischen dem Blei–
      gehalt der Luft und dem des Blutes oder anderen biologischen Indikatoren
      der Bleiaufnahne nachgewiesen werden , umfangreiche ünt ersuchungen sind
      jedoch im Gange ,
 ---pagebreak---                                    - 7 -
Die schädlichen Auswirkungen des Eleis auf den menschlichen Organismus
 Eind seit langem bekannt , die Bleivergiftung stellt eine der ersten
 erkannten Berufskrankheiten dar.    Klinische Effekte der Bleivergiftung
treten jedoch erst bei erheblichen eingenommenen oder eingeatmeten
El einengen auf » Bei erheblich schwächeren Belastungen kennen e;ibklini-
s-~he Erscheinungen auftreten , wie eine partielle Panktionshesacung gewis­
ser , an der ESaoglobinsyethese beteiligter Enzyme »
Bai, gewissen Berufsgruppen , die während lSngerer Zeiträume der Strassen–
luft an Stellen besonders hoher Bleikonzertration ausgesetzt sind (Poli­
zeibeamte , Strassen- und MIHI arbeit er ) , konnten diese subklinischen
Erscheinung. ; festgestellt werden »   Rückschlüsse auf die gesundheitlichen
Birkungen dieser Erscheinungen kennen daraus jedoch nicht gezogen werden »
Ii der GesaarcborBlkorang, einschlj eeslich empfindlicher Gruppen w?. <=. Kinder ,
stellt man eine Speicherung von 131 ci , im wesentlichen in den Knochen ,
im Laufe des Lebens fest » lieget ive Auswirkungen auf die Gesundheit
durch die normalerweise aiisut reffenden Depots konnten bisher jedoch. nicht
bewiesen werden,   Trotzdem nrcisa die Entwicklung der Lage aufmerksam
verfolgt werden , um nötigenfalls schnelle Massnahmen ergreifen La künnen ,
7° D ie Auswirkungen piner Verringe rung des Bleigehaltes der Kraftstoffe
    auf die Xineral'dlindustrie
Die Verringerung des Bleigehaltes zieht erhebliche Folgen für die Eigen­
schaften der Kraftstoffe nach sich .    Daduroh könnten je nach dein Grad
der Verringerung , empfindliche Änderungen bei ihrer Herstellung sowohl
in technischer und s+ruktureller als auch in finanzieller und wirtschaft­
licher Einsicht erforderlich sein .
Gegenwärtig besteht keine Aussicht auf eine annehmbare LCsung , das Blei
d'irch ein anderes Additif wirksam, zu ersetzen«     Ebenso sind die Anwen-
dungsm'öglichkeiten neuer Grundstoffe wie Methanol , Äthanol und Äther
sehr beschränkt und in wirtschaftlicher Hinsicht nicht vertretbar .
 ---pagebreak---                                     - 8 -
. Die verbleibenden Losungen könnten nur durch Änderungen des Raffinier-
   schemas verwirklicht weiden .  Es ist technisch möglich , einen Treibstoff
  mit hohen Research-- Oktanzahlen mit den Verarbeitungsanlagen herzustellen ,
  deren Technologie gegenwärtig bekannt ist »   Insbesondere könnte eine
  gesteigerte Ausbeutung des katalyti sehen Reformierens vorgesehen werden ,
  was eine Steigerung dor Klopffestigkeit des "klaren" Benzins gestatten
  würde , jedoch auch eine Erhöhung des Aromat enant eil s und eine Verringe­
  rung des Verfahrenswirkungsgrades mit sich brächte .     Der Zusatz von ,
  leichten Isomeren zum Benzin würde zt*ar dessen Delta R (lCO° ) (*) wesent­
  lich verbessern , ist jedoch durch die für Kraftstoffe festgelegte Flüch­
  tigkeit begrenzt .   Die Aükylierung in Verbindung mit Einheiten zum
  katalyti sehen Kracken kann wegen der voraussichtlichen Entwicklung der
  Verbrauchers truktur für Mineralölerzeugnisse in Europa nur eine begrenste
  Rolle spielen»
  Die Dienststellen der Kommission führten unter Mitarbeit von Sachver­
  ständigen auf den Mineralöl- und Fraft fahrz euggeb i et eine eingehende
  Untersuchung der Auswirkungen der Verringerung des Bleigehaltes der
  Kraftstoffe auf de& Mineralölmarkt der Gemeinschaft durch «     Die tech­
  nischen und industriellen sowie die finanziellen und wirtschaftlichen
  Aspekte des Problems sind insbesondere Gegenstand eines bosovi curia *-:
 Berichte , dessen Schlussfolgerungon wie folgt zusammengefasst
 werden komien %     •       '
  Jede Verringerung des Benzinbleis wird neben der Notwendigkeit zu
  erheblichen Investitionen eine Erhöhung der Herstellungskosten und eine
  Verringerung der Herst ellungsflexibilitftt für die Raffinerien bedeuten .
  Aus diesen Gründen nü.sste ein Programm zur Verringerung des Bleigoho.lt es
  so weit wie möglich stufenweise durchgeführt werden.      Von Wichtigkeit ist
  die Peststellung , dass bei Annahme einer stufenweisen Verringerung des
  Bcnzinbleis eine Schwelle bei 0,45 bis 0,40 g/l auftritt . Bis zu diesem
  Wert würden sich die Verfahrensänderungen in- technisch und wirtschaftlich
  möglichen Grenzen halten»
                                                                     t      •
  (*) Delta R (100° ) = Differenz zwischen der Research–Oktanzahl des Treib­
                         stoffes und seiner bis 100 °G destillierten Fraktion ,
                         Kennwert für das Klopfverhalten des Treibstoffes bei
                         niedrigen Drehzahlen des Motors .
 ---pagebreak--- Wird diese Schwelle jedoch unterschritten , so wurden erhöhte technische
und wirtschaftliche Schwierigkeiten auftreten , wesentliche und kost­
spielige Verfahrensänderungen wKren erforderlich»
8 . Die Folgen einer Verringerung: des Bleigshaltes der Kraftstoffe für
    die RohölVersorgung der Gemeinsc'ir ft
Die Auswirkungen einer solchen Verringerung auf die RchölVersorgung
der europäischen Mineral öiwirt Schaft bilden einen nicht zu vernachlässigen­
den Aspekt zu einem Zeitpunkt , wo die Gefahr einer Knappheit an Primärener-
gie ernsthaft diskutiert wird und manche Sachverständige die Situation der
RohölVersorgung der Gemeinschaft auf lange Sicht pessimistisch beurteilen .
Ein Mehrbedarf an Roh'dl kann aus den zwei folgenden Gründen entstehen :
- verringerter Verfahrensvrirkungsgrad der RaffinerieandB^en*, wenn bei ■
   sinkendem Bleigehalt das Oktanniveau der Kraftstoffe gehalten werden
   seil «  Zur Zeit liegen nur wenige genaue Angaben vor , erste Schätzun­
   gen lassen jedoch die Möglichkeit eines Mehrbedarfs in der Grösscn-
   ordrtung von 1 bis 4 % bei einer Verringerung auf 0,4 g/l und von 3 bis
   8 fo bei einer Verringerung auf rund 0,15 g/l fffr alle Benzincp.alitSten
   erkennen «
- Mehrverbrauch der Fahrzeugmotore , der auf bis zu 10 fo in gewissen
   Füllen geschätzt wird , aus den in Kapitel 3 geschilderten Gründen«
Bei den Grössenordnungen des zur Herstellung des in der Gemeinschaft
verbrauchten Kraftstoffes ( rund 63 Millionen Tennen in 1971 ) benötigten
Roh ölvolumenj müsste sorgfältig geprüft werden , "bis zu welcher Grenze
ein so hervorgerufener Mehrverbrauch tragbar wäre »     Allen Mitgliedstaaten
bedeutet eine zusätzliche Erhöhung des RohölVerbrauchs zudem eine Er­
höhung der Einfuhren , was bei manchen Ländern von ausschlaggebendem
Einfluss auf die Handelsbilanz ; ict .
9 » Stand der Vorschriften in den Vereinigten Staaten
Die Umwelt schutzagentur (EPA) hat zuerst im Februar 1972 ihre Absicht
verkündet ^ im Rahmejn, dos »Clean Air Act " Vorschriften zu erlassen
 ---pagebreak---                           - 10 -
hinsichtlich der Verfügbarkeit einer neuen bleifreien Benzinqualität
und einer stufenweisen Verringerung des Bleigehaltes der übrigen
Benzinqualitäten zwischen dem 1«1,1974 und dem 1»1«,1977 » ^ dieser *
Ankündigung wurden entsprechend den Gepflogenheiten in den USA die
interessierten Kreise aufgefordert , Stellungnahmen zu diesem Entwirf
in öffentlichen Hearings oder schriftlich abzugeben .
Aufgrund der zahlreichen Stellungnahmen veröffentlichte die EPA im
Januar 1973 eine Regelung, die vorsieht ^ dass ah dem 1»7»1974 zumindest
eine "bleifreie Benzinqualität mit einer Research-Oktanzah?. von 91
zur Verfügung stehen nuss . Gleichzeitig Haderte sie ihren Vorschlag
zur stufenweisen Verringerung des Bleigehaltes der übrigen Benzin–
qualitäten dahingehend ah , dass die Daten des Inkrafttretens um ein
Jahr verschoben wurden so wie in der Tabelle in Kapitel 1 aufgeführt »
Zur Rechtfertigung ihrer Forderung nach einem bleifreien Kraftstoff
führte die EPA die Erwartung an , dass zur Einhaltung der Grenzwerte
für Kohlenmonoxid , unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Stickoxide , die
sie ab I975 einführen wollte , allgemein katalytische Vorrichtungen
benutzt würden und dass diese kein Blei vertrügen«
Seitdem konnte jedoch eine gewisse Änderung in der Haltung der EPA hin­
sichtlich der Übrigen Fahrzeugemissionen festgestellt werden : In der
Folge eines öffentlichen Hearings der Automobilindustrie im Kärz 1973 }
die einen einjährigen Aufschub der für 1975 vorgesehenen Vorschriften
verlangt hatte , änderte die EPA tatsächlich ihre Forderungen durch
Einführung von " Interimsnomen" für 1975 » Bei diesen Übergangsvor-
schriften , die im Ganzen xveniger streng als die ursprünglich vorge­
sehen sind , wird zwischen dem als besonders gefährdet betrachteten
Bandesstaat Kalifornien und dem Übrigen Bundesgebiet unterschieden»
Die ITA nimmt an , dass alle in Kalifornien verkauften Fahrzeuge mit
katalytischen ITachverbrennungsvorrichtungen ausgerüstet werden müssen ,
um diens neuen Vorschriften einhalten zu können , dass jedoch die meisten
der auf dem übrigen Bundesgebiet verkauf': cn Typen ohne diese Vor­
richtungen auskommen könnten» Damit hofft die EPA, die Forderungen
des Umwelt schützen zunächst befriedigen zu können ohne unüberwindliche
wirtschaftliche Problome zu schaffen »
 ---pagebreak---                              - 11 -
Grosse Bedeutung nuss der Aufforderung der EPA an den Kongress der
Vereinigten Staaten "beigemessen werden , seine Entscheidung hinsichtlich
der Verringerung der Emissionen von £t ickoxiden zu überprüfen « So
würden die neuesten Abschätzungen der Gefahren dieses Schadstoffes für
die Volksgesundheit seine für 1976 auf $öfo festgelegte Verringerung
nicht mehr rechtfertigen . Es war jedoch gerade diese Verringerung ,
die wegen der ITotwondigkoit des Einsatzes von Vorrichtungen zur kataly–
tischen Reduktion die erheblichsten technologischen Problcce stellte ,
da diese Vorrichtung die Gegenwart von Blei in Kraftstoff nicht zu­
lassen,
10. Vorgesehene gemeinschaftliche Aktion
Obwohl die vorstehenden Kapitel zeigen , dass bei dem ge gen;rärt igen Stand
der Luftverschmutzung durch Blei eine unmittelbare Gefahr für die
Yolksgesundheit selbst in Gros stäclten nicht besteht , so itt eine ge­
meinschaftliche Aktion zur Begrenzung des Bleigehalts de3 Benzins doch
aus nachstehenden Gründen Viünschenswert :
– Gesetzliche Regelungen' zur Verringerung des Benzinbleis sind rjsiflöhrozten
   Staaten in Vorbereitung, in anderen bereits in Kraft getreten. Die
   Unterschiedlichkeit dieser Vorschriften bbirtgt die Gefahr der Ent­
   stehung von technischen Hönde Ishenmnissen in sich ; deshalb ist es
   wichtig , bereits jetzt eine Aktion zur Harmonisierung dieser Bestim­
  mungen in Angriff zu nehmen»
– Der ständig steigende Kraft fahrzeugbe st and bedinge eine Zunahme des
   Benzinverbrauchs und damit eine Zunahme der Gesamtmenge des emittier­
   ten Bleis . Um jedoch bei diesen Gegebenheiten die Luftverschmutzung
   durch das Blei auf dem gegenwärtigen Stand halten zu können , muss in
   demselben Verhältnis der Bleigclialt des Benzins verringert werden , da
   andere IlSglibhkeiten zur Verminderung der Bleieini seienen nicht durch
   Gesetzeskraft innerhalb der gleichen Fristen eingeführt werden könnten/
   Die Bleifilter zum Beispiel haben einen so weit fortgeschrittenen
   Entwicklungsstand erreicht , dass eine Verringerung der Emissionen
   von Bleipartikeln um wenigstens "JCffo während ihrer gesamten Lebensdauer
   gewährleistet v/erden kann » Dagegen messen die Probleme ihrer Her­
                                                                     «/•
 ---pagebreak---                                     12 -
    Stellung in Stückzahlen , die zur Ausrüstung aller Nsufahrseuge
    von einem segebenen Datum an ausreichen , noch im Einzelnen von
    der interessierten Industrie geprüft werden .
Die gemeinschaftlichen Massnahmen zur Begrenzung des Bleigehaltes
der Kraftstoffe müssen jedoch auf gewisse lebenswichtige wirtschaft­
liche Gegebenheiten Rücksicht nehmen , worauf bereits das Europäische
Parlament in seiner Entschliessung vom 6.7 « 1972 aufmerksam getischt
hat . Daneben nuss sichergestellt sein , Gass diese Verringerung , be­
sonders v;enn sie relativ kurzfristig eingeführt wird , die Mincralcl-
industrie nicht veranlasst , die Zusammensetzung der Kraftstoffe zur
Aufrechterhaltung der vorgeschriebenen Qualität so zu ändern , dass
die Emissionen anderer Schadstoffe in die Volksgesundheit gefährdea-
ter V.'eise erhüht v/erden .
Aus diesen Gründen hält es die Kommission für angebracht , die vor­
liegende Richtlinie vorzuschlagen , die als erste Stufe eine Ver­
ringerung des Bleigehaltes auf 0,^0 g/l für alle Benzinqualitäten
vorsieht . In Anbetracht der in manchen Hitgliedstaaten in Kraft be­
findlichen Vorschriften bedeutet diese Verringerung jedoch für die Ge
meinschaft insgesamt einen spürbaren Fortschritt . Die vorgeschlagenen
Grenzwerte sind ebenfalls im Sinne der bereits erwähnten Ent-
schliessung des Europäischen Parlamentes .
Daneben hielt es die Kommission für angebracht , einen Grenzwert für
Normalbenzin :?estzulegen als Hinweis , der besonders der Mineralöl-
industrie eine längerfristige Orientierung hinsichtlich der
Definition der Zusammensetzung zukünftiger Kraftstoffe gestatten
soll .
In Anbetracht der gegenwärtig in den Mitgliedsländern gegebenen
gesetzlichen Situation glaubt die Kommission , von Zwischenstufen zur
E^reichun': chs in dieser Bichtlinie vorgeschriebenen Endwerte absehen
zu müssen . Sie möchte damit den Mitgliedstaaten die Möglichkeit geben
die ihren Gegebenheiten am besten entsprechenden Massnahmen zu er­
greifen , um den in dieser Richtlinie festgelegten »v'erten und Daten
zu entsprechen .                                            /
 ---pagebreak---                                   - 13 -
Sollten in Zukunft Änderungen der Richtlinie 220 des Rates voft
20.3.1970 über die Begrenzung der Emissionen von Kohlenmonoxid und
unverbrannten Kohlenwacserstof fen von Motoren mit Fremdzündung zu
Grenzwerten führen , die die Verwendung von Vorrichtungen zu
katalytischer Nachverbrennung erfordern , beziehungsweise die Be­
grenzung der Emissionen von Stickoxiden einführen , die ebenfalls
solche Vorrichtungen erfordert , so wird die Kornmission gemäss dem
vorgesehenen Verfahren die notwendigen Massnahmen zur entsprechenden
Anpassung der vorliegenden Richtlinie treffen für den Fall , dass
diese VorrAchtungen nur mit Benzin mit noch geringerem Bleigehalt
oder völlig ohne Blei betrieben werden können .
Die vorgeschlagene Begrenzung stellt eine y/ichtige , jedoch unter den
gegenwärtigen Umständen realistische Massnahme zur Erhaltung des .
gegenwärtigen Zustandes dar , die in den Rahmen des Aktionsprogrammes
der Kommission für eine globale Lösung des Pröblems der Luftverunrei-
nigung durch Kraftfahraeuge fällt . Die Kommission wird ni ht ver­
säumen , wirksame Massnahmen vorzuschlagen , wenn die in Zusammenarbeit
mit den Mitgliedstaaten auf technischer und gesundheitlicher Ebene
durchgeführten Untersuchungen eine Gefahr für ■ die Volksgesundheit
durch den gegenwärtigen i-Bleigehalt nachweisen würden . Sollte in
einigen Jahren eine solche Lage eintreten ohne dass gleichzeitig die
Emissionen anderer Schadstoffe erheblich gesenkt v/erden miissten , so
könnte die Konmission die Möglichkeit prüfen , auf die obenerwähnten
Bleifilter zurückzugreifen , die zu einem solchen Zeitpunkt die
Serienreife erreicht haben werden .
Die Kommission glaubt , dass sie in einigen Jahren , jedenfalls vor dem
Ende des Jahres 1979 , über die wissenschaftlichen , technischen und
wirtschaftlichen Grundlagen verfügen wird , die ihr den Vorschlag
einer umfassenden Lösung der durch äie Benzinverbleiung gestellten
Probleme ermöglichen .
 ---pagebreak---                                    14 -
Zu diesem Zweck prüft sie in Zur. aranen arbeit mit den Mitgliedstaaten
und den interessierten Kreisen sowie mit Hilfe der laufenden oder
geplanten Untersuchungen , die sie selbst durchführt oder bei anderen
Stellen veranlasst hat , die folgenden Aspekte :
- Die Auswirkungen der Anwendung dieser Richtlinie auf die Luftver-
  unreinigung , auf die Kraftfahrzeugherstellung , besonders aber auf
  den in Verkehr befindlichen Fahrzeugbestand , sowie auf die Kraft-
  stof fherstellung unter besonderer Berücksichtigung von möglichen
  spezifischen Schwierigkeiten der einfacheren Raffinerien ;
- den Fortschritt bei dar Entwicklung von Systemen zur Verringerung
  der Emissionen von gasförmigen Schadstoffen durch die Kraftfahr­
  zeuge , der Antriebstechnik sowie von * Verfahren zur Herstellung von
  Kraftstoff en , die weniger Luftverunreinigung verursachen ;
- die Entwicklung der Konzentrationen der verschiedenen Schadstoffe
  in der Luft europäischer Städte und ihr Einfluss auf die Volkcga-
  sundheit . Die Kommission will hierbei besonders die Konzentration
  von ßlei in der Luft mit Hilfe des Netzes von Messpunkten , das im
  Rahmen der vorstehend erwähnten Untersuchungen geschaffen wurde ,
  ermitteln .
 ---pagebreak---                                 - 15 -
  DER RAT HER EUROPÄISCHE . GEMEINSCHAFTEN
  gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsge­
  meinschaft , insbesondere auf Artikel 100
  auf Vorschlag der Kommission ,
  nach Stellungnahme des Europäischen Parlanents ,
  nach Stellungnahme des Wirt schafts– und Sozialausschusses ,
  und in Erwägung folgender Gründe :
  Die einzel staat liehen Recht svorschriften Uber die Zusnmmonsctzxmg von
  Benzin , namentlich die Bestimmungen über die Begrenzung des Bleigehalts
  von Benzin für Fahrzeugnotoren sind von Mitglicdstaat zu Mitgliedstaat
  verschieden .   Infolgedessen Tifemmen sie den freien Warenverkehr
  innerhalb der Geraeinschaft und wirken - sich somit unmittelbar
  auf das Funktionieren des Gemeinsamen Marktes aus « ..
  Darüber hinaus bilden der Schutz und die Verbesserung der Volks-
  gesundheit heutzutage ein Hauptanliegen aller Industriestaaten ,
  da die - Umweltverschmutzung durch die in den Auspuffgasen der
  Kraftfahrzeuge enthaltenen Stoffe wegen der stsndig zunehmenden Dich­
  te des Kraf tfahrzeugverkehrs ein beunruhigendes Ausmass erreicht hato
 Nachdem in der Richtlinie des Rates' vom 20.^J$?0 Massnahmen zur Begren­
 zung der Luftverschmutzung durch die Enission von Kohlenraonoxyd und uu-
 verbrannten Kohlenwasserstoffen durch Kraftfahrzeuge getroffen wur » ■
  den , kommt es nunmehr darauf an , das Problem der Emission von Blei–
  Partikeln durch diese Fahrzeuge in Angriff zu nehmen» Dieses Blei
  stammt von den bleihaltigen Benzinzusätzen her , die als Antiklopfmittel
■ verwendet werden, ■
    Wenn    nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Erkennt­
  nisse auch nicht erwiesen ist , dass die derzeitigen Bleikonzentratior.oi
  in der Luft europäischer Städte eine Gefahr für die Volksgesundheit
                                                                     •A
 ---pagebreak---                                - Ιο
Larsteilen , nuss    doch sichergestellt werden , dass diese Konzentration
nicht durch die wachsende Verkehrsdichte erhöht werden , weshalb vor­
beugende Massnahmen hinsichtlich der Begrenzung des Bleigehalts der
Kraftstoffe ergriffen werden missen «
In einigen Mitgliedstaaten ist eine Begrenzung des Bezinbleigehaltes
auf etwa 0,4 g/l bereits in Kraft oder in Vorbereitung, während in
anderen I-Iitgliedstaaten noch höhere Bleigehalte geduldet werden »
Es ist deshalb angebracht , sich in dieser Richtlinie auf die Festlegung
von endgültigen Werten zu beschränken , ohne Zwischenstufen vorzusehen ,
Uber die sie zu erreichen sind. Damit wird den Mitgli odstaaten anhein–
gestellt , die vorgesehenen Massnahmen unmittelbar anzuwenden oder aber
die ihrer Situation an besten entsprechenden Massnahmen zu treffen , un
sich den endgültigen Grenzwerten innerhalb der von der Richtlinie
 gesetzten Frist anzupassen , Biese Massnahmen können von den Mitglied­
staaten in übrigen auch vor    Ablauf      der Frist angewendet werden.
Bie Auswirkungen einer Verringerung des Bleigehaltes in den Kraftstoffen
auf 0,40 g/l in finanzieller , wirschaftlicher , industrieller und quali­
tativer Hinsicht haben gezeigt , dass eine solche Verringerung verhältnis-
mässig kurzfristig möglich ist , ohne den Mih'etaljJljtiarki: dercGoaeinctthaft
und seine Struktur fühlbai? zu beeinträchtigen .
Auch die Festlegung eines vorläufigen Richtwertes für den Grenzgehalt
an Blei in Hcrealbenzin ist zweckmässig , bis die zur Zeit laufenden
Untersuchungen es gestatten , die Zusammensetzung der auf längere Sicht
benötigten Kraftstoffe genauer zu bestimmen.
Da die Konzeption eines Motors und die Beschaffenheit des von ihm ver­
brauchten Kraftstoffes sich gegenseitig beeinflussen , muss der Blei –
gehalt des Kraftstoffes in der Ueise begrenzt werden , dass die in der
Gemeinschaft auf den Markt gebrachten Benzine ausreichende Klopffestig-
keit besitzen , um die Anforderungen der Motoren der im Verkehr befind­
lichen Fahrzeuge an die Oktanzahl ohne übertriebene Erhöhung des Ge-
st ehungspreises weiterhin erfüllen zu können. Bis zum Vorliegen der
Ergebnisse der in Europa laufenden Untersuchungen über die Festlegung
 ---pagebreak---                               - 17 -
  angenessengni'Kriterien genügt es , auf konventionelle Kriterien wie
  "Research-Oktansahl " und "Mot or-Okt ejiz ahl" Bezug zu nehmen , um die
 Klopffestigkeit zu definieren»
 Diese Benzinsorten mUssen jedoch lange -, g^nug zur
 Verfügung stehen , um den Bedarf des zum Zeitpunkt der Einführung
 neuer Kraftfahrzeuge für Benzinsorten mit schlechteren Antilclopf–
 eigenschaften noch vorhandenen Automobilbestandes so lange zu decken ,
 bis dieser nach, und nach vollständig 'ersetzt worden ist .
 Blei ist nur eines der Elemente , die in die Zusammensetzung von
 Kraftstoffeil eingehen , und die Verringerung des Bleigehaltes darfkeine
 Verschlimmerung der Luftverschmutzung durch anderweitige Änderungen
 dieser Zusammensetzung herbeiführen«
 Der Port schritt der Erkenntnisse Uber den Gesundheitsschutz einerseits
und die Fortentwicklung der Antriebst echniken und der Verringerung
 der Schadstoffemissionen durch die Motoren andererseits kennen es
 erforderlich machen , die Bestimmungen dieser Richtlinie entsprechend
 anzupassen , namentlich dann , wenn diese Änderungen zur Vervrendung
 von Einrichtungen mit katalytischen Verfahren führen , deren Betrieb
 den Einsatz von unverbleiten Benzinen oder von solchen mit niedrige­
 rem Bleigehalt ale gegenwärt ig vorgesehen erforderlich macht »
 HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSE!?:
                          Artikel 1
 Im Sinne dieser Richtlinie gilt als :
 – Benzin jeder Kraftstoff , der zum Betrieb von Fahrzeugverbrennungs–
    motoren mit Fremdzündung bestimmt ist ,
 – " Super"–Benzin jeder Kraftstoff , dessen Resc arch–01:t anz ahl nicht
    unter $8 und dessen Motor^-Oktanzahl nicht unter 87 liegt ,
 – " Normal "-Benzin jeder Kraftstoff , dessen Research-Oktanzahl nicht
    kleiner ist als 90»
 ---pagebreak---                                      - 18 -
                                 Artikel 2
1 . Ab 1 « Januar 1276 dürfen Kraftstoffe innerhalb der Gemeinschaft
      nur -ruf den Harkt gebracht v/erden , wenn ihr Höchstgehalt an Blei­
      verbindungen , ausgedruckt als Blei , nicht grösser ist als 0,*i0 g/l .
2 . Ab 1 . Januar 1978 darf Normalbenzin innerhalb der Geraeinschaft
      nur auf den Markt gebracht v/erden , wenn sein Gehalt an Bleiver-
   , bindungen. nicht grösser ist als 0,15 g/l , wobei die Bestimmungen
      von Absatz 1 für Superbenzin in Kraft bleibt .
3« Ab 1 . Januar 1978 dürfen Kraftstoffe mittlerer Qualität zwischen
      Super- und Normalbenzin innerhalb der Gemeinschaft nur auf den
      Markt gebracht v/erden , wenn ihr Gehalt an Blei Verbindungen , ausge­
      drückt als Blei , nicht grösser ist als die Gesamtmenge einer "
      äquivalenten Mischung dieser beiden Kraftstoffe .
*f . In de.:. Bestreben , den Kampf gegen die durch die Kraftfahrzeuge
      verursachte Luftverschmutzung fortzuführen , v/ird die Kommission
    ' alle zwei Jahre vom Tag der Annahme dieser Richtlinie an dem Kat
      Bericht erstatten über ;
      a ) die Auswirkungen der Anwendung dieser Richtlinie ;
      b ) den Fortschritt der Systeme zur Verringerung von anderen
          Emissionen als Blei in den Auspuffgasen ( l ), der Techniken der
          Fahrseugantriebe sov.de der Verfahren zur Herstellung von
          Benzin , das weniger Luftverunreinigung verursacht ;
      c ) die Evolution der Konzentretionen der verschiedenen Schadstoffe ,
          insbesondere des Bleigehaltes in der Luft europäischer Städte
          und ihr Einiluss auf die Volksgesundheit .
Darüber hinaus wird die Kommission auf Grund der im Verlauf dieser
ständigen Untersuchungen gesammelten Daten unverzüglich alle geeigne­
ten Vorschläge formulieren .
Spätestens zum 1 . Januar 19Ö0 wird die Kommission Vorschläge für
eine umfassende Lösung für das Proble.a des Eleigehaltes von Benzin
vorlegen .
                                                          ./•
( l ) Richtlinie des Rates Nr . 220/70 vorn 20 . März 1970
 ---pagebreak---                                     - 19 -
                                 Artikel 5
Durch die Verringerung des Bleigehaltes darf die Zusaumensetzung der
Kraftstoffe nicht dergestalt verändert werden , dass die Emissionen
anderer Schadstoffe in den Auspuffgasen fühlbar erhöht werden . Auf
jeden Fall nucs die Kraftstof fzusaranensetzung derart bleiben , dass
die in der Richtlinie Hr . 220/70 vom 2o . März 1970 aufgestellten
Grenzen eingehalten werden können .
Zu diesem Zweck treffen die Mitgliedstaaten alle zweckdienlichen
Massnahmen , u;;i Messungen der Schadstoff-Emissionen in den Motorab-
gasen durchzuführen ; die so gewonnenen Informationen teilen sie der
Kommission mit .
                                 Artikel k
1 . Die Mitgliedstaaten dürfen das Inverkehrbringen und die Verwendung
    von Kraftstoffen nicht aus Gründerl ihrer Zusammensetzung unter­
    sagen , einschränken oder behindern ,
    - ab 1 . Januar 1976 , wenn dieser Kraftstoff Artikel 2 Absatz 1
      dieser Richtlinie entspricht ,
    - ab 1 . Januar 1978 , wenn der Kraftstoff Artikel 2 Absatz 2 und 3
      dieser Richtlinie entspricht .
2 . In Abweichung vom ersten Gedankenstrich des vorstehenden Absatzes
    können die Mitgliedstaaten TOr'deu 1 . Jahüar 1978 Artikel- 2 iAb» '
    eätze 2 -und 'J : anwenden .
                                 A rtikel 5
Die Messung der Oktanzahlen sowie des Bleigehaltes erfolgt nach den
Prüf verf«ihren gemäss Anhang I.
                                 Artikel 6
Stellt ein Hitgliedstaat durch eine aufgrund der in Artikel 5 vorge­
sehenen Prüfverfahren durchgeführte Kontrolle fest , dass ein Kraft­
stoff den Anforderungen von Artikel 2 nicht entspricht , so ergreift
er die erforderlichen Massnahmen , um die Einhaltung dieser Be­
stimmungen sicherzustellen .
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                              .Artikel 7
1* Die Mit gl i edst aat en erlassen die erforderlichen Rechts– und Ver–
   waltungsvorschriften , um dieser Richtlinie binnen 6 Monaten
   nach ihrer Notifizierung nachzukommen,' und setzen die Kommission
   hiervon unverzüglich in Kenntnis«
2. Wach erfolgter Bekanntmachung dieser Richtlinie sorgen die Mitglied-
   Staaten ausserdem dafür , dass die Konmission von allen Entwürfen
   innerstaatlicher Rechts– und Verwaltungsvorschriften , die sie auf
   dem unter diese Richtlinie fallenden Gebiet su erlassen gedenken ,
   so rechtzeitig unterrichtet wird , dass sie sich hierzu äussern
   kann»
                             Artikel 8
Diese Richtlinie ist an           Kitgliedstaaten gerichtet .
                                   Geschehen zu ••■*•«••••••• an •.••••••••«
                                                 Hur den Rat
                                                 Der Präsident
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                         EEjEICT2OTFAHHEaf
Die Oktanzahl nach dem Re se arch-Verf ahren wird, nach der Korn ASTM
( iiperican Society for Testing and Materials ) D 2722^-71 in einem
CFR–Prüfhot or durchgeführt ( Cooperative Puel Research Connittee )»
Die Ergebnisse von -Einzelmessungen--       werden nach dem Verfahren
der Horn BS 4040/1971 ausgewertet , die von der British Standard
Institution veröffentlicht worden ist#
Die Oktanzahl nach den Motorverfahren wird nach der Nonn ASTO D 275 3-71
in einen CFR-Motor ermittelt » Die Ergebnisse von Einzelmessung^n
werden nach den Verfahren der Horn BS 4040/1971 ausgewertet , die von
der British Standard Institution veröffentlicht worden ist »
Der Bleigehalt des Kraftstoffes wird nach den Prüfverfahren der
Europäischen Fora Pr EH 13 von 6#Dezenber 1972 "Verfahren zur Messung
des Bleigehaltes in Kraftstoffen" des Europäischen ITornenausschusses
CE1T genessen« Die Ergebnisse      von Einzelrnessungen   werden nach .
den Verfahren der Horn BS 4040/1971 ausgewertet , die von der British
Standard Institution veröffentlicht worden ist#
Die Entnahme der Kraftstoffproben für diese Messungen erfolgt bei
einer Strassent anlest eile«