CELEX: 62003CJ0535
Language: de
Date: 2006-03-23
Title: Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 23. März  2006. # The Queen, auf Antrag von Unitymark Ltd und North Sea Fishermen's Organisation gegen Department for Environment, Food and Rural Affairs. # Ersuchen um Vorabentscheidung: High Court of Justice (England & Wales), Queen's Bench Division (Administrative Court) - Vereinigtes Königreich. # Fischerei - Kabeljau - Beschränkung des Fischereiaufwands - Open-gear-Baumkurren - Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung. # Rechtssache C-535/03.

Rechtssache C-535/03
      The Queen, auf Antrag von
      Unitymark Ltd und North Sea Fishermen’s Organisation
      gegen
      Department for Environment, Food and Rural Affairs
      (Vorabentscheidungsersuchen des High Court of Justice [England & Wales], Queen’s Bench Division [Administrative Court])
      „Fischerei – Kabeljau – Beschränkung des Fischereiaufwands – Open‑gear-Baumkurren – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung“
      Urteil des Gerichtshofes (Dritte Kammer) vom 23. März 2006 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Freier Warenverkehr – Mengenmäßige Beschränkungen 
      (Artikel 29 EG)
      2.     Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Verhältnismäßigkeit – Gleichbehandlung – Gemeinsame Agrarpolitik 
      (Artikel 34 Absatz 2 EG)
      3.     Fischerei – Erhaltung der Meeresschätze – Beschränkung des Fischereiaufwands
      (Verordnung Nr. 2341/2002 des Rates, Anhang XVII Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a; Entscheidung 2003/185 der Kommission,
            Artikel 1)
      1.     Maßnahmen, die auf kurze Sicht die Fischmengen vermindern, mit denen die Mitgliedstaaten untereinander handeln können, auf
         lange Sicht aber einen optimalen Ertrag der Fischerei sicherstellen und daher diesen Handel erhöhen sollen, fallen nicht in
         den Geltungsbereich von Artikel 29 EG über die Warenverkehrsfreiheit.
      
      (vgl. Randnr. 50)
      2.     Der Grundsatz der Nichtdiskriminierung und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gehören zu den allgemeinen Grundsätzen des
         Gemeinschaftsrechts und kommen im Agrarsektor, zu dem die Fischerei gehört, in Artikel 34 Absatz 2 Unterabsatz 2 EG zum Ausdruck.
         Diese Bestimmung überträgt dem Gemeinschaftsgesetzgeber die Aufgabe, die in Artikel 33 EG genannte gemeinsame Agrarpolitik
         durchzuführen, u. a. um der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten und die Versorgung
         sicherzustellen, wobei jede Diskriminierung zwischen Herstellern der Gemeinschaft ausgeschlossen ist.
      
      Was die gerichtliche Kontrolle der Einhaltung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit angeht, so kann angesichts des weiten
         Ermessens, über das der Gemeinschaftsgesetzgeber auf dem Gebiet der gemeinsamen Agrarpolitik verfügt, die Rechtmäßigkeit einer
         in diesem Bereich erlassenen Maßnahme nur dann beeinträchtigt sein, wenn diese Maßnahme zur Erreichung des Zieles, das das
         zuständige Organ verfolgt, offensichtlich ungeeignet ist.
      
      (vgl. Randnrn. 53-54, 57)
      3.     Die Gültigkeit der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 zur Festsetzung der
         Fangmöglichkeiten und entsprechender Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Gemeinschaftsgewässern
         sowie für Gemeinschaftsschiffe in Gewässern mit Fangbeschränkungen, der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a desselben
         Anhangs in der Fassung der Verordnung Nr. 671/2003 sowie von Artikel 1 der Entscheidung 2003/185 über die Zuteilung von zusätzlichen
         Tagen außerhalb des Hafens gemäß Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 an Mitgliedstaaten wird nicht dadurch in Frage gestellt,
         dass die mit Open‑gear-Baumkurren ausgestatteten Schiffe im Verhältnis zu der von ihnen gefangenen Kabeljaumenge deutlich
         stärker durch die Maßnahmen zur Beschränkung des Fischereiaufwands belastet wurden als Schiffe mit anderen Fanggeräten.
      
      Denn diese Maßnahmen sind nicht offenkundig ungeeignet. Mit den fraglichen Maßnahmen hat der Rat es vorgezogen, die Verringerung
         des Fischereiaufwands auf alle betroffenen Wirtschaftsteilnehmer aufzuteilen, anstatt für die Tätigkeit der Fischer, die hauptsächlich
         Kabeljau fangen, ein Moratorium zu verhängen. Hierbei war er bestrebt, einem der Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik zu entsprechen,
         nämlich der Aufrechterhaltung einer angemessenen Lebenshaltung für alle betroffenen Fischer. Diese Entscheidung des Gesetzgebers
         ist als solche nicht zu beanstanden, sofern sie nicht durch den Erlass der angefochtenen Maßnahmen darauf hinausläuft, in
         unverhältnismäßiger Weise und ohne objektive Rechtfertigung eine andere Gruppe Fischer zu benachteiligen. Der Umstand, dass
         eine bestimmte Gruppe stärker als eine andere von einer Maßnahme mit Verordnungscharakter betroffen ist, bedeutet nicht zwangsläufig,
         dass diese unverhältnismäßig oder diskriminierend wäre, wenn sie darauf abzielt, global ein Problem von allgemeinem Interesse
         zu regeln.
      
      (vgl. Randnrn. 59-60, 63, 76-77 und Tenor)
URTEIL DES GERICHTSHOFES (Dritte Kammer)
      23. März 2006(*)
      
      „Fischerei – Kabeljau – Beschränkung des Fischereiaufwands – Open‑gear-Baumkurren – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung“
      In der Rechtssache C‑535/03
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Artikel 234 EG, eingereicht vom High Court of Justice (England & Wales), Queen’s
         Bench Division (Administrative Court) (Vereinigtes Königreich), mit Entscheidung vom 10. Dezember 2003, beim Gerichtshof eingegangen
         am 19. Dezember 2003, in dem Verfahren
      
      The Queen,  auf Antrag von
      
      Unitymark Ltd,
      North Sea Fishermen’s Organisation
      gegen
      Department for Environment, Food and Rural Affairs
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Dritte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten A. Rosas sowie der Richter S. von Bahr (Berichterstatter) und A. Borg Barthet,
      Generalanwalt: P. Léger,
      Kanzler: K. Sztranc, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 17. März 2005,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –       der Unitymark Ltd und der North Sea Fishermen’s Organisation, vertreten durch A. Lewis, Barrister, dieser beauftragt von A. Oliver
         und A. Jackson, Solicitors,
      
      –       der Regierung des Vereinigten Königreichs, vertreten durch K. Manji als Bevollmächtigten im Beistand von M. Hoskins, Barrister,
      –       des Rates der Europäischen Union, vertreten durch T. Middleton und F. Florindo Gijón als Bevollmächtigte,
      –       der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch T. van Rijn und B. Doherty als Bevollmächtigte,
      aufgrund des nach Anhörung des Generalanwalts ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1       Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Gültigkeit der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a des Anhangs XVII der Verordnung
         (EG) Nr. 2341/2002 des Rates vom 20. Dezember 2002 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und entsprechender Fangbedingungen
         für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen in den Gemeinschaftsgewässern sowie für Gemeinschaftsschiffe in Gewässern
         mit Fangbeschränkungen (2003) (ABl. L 356, S. 12), der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a desselben Anhangs in der Fassung
         der Verordnung (EG) Nr. 671/2003 des Rates vom 10. April 2003 (ABL. L 97, S. 11, im Folgenden: geänderter Anhang XVII) sowie
         von Artikel 1 der Entscheidung 2003/185/EG der Kommission vom 14. März 2003 über die Zuteilung von zusätzlichen Tagen außerhalb
         des Hafens gemäß Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 an Mitgliedstaaten (ABl. L 71, S. 28) (im Folgenden insgesamt: angefochtene
         Maßnahmen). 
      
      2       Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits, in dem sich die Unitymark Ltd (im Folgenden: Unitymark) und die North
         Sea Fishermen’s Organisation (im Folgenden: NSFO) einerseits und das Department for Environment, Food and Rural Affairs andererseits
         wegen der Gültigkeit zweier von diesem Department erlassener Verordnungen (Orders) zur Anwendung des Anhangs XVII der Verordnung
         Nr. 2341/2002 und des geänderten Anhangs XVII gegenüberstehen.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Gemeinschaftsrecht
       Der Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002
      3       Der Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 legt fest, wie viele Tage Schiffe mit einer Länge von mindestens 10 Metern, die
         hauptsächlich oder als Beifang Kabeljau fischen, auf dem Meer zubringen dürfen.
      
      4       Die Nummern 1 und 2 des genannten Anhangs bestimmen den betreffenden Zeitraum, der vom 1. Februar bis 31. Dezember 2003 reicht,
         und die betroffenen Fanggebiete.
      
      5       Nummer 4 dieses Anhangs definiert die Fanggeräte, darunter
      „a)       Grundschleppnetze, Zugnetze oder ähnliche gezogene Geräte mit einer Maschengröße von 100 mm oder mehr mit Ausnahme von Baumkurren
         [im Folgenden: Geräte des Typs 4a]
      
      b)       Baumkurren mit einer Maschengröße von 80 mm oder mehr [im Folgenden: Geräte des Typs 4b]
      …
      e)      Grundschleppnetze, Zugnetze oder ähnliche gezogene Geräte mit einer Maschengröße zwischen 70 mm und 99 mm mit Ausnahme von
         Baumkurren [im Folgenden: Geräte des Typs 4e].“
      
      6       Die Geräte des Typs 4a werden hauptsächlich für den Fang von Kabeljau, die des Typs 4b für den Fang von Plattfischen und die
         des Typs 4e für den Kaisergranatfang verwendet.
      
      7       Nummer 6 Buchstabe a des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 legt in Form einer Tabelle die Zahl der Tage jedes Kalendermonats
         fest, an denen sich ein Schiff mit einem der unter Nummer 4 definierten Fanggeräte an Bord außerhalb des Hafens aufhalten
         darf. Im Hinblick auf die Hauptverwendung dieser Geräte lassen sich die maßgebenden Angaben dieser Tabelle wie folgt zusammenfassen:
      
      –       neun Tage für Geräte des Typs 4a (die hauptsächlich für den Fang von Kabeljau verwendet werden);
      –       15 Tage für Geräte des Typs 4b (die hauptsächlich für den Fang von Plattfischen verwendet werden);
      –       25 Tage für Geräte des Typs 4e (die hauptsächlich für den Kaisergranatfang verwendet werden).
      8       Nummer 6 Buchstabe b des genannten Anhangs sieht vor, dass die Kommission den Mitgliedstaaten zusätzliche Tage zum Ausgleich
         für die Fahrtzeit zwischen den Heimathäfen und den Fanggründen und zum Ausgleich für die Anpassung an das neue Fischereiaufwandsystem
         gewähren kann.
      
      9       Nach Nummer 6 Buchstabe c dieses Anhangs kann die Kommission den Mitgliedstaaten vorübergehend zusätzliche Tage für Schiffe
         mit Geräten des Typs 4a an Bord gewähren, um die Stilllegungsprogramme in den Jahren 2002 und 2003 für die von den Bestimmungen
         dieses Anhangs betroffenen Schiffe zu berücksichtigen.
      
       Die Entscheidung 2003/185
      10     Die Entscheidung 2003/185 wurde von der Kommission in Anwendung der Verordnung Nr. 2341/2002 erlassen.
      11     Artikel 1 dieser Entscheidung, der auf Nummer 6 Buchstabe b des Anhangs XVII der genannten Verordnung beruht, sieht vor, dass
         die Mitgliedstaaten, um die Rückkehr zum Hafen zum Austausch von Fanggeräten auszugleichen, höchstens zwei zusätzliche Tage
         je Kalendermonat einräumen können, an denen sich Schiffe mit Geräten des Typs 4a an Bord, die auf den Kabeljaufang spezialisiert
         sind, außerhalb des Hafens aufhalten dürfen.
      
      12     Artikel 2 dieser Entscheidung setzt für das Vereinigte Königreich die Anzahl der in Nummer 6 Buchstabe c des genannten Anhangs
         XVII vorgesehenen Tage auf vier fest.
      
      13     Nach Artikel 3 der genannten Entscheidung dürfen die nach Artikel 1 und 2 der Entscheidung eingeräumten zusätzlichen Tage
         kumuliert werden.
      
       Der geänderte Anhang XVII 
      14     Die Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a des geänderten Anhangs XVII unterscheiden sich in ihrem Wortlaut nur unwesentlich
         von den entsprechenden Nummern des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002. 
      
      15     Nach Nummer 6 Buchstabe c des geänderten Anhangs XVII gelten die nach dieser Nummer eingeräumten zusätzlichen Tage für alle
         Schiffe, die mit in Nummer 4 dieses Anhangs definierten Fanggeräten ausgestattet sind, und nicht mehr nur für diejenigen,
         die mit Geräten des Typs 4a ausgestattet und auf den Kabeljaufang spezialisiert sind.
      
       Nationales Recht
      16     Das Department for Environment, Food and Rural Affairs hat zwei Verordnungen erlassen, die Verordnung über die Hochseefischerei
         (Beschränkung der Tage auf See) von 2003 (Sea Fishing [Restriction on Days at Sea] Order 2003) (SI 2003/229), die am 8. Februar
         2003 in Kraft getreten ist, und die Zweite Verordnung über die Hochseefischerei (Beschränkung der Tage auf See) von 2003 (Sea
         Fishing [Restriction on Days at Sea] [Nº 2] Order 2003), (SI 2003/1535), die am 7. Juli 2003 in Kraft getreten ist.
      
      17     Nach diesen beiden Verordnungen der Regierung des Vereinigten Königreichs macht sich jeder für ein in diesem Mitgliedstaat
         registriertes Fischereifahrzeug Verantwortliche strafbar, wenn sich das Schiff an mehr Tagen als in Anhang XVII der Verordnung
         Nr. 2341/2002 und im geänderten Anhang XVII vorgesehen außerhalb des Hafens aufhält.
      
       Ausgangsrechtsstreit und Vorlagefrage
      18     Kläger des Ausgangsverfahrens sind zum einen die Unitymark, eine Gesellschaft mit Sitz in Schottland, die unter Einsatz von
         mit Baumkurren der Fanggerätgruppe des Typs 4b ausgestatteten Schiffen nach Plattfischen, nämlich Scholle und Seezunge, fischt,
         und zum anderen die NSFO, eine Organisation, die Fischer vertritt, die hauptsächlich in der Nordsee mit Schiffen wie den von
         Unitymark eingesetzten und zu den gleichen Zwecken wie diese tätig sind. Diese Kläger haben den High Court of Justice (England
         & Wales), Queen’s Bench Division (Administrative Court), gegen das Department for Environment, Food and Rural Affairs zur
         Beurteilung der Rechtmäßigkeit der oben genannten Verordnungen (Orders) angerufen, die auf einer Gemeinschaftsverordnung beruhten,
         deren Gültigkeit sie bestreiten. 
      
      19     Sie wenden sich insbesondere gegen die Zahl der Tage auf See, die mit Baumkurren ausgestatteten Schiffen zugestanden würden,
         ohne dass zwischen den zwei Kategorien von Geräten unterschieden werde, die unter diesen Schleppnetztyp fielen.
      
      20     Nach Auffassung des vorlegenden Gerichts sind nämlich Baumkurren mit so genannten offenen Netzen (open gear beam trawls) von
         denen mit so genannten Kettennetzen (chain mat beam trawls) zu unterscheiden. Open‑gear-Baumkurren verwende man für den Fang
         von Plattfischen in Gebieten, in denen der Meeresgrund glatt, sandig und nicht felsig sei und in denen ein Durchpflügen des
         Grundes nicht erforderlich sei. Chain‑mat-Baumkurren, die 20 % der europäischen Baumkurren-Flotte ausmachten und ebenfalls
         zum Fang von Plattfischen dienten, funktionierten hingegen so, dass sie über den felsigen Meeresgrund schabten und so Fische
         aufscheuchten, die sich in das Netz flüchteten. 
      
      21     Die Unitymark und die von der NSFO vertretenen Fischer verwenden ausschließlich Schiffe, die mit Open‑gear-Baumkurren ausgerüstet
         sind.
      
      22     Nach Auffassung des vorlegenden Gerichts sind zwischen den Parteien des Ausgangsverfahrens bestimmte Tatsachen unstreitig.
      23     Zunächst wiesen die Schiffe, die mit Open‑gear-Baumkurren ausgerüstet seien, die geringsten Kabeljau-Beifänge aller Fischfangmethoden
         auf, die in der Nordsee von mehr als 10 Meter langen Schiffen angewandt würden. Diese Fänge lägen deutlich unter denen der
         Schiffe, die mit Geräten ausgestattet seien, die es ihnen erlaubten, hauptsächlich nach Kaisergranat zu fischen, sowie unter
         denen der Schiffe, die mit Chain‑mat-Baumkurren ausgestattet und auf den Fang von Plattfischen spezialisiert seien. 
      
      24     Sodann liege die Kabeljau-Beifangquote der englischen und walisischen Schiffe mit Baumkurren nur bei 0,6 %, während sie im
         Durchschnitt aller in dem betroffenen Gebiet mit Baumkurren ausgestatteten Schiffe bei ungefähr 9 % liege. Dieser Unterschied
         erkläre sich u. a. durch die bedeutenderen Fänge der niederländischen Schiffe, die in größerem Umfang Chain‑mat-Baumkurren
         verwendeten. Im Übrigen mache der Kabeljaufang bei Schiffen, die hauptsächlich nach Kaisergranat fischten, ungefähr 20 % ihres
         Gesamtfangs aus.
      
      25     Schließlich hätten die Beschränkungen des Fischereiaufwands, die in der Gemeinschaftsverordnung vorgesehen seien, ernste Auswirkungen
         auf die wirtschaftliche Rentabilität des Fischfangs mit Open‑gear-Baumkurren. Sie erlaubten nämlich den betroffenen Schiffen
         nicht, ihre Fangquoten bei Seezunge und Scholle auszuschöpfen. Die Unitymark stehe kurz davor, ihre Tätigkeit einzustellen,
         und anderen Fischereiunternehmen drohe das gleiche Schicksal. 
      
      26     Das vorlegende Gericht fügt hinzu, dass nach Auffassung der Unitymark und der NSFO die Fischer, die Open‑gear-Baumkurren verwendeten,
         zu denen gehörten, bei denen die Zahl der Tage auf See am stärksten eingeschränkt worden sei, obwohl diese Fischerkategorie
         auf die Kabeljaubestände, verglichen mit den anderen Kategorien, den geringsten Einfluss habe. 
      
      27     Daher hat der High Court of Justice (England & Wales), Queen’s Bench Division (Administrative Court), das Verfahren ausgesetzt
         und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      Sind
      –       Anhang XVII Nummer 4 Buchstabe b der Verordnung Nr. 2341/2002 und der Teil von Nummer 6 Buchstabe a, der auf Nummer 4 Buchstabe
         b Bezug nimmt, und/oder
      
      –       Anhang XVII Nummer 4 Buchstabe b in der durch die Verordnung Nr. 671/2003 geänderten Fassung und der Teil von Nummer 6 Buchstabe
         a, der auf Nummer 4 Buchstabe b Bezug nimmt, und/oder
      
      –       Artikel 1 der Entscheidung 2003/185, soweit es die Kommission ablehnt, gemäß Anhang XVII Nummer 6 Buchstabe b der Verordnung
         Nr. 2341/2002 die Zahl der Tage auf See, die Schiffen mit in Nummer 4 Buchstabe b dieses Anhangs genannten Fanggeräten an
         Bord zur Verfügung steht, um zwei Tage zu verlängern,
      
      rechtswidrig, soweit sie auf Open‑gear-Baumkurrenkutter angewandt werden, weil sie
      a)      gegen die Artikel 33 EG (früher 39 EG-Vertrag) und 34 EG (früher 40 EG-Vertrag) verstoßen,
      b)      gegen die Artikel 28 EG (früher 30 EG-Vertrag) und 29 EG (früher 34 EG-Vertrag) verstoßen,
      c)      unverhältnismäßig sind,
      d)      diskriminierend sind und/oder
      e)      gegen die Grundfreiheit, ein Gewerbe zu betreiben, verstoßen?
       Zur Vorlagefrage
       Vorbemerkungen
      28     Das vorlegende Gericht bittet den Gerichtshof um Prüfung der Gültigkeit der angefochtenen Maßnahmen im Hinblick auf die Artikel
         des EG-Vertrags über die gemeinsame Agrarpolitik und die Warenverkehrsfreiheit, auf die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit
         und der Nichtdiskriminierung sowie auf die Freiheit zur Ausübung eines Gewerbes.
      
      29     Die beim Gerichtshof eingereichten Erklärungen betreffen jedoch im Wesentlichen die Vereinbarkeit der angefochtenen Maßnahmen
         mit den Grundsätzen der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung. 
      
       Beim Gerichtshof eingereichte Erklärungen
      30     Die Unitymark und die NSFO betonen, sie bestritten keineswegs, dass der Rat der Europäischen Union gezwungen sei, Maßnahmen
         zu erlassen, um insbesondere durch Beschränkung der Zahl der Tage auf See der betreffenden Schiffe auf den sehr starken Rückgang
         der Kabeljaubestände zu reagieren.
      
      31     Sie räumen außerdem ein, dass der Rat auf dem Gebiet über ein weites Ermessen verfüge. Dieses Ermessen erlaube diesem Organ
         allerdings nicht, unter Verkennung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung jede beliebige Verordnung
         zu erlassen. Nach Auffassung der Unitymark und der NSFO sind die Eingriffe in diese beiden Grundsätze für mit Open‑gear-Baumkurren
         ausgestattete Schiffe so schwerwiegend, dass sie zur Ungültigkeit der angefochtenen Maßnahmen führen.
      
      32     Zur Verhältnismäßigkeit machen die Unitymark und die NSFO geltend, dass es in Anbetracht der geringen Kabeljaumenge, die von
         mit Baumkurren ausgestatteten Schiffen und insbesondere von denen, die offene Netze verwendeten, gefangen würden, nicht nötig
         sei, die Tage auf See zu beschränken, oder zumindest nicht auf derart drastische Weise. Die angefochtenen Maßnahmen seien
         also in Bezug auf das verfolgte Ziel unverhältnismäßig.
      
      33     Diese Maßnahmen seien außerdem zunächst im Hinblick auf die Situation der Schiffe unverhältnismäßig, die mit anderen Fanggeräten,
         insbesondere solchen des Typs 4a, ausgestattet und auf den Kabeljaufang spezialisiert seien. Denn wenn man die zusätzlichen
         Tage berücksichtige, die durch die Entscheidung 2003/185 zugewiesen würden, würden diesen Schiffen 15 Tage auf See gewährt,
         d. h. die gleiche Zahl Tage, die Schiffen gewährt werde, die mit Baumkurren, insbesondere solchen mit offenen Netzen, ausgestattet
         seien, die jedoch wesentlich weniger Kabeljau fingen.
      
      34     Sodann seien diese Maßnahmen im Hinblick auf die Situation der Schiffe unverhältnismäßig, die mit Fanggeräten des Typs 4e
         ausgestattet und auf den Kaisergranatfang spezialisiert seien. Nach Auffassung der Unitymark und der NSFO würden diesen Schiffen,
         obwohl sie viel mehr Kabeljau als mit Baumkurren ausgestattete Schiffe fingen, zehn weitere Tage auf See gewährt, nämlich
         25 Tage. 
      
      35     Schließlich hätte zwischen Schiffen, die mit Open‑gear-Baumkurren ausgestattet seien, und solchen, die mit Chain‑mat-Baumkurren
         ausgestattet seien, unterschieden werden müssen. Allein Letztere fingen eine bedeutende Menge Kabeljau. In der Sitzung haben
         die Unitymark und die NSFO auf Tabellen verwiesen, die der Rat als Anlage zu seinen schriftlichen Erklärungen vorgelegt hat.
         Daraus gehe hervor, dass auf mit Open‑gear-Baumkurren ausgestattete Schiffe nur 1,06 % des gesamten 2002 angelandeten Kabeljaufangs
         entfalle, während die mit Chain‑mat-Baumkurren ausgestatteten Schiffe 10,6 % gefangen hätten.
      
      36     Die Unitymark und die NSFO betonen, dass die Tabellen den Unterschied zwischen diesen beiden Gerätetypen klar aufzeigten,
         weil sie Baumkurren mit einer Maschengröße von 80 bis 99 mm und solche mit einer Maschengröße über 100 mm aufführten. Die
         engeren Maschengrößen entsprächen den Chain‑mat-Baumkurren, während die weiteren Maschengrößen für solche Baumkurren typisch
         seien, die mit offenen Netzen arbeiteten.
      
      37     Daraus folge, dass die Schiffe, die mit Open‑gear-Baumkurren ausgestattet seien, offenkundig diskriminiert würden sowohl gegenüber
         den Schiffen, die auf den Fang von Kabeljau spezialisiert seien, als auch gegenüber denjenigen, die auf den Kaisergranatfang
         spezialisiert seien, oder denen, die Chain‑mat-Baumkurren verwendeten.
      
      38     Die Unitymark und die NSFO fügen hinzu, dass die angebliche Notwendigkeit, auch die Plattfischbestände zu schützen, nicht
         relevant sei, weil die Fischer, die diese Fische fingen, selbst nicht einmal die Quoten erreichen könnten, die ihnen vor Erlass
         der angefochtenen Maßnahmen gewährt worden seien.
      
      39     Der Rat hätte andere Maßnahmen erlassen müssen, die in geringerem Maß die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung
         beeinträchtigten. Es hätte genügt, die Zahl der Tage, die den auf den Kaisergranatfang spezialisierten Schiffen gewährt werde,
         um einen Tag zu verringern, oder auch die Zahl der Tage auf See für die Schiffe mit einer Länge unter 10 Metern zu begrenzen.
      
      40     Die Regierung des Vereinigten Königreichs, der Rat und die Kommission erinnern daran, dass das Ermessen des Gemeinschaftsgesetzgebers
         auf dem fraglichen Gebiet sehr weit sei und dass der Gerichtshof nur prüfen könne, ob die erlassene Regelung zur Erreichung
         des angestrebten Zieles offenkundig ungeeignet sei.
      
      41     Im Hinblick auf den Ernst des Problems, dem die Gemeinschaft gegenüberstehe, nämlich der Gefahr der Vernichtung der Kabeljaubestände,
         sei es erforderlich und dringend, Maßnahmen zu ergreifen, um diese Bestände zu schützen und wieder aufzubauen. Die angefochtenen
         Maßnahmen seien auf der Grundlage wissenschaftlicher Berichte erlassen worden und beachteten in vollem Umfang die Grundsätze
         der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung. 
      
      42     Zur Verhältnismäßigkeit stellen die Regierung des Vereinigten Königreichs, der Rat und die Kommission klar, dass die angefochtenen
         Maßnahmen keiner rein mathematischen Logik folgten. Sonst hätten die auf den Fang von Kabeljau spezialisierten Fischer, die
         für den Großteil dieser Fänge verantwortlich seien, den wesentlichen Teil, wenn nicht sogar die Gesamtheit der Beschränkungen
         tragen müssen. Der Gemeinschaftsgesetzgeber habe es jedoch aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen für wichtig erachtet,
         das ganze Gewicht der Kabeljauschutzmaßnahmen nicht allein den auf dessen Fang spezialisierten Fischern durch ein für diese
         Tätigkeit verhängtes Moratorium aufzuerlegen. Da die Kabeljaufänge nicht nur den Schiffen zuzurechnen seien, die hierauf spezialisiert
         seien, sondern auch andere Fischer, insbesondere die von Plattfischen, in signifikantem Umfang Kabeljau fingen, habe der Gemeinschaftsgesetzgeber
         die Auffassung vertreten, dass es vorzuziehen sei, die Verringerung des Fischereiaufwands zwischen all diesen Wirtschaftsteilnehmern
         dadurch aufzuteilen, dass die Zahl ihrer Tage auf See beschränkt werde.
      
      43     Die Verringerung des Fischereiaufwands entfalle größtenteils auf die Fischer, die auf den Kabeljaufang spezialisiert seien
         und für die die Zahl der Tage auf See um 60 % herabgesetzt worden sei. Bei den mit Baumkurren ausgestatteten Schiffen, die
         11,3 % des angelandeten Kabeljaus fingen, sei diese um 40 % verringert worden.
      
      44     Nach Auffassung der Regierung des Vereinigten Königreichs, des Rates und der Kommission gehen die Unitymark und die NSFO zu
         Unrecht davon aus, dass den Kabeljaufischern ebenso viele Tage auf See gewährt würden wie den Fischern von Plattfischen, nämlich
         15 Tage. Wenn den Fischern des Vereinigten Königreichs, die auf den Fang von Kabeljau spezialisiert seien, erlaubt werde,
         15 Tage auf See zu verbringen, geschehe dies in Anwendung von Nummer 6 Buchstaben b und c des Anhangs XVII der Verordnung
         Nr. 2341/2002, und dies trage besonderen Situationen Rechnung. Um einen Ausgleich dafür zu schaffen, dass die Kabeljaufischer
         zum Wechsel der Fanggeräte zum Hafen zurückkehren müssten, würden ihnen zwei zusätzliche Tage gewährt, die keine Fangtage
         seien. Außerdem seien ihnen vier zusätzliche Tage gewährt worden, um Programmen zur Stilllegung von auf den Fang von Kabeljau
         spezialisierten Schiffen Rechnung zu tragen. Die Verordnung habe nämlich erlaubt, dass die Verringerung der Gesamtzahl der
         nach Kabeljau fischenden Schiffe in der Zuweisung zusätzlicher Tage auf See für die verbleibenden Schiffe Ausdruck finde.
         Der von Unitymark und NSFO angestellte Vergleich beruhe also auf einer unzutreffenden Grundlage.
      
      45     Was die auf den Kaisergranatfang spezialisierten Schiffe anbelangt, machen die genannte Regierung und die beiden Organe geltend,
         dass die wissenschaftlichen Berichte keine signifikante Verbindung zwischen dem Kaisergranatfang und der Verringerung der
         Kabeljaubestände aufgezeigt hätten, während eine solche Verbindung im Fall der Plattfische aufgedeckt worden sei. Darüber
         hinaus sei keine Gefahr einer Verringerung der Kaisergranatbestände festgestellt worden, während ein solches Risiko für die
         Plattfische offenkundig geworden sein. Schließlich berücksichtigten die angefochtenen Maßnahmen den Umstand, dass es für Kabeljaufischer
         leichter sei, sich auf den Kaisergranatfang als auf den Fang von Plattfischen umzustellen.
      
      46     Zum Vergleich mit den Schiffen, die mit Chain‑mat-Baumkurren ausgestattet sind, haben die Regierung des Vereinigten Königreichs,
         der Rat und die Kommission in der Sitzung ausgeführt, dass die Angaben, die von der Unitymark und der NSFO über den in Randnummer
         36 des vorliegenden Urteils genannten Zusammenhang zwischen der Maschengröße der Baumkurren und den beiden bestehenden Kategorien
         dieser Art von Schleppnetzen gemacht worden seien, niemals zuvor vorgebracht worden seien.
      
      47     Schließlich führen die Regierung des Vereinigten Königreichs, der Rat und die Kommission aus, dass die angebliche Alternativmaßnahme,
         die darin bestehe, die Zahl der Tage auf See der Schiffe mit einer Länge unter 10 Metern herabzusetzen, in Anbetracht der
         sehr großen Zahl dieser Schiffe und der Schwierigkeit, wenn nicht sogar der Unmöglichkeit, die Anwendung dieser Maßnahme zu
         kontrollieren, nicht realistisch sei.
      
      48     Folglich seien die angefochtenen Maßnahmen nicht ungültig.
       Antwort des Gerichtshofes
       Zur Beschränkung der Warenverkehrsfreiheit und der Freiheit zur Ausübung eines Gewerbes
      49     Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Fragen des vorlegenden Gerichts, die sich auf die Warenverkehrsfreiheit und die
         Freiheit zur Ausübung eines Gewerbes beziehen, im vorliegenden Fall nicht getrennt geprüft werden müssen.
      
      50     Was die Warenverkehrsfreiheit betrifft, bestreiten die Parteien nicht die Notwendigkeit von Rechtsvorschriften, die zeitweilig
         den Kabeljaufang anhand der unterschiedlichen Kategorien von Fischern beschränken, um zu verhindern, dass sich auf lange Sicht
         die Bestände dieses Fisches erschöpfen. Der Gerichtshof hat bereits in Bezug auf Maßnahmen, die auf kurze Sicht die Fischmengen
         vermindern, mit denen die Mitgliedstaaten untereinander handeln können, auf lange Sicht aber einen optimalen Ertrag der Fischerei
         sicherstellen und daher diesen Handel erhöhen sollen, entschieden, dass solche Maßnahmen nicht in den Geltungsbereich von
         Artikel 29 EG über die Warenverkehrsfreiheit fallen (vgl. Urteil des Gerichtshofes vom 16. Juni 1987 in der Rechtssache 46/86,
         Romkes, Slg. 1987, 2671, Randnr. 24).
      
      51     Folglich sind, da das vorlegende Gericht keine besonderen Gründe nennt, weswegen die angefochtenen Maßnahmen den Handel beeinträchtigen
         sollen, mit Ausnahme derer, die sich aus der zeitweiligen Beschränkung des Fischereiaufwands ergeben, diese Maßnahmen nicht
         im Hinblick auf Artikel 29 EG zu prüfen.
      
      52     Was die Freiheit zur Ausübung eines Gewerbes betrifft, so hat der Gerichtshof diese Freiheit anerkannt (vgl. insbesondere
         Urteil des Gerichtshofes vom 17. Oktober 1995 in der Rechtssache C‑44/94, Fishermen’s Organisations u. a., Slg. 1995, I‑3115,
         Randnr. 55), doch hat das vorlegende Gericht, wie die Kommission in ihren schriftlichen Erklärungen hervorhebt, nichts dafür
         angeführt, dass in diese Freiheit anders als durch die eventuelle Beeinträchtigung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit
         und der Nichtdiskriminierung eingegriffen worden wäre, die im Folgenden geprüft werden, so dass auch dieser Aspekt der Frage
         keiner getrennten Prüfung bedarf.
      
       Zur Beeinträchtigung der Grundsätze der Nichtdiskriminierung und der Verhältnismäßigkeit
      53     Der Grundsatz der Nichtdiskriminierung und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der im vorliegenden Fall eng mit Ersterem
         verbunden ist, gehören zu den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts und kommen im Agrarsektor, zu dem die Fischerei
         gehört, in Artikel 34 Absatz 2 Unterabsatz 2 EG zum Ausdruck.
      
      54     Diese Bestimmung überträgt dem Gemeinschaftsgesetzgeber die Aufgabe, die in Artikel 33 EG genannte gemeinsame Agrarpolitik
         durchzuführen, u. a. um der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten und die Versorgung
         sicherzustellen, wobei jede Diskriminierung zwischen Herstellern der Gemeinschaft ausgeschlossen ist.
      
      55     Nach ständiger Rechtsprechung verfügt der Gemeinschaftsgesetzgeber auf diesem Gebiet über ein weites Ermessen, das der politischen
         Verantwortung, die ihm die Artikel 34 EG bis 37 EG übertragen, entspricht. Folglich hat sich die richterliche Kontrolle auf
         die Prüfung der Frage zu beschränken, ob die betreffende Maßnahme nicht mit einem offensichtlichen Irrtum oder einem Ermessensmissbrauch
         behaftet ist oder ob die betreffende Behörde die Grenzen ihres Ermessens nicht offensichtlich überschritten hat (Urteile des
         Gerichtshofes vom 12. Juli 2001 in der Rechtssache C‑189/01, Jippes u. a., Slg. 2001, I‑5689, Randnr. 80, und vom 9. September
         2004 in der Rechtssache C‑304/01, Spanien/Kommission, Slg. 2004, I‑7655, Randnr. 23).
      
      56     In Bezug auf dieses Ermessen hat der Gerichtshof entschieden, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit es erfordert, dass
         die von einer gemeinschaftsrechtlichen Bestimmung eingesetzten Mittel zur Erreichung des angestrebten Zieles geeignet sein
         müssen und nicht über das dazu Erforderliche hinausgehen dürfen (vgl. u. a. Urteile vom 11. Juli 2002 in der Rechtssache C‑210/00,
         Käserei Champignon Hofmeister, Slg. 2002, I‑6453, Randnr. 59, vom 14. Dezember 2004 in der Rechtssache C‑210/03, Swedish Match,
         Slg. 2004, I‑11893, Randnr. 47, vom 6. Dezember 2005 in den Rechtssachen C‑453/03, C‑11/04, C‑12/04 und C‑194/04, ABNA u. a.,
         Slg. 2005, I‑0000, Randnr. 68, und vom 10. Januar 2006 in der Rechtssache C‑344/04, IATA und ELFAA, Slg. 2006, I‑0000, Randnr.
         79).
      
      57     Was die gerichtliche Kontrolle der Einhaltung dieses Grundsatzes angeht, so kann angesichts des weiten Ermessens, über das
         der Gemeinschaftsgesetzgeber auf dem Gebiet der gemeinsamen Agrarpolitik verfügt, die Rechtmäßigkeit einer in diesem Bereich
         erlassenen Maßnahme nur dann beeinträchtigt sein, wenn diese Maßnahme zur Erreichung des Zieles, das das zuständige Organ
         verfolgt, offensichtlich ungeeignet ist (vgl. Urteile vom 13. November 1990 in der Rechtssache C‑331/88, Fedesa u. a., Slg.
         1990, I‑4023, Randnr. 14, vom 5. Oktober 1994 in den Rechtssachen C‑133/93, C‑300/93 und C‑362/93, Crispoltoni u. a., Slg.
         1994, I‑4863, Randnr. 42, Jippes u. a., Randnr. 82, und IATA und ELFAA, Randnr. 80).
      
      58     Daher hat der Gerichtshof zu prüfen, ob die angefochtenen Maßnahmen offensichtlich ungeeignet waren.
      59     Aus den dem Gerichtshof unterbreiteten und insbesondere in den Randnummern 23 bis 26 sowie 35 des vorliegenden Urteils wiedergegebenen
         Angaben wird deutlich, dass die mit Open‑gear-Baumkurren ausgestatteten Schiffe im Verhältnis zu der von ihnen gefangenen
         Kabeljaumenge deutlich stärker durch die Maßnahmen zur Beschränkung des Fischereiaufwands belastet wurden als Schiffe mit
         anderen Fanggeräten.
      
      60     Um die Geeignetheit dieser Maßnahmen zu beurteilen, ist festzustellen, dass der Rat es vorgezogen hat, die Verringerung des
         Fischereiaufwands auf alle betroffenen Wirtschaftsteilnehmer aufzuteilen, anstatt für die Tätigkeit der Fischer, die hauptsächlich
         Kabeljau fangen, ein Moratorium zu verhängen. Hierbei war er bestrebt, einem der Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik zu entsprechen,
         nämlich der Aufrechterhaltung einer angemessenen Lebenshaltung für alle betroffenen Fischer. Diese Entscheidung des Gesetzgebers
         ist als solche nicht zu beanstanden, sofern sie nicht durch den Erlass der angefochtenen Maßnahmen darauf hinausläuft, in
         unverhältnismäßiger Weise und ohne objektive Rechtfertigung eine andere Gruppe Fischer zu benachteiligen.
      
      61     Nach Auffassung der Unitymark und der NSFO erlauben die genannten Maßnahmen es Plattfisch-Fischern, die Open‑gear-Baumkurren
         verwenden, nicht, die ihnen zugeteilten Plattfisch-Quoten auszuschöpfen, und beeinträchtigen somit die Überlebensfähigkeit
         ihrer Tätigkeiten. Der Gemeinschaftsgesetzgeber hätte ihrer Ansicht nach eine derartige Auswirkung durch eine Unterscheidung
         zwischen den beiden Baumkurren-Kategorien, nämlich denen, die mit Kettennetzen arbeiten, und denen, die mit offenen Netzen
         arbeiten, vermeiden können.
      
      62     Dieser Argumentation, wonach es keinen Anlass gegeben habe, die Zahl der Tage auf See der Plattfisch-Fischer zum Schutz der
         Bestände dieser Fische zu verringern, weil die britischen Fischer schon vor der Einführung der Verordnung Nr. 2341/2002 nicht
         die ihnen zugeteilten Quoten hätten erreichen können, kann nicht gefolgt werden. Diese Umstände sind nämlich in Bezug auf
         den Schutz der Kabeljaubestände nicht entscheidend. Außerdem ist im vorliegenden Fall nicht vorgebracht worden, dass alle
         von den angefochtenen Maßnahmen betroffenen Plattfisch-Fischer nicht die ihnen zugeteilten Quoten erreichen konnten.
      
      63     Ferner bedeutet der Umstand, dass eine bestimmte Gruppe stärker als eine andere von einer Maßnahme mit Verordnungscharakter
         betroffen ist, nicht zwangsläufig, dass diese unverhältnismäßig oder diskriminierend wäre, wenn sie darauf abzielt, global
         ein Problem von allgemeinem Interesse zu regeln.
      
      64     In Anbetracht der nicht zu vernachlässigenden Mengen Kabeljau, die von der Gesamtheit der mit Baumkurren ausgestatteten Schiffe
         gefangen werden und die ungefähr 11 % des Gesamtvolumens des angelandeten Kabeljaus ausmachen, erscheint die signifikante
         Begrenzung der Tage auf See, die diesen Schiffen auferlegt wird, als solche nicht offensichtlich ungeeignet.
      
      65     Sodann ist zu prüfen, ob die angefochtenen Maßnahmen nicht Fischer, die unterschiedliche Arten von Fanggeräten verwenden,
         ungleich behandeln; dazu ist in erster Linie die Lage der Fischer, die Schiffe mit Open‑gear-Baumkurren verwenden, mit der
         der Fischer zu vergleichen, die Schiffe mit Chain‑mat-Baumkurren verwenden.
      
      66     Insoweit ist nicht ersichtlich, dass die zu der Zeit, als die angefochtenen Maßnahmen erlassen wurden, verfügbaren wissenschaftlichen
         Berichte zwischen diesen beiden Gerätetypen unterschieden hätten. Vielmehr geht aus den dem Gericht vorliegenden Akten hervor,
         dass die Baumkurren in ihrer Gesamtheit dargestellt wurden. Außerdem waren die Zahlen aus dem Jahr 2002 in den Anlagen der
         Erklärungen des Rates, auf die sich die Unitymark und die NSFO in der Sitzung vor dem Gerichtshof berufen haben, beim Erlass
         von Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 noch nicht verfügbar.
      
      67     Unter diesen Voraussetzungen und im Licht der in Randnummer 64 des vorliegenden Urteils angestellten Erwägungen ist festzustellen,
         dass die angefochtenen Maßnahmen nicht Fischer, die Open‑gear-Baumkurren verwenden, gegenüber solchen diskriminieren, die
         Chain‑mat-Baumkurren verwenden.
      
      68     Es bleibt zu prüfen, ob die angefochtenen Maßnahmen im Hinblick auf die Zahl der Tage diskriminierend sind, die Fischern,
         die hauptsächlich Kabeljau fangen, solchen, die hauptsächlich Kaisergranat fangen, und solchen, die Schiffe mit einer Länge
         unter 10 Metern verwenden, gewährt werden.
      
      69     In Bezug auf die erste Kategorie von Fischern ist festzustellen, dass sich die Rüge nicht auf die Zuteilung eines Grundstocks
         von neun Tagen bezieht, sondern auf die sechs zusätzlichen Tage, die Schiffe des Vereinigten Königreichs, die diese Art des
         Fischfangs betreiben, erhalten haben.
      
      70     Hierzu ist festzustellen, dass die zusätzlichen Tage, die Fischern durch die Entscheidung 2003/185 auf der Grundlage von Nummer
         6 Buchstaben b und c des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 zugeteilt worden sind, wegen besonderer, in diesen Bestimmungen
         genannter Situationen zugewiesen wurden. Was die zwei zusätzlichen Tage angeht, die in Nummer 6 Buchstabe b zum Ausgleich
         der Fahrtzeit zwischen den Heimathäfen und den Fanggründen vorgesehen sind, so ist nicht ersichtlich, dass die Regierung des
         Vereinigten Königreichs oder die Plattfisch-Fischer der Kommission mitgeteilt hätten, dass hierfür nicht nur bei den auf den
         Fang von Kabeljau spezialisierten Schiffen, sondern auch bei den nach Plattfischen fischenden ein Bedarf bestehen könne. Was
         die Zuteilung zusätzlicher Tage gemäß Nummer 6 Buchstabe c des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 für Fischer betrifft,
         die auf den Fang von Kabeljau spezialisierte Schiffe verwenden, so würde sie sich durch die Stilllegungsprogramme für diese
         Schiffe erklären, mit denen eine allgemeine Verringerung dieser Fischereitätigkeit einhergeht. 
      
      71     Daraus folgt, dass die Zahl der Tage auf See, die den Fischern gewährt werden, deren Schiffe mit Fanggeräten des Typs 4b ausgestattet
         und die auf den Fang von Plattfischen spezialisiert sind, auch nach Berücksichtigung der zusätzlichen Tage, die gemäß Nummer
         6 Buchstaben b und c des Anhangs XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 zugeteilt werden, nicht als offensichtlich unverhältnismäßig
         im Vergleich zu der Zahl der Tage auf See erscheint, die den Fischern gewährt werden, deren Schiffe mit Fanggeräten des Typs
         4a ausgestattet und die auf den Fang von Kabeljau spezialisiert sind.
      
      72     Was den Vergleich mit den Kaisergranat-Fischern betrifft, so ist festzustellen, dass die dem Gerichtshof hierzu unterbreiteten
         Angaben im Hinblick auf die Bedeutung der Kabeljaufänge dieser Fischer, das Bestehen eines Risikos für den Erhalt des Kaisergranats
         oder auch die Möglichkeit für die Kabeljau-Fischer, sich eher auf den Fang von Kaisergranat als auf den von Plattfischen umzustellen,
         widersprüchlich sind.
      
      73     Jedenfalls geht aus den dem Gerichtshof vorliegenden Akten nicht hervor, dass die Bemerkungen der Unitymark und der NSFO in
         Bezug auf eine unterschiedliche Behandlung der Plattfisch-Fischer und der Kaisergranat-Fischer dem Gemeinschaftsgesetzgeber
         vor Erlass der angefochtenen Maßnahmen unterbreitet worden wären.
      
      74     Folglich erweist sich die Diskrepanz zwischen der Zahl der den Kaisergranat-Fischern gewährten und der den Plattfisch-Fischern
         zugeteilten Tage, selbst wenn sie beträchtlich erscheinen mag, insbesondere in Anbetracht der Informationen, über die der
         Gemeinschaftsgesetzgeber zur Zeit des Erlasses der Verordnung Nr. 2341/2002 verfügen konnte, nicht als offensichtlich ungeeignet.
      
      75     Was schließlich die Fischer betrifft, die Schiffe mit einer Länge unter 10 Metern verwenden, so ist festzustellen, dass die
         besonders große Zahl dieser Schiffe dazu angetan war, Kontrollen besonders zu erschweren, und die Entscheidung des Gemeinschaftsgesetzgebers
         rechtfertigen konnte, die Zahl der Tage auf See der Fischer, die andere Schiffstypen verwenden, zum Schutz der Kabeljaubestände
         zu beschränken.
      
      76     Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die angefochtenen Maßnahmen nicht offenkundig ungeeignet waren.
      77     Daraus folgt, dass die Prüfung der Vorlagefrage nichts ergeben hat, was die Gültigkeit der angefochtenen Maßnahmen beeinträchtigen
         könnte.
      
       Kosten
      78     Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Dritte Kammer) für Recht erkannt:
      Die Prüfung der Vorlagefrage hat nichts ergeben, was die Gültigkeit
      –       der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a des Anhangs XVII der Verordnung (EG) Nr. 2341/2002 des Rates vom 20. Dezember
            2002 zur Festsetzung der Fangmöglichkeiten und entsprechender Fangbedingungen für bestimmte Fischbestände und Bestandsgruppen
            in den Gemeinschaftsgewässern sowie für Gemeinschaftsschiffe in Gewässern mit Fangbeschränkungen (2003), 
      –       der Nummern 4 Buchstabe b und 6 Buchstabe a desselben Anhangs in der Fassung der Verordnung (EG) Nr. 671/2003 des Rates vom
            10. April 2003 und
      –       von Artikel 1 der Entscheidung 2003/185/EG der Kommission vom 14. März 2003 über die Zuteilung von zusätzlichen Tagen außerhalb
            des Hafens gemäß Anhang XVII der Verordnung Nr. 2341/2002 
      beeinträchtigen könnte.
      Unterschriften.
      * Verfahrenssprache: Englisch.