CELEX: 62008CJ0365
Language: de
Date: 2010-05-20 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Vierte Kammer) vom 20. Mai 2010.#Agrana Zucker GmbH gegen Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft.#Ersuchen um Vorabentscheidung: Verwaltungsgerichtshof - Österreich.#Zucker - Verordnung (EG) Nr. 318/2006 - Art. 16 - Berechnung der Höhe der Produktionsabgabe - Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Abgabe - Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung.#Rechtssache C-365/08.

Rechtssache C‑365/08
      Agrana Zucker GmbH
      gegen
      Bundesminister für Land‑ und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
      (Vorabentscheidungsersuchen des Verwaltungsgerichtshofs [Österreich])
      „Zucker – Verordnung (EG) Nr. 318/2006 – Art. 16 – Berechnung der Höhe der Produktionsabgabe – Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Abgabe – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Landwirtschaft – Gemeinsame Marktorganisation – Zucker – Produktionsabgabe – Berechnungsgrundlage
      (Verordnung Nr. 318/2006 des Rates, Art. 16 und 19; Verordnung Nr. 290/2007 der Kommission, Art. 1)
      2.        Landwirtschaft – Gemeinsame Marktorganisation – Zucker – Produktionsabgabe – Berechnungsgrundlage
      (Verordnungen Nr. 318/2006 des Rates, Art. 16 und 19, sowie Nr. 320/2006 des Rates; Verordnung Nr. 290/2007 der Kommission,
            achter Erwägungsgrund)
      1.        Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker ist dahin auszulegen, dass auch die Quotenzuckermenge,
         die gemäß Art. 19 dieser Verordnung und Art. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 zur Festsetzung des in Artikel 19 der Verordnung
         Nr. 318/2006 genannten Prozentsatzes für das Wirtschaftsjahr 2007/08 aus dem Markt genommen wurde, in die Bemessungsgrundlage
         der Produktionsabgabe einbezogen wird.
      
      Aus Inhalt und Systematik von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 geht nämlich hervor, dass der Gesetzgeber der Union im Rahmen
         der Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker eine neue Abgabe einführen wollte, deren Bemessungsgrundlage nicht
         die tatsächlich erzeugte Zuckermenge ist, sondern die zugeteilte Zuckerquote. Während demgemäß in Art. 16 Abs. 1 der Grundsatz
         festgeschrieben wird, dass eine Abgabe auf die Zuckerquote erhoben wird, über die die zuckererzeugenden Unternehmen verfügen,
         dient Art. 16 Abs. 2 allein der Festsetzung der Höhe dieser Abgabe.
      
      Diese Sichtweise wird durch Art. 16 Abs. 3 der Verordnung Nr. 318/2006 bestätigt, der wiederum festlegt, wie die Produktionsabgabe
         konkret zu erheben ist. Zum einen bestimmt nämlich sein Unterabs. 1, dass die gesamte gemäß Abs. 1 gezahlte Produktionsabgabe
         von dem Mitgliedstaat bei den in seinem Hoheitsgebiet ansässigen Unternehmen nach Maßgabe der in dem betreffenden Wirtschaftsjahr
         besessenen Quote erhoben wird. Zum anderen verlangt Art. 16 Abs. 3 Unterabs. 2, dass die Zahlungen durch die Unternehmen spätestens
         Ende Februar des jeweiligen Wirtschaftsjahrs erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber noch nicht bekannt, wie viel Zucker in
         diesem Wirtschaftsjahr erzeugt wird, da das Wirtschaftsjahr nach Art. 1 Abs. 2 der Verordnung am 1. Oktober beginnt und am
         30. September des folgenden Jahres endet.
      
      Im Übrigen ergibt sich weder aus der Verordnung Nr. 318/2006 noch aus irgendeinem Umstand, dass der Gesetzgeber der Union
         die gemäß Art. 19 dieser Verordnung aus dem Markt genommene Quotenzuckermenge von der Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe
         ausnehmen wollte.
      
      (vgl. Randnrn. 22-25, Tenor 1)
      2.        Die Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der durch Art. 16 der Verordnung
         Nr. 318/2006 über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker eingeführten Produktionsabgabe ist zur Erreichung des verfolgten
         Ziels nicht offensichtlich ungeeignet und verstößt daher nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
      
      Eine solche Einbeziehung verstößt auch nicht gegen den Grundsatz der Nichtdiskriminierung. Zwar kann sie aufgrund der Art
         der Festsetzung der Rücknahme dazu führen, dass Unternehmen, die sich in einer eventuell vergleichbaren Lage befinden, aber
         in verschiedenen Mitgliedstaaten ansässig sind, unterschiedlich behandelt werden. Eine solche Behandlung der Unternehmen erweist
         sich jedoch als objektiv gerechtfertigt. Da die Verteilung der Quoten auf die Unternehmen und ihre Verwaltung weiterhin durch
         die Mitgliedstaaten erfolgt, wird nämlich auch die Quotenaufgabe jeweils von ihnen organisiert und ist von Mitgliedstaat zu
         Mitgliedstaat verschieden. Vor diesem Hintergrund ist es, wie sich aus dem achten Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 290/2007
         zur Festsetzung des in Artikel 19 der Verordnung Nr. 318/2006 genannten Prozentsatzes für das Wirtschaftsjahr 2007/08 ergibt,
         erforderlich, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die Zwänge im Zusammenhang mit der Rücknahme ernsthafte wirtschaftliche
         Auswirkungen auf die Unternehmen in den Mitgliedstaaten haben können, die besondere Anstrengungen im Rahmen der mit der Verordnung
         Nr. 320/2006 mit einer befristeten Umstrukturierungsregelung für die Zuckerindustrie in der Europäischen Gemeinschaft und
         zur Änderung der Verordnung Nr. 1290/2005 über die Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik eingeführten Umstrukturierungsregelung
         gemacht haben, und dass eine solche Auswirkung dem Ziel selbst dieser Regelung und der gemeinsamen Marktorganisation widersprechen
         würde, die Lebens- und Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors zu gewährleisten. Daher dient die vollständige oder teilweise Ausnahme
         von der Anwendung des für alle Mitgliedstaaten einheitlichen Rücknahmeprozentsatzes dem Ziel, den von diesen für die endgültige
         Aufgabe von Quoten unternommenen Anstrengungen Rechnung zu tragen.
      
      (vgl. Randnrn. 40, 45-47)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Vierte Kammer)
      20. Mai 2010(*)
      
      „Zucker – Verordnung (EG) Nr. 318/2006 – Art. 16 – Berechnung der Höhe der Produktionsabgabe – Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Abgabe – Grundsätze der Verhältnismäßigkeit und der Nichtdiskriminierung“
      In der Rechtssache C‑365/08
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 234 EG, eingereicht vom Verwaltungsgerichtshof (Österreich) mit Entscheidung
         vom 4. Juli 2008, beim Gerichtshof eingegangen am 11. August 2008, in dem Verfahren
      
      Agrana Zucker GmbH
      gegen
      Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Vierte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten J.‑C. Bonichot, der Richterin C. Toader sowie der Richter K. Schiemann, P. Kūris (Berichterstatter)
         und L. Bay Larsen,
      
      Generalanwältin: V. Trstenjak,
      Kanzler: K. Malacek, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 19. November 2009,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        der Agrana Zucker GmbH, vertreten durch Rechtsanwälte W. Schwartz und H.‑J. Prieß sowie durch B. Kurzai und H. Husemeyer,
         
      
      –        der spanischen Regierung, vertreten durch F. Díez Moreno als Bevollmächtigten,
      –        der litauischen Regierung, vertreten durch D. Kriaučiūnas als Bevollmächtigten,
      –        der polnischen Regierung, vertreten durch M. Dowgielewicz als Bevollmächtigten,
      –        des Rates der Europäischen Union, vertreten durch M. Moore und Z. Kupčová als Bevollmächtigte, 
      –        der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch F. Erlbacher und P. Rossi als Bevollmächtigte,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 21. Januar 2010
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung und die Gültigkeit von Art. 16 der Verordnung (EG) Nr. 318/2006 des
         Rates vom 20. Februar 2006 über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker (ABl. L 58, S. 1).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen einer Beschwerde der Agrana Zucker GmbH (im Folgenden: Agrana Zucker) gegen einen Bescheid
         des Bundesministers für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft vom 25. März 2008 betreffend die Produktionsabgabe
         für Zucker für das Wirtschaftsjahr 2007/08.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Verordnung (EG) Nr. 318/2006
      3        Mit der vom Rat der Europäischen Union im Rahmen der 2006 erfolgten Reform der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker erlassenen
         Verordnung Nr. 318/2006 wurden neue Verfahren und Quotenkürzungen vorgesehen. Außerdem wurden mit der Verordnung eine als
         „Produktionsabgabe“ bezeichnete Abgabe und neue, von der Europäischen Kommission zu verwaltende Marktinstrumente wie die Marktrücknahme
         eingeführt.
      
      4        Zur Produktionsabgabe heißt es im 19. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 318/2006:
      
      „Es sollte eine Produktionsabgabe eingeführt werden, um zur Finanzierung der Ausgaben im Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation
         für Zucker beizutragen.“ 
      
      5        Art. 16 („Produktionsabgabe“) der Verordnung bestimmt:
      
      „1.      Ab dem Wirtschaftsjahr 2007/2008 wird auf die [Zuckerquote], über die die [zuckererzeugenden] Unternehmen verfügen, eine Produktionsabgabe
         erhoben. 
      
      2.      Die Produktionsabgabe wird festgesetzt auf 12,00 [Euro] pro Tonne Quotenzucker …
      3.      Die gesamte gemäß Absatz 1 gezahlte Produktionsabgabe wird von dem Mitgliedstaat bei den in seinem Hoheitsgebiet ansässigen
         Unternehmen nach Maßgabe der in dem betreffenden Wirtschaftsjahr besessenen Quote erhoben.
      
      Die Zahlungen durch die Unternehmen müssen spätestens Ende Februar des jeweiligen Wirtschaftsjahres erfolgen.
      4.      Die [Zuckerunternehmen] der Gemeinschaft können die Zuckerrüben- oder Zuckerrohrerzeuger oder Zichorienlieferanten auffordern,
         bis zu 50 % der betreffenden Produktionsabgabe zu übernehmen.“
      
      6        Nach Art. 2 Nr. 5 der Verordnung Nr. 318/2006 bezeichnet der Ausdruck „Quotenzucker“ alle Zuckermengen, die unter Anrechnung
         auf ein bestimmtes Wirtschaftsjahr im Rahmen der Quote des betreffenden Unternehmens erzeugt werden.
      
      7        Nach Art. 1 Abs. 2 der Verordnung Nr. 318/2006 beginnt das Wirtschaftsjahr am 1. Oktober und endet am 30. September des folgenden
         Jahres.
      
      8        Zur Marktrücknahme wird im 22. Erwägungsgrund der Verordnung ausgeführt:
      
      „Es sollten neue, von der Kommission zu verwaltende Marktinstrumente eingeführt werden. [Um] das strukturelle Gleichgewicht
         der Zuckermärkte auf einem Preisniveau zu erhalten, das sich dem Referenzpreis annähert, [sollte es] der Kommission möglich
         sein, die Marktrücknahme von Zucker zu beschließen, bis sich der Markt wieder im Gleichgewicht befindet.“
      
      9        Art. 19 („Marktrücknahme von Zucker“) der Verordnung lautet:
      
      „1.      Um das strukturelle Gleichgewicht des Marktes zu einem Preisniveau zu erhalten, das sich dem Referenzpreis annähert, kann
         unter Berücksichtigung der Verpflichtungen der Gemeinschaft, die sich aus Abkommen ergeben, die gemäß Artikel 300 [EG] geschlossen
         wurden, ein für alle Mitgliedstaaten einheitlicher Prozentsatz von Quotenzucker … bis zum Beginn des folgenden Wirtschaftsjahres
         aus dem Markt genommen werden.
      
      …
      2.      Der Rücknahmeprozentsatz gemäß Absatz 1 wird spätestens am 31. Oktober des betreffenden Wirtschaftsjahrs auf der Grundlage
         der in dem Wirtschaftsjahr erwarteten Markttendenzen festgesetzt.
      
      3.      Jedes über eine Quote verfügende Unternehmen lagert die Zuckermengen, die der Anwendung des Prozentsatzes gemäß Absatz 1 auf
         seine Quotenerzeugung für das betreffende Wirtschaftsjahr entsprechen, während der Rücknahmezeit auf eigene Rechnung ein.
      
      Die in einem Wirtschaftsjahr aus dem Markt genommenen Zuckermengen gelten als die ersten im Rahmen der Quote erzeugten Mengen
         für das folgende Wirtschaftsjahr. Unter Berücksichtigung der erwarteten Zuckermarkttendenzen kann jedoch nach dem in Artikel
         39 Absatz 2 genannten Verfahren beschlossen werden, die Gesamtheit oder einen Teil der aus dem Markt genommenen [Zuckermengen]
         als:
      
      –        Überschusszucker … zu betrachten, der … verfügbar ist, um zu Industriezucker … zu werden,
      oder
      –        vorübergehende Quotenerzeugung zu betrachten, die unter Wahrung der Verpflichtungen, die sich aus Abkommen ergeben, die gemäß
         Artikel 300 [EG] geschlossen wurden, teilweise zur Ausfuhr vorbehalten werden kann.
      
      …“
       Verordnung (EG) Nr.  290/2007
      10      Der achte Erwägungsgrund der Verordnung (EG) Nr. 290/2007 der Kommission vom 16. März 2007 zur Festsetzung des in Artikel
         19 der Verordnung Nr. 318/2006 genannten Prozentsatzes für das Wirtschaftsjahr 2007/08 (ABl. L 78, S. 20) lautet:
      
      „Im selben Zusammenhang müsste der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Zwänge im Zusammenhang mit der Vorbeugemaßnahme
         ernsthafte wirtschaftliche Auswirkungen auf die Unternehmen in den Mitgliedstaaten haben können, die besondere Anstrengungen
         im Rahmen der mit der Verordnung (EG) Nr. 320/2006 eingeführten Umstrukturierungsregelung gemacht haben. Eine solche Auswirkung
         würde in der Tat dem Ziel selbst dieser Regelung und der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker widersprechen, die Lebens-
         und Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors zu gewährleisten. Daher ist für die Mitgliedstaaten nach Maßgabe des Prozentsatzes
         der einzelstaatlichen Quote, die im Rahmen der vorgenannten Umstrukturierungsregelung freigesetzt wurde, eine Ausnahme von
         der Anwendung des vorbeugenden Rücknahmeprozentsatzes vorzusehen.“
      
      11      Art. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 bestimmt:
      
      „(1)      Für das Wirtschaftsjahr 2007/08 wird der Prozentsatz gemäß Artikel 19 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 318/2006 auf 13,5 %
         festgesetzt.
      
      (2)      Abweichend von Absatz 1
      a)      gilt der darin festgesetzte Prozentsatz nicht für Unternehmen, deren Erzeugung weniger als 86,5 % ihrer Quote für das Wirtschaftsjahr
         2007/08 beträgt;
      
      b)      werden bei den Unternehmen, deren Erzeugung 86,5 % ihrer Quote für das Wirtschaftsjahr 2007/08 erreicht oder übersteigt, die
         über 86,5 % hinaus erzeugten Mengen aus dem Markt genommen;
      
      c)      gilt der in Absatz 1 vorgesehene Prozentsatz nicht für die Mengen, die in den Mitgliedstaaten erzeugt wurden, deren einzelstaatliche
         Zuckerquote infolge der Aufgabe der Quoten gemäß Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 320/2006 ab dem 1. Juli 2006 zu mindestens
         50 % freigesetzt wurde.
      
               Für die Mitgliedstaaten, deren einzelstaatliche Zuckerquote infolge der Aufgabe der Quoten gemäß Artikel 3 der Verordnung
         (EG) Nr. 320/2006 ab dem 1. Juli 2006 zu weniger als 50 % freigesetzt wurde, wird der in Absatz 1 vorgesehene Prozentsatz
         nach Maßgabe der freigesetzten Quoten verringert. 
      
      Der gemäß diesem Buchstaben geltende Prozentsatz wird im Anhang festgesetzt.
      …
      (4)      Die gemäß Absatz 2 Buchstabe b und Absatz 3 aus dem Markt genommenen Mengen gelten als Überschusszucker … des Wirtschaftsjahres
         2007/08, die zu Industriezucker … werden können.
      
      …“
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      12      2006 wurde Agrana Zucker von der zuständigen Verwaltungsbehörde für die Erzeugung von Zucker in den Wirtschaftsjahren 2006/07
         bis einschließlich 2014/15 eine Quote von 405 812,4 t zugeteilt. Für das Wirtschaftsjahr 2007/08 setzte die Behörde nach Art. 1
         Abs. 1 und 2 Buchst. b der Verordnung Nr. 290/2007 für Agrana Zucker die Schwelle für die Erzeugung im Rahmen der Quote auf
         86,5 % ihrer Quote, d. h. 351 027,73 t, fest und verpflichtete somit das Unternehmen zu einer Rücknahme von 13,5 % ihrer Quote,
         d. h. 54 784,67 t Zucker.
      
      13      Mit Bescheid vom 28. Jänner 2008 setzte die Agrarmarkt Austria (Förderungsabwicklungsstelle) die von Agrana Zucker für das
         Wirtschaftsjahr 2007/08 geschuldete Produktionsabgabe auf 4 869 748,80 Euro fest und forderte sie auf, ihr diesen Betrag zu
         überweisen.
      
      14      Agrana Zucker beanstandete, dass die Produktionsabgabe auf der Grundlage der ihr zugeteilten Quote berechnet worden sei und
         somit in diese Grundlage die vom Markt genommenen 54 784,67 t Zucker, die sie nicht mehr als im Rahmen der Quote erzeugte
         Menge habe verkaufen können, einbezogen worden seien. Sie erhob deshalb gegen den Bescheid der Agrarmarkt Austria beim Bundesminister
         für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Berufung. Dieser wies die Berufung mit Bescheid vom 25. März 2008
         ab, der Gegenstand des Verfahrens vor dem vorlegenden Gericht ist.
      
      15      Wie sich aus der Vorlageentscheidung ergibt, macht Agrana Zucker im Ausgangsverfahren geltend, dass die Berücksichtigung der
         vom Markt genommenen Zuckermenge bei der Berechnung der Produktionsabgabe gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und
         das Diskriminierungsverbot nach Art. 34 Abs. 2 EG verstoße. Sie ist der Ansicht, dass sich ein solcher Verstoß durch eine
         mit dem Primärrecht im Einklang stehende Auslegung des Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 vermeiden lasse.
      
      16      Das vorlegende Gericht führt im Wesentlichen aus, dass die Frage, die sich im Rahmen des Unionsrechts stelle, im Hinblick
         auf die Rechtsansichten der Parteien, das Urteil vom 8. Mai 2008, Zuckerfabrik Jülich u. a. (C‑5/06 und C‑23/06 bis C‑36/06,
         Slg. 2008, I‑3231), und die Bedenken der Beschwerdeführerin des Ausgangsverfahrens hinsichtlich der Gültigkeit von Art. 16
         der Verordnung Nr. 318/2006 nicht ohne Weiteres beantwortet werden könne und in der Rechtsprechung des Gerichtshofs noch nicht
         geklärt worden sei.
      
      17      Der Verwaltungsgerichtshof hat daher das Verfahren ausgesetzt und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Ist Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 dahin gehend auszulegen, dass auch eine Zuckerquote, die infolge einer präventiven
         Marktrücknahme nach Art. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 nicht ausgenützt werden kann, Teil der Bemessung der Produktionsabgabe
         zu sein hat?
      
      2.      Für den Fall der Bejahung der Frage 1:
               Ist Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 mit Primärrecht, insbesondere mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und mit dem
         aus Art. 34 EG abzuleitenden Diskriminierungsverbot, vereinbar?
      
       Zu den Vorlagefragen
       Zur ersten Frage
      18      Mit seiner ersten Frage möchte das vorlegende Gericht wissen, ob Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 dahin auszulegen ist,
         dass auch die Quotenzuckermenge, die gemäß Art. 19 dieser Verordnung und Art. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 aus dem Markt
         genommen wurde, in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe einbezogen wird.
      
      19      Die Beschwerdeführerin des Ausgangsverfahrens sowie die spanische und die litauische Regierung vertreten die Auffassung, dass
         die Produktionsabgabe auf die tatsächlich erzeugte und absetzbare Quotenzuckermenge als solche zu erheben sei und nicht auf
         die Quote selbst. Die aus dem Markt genommene Zuckermenge dürfe daher bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage dieser Abgabe
         nicht berücksichtigt werden.
      
      20      Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass nach Art. 16 Abs. 1 der Verordnung Nr. 318/2006 ab dem Wirtschaftsjahr 2007/08 auf die
         Zuckerquote, über die die zuckererzeugenden Unternehmen verfügen, eine Produktionsabgabe erhoben wird. Diese Bestimmung macht
         somit deutlich, dass die genannte Quote die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe bildet. Daraus folgt, dass die Bemessungsgrundlage
         der Abgabe, die von einem zuckererzeugenden Unternehmen zu zahlen ist, aus der Zuckerquote gebildet wird, die dem Unternehmen
         für das betreffende Wirtschaftsjahr zugeteilt worden ist. 
      
      21      Zwar kann der Begriff „Produktionsabgabe“, der im 19. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 318/2006 sowie im Titel und in Art. 16
         dieser Verordnung verwendet wird, zu Missverständnissen führen, soweit es um die Festlegung der Bemessungsgrundlage geht,
         weil er nicht eine Abgabe auf eine Quote, sondern eine Abgabe auf tatsächlich erzeugte Lebensmittel zu bezeichnen scheint.
         Dasselbe gilt für den Wortlaut von Art. 16 Abs. 2 der Verordnung, wonach die „Produktionsabgabe … auf 12,00 [Euro] pro Tonne
         Quotenzucker [festgesetzt wird]“, da „Quotenzucker“ nach Art. 2 Nr. 5 der Verordnung alle Zuckermengen bezeichnet, die unter
         Anrechnung auf ein bestimmtes Wirtschaftsjahr im Rahmen der Quote des betreffenden Unternehmens erzeugt werden. 
      
      22      Wie jedoch die Generalanwältin in den Nrn. 46 bis 51 ihrer Schlussanträge festgestellt hat, geht aus Inhalt und Systematik
         von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 hervor, dass der Gesetzgeber der Union im Rahmen der Reform der gemeinsamen Marktorganisation
         für Zucker eine neue Abgabe einführen wollte, deren Bemessungsgrundlage nicht die tatsächlich erzeugte Zuckermenge ist, sondern
         die zugeteilte Zuckerquote. Während in Art. 16 Abs. 1 nämlich der Grundsatz festgeschrieben wird, dass eine Abgabe auf die
         Zuckerquote erhoben wird, über die die zuckererzeugenden Unternehmen verfügen, dient Art. 16 Abs. 2 allein der Festsetzung
         der Höhe dieser Abgabe. 
      
      23      Diese Sichtweise wird durch Art. 16 Abs. 3 der Verordnung Nr. 318/2006 bestätigt, der wiederum festlegt, wie die Produktionsabgabe
         konkret zu erheben ist. Zum einen bestimmt nämlich sein Unterabs. 1, dass die „gesamte gemäß Absatz 1 gezahlte Produktionsabgabe
         … von dem Mitgliedstaat bei den in seinem Hoheitsgebiet ansässigen Unternehmen nach Maßgabe der in dem betreffenden Wirtschaftsjahr
         besessenen Quote erhoben [wird]“. Zum anderen verlangt Art. 16 Abs. 3 Unterabs. 2, dass die Zahlungen durch die Unternehmen
         spätestens Ende Februar des jeweiligen Wirtschaftsjahrs erfolgen. Zu diesem Zeitpunkt ist aber noch nicht bekannt, wie viel
         Zucker in diesem Wirtschaftsjahr erzeugt wird, da das Wirtschaftsjahr nach Art. 1 Abs. 2 der Verordnung am 1. Oktober beginnt
         und am 30. September des folgenden Jahres endet.
      
      24      Im Übrigen ergibt sich weder aus der Verordnung Nr. 318/2006 noch aus irgendeinem Umstand, dass der Gesetzgeber der Union
         die gemäß Art. 19 dieser Verordnung aus dem Markt genommene Quotenzuckermenge von der Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe
         ausnehmen wollte. Die Auffassung, dass diese Abgabe nur auf die Zuckermenge zu erheben sei, die der Differenz zwischen der
         zugeteilten Zuckerquote und der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge entspreche, findet insbesondere in dem in den Randnrn. 20
         bis 23 des vorliegenden Urteils untersuchten Art. 16 der Verordnung keine Grundlage.
      
      25      Auf die erste Frage ist somit zu antworten, dass Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 dahin auszulegen ist, dass auch die Quotenzuckermenge,
         die gemäß Art. 19 dieser Verordnung und Art. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 aus dem Markt genommen wurde, in die Bemessungsgrundlage
         der Produktionsabgabe einbezogen wird. 
      
       Zur zweiten Frage
      26      Die zweite Frage betrifft die Gültigkeit von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006. Das vorlegende Gericht möchte für den Fall
         der Bejahung seiner ersten Frage insbesondere wissen, ob diese Bestimmung im Hinblick auf die Grundsätze der Verhältnismäßigkeit
         und der Nichtdiskriminierung gültig ist.
      
       Zur Gültigkeit von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 im Hinblick auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
      27      Die Beschwerdeführerin des Ausgangsverfahrens trägt im Wesentlichen vor, dass die Einbeziehung der aus dem Markt genommenen
         Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verstoße, weil
         sie zur Zahlung einer Abgabe auf eine Zuckermenge führe, die nicht erzeugt worden sei und damit nicht existiere, oder aber
         zur Zahlung einer Abgabe auf eine Zuckermenge, die tatsächlich erzeugt worden sei, jedoch als Überschusszucker gelte, der
         entweder zu Industriezucker werden könne, der zur Hälfte des Preises von Quotenzucker verkauft werde, oder als Quotenzucker
         in das nächste Wirtschaftsjahr übergeführt werden könne, in dem er erneut mit der Produktionsabgabe belastet werde. Die den
         zuckererzeugenden Unternehmen damit auferlegten finanziellen Belastungen seien zur Erreichung des im 19. Erwägungsgrund der
         Verordnung Nr. 318/2006 festgelegten Ziels nicht erforderlich, weil die Einnahmen aus der Produktionsabgabe die Ausgaben im
         Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker überstiegen.
      
      28      Dieser Standpunkt wird von der spanischen, der litauischen und der polnischen Regierung geteilt, die ebenfalls der Auffassung
         sind, dass die Erhebung der Produktionsabgabe auf die aus dem Markt genommene Quotenzuckermenge auf eine unverhältnismäßige
         finanzielle Belastung der betroffenen Unternehmen hinauslaufe. Die litauische Regierung, die sich wie die Beschwerdeführerin
         des Ausgangsverfahrens auf das Urteil Zuckerfabrik Jülich u. a. beruft, unterstreicht insbesondere, dass den Erzeugern trotz
         des weiten Ermessens, über das die Organe in diesem Bereich verfügten, keine höhere Abgabe auferlegt werden dürfe, als sie
         für die Erreichung der mit dieser Abgabe verfolgten Ziele erforderlich sei. Die polnische Regierung, die zudem darauf hinweist,
         dass der aus dem Markt genommene Zucker keine Kosten im Zusammenhang mit der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker verursache,
         ist wiederum der Ansicht, dass den Organen in dem betreffenden Bereich aufgrund des technischen Charakters der fraglichen
         Bestimmung kein weites Ermessen zustehe. 
      
      29      In dieser Hinsicht ist daran zu erinnern, dass nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, der zu den allgemeinen Grundsätzen
         des Unionsrechts gehört, die Handlungen der Unionsorgane nicht die Grenzen dessen überschreiten dürfen, was zur Erreichung
         der mit der fraglichen Regelung zulässigerweise verfolgten Ziele geeignet und erforderlich ist, wobei zu beachten ist, dass
         dann, wenn mehrere geeignete Maßnahmen zur Auswahl stehen, die am wenigsten belastende zu wählen ist und dass die verursachten
         Nachteile nicht gegenüber den angestrebten Zielen unangemessen sein dürfen (Urteil vom 11. Juni 2009, Agrana Zucker, C‑33/08,
         noch nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht, Randnr. 31 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      30      Was die gerichtliche Kontrolle der Beachtung dieses Grundsatzes betrifft, ist in ständiger Rechtsprechung entschieden worden,
         dass der Unionsgesetzgeber im Bereich der gemeinsamen Agrarpolitik über ein weites Ermessen verfügt und dass aufgrund dieses
         Ermessens die Rechtmäßigkeit einer in diesem Bereich erlassenen Maßnahme nur dann beeinträchtigt sein kann, wenn diese Maßnahme
         zur Erreichung des Ziels, das das zuständige Organ verfolgt, offensichtlich ungeeignet ist (vgl. Urteil Agrana Zucker, Randnr. 32
         und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      31      Es geht somit nicht darum, ob die vom Gesetzgeber erlassene Maßnahme die einzig mögliche oder die bestmögliche Maßnahme war,
         sondern darum, ob sie offensichtlich ungeeignet war (vgl. Urteil Agrana Zucker, Randnr. 33 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      32      Im vorliegenden Fall geht aus dem 19. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 318/2006 hervor, dass die Produktionsabgabe eingeführt
         wurde, um zur Finanzierung der Ausgaben im Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation für Zucker beizutragen.
      
      33      Da die Bemessungsgrundlage dieser Abgabe anhand der den Unternehmen zugeteilten Quote ermittelt wird, ermöglicht die Abgabe
         stabile Einnahmen für den Haushalt der Europäischen Union, weil die Einnahmen nicht von den tatsächlich erzeugten Mengen oder
         etwaigen Marktrücknahmen abhängen. Darüber hinaus ermöglicht es diese Art der Ermittlung der Bemessungsgrundlage, die Einnahmen
         während des Wirtschaftsjahrs zu erzielen, wie dies in Art. 16 Abs. 3 der Verordnung Nr. 318/2006 vorgesehen ist.
      
      34      Was die im 19. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 318/2006 genannten Ausgaben im Rahmen der gemeinsamen Marktorganisation für
         Zucker angeht, kann entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin des Ausgangsverfahrens nicht davon ausgegangen werden,
         dass es sich nur um die Ausfuhrerstattungen bei Zucker und Isoglukose, die Produktionserstattungen für die Verwendung von
         Zucker in der chemischen Industrie sowie die Ausgaben im Zusammenhang mit der Einlagerung handelt. 
      
      35      Wie die Generalanwältin in den Nrn. 38 bis 40 und 81 bis 84 ihrer Schlussanträge ausgeführt hat, hat die Reform der gemeinsamen
         Marktorganisation für Zucker den Willen des Gesetzgebers zum Ausdruck gebracht, im Rahmen der neuen gemeinsamen Agrarpolitik
         die Politik der Preisstützung und der produktionsabhängigen Förderung stufenweise auf eine Politik der produktionsentkoppelten
         Stützung der landwirtschaftlichen Einkommen umzustellen. Die Verringerung der Stützung des Zuckermarkts wurde durch eine Stützung
         der Einkommen der landwirtschaftlichen Unternehmen in Gestalt einer „entkoppelten“ Direktzahlung teilweise ausgeglichen. Die
         Kosten der neuen Maßnahmen, die hauptsächlich für die entkoppelten Direktzahlungen an die Erzeuger anfielen, sollten nach
         Nr. 5 des Vorschlags für eine Verordnung des Rates über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker (KOM[2005] 263 endg.)
         im Wesentlichen durch die Einsparungen ausgeglichen werden, die sich aus der deutlichen Reduzierung der Ausgaben für Ausfuhrerstattungen
         und aus der Abschaffung der Raffinationsbeihilfe ergeben, wobei die Reform, wie zum Zeitpunkt der Reformvorschläge für die
         gemeinsame Agrarpolitik im Januar 2003 vereinbart, für den betreffenden Zeitraum gleichbleibende Kosten vorsah. 
      
      36      Vor diesem Hintergrund ist das im 19. Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 318/2006 genannte Ziel in dem Sinne zu verstehen,
         dass die Produktionsabgabe zur Finanzierung der verschiedenen Maßnahmen im Zuckersektor einschließlich der entkoppelten Direktzahlung,
         der höchsten Ausgabe, beiträgt.
      
      37      Es steht fest, dass die Einnahmen aus der Produktionsabgabe für jedes Wirtschaftsjahr sehr viel niedriger sind als der Gesamtbetrag
         dieser Ausgaben.
      
      38      Somit unterscheidet sich die Produktionsabgabe von der Maßnahme, um die es in der Rechtssache ging, in der das Urteil Zuckerfabrik
         Jülich u. a. ergangen ist, mit dem der Gerichtshof entschieden hat, dass die Art der Berechnung der in den Randnrn. 57 bis
         60 dieses Urteils untersuchten Abgaben über das hinausging, was zur Erreichung des Zwecks der Verordnung (EG) Nr. 1260/2001
         des Rates vom 19. Juni 2001 über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker (ABl. L 178, S. 1) erforderlich war, der darin
         bestand, die Erzeuger nach dem Grundsatz der Selbstfinanzierung auf gerechte und wirksame Art zur vollen Tragung der durch
         den Absatz der überschüssigen Gemeinschaftserzeugung entstehenden Kosten heranzuziehen.
      
      39      Zur finanziellen Belastung der abgabenpflichtigen Unternehmen infolge der Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge
         in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe ist festzustellen, dass sie teilweise durch den Vorteil ausgeglichen wird,
         der diesen Unternehmen durch die Marktrücknahme entsteht, da diese, wie sich aus dem 22. Erwägungsgrund und Art. 19. Abs. 1
         der Verordnung Nr. 318/2006 ergibt, dazu dient, das strukturelle Gleichgewicht der Märkte auf einem Preisniveau zu erhalten,
         das sich dem Referenzpreis annähert, bis sich der Markt wieder im Gleichgewicht befindet. Überdies ist darauf hinzuweisen,
         dass diese Unternehmen nach Art. 16 Abs. 4 der Verordnung bis zu 50 % der betreffenden Produktionsabgabe auf die Zuckerrüben-
         oder Zuckerrohrerzeuger oder Zichorienlieferanten abwälzen können.
      
      40      Nach alledem ist die Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe
         zur Erreichung des verfolgten Ziels nicht offensichtlich ungeeignet und verstößt daher nicht gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
      
       Zur Gültigkeit von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 im Hinblick auf den Grundsatz der Nichtdiskriminierung
      41      Die Beschwerdeführerin des Ausgangsverfahrens und die litauische Regierung tragen vor, dass die Einbeziehung der aus dem Markt
         genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe außerdem zu einer Diskriminierung aufgrund der
         Staatsangehörigkeit führe. Da die Marktrücknahmen gemäß Art. 1 Abs. 2 der Verordnung Nr. 290/2007 nicht nach einem einheitlichen
         Prozentsatz, sondern unter Anwendung von für die einzelnen Mitgliedstaaten unterschiedlichen Koeffizienten erfolgten, werde
         einigen Unternehmen eine im Verhältnis zur tatsächlich erzeugten Zuckermenge höhere Abgabe auferlegt als anderen Unternehmen,
         die sich in einer vergleichbaren Lage befänden, aber in einem anderen Mitgliedstaat ansässig seien.
      
      42      In dieser Hinsicht ist daran zu erinnern, dass Art. 34 Abs. 2 Unterabs. 2 EG, der im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik das
         Verbot jeder Diskriminierung aufstellt, nach ständiger Rechtsprechung lediglich ein besonderer Ausdruck des allgemeinen Gleichheitsgrundsatzes
         ist, der besagt, dass gleiche Sachverhalte nicht unterschiedlich und unterschiedliche Sachverhalte nicht gleich behandelt
         werden dürfen, es sei denn, dass eine Differenzierung objektiv gerechtfertigt wäre (Urteil Agrana Zucker, Randnr. 46 und die
         dort angeführte Rechtsprechung).
      
      43      Im vorliegenden Fall setzt Art. 1 Abs. 1 der Verordnung Nr. 290/2007 den in Art. 19 Abs. 1 der Verordnung Nr. 318/2006 genannten,
         für alle Mitgliedstaaten einheitlichen Prozentsatz von Quotenzucker, der aus dem Markt zu nehmen ist, für das Wirtschaftsjahr
         2007/08 auf 13,5 % fest. Abweichend von dieser Vorschrift bestimmt Art. 1 Abs. 2 Buchst. c der Verordnung Nr. 209/2007 erstens,
         dass dieser Prozentsatz nicht für die Mengen gilt, die in den Mitgliedstaaten erzeugt wurden, deren einzelstaatliche Zuckerquote
         infolge der Aufgabe der Quoten gemäß Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 320/2006 des Rates vom 20. Februar 2006 mit einer befristeten
         Umstrukturierungsregelung für die Zuckerindustrie in der Europäischen Gemeinschaft und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1290/2005
         über die Finanzierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (ABl. L 58, S. 42) ab dem 1. Juli 2006 zu mindestens 50 % freigesetzt wurde,
         und zweitens, dass dieser Prozentsatz für die Mitgliedstaaten, deren einzelstaatliche Zuckerquote ab dem 1. Juli 2006 zu weniger
         als 50 % freigesetzt wurde, nach Maßgabe der freigesetzten Quoten verringert wird.
      
      44      Daraus folgt, dass die Menge, die die Unternehmen für dieses Wirtschaftsjahr aus dem Markt nehmen müssen, insbesondere davon
         abhängen kann, in welchem Mitgliedstaat sie ansässig sind. Somit ist der von ihnen nach Maßgabe der aus dem Markt genommenen
         Quotenzuckermenge entrichtete Teil der Produktionsabgabe größer oder kleiner, je nachdem, in welchem Mitgliedstaat die Unternehmen
         ansässig sind.
      
      45      Die Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe kann folglich
         aufgrund der Art der Festsetzung der Rücknahme dazu führen, dass Unternehmen, die sich in einer eventuell vergleichbaren Lage
         befinden, aber in verschiedenen Mitgliedstaaten ansässig sind, unterschiedlich behandelt werden.
      
      46      Eine solche Behandlung der Unternehmen erweist sich jedoch als objektiv gerechtfertigt. Da die Verteilung der Quoten auf die
         Unternehmen und ihre Verwaltung weiterhin durch die Mitgliedstaaten erfolgt, wird nämlich auch die Quotenaufgabe jeweils von
         ihnen organisiert und ist von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat verschieden. Vor diesem Hintergrund hat die Kommission es nach
         dem achten Erwägungsgrund der Verordnung Nr. 290/2007 für erforderlich erachtet, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass die
         Zwänge im Zusammenhang mit der Rücknahme ernsthafte wirtschaftliche Auswirkungen auf die Unternehmen in den Mitgliedstaaten
         haben können, die besondere Anstrengungen im Rahmen der mit der Verordnung Nr. 320/2006 eingeführten Umstrukturierungsregelung
         gemacht haben, und dass eine solche Auswirkung dem Ziel selbst dieser Regelung und der gemeinsamen Marktorganisation widersprechen
         würde, die Lebens- und Wettbewerbsfähigkeit dieses Sektors zu gewährleisten. Daher dient die vollständige oder teilweise Ausnahme
         von der Anwendung des für alle Mitgliedstaaten einheitlichen Rücknahmeprozentsatzes dem Ziel, den von diesen für die endgültige
         Aufgabe von Quoten unternommenen Anstrengungen Rechnung zu tragen (vgl. entsprechend Urteil Agrana Zucker, Randnr. 51).
      
      47      Demnach verstößt die Einbeziehung der aus dem Markt genommenen Quotenzuckermenge in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe
         nicht gegen den Grundsatz der Nichtdiskriminierung.
      
      48      Nach alledem ist auf die zweite Frage zu antworten, dass ihre Prüfung nichts ergeben hat, was die Gültigkeit von Art. 16 der
         Verordnung Nr. 318/2006 berühren könnte.
      
       Kosten
      49      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Vierte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Art. 16 der Verordnung (EG) Nr. 318/2006 des Rates vom 20. Februar 2006 über die gemeinsame Marktorganisation für Zucker ist
            dahin auszulegen, dass auch die Quotenzuckermenge, die gemäß Art. 19 dieser Verordnung und Art. 1 der Verordnung (EG) Nr. 290/2007
            der Kommission vom 16. März 2007 zur Festsetzung des in Artikel 19 der Verordnung Nr. 318/2006 genannten Prozentsatzes für
            das Wirtschaftsjahr 2007/08 aus dem Markt genommen wurde, in die Bemessungsgrundlage der Produktionsabgabe einbezogen wird.
      2.      Die Prüfung der zweiten Vorlagefrage hat nichts ergeben, was die Gültigkeit von Art. 16 der Verordnung Nr. 318/2006 berühren
            könnte.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Deutsch.