CELEX: 51991PC0233
Language: de
Date: 1991-08-28
Title: VORSCHLAG FUER EINE EMPFEHLUNG DES RATES ZUR KINDERBETREUUNG

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                   K0M(91) 233 endg.
                                   Brüssel, den 28. August 1991
                  Vorschlag für eine
                 EMPFEHLUNG DES RATES
                  zur Kinderbetreuung
            (von der Kommission vorgelegt)
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                             BEGRÜNDUNG
A.  HINTERGRUND
1.  Die Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer wurde
     1989 von 11 Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaften
    verabschiedet; damit Übernahmen diese Staaten Verpflichtungen in bezug
    auf den Ausbau der Chancengleichheit fUr Männer und Frauen (Absatz 16)
    und die Vereinbarkeit zwischen Erwerbstätigkeit und familiären
    VerpfI Ichtungen.
2.  Das Aktionsprogramm der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur
    Anwendung der Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte zählt zu
    seinen Zielen die Annahme einer Empfehlung betreffend die
    Kinderbetreuung.
3.  Untersuchungen ergaben, daß in allen Mitgliedstaaten Mängel und Lücken
    bestehen und Maßnahmen erforderlich sind, um familiäre Verpflichtungen,
    die sich aus der Kinderbetreuung und -erZiehung ergeben, mit
    Erwerbstätigkeit, Ausbildung und Fortbildung von Eltern und anderen
    Erwachsenen mit familiären Verpflichtungen für Kinder miteinander in
    Einklang zu bringen; die Untersuchungen zeigten ebenso die nachteiligen
    Auswirkungen dieser Situation auf die Verwirklichung der
    Chanceng leIchkeit für Männer und Frauen im Erwerbsleben sowie
    hinsichtlich der Ausbildung, Fortbildung und dem Wohlergehen Ihrer
    Familien. 1 ) 2 ) 3 )
4.   Im Aktionsprogramm der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur
    Anwendung der Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte wird
    festgestellt, daß das Erste Aktionsprogramm zur Chancengleichheit
    bereits 1982 auf den Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und
    Kinderbetreuung hervorhob. Im Zweiten Aktionsprogramm zur Förderung der
    Chancengleichheit der Frauen (1985-1990) wurde folgendes festgestellt:
    "Eine unabdingbare Voraussetzung zur Förderung einer echten beruflichen
    Gleichbehandlung Ist die Teilung der Pflichten In Familie und Beruf;
    dies gilt In diesem Zusammenhang vor allem auch für die Entwicklung
    angemessener KInderbetreuungsmöglIchkeI ten und die Überprüfung der
    sozialen Infrastruktur Im allgemeinen".
5.   Im Dritten mittelfristigen Aktionsprogramm der Gemeinschaft
    "Chancengleichheit für Frauen und Männer" (1991-1995) wird Im Rahmen der
    Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Vereinbarkeit zwischen
    Erwerbstätigkeit und familiären Verpflichtungen für Männer und Frauen
    vorgesehen, daß die Kommission Maßnahmen zur Verbesserung von
    KInderbetreuungseinrichtungen und Urlaub aus familiären Gründen trifft.
1) "Kinderbetreuung und Chancengleichheit". Konsolidierter Boricht für die
   Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Peter Moss, Koordinator, Netz
   für Kinderbetreuung, erstellt auf der Grundlage einzelstaatlIcher
   Berichte von Vertretern des Netzes In den zwölf Mitgliedstaaten, April
   1988.
2) "Infrastructure and Women's Employment". Centre for Research on European
   Women (CREW) und James McLoone und Maire O'Leary, University College,
   Galway. V/174/90-EN, Oktober 1989.
3) "Who Cares for Europe's Children"? von A. Phillips und P. Moss, Brüssel,
   Kommission der Europäischen Gemeinschaften, 1989.
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6.   In der Mitteilung der Kommission über Familienpolitik vom 8. August
     1989<4) wird auf die Notwendigkeit der Fortsetzung von Maßnahmen
    hingewiesen, um Berufsleben und Familienleben miteinander in Einklang zu
    bringen und die Teilung der familiären Verantwortung zu fördern.
    Besondere Bedeutung wird der Intensivierung der laufenden Tätigkeiten im
    Zusammenhang mit dem "Netz für KInderbetreuung" beigemessen. In diesem
    Rahmen verweist die Mitteilung auch auf die Notwendigkeit flexibler
    Arbeitsplätze, die Einführung atypischer Arbeitszeiten und
    Beschäftigungsverhältnisse und die Errichtung entsprechender
    Bas is infrastrukturen (Öffnungszeiten der öffentlichen und privaten
    D i enstIe i stungserbrInger, Verkehr).
7.  Es liegt auf der Hand, daß im derzeit bestehenden wirtschaftlichen
    Rahmen eine bessere Angleichung des Niveaus der Unterstützung von
    erwerbstätigen Eltern und von KInderbetreuungseinrichtungen erforderlich
    ist, um UnausgewogenheIten auf dem Arbeitsmarkt abzubauen und die
    Mobilität zwischen den Mitgliedstaaten zu fördern. Der Gemeinsame Markt
    wird zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen, und Frauen können daraus
    Nutzen ziehen, wenn Hilfsmaßnahmen einschließlich
    Kinderbetreuungseinrichtungen vorhanden und erschwinglich sind. Diese
    Hilfseinrichtungen sind auch von wesentlicher Bedeutung, wenn Frauen an
    Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen wollen, die in Zeiten der
    Umstrukturierung des Arbeitsmarkts unabdingbar sind. Schließlich sind
    die Hilfseinrichtungen auch wichtig, wenn die Gemeinschaft die Talente,
    Qualifikationen und Fähigkeiten von Frauen optimal nutzen will. Daher
    ist aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht eine Verbesserung der
    Quantität und der Qualität von Kinderbetreuungseinrichtungen und anderer
    Maßnahmen wünschenswert, mit deren Hilfe Eltern die familiären
    Verpflichtungen, die mit der Kinderbetreuung und -erziehung verbunden
    sind, mit Erwerbstätigkeit, Ausbildung und Fortbildung in Einklang
    brIngen können.
B.  SITUATION IN DEN MITGLIEDSTATEN
    Die Lage der Beschäftigung von Frauen und Männern mit Kindern
1.  In Anhang 1 werden einige Aspekte der Beschäftigungslage von Frauen und
    Männern mit Kindern dargestellt. Er vermittelt einen Überblick über die
    fortbestehenden unterschiedlichen Auswirkungen von Kindern und deren
    Betreuung auf die Teilnahme von Männern und Frauen am Erwerbsleben; 1988
    waren weniger als die Hälfte (44 %) der Frauen mit Kindern im Alter
    zwischen zwischen 0 und 9 Jahren berufstätig, verglichen mit 92 % der
    Väter und 71 % der kinderlosen Frauen im gebärfähigen Alter. Im
    Verhältnis zu Männern mit Kindern oder kinderlosen Frauen übten mehr
    Frauen mit Kindern eine TelIzeitbeschäftigung aus.
2.  Es liegen nur wenige Angaben über die qualitativen Aspekte der
    Erwerbstätigkeit von Eltern (z. B. Art der Beschäftigung, Arbeitsentgelt
    und Arbeitsbedingungen, Aufstiegsmöglichkeiten usw.) vor, die eine
    Beurteilung der Auswirkungen von Kindern und Kinderbetreuung auf diese
    Aspekte der Beschäftigungslage von Männern und Frauen ermöglichen würden.
    Lücken In der Verfügbarkeit von Einrichtungen
3.  Anhang 2 gibt einen Überblick (in %) über die verfügbaren Plätze in von
    der öffentlichen Hand finanzierten Betreuuunoseinrichtungen für Kinder
    unter 10 Jahren im Verhältnis zur Gesamtzahl der Kinder; nicht darin
    verzeichnet sind Kinder, die die in allen Mitgliedstaaten verpflichtende
    Grundschule besuchen; es ist jedoch die Anzahl der Stunden angegeben, in
(4)   KOM (89) 363 endg.
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     denen die Kinder die Grundschulen besuchen und hiermit auch der Beitrag,
     den diese Schulen zur Kinderbetreuung leisten. Obwohl die Informationen
     über den privaten Sektor eher vage sind, läßt sich erkennen, daß der
     Bedarf an Kinderbetreuungseinrichtungen in sämtlichen Mitgliedstaaten das
     vorhandene Angebot wesentlich übersteigt.
4.   Außer diesen bedeutenden Unterschieden zwischen den Mitgliedstaaten
     bestehen auch Unterschiede Innerhalb einzelner Mitgliedstaaten, so daß
     die Zugangsmöglichkeiten zu Einrichtungen in den einzelnen Regionen
     unterschiedlich sind. Im allgemeinen ist die Versorgung durch die
    öffentliche Hand in Städten besser als in ländlichen Gebieten.
    Alter der in vorhandenen Einrichtungen betreuten Kinder
5.   In acht Mitgliedstaten gibt es für nur 5 % oder weniger der Kinder unter
     3 Jahren Betreuungsreinrichtungen, so daß der Bedarf bei weitem das
    Angebot übersteigt. Plätze in von der öffentlichen Hand finanzierten
    Vorschuleinrichtungen oder Kindergärten für Kinder zwischen 3 Jahren und
    dem gesetzlich vorgeschriebenen Schulalter sind häufiger zu finden. In
    vier Mitgliedstaaten gibt es derartige Einrichtungen für mehr als 80 %
    der Kinder, in sechs Staaten für 50 % bis 80 X und in zwei Staaten für
    weniger als 50 % der Kinder. In vielen Ländern sind die Öffnungszeiten
    dieser Einrichtungen, wie Grundschulen, jedoch so strukturiert, daß sie
    durch Kinderbetreuungsreinrichtungen für die Zeiten außerhalb der
    Unterrichtsstunden ergänzt werden müssen. In zahlreichen Ländern
    übersteigt jedoch die Nachfrage nach Einrichtungen für Betreuung dieser
    Art bei weitem das Angebot, wobei der Versorgungsstand in zahlreichen
    Ländern sehr niedrig ist*5) (s. Anhang 1 letzte Spalte).
6.  Die Finanzierung seitens der öffentlichen Hand kann durch andere
    Finanzierungsquellen, z. B. seitens der Eltern und der Arbeitgeber,
    ergänzt werden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das Ausmaß der
    öffentlichen Finanzierung sehr unterschiedlich, und zwar nicht nur
    zwischen den Mitgliedstaaten, sondern auch für verschiedene Altersgruppen
    der Kinder innerhalb der Mitgliedstaaten. Außer in einem Mitgliedstaat
    sind die meisten Eltern mit Kindern unter 3 auf privat finanzierte
    Kinderbetreuungseinrichtungen angewiesen; Eltern mit Kindern unter 3, die
    von der öffentlichen Hand finanzierte Einrichtungen in Anspruch nehmen
    und Eltern mit älteren Kindern im Kindergarten müssen je nach Einkommen
    bezahlen, obwohl die Höhe der Zahlungen in den verschiedenen
    Mitgliedstaaten unterschiedlich ist. Eltern mit Kindern im Vorschui- oder
    Grundschulunterricht haben keine Zahlungen zu leisten, müssen jedoch ggf.
    die "außerschulische" Kinderbetreuung bezahlen. In fünf Ländern können
    Kinderbetreuungskosten in gewissem Maße von der Steuer abgesetzt werden,
    jedoch ist dieser Zuschuß viel niedriger als derjenige, den Eltern
    erhalten, die von der öffentlichen Hand finanzierte Einrichtungen in
    Anspruch nehmen; außerdem ist er nicht einkommensabhängig, wobei die
    Unterstützung für Familien mit niedrigem Einkommen höher wäre.
7.  Aus Forschungen geht hervor, daß das Vorhandensein oder Fehlen geeigneter
    Betreuungseinrichtungen für Kinder zwischen 0 und 10 Jahren, und nicht
    nur von Kinderkrippen für Säuglinge, ein Hindernis für eine stärkere
    Beteiligung am Erwerbsleben und insbesondere für die Erwerbstätigkeit von
    Frauen darstellt. In allen Ländern fehlen Betreuungseinrichtungen für
    mehr als ein Drittel der Kinder im Schulalter; in neun Mitgliedstaaten
    sind sie entweder überhaupt nicht oder nur in sehr geringer Anzahl
    vorhanden. Die Unterschiede lassen sich zwar teilweise durch
    unterschiedlichen Bedarf und unterschiedliches Volkseinkommen erklären,
    jedoch erklärt dies den bestehenden ungleichen Zugang zu
    Kinderbetreuungseinrichtungen nur zum Teil.
(5)   "Kinderbetreuung in der Europäischen Gemeinschaft 1985-1990".
     Veröffentlicht von "Frauen Europas", August 1990. Peter Moss,
      Koordiantor, Netz für Kinderbetreuung.
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8.   Große Informat ions IUcken machen eine Erstellung umfassender und
     vergleichbarer Daten über die Lage in den Mitgliedstaaten nicht nur in
     bezug auf Kinderbetreuungseinrichtungen, sondern auch in bezug auf
     Urlaubsregelungen für erwerbstätige Eltern mit Pflichten der
     Kinderbetreuung und Erziehung, auf die Umgebung, Struktur und
     Organisation des Arbeitsplatzes und die Teilung der familiären
     Verpflichtungen, die Bestandteil eines umfasenden
     Kinderbetreuungskonzepts sind (vgl. Teil C ) , unmöglich.
9.   Informationen über privat finanzierte Kinderbetreuungseinrichtungen sind
     im allgemeinen, falls überhaupt verfügbar, unzureichend. Zahlreiche
     Frauen greifen jedoch auf Lösungen privater Art zurück. Aus
     Untersuchungen geht hervor, daß die meisten Kinder unter drei Jahren, mit
     Ausnahme eines Mitgliedstaates, in der gesamten Gemeinschaft von
     Verwandten betreut werden; private Kinderkrippen oder Kinderkrippen am
     Arbeitsplatz sind in allen Ländern für weniger als 2 % der Kinder unter
     drei Jahren vorhanden.
Urlaubsregelungen für erwerbstätige Eltern mit Pflichten der Betreuung und
Erziehung von Kindern
10. Anhang 3 gibt einen Überblick über Elternurlaub. Als wichtigste Regelung
     ist festzuhalten, daß es in acht Ländern Elternurlaub gibt, wobei in
     einem Mitgliedstaat ein allgemeinerer Urlaub genommen und zur
     Kinderbetreuung genutzt werden kann. Die Urlaubsdauer deckt einen
     Zeitraum von 10 Wochen bis zu beinahe 3 Jahren. Mit Ausnahme Dänemarks
     erhalten Eltern, die Urlaub in Anspruch nehmen, entweder keine Bezahlung
     oder einen Betrag, der im Verhältnis zu dem normalen Gehalt niedrig ist;
     die Urlaubsregelungen sind auch unflexibel in bezug auf die
     Wahlmöglichkeiten für die Eltern hinsichtlich der Einteilung ihres
     Urlaubs (z. B. können Eltern nicht wählen zwischen Vol(zeit- oder
     Tel Izeiturlaub oder zwischen Inanspruchnahme des Urlaubs während eines
     ununterbrochenen Zeitraums oder mit Unterbrechungen). In der großen
     Mehrzahl der Fälle wird der Urlaub von Müttern in Anspruch genommen.
11. Zusätzlich zu dieser Urlaubsart gewähren 6 Mitgliedstaaten gesetzlichen
     Urlaub für die Betreuung kranker Kinder, der jedoch nur in drei Fällen
     bezahlt wird. Gesetzlichen Vaterschaftsurlaub gibt es nur in Dänemark.
Umgebung. Struktur und Organisation des Arbeitsplatzes
12. Aus einzelstaatlichen Untersuchungen in einigen MitIgiedstaaten geht
     hervor, daß die Entwicklungen in bezug auf Maßnahmen, mit deren Hilfe es
     möglich ist, Arbeit und Familienleben im Rahmen der Umgebung, Struktur
     und Organisation des Arbeitsplatzes in Einklang zu bringen, bis jetzt nur
      in begrenztem und sehr unterschiedlichem Umfang Anwendung findent)
     (7)(8).
Teilung der familiären Verpflichtungen
13. Während der letzten 20 Jahre hat sich im Beschäftigungsbereich insofern
     ein bedeutender Wandel vollzogen, als der Anteil der erwerbstätigen
     Frauen (besonders der verheirateten Frauen) ständig anstieg. Die stärkere
(6)    "The Industrial Relations Review and Report". U.K., Mai-Juni, 1989.
 (7)   "Retaining Women Employees". Hilary Metcalf, Institute of Manpower
       Studies Report, U.K., 1990.
 (8)    "Maternity Rights: the Experience of Women and Employers". S. McRae,
       W.W Daniel, Policy Studies Institute, U.K., 1991.
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   Beteiligung der Frau am Erwerbsleben wurde Jedoch nicht von den
   flankierenden Maßnahmen begleitet, die erforderlich wären, um eine
   entsprechende Entlastung der Frauen hinsichtlich ihres Anteils an den
   familiären Verpflichtungen zu erreichen und sowohl Männern und Frauen die
   Vereinbarkeit zwischen Beschäftigung und familiären Verpflichtungen zu
   erleichtern. Zahlreiche Frauen stehen noch vor der unerwünschten
   Entscheidung zwischen einer beruflichen Laufbahn, bei der sie die
   Doppel be lastung der gleichzeitigen HauptVerantwortung für die Familie
   tragen müssen oder einer Laufbahn zu Hause, wobei hauptsächlich von ihnen
   erwartet wird, daß sie die Betreuung von Kindern und Verwandten
   übernehmen und ihre Freizeit oder ihre Tätigkeit teilweise oder ganz
   aufgeben, wenn dies erforderlich ist.
C. DAS UMFASSENDE KONEZPT DER KINDERBETREUUNG
1. Ein wesentliches Element der Kinderbetreuungseinrichtungen ist der Bedarf
   an Qualität. Qualitativ hochwertige Kinderbetreuung muß diejenigen
   Elemente umfassen, die zum Wohlergehen und zur Entwicklung des Kindes
   führen. Wichtig ist es, die falsche Unterscheidung zwischen Betreuung und
   Erziehung abzubauen, so daß "Betreuung" nicht als "Parkeinrichtung" für
   erwerbstätige Eltern und damit als negatives Element betrachtet wird. Die
   Einrichtungen sollten flexibel, am Ort und vielfältiger Art sein.
   Qualitativ hochwertige Kinderbetreuung ist untrennbar mit der Qualität
   der Arbeit derjenigen verbunden, die diese Betreuung ausüben. Darüber
   hinaus behindern schlechte Einrichtungen die Erwerbstätigkeit von Frauen,
   da sie einige vom Eintritt ins Erwerbsleben abhalten und für bereits
   berufstätige Frauen eine zusätzliche Streßquelle darstellen.
2. Sollen familiäre Verpflichtungen, die durch die Betreuung und Erziehung
   von Kindern entstehen, mit Erwerbstätigkeit, Ausbildung und Weiterbildung
    in Einklang gebracht werden, so sind Maßnahmen in vier Bereichen
   erforderlich: Bereitstellung von qualitativ hochwertigen
   Kinderbetreuungseinrichtungen, während Eltern mit familiären
   Verpflichtungen für Kinder erwerbstätig sind oder sich in Aus- oder
   Fortbildung befinden; Urlaubsvereinbarungen für erwerbstätige Eltern, die
   die Verantwortung für die Betreuung und Erziehung von Kindern haben;
   Veränderungen in der Kultur und der Struktur individueller Arbeitsplätze,
   damit Arbeitnehmer, die Verantwortung für die Betreuung und Erziehung von
   Kindern haben, am Arbeitsplatz in ihren Bedürfnissen Unterstützung
   finden; gleichmäßigere Aufteilung der familiären Pflichten, die sich aus
   der Kinderbetreuung und -erziehung ergeben, insbesondere zwischen Mann
   und Frau. Maßnahmen in Jedem dieser Bereiche sind notwendig, Jedoch nicht
   ausreichend. Ein umfassendes und kohärentes Programm, das all diese
   Bereiche umfaßt, ist erforderlich.
D. KINDERBETREUUNGSEI NR ICHTUNGEN
1. Es gibt eine Reihe von Leistungen, die in Einrichtungen erbracht werden
   können, z. B. in Kinderkrippen, Kindergärten, Vorschulen oder
   Grundschulen, außerschulischen Kinderbetreuungszentren oder
   Kinderbetreuung in organisierten Kinderbetreuungsstätten.
2. Zu derartigen Kinderbetreuungseinrichtungen ist vor allem folgendes zu
   bemerken:
I) In einer Anzahl wichtiger Bereiche, wie z. B. Zugangsmöglichkeit,
   Finanzierung und Kosten für Eltern, Verfügbarkeit von Plätzen,
   Öffnungszeiten, Orientierung und Zielsetung, verwaltungsmäßige
   Verantwortlichkeit, Ausbildung, Entgelt und Arbeitsbedingungen für die
   Beschäftigten, bestehen große und nicht zu rechtfertigende Widersprüche
   oder Kohärenzmängel zwischen den Einrichtungen.
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 il)   Die Einrichtungen müssen eng mit den örtlichen Gemeinden und den Eltern
       zusammenarbeiten. Dies bedeutet Eingehen auf die Umstände und
       Bedürfnisse der Eltern am Ort, regelmäßigen Kontakt und
        Informationsaustausch, Schaffung von Möglichkeiten für Eltern und
       örtliche Gemeinden, Einfluß auf die Zielsetzungen und die Verwaltung
       von Einrichtungen auszuüben.
Ill)   Obwohl In Anhang 2 nur Einrichtungen für Kinder bis zu 10 Jahren erfaßt
       sind, ist daran zu erinnern, daß familiäre Verpflichtungen durch die
       Betreuung von Kindern sehr weitreichend sind und mindestens
       fortbestehen, bis die Kinder die Schule durchlaufen haben, auch wenn
       sich die Art dieser Verpflichtungen mit dem Heranwachsen der Kinder und
       ihrer stärkeren Selbständigkeit wandelt.
iv)    Bei den in den einschlägigen Einrichtungen, und zwar sowohl in den von
       der öffentlichen Hand als auch in den privat finanzierten Einrichtungen
       Beschäftigten handelt es sich fast ausnahmslos um Frauen. Die
       Bedingungen und die Ausbildung von Beschäftigten in
       Kinderbetreuungseinrichtungen sollten dahingehend verbessert werden,
       daß sie die Bedeutung ihrer Tätigkeit widerspiegeln.
v)     Während einige Eltern auf eigenen Wunsch private Regelungen treffen,
       tun viele andere Eltern dies nur, weil von öffentlicher Hand
       finanzierte Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen. Deshalb sind
       erschwingliche Kinderbetreuungseinrichtungen in größerer Anzahl
       erforderlich, um die Lücke zwischen dem Bedarf und der vorhandenen
       Anzahl Einrichtungen zu schließen. Da die Notwendigkeit der
       Kinderbetreuung nicht nur die Eltern allein betrifft, sondern auch
       wirtschaftliche und soziale Auswirkungen hat, sollte die Finanzierung
       durch die öffentliche Hand einen bedeutenden Beitrag zur Bereitsteilung
       dieser Einrichtungen leisten.
vi)    Dort, wo die Finanzierung seitens der öffentlichen Hand durch andere
       Finanzierungsquellen ergänzt wird, z. B. seitens der Eltern und der
       Arbeitgeber, sollte dies Teil einer kohärenten und umfassenden Politik
       der Finanzierung dieser Einrichtungen sein. Werden
       Kinderbetreuungseinrichtungen an Arbeitsplätzen zur Verfügung gestellt
       oder auf andere Weise durch einzelne Arbeitgeber unterstützt, so sollte
       dies als integrierende Ergänzung zu Einrichtungen auf kommunaler Basis
       und nicht als Alternative betrachtet werden und im Rahmen einer voll
       entwickelten Politik der Chancengleichheit erfolgen.
E.   URLAUBSREGELUNGEN FÜR ERWERBSTÄTIGE ELTERN MIT VERPFLICHTUNGEN DER
     BETREUUNG UND ERZIEHUNG VON KINDERN
     Erwerbstätige Eltern sind nicht immer imstande oder bereit, die Betreuung
     ihrer Kinder berufsmäßigen oder sonstigen Kinderbetreuern zu überlassen.
     Deshalb gehören zur Kinderbetreuung wesentlich verschiedene Arten von
     Urlaub, die Eltern eine Abwesenheit vom Arbeitsplatz zu Schlüssel zelten
     ermöglichen, um anschließend ohne Verlust des Arbeitsplatzes oder des
     Dienstalters oder Unterbrechung der vertraglichen Beziehungen ihre
     Erwerbstätigkeit wieder aufzunehmen*9).
(9)   "Die Auswirkungen der Vollendung des Binnenmarktes auf Frauen in der
      Europäischen Gemeinschaft".
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F. DIE UMGEBUNG. STRUKTUR UND ORGANISATION DES ARBEITSPLATZES
1. Auch die Arbeitsumgebung, die Praktiken und die Haltungen am Arbeitsplatz
   stellen ein wesentliches Element eines umfassenden
   Kinderbetreuungskonzepts dar. In diesen Bereichen getroffene Regelungen
   können zusätzlich die Kontinuität der Laufbahn der Beschäftigten
   ermöglichen und zur Verringerung der Kosten der PersonalfluktuatIon
   beitragen.
2. Deshalb muß bei Arbeitgebern und Gewerkschaften für ein besseres
   Verständnis der Bedeutung einer Verbesserung der Umgebung, Struktur und
   Organisation der einzelnen Arbeitsplätze und der Mittel, um dies zu
   erreichen, gesorgt werden. Daher sind Maßnahmen erforderlich, um die
   Situation in bezug auf die Arbeitsplätze zu überprüfen, geeignete
   Initiativen zu ergreifen und deren Wirksamkeit zu überwachen, innovative
   Maßnahmen guter Beschäftigungspraktiken anzuregen, zu bewerten und für
   deren Verbreitung zu sorgen. Zu Beispielen für solche Praktiken gehören
   die Sitzungstermine, die so angesetzt werden sollten, daß sie mit der
   Notwendigkeit, Kinder aus den Kinderkrippen abzuholen vereinbar sind;
   hierzu gehört auch die rechtzeitige Ankündigung notwendiger Dienstreisen
   sowie die Einführung gleitender Arbeitszeit usw.
G. TEILUNG FAMILIÄRER VERPFLICHTUNGEN
   Frauen tragen einen zu großen Teil der Verpflichtungen; dies ist eine der
   grundlegenden Ursachen für die ungleiche Stellung der Frauen am
   Arbeitsmarkt und folglich für fehlende Gleichstellung in bezug auf
   Beschäftigung und Einkommen. Die Höhe der Gehälter und die berufliche
   Stellung - zentrale Kriterien zur Beurteilung der Qualität - werden nicht
   nur durch die Kräfte des Marktes bestimmt, sondern durch die für die
   Nachkommenschaft aufzubringenden sozialen Kosten, die ungleich verteilt
   sind. Eine größere Beteiligung der Männer an den familiären
   Verpflichtungen scheint für eine gleichberechtigte Teilnahme der Frauen
   am Arbeitsmarkt sowie zur Verbesserung der Qualität ihrer
   Berufstätigkeit und ihres persönlichen Lebens von wesentlicher Bedeutung.
   Ebenso wie Männer einen angemessenen Teil der familiären Verpflichtungen
   übernehmen sollten, sollten sie auch in gleichem Maße in den Genuß
   sämtlicher Maßnahmen gelangen, die dazu bestimmt sind, Familienleben und
   Berufstätigkeit miteinander in Einklang zu bringen, ohne dabei ihre
   eigenen beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten aufgeben oder eine feindselige
   Haltung befürchten zu müssen. Ein Wandel der Haltung von Männern ist
   sowohl in der Familie als auch am Arbeitsplatz erforderlich, um die
   Arbeitsumgebung sympathischer und empfänglicher für die Bedürfnisse von
   Kindern zu gestalten.
H.  INFORMATIONSBEDARF
   Es müssen angemessene Regelungen getroffen werden, um regelmäßig
    Informationen über die Verfügbarkeit und Aufteilung von Kinderbetreuungs-
   und Bildungseinrichtungen, die Annahme und Benutzung von Einrichtungen
   durch Familien und die Kosten für Familien, die Annahme und
    Inanspruchnahme von Urlaub, die Verfügbarkeit von Vorteilen am
   Arbeltsplatz, die sich aus tariflichen oder betrieblichen Vereinbarungen
   ergeben und Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen unterstützen
   sollen, sowie über die Inanspruchnahme dieser Vorteile und die Höhe der
   Beteiligung von Männern an der Kinderbetreuung einzuholen. Bei der
    Informationsbeschaffung und der Überwachung von Fortschritten in der
   Erreichung von Zielen dieser Politik sollte der Situation bestimmter
   Gruppen von Familien besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, wie z. B.
   Alleinerziehenden, Gruppen mit niedrigem Einkommen, Familien auf dem
   Lande und Familien mit einem Kind «it besonderen Bedürfnissen und/oder
   anderen besonderen Bedürfnissen.
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J. SCHLUSSFOLGERHNfiFN
1. Nach Ansicht der Kommission geht aus der Analyse der vorstehend
   untersuchten Probleme hervor, daß die Mitgliedstaaten Maßnahmen treffen
   sollten, die es Frauen und Männern ermöglichen, Erwerbstätigkeit,
   Ausbildung und Fortbildung mit den Pflichten, die sich aus der Betreuung
   und Erziehung von Kindern ergeben, miteinander zu vereinbaren. Daher
   empfiehlt die Kommission den Mitgliedstaaten, eine Reihe spezifischer
   Maßnahmen zu treffen, um allen Eltern mit derartigen Pflichten den
   Zugang zu qualitativ hochwertigen Einrichtungen am Ort zu ermöglichen.
2. Da bedeutende Informationslücken bestehen - Insbesondere in bezug auf
   die Verfügbarkelt privat finanzierter Einrichtungen, die getroffenen
   Vereinbarungen für die Betreuung von Kindern, während die Eltern der
   Erwerbstätigkeit nachgehen und die Qualität von Einrichtungen - sind
   Maßnahmen erforderlich, um diese UnausgewogenheI ten auszugleichen.
   Dieser ProzeB sollte darauf abzielen, den Kenntnisstand In bezug auf die
   Verfügbarkelt von KinderbetreuungseinrIchtungen auf das Niveau
   anzuheben, das bereits Im allgemeinen In bezug auf das Bildungssystem
   besteht.
3. Die Kommission sagt zu, a) in Zusammenarbeit mit den Mitglledstaaten und
   den Sozialpartnern den Austausch, die Auswertung und die Verbreitung von
   Informationen und Erfahrungen in diesem Bereich zu fördern, und b)
   Projekte mit Innovativem Charakter und grenzübergreifender Bedeutung zu
   unterstützen und die Ergebnisse zu verbreiten.
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                                        BeschäftIgungslage der Eltern 1988
                           Beschäft igung Beschäftigung  Beschäftigung  Veränderungen    Arbeits-    Arbeits-
                           Frauen mit     Männer mit     kinderlose     in der Beschäf-  losigkeit   losigkeit
                           Kindern        Kindern        Frauen         t i gung 1985-88 Frauen mit  Männer mit
                           unter 10       unter 10       zwischen 20    Frauen mit       Kindern     Kindern
                                                         und 39 Jahren  Kindern unter 10 unter 10    unter 10
Deutschland                 38% (21%)      94% (1%)        75% (15%)     +2,6% (+2,5%)       6%          3%
Frankreich                  56% (16%)      93% (1%)        75% (11%)     +1,3% (+1,9%)      10%          5%
Italien                     42% (5%)       95% (2%)        55% (4%)      +3,6% (+0,7%)       8%          3%
Niederlande                 32% (27%)      91% (9%)        68% (30%)     +8,2% (+7,7%)       8%          5%
Belgien                     54% (16%)      92% (1%)        68% (13%)     +2,8% (+2,4%)      12%          5%
Luxemburg                   38% (10%)       98% (-)        69% (5%)      +3,7% (0,6)         2%          1%
Vereinigtes Königreich      46% (32%)       88% (1%)       83% (20%)     +7,5% (+6%)         8%          8%
Irland                      23% (7%)        79% (1%)       67% (6%)      +5,1% (+1,5%)       8%         17%
Dänemark                    79% (32%)       95% (2%)       79% (6%)      +2,6% (-1,5%)       8%          3%
Gri echenland               41% (5%)        95% (1%)       52% (3%)      +3,8% (-0,2%)       6%          3%
Portugal                    62% (4%)        95% (1%)       69% (6%)      Keine               6%          2%
                                                                         Informationen
Spanien                     28% (4%)        89% (1%)       44% (5%)      Keine              10%          8%
                                                                         Informationen
Europäische Gemeinschaft    44% (17%)       92% (2%)       71% (13%)     Keine               8%          5%
                                                                         Informationen
Anmerkung: Zahlen zwischen Klammern - Prozentsatz Teilzeitbeschäftigter
 ---pagebreak---                                                                                                                                   ANHANG i
Plätze pro Altersgruppe In den von der öffentlichen Hand finanzierten Kinderbetreuungseinrichtungen
                           Datun der  Kinder     Kinder zwischen 3  GesetzlIch         Dauer des            Betreuung von Kindern
                           Angaben    unter 3    und dem gesetzlIch vorgeschriebenes   Schultages           In Grundschulalter
                                      Jahren     vorgeschriebenen   Schulalter         (einschließlich      außerhalb der
                                                 Schulalter                            Mittagspause         Schulstunden
Deutschland                  1987        3X          65-70X           6-7 Jahre          4-5 Stunden                 4X
Frankreich                   1988       20X          95X+             6 Jahre            8 Stunden                   ?
Italien                      1986        5X          85X+             6 Jahre            4 Stunden                   ?
Niederlande                  1989        2X          55-55X           5 Jahre            6-7 Stunden                 1X
Belgien                      1988       20X          95X+             6 Jahre            7 Stunden                  ?
Luxemburg                    1989        2X          55-60X           5 Jahre            4-8 Stunden (a)             1X
Vereinigtes Königreich       1988        2X          35-40X           5 Jahre            6h Stunden                (-)
Irland                       1988        2X          55X              6 Jahre            4fe-6tt Stunden(b)        <-)
Dänemark                     1989       48X          85X              7 Jahre            3-5h Stunden(a.b)         29X
Griechenland                 1988        4X          65-70X           5fc Jahre          4-5 Stunden (b)           (-)
Portuga1                     1988        6X          35X              6 Jahre            6h Stunden                 6X
Spanien                      1988        ?           65-70X           6 Jahre            8 Stunden                 (-)
H.B. Diese Tabelle sollte zusaiien ilt den nationalen Berichten gelesen werden, die wichtige Angaben und Erläuterungen enthalten.
Die Tabelle enthält die Anzahl der von der öffentlichen Hand finanzierten Kinderbetreuungseinrichtungen pro Altersgruppe. Der
Prozentsatz der Kinder kann höher sein, da best Inte Plätze nur auf Teilzeitbasis genutzt werden. Die In den Niederlanden
vorhandenen Spielgruppen wurden nicht berücksichtigt, obwohl 10X dar Kinder unter 3 und 25X der Kinder zwischen 3 und 4 diese
Gruppen besuchen und sie li ailgeielnen mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Da die durchschnittliche Betreuungsdauer -
-6 Stunden pro Woche - viel kürzer ist als in allen anderen Betreuungseinrichtungen, wäre es schwierig und potentiell Irreführend
sie auf der gleichen Grundlage wie die anderen zu behandeln. Dies bedeutet Jedoch nicht, daB die Spleigruppen vergessen werden
sollten, wenn von den voi öffentlichen Sektor In den Niederlanden finanzierten Kinderbetreuungsplätzen die Rede ist.
Schlüssel: ? - keine Information; (*) - weniger als 0,5*; (a) - Schulstunden sind von Tag zu Tag verschieden;
(b) - Anzahl Schulstunden steigt, wenn die Kinder älter werden.
 ---pagebreak---                               Elternurlaub*                      ANHANG 3
Deutschland            18 Monate. Niedrige Pauschalzahlung
                       während 6 Monaten, danach hängt die     * Elternurlaub bedeutet Urlaubsanspruch während einer bestimmten
                       Zahlung von FaniIienelnkonnen ab,         Zelt für Arbeitnehier, Väter, Mütter, einschließlich Beschäftigte
                       FanI Ken nlt einen höheren Einkonnen      des öffentlichen Sektors in Anschluß an die Geburt eines Kindes
                       erhalten weniger.                         während der Zeit nach Beendigung der Mutterschaftsurlaubs bzw.
                                                                 für die vorgehend beschriebenen Arbeitnehmer bei Adoption eines
Frankreich             Bis das Kind 3 Jahre alt Ist. Keine       Kindes in Anschluß an dessen Aufnahne in den Haushalt der Adoptiv-
                       Entschädigung außer bei 3 oder nehr       eltern, während der der Anspruchsberechtigte die Verantwortung
                       Kindern, dann niedrige Pauschalzahlung.   für die tatsächliche Betreuung des Kindes übernimmt.
Italien                6 Monate. 30X des Arbeltsentgeltes.
Niederlande            Kein Vaterschaftsurlaub, Arbeitnehier
                       können Jedoch Urlaub aus fail Hären
                       Gründen nehmen (siehe nationale
                       Berichte
Luxenburg              Kein Vaterschaftsurlaub.
Vereinigtes Königreich Kein Vaterschaftsurlaub.
                                                                                                                                    I
 Irland                Kein Vaterschaftsurlaub.
Dänemark               10 Wochen, 90X des Arbeitsentgeltes
                       (bis zu einen Höchstbetrag).
Griechenland           3 Monate pro Elternteil.
                       Unbezahlter Urlaub.
Portugal               24 Monate unbezahlt.
Spanien                12 Monate unbezahlt.
 ---pagebreak---                                         - 13 -
                                 VQRSCHLAQ FOB EINE
                               EMPFEHLUNG DES RATES
                                zur Kinderbetreuung
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestützt    auf   den  Vertrag    zur   Gründung   der  Europäischen   Wirtschafts-
gemeinschaft, insbesondere auf Artikel 235,
nach Kenntnisnahme von dem Vorschlag der Kommission^),
nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments,
nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses,
in Erwägung nachstehender Gründe:
Absatz 16 der Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer
fordert    die   Ausarbeitung   von    Maßnahmen,   die  es   Männern   und  Frauen
ermöglichen,     ihre  beruflichen    und   familiären  Pflichten   miteinander  in
Einklang zu bringen.
 Im Aktionsprogramm der Kommission zur Durchfuhrung der Gemeinschaftscharta
 ist  auch   die   Annahme  einer    Empfehlung   betreffend   die  Kinderbetreuung
vorgesehen.
 In  der   Gemeinschaftscharta     wird   festgestellt,  daß   Kinderbetreuungsmög-
 lichkeiten, Elternurlaub und Mutterschaftsurlaub Teile eines Ganzen sind, das
es allen ermöglicht, familiäre Pflichten und berufliche WUnsche miteinander
zu vereinen, daß sich dieses Ziel jedoch mit einer Maßnahme der Gemeinschaft
allein nicht verwirklichen läßt.
 (1)
 ---pagebreak---                                          - 14 -
 In ihrem dritten mittelfristigen Aktionsprogramm zur Chancengleichheit fUr
Frauen und Männer (1991-1995) hat die Kommission festgestellt, daß weiterer
Handlungsbedarf in diesem Bereich besteht.
 In der Mitteilung der Kommission Über die Faml I ienpol it ik<2) wird auf die
Notwendigkeit hingewiesen, weitere Maßnahmen zu treffen, um eine bessere
Vereinbarkeit     zwischen   Berufs-   und  Familienleben   zu   erreichen    und  die
Aufteilung der familiären Pflichten zu fördern und daher die Bemühungen im
Zusammenhang mit der Kinderbetreuung zu verstärken.
Die Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben muß in einem weiten Rahmen
gesehen werden; um sie zu erreichen, bedarf es einer globalen Politik der
Gemeinschaft.
Es ist von wesentlicher Bedeutung, das Wohlergehen von Kindern und Familien
zu   fördern, wobei     den   Bedürfnissen   aller  Kinder  und    Familien   Rechnung
getragen    und   berücksichtigt    werden  muß,   daß  die  sich    aus  der   Klein-
kinder bet reuung   und   -erziehung    ergebenden   Pflichten    auch   während   der
Schulzeit der Kinder andauern; ferner gilt es, die Vielfalt der Bedingungen
in Erwerbstätigkeit und Haushaltsführung der Eltern anzuerkennen.
Der    Mangel   an   guten,   kostengünstigen    Kinderbetreuungseinrichtungen     und
anderen Maßnahmen, die es Eltern ermöglichen, ihre Pflichten der Kinderbe-
treuung und -erziehung mit Erwerbstätigkeit, Ausbildung und Fortbildung in
Einklang    zu bringen, stellt      ein nicht   zu unterschätzendes Hindernis fUr
Frauen dar, zu gleichen Bedingungen wie Männer            Zugang zu Beschäftigung,
Ausbildung und Fortbildung zu finden und diese voll           in Anspruch zu nehmen
sowie    uneingeschränkt    an   allen  Bereichen   des  gesellschaftlichen     Lebens
te iI zunehmen.
Die Verbesserung der Einrichtungen und sonstigen Maßnahmen, mit deren Hilfe
Eltern die Pflichten der Kinderbetreuung und -erziehung mit Erwerbstätigkeit,
Ausbildung und Fortbildung in Einklang bringen können, ist von ausschlagge-
bender Bedeutung, damit       Frauen die Möglichkeit erhalten, in vollem Umfang
und gleichberechtigt die günstigen Auswirkungen des einheitlichen Binnen-
markts zu nutzen.
(2) 8. August 1989, K0M(89)363 endg.
 ---pagebreak---                                          - 15 -
Zudem   könnten   angemessene   Einrichtungen      zur   Betreuung    von  Kindern  die
Freizügigkeit    der  Arbeitnehmer     und   die   Mobilität    auf   dem  europäischen
Arbeitsmarkt erleichtern.
Die Kinderbetreuung ist ein weiter Bereich, zu dem die Bereitstellung von
Einrichtungen guter Qualität ebenso gehört wie eine Arbeitswelt, die fUr
Eltern, die Verantwortung fUr Kinderbetreuung und -erziehung tragen, gUnstig
ist, wie auch die Teilung der familiären Pflichten zwischen Frau und Mann.
Der Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und anderen Maßnahmen, mit deren
Hilfe   Eltern   die   Kinderbetreuung     und   -erziehung     mit   Erwerbstätigkeit,
Ausbildung   und   Fortbildung    in    Einklang    bringen   können,    behindert  die
effiziente Nutzung der Talente, Begabungen und Fähigkeiten von Frauen, die
angesichts der demographischen Entwicklungen und strukturellen Veränderungen
auf dem Arbeitsmarkt besser eingesetzt werden mUssen.
Einige Mitgliedstaaten sind in diesem Bereich tätig geworden, Jedoch blieben
die getroffenen Maßnahmen oft in ihren Auswirkungen begrenzt.
Die   Nachfrage   nach   guten,   kostengünstigen       Kinderbetreuungseinrichtungen
Übersteigt in allen Mitgliedstaaten bei weitem das Angebot.
Darüber hinaus bestehen in dieser Hinsicht zwischen den einzelnen Mitglied-
staaten und zwischen Regionen        innerhalb der Mitgliedstaaten beträchtliche
Unterschiede.
Die   in  den   gemeinschaftlichen      Förderkonzepten     fUr   die   Strukturpolitik
enthaltene   Standardklausel    bestimmt,      daß   die   in   einem   solchen  Rahmen
erfolgenden Aktionen und Maßnahmen mit der Politik und den Rechtsvorschriften
der Gemeinschaft auf dem Gebiet der Chancengleichheit von Frauen und Männern
Übereinstimmen und diese gegebenenfalls fördern mUssen, und daß insbesondere
dem Bedarf an Infrastrukturen und Bildungsmaßnahmen, die die Eingliederung
von Frauen mit Kindern      in das Berufsleben begünstigen, Rechnung getragen
werden muß.
 ---pagebreak---                                        - 16 -
Ferner    sind   in   der   Gemeinschaftsinitiative    NOW    zur    Förderung    der
Chancengleichheit im Bereich Beschäftigung und berufliche Bildung Maßnahmen
zur   Kinderbetreuung   vorgesehen,   um  Frauen  mit   Kindern    den   Zugang   zum
Arbeitsmarkt und zu Berufsbildungsmaßnahmen zu erleichtern.
Daher   ist es wichtig, Gemeinschaftsleitlinien fUr die Durchführung einer
Reihe gezielter umfassender Aktionen aufzustellen, um die Schaffung guter,
preisgünstiger Kinderbetreuungseinrichtungen sowie die Einleitung sonstiger
Maßnahmen, mit deren Hilfe Eltern die Kinderbetreuung und -erziehung mit
Erwerbstätigkeit, Ausbildung und Fortbildung in Einklang bringen können, zu
gewährleisten -
EMPFIEHLT:
Artikel 1
Es wird den Mitgliedstaaten empfohlen, Maßnahmen auszuarbeiten, die es Frauen
und    Männern    ermöglichen,     ihre   beruflichen     und     ihre    familiären
Verpflichtungen, die sich aus der Kinderbetreuung und -erziehung ergeben,
miteinander in Einklang zu bringen.
Artikel 2
Es wird den Mitgliedstaaten empfohlen, zu diesem Zweck unter angemessener
Beteiligung der zentralen, regionalen und lokalen Behörden, der Sozialpartner
und  anderer   maßgeblicher Organisationen Maßnahmen       in den   folgenden vier
Bereichen zu erarbeiten:
I.    Bereitstellung   von KInderbetreuungsmöglichkeiten, während        die   Eltern
      erwerbstätig   oder  auf   Arbeitssuche  sind   oder    sich    in  Aus-   oder
      Fortbildung befinden;
ii.  Urlaubsvereinbarungen fUr erwerbstätige Eltern, die Verantwortung fUr
     die Betreuung und Erziehung von Kindern tragen;
iii. die Gestaltung von Umgebung, Struktur und Organisation des Arbeits-
     platzes in der Weise, daß sie den Bedürfnissen der Betreuer von Kindern
     entsprechen;
iv.  Teilung der familiären Pflichten, die sich aus der Kinderbet reuung und
     -erziehung ergeben, zwischen Mann und Frau.
 ---pagebreak---                                           - 17 -
Artikel 3
 In bezug auf die Bereitstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen wird den
Mitgliedstaaten empfohlen, Maßnahmen der folgenden Art in die Wege zu leiten:
a)   Alle Eltern, die erwerbstätig oder auf Arbeitssuche sind oder sich in
     Aus-    oder   Fortbildung     befinden,   mUssen   Zugang    zu  leistungsfähigen
     Einrichtungen       am  Ort   erhalten.    Dies   bedeutet     im  einzelnen:     die
     Betreuungseinrichtungen sind nicht zu teuer; sie verbinden eine sichere
     und zuverlässige Betreuung mit einer umfassenden Erziehung oder einem
     pädagogischen Ansatz; der Zugang zu ihnen richtet sich nach den Belangen
     von Eltern und Kindern; die Einrichtungen sollten in allen Gegenden und
     Regionen der Mitgliedstaaten, sowohl          in Stadt- als auch in ländlichen
     Gebieten,     verfügbar    sein;   sie   sollten   den   Zugang   fUr   Kinder    mit
     besonderen     Bedürfnissen, mit      Bedürfnissen    sprachlicher    Art   und   fUr
     Kinder    aus    Einelternfamilien     gewährleisten    und   diesen   Bedürfnissen
     Rechnung tragen.
b)   Die Flexibilität und die Vielfalt der Betreuungseinrichtungen sollten
     gefördert werden, und zwar als Teil einer Strategie, die darauf abzielt,
     die Auswahlmöglichkeiten         zu verbessern und den verschiedenen           Präfe-
      renzen,     Bedürfnissen     und    Umständen    von    Kindern     und    Familien
     entgegenzukommen.       Die   verschiedenen    Betreuungsmöglichkeiten        sollten
     aufeinander abgestimmt sein.
c)    Es sollte eine Verbesserung der Ausbildung (sowohl Erstausbildung als
     auch Fortbildung) der        in der Kinderbetreuung Beschäftigten angestrebt
     werden,     damit    gewährleistet    ist,   daß  diese    Ausbildung     der   hohen
     Bedeutung     und   dem  gesellschaftlichen     und  erzieherischen      Wert   ihrer
     Arbeit entspricht.
d)   Die    Kinderbetreuungseinrichtungen        sollten    ermutigt     werden,     durch
      regelmäßigen Kontakt und Informationsaustausch eng mit den Eltern und
     Ortsgemeinden      zusammenzuarbeiten, um so auf die besonderen örtlichen
     Umstände und Bedürfnisse der Eltern eingehen zu können.
e)   Es sollte sichergestellt werden, daß die öffentliche Hand einen wesent-
      lichen    finanziellen     Beitrag    zur  Schaffung     guter   kostengünstiger,
     einander     ergänzender    Betreuungseinrichtungen     leistet, die den       Eltern
     eine Auswahl bieten.
 ---pagebreak---                                          - 18
Artikel 4
In bezug    auf    Urlaubsvereinbarungen     fUr    erwerbstätige    Eltern,   denen   die
Betreuung    und   Erziehung    von  Kindern    obliegt,    wird   den   Mitgliedstaaten
empfohlen, weitere Maßnahmen zu ergreifen, damit dem gestiegenen Frauenanteil
an der Erwerbsbevölkerung auf realistische Weise Rechnung getragen wird. Dazu
muß die Möglichkeit eines Urlaubs geschaffen werden, der es allen erwerbs-
tätigen Eltern, sowohl Männern als Frauen, ermöglicht, die Doppel be lastung
durch   Beruf   und   Familie   spUrbar  zu verringern,      wobei   unter   anderem   die
Modalitäten dieses Urlaubs flexibel zu gestalten sind.
Artikel 5
Im  Hinblick     auf   die   Umgebung,  die    Struktur    und   die   Organisation    des
Arbeitsplatzes wird den Mitgliedstaaten empfohlen,
a)    die Sozialpartner darin zu bestärken, Aktionen zu fördern, unter anderem
      im Rahmen von Tarifverträgen, die die Umgebung, die Struktur und die
      Organisation einzelner Arbeitsplätze derart beeinflussen, daß sie den
      Bedürfnissen aller      erwerbstätigen Eltern,       die Verantwortung      fUr  die
      Betreuung und Erziehung von Kindern tragen, entgegenkommen;
b)    aktiv   darauf    hinzuarbeiten,   daß    die   Arbeitsbedingungen     der   in der
      Kinderbetreuung      Beschäftigten verbessert      werden, und     dafUr   Sorge zu
      tragen, daß der gesellschaftliche Wert ihrer Arbeit anerkannt wird;
c)    insbesondere     im öffentlichen Sektor Aktionen zu fördern, die fUr die
      Entwicklung     von   Initiativen  in diesem      Bereich   als   Beispiel    dienen
      könnten.
Artikel 6
Hinsichtlich der sich aus der Betreuung und Erziehung von Kindern ergebenden
Verantwortung wird den Mitgliedstaaten empfohlen, eine verstärkte Beteiligung
von Männern zu unterstutzen und zu fördern, damit eine ausgewogenere Teilung
der elterlichen      Pflichten zwischen Mann und Frau erreicht wird.
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Artikel 7
Innerhalb von drei Jahren nach Annahme der vorliegenden Empfehlung unter-
richten die Mitgliedstaaten die Kommission Über die Maßnahmen, die sie zu
ihrer  Durchfuhrung  getroffen haben,  damit die Kommission  einen   Bericht
darüber ausarbeiten kann.
Geschehen zu Brüssel am                           Im Namen des Rates
                                                  Der Präsident
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                                                          KOM(9l)233endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                             os
                                Katalognummer : CB-CO-91-371-DE-C
                                                          ISBN 92-77-75323-4
Amt für amtliche Veröftentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg