CELEX: 62002TJ0038
Language: de
Date: 2005-10-25 00:00:00
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Fünfte Kammer) vom 25. Oktober 2005. # Groupe Danone gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Wettbewerb - Kartelle - Geldbußen - Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen - Mitteilung über Zusammenarbeit. # Rechtssache T-38/02.

Rechtssache T‑38/02
      Groupe Danone
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Wettbewerb – Kartelle – Geldbußen – Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen – Mitteilung über Zusammenarbeit“
      Urteil des Gerichts (Fünfte Kammer) vom 25. Oktober 2005 
      Leitsätze des Urteils
      1.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Zweck – Wahrung der Verteidigungsrechte – Umfang – Belastendes Material
            – Ausschluss der nicht übermittelten Beweismittel
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      2.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Akteneinsicht – Unterlagen, die nicht in der Ermittlungsakte enthalten sind – Unterlagen,
            die den Beteiligten zur Verteidigung dienen können – Pflicht der Beteiligten, deren Übermittlung zu beantragen
      3.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt
            
      (Verordnung Nr. 17 des Rates)
      4.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Verteidigungsrechte – Gerichtliche Nachprüfung – Befugnis des Gemeinschaftsrichters
            zu unbeschränkter Nachprüfung
      (Artikel 229 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 17)
      5.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Erschwerende Umstände – Keine Verpflichtung
            der Kommission, sich an ihre frühere Entscheidungspraxis zu halten
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      6.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Wahrung der Verteidigungsrechte – Akteneinsicht – Umfang – Von einem Dritten mündlich
            mitgeteiltes belastendes Material – Verpflichtung, dieses Material dem betroffenen Unternehmen gegebenenfalls durch Anfertigung
            eines schriftlichen Vermerks zugänglich zu machen
      7.     Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Angemessenheit – Gerichtliche Nachprüfung – Gesichtspunkte, die der Gemeinschaftsrichter berücksichtigen
            kann – Informationen, die nicht in der Entscheidung enthalten sind, mit der die Geldbuße verhängt wird, und die für ihre Begründung
            nicht erforderlich sind – Einbeziehung
      (Artikel 229 EG, 230 EG und 253 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 17)
      8.     Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Umfang – Entscheidung, mit der Geldbußen verhängt werden – Angabe der Gesichtspunkte,
            anhand deren die Kommission die Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung bestimmen konnte – Ausreichende Angabe
      (Artikel 253 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2 Satz 2; Mitteilungen 96/C 207/04 und 98/C 9/03 der Kommission)
      9.     Wettbewerb – Kartelle – Abgrenzung des Marktes – Gegenstand – Bestimmung der Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten
            
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      10.   Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Geldbußen – Festsetzung – Kriterien – Anhebung des allgemeinen
            Niveaus der Geldbußen – Zulässigkeit – Voraussetzungen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates)
      11.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – In den Leitlinien der Kommission festgelegte Berechnungsmethode – Bindungswirkung
            für die Kommission – Folgen – Begründungspflicht im Falle einer Abweichung
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      12.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Zuwiderhandlungen, die bereits aufgrund ihres Wesens als besonders schwer qualifiziert
            werden – Kein Erfordernis, ihre Auswirkungen und ihren räumlichen Umfang zu bestimmen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      13.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Berücksichtigung des Gesamtumsatzes
            des betreffenden Unternehmens und des Umsatzes, der mit dem Verkauf der Waren erzielt worden ist, auf die sich die Zuwiderhandlung
            bezogen hat – Grenzen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      14.   Wettbewerb – Kartelle – Teilnahme an Unternehmenszusammenkünften mit wettbewerbswidrigem Zweck – Umstand, der bei fehlender
            Distanzierung von den getroffenen Beschlüssen auf die Beteiligung an der daraus resultierenden Absprache schließen lässt –
            Angeblich erzwungene Beteiligung – Umstand, der keinen Rechtfertigungsgrund für ein Unternehmen darstellt, das von der Möglichkeit
            einer Anzeige bei den zuständigen Behörden keinen Gebrauch gemacht hat 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 3)
      15.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen verbunden mit der angestrebten Abschreckungswirkung
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      16.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der im Anschluss an eine andere, auf dasselbe Unternehmen
            bezogene Entscheidung der Kommission eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Fehlende Identität der Zuwiderhandlungen, die
            Gegenstand der beiden Entscheidungen sind – Kein Verstoß gegen den Grundsatz ne bis in idem 
      17.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Beurteilung anhand des absoluten
            Wertes des betreffenden Absatzes – Zulässigkeit
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      18.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Beizubringende
            Beweismittel – Erforderlicher Grad der Beweiskraft
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      19.   Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Grundrechte – Unschuldsvermutung – Verfahren in Wettbewerbssachen – Anwendbarkeit 
      20.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung – Von mehreren Unternehmen
            begangene Zuwiderhandlung – Schwere für jeden Einzelfall zu beurteilen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz2)
      21.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung – Erschwerende Umstände – Drohung eines
            Unternehmens mit Vergeltungsmaßnahmen gegenüber einem anderen Unternehmen
      22.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Verwendung
            von Erklärungen anderer an der Zuwiderhandlung beteiligter Unternehmen als Beweismittel – Zulässigkeit – Voraussetzungen 
      (Artikel 81 EG und 82 EG)
      23.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Einführung von Leitlinien durch die Kommission – Verwendung einer Methode der
            Berechnung nach der eigenen Schwere der Zuwiderhandlung und deren Dauer unter Berücksichtigung der in Bezug auf den Umsatz
            jedes Unternehmens festgelegten Obergrenze – Rechtmäßigkeit 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      24.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Erschwerende Umstände – Wiederholungsfall
            – Begriff 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      25.   Wettbewerb – Geldbußen – Nicht erfolgte Festsetzung einer Verjährungsfrist schließt Verstoß gegen den Grundsatz der Rechtssicherheit
            aus
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      26.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Tatsächliche
            Nichtdurchführung einer Vereinbarung – Beurteilung anhand des individuellen Verhaltens jedes einzelnen Unternehmens
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15)
      27.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Fehlen von
            Maßnahmen zur Kontrolle der Durchführung des Kartells – Ausschluss 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      28.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlungen – Mildernde Umstände – Finanzlage
            des betreffenden Unternehmens – Ausschluss 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      29.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Nichtverhängung oder Herabsetzung einer Geldbuße als Gegenleistung für die Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Erforderlichkeit eines Verhaltens, das es der Kommission erleichtert hat, die Zuwiderhandlung
            festzustellen – Informationen über Vorgänge, für die keine Geldbußen nach der Verordnung Nr. 17 verhängt werden können – Nichtberücksichtigung
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 11 Absätze 4 und 5 und Artikel 15; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission)
      30.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Verhalten des Unternehmens während des Verwaltungsverfahrens – Beurteilung
            des Umfangs der Kooperation jedes der an dem Kartell beteiligten Unternehmen – Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes
            – Ungleicher Kooperationsumfang, der eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigt
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission)
      31.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Nichtverhängung oder Herabsetzung einer Geldbuße als Gegenleistung für die Zusammenarbeit
            des beschuldigten Unternehmens – Herabsetzung, weil der Sachverhalt nicht bestritten wird – Voraussetzungen 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2; Mitteilung 96/C 207/04 der Kommission, Nr. D 2)
      1.     Der Zweck der Akteneinsicht in Wettbewerbssachen besteht insbesondere darin, es den Adressaten einer Mitteilung der Beschwerdepunkte
         zu ermöglichen, von den Beweisstücken in den Akten der Kommission Kenntnis zu nehmen, damit sie anhand dieser Beweisstücke
         sinnvoll zu den Schlussfolgerungen Stellung nehmen können, zu denen die Kommission in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte
         gelangt ist. Die Akteneinsicht gehört somit zu den Verfahrensgarantien, die die Rechte der Verteidigung schützen und insbesondere
         die effektive Ausübung des Anhörungsrechts sicherstellen sollen.
      
      Die Kommission ist somit verpflichtet, den von einem Verfahren zur Anwendung von Artikel 81 Absatz 1 EG betroffenen Unternehmen
         die Gesamtheit der belastenden oder entlastenden Schriftstücke zugänglich zu machen, die sie im Laufe der Untersuchung gesammelt
         hat; hiervon ausgenommen sind nur Geschäftsgeheimnisse anderer Unternehmen, interne Schriftstücke der Kommission und andere
         vertrauliche Informationen.
      
      Hat sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung auf belastende Unterlagen gestützt, die nicht in der Ermittlungsakte
         enthalten waren und dem Kläger nicht übermittelt wurden, so sind diese Unterlagen als Beweismittel auszuschließen.
      
      (vgl. Randnrn. 33-35, 65)
      2.     Befinden sich im Rahmen eines Verwaltungsverfahrens auf dem Gebiet des Wettbewerbs Unterlagen, die entlastendes Material hätten
         enthalten können, in der Ermittlungsakte der Kommission, so wird eine etwaige Verletzung der Verteidigungsrechte unabhängig
         davon festgestellt, wie sich das betroffene Unternehmen im Verwaltungsverfahren verhalten hat und ob es verpflichtet war,
         zu beantragen, dass die Kommission ihm Einsicht in ihre Akten gewährt oder ihm bestimmte Schriftstücke übermittelt.
      
      Befinden sich hingegen Unterlagen, die entlastendes Material hätten enthalten können, nicht in der Ermittlungsakte der Kommission,
         so muss der Kläger bei der Kommission ausdrücklich Einsicht in diese Unterlagen beantragen; wird ein solcher Antrag im Verwaltungsverfahren
         nicht gestellt, so tritt insoweit in Bezug auf eine gegen die endgültige Entscheidung etwa erhobene Nichtigkeitsklage Verwirkung
         ein.
      
      (vgl. Randnrn. 36-37, 42, 79)
      3.     Die Kommission kommt ihrer Verpflichtung zur Wahrung des Anhörungsanspruchs der Unternehmen nach, wenn sie in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die betroffenen Unternehmen Geldbußen zu
         verhängen seien, und ferner die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte anführt, die zu einer Geldbuße führen
         können, wie z. B. die Schwere und die Dauer der angenommenen Zuwiderhandlung sowie den Umstand, dass diese vorsätzlich oder
         fahrlässig begangen worden sein soll. Hiermit gibt sie den Unternehmen die Angaben an die Hand, die für deren Verteidigung
         nicht nur gegen die Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Verhängung von Geldbußen erforderlich sind.
      
      (vgl. Randnr. 50)
      4.     Der Anhörungsanspruch der betroffenen Unternehmen gegenüber der Kommission wird, was die Bemessung der wegen Zuwiderhandlungen
         gegen die Wettbewerbsregeln verhängten Geldbuße angeht, durch die Möglichkeit gewahrt, zu Dauer, Schwere und Erkennbarkeit
         der Wettbewerbswidrigkeit der Zuwiderhandlung Stellung zu nehmen. Außerdem ist zu beachten, dass die Unternehmen bezüglich
         der Bemessung der Geldbuße über eine zusätzliche Garantie verfügen, weil das Gericht nach Artikel 17 der Verordnung Nr. 17
         bei Klagen gegen Entscheidungen der Kommission, mit denen eine Geldbuße festgesetzt wird, die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
         im Sinne von Artikel 229 EG hat, so dass es die verhängte Geldbuße aufheben, herabsetzen oder erhöhen kann. Das Gericht hat
         im Rahmen seiner unbeschränkten Nachprüfung zu beurteilen, ob die Höhe der verhängten Geldbuße im Verhältnis zu der Schwere
         und Dauer der Zuwiderhandlung steht, sowie die Schwere der Zuwiderhandlung und die von dem Unternehmen geltend gemachten Umstände
         gegeneinander abzuwägen.
      
      (vgl. Randnrn. 51, 136)
      5.     Allein aus der Tatsache, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte bei der Bemessung
         der Geldbuße nicht als erschwerenden Umstand angesehen hat, kann nicht abgeleitet werden, dass sie verpflichtet wäre, in einer
         späteren Entscheidung ebenso zu verfahren. Überdies bedeutet die einem Unternehmen in einer anderen Sache eingeräumte Möglichkeit,
         zu der ihm gegenüber beabsichtigten Feststellung einer Tatwiederholung Stellung zu nehmen, keineswegs, dass die Kommission
         verpflichtet wäre, in jedem Fall so zu verfahren, und auch nicht, dass das betroffene Unternehmen in Ermangelung einer derartigen
         Möglichkeit daran gehindert wäre, sein Anhörungsrecht in vollem Maße auszuüben.
      
      (vgl. Randnrn. 57, 153, 395)
      6.     Die Kommission ist nicht allgemein verpflichtet, Protokolle über die Gespräche anzufertigen, die sie im Rahmen der Durchführung
         der Wettbewerbsvorschriften des Vertrages bei Zusammenkünften mit nur einigen der an einer Zuwiderhandlung Beteiligten geführt
         hat.
      
      Dies entbindet die Kommission jedoch nicht von ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Akteneinsicht. Es kann nämlich nicht
         zugelassen werden, dass die Verteidigungsrechte durch eine Praxis verletzt werden, bei der die Beziehungen zu Dritten nur
         mündlich bestehen. Daher muss die Kommission, wenn sie in ihrer Entscheidung belastendes Material verwenden will, das ihr
         von einem anderen an der Zuwiderhandlung Beteiligten mündlich mitgeteilt worden ist, dieses Material dem betroffenen Unternehmen
         zugänglich machen, damit dieses sinnvoll zu den Schlussfolgerungen Stellung nehmen kann, zu denen die Kommission anhand des
         genannten Materials gelangt ist. Sie muss hierfür gegebenenfalls einen schriftlichen Vermerk für ihre Akte anfertigen.
      
      (vgl. Randnrn. 66-67)
      7.     Bei Klagen gegen Entscheidungen der Kommission, mit denen gegen Unternehmen Geldbußen wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln
         verhängt werden, verfügt das Gericht über zweierlei Befugnisse. Zum einen hat es gemäß Artikel 230 EG die Rechtmäßigkeit der
         Entscheidung zu prüfen. In diesem Rahmen muss es u. a. die Einhaltung der in Artikel 253 EG aufgestellten Begründungspflicht
         überwachen, bei deren Verletzung die Entscheidung für nichtig erklärt werden kann. Zum anderen ist es im Rahmen der ihm durch
         Artikel 229 EG und Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 verliehenen Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung dafür zuständig, zu
         beurteilen, ob die Höhe der Geldbußen angemessen ist. Diese Beurteilung kann die Vorlage und Heranziehung zusätzlicher Informationen
         erfordern, die an sich nicht in der angefochtenen Entscheidung erwähnt zu werden brauchen, damit diese dem Begründungserfordernis
         nach Artikel 253 EG genügt.
      
      (vgl. Randnr. 95)
      8.     Der Umfang der Begründungspflicht in Bezug auf die Bemessung einer wegen Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft
         verhängten Geldbuße bestimmt sich nach Artikel 15 Absatz 2 Unterabsatz 2 der Verordnung Nr. 17, worin es heißt: „Bei der Festsetzung
         der Höhe der Geldbuße ist neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen.“ Die Anforderungen
         an das wesentliche Formerfordernis, um das es sich bei der Begründungspflicht handelt, sind erfüllt, wenn die Kommission in
         ihrer Entscheidung die Beurteilungsgesichtspunkte angibt, die es ihr ermöglicht haben, Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung
         zu ermitteln. Im Übrigen enthalten die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz
         2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, und die Mitteilung über die Zusammenarbeit
         in Kartellsachen Regeln über die Beurteilungskriterien, die von der Kommission herangezogen werden, um die Schwere und Dauer
         der Zuwiderhandlung zu bemessen. Unter diesen Umständen sind die Anforderungen an das wesentliche Formerfordernis, um das
         es sich bei der Begründungspflicht handelt, erfüllt, wenn die Kommission in ihrer Entscheidung die Beurteilungskriterien angibt,
         die sie in Anwendung ihrer Leitlinien und gegebenenfalls ihrer Mitteilung über Zusammenarbeit herangezogen hat und die es
         ihr ermöglicht haben, für die Berechnung der Höhe der Geldbuße Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung zu bemessen.
      
      (vgl. Randnr. 97)
      9.     Im Rahmen von Artikel 81 Absatz 1 EG ist der relevante Markt zu dem Zweck zu bestimmen, entscheiden zu können, ob eine Vereinbarung
         den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist und eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung
         des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezweckt oder bewirkt. Folglich muss die Kommission in einer Entscheidung
         nach Artikel 81 Absatz 1 EG nur dann den relevanten Markt abgrenzen, wenn ohne eine solche Abgrenzung nicht bestimmt werden
         kann, ob die Vereinbarung, der Beschluss der Unternehmensvereinigung oder die abgestimmte Verhaltensweise, um die es geht,
         den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist und eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung
         des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezweckt oder bewirkt.
      
      (vgl. Randnr. 99)
      10.   Die Kommission verfügt im Rahmen der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße über einen Ermessensspielraum,
         um das Verhalten der Unternehmen auf die Einhaltung der Wettbewerbsregeln ausrichten zu können.
      
      Die Kommission wird dadurch, dass sie in der Vergangenheit für bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen Geldbußen in einer bestimmten
         Höhe verhängt hat, nicht daran gehindert, dieses Niveau innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen Grenzen anzuheben,
         wenn dies erforderlich ist, um die Durchführung der gemeinschaftlichen Wettbewerbspolitik sicherzustellen. Die wirksame Anwendung
         der Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verlangt vielmehr, dass die Kommission das Niveau der Geldbußen jederzeit den Erfordernissen
         dieser Politik anpassen kann.
      
      (vgl. Randnrn. 134-135, 154, 395, 407, 415)
      11.   Dadurch, dass die Kommission Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der
         Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, erlassen hat, die unter Beachtung des Vertrages
         die Kriterien festlegen sollen, die die Kommission bei der Ausübung ihrer Ermessensbefugnis heranziehen will, ergibt sich
         eine Selbstbeschränkung dieser Befugnis, da sich die Kommission an die Richtlinien halten muss, die sie sich selbst auferlegt
         hat. Bei der Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung muss die Kommission somit unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten
         auf jeden Fall die Kriterien berücksichtigen, die in den Leitlinien enthalten sind, sofern sie nicht genau die Gründe darlegt,
         die es gegebenenfalls rechtfertigen, in einem bestimmten Punkt von diesen Kriterien abzuweichen.
      
      (vgl. Randnr. 138)
      12.   Die Kommission hat in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, ausgeführt, dass es sich bei besonders schweren Verstößen
         zumeist um horizontale Beschränkungen wie z. B. Preiskartelle, Marktaufteilungsquoten und sonstige Beschränkungen der Funktionsweise
         des Binnenmarktes handelt. Aus dieser als Hinweis dienenden Beschreibung ergibt sich, dass sich Vereinbarungen oder aufeinander
         abgestimmte Verhaltensweisen, die insbesondere auf die Festsetzung der Preise und die Aufteilung der Kunden abzielen, bereits
         aufgrund ihres Wesens als besonders schwer einstufen lassen, ohne dass es erforderlich wäre, dass solche Verhaltensweisen
         durch eine Rückwirkung oder einen besonderen räumlichen Umfang gekennzeichnet sind. Dies wird dadurch bekräftigt, dass in
         der als Hinweis dienenden Beschreibung der als schwer anzusehenden Verstöße erwähnt wird, es handele sich dabei um Zuwiderhandlungen
         der gleichen Art wie bei den als minder schwer eingestuften Verstößen, „die jedoch entschlossener angewandt werden, deren
         Auswirkungen auf den Markt umfassender sind und die in einem größeren Teil des Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen können“,
         während bei der Beschreibung der besonders schweren Verstöße kein Erfordernis der Auswirkung auf den Markt oder in einem besonderen
         räumlichen Bereich erwähnt wird.
      
      (vgl. Randnrn. 150-151)
      13.   Zu den Gesichtspunkten für die Beurteilung der Schwere des Verstoßes können je nach den Umständen des Einzelfalls die Menge
         und der Wert der Waren, auf die sich die Zuwiderhandlung bezogen hat, die Größe und die Wirtschaftskraft des Unternehmens
         und damit der Einfluss gehören, den dieses auf den Markt ausüben konnte. Daraus ergibt sich zum einen, dass bei der Festsetzung
         der Geldbuße sowohl der Gesamtumsatz des Unternehmens, der – wenn auch nur annähernd und unvollständig – etwas über dessen
         Größe und Wirtschaftskraft aussagt, als auch der Teil dieses Umsatzes berücksichtigt werden darf, der mit dem Verkauf der
         Waren erzielt worden ist, auf die sich die Zuwiderhandlung bezogen hat, und der somit einen Anhaltspunkt für das Ausmaß dieser
         Zuwiderhandlung liefern kann. Zum anderen folgt daraus, dass weder der einen noch der anderen dieser Umsatzzahlen eine im
         Verhältnis zu den anderen Beurteilungskriterien übermäßige Bedeutung zugemessen werden darf, so dass die Festsetzung einer
         angemessenen Geldbuße nicht das Ergebnis eines bloßen, auf den Gesamtumsatz gestützten Rechenvorgangs sein kann.
      
      (vgl. Randnrn. 158, 367)
      14.   EEEin Unternehmen, dessen Teilnahme an offensichtlich wettbewerbswidrigen Zusammenkünften von Unternehmen feststeht, muss Indizien
         vortragen, die zum Beweis seiner fehlenden wettbewerbswidrigen Einstellung bei der Teilnahme an den betreffenden Zusammenkünften
         geeignet sind, und nachweisen, dass es seine Wettbewerber darauf hingewiesen hat, dass es an den Treffen mit einer anderen
         Zielsetzung als diese teilnimmt. Andernfalls führt selbst eine passive Teilnahme an solchen Zusammenkünften zu der Annahme,
         dass sich das Unternehmen an dem daraus resultierenden Kartell beteiligt. Zudem kann der Umstand, dass ein Unternehmen die
         Ergebnisse dieser Zusammenkünfte nicht umsetzt, es nicht von seiner Verantwortung für die Teilnahme an einem Kartell entbinden.
         Schließlich kann ein Unternehmen, das mit anderen Unternehmen an derartigen Zusammenkünften teilgenommen hat, nicht geltend
         machen, diese Teilnahme sei unter dem Zwang anderer Teilnehmer mit eventuell größerer Wirtschaftsmacht erfolgt. Statt an den
         betreffenden Handlungen teilzunehmen, hätte es nämlich den zuständigen Behörden den auf es ausgeübten Zwang anzeigen und bei
         der Kommission Beschwerde nach Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 erheben können.
      
      (vgl. Randnrn. 164, 245, 423)
      15.   Das Bestreben, mit den wegen einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln verhängten Geldbußen eine Abschreckungswirkung
         zu erzielen, ist fester Bestandteil der Gewichtung der Geldbußen nach der Schwere der Zuwiderhandlung, da sie verhindern soll,
         dass nach einer Berechnungsmethode Geldbußen festgesetzt werden, die für bestimmte Unternehmen keine geeignete Höhe erreichen,
         um eine hinlänglich abschreckende Wirkung zu erzielen.
      
      (vgl. Randnr. 170)
      16.   Der Grundsatz ne bis in idem, der auch in Artikel 4 des Protokolls Nr. 7 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte
         niedergelegt ist, gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts, die das Gericht zu beachten hat.
      
      Im Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft verbietet dieser Grundsatz, dass die Kommission ein Unternehmen erneut für ein wettbewerbswidriges
         Verhalten verurteilt oder verfolgt, für das es bereits durch eine frühere, nicht mehr anfechtbare Entscheidung der Kommission
         mit einer Sanktion belegt oder für nicht verantwortlich erklärt worden war. Die Anwendung des Grundsatzes ne bis in idem hängt
         von der dreifachen Voraussetzung der Identität des Sachverhalts, des Zuwiderhandelnden und des geschützten Rechtsguts ab.
      
      (vgl. Randnrn. 184-185)
      17.   Die Schwere einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln kann nicht allein von deren räumlichem Umfang oder dem Verhältnis
         zwischen dem durch die Zuwiderhandlung erfassten Absatz und dem in der gesamten Europäischen Union erreichten Absatz abhängen.
         Unabhängig von den oben erwähnten Kriterien stellt nämlich der absolute Wert des betreffenden Absatzes ebenfalls einen relevanten
         Gradmesser für die Schwere der Zuwiderhandlung dar, da er genau die wirtschaftliche Bedeutung der Geschäftsvorgänge wiedergibt,
         die dem normalen Wettbewerb durch die Zuwiderhandlung entzogen werden sollen.
      
      (vgl. Randnr. 191)
      18.   Für den Nachweis eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz 1 EG hat die Kommission die von ihr festgestellten Zuwiderhandlungen
         zu beweisen und die Beweismittel beizubringen, durch die das Vorliegen der eine Zuwiderhandlung darstellenden Tatsachen rechtlich
         hinreichend belegt wird. Bestehen bei dem Gericht Zweifel, so muss dies dem Unternehmen zugute kommen, an das sich die Entscheidung
         richtet, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird. Das Gericht kann daher nicht davon ausgehen, dass die Kommission
         das Vorliegen der betreffenden Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend nachgewiesen hat, wenn bei ihm noch Zweifel in dieser
         Hinsicht bestehen; dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine Klage auf Nichtigerklärung einer Entscheidung zur Verhängung
         einer Geldbuße handelt.
      
      Es ist erforderlich, dass die Kommission aussagekräftige und übereinstimmende Beweise beibringt, um die feste Überzeugung
         zu begründen, dass die Zuwiderhandlung stattgefunden hat.
      
      Jedoch muss nicht jeder von der Kommission erbrachte Beweis notwendigerweise für jeden Teil der Zuwiderhandlung diesen Kriterien
         entsprechen. Es genügt, wenn ein von der Kommission geltend gemachtes Bündel von Indizien im Ganzen betrachtet dem genannten
         Erfordernis entspricht.
      
      (vgl. Randnrn. 215, 217-218)
      19.   Die Unschuldsvermutung, die sich insbesondere aus Artikel 6 Absatz 2 der Europäischen Menschenrechtskonvention ergibt, gehört
         zu den Grundrechten, die nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes, die im Übrigen durch die Präambel der Einheitlichen Europäischen
         Akte und durch Artikel 6 Absatz 2 des Vertrages über die Europäische Union sowie durch Artikel 47 der Charta der Grundrechte
         der Europäischen Union erneut bekräftigt wird, in der Gemeinschaftsrechtsordnung geschützt werden. Angesichts der Art der
         betreffenden Zuwiderhandlung sowie der Art und der Schwere der ihretwegen verhängten Sanktionen ist die Unschuldsvermutung
         insbesondere in Verfahren wegen Verletzung der für die Unternehmen geltenden Wettbewerbsregeln anwendbar, die zur Verhängung
         von Geldbußen oder Zwangsgeldern führen können.
      
      (vgl. Randnr. 216)
      20.   Bei Zuwiderhandlungen, die von mehreren Unternehmen begangen worden sind, ist für die Bemessung der Geldbußen die relative
         Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens zu prüfen, wobei insbesondere festzustellen ist, welche Rolle es bei
         der Zuwiderhandlung während der Dauer seiner Beteiligung an dieser gespielt hat.
      
      Dies ist die logische Folge des Grundsatzes der Individualität der Strafen und Sanktionen, wonach ein Unternehmen nur für
         Handlungen bestraft werden darf, die ihm individuell zur Last gelegt werden; dieser Grundsatz gilt für alle Verwaltungsverfahren,
         die zu Sanktionen nach den Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft führen können.
      
      (vgl. Randnrn. 277-278)
      21.   Ein erschwerender Umstand liegt vor, wenn ein an einem Kartell beteiligtes Unternehmen einen anderen Kartellteilnehmer zwingt,
         das Kartell auszuweiten, indem es ihm Vergeltungsmaßnahmen für den Fall einer Verweigerung androht. Ein derartiges Verhalten
         bewirkt nämlich eine unmittelbare Vergrößerung des durch das Kartell entstandenen Schadens, so dass ein Unternehmen, das sich
         in dieser Weise verhalten hat, eine besondere Verantwortung zu tragen hat.
      
      (vgl. Randnr. 281)
      22.   Es gibt keine Bestimmung und keinen allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen Grundsatz, die es der Kommission verbieten, sich
         gegenüber einem Unternehmen auf die Aussagen anderer beschuldigter Unternehmen zu berufen. Andernfalls wäre die der Kommission
         obliegende Beweislast für Verhaltensweisen, die gegen die Artikel 81 EG und 82 EG verstoßen, nicht tragbar und mit der durch
         den EG-Vertrag der Kommission übertragenen Aufgabe der Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung dieser Bestimmungen unvereinbar.
         Jedoch kann die Erklärung eines der Teilnahme an einem Kartell beschuldigten Unternehmens, deren Richtigkeit von mehreren
         anderen beschuldigten Unternehmen in Abrede gestellt wird, nicht ohne Untermauerung durch andere Beweismittel als hinreichender
         Beleg für die betreffenden Umstände angesehen werden. Wenn das Kartell nur zwei Beteiligte umfasst, genügt das Bestreiten
         des Inhalts der Erklärung eines der Beteiligten durch den anderen, um eine Untermauerung dieser Erklärung durch andere Beweismittel
         erforderlich zu machen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um eine Erklärung handelt, mit der die Verantwortlichkeit des Unternehmens,
         in dessen Namen die Erklärung abgegeben worden ist, dadurch gemindert werden soll, dass die Verantwortlichkeit eines anderen
         Unternehmens in den Vordergrund gestellt wird.
      
      Wenn es sich überdies um ein Dokument handelt, das eine von einem Unternehmen gegen ein anderes Unternehmen ausgesprochene
         Drohung belegen soll und dessen Beweiskraft von dem ersten Unternehmen bestritten wird, ist zur Beurteilung des Beweiswerts
         eines solchen Dokuments zunächst die Wahrscheinlichkeit der darin enthaltenen Aufzeichnungen zu untersuchen. Dabei ist namentlich
         zu berücksichtigen, von wem das Dokument stammt, unter welchen Umständen es erstellt worden ist, an wen es gerichtet ist und
         ob es seinem Inhalt nach vernünftig und glaubwürdig wirkt.
      
      (vgl. Randnrn. 285-286)
      23.   Auch nach der in den Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, beschriebenen Methode wird die Berechnung der Geldbußen
         anhand der beiden in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 genannten Kriterien – Schwere des Verstoßes und Dauer der Zuwiderhandlung
         – unter Berücksichtigung der dort festgelegten Obergrenze in Bezug auf den Umsatz jedes Unternehmens vorgenommen.
      
      Somit kann nicht angenommen werden, dass die Leitlinien über den in der genannten Bestimmung vorgegebenen rechtlichen Rahmen
         für Sanktionen hinausgehen.
      
      (vgl. Randnrn. 343-344)
      24.   Die Kommission muss bei der für die Bemessung der Geldbuße erforderlichen Beurteilung der Schwere eines Rechtsverstoßes nicht
         nur die besonderen Umstände des Einzelfalls, sondern auch den Kontext der Zuwiderhandlung berücksichtigen und sicherstellen,
         dass ihr Vorgehen vor allem in Bezug auf solche Zuwiderhandlungen, die die Verwirklichung der Ziele der Gemeinschaft besonders
         beeinträchtigen, die notwendige abschreckende Wirkung hat.
      
      Bei der Prüfung der Schwere der Zuwiderhandlung ist auch ein etwaiger Wiederholungsfall zu berücksichtigen. Unter dem Gesichtspunkt
         der Abschreckung ist der Rückfall nämlich ein Umstand, der eine erhebliche Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße rechtfertigt.
         Denn er beweist, dass die zuvor verhängte Sanktion nicht abschreckend genug war.
      
      Auch ist der Rückfall, obgleich er eine Eigenschaft des Urhebers der Zuwiderhandlung, nämlich seine Neigung zur Begehung solcher
         Verstöße, betrifft, gerade deshalb ein sehr bedeutsames Anzeichen für die Schwere der betreffenden Vorgehensweise und damit
         für die Notwendigkeit, die Geldbuße im Hinblick auf eine wirksame Abschreckung zu erhöhen.
      
      Der Begriff des Rückfalls bedeutet in einigen nationalen Rechtsordnungen, dass jemand neue Zuwiderhandlungen begeht, nachdem
         ähnliche von ihm begangene Zuwiderhandlungen geahndet worden waren.
      
      Indessen umfasst der Begriff des Rückfalls angesichts des mit ihm verbundenen Zweckes nicht notwendigerweise die Feststellung
         der Verlängerung einer früheren Geldbuße, sondern nur die Feststellung einer früheren Zuwiderhandlung. Durch die Berücksichtigung
         des Rückfalls soll nämlich eine Zuwiderhandlung des Unternehmens, das sich des eine solche darstellenden Verhaltens schuldig
         gemacht hat, strenger geahndet werden, da die frühere Feststellung einer Zuwiderhandlung dieses Unternehmens nicht genügt
         hat, um eine Tatwiederholung zu verhindern. Insofern liegt der ausschlaggebende Gesichtspunkt bei einem Rückfall nicht in
         einer früheren Ahndung, sondern in der früheren Feststellung einer Zuwiderhandlung des Betroffenen.
      
      (vgl. Randnrn. 347-349, 362-363)
      25.   Eine Verjährungsfrist kann ihren Zweck der Gewährleistung der Rechtssicherheit nur dann erfüllen und ihre Nichtbeachtung nur
         dann den genannten Grundsatz verletzen, wenn eine derartige Frist im Voraus festgelegt worden ist; für die Feststellung eines
         Rückfalls gegenüber einem Unternehmen sehen dies jedoch weder Artikel 15 der Verordnung Nr. 17, der den rechtlichen Rahmen
         für Sanktionen darstellt, die die Kommission wegen einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verhängen
         kann, noch die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr.
         17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, vor.
      
      (vgl. Randnrn. 352-353)
      26.   Die mildernden Umstände im Sinne von Nummer 3 der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden, beruhen alle auf dem eigenen
         Verhalten des einzelnen Unternehmens.
      
      Demgemäß ist bei der Beurteilung der mildernden Umstände, darunter des Umstands der Nichtanwendung der Vereinbarungen, nicht
         auf die sich aus der Zuwiderhandlung insgesamt ergebenden Wirkungen abzustellen, denen bei der Beurteilung der konkreten Auswirkungen
         eines Verstoßes auf dem Markt zur Beurteilung der Schwere des Verstoßes Rechnung zu tragen ist (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 1
         der Leitlinien), sondern auf das Einzelverhalten jedes Unternehmens, um die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen
         Unternehmens festzustellen.
      
      (vgl. Randnrn. 383-384)
      27.   Das Fehlen von Zwangsmechanismen für die Einhaltung und die praktische Durchführung einer Absprache kann als solches keinen
         mildernden Umstand darstellen.
      
      (vgl. Randnr. 393)
      28.   Die Kommission ist nicht verpflichtet, für die Bemessung der Geldbuße die finanziellen Schwierigkeiten eines Unternehmens
         zu berücksichtigen, denn dies würde darauf hinauslaufen, den am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen
         ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.
      
      (vgl. Randnr. 413)
      29.   Eine Herabsetzung der Geldbuße wegen einer Kooperation im Verwaltungsverfahren ist nur dann gerechtfertigt, wenn das Verhalten
         des Unternehmens es der Kommission ermöglicht hat, eine Zuwiderhandlung leichter festzustellen und gegebenenfalls zu beenden.
      
      Die Mitwirkung eines Unternehmens an der Untersuchung berechtigt zu keiner Herabsetzung der Geldbuße, wenn diese Mitarbeit
         nicht über das hinausgegangen ist, wozu das Unternehmen nach Artikel 11 Absätze 4 und 5 der Verordnung Nr. 17 verpflichtet
         war. Hat ein Unternehmen hingegen auf ein Auskunftsverlangen nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hin Informationen gegeben,
         die über die Auskünfte hinausgehen, die die Kommission nach diesem Artikel verlangen kann, so kann dem betreffenden Unternehmen
         eine Herabsetzung der Geldbuße zugute kommen.
      
      Eine Mitarbeit, die in den Anwendungsbereich der Mitteilung über die Zusammenarbeit in Kartellsachen oder gar unter Abschnitt D
         dieser Mitteilung fällt, ist indessen nicht gegeben, wenn ein Unternehmen der Kommission im Rahmen ihrer Ermittlungen über
         ein Kartell Informationen über Vorgänge zur Verfügung stellt, für die das betreffende Unternehmen nach der Verordnung Nr.
         17 keinesfalls eine Geldbuße hätte zahlen müssen.
      
      (vgl. Randnrn. 449, 451-452, 471)
      30.   Die Kommission darf bei der Beurteilung der Kooperation von Unternehmen im Rahmen des wegen einer verbotenen Absprache eingeleiteten
         Verwaltungsverfahrens nicht den Grundsatz der Gleichbehandlung außer Acht lassen, der ein allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts
         ist und der verletzt ist, wenn gleiche Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt werden
         und eine Differenzierung nicht objektiv gerechtfertigt ist.
      
      Hierbei darf der Umfang der Mitarbeit der Unternehmen nicht nach rein zufälligen Kriterien beurteilt werden. Eine unterschiedliche
         Behandlung der betreffenden Unternehmen muss daher auf einem ungleichen Kooperationsumfang beruhen, der sich insbesondere
         ergibt, wenn unterschiedliche Aufschlüsse gegeben werden oder die Informationen in unterschiedlichen Stadien des Verwaltungsverfahrens
         oder unter einander nicht entsprechenden Umständen erteilt werden.
      
      Bestätigt ein Unternehmen bei der Kooperation nur bestimmte Aufschlüsse, die ein anderes Unternehmen bei der Kooperation bereits
         gegeben hat, und geschieht dies zudem weniger genau und weniger explizit, so kann der Mitwirkungsumfang dieses Unternehmens,
         selbst wenn er nicht eines gewissen Nutzens für die Kommission entbehren mag, nicht als gleich dem Ausmaß der Mitarbeit des
         Unternehmens angesehen werden, das die betreffenden Aufschlüsse als Erstes gegeben hat. Eine Erklärung, die nur in gewissem
         Maße eine Erklärung erhärtet, die der Kommission bereits vorlag, erleichtert nämlich deren Aufgabe nicht erheblich und damit
         in einem Maß, das ausreicht, um eine Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Kooperation zu rechtfertigen.
      
      (vgl. Randnrn. 453-455)
      31.   Um nach Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über die Zusammenarbeit in Kartellsachen eine Herabsetzung
         des Betrages der Geldbuße wegen Nichtbestreitens des Sachverhalts zu erlangen, muss ein Unternehmen nach Kenntnisnahme von
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte der Kommission ausdrücklich mitteilen, dass es den Sachverhalt nicht bestreite.
      
      Es genügt jedoch nicht, dass ein Unternehmen allgemein erklärt, den festgestellten Sachverhalt nach Maßgabe der Mitteilung
         über Zusammenarbeit nicht zu bestreiten, wenn diese Erklärung nach Lage des Einzelfalls für die Kommission von keinerlei Nutzen
         ist. Um in den Genuss einer Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Mitarbeit im Verwaltungsverfahren zu kommen, muss nämlich
         das Verhalten des Unternehmens die Aufgabe der Kommission erleichtern, die in der Feststellung und Ahndung von Zuwiderhandlungen
         gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft besteht.
      
      (vgl. Randnrn. 504-505)
URTEIL DES GERICHTS (Fünfte Kammer)
      25. Oktober 2005(*)
      
      „Wettbewerb – Kartelle – Geldbußen – Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen – Mitteilung über Zusammenarbeit“
      In der Rechtssache T‑38/02
      Groupe Danone mit Sitz in Paris (Frankreich), Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte A. Winckler und M. Waha, 
      
      Klägerin,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch A. Bouquet und W. Wils als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 2003/569/EG der Kommission vom 5. Dezember 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81
         EG-Vertrag (Sache IV/37.614/F3 PO/Interbrew und Alken‑Maes) (ABl. 2003, L 200, S. 1), hilfsweise wegen Herabsetzung der gegen
         die Klägerin in Artikel 2 dieser Entscheidung verhängten Geldbuße
      
      erlässt
      DAS GERICHT ERSTER INSTANZ
      DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Fünfte Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten M. Vilaras sowie der Richterinnen E. Martins Ribeiro und K. Jürimäe,
      Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 8. Dezember 2004
      folgendes
      Urteil
       Rechtlicher Rahmen
      1       Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81]
         und [82] des Vertrages (ABl. 1962, 17, S. 204), bestimmt:
      
      „Die Kommission kann gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis
         einer Million [Euro] oder über diesen Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten
         Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig: 
      
      a)      gegen Artikel [81] Absatz (1) oder Artikel [82] des Vertrages verstoßen, 
      b)      einer nach Artikel 8 Absatz (1) [der Verordnung] erteilten Auflage zuwiderhandeln. 
      Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße ist neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen.“
      2       Die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß
         Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden (ABl. 1998, C 9, S. 3, im Folgenden: Leitlinien), enthalten ein Schema
         für die Festsetzung des Betrages dieser Geldbußen, „dem die Errechnung eines Grundbetrags zugrunde liegt, wobei Aufschläge
         zur Berücksichtigung erschwerender und Abzüge zur Berücksichtigung mildernder Umstände berechnet werden können“ (zweiter Absatz
         der Leitlinien). Nummer 1 der Leitlinien lautet: „Der Grundbetrag wird nach Maßgabe der Schwere und Dauer des Verstoßes als
         den einzigen Kriterien von Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 errechnet.“
      
      3       Die Mitteilung der Kommission über die Nichtfestsetzung oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl.
         1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über Zusammenarbeit) „enthält die Voraussetzungen, unter denen Geldbußen für Unternehmen,
         die während der Untersuchung eines Kartellfalls mit [der Kommission] zusammenarbeiten, entweder nicht oder niedriger festgesetzt
         werden können“ (Abschnitt A der Mitteilung).
      
      4       Abschnitt D der Mitteilung über Zusammenarbeit lautet:
      „D. Spürbar niedrigere Festsetzung der Geldbuße
      1.      Arbeitet ein Unternehmen mit der Kommission zusammen, ohne dass es alle Voraussetzungen [der Abschnitte B und C] erfüllt,
         so wird die Höhe der Geldbuße, die ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden wäre, um 10 bis 50 % niedriger festgesetzt.
      
      2.      Dies gilt insbesondere, wenn
      –       ein Unternehmen der Kommission vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte Informationen, Unterlagen oder andere Beweismittel
         liefert, die zur Feststellung des Vorliegens eines Verstoßes beitragen;
      
      –       ein Unternehmen der Kommission nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den
         die Kommission ihre Einwände stützt, nicht bestreitet.“
      
       Sachverhalt
      5       Zur Zeit des Tatbestands belegten Interbrew NV (im Folgenden: Interbrew) Platz 1 und Brouwerijen Alken‑Maes NV (im Folgenden:
         Alken‑Maes) Platz 2 auf dem belgischen Biermarkt. Alken-Maes war eine Tochtergesellschaft der Groupe Danone SA (im Folgenden:
         Klägerin), die auch auf dem französischen Biermarkt durch ihre Tochtergesellschaft Brasseries Kronenbourg SA (im Folgenden:
         Kronenbourg) vertreten war. Im Jahr 2000 verkaufte die Klägerin ihre Bieraktivitäten.
      
      6       Im Jahr 1999 nahm die Kommission in der Sache IV/37.614/F3 Ermittlungen wegen etwaiger Zuwiderhandlungen gegen die Wettbewerbsregeln
         der Gemeinschaft auf dem belgischen Biermarkt auf.
      
      7       Am 29. September 2000 leitete die Kommission in dieser Sache ein Verfahren ein und bestätigte eine Mitteilung der Beschwerdepunkte
         an die Klägerin sowie an Interbrew, Alken-Maes, NV Brouwerij Haacht (im Folgenden: Haacht) und NV Brouwerij Martens (im Folgenden:
         Martens). Das gegen die Klägerin eingeleitete Verfahren und die an sie gerichtete Mitteilung der Beschwerdepunkte bezogen
         sich allein auf ihre mutmaßliche Einbindung in das so genannte Interbrew/Alken‑Maes‑Kartell für den belgischen Biermarkt.
      
      8       Am 5. Dezember 2001 erließ die Kommission die Entscheidung 2003/569/EG in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag (Sache
         IV/37.614/F3 PO/Interbrew und Alken‑Maes) (ABl. 2003, L 200, S. 1), die die Klägerin sowie Interbrew, Alken‑Maes, Haacht und
         Martens betraf (im Folgenden: angefochtene Entscheidung).
      
      9       In der angefochtenen Entscheidung werden zwei verschiedene Verstöße gegen die Wettbewerbsvorschriften festgestellt, nämlich
         zum einen eine Vielzahl von Vereinbarungen und/oder abgestimmten Verhaltensweisen auf dem belgischen Biermarkt (im Folgenden:
         Kartell Interbrew/Alken‑Maes) und zum anderen abgestimmte Verhaltensweisen in Bezug auf Händlermarkenbier. Nach der angefochtenen
         Entscheidung nahmen die Klägerin, Interbrew und Alken‑Maes an dem erstgenannten Verstoß und Interbrew, Alken‑Maes, Haacht
         und Martens an dem letztgenannten Verstoß teil. 
      
      10     Obgleich die Klägerin im maßgeblichen Zeitraum die Muttergesellschaft von Alken‑Maes war, wird in der angefochtenen Entscheidung
         nur eine Zuwiderhandlung der Klägerin festgestellt. Die Klägerin wird nämlich wegen ihrer aktiven Mitwirkung am Interbrew/Alken‑Maes‑Kartell
         sowohl für ihre eigene Beteiligung als auch für die Beteiligung von Alken‑Maes an diesem Kartell verantwortlich gemacht. Die
         Kommission hielt es hingegen nicht für angemessen, der Klägerin die Teilnahme ihrer Tochtergesellschaft an der abgestimmten
         Verhaltensweise für Händlermarkenbier zur Last zu legen, da die Klägerin nicht selbst an diesem Kartell beteiligt gewesen
         sei.
      
      11     Die der Klägerin zur Last gelegte Zuwiderhandlung besteht in ihrer unmittelbaren und mit Hilfe ihrer Tochtergesellschaft Alken-Maes
         betriebenen Teilnahme an einer Vielzahl von Vereinbarungen und/oder abgestimmten Verhaltensweisen in Bezug auf einen allgemeinen
         Nichtangriffspakt, die Preise und die Verkaufsförderung im Einzelhandel, die Aufteilung von Kunden im Hotel‑, Restaurant‑
         und Cafébereich (im Folgenden: Horeca) einschließlich der so genannten nationalen Kunden, die Beschränkung der Investitionen
         und der Werbung auf dem Horeca‑Markt, eine neue Preisstruktur für den Horeca‑Sektor und den Einzelhandel und den Austausch
         von Informationen über den Absatz im Horeca‑Sektor und im Einzelhandel. 
      
      12     In der angefochtenen Entscheidung wird festgestellt, dass die genannte Zuwiderhandlung vom 28. Januar 1993 bis zum 28. Januar
         1998 bestanden habe.
      
      13     Da die Kommission aufgrund einer Reihe von Anhaltspunkten davon ausging, dass die Zuwiderhandlung geendet hatte, hielt sie
         es nicht für erforderlich, die beteiligten Unternehmen gemäß Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 zur Einstellung der Zuwiderhandlung
         zu verpflichten.
      
      14     Nach Ansicht der Kommission war hingegen gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 eine Geldbuße gegen Interbrew und
         die Klägerin wegen deren Beteiligung am Interbrew/Alken‑Maes‑Kartell zu verhängen.
      
      15     Hierzu wird in der angefochtenen Entscheidung festgestellt, dass alle Teilnehmer am Interbrew/Alken‑Maes‑Kartell die Zuwiderhandlung
         vorsätzlich begangen hätten.
      
      16     Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbußen bediente sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung der Methode, die
         in den Leitlinien und in der Mitteilung über Zusammenarbeit dargelegt ist.
      
      17     Im verfügenden Teil der angefochtenen Entscheidung heißt es:
      „Artikel 1
      [Interbrew], [Alken‑Maes] und [die Klägerin] haben vom 28. Januar 1993 bis einschließlich 28. Januar 1998 durch ihre Teilnahme
         an einer Vielzahl von Vereinbarungen und/oder abgestimmten Verhaltensweisen in Bezug auf einen allgemeinen Nichtangriffspakt,
         die Preise und die Verkaufsförderung im Einzelhandel, die Aufteilung von Kunden auf dem Horeca‑Markt (sowohl im Bereich des
         ‚klassischen‘ Horeca als auch im Bereich der nationalen Kunden), die Beschränkung der Investitionen und der Werbung auf dem
         Horeca‑Markt eine neue Preisstruktur für den Horeca‑Sektor und den Einzelhandel und den Austausch von Informationen über den
         Absatz im Horeca‑Sektor und im Einzelhandel gegen Artikel 81 Absatz 1 [EG] verstoßen. 
      
      Artikel 2
      Gegen [Interbrew] und [die Klägerin] werden aufgrund der in Artikel 1 festgestellten Verstöße folgende Geldbußen verhängt:
      a)      gegen [Interbrew] eine Geldbuße von 45,675 Mio. Euro;
      b)      gegen [die Klägerin] eine Geldbuße von 44,043 Mio. Euro.
      …“
       Verfahren und Anträge der Parteien
      18     Die Klägerin hat mit Klageschrift, die am 22. Februar 2002 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen ist, die vorliegende Klage
         erhoben.
      
      19     Das Gericht (Fünfte Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen. Es hat
         die Parteien gemäß Artikel 64 der Verfahrensordnung des Gerichts aufgefordert, bestimmte Unterlagen vorzulegen und schriftliche
         Fragen zu beantworten. Die Parteien sind dieser Aufforderung fristgemäß nachgekommen.
      
      20     Die Klägerin hat mit Schreiben vom 30. November 2004 beantragt, die unter dem Aktenzeichen K (2004) 3597 endg. bekannt gegebene
         Entscheidung der Kommission vom 29. September 2004 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag (Sache COMP/C.37750/B2 –
         Brasseries Kronenbourg, Brasseries Heineken) (im Folgenden: Entscheidung Kronenbourg/Heineken) zu den Akten zu nehmen und
         ferner die Kommission im Rahmen der in Artikel 64 § 4 der Verfahrensordnung vorgesehenen prozessleitenden Maßnahmen aufzufordern,
         vor oder in der mündlichen Verhandlung zu den Ergebnissen ihrer Ermittlungen bezüglich des etwaigen Missbrauchs einer beherrschenden
         Stellung von Interbrew auf dem belgischen Biermarkt Stellung zu nehmen.
      
      21     Das Gericht hat mit Beschluss vom 3. Dezember 2004 zum einen das genannte Schreiben zu den Akten genommen und der Kommission
         mitgeteilt, dass sie in der mündlichen Verhandlung aufgefordert werde, zu dem Antrag der Klägerin auf Aufnahme der Entscheidung
         Kronenbourg/Heineken in die Akten Stellung zu nehmen. Zum anderen hat es den Antrag auf Erlass einer prozessleitenden Maßnahme
         zurückgewiesen, die darauf gerichtet ist, dass die Kommission zu den Ergebnissen ihrer Ermittlungen bezüglich des eventuellen
         Missbrauchs einer beherrschenden Stellung von Interbrew auf dem belgischen Biermarkt Stellung zu nehmen hat. 
      
      22     Die Parteien haben in der öffentlichen Sitzung vom 8. Dezember 2004 mündlich verhandelt und mündliche Fragen des Gerichts
         beantwortet. Die Kommission hat hierbei erklärt, sie widersetze sich nicht dem Antrag der Klägerin, die Entscheidung Kronenbourg/Heineken
         zu den Akten zu nehmen, was durch Beschluss des Gerichts geschehen ist.
      
      23     Die Klägerin beantragt,
      –       die angefochtene Entscheidung gemäß Artikel 230 EG für nichtig zu erklären, hilfsweise die in Artikel 2 dieser Entscheidung
         verhängte Geldbuße gemäß Artikel 229 EG herabzusetzen; 
      
      –       der Kommission die Kosten aufzuerlegen.
      24     Die Kommission beantragt,
      –       die Klage abzuweisen; 
      –       der Klägerin die Kosten aufzuerlegen.
       Entscheidungsgründe
      25     Zur Stützung ihrer Anträge macht die Klägerin acht Klagegründe geltend. Zwei dieser Gründe, die in erster Linie vorgebracht
         werden, bezwecken die Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung und beruhen auf einer Verletzung der Verteidigungsrechte
         und des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung (erster Klagegrund) sowie auf einer Verletzung der Begründungspflicht (zweiter
         Klagegrund). Sechs weitere Klagegründe, die hilfsweise geltend gemacht werden, zielen auf eine Herabsetzung der verhängten
         Geldbuße ab. Mit ihnen wird Folgendes gerügt: falsche Ermittlung der Schwere der Zuwiderhandlung für die Festsetzung des Grundbetrags
         der Geldbuße unter Verletzung der Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der Gleichbehandlung und des Grundsatzes „ne bis in
         idem“ (dritter Klagegrund), falsche Ermittlung der Dauer der Zuwiderhandlung (vierter Klagegrund), die unzutreffende Annahme
         eines erschwerenden Umstands wegen auf Interbrew ausgeübten Zwanges (fünfter Klaggrund), unberechtigte Berücksichtigung des
         erschwerenden Umstands der Tatwiederholung gegenüber der Klägerin (sechster Klagegrund), unzureichende Berücksichtigung der
         anwendbaren mildernden Umstände (siebter Klagegrund) und falsche Beurteilung des Ausmaßes der Mitarbeit der Klägerin unter
         Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung und der Mitteilung über Zusammenarbeit (achter Klagegrund).
      
      A –  Zum Antrag auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
      1.     Zum Klagegrund einer Verletzung der Verteidigungsrechte und des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung
      26     Der Klagegrund besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil rügt die Klägerin, sie habe keine Gelegenheit zur Prüfung der Umstände
         gehabt, unter denen ein von der Kommission als belastend verwendetes Dokument erstellt worden sei. Im zweiten Teil führt die
         Klägerin aus, die Kommission habe es ihr nicht ermöglicht, vor Erlass der angefochtenen Entscheidung Kenntnis von den Gesichtspunkten
         zu erlangen, die bei der Berechnung der Geldbuße berücksichtigt worden seien. Im dritten Teil schließlich macht die Klägerin
         geltend, der Umstand, dass Zusammenkünfte der Kommission mit Interbrew nicht dokumentiert seien, und die Weigerung der Kommission,
         ihr die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte mitzuteilen, stellten nicht nur eine Verletzung der
         Verteidigungsrechte, sondern auch eine Verletzung des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung dar.
      
      a)     Zum ersten Teil, in dem die Klägerin rügt, sie habe keine Gelegenheit zur Prüfung der Umstände gehabt, unter denen ein von
         der Kommission als belastend verwendetes Dokument erstellt worden sei
      
       Vorbringen der Parteien
      27     Die Klägerin macht geltend, die angefochtene Entscheidung müsse für nichtig erklärt werden, da sie keine Gelegenheit gehabt
         habe, den Auszug aus einem Dokument zu kommentieren und anzufechten, das die Kommission im Rahmen gleichlaufender Ermittlungen
         in den Niederlanden ursprünglich bei der Heineken NV (im Folgenden: Heineken) kopiert habe (im Folgenden: Dokument Heineken).
         Die Kommission habe auf dieses Dokument in der 55. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ihre Behauptung gestützt,
         dass von der Klägerin ein Zwang auf Interbrew ausgeübt worden sei, indem sie diesem Unternehmen Vergeltungsmaßnahmen auf dem
         französischen Markt angedroht habe, um es zu einer Erweiterung des Kartellbereichs zu zwingen. Die übrigen zur Stützung dieser
         Behauptung berücksichtigten Punkte, die in der 54. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aufgeführt seien, beschränkten
         sich auf einseitige Erklärungen von Interbrew. 
      
      28     Die Klägerin räumt ein, dass das Dokument Heineken in der Mitteilung der Beschwerdepunkte genannt wird und sie von ihm bei
         der Akteneinsicht Kenntnis genommen hat. Die Kommission habe jedoch in der angefochtenen Entscheidung nur den Ort und die
         Umstände der Erlangung des Dokuments Heineken angegeben, wobei sie ihm ohne weiteres Beweiskraft beimesse, ohne ihr Gelegenheit
         zu geben, die Umstände zu prüfen, unter denen dieses Dokument zustande gekommen sei.
      
      29     So habe sie keinen Zugang zu den Schreiben oder internen Aufzeichnungen gehabt, die dem genannten Dokument vorausgegangen
         oder gefolgt seien, soweit es sich hierbei um nicht in den Akten enthaltene Schriftstücke gehandelt habe. Es sei kein mit
         dem Dokument im Zusammenhang stehendes Schriftstück, das bei den Ermittlungen in den Niederlanden gegebenenfalls habe beigebracht
         werden können, zu den Akten gegeben worden, obwohl sie einen entsprechenden Antrag gestellt habe. Auch etwaige Einlassungen
         von Heineken und Interbrew zur Tragweite des genannten Dokuments seien nicht in die Akte aufgenommen worden. Zudem gebe der
         von der Kommission mitgeteilte Schriftwechsel zwischen dieser und Heineken über die Vertraulichkeit des Dokuments Heineken
         keine weiteren Aufschlüsse, und er zeige auch nicht, dass die Kommission ihrerseits über die für die Auslegung dieses Dokuments
         erforderlichen Anhaltspunkte verfügt habe.
      
      30     Die Klägerin trägt hierzu zwei Alternativrügen vor. Entweder hätten solche Auslegungselemente vorgelegen und seien nicht zu
         den Akten gegeben worden, so dass die Akteneinsicht unter Verletzung der Verteidigungsrechte fehlerhaft gewesen sei, oder
         diese Anhaltspunkte hätten nicht vorgelegen, so dass die Kommission in Anbetracht ihrer Verpflichtung, auch Entlastendes zu
         ermitteln, die Glaubwürdigkeit der im Dokument Heineken enthaltenen Angaben hätte prüfen müssen, indem sie die Umstände erforscht
         hätte, unter denen dieses Dokument zustande gekommen sei.
      
      31     Hätte die Klägerin gewusst, wer das Dokument Heineken verfasst habe und unter welchen Umständen es erstellt worden sei, so
         wäre es jedenfalls möglich gewesen, dass das Verwaltungsverfahren zu einem anderen Ergebnis geführt hätte, da die Klägerin
         gegebenenfalls hätte dartun können, dass das genannte Dokument nicht echt sei oder nicht der Wahrheit entspreche. In diesem
         Fall hätten die eigenen Erklärungen von Interbrew nicht ausreichen können, um den angeblich auf dieses Unternehmen ausgeübten
         Zwang zu beweisen. Somit seien die Verteidigungsrechte nach der Rechtsprechung des Gerichts verletzt worden (Urteil des Gerichts
         vom 15. März 2000 in den verbundenen Rechtssachen T‑25/95, T‑26/95, T‑30/95 bis T‑32/95, T‑34/95 bis T‑39/95, T‑42/95 bis
         T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95, T‑87/95, T‑88/95, T‑103/95 und T‑104/95, Cimenteries CBR u. a./Kommission,
         so genanntes Zement-Urteil, Slg. 2000, II‑491, Randnr. 247).
      
      32     Die Kommission führt aus, die Klägerin habe das Dokument Heineken einsehen und dessen „Kontext“ in vollem Umfang erfassen
         können; zudem habe sie im Verwaltungsverfahren zu keiner Zeit eine Verletzung der Verteidigungsrechte geltend gemacht. Jedenfalls
         sei das Dokument Heineken nicht der einzige Nachweis für die Drohung der Klägerin gegenüber Interbrew.
      
       Würdigung durch das Gericht
      33     Nach ständiger Rechtsprechung besteht der Zweck der Akteneinsicht in Wettbewerbssachen insbesondere darin, es den Adressaten
         einer Mitteilung der Beschwerdepunkte zu ermöglichen, von den Beweisstücken in den Akten der Kommission Kenntnis zu nehmen,
         damit sie anhand dieser Beweisstücke sinnvoll zu den Schlussfolgerungen Stellung nehmen können, zu denen die Kommission in
         ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte gelangt ist (Urteil des Gerichts vom 30. September 2003 in den verbundenen Rechtssachen
         T‑191/98 und T‑212/98 bis T‑214/98, Atlantic Container Line u. a./Kommission, Slg. 2003, II‑3275, Randnr. 334 und die dort
         zitierte Rechtsprechung). Die Akteneinsicht gehört somit zu den Verfahrensgarantien, die die Rechte der Verteidigung schützen
         und insbesondere die effektive Ausübung des Anhörungsrechts sicherstellen sollen (Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission,
         Randnr. 334 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      34     Die Kommission ist somit verpflichtet, den von einem Verfahren zur Anwendung von Artikel 81 Absatz 1 EG betroffenen Unternehmen
         die Gesamtheit der belastenden oder entlastenden Schriftstücke zugänglich zu machen, die sie im Laufe der Untersuchung gesammelt
         hat; hiervon ausgenommen sind nur Geschäftsgeheimnisse anderer Unternehmen, interne Schriftstücke der Kommission und andere
         vertrauliche Informationen (Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 33, Randnr. 335 und die
         dort zitierte Rechtsprechung).
      
      35     Hat sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung auf belastende Unterlagen gestützt, die nicht in der Ermittlungsakte
         enthalten waren und der Klägerin nicht übermittelt wurden, so sind diese Unterlagen als Beweismittel auszuschließen (vgl.
         in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 25. Oktober 1983 in der Rechtssache 107/82, AEG/Kommission, Slg. 1983, 3151,
         Randnrn. 24 bis 30, sowie Zement‑Urteil, oben zitiert in Randnr. 31, Randnr. 382, und Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 33, Randnr. 338).
      
      36     Befinden sich Unterlagen, die entlastendes Material hätten enthalten können, in der Ermittlungsakte der Kommission, so wird
         eine etwaige Verletzung der Verteidigungsrechte unabhängig davon festgestellt, wie sich das betroffene Unternehmen im Verwaltungsverfahren
         verhalten hat und ob es verpflichtet war, zu beantragen, dass die Kommission ihm Einsicht in ihre Akten gewährt oder ihm bestimmte
         Schriftstücke übermittelt (Urteile des Gerichts vom 29. Juni 1995 in der Rechtssache T‑30/91, Solvay/Kommission, Slg. 1995,
         II‑1775, Randnr. 96, und Atlantic Container Line u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 33, Randnr. 340).
      
      37     Befinden sich hingegen Unterlagen, die entlastendes Material hätten enthalten können, nicht in der Ermittlungsakte der Kommission,
         so muss der Kläger bei der Kommission ausdrücklich Einsicht in diese Unterlagen beantragen; wird ein solcher Antrag im Verwaltungsverfahren
         nicht gestellt, so tritt insoweit in Bezug auf eine gegen die endgültige Entscheidung etwa erhobene Nichtigkeitsklage Verwirkung
         ein (Zement-Urteil, oben zitiert in Randnr. 31, Randnr. 383, und Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 33, Randnr. 340).
      
      38     Auf dieser Grundlage ist zu prüfen, ob die von der Klägerin vorgetragenen Rügen begründet sind.
      39     Wie vorab festzustellen ist, wird nicht bestritten, dass das Dokument Heineken ursprünglich bei einer Nachprüfung in den Besitz
         der Kommission gelangt ist, die diese gemäß Artikel 14 Absatz 3 der Verordnung Nr. 17 im Zusammenhang mit einer anderen Sache
         am 22. und 23. März 2000 in den Geschäftsräumen von Heineken in den Niederlanden vorgenommen hat. Die Kommission erbat später
         am 14. April 2000 im Rahmen des der vorliegenden Sache vorangehenden Verwaltungsverfahrens im Wege eines Auskunftsverlangens
         gemäß Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 von Heineken die Übermittlung einer neuen Abschrift des genannten Dokuments, die zu
         den Akten gegeben wurde.
      
      40     Wie ferner festzustellen ist, räumt die Klägerin ein, dass das Dokument Heineken in der Mitteilung der Beschwerdepunkte angeführt
         wird und dass sie von ihm bei der Akteneinsicht im Verwaltungsverfahren Kenntnis genommen hat. Hinsichtlich dieses speziellen
         Dokuments konnte die Klägerin somit ihr Anhörungsrecht effektiv ausüben.
      
      41     Die Klägerin macht jedoch geltend, sie habe keinen Zugang zu etwaigen Schreiben oder internen Aufzeichnungen gehabt, die dem
         Dokument Heineken gegebenenfalls vorausgegangen oder diesem gefolgt seien und entlastendes Material hätten enthalten können.
      
      42     Die Rüge der Klägerin, die dahin geht, dass ihr die Kommission derartige Schreiben oder interne Aufzeichnungen, die in ihrem
         Besitz seien, nicht mitgeteilt habe, ist indessen zurückzuweisen. Nach der Rechtsprechung kann die Klägerin nämlich nur dann
         eine Verletzung der Verteidigungsrechte geltend machen, wenn sie im Verwaltungsverfahren bei der Kommission ausdrücklich Einsicht
         in die betreffenden Unterlagen beantragt hat (oben, Randnr. 37).
      
      43     Die Klägerin hat jedoch keinen derartigen Antrag gestellt. Sie erklärt zum einen in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der
         Beschwerdepunkte zu dem Dokument Heineken lediglich, dass „der Beweiswert dieses Dokuments zweifelhaft erscheint und dass
         es in [der Mitteilung der Beschwerdepunkte] und in dem Dokument keine Anhaltspunkte gibt, die es [der Klägerin] ermöglichen,
         dessen Verfasser zu identifizieren oder dessen Kontext zu prüfen“. Dies kann nicht als ausdrücklicher Antrag auf Einsichtnahme
         in die betreffenden Schreiben oder internen Aufzeichnungen angesehen werden. Auf eine dahin gehende Frage des Gerichts in
         der mündlichen Verhandlung hat die Klägerin zudem bestätigt, dass ihr im Verwaltungsverfahren gestellter Antrag auf Akteneinsicht
         allgemein gehalten gewesen sei. Zum anderen stellt die Klägerin in ihren Schreiben vom 24. und 28. Januar 2002 in nur sehr
         allgemeiner Weise und ohne ausdrücklichen Bezug auf die betreffenden Schriftstücke einen weiteren Antrag auf Akteneinsicht,
         der indessen erst nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens erfolgt ist.
      
      44     Zu der Rüge der Klägerin, die Kommission habe es, falls sie nicht im Besitz von Schreiben oder internen Aufzeichnungen gewesen
         sei, die der Abfassung des Dokuments Heineken vorausgegangen oder dieser gefolgt seien, unter Verletzung ihrer Verpflichtung
         zur Unparteilichkeit versäumt, die Wahrheit des Inhalts dieses Dokuments zu prüfen, ist lediglich zu bemerken, dass sie nicht
         die Problematik der Verteidigungsrechte betrifft. Die Klägerin begehrt nämlich zu klären, ob die Kommission zu Genüge nachgewiesen
         hat, was sie insbesondere durch das Dokument Heineken beweisen wollte, und ob, soweit dieses Dokument für die Erbringung dieses
         Beweises erforderlich war, die Wahrheit der darin enthaltenen Darlegung hinreichend feststeht. Die Klägerin bezweifelt somit
         den Beweischarakter des Dokuments Heineken, wobei es sich um eine Frage handelt, die für die Prüfung der vorliegenden Rüge
         einer Verletzung der Verteidigungsrechte nicht erheblich ist (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 29. Juni 1995 in
         der Rechtssache T‑37/91, ICI/Kommission, Slg. 1995, II‑1901, Randnr. 72) und die nachstehend in den Randnummern 260, 261,
         271 bis 273 und 284 bis 290 behandelt wird.
      
      45     Der erste Teil dieses Klagegrundes ist somit zurückzuweisen.
      b)     Zum zweiten Teil, in dem gerügt wird, dass die Kommission es der Klägerin nicht ermöglicht habe, vor Erlass der angefochtenen
         Entscheidung Kenntnis von den Faktoren zu erlangen, die bei der Berechnung der Geldbuße berücksichtigt worden seien
      
       Vorbringen der Parteien
      46     Die Klägerin beanstandet eine Verletzung der Verteidigungsrechte, da es ihr die Kommission zu keiner Zeit ermöglicht habe,
         die Faktoren zu erfahren oder zu kommentieren, die die Kommission für die Festsetzung des Betrages der Geldbuße habe verwenden
         wollen. Die Kommission habe sich in der Mitteilung der Beschwerdepunkte darauf beschränkt, in einigen Zeilen die in den Leitlinien
         vorgegebene Methode zusammenzufassen, wobei nichts in der genannten Mitteilung auf die äußerst ungünstige Behandlung, die
         die Kommission ihr habe angedeihen lassen, und auf die sich daraus ergebende Ungleichbehandlung gegenüber Interbrew hingedeutet
         habe.
      
      47     Aus der Mitteilung der Beschwerdepunkte sei insbesondere auch nicht hervorgegangen, dass die Kommission ihr gegenüber einen
         Wiederholungsfall geltend machen wolle, obgleich dieser erschwerende Umstand in der Entscheidungspraxis der Kommission nur
         ganz vereinzelt herangezogen werde. So habe die Kommission im Jahr 2001 mehrfach rückfällige Unternehmen zur Rechenschaft
         gezogen, ohne ihnen diesen erschwerenden Umstand indessen bei der Festsetzung der Geldbuße anzulasten. Dies gelte für die
         F. Hoffmann‑La Roche AG (im Folgenden: Hoffmann‑La Roche) in der Entscheidung 2003/2/EG der Kommission vom 22. November 2001
         in einem Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E‑1/37.512 – Vitamine) (ABl. 2003, L 6,
         S. 1, im Folgenden: Entscheidung Vitamine) und in der Entscheidung 2002/742/EG der Kommission vom 5. Dezember 2001 in einem
         Verfahren nach Artikel 81 EG-Vertrag und Artikel 53 EWR-Abkommen (Sache COMP/E‑1/36.604 – Zitronensäure) (ABl. 2002, L 239,
         S. 18, im Folgenden: Entscheidung Zitronensäure) sowie für die Stora Kopparbergs Bergslags AB (im Folgenden: Stora), die allerdings
         Adressat der Entscheidung unter einem anderen Firmennamen gewesen sei, in der Sache, die zu der Entscheidung 2004/337/EG der
         Kommission vom 20. Dezember 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag und Artikel 53 EWR‑Abkommen (Sache COMP/E‑1/36.212
         – Selbstdurchschreibepapier) (ABl. 2004, L 115, S. 1, im Folgenden: Entscheidung Selbstdurchschreibepapier) geführt habe,
         oder auch für die Volkswagen AG (im Folgenden: Volkswagen) in der Entscheidung 2001/711/EG der Kommission vom 29. Juni 2001
         in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag (Sache COMP/F‑2/36.693 – Volkswagen) (ABl. L 262, S. 14, im Folgenden: Entscheidung
         Volkswagen II). Diese unterschiedliche Behandlung sei jedoch nicht gerechtfertigt.
      
      48     Das Fehlen eines derartigen Hinweises sei umso abträglicher, als dem betroffenen Unternehmen in der Sache, die zu der Entscheidung
         2002/405/EG der Kommission vom 20. Juni 2001 in einem Verfahren nach Artikel 82 EG‑Vertrag (COMP/E-2/36.041/PO – Michelin)
         (ABl. 2002, L 143, S. 1, im Folgenden: Entscheidung Michelin II) geführt habe, in der die Kommission ebenfalls eine Wiederholungstat
         als erschwerenden Umstand herangezogen habe, vor dem Erlass der Entscheidung Gelegenheit gegeben worden sei, seine Argumente
         zu diesem Punkt vorzutragen. 
      
      49     Die Kommission erklärt, sie verfüge über ein Ermessen bei der Festsetzung des Betrages einer Geldbuße und sie habe in der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte alle Gesichtspunkte erwähnt, die sie hierfür habe berücksichtigen wollen, darunter auch die
         Faktoren, die nach dem Begründungsgebot genannt werden müssten. Sie habe im Übrigen nicht angeben müssen, dass sie den erschwerenden
         Umstand des Wiederholungsfalls zu berücksichtigen beabsichtige. Es habe der Klägerin jedenfalls nicht unbekannt sein können,
         dass eine Tatwiederholung in den Leitlinien ausdrücklich als erschwerender Umstand aufgeführt werde und dass bei ihr zudem
         bereits zweimal eine Zuwiderhandlung festgestellt worden sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      50     Nach ständiger Rechtsprechung kommt die Kommission ihrer Verpflichtung zur Wahrung des Anhörungsanspruchs der Unternehmen
         nach, wenn sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte ausdrücklich darauf hinweist, dass sie prüfen werde, ob gegen die betroffenen
         Unternehmen Geldbußen zu verhängen seien, und ferner die wesentlichen tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte anführt,
         die zu einer Geldbuße führen können, wie z. B. die Schwere und die Dauer der angenommenen Zuwiderhandlung sowie den Umstand,
         dass diese vorsätzlich oder fahrlässig begangen worden sein soll. Hiermit gibt sie den Unternehmen die Angaben an Hand, die
         für deren Verteidigung nicht nur gegen die Feststellung einer Zuwiderhandlung, sondern auch gegen die Verhängung von Geldbußen
         erforderlich sind (Urteil des Gerichtshofes vom 7. Juni 1983 in den Rechtssachen 100/80 bis 103/80, Musique diffusion française
         u. a./Kommission, Slg. 1983, 1825, Randnr. 21, und Urteil des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑31/99, ABB Asea
         Brown Boveri/Kommission, Slg. 2002, II‑1881, Randnr. 78).
      
      51     Der Anhörungsanspruch der betroffenen Unternehmen gegenüber der Kommission wird somit, was die Bemessung der Geldbuße angeht,
         durch ihre ermöglichte Stellungnahme zu Dauer, Schwere und Erkennbarkeit der Wettbewerbswidrigkeit der Zuwiderhandlung gewahrt.
         Außerdem ist zu beachten, dass die Unternehmen bezüglich der Bemessung der Geldbuße über eine zusätzliche Garantie verfügen,
         weil das Gericht mit Befugnis zu uneingeschränkter Nachprüfung entscheidet und mithin gemäß Artikel 17 der Verordnung Nr.
         17 die Geldbuße insbesondere aufheben oder herabsetzen kann (Urteil des Gerichts vom 6. Oktober 1994 in der Rechtssache T‑83/91,
         Tetra Pak/Kommission, Slg. 1994, II‑755, Randnr. 235, und in diesem Sinne Urteil ABB Asea Brown Boveri/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 50, Randnr. 79). 
      
      52     Im vorliegenden Fall ist erstens festzustellen, dass die Kommission in Nummer 213 der Mitteilung der Beschwerdepunkte in Anbetracht
         des vorgeworfenen Sachverhalts ihre Absicht mitgeteilt hat, Geldbußen gegen die Adressaten, darunter die Klägerin, zu verhängen.
         Sie hat in Nummer 214 der Mitteilung der Beschwerdepunkte weiterhin erklärt, dass sie für die Bemessung der zu verhängenden
         Geldbußen alle einschlägigen Umstände, insbesondere die Schwere und die Dauer der Zuwiderhandlung, berücksichtigen müsse.
         Ferner hat sie in Nummer 216 der genannten Mitteilung dargelegt, dass sie unter den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         genannten Tatsachen insbesondere dem Umstand Rechnung trage, dass die in Rede stehenden Kartelle einen vorsätzlichen Verstoß
         gegen Artikel 81 Absatz 1 EG darstellten.
      
      53     Zudem hat die Kommission in derselben Nummer 216 ausgeführt, dass die in der Mitteilung der Beschwerdepunkte beschriebenen
         Vereinbarungen über die Aufteilung der Märkte und die Preisfestsetzung ihrem Wesen nach die schwerwiegendste Art eines Verstoßes
         gegen Artikel 81 Absatz 1 EG darstellten. Sie hat in Nummer 215 der Mitteilung der Beschwerdepunkte erklärt, dass sie bei
         der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung deren Art, deren konkrete Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar
         seien, und den Umfang des betreffenden räumlichen Marktes berücksichtige. Des Weiteren hat sie in der genannten Nummer 216
         bemerkt, dass sie für die Feststellung der Rolle der einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen u. a. berücksichtigen
         werde, welche Rolle das jeweilige Unternehmen bei den fraglichen geheimen Vereinbarungen gespielt habe und wie lange es an
         der Zuwiderhandlung beteiligt gewesen sei.
      
      54     Die Kommission hat darüber hinaus in Nummer 217 der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegt, dass etwaige erschwerende oder
         mildernde Umstände ihren Niederschlag in der Höhe der gegen das jeweilige Unternehmen verhängten Geldbuße finden würden und
         dass sie gegebenenfalls die Mitteilung über Zusammenarbeit anwenden werde. In Nummer 218 schließlich hat die Kommission erklärt,
         dass sie die Geldbußen in einer Höhe bemessen wolle, die eine hinreichend abschreckende Wirkung gewährleiste.
      
      55     Aus dem Vorstehenden geht hervor, dass die Kommission in Einklang mit der oben erwähnten Rechtsprechung in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte (Nrn. 213 bis 218) ausdrücklich ihre Absicht bekundet hat, den Adressaten Geldbußen aufzuerlegen, und
         darin ferner die tatsächlichen und rechtlichen Gesichtspunkte angegeben hat, die von ihr für die Bemessung der gegen die Klägerin
         zu verhängenden Geldbuße zu berücksichtigen sind, so dass der entsprechende Anhörungsanspruch der Klägerin gewahrt wurde.
      
      56     Zweitens ist im Besonderen hinsichtlich des gegenüber der Klägerin geltend gemachten erschwerenden Umstands der Tatwiederholung
         zum einen festzustellen, dass der Fall eines erneuten, gleichartigen Verstoßes desselben Unternehmens in den Leitlinien als
         Beispiel für einen erschwerenden Umstand genannt wird, und zum anderen, dass die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         ausgeführt hat, dass sie berücksichtige, welche Rolle die einzelnen Unternehmen jeweils bei den in Rede stehenden geheimen
         Vereinbarungen gespielt hätten, und dass etwaige erschwerende oder mildernde Umstände ihren Niederschlag in der Höhe der Geldbuße
         finden würden. Somit konnte es der Klägerin nicht unbekannt sein, dass die Kommission diesen erschwerenden Umstand heranziehen
         würde, wenn sie zu dem Schluss gelangen sollte, dass dessen Anwendungsbedingungen erfüllt sind.
      
      57     Drittens ist im Besonderen zu der angeblichen Ungleichbehandlung der Klägerin gegenüber anderen rückfälligen Unternehmen,
         denen der erschwerende Umstand der Tatwiederholung nicht zur Last gelegt worden sei, zu betonen, dass allein aus der Tatsache,
         dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte bei der Bemessung der  Geldbuße nicht als
         erschwerenden Umstand angesehen hat, nicht abgeleitet werden kann, dass sie verpflichtet wäre, in einer späteren Entscheidung
         ebenso zu verfahren (vgl. insbesondere entsprechend Urteile des Gerichts vom 17. Dezember 1991 in der Rechtssache T‑7/89,
         Hercules Chemicals/Kommission, Slg. 1991, II‑1711, Randnr. 357, vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑347/94, Mayr‑Melnhof/Kommission,
         Slg. 1998, II‑1751, Randnr. 368, und vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑23/99, LR AF 1998/Kommission,  Slg. 2002, II‑1705,
         Randnrn. 234 und 337). Wie überdies aus den Erwägungen in der vorstehenden Randnummer 56 hervorgeht, bedeutet die einem Unternehmen
         in einer anderen Sache eingeräumte Möglichkeit, zu der ihm gegenüber beabsichtigten Feststellung einer Tatwiederholung Stellung
         zu nehmen, keineswegs, dass die Kommission verpflichtet wäre, in jedem Fall so zu verfahren, und auch nicht, dass die Klägerin
         in Ermangelung einer derartigen Möglichkeit daran gehindert wäre, ihr Anhörungsrecht in vollem Maße auszuüben.
      
      58     Somit ist der zweite Teil dieses Klagegrundes zurückzuweisen.
      c)     Zum dritten Teil, in dem gerügt wird, dass Zusammenkünfte der Kommission mit Interbrew nicht dokumentiert seien und dass die
         Kommission sich geweigert habe, der Klägerin die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte mitzuteilen
      
       Vorbringen der Parteien
      59     Die Klägerin macht zum einen geltend, dass weder die Mitteilung der Beschwerdepunkte noch die angefochtene Entscheidung genaue
         Angaben enthalte, die ihr eine Beurteilung des Inhalts und der Tragweite von in der 34. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung erwähnten Treffen von Bediensteten der Kommission mit Vertretern von Interbrew ermöglichten. Zudem enthalte die
         Akte der Kommission auch kein Protokoll über diese Treffen, von denen sie vor Erlass der angefochtenen Entscheidung nicht
         unterrichtet worden sei. Zum anderen habe die Kommission durch die in ihrem Schreiben vom 7. Februar 2002 enthaltene Weigerung,
         ihr Einsicht in die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte zu gewähren, ihre Verteidigungsrechte und
         den Grundsatz der ordnungsgemäßen Verwaltung verletzt.
      
      60     Somit sei sie erstens nicht in die Lage versetzt worden, etwaige von Interbrew bei diesen Treffen abgegebene Erklärungen zu
         prüfen und gegebenenfalls zu bestreiten, obwohl sie einen großen Einfluss auf die Beurteilung des einschlägigen Sachverhalts
         und der Zusammenarbeit der durch die Ermittlungen betreffenden Unternehmen durch die Kommission gehabt haben könnten.
      
      61     Hierzu bemerkt die Klägerin insbesondere, die Kommission habe eine im Ganzen wohlwollende Einstellung gegenüber Interbrew
         an den Tag gelegt, die im Gegensatz zu der Strenge gestanden habe, die sie ihr gegenüber habe walten lassen. So lasse sich
         womöglich anhand des Inhalts der betreffenden informellen Treffen erklären, warum die beherrschende Stellung von Interbrew
         im Verfahren nicht zur Sprache gekommen sei, obwohl sie den Ermittlungen zugrunde gelegen habe. Zudem werde die Erwähnung
         eines Telefongesprächs zwischen Herrn L. B. (Alken‑Maes) und Herrn A. B. (Interbrew) vom 9. Dezember 1996 in der angefochtenen
         Entscheidung nicht durch die Akten untermauert. Dies gelte auch für den wiedergegebenen Inhalt einer internen Sitzung bei
         Interbrew am 5. Mai 1994, bei der der Chief Executive Officer (im Folgenden: CEO) von Interbrew (Herr M.), also deren höchste
         Führungskraft, ein angeblich von der Klägerin gefordertes Szenario erläutert habe, wonach Interbrew 500 000 Hektoliter Bier
         auf Alken‑Maes habe übertragen sollen.
      
      62     Die Klägerin macht zweitens geltend, sie habe keine Einsicht in die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         nehmen können, da die Kommission ihr diese Einsichtnahme verweigert habe. Sie habe die Kommission mit Schreiben vom 24. und
         28. Januar 2002 ausdrücklich um eine erneute Akteneinsicht, insbesondere um Einsicht in die Antwort von Interbrew auf die
         Mitteilung der Beschwerdepunkte, gebeten; die Kommission habe sie aber mit Schreiben vom 7. Februar 2002 verweigert.
      
      63     Die Kommission erklärt, die Klägerin habe von den informellen Treffen gewusst und sie habe im Verwaltungsverfahren zu keiner
         Zeit um Einsicht in etwaige Protokolle dieser Treffen gebeten, die im Übrigen gar nicht existiert hätten und jedenfalls nicht
         von Nutzen gewesen wären. Alle in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Sachverhaltselemente beruhten auf Unterlagen
         der Akte, in die Einsicht gehabt zu haben die Klägerin nie bestritten habe. Ein Antrag auf Einsichtnahme in die Unterlagen
         gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1049/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2001 über den Zugang der Öffentlichkeit
         zu Dokumenten des Europäischen Parlaments, des Rates und der Kommission (ABl. L 145, S. 43) sei im Übrigen zurückgenommen
         worden. 
      
       Würdigung durch das Gericht
      64     Erstens ist zu den informellen Treffen mit den Beteiligten festzustellen, dass weder die Klägerin noch die Kommission in ihren
         Schriftsätzen bestreiten, dass für derartige Treffen keine Protokolle verfasst wurden. Somit wird mit dem vorliegenden Teil
         des ersten Klagegrundes, der diese Treffen betrifft, letztlich geltend gemacht, dass die Kommission zur Wahrung des Rechts
         auf Akteneinsicht in Wettbewerbssachen verpflichtet sei, derartige Protokolle zu erstellen und den Parteien zugänglich zu
         machen.
      
      65     Nach der oben in den Randnummern 33 und 34 angeführten Rechtsprechung besteht der Zweck der Akteneinsicht in Wettbewerbssachen
         darin, es den Adressaten einer Mitteilung der Beschwerdepunkte zu ermöglichen, von den Beweisstücken in den Akten der Kommission
         Kenntnis zu nehmen, damit der Anhörungsanspruch sinnvoll ausgeübt werden kann. Die Kommission ist daher verpflichtet, den
         betroffenen Unternehmen die Gesamtheit der belastenden oder entlastenden Schriftstücke zugänglich zu machen, die sie im Laufe
         der Untersuchung gesammelt hat; hiervon ausgenommen sind nur Geschäftsgeheimnisse anderer Unternehmen, interne Schriftstücke
         der Kommission und andere vertrauliche Informationen.
      
      66     Aus der Rechtsprechung geht weiter hervor, dass die Kommission dagegen nicht allgemein verpflichtet ist, Protokolle über die
         Gespräche anzufertigen, die sie im Rahmen der Durchführung der Wettbewerbsvorschriften des Vertrages bei Zusammenkünften mit
         den anderen Beteiligten führt (vgl. in diesem Sinne Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr.
         33, Randnr. 351).
      
      67     Dies entbindet die Kommission jedoch nicht von ihren Verpflichtungen hinsichtlich der Akteneinsicht. Es kann nämlich nicht
         zugelassen werden, dass die Verteidigungsrechte durch eine Praxis verletzt werden, bei der die Beziehungen zu Dritten nur
         mündlich bestehen. Daher muss die Kommission, wenn sie in ihrer Entscheidung belastendes Material verwenden will, das ihr
         von einem anderen Beteiligten mündlich mitgeteilt worden ist, dieses Material dem betroffenen Unternehmen zugänglich machen,
         damit dieses sinnvoll zu den Schlussfolgerungen Stellung nehmen kann, zu denen die Kommission anhand des genannten Materials
         gelangt ist. Sie muss hierfür gegebenenfalls einen schriftlichen Vermerk für ihre Akte anfertigen (vgl. in diesem Sinne Urteil
         Atlantic Container Line u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 33, Randnr. 352).
      
      68     Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass das Vorbringen der Klägerin abgesehen von zwei konkreten Behauptungen darin besteht,
         allgemein dahin zu gehen, dass die informellen Treffen einen großen Einfluss auf die Beurteilung des Sachverhalts und der
         Zusammenarbeit der durch die Ermittlungen betroffenen Unternehmen gehabt haben könnten, dass ferner die Kommission im Laufe
         des Verfahrens eine im Ganzen wohlwollende Einstellung gegenüber Interbrew an den Tag gelegt habe, die im Gegensatz zu der
         Strenge gestanden habe, mit der sie in der angefochtenen Entscheidung behandelt werde, und schließlich, dass die bei den informellen
         Treffen gegebenen Informationen zwar nützlich für Interbrew gewesen seien, aber zweifellos Einfluss auf ihre Stellung gehabt
         hätten.
      
      69     Dieses allgemeine Vorbringen, mit dem nicht angegeben wird, inwiefern das von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         herangezogene belastende Material auf Mitteilungen während der informellen Treffen beruht, ist nicht dazu angetan, eine tatsächliche
         Verletzung der Verteidigungsrechte darzutun, die anhand der besonderen Umstände des jeweiligen Falles zu prüfen ist (vgl.
         in diesem Sinne Urteil Solvay/Kommission, oben zitiert in Randnr. 36, Randnr. 60). Wie oben in Randnummer 33 ausgeführt, wird
         das Recht auf Akteneinsicht in Wettbewerbssachen nur zu dem Zweck eingeräumt, es den betroffenen Unternehmen zu ermöglichen,
         sinnvoll zu den Schlussfolgerungen Stellung zu nehmen, zu denen die Kommission in ihrer Mitteilung der Beschwerdepunkte gelangt
         ist. Da die Klägerin indessen abgesehen von den beiden nachstehend geprüften konkreten Behauptungen keinen in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte und dann in der angefochtenen Entscheidung erhobenen Vorwurf benannt hat, der auf ihr nicht zugängliche
         Informationen gestützt sein soll, die bei den informellen Treffen mündlich erteilt worden waren, kann sie der Kommission insoweit
         keine Verletzung der Verteidigungsrechte vorwerfen (vgl. in diesem Sinne Urteil Atlantic Container Line u. a./Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 33, Randnrn. 353 und 354).
      
      70     Hinsichtlich der beiden genannten konkreten Behauptungen, wonach die in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Bezugnahmen
         auf ein Telefongespräch vom 9. Dezember 1996 und auf den Inhalt einer internen Sitzung vom 5. Mai 1994 womöglich nur auf den
         Inhalt der informellen Treffen zurückzuführen sind, ist zu prüfen, ob sich die fraglichen Tatsachenfeststellungen auf bestimmte
         Teile der Akten stützen.
      
      71     Zu dem in der 91. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung erwähnten Telefongespräch vom 9. Dezember 1996 ist zu
         bemerken, dass in Nummer 93 der Mitteilung der Beschwerdepunkte ausgeführt wird, dass „Herr L. B. (Alken‑Maes) nach einem
         Treffen vom 19. September am 9. Dezember 1996 ein Telefongespräch mit Herrn A. B. (Interbrew) geführt hat“. Dieser Satz ist
         mit der Fußnote 116 folgenden Inhalts versehen: „Schreiben samt Anlagen 42 und 44 von Alken‑Maes vom 7. März 2000 ([Seiten]
         7884, 8513, 8528 bis 8530 [der Akte der Kommission]) mit Verweis auf die folgenden Dokumente: Nachprüfung bei Alken‑Maes,
         Dokument AvW19 ([Seiten] 150 bis 153 [der Akte der Kommission]) und Dokument MV17 ([Seiten] 532 bis 541 [der Akte der Kommission])“.
         Dieselben Bezugnahmen finden sich in der angefochtenen Entscheidung in der Fußnote 123 zur 91. Begründungserwägung.
      
      72     Die Kommission hat auf eine schriftliche Frage des Gerichts, mit der sie aufgefordert worden war, zu erklären, weshalb sie
         zu dem Schluss gelangt ist, dass am 9. Dezember 1996 ein Telefongespräch zwischen Herrn L. B. (Alken‑Maes) und Herrn A. B.
         (Interbrew) über die Preisgestaltung von Interbrew stattgefunden hat, geantwortet, sie sei zu diesem Ergebnis anhand der Seite
         8513 ihrer Akte gelangt, die die letzte Seite der Anlage 42 des Schreibens von Alken‑Maes an sie vom 7. März 2000 darstelle.
         
      
      73     Eine Analyse dieser Unterlage, die aus handgeschriebenen Notizen von Herrn L. B. (Alken‑Maes) besteht, zeigt, dass darin zwar
         kein Telefongespräch vom 9. Dezember 1996 erwähnt wird, sie jedoch mehrere Vermerke enthält, die offenbar erst nach ihrer
         ursprünglichen Abfassung angebracht wurden und offensichtlich für die Antwort auf ursprünglich verfasste Fragen über die Preisgestaltung
         von Interbrew stehen. Drei dieser Vermerke enthalten das Datum „(9/12/96)“ und zwei die Abkürzung „IB“ (Interbrew), einer
         enthält zudem die Initialen von Herrn A. B. (Interbrew).
      
      74     Daraus ergibt sich, dass eine am 9. Dezember 1996 zustande gekommene Verbindung zwischen Interbrew und Alken‑Maes über die
         Preisgestaltung von Alken‑Maes in der Mitteilung der Beschwerdepunkte Erwähnung findet und dass die Verbindung, auf die sich
         die Kommission bezieht, durch eine Unterlage untermauert wird, die in der Akte enthalten ist und damit der Klägerin zugänglich
         war, da ihre ehemalige Tochtergesellschaft Alken‑Maes sie selbst der Kommission übergeben hat. Ob die Verbindung telefonisch
         zustande kam oder nicht, ist unter dem Gesichtspunkt der Ausübung des Anhörungsrechts ohne Belang, da der Klägerin – obgleich
         es bedauerlich ist, dass die Behauptung der Kommission in diesem Punkt nicht untermauert wird – das Anhörungsrecht in Bezug
         auf die Existenz einer Verbindung und gegebenenfalls deren Inhalt zustand und nicht hinsichtlich der Frage, ob diese Verbindung
         telefonisch oder anders zustande gekommen ist, da dieser letztgenannte Punkt für die Frage unerheblich ist, ob es sich bei
         der genannten Verbindung um einen Verstoß handelte oder nicht. 
      
      75     Zu der in der 53. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Behauptung, dass das vom CEO von Interbrew
         während einer internen Besprechung am 5. Mai 1994 erläuterte „Szenario“, wonach „Interbrew 500 000 Hektoliter auf Alken‑Maes
         (insbesondere im Einzelhandel) übertragen [soll]“, „von Danone/Kronenbourg gefordert“ worden sei, ist sodann festzustellen,
         dass in Nummer 55 der Mitteilung der Beschwerdepunkte ausgeführt wird: „Während einer internen Besprechung bei Interbrew erläutert
         [Herr M.] das folgende von Danone/Kronenbourg geforderte Szenario. Interbrew soll 500 000 Hektoliter auf Alken‑Maes (insbesondere
         im Einzelhandel) übertragen. Andernfalls würde Interbrew Frankreich unter Mithilfe von Heineken vernichten und Interbrew in
         Belgien mit Tiefstpreisen angreifen.“ In der nachfolgenden Nummer 56 heißt es: „Das von Kronenbourg dargelegte Szenario ist
         während einer internen Besprechung bei Interbrew am 5. Mai 1994 geprüft worden.“ Nummer 55 der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         ist mit den beiden Fußnoten 35 und 36 versehen, die auf ein Schreiben von Interbrew vom 28. Februar 2000 und dessen Anlage
         18 (S. 7683 der Akte der Kommission) verweisen. Dieselbe Verweisung findet sich in einer Fußnote zur 53. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung. 
      
      76     Hierzu ist festzustellen, dass Anlage 18 des Schreibens von Interbrew vom 28. Februar 2000, die aus einer Erklärung von Herrn C.
         von Interbrew besteht, auf Seite 2 dieser Erklärung folgenden Satz enthält:
      
      „[Herr M.] erläuterte uns bei einer internen Sitzung (am 5. Mai 1994) das Szenario, das von Kronenbourg gefordert wurde. Im
         Grunde übte KRO eine Erpressung aus, damit ITW 500 000 [Hektoliter] auf AM (insbesondere im ‚Food‘) überträgt. Andernfalls
         würden sie  ITW‑Frankreich unter Mithilfe von Heineken vernichten und ITW‑Belgien mit Tiefstpreisen angreifen.“
      
      77     Somit gibt die Behauptung in der 53. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung und in den Nummern 55 und 56 der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte im Wesentlichen den Inhalt einer von Interbrew schriftlich gegebenen Information wieder, die in den Akten
         enthalten ist und hierdurch der Klägerin zugänglich war. Die Klägerin kann daher nicht geltend machen, dass sie ihren Anhörungsanspruch
         hinsichtlich der Behauptung in der 53. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung nicht wirksam habe geltend machen
         können.
      
      78     Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich zum einen, dass die angeblich auf informellen Treffen mit Interbrew beruhenden
         Behauptungen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte enthalten waren, und zum anderen, dass sie sich, soweit sie für die Erbringung
         des Beweises eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz 1 EG erforderlich waren, jedenfalls auf Unterlagen stützten, zu denen
         die Klägerin Zugang hatte. Mithin ist festzustellen, dass die Klägerin zu diesen Behauptungen sinnvoll Stellung nehmen konnte
         und dass ihr Anhörungsanspruch gewahrt war.
      
      79     Was ferner das Argument anbelangt, der Klägerin sei unter Verletzung der Verteidigungsrechte der Zugang zu den Unterlagen
         verweigert worden, die erst nach der Akteneinsicht der Klägerin vom 5. Oktober 2002 zu den Akten gegeben worden seien, darunter
         insbesondere die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, insofern als sie Entlastungsmaterial hätte
         enthalten können, so genügt der Hinweis, dass der Antrag auf Einsichtnahme in die zusätzlichen Aktenstücke mit Schreiben vom
         24. und 28. Januar 2002, also nach Abschluss des Verwaltungsverfahrens, gestellt wurde. Wird jedoch ein solcher Antrag im
         Verwaltungsverfahren nicht gestellt, so tritt insoweit in Bezug auf eine später erhobene Nichtigkeitsklage Verwirkung ein
         (vgl. in diesem Sinne Zement‑Urteil, oben zitiert in Randnr. 31, Randnr. 383). Dieses Argument ist daher zurückzuweisen.
      
      80     Zu dem Antrag auf Akteneinsicht vom 4. März 2002 nach der Verordnung Nr. 1049/2001 genügt die Feststellung, dass Artikel 7
         Absatz 2 dieser Verordnung Folgendes bestimmt: „Im Fall einer vollständigen oder teilweisen Ablehnung kann der Antragsteller
         binnen fünfzehn Arbeitstagen nach Eingang des Antwortschreibens des Organs einen Zweitantrag an das Organ richten und es um
         eine Überprüfung seines Standpunkts ersuchen.“ Da sich die Kommission am 26. März 2002 geweigert hat, dem Antrag der Klägerin
         auf Akteneinsicht stattzugeben, und die Klägerin, wie sie in der mündlichen Verhandlung in Beantwortung einer Frage des Gerichts
         bestätigt hat, keinen Zweitantrag innerhalb der vorgesehenen Frist gestellt hat, ist demnach festzustellen, dass der Antrag
         der Klägerin vom 4. März 2002 zurückgenommen worden ist.
      
      81     Somit ist auch der dritte Teil dieses Klagegrundes und folglich der Klagegrund in seiner Gesamtheit zurückzuweisen.
      2.     Zum Klagegrund einer Verletzung der Begründungspflicht
      a)     Vorbringen der Parteien
      82     Die Klägerin macht geltend, dass die angefochtene Entscheidung insofern ungenügend begründet sei, als sie zum einen keine
         Bestimmung der relevanten Märkte enthalte, obwohl es sich dabei um eine Voraussetzung handele, die notwendigerweise jeder
         Beurteilung eines wettbewerbswidrigen Verhaltens vorausgehen müsse, und sie sich zum anderen für die Bemessung der Geldbuße
         auf einen einfachen Verweis auf die Leitlinien beschränke, ohne die genaue Tragweite der Gesichtspunkte anzugeben, die für
         die Festsetzung des Betrages der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße herangezogen worden seien.
      
      83     Die Begründung der angefochtenen Entscheidung sei erstens insofern unzureichend, als sie entgegen dem in der Rechtsprechung
         des Gerichts aufgestellten Erfordernis (Urteil des Gerichts vom 10. März 1992 in den verbundenen Rechtssachen T‑68/89, T‑77/89
         und T‑78/89, SIV u. a./Kommission, so genanntes Flachglas‑Urteil, Slg. 1992, II‑1403, Randnr. 159) nicht auf einer angemessenen
         Bestimmung des betreffenden relevanten Marktes, sondern lediglich auf der Feststellung eines „belgischen Biermarktes“ beruhe.
         Die Kommission unterlasse zu Unrecht eine Analyse des genauen räumlichen Bereichs des oder der betreffenden Märkte und der
         etwaigen Austauschbarkeit der verschiedenen Brauereierzeugnisse. Wenn die Kommission in ihrer Klagebeantwortung den Begriff
         „belgischer Biermarkt“ durch den Begriff „belgischer Biersektor“ ersetze, so werde dies nicht dem Einwand der Klägerin gerecht,
         dass die Bestimmung des Marktes im vorliegenden Fall untrennbar mit der Feststellung der Zuwiderhandlung verbunden sei. Die
         erwähnten räumlichen Märkte, nämlich der belgische und der französische Markt, würden in der angefochtenen Entscheidung in
         unzureichend dokumentierter Weise bestimmt.
      
      84     Zudem habe die Kommission für den französischen Markt Tatsachen berücksichtigt, ohne dass eine Analyse ihrer Tragweite nach
         Maßgabe der besonderen Merkmale dieses Marktes für nötig befunden worden sei. Die Kommission mache insbesondere geltend, dass
         die Klägerin Interbrew angeblich Vergeltungsmaßnahmen auf dem französischen Markt angedroht habe, obwohl ein derartiges restriktives
         Wettbewerbsverhalten nur nach Feststellung einer bestimmten Stärke auf einem genau bestimmten Markt dargetan sein könne.
      
      85     Bestimmte Handlungen, die für die Feststellung der in der angefochtenen Entscheidung dargelegten Zuwiderhandlung herangezogen
         worden seien, darunter das Treffen am 11. Mai 1994, das Telefongespräch vom 6. Juli 1994 und die Zusammenkunft am 17. April
         1997, hätten nach Ansicht der Kommission einen Gegenstand gehabt, der über Belgien hinausgegangen sei. Zudem seien die Wechselwirkung
         zwischen Frankreich und Belgien und die Ähnlichkeit des Verhaltens in diesen beiden Ländern nach Ansicht der Kommission insbesondere
         hinsichtlich der angeblichen Drohung wichtige Gesichtspunkte der Zuwiderhandlung gewesen.
      
      86     Hierbei weiche die Entscheidung der Kommission, ähnliche Verhaltensweisen in unterschiedlichem Rahmen zu behandeln, von ihrer
         üblichen Praxis ab, wonach verschiedene als Zuwiderhandlung angesehene Verhaltensweisen in einer einzigen Entscheidung festgehalten
         würden, wenn eine Verbindung zwischen ihnen bestehe, weil es sich um dieselben Kartellteilnehmer handele, die Kartellmechanismen
         in verschiedenen Ländern ähnlich seien oder eine Wechselwirkung zwischen verschiedenen Gebieten oder Erzeugnissen bestehe
         (z. B. Entscheidung 96/478/EG der Kommission vom 10. Januar 1996 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG‑Vertrag [Sache IV/34.279/F3
         – ADALAT] [ABl. L 201, S. 1, im Folgenden: Entscheidung ADALAT] und Entscheidungen „Vitamine“ und „Selbstdurchschreibepapier“).
      
      87     Die Option für mehrere Entscheidungen bringe für die Klägerin eine rechtliche Unsicherheit mit sich und bewirke, dass die
         Kommission durch wiederholte Anwendung von Grundbeträgen und gegebenenfalls Steigerungskoeffizienten den Gesamtbetrag der
         im Hinblick auf einen bestimmten Sachverhaltskomplex verhängten Geldbußen künstlich aufblähen könne, ohne dass die betroffenen
         Unternehmen verstehen könnten, inwiefern die Verhaltensweisen unterschiedlich seien und weshalb sie getrennte Zuwiderhandlungen
         darstellten.
      
      88     Die angefochtene Entscheidung sei auch zweitens in Bezug auf die Bemessung der Geldbuße unzureichend begründet. Die Kommission
         habe nämlich ihre Begründungspflicht und den Grundsatz der Rechtssicherheit verletzt, indem sie sich in der 294. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung mit einem einfachen Verweis auf die in den Leitlinien festgelegte Methode begnügt habe, obwohl
         die Leitlinien dazu beitragen sollten, „die Transparenz und Objektivität der Entscheidungen der Kommission sowohl gegenüber
         den Unternehmen als auch gegenüber dem Gerichtshof zu erhöhen“.
      
      89     Da die Begründung für die Höhe der Geldbuße auf einer Methode beruhe, die von einem Grundbetrag ausgehe, der dann berichtigt
         werde, sei es von wesentlicher Bedeutung, dass die Kommission eingehend genug die Tragweite der in die Bemessung der Geldbuße
         eingehenden Gesichtspunkte umreiße, um dem Zweck gerecht zu werden, der mit der Begründungspflicht verbunden sei und darin
         bestehe, dass die Klägerin die Kohärenz und die Rechtmäßigkeit der Bemessung der Geldbuße beurteilen und damit ihre Rechte
         verteidigen könne, dass das Gericht und der Gerichtshof ihre Kontrolle ausüben könnten und dass interessierte Dritte erfahren
         könnten, wie die Kommission den EG‑Vertrag anwende.
      
      90     Obgleich die Kommission nicht an eine arithmetische Formel gebunden sei, zeige die angefochtene Entscheidung weder die Einzelheiten
         der Berechnung der verhängten Geldbuße noch die genaue Tragweite der einzelnen Gesichtspunkte auf, die für die Bemessung der
         Geldbuße herangezogen würden. So würden im Gegensatz zur Vorgehensweise bei anderen Kartellentscheidungen, wie etwa in den
         Fällen „Vitamine“ und „Selbstdurchschreibepapier“, die willkürliche Wahl eines Pauschalbetrags in Höhe von 25 Mio. Euro und
         die Tragweite der nach der 305. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung angestrebten abschreckenden Wirkung der
         Geldbuße nicht durch quantitative Kriterien gerechtfertigt. Das Fehlen einer angemessenen Bestimmung des relevanten Marktes
         lasse ebenfalls klar die Unzulänglichkeit der Begründung für die Bemessung der Geldbuße erkennen, da nach den Leitlinien die
         Ermittlung eines Grundbetrags mit Erwägungen hinsichtlich des Umfangs des betreffenden räumlichen Marktes, der Auswirkungen
         des Kartells auf diesen Markt und des dort erzielten Umsatzes verbunden sei.
      
      91     Insbesondere habe die Kommission auf der Grundlage der beiden gegenüber der Klägerin herangezogenen erschwerenden Umstände,
         nämlich eines auf Interbrew ausgeübten Zwanges und der Tatwiederholung, nur einen einzigen Prozentsatz von 50 für die Erhöhung
         der Geldbuße festgesetzt, ohne dabei die jeweilige Tragweite der einzelnen zugrunde gelegten erschwerenden Umstände anzugeben.
         Die fehlenden Angaben bezüglich des jeweiligen Einflussbereichs der verschiedenen für die Bemessung der Geldbuße verwendeten
         Kriterien habe es der Klägerin nicht ermöglicht, zu beurteilen, inwieweit die verhängte Geldbuße herabzusetzen wäre.
      
      92     Das Fehlen klarer und relevanter Faktoren sei umso weniger entschuldbar, als die Kommission zwar das Vorhandensein von Unterlagen
         anerkenne, die ihre Dienststellen zum Zwecke der internen Konsultation und Beratung für die Berechnung der Höhe der Geldbuße
         angefertigt hätten, diese aber nicht einsehbar gewesen seien. Dies lasse vermuten, dass die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung andere Gesichtspunkte als die ihr zugänglichen berücksichtigt habe, ohne dass diese jedoch in der angefochtenen
         Entscheidung erwähnt würden. 
      
      93     Die Klägerin rügt im Besonderen das Fehlen einer ausreichenden Begründung der Kommission für den ihr gegenüber herangezogenen
         erschwerenden Umstand der Tatwiederholung. Dies beeinträchtige sie in besonderem Maß, da die Kommission den Betrag der Geldbuße
         nicht systematisch wegen einer Tatwiederholung erhöhe, sondern in ihrer Entscheidungspraxis zurückhaltend hinsichtlich der
         Rolle und Bedeutung sei, die diesem Gesichtspunkt bei der Bemessung der Geldbuße beizumessen seien; dabei habe der Erlass
         der Leitlinien nicht ausgereicht, um die aus diesen Umständen resultierende Ungewissheit zu beseitigen.
      
      94     Die Kommission bestreitet das Vorbringen der Klägerin.
      b)     Würdigung durch das Gericht
      95     Bei Klagen gegen Entscheidungen der Kommission, mit denen gegen Unternehmen Geldbußen wegen Verletzung der Wettbewerbsregeln
         verhängt werden, verfügt das Gericht über zweierlei Befugnisse. Zum einen hat es gemäß Artikel 230 EG die Rechtmäßigkeit der
         Entscheidung zu prüfen. In diesem Rahmen muss es u. a. die Einhaltung der in Artikel 253 EG aufgestellten Begründungspflicht
         überwachen, bei deren Verletzung die Entscheidung für nichtig erklärt werden kann. Zum anderen ist es im Rahmen der ihm durch
         Artikel 229 EG und Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 verliehenen Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung dafür zuständig, zu
         beurteilen, ob die Höhe der Geldbußen angemessen ist. Diese Beurteilung kann die Vorlage und Heranziehung zusätzlicher Informationen
         erfordern, die an sich nicht in der Entscheidung erwähnt zu werden brauchen, damit diese dem Begründungserfordernis nach Artikel
         253 EG genügt (Urteil des Gerichtshofes vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑248/98 P, KNP BT/Kommission, Slg. 2000,
         I‑9641, Randnrn. 38 bis 40, und Urteil des Gerichts vom 9. Juli 2003 in der Rechtssache T‑220/00, Cheil Jedang/Kommission,
         Slg. 2003, II‑2473, Randnr. 215).
      
      96     Was die Nachprüfung angeht, ob die Begründungspflicht eingehalten wurde, so muss nach ständiger Rechtsprechung die nach Artikel
         253 EG vorgeschriebene Begründung die Überlegungen des Gemeinschaftsorgans, das den Rechtsakt erlassen hat, so klar und eindeutig
         zum Ausdruck bringen, dass die Betroffenen ihr die Gründe für die erlassene Maßnahme entnehmen können und das zuständige Gericht
         seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Das Begründungserfordernis ist nach den Umständen des Einzelfalls zu beurteilen, insbesondere
         anhand des Inhalts des Rechtsakts, der Art der angeführten Gründe und des Interesses, das die Adressaten oder andere durch
         den Rechtsakt unmittelbar und individuell betroffene Personen an Erläuterungen haben können. In der Begründung brauchen nicht
         alle tatsächlich oder rechtlich einschlägigen Gesichtspunkte genannt zu werden, da die Frage, ob die Begründung eines Rechtsakts
         den Erfordernissen des Artikels 253 EG genügt, nicht nur anhand ihres Wortlauts zu beurteilen ist, sondern auch anhand ihres
         Kontextes und sämtlicher Rechtsvorschriften auf dem betreffenden Gebiet (Urteile des Gerichtshofes vom 13. März 1985 in den
         verbundenen Rechtssachen 296/82 und 318/82, Niederlande und Leeuwarder Papierwarenfabriek/Kommission, Slg. 1985, 809, Randnr.
         19, vom 29. Februar 1996 in der Rechtssache C‑56/93, Belgien/Kommission, Slg. 1996, I‑723, Randnr. 86, und vom 2. April 1998
         in der Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 63, sowie Urteil Cheil Jedang/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 216).
      
      97     Was den Umfang der Begründungspflicht in Bezug auf die Bemessung einer wegen Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft
         verhängten Geldbuße anbelangt, so ist zum einen zu bemerken, dass hierbei Artikel 15 Absatz 2 Unterabsatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 zu beachten ist, worin es heißt: „Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße ist neben der Schwere des Verstoßes auch
         die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen.“ Die Anforderungen an das wesentliche Formerfordernis, um das es sich bei
         der Begründungspflicht handelt, sind erfüllt, wenn die Kommission in ihrer Entscheidung die Beurteilungsgesichtspunkte angibt,
         die es ihr ermöglicht haben, Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung zu ermitteln (Urteile des Gerichtshofes vom 16. November
         2000 in der Rechtssache C‑291/98 P, Sarrió/Kommission, Slg. 2000, I‑9991, Randnr. 73, und vom 15. Oktober 2002 in den verbundenen
         Rechtssachen C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P, Limburgse Vinyl Maatschappij
         u. a./Kommission, Slg. 2000, I‑8375, Randnr. 463). Zum anderen enthalten die Leitlinien und die Mitteilung über Zusammenarbeit
         Regeln über die Beurteilungskriterien, die von der Kommission herangezogen werden, um die Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung
         zu bemessen (Urteil Cheil Jedang/Kommission, oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 217). Unter diesen Umständen sind die Anforderungen
         an das wesentliche Formerfordernis, um das es sich bei der Begründungspflicht handelt, erfüllt, wenn die Kommission in ihrer
         Entscheidung die Beurteilungskriterien angibt, die sie in Anwendung ihrer Leitlinien und gegebenenfalls ihrer Mitteilung über
         Zusammenarbeit herangezogen hat und die es ihr ermöglicht haben, für die Berechnung der Höhe der Geldbuße Schwere und Dauer
         der Zuwiderhandlung zu bemessen (Urteil Cheil Jedang/Kommission, oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 218).
      
      98     Die Kommission ist diesen Anforderungen nachgekommen.
      99     Erstens ist zu der Rüge, die Kommission habe keine vorherige Bestimmung des relevanten Marktes vorgenommen, festzustellen,
         dass die Kommission im vorliegenden Fall nicht verpflichtet war, den betreffenden Markt abzugrenzen. Aus der Rechtsprechung
         geht nämlich hervor, dass im Rahmen von Artikel 81 Absatz 1 EG der relevante Markt zu dem Zweck zu bestimmen ist, entscheiden
         zu können, ob eine Vereinbarung den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist und eine Verhinderung,
         Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezweckt oder bewirkt (Urteil des Gerichts
         vom 21. Februar 1995 in der Rechtssache T‑29/92, SPO u. a./Kommission, Slg. 1995, II‑289, Randnr. 74, Zement‑Urteil, oben
         zitiert in Randnr. 31, Randnr. 1093, und Urteil vom 6. Juli 2000 in der Rechtssache T‑62/98, Volkswagen/Kommission, Slg. 2000,
         II‑2707, Randnr. 230). Folglich muss die Kommission in einer Entscheidung nach Artikel 81 Absatz 1 EG nur dann den relevanten
         Markt abgrenzen, wenn ohne eine solche Abgrenzung nicht bestimmt werden kann, ob die Vereinbarung, der Beschluss der Unternehmensvereinigung
         oder die abgestimmte Verhaltensweise, um die es geht, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist
         und eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs innerhalb des Gemeinsamen Marktes bezweckt oder bewirkt
         (Urteile des Gerichts vom 15. September 1998 in den Rechtssachen  T‑374/94, T‑375/94, T‑384/94 und T‑388/94, European Night
         Services u. a./Kommission, Slg. 1998, II‑3141, Randnrn. 93 bis 95 und 105, und Volkswagen/Kommission, oben zitiert, Randnr.
         230). Die Klägerin bestreitet indessen nicht, dass die hier in Rede stehenden Vereinbarungen oder abgestimmten Verhaltensweisen
         geeignet waren, den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen, und eine Einschränkung und Verfälschung innerhalb
         des Gemeinsamen Marktes bezweckten. Da die Anwendung des Artikels 81 EG durch die Kommission im vorliegenden Fall keine vorherige
         Bestimmung des relevanten Marktes erforderte, kann somit in diesem Punkt keine Verletzung der Begründungspflicht festgestellt
         werden.
      
      100   Aus demselben Grund muss zwar die von der Kommission im Hinblick auf die Anwendung der Leitlinien getroffene Feststellung
         einer von der Klägerin ausgesprochenen Drohung nach den Anforderungen des Artikels 253 EG klar und eindeutig die von der Kommission
         angestellten Überlegungen erkennen lassen, kann aber nicht von der Voraussetzung abhängig gemacht werden, dass zuvor der relevante
         Markt abgegrenzt wird. Die gegenteilige Ansicht der Klägerin ist daher zurückzuweisen.
      
      101   Dasselbe gilt für die Erwägungen hinsichtlich einer Berücksichtigung des Umfangs des räumlichen Marktes. Zu dem Vorbringen
         der Klägerin, infolge der unzureichenden Begründung des nationalen Charakters des Marktes könne es für die Kommission in Betracht
         kommen, unbegründeterweise unterschiedliche Zuwiderhandlungen festzustellen, wodurch der Betrag der Geldbußen zu Lasten der
         Klägerin künstlich erhöht werde, ist lediglich zu bemerken, dass der Kommission eine derartige Absicht rein hypothetisch unterstellt
         wird, wobei dieses Vorbringen auf reinen Mutmaßungen beruht, da es nicht einmal ansatzweise bewiesen ist. Dieses Vorbringen
         ist daher zurückzuweisen.
      
      102   Zweitens ist zu der Rüge, die Kommission habe die Bemessung der Geldbuße unzureichend begründet, zu bemerken, dass die Kommission
         in der 296. bis 328. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung die Gesichtspunkte dargelegt hat, von denen sie bei
         der Berechnung der Geldbußen für die einzelnen betroffenen Unternehmen ausgegangen ist. Aus den genannten Begründungserwägungen
         geht hervor, dass die Kommission klar und eingehend die von ihr angestellten Überlegungen aufgezeigt hat, so dass die Klägerin
         erkennen konnte, welche Kriterien für die Beurteilung der Schwere und der Dauer der Zuwiderhandlung im Hinblick auf die Bemessung
         der Geldbuße herangezogen wurden, und das Gericht seine Kontrollaufgabe wahrnehmen kann. Demgemäß entspricht die angefochtene
         Entscheidung der Begründungsanforderung, der die Kommission gemäß Artikel 253 EG nachzukommen hat.
      
      103   Folglich ist dieser Klagegrund und damit die Gesamtheit der Anträge auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung zurückzuweisen.
      B –  Zum hilfsweise gestellten Antrag auf Herabsetzung der verhängten Geldbuße
      104   Die Klägerin macht sechs Klagegründe für eine Herabsetzung der verhängten Geldbuße geltend. Mit ihnen wird Folgendes gerügt:
         falsche Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung für die Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße unter Verletzung der
         Grundsätze der Verhältnismäßigkeit, der Gleichbehandlung und des Grundsatzes „ne bis in idem“, falsche Ermittlung der Dauer
         der festgestellten Zuwiderhandlung, die unzutreffende Ausnahme eines erschwerenden Umstands wegen auf Interbrew ausgeübten
         Zwanges, unberechtigte Berücksichtigung des erschwerenden Umstands der Tatwiederholung gegenüber der Klägerin, unzureichende
         Berücksichtigung der anwendbaren mildernden Umstände und schließlich falsche Ermittlung des Ausmaßes der Mitarbeit der Klägerin
         unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung und der Mitteilung über Zusammenarbeit.
      
      1.     Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung für die Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße
            unter Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung, der Verhältnismäßigkeit und des Grundsatzes „ne bis in idem“
      a)     Vorbringen der Parteien
       Vorbringen der Klägerin
      105   Die Klägerin ficht den von der Kommission wegen der Schwere der Zuwiderhandlung festgesetzten spezifischen Grundbetrag durch
         vier aufeinanderfolgende Rügen an, nämlich aufgrund einer unter Verletzung der Leitlinien und bestimmter allgemeiner Grundsätze
         des Gemeinschaftsrechts erfolgten falschen Beurteilung erstens der Schwere der Zuwiderhandlung, zweitens ihrer tatsächlichen
         wirtschaftlichen Fähigkeit, andere Wirtschaftsteilnehmer, insbesondere die Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen,
         drittens des Niveaus zur Gewährleistung einer hinreichenden Abschreckungswirkung der Geldbuße und viertens der Berücksichtigung
         des Umstands, dass sie über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und entsprechende Ressourcen verfüge, anhand deren
         sie besser erkennen könne, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstelle und welche Folgen aus wettbewerbsrechtlicher
         Sicht zu gewärtigen seien.
      
      106   Nach Auffassung der Klägerin hätte der Grundbetrag ihrer Geldbuße insbesondere unter Berücksichtigung der gemessen am Gesamtbierverbrauch
         in der Europäischen Union sehr begrenzten mengenmäßigen Bedeutung des unter das Kartell fallenden Erzeugnisses, des sehr begrenzten
         räumlichen Umfangs des Kartells und ihres sehr bescheidenen Umsatzes mit dem betreffenden Erzeugnis auf keinen Fall 8 Mio.
         Euro überschreiten dürfen.
      
      –       Zur Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung: Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
      107   Hinsichtlich der von der Kommission durchgeführten Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung im Sinne von Nummer 1 Abschnitt
         A Absatz 1 der Leitlinien bestreitet die Klägerin nicht die in der 297. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         angeführten Merkmale des Verstoßes, die sie zusammen mit Alken‑Maes anerkannt und der Kommission zur Kenntnis gebracht habe,
         sondern nur die Bedeutung, die die Kommission den Sachverhaltselementen insgesamt beimisst, die in dem Abschnitt der angefochtenen
         Entscheidung über die Schwere der Zuwiderhandlung erwähnt werden, und die daraus resultierende Endeinstufung der Zuwiderhandlung
         als besonders schweren Verstoß. Indem die Kommission eine derartige Einstufung vornehme, obwohl sie vergleichbare Zuwiderhandlungen
         nie als besonders schwer qualifiziert habe, verletze sie den Grundsatz der Gleichbehandlung, da sie gleiche Situationen unterschiedlich
         behandele (Urteil Hercules Chemicals/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 295).
      
      108   Die Klägerin macht zunächst geltend, die Kommission habe nicht die Frage der konkreten Auswirkungen der in Rede stehenden
         Kartellabsprache auf den Markt geprüft, obwohl sie auf die Methode verweise, die in den Leitlinien für die Bestimmung der
         Schwere von Verstößen angegeben sei. 
      
      109   Sie führt ferner aus, dass die Schlussfolgerung der Kommission hinsichtlich der besonderen Schwere der Zuwiderhandlung sowohl
         den in den Leitlinien genannten Beispielen als auch der Entscheidungspraxis nach dem Erlass der Leitlinien widerspreche. Die
         Qualifizierung eines Kartells als besonders schwerer Verstoß gelte üblicherweise nur für durchstrukturierte oder gar institutionalisierte
         Kartelle mit ausgefeilten Überprüfungs‑, Organisations‑ und Durchführungsmechanismen, die nicht mit dem im vorliegenden Fall
         zur Last gelegten Verhalten gemeinsam hätten, und mit weltweiter oder mehrere große Mitgliedstaaten umfassender Tätigkeit.
         Dabei habe sich das kleinste durch solche als besonders schwer angesehene Verstöße betroffene Gebiet auf vier Mitgliedstaaten
         der Gemeinschaft unter den größten Ländern erstreckt (Entscheidung 2003/382/EG der Kommission vom 8. Dezember 1999 in einem
         Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag [Sache IV/E‑1/35.860‑B – Nahtlose Stahlrohre] [ABl. 2003, L 140, S. 1, im Folgenden:
         Entscheidung „Nahtlose Stahlrohre“]).
      
      110   Nach Ansicht der Klägerin hätte die Zuwiderhandlung erstens in Anbetracht eher geringer Förmlichkeit als schwer und nicht
         als besonders schwer eingestuft werden müssen, zumal die Kommission Zuwiderhandlungen als schwer eingestuft habe, deren System
         zumindest ebenso ausgefeilt gewesen sei wie bei der vorliegenden Zuwiderhandlung (Entscheidung 2003/25/EG der Kommission vom
         11. Dezember 2001 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag [Sache COMP/E‑1/37.919 [[ex. 37.391]] – Bankgebühren für den
         Umtausch von Währungen des Euro‑Gebiets – Deutschland], ABl. 2003, L 15, S. 1, im Folgenden: Entscheidung „Deutsche Banken“,
         Entscheidung 1999/271/EG der Kommission vom 9. Dezember 1998 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG‑Vertrag [Sache IV/34.466
         – Griechische Fährschiffe], ABl. 1999, L 109, S. 24, im Folgenden: Entscheidung „Griechische Fährschiffe“, und Entscheidung
         1999/210/EG der Kommission vom 14. Oktober 1998 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG‑Vertrag [Sache IV/F‑3/33.708 – British
         Sugar plc, Sache IV/F‑3/33.709 – Tate & Lyle plc, Sache IV/F‑3/33.710 – Napier Brown & Company Ltd und Sache IV/F‑3/33.711
         – James Budgett Sugars Ltd], ABl. 1999, L 76, S. 1, im Folgenden: Entscheidung British Sugar).
      
      111   Zweitens habe die Kommission in Anbetracht des begrenzten Umfangs des belgischen Hoheitsgebiets unter Verletzung der Grundsätze
         der Verhältnismäßigkeit und der Gleichbehandlung im vorliegenden Fall eine übermäßige Strenge an den Tag gelegt, da ihre Entscheidungspraxis
         erkennen lasse, dass sie es wiederholt als Begründung für die Annahme eines schweren und nicht besonders schweren Verstoßes
         die Tatsache habe gelten lassen, dass die betreffende Zuwiderhandlung nur einen Markt von geringer Bedeutung oder begrenztem
         räumlichem Umfang betroffen habe (Entscheidungen „Griechische Fährschiffe“, „British Sugar“ und „Deutsche Banken“).
      
      112   Drittens sei das Argument der Kommission überzeugend, dass die unmittelbaren Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf die Verbraucher
         als einer der Gesichtspunkte für die Beurteilung der Schwere des Verstoßes zugrunde gelegt worden seien. Zum einen hätten
         nämlich die von den Entscheidungen „Deutsche Banken“ und „British Sugar“ erfassten Kartelle dieselben Merkmale aufgewiesen,
         ohne dass sie die Kommission deshalb als besonders schwer eingestuft habe, und zum anderen habe im vorliegenden Fall die Vertriebsstruktur
         für die in Rede stehenden Erzeugnisse sowohl im Großhandel als auch im Horeca‑Sektor – angesichts der Größe der Lagerhaltungsunternehmen
         – ein wichtiges Gegengewicht zu dem Kartell gebildet, so dass dessen negative Folgen für die Verbraucher zum Teil hätten abgeschwächt
         werden können.
      
      113   Demgemäß durfte die Kommission nach Ansicht der Klägerin, sollte nicht der Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt werden,
         die in der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung nicht als besonders schwer einstufen, da sie kein durchorganisiertes
         Kartell mit ausgeprägten Strukturen und Mechanismen zur Einhaltung von Absprachen zwischen Unternehmen dargestellt und sich
         nur auf einen begrenzten Raum und einen kleinen Teil der Bierproduktion in der Europäischen Union bezogen habe. Folglich sei
         die Geldbuße erheblich herabzusetzen.
      
      114   Selbst wenn die Kommission mit der Einstufung der Zuwiderhandlung als besonders schwer nicht den Grundsatz der Gleichbehandlung
         verletzt haben sollte, müsste nach Ansicht der Klägerin doch auf jeden Fall der Grundbetrag der Geldbuße herabgesetzt werden,
         um den sehr geringen Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Gemeinschaftsmarkt und dem geringen Verkaufsvolumen der vom
         Kartell erfassten Erzeugnisse Rechnung zu tragen, wie es die Kommission in der Entscheidung „Nahtlose Stahlrohre“ getan habe.
         In dieser Entscheidung habe die Kommission nämlich, ohne die Zuwiderhandlung anders einzustufen, einen Grundbetrag angesetzt,
         der nur halb so hoch gewesen sei wie der in den Leitlinien für besonders schwere Zuwiderhandlungen vorgesehene Betrag, und
         dies damit begründet, dass die Verkäufe der betreffenden Erzeugnisse durch die Kartellteilnehmer in den vier betroffenen Mitgliedstaaten
         nur zirka 19 % des Gemeinschaftsverbrauchs ausgemacht hätten. Im vorliegenden Fall machten die unter das Kartell fallenden
         Erzeugnisse aber weniger als 2,5 % des Gesamtverbrauchs der Europäischen Union aus. Der von der Kommission angesetzte spezifische
         Grundbetrag stehe demnach außer Verhältnis zu dem Volumen und dem Wert der betreffenden Erzeugnisse und müsse daher reduziert
         werden.
      
      –       Zur Beurteilung der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Klägerin, andere Wirtschaftsteilnehmer in erheblichem Umfang
         zu schädigen: Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit
      
      115   Zur von der Kommission vorgenommenen Beurteilung der wirtschaftlichen Fähigkeit der Klägerin, den Wettbewerb zu beeinträchtigen,
         macht die Klägerin geltend, die Kommission müsse dabei als Bezugsrahmen den Markt heranziehen, auf dem die Zuwiderhandlung
         in Erscheinung getreten sei, wobei die Höhe der Geldbuße in einem angemessenen Verhältnis zu dem Umsatz stehen müsse, der
         auf diesem Markt erzielt worden sei (Urteil des Gerichts vom 14. Juli 1994 in der Rechtssache T‑77/92, Parker Pen/Kommission,
         Slg. 1994, II‑549, Randnr. 94).
      
      116   Überdies müsse bei der Beurteilung der Fähigkeit der betreffenden Unternehmen, den Wettbewerb zu beeinflussen, deren Stellung
         auf dem Referenzmarkt berücksichtigt werden.
      
      117   Diese beiden Prinzipien würden in der angefochtenen Entscheidung zwar erwähnt, die Kommission sei ihnen jedoch nicht gefolgt.
         Während Interbrew im entscheidungserheblichen Zeitraum bei ihrem Absatz auf dem betreffenden Markt im Vergleich zur Klägerin
         einen viermal so hohen Umsatz erzielt habe, sei der spezifische Grundbetrag für Interbrew weniger als zweimal so hoch wie
         für die Klägerin. Diese Unverhältnismäßigkeit stehe im Gegensatz zu der jüngsten Praxis der Kommission, wie sie aus der Entscheidung
         2003/674/EG vom 2. Juli 2002 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag und Artikel 53 EWR‑Abkommen (Sache C.37.519 – Methionin)
         (ABl. 2003, L 255, S. 1, im Folgenden: Entscheidung „Methionin“) hervorgehe; darin habe die Kommission die Auffassung vertreten,
         dass sich in der Differenz zwischen den verhängten Geldbußen der große Unterschied zwischen dem Marktanteil des größten Herstellers
         auf dem Weltmarkt und einem seiner Wettbewerber mit einem fünfmal geringeren Marktanteil widerspiegeln müsse.
      
      118   Zudem habe die Kommission nicht die beherrschende Stellung von Interbrew auf dem belgischen Biermarkt berücksichtigt, die
         die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Klägerin zur Beeinflussung des Marktes oder gar zu einer erheblichen Schädigung
         des Wettbewerbs zwangsläufig als sehr begrenzt habe erscheinen lassen. Im Übrigen habe die Klägerin nur versucht, ihrer fortschreitenden
         Marginalisierung Einhalt zu gebieten.
      
      119   Indem die Kommission davon ausgehe, den Grundbetrag der Geldbuße entsprechend dem Gesamtumsatz der Klägerin als einem Gradmesser
         für deren „Schädigungspotenzial“ und nicht anhand des auf dem betreffenden Markt erzielten Umsatzes festsetzen zu können,
         habe sie den in der angefochtenen Entscheidung genannten Gesichtspunkt der „Fähigkeit, den Wettbewerb in erheblichem Umfang
         zu schädigen“, aus dem Auge verloren. Wenn die Kommission einen umfassenderen Umsatz als den am belgischen Biermarkt erzielten
         habe berücksichtigen wollen, hätte sie die betreffenden Märkte bestimmen und zugleich dartun müssen, inwiefern die Tätigkeiten
         der Klägerin auf diesen anderen Märkten es ihr ermöglichten, den Wettbewerb auf dem Biermarkt zu schädigen.
      
      120   Die jeweils für Interbrew und die Klägerin festgesetzten Geldbußen gäben bei weitem nicht das hervorstechende Ungleichgewicht
         zwischen den Stellungen der beiden Unternehmen wieder und ließen im Gegenteil erkennen, dass der zu Lasten der Klägerin festgesetzte
         spezifische Grundbetrag offensichtlich außer Verhältnis zu deren tatsächlichen Fähigkeit zur Beeinflussung des Marktes stehe.
      
      121   Während der gegenüber Interbrew festgesetzte Betrag in Höhe von 45 Mio. Euro weniger als 6,6 % des 1998 von diesem Unternehmen
         erzielten Umsatzes ausmache, habe die Kommission mit einem Betrag in Höhe von 25 Mio. Euro für die Klägerin dieser eine Belastung
         auferlegt, die mehr als 20 % über dem Umsatz liege, den das tatsächlich mit dem Kartell verbundene Unternehmen Alken‑Maes
         im Jahr 2000 erreicht habe. Demnach wäre der in der Verordnung Nr. 17 festgelegte Grenzwert von 10 % des Gesamtumsatzes bei
         weitem überschritten worden, wenn Alken‑Maes für ihr eigenes Verhalten zur Rechenschaft gezogen worden wäre.
      
      –       Zur Festsetzung der Geldbuße in einer Höhe, die ihr eine hinreichende Abschreckungswirkung verleiht: Verletzung des Grundsatzes
         der Verhältnismäßigkeit
      
      122   Die Klägerin rügt zum einen, dass die Kommission nicht angegeben habe, welcher Abschreckungsfaktor bei der Berechnung des
         Grundbetrags herangezogen worden sei, und dass sie nicht die Grundsätze offen gelegt habe, die der Anwendung des Abschreckungskriteriums
         gedient hätten, obgleich sie in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt habe, dass die Klägerin und Interbrew große internationale
         Unternehmen seien und es sich bei Ersterer zudem um einen Mischkonzern handele.
      
      123   Zum anderen beruhe die von der Kommission zur Abschreckung vorgenommene Erhöhung der Geldbuße auf Gründen, die unerheblich
         und die verhältnismäßig seien.
      
      124   So müsse sich die Bemessung der Geldbuße in einer abschreckenden Höhe nach einem Wettbewerbsziel bestimmen und sich nur nach
         der Größe des Unternehmens auf dem betreffenden Markt und seinen Gewinnerwartungen aus dem zur Last gelegten Marktverhalten
         richten. Umstände wie die internationale Dimension des Unternehmens oder seine Rückfälligkeit könnten nicht relevant sein.
         Im Gegensatz zur Feststellung der Kommission gegenüber ABB Asea Brown Boveri in der Entscheidung 1999/60/EG vom 21. Oktober
         1998 in einem Verfahren nach Artikel 85 EG‑Vertrag (IV/35.691/E-4 – Fernwärmetechnik‑Kartell) (ABl. 1999, L 24, S. 1, im Folgenden:
         Entscheidung „Fernwärmetechnik“) werde im vorliegenden Fall nicht einmal behauptet, dass die Struktur der Klägerin und das
         Vorhandensein ausländischer Tochtergesellschaften im Biersektor das streitige Verhalten erleichtert hätten.
      
      125   Nach der Wirtschaftslehre reiche der Betrag einer Geldbuße im Übrigen aus, wenn er die Gewinnerwartungen des Kartellteilnehmers
         überschreite. Im vorliegenden Fall hätte eine wesentlich niedrigere Geldbuße diese Voraussetzung erfüllt, da die Ertragslage
         der Klägerin auf dem betreffenden Markt während des gesamten Beanstandungszeitraums negativ gewesen sei.
      
      126   Selbst wenn die Geldbuße, wie die Kommission behaupte, zum Zwecke der Abschreckung umso höher sein müsse, je geringer die
         Wahrscheinlichkeit der Entdeckung einer Zuwiderhandlung sei – dies treffe auf geheime Kartelle zu –, hätte die Kommission
         gegenüber der Klägerin eine wesentlich geringere Geldbuße verhängen müssen. Das hier in Rede stehende Kartell sei zudem nicht
         geheim gewesen, da mehrere mit ihm im Zusammenhang stehende Treffen in Gegenwart von Wettbewerbern stattgefunden hätten, wie
         etwa die Gespräche der Arbeitsgruppe „Vision 2000“, oder in Anwesenheit von Händlern, wie etwa die Sitzung am 28. Januar 1993;
         dabei hätten Letztere das Vorgehen der Kartellteilnehmer sehr genau verfolgt, wie ein Schreiben des Verbands der Bierverleger
         an die Bierbrauer zeige.
      
      127   Schließlich sei die Berücksichtigung jedes Abschreckungsziels überflüssig gewesen, da die Abschreckungswirkung – wie die sofortige
         Einstellung des Austauschs von Verkaufsdaten zeige – im vorliegenden Fall bereits mit Beginn der Ermittlungen und der von
         der Klägerin eingeleiteten Zusammenarbeit erreicht worden sei.
      
      –       Zur Berücksichtigung des Umstands, dass große Unternehmen im Allgemeinen über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand
         und entsprechende Ressourcen verfügen: Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“
      
      128   Die Klägerin führt aus, indem die Kommission den Umstand berücksichtigt habe, dass die Klägerin über juristischen und wirtschaftlichen
         Sachverstand und entsprechende Ressourcen verfüge, anhand deren sie besser erkennen könne, in welchem Maß ihre Vorgehensweise
         einen Verstoß darstelle und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben könne, habe sie insofern den Grundsatz
         „ne bis in idem“ verletzt, als sie die Geldbuße in der angefochtenen Entscheidung auch wegen Tatwiederholung angehoben habe.
      
       Vorbringen der Kommission
      129   Hinsichtlich der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung weist die Kommission auf die Schwere des fraglichen Verhaltens
         hin und erklärt, dass eine Qualifizierung auf einen einzigen Mitgliedstaat beschränkter Zuwiderhandlungen als besonders schwer
         nicht im Gegensatz zu ihrer Entscheidungspraxis stehe. Außerdem bemesse sich die Größe eines Sektors nicht allein nach seinem
         geografischen Umfang, sondern auch nach seiner wirtschaftlichen Bedeutung. Da der belgische Biersektor rund 1,2 Mrd. Euro
         ausmache, sei die Zuwiderhandlung in einem sehr wichtigen Bereich begangen worden. Der Verstoß habe sich zudem unmittelbar
         auf die Verbraucher ausgewirkt, und die Besonderheiten des Biervertriebs hätten diese Auswirkung keineswegs abgeschwächt.
      
      130    Was das Kriterium der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit anbelangt, andere Wirtschaftsteilnehmer, insbesondere die
         Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen, so macht die Kommission darauf aufmerksam, dass der Gesamtumsatz der Klägerin
         wesentlich größer sei als derjenige von Interbrew. Überdies könne die Kommission die Art des zu berücksichtigenden Umsatzes
         selbst wählen, nämlich den Gesamtumsatz oder den Umsatz, der in dem betreffenden Sektor erzielt werde; beide Umsatzarten könnten
         gegebenenfalls sogar kombiniert werden. Ferner sei es ohne Belang, dass der festgesetzte spezifische Grundbetrag 20 % des
         jährlichen Gesamtumsatzes von Alken‑Maes ausmache, da der in der Verordnung Nr. 17 vorgesehene Grenzwert im vorliegenden Fall
         auf den Umsatz der Klägerin anzuwenden sei.
      
      131   Zu der hinreichenden Abschreckungswirkung der Geldbuße bemerkt die Kommission, dass die Geldbuße bei einer geheimen Zuwiderhandlung
         viel höher sein müsse als der zu erwartende Gewinn, wobei die Größe und die Produktvielfalt der Klägerin relevante Gesichtspunkte
         für die Ermittlung des Abschreckungseffekts seien. Weder die Beendigung der Zuwiderhandlung noch die Mitarbeit der Klägerin
         lasse im Übrigen darauf schließen, dass ein angemessenes Abschreckungsniveau erreicht worden sei.
      
      132   Im Zusammenhang mit der Berücksichtigung des Umstands, dass große Unternehmen im Allgemeinen über den erforderlichen juristischen
         und wirtschaftlichen Sachverstand und die entsprechenden Ressourcen verfügten, gehe schließlich die von der Klägerin aus einer
         Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“ fehl. Die Kommission habe sich bei der Ermittlung des spezifischen Grundbetrags
         auf das Wissen der Klägerin von der Rechtswidrigkeit ihres Handelns gestützt, während der Vorwurf der Tatwiederholung auf
         der Fortführung des unerlaubten Verhaltens der Klägerin beruhe.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      133   Vorab ist darauf hinzuweisen, dass Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bestimmt: „Die Kommission kann gegen Unternehmen
         und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis einer Million [Euro] oder über diesen
         Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr
         erzielten Umsatzes festsetzen, wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig … gegen Artikel [81] Absatz (1) … des Vertrages verstoßen
         …“ In derselben Bestimmung ist vorgesehen, dass „[b]ei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße … neben der Schwere des Verstoßes
         auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen [ist]“ (Urteil des Gerichts LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr.
         57, Randnr. 223).
      
      134   Zudem verfügt die Kommission nach ständiger Rechtsprechung im Rahmen der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der
         Geldbuße über einen Ermessensspielraum, um das Verhalten der Unternehmen auf die Einhaltung der Wettbewerbsregeln ausrichten
         zu können (Urteile des Gerichts vom 6. April 1995 in der Rechtssache T‑150/89, Martinelli/Kommission, Slg. 1995, II‑1165,
         Randnr. 59, vom 11. Dezember 1996 in der Rechtssache T‑49/95, Van Megen Sports/Kommission, Slg. 1996, II‑1799, Randnr. 53,
         und vom 21. Oktober 1997 in der Rechtssache T‑229/94, Deutsche Bahn/Kommission, Slg. 1997, II‑1689, Randnr. 127).
      
      135   Überdies wird die Kommission dadurch, dass sie in der Vergangenheit für bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen Geldbußen in
         einer bestimmten Höhe verhängt hat, nicht daran gehindert, dieses Niveau innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen
         Grenzen anzuheben, wenn dies erforderlich ist, um die Durchführung der gemeinschaftlichen Wettbewerbspolitik sicherzustellen
         (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnr. 109, sowie Urteile des Gerichts
         vom 10. März 1992 in der Rechtssache T‑12/89, Solvay/Kommission, Slg. 1992, II‑907, Randnr. 309, und vom 14. Mai 1998 in der
         Rechtssache T‑304/94, Europa Carton/Kommission, Slg. 1998, II‑869, Randnr. 89). Die wirksame Anwendung der Wettbewerbsregeln
         der Gemeinschaft verlangt vielmehr, dass die Kommission das Niveau der Geldbußen jederzeit den Erfordernissen dieser Politik
         anpassen kann (Urteile Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnr. 109, und LR AF 1998/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 57, Randnrn. 236 und 237).
      
      136   Es ist indessen zu bemerken, dass das Gericht nach Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 bei Klagen gegen Entscheidungen der Kommission,
         in denen eine Geldbuße festgesetzt ist, die Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung im Sinne von Artikel 229 EG hat, so dass
         es die verhängte Geldbuße aufheben, herabsetzen oder erhöhen kann. Das Gericht hat im Rahmen seiner unbeschränkten Nachprüfung
         zu beurteilen, ob die Höhe der verhängten Geldbuße im Verhältnis zu der Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung steht (vgl.
         in diesem Sinne Urteile Deutsche Bahn/Kommission, oben zitiert in Randnr. 134, Randnrn. 125 und 127, und Cheil Jedang/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 93), sowie die Schwere der Zuwiderhandlung und die von der Klägerin geltend gemachten
         Umstände gegeneinander abzuwägen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 14. November 1996 in der Rechtssache C‑333/94 P,
         Tetra Pak/Kommission, Slg. 1996, I‑5951, Randnr. 48).
      
      137   Ferner ist die Schwere der Zuwiderhandlungen nach ständiger Rechtsprechung anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu ermitteln,
         zu denen u. a. die besonderen Umstände der Sache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören, ohne dass
         es eine zwingende oder abschließende Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssen (Beschluss
         des Gerichtshofes vom 25. März 1996 in der Rechtssache C‑137/95 P, SPO u. a./Kommission, Slg. 1996, I‑1611, Randnr. 54, und
         Urteil des Gerichtshofes vom 17. Juli 1997 in der Rechtssache C‑219/95 P, Ferriere Nord/Kommission, Slg. 1997, I‑4411, Randnr.
         33, sowie Urteile des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑334/94, Sarrió/Kommission, Slg. 1998, II‑1439, Randnr.
         328, und LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 236). Bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
         ist insbesondere die Art der Wettbewerbsbeschränkungen zu berücksichtigen (Urteil des Gerichtshofes vom 15. Juli 1970 in der
         Rechtssache 45/69, Boehringer/Kommission, Slg. 1970, 769, Randnr. 53, sowie Urteil des Gerichts vom 22. Oktober 1997 in den
         Rechtssachen  T‑213/95 und T‑18/96, SCK und FNK/Kommission, Slg. 1997, II‑1739, Randnr. 246). Die Kommission muss zudem sicherstellen,
         dass ihr Vorgehen vor allem in Bezug auf solche Zuwiderhandlungen, die die Verwirklichung der Ziele der Gemeinschaft besonders
         beeinträchtigen, die notwendige abschreckende Wirkung hat (Urteile Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 50, Randnrn. 105 und 106, und ABB Asea Brown Boveri/Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnr. 166).
      
      138   Durch den Erlass der Leitlinien, die unter Beachtung des Vertrages die Kriterien festlegen sollen, die die Kommission bei
         der Ausübung ihrer Ermessensbefugnis heranziehen will, ergibt sich nach der Rechtsprechung indessen eine Selbstbeschränkung
         dieser Befugnis, da sich die Kommission an die Richtlinien halten muss, die sie sich selbst auferlegt hat (Urteil Hercules
         Chemicals/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 53, im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil des Gerichtshofes
         vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache C‑51/92 P, Hercules Chemicals/Kommission, Slg. 1999, I‑4235, Randnr. 75). Bei der Beurteilung
         der Schwere einer Zuwiderhandlung muss die Kommission somit unter einer Vielzahl von Gesichtspunkten auf jeden Fall die Kriterien
         berücksichtigen, die in den Leitlinien enthalten sind, sofern sie nicht genau die Gründe darlegt, die es gegebenenfalls rechtfertigen,
         in einem bestimmten Punkt von diesen Kriterien abzuweichen (Urteil des Gerichts vom 19. März 2003 in der Rechtssache T‑213/00,
         CMA CGM u. a./Kommission, so genanntes Urteil FETTCSA, Slg. 2003, II‑913, Randnr. 271).
      
      139   Nach den Leitlinien geht die Kommission bei der Berechnung der Geldbuße von einem allgemeinen Grundbetrag aus, der nach Maßgabe
         der Schwere des Verstoßes errechnet wird. Bei der Beurteilung der Schwere des Verstoßes sind seine Art und die konkreten Auswirkungen
         auf den Markt, sofern diese messbar sind, sowie der Umfang des betreffenden räumlichen Marktes zu berücksichtigen (Nr. 1 Abschnitt
         A Absatz 1). Hierbei werden die Verstöße in drei Gruppen unterteilt, nämlich in „minder schwere Verstöße“ mit einer voraussichtlichen
         Geldbuße von 1 000 bis 1 Mio. Euro, „schwere Verstöße“, bei denen die Geldbuße zwischen 1 Mio. und 20 Mio. Euro liegen kann,
         und „besonders schwere Verstöße“ mit einer voraussichtlichen Geldbuße oberhalb von 20 Mio. Euro (Nr. 1 Abschnitt A Absatz
         2 erster bis dritter Gedankenstrich).
      
      140   Die Kommission führt aus, dass es sich bei den minder schweren Verstößen in den häufigsten Fällen z. B. um vertikale Beschränkungen
         des Handels mit begrenzten Auswirkungen auf den Markt handelt, die zwar einen wesentlichen, jedoch relativ engen Teil des
         Gemeinschaftsmarktes betreffen (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 2 erster Gedankenstrich der Leitlinien). Bei den schweren Verstößen
         geht es in den meisten Fällen um horizontale oder vertikale Beschränkungen der gleichen Art wie bei den minder schweren Verstößen;
         sie werden jedoch entschlossener angewandt, ihre Auswirkungen auf den Markt sind umfassender, und sie können in einem größeren
         Teil des Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen. Dabei kann es sich auch um den Missbrauch marktbeherrschender Stellungen handeln
         (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 2 zweiter Gedankenstrich). Bei den besonders schweren Verstößen schließlich handelt es sich im Wesentlichen
         um horizontale Beschränkungen, wie z. B. Preiskartelle, Marktaufteilungsquoten und sonstige Beschränkungen der Funktionsweise
         des Binnenmarktes, wie z. B. die Abschottung der nationalen Märkte oder Missbräuche marktbeherrschender Stellungen von Unternehmen
         in Quasi‑Monopolstellung (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 2 dritter Gedankenstrich).
      
      141   Nach den Leitlinien ermöglicht innerhalb dieser einzelnen Kategorien, insbesondere bei den als „schwer“ und „besonders schwer“
         eingestuften, die Skala der festzusetzenden Geldbußen eine Differenzierung gemäß der Art des begangenen Verstoßes (Nr. 1 Abschnitt
         A Absatz 3). Ferner ist die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber des Verstoßes, andere Wirtschaftsteilnehmer,
         insbesondere die Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen und die Geldbuße so zu bemessen, dass
         eine hinreichend abschreckende Wirkung gewährleistet ist (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 4). Darüber hinaus kann auch der Tatsache
         Rechnung getragen werden, dass Großunternehmen in den meisten Fällen über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und
         Ressourcen verfügen, anhand deren sie besser erkennen können, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und
         welche Folgen aus wettbewerbsrechtlicher Sicht zu gewärtigen sind (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 5).
      
      142   Bei Verstößen, an denen, wie bei Kartellen, mehrere Unternehmen beteiligt sind, sollten in bestimmten Fällen die innerhalb
         der drei vorstehend beschriebenen Gruppen festgesetzten Beträge gewichtet werden, um das jeweilige Gewicht und damit die tatsächliche
         Auswirkung des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb zu berücksichtigen, vor allem, wenn an einem Verstoß
         derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren, und es sollte der allgemeine Grundbetrag dementsprechend
         dem besonderen Charakter der einzelnen Unternehmen angepasst werden (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 6).
      
      143   In den Leitlinien wird zudem ausgeführt, dass der Grundsatz der Strafgleichheit für die gleiche Verhaltensweise somit gegebenenfalls
         dazu führen kann, dass abgestufte Beträge gegenüber den beteiligten Unternehmen festgesetzt werden, wobei dieser Abstufung
         eine arithmetische Formel zugrunde liegt (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 7).
      
      144   Anhand dieser Grundsätze ist zunächst zu prüfen, ob die Kommission bei der Anwendung der in den Leitlinien für die Beurteilung
         der Schwere der Zuwiderhandlung festgelegten Methode die von der Klägerin geltend gemachten Grundsätze verletzt hat. Sodann
         ist festzustellen, ob – unter der von der Klägerin hilfsweise herangezogenen Voraussetzung, dass die Zuwiderhandlung als besonders
         schwer einzustufen ist – der letztlich für die Klägerin angesetzte spezifische Grundbetrag von 25 Mio. Euro seinerseits angemessen
         ist im Verhältnis zu den von der Klägerin vorgetragenen Umständen, dass sich die Zuwiderhandlung nur sehr wenig auf den Gemeinschaftsmarkt
         ausgewirkt habe und der Absatz der vom Kartell erfassten Erzeugnisse nur einen geringen Umfang erreicht habe.
      
       Zur Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
      145   Aus der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass die Kommission bei der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung folgende
         Gesichtspunkte zugrunde gelegt hat: das Wesen der Zuwiderhandlung sowie die Umstände, dass sich das Kartell auf alle Segmente
         des Biermarktes bezog, dass die streitigen Besprechungen auf der höchsten Managementebene stattfanden, dass sich die Absprachen
         und Abstimmungen auf eine breite Palette von Wettbewerbsparametern erstreckten, dass nicht gefolgert werden kann, das Kartell
         habe keine oder nur beschränkte Rückwirkung auf den Markt gehabt, und dass der betreffende räumliche Markt das gesamte belgische
         Staatsgebiet umfasste.
      
      146   Hinsichtlich der Frage, ob die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung mit den Leitlinien und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         im Einklang steht, ist zunächst zu prüfen, wie die Kommission diese Schwere im Hinblick auf die drei relevanten Gesichtspunkte,
         nämlich die Art der Zuwiderhandlung, ihre konkreten Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar sind, und den Umfang
         des betreffenden räumlichen Marktes, ermittelt hat (vgl. oben, Randnr. 139).
      
      147   Zunächst ist zu der Art der Zuwiderhandlung festzustellen, dass die Klägerin die in der 297. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung genannten Umstände nicht bestreitet, nämlich dass das Kartell insbesondere einen allgemeinen Nichtangriffspakt,
         einen Austausch von Informationen über den Absatz, eine unmittelbare und mittelbare Vereinbarung und Abstimmung von Preisen
         und Verkaufsförderung im Einzelhandel, die Aufteilung der Kunden im Horeca‑Markt sowie die Beschränkung von Investitionen
         und Werbung auf demselben Markt umfasste. Nach ständiger Rechtsprechung gehören horizontale Preisabsprachen zu den schwersten
         Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft und können daher als solche als besonders schwere Verstöße eingestuft
         werden (Urteile des Gerichts vom 12. Juli 2001 in den verbundenen Rechtssachen  T‑202/98, T‑204/98 und T‑207/98, Tate & Lyle
         u. a./Kommission, Slg. 2001, II‑2035, Randnr. 103, und FETTCSA, oben zitiert in Randnr. 138, Randnr. 262). Die von der Kommission
         in der 297. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung aufgezeigten Mechanismen gehören, über den Umstand hinaus,
         dass sie eine Preisabsprache darstellen, zu den schwerwiegendsten Arten einer Beeinträchtigung des Wettbewerbs, da sie schlichtweg
         darauf abzielen, diesen zwischen den beteiligten Unternehmen auszuschalten. Somit kann die Schlussfolgerung der Kommission,
         dass die in Rede stehenden Vereinbarungen und Abstimmungen ihrem Wesen nach einen besonders schweren Verstoß darstellen, nicht
         bestritten werden. Dies gilt umso mehr, als die Kommission darüber hinaus dargelegt hat, dass sich die Vereinbarungen und
         Abstimmungen auf eine breite Palette von Wettbewerbsparametern bezogen und alle Segmente des Biermarktes erfasst hätten, wobei
         sich dies unmittelbar und logischerweise aus den Sachverhaltselementen ergibt, die in der 297. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung aufgeführt sind und die die Klägerin nicht bestreitet. Auch die das Kartell betreffenden Zusammenkünfte auf höchster
         Ebene, nämlich auf der Ebene der Generaldirektionen der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaft, die ebenfalls nicht bestritten
         werden, sind nicht dazu angetan, die besondere Schwere der Art der Zuwiderhandlung zu mindern. 
      
      148   Zu dem Gesichtspunkt der Auswirkungen des Kartells ist festzustellen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         zwar bemerkt hat, dass bestimmte Komponenten des Kartells nicht oder nicht vollständig umgesetzt worden seien, jedoch die
         Schlussfolgerung ausgeschlossen hat, dass keine oder nur beschränkte Auswirkungen auf dem Markt vorgelegen hätten. Zur Bekräftigung
         dessen hat die Kommission nicht nur auf den schriftlichen Beweis in Form von Aufzeichnungen eines Vertreters von Interbrew
         anlässlich eines Treffens am 28. Januar 1998 hingewiesen, worin bestimmte Umsetzungen dargestellt werden, sondern sie hat
         auch aufgezeigt, dass es einen tatsächlichen Informationsaustausch über Absatzzahlen zwischen Alken‑Maes und Interbrew gegeben
         hatte. Auch eine teilweise Umsetzung einer wettbewerbswidrigen Zwecken dienenden Vereinbarung genügt indessen, um auszuschließen,
         dass diese Vereinbarung sich nicht auf den Markt ausgewirkt hat.
      
      149   Das Argument der Klägerin, das Kartell sei wenig entwickelt und nicht sehr förmlich gewesen, was von einer geringen Tatabsicht
         zeuge, wird durch die Tatsachen widerlegt. Die von der Klägerin nicht bestrittene Vielfalt und Gleichzeitigkeit der mit dem
         Kartell verfolgten Ziele lassen nämlich einen wahren wettbewerbswidrigen Plan erkennen, der nicht von einer geringen, sondern
         vielmehr von einer ausgeprägten Tatabsicht zeugt. Auch wenn das Kartell durch einen geringen Förmlichkeitsgrad gekennzeichnet
         gewesen sein sollte, lässt es also doch einen hohen Ausgestaltungsgrad erkennen.
      
      150   Zum Kriterium des Umfangs des betreffenden räumlichen Marktes schließlich stellt die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         fest, dass das Kartell das gesamte belgische Staatsgebiet umfasst habe, was die Klägerin nicht bestreitet. Aus der Rechtsprechung
         geht indessen hervor, dass ein räumlicher Markt, der sich auf das gesamte Gebiet eines Staates bezieht, einen wesentlichen
         Teil des Gemeinsamen Marktes ausmacht (Urteil des Gerichtshofes vom 9. November 1983 in der Rechtssache 322/81, Michelin/Kommission,
         Slg. 1983, 3461, Randnr. 28). Wie die Kommission zudem in den Leitlinien ausführt, handelt es sich bei besonders schweren
         Verstößen zumeist um horizontale Beschränkungen wie z. B. Preiskartelle, Marktaufteilungsquoten und sonstige Beschränkungen
         der Funktionsweise des Binnenmarktes (vgl. oben, Randnr. 140). Aus dieser als Hinweis dienenden Beschreibung ergibt sich,
         dass sich Vereinbarungen oder aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die – wie im vorliegenden Fall – insbesondere auf
         die Festsetzung der Preise und die Aufteilung der Kunden abzielen, bereits aufgrund ihres Wesens als besonders schwer einstufen
         lassen, ohne dass es erforderlich wäre, dass solche Verhaltensweisen durch eine Rückwirkung oder einen besonderen räumlichen
         Umfang gekennzeichnet sind. Dies wird dadurch bekräftigt, dass in der als Hinweis dienenden Beschreibung der als schwer anzusehenden
         Verstöße erwähnt wird, es handele sich dabei um Zuwiderhandlungen der gleichen Art wie bei den als minder schwer eingestuften
         Verstößen, „die jedoch entschlossener angewandt werden, deren Auswirkungen auf den Markt umfassender sind und die in einem
         größeren Teil des Gemeinsamen Marktes zum Tragen kommen können“, während bei der Beschreibung der besonders schweren Verstöße
         kein Erfordernis der Auswirkung auf den Markt oder in einem besonderen räumlichen Bereich erwähnt wird.
      
      151   Demgemäß hat die Kommission nicht den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt, als sie die Zuwiderhandlung im Sinne von
         Nummer 1 Abschnitt A der Leitlinien als besonders schwer einstufte.
      
      152   Hierbei ist zu bemerken, dass das Gericht bei einem Preiskartell mit begrenztem räumlichem Markt die Auffassung vertreten
         hat, dass die Einstufung dieses Kartells wegen ihrer beschränkten Auswirkung auf den Markt als „schwer“ bereits eine mildere
         Beurteilung darstelle im Vergleich zu den allgemein geltenden Kriterien für die Festsetzung von Geldbußen im Fall von Preiskartellen,
         wonach die Kommission das Kartell als besonders schweren Verstoß hätte einstufen müssen (Urteil Tate & Lyle u. a./Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 147, Randnr. 103).
      
      153   Was ferner das Vorbringen anbelangt, die Kommission sei im vorliegenden Fall unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
         von ihrer Entscheidungspraxis abgewichen, so ist darauf hinzuweisen, dass die frühere Entscheidungspraxis der Kommission nicht
         den rechtlichen Rahmen für Geldbußen in Wettbewerbssachen bildet (Urteil LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57,
         Randnr. 234) und dass außerdem die Kommission nach ständiger Rechtsprechung (vgl. oben, Randnr. 134) im Rahmen der Verordnung
         Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße über einen Ermessensspielraum verfügt, um das Verhalten der Unternehmen auf
         die Einhaltung der Wettbewerbsregeln ausrichten zu können. Sie hat also im Rahmen ihrer Ermessensbefugnis und der Anhaltspunkte
         in Nummer 1 Abschnitt A Absatz 2 dritter Gedankenstrich der Leitlinien festzustellen, ob die Umstände der von ihr zu behandelnden
         Sache die Einstufung der Zuwiderhandlung als besonders schwer rechtfertigen. Aus den vorstehenden Randnummern 146 bis 152
         ergibt sich, dass dies der Fall ist.
      
      154   Wie bereits oben in den Randnummern 134 und 135 ausgeführt, wird die Kommission dadurch, dass sie in der Vergangenheit für
         bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen Geldbußen in einer bestimmten Höhe verhängt hat, nicht daran gehindert, dieses Niveau
         innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen Grenzen anzuheben, wenn dies erforderlich ist, um die Durchführung der gemeinschaftlichen
         Wettbewerbspolitik sicherzustellen. Die wirksame Anwendung der Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verlangt vielmehr, dass
         die Kommission das Niveau der Geldbußen jederzeit den Erfordernissen dieser Politik anpassen kann. Dies kann keine Verletzung
         des Grundsatzes der Gleichbehandlung durch die Kommission im Vergleich zu ihrer früheren Praxis darstellen (vgl. in diesem
         Sinne Urteil des Gerichts vom 20. April 1999 in den Rechtssachen  T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94,
         T‑325/94, T‑328/94, T‑329/94 und T‑335/94, Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, so genanntes Urteil PVC II, Slg.
         1999, II‑931, Randnr. 1232).
      
      155   Folglich hat sich die Kommission an ihre Leitlinien gehalten und weder den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit noch den Grundsatz
         der Gleichbehandlung verletzt, als sie die besondere Schwere der hier in Rede stehenden Zuwiderhandlung im Sinne von Nummer
         1 Abschnitt A Absatz 1 der Leitlinien feststellte.
      
       Zur Beurteilung der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Klägerin, andere Wirtschaftsteilnehmer in erheblichem Umfang
         zu schädigen
      
      156   Nach den Leitlinien sollte bei Verstößen, an denen, wie bei Kartellen, mehrere Unternehmen beteiligt sind, für eine Zuwiderhandlung
         einer bestimmten Schwere der allgemeine Grundbetrag gewichtet werden, um zu einem spezifischen Grundbetrag zu gelangen, der
         das Gewicht und damit die tatsächliche Auswirkung des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb berücksichtigt,
         vor allem, wenn an einem Verstoß derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren (Nr. 1 Abschnitt
         A Absatz 6, vgl. oben, Randnr. 142). Insbesondere ist die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber des Verstoßes
         zu berücksichtigen, andere Wirtschaftsteilnehmer, darunter die Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen (Nr. 1 Abschnitt
         A Absatz 4, vgl. oben, Randnr. 141).
      
      157   Wie zudem aus der Rechtsprechung hervorgeht, sehen die Leitlinien zwar nicht vor, dass die Höhe von Geldbußen anhand des Gesamtumsatzes
         oder des Umsatzes der Unternehmen auf dem betreffenden Markt berechnet wird. Sie schließen jedoch auch nicht aus, dass diese
         Umsätze bei der Bemessung der Geldbuße berücksichtigt werden, damit die allgemeinen Grundsätze des Gemeinschaftsrechts gewahrt
         bleiben und wenn die Umstände es erfordern. Insbesondere kann der Umsatz eine Rolle spielen, wenn es um die Berücksichtigung
         der verschiedenen oben in den Randnummern 141 bis 143 angeführten Umstände geht (Urteile LR AF 1998/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 57, Randnrn. 283 und 284, und Cheil Jedang/Kommission, oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 82).
      
      158   Nach ständiger Rechtsprechung können überdies zu den Gesichtspunkten für die Beurteilung der Schwere des Verstoßes je nach
         den Umständen des Einzelfalls die Menge und der Wert der Waren, auf die sich die Zuwiderhandlung bezogen hat, die Größe und
         die Wirtschaftskraft des Unternehmens und damit der Einfluss gehören, den dieses auf den Markt ausüben konnte. Daraus ergibt
         sich zum einen, dass bei der Festsetzung der Geldbuße sowohl der Gesamtumsatz des Unternehmens, der – wenn auch nur annähernd
         und unvollständig – etwas über dessen Größe und Wirtschaftskraft aussagt, als auch der Teil dieses Umsatzes berücksichtigt
         werden darf, der mit dem Verkauf der Waren erzielt worden ist, auf die sich die Zuwiderhandlung bezogen hat, und der somit
         einen Anhaltspunkt für das Ausmaß dieser Zuwiderhandlung liefern kann. Zum anderen folgt daraus, dass weder der einen noch
         der anderen dieser Umsatzzahlen eine im Verhältnis zu den anderen Beurteilungskriterien übermäßige Bedeutung zugemessen werden
         darf, so dass die Festsetzung einer angemessenen Geldbuße nicht das Ergebnis eines bloßen, auf den Gesamtumsatz gestützten
         Rechenvorgangs sein kann (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnrn. 120 und
         121, sowie Urteile des Gerichts in der Rechtssache Parker Pen/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 94, vom 14.
         Mai 1998 in der Rechtssache T‑327/94, SCA Holding/Kommission, Slg. 1998, II‑1373, Randnr. 176, und Cheil Jedang/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 83).
      
      159   Von begrenzter Tragweite ist zunächst das Vorbringen der Klägerin, die Tatsache, dass bei den einzelnen Unternehmen der für
         sie festgesetzte Grundbetrag und ihr Marktanteil auf dem belgischen Biermarkt jeweils in einem anderen Verhältnis zueinander
         stünden, zeige, dass die Kommission den Grundsatz missachtet habe, wonach das Schädigungspotenzial eines Unternehmens in angemessener
         Weise jeweils aus dem Umfang und dem Wert der von dem einzelnen Beteiligten abgesetzten Waren hervorgehe. Die Grundbeträge,
         auf die sich die Klägerin bezieht, umfassen nämlich nicht nur eine Anpassung im Hinblick auf die tatsächliche Fähigkeit, den
         Wettbewerb auf dem Markt zu beeinträchtigen, sondern auch eine Anpassung zum Zwecke der abschreckenden Wirkung.
      
      160   Aus der 305. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ergibt sich, dass die Kommission die Anpassung des Betrages
         der Geldbußen zum Zwecke einer wirksamen Abschreckung in zwei Stufen vorgenommen hat. Zunächst wurden die Klägerin und Interbrew
         nämlich gleichbehandelt, indem die Kommission bei der Bemessung des spezifischen Grundbetrags jeweils der Tatsache Rechnung
         trug, dass es sich um „große internationale Unternehmen“ handelt. Sodann führt die Kommission aus, es sei „ferner von Interesse,
         dass es sich [bei der Klägerin] um einen Mischkonzern handelt“, und bringt damit gegenüber der Klägerin ein zusätzliches Abschreckungserfordernis
         zum Ausdruck. Daraus ergibt sich hinsichtlich des Abschreckungseffekts – ohne dass in diesem Stadium die einschlägigen Schlussfolgerungen
         der Kommission bereits abschließend beurteilt werden –, dass bei der Festsetzung des spezifischen Grundbetrags der Geldbuße
         für die Klägerin einem größeren Abschreckungserfordernis Rechnung getragen wurde als gegenüber Interbrew. 
      
      161   Jedoch ist festzustellen, dass der spezifische Grundbetrag für die Klägerin zirka 45 % niedriger ist als für Interbrew. Zudem
         hat die Kommission zum einen in der 303. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung betont, dass sie die tatsächliche
         wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße, den Wettbewerb in erheblichem Umfang zu schädigen, berücksichtige, und
         zum anderen in der 304. Begründungserwägung erklärt, dass ein beträchtlicher Größenunterschied zwischen Interbrew als Marktführer
         in Belgien mit einem Marktanteil von rund 55 % und Alken‑Maes als Nummer 2 auf diesem Markt mit zirka 15 % bestanden habe.
         
      
      162   Die Kommission hat somit im Einklang mit den Leitlinien die relative tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der beiden Unternehmen,
         andere Wirtschaftsteilnehmer zu schädigen, berücksichtigt, indem sie für die Ermittlung des spezifischen Grundbetrags der
         Klägerin den allgemeinen Grundbetrag, der im Sinne von Nummer 1 Abschnitt A Absatz 1 der Leitlinien der Schwere der Zuwiderhandlung
         entspricht, erheblich nach unten gewichtet hat. Der Umstand, dass sich die 303. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         auf die Fähigkeit, „den Wettbewerb in erheblichem Umfang zu schädigen“, bezieht, anstatt den Wortlaut der Leitlinien wiederzugeben,
         ist ohne Belang. Ebenso ist es für die Gültigkeit der von der Kommission angewandten Methode ohne Bedeutung, dass das Verhältnis
         zwischen den Grundbeträgen der beiden Unternehmen von dem genauen Verhältnis zwischen ihren Marktanteilen abweicht. Nach Nummer
         1 Abschnitt A Absatz 7 der Leitlinien liegt nämlich der Abstufung der betreffenden Beträge nicht notwendigerweise eine arithmetische
         Formel zugrunde.
      
      163   Was zweitens die Argumente der Klägerin anbelangt, die spezifischen Grundbeträge entsprächen nicht dem durch die beherrschende
         Stellung von Interbrew auf dem belgischen Biermarkt entstandenen flagranten Ungleichgewicht, das Alken‑Maes zu dem Versuch
         gezwungen habe, ihrer zunehmenden Marginalisierung Einhalt zu gebieten, und das jedenfalls beweise, dass die Klägerin nicht
         fähig gewesen sei, den Wettbewerb zu schädigen, so ist zu bemerken, dass die in der angefochtenen Entscheidung festgestellte
         Zuwiderhandlung von der Klägerin nicht bestritten wird. Diese Zuwiderhandlung, die aus einer Gesamtheit von Vereinbarungen
         und/oder aufeinander abgestimmten Verhaltensweisen besteht, beinhaltet zum einen eine Willensübereinstimmung zwischen den
         Beteiligten und zum anderen, dass die Schädigung des Wettbewerbs auf diese Übereinstimmung und somit auf den Willen jedes
         Beteiligten zurückzuführen war. Die Klägerin kann sich daher nicht auf eine Zwangslage berufen, um sich von dem Schaden zu
         entlasten, den sie dem Wettbewerb zugefügt hat.
      
      164   Darüber hinaus ist zu bemerken, dass nach gefestigter Rechtsprechung ein Unternehmen, das mit anderen Unternehmen an wettbewerbswidrigen
         Handlungen teilnimmt, nicht geltend machen kann, diese Teilnahme beruhe auf von den anderen Beteiligten ausgeführtem Zwang.
         Statt an den betreffenden Handlungen teilzunehmen, hätte es nämlich den zuständigen Behörden den auf es ausgeübten Zwang anzeigen
         und bei der Kommission Beschwerde nach Artikel 3 der Verordnung Nr. 17 erheben können (Urteile des Gerichts vom 10. März 1992
         in der Rechtssache T‑9/89, Hüls/Kommission, Slg. 1992, II‑499, Randnrn. 123 und 128, vom 6. April 1995 in der Rechtssache
         T‑141/89, Tréfileurope/Kommission, Slg. 1995, II‑791, Randnr. 58, und LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 142).
      
      165   Zu dem Argument schließlich, der für die Klägerin angesetzte spezifische Grundbetrag mache einen viel höheren Prozentsatz
         des Umsatzes von Alken‑Maes aus als der entsprechende für Interbrew angesetzte Betrag im Verhältnis zum Umsatz dieses Unternehmens,
         ist darauf hinzuweisen, dass diese Beträge, wie bereits oben in den Randnummern 159 und 160 dargelegt, nicht allein die effektive
         Schädigung des Wettbewerbs durch die einzelnen Beteiligten wiedergeben, da sie auch den in den Leitlinien genannten Abschreckungseffekt
         umfassen. Ferner ist das Argument, der festgesetzte Betrag liege in Bezug auf Alken‑Maes über dem Grenzwert, den die Verordnung
         Nr. 17 für den Prozentsatz des Umsatzes festlege, nicht stichhaltig, da sich die angefochtene Entscheidung an die Klägerin
         richtet.
      
      166   Somit sind alle Rügen zurückzuweisen, die darauf gestützt werden, dass die Kommission unter Verletzung des Grundsatzes der
         Verhältnismäßigkeit die tatsächliche Fähigkeit der Beteiligten, andere Wirtschaftsteilnehmer, insbesondere die Verbraucher,
         in erheblichem Umfang zu schädigen, falsch beurteilt habe.
      
       Zur Festsetzung der Geldbuße in einer Höhe, die eine hinreichend abschreckende Wirkung gewährleistet
      167   Aus den Leitlinien geht hervor, dass der allgemeine Grundbetrag in Fällen, in denen, wie bei Kartellen, mehrere Unternehmen
         beteiligt sind, gewichtet werden kann, um zu einem spezifischen Grundbetrag zu gelangen, mit dem das jeweilige Gewicht und
         damit die tatsächliche Auswirkung des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb berücksichtigt wird, vor allem,
         wenn an einem Verstoß derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt sind (vgl. oben, Randnr. 142).
         Es ist insbesondere erforderlich, die Geldbuße so zu bemessen, dass eine hinreichend abschreckende Wirkung entfaltet ist (vgl.
         oben, Randnr. 141).
      
      168   Die Berücksichtigung dieses Abschreckungseffekts bei der Bemessung der Geldbuße nach der Schwere der Zuwiderhandlung steht
         im Zusammenhang mit einer gefestigten Rechtsprechung, wonach der Abschreckungseffekt der Geldbußen einer der Gesichtspunkte
         ist, die die Kommission bei der Beurteilung der Schwere des Verstoßes und damit bei der Bemessung der Geldbuße berücksichtigen
         kann, wobei die Schwere der Zuwiderhandlung anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu ermitteln ist, zu denen u. a. die
         besonderen Umstände der Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören, ohne dass es eine zwingende
         und abschließende Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssten (Beschluss SPO u. a./Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 54, sowie Urteile Ferriere Nord/Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 33,
         und Sarrió/Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 328).
      
      169   Nach der Rechtsprechung gehört die Befugnis der Kommission, Geldbußen gegen Unternehmen zu verhängen, die vorsätzlich oder
         fahrlässig gegen Artikel 81 EG verstoßen, zu den Befugnissen, die der Kommission eingeräumt worden sind, um sie in die Lage
         zu versetzen, die ihr durch das Gemeinschaftsrecht übertragene Überwachungsaufgabe zu erfüllen. Diese Aufgabe umfasst auch
         den Auftrag, eine allgemeine Politik mit dem Ziel zu verfolgen, die im Vertrag niedergelegten Grundsätze in Wettbewerbssachen
         anzuwenden und das Verhalten der Unternehmen in diesem Sinne auszurichten. Daraus folgt, dass die Kommission bei der für die
         Bemessung der Geldbuße erforderlichen Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung sicherstellen muss, dass ihr Vorgehen
         vor allem in Bezug auf Zuwiderhandlungen, die die Verwirklichung der Ziele der Gemeinschaft besonders beeinträchtigen, die
         notwendige abschreckende Wirkung hat (Urteile Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnrn.
         105 und 106, und ABB Asea Brown Boveri/Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnr. 166).
      
      170   Demgemäß konnte die Kommission bei der Festsetzung des spezifischen Grundbetrags der Geldbuße den Abschreckungszweck berücksichtigen,
         der gerade die Schwere der begangenen Zuwiderhandlung widerspiegelt. Das Bestreben, eine Abschreckungswirkung zu erzielen,
         ist nämlich fester Bestandteil der Gewichtung der Geldbußen nach der Schwere der Zuwiderhandlung, da sie verhindern soll,
         dass nach einer Berechnungsmethode Geldbußen festgesetzt werden, die für bestimmte Unternehmen keine geeignete Höhe erreichen,
         um eine hinlänglich abschreckende Wirkung zu erzielen.
      
      171   Zu der Argumentation der Klägerin mit dem Umstand, dass der für die Berechnung der Geldbuße herangezogene Abschreckungsfaktor
         nicht einzeln erkennbar gemacht worden sei, ist zu bemerken, dass die Kommission für die Berücksichtigung des Abschreckungszwecks
         in den Leitlinien keine individualisierten Methoden oder Kriterien festgelegt hat, deren Einzeldarstellung verbindlich sein
         könnte. Die Argumentation geht daher fehl.
      
      172   Dasselbe gilt für die Argumentation damit, dass die Grundsätze, die der Ermittlung des Abschreckungsbedürfnisses gedient hätten,
         nicht dargelegt worden seien. Die Klägerin erkennt nämlich selbst an, dass die Kommission in der 305. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung ausgeführt hat, dass die Klägerin und Interbrew große internationale Unternehmen seien und
         dass es sich bei der Klägerin darüber hinaus um einen Mischkonzern handele. Außerdem hat die Kommission in der 306. Begründungserwägung
         erklärt, sie habe berücksichtigt, dass die Klägerin über den juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und die entsprechenden
         Ressourcen verfüge, die sie in die Lage versetzten, klarer zu erkennen, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstelle
         und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben könnte. Entgegen der Behauptung der Klägerin wurden somit die
         Grundsätze erläutert, auf denen die Ermittlung des Abschreckungsbedürfnisses beruht.
      
      173   Ferner sind die verschiedenen Argumente der Klägerin dafür zu prüfen, dass die Überlegungen, auf die die Kommission ihre Feststellung
         eines spezifischen Abschreckungsbedürfnisses stützt, irrelevant und unausgewogen sind.
      
      174   Das Argument, dass der Gesichtspunkt der Tatwiederholung nicht als relevant angesehen werden könne, ist ohne weiteres zurückzuweisen,
         da die Kommission ihre Abschreckungserwägungen nicht auf diese Rüge gestützt hat.
      
      175   Zu dem Argument, die Gesamtgröße des Unternehmens und sein internationaler Umfang seien nicht von Belang für die Wettbewerbszwecke,
         die die Kommission zu verfolgen habe, ist zunächst zu bemerken, dass die Tatsache, dass die Klägerin über den juristischen
         und wirtschaftlichen Sachverstand und die entsprechenden Ressourcen verfügte, die sie in die Lage versetzten, klarer zu erkennen,
         in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben
         kann, aus den Gesamtressourcen des Unternehmens und damit aus seiner Größe hervorgeht, deren internationale Dimension ein
         Indiz unter anderen ist. Die Kommission hat dies somit zu Recht berücksichtigt. Wenn die Klägerin nämlich an dem festgestellten
         Kartell trotz der Mittel teilgenommen hat, über die sie verfügte, um die Unerlaubtheit des Kartells und deren Folgen zu erkennen,
         so zeugt dies von einem zusätzlichen Abschreckungsbedürfnis im Vergleich zu Unternehmen, die nicht über solche Mittel verfügen.
      
      176   Das Argument, dass die Berücksichtigung des geheimen Charakters des Kartells für die Bestimmung des erforderlichen Abschreckungsniveaus
         unpassend sei, da das Kartell zumindest von der Klägerin nicht geheim gehalten worden sei, stützt sich auf die Behauptung,
         dass im Rahmen des Kartells mehrere Treffen, wie etwa die Gespräche der Arbeitsgruppe „Vision 2000“, in Gegenwart von Wettbewerbern
         oder, wie etwa die Sitzung am 28. Januar 1993, an der die Bierverleger teilgenommen hätten, in Anwesenheit von Händlern stattgefunden
         hätten. Zudem zeige ein Schreiben des Verbands der Bierverleger vom 4. August 1997 an die Bierbrauer, dass die Händler das
         Vorgehen der Kartellteilnehmer sehr genau verfolgt hätten.
      
      177   Zunächst ist zu den Treffen der Arbeitsgruppe „Vision 2000“ zu bemerken, dass die Kommission in der 128. bis 155. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung nicht geltend macht, dass diese Treffen – sie sind als offiziell anzusehen, da sie im Rahmen
         der Confédération des brasseries de Belgique (Vereinigung der belgischen Bierbrauereien, im Folgenden: CBB) stattfanden und
         einen Großteil dieser Branche zusammenführten – als solche einen Verstoß begründet hätten. Sie erklärt vielmehr, dass Interbrew
         und Alken‑Maes im Kontext ihrer bilateralen Kontakte gemeinsam gehandelt und die Vorteile erkannt hätten, die sich ergäben,
         wenn Maßnahmen innerhalb der CBB getroffen würden, und dass Interbrew und Alken‑Maes übereingekommen seien, dass ein Teil
         des Kartells, nämlich der die Investitionen und die Werbung im Horeca‑Sektor und das neue Preisgestaltungssystem betreffende,
         im Rahmen der CBB umgesetzt werden könne. Die Kommission beruft sich somit auf eine Instrumentalisierung der CBB zur ohne
         Wissen der übrigen Gesprächsteilnehmer zu erreichenden Umsetzung einer Vereinbarung zwischen Interbrew und der Klägerin daraufhin,
         bestimmte Preisüberlegungen in diesem Gremium in einem den Zwecken ihrer Absprache konformen Sinn zu beeinflussen, ohne dass
         die übrigen Teilnehmer von der genannten Absprache unterrichtet worden seien. Überdies sind die Zwecke, die Interbrew und
         die Klägerin mit Hilfe der CBB und der Treffen der Arbeitsgruppe „Vision 2000“ verfolgt haben, nämlich die Einschränkung der
         Investitionen und der Werbung im Horeca‑Sektor und die Entwicklung eines neuen Preisgestaltungssystems, jedenfalls nur als
         ein begrenzter Aspekt des Kartells anzusehen, mit dem andere geheime Absprachen verbunden waren, wie etwa ein allgemeiner
         Nichtangriffspakt, eine Vereinbarung über die Preise und die Verkaufsförderung im Einzelhandel, die Aufteilung der Kundschaft
         im Horeca‑Sektor oder auch ein Informationsaustausch über den Absatz. Die Treffen der Arbeitsgruppe „Vision 2000“ lassen daher
         nicht den Schluss zu, dass das Kartell nicht geheim war.
      
      178   Sodann ist zu der Sitzung vom 28. Januar 1993 (vgl. oben, Randnrn. 126 bis 131) festzustellen, dass sich der von einem Vertreter
         von Interbrew verfasste Bericht über diese Sitzung zwar auf eine „Sitzung mit den Bierverlegern“ bezieht und eine Vereinbarung
         zur Anhebung der Preise und zur Auferlegung von Mindestpreisen für den Bierabsatz über bestimmte Vertriebskanäle wiedergibt,
         dass jedoch aus diesem Bericht keineswegs zu schließen ist, dass die darin enthaltenen wettbewerbswidrigen Vorgaben den Bierverlegern
         in der Sitzung am 28. Januar 1993 voll inhaltlich zur Kenntnis gebracht wurden. Diese Vorgaben bestätigen eine enge Koordinierung
         der Handelspolitik zwischen Alken‑Maes und Interbrew, sie erlauben hingegen nicht den Schluss, dass den Bierverlegern die
         Existenz der Kartellabsprache bekannt war.
      
      179   Zu dem Schreiben des Verbands der Bierverleger vom 4. August 1997 an Alken‑Maes ist zu bemerken, dass darin nur die Vertriebspolitik
         von Alken‑Maes unter dem Aspekt beanstandet wird, dass sie die Zukunft der unabhängigen Händler beeinträchtigen würde. Dieses
         Schreiben lässt daher nicht den Schluss zu, dass die Bierverleger von dem Kartell wussten.
      
      180   Somit ist das Vorbringen zurückzuweisen, das mit der angefochtenen Entscheidung festgestellte Kartell sei nicht geheim gewesen.
      181   Die Kommission konnte diese Gesichtspunkte daher in Verfolgung ihrer Aufgabe, wie sie die in den vorstehenden Randnummern
         134 und 135 genannte Rechtsprechung umschreibt, und unter Beachtung des in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 festgelegten
         rechtlichen Rahmens bei der Ermittlung des erforderlichen Abschreckungseffekts berücksichtigen.
      
      182   Ferner ist das Argument der Klägerin, eine Berücksichtigung des Abschreckungszwecks sei überflüssig, da die Zuwiderhandlung
         mit dem Eingreifen der Kommission beendet worden sei, mit dem Hinweis darauf zurückzuweisen, dass die Abschreckung das künftige
         Verhalten des Unternehmens ausrichten soll und dass sich aus der Beendigung eines wettbewerbswidrigen Verhaltens durch ein
         Unternehmen nach Aufdeckung des Verstoßes durch die Kommission, also aufgrund eines objektiven Zwanges, nicht ableiten lässt,
         dass das betreffende Unternehmen tatsächlich davon abgeschreckt wird, in Zukunft ein derartiges Verhalten zu wiederholen.
      
      183   Somit sind die Rügen, die sich auf einer falschen Ermittlung der für den Abschreckungseffekt erforderlichen Höhe der Geldbuße
         unter Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit stützen, insgesamt zurückzuweisen.
      
       Zur Berücksichtigung des juristischen und wirtschaftlichen Sachverstands und der entsprechenden Ressourcen, über die Großunternehmen
         im Allgemeinen verfügen
      
      184   Nach der Rechtsprechung gehört der Grundsatz „ne bis in idem“, der auch in Artikel 4 des Protokolls Nr. 7 der am 4. November
         1950 in Rom unterzeichneten Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (im Folgenden: EMRK)
         niedergelegt ist, zu den allgemeinen Grundsätzen des Gemeinschaftsrechts, die das Gericht zu beachten hat (Urteile des Gerichtshofes
         vom 5. Mai 1966 in den Rechtssachen 18/65 und 35/65, Gutmann/Kommission, Slg. 1966, 154, 178, und vom 14. Dezember 1972 in
         der Rechtssache 7/72, Boehringer/Kommission, Slg. 1972, 1281, Randnr. 3, sowie Urteil PVC II, oben zitiert in Randnr. 154,
         Randnr. 96, in diesem Punkt bestätigt durch Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr.
         97, Randnr. 59).
      
      185   Im Wettbewerbsrecht der Gemeinschaft verbietet dieser Grundsatz, dass die Kommission ein Unternehmen erneut für ein wettbewerbswidriges
         Verhalten verurteilt oder verfolgt, für das es bereits durch eine frühere nicht mehr anfechtbare Entscheidung der Kommission
         mit einer Sanktion belegt oder für nicht verantwortlich erklärt worden war. Die Anwendung des Grundsatzes „ne bis in idem“
         hängt von der dreifachen Voraussetzung der Identität des Sachverhalts, des Zuwiderhandelnden und des geschützten Rechtsguts
         ab (Urteil des Gerichtshofes vom 7. Januar 2004 in den Rechtssachen  C‑204/00 P, C‑205/00 P, C‑211/00 P, C‑213/00 P, C‑217/00 P
         und C‑219/00 P, Aalborg Portland u. a./Kommission, Slg. 2004, I‑123, Randnr. 338).
      
      186   Die Kommission hat im vorliegenden Fall in der 306. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung für eine Erhöhung der
         Geldbuße der Klägerin berücksichtigt, dass diese über den juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und die entsprechenden
         Ressourcen verfügt habe, die sie in die Lage versetzt hätten, klarer zu erkennen, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen
         Verstoß darstelle und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben könne. Zudem hat die Kommission in der 314.
         Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung für die Erhöhung der Geldbuße der Klägerin berücksichtigt, dass diese bereits
         zweimal wegen Verstoßes gegen Artikel 81 EG verurteilt worden sei.
      
      187   Somit liegen hier die Voraussetzungen für die Anwendung des Grundsatzes „ne bis in idem“ nach dessen Umschreibung durch die
         Rechtsprechung in Wettbewerbssachen (vgl. oben, Randnr. 185) nicht vor, da die Kommission für die Bemessung der Geldbuße lediglich
         Tatsachenerwägungen berücksichtigt hat, nämlich zum einen, dass die Klägerin aufgrund ihres juristischen und wirtschaftlichen
         Sachverstands und der entsprechenden Ressourcen in der Lage gewesen sei, die Unerlaubtheit ihres Verhaltens und die sich aus
         diesem ergebenden Folgen zu beurteilen, und zum anderen, dass die Klägerin bereits zweimal wegen Verstoßes gegen Artikel 81
         EG verurteilt worden sei. Die Kommission hat demnach in der 306. und in der 314. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung
         die Geldbuße aufgrund unterschiedlicher Erwägungen erhöht. Der vierte Teil dieses Klagegrundes ist daher zurückzuweisen.
      
       Zur Angemessenheit des spezifischen Grundbetrags angesichts der von der Klägerin geltend gemachten Umstände
      188   Die Klägerin trägt hilfsweise vor, selbst wenn die Kommission mit der Einstufung der Zuwiderhandlung als besonders schwer
         nicht den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt haben sollte, müsste der Grundbetrag der Geldbuße dennoch herabgesetzt werden,
         um der sehr geringen Auswirkung der Zuwiderhandlung auf den Gemeinschaftsmarkt und dem geringen Verkaufsvolumen der vom Kartell
         erfassten Erzeugnisse Rechnung zu tragen.
      
      189   Die Kommission ist gemäß der Methode der Leitlinien (vgl. oben, Randnrn. 139 bis 143) bei der Berechnung der Geldbuße zunächst
         von einem allgemeinen Grundbetrag ausgegangen, der nach Maßgabe der Schwere des Verstoßes errechnet wird. Sie hat diesen allgemeinen
         Grundbetrag dann gewichtet, und zwar erstens nach der tatsächlichen Fähigkeit der betreffenden Unternehmen, andere Wirtschaftsteilnehmer,
         insbesondere die Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen, zweitens nach der Notwendigkeit, die Geldbuße so zu bemessen,
         dass eine hinreichend abschreckende Wirkung gewährleistet ist, und drittens nach der Notwendigkeit, der Tatsache Rechnung
         zu tragen, dass Großunternehmen in den meisten Fällen über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand und entsprechende
         Ressourcen verfügen, die sie besser erkennen lassen, in welchem Maße ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und welche
         Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben kann.
      
      190   Wie oben in den Randnummern 133 bis 187 dargelegt, hat die Kommission keinen von der Klägerin geltend gemachten Grundsatz
         verletzt, indem sie zum einen die Zuwiderhandlung als besonders schwer eingestuft und zum anderen die genannten aufeinanderfolgenden
         Anpassungen vorgenommen hat. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Leitlinien bei besonders schweren Zuwiderhandlungen Geldbußen
         in Höhe von mehr als 20 Millionen Euro vorsehen.
      
      191   Zu dem Argument der Klägerin, der festgesetzte spezifische Grundbetrag sei auf jeden Fall unverhältnismäßig hoch, da die vom
         Kartell erfassten Erzeugnisse weniger als 2,5 % des Gesamtverbrauchs der betreffenden Erzeugnisse in der Europäischen Union
         ausgemacht hätten, ist zu bemerken, dass die Schwere einer Zuwiderhandlung nicht allein von deren räumlichem Umfang oder dem
         Verhältnis zwischen dem durch die Zuwiderhandlung erfassten Absatz und dem in der gesamten Europäischen Union erreichten Absatz
         abhängen kann. Unabhängig von den oben erwähnten Kriterien stellt nämlich der absolute Wert des betreffenden Absatzes ebenfalls
         einen relevanten Gradmesser für die Schwere der Zuwiderhandlung dar, da er genau die wirtschaftliche Bedeutung der Geschäftsvorgänge
         wiedergibt, die dem normalen Wettbewerb durch die Zuwiderhandlung entzogen werden sollen. Im vorliegenden Fall ist unbestritten,
         dass der Wert des betreffenden Warenabsatzes auf rund 1 200 Millionen Euro geschätzt werden konnte, was eine erhebliche wirtschaftliche
         Bedeutung des in Rede stehenden Sektors erkennen lässt. Demgemäß kann der für die Klägerin festgesetzte spezifische Grundbetrag
         von 25 Millionen Euro nicht als überhöht angesehen werden.
      
      192   Zur Geltendmachung der Praxis der Kommission in der Entscheidung „Nahtlose Stahlrohre“ genügt die Feststellung, dass diese
         in Anbetracht der oben in Randnummer 153 zitierten Rechtsprechung nicht von Belang ist.
      
      193   Zudem hat die Kommission in der genannten Entscheidung berücksichtigt, dass die durch die Zuwiderhandlung erfasste Art nahtloser
         Rohre nur 19 % aller nahtlosen Rohre ausmachte, die in der Erdöl‑ und Erdgasindustrie verwendet werden konnten, so dass die
         Auswirkungen des Verstoßes begrenzt waren, da die Industrie auf andere Erzeugnisse ausweichen konnte, die nicht vom Kartell
         betroffen waren (160. Begründungserwägung der Entscheidung „Nahtlose Stahlrohre“). Im vorliegenden Fall erstreckte sich die
         Zuwiderhandlung dagegen auf einen wesentlich größeren Bieranteil in Belgien, da die Kommission in der 4. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung, ohne dass dies bestritten wird, erklärt hat, dass die Kartellteilnehmer 1998 fast 70 % der
         in Belgien abgesetzten Biermenge erzeugt hätten.
      
      194   Somit ist die Rüge einer unangemessenen Höhe der Geldbuße zurückzuweisen.
      195   Der Klagegrund ist daher insgesamt zurückzuweisen.
      2.     Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung
      a)     Vorbringen der Parteien
      196   Ausdrücklich ohne den ihr gegenüber festgestellten Sachverhalt bestreiten zu wollen, erklärt die Klägerin, die Kommission
         habe bestimmten Umständen im Zusammenhang mit der Dauer der Zuwiderhandlung eine falsche Bedeutung beigemessen. Die Kommission
         beziehe sich insbesondere auf ein Telefongespräch und zwei Treffen der Klägerin mit Interbrew, die nach Juli 1996 im Abstand
         von mehreren Monaten stattgefunden hätten und zu dem Schluss geführt hätten, dass die Zuwiderhandlung bis zum 28. Januar 1998
         fortgedauert habe. Damit habe die Kommission jedoch nicht dargetan, dass die Zuwiderhandlung nach Juli 1996 fortbestanden
         habe. Somit sei festzustellen, dass die zur Last gelegte Verhaltensweise nicht über drei Jahre und sechs Monate hinausgegangen
         sei, so dass eine weit unter 45 % liegende Erhöhung des spezifischen Grundbetrags gerechtfertigt wäre. Das Gericht müsse daher
         nach der Rechtsprechung die gegen die Klägerin verhängte Geldbuße entsprechend der tatsächlichen Dauer der Zuwiderhandlung
         herabsetzen.
      
      197   Was erstens das Telefongespräch vom 9. Dezember 1996 zwischen Interbrew und der Klägerin anbelangt, so führt Letztere aus,
         dass die handgeschriebenen und mit Anmerkungen versehenen Notizen des Controllers von Alken‑Maes, Herrn L. B., vom 27. November
         1996 entgegen der Vermutung, die sich aus der Bezugnahme der Kommission auf andere Aktenstücke ergebe, die einzige Unterlage
         seien, auf die die Kommission ihre Schlüsse stütze.
      
      198   Die Klägerin bestreitet nicht, dass die handgeschriebenen Notizen anlässlich einer internen Sitzung im November 1996 verfasst
         wurden, die, wie die Klägerin ausführt, einer Untersuchung der neuen Preisgestaltung von Interbrew gedient habe, nachdem Alken‑Maes
         mit Hilfe ihrer Kunden die neuen allgemeinen Verkaufsbedingungen von Interbrew in Erfahrung gebracht habe. Sie widerspricht
         hingegen der von der Kommission vorgenommenen Auslegung der drei Anmerkungsteile, die später an diesen Notizen jeweils mit
         dem Datum „9/12/96“ angebracht wurden und erkennbar eine Antwort auf drei in den ursprünglichen Notizen gestellte Fragen zu
         noch nicht geklärten Punkten der Preispolitik von Interbrew darstellen. Die Kommission habe zu Unrecht geschlossen, dass Herr
         A. B. von Interbrew hierzu habe befragt werden sollen, was angeblich am 9. Dezember 1996 geschehen sei, wobei Interbrew eine
         bejahende und zwei verneinende Antworten gegeben habe. Nach Ansicht der Klägerin ermöglichen die sonstigen in der angefochtenen
         Entscheidung genannten Aktenstücke keine Bestätigung dieser Auslegung. Die Anmerkungen zu den Notizen vom 27. November 1996
         könnten, so führt die Klägerin aus, auf eine Nachprüfung zurückzuführen sein, die nichts mit einem unmittelbaren Kontakt zu
         Interbrew zu tun habe und z. B. bei den Händlern vorgenommen worden sei, die nur die Auslegung wiedergegeben hätten, die ihnen
         Herr A. B. gegeben habe. Da Alken‑Maes teilweise die Erzeugnisse von Interbrew vertrieben habe, sei es normal gewesen, dass
         Alken‑Maes versucht habe, die neue Preisgestaltung von Interbrew hinsichtlich der logistischen Bedingungen zu verstehen. Die
         fragliche Unterlage reiche demnach nicht aus, um die von der Kommission vertretene Auffassung zu stützen.
      
      199   Zweitens erklärt die Klägerin zu der Zusammenkunft vom 17. April 1997, dass diese keinen Beweis für ein den belgischen Markt
         betreffendes Kartell darstelle, da sie nach der in der 96. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung genannten Erklärung
         von Herrn J. D. von Interbrew die potenziellen Synergien zwischen den beiden Gruppen und eine Steigerung der Rentabilität
         der Unternehmen im Fall der Übernahme von Alken‑Maes, also einer Tochtergesellschaft der Klägerin, durch Interbrew betroffen
         habe.
      
      200   Die Klägerin wendet sich gegen die Auslegung der Kommission, wonach die genannte Erklärung von Herrn J. D. die Wettbewerbswidrigkeit
         dieser Zusammenkunft erkennen lässt. Die Erklärung enthalte eine Zusammenfassung aller Kontakte zwischen Interbrew und Alken‑Maes.
         Zu der Zusammenkunft vom 17. April 1997 im Besonderen zeige Herr J. D. lediglich auf, dass die Sitzungsteilnehmer Geschäftsbereich
         für Geschäftsbereich die Gewinne und Verluste von Alken‑Maes untersucht hätten, was zwangsweise bei jeder Verhandlung über
         die etwaige Übernahme eines Unternehmens geschehe. Was die fünf in der betreffenden Unterlage aufgeführten Punkte anbelange,
         so handele es sich dabei ausschließlich um Faktoren, die Einfluss auf das Betriebsergebnis von Alken‑Maes und dessen Berechnungsmethode
         hätten.
      
      201   Ferner widerspricht die Klägerin der Feststellung der Kommission, dass die Anwesenheit von Herrn R. V., einer Führungskraft
         von Alken‑Maes, bei der betreffenden Zusammenkunft kaum plausibel sei, wenn es sich um eine Diskussion zur Übernahme von Alken‑Maes
         gehandelt habe, da ein derartiger Vorgang für ihn potenziell ungünstig sei. Die Klägerin führt aus, dass diese Anwesenheit
         keineswegs abwegig sei, vor allem wenn die betreffende Führungskraft weiterhin eine Rolle im Unternehmen habe spielen wollen.
         Diese Anwesenheit sei umso plausibler, als Interbrew, wie die zwei zu den Akten gegebenen Erklärungen von Herrn C. und Herrn T.
         belegten, einen „management buy out“‑Erwerb ins Auge gefasst habe, mit dem eine wichtige Rolle der betriebsinternen Führung
         verbunden sei.
      
      202   Drittens bemerkt die Klägerin zu der Zusammenkunft vom 28. Januar 1998, an der insbesondere Herr A. D. von Interbrew und Herr N. V.
         von Alken‑Maes beteiligt waren, dass es hierbei im Wesentlichen um einen Rückblick auf die früheren Beziehungen gegangen sei.
         Sie führt ferner aus, dass der Vertreter von Alken‑Maes laut dem Vertreter von Interbrew nichts von diesen Vorgängen gewusst
         habe.
      
      203   Weiter trägt die Klägerin vor, dass die von der Kommission zu der Bedeutung der handgeschriebenen Notizen von Herrn A. D.
         vom 28. Januar 1998 vertretene Auffassung, dass aus diesen Notizen hervorgehe, dass das Kartell zu dem genannten Zeitpunkt
         noch bestanden habe, durch nichts bestätigt werde. Insbesondere lasse nichts den Schluss zu, dass der Inhalt dieser Notizen
         beiden Beteiligten zugeschrieben werden könne, wie die Kommission es zu Unrecht tue, indem sie den Inhalt der Notizen von
         Herrn A. D. als Inhalt eines angeblichen Gesprächs darstelle, obgleich er nur den Standpunkt von Interbrew wiedergeben könne.
         Es wäre im vorliegenden Fall erstaunlich, wenn der nicht informierte Vertreter von Alken‑Maes im Einzelnen die 1994 getroffenen
         Vereinbarungen hätte beschreiben können. Zudem werde in der angefochtenen Entscheidung nicht bestritten, dass die Zusammenkunft
         vom 28. Januar 1998 keine Folgen gehabt habe. Demnach zeigten die in Rede stehenden Notizen nicht das Vorhandensein oder die
         Anwendung einer Vereinbarung oder einer abgestimmten Verhaltensweise zu dem genannten Zeitpunkt auf, sondern gäben nur eine
         positive Beurteilung der 1994 getroffenen Absprache durch Interbrew und deren Wunsch, diese zu verlängern, wieder.
      
      204   Die Klägerin schließt daraus, dass das zur Last gelegte Verhalten nicht länger als drei Jahre und sechs Monate gedauert hat
         und die nach der Dauer der Zuwiderhandlung bemessene Erhöhung der Geldbuße daher zu verringern ist.
      
      205   Die Kommission betont zunächst, dass die Klägerin mit der Behauptung, das Kartell habe im Juli 1996 geendet, dessen Dauer
         bestreite, obwohl sie erkläre, den Sachverhalt nicht bestreiten zu wollen. Ferner habe die Kommission rechtlich hinreichend
         wettbewerbswidrige Kontakte zwischen der Klägerin und Interbrew bis 28. Januar 1998 nachgewiesen. Zudem habe sich die Klägerin
         nicht öffentlich von Zusammenkünften distanziert, deren wettbewerbswidriger Zweck feststehe und bei denen sie nicht bestreite,
         teilgenommen zu haben, so dass sie auf jeden Fall für die Zeit bis 28. Januar 1998 Verantwortung trage.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      206   Die Dauer der Zuwiderhandlung ist nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 ein Gesichtspunkt, der bei der Bemessung
         der Geldbuße für Unternehmen zu berücksichtigen ist, die gegen die Wettbewerbsvorschriften verstoßen haben.
      
      207   Die Leitlinien unterscheiden zwischen Verstößen von kurzer Dauer (in der Regel weniger als ein Jahr), bei denen der für die
         Schwere des Verstoßes festgesetzte Grundbetrag nicht zu erhöhen ist, Verstößen von mittlerer Dauer (in der Regel zwischen
         einem und fünf Jahren), bei denen dieser Betrag bis zu 50 % erhöht werden kann, und Verstößen von langer Dauer (in der Regel
         mehr als fünf Jahre), bei denen dieser Betrag bis zu 10 % für jedes Jahr erhöht werden kann (Nr. 1 Abschnitt B Absatz 1 erster
         bis dritter Gedankenstrich).
      
      208   Die Kommission hat in der 281. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, sie besitze hinsichtlich des
         Kartells Interbrew/Alken‑Maes Beweismaterial zumindest für die Zeit vom 28. Januar 1993 bis 28. Januar 1998. Sie hat hierzu
         erklärt: „Am 28. Januar 1993 wird über eine erste Zusammenkunft mit einem eindeutigen wettbewerbswidrigen Ziel berichtet.
         Am 28. Januar 1998 fand die letzte Zusammenkunft im Rahmen des Kartells statt, über die der Kommission Unterlagen vorliegen.
         Die Dauer der Zuwiderhandlung belief sich somit auf fünf Jahre und einen Tag.“ Dieser Schluss findet sich auch im verfügenden
         Teil der angefochtenen Entscheidung, wo es heißt, dass die Zuwiderhandlung „vom 28. Januar 1993 bis einschließlich 28. Januar
         1998“ gedauert hat. 
      
      209   In der 282. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung wird ausgeführt, dass die Klägerin die Dauer der Zuwiderhandlung
         bestreite und dass die Gespräche zwischen Alken‑Maes und Interbrew der Klägerin zufolge erst ab 12. Oktober 1994 begonnen
         hätten und schon im Juli 1996 beendet worden seien. Die Kommission hat diese Behauptung jedoch zurückgewiesen, da die festgestellte
         Dauer der Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend nachgewiesen sei.
      
      210   Im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes macht die Klägerin erneut geltend, dass die Kommission die Dauer der Zuwiderhandlung
         nicht richtig bestimmt habe. Sie ficht die Erhöhung der Geldbuße nur insoweit an, als die Zuwiderhandlung ihres Erachtens
         nicht über Juli 1996 hinaus fortbestanden hat.
      
      211   Zudem ist festzustellen, dass die Klägerin nicht ausdrücklich die Nichtigerklärung des Artikels 1 der angefochtenen Entscheidung
         beantragt, der die Dauer ihrer Teilnahme am Kartell angibt. Sie hat den Klagegrund bezüglich der Dauer der Zuwiderhandlung
         nämlich nur hilfsweise zur Stützung eines Antrags auf Herabsetzung der gegen sie verhängten Geldbuße vorgebracht.
      
      212   Aus den Schriftsätzen der Klägerin geht indessen hervor, dass sie im Grunde die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Entscheidung
         insofern bestreitet, als diese, wie in Artikel 1 ihres verfügenden Teils angegeben wird, feststellt, dass sich die Zuwiderhandlung
         auf die Zeit vom 28. Januar 1993 bis 28. Januar 1998 erstreckt. So hat die Klägerin in ihrer Klageschrift erklärt, dass „die
         [angefochtene] Entscheidung insofern nicht begründet ist, als darin festgestellt wird, dass die Zuwiderhandlung vom 28. Januar
         1993 bis zum 28. Januar 1998 gedauert hat“, und dass die Kommission „nicht rechtlich hinreichend [nachgewiesen hat] …, dass
         die Zuwiderhandlung über Juli 1996 hinaus fortgeführt worden ist“. In ihrer Erwiderung hat die Klägerin weiter ausgeführt,
         dass die Kommission „bei einer korrekten Prüfung der Unterlagen die kürzere Dauer der Zuwiderhandlung hätte feststellen und
         daraus die Konsequenzen für die Höhe der Geldbuße hätte ziehen müssen“. Überdies steht fest, dass die Klägerin die Dauer der
         Zuwiderhandlung im Verwaltungsverfahren, insbesondere in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte, bestritten
         hat, wie nachstehend in Randnummer 512 ausgeführt wird.
      
      213   Nach alledem ist davon auszugehen, dass die Klägerin mit dem vorliegenden Klagegrund bezüglich der Dauer der Zuwiderhandlung
         nicht nur eine Herabsetzung der Geldbuße, sondern auch die teilweise Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung, insbesondere
         des Artikels 1 ihres verfügenden Teils, insoweit begehrt, als die Kommission darin angeblich zu Unrecht feststellt, dass die
         Zuwiderhandlung bis 28. Januar 1998 gedauert hat.
      
      214   Daher ist im Rahmen dieses Klagegrundes zu klären, ob die Kommission unter Zugrundelegung des dargelegten Sachverhalts rechtlich
         hinreichend nachgewiesen hat, dass die Zuwiderhandlung bis zum 28. Januar 1998 fortbestanden hat.
      
      215   Für den Nachweis eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz 1 EG hat die Kommission die von ihr festgestellten Zuwiderhandlungen
         zu beweisen und die Beweismittel beizubringen, durch die das Vorliegen der eine Zuwiderhandlung darstellenden Tatsachen rechtlich
         hinreichend belegt wird (Urteile des Gerichtshofes vom 17. Dezember 1998 in der Rechtssache C‑185/95 P, Baustahlgewebe/Kommission,
         Slg. 1998, I‑8417, Randnr. 58, und vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache C‑49/92 P, Kommission/Anic Partecipazioni, Slg. 1999,
         I‑4125, Randnr. 86). Bestehen bei dem Gericht Zweifel, so muss dies dem Unternehmen zugute kommen, an das sich die Entscheidung
         richtet, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird. Das Gericht kann daher nicht davon ausgehen, dass die Kommission
         das Vorliegen der betreffenden Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend nachgewiesen hat, wenn bei ihm noch Zweifel in dieser
         Hinsicht bestehen; dies gilt insbesondere dann, wenn es sich um eine Klage auf Nichtigerklärung einer Entscheidung zur Verhängung
         einer Geldbuße handelt.
      
      216   Unter den genannten Umständen ist die Unschuldsvermutung zu beachten, die sich insbesondere aus Artikel 6 Absatz 2 der EMRK
         ergibt und die zu den Grundrechten gehört, die nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes, die im Übrigen durch die Präambel
         der Einheitlichen Europäischen Akte und durch Artikel 6 Absatz 2 des Vertrages über die Europäische Union sowie durch Artikel
         47 der am 7. Dezember 2000 in Nizza proklamierten Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. 2000, C 364, S. 1) erneut
         bekräftigt wird, in der Gemeinschaftsrechtsordnung geschützt werden. Angesichts der Art der betreffenden Zuwiderhandlung sowie
         der Art und der Schwere der ihretwegen verhängten Sanktionen ist die Unschuldsvermutung insbesondere in Verfahren wegen Verletzung
         der für die Unternehmen geltenden Wettbewerbsregeln anwendbar, die zur Verhängung von Geldbußen oder Zwangsgeldern führen
         können (vgl. Urteile des Gerichtshofes vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache C‑199/92 P, Hüls/Kommission, Slg. 1999, I‑4287,
         Randnrn. 149 und 150, und in der Rechtssache C‑235/92 P, Montecatini/Kommission, Slg. 1999, I‑4539, Randnrn. 175 und 176).
      
      217   Somit ist es erforderlich, dass die Kommission aussagekräftige und übereinstimmende Beweise beibringt, um die feste Überzeugung
         zu begründen, dass die Zuwiderhandlung stattgefunden hat (vgl. Urteil Volkswagen/Kommission, oben zitiert in Randnr. 99, Randnrn.
         43 und 72 und die dort zitierte Rechtsprechung).
      
      218   Jedoch muss nicht jeder von der Kommission erbrachte Beweis notwendigerweise für jeden Teil der Zuwiderhandlung diesen Kriterien
         entsprechen. Es genügt, wenn ein von der Kommission geltend gemachtes Bündel von Indizien im Ganzen betrachtet dem genannten
         Erfordernis entspricht (vgl. in diesem Sinne Urteil PVC II, oben zitiert in Randnr. 154, Randnrn. 768 bis 778, insbesondere
         Randnr. 777, bestätigt in dem relevanten Punkt durch den Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren im Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij
         u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 97, Randnrn. 513 bis 523).
      
       Zum telefonischen Kontakt vom 9. Dezember 1996
      219   Zu dem angeblich wettbewerbswidrigen Kontakt vom 9. Dezember 1996 ist festzustellen, dass die Kommission in der 91. Begründungserwägung
         Folgendes erklärt: „Im Hinblick auf die Zusammenkunft am 19. September [1996] wendet sich der Controller von Alken‑Maes am
         9. Dezember 1996 wegen einiger Fragen von Alken‑Maes zur Preisstudie telefonisch an den Direktor Food von Interbrew.“ Hierbei
         stützt sich die Kommission auf die in ihrer Akte (S. 8513) enthaltene letzte Seite einer Unterlage, die dem Schreiben von
         Alken‑Maes an die Kommission vom 7. März 2000 als Anlage 42 beigefügt war (vgl. oben, Randnr. 72). Es ist unter den Parteien
         unstreitig, dass diese Unterlage handgeschriebene Notizen von Herrn L. B. von Alken‑Maes enthält, die er am 27. November 1996
         anlässlich eines internen Treffens zur Analyse der neuen Preisgestaltung von Interbrew angefertigt hat, und dass an dieser
         Unterlage später von ihrem Verfasser Vermerke angebracht wurden, die eine Antwort auf Fragen darstellen, die der Verfasser
         ursprünglich mit seinen Notizen aufgeworfen hatte.
      
      220   Die Kommission hat aufgrund einer schriftlichen Frage des Gerichts, mit der sie aufgefordert worden war, zu erläutern, weshalb
         sie in der 91. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu dem Schluss gelangt ist, dass Herr L. B. (Alken‑Maes)
         am 9. Dezember 1996 ein Telefongespräch mit Herrn A. B. (Interbrew) über die Preisgestaltung von Interbrew geführt hat, zunächst
         erklärt, Hintergrund des internen Treffens vom 27. November 1996, bei dem die handgeschriebenen Notizen angefertigt worden
         seien, sei eine Zusammenkunft zwischen Interbrew und Alken‑Maes vom 29. Juli 1996, in deren Verlauf im Einzelnen die Absichten
         von Interbrew bezüglich der logistischen Komponente ihrer Handelspolitik besprochen worden seien, wie sie durch das Inkrafttreten
         der neuen Preisgestaltung habe geändert und ab 1. Januar 1997 habe angewandt werden sollen.
      
      221   Die Kommission hat ausgeführt, sie habe aus der Prüfung der Notizen vom 27. November 1996, die sechs Gedankenstriche mit einem
         nachfolgenden handgeschriebenen ein‑ bis zweizeiligen Text und jeweils einem Fragezeichen enthielten, geschlossen, dass die
         genannten Notizen Fragen beinhalteten, die sich Herr L. B. (Alken‑Maes) an diesem Tag zur Preisgestaltung von Interbrew gestellt
         habe, und dass die Anmerkungen, die später an der Unterlage angebracht worden seien, entweder die Stelle, an der die Antwort
         zu finden sei, oder die Antwort auf die betreffenden Fragen angegeben hätten. Die Anmerkungen, die als Antwort auf bestimmte
         Fragen gedient hätten, ließen die Feststellung zu, dass Interbrew die Antworten auf die Fragen am 9. Dezember 1996 gegeben
         habe.
      
      222   Da die Klägerin dieser Auslegung ausdrücklich widerspricht, ist zu prüfen, ob die genannten Zusätze auf einen rechtswidrigen
         Kontakt zwischen Alken‑Maes und Interbrew zurückzuführen sind und somit einen Beweis für diesen darstellen. 
      
      223   Hierzu ist festzustellen, dass sich die Unterlage vom 27. November 1996 mit dem Titel „Tariefstudie“ auf ihrer letzten Seite
         als eine Aufzählung von sechs Fragen über die Preisgestaltung von Alken‑Maes darstellt.
      
      224   Jede der sechs formulierten Fragen erforderte anscheinend nach Ansicht des Verfassers der ursprünglichen Notizen eine Antwort,
         die zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Unterlage noch offen war. Die Unterlage lässt nämlich erkennen, dass für jede der sechs
         Fragen Vorkehrungen zu dem Zweck getroffen worden waren, eine Antwort auf sie zu finden. So verweisen die erste und die sechste
         Frage, die rechtliche Gesichtspunkte betreffen, ausdrücklich auf eine Person namens „[P. V. D.]“ und beziehen sich aller Wahrscheinlichkeit
         nach auf den damaligen Rechtsberater von Alken‑Maes. Die dritte Frage wiederum stellt auf eine Überprüfung bei den Kunden
         mit Hilfe der Händler ab („checken bij klanten via distributie“).
      
      225   Was die zweite, die vierte und die fünfte Frage anbelangt, neben denen später die drei in Rede stehenden Anmerkungen angebracht
         wurden, so ist zu bemerken, dass die zweite Frage mit den Worten „check IB“ beginnt, wobei „IB“ offensichtlich Interbrew bedeutet.
         Neben dieser zweiten Frage wurde später handschriftlich „Ja, volgen [M. A. B.] (IB) 9/12/96“ vermerkt. Diese Anmerkung deutet
         darauf hin, dass Herr L. B. (Alken‑Maes) entsprechend der Vorkehrung für die Beantwortung dieser Frage am 9. Dezember 1996
         mit Herrn A. B. von Interbrew in Verbindung getreten ist und dass dieser eine bejahende Antwort erteilt hat. Die beiden anderen
         handgeschriebenen Zusätze mit dem Datum vom 9. Dezember 1996 sind somit in gleicher Weise auszulegen.
      
      226   Zu dem Vorbringen der Klägerin, es sei plausibel, dass die genannten Antworten von den Händlern stammten, ist festzustellen,
         dass dies dadurch widerlegt wird, dass die Notizen zur dritten Frage eigens auf zur Einholung einer Antwort bei den Kunden
         und den Händlern auffordern und dass neben dieser dritten Frage gerade kein Zusatz wie bei der zweiten, der vierten und der
         fünften Frage angebracht wurde.
      
      227   Demnach stammen die Antworten, die zum einen auf die dritte Frage und zum anderen auf die zweite, die vierte und die fünfte
         Frage erteilt wurden, aus den oben erwähnten Informationskanälen. Dass die dritte Frage speziell durch die Kunden geklärt
         werden sollte und die Formulierung der zweiten Frage ausdrücklich zu einer Ermittlung bei Interbrew auffordert, bestätigt
         in diesem Zusammenhang, dass vorgesehen war, mit Interbrew in Verbindung zu treten, um eine Antwort auf bestimmte Fragen zu
         erhalten. Wenn ferner drei Vermerke, die Antworten auf die Fragen darstellen, gleichermaßen mit dem Datum vom 9. Dezember
         1996 versehen sind und einer davon sich ausdrücklich auf Interbrew und einen Vertreter dieses Unternehmens bezieht, so erlaubt
         dies ohne jeden vernünftigen Zweifel die Feststellung, dass am 9. Dezember 1996 ein wettbewerbswidriger Kontakt – mag er telefonisch
         gewesen sein oder nicht – zustande gekommen ist.
      
      228   Nach allem ist der Beweis für einen am 9. Dezember 1996 erfolgten wettbewerbswidrigen Kontakt erbracht worden.
       Zum Treffen vom 17. April 1997
      229   Zu der angeblich wettbewerbswidrigen Zusammenkunft vom 17. April 1997 erklärt die Kommission in der 95. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung, dass sich Führungskräfte von Interbrew, der Klägerin und von Alken‑Maes am 17. April 1997
         in Paris getroffen hätten. Die Klägerin bestreitet dies nicht.
      
      230   Die Kommission gibt ferner in der 96. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung eine Erklärung des damaligen Generaldirektors
         von Interbrew J. D. über den Inhalt dieser Zusammenkunft wieder und schließt aus dieser, wie aus der 284. Begründungserwägung
         hervorgeht, dass es bei dieser Besprechung um die Abstimmung des Marktverhaltens von Interbrew und der Klägerin gegangen sei,
         was die Klägerin entschieden bestreitet.
      
      231   In diesem Zusammenhang ist vorab zu bemerken, dass die Klägerin die Beweiskraft der Erklärung von Interbrew nicht im Hinblick
         darauf bestreitet, dass es sich lediglich um eine einseitige Aussage eines Unternehmens handelte, sondern nur dahin gehend,
         dass der Bericht über die Besprechung keinen wettbewerbswidrigen Zweck derselben offenbare.
      
      232   Der Teil der Erklärung von Interbrew über die Zusammenkunft vom 17. April 1997 lautet:
      „Es fanden Sitzungen auf höchster Ebene mit Kronenbourg statt, denen ich nicht beiwohnte. Nach den Gipfelgesprächen hatten
         wir ‚Informationsveranstaltungen‘, bei denen wir alle zugegen waren (General Managers und Managers Food sowie Horeca). 
      
      … 
      Bei dem Treffen am [17. April 1997] handelte es sich lediglich um eine der Informationsveranstaltungen mit [der Klägerin]
         (Herr K. hat dort [die Klägerin] vertreten). Wir (‚Belgien‘ und ‚Frankreich‘, aber jeder für sich) mussten über die Synergien
         berichten. In dieser Sitzung sind wir Geschäftsbereich für Geschäftsbereich die Gewinne und Verluste (profit and loss account)
         durchgegangen und haben systematisch geprüft, wie die Kosten gesenkt werden können und die Rentabilität gesteigert werden
         kann. Themen waren: 1. Produktion; 2. gemeinsame Vertriebsplattformen; 3. Nachlass auf den Preis vor oder nach Verbrauchsteuern
         (das war auch Thema in der CBB); 4. Marketing und Investitionen in die Werbung (share of voice); 5. Wachstum des Biermarkts
         und Verfahren zur Mengensteigerung unter Zugrundelegung des Erfolges mit dem Wassermarkt in Frankreich.
      
      Hinsichtlich der Umsetzung haben wir im Food‑Sektor viel unternommen, weitaus mehr als im Horeca‑Sektor, wo wenig bis nichts
         geschehen ist.
      
      Im Food‑Sektor gab es Absprachen über:
      –       Rabatte durch Verkaufsförderungsmaßnahmen in Richtung Verbraucher (z. B. 5 + 1 gratis)
      –       kaufmännische Angelegenheiten (z. B. Wert des Coupons bei Werbeaktionen)
      –       Prospekthäufigkeit (z. B. max. 10 Prospekte für Kästen Bier bei GIB).
      …“
      233   Dass es in der Erklärung heißt, dass die Gewinne und Verluste „Geschäftsbereich für Geschäftsbereich“ durchgegangen worden
         seien, lässt nicht mit Sicherheit erkennen, ob damit eine gemeinsame Prüfung der Gewinne und Verluste von Kronenbourg/Alken‑Maes
         oder aber eine gleichlaufende Prüfung der Gewinne und Verluste der Letzteren zum einen und von Interbrew zum anderen gemeint
         ist.
      
      234   Ferner ist festzustellen, dass ungeachtet der Unterschiedlichkeit der Erklärungen der Parteien in Beantwortung einer schriftlichen
         Frage des Gerichts aus dem Teil der Erklärung, der die Zusammenkunft vom 17. April 1997 betrifft, hervorgeht, dass diese ohne
         jeden vernünftigen Zweifel rechtswidrig war.
      
      235   Der wettbewerbswidrige Zweck der Zusammenkunft zeigt sich erstens an den spezifischen Gesprächsthemen. Schon die einfache
         Tatsache, dass Themen wie „Produktion“, „Nachlass auf den Preis“ oder „Marketing und Investitionen in die Werbung“ Gegenstand
         einer Abstimmung auf höchster Führungsebene der beiden Hauptwettbewerber auf dem Biermarkt waren, lässt auf einen wettbewerbswidrigen
         Zweck schließen.
      
      236   Zweitens geht klar aus dem in der 96. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung wiedergegebenen Auszug aus der Erklärung
         von Interbrew hervor, dass die Zusammenkunft vom 17. April 1997 als Beispiel für „Informationsveranstaltungen“ dargestellt
         wird, denen andere Treffen des Kartells auf höchster Ebene folgen sollten, so dass die Wettbewerbswidrigkeit der Zusammenkunft
         nicht zu bezweifeln ist.
      
      237   Drittens spricht in diesem Zusammenhang die Verwendung des Begriffes „Synergien“ im Erklärungsauszug in der 96. Begründungserwägung
         dafür, dass sich dieser Begriff allgemein auf die Ergebnisse bezieht, die sich die höchsten Führungskräfte des Kartells von
         den „Informationsveranstaltungen“, von denen das Treffen vom 17. April 1997 als Beispiel genannt wird, versprochen haben,
         und nicht auf die besondere Frage einer Übernahme von Kronenbourg/Alken‑Maes. Überdies wird dieser Begriff, wie die Kommission
         in ihrer Gegenerwiderung zu Recht betont, vom Verfasser der Erklärung zuvor verwendet, um bestimmte Gesichtspunkte der Zusammenarbeit
         zwischen Interbrew und Alken‑Maes in Frankreich aufzuzeigen und nicht um Erörterungen über eine etwaige Übernahme von Kronenbourg/Alken‑Maes
         darzulegen. Dies spricht ebenfalls für die Wettbewerbswidrigkeit der Zusammenkunft vom 17. April 1997.
      
      238   Viertens sind die erwähnten Gesichtspunkte, wie die Kommission bemerkt, insgesamt im Licht weiterer Erklärungen zu betrachten,
         die Alken‑Maes im Verwaltungsverfahren abgegeben hat. So hat Alken‑Maes in ihrer Antwort vom 27. Dezember 1999 auf das Auskunftsverlangen
         der Kommission vom 11. November 1999 mit gleichzeitigem Ersuchen um die Vergünstigung der Mitteilung über Zusammenarbeit erklärt:
         „Es hat von 1992 bis 1998 zahlreiche Zusammenkünfte zwischen Mitarbeitern von Alken‑Maes, hauptsächlich Herrn R. V., damals
         geschäftsführendes Mitglied des Verwaltungsrats, und Mitarbeitern von Interbrew, hauptsächlich den Herren T. und J. D., gegeben,
         bei denen der Vertrieb und der Absatz von Bier in Belgien abgestimmt wurden.“
      
      239   Zu dem Vorbringen, dass Herr R. V. an dem Treffen vom 17. April teilgenommen habe, ist zu bemerken, dass diese Teilnahme zu
         keiner Annahme in dem einen oder dem anderen Sinne führen kann, so dass dieses Vorbringen zurückzuweisen ist.
      
      240   Nach alledem ist abschließend festzustellen, dass die Kommission die Wettbewerbswidrigkeit des Treffens vom 17. April 1997
         rechtlich hinreichend dargetan hat.
      
       Zum Treffen vom 28. Januar 1998
      241   Was den Inhalt des Treffens vom 28. Januar 1998 anbelangt, dessen Zustandekommen von der Klägerin nicht bestritten wird, so
         hängt die Bedeutung, die den handgeschriebenen Aufzeichnungen des kaufmännischen Direktors Belgien von Interbrew, Herrn A. D.,
         zukommt, davon ab, was aus den beiden Gesichtspunkten Art des Inhalts dieser Aufzeichnungen und Grad ihrer Aktualität zu schließen
         ist.
      
      242   Zunächst ist zur Art des Inhalts der Aufzeichnungen des Vertreters von Interbrew, Herrn A. D., zu bemerken, dass der zusammenhängende
         und strukturierte Charakter dieser Notizen, die keine Korrekturen aufweisen, darauf schließen lässt, dass es sich nicht um
         das Protokoll eines Gesprächs, sondern um einen Merkzettel handelt.
      
      243   Zum Gesichtspunkt der Aktualität des Inhalts der Aufzeichnungen lässt sich feststellen, dass deren Verfasser eine Reihe von
         Punkten als aktuell angesehen hat. Dies trifft z. B. auf die beiden ersten Punkte zu, die mit der Überschrift „Organisation,
         Abstimmung“ und „aktuelle Themen“ in der ersten Rubrik – „Themen“ – enthalten sind. Desgleichen scheint sich die dritte Rubrik
         – „Horeca‑Abstimmung“ –  auf die künftige Organisation der betreffenden Abstimmung zu beziehen. In der zweiten Rubrik wiederum
         mit der Überschrift „Rétroaction [Rückwirkung oder Feedback] 1.1.1994“ ist von „Umsetzungen“ die Rede, wobei nicht auszuschließen
         ist, dass solche Umsetzungen nach Ansicht des Verfassers immer noch ihre Wirkungen entfalteten.
      
      244   Da das Zustandekommen des Treffens vom 28. Januar 1998 zwischen Interbrew und der Klägerin nicht bestritten wird, ist wie
         bei dem Treffen vom 17. April 1997 (oben, Randnr. 237) zu untersuchen, welche Bedeutung den genannten Aufzeichnungen angesichts
         der auf das Auskunftsverlangen der Kommission vom 11. November 1999 erteilten Antwort von Alken‑Maes vom 27. Dezember 1999
         zukommt, worin es heißt: „Es gab eine Vielzahl von Zusammenkünften zwischen Mitarbeitern von Alken‑Maes, insbesondere [Herrn R. V.],
         damals von 1992 bis 1998 geschäftsführendes Mitglied des Verwaltungsrats, und Mitarbeitern von Interbrew, insbesondere [Herrn T.]
         und [Herrn J. D.], bei denen der Vertrieb und der Absatz von Bier in Belgien abgestimmt worden sind.“ Diese Erklärung ist
         bereits als solche ein Anerkenntnis der Klägerin, dass wettbewerbswidrige Treffen mit ihrer Beteiligung bis 1998 stattgefunden
         haben. Aufgrund ihres Inhalts lässt sich den handgeschriebenen Aufzeichnungen von Herrn A. D. die Bedeutung eines Nachweises
         der Wettbewerbswidrigkeit des Treffens vom 28. Januar 1998 zuschreiben.
      
      245   Zudem muss nach der Rechtsprechung ein Unternehmen, dessen Teilnahme an offensichtlich wettbewerbswidrigen Zusammenkünften
         von Unternehmen feststeht, Indizien vortragen, die zum Beweis seiner fehlenden wettbewerbswidrigen Einstellung bei der Teilnahme
         an den betreffenden Zusammenkünften geeignet sind, und nachweisen, dass es seine Wettbewerber darauf hingewiesen hat, dass
         es an den Treffen mit einer anderen Zielsetzung als diese teilnimmt (Urteile Hüls/Kommission, oben zitiert in Randnr. 216,
         Randnr. 155, Montecatini/Kommission, oben zitiert in Randnr. 216, Randnr. 181, und Aalborg Portland u. a./Kommission, oben
         zitiert in Randnr. 185, Randnr. 81). Andernfalls führt selbst eine passive Teilnahme an solchen Zusammenkünften zu der Annahme,
         dass sich das Unternehmen an dem daraus resultierenden Kartell beteiligt (Urteil Aalborg Portland u. a./Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 185, Randnr. 84, sowie Urteil des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑9/99, HFB u. a./Kommission, Slg.
         2002, II‑1487, Randnr. 223). Zudem kann der Umstand, dass ein Unternehmen die Ergebnisse einer Zusammenkunft mit wettbewerbswidrigem
         Gegenstand nicht umsetzt, es nicht von seiner Verantwortung für die Teilnahme an einem Kartell entbinden (Urteile Aalborg
         Portland u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 185, Randnr. 85, und Mayr-Melnhof/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57,
         Randnr. 135, sowie Zement‑Urteil, oben zitiert in Randnr. 31, Randnr. 1389).
      
      246   Im vorliegenden Fall hat die Klägerin keine Indizien vorgetragen, die zum Beweis ihrer fehlenden wettbewerbswidrigen Einstellung
         bei der nicht bestrittenen Teilnahme an der Zusammenkunft vom 28. Januar 1998 geeignet sind, und insbesondere nicht nachgewiesen,
         dass sie den Vertreter von Interbrew darauf hingewiesen hat, dass sie an der Zusammenkunft mit einer anderen Zielsetzung als
         dieser teilnahm. 
      
      247   Somit hat die Kommission rechtlich hinreichend nachgewiesen, dass die in Rede stehende Zuwiderhandlung bis zum 28. Januar
         1998 fortgedauert hat.
      
      248   Der Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
      3.     Zum Klagegrund der unzutreffenden Annahme eines erschwerenden Umstands wegen auf Interbrew ausgeübten Zwanges
      a)     Vorbringen der Parteien
      249   Nach Ansicht der Klägerin hat die Kommission den Sachverhalt falsch beurteilt, indem sie zu dem Schluss gelangt ist, dass
         die Klägerin bei dem Treffen am 11. Mai 1994 dadurch einen Zwang auf Interbrew ausgeübt habe, dass sie gedroht habe, Interbrew
         vom französischen Markt zu verdrängen, wenn diese ihr nicht eine Verkaufsquote von 500 000 Hektoliter für den belgischen Markt
         übertrage, und dass dies zu einer Ausweitung des Kartells von dem genannten Zeitpunkt an geführt habe.
      
      250   Erstens, so führt die Klägerin aus, hätten sich die Gespräche in der Zeit vor dem Treffen am 11. Mai 1994 zwar im Wesentlichen
         auf die Preise bezogen, die Aufnahme der weiteren Themen gegenseitige Kundschaftswahrung und neue Preisgestaltung in die Erörterungen
         nach diesem Zeitpunkt könne jedoch nicht als eine erhebliche Erweiterung des Umfangs der Zuwiderhandlung angesehen werden.
         Insbesondere die Sorge in Bezug auf eine gegenseitige Kundschaftswahrung habe nur auf den Problemen beruht, die sich daraus
         ergeben hätten, dass Interbrew die Exklusivverträge von Alken‑Maes mit bestimmten Kunden nicht geachtet habe. Überdies seien
         sowohl vor als auch nach dem Treffen vom 11. Mai 1994 weitere Fragen bei den Zusammenkünften auf die Tagesordnung gesetzt
         worden, so dass es übertrieben wäre, die Gesprächsthemen der Parteien als Ausweitung der Zusammenarbeit im Mai 1994 zu bezeichnen.
      
      251   Wenn es zweitens nach 1994 eine Entwicklung der Beziehungen in Richtung auf eine strukturiertere Absprache gegeben habe, so
         habe dies im Interesse beider Parteien und in Bezug auf die Preisgestaltung sogar insbesondere im Interesse von Interbrew
         gelegen, wobei kein Aspekt des Kartells auf dem alleinigen Interesse der Klägerin beruht habe.
      
      252   Das Interesse von Interbrew am Abschluss eines Nichtangriffspakts vor Mai 1994 gehe aus der Befürchtung dieses Unternehmens
         hervor, dass die Preise auf dem belgischen Markt unterboten würden. Wie die Kommission in der angefochtenen Entscheidung einräume,
         habe Interbrew dringend eine Preisabstimmung für Belgien gewünscht, um sich unter Fortführung einer aggressiven Politik gegenüber
         den Exklusivverträgen von Alken‑Maes mit bestimmten Kunden der aggressiven Politik der Klägerin auf diesem Gebiet zu entziehen
         und billige Paralleleinfuhren aus Frankreich abzuwenden. Obwohl die Stärke von Interbrew es diesem Unternehmen erlaubt hätte,
         Alken‑Maes durch einen Handelskrieg vom Markt zu verdrängen, habe Interbrew sich zum Ziel gesetzt, einen von ihr beherrschten
         belgischen Markt zu befrieden, um ihre internationale Expansion mit Hilfe der in Belgien erzielten Gewinne finanzieren zu
         können, wo die Preise höher gelegen hätten. Alken‑Maes habe sich dieser Befriedungsabsicht jedoch zumindest in einer ersten
         Zeit durch einen entschlossenen Wettbewerb mit dem erklärten Ziel widersetzt, seine Rentabilitätsgrenze zu erreichen. Interbrew
         habe mithin ein unmittelbares Interesse am Abschluss eines Nichtangriffspakts gehabt.
      
      253   Zudem sei Interbrew im Hinblick auf eine Übernahme der Biersparte der Klägerin an einer Einigung mit dieser interessiert gewesen.
         Ihr Einvernehmen mit Alken‑Maes erkläre sich auch aus der Suche nach einem Partner bei dem Bestreben, dem Markt eine neue
         Preisstruktur aufzuerlegen. Da Interbrew außerdem eine Verurteilung wegen Missbrauchs einer beherrschenden Stellung habe befürchten
         müssen, habe das Unternehmen ein Interesse daran haben können, sich mit Alken‑Maes zu einigen, statt dieses Unternehmen vom
         Markt zu verdrängen.
      
      254   Die angeblich von Interbrew vor 1994 an den Tag gelegte Zurückhaltung, auf die sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         und in ihrer Klagebeantwortung berufe, indem sie insbesondere auf eine interne Notiz von Interbrew vom März 1993 verweise,
         beruhe im Übrigen auf einer Fehleinschätzung der Bedeutung dieser Unterlage durch die Kommission. Zwar sei in dem von der
         Kommission zitierten Auszug von Zurückhaltung die Rede, die Verwendung dieses Textes sei jedoch tendenziös, da daraus nicht
         nur hervorgehe, dass sich diese Zurückhaltung auf eine Verfolgung aufgrund des Artikels 82 EG beziehe, sondern auch dass der
         damalige CEO von Interbrew den Verfasser der Notiz zu Gesprächen mit Alken‑Maes gezwungen habe; dies zeuge im Gegenteil von
         einer freiwilligen und vorbehaltlosen Teilnahme am Kartell, die seinerzeit von der höchsten Führungskraft von Interbrew beschlossen
         worden sei. Und schließlich habe die Kommission nicht erwähnt, dass eben der Verfasser der Notiz, der im März 1993 von der
         Zurückhaltung spreche, sechs Monate später, nachdem er CEO von Interbrew geworden sei, Initiativen ergriffen habe, um Alken‑Maes
         zu einer Zusammenarbeit zu zwingen, damit der von Interbrew gewünschte Preis erreicht werde.
      
      255   Die Kommission habe auch aus dem Auge verloren, dass Interbrew schon 1994 klare Ziele für das Kartell gesetzt habe, was mehrere
         Begründungserwägungen der angefochtenen Entscheidung erkennen ließen, so dass dadurch die führende Rolle von Interbrew im
         Kartell vor 1994 deutlich werde, von der auch in der angefochtenen Entscheidung die Rede sei. Die Bezeichnung des Kartells
         durch Interbrew mit einem Decknamen bestätige zudem, wie strukturiert dieses Unternehmen an die in Rede stehenden Verhaltensweisen
         herangegangen sei. Darüber hinaus zeige auch die Erklärung des ehemaligen geschäftsführenden Mitglieds des Verwaltungsrats
         von Alken‑Maes, wonach die allermeisten Führungskräfte von Interbrew schon vor 1994 eine Kartellabsprache gewünscht hätten,
         dass es die angebliche Zurückhaltung von Interbrew nicht gegeben habe.
      
      256   Drittens räumt die Klägerin zwar ein, Interbrew bei einem Treffen am 11. Mai 1994 in Bezug auf deren Mitwirkung bei einer
         Verletzung ihrer Vertriebsvereinbarungen in Frankreich gewarnt zu haben, sie habe jedoch nicht für eine genaue Einhaltung
         dieser Vereinbarungen gesorgt und mithin tatsächlich keinen Zwang ausgeübt. Die behauptete Drohung gegenüber Interbrew werde
         überdies in der angefochtenen Entscheidung durch die Feststellung widerlegt, dass Interbrew der Forderung der Klägerin, 500 000 Hektoliter
         an Alken‑Maes zu übertragen, nicht nachgekommen sei.
      
      257   Zudem sei das Kräfteverhältnis zwischen der Klägerin und Interbrew in Frankreich wie in Belgien sehr ungleich gewesen. Da
         die Klägerin in Frankreich keine beherrschende Stellung innegehabt habe, sei sie keinesfalls in der Lage gewesen, Interbrew
         von dort zu verdrängen. Da die Vertriebsstellen, die von Vertriebsvereinbarungen mit der Klägerin erfasst worden seien, nur
         16 % des Absatzes in Frankreich ausgemacht hätten, gebe es offensichtlich keinen Grund, anzunehmen, dass Interbrew an eine
         Verdrängungsgefahr habe glauben können. Außerdem hätten die etwaigen Folgen einer strikten Anwendung der Vertriebsvereinbarungen
         der Klägerin in Frankreich in keinem Verhältnis zu der Gefahr gestanden, der die Tochtergesellschaft der Klägerin in Belgien
         angesichts des tatsächlichen Einflusses des Gewichts von Interbrew in Belgien ausgesetzt gewesen wäre. Somit bestehe ein offensichtliches
         Missverhältnis zwischen dem angeblichen Vorliegen einer Drohung, die gar nicht in die Tat umgesetzt worden sei, und der darauf
         beruhenden Anhebung der Geldbuße.
      
      258   Darüber hinaus habe die Kommission einerseits der Warnung an Interbrew Bedeutung beigemessen, die nur auf die Verwendung letztlich
         gar nicht eingesetzter rechtmäßiger Mittel abgestellt habe, um der Mitwirkung von Interbrew bei einer Verletzung der Vereinbarungen
         der Klägerin in Frankreich Einhalt zu gebieten, andererseits aber die Drohungen und Vergeltungsmaßnahmen von Interbrew gegenüber
         Alken‑Maes im gesamten Zeitraum außer Acht gelassen. So seien die überzogene Reaktion von Interbrew auf die aggressive Handelspolitik
         von Alken‑Maes im Jahr 1994, die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Unternehmen Alken‑Maes habe dazu bewegen wollen, die
         Preisanhebungspolitik von Interbrew im Jahr 1993 mitzumachen, oder auch die von Alken‑Maes erlittenen Angriffe von Interbrew
         auf die mit Alken‑Maes verbundenen Gaststätten allesamt Beweise für die ständige Aggression von Interbrew gegenüber der Klägerin,
         wobei dieses Unternehmen dank seiner beherrschenden Stellung „den Markt terrorisiert“ habe und mithin auf dem besten Weg gewesen
         sei, Alken‑Maes zu verdrängen.
      
      259   Ferner lasse sich die von Interbrew im Januar 1998 geäußerte Zufriedenheit über die Ergebnisse des Kartells, von der die Aufzeichnungen
         des kaufmännischen Direktors Belgien von Interbrew zeugten, kaum mit der Behauptung vereinbaren, Alken‑Maes habe einen Zwang
         auf Interbrew ausgeübt.
      
      260   Viertens schließlich führt die Klägerin aus, ihre angebliche Drohung sei keineswegs nachgewiesen worden. Alle Erklärungen
         von Interbrew seien im Jahr 2000 abgegeben und der Kommission in einem fortgeschrittenen Stadium des Ermittlungsverfahrens
         mitgeteilt worden. Sie entsprächen der Verteidigungsstrategie von Interbrew und könnten daher von der Kommission nicht als
         Beweisstücke angesehen werden. Auch die einzige von einem Dritten stammende Unterlage zur Stützung der Behauptung der Kommission,
         das Dokument Heineken, sei kein gültiger Beweis. 
      
      261   Diese Unterlage, die Erklärungen von Interbrew wiedergebe, sei keine unabhängige Feststellung der behaupteten Zwangsausübung.
         Da weder der Verfasser noch das Datum des genannten Dokuments bekannt seien, müsse überdies der Wahrheitsgehalt der wiedergegebenen
         Worte bezweifelt werden, zumal nicht festzustellen sei, ob eine verantwortliche Person von Heineken oder von Interbrew das
         Dokument verfasst habe. Es sei zudem seiner Art nach schwer verständlich und inhaltlich sibyllinisch. Das Dokument sei nämlich
         weder ein Schreiben noch eine Aufzeichnung, sondern vielmehr ein Auszug aus einer Aufstellung mit dem falsch geschriebenen
         Namen einer in den 90er Jahren tätigen Führungskraft von Interbrew (Herr C.), in Bezug auf den es drei mit Gedankenstrichen
         versehene Satzteile enthalte, die Teil einer Aufzählung zu sein schienen. Nach dem zweiten Gedankenstrich stünden die folgenden
         in niederländischer Sprache verfassten Worte: „Vor drei Jahren hat [Herr K.] Interbrew vor die Wahl gestellt, entweder 500 000 hl
         zusätzlich [Maes zu geben] oder aus Frankreich vertrieben zu werden.“ Das Wort „geben“ komme im niederländischen Text nicht
         zum Ausdruck, und das Wort „Alken‑Maes“ sei handschriftlich eingefügt worden. Es sei somit unmöglich, einen klaren Sinn in
         den vier Zeilen zu erkennen, die aus dem Zusammenhang des Dokuments Heineken gerissen seien. Da sich die Kommission nicht
         um weitere Aufschlüsse über das Dokument Heineken und über die Bedeutung seines Inhalts bemüht habe, entbehre diese Unterlage
         jedes Beweiswerts.
      
      262   Die Kommission führt aus, es ergebe sich aus den von der Klägerin nicht bestrittenen Begründungserwägungen 45 und 46 der angefochtenen
         Entscheidung zum einen, dass Interbrew vor dem Treffen am 11. Mai 1994 in Bezug auf einen Ausbau ihrer Zusammenarbeit mit
         der Klägerin in Belgien zurückhaltend gewesen sei und mit der Einstellung „keinen Krieg beginnen“ an die Sache herangegangen
         sei, und zum anderen, dass nach diesem Zeitpunkt ein Nichtangriffspakt geschlossen worden sei. Die Behauptung der Klägerin,
         Interbrew habe sich vor 1994 mit Alken‑Maes verständigen wollen, um deren aggressiver Handelspolitik ein Ende zu bereiten,
         sei rein spekulativ, während sich die Aggressivität der Politik von Alken‑Maes gegenüber Interbrew bewahrheitet habe. Angesichts
         der deutlichen Veränderung in der Haltung von Interbrew sei daraus auf einen Kausalzusammenhang zwischen der Drohung der Klägerin,
         die überdies die Realität des Ausbaus der Zusammenarbeit seit dem 11. Mai 1994 einräume, und der veränderten Haltung von Interbrew
         zu schließen.
      
      263   Interbrew spiele zwar die wichtigste Rolle auf dem belgischen Biermarkt, dies schließe jedoch weder aus, dass das Unternehmen
         einem Ausbau des Kartells zurückhaltend gegenübergestanden habe noch dass ihm ein Handelskrieg von einem Wirtschaftsteilnehmer
         angedroht worden sei, der im Ganzen betrachtet größer und in Frankreich besonders stark sei, wo Interbrew hingegen eine schwächere
         Stellung eingenommen habe. Ein solches Szenario sei umso glaubhafter, als die betreffende Drohung in einer abgestimmten Aktion
         der Klägerin zusammen mit Heineken bestanden habe und Alken‑Maes kein vereinzeltes Unternehmen gewesen sei, sondern eine Tochtergesellschaft
         der Klägerin und mithin eines internationalen Konzerns. Wenn Interbrew im Übrigen gegen Ende des Kartells Zufriedenheit mit
         den erzielten Ergebnissen geäußert habe, so lasse dies nicht den Schluss zu, dass das Unternehmen am Anfang nicht zurückhaltend
         gewesen sei.
      
      264   Zu der Behauptung der Klägerin, dass der Auszug aus der Mitteilung von Herrn M. vom 12. März 1993 eine tendenziöse Darstellung
         der Tatsachen sei, bemerkt die Kommission zunächst, dass die Verwendung dieses Auszugs in der 45. Begründungserwägung der
         angefochtenen Entscheidung keineswegs den von der Führungsspitze von Interbrew ausgeübten Druck verschleiere. Aus dem Auszug
         gehe auch hervor, dass die Klägerin diese Zusammenarbeit habe verstärken wollen und mehr davon zu erwarten gehabt habe als
         Interbrew, was die Klägerin wohlweislich nicht erwähne. Dass die Zurückhaltung von Interbrew vielleicht auf Angst vor einer
         Verfolgung wegen eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht beruht habe, sei ohne Folgen für das Bestehen dieser Zurückhaltung.
         Dies gelte auch für die Initiative, deren sich der Urheber der anfänglichen Vorbehalte von Interbrew später schuldig gemacht
         habe, um Alken‑Maes zur Erreichung des von Interbrew gewünschten Preises zu zwingen. Was schließlich die Erklärung des ehemaligen
         geschäftsführenden Mitglieds des Verwaltungsrats von Alken‑Maes anbelange, wonach die allermeisten Führungskräfte von Interbrew
         schon vor 1994 eine Kartellabsprache gewünscht hätten, so sei festzustellen, dass diese Erklärung nachträglich erfolgt sei
         und sehr selektiv verwendet werde, wobei einige Stellen, die sich auf die Drohung gegenüber Interbrew bezögen, übergangen
         würden.
      
      265   Die Kommission bemerkt erneut, sie habe keineswegs das Interesse von Interbrew am Zustandekommen einer Kartellabsprache bestritten,
         sondern lediglich dargetan, dass der Ausbau des Kartells als Ergebnis der von der Klägerin ausgesprochenen Drohung anzusehen
         sei.
      
      266   Ferner fehle jeder Beweis für das Vorbringen der Klägerin, Interbrew habe vor 1994 eine Verständigung über die Preise gewünscht,
         um der aggressiven Handelspolitik von Alken‑Maes Einhalt zu gebieten und billige Paralleleinfuhren aus Frankreich zu verhindern.
         Die Unterlagen, mit denen die aggressive Preispolitik von Alken‑Maes bewiesen werden solle, erwähnten eine Zusammenkunft zwischen
         Vertretern von Alken‑Maes und Interbrew nach Mai 1994, woraus nicht abgeleitet werden könne, dass der damalige Ausbau des
         Kartells auf den Wunsch von Interbrew zurückzuführen sei. Auch die Unterlagen über die Paralleleinfuhren seien nicht beweiskräftig,
         ebenso wenig wie diejenigen, die belegen sollten, dass Interbrew ihre internationale Expansion durch die in Belgien erzielten
         Gewinne habe finanzieren wollen. Zudem ließen Gespräche über eine etwaige Übernahme von Kronenbourg durch Interbrew kein eigenständiges
         Interesse des letztgenannten Unternehmens am Kartell erkennen; ebenso wenig könne die Befürchtung einer Verfolgung wegen Missbrauchs
         einer beherrschenden Stellung Interbrew zum Ausbau eines Kartells veranlasst haben, das wettbewerbsrechtlich genauso rechtswidrig
         sei.
      
      267   Die Kommission führt weiter aus, dass die Erklärung der Klägerin für das Treffen am 11. Mai 1994 und für die Erwähnung der
         500 000 Hektoliter nicht glaubhaft sei, wobei auch bedacht werden müsse, dass die Klägerin nicht bestreite, dass tatsächlich
         von dieser Menge und von einer bestimmten Art Drohung die Rede gewesen sei.
      
      268   Zu dem von der Klägerin bestrittenen Beweis für die Drohung erklärt die Kommission zunächst, die Klägerin habe in ihrer Antwort
         auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte erwähnt, dass ein Vertreter von Alken‑Maes (Herr R. V.) Interbrew, „die wegen der
         aggressiven Politik [der Klägerin] irritiert war“, mitgeteilt habe, „dass er nicht mehr als 500 000 Hektoliter erreichen will,
         was seiner Rentabilitätsgrenze entspricht“. Überdies sei Interbrew in Anbetracht ihrer feindlichen Praktiken im belgischen
         Horeca‑Sektor zu verstehen gegeben worden, dass die Klägerin „gegenüber Interbrew in Frankreich entschlossener auftreten könnte,
         wenn Interbrew ihre Missbräuche in Belgien nicht einstellt“. Aus diesen beiden Äußerungen gehe eine gewisse Drohung hervor,
         denn wenn von einem Wettbewerber verlangt werde, er solle bestimmte Praktiken beenden, und ihm zugleich mitgeteilt werde,
         man müsse über eine bestimmte Menge verfügen, um rentabel zu werden, so bedeutet dies, dass eine Übertragung dieser Menge
         unter Androhung von Vergeltungsmaßnahmen gefordert werde.
      
      269   Zudem habe ein Vertreter von Interbrew (Herr C.) erklärt, ein Vertreter von Alken‑Maes (Herr K.) habe „unter Androhung der
         Zerstörung von [Interbrew] in Frankreich seine Forderung bekräftigt, 500 000 [Hektoliter] seien auf [Alken‑Maes] zu übertragen“.
         Er habe darüber hinaus „ein Verhalten zwischen [Interbrew und Alken‑Maes] in Belgien nach dem Muster der ‚Absprachen in Frankreich‘
         befürwortet“, wobei bemerkt worden sei: „Der französische Mechanismus lässt sich wie folgt zusammenfassen. Die Verkaufsdirektoren
         Lebensmittelhandel (Food) von Heineken und Kronenbourg stimmen sich regelmäßig untereinander ab, um die jeweiligen Marktanteile
         zu kontrollieren und die Verkaufsförderungsmaßnahmen, die Preise und die Konditionen zu manipulieren.“
      
      270   Die Kommission gibt ferner zur Entkräftung der Behauptung der Klägerin, sie habe sich zum Beweis einer Drohung nur auf das
         Dokument Heineken gestützt, in ihrer Gegenerwiderung eine Erklärung von Interbrew vom 14. Januar 2000 wieder, deren Verfasser
         Folgendes ausführt: „Der Standpunkt [der Klägerin] war, dass die Lage von [Alken‑Maes] sehr schwierig sei und dass [Interbrew]
         diesem Unternehmen helfen sollte. Der Knüppel, den sie hatten, um uns zu überzeugen, bestand darin, dass uns Kronenbourg in
         Frankreich das Leben sehr schwer machen kann.“
      
      271   Die Drohung sei auch in unabhängiger Weise aus dem Dokument Heineken ersichtlich, das in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und in der angefochtenen Entscheidung zitiert werde. In dieser undatierten und nicht unterzeichneten, jedoch in einer Schublade
         des Büros eines Mitglieds des Verwaltungsrats von Heineken gefundenen Unterlage werde berichtet, ein Vertreter von Alken‑Maes
         (Herr K.) habe drei Jahre zuvor „Interbrew vor die Wahl gestellt, entweder 500 000 hl zusätzlich auf Alken‑Maes zu übertragen
         oder aus Frankreich vertrieben zu werden. Er hat auf die Art der Zusammenarbeit zwischen Heineken und Kronenbourg in Frankreich
         verwiesen.“
      
      272   Die Kommission trägt vor, die Beweiskraft dieses Dokuments, das die Klägerin in seiner nicht vertraulichen Fassung habe einsehen
         können, werde nicht dadurch in Mitleidenschaft gezogen, dass das Datum fehle und der Verfasser oder die Personen, die Kenntnis
         von der genannten Unterlage gehabt hätten, nicht bekannt seien. In Anbetracht des Fundorts deute alles darauf hin, dass diese
         Unterlage für oder durch ein Mitglied des Verwaltungsrats von Heineken verfasst worden sei. Zudem habe der Anwalt von Heineken
         bestätigt, dass die Unterlage von seiner Mandantin stamme.
      
      273   Die Kohärenz der von der Klägerin eingeräumten Umstände, der Erklärungen von Interbrew und des Inhalts des Dokuments Heineken
         zeige, dass in der Tat eine Drohung gegenüber Interbrew ausgesprochen worden sei.
      
      274   Zu den Argumenten, die die Klägerin in ihrer Erwiderung zur Stützung ihrer Behauptung vorträgt, dass die Drohung ohne Wirkung
         geblieben sei, bemerkt die Kommission vorab, sie implizierten, dass eine Drohung ausgesprochen worden sei. Im Übrigen seien
         die von der Klägerin angeführten Erklärungen eines ihrer damaligen Direktoren einstimmig. Wenn dieser nämlich erkläre, dass
         „Kronenbourg keineswegs in der Lage gewesen ist, Interbrew zu verdrängen“, so widerspreche dies seiner Äußerung, dass die
         Klägerin „gegenüber Interbrew in Frankreich entschlossener auftreten könnte, wenn Interbrew ihre Missbräuche in Belgien nicht
         einstellt“. Es sei unwahrscheinlich, dass eine Drohung in voller Kenntnis ihrer Unrealisierbarkeit ausgesprochen worden sei.
         Dazu, dass Interbrew die Drohung angeblich nicht beachtet habe, sei zu bemerken, dass die Klägerin dies nicht feststellen
         könne, wohingegen aus den Akten hervorgehe, dass Interbrew die Drohung ernst genommen habe.
      
      275   Ein etwaiger Gegenangriff von Interbrew auf den Schankbetrieb infolge des Vorgehens von Alken‑Maes schließe nicht aus, dass
         Interbrew das ernst genommen habe, was von ihr als Drohung empfunden worden sei. Auch die Unterlagen, die zur Feststellung
         des „Terrors“ herangezogen worden seien, mit dem Interbrew den Markt überzogen habe, seien nicht beweiskräftig. Aus keiner
         von ihnen gehe hervor, dass Interbrew die Verkaufsstellen von Alken‑Maes systematisch angegriffen habe.
      
      276   Die Kommission betont abschließend, dass die Klägerin zwar bestreite, eine Drohung ausgesprochen zu haben, jedoch nicht zu
         bestreiten scheine, dass eine Drohung, auch wenn sie ohne Folgen geblieben sei, einen erschwerenden Umstand darstelle.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      277   Wie aus der Rechtsprechung hervorgeht, ist bei Zuwiderhandlungen, die von mehreren Unternehmen begangen worden sind, für die
         Bemessung der Geldbußen die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens zu prüfen (Urteil des Gerichtshofes
         vom 16. Dezember 1975 in den Rechtssachen 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis 56/73, 111/73, 113/73 und 114/73, Suiker Unie
         u. a./Kommission, Slg. 1975, 1663, Randnr. 623), wobei insbesondere festzustellen ist, welche Rolle es bei der Zuwiderhandlung
         während der Dauer seiner Beteiligung an dieser gespielt hat (Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, oben zitiert in Randnr.
         215, Randnr. 150, und Urteil des Gerichts vom 17. Dezember 1991 in der Rechtssache T‑6/89, Enichem Anic/Kommission,  Slg.
         1991, II‑1623, Randnr. 264).
      
      278   Dies ist die logische Folge des Grundsatzes der Individualität der Strafen und Sanktionen, wonach ein Unternehmen nur für
         Handlungen bestraft werden darf, die ihm individuell zur Last gelegt werden; dieser Grundsatz gilt für alle Verwaltungsverfahren,
         die zu Sanktionen nach den Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft führen können (vgl. hinsichtlich der Auferlegung einer Geldbuße
         Urteil des Gerichts vom 13. Dezember 2001 in den Rechtssachen T‑45/98 und T‑47/98, Krupp Thyssen Stainless und Acciai speciali
         Terni/Kommission, Slg. 2001, II‑3757, Randnr. 63).
      
      279   Gemäß diesen Grundsätzen sehen die Nummern 2 und 3 der Leitlinien eine Abstufung des Grundbetrags der Geldbuße nach bestimmten
         erschwerenden und mildernden Umständen vor, die den jeweiligen betroffenen Unternehmen zuzuordnen sind. Nummer 2 enthält insbesondere
         eine nicht abschließende Aufzählung erschwerender Umstände, die berücksichtigt werden können. 
      
      280   Die Kommission hat der Klägerin im vorliegenden Fall in der 315. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zur Last
         gelegt, dass sie „durch die Drohung, im Fall der Nichtbeteiligung Maßnahmen gegen Interbrew zu ergreifen, eine Ausweitung
         der Zusammenarbeit erzwungen hat“.
      
      281   Wie vorab festzustellen ist, hat die Kommission zu Recht angenommen, dass ein erschwerender Umstand vorliegt, wenn ein an
         einem Kartell beteiligtes Unternehmen einen anderen Kartellteilnehmer zwingt, das Kartell auszuweiten, indem es ihm Vergeltungsmaßnahmen
         für den Fall einer Verweigerung androht. Ein derartiges Verhalten bewirkt nämlich eine unmittelbare Vergrößerung des durch
         das Kartell entstandenen Schadens, so dass ein Unternehmen, das sich in dieser Weise verhalten hat, eine besondere Verantwortung
         zu tragen hat (vgl. entsprechend die Beurteilung einer „Anführer“‑Rolle in einem Kartell, Urteile des Gerichtshofes vom 8.
         November 1983 in den verbundenen Rechtssachen 96/82 bis 102/82, 104/82, 105/82, 108/82 und 110/82, IAZ u. a./Kommission, Slg.
         1983, 3369, Randnrn. 57 und 58, und vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑298/98 P, Finnboard/Kommission, Slg. 2000,
         I‑10157, Randnr. 45, sowie Urteil Mayr-Melnhof/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 291).
      
      282   Die Kommission stellt für die Feststellung des genannten erschwerenden Umstands einen Kausalzusammenhang her zwischen der
         Ausweitung der Zusammenarbeit, wie sie insbesondere in der 236., der 239., der 243. und der 244. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung zusammengefasst wird, die sich ihrerseits auf den in der 51. bis 68. Begründungserwägung dargelegten Sachverhalt
         des Jahres 1994 stützen, und der von der Klägerin ausgehenden Androhung von Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Interbrew für den
         Fall der Verweigerung einer Ausweitung der Zusammenarbeit.
      
      283   Um zu bestimmen, ob die von der Kommission gegenüber der Klägerin getroffene Feststellung des genannten erschwerenden Umstands
         begründet ist, ist der Reihe nach zu prüfen, ob eine Androhung von Vergeltungsmaßnahmen tatsächlich vorliegt, ob die Zusammenarbeit
         tatsächlich ausgeweitet wurde und, falls sich diese beiden Tatsachen bestätigen, ob die Drohung tatsächlich die Ausweitung
         der Zusammenarbeit bewirkt hat.
      
      284   Was erstens den Nachweis einer Drohung anbelangt, so hat sich die Kommission hierbei zum einen auf die Erklärung von Herrn C.
         von Interbrew vom 12. Januar 2000 in Anlage 18 zum Schreiben von Interbrew vom 28. Februar 2000 an die Kommission und zum
         anderen auf den Inhalt des Dokuments Heineken (vgl. oben, Randnr. 271) gestützt. Nach Ansicht der Kommission wird die Richtigkeit
         der Erklärung von Interbrew, wonach eine Drohung bei dem Treffen vom 11. Mai 1994 ausgesprochen wurde, durch das Dokument
         Heineken, das die Formulierung der Drohung wiedergibt, bestätigt.
      
      285   Zu dem Vorbringen der Klägerin, die Erklärung von Interbrew könne nicht als beweiskräftig angesehen werden, ist zu bemerken,
         dass es nach der Rechtsprechung keine Bestimmung und keinen allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen Grundsatz gibt, die es der
         Kommission verbieten, sich gegenüber einem Unternehmen auf die Aussagen anderer beschuldigter Unternehmen zu berufen. Andernfalls
         wäre die der Kommission obliegende Beweislast für Verhaltensweisen, die gegen die Artikel 81 und 82 EG verstoßen, nicht tragbar
         und mit der durch den EG‑Vertrag der Kommission übertragenen Aufgabe der Überwachung der ordnungsgemäßen Anwendung dieser
         Bestimmungen unvereinbar (Urteil PVC II, oben zitiert in Randnr. 154, Randnr. 512). Jedoch kann die Erklärung eines der Teilnahme
         an einem Kartell beschuldigten Unternehmens, deren Richtigkeit von mehreren anderen beschuldigten Unternehmen in Abrede gestellt
         wird, nicht ohne Untermauerung durch andere Beweismittel als hinreichender Beleg für die betreffenden Umstände angesehen werden
         (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑337/94, Enso‑Gutzeit/Kommission, Slg. 1998,
         II‑1571, Randnr. 91). Da das Kartell im vorliegenden Fall nur zwei Beteiligte umfasst, genügt das Bestreiten des Inhalts der
         Erklärung von Interbrew durch die Klägerin, um eine Untermauerung dieser Erklärung durch andere Beweismittel erforderlich
         zu machen. Dies gilt umso mehr, als es sich hier um eine Erklärung handelt, mit der die Verantwortlichkeit des Unternehmens,
         in dessen Namen die Erklärung abgegeben worden ist, dadurch gemindert werden soll, dass die Verantwortlichkeit eines anderen
         Unternehmens in den Vordergrund gestellt wird. Somit ist zu prüfen, ob die Erklärung von Interbrew durch andere Beweismittel
         erhärtet wird.
      
      286   Da sich die Kommission für die Richtigkeit der Erklärung von Interbrew auch auf das Dokument Heineken gestützt hat, das die
         fragliche Drohung belegen soll und dessen Beweiskraft von der Klägerin ebenfalls bestritten wird, ist festzustellen, ob diese
         Unterlage eine Drohung hinreichend belegt, um zu dem Schluss gelangen zu können, dass die Drohung unter Zugrundelegung des
         Dokuments Heineken und der Erklärung von Interbrew feststeht. Hierbei ist zur Beurteilung des Beweiswerts eines Dokuments
         zunächst die Wahrscheinlichkeit der darin enthaltenen Aufzeichnungen zu untersuchen. Dabei ist namentlich zu berücksichtigen,
         von wem das Dokument stammt, unter welchen Umständen es erstellt worden ist, an wen es gerichtet ist und ob es seinem Inhalt
         nach vernünftig und glaubwürdig wirkt (Schlussanträge des zum Generalanwalt bestellten Richters Vesterdorf in der Rechtssache
         T‑1/89, Urteil des Gerichts vom 24. Oktober 1991, Rhône‑Poulenc/Kommission, Slg. 1991, II‑867, II‑869, II‑956, und Zement‑Urteil,
         oben zitiert in Randnr. 31, Randnr. 1838).
      
      287   Wie zunächst festzustellen ist, hat nach dem Dokument Heineken der damalige Generaldirektor der  Biersparte der Klägerin „Interbrew
         vor die Wahl gestellt, entweder 500 000 [Hektoliter] zusätzlich auf Maes zu übertragen oder aus Frankreich vertrieben zu werden
         [und] auf die Art der Zusammenarbeit zwischen Heineken und Kronenbourg in Frankreich verwiesen“. Da sich das genannte Dokument
         auf die Erhebung einer Forderung mit eventuellen Vergeltungsmaßnahmen bezieht, gibt es eine Drohung wieder.
      
      288   Sodann ist zur Glaubwürdigkeit des Dokuments Folgendes zu bemerken: Erstens wurde das Dokument Heineken, obwohl es nicht datiert
         ist, notwendigerweise vor dem 22. März 2000 erstellt, da es ursprünglich zu diesem Zeitpunkt im Zuge einer Nachprüfung nach
         Artikel 14 Absatz 3 der Verordnung Nr. 17 bei Heineken (vgl. oben, Randnr. 39) abschriftlich erlangt wurde, so dass es bereits
         vor der Einleitung des Verfahrens und vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte an die betroffenen Unternehmen bestand. Zweitens
         lässt die Tatsache, dass das Dokument Heineken, obgleich es nicht unterzeichnet ist, in der Schublade eines Mitglieds des
         Verwaltungsrats von Heineken, also im Büro einer Führungskraft eines Drittunternehmens, gefunden wurde, den Schluss zu, dass
         der Inhalt des Dokuments glaubwürdig ist. Drittens kann die Richtigkeit des Inhalts der in Rede stehenden Äußerungen nicht
         in Frage stellen, dass Interbrew, wie die Klägerin zu verstehen gibt, Heineken über sie berichtet haben könnte. Es erscheint
         nämlich keinesfalls glaubhaft, dass Interbrew, worin die einzige Möglichkeit besteht, die einen derartigen Zweifel an der
         Wahrheit des Dokuments Heineken begründen könnte, Heineken absichtlich erfundene Vorgänge allein zu dem Zweck zugetragen haben
         sollte, in Erwartung einer Bußgeldentscheidung der Kommission eine Zwangslage zu inszenieren, die die Rolle von Interbrew
         im Kartell als weniger wichtig erscheinen lassen könnte. 
      
      289   Wie ferner zu bedenken ist, bestreitet die Klägerin zwar, dass bei dem Treffen am 11. Mai 1994 eine Drohung ausgesprochen
         wurde, sie bestreitet jedoch weder, dass hierbei eine Warnung ausgesprochen wurde (vgl. oben, Randnr. 256), noch dass bei
         diesem Treffen von einer Menge von 500 000 Hektolitern die Rede war, noch schließlich, dass sich das Dokument Heineken auf
         das Treffen vom 11. Mai 1994 bezieht.
      
      290   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass dem Dokument Heineken ein ausgeprägter Beweiswert zukommt und dass in Anbetracht
         der von der Klägerin nicht bestrittenen Begleitumstände aus der Erklärung von Herrn C. von Interbrew vom 12. Januar 2000 in
         Verbindung mit dem Dokument Heineken hervorgeht, dass die Klägerin am 11. Mai 1994 tatsächlich eine Drohung gegenüber Interbrew
         ausgesprochen hat.
      
      291   Was zweitens die Frage anbelangt, ob die festgestellte Zusammenarbeit tatsächlich ausgeweitet wurde, so ist zunächst zu bemerken,
         dass es zwar nach Ansicht der Klägerin überzogen wäre, die Änderung der zwischen den Parteien erörterten Themen als Ausweitung
         der Zusammenarbeit zu bezeichnen, die Klägerin aber doch einräumt, dass sich die Gespräche nach Mai 1994 fortentwickelt haben,
         wenngleich sich diese Fortentwicklung zunächst nur auf die „Wahrung der Kundschaft jeder Partei“ bezogen habe, soweit die
         betreffenden Kunden durch Exklusivverträge gebunden gewesen seien.
      
      292   Die Klägerin bestreitet auch nicht die in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Feststellungen, wonach das Kartell eine
         Vereinbarung über die Marktaufteilung in Form eines Nichtangriffspakts umfasst hat. Sie hat der Kommission selbst die Existenz
         eines Nichtangriffspakts mitgeteilt, was aus dem Schreiben von Alken‑Maes an die Kommission vom 7. März 2000 hervorgeht. Dort
         heißt es: 
      
      „Es hat insbesondere den Anschein, dass Ende 1994 zwischen den beiden Gesellschaften eine Vereinbarung getroffen wurde, die
         die gesamten Vertriebswege in Belgien, jedoch besonders genau die im Horeca‑Sektor erfasste. Die Vereinbarung soll insbesondere
         … einen Nichtangriffspakt … beinhaltet haben.“
      
      293   Zudem tut die Kommission insbesondere in der 56., der 59. bis 65., der 73. und der 104. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung rechtlich hinreichend dar, dass in das Kartell schon in der zweiten Jahreshälfte 1994 eine Marktaufteilungskomponente
         einbezogen wurde. Weiterhin geht aus der 53. bis 58. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung hervor, dass der Prozess,
         der zu dieser Einbeziehung geführt hat, im Mai 1994 begonnen hat. 
      
      294   Demnach wurde die Zusammenarbeit ab Mai 1994 effektiv durch einen Nichtangriffspakt zu einer Aufteilung des Biermarktes erweitert.
         
      
      295   Drittens ist zu prüfen, ob die am 11. Mai 1994 von der Klägerin ausgesprochene Drohung Interbrew entscheidend gezwungen hat,
         einer Erweiterung des Kartells zu einem Nichtangriffspakt zuzustimmen. Diese Prüfung erfordert eine vergleichende Untersuchung
         des Verhaltens der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaft Alken‑Maes zum einen und von Interbrew zum anderen sowohl vor als
         auch in und nach dem zweiten Halbjahr 1994, in dessen Verlauf der Prozess der Kartellerweiterung zu dem am 12. Oktober 1994
         besiegelten Nichtangriffspakt geführt hat. Dem Verhalten von Interbrew kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.
      
      296   Wie vorab festzustellen ist, hat die Kommission in der 313. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausgeführt,
         dass sowohl die Klägerin als auch Interbrew im Zusammenhang mit verschiedenen Komponenten des Kartells die Initiative ergriffen
         hätten, so dass in dem Kartell als Ganzem keiner der Beteiligten eine führende Rolle gespielt habe.
      
      297   Was erstens das jeweilige Verhalten der Kartellteilnehmer vor und in dem zweiten Halbjahr 1994 anbelangt, so ergibt sich aus
         der angefochtenen Entscheidung zunächst, dass von der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaft Alken‑Maes die Erweiterung des
         Kartells zu einem Nichtangriffspakt ausgegangen ist, womit eine Abstimmung hinsichtlich der Marktanteile oder zumindest hinsichtlich
         einer Aufteilung der Kundschaft verbunden war.
      
      298   Während sich das Kartell nämlich ursprünglich auf die Preise und auf eine Senkung der Handelsinvestitionen beschränkte, bestand
         der von der Klägerin zum Ausdruck gebrachte Standpunkt, wie er nach den Erklärungen von Interbrew in einer internen Sitzung
         bei Interbrew am 5. Mai 1994 erläutert und bei einem Treffen am 11. Mai 1994 bekräftigt wurde – Letzteres wird durch das Dokument
         Heineken untermauert –, darin, dass zum ersten Mal eine Berücksichtigung von Gesichtspunkten der Absatzmenge gefordert wurde,
         was einem Vorschlag einer Erweiterung des Kartells zu einer Marktaufteilung gleichkommt. Zudem ergibt sich aus der in der
         Erklärung von Interbrew, die in der 54. und der 57. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zitiert und durch den
         Inhalt einer in der 58. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung wiedergegebenen internen Notiz des Verfassers dieser
         Erklärung vom 5. Oktober 1994 erhärtet wird, dass das Verlangen nach einer Marktaufteilung von Alken‑Maes geäußert und von
         Interbrew dahin verstanden wurde, dass Abstimmungsmechanismen, an denen die Klägerin in Frankreich beteiligt war, in Belgien
         übernommen werden sollten. Aus denselben Unterlagen geht überdies hervor, dass Interbrew einem derartigen Vorschlag zurückhaltend
         gegenüberstand. 
      
      299   Es ist jedoch zu bedenken, dass das Verhalten von Interbrew bis Mai 1994 von einer aktiven Rolle im Kartell zeugt. So erklärt
         die Kommission in der 310. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, Interbrew habe die Initiative für den 1992
         eingeleiteten Informationsaustausch ergriffen und es werde aus schriftlichen Beweismitteln ersichtlich, dass Interbrew im
         August und November 1993 eine führende Rolle bei den Preisabsprachen im Einzelhandel gespielt habe. Der internen Notiz von
         Interbrew vom 12. März 1993 lässt sich zudem entnehmen, dass der Spitzenmanager dieses Unternehmens im ersten Stadium des
         Kartells eine aktive Rolle gespielt hat, indem er seinen Untergebenen auferlegt hat, an der gegenseitigen Abstimmung teilzunehmen.
         In der Notiz heißt es nämlich: „Sie möchten wahrscheinlich die ‚Zusammenarbeit‘ in Belgien ausbauen. Der [ehemalige CEO von
         Interbrew] hat uns zu Gesprächen gezwungen, ‚da wir dringend etwas Geld brauchten‘, aber wir sind diesbezüglich sehr zurückhaltend,
         denn wir wollen Problemen, die die Artikel [81] und [82] [EG] berühren …, aus dem Weg gehen.“ 
      
      300   Fünf Monate später übernahm der Verfasser der genannten Notiz, der inzwischen CEO von Interbrew geworden war, anscheinend
         diese aktive Einstellung gegenüber dem Kartell. In einer internen Notiz von Interbrew vom 19. August 1993 erklärt sich Herr M.
         nämlich bereit, Hilfe zu leisten, um Alken‑Maes von der Durchsetzung einer Preiserhöhung von 4 % zu überzeugen. Er berichtet
         zudem in einer Mitteilung vom 3. November 1993 über seine Rücksprache mit dem Großhandel wie folgt:
      
      „… würde es außerordentlich begrüßen, wenn Interbrew die Initiative ergriffe und Kontakt zu … und … [Anm.: die drei größten
         belgischen Supermarktketten] aufnähme, um über eine schrittweise Preiserhöhung für Bier … das von [Interbrew] angestrebte
         Niveau zu erreichen … Zeichnet sich ein Konsens ab, dann sollte ein Treffen zu dritt erwogen werden … Ich halte es für sinnvoll,
         auch mich zu dem Gipfeltreffen mit … und … hinzuzuziehen. … Die Initiative von Maes im vergangenen Jahr hat sich als nicht
         durchführbar erwiesen: Es fehlte a) das Vertrauen, aber mit Sicherheit war Maes b) auch zu klein. Nur [Interbrew] kann es
         hier schaffen.“
      
      301   Somit lässt das Verhalten der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaft Alken‑Maes im zweiten Halbjahr 1994 erkennen, dass diese
         Unternehmen die Zusammenarbeit zu einer Marktaufteilung ausweiten wollten, während Interbrew im ersten Stadium der Zuwiderhandlung
         eine aktive Rolle gespielt hat, was aus ihren Initiativen hervorgeht, deren wettbewerbswidriger Zweck nicht bestritten werden
         kann.
      
      302   Was zweitens das Verhalten der Kartellteilnehmer in der Zeit vom 11. Mai 1994 – dem Zeitpunkt, zu dem die Drohung ausgesprochen
         wurde – bis zum 24. November 1994 – dem Zeitpunkt, zu dem der am 12. Oktober 1994 geschlossene Nichtangriffspakt erneut zwischen
         den Beteiligten erörtert wurde – anbelangt, so ist zunächst festzustellen, dass die Verhaltensweise von Interbrew trotz der
         Drohung der Klägerin nicht derjenigen eines Unternehmens entspricht, das durch Zwangsausübung genötigt wird, eine Ausweitung
         der wettbewerbswidrigen Vereinbarung zu akzeptieren, an der es teilnimmt.
      
      303   So hat der CEO von Interbrew am 7. Juli 1994 geäußert, er sei mit dem Spitzenmanager der Klägerin übereingekommen, „keinen
         Krieg zu beginnen, sondern zu versuchen, Zeit zu gewinnen“ (56. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung). Die Haltung
         der Klägerin und von Alken‑Maes im ersten Stadium des Kartells, das sich von Anfang 1993 bis zum Ende des ersten Halbjahres
         1994 erstreckt, war indessen aggressiv gegenüber Interbrew, und bei dem Verhalten der Klägerin am 11. Mai 1994 stand ungeachtet
         des Drohcharakters die Möglichkeit der Auslösung eines Handelskriegs in Frankreich im Hintergrund. Das Verhalten von Interbrew
         lässt sich demnach nicht allein als Nachgeben gegenüber der Drohung der Klägerin, sondern durchaus auch als Verweigerung eines
         Handelskriegs, also eines wettbewerbsgerechten Verhaltens, beurteilen. So hat die Kommission auch in der 51. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung nach Erwähnung der Drohung ausgeführt: „Obwohl Interbrew [der] Forderung [der Klägerin], 500 000
         Hektoliter Bier auf Alken‑Maes zu übertragen, nicht nachkommt, wünscht sie keinen Krieg und bleiben die beiden Seiten in engem
         Kontakt.“
      
      304   Somit zeigt sich zum einen, dass Interbrew die ihr gegenüber ausgesprochene Drohung nur mäßig beachtet hat, und zum anderen,
         dass das Verhalten von Interbrew daraus resultiert, dass sich das Unternehmen auf keinen Konflikt mit der Klägerin einlassen
         wollte, was dafür spricht, dass die Ausweitung des Kartells nicht das Ergebnis eines Zwanges sein muss, sondern die Folge
         einer von Interbrew getroffenen Wahl sein kann. Zudem führt die Kommission in der 235. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung aus, Interbrew sei der Forderung, 500 000 Hektoliter auf Alken‑Maes zu übertragen, nicht nachgekommen, schwächt
         diese Feststellung allerdings sogleich durch die Bemerkung ab, Interbrew habe sich jedoch sehr wohl dazu bereit gefunden,
         von diesem Zeitpunkt an die Absprachen mit Alken‑Maes auszudehnen und nicht mehr nur auf den Austausch von Informationen und
         Absprachen über die Einzelhandelspreise zu beschränken.
      
      305   Überdies zeugt die Notiz des kaufmännischen Direktors des Horeca‑Sektors Belgien von Interbrew zur Vorbereitung des Treffens
         vom 12. Oktober 1994, bei dem der Nichtangriffspakt besiegelt wurde, nicht von einer grundsätzlichen Zurückhaltung im Hinblick
         auf eine derartige Vereinbarung über die Marktaufteilung oder von der Wahrnehmung einer Zwangslage, die dorthin führen könnte.
         Die genannte Notiz lässt eher eine von ihrem Verfasser durchgeführte wohldurchdachte Einschätzung der Vor‑ und Nachteile eines
         derartigen Kartells für Interbrew, auch im Vergleich zu den möglichen Vorteilen für Alken‑Maes, erkennen. So wird dort etwa
         bemerkt, dass „für [Interbrew] wegen ihrer beherrschenden Stellung und des einschlägigen Gesetzes vom April 1993 eine zusätzliche
         Gefahr entsteht“ oder auch dass „solche Kartelle größere Vorteile für den Herausforderer als für den Marktführer bieten“.
         In der Notiz wird eine künftige Vereinbarung mit Alken‑Maes nicht positiv beurteilt, da es darin heißt: „Persönliche Einschätzung:
         Ich halte nichts von solchen Vereinbarungen, da sie sich nicht in die Praxis umsetzen lassen und sie keinen grundlegenden
         Vorteil für [Interbrew] mit sich bringen.“ Die Notiz lässt indessen nicht notwendigerweise eine Zwangslage für Interbrew erkennen,
         da ihr Inhalt auch als Teil eines Überlegungsprozesses von Interbrew darüber ausgelegt werden kann, wie wettbewerbswidrige
         Vereinbarungen wirksam ins Werk gesetzt werden könnten. 
      
      306   Darüber hinaus deutet die interne Notiz von Interbrew vom 14. Oktober 1994, in der über die Ergebnisse des Treffens vom 12.
         Oktober 1994 berichtet wird, nicht darauf hin, dass der Nichtangriffspakt Interbrew durch Zwangsausübung auferlegt wurde,
         sondern vielmehr darauf, dass Interbrew ihren Teil zur Diskussion beigetragen und Alken‑Maes sogar ihr eigenes Konzept unterbreitet
         hat. Der Generaldirektor Belgien von Interbrew schreibt nämlich in dieser Notiz: „Anbei übersende ich Ihnen ein Dokument unserer
         Freunde sowie das von mir vorgeschlagene eine Seite umfassende Konzept. Dieses wurde von unseren Freunden grundsätzlich akzeptiert.“
         Das von Interbrew vorgeschlagene „eine Seite umfassende Konzept“, das die Kommission in der 60. Begründungserwägung der angefochtenen
         Entscheidung wiedergibt, bezieht sich gerade auf ein „Gentlemen’s Agreement“, das insbesondere folgende Punkte umfasst: „Kein
         Angriff auf Bezugsverpflichtungen“ (es handelt sich dabei um Horeca‑Verkaufsstellen, mit denen eine Alleinbezugsvereinbarung
         abgeschlossen worden ist) und „Kein systematischer Angriff von Marken in den jeweils anderen Bezugsverpflichtungen“.
      
      307   Was drittens das Verhalten der Beteiligten nach dem zweiten Halbjahr 1994 anbelangt, so ist zunächst festzustellen, dass die
         Kommission in der 77. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung anhand von internen Unterlagen von Interbrew vom
         Juli 1995 angibt, dass die Führungskräfte dieses Unternehmens der Meinung gewesen seien, ihre Absprache in Belgien eingehalten
         zu haben. Die Kommission betont zudem in der 310. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung, dass Interbrew 1995
         die Initiative für Preisdiskussionen ergriffen habe. Die in der 83. bis 92. Begründungserwägung enthaltene Beschreibung der
         1996 von den beiden Beteiligten durchgeführten Beratungen über ihre Pläne für eine neue Preisgestaltung bestätigt, dass ein
         Geist freiwilliger Zusammenarbeit bestand. In der 92. Begründungserwägung zitiert die Kommission z. B. den Inhalt eines Fax
         einer Führungskraft von Interbrew an einen Aktionär dieses Unternehmens vom 11. Oktober 1996, worin es heißt: „Wir diskutieren
         nunmehr seit einem Jahr über konstruktiven Wettbewerb in Belgien. Im Grunde hat sich dort nichts getan. Und möglicherweise
         sind dafür alle Seiten verantwortlich. Wir werden versuchen, diesen Prozess in der nächsten Woche aufs Neue in Gang zu setzen.“
      
      308   Ferner zeugen schließlich die Aufzeichnungen des kaufmännischen Direktors des Horeca‑Sektors Belgien von Interbrew zu dem
         Gespräch vom 28. Januar 1998 von einer positiven Einstellung gegenüber dem Kartell und beziehen auch für die Horeca‑Ziele
         des Kartells die „Achtung von Bezugsverpflichtungen und Lieferungsrechten“ mit ein. In den Aufzeichnungen wird bei den Horeca‑Beratungen
         zudem ein „direkter Kontakt in Bezug auf komplizierte Fragen und Wettbewerb bei nationalen Kunden“ erwähnt (104. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung).
      
      309   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass die Kartellteilnehmer im gesamten Zeitraum der Zuwiderhandlung wettbewerbswidrige
         Initiativen ergriffen haben und anhand der Akten insbesondere nicht darauf geschlossen werden kann, dass Interbrew allein
         unter Zwang in die Erweiterung des Kartells zu einem Nichtangriffspakt eingewilligt hat. Obgleich die Kommission in ihren
         Schriftsätzen ausführt, dass der gegenüber der Klägerin festgestellte erschwerende Umstand Interbrew nicht von ihrer Verantwortung
         im Kartell entbinde, lässt das Verhalten, das dieses Unternehmen im gesamten Zeitraum der Zuwiderhandlung an den Tag gelegt
         hat, nicht den Schluss zu, dass ein unmittelbarer Kausalzusammenhang zwischen der Drohung der Klägerin vom 11. Mai 1994 und
         der Ausweitung des Kartells besteht.
      
      310   Somit hat die Kommission in Anbetracht des Verhaltens der Beteiligten gegenüber dem Kartell vor und nach dem zweiten Halbjahr
         1994 und der Bedeutung, die dieser Drohung in dem Zusammenhang zukommen konnte, in dem sie ausgesprochen wurde, den Kausalzusammenhang
         zwischen der Drohung und der Ausweitung des Kartells nicht rechtlich hinreichend nachgewiesen, da diese Ausweitung möglicherweise
         nicht auf eine Drohung zurückzuführen ist, sondern allgemeiner auf dem von beiden Kartellteilnehmern einvernehmlich verfolgten
         Ziel der Ausschaltung des Wettbewerbs beruhen kann. 
      
      311   Demgemäß hat die Kommission der Klägerin zu Unrecht den erschwerenden Umstand zur Last gelegt, Interbrew zur Ausweitung der
         Zusammenarbeit beider Unternehmen durch Androhung von Vergeltungsmaßnahmen im Verweigerungsfall gezwungen zu haben.
      
      312   Die Kommission hat auf Befragen in der mündlichen Verhandlung zu den Anhebungssätzen, die sie für jede der beiden der Klägerin
         zur Last gelegten erschwerenden Umstände im Rahmen der festgelegten 50%igen Gesamterhöhung des Grundbetrags angesetzt hat,
         erklärt, dass nach der jeweils verhältnismäßigen Bedeutung der beiden erschwerenden Umstände für die Gründe der angefochtenen
         Entscheidung zum einen und nach ihrer einschlägigen Entscheidungspraxis zum anderen davon auszugehen sei, dass der erschwerende
         Umstand der Tatwiederholung eine vorherrschende Rolle gespielt habe und dem erschwerenden Umstand der Zwangsausübung daher
         eine geringere Bedeutung zukomme.
      
      313   Das Gericht hat demgemäß die ihm nach Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 zustehende Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung auszuüben
         und setzt die wegen der erschwerenden Umstände festgelegte Gesamterhöhung des Grundbetrags der Geldbuße auf 40 % fest.
      
      4.     Zum Klagegrund einer unberechtigten Berücksichtigung des erschwerenden Umstands der Tatwiederholung gegenüber der Klägerin
      a)     Vorbringen der Parteien
      314   Die Klägerin macht erstens geltend, dass die Berücksichtigung eines ihr zur Last gelegten angeblichen Rückfalls durch die
         Kommission gegen die in Artikel 15 der Verordnung Nr. 17 enthaltene Befugnisübertragung verstoße, da die Kommission die verhängte
         Geldbuße nur nach der eigenen Schwere der Zuwiderhandlung und deren Dauer bemessen dürfe.
      
      315   Aus den nationalen Rechtsordnungen der Mitgliedstaaten gehe hervor, dass eine Tatwiederholung nicht zu den eine Zuwiderhandlung
         erschwerenden Umständen, also zu der objektiven Beurteilung der Schwere des Sachverhalts, gehöre, sondern zu der Feststellung
         einer dem Urheber der Zuwiderhandlung zuzuordnenden Tatsache, nämlich seiner Neigung, derartige Zuwiderhandlungen zu begehen.
         
      
      316   Zu dem Argument der Kommission, der Rückfall sei in den Leitlinien als erschwerender Umstand enthalten, erklärt die Klägerin,
         sie stelle nicht das Recht der Kommission in Frage, im Wege einer als Auslegung dienenden Mitteilung ihre Vorgehensweise bei
         der Verhängung von Geldbußen zu erläutern. Sie sieht hingegen einen Ermessensmissbrauch darin, dass die Kommission für sich
         das Recht in Anspruch nehme, ohne gesetzliche Ermächtigung eine Strafe wegen Rückfalls zu verhängen und nach eigenem Ermessen
         die Anwendungsmodalitäten dieses Konzepts zu beschließen.
      
      317   Zu dem Einwand der Kommission, dass die Klägerin keine Einrede der Rechtswidrigkeit nach Artikel 241 EG erhoben habe, erklärt
         diese, die Möglichkeit, rechtlich so vorzugehen, hindere sie nicht daran, sich auf die Rechtswidrigkeit der angefochtenen
         Entscheidung im Hinblick auf die Verordnung Nr. 17 auch dann zu berufen, wenn diese Entscheidung auf der Anwendung der Leitlinien
         beruhe. Hinsichtlich der von der Kommission ebenfalls herangezogenen Zurückweisung der Einrede der Unzulässigkeit durch das
         Gericht in der Sache, die zu dem Urteil HFB u. a./Kommission (oben, Randnr. 245) geführt hat, betont die Klägerin, dass dieses
         Urteil sich nur auf einen ganz bestimmten Punkt der Leitlinien bezogen habe und daher nicht die allgemeine Bedeutung aufweise,
         die ihm die Kommission zuschreiben wolle.
      
      318   Auf das Argument der Kommission, das Gericht habe in verschiedenen Rechtssachen das Rückfallkonzept anerkannt, erwidert die
         Klägerin, das Gericht habe in keiner dieser Rechtssachen ausdrücklich zur Rechtmäßigkeit einer Anwendung des Rückfallkonzepts
         nach der Verordnung Nr. 17 und auch nicht nach den allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen Grundsätzen Stellung genommen. So
         habe sich das Gericht im Urteil PVC II (oben, Randnr. 154) nicht gestützt darauf, dass ein Unternehmen schon einmal eine gleichartige
         Zuwiderhandlung begangen habe, die verhängte Geldbuße erhöht, sondern allein festgestellt, dass die Verweigerung der Bejahung
         eines mildernden Umstands durch die Kommission begründet gewesen sei. Das Gericht habe somit nicht das Rückfallprinzip anerkannt.
      
      319   Die Kommission könne zwar für die Ermittlung des Grundbetrags der Geldbuße frühere Zuwiderhandlungen berücksichtigen, um die
         Feststellung der Vorsätzlichkeit einer erneuten Zuwiderhandlung eines Unternehmens zu rechtfertigen; dies bedeute jedoch nicht,
         dass eine frühere Zuwiderhandlung ohne ausdrückliche gesetzliche Ermächtigung zu einer schwereren Strafe wegen Rückfalls führen
         könne. Dadurch würde nämlich ein neuer Straftatbestand geschaffen, der zur Hauptstrafe hinzukäme, und dies lasse erkennen,
         weshalb das Rückfallkonzept in den nationalen Rechtsordnungen der gesetzlichen Regelung und einer engen Auslegung bedürfe.
         Die Verordnung Nr. 17 enthalte indessen keine ausdrückliche Befugnisübertragung, die es der Kommission erlauben würde, eine
         Geldbuße wegen eines Wiederholungsfalls zu erhöhen.
      
      320   Zu den Urteilen des Gerichts vom 11. März 1999 in der Rechtssache T‑141/94 (Thyssen Stahl/Kommission, Slg. 1999, II‑347) und
         Enichem Anic/Kommission (oben, Randnr. 277) bemerkt die Klägerin, dass das Gericht dort den Rückfall zwar als erschwerenden
         Umstand genannt habe, die Frage der Rechtswidrigkeit einer Umsetzung dieses Konzepts hinsichtlich der Verordnung Nr. 17 sei
         jedoch von den Klägerinnen nicht aufgeworfen worden.
      
      321   Die Klägerin macht zweitens geltend, dass die Kommission den Grundsatz „nulla poena sine lege“ verletzt habe, da die Berücksichtigung
         eines erschwerenden Umstands des Rückfalls in der Gemeinschaftsrechtsordnung keine Grundlage finde. Der Gerichtshof habe erklärt,
         dass der allgemeine Grundsatz „nulla poena sine lege“ die Ermessensbefugnis der Gemeinschaftsorgane in dem Sinne beschränke,
         dass eine Sanktion, auch wenn sie nicht von strafrechtlicher Natur sei, nur dann verhängt werden dürfe, wenn sie auf einer
         klaren und unzweideutigen Rechtsgrundlage beruhe (Urteile des Gerichtshofes vom 25. September 1984 in der Rechtssache 117/83,
         Könecke, Slg. 1984, 3291, Randnr. 11). Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe ebenfalls entschieden, dass die
         allgemeinen Grundsätze und die mit den Verteidigungsrechten verbundenen Garantien ungeachtet der Qualifizierung einer Zuwiderhandlung
         im innerstaatlichen Recht für alle Sanktionen gälten, mit denen ein vorbeugender und zugleich ein repressiver Zweck verfolgt
         werde (EGMR, Urteil Ostürk vom 21. Februar 1984, Bd. A Nr. 73). Nur der Rat und das Parlament seien aufgrund ihrer gesetzgebenden
         Befugnis berechtigt, dem Rückfallkonzept die gesetzliche Grundlage zu verleihen, die erforderlich sei, damit die Kommission
         dieses Konzept als erschwerenden Umstand anwenden könne.
      
      322   Die Klägerin führt ferner aus, der Gerichtshof habe in den von der Kommission in der Klagebeantwortung genannten Rechtssachen,
         nämlich den Urteilen PVC II (oben, Randnr. 154), Thyssen Stahl/Kommission (oben, Randnr. 320) und Enichem Anic/Kommission
         (oben, Randnr. 277), noch nicht dazu Stellung genommen, ob das Rückfallprinzip gemessen an dem Grundsatz „nulla poena sine
         lege“ rechtmäßig sei. 
      
      323   Eine Analyse der nationalen Rechtsordnungen verdeutliche im Übrigen die sehr strikte Anwendung des Rückfallkonzepts in den
         Mitgliedstaaten und den legislativen Charakter der es begründenden Rechtsakte.
      
      324   Die Klägerin macht drittens geltend, dass die Kommission den Grundsatz der Rechtssicherheit sowie die Grundsätze der Rechtmäßigkeit
         der Sanktionen und der Wahrung der Verteidigungsrechte (Urteil des Gerichtshofes vom 22. März 1961 in den Rechtssachen 42/59
         und 49/59, Snupat/Hohe Behörde, Slg. 1961, 111, 161, Randnr. 159) verletzt habe, da sie ohne gesetzliche Grundlage, die für
         eine Anwendung des Rückfallbegriffs insbesondere den höchstzulässigen Zeitabstand zwischen zwei Verurteilungen festlegen müsste,
         Zuwiderhandlungen berücksichtigt habe, die 1984 und 1974 geahndet worden seien.
      
      325   Eine Analyse der nationalen Rechtsordnungen zeige, dass es neben anderen strikten Voraussetzungen für die Anwendung des Rückfallkonzepts
         eine im Allgemeinen nicht über zehn Jahre hinausgehende Höchstgrenze für den zeitlichen Abstand zwischen einer zur Prüfung
         anstehenden Zuwiderhandlung und einer früheren Verurteilung gebe. Das Fehlen einer zeitlichen Begrenzung für die Anrechnung
         eines Rückfalls in den Leitlinien, auf das sich die Kommission in ihrer Klagebeantwortung berufe, sei eben der Mangel, der
         für die Klägerin den von ihr gerügten unhaltbaren Zustand begründe. Sie sei deshalb der Ansicht, dass die Kommission eine
         derartige Begrenzung in ihren Leitlinien hätte festlegen müssen. Es gehe nämlich nicht an, dass die Kommission Zuwiderhandlungen
         berücksichtigen könne, die 40 Jahre zurücklägen und sogar von einer anderen rechtlichen Einheit begangen worden seien. 
      
      326   Die Klägerin macht viertens geltend, dass die angefochtene Entscheidung zweifach den allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen
         Grundsatz „ne bis in idem“ verletze. Eine Verschärfung der Sanktion bei einem Rückfall beruhe auf zwei wesentlichen Gründen,
         nämlich auf der Notwendigkeit, den Wiederholungstäter von einer erneuten Zuwiderhandlung in der Zukunft abzuhalten, und darauf,
         dass der Wiederholungstäter die Rechtswidrigkeit seiner Handlung aufgrund einer früheren Verurteilung gekannt habe. Die Kommission,
         die anerkennt, dass sie sich bei ihrer Berücksichtigung des Rückfalls auf diese beiden Gründe stütze, begehe den Fehler, jeden
         dieser Gründe in der angefochtenen Entscheidung zum zweiten Mal ins Feld zu führen und so die Geldbuße zweimal aus denselben
         Gründen zu erhöhen.
      
      327   So habe die Kommission in der angefochtenen Entscheidung bereits zum einen das Erfordernis der abschreckenden Wirkung bei
         der Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung berücksichtigt und zum anderen dem Umstand, dass die Klägerin die Rechtswidrigkeit
         ihres Verhaltens gekannt habe, Rechnung getragen, als sie erklärt habe, sie berücksichtige, dass die Klägerin über den juristischen
         und wirtschaftlichen Sachverhalt und die entsprechenden Ressourcen verfüge, die sie in die Lage versetzten, klarer zu erkennen,
         in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstelle und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher Sicht haben
         könne. Die Kommission habe daher den Grundsatz „ne bis in idem“ verletzt, indem sie dann aufgrund des Wiederholungsfalls die
         Geldbuße aus denselben zwei Gründen erhöht habe wie bei der Bemessung der Geldbuße wegen der Schwere der Zuwiderhandlung.
      
      328   Die Klägerin macht fünftens geltend, dass die Kommission gegen die Verjährungsvorschriften für die Verfolgung und Vollstreckung
         in Wettbewerbssachen verstoße, indem sie einen Rückfall aufgrund von Vorgängen berücksichtige, die fast vierzig Jahre zurücklägen
         und demnach weiter zurückreichten als die Frist von fünf Jahren nach Artikel 1 der Verordnung (EWG) Nr. 2988/74 des Rates
         vom 26. November 1974 über die Verfolgungs‑ und Vollstreckungsverjährung im Verkehrs‑ und Wettbewerbsrecht der Europäischen
         Wirtschaftsgemeinschaft (ABl. L 319, S. 1).
      
      329   Sechstens macht die Klägerin schließlich hilfsweise geltend, die Kommission habe eine offensichtlich überzogene Vorstellung
         von dem Begriff des Rückfalls an den Tag gelegt.
      
      330   Zum einen seien die Überlegungen der Kommission sachlich nicht voll begründet, dass die Entscheidung 74/292/EWG der Kommission
         vom 15. Mai 1974 betreffend ein Verfahren nach Artikel 85 EWG‑Vertrag (IV/400 – Vereinbarungen zwischen Herstellern von Verpackungsglas)
         (ABl. L 160, S. 1, im Folgenden: Entscheidung „Verpackungsglas“) keine Verurteilung des Unternehmens Boussois‑Souchon‑Neuvesel
         (BSN) SA (Vorgänger der Klägerin), sondern nur eine Weigerung gewesen sei, Vereinbarungen nach ihrer Anmeldung gemäß Artikel
         81 Absatz 3 EG freizustellen. Die Kommission habe dies im Übrigen stillschweigend anerkannt, indem sie in ihrer Klagebeantwortung
         bemerkt habe, dass selbst ohne Berücksichtigung dieser Entscheidung die Entscheidung „Flachglas Benelux“ für die Feststellung
         genüge, dass ein Rückfall vorliege.
      
      331   Eine überzogene Strenge gegenüber der Klägerin gehe zudem schon daraus hervor, dass für die Feststellung eines Wiederholungsfalls
         eine Entscheidung herangezogen werde, die aufgrund einer Anmeldung getroffen worden sei, deren Prinzip darin bestehe, dass
         für die Unternehmen Rechtssicherheit für die Zeit geschaffen werde, in der die Kommission noch nicht Stellung genommen habe.
         Es sei daher irreführend, die genannte Entscheidung als „Feststellung einer Zuwiderhandlung“ zu bezeichnen, um eine Erhöhung
         des Betrages der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße zu rechtfertigen.
      
      332   Zum anderen sei eine Anhebung der Geldbuße unter Berücksichtigung sehr weit zurückliegender Vorgänge – es handele sich hier
         um fast vierzig Jahre – selbst bei einer fehlenden zeitlichen Begrenzung der Befugnis der Kommission zur Anrechnung eines
         Rückfalls eine zu der dadurch entstehenden Rechtsunsicherheit hinzukommende offensichtlich überzogene Maßnahme. Sie führe
         nämlich dazu, dass demjenigen der beiden Unternehmen, das auf dem Markt das kleinste gewesen sei, eine ebenso hohe Geldbuße
         auferlegt werde wie dem Unternehmen, das dort die führende Rolle gespielt habe. Dadurch entstehe tendenziell auch der Eindruck,
         dass die Klägerin eine notorische Wiederholungstäterin sei, die seit vierzig Jahren gegen das Gemeinschaftsrecht verstoße.
      
      333   Die Kommission erklärt, dass der Wiederholungsfall in den Leitlinien als erschwerender Umstand erwähnt werde und dass er rechtmäßig
         habe berücksichtigt werden können. Sie habe diesen erschwerenden Umstand wiederholt berücksichtigt, ohne dass das Gericht
         dem widersprochen habe.
      
      334   Der Grundsatz „nulla poena sine lege“ gehöre zum Strafrecht und sei im vorliegenden Fall nicht anwendbar. Die Klägerin verkenne
         zudem, dass die gesetzliche Grundlage von Sanktionen für Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht Artikel 15 der Verordnung
         Nr. 17 sei und dass die Kommission in diesem Rahmen über einen Ermessensspielraum bei der Bemessung der Geldbußen verfüge,
         um das Verhalten der Unternehmen ausrichten zu können. Dadurch, dass die Leitlinien die Tatwiederholung zu einem erschwerenden
         Umstand erklärt hätten, sei keineswegs eine zusätzliche Sanktion ohne gesetzliche Grundlage eingeführt worden.
      
      335   Was die angebliche Verletzung des Grundsatzes der Rechtssicherheit anbelange, so beschränkten sich die von der Klägerin angeführten
         nationalen Beispiele auf den Bereich des Strafrechts, und die Leitlinien enthielten keine Höchstgrenze für den Zeitabstand
         zwischen der Feststellung einer früheren Zuwiderhandlung und der Berücksichtigung eines Rückfalls. Zudem berufe sich die Klägerin
         zu Unrecht auf einen vierzig Jahre alten Vorgang, der den Rückfall begründe, während die beiden Zuwiderhandlungen 19 und 9
         Jahre vor Beginn der jetzt in Rede stehenden Zuwiderhandlung festgestellt worden seien. Die Klägerin versuchte auch glauben
         zu machen, dass es sich bei diesen Feststellungen um andere rechtliche Einheiten als sie gehandelt habe, obgleich sich nur
         deren Firmenname geändert habe.
      
      336   Zu der angeblichen Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“ trägt die Kommission vor, dass sich die Berücksichtigung des
         Rückfalls nicht mit der Berücksichtigung des unter die Schwere des Verstoßes fallenden Gesichtspunkts überschneide, der darin
         bestehe, dass die Klägerin aufgrund ihres juristischen und wirtschaftlichen Sachverstands in der Lage gewesen sei, die Unerlaubtheit
         ihrer Vorgehensweise zu erkennen.
      
      337   In Bezug auf den angeblichen Verstoß gegen die Verordnung Nr. 2988/74 bemerkt die Kommission, dass der hier in Rede stehende
         Sachverhalt nicht unter die Verjährungsvorschriften für die Verhängung von Geldbußen falle und dass es abwegig wäre, für die
         Verjährung die Zeit der Vorgänge zugrunde zu legen, die Gegenstand einer früheren Feststellung einer Zuwiderhandlung gewesen
         seien. Der Ausgangszeitpunkt der Vorgänge, die die früheren Zuwiderhandlungen begründet hätten, sei jedenfalls nicht relevant,
         da bei Rückfällen die Feststellung der Zuwiderhandlung maßgebend sei, die sich aus den betreffenden Vorgängen ergebe.
      
      338   Die Kommission bestreitet schließlich, eine offensichtlich überzogene Vorstellung vom Rückfallbegriff gehabt zu haben, und
         bemerkt, dass eine Tatwiederholung jedenfalls in Bezug auf die Entscheidung „Flachglas Benelux“ gegeben sei.
      
      b)     Würdigung durch das Gericht
      339   Zu dem angeblichen Verstoß gegen die Verordnung Nr. 17 ist zunächst festzustellen, dass die Kommission nach Artikel 15 Absatz
         2 dieser Verordnung „gegen Unternehmen und Unternehmensvereinigungen durch Entscheidung Geldbußen in Höhe von eintausend bis
         einer Million [Euro] oder über diesen Betrag hinaus bis zu zehn vom Hundert des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten
         Unternehmen im letzten Geschäftsjahr erzielten Umsatzes festsetzen [kann], wenn sie vorsätzlich oder fahrlässig … gegen Artikel
         [81] Absatz 1 […] des Vertrages verstoßen“. In derselben Bestimmung heißt es weiter: „Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße
         ist neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen“ (Urteil LR AF 1998/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 223).
      
      340   Nach Nummer 1 Absatz 1 der Leitlinien wird bei der Berechnung der Geldbußen der Grundbetrag nach Maßgabe der Schwere und der
         Dauer des Verstoßes als den einzigen Kriterien von Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 errechnet (Urteil LR AF 1998/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 224).
      
      341   Anschließend enthalten die Leitlinien eine Liste von Beispielen für erschwerende und mildernde Umstände, die zu einer Erhöhung
         oder Herabsetzung des Grundbetrags führen können, und nehmen dann auf die Mitteilung über Zusammenarbeit Bezug (Urteil LR AF 1998/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 229).
      
      342   Als allgemeine Bemerkung wird in den Leitlinien hinzugefügt, dass der Endbetrag der nach diesem Schema ermittelten Geldbuße
         (Grundbetrag einschließlich der durch die erschwerenden oder mildernden Umstände bedingten prozentualen Auf- oder Abschläge)
         gemäß Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 in keinem Fall 10 % des Gesamtumsatzes der betroffenen Unternehmen übersteigen
         dürfe (Nr. 5 Buchstabe a). Ferner kann es den Leitlinien zufolge nach Durchführung der genannten Berechnungen je nach Fall
         angezeigt sein, im Hinblick auf die entsprechende Anpassung der vorgesehenen Geldbußen einige objektive Faktoren zu berücksichtigen,
         wie z. B. einen besonderen wirtschaftlichen Zusammenhang, die von den Beteiligten an dem Verstoß eventuell erzielten wirtschaftlichen
         oder finanziellen Vorteile und die besonderen Merkmale der betreffenden Unternehmen sowie ihre tatsächliche Steuerkraft in
         einem gegebenen sozialen Umfeld (Nr. 5 Buchstabe b) (Urteil LF AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 230).
      
      343   Folglich wird die Berechnung der Geldbußen auch nach der in den Leitlinien beschriebenen Methode anhand der beiden in Artikel
         15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 genannten Kriterien – Schwere des Verstoßes und Dauer der Zuwiderhandlung – unter Berücksichtigung
         der dort festgelegten Obergrenze in Bezug auf den Umsatz jedes Unternehmens vorgenommen (Urteil LR AF 1998/Kommission, oben
         zitiert in Randnr. 57, Randnr. 231).
      
      344   Somit kann nicht angenommen werden, dass die Leitlinien über den in der genannten Bestimmung vorgegebenen rechtlichen Rahmen
         für Sanktionen hinausgehen (Urteil LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 232).
      
      345   Die Kommission hat in Nummer 2 erster Gedankenstrich der Leitlinien vorgesehen, dass der Grundbetrag der Geldbuße wegen des
         erschwerenden Umstands, den ein erneuter, gleichartiger Verstoß des/derselben Unternehmen(s) darstellt, erhöht werden kann.
      
      346   Nach ständiger Rechtsprechung ist der Abschreckungseffekt der Geldbußen einer der Gesichtspunkte, die die Kommission bei der
         Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung und damit bei der Bemessung der Geldbuße berücksichtigen kann, wobei die Schwere
         der Zuwiderhandlung anhand einer Vielzahl von Gesichtspunkten zu ermitteln ist, zu denen u. a. die besonderen Umstände der
         Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung der Geldbußen gehören, ohne dass es eine zwingende oder abschließende
         Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt werden müssten (vgl. in diesem Sinne Beschluss SPO u. a./Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 54, sowie Urteile Ferriere Nord/Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 33,
         Sarrió/Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 328, und HFB u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 245, Randnr.
         443).
      
      347   Aus der Rechtsprechung geht zudem hervor, dass die Kommission bei der für die Bemessung der Geldbuße erforderlichen Beurteilung
         der Schwere eines Rechtsverstoßes nicht nur die besonderen Umstände des Einzelfalls, sondern auch den Kontext der Zuwiderhandlung
         berücksichtigen und sicherstellen muss, dass ihr Vorgehen vor allem in Bezug auf solche Zuwiderhandlungen, die die Verwirklichung
         der Ziele der Gemeinschaft besonders beeinträchtigen, die notwendige abschreckende Wirkung hat (Urteile Musique diffusion
         française u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnrn. 105 und 106, und ABB Asea Brown Boveri/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 50, Randnr. 166). 
      
      348   Bei der Prüfung der Schwere der Zuwiderhandlung ist auch ein etwaiger Wiederholungsfall zu berücksichtigen (Urteil Aalborg
         Portland u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 185, Randnr. 91). Unter dem Gesichtspunkt der Abschreckung ist der Rückfall
         nämlich ein Umstand, der eine erhebliche Erhöhung des Grundbetrags der Geldbuße rechtfertigt. Denn er beweist, dass die zuvor
         verhängte Sanktion nicht abschreckend genug war (Urteil des Gerichts vom 30. September 2003 in der Rechtssache T‑203/01, Michelin/Kommission,
         Slg. 2003, II‑4071, Randnr. 293).
      
      349   Auch ist der Rückfall, obgleich er eine Eigenschaft des Urhebers der Zuwiderhandlung, nämlich seine Neigung zur Begehung solcher
         Verstöße, betrifft, entgegen dem Vorbringen der Klägerin gerade deshalb ein sehr bedeutsames Anzeichen für die Schwere der
         betreffenden Vorgehensweise und damit für die Notwendigkeit, die Geldbuße im Hinblick auf eine wirksame Abschreckung zu erhöhen.
      
      350   Somit hat die Kommission, die auf eine hinreichende Abschreckungswirkung der Geldbußen zu achten hat, durch die Berücksichtigung
         des erschwerenden Umstands der Tatwiederholung gegenüber der Klägerin nicht gegen Artikel 15 der Verordnung Nr. 17 verstoßen,
         da es sich hierbei insbesondere um die schädlichsten Zuwiderhandlungen handelt und der Abschreckungszweck mit der von der
         Kommission im Rahmen der genannten Bestimmung vorzunehmenden Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung zusammenhängt.
      
      351   Die Kommission hat durch die Feststellung einer Tatwiederholung der Klägerin auch nicht gegen den Grundsatz „nulla poena sine
         lege“ verstoßen, da diese Möglichkeit in Nummer 2 erster Gedankenstrich der Leitlinien vorgesehen ist und nicht angenommen
         werden kann, dass die Leitlinien über den rechtlichen Rahmen für Sanktionen hinausgehen, der in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung
         Nr. 17 vorgegeben ist (Urteil LR AF 1998/Kommission, oben zitiert in Randnr. 57, Randnrn. 231 und 232).
      
      352   Zu der angeblichen Verletzung des Grundsatzes der Rechtssicherheit ist festzustellen, dass eine Verjährungsfrist ihren Zweck
         der Gewährleistung der Rechtssicherheit nur dann erfüllen und ihre Nichtbeachtung nur dann den genannten Grundsatz verletzen
         kann, wenn eine derartige Frist im Voraus festgelegt worden ist (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 15. Juli
         1970 in der Rechtssache 41/69, ACF Chemiefarma/Kommission, Slg. 1970, 661, Randnr. 19).
      
      353   Weder Artikel 15 der Verordnung Nr. 17, der den rechtlichen Rahmen für Sanktionen darstellt, die die Kommission wegen einer
         Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verhängen kann (vgl. oben, Randnrn. 133 bis 135), noch die Leitlinien
         sehen eine Maximalfrist für die Feststellung eines Rückfalls gegenüber einem Unternehmen vor. Somit kann im vorliegenden Fall
         keine Verletzung des Grundsatzes der Rechtssicherheit festgestellt werden.
      
      354   Die Kommission hat sich für alle Fälle für die Feststellung eines Rückfalls zumindest darauf berufen, dass zuvor eine Zuwiderhandlung
         der Klägerin am 23. Juli 1984 in der Entscheidung „Flachglas Benelux“ festgestellt worden sei. In Anbetracht des Zweckes,
         den die Kommission mit einer Anhebung der Geldbuße wegen einer Tatwiederholung verfolgt, nämlich den Urheber einer Zuwiderhandlung
         von der Begehung eines erneuten gleichartigen Verstoßes abzuhalten, kann keine Verletzung des Grundsatzes der Rechtssicherheit
         darin gesehen werden, dass die Kommission zu dem genannten Zweck eine Zuwiderhandlung herangezogen hat, die siebzehn Jahre
         zuvor festgestellt worden war. Dies gilt umso mehr, als die jetzt in Rede stehende Zuwiderhandlung am 28. Januar 1993, also
         nur acht Jahre und sechs Monate nach Erlass der Entscheidung „Flachglas Benelux“, begonnen hat. Eine Sanktionspolitik im Wiederholungsfall
         ist gegenüber dem Urheber einer ersten Zuwiderhandlung letztlich nur dann wirksam, wenn die Drohung einer härteren Sanktion
         im Fall einer erneuten Zuwiderhandlung ihre zeitliche Wirkung entfaltet und so das Verhalten des Betroffenen zügelt.
      
      355   Dem steht nicht entgegen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung auch erwähnt hat, dass eine erste gleichartige
         Zuwiderhandlung der Klägerin am 15. Mai 1974 in der Entscheidung „Verpackungsglas“, also 27 Jahre vor der Feststellung der
         jetzigen Zuwiderhandlung, festgestellt worden sei. Dies gilt umso mehr, als, wie die Kommission in der mündlichen Verhandlung
         zu Recht bemerkt hat, der Umstand, dass zweimal weniger als zehn Jahre zwischen den Verstoßfeststellungen vom 15. Mai 1974
         und vom 23. Juli 1984 einerseits und der Wiederholung einer Zuwiderhandlung durch die Klägerin andererseits verstrichen sind,
         von einer Neigung der Klägerin zeugt, aus der Feststellung einer von ihr begangenen Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln
         der Gemeinschaft nicht die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen.
      
      356   Was die angebliche Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“ anbelangt, so ist zum einen festzustellen, dass die Kommission
         in Nummer 1 Abschnitt A Absatz 4 der Leitlinien vorgesehen hat, bei der Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße nach der
         Schwere des Verstoßes die tatsächliche wirtschaftliche Fähigkeit der Urheber der Verstöße, andere Wirtschaftsteilnehmer, insbesondere
         die Verbraucher, in erheblichem Umfang zu schädigen, zu berücksichtigen und die Geldbuße so zu bemessen, dass eine hinreichend
         abschreckende Wirkung gewährleistet ist. Zum andern hat die Kommission in Absatz 5 des genannten Abschnitts der Leitlinien
         ferner vorgesehen, dass auch der Tatsache Rechnung getragen werden kann, dass Großunternehmen in den meisten Fällen über juristischen
         und wirtschaftlichen Sachverstand und entsprechende Ressourcen verfügen, anhand deren sie besser erkennen können, in welchem
         Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstellt und welche Folgen aus wettbewerbsrechtlicher Sicht zu gewärtigen sind. Zudem
         hat die Kommission in Nummer 2 der Leitlinien als Beispiel für erschwerende Umstände, die zu einer Erhöhung des Grundbetrags
         führen können, die Tatwiederholung durch eine gleichartige Zuwiderhandlung desselben Unternehmens genannt.
      
      357   Im vorliegenden Fall hat die Kommission in der 305. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass sie
         in Anbetracht der Notwendigkeit, die Geldbußen auf einen Betrag festzusetzen, der eine abschreckende Wirkung entfalte, der
         Tatsache Rechnung trage, dass es sich bei der Klägerin um ein großes internationales Unternehmen und darüber hinaus um einen
         Mischkonzern handele. Sie hat dann in der 306. Begründungserwägung erklärt, dass sie der Tatsache Rechnung trage, dass die
         Klägerin und zum Zeitpunkt des Erlasses der Entscheidung auch deren Tochtergesellschaft Alken‑Maes über den juristischen und
         wirtschaftlichen Sachverstand sowie über die entsprechenden Ressourcen verfügt hätten, die sie in die Lage versetzten, klarer
         zu erkennen, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß darstelle und welche Folgen diese aus wettbewerbsrechtlicher
         Sicht haben könne. Schließlich hat die Kommission in der 314. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung im Rahmen
         der Ausführungen über eine Erhöhung der Geldbuße aufgrund erschwerender Umstände dargelegt, dass die Klägerin bereits zweimal
         wegen entsprechender Verstöße gegen Artikel 81 EG verurteilt worden sei.
      
      358   Hierzu ist zunächst festzustellen, dass die Voraussetzungen für die Anwendung des Grundsatzes „ne bis in idem“ nach dessen
         Umschreibung durch die Rechtsprechung in Wettbewerbssachen (vgl. oben, Randnr. 185) im vorliegenden Fall nicht gegeben sind,
         da die Kommission zur Berechnung der Geldbuße nur eine Reihe Tatsachen betreffender Erwägungen herangezogen hat, die ihrer
         Ansicht nach von Belang sind, um die Geldbuße in einer Höhe festzusetzen, die sie abschreckend genug macht.
      
      359   Zudem beruht die Berücksichtigung dieser einzelnen Gesichtspunkte für die Beurteilung der Schwere des Verstoßes jeweils auf
         unterschiedlichen Gründen. So rechtfertigt sich die Berücksichtigung des Merkmals, dass es sich bei der Klägerin um ein internationales
         Unternehmen und einen Mischkonzern handelt, durch die Notwendigkeit, die Geldbuße in einer Höhe festzusetzen, die abschreckend
         genug ist, um der wirtschaftlichen und finanziellen Stärke des Unternehmens Rechnung zu tragen (vgl. oben, Randnrn. 167 bis
         182). Sodann rechtfertigt sich die Berücksichtigung des juristischen und wirtschaftlichen Sachverstands und der entsprechenden
         Ressourcen der Klägerin, die sie in die Lage versetzen, klarer zu erkennen, in welchem Maß ihre Vorgehensweise einen Verstoß
         darstellt und welche Folgen diese haben kann, durch das weitere Abschreckungsbedürfnis, von dem der Umstand zeugt, dass die
         Klägerin die in Rede stehende Zuwiderhandlung trotz der Mittel begangen hat, die ihr angesichts ihrer besonderen Analysefähigkeit
         zur Verfügung standen, um die Unerlaubtheit ihres Verhaltens und deren Folgen zu erkennen (vgl. oben, Randnr. 175). Die Berücksichtigung
         des Rückfalls schließlich rechtfertigt sich durch das zusätzliche Abschreckungsbedürfnis, von dem die Tatsache zeugt, dass
         zwei frühere Feststellungen von Zuwiderhandlungen nicht genügt haben, um eine Tatwiederholung in Form einer dritten Zuwiderhandlung
         zu verhindern.
      
      360   Zu dem angeblichen Verstoß gegen die Verordnung Nr. 2988/74 genügt der Hinweis, dass diese Verordnung die Verjährungsfrist
         für die Befugnis der Kommission betrifft, Geldbußen aufgrund einer Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln zu verhängen,
         dass sie hingegen keine Bestimmung enthält, die die Befugnis der Kommission begrenzt, als erschwerenden Umstand zur Bemessung
         einer Geldbuße wegen Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln zu berücksichtigen, dass ein Unternehmen bereits wegen eines
         Verstoßes eben gegen die Wettbewerbsregeln verurteilt worden ist. Somit begründet es keinen Verstoß gegen die Verordnung Nr.
         2988/74, dass die Kommission gegenüber der Klägerin einen solchen erschwerenden Umstand festgestellt hat.
      
      361   Zu dem Argument, die Kommission habe eine offensichtlich überzogene Vorstellung von dem Begriff des Rückfalls an den Tag gelegt,
         ist festzustellen, dass in Nummer 2 der Leitlinien der erschwerende Umstand des Rückfalls als „erneuter, gleichartiger Verstoß
         des/derselben Unternehmen(s)“ definiert wird. 
      
      362   Hierzu ist ferner zu bemerken, dass der Begriff des Rückfalls in einigen nationalen Rechtsordnungen bedeutet, dass jemand
         neue Zuwiderhandlungen begeht, nachdem ähnliche von ihm begangene Zuwiderhandlungen geahndet worden waren (Urteile Thyssen
         Stahl/Kommission, oben zitiert in Randnr. 320, Randnr. 617, und Michelin/Kommission, oben zitiert in Randnr. 348, Randnr.
         284).
      
      363   Der Begriff des Rückfalls umfasst angesichts des mit ihm verbundenen Zweckes indessen nicht notwendigerweise die Feststellung
         der Verlängerung einer früheren Geldbuße, sondern nur die Feststellung einer früheren Zuwiderhandlung. Durch die Berücksichtigung
         des Rückfalls soll nämlich eine Zuwiderhandlung des Unternehmens, das sich des eine solche darstellenden Verhaltens schuldig
         gemacht hat, strenger geahndet werden, da die frühere Feststellung einer Zuwiderhandlung dieses Unternehmens nicht genügt
         hat, um eine Tatwiederholung zu verhindern. Insofern liegt der ausschlaggebende Gesichtspunkt bei einem Rückfall nicht in
         einer früheren Ahndung, sondern in der früheren Feststellung einer Zuwiderhandlung des Betroffenen.
      
      364   Zu dem Argument der Klägerin, die Entscheidung „Verpackungsglas“, die 1974 gegen sie ergangen war, dürfe für eine Feststellung
         eines Rückfalls nicht berücksichtigt werden, da ihr eine Anmeldung zugrunde gelegen habe und mit ihr keine Geldbußen verhängt
         worden seien, ist festzustellen, dass Artikel 3 der genannten Entscheidung Folgendes bestimmt: „Die Unternehmen, die an den
         in Artikel 1 genannten Vereinbarungen beteiligt sind, werden verpflichtet, die festgestellten Zuwiderhandlungen unverzüglich
         abzustellen.“
      
      365   Gegenüber der Klägerin wurde somit eine Zuwiderhandlung festgestellt, die auf Umständen beruhte, die denjenigen des vorliegenden
         Falles entsprachen. Dies hat die Klägerin jedoch nicht davon abgehalten, ihr rechtswidriges Vorgehen zu wiederholen. Die Kommission
         hat daher zu Recht einen Rückfall der Klägerin festgestellt.
      
      366   Jedenfalls hat die Entscheidung „Flachglas Benelux“ von 1984 ihrerseits zu einer Geldbuße geführt, und es liegt insofern ein
         Rückfall vor. In der angefochtenen Entscheidung deutet nichts darauf hin, dass die Feststellung der Kommission, dass der Rückfall
         aus zwei Vortatbeständen resultiere, zu einer höheren Anhebung der Geldbuße wegen erschwerender Umstände geführt hat, als
         dies der Fall gewesen wäre, wenn nur eine frühere Tat herangezogen worden wäre.
      
      367   Was schließlich das Argument anbelangt, die Erhöhung der Geldbuße wegen Rückfalls sei überzogen, da sie dazu führe, dass der
         Klägerin trotz ihrer geringen Marktgröße eine ebenso hohe Geldbuße auferlegt werde wie Interbrew, so ist darauf hinzuweisen,
         dass nach ständiger Rechtsprechung zu den Gesichtspunkten für die Beurteilung der Schwere des Verstoßes je nach den Umständen
         des Einzelfalls auch die Menge und der Wert der Waren, die Gegenstand der Zuwiderhandlung waren, sowie die Größe und die Wirtschaftskraft
         des Unternehmens und damit der Einfluss gehören können, den das Unternehmen auf den Markt ausüben konnte. Daraus ergibt sich,
         dass bei der Bemessung der Geldbuße sowohl der Gesamtumsatz des Unternehmens als auch der Teil dieses Umsatzes berücksichtigt
         werden darf, der mit den Waren erzielt worden ist, auf die sich die Zuwiderhandlung erstreckte, dass aber weder dem einen
         noch dem anderen dieser Umsätze eine im Verhältnis zu den anderen Beurteilungskriterien übermäßige Bedeutung zugemessen werden
         darf (vgl. in diesem Sinne Urteile Musique diffusion française u. a./Kommission, oben zitiert Randnr. 50, Randnrn. 120 und
         121, Parker Pen/Kommission, oben zitiert in Randnr. 115, Randnr. 94, und SCA Holding/Kommission, oben zitiert in Randnr. 158,
         Randnr. 176).
      
      368   Überdies ist der Abschreckungseffekt der Geldbußen einer der Gesichtspunkte, die die Kommission bei der Beurteilung der Schwere
         der Zuwiderhandlung und damit bei der Bemessung der Geldbuße berücksichtigen kann, da die Schwere der Zuwiderhandlungen anhand
         zahlreicher Gesichtspunkte zu ermitteln ist, zu denen u. a. die besonderen Umstände der Rechtssache, ihr Kontext und die Abschreckungswirkung
         der Geldbußen gehören, ohne dass es eine zwingende oder abschließende Liste von Kriterien gäbe, die auf jeden Fall berücksichtigt
         werden müssten (Beschluss SPO u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 54, sowie Urteile Ferriere Nord/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 33, und Sarrió/Kommission, oben zitiert in Randnr. 137, Randnr. 328).
      
      369   Demgemäß ist die Verhängung einer Geldbuße gegen die Klägerin, die nicht im Verhältnis zu ihrer Größe auf dem relevanten Markt
         steht, nicht auf eine offensichtlich überzogene Betrachtungsweise des Rückfallkontextes zurückzuführen, sondern auf eine Reihe
         von Erwägungen, die die Kommission bei der Bemessung der gegen die Klägerin zu verhängenden Geldbuße zu Recht berücksichtigen
         konnte.
      
      370   Da alle Rügen, die die Klägerin im Rahmen dieses Klagegrundes vorgebracht hat, zurückzuweisen sind, ist der Klagegrund insgesamt
         zurückzuweisen.
      
      5.     Zum Klagegrund einer unzureichenden Berücksichtigung der anwendbaren mildernden Umstände
      371   Dieser Klagegrund besteht aus vier Teilen. Erstens rügt die Klägerin, die Kommission habe nicht berücksichtigt, dass sich
         die Zuwiderhandlung nicht auf den Markt ausgewirkt habe. Zweitens macht die Klägerin geltend, die Kommission habe zu Unrecht
         nicht den Einfluss berücksichtigt, den das Preisregelungssystem und die sehr alte Verbandstradition des Brauereisektors auf
         die in Rede stehenden Verhaltensweisen ausgeübt hätten. Drittens beruft sich die Klägerin auf die Krisensituation im relevanten
         Zeitraum. Viertens weist die Klägerin auf die Bedrohung durch Interbrew hin.
      
      a)     Zum ersten Teil: Nichtberücksichtigung der mangelnden Auswirkung der Zuwiderhandlung auf den Markt
       Vorbringen der Parteien
      372   Die Klägerin führt aus, die Kommission müsse nach den Leitlinien, die in diesem Punkt eine ständige Praxis der Kommission
         bekräftigt hätten, als mildernden Umstand berücksichtigen, dass sich das Kartell nur begrenzt auf den Wettbewerb ausgewirkt
         habe. Die Kommission habe in zahlreichen Fällen als mildernden Umstand eine mangelnde Auswirkung der in Rede stehenden Absprachen
         auf den Markt und den Umstand berücksichtigt, dass diese Absprachen nicht oder nur zum Teil in die Praxis umgesetzt worden
         seien. Wenn die Kommission nicht an ihre frühere Praxis gebunden sei, so sei dies keine Rechtfertigung dafür, dass eine solche
         Praxis unter gleichartigen Umständen außer Acht gelassen werde.
      
      373   Die Kommission nehme zudem nicht die erforderliche Trennung zwischen der Beurteilung der Schwere des Verstoßes und der Berücksichtigung
         mildernder Umstände vor. Sie müsse nämlich ungeachtet der für die Beurteilung der Schwere notwendigen Berücksichtigung der
         Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Markt dem mildernden Umstand der tatsächlichen Nichtanwendung der betreffenden Absprachen
         oder rechtswidrigen Verhaltensweisen Rechnung tragen.
      
      374   Sie habe die Realität der Sachlage außer Acht gelassen, indem sie zu dem Schluss gelangt sei, der Umstand, dass die Beteiligten
         nicht alle im Rahmen des Kartells getroffenen besonderen Absprachen durchgeführt hätten, bedeute nicht, dass das Kartell als
         solches nicht durchgeführt worden sei, und der Umstand, dass bestimmte Einzelheiten der Zuwiderhandlung nicht in die Praxis
         umgesetzt worden seien, sei kein hinreichender Grund, um darin einen mildernden Umstand zu erblicken.
      
      375   Die Sachlage zeige, dass die Gespräche zwischen Interbrew und der Klägerin über die Preisstruktur und die Verkaufsförderungspolitik
         nur zum kleinen Teil in die Praxis umgesetzt worden seien, so dass sie sich nur sehr begrenzt auf den Markt ausgewirkt hätten.
      
      376   Ferner hätten Alken‑Maes und Interbrew des Öfteren – auch in den internen Unterlagen, die gleichzeitig  mit den Abstimmungsgesprächen
         erstellt worden seien – angegeben, dass die Erörterungen nicht über das Versuchsstadium hinausgegangen seien und sich nicht
         auf den Wettbewerb ausgewirkt hätten. Mehrere von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung genannte Unterlagen und
         Erklärungen zeigten, dass die Gespräche in der Praxis unwirksam gewesen seien. Zahlreiche Aspekte des Wettbewerbs seien unberührt
         geblieben, was z. B. der erbitterte Kampf der Kartellteilnehmer um den Abschluss von Verträgen mit gebundenen Cafés erkennen
         lasse. Die Akte der Kommission enthalte im Übrigen eine Reihe weiterer Unterlagen, aus denen die mangelnde Wirkung auf den
         Wettbewerb hervorgehe.
      
      377   Die Verkaufsstatistik beweise überdies zur Genüge die mangelnden konkreten Auswirkungen oder zumindest den geringen Einfluss
         der Gespräche zwischen Interbrew und Alken‑Maes auf den Markt. Die Beteiligten hätten sich nach wie vor in allen Marktsegmenten
         einen erbitterten Wettbewerb geliefert. Aus den Akten gehe insbesondere hervor, dass Alken‑Maes in den Jahren 1992 und 1993
         eine aggressive Preisnachlasspolitik im Lebensmittelvertrieb verfolgt habe. Alken‑Maes habe im Übrigen zwischen 1993 und 1998
         weiterhin Marktanteile verloren und sei im relevanten Zeitraum sowohl in der Sparte Pilsner als auch in der Sparte alkoholfreies
         Bier der Hauptverlierer gewesen.
      
      378   Alken‑Maes habe zudem im Jahr 1994 für ihre Handelspolitik Studien über die Preisflexibilität fortgeführt, die gezeigt hätten,
         dass Interbrew im Fall einer Preissenkung der Hauptverlierer gewesen wäre. Daher habe Alken‑Maes trotz der von Interbrew ausgehenden
         Gespräche über die Preisstruktur eine Wettbewerbspolitik verfolgt, deren wichtigstes Ziel darin bestanden habe, Interbrew
         Verkaufsanteile abzunehmen.
      
      379   Die Klägerin bemerkt schließlich, es habe keine Zwangsmechanismen zu dem Zweck gegeben, die Einhaltung und die praktische
         Durchführung der Absprache durchzusetzen; dies habe die Kommission in der Entscheidung „Polypropylen“ als mildernden Umstand
         berücksichtigt.
      
      380   Die Kommission führt aus, die von der Klägerin genannten Präzedenzfälle seien nicht von Belang, da sie in die Zeit vor der
         Veröffentlichung der Leitlinien zurückreichten und Situationen beträfen, die mit dem vorliegenden Fall nicht immer vergleichbar
         seien. In dem hier in Rede stehenden Fall seien die wettbewerbswidrigen Übereinkünfte durchgeführt worden, und die teilweise
         Umsetzung bestimmter Aspekte sei bei der Beurteilung der Schwere des Kartells gebührend berücksichtigt worden.
      
      381   Ohne Belang sei auch das Argument, der erbitterte Kampf der Beteiligten um den Abschluss von Verträgen mit den Cafés zeige,
         dass der Wettbewerb offen geblieben sei. Hinsichtlich der von einem Vertreter Interbrews geäußerten Zweifel an der Wirksamkeit
         des Kartells genüge es nicht, die Bedeutung der bei der Zusammenkunft am 28. Januar 1998 von den Kartellteilnehmern getroffenen
         Feststellung über die Realisierung bestimmter Ziele herunterzuspielen. Der Rückgang des Marktanteils von Alken‑Maes schließlich
         lasse nicht erkennen, dass es keine Auswirkungen gegeben habe, da dieser Rückgang ohne das Kartell womöglich noch ausgeprägter
         gewesen wäre. Zu den Studien von Alken‑Maes über die Preisflexibilität sei zu bemerken, dass es sich dabei nur um Vorentwürfe
         handele, die keinen Zweifel an der Rechtswidrigkeit der Absprache herbeiführen könnten
      
       Würdigung durch das Gericht
      382   Wie aus der oben in den Randnummern 277 und 278 zitierten Rechtsprechung hervorgeht, ist bei einer Zuwiderhandlung, die von
         mehreren Unternehmen begangen worden ist, die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen Unternehmens zu prüfen, wobei
         insbesondere festzustellen ist, welche Rolle es bei der Zuwiderhandlung während der Dauer seiner Beteiligung an dieser gespielt
         hat.
      
      383   Nummer 3 der Leitlinien enthält unter dem Titel „Mildernde Umstände“ eine nicht abschließende Liste von Umständen, die zu
         einer Verringerung des Grundbundbetrags der Geldbuße führen können. Genannt werden dort die ausschließlich passive Mitwirkung
         eines Unternehmens oder reines Mitläufertum, die tatsächliche Nichtanwendung der Vereinbarungen über Verstöße, die Beendigung
         der Verstöße nach dem ersten Eingreifen der Kommission, der Nachweis berechtigter Zweifel des Unternehmens an der Rechtswidrigkeit
         seines wettbewerbswidrigen Verhaltens, fahrlässige, unvorsätzlich begangene Verstöße und die aktive Mitwirkung des Unternehmens
         an dem Verfahren außerhalb des Anwendungsbereichs der Mitteilung über Zusammenarbeit. Alle diese Umstände beruhen somit auf
         dem eigenen Verhalten des Einzelnen.
      
      384   Demgemäß ist bei der Beurteilung der mildernden Umstände, darunter des Umstands der Nichtanwendung der Vereinbarungen, nicht
         auf die sich aus der Zuwiderhandlung insgesamt ergebenden Wirkungen abzustellen, denen bei der Beurteilung der konkreten Auswirkungen
         eines Verstoßes auf dem Markt zur Beurteilung der Schwere des Verstoßes Rechnung zu tragen ist (Nr. 1 Abschnitt A Absatz 1
         der Leitlinien), sondern auf das Einzelverhalten jedes Unternehmens, um die relative Schwere des Tatbeitrags jedes einzelnen
         Unternehmens festzustellen. 
      
      385   Somit ist zu prüfen, ob aufgrund des Vorbringens der Klägerin festgestellt werden kann, dass sie sich im Zeitraum ihrer Teilnahme
         an den rechtswidrigen Vereinbarungen tatsächlich der Durchführung dieser Vereinbarungen entzogen hat, indem sie sich auf dem
         Markt wettbewerbskonform verhalten hat (vgl. in diesem Sinne Zement‑Urteil, oben zitiert in Randnr. 31, Randnrn. 4872 bis
         4874).
      
      386   Die Klägerin führt im Wesentlichen fünf Argumente für die Geltendmachung des mildernden Umstands der tatsächlichen Nichtanwendung
         der Vereinbarungen an.
      
      387   Zu dem ersten Argument, die Gespräche zwischen Interbrew und der Klägerin seien nur zum kleinen Teil in die Praxis umgesetzt
         worden, ist festzustellen, dass sich die Klägerin nicht auf die Nichtanwendung der Ergebnisse der Abstimmung über die Preisstruktur
         und die Verkaufsförderungspolitik beruft, sondern sich nur auf eine teilweise praktische Umsetzung dieser Ergebnisse stützt.
         Zudem stellt die genannte Abstimmung nur einen Teil der festgestellten Zuwiderhandlung dar, die u. a. einen allgemeinen Nichtangriffspakt,
         eine Vereinbarung von Preisen im Einzelhandel, die Aufteilung der Kundschaft im Horeca‑Sektor, die Beschränkung von Investitionen
         und Werbung im Horeca‑Sektor und einen Austausch von Informationen über den Absatz im Horeca‑Sektor und im Einzelhandel umfasst
         hat.
      
      388   Zu dem zweiten Argument, die Erörterungen seien nicht über das Versuchsstadium hinausgegangen und hätten sich nicht auf den
         Wettbewerb ausgewirkt, genügt der Hinweis, dass dies, auch wenn es der Fall wäre, nicht erkennen lässt, dass die Vereinbarungen
         tatsächlich nicht angewandt wurden, sondern im Gegenteil einen – wenn auch vergeblichen – Willen aufzeigt, diese Vereinbarungen
         in die Tat umzusetzen. Dasselbe gilt für die Bedeutung, die dem Schriftwechsel zwischen Interbrew und Alken‑Maes über die
         gebundenen Cafés beizumessen ist. Die gegenseitigen Beschwerden in dieser Angelegenheit sind unter dem Blickwinkel des allgemeinen
         Nichtangriffspakts zwischen beiden Unternehmen zu sehen (vgl. oben, Randnr. 147) und zeugen in dieser Hinsicht eher von dem
         Willen, dass die Absprache eingehalten werden soll, als davon, dass sie tatsächlich nicht angewandt wurde. Ohnehin erstreckt
         sich der Schriftwechsel, der einen erbitterten Kampf um die Verträge mit den gebundenen Cafés belegen soll, nur über einen
         Zeitraum von sechs Monaten, nämlich von August 1996 bis Januar 1997.
      
      389   Zu dem dritten Argument, dem statistischen Nachweis mangelnder Auswirkungen auf den Markt, ist festzustellen, dass dieser
         Nachweis, auch wenn er erbracht wäre, als unerheblich angesehen werden müsste, da er keineswegs die tatsächliche Nichtanwendung
         der Vereinbarungen bezeugen würde. Dasselbe gilt für die vermeintliche aggressive Preisnachlasspolitik, da die Klägerin nicht
         dargetan hat, dass sie sich mit dieser Politik den Vereinbarungen entzogen hat, an denen sie beteiligt war. Ein solches Verhalten
         würde die Anwendung der Vereinbarungen ohnehin nur in begrenztem Maß betreffen, da diese Absprachen ihrem Umfang nach sowohl
         sachlich als auch zeitlich über die geltend gemachten wettbewerblichen Kampfmaßnahmen hinausgehen. So würde sich die aggressive
         Preisnachlasspolitik, die Alken‑Maes im Lebensmittelhandel verfolgt haben will, nach den eigenen Angaben der Klägerin letztlich
         auf die Jahre 1992 und 1993 beschränken.
      
      390    Zu dem vierten Argument ist festzustellen, dass die Fortführung der Flexibilitätsstudien von Alken‑Maes im Jahr 1994 – selbst
         wenn diese Studien zeigen sollen, dass Interbrew mehr zu verlieren gehabt hätte, wenn der Preis für Maes‑Bier gesenkt worden
         wäre – keineswegs erkennen lässt, dass sich die Klägerin und ihre Tochtergesellschaft durch ein wettbewerbskonformes Marktverhalten
         tatsächlich den Vereinbarungen entzogen haben.
      
      391   Keines der ersten vier Argumente der Klägerin erlaubt somit den Schluss, dass diese sich während der Zeit, in der sie an den
         rechtswidrigen Vereinbarungen beteiligt war, der Anwendung dieser Vereinbarungen durch ein wettbewerbskonformes Marktverhalten
         entzogen hat.
      
      392   Zudem zeigt der von der Klägerin selbst aus ihren Argumenten gezogene Schluss, dass sich die Abstimmung untereinander nur
         auf dem Markt ausgewirkt habe, bereits seinerseits, dass diese Argumente nicht die Problematik der mildernden Umstände betreffen,
         sondern die Gesamtschwere der Zuwiderhandlung, die nicht Gegenstand dieses Klagegrundes ist.
      
      393   Dasselbe gilt für das fünfte Argument der Klägerin, das angebliche Fehlen von Zwangsmechanismen für die Einhaltung und die
         praktische Durchführung der Absprache, da dies, wenn es zutrifft, nach den Leitlinien im Hinblick auf die Schwere des Verstoßes
         zu berücksichtigen wäre und keinen mildernden Umstand aufgrund des spezifischen Verhaltens der Klägerin darstellen kann. Nach
         gefestigter Rechtsprechung können nämlich fehlende Maßnahmen zur Kontrolle der Durchführung eines Kartells als solche keinen
         mildernden Umstand darstellen (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑348/94, Enso Española/Kommission,
         Slg. 1998, II‑1875, Randnr. 318).
      
      394   Überdies hat die Kommission in der von der Klägerin angeführten Entscheidung „Polypropylen“ das Fehlen von Zwangsmechanismen
         nicht als einen mildernden Umstand angesehen, der individuell zugunsten der betroffenen Unternehmen herangezogen werden kann,
         sondern es im Gegenteil als Umstand betrachtet, der bei der Beurteilung der Gesamtschwere des Verstoßes in Betracht zu ziehen
         ist.
      
      395   Schließlich ist zu dem Argument, sowohl das Fehlen von Auswirkungen auf den Markt als auch das Fehlen von Zwangsmechanismen
         seien von der Kommission in der Vergangenheit als mildernder Umstand berücksichtigt worden, zu bemerken, dass allein aus dem
         Umstand, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte bei der Bemessung der Geldbuße
         als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet werden kann, dass sie verpflichtet wäre, in einer späteren Entscheidung
         ebenso zu verfahren (vgl. oben, Randnr. 57). Die frühere Entscheidungspraxis der Kommission bildet nämlich als solche nicht
         den rechtlichen Rahmen für die Geldbußen in Wettbewerbssachen (vgl. die oben in Randnr. 153 zitierte Rechtsprechung). Aus
         der oben in den Randnummern 134 und 135 genannten Rechtsprechung geht hervor, dass die Kommission im Rahmen der Verordnung
         Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße über einen Ermessensspielraum verfügt, um das Verhalten der Unternehmen auf
         die Einhaltung der Wettbewerbsregeln ausrichten zu können, und dass sie folglich dadurch, dass sie in der Vergangenheit für
         bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen Geldbußen in einer bestimmten Höhe verhängt hat, nicht daran gehindert wird, dieses
         Niveau innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen Grenzen anzuheben, wenn dies erforderlich ist, um die Durchführung
         der gemeinschaftlichen Wettbewerbspolitik sicherzustellen. Die wirksame Anwendung der Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verlangt
         vielmehr, dass die Kommission das Niveau der Geldbußen jederzeit den Erfordernissen dieser Politik anpassen kann.
      
      396   Der erste Teil des Klagegrundes ist somit zurückzuweisen.
      b)     Zum zweiten Teil: Nichtberücksichtigung des Einflusses des Preisregelungssystems und der sehr alten Verbandstradition des
         Brauereisektors
      
       Vorbringen der Parteien
      397   Nach Ansicht der Klägerin hätte die Kommission wie in der Entscheidung „Griechische Fährschiffe“, die entgegen der 320. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung mit dem vorliegenden Fall vergleichbar sei, den Einfluss herkömmlicher Praktiken für die Preisfestsetzung
         auf dem Biermarkt als mildernden Umstand berücksichtigen müssen.
      
      398   So habe die Kommission außer Acht gelassen, dass das von 1945 bis 1993 geltende Preisgesetz allen davon betroffenen Unternehmen
         – darunter der Klägerin und den anderen Brauereien – vorgeschrieben habe, einzeln oder gemeinsam eine Genehmigung für Preiserhöhungen
         einzuholen; dies habe bis Mai 1993 gegolten und einer sehr alten Tradition der Abstimmung und des Informationsaustauschs zwischen
         den Brauereien entsprochen. Trotz zweier unterschiedlicher Verfahren seien Anträge auf Preiserhöhungen kollektiv durch die
         CBB eingereicht worden, da der Wirtschaftsminister dieses Verfahren aus Gründen einer einfacheren Verwaltung bevorzugt habe.
         Zudem habe das Preisregelungssystem zwangsläufig Preisabstimmungen zwischen den Brauereien begünstigt, da ein durch die CBB
         eingereichter kollektiver Antrag, der die Preise und andere Verkaufsbedingungen betroffen habe, nach dem Preisregelungssystem
         sehr detailliert habe sein müssen.
      
      399   Die Beibehaltung des beanstandeten Vorgehens nach Mai 1993 sei auf die Kontinuität einer Regelung zurückzuführen, durch die
         lediglich eine sehr alte Tradition der Abstimmung zwischen Bierbrauern fortgeschrieben worden sei. Diese Tradition mache es
         verständlich, warum es den Beteiligten schwergefallen sei, sich unverzüglich von diesem herkömmlichen Muster zu lösen. In
         diesem Sinne müsse das Preisregelungssystem, das einen gewissen Verharrungseffekt erzeugt habe, als mildernder Umstand berücksichtigt
         werden, wie es die Kommission in ihren Entscheidungen 82/896/EWG vom 15. Dezember 1982 in einem Verfahren nach Artikel 85
         EWG‑Vertrag (IV/29.883 – UGAL/BNIC, ABl. L 379, S. 1, im Folgenden: „Entscheidung BNIC“, 77. Begründungserwägung, und 86/596/EWG
         vom 26. November 1986 in einem Verfahren nach Artikel 85 EWG‑Vertrag (IV/31.204 – MELDOC, ABl. L 348, S. 50, im Folgenden:
         „Entscheidung MELDOC“, 77. Begründungserwägung) getan habe.
      
      400   Im Übrigen habe die Kommission zu Unrecht angenommen, dass der Einfluss der Preisregelung auf die Abstimmung, sollte sie diesen
         Einfluss anerkennen, nur bis zum 23. Dezember 1992, dem Zeitpunkt des letzten durch die CBB eingereichten kollektiven Preiserhöhungsantrags,
         angedauert habe, obgleich die Bierbrauer bis zum 1. Mai 1993, also dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Ministerialverordnung
         zur Abschaffung der Preisregelung, tatsächlich und rechtlich zu Preisabstimmungen für bestimmte Biere veranlasst gewesen seien.
         Die Kommission sei daher in der 247. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung fälschlicherweise zu dem Schluss gelangt,
         dass die Sitzung vom 28. Januar 1993, da sie erst nach dem 23. Dezember 1992 stattgefunden habe, nicht als Treffen der Bierbrauer
         im Rahmen der CBB bezüglich einer kollektiven Preiserhöhung angesehen werden könne.
      
      401   Indem die Kommission schließlich in der 247. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung auf eine Sitzung mit den Bierhändlern
         verweise, um die Nichtberücksichtigung der Preisregelung als mildernden Umstand zu rechtfertigen, verkenne sie, dass das Preisregelungssystem
         nicht nur die Bierhersteller, sondern auch die Bierimporteure erfasst habe.
      
      402   Die Kommission erklärt, sie habe in der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass die Kollektivmaßnahme der Brauereien zur
         Anmeldung einer Preiserhöhung im Gegensatz zum Sachverhalt der Entscheidung „Griechische Fährschiffe“ nur fakultativ und nicht
         obligatorisch gewesen sei. Es sei hierbei unerheblich, dass der Wirtschaftsminister seine Präferenz für kollektive Maßnahmen
         zum Ausdruck gebracht habe. Wenn überdies die Preisregelung den Einfluss gehabt hätte, den ihr die Klägerin zuschreibe, wären
         alle Brauereien in die Beratung einbezogen gewesen, während dies nur für die beiden wichtigsten Brauereien der Fall gewesen
         sei. 
      
      403   Die Preisregelung sei zwar erst am 1. Mai 1993 beendet worden, der letzte kollektive Preiserhöhungsantrag sei indessen schon
         am 23. Dezember 1992 eingereicht worden, so dass die ersten berücksichtigten Abstimmungsvorgänge vom 28. Januar 1993 nach
         diesem Zeitpunkt stattgefunden hätten. Die „Verbandstradition“, wenn sie denn bestünde, könne jedoch nicht ewig einen mildernden
         Umstand darstellen. Zu den Entscheidungen „BNIC“ und „MELDOC“ sei zu bemerken, dass sie vor der Veröffentlichung der Leitlinien
         ergangen seien und dass darin keine Preisregelung als mildernder Umstand festgestellt worden sei.
      
       Würdigung durch das Gericht
      404   Vorab ist zu bemerken, dass die Klägerin die Feststellung der Kommission über das Vorliegen einer Zuwiderhandlung vom 28.
         Januar 1993 an nicht in Frage stellt. Ferner geht aus der angefochtenen Entscheidung, ohne dass dies bestritten wird, hervor,
         dass ein Preisregelungsmechanismus für den belgischen Brauereisektor bis zum 1. Mai 1993 gegolten hat und zu diesem Zeitpunkt
         zu Ende gegangen ist. Somit ist festzustellen, ob dieser Mechanismus bis dahin einen mildernden Umstand dargestellt hat, den
         die Kommission hätte berücksichtigen müssen. In dieser Hinsicht stützt sich das Vorbringen der Klägerin im Wesentlichen auf
         die Anwendbarkeit des in Nummer 3 vierter Gedankenstrich der Leitlinien genannten mildernden Umstands „Nachweis berechtigter
         Zweifel des Unternehmens an der Rechtswidrigkeit seines wettbewerbswidrigen Verhaltens“.
      
      405   Erstens hat die Klägerin in Beantwortung der Fragen des Gerichts in der mündlichen Verhandlung über die genaue Bedeutung des
         bis zum 1. Mai 1993 in Kraft gewesenen Preisregelungsmechanismus erklärt, es gehe klar aus den Texten über die Preisregelung
         hervor, dass die Brauereien die Möglichkeit gehabt hätten, bei dem Wirtschaftsminister zur Genehmigung entweder mit Hilfe
         der CBB einen kollektiven Antrag – gegebenenfalls unter Wahrung der Vertraulichkeit der Preise – oder individuelle Anträge
         einzureichen.
      
      406   Zweitens kann zum einen angesichts der ihrer Art nach besonderen Schwere des in Rede stehenden Verhaltens (vgl. oben, Randnrn.
         145 bis 155) und zum anderen aufgrund der materiellen und intellektuellen Ressourcen der Klägerin und ihrer Tochtergesellschaft
         Alken‑Maes, die es ihnen ermöglichten, die Merkmale ihres gesetzlichen Umfelds und die möglicherweise daran gemessenen aus
         wettbewerbsrechtlicher Sicht der Gemeinschaft entstehenden Folgen ihres Vorgehens zu beurteilen, nicht glaubhaft behauptet
         werden, der bis zum 1. Mai 1993 geltende Preisregelungsmechanismus habe bei der Klägerin einen berechtigten Zweifel an der
         Rechtswidrigkeit des wettbewerbswidrigen Verhaltens hervorgerufen. Dies gilt umso mehr, als gegenüber der Klägerin in der
         Vergangenheit bereits ähnliche Zuwiderhandlungen gegen das Gemeinschaftsrecht festgestellt worden sind.
      
      407   Drittens kann in Bezug auf die Entscheidungen, die nach Ansicht der Klägerin Präzedenzfälle dafür darstellen, dass die Kommission
         eine Preisregelung als mildernden Umstand berücksichtigt hat, nach der oben in Randnummer 395 genannten Rechtsprechung allein
         aus dem Umstand, dass die Kommission in ihrer früheren Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte bei der Bemessung der
         Geldbuße als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet werden, dass sie verpflichtet wäre, in einer späteren Entscheidung
         ebenso zu verfahren. Die frühere Entscheidungspraxis der Kommission bildet nämlich als solche nicht den rechtlichen Rahmen
         für die Geldbußen in Wettbewerbssachen. Die Kommission verfügt zudem im Rahmen der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung der
         Höhe der Geldbuße über einen Ermessensspielraum, um das Verhalten der Unternehmen auf die Einhaltung der Wettbewerbsregeln
         ausrichten zu können, so dass sie dadurch, dass sie in der Vergangenheit für bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen Geldbußen
         in einer bestimmten Höhe verhängt hat, nicht daran gehindert wird, dieses Niveau innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen
         Grenzen anzuheben, wenn dies erforderlich ist, um die Durchführung der gemeinschaftlichen Wettbewerbspolitik sicherzustellen.
         Die wirksame Anwendung der Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft verlangt vielmehr, dass die Kommission das Niveau der Geldbußen
         jederzeit den Erfordernissen dieser Politik anpassen kann.
      
      408   Da ein Preisregelungsmechanismus im vorliegenden Fall keinen mildernden Umstand für den Zeitraum vom 28. Januar bis 1. Mai
         1993 darstellen kann, kann ein solcher Umstand umso weniger für die Zeit nach dem 1. Mai 1993 zugunsten der Klägerin festgestellt
         werden.
      
      409   Der zweite Teil des Klagegrundes ist somit zurückzuweisen.
      c)     Zum dritten Teil: Nichtberücksichtigung der Krisensituation des Sektors 
       Vorbringen der Parteien
      410   Die Kommission hätte nach Ansicht der Klägerin entsprechend ihrer bis 1998 üblichen Praxis und nach der Rechtsprechung des
         Gerichtshofes beachten müssen, dass sich das Kartell in einer Krisensituation des Marktes entwickelt habe, und dies als mildernden
         Umstand berücksichtigen müssen. Die Kommission habe jedoch nur die Meinung vertreten, dass die Situation des vorliegenden
         Falles nicht mit den Situationen der Entscheidungen vergleichbar sei, in denen die Krisenlage berücksichtigt worden sei, wobei
         sie ohne nähere Darlegungen auf die Entscheidungen „Zement“, „PVC II“ und „Nahtlose Stahlrohre“ verwiesen habe.
      
      411   Die belgischen Brauereien hätten jedoch mit einem ständigen Rückgang der Nachfrage und einer überschüssigen Produktionskapazität
         sowie mit einem Preisdruck des Großhandels bei Pilsner zu kämpfen gehabt. Die Kommission habe in der angefochtenen Entscheidung
         selbst die Schwierigkeiten auf dem Markt in den 90er Jahren anerkannt. Die Geschäftstätigkeit der Tochtergesellschaft der
         Klägerin in Belgien sei im Jahr 1993 finanziell sehr anfällig gewesen. Wenngleich nur die Krisensituation des Sektors und
         nicht eines einzelnen Unternehmens berücksichtigt werden könne, sei doch zu bedenken, dass die schwierige finanzielle Lage,
         der Alken‑Maes ausgesetzt gewesen sei, unmittelbar auf der Rezession des Biermarktes beruht habe, auf dem der Rückgang des
         Konsums keineswegs, wie die Kommission behauptet habe, nur „leicht“ rückläufig gewesen sei, sondern für den Zeitraum 1993
         bis 1998 15 % betragen habe, so dass eine Überkapazität entstanden sei, die die Kommission wie in den Entscheidungen „PVC II“
         und „Zement“ ebenfalls hätte berücksichtigen müssen.
      
      412   Die Kommission führt aus, dass die Finanzlage eines Unternehmens kein Beweis für eine Krise des betreffenden Wirtschaftszweiges
         sei, die als mildernder Umstand berücksichtigt werden könnte, und dass es der Gerichtshof stets abgelehnt habe, in dieser
         Hinsicht der defizitären Lage eines Unternehmens Rechnung zu tragen. Zudem seien die von der Klägerin herangezogenen Entscheidungen
         zumeist vor der Veröffentlichung der Leitlinien ergangen und somit ohne Belang. Jedenfalls sei die geltend gemachte Krisensituation
         keineswegs mit den Situationen vergleichbar, denen sie bisher Rechnung getragen habe.
      
       Würdigung durch das Gericht
      413   Zunächst ist festzustellen, dass die Kommission nach ständiger Rechtsprechung nicht verpflichtet ist, für die Bemessung der
         Geldbuße die finanziellen Schwierigkeiten eines Unternehmens zu berücksichtigen, denn dies würde darauf hinauslaufen, den
         am wenigsten den Marktbedingungen angepassten Unternehmen einen ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteil zu verschaffen (vgl.
         in diesem Sinne Urteil IAZ u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 281, Randnrn. 54 und 55, sowie Urteile des Gerichts vom
         14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑319/94, Fiskeby Board/Kommission, Slg. 1998, II‑1331, Randnrn. 75 und 76, und Enso Española/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 393, Randnr. 316). Die auf der heiklen Finanzlage von Alken‑Maes im Jahr 1993 beruhenden Argumente
         können daher bei der Prüfung des Vorliegens eines mildernden Umstands nicht berücksichtigt werden.
      
      414   Zudem gehören Umstände wie ein ständiger Rückgang der Nachfrage – der ohnehin, wie die Kommission bemerkt hat, von der Klägerin
         in ihrer Erwiderung auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ursprünglich auf 15 % für zehn und nicht für fünf Jahre geschätzt
         worden war –, eine dadurch hervorgerufene überschüssige Produktionskapazität oder ein Preisdruck von Seiten des Großhandels,
         falls sie denn eingetreten sind, zu den Risiken jeder Wirtschaftstätigkeit, die als solche keine außergewöhnliche strukturelle
         oder konjunkturelle Lage kennzeichnen, der bei der Bemessung der Geldbuße Rechnung zu tragen wäre.
      
      415   Hinsichtlich des Arguments schließlich, dass die Kommission durch ihre frühere Praxis gebunden sei, ist darauf hinzuweisen,
         dass nach der oben in Randnummer 395 angeführten Rechtsprechung allein aus dem Umstand, dass die Kommission in ihrer früheren
         Entscheidungspraxis bestimmte Gesichtspunkte bei der Bemessung der Geldbuße als mildernde Umstände angesehen hat, nicht abgeleitet
         werden kann, dass sie verpflichtet wäre, in einer späteren Entscheidung ebenso zu verfahren. Die frühere Entscheidungspraxis
         der Kommission ist nämlich als solche nicht als rechtlicher Rahmen für die Geldbußen bei Wettbewerbsverstößen anzusehen. Die
         Kommission verfügt indessen im Rahmen der Verordnung Nr. 17 bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße über einen Ermessensspielraum,
         um das Verhalten der Unternehmen auf die Einhaltung der Wettbewerbsregeln ausrichten zu können, so dass sie dadurch, dass
         sie in der Vergangenheit für bestimmte Arten von Zuwiderhandlungen die Geldbußen in einer bestimmten Höhe verhängt hat, nicht
         daran gehindert wird, dieses Niveau innerhalb der in der Verordnung Nr. 17 gezogenen Grenzen anzuheben, wenn dies erforderlich
         ist, um die Durchführung der gemeinschaftlichen Wettbewerbspolitik sicherzustellen. Die wirksame Anwendung der Wettbewerbsregeln
         der Gemeinschaft verlangt vielmehr, dass die Kommission das Niveau der Geldbußen jederzeit den Erfordernissen dieser Politik
         anpassen kann. 
      
      416   Somit ist der dritte Teil des Klagegrundes zurückzuweisen.
      d)     Zum vierten Teil: Bedrohung durch Interbrew
       Vorbringen der Parteien
      417   Nach Ansicht der Klägerin hätte die Kommission entsprechend ihrer Entscheidungspraxis und nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes
         die schwache und abhängige Stellung von Alken‑Maes gegenüber Interbrew zur Zeit des Kartells als mildernden Umstand berücksichtigen
         müssen, da Interbrew seit 1987 eine beherrschende Stellung auf dem Markt innegehabt habe.
      
      418   Die Bedrohung durch Interbrew gehe klar aus den Akten hervor. So habe der damalige CEO von Interbrew, Herr M., in einer Aufzeichnung
         vom 19. August 1993 an Herrn C. erklärt, er sei bereit dafür, Alken‑Maes zu „überzeugen“, Interbrew zu folgen, nachdem Letztere
         einseitig eine Preiserhöhung beschlossen habe. Zudem zeuge der Schriftwechsel zwischen Interbrew und Alken‑Maes nach dem Protest
         der Letzteren gegen die Kundenabwerbung durch Interbrew bei den vertraglich an Alken‑Maes gebundenen Schankbetrieben, bei
         der Interbrew die Übernahme der Entschädigung für Vertragsbruch als Gegenleistung für einen neuen Vertragsabschluss mit ihr
         angeboten habe, von der Verdrängungsstrategie von Interbrew, die durch die zunehmende vertikale Konzentration dieses Unternehmens
         noch verstärkt worden sei. Außerdem habe die Überreaktion von Interbrew auf die neue Politik von Alken‑Maes im Jahr 1994 auf
         ein so großes Schädigungspotenzial schließen lassen, dass Alken‑Maes um ihr Überleben habe fürchten müssen.
      
      419   Nach Ansicht der Klägerin vertritt die Kommission zu Unrecht die Auffassung, dass eine Bedrohungshaltung von Interbrew gegenüber
         Alken‑Maes nicht einleuchtend sei und der Art der Zuwiderhandlung widerspreche. Die Kommission verkenne das Interesse, das
         Interbrew am Zustandekommen und an der Fortsetzung des Kartells gehabt habe. Zudem sehe die Kommission erstaunlicherweise
         keinen Widerspruch darin, dass sie einerseits behaupte, die Klägerin habe Interbrew gedroht, und andererseits erkläre, die
         Klägerin habe sich gleichzeitig mit Interbrew verständigt.
      
      420   Indem die Kommission schließlich die Klägerin beschuldige, mit der behaupteten Bedrohung durch Interbrew ihr eigene Beteiligung
         am Kartell herunterzuspielen, überschätze sie den Einfluss der Klägerin auf Alken‑Maes, während die Klägerin, weit entfernt
         von einer aktiven Rolle bei Alken‑Maes, ganz im Gegenteil versucht habe, sich von ihrem Geschäftsbereich „Bier“ unter möglichst
         am wenigsten schlechten Bedingungen zu trennen.
      
      421   Die Kommission führt aus, mit der Geltendmachung einer Bedrohung durch Interbrew verkenne die Klägerin nicht nur ihre eigene
         Größe und ihr Gewicht auf dem französischen Biermarkt, sondern auch die Tatsache, dass eine Absprache im Fall einer völligen
         Abhängigkeit der Klägerin oder ihrer Tochtergesellschaft von Interbrew zwecklos gewesen wäre. Zudem bestehe ein wesentlicher
         Unterschied zwischen der von der Klägerin ausgeübten Drohung, die auf die Ausweitung des Kartells auf dem belgischen Markt
         abgezielt habe, und der vermeintlichen Bedrohung durch Interbrew, die angeblich denselben Markt wie das Kartell betroffen
         habe. Während es einleuchtend sei, dass eine Drohung in Frankreich Interbrew veranlasse, eine Ausweitung des Kartells in Belgien
         zu akzeptieren, sei es hingegen nicht sehr plausibel, dass Interbrew sich mit einem von ihr beherrschten Unternehmen verständigt
         haben solle.
      
       Würdigung durch das Gericht
      422   Zunächst ist festzustellen, dass die Klägerin nicht bestreitet, an einer Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 EG teilgenommen
         zu haben, die insbesondere aus einer Reihe wettbewerbswidriger Vereinbarungen bestanden hat. Nach ständiger Rechtsprechung
         liegt eine Vereinbarung im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG vor, wenn die betreffenden Unternehmen ihren gemeinsamen Willen
         zum Ausdruck gebracht haben, sich auf dem Markt in einer bestimmten Weise zu verhalten (vgl. in diesem Sinne Urteile des Gerichtshofes
         ACF Chemiefarma/Kommission, oben zitiert in Randnr. 352, Randnr. 112, und vom 29. Oktober 1980 in den verbundenen Rechtssachen
         209/78 bis 215/78 und 218/78, Van Landewyck u. a./Kommission, Slg. 1980, 3125, Randnr. 86, sowie Urteile des Gerichts Hercules
         Chemicals/Kommission vom 17. Dezember 1991, oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 256, vom 26. Oktober 2000 in der Rechtssache
         T‑41/96, Bayer/Kommission, Slg. 2000, II‑3383, Randnr. 67, und vom 14. Oktober 2004 in der Rechtssache T‑56/02, Bayerische
         Hypo‑ und Vereinsbank/Kommission, Slg. 2004, II‑0000, Randnr. 59). Folglich ist der Begriff der Vereinbarung im Sinne von
         Artikel 81 Absatz 1 EG, wie er in der Rechtsprechung ausgelegt worden ist, durch das Vorliegen einer Willensübereinstimmung
         zwischen mindestens zwei Parteien gekennzeichnet (vorgenannte Urteile Bayerische Hypo‑ und Vereinsbank/Kommission, Randnr.
         61, und Bayer/Kommission, Randnr. 69, und die dort zitierte Rechtsprechung). Die Klägerin kann daher nicht behaupten, ausschließlich
         unter dem Zwang von Interbrew gehandelt zu haben.
      
      423   Nach gefestigter Rechtsprechung hat zudem ein Unternehmen, das an Treffen mit wettbewerbswidrigem Gegenstand teilnimmt, auch
         wenn es dies unter dem Zwang anderer Teilnehmer mit größerer Wirtschaftsmacht tut, stets die Möglichkeit, bei der Kommission
         Beschwerde einzulegen, um die fraglichen wettbewerbswidrigen Handlungen zur Anzeige zu bringen, statt weiter an den Treffen
         teilzunehmen (Urteil HFB u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 245, Randnr. 226).
      
      424   Somit kann weder die vorgebliche Abhängigkeit der Klägerin von Interbrew noch die vermeintliche Bedrohungshaltung von Interbrew
         gegenüber der Klägerin kennzeichnend für eine Situation sein, die von der Kommission als mildernder Umstand zu berücksichtigen
         wäre.
      
      425   Demnach ist auch der vierte Teil des Klagegrundes und damit der Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
      6.     Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung des Umfangs der Mitarbeit der Klägerin unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
            und der Mitteilung der Zusammenarbeit
      426   Die Klägerin erklärt, die gegen sie verhängte Geldbuße hätte nach Abschnitt D der Mitteilung über Zusammenarbeit um 50 % herabgesetzt
         werden müssen. Dieser Klagegrund umfasst zwei Teile. Mit dem ersten macht die Klägerin geltend, dass die Kommission die Mitarbeit
         der Klägerin nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit falsch beurteilt habe, indem
         sie den Umfang der Mitarbeit der Klägerin gemessen an ihrer Entscheidungspraxis und unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
         unterbewertet habe. Mit dem zweiten Teil erklärt die Klägerin, sie habe nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte den
         Sachverhalt, auf den die Kommission ihre Einwände gestützt habe, nicht bestritten, und beruft sich auf einen Verstoß gegen
         die Mitteilung über Zusammenarbeit, da die Kommission angenommen habe, dass der Klägerin keine Herabsetzung der Geldbuße nach
         Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich dieser Mitteilung zugute kommen könne.
      
      a)     Zum ersten Teil: falsche Beurteilung des Ausmaßes der Mitarbeit der Klägerin gemessen an der Entscheidungspraxis der Kommission
         und unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
      
       Vorbringen der Parteien
      427   Die Klägerin macht erstens geltend, die Kommission habe den Umfang der Mitarbeit der Klägerin vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         unterbewertet. Die Kommission habe selbst eingeräumt, dass Alken‑Maes ihr Informationen geliefert habe, die über die Beantwortung
         des sie betreffenden Auskunftsverlangens hinausgingen. Ferner habe ihre Tochtergesellschaft zur Aufklärung der Kommission
         über die Abfolge und die Funktionsweise der Zusammenarbeit zwischen Alken‑Maes und Interbrew am 7. März 2000 eine Zusammenfassung
         des betreffenden Sachverhalts anhand der damals im Besitz des Unternehmens befindlichen gesammelten Unterlagen geliefert,
         wozu auch ein chronologischer Überblick über die Zusammenkünfte und Kontakte zwischen ihr und Interbrew seit 1990 mit Verweisen
         auf alle relevanten Unterlagen und von ihr zur Verfügung gestellte Schriftstücke gehört hätten. Zudem seien mit Schreiben
         vom 10. und 27. Dezember 1999 Informationen gegeben worden, die die Kommission gänzlich übergangen habe. 
      
      428   Auf das Argument der Kommission, sie habe die meisten gelieferten Informationen bereits gekannt, erwidert die Klägerin nicht
         nur, dass dies in der angefochtenen Entscheidung nicht zum Ausdruck komme, sondern auch, dass dieser Einwand eine falsche
         Anwendung von Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit erkennen lasse. Durch diese Bestimmung
         solle die mildere Behandlung nicht auf die Unternehmen beschränkt werden, die der Kommission Aufschlüsse über ihr noch nicht
         Bekanntes gegeben hätten, sondern es sollten danach auch diejenigen Unternehmen in den Genuss einer vorteilhafteren Behandlung
         kommen, die es der Kommission durch Erleichterung ihrer Nachforschungen ermöglicht hätten, ihre Mittel besser einzusetzen
         und daher mehr Zuwiderhandlungen zu verfolgen. Nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit
         stehe nämlich eine Herabsetzung der Geldbuße Unternehmen auch dann zu, wenn sie der Kommission nicht nur ihr unbekannte Anhaltspunkte
         zur Verfügung gestellt hätten, sondern auch Dinge, die „zur Feststellung des Vorliegens eines Verstoßes beitragen“. Die von
         Alken‑Maes übermittelten Unterlagen und Informationen hätten die Kommission aber weitgehend bei der Feststellung des Vorliegens
         eines Verstoßes unterstützt.
      
      429   Die Minderung, die der Klägerin gewährt worden sei, sei offensichtlich geringer als die Herabsetzungen, die die Kommission
         üblicherweise einräume, wie eine Untersuchung bestimmter Entscheidungen zeige, die die Kommission seit Januar 1998 erlassen
         habe.
      
      430   So habe die Kommission Geldbußen um 40 % bis 50 % für Unternehmen herabgesetzt, die wie die Klägerin das Vorliegen der Zuwiderhandlung
         anerkannt, Erklärungen ehemaliger Mitarbeiter übermittelt und ihre Akten durchforscht hätten. Die Kommission habe Reduzierungen
         von 20 % bis 50 % für Unternehmen gewährt, die ihr Dinge übermittelt hätten, mit deren Hilfe sie das Vorliegen der Zuwiderhandlung
         habe bestätigen oder ihre Kenntnisse von dieser Zuwiderhandlung habe ergänzen können. In der Entscheidung „Fernwärmetechnik“
         sei eine 20%ige Reduzierung für zwei Unternehmen schon aus dem einfachen Grund eingeräumt worden, dass sie den Sachverhalt
         nicht bestritten hätten. Außerdem habe die Kommission sogar eine 50%ige Herabsetzung für ein Unternehmen gewährt, das ihr
         die bereits in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen erklärt habe, damit sie sich ein genaueres Bild von dem betreffenden Sachverhalt
         habe machen können. 
      
      431   Alken‑Maes habe in ihrer Aufzeichnung vom 27. Dezember 1999 nicht nur als Erste das Vorliegen einer Zuwiderhandlung förmlich
         anerkannt, sondern auch eine sorgfältige Prüfung seines Archivs vorgenommen und dadurch einige neue Unterlagen bereitstellen
         können. Überdies bestreite die Kommission zwar zu Unrecht, dass die Klägerin neue Dinge beigebracht habe, sie habe aber nie
         bestritten, dass die im Schreiben vom 10. Dezember 1999 und insbesondere im Schreiben vom 7. März 2000 enthaltenen neuen Einzelheiten,
         die in einer chronologischen und vollständigen Zusammenfassung des Sachverhalts bestanden hätten, die ihren Niederschlag in
         der angefochtenen Entscheidung gefunden habe, den fraglichen Sachverhalt im Einzelnen bestätigt hätten.
      
      432   Zweitens macht die Klägerin geltend, dass die Kommission den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt habe, indem sie die Geldbuße
         für die Klägerin weniger stark herabgesetzt habe als für Interbrew.
      
      433   Die Tochtergesellschaft der Klägerin, Alken‑Maes, habe unmittelbar nach den Nachprüfungen vom 26. und 27. Oktober 1999 zur
         Unterstützung der Kommission eine interne Ermittlung eingeleitet, alle Mitglieder ihres Vorstands über etwaige Kontakte zu
         Interbrew befragt und eine Prüfung ihres Archivs vorgenommen. Obwohl diese Arbeit dadurch besonders erschwert worden sei,
         dass ihr Führungspersonal kurz vor Beginn der Ermittlungen vollständig ausgetauscht worden sei, sei die Antwort vom 10. Dezember
         1999 innerhalb der von der Kommission festgesetzten Frist erfolgt, und Alken‑Maes habe der Kommission die Erklärungen aller
         verantwortlichen Personen und ehemaligen Mitarbeiter, die vom Auskunftsverlangen betroffen gewesen seien, übermittelt.
      
      434   So habe Alken‑Maes im Begleitschreiben zu ihrer Antwort vom 10. Dezember 1999 auf das Auskunftsverlangen vom 11. November
         1999, worin ausdrücklich auf die Prüfung ihres Archivs Bezug genommen werde, eingehend den Sachverhalt bestätigt, auf den
         sich das Auskunftsverlangen bezogen habe und dabei in der Anlage Aufstellungen und Aufzeichnungen über die dort genannten
         Zusammenkünfte beigefügt. Die Antwort von Interbrew auf dasselbe Auskunftsverlangen, die dreizehn Tage später, nämlich am
         23. Dezember 1999, erfolgt sei, habe ebenfalls Umstände bestätigt, die der Kommission bereits bekannt gewesen seien.
      
      435   Interbrew hingegen habe, obwohl ihre Führungsriege zur Zeit des beanstandeten Sachverhalts noch an Ort und Stelle gewesen
         sei, der Kommission erst am 23. Dezember 1999 geantwortet, nachdem sich die Kommission geweigert habe, Interbrew eine Fristverlängerung
         bis zum 10. Januar 2000 einzuräumen. Die Antwort von Interbrew habe zu diesem Zeitpunkt keine Erklärung der verantwortlichen
         Personen enthalten, die von dem Auskunftsverlangen der Kommission betroffen gewesen seien. Interbrew habe nämlich die Erklärungen
         von sieben der sechzehn von dem genannten Auskunftsverlangen betroffenen Personen erst mit Schreiben vom 14. Januar 2000 übermittelt.
      
      436   Darüber hinaus habe Alken‑Maes bereits am 27. Dezember 1999 als Erste eine Aufzeichnung mit einer förmlichen Erklärung des
         ehemaligen geschäftsführenden Mitglieds ihres Verwaltungsrats übermittelt, worin das Vorliegen und der Inhalt der von den
         Ermittlungen der Kommission erfassten Zuwiderhandlung und im Besonderen Folgendes förmlich anerkannt worden sei: a) dass das
         Kartell auf den von der CBB eingesetzten Ausschuss „Vision 2000“ zurückzuführen sei, b) dass Ende 1994 zwischen Alken‑Maes
         und Interbrew eine Vereinbarung getroffen worden sei, die sich auf alle Vertriebswege in Belgien bezogen habe, c) dass diese
         Vereinbarung einen Nichtangriffspakt, die Beschränkung der Handelsinvestitionen im Horeca‑Sektor und in der Werbung und eine
         Preisabstimmung umfasst habe und d) dass die ordnungsgemäße Durchführung der Vereinbarung auf einer regelmäßigen Abstimmung
         zwischen den Führungskräften von Alken‑Maes und Interbrew beruht habe. Während die Kommission bereits Kenntnis von Punkt d
         gehabt habe, hätten es ihr die durch die Nachprüfungen und die Auskunftsverlangen erhaltenen Unterlagen hingegen noch nicht
         ermöglicht, die Punkte a bis c rechtlich hinreichend festzustellen.
      
      437   Interbrew habe zwar im Januar und Februar 2000 ebenfalls ergänzende Erklärungen und Unterlagen zur Verfügung gestellt, sei
         jedoch trotz der angeblichen Qualität seiner Mitarbeit nicht in der Lage gewesen, eine Erklärung zur Untermauerung der Behauptung
         einer von der Klägerin ausgesprochenen Drohung beizubringen, obwohl ihr CEO an dem Treffen vom 11. Mai 1994 teilgenommen habe.
      
      438   Zudem habe die Klägerin in Ergänzung dessen, was sie am 10. Dezember 1999 übermittelt habe, am 7. März 2000 eine Erklärung
         beigebracht, die sich gemäß dem Treffen mit der Kommission vom 14. Januar 2000 speziell auf den Kontext, in dem die von Alken‑Maes
         in Beantwortung des Auskunftsverlangens vom 11. November 1999 übermittelten Unterlagen erstellt worden seien, und auf das
         Projekt „Vision 2000“ der CBB beziehe. Überdies seien auch neue Unterlagen bereitgestellt worden, die unterdessen in den Akten
         des ehemaligen Marketing‑Verantwortlichen des Unternehmens gefunden worden seien.
      
      439   All dies zeige zum einen, dass die Mitarbeit der Klägerin und von Alken‑Maes trotz ihrer Schnelligkeit und Vollständigkeit
         bei der Kommission im Vergleich zur Behandlung von Interbrew außerordentlich wenig Früchte getragen habe, und zum anderen,
         dass die Kommission keineswegs beachtet habe, dass die Klägerin und ihre Tochtergesellschaft trotz aller Anstrengungen dadurch
         beeinträchtigt gewesen seien, dass sie zur Zeit der Ermittlungen eine neue Führungsriege gehabt hätten, während Interbrew
         zugute gekommen sei, dass die für die fraglichen wettbewerbswidrigen Praktiken verantwortlichen Personen weiterhin im Amt
         gewesen seien. Dies stelle eine Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung dar.
      
      440   Drittens habe die Kommission in der angefochtenen Entscheidung die unterschiedliche Herabsetzung der Geldbuße wegen Zusammenarbeit
         zwar dadurch gerechtfertigt, dass die Klägerin den Sachverhalt nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte angeblich bestritten
         habe, und nicht dadurch, dass die Mitarbeit der Beteiligten vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte von unterschiedlicher
         Qualität gewesen sei, mache aber nun im Rahmen ihrer Klagebeantwortung einen derartigen Unterschied geltend und versuche dadurch,
         den Begründungsmangel der angefochtenen Entscheidung wettzumachen. Es handele sich hierbei um eine stillschweigende Anerkennung
         der Ungleichbehandlung zulasten der Klägerin.
      
      441   Die Kommission könne in ihrer Klagebeantwortung nicht, ohne sich selbst zu widersprechen, behaupten, dass ihr Interbrew vor
         der Klägerin entscheidende Informationen gegeben habe, und dabei insbesondere die Schreiben von Interbrew vom 14. und 19.
         Januar sowie vom 2., 8. und 28. Februar 2000 nennen, obwohl diese Schreiben jüngeren Datums seien als das Schreiben von Alken‑Maes
         vom 27. Dezember 1999 mit einer Erklärung des ehemaligen geschäftsführenden Mitglieds ihres Verwaltungsrats, mit der die wesentlichen
         Punkte der Zuwiderhandlung förmlich dargetan worden seien.
      
      442   Zudem behaupte die Kommission zu Unrecht, dass sich ein Teil der gegebenen Informationen auf einen nicht unter die Zuwiderhandlung
         fallenden Zeitraum vor dem 28. Januar 1993 beziehe, obgleich die in den Anlagen 3 bis 23 und 26 bis 29 des Schreibens der
         Klägerin vom 10. Dezember 1999 enthaltenen Unterlagen eine Zeit nach dem 28. Januar 1993 betroffen hätten.
      
      443   Die Kommission irre jedenfalls, wenn sie meine, dass die Dinge, die die Zeit vor dem 28. Januar 1993 beträfen, nicht von der
         Mitteilung über Zusammenarbeit erfasst würden, obwohl sich das Auskunftsverlangen vom 11. November 1999 auf die Zeit von September
         1992 bis Dezember 1999 bezogen habe. Dadurch verwechsle die Kommission die Zeit, für die sie eine Zuwiderhandlung festgestellt
         habe, mit der Zeit, auf die sich ihre Ermittlungen erstreckt hätten. Letztere hätte jedoch für die Mitarbeit als relevant
         angesehen werden müssen. Die Klägerin habe hierbei Informationen über die Zeit von September 1992 bis Januar 1993 geliefert,
         die eine Erhellung der führenden Rolle von Interbrew und des Einflusses der Preisregelung ermöglicht hätten. 
      
      444   Die Kommission erklärt, der Umfang der Mitarbeit der Klägerin sei nicht unterbewertet worden, und sie bestreitet, dass die
         der Klägerin gewährte Herabsetzung der Geldbuße offensichtlich geringer sei als die Herabsetzungen, die sie üblicherweise
         einräume. Das Ausmaß der Mitarbeit der Klägerin könne nicht mit demjenigen verglichen werden, um das es bei den Sachen gegangen
         sei, die die Klägerin zur Stützung ihres Vorbringens genannt habe. Zu der angeblichen Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
         bemerkt die Kommission, dass die Mitarbeit von Interbrew quantitativ und qualitativ bedeutender gewesen sei als diejenige
         der Klägerin, wie eine Gegenüberstellung der von beiden Parteien beigebrachten Unterlagen zeige, die zur Stützung der angefochtenen
         Entscheidung herangezogen worden seien. Die unterschiedlichen Prozentsätze für die Herabsetzung aufgrund der Mitarbeit der
         betroffenen Unternehmen seien daher durchaus gerechtfertigt und beruhten keineswegs allein auf dem Schluss der Kommission,
         dass die Klägerin den Sachverhalt bestritten habe.
      
       Würdigung durch das Gericht
      445   Zunächst ist zu bemerken, dass die Kommission in ihrer Mitteilung über Zusammenarbeit die Voraussetzungen festgelegt hat,
         unter denen Unternehmen, die während der Untersuchung eines Kartellfalls mit ihr zusammenarbeiten, von der Geldbuße befreit
         werden können oder in den Genuss einer Herabsetzung des Betrages der Geldbuße kommen können, den sie andernfalls hätten begleichen
         müssen (Abschnitt A Nummer 3 der Mitteilung über Zusammenarbeit).
      
      446   Bezüglich der Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit auf den Fall der Klägerin ist nicht bestritten, dass deren Verhalten
         nach Abschnitt D der genannten Mitteilung mit dem Titel „Spürbar niedrigere Festsetzung der Geldbuße“ zu beurteilen ist.
      
      447   In Abschnitt D Nummer 1 der Mitteilung heißt es: 
      „Arbeitet ein Unternehmen mit der Kommission zusammen, ohne dass es alle Voraussetzungen [der Abschnitte B und C] erfüllt,
         so wird die Höhe der Geldbuße, die ohne seine Mitarbeit festgesetzt worden wäre, um 10 bis 50 % niedriger festgesetzt.“ 
      
      448   Abschnitt D Nummer 2 der Mitteilung über Zusammenarbeit lautet:
      „Dies gilt insbesondere, wenn
      –       ein Unternehmen der Kommission vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte Informationen, Unterlagen oder andere Beweismittel
         liefert, die zur Feststellung des Vorliegens eines Verstoßes beitragen;
      
      –       ein Unternehmen der Kommission nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den
         die Kommission ihre Einwände stützt, nicht bestreitet.“
      
      449   Nach der Rechtsprechung ist eine Herabsetzung der Geldbuße wegen einer Kooperation im Verwaltungsverfahren nur dann gerechtfertigt,
         wenn das Verhalten des Unternehmens der Kommission ermöglicht hat, eine Zuwiderhandlung leichter festzustellen und gegebenenfalls
         zu beenden (Urteile SCA Holding/Kommission, oben zitiert in Randnr. 158, Randnr. 156, und Krupp Thyssen Stainless und Acciai
         speciali Terni/Kommission, oben zitiert in Randnr. 278, Randnr. 270).
      
      450   Nach Artikel 11 Absatz 1 der Verordnung Nr. 17 kann die Kommission zur Erfüllung der ihr in Artikel 85 EG und in Vorschriften
         nach Artikel 83 EG übertragenen Aufgaben alle erforderlichen Auskünfte von den Unternehmen und Unternehmensvereinigungen einholen,
         die nach Absatz 4 dieses Artikels verpflichtet sind, die angeforderten Auskünfte zu erteilen. Wird eine von einem Unternehmen
         oder einer Unternehmensvereinigung verlangte Auskunft innerhalb einer von der Kommission festgesetzten Frist nicht oder nicht
         vollständig erteilt, so kann die Kommission sie nach Artikel 11 Absatz 5 der Verordnung Nr. 17 durch Entscheidung anfordern,
         wobei gegen ein Unternehmen oder eine Unternehmensvereinigung im Fall einer anhaltenden Verweigerung der betreffenden Auskunft
         eine Geldbuße oder ein Zwangsgeld verhängt werden kann.
      
      451   Die Mitwirkung eines Unternehmens an der Untersuchung berechtigt nach der Rechtsprechung zu keiner Herabsetzung der Geldbuße,
         wenn diese Mitarbeit nicht über das hinausgegangen ist, wozu das Unternehmen nach Artikel 11 Absätze 4 und 5 der Verordnung
         Nr. 17 verpflichtet war (Urteil Solvay/Kommission, oben zitiert in Randnr. 135, Randnrn. 341 und 342). Hat ein Unternehmen
         hingegen auf ein Auskunftsverlangen nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hin Informationen gegeben, die über die Auskünfte
         hinausgehen, die die Kommission nach diesem Artikel verlangen kann, so kann dem betreffenden Unternehmen eine Herabsetzung
         der Geldbuße zugute kommen (vgl. in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑308/94, Cascades/Kommission,
         Slg. 1998, II‑925, Randnr. 262).
      
      452   Eine Mitarbeit, die in den Anwendungsbereich der Mitteilung über Zusammenarbeit oder gar unter Abschnitt D dieser Mitteilung
         fällt, ist indessen nicht gegeben, wenn ein Unternehmen der Kommission im Rahmen ihrer Ermittlungen über ein Kartell Informationen
         über Vorgänge zur Verfügung stellt, für die das betreffende Unternehmen nach der Verordnung Nr. 17 keinesfalls eine Geldbuße
         hätte zahlen müssen.
      
      453   Die Kommission darf zudem nach der Rechtsprechung bei der Beurteilung der Kooperation der Unternehmen nicht den Grundsatz
         der Gleichbehandlung außer Acht lassen, der ein allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts ist und der nach ständiger Rechtsprechung
         verletzt ist, wenn gleiche Sachverhalte unterschiedlich oder unterschiedliche Sachverhalte gleichbehandelt werden und eine
         Differenzierung nicht objektiv gerechtfertigt ist (Urteil Krupp Thyssen Stainless und Acciai speciali Terni/Kommission, oben
         zitiert in Randnr. 278, Randnr. 237).
      
      454   Hierbei darf der Umfang der Mitarbeit der Unternehmen nicht nach rein zufälligen Kriterien beurteilt werden. Eine unterschiedliche
         Behandlung der betreffenden Unternehmen muss daher auf einem ungleichen Kooperationsumfang beruhen, der sich insbesondere
         ergibt, wenn unterschiedliche Aufschlüsse gegeben werden oder die Informationen in unterschiedlichen Stadien des Verwaltungsverfahrens
         oder unter einander nicht entsprechenden Umständen erteilt werden (vgl. in diesem Sinne Urteil Krupp Thyssen Stainless und
         Acciai speciali Terni/Kommission, oben zitiert in Randnr. 278, Randnrn. 245 und 246).
      
      455   Bestätigt ein Unternehmen bei der Kooperation nur bestimmte Aufschlüsse, die ein anderes Unternehmen bei der Kooperation bereits
         gegeben hat, und geschieht dies zudem weniger genau und weniger explizit, so kann der Mitwirkungsumfang dieses Unternehmens,
         selbst wenn er nicht eines gewissen Nutzens für die Kommission entbehren mag, nicht als gleich dem Ausmaß der Mitarbeit des
         Unternehmens angesehen werden, das die betreffenden Aufschlüsse als Erstes gegeben hat. Eine Erklärung, die nur in gewissem
         Maße eine Erklärung erhärtet, die der Kommission bereits vorlag, erleichtert nämlich deren Aufgabe nicht erheblich und damit
         in einem Maß, das ausreicht, um eine Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Kooperation zu rechtfertigen.
      
      456   Anhand dieser Grundsätze ist nun zu prüfen, ob die Herabsetzung der Geldbuße, die die Kommission der Klägerin nach Abschnitt D
         Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit gewährt hat, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidungspraxis
         der Kommission auf einer fehlerhaften Beurteilung des Umfangs der Mitarbeit der Klägerin beruht und den Grundsatz der Gleichbehandlung
         verletzt.
      
      457   Erstens hat zum einen die Kommission in der Mitteilung über Zusammenarbeit vorgesehen, dass einem im Sinne von Abschnitt D
         dieser Mitteilung kooperierenden Unternehmen eine 10%ige bis 50%ige Herabsetzung der Geldbuße zugute kommt, die ohne seine
         Mitarbeit festgesetzt worden wäre; zum anderen hat die Klägerin nicht bestritten, dass der Umfang ihrer Mitarbeit im Rahmen
         von Abschnitt D der Mitteilung über Zusammenarbeit zu beurteilen ist. Die Kommission hat in Bezug auf die Klägerin erklärt,
         dass sie eine Verringerung der Geldbuße um 10 % im Sinne von Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über
         Zusammenarbeit für angemessen halte, da die Tochtergesellschaft der Klägerin Informationen zum Vorliegen und zum Inhalt der
         Zuwiderhandlung erteilt habe, die über die bloße Beantwortung eines Auskunftsverlangens nach Artikel 11 der Verordnung Nr.
         17 hinausgingen. Somit ist die Kommission, indem sie der Klägerin eine 10%ige Minderung der Geldbuße nach Abschnitt D Nummer
         2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit eingeräumt hat, nicht von der Spanne abgewichen, die für die Minderung
         von Geldbußen bei der Art der von der Klägerin geleisteten Mitarbeit vorgesehen ist.
      
      458   Zweitens genügt zu dem Einwand der früheren Entscheidungspraxis der Kommission der Hinweis, dass allein aus der Tatsache,
         dass die Kommission in früheren Entscheidungen bei einem bestimmten Verhalten die Geldbuße in bestimmtem Umfang herabgesetzt
         hat, nicht abgeleitet werden kann, dass sie verpflichtet wäre, bei der Beurteilung eines ähnlichen Verhaltens im Rahmen eines
         späteren Verwaltungsverfahrens eine entsprechende Herabsetzung vorzunehmen (Urteile Mayr-Melnhof/Kommission, oben zitiert
         in Randnr. 57, Randnr. 368, und ABB Asea Brown Boveri/Kommission, oben zitiert in Randnr. 50, Randnr. 239). Dieses Argument
         ist daher zurückzuweisen.
      
      459   Drittens ist zu prüfen, ob die der Klägerin von der Kommission nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung
         über Zusammenarbeit gewährte Herabsetzung der Geldbuße den Grundsatz der Gleichbehandlung verletzt.
      
      460   Aus der 324. Begründungserwägung in Verbindung mit der 325. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung geht hervor,
         dass die Kommission die Geldbuße von Interbrew aus zwei kumulativen Gründen um 30 % verringert hat, nämlich aufgrund des Umstands,
         dass zum einen die Mitarbeit dieses Unternehmens bei der Feststellung des Sachverhalts über dessen Verpflichtungen aus Artikel
         11 der Verordnung Nr. 17 hinausgegangen sei (Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit)
         und zum anderen Interbrew den die festgestellte Zuwiderhandlung ausmachenden Sachverhalt nicht bestritten habe (Abschnitt
         D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit).
      
      461   Dagegen lässt eine gleichzeitige Betrachtung der 326. und der 327. Begründungserwägung den Schluss zu, dass die der Klägerin
         von der Kommission eingeräumte 10%ige Herabsetzung der Geldbuße nur darauf beruht, dass die Mitarbeit der Klägerin bei der
         Feststellung des Sachverhalts über ihre Verpflichtungen aus Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hinausgegangen ist (Abschnitt
         D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit). Nach Ansicht der Kommission hat die Klägerin nämlich
         den Sachverhalt bestritten, auf den die Kommission ihre Einwände stützte, so dass eine Herabsetzung der Geldbuße nach Abschnitt
         D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit für sie nicht in Betracht kam.
      
      462   Demnach ist der Unterschied zwischen der Herabsetzung der Geldbuße nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung
         über Zusammenarbeit für Interbrew zum einen und für die Klägerin zum anderen geringer, als die endgültigen Sätze für die Herabsetzung
         der Geldbuße in Höhe von 30 % und 10 % denken lassen, da die 30%ige Minderung für Interbrew die Herabsetzung umfasst, die
         diesem Unternehmen nach Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit gewährt wurde.
      
      463   Was die Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Mitarbeit der Klägerin und von Interbrew nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich
         der Mitteilung über Zusammenarbeit anbelangt, so ist festzustellen, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         implizit einen Qualitätsunterschied zwischen der Mitwirkung von Interbrew und derjenigen der Klägerin aufzeigt. So hat sie
         zwar anerkannt, dass beide Unternehmen in Beantwortung des Auskunftsverlangens vom 11. November 1999 Informationen geliefert
         haben, die über eine bloße Beantwortung des Auskunftsverlangens hinausgingen, sie hat jedoch ausgeführt, dass Interbrew „wesentlich
         zur Feststellung des relevanten Sachverhalts beigetragen“ habe, während sie in Bezug auf die Klägerin nur erwähnt, Alken‑Maes
         habe „Informationen zum Vorliegen und zum Inhalt der Zuwiderhandlung erteilt, die über die Beantwortung des Auskunftsverlangens
         nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hinausgingen“.
      
      464   Um festzustellen, ob ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Grad der Mitarbeit von Interbrew und der Klägerin besteht,
         ist der Umfang der Mitwirkung der beiden Unternehmen sowohl in chronologischer als auch in qualitativer Hinsicht zu vergleichen.
      
      465   Erstens ist beim chronologischen Vergleich der Mitarbeit der betreffenden Unternehmen in Bezug auf die Klägerin und deren
         Tochtergesellschaft Alken‑Maes zunächst festzustellen, dass Letztere auf das Auskunftsverlangen vom 11. November 1999 mit
         Schreiben vom 10. Dezember 1999 geantwortet hat. Sodann hat Alken‑Maes der Kommission am 27. Dezember 1999 eine Erklärung
         übermittelt, in der sich das Unternehmen auf die Mitteilung über Zusammenarbeit beruft und die Alken‑Maes am 7. März 2000
         ergänzt und näher erläutert hat. Alken‑Maes hat zudem am 5. April 2000 ein weiteres Auskunftsverlangen der Kommission nach
         Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 vom 22. März 2000 beantwortet. Schließlich hat die Klägerin am 10. Mai 2000 ein weiteres
         Auskunftsverlangen beantwortet, das am 14. April 2000 an sie gerichtet worden war.
      
      466   Zum anderen ist hinsichtlich der Mitarbeit von Interbrew zunächst festzustellen, dass dieses Unternehmen das Auskunftsverlangen
         vom 11. November 1999 am 23. Dezember 1999 beantwortet hat. Sodann hat Interbrew mit Schreiben vom 14. und 19. Januar 2000
         Informationen geliefert, um die Aufschlüsse zu ergänzen, die in ihrem Schreiben vom 23. Dezember 1999 enthalten waren. Infolge
         dieser Informationen hat die Kommission am 21. Januar 2000 per Fax ein informelles weiteres Auskunftsverlangen an Interbrew
         gesandt. Interbrew hat dazu mit Schreiben vom 2. Februar 2000 Stellung genommen und hat am 8. und 28. Februar 2000 abermals
         Zusatzinformationen übermittelt. Am 29. Februar 2000 hat Interbrew zudem eine den belgischen Markt betreffende Erklärung abgegeben
         und sich dabei auf die Mitteilung über Zusammenarbeit berufen. Schließlich hat Interbrew der Kommission am 21. Dezember 2000,
         also nach Einleitung des Verfahrens und Übersendung der Mitteilung der Beschwerdepunkte vom 20. September 2000, zwei Unterlagen
         übermittelt, die zwei Zusammenkünfte mit Alken‑Maes im Rahmen der bilateralen Vereinbarungen zwischen diesen Unternehmen betreffen.
      
      467   Daraus ergibt sich, dass das Argument der Kommission, die Informationen der Klägerin seien weniger wertvoll gewesen als diejenigen
         von Interbrew, da sie später übermittelt worden seien, fehlgeht. Alle Informationen der Beteiligten erfolgten nämlich zügig
         in einem mehr oder weniger gleichen Stadium des Verwaltungsverfahrens. Somit kann bei der vergleichenden Beurteilung des Wertes
         der Kooperation der Klägerin und Interbrews die zeitliche Reihenfolge nicht als entscheidender Gesichtspunkt herangezogen
         werden.
      
      468   Zweitens ist beim qualitativen Vergleich der Mitarbeit der Parteien in Bezug auf die Klägerin und ihre Tochtergesellschaft
         Alken‑Maes festzustellen, dass sich Letztere in ihrer Antwort vom 10. Dezember 1999 auf das Auskunftsverlangen vom 11. November
         1999 nicht ausdrücklich auf die Mitteilung über Zusammenarbeit berufen hat. Alken‑Maes hat dort jedoch erklärt, dass „die
         Antwort auf dem Bemühen des Unternehmens beruht, anhand der noch verfügbaren Unterlagen und der Informationen, die von dem
         betroffenen noch im Unternehmen verbliebenen Personal erhältlich sind, in vollem Maß mit der Kommission zusammenzuarbeiten“.
         Das Unternehmen hat ferner erklärt, dass es „zudem versucht hat, mit den ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens in Verbindung
         zu treten, deren eingegangene Antworten beiliegen“, und dass „trotz dieser großen Bemühungen Alken‑Maes nicht für die Vollständigkeit
         ihrer Antwort garantieren kann und sich vorbehält, diese zu ergänzen oder zu berichtigen“. Der Hinweis auf die Bemühungen
         um Informationen bei ehemaligen Mitarbeitern des Unternehmens deutet darauf hin, dass die Kooperation von Alken‑Maes über
         deren Verpflichtungen aus Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 hinausgegangen ist. Es kann jedoch nicht festgestellt werden, dass
         die von Alken‑Maes bereitgestellten Informationen und Unterlagen über den Bereich der genannten Verpflichtungen hinausgingen.
         Die gegebenen Informationen sind nämlich, vielleicht abgesehen von denen über den Informationsaustausch zwischen Alken‑Maes
         und Interbrew, keineswegs als Darlegung offensichtlich wettbewerbswidriger Vorgänge anzusehen, deren Bekanntgabe an die Kommission
         einen inkriminierenden Charakter aufweist, der ausschließt, dass diese Bekanntgabe in den Rahmen der Verpflichtungen aus Artikel
         11 der Verordnung Nr. 17 fällt.
      
      469   Mit ihrem Schreiben vom 27. Dezember 1999 bringt Alken‑Maes zum ersten Mal ausdrücklich ihre Mitarbeit in den Rahmen der Mitteilung
         über Zusammenarbeit ein. Darin räumt sie zudem das Vorliegen wettbewerbswidriger Praktiken ein, da das geschäftsführende Mitglied
         ihres Verwaltungsrats schreibt, dass Alken‑Maes den von der Kommission in ihrem Auskunftsverlangen vom 11. November 1999 dargelegten
         Sachverhalt nicht bestreite und insbesondere dass es eine aufeinander abgestimmte Verhaltensweise von Interbrew und Alken‑Maes
         gegeben habe, aufgrund deren zum einen monatlich Informationen über den jeweiligen Bierabsatz dieser Unternehmen in Belgien
         ausgetauscht worden seien und zum anderen eine Reihe von Zusammenkünften zwischen Mitarbeitern von Alken‑Maes und Interbrew
         stattgefunden hätten, bei denen der Biervertrieb und der Bierabsatz in Belgien abgestimmt worden seien. Die Anlage zu diesem
         Schreiben enthält überdies eine Aufzeichnung, in der Alken‑Maes erklärt, es habe den Anschein, dass Ende 1994 „zwischen den
         beiden Gesellschaften eine Vereinbarung getroffen wurde, die die gesamten Vertriebswege in Belgien, jedoch besonders genau
         die im Horeca‑Sektor, erfasste“. Diese Vereinbarung „soll insbesondere … einen Nichtangriffspakt, eine Absprache über die
         Beschränkung der Handelsinvestitionen im Horeca‑Sektor und der Außenwerbung sowie eine Preisabstimmung umfasst haben“, und
         „die ordnungsgemäße Durchführung der Vereinbarung soll Gegenstand eines Verfahrens der regelmäßigen Abstimmung unmittelbar
         zwischen den Führungskräften der beiden Unternehmen gewesen sein“.
      
      470   Alken‑Maes hat in der Erklärung vom 7. März 2000 das Vorliegen eines Sachverhalts eingeräumt, der wettbewerbswidrige Praktiken
         darstellen kann und in diesem Sinne zur Feststellung des Vorliegens der Zuwiderhandlung beigetragen hat, was die Kommission
         selbst eingeräumt hat. Die Erklärung stützt sich jedoch im Wesentlichen auf Unterlagen oder Informationen, über die die Kommission
         bereits verfügte. So war die von Alken‑Maes als Anlage 42 zu der Erklärung vom 7. März 2000 gelieferte Unterlage für die Kommission
         zwar sehr nützlich, da die Kommission insbesondere durch sie feststellen konnte, dass das Kartell entgegen der Behauptung
         der Klägerin über Juli 1996 hinaus fortgedauert hat; doch ist, dass die genannte Unterlage der Kommission bereits als Anlage
         37 zu der Antwort von Alken‑Maes vom 10. Dezember 1999 auf das Auskunftsverlangen vom 11. November 1999 zur Verfügung gestellt
         worden war, was den Kooperationswert dieses Beitrags von Alken‑Maes schmälert, da die Übermittlung dieser Unterlage zu den
         Verpflichtungen des Unternehmens nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 gehörte (vgl. oben, Randnr. 451).
      
      471   Zudem betrifft ein wesentlicher Teil der von Alken‑Maes mit der Erklärung vom 7. März 2000 übermittelten Informationen einen
         Zeitraum, der vor demjenigen liegt, für den die Zuwiderhandlung festgestellt wurde. Daher kann entgegen der Behauptung der
         Klägerin nicht davon ausgegangen werden, dass es diese Informationen der Kommission ermöglicht haben, die von der angefochtenen
         Entscheidung erfasste Zuwiderhandlung leichter festzustellen. Wenn ein Unternehmen der Kommission bei ihren Ermittlungen nämlich
         Informationen über Handlungen zur Verfügung stellt, für die es keine Geldbuße nach der Verordnung Nr. 17 zu gewärtigen hat,
         so kann es sich dabei nicht um eine Mitarbeit handeln, die in den Anwendungsbereich der Mitteilung über Zusammenarbeit fällt
         (vgl. in diesem Sinne die oben in Randnr. 451 angeführte Rechtsprechung).
      
      472   Bei den Antworten vom 5. April und 10. Mai 2000 auf die Auskunftsverlangen vom 22. März und 14. April 2000 ist hinsichtlich
         der erstgenannten Antwort festzustellen, dass sie sich offensichtlich auf das Kartell bezüglich unter der Hausmarke des Verteilers
         abgesetztes Bier (Private‑Label‑Bier) bezogen hat, und hinsichtlich der zweiten Antwort ist zu bemerken, dass sie in der angefochtenen
         Entscheidung zwar sechsmal genannt wird, es jedoch in Ermangelung einer einschlägigen Stellungnahme der Parteien des Rechtsstreits
         hierüber nicht möglich ist, einen Beitrag festzustellen, der über die Verpflichtungen aus Artikel 11 der Verordnung Nr. 17
         hinausgegangen ist.
      
      473   Hingegen ist zu der Mitarbeit von Interbrew festzustellen, dass deren Antwort vom 23. Dezember 1999 auf das Auskunftsverlangen
         vom 11. November 1999 zwar zum Teil in den Rahmen der Verpflichtungen des Unternehmens aus Artikel 11 der Verordnung Nr. 17
         fällt, dass sie jedoch auch erheblich über diesen Rahmen hinausgeht und in klarer Weise zur Feststellung des Sachverhalts
         beiträgt, der eine Zuwiderhandlung nach Artikel 81 EG darstellt. Interbrew hat darin nämlich das Kartell in einem Maß beschrieben
         und erläutert, das weit über die Verpflichtung hinausgeht, die dem Unternehmen nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 obliegt.
      
      474   Zu den Schreiben von Interbrew vom 14. und 19. Januar 2000, den auf das informelle Auskunftsverlangen vom 21. Januar 2000
         hin übersandten Schreiben vom 2., 8. und 28. Februar 2000, der Erklärung vom 29. Februar 2000 und schließlich den beiden letzten
         am 21. Dezember 2000 übermittelten Unterlagen ist festzustellen, dass diese Schreiben und die Anlagen zu ihnen ins Einzelne
         gehende Informationen über die Kontakte zwischen Interbrew, Alken‑Maes und der Klägerin liefern, die eindeutig in den Rahmen
         der Mitteilung über Zusammenarbeit fallen.
      
      475   Demgemäß hat Interbrew qualitativ entscheidender zur Feststellung des Vorliegens der begangenen Zuwiderhandlung beigetragen.
         
      
      476   Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich somit, dass der Unterschied zwischen den Prozentsätzen, die die Kommission für
         die Herabsetzung der Geldbuße nach Abschnitt D Nummer 2 erster Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit gewährt hat,
         keine Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung darstellt.
      
      477   Der erste Teil des Klagegrundes ist daher zurückzuweisen.
      b)     Zum zweiten Teil: irrtümliche Annahme der Kommission, die Klägerin habe den Sachverhalt bestritten, auf den die Kommission
         ihre Einwände gestützt habe
      
       Vorbringen der Parteien
      478   Die Klägerin erklärt, die Kommission habe den Gegenstand und den Inhalt der Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         offensichtlich falsch ausgelegt, indem sie angenommen habe, dass darin das Vorliegen der Zuwiderhandlung, wie diese in der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegt worden sei, in Zweifel gezogen werde. In ihrer Antwort auf die genannte Mitteilung
         habe sie indessen nur Umstände aufgezeigt, die sie für eine korrekte Beurteilung des Sachverhalts durch die Kommission für
         erforderlich gehalten habe, und sie habe hierbei nicht den Sachverhalt bestritten, sondern sich nur gegen die Bedeutung und
         die Qualifizierung gewandt, die die Kommission diesem Sachverhalt zuerkannt habe. Sie habe, ohne den von der Kommission festgestellten
         Sachverhalt zu bestreiten, angegeben, sie wolle bestimmte Punkte klären und die streitigen Umstände wieder in die Perspektive
         rücken, um zu zeigen, dass sie nicht die Bedeutung hätten, die ihnen die Kommission beimesse. Es würde im Widerspruch zu den
         elementarsten Verteidigungsrechten stehen, wenn die Kommission von den Unternehmen, die die Vergünstigung der Mitteilung über
         Zusammenarbeit in Anspruch nehmen wollten, verlangen könnte, dass sie nicht nur darauf verzichten müssten, den Sachverhalt,
         sondern auch dessen Qualifizierung, die Höhe der Geldbuße oder die rechtlichen Überlegungen der Kommission zu bestreiten.
         Die Kommission habe die Berechtigung dieser Unterscheidung ihrerseits in der Entscheidung „Fernwärmetechnik“ anerkannt, worin
         sie ein Unternehmen nicht bestraft habe, das nicht den Sachverhalt, wohl aber die Bedeutung bestritten habe, die ihm die Kommission
         dahin gehend beigemessen habe, dass dieser Sachverhalt eine Zuwiderhandlung begründe. Da die Klägerin den Sachverhalt nur
         anders qualifiziert habe, irre die Kommission in der Annahme, die Mitarbeit der Klägerin sei nicht kontinuierlich und vollständig
         gewesen (Urteil Tate & Lyle u. a./Kommission, oben zitiert in Randnr. 147, Randnr. 162). 
      
      479   Demgemäß unterstreicht die Klägerin zunächst in ihrer Klageschrift die fünf Punkte, die sie in ihrer Antwort auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte aufgezeigt habe, ohne dass dies dahin auszulegen sei, dass sie das Vorliegen der Zuwiderhandlung, wie
         diese von der Kommission in der genannten Mitteilung dargelegt worden sei, in Zweifel gezogen habe.
      
      480   Erstens habe sie darauf hingewiesen, dass die Kommission die Missbräuche der beherrschenden Stellung von Interbrew in Belgien
         nicht berücksichtigt habe, obwohl ein Zusammenhang bestanden habe zwischen diesen Missbräuchen und der Zusammenarbeit, die
         sich zwischen ihr und Interbrew entwickelt habe, und die Berücksichtigung der genannten Missbräuche es ermöglicht hätte, den
         Kontext der Zuwiderhandlung und das Kräfteverhältnis zu klären, das zwischen den beteiligten Unternehmen bestanden habe.
      
      481   Zweitens habe sie auf die Besonderheit der damaligen Regelung in Belgien aufmerksam gemacht, was – ohne die Realität der Zuwiderhandlung
         im Geringsten in Frage zu stellen – eine bessere Beurteilung der Schwere des Sachverhalts und des Vorliegens mildernder Umstände
         zuließe. 
      
      482   Drittens habe sie die Anstifterrolle von Interbrew geltend gemacht, auf deren Initiative verschiedene Gespräche und Vereinbarungen
         mit Alken‑Maes zurückgingen.
      
      483   Viertens habe sie die Bedeutung widerlegt, die ihren Äußerungen gegenüber Interbrew beigemessen worden sei, mit denen sie
         keinerlei Zwang auf dieses Unternehmen ausgeübt habe.
      
      484   Fünftens habe sie die Tragweite und Eigenart verdeutlicht, die dem ihr zur Last gelegten Sachverhalt zukämen, der, obwohl
         er eine Zuwiderhandlung nach Artikel 81 EG begründe, nicht als zweiseitige Vereinbarung über die Preise und die Marktaufteilung,
         sondern nur als Nichtangriffspakt und Abmachung über eine Beschränkung der Investitionen und der Werbung hätte bezeichnet
         werden dürfen.
      
      485   Die Klägerin geht sodann in ihrer Erwiderung auf die einzelnen Punkte der Argumentation ein, die die Kommission in ihrer Klagebeantwortung
         zu den Sachverhaltselementen entwickelt, die die Klägerin nach Ansicht der Kommission im Verwaltungsverfahren bestritten hat.
         Von diesen Einzelheiten würden nach Meinung der Kommission noch zwei vor dem Gericht bestritten, während dies bei fünf weiteren
         nicht mehr der Fall sein dürfte. Im Hinblick auf jeden dieser Punkte bekräftigt die Klägerin, nicht den betreffenden Sachverhalt,
         sondern nur die Bedeutung und die Qualifizierung bestritten zu haben, die ihm die Kommission zuerkenne.
      
      486   Was erstens die beiden vor dem Gericht bestrittenen Sachverhaltselemente anbelangt, nämlich die gegenüber Interbrew ausgesprochene
         Drohung und die Dauer der Zuwiderhandlung, erklärt die Klägerin zu dem erstgenannten Punkt, sie bestreite zwar nicht, bei
         den Gesprächen der Kartellteilnehmer über deren jeweilige Politik in Frankreich angesichts der in Belgien festgestellten Missbräuche
         von Interbrew an dieses Unternehmen eine rechtmäßige und kaufmännisch legitime Warnung gerichtet zu haben, sie bestreite hingegen
         weiterhin, dass diese Äußerungen, obgleich sie sich auf die Zahl von 500 000 Hektoliter bezogen hätten, im von der Kommission
         angenommenen Sinne als Zwang angesehen werden könnten, da die genannte Warnung insbesondere jeden Zwangseffekts entbehrt habe.
      
      487   Hinsichtlich der Dauer der Zuwiderhandlung bestätigt die Klägerin, sie bestreite weiterhin, dass das Kartell über Juli 1996
         hinaus fortbestanden habe. Es handele sich dabei indessen nicht, wie die Kommission behaupte, um einen ausgeprägten Widerspruch
         gegen bestimmte Tatsachenfeststellungen, sondern um ein Bestreiten der Bedeutung, die die Kommission den Kontakten zwischen
         den Beteiligten nach Juli 1996 beimesse und die sich nicht mit dem Kontext und den Wirkungen dieser Kontakte vereinbaren lasse,
         die nach dem genannten Zeitpunkt nicht mehr wettbewerbswidriger Art gewesen seien. Nachdem Interbrew den Abnehmern ihre Preise
         im Laufe des Jahres 1996 mitgeteilt und diese Preise ab 1. Januar 1997 angewandt habe, seien solche Gespräche nicht mehr angezeigt
         gewesen.
      
      488   Was zweitens die fünf weiteren Sachverhaltselemente anbelangt, die nach Ansicht der Kommission in der Antwort auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte bestritten worden waren, jedoch in der Klageschrift nicht mehr bestritten werden, so nimmt die Klägerin
         dazu wie nachstehend dargelegt Stellung.
      
      489   Erstens erklärt die Klägerin zu ihrem angeblichen Bestreiten des Umstands, dass das Kartell sich auch auf die Aufteilung der
         Kundschaft und insbesondere auf das Preisniveau bezogen hat, sie räume das Vorliegen des Sachverhalts ein und bestreite nicht,
         dass er einen Verstoß gegen Artikel 81 EG darstelle, sie betont jedoch, dass dieser Sachverhalt nicht als zweiseitige Vereinbarung
         über die Preise bezeichnet werden könne, was einen Einfluss auf die Schwere der Zuwiderhandlung, nicht jedoch auf deren Vorliegen
         habe. Wenngleich die Klägerin insbesondere Gespräche über die Preise bei dem Treffen vom 9. November 1994 nicht bestreitet,
         ist sie weiterhin der Ansicht, dass die Kommission den Sachverhalt äußerst streng beurteilt habe, indem sie diese Gespräche
         als Grundlage für eine echte Preisabsprache ansehe. Die Klägerin führt aus, sie habe insbesondere die Bedeutung bestreiten
         wollen, die die Kommission der handgeschriebenen Notiz „J=SA=A‑M=275,‑“ beimesse.
      
      490   Zweitens räumt die Klägerin in Bezug auf den Beginn des Kartells ein, sie habe in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         daran festgehalten, dass das Kartell erst im Oktober 1994 begonnen habe. Die Kommission habe jedoch nicht erwähnt, dass diese
         Antwort die Gespräche zwischen den Beteiligten seit Ende 1992 erfasse. Ohne Kontakte und einen Informationsaustausch mit ihren
         Wettbewerbern über die Preisstruktur seit Ende 1992 zu bestreiten, bemerkt die Klägerin indessen, dass diese Vorgänge in ihrem
         Zusammenhang und realistisch, und zwar insbesondere im Rahmen der Rolle der CBB bei der Regelung von Preiserhöhungen, zu betrachten
         seien.
      
      491   Drittens erklärt die Klägerin zu dem Argument, das Treffen am 11. Mai 1994 habe nicht nur die Vorstellung des neuen Direktors
         der Biersparte der Klägerin bezweckt, sie habe zwar angegeben, dass das Treffen vor allem diesem Zweck gedient habe, jedoch
         auch erwähnt, dass der umfassendere Zweck dieser Zusammenkunft im Zusammenhang mit dem Vorschlag von Interbrew, einen Frankreich
         einschließenden Nichtangriffspakt zu schließen, gestanden habe.
      
      492   Viertens trägt die Klägerin zu den Gesprächen vom 6. Juli 1994 vor, sie habe entgegen der Behauptung der Kommission nicht
         bestritten, dass diese Gespräche die Zusammenarbeit zwischen Interbrew und Alken‑Maes betroffen hätten. Sie habe bemerkt,
         dass sich die Gespräche hauptsächlich auf die Geschäftslage von Interbrew in Frankreich bezogen hätten, jedoch sofort auch
         erläutert, dass Interbrew bei diesen Gesprächen einen Nichtangriffspakt für Frankreich und Belgien vorgeschlagen habe.
      
      493   Fünftens habe die Klägerin hinsichtlich des Einflusses von Interbrew in der CBB nicht die Feststellung der Kommission bestritten,
         dass Interbrew nicht die Politik der CBB bestimmt habe. Andernfalls habe es sich höchstens um das Bestreiten einer Auslegung
         des Einflusses von Interbrew durch die Kommission und nicht um das Bestreiten einer Tatsachenfeststellung gehandelt.
      
      494   Zu der Behauptung der Kommission schließlich, die Klägerin habe erklärt, den in der Mitteilung der Beschwerdepunkte enthaltenen
         Sachverhalt nur hinsichtlich der Tatsachen nicht zu bestreiten, die sie selbst anerkannt habe, macht die Klägerin geltend,
         die Kommission habe den Inhalt ihrer Erklärungen falsch ausgelegt und verfälscht. 
      
      495   So habe die Kommission die Worte der Klägerin dadurch verfälscht, dass sie deren Erklärung das Wort „nur“ hinzugefügt habe,
         wobei sie ausführe, dass die Klägerin erklärt habe, „den Sachverhalt … [in der Mitteilung der Beschwerdepunkte] nur insoweit
         nicht zu bestreiten, als er sich auf Informationen stütze, welche Alken‑Maes der Kommission erteilt habe“. Die Klägerin habe
         nämlich geschrieben, sie bestreite nicht „das Vorliegen des Sachverhalts in der betreffenden Zeit, soweit er sich zum Teil
         auf Informationen stützt, welche die Vertreter von Alken‑Maes der Kommission erteilt haben“.
      
      496   Zudem verkenne die Kommission die Bedeutung des Wortes „soweit“. Der Gebrauch dieses Wortes habe sich nicht daraus ergeben,
         dass die Anerkennung des Sachverhalts in ihrer Reichweite – sei es auch nur teilweise – habe begrenzen wollen, sondern im
         Gegenteil aus der Betonung, dass es für sie äußerst unangemessen gewesen wäre, die Realität des von der Kommission festgestellten
         Sachverhalts zu leugnen, wenn dieser zum Teil auf Anhaltspunkten feststehe, die sie selbst zur Verfügung gestellt habe. Diese
         Sinnverkennung habe die Kommission zu dem falschen Schluss geführt, dass sie das Vorliegen der Zuwiderhandlung in Zweifel
         ziehe. 
      
      497   Die Klägerin erklärt in ihrer Erwiderung, die Kommission beharre in ihrer Klagebeantwortung auf einer falschen und sogar tendenziösen
         Auslegung der in der Antwort der Klägerin auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte enthaltenen Worte, indem sie ausführe, die
         Klägerin habe „sich darauf beschränkt, den Sachverhalt anzuerkennen, ‚soweit er sich auf Informationen stützt, welche die
         Vertreter von Alken‑Maes selbst der Kommission erteilt haben‘“. Mit den Worten „sich darauf beschränkt“ habe die Kommission
         dort eine Begrenzung eingefügt, wo der Originaltext keine Begrenzung enthalten habe. Der Begriff „soweit“ könne nämlich zwar
         eine restriktive Bedeutung haben, wenn er mit einer Verneinung oder einem einschränkenden Tätigkeitswort verbunden sei, er
         müsse hingegen in einem erklärenden Sinne verstanden werden, wenn er ohne Verneinung oder einschränkendes Tätigkeitswort gebraucht
         werde.
      
      498   Ein der Klägerin zur Last gelegtes angebliches Bestreiten des Sachverhalts sei umso nachteiliger, als die Entscheidungspraxis
         der Kommission erkennen lasse, dass ein bloßes Nichtbestreiten des Sachverhalts ohne Beitrag neuer Anhaltspunkte zu einer
         fast 20%igen Herabsetzung der Geldbuße führen könne, wie die Entscheidungen „Griechische Fährschiffe“ und „Fernwärmetechnik“
         zeigten. Die Kommission habe sogar einem Unternehmen, das nicht mitgearbeitet habe, die gleiche Minderung der Geldbuße eingeräumt
         wie der Klägerin im vorliegenden Fall (98. Begründungserwägung der Entscheidung 98/247/EGKS der Kommission vom 21. Januar
         1998 in einem Verfahren nach Artikel 65 EGKS‑Vertrag [Sache IV/35.814 – Legierungszuschlag], ABl. L 100, S. 55).
      
      499   Die Kommission führt aus, dass eine Herabsetzung der Geldbuße wegen Nichtbestreitens des Sachverhalts nach der Rechtsprechung
         voraussetze, dass der in der Mitteilung der Beschwerdepunkte festgestellte Sachverhalt ausdrücklich anerkannt werde. Es gehe
         jedoch sowohl aus der Antwort der Klägerin auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte als auch aus der Klageschrift hervor, dass
         die Klägerin entschieden versucht habe – und immer noch versuche –, zu leugnen, dass eine Drohung gegenüber Interbrew ausgesprochen
         worden sei und dass das Kartell über Juli 1996 hinaus fortbestanden habe. Zudem habe die Klägerin in ihrer Antwort auf die
         Mitteilung der Beschwerdepunkte ursprünglich bestimmte wichtige Umstände bestritten, die sie in ihrer Klageschrift nicht mehr
         bestreite. 
      
      500   Zu dem Argument, die Kommission betrachte als Bestreiten des Sachverhalts, was in Wahrheit ein Bestreiten der diesem Sachverhalt
         von der Kommission zuerkannten Bedeutung oder rechtlichen Qualifizierung darstelle, erklärt die Kommission, dass sich das
         Bestreiten im Gegenteil auf das Vorliegen mehrerer Umstände beziehe.
      
      501   Jedenfalls könne nicht davon ausgegangen werden, dass das Nichtbestreiten des Sachverhalts allgemein eine 20%ige Herabsetzung
         der Geldbuße rechtfertige, da die entsprechende Reduzierung üblicherweise etwa 10 % betrage. Überdies sei es falsch, zu behaupten,
         Unternehmen, die nicht mit der Kommission zusammengearbeitet hätten, seien in den Genuss einer gleich hohen Minderung gekommen
         wie die Klägerin.
      
      502   Zudem sei die angebliche Anerkennung des Sachverhalts durch die Klägerin – es sei denn, man würde die Grammatik verkennen
         – nur bedingt gewesen. In ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte habe sich die Klägerin nämlich darauf beschränkt,
         den Sachverhalt „insoweit“ anzuerkennen, „als er sich auf Informationen stützt, welche die Vertreter von Alken‑Maes selbst
         den Bediensteten der Kommission erteilt haben“.
      
       Würdigung durch das Gericht
      503   Nach Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit (vgl. oben, Randnr. 448) wird die Geldbuße
         für ein Unternehmen, das nach Abschnitt D mit der Kommission zusammenarbeitet, um 10 % bis 50 % niedriger festgesetzt, als
         dies ohne seine Mitarbeit der Fall gewesen wäre, wenn das Unternehmen der Kommission nach Erhalt der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         mitteilt, dass es den Sachverhalt, auf den die Kommission ihre Einwände stützt, nicht bestreitet. 
      
      504   Um nach Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit eine Herabsetzung des Betrages der
         Geldbuße wegen Nichtbestreitens des Sachverhalts zu erlangen, muss ein Unternehmen nach Kenntnisnahme von der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte der Kommission ausdrücklich mitteilen, dass es den Sachverhalt nicht bestreite (Urteil Mayr‑Melnhof/Kommission,
         oben zitiert in Randnr. 57, Randnr. 309).
      
      505   Es genügt jedoch nicht, dass ein Unternehmen allgemein erklärt, den festgestellten Sachverhalt nach Maßgabe der Mitteilung
         über Zusammenarbeit nicht zu bestreiten, wenn diese Erklärung nach Lage des Einzelfalls für die Kommission von keinerlei Nutzen
         ist (Urteil des Gerichts vom 8. Juli 2004 in der Rechtssache T‑48/00, Corus UK/Kommission, Slg. 2004, II‑0000, Randnr. 193).
         Um in den Genuss einer Herabsetzung der Geldbuße aufgrund der Mitarbeit im Verwaltungsverfahren zu kommen, muss nämlich das
         Verhalten des Unternehmens die Aufgabe der Kommission erleichtern, die in der Feststellung und Ahndung von Zuwiderhandlungen
         gegen die Wettbewerbsregeln der Gemeinschaft besteht (vgl. in diesem Sinne Urteil Mayr‑Melnhof/Kommission, oben zitiert in
         Randnr. 57, Randnr. 309).
      
      506   Anhand dieser Grundsätze ist festzustellen, ob die Kommission, wie die Klägerin behauptet, in der 326. Begründungserwägung
         der angefochtenen Entscheidung zu Unrecht zu dem Schluss gelangt, dass die Worte der Erklärung der Klägerin über das Nichtbestreiten
         des Sachverhalts und die von der Klägerin zum Ausdruck gebrachte Bezweiflung des Vorliegens der Zuwiderhandlung, wie sie in
         der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegt ist, keine Verringerung der Geldbuße nach Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich
         der Mitteilung über Zusammenarbeit rechtfertigen.
      
      507   Hierbei ist erstens zu den allgemeinen Erklärungen der Klägerin bezüglich des Nichtbestreitens des Sachverhalts festzustellen,
         dass Alken‑Maes vor der Mitteilung der Beschwerdepunkte in ihrem Schreiben an die Kommission vom 27. Dezember 1999 mitgeteilt
         hat, dass sie „den von der Kommission in ihrem Auskunftsverlangen vom 11. November 1999 dargelegten Sachverhalt nicht bestreitet
         und dass es insbesondere … eine aufeinander abgestimmte Verhaltensweise von Interbrew und Alken‑Maes gegeben hat, aufgrund
         deren monatlich Informationen über den jeweiligen Bierabsatz dieser Unternehmen in Belgien ausgetauscht wurden; … es hat von
         1992 bis 1998 zahlreiche Zusammenkünfte zwischen Mitarbeitern von Alken‑Maes, hauptsächlich Herrn [Vaxelaire], damals geschäftsführendes
         Mitglied des Verwaltungsrats, und Mitarbeitern von Interbrew, hauptsächlich den Herren T. und J. D., gegeben, bei denen der
         Vertrieb und der Absatz von Bier in Belgien abgestimmt wurden“. Das Unternehmen hat hinzugefügt, dass „Alken‑Maes vorbehaltlich
         der mildernden Umstände, die [den] Dienststellen [der Kommission] erläutert wurden, anerkennt und nicht bestreitet, dass diese
         Umstände eine Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 … EG begründen“.
      
      508   Ferner hat die Klägerin in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte erklärt, sie wolle, „[o]hne das Vorliegen
         der Kontakte und abgestimmten Verhaltensweisen zwischen Interbrew und Alken‑Maes insoweit, als diese sich zum Teil auf Informationen
         stützen, welche die Vertreter von Alken‑Maes selbst den Bediensteten der Kommission erteilt haben, zu bestreiten, … bestimmte
         Punkte klären und die streitigen Umstände wieder in die Perspektive rücken, um zu zeigen, dass sie nicht die Bedeutung haben,
         die ihnen die Kommission beimisst“. Die Klägerin hat auf Seite 1 ihrer Erwiderung auf die genannte Mitteilung ihre Worte etwas
         anders formuliert, indem sie erklärt hat, sie wolle, „[o]hne das Vorliegen des Sachverhalts in dem betreffenden Zeitraum,
         insoweit als dieser sich auf Informationen stützt, welche die Vertreter von Alken‑Maes den Bediensteten der Kommission auf
         entsprechende Weisung der [Trägerin] erteilt haben, zu bestreiten, in der vorliegenden Erwiderung bestimmte Punkte klären
         und die streitigen Umstände wieder in die Perspektive rücken, um zu zeigen, dass sie nicht die Bedeutung haben, die ihnen
         die Kommission beimisst, oder in bestimmten Fällen sogar, dass rechtlichen Schlussfolgerungen der Kommission auf einer falschen
         Qualifizierung der streitigen Umstände beruhen“.
      
      509   Anhand der Antwort der Klägerin auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte ist somit festzustellen, dass die Klägerin zwar erklärt
         hat, das Vorliegen von „Kontakten und abgestimmten Verhaltensweisen zwischen Interbrew und Alken‑Maes“ oder des „Sachverhalts
         in dem betreffenden Zeitraum“ nicht zu bestreiten, dass sie jedoch nicht ausdrücklich klar und eindeutig erklärt hat, den
         Sachverhalt, auf den die Kommission ihre Einwände stützt, nicht zu bestreiten. Sie hat hingegen ihre Erklärung mit Vorbehalten
         im Hinblick darauf verbunden, dass sie „bestimmte Punkte klären“ und „die streitigen Umstände wieder in die Perspektive rücken“
         wolle, um zu zeigen, dass sie „nicht die Bedeutung haben, die ihnen die Kommission beimisst“, oder dass die rechtlichen Schlussfolgerungen
         der Kommission „auf einer falschen Qualifizierung der streitigen Umstände beruhen“.
      
      510   Was zweitens die Ausführungen der Klägerin zu spezifischen Vorgängen anbelangt, die die Kommission in ihrer Mitteilung der
         Beschwerdepunkte dargelegt hat (vgl. oben, Randnrn. 486 bis 493), so hat sich die Klägerin nicht auf eine Klärung der Bedeutung
         beschränkt, die ihnen die Kommission beimisst, sondern vielmehr den Inhalt oder das Vorliegen einiger dieser Vorgänge bestritten.
      
      511   So hat die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte in Bezug auf die Dauer der Zuwiderhandlung erklärt, dass sie
         im Besitz von Beweismitteln bezüglich des Kartells zumindest für die Zeit vom 28. Januar 1993 bis 28. Januar 1998 sei und
         dass das Kartell daher bis zum 28. Januar 1998 fortbestanden habe. Für die Zeit nach Juli 1996 stützte sich die Kommission
         hierbei auf drei Sachverhaltselemente, nämlich erstens darauf, dass am 9. Dezember 1996 ein Telefongespräch zwischen Alken‑Maes
         (Herrn L. B.) und Interbrew (Herrn A. B.) stattgefunden habe, zweitens darauf, dass das Treffen von Interbrew, der Klägerin
         und Alken‑Maes vom 17. April 1997 in Paris einen wettbewerbswidrigen Gegenstand gehabt habe, und drittens darauf, dass sich
         das Treffen von Interbrew und Alken‑Maes vom 28. Januar 1998 auf das Kartell bezogen habe.
      
      512   Die Klägerin hat in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte erklärt, es sei „erstaunlich, dass die Kommission
         [den 28. Januar 1998] als Endzeitpunkt für die zur Last gelegten Vorgänge benannt, obwohl alle Teile der Ermittlungsakte zeigen,
         dass seit dem zweiten Halbjahr 1996 keine bilateralen Gespräche mehr stattgefunden haben“. Die Klägerin hat insbesondere behauptet,
         dass „die Gespräche über die Preisstruktur mit der Entscheidung von Interbrew vom Juli 1996, ihre neuen Preise ab 1. Januar
         1997 anzuwenden, beendet waren“, dass „das Fehlen von Gesprächen nach Juli 1996“ z. B. aus einer Aufzeichnung eines Beraters
         von Alken‑Maes hervorgehe, mit der die neuen allgemeinen Bedingungen von Interbrew mit dem Plan von Alken‑Maes verglichen
         würden und die überflüssig gewesen wäre, „wenn es Kontakte zwischen beiden Unternehmen in dieser Angelegenheit gegeben hätte“,
         dass „das Treffen [vom 17. April 1997] nicht im Rahmen der Gespräche stattgefunden hat, die unter die [Mitteilung der Beschwerdepunkte]
         fallen“, und dass das Treffen vom 28. Januar 1998 nicht darauf abgestellt gewesen sei, „die alten Praktiken wieder herzustellen“.
      
      513   In Anbetracht der vorstehenden Darlegung und insbesondere der Ausführungen der Klägerin zur Dauer der Zuwiderhandlung ist
         festzustellen, dass ihre Erklärungen, nach denen sie den Sachverhalt nicht bestreitet, keine Herabsetzung der Geldbuße nach
         Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit rechtfertigen.
      
      514   Da es sich im vorliegenden Fall um ein Kartell handelt, das einem wettbewerbswidrigen Zweck gedient hat, genügt grundsätzlich
         bereits die Feststellung des Sachverhalts, um zwei der wesentlichen Faktoren eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz 1 EG
         festzustellen, nämlich das Vorliegen einer Vereinbarung und des wettbewerbswidrigen Zweckes derselben. Somit konnte die Klägerin
         in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht die Bedeutung des strittigen Sachverhalts im Juli 1996, den
         die Kommission rechtmäßig festgestellt hat und der bereits als solcher die in Rede stehende Zuwiderhandlung begründet, bestreiten,
         ohne den Sachverhalt im Sinne von Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich der Mitteilung über Zusammenarbeit zu bestreiten
         (vgl. entsprechend Urteil Corus UK/Kommission, oben zitiert in Randnr. 505, Randnrn. 195 und 197).
      
      515   Zweitens kann nicht angenommen ausgegangen werden, dass eine Erklärung über das Nichtbestreiten des Sachverhalts, die, wie
         im vorliegenden Fall, mit einer Reihe von Bemerkungen verbunden ist, mit denen die Klägerin angeblich die Bedeutung bestimmter
         Umstände klären will, die jedoch in Wahrheit ein Bestreiten dieser Umstände zum Ausdruck bringen, die Aufgabe der Kommission
         erleichtert, die in der Feststellung und Ahndung des betreffenden Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln besteht.
      
      516   Hierbei ist festzustellen, dass die Klägerin entgegen ihrer Behauptung nicht die falsche Bedeutung bestreitet, die die Kommission
         bestimmten Umständen beimisst, nämlich den Kontakten vom 9. Dezember 1996, vom 17. April 1997 und vom 28. Januar 1998, sondern
         dass sie die Art dieser Umstände bestreitet. So hat sich die Klägerin in ihrer Antwort auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte
         (vgl. oben, Randnr. 512) nicht damit begnügt, die Bedeutung des Kontakts zwischen Alken‑Maes und Interbrew vom 9. Dezember
         1996 in Frage zu stellen, sondern vielmehr bestritten, dass ein Kontakt zwischen den beiden Unternehmen zu diesem Zeitpunkt
         überhaupt stattgefunden hat. Ebenso hat die Klägerin geleugnet, dass das Treffen vom 17. April 1997 einem wettbewerbswidrigen
         Zweck gedient hat und nicht etwa die Bedeutung oder rechtliche Wertung bestritten wurde, die die Kommission diesem Umstand
         beigemessen hat. Was schließlich das Treffen vom 28. Januar 1998 anbelangt, so hat sich die Klägerin nicht mit der Behauptung
         begnügt, dem Umstand, dass das Kartell als aktuell angesehen wird, wie die Kommission rechtmäßig festgestellt hat, komme nicht
         die Bedeutung oder rechtliche Qualifizierung zu, die ihm die Kommission beimesse, nämlich diejenige einer Zuwiderhandlung,
         sondern sie hat bestritten, dass der Inhalt der Gespräche über das Kartell diesen einen aktuellen Charakter verleiht.
      
      517   Somit hat die Kommission – diese Feststellung ergibt sich, ohne dass es erforderlich ist, die übrigen Argumente der Klägerin
         zu prüfen – in der 326. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung zu Recht festgestellt, dass die Klägerin das Vorliegen
         der Zuwiderhandlung, wie sie in der Mitteilung der Beschwerdepunkte dargelegt worden war, in Zweifel gezogen hat, und zu Recht
         die Auffassung vertreten, dass dies keine Herabsetzung der Geldbuße im Sinne von Abschnitt D Nummer 2 zweiter Gedankenstrich
         der Mitteilung über Zusammenarbeit rechtfertige.
      
      518   Demgemäß ist der zweite Teil des Klagegrundes und somit der Klagegrund insgesamt zurückzuweisen.
       Zur Berechnungsmethode und zum Endbetrag der Geldbuße
      519   Wie aus der vorstehenden Randnummer 313 hervorgeht, ist die wegen erschwerender Umstände festgesetzte Erhöhung des Grundbetrags
         der Geldbuße von 50 % auf 40 % herabzusetzen.
      
      520   Im Zusammenhang mit der Berechnung des Endbetrags der Geldbuße, der sich aus dieser Änderung ergibt, ist festzustellen, dass
         die Kommission bei der Berechnung der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße von der in den Leitlinien vorgegebenen Methode
         abgewichen ist.
      
      521   Aufgrund des Wortlauts der Leitlinien sind die wegen erschwerender oder mildernder Umstände festgesetzten prozentualen Erhöhungen
         oder Herabsetzungen nämlich an dem nach Maßgabe der Schwere und Dauer der Zuwiderhandlung ermittelten Grundbetrag der Geldbuße
         vorzunehmen und nicht an dem Ergebnis einer ersten Erhöhung oder Herabsetzung wegen eines erschwerenden oder mildernden Umstands
         (vgl. in diesem Sinne Urteil Cheil Jedang/Kommission, oben zitiert in Randnr. 95, Randnr. 229).
      
      522   Im vorliegenden Fall hat die Kommission den Betrag der Geldbuße zum einen aufgrund von zwei erschwerenden Umständen und zum
         anderen aufgrund eines mildernden Umstands angepasst, wobei aus dem Endbetrag der verhängten Geldbuße hervorgeht, dass die
         Kommission eine dieser beiden Anpassungen an dem Betrag vorgenommen hat, der sich aus einer ersten Erhöhung oder Herabsetzung
         ergeben hatte. Dies führt dazu, dass sich der Endbetrag der Geldbuße gegenüber dem Betrag verändert, der sich ergeben würde,
         wenn die in den Leitlinien vorgegebene Methode angewandt worden wäre. 
      
      523   Die in den Leitlinien enthaltene Methode für die Berechnung der Geldbuße ist zwar nicht die einzig denkbare Methode, sie kann
         jedoch eine kohärente Entscheidungspraxis bei der Verhängung von Geldbußen gewährleisten, die ihrerseits die Gleichbehandlung
         der Unternehmen ermöglicht, deren Zuwiderhandlungen gegen das Wettbewerbsrecht geahndet werden. Im vorliegenden Fall ist die
         Kommission hinsichtlich der Methode für die Berechnung des Endbetrags der Geldbußen von den Leitlinien abgewichen, ohne dies
         zu begründen.
      
      524   Demgemäß ist aufgrund der dem Gericht in Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 verliehenen Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
         die wegen des erschwerenden Umstands in Verbindung mit dem Rückfall festgesetzte Erhöhung um 40 % an dem Grundbetrag der gegen
         die Klägerin verhängten Geldbuße vorzunehmen.
      
      525   Der Endbetrag der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße wird somit wie folgt berechnet: Dem Grundbetrag der Geldbuße (36,25 Mio. Euro)
         werden zunächst 40 % dieses Grundbetrags (14,5 Mio. Euro) zugeschlagen und 10 % des genannten Betrages (3,625 Mio. Euro) entnommen,
         woraus sich ein Betrag in Höhe von 47,125 Mio. Euro ergibt. Dieser Betrag vermindert sich sodann um 10 % für die Mitarbeit,
         woraus sich ein Endbetrag der Geldbuße in Höhe von 42,4125 Mio. Euro ergibt.
      
       Kosten
      526   Nach Artikel 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen
         Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt und teils unterliegt. Im vorliegenden Fall ist zu beschließen, dass die Klägerin
         ihre eigenen Kosten sowie drei Viertel der Kosten der Kommission trägt.
      
      Aus diesen Gründen 
      hat
      DAS GERICHT (Fünfte Kammer)
      für Recht erkannt und entschieden:
      1.      Der Betrag der gegen die Klägerin verhängten Geldbuße wird auf 42,4125 Millionen Euro festgesetzt.
      2.      Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
      3.      Die Klägerin trägt ihre eigenen Kosten und drei Viertel der Kosten der Kommission. Die Kommission trägt ein Viertel ihrer
            eigenen Kosten.
      
               Vilaras 
            
            
               Martins Ribeiro
            
            
               Jürimäe
            
         Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 25. Oktober 2005.
      
               Der Kanzler 
            
             
            
                     Der Präsident
            
         
               E. Coulon 
            
             
            
                     M. Vilaras
            
         
      Inhaltsverzeichnis
      
      Rechtlicher Rahmen
      Sachverhalt
      Verfahren und Anträge der Parteien
      Entscheidungsgründe
      A –  Zum Antrag auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung
      1.  Zum Klagegrund einer Verletzung der Verteidigungsrechte und des Grundsatzes der ordnungsgemäßen Verwaltung
      a)  Zum ersten Teil, in dem die Klägerin rügt, sie habe keine Gelegenheit zur Prüfung der Umstände gehabt, unter denen ein
         von der Kommission als belastend verwendetes Dokument erstellt worden sei
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      b)  Zum zweiten Teil, in dem gerügt wird, dass die Kommission es der Klägerin nicht ermöglicht habe, vor Erlass der angefochtenen
         Entscheidung Kenntnis von den Faktoren zu erlangen, die bei der Berechnung der Geldbuße berücksichtigt worden seien
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      c)  Zum dritten Teil, in dem gerügt wird, dass Zusammenkünfte der Kommission mit Interbrew nicht dokumentiert seien und dass
         die Kommission sich geweigert habe, der Klägerin die Antwort von Interbrew auf die Mitteilung der Beschwerdepunkte mitzuteilen
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      2.  Zum Klagegrund einer Verletzung der Begründungspflicht
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      B –  Zum hilfsweise gestellten Antrag auf Herabsetzung der verhängten Geldbuße
      1.  Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung für die Festsetzung des Grundbetrags der Geldbuße
         unter Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung, der Verhältnismäßigkeit und des Grundsatzes „ne bis in idem“
      
      a)  Vorbringen der Parteien
      Vorbringen der Klägerin
      –  Zur Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung: Verletzung der Grundsätze der Gleichbehandlung und der Verhältnismäßigkeit
      –  Zur Beurteilung der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Klägerin, andere Wirtschaftsteilnehmer in erheblichem
         Umfang zu schädigen: Verletzung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit
      
      –  Zur Festsetzung der Geldbuße in einer Höhe, die ihr eine hinreichende Abschreckungswirkung verleiht: Verletzung des Grundsatzes
         der Verhältnismäßigkeit
      
      –  Zur Berücksichtigung des Umstands, dass große Unternehmen im Allgemeinen über juristischen und wirtschaftlichen Sachverstand
         und entsprechende Ressourcen verfügen: Verletzung des Grundsatzes „ne bis in idem“
      
      Vorbringen der Kommission
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Zur Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
      Zur Beurteilung der tatsächlichen wirtschaftlichen Fähigkeit der Klägerin, andere Wirtschaftsteilnehmer in erheblichem Umfang
         zu schädigen
      
      Zur Festsetzung der Geldbuße in einer Höhe, die eine hinreichend abschreckende Wirkung gewährleistet
      Zur Berücksichtigung des juristischen und wirtschaftlichen Sachverstands und der entsprechenden Ressourcen, über die Großunternehmen
         im Allgemeinen verfügen
      
      Zur Angemessenheit des spezifischen Grundbetrags angesichts der von der Klägerin geltend gemachten Umstände
      2.  Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung der Dauer der Zuwiderhandlung
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      Zum telefonischen Kontakt vom 9. Dezember 1996
      Zum Treffen vom 17. April 1997
      Zum Treffen vom 28. Januar 1998
      3.  Zum Klagegrund der unzutreffenden Annahme eines erschwerenden Umstands wegen auf Interbrew ausgeübten Zwanges
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      4.  Zum Klagegrund einer unberechtigten Berücksichtigung des erschwerenden Umstands der Tatwiederholung gegenüber der Klägerin
      a)  Vorbringen der Parteien
      b)  Würdigung durch das Gericht
      5.  Zum Klagegrund einer unzureichenden Berücksichtigung der anwendbaren mildernden Umstände
      a)  Zum ersten Teil: Nichtberücksichtigung der mangelnden Auswirkung der Zuwiderhandlung auf den Markt
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      b)  Zum zweiten Teil: Nichtberücksichtigung des Einflusses des Preisregelungssystems und der sehr alten Verbandstradition
         des Brauereisektors
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      c)  Zum dritten Teil: Nichtberücksichtigung der Krisensituation des Sektors
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      d)  Zum vierten Teil: Bedrohung durch Interbrew
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      6.  Zum Klagegrund einer falschen Beurteilung des Umfangs der Mitarbeit der Klägerin unter Verletzung des Grundsatzes der
         Gleichbehandlung und der Mitteilung der Zusammenarbeit
      
      a)  Zum ersten Teil: falsche Beurteilung des Ausmaßes der Mitarbeit der Klägerin gemessen an der Entscheidungspraxis der Kommission
         und unter Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      b)  Zum zweiten Teil: irrtümliche Annahme der Kommission, die Klägerin habe den Sachverhalt bestritten, auf den die Kommission
         ihre Einwände gestützt habe
      
      Vorbringen der Parteien
      Würdigung durch das Gericht
      Zur Berechnungsmethode und zum Endbetrag der Geldbuße
      Kosten
      * Verfahrenssprache: Französisch.