CELEX: 62005CJ0403
Language: de
Date: 2007-10-23 00:00:00
Title: Urteil des Gerichtshofes (Große Kammer) vom 23. Oktober  2007. # Europäisches Parlament gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Nichtigkeitsklage - Entscheidung der Kommission über die Genehmigung eines die Sicherheit der philippinischen Grenzen betreffenden Vorhabens - Auf der Grundlage der Verordnung (EWG) Nr. 443/92 erlassene Entscheidung - Durchführungsbefugnisse der Kommission - Grenzen. # Rechtssache C-403/05.

Rechtssache C‑403/05
      Europäisches Parlament
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Nichtigkeitsklage − Entscheidung der Kommission über die Genehmigung eines die Sicherheit der philippinischen Grenzen betreffenden
         Vorhabens – Auf der Grundlage der Verordnung (EWG) Nr. 443/92 erlassene Entscheidung – Durchführungsbefugnisse der Kommission – Grenzen“
      
      Leitsätze des Urteils
      Entwicklungszusammenarbeit – Finanzielle und technische Hilfe zugunsten der Entwicklungsländer und wirtschaftliche Zusammenarbeit
            mit ihnen – Verordnung Nr. 443/92
      (Art. 202 dritter Gedankenstrich EG; Verordnung Nr. 443/92 des Rates, Art. 1, 5, 6, 7, 8 und 15)
      Im Rahmen der der Kommission vom Rat gemäß Art. 202 dritter Gedankenstrich EG übertragenen Durchführungsbefugnisse, deren
         Grenzen insbesondere nach Maßgabe der wesentlichen allgemeinen Ziele der fraglichen Regelung zu beurteilen sind, ist die Kommission
         berechtigt, alle für die Durchführung der Grundregelung erforderlichen oder zweckmäßigen Maßnahmen zu ergreifen, soweit diese
         nicht gegen die Grundregelung verstoßen.
      
      Nach dem Wortlaut des Art. 15 der Verordnung Nr. 443/92 über die finanzielle und technische Hilfe zugunsten der Entwicklungsländer
         Asiens und Lateinamerikas sowie über die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen Ländern hat der Rat der Kommission die
         Befugnis übertragen, die finanzielle und technische Hilfe sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen Entwicklungsländern
         zu verwalten. Auf der Grundlage dieser Durchführungsbefugnis hat die Kommission eine Entscheidung über die Genehmigung eines
         die Sicherheit der Grenzen der Republik der Philippinen betreffenden Vorhabens zur Verbesserung der Sicherheit und der Verwaltung
         ihrer Grenzen entsprechend der Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen, mit der der Terrorismus
         und die internationale Kriminalität bekämpft werden sollen, erlassen.
      
      In der Verordnung Nr. 443/92 wird jedoch die Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität nicht ausdrücklich
         genannt. Zur Frage, ob ein solches Vorhaben in den Anwendungsbereich dieser Verordnung fällt, da es zum Ausbau der Institutionen
         des betreffenden Landes beiträgt, einem Tätigkeitsbereich, der sowohl in den Art. 5 und 6 der Verordnung über die finanzielle
         und technische Hilfe als auch in ihren Art. 7 und 8 über die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausdrücklich genannt wird, ist
         im Übrigen zu sagen, dass im Rahmen der finanziellen und technischen Hilfe die Unterstützung der nationalen Institutionen
         der Entwicklungsländer kein Selbstzweck ist, sondern ein Mittel, um ihre Fähigkeit zur Verwaltung der Entwicklungspolitiken
         und ‑vorhaben in den genannten Bereichen, zu denen der des Kampfes gegen den Terrorismus und die internationale Kriminalität
         nicht gehört, zu stärken, und dass die institutionelle Stärkung im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eine unmittelbare
         Verbindung mit dem ihr von der Verordnung zugewiesenen Zweck, Investitionen und die Entwicklung auszubauen, aufweisen muss,
         was der fraglichen Entscheidung nicht zu entnehmen ist.
      
      Diese Entscheidung dient daher einem Ziel im Bereich der Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität,
         das über den Rahmen der mit der Verordnung Nr. 443/92 verfolgten Politik der Entwicklungszusammenarbeit hinausgeht, so dass
         die Kommission die ihr vom Rat in Art. 15 dieser Verordnung übertragenen Durchführungsbefugnisse überschritten hat.
      
      (vgl. Randnrn. 51-53, 59-62, 66-68)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Große Kammer)
      23. Oktober 2007(*)
      
      „Nichtigkeitsklage − Entscheidung der Kommission über die Genehmigung eines die Sicherheit der philippinischen Grenzen betreffenden
         Vorhabens – Auf der Grundlage der Verordnung (EWG) Nr. 443/92 erlassene Entscheidung – Durchführungsbefugnisse der Kommission – Grenzen“
      
      In der Rechtssache C‑403/05
      betreffend eine Nichtigkeitsklage nach Art. 230 EG, eingereicht am 16. November 2005,
      Europäisches Parlament, zunächst vertreten durch R. Passos, E. Waldherr und K. Lindahl, sodann durch R. Passos, E. Waldherr und G. Mazzini als Bevollmächtigte,
         Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Kläger,
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch C. Tufvesson und A. Bordes als Bevollmächtigte, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Beklagte,
      unterstützt durch
      Königreich Spanien, vertreten durch J. M. Rodríguez Cárcamo als Bevollmächtigten, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
      
      Streithelfer,
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Große Kammer)
      unter Mitwirkung des Präsidenten V. Skouris, der Kammerpräsidenten P. Jann, C. W. A. Timmermans, A. Rosas, K. Lenaerts und
         A. Tizzano, der Richter R. Schintgen (Berichterstatter) und J. N. Cunha Rodrigues, der Richterin R. Silva de Lapuerta, der
         Richter J.‑C. Bonichot, T. von Danwitz und A. Arabadjiev sowie der Richterin C. Toader, 
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: M.-A. Gaudissart, Referatsleiter,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 20. März 2007,
      nach Anhörung der Schlussanträge der Generalanwältin in der Sitzung vom 22. Mai 2007
      folgendes
      Urteil
      1        Mit seiner Klageschrift beantragt das Europäische Parlament die Nichtigerklärung der Entscheidung der Kommission der Europäischen
         Gemeinschaften, mit der ein die Sicherheit der Grenzen der Republik der Philippinen betreffendes, im Rahmen der Haushaltslinie
         19 10 02 des Gesamthaushaltsplans der Europäischen Gemeinschaften zu finanzierendes Vorhaben (Philippine Border Management
         Project, Nr. ASIA/2004/016-924) genehmigt wurde (im Amtsblatt der Europäischen Union nicht veröffentlicht, im Folgenden: angefochtene Entscheidung) und die in Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 443/92 des
         Rates vom 25. Februar 1992 über die finanzielle und technische Hilfe zugunsten der Entwicklungsländer Asiens und Lateinamerikas
         sowie über die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit diesen Ländern (ABl. L 52, S. 1) in der durch die Verordnung (EG) Nr. 807/2003
         des Rates vom 14. April 2003 zur Anpassung der Bestimmungen über die Ausschüsse zur Unterstützung der Kommission bei der Ausübung
         von deren Durchführungsbefugnissen, die in nach dem Konsultationsverfahren (Einstimmigkeit) erlassenen Rechtsakten des Rates
         vorgesehen sind, an den Beschluss 1999/468/EG (ABl. L 122, S. 36) geänderten Fassung (im Folgenden: Verordnung Nr. 443/92)
         erlassen wurde, da die Kommission die Durchführungsbefugnisse überschritten habe, die ihr in dieser Verordnung übertragen
         worden seien. 
      
      2        Die angefochtene Entscheidung geht aus einem Finanzierungsvorschlag hervor, den die Kommission in der Sitzung des in der Verordnung
         Nr. 443/92 vorgesehenen Regelungsausschusses am 17. und 18. November 2004 vorgelegt hatte. Da einige Mitgliedstaaten in dieser
         Sitzung Zweifel bezüglich der gewählten Rechtsgrundlage geäußert hatten, wurde der Entscheidungsvorschlag in das schriftliche
         Verfahren überwiesen, das am 7. Dezember 2004 mit einem positiven Bescheid durch qualifizierte Mehrheit beendet wurde. 
      
      3        Die angefochtene Entscheidung wurde am 21. Dezember 2004 erlassen. 
      
       Rechtlicher Rahmen
       Die Verordnung Nr. 443/92 
      4        Art. 1 der Verordnung Nr. 443/92 lautet: 
      
      „Die Zusammenarbeit der Gemeinschaft mit den Entwicklungsländern Asiens und Lateinamerikas (nachstehend ‚ALA-Entwicklungsländer‘
         genannt), die nicht zu den Unterzeichnern des Abkommens von Lomé oder zu den begünstigten Ländern der Kooperationspolitik
         der Gemeinschaft mit den Drittländern im Mittelmeerraum gehören, wird fortgesetzt und erweitert. Diese Zusammenarbeit umfasst
         die finanzielle und technische Entwicklungshilfe sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit; sie ergänzt die Hilfe der Mitgliedstaaten.
         Dabei misst die Gemeinschaft dem Schutz der Menschenrechte, der Unterstützung des Demokratisierungsprozesses, der Förderung
         einer effizienten und gerechten öffentlichen Verwaltung, dem Umweltschutz, der Liberalisierung des Handels und der stärkeren
         Betonung der kulturellen Dimension im Rahmen eines im beiderseitigen Interesse geführten immer intensiveren Dialogs über politische,
         wirtschaftliche und soziale Fragen grundlegende Bedeutung bei.“ 
      
      5        Nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung „[dienen d]ie gemeinschaftlichen Politiken in den Bereichen Entwicklung und Zusammenarbeit
         … einer auf den Menschen bezogenen Entwicklung“. 
      
      6        Art. 4 der Verordnung Nr. 443/92 bestimmt: 
      
      „Die finanzielle und technische Hilfe dient vorrangig der Unterstützung der ärmsten Bevölkerungsschichten und der ärmsten
         Länder der beiden Regionen; hierzu werden Programme und Vorhaben in Bereichen durchgeführt, in denen Aussicht darauf besteht,
         dass die Gemeinschaftshilfe eine wichtige Rolle spielt. Durchgeführt werden insbesondere Maßnahmen in Bereichen, in denen
         inländische humane und wirtschaftliche Ressourcen nur schwer zu mobilisieren sind, die jedoch für die Entwicklung dieser Länder
         oder gar für die gesamte Völkergemeinschaft von strategischer Bedeutung sind.“ 
      
      7        In Art. 5 der Verordnung heißt es: 
      
      „Die finanzielle und technische Hilfe zielt insbesondere auf die Entwicklung des ländlichen Sektors und die Verbesserung der
         Ernährungssicherheit ab. … 
      
      [Der Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen sowie eine nachhaltige Entwicklung sind langfristige Prioritäten.] …
         
      
      …
      Besondere Aufmerksamkeit gilt Maßnahmen zur Drogenbekämpfung. Die Zusammenarbeit der Gemeinschaft mit den ALA-Entwicklungsländern
         zur Förderung der Drogenbekämpfung wird auf der Grundlage eines Dialogs intensiviert, der im allgemeineren Zusammenhang der
         wirtschaftlichen Entwicklung der Erzeugerländer und ihrer Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft geführt wird. Diese Zusammenarbeit
         umfasst Maßnahmen, die sowohl die humanitäre Hilfe als auch die Entwicklungshilfe betreffen. 
      
      Aufgrund der eigentlichen Zielsetzung dieser Form der Zusammenarbeit ist die menschliche Dimension der Entwicklung in allen
         Maßnahmenbereichen gegenwärtig. 
      
      Die kulturelle Dimension der Entwicklung muss ein ständiges Ziel aller Tätigkeiten und Programme sein, an denen die Gemeinschaft
         beteiligt ist. 
      
      In diesem Sinne sollte die Hilfe unter anderem für konkrete Vorhaben vergeben werden, die sich auf die Demokratisierung, eine
         effiziente und gerechte öffentliche Verwaltung und die Menschenrechte beziehen. 
      
      Ferner ist nicht allein darauf zu achten, dass der durch die Vorhaben und Programme bewirkte Wandel keine nachteiligen Veränderungen
         für die Lage und die Rolle der Frau mit sich bringt, sondern darauf, dass vielmehr spezifische Maßnahmen oder Vorhaben durchgeführt
         werden, durch die die aktive und gleichberechtigte Teilnahme der Frau am Produktionsprozess und dessen Ergebnissen, am gesellschaftlichen
         Leben und am Entscheidungsprozess verstärkt wird. 
      
      Besondere Aufmerksamkeit gilt auch dem Schutz der Kinder. 
      Verstärkte Beachtung verdienen ethnische Minderheiten, für die Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen unter Beachtung
         ihrer kulturellen Eigenheiten durchgeführt werden. 
      
      Besonders beachtet werden demografische Fragen, insbesondere Fragen des Bevölkerungswachstums. 
      Bei der Gemeinschaftshilfe für die Vorhaben und Programme im Entwicklungsbereich müssen die makroökonomischen und sektoriellen
         Probleme berücksichtigt und vorrangig Maßnahmen durchgeführt werden, die auf die Wirtschaftsstruktur, die Entwicklung von
         Strukturpolitiken und die institutionelle Entwicklung wirken. … 
      
      Die Unterstützung der nationalen Institutionen der Entwicklungsländer mit dem Ziel, ihre Fähigkeit zur Verwaltung der Entwicklungspolitiken
         und -vorhaben zu stärken, stellt einen Tätigkeitsbereich dar, dem im Entwicklungsprozess eine entscheidende Rolle zukommen
         kann. Die Fortsetzung eines entsprechenden Dialogs zwischen den Entwicklungsländern und der Gemeinschaft ist hierbei sehr
         wichtig. 
      
      …“ 
      8        Art. 6 der Verordnung Nr. 443/92 lautet: 
      
      „Die finanzielle und technische Hilfe wird insbesondere in folgenden spezifischen Bereichen und Fällen auf verhältnismäßig
         fortgeschrittenere ALA-Entwicklungsländer ausgedehnt: 
      
      –        Demokratisierung und Menschenrechte, 
      –        Katastrophenverhütung und Wiederaufbau nach Katastrophen, 
      –        Drogenbekämpfung, 
      –        Umweltschutz und natürliche Ressourcen, 
      –        institutionelle Entwicklung, insbesondere Ausbau der öffentlichen Verwaltung, 
      –        Pilotversuche zugunsten besonders benachteiligter Bevölkerungsschichten vor allem in städtischen Ballungsräumen, 
      –        regionale Zusammenarbeit und Integration; besondere Beachtung gilt Maßnahmen der regionalen Zusammenarbeit und Integration,
         die es gestatten, sowohl arme Länder als auch verhältnismäßig fortgeschrittene Länder einzubeziehen.“ 
      
      9        Art. 7 der Verordnung sieht vor: 
      
      „Die im gegenseitigen Interesse der Gemeinschaft und der Partnerländer angelegte wirtschaftliche Zusammenarbeit trägt zur
         Entwicklung der ALA-Entwicklungsländer bei, indem sie ihnen hilft, zur Schaffung günstigerer Investitions- und Entwicklungsrahmenbedingungen
         ihre Institutionen auszubauen und die Möglichkeiten, die ihnen die Expansion des Welthandels und der europäische Binnenmarkt
         eröffnen, bestmöglich zu nutzen, und indem sie insbesondere im privaten Sektor und in den kleineren und mittleren Unternehmen
         die Präsenz von Wirtschaftsträgern, der Technologie und des technischen Wissens aller Mitgliedstaaten verstärkt. 
      
      Mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit wird das Ziel verfolgt, durch Unterstützung derjenigen Länder, die eine Gesamtwirtschafts-
         und Strukturpolitik der Öffnung für Handel und Investitionen verfolgen und den Technologietransfer namentlich durch den Schutz
         des geistigen Eigentums begünstigen, ein Vertrauensklima zu schaffen.“ 
      
      10      Gemäß Art. 8 der Verordnung erstreckt sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit hauptsächlich auf die drei folgenden Bereiche:
         
      
      „1.      Verbesserung des wissenschaftlichen und technischen Potenzials und allgemein des wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen
         Umfelds durch Ausbildungsaktionen und Know-how-Transfer. … 
      
      2.      Schaffung entwicklungsfördernder wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Rahmenbedingungen durch Verbesserung des institutionellen
         Unterbaus (bei gleichzeitiger Intensivierung des Dialogs mit den Partnern). 
      
      3.      Unterstützung der Unternehmen, hauptsächlich durch Absatzförderung, Ausbildungsaktionen und technische Hilfe, Herstellung
         von Kontakten zwischen Unternehmen und Maßnahmen zur Förderung ihrer Zusammenarbeit.
      
      …“ 
      11      Art. 15 der Verordnung Nr. 443/92 bestimmt: 
      
      „(1)      Die Kommission verwaltet die finanzielle und technische Hilfe sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit. 
      (2)      Die Kommission wird von einem Ausschuss unterstützt. 
      (3) Wird auf diesen Absatz Bezug genommen, so gelten die Artikel 5 und 7 des Beschlusses 1999/468/EG. 
      Der Zeitraum nach Artikel 5 Absatz 6 des Beschlusses 1999/468/EG wird auf einen Monat festgesetzt. 
      …“ 
       Die angefochtene Entscheidung 
      12      Die angefochtene Entscheidung, die in Englisch abgefasst ist, enthält zwei Artikel. 
      
      13      Mit ihrem Art. 1 Abs. 1 wird das Vorhaben über die Verwaltung der philippinischen Grenzen (Philippine Border Management Project,
         im Folgenden: Vorhaben), wie es in dem der Entscheidung beigefügten Anhang beschrieben ist (im Folgenden: beschreibender Anhang)
         genehmigt. In Art. 1 Abs. 2 wird der Höchstbetrag des Beitrags der Gemeinschaft auf 4 900 000 Euro festgesetzt, der aus der
         Haushaltslinie 19 10 02 des Gesamthaushalts der Gemeinschaft für das Jahr 2004 zu finanzieren ist. 
      
      14      Art. 2 der angefochtenen Entscheidung betrifft Einzelheiten der Durchführung und den Zeitplan für die Zahlungen. 
      
      15      Gemäß Ziff. 3.2 des beschreibenden Anhangs, der die Überschrift „Expected results and main objectives“ hat, soll das Vorhaben
         die philippinischen Behörden bei der Erreichung der folgenden Ziele unterstützen: 
      
      „1.      Promotion of best international border management standards through review/validation of ongoing national policies and practices.
         
      
      2.      Intelligence information is efficiently shared among agencies involved in BM [border management] through a linked and secured
         IT system … (analysing and processing the information). 
      
      3.      Circulation of false identity documents is prevented through increased capacity to detect false documents and public awareness
         on the importance of holding correct identity documents. 
      
      4.       Capacity of Border Management senior and technical staff is increased through appropriate training activities (gender and
         culturally sensitive).“ 
      
      16      Unter Bezugnahme auf die Schlussfolgerungen des Rates „Allgemeine Angelegenheiten“ vom 22. Juli 2002 wird in Randnr. 1 der
         Gründe der angefochtenen Entscheidung die Rolle der Europäischen Union bei der Unterstützung von Drittländern hervorgehoben,
         wenn diese ihren Verpflichtungen aus der Resolution 1373 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vom 28. September
         2001 (im Folgenden: Resolution 1373) nachkommen. 
      
      17      Randnr. 2 der Gründe der Entscheidung verweist auf das für jedes Land überarbeitete Strategiepapier für den Zeitraum 2002–2006
         für die Philippinen und den Nationalen Punktekatalog 2002–2004 (National Indicative Programme 2002–2004) für diesen Staat,
         die Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus Priorität einräumen. In dieser Randnummer wird ausgeführt, dass die Kommission
         ihre Unterstützung im Bereich der Terrorismusbekämpfung auf die Grenzverwaltung, insbesondere die Einwanderung, und auf den
         Kampf gegen die Finanzierung des Terrorismus konzentrieren möchte. 
      
      18      In Randnr. 3 der Gründe der Entscheidung heißt es: „the overall objective of the proposed project is to assist in the implementation
         of the UNSCR 1373 (2001) in the fight against terrorism and international crime“. 
      
      19      In Randnr. 4 der Gründe der angefochtenen Entscheidung ist ausgeführt: „the purpose of the project is to contribute to the
         efforts of the Government of the Republic of the Philippines to enhance border security and management in the Philippines
         in accordance with international norms and protocols“. 
      
       Anträge der Parteien 
      20      Das Parlament beantragt,
      
      –        die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären; 
      –        der Kommission die Kosten aufzuerlegen. 
      21      Die Kommission beantragt, 
      
      –        die Klage als unzulässig oder jedenfalls als unbegründet abzuweisen; 
      –        über die Kosten nach Rechtslage zu entscheiden. 
      22      Mit Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofs vom 28. März 2006 ist das Königreich Spanien als Streithelfer zur Unterstützung
         der Anträge der Kommission zugelassen worden. 
      
       Zur Zulässigkeit der Klage 
       Vorbringen der Parteien 
      23      Die Kommission macht geltend, dass die Klage des Parlaments nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist erhoben worden sei. Dieses
         Organ habe vor der amtlichen Mitteilung am 9. September 2005 von der angefochtenen Entscheidung wirksam Kenntnis nehmen können,
         da die Entscheidung mit einem Schreiben, das am 12. Mai 2005 von der Delegation in Manila an das Sekretariat des Entwicklungsausschusses
         des Parlaments übersandt worden sei, und bei einem Schriftwechsel am 19. Juli 2005 zwischen Mitgliedern der juristischen Dienste
         beider Organe informell mitgeteilt worden sei. 
      
      24      Das Parlament erwidert, dass die Frist für die Erhebung der Klage auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung, die
         nicht veröffentlicht worden sei und deren Adressat es nicht gewesen sei, erst an dem Tag in Lauf gesetzt worden sei, an dem
         sie ihm vollständig bekannt gewesen sei, d. h. ab dem offiziellen Zugang des eine Kopie dieser Entscheidung enthaltenden Schreibens,
         also am 9. September 2005. Frühere Schreiben seien nicht so präzise gewesen, dass es vom genauen Inhalt und den Gründen der
         Entscheidung hätte Kenntnis nehmen können, und ein informeller Schriftwechsel unter Kollegen der beiden Organe könne nicht
         als Bekanntgabe der angefochtenen Entscheidung gelten. 
      
      25      Das Königreich Spanien äußert sich nicht zur Zulässigkeit der Klage. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof 
      26      Nach Art. 230 Abs. 5 EG sind die in diesem Artikel vorgesehenen Klagen binnen zwei Monaten zu erheben; diese Frist läuft je
         nach Lage des Falles von der Bekanntgabe der betreffenden Handlung, ihrer Mitteilung an den Kläger oder in Ermangelung dessen
         von dem Zeitpunkt an, zu dem der Kläger von dieser Handlung Kenntnis erlangt hatte. 
      
      27      Nach Art. 254 Abs. 3 EG werden die anderen Richtlinien und Entscheidungen als die, die nach den Abs. 1 und 2 dieses Artikels
         im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht werden, denjenigen, für die sie bestimmt sind, bekannt gegeben und werden durch diese Bekanntgabe wirksam.
         
      
      28      Es steht fest, dass die angefochtene Entscheidung weder im Amtsblatt veröffentlicht noch dem Parlament als demjenigen, für
         den sie bestimmt ist, bekannt gegeben wurde, so dass die zweimonatige Frist gegenüber diesem Organ erst an dem Tag in Lauf
         gesetzt werden konnte, als es von der Entscheidung vollständige Kenntnis erlangt hatte. 
      
      29      Demnach ist festzustellen, ab welchem Zeitpunkt das Parlament genaue Kenntnis vom Inhalt und von den Gründen der angefochtenen
         Entscheidung hatte. 
      
      30      Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass sich aus Anhaltspunkten in den Akten ergibt, dass die Kommission dem Parlament am 14.
         Dezember 2004 ein summarisches Protokoll der Sitzungen vom 17. und 18. November 2004 des in der Verordnung Nr. 443/92 vorgesehenen
         Regelungsausschusses übermittelte, wonach die Stellungnahme des Ausschusses zum Vorschlag der Kommission über das Vorhaben
         verschoben worden war. 
      
      31      Mit schriftlichen Anfragen vom 8. und 10. Februar 2005 verlangten zwei Mitglieder des Parlaments umfassendere Auskünfte über
         die weitere Behandlung dieses Vorschlags. 
      
      32      In ihren Antwortschreiben vom 14. März und 22. April 2005 beschränkte sich die Kommission darauf, den Ablauf des Verfahrens
         zum Erlass dieser Entscheidung zu schildern, die Verordnung Nr. 443/92 als Rechtsgrundlage der angefochtenen Entscheidung
         anzugeben und die Randnrn. 3 und 4 ihrer Gründe wiederzugeben. In ihrem Schreiben vom 22. April 2005 bezog sie sich außerdem
         auf das für jedes Land verfasste Strategiepapier, hier das für die Philippinnen, für den Zeitraum 2002–2006. Keines der Antwortschreiben
         enthielt jedoch eine Kopie der angefochtenen Entscheidung oder ihres beschreibenden Anhangs. 
      
      33      Da das Parlament am 22. Mai 2005 immer noch keine genaue Kenntnis vom Inhalt und von den Gründen der angefochtenen Entscheidung
         hatte, verlangte es durch Einschaltung seines Entwicklungsausschusses eine Kopie des Textes dieser Entscheidung der Kommission.
         
      
      34      Erst nach einem Erinnerungsschreiben vom 26. August 2005 erhielt das Parlament jedoch schließlich am 9. September 2005 eine
         nicht datierte und nicht unterschriebene Kopie des Textes der angefochtenen Entscheidung und des beschreibenden Anhangs. 
      
      35      Zudem behauptet die Kommission zwar, sie habe auf die Anfrage des Parlaments mit Schreiben vom 22. Juni 2005 geantwortet,
         sie erbringt jedoch keinen Nachweis dafür, dass dieses Organ zu diesem Zeitpunkt tatsächlich eine Kopie der angefochtenen
         Entscheidung erhalten hat. In diesem Zusammenhang können die Schreiben und der mehrmalige informelle Austausch der Organe
         untereinander, auf die sich die Kommission bezieht, nicht als maßgeblich angesehen werden. Im Übrigen konnte die Kommission
         das Vorbringen des Parlaments nicht entkräften, wonach die Informationen aus diesen informellen Kontakten nicht so präzise
         gewesen seien, dass es vom Inhalt und von den Gründen der angefochtenen Entscheidung genaue Kenntnis hätte erlangen können.
         
      
      36      Demnach ist davon auszugehen, dass das Parlament vom Inhalt und von den Gründen der angefochtenen Entscheidung erst anlässlich
         der Mitteilung des vollständigen Textes der Entscheidung am 9. September 2005 durch die Kommission genaue Kenntnis erlangt
         hatte. 
      
      37      Folglich begann der Lauf der Frist, innerhalb deren das Parlament Klage erheben musste, erst am 10. September 2005 und endete,
         einschließlich Entfernungsfrist, am 20. November 2005. 
      
      38      Die Klageschrift ist im vorliegenden Fall am 16. November 2005 eingereicht und somit innerhalb der vorgeschriebenen Frist
         erhoben worden. 
      
       Zur Klage
       Vorbringen der Parteien 
      39      Zur Begründung seiner Klage macht das Parlament als einzigen Klagegrund geltend, dass die Kommission für den Erlass der angefochtenen
         Entscheidung nicht zuständig gewesen sei. Da diese Entscheidung eindeutig mit Erwägungen zur Bekämpfung des Terrorismus und
         der internationalen Kriminalität begründet sei, gehe sie über den von der Verordnung Nr. 443/92, die ihr als Grundlage diene,
         gezogenen Rahmen und insbesondere deren Art. 7 und 8 betreffend die wirtschaftliche Zusammenarbeit hinaus. 
      
      40      Der Anwendungsbereich der Verordnung Nr. 443/92 könne nicht durch eine extensive Auslegung erweitert werden, weil die Einbeziehung
         des Kampfes gegen den Terrorismus und die internationale Kriminalität in den Anwendungsbereich dieser Verordnung eine Änderung
         ihres Wortlauts voraussetzten. Das Parlament trägt hierzu vor, dass die Kommission einen Vorschlag eingebracht habe, wonach
         in diese Verordnung u. a. die Bekämpfung des Terrorismus habe einbezogen werden sollen, dass dieser Versuch aber keinen Erfolg
         gehabt habe. 
      
      41      Auch wenn das Parlament einräumt, dass ein Ausbau der Institutionen unter die Entwicklungszusammenarbeit falle, meint es gleichwohl,
         dass die internationale Sicherheit und der Kampf gegen den Terrorismus kein integraler Bestandteil der institutionellen Unterstützung
         nach der Verordnung Nr. 443/92 sein könnten. Die institutionelle Unterstützung sei kein Selbstzweck, sondern allenfalls ein
         Mittel, um die Armut zu verringern und so die Ziele der Kooperations- und Entwicklungspolitik zu erreichen. Jedenfalls falle
         die Bekämpfung des Terrorismus nicht in die allgemeine Zuständigkeit der Gemeinschaft. 
      
      42      Hilfsweise trägt das Parlament in seiner Eigenschaft als Haushaltsbehörde vor, die angefochtene Entscheidung sei für nichtig
         zu erklären, weil der Kommission die Befugnis fehle, die für die Finanzierung des fraglichen Vorhabens erforderlichen Mittelbindungen
         vorzunehmen. Zum einen sei der Haushalt ohne einen diese Mittel vorsehenden Basisrechtsakt gebunden worden. Zum anderen handele
         es sich um eine ungerechtfertigte Verwendung von Geldern im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit unter Verstoß gegen den
         Grundsatz der Spezialität des Haushaltsplans. 
      
      43      Die Kommission macht demgegenüber geltend, dass die fehlende ausdrückliche Bezugnahme auf die Bekämpfung des Terrorismus und
         der internationalen Kriminalität in der Verordnung Nr. 443/92 die angefochtene Entscheidung nicht in der vom Parlament gerügten
         Weise rechtswidrig machen könne. Eine möglicherweise unzureichende Begründung dieser Entscheidung beeinträchtige deren Gültigkeit
         nicht. Es sei zwischen dem in der angefochtenen Entscheidung angekündigten Ziel, das in der Unterstützung der Umsetzung der
         Resolution 1373 bestehe, und ihrem spezifischen Zweck zu unterscheiden, der die Förderung einer institutionellen Stärkung
         durch Hilfe bei der Grenzverwaltung sei, ein Zweck, der ausdrücklich in den Art. 5 und 6 der Verordnung Nr. 443/92 vorgesehen
         sei. 
      
      44      Das Ziel, das mit dem von der angefochtenen Entscheidung eingeführten Vorhaben verfolgt werde, beschränke sich nicht nur auf
         den Kampf gegen den Terrorismus, sondern solle auch den Drogenschmuggel sowie den Menschenhandel bekämpfen. Aus diesem Grund
         habe das Vorhaben eine positive Wirkung im Bereich der inneren Sicherheit, insbesondere im Tourismussektor. Außerdem trage
         es dazu bei, günstigere Bedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen zu schaffen, und füge sich daher
         auch in den Rahmen der Art. 7 und 8 der Verordnung Nr. 443/92 ein. 
      
      45      Gestützt auf den allgemeinen Rahmen und die Fortschritte in der Entwicklungspolitik in den letzten Jahren führt die Kommission
         ferner aus, dass die institutionelle Stärkung, die einen der unerlässlichen horizontalen Gesichtspunkte für eine nachhaltige
         Entwicklung darstelle, künftig integraler Bestandteil der Kooperationspolitiken der Gemeinschaft sei. Dies ergebe sich auch
         aus den Art. 177 EG und 181a EG, deren Wortwahl zeige, dass eine Hilfe in nicht ausdrücklich erwähnten Bereichen wie u. a.
         Minenräumung und Entsorgung leichter Waffen gewährt werden könne. 
      
      46      Die Kommission räumt ein, dass sie im Bereich der Terrorismusbekämpfung keine autonome Befugnis habe, hebt jedoch hervor,
         dass die Verordnung Nr. 443/92 ein Finanzinstrument im Dienst einer globalen Politik sei, so dass es bei der Bestimmung ihres
         Anwendungsbereichs einer gewissen Flexibilität bedürfe und insbesondere der allgemeine politische Rahmen berücksichtigt werden
         müsse. 
      
      47      Hilfsweise macht die Kommission geltend, dass die Verordnung Nr. 443/92 angesichts ihrer Rechtsgrundlage, also des Art. 235
         EG-Vertrag (jetzt Art. 308 EG), erweiternd auszulegen sei. 
      
      48      Nach Auffassung des Königreichs Spanien sind die Durchführungsbefugnisse der Kommission unter Berücksichtigung des weiten
         Ermessens zu bestimmen, das den Gemeinschaftsorganen in der Rechtsprechung des Gerichtshofs in Bereichen zuerkannt werde,
         in denen komplexe wirtschaftliche Analysen erforderlich seien. Die angefochtene Entscheidung falle in den Anwendungsbereich
         der Verordnung Nr. 443/92, da sie zum einen zur Stärkung des institutionellen Systems des begünstigten Staates beitrage und
         zum anderen zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung dieses Staates, indem sie für einen bestimmten Grad an innerer Sicherheit
         sorge. Diese Schlussfolgerung werde durch die Tatsache gestützt, dass die Verordnung Nr. 443/92 unter ihren Zielen Maßnahmen
         im Zusammenhang mit der Verbesserung der Sicherheit wie die Drogenbekämpfung aufführe. Durch eine nicht abschließende Aufzählung
         der verfolgten Ziele erlaube diese Verordnung mittels einer flexiblen Auslegung eine Anpassung an die Entwicklungen der internationalen
         Gesellschaft, indem in ihre Ziele der Kampf gegen den Terrorismus und die Einhaltung der Verpflichtungen aus der Resolution
         1373 einbezogen würden, bei denen es sich zudem um Ziele handele, die mit Maßnahmen der Entwicklungspolitik und der Politik
         der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Gemeinschaft nicht unvereinbar seien. 
      
       Würdigung durch den Gerichtshof
      49      Einleitend ist daran zu erinnern, dass die Organe der Gemeinschaft gemäß Art. 7 Abs. 1 Unterabs. 2 EG nur nach Maßgabe der
         ihnen im EG-Vertrag zugewiesenen Befugnisse handeln dürfen (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 13. Dezember 2001, Parlament/Rat,
         C‑93/00, Slg. 2001, I‑10119, Randnr. 39, und vom 14. April 2005, Belgien/Kommission, C‑110/03, Slg. 2005, I‑2801, Randnr.
         57).
      
      50      Gemäß Art. 202 dritter Gedankenstrich EG überträgt der Rat der Europäischen Union der Kommission zur Verwirklichung der Ziele
         und nach Maßgabe des Vertrags in den von ihm angenommenen Rechtsakten die Befugnisse zur Durchführung der Vorschriften, die
         er erlässt. Der Rat kann die Ausübung dieser Befugnisse bestimmten Modalitäten unterwerfen und sich außerdem in spezifischen
         Fällen vorbehalten, Durchführungsbefugnisse selbst auszuüben. 
      
      51      Im Rahmen dieser Befugnisse, deren Grenzen insbesondere nach Maßgabe der wesentlichen allgemeinen Ziele der fraglichen Regelung
         zu beurteilen sind, ist die Kommission berechtigt, alle für die Durchführung der Grundregelung erforderlichen oder zweckmäßigen
         Maßnahmen zu ergreifen, soweit diese nicht gegen die Grundregelung verstoßen (vgl. in diesem Sinne Urteile vom 17. Oktober
         1995, Niederlande/Kommission, C‑478/93, Slg. 1995, I‑3081, Randnrn. 30 und 31, und vom 19. November 1998, Portugal/Kommission,
         C‑159/96, Slg. 1998, I‑7379, Randnrn. 40 und 41). 
      
      52      Im vorliegenden Fall hat der Rat der Kommission nach dem Wortlaut des Art. 15 der Verordnung Nr. 443/92 die Befugnis übertragen,
         die finanzielle und technische Hilfe sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern Lateinamerikas und
         Asiens zu verwalten. Auf der Grundlage dieser Durchführungsbefugnis hat die Kommission die angefochtene Entscheidung erlassen.
         
      
      53      Wie sich aus den Gründen der angefochtenen Entscheidung sowie dem beschreibenden Anhang ergibt, soll das Vorhaben einen Beitrag
         zu den Bemühungen der Republik der Philippinen leisten, die Sicherheit und die Verwaltung ihrer Grenzen entsprechend der Resolution
         1373, mit der der Terrorismus und die internationale Kriminalität bekämpft werden sollen, zu verbessern. 
      
      54      Zu diesem Zweck sollen mit dem Vorhaben konkrete Maßnahmen in vier Bereichen der Grenzverwaltung durchgeführt werden, und
         zwar die Optimierung der Methoden der Verwaltung, die Einrichtung eines Informatiksystems, die Kontrolle der Ausweispapiere
         und die Ausbildung des betreffenden Personals. 
      
      55      Für die Entscheidung über die Klage des Parlaments ist daher zu prüfen, ob ein Ziel wie das von der angefochtenen Entscheidung
         verfolgte, das die Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität betrifft, in den Anwendungsbereich der
         Verordnung Nr. 443/92 fällt. 
      
      56      Gewiss beziehen sich die Art. 177 EG bis 181 EG, die durch den EU-Vertrag eingeführt wurden und die Zusammenarbeit mit den
         Entwicklungsländern betreffen, nicht nur auf die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung dieser Länder, ihre schrittweise
         und harmonische Eingliederung in die Weltwirtschaft sowie die Bekämpfung der Armut, sondern auch auf die Fortentwicklung und
         Festigung der Demokratie und des Rechtsstaats sowie die Wahrung der Menschenrechte und Grundfreiheiten bei gleichzeitiger
         Beachtung der im Rahmen der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen gegebenen Zusagen. 
      
      57      Zudem ergibt sich aus der Gemeinsamen Erklärung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten,
         des Europäischen Parlaments und der Kommission zur Entwicklungspolitik der Europäischen Union mit dem Titel „Der Europäische
         Konsens“ (ABl. 2006, C 46, S. 1), dass es keine nachhaltige Entwicklung und Beseitigung der Armut ohne Frieden und Sicherheit
         geben kann und dass die Verfolgung der Ziele der neuen Entwicklungspolitik der Gemeinschaft nicht ohne die Förderung der Demokratie
         und die Wahrung der Menschenrechte möglich ist. 
      
      58      Der Gemeinschaftsgesetzgeber beschloss deshalb anlässlich der Aufhebung der Verordnung Nr. 443/92 durch die Verordnung (EG)
         Nr. 1905/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Schaffung eines Finanzierungsinstruments
         für die Entwicklungszusammenarbeit (ABl. L 378, S. 41), den Rahmen der Entwicklungspolitik zu stärken, um ihre Wirksamkeit
         zu verbessern. Zu diesem Zweck führt die Verordnung (EG) Nr. 1717/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. November
         2006 zur Schaffung eines Instruments für Stabilität (ABl. L 327, S. 1) eine Hilfe der Gemeinschaft ein, die die aufgrund der
         Außenhilfe geleistete ergänzt, indem sie insbesondere einen Beitrag dazu leistet, der Instabilität der betroffenen Staaten
         vorzubeugen. Nach dem sechsten Erwägungsgrund dieser Verordnung ist die Erklärung des Europäischen Rates zur Bekämpfung des
         Terrorismus vom 25. März 2004 zu berücksichtigen, in der er dazu aufruft, das Ziel der Terrorismusbekämpfung in die Außenhilfeprogramme
         aufzunehmen. Nach Art. 4 Abs. 1 Buchst. a dieser Verordnung ist die Kommission künftig ermächtigt, die Verwaltung der Hilfe
         für Behörden, die am Kampf gegen den Terrorismus beteiligt sind, sicherzustellen, indem unterstützenden Maßnahmen, die die
         Entwicklung und Stärkung von Rechtsvorschriften zur Terrorismusbekämpfung, Zollvorschriften und Einwanderungsrecht betreffen,
         Vorrang eingeräumt wird. 
      
      59      Gleichwohl steht fest, dass in der Verordnung Nr. 443/92 die Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität
         nicht ausdrücklich genannt wird. Insoweit ist hervorzuheben, dass der Vorschlag zur Änderung der Verordnung Nr. 443/92, den
         die Kommission 2002 vorgelegt hat (KOM[2002] 340 endg. vom 2. Juli 2002) und mit dem in den Anwendungsbereich der Verordnung
         u. a. die Bekämpfung des Terrorismus eingeführt werden sollte, gescheitert ist. 
      
      60      Die Kommission ist dennoch der Auffassung, die angefochtene Entscheidung habe auf der Grundlage der Verordnung Nr. 443/92
         rechtmäßig erlassen werden können, da das Vorhaben unmittelbar zum Ausbau der Institutionen des betreffenden Landes beitrage
         und dieser Tätigkeitsbereich sowohl in den Art. 5 und 6 dieser Verordnung über die finanzielle und technische Hilfe als auch
         in ihren Art. 7 und 8 über die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausdrücklich genannt sei. 
      
      61      Hinsichtlich der finanziellen und technischen Hilfe ergibt sich aus Art. 5 der Verordnung Nr. 443/92, dass die Unterstützung
         der nationalen Institutionen der Entwicklungsländer kein Selbstzweck ist, sondern ein Mittel, um ihre Fähigkeit zur Verwaltung
         der Entwicklungspolitiken und ‑vorhaben in den Bereichen zu stärken, denen diese Verordnung eine besondere Bedeutung beimisst,
         d. h. insbesondere Landwirtschaft, Ernährungssicherheit, Umweltschutz, Drogenbekämpfung, kulturelle Dimension der Entwicklung,
         Schutz von Kindern und demografische Fragen. Was die Stärkung der Verwaltungskapazitäten der mit der Grenzverwaltung beauftragten
         Behörden im Hinblick auf die Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität angeht, kann nicht angenommen
         werden, dass sie unter einen der von der Verordnung erfassten Tätigkeitsbereiche fällt. 
      
      62      Soweit Art. 6 der Verordnung Nr. 443/92 darauf gerichtet ist, die finanzielle und technische Hilfe nach Art. 5 in spezifischen
         Bereichen und Fällen, insbesondere der institutionellen Entwicklung beim Ausbau der öffentlichen Verwaltung, auf verhältnismäßig
         fortgeschrittenere Entwicklungsländer auszudehnen, ergibt sich aus Art. 1 Satz 3 der Verordnung, dass diese Hilfe der Unterstützung
         der in dieser Bestimmung genannten Ziele dienen soll. Folglich stellt in Bezug auf die dort vorgesehene finanzielle und technische
         Hilfe die in Art. 6 der Verordnung Nr. 443/92 vorgesehene institutionelle Stärkung ebenfalls keinen Selbstzweck dar. 
      
      63      Die Kommission kann sich auch nicht darauf berufen, dass das Vorhaben die innere Stabilität und Sicherheit der Republik der
         Philippinen erhöhen solle. 
      
      64      Zwar ist die Grenzverwaltung grundsätzlich geeignet, die innere Stabilität und Sicherheit des betroffenen Landes dadurch zu
         erhöhen, dass die Kontrollen u. a. in Bezug auf den Handel mit Waffen und Drogen sowie den Menschenhandel verbessert werden
         können, Tätigkeiten, die unbestreitbar schwerwiegende Hindernisse für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung darstellen.
         Gleichwohl ist festzustellen, dass die Verordnung Nr. 443/92 die innere Stabilität und Sicherheit nicht nur nicht erwähnt,
         sondern dass es auch keinen Anhaltspunkt dafür gibt, dass diese Ziele implizit von dieser Verordnung erfasst wären, die in
         ihrem siebten Erwägungsgrund als neue Prioritäten insbesondere den Umweltschutz, die menschliche Dimension der Entwicklung
         und die wirtschaftliche Zusammenarbeit in beiderseitigem Interesse festlegt. 
      
      65      Entgegen dem Vorbringen der Kommission ist es nicht von Belang, dass mit der angefochtenen Entscheidung vergleichbare Entscheidungen
         auf der Grundlage der Verordnung Nr. 443/92 erlassen worden seien oder dass diese Bereiche wie die Drogenbekämpfung umfasse,
         deren Bedeutung für die innere Stabilität und Sicherheit des betroffenen Landes der Bedeutung gleichgesetzt werden könnten,
         die die Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität habe. Zum einen ist nämlich die Beurteilung der Durchführungsbefugnisse
         der Kommission unter Berücksichtigung der spezifischen Merkmale der jeweiligen Entscheidung vorzunehmen, die im vorliegenden
         Fall den Erlass der angefochtenen Entscheidung auf der Grundlage der Art. 5 und 6 der Verordnung Nr. 443/92 nicht rechtfertigen,
         und zum anderen ist die Drogenbekämpfung − im Unterschied zum Kampf gegen den Terrorismus und die internationale Kriminalität
         − ausdrücklich in den Art. 5 und 6 der Verordnung genannt. 
      
      66      Was die von der Kommission geltend gemachte institutionelle Stärkung im Bereich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit angeht,
         ergibt sich aus den Art. 7 und 8 der Verordnung Nr. 443/92, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit dazu beitragen soll, günstigere
         Investitions- und Entwicklungsrahmenbedingungen in der Wirtschaft, in der Gesetzgebung und in der Gesellschaft zu schaffen.
         Da jede Maßnahme der Zusammenarbeit gerade durch die vorzunehmende Finanzierung grundsätzlich eine Auswirkung auf die wirtschaftliche
         Situation des betroffenen Landes haben kann, muss ein Vorhaben zur institutionellen Stärkung, um als Maßnahme der wirtschaftlichen
         Zusammenarbeit in Betracht zu kommen, dadurch gekennzeichnet sein, dass es eine unmittelbare Verbindung mit deren Zweck, Investitionen
         und die Entwicklung auszubauen, aufweist. 
      
      67      Im vorliegenden Fall lässt sich jedoch, wie die Generalanwältin in den Nrn. 101 und 102 ihrer Schlussanträge hervorgehoben
         hat, der angefochtenen Entscheidung nicht entnehmen, inwiefern das mit dem Vorhaben verfolgte Ziel tatsächlich dazu beitragen
         könnte, günstigere Rahmenbedingungen für Investitionen und für die wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen. 
      
      68      Demnach dient die angefochtene Entscheidung einem Ziel im Bereich der Bekämpfung des Terrorismus und der internationalen Kriminalität,
         das über den Rahmen der mit der Verordnung Nr. 443/92 verfolgten Politik der Entwicklungszusammenarbeit hinausgeht, so dass
         die Kommission die ihr vom Rat in Art. 15 dieser Verordnung übertragenen Durchführungsbefugnisse überschritten hat. 
      
      69      Die angefochtene Entscheidung ist somit aus diesem Grund für nichtig zu erklären.
      
      70      Unter diesen Umständen ist das hilfsweise vom Parlament in seiner Erwiderung vorgebrachte Argument, die Kommission sei nicht
         befugt, die für die Finanzierung des Vorhabens erforderlichen Mittelbindungen vorzunehmen, nicht zu prüfen. 
      
       Kosten 
      71      Nach Art. 69 § 2 der Verfahrensordnung ist die unterliegende Partei auf Antrag zur Tragung der Kosten zu verurteilen. Da das
         Parlament die Verurteilung der Kommission beantragt hat und diese mit ihrem Vorbringen unterlegen ist, sind ihr die Kosten
         aufzuerlegen. Gemäß Art. 69 § 4 der Verfahrensordnung trägt das Königreich Spanien seine eigenen Kosten. 
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Große Kammer) für Recht erkannt und entschieden: 
      1.      Die Entscheidung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, mit der ein die Sicherheit der Grenzen der Republik der Philippinen
            betreffendes, im Rahmen der Haushaltslinie 19 10 02 des Gesamthaushaltsplans der Europäischen Gemeinschaften zu finanzierendes
            Vorhaben (Philippine Border Management Project, Nr. ASIA/2004/016‑924) genehmigt wurde, wird für nichtig erklärt. 
      2.      Die Kommission der Europäischen Gemeinschaften trägt die Kosten.
      3.      Das Königreich Spanien trägt seine eigenen Kosten. 
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Französisch.