CELEX: 51990PC0322
Language: de
Date: 1990-09-03
Title: VORSCHLAG FUER EINE RICHTLINIE DES RATES UEBER MISSBRAEUCHLICHE KLAUSELN IN VERBRAUCHERVERTRAEGEN

KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN
                                                   K0MC90) 322 endg. - SYN 285
                                                   Brüssel, den 3. September 1990
•'fi
                             Vorschlag für eine
                            RICHTLINIE DES RATES
           über mißbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen
                       (von der Kommission vorgelegt)
 ---pagebreak---                                   BEGRÜNDUNG
In allen Mitgliedstaaten beruht das Vertragsrecht auf beiderseitiger
Einigung. Es wird vorausgesetzt, daß die Vertragsparteien die Klauseln
Ihrer Vereinbarungen insbesondere dann verstehen, wenn sie diese
schriftlich getroffen und unterzeichnet haben. Diese Regel ist Jedoch
selbst auf einzelStaat I Icher Ebene wohl etwas wirklichkeitsfremd und muß
überarbeitet werden, wenn der Gemeinsame Markt zufriedenstellend
funkt Ion leren soll. Innerhalb des Gemeinsamen Marktes gibt es gegenwärtig
zwölf Mitgliedstaaten mit über zwölf unterschiedlichen Rechtsordnungen und
neun Amtssprachen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, daß Verbraucher,
wenn sie die Grenze überschreiten, um Waren oder Dienstleistungen zu kaufen
oder in anderen Mitgliedstaaten zu investieren oder Grundeigentum zu
erwerben, die Klauseln eines abgeschlossenen Vertrages verstanden und ihnen
zugestimmt haben, wenn sie die Landessprache nicht beherrschen oder mit dem
dort geltenden Recht nicht vertraut sind, insbesondere dann nicht, wenn
dieser Vertrag komplex ist wie die Standardklauseln und -bedingungen für
den Verkauf eines Kraftfahrzeugs. Ohne eine gewisse Sicherheit dafür, daß
sie nicht durch mißbräuchliche Verträge ernstlich benachteiligt zu werden,
wird es den Verbrauchern an dem nötigen Vertrauen zur Nutzung der neuen
Möglichkeiten fehlen, die sich durch die Vollendung des Binnenmarktes
eröffnen, beispielsweise die Gelegenheit, Waren und Dienstleistungen zu
günstigeren Preisen in anderen Mitgliedstaaten als Ihrem Wohnsitzland zu
erwerben.
Das Problem der mißbräuchlichen Verträge wurde auf einzelstaatlicher Ebene
bereits von zahlreichen Mitgliedstaaten erkannt. Seit dem Jahre 1974 haben
neun von zwölf Mitgliedstaaten Rechtsvorschriften erlassen, durch die ein
besseres Gleichgewicht zwischen Verbrauchern und Lieferanten hergestellt
werden soll. Lediglich in Belgien, Griechenland und Italien gibt es keine
Rechtsvorschriften, die sich speziell auf mißbräuchliche Verträge beziehen.
Zwischen den Mitglledstaaten, die bereits Rechtsvorschriften erlassen
haben, gibt es Jedoch viele erhebliche Unterschiede hinsichtlich des
Ansatzes, des Themenkreises und des Inhalts ihrer Rechtsvorschriften. So
wird beispielsweise Im Gesetz der Bundesrepublik Deutschland eine ins
einzelne gehende Liste von Klauseln festgelegt, die rechtsungültig sind,
sowie eine andere Liste von Klauseln, die unter bestimmten Umständen als
rechtsungültig erklärt werden können. Das britische Gesetz enthält eine
 ---pagebreak--- kurze schwarze Liste, ansonsten werden Einzelheiten Jedoch vermieden, und
es wird den Gerichten überlassen, im Wege einer "Angemessenheitsprüfung"
(Test of reasonableness) zu entscheiden, welche Vertragsklauseln
mißbräuchlich und daher rechtsungültig sind. Frankreich widerum hat einen
verwaltungsrecht11chen Weg gewählt. Ein treffendes Beispiel für die
unterschiedlichen Themenkreise zeigt sich in dem Gegensatz zwischen dem
britischen Gesetz und dem anderer Mitgliedstaaten. Das britische Gesetz
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schließt bei der Anwendung des Unfair Contract Terms Act (Gesetz über
mißbräuchliche Vertragsklauseln) Versicherungsvertage aus, während bei den
Gesetzen anderer Länder das Versicherungswesen nicht ausgeschlossen ist.
In einer Reihe von Entschließungen des Ratest) wird anerkannt, daß die
Verbraucher durch gemeinschaftliche Rechtsvorschriften gegen mißbräuchliche
Vertragsklauseln zu schützen sind; die Kommission hat im Jahre 1984 im
Hinblick auf die Ausarbeitung eines Vorschlags für eine Richtlinie des
Ratest2) ein Diskussionspapier veröffentlicht. In den Jahren 1985 und 1986
wurde dieser Sachverhalt auch von zwei Ausschüssen des Europäischen
Parlaments, dem Rechtsausschuß und dem Ausschuß für Umweltfragen,
Volksgesundheit und Verbraucherschutz erörtert. Beide haben den
Verbraucherschutz und gemeinschaftsweite Regelungen zu diesem Thema als
notwendig anerkannt.
Im Anschluß an diese und weitere Konsultationen hat die Kommission einen
Rieht I inienvorseh lag ausgearbeitet, der durch die Harmonisierung der
Rechtsvorschriften und Verhaltensweisen der Mitgliedstaaten mißbräuchliche
Klauseln In Verbraucherverträgen beseitigen soll.
Einige Vertragsklauseln sind deshalb mißbräuchlich, weil sie dem
Verbraucher unangemessene Verpflichtungen auferlegen. Andere sind
mißbräuchlich, well sie ihn bestimmter Rechte berauben. In diese Kategorie
gehört der Haftungsausschluß bei Nichterfüllung eines Vertrages. Ein
Vertrag kann Jedoch auch deshalb mißbräuchlich sein, weil bestimmte
grundlegende Zusicherungen fehlen: z.B. daß die Waren nicht mit verborgenen
Mängeln behaftet sind.
Der Geltungsbereich dieses Vorschlags wird in Artikel 1 so abgegrenzt, daß
Jeder Vertrag zwischen einem Verbraucher und einer Vertragspartei, die in
Ausübung ihres Gewerbes oder Berufs handelt, unabhängig davon
eingeschlossen Ist, ob es sich um einen Standardvertrag handelt oder der
Vertrag einzeln ausgehandelt wird.
(1)     ABI. Nr. C 92 vom 25.4.1975, S. 1; ABI. Nr. C 133 vom 3.6.1981,
        S. 1; ABI. Nr. C 167 vom 5.7.1986, S. 1.
 (2)    Beilage 1/84, Bulletin der Europäischen Gemeinschaften.
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In Artikel 2 werden die Begriffe "mißbräuchliche Klauseln" und
"Verbraucher" bestimmt, während durch Artikel 3 die Verwendung
mißbräuchlicher Klausen, die bei verbotswidriger Verwendung rechtsungültig
sind, untersagt wird. Eine Liste möglicher mißbräuchlicher Klauseln liegt
dem Vorschlag als Anhang bei.
Die Überprüfung mißbräuchlicher Klauseln durch die Mitgliedstaaten ist in
Artikel 4 vorgesehen; sie umfaßt neben gerichtlichen Verfahren auch
verwaltungsmäßige überprüfungsverfahren und Selbstbeschränkung.
Durch Artikel 5 des Vorschlags verpflichtet sich die Kommission, dem Rat
über die Erfahrungen bei der Anwendung der Richtlinie Bericht zu erstatten
in Artikel 6 wird als Zeltpunkt des Inkrafttretens der 31. Dezember 1992
festgesetzt. Damit soll entsprechend Artikel 100 a des EG-Vertrags, der
Rechtsgrundlage des Rieht I inienvorschlags, durch ein hohes
Verbraucherschutzniveau zur Vollendung des Binnenmarktes beigetragen
werden. Laut Artikel 7 Ist die vorgeschlagene Richtlinie förmlich an die
Mitgliedstaaten gerichtet.
Eine Übersicht über die Rechtslage in allen Mitglieds Staaten und in
einigen anderen Staaten ist als Beilage angefügt.
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In allen M i t g l i e d s t a a t e n der G e m e i n s c h a f t , sei es in den L ä n d e r n
dsï B ü r g e r l i c h e n Rechts oder d e n "Common L a w " - L ä n d e r n , beruht das
V e r l a g s r e c h t auf dem G r u n d s a t z , daß die V e r t r a g s p a r t e i e n die
V e r t r a g s b e d i n g u n g e n a u s h a n d e l n k ö n n e n . In d e n Ländern mit k o d i f i -
ziertem Zivilrecht (Belgien, D ä n e m a r k , B u n d e s r e p u b l i k Deutschland,
F r a n k r e i c h , G r i e c h e n l a n d , I t a l i e n , L u x e m b u r g , N i e d e r l a n d e , Portugal
und Spanien) räumen die im 19. J a h r h u n d e r t k o n z i p i e r t e n und a b g e -
faßten B ü r g e r l i c h e n G e s e t z b ü c h e r den V e r t r a g s p a r t e i e n beträchtliche
H a n d l u n g s f r e i h e i t ein. Sie e n t h a l t e n R e c h t s n o r m e n , die im a l l g e m e i -
nen einen R a h m e n b i l d e n , in dem die V e r t r a g s p a r t e i e n beträchtlichen
Raum h a b e n , um von den B e s t i m m u n g e n a b w e i c h e n oder diese ergänzen
zu können.
In den C o m m o n - L a w - L ä n d e r n (Irland und V e r e i n i g t e s Königreich ohne
S c h o t t l a n d ) verhält es sich kaum a n d e r s . Auch dort gilt der G r u n d -
s a t z , daß die V e r t r a g s p a r t e i e n die V e r t r a g s b e d i n g u n g e n aushandeln
k ö n n e n , und jede P a r t e i , insbesondere der Verbraucher als Käufer
von Waren und D i e n s t l e i s t u n g e n , muß selbst d a r a u f achten, daß kein
für ihn ungünstiger Vertrag a b g e s c h l o s s e n wird (caveat e m p t o r ) .
 Massenproduktion, MassenverteiLung und Massenkonsum führten zu einer
zunehmenden S t a n d a r d i s i e r u n g der Verträge und insbesondere zu einer
zunehmenden Verwendung v o r f o r m u l i e r t e r V e r t r ä g e mit bestimmten
S t a n d a r d k l a u s e l n . S t a n d a r d k l a u s e l n sind heute in der ganzen G e m e i n -
schaft weit v e r b r e i t e t . So b e s t i m m e n vom L i e f e r a n t e n im voraus
aufgestellte Klauseln die Verträge über d e n V e r k a u f langlebiger
Güter oder über die Strom-, G a s - oder W a s s e r v e r s o r g u n g . Noch viele
andere Beispiele ließen sich a n f ü h r e n .
In der P r a x i s kommen vor .allem zwei A r t e n v o n G e s c h ä f t e n v o r , bei
denen die V e r t r a g s b e d i n g u n g e n in der Regel noch nicht vor formuliert
s i nc :
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      die atypischen Geschäfte, d.h. solche, die derart ungewöhnlich
      sind, daß für sie die bestehenden Standardklauseln keine
      Geltung haben können;
      die millionen Transaktionen jeder erdenklichen Art, die tagein
      tagaus an Ort und Stelle ausgeführt werden, einschließlich der
      freihändigen Verkäufe im Einzelhandel. In diesen Fällen rich-
      ten sich die Bedingungen, soweit sie von den Parteien nicht
      eigens vereinbart werden, nach dem Vertragsrecht. Die Zahl der
      zwischen den Parteien speziell vereinbarten Vertragsklauseln
      ist hier in der Regel sehr gering.
Obwohl viele Einzelheiten - z.B. Preis, Lieferfrist und Warenbe-
schreibung - im typischen Verbrauchervertrag von Vertrag zu Vertrag
unterschiedlich sind, ist der grundlegende Rechtsrahmen, nämlich
die Standardgeschäftsbedingungen des Lieferanten, derselbe, und
gerade die Anwendung dieser Bedingungen auf den eigenen Vertrag
kann für den Verbraucher schwere Nachteile haben. Hinzu kommt, daß
die vom nationalen Recht vorgegebenen Klauseln (beispielsweise bei
einem freihändigen Verkauf von Verbrauchsgütern, wo die Parteien
nicht über die Vertragsklauseln verhandeln) häufig je nach Mit-
gliedstaat zum anderen unterschiedlich sind.
Standardklauseln können beispielsweise vorsehen, daß Angaben über
Lieferfristen nur einen Anhaltspunkt bieten, aber im übrigen unver-
bindlich sind, so daß der Verbraucher kein Rechtsmittel hat, wenn
die Waren nicht innerhalb einer bestimmten Zeit geliefert werden.
Wenn der Verbraucher den Zeitpunkt der Lieferung selbst festsetzen
kann, kann sich dies tatsächlich gegen ihn wenden; denn er mag den
Eindruck haben, daß seine Angabe eine Vertragsklausel ist. Wäre ihm
unmißverständlich gesagt worden, daß es für Lieferfristen keine
Garantie gibt und es daher sinnlos ist, einen Zeitpunkt zu bestim-
men, hätte er möglicherweise beschlossen, entweder mit dem betref-
fenden Lieferanten keinen Vertrag einzugehen oder mit ihm auszuhan-
deln, daß die Standardklausel keine Geltung hat und die Angabe über
den Zeitpunkt der Lieferung eine Vertragsklausel wird.
Standardklauseln gehen manchmal soweit, daß sie die allgemeinen
Rechte des Verbrauchers ausschließen und ihm dafür in gewissen
Fällen eine recht beschränkte Garantie bieten. Diese Sachlage, die
man ohne weiteres als Mißbrauch des Grundsatzes der Vertragsfrei-
heit einstufen kann, hat in mehreren Mitgliedstaaten zum Erlaß ver-
braucherfreundlichen Regelungen geführt.
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Natürlich kann der Verbraucher versuchen, den Vertrag unter anderen
als die vom Lieferanten vorgeschlagenen Bedingungen zu schließen.
Allerdings werden hierzu nur sehr wenige Verbraucher gut genug
unterrichtet sein. Denjenigen hingegen, die beispielsweise versu-
chen Klauseln abzulehnen und durchzusetzen, daß die allgemeinen
Rechzsvorschriften gelten, kann es durchaus passieren, daß sich der
Lieferant nur auf der Grundlage seiner Standardbedingungen auf ein
Geschäft mit dem Käufer einläßt. Verbraucher, die daraufhin be-
schließen, es mit einem anderen Lieferanten zu versuchen, werden
sich dann höchstwahrscheinlich wieder mit den Standardbedingungen
des betreffenden Lieferanten konfrontiert sehen.
Problematisch für den Verbraucher sind vor allem zwei Arten vor.
Standardverträgen: zum einen, die Standardvordrucke, womit vorformu-
lierte und im voraus gedruckte Verträge gemeint sind. In diesen
 Vordrucken brauch nur Name und Anschrift des Käufers und Angaben
über die jeweiligen Waren oder Leistungen eingesetzt zu werden. Die
Verwendung derartiger Vertragsvordrucke schließt die Möglichkeit
aus, daß die Parteien die dem Vertragsgegenstand betreffenden
Bedingungen aushandein (obgleich Vertragsgegenstände wie Preis und
Warer.angaben ja möglicherweise ausgehandelt werden). Somit bleibt
für den Verbraucher nur die Wahl, den Vertrag anzunehmen oder auf
das Geschäft zu verzichten. Zum anderen, die schriftlichen und
mündlichen Verträge, die den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des
Lieferanten unterliegen. Typische Beispiele hierfür sind Verträge
für Dienstleistungen (z.B. Chemische Reinigung oder Beförderung),
für die dem Verbraucher im allgemeinen nur ein Belegschein oder
eine Quittung (über die geleistete Anzahlung oder die Bezahlung des
ganzen Betrags) oder aber ein Anrechtschein (Voucher) ausgehändigt
wird, und schriftliche Verträge für Arbeiten an Gebäuden (z.B.
Einbau von Doppelglasfenstern).
All diesen Verträgen gemeinsam,   daß die Geschäftsbedingungen ohne
Mitwirkung der Verbraucher ausgearbeitet werden. Der Verbraucher
hat also in dieser Phase keine Möglichkeit, seine Interessen gel-
ten zu lassen   und in den Geschäftsbedingungen zum Ausdruck zu
bringen. Die meisten Verbraucher, die Verträge mit Standardklauseln
abschließen, tun dies ohne eine genaue Kenntnis der Bedingungen.
Obwohl es im Vertrag heißt, daß der Verbraucher mit seiner Unter-
schrift den Geschäftsbedingungen zustimmt, hat er in Wirklichkeit
selten Gelegenheit, die Bedingungen zu prüfen, weil sie ihm z.B.
nicht vorher mitgeteilt wurden oder weil lediglich darauf hingewie-
sen wurde, daß er die Geschäftsbedingungen auf Wunsch erhalten kann
oder diese irgendwo ausgehängt sind. Selbst wenn der Verbraucher die
Gelegenheit hätte, die Bedingungen zu prüfen, würde er ihre genaue
Rechtsbedeutung nicht verstehen, so daß jeder hinsichtlich der
wahrer. Bedeutung des Vertrages getäuscht werden kann. Die weitver-
breitete Verwendung von Standardbedingungen stellt somit    das Ver-
tragsrecht als solches in Frage.
 ---pagebreak--- Im Kontext des Gemeinsamen Marktes ist die Situation des Verbrau-
chers sogar noch ungünstiger als vorgehend        beschrieben, insbeson-
dere wenn die zwölf nationalen Märkte im Zuge der Vollendung des
Binnenmarktes stärker integriert werden. Selbst wenn vom Verbrau-
cher erwartet wird, daß er die Rechtsbedeutung von in seiner Spra-
che abgefaßten Verträgen versteht, kann nicht von ihm       erwartet
werden, daß er Verträge in der Sprache eines anderen Mitglied-
staats, in dem er Waren oder Dienstleistungen erworben hat, oder
die Anwendung des Rechts dieses Mitgliedstaats versteht. Die ge-
meinschaftliche Dimension des Problems liegt somit auf der Hand. Um
es allgemein zu formulieren: auf der Nachfrageseite stehen im
Gemeinsamen Markt 320 Millionen Verbraucher. Ihre Interessen als
Marktteilnehmer müssen bewahrt werden. Die vielen nationalen
Rechtsvorschriften, die zu dieser Frage zwischen 1974 (Dänemark'11)
und 1937 ( Luxemburg'""'' und Nieder lande,:*! ' ) erlassen wurden, machen
deutlich, wie wichtig dieser Gesichtspunkt ist. Angesichts der
raschen Entwicklung hin zu einem Binnenmarkt ab 1. Januar 1993 ist
es drinqend notwendig, Antworten auf das Problem der mißbräuchli-
chen Vertragsklauseln auf der Gemeinschaftsebene zu suchen und zu
finden, da andernfalls die Verbraucher kein Vertrauen in die, vom
Binnenmarkt gebotenen Möglichkeiten - beispielsweise Einkauf im
Nachbarland - haben werden, was sich wiederum nachteilig auf das
Funktionieren des Binnenmarktes auswirken würde.
Unterschiedliche Rechtsvorschriften - auch da, wo die Mitgliedstaa-
ten Sondervorschriften für mißbräuchliche Vertragsklauseln erlassen
haben - führen heute (und in Zukunft wahrscheinlich in noch stärke-
rem Maße) zu einer ungleichen Behandlung der Bürger der Gemein-
schaft. So hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 20.
Januar 198 3<:":,''> in der Rechtsache Lufthansa gegen Verbraucher schütz-
vere in verschiedene Klauseln in den Flugscheinen der Lufthansa für,
nach deutschem Rechtsungültig erklärt: die fraglichen Klauseln
waren Bestandteil der Standardbeförderungsbedingungen und betrafen
Fragen wie Haftungsbegrenzung, das Recht der Lufthansa zum Rück-
tritt vom Vertrag, das Recht zur Änderung von Flügen und die Be-
weisiast. Einige der für ungültig erklärten Klauseln entstammen
interessanterweise internationalen IATA-Übereinkommen (IATA ist
eine internationale Vereinigung von Luftfahrtgesellschaften). Der
Bundesgerichtshof verwarf das Argument der Lufthansa, solche Klau-
sein würden weltweit verwendet werden, mit der Begründung, daß das
nationale Interesse eines wirksamen Verbraucherschutzes Vorrang auf
internationale Rechtseinheitlichkeit hat.
 (1)  Gesetz Nr. 297 vom 14. Juni 1974 über Verkaufspraktiken
 (2)  Gesetz vom 25. August 1983 über den Rechtsschutz des Verbrau-
      chers, Memorial 1983, 1494, geändert am 27. März 1986, Memori-
      al 1986, 1145, und erneut geändert (dieses Mal in Abänderung
      des Bürgerlichen Gesetzbuches) am 15. Mai 1984, Memorial 1987,
      1987
 (3)  Gesetz über Allgemeine Geschäftsbedingungen vom 18. Juni 1987
 (4)  Rechtsache VII 2R 105/81
 ---pagebreak---                                                                     ^c
Die Richter waren der Auffassung, daß eine Haftungsbeschränkung
auch dann nicht vertretbar ist, wenn sie sich auf das Warschauer
Abkommen (IATA-Abkommen) stützt, das von der Bundesrepublik rati-
fiziert worden ist. Der Ursprung der Haftungsbeschränkung ändere
nichts an der Tatsache, daß es sich um eine Standardvertragsklausel
handelt, die unter das einschlägige deutsche Recht (AGB-Gesetz von
1976 (J1 ) fällt. Da sich in anderen Mitgliedstaaten noch kein Ge-
richt mit den vom Bundesgerichtshof für ungültig erklärten Klauseln
befaßt hat, ist somit eine Situation denkbar, in der ein Passagier,
der seinen Beförderungsausweis in Düsseldorf nach deutschem Recht
gekauft hat, unter vorteilhafteren Vertragsbedingungen befördert
wird als ein Fluggast neben ihm im gleichen Flugzeug, der sein
Ticket in London nach englischem Recht gekauft hat. Diese Situation
ist in einem Markt, der sich als Binnenmarkt bezeichnet, unannehmbar.
 Die Lage auf der Gemeinschaftsebene
Das Erste Programm der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für
eine Politik zum Schutz und zur Unterrichtung der Verbraucher <•:;::,
nennt als vorrangige Aktion den
      "Schutz der Verbraucher vor mißbräuchlichen Handelspraktiken,
      insbesondere bei Vertragsbedingungen, Garantieklauseln, ...,
      Haustürgeschäften (Punkt 24)".
Ziel ist, die Käufer von Gütern oder Dienstleistungen
      "vor dem Machtmißbrauch des Verkäufers zu schützen, insbesondere
      vor einseitig festgelegten Allgemeinen Geschäftsbedingungen,
      vor dem mißbräuchlichen vertraglichen Ausschluß wesentlicher
      Rechte, vor mißbräuchlichen Kreditbedingungen... und vor
      aggressiven Verkaufsmethoden."
Des weiteren sieht das Programm einen Schutz der wirtschaftlichen
Interessen des Verbrauchers bei fehlerhaften Waren oder mangelhaf-
ten Dienstleistungen vor. Weitere Vorschläge mit gleicher Priorität
betreffen den Verbraucherkredit, die mißbräuchliche und irreführen-
de Werbung, die Produkthaftung und die Verbesserung des Umfangs und
der Qualität des Dienstleistungsangebots für Verbraucher. In jedem
dieser Bereiche spielen auch mißbräuchliche Vertragsklauseln eine
Rolle.
Der jetzt vorliegende Richtlinienvorschlag soll daher die bisherige
Arbeit ergänzen, nachdem die Richtlinien über Verbraucherkredit(3)
(1)   Gesetz zur Regelung des Rechts der Allgemeinen Geschäftsbedin-
      gungen (AGB-Gesetz) vom 19. Dezember 1976
(2)   ABl. Nr. C 92 vom 25.4.1975, S. 1
(3)   Richtlinie 87/102/EWG des Rates vom 22. Dezember 1986, ABl.
      Nr. L 42 vom 12.2.1987, S. 4 8
 ---pagebreak---                                                                    -J/)
irreführende Werbung <: :1 :> und Produkthaftung<:';;::' vom Rat mittlerweile
verabschiedet worden sind. Der Vorschlag bezieht sich auf weitere
Maßnahmen wie die Empfehlung zum elektronischen Zahlungsverkehrr3:>
und die geplante Richtlinie über Pauschalre isent:"*:' . Während diese
Maßnahmen einen spezifischen Anwendungsbereich haben, deckt die
jetzt vorgeschlagte Richtlinie über mißbräuchliche Vertragsklau-
seln ein weiteres Feld ab und basiert auf einem wesentlich umfas-
senderen Konzept.
 Das durch die Ratsentschließung vom 19 Mai 1981  beschlossene Zweite
Verbraucherschutzprogramm sieht im Punkt 30 vor:
       "Die Kommission wird die, im Rahmen des Ersten Programms be-
       reits in Angriff genommenen Arbeiten, die sie insbesondere im
       Bereich bestimmter mißbräuchlicher Verkaufspraktiken nicht
       abschließen konnte, fortsetzen."
Weiterhin heißt es hier:
       "In der Frage der mißbräuchlichen Vertragsklauseln hat die
       Kommission im Hinblick auf eine Gemeinschaftsaktion bereits
       Arbeiten mit den Regierungssachverständigen eingeleitet.
       Seither wurden in mehreren Mitgliedstaaten Rechtsvorschriften
       erlassen. Die Kommission wird als erstes ein Arbeitsdokument
       vorlegen, in dem sie die Problematik darlegt und die verschie-
       denen Möglichkeiten für eine Harmonisierung der Wettbewerbsbe-
       dingungen aufzeigt, die unter Umständen durch Disparitäten in
       diesem Bereich beeinträchtigt werden. Nach umfassenden Konsul-
       tationen auf der Grundlage dieses Dokuments wird die Kommissi-
       on dann gegebenenfalls geeignete Vorschläge vorlegen".
Schon 1975 hatte die Kommission Entwürfe für entsprechende Vor-
schläge ausgearbeitet, die mit Regierungssachverständigen erörtert
wurden. Diese Arbeiten gerieten jedoch durch die plötzlich einset-
zende rege gesetzgeberische Tätigkeit der Mitgliedstaaten ins
Stocken. 1976 verabschiedete die Bundesrepublik Deutschland eine
Regelung über mißbräuchliche Vertragsklauseln'*^' , 1977 folgte das
Vereinigte Königreich f7> , und ein Jahr später folgte dann
(1)    Ratsrichtlinie 84/450/EWG vom 10. September 1984, ABl. Nr. L
       250 vom 19.9.1984, S. 17
(2)    Richtlinie 85/374/EWG des Rates vom 25. Juli 1985, ABl. Nr. L
       210 vom 7.8.1985, S. 29
 (3)   ABl. Nr. L 317 vom 24.11.1988, S. 55
 (4)   ABl. Nr. C 190 vom 27.7.1989, S. 10
 (5)   ABl. Nr. C 133 vom 3.6.1981, S. 1
 (6)   Siehe Fußnote (1) auf S. 5
 (7)   Unfair Contract Terms Act 1977
 ---pagebreak---                                                    "U
Frankreichc3^. Dabei ging jedes Land einen eigenen Weg. Die Rege-
lung der Bundesrepublik umfaßt eine detaillierte "schwarze Liste"
unwirksamer Klauseln (Klauselverböte ohne Wertungsmöglichkeit) und
eine "graue Liste" von Klauseln, die unter bestimmten Umständen für
unwirksam erklärt werden können (Klauselverböte mit Wertungsmög-
lichkeit). Die britische Regelung enthält eine kurze Liste absolu-
ter Klausel verböte (beispielswiese Verbot von Klauseln, mit denen
die Haftung für Schaden an Leben und Gesundheit von Personen ausge-
schlossen wird). Ansonsten regelt das britische Gesetz keine Ein-
zelheiten und überläßt es den Gerichten, im Wege einer "Angemessen-
heitsprüfung" (test of reasonableness) zu entscheiden, welche
Vertragsklauseln mißbräuchlich und folglich unwirksam sind. Frank-
reich wiederum hat einen verwaltungsrechtlichen Weg gewählt: nach
allfälligen gerichtlichen Entscheidungen empfiehlt ein besonderer
Ausschuß dem zuständigen Minister gesetzgeberische Initiativen mit
dem Siel, die fraglichen Vertragsklauseln für ungesetzlich zu
erklären. Da diese einzelstaatlichen Initiativen den Vorschlägen
der Gemeinschaft zuvorkamen, mußte die Kommission zunächst einmal
eine Beruhigung der Lage abwarten.
1984 veröffentlichte die Kommission ein Diskussionspapier mit dem
Titel "Mißbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen" e'?> , das
eine weite Verbreitung fand und zwischen den Kommissionsdienststel-
len und der Wirtschaft, den öffentlichen Versorgungsbetrieben, den
Vertretern der freien Berufe und den Verbraucherorganisationen
eingehend erörtert wurde. Wie nicht anders zu erwarten war, wider-
setzten sich dabei die Verwender von Standardvertragsklauseln der
Idee einer Gemeinschaftsmaßnahme, die eine Einschränkung ihres
Rechts bedeuten würde, einseitig Standardvertragsklauseln, die mehr
den eigenen Interessen als denen der Verbraucher dienen, zu formu-
lieren. Aus naheliegenden Gründen war ihre Ablehnung natürlich
anders formuliert.
1985 und 1986 bezog das Europäische Parlament jedoch eine wesent-
lich positivere Position, als sich zwei Parlamentsausschüsse,
nämlich der Ausschuß für Recht und Bürgerrecht und der Ausschuß für
Umweltfragen, Volksgesundheit und Verbraucherschutz, mit dem Dis-
kussionspapier der Kommission von 1984 näher befaßten. Beide Aus-
schüsse erkannten die Notwendigkeit eines Schutzes der Verbraucher
gegen mißbräuchliche Vertragsklauseln und die Notwendigkeit ent-
sprechender Gemeinschaftsvorschriften an. Der Rechtsausschuß des
Parlaments forderte
(1)  Loi sur la protection et l'information des consommateurs des
     produits et des services. No. 78-23, 10.1.1978
(2)  Beilage 1/84 zum Bulletin der Europäischen Gemeinschaften
 ---pagebreak---                                                             *3
in seiner Entschließung sogar, daß eine diesbezügliche Richtlinie
nicht auf den Verbraucherschutz begrenzt bleiben dürfe<:i:>.
Als Reaktion auf die Initiative der Kommission vom Mai 1986 ("Neuer
Impuls für die Politik zum Schutz der Verbraucher") forderte der
Rat die Kommission in einer Entschl ie ßung<:::;;::> auf, unter Berücksich-
tigung des in ihrer Mitteilung enthaltenen Arbeitsprogramms Vor-
schläge zu unterbreiten, die auch einen Richtlinienvorschlag be-
treffend mißbräuchliche Vertragsklauseln umfassen sollten.
Der vorliegende Vorschlag ist die Krönung langjähriger Arbeit,
nachdem die Kommission in ihren Aktionsprogrammen zum Verbraucher-
schutz entsprechende Schritte angekündigt und das Europäische
Parlament und der Rat solche Initiativen gefordert hatten. In der
Zwischenzeit sind die meisten Mitgliedstaaten, in denen bislang
noch keine Regelung auf dem Gebiet der mißbräuchlichen Vertrags-
klauseln bestand, initiativ geworden oder haben entsprechende
Gesetzentwürfe vorbereitet. Dies beweist, daß auf nationaler Ebene
Probleme bestehen, die nach einer gesetzgeberischen Regelung ver-
langen. Vom Standpunkt der Gemeinschaft aus ist es allerdings
bedauerlich, daß die gewählten Lösungen sehr verschiedenartig sind;
wie die Erfahrung zudem zeigt, haben einige der gewählten Lösungen
nicht die besten Ergebnisse gebracht.
Die Lage in den Mitgliedstaaten
Das Recht der Mitgliedstaaten in der Frage der mißbräuchlichen
Vertragsklauseln ist sehr unterschiedlich ausgestaltet. In einem
Markt, der als großräumiger Binnenmarkt funktionieren soll, muß in
allen Mitgliedstaaten das gleiche einschlägige Recht gelten. An-
dernfalls müssen Handel und Gewerbe und insbesondere die Lieferan-
ten von Waren und Dienstleistungen (Kredit, Banken, Versicherung,
Transport, Pauschalreisen, Wartung und Instandsetzung, Rechtsbera-
tung, Buchhaltung, Investmentberatung, Architekten, Bauunternehmer,
Maler, Dekorateure und Beerdigungsunternehmen) wie auch die Ver-
braucher unter unklaren und häufig schwierigen, jedenfalls aber
(1)  HOON-Bericht in PE100.931/fin. Bei den extremen Schwierigkei-
     ten einer Einigung über gemeinsame Vorschriften für (buchstäb
     lieh) ALLE Verträge hat die Kommission beschlossen, ihre
     Arbeit vorläufig auf das Gebiet der Verbraucherverträge zu
     beschränken.
(2)  ABl. Nr. C 167 vom 5.7.1986, S.l
 ---pagebreak--- ungleichen Bedingungen operieren, wenn sie (gewerbliche Wirtschaft)
Waren oder Dienstleistungen nach einem anderen als ihrem eigenen
Mitgliedstaat liefern oder (Verbraucher) sich aus den verschieden-
sten Gründen (Arbeit, Studium, private Reisen, Gesundheit, Kombina-
tion aus privatem Vergnügen und Arbeit usw.) in einem anderen als
dem eigenen Mitgliedstaat aufhalten und dort Waren kaufen, leasen
oder mieten, oder Dienstleistungen entgegennehmen.
Wir sind aber noch sehr weit von einer auch nur einigermaßen umfas-
senden Harmonisierung entfernt. Für eine Angleichung oder Verein-
heitlichung der einzelstaatlichen Vorschriften für das gesamte
Gebiet der vertraglichen und quasi-vertragiichen Schuldverhältnisse
oder selbst für den engen Bereich des Verkaufs von Waren und
Dienstleistungen ist die Zeit noch nicht reif. Das einzig Konkrete,
was die Gemeinschaft derzeit in diesem wichtigen Rechtszweig tun
kann, um uns näher an eine Lösung des vorstehend beschriebenen
Problems heranzubringen, besteht darin,
      mißbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen in der Weise
      zu beseitigen, daß bestimmte Klauseln, die in solchen Verträ-
      gen unter keinen Umständen verwendet werden sollten, auf eine
      "schwarze Liste" gesetzt werden, und
      die Basis-Mindestverpflichtungen festzulegen, deren Erfüllung
      der Verbraucher in jedem Mitgliedstaat vom Verkäufer einer
      Ware oder einer Dienstleistung verlangen können müßte.
Die rechtliche Lage
Die rechtliche Lage in den einzelnen Mitgliedstaaten läßt sich wie
folgt zusammenfassen:
Belg ien
Belgien gehört zu den wenigen Mitgliedstaaten, die bisher keine
spezifischen Vorschriften auf dem Gebiet der mißbräuchlichen Ver-
tragsklauseln erlassen haben. Am 23. Juli 1985 hat die belgische
Regierung dem Parlament eine Änderung des Gesetzes über die Han-
delspraktiken vom 14. Juli 1971 in dem Sinne vorgeschlagen, daß
zwei besondere Vorschriften für Generalklauseln in Standardverträ-
gen erlassen werden. Die beiden vorgeschlagenen Bestimmungen ähneln
denen eines Gesetzentwurfes aus dem Jahre 1977 (der nie den Weg ins
Parlament fand), sind aber weniger umfassend.
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Am 20. März 1987 wurde vom Senat eine überarbeitete Fassung geneh-
migt und an das Repäsentantenhaus überwiesen. Diese überarbeitete
Fassung enthält Vorschriften betreffend mißbräuchliche Klauseln in
Verbraucherverträgen, sowie eine "schwarze Liste"., von Klauseln, die
stets unwirksam sind, falls sie in Verbraucherverträgen verwendet
werden sollten.
Das Gesetz vom 14. Juli 1971 über Handelspraktiken gibt den Ver-
braucherorganisationen das Recht, im ziviirechtlichen Verfahren auf
Einstellung bestimmter Praktiken zu klagen. Der Kläger braucht in
diesem Fall kein "persönliches Interesse" nachzuweisen; vielmehr
genügt das Interesse der Verbraucher insgesamt. Anders verhält es
sich bei strafrechtlichen Verfahren; hier muß die Verbraucherorga-
nisation ein eigenes Interesse nachweisen.
Am 29. April 1978 wurde eine Königliche Kommission mit dem Mandat
eingesetzt, ein belgisches Verbraucherrecht zu entwerfen. Eine der
Fragen, mit der sich diese Kommission derzeit befaßt, sind miß-
bräuchliche Vertragsklauseln. Da das Mandat der Kommissionsmitglie-
der auf drei Jahre festgelegt ist und eine komplexe Arbeit zu
bewältigen ist, dürfte nicht vor Beginn der neunziger Jahre mit
Ergebnissen gerechnet werden.
Seit 1966 empfehlen belgische Juristen eine Neukodifizierung des
Bürgerlichen Rechts, doch haben die belgischen Politiker diese Idee
r.och nicht aufgegriffen.
.vanemar*
Das dänische Recht der mißbräuchlichen Vertragsklauseln ist in zwei
Gesetzen niedergelegt: im Gesetz Nr. 297 vom 14. Juni 1974 (Gesetz
über Absatzpraktiken), das am 1. Mai 1975 in Kraft trat, und im
Gesetz Nr. 242 vom 8. Mai 1917 (Gesetz zur Regelung des Vertrags-
rechts) in der heutigen Fassung.
Der Verbraucher kann Beschwerden im Zusammenhang mit der Lieferung
von Waren oder Dienstleistungen vor das mit Gesetz Nr. 305 vom 14.
Juni 1974 eingerichtete Amt für Verbraucherbeschwerden bringen.
Ferner wurde ein Ombudsman bestellt, der für die Einhaltung der
lauteren Handelspraktiken sorgen soll. Der Verbraucher-Ombudsman
kann mit Lieferanten von Waren und Dienstleistungen die Einstellung
unlauterer Vertragsklauseln aushandeln. Kommen die Lieferanten
seinen Empfehlungen nicht nach, so kann er vor dem Schiffahrts- und
Handelsgericht in Kopenhagen (Abteilung für Absatzpraktiken) Klage
erheben. Dieses erstinstanzliche Gericht ist mit einer Reihe
 ---pagebreak---                                                          -u
besonderer Befugnisse ausgestattet; so kann es auf dem Wege der
Verfügung die künftige Verwendung der fraglichen mißbräuchlichen
Vertragsklausel untersagen. Bei Zuwiderhandlung gegen die Verfügung
des Gerichts droht dem Lieferanten Geldstrafe oder Haft bis zu
sechs Monaten. Der Ombudsman ist gesetzlich außerdem befugt, die
zur Erfüllung seiner Aufgaben, notwendigen Informationen einzuholen.
Artikel 1 in Teil 1 des Gesetzes über Absatzpraktiken lautet:
     "Dieses Gesetz gilt für private Handelsgeschäfte und ähnliche
     Geschäfte öffentlicher Körperschaften. Die betreffenden Ge-
     schäfte sind gemäß lauteren Absatzpraktiken durchzuführen."
Obgleich die Bedeutung dieser Bestimmung nicht völlig klar ist,
läßt die Begründung keinen Zweifel daran, daß die Verwendung miß-
bräuchlicher Vertragsklauseln, insbesondere in Verbraucherverträ-
gen, als unlautere Absatzpraktik zu gelten hat. In Fällen, in denen
der Lieferant dem Verbraucher seine Vertragsklausel aufgezwungen
hat, wird im Zweifelsfalle eine unlautere Praktik vermutet.
Auch Artikel 4 in Teil 1 des Gesetzes enthält eine wichtige Bestim-
mung zur Problematik der Vertragsklauseln:
     "Eine Gewährleistung oder eine Erklärung ähnlicher Wirkung
     wird nur dann gegeben, wenn eine solche Gewährleistung oder
     Erklärung dem Verbraucher eine bessere rechtliche Position
     verschafft, als dies nach geltendem Recht der Fall wäre."
Eine wichtige praktische Ergänzung der im Gesetz über Absatzprakti-
ken enthaltenen Vorschriften brachte das Gesetz Nr. 147 vom 4.
April 1979, mit dem das dänische Gesetz über den Warenverkauf um
ein Kapitel über Verbraucherverkäufe erweitert wurde. Weitere
wichtige Schritte waren das Gesetz Nr. 150 vom 10. April 1979, mit
dem ein Reisegarantiefonds zum Schutz von Reisenden beim Konkurs von
Reiseveranstaltern eingerichtet wurde, ferner das Gesetz Nr. 275
vom 9. Juni 1982 über den Verbraucherkredit und das Gesetz Nr. 284
vom 6. Juni 1984 über Bank- und Kreditkarten, die beide wichtige
Bestimmungen hinsichtlich der Klauseln in Verbraucherverträgen
enthalten.
 ---pagebreak---                                                                                                   1}
Das G e s e t z über A b s a t z p r a k t i k e n wurde im Rahmen der Z u s a m m e n : ^ heif
')*-i 'l'.Hi-li ii, iv" I ;.«:li»'n .'»'Uidt vir um v\in:            Ccnci n l K .1 »IUÔC I lui VPILJ. öge
e r g ä n z t , die durch G e s e t z Nr. 250 vom 12. Juni 1975 in das Gesetz
zur Regelung des V e r t r a g s r e c h t s vom 8. Mai 1917 a u f g e n o m m e n wurde.
Diese G e n e r a l k l a u s e l (Artikel 36) l a u t e t :
           "1.         Eine Abrede k a n n ganz oder teilweise für unwirksam
           e r k l ä r t w e r d e n , w e n n ihre D u r c h s e t z u n g u n a n g e m e s s e n wäre oder
          g e g e n das G e s e t z von Treu und G l a u b e n v e r s t o ß e n w ü r d e . G l e i -
           ches gilt für a n d e r e R e c h t s g e s c h ä f t e .
           2.          Bei der A n w e n d u n g von Absatz 1 sind die Umstände                        zum
           Z e i t p u n k t des Z u s t a n d e k o m m e n s der A b r e d e , deren Inhalt          und
           spätere E n t w i c k l u n g e n zu b e r ü c k s i c h t i g e n . "
 Auch hier ist aus dem Wortlaut nicht e r s i c h t l i c h , daß das Gesetz
 die Stadnardvertragsklausein und speziell die Standardk lau-
 sein in V e r b r a u c h e r v e r t r ä g e n         z i e l t . Der Gesetzgeber hielt es
nicht für n o t w e n d i g , d i e s im G e s e t z selbst zum Ausdruck zu bringen,
 ebensowenig hielt er es für n o t w e n d i g , eine "schwarze L i s t e " von
 mißbräuchlichen Vertragsklauseln aufzustellen.
 Das G e s e t z über A b s a t z p r a k t i k e n gilt nicht nur                für      Verbraucherver-
 träge, sondern generell für alle V e r t r ä g e .
 Frankreich
Das französische Recht auf dem G e b i e t der m i ß b r ä u c h l i c h e n Vertrags-
 k l a u s e l n w e i c h t in seiner Struktur erheblich von dem anderer M i t -
 g l i e d s t a a t e n ab. Der g r ö ß t e Teil der B e s t i m m u n g e n ist in den A r t i -
 keln 35 bis 38 des G e s e t z e s Nr. 78-23 vom 10. Januar 1978 über den
 Schutz und die U n t e r r i c h t u n g der Verbraucher von Waren und D i e n s t -
 leistungen (Loi sur la p r o t e c t i o n et l'information des c o n s o m m a -
 teurs de p r o d u i t s et de s e r v i c e s ) e n t h a l t e n . Diese B e s t i m m u n g e n
 gelten nur für V e r t r ä g e , die mit " N i c h t - G e w e r b e t r e i b e n d e n " d.h.
 V e r b r a u c h e r n g e s c h l o s s e n werden. E r g ä n z t wurden die B e s t i m m u n g e n
 durch G e s e t z Nr. 88-14 vom 5. Januar 1988 betreffend die M ö g l i c h -
 keiten der K l a g e e r h e b u n g seitens anerkannter V e r b r a u c h e r v e r b ä n d e
 und die U n t e r r i c h t u n g der V e r b r a u c h e r .
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Artikel 35 des Gesetzes von 1978 bestimmt:
      "In Verträgen zwischen Gewerbetreibenden und Nicht-Gewerbe-
      treibenden oder Verbrauchern kennen folgende Klauseln durch
     Dekret des Conseil d'Etat nach Anhörung des gemäß Artikel 36
     eingesetzten Ausschusses untersagt, in ihrer Geltung einge-
     schränkt oder geregelt werden, wobei erforderlichenfalls nach
     der Art der betreffenden Waren oder Dienstleistungen zu unter-
     scheiden ist: Klauseln betreffend die vereinbarte oder festzu-
      legende Art des Preises oder dessen Entrichtung, die Überein-
      stimmung der Waren oder deren Lieferung, das Risiko, die
      Haftung, die Leistungserbringung und die Kündigung, Beendigung
     oder Erneuerung von Abreden, wenn sie dem Nicht-Gewerbetrei-
     benden oder Verbraucher durch mißbräuchliche Ausnutzung der
     Wirtschaftsmacht des Verwenders aufgezwungen werden und letz-
      terem einen übermäßigen Vorteil verschaffen."
Der gleiche Artikel bestimmt, daß "mißbräuchliche" Klauseln, die
mit diesen Bestimmungen kollidieren, "als nicht geschrieben" d.h.
nicht in den Vertrag aufgenommen gelten.
Mit Artikel 36 wurde ein "Ausschuß für mißbräuchliche Vertragsklau-
seln" eingesetzt, der beauftragt ist (siehe Artikel 37),
      die Vertragsmuster, die die Lieferanten normalerweise verwen-
      den, zu prüfen;
      zu prüfen, ob diese Vertragsmuster mißbräuchliche Vertrags-
      klauseln enthalten.
Der Ausschuß kann zu diesem Zweck von dem für Verbraucherfragen
zuständigen Minister, von anerkannten Verbraucherschutzorganisatio-
nen oder von Gewerbetreibenden angerufen werden. Der Ausschuß kann
auch von sich aus tätig werden.
Der Ausschuß kann die Aufhebung oder Änderung der von ihm für
mißbräuchlich befundenen Klauseln empfehlen. Der für Verbraucher-
frager. zuständige Minister kann von sich aus oder auf Antrag des
Ausschusses diese Empfehlungen veröffentlichen.
 ---pagebreak---                                                      -»3
Der Ausschuß hat einen Jahresbericht über seine Tätigkeit vorzu-
legen und die ihm wünschenswert erscheinenden Vorschläge für Geset-
zesreformen zu unterbreiten.
Im Rahmen des Gesetzes von 1978 hatten die Gerichte jedoch prak-
tisch keine Entscheidungsbefugnis. Sie wendeten zwar das Gesetz
nach dem Buchstaben an, konnten aber ansonsten wenig tun. Dies hat
sich nach Erlaß des Gesetzes Nr. 88-14 vom 5. Januar 1988 spürbar
geändert, da anerkannte Verbraucherverbände (nach der weiten Defi-
nition des Artikels 1) nunmehr vor Gericht die Streichung einer
gesetzeswidrigen Klausel aus einem Verbrauchervertrag oder einer
Gattung von Verbraucherverträgen sowie die Streichung mißbräuchli-
cher Klauseln aus Standardverträgen, wie sie den Verbrauchern in
der Regel von Gewerbetreibenden angeboten werden, beantragen kön-
nen .
Bundesrepublik Deutschland
Eine der interessantesten Entwicklungen im Eereich der mißbräuchli-
chen Vertragsklauseln in den siebziger Jahren war die Verabschie-
dung des Gesetzes zur Regelung des Rechts der Allgemeinen Ge-
schäftsbedingungen (abgekürzt AGB-Gesetz) in der Bundesrepublik
Deutschland am 9. Dezember 1976. Dieses Gesetz ist am 1. April 1977
in Kraft getreten.
Auf der Basis traditioneller Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz-
buchs über Vetragsangebot und -annähme und dank der Praxis der
Festlegung von Vertragsklauseln "contra proferentem" wie auch in
Anwendung des Grundsatzes von Treu und Glauben hatten die Gerichte
der Bundesrepublik den Schutz des Verbrauchers vor mißbräuchlichen
Klauseln in allgemeinen Standardvertragsbedingungen bereits sehr
weitgehend ausbauen können. Dennoch wurde dies von vielen Juristen
für unzureichend gehalten, so daß die Forderung nach einer admini-
strativen Kontrolle der Standard-Vertragsklauseln laut wurde. Diese
Möglichkeit ist im Gesetz jedoch nicht vorgesehen, und als die
Regierung Ende 1975 von der Idee eines Verbraucher-Ombudsman oder
eines Amtes für die Überwachung mißbräuchlicher Klauseln in Stan-
dard-Vertragsbedingungen Abstand nahm, fiel die Aufgabe der Überwa-
chung den Gerichten zu.
Längere Zeit wurde die Frage diskutiert, ob das AGB-Gesetz, das ja
Kernfragen des Rechts der Schuldverhältnisse behandelt, in das
Bürgerliche Gesetzbuch integriert werden sollte anstatt als eigen-
ständiges Gesetz zu bestehen. Im Augenblick ist jedoch keine Ent-
wicklung in diese Richtung zu beobachten.
 ---pagebreak---                                                        2o
In § 1 wird der Begriff "Allgemeine Geschäftsbedingungen" wie folgt
definiert:
     "Allgemeine Geschäftsbedingungen sind alle für eine Vielzahl
     von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, die eine
     Vertragspartei (Verwender) der anderen Vertragspartei bei
     Abschluß eines Vertrages stellt. Gleichgültig ist, ob die
     Bestimmungen einen äußerlich gesonderten Bestandteil des
     Vertrages bilden oder in die Vertragsurkunde selbst aufgenom-
     men werden, welchen Umfang sie haben, in welcher Schriftart
     sie verfaßt sind und welche Form der Vertrag hat."
Weiter heißt es in S 1:
     "Allgemeine Geschäftsbedingungen liegen nicht vor, soweit die
     Vertragsbedingungen zwischen den Vertragsparteien im Einzelnen
     ausgehandelt sind."
Das Grundprinzip dieses sehr detaillierten Regelwerks wird in § 9
Absatz 1 aufgestellt:
     "Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind unwirk-
     sam, wenn sie den Vertragspartner des Verwenders entgegen den
     Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen."
In S 10 folgt eine "graue Liste" von Klauselverboten mit Wertungs-
möglichkeit, d.h. Klauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die
unwirksam sein können: in diesem Fall kann die Partei, der die
Klausel auferlegt wird, eine gerichtliche Verfügung erwirken, daß
die Klausel im einzelnen Fall des betreffenden Vertrags unwirksam
ist.
S 11 enthält eine "schwarze Liste" von Klauselverboten ohne Wer-
tungsmöglichkeit, d.h. Klauseln, die in Allgemeinen Geschäftsbe-
dingungen stets unwirksam sind.
Der Geltungsbereich des Gesetzes beschränkt sich nicht auf Verbrau-
cherverträge. Die Klauselverbote mit und ohne Wertungsmöglichkeit
gelten jedoch nicht für Verträge, die zwischen Kaufleuten im Rahmen
ihres Handelgewerbes geschlossen werden, und für Verträge, die mit
rechtsfähigen Verbänden geschlossen werden; auch die technischen
Vorschriften von S 2 (Einbeziehung in den Vertrag) und die
 ---pagebreak---                                                         z\
Bestimmungen von S 12 (Kollissionsrecht) finden keine Anwendung auf
diese Verträge. Hingegen findet auf diese Verträge die oben erwähn-
te Generalklausel von § 9 Absatz 1 Anwendung.
Sondervorschriften gelten für:
      Tarife und Ausführungsbestimmungen der Eisenbahnen;
      Beförderungsbedingungen der Straßenbahnen, Obusse und Kraft-
       fahrzeuge im Linienverkehr;
      Verträge der Elektrizitäts- und der Gasversorgungsunternehmen.
 •estimmte Verträge sind vom Anwendungsbereich des Gesetzes völlig
 .usgenommen, so die Verträge auf den Gebieten
       Arbeitsrecht
       Erbrecht
       Familienrecht
       Gesellschaftsrecht.
teuere Untersuchungen haben ergeben, daß das Gesetz zwar wirksam
angewendet wird, die Gerichte aber Schwierigkeiten mit der starren
Unterscheidung nach Klauselverboten mit und ohne Wertungsmöglich-
keit haben.
  Griechenland
Wie in Belgien gibt es auch in Griechenland keine Rechtsvorschrif-
 ten, die sich mit dem spezifischen Problem mißbräuchlicher Klausein
 in Verbraucherverträgen auseinandersetzen.
 Bei Rechtsstreitigkeiten betreffend mißbräuchliche Vertragsklausein
greifen die Gerichte deshalb zwangsläufig auf die allgemeinen
 Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zurück. Für eine be-
grenzte Zahl spezifischer Verträge wie Versicherungsverträge ist
 ein administratives Uberwachungsverfahren eingeführt worden.
 Diese Situation kann sich jedoch insbesondere hinsichtlich der miß-
 bräuchlichen Vertragsklauseln in Zukunft ändern, da der ganze
 Komplex zu den vorrangigen Fragen gehört, mit denen sich das 1982
 errichtete Verbraucherschutzbüro zu befassen hat. So plant der
 Handelsminister, dem das Verbraucherschutzbüro untersteht, die
 ---pagebreak---                                                       22
Einbringung einer Gesetzesvorlage zum Verbraucherschutz. Nach der
erklärten Absicht des Ministers soll die Gesetzesvoriage auch eine
Generalklausel betreffend mißbräuchliche Vertragsbedingungen ent-
halten.
Irland
In den siebziger Jahren berief sich der Verbraucherschütz vor allen
auf die Doktrin des fundamentalen Vertragsbruchs und die Norm
"contra proferentem". Dies änderte sich, als mit dem Sale of Goods
and Supply of Services Act 1980 (in Anlehnung an den Sale of Goods
Act 1979 des Vereinigten Königreichs) wichtige Vorschriften zum
Verbraucherschutz erlassen wurden.
Das Gesetz von 1980 enthält zwingende Bestimmungen betreffend
Verbrauchertransaktionen. Des weiteren legt es verschiedene Aufla-
gen für die Gewährleistung fest: die Gewährleistungsbestimmungen
müssen gut lesbar sein, die Dauer und die Bedingungen der Gewähr-
leistung regeln und etwaige vom Käufer zu tragende Kosten angeben.
Unter bestimmten Umständen ist ein Haftungsausschluß nach dem
Gesetz unzulässig; in anderen Fällen ist ein Haftungsausschluß nur
zulässig, wenn dies den Billigkeitsgrundsätzen entspricht. Billig-
keit und Angemessenheit sind in der gleichen Weise wie im Vereinig-
ten Königreich geregelt.
Das Gesetz von 1980 bringt auch einige Neuerungen. So kann der
Minister verlangen, daß schriftliche Vertragsklauseln oder Erklä-
rungen gewisse Angaben enthalten; ferner kann er dem Verwender von
Standardvordrucken vorschreiben, der öffentlichkeit alle vom Mini-
ster verlangten Erklärungen über die Verwendung dieser Standard-
vordrucke und über seine Bereitschaft, Verträge auf anderer Grund-
lage abzuschließen, abzugeben. Ferner kann der Minister die
Schriftgröße der in schriftlichen Verträgen und anderen Dokumenten
verwendeten Lettern festlegen und vorschreiben, daß bestimmte
Verträge der schriftlichen Form bedürfen.
Das 1978 durch den Consumer Information Act geschaffene Amt eines
Direktors für Verbraucherfragen hat verschiedene Funktionen im
Zusammenhang mit den Vertragsklauseln gemäß dem Sale of Goods and
Supply of Services Act 1980. Das Amt kann auf gerichtlichem und
anderem Wege gegen Verträge (oder ausgehängte Geschäftsbedingungen
vorgehen, wenn diese Klauseln enthalten, die gegen die gesetzliche]
Bestimmungen verstoßen.
 ---pagebreak--- Aufgrund der sukzessiven Fassungen des Sale of Goods Act von 1893
bis 1980 liegt allen Warenverkaufsverträgen implizit zugrunde, daß
die Waren von marktgängiger Qualität sind, für den vorgesehenen
Verwendungszweck taugen und mit ihrer Beschreibung übereinstimmen,
sofern im Kaufvertrag eine Warenbeschreibung enthalten ist.
In Verbraucherverträgen dürfen diese impliziten Klauseln in keinem
Fall ausgeschlossen werden. Sie sind also gesetzlich vorgeschrie-
ben. Eine Klausel wie "Keine Erstattung des Kaufpreises" wäre
beispielsweise unzulässig, sofern nicht unmißverständlich und
deutlich sichtbar ein Hinweis wie "Die gesetzlichen Rechte des
Käufers bleiben davon unberührt" enthalten ist. Das Amt des Direk-
tors für Verbraucherfragen hat aufgrund des Sale of Goods and
Supply of Services Act 1980 gegen derartige unzulässige Klauseln
e inzuschreiten.
In Warenverkaufsverträgen, die keine Verbraucherverträge sind
(beispielsweise Verträge zwischen Kaufleuten) können diese "impli-
ziten" KLauseln ausgeschlossen oder in ihrer Anwendung einge-
schränkt werden, aber nur soweit dies dem Billigkeits- und Ange-
messenheitsgebot entspricht. Kriterien, nach denen beurteilt werden
kann, was billig und angemessen.ist, enthält das Gesetz von 1980,
 ie doch muß über diese Frage letztlich das Gericht im Kontext eines spezi-
 fischen Rechtsstreits zwischen Parteien eines spezifischen Vertrags
entscheiden.
Im Rahmen des Sale of Goods and Supply of Services Act 1980 liegt
allen Verträgen über die Erbringung von Dienstleistungen implizit
zugrunde, daß der Dienstleistungserbringer die erforderlichen
Kenntnisse und Fertigkeiten besitzt, die Dienstleistung mit dem
gebotenen fachlichen Können und der gebotenen Sorgfalt erbracht
 wird und zusammen mit der Dienstleistung gelieferte Waren oder
Materalien von marktgängiger und angemessener Qualität sind.
 In Verträgen über die Erbringung von Dienstleistungen an Verbrau-
 cher können diese "impliziten" Klauseln ausgeschlossen werden; der
 Ausschluß ist aber nur rechtsgültig, wenn nachgewiesen wird, daß er
 dem Billigkeits- und Angemessenheitsgebot entspricht und der Ver-
 braucher eigens davon in.Kenntnis gesetzt wurde. Die Frage, ob eine
 Abrede über den Ausschluß der impliziten Vertragsklauseln rechts-
 gültig ist, kann vom Gericht nur im Einzelfalle entschieden werden.
 In der Praxis kann der Direktor für Verbraucherfragen nicht die
 Streichung von Ausschlußvereinbarungen in Dienstleistungsverträgen
 betreiben.
 ---pagebreak--- In Dienstleistungsverträgen mit Nicht-Verbrauchern (also zwischen
Kaufleuten) ist es den Parteien freigestellt, die vom Gesetz von
1980 vorgeschriebenen Klauseln auszuschließen oder zu ändern.
Im Rahmen des Consumer Information Act 1978 ist das Amt des Direk-
tors für Verbraucherfragen nur für Fragen zuständig, die irrefüh-
rende Praktiken betreffen, nicht aber für Vertragsklauseln als
solche. Im Rahmen des Sale of Goods and Supply of Services Act 198C
hat das Amt, wie weiter oben erwähnt, gewisse Funktionen im Zusam-
menhang mit den Vertragsklauseln. Außerdem hat es eine generelle,
wennäuch     unklar definierte Uberwachungsfunktion auf diesem Ge-
biet; genau genommen aber kann das Amt nur in spezifischen Fällen
in dem oben beschriebenen Sinne tätig werden.
Verglichen mit dem britischen Unfair Contract Terms Act 1977 ist
der Anwendungsberich des irischen Sale of- Goods and Supply of
Services Act 1980 weniger allgemein und weniger umfassend. So kennt
das irische Gesetz nicht den allgemeinen Begriff "unfair" oder
"unfairness". Bestimmten Verträgen liegen implizit gewisse Klauselr
zugrunde. Die Geltung dieser impliziten Klauseln darf nicht ausge-
schlossen werden, es sei denn, es kann nachgewiesen werden, daß der
Ausschluß billig und angemessen ist. Anders gesagt, das Billig-
keitsgebot hat keine allgemeine Geltung und wird nur im Rahmen des
Ausschlusses von Vertragsklauseln angewendet, die ansonst implizit
Geltung hätten.
Italien
Das 1944 geschaffene "neue" Italienische Zivilgesetzbuch enthält
drei Bestimmungen, die sich auf die Allgemeinen Vertragsbedingunger
(oder Allgemeinen Geschäftsbedingungen) und auf Klauseln in Ver-
tragsvordrucken beziehen:
      "Artikel 1341
      1.    Die durch einen der Vertragsteile im voraus aufgestellter
      Allgemeinen Vertragsbedingungen sind gegenüber dem Anderen
      wirksam, wenn dieser sie im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses
      kannte oder bei Anwendung der gewöhnlichen Sorgfalt hätte
      kennen müssen.
      2.    In jedem Fall sind, wenn sie nicht einzeln schriftlich
      angenommen werden, die Bedingungen unwirksam, die.zugunsten desjenigen
      sind, der sie im voraus aufgestellt hat :
            Haftungsbeschränkungen,
 ---pagebreak---                      immunniirtn«tnmii'iniiiii 11 ' util niiriirnn-r-i
                                                                       2-S
          die Befugnis zum Rücktritt vom Vertrag oder zur Ausset-
          zung seiner Ausführung festsetzen
     oder die zu Lasten der anderen Vertragspartei
          Verwirkungen,
          Beschränkungen der Befugnis zur Erhebung von Einwendun-
          gen,
          die Einschränkung der Vertragsfreiheit in den Beziehungen
          zu Dritten,
          die stillschweigende Verlängerung oder Erneuerung des
          Vertrages,
          Schiedsklauseln oder Abänderungen der Zuständigkeit der
          Gerichte verfügen."
     "Artikel 1342
     1.   Bei Verträgen, die durch Unterzeichnung von Formblättern
     oder Vordrucken geschlossen werden, die zur einheitlichen
     Regelung bestimmter Vertragsverhältnisse im voraus aufgestellt
     worden sind, gehen die dem Formblatt oder dem Vordruck hinzu-
     gefügten Klauseln den Klauseln des Formblatts oder des Vor-
     drucks, mit denen sie unvereinbar sind, vor, selbst wenn diese
     letzteren nicht ausgestrichen worden sind.
     2.   Außerdem ist die Bestimmung des zweiten Absatzes des
     vorhergehenden Artikels zu beachten."
     "Artikel 1370
     Die in allgemeinen Vertragsbedingungen oder in Formblättern
     oder Vordrucken enthaltenen Klauseln, die von einem der Ver-
     tragsteile im voraus aufgestellt wurden, sind im Zweifel
     zugunsten des anderen auszulegen."
So wird im italienischen Recht ausdrücklich festgestellt, daß die
Vertragsfreiheit gewahrt werden muß, daß aber die zunehmende Ver-
wendung von vorformulierten und in der Regel vorgedruckten oder
zumindest vorgefertigten allgemeinen Vertragsklauseln (oder allge-
meinen Vertragsbedingungen oder allgemeinen Geschäftsbedingungen)
in einer Art und Weise, daß für den Verbraucher keine Möglichkeit
mehr besteht, diese Klauseln zu erörtern (oder gar auszuhandeln),
eine derart weitreichende Verleugnung des Prinzips der Vertrags-
freiheit (vom Verbraucherstandpunkt aus gesehen) darstellt, daß der
Gesetzgeber Veranlassung sah, das so entstandene ungleiche Kräfte-
verhältnis zwischen den Vertragsteilen, das sich daraus ergibt, daß
dem Verbraucher bei einem solchen Vertrag nur noch die Wahl bleibt,
entweder den Vertrag in seiner vorgelegten Form anzunehmen oder auf
das Geschäft zu verzichten, zu korrigieren.
 ---pagebreak---                                                        *6
Luxemburg
Bestimmungen bestreffend mißbräuchliche Vertragsklauseln wurden mit
Gesetz vom 25. August 1983 über den rechtlichen Schutz des Verbrau-
chers (Loi relative à la protection juridique du consommateur, Mem-
orial 1983, 1494) geschaffen. Dieses Gesetz wurde durch Gesetz vom
27. März 1986 (Memorial 1986, 1145) geändert, mit dem Luxemburg die
Konvention von Rom vom 19. Juni 1980 über das Recht der vertragli-
chen Schuldverhältnisse in nationales Recht umsetzte; diese Ände-
rung betraf aber nicht den Bereich der mißbräuchlichen Vertrags-
klauseln.
Der Anwendungsbereich des Gesetzes über den rechtlichen Schutz des
Verbrauchers ist auf Verbrauchertransaktionen beschränkt. Das
Gesetz vom 15. Mai 1987 (Memorial 1987) geht wesentlich weiter und
ändert die Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches (in nicht
weniger als zwölf verschiedenen Artikeln). Die Änderung mit den
weitreichenden     direkten Folgen für die mißbräuchlichen Vertrags-
klauseln war die Einführung eines neuen Artikels 1135-1 in das
Bürgerliche Gesetzbuch. Dieser neue Artikel lautet:
      "Durch einen der Vertragsteile im voraus aufgestellte allge-
      meine Vertragsbedingungen sind gegenüber dem anderen Vertrags-
      teil nur wirksam, wenn dieser Gelegenheit hatte, von ihnen bei
      Vertragsabschluß Kenntnis zu nehmen, und wenn davon ausgegan-
      gen werden muß, daß er ihnen zugestimmt hat.
      Außer bei ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung sind fol-
      gende Klauseln in keinem Fall bindend: Klauseln, die zugunsten
      des Verwenders dessen Haftung begrenzen, es ihm erlauben, vom
      Vertrag zurückzutreten oder dessen Ausführung zurückzustellen,
      oder zwingend auf ein Schiedsverfahren verweisen; das gleiche
      gilt für Klauseln zur Abänderung der Zuständigkeit der Gerich-
      te. "
Es besteht eine auffällige Ähnlichkeit zwischen dieser Änderung des
luxemburgischen Bürgerlichen Gesetzbuches und Artikel 1341 des
italienischen Bürgerlichen Gesetzbuchs.
Die 1987 beschlossenen Änderungen sehen auch die Einsetzung eines
Verbraucherrates (Artikel 13) vor, der jedoch nur beratende Funk-
tion erhielt.
 ---pagebreak---                                                           * *
Die sich auf mißbräuchliche Vertragsklauseln beziehenden Bestimmun-
gen des Gesetzes von 1983 sind:
     "Artikel 1
     Klauseln oder Klauselverbindungen in Verträgen zwischen einem
     gewerbsmäßigen Lieferanten von lang- oder kurzlebigen Konsum-
     gütern oder von Leistungen und einem privaten Endverbraucher,
     durch die zum Nachteil des Verbrauchers ungleiche Rechte und
     Pflichten entstehen, stellen einen Mißbrauch dar und gelten
     als nichtig.
     Artikel 2
     Als mißbräuchlich gelten insbesondere
     (1) Klauseln, die die gesetzlich vorgeschriebene Gewährlei-
           stung für verdeckte Mängel ausschließen oder einschrän-
           ken;
     (2)   Vertragsklauseln, die im Falle eines im Zusammenhang mit
           dem Vertrag eingeleiteten Gerichtsverfahrens den geschul-
           deten Betrag erhöhen;
      (3)  Klauseln, die dem Verbraucher untersagen, seine Zahlungen
           ganz oder teilweise einzustellen, wenn der Lieferant
           seinen Verpflichtungen nicht nachkommt;
      (4)  Klauseln, mit denen sich der Lieferant das Recht vorbe-
           hält, den Vertrag ohne im Vertrag ausdrücklich genannte
           und sachlich gerechtfertigte Gründe einseitig zu ändern
           oder aufzulösen;
      (19) Klauseln, die bewirken, daß der Verbraucher bei Repara-
           turverträgen auf die Garantie für Arbeit und Teile, die
           von Personen, die gewerbsmäßig derartige Arbeiten ausfüh
           ren, zu leisten ist, verzichtet;
 ---pagebreak---                                                        *8
     (20) Klauseln, die bewirken, daß der private Endverbraucher
          durch Zustimmung zu einer Übertragung seiner aus dem
          Vertrag erwachsenden Schuld auf einen Dritten diesem
          Dritten gegenüber auf die Rechte und Vorbehalte verzich-
          tet, die er seinem Vertragspartner gegenüber geltend
          machen kann."
Artikel 5 Absatz 1 bestimmt:
     "Der Präsident des für den Wohnsitz des Klägers zuständigen
     Tribunal d'Arrondissement kann auf Antrag einer Einzelperson,
     eines Berufsverbandes oder einer in der Preiskommission ver-
     tretenen Verbrauchervereinigung den mißbräuchlichen Charakter
     einer Klausel oder Klauselverbindung im Sinne der Artikel 1
     und 2 feststellen und diese Klausel bzw. Klausel Verbindung für
     nichtig erklären."
Nach Artikel 6 wird ein Lieferant im obigen Sinne, der gegenüber
einem privaten Endverbraucher eine Klausel oder Klausel Verbindung
geltend macht, die durch gerichtliche Entscheidung, die hinsicht-
lich des Lieferanten endgültig ist, für mißbräuchlich und damit für
nichtig erklärt worden ist, mit einer Geldstrafe bis zu 100.000
LFR, mindestens aber 3.000 LFR, bestraft. Nach Artikel 6 Absatz 2
schließlich kann eine Einzelperson, ein Berufsverband oder eine
Verbrauchervereinigung im Sinne von Artikel 5 in Sachen, bei denen
es um eine Schädigung der individuellen oder kollektiven Interessen
geht, als Zivilkläger in Strafverfahren auftreten.
Niederlande
In den Niederlanden sind die einschlägigen Rechtsvorschriften im
Gesetz vom 18 Juni 1987 zur Regelung des Rechts der allgemeinen
Vertragsbedingungen niedergelegt.
Nach Artikel 6.5.2A.1 sind "allgemeine Bedingungen":
     "eine oder mehrere schriftliche Klauseln, die aufgestellt
     wurden, um in eine Anzahl von Verträgen aufgenommen zu werden,
     mit Ausnahme der Bestimmungen, in denen die eigentlichen
     Leistungen bezeichnet sind".
 ---pagebreak---  „, .iiimniii mmr—i ' »ii iinwf—' i iiiîiiiTiiiinwiiMifirnmiiiiiiiÉiiiiÉi » i miii miirt m H I in n-vi '•• — ••"•
                                                                                                                  «?3
Der "Verwender" ist als diejenige Person definiert, die bei einem
Vertrag allgemeine Bedingungen verwendet; die "Gegenpartei" be-
zeichnet diejenige Person, die durch Unterzeichnung eines Schrift-
stücks oder auf andere Weise die Gültigkeit der betreffenden allge-
meinen Bedingungen anerkannt hat.
Nach Artikel 6.5.2A.2 gilt:
         "Die Gegenpartei ist an die allgemeinen Bedingungen auch dann
         gebunden, wenn zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses dem Ver-
         wender bekannt ist oder bekannt sein müßte, daß die Gegenpar-
         tei keine Kenntnis von deren Inhalt hat".
Das Gesetz sieht (in Artikel 6.5.2A.2a) zwei "Angemessenheitsprü-
fungen" vor, um zu bestimmen, ob eine in allgemeinen Bedingungen
enthaltene Klausel mißbräuchlich oder nicht mißbräuchlich ist.
Mißbräuchlich ist eine Klausel,
(a)          wenn sie unter Berücksichtigung der Art und des Inhalts des
Vertrags, der Art und Weise, in der die Bedingungen vorbereitet
worden sind, der erwiesenen Interessen der Parteien und der obwal-
tenden Umstände die andere Partei über Gebühr belastet oder
(b)          wenn der Verwender der Gegenpartei nicht hinreichend Gelegen-
heit gegeben hat, Kenntnis von den allgemeinen Bedingungen zu
nehmen.
Diese "hinreichende Gelegenheit" besteht darin, daß entweder der
Gegenpartei vor oder bei Vertragsabschluß eine Ausfertigung der
allgemeinen Bedingungen ausgehändigt wird oder, "falls dies nicht
in vertretbarer Weise möglich ist", der Gegenpartei vor Vertragsab-
schluß angezeigt wird, daß die allgemeinen Bedingungen in der
Geschäftsstelle des Verwenders eingesehen werden können oder bei
einer vom Verwender benannten Handelskammer oder in einem von den
Gerichten geführten Register hinterlegt worden sind und auf Auffor-
derung zugesendet werden. Sind die allgemeinen Bedingungen der
Gegenpartei nicht vor oder bei Vertragsabschluß zur Kenntnis ge-
bracht worden, so können sie für unwirksam erklärt werden, wenn der
Verwender sie nicht auf seine Kosten der Gegenpartei auf Antrag hin
zustellt. Die Verpflichtung zur Zustellung entfällt jedoch, wenn
eine Übersendung durch den Verwender nicht in angemessener Weise
beantragt wird (vgl. Artikel 6.5.2A.2b.3).
 ---pagebreak---                                                          3o
Bei einem Vertrag zwischen einem Verwender und einer als Gegenpar-
tei auftretenden natürlichen Person, die nicht in Ausübung ihres
Berufs oder Gewerbes handelt, gilt eine in den allgemeinen Bedin-
gungen enthaltene Klausel als mißbräuchlich, wenn sie
(a)   der Gegenpartei jedes Recht nimmt, die vom Verwender zugesag-
te Leistung einzufordern;
(b)   das,der Gegenpartei zustehende Recht auf Auflösung des Ver-
trags ausschließt oder einschränkt;
(c)   ein,der Gegenpartei gesetzlich zustehendes Recht auf Aufschub
in der Erfüllung des Vertrags ausschließt oder einschränkt,oder dem
Verwender ein weitergehendes Recht auf Aufschub einräumt, als im
Gesetz vorgesehen ist;
(d)   es dem Verwender überläßt, festzustellen, ob er eine oder
mehrere seiner Verpflichtungen mangelhaft erfüllt hat, oder die
Ausübung der, der Gegenpartei wegen solcher Mängel, gesetzlich zuste-
henden Rechte von der vorherigen gerichtlichen Inanspruchnahme
eines Dritten abhängig macht;
(n)   vorsieht, daß Streitigkeiten durch eine andere Person als den
nach dem Gesetz zuständigen Richter oder einen oder mehrere
Schiedsrichter bestimmt •'• werden, es sei denn, daß sie der Gegen-
partei nach dem Zeitpunkt, an dem sich der Verwender ihr gegenüber
schriftlich auf diese Klausel berufen hat, eine Frist von minde-
stens einem Monat einräumt, während der sie die Klärung des Streit-
falls durch den zuständigen Richter wählen kann.
Bei einem Vertrag zwischen einem Verwender und einer als Gegenpar-
tei auftretenden natürlichen Person, die nicht in Ausübung ihres
Berufs oder Gewerbes handelt, gilt eine in den allgemeinen Bedin-
gungen enthaltene Klausel als vermutlich mißbräuchlich, wenn sie
 (a)  dem Verwender eine den Umständen nach ungewöhnlich lange oder
nicht genügend festgelegte Frist einräumt, um auf Angebote oder
andere Erklärungen der Gegenpartei zu reagieren;
 ---pagebreak---                                                           31
(b)   die Verpflichtungen des Verwenders im Vergleich zu dem, was
die Gegenpartei aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ohne diese
Klausel angemessenerweise erwarten könnte, in ihrer Substanz we-
sentlich einschränkt;
(c)   den Verwender berechtigt, eine von der zugesagten Leistung
erheblich abweichende Leistung zu erbringen, es sei denn, daß die
Gegenpartei in diesem Fall berechtigt ist, den Vertrag aufzukündi-
gen;
(d) ....
(e)   dem Verwender eine ungewöhnlich lange oder nicht genügend
festgelegte Frist zur Erfüllung seiner Verpflichtungen einräumt;
(f)   den Verwender oder einen Dritten ganz oder teilweise von
einer gesetzlichen Schadensersatzverpflichtung befreit;
(g)   ein der Gegenpartei gesetzlich zustehendes Recht auf Aufrech-
nung ausschließt oder einschränkt oder dem Verwender ein weiterge-
hendes Recht auf Aufrechnung einräumt als das was ihm nach dem Gesetz
zusteht;
(h) ....
(i) ....
(j)   die Gegenpartei zum Abschluß einer Vereinbarung mit dem
Verwender oder einem Dritten verpflichtet, soweit dies von ihr in
Anbetracht des Verhältnisses zwischen dieser Vereinbarung und dem
Vertrag, auf die sich dieser Artikel bezieht, nicht vernünftiger-
weise erwartet werden kann;
(n)   bestimmt, daß eine,durch die Gegenpartei gegebene Vollmacht
unwiderruflich ist und auch nicht durch ihren Tod oder ihre Entmün-
digung endet, es sei denn, die Vollmacht betrifft die Lieferung
eines eingetragenen Guts".
Verwendet eine Person in allgemeinen Bedingungen eine Klausel,
deren Verwendung ihr aufgrund einer Verfügung untersagt worden ist,
so ist diese Klausel unwirksam (vgl. Artikel 6.5.2A.9).
 ---pagebreak---                                                      3<
Die vorstehenden Vorschriften gelten nicht für Beschäftigungsver-
träge und Verträge von Tarifparteien.
Die Anwendung dieser Vorschriften darf nicht durch Vertrag ausge-
schlossen werden."
Portugal
Am 22. Februar 1986 traten in Portugal neue Vorschriften zu den
Allgemeinen Vertragsbedingungen in Kraft. Das Gesetzesdekret Nr.
446/85 vom 25. Oktober 1985 bringt neben einer Kodifizierung frühe-
ren Fallrechts, eine Reihe neuer Bestimmungen, die sich teilweise
an die Entschließung Nr. (76)47 des Europarates vom 16. November
1976 bzw. an, in anderen europäischen Ländern geltendes Recht anleh-
nen. Die neuen Vorschriften Portugals gehören im weltweiten Ver-
gleich zu den umfassendsten nationalen Vorschriften auf dem Gebiet
der mißbräuchlichen Vertragsklauseln.
Das Gesetzesdekret von 1985 stellt, auch wenn dies nicht ausdrück-
lich gesagt ist, eine Weiterentwicklung der Artikel 81 und 110 der
portugiesischen Verfassung von 1976 dar. Diese Artikel besagen, daß
der Schutz der Verbraucher und die Bekämpfung des Mißbrauchs von
Wirtschaftsmacht zu den vorrangigen Aufgaben der öffentlichen Hand
zählen. Auf der Grundlage der Artikel 81 und 110 der Verfassung
wurde am 22. August 1981 das Gesetz Nr. 29/81 über den Schutz der
Verbraucher erlassen, das in Artikel 7 folgendes bestimmt:
      "Bei Abschluß eines Vertrages hat der Verbraucher Anspruch auf
     angemessene und gleiche Behandlung; dies gilt insbesondere
      (a)   für den Schutz gegen mißbräuchliche Ausnutzung der
     Allgemeinen Vertragsbedingungen und aggressive Verkaufsprak-
      tiken, die die Möglichkeit des Verbrauchers einschränken, sich
     Klarheit über die Vertragsklauseln zu verschaffen, und eine
      freie Entscheidung darüber zu treffen, den Vertrag zu schlie-
      ßen oder nicht zu schließen;
      (b)   für eine klare und präzise Abfassung in gut lesbarer
      Schrift; andernfalls sind die Vertragsklauseln bezüglich der
      Lieferung von Waren oder Dienstleistungen als null und nichtig
     anzusehen;
Bis zum Inkrafttreten des Gesetzesdekrets Nr. 446/85 vom 25. Okto-
ber 1985 ist die letzgenannte Bestimmung jedoch niemals zur Anwen-
dung gelangt.
 ---pagebreak---                                                   33
Das portugiesische Recht umfaßt Regelungen für bestimmte spezifi-
sche Verträge, so das Gesetzesdekret Nr. 405/78 vom 15. Dezember
1978 über die Lieferung von Waren und Dienstleistungen durch Kör-
perschaften des öffentlichen Rechts und das Gesetzesdekret Nr.
449/85 vom 25. Oktober 1985 über private Verträge betreffend die
Lieferung von Gas.
Das moderne Bürgerliche Gesetzbuch Portugals aus dem Jahre 1966
trat zu einem Zeitpunkt in Kraft, als die Verbraucherbewegung kurz
vor ihrem großen Aufbruch stand. Soweit es nicht geändert wurde,
enthält es keine Bestimmungen über den Verbraucherschutz. Umfassend
und detailliert wird dieser Fragenkomplex jedoch im Gesetzdesdekret
Nr. 446/85 vom 25. Oktober 1985 geregelt. Dieses Gesetzesdekret
kann in seiner Art als ein Modell bezeichnet werden.
In seiner derzeitigen Fassung lautet es wie folgt:
"KAPITEL I
ALLGEMEINE VORSCHRIFTEN
Artikel 1
(Allgemeine Geschäftsbedingungen)
Vorformulierte Allgemeine Geschäftsbedingungen, die Anbietern oder
sonstigen Vertragsparteien zur Unterschrift oder Annahme gestellt
werden, müssen nach Maßgabe dieses Gesetzes ausgestaltet sein.
Artikel 2
(Form, Umfang, Inhalt und Urheberschaft)
Der vorstehende Artikel gilt, falls nicht anders bestimmt wird, für
alle Allgemeinen Geschäftsbedingungen, unabhängig von der Form
ihrer Bekanntmachung für die Öffentlichkeit, ihrem Umfang an sich
oder im Rahmen der Verträge, für die sie bestimmt sind, und ihrem
Inhalt und gleichgültig, ob sie vom Anbieter, vom Vertragspartner
oder von Dritten erstellt wurden.
Artikel 3
(Ausnahmen)
 ---pagebreak---                                                          3y
1.   Die vorstehenden Bestimmungen gelten nicht für:
(a)  vom Gesetzgeber gebilligte Standard-Vertragsklauseln;
(b)  Vertragsbedingungen, die sich aus internationalen Verträgen
     oder Übereinkommen ergeben, an denen Portugal beteiligt ist;
(c)  Vertragsbedingungen, die von Öffentlichen Stellen, die zur
     Einschränkung der Vertragsfreiheit befugt sind, vorgeschrieben
     oder ausdrücklich gebilligt werden;
(d)  Verträge, die den Normen des öffentlichen Rechts unterliegen;
(e)  Akte des Familien- oder Erbrechts;
(f)  tarifvertragliche Bedingungen.
2.   Gelten aufgrund von Buchstabe (c) des vorstehenden Absatzes
Allgemeine Vertragsbedingungen, die nach diesem Gesetz anderweitig
nicht zulässig wären, so können repräsentative Verbraucherverbände,
Gewerbeverbände, Berufsverbände und rechtmäßig gegründete Wirt-
schaftsvereinigungen im Rahmen ihrer jeweiligen Befugnisse sowie
der Ombudsman bei den zuständigen Stellen die erforderlichen Ände-
rungen beantragen.
KAPITEL II
EINBEZIEHUNG ALLGEMEINER GESCHÄFTSBEDINGUNGEN IN EINZELVERTRÄGEN
Artikel 4
(Aufnahme in Einzelverträge)
Allgemeine Geschäftsbedingungen, die als Bestandteil von Einzelver-
trägen gestellt werden, werden im Rahmen dieser Verträge durch die
Annahme nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Kapitels wirksam.
Artikel 5
(Bekanntmachung)
1.   Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden den Vertragspart-
nern, die sie ohne Änderungen unterzeichnen oder annehmen, voll-
ständig bekannt gegeben.
2.   Die Bekanntmachung erfolgt in geeigneter Weise und so recht-
zeitig, daß unter Berücksichtigung der Bedeutung des Vertrags und
der Tragweite und Komplexität der Vertragsbedingungen bei üblicher
Sorgfalt eine vollständige und wirkliche Kenntnis möglich ist.
 ---pagebreak---                                                          3.S
3.   Der Nachweis der ausreichenden und wirksamen Bekanntmachung
muß vom Verwender, der die Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine m
anderen Vertragspartner stellt, erbracht werden.
Artikel 6
(Informationspflicht)
1.   Der Verwender der Allgemeinen Geschäftsbedingungen muß die
andere Vertragspartei den Umständen entsprechend über die in ihnen
enthaltenen Aspekte, die eine Erläuterung erforderlich machen,
informieren.
2.   Er muß ferner sämtliche zumutbaren Auskünfte erteilen.
Artikel 7
(Vorrang der Individualabrede)
Individuelle Vertragsabreden haben Vorrang vor Allgemeinen Ge-
schäftsbedingungen, selbst wenn diese in von beiden Parteien unter-
zeichneten Dokumenten erwähnt sind.
Artikel 8
(In Einzelverträgen unzulässige Klauseln)
In Einzelverträgen sind nicht zulässig:
(a)  Klauseln, die nicht gemäß Artikel 5 bekannt gemacht wurden,
(b)  Klauseln, die unter Verletzung der Informationspflicht mitge-
     teilt wurden, so daß ihre wirkliche Kenntnis nicht vorauszu-
     setzen ist,
(c)  Klauseln, die nach ihrem Kontext, durch die Überschrift oder
     ihre graphische Darstellung von einem normalen Vertragnehmer
     bei der tatsächlichen Unterzeichnung eines Vertrags übersehen
     werden können,
(d)  Klauseln, die in vorformulierte Verträgen nach der Unterzeich-
     nung durch die Vertragsparteien eingesetzt werden.
 ---pagebreak---                                                         âC
Artikel 9
(Wirksamkeit der Einzelverträge)
1.   In den, im vorstehenden Artikel vorgesehenen. Fällen bleiben die
Einzelverträge wirksam, wobei für die betreffenden Vertragsbestand-
teile die anwendbaren Ersatzvorschriften gelten, und wobei erfor-
derlichenfalls auf die Regeln für die Auslegung von Rechtsakten
zurückgegriffen wird.
2.   Die vorerwähnten Verträge sind jedoch nichtig, wenn trotz der
Verwendung der im vorstehenden Absatz genannten Elemente eine nicht
zu beseitigende Unsicherheit in wesentlichen Aspekten oder ein
Ungleichgewicht in den Leistungen entsteht, das gegen das Gebot von
Treu und Glauben verstoßen würde.
KAPIEL III
AUSLEGUNG ALLGEMEINER GESCHÄFTSBEDINGUNGEN
Artikel 10
(Grundprinzip)
Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen werden im Einklang mit den
Regeln für die Auslegung von Rechtsakten, jedoch immer im Kontext
des Einzelvertrags, dessen Bestandteil sie sind, ausgelegt.
Artikel 11
(Unklarheitenregel)
1.   Unklare Allgemeine Geschäftsbedingungen haben die Bedeutung,
die ihnen ein normaler Vertragnehmer, der sie unter wirklichkeits-
getreuen Bedingungen unterzeichnen oder annehmen würde, geben
würde.
2.    Zweifel bei der Auslegung gehen zu Lasten des Verwenders.
 ---pagebreak---                                                         ^9
KAPITEL IV
UNWIRKSAMKEIT ALLGEMEINER GESCHÄFTSBEDINGUNGEN
Artikel 12
(Klauselverbote)
Die nach, diesem Gesetz unzulässigen Allgemeinen Geschäftsbedingun-
gen sind nach den darin vorgesehenen Bestimmungen nichtig.
Artikel 13
(Wirksamkeit der Einzelverträge)
1.    Der Vertragnehmer, der Allgemeine Geschäftsbedingungen unter-
zeichnet oder annimmt, kann sich für die Aufrechterhaltung der
Einzelverträge aussprechen, falls einige deren Klauseln nichtig
sind.
2.    Bei Aufrechterhaltung der Verträge gelten für den betroffenen
Teil die einschlägigen Ersatznormen, wobei erforderlichenfalls auf
die Regeln für die Auslegung von Rechtsakten zurückgegriffen wird.
Artikel 14
(Einschränkung)
Wird von der, in Artikel 13 genannten Möglichkeit nicht Gebrauch
gemacht oder würde sie zu einem Ungleichgewicht der Leistungen
führen, das gegen das Gebot von Treu und Glauben verstoßen würde,
so gelten die Regeln für die Einschränkung von Rechtsakten.
KAPITEL V
UNZULÄSSIGE ALLGEMEINE GESCHÄFTSBEDINGUNGEN
ABSCHNITT I
BEZIEHUNGEN ZWISCHEN UNTERNEHMERN ODER VERGLEICHBAREN PERSONEN
 ---pagebreak---                                                       3ff
Artikel 15
(Geltungsbereich' des Verbots)
Die Verbote dieses Abschnitts gelten für die Beziehungen zwischen
Unternehmern oder zwischen freiberuflich Tätigen, einzeln oder in
Zusammenschlüssen, sowie für die Beziehungen zwischen verschiedenen
Parteien, sofern diese in ihrer unternehmerischen Eigenschaft und
im Rahmen ihrer spezifischen Tätigkeiten handeln.
Artikel 16
(Allgemeine Grundsätze)
Unzulässig sind Allgemeine Geschäftsbedingungen, die gegen das
Gebot von Treu und Glauben verstoßen.
Artikel 17
(Anwendung)
Bei der Anwendung der vorstehenden Regel müssen die grundlegenden
Rechtsgüter in bezug auf die jeweilige Situation abgewogen werden,
und zwar insbesondere
(a) die Bedeutung, die die Parteien dem allgemeinen Inhalt der
      fraglichen Vertragsbedingungen, dem Prozeß des Zustandekommens
      des fraglichen Einzelvertrags, dessen Inhalt sowie allen
      sonstigen in Betracht kommenden Elementen beimessen;
(b)   das Vertragsziel, das die Parteien durch das Rechtsgeschäft,
      insbesondere auf der Grundlage des verwendeten Vertragstyps,
      zu erreichen suchen.
Artikel 18
 (Klauselverbote ohne Wertungsmöglichkeit)
Unzulässig sind in Allgemeinen Geschäftsbedingungen Klauseln, die
 ---pagebreak---                                                        33
(a) die Haftung für Schäden am Leben, an der seelischen oder
    physischen Unverletzlichkeit oder der Gesundheit von Personen
    mittelbar oder unmittelbar ausschließen oder begrenzen;
(b) die Haftung für nicht vertraglich geregelte Sachschäden, die
    im Interessenbereich des Vertragspartners oder Dritter entste-
    hen, mittelbar oder unmittelbar ausschließen oder begrenzen;
(c) die Haftung für Nichterfüllung, unvollständige Erfüllung oder
    Verzug im Falle einer grob fahrlässigen oder vorsätzlichen
    Vertragsverletzung mittelbar oder unmittelbar ausschließen
    oder begrenzen;
(d) die Haftung für Handlungen von Bevollmächtigten oder Bedien-
    steten im Fall einer grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Ver-
    tragsverletzung mittelbar oder unmittelbar ausschließen oder
    begrenzen;
(e) das ausschließliche Recht zur Auslegung von Vertragsklauseln
    mittelbar oder unmittelbar dem Verwender übertragen;
(f) die Einrede der Nichterfüllung des Vertrags oder seine Kündi-
    gung wegen Nichterfüllung ausschließen;
(g) das Recht auf Zurückbehaltung ausschließen oder einschränken;
(h) die Möglichkeit der Aufrechnung, wenn diese gesetzlich zuläs-
    sig ist, ausschließen;
(i) die Möglichkeit der Hinterlegung in den gesetzlich vorgesehe-
    nen Fällen und unter den gesetzlich vorgesehenen Bedingungen
    in irgendeiner Weise einschränken;
(j) Dauerschuldverhältnisse oder Schuldverhältnisse, deren Dauer
    ausschließlich vom Willen einer Vertragspartei abhängt, schaf-
    fen;
(k) zugunsten des Verwenders die Möglichkeit vorsehen, ohne Zu-
    stimmung des Vertragspartners die sich,aus dem Vertrag erge-
    benden Rechte und Pflichten an Dritte abzutreten oder Unter-
    verträge abzuschließen, es sei denn, der Dritte wird im Ver-
    trag namentlich bezeichnet.
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Artikel 19
(Klauselverbote mit Wertungsmöglichkeit)
Nach Maßgabe der Verkehrssitte sind Allgemeine Geschäftsbedingunge]
unzulässig, die
(a)  zugunsten des Verwenders unangemessen lange Fristen für die
     Annahme oder Ablehnung eines Angebots vorsehen;
(b)  zugunsten des Verwenders unangemessen lange Fristen für die
     unverzügliche Erfüllung der Vertragsverpflichtungen vorsehen;
(c)  Konventionalstrafen festlegen, die im Verhältnis zu den wie-
     dergutzumachenden Schäden ein ubermaß darstellen;
(d)  fingierte Erklärungen über Abnahme oder Annahme oder sonstige
     Willensäußerungen betreffend Sachverhalte vorsehen, die als
     Grundlage für solche Willensäußerungen unzureichend sind;
(e)  die Gewährleistung für gelieferte Sachen oder geleistete
     Dienste in ungerechtfertigter Weise von der Nichtheranziehung
     Dritter abhängig machen;
(f)  einer der Vertragsparteien die Möglichkeit geben, den Vertrag
     sofort und ohne ausreichende Frist und ohne angemessene Ent-
     schädigung zu kündigen, wenn die andere Vertragspartei dem
     Vertrag zufolge Investitionen oder andere beträchtliche Ausga-
     ben tätigen muß;
(g)  einen Gerichtsstand festlegen, der für eine der Parteien
     schwerwiegende Nachteile mit sich bringt, ohne daß hierfür eil
     anerkennenwertes Interesse besteht;
(h)  die Geltung ausländischen Rechts vereinbaren, wenn die Nach-
     teile für eine der Parteien nicht durch berechtigte und effek-
     tive Interessen der anderen Partei aufgewogen werden ;
(i)  dem Verwender die Möglichkeit geben, die Leistungen ohne
     entsprechende Entschädigungen für festgestellte Wertminderun-
     gen zu ändern;
 ---pagebreak---                                                           <*/
(j)  die Möglichkeit, Rechtsmittel einzulegen, ohne ausreichenden
     Grund einschränken.
ABSCHNITT II
BEZIEHUNGEN MIT ENDVERBRAUCHERN
Artikel 20
(Geltungsbereich der Verbote)
Die Verbote des vorstehenden, sowie dieses Abschnitts gelten für die
Beziehungen mit Endverbrauchern und generell für alle in Artikel 15
nicht erfaßten Fälle.
Artikel 21
(Klauselverbote ohne Wertungsmöglichkeit)
Unzulässig sind Allgemeine Geschäftsbedingungen, die
(a)  Verpflichtungen, die der Verwender oder sein gesetzlicher
     Vertreter im Vertrag unmittelbar eingegangen ist, einschränken
     oder in irgendeiner Weise verändern;
(b)  dem Verwender mittelbar oder unmittelbar das ausschließliche
     Recht übertragen, die Qualität der gelieferten Sachen oder
     geleisteten Dienste zu überprüfen und zu beurteilen;
(c)  die Möglichkeit vorsehen, daß die vertraglichen Leistungen
     nicht den Angaben, Spezifikationen oder Mustern bei Vertrags-
     abschluß entsprechen;
(d)  Kenntnisse der Vertragspartner im juristischen Bereich oder in
     sachlichen Fragen bescheinigen;
(e)  die Regeln für die Beweislast ändern;
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(f)  die Regeln für die Risikoverteilung ändern.
Artikel 22
(Klauselverbote mit Wertungsmöglichkeit)
Nach Maßgabe der Verkehrssitte sind Allgemeine Geschäftsbedingunge
unzulässig, die
(a)  eine unangemessen lange Laufzeit des Vertrags oder eine unan-
     gemessen lange Frist für seine Kündigung vorsehen;
(b)  dem Verwender die Möglichkeit geben, den Vertrag nach freiem
     Ermessen ohne ausreichende Frist zu kündigen oder sich ohne
     hinreichenden gesetzlichen oder vertraglich vereinbarten Grün
     vom Vertrag zu lösen;
(c)  die Verpflichtung des Verwenders einschränken, für unvollstän
     dige Leistungen vereinbarungsgemäß Mängel zu beseitigen oder
     Schadensersatzzahlungen zu leisten;
(d)  unbeschadet des Artikels 437 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bei
     Verträgen, die aufeinanderfolgende Leistungen betreffen,
     kurzfristige oder darüber hinaus übermäßige Preiserhöhungen
     ermöglichen;
(e)  die sofortige Kündigung des Vertrags in Fällen, in denen
     Preiserhöhungen dies rechtfertigen, untersagen;
(f)  ohne Grund von den Regeln über die unvollständige Vertragser-
     füllung oder die Fristen für die Mängelanzeige abweichen;
(g)  ohne Grund Nachbesserungen oder Lieferungen durch Dritte ver-
     bieten;
(h)  eine unangemessene Kürzung von Fristen vorschreiben;
(i)  im Verhältnis zu dem zu sichernden Wert unangemessen hohe ode
     kostspielige Gewährleistungen verlangen;
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(j)  für die Erfüllung des Vertrags unverhältnismäßige oder unzu-
     mutbare Orte, Zeiten oder Modalitäten festlegen;
(k)  für die Erfüllung des Vertrags Formalitäten-fordern, die vom
     Gesetz nicht vorgesehen sind oder den Parteien zur Wahrnehmung
     ihrer vertraglichen Rechte unzumutbare Handlungen auferlegen.
Spanien
Spanien besitzt eine umfassende Verbraucherschutzgesetzgebung (Ley
general para la defensa de los consumidores y usuarios, Nr.
26/1984) mit detaillierten Bestimmungen betreffend Vertragsklau-
seln, die "von einem Unternehmen oder einer Gruppe von Unternehmen
zwecks Anwendung auf alle abzuschließenden Verträge vorformuliert
worden sind und deren Anwendung der Verbraucher .... nicht umgehen
kann, wenn er die betreffenden Güter oder Dienstleistungen zu
erhalten wünscht".
Das Verbraucherschutzgesetz stützt sich auf Artikel 51 der Spani-
schen Verfassung von 1978, der folgendes bestimmt:
     "1.   Der Staat gewährleistet den Schutz der Verbraucher,
     indem er mittels geeigneter Verfahren deren Sicherheit, Ge-
     sundheit und berechtigten Wirtschaftsinteressen schützt.
     2.   Der Staat fördert die Unterrichtung und Aufklärung der
     Verbraucher, fördert Verbrauchervereinigungen und hört diese
     Vereinigungen in der gesetzlich vorgesehenen Weise zu allen,
     für die Verbraucher relevanten Fragen.
     3.   Der Binnenhandel und das Verfahren für die Genehmigung
     des Inverkehrbringens von Handelsgütern werden im Sinne der
     vorstehenden Absätze auf dem Gesetzeswege geregelt."
Unmittelbarer Anlaß für die Verabschiedung des Allgemeinen Verbrau-
cherschutzgesetzes war der Speiseölskandal im Jahre 1981. Denatu-
riertes Speiseöl hatte damals Hunderten von Menschen das Leben
gekostet, und Tausende von Menschen hatten zum Teil lebenslängliche
Gesundheitsschädigungen davongetragen. Der Skandal verlieh den
 ---pagebreak---  ---pagebreak---                                                        HS
(a) eine präzise, klare und leicht verständliche Sprache, ohne
    Bezugnahme auf andere Texte oder Dokumente, soweit diese nicht
    vor oder bei Vertragsabschluß beigebracht wurden; in jedem
    Fall muß im Vertrag auf solche Texte oder Dokumente ausdrück-
    lich verwiesen werden;
(b) je nach Lage des Falls die Vorlage einer Empfangsbestätigung,
    sonstiger Dokumente bzw. Nachweise der Leistung oder ein
    angemessen detailliertes Angebot, es sei denn, daß die jeweils
    interessierte Partei darauf verzichtet;
(c) die Beachtung des Gebots von Treu und Glauben und ein wohlaus-
    gewogenes Verhältnis von Leistung und Gegenleistung, was unter
    anderem folgendes ausschließt:
1.  bei Abzahlungsgeschäften das Fehlen von Angaben über den
    Abzahlungsbetrag und über den auf die jeweils ausstehenden
    Beträge berechneten Jahreszins, sowie sonstige Klauseln aller
    Art, die dem Verkäufer die Möglichkeit geben, den letztendlich
    für die verkauften Güter zu zahlenden Preis während der Lauf-
    zeit des Vertrags zu erhöhen;
2.  Klauseln, die einer der Vertragsparteien das Recht einräumen,
    sich nach freiem Ermessen vom Vertrag zu lösen, abgesehen von
    Versandhandels- oder Haustürgeschäften oder Verkäufen nach
    Muster, bei denen dem Käufer dieses Recht zugestanden wird;
3.  mißbräuchliche Klauseln, d.h. solche, die den Verbraucher in
    unverhältnismäßiger oder unbilliger Weise benachteiligen oder
    in dem Vertrag zum Nachteil des Verbrauchers eine Unausgewo-
    genheit von Rechten und Pflichten der Partner schaffen;
4.  mißbräuchliche Kreditbedingungen;
5.  Preiserhöhungen für Dienstleistungen, Zubehörteile, Finan-
    zierungen und Ratenzahlungen, ferner Zuschläge, Entschädigun-
    gen oder Belastungen, denen keine zusätzlichen Leistungen
    entsprechen, die klar und deutlich einzeln aufgeführt sind und
    [vom Verbraucher] jeweils einzeln angenommen oder abgelehnt
    werden können;
 ---pagebreak---                                                         HC
6.   absolute Haftungsbeschränkungen gegenüber dem Verbraucher,
     auch hinsichtlich der wesentlichen Eigenschaften, der Eignung
     und des Nutzwerts der Ware oder der Dienstleistung;
7.   die Belastung des Verbrauchers für Kosten infolge von ihm
     nicht anzulastenden Fehlern, Mängeln oder Irrtümern in der
     Verwaltung, in der bankmäßigen Abwicklung oder in der Zah-
     lungsdomizil ierung sowie für Kosten für Dienstleistungen, die
     zu irgendeinem Zeitpunkt für einen bestimmten Zeitraum kosten
     los angeboten wurden;
8.   Umkehrung der Beweislast zum Nachteil des Verbrauchers oder
     Benutzers;
9.   ausdrückliche Verweigerung der dem Hersteller oder Lieferante
     obliegenden Pflichten oder Leistungen bei automatischer Ver-
     weisung auf Verwaltungs- oder Gerichtsverfahren;
10.  Ausschluß der,, dem Verbraucher oder Benutzer nach diesem Geset
     zustehenden,. Rechte;
11.  die Bestimmung, wonach beim Kauf neuerstellten Wohnraums die
     mit der Erstellung des Eigentumtitels verbundenen Kosten dem
     Käufer angelastet werden, wenn diese Kosten (Neubauten, hori-
     zontale Eigentumsrechte, Hypotheken zur Finanzierung des Baus
     der Teilung oder Auflösung) ihrer Natur nach vom Verkäufer zu
     tragen sind;
12.  die Verpflichtung zum Kauf nicht bestellter zusätzlicher oder
     ergänzender Waren oder Dienstleistungen.
2.   Im Sinne dieses Gesetzes gelten als "allgemeine" Bedingungen,
Klauseln oder Bestimmungen solche Bedingungen, Klauseln oder Be-
stimmungen, die von einem Unternehmen oder einer Gruppe von Unter-"
nehmen einseitig vorformuliert wurden, um in alle von ihm/von ihr
abzuschließenden Verträge aufgenommen zu werden, und deren Anwen-
dung der Verbraucher nicht vermeiden kann, wenn er die betreffende
Waren oder Dienstleistungen erhalten will. Fragen der Auslegung
sind im Zweifel contra proferentem zu entscheiden; im übrigen habe
Einzelabreden, sofern sie günstiger sind, Vorrang vor den allgemei
nen Vertragsklauseln.
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     3.     Die von öffentlichen Körperschaften oder Inhabern von Kon-
     zessionen für öffentliche Dienstleistungen in Monopolstellungen
     verwendeten allgemeinen Bedingungen, Klauseln oder Bestimmungen
     unterliegen unabhängig von der in Artikel 22 dieses Gesetzes vorge-
     sehenen Konsultation und unbeschadet der Anwendung der allgemeinen
     Bestimmungen dieses Gesetzes der Genehmigung und Überwachung durch
     die zuständigen staatlichen Behörden.
     4.     Bedingungen, Klauseln oder Bestimmungen, die den vorgenannten
     Vorschriften zuwiderlaufen, sind null und nichtig. Bewirken die
     verbleibenden Klauseln jedoch eine Unausgewogenheit im Verhältnis
     zwischen den Vertragsparteien, so ist der Vertrag selbst unwirksam.
     5.     Die staatlichen Behörden sorgen für die Einhaltung der Maße
     und Gewichte bei Waren und Erzeugnissen, der Preistransparenz sowie
     der Bedingungen des Kundendienstes bei langlebigen Gebrauchsgü-
     tern . "
Artikel 20 Absatz 1 lautet:
     "Verbraucherorganisationen haben in Übereinstimmung mit dem Ver-
     einsrecht Rechtspersönlichkeit; ihre Aufgabe besteht in der Wahr-
     nehmung der Interessen der Verbraucher einschließlich Unterrichtung
     und Aufklärung in allgemeiner Hinsicht in bezug auf bestimmte Waren
     oder Dienstleistungen."
Artikel 22 bestimmt:
      "1.     Die Verbraucherorganisationen werden bei der Formulierung
     allgemeiner Vertragsbedingungen in Bereichen von unmittelbarer
     Bedeutung für die Verbraucher in beratender Funktion angehört.
      2.     Die Anhörung ist in folgenden Fällen vorgeschrieben:
      (...)
      (e)    bei Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Unternehmen, die
             unter Monopolbedingungen öffentliche Dienste erbringen;
      (...)."
 ---pagebreak---                                                     Ht
Vereinigtes Königreich
Die wichtigsten Gesetze betreffend Vertragsklauseln sind:
      das Gesetz über Falschdarstellung von 1967 /Misrepresentation
      Act 1967)
     das Gesetz über Warenlieferungen (Stillschweigende Klauseln)
      von 1973 (Supply of Goods (Implied Terms) Act 1973)
     das Gesetz über lautere Handelspraktiken von 1973 (Fair Tra-
     ding Act 1973)
     das Gesetz über Verbraucherkredite von 1974 (Consumer Credit
      Act 1974)
     das Gesetz über mißbräuchliche Vertragsklauseln von 1977
      (Unfair Contract Terms Act 1977)
     das Gesetz über den Verkauf von Waren von 1979 (Sale of Goods
     Act 1979)
     das Gesetz über die Lieferung von Waren und Dienstleistungen
     von 1982 (Supply of Goods and Services Act 1982)
Professor P.D. James (1) sagt von dem Unfair Contract Terms Act
1977: "Dieses Gesetz läßt jenes Grundprinzip des Common Law unange-
tastet, wonach es den Vertragsparteien freisteht, sich durch eine
Vertragsklausel von ihren Pflichten zu lösen (2), denn sein Gel-
tungsbereich ist nicht universal und seine Anwendung ist in vieler-
lei Hinsicht eingeschränkt; in der Praxis aber geht es sehr weit in
diese Richtung."
Das Gesetz betrifft lediglich die "Geschäftshaftung" (business
liability), d.h. die "Haftung für die Nichterfüllung von Verpflich-
tungen seitens einer Person im Rahmen eines Geschäfts (des eigenen
oder dessen eines anderen) oder Haftung aufgrund der Benutzung von
Geschäftsräumen für Geschäftstätigkeiten des Benutzers; der Begriff
Haftung ist dementsprechend auszulegen" (vgl. Artikel 1(3) des
Gesetzes). Leider ist die Definition von "Geschäft" (business)
recht vage: so umfaßt der Begriff "business" in Artikel 14 (mit den
das Gesetz für England und Wales wie auch für Nordirland geändert
wird) und in Artikel 25 (1) (mit dem das Gesetz für Schottland
geändert wird) auch "eine freiberufliche Tätigkeit und die Tätig-
keiten von Regierungsstellen oder Gebietskörperschaften". Dies ist
die einzige Definition des Wortes "business". Zweifellos ist hier
eine recht weitgefaßte Interpretation angezeigt.
Das Gesetz hat jedoch nicht das breit angelegte Konzept, das die
Gesetzgebung vieler kontinentaleuropäischer Mitgliedstaaten (bei-
spielsweise Luxemburg, Portugal und Spanien) im Bereich der miß-
bräuchlichen Vertragsklauseln kennzeichnet.
(1)  Introduction to English Law, II. Ausgabe, Seite 298
(2)  In diesem Zusammenhang ist unter der englischen Formulierung
     "free to contract out of their obligations" zu verstehen, daß
     "die Haftung ausgeschlossen werden kann".
 ---pagebreak---                                                        WS
Der Unfair Contract Terms Act 1977 soll vor allem die schwierigen
(aber recht spezifischen und begrenzten) Fragen klären, inwieweit
     die Haftung für mangelhafte Sorgfalt oder Fahrlässigkeit
     ausgeschlossen oder begrenzt werden kann (Artikel 2, der für
     England und Wales sowie für Nordirland, nicht aber für Schott-
     land gilt);
     die, durch vertragliche Verpflichtungen begründete Haftung
     ausgeschlossen oder begrenzt werden kann (Artikel 2, 3, 6 und
     7 für England und Wales sowie Nordirland; Artikel 15 bis 17
     und 19 bis 21 für Schottland);
     "eine als Verbraucher handelnde Person" vertraglich zu "Scha-
     densersatzleistung an eine andere Person (Vertragspartei oder
     NichtVertragspartei) verpflichtet werden kann" (Artikel 4 für
     E, W und NI; Artikel 18 für S ) ;
     die Haftung ausgeschlossen oder begrenzt werden kann, wenn
     "(1)    bei,für private Nutzung oder privaten Verbrauch gelie-
     ferten gewöhnlichen Sachen ... ein Schaden
     (a) infolge eines Mangels der betreffenden Sache bei normaler
           Benutzung oder bei normalem Verbrauch eintritt und
     (b) von mangelnder Sorgfalt oder Fahrlässigkeit bei der
           Herstellung oder beim Vertrieb herführt..."
           (Artikel 5 (1) für E, W und NI; vgl. Artikel 19, Schott-
           land ) ;
     die Haftung im Zusammenhang mit gesetzlichen stillschweigenden
     Klauseln in Kaufverträgen, Mietkaufverträgen und bestimmten
     anderen Warenlieferungsverträgen ausgeschlossen oder begrenzt
     werden kann.
Der Unfair Contract Terms Act 1977 bestimmt weiter, daß "die Haf-
tung für Schaden an Leben oder Gesundheit infolge Fahrlässigkeit"
weder "durch Vertragsklausel" noch durch "eine allgemeine oder an
bestimmte Personen gerichtete Erklärung" ausgeschlossen oder be-
grenzt werden kann (Artikel 2 (1) für E, W und NI; nicht für S).
Eine Vertragsklausel zur Einschränkung der Geltung der gesetzlichen
stillschweigenden Klauseln in Warenlieferverträgen ist im Falle von
Verbrauchergeschäften (d.h. Transaktionen mit einem Verbraucher)
aufgrund der Artikel 6 und 7 unwirksam.
 ---pagebreak---                                                          o
Das Gesetz implementiert, was in Artikel 2 (2) (für E, W und NI,
nicht für S) als "Gebot der Angemessenheit" (requirement of reason-
ableness) beschrieben wird. Ganz allgemein ist hierunter zu ver-
stehen, daß die Vertragsklausel oder die Erklärung unter den gege-
benen Umständen "verhältnismäßig und angemessen" war (Artikel 11
(1) und (3) für E, W und NI; Artikel 24 (1), (2) und (3) für S).
Der Nachweis, daß das Gebot der Angemessenheit beachtet ist, ist
von der behauptenden Person zu erbringen (Artikel 11 (5), für E, W
und NI; Artikel 24 (4) für S).
In Verträgen, in denen eine Partei Verbraucher ist (und den Vertraç
in ihrer Eigenschaft als Verbraucher schließt), sowie in Verträgen,
die auf der Basis der Allgemeinen Geschäftsbedingungen einer der
Parteien riy geschlossen sind, muß die Partei, die den Vertrag
nicht erfüllt und geltend macht, daß sie ihre Haftung für die
Nichterfüllung des Vertrags ausgeschlossen oder begrenzt hat oder
berechtigt ist, den Vertrag in anderer als normalerweise zu erwar-
tender Weise auszuführen, oder berechtigt ist,
     den Vertrag überhaupt nicht auszuführen oder
     teilweise nicht auszuführen,
dem Gericht glaubhaft machen, daß das Gebot der Angemessenheit
beachtet ist (Artikel 3 (1) und (2) für E, W und NI; Artikel 17 (1]
und (2) für S).
Der Unfair Contract T erms Act 1977 hat nur in geringem Umfang ein
Fallrecht nach sich g ezogen. Die s ieben,eingangs zu dem Abschnitt
"Vereinigtes Königrei ch", genannten Gesetze haben jedoch in ihrem
Zusammenwirken einen weitreichende n Schutz der Vertragsparteien
einschließlich der Ve rbraucher beg rundet. Insbesondere bieten sie
einen weitreichenden Schutz für de n Käufer von Waren oder Dienst-
leistungen, gleich, o b der Käufer ais Verbraucher oder in anderer
Eigenschaft handelt, Dieser Schutz war auch dringend erforderlich
geworden. Angesichts des begrenzte n Geltungsbereichs des Unfair
Contract Terms Act 19 77 sollte hie r etwas weiter ausgeholt und auf
das Gesetz über den V erkauf von Wa ren hingewiesen werden.
(1)  Unter den hier beschriebenen Umständen ist es unerheblich, ob
     eine der Parteien ein Verbraucher ist (und als solcher han-
     delt); ebenso unerheblich ist es, ob beide Parteien oder alle
     Parteien den Vertrag im Rahmen ihrer Geschäfts- oder Berufstä-
     tigkeit schließen.
 ---pagebreak---                                                           si
Noch vor 16 Jahren konnte der Verkäufer einer Ware nach geltendem
Recht seine Haftung so weit ausschließen, daß er selbst dann nicht
herangezogen werden konnte, wenn die von ihm gelieferte Ware
-     nicht mit der im Vertrag festgelegten Beschreibung oder mit
      dem dem Kaufvertrag zugrundegelegten Muster übereinstimmte
      oder
      nicht von marktgängiger Qualität war oder
      für den vorgesehenen Verwendungszweck untauglich war.
Die Grundregel im Warenverkauf lautete "caveat emptor". Vor knapp
400 Jahren befand ein englisches Gericht, daß die Forderung eines
Käufers nach Erstattung des Kaufpreises für ein Juwel, das der
Verkäufer (unzutreffenderweise) als Magenstein (Bezoar) ausgegeben
hatte, unzulässig ist, es sei denn, der Käufer könne nachweisen,
daß dem Verkäufer bekannt war, daß es sich nicht um einen Magen-
stein handelte, oder daß der Verkäufer dies verbürgt hatte:
      Chandelor v Lopus (1603) Cro Jac 4; 79 E.R. 3; (sub nomine
      Lopus v Chandler, Dyer 75, n. Ex Ch).
Auch der Sale of Goods Act 1893 änderte nichts an der Grundregel
des "caveat emptor": das Gesetz billigte den Vertragsparteien aus-
drücklich zu, einvernehmlich die den Käufer schützenden Klauseln,
die mit dem gleichen Gesetz in den Kaufvertrag eingeführt worden
waren, wieder auszuschließen, sofern die Parteien nicht etwas
anderes vereinbarten. Von diesen "impliziten" oder "stillschweigen-
den" Klauseln gab es zwei Typen: "Bedingungen" (conditions) und
 "Gewährleistungen" (warranties). Der Unterschied besteht darin, daß
eine "condition" eine essentielle Vertragsklausel darstellt, deren
Nichtbeachtung der geschädigten Partei das Recht gibt, sich von dem
Vertrag zu lösen oder Schadensersatz zu verlangen, wobei sie das
eine oder das andere oder (wegen des kumulativen Charakters) auch
beides wählen kann, während eine "warranty" eine ergänzende Ver-
 tragsklausel ist (im vorliegenden Fall eine den Kaufvertrag ergänz-
ende Klausel), deren Nichtbeachtung zwar einen Schadensersatzan-
 spruch begründet, nicht aber das Recht, vom Vertrag zurückzutreten
 (d.h. im gegebenen Kontext das Recht, die Annahme der Waren zu
 verweigern).
 Der Sale of Goods Act 1979 (spätere Novellierung) "impliziert" als
 "conditions",
       daß der Verkäufer das Recht zum Verkauf der Ware hat (oder
       erhält);
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     daß die Waren mit der Beschreibung übereinstimmen müssen, wenr
     dem Kaufvertrag eine Beschreibung zugrundeliegt;
     daß die Waren in angemessener Weise für den vorgesehenen
     Verwendungszweck taugen, wenn sie von einem.gewerbsmäßigen
     Verkäufer für einen bestimmten Verwendungszweck, der dem
     Verkäufer bekannt ist, verkauft werden und der Käufer auf den
     Sachverstand und das Urteilsvermögen des Verkäufers vertraut;
-    daß die Waren von handelsüblicher Qualität sind, wenn der
     Käufer sie von einem gewerbsmäßigen Verkäufer kauft;
     daß bei einem Verkauf nach Muster
     (a) die gelieferte Ware in der Qualität dem Muster ent-
          spricht;
     (b) der Käufer angemessene Gelegenheit erhält, vor Annahme
          der Ware diese mit dem Muster zu vergleichen;
     (c) die Ware frei von ihr unverkäuflich machenden Mängeln
          ist, die bei einer angemessenen Prüfung des Musters nicht
          erkennbar sind.
Die impliziten oder stillschweigenden "warranties" bestehen darin,
     daß dem Käufer ungestörter Besitz der Waren zusteht;
-    daß die Waren frei von Belastungen zugunsten Dritter sind, die
     dem Käufer vor oder bei Vertragsabschluß nicht angezeigt
     wurden oder nicht bekannt waren.
Was den Begriff der "mißbräuchlichen Klauseln" im vorliegenden
Kontext betrifft, so sind die einleitenden Sätze im Urteil von
Lordrichter Bingham in Interfoto Picture Library Ltd v. Stiletto
Visual Programmes Ltd (1988) 1 All England Reports, Seiten 352 und
353, aufschlußreich:
     "In vielen Zivilrechtsordnungen (und vielleicht in den meisten
     Rechtsordnungen außerhalb der "Common-Law"-Länder) kennt das
     Recht der Schuldverhältnisse ein übergeordnetes Prinzip,
     wonach die Vertragsparteien beim Abschluß und bei der Ausfüh-
     rung von Verträgen dem Gebot von Treu und Glauben verpflichtet
     sein sollten. Das heißt nicht bloß, daß sie einander nicht
     täuschen sollen - ein Prizip, das jede Rechtsordnung anerken-
     nen muß. Am besten wird dieser Grundsatz von Treu und Glauben
     durch umgangssprachliche Begriffe wie "faires Spiel" oder "die
     Karten auf den Tisch legen" wiedergegeben. Seinem Wesen nach
     ist es ein Grundprinzip des fairen und offenen Miteinanderum-
     gehens. Im vorliegenden Fall ist meines Erachtens davon auszu-
     gehen, daß die Klägerin die Pflicht hatte, die Beklagte in
 ---pagebreak---                                                           s
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     aller Fairness auf den hohen Preis, der bei nicht rechtzeiti-
     ger Rückgabe des Bildmaterials fällig wird, und nach Ablauf
     der 14 Tage auf die hohen Kosten eines weiteren Rückgabever-
     zugs hinzuweisen.
     Das englische Recht hat sich kennzeichnenderweise nicht auf
     ein solches übergeordnetes Prinzip festgelegt, jedoch nach und
     nach Lösungen für offenkundige Probleme mißbräuchlicher Ver-
     tragsklauseln entwickelt. Hierfür ließen sich viele Beispiele
     anführen. So konnten mit dem Grundsatz der Billigkeit miß-
     bräuchliche Vertragsklauseln für unwirksam erklärt werden, und
     das Parlament ist tätig geworden, um die Anwendung von Ausnah-
     meklauseln und die Form bestimmter Mietkaufverträge zu regeln.
     Auch das Common Law hat das Seine dazu' beigetragen, indem es
     behauptet, daß bestimmte Vertragstypen nach dem Äußersten an
     Treu und Glauben verlangen, und für nicht einklagbar erklärt,
     was als ein vereinbarter Schadenswert hingestellt wird, in
     Wahrheit aber eine versteckte Konventionalstrafe ist."
In diesem Rechtsstreit   siegte zwar die Partei, die die Unwirksam-
keit einer mit Wucher gleichzusetzenden Klausel geltend gemacht
hatte, doch wird es noch einige Zeit dauern, bis aus diesem Zitat
von Lordrichter Bingham Konsequenzen gezogen und erste Schritte in
Richtung auf ein harmonisiertes Recht getan werden.
Nachdem das Urteil des Court of Appeal in dem Rechtsstreit Humming
Bird Motors Ltd. v. Hobbs [1986] einige der Verbraucherfreundlichen
Aspekte des Misrepresentation Act 1967 zurückgedrängt hat, könnte
mit der jetzt vorgeschlagenen Richtlinie in vielerlei Hinsicht
Klarheit geschaffen werden.
Die "stillschweigende" gesetzliche Gewährleistung seitens des
Verkäufers
Nach dem Kauf einer Ware erwartet der Verbraucher, daß diese eine
angemessene Zeit lang ihre Gebrauchstauglichkeit behält, sofern er
sie entsprechend ihrem normalen Verwendungszweck und entsprechend
der Benutzungsanweisung verwendet. Bei auftretenden Mängeln erwar-
tet er, daß er einen promten und kostenlosen (oder zumindest preis
werten) Reparaturdienst in Anspruch nehmen kann oder daß ihm die
fehlerhafte Ware ersetzt, eine Preisminderung zugestanden, der
entrichtete Kaufpreis erstattet oder unter bestimmten Umständen
Schadensersatz angeboten wird.
 ---pagebreak---                                                         ^"S
Recht und Rechtsprechung in den meisten Mitgliedstaaten - und in
den meisten europäischen Ländern - berücksichtigen den Aspekt der
Dauerhaftigkeitcx* von Gütern nicht oder nur in gewisser Hinsicht.
In den meisten Mitgliedstaaten stammt das Kaufrecht aus einer Zeit,
als die spezifischen Probleme der Haltbarkeit von Gütern zumindest
im Kontext der vertraglichen Beziehungen zwischen Hers tel1er/Verkä-
ufer und Verbraucher nicht existierten. Die Verpflichtungen aus dem
Kaufvertrag endeten mit der Lieferung der Güter oder - falls die
Güter zu diesem Zeitpunkt Mängel aufwiesen - nach Ablauf einer eher
kurzen Zeit der gesetzlichen Gewährleistung (d.h. der gesetzlichen
Mängelhaftung des Verkäufers). Diese Situation ist für den Verbrau-
cher unbef r iedigend ' :"":' .
Belgien, Frankreich und Luxemburg
Die entsprechenden Vorschriften sind in den Artikeln 1641 bis 1648
des Bürgerlichen Gesetzbuchs jedes der drei Mitgliedstaaten enthal-
ten.
Nach Artikel 1641 haftet der Verkäufer einer Sache dem Käufer
dafür, daß sie nicht mit Mängeln behaftet ist, In Frankreich (nicht
aber in Belgien und Luxemburg) besteht für den Hersteller die
gleiche Haftung.
Bei Feststellung eines Mangels kann der Käufer entweder die Rück-
gängigmachung des Kaufes (Wandelung) und damit die Rückzahlung des
entrichteten Kaufpreises oder aber eine Herabsetzung des Kaufprei-
ses (Minderung) verlangen. Unabhängig davon, welcher der beiden Wege
gewählt wird      hat der Käufer außerdem Anspruch auf Schadensersatz
für den Schaden, den er infolge des Mangels erleidet, wenn der
Verkäufer bei Abschluß des Kaufvertrags von diesem Mangel wußte.
 (1) Dauerhaftigkeit ist nicht dasselbe wie Zuverlässigkeit. Dauer-
     haftigkeit bezieht sich auf den Zeitraum, während dessen die
     Sache verwendet werden kann, ohne gebrauchsuntauglich oder
     reparaturbedürftig zu werden.
 (2) Diese beiden Absätze sind mit gewissen Anpassungen aus Berich-
      ten und Stellungnahmen (September 1977-März 1984) der European
     Consumer Law Group entnommen, die für das Centre de Droit de
      la Consommation, Faculté de Droit, Universität Louvain-la-
     Neuve, Belgien, von Cabay-Bruylant 1984 veröffentlicht wurden.
 ---pagebreak---                                                    SX
Das französische Fallrecht unterscheidet jedoch zwischen einem
Verkäufer, der die Sache im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit ver-
kauft, und einem nicht gewerbsmäßigen Verkäufer und geht davon aus,
daß der erste   von den verborgenen Mängeln der von ihm verkauften
Sache weiß. Diese Rechtsvermutung ist unwiderlegbar.
Das luxemburgische Recht ähnelt demjenigen Frankreichs, wobei
Artikel 1645 des Bürgerlichen Gesetzbuchs jetzt auslegbar ist - mit
der Ausnahme, daß eine Vertragsklausel, die die oben beschriebene
Gewährleistung des Verkäufers ausschließt oder begrenzt, nach
luxemburgischem Recht als mißbräuchlich gilt (Gesetz vom 23. August
1983). Außerdem können Verbraucherorganisationen jetzt auf Strei-
chung mißbräuchlicher Vertragsklauseln klagen.
Das belgische Recht ähnelt sehr stark demjenigen Frankreichs.
Obgleich im belgischen Fallrecht zwischen einem gewerbsmäßigen und
einem nichtgewerbsmäßigen Verkäufer unterschieden wird und die
Rechtsvermutung gilt, daß der gewerbsmäßige Verkäufer von versteck-
ten Mängeln der von ihm verkauften Waren weiß, kann die Rechtsver-
mutung jedoch widerlegt werden, beispielsweise wenn der Verkäufer
dem Gericht glaubhaft machen kann, daß er in gutem Glauben gehan-
delt hat. In diesem Fall würde der Verkäufer nicht haften und
brauchte somit nicht Wandelung oder Minderung zuzugestehen oder
Schadensersatz zu leisten. Außerdem besteht für den Verkäufer die
Möglichkeit zur Begrenzung der Gewährleistung, es sei denn, es
handelt sich um arglistige Täuschung.
Dänemark
Die einschlägigen Vorschriften sind im Gesetz über den Verkauf von
Sachen aus dem Jahre 1906 (in der Fassung) von 1979 niedergelegt.
Dem Käufer stehen verschiedene Wege (Ersatz der fehlerhaften Ware,
Wandelung, Rückzahlung oder Minderung) offen; ein Ausschluß dieser
Rechte des Käufers steht dem Verkäufer nicht zu.
Der Käufer muß innerhalb einer angemessenen Frist nach Feststellung
des Mangels diesen dem Verkäufer anzeigen; die Mängelanzeige darf
nicht später als ein Jahr nach Lieferung der Sache erfolgen. Der
Käufer hat eine Frist von einem Jahr nach Lieferung der Ware, um
seine Ansprüche gegen den Verkäufer gerichtlich geltend zu machen.
 ---pagebreak---                                                                 sc
Das dänische Fallrecht ähnelt sehr stark dem modern             geschriebenen
Recht Irlands (siehe weiter unten), das in der Frage der Dauerhaf-
tigkeit der Güter besonders fortschrittlich und beispielgebend ist.
Bundesrepublik Deutschland
Die einschlägigen Vorschriften sind in den SS 459 ff des Bürgerli-
chen Gesetzbuchs enthalten:
"S 459 (Sachmängel)
(1)   Der Verkäufer einer Sache haftet dem Käufer dafür, daß sie zu
der Zeit, zu welcher die Gefahr auf den Käufer übergeht, nicht mit
Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem
gewöhnlichen oder dem nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch
aufheben oder mindern. Eine unerhebliche Minderung des Wertes oder
der Tauglichkeit kommt nicht in Betracht.
(2)   Der Verkäufer haftet auch dafür, daß die Sache zur Zeit des
Überganges der Gefahr die zugesicherten Eigenschaften hat.
S 460 (Kenntnis des Käufers)
Der Verkäufer hat einen Mangel der verkauften Sache nicht zu ver-
treten, wenn der Käufer den Mangel bei dem Abschluß des Kaufes
kennt. Ist dem Käufer ein Mangel der im S 459 Abs. 1 bezeichneten
Art infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt geblieben, so haftet
der Verkäufer, sofern er nicht die Abwesenheit des Fehlers zugesi-
chert hat, nur, wenn er den Fehler arglistig verschwiegen hat.
S 462 (Wandelung, Minderung)
Wegen eines Mangels, den der Verkäufer, nach den Vorschriften der
%% 459, 460 zu vertreten hat, kann der Käufer Rückgängigmachung des
Kaufes (Wandelung) oder Herabsetzung des Kaufpreises (Minderung)
verlangen.
 ---pagebreak---                                                         J
                                                          9
S 463 (Schadensersatz wegen Nichterfüllung)
Fehlt der verkauften Sache zur Zeit des Kaufes eine zugesicherte
Eigenschaft, so kann der Käufer statt der Wandelung oder der Minde-
rung Schadensersatz wegen Nichterfüllung verlangen. Das gleiche
gilt, wenn der Verkäufer einen Fehler arglistig verschwiegen hat.
§ 464 (Vorbehalt der Rechte)
Nimmt der Käufer eine mangelhafte Sache an, obschon er den Mangel
kennt, so stehen ihm die in den SS 462, 463 bestimmten Ansprüche
nur zu, wenn er sich seine Rechte wegen des Mangels bei der Annahme
vorbehält.
S 466 (Fristsetzung für Wandelung)
Behauptet der Käufer dem Verkäufer gegenüber einen Mangel der
Sache, so kann der Verkäufer ihn unter dem Erbieten zur Wandelung
und unter Bestimmung einer angemessenen Frist zur Erklärung darüber
auffordern, ob er Wandelung verlange. Die Wandelung kann in diesem
Falle nur bis zum Ablaufe der Frist verlangt werden.
§ 472 (Wesen der Minderung)
 (1)   Bei der Minderung ist der Kaufpreis in dem Verhältnis herab-
zusetzen, in welchem zur Zeit des Verkaufs der Wert der Sache in
mangelfreiem Zustand zu dem wirklichen Werte gestanden haben
würde.
 (2)   Findet im Falle des Verkaufs mehrerer Sachen für einen Ge-
samtpreis die Minderung nur wegen einzelner Sachen statt, so ist
bei der Herabsetzung des Preises der Gesamtwert aller Sachen zu-
grunde zu legen.
S 476 (Arglistiges Verschweigen)
Eine Vereinbarung, durch welche die Verpflichtung des Verkäufers
zur Gewährleistung wegen Mängel der Sache erlassen oder beschränkt
 wird, ist nichtig, wenn der Verkäufer den Mangel arglistig ver-
 schweigt.
 ---pagebreak---                                                         s
                                                          z
S 477 (Verjährung der Gewährleistungsansprüche)
(1)   Der Anspruch auf Wandelung oder auf Minderung sowie der
Anspruch auf Schadensersatz wegen Mangels einer -zugesicherten
Eigenschaft verjährt, sofern nicht der Verkäufer den Mangel argli-
stig verschwiegen hat, bei beweglichen Sachen in sechs Monaten von
der Ablieferung, bei Grundstücken in einem Jahre von der Übergabe
an. Die Verjährungsfrist kann durch Vertrag verlängert werden.
(2)   Beantragt der Käufer gerichtliche Beweisaufnahme zur Siche-
rung des Beweises, so wird die Verjährung unterbrochen. Die Unter-
brechung dauert bis zur Beendigung des Verfahrens fort. Die Vor-
schriften des S 211 Abs. 2 und des S 212 finden entsprechende
Anwendung.
(3)   Die Hemmung oder Unterbrechung der Verjährung eines der im
Abs. 1 bezeichneten Ansprüche bewirkt auch die Hemmung oder Unter-
brechung der Verjährung der anderen Ansprüche.
S 478 (Erhaltung der Mängeleinrede)
(1) Hat der Käufer dem Verkäufer den Mangel angezeigt oder die
Anzeige an ihn abgesendet, bevor der Anspruch auf Wandelung oder
auf Minderung verjährt war, so kann er auch nach der Vollendung der
Verjährung die Zahlung des Kaufpreises insoweit verweigern, als er
aufgrund der Wandelung oder der Minderung dazu berechtigt sein
würde. Das gleiche gilt, wenn der Käufer vor der Vollendung der
Verjährung gerichtliche Beweisaufnahmen zur Sicherung des Beweises
beantragt oder in einem zwischen ihm und einem späteren Erwerber
der Sache wegen des Mangels anhängigen -Rechtsstreit dem Verkäufer
den Streit verkündet hat.
(2)   Hat der Verkäufer den Mangel arglistig verschwiegen, so
bedarf es der Anzeige oder einer ihr nach Abs. 1 gleichstehenden
Handlung nicht."
Der Verkäufer haftet für versteckte Mängel. Er haftet auch für
andere Fehler, wenn diese bei normaler Prüfung nicht entdeckt
werden können. Hat der Verkäufer wider Treu und Glauben gehandelt
und den Mangel verschwiegen, so haftet er auch dann, wenn der
Mangel geringfügig ist und wenn die Nichtaufdeckung des Fehlers der
Fahrlässigkeit des Käufers anzulasten ist.
 ---pagebreak---                                                           s*
Der Verkäufer kann seine Gewährleistung einschränken. Nach dem
Gesetz vom 9. Dezember 1976 zur Regelung des Rechts der Allgemeinen
Geschäftsbedingungen (AGB-Gesetz) darf der Verkäufer jedoch seine
Gewährleistung nicht ausschließen, wenn er dem Käufer nicht das
vertragliche Recht auf Nachbesserung oder Ersatzlieferung zuer-
kennt .
Für die Mängelanzeige besteht eine Ausschlußfrist von sechs Mona-
ten; der Schadensersatzanspruch des Käufers bei arglistig ver-
schwiegenen Mängeln verjährt jedoch erst nach 30 Jahren. Diese
Veriährungsfrist beginnt mit dem Zeitpunkt der Lieferung; sie wird
mit Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens unterbrochen.
Gr iec'nenland
Die einschlägigen Vorschriften sind in den Artikel 531 bis 535 des
Bürgerlichen Gesetzbuchs enthalten. Zur Klärung der Frage, ob der
Verkäufer haftet, muß folgendes berücksichtigt werden:
      die Absicht der Vertragsparteien;
      die Umstände, unter denen der Vertrag zustande kam;
      die Verkehrssitte.
Dem Verkäufer steht es frei, seine Gewährleistung auszuschließen
oder zu begrenzen. Für die Mängelanzeige seitens des Käufers gilt
eine Ausschlußfrist von sechs Monaten nach Lieferung.
Irland
Das irische Recht ähnelt dem englischen Recht; es geht davon aus,
daß jeder Kaufvertrag ipso facto gewisse gesetzliche ( implizite
oder stillschweigende) Klauseln enthält. Nach dem Sale of Goods and
Supply of Services Act 1980 (mit dem der Sale of Goods Act 1893
geändert wird) können die gesetzlichen Vertragsklausel n nicht
ausgeschlossen werden. Das irische Recht ist in gewiss er Hinsicht
expliziter als das englische Recht, so bei der Auslegu ng des Be-
griffs "marktgängige Qualität" (merchantable quality); außerdem
 sieht das irische Recht eine Gewährleistung des Verkäu fers hin-
 sichtlich der Dauerhaftigkeit der Güter vor. Aus dem Z usammenwirken
beider Gesetze ergibt sich, daß "Güter dann von marktg ängiger
 Qualität sind, wenn sie ... so dauerhaft sind, wie die s unter Be-
 rücksichtigung der auf sie zutreffenden Beschreibung, des Preises
 (soweit dieser relevant ist) und aller anderen maßgebl ichen Umstän-
 de vernünftigerweis.e erwartet werden kann."
 ---pagebreak---                                                        Co
Der Verkäufer der Sache gewährleistet somit,
      daß die Sache von marktgängiger Qualität ist und
      daß sie für den vorgesehenen Zweck tauglich ist.
Diese Gewährleistung gilt nicht nur zum Zeitpunkt des Verkaufs
(oder, genauer gesagt, zum Zeitpunkt der Entstehung der Verpflich-
tung), sondern auch für eine angemessene Zeitspanne danach.
Das irische Recht macht dem Verkäufer ferner zur Auflage, die
Lieferung von Ersatzteilen sowie einen Kundendienst zu gewährlei-
sten.
  talien
Die entsprechenden Vorschriften sind in den Artikeln 1490 ff des
Bürgerlichen Gesetzbuchs enthalten und ähneln dem französischen
Recht.
Dem Verkäufer steht es frei, seine Gewährleistung auszuschließen
oder zu begrenzen; dies gilt nicht im Falle der arglistigen Täu-
schung.
Der Käufer muß dem Verkäufer einen Mangel binnen 8 Tagen nach
dessen Feststellung anzeigen; diese Ausschlußfrist gilt nicht, wenn
der Verkäufer von dem Mangel bereits wußte oder den Mangel argli-
stig verschwiegen hat. Klage vor Gericht kann nur innerhalb von
einem Jahr nach der Lieferung erhoben werden.
Niederlande
Die einschlägigen Vorschriften sind in den Artikeln 1540 bis 1547
des Bürgerlichen Gesetzbuchs enthalten, die den Artikeln 1641 ff
des französischen Bürgerlichen Gesetzbuchs stark ähneln.
Der Geltungsbereich dieser Artikel wurde jedoch im niederländischen
Fallrecht durch Beschränkung auf Geschäfte zwischen einem "gewerbs-
mäßigen" Verkäufer und einem Verbraucher eingeengt.
Der Verkäufer kann mit der von ihm gebotenen Gewährleistung seine
Haftung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (d.h. nach den Bestimmun-
gen über die Gewährleistungspflicht des Verkäufers) ausschließen.
Mit dem neuen-. Gesetz über die Allgemeinen Vertragsbedingungen von
 1986 (in Abänderung des Bürgerlichen Gesetzbuchs) wird jedoch das
Recht des Verkäufers auf Ausschluß seiner Haftung eingeschränkt.
 ---pagebreak---                                                        £1
Der Käufer muß dem Verkäufer den Mangel innerhalb einer angemesse-
nen Frist nach dessen Feststellung anzeigen. Für die Klageerhebung
gegen den Verkäufer steht dem Käufer eine Frist von zwei Jahren zu.
Portugal
Die einschlägigen Vorschriften sind in Artikel 913 des Bürgerlichen
Gesetzbuchs enthalten, wonach der Verkäufer nicht nur für Mängel
der Sache, sondern auch für das Fehlen von Eigenschaften oder
Merkmalen, die er dem Käufer zugesichert hat, haftet. Bösgläubig-
keit seitens des Verkäufers hat nur für die Höhe des Schadenser-
satzanspruchs des Käufers, nicht aber für den Geltungsbereich der
Gewährleistung des Verkäufers Folgen.
Nach dem Gesetzesdekret Nr. 446/85 vom 25. Oktober 1985 über miß-
bräuchliche Vertragsklauseln ist es unzulässig, die Anwendung der
relevanten Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs einzuschrän-
ken. Ebenso ist es unzulässig, die Ausschlußfristen für gerichtli-
che Schritte des Käufers zu verkürzen. Unklare und nicht sachgemäße
Vertragsklauseln sind unwirksam.
Nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs muß der Käufer
dem Verkäufer den Mangel binnen 30 Tagen nach dessen Feststellung
oder binnen sechs Monaten nach erfolgter Lieferung anzeigen.
Spanien
Die entsprechenden Vorschriften sind in den Artikeln 1484 ff des
Bürgerlichen Gesetzbuchs niedergelegt. Der Verkäufer haftet für
Mängel der verkauften Sache, gleich ob er zum Zeitpunkt des Ver-
kaufs oder, wenn die Mängel zum Zeitpunkt der Lieferung bestanden,
zum Zeitpunkt der Lieferung davon Kenntnis hatte oder nicht.
Ergänzt werden diese Bestimmungen durch das Gesetz Nr. 26/1984 vom
19. Juli 1984, von dem eingangs eine Zusammenfassung gegeben worden
war und demzufolge der Verkäufer gewisse Eigenschaften bei Ge-
brauchsgütern zu gewährleisten hat. Außerdem bietet dieses Gesetz
dem Käufer eine Regressmöglichkeit gegen den Verkäufer wie gegen
den Hersteller. Die Auslegungsregeln begünstigen den Verbraucher.
Für die Einleitung gerichtlicher Schritte gegen den Verkäufer gilt
eine Ausschlußfrist von sechs Monaten ab Lieferdatum.
 ---pagebreak---                                                       64
Vereinigtes Königreich
Über die wichtigsten einschlägigen Bestimmungen war weiter oben
berichtet worden. Das Klagerecht des Käufers verjährt nach sechs
Jahren ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bzw. der Lieferung
der Sache.
Kurze Darstellung des Rechts in anderen "Common-Law"-Ländern
Mehr als 200 Jahre lang haben Billigkeitsgerichte in Common-Law-
Ländern, die englische Billigkeitsgrundsätze anwenden, auf Unwirk-
samkeit von Verträgen erkannt, wenn diese so unangemessen waren,
daß "niemand, der im Besitze seiner Sinne ist, sie anbieten, und
niemand, der ehrlich und fair ist, sie annehmen würde" C1> .
In Australien gibt es Präzedenzfälle eines gesetzlichen Schutzes
gegen unangemessene Verträge, so in New South Wales der Artikel 88F
 des   Industrial Arbitration Act 1940 (unbillige, unzumutbare und
unangemessene Vertragsklauseln über die Erbringung von Arbeitslei-
stungen in Unternehmen) und der Contracts Review Act 1980 (unan-
gemessene, unzumutbare oder übervorteilende Verträge, soweit sie
nicht im Rahmen einer Gewerbetätigkeit außer Landwirtschaft ge-
schlossen sind). Auch die Uniform Credit Acts in den "States and
Territories" enthalten Bestimmungen für unangemessene, unzumutbare
oder übervorteilende Bestimmungen in bestimmten Kreditverträgen.
Einige Staaten (so New South Wales, Victoria, South Australia und
Western Australia) haben Gesetze über lautere Gewerbepraktiken.
Damit fällt unangemessenes Verhalten von nichtkorporativen Wirt-
schaftsakteuren (typischer Fall: ein Dienstleistungserbringer oder
ein individueller Händler), das möglicherweise außerhalb des Gel-
tungsbereichs des Federal Trade Practices Act 1974 steht, unter die
State Fair Trading Acts.
Zu erwähnen ist auch das allgemeine Recht betreffend unangemessenes
Verhalten. Das Urteil in der Sache Commercial Bank of Australia v.
Amadio (1983) 141 CLR.447 gehört zu jenen Entscheidungen, in denen
 (1) Siehe Urteil in der englischen Rechtsache: Earl of Chester-
      field v. Janssen (1751) I Atk.301; 2 Ves Sen 125; 26 ER.191,
     LC (oder in amerikanischer Zitierweise: 28 English Reports 82
      (Ch 1750)
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der australische .High Court die Billigkeitsrechtsprechung bestätig-
te, wonach Verkaufsgeschäfte als unangemessen zu gelten haben, wenn
eine Vertragspartei aufgrund bestimmter Bedingungen oder Umstände
in eine besonders nachteilige Position gegenüber <3er anderen Ver-
tragspartei gebracht wird und diese Situation mißbräuchlich ausge-
nutzt wird.
Ob unangemessenes Verhalten vorliegt, wurde von den australischen
Gerichten unter anderem anhand folgender Kriterien beurteilt:
     hat das Verhalten des Lieferanten Nachteile für den Verbrau-
     cher gebracht oder befand sich der Verbraucher schon vorher in
     einer nachteiligen Situation?
     War der Nachteil so gravierend, daß er die Fähigkeit des Ver-
     brauchers, seine Interessen wahrzunehmen, beeinträchtigte?
     Hat die andere Partei diesen Nachteil ausgenutzt, als sie
     Kenntnis von diesem Nachteil erhielt oder erhalten haben
     dürfte?
Nach der neuen Regelung, insbesondere Artikel 52A des Trade Practi-
ces Act 1974, können die Gerichte nunmehr auch folgende Kriterien
heranziehen:
     Ist die Firma aufgrund ihrer Größe oder Machtstellung in einer
     wesentlich besseren Verhandlungsposition als der Verbraucher?
     Muß der Verbraucher infolge des Verhaltens der anderen Partei
     Bedingungen erfüllen, die durch berechtigte Geschäftsinteres-
     sen nicht oder in unangemessener Weise geschützt sind?
     Hat der Verbraucher die Vertragsklauseln verstanden?
     Wurden gegen den Verbraucher oder seinen Vertreter ungehöriger
      Einfluß, Druck oder unangemessene Taktiken eingesetzt?
     War der für die Waren oder Dienstleistungen entrichtete Preis
      höher oder waren die Bedingungen, unter denen die Waren oder
     Dienstleistungen erworben werden konnten, ungünstiger als dies
      normalerweise der Fall ist?
 ---pagebreak---                                                              6«/
In den Vereinigten Staaten wurde durch Artikel 2-302 des Uniform
Commercial Code (XJCC), dessen erste amtliche Fassung 1952 erschien,
das Konzept der Unangemessenheit in das Recht aller US-Bundesstaa-
ten mit Ausnahme dreier Staaten*1' e inge führ tt:a * . .Artikel 2-302
lautet wie folgt:
     "(1)    Befindet das Gericht, daß der Vertrag oder eine Klausel
     des Vertrags zur Zeit des Vertragsabschlusses unangemessen
     gewesen ist, so kann es den Vertrag für ungültig erklären, die
     restlichen Vertragsbestimmungen nach Ausklammerung der unange-
     messenen Vertragsklausel für gültig erklären oder die Anwen-
     dung einer unangemessenen Vertragsklausel so beschränken, daß
     eine unangemessene Folge vermieden wird.
     (2)    Wird von einer Partei vorgebracht oder gewinnt das
     Gericht den Eindruck, daß der Vertrag oder eine Vertragsklau-
     sel unangemessen ist, so ist den Parteien Gelegenheit zu
     geben, ihren Geschäftszweck und ihre geschäftliche Situation
     darzulegen, um dem Gericht die Entscheidung zu erleichtern."
White und Summers führen in ihrem Kommentar zu dem fraglichen
Artikel aus: "Adressaten der Unangemessenheitsdoktrin sind in der
Regel als Gläubiger auftretende Kläger und Abzahlungsverkäufer. Die
Gerichte sind bisher noch nicht mit Unangemessenheitsklagen eines
Kaufmanns gegen einen anderen Kaufmann befaßt worden" <3> .
E. Hondius meint jedoch: "Die auf breiter Basis stehende Regelung
des Uniform Commercial Code wurde jedoch nicht von dem ersten
kontinentaleuropäischen Land übernommen, das - lange Zeit vor
Beginn der Verbraucherbewegung - Rechtsvorschriften über mißbräuch-
liche Vertragsklauseln e inführte " <"*:> . Das betreffende europäische
Land war Italien; und ergänzend sei gesagt, daß die meisten Mit-
gliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die bisher Rechtsvor-
schriften über mißbräuchliche Vertragsklauseln erlassen haben, zu
einer, verglichen mit dem amerikanischen UCC weniger breitangelegten
Konzeption neigten.
(1)  Kalifornien und North Carolina haben Artikel 2-302 nicht
      übernommen. Louisiana hat den ganzen UCC nicht übernommen.
 (2) Diese Absätze über das US-Recht sind nahezu wörtlich aus White
     and Summers, "Uniform Commercial Code", übernommen (veröffent-
     licht in Hornbook Series, West Publishing Company, St Paul,
     Minnesota, USA)
(3)  A.a.O. S. 114
(4)  Hondius-Bericht für die Kommission mit dem Titel "Unfair terms
      in Consumer Contracts" (September 1987) S. 67.
 ---pagebreak---                                                        6X
Schlußfolgerung .
Die Tatsache, daß die Mitgliedstaaten im Alleingang gesetzgeberisch
tätig wurden, hat zu einigen auffälligen Unterschieden in den
Rechtsnormen geführt. So sind in Großbritannien Versicherungsver-
träge vom Anwendungsbereich des Unfair Contract Terms Act 1977
ausgeschlossen, während das französische Recht auf dem Gebiet der
mißbräuchlichen Vertragsklauseln auf Versicherungsverträge Anwen-
dung findet. Zum Binnenmarktprogramm 1992 gehört auch, daß der
Verbraucher Versicherungen dort abschließen kann, wo dies für ihn
am günstigsten ist. Der Parcours ist jedoch voller Hürden, da die
entsprechenden Rechtsvorschriften nicht einheitlich sind. Die Folgen
sind verzerrter Wettbewerb und Risiken für den Verbraucher.
Der eingangs (Seite 4) erwähnte Fall Lufthansa ist ein weiteres
Beispiel für ungleiche Behandlung. Mißbräuchliche Beförderungsklau-
seln, die in der Bundesrepublik für rechtsungültig erklärt worden
sind, sind möglicherweise in anderen Mitgliedstaaten, die entweder
spezifische Rechtsvorschriften, die in Inhalt oder Geltungsbereich
von denen der Bundesrepublik abweichen, oder keine Rechtsvorschrif-
ten haben und das Problem ungelöst lassen, so daß es aller Wahr-
scheinlichkeit nach unter das allgemeine Vertragsrecht fällt,
durchaus rechtsgültig, was zur Folge hat, daß der Verbraucher eine
weniger günstige Behandlung erfährt und die vertraglichen Pflichten
der Luftverkehrsgesellschaften geringer sind. So kann die befremd-
liche Situation eintreten, daß auf Passagiere, die im gleichen
Flugzeug nebeneinander sitzen, unterschiedliche Beförderungsbedin-
gungen Anwendung finden.
Ein weiteres Beispiel betrifft die sogenannte "fraction légale".
Nach belgischem Recht kann ein unbefriedigter Kreditgeber einen
Teil der Einkünfte des Kreditnehmers auch ohne Gerichtsurteil
pfänden lassen. In Frankreich wäre eine solche Vertragsklausel
ungültig, ebenso in der Bundesrepublik Deutschland, im Vereinigten
Königreich und in den meisten anderen Mitgliedstaaten. Gläubiger in
diesen Mitgliedstaaten haben nicht die gleichen Möglichkeiten der
Schuldbeitreibung wie in Belgien und müssen deshalb aufwendigere
Mittel einsetzen als ihre belgischen Kollegen. Dies wiederum bedeu-
tet eine Wettbewerbsverzerrung im gemeinsamen Bankenmarkt und hat
beispielsweise für einen Schuldner in Charleroi eine weniger gün-
stige Position zur Folge als für einen Schuldner in Lille, London
oder Lübeck.
Ein weiteres Beispiel ist der nachstehende, wahrscheinlich in
keinem Mitgliedstaat eigens geregelte Fall. Es geht um die Ver-
tragsklauseln eines renommierten Kreditkarteninstituts, die von dem
 ---pagebreak---                                                         éc
Karteninhaber verlangen, sein Gehalt, seinen Lohn, seine sonstigen
Einkünfte einschließlich Mieteinnahmen und Dividenden und seinen
sonstigen gesamten Besitz zugunsten des Kartenausstellers zu "bela-
sten" (d.h. dem Kartenaussteller eine Art Pfandrecht zuzugestehen),
um auf diese Weise die mit Kreditkarte gezahlten Beträge zu si-
chern. In 999 von 1000 Fällen steht dieses Sicherheitserfordernis
in keinem Verhältnis zu den Schulden, die der Karteninhaber gegen-
über dem Kartenaussteller machen könnte. Die Vertragsklausel ist
mithin mißbräuchlich - objektiv betrachtet sogar grob mißbräuchlich
- und würde auch in vielen Mitgliedstaaten von den Gerichten als
solche behandelt werden; da Belgien aber kein modernes Recht auf
dem Gebiet der mißbräuchlichen Vertragsklauseln hat, kann diese
Vertragsklausel dort sehr wohl rechtmäßig sein. Einige belgische
Rechtsexperten sind zwar der Meinung, daß ein belgisches Gericht
diese Klausel für unrechtmäßig erklären würde, doch ist die Situa-
tion unklar. In einem Binnenmarkt aber darf darüber keine Unklar-
heit herrschen.
Fälle wie der vorgenannte und wie die oben angeführten Beispiele
sollen mit der jetzt vorgeschlagenen Richtlinie geregelt werden.
Gleichzeitig sollen durch Beseitigung von Wettbewerbsverzerrungen
gleiche Ausgangspositionen geschaffen, eine angemessene Gleichbe-
handlung für den Verbraucher, soweit noch nicht vorhanden, wieder-
hergestellt und Zweifel und Unklarheiten ausgeräumt werden.
                                                                  /
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Vorschlag für eine Richtlinie über mißbräuchliche Klauseln
                  in Verbraucherverträgen
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            Vorschlag für eine Richtlinie Über mißbräuchliche Klauseln
                                  In Verbraucherverträgen
DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN -
gestutzt    auf    den    Vertrag    zur   Gründung  der   Europäischen  Wirtschafts-
gemeinschaft, Insbesondere auf Artikel 100a»
auf Vorschlag der Kommission,
 In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Parlament,
nach Stellungnahme des Wlrtschafts- und SozI a Iausschusses,
In Erwägung nachstehender Gründe:
Es ist wichtig, Maßnahmen zur schrittweisen Errichtung des Binnenmarktes bis
zum 31. Dezember       1992 zu treffen. Der Binnenmarkt      umfaßt  einen Raum ohne
Binnengrenzen, in dem der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen
und Kapital gewährleistet Ist.
Die Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Vertragsklauseln, die zwischen
dem Verkäufer     von Waren oder Dienstleistungen einerseits und deren Käufer
andererseits gelten, weisen viele Unterschiede auf, was zur Folge hat, daß die
elnzelStaatIichen Märkte für den Verkauf von Waren und Dienstleistungen an
Verbraucher uneinheitlich sind, und bei den Verkäufern, besonders beim Verkauf
In anderen Mltglledstaaten, WettbewerbsverZerrungen eintreten können.
Insbesondere die Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über mißbräuchliche
Klauseln   In   Verträgen    mit    Verbrauchern  weisen  beträchtliche  Unterschiede
 ---pagebreak--- auf, was auch für die nationalen Rechtsvorschriften Über die Verpflichtung der
Verkäufer von Waren gilt, für die Qualität und Eignung fUr den beim Verkauf
vorgesehenen  Zweck und    für die Übereinstimmung mit     dem Vertrag    zu haften,
sowie der Erbringer von Dienstleistungen, für deren Ausführung zu haften.
Die Verbraucher kennen nicht die Rechtsvorschriften, die in anderen als ihrem
eigenen Mitgliedstaat für Verträge über den Kauf von Waren oder Dienstlei-
stungen  gelten;   diese  Schwierigkeit   könnte  sie  davon   abhalten,   Waren  und
Dienstleistungen direkt in anderen Mitgliedstaaten zu kaufen.
Um die Errichtung eines einheitlichen Marktes zu erleichtern und den Bürger in
seiner Rolle als Verbraucher beim Kauf von Waren und Dienstleistungen mittels
Verträgen zu schützen, für die die Rechtsvorschriften anderer Mitgliedstaaten
als seines eigenen gelten, ist es wichtig, mißbräuchliche Klauseln aus diesen
Verträgen zu entfernen.
Verkäufer von Waren und Dienstleistungen wird dadurch        Ihre Verkaufstätigkeit
sowohl im eigenen Land als Im gesamten Binnenmarkt erleichtert; der Wettbewerb
zwischen den Verkäufern wird gefördert, und so den Bürgern der Gemeinschaft in
Ihrer Eigenschaft als Käufer eine größere Auswahl zur Verfügung gestellt.
In den   Programmen   der  Gemeinschaft   für  eine  Politik   zum  Schutz   und  zur
                                  1
Unterrichtung der Verbraucher^ ) wird hervorgehoben, wie wichtig der Schutz
der Verbraucher   auf dem Gebiet mißbräuchlicher Vertragsklauseln        ist; dieser
Schutz    sollte    durch     Rechtsvorschriften    gewährleistet     werden,     die
gemeinschaftsweit   harmonisiert    oder unmittelbar   auf  dieser   Ebene   erlassen
werden.
(1)  ABI. Nr. C   92 vom 25.4.1975, S. 1,
     ABI. Nr. C 133 vom    3.6.1981,
 ---pagebreak---                                         - 70 -
Gemäß dem unter     dem Abschnitt    "Schutz der wirtschaftlichen     Interessen der
Verbraucher"   festgelegten    Prinzip  sind entsprechend    diesen Programmen    "die
Käufer   von Waren oder     Dienstleistungen vor Machtmißbrauch      des Verkäufers,
 Insbesondere vor vom Verkäufer einseitig festgelegten Standardverträgen und vor
dem Ausschluß wesentlicher Rechte In Verträgen zu schützen".
Durch die Aufstellung einheitlicher Rechtsvorschriften auf dem Gebiet             miß-
bräuchlicher   Klauseln   kann der Verbraucher     besser  geschützt   werden;   diese
Vorschriften sollten, unabhängig davon, ob sie mündlich oder schriftlich in
einem   Vertrag   oder   in   mehreren   Verträgen   vereinbart   werden,   für   alle
Verbraucherverträge gelten.
Ein   besserer    Schutz    des   Verbrauchers   kann   durch    die   Verabschiedung
einheitlicher Rechtsvorschriften erreicht werden, die für alle mißbräuchlichen
Klauseln gelten.
Die Mitgliedstaaten müssen sicherstellen, daß In Verträgen mit Verbrauchern im
Rahmen der gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit der Person, die sie ausübt,
keine mißbräuchlichen Klauseln verwendet werden, und derartige Klauseln, wenn
sie  trotzdem   verwendet   werden, unwirksam    sind, die verbleibenden     Klauseln
Jedoch weiterhin gelten und der Vertrag Im übrigen auf der Grundlage dieser
Klauseln für beide Teile verbindlich Ist, sofern ein solches Fortbestehen ohne
die unwirksamen Bestimmungen möglich ist.
Es ist wünschenswert, bestimmte Arten von Klauseln, die In Verbraucherverträgen
nicht verwendet werden dürfen, zusammenzustellen.
Personen und Organisationen, die nach dem Innerstaatlichen Recht ein berechtig-
tes Interesse geltend machen können, müssen Verfahren, die Klauseln           in Ver-
braucherverträgen, insbesondere mißbräuchliche Klauseln, zum Gegenstand haben,
 ---pagebreak---                                     - 71 -
bei Gerichten oder Verwaltungsbehörden, die für die Entscheidung über Klagen
bzw. Beschwerden oder die Einleitung von Gerichtsverfahren zuständig    sind,
einleiten können.
Die Gerichte oder Verwaltungsbehörden müssen befugt sein, die Verwendung von
rechtswidrigen Klauseln zu untersagen -
HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN:
 ---pagebreak---                                         - 72 -
                                      Artikel 1
Zweck dieser Richtlinie      Ist die Annäherung der Rechts- und Verwaltungsvor-
schriften   der Mitglledstaaten über mißbräuchliche Klauseln          in Verbraucher-
verträgen.
                                      Artikel 2
 Im Sinne dieser Richtlinie gilt folgendes:
1.    Eine Vertragsklausel Ist mißbräuchlich, wenn sie selbst oder In Verbindung
      mit einer anderen Klausel oder anderen Klauseln desselben Vertrags oder
      eines anderen    Vertrags, von dem    sie mit   Wissen   der   Person  oder   der
      Personen, die den erstgenannten Vertrag mit dem Verbraucher           abschließt
      bzw. abschließen, abhängt,
          zum   Nachteil   des  Verbrauchers   ein  erhebliches    Mißverhältnis    der
          vertraglichen Rechte und Pflichten       der Vertragspartner     verursacht;
          oder
          die Erfüllung des Vertrags für den Verbraucher unbillige Nachtelle mit
          s ich bringt; oder
          dadurch   die  Erfüllung   des  Vertrags   erheblich   von   dem,   was   der
          Verbraucher berechtigterweise erwarten kann, abweicht; oder
          sie mit den Geboten von Treu und Glauben unvereinbar ist.
2.    Eine Liste verschiedener     Typen mißbräuchlicher Klauseln      Ist  im Anhang
      enthalten.
3.    "Verbraucher" bedeutet eine natürliche Person, die bei Geschäften, die
      unter diese Richtlinie fallen, zu einem Zweck handelt, der nicht            ihrer
 ---pagebreak---                                         - 73 -
     gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann.
4.    "Gewerbliche Tätigkeit" schließt die Tätigkeit staatlicher oder privater
     Lieferanten ein. Dieser Begriff umfaßt auch den Verkauf, die Vermietung
     oder   die   anderweitige   Bereitstellung    von   Einrichtungen    durch  diese
     Lieferanten.
5.   Die Beurteilung der Lauterkeit oder Unlauterkeit           einer Vertragsklausel
     hängt vom Zeltpunkt des Vertragsabschlusses, den Begleitumständen sowie
     allen anderen Vertragsklauseln ab.
                                      Artikel 3
Die Mltglledstaaten
     verbieten die Verwendung von mißbräuchlichen Klauseln In allen Verträgen,
     die   eine   Person   im  Rahmen   Ihres   Gewerbes   oder   Berufes   mit  einem
     Verbraucher    abgeschlossenen   hat;   dieses  Verbot   gilt   unbeschadet   des
     Entschädigungsanspruchs des Verkäufers gegen seinen eigenen Lieferanten;
     tragen dafür Sorge, daß, falls        In einem derartigen Vertrag ungeachtet
     dieses Verbots mißbräuchliche Klauseln verwendet werden, diese unwirksam
     sind und die übrigen Vertragsklauseln weiterhin wirksam sind, so daß der
     Vertrag auf der Grundlage dieser Klauseln für beide Parteien weiterhin
     bindend   Ist, sofern er ohne die unwirksamen Bestimmungen           fortbestehen
     kann.
 ---pagebreak---                                            - 74 -
                                         Artikel 4
1.   Die Mitgliedstaaten stellen sicher, daß im Interesse der Verbraucher, der
     Wettbewerber    und   der   breiten    Öffentlichkeit   angemessene    und   wirksame
     Mittel   zur  Überprüfung     von mißbräuchlichen Klauseln       in Verträgen     mit
     Verbrauchern sowie von Vertragsklauseln über den Verkauf von Waren und
     Dienstleistungen vorhanden sind.
2.   Diese Mittel müssen Rechtsvorschriften einschließen, damit Personen oder
     Organisationen,     die   nach   dem   Innerstaatlichen   Recht   ein   berechtigtes
      Interesse am Schutz der Verbraucher haben, Rechtsbehelfe bei Gericht oder
     bei   einer   zuständigen      Verwaltungsbehörde    einlegen    können,    um   eine
     Entscheidung darüber zu erwirken, ob die verwendeten Klauseln                In einem
     solchen Vertrag gegen diese Richtlinie verstoßen.
                                        Artikel S
Die Kommission    legt dem Rat bis zum Dezember         1997 einen Bericht       über die
Anwendung dieser Richtlinie vor.
                                        Artikel 6
1.   Die    Mitgliedstaaten       erlassen      die   erforderlichen       Rechts-     und
     Verwaltungsvorschriften, um dieser Richtlinie spätestens am 31. Dezember
     1992   nachzukommen.    Sie    setzen   die  Kommission    unverzüglich    davon   in
     Kenntnis. Diese Vorschriften gelten für alle Verträge, die nach dem 31.
     Dezember 1992 mit Verbrauchern abgeschlossen werden.
 ---pagebreak---                                      - 75 -
     Die aufgrund des ersten Unterabsatzes erlassenen Vorschriften enthalten
     eine ausdrückliche Verweisung auf diese Richtlinie.
2.   Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission    den Wortlaut   der wichtigsten
      innerstaatlichen Rechtsvorschriften mit, die sie     auf  dem unter  diese
     Richtlinie fallenden Gebiet erlassen.
                                   Artikel 7
Diese Richtlinie ist an die Mltglledstaaten gerichtet.
Geschehen zu Brüssel am
                                                     Im Namen des Rates
                                                     Der Präsident
 ---pagebreak---                                           - 76 -
                                          ANHANG
Die  nachstehenden    Arten   von Klauseln     sind mißbräuchlich, wenn        sie  darauf
abzielen oder zur Folge haben, daß
a)   die Haftung einer Vertragspartei ausgeschlossen oder eingeschränkt wird,
     wenn der Verbraucher       aufgrund einer Handlung oder        Unterlassung    dieser
     Vertragspartei sein Leben verliert oder einen Körperschaden erleidet,
b)   ein   Verkäufer    oder    Lieferant    von    Waren   oder    ein    Erbringer   von
     Dienstleistungen     die    Vertragsklauseln     einseitig    ändern     oder   einen
     unbefristeten    Vertrag    durch   eine   unangemessene    kurze   Kündigungsfrist
     einseitig    kündigen    kann.    Dieses    Verbot   darf   einen     Erbringer   von
     Finanzdienstleistungen nicht daran hindern,
     i) den Zinssatz für ein von ihm gewährtes Darlehen oder einen Kredit oder
         die Höhe anderer damit verbundener Kosten zu ändern oder
     II) einen unbefristeten Vertrag einseitig zu kündigen,
     sofern   er   durch   den   Vertrag    dazu   berechtigt    ist   und   dieser   eJne
     angemessene Kündigungsfrist für die Änderung oder Kündigung gegenüber der
     anderen Vertragspartei oder den anderen Vertragsparteien vorsieht.
     Darüber hinaus darf dieser Absatz (b)
     I)       die Anwendung von Preisindexierungsklause In, wenn diese rechtmäßig
              sind,
     Ii)      Börsentransakt Ionen,
 ---pagebreak---                                       - 77 -
      III)     Verträge zum Kauf von Fremdwährungen,
nicht berühren;
c)   (1) dem Verbraucher das Recht verweigert wird, als Käufer im Rahmen eines
          Kaufvertrags über Waren
              Waren   zu erhalten,  die dem Vertrag   entsprechen  und  den beim
              Verkauf vorgesehenen Zweck erfüllen;
              sich über verborgene Mängel, mit denen die Waren behaftet sind, zu
              beschweren;
              falls die gelieferten Waren nicht dem Vertrag entsprechen oder
              nicht den beim Verkauf vorgesehenen Zweck erfüllen, vom Verkäufer;
     (I)      die Erstattung des vollen Kaufpreises oder
     (II)     den Ersatz der Waren oder
     (IM)     die Nachbesserung der Waren auf Kosten des Verkäufers oder
     (iv)     eine Preisminderung zu fordern, falls der Verbraucher die Waren
              behält;
              vom Verkäufer - unabhängig davon, welche der vorstehenden Möglich-
              kelten er wählt - eine Entschädigung für den ihm aus diesem Ver-
              trag entstehenden Schaden zu fordern;
 ---pagebreak---                                       - 78 -
            In Fällen, in denen der Verkäufer dem Verbraucher die Hersteller-
           garantie aushändigt, die Herstellergarantie mindestens            für die
           normale Lebensdauer der Waren oder für zwölf Monate, Je nachdem,
           welcher   Zeitraum   der kürzere     Ist,   In Anspruch   zu nehmen; die
           Erstattung,     entweder    durch   den    Verkäufer    oder   durch  den
           Hersteller,    der   dem  Verbraucher     bei  der   Inanspruchnahme  der
           Garantie entstandenen Kosten zu erzwingen.
   (2) dem Verbraucher das Recht verweigert wird, daß er als Käufer im Rahmen
       eines Dienst le Istungsvertrags
           diese Dienstleistungen zum vereinbarten Zeltpunkt und zu seiner
           Zufriedenheit erhält;
           vom Erbringer den Nachweis erhält, daß dieser über die erforder-
            lichen   Fähigkelten     und     Fachkenntnisse     verfügt,    um   die
           Dienstleistungen      In   der    unter    dem   ersten    Gedankenstrich
           beschriebenen Welse zu erbringen.
d) ein  Verkäufer  oder    Lieferant   von   Waren   den  Preis   im  Zeitpunkt  der
   Lieferung festsetzen oder erhöhen kann, obwohl der Verbraucher oder Käufer
   kein entsprechendes Recht hat, vom Vertrag zurückzutreten, wenn der End-
   preis Im Verhältnis zu dem Preis, den er beim Vertragsabschluß erwartet
   hat, zu hoch ist; die Anwendung von Preisindexierungsklause In bleibt, wenn
   sie rechtmäßig ist, hiervon Jedoch unberührt;
e) die Haftung des Verkäufers oder Lieferanten oder einer anderen Partei
   ausgeschlossen oder eingeschränkt wird, wenn er oder sie den Vertrag ganz
   oder teilweise nicht erfüllen;
f) die Beweislast, die nach dem geltenden Recht einer anderen Vertragspartei
   obläge, dem Verbraucher auferlegt wird;
 ---pagebreak---                                    - 79 -
g) bei einem Vertrag über die Tlme-SharIng-Nutzung eines Gebäudes der
   Zeitpunkt des Vertragsabschlusses so festgelegt wird, daß es dem
   Verbraucher verwehrt ist, von dem Vertrag innerhalb von sieben Tagen nach
   dessen Abschluß zurückzutreten.
 ---pagebreak---                                                                                                                3> e
                      COMPETITIVENESS AND EMPLOYMENT IMPACT STATEMENT
 I.   What i s the main reason                    f o r I n t r o d u c i n g the measure?
     To c o n t r i b u t e t o t h e              e q u a l i s a t i o n of the c o n d i t i o n s of c o m p e t i t i o n
     f o r s e l l e r s of goods                  and s u p p l i e r s o f s e r v i c e s , and t o s a f e g u a r d
     consumers' i n t e r e s t s                  when, p u r c h a s i n g g o o d s and s e r v i c e s .
il.   Features of the businesses in q u e s t i o n . In p a r t i c u l a r :
      a) Are t h e r e           many     SMEs?         YES
      b) Are they c o n c e n t r a t e d In regions which a r e :
              I.   eligible          for r e g i o n a l a i d in the Member States?             No
              li.  e l i g i b l e under the ERDF?                No
III.  What d i r e c t o b l i g a t i o n s does t h i s measure impose on businesses?
     It      seeks        to       attain      the      p rposes             set out at p o i n t I above by the
      a c t i o n s s p e c i f i e d i n the Annex h e r e t o .
IV.   What i n d i r e c t o b l i g a t i o n s are local a u t h o r i t i e s l i k e l y t o impose on
      businesses?
     L o c a l a u t h o r i t y a c t i o n i s n o t c o n t e m p l a t e d by t h e p r o p o s e d
     di rect ive .
V.    Are t h e r e any s p e c i a l measures in respect o f SMEs? Please s p e c i f y .
     No
VI.   What i s the l i k e l y e f f e c t o n :
      a) the competitiveness of businesses? The conditions of                                        competition
     will be rendered more equal.
      b) employment?                 No effect.
VII.  Have both sides of Industry been consulted? Please indicate                                          their
     opinions : Y e 8 t h e i r ^ i a L reaction was antagonistic. However,                               they
     do not perceive the true significance for them of the proposal.                                       It•will
     not harm their interests; just as the extensive legislation which                                     already
     exists in 9 of the 12 Member States has not proved prejudicial to                                     small
     and medium-sized businesses.
 ---pagebreak---                              A N N E X
                                                              "81
(1) removing unfair terms from contracts concluded with consumers.
(2) by importing into every contract for sale of goods to a consumer,
    compulsory terms to the effect that
    (a)  the goods are of sound quality and are fit for the purpose
         for which they are sold;
    (b)  that where a seller transmits to a consumer-buyer of new
         goods the manufacturer's guarantee in respect of them, the
         seller will be liable to the consumer-buyer to ensure that
         the guarantee is good;
(3) by importing into every contract for the supply of services to
    a consumer, terms to the effect
    (a)  that they will be supplied at the agreed time and efficiently
         from the consumer's point of view, and
    (b)  that the supplier guarantees his own skill and expertise
         in relation to the supplying of them.
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                                                           KOM(90) 322 endg.
                                                     DOKUMENTE
DE                                                                                      15
                                  Katalognummer : CB-CO-90-417-DE-C
                                                            ISBN 92-77-63729-3
VERKAUFSPREIS             bis 30 Seite«: 3,50 ECU      pro 10 weitere Seiten: 1,25 ECU
Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaften
L-2985 Luxemburg