CELEX: 62000TJ0067
Language: de
Date: 2004-07-08
Title: Urteil des Gerichts erster Instanz (Zweite Kammer) vom 8. Juli 2004. # JFE Engineering Corp., ehemals NKK Corp. (T-67/00), Nippon Steel Corp. (T-68/00), JFE Steel Corp. (T-71/00) und Sumitomo Metal Industries Ltd (T-78/00) gegen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. # Kartelle - Markt für nahtlose Stahlrohre - EFTA - Zuständigkeit der Kommission - Zuwiderhandlung - Geldbußen. # Verbundene Rechtssachen T-67/00, T-68/00, T-71/00 und T-78/00.

Verbundene Rechtssachen T‑67/00, T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00
      JFE Engineering Corp. u. a.
      gegen
      Kommission der Europäischen Gemeinschaften
      „Kartelle – Markt für nahtlose Stahlrohre – EFTA – Zuständigkeit der Kommission – Zuwiderhandlung – Geldbußen“
      Urteil des Gerichts (Zweite Kammer) vom 8. Juli 2004  
      Leitsätze des Urteils
      1.     Nichtigkeitsklage – Befugnisse des Gemeinschaftsrichters – Austausch des Adressaten der Entscheidung eines Gemeinschaftsorgans
            gegen einen neuen Adressaten – Kein Austausch bei Untergang des bezeichneten Adressaten
      (Artikel 229 EG und 230 Absatz 4 EG)
      2.     Nichtigkeitsklage – Klage der natürlichen oder juristischen Person, die Adressat des angefochtenen Rechtsakts ist – Übertragung
            der Klage auf eine dritte Person – Unzulässigkeit 
      (Artikel 229 EG und 230 Absatz 4 EG)
      3.     Wettbewerb – Gemeinschaftsvorschriften – Zuwiderhandlungen – Zurechnung – Natürliche oder juristische Person, die das Unternehmen
            zur Zeit der Zuwiderhandlung leitete – Haftung einer anderen Person, die die Leitung übernommen hat – Zulässigkeit – Umfang
            
      4.     Gemeinschaftsrecht – Grundsätze – Grundrechte – Unschuldsvermutung – Verfahren in Wettbewerbssachen – Anwendbarkeit 
      5.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Art des
            Nachweises – Indizienbündel – Anforderungen an die Beweiskraft der einzelnen Indizien
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      6.     Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung durch den Abschluss einer wettbewerbswidrigen
            Vereinbarung festgestellt wird – Entscheidung, die auf Urkundenbeweise gestützt ist – Beweisrechtliche Obliegenheiten von
            Unternehmen, die die Zuwiderhandlung bestreiten 
      (Artikel 85 Absatz 1 EG)
      7.     Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beeinträchtigung des Wettbewerbs – Beurteilungskriterien – Wettbewerbswidriger
            Zweck – Feststellung ausreichend 
      (Artikel 81 Absatz 1 Buchstabe c EG)
      8.     Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beweislast der Kommission für das Vorliegen der Zuwiderhandlung
            – Grenzen 
      (Artikel 81 Absatz 1 Buchstabe c EG)
      9.     Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Beweis – Antwort eines Unternehmens auf ein Auskunftsersuchen
            der Kommission – Erklärung eines Unternehmens, der andere Unternehmen widersprechen – Aussage vor einem Staatsanwalt – Beweiswert
            – Würdigung 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 11)
      10.   Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen zwischen Unternehmen – Nachweis der Zuwiderhandlung – Vorlage eines Schriftstücks durch
            die Kommission ohne Offenbarung seiner Quelle – Zulässigkeit 
      11.   Wettbewerb – Kartelle – Teilnahme an Unternehmenszusammenkünften mit wettbewerbswidrigem Zweck – Umstand, der bei fehlender
            Distanzierung von den getroffenen Beschlüssen auf die Beteiligung an der daraus resultierenden Absprache schließen lässt 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      12.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Beizubringende
            Beweismittel – Erforderliche Genauigkeit, was die von der Zuwiderhandlung betroffenen Produktarten angeht 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      13.   Verfahren – Beweis – Beweislast – Übergang vom Kläger auf den Beklagten unter besonderen Umständen – Unvermögen der Kommission,
            das Außerkrafttreten eines von ihr selbst geschlossenen Abkommens mit einem Drittstaat zu datieren
      14.   Wettbewerb – Kartelle – Vereinbarungen und abgestimmte Verhaltensweisen, die eine einheitliche Zuwiderhandlung darstellen
            – Unternehmen, denen eine Zuwiderhandlung in Form der Teilnahme an einem Gesamtkartell zur Last gelegt werden kann – Kriterien
            
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      15.   Wettbewerb – Kartelle – Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten – Kriterien 
      (Artikel 81 Absatz 1 EG)
      16.   Handlungen der Organe – Begründungspflicht – Umfang 
      (Artikel 253 EG)
      17.   Nichtigkeitsklage – Gründe – Verletzung der Verteidigungsrechte – Verletzung von subjektiven Rechten, die das Gericht nicht
            von Amts wegen zu prüfen hat
      (Artikel 230 EG; Verfahrensordnung des Gerichts, Artikel 48 § 2)
      18.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Entscheidung der Kommission, mit der eine Zuwiderhandlung festgestellt wird – Abweichung
            der Entscheidung von der Mitteilung der Beschwerdepunkte – Verletzung der Verteidigungsrechte – Voraussetzung – Fehlende Möglichkeit
            des Unternehmens, sich gegen eine letztlich erhobene Beanstandung zu verteidigen
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 19 Absatz 1)
      19.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Mitteilung der Beschwerdepunkte – Notwendiger Inhalt 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 19 Absatz 1)
      20.   Wettbewerb – Verwaltungsverfahren – Jeweilige Zuständigkeiten der Kommission und der Überwachungsbehörde der Europäischen
            Freihandelszone – Grundsatz einer einzigen Anlaufstelle – Eröffnung eines Verfahrens sowohl auf der Grundlage des EG-Vertrags
            als auch des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum – Zulässigkeit – Voraussetzung – Fehlende Möglichkeit, bereits
            in diesem Stadium die zuständige Behörde für die Feststellung und Ahndung der mutmaßlichen Zuwiderhandlung zu ermitteln
      (Artikel 81 EG; EWR-Abkommen, Artikel 56 und 109; Verordnung Nr. 17 des Rates)
      21.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Nichtverhängung oder Herabsetzung einer Geldbuße wegen der Zusammenarbeit des
            beschuldigten Unternehmens – Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      22.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Zusammenarbeit des Unternehmens im Verwaltungsverfahren – Begriff
            – Bloße Lieferung von Informationen ohne Anerkennung der Zuwiderhandlung – Ausschluss
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      23.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Kriterien – Schwere der Zuwiderhandlung 
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15 Absatz 2)
      24.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Festsetzung – Ermessensspielraum der Kommission – Grenzen – Einhaltung der Leitlinien der
            Kommission – Einhaltung der Regeln und allgemeinen Grundsätze des Gemeinschaftsrechts
      (Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 15; Mitteilung 98/C 9/03 der Kommission)
      25.   Wettbewerb – Geldbußen – Höhe – Ermessen der Kommission – Gerichtliche Überprüfung – Befugnis zu unbeschränkter Nachprüfung
            – Voraussetzungen für die Ausübung – Umfang 
      (Artikel 229 EG; Verordnung Nr. 17 des Rates, Artikel 17)
      1.     Der alleinige Rechtsnachfolger einer verstorbenen natürlichen Person oder untergegangenen juristischen Person tritt von Rechts
         wegen und zwangsläufig uneingeschränkt in die Rechtsstellung seines Vorgängers als Adressat des Rechtsakts eines Gemeinschaftsorgans
         ein und kann daher eine von dem Vorgänger gegen den Rechtsakt erhobene Nichtigkeitsklage fortführen.
      
      Dagegen besitzt der Gemeinschaftsrichter weder im Rahmen einer Nichtigkeitsklage nach Artikel 230 EG noch selbst bei der Ausübung
         seiner unbeschränkten Ermessensnachprüfung von Zwangsmaßnahmen gemäß Artikel 229 EG eine Zuständigkeit dafür, die Entscheidung
         eines Gemeinschaftsorgans durch den Austausch ihres Adressaten gegen eine andere natürliche oder juristische Person zu ändern,
         solange der Adressat noch existiert. Diese Zuständigkeit besitzt von vornherein allein das Organ, das die fragliche Entscheidung
         erlassen hat. Hat also das zuständige Organ eine Entscheidung bereits erlassen und damit die Person identifiziert, an die
         die Entscheidung zu richten war, so ist es nicht Sache des Gerichts, diese Person durch eine andere zu ersetzen. 
      
      (vgl. Randnrn. 46-47)
      2.     Eine Klage, die eine Person als Adressat eines Rechtsakts zur Geltendmachung ihrer Rechte durch einen Nichtigkeitsantrag nach
         Artikel 230 EG und/oder einen Änderungsantrag nach Artikel 229 EG erhebt, kann nicht auf einen Dritten übertragen werden,
         der nicht Adressat des Rechtsakts ist. Würde eine solche Übertragung zugelassen, so entstünde nämlich eine Abweichung zwischen
         der Eigenschaft, in der die Klage erhoben wurde, und der Eigenschaft, in der sie vorgeblich weiterverfolgt wird. Damit entstünde
         überdies eine Disparität zwischen der Identität des Adressaten des Rechtsakts und der Person, die im gerichtlichen Verfahren
         als Adressat auftritt.
      
      (vgl. Randnr. 48)
      3.     Die Person, die die Verantwortung für die Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens übernommen hat, kann im Verwaltungsverfahren
         vor der Kommission durch eine entsprechende Erklärung die Verantwortung für Handlungen übernehmen, die dem wirklichen Verantwortlichen
         zur Last gelegt werden, obwohl grundsätzlich die natürliche oder juristische Person, die das betreffende Unternehmen zum Zeitpunkt
         der Zuwiderhandlung leitete, für diese einzustehen hat. Eine solche Erklärung kann jedoch, wenn eine Entscheidung der Kommission
         bereits ergangen ist, weder die Identität ihres Adressaten noch, wenn gegen die Entscheidung bereits eine Nichtigkeitsklage
         erhoben wurde, die Identität des Klägers ändern.
      
      (vgl. Randnr. 50)
      4.     Der insbesondere in Artikel 6 Absatz 2 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten niedergelegte
         Grundsatz der Unschuldsvermutung gehört zu den Grundrechten, die nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes, die im Übrigen
         durch die Präambel der Einheitlichen Europäischen Akte, durch Artikel 6 Absatz 2 des Vertrages über die Europäische Union
         und durch Artikel 47 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union bekräftigt worden ist, in der Gemeinschaftsrechtsordnung
         geschützt sind. Angesichts der Art der fraglichen Zuwiderhandlungen sowie der Art und der Schwere der ihretwegen verhängten
         Sanktionen gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung auch in Verfahren wegen Verletzung der für Unternehmen geltenden Wettbewerbsregeln,
         in denen Geldbußen oder Zwangsgelder verhängt werden können. 
      
      Verbleiben dem Richter Zweifel, so müssen sie folglich dem Unternehmen, an das die eine Zuwiderhandlung feststellende Entscheidung
         gerichtet ist, zugute kommen. Der Richter kann also nicht zu dem Ergebnis gelangen, dass die Kommission pflichtgemäß die betreffende
         Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend nachgewiesen hat, wenn ihm in dieser Frage ein Zweifel verbleibt.
      
      (vgl. Randnrn. 173, 177-178)
      5.     Im Rahmen des Wettbewerbsrechts muss die Kommission genaue und übereinstimmende Beweise beibringen, die die feste Überzeugung
         begründen, dass die von ihr festgestellte Zuwiderhandlung begangen wurde.
      
      Jedoch muss nicht jeder der von der Kommission vorgelegten Beweise diesen Kriterien notwendig hinsichtlich jedes Merkmals
         der Zuwiderhandlung genügen. Es reicht aus, dass das von der Kommission angeführte Indizienbündel bei seiner Gesamtwürdigung
         dieser Anforderung genügt. Dass sich ein Dokument nur auf manche der in anderen Beweismitteln erwähnten Tatsachen bezieht,
         kann daher keine Verpflichtung der Kommission begründen, dieses Dokument aus dem belastenden Beweisbündel herauszunehmen.
         
      
      (vgl. Randnrn. 179-180, 238, 263)
      6.     Stützt sich die Kommission für den Nachweis der von ihr geahndeten Zuwiderhandlung, die im Abschluss einer durch Artikel 81
         Absatz 1 Buchstabe c EG verbotenen Vereinbarung mit wettbewerbswidrigem Zweck bestand, auf Urkundenbeweise, so können die
         betroffenen Unternehmen den Vorwurf, dass eine solche Zuwiderhandlung vorlag, nur dadurch entkräften, dass sie aufzeigen,
         dass die angeführten Beweise für den Nachweis des Vorliegens einer rechtswidrigen Vereinbarung nicht genügen. Hingegen können
         sie sich nicht wirksam durch den Nachweis verteidigen, dass der Abschluss der Vereinbarung nicht in ihrem wirtschaftlichen
         Interesse lag oder dass es für ihr tatsächliches Verhalten auf dem Markt auch eine andere plausible Erklärung gebe als den
         Abschluss einer wettbewerbswidrigen Vereinbarung. 
      
      (vgl. Randnrn. 181-187)
      7.     Da es die Aufgabe der Kommission ist, Zuwiderhandlungen gegen Artikel 81 Absatz 1 EG zu ahnden, und da Buchstabe c dieser
         Bestimmung Vereinbarungen zur Aufteilung der Märkte oder Versorgungsquellen ausdrücklich verbietet, braucht die Kommission
         nur nachzuweisen, dass es sich um eine Vereinbarung zwischen Unternehmen handelte, die den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         zu beeinträchtigen geeignet ist und eine Aufteilung der Gemeinschaftsmärkte für ein Produkt oder mehrere Produkte unter diesen
         Unternehmen bezweckte oder bewirkte.
      
      (vgl. Randnr. 202)
      8.     Wenn die Kommission für die Ahndung einer Zuwiderhandlung gemäß Artikel 81 Absatz 1 Buchstabe c EG auch notwendig nachweisen
         muss, dass eine rechtswidrige Vereinbarung über die Aufteilung von Märkten geschlossen wurde, wäre es überzogen, außerdem
         noch zu verlangen, dass sie den speziellen Mechanismus nachweist, mit dem dieses Ziel erreicht werden sollte. Es wäre nämlich
         für ein Unternehmen, das einer Zuwiderhandlung schuldig ist, zu einfach, sich jeder Sanktion zu entziehen, könnte es sich
         in einer Situation, in der das Bestehen einer rechtswidrigen Vereinbarung und ihr wettbewerbswidriger Zweck hinreichend bewiesen
         sind, darauf berufen, dass die über die Funktionsweise der Vereinbarung vorgelegten Informationen zu unbestimmt sind. Die
         Unternehmen können sich in einer solchen Situation sachgerecht dadurch verteidigen, dass sie zu allen von der Kommission gegen
         sie angeführten Beweisen Stellung nehmen können.
      
      (vgl. Randnrn. 203, 317)
      9.     Im Namen eines Unternehmens abgegebene Antworten auf ein Auskunftsverlangen der Kommission gemäß Artikel 11 der Verordnung
         Nr. 17 haben eine höhere Glaubhaftigkeit als, unabhängig von dessen persönlicher Erfahrung oder Meinung, die Antwort eines
         Mitarbeiters des Unternehmens. 
      
      Allerdings kann eine Erklärung, die ein der Beteiligung an einer Absprache beschuldigtes Unternehmen abgibt und deren Richtigkeit
         von mehreren anderen beschuldigten Unternehmen bestritten wird, nicht als hinreichender Beweis für die Begehung einer Zuwiderhandlung
         durch diese anderen Unternehmen angesehen werden, wenn sie nicht durch andere Beweismittel untermauert wird. 
      
      Erklärungen, die den Interessen des Erklärenden zuwiderlaufen, sind grundsätzlich als besonders verlässliche Beweise anzusehen.
         Insbesondere kann daraus, dass eine Person, die zur Stellungnahme zu bestimmten Unterlagen aufgefordert wird, zugibt, dass
         sie eine Zuwiderhandlung verwirklichte, und die damit Tatsachen einräumt, die über die den fraglichen Unterlagen unmittelbar
         zu entnehmenden Tatsachen hinausgehen, a priori, sofern keine bestimmten Anhaltspunkte für das Gegenteil bestehen, der Schluss
         gezogen werden, dass sich der Betreffende dazu entschlossen hat, die Wahrheit zu sagen. 
      
      Wenn eine Aussage vor einem Staatsanwalt auch nicht den gleichen Wert wie eine eidliche Zeugenaussage vor Gericht hat, ist
         doch eine solche Aussage angesichts der Ermittlungsbefugnisse des Staatsanwalts und der möglichen strafrechtlichen Folgen
         für einen Beteiligten, der im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gelogen hat, verlässlicher als eine einfache Erklärung. 
      
      (vgl. Randnrn. 205, 211-212, 219, 296, 312)
      10.   Im Gemeinschaftsrecht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, und das alleinige Kriterium für die Beurteilung von Beweismitteln
         ist ihre Glaubhaftigkeit. Die Glaubhaftigkeit eines Schriftstücks kann nicht mit der Begründung in Abrede gestellt werden,
         dass die Kommission seine Quelle nicht offenbart hat, weil es für die Kommission erforderlich sein kann, die Anonymität ihrer
         Informanten zu schützen.
      
      (vgl. Randnr. 273)
      11.   Nimmt ein Unternehmen an Treffen von Unternehmen mit wettbewerbswidrigem Zweck teil und distanziert es sich nicht offen vom
         Inhalt dieser Treffen, so dass es den anderen Teilnehmern Anlass zu der Annahme gibt, dass es dem Ergebnis der Treffen zustimmt
         und sich daran halten wird, so kann der Nachweis als erbracht angesehen werden, dass es sich an der aus diesen Treffen resultierenden
         Absprache beteiligt hat.
      
      (vgl. Randnr. 327)
      12.   Geht aus der Entscheidung, mit der eine Absprache geahndet wird, insgesamt hervor, dass die festgestellte Zuwiderhandlung
         eine bestimmte Produktart betraf, und gibt die Entscheidung die dieses Ergebnis stützenden Nachweise an, so kann der Umstand,
         dass die Entscheidung keine genaue und abschließende Aufzählung aller von der Zuwiderhandlung betroffenen Produktarten enthält,
         allein nicht genügen, um ihre Nichtigerklärung zu rechtfertigen. Andernfalls könnte sich ein Unternehmen jeder Sanktion entziehen,
         obgleich die Kommission mit Gewissheit festgestellt hat, dass es eine Zuwiderhandlung unter Umständen verwirklichte, unter
         denen die Identität der einzelnen Produkte innerhalb einer Palette von gleichartigen Produkten, die das Unternehmen vermarktet,
         nicht feststellbar ist. 
      
      (vgl. Randnr. 336)
      13.   Auch wenn ein Kläger die Beweislast im Allgemeinen nicht auf den Beklagten abwälzen kann, indem er sich auf Umstände beruft,
         die er nicht beweisen kann, lässt sich dieses Prinzip der Beweislast in einem Fall, in dem die Kommission das Vorliegen einer
         wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung für die Zeit der Geltung von Selbstbeschränkungsabkommen zwischen der Gemeinschaft,
         vertreten durch die Kommission, und einem Drittland verneint hat, nicht zugunsten der Kommission anwenden, soweit es um den
         Zeitpunkt der Beendigung dieser Abkommen geht. Das unerklärliche Unvermögen der Kommission zur Vorlage von Beweismitteln für
         einen Umstand, der sie unmittelbar betrifft, nimmt dem Gericht nämlich die Möglichkeit, seine Entscheidung in Kenntnis dieses
         Zeitpunkts zu erlassen; es widerspräche dem Grundsatz der geordneten Rechtspflege, die Folgen dieses Unvermögens den Unternehmen
         aufzubürden, an die die angefochtene Entscheidung gerichtet war und die im Gegensatz zu dem beklagten Organ nicht in der Lage
         sind, den fehlenden Nachweis zu führen.
      
      (vgl. Randnrn. 342-344)
      14.   Ein Unternehmen kann für ein Gesamtkartell zur Verantwortung gezogen werden, auch wenn es nachweislich nur an einem oder mehreren
         Bestandteilen dieses Kartells unmittelbar mitgewirkt hat, sofern es wusste oder zwangsläufig wissen musste, dass die Absprache,
         an der es insbesondere durch die Teilnahme an regelmäßig über mehrere Jahre stattfindenden Sitzungen beteiligt war, Teil eines
         Gesamtsystems war, das auf die Verfälschung des normalen Wettbewerbs gerichtet war, und dass sich dieses System auf sämtliche
         Bestandteile des Kartells erstreckte. 
      
      Dass einzelne Unternehmen bei der Verfolgung eines gemeinsamen Zieles unterschiedliche Rollen spielten, ändert nichts an dem
         wettbewerbswidrigen Zweck und damit an der Zuwiderhandlung, sofern jedes Unternehmen auf seiner Ebene zur Verfolgung des gemeinsamen
         Zieles beitrug.
      
      (vgl. Randnr. 370)
      15.   Ein Beschluss, eine Vereinbarung oder eine Verhaltensweise können den Handel zwischen Mitgliedstaaten nur beeinträchtigen,
         wenn sich anhand einer Gesamtheit objektiver rechtlicher und tatsächlicher Umstände mit hinreichender Wahrscheinlichkeit voraussehen
         lässt, dass sie unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinflussen können.
         Folglich braucht die Kommission, da eine potenzielle Beeinflussung genügt, nicht nachzuweisen, dass der Handel tatsächlich
         beeinträchtigt wurde. Jedoch darf diese tatsächliche oder potenzielle Beeinflussung nicht nur geringfügig sein.
      
      (vgl. Randnr. 392)
      16.   Die Pflicht zur Begründung eines Rechtsakts kann das Gemeinschaftsorgan, das ihn erlässt, nicht zur Angabe der Gründe verpflichten,
         aus denen es nicht gleichartige Rechtsakte gegenüber Dritten erließ. 
      
      (vgl. Randnr. 414)
      17.   Eine Verletzung der Verteidigungsrechte, die ihrem Wesen nach eine Verletzung von subjektiven Rechten ist, gehört nicht zur
         Verletzung wesentlicher Formvorschriften und ist daher nicht von Amts wegen zu prüfen.
      
      (vgl. Randnr. 425)
      18.   Die Verteidigungsrechte werden durch eine Abweichung zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der endgültigen Entscheidung
         nur dann verletzt, wenn ein in der endgültigen Entscheidung ausgesprochener Vorwurf in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         so unzulänglich dargestellt worden war, dass sich die Adressaten dagegen nicht verteidigen konnten. 
      
      Grundsätzlich kann es der Kommission daher nicht zur Last gelegt werden, dass sie die Reichweite einer endgültigen Entscheidung
         enger fasst als die der vorangegangenen Mitteilung der Beschwerdepunkte, da die Kommission, eben um die Verteidigungsrechte
         der Adressaten der Mitteilung zu wahren, diese anhören und ihre Stellungnahme zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen berücksichtigen
         muss. 
      
      (vgl. Randnrn. 429-430)
      19.   Im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte ist die Kommission nur verpflichtet, die Beschwerdepunkte und den ihnen zugrunde
         liegenden Sachverhalt sowie dessen Bewertung so klar darzulegen, dass sich die Adressaten der Mitteilung sachgemäß verteidigen
         können. Sie braucht hingegen nicht die Schlussfolgerungen darzulegen, die sie aus dem Sachverhalt, den Unterlagen und den
         rechtlichen Erwägungen zieht. 
      
      (vgl. Randnr. 453)
      20.   Das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) schafft u. a. in den Artikeln 56 und 109 das System einer „einzigen
         Anlaufstelle“, das von der Untersuchung an eingreift, so dass jede der beiden Behörden, sobald sie feststellt, dass die andere
         Behörde zuständig ist, verpflichtet ist, die Sache abzugeben und ihre Akten der anderen Behörde zuzuleiten. 
      
      Jedoch kann der Begriff der „einzigen Anlaufstelle“ nicht vom Beginn einer Untersuchung an eingreifen, wenn zu diesem Zeitpunkt
         noch nicht feststellbar ist, welche Behörde zuständig ist, ohne – falls die Überwachungsbehörde der Europäischen Freihandelszone
         (EFTA) befasst wird, letztlich aber die Kommission zuständig ist – den vorstehend genannten Grundsatz zu verletzen, dass die
         Bestimmungen des EWR-Abkommens der Kommission nicht ihre Zuständigkeit zur Untersuchung von den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         der Gemeinschaft beeinträchtigenden Wettbewerbsverstößen nehmen können.
      
      Darum ist es nicht zu beanstanden, dass die Kommission für die Einleitung einer Untersuchung auf einem bestimmten Sektor als
         Rechtsgrundlage gleichzeitig Artikel 81 EG, die Verordnung Nr. 17, Artikel 53 des EWR-Abkommens und eine Entscheidung der
         EFTA-Überwachungsbehörde, mit der ein Amtshilfeersuchen an die Kommission genehmigt wurde, heranzieht, wenn sie im Zeitpunkt
         der Eröffnung der Untersuchung bei vernünftiger Betrachtung nicht wissen kann, welches die richtige Rechtsgrundlage ist, weil
         dies gerade vom Ergebnis der durchzuführenden Untersuchung abhängt.
      
      (vgl. Randnrn. 489-490, 492)
      21.   Soweit Unternehmen der Kommission im selben Stadium des Verwaltungsverfahrens und unter gleich gelagerten Umständen vergleichbare
         Informationen über den ihnen angelasteten Sachverhalt mitteilen, ist der Grad ihrer Zusammenarbeit als vergleichbar anzusehen,
         so dass sie bei der Bemessung der gegen sie verhängten Geldbußen insoweit auch gleich zu behandeln sind. 
      
      (vgl. Randnrn. 501, 573)
      22.   Die Herabsetzung einer Geldbuße wegen Kooperation ist nur gerechtfertigt, wenn das Verhalten eines Unternehmens der Kommission
         die Wahrnehmung ihrer Aufgabe erleichtert hat, Zuwiderhandlungen gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln festzustellen
         und zu verfolgen.
      
      Ein Unternehmen erleichtert die Aufgabe der Kommission nicht nennenswert, wenn es ihr nur die von ihr angeforderten Angaben
         zum Sachverhalt macht, deren Nutzen ausschließlich darin liegt, dass sie in gewissem Umfang der Kommission bereits vorliegende
         Erklärungen erhärten, jedoch jede Bewertung dieser Angaben ablehnt, aus der sich eine von ihm begangene Zuwiderhandlung ergeben
         könnte, und der Kommission gegenüber zu keinem Zeitpunkt des Verwaltungsverfahrens erklärt, dass es die Richtigkeit des Sachverhalts
         einräumt, sondern diesen auch vor dem Gericht weiterhin bestreitet. 
      
      (vgl. Randnrn. 499, 503-505)
      23.   Der Bußgeldbetrag, der einem Unternehmen wegen einer wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung auferlegt wird, ist so zu bemessen,
         dass er zu der Zuwiderhandlung bei deren Gesamtwürdigung und unter besonderer Berücksichtigung ihrer Schwere im Verhältnis
         steht. 
      
      Für die Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung sind sehr viele Faktoren zu berücksichtigen, die je nach Art der fraglichen
         Zuwiderhandlung und den besonderen Umständen des Einzelfalls von unterschiedlicher Art und Bedeutung sind.
      
      (vgl. Randnr. 532)
      24.   Auch wenn die Kommission für die Festsetzung der Höhe einer Geldbuße über ein Ermessen verfügt, darf sie nicht von den Regeln
         abweichen, die sie sich selbst auferlegt hat, und muss insbesondere die in ihren Leitlinien zwingend festgelegten Gesichtspunkte
         berücksichtigen. Soweit ihre Leitlinien sie nicht zur durchgehenden Berücksichtigung eines bestimmten Umstands verpflichten,
         darf die Kommission indessen die insoweit heranzuziehenden Gesichtspunkte auswählen, um so ihre Beurteilung dem Einzelfall
         anzupassen. Jedoch muss diese Beurteilung das Gemeinschaftsrecht wahren, zu dem nicht nur die Vorschriften des Vertrages gehören,
         sondern auch die allgemeinen Rechtsgrundsätze. 
      
      (vgl. Randnrn. 537, 553, 572)
      25.   Wenn ein Unternehmen, das gegen eine Entscheidung der Kommission, mit der ihm wegen einer wettbewerbsrechtlichen Zuwiderhandlung
         eine Geldbuße auferlegt wurde, im Rahmen seiner Klage, und sei es durch einen Antrag auf Herabsetzung der Geldbuße, beantragt,
         dass der Gemeinschaftsrichter die Höhe der gegen es verhängten Geldbuße im Wege der unbeschränkten Ermessensnachprüfung neu
         festsetzt, so ist das Gericht ermächtigt, den angefochtenen Rechtsakt, auch ohne ihn für nichtig zu erklären, unter Berücksichtigung
         aller tatsächlichen Umstände abzuändern, um die Höhe der verhängten Geldbuße anders festzusetzen. Die dem Gemeinschaftsrichter
         in Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 im Einklang mit Artikel 229 EG verliehene Befugnis zur unbeschränkten Ermessensnachprüfung
         schließt ausdrücklich die Befugnis ein, die verhängte Geldbuße gegebenenfalls zu erhöhen.  
      
      Die Bevollmächtigten der Kommission können – vorbehaltlich etwaiger ausdrücklicher Anweisungen ihrer Vorgesetzten im gegenteiligen
         Sinne – bei den Gemeinschaftsgerichten den Antrag stellen, die von den Mitgliedern der Kommission festgesetzten Geldbußen
         im Wege der unbeschränkten richterlichen Ermessensnachprüfung zu erhöhen. Denn ein Bevollmächtigter der Kommission setzt sich
         damit, dass er den Gemeinschaftsrichter um die Ausübung einer diesem zustehenden Befugnis ersucht und Argumente vorbringt,
         die dies rechtfertigen könnten, nicht an die Stelle eines Kommissionsmitglieds. 
      
      (vgl. Randnrn. 575, 577)

      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
      
            
            URTEIL DES GERICHTS (Zweite Kammer)8. Juli 2004(1)
         
         
               „Kartelle  –  Markt für nahtlose Stahlrohre  –  EFTA  –  Zuständigkeit der Kommission  –  Zuwiderhandlung  –  Geldbußen“
               
             In den verbundenen Rechtssachen T-67/00, T-68/00, T-71/00 und T-78/00
            
            
            JFE Engineering Corp., ehemals NKK Corp., mit Sitz in Tokyo (Japan), Prozessbevollmächtigte: zunächst M. Smith und C. Maguire, Solicitors, dann
            Rechtsanwälte A. Vandencasteele und V. Dehin sowie A.-L. Marmagioli, Solicitor, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            Klägerin in der Rechtssache T-67/00,Nippon Steel Corp. mit Sitz in Tokyo, Prozessbevollmächtigte: Rechtsanwälte J.-F. Bellis und K. Van Hove, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            Klägerin in der Rechtssache T-68/00,JFE Steel Corp., ehemals Kawasaki Steel Corp., mit Sitz in Tokyo, Prozessbevollmächtigter: Rechtsanwalt A. Vandencasteele, Zustellungsanschrift
            in Luxemburg,
            Klägerin in der Rechtssache T-71/00,Sumitomo Metal Industries Ltd mit Sitz in Tokyo, Prozessbevollmächtigte: C. Vajda, QC, G. Sproul und F. Weitzman, Solicitors, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            
            Klägerin in der Rechtssache T-78/00,
            
            gegen
            Kommission der Europäischen Gemeinschaften, vertreten durch M. Erhart und A. Whelan als Bevollmächtigte im Beistand von N. Khan, Barrister, Zustellungsanschrift in Luxemburg,
            
            Beklagte, unterstützt durchEFTA-Überwachungsbehörde, vertreten durch D. Sif Tynes und P. Bjørgan als Bevollmächtigte,
            
            Streithelferin in den Rechtssachen T-68/00, T-71/00 und T-78/00,
            
             wegen Nichtigerklärung der Entscheidung 2003/382/EG der Kommission vom 8. Dezember 1999 in einem Verfahren nach Artikel 81
            EG-Vertrag (Sache IV/E-1/35.860-B – Nahtlose Stahlrohre) (ABl. 2003, L 140, S. 1) oder, hilfsweise, Herabsetzung der gegen
            die Klägerinnen verhängten Geldbußen
             erlässt
            
            DAS GERICHT ERSTER INSTANZDER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN (Zweite Kammer)
            
            
             unter Mitwirkung des Präsidenten N. J. Forwood sowie der Richter J. Pirrung und A. W. H. Meij,
            
             Kanzler: J. Plingers, Verwaltungsrat,
            
            
            
         folgendes
         
         
         Urteil
            
               Sachverhalt und Verfahren
            
         
         1
            
          Die vorliegenden Rechtssachen betreffen die Entscheidung 2003/382/EG der Kommission vom 8. Dezember 1999 in einem Verfahren
         nach Artikel 81 EG (Sache IV/E‑1/35.860‑B – Nahtlose Stahlrohre) (ABl. 2003, L 140, S. 1, im Folgenden: angefochtene Entscheidung).
         
         
         
         2
            
          Die Kommission richtete die angefochtene Entscheidung an acht Unternehmen, die unlegierte nahtlose Stahlrohre herstellen (im
         Folgenden: Adressaten der angefochtenen Entscheidung). Zu diesen Unternehmen gehören vier europäische Unternehmen (im Folgenden:
         europäische Hersteller oder Gemeinschaftshersteller), nämlich die Mannesmannröhren-Werke AG (im Folgenden: Mannesmann), die
         Vallourec SA (im Folgenden: Vallourec), die Corus UK Ltd (ehemals British Steel plc, dann British Steel Ltd, im Folgenden:
         Corus) und die Dalmine SpA (im Folgenden: Dalmine). Die übrigen vier Adressaten der Entscheidung sind japanische Unternehmen
         (im Folgenden: japanische Hersteller oder japanische Klägerinnen): die NKK Corp., die Nippon Steel Corp. (im Folgenden: Nippon),
         die Kawasaki Steel Corp. und die Sumitomo Metal Industries Ltd (im Folgenden: Sumitomo).
         
         
          A – Das Verwaltungsverfahren
         
         3
            
          Mit Entscheidung vom 17. November 1994 ermächtigte die Überwachungsbehörde der Europäischen Freihandelszone (EFTA) gemäß Artikel
         8 Absatz 3 des Protokolls Nr. 23 des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, genehmigt durch den Beschluss 94/1/EGKS,
         EG des Rates und der Kommission vom 13. Dezember 1993 über den Abschluss des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum
         zwischen den Europäischen Gemeinschaften und ihren Mitgliedstaaten sowie der Republik Österreich, der Republik Finnland, der
         Republik Island, dem Fürstentum Liechtenstein, dem Königreich Norwegen, dem Königreich Schweden und der Schweizerischen Eidgenossenschaft
         (ABl. 1994, L 1, S. 1, im Folgenden: EWR-Abkommen oder EWR), ihr für Wettbewerbssachen zuständiges Mitglied, die Kommission
         um die Durchführung einer Untersuchung auf dem Gebiet der Gemeinschaft zu ersuchen, um festzustellen, ob im Hinblick auf unlegierte
         nahtlose Stahlrohre, die die norwegische Erdölindustrie für Bohrungen und Ölleitungen einsetzte, möglicherweise wettbewerbswidrige
         Praktiken vorlagen.
         
         
         
         4
            
          Mit einem nicht veröffentlichten Beschluss vom 25. November 1994 (Sache IV/35.304, im Folgenden: Beschluss vom 25. November
         1994), der als Seite 3 in der Kommissionsakte enthalten ist und auf der doppelten Rechtsgrundlage von Artikel 14 Absatz 3
         der Verordnung Nr. 17 des Rates vom 6. Februar 1962, Erste Durchführungsverordnung zu den Artikeln [81 EG] und [82 EG] (ABl.
         1962, Nr. 13, S. 204), und der Entscheidung der EFTA‑Überwachungsbehörde vom 17. November 1994 erging, entschied die Kommission,
         eine Untersuchung durchzuführen. Diese Untersuchung sollte sich mit den in der Entscheidung der EFTA-Überwachungsbehörde vom
         17. November 1994 genannten Praktiken befassen, soweit diese einen möglichen Verstoß nicht nur gegen Artikel 53 EWR, sondern
         auch gegen Artikel 81 EG darstellten. Die Kommission richtete ihren Beschluss vom 25. November 1994 an acht Unternehmen, darunter
         Mannesmann, Corus, Vallourec und eine Gesellschaft des Sumitomo-Konzerns, die Sumitomo Deutschland GmbH. Am 1. und 2. Dezember
         1994 nahmen Beamte der Kommission und Vertreter der Wettbewerbsbehörden der jeweiligen Mitgliedstaaten bei diesen Unternehmen
         aufgrund dieses Beschlusses Nachprüfungen vor.
         
         
         
         5
            
          Mit Beschluss vom 6. Dezember 1995 stellte die EFTA-Überwachungsbehörde fest, dass die bei ihr anhängige Sache, da eine erhebliche
         Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft vorliege, nach Artikel 56 Absatz 1 Buchstabe c EWR
         in die Zuständigkeit der Kommission falle. Sie überwies die Sache daher gemäß Artikel 10 Absatz 3 des Protokolls Nr. 23 des
         EWR-Abkommens an die Kommission; diese gab der Sache von diesem Datum an ein neues Aktenzeichen (IV/E-1/35.860).
         
         
         
         6
            
          Zwischen September 1996 und Dezember 1997 nahm die Kommission gemäß Artikel 14 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 bei Vallourec,
         Dalmine und Mannesmann zusätzliche Nachprüfungen vor. Insbesondere führte sie am 17. September 1996 eine Nachprüfung bei Vallourec
         durch, bei der Herr Verluca, der Vorstandsvorsitzende der Vallourec Oil & Gas, eine auf Seite 6356 der Kommissionsakte wiedergegebene
         Erklärung (im Folgenden: Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996) abgab, auf die sich die Kommission in der angefochtenen
         Entscheidung gestützt hat. Anschließend richtete die Kommission an alle Adressaten der angefochtenen Entscheidung und einige
         weitere Unternehmen Auskunftsersuchen nach Artikel 11 der Verordnung Nr. 17.
         
         
         
         7
            
          Da Dalmine und die argentinischen Unternehmen Siderca SAIC (im Folgenden: Siderca) und Techint Group einige der angeforderten
         Auskünfte verweigerten, richtete die Kommission am 6. Oktober 1997 an sie eine Entscheidung nach Artikel 11 Absatz 5 der Verordnung
         Nr. 17 (C[1997] 3036, IV/35.860, Stahlrohre, nicht veröffentlicht). Siderca und Dalmine erhoben gegen diese Entscheidung beim
         Gericht Nichtigkeitsklage. Die von Dalmine erhobene Nichtigkeitsklage wurde mit Beschluss vom 24. Juni 1998 in der Rechtssache
         T‑596/97 (Dalmine/Kommission, Slg. 1998, II‑2383) als offensichtlich unzulässig abgewiesen, während die Nichtigkeitsklage
         von Siderca nach ihrer Rücknahme durch die Klägerin mit Beschluss vom 7. Juni 1998 in der Rechtssache T‑8/98 (Siderca/Kommission,
         nicht in der amtlichen Sammlung veröffentlicht) aus dem Register des Gerichts gestrichen wurde.
         
         
         
         8
            
          Auch Mannesmann verweigerte verschiedene von der Kommission verlangte Auskünfte. Trotz einer gegen sie ergangenen Entscheidung
         der Kommission vom 15. Mai 1998 (C[1998] 1204, IV/35.860, Stahlrohre, nicht veröffentlicht) gemäß Artikel 11 Absatz 5 der
         Verordnung Nr. 17 blieb Mannesmann bei ihrer Weigerung und erhob gegen diese Entscheidung Klage beim Gericht. Mit Urteil vom
         20. Februar 2001 in der Rechtssache T-112/98 (Mannesmannröhren-Werke/Kommission, Slg. 2001, II-729) erklärte das Gericht die
         Entscheidung für teilweise nichtig und wies die Klage im Übrigen ab.
         
         
         
         9
            
          Im Januar 1999 erließ die Kommission zwei Mitteilungen von Beschwerdepunkten, von denen die eine geschweißte, die andere nahtlose
         Stahlrohre zum Gegenstand hatte. Sie trennte somit das Verfahren, wobei die Sache IV/E‑1/35.860‑A unlegierte geschweißte Stahlrohre,
         die Sache IV/E‑1/35.860‑B unlegierte nahtlose Stahlrohre betraf.
         
         
         
         10
            
          In der nahtlose Stahlrohre betreffenden Sache sandte die Kommission ihre Mitteilung der Beschwerdepunkte an die acht Unternehmen,
         an die die angefochtene Entscheidung gerichtet ist, sowie an Siderca und das mexikanische Unternehmen Tubos de Acero de México
         SA. Diese Unternehmen erhielten in der Zeit vom 11. Februar bis 20. April 1999 Einsicht in die Akten, die die Kommission in
         dieser Sache zusammengestellt hatte. Außerdem übersandte die Kommission mit Schreiben vom 11. Mai 1999 Kopien der Nachprüfungsbeschlüsse
         vom November 1994 an die Unternehmen, an die diese Beschlüsse nicht gerichtet worden waren und die sie daher noch nicht kannten.
         
         
         
         11
            
          Nach Einreichung ihrer schriftlichen Stellungnahmen wurden die Adressaten der beiden Mitteilungen der Beschwerdepunkte von
         der Kommission in der Sache der geschweißten Stahlrohre am 9. Juni 1999 und in der die nahtlosen Stahlrohre betreffenden Sache
         am 10. Juni 1999 angehört. Im Juli 1999 teilte die Kommission den Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte in der unlegierte
         geschweißte Stahlrohre betreffenden Sache IV/E-1/35.860-A mit, dass sie dieses Verfahren eingestellt habe. Die Sache IV/E-1/35.860-B
         wurde hingegen weiterbetrieben.
         
         
         
         12
            
          Am 8. Dezember 1999 erließ die Kommission sodann die angefochtene Entscheidung
         
         
          B – Die betroffenen Produkte
         
         13
            
          Die Produkte, um die es in der Sache IV/E‑1/35.860‑B geht, sind unlegierte nahtlose Stahlrohre, die in der Öl- und Gasindustrie
         verwendet werden und zu denen zwei große Produktgruppen gehören.
         
         
         
         14
            
          Die erste Produktgruppe sind die Ölfeldrohre, die gemeinhin als „Oil Country Tubular Goods“ oder „OCTG“ bezeichnet werden.
         Diese Rohre werden entweder ohne Gewinde (so genannte Glattendrohre) oder als Gewinderohre verkauft. Das Gewindeschneiden
         dient dazu, die OCTG‑Rohre miteinander verbinden zu können. Das Gewinde kann entweder in einer vom American Petroleum Institute
         (API) normierten Standardausführung (nach dieser Norm hergestellte Gewinderohre werden im Folgenden als OCTG-Standardrohre
         bezeichnet) oder in Spezialausführungen nach in der Regel patentgeschützten Techniken geschnitten werden. Im letzteren Fall
         spricht man von „erstklassigen“ oder „Premiumgewinden“ oder gegebenenfalls „erstklassigen“ oder „Premiumverbindungen“ (Gewinderohre
         in einer solchen Ausführung werden im Folgenden als „OCTG‑Premiumrohre“ bezeichnet).
         
         
         
         15
            
          Die zweite Produktgruppe besteht aus den Leitungsrohren für Öl und Gas („line pipe“) aus unlegiertem nahtlosem Stahl, bei
         denen unterschieden wird zwischen Rohren in einer Standardausführung und den für bestimmte Projekte maßgefertigten Rohren
         (im Folgenden: projektbezogene Leitungsrohre).
         
         
          C – Die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlungen
         
         16
            
          In der angefochtenen Entscheidung nimmt die Kommission zunächst an, dass die acht Hersteller, an die die angefochtene Entscheidung
         gerichtet ist, eine Übereinkunft getroffen hätten, die neben anderen Punkten den gegenseitigen Schutz ihrer nationalen Heimatmärkte
         zum Gegenstand gehabt habe (Randnrn. 62 bis 67 der angefochtenen Entscheidung). Nach dieser Übereinkunft habe jedes Unternehmen
         davon Abstand genommen, OCTG‑Standardrohre und projektbezogene Leitungsrohre auf dem Heimatmarkt eines anderen Teilnehmers
         an der Übereinkunft zu verkaufen. Diese Übereinkunft sei im Rahmen von Sitzungen, die von Herstellern der Gemeinschaft und
         aus Japan abgehalten worden seien, geschlossen worden, wobei diese Zusammenkünfte als der so genannte „Europäisch‑Japanische
         Club“ bekannt gewesen seien. Der Grundsatz des Schutzes der Heimatmärkte sei unter der Bezeichnung „Grundregeln“ („fundamentals“)
         bekannt gewesen. Hilfsweise weist die Kommission in der angefochtenen Entscheidung darauf hin, dass die Grundregeln tatsächlich
         respektiert worden seien und die Übereinkunft folglich wettbewerbswidrige Auswirkungen auf den Gemeinsamen Markt gehabt habe
         (Randnr. 68 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         17
            
          Die Kommission sah in dieser Übereinkunft einen Verstoß gegen den Verbotstatbestand des Artikels 81 Absatz 1 EG (Randnr. 109
         der angefochtenen Entscheidung). Sie stellte daher in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung das Vorliegen dieser Zuwiderhandlung
         fest und verhängte gegen die acht Unternehmen, an die sich die Entscheidung richtete, Geldbußen.
         
         
         
         18
            
          Hinsichtlich der Dauer der Zuwiderhandlung ging die Kommission davon aus, dass zwar der Europäisch‑Japanische Club bereits
         seit 1977 Sitzungen veranstaltet habe (Randnr. 55 der angefochtenen Entscheidung), dass aber für die Festsetzung der Geldbußen
         als Beginn der Zuwiderhandlung das Jahr 1990 anzusetzen sei, weil 1977 bis 1990 zwischen der Europäischen Gemeinschaft und
         Japan Abkommen über eine Selbstbeschränkung (im Folgenden: Selbstbeschränkungsabkommen) bestanden hätten (Randnr. 108 der
         angefochtenen Entscheidung). Nach Auffassung der Kommission endete die Zuwiderhandlung im Jahr 1995 (Randnrn. 96 und 97 der
         angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         19
            
          Im Rahmen der Bemessung der Geldbußen, die gegen die acht von der angefochtenen Entscheidung betroffenen Unternehmen verhängt
         wurden, stufte die Kommission die Zuwiderhandlung als äußerst schweren Verstoß ein, weil die fragliche Vereinbarung über den
         Schutz der Heimatmärkte das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes beeinträchtigt habe (Randnrn. 161 und 162 der angefochtenen
         Entscheidung). Sie wies allerdings darauf hin, dass die Adressaten der Entscheidung in den vier betroffenen Mitgliedstaaten
         jährlich nahtlose Stahlrohre nur im Wert von etwa 73 Millionen Euro abgesetzt hätten. Nach diesen Gesichtspunkten bezifferte
         die Kommission den Bußgeldbetrag wegen der Schwere des Verstoßes für jedes der acht Unternehmen auf 10 Millionen Euro. Da
         es sich durchweg um Großunternehmen handelte, hielt die Kommission eine Abstufung der Geldbußen nach der Unternehmensgröße
         nicht für notwendig (Randnrn. 162, 163 und 165 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         20
            
          Da der Verstoß von mittlerer Dauer gewesen sei, wandte die Kommission, um den Grundbetrag der gegen jedes der beteiligten
         Unternehmen zu verhängenden Geldbuße festzusetzen, für jedes Jahr der Beteiligung an der Zuwiderhandlung einen Aufschlag von
         10 % auf den wegen der Schwere des Verstoßes angesetzten Betrag an (Randnr. 166 der angefochtenen Entscheidung). Da sich aber
         die Stahlrohrproduktion in einer langjährigen Krisensituation befunden und sich die Branchenlage seit 1991 noch weiter verschlechtert
         habe, minderte die Kommission wiederum den Grundbetrag um 10 % wegen mildernder Umstände (Randnrn. 168 und 169 der angefochtenen
         Entscheidung). Schließlich setzte die Kommission gemäß Abschnitt D Nummer 2 ihrer Mitteilung 96/C 207/04 über die Nichtfestsetzung
         oder die niedrigere Festsetzung von Geldbußen in Kartellsachen (ABl. 1996, C 207, S. 4, im Folgenden: Mitteilung über Zusammenarbeit)
         die gegen Vallourec zu verhängende Geldbuße um 40 % und die gegen Dalmine zu verhängende Geldbuße um 20 % niedriger fest,
         weil zu berücksichtigen sei, dass diese beiden Unternehmen im Verwaltungsverfahren mit der Kommission kooperiert hätten (Randnrn.
         170 bis 173 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         21
            
          Die Beträge der gegen die betroffenen Unternehmen jeweils verhängten Geldbußen, wie sie sich aus der in den beiden vorstehenden
         Randnummern dargelegten Berechnung ergaben, sind in Artikel 4 der angefochtenen Entscheidung aufgeführt (siehe unten, Randnr. 33).
         
         
         
         22
            
          Zweitens stellte die Kommission in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung fest, dass auch die Verträge zwischen den Gemeinschaftsherstellern
         über den Verkauf von Glattendrohren auf dem britischen Markt eine Zuwiderhandlung darstellten (Randnr. 116 der angefochtenen
         Entscheidung). Sie verhängte jedoch wegen dieses Verstoßes keine zusätzliche Geldbuße, weil dieser nur ein Mittel zur Durchführung
         des im Rahmen des Europäisch-Japanischen Clubs vereinbarten Prinzips des Heimatmarktschutzes gewesen sei (Randnr. 164 der
         angefochtenen Entscheidung).
         
         
          D – Der von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgestellte wesentliche Sachverhalt
         
         23
            
          Laut der angefochtenen Entscheidung kam der Europäisch-Japanische Club von 1977 bis 1994 in der Regel zweimal jährlich zusammen
         (Randnr. 60 der angefochtenen Entscheidung). Nach der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 hätten solche Sitzungen
         am 14. April 1992 in Florenz, am 23. Oktober 1992 in Tokyo, am 19. Mai 1993 in Paris, am 5. November 1993 in Tokyo und am
         16. März 1994 in Cannes stattgefunden. Wie sich aus dem Vermerk „Einige Informationen zum Europäisch-Japanischen Club“ von
         Vallourec vom 4. November 1991 (S. 4350 der Kommissionsakte, im Folgenden: Vermerk „Einige Informationen“) und dem Vermerk
         vom 24. Juli 1990 mit dem Titel „Sitzung vom 24. Juli 1990 mit British Steel“ (S. 15586 der Kommissionsakte, im Folgenden:
         Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990) ergebe, seien auch in den Jahren 1989 und 1991 weitere Sitzungen des Europäisch-Japanischen
         Clubs abgehalten worden.
         
         
         
         24
            
          Die im Rahmen des Europäisch-Japanischen Clubs getroffene Übereinkunft habe auf drei Säulen geruht, nämlich erstens den (oben
         in Randnr. 16 erwähnten) Grundregeln („fundamentals“) des Heimatmarktschutzes, die den Verstoß nach Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung bildeten, zweitens Preisabstimmungen für Ausschreibungen und der Festlegung von Mindestpreisen auf den so genannten
         „Sondermärkten“ („special markets“) und drittens der Aufteilung der restlichen Weltmärkte, außer Kanada und den Vereinigten
         Staaten von Amerika, mittels Verteilerschlüsseln („sharing keys“) (Randnr. 61 der angefochtenen Entscheidung). Die Kommission
         stützte ihre Feststellung, dass das Vorliegen der Grundregeln erwiesen sei, auf ein Bündel von schriftlichen Indizien, die
         in den Randnummern 62 bis 67 der angefochtenen Entscheidung aufgeführt sind, sowie auf die Tabelle in deren Randnummer 68.
         Dieser Tabelle sei zu entnehmen, dass der Anteil des jeweiligen heimischen Herstellers am Gesamtabsatz von OCTG- und Leitungsrohren
         durch alle Adressaten der angefochtenen Entscheidung zusammen in Japan ebenso wie auf den Heimatmärkten der vier Gemeinschaftshersteller
         sehr hoch gewesen sei. Hieraus sei zu schließen, dass die heimischen Märkte von den Parteien der Übereinkunft insgesamt durchaus
         respektiert worden seien. Die Beweise für die anderen beiden Säulen der Übereinkunft legte die Kommission in den Randnummern
         70 bis 77 der angefochtenen Entscheidung dar.
         
         
         
         25
            
          Als Corus im Jahr 1990 ihre Produktion von Glattendrohren habe einstellen wollen, sei für die Gemeinschaftshersteller die
         Frage entstanden, wie der in den Grundregeln festgelegte Heimatmarktschutz für den Markt des Vereinigten Königreichs beibehalten
         werden könne. Daraufhin hätten Vallourec und Corus ein Konzept von „verbesserten Grundregeln“ („fundamentals improved“) vorgeschlagen,
         deren Zweck es gewesen sei, die Zugangsbeschränkungen der japanischen Hersteller für den britischen Markt trotz des Rückzugs
         von Corus aufrechtzuerhalten. Im Juli 1990 hätten sich Vallourec und Corus, und zwar anlässlich der Verlängerung des Lizenzvertrags
         für die VAM‑Gewindeschneidetechnik, schließlich in diesem Sinne dahin geeinigt, dass die künftige Versorgung von Corus mit
         Glattendrohren den Unternehmen Vallourec, Mannesmann und Dalmine vorbehalten bleiben solle (Randnr. 78 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         26
            
          Im April 1991 habe Corus ihr Werk in Clydesdale (Vereinigtes Königreich) dann tatsächlich geschlossen, in dem sie zuvor ungefähr
         90 % ihrer Glattendrohre hergestellt habe. Anschließend habe Corus Verträge über die Lieferung von Glattendrohren für ursprünglich
         fünf Jahre mit stillschweigender Verlängerung bei Ausbleiben einer Kündigung mit einer Frist von zwölf Monaten mit Vallourec
         (am 24. Juli 1991), Dalmine (am 4. Dezember 1991) und Mannesmann (am 9. August 1993) geschlossen (im Folgenden auch: Lieferverträge).
         Diese drei Verträge, die in der Kommissionsakte auf den Seiten 12867, 12910 und 12948 enthalten sind, weisen den begünstigten
         Unternehmen eine Lieferquote von 40 % respektive 30 % und 30 % des Bedarfes von Corus zu; davon ausgenommen sind Rohre mit
         schmalem Durchmesser (Randnrn. 79 bis 82 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         27
            
          Im Jahr 1993 seien die Grundsätze, nach denen der Europäisch‑Japanische Club funktioniert habe, durch drei Faktoren ins Wanken
         geraten. Erstens habe sich damals eine Umstrukturierung der europäischen Stahlindustrie vollzogen. So habe im Vereinigten
         Königreich Corus ihre letzten Produktionsbereiche, nämlich von nahtlosen Gewinderohren, aufgeben wollen. In Belgien sei zum
         31. Dezember 1993 das Unternehmen New Tubemeuse (im Folgenden: NTM), dessen geschäftlicher Schwerpunkt der Export nach dem
         Mittleren und Fernen Osten gewesen sei, liquidiert worden. Als zweiter Faktor habe der Zugang der lateinamerikanischen Hersteller
         zum Gemeinschaftsmarkt den Fortbestand der im Rahmen des Europäisch‑Japanischen Clubs vereinbarten Verteilerschlüssel bedroht.
         Drittens und letztens sei auf dem Weltmarkt für Rohre zur Erdöl- und Gasprospektierung und -förderung trotz bleibender starker
         regionaler Unterschiede die Nachfrage nach geschweißten Rohren stark gestiegen (Randnrn. 83 und 84 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         28
            
          In diesem Zusammenhang hätten sich die Mitglieder des Europäisch-Japanischen Clubs am 5. November 1993 in Tokyo getroffen,
         um zu versuchen, eine neue Marktaufteilungsvereinbarung mit den lateinamerikanischen Herstellern zu treffen. Der Inhalt der
         getroffenen Übereinkunft lasse sich einem Dokument mit einem „Verteilerschlüssel“ („sharing key“) entnehmen, das der Kommission
         am 12. November 1997 von einem am Verfahren nicht beteiligten Informanten übergeben worden sei (S. 7320 der Kommissionsakte,
         im Folgenden: Verteilerschlüssel-Papier). Nach Aussage des Informanten stamme das Dokument von einem Handelsvertreter eines
         der Teilnehmer an dieser Sitzung. Was die Folgen der Umstellung der europäischen Stahlindustrie angehe, so habe die Schließung
         von NTM den Gemeinschaftsherstellern Zugeständnisse der japanischen und südamerikanischen Hersteller eingebracht, die vom
         Rückzug von NTM aus den Exportmärkten am meisten profitiert hätten (Randnrn. 85 bis 89 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         29
            
          Corus habe ihrerseits endgültig entschieden, ihre letzte verbleibende Erzeugung von nahtlosen Rohren einzustellen. Am 22.
         Februar 1994 habe Vallourec die Kontrolle über die Gewindeschneide- und sonstigen Produktionsanlagen für Rohre von Corus übernommen
         und zu diesem Zweck das Unternehmen Tubular Industries Scotland Ltd gegründet; dieses Unternehmen habe zum 31. März 1994 die
         Lieferverträge für Glattendrohre übernommen, die Corus mit Dalmine und Mannesmann geschlossen habe. Am 24. April 1997 sei
         der mit Mannesmann geschlossene Vertrag noch in Kraft gewesen. Am 30. März 1999 habe Dalmine den Liefervertrag mit der Tubular
         Industries Scotland Ltd beendet (Randnrn. 90 bis 92 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         30
            
          Die Kommission meint, die Gemeinschaftshersteller hätten mit diesen Verträgen die Lieferquoten für Glattendrohre für den britischen
         Markt, auf den mehr als die Hälfte des Gemeinschaftsverbrauchs an OCTG‑Rohren entfalle, untereinander aufgeteilt; die Verträge
         seien daher eine nach Artikel 81 Absatz 1 EG verbotene Übereinkunft (vgl. oben, Randnr. 22).
         
         
          E – Der Tenor der angefochtenen Entscheidung
         
         31
            
          Nach Artikel 1 Absatz 1 der angefochtenen Entscheidung haben die acht Unternehmen, an die die Entscheidung gerichtet ist,
         „gegen die Bestimmungen des Artikels 81 Absatz 1 EG‑Vertrag aufgrund der Beteiligung an einer Übereinkunft, die unter anderem
         den Schutz der Heimatmärkte für nahtlose [OCTG‑Standardrohre] und [projektbezogene Leitungsrohre] vorsah, … verstoßen“.
         
         
         
         32
            
          Gemäß Artikel 1 Absatz 2 der angefochtenen Entscheidung erstreckte sich die Zuwiderhandlung im Fall von Mannesmann, Vallourec,
         Dalmine, Sumitomo, Nippon, der Kawasaki Steel Corp. und der NKK Corp. auf den Zeitraum 1990 bis 1995 und im Fall von Corus
         auf den Zeitraum von 1990 bis Februar 1994.
         
         
         
         33
            
          Die weiteren einschlägigen Bestimmungen der angefochtenen Entscheidung lauten:
         
         
         „Artikel 2
         
         (1)
            [Mannesmann], [Vallourec], [Corus] und [Dalmine] haben gegen Artikel 81 Absatz 1 EG‑Vertrag verstoßen, indem sie im Rahmen
               der in Artikel 1 erwähnten Zuwiderhandlung Verträge abgeschlossen haben, die zu einer Aufteilung der Glattendrohrlieferungen
               an [Corus] (ab 1994 [Vallourec]) geführt haben.
            
         
         
         (2)
            Im Falle von [Corus] dauerte die Zuwiderhandlung vom 24. Juli 1991 bis Februar 1994, im Falle von [Vallourec] vom 24. Juli
               1991 bis 30. März 1999, im Falle von [Dalmine] vom 4. Dezember 1991 bis 30. März 1999 und im Falle von [Mannesmann] vom 9.
               August 1993 bis 24. April 1997.
            
         
         
         …
         
         
         
         Artikel 4
          Gegen die in Artikel 1 genannten Unternehmen werden wegen der dort bezeichneten Zuwiderhandlung folgende Geldbußen verhängt:
          1. [Mannesmann]                                                                              13 500 000 EUR
          2. [Vallourec]                                                                                         8 100 000 EUR
          3. [Corus]                                                                                         12 600 000 EUR
          4. [Dalmine]                                                                                         10 800 000 EUR
          5. [Sumitomo]                                                                              13 500 000 EUR
          6. [Nippon]                                                                                         13 500 000 EUR
          7. [Kawasaki Steel Corp.]                                                                   13 500 000 EUR
          8. [NKK Corp.]                                                                              13 500 000 EUR
         ...“
         
         
          F – Verfahren vor dem Gericht
         
         34
            
          Mit sieben Klageschriften, die zwischen dem 28. Februar und dem 3. April 2000 bei der Kanzlei des Gerichts eingegangen sind,
         haben Mannesmann, Corus, Dalmine, NKK Corp., Nippon, Kawasaki Steel Corp. und Sumitomo gegen die angefochtene Entscheidung
         Klagen erhoben.
         
         
         
         35
            
          Mit drei Beschlüssen vom 23. April 2002 ist die EFTA‑Überwachungsbehörde nach Artikel 116 § 6 der Verfahrensordnung des Gerichts
         in den Rechtssachen T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00 als Streithelferin zur Unterstützung der Anträge der Kommission zugelassen
         worden.
         
         
         
         36
            
          Mit Beschluss vom 18. Juni 2002 sind gemäß Artikel 50 der Verfahrensordnung nach Anhörung der Verfahrensbeteiligten die sieben
         Rechtssachen zu gemeinsamem mündlichen Verfahren und die vier Rechtssachen, in denen die Klägerinnen japanische Unternehmen
         sind (T‑67/00, T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00), auch zu gemeinsamer Entscheidung verbunden worden. Nach diesen Verbindungen
         konnten die Klägerinnen in den sieben Rechtssachen sämtliche Akten des vorliegenden Verfahrens bei der Kanzlei des Gerichts
         einsehen. Es sind ferner prozessleitende Maßnahmen erlassen worden.
         
         
         
         37
            
          Das Gericht (Zweite Kammer) hat auf Bericht des Berichterstatters beschlossen, die mündliche Verhandlung zu eröffnen. Die
         Verfahrensbeteiligten, darunter die EFTA‑Überwachungsbehörde als Streithelferin in den Rechtssachen T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00,
         haben in der Sitzung vom 19., 20. und 21. März 2003 mündlich verhandelt und Fragen des Gerichts beantwortet.
         
         Anträge der Verfahrensbeteiligten
         
         38
            
          In der Rechtssache T‑67/00 beantragt die NKK Corp.,
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit diese sie betrifft;
         
         
         
         
          
         –
            die gegen sie verhängte Geldbuße für nichtig zu erklären;
         
         
         
         
          
         –
            hilfsweise für den Fall, dass die angefochtene Entscheidung ganz oder teilweise aufrechterhalten werden sollte, die gegen
               sie verhängte Geldbuße herabzusetzen;
            
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission ihre Kosten im vorliegenden Verfahren aufzuerlegen;
         
         
         
         
          
         –
            nötigenfalls weitere Anordnungen zu erlassen, um dem Urteil Wirksamkeit zu verschaffen.
         
         
         
         
         
         39
            
          In der Rechtssache T‑68/00 beantragt Nippon,
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit diese sie betrifft;
         
         
         
         
          
         –
            die gegen sie verhängte Geldbuße für nichtig zu erklären oder jedenfalls herabzusetzen;
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         40
            
          In der Rechtssache T‑71/00 beantragt die Kawasaki Steel Corp.,
         
         
         
          
         –
            die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären;
         
         
         
         
          
         –
            hilfsweise, die gegen sie verhängte Geldbuße herabzusetzen;
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         41
            
          In der Rechtssache T‑78/00 beantragt Sumitomo,
         
         
         
          
         –
            die Artikel 1 bis 5 der angefochtenen Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit diese Artikel sie betreffen;
         
         
         
         
          
         –
            hilfsweise, Artikel 4 der angefochtenen Entscheidung für nichtig zu erklären, soweit darin gegen sie eine Geldbuße in Höhe
               von 13,5 Millionen Euro verhängt wird, und eine wesentlich niedrigere Geldbuße festzusetzen;
            
         
         
         
         
          
         –
            der Kommission die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         
         
         
         
         
         42
            
          In allen vier Rechtssachen beantragt die Kommission,
         
         
         
          
         –
            die Klage abzuweisen;
         
         
         
         
          
         –
            der Klägerin die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.
         
         
         
         Zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses zwischen der Kawasaki Steel Corp. und der NKK Corp.
         
         43
            
          Mit gesonderten Schreiben vom 9. Mai 2003 haben die NKK Corp. und die Kawasaki Steel Corp. dem Gericht mitgeteilt, dass sie
         im Rahmen eines Zusammenschlusses der beiden Konzerne, denen sie angehören, ihren Namen geändert hätten und nunmehr JFE Steel
         Corp. hießen. Nach Prüfung der ihren Schreiben beigefügten Unterlagen über die Namensänderung ersuchte die Kanzlei des Gerichts
         die beiden Klägerinnen und die Kommission um eine Stellungnahme, welche Lage sich aus dem Zusammenschluss ergebe. Die beiden
         Klägerinnen haben darauf mit Schreiben jeweils vom 11. September 2003 und die Kommission mit Schreiben vom 22. September 2003
         geantwortet.
         
         
         
         44
            
          Aus den genannten Unterlagen und diesen Antworten ergibt sich, dass die Kawasaki Steel Corp. ihren Namen geändert hat und
         so zur JFE Steel Corp. geworden ist, während die NKK Corp. in JFE Engineering Corp. umbenannt wurde. In ihren beiden Schreiben
         vom 11. September 2003 tragen die beiden Klägerinnen indessen vor, dass die Rechte und Pflichten des Stahlunternehmens der
         NKK Corp. auf die JFE Steel Corp. übergegangen seien.
         
         
         
         45
            
          Dazu ist zunächst festzustellen, dass die Gemeinschaftsgerichte zwar die Namensänderung einer Partei berücksichtigen können.
         
         
         
         46
            
          Ebenso ist in der Rechtsprechung anerkannt, dass eine von dem Adressaten eines Rechtsakts erhobene Nichtigkeitsklage von seinem
         alleinigen Rechtsnachfolger fortgeführt werden kann, so etwa beim Tode einer natürlichen Person oder beim Untergang einer
         juristischen Person unter gleichzeitiger Übertragung aller ihrer Rechte und Pflichten auf einen neuen Inhaber (in diesem Sinne
         Urteile des Gerichtshofes vom 20. Oktober 1983 in der Rechtssache 92/82, Gutmann/Kommission, Slg. 1983, 3127, Randnr. 2, und
         vom 23. April 1986 in der Rechtssache 294/83, Les Verts/Parlament, Slg. 1986, 1339, Randnrn. 13 bis 18). In einem solchen
         Fall tritt der alleinige Rechtsnachfolger von Rechts wegen und zwangsläufig uneingeschränkt in die Rechtsstellung seines Vorgängers
         als Adressat des angefochtenen Rechtsakts ein.
         
         
         
         47
            
          Dagegen besitzt der Gemeinschaftsrichter weder im Rahmen einer Nichtigkeitsklage nach Artikel 230 EG noch selbst bei der Ausübung
         seiner unbeschränkten Ermessensnachprüfung von Zwangsmaßnahmen gemäß Artikel 229 EG eine Zuständigkeit dafür, die Entscheidung
         eines Gemeinschaftsorgans durch den Austausch ihres Adressaten gegen eine andere natürliche oder juristische Person zu ändern,
         solange der Adressat noch existiert. Diese Zuständigkeit besitzt von vornherein allein das Organ, das die fragliche Entscheidung
         erlassen hat. Hat also das zuständige Organ eine Entscheidung bereits erlassen und damit die Person identifiziert, an die
         die Entscheidung zu richten war, so ist es nicht Sache des Gerichts, diese Person durch eine andere zu ersetzen.
         
         
         
         48
            
          Es ist ferner zu berücksichtigen, dass eine Klage, die eine Person als Adressat eines Rechtsakts zur Geltendmachung ihrer
         Rechte durch einen Nichtigkeitsantrag nach Artikel 230 EG und/oder einen Änderungsantrag nach Artikel 229 EG erhebt, nicht
         auf einen Dritten übertragen werden kann, der nicht Adressat des Rechtsakts ist. Würde eine solche Übertragung zugelassen,
         so entstünde nämlich eine Abweichung zwischen der Eigenschaft, in der die Klage erhoben wurde, und der Eigenschaft, in der
         sie vorgeblich weiterverfolgt wird. Damit entstünde überdies eine Disparität zwischen der Identität des Adressaten des Rechtsakts
         und der Person, die im gerichtlichen Verfahren als Adressat auftritt.
         
         
         
         49
            
          In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass eine Entscheidung wie die angefochtene Entscheidung, obgleich sie in Form
         nur einer Entscheidung abgefasst und veröffentlicht worden ist, ein Bündel von Einzelentscheidungen darstellt, mit denen gegenüber
         jedem der Unternehmen, die Adressaten der Entscheidung sind, festgestellt wird, welche Zuwiderhandlung oder Zuwiderhandlungen
         es begangen hat, und gegebenenfalls eine Geldbuße gegen es festgesetzt wird. Diese Regel ergibt sich aus dem Urteil des Gerichts
         vom 10. Juli 1997 in der Rechtssache T‑227/95 (AssiDomän Kraft Products u. a./Kommission, Slg. 1997, II‑1185, Randnr. 56)
         in Verbindung mit dem im Rechtsmittelverfahren ergangenen Urteil des Gerichtshofes vom 14. September 1999 in der Rechtssache
         C‑310/97 P (Kommission/AssiDomän Kraft Products u. a., Slg. 1999, I‑5363, Randnr. 49). Im vorliegenden Fall war und bleibt
         damit die NKK Corp. die alleinige Adressatin der an sie gerichteten Entscheidung, während die Kawasaki Steel Corp. die Adressatin
         einer im selben Rechtsakt enthaltenen, jedoch rechtlich gesonderten Entscheidung ist.
         
         
         
         50
            
          Zwar kann schließlich die Person, die die Verantwortung für die Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens übernommen hat, im
         Verwaltungsverfahren vor der Kommission durch eine entsprechende Erklärung die Verantwortung für Handlungen übernehmen, die
         dem wirklichen Verantwortlichen zur Last gelegt werden, obwohl grundsätzlich die natürliche oder juristische Person, die das
         betreffende Unternehmen zum Zeitpunkt der Zuwiderhandlung leitete, für diese einzustehen hat (in diesem Sinne, wenn auch mit
         Rechtsmittel angefochten, Urteil des Gerichts vom 13. Dezember 2001 in den Rechtssachen T‑45/98 und T‑47/98, Krupp Thyssen
         Stainless und Acciai speciali Terni/Kommission, Slg. 2001, II‑3757, Randnrn. 57 und 62). Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
         in den Randnummern 46 bis 49 ergibt, kann eine solche Erklärung jedoch, wenn eine Entscheidung der Kommission bereits ergangen
         ist, weder die Identität ihres Adressaten noch, wenn gegen die Entscheidung bereits eine Nichtigkeitsklage erhoben wurde,
         die Identität der Klägerin ändern.
         
         
         
         51
            
          Im Ergebnis ist damit zwar die Umbenennung der Kawasaki Steel Corp. in JFE Steel Corp. und der NKK Corp. in JFE Engineering
         Corp. zu berücksichtigen. Jedoch kann in der Rechtssache T‑67/00 die JFE Engineering Corp. nicht durch die JFE Steel Corp.
         ersetzt werden, und zwar ungeachtet der Wirkungen, die der zwischen diesen beiden Gesellschaften geschlossene Fusionsvertrag
         im japanischen Recht hat. Somit bleibt die JFE Steel Corp. (im Folgenden: JFE‑Kawasaki) die Klägerin in der Rechtssache T‑71/00,
         während die JFE Engineering Corp. (im Folgenden: JFE‑NKK) weiterhin die Klägerin in der Rechtssache T‑67/00 ist.
         
         Begründetheit
          A – Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung, insbesondere ihres Artikels 1
         
         52
            
          Die japanischen Klägerinnen tragen dreizehn gesonderte Nichtigkeitsgründe vor. Dabei werden manche dieser Klagegründe von
         mehreren japanischen Klägerinnen oder von ihnen allen geltend gemacht.
         
         
          1. Zum ersten Klagegrund, wonach die Kommission das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
               Zuwiderhandlung nicht rechtlich hinreichend bewiesen habe
         
         53
            
          Dieser Klagegrund wird von allen vier japanischen Klägerinnen geltend gemacht.
         
         
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         54
            
          Die japanischen Klägerinnen äußern sich vorab zu Fragen der Beweisführung im Falle eines Verstoßes gegen Artikel 81 Absatz
         1 EG. In der Sache gliedert sich der Klagegrund sodann in drei Teile.
         
         
         
         55
            
          So machen sie erstens geltend, dass sich die fehlenden japanischen Ausfuhren auf die europäischen Festlandmärkte (im Folgenden
         auch: Onshore‑Märkte) aus objektiven Handelserwägungen erklärten, während die behauptete Übereinkunft andererseits unvereinbar
         gewesen wäre mit ihren bedeutenden Lieferungen der fraglichen Erzeugnisse auf den Markt des vom Vereinigten Königreich genutzten
         Nordsee-Festlandsockels (im Folgenden: Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs oder britischer Offshore‑Markt), so dass
         die ihnen angelastete Zuwiderhandlung jedenfalls keine wettbewerbswidrigen Auswirkungen hätte entfalten können. Zweitens belegten
         die von der Kommission zusammengetragenen Beweise weder das Vorliegen der behaupteten Übereinkunft selbst noch, falls diese
         nachgewiesen wäre, die Beteiligung einer der Klägerinnen daran. Drittens sei die von der Kommission vorgenommene Analyse der
         Ziele der Glattendrohr-Lieferverträge, die von den europäischen Herstellern geschlossen worden seien und die die vorgebliche
         Zuwiderhandlung gemäß Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung bildeten, in sich unstimmig. Diese Analyse lasse zugleich deutlich
         werden, dass auch das Vorbringen der Kommission zur Beteiligung der japanischen Klägerinnen an der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung unbegründet sei.
         
         
         – Vorbemerkungen
         
         
         56
            
          Sumitomo und JFE‑NKK machen geltend, dass die Beweislast für alle Tatbestandsmerkmale einer Zuwiderhandlung bei der Kommission
         liege (Schlussanträge von Generalanwalt Slynn vom 8. Februar 1983 in der Rechtsache 100/80 bis 103/80, Musique diffusion française
         u. a./Kommission, Slg. 1983, 1825, 1914; Urteile des Gerichtshofes vom 17. Dezember 1998 in der Rechtssache C‑185/95 P, Baustahlgewebe/Kommission,
         Slg. 1998, I‑8417, Randnr. 58, und vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache C‑49/92 P, Kommission/Anic Partecipazioni, Slg. 1999,
         I‑4125, Randnr. 86). Das Bestehen eines Zweifels komme daher den Unternehmen zugute, die der Beteiligung an einer Zuwiderhandlung
         beschuldigt würden (Urteile des Gerichtshofes vom 16. Dezember 1975 in den Rechtssachen 40/73 bis 48/73, 50/73, 54/73 bis
         56/73, 111/73, 113/73 und 114/73, Suiker Unie u. a./Kommission, Slg. 1975, 1663, Randnrn. 203, 304, 359 und 363, und vom 14.
         Februar 1978 in der Rechtssache 27/76, United Brands/Kommission, Slg. 1978, 207, Randnr. 265; Schlussanträge des zum Generalanwalt
         bestellten Richters Vesterdorf vom 10. Juli 1991 in der Rechtssache T‑1/89, Rhône-Poulenc/Kommission, Slg. 1991, II‑867, II-869,
         II-954). Daher sei es Sache der Kommission, das Vorliegen der von ihr vorgebrachten Umstände so nachzuweisen, dass jeder vernünftige
         Zweifel ausgeschlossen werde (Schlussanträge von Generalanwalt Darmon vom 7. Juli 1992 in den Rechtssachen C‑89/85, C‑104/85,
         C‑114/85, C‑116/85, C‑117/85 und C‑125/85 bis C‑129/85, Ahlström Osakeytiö u. a./Kommission, „Zellstoff II“, Slg. 1993, I‑1307,
         Nr. 195). Umgekehrt brauche ein Kläger nur nachzuweisen, dass die Entscheidung, die eine Zuwiderhandlung feststelle, auf einer
         unsicheren Grundlage beruhe, um ihre Nichtigerklärung zu erreichen (Schlussanträge von Generalanwalt Slynn in der Rechtssache
         Musique diffusion française u. a. /Kommission, Slg. 1983, 1825, 1931).
         
         
         
         57
            
          Weiterhin müsse die Kommission, um das Vorliegen einer Zuwiderhandlung zu beweisen, genaue und übereinstimmende Beweise beibringen,
         die die feste Überzeugung begründeten, dass die Zuwiderhandlung wirklich begangen worden sei (Urteile des Gerichtshofes vom
         28. März 1984 in den Rechtssachen 29/83 und 30/83, CRAM und Rheinzink/Kommission, Slg. 1984, 1679, Randnr. 20, und in der
         Rechtssache Zellstoff II, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 127; Urteile des Gerichts vom 10. März 1992 in den Rechtssachen
         T‑68/89, T‑77/89 und T‑78/89, SIV u. a./Kommission, Slg. 1992, II‑1403, insbesondere Randnrn. 193 bis 195, 198 bis 202, 205
         bis 210, 220 bis 232, 249, 250 und 322 bis 328, und vom 6. Juli 2000 in der Rechtssache T‑62/98, Volkswagen/Kommission, Slg.
         2000, II‑2707, Randnrn. 43 und 72). Diese Beweise müssten insbesondere die Feststellung ermöglichen, dass die beanstandeten
         Zuwiderhandlungen eine spürbare Einschränkung des Wettbewerbs im Sinne von Artikel 81 Absatz 1 EG darstellten. Dieses Erfordernis
         sei insbesondere dann nicht erfüllt, wenn eine andere plausible Erklärung gegeben werden könne, die einen Verstoß gegen die
         gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln ausschließe (Urteil des Gerichtshofes in der Rechtssache CRAM und Rheinzink/Kommission,
         Randnrn. 16 ff.; Urteile des Gerichts vom 21. Januar 1999 in den Rechtssachen T‑185/96, T‑189/96 und T‑190/96, Riviera Auto
         Service u. a./Kommission, Slg. 1999, II‑93, Randnr. 47, und in der Rechtssache Volkswagen/Kommission).
         
         
         
         58
            
          Darüber hinaus müssten die beigebrachten Beweise die erwähnten Kriterien der Genauigkeit und Übereinstimmung hinsichtlich
         jedes Tatbestandsmerkmals der festgestellten Zuwiderhandlung erfüllen, insbesondere hinsichtlich der Identität der Parteien
         und ihrer Beteiligung an der Zuwiderhandlung (Urteile Zellstoff II, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 69, und Kommission/Anic
         Partecipazioni, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 87; Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑295/94,
         Buchmann/Kommission, Slg. 1998, II‑813, Randnr. 121), der betroffenen Erzeugnisse oder Dienstleistungen (Urteile Suiker Unie
         u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 301 bis 304, und SIV u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 57,
         Randnrn. 175 bis 194 und 324), der zwischen den Parteien vereinbarten Beschränkungen (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998
         in der Rechtssache T-337/94, Enso-Gutzeit/Kommission, Slg. 1998, II-1571, Randnrn. 102 bis 150) und der Dauer der Zuwiderhandlung
         (Urteile des Gerichts vom 7. Juli 1994 in der Rechtssache T‑43/92, Dunlop Slazenger/Kommission, Slg. 1994, II‑441, Randnr.
         79, und Volkswagen/Kommission, zitiert oben in Randnr. 57, Randnr. 188). Was insbesondere die Dauer der Zuwiderhandlung betreffe,
         müssten entweder unmittelbare Beweise oder hinreichend zeitnahe Beweise erbracht werden, also zeitgleiche Beweise.
         
         
         
         59
            
          JFE‑NKK macht insbesondere geltend, dass sich die Kommission nach dem Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache
         T-348/94 (Enso Española/Kommission, Slg. 1998, II-1875, Randnrn. 160 bis 171) auf konkrete Beweise stützen müsse und sich
         nicht mit bloßen Behauptungen über Inhalt und Gegenstand von Sitzungen begnügen dürfe, an denen Beteiligte an einer angeblichen
         Übereinkunft teilgenommen hätten.
         
         
         
         60
            
          Die Kommission weist zunächst darauf hin, dass die japanischen Klägerinnen, auch wenn sie mit ihrem Vorbringen die von der
         Kommission festgestellten Tatsachen in einem anderen Licht erscheinen ließen, damit doch nicht die Nichtigerklärung der angefochtenen
         Entscheidung erreichen könnten. Das Vorbringen von JFE‑NKK, das sich insbesondere auf die Urteile CRAM und Rheinzink/Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 57) und Zellstoff II (zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 126 und 127) stütze, wäre nur einschlägig,
         wenn eine Entscheidung der Kommission ausschließlich auf der Annahme beruhe, dass die festgestellten Tatsachen nicht anders
         als durch eine Abstimmung zwischen den Unternehmen erklärt werden könnten. Das sei aber hier nicht der Fall.
         
         
         
         61
            
          Auch das Vorbringen, wonach die Kommission das Vorliegen der von ihr behaupteten Zuwiderhandlung jenseits aller vernünftigen
         Zweifel nachzuweisen habe, sei nicht begründet. Es sei insbesondere darauf hinzuweisen, dass der Gerichtshof der in der Rechtssache
         Zellstoff II (zitiert oben in Randnr. 56) von Generalanwalt Darmon in seinen Schlussanträgen vorgeschlagenen Auslegung des
         Begriffes „hinreichend eindeutige[r] und übereinstimmende[r]“ Beweise nicht gefolgt sei. Ebenso habe es das Gericht in seinem
         Urteil vom 20. April 1999 in den Rechtssachen T‑305/94 bis T‑307/94, T‑313/94 bis T‑316/94, T‑318/94, T‑325/94, T‑328/94,
         T‑329/94 und T‑335/94 (Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, „PVC II“, Slg. 1999, II‑931) vorgezogen, global festzustellen,
         ob die im gegebenen Fall herangezogenen Beweise für den Nachweis des Vorliegens der Zuwiderhandlung ausreichend seien. Was
         insbesondere die Dauer der Zuwiderhandlung angehe, so würden Eindeutigkeit und Übereinstimmung nicht für den Nachweis des
         Vorliegens der Zuwiderhandlung gefordert, sondern dienten ausschließlich der Feststellung, inwieweit die Geldbuße der Dauer
         angepasst werden müsse. Auf jeden Fall sei der genaue Zeitpunkt des Beginns der Zuwiderhandlung im vorliegenden Fall unerheblich,
         soweit er vor 1990 liege, da die Kommission die Zuwiderhandlung für die Bemessung der Geldbuße erst von diesem Zeitpunkt an
         berücksichtigt habe.
         
          Zum ersten Teil des Klagegrundes, wonach das Bestehen der behaupteten Übereinkunft mit der vorhandenen Lage auf dem britischen
         Offshore‑Markt und den übrigen europäischen Märkten unvereinbar gewesen wäre
         
         
         62
            
          Die japanischen Klägerinnen machen im Wesentlichen geltend, dass das Bestehen von Handelsbarrieren für die in Artikel 1 der
         angefochtenen Entscheidung genannten Produkte eine glaubhafte andere Erklärung für die fehlenden japanischen Verkäufe auf
         den europäischen Märkten bilde. Da die Erwägungen der Kommission auf der Annahme beruhten, die fehlenden Verkäufe könnten
         nicht anders erklärt werden als durch eine Abstimmung zwischen den Beteiligten der inkriminierten Übereinkunft, sei Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung nach den Kriterien, die in den Urteilen CRAM und Rheinzink/Kommission (zitiert oben in Randnr.
         57, Randnr. 16), Zellstoff II (zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 126 und 127) und PVC II (zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 725)
         entwickelt worden seien, für nichtig zu erklären.
         
         
         
         63
            
          Es bestehe ein tief greifender Widerspruch zwischen der Behauptung, dass die japanischen Hersteller an einer Übereinkunft
         beteiligt gewesen seien, mit der sie sich verpflichtet hätten, von einer Belieferung des europäischen Marktes Abstand zu nehmen,
         und ihrem tatsächlichen Marktverhalten. Entgegen der Darstellung der Kommission zeige eine Prüfung der Handelsströme zwischen
         Japan und Europa, dass die japanischen Hersteller den europäischen Herstellern einen heftigen Wettbewerb auf den Offshore‑Märkten
         insbesondere des Vereinigten Königreichs und Norwegens geliefert hätten, die zusammen aus objektiven geschäftlichen Gründen
         den einzigen Markt darstellten, der für diese Hersteller von Bedeutung sei. Im Übrigen betreffe die Nachfrage auf dem britischen
         Offshore‑Markt im Wesentlichen OCTG‑Premiumrohre und nicht die in der Entscheidung genannten OCTG‑Standardrohre. Die Kommission
         habe zumindest einen Fehler bei der Beurteilung und Einstufung der Tatsachen begangen, indem sie in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung das Vorliegen einer Zuwiderhandlung sowohl für die europäischen Offshore‑Märkte als auch für die europäischen
         Onshore‑Märkte festgestellt habe.
         
         
         
         64
            
          Nippon stellt die Frage, wie es denn angesichts der in der vorstehenden Randnummer beschriebenen Umstände überhaupt vorstellbar
         sein solle, dass die japanischen Hersteller an einer Absprache mit den europäischen Herstellern beteiligt gewesen sein sollten,
         mit der ihnen verboten worden wäre, ihre Erzeugnisse auf die europäischen Märkte zu liefern. JFE-Kawasaki und Sumitomo weisen
         darauf hin, dass nach der Tabelle in Randnummer 68 der angefochtenen Entscheidung kein einziger einheimischer Hersteller bei
         OCTG‑Rohren und Leitungsrohren auf seinem einheimischen Markt einen Marktanteil von 100 % erreicht habe. Insbesondere auf
         dem Markt des Vereinigten Königreichs hätten die Einfuhren dieser Erzeugnisse zwischen 16 % und 22 % gelegen. Auf das Vorbringen
         der Kommission, dies liege an der besonderen Stellung des britischen Marktes im Sinne eines bloßen „Teilschutzes“ nach den
         Grundregeln, entgegnet JFE‑NKK, dass der französische Markt, der keine solche Stellung gehabt habe, 1991 einen weniger wirksamen
         und 1994 einen gleichwertigen Schutz aufgewiesen habe, wie die erwähnte Tabelle zeige. Dass die japanischen Hersteller die
         in der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte während einiger Jahre des von der Kommission herangezogenen Zeitraums
         auf einigen europäischen Märkten überhaupt nicht verkauft hätten, erklärt sich für JFE‑NKK aus den Schwankungen beim Absatz
         dieser Produkte, deren Verbrauch stark von der Tätigkeit in den Sektoren Erdöl und Gas abhängig sei.
         
         
         
         65
            
          Sumitomo räumt ausdrücklich ein, dass ihr Vorbringen zu den Auswirkungen der Übereinkunft im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes
         nur erheblich sei, wenn das Gericht davon ausgehe, dass die Kommission das Vorliegen der Zuwiderhandlung mit den in der angefochtenen
         Entscheidung angeführten Urkundsbeweisen rechtlich nicht hinreichend nachgewiesen habe. Sie weist insoweit darauf hin, dass
         sich die Kommission hauptsächlich auf den Zweck der Übereinkunft und nur hilfsweise auf deren Wirkungen gestützt habe.
         
         
         
         66
            
          Zum Vorbringen der Kommission, dass nach Randnummer 1088 des Urteils des Gerichts vom 15. März 2000 in den Rechtssachen T‑25/95,
         T‑26/95, T‑30/95 bis T‑32/95, T‑34/95 bis T‑39/95, T‑42/95 bis T‑46/95, T‑48/95, T‑50/95 bis T‑65/95, T‑68/95 bis T‑71/95,
         T‑87/95, T‑88/95, T‑103/95 und T‑104/95 (Cimenteries CBR u. a./Kommission, „Zement“, Slg. 2000, II‑491) eine Zuwiderhandlung
         besonders schwer sei, wenn durch eine Übereinkunft der geringe Wettbewerb, den es auf dem Markt noch gebe, beseitigt werden
         solle, weist JFE‑Kawasaki darauf hin, dass der vorliegende Fall den Umständen nach ganz anders liege als der Sachverhalt der
         Rechtssachen Zement. Im vorliegenden Fall habe innerhalb Europas zumindest auf struktureller Ebene wegen der Präsenz von vier
         großen Gemeinschaftsherstellern ein lebhafter Wettbewerb geherrscht, weshalb jeder potenzielle japanische Wettbewerb ohnehin
         vernachlässigenswert gewesen wäre. In den Rechtssachen Zement habe hingegen eine Reihe geschlossener Flächenmonopole vorgelegen.
         
         
         
         67
            
          JFE‑Kawasaki führt aus, dass schon nach den Randnummern 61 bis 77 der angefochtenen Entscheidung selbst die Grundregeln den
         Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs und auch die übrigen Offshore‑Märkte der Gemeinschaft nicht betroffen hätten. Insbesondere
         aus Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung ergebe sich, dass die Grundregeln für die Lage auf den Heimatmärkten gegolten
         hätten, während der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs eine besondere, so genannte „teilgeschützte“ oder „beschränkt
         geschützte“ Stellung eingenommen habe. Die Behauptung in Randnummer 102 der angefochtenen Entscheidung, dass die an der Übereinkunft
         Beteiligten auf die Belieferung der Heimatmärkte mit den betreffenden Rohren hätten verzichten müssen, sei mit der hybriden
         Stellung unvereinbar, die dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs in Randnummer 62 zugeschrieben werde.
         
         
         
         68
            
          Die Lieferungen von unlegierten nahtlosen Stahlrohren aus Japan auf den Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs seien durch
         ihre Dauerhaftigkeit und ihren Umfang gekennzeichnet. Nippon stützt sich insoweit auf die Tabelle in Randnummer 68 der angefochtenen
         Entscheidung, der zu entnehmen sei, dass die japanischen Klägerinnen große Mengen nahtloser Stahlrohre auf dem Markt des Vereinigten
         Königreichs abgesetzt hätten. Der Umstand, dass diese Zahlen alle Stahlrohre und nicht nur die in der angefochtenen Entscheidung
         genannten beträfen, schränke ihre Aussagekraft nicht ein und beruhe darauf, dass die japanischen Hersteller den Festlandsockel
         des Vereinigten Königreichs mit mehreren Sorten von Stahlrohren beliefert hätten, nämlich OCTG‑Standardrohren, Leitungsrohren
         und OCTG‑Premiumrohren. Nippon beruft sich ferner auf die von den japanischen Zollbehörden festgehaltenen Exportumfänge der
         Jahre 1988 bis 1996 und Statistiken des japanischen Verbandes der Stahlexporteure für die Jahre 1977 bis 1987, die das Vorliegen
         eines solchen Wettbewerbs belegten. Auch Sumitomo meint, dass ihre Rohrverkäufe auf den Märkten der Europäischen Gemeinschaft,
         insbesondere auf dem Festlandsockel des Vereinigten Königreichs, durchaus umfangreich gewesen seien, und legt hierfür Beweismittel
         vor. Sie bestreitet insbesondere die Zahl von 230 000 Tonnen, die die Kommission als durchschnittliche Jahresverkäufe an Leitungsrohren
         durch die Mitglieder des Europäisch-Japanischen Clubs auf den betreffenden Gemeinschaftsmärkten ermittelt haben wolle. Die
         von allen Mitgliedern erzielten Umsätze beliefen sich auf 71 000 Tonnen Leitungsrohre jährlich. JFE‑NKK verweist ihrerseits
         auf die ausführlichen Zahlen, die sie der Kommission auf deren Auskunftsverlangen hin geliefert habe und denen zu entnehmen
         sei, dass sie keineswegs davon Abstand genommen habe, während des angeblichen Zeitraums der Zuwiderhandlung Rohre auf den
         europäischen Märkten abzusetzen. JFE‑Kawasaki weist darauf hin, dass ihre Umsätze zwar auf allen europäischen Märkten bescheiden
         geblieben seien, dass sie aber gleichwohl große Anstrengungen in diese Richtung unternommen habe, vor allem auf dem Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs.
         
         
         
         69
            
          Außerdem werde ein lebhafter Wettbewerb durch die japanischen Hersteller insbesondere auf dem Markt des Vereinigten Königreichs
         explizit durch die Beweisdokumente belegt, die die Kommission während ihrer Untersuchung bei den europäischen Herstellern
         zusammengetragen habe. Insbesondere das in der Kommissionsakte auf S. 4902 enthaltene „Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden“
         („Paper for Presidents“) spreche von der „gegenwärtige[n] Aggression [der Japaner] bei den … OCTG[‑Rohren]“, und die fünf
         Vermerke von Vallourec – vom 23. März 1990 mit der Überschrift „Überlegungen zur Verlängerung des VAM‑Vertrags“ (S. 15622
         der Kommissionsakte, im Folgenden: Vermerk „Überlegungen zum VAM-Vertrag“), vom 2. Mai 1990 mit der Überschrift „Strategische
         Überlegungen zu den Beziehungen der VLR“ (S. 15610 der Kommissionsakte, im Folgenden: Vermerk „Strategische Überlegungen“),
         vom 1. Juni 1990 mit der Überschrift „Verlängerung des VAM-Vertrags mit BSC“ (S. 15591 der Kommissionsakte), der Sitzungsvermerk
         vom 24. Juli 1990 und schließlich der undatierte Vermerk mit der Überschrift „Unterredung mit BSC“ (S. 15596 der Kommissionsakte)
         – bestätigten allesamt, dass Vallourec die Umsätze der japanischen Hersteller auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs
         als sehr Besorgnis erregend empfunden habe. Auch ein Fax von Mannesmann vom 16. August 1993 (S. 2493 der Kommissionsakte)
         spreche von einer japanischen Preiskonkurrenz, die es für Mannesmann uninteressant mache, sich an bestimmten Ausschreibungen
         zu beteiligen.
         
         
         
         70
            
          Außerdem ergebe sich aus dem vom 6. Juni 1994 datierenden Schreiben des Verbindungsausschusses der Stahlrohrindustrie der
         Europäischen Gemeinschaft an die Kommission (S. 5243 der Kommissionsakte, im Folgenden: Schreiben des Verbindungsausschusses
         vom 6. Juni 1994) und dem Protokoll über die Sitzung dieses Ausschusses vom 24. August 1994 (S. 5103 der Kommissionsakte),
         dass die europäischen Hersteller die japanischen Unternehmen als aggressive Wettbewerber betrachtet und ihre umfangreichen
         Verkäufe als Bedrohung ihrer eigenen Position auf dem Offshore‑Markt der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft empfunden hätten.
         Das Sitzungsprotokoll des Verbindungsausschusses vom 24. August 1994 belege auch, dass sich die Marktanteile der japanischen
         Hersteller auf den Offshore‑Märkten der Gemeinschaft und der Faröer‑Inseln bei OCTG‑Rohren sämtlicher Stahlarten auf 25 %
         und auf den Offshore‑Märkten der Gemeinschaft und Norwegens bei OCTG‑Rohren aus unlegiertem Stahl auf 34 % belaufen habe.
         Sumitomo verweist zur Bedeutung der japanischen Einfuhren ferner auf ein in der Kommissionsakte auf S. 4723 enthaltenes, vom
         5. Oktober 1994 datierendes Fax des Europäischen Stahlrohrverbandes (vormals Verbindungsausschuss der Stahlrohrindustrie der
         Europäischen Gemeinschaft) sowie auf einen nicht datierten Entwurf eines Schreibens an Herrn Large bei der Kommission (S. 4725
         der Kommissionsakte). Auch die Erklärungen der europäischen Hersteller im Verwaltungsverfahren – insbesondere die Antworten
         von Dalmine vom 29. Mai 1997 auf die Fragen der Kommission gemäß Artikel 11 der Verordnung Nr. 17 (S. 15162 der Kommissionsakte,
         im Folgenden: Antworten von Dalmine vom 29. Mai 1997) und die von Corus vom 13. August 1997 (S. 11916 der Kommissionsakte,
         im Folgenden: Antworten von Corus) – bestätigten diese Auffassung. Insbesondere die Antworten von Corus belegten, dass die
         japanischen Hersteller am Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs interessiert gewesen seien. Nippon weist darauf hin,
         dass laut dem Dokument „g) Japaner“ („g] Japanese“ document), das in der Kommissionsakte auf S. 4909 enthalten sei und von
         einem der europäischen Unternehmen stamme, „Nippon Steel ... auf dem Festlandsockel des Vereinigten Königreichs immer aggressiver
         [werde] ...“.
         
         
         
         71
            
          Für die japanischen Hersteller ist der Umstand, dass sie auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs große Mengen von
         Stahlrohren, insbesondere OCTG‑Premiumrohre und projektbezogene Leitungsrohre, abgesetzt hätten, ohne jedoch signifikante
         Mengen dieser Erzeugnisse auf den Onshore‑Märkten der Mitgliedstaaten der Gemeinschaft verkauft zu haben, vollkommen logisch
         und, anders als die Kommission meine, mit dem Nichtvorliegen der angeblichen Übereinkunft ohne weiteres vereinbar. So seien
         diese Produkte, wenn sie für Offshore‑Verwendungen bestimmt seien, von hoher Qualität und sehr teuer. Außerdem sei es für
         ausländische Hersteller ganz allgemein leichter, mit lokalen Herstellern bei differenzierten Produkten wie OCTG‑Premiumrohren
         zu konkurrieren als bei homogenen Produkten wie OCTG‑Standardgewinderohren.
         
         
         
         72
            
         Überdies stelle der Nordsee‑Festlandsockel und insbesondere der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs den größten Teil
         des europäischen Stahlrohrmarktes dar, wie das Dokument „g) Japaner“ belege. Die gemeinschaftlichen Onshore‑Märkte für diese
         Produkte seien daher relativ begrenzt. Sie erschienen daher nicht sehr rentabel. Außerdem herrschten auf dem britischen Offshore‑Markt
         ganz andere Wettbewerbsbedingungen als auf den Onshore‑Märkten der Gemeinschaft. Die japanischen Verkäufe auf den letztgenannten
         Märkten seien durch das Zusammenwirken verschiedener Handelshindernisse beeinträchtigt worden, die es auf dem britischen Offshore‑Markt
         überwiegend nicht gebe. Die Kommission habe dies übergangen und es versäumt, in der angefochtenen Entscheidung zwischen den
         Offshore‑ und den Onshore‑Märkten zu unterscheiden. Laut Nippon sind die Onshore‑Märkte wegen dieser Hindernisse den japanischen
         Herstellern praktisch verschlossen gewesen, jedenfalls wenn man sie insgesamt betrachte. Für Sumitomo wird dies hinsichtlich
         OCTG‑Standardrohren durch das Schreiben eines Unternehmens belegt, das diese Produktart kaufe; das Schreiben bestätige, dass
         japanische Hersteller ihm diese Ware zum Kauf angeboten hätten, dass aber der vorgeschlagene Preis nicht interessant und die
         Lieferfristen länger seien als die der europäischen Hersteller. Der Hinweis auf japanische Hersteller auf der Internet‑Seite
         desselben Unternehmens, auf den sich die Kommission berufe, betreffe OCTG‑Premiumrohre und nicht OCTG‑Standardrohre.
         
         
         
         73
            
          Hinsichtlich der Handelshindernisse, die der Einfuhr von japanischen Rohren in die Europäische Gemeinschaft entgegenstünden,
         tragen die japanischen Klägerinnen erstens vor, dass ein solches Hindernis in der traditionellen Handelspolitik der Gemeinschaft
         liege, die die europäischen Märkte insbesondere durch Selbstbeschränkungsabkommen zwischen der Kommission und der japanischen
         Regierung habe schützen wollen. Ziel dieser Politik sei es im Wesentlichen gewesen, die bestehenden Handelsströme aufrechtzuerhalten.
         Sie hätten während der Geltung der Selbstbeschränkungsabkommen nahtlose Rohre nicht oder nur in sehr geringen Mengen auf die
         Onshore‑Märkte der Gemeinschaft geliefert, was zeige, dass diese Politik sie entmutigt habe, ihre Produkte auf diese Märkte
         auszuführen.
         
         
         
         74
            
          Praktisch sei das erste Selbstbeschränkungsabkommen für Stahlrohre im März 1978 geschlossen worden. Das letzte Abkommen vom
         Dezember 1989 zur Verlängerung der Selbstbeschränkungspflicht sei bis Ende 1990 in Kraft geblieben. Die Kommission habe selbst
         in Randnummer 134 der angefochtenen Entscheidung ausgeführt, dass diese Abkommen die japanischen Hersteller davon abgehalten
         habe, ihre Stahlrohre vor 1990 nach Europa auszuführen. Auch nur die Möglichkeit einer ausreichenden Willensübereinstimmung
         im Sinne des Urteils des Gerichts vom 11. März 1999 in der Rechtssache T‑141/94 (Thyssen Stahl/Kommission, Slg. 1999, II‑347,
         Randnr. 262) und des Urteils Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 917) sei daher bei den japanischen Herstellern in
         der Zeit, in der das Selbstbeschränkungsabkommen in Kraft gewesen sei, ausgeschlossen gewesen. JFE‑NKK fügt hinzu, dass somit
         die Kommission selbst die japanischen Hersteller ermutigt habe, eben jene Handelspolitik zu verfolgen, die sie ihnen heute
         vorwerfe, obwohl sie nicht einmal einen Beweis für den Zeitpunkt beigebracht habe, zu dem die Selbstbeschränkungsabkommen
         ausgelaufen seien. Zur Stützung ihrer Anträge, die Geldbußen herabzusetzen, berufen sich die japanischen Klägerinnen allgemein
         darauf, dass die Selbstbeschränkungsabkommen verlängert worden seien (vgl. unten, Randnrn. 136 ff. und 511 bis 513).
         
         
         
         75
            
          Zweitens seien die japanischen Stahlrohrerzeuger durch die hohen Einfuhrzölle nach dem Gemeinsamen Zolltarif von der Ausfuhr
         unlegierter nahtloser Stahlrohre nach den Onshore‑Märkten der Gemeinschaft abgehalten worden. Zwischen 1977 und 1994 hätten
         die Zölle für die Einfuhr nahtloser Stahlrohre auf die Onshore‑Märkte der Gemeinschaft nie unter 9 % gelegen. Die Beteuerung
         der Kommission in Randnummer 138 der angefochtenen Entscheidung, sie habe diesen Faktor berücksichtigt, könne nicht begreiflich
         machen, warum nach Meinung der Kommission dieser Umstand nicht als Hindernis für die japanischen Verkäufe betrachtet werden
         könne. Sumitomo weist insoweit darauf hin, dass die lateinamerikanischen Hersteller im Rahmen eines Systems allgemeiner Präferenzen
         niedrigere Zölle gezahlt hätten. Während des Zeitraums, den die Kommission für die Zuwiderhandlung angesetzt habe, hätten
         ferner mehrere Freihandelsabkommen mit den Ländern Mittel‑ und Osteuropas die auf Stahlerzeugnisse aus diesen Ländern erhobenen
         Zölle beseitigt. Die Einfuhren aus all diesen Drittländern seien folglich gegenüber den japanischen Einfuhren begünstigt worden.
         
         
         
         76
            
          Drittens hätten die Kosten für den Transport und bei Rohren für Onshore‑Einsätze auch die Kosten der Beladung, der Entladung
         im Ankunftshafen der Gemeinschaft und der Lieferung zu Wasser oder über Land bis zum Bestimmungsort den Wettbewerbsnachteil
         der japanischen Stahlrohrhersteller gegenüber den europäischen Herstellern weiter verschärft, besonders auf den Onshore‑Märkten
         der Gemeinschaft. Ferner seien die Transportkosten je Frachttonne wegen der geringen Bestellmengen auf den europäischen Onshore-Märkten
         noch höher gewesen. Die Transportpreise seien übrigens bei den von der angefochtenen Entscheidung betroffenen OCTG‑Standardrohren
         wegen deren relativ geringen Wertes in Prozenten des Rechnungspreises ohnehin besonders hoch. Hierfür nennen die japanischen
         Hersteller verschiedene Zahlen über tatsächlich erzielte Preise bei der Lieferung von nahtlosen Rohren nach Europa. Der Einwand
         der Kommission, dass die Frachten zusammengelegt werden könnten, um so die Transportkosten zu verringern, entkräfte ihren
         Standpunkt nicht, weil das Kostenniveau trotz dieser Möglichkeit eine Hemmschwelle bleibe. Die Bedeutung der Frachtkosten
         für die japanischen Hersteller sei auch in dem Schreiben des Verbindungsausschusses vom 6. Juni 1994 bestätigt worden, obwohl
         mit dem Schreiben eigentlich das Ziel verfolgt worden sei, die Kommission auf die schwere Bedrohung durch japanische Rohreinfuhren
         aufmerksam zu machen. Mittelbar sei dieser Umstand auch durch die Entscheidungspraxis der Kommission bestätigt worden, insbesondere
         durch die Entscheidung 93/247/EWG vom 12. November 1992 zur Vereinbarkeit eines Zusammenschlusses mit dem Gemeinsamen Markt
         (IV/M.222 – Mannesmann/Hoesch, Randnr. 102, ABl. 1993, L 114, S. 34). Ebenso sei der Entscheidung der Kommission vom 26. Februar
         1998, mit der eine Fusion als mit dem Gemeinsamen Markt vereinbar genehmigt worden sei (IV/M.1014 – British Steel/Europipe,
         ABl. C 181, S. 3), zu entnehmen, dass bei Verkäufen geringer Mengen von schwach spezifizierten Produkten die Entfernung für
         Hersteller außerhalb der Gemeinschaft ein beträchtlicher Nachteil sei.
         
         
         
         77
            
          JFE‑Kawasaki ergänzt zu diesem Punkt, dass die japanischen Hersteller nicht nur gegenüber den europäischen, sondern auch gegenüber
         den anderen Herstellern aus Drittländern benachteiligt seien. So lägen die Kosten für Fracht von Japan nach Italien oder dem
         Vereinigten Königreich um 40 % bis 50 % höher als für Fracht ab Argentinien. Gegenüber dem Vorbringen der Kommission, aus
         Anhang 5 der angefochtenen Entscheidung ergebe sich, dass der italienische Markt gegen japanische, nicht aber gegen Einfuhren
         aus Drittländern geschützt worden sei, verweist Sumitomo darauf, dass dieser Anhang sämtliche OCTG-Rohre und Leitungsrohre
         betreffe, so dass er für die Beurteilung der besonderen Situation bei den in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten
         Produkten wertlos sei.
         
         
         
         78
            
          JFE‑Kawasaki und JFE‑NKK treten auch den Ausführungen der Kommission in Randnummer 137 der Entscheidung entgegen, wonach angesichts
         der strukturellen Überkapazitäten des Stahlrohrmarktes jeder Verkauf zu einem Preis über den Grenzkosten sinnvoll gewesen
         wäre, weil er zur Deckung der Fixkosten beigetragen hätte. Zum einen seien bei Stahlrohren die Transportkosten im Vergleich
         zu anderen Stahlprodukten wegen des hohen Raumbedarfs besonders hoch. Zum anderen berücksichtige die Kommission nicht, dass
         die japanischen Hersteller nur eine beschränkte Stahlproduktionskapazität und darum ein Interesse hätten, ihre Gewinne durch
         den Verkauf von möglichst vielen Stahlprodukten mit der höchsten Gewinnspanne zu maximieren. Die Möglichkeit, die Grenzkosten
         aus den Verkäufen eines besonderen Produkts zu decken, trage daher nicht den Schluss, dass die Durchführung solcher Verkäufe
         im geschäftlichen Interesse der japanischen Hersteller liege.
         
         
         
         79
            
          Auf das Argument der Kommission, bei Stahlerzeugnissen seien die Produktionskapazitäten spezialisiert, so dass sie nicht auf
         das Erzeugnis mit der höchsten Gewinnspanne ausgerichtet werden könnten, entgegnet JFE‑Kawasaki, dass die erste Stufe des
         Produktionsprozesses für alle Stahlprodukte gleich sei. Gerade auf dieser Stufe aber seien ihre Kapazitäten begrenzt. Sumitomo
         macht weiter geltend, dass es Überkapazitäten sowohl bei europäischen als auch bei japanischen Herstellern gegeben habe. Dieser
         Umstand sei mithin neutral, und der Nachteil infolge der anderen aufgezeigten Faktoren bleibe bestehen, selbst wenn man annehme,
         dass die japanischen Hersteller Interesse an Verkäufen zu Preisen knapp unterhalb ihrer Grenzkosten gehabt hätten.
         
         
         
         80
            
          Viertens seien die japanischen Hersteller gegenüber ihren europäischen Konkurrenten auf der Ebene der Lieferfristen benachteiligt.
         Es dauere nämlich vier bis sechs Wochen, in Japan hergestellte Stahlrohre nach Europa zu transportieren. Wenn die Kommission
         in Randnummer 137 der angefochtenen Entscheidung darauf hinweise, dass die Lieferfristen kein Hindernis für japanische Einfuhren
         von OCTG‑Premiumrohren gewesen seien, die insbesondere auf dem Festlandsockel des Vereinigten Königreichs bei ganz bestimmten
         Vorhaben verwendet würden, so gelte dies nicht für OCTG‑Standardrohre. Es sei nämlich für einen Verwender von OCTG‑Premiumrohren
         teuer, Premiumverbindungen zu wechseln, sobald er sich erst einmal für die eine oder andere der von den einzelnen Herstellern
         angebotenen Verbindungen dieser Art entschieden habe, so dass auf diesem Markt die Bedeutung der Lieferfristen geringer sei.
         Auf dem Markt der OCTG‑Standardrohre hingegen stelle die Möglichkeit, Rohre innerhalb einer kürzeren Frist liefern zu können,
         einen erheblichen Vorteil dar. Bei projektbezogenen Leitungsrohren zwinge die besondere Behandlung, die bei ihnen erforderlich
         sei, den Lieferanten, sich innerhalb sehr strenger Fristen zu bewegen, so dass die Lieferfristen bei ihnen eine noch größere
         Bedeutung hätten. Da schließlich die OCTG-Produkte und die projektbezogenen Leitungsrohre unmittelbar an die Endverbraucher
         geliefert würden, könne dieses Hemmnis nicht durch mittelbare Verkäufe etwa an Großhändler umgangen werden.
         
         
         
         81
            
          Fünftens sei der Heimatmarkt jedes der vier Mitgliedstaaten der Gemeinschaft, bei denen die umfangreichsten Onshore-Verkäufe
         möglich seien – Deutschland, Frankreich, Italien und das Vereinigte Königreich –, von einem einheimischen Hersteller beherrscht
         worden. Diese Lage sei nicht notwendig auf eine Marktaufteilungsabsprache zurückzuführen, da bestimmte objektive wirtschaftliche
         und sonstige Faktoren die einheimischen Hersteller begünstigten. Die Marktposition dieser einheimischen Hersteller sei insbesondere
         durch die Einkaufspolitik ihrer wichtigsten Kunden auf diesem Markt, den einheimischen Gasversorgungsunternehmen, die häufig
         öffentliche Unternehmen seien, gestärkt worden. Die Kommission habe das Vorliegen einer solchen Situation in ihrer Entscheidung
         93/247 eingeräumt.
         
         
         
         82
            
          Beispielsweise habe Corus (ehemals British Steel) im maßgebenden Zeitraum besondere Beziehungen zu den Unternehmen British
         Gas und BP (ehemals British Petroleum) unterhalten, was für BP durch das in der Kommissionsakte auf S. 681 enthaltene „Protokoll
         der technischen Abstimmungssitzung BP engineering/British Steel“ („Minutes of technical liaison meeting by BP engineering/British
         Steel“) belegt werde. Außerdem bewiesen die Aussagen der Belegschaftsmitglieder von Dalmine (S. 8220b, S4 der Kommissionsakte)
         zum einen, dass diese die Angestellten von AGIP, dem bedeutendsten Erdöl- und Gasunternehmen in Italien, bestochen hätten,
         um sicherzustellen, dass die Bestellungen dieses Unternehmens für nahtlose Stahlrohre nicht bei anderen Herstellern untergebracht
         würden, und zum anderen, dass AGIP ganz allgemein bemüht gewesen sei, italienische Hersteller zu bevorzugen. In gleicher Weise
         dokumentiere der Vermerk „Treffen mit Distrigaz“ (S. 2298 der Kommissionsakte) die Absicht des Unternehmens Distrigaz, keine
         Bestellung an Lieferanten außerhalb der Gemeinschaft zu vergeben. Ganz allgemein bestätige die Richtlinie 90/531/EWG vom 17.
         September 1990 des Rates betreffend die Auftragsvergabe durch Auftraggeber im Bereich der Wasser-, Energie- und Verkehrsversorgung
         sowie im Telekommunikationssektor (ABl. L 297, S. 1) in ihrer elften und zwölften Begründungserwägung, dass der Zugang zu
         öffentlichen Aufträgen in den Sektoren Gewinnung und Transport von und Versorgung mit Gas und Erdöl vor ihrem Inkrafttreten
         abgeschottet gewesen sei. Im Übrigen biete Artikel 29 dieser Richtlinie, der die Stellung der Hersteller von Drittländern
         für die Zukunft regele, diesen entgegen der Darstellung in der angefochtenen Entscheidung keinen gleichen Zugang zu europäischen
         öffentlichen Aufträgen. Laut JFE‑NKK haben die japanischen Hersteller nicht in vollem Umfang Nutzen aus den Bestimmungen der
         Richtlinie 90/531 gezogen, weil das Übereinkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (im Anhang des Beschlusses 80/271/EWG
         des Rates vom 10. Dezember 1979 über den Abschluss der multilateralen Übereinkommen, die im Zuge der Handelsverhandlungen
         von 1973–1979 ausgehandelt wurden, ABl. 1980, L 71, S. 1) nicht für die Sektoren Prospektierung, Förderung und Transport von
         Erdöl und/oder Gas gelte.
         
         
         
         83
            
          Sechstens hätten die europäischen Unternehmen bei der Kommission Antidumpingbeschwerden eingereicht, um die nicht der Gemeinschaft
         angehörenden Hersteller von den Gemeinschaftsmärkten auszuschließen. So seien zwischen 1977 und 1998 sieben Verfahren gegen
         nicht der Gemeinschaft angehörende Hersteller von nahtlosen Stahlrohren eingeleitet worden, von denen nur eines abgeschlossen
         worden sei, ohne dass eine Verpflichtung eingegangen oder ein Zoll vorgeschrieben worden sei. Wenn auch keines der Antidumpingverfahren
         Einfuhren aus Japan gegolten habe, so sei dies doch für den Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs unverdächtig, weil
         die Festlandsockel der Mitgliedstaaten außerhalb des territorialen Anwendungsbereichs der seinerzeit geltenden gemeinschaftlichen
         Antidumpingregelung gelegen hätten. Demgegenüber habe die Möglichkeit der Einleitung eines solchen Verfahrens für die Onshore-Märkte
         entgegen der Behauptung der Kommission in Randnummer 137 der angefochtenen Entscheidung auf die japanischen Importeure eine
         nachhaltig abschreckende Wirkung gehabt. Allein die bloße Einleitung eines Antidumpingverfahrens hätte wegen der Untersuchungsmaßnahmen
         der Kommission zu einer kostenaufwendigen Arbeitslast für die japanischen Hersteller geführt. Die Richtigkeit dieses Arguments
         werde laut dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden dadurch bestätigt, dass die europäischen Unternehmen erwogen hätten,
         die japanischen Unternehmen mit Antidumpingbeschwerden zu überziehen. Die europäischen Hersteller hätten zudem Druck auf die
         Kommission ausgeübt mit dem Ziel, das Zollgebiet der Gemeinschaft auf die Offshore‑Märkte der Mitgliedstaaten auszudehnen,
         was vor allem das Schreiben des Verbindungsausschusses vom 6. Juni 1994 belege.
         
         
         
         84
            
          Siebtens hätten die Kosten im Zusammenhang mit der ständigen Beachtung der verschiedenen nationalen Rechtsvorschriften der
         Mitgliedstaaten der Gemeinschaft und die sehr unterschiedlichen Bedingungen für die Erteilung von Lizenzen weitere wichtige
         Handelshindernisse dargestellt. Die API‑Standards stellten lediglich eine Grundnorm dar, so dass auch nationale Regeln zu
         beachten seien, ja sogar zusätzliche Normierungsvorschriften, deren Einhaltung von bestimmten Kunden verlangt werde. In Deutschland
         z. B. seien, so Nippon, Qualitätsbescheinigungen für die Produktionstechnik, die Vorrichtungen zur Produktkontrolle und die
         Qualifikationen der Belegschaft erforderlich. Das Verfahren zur Erteilung dieser Bescheinigungen setze die Einreichung umfangreicher
         Unterlagen in deutscher Sprache und die Zahlung einer Gebühr voraus, die bis zu 45 000 DM alle zwei oder drei Jahre betragen
         könne. In ihrer Entscheidung 93/247 habe die Kommission eingeräumt, dass solche nationalen Vorschriften ein schweres Hindernis
         für den innergemeinschaftlichen Handel mit Stahlrohren darstellten. Dies gelte erst recht für Einfuhren aus Japan. Diese objektive
         Feststellung, wie sie in der Entscheidung 93/247 getroffen worden sei, könne im vorliegenden Fall nicht unbeachtet bleiben,
         nur weil der Kommission, wie sie vorgebracht habe, zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Entscheidung das Vorliegen der Zuwiderhandlung
         unbekannt gewesen sei. Zu den unternehmensspezifischen Anforderungen bestimmter Erdölkonzerne weist JFE‑Kawasaki darauf hin,
         dass das französische Unternehmen Total und die italienische Gesellschaft AGIP auf einer „Offline“‑Inspektion aller ihnen
         gelieferten Stahlrohre bestünden. Diese Inspektionspflicht verursache Kosten von über 100 USD je 1 000 Tonnen.
         
         
         
         85
            
          Achtens machen JFE‑NKK, Nippon und JFE‑Kawasaki in ihren Erwiderungen geltend, Corus habe Vorteil aus der Politik der Regierung
         des Vereinigten Königreichs gezogen, Lieferungen britischer Lieferanten auf dem britischen Festlandsockel zu fördern. Die
         britische Regierung habe diese Politik durch Schaffung eines Versorgungsamts für den Offshore‑Markt („Offshore Supplies Office“,
         im Folgenden: OSO) umgesetzt. Durch Druck auf die auf dem Festlandsockel des Vereinigten Königreichs tätigen Wirtschaftsteilnehmer
         sei es dem OSO gelungen, die Marktanteile der britischen Lieferanten von 25 % bis 30 % im Jahr 1972 (nach einem 1997 vom britischen
         Ministerium für Handel und Industrie veröffentlichten Bericht, wiedergegeben in Anhang 4 der Erwiderung in der Rechtssache
         T‑67/00) auf 75 % im Jahr 1984 und 87 % im Jahr 1987 zu erhöhen (vgl. Bulletin der Europäischen Gemeinschaften, Beilage 6/1988, Randnr. 115). Unter diesen Umständen sei es für Corus unnötig gewesen, mit den japanischen Herstellern eine Übereinkunft
         zu treffen, die ihr einen entsprechenden Schutz auf dem Offshore‑Markt geboten hätte, da ihr bereits die Interventionen des
         OSO zugute gekommen seien. Damit stehe das Konzept der Grundregeln, insbesondere das der verbesserten Grundregeln, in Zusammenhang
         mit der privilegierten Stellung von Corus auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs infolge dieser Politik der nationalen
         Präferenz; diese Privilegierung habe auch den anderen europäischen Herstellern Nutzen gebracht, weil sie nach der Schließung
         des Werkes Clydesdale an Corus Glattendrohre geliefert hätten. Die angefochtene Entscheidung weise jedenfalls in diesem Punkt
         einen offensichtlichen Fehler auf, weil sie die Rolle des OSO auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs nicht berücksichtige.
         Dieses britische Präferenzsystem habe bis Juli 1993 Anwendung gefunden, als es durch das in der Richtlinie 90/531 vorgesehene
         System der Gemeinschaftspräferenz abgelöst worden sei. JFE‑NKK bringt vor, sie habe diese Umstände erst nach Einreichung ihrer
         Klage in der Rechtssache T‑67/00 in Erfahrung gebracht und auch die Dokumente im Anhang ihrer Erwiderung erst danach erhalten.
         
         
         
         86
            
          Die drei genannten Klägerinnen meinen, dass sich verschiedene Beweisstücke der Kommission auf die Politik des OSO bezögen
         und damit ihr Vorbringen zu diesem Punkt bestätigten. So enthalte der Vermerk „Verlängerung des VAM‑Vertrags mit BSC“ den
         Hinweis, dass „den Japanern von den Briten nicht das Tor zum britischen Markt geöffnet werden darf“, und erkläre der Verfasser
         des Sitzungsvermerks vom 24. Juli 1990, es könne „nicht ausgeschlossen werden, dass das OSO [19]93 den europäischen Herstellern
         die 3 %-Präferenz zugesteht, die sie im Augenblick den britischen Herstellern zubilligt“. Die Hinweise im Sitzungsvermerk
         vom 24. Juli 1990 auf die Stärkung der Europäischen Gemeinschaft und die etwaige Weitergabe der Präferenz von 3 % an die europäischen
         Hersteller bezögen sich auf das Inkrafttreten der Richtlinie 90/531, die eine Gemeinschaftspräferenz vorsehe, soweit die Preise
         der Gemeinschaftshersteller die von Drittlandsherstellern nicht um mehr als 3 % überstiegen.
         
         
         
         87
            
          Dass praktisch keiner der europäischen Hersteller nahtlose Stahlrohre nach Japan geliefert habe, wie die Tabelle in Randnummer
         68 der angefochtenen Entscheidung zeige, sei ebenfalls auf geschäftspolitische Gründe zurückzuführen. Daraus folge, dass jede
         Aufteilungsabsprache für diesen Markt geschäftlich nicht zu rechtfertigen gewesen wäre.
         
         
         
         88
            
          Zum anderen ergebe sich insbesondere aus dem Schreiben des Verbindungsausschusses vom 6. Juni 1994, dass japanische öffentliche
         Aufträge im Bereich der Stahlrohre für die Europäer vollkommen abgeschottet gewesen seien, dass der japanische Rohrmarkt von
         mit den Rohrherstellern eng verbundenen großen Konsortien beherrscht worden sei, dass die Transport- und Vertriebskosten in
         Japan für die europäischen Hersteller sehr hoch und die Tätigkeiten der Prospektierung und Erzeugung von Erdöl und Gas und
         somit auch der Sektor der OCTG-Rohre auf jeden Fall sehr beschränkt gewesen seien. Außerdem hätten die ausländischen Rohrhersteller,
         wie dem Fax des Europäischen Stahlrohrverbandes vom 16. November 1994 an die Kommission zu entnehmen sei, für den Verkauf
         ihrer Produkte nach Japan ein sehr ausführliches Formular über die Erfüllung der japanischen Normen ausfüllen müssen.
         
         
         
         89
            
          Die Kommission führt zunächst aus, dass sich die angefochtene Entscheidung im Wesentlichen auf die wettbewerbsbeschränkende
         Zielsetzung der Übereinkunft stütze. Sie habe daher nicht zugleich das Vorliegen konkreter Auswirkungen auf die Gemeinschaftsmärkte
         zu beweisen brauchen, um die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung nachzuweisen. Selbst
         wenn man nämlich annähme, dass die von den japanischen Klägerinnen angeführten Handelshindernisse erklären könnten, weshalb
         sie die in der angefochtenen Entscheidung aufgeführten Produkte auf den Gemeinschaftsmärkten nicht verkauft hätten, so habe
         die Kommission dennoch das Vorliegen einer Übereinkunft bewiesen, deren Zweck es gewesen sei, den Wettbewerb einzuschränken.
         Wenn aber die von den Klägerinnen angeführten Umstände tatsächlich vorgelegen hätten, so würden sie die Schwere der Zuwiderhandlung
         erhöhen und nicht vermindern, wie die Klägerinnen anzunehmen schienen. Aus dem Urteil Zement (zitiert oben in Randnr. 66)
         ergebe sich nämlich, dass eine wirtschaftliche Analyse, mit der das Vorliegen objektiver Handelshemmnisse belegt werden solle,
         nichts an der unleugbaren Stichhaltigkeit schriftlicher Beweise ändern könne. Das Gericht habe ferner klargestellt, dass die
         von den dortigen Klägerinnen vorgeschlagene wirtschaftliche Analyse, wenn sie zutreffend wäre, in Wirklichkeit die Schwere
         der begangenen Zuwiderhandlung unterstreiche, da die Unternehmen versucht hätten, durch den Abschluss der betreffenden Übereinkunft
         den geringen Wettbewerb zu beseitigen, den es auf dem Markt noch gegeben habe (Randnrn. 1087 und 1088 des Urteils).
         
         
         
         90
            
          Auf das Vorbringen von JFE‑Kawasaki, dass die angefochtene Entscheidung ihrem Wortlaut nach den Offshore‑Markt des Vereinigten
         Königreichs von der Marktaufteilungsabsprache ausnehme, entgegnet die Kommission, in Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung
         werde ganz eindeutig gesagt, dass dieser Markt von der Übereinkunft im Sinne eines „Teilschutzes“ betroffen sei.
         
         
         
         91
            
          Zweitens nimmt die Kommission für sich in Anspruch, jedenfalls auch ausreichend nachgewiesen zu haben, dass die in Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung genannte Zuwiderhandlung konkrete Auswirkungen auf die Mﾤrkte der Gemeinschaft gehabt habe.
         Insbesondere bestätige die Tabelle in Randnummer 68 der angefochtenen Entscheidung, dass die Übereinkunft auf den europäischen
         Märkten effektiv weitgehend angewandt worden sei. Dass es auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs einen gewissen
         Wettbewerb durch die japanischen Hersteller gegeben habe, könne die in der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung
         nicht ausräumen, weil dieser Markt eben nur teilgeschützt gewesen sei.
         
         
         
         92
            
          Zu dem Vorbringen, dass sich aus bestimmten von der Kommission herangezogenen Dokumenten wie dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden
         und dem Vermerk „Unterredung mit BSC“ ergebe, dass die europäischen Hersteller den japanischen Wettbewerb auf dem Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs gefürchtet hätten, meint die Kommission, diese Furcht sei einfach darauf zurückzuführen, dass
         der „Teilschutz“ dieses Marktes nach der Übereinkunft ein Anlass für besondere Spannung gewesen sei. Folglich spreche dieses
         Vorbringen nicht gegen das Vorliegen dieser Übereinkunft.
         
         
         
         93
            
          Die Kommission ist zugleich der Auffassung, dass das Vorbringen zum britischen Präferenzsystem für die von der Erdölindustrie
         auf den Märkten des Festlandsockels des Vereinigten Königreichs verwendeten Produkte, wie es JFE‑NKK, Nippon und JFE‑Kawasaki
         erstmals in ihrer Erwiderung formuliert hätten, ein neues Angriffsmittel darstelle, das gemäß Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung
         unzulässig sei. Hilfsweise sei dieses Vorbringen auf Beweismittel in der Anlage zur Erwiderung gestützt, die gemäß Artikel
         48 § 1 der Verfahrensordnung unzulässig seien, weil Nippon und JFE‑Kawasaki nicht versucht hätten, die Verspätung dieser Beweisangebote
         zu rechtfertigen. Das Vorbringen von JFE‑NKK, die lediglich behaupte, dass ihr diese Beweismittel bei Klageerhebung nicht
         bekannt gewesen seien, erscheine wenig glaubhaft.
         
         
         
         94
            
          Im Fall von JFE‑NKK sei das neue Vorbringen auch nach Artikel 44 § 1 Buchstabe c der Verfahrensordnung unzulässig.
         
         
         
         95
            
          Jedenfalls aber sei dieses neue Vorbringen unbegründet.
         
         
         
         96
            
          Im Übrigen hätten die von den japanischen Klägerinnen geltend gemachten Handelshemmnisse niemals ein absolutes Hindernis für
         die Einfuhr von japanischen Rohren nach der Gemeinschaft gebildet. Keines dieser angeblichen Handelshemmnisse habe andere
         Hersteller aus Drittländern, insbesondere aus Lateinamerika, jemals an der Einfuhr der in der angefochtenen Entscheidung genannten
         Erzeugnisse nach den Onshore‑Märkten der Gemeinschaft gehindert.
         
         
         
         97
            
          Schließlich stelle das angebliche Fehlen von Lieferungen nahtloser Stahlrohre durch Gemeinschaftshersteller nach Japan kein
         wesentliches Element der angefochtenen Entscheidung dar, da sich diese nicht unmittelbar mit Hindernissen in den Handelsbeziehungen
         zu Japan befasse. Das Schreiben des Verbindungsausschusses vom 6. Juni 1994 und das Fax des Europäischen Stahlrohrverbandes
         vom 16. November 1994, auf die sich die japanischen Klägerinnen als Nachweis für die Abschottung des japanischen Marktes beriefen,
         beträfen einen Zeitraum, in dem ihr das Vorliegen der rechtswidrigen Absprache nicht bekannt gewesen sei. Folglich dienten
         die Darlegungen der europäischen Hersteller in diesen Dokumenten im Wesentlichen der Verschleierung der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung. Auf jeden Fall seien die Gründe, aus denen die Parteien die Übereinkunft getroffen
         hätten, für den Nachweis ihres Vorliegens nicht erheblich.
         
          Zum zweiten Teil des ersten Klagegrundes, wonach die vorgebrachten Beweismittel nicht beweiskräftig seien 
         
         
         98
            
          Nach Auffassung der japanischen Klägerinnen belegen die von der Kommission beigebrachten Dokumente nicht das Vorliegen einer
         Willensübereinstimmung, die die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung geahndete rechtswidrige Übereinkunft hätte bilden
         können, jedenfalls aber nicht ihre Teilnahme an dieser Zuwiderhandlung. Sie seien in praktisch keinem dieser Dokumente genannt,
         so dass diese von der Kommission nicht zu ihren Lasten herangezogen werden dürften. Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         müsse daher für nichtig erklärt werden, weil er auf einer rechtlich nicht hinreichend untermauerten Beurteilung beruhe und
         folglich gegen Artikel 81 Absatz 1 EG verstoße. JFE‑NKK und Nippon sprechen in diesem Zusammenhang von einem offensichtlichen
         Beurteilungsfehler.
         
         
         
         99
            
          Ihre europäischen Wettbewerber bezögen sich in den von der Kommission verwerteten Dokumenten lediglich auf die Sachlage, die
         sich aus den Handelshindernissen ergeben habe, durch die die japanischen Hersteller an der Ausfuhr ihrer Erzeugnisse nach
         dem europäischen Markt gehindert worden seien. Besonders spärlich seien die Beweise hinsichtlich der projektbezogenen Leitungsrohre,
         und jedenfalls insoweit sei die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären. JFE‑NKK betont, dass die Neuorganisation
         des angeblichen Europäisch‑Japanischen Clubs in Form verbesserter Grundregeln auf der Sitzung in Tokyo vom 5. November 1993
         (Randnrn. 83 bis 94 der angefochtenen Entscheidung) in den von der Kommission angeführten Dokumenten, etwa dem Arbeitspapier
         für die Vorstandsvorsitzenden, dem Dokument „g) Japaner“ und dem Verteilerschlüssel-Papier, keinerlei Gewährung finde.
         
         
         
         100
            
          JFE‑NKK macht weiter geltend, dass die Kommission jedenfalls die Dokumente, die sich auf die Grundregeln und die verbesserten
         Grundregeln bezögen, insbesondere die entsprechenden Unterlagen von Dalmine, fehlerhaft analysiert habe. Die in der Kommissionsakte
         enthaltenen Beweisunterlagen deuteten darauf hin, dass diese Konzepte mit der notwendigen Rationalisierung der Gemeinschaftsindustrie
         und nicht mit irgendeiner rechtswidrigen Übereinkunft zusammenhingen. So hieße es insbesondere in dem Dokument von Dalmine
         vom Mai–August 1993 mit dem Titel „System für nahtlose Stahlrohre in Europa und Marktentwicklung“ („Seamless Steel Tube System
         in Europe and Market Evolution“, S. 2051 der Kommissionsakte, im Folgenden: Dokument „Stahlrohrsystem“): „[E]ine für alle
         zufrieden stellende Lösung des Problems [Corus] kann nur im Kreise der Europäer gefunden werden, was auf die Übernahme und
         die Schließung von Produktionsstätten nach einem Rationalisierungsplan hinausläuft. Wir sehen, wie sich dieser Prozess in
         Grundschritten vollzieht ...“. Entgegen dem Vorbringen der Kommission habe sich die Sitzung vom 6. Oktober 1992 nicht nur
         mit den mittel- und osteuropäischen Märkten, sondern auch, wie das in der Kommissionsakte auf S. 15178 enthaltene Sitzungsprotokoll
         belege, mit der Rationalisierung der Gemeinschaftsindustrie befasst. Diese Rationalisierungspolitik sei übrigens auch von
         der Kommission unterstützt worden, die den Unternehmen dieses Verhalten jetzt vernunftwidrig vorwerfe, obgleich sie damit
         doch nur Ratschläge der Kommission selbst befolgt hätten. Außerdem belege keines der von der Kommission angeführten Dokumente
         irgendeinen Zusammenhang zwischen der Schließung des belgischen Unternehmens NTM, die insbesondere in den Randnummern 88 und
         89 der angefochtenen Entscheidung erwähnt werde, und den japanischen Herstellern.
         
         
         
         101
            
         Überdies sicherten die von der Kommission herangezogenen Beweismittel nicht die Marktdefinition ab, die der in Artikel 1 der
         angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung zugrunde gelegt worden sei. Da eine angemessene Bestimmung des betroffenen
         Marktes eine wesentliche Voraussetzung für jede Einschätzung der wettbewerbswidrigen Wirkungen einer Absprache sei (vgl. z. B.
         Urteil SIV u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 57), seien schon diese fehlenden Beweise ein ausreichender Grund, die
         angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären.
         
         
         
         102
            
          Die japanischen Klägerinnen bewerten die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 als lediglich ganz vage; sie belege
         die von der Kommission behauptete Übereinkunft keineswegs. Die überaus knapp gefasste Erklärung bestätige im Wesentlichen
         nur, dass die Heimatmärkte „einen Schutz“ genossen hätten, ohne dessen Natur und genaue Tragweite zu benennen. Sie bestätige
         entgegen der Darstellung in der angefochtenen Entscheidung keineswegs, dass mit dem Ausdruck „Grundregeln“ („Fundamentals“)
         die Respektierung der Heimatmärkte im Sinne eines Verbotes für jeden Hersteller gemeint gewesen sei, Stahlrohre auf den jeweiligen
         Heimatmärkten der an der Absprache beteiligten Wettbewerber zu verkaufen. JFE‑Kawasaki betont, dass Herr Verluca in seiner
         Erklärung vom 17. September 1996 nur ein einziges Dokument kommentiere, nämlich den Vermerk „Einige Informationen“, der aber
         über das Funktionieren der Übereinkunft keinen Aufschluss gebe.
         
         
         
         103
            
          Außerdem bestätige die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 nicht, dass das Vereinigte Königreich einer der
         Heimatmärkte gewesen sei, auf denen das Angebot durch die Weigerung der anderen an der Übereinkunft Beteiligten beschränkt
         gewesen sei, Rohre auf diese Märkte zu liefern. Diese Erklärung bezeichne nämlich den Markt des Vereinigten Königreichs als
         „teilgeschützt“ in dem Sinne, dass ein Konkurrent vor Abgabe eines Angebots zunächst mit dem einheimischen Rohrhersteller
         habe Kontakt aufnehmen müssen, und stelle klar, dass dieser Grundsatz mehr oder weniger eingehalten worden sei. Nippon verneint
         ausdrücklich, vor Abgabe eines Angebots für den betreffenden Markt mit Corus Kontakt aufgenommen zu haben, und weist darauf
         hin, dass die Kommission keine gegenteiligen stichhaltigen Beweise vorgelegt habe. Die japanischen Klägerinnen meinen, dass
         aus dem Vorbringen der Kommission, wonach die „teilgeschützte“ Stellung des britischen Offshore‑Marktes mit dem Vorliegen
         japanischer Verkäufe auf diesem Markt zu vereinbaren sei, jedenfalls nicht recht erhelle, welche Verpflichtungen die japanischen
         Hersteller für diesen Markt denn eigentlich angeblich übernommen hätten.
         
         
         
         104
            
          Zu den Ausführungen der Kommission, dass die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 besonders beweiskräftig sei
         und notfalls allein die Zuwiderhandlung beweisen könne, weisen Sumitomo und JFE‑NKK darauf hin, dass sich Randnummer 1838
         des Urteils Zement (zitiert oben in Randnr. 66), auf die sich die Kommission berufe, ausschließlich auf zeitgleiche Beweismittel
         beziehe. Außerdem ergebe sich aus dem Urteil Enso-Gutzeit (zitiert oben in Randnr. 58), dass erstens das Geständnis eines
         Unternehmens nicht als Beweis gegenüber einem anderen Unternehmen verwendet werden dürfe, wenn es nicht durch andere Beweismittel
         untermauert werde (Randnr. 91), und dass zweitens, falls ein solches Geständnis auf einer Annahme desjenigen beruhe, von dem
         die Erklärung stamme, diese Person zwingend die Grundlage für ihre Annahme angeben müsse; anderenfalls könne die Kommission
         die Erklärung einem Dritten nicht entgegenhalten (Randnr. 131). Schließlich stehe die Auffassung der Kommission, dass nicht
         jedes Beweismittel gesondert geprüft werden müsse, in Widerspruch zur Vorgehensweise des Gerichts im Urteil Enso-Gutzeit (zitiert
         oben in Randnr. 58, insbesondere Randnrn. 102 und 151 bis 153).
         
         
         
         105
            
          Ferner werde die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 durch die anderen in der angefochtenen Entscheidung angeführten
         Beweisstücke nicht erhärtet, vor allem nicht hinsichtlich der in Artikel 1 der Entscheidung genannten Produktskala, des Sinns
         und der Tragweite der Grundregeln und der Dauer der Zuwiderhandlung.
         
         
         
         106
            
          Die in der angefochtenen Entscheidung und in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 genannten Produkte, nämlich
         ausschließlich OCTG‑Standardrohre und projektbezogene Leitungsrohre, stimmten nicht mit den in anderen Dokumenten angeführten
         Erzeugnissen überein, die von der Kommission zur Untermauerung dieser Erklärung herangezogen worden seien, insbesondere nicht
         mit den Produkten von Vallourec, bei der Herr Verluca seinerzeit angestellt gewesen sei. Unter diesen Umständen seien diese
         anderen Dokumente für die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung ohne Beweiswert.
         
         
         
         107
            
          Insbesondere die von Vallourec stammenden Vermerke „Überlegungen zum VAM-Vertrag“, „Strategische Überlegungen“, „Verlängerung
         des VAM-Vertrags mit BSC“, der Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 und der Vermerk „Unterredung mit BSC“ beträfen allesamt Gewinderohre
         mit der als „VAM“ bezeichneten Premiumverbindung und nicht OCTG‑Standardrohre.
         
         
         
         108
            
          Die japanischen Klägerinnen sehen ihre Auffassung auch dadurch bestätigt, dass zum einen der Vermerk „Strategische Überlegungen“
         den „Markt P“ erwähne, d. h. den Markt für OCTG‑Premiumrohre, und zum anderen Herr Verluca ausdrücklich klarstelle (S. 15619
         der Kommissionsakte), dass sich seine Analyse nicht auf die „Buttress“ genannten Standardgewindeverbindungen beziehe. Auch
         der Hinweis in dem Vermerk „Unterredung mit BSC“ auf das Unternehmen Hunting und die Erwähnung von „anderen“ Verbindungen
         bezögen sich auf OCTG‑Premiumrohre und nicht, wie die Kommission behaupte, auf OCTG‑Standardrohre. Der Verfasser des Vermerks
         erwähne nämlich die Notwendigkeit, „‚Fox‘ zu neutralisieren“, womit eine von JFE-Kawasaki patentierte Premiumverbindung gemeint
         sei. Der Vermerk „Überlegungen zum VAM-Vertrag“ beziehe sich auf Glattendrohre und lokal mit Gewinden versehene OCTG-Premiumrohre,
         insbesondere „Fox“-Rohre. Auch der Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 betreffe rostfreie Stahlrohre, die ohne Rücksicht auf
         die Gewindeart in Randnummer 28 der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich von deren Anwendungsbereich ausgenommen würden.
         
         
         
         109
            
          Schließlich betreffe keiner dieser Vermerke Leitungsrohre. Ohnehin enthielten die Vermerke nur bloße Überlegungen und persönliche
         Mutmaßungen von Vallourec-Angestellten und bezögen sich auf Grundregeln, ohne diese jedoch näher darzulegen. Alles dies beweise
         mithin keineswegs eine Willensübereinstimmung unter den Adressaten der angefochtenen Entscheidung und passe auch nicht zur
         Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996.
         
         
         
         110
            
          Die Kommission berufe sich sodann auf einen internen Vermerk von Vallourec vom 27. Januar 1994 mit dem Titel „Protokoll der
         Unterredung mit JF in Brüssel am 25/1“ (S. 4822 der Kommissionsakte, im Folgenden: Protokoll der Unterredung mit JF). Dieser
         Vermerk sei unerheblich, weil er nicht die in der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte, sondern lediglich „Trapezgewinde“
         und „VLR‑Rohre und NTM‑Gewinde“ betreffe.
         
         
         
         111
            
          Außerdem habe die Kommission das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und das Dokument „g) Japaner“ herangezogen, obwohl
         es nicht möglich sei, die genaue Produktskala zu ermitteln, auf die sie sich bezögen. Diese Beweisstücke enthielten ebenso
         viele Hinweise auf andere als die in der angefochtenen Entscheidung und in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September
         1996 genannten Produkte, z. B. auf rostfreie OCTG‑Rohre und geschweißte Rohre, wie Hinweise auf eine Skala von Produkten,
         von denen einige dort genannt seien und andere nicht. Aus diesen Dokumenten ergebe sich eindeutig, dass in ihnen im Wesentlichen
         der Markt der OCTG‑Premiumrohre und nicht der in der angefochtenen Entscheidung genannte Markt analysiert werde. Das Vorbringen
         der Kommission in Randnummer 10 ihrer Klagebeantwortung in der Rechtssache T‑68/00, wonach das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden
         auf der Prämisse beruhe, dass der Gegenstand der damals bestehenden Absprachen die OCTG‑Standardrohre und nicht die OCTG‑Premiumrohre
         gewesen seien, bestätige, dass die dort erwähnte „japanische Aggression“ notwendig die OCTG‑Standardrohre betroffen habe.
         
         
         
         112
            
          Das Verteilerschlüssel-Papier betreffe seinerseits nur eine sichtlich beschränktere Produktskala als die, von der in der Erklärung
         von Herrn Verluca vom 17. September 1996 die Rede sei. Das Papier enthalte nämlich den Hinweis „Offene Ausschreibungen für
         nahtlose API‑Rohre“ („SMLS API OPEN TENDER“) und spreche somit von dem Markt für nahtlose OCTG‑Standardrohre, auf dem es offene
         Ausschreibungen gegeben habe. Hingegen habe es nach der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 für die in ihr
         angesprochenen Produkte keine großen Ausschreibungen („pas de gros Tenders“) gegeben. Der Markt, der Gegenstand des Verteilerschlüssel‑Papiers
         sei, sei folglich inexistent. Dies entspreche auch den Bedingungen des damaligen europäischen Marktes, womit der vorgeschlagene
         Verteilungsschlüssel für Europa keinen Sinn gemacht hätte, weil er sich auf einen inexistenten Markt bezogen hätte. Sumitomo
         meint, der Verfasser des Verteilerschlüssel‑Papiers habe sich vermutlich geirrt, weil das Papier nicht stimmig und vernünftig
         erklärt werden könne. Überdies habe es in Japan während des Zeitraums, für den in der angefochtenen Entscheidung die Zuwiderhandlung
         angenommen worden sei, niemals öffentliche Ausschreibungen für OCTG‑Rohre gegeben.
         
         
         
         113
            
          Entgegen der Darstellung der Kommission sei klar, dass das Verteilerschlüssel‑Papier Leitungsrohre überhaupt nicht betreffe.
         Die Kommission habe nämlich in Randnummer 27 der angefochtenen Entscheidung erklärt, dass die Abkürzung „API“ für OCTG‑Standardrohre
         stehe, und könne von ihrem Verständnis der Bedeutung dieses Hinweises während des Gerichtsverfahrens nicht mehr abgehen. Im
         Übrigen bestätigten dies die Abkürzungen „C/S“ und „T/B“ in dem Papier selbst. Schließlich gebe es in Wirklichkeit API‑Normen
         für sämtliche OCTG‑Rohre und Leitungsrohre, so dass man aus dem Vorbringen der Kommission schließen müsse, dass dieses Dokument
         ebenfalls Produkte betreffe, die in der angefochtenen Entscheidung nicht behandelt würden.
         
         
         
         114
            
          Zum Beweiswert der schriftlichen Belege für die Zuwiderhandlung selbst weisen die japanischen Klägerinnen zunächst darauf
         hin, dass Herr Verluca in dem Vermerk „Strategische Überlegungen“ eine Lösung vertreten habe, die der VAM‑Gruppe den Vorrang
         eingeräumt hätte und wonach die japanischen Hersteller auf dem britischen Markt mit den VAM‑Rohren weiterhin frei konkurriert
         hätten. Dieser Vermerk beziehe sich außerdem auf die Geltungszeit der Selbstbeschränkungsabkommen, in der ein System der Marktaufteilung
         nicht rechtswidrig gewesen sei. Für Sumitomo folgt hieraus, dass, sollte das Gericht dem Vorbringen der japanischen Klägerinnen
         zur Geltungszeit der Selbstbeschränkungsabkommen folgen (vgl. unten, Randnrn. 139 ff.), dies den Beweiswert aller Dokumente
         aus dem Jahr 1990 und insbesondere der verschiedenen Vermerke von Vallourec minderte. Diese Beweisstücke könnten dann nämlich
         allenfalls als Dokumente zur Vorbereitung einer Übereinkunft betrachtet werden, nicht aber als Beweise für eine zum Zeitpunkt
         ihrer Abfassung bereits bestehende Übereinkunft. Ferner beziehe der Hinweis auf das „aktuelle System“ in dem Vermerk „Unterredung
         mit BSC“ ausdrücklich den Fernen Osten, Südamerika und den Mittleren Osten mit ein, und der Hinweis im selben Vermerk auf
         eine „für die [Nordsee-Geschäfte]“ verfolgte „Preispolitik“, die die Japaner seinerzeit „von Fall zu Fall“ akzeptiert hätten,
         widerspreche der Annahme eines Verbotes zu Lasten der japanischen Hersteller, die betreffenden Produkte, wie sie in der Erklärung
         von Herrn Verluca vom 17. September 1996 beschrieben würden, zu verkaufen. JFE‑NKK weist insoweit darauf hin, dass Herr Verluca
         selbst Verfasser des Vermerks „Unterredung mit BSC“ sei.
         
         
         
         115
            
         Überdies erwähne der Vermerk „Überlegungen zum VAM-Vertrag“ die Möglichkeit, dass „... die Japaner dazu gebracht werden können,
         ... sich vom britischen Markt [fernzuhalten] und den Europäern [zu] gestatten, das Problem unter sich zu regeln“, so dass
         es offensichtlich im März 1990 keine Übereinkunft über den Markt des Vereinigten Königreichs gegeben habe. Da auch der Sitzungsvermerk
         vom 24. Juli 1990 bei der Erwähnung der Möglichkeit, verbesserte Grundregeln festzulegen, „die den Japanern den Zugang zum
         britischen Markt auch nach der Schließung von Clydesdale untersag[en]“ sollten („qui interdiraient aux Japonais l’accès du
         UK même après que Clydesdale aurait été fermé“), im französischen Originaltext das Konditional gebrauche, ergebe sich hieraus,
         dass im Juli 1990 eine Übereinkunft noch nicht bestanden habe.
         
         
         
         116
            
          Bei dem Dokument „g) Japaner“ und dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden handele es sich ausschließlich um vorbereitende
         Dokumente, die vermutlich von einem Angestellten von Corus im Hinblick auf ein Zusammentreffen der europäischen Hersteller,
         das vor dem in Tokyo am 5. November 1993 habe stattfinden sollen, verfasst worden seien. Diese Dokumente hätten folglich keinen
         Beweiswert für die Haltung der japanischen Hersteller und erst recht nicht für ihre angebliche Beteiligung an der Übereinkunft,
         die die Kommission in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellt habe. Aus diesen Dokumenten ergebe sich ganz im
         Gegenteil, dass die japanischen Hersteller auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs aggressive Wettbewerber gewesen
         seien und dass die Gemeinschaftshersteller allenfalls versucht hätten, mit den japanischen Herstellern zu einer Übereinkunft
         zu gelangen, deren Inhalt freilich unklar bleibe. Nippon betont, dass das Dokument „g) Japaner“ ausdrücklich ihre Aggressivität
         auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs erwähne.
         
         
         
         117
            
          Ferner sei das System zur Beschränkung der japanischen Verkäufe, das in dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und
         dem Dokument „g) Japaner“ angeblich vorgesehen worden sei, unvereinbar mit der Auslegung der Grundregeln in der Erklärung
         von Herrn Verluca vom 17. September 1996, wonach die japanischen Hersteller verpflichtet gewesen seien, vor Absatz ihrer Erzeugnisse
         auf dem Markt des Vereinigten Königreichs Kontakt mit Corus aufzunehmen. JFE‑NKK weist darauf hin, dass die Beschreibung der
         Grundregeln in der angefochtenen Entscheidung weder mit den von der Kommission herangezogenen Beweismitteln noch mit der Auslegung
         der Grundregeln in der Klagebeantwortung der Kommission in der Rechtssache T-67/00 übereinstimme. Ein solcher Widerspruch
         müsse nach der Rechtsprechung (z. B. Urteil SIV u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 57) notwendig zur Nichtigerklärung
         der streitigen Entscheidung führen.
         
         
         
         118
            
          Außerdem erwähne das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden eine Verpflichtung der japanischen Hersteller, „einige ihrer
         Lieferungen“ („some of their deliveries“) auf dem Festlandsockel des Vereinigten Königreichs einzuschränken, während in den
         Randnummern 101 und 102 der angefochtenen Entscheidung schlicht und einfach von einer Marktaufteilung ausgegangen werde. Diesen
         Widerspruch hält JFE‑NKK auch allein für ausreichend, um die angefochtene Entscheidung für nichtig zu erklären. Aus dem Dokument
         „g) Japaner“ gehe hervor, dass die japanischen Hersteller auf jeden Fall davon ausgegangen seien, dass auf Verträgen beruhende
         Verkäufe von jeder Übereinkunft ausgenommen seien, was im Übrigen den Beweiswert des Verteilerschlüssel-Papiers mindere, das
         sich, soweit es die europäischen Märkte betreffe, allein auf den Vertragssektor beziehe. Ferner vermöge das Argument der Kommission,
         dass diese Dokumente von der Prämisse einer Übereinkunft ausgingen, die bereits bestanden und die japanischen Hersteller verpflichtet
         habe, die in der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte auf den Festlandsmärkten der Mitgliedstaaten nicht mehr zu
         verkaufen, das Vorliegen einer solchen Übereinkunft nicht zu belegen, zumindest nicht mit dem Grad an Genauigkeit und Sicherheit,
         wie dies nach der Rechtsprechung erforderlich sei.
         
         
         
         119
            
          Der Vermerk mit der Überschrift „VAM-Lizenz für Siderca“ vom 20. Juni 1994 (S. 15809 der Kommissionsakte), dem insbesondere
         zu entnehmen sei, dass Mannesmann den Markt des Vereinigten Königreichs im Großen und Ganzen habe respektieren müssen, bestätigt
         nach Meinung der japanischen Klägerinnen keineswegs, dass sie damit einverstanden gewesen wären, ihre Rohre nicht auf den
         europäischen Märkten zu verkaufen.
         
         
         
         120
            
          Das Verteilerschlüssel‑Papier betrachtet JFE‑Kawasaki als unzulässiges Beweismittel, weil es nicht datiert sei und die Kommission
         weder die Identität des Verfassers noch die der Person offenbart habe, die es ihr übermittelt habe, weshalb es den Klägerinnen
         weder möglich sei, den Kontext zu ermitteln, in dem es entstanden sei, noch die Gründe, weshalb es der Kommission zugeleitet
         worden sei. Es sei das erste Mal, dass die Kommission aufgrund eines anonymen Dokuments das Vorliegen einer Zuwiderhandlung
         zu Lasten von Unternehmen festgestellt habe. Der Standpunkt der Kommission in den Randnummern 121 und 122 der angefochtenen
         Entscheidung, dass das Verteilerschlüssel‑Papier zulässig und zuverlässig sei, weil es durch andere Beweismittel untermauert
         werde, sei unbegründet, weil dieses Papier in Wirklichkeit, gerade auch hinsichtlich wesentlicher Tatsachen, in Widerspruch
         zu anderen Beweisstücken der Akte stehe, was die Kommission in Randnummer 86 der angefochtenen Entscheidung für die Rolle
         der südamerikanischen Hersteller auch selbst einräume. JFE-Kawasaki verweist insoweit auf das Urteil Volkswagen/Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 57, Randnr. 72), wonach die Kommission das Vorliegen einer Übereinkunft oder abgestimmten Verhaltensweise
         hinreichend eindeutig und widerspruchsfrei nachweisen müsse.
         
         
         
         121
            
          JFE‑Kawasaki ist gemeinsam mit den übrigen japanischen Klägerinnen der Auffassung, dass das Verteilerschlüssel‑Papier, selbst
         wenn es zulässig sein sollte, jedenfalls kein verlässliches Belastungsmaterial darstellt, weil es nicht in angemessener Weise
         identifizierbar sei. Dass dieses Papier nicht das einzige Indiz sei, auf das sich die Kommission stütze, um das Vorliegen
         der Zuwiderhandlung zu belegen, befreie sie nicht davon, die Glaubhaftigkeit dieses Materials nachzuweisen. Außerdem widerspreche
         das Verteilerschlüssel‑Papier der Einlassung von Herrn Verluca in dem Dokument „Nachprüfung bei Vallourec“ (vom 18. Dezember
         1997, S. 7317 der Kommissionsakte, Nr. 1.3) zu der Frage, ob sich die lateinamerikanischen Hersteller zu den Anregungen der
         europäischen Hersteller Ende 1993 positiv geäußert hätten; dies stelle die Verlässlichkeit beider Beweisstücke in Frage. Ferner
         habe nach der Antwort des Unternehmensleiters von Mannesmann, Herrn Becher, vom 22. April 1997 (S. 10989A der Kommissionsakte)
         auf eine Frage nach dem Wesen der Grundregeln, die ihm bei einer Überprüfung vor Ort am 21. April 1997 gestellt worden sei
         (im Folgenden: Antwort Becher), der Begriff „Verteilerschlüssel“ lediglich für Drittlandsmärkte gegolten. Dies werde auch
         durch die Randnummern 101 und 103 der angefochtenen Entscheidung bestätigt.
         
         
         
         122
            
          Im Übrigen gebe das Verteilerschlüssel-Papier keine fertige Übereinkunft wieder, weil Vallourec in dem Dokument „Nachprüfung
         bei Vallourec“ angegeben habe, es handele sich um den bloßen „Versuch“ einer Änderung von Verteilerschlüsseln, und das Dokument
         selbst eine erneute europäische Sitzung vorgesehen habe, um die Modalitäten für die Anwendung des in ihm vorgeschlagenen Verteilerschlüssels
         zu prüfen.
         
         
         
         123
            
          Sodann zeige das Verteilerschlüssel‑Papier, dass die japanischen Hersteller einen Vorbehalt zu diesem Vorschlag geäußert hätten,
         weil sie der Auffassung gewesen seien, dass der Anwendungsbereich des Verteilerschlüssels auf „ERW OCTG“‑Rohre, d. h. auf
         geschweißte Rohre, ausgedehnt werden müsse. Vor dem Hintergrund des Verteilerschlüssel‑Papiers hätte die Kommission daher
         die japanischen Hersteller ebenso behandeln müssen wie die lateinamerikanischen Hersteller, denen gegenüber sie ihre Beschuldigung
         mit der Begründung zurückgenommen habe, sie hätten gegen den vorgeschlagenen Verteilerschlüssel, soweit er den europäischen
         Markt betreffe, ebenfalls einen Vorbehalt geäußert und anschließend durchaus Stahlrohre nach Europa verkauft. Die Kommission
         könne nicht behaupten, die unterschiedliche Behandlung der japanischen und der lateinamerikanischen Hersteller erkläre sich
         aus dem Umfang der lateinamerikanischen Verkäufe auf den europäischen Märkten, weil sie dafür keine Belegzahlen genannt habe,
         die einen tauglichen Vergleich der betreffenden Verkäufe ermöglichten. Es handele sich mithin um eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung,
         und die Rücknahme der Beschuldigung gegen die lateinamerikanischen Hersteller schwäche die in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung enthaltene Feststellung einer von den japanischen Klägerinnen begangenen Zuwiderhandlung.
         
         
         
         124
            
          Dass das Verteilerschlüssel‑Papier keine von den japanischen Herstellern geschlossene Übereinkunft wiedergebe, werde schon
         dadurch zur Genüge bewiesen, dass sie auf bestimmten europäischen Märkten tatsächlich Rohre verkauft hätten. Nach diesem Papier
         hätten sie nämlich keine Rohre auf dem europäischen Markt verkaufen dürfen, wobei dieses Verbot uneingeschränkt und vorbehaltlos
         gegolten hätte. Außerdem habe der Vorbehalt der lateinamerikanischen Hersteller dem vorgeschlagenen Verteilerschlüssel vom
         Standpunkt der europäischen Hersteller aus jeden wirtschaftlichen Sinn genommen, so dass seine spätere Vereinbarung vernunftwidrig
         gewesen wäre und daher unwahrscheinlich sei.
         
         
         
         125
            
          Zur Erklärung von Herrn Verluca vom 14. Oktober 1996, die in der Kommissionsakte auf S. 6354 enthalten ist (im Folgenden:
         Erklärung von Herrn Verluca vom 14. Oktober 1996), machen die japanischen Klägerinnen geltend, sie stelle keinen Beweis für
         ihre Beteiligung an der von der Kommission unterstellten Übereinkunft dar. Die maßgebliche Passage dieser Erklärung bestätige
         einfach, dass die japanischen Klägerinnen regelmäßig an den im Rahmen des Europäisch‑Japanischen Clubs veranstalteten Sitzungen
         teilgenommen hätten, die sich übrigens nach der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 mit anderen als den Heimatmärkten
         der europäischen und japanischen Hersteller befasst hätten. Nach ihrem Verständnis hätten die Sitzungen des Europäisch‑Japanischen
         Clubs nur Verkäufen auf Drittlandsmärkten wie China und Russland gegolten. Es gebe keinen Beweis dafür, dass diese Sitzungen
         auf den Abschluss der von der Kommission behaupteten rechtswidrigen Übereinkunft hinausgelaufen seien. In ihrer Erwiderung
         macht Sumitomo geltend, dass das Dokument „Nachprüfung bei Vallourec“, das eine Erklärung von Herrn Verluca vom 18. Dezember
         1997 enthalte, sowie die Erklärung von Herrn Jachia, eines Mitarbeiters von Dalmine, gegenüber der Staatsanwaltschaft von
         Bergamo vom 5. Juni 1995 (S. 8220b, S6 der Kommissionsakte, im Folgenden: Erklärung von Herrn Jachia) die projektbezogenen
         Leitungsrohre vom Anwendungsbereich der Übereinkunft ausschlössen, weil darin von „Standardprodukten“ die Rede sei. Es bestehe
         folglich ein Widerspruch zwischen der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 und seinen Ausführungen im Dokument
         „Nachprüfung bei Vallourec“ bezüglich der Erzeugnisse, für die die Grundregeln gegolten haben sollen.
         
         
         
         126
            
          JFE‑Kawasaki weist darauf hin, dass Herr Verluca im Dokument „Nachprüfung bei Vallourec“ erklärt habe, dass „allgemein die
         übrigen Offshore‑Märkte, mit Ausnahme desjenigen des Vereinigten Königreichs, nicht als Heimatmärkte betrachtet“ worden seien.
         Somit sei das Vorliegen einer Zuwiderhandlung für diese Offshore‑Märkte nicht nachgewiesen.
         
         
         
         127
            
          Die Erklärung von Herrn Biasizzo, eines ehemaligen Dalmine-Mitarbeiters, gegenüber der Staatsanwaltschaft von Bergamo vom
         1. Juni 1995 (S. 8220b, S10 der Kommissionsakte, im Folgenden: Erklärung von Herrn Biasizzo) besage gleichfalls nicht, dass
         die japanischen Klägerinnen die von der Kommission in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Übereinkunft
         geschlossen hätten. Zwar erwähne diese Erklärung eine unverbindliche Absprache („gentleman’s agreement“), der zufolge die
         ausländischen Hersteller bei Ausschreibungen um 8 % bis 10 % höhere Preise als der inländische Hersteller hätten bieten sollen,
         doch habe Herr Biasizzo in seiner späteren Aussage „Commento alle mie deposizioni“ (S. 8220b, S14 der Kommissionsakte, im
         Folgenden: „Erläuterungen zu meiner Aussage“) alle objektiven wirtschaftlichen Vorteile eines örtlichen Rohrherstellers auf
         seinem Heimatmarkt gegenüber ausländischen Herstellern betont und nicht mehr auf eine internationale Absprache abgestellt
         (Anlage 15 der Mitteilung der Beschwerdepunkte, S. 8220b, S16). Überdies sei der Hinweis auf Ausschreibungen unvereinbar mit
         der Aussage in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996, wonach es keine wichtigen Ausschreibungen auf den europäischen
         Märkten gegeben habe.
         
         
         
         128
            
          Zwischen der Erklärung von Herrn Biasizzo und seinen „Erläuterungen zu meiner Aussage“ bestehe daher ein schwerwiegender Widerspruch.
         Aus den beiden Aussagen sei jedenfalls weder erkennbar, auf welche Produkte der Übereinkunft sich Herr Biasizzo beziehe, noch
         deren angebliche Geltungsdauer. Es sei umso unwahrscheinlicher, dass sich die Erklärung und die „Erläuterungen zu meiner Aussage“
         auf die in der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte bezögen, als der italienische Stahlrohrmarkt seinerzeit in erster
         Linie andere Produkte, nämlich OCTG‑Premiumrohre und handelsübliche Leitungsrohre, umfasst habe. Im Übrigen beträfen die Aussagen
         von Herrn Biasizzo über die „Respektierung des eingependelten Gleichgewichts der überkommenen Marktanteile“ Drittlandsmärkte,
         die durch die angefochtene Entscheidung nicht berührt würden. Auf jeden Fall seien die Erklärung und die „Erläuterungen zu
         meiner Aussage“ nicht glaubhaft. Sie seien nämlich unter Zwang in einem Kontext abgegeben worden, in dem ihr Urheber habe
         erklären müssen, aus welchen anderen Gründen als den unlauteren Praktiken, die zu Ermittlungen gegen ihn geführt hätten, Dalmine
         alle öffentlichen Ausschreibungen der AGIP gewonnen habe. Anders als es die Kommission darstelle, sei Herr Biasizzo von Anfang
         1992 bis Mitte 1993 nur für den Verkauf von OCTG-Rohren und nicht für den von Leitungsrohren verantwortlich gewesen.
         
         
         
         129
            
          Nippon und JFE‑Kawasaki sind der Auffassung, dass die Definition der Grundregeln in der angefochtenen Entscheidung, insbesondere
         in den Randnummern 61 und 101, wonach es den an der Übereinkunft Beteiligten formell untersagt gewesen sei, ihre Produkte
         auf den Heimatmärkten ihrer Wettbewerber abzusetzen, jedenfalls nicht mit der von Herrn Biasizzo in seiner Erklärung gegebenen
         Definition vereinbar sei, wonach die Beteiligten ihre Produkte zu höheren Preisen als die inländischen Hersteller hätten anbieten
         dürfen.
         
         
         
         130
            
          Was die Antwort von Dalmine vom 4. April 1997 auf eine Frage der Kommissionsbediensteten bei einer Überprüfung vor Ort (S. 15099
         der Kommissionsakte, im Folgenden: Antwort von Dalmine vom 4. April 1997) betreffe, so erwähne diese zwar die Anknüpfung von
         Kontakten zur japanischen Industrie, diese Kontakte hätten aber Märkten außerhalb der Europäischen Gemeinschaft wie etwa dem
         Russlands gegolten. Im Übrigen ergebe sich aus diesem Dokument, dass der Begriff der Grundregeln möglicherweise die innergemeinschaftliche
         Lage im Bereich der nahtlosen Stahlrohre ab 1986/87 widerspiegele; es erwähne auch unkontrollierte Rohrimporte aus anderen
         Weltgegenden in jener Zeit. Jedenfalls aber erhelle aus dem Dokument, dass die damaligen leitenden Angestellten von Dalmine
         keine Kenntnis von etwaigen Vorgängen in der Zeit vor Februar 1996 gehabt hätten und dass das Unternehmen nichts in seinen
         Unterlagen gefunden habe, was Sitzungen mit japanischen und europäischen Herstellern belege. Dies alles sei von Dalmine in
         ihrer Antwort vom 29. Mai 1997 auf ein Schreiben der Kommission bekräftigt worden, das diese gemäß Artikel 11 der Verordnung
         Nr. 17 an sie gerichtet habe (S. 15162 der Kommissionsakte, im Folgenden: Antwort von Dalmine vom 29. Mai 1997). Im Übrigen
         stehe die Antwort von Dalmine vom 29. Mai 1997 im Widerspruch zu den beiden vorgenannten Aussagen von Herrn Biasizzo, weil
         sich aus diesen ergebe, dass zum einen lediglich nichtgemeinschaftliche Märkte Gegenstand von Erörterungen im Rahmen des Europäisch-Japanischen
         Clubs gewesen seien und dass zum anderen Ausfuhren von Rohren in die Europäische Gemeinschaft zwar beschränkt, aber nicht
         verboten gewesen seien. Sumitomo weist insoweit darauf hin, dass die Antwort von Dalmine vom 29. Mai 1997 auf den Erinnerungen
         eines Herrn R. beruhe, der die genaue Quelle seiner Erinnerungen angebe, nämlich Unterhaltungen mit Herrn Biasizzo, der an
         den betreffenden Sitzungen teilgenommen habe.
         
         
         
         131
            
          Die japanischen Klägerinnen machen geltend, dass die Grundregeln nach dem Dokument „Stahlrohrsystem“ von Dalmine, das sich
         zwar in der Kommissionsakte befinde, in der angefochtenen Entscheidung aber nicht verwendet werde, die Beziehungen zwischen
         den europäischen Herstellern zum Gegenstand gehabt hätten. Entgegen der Behauptung der Kommission beschränke sich dieses Dokument
         nicht darauf, nur die Folgen des Rückzugs von Corus vom Markt für nahtlose Rohre zu analysieren.
         
         
         
         132
            
          Zur Antwort von Herrn Becher weisen die japanischen Klägerinnen darauf hin, dass Herr Becher nach eigenem Bekunden keine persönliche
         Kenntnis der von ihm kommentierten Umstände gehabt habe, was die Kommission, als sie diese Erklärung in Randnummer 63 der
         angefochtenen Entscheidung zitiert habe, irrtümlich nicht erwähnt habe. Sein Zeugnis habe daher keinen großen Beweiswert;
         nach Meinung von JFE‑NKK ist es sogar unzulässig (Urteil Rhône-Poulenc/Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, und Schlussanträge
         des zum Generalanwalt bestellten Richters Vesterdorf in dieser Rechtssache, S. 955 bis 957). Ferner dürfe die Kommission diese
         Antwort nicht einerseits als zuverlässiges Beweismittel betrachten, soweit sie das Vorliegen einer Übereinkunft zwischen europäischen
         und japanischen Herstellern bestätige, sie aber andererseits außer Betracht lassen, soweit darin das Vorliegen einer Übereinkunft
         über eine gegenseitige Respektierung der Heimatmärkte zwischen den europäischen Herstellern verneint werde. Soweit die Antwort
         von Herrn Becher das Vorliegen einer Marktaufteilungsabsprache zwischen den europäischen Herstellern in Abrede stelle, stehe
         sie im Widerspruch zum Dokument „Stahlrohrsystem“, das Herr Becher als falsch bezeichne. Außerdem sei sie unvereinbar mit
         der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 und der Antwort von Dalmine vom 29. Mai 1997.
         
         
         
         133
            
          Zur Antwort von Corus vom 31. Oktober 1997 auf ein Auskunftsersuchen der Kommission (S. 11932 der Kommissionsakte, im Folgenden:
         Antwort von Corus), wonach die Heimatmärkte den örtlichen Herstellern vorbehalten gewesen seien, weisen die japanischen Hersteller
         darauf hin, dass Corus in einem Schreiben vom 30. März 1999 an die Kommission (Anlage C.5 der Klageschrift in der Rechtssache
         T‑68/00, im Folgenden: Schreiben vom 30. März 1999) eindeutig erklärt habe, dass keine ihrer Erklärungen dahin verstanden
         werden dürfe, dass zwischen europäischen und japanischen Herstellern eine Übereinkunft getroffen worden sei. Dem Vorbringen
         der Kommission, dass es in dem Schreiben vom 30. März 1999 um das Verfahren der geschweißten Rohre gehe, halten die japanischen
         Klägerinnen entgegen, dass die Erklärung, die dort klargestellt werde, von Corus in dem Verfahren der nahtlosen Rohre in gleichen
         Wendungen formuliert worden sei. Der Äußerung der Kommission, die Position von Corus sei paradox, hält Nippon entgegen, dass
         es im Gegenteil die Kommission sei, die sich auf ein Verständnis der Aussagen von Corus stützen wolle, die diese gerade ausgeschlossen
         habe. JFE‑Kawasaki und Sumitomo halten das angebliche Geständnis von Corus für unklar und mehrdeutig. Sumitomo betont, dass
         in der Antwort von Corus nur OCTG‑Rohre erwähnt seien. Für sie wie auch für JFE‑NKK betrifft diese Antwort zudem lediglich
         Drittlandsmärkte.
         
         
         
         134
            
          Nach Auffassung der japanischen Klägerinnen hatten die europäischen Hersteller offensichtlich ein Interesse an „Schadensbegrenzung“,
         das sie dazu motiviert habe, u. a. eine Übereinkunft mit den japanischen Herstellern in der Absicht einzuräumen, die Kommission
         so von der wirklichen Bedeutung der Grundregeln abzulenken, mit denen eine Aufteilung der europäischen Märkte zwischen europäischen
         Herstellern angestrebt worden sei; Letztere sei eine wesentlich schwerere Zuwiderhandlung als die in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellte und hätte, falls aufgedeckt, höhere Geldbußen für sie zur Folge gehabt. Diese Analyse werde dadurch
         bestätigt, dass die Strategie von Vallourec, die Kommission über das Vorliegen einer Übereinkunft mit den japanischen Herstellern
         aufzuklären, ihr eine Ermäßigung von 40 % der ohne Kooperation zu erwartenden Geldbuße eingebracht habe und ihr zugleich eine
         weitere Geldbuße für die Zuwiderhandlung bei Glattendrohren, die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellt
         werde, erspart habe. Auch Dalmine habe eine Ermäßigung ihrer Geldbuße um 20 % erreicht. Vor diesem Hintergrund müssten die
         von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung angeführten Beweisstücke, insbesondere die Erklärungen von Herrn Verluca,
         gewürdigt werden. Ebenso müsse berücksichtigt werden, dass Vallourec die Entscheidung nicht angefochten und Dalmine die Tatsachen,
         auf denen sie beruhe, nicht bestritten habe. Sumitomo weist ferner darauf hin, dass alle angeführten Erklärungen, insbesondere
         die von Herrn Verluca, Herrn Becher und Herrn Biasizzo, nachträglich abgegeben worden seien; bei Widersprüchen müsse aber
         Beweisen, die in zeitgleichen Dokumenten wie dem Verteilerschlüssel‑Papier enthalten seien, gegenüber Beweisen, die sich aus
         den genannten Erklärungen ergäben, der Vorzug gegeben werden.
         
         
         
         135
            
          Nippon trägt vor, dass sie entgegen der Feststellung in Randnummer 131 der angefochtenen Entscheidung sowohl in ihrer schriftlichen
         Stellungnahme zur Mitteilung der Beschwerdepunkte als auch in der Anhörung durch die Kommission ausdrücklich zu dem Vorwurf
         Stellung bezogen habe, dass die in den Randnummern 62 bis 67 und 100 aufgeführten Dokumente das Vorliegen und den Inhalt der
         in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Übereinkunft belegten, indem sie deren Beweiswert jeweils in Zweifel
         gezogen hätten. Ferner bestreitet Nippon die Behauptung in Randnummer 131 der angefochtenen Entscheidung, die japanischen
         Unternehmen hätten eingeräumt, keine näheren Angaben zu den Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs machen zu können. So
         habe sie in ihrer Antwort auf eine Frage in der Anhörung klar gesagt, dass es Sitzungen von europäischen und japanischen Herstellern
         gegeben habe, deren Ziel indessen die Koordinierung der Verkäufe auf dem russischen und dem chinesischen Markt gewesen sei.
         
         
         
         136
            
          Was die Dauer der Zuwiderhandlung angehe, so seien die Daten in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 unbestimmt.
         Die Kommission habe daher die Dauer der Zuwiderhandlung nicht gebührend nachgewiesen.
         
         
         
         137
            
          Zum Jahr 1977, in dem der „Austausch“ laut Herrn Verluca begonnen haben soll, erheben die japanischen Klägerinnen im Wesentlichen
         zwei Einwände.
         
         
         
         138
            
          Erstens weisen sie darauf hin, dass der französische Ausdruck „échanges“ sehr vage sei und in Fußnote 10 der angefochtenen
         Entscheidung ins Englische mit „trade“ übersetzt worden sei, was mit der Beurteilung der Kommission in Randnummer 108 der
         angefochtenen Entscheidung, wonach es sich um „Sitzungen“ von Teilnehmern an einer rechtswidrigen Absprache gehandelt habe,
         nicht zu vereinbaren sei.
         
         
         
         139
            
          Zweitens machen sie geltend, die Kommission habe für den Zeitraum vor 1990 eingeräumt, dass die Selbstbeschränkungsabkommen
         damals dem Warenabsatz der japanischen Hersteller auf den Gemeinschaftsmärkten entgegengestanden hätten. Der Erklärung von
         Herrn Verluca vom 17. September 1996 sei indessen keineswegs zu entnehmen, dass 1990 oder 1991 an die Stelle der zwischenstaatlichen
         Selbstbeschränkungsabkommen eine rechtswidrige Übereinkunft zwischen japanischen und europäischen Herstellern getreten sei.
         Daraus folge, dass die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 die Feststellungen der Kommission zum Beginn der
         Zuwiderhandlung nicht stütze. Damit sei die Kommission aber nicht ihrer Pflicht nachgekommen, auch die Dauer der Zuwiderhandlung
         durch hinreichend genaue und übereinstimmende Beweismittel zu belegen (Urteil CRAM und Rheinzink/Kommission, zitiert oben
         in Randnr. 57, Randnr. 20).
         
         
         
         140
            
          Selbst wenn man im Übrigen davon ausgehe, dass das Vorliegen der Zuwiderhandlung seit 1977 ordnungsgemäß nachgewiesen sei,
         habe die Kommission die Dauer der Zuwiderhandlung dennoch fehlerhaft berechnet, weil die Selbstbeschränkungsabkommen zwischen
         der Gemeinschaft und Japan am 31. Dezember 1990 und nicht am 31. Dezember 1989 ausgelaufen seien. Dies werde durch die ihren
         Klageschriften beigefügten Beweismittel belegt, so insbesondere durch einen Auszug aus dem Weißbuch über den internationalen
         Handel, das das japanische Ministerium für Handel und Industrie (im Folgenden auch: MITI) am 25. Juni 1991 veröffentlicht
         habe und dem zu entnehmen sei, dass die Selbstbeschränkungsabkommen während des Jahres 1990 in Kraft geblieben seien. Nach
         den japanischen Rechtsvorschriften sei das MITI ermächtigt worden, die japanischen Stahlrohrhersteller zur Respektierung der
         Selbstbeschränkungsabkommen zu zwingen. In Ausübung dieser Befugnis habe das MITI sechs japanische Unternehmen, darunter die
         japanischen Klägerinnen, aufgefordert, Selbstbeschränkungsabkommen für den Export abzuschließen, die dann vom MITI genehmigt
         worden seien. Dazu haben die japanischen Klägerinnen japanische Dokumente über die Verlängerung des Abkommens für das Jahr
         1990 vorgelegt, nämlich das vom MITI am 28. Dezember 1989 genehmigte Verlängerungsabkommen und das Notifikationsschreiben
         an das MITI mit einer Erläuterung der Gründe, aus denen die Verlängerung erforderlich gewesen sei. Ferner hat Nippon einen
         Beschlussentwurf ihres Vorstandes vorgelegt sowie dessen Beschluss, mit dem er eine Verlängerung des Abkommens zwischen den
         japanischen Herstellern bis zum 31. Dezember 1990 billigte.
         
         
         
         141
            
          In ihren Erwiderungen bringen Nippon und JFE‑Kawasaki ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck, dass die Kommission in ihrer
         Klagebeantwortung nicht klar angegeben habe, wann die Selbstbeschränkungsabkommen außer Kraft getreten seien; schließlich
         sei sie selbst an dem zugrunde liegenden Regierungsabkommen beteiligt gewesen. Unter diesen Umständen sei es nicht glaubwürdig,
         dass die Kommission den Abschluss des Abkommens zwischen den japanischen Herstellern nicht gekannt habe. Nippon ersucht das
         Gericht, die Kommission zur Mitteilung des genauen Zeitpunktes des endgültigen Außerkrafttretens der Abkommen aufzufordern.
         Ferner machen die beiden vorgenannten Klägerinnen und JFE‑NKK geltend, dass die Kommission eine Änderung wie das Außerkrafttreten
         der Selbstbeschränkungsabkommen mit Japan in ihrem 24. Gesamtbericht über die Tätigkeit der Europäischen Gemeinschaften für
         das Jahr 1990 erwähnt hätte, wenn sie in diesem Jahr wirklich eingetreten wäre. In dem Bericht heiße es aber, dass die Einfuhrregelung
         für Stahlerzeugnisse im Vergleich zum Jahr 1989 unverändert geblieben sei (Randnr. 840 des Berichts).
         
         
         
         142
            
          Demnach sei offenkundig, dass die Kommission das Vorliegen der Zuwiderhandlung für das Jahr 1990 ohne diesen Sachverhaltsirrtum
         nicht festgestellt hätte.
         
         
         
         143
            
          Zum Ende der festgestellten Zuwiderhandlung weisen die japanischen Klägerinnen darauf hin, dass sich die Kommission in ihrer
         Datierung des Endzeitpunkts auf 1995 ausschließlich auf eine unbestimmte Angabe in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17.
         September 1996 stütze, wonach die Kontakte „etwas mehr als [ein] Jahr“ zuvor aufgehört hätten. Das andere von der Kommission
         zu diesem Punkt herangezogene Dokument, das Verteilerschlüssel‑Papier, lege einen Zeitraum zugrunde, der im März 1994 geendet
         habe. Es gebe keinen Beweis für Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs nach diesem Zeitpunkt. Man müsse daher davon ausgehen,
         dass die Zuwiderhandlung auf jeden Fall nicht über das erste Halbjahr 1994 hinaus angehalten habe. Sumitomo und Nippon meinen,
         dass das Verteilerschlüssel-Papier nur eine Zuwiderhandlung von der Dauer eines Jahres (1993 bis März 1994) belegen könne.
         Der Hinweis in der Erklärung von Herrn Becher, den die Kommission als Nachweis für die Zuwiderhandlungsdauer in Randnummer
         97 der angefochtenen Entscheidung anführe und wonach die Übereinkunft vor dem 1. April 1995 bestanden habe, sei hinsichtlich
         der Dauer der Zuwiderhandlung in Wirklichkeit ohne Bedeutung, weil dieser Zeitpunkt ganz einfach der sei, zu dem Herr Becher
         Generaldirektor von Mannesmann geworden sei. Soweit in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellt werde, dass die
         Zuwiderhandlung während des Jahres 1995 fortgedauert habe, sei dies mit den verwerteten Beweisstücken unvereinbar. Die angefochtene
         Entscheidung müsse daher zumindest insoweit für nichtig erklärt werden, als sie das Vorliegen einer Zuwiderhandlung jenseits
         der Zeiträume feststelle, für die die Beweise ausreichten.
         
         
         
         144
            
          Die Kommission betont zunächst, dass die Taktik der japanischen Klägerinnen, jedes Beweisstück aus seinem Zusammenhang zu
         reißen und es einer komplexen juristischen Analyse zu unterwerfen, bei einer Gesamtwürdigung der Tatsachen nicht verfangen
         könne, deren Analyse in ihrem wirklichen Kontext vielmehr das Vorliegen der Zuwiderhandlung beweise (z. B. Urteil des Gerichts
         vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑334/94, Sarrió/Kommission, Slg. 1998, II‑1439, Randnr. 103). Das Gericht habe im Urteil
         Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 1838) entschieden, dass bei der Beurteilung des Beweiswerts eines Dokuments zunächst
         zu untersuchen sei, mit welcher Wahrscheinlichkeit die darin enthaltenen Informationen zuträfen; dabei sei insbesondere zu
         berücksichtigen, von wem das Dokument stamme, unter welchen Umständen es erstellt worden sei, an wen es gerichtet sei und
         ob es seinem Inhalt nach vernünftig und glaubwürdig wirke.
         
         
         
         145
            
          Im vorliegenden Fall sei das Vorbringen, dass die Grundregeln, auf die sich die einzelnen Beweisstücke bezögen, eher einen
         Zustand als eine Marktaufteilungsabsprache beschrieben, wirklichkeitsfern. Ebenso wenig stützten die Beweismittel das Vorbringen,
         wonach die Grundregeln nur für die Beziehungen zwischen europäischen Herstellern gegolten hätten. Außerdem habe die Kommission
         den innergemeinschaftlichen Aspekt der Übereinkunft in der angefochtenen Entscheidung keineswegs vernachlässigt. Die Darstellung
         der Zuwiderhandlung in deren Gründen und in Artikel 1 lasse nicht nur erkennen, dass die japanischen Hersteller nicht berechtigt
         gewesen seien, ihre Produkte in Europa abzusetzen, sondern auch, dass keiner der europäischen Hersteller das Recht gehabt
         habe, seine Produkte auf den Heimatmärkten der anderen europäischen Hersteller abzusetzen.
         
         
         
         146
            
          Die Kommission tritt insbesondere dem Vorbringen von JFE‑NKK entgegen, dass sich die Begriffe „Grundregeln“ und „verbesserte
         Grundregeln“ auf die notwendige Rationalisierung der Gemeinschaftsindustrie und nicht auf eine rechtswidrige Übereinkunft
         bezögen. Das Dokument „Stahlrohrsystem“ und besonders die dort erwähnte Sitzung vom 6. Oktober 1992 beträfen einen Rationalisierungsprozess,
         der durch von der Kommission gemäß Artikel 87 EG genehmigte staatliche Beihilfen finanziert worden sei.
         
         
         
         147
            
          Was die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 angehe, so sei ihr besondere Bedeutung beizumessen, da ihr Urheber
         als Vorstandsvorsitzender der Vallourec Oil & Gas von den Tätigkeiten des Europäisch‑Japanischen Clubs unmittelbare Kenntnis
         gehabt habe. So habe er an mehreren der halbjährlichen Sitzungen dieses Clubs teilgenommen, was in seinen Erklärungen festgehalten
         sei (vgl. oben, Randnr. 23). Die Kommission beruft sich auf den allgemeinen Grundsatz, dass im Rahmen der Beweiswürdigung
         Erklärungen, die den Interessen des Erklärenden zuwiderliefen, als beweiskräftig anzusehen seien. Im vorliegenden Fall laufe
         die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 den Interessen von Vallourec, die er vertreten habe, aber durchaus
         zuwider, da gegen Vallourec damals eine Untersuchung der Kommission anhängig gewesen sei.
         
         
         
         148
            
          Zu dem Vorbringen, die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 werde hinsichtlich aller spezifischen Aspekte der
         Zuwiderhandlung, so besonders hinsichtlich der Definition der Grundregeln, durch kein anderes Beweisstück gestützt, verweist
         die Kommission darauf, dass das Gemeinschaftsrecht dem Urteil Zement zufolge (zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 1838) keinen
         Grundsatz kenne, der sie daran hindere, aus nur einem Schriftstück auf die Existenz einer Zuwiderhandlung gegen Artikel 81
         Absatz 1 EG zu schließen.
         
         
         
         149
            
          Freilich werde die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 auch durch weitere Beweismittel in der Akte bestätigt,
         so durch die in der angefochtenen Entscheidung zitierten Dokumente (vgl. unten, Randnrn. 161 ff.). Wenn in den meisten dieser
         Beweisurkunden die Grundregeln als solche nicht definiert oder in ihrer Tragweite umschrieben würden, so nur deshalb, weil
         deren Sinn und Zweck sowohl den Verfassern dieser Schriftstücke als auch ihren Adressaten völlig bekannt gewesen seien.
         
         
         
         150
            
          Die Kommission weist auch das Argument zurück, dass sich der Ausdruck „échanges“ in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17.
         September 1996 nicht auf Sitzungen beziehe; die Übersetzung dieses Ausdrucks in Fußnote 10 der englischen Fassung der angefochtenen
         Entscheidung („trade“) sei ein Versehen.
         
         
         
         151
            
          Zur beweisrechtlichen Zulässigkeit des Verteilerschlüssel‑Papiers macht die Kommission geltend, dass der Begriff der Unzulässigkeit
         von Beweismitteln nach der Rechtsprechung im Gemeinschaftsrecht nur sehr beschränkt Anwendung finde. Wie Richter Vesterdorf
         in seinen Schlussanträgen in der Rechtssache Rhône‑Poulenc/Kommission (zitiert oben in Randnr. 56) dargelegt habe, sei das
         grundlegende Prinzip das der freien Beweiswürdigung.
         
         
         
         152
            
          Zur Tragweite des Verteilerschlüssel‑Papiers sei vor allem darauf hinzuweisen, dass sich die Angabe „API“ sowohl auf OCTG‑Standardrohre
         als auch auf Leitungsrohre beziehen könne, denn für beide Produktarten gebe es API‑Standards (vgl. die Anlage der Klagebeantwortung
         in der Rechtssache T‑78/00). Was das Vorbringen angehe, dass der vom Verteilerschlüssel‑Papier betroffene Markt nach der Erklärung
         von Herrn Verluca vom 17. September 1996 nicht existiere, so hätte es, träfe dies zu, keinen Grund gegeben, Europa, wie aber
         geschehen, in den vorgeschlagenen Verteilerschlüssel einzubeziehen.
         
         
         
         153
            
          Zum Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden bemerkt die Kommission, dass es zwar von Corus verfasst worden sei, aber von
         Mannesmann den Vorstandsvorsitzenden habe vorgestellt werden sollen. Dies belege das handschriftliche Zeichen „HN“ (Hans Nolte
         von Mannesmann) auf seiner ersten Seite, wonach es in die Präsentation von Herrn Nolte habe aufgenommen werden sollen. Auch
         Vallourec habe den Inhalt dieses Papiers gebilligt, so dass es den gemeinsamen Standpunkt der drei genannten europäischen
         Hersteller zum Ausdruck bringe.
         
         
         
         154
            
          Zu dem Vorbringen, die lateinamerikanischen Hersteller seien bevorzugt worden, weist die Kommission darauf hin, dass es neben
         dem Verteilerschlüssel-Papier andere unmittelbare Beweise für die Beteiligung der japanischen Hersteller an der Zuwiderhandlung
         gebe, so etwa die Erklärungen von Herrn Verluca vom 17. September und 14. Oktober 1996, was hingegen bei den lateinamerikanischen
         Herstellern nicht der Fall sei.
         
         
         
         155
            
          Hinsichtlich der Erklärung von Herrn Biasizzo tritt die Kommission der Auffassung der japanischen Klägerinnen entgegen, dass
         dieser in seinen „Erläuterungen zu meiner Aussage“ seine Angaben zum Vorliegen einer internationalen Marktaufteilungsvereinbarung
         zurückgenommen habe, und führt dazu besonders Passagen aus diesen „Erläuterungen“ an, in denen Herr Biasizzo von der Notwendigkeit
         spreche, in enger Abstimmung mit allen anderen Herstellern vorzugehen und zu neuen Regeln und Verhaltensweisen zu finden.
         
         
         
         156
            
          Zur Antwort von Dalmine vom 4. April 1997 meint die Kommission, sie enthalte zwar bestimmte Enthüllungen über die Übereinkunft,
         sei aber im Übrigen der Versuch, deren Konsequenzen einzudämmen, so dass sie nicht die eindeutigen und ausdrücklichen Erklärungen
         ehemaliger Angestellter dieses Unternehmens widerlegen könne. Bei dem Dokument „Stahlrohrsystem“ sei der Umstand, dass es
         im Gegensatz zu anderen Beweismitteln, insbesondere den Erklärungen der Herren Verluca und Biasizzo, ausschließlich auf europäische
         Märkte Bezug nehme, darauf zurückzuführen, dass es, wie schon sein Titel andeute, lediglich die Lage der europäischen Hersteller
         habe beschreiben sollen.
         
         
         
         157
            
          Zu den in der Erklärung Herrn Verlucas vom 17. September 1996 enthaltenen Angaben über die Dauer der Übereinkunft macht die
         Kommission geltend, dass die genaue Zeitdauer nur für die Bemessung der Geldbuße Bedeutung habe. Was den Zeitraum zwischen
         1977 und Anfang 1990 betreffe, so habe sie ihn bei der Bemessung der Geldbuße nicht berücksichtigt; aus der Erklärung von
         Herrn Verluca vom 17. September 1996 ergebe sich indessen eindeutig, dass die Übereinkunft während dieses gesamten Zeitraums
         durchaus gegolten habe.
         
         
         
         158
            
          Zur Festlegung des Beginns der Zuwiderhandlung in der angefochtenen Entscheidung stellt die Kommission klar, sie habe das
         Nichtvorliegen einer Zuwiderhandlung zwischen 1977 und 1989 infolge der Geltung der Selbstbeschränkungsabkommen nicht anerkannt.
         Sie habe vielmehr bloß erklärt, dass die zwischen 1977 und Ende 1989 begangene Zuwiderhandlung nicht berücksichtigt werde.
         
         
         
         159
            
          Zu dem Vorbringen, dass nach dem 24. Gesamtbericht über die Tätigkeit der Europäischen Gemeinschaften für das Jahr 1990 die
         Einfuhrregelung für Stahlerzeugnisse im Vergleich zum Jahr 1989 unverändert geblieben sei, weist die Kommission vor allem
         darauf hin, dass der 25. Gesamtbericht für 1991 insoweit wortgleich formuliert sei, obgleich die Klägerinnen nicht behaupteten,
         dass die Selbstbeschränkungsabkommen auch 1991 in Kraft geblieben seien.
         
         
         
         160
            
          Weiterhin belegten die Klageschriften der japanischen Klägerinnen und die ihnen beigefügte Dokumentation lediglich, dass diese
         Unternehmen mit den japanischen Behörden ein Selbstbeschränkungsabkommen für ihre Exporte bis Ende 1990 abgeschlossen hätten.
         Die japanischen Klägerinnen hätten hingegen keineswegs bewiesen, dass dieses Abkommen eine Verlängerung des von der Europäischen
         Kommission und der japanischen Regierung geschlossenen, internationalen Abkommens widerspiegele. Die Kommission habe ihrerseits
         ihre Archive durchforscht, aber keine Spur von der angeblichen Verlängerung der Selbstbeschränkungsabkommen bis in das Jahr
         1990 hinein entdeckt.
         
         
         
         161
            
          Auf jeden Fall beruhe das Vorbringen der japanischen Klägerinnen zum Anfangszeitpunkt der Zuwiderhandlung auf der Prämisse,
         dass ihnen durch die Selbstbeschränkungsabkommen Rohrexporte nach der Gemeinschaft untersagt worden seien. Das sei aber zu
         bezweifeln, weil in den Abkommen zugunsten der japanischen Hersteller verschiedene Quoten festgelegt worden seien.
         
         
         
         162
            
          Zum Endzeitpunkt der Zuwiderhandlung verweist die Kommission darauf, dass die Übereinkunft nach der Erklärung von Herrn Verluca
         vom 17. September 1996 etwas mehr als ein Jahr zuvor beendet worden sei. Die in der Erklärung von Herrn Becher enthaltene
         Angabe, dass die Übereinkunft vor dem 1. April 1995 gegolten habe, stimme mit dieser Aussage von Herrn Verluca überein. Da
         der der Dauer der Übereinkunft entsprechende Teil der Geldbuße auf der Grundlage der Feststellung berechnet worden sei, dass
         diese von 1990 bis einschließlich 1994 gegolten habe, reiche der Hinweis von Herrn Verluca ohne weiteres aus, um die insoweit
         zugrunde gelegte Zuwiderhandlungsdauer zu belegen. Dass das Verteilerschlüssel‑Papier die Abhaltung von Sitzungen des Europäisch‑Japanischen
         Clubs nur bis März 1994 belege, beweise keineswegs, dass die Übereinkunft zu diesem Zeitpunkt tatsächlich beendet worden sei.
         
          Zum dritten Teil des ersten Klagegrundes, wonach die Reichweite der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung fehlerhaft beurteilt worden sei
         
         
         163
            
          Nach Auffassung der japanischen Klägerinnen ist die in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung formulierte Annahme der
         Kommission, die in Artikel 2 festgestellte Zuwiderhandlung habe bezweckt, den dem britischen Markt nach den Grundregeln zuerkannten
         Status als „Heimatmarkt“ mit Hilfe verbesserter Grundregeln aufrechtzuerhalten, von Grund auf unschlüssig. Corus habe sich
         mit der Beendigung ihrer Glattendrohrproduktion in Clydesdale nicht vom britischen Markt für OCTG‑Standardgewinderohre und
         projektbezogene Leitungsrohre zurückgezogen, sondern hätte ihre Tätigkeit auf diesem Markt fortgeführt und diese Produkte
         weiterhin abgesetzt, selbst wenn sie keine Lieferverträge für Glattendrohre mit Vallourec, Dalmine und Mannesmann geschlossen
         hätte. Die japanischen Klägerinnen verweisen auf ihr Vorbringen, wonach die Präsenz von Corus auf dem britischen Markt für
         OCTG‑Gewinderohre und Leitungsrohre sie jedenfalls nie daran gehindert habe, einen lebhaften Wettbewerb im Offshore‑Bereich
         dieses Marktes anzustrengen. JFE‑NKK führt hierzu aus, nach Auffassung der Kommission hätte ein britischer Hersteller gefunden
         werden müssen, der seine eigenen Glattendrohre erst herstelle und dann selbst mit Gewinden versehe, um Corus vom Markt des
         Vereinigten Königreichs zu verdrängen, was aber nicht der Fall gewesen sei. Die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellte Zuwiderhandlung habe daher 1990 nicht überdauern können, weil Corus seine Produktion nahtloser Rohre im Laufe
         dieses Jahres eingestellt habe.
         
         
         
         164
            
          Sumitomo macht weiter geltend, es könne legitimerweise nicht angenommen werden, dass die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellte, zweite Zuwiderhandlung schlicht ein Mittel zur Durchführung des in Artikel 1 festgestellten Verstoßes unter
         angeblicher Beteiligung der japanischen Hersteller gewesen sei, es sei denn, die Begehung dieser zweiten Zuwiderhandlung wäre
         die unvermeidliche und notwendige Konsequenz der ersten gewesen. Die von der Kommission beigebrachten Beweise rechtfertigten
         diesen Schluss aber nicht und belegten nicht einmal, dass die japanischen Hersteller von dieser selbständigen Übereinkunft
         Kenntnis gehabt hätten. Entgegen der Behauptung der Kommission in Randnummer 94 der angefochtenen Entscheidung habe das Verteilerschlüssel-Papier
         keinen Beweiswert, soweit die Neustrukturierung der europäischen Industrie in Frage stehe. Da im Übrigen Vallourec, wie sich
         aus ihren vorgenannten Vermerken, insbesondere dem Vermerk „Strategische Überlegungen“, ergebe, die Vereinbarungen der europäischen
         Hersteller über Glattendrohre im Kontext ihrer als VAM bezeichneten Premium‑Gewindeschneidetechnik gesehen habe, könne die
         Kommission nicht behaupten, dass sich diese Vereinbarungen auf OCTG‑Standardrohre und projektbezogene Leitungsrohre bezogen
         hätten.
         
         
         
         165
            
          In ihren Erwiderungen führen Nippon, JFE‑Kawasaki und JFE‑NKK aus, dass sich der Hinweis auf die „Stärkung der EWG“ in dem
         Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990, die zu verbesserten Grundregeln habe führen sollen, auf das Inkrafttreten der Richtlinie
         90/531 im Jahre 1990 beziehe. Auf dem britischen Markt habe die Richtlinie eine Ablösung des vom OSO eingeführten Präferenzsystems
         durch eine Regelung der Gemeinschaftspräferenz bewirken müssen, wonach den Gemeinschaftsherstellern der Auftrag sicher gewesen
         sei, wenn ihre Preise nicht mehr als 3 % über denen von Drittlandsherstellern gelegen hätten. So erkläre sich auch der Hinweis
         in dem Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 auf die Möglichkeit, „dass OSO 1993 den europäischen Herstellern die 3 %‑Präferenz
         zugesteht, die sie im Augenblick den britischen Herstellern zubilligt“. Nach der Schließung des Werkes in Clydesdale habe
         sich Corus folglich bei europäischen Herstellern mit Glattendrohren eindecken müssen, um weiterhin in den Genuss der von nun
         an gemeinschaftlichen Präferenz zu kommen. Dies allein erkläre bereits, weshalb sie diesen Weg des Bezugs von Glattendrohren
         gewählt habe. Außerdem habe Vallourec, die dieses neue Versorgungssystem für Corus organisiert habe, größtes Interesse daran
         gehabt, die Stellung von Corus auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs für Premiumgewinderohre aufrechtzuerhalten,
         aus der sie als Lizenzgeberin der von Corus eingesetzten VAM-Technologie Nutzen gezogen habe.
         
         
         
         166
            
          Insoweit ergebe sich aus dem Vermerk „Strategische Überlegungen“, dass Vallourec erwogen habe, Corus die Rücknahme der VAM-Lizenz
         anzudrohen, um zu verhindern, dass Corus Glattendrohre von Nippon und JFE‑Kawasaki kaufe. Die Lieferverträge über Glattendrohre
         zwischen Vallourec und den anderen Herstellern von Glattendrohren einerseits und Corus andererseits seien mithin die Folge
         des geschäftlichen Interesses der europäischen Hersteller, ihre eigenen Glattendrohrumsätze zu erhöhen. Es gebe keinen Grund
         für die Annahme, dass diese Aufteilung des Glattendrohrmarktes unter den Europäern einer Verstärkung durch eine Absprache
         mit den japanischen Herstellern bedurft hätte.
         
         
         
         167
            
          Auf jeden Fall könnten die Lieferverträge über Glattendrohre zwischen Corus und jedem der drei anderen europäischen Hersteller,
         die zwischen 1997 und 1999 beendet worden seien, schwerlich als Teil der Durchführung der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellten Zuwiderhandlung betrachtet werden, die doch nur bis allerspätestens 1995 Bestand gehabt habe.
         
         
         
         168
            
          Ebenfalls erheblich sei insoweit das oben wiedergegebene Vorbringen der japanischen Klägerinnen, wonach die Kommission die
         Dokumente, die sich auf die Grundregeln und im vorliegenden Kontext insbesondere auf die verbesserten Grundregeln bezögen,
         falsch ausgelegt habe.
         
         
         
         169
            
          Schließlich hätten sie durchaus ein rechtliches Interesse an einer Anfechtung der Ausführungen in Randnummer 164 der angefochtenen
         Entscheidung, denn auf deren Grundlage habe die Kommission gegen die europäischen und die japanischen Hersteller die gleiche
         Geldbuße verhängt, obwohl die einen an zwei Zuwiderhandlungen, die anderen aber nur an einer beteiligt gewesen seien.
         
         
         
         170
            
          Für die Kommission ergibt sich aus dem Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 eindeutig, dass die europäischen Hersteller Maßnahmen
         für erforderlich hielten, um zu verhindern, dass infolge der Schließung des Corus-Werkes in Clydesdale der britische Markt
         kein im Sinne der Grundregeln geschützter Heimatmarkt mehr sein würde. Wie in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung
         dargelegt, habe die in Artikel 2 festgestellte Zuwiderhandlung nach Ansicht der Kommission daher bewirken sollen, dass Corus
         als „einheimischer“ Hersteller im Sinne der Übereinkunft, wie sie auch in Randnummer 102 der Entscheidung näher erläutert
         sei, erhalten werden könne.
         
         
         
         171
            
          Die Kommission ist der Auffassung, dass die japanischen Klägerinnen keinerlei rechtliches Interesse an einer Beanstandung
         jener Feststellungen hätten, die die den anderen Parteien in Artikel 2 vorgeworfene Zuwiderhandlung beträfen. Sie hätten nicht
         einmal an der dort festgestellten Zuwiderhandlung beteiligt sein müssen, um aus ihr, wie in Randnummer 164 der angefochtenen
         Entscheidung umrissen, als Absicherung der ihnen in Artikel 1 angelasteten Zuwiderhandlung Nutzen zu ziehen. Es sei daher
         ohne Bedeutung, dass Sumitomo möglicherweise, wie sie behaupte, keine Kenntnis von den in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung
         genannten Verträgen gehabt habe und dass diese zweite Zuwiderhandlung möglicherweise später beendet worden sei als die in
         Artikel 1 festgestellte.
         
         
         
         172
            
          Selbst wenn man aber davon ausginge, dass die japanischen Klägerinnen die Feststellungen der Kommission zum Übergang von den
         Grundregeln zu den verbesserten Grundregeln widerlegt hätten, würde dies doch an der zentralen Feststellung der Kommission
         über die Vereinbarung der Grundregeln nichts ändern. Das Vorbringen, die Hinweise auf die verbesserten Grundregeln bezögen
         sich auf das Inkrafttreten der Richtlinie 90/531, sei im Licht sämtlicher in der angefochtenen Entscheidung angeführter Beweisurkunden,
         besonders des Sitzungsvermerks vom 24. Juli 1990, wenig glaubhaft.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
          Vorbemerkungen
         
         
         173
            
          Zur Beweislage im Fall einer Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 Absatz 1 EG ist vorab darauf hinzuweisen, dass es der Kommission
         obliegt, die von ihr festgestellten Zuwiderhandlungen zu beweisen. Sie hat dafür die Beweismittel beizubringen, die die Tatsachen,
         die die Zuwiderhandlung bilden, rechtlich hinreichend nachweisen (Urteile Baustahlgewebe/Kommission, zitiert oben in Randnr.
         56, Randnr. 58, und Kommission/Anic Partecipazioni, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 86).
         
         
         
         174
            
          Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass der Gemeinschaftsrichter im Rahmen einer Nichtigkeitsklage nach Artikel 230 EG nur
         die Rechtmäßigkeit der angefochtenen Handlung nachzuprüfen hat.
         
         
         
         175
            
          Demnach besteht die Rolle des Richters, der mit einer Nichtigkeitsklage gegen eine Entscheidung der Kommission befasst wird,
         mit der eine Zuwiderhandlung gegen die Wettbewerbsregeln festgestellt worden ist und den Adressaten der Entscheidung Geldbußen
         auferlegt worden sind, in der Prüfung, ob die von der Kommission in ihrer Entscheidung angeführten Beweise und sonstigen Darlegungen
         genügen, um das Vorliegen der festgestellten Zuwiderhandlung zu beweisen (in diesem Sinne Urteil PVC II, zitiert oben in Randnr.
         61, Randnr. 891).
         
         
         
         176
            
          Daraus folgt, dass sich die Kommission nicht, um die angefochtene Entscheidung zu stützen, auf neue belastende Beweismittel
         berufen kann, die in der Entscheidung selbst nicht angegeben sind. Soweit die Klägerinnen allerdings durch weitere Unterlagen,
         die sie beim Gericht einreichen, nachzuweisen versuchen, dass die Beurteilung der Kommission auf Sachverhaltsirrtümern beruht,
         darf die Kommission auf dieses Vorbringen unter Bezugnahme auf diese Unterlagen antworten.
         
         
         
         177
            
          Verbleiben dem Richter Zweifel, so müssen sie dem Unternehmen, an das die eine Zuwiderhandlung feststellende Entscheidung
         gerichtet ist, zugute kommen (in diesem Sinne Urteil United Brands/Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 265). Der
         Richter kann also, besonders im Rahmen einer Klage auf Nichtigerklärung einer eine Geldbuße verhängenden Entscheidung, nicht
         zu dem Ergebnis gelangen, dass die Kommission die betreffende Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend nachgewiesen hat, wenn
         ihm in dieser Frage ein Zweifel verbleibt.
         
         
         
         178
            
          Denn in diesem Fall ist der insbesondere in Artikel 6 Absatz 2 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte
         und Grundfreiheiten (EMRK) niedergelegte Grundsatz der Unschuldsvermutung zu berücksichtigen, der zu den Grundrechten gehört,
         die nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes, die im Übrigen durch die Präambel der Einheitlichen Europäischen Akte, durch
         Artikel 6 Absatz 2 des Vertrages über die Europäische Union und durch Artikel 47 der am 7. Dezember 2000 in Nizza verkündeten
         Charta der Grundrechte der Europäischen Union (ABl. 2000, C 364, S. 1) bekräftigt worden ist, in der Gemeinschaftsrechtsordnung
         geschützt sind. Angesichts der Art der fraglichen Zuwiderhandlungen sowie der Art und der Schwere der ihretwegen verhängten
         Sanktionen gilt der Grundsatz der Unschuldsvermutung auch in Verfahren wegen Verletzung der für Unternehmen geltenden Wettbewerbsregeln,
         in denen Geldbußen oder Zwangsgelder verhängt werden können (in diesem Sinne u. a. Urteile des Europäischen Gerichtshofes
         für Menschenrechte vom 21. Februar 1984 in der Rechtssache Öztürk, Serie A, Nr. 73, und vom 25. August 1987 in der Rechtssache
         Lutz, Serie A, Nr. 123‑A; Urteile des Gerichtshofes vom 8. Juli 1999 in den Rechtssachen C‑199/92 P, Hüls/Kommission, Slg.
         1999, I‑4287, Randnrn. 149 und 150, und C‑235/92 P, Montecatini/Kommission, Slg. 1999, I‑4539, Randnrn. 175 und 176).
         
         
         
         179
            
          Daher muss die Kommission, wie die japanischen Klägerinnen zutreffend hervorheben, genaue und übereinstimmende Beweise beibringen,
         die die feste Überzeugung begründen, dass die Zuwiderhandlung begangen wurde (in diesem Sinne Urteile CRAM und Rheinzink/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 57, Randnr. 20, und Zellstoff II, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 127; Urteile SIV u. a./Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 57, Randnrn. 193 bis 195, 198 bis 202, 205 bis 210, 220 bis 232, 249, 250 und 322 bis 328, und Volkswagen/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 57, Randnrn. 43 und 72).
         
         
         
         180
            
          Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass nicht jeder der von der Kommission vorgelegten Beweise diesen Kriterien notwendig hinsichtlich
         jedes Merkmals der Zuwiderhandlung genügen muss. Es reicht aus, dass das von der Kommission angeführte Indizienbündel bei
         seiner Gesamtwürdigung dieser Anforderung genügt (in diesem Sinne Urteil PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnrn. 768
         bis 778, insbesondere Randnr. 777, insoweit bestätigt durch das auf Rechtsmittel ergangene Urteil des Gerichtshofes vom 15.
         Oktober 2002 in den Rechtssachen C‑238/99 P, C‑244/99 P, C‑245/99 P, C‑247/99 P, C‑250/99 P bis C‑252/99 P und C‑254/99 P,
         Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, Slg. 2002, I‑8375, Randnrn. 513 bis 523).
         
         
         
         181
            
          Nach ständiger Rechtsprechung ergibt sich außerdem schon aus dem Wortlaut von Artikel 81 Absatz 1 EG selbst, dass Vereinbarungen
         zwischen Unternehmen unabhängig von ihrer Wirkung verboten sind, wenn mit ihnen ein wettbewerbswidriger Zweck verfolgt wird
         (u. a. Urteil Kommission/Anic Partecipazioni, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 123). Im vorliegenden Fall hat die Kommission
         tatsächlich in erster Linie auf den wettbewerbsbeschränkenden Zweck der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten
         Übereinkunft abgestellt. Sie hat außerdem, insbesondere in den Randnummern 62 bis 67 der angefochtenen Entscheidung, zahlreiche
         Urkundenbeweise angeführt, die ihrer Auffassung nach sowohl das Vorliegen dieser Übereinkunft als auch deren wettbewerbsbeschränkenden
         Zweck belegen.
         
         
         
         182
            
          Dieser Umstand hat möglicherweise weitreichende Konsequenzen für den ersten Teil des vorliegenden Klagegrundes, mit dem im
         Wesentlichen geltend gemacht wird, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung keine
         wettbewerbswidrigen Wirkungen gehabt habe (vgl. oben, Randnr. 55, erster Satz).
         
         
         
         183
            
          Insoweit ist erstens festzustellen, dass das Vorbringen der japanischen Klägerinnen, die fragliche Übereinkunft sei ohne Auswirkungen
         geblieben, auch dann, wenn es zuträfe, grundsätzlich allein nicht zur Nichtigerklärung von Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         führen kann (in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 11. Januar 1990 in der Rechtssache C‑277/87, Sandoz Prodotti Farmaceutici/Kommission,
         Slg. 1990, I‑45, und Urteil des Gerichts vom 6. April 1995 in der Rechtssache T‑143/89, Ferriere Nord/Kommission, Slg. 1995,
         II‑917, Randnr. 30).
         
         
         
         184
            
          Speziell zu Vereinbarungen, die wie die von der Kommission hier festgestellte Übereinkunft die Respektierung der Inlandsmärkte
         vorsahen, hat das Gericht in seinem Urteil Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnrn. 1085 bis 1088) zum einen entschieden,
         dass sie als solche eine Einschränkung des Wettbewerbs zum Gegenstand haben und zu einer Gruppe von durch Artikel 81 Absatz
         1 EG ausdrücklich untersagten Vereinbarungen gehören, und zum anderen ausgeführt, dass dieser Gegenstand der Vereinbarung,
         der im dort zugrunde liegenden Sachverhalt unzweifelhaft durch Urkundenbeweise nachgewiesen war, nicht durch eine Analyse
         des wirtschaftlichen Kontextes, in dem das fragliche wettbewerbswidrige Verhalten stand, gerechtfertigt werden kann.
         
         
         
         185
            
          Dazu ist hervorzuheben, dass die Frage, ob der Abschluss der von der Kommission in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellten Übereinkunft mit wettbewerbswidriger Zielsetzung im wirtschaftlichen Interesse der japanischen Klägerinnen
         lag oder nicht, für das Vorliegen der Zuwiderhandlung unerheblich wäre, wenn auf der Grundlage der in der Kommissionsakte
         enthaltenen Beweismittel nachgewiesen ist, dass sie diese Übereinkunft tatsächlich geschlossen haben.
         
         
         
         186
            
          Zweitens ist festzustellen, dass das Vorbringen, die japanischen Klägerinnen hätten das Vorliegen von Umständen nachgewiesen,
         die den von der Kommission festgestellten Sachverhalt in einem anderen Licht erscheinen ließen und damit eine andere plausible
         Erklärung der Tatsachen ermöglichten, aus denen die Kommission auf die Begehung einer Zuwiderhandlung gegen die gemeinschaftlichen
         Wettbewerbsregeln geschlossen habe (Urteile CRAM und Rheinzink/Kommission, zitiert oben in Randnr. 57, Randnr. 16, Zellstoff II,
         zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 126 und 127, und PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 725), im vorliegenden Fall
         nicht stichhaltig ist. Denn die diesem Vorbringen zugrunde liegende Rechtsprechung bezieht sich auf eine Fallkonstellation,
         in der sich die Kommission für ihre Feststellung, dass eine Zuwiderhandlung vorlag, ausschließlich auf das Marktverhalten
         der Unternehmen stützte (in diesem Sinne Urteil PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnrn. 727 und 728).
         
         
         
         187
            
          Wie vorstehend erwähnt, stützte sich die Kommission jedoch im vorliegenden Fall für ihre Feststellung einer wettbewerbswidrigen
         Übereinkunft auf Urkundenbeweise. Die von den japanischen Klägerinnen angeführte Rechtsprechung könnte darum im vorliegenden
         Fall nur einschlägig sein, wenn es der Kommission nicht gelungen wäre, mit den von ihr angeführten Urkundenbeweisen die Begehung
         der Zuwiderhandlung nachzuweisen. Unter diesen Umständen haben die Klägerinnen, die die Nichtigerklärung von Artikel 1 der
         angefochtenen Entscheidung begehren, nicht bloß eine plausible Alternative zur Darstellung der Kommission darzutun, sondern
         müssen außerdem aufzeigen, dass die in der angefochtenen Entscheidung angeführten Beweise für den Nachweis der Zuwiderhandlung
         nicht genügen (in diesem Sinne Urteil PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 728).
         
         
         
         188
            
          Daraus ergibt sich, dass die ersten beiden Teile des vorliegenden Klagegrundes zusammen zu prüfen sind, weil der erste Teil
         gegenüber dem zweiten Teil, mit dem die mangelnde Stichhaltigkeit der Urkundenbeweise gerügt wird, subsidiär ist. Der dritte
         Teil des Klagegrundes ist anschließend gesondert zu prüfen. 
         
          Zum zweiten Teil des Klagegrundes, wonach die Beweismittel nicht beweiskräftig seien, und subsidiär zum ersten Teil des Klagegrundes,
         wonach das Vorliegen der behaupteten Übereinkunft mit der Situation auf dem britischen Offshore‑Markt und auf den übrigen
         Märkten unvereinbar gewesen sei
         
         – Erklärungen von Herrn Verluca
         
         
         189
            
          Es ist zunächst zu konstatieren, dass sich die Kommission sowohl in der angefochtenen Entscheidung (vgl. insbesondere Randnr.
         131) als auch in ihren Schriftsätzen in den vorliegenden Rechtssachen weitestgehend auf die Erklärung von Herrn Verluca vom
         17. September 1996 in Verbindung mit seiner Erklärung vom 14. Oktober 1996 und das Schriftstück „Nachprüfung bei Vallourec“
         stützt (im Folgenden zusammen bezeichnet als „Erklärungen von Herrn Verluca“). Dabei soll die Bedeutung der Erklärungen von
         Herrn Verluca darin liegen, dass sie die einzigen Beweismittel sind, durch die alle Aspekte der Zuwiderhandlung, insbesondere
         ihre Dauer und die betroffenen Produkte, belegt werden.
         
         
         
         190
            
          Der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 ist zu entnehmen, dass die Heimatmärkte der Beteiligten an der als
         „Fundamentals“ bezeichneten Übereinkunft „Schutz“ genossen, ausgenommen der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs, der
         „als teilgeschützt[es Gebiet galt], d. h. ein Konkurrent musste vor Abgabe eines Angebots zunächst mit dem heimischen Ölfeld‑Rohrhersteller
         [Corus] Kontakt aufnehmen“ (vgl. Randnrn. 53 und 62 der angefochtenen Entscheidung). Die von der Übereinkunft erfassten Produkte
         waren nach der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 „nahtlose Standard‑OCTG und [projektbezogene Leitungsrohre]“
         (Randnr. 56 der angefochtenen Entscheidung). Auch die Dauer der Vereinbarung wird von Herrn Verluca in dieser Erklärung dahin
         präzisiert, dass „[d]er Austausch … nach dem Einbruch des Marktes 1977 [begann]“ („[c]es échanges ont commencé après la chute
         du marché de 1977)“ (Randnr. 55 der angefochtenen Entscheidung) und „vor etwas mehr als einem Jahr beendet worden“ sei („se
         sont achevés il y a un peu plus d’un an“) (Randnr. 96 der angefochtenen Entscheidung). Was die praktischen Modalitäten der
         Übereinkunft angeht, so beschreibt Herr Verluca eine Gepflogenheit von grundsätzlich zwei Sitzungen pro Jahr (Randnr. 60 der
         angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         191
            
          Die Kommission weist in Randnummer 57 der angefochtenen Entscheidung darauf hin, dass Herr Verluca in seiner Erklärung vom
         14. Oktober 1996 als „übliche Teilnehmer“ an den Sitzungen „für Europa ... [Corus] (bis zur Einstellung ihrer OCTG‑Tätigkeiten),
         Dalmine, Mannesmann und Vallourec [und] für Japan ... [JFE‑NKK], [JFE]‑Kawasaki, [Nippon] und [Sumitomo]“ benannte. Außerdem
         listete Herr Verluca, wie die Kommission in Randnummer 60 der angefochtenen Entscheidung erwähnt, – allerdings nicht in seiner
         Erklärung vom 17. September 1996, wie die Kommission schreibt, sondern in Anlage 2 seiner Erklärung vom 14. Oktober 1996 –
         fünf Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs auf, und zwar am 14. April 1992 in Florenz, am 23. Oktober 1992 in Tokyo,
         am 19. Mai 1993 in Paris, am 5. November 1993 in Tokyo und am 16. März 1994 in Cannes.
         
         
         
         192
            
          Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass keine Bestimmung und kein allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts es der Kommission
         untersagt, gegen ein Unternehmen die Erklärungen anderer beschuldigter Unternehmen zu verwenden (Urteil PVC II, zitiert oben
         in Randnr. 61, Randnrn. 109 und 512). Andernfalls wäre die der Kommission obliegende Beweislast für Verhaltensweisen, die
         den Artikeln 81 EG und 82 EG zuwiderlaufen, nicht tragbar und mit der ihr vom EG‑Vertrag übertragenen Aufgabe, die richtige
         Anwendung dieser Bestimmungen zu überwachen, nicht zu vereinbaren (Urteil PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 512).
         
         
         
         193
            
          Im vorliegenden Fall ist zunächst die Bedeutung des von Herrn Verluca in seiner Erklärung vom 17. September 1996 gebrauchten
         Begriffes „Austausch“ („échanges“) zu klären. Wie die Kommission anmerkt, ist die Übersetzung dieses Begriffes durch das englische
         Wort „trade“ in der Fußnote auf Seite 10 der englischen Fassung der angefochtenen Entscheidung in der Tat offenkundig irrig
         und besagt der Begriff in Wirklichkeit, dass es zwischen den japanischen und den europäischen Stahlherstellern Kontakte gab.
         Die Kommission verweist zu Recht auf den oben in Randnummer 190 zitierten Satz, in dem dieser Begriff im Rahmen der Beschreibung
         der den japanischen und europäischen Herstellern angelasteten Übereinkunft verwendet wird.
         
         
         
         194
            
          Weiterhin stellen die japanischen Klägerinnen nicht in Abrede, dass die japanischen und die europäischen Hersteller von nahtlosen
         Stahlrohren gemeinsame Sitzungen abhielten (vgl. Randnr. 131 der angefochtenen Entscheidung). JFE‑NKK, JFE‑Kawasaki und Sumitomo
         bestreiten auch nicht ihre Teilnahme an diesen Sitzungen, behaupten aber, dass die einzigen Informationen, die ihnen darüber
         vorlägen, die Erinnerungen ihrer Angestellten seien, die angesichts der seither verstrichenen Zeit wenig verlässlich erschienen.
         
         
         
         195
            
          Nippon trägt vor, dass ihres Wissens keiner ihrer gegenwärtigen Angestellten an den Sitzungen teilgenommen habe; sie könne
         aber nicht ausschließen, dass einige ihrer früheren Angestellten daran teilgenommen hätten. Eine Einzelheit in der Antwort
         von Nippon vom 4. Dezember 1997 auf die ergänzenden Fragen der Kommission, nämlich der Umstand, dass Herr X, der Verantwortliche
         für Stahlrohrausfuhren, vom 14. bis 17. März 1994 eine Dienstreise nach Cannes unternahm, stützt indessen die Auffassung der
         Kommission, dass Nippon an den Sitzungen teilnahm, da eine der von Herrn Verluca erwähnten Zusammenkünfte des Europäisch‑Japanischen
         Clubs am 16. März 1994 in Cannes stattfand (Randnr. 60 der angefochtenen Entscheidung). In derselben Antwort teilt Nippon
         weiter mit, dass sie den Zweck dieser Dienstreise und den von weiteren Dienstreisen ihrer Angestellten nach Florenz nicht
         erklären könne, da sie in beiden Städten keine Kunden habe.
         
         
         
         196
            
          Unter diesen Umständen zog die Kommission zu Recht den Schluss, dass die von Herrn Verluca in seiner Erklärung vom 14. Oktober
         1996 benannten japanischen Klägerinnen (vgl. oben, Randnr. 191) einschließlich Nippon tatsächlich an den von ihm beschriebenen
         Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs teilnahmen.
         
         
         
         197
            
          Die vier japanischen Klägerinnen bestreiten jedoch, dass bei diesen Sitzungen eine Übereinkunft über die Aufteilung der japanischen
         und europäischen Märkte geschlossen worden sei. JFE‑NKK, JFE‑Kawasaki und Sumitomo behaupten, dass in den Sitzungen im Wesentlichen
         nur über Fragen allgemeiner Art oder über die Märkte von Drittländern wie Russland oder China gesprochen worden sei.
         
         
         
         198
            
          Somit ist zwischen der Kommission und den japanischen Klägerinnen die Frage streitig, ob die japanischen und die europäischen
         Hersteller in den Sitzungen für die beiden in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte, nämlich OCTG‑Standardrohre
         und projektbezogene Leitungsrohre, eine rechtswidrige Übereinkunft über den gegenseitigen Schutz der Heimatmärkte schlossen.
         
         
         
         199
            
          Hierzu machen die japanischen Klägerinnen geltend, dass die Erklärungen von Herrn Verluca zu unbestimmt seien, um auch nur
         schwache Beweise für das Bestehen der von der Kommission angenommenen Marktaufteilungsvereinbarung bilden zu können. Besonders
         die von Herrn Verluca gegebene Beschreibung der angeblichen Regelung über einen Teilschutz des Offshore‑Marktes des Vereinigten
         Königreichs, wonach „[d]as UK (off‑shore) … als teilgeschützt [galt], d. h. ein Konkurrent musste vor Abgabe eines Angebots
         zunächst mit dem heimischen Ölfeld‑Rohrhersteller Kontakt aufnehmen, [und] diese Regel … mehr oder weniger eingehalten“ worden
         sei, sei nicht hinreichend genau und entspreche nicht der Wahrheit, denn kein anderes der übrigen von der Kommission angeführten
         Dokumente stütze diese Aussage. Es bestehe außerdem ein Widerspruch zwischen der auf der Erklärung von Herrn Verluca vom 17.
         September 1996 beruhenden und in Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung wiedergegebenen Ansicht der Kommission, dass
         der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs nur teilgeschützt gewesen sei, und den Randnummern 101 und 102 der Entscheidung,
         in denen ohne jede Nuancierung einfach von einer Regelung über die Marktaufteilung gesprochen werde.
         
         
         
         200
            
          Zu dieser letzteren Rüge genügt die Feststellung, dass in den Randnummern 101 und 102 im Rahmen der rechtlichen Beurteilung
         der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung in allgemeiner Form der wettbewerbswidrige
         Zweck der Grundregeln beschrieben wird und dass diese beiden Randnummern im Licht der Randnummer 62 zu sehen sind, in der
         im Zuge einer eingehenden, auf die zusammengetragenen Urkundenbeweise gestützten Erläuterung der Funktionsweise der Grundregeln
         bereits dargelegt ist, dass der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs einen besonderen Status hatte. Dieses Vorbringen
         der japanischen Klägerinnen ist deshalb zurückzuweisen.
         
         
         
         201
            
          Zu dem Vorbringen, die Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs hätten sich niemals auf die Märkte der Gemeinschaft bezogen,
         ist darauf hinzuweisen, dass laut Herrn Verluca in den Sitzungen zwar die „großen Entwicklungen mit Bedeutung für den Ölmarkt
         (amerikanisches VRA, politische Umwälzungen in der UdSSR, Entwicklung in China …)“ diskutiert, dort aber auch die „Anwendung
         der genannten Grundregeln festgestellt“ worden sei. So geht aus der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 hervor,
         dass die Anwendung der Grundregeln, die insbesondere die Respektierung der vier Heimatmärkte der Gemeinschaftshersteller durch
         die japanischen Klägerinnen einschlossen, eines der auf den Sitzungen erörterten Themen bildete.
         
         
         
         202
            
          Insoweit ist daran zu erinnern, dass es die Aufgabe der Kommission ist, Zuwiderhandlungen gegen Artikel 81 Absatz 1 EG zu
         ahnden, und dass nach Buchstabe c dieser Bestimmung Vereinbarungen zur „Aufteilung der Märkte oder Versorgungsquellen“ ausdrücklich
         verboten sind. Eine Vereinbarung ist daher bereits dann eine Zuwiderhandlung, wenn die Kommission nachweist, dass es sich
         um eine Vereinbarung zwischen Unternehmen handelt, die den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu beeinträchtigen geeignet ist
         und eine Aufteilung der Gemeinschaftsmärkte für ein Produkt oder mehrere Produkte unter diesen Unternehmen bezweckte oder
         bewirkte.
         
         
         
         203
            
          Es ist auch darauf hinzuweisen, dass die Kommission das Bestehen einer Zuwiderhandlung oft unter dafür ungünstigen Voraussetzungen
         nachweisen muss, da seit den Vorgängen, die die Zuwiderhandlung bilden, ein Jahr oder mehrere Jahre vergangen sein können
         und möglicherweise mehrere von der Untersuchung betroffene Unternehmen nicht aktiv mit der Kommission zusammengearbeitet haben.
         Wenn die Kommission somit auch notwendig nachweisen muss, dass eine rechtswidrige Vereinbarung über die Aufteilung von Märkten
         geschlossen wurde (vgl. oben, Randnrn. 177 und 178), wäre es überzogen, außerdem noch zu verlangen, dass sie den speziellen
         Mechanismus nachweist, mit dem dieses Ziel erreicht werden sollte (vgl. analog Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der
         Rechtssache T‑310/94, Gruber + Weber/Kommission, Slg. 1998, II‑1043, Randnr. 214). Es wäre nämlich für ein Unternehmen, das
         einer Zuwiderhandlung schuldig ist, zu einfach, sich jeder Sanktion zu entziehen, könnte es sich in einer Situation, in der
         das Bestehen einer rechtswidrigen Vereinbarung und ihr wettbewerbswidriger Zweck hinreichend bewiesen sind, darauf berufen,
         dass die über die Funktionsweise der Vereinbarung vorgelegten Informationen zu unbestimmt sind. Die Unternehmen können sich
         in einer solchen Situation sachgerecht dadurch verteidigen, dass sie zu allen von der Kommission gegen sie angeführten Beweisen
         Stellung nehmen können.
         
         
         
         204
            
          Die Kommission macht im Übrigen unter Verweis auf das Urteil Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 1838) geltend, dass
         sie sich für den Nachweis einer Zuwiderhandlung notfalls auch auf nur ein einziges Schriftstück stützen könne, wenn dessen
         Beweiswert außer Zweifel stehe und es das Vorliegen der Zuwiderhandlung mit Gewissheit bestätige. Diese Regel könne hier auf
         die Erklärungen von Herrn Verluca angewandt werden.
         
         
         
         205
            
          Dazu ist festzustellen, dass die Erklärungen von Herrn Verluca entgegen der Auffassung der japanischen Klägerinnen nicht nur
         verlässlich, sondern von besonders hohem Beweiswert sind, weil sie im Namen von Vallourec abgegeben wurden. Antworten, die
         im Namen eines Unternehmens als solches abgegeben werden, haben aber eine höhere Glaubhaftigkeit als die Antwort eines Mitarbeiters
         des Unternehmens, unabhängig von dessen persönlicher Erfahrung oder Meinung (vgl., wenn auch mit Rechtsmittel angefochten,
         Urteil des Gerichts vom 20. März 2002 in der Rechtssache T‑23/99, LR AF 1998/Kommission, Slg. 2002, II‑1705, Randnr. 45).
         
         
         
         206
            
          Dass die von Herrn Verluca abgegebenen Erklärungen überlegt und mit Ernsthaftigkeit abgegeben wurden, wird dadurch unterstrichen,
         dass er als Vorstandsvorsitzender der Vallourec Oil & Gas die berufliche Pflicht hatte, im Interesse dieses Unternehmens zu
         handeln. Er konnte daher nicht leichthin das Bestehen einer Zuwiderhandlung einräumen, ohne die Konsequenzen dieser Handlungsweise
         abzuwägen, und nichts in den Akten deutet darauf hin, dass er dieser Verpflichtung nicht nachgekommen wäre.
         
         
         
         207
            
          Jedenfalls war Herr Verluca unmittelbarer Zeuge der von ihm beschriebenen Vorgänge. So hat die Kommission u. a. in Randnummer
         28 ihrer Klagebeantwortung in der Rechtssache T‑67/00 unwidersprochen darauf hingewiesen, dass Herr Verluca als Vorstandsvorsitzender
         der Vallourec Oil & Gas selbst an Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs teilgenommen hatte.
         
         
         
         208
            
         Überdies antwortete Herr Verluca mit einer schriftlichen Erklärung auf mündliche Fragen, mit denen ihn die Kommissionsbediensteten
         bei der Inspektion vom 17. September 1996 aufgefordert hatten, sich zu den überwiegend von ihm selbst verfassten Schriftstücken
         zu äußern, die die Kommission zuvor, nämlich bei der Nachprüfung am 1. und 2. Dezember 1994, beschlagnahmt hatte. Herr Verluca
         bestätigte und ergänzte anschließend seine bereits gemachten Angaben mit seiner Erklärung vom 14. Oktober 1996 und, wiederum
         schriftlich, anlässlich einer weiteren Nachprüfung am 18. Dezember 1996. Seine Erklärung vom 14. Oktober 1996 beantwortete
         ein Auskunftsersuchen, das er nach seiner Angabe am 30. September 1996 erhalten hatte, und wurde der Kommission mit Kopie
         an Rechtsanwalt Winckler vom Kabinett Cleary, Gottlieb, Steen & Hamilton übersandt.
         
         
         
         209
            
          Bei der Inspektion am 17. September 1996 wusste Herr Verluca außerdem seit mehr als 18 Monaten, dass die Kommission im Besitz
         von ihm selbst verfasster Dokumente über Kontakte mit Konkurrenten, darunter Corus, war. Er hatte damit überdenken können,
         wie er etwaige Fragen der Kommission zu diesen Unterlagen beantworten würde. Weiterhin hatte Herr Verluca, um seine Erklärung
         vom 14. Oktober 1996 vorzubereiten, über eine zweiwöchige Frist verfügt.
         
         
         
         210
            
          Diese Umstände lassen in ihrer Gesamtschau erkennen, dass Herr Verluca seine Erklärungen bedacht und nach reiflicher Überlegung
         abgab. Diese sind folglich umso glaubhafter.
         
         
         
         211
            
          Die Kommission weist im Übrigen zu Recht darauf hin, dass Erklärungen, die den Interessen des Erklärenden zuwiderlaufen, grundsätzlich
         als besonders verlässliche Beweise anzusehen sind. Im vorliegenden Fall liefen die Erklärungen von Herrn Verluca den Interessen
         des von ihm vertretenen Unternehmens, Vallourec, klar zuwider, weil die Kommission eine Untersuchung gegen es eingeleitet
         hatte.
         
         
         
         212
            
          Insbesondere kann daraus, dass eine Person, die – wie hier Herr Verluca durch die Kommissionsbediensteten – zur Stellungnahme
         zu bestimmten Unterlagen aufgefordert wird, zugibt, dass sie eine Zuwiderhandlung verwirklichte, und die damit Tatsachen einräumt,
         die über die den fraglichen Unterlagen unmittelbar zu entnehmenden Tatsachen hinausgehen, a priori, sofern keine bestimmten
         Anhaltspunkte für das Gegenteil bestehen, der Schluss gezogen werden, dass sich der Betreffende dazu entschlossen hat, die
         Wahrheit zu sagen.
         
         
         
         213
            
          Die japanischen Klägerinnen erheben gegen diesen Schluss vor allem den Einwand, dass die Angestellten der europäischen Hersteller,
         die als deren Vertreter Erklärungen abgaben, das größte Interesse daran gehabt hätten, den „Schaden zu begrenzen“, indem sie
         u. a. das Vorliegen einer Übereinkunft mit den japanischen Herstellern eingeräumt hätten, um so die Kommission von der wahren
         Bedeutung der Grundregeln abzulenken, mit denen eine Aufteilung der europäischen Märkte zwischen europäischen Herstellern
         angestrebt worden sei, also eine weitaus schwerwiegendere Zuwiderhandlung.
         
         
         
         214
            
          Wenn die europäischen Hersteller das Vorliegen einer Marktaufteilungsabsprache mit den japanischen Herstellern einräumten,
         diente dies indessen nicht notwendig dazu, das Bestehen einer Übereinkunft über die Aufteilung der europäischen Märkte unter
         ihnen selbst zu verheimlichen. Im Übrigen ist es nicht wahrscheinlich, dass Vallourec durch Herrn Verluca das Vorliegen einer
         Zuwiderhandlung zugab und dabei gleichzeitig das Vorliegen einer anderen Zuwiderhandlung verheimlichen wollte, die gleichartig
         war und überdies auf bestimmten der eingeräumten Tatsachen beruhte, sich aber in geografischer Hinsicht von der eingeräumten
         Zuwiderhandlung unterschied. Wer so handelte, liefe nämlich, wenn die Kommission die wahren Vorgänge ermittelt, das schwerwiegende
         Risiko, ihr beim Nachweis einer von ihm selbst begangenen Zuwiderhandlung geholfen zu haben, ohne dafür aber eine nennenswerte
         Herabsetzung seiner Geldbuße wegen Zusammenarbeit zu erlangen.
         
         
         
         215
            
          Das genannte Vorbringen der japanischen Klägerinnen ist daher nicht überzeugend und vermag die Glaubhaftigkeit der Erklärungen
         von Herrn Verluca nicht zu erschüttern. Zu dem Argument von JFE‑Kawasaki, Herr Verluca habe mit seiner Erklärung vom 17. September
         1996 nur ein einziges Schriftstück, nämlich den Vermerk „Einige Informationen“, kommentieren wollen, genügt der Hinweis, dass
         in der Erklärung, in der dieser Vermerk im Übrigen unerwähnt bleibt, ausdrücklich vom Bestehen einer allgemeinen Übereinkunft
         über die Aufteilung der Märkte für zwei bestimmte Produktarten gesprochen wird. Es besteht daher kein Grund zu der Annahme,
         dass Herr Verluca mit seiner Erklärung nur dieses Dokument habe kommentieren wollen, und zu einer entsprechenden Relativierung
         der seiner Erklärung zukommenden Tragweite.
         
         
         
         216
            
          Zu dem Dokument „Nachprüfung bei Vallourec“ macht JFE‑Kawasaki geltend, Herr Verluca habe darin angegeben, dass die übrigen
         von der angefochtenen Entscheidung erfassten Offshore‑Märkte, also die Märkte außerhalb des Vereinigten Königreichs, nicht
         als Heimatmärkte im Sinne der Grundregeln angesehen worden seien. Dazu genügt der Hinweis, dass Herr Verluca mit dieser Aussage
         folgende Frage der Kommission beantwortete: „Welchen Status hatten die verschiedenen Offshore‑Märkte (Holland, Dänemark, UK,
         Norwegen, China)[?]“ Damit bedeutete diese Aussage offenkundig nur, dass der niederländische, der dänische, der norwegische
         und der chinesische Markt keine Heimatmärkte waren, und ist sie für den Status des deutschen, des französischen und des italienischen
         Offshore‑Marktes völlig unbeachtlich.
         
         
         
         217
            
          Soweit Sumitomo geltend macht, dass der Verteilerschlüssel nach dem Dokument „Nachprüfung bei Vallourec“ „nur für Standardprodukte“
         gegolten habe und damit nicht für Leitungsrohre, die keine Standardprodukte seien, ist darauf hinzuweisen, dass Herr Verluca
         mit dieser Aussage speziell auf eine Frage nach dem Protokoll der Unterredung mit JF antwortete. Diesem Protokoll ist aber
         zu entnehmen, dass es ausschließlich OCTG‑Rohre und nicht Leitungsrohre betraf, woraus zu schließen ist, dass sich die Ausführungen
         von Herrn Verluca ausschließlich auf OCTG‑Rohre bezogen.
         
         
         
         218
            
          Aber selbst wenn man annähme, dass sich diese Aussage von Herrn Verluca nicht nur auf OCTG‑Rohre bezog, für die er schon in
         seiner Erklärung vom 17. September 1996 klargestellt hatte, dass die Zuwiderhandlung nur die Standardprodukte betraf, sondern
         auch auf Leitungsrohre, geht jedenfalls aus dem Wortlaut dieser Erklärung hervor, dass die Respektierung der Heimatmärkte
         der dem Europäisch‑Japanischen Club angehörenden Hersteller und die für Drittlandsmärkte geltende Verteilerschlüssel‑Regelung
         zwei gesonderte Teile der Grundregeln bildeten. Diese Präzisierung, die sich ausschließlich auf die Drittlandsmärkte bezog,
         entkräftet daher nicht die zentrale Annahme der Kommission, dass Gegenstand der Aufteilung der Heimatmärkte unter den Mitgliedern
         des Europäisch‑Japanischen Clubs nicht nur die OCTG‑Standardrohre, sondern auch die projektbezogenen Leitungsrohre waren.
         Es ist auch hervorzuheben, dass Herr Verluca seine Aussage, die rechtswidrige Übereinkunft habe auch Leitungsrohre erfasst,
         später niemals änderte.
         
         
         
         219
            
          Es ist weiterhin daran zu erinnern, dass nach der Rechtsprechung des Gerichts eine Erklärung, die ein der Beteiligung an einer
         Absprache beschuldigtes Unternehmen abgibt und deren Richtigkeit von mehreren anderen beschuldigten Unternehmen bestritten
         wird, nicht als hinreichender Beweis für die Begehung einer Zuwiderhandlung durch diese anderen Unternehmen angesehen werden
         kann, wenn sie nicht durch andere Beweismittel untermauert wird (in diesem Sinne Urteil Enso‑Gutzeit/Kommission, zitiert oben
         in Randnr. 58, Randnr. 91). Um das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung
         zu beweisen, müssen die Erklärungen von Herrn Verluca daher trotz ihrer Glaubhaftigkeit durch weitere Beweismittel erhärtet
         werden.
         
         
         
         220
            
          Allerdings ist der Grad, in dem eine solche Erhärtung im vorliegenden Fall zu verlangen ist, wegen der Glaubhaftigkeit dieser
         Erklärungen sowohl nach der erforderlichen Genauigkeit als auch der nötigen Intensität nach geringer als im Fall von nicht
         sonderlich glaubhaften Erklärungen. Wäre somit vom Gericht festzustellen, dass das Vorliegen und bestimmte spezifische Aspekte
         der von Herrn Verluca genannten und in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Vereinbarung über die Marktaufteilung
         durch ein Bündel übereinstimmender Indizien erhärtet wird, so können nach der Regel, die sich aus dem Urteil Zement (zitiert
         oben in Randnr. 66, Randnr. 1838) ergibt und auf die sich die Kommission hier beruft (vgl. oben, Randnr. 204), die Erklärungen
         von Herrn Verluca allein ausreichen, um andere Aspekte der angefochtenen Entscheidung zu belegen. Soweit außerdem ein Dokument
         nicht in offenkundigem Widerspruch zu den Erklärungen von Herrn Verluca über das Vorliegen oder den wesentlichen Inhalt der
         Marktaufteilungsabsprache steht, kommt ihm bereits dann ein gewisser Wert als erhärtendes Beweismittel im Bündel der belastenden
         Beweise zu, wenn es bestimmte signifikante Merkmale der von Herrn Verluca beschriebenen Vereinbarung bezeugt (vgl. oben, Randnr.
         180 und die dort zitierte Rechtsprechung).
         
         
         
         221
            
          Im Licht dieser Erwägungen sind die übrigen in der angefochtenen Entscheidung, insbesondere in ihren Randnummern 62 bis 67
         und 100, bezeichneten Beweismittel und bestimmte weitere in der Kommissionsakte enthaltene Dokumente, soweit sich die Verfahrensbeteiligten
         zu ihnen vor dem Gericht im Rahmen ihrer Stellungnahme zur Glaubhaftigkeit bestimmter in der angefochtenen Entscheidung selbst
         ausdrücklich angeführter Beweismittel geäußert haben, nacheinander zu würdigen.
         
         
         – Vermerke von Vallourec
         
         
         222
            
          In Randnummer 67 der angefochtenen Entscheidung stützt sich die Kommission auf den Vermerk „Unterredung mit BSC“, der zwar
         undatiert ist, aber vom Juni 1990 stammen soll, und zwei weitere Vermerke, nämlich den von Herrn Verluca unterzeichneten Sitzungsvermerk
         vom 24. Juli 1990 und den Vermerk „Verlängerung des VAM‑Vertrags mit BSC“. Die Kommission zitiert in dieser Randnummer der
         Entscheidung aus dem Vermerk „Unterredung mit BSC“ folgenden Passus:
         „[Vallourec] ist der Ansicht, dass den Japanern von den Briten nicht das Tor zum britischen Markt geöffnet werden darf. Die
         Fundamentals müssen voll ausgereizt werden. In einem ersten Schritt müssen die japanischen Vorstände vom Clubvorstand schriftlich
         über das Vordringen der [Japaner] in den britischen Markt informiert werden. Es scheint schwer vorstellbar, dass es [Corus]
         gelingt, einen Verteilerschlüssel für japanische PJ auszuhandeln, wo sich doch SMI hieran seit Monaten die Zähne ausbeißt.“
         („L’analyse de [Vallourec] est qu’il ne faut pas ouvrir la porte aux Jap[onai]s en les favorisant d’un british content. Il
         faut jouer les fondamentals à fond, la première démarche étant d’écrire via le pt du Club aux pt Jap pour signaler les implantations
         des [Japonais] en UK. Il paraît ambitieux d’imaginer que [Corus] puisse organiser un sharing key en PJ japonais alors que
         SMI se casse les dents sur ce point depuis de longs mois.“)
         
         
         
         223
            
          In Randnummer 78 der angefochtenen Entscheidung, der sich auf die in Artikel 2 der Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung
         bezieht, wird aus dem Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 folgender Passus wiedergegeben:
         „[Mannesmann] ist der einzige europäische Hersteller, der den Japanern Angst macht und sie daher zur Einhaltung der ‚Fundamentals
         improved‘ zwingen kann. Die Anwendung der ‚Fundamentals‘ auf das Vereinigte Königreich wäre ganz im Interesse von [Mannesmann],
         da dieses nach der Schließung von Clydesdale einen Teil des Bedarfes Großbritanniens an Glattendrohren decken wird.“
         („[Mannesmann] est le seul producteur européen qui fasse peur aux Japonais et qui puisse donc imposer un respect des ‘fundamentals
         improved’. [Mannesmann] aurait un intérêt à la défense des ‘fundamentals’ sur le UK puisqu’il fournirait une partie des [tubes
         lisses] après l’arrêt de Clydesdale.“)
         
         
         
         224
            
          In derselben Randnummer der angefochtenen Entscheidung wird auch folgender Auszug aus demselben Vermerk zitiert:
         „[Corus] und [Vallourec] sind gemeinsam der Ansicht, dass die Stellung der EWG so weit gestärkt ist, dass eine Nachbesserung
         der Fundamentals möglich sein muss, die den Japanern den Zugang zum britischen Markt auch nach der Schließung von Clydesdale
         untersagt. [Philip Varley von Corus] fügt hinzu, dass eine 100%ige Einhaltung der ‚Fundamentals‘ im Vereinigten Königreich
         unmöglich ist und man daher zufrieden sein könne, solange Lieferungen 15 000 Tonnen jährlich nicht überschreiten. [Corus]
         macht auf die Möglichkeit aufmerksam, Glattendrohre auch bei [den lateinamerikanischen Herstellern] UTM, SIDERCA und TAMSA
         einzukaufen, um sich vor deren unkontrollierter Konkurrenz zu schützen.“
         („[Corus] et [Vallourec] s’accordent pour dire que ce renforcement de la CEE est jouable et doit aboutir à des ‘fundamentals
         improved’ qui interdiraient aux Japonais l’accès du UK même après que Clydesdale aurait été fermé. [Philip Varley de Corus]
         ajoute qu’un respect à 100 % des ‘fundamentals’ en UK est impossible mais que si les exceptions ne dépassent pas 15 000 tonnes
         par an, la situation sera supportable. [Corus] évoque toutefois la possibilité d’acheter des [tubes lisses] à UTM, SIDERCA
         et TAMSA [producteurs d’Amérique latine] pour éviter leur concurrence sauvage.“)
         
         
         
         225
            
          In der Begründung, die die angefochtene Entscheidung zum Vorliegen der in ihrem Artikel 2 festgestellten Zuwiderhandlung gibt
         (Randnr. 80), zitiert die Kommission weiterhin folgenden Passus aus dem Vermerk „Überlegungen zum VAM‑Vertrag“:
         „… wenn … die Japaner dazu gebracht werden können, dass sie sich vom britischen Markt fernhalten und den Europäern gestatten,
         das Problem unter sich zu regeln. In diesem Fall würden sich [Mannesmann], [Vallourec] und Dalmine die Glattendrohrlieferungen
         an [Corus] teilen. Dann wäre es wahrscheinlich günstig, die [Vallourec‑]Lieferungen an den Preis und die Menge der von [Corus]
         verkauften VAM zu koppeln.“
         („[...] si [...] on peut obtenir des Japonais qu’ils n’interviennent pas sur le marché UK, et que le problème se règle entre
         Européens. Dans ce cas on partagerait effectivement les tubes lisses entre [Mannesmann], [Vallourec] et Dalmine. Dans ce scénario
         II, on aurait probablement intérêt à lier les ventes de [Vallourec] à la fois au prix et au volume du VAM vendu par [Corus].“)
         
         
         
         226
            
          In derselben Randnummer zitiert die Kommission ferner folgenden Satz aus dem Vermerk „Strategische Überlegungen“, der die
         im Rahmen des vorstehenden Szenarios ins Auge gefassten Konditionen betrifft:
         „[Mannesmann]/DALMINE/[Vallourec] haben [Corus] dazu gebracht, seine Glattendrohre in erster Linie bei den Europäern zu kaufen,
         die das Auftragsvolumen nach einem genauen Schema untereinander aufteilen.“
         („[Mannesmann]/DALMINE/[Vallourec] obtiennent que [Corus] achète ses tubes lisses en priorité aux Européens qui se répartissent
         cette fourniture selon une règle stricte.“)
         
         
         
         227
            
          In einem anderen Passus des Vermerks „Strategische Überlegungen“, den die Kommission in dem Teil der angefochtenen Entscheidung
         zitiert, der sich mit den die Drittlandsmärkte betreffenden Aspekten der Grundregeln befasst (Randnr. 73), heißt es im Übrigen,
         es sei, wolle man „erreichen, dass die Japaner das UK nicht anrühren, ... zu befürchten, dass die Europäer etwas im Gegenzug
         (FAR EAST, MIDDLE EAST, Revidierung des weltweiten Prozentsatzes …) geben“ müssten.
         
         
         
         228
            
          Diese Auszüge aus den Vermerken von Vallourec erhärten klar und unzweideutig die in den Erklärungen von Herrn Verluca enthaltene
         Aussage über das Bestehen der Grundregeln („Fundamentals“). Wie die Kommission in ihren Schriftsätzen hervorhebt, geht aus
         diesen Vermerken klar hervor, dass die Grundregeln eindeutig festgelegt waren, da sie ohne weitere Erläuterungen von den Vallourec-Mitarbeitern,
         die die Vermerke verfassten, und den Adressaten verstanden werden konnten.
         
         
         
         229
            
          Wenn die Vermerke von Vallourec auch nicht das Wesen der Grundregeln ausdrücklich beschreiben, ist ihnen doch darüber hinaus
         klar zu entnehmen, dass die japanischen Hersteller die Grundregeln „einzuhalten“ hatten und dass die „Angst“ vor Mannesmann
         ein Mittel war, mit dem diese „Einhaltung“ insbesondere „[im] Vereinigte[n] Königreich“ möglicherweise erreicht werden konnte.
         Dies wird dadurch bestätigt, dass laut dem Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 die von Vallourec und Corus angestrebte Neufassung
         der Grundregeln, die „verbesserten Grundregeln“ („Fundamentals improved“), „den Japanern den Zugang zum britischen Markt auch
         nach der Schließung von Clydesdale untersag[en]“ sollte.
         
         
         
         230
            
          Demnach erhärten diese Vermerke die von Herrn Verluca in seinen Erklärungen gegebene Beschreibung der Grundregeln, wonach
         diese grundsätzlich den Schutz der Heimatmärkte der vier europäischen Hersteller gegenüber den japanischen Herstellern beinhalteten.
         Sie stützen die Erklärungen von Herrn Verluca im Übrigen auch darin, dass diese Schutzregeln auch für den Offshore‑Markt des
         Vereinigten Königreichs galten, dieser aber einen Sonderstatus hatte. Den Vermerken ist nämlich zu entnehmen, dass es den
         europäischen Herstellern darum ging, diesen Schutz des Offshore‑Marktes des Vereinigten Königreichs, obwohl dessen heimischer
         Hersteller Corus seine Glattendrohrproduktion einstellen und stattdessen nur noch die bei anderen Herstellern gekauften Rohre
         mit Gewinden versehen wollte, aufrechtzuerhalten und maximal zu verstärken.
         
         
         
         231
            
          Die japanischen Klägerinnen weisen zutreffend darauf hin, dass in den Vermerken von Vallourec nur interne Überlegungen des
         Unternehmens und, in manchen von ihnen, Kommentare zu Gesprächen zwischen Vallourec und Corus enthalten sind. Auch wenn dies
         den Beweiswert der Vermerke im Hinblick auf die japanischen Klägerinnen zwangsläufig relativiert, hindert es doch die Kommission
         nicht daran, diese Vermerke, vor allem im Rahmen eines größeren Bündels von übereinstimmenden Beweismitteln, als belastende
         Beweismittel zur Erhärtung der ausdrücklichen Erklärungen von Herrn Verluca heranzuziehen. Dass die Vallourec-Angestellten
         an die Wirksamkeit der Grundregeln zum Schutz der europäischen Heimatmärkte gegen die japanischen Hersteller glaubten, ist
         nämlich selbst ein Indiz dafür, dass es diesen Schutz tatsächlich gab.
         
         
         
         232
            
          Die japanischen Klägerinnen formulieren zu den Vermerken „Strategische Überlegungen“ und „Überlegungen zum VAM‑Vertrag“ ein
         spezielles Argument, wonach die Stärkung des Teiles der Grundregeln, der angeblich die Respektierung der europäischen Heimatmärkte
         durch die japanischen Hersteller betroffen habe, nicht dem Szenario entspreche, das Herr Verluca, der Verfasser der beiden
         Vermerke, darin unter insgesamt drei Szenarien letztlich vorgeschlagen habe.
         
         
         
         233
            
          Jedoch ist dem Wortlaut der beiden Vermerke klar zu entnehmen, dass ihr Verfasser diese Lösung bevorzugte und sie nur widerstrebend
         mit der Begründung verwarf, sie sei nicht zu verwirklichen. So bestand insbesondere nach dem Vermerk „Strategische Überlegungen“
         die „günstigste Lösung für [Vallourec]“ darin, dass die „Europäer von den Japanern [erreichten], dass sie das UK bei Buttress
         und Premium respektieren“. Herr Verluca verwirft diese Lösung in dem Vermerk nur mit der Begründung, dass er „leider nicht
         [glaube], dass diese Lösung funktionieren“ könne. Da jedoch diese Lösung, die in der Fortgeltung der Grundregeln und ihrer
         etwaigen Verstärkung bestand, verwirklicht wurde, ist ihre vorläufige Preisgabe durch Herrn Verluca in den Vermerken wesentlich
         weniger aussagekräftig als der Umstand, dass er sie gegenüber den anderen erwogenen Lösungen bevorzugte.
         
         
         
         234
            
          Die Richtigkeit dieser Analyse wird auch dadurch bestätigt, dass die Aufteilung der Lieferungen von Glattendrohren an Corus
         unter Vallourec, Mannesmann und Dalmine, die Herr Verluca in seinen beiden Vermerken im Rahmen des fraglichen Szenarios (vgl.
         oben, Randnr. 226) vorsah, später, jedenfalls vom 9. August 1993 an, dadurch verwirklicht wurde, dass nacheinander die drei
         in Randnummer 79 der angefochtenen Entscheidung genannten Lieferverträge geschlossen wurden (vgl. oben, Randnr. 26). Auch
         der von Herrn Verluca formulierte Vorschlag (vgl. oben, Randnr. 225, und Randnr. 80 der angefochtenen Entscheidung), Vallourecs
         Verkäufe von Glattendrohren an Corus an den Preis und das Volumen der von Corus verkauften OCTG‑Premiumrohre mit nach der
         VAM‑Methode geschnittenen Gewinden zu koppeln, entspricht tatsächlich den später geschlossenen Verträgen, die dem Gericht
         insbesondere in der Rechtssache T‑44/00 vorgelegt worden sind und zu denen sich die japanischen Klägerinnen in der gemeinsamen
         mündlichen Verhandlung äußern konnten (vgl. auch Randnrn. 79, 81 und 111 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         235
            
          Die japanischen Klägerinnen machen geltend, dass sich sämtliche Überlegungen in den Vermerken von Vallourec, die die Kommission
         anführt, nahezu ausschließlich auf die Lage des Offshore‑Marktes des Vereinigten Königreichs für OCTG‑Premiumrohre bezogen
         hätten, während die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung hingegen OCTG‑Standardrohre
         („API“) und projektbezogene Leitungsrohre, nicht jedoch OCTG‑Premiumrohre betroffen habe. Auch in dem Sitzungsvermerk vom
         24. Juli 1990 sei von rostfreien Stahlprodukten die Rede.
         
         
         
         236
            
          Was die OCTG‑Standardrohre angeht, so werden sie in der Stahl‑ und Ölindustrie unstreitig gelegentlich als „Buttress“ bezeichnet.
         Soweit in dem Vermerk „Strategische Überlegungen“ von der Respektierung des Offshore‑Marktes des Vereinigten Königreichs durch
         die japanischen Hersteller im Hinblick auf „Buttress“ gesprochen wird, bezieht sich dies daher notwendig auf diese Produkte
         (vgl. oben, Randnr. 233). Überdies heißt es in dem Vermerk „Überlegungen zum VAM‑Vertrag mit BSC“, dass Corus „ihren Anteil
         an VAM besser als an Buttress halten“ werde.
         
         
         
         237
            
          Dass die Vermerke von Vallourec auch, wie die japanischen Klägerinnen hervorheben, zahlreiche Bezugnahmen auf OCTG‑Premiumrohre
         enthalten, entkräftet nicht die Beurteilung der Kommission im Hinblick auf die OCTG‑Standardrohre. So kann erstens aus den
         Bezugnahmen auf OCTG‑Premiumrohre keineswegs geschlossen werden, dass die Kontakte zwischen Vallourec und Corus ausschließlich
         diese Rohre betrafen. Zweitens lässt sich die von der Kommission getroffene Feststellung einer Zuwiderhandlung im Hinblick
         auf zwei spezielle Produkte nicht mit der Begründung angreifen, dass bestimmte von ihr vorgelegte Beweise auch die Einbeziehung
         anderer Erzeugnisse in die sanktionierte Vereinbarung zeigten.
         
         
         
         238
            
          Auch wenn der Umstand, dass die Vermerke von Vallourec keine genaue und übereinstimmende Beschreibung der von den Grundregeln
         betroffenen Erzeugnisse enthalten, ihren Beweiswert zwangsläufig mindert, kann daraus jedenfalls nicht hergeleitet werden,
         dass die Kommission diese Vermerke, soweit sie bestimmte wesentliche Aussagen von Herrn Verluca bestätigten, nicht als Erhärtung
         seiner Erklärungen heranziehen dürfte. Denn dass sich ein Dokument nur auf manche der in anderen Beweismitteln erwähnten Tatsachen
         bezieht, kann keine Verpflichtung der Kommission begründen, dieses Dokument aus dem belastenden Beweisbündel herauszunehmen
         (vgl. oben, Randnrn. 180 und 220).
         
         
         
         239
            
          Die japanischen Klägerinnen machen außerdem geltend, dass die anderen Gemeinschaftsmärkte als der Offshore‑Markt des Vereinigten
         Königreichs in den Vermerken von Vallourec an keiner Stelle Erwähnung fänden. Dazu ist jedoch festzustellen, dass sich diese
         Vermerke auf die Probleme konzentrieren, die aus der erwarteten Einstellung der Glattendrohrproduktion durch den britischen
         Hersteller Corus auf dem britischen Markt resultieren konnten, was das Fehlen spezieller Hinweise auf sonstige Märkte erklärt,
         die von diesem bevorstehenden Ereignis nicht unmittelbar betroffen waren.
         
         
         
         240
            
          Die japanischen Klägerinnen argumentieren sodann dahin, dass nach dem Vermerk „Überlegungen zum VAM‑Vertrag“ und dem Sitzungsvermerk
         vom 24. Juli 1990 die Fernhaltung der japanischen Hersteller vom britischen Markt eine für die Zukunft vorgeschlagene Maßnahme
         gewesen sei, woraus folge, dass zur Zeit ihrer Abfassung, also 1990, keine Vereinbarung mit den japanischen Herstellern bestanden
         habe (vgl. oben, Randnr. 115). Indessen ist den Vermerken von Vallourec insgesamt, insbesondere dem in Randnummer 67 der angefochtenen
         Entscheidung zitierten Auszug aus dem Vermerk „Unterredung mit BSC“, zu entnehmen, dass die Grundregeln 1990 bereits eine
         von den Vallourec-Angestellten verstandene Bedeutung hatten und dass das im Vermerk „Überlegungen zum VAM‑Vertrag“ angesprochene
         „Problem“, das „unter den Europäern“ geregelt werden sollte, darin bestand, den Heimatmarktstatus des britischen Marktes im
         Rahmen der Grundregeln auch nach der Einstellung der Glattendrohrproduktion durch Corus beizubehalten (vgl. unten, Randnr.
         283). Hierfür sollte eine verbesserte Fassung der Grundregeln beschlossen werden, die, wie es im Sitzungsvermerk vom 24. Juli
         1990 heißt, in der Zukunft wie in der Vergangenheit „den Japanern den Zugang zum britischen Markt ... untersag[en]“ sollten
         (vgl. oben, Randnrn. 223 und 229).
         
         
         
         241
            
          Schließlich machen die japanischen Klägerinnen zum Funktionsmodus der Schutzregelung für den Offshore‑Markt des Vereinigten
         Königreichs geltend, dass die von Herrn Verluca in seiner Erklärung vom 17. September 1996 gegebene Beschreibung, wonach ein
         Wettbewerber vor dem Angebot von unter die Grundregeln fallenden Produkten zunächst Corus zu kontaktieren hatte, weder mit
         den Beweismitteln, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung anführe, noch mit der Wirklichkeit übereinstimme.
         Dagegen führt die Kommission in Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung aus, dass der Vermerk „Unterredung mit BSC“ für
         die Richtigkeit dieser Beschreibung einen weiteren Beweis liefere.
         
         
         
         242
            
          Dazu ist festzustellen, dass im Vermerk „Unterredung mit BSC“ ein Angestellter von Vallourec, wahrscheinlich Herr Verluca,
         ausführt: „[U]nsere Freunde von BSC [Corus] … stützen sich auf die Diskussionen von Kyoto und Marbella und meinen, dass sich
         die [Japaner], auch wenn sie heute bereit sind, für die [Nordsee-Geschäfte] von Fall zu Fall eine Preispolitik einzuhalten,
         morgen, wenn [das Werk] Clydesdale geschlossen wird, davon lossagen werden“. Tatsächlich erhärtet dieses Zitat nicht die von
         Herrn Verluca gegebene Beschreibung, weil es nicht bestätigt, dass es zwischen Corus und den übrigen Mitgliedern des Europäisch‑Japanischen
         Clubs Kontakte wegen einzelner Lieferungen auf den Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs gab. Jedoch belegt das Zitat
         eindeutig, dass die japanischen Hersteller bei Abfassung des Vermerks im Jahr 1990 Wettbewerbsbeschränkungen auf dem Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs akzeptiert hatten. Der Ausdruck „von Fall zu Fall“ könnte im Übrigen dahin auszulegen sein, dass
         es tatsächlich Kontakte in einzelnen Angelegenheiten gab, so dass der Vermerk „Unterredung mit BSC“ eindeutig nicht in Widerspruch
         zur Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 steht.
         
         
         
         243
            
          Jedenfalls ist daran zu erinnern, dass die Kommission für die Feststellung einer Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 Absatz 1
         EG nur nachzuweisen braucht, dass zwischen Unternehmen eine Vereinbarung mit wettbewerbswidrigem Zweck geschlossen wurde (vgl.
         oben, Randnr. 203). Dass sich die im vorliegenden Fall angeführten Beweismittel zu dem Beleg dafür verdichten, dass es Vereinbarungen
         über die Beschränkung des Wettbewerbs durch die japanischen Hersteller auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs
         gab, reicht deshalb aus, um die von der Kommission über diesen Markt getroffenen Feststellungen zu erhärten, auch wenn aus
         den Dokumenten die Funktionsweise dieses Aspekts der Grundregeln nicht sicher und genau nachvollziehbar wird.
         
         
         
         244
            
          Im Ergebnis sind die Vermerke von Vallourec daher insgesamt geeignet, die Erklärungen von Herrn Verluca zu erhärten und damit
         zu bestätigen, dass diese wahrheitsgemäß sind.
         
         
         – Englische Dokumente aus dem Jahr 1993 
         
         
         245
            
          Die Kommission bezieht sich in Randnummer 84 der angefochtenen Entscheidung weiter auf zwei Dokumente aus dem Jahr 1993, nämlich
         das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und das Dokument „g) Japaner“ (im Folgenden zusammen: englische Dokumente
         von 1993). Die Kommission zitiert diese Dokumente in der angefochtenen Entscheidung nicht, aber ihr Inhalt wird in Randnummer
         83 im Hinblick auf bestimmte Faktoren, die das Funktionieren der Grundregeln gestört hätten, und in Randnummer 84 hinsichtlich
         dafür vorgeschlagener Lösungen kurz zusammengefasst. Damit stützt sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung also
         auf diese Dokumente, um das Vorliegen und die Reichweite der Grundregeln und vor allem deren Entwicklung zu den „verbesserten
         Grundregeln“ im Jahr 1993, d. h. zu dem Zeitpunkt zu erklären, zu dem Corus ihren endgültigen Rückzug vom Markt für OCTG‑Gewinderohre
         vorbereitete.
         
         
         
         246
            
          Die japanischen Klägerinnen bestreiten die Relevanz dieser Dokumente. Sie meinen vor allem, dass sie sich auf eine japanische
         Aggression bezögen; nach Auffassung von Nippon ist im Dokument „g) Japaner“ speziell sie selbst gemeint. Diese Aggression
         und die am Anfang des Arbeitspapiers für die Vorstandsvorsitzenden beschriebene, relativ begrenzte Verpflichtung der japanischen
         Hersteller zur Beschränkung von „manche[n] ihrer Lieferungen“ seien mit der in den Randnummern 101 und 102 der angefochtenen
         Entscheidung beschriebenen Regelung über die Respektierung der Heimatmärkte unvereinbar.
         
         
         
         247
            
          Insoweit heißt es in dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden:
         „Die gegenwärtigen Vereinbarungen sind für die Offshore‑Gebiete der EG unbefriedigend, weil die Japaner zwar zugesagt haben,
         manche ihrer Lieferungen in diese Gebiete zu beschränken (in Mengen, die für die Europäer nie zufrieden stellend waren und
         die nur für die Hälfte der Kunden gelten), aber ihre gegenwärtige Aggression bei den (nahtlosen und geschweißten) OCTG und
         geschweißten Leitungsrohren für die Europäer geringere Preise und einen reduzierten Marktanteil bedeutet.“
         („The current agreements are unsatisfactory for the EC offshore areas because, although the Japanese have agreed to limit
         some of their deliveries to these areas [at levels which have never been satisfactory to the Europeans and which only cover
         half of the customers] their current aggression on OCTG [seamless and welded] and welded linepipe means lower prices and reduced
         share for the Europeans.“)
         
         
         
         248
            
          Weiter heißt es in dem Arbeitspapier:
         „Die Japaner haben zwar erklärt, dass sie sich auch im Falle einer Umstrukturierung der gemeinschaftlichen Industrie im Bereich
         nahtloser Rohre an die Abmachungen halten werden, doch fragt sich, ob dies auch gilt, wenn [Corus] sich aus der Rohrenherstellung
         oder ‑fertigbearbeitung im Vereinigten Königreich zurückzieht.“
         („Although the Japanese have agreed not to request changes in our agreements if the EC seamless industry were to restructure,
         there is no guarantee that they would follow this precept if [Corus] were to exit tubemaking or finishing in the UK.“)
         
         
         
         249
            
          Im Übrigen heißt es in dem Dokument „g) Japaner“, dass die „Grundposition für den Kontinentalsockel des Vereinigten Königreichs
         nicht ‚gefestigt‘“ sei („the fundamental position on the UKCS ist not ‘firm’“), und dessen Verfasser, ein Angestellter von
         Corus, erörtert die besten Taktiken, um „die Japaner anzugreifen“ („attack the Japanese“), und zwar vermutlich auf dem chinesischen
         Markt „mit dem Hauptziel, sie aus Europa zu verdrängen“ („with the prime objective of forcing them out of Europe“).
         
         
         
         250
            
          Diese beiden Dokumente, besonders die vorstehend wiedergegebenen Auszüge, stützen mehrere wesentliche Aussagen in den Erklärungen
         von Herrn Verluca und rechtfertigen daher grundsätzlich die Feststellung, dass die Kommission sie zu Recht als Bestätigung
         für das Bestehen der Grundregeln und der verbesserten Grundregeln anführte.
         
         
         
         251
            
          Den beiden Dokumenten ist insbesondere zu entnehmen, dass die als „fundamental[s]“ bezeichneten Vereinbarungen zwischen den
         europäischen und den japanischen Herstellern bereits 1993 existierten und aus Sicht der europäischen Hersteller für den Offshore‑Sektor
         des Vereinigten Königreichs vor allem deshalb unbefriedigend waren, weil mit ihnen nur ganz bestimmte japanische Verkäufe
         auf diesem Markt begrenzt werden konnten. Man kann im Übrigen aus diesen Dokumenten schließen, dass die dort in Bezug genommenen
         Abmachungen eben die von Herrn Verluca in seinen Erklärungen beschriebenen Grundregeln sind und dass die europäischen Hersteller
         mit diesen für die Onshore‑Gebiete zufriedener waren als für den Offshore‑Sektor des Vereinigten Königreichs. Damit ergibt
         sich aus diesen Dokumenten mittelbar, dass für die Onshore‑Sektoren der betroffenen europäischen Märkte ein angemessener Schutz
         vorhanden sein musste.
         
         
         
         252
            
          Auch soweit sich der Verfasser dieser Dokumente über bedeutende japanische Verkäufe auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten
         Königreichs beklagt und Lösungen für deren künftige Begrenzung vorschlägt, stimmen diese Beweismittel mit der Beschreibung
         der Grundregeln in den Erklärungen von Herrn Verluca überein. Denn sie bestätigen nicht nur, dass mit den Grundregeln eine
         Aufteilung der betreffenden Märkte bezweckt wurde, sondern auch, dass der Offshore‑Sektor des Vereinigten Königreichs einen
         weniger effizienten Schutz genoss als die übrigen von der Aufteilung erfassten Sektoren.
         
         
         
         253
            
          Da die japanischen Klägerinnen jedoch eine Reihe von Rügen erheben, mit denen sie den Beweiswert der beiden Dokumente in Frage
         stellen, und ihnen sogar entlastende Gesichtspunkte entnehmen, sind diese Rügen im Hinblick darauf zu prüfen, ob sie den Beweiswert
         der beiden Dokumente tatsächlich verringern.
         
         
         
         254
            
          Insoweit sind zunächst die Argumente der japanischen Klägerinnen zurückzuweisen, die sie aus den Hinweisen auf ihre „Aggression“
         und auf den nur begrenzten Charakter ihrer Verpflichtungen auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs herleiten. Denn
         diese Hinweise stehen in einem Kontext, in dem sich der Verfasser der beiden Dokumente über die japanischen Verkäufe, besonders
         auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs, beklagt und die Beschränkungen der japanischen Verkäufe auf diesem Markt
         als unzureichend beschreibt. Nach der generellen Ausrichtung der Dokumente belegen die Hinweise auf die „Aggression“ der japanischen
         Hersteller eine in der Praxis bestehende Überschreitung der zwischen den Mitgliedern des Europäisch‑Japanischen Clubs vereinbarten
         Begrenzungen auf dem lediglich teilgeschützten Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs, nicht aber einen freien und starken
         Wettbewerb durch die japanischen Hersteller auf diesem Markt. Diese Hinweise entkräften daher keineswegs die Feststellung
         der Kommission über das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten Übereinkunft.
         
         
         
         255
            
          Die japanischen Klägerinnen machen sodann geltend, dass das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und das Dokument „g) Japaner“
         das Vorliegen einer Zuwiderhandlung in ihrem Fall deshalb nicht belegen könnten, weil diese Dokumente nur interne Überlegungen
         von Corus-Mitarbeitern enthielten. Da jedoch der bei Corus beschäftigte Autor der Dokumente die Lage auf den europäischen
         Märkten und deren voraussichtliche Entwicklung erörtert, besteht kein Grund zur Annahme, dass seine Analyse nicht die damalige
         wirkliche Lage reflektiert. Der Detailliertheit und der Formulierungsweise der Dokumente ist zu entnehmen, dass ihr Verfasser
         notwendig an der Ausarbeitung einer Handelsstrategie für Stahlrohre innerhalb von Corus beteiligt war.
         
         
         
         256
            
          Die in den beiden Dokumenten gegebene, vorstehend analysierte Beschreibung einer Vereinbarung zwischen den europäischen und
         den japanischen Herstellern zur Beschränkung der Verkäufe der japanischen Hersteller auf den europäischen Märkten erscheint
         daher trotz des internen Charakters der Dokumente verlässlich.
         
         
         
         257
            
          Es ist außerdem darauf hinzuweisen, dass die Kommission vor dem Gericht unwidersprochen seitens der japanischen und der europäischen
         Klägerinnen ausgeführt hat, dass das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden zwar von Corus verfasst worden sei, aber
         den Vorstandsvorsitzenden der europäischen Hersteller von Mannesmann habe vorgestellt werden sollen, wie der auf der ersten
         Seite des Papiers handschriftlich angebrachte Hinweis belege, wonach es in die Präsentation von „HN“ (Hans Nolte von Mannesmann)
         habe einbezogen werden sollen. Demnach bringt das Dokument die gemeinsame Beurteilung von mindestens zwei europäischen Herstellern
         und nicht nur die eines einzigen zum Ausdruck, was es zu einem besonders stichhaltigen Beweismittel macht.
         
         
         
         258
            
          Schließlich meinen die japanischen Klägerinnen, dass die von den englischen Dokumenten von 1993 betroffenen Produkte nicht
         genau abgrenzbar seien.
         
         
         
         259
            
          Es trifft zwar zu, dass die Passagen des Dokuments „g) Japaner“, die sich auf Rohre mit „13 % Chrom“ und in „rostfreier“ Qualität
         („stainless“) beziehen, ebenso wie die dieselben Begriffe verwendenden Teile des Vermerks „Unterredung mit BSC“ und des Sitzungsvermerks
         vom 24. Juli 1990 im vorliegenden Fall nicht einschlägig sind, weil die angefochtene Entscheidung ausschließlich unlegierte
         Stahlrohre betrifft (Randnr. 28 der angefochtenen Entscheidung). Jedoch ist festzustellen, dass diese Passagen den Geltungsbereich
         der Marktaufteilungsabsprache nicht abschließend beschreiben und deshalb mit dem Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung nicht unvereinbar sind.
         
         
         
         260
            
          Außerdem enthält das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und das Dokument „g) Japaner“ verschiedene Hinweise auf OCTG‑Rohre
         allgemein, und es ist folgerichtig anzunehmen, dass sich diese Hinweise sowohl auf die von der angefochtenen Entscheidung
         erfassten OCTG‑Standardrohre als auch auf OCTG‑Premiumrohre beziehen. So werden in dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden
         Lieferbeschränkungen für „nahtlose und geschweißte OCTG‑ und Leitungsrohre“ („seamless and welded OCTG and linepipe“) vorgeschlagen,
         und im Dokument „g) Japaner“ findet Erwähnung, dass die „J[apaner] für OCTG‑Rohre … allgemein eine Begrenzung ihrer Verkäufe
         auf dem [Festlandsockel des Vereinigten Königreichs] auf 15 % der nichtvertraglichen Geschäfte akzeptiert“ hätten („[o]n OCTG
         in general J’s have agreed to limit their sales to the UKCS to 15 % of the non contract business“). Außerdem bezieht sich
         der in dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden enthaltene Hinweis auf die japanische Aggression bei „(nahtlosen und
         geschweißten) OCTG und geschweißten Leitungsrohren“ („OCTG [seamless and welded] and welded linepipe“) (vgl. oben, Randnr.
         247) notwendig auf OCTG‑Standardrohre und nicht OCTG‑Premiumrohre, weil der Verfasser im folgenden Satz die fehlende Kontrolle
         der gelieferten Mengen an OCTG‑Premiumrohren bedauert.
         
         
         
         261
            
          Soweit bestimmte Passagen in diesen Dokumenten sowie in den Vermerken von Vallourec (vgl. oben, Randnr. 237, und die Bezugnahme
         auf den Vermerk „Unterredung mit BSC“ oben in Randnr. 259) darauf hindeuten, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannte Marktaufteilungsabsprache eine größere Produktpalette erfasste oder erfassen konnte, zu der auch OCTG‑Premiumrohre
         gehörten, ändert dies doch nichts daran, dass diese Unterlagen das Vorliegen der geahndeten, begrenzteren Zuwiderhandlung
         bestätigen. Dass sich diesen Dokumenten der Status der OCTG‑Premiumrohre im Hinblick auf die Grundregeln nicht klar und unzweideutig
         entnehmen lässt, ist ohne Bedeutung, da diese Produkte von der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung nicht erfasst sind.
         
         
         
         262
            
          Hinsichtlich der nahtlosen Leitungsrohre sind die englischen Dokumente von 1993 hingegen unklarer. Während nämlich der erste
         Passus über die Lieferungen von „nahtlose[n] und geschweißte[n] OCTG‑ und Leitungsrohre[n]“ eine Einbeziehung der nahtlosen
         Leitungsrohre in die Grundregeln impliziert, könnte die weitere Angabe im selben Abschnitt zu den „(nahtlosen und geschweißten)
         OCTG‑ und geschweißten Leitungsrohren“ möglicherweise dahin auszulegen sein, dass diese Produkte von den rechtswidrigen Vereinbarungen
         ausgeschlossen waren. Demnach ist festzustellen, dass die beiden Dokumente hinsichtlich der Frage, ob nahtlose projektbezogene
         Leitungsrohre von den Grundregeln erfasst waren, mehrdeutig und deshalb neutral sind. Die englischen Dokumente von 1993 können
         daher die Erklärungen von Herrn Verluca in diesem speziellen Aspekt der Zuwiderhandlung nicht bestätigen, sind hinsichtlich
         dieser Produkte aber auch keine entlastenden Beweismittel.
         
         
         
         263
            
          Auch wenn die mangelnde Klarheit der beiden Dokumente hinsichtlich der Produkte, die von der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung betroffen waren, ihren Wert als Beweismittel unbestreitbar mindert, sind sie doch
         deshalb nicht vollständig zu verwerfen. Vielmehr ist, wie schon hinsichtlich der Vermerke von Vallourec (vgl. oben, Randnr.
         238), ein weiteres Mal daran zu erinnern, dass der Umstand, dass sich ein Dokument nur auf manche der in anderen Beweismitteln
         erwähnten Tatsachen bezieht, nicht zur Konsequenz haben kann, dass es die Kommission nicht zur Erhärtung anderer Beweise heranziehen
         dürfte.
         
         
         
         264
            
          Nach alledem bestätigen die englischen Dokumente von 1993 die Erklärungen von Herrn Verluca in mehrfacher Hinsicht und bilden
         zu Recht einen Teil des Bündels von übereinstimmenden Indizien, die die Kommission in der angefochtenen Entscheidung angeführt
         hat.
         
         
         – Dokument „Stahlrohrsystem“
         
         
         265
            
          Dieses Dokument wurde von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht ausdrücklich angeführt, jedoch ist auf das
         Vorbringen der japanischen Klägerinnen einzugehen, dass das Dokument sie entlaste.
         
         
         
         266
            
          Dazu ist zunächst festzustellen, dass der Gedanke, wonach sich die nahtlose Stahlrohre herstellende europäische Industrie
         in der fraglichen Zeit in einer Umstrukturierung befand und sich die europäischen Hersteller zur Kontrolle dieser Umstrukturierung
         untereinander abstimmten, mit der Darstellung der Kommission keineswegs unvereinbar ist. Den Randnummern 87 bis 94 der angefochtenen
         Entscheidung ist vielmehr zu entnehmen, dass die Kommission die Auswirkungen der Umstrukturierung der europäischen Stahlindustrie
         durchaus berücksichtigte.
         
         
         
         267
            
         Überdies geht aus der angefochtenen Entscheidung und aus den oben geprüften Vermerken von Vallourec hervor, dass die europäischen
         Hersteller die Umstrukturierung der europäischen Industrie im speziellen Kontext der Grundregeln und besonders unter dem Gesichtspunkt
         analysierten, ob sie Auswirkungen auf ihre Beziehungen zu den japanischen Herstellern haben könne. Sie befürchteten insbesondere,
         dass der Markt des Vereinigten Königreichs, vor allem sein bedeutender Offshore‑Sektor, nach Schließung des Corus-Werkes in
         Clydesdale von den japanischen Herstellern nicht mehr als Heimatmarkt respektiert werden könnte (vgl. oben, Randnrn. 170,
         223 und 242). Außerdem wurde in dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und in dem Dokument „g) Japaner“ vorgeschlagen,
         dass die europäischen Hersteller die mögliche Liquidation von NTM bei den Verhandlungen mit den japanischen Herstellern berücksichtigen
         sollten.
         
         
         
         268
            
          Der Umstand, dass im Dokument „Stahlrohrsystem“ der englische Ausdruck „Fundamentals“ im Rahmen einer Diskussion der Rationalisierung
         der Gemeinschaftsindustrie verwendet wird, heißt daher keineswegs, dass die Grundregeln ihrer Konzeption nach diesen Prozess
         und nicht die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Marktaufteilungsvereinbarung betrafen. Ebenso wenig
         ist diesem Dokument – in dem ohne Erwähnung der japanischen Hersteller davon gesprochen wird, dass sich die Beziehungen zwischen
         den europäischen Herstellern nach den Grundregeln bestimmten – zu entnehmen, dass die Grundregeln nur Europa betroffen hätten.
         Dass die japanischen Hersteller in dem Dokument nicht erwähnt werden, erklärt sich, betrachtet man den Inhalt des Dokuments
         insgesamt, nämlich daraus, dass es eindeutig einer Analyse der Beziehungen zwischen den Gemeinschaftsherstellern gewidmet
         war. Aus dem Dokument kann daher nicht geschlossen werden, dass die Grundregeln entgegen der Aussage von Herrn Verluca in
         seiner Erklärung vom 17. September 1996, die durch weitere Beweismittel erhärtet wird, nur Gegenstand innereuropäischer Diskussionen
         gewesen wären.
         
         
         
         269
            
          Demnach kann das Dokument „Stahlrohrsystem“ hinsichtlich der den japanischen Klägerinnen vorgeworfenen Zuwiderhandlung gegen
         Artikel 81 Absatz 1 EG nicht als entlastendes Beweismittel angesehen werden.
         
         
         – Verteilerschlüssel‑Papier („sharing key“)
         
         
         270
            
          Um insbesondere ihre Darstellung zu untermauern, wie sich die Entwicklungen innerhalb des Europäisch‑Japanischen Clubs seit
         Ende 1993 entwickelt hätten, bezieht sich die Kommission in den Randnummern 85 und 86 der angefochtenen Entscheidung auf ein
         Schriftstück, das ihr am 12. November 1997 von einer am Verfahren nicht beteiligten Person ausgehändigt wurde. Der Informant
         gab an, er habe das Papier von einem Handelsvertreter eines der dem Club angehörenden Unternehmen erhalten. Nach Auffassung
         der Kommission belegt das Papier, dass die Kontaktaufnahme mit den lateinamerikanischen Herstellern teilweise erfolgreich
         gewesen sei. Die im Papier enthaltene Tabelle gebe die Marktaufteilung zwischen den europäischen, den japanischen und den
         lateinamerikanischen Herstellern wieder. So sehe das Papier einen Marktanteil von 100 % für die europäischen Hersteller in
         Europa und für die japanischen Hersteller in Japan vor. Auf den übrigen Märkten hätten die europäischen Hersteller einen Anteil
         von 0 % im Fernen Osten, von 20 % im Mittleren Osten und von 0 % in Lateinamerika erhalten.
         
         
         
         271
            
          JFE‑Kawasaki hält das Papier als Beweismittel für unzulässig, da es undatiert sei und die Kommission weder die Identität seines
         Verfassers noch der Person, die es ihr ausgehändigt habe, offenbart habe, so dass die Klägerinnen nicht wissen könnten, in
         welchem Kontext das Papier ausgearbeitet und aus welchen Gründen es der Kommission zugeleitet worden sei. Es sei das erste
         Mal, dass die Kommission das Vorliegen einer Zuwiderhandlung zu Lasten eines Unternehmens auf der Grundlage eines anonymen
         Schriftstücks annehme.
         
         
         
         272
            
          Dieses Vorbringen ist zurückzuweisen.
         
         
         
         273
            
          Im Gemeinschaftsrecht gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung, und das alleinige Kriterium für die Beurteilung von Beweismitteln
         ist ihre Glaubhaftigkeit (Schlussanträge des zum Generalanwalt bestellten Richters Vesterdorf in der Rechtssache Rhône‑Poulenc/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 56). Im Übrigen kann es für die Kommission erforderlich sein, die Anonymität von Informanten zu schützen
         (in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 7. November 1985 in der Rechtssache 145/83, Adams/Kommission, Slg. 1985, 3539,
         Randnr. 34), und dies allein verpflichtet sie nicht dazu, ein in ihrem Besitz befindliches Beweismittel außer Betracht zu
         lassen. Wenn das Vorbringen von JFE‑Kawasaki somit auch für die Prüfung zu berücksichtigen ist, ob das Verteilerschlüssel‑Papier
         glaubhaft ist, ist das Papier doch kein unzulässiges Beweismittel.
         
         
         
         274
            
          Insoweit machen JFE‑Kawasaki und die anderen japanischen Klägerinnen geltend, dass das Verteilerschlüssel‑Papier, selbst wenn
         es ein zulässiges Beweismittel wäre, jedenfalls nicht verlässlich sei, weil es nicht angemessen identifiziert sei. Tatsächlich
         wird die Glaubhaftigkeit des Papiers unstreitig dadurch gemindert, dass der Kontext seiner Abfassung weitgehend unbekannt
         ist und die Angaben der Kommission hierzu nicht nachprüfbar sind (vgl. oben, Randnr. 270).
         
         
         
         275
            
          Soweit das Verteilerschlüssel‑Papier indessen spezielle Informationen enthält, die mit den in anderen Schriftstücken enthaltenen
         Informationen übereinstimmen, können sich die Beweismittel dennoch gegenseitig verstärken.
         
         
         
         276
            
          So erwähnt Herr Verluca in seiner Erklärung vom 17. September 1996 einen „ursprünglichen“ Verteilerschlüssel, der für „internationale
         Ausschreibungen“ gegolten und sich auf die Verträge zwischen den japanischen und den europäischen Herstellern bezogen habe,
         so dass das Bestehen einer solchen Aufteilung im Rahmen des Europäisch‑Japanischen Clubs hinreichend bewiesen ist. Weiter
         heißt es in dem Protokoll der Unterredung mit JF, dass Vallourec, um „im Rahmen des Systems [zu bleiben] …, auf den Fernen
         Osten [und] Lateinamerika [verzichten] und sich im Mittleren Osten auf einen Marktanteil von 20 % zu dritt [beschränken]“
         müsse. Von der Kommission zur Erläuterung dieser beiden Schriftstücke aufgefordert, gab Herr Verluca an, sie hätten sich auf
         den 1993 unternommenen Versuch einer Änderung der geltenden Verteilerschlüssel bezogen, mit der die Verkäufe der lateinamerikanischen
         Hersteller und die auf den verschiedenen Märkten „erworbenen Positionen“ hätten berücksichtigt werden sollen.
         
         
         
         277
            
          Die japanischen Klägerinnen führen gegen die Verwertung des Verteilerschlüssel‑Papiers durch die Kommission verschiedene ergänzende
         Argumente ins Feld. So verweisen sie zunächst darauf, dass das Papier nur eine viel beschränktere Produktpalette betreffe
         als die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996. In dem Papier gehe es ausschließlich um den Marktanteil bei nahtlosen
         OCTG‑Standardrohren, soweit sie Gegenstand von offenen Ausschreibungen gewesen seien. Nach dem Papier werde die Tragweite
         des Verteilerschlüssels durch den Hinweis „Offene Ausschreibungen für nahtlose API‑Rohre“ („SMLS API OPEN TENDER“) eingeschränkt,
         während es nach der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 für die in der Erklärung genannten Produkte in Europa
         keine bedeutenden Ausschreibungen („pas de gros Tenders“) gegeben habe. Nach den Angaben von Herrn Verluca sei der vom Verteilerschlüssel
         betroffene Markt folglich inexistent.
         
         
         
         278
            
          Dazu ist zunächst festzustellen, dass sich das Verteilerschlüssel‑Papier entgegen den Ausführungen der Kommission nur auf
         nahtlose OCTG‑Rohre und nicht auf Leitungsrohre bezieht. Wie die japanischen Klägerinnen nämlich ohne Widerspruch seitens
         der Kommission in der mündlichen Verhandlung erläutert haben, beziehen sich die zweimal in dem Papier verwendeten Abkürzungen
         „C/S“ und „T/B“, die für Futterrohre („casing“) und Steigrohre („tubing“) stehen, nach der Produktbeschreibung in Randnummer
         29 der angefochtenen Entscheidung auf zwei wesentliche Elemente eines OCTG‑Rohrs und damit zwingend und ausschließlich auf
         dieses Produkt.
         
         
         
         279
            
          Zu dem Hinweis „Offene Ausschreibungen für nahtlose API‑Rohre“ („SMLS API OPEN TENDER“) im Verteilerschlüssel‑Papier ist festzustellen,
         dass in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 die Angabe, es habe keine bedeutenden Ausschreibungen in Europa
         gegeben, im Abschnitt „1.4 Sonstige Märkte“ gemacht wird, während die Heimatmärkte der Mitglieder des Europäisch‑Japanischen
         Clubs im Abschnitt „1.1 ‚Heimat‘märkte“, und zwar unter ausdrücklicher Erwähnung des „UK (offshore)“, behandelt werden. Daraus
         ist a priori zu schließen, dass sich der in Abschnitt 1.4 der Erklärung verwendete Begriff „Europa“ auf die anderen europäischen
         Märkte als die vier Heimatmärkte bezieht, die von der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung
         betroffen waren, also die europäischen Märkte außer dem deutschen, dem französischen, dem italienischen und dem britischen
         Markt.
         
         
         
         280
            
          Jedoch bleibt diese Bezugnahme auf Europa unbestimmt und daher mehrdeutig, und bezöge sie sich entgegen der in der vorstehenden
         Randnummer gegebenen Auslegung auch auf diese vier Märkte, so könnte das Verteilerschlüssel‑Papier die Erklärung von Herrn
         Verluca vom 17. September 1996 hinsichtlich der auf diesen vier Märkten bestehenden Lage zwangsläufig nicht unmittelbar stützen.
         Denn hätte es auf diesen Märkten keine offenen Ausschreibungen gegeben, so könnte sich das Verteilerschlüssel‑Papier, da es
         durch solche Ausschreibungen erfasste nahtlose API‑Rohre betrifft, nicht auf diese Märkte beziehen. Diese Mehrdeutigkeit,
         die sich angesichts des Akteninhalts und des Vorbringens der Klägerinnen nicht ausräumen lässt, mindert daher den Beweiswert
         des Verteilerschlüssel‑Papiers für eine Erhärtung der Erklärungen von Herrn Verluca.
         
         
         
         281
            
          Weiterhin widerspricht das Verteilerschlüssel‑Papier nach Ansicht der japanischen Klägerinnen der im Vermerk „Nachprüfung
         bei Vallourec“ (in Abschnitt 1.3) enthaltenen Angabe von Herrn Verluca zur Frage, ob die lateinamerikanischen Hersteller Ende
         1993 positiv auf die Avancen der europäischen Hersteller reagiert hätten, was die Verlässlichkeit beider Beweisurkunden in
         Frage stelle. Tatsächlich hat die Kommission in Randnummer 86 der angefochtenen Entscheidung auf der Grundlage des Verteilerschlüssel‑Papiers
         ausgeführt, dass „die Kontaktaufnahme mit den Lateinamerikanern teilweise erfolgreich“ gewesen sei, und sie räumt selbst ein,
         dass diese Angabe in Widerspruch zu folgender Angabe von Herrn Verluca im Vermerk „Nachprüfung bei Vallourec“ steht:
         „Die südamerikanischen Hersteller gehörten nicht zum Europäisch‑Japanischen Club … Ende 1993 gab es Kontaktaufnahmen mit ihnen
         zur Erkundung, ob ein die erworbenen Positionen widerspiegelndes Gleichgewicht erreicht werden könne (etwa 20 % für die Europäer
         im Mittleren Osten). Es wurde sehr rasch klar, dass diese Versuche ohne Erfolgsaussicht waren.“
         
         
         
         282
            
          Nach dem Verteilerschlüssel‑Papier akzeptierten die lateinamerikanischen Hersteller zwar den vorgeschlagenen Verteilerschlüssel,
         aber „außer für den europäischen Markt“, wo die Märkte in einem Geist der Zusammenarbeit „von Fall zu Fall“ geprüft werden
         sollten. Daraus hat die Kommission in Randnummer 94 der angefochtenen Entscheidung geschlossen, dass die lateinamerikanischen
         Hersteller nicht damit einverstanden gewesen seien, den europäischen Markt den europäischen Herstellern vorzubehalten.
         
         
         
         283
            
          Den oben geprüften Unterlagen, d. h. den Vermerken von Vallourec, dem Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden und dem
         Dokument „g) Japaner“, ist zu entnehmen, dass es für die europäischen Hersteller in ihren Kontakten mit den japanischen Herstellern
         eines ihrer wesentlichen Ziele bildete, ihre Heimatmärkte zu schützen und insbesondere den Heimatmarktstatus des britischen
         Marktes nach Schließung des Corus‑Werkes in Clydesdale aufrechtzuerhalten. Wenn der vorstehend in Randnummer 281 aufgezeigte
         Widerspruch auch den Beweiswert des Verteilerschlüssel‑Papiers und in gewissem Umfang auch den der Erklärungen von Herrn Verluca
         schwächt, wird sein Gewicht durch diese, im vorstehenden Satz genannte Gegebenheit doch erheblich relativiert. Denn selbst
         wenn die lateinamerikanischen Hersteller der Anwendung eines Verteilerschlüssels für andere Märkte als den europäischen Markt
         zugestimmt haben sollten, waren damit doch die mit ihnen geführten Verhandlungen aus europäischer Sicht im Wesentlichen gescheitert,
         womit die negative Beurteilung des Verhandlungsergebnisses durch Herrn Verluca in diesem entscheidenden Punkt tatsächlich
         mit dem Verteilerschlüssel‑Papier übereinstimmt.
         
         
         
         284
            
          Demnach wird durch den Widerspruch zwischen den Angaben von Herrn Verluca in einer seiner Erklärungen und dem Verteilerschlüssel‑Papier,
         den die Kommission in Randnummer 86 der angefochtenen Entscheidung selbst erwähnt, die Glaubhaftigkeit beider Beweisurkunden
         nicht wesentlich gemindert.
         
         
         
         285
            
          Schließlich machen die japanischen Hersteller geltend, dass sie im Verteilerschlüssel‑Papier gegen den darin enthaltenen Vorschlag
         einen Vorbehalt dahin geäußert hätten, dass der Anwendungsbereich des Verteilerschlüssels auch auf „ERW OCTG“‑Rohre, d. h.
         geschweißte Stahlrohre, auszudehnen sei. Die Kommission hätte daher die japanischen Hersteller ebenso behandeln müssen wie
         die lateinamerikanischen Hersteller, denen gegenüber sie ihre Beschuldigung mit der Begründung zurückgenommen habe, sie hätten
         gegen den vorgeschlagenen Verteilerschlüssel, soweit er den europäischen Markt betreffe, ebenfalls einen Vorbehalt geäußert
         und sodann in erheblichem Umfang nach Europa Stahlrohre verkauft. Es handele sich somit um eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung,
         und die Rücknahme der Beschuldigung gegen die lateinamerikanischen Hersteller entkräfte folglich die Meinung der Kommission,
         dass im Fall der japanischen Klägerinnen die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung vorliege.
         
         
         
         286
            
          Insoweit ist daran zu erinnern, dass nach Angabe von Herrn Verluca im Vermerk „Nachprüfung bei Vallourec“ die „südamerikanischen
         Hersteller ... nicht zum Europäisch‑Japanischen Club [gehörten]“. Da sich die Kommission in der angefochtenen Entscheidung
         für den Nachweis, dass die japanischen Hersteller an einer Zuwiderhandlung beteiligt waren, hauptsächlich auf die Erklärungen
         von Herrn Verluca stützte, blieb ihr angesichts dieser kategorischen Behauptung keine andere Wahl, als die lateinamerikanischen
         Hersteller vom Geltungsbereich des Artikels 1 der Entscheidung auszuschließen. Denn hieraus folgt, dass sich die japanischen
         Hersteller und die lateinamerikanischen Hersteller hinsichtlich der sie belastenden Beweise keineswegs in einer vergleichbaren
         Lage befanden.
         
         
         
         287
            
          Jedenfalls ist der von den japanischen Herstellern im Verteilerschlüssel‑Papier geäußerte „Vorbehalt“ nicht von gleicher Art
         wie der Vorbehalt der lateinamerikanischen Hersteller. Denn nach dem Verteilerschlüssel‑Papier lehnten Letztere die automatische
         Anwendung des Verteilerschlüssels auf den europäischen Markt ab, während die japanischen Hersteller die Einbeziehung der „ERW“‑Rohre,
         also geschweißter Rohre, in den Schlüssel vorschlugen, um die Übereinkunft klarer zu fassen („to avoid gray area“). Während
         somit der von den lateinamerikanischen Herstellern geäußerte Vorbehalt dem Verteilerschlüssel‑Papier in ihrem Fall einen großen
         Teil seiner Beweiskraft für das Vorliegen einer Zuwiderhandlung auf dem Gemeinschaftsmarkt nimmt, gilt Gleiches keineswegs
         für die japanischen Hersteller. Die Lage der japanischen Hersteller unterschied sich damit objektiv von der der lateinamerikanischen
         Hersteller.
         
         
         
         288
            
          Im Ergebnis verbleibt dem Verteilerschlüssel‑Papier damit ein gewisser Beweiswert, um im Rahmen eines von der Kommission zusammengetragenen
         Bündels von übereinstimmenden Indizien bestimmte wesentliche Aussagen in den Erklärungen von Herrn Verluca über das Vorliegen
         einer Marktaufteilungsvereinbarung für nahtlose OCTG‑Rohre zu erhärten. Denn aus diesem Beweismittel ergibt sich, dass die
         japanischen Hersteller einerseits und die europäischen Hersteller andererseits das Prinzip billigten, bestimmte nahtlose Stahlrohre
         nicht im Rahmen „offener“ Ausschreibungen auf dem Heimatmarkt der anderen Hersteller zu verkaufen. Das Papier bestätigt außerdem
         das Vorliegen eines Verteilerschlüssels für Märkte in verschiedenen Weltgegenden und stärkt damit die Glaubhaftigkeit der
         Erklärungen von Herrn Verluca, soweit dieser Begriff darin ebenfalls verwendet wird.
         
         
         – Antworten der europäischen Hersteller
         
         
         289
            
          Die Kommission führt in der angefochtenen Entscheidung (Randnrn. 63, 65 und 66) als belastende Beweismittel auch die Antworten
         von Mannesmann, Dalmine und Corus auf ihre Auskunftsersuchen an.
         
         
         
         290
            
          So heißt es in der vom 22. April 1997 datierenden Antwort von Herrn Becher (Mannesmann), dass die Grundregeln für OCTG-Rohre
         und projektbezogene Leitungsrohre gegolten und bedeutet hätten, „dass japanische Hersteller in diesen Bereichen nicht in europäische
         Märkte vordrängen sollten, während europäische Hersteller nicht nach Japan liefern sollten“. Corus erklärte in ihrer Antwort
         vom 31. Oktober 1997 (S. 11932 der Kommissionsakte) zum Europäisch-Japanischen Club, es hätten ihm japanische und europäische
         Hersteller von nahtlosen OCTG-Rohren angehört und „in der Praxis [seien] die inländischen Märkte in erster Linie den heimischen
         Herstellern vorbehalten“ gewesen. Dalmine räumte in ihrer Antwort vom 4. April 1997 ein, dass es zwischen den europäischen
         und japanischen Herstellern Kontakte gab, behauptet aber, bei diesen „Kontakten [sei] es um die Ausfuhr von (insbesondere
         für die Erdölindustrie bestimmten) Rohren in Nicht-EG-Länder (Russland und China) sowie um die Begrenzung der Ausfuhren in
         die EG im Anschluss an die Schließung der [Corus-]Werke, d. h. um den Schutz der EG‑Hersteller von nahtlosen Rohren“ gegangen.
         
         
         
         291
            
          Weiterhin wird die Antwort von Mannesmann vom 22. April 1997 in Randnummer 74 der angefochtenen Entscheidung bei der Beschreibung
         der Drittlandsmärkte wie folgt zitiert:
         „Für sonstige Märkte, bei denen weltweit Tender ausgeschrieben wurden, waren bestimmte Lieferanteile japanischer und europäischer
         Hersteller vorgesehen, die seinerzeit mit dem Begriff ‚sharing key‘ beschrieben wurden. Es sollten offenbar die jeweils historisch
         entstandenen Lieferanteile fortgeschrieben werden.“
         
         
         
         292
            
          Nach Darstellung der japanischen Klägerinnen hatten die europäischen Hersteller angesichts der Untersuchung der Kommission
         ein offenkundiges Interesse daran, „den Schaden zu begrenzen“, indem sie u. a. das Vorliegen einer Übereinkunft mit den japanischen
         Herstellern einräumten, um so die Kommission von der wirklichen Bedeutung der Grundregeln abzulenken, mit denen eine Aufteilung
         der europäischen Märkte zwischen europäischen Herstellern angestrebt worden sei, also eine weitaus schwerwiegendere Zuwiderhandlung
         als der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Verstoß, die für die europäischen Hersteller wesentlich
         höhere Geldbußen bedeutet hätte. Soweit daher in bestimmten Antworten der europäischen Hersteller auf Fragen der Kommission
         von einer japanischen Beteiligung an der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung die Rede
         sei, sei dies unglaubhaft.
         
         
         
         293
            
          Wie dazu festzustellen ist, diente das von den europäischen Herstellern geäußerte Eingeständnis einer Marktaufteilungsabsprache
         mit den japanischen Herstellern nicht notwendig dazu, das Bestehen einer Übereinkunft über die Aufteilung der europäischen
         Märkte unter den europäischen Herstellern selbst zu verheimlichen (vgl. oben, Randnr. 214). Aus den oben in Randnummer 214
         genannten Gründen erscheint es vielmehr unwahrscheinlich, dass die europäischen Hersteller rechtswidrige Vereinbarungen mit
         den japanischen Herstellern erfanden, um das Bestehen eines innereuropäischen Kartells zu verdunkeln. Jedenfalls ist insoweit
         festzustellen, dass Dalmine in ihrer Antwort vom 29. Mai 1997, die auf S. 15162 in die Kommissionsakte aufgenommen wurde und
         Dalmines frühere Angaben vom 4. April 1997 ergänzte, sowohl Kontakte mit den japanischen Herstellern als auch Sitzungen nur
         unter den europäischen Herstellern erwähnte. Auch Corus beschränkte ihre Darstellung des Marktschutzes nicht auf die Beziehungen
         zwischen Herstellern im japanisch‑europäischen Verhältnis (vgl. oben, Randnr. 290).
         
         
         
         294
            
          Zur Antwort von Mannesmann machen die japanischen Klägerinnen geltend, dass ihr Verfasser, Herr Becher, nach eigener Angabe
         keine persönliche Kenntnis der von ihm kommentierten Umstände gehabt habe, da er erst im April 1995 Leiter von Mannesmann
         geworden sei. Sein Zeugnis sei daher nicht sonderlich beweiskräftig, nach Meinung von JFE‑NKK sogar unzulässig.
         
         
         
         295
            
          Zum Sachverhalt ist zunächst anzumerken, dass Herr Becher zwar erst im April 1995 Leiter von Mannesmann wurde, aber nach seiner
         eigenen Angabe in der mündlichen Verhandlung vorher andere Aufgaben bei Mannesmann wahrgenommen hatte.
         
         
         
         296
            
          Weiterhin ist an die oben in Randnummer 205 zitierte Rechtsprechung zu erinnern, wonach im Namen eines Unternehmens abgegebene
         Antworten glaubhafter sind als Antworten eines Mitarbeiters des Unternehmens, welche persönlichen Erfahrungen oder Meinungen
         er auch haben mag (Urteil LR AF 1998/Kommission, zitiert oben in Randnr. 205, Randnr. 45). In Randnummer 45 des Urteils LR AF
         1998/Kommission wurde ausdrücklich festgestellt, dass der Beweiswert der dort in Frage stehenden Antwort zu Lasten eines Drittunternehmens
         nicht dadurch beeinträchtigt wurde, dass der Unterzeichner der im Namen der Gesellschaft abgegebenen Antwort weder an dem
         fraglichen Treffen teilgenommen hatte noch auch nur zu dieser Zeit Mitarbeiter der die Antwort erteilenden Gesellschaft war.
         
         
         
         297
            
          Gibt nämlich, wie hier für Mannesmann, eine Person, die von den fraglichen Vorgängen keine unmittelbare Kenntnis hat, eine
         Erklärung als Vertreter einer Gesellschaft ab, mit der diese das Vorliegen einer durch sie selbst und durch andere Unternehmen
         begangenen Zuwiderhandlung einräumt, so stützt sich der Erklärende notwendig auf die Informationen, die ihm sein Unternehmen
         und insbesondere dessen unmittelbar über die fraglichen Praktiken unterrichteten Angestellten zur Verfügung gestellt haben.
         Wie oben in Randnummer 211 festgestellt, sind Erklärungen, die dem eigenen Interesse des Erklärenden zuwiderlaufen, grundsätzlich
         als beweiskräftig anzusehen, womit der Erklärung von Herrn Becher im vorliegenden Fall erhebliches Gewicht beizumessen ist.
         
         
         
         298
            
          Soweit sich JFE‑NKK auf die Rechtssache Rhône‑Poulenc/Kommission (zitiert oben in Randnr. 56) und insbesondere die dortigen
         Schlussanträge des zum Generalanwalt bestellten Richters Vesterdorf bezieht, ist ihr Vorbringen zurückzuweisen. In seinen
         Schlussanträgen wies Richter Vesterdorf darauf hin, dass Zeugnisse von Personen, die von den Vorgängen eigene Kenntnis haben,
         grundsätzlich besonders hohen Beweiswert haben (Slg. 1991, II‑956 f.).
         
         
         
         299
            
          Daraus kann jedoch nicht hergeleitet werden, dass die Erklärung eines Unternehmensleiters, die sein eigenes Unternehmen und
         weitere Unternehmen belastet, deshalb von nur begrenztem Beweiswert wäre, weil der Erklärende den Sachverhalt nicht aus eigener
         Anschauung kennt. Erst recht gibt es keinen Grund dafür, ein solches Beweismittel als unzulässig zurückzuweisen.
         
         
         
         300
            
          Im vorliegenden Fall stellt die fragliche Erklärung, wie im Entscheidungssachverhalt des Urteils LR AF 1998/Kommission (zitiert
         oben in Randnr. 205), tatsächlich das Eingeständnis einer Zuwiderhandlung durch das Unternehmen dar, das der Erklärende vertritt.
         
         
         
         301
            
          Die japanischen Klägerinnen rügen außerdem, die Kommission könne die Antwort von Mannesmann nicht einerseits als verlässliches
         Beweismittel werten, soweit sie das Vorliegen einer Übereinkunft zwischen europäischen und japanischen Herstellern bestätige,
         sie aber andererseits außer Betracht lassen, soweit darin das Vorliegen einer Übereinkunft über eine gegenseitige Respektierung
         der Heimatmärkte zwischen den europäischen Herstellern verneint werde.
         
         
         
         302
            
          Dass Herr Becher das Bestehen einer innereuropäischen Seite der Grundregeln im Sinne einer Verpflichtung zur gegenseitigen
         Respektierung der Heimatmärkte unter den europäischen Herstellern verneinte, schwächt zwar in gewissem Umfang seine Erklärung
         als Beweismittel für die Erhärtung der Erklärung von Herrn Verluca. Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass Herr Becher das Bestehen
         einer Marktaufteilungsabsprache unter den europäischen und den japanischen Herstellern für OCTG‑Rohre und projektbezogene
         Leitungsrohre eindeutig bestätigte (vgl. oben, Randnr. 290). Seine Erklärung erhärtet damit die Erklärungen von Herrn Verluca
         hinsichtlich dieses Aspektes der Zuwiderhandlung und damit auch hinsichtlich des Umstands, dass die japanischen Klägerinnen
         an einer Marktaufteilungsabrede beteiligt waren, mit der sie sich dazu verpflichteten, auf den Gemeinschaftsmärkten keine
         OCTG‑Standardrohre und projektbezogenen Leitungsrohre zu vermarkten. Dass die Erklärung von Mannesmann die OCTG‑Premiumrohre
         von der in ihr beschriebenen Übereinkunft nicht ausnimmt, ist aus den oben in Randnummer 261 genannten Gründen unerheblich.
         Schließlich wird der Beweiswert der von Mannesmann abgegebenen Erklärung dadurch gestärkt, dass sie die Erklärungen von Herrn
         Verluca auch hinsichtlich der Existenz eines Verteilerschlüssels für die Aufteilung von internationalen Ausschreibungen auf
         Drittlandsmärkten erhärtet (vgl. oben, Randnr. 291).
         
         
         
         303
            
          Die Klägerinnen heben sodann hervor, Dalmine habe in ihren Antworten an die Kommission vom 4. April und 29. Mai 1997 erklärt,
         dass ihre Diskussionen mit den japanischen Herstellern im Wesentlichen die Drittlandsmärkte, besonders den russischen und
         den chinesischen Markt, betroffen hätten. Dazu ist sogleich festzustellen, dass diese Diskussionen nach dem oben zitierten
         Passus aus der Antwort vom 4. April 1997 auch dem Schutz der Gemeinschaftsmärkte galten (vgl. oben, Randnr. 290). Jedenfalls
         haben die Ausführungen der japanischen Klägerinnen zu diesem Punkt gerade aus dem von ihnen selbst genannten Grund (vgl. oben,
         Randnr. 292), dass Dalmine „den Schaden begrenzen“ wollte, nur sehr begrenzt Gewicht. Da Dalmine ihre Kontakte zu den japanischen
         Herstellern und den anderen europäischen Herstellern nicht abstreiten konnte, suchte sie sie so darzustellen, dass ihr Charakter
         als gemeinschaftsrechtliche Zuwiderhandlung ausgeräumt oder zumindest so weit wie möglich minimiert wurde.
         
         
         
         304
            
          So erhärten die beiden Antworten von Dalmine, besonders der in Randnummer 65 der angefochtenen Entscheidung zitierte Passus
         aus der Antwort vom 4. April 1997 (vgl. oben, Randnr. 290), die Erklärungen von Herrn Verluca über das Bestehen der Kontakte
         zwischen den europäischen und den japanischen Herstellern, mit denen bestimmte räumliche Märkte unter ihnen aufgeteilt und
         besonders japanische Rohrverkäufe auf den Gemeinschaftsmärkten verboten werden sollten.
         
         
         
         305
            
          Zur Antwort von Corus vom 31. Oktober 1997 tragen die japanischen Klägerinnen vor, Corus habe in einem Schreiben vom 30. März
         1999 klargestellt, dass keine ihrer Erklärungen dahin ausgelegt werden könne, es hätte ihnen zufolge eine Übereinkunft zwischen
         europäischen und japanischen Herstellern gegeben. Dem Argument der Kommission, das Schreiben vom 30. März 1999 betreffe das
         Verfahren der geschweißten Rohre, halten die japanischen Klägerinnen entgegen, dass die so präzisierte Erklärung von Corus
         wortgleich sei mit ihrer Erklärung im Verfahren wegen der nahtlosen Rohre.
         
         
         
         306
            
          Dass im Verfahren wegen der nahtlosen Rohre (Sache IV/E‑1/35.860‑B) ein Parallelschreiben zu dem Schreiben im Verfahren wegen
         der geschweißten Rohre (Sache IV/E‑1/35.860‑A) fehlt, ist tatsächlich eigenartig und legt die Vermutung nahe, dass es sich
         eher um ein Versäumnis als bewusst divergierende Stellungnahmen in beiden Verfahren handelt.
         
         
         
         307
            
          Jedenfalls sind die Ausführungen im Schreiben vom 30. März 1999, wonach sich die Antwort vom 31. Oktober 1997 nicht auf das
         Vorliegen einer Übereinkunft beziehe und insoweit nicht als Geständnis gewertet werden könne, nicht ausreichend, um den Sinn
         dieser Antwort zu erklären. Mangels einer völlig überzeugenden Erklärung des Sinnes, der der Angabe „in der Praxis waren die
         inländischen Märkte in erster Linie den heimischen Herstellern vorbehalten“ zukommt, und mit Rücksicht darauf, dass sie in
         einem die Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs behandelnden Absatz steht, stellt sie einen sehr stichhaltigen Beweis
         dar.
         
         
         
         308
            
          Dass Corus möglicherweise in einem der Kommission ein Jahr später zugesandten Schreiben die Tragweite ihrer Angabe zur Marktaufteilung
         einschränken wollte, ändert schwerlich etwas an deren Beweiswert. Auch die Antwort von Corus erhärtet daher die Erklärungen
         von Herrn Verluca über das Vorliegen einer Marktaufteilungsabsprache für OCTG‑Rohre im Rahmen des Europäisch‑Japanischen Clubs.
         
         
         – Aussage von Herrn Biasizzo
         
         
         309
            
          Die Kommission bezieht sich in Randnummer 64 der angefochtenen Entscheidung auch auf die vom 1. Juni 1995 datierende Aussage
         eines früheren Angestellten von Damine, Herrn Biasizzo, vor dem Staatsanwalt von Bergamo (Italien) im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens
         wegen Bestechlichkeit. Nach dieser Aussage gab es einen „Club der Stahlrohrhersteller“, der sich zweimal jährlich getroffen
         habe, einmal in Europa und einmal in Japan. Nach der Aussage von Herrn Biasizzo hatte jeder Hersteller einen Anspruch darauf,
         die Ausschreibungen auf seinem Heimatmarkt zu gewinnen, und war vereinbart, dass die anderen Hersteller stets um 8 % bis 10 %
         über dem Angebot des heimischen Herstellers liegende Preise anboten, wobei diese Regel strikt eingehalten worden sei.
         
         
         
         310
            
          Die japanischen Klägerinnen halten diese Aussage von Herrn Biasizzo für nicht glaubhaft, weil er sie unter Zwang in einem
         Kontext gemacht habe, in dem er daran interessiert gewesen sei, für den Umstand, dass Dalmine stets den Zuschlag für alle
         öffentlichen Aufträge von Agip erhalten habe, eine andere Erklärung zu finden als die unlauteren Praktiken, die Gegenstand
         der gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen gewesen seien.
         
         
         
         311
            
          Dazu ist festzustellen, dass Herr Biasizzo aussagte, er selbst habe vorgeschlagen, die Praxis der rechtsgrundlosen Zahlungen
         auf die Angestellten von Agip auszuweiten. Nach seiner Aussage dienten diese Zahlungen im Übrigen dazu, die weiteren Schritte
         der Auftragserledigung zu erleichtern, nachdem Dalmine gemäß der rechtswidrigen Vereinbarung den Zuschlag erhalten habe. Demnach
         lässt sich der Inhalt der Aussage von Herrn Biasizzo nicht mit der Annahme in Einklang bringen, dass er seine Beteiligung
         an rechtswidrigen Praktiken dadurch verdunkeln wollte, dass er die Machtstellung von Dalmine auf dem italienischen Markt einer
         nicht existenten Vereinbarung zuschrieb. Das Vorbringen der japanischen Klägerinnen zu diesem Punkt ist daher zurückzuweisen.
         
         
         
         312
            
          Dass diese Aussagen gegenüber dem Staatsanwalt von Bergamo in einem Ermittlungsverfahren gemacht wurden, mindert nicht, wie
         die japanischen Klägerinnen behaupten, ihren Beweiswert, sondern stärkt ihn. Wenn eine Aussage vor einem Staatsanwalt auch
         nicht den gleichen Wert wie eine eidliche Zeugenaussage vor Gericht hat, ist doch eine solche Aussage angesichts der Ermittlungsbefugnisse
         des Staatsanwalts und der möglichen strafrechtlichen Folgen für einen Beteiligten, der im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens
         gelogen hat, verlässlicher als eine einfache Erklärung.
         
         
         
         313
            
          Die japanischen Klägerinnen machen weiter geltend, dass die Mitteilungen von Herrn Biasizzo über die Ausschreibungen auf dem
         italienischen Markt unvereinbar seien mit der Angabe von Herrn Verluca in seiner Erklärung vom 17. September 1996, wonach
         es auf den europäischen Märkten keine bedeutenden Ausschreibungen gegeben habe.
         
         
         
         314
            
          Insoweit ist daran zu erinnern, dass in der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 die Angabe, es habe keine bedeutenden
         Ausschreibungen in Europa gegeben, im Abschnitt „1.4 Sonstige Märkte“ („OPEN TENDERS“) unter dem Stichwort „Offene Ausschreibungen
         für nahtlose API-Rohre“ gemacht wird, während die Heimatmärkte der Mitglieder des Europäisch‑Japanischen Clubs im Abschnitt
         „1.1 ‚Heimat‘märkte“ behandelt werden, woraus a priori zu schließen ist, dass sich der in Abschnitt 1.4 der Erklärung verwendete
         Begriff „Europa“ auf die anderen europäischen Märkte als die vier Heimatmärkte bezieht, die von der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung erfasst werden (vgl. oben, Randnrn. 279 und 280).
         
         
         
         315
            
          Außerdem beschrieb Herr Biasizzo nur die Lage auf dem italienischen Markt. Daher kann unterschieden werden zwischen den wichtigen
         internationalen Ausschreibungen („gros tenders“), die laut Herrn Verluca die europäischen Märkte einschließlich gegebenenfalls
         der Heimatmärkte der vier europäischen Hersteller nicht betrafen, und den Ausschreibungen von Agip auf dem italienischen Markt.
         Hierfür spricht auch der erste Satz in Abschnitt 1.4 der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996, wonach „[d]ie
         großen Geschäfte, für die es internationale Ausschreibungen (‚OPEN TENDERS‘) gab, ... nach einem Verteilerschlüssel aufgeteilt“
         worden seien, da diese Formulierung die große Dimension und den internationalen Charakter der in diesem Abschnitt der Erklärung
         gemeinten Ausschreibungen unterstreicht.
         
         
         
         316
            
          Zwar mindert die Erwähnung von Ausschreibungen auf dem italienischen Markt in gewissem Umfang den Beweiswert der Aussage von
         Herrn Biasizzo für eine Erhärtung der Erklärungen von Herrn Verluca. Allenfalls nämlich hat die von Herrn Biasizzo gegebene
         Beschreibung über die Art und Weise, wie die Verträge auf dem italienischen Markt aufgeteilt wurden, in den Erklärungen von
         Herrn Verluca keinerlei Entsprechung, und im ungünstigsten Fall widerlegt sie sie.
         
         
         
         317
            
          Indessen ist erneut daran zu erinnern, dass die Kommission nicht beweisen musste, durch welchen spezifischen Mechanismus die
         Marktaufteilung ins Werk gesetzt werden sollte, sofern der wettbewerbswidrige Zweck der rechtswidrigen Vereinbarung hinreichend
         bewiesen ist (vgl. oben, Randnr. 203). Dass im vorliegenden Fall hinsichtlich des Anwendungsmodus der Grundregeln auf den
         Heimatmärkten der Mitglieder des Europäisch‑Japanischen Clubs zwischen den Erklärungen von Herrn Verluca und der Aussage von
         Herrn Biasizzo keine vollständige Übereinstimmung besteht, mindert den Beweiswert dieser Beweismittel nur begrenzt, da die
         Aussage von Herrn Biasizzo die Erklärungen von Herrn Verluca hinsichtlich anderer spezifischer Aspekte der festgestellten
         Übereinkunft erhärtet (vgl. auch unten, Randnr. 334).
         
         
         
         318
            
          Die japanischen Klägerinnen machen weiter geltend, dass Herr Biasizzo in seinen späteren „Erläuterungen zu meiner Aussage“
         alle objektiven wirtschaftlichen Vorteile des örtlichen Stahlrohrherstellers auf seinem Heimatmarkt gegenüber ausländischen
         Herstellern aufgezählt und nicht mehr auf eine internationale Absprache abgestellt habe.
         
         
         
         319
            
          Dazu ist darauf hinzuweisen, dass sich nach ständiger Rechtsprechung schon aus dem Wortlaut von Artikel 81 Absatz 1 EG selbst
         ergibt, dass Vereinbarungen zwischen Unternehmen unabhängig von ihrer Wirkung verboten sind, wenn mit ihnen ein wettbewerbswidriger
         Zweck verfolgt wird (vgl. oben, Randnr. 181 und die dort zitierte Rechtsprechung). Dass Herr Biasizzo die objektiven wirtschaftlichen
         Vorteile eines örtlichen Stahlrohrherstellers auf seinem Heimatmarkt erläuterte, wirkt daher unter den Umständen des vorliegenden
         Falles nicht entlastend und relativiert somit nicht den Beweiswert seiner ursprünglichen Aussage.
         
         
         
         320
            
          Auch das Vorbringen, dass in den „Erläuterungen zu meiner Aussage“ nicht ein weiteres Mal ausdrücklich auf das Bestehen einer
         internationalen Übereinkunft Bezug genommen worden sei, kann nicht durchgreifen, da Herr Biasizzo seine ursprüngliche Aussage
         in diesem Punkt keineswegs änderte. Vielmehr spielte er in den „Erläuterungen zu meiner Aussage“ ein weiteres Mal auf das
         Bestehen einer solchen Übereinkunft an, denn er bestätigte, dass die starke Stellung von Dalmine auf dem italienischen Markt
         u. a. von dem „Einfluss [herrühre], den jeder Hersteller auf seinen eigenen Märkten gegenüber den anderen Herstellern“ gehabt
         habe („l’influenza che ogni produttore ha, per le sue aree di mercato, nei confronti degli altri produttori“). Insoweit verwies
         Herr Biasizzo sogar auf die in seiner ursprünglichen Aussage gegebene Beschreibung, wonach „[d]as System ... insgesamt auf
         der Respektierung des eingependelten Gleichgewichts der überkommenen Marktanteile [beruht habe], wie [er] bereits mehrfach
         ausgeführt“ habe („Tutto il sistema è basato sul rispetto di equilibri consolidati da quote storiche … come già ho detto più
         volte nel corso del mio memoriale“).
         
         
         
         321
            
          Da die japanischen Klägerinnen die Verlässlichkeit der Aussage von Herrn Biasizzo in Frage stellen, ist im Übrigen darauf
         hinzuweisen, dass diese durch weitere Aussagen seiner Kollegen gestützt wird, die in der Kommissionsakte enthalten sind und
         von der Kommission vor dem Gericht angeführt worden sind, ohne indessen in der angefochtenen Entscheidung genannt zu sein.
         So ist etwa der Aussage von Herrn Jachia vom 5. Juni 1995 (S. 8220b, S6, der Kommissionsakte) zu entnehmen, dass eine Vereinbarung
         „über die Respektierung der den verschiedenen Akteuren gehörenden Zonen“ bestanden habe. Herr Ciocca sagte am 8. Juni 1995
         aus, dass es „ein weltweites Kartell von Rohrherstellern“ gegeben habe (S. 8220b, S3, der Kommissionsakte). Ferner geht aus
         der Antwort von Dalmine vom 29. Mai 1997 hervor, dass Herr Biasizzo mindestens einmal an einer Sitzung mit den japanischen
         Herstellern in Japan teilnahm, so dass er vom Bestehen und vom Inhalt der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Übereinkunft unmittelbare Kenntnis hatte.
         
         
         
         322
            
          Schließlich machen die japanischen Klägerinnen geltend, dass Herr Biasizzo in seinen beiden Erklärungen nicht angebe, welche
         Produkte die von ihm genannte Übereinkunft betroffen habe.
         
         
         
         323
            
          Dazu ist ein weiteres Mal darauf hinzuweisen, dass nicht jeder der von der Kommission vorgelegten Beweise die Erklärungen
         von Herrn Verluca hinsichtlich jedes Merkmals der Zuwiderhandlung bestätigen muss (vgl. oben, Randnr. 180). Denn einem Beweisstück
         kommt bereits dann ein gewisser Wert als erhärtendes Beweismittel im Bündel der belastenden Beweise zu, wenn es bestimmte
         signifikante Merkmale der von Herrn Verluca beschriebenen Vereinbarung bezeugt (vgl. oben, Randnr. 220). Es ist jedenfalls
         – ohne dass die zwischen den Verfahrensbeteiligten bestehende Meinungsverschiedenheit darüber, in welchem genauen Zeitraum
         Herr Biasizzo für den Verkauf der beiden in der angefochtenen Entscheidung genannten Produkte verantwortlich war, geklärt
         zu werden braucht – unstreitig, dass er bei Dalmine während eines erheblichen Teils des festgestellten Zeitraums der Zuwiderhandlung
         für den Verkauf von OCTG‑Rohren und während mindestens fünf Monaten innerhalb dieses Zeitraums auch für den Verkauf von Leitungsrohren
         verantwortlich war, so dass er die von ihm beschriebenen Vorgänge aus eigener Anschauung kannte.
         
         
         
         324
            
          Es ist festzustellen, dass die Aussage von Herrn Biasizzo die Erklärungen von Herrn Verluca hinsichtlich des Bestehens der
         von Herrn Verluca beschriebenen Übereinkunft über die Aufteilung der Heimatmärkte erhärtet. Seine Aussage bestätigt insbesondere,
         dass die Heimatmärkte jedes Herstellers von den anderen Mitgliedern des Clubs zu respektieren waren, dass dieser Grundsatz
         in Sitzungen vereinbart wurde, die zweimal jährlich stattfanden, einmal in Europa und einmal in Japan, und zu denen die japanischen
         Klägerinnen Vertreter entsandten (vgl. oben, Randnrn. 192 bis 196).
         
         
         
         325
            
          Weiterhin ist darauf hinzuweisen, dass JFE‑NKK in ihrer Antwort vom 7. November 1997 auf ein Auskunftsersuchen, die auf S. 14451
         in die Akte der Kommission aufgenommen wurde und in Fußnote 41 der angefochtenen Entscheidung erwähnt ist, einräumte, dass
         die europäischen Hersteller sie in den Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs zur Respektierung ihrer Heimatmärkte aufforderten
         („We recall that other [European] mills requested that JFE respect their home markets“); jedoch habe sie darauf nicht zustimmend
         reagiert („However we were neither bound by nor did we respect such requests“).
         
         
         
         326
            
          Diese Antwort von JFE‑NKK bestätigt zunächst, dass die Diskussionen auf den Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs nicht
         nur Drittlandsmärkte betrafen, sondern, wie in den Erklärungen von Herrn Verluca beschrieben, auch die Gemeinschaftsmärkte.
         
         
         
         327
            
          Nimmt überdies ein Unternehmen, selbst ohne sich aktiv zu beteiligen, an Treffen von Unternehmen mit wettbewerbswidrigem Zweck
         teil und distanziert es sich nicht offen vom Inhalt dieser Treffen, so dass es den anderen Teilnehmern Anlass zu der Annahme
         gibt, dass es dem Ergebnis der Treffen zustimmt und sich daran halten wird, so kann nach ständiger Rechtsprechung der Nachweis
         als erbracht angesehen werden, dass es sich an der aus diesen Treffen resultierenden Absprache beteiligt hat (Urteile des
         Gerichts vom 17. Dezember 1991 in der Rechtssache T‑7/89, Hercules Chemicals/Kommission, Slg. 1991, II‑1711, Randnr. 232,
         vom 10. März 1992 in der Rechtssache T‑12/89, Solvay/Kommission, Slg. 1992, II‑907, Randnr. 98, vom 6. April 1995 in der Rechtssache
         T‑141/89, Tréfileurope/Kommission, Slg. 1995, II‑791, Randnrn. 85 und 86, und in der Rechtssache Zement, zitiert oben in Randnr.
         66, Randnr. 1353).
         
         
         
         328
            
          Diese Rechtsprechung ist zwar auf die Lage von JFE‑NKK nicht unmittelbar anwendbar, weil in den Entscheidungssachverhalten
         der zitierten Urteile das Vorliegen einer Zuwiderhandlung durch andere Unternehmen bewiesen war und als einzige Frage zu klären
         blieb, ob sich das fragliche passive Unternehmen an der Zuwiderhandlung beteiligt hatte.
         
         
         
         329
            
          Der Grundsatz jedoch, wonach ein Unternehmen, das an Treffen mit wettbewerbswidrigem Zweck teilnimmt, den anderen Teilnehmern,
         wenn es sich nicht offen vom Inhalt der Treffen distanziert, Anlass zu der Annahme gibt, es stimme dem Ergebnis der Treffen
         zu und werde sich daran halten, und wonach es sich damit an der Zuwiderhandlung beteiligt, ist auch im vorliegenden Fall anwendbar.
         Dass JFE‑NKK an den fraglichen Sitzungen teilnahm, steht umso sicherer fest, als sie einräumt, sie sei in den Sitzungen gezielt
         zur Respektierung der Gemeinschaftsmärkte aufgefordert worden. Die Antwort von JFE‑NKK ist daher ein besonders stichhaltiges
         Beweismittel, das die Erklärungen von Herrn Verluca darin erhärtet, dass sich JFE‑NKK an einer Absprache mit den vier europäischen
         Herstellern beteiligte.
         
         
         
         330
            
          Es ist außerdem zu berücksichtigen, dass auch die anderen drei japanischen Hersteller an denselben Sitzungen des Europäisch‑Japanischen
         Clubs teilnahmen wie JFE‑NKK. Nach dem Funktionieren und den Zielsetzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs, wie sie aus den
         vorstehend geprüften Unterlagen hervorgehen, erscheint es jedoch undenkbar, dass die europäischen Hersteller allein JFE‑NKK
         und nicht auch die anderen japanischen Hersteller, die dem Club angehörten, zur Respektierung ihrer Heimatmärkte aufforderten.
         Damit ist davon auszugehen, dass die Antwort von JFE‑NKK auch die Beteiligung der anderen drei japanischen Hersteller an der
         in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung bestätigt.
         
         
         
         331
            
          Demnach genügt das von der Kommission angeführte Bündel von Indizien bei weitem, um die Erklärungen von Herrn Verluca darin
         zu erhärten, dass die japanischen und die europäischen Hersteller tatsächlich im Rahmen des von Herrn Verluca beschriebenen
         Europäisch‑Japanischen Clubs eine Vereinbarung über die Marktaufteilung für bestimmte nahtlose Stahlrohre schlossen, nach
         der insbesondere jeder Hersteller den Verkauf der betroffenen Produkte auf dem Heimatmarkt der übrigen Clubmitglieder zu unterlassen
         hatte.
         
         
         
         332
            
          Den meisten Beweismitteln in diesem Indizienbündel kann nicht klar entnommen werden, welche nahtlosen Stahlrohre von der Aufteilung
         erfasst waren, ihnen ist aber eindeutig zu entnehmen, dass zu den betroffenen Produkten die OCTG‑Standardrohre gehörten. Denn
         die Hinweise speziell auf diese Produkte in den Vermerken „Strategische Überlegungen“ und „Überlegungen zum VAM‑Vertrag“,
         im Verteilerschlüssel‑Papier und in der Antwort von Mannesmann sowie, ohne nähere Spezifizierung, auf OCTG‑Rohre im Allgemeinen
         in den übrigen von der Kommission angeführten Unterlagen bestätigen angemessen und eindeutig die in den Erklärungen von Herrn
         Verluca enthaltene Aussage, dass die Grundregeln diese Produkte betrafen.
         
         
         
         333
            
          Was die projektbezogenen Leitungsrohre angeht, so wird die Aussage von Herrn Verluca, dass die rechtswidrige Übereinkunft
         auch diese Produkte erfasst habe, in eindeutiger Weise nur durch ein einziges Beweismittel bestätigt, nämlich die von Herrn
         Becher verfasste Antwort von Mannesmann. Da diese Antwort jedoch, wie oben in den Randnummern 294 bis 302 festgestellt, in
         besonderem Maße beweiskräftig ist, ist sie als ausreichend anzusehen, um die Erklärungen von Herrn Verluca, die bereits als
         solche sehr verlässlich sind (vgl. oben, Randnrn. 205 bis 207), im Hinblick auf diese Produkte zu erhärten.
         
         
         
         334
            
          Wie oben ausgeführt (vgl. oben, Randnrn. 204 und 220), können nach der Regel, die sich aus dem Urteil Zement (zitiert oben
         in Randnr. 66, Randnr. 1838) ergibt und auf die sich die Kommission hier beruft, jedoch dann, wenn das Vorliegen und bestimmte
         spezifische Aspekte der von Herrn Verluca beschriebenen und in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung bezeichneten Vereinbarung
         über die Marktaufteilung durch ein Bündel übereinstimmender Indizien erhärtet wird, die Erklärungen von Herrn Verluca allein
         ausreichen, um andere Aspekte der angefochtenen Entscheidung zu belegen. Wie oben in den Randnummern 330 und 332 bereits festgestellt,
         ist das von der Kommission vorgelegte Indizienbündel aber ausreichend, um die Erklärungen von Herrn Verluca in mehrerer Hinsicht
         zu erhärten, so namentlich hinsichtlich der OCTG‑Standardrohre.
         
         
         
         335
            
          Demnach ist anzunehmen, dass Herr Verluca in seinen Erklärungen eindeutig die Wahrheit sagte und dass sie damit ausreichende
         Beweismittel für den Nachweis bilden, dass die Vereinbarung der Mitglieder des Europäisch‑Japanischen Clubs über die Aufteilung
         ihrer Heimatmärkte nicht nur für die OCTG‑Standardrohre galt, sondern auch, wie mehrere weitere Beweismittel belegen, für
         die projektbezogenen Leitungsrohre. Denn es besteht kein Grund zur Annahme, dass Herr Verluca, der den Sachverhalt aus eigener
         Anschauung kannte, zu den Leitungsrohren unzutreffende Angaben machte, während seine Angaben über das Vorliegen der Vereinbarung
         und deren Geltung für die OCTG‑Standardrohre durch andere Beweismittel bestätigt werden.
         
         
         
         336
            
          Selbst wenn es den japanischen Klägerinnen gelungen wäre, Zweifel daran zu erwecken, welche speziellen Produkte die in Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Übereinkunft erfasste, was jedoch nicht aufgezeigt worden ist, so könnte der
         Umstand, dass die angefochtene Entscheidung keine genaue und abschließende Aufzählung aller von der Zuwiderhandlung betroffenen
         Produktarten enthält, allein nicht genügen, um ihre Nichtigerklärung zu rechtfertigen, wenn aus der Entscheidung als Ganzem
         hervorgeht, dass die festgestellte Zuwiderhandlung eine bestimmte Produktart betraf, und sie die dieses Ergebnis stützenden
         Nachweise angibt (vgl. analog, im Kontext des Klagegrundes eines Begründungsmangels, Urteil Gruber + Weber/Kommission, zitiert
         oben in Randnr. 203, Randnr. 214). Andernfalls könnte sich ein Unternehmen jeder Sanktion entziehen, obgleich die Kommission
         mit Gewissheit festgestellt hat, dass es eine Zuwiderhandlung unter Umständen verwirklichte, unter denen die Identität der
         einzelnen Produkte innerhalb einer Palette von gleichartigen Produkten, die das Unternehmen vermarktet, nicht feststellbar
         ist.
         
         
         
         337
            
          Die Rechtsprechung zur ordnungsgemäßen Definition des Marktes, auf die sich JFE‑NKK beruft (vgl. oben, Randnr. 101, und Urteil
         SIV u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 57), ist insoweit nicht einschlägig, da sie sich auf den Fall bezieht, dass
         die Kommission eine Zuwiderhandlung auf der Grundlage der wettbewerbswidrigen Wirkungen des Verhaltens der in Frage stehenden
         Unternehmen feststellt, während aber im vorliegenden Fall die wettbewerbswidrige Zielsetzung der rechtswidrigen Übereinkunft
         durch Urkundenbeweise nachgewiesen ist.
         
         
         – Dauer der Zuwiderhandlung
         
         
         338
            
          Zur Dauer der Zuwiderhandlung ist zunächst auf die in Randnummer 108 der angefochtenen Entscheidung enthaltene Feststellung
         der Kommission hinzuweisen, dass sie das Vorliegen der Zuwiderhandlung ab 1977 hätte feststellen können, hiervon aber wegen
         des Bestehens der Selbstbeschränkungsabkommen abgesehen habe. Demgemäß hat sie in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         das Vorliegen der Zuwiderhandlung erst vom Jahr 1990 an festgestellt.
         
         
         
         339
            
          Es ist daher irrig, wenn die japanischen Klägerinnen vortragen, die Kommission habe das Vorliegen einer Zuwiderhandlung in
         der angefochtenen Entscheidung deshalb erst von 1990 an festgestellt, weil sie der Meinung gewesen wäre, dass die japanischen
         Klägerinnen durch die Selbstbeschränkungsabkommen an der Ausfuhr ihrer Stahlrohre nach der Gemeinschaft gehindert gewesen
         wären. Allerdings stimmt auch die von der Kommission in den vorliegenden Rechtssachen eingenommene Position, sie habe das
         Vorliegen der Zuwiderhandlung bereits ab 1977 festgestellt, diese aber für die Bemessung der Geldbuße erst ab 1990 berücksichtigt,
         nicht mit dem Wortlaut der angefochtenen Entscheidung, insbesondere ihres Artikels 1, überein.
         
         
         
         340
            
          Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission in den vorliegenden Rechtssachen nicht beantragt hat, das Vorliegen einer
         Zuwiderhandlung für die Zeit vor 1990 festzustellen. Sie betont zwar in ihren Schriftsätzen, dass ihr Verzicht auf die Berücksichtigung
         einer Zuwiderhandlung für die Laufzeit der Selbstbeschränkungsabkommen ein Zugeständnis an die Adressaten der angefochtenen
         Entscheidungen sei, zu dem nichts sie verpflichtet habe, aber sie hat vor dem Gericht nicht vorgetragen, dass dieses Zugeständnis
         im vorliegenden Verfahren in Frage zu stellen sei.
         
         
         
         341
            
          Das Gericht hat daher nicht die Frage zu prüfen, ob dieses Zugeständnis rechtmäßig oder angezeigt war, sondern allein die
         Frage, ob die Kommission, die dieses Zugeständnis in der Begründung der angefochtenen Entscheidung ausdrücklich machte, es
         im vorliegenden Fall auch fehlerfrei umsetzte. Insoweit ist daran zu erinnern, dass die Kommission genaue und übereinstimmende
         Beweise beibringen muss, die die feste Überzeugung begründen, dass die Zuwiderhandlung begangen wurde, da sie für das Vorliegen
         der Zuwiderhandlung und damit auch für deren Dauer die Beweislast trägt (vgl. oben, Randnrn. 177 bis 179 und die dort zitierte
         Rechtsprechung).
         
         
         
         342
            
          Da es hier um internationale Abkommen zwischen der japanischen Regierung, vertreten durch das Ministerium für Handel und Industrie,
         und der Gemeinschaft, vertreten durch die Kommission, geht, wäre es nach dem Grundsatz der guten Verwaltung Sache der Kommission
         gewesen, die Dokumente zu archivieren, aus denen sich das Datum des Außerkrafttretens der Abkommen ergibt. Sie hätte daher
         in der Lage sein müssen, diese Dokumente dem Gericht vorzulegen. Hingegen hat sie vor dem Gericht vorgetragen, sie habe zwar
         ihre Archive durchsucht, könne aber keine Dokumente über das Ende der Geltungsdauer der Abkommen vorlegen.
         
         
         
         343
            
          Auch wenn ein Kläger die Beweislast im Allgemeinen nicht auf den Beklagten abwälzen kann, indem er sich auf Umstände beruft,
         die er nicht beweisen kann, lässt sich der Begriff der Beweislast hier nicht zugunsten der Kommission im Hinblick auf das
         Datum anwenden, zu dem von ihr geschlossene internationale Abkommen ausliefen. Das unerklärliche Unvermögen der Kommission
         zur Vorlage von Beweismitteln für einen Umstand, der sie unmittelbar betrifft, nimmt dem Gericht die Möglichkeit, seine Entscheidung
         in Kenntnis des Datums zu erlassen, zu dem die Abkommen ausliefen. Es widerspräche dem Grundsatz der geordneten Rechtspflege,
         die Folgen dieses Unvermögens den Unternehmen aufzubürden, an die die angefochtene Entscheidung gerichtet war und die im Gegensatz
         zu dem beklagten Organ zur Führung dieses Nachweises nicht in der Lage sind.
         
         
         
         344
            
          Unter diesen Umständen ist ausnahmsweise festzustellen, dass es Sache der Kommission war, den Beweis für das Außerkrafttreten
         der Selbstbeschränkungsabkommen zu erbringen. Die Kommission hat den Beweis für das Datum des Außerkrafttretens aber weder
         in der angefochtenen Entscheidung noch vor dem Gericht geführt.
         
         
         
         345
            
          Wenn die japanischen Klägerinnen ihrerseits auch keine Beweise für die internationale Fortgeltung der Selbstbeschränkungsabkommen
         erbracht haben, haben sie doch sehr stichhaltige Beweise darüber vorgelegt, wie die japanische Seite den Status der Selbstbeschränkungsabkommen
         während des Jahres 1990 auffasste. Dazu gehören u. a. ein am 22. Dezember 1989 von sechs japanischen Stahlrohrherstellern,
         darunter den vier japanischen Klägerinnen, gestellter Antrag, eine Verlängerung der internen Vereinbarung über die Begrenzung
         ihrer Ausfuhren nach der Europäischen Gemeinschaft bis zum 31. Dezember 1990 zu genehmigen, und die entsprechende Genehmigungsentscheidung
         des MITI vom 28. Dezember 1989. Aus diesen Dokumenten lässt sich sicher schließen, dass sowohl die japanischen Klägerinnen
         als auch die zuständigen japanischen Behörden das mit den Europäischen Gemeinschaften geschlossene internationale Selbstbeschränkungsabkommen
         für während des Jahres 1990 weiterhin anwendbar hielten.
         
         
         
         346
            
          Unter diesen Umständen ist im vorliegenden Verfahren auf der Grundlage der dem Gericht vorgelegten Beweismittel und angesichts
         der der Kommission obliegenden Beweislast für das Bestehen einer Zuwiderhandlung davon auszugehen, dass die Selbstbeschränkungsabkommen
         zwischen der Kommission und den japanischen Behörden während des Jahres 1990 fortgalten. Angesichts dieses Umstands und des
         genannten Zugeständnisses, das die Kommission selbst in der angefochtenen Entscheidung machte, ist die Dauer der in Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung um ein Jahr zu reduzieren.
         
         
         
         347
            
          Was den Endzeitpunkt der Zuwiderhandlung angeht, so stützte sich die Kommission in den Randnummern 96 und 108 der angefochtenen
         Entscheidung auf die Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996, nach der der Austausch „vor etwas mehr als einem
         Jahr“ zuvor beendet worden war, und schloss daraus, dass die Zuwiderhandlung bis 1995 gedauert habe. Nach der Berechnung des
         Betrages der Geldbußen in Randnummer 166 der angefochtenen Entscheidung wurde aber im Fall der japanischen Klägerinnen eine
         Zuwiderhandlung von nur fünf Jahren zugrunde gelegt, so dass die Zuwiderhandlung am 1. Januar 1995 hätte enden müssen. Die
         Kommission hat in der mündlichen Verhandlung bestätigt, dass die angefochtene Entscheidung tatsächlich in diesem Sinne auszulegen
         sei.
         
         
         
         348
            
          Die japanischen Klägerinnen weisen darauf hin, dass unter den übrigen von der Kommission angeführten Unterlagen das einzige
         Dokument mit Angaben zur Dauer der Zuwiderhandlung, nämlich das Verteilerschlüssel‑Papier, einen Zeitraum nenne, der bereits
         im März 1994 geendet habe. Für die Zeit nach März 1994 gebe es auch keine Beweise für Sitzungen des Europäisch‑Japanischen
         Clubs.
         
         
         
         349
            
          Hierzu ist zunächst zu konstatieren, dass die Erklärungen von Herrn Verluca zwar besonders verlässlich sind, dass aber der
         Satz, aus dem die Kommission auf eine Zuwiderhandlungsdauer bis Anfang 1995 schließt, äußerst unbestimmt ist. Deshalb sind
         die übrigen Beweismittel, die die Erklärungen von Herrn Verluca in anderen Punkten erhärten, nicht dafür ausreichend, dass
         sich die Kommission in dieser Frage allein auf diese Erklärungen stützen könnte. Auch wenn nämlich kein Zweifel daran besteht,
         dass die Aussagen von Herrn Verluca zur Dauer der Zuwiderhandlung wahrheitsgemäß sind, ist doch seine Angabe zu deren Ende
         so unbestimmt, dass seine Erklärung allein nicht genügen kann, um den Endzeitpunkt rechtlich hinreichend zu beweisen.
         
         
         
         350
            
          Im Übrigen fanden die Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs nach der Beschreibung, die Herr Verluca von ihnen in seinen
         Erklärungen gab, „zweimal jährlich, einmal in Europa und einmal in Japan (im Allgemeinen im März oder April in Europa und
         im Oktober oder November in Japan)“, statt (Erklärung von Herrn Verluca vom 14. Oktober 1996). Hätte die Zuwiderhandlung bis
         Anfang 1995 gedauert, wie die Kommission annimmt, so hätte normalerweise im Herbst 1994 eine weitere Sitzung des Clubs abgehalten
         werden müssen. Jedoch gibt es zwar verschiedene Beweise, darunter das Verteilerschlüssel‑Papier, für die Sitzung vom März
         1994, aber in den Akten keinerlei Spur von einer Sitzung im Herbst 1994. Demnach lässt sich nicht hinreichend sicher annehmen,
         dass die Zuwiderhandlung über das erste Halbjahr 1994 hinaus fortdauerte.
         
         
         
         351
            
          Folglich ist davon auszugehen, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung am 1. Juli
         1994 endete, und ist somit im Fall der vier japanischen Klägerinnen die Dauer der Zuwiderhandlung neben der oben in Randnummer
         346 genannten Verkürzung um weitere sechs Monate zu reduzieren.
         
         
         
         352
            
          Nach alledem hat die Kommission nach den oben in den Randnummern 173 bis 180 wiedergegebenen Beweisregeln das Vorliegen der
         in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten Zuwiderhandlung zu Lasten der japanischen Klägerinnen durch die in der
         Begründung der Entscheidung angeführten Beweismittel nachgewiesen, jedoch nur für einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren, nämlich
         vom 1. Januar 1991 bis 1. Juli 1994. Im Übrigen, also abgesehen von dieser Verkürzung der Zuwiderhandlungsdauer, ist der zweite
         Teil des ersten Klagegrundes damit zurückzuweisen. Da das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten
         Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend bewiesen ist, sind die speziellen Argumente der Klägerinnen, die das Gericht nicht ausdrücklich
         zurückgewiesen hat, insoweit unbeachtlich.
         
         
         
         353
            
          Ist der zweite Teil des Klagegrundes somit zurückzuweisen, weil der Abschluss der geahndeten Übereinkunft mit wettbewerbswidrigem
         Zweck durch die japanischen Klägerinnen nachgewiesen ist, so hat dies im Übrigen zur Folge, dass auch der erste Teil des Klagegrundes
         zurückzuweisen ist. Denn die auf der Grundlage von Urkundenbeweisen getroffene Feststellung, dass es diese Übereinkunft tatsächlich
         gab, kann aus den oben in den Randnummern 181 bis 186 genannten Gründen weder durch etwaige Handelshindernisse, die japanischen
         Einfuhren entgegenstanden, noch durch mögliche japanische Verkäufe der von der Übereinkunft betroffenen Produkte auf dem Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs entkräftet werden.
         
          Zum dritten Teil des Klagegrundes, wonach die Kommission die Bedeutung der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung verkannt habe
         
         
         354
            
          Nach Auffassung der japanischen Klägerinnen ist die Überlegung der Kommission in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung,
         die in Artikel 2 festgestellte Zuwiderhandlung habe bezweckt, den dem britischen Markt nach den Grundregeln zuerkannten Heimatmarktstatus
         mit Hilfe verbesserter Grundregeln aufrechtzuerhalten, von Grund auf unschlüssig. Insbesondere habe sich Corus nicht allein
         durch die Beendigung ihrer Glattendrohrproduktion in Clydesdale vom britischen Markt für OCTG‑Standardgewinderohre und projektbezogene
         Leitungsrohre zurückgezogen, sondern habe ihre Tätigkeit auf ihrem Heimatmarkt fortgeführt und diese Produkte weiterhin abgesetzt,
         selbst wenn sie keine Lieferverträge für Glattendrohre mit Vallourec, Dalmine und Mannesmann geschlossen hätte.
         
         
         
         355
            
          Hinsichtlich dieses Teils des ersten Klagegrundes hat das Gericht nur die Frage zu prüfen, ob die Kommission das Vorliegen
         der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung als Bestätigung ihrer Feststellung werten durfte,
         dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung tatsächlich begangen wurde.
         
         
         
         356
            
          Da das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung durch die von der Kommission
         in der Entscheidung angeführten Urkundenbeweise nachgewiesen ist, ist es nicht zwingend erforderlich, die Auswirkungen der
         zweiten Zuwiderhandlung auf diese Frage zu ermitteln. Dennoch ist das genannte Vorbringen der japanischen Klägerinnen vorsorglich
         zu prüfen, weil es Auswirkungen auf andere ihrer Klagegründe hat, besonders auf den Klagegrund einer Ungleichbehandlung im
         Rahmen ihrer Anträge auf Herabsetzung der Geldbußen.
         
         
         
         357
            
          Den von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung angeführten Beweismitteln ist zu entnehmen, dass die europäischen
         Hersteller fürchteten, eine weitere Tätigkeit von Corus nur im Bereich des Gewindeschneidens werde nicht genügen, um die japanischen
         Hersteller zur weiteren Respektierung des britischen Marktes als Heimatmarkt im Sinne der Grundregeln zu bewegen. So enthält
         das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden folgende, in Randnummer 90 der angefochtenen Entscheidung zitierte Beurteilung:
         „Die Japaner haben zwar erklärt, dass sie sich auch im Falle einer Umstrukturierung der gemeinschaftlichen Industrie im Bereich
         nahtloser Rohre an die Abmachungen halten werden, doch fragt sich, ob dies auch gilt, wenn [Corus] sich aus der Rohrherstellung
         oder ‑fertigbearbeitung im Vereinigten Königreich zurückzieht.“
         („Although the Japanese have agreed not to request changes in our agreements if the EC seamless industry were to restructure,
         there is no guarantee that they would follow this precept if [Corus] were to exit tubemaking or finishing in the UK.“)
         
         
         
         358
            
          Diese Angabe wird durch die Vermerke von Vallourec gestützt, so insbesondere durch den Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990 und
         den Vermerk „Überlegungen zum VAM‑Vertrag mit BSC“, die in den Randnummern 78 und 80 der angefochtenen Entscheidung angeführt
         werden, sowie den Vermerk „Unterredung mit BSC“. In diesen Vermerken wird auf das Risiko verwiesen, dass die japanischen Hersteller
         nach der Schließung des Corus-Werkes in Clydesdale eine erhebliche Ausweitung ihres Marktanteils anstreben könnten, und die
         Notwendigkeit betont, den britischen Markt zu schützen. Der Beurteilung der Kommission liegt der – auch von Vallourec in den
         Vermerken „Strategische Überlegungen“ und „Verlängerung des VAM‑Vertrags mit BSC“ ausdrücklich als Möglichkeit benannte –
         Gedanke zugrunde, dass die japanischen Hersteller die Behandlung des britischen Marktes als Heimatmarkt im Sinne der Grundregeln
         nicht unbedingt länger akzeptieren würden, wenn Corus ihre Glattendrohrproduktion einstellen und diese Rohre, um sie selbst
         mit Gewinden zu versehen, bei Herstellern in Drittländern einkaufen würde. Dagegen beurteilten die Verfasser der Vallourec-Vermerke
         die Möglichkeit, die japanischen Hersteller zur weiteren Respektierung der Grundregeln zu bewegen, optimistischer für den
         Fall, dass Corus einer ausschließlichen Versorgung mit Glattendrohren aus der Gemeinschaft selbst zustimmte, besonders wenn
         Mannesmann als „der einzige europäische Hersteller, der den Japanern Angst macht“, laut Sitzungsvermerk vom 24. Juli 1990,
         zu den an diesen Lieferverträgen beteiligten Herstellern gehören würde.
         
         
         
         359
            
          Dabei brauchte die Kommission nicht zu beweisen, dass die in den Vermerken von Vallourec und im Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden
         vertretene Auffassung in dem Sinne zutreffend war, dass sie eine auch von den japanischen Herstellern geteilte Auslegung der
         Grundregeln widerspiegelte. Im vorliegenden Zusammenhang brauchte die Kommission logischerweise nur nachzuweisen, dass die
         europäischen Hersteller diese Strategie zur Beibehaltung der Grundregeln für wirksam hielten, so dass sie die Lieferungen
         von Glattendrohren an Corus tatsächlich zwischen Vallourec, Mannesmann und Dalmine aufteilten, um dieses Ziel zu erreichen.
         Denn diese Strategie ergab nur Sinn, wenn zwischen den europäischen und den japanischen Herstellern bereits eine Marktaufteilungsabsprache
         existierte, womit der Nachweis, dass eine solche Strategie verfolgt wurde, ebenfalls das Vorliegen einer solchen Absprache
         bestätigt.
         
         
         
         360
            
          Soweit sich die japanischen Klägerinnen auf die Präferenzpolitik des OSO und die Richtlinie 90/531, insbesondere auf die Bedeutung
         der Hinweise auf die Präferenz vom 3 %, beziehen, kann ihr Vorbringen nicht genügen, um den Urkundenbeweisen ihren Wert zu
         nehmen. Wenn dieses Vorbringen diese Hinweise auch verständlicher macht und einen zusätzlichen Grund verdeutlicht, der die
         Versorgung von Corus mit Glattendrohren aus innergemeinschaftlichen Quellen begünstigte, nämlich die bevorstehende Ablösung
         der britischen Präferenz durch eine Gemeinschaftspräferenz, geht doch aus den oben in den Randnummern 357 und 358 geprüften
         Unterlagen eindeutig hervor, dass die europäischen Hersteller ungeachtet des Bestehens dieser Präferenzen befürchteten, ihre
         japanischen Wettbewerber würden mit der Vermarktung von Rohren auf dem britischen Markt beginnen.
         
         
         
         361
            
          Auch das Vorbringen der japanischen Klägerinnen zu den unterschiedlichen Unterzeichnungsdaten der Lieferverträge kann nicht
         durchgreifen. Denn die vorstehend in den Randnummern 356 bis 359 dargelegten Erwägungen bleiben unabhängig davon gültig, zu
         welchen genauen Zeitpunkten die einzelnen europäischen Hersteller der Übereinkunft beitraten, die die in Artikel 2 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung bildet. Denn wie oben ausgeführt, kommt es hinsichtlich dieser Zuwiderhandlung
         darauf an, dass ihr Vorliegen, sei es ab 1991 oder ab 1993, die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte
         Zuwiderhandlung bestätigt.
         
         
         
         362
            
          Allerdings hat das Vorbringen der japanischen Klägerinnen insofern ein gewisses Gewicht, als in den Randnummern 110 bis 116
         der angefochtenen Entscheidung, insbesondere in Randnummer 111, ausgeführt wird, die zweite Zuwiderhandlung habe eine strenge
         Aufteilung der Glattendrohrlieferungen an Corus unter Vallourec, Mannesmann und Dalmine bezweckt und bewirkt. Geht nämlich
         auch aus den oben – insbesondere in den Randnummern 357 und 358 – geprüften Beweisurkunden klar hervor, dass einer der Zwecke
         der zweiten Zuwiderhandlung tatsächlich im Schutz des britischen Marktes bestand, so ist doch festzustellen, dass diese Vereinbarung
         darüber hinaus laut der angefochtenen Entscheidung selbst eine wettbewerbswidrige Zielsetzung und Auswirkung für den britischen
         Markt für Glattendrohre hatte.
         
         
         
         363
            
          Da die Lieferverträge für Glattendrohre außerdem am Ende des ersten Halbjahres 1994 verlängert wurden, also zu dem Zeitpunkt,
         von dem an der Fortbestand des Europäisch-Japanischen Clubs nicht mehr nachgewiesen ist, erscheint es schwerlich vorstellbar,
         dass die Verträge nach dieser Verlängerung noch ein Mittel zur Durchführung einer bereits beendeten Zuwiderhandlung darstellten.
         Jeder Vertrag war ursprünglich für fünf Jahre geschlossen worden, und zum Ende dieses Zeitraums konnte jede Vertragspartei
         ihn unter Einhaltung einer zwölfmonatigen Kündigungsfrist gegenüber der anderen Vertragspartei beenden. Soweit insbesondere
         Vallourec und Dalmine den Vertrag vom 4. Dezember 1991 in der Zeit vom 4. Dezember 1996 bis 30. März 1999 fortführten (wobei
         Vallourec über die TISL im Jahr 1994 in die Rechte von Corus eingetreten war, vgl. Randnr. 92 der angefochtenen Entscheidung),
         lässt sich keine Verbindung zwischen diesem geschäftlichen Verhalten und der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten
         Zuwiderhandlung ziehen. Jedenfalls hätten die Parteien die Lieferverträge nach der Beendigung der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung jederzeit einverständlich beenden können. Es gibt allen Grund zur Annahme, dass
         sie dies spätestens 1995 getan hätten, wenn sie an den Verträgen allein das von der Kommission in Randnummer 164 der angefochtenen
         Entscheidung benannte geschäftliche Interesse gehabt hätten.
         
         
         
         364
            
          Demnach ist die im ersten Satz der Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung getroffene Feststellung der Kommission, dass
         die Lieferverträge, die die in Artikel 2 der Entscheidung genannte Zuwiderhandlung bilden, nur ein Mittel zur Durchführung
         der Zuwiderhandlung nach Artikel 1 der Entscheidung gewesen seien, zu weitgehend, weil die Durchführung der ersten Zuwiderhandlung
         nur einen Zweck der zweiten Zuwiderhandlung unter mehreren zwar zusammenhängenden, aber gesonderten wettbewerbswidrigen Zielen
         und Wirkungen darstellte. Die etwaige Auswirkung dieses Umstands auf die Berechnung der den japanischen Klägerinnen auferlegten
         Geldbußen wird nachstehend in den Randnummern 567 bis 574 erörtert.
         
         
         
         365
            
          Jedoch steht fest, dass die Annahme der Kommission, die zweite Zuwiderhandlung habe u. a. eine Stärkung oder, wie es in Randnummer
         164 der angefochtenen Entscheidung heißt, Durchführung der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten Marktaufteilungsabsprache
         bezweckt, begründet ist und dass sich die Kommission fehlerfrei auf das Vorliegen dieses zweiten Verstoßes stützen konnte,
         um das Vorliegen der in Artikel 1 genannten Zuwiderhandlung zu erhärten (vgl. oben, Randnr. 359). Dieser Umstand genügt, um
         diesen Teil des ersten Klagegrundes zurückzuweisen.
         
         
         
         366
            
          Der erste Klagegrund ist damit insgesamt zurückzuweisen.
         
         
          2. Zum zweiten Klagegrund, wonach in der Zuwiderhandlung gemäß Artikel 1 in Wirklichkeit zwei eigenständige Zuwiderhandlungen
               zu sehen seien
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         367
            
          JFE-Kawasaki und Sumitomo machen hilfsweise geltend, dass die Kommission, selbst wenn man die Beteiligung der japanischen
         Hersteller an einer Übereinkunft unterstelle, die ihnen den Verkauf der in der angefochtenen Entscheidung bezeichneten Rohre
         auf den Märkten der Gemeinschaftshersteller untersagt hätte, dennoch nicht zu der Annahme berechtigt wäre, dass sie damit
         an irgendeiner Übereinkunft mit den europäischen Herstellern beteiligt gewesen wären, nach der jeder der europäischen Hersteller
         darauf verzichtet habe, seine Rohre auf dem Heimatmarkt der anderen europäischen Hersteller abzusetzen. Die Kommission hätte
         nämlich, da sie nicht nachgewiesen habe, dass eine Beteiligung der japanischen Hersteller erforderlich gewesen sei, damit
         die europäischen Hersteller eine Vereinbarung unter sich träfen, diese beiden Aspekte der Grundregeln als zwei selbständige
         Zuwiderhandlungen behandeln müssen. Insoweit sei darauf hinzuweisen, dass die im Verteilerschlüssel-Papier wiedergegebene
         Tabelle lediglich vorsehe, dass die japanischen Hersteller den europäischen Markt respektieren müssten. Die anderen Beweismittel
         erwähnten allenfalls eine angebliche Verpflichtung der japanischen Hersteller, ihre Erzeugnisse nicht in Europa abzusetzen.
         
         
         
         368
            
          JFE-Kawasaki meint, dass es, sollte die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung als schlichtes
         Mittel zur Durchführung der in Artikel 1 festgestellten Zuwiderhandlung betrachtet werden müssen, abwegig wäre, davon auszugehen,
         dass die japanischen Hersteller an diesem selbständigen Teil der letztgenannten Zuwiderhandlung beteiligt gewesen seien.
         
         
         
         369
            
          Nach Auffassung der Kommission muss die Marktaufteilungsabsprache als eine Gesamtheit von Regeln behandelt werden, deren Aufspaltung
         in zwei Teile gekünstelt erschiene. Die Wirksamkeit des Kartells sei von der Beteiligung möglichst vieler Hersteller abhängig
         gewesen, wie die Versuche bezeugten, auch die lateinamerikanischen Hersteller zu einem Beitritt zu bewegen. Für den Fall,
         dass sich die japanischen Hersteller nicht an der Übereinkunft beteiligt hätten, dürfe man nicht davon ausgehen, dass die
         europäischen Hersteller diese Übereinkunft notwendig auch untereinander getroffen hätten.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         370
            
          Die Kommission verweist zunächst zu Recht darauf, dass ein Unternehmen für ein Gesamtkartell zur Verantwortung gezogen werden
         kann, auch wenn es nachweislich nur an einem oder mehreren Bestandteilen dieses Kartells unmittelbar mitgewirkt hat, sofern
         es wusste oder zwangsläufig wissen musste, dass die Absprache, an der es insbesondere durch die Teilnahme an regelmäßig über
         mehrere Jahre stattfindenden Sitzungen beteiligt war, Teil eines Gesamtsystems war, das auf die Verfälschung des normalen
         Wettbewerbs gerichtet war, und dass sich dieses System auf sämtliche Bestandteile des Kartells erstreckte (Urteil PVC II,
         zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 773). Dass einzelne Unternehmen bei der Verfolgung eines gemeinsamen Zieles unterschiedliche
         Rollen spielten, ändert nichts an dem wettbewerbswidrigen Zweck und damit an der Zuwiderhandlung, sofern jedes Unternehmen
         auf seiner Ebene zur Verfolgung des gemeinsamen Zieles beitrug (in diesem Sinne Urteil Zement, zitiert oben in Randnr. 66,
         Randnr. 4123).
         
         
         
         371
            
          Im vorliegenden Fall geht aus den verschiedenen oben geprüften Beweismitteln, insbesondere aus der Erklärung von Herrn Verluca
         vom 17. September 1996, klar hervor, dass eines der wesentlichen Prinzipien der Grundregeln in der gegenseitigen Respektierung
         der Heimatmärkte der Mitglieder des Europäisch‑Japanischen Clubs bestand. So betraf die von der Kommission beschriebene Übereinkunft
         über den Marktschutz auf Gemeinschaftsebene ausschließlich die Heimatmärkte der vier europäischen Hersteller und nicht die
         übrigen Gemeinschaftsmärkte. Auch wenn die Fernhaltung der europäischen Hersteller vom japanischen Markt logischerweise jener
         Aspekt dieses Bestandteils der Grundregeln war, an dem die japanischen Hersteller interessiert waren, wussten diese doch oder
         mussten sie wissen, dass das genannte Prinzip innergemeinschaftlich ebenso galt wie interkontinental.
         
         
         
         372
            
          Wie ausgeführt, barg die Einstellung der Glattendrohrproduktion von Corus in Clydesdale nach Überzeugung der europäischen
         Hersteller das Risiko, dass die japanischen Hersteller den weiteren Heimatmarktstatus des britischen Marktes negieren würden
         (vgl. oben, Randnrn. 354 bis 365). Daraus folgt aber zwingend, dass die Präsenz eines dem Europäisch‑Japanischen Club angehörenden
         nationalen Herstellers, der auf dem nationalen Markt eines Staates OCTG‑Standardrohre und projektbezogene Leitungsrohre produzierte
         und vermarktete, als Voraussetzung für die Respektierung eines Marktes durch die übrigen Clubmitglieder betrachtet wurde.
         
         
         
         373
            
         Überdies wird das Argument der japanischen Klägerinnen, wonach die Gemeinschaftsmärkte im Rahmen des Europäisch‑Japanischen
         Clubs als nur ein einziger Markt behandelt worden seien, durch den Umstand entkräftet, dass der britische Offshore‑Markt im
         Rahmen der Marktaufteilungsabsprache den Sonderstatus eines „Teilschutzes“ innehatte. Die japanischen Klägerinnen behaupten
         nämlich selbst, sie hätten nahtlose Stahlrohre auf diesem Markt verkauft, ohne diese indessen auf den übrigen Gemeinschaftsmärkten
         abzusetzen.
         
         
         
         374
            
          Demnach war es für die Kommission im vorliegenden Fall nicht angezeigt, die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannte
         Zuwiderhandlung als zwei selbständige Zuwiderhandlungen zu behandeln, mit denen erstens die Beziehungen zwischen den europäischen
         und den japanischen Herstellern und zweitens die innergemeinschaftlichen Beziehungen geregelt worden wären. Der vorliegende
         Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          3. Zum dritten Klagegrund, wonach die Übereinkunft keine spürbaren Auswirkungen auf den Wettbewerb gehabt habe
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         375
            
          JFE-Kawasaki und JFE‑NKK machen unter Berufung auf das Vorliegen der oben in den Randnummern 73 bis 88 dargestellten Handelshindernisse,
         die Stahlrohrexporten der japanischen Hersteller auf die europäischen Märkte und insbesondere die Onshore‑Märkte der Mitgliedstaaten
         der Gemeinschaft entgegengestanden hätten, geltend, dass die in der angefochtenen Entscheidung festgestellte Übereinkunft
         zwischen den japanischen und den europäischen Herstellern das Angebot dieser Erzeugnisse auf diesen Märkten nicht notwendig
         spürbar beeinträchtigt habe.
         
         
         
         376
            
          Die japanischen Hersteller hätten im vorliegenden Fall kein wirtschaftliches Interesse daran gehabt, Stahlrohre auf den Heimatmärkten
         der europäischen Hersteller zu verkaufen. Sie hätten dies also ohnehin nicht getan, ob die ihnen vorgeworfene Übereinkunft
         nun zustande gekommen wäre oder nicht. Die Kommission habe daher in der angefochtenen Entscheidung nicht nachgewiesen, dass
         die Voraussetzung einer spürbaren Beeinträchtigung des Handels hier durch die japanischen Rohrhersteller erfüllt worden sei.
         
         
         
         377
            
          JFE-Kawasaki beruft sich für dieses Vorbringen auf das Urteil des Gerichtshofes vom 25. November 1971 in der Rechtssache 22/71
         (Béguelin, Slg. 1971, 949, Randnr. 16) und macht geltend, dass die Regel „de minimis non curat praetor“ nach diesem Urteil
         ohne Rücksicht auf die Art der betreffenden Vereinbarung gelte. Daher könnten die vorerwähnten Randnummern 1087 und 1088 des
         Urteils Zement (zitiert oben in Randnr. 66) die De‑minimis‑Regel nicht für bestimmte Fallgestaltungen ausschließen.
         
         
         
         378
            
          Nach Auffassung von JFE-NKK hat die Kommission den Nachweis zu erbringen, dass sich die Parteien ohne die Absprachen anders
         verhalten hätten, was sie im vorliegenden Fall nicht getan habe; insoweit sei zu verweisen auf das Urteil Suiker Unie u. a./Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 196).
         
         
         
         379
            
          Sumitomo weist, ohne diesen Klagegrund ausdrücklich geltend zu machen, lediglich darauf hin, dass die Kommission nicht nachgewiesen
         habe, dass die japanischen Hersteller ohne die Zuwiderhandlung überhaupt Rohre auf den europäischen Märkten abgesetzt hätten.
         
         
         
         380
            
          Die Kommission hebt hervor, dass nach ihrer Bekanntmachung über Vereinbarungen von geringer Bedeutung, die nicht unter Artikel
         [81 Absatz 1 EG] fallen (ABl. 1997, C 372, S. 13), die Anwendung des Artikels 81 Absatz 1 EG auf horizontale Absprachen, die
         eine Aufteilung der Märkte oder der Versorgungsquellen bezweckten, auch dann nicht ausgeschlossen werden könne, wenn der von
         den betreffenden Unternehmen gehaltene Marktanteil gering sei. Die Minimierung des von bestimmten dieser Unternehmen gehaltenen
         Marktanteils sei nämlich gerade der Zweck einer solchen Absprache.
         
         
         
         381
            
          Hauptsächlich macht die Kommission geltend, dass das Vorliegen der von den japanischen Klägerinnen behaupteten Handelshindernisse
         selbst dann, wenn es – was hier nicht der Fall sei – nachgewiesen wäre, ohne Bedeutung sei.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         382
            
          Es ist daran zu erinnern, dass die Kommission für den Beweis eines Verstoßes gegen Artikel 81 EG keine nachteiligen Wirkungen
         auf den Wettbewerb nachweisen muss, wenn sie das Vorliegen einer Vereinbarung oder abgestimmten Verhaltensweise bewiesen hat,
         die eine Wettbewerbsbeschränkung bezweckte (Urteile Ferriere Nord/Kommission, zitiert oben in Randnr. 183, Randnrn. 30 ff.,
         und Thyssen Stahl/Kommission, zitiert oben in Randnr. 74, Randnr. 277; vgl. auch oben, Randnr. 181).
         
         
         
         383
            
          In der angefochtenen Entscheidung stützte sich die Kommission tatsächlich in erster Linie auf den wettbewerbswidrigen Zweck
         der im Europäisch‑Japanischen Club geschlossenen Übereinkunft. Wie oben bereits festgestellt, ist die angefochtene Entscheidung
         insoweit begründet (vgl. oben, Randnrn. 189 ff.). Demnach ist das Vorbringen der japanischen Klägerinnen, wonach die rechtswidrige
         Übereinkunft ohne wettbewerbswidrige Auswirkungen geblieben sei, für das Vorliegen der Zuwiderhandlung, selbst wenn dieses
         Vorbringen zuträfe, unbeachtlich.
         
         
         
         384
            
          Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich Unternehmen, die eine Übereinkunft mit wettbewerbswidrigem Ziel schließen, grundsätzlich
         ihrer Verantwortung nicht mit dem Hinweis entziehen können, dass sich die Übereinkunft nicht spürbar auf den Wettbewerb ausgewirkt
         habe. Da die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannte Übereinkunft eine Aufteilung der Märkte unter den Mitgliedern
         des Europäisch‑Japanischen Clubs bezweckte, ist im vorliegenden Fall offenkundig, dass ihr Zweck in einer spürbaren Beeinträchtigung
         des Wettbewerbs lag.
         
         
         
         385
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          4. Zum vierten Klagegrund, wonach sich die Übereinkunft nicht auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten ausgewirkt habe
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         386
            
          JFE‑Kawasaki und JFE‑NKK tragen vor, dass sich die in der angefochtenen Entscheidung festgestellte Übereinkunft auf den Handel
         zwischen Mitgliedstaaten nicht, jedenfalls nicht spürbar, im Sinne der Rechtsprechung ausgewirkt habe (Urteil des Gerichtshofes
         vom 20. Juni 1978 in der Rechtssache 28/77, Tepea/Kommission, Slg. 1978, 1391, Randnr. 47). Auch in diesem Kontext betont
         JFE‑NKK, es sei Sache der Kommission, nachzuweisen, dass sich die Parteien ohne Absprachen anders verhalten hätten (Suiker
         Unie u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 196). JFE‑Kawasaki und JFE‑NKK zufolge verkaufen die japanischen
         Hersteller die in der angefochtenen Entscheidung genannten Rohre, die allesamt Endprodukte seien, ausschließlich an Endverbraucher,
         d. h. an Erdölgesellschaften. Diese Produkte würden daher innerhalb des Gemeinschaftsmarktes nie weiterverkauft. JFE‑NKK führt
         aus, dass diese Verkäufe meistens unter Einschaltung eines japanischen Handelshauses im Rahmen eines langfristigen Liefervertrags
         oder eines Rahmenvertrags stattfänden. Insbesondere projektbezogene Leitungsrohre seien keine Standarderzeugnisse, sondern
         würden auf Bestellung nach Kundenangaben maßgefertigt, wie die Kommission in Randnummer 34 der angefochtenen Entscheidung
         auch erwähnt habe. Sie seien daher ihrer Art nach nicht für den Weiterverkauf geeignet. Außerdem habe die in Artikel 1 der
         angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung so lange keine Wirkung auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten gehabt,
         als die Selbstbeschränkungsabkommen in Kraft gewesen seien.
         
         
         
         387
            
          JFE‑Kawasaki ist der Auffassung, dass die fehlende Wiederverkaufsmöglichkeit den vorliegenden Fall von sämtlichen Verfahren
         unterscheide, die die Kommission in Fußnote 37 der angefochtenen Entscheidung als Beleg für ihre Schlussfolgerung angeführt
         habe, dass die in Artikel 1 festgestellte Übereinkunft den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt habe (vgl. Urteil
         des Gerichtshofes vom 15. Juni 1976 in der Rechtssache 51/75, EMI Records, Slg. 1976, 811, und Entscheidungen der Kommission
         74/634/EWG vom 29. November 1974 betreffend ein Verfahren nach Artikel [81 EG] [IV/27.095 – Französisch‑japanische Absprache
         über Kugellager] [ABl. L 343, S. 19], 75/77/EWG vom 8. Januar 1975 über ein Verfahren nach Artikel [81 EG] [IV/27.039 – Pilzkonserven]
         [ABl. L 29, S. 26] und 75/497/EWG vom 15. Juli 1975 betreffend ein Verfahren nach Artikel [81 EG] [IV/27.000 – IFTRA‑Regeln
         für Hersteller von Hüttenaluminium] [ABl. L 228, S. 3]). In allen diesen Fällen habe zumindest die Möglichkeit bestanden,
         die Produkte, deren Einfuhr aus einem Drittland durch eine rechtswidrige Absprache unterbunden worden sei, innerhalb der Gemeinschaft
         weiterzuverkaufen. Die Entscheidung 73/109/EWG der Kommission vom 2. Januar 1973 betreffend ein Verfahren nach den Artikeln
         [81 EG] und [82 EG] (IV/26.918 – Europäische Zuckerindustrie) (ABl. L 140, S. 17), die in Fußnote 38 der angefochtenen Entscheidung
         angeführt werde, betreffe eher eine abgestimmte Verhaltensweise als eine rechtswidrige Absprache und sei daher hier nicht
         einschlägig.
         
         
         
         388
            
          Dem Argument der Kommission, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung eine einzige
         Globalvereinbarung sei, die den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigt habe, hält JFE‑Kawasaki ihr Vorbringen entgegen,
         dass diese Zuwiderhandlung in Wirklichkeit aus zwei selbständigen Übereinkünften bestehe, nämlich eine über die Beziehungen
         zwischen den japanischen Herstellern einerseits und den europäischen Herstellern andererseits und die andere über die Beziehungen
         der europäischen Hersteller untereinander. Selbst wenn die Kommission zu Recht angenommen haben sollte, dass nur eine Übereinkunft
         vorliege, hätte sie die Frage, ob das Verhalten der betroffenen Unternehmen nach dem gemeinschaftlichen Wettbewerbsrecht legal
         gewesen sei, für diese beiden eigenständigen Bestandteile des Verstoßes gesondert prüfen müssen.
         
         
         
         389
            
          JFE‑Kawasaki macht außerdem geltend, dass die Kommission in Randnummer 103 der angefochtenen Entscheidung zwei Bestandteile
         der Übereinkunft, deren Vorliegen sie vermutet habe, nämlich über die Aufteilung von Drittlandsmärkten und die abgestimmte
         Preisbildung für diese Märkte, mangels ausreichender Beweise außer Betracht gelassen, an anderen Bestandteilen der Übereinkunft
         aber festgehalten habe. Sie könne daher nicht behaupten, es sei nicht möglich, jeden Aspekt der Vereinbarung selbständig zu
         prüfen.
         
         
         
         390
            
          Die Kommission verweist zunächst auf ihr Vorbringen, dass es nicht logisch sei, die Auswirkungen der Beteiligung der japanischen
         Hersteller an der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung getrennt von den Auswirkungen
         der Beteiligung der europäischen Hersteller zu würdigen. Selbst wenn aber die Auswirkungen des Verhaltens jedes geahndeten
         Unternehmens auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten gesondert zu würdigen wären, wäre zu bedenken, dass mittels multilateraler
         Übereinkunft beispielsweise JFE‑Kawasaki mit Vallourec übereingekommen sei, beiderseits keine Rohre auf den deutschen Markt
         zu liefern, was unbestreitbar eine Quelle des Handels zwischen Mitgliedstaaten beseitigt habe. Dass die Rohre üblicherweise
         unmittelbar an Endverbraucher verkauft würden, sei ohne Bedeutung, weil die Übereinkunft für das Verhalten aller Lieferanten
         bestimmend gewesen sei, die an der Übereinkunft über alle Märkte außer ihrem Heimatmarkt beteiligt gewesen seien.
         
         
         
         391
            
          Nach der Rechtsprechung reiche es aus, dass die Absprache unmittelbar oder mittelbar, aktuell oder potenziell die Handelsströme
         innerhalb der Gemeinschaft beeinflussen könne, um die in Artikel 81 Absatz 1 EG normierte Voraussetzung einer Beeinträchtigung
         des Handels zwischen Mitgliedstaaten zu erfüllen (Urteil Zement, zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 1986). Im Urteil vom
         28. April 1998 in der Rechtssache C‑306/96 (Javico, Slg. 1998, I‑1983, Randnr. 17) habe der Gerichtshof zwar entschieden,
         dass eine Vereinbarung mit absolutem Gebietsschutz vom Verbot des Artikels 81 Absatz 1 EG nicht erfasst werde, wenn sie den
         Markt nur geringfügig beeinträchtige. Im vorliegenden Fall verhalte es sich aber offenkundig anders. Das Urteil Tepea/Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 386) müsse in seinem Kontext gesehen werden und sei hier nicht einschlägig.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         392
            
          Nach ständiger Rechtsprechung können ein Beschluss, eine Vereinbarung oder eine Verhaltensweise den Handel zwischen Mitgliedstaaten
         nur beeinträchtigen, wenn sich anhand einer Gesamtheit objektiver rechtlicher und tatsächlicher Umstände mit hinreichender
         Wahrscheinlichkeit voraussehen lässt, dass sie unmittelbar oder mittelbar, tatsächlich oder potenziell den Handel zwischen
         Mitgliedstaaten beeinflussen können (u. a. Urteil des Gerichts vom 28. Februar 2002 in der Rechtssache T‑395/94, Atlantic
         Container Line u. a./Kommission, Slg. 2002, II‑875, Randnrn. 79 und 90). Folglich braucht die Kommission, da eine potenzielle
         Beeinflussung genügt, nicht nachzuweisen, dass der Handel tatsächlich beeinträchtigt wurde (in diesem Sinne Urteil Atlantic
         Container Line u. a./Kommission, Randnr. 90). Jedoch weisen die Klägerinnen zu Recht darauf hin, dass diese tatsächliche oder
         potenzielle Beeinflussung nicht nur geringfügig sein darf (Urteil des Gerichtshofes vom 25. Oktober 2001 in der Rechtssache
         C‑475/99, Ambulanz Glöckner, Slg. 2001, I‑8089, Randnr. 48).
         
         
         
         393
            
          Wie oben in Randnummer 374 festgestellt, brauchte die Kommission die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte
         Zuwiderhandlung nicht als zwei eigenständige Zuwiderhandlungen zu behandeln. Da insoweit also nur eine einzige Zuwiderhandlung
         vorliegt, ist offenkundig, dass die innergemeinschaftliche Seite der geahndeten rechtswidrigen Übereinkunft zumindest potenziell
         den Handel zwischen Mitgliedstaaten beeinträchtigte, so dass die Voraussetzung einer Beeinträchtigung des Handels zwischen
         Mitgliedstaaten hier erfüllt ist.
         
         
         
         394
            
          Jedenfalls ist der bereits erwähnte Umstand (vgl. oben, insbesondere Randnrn. 357 bis 359 und 372), dass die Einstellung der
         Glattendrohrproduktion durch Corus in Clydesdale nach Überzeugung der europäischen Hersteller das Risiko barg, dass die japanischen
         Hersteller den Heimatmarktstatus des britischen Marktes negieren würden, ein genügender Beweis dafür, dass das Verhalten der
         japanischen Hersteller im Rahmen der europäisch‑japanischen Übereinkunft den innergemeinschaftlichen Handel jedenfalls potenziell
         beeinträchtigte. Denn aus dieser Feststellung folgt, dass die gegenseitige Respektierung der Heimatmärkte in der Gemeinschaft,
         wie sie durch die Verteidigung des Heimatmarktstatus des britischen Marktes illustriert wird, Teil der Grundregeln war und
         ein Hemmnis für den innergemeinschaftlichen Handel bildete.
         
         
         
         395
            
          Demnach ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
         
         
          5. Zum fünften Klagegrund, wonach die Kommission ihre Beurteilung der Bedeutung, die der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung
               festgestellten Zuwiderhandlung zukomme, nicht begründet habe
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         396
            
          Sumitomo und JFE‑NKK machen geltend, die Kommission habe ihre dem Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung zugrunde liegende
         Schlussfolgerung, die Verträge, die zu der in diesem Artikel festgestellten Zuwiderhandlung geführt hätten, seien im Rahmen
         der in Artikel 1 festgestellten Zuwiderhandlung geschlossen worden, aus den oben in den Randnummern 163 ff. dargelegten Gründen
         nicht entsprechend den Erfordernissen des Artikels 253 EG begründet. Insoweit sei Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung
         jedenfalls für nichtig zu erklären.
         
         
         
         397
            
          Die Kommission entgegnet, sie habe in den Randnummern 90 bis 94 der angefochtenen Entscheidung hinreichend begründet, warum
         sich die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung genannte Zuwiderhandlung in den Rahmen der Zuwiderhandlung gemäß Artikel
         1 einfüge. Dort sei nachzulesen, dass mit den Absprachen der Gemeinschaftshersteller über den Glattendrohreinkauf von Corus
         das Ziel verfolgt worden sei, Corus als heimischen Hersteller im Vereinigten Königreich zu erhalten, um so die Einhaltung
         der Grundregeln auf dem britischen Markt für OCTG-Rohre und Leitungsrohre sicherzustellen.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         398
            
          Nach ständiger Rechtsprechung soll die Begründung einer beschwerenden Entscheidung dem Gemeinschaftsrichter die Ausübung seiner
         Rechtmäßigkeitskontrolle ermöglichen und es dem Betroffenen gestatten, Kenntnis von den Gründen für die erlassene Maßnahme
         zu erlangen, damit er seine Rechte verteidigen und prüfen kann, ob die Entscheidung in der Sache begründet ist (Urteil Buchmann/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 58, Randnr. 44 und die dort zitierte Rechtsprechung).
         
         
         
         399
            
          Der Vorwurf einer fehlenden oder unzureichenden Begründung stellt damit einen Klagegrund dar, mit dem die Verletzung von wesentlichen
         Formvorschriften geltend gemacht wird, und er ist als solcher zu unterscheiden vom Klagegrund der Unrichtigkeit der Begründung,
         der im Rahmen ihrer materiell-rechtlichen Kontrolle zu untersuchen ist (Urteil Buchmann/Kommission, zitiert oben in Randnr.
         58, Randnr. 45).
         
         
         
         400
            
          Wie oben in Randnummer 364 festgestellt, rechtfertigen die in den Randnummern 90 bis 94 der angefochtenen Entscheidung enthaltenen
         Darlegungen nicht den von der Kommission in Randnummer 164 der Entscheidung gezogenen Schluss, dass die Lieferverträge nur
         ein Mittel zur Durchführung der europäisch‑japanischen Übereinkunft gewesen seien. So hat die Kommission später selbst in
         dem Teil der Begründung, in dem die Lieferverträge rechtlich beurteilt werden, festgestellt, dass diese Verträge schon nach
         ihren eigenen Merkmalen gegen Artikel 81 Absatz 1 EG verstießen (Randnrn. 110 ff. der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         401
            
          Dass die in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung enthaltene Feststellung der Kommission rechtlich fehlerhaft ist,
         bildet zwar einen materiell‑rechtlichen Mangel der Entscheidung, aber keinen Begründungsmangel.
         
         
         
         402
            
          Denn aus den Randnummern 90 bis 94 der angefochtenen Entscheidung werden im Licht insbesondere der Randnummer 110 und des
         ersten Satzes der Randnummer 111, wonach „Gegenstand dieser Verträge … die Versorgung des Marktführers für OCTG im Nordseeraum
         mit Glattendrohren [gewesen sei], um im Vereinigten Königreich einen heimischen Hersteller zu bewahren und so die Einhaltung
         der im Rahmen des Europäisch‑Japanischen Clubs vereinbarten ‚Fundamentals‘ erreichen zu können“, durchaus die Gründe erkennbar,
         aus denen die Kommission zur in Randnummer 164 formulierten Schlussfolgerung gelangte. Der angefochtenen Entscheidung insgesamt
         ist nämlich durchaus zu entnehmen, dass die Kommission als primäres Ziel der Lieferverträge die Durchführung der europäisch‑japanischen
         Übereinkunft betrachtete und daraus schloss, dass diese in Wirklichkeit ausschließlich ein Mittel zu deren Durchführung seien.
         
         
         
         403
            
          Nach den Umständen des vorliegenden Falles ermöglicht die Begründung der angefochtenen Entscheidung somit dem Gemeinschaftsrichter
         die Ausübung seiner Rechtmäßigkeitskontrolle und gestattet es dem Betroffenen, Kenntnis von den Gründen für die erlassene
         Maßnahme zu erlangen, um seine Rechte zu verteidigen und um zu prüfen, ob die Entscheidung in der Sache begründet ist.
         
         
         
         404
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          6. Zum sechsten Klagegrund, wonach die angefochtene Entscheidung zum Status der Offshore‑Märkte der Gemeinschaft, insbesondere
               des Vereinigten Königreichs, keine Begründung enthalte
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         405
            
          JFE‑Kawasaki macht geltend, die Kommission habe in der angefochtenen Entscheidung das System des „Teilschutzes“, das angeblich
         für die betroffenen Produkte auf dem britischen Offshore‑Markt gegolten habe, nicht erläutert. Auch ihre Schlussfolgerung,
         dass eine Zuwiderhandlung auf den Offshore‑Märkten von Deutschland, Frankreich und Italien vorliege, habe sie nicht begründet.
         
         
         
         406
            
          Nach Auffassung der Kommission wird in Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung klar gesagt, dass der britische Offshore‑Markt
         von der rechtswidrigen Übereinkunft betroffen gewesen sei, weil er ein „teilgeschütztes“ Gebiet gewesen sei. In ihrer Klagebeantwortung
         bekräftigt sie, dass dieser „Teilschutz“ des britischen Offshore‑Marktes durch Corus auf einem System der Preisabstimmung
         beruht habe, über das die europäischen Hersteller nach der Schließung der Fabrik Clydesdale die Kontrolle zu verlieren befürchtet
         hätten.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         407
            
          Aus Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung geht hervor, dass die Kommission auf der Grundlage von zwei Beweismitteln,
         nämlich der Erklärung von Herrn Verluca vom 17. September 1996 und des Vermerkes „Unterredung mit BSC“, annahm, dass auch
         der britische Offshore‑Markt von der sanktionierten Übereinkunft erfasst worden sei, er aber nur einen eingeschränkten Schutz
         in dem Sinne genossen habe, dass ein Konkurrent vor Abgabe eines Angebots zunächst mit Corus habe Kontakt aufnehmen müssen.
         
         
         
         408
            
          Diese Angaben sind ausreichend, um die Überlegungen der Kommission zu diesem Markt klar und eindeutig erkennen zu lassen.
         Wie in der Rechtsprechung verlangt (u. a. Urteil des Gerichts vom 8. Juli 1999 in der Rechtssache T‑266/97, Vlaamse Televisie
         Maatschappij/Kommission, Slg. 1999, II‑2329, Randnr. 143), ermöglicht diese Begründung dem Gemeinschaftsrichter die Ausübung
         seiner Kontrolle und erhellt den Betroffenen die Gründe für die erlassene Maßnahme.
         
         
         
         409
            
          Zu dem Offshore‑Sektor der anderen Gemeinschaftsmärkte, die von der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung erfasst sind, genügt der Hinweis, dass die Kommission zwischen dem Offshore‑ und dem Onshore‑Sektor dieser
         Märkte zu keinem Zeitpunkt, weder in der angefochtenen Entscheidung noch vor dem Gericht, unterschieden hat. Dass zu diesem
         Teil der Märkte in der angefochtenen Entscheidung keine gesonderte Begründung gegeben wird, bildet daher auch keinen Begründungsmangel.
         
         
         
         410
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          7. Zum siebten und achten Klagegrund, wonach die Entscheidung der Kommission, zwar Geldbußen gegen die japanischen Hersteller,
               nicht aber gegen die lateinamerikanischen Hersteller zu verhängen, nicht begründet worden sei und hierin eine Ungleichbehandlung
               liege
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         411
            
          Nach Auffassung von JFE‑Kawasaki hätte die Kommission die Gründe darlegen müssen, aus denen sie sich entschlossen habe, die
         lateinamerikanischen Hersteller anders als die japanischen Hersteller nicht mit einer Sanktion zu belegen, obwohl es, u. a.
         im Verteilerschlüssel‑Papier, Beweise gebe, dass auch diese sich zur Einhaltung eines partiellen Schutzsystems in Europa verpflichtet
         hätten. Insoweit sei zu verweisen auf das Urteil des Gerichts vom 17. Februar 2000 in der Rechtssache T‑241/97 (Stork Amsterdam/Kommission,
         Slg. 2000, II‑309), wonach der Kommission bei der Begründung ihrer Entscheidungen eine besondere Verantwortung obliege, wenn
         sie sich entschließe, auf der Grundlage desselben Sachverhalts eine zweite, abweichende Entscheidung zu treffen.
         
         
         
         412
            
          Für die Kommission ist die von den japanischen Klägerinnen gerügte unterschiedliche Behandlung insbesondere wegen der erheblichen
         Unterschiede bei den Beweismitteln gerechtfertigt, über die sie hinsichtlich der japanischen Hersteller einerseits und der
         lateinamerikanischen Hersteller andererseits verfügt habe. Die in der Untersuchung sichergestellten Dokumente hätten nämlich
         nur wenig Informationen zur Beteiligung der lateinamerikanischen Hersteller enthalten, während es hinsichtlich der japanischen
         Hersteller zahlreiche Indizien für das Vorliegen einer rechtswidrigen Übereinkunft gegeben habe.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         413
            
          Es ist zunächst darauf hinzuweisen, dass eine Entscheidung wie die angefochtene Entscheidung, obgleich sie in Form nur einer
         Entscheidung abgefasst und veröffentlicht worden ist, ein Bündel von Einzelentscheidungen darstellt, mit denen gegenüber jedem
         der Unternehmen, die Adressaten der Entscheidung sind, festgestellt wird, welche Zuwiderhandlung oder Zuwiderhandlungen es
         begangen hat, und gegebenenfalls eine Geldbuße gegen es festgesetzt wird. Diese Regel ergibt sich aus dem Urteil des Gerichts
         vom 10. Juli 1997 in der Rechtssache T‑227/95 (AssiDomän Kraft Products u. a./Kommission, Slg. 1997, II‑1185, Randnr. 56)
         in Verbindung mit dem im Rechtsmittelverfahren ergangenen Urteil des Gerichtshofes vom 14. September 1999 in der Rechtssache
         C‑310/97 P (Kommission/AssiDomän Kraft Products u. a., Slg. 1999, I‑5363, Randnr. 49).
         
         
         
         414
            
          Daher genügt hier der Hinweis, dass die Kommission in der angefochtenen Entscheidung nicht darzulegen brauchte, aus welchen
         Gründen die lateinamerikanischen Hersteller nicht Adressaten der Entscheidung waren. Die Pflicht zur Begründung eines Rechtsakts
         kann nämlich das Gemeinschaftsorgan, das ihn erlässt, nicht zur Angabe der Gründe verpflichten, aus denen es nicht gleichartige
         Rechtsakte gegenüber Dritten erließ.
         
         
         
         415
            
          Sollte das Vorbringen im Rahmen dieser beiden Klagegründe dahin aufzufassen sein, dass mit ihm auch eine Ungleichbehandlung
         zum Nachteil der japanischen Klägerinnen geltend gemacht wird, so ist es dennoch zurückzuweisen. Wenn nämlich auch bestimmte
         in der Kommissionsakte enthaltene Beweismittel darauf hinweisen, dass die lateinamerikanischen Hersteller ebenfalls an einer
         Zuwiderhandlung beteiligt waren, bleibt doch festzustellen, dass die Akten weitaus konsistentere Beweismittel hinsichtlich
         der Beteiligung der japanischen Hersteller an einer Zuwiderhandlung enthalten. So bezeugte insbesondere Herr Verluca lediglich
         einen Versuch, auch ein Übereinkommen mit den lateinamerikanischen Herstellern zu erzielen, der aber gerade gescheitert sei.
         Die Kommission hebt außerdem in Randnummer 86 der angefochtenen Entscheidung hervor, dass die lateinamerikanischen Hersteller
         ausweislich des Verteilerschlüssel‑Papiers, auch wenn sie offenbar bestimmte Wettbewerbsbeschränkungen akzeptierten, gegen
         eine Respektierung des europäischen Marktes ausdrücklich einen Vorbehalt äußerten.
         
         
         
         416
            
          Unter diesen Umständen sind der siebte und der achte Klagegrund ebenfalls zurückzuweisen.
         
         
          8. Zum neunten Klagegrund, wonach die Argumentation der Kommission zum Verkauf  zu Preisen über den Grenzkosten fehlerhaft sei
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         417
            
          JFE‑NKK meint, dass die Argumentation der Kommission in Randnummer 137 der angefochtenen Entscheidung, wonach jeder Verkauf
         zu einem über den Grenzkosten liegenden Preis aus Sicht der japanischen Hersteller gerechtfertigt gewesen wäre, rechtlich
         nicht hinreichend begründet sei. Die Kommission habe es insbesondere versäumt, hierzu angemessene Informationen zusammenzutragen.
         
         
         
         418
            
          Die Kommission hat sich zu diesem Klagegrund nicht ausdrücklich geäußert.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         419
            
          Das Vorbringen im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes bezieht sich nicht auf einen Begründungsmangel. Die von JFE‑NKK gerügten
         Ausführungen behandeln nämlich ein wirtschaftliches Erfordernis, das aus sich selbst heraus verständlich ist. Wenn dieses
         Erfordernis, generell oder nach den Umständen des vorliegenden Falles, sachlich unrichtig wäre, so wäre daraus der Schluss
         zu ziehen, dass der Kommission ein Beurteilungsfehler unterlief, nicht jedoch, dass sie ihre Entscheidung unzureichend begründete.
         
         
         
         420
            
          Ebenso betrifft auch das Vorbringen, die Kommission habe die Einholung angemessener Informationen versäumt, keinen Begründungsmangel,
         sondern die sachliche Begründetheit einer Entscheidung (in diesem Sinne Urteil des Gerichtshofes vom 2. April 1998 in der
         Rechtssache C‑367/95 P, Kommission/Sytraval und Brink’s France, Slg. 1998, I‑1719, Randnr. 72).
         
         
         
         421
            
          Was die sachliche Richtigkeit der fraglichen Ausführungen angeht, so beziehen sie sich jedenfalls auf eines der von den japanischen
         Klägerinnen geltend gemachten Hindernisse für japanische Einfuhren. Das Vorbringen zum angeblichen Bestehen dieser Handelshindernisse
         ist jedoch in der Sache bereits oben in Randnummer 353 zurückgewiesen worden, weil es sich nur auf die wettbewerbswidrigen
         Wirkungen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung bezieht, die die Kommission in der
         angefochtenen Entscheidung hilfsweise berücksichtigte. Da das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
         Zuwiderhandlung mit wettbewerbswidriger Zielsetzung in der angefochtenen Entscheidung auf der Grundlage von Urkundenbeweisen
         nachgewiesen wurde, ist das angebliche Fehlen von wettbewerbswidrigen Wirkungen für die Feststellung, dass die Zuwiderhandlung
         vorliegt, ohne Bedeutung.
         
         
         
         422
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          9. Zum zehnten Klagegrund, wonach durch Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung
               hinsichtlich des in Artikel 1 der Entscheidung genannten räumlichen Marktes die Rechte der Verteidigung verletzt worden seien
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         423
            
          JFE‑NKK und JFE‑Kawasaki machen in ihrer Erwiderung geltend, die Kommission habe ihre Verteidigungsrechte verletzt, weil die
         Mitteilung der Beschwerdepunkte anders als die angefochtene Entscheidung nicht die europäischen Offshore‑Märkte angesprochen
         habe, jedenfalls nicht hinreichend explizit, wie dies aber etwa nach dem Urteil Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnr.
         504) zu verlangen sei. JFE‑Kawasaki trägt vor, sie habe in ihrer Stellungnahme zur Mitteilung der Beschwerdepunkte klargestellt,
         dass nach ihrem Verständnis die Kommission alle anderen Offshore‑Märkte von der Untersuchung ausgeschlossen habe; dem habe
         die Kommission ihr gegenüber niemals widersprochen.
         
         
         
         424
            
          Die Kommission entgegnet, dass diese Rüge von JFE‑Kawasaki erstmals in ihrer Erwiderung erhoben worden sei und daher, weil
         sie einen selbständigen Klagegrund und nicht ein einfaches Vorbringen darstelle, gemäß Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung
         unzulässig sei, soweit es diese Klägerin angehe. Jedenfalls stimme Randnummer 56 der Mitteilung der Beschwerdepunkte inhaltlich
         mit Randnummer 62 der angefochtenen Entscheidung überein. Beide brächten insbesondere klar zum Ausdruck, dass der britische
         Offshore‑Markt durchaus von der rechtswidrigen Absprache betroffen sei.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         425
            
          Zur Zulässigkeit des vorliegenden Klagegrundes in der Rechtssache T‑71/00 ist darauf hinzuweisen, dass eine Verletzung der
         Rechte der Verteidigung, die ihrem Wesen nach eine Verletzung von subjektiven Rechten ist, nicht zur Verletzung wesentlicher
         Formvorschriften gehört und daher nicht von Amts wegen zu prüfen ist (in diesem Sinne Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 30; Urteil des Gerichtshofes vom 25. Oktober 1983 in der Rechtssache 107/82, AEG/Kommission,
         Slg. 1983, 3151, Randnr. 30; Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑352/94, Mo och Domsjö/Kommission, Slg.
         1998, II‑1989, Randnr. 74). Der Klagegrund ist somit, da ihn JFE‑Kawasaki erstmals in ihrer Erwiderung geltend gemacht hat,
         nach Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung als unzulässig zurückzuweisen und kann im Rahmen der Rechtssache T‑71/00 nicht geprüft
         werden.
         
         
         
         426
            
          In der Rechtssache T‑67/00 ist der Klagegrund in der Sache zurückzuweisen. Denn wie die Kommission zutreffend ausführt, ist
         Randnummer 56 der Mitteilung der Beschwerdepunkte in der Definition der betroffenen Märkte sachlich deckungsgleich mit Randnummer
         62 der angefochtenen Entscheidung und kann daher unter diesem Aspekt die Verteidigungsrechte nicht verletzen. Was das Fehlen
         ausdrücklicher Bezugnahmen auf den Offshore‑Sektor der Gemeinschaftsmärkte außer dem britischen Markt angeht, so erklärt es
         sich daraus, dass die Kommission zwischen den Onshore‑ und Offshore‑Sektoren dieser Märkte niemals unterschieden hat (vgl.
         oben, Randnr. 409).
         
         
          10. Zum elften Klagegrund, wonach durch Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung
               hinsichtlich der betroffenen Produkte die Rechte der Verteidigung verletzt worden seien
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         427
            
          JFE-NKK trägt vor, dass der von der Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte herangezogene Markt größer sei als der
         in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannte Markt, weil die Mitteilung der Beschwerdepunkte alle OCTG-Produkte (sowie
         projektbezogene Leitungsrohre) umfasst habe, während sich die angefochtene Entscheidung auf OCTG-Standardgewinderohre beschränke.
         Diese Änderung habe die Definition des Produktmarktes in der angefochtenen Entscheidung verfälscht und stelle eine Verletzung
         der Verteidigungsrechte und damit des Artikels 2 Absatz 2 der Verordnung (EG) Nr. 2842/98 der Kommission vom 22. Dezember
         1998 über die Anhörung in bestimmten Verfahren nach Artikel [81 EG] und [82 EG] (ABl. L 354, S. 18) dar. Die Unterschiede
         zwischen den beiden Definitionen der Produktmärkte seien erheblich und änderten damit die von JFE-NKK angeblich begangenen
         Zuwiderhandlungen. Außerdem habe im Urteil Zement (zitiert oben in Randnr. 66, Randnrn. 2212 bis 2225) der Umstand, dass im
         dortigen Sachverhalt der produktbezogene Anwendungsbereich der fraglichen Vereinbarung in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         weiter definiert worden sei als später in der endgültigen Entscheidung, genügt, um die Entscheidung für nichtig zu erklären.
         
         
         
         428
            
          Die Kommission weist darauf hin, dass diese von JFE-NKK zitierten Randnummern des Urteils Zement (zitiert oben in Randnr.
         66) die Frage beträfen, ob die in jenem Verfahren festgestellten Vereinbarungen ein bestimmtes räumliches Gebiet betroffen
         hätten oder nicht. Diese Frage sei für den vorliegenden Klagegrund ohne Bedeutung. Den Randnummern 852 bis 860 dieses Urteils
         sei aber im Gegenzug zu entnehmen, dass eine Abweichung zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der endgültigen Entscheidung
         die Verteidigungsrechte nur dann verletze, wenn eine in der Entscheidung ausgesprochene Beanstandung in der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte nicht so dargelegt worden sei, dass sich die Adressaten dagegen hätten verteidigen können. Da JFE-NKK hinsichtlich
         der Bezeichnung der Produkte in der angefochtenen Entscheidung eine solche Rüge nicht vorbringe, sei der vorliegende Klagegrund
         zurückzuweisen. Wenn die Kommission ausweislich der Mitteilung der Beschwerdepunkte über ausreichende Beweise über einen größeren
         Markt als den verfügt habe, der in der angefochtenen Entscheidung letztlich zugrunde gelegt worden sei, so habe sie erst recht
         ausreichende Beweise für die in der Entscheidung genannten Produkte.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         429
            
          Es ist zunächst festzustellen, dass die Rechte der Verteidigung durch eine Abweichung zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und der endgültigen Entscheidung nur dann verletzt werden, wenn eine in der Entscheidung ausgesprochene Beanstandung in der
         Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht so hinreichend dargelegt war, dass sich die Adressaten dagegen verteidigen konnten (in
         diesem Sinne Urteil Zement, zitiert oben in Randnr. 66, Randnrn. 852 bis 860).
         
         
         
         430
            
          Grundsätzlich kann es der Kommission nicht zur Last gelegt werden, dass sie die Reichweite einer endgültigen Entscheidung
         enger fasst als die der vorangegangenen Mitteilung der Beschwerdepunkte, da die Kommission, eben um die Verteidigungsrechte
         der Adressaten der Mitteilung zu wahren, diese anhören und ihre Stellungnahme zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen berücksichtigen
         muss.
         
         
         
         431
            
          Dass die Kommission hier letztlich eine nur beschränktere Zuwiderhandlung annahm als ursprünglich in der Mitteilung der Beschwerdepunkte,
         war nach den Umständen des vorliegenden Falles folgerichtig und sogar erforderlich, weil sich die Erklärungen von Herrn Verluca
         nur auf OCTG-Standardrohre und projektbezogene Leitungsrohre bezogen. Es besteht im vorliegenden Fall kein Grund zur Annahme,
         dass JFE-NKK dadurch, dass die Kommission den Anwendungsbereich der angefochtenen Entscheidung auf zwei der in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte genannten Produkte beschränkte, hinsichtlich dieser beiden Produkten an einer sachgemäßen Verteidigung
         im Verwaltungsverfahren gehindert war. JFE-NKK hat vor dem Gericht auch nicht dargelegt, in welcher Hinsicht ihr Vorbringen
         bei einer enger umgrenzten Reichweite der Mitteilung der Beschwerdepunkte anders ausgefallen wäre.
         
         
         
         432
            
          Demnach ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
         
         
          11. Zum zwölften Klagegrund, wonach die Rechte der Verteidigung dadurch verletzt worden seien, dass die Auswirkungen der Selbstbeschränkungsabkommen
               in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht hinreichend analysiert worden seien und dass hinsichtlich der Reichweite dieser
               Abkommen Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung bestünden
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         433
            
          JFE‑NKK macht geltend, die Kommission habe zu den Selbstbeschränkungsabkommen in der angefochtenen Entscheidung eine von Grund
         auf andere Position eingenommen als im Verwaltungsverfahren. Die Kommission hätte schon in der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         eine Analyse geben müssen, wie sich die Abkommen auf ihre vorläufige Einschätzung der angeblichen Zuwiderhandlung auswirkten,
         dies aber versäumt. Mangels einer solchen Analyse hätten sich die Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte zu dieser
         Frage auch nicht äußern können, bevor die Kommission über diese so entschieden habe, wie in den Randnummern 108 und 166 der
         angefochtenen Entscheidung dargelegt (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, Randnr.
         14). Folglich sei JFE‑NKK nicht Gelegenheit geboten worden, in ihrer Stellungnahme zur Mitteilung der Beschwerdepunkte den
         Beweis für die Verlängerung der Selbstbeschränkungsabkommen anzutreten, wodurch ihre Verteidigungsrechte verletzt worden seien.
         
         
         
         434
            
          Die Kommission hat zu diesem Klagegrund nicht ausdrücklich Stellung genommen.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         435
            
          Die Kommission berücksichtigte das Bestehen der Selbstbeschränkungsabkommen in der angefochtenen Entscheidung nur insofern,
         als sie aus Opportunitätserwägungen  im Rahmen der Bußgeldzumesssung für die Zeit der Geltung dieser Abkommen keine Zuwiderhandlung
         annahm (Randnrn. 108 und 164 der angefochtenen Entscheidung). Die Abweichung zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und der angefochtenen Entscheidung wirkt daher zugunsten von JFE-NKK und kann folglich grundsätzlich ihre Interessen nicht
         beeinträchtigen.
         
         
         
         436
            
          Wie oben in den Randnummern 342 bis 346 ausgeführt, machen die vier japanischen Klägerinnen jedoch zu Recht geltend, dass
         die Kommission ihre eigene Auffassung, wonach das Vorliegen einer Zuwiderhandlung erst ab Außerkrafttreten der Selbstbeschränkungsabkommen
         zu berücksichtigen sei, in der angefochtenen Entscheidung fehlerhaft umsetzte.
         
         
         
         437
            
          Folglich hätten die japanischen Klägerinnen, wenn sie vor dem Erlass der angefochtenen Entscheidung über diese Auffassung
         der Kommission zur Dauer der Zuwiderhandlung unterrichtet worden wären, möglicherweise im Stadium des Verwaltungsverfahrens
         den Nachweis erbracht, dass die Selbstbeschränkungsabkommen bis zum 31. Dezember 1990 in Kraft geblieben waren.
         
         
         
         438
            
          Allerdings hatte JFE-NKK Gelegenheit, zur Mitteilung der Beschwerdepunkte und damit auch zu den Angaben über die Dauer der
         Zuwiderhandlung Stellung zu nehmen. Es ist besonders hervorzuheben, dass die Zuwiderhandlung laut der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         bereits im Jahr 1977 begonnen hatte. JFE-NKK hätte sich daher vergegenwärtigen können, welche Relevanz die Selbstbeschränkungsabkommen
         in dieser Hinsicht hatten, und sie hätte die Kommission darauf hinweisen können, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannte Zuwiderhandlung daher frühestens ab Auslaufen der Selbstbeschränkungsabkommen Ende 1990 begonnen haben oder berücksichtigt
         werden könne. Tatsächlich hat JFE-NKK das Bestehen der Selbstbeschränkungsabkommen jedoch weder in ihrer Antwort auf die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte geltend gemacht noch der Kommission die Beweismittel vorgelegt, die sie später beim Gericht einreichte
         (vgl. oben, Randnr. 345).
         
         
         
         439
            
          Es ist ferner daran zu erinnern, dass die Kommission diese von ihr gewählte Beurteilungsweise als ein Zugeständnis an die
         japanischen Klägerinnen betrachtete (vgl. oben, Randnrn. 338 ff.).
         
         
         
         440
            
          Es widerspräche daher im vorliegenden Fall der dem Begriff der Verteidigungsrechte innewohnenden Logik, wenn man annähme,
         dass die Kommission, bevor sie der angefochtenen Entscheidung hinsichtlich der Zuwiderhandlungsdauer nach ihrem Verständnis
         Entgegenkommen zeigte, den Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte erneut hätte Gelegenheit geben müssen, zur Berechtigung
         und Tragweite dieses Entgegenkommens Stellung zu nehmen.
         
         
         
         441
            
          Denn unabhängig davon, ob die Berücksichtigung dieses Umstands zu Recht als Zugeständnis bewertet wurde oder nicht, bleibt
         doch festzustellen, dass die Auswirkungen der Selbstbeschränkungsabkommen keineswegs eine zusätzliche Beschwer darstellen
         und die Interessen der japanischen Klägerinnen nicht beeinträchtigten, sondern im Ergebnis die Zuwiderhandlungsdauer verkürzten.
         
         
         
         442
            
          Auch wenn der der Kommission unterlaufene Fehler im Rahmen des vorliegenden Verfahrens eine Verkürzung der Zuwiderhandlungsdauer
         rechtfertigt, gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass die Kommission in dieser Hinsicht die Verteidigungsrechte von JFE-NKK
         verletzte.
         
         
         
         443
            
          Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht die Folgen dieses Fehlers hinsichtlich der mit dem vorliegenden Klagegrund
         angesprochenen Zuwiderhandlungsdauer für die Höhe der Geldbußen berücksichtigt hat (vgl. unten, Randnrn. 574, 588 und 590).
         
         
         
         
         444
            
          Demnach ist der vorliegende Klagegrund zurückzuweisen.
         
         
          12. Zum dreizehnten Klagegrund, wonach die Rechte der Verteidigung dadurch verletzt worden seien, dass zwischen der Mitteilung
               der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung Abweichungen hinsichtlich der Tragweite der in Artikel 2 der Entscheidung
               festgestellten Zuwiderhandlung bestünden
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         445
            
          Dieser Klagegrund wird von JFE‑NKK und Sumitomo geltend gemacht. JFE‑NKK bemerkt vorab, dass die Wahrung der Verteidigungsrechte
         ein Grundrecht sei, das zu dem umfassenderen Recht auf ein faires Verfahren gehöre, wie es in Artikel 6 EMRK niedergelegt
         sei, und das zu den allgemeinen Rechtsgrundsätzen zähle, deren Einhaltung der Gemeinschaftsrichter sicherstelle (Urteil des
         Gerichtshofes vom 17. Dezember 1970 in der Rechtssache 11/70, Internationale Handelsgesellschaft, Slg. 1970, 1125).
         
         
         
         446
            
          In Randnummer 63 der Mitteilung der Beschwerdepunkte habe sich die Kommission auf die Behauptung beschränkt, dass die Vereinbarung
         über die Aufteilung der Glattendrohrverkäufe an Corus zwischen Vallourec, Dalmine und Mannesmann dem Zweck gedient habe, im
         Vereinigten Königreich einen heimischen Hersteller zu erhalten, um so auf dem britischen Markt die Respektierung der Grundregeln
         im Sinne einer Fortführung des Heimatmarktstatus zu sichern. Nichts in diesen Ausführungen der Kommission aber habe darauf
         hingedeutet, dass sie diese Vereinbarung als bloßes Mittel zur Durchführung der Aufteilung der japanischen und europäischen
         Märkte für OCTG-Standardrohre und Leitungsrohre werten würde (Randnr. 164 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         447
            
          Sumitomo macht geltend, dass sie, wenn die Mitteilung der Beschwerdepunkte eine solche Behauptung enthalten hätte, dazu ausdrücklich
         Stellung genommen hätte, so dass sie um die Möglichkeit gebracht worden sei, entsprechend den Artikeln 2 und 3 der Verordnung
         Nr. 2842/98 und dem gemeinschaftsrechtlichen Grundprinzip des Rechtes auf ein faires Verfahren ihren Standpunkt zur Richtigkeit
         und Erheblichkeit dieser Tatsachenbehauptungen angemessen darzulegen.
         
         
         
         448
            
          Zur Stützung dieser Rechtsauffassung bringen Sumitomo und JFE‑NKK vor, die Kommission habe nach ständiger Rechtsprechung ihre
         Argumentation in angemessener Weise darzulegen, um so den Adressaten einer Mitteilung der Beschwerdepunkte in die Lage zu
         versetzen, seinen Standpunkt zum Vorliegen und zur Erheblichkeit der behaupteten Tatsachen und Umstände im Verwaltungsverfahren
         darzulegen (Urteil des Gerichtshofes vom 23. Oktober 1974 in der Rechtssache 17/74, Transocean Marine Paint/Kommission, Slg.
         1974, 1063, Randnr. 15; Schlussanträge von Generalanwalt Warner vom 14. Februar 1979 in der Rechtssache 113/77, NTN Toyo Bearing
         u. a./Rat, Slg. 1979, 1185, 1212 und 1261; Urteile des Gerichtshofes vom 20. März 1985 in der Rechtssache 264/82, Timex/Rat
         und Kommission, Slg. 1985, 849, Randnrn. 24 bis 30, und vom 27. Juni 1991 in der Rechtssache C-49/88, Al-Jubail Fertilizer/Rat,
         Slg. 1991, I‑3187, Randnrn. 15 bis 17; Urteil Mo och Domsjö/Kommission, zitiert oben in Randnr. 425, Randnr. 63, und Urteil
         Zement, zitiert oben in Randnr. 66, Randnrn. 106 und 476). Es entspreche ebenfalls ständiger Rechtsprechung, dass die Mitteilung
         der Beschwerdepunkte die Schlussfolgerungen enthalten müsse, die die Kommission aus den Tatsachen, Dokumenten und Rechtsargumenten
         ziehen wolle (Urteil des Gerichtshofes vom 3. Juli 1991 in der Rechtssache C-62/86, AKZO/Kommission, Slg. 1991, I‑3359, Randnr.
         29, Urteil Mo och Domsjö/Kommission, zitiert oben in Randnr. 425, Randnr. 63, und Urteil des Gerichts vom 10. März 1992 in
         der Rechtssache T‑9/89, Hüls/Kommission, Slg. 1992, II‑499, Randnr. 39); daran habe es aber hier gefehlt. Schließlich dürfe
         die Kommission, um die Verteidigungsrechte zu wahren, bei der Ausarbeitung ihrer Entscheidung nicht von Tatsachen abweichen,
         die in der Mitteilung der Beschwerdepunkte festgehalten seien (Urteil des Gerichtshofes vom 13. Februar 1979 in der Rechtssache
         85/76, Hoffmann-La Roche/Kommission, Slg. 1979, 461, Randnr. 11).
         
         
         
         449
            
          Die Kommission entgegnet, dass in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung die Gründe dargelegt seien, aus denen sie
         sich entschlossen habe, gegen die Gemeinschaftshersteller wegen der in Artikel 2 der Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung
         keine zusätzliche Geldbuße zu verhängen. Sie weist erneut darauf hin, dass die japanischen Klägerinnen kein rechtliches Interesse
         an der Beanstandung dieser Randnummer hätten, weil die gegen sie verhängte Geldbuße die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellte Zuwiderhandlung gegen Artikel 81 EG betreffe.
         
         
         
         450
            
          Jedenfalls zeige die rechtliche Analyse in der Mitteilung der Beschwerdepunkte die Verbindung zwischen beiden Zuwiderhandlungen
         eindeutig auf und stelle klar, dass mit den Vereinbarungen der Gemeinschaftshersteller über die Glattendrohrlieferungen an
         Corus bezweckt worden sei, Corus als Heimathersteller im Vereinigten Königreich zu erhalten, um so die weitere Einhaltung
         der Grundregeln auf den britischen Endproduktmärkten sicherzustellen (vgl. insbesondere Randnr. 144 der Mitteilung der Beschwerdepunkte).
         Randnummer 164 der Entscheidung sei als einfache Zusammenfassung der in der Mitteilung der Beschwerdepunkte aufgeführten Einzelheiten
         zu betrachten. Sie beeinträchtige nicht die Verteidigungsrechte der Klägerinnen, weil Sumitomo und JFE‑NKK Gelegenheit gehabt
         hätten, sich in Kenntnis der Sachlage zu den Vereinbarungen zwischen den europäischen Herstellern über Glattendrohre zu äußern.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         451
            
          Hinsichtlich der Rüge, die sich auf das Vorliegen der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung
         bezieht, ist zunächst das Argument der Kommission zurückzuweisen, dass die japanischen Klägerinnen kein rechtliches Interesse
         daran hätten, die in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung formulierte Beurteilung der Kommission zum Verhältnis zwischen
         den beiden in der Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlungen anzugreifen. Wenn die japanischen Klägerinnen von der Feststellung
         der zweiten Zuwiderhandlung auch nicht unmittelbar betroffen sind, können sie doch, wie sie es im Rahmen ihres Antrags auf
         Herabsetzung der Geldbuße auch getan haben, geltend machen, es liege, weil gegen die europäischen Hersteller keine Geldbuße
         wegen der zweiten Zuwiderhandlung verhängt wurde, eine Ungleichbehandlung zu ihren Lasten vor. Dass die Kommission die die
         zweite Zuwiderhandlung bildenden Lieferverträge als bloßes Mittel zur Durchführung der u. a. gegenüber den japanischen Klägerinnen
         festgestellten ersten Zuwiderhandlung einstufte, begründet ein Interesse der japanischen Klägerinnen an der Rüge dieses Zusammenhangs,
         weil er die zweite Zuwiderhandlung zu einer Stütze für die erste, auch den japanischen Klägerinnen angelastete Zuwiderhandlung
         macht.
         
         
         
         452
            
          Allerdings ist der Klagegrund in der Sache zurückzuweisen.
         
         
         
         453
            
          Im Stadium der Mitteilung der Beschwerdepunkte ist die Kommission nur verpflichtet, die Beschwerdepunkte und den ihnen zugrunde
         liegenden Sachverhalt sowie dessen Bewertung so klar darzulegen, dass sich die Adressaten der Mitteilung sachgemäß verteidigen
         können (in diesem Sinne die von den Klägerinnen angeführten Urteile AKZO/Kommission, zitiert oben in Randnr. 448, Randnr.
         29, und Mo och Domsjö/Kommission, zitiert oben in Randnr. 425, Randnr. 63). Sie braucht hingegen nicht die Schlussfolgerungen
         darzulegen, die sie aus dem Sachverhalt, den Unterlagen und den rechtlichen Erwägungen zieht.
         
         
         
         454
            
          Soweit sich die Klägerinnen speziell auf das Urteil Hüls/Kommission (zitiert oben in Randnr. 448, Randnr. 39 a. E.) beziehen,
         ist darauf hinzuweisen, dass es die Frage betrifft, unter welchen Umständen sich die Kommission in ihrer endgültigen Entscheidung
         auf Unterlagen stützen darf, die der Mitteilung der Beschwerdepunkte zwar beigefügt, darin aber nicht ausdrücklich erwähnt
         waren.
         
         
         
         455
            
          Im vorliegenden Fall besteht der einzige relevante Unterschied zwischen Randnummer 144 der Mitteilung der Beschwerdepunkte
         und Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung darin, dass die Kommission die die zweite Zuwiderhandlung bildenden Verträge
         in der Entscheidung als bloßes „Mittel zur Durchführung“ der ersten Zuwiderhandlung bewertete, während sie sich in der Mitteilung
         der Beschwerdepunkte auf die Feststellung beschränkt hatte, dass der „Zweck“ der Lieferverträge in der Aufrechterhaltung des
         Heimatmarktstatus des britischen Marktes im Sinne der Grundregeln bestanden habe.
         
         
         
         456
            
          Wie oben in Randnummer 364 festgestellt, ist die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung formulierte Auffassung
         insofern verfehlt, als die die zweite Zuwiderhandlung bildenden Verträge mehr als nur ein Ziel verfolgten. Aber selbst wenn
         man annimmt, dass sich insoweit zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung eine abweichende
         Beurteilung ausmachen lässt, ist doch offenkundig, dass sich die Adressaten der Mitteilung der Beschwerdepunkte zu dem der
         Auffassung der Kommission zugrunde liegenden Kerngedanken äußern konnten, wonach die europäischen Hersteller die die zweite
         Zuwiderhandlung bildenden Verträge geschlossen hatten, um die Geltung der Grundregeln auf dem Offshore‑Markt des Vereinigten
         Königreichs zu festigen.
         
         
         
         457
            
          Demnach liegt insoweit keine Verletzung der Verteidigungsrechte vor.
         
         
         
         458
            
          Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass das Gericht die Folgen, die sich aus dem dem vorliegenden Klagegrund zugrunde liegenden
         Beurteilungsfehler ergeben, im Rahmen des Klagegrundes einer Ungleichbehandlung berücksichtigt hat (vgl. unten, Randnrn. 574,
         588 und 590).
         
         
          13. Zum vierzehnten Klagegrund, wonach der Beschluss der Kommission vom 25. November 1994, mit dem die Nachprüfungen am 1. und
               2. Dezember 1994 genehmigt wurden, rechtswidrig sei
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         459
            
          Nach Auffassung der vier japanischen Klägerinnen ist der Beschluss vom 25. November 1994, auf den sich die Kommission für
         die Durchführung der Untersuchungen vom 1. und 2. Dezember 1994 stützte, rechtswidrig, weil er die Bediensteten der Kommission
         zu ihrer Untersuchung nach Maßgabe des Artikels 81 EG ermächtigt habe, obwohl klar gewesen sei, dass dafür nach Artikel 56
         EWR die EFTA‑Überwachungsbehörde ausschließlich zuständig gewesen sei. Der aufgrund dieser doppelten Rechtsgrundlage erlassene
         Beschluss vom 25. November 1994 sei deshalb rechtswidrig gewesen.
         
         
         
         460
            
          Der Beschluss der Kommission vom 25. November 1994 gehe zurück auf ein vom zuständigen Mitglied der EFTA‑Überwachungsbehörde
         für Wettbewerbssachen geäußertes Ersuchen, im Rahmen einer von der EFTA-Überwachungsbehörde durchgeführten Untersuchung gemäß
         Artikel 8 Absatz 3 des Protokolls Nr. 23 des EWR‑Abkommens (im Folgenden: Protokoll Nr. 23) auf dem Gebiet der Europäischen
         Gemeinschaft Nachprüfungen durchzuführen. Die EFTA‑Überwachungsbehörde habe das Ersuchen durch Entscheidung vom 17. November
         1994 gebilligt. In Randnummer 1 der Mitteilung der Beschwerdepunkte habe die Kommission ausdrücklich eingeräumt, dass sie
         die Nachprüfungen vom 1. und 2. Dezember 1994 als Beauftragte der EFTA‑Überwachungsbehörde durchgeführt habe. Die Richtigkeit
         dieser Betrachtungsweise werde durch die Fassung des Artikels 8 Absatz 3 des Protokolls Nr. 23 bestätigt, der die nach Artikel
         56 EWR zuständige Überwachungsbehörde ermächtige, die andere Überwachungsbehörde um die Vornahme von Nachprüfungen auf ihrem
         Gebiet zu ersuchen. Nach Artikel 8 Absatz 5 des Protokolls müsse jede der beiden Überwachungsbehörden, wenn sie für die andere
         Behörde tätig werde, dieser unverzüglich nach Abschluss der Nachprüfungen alle dabei erlangten Informationen übermitteln.
         
         
         
         461
            
          Artikel 56 EWR, auf den Artikel 8 Absatz 3 des Protokolls Nr. 23 ausdrücklich verweise, sehe für die einzelnen Wettbewerbssachen
         eine strikte Zuständigkeitsteilung zwischen den beiden Überwachungsbehörden vor. Artikel 56 EWR sehe eine Regelung einer „einzigen
         Anlaufstelle“ vor, wonach die Behandlung aller Sachverhalte, die unter Artikel 53 EWR fallen könnten, zwischen der Kommission
         und der EFTA‑Überwachungsbehörde nach genauen Kriterien aufgeteilt würden, die jede Möglichkeit einer geteilten oder parallelen
         Zuständigkeit für ein und dieselbe Sache ausschlössen. Der Gerichtshof habe entgegen der Auffassung der Kommission in seinem
         Gutachten 1/92 vom 10. April 1992 (Slg. 1992, I‑2821) bestätigt, dass diese strenge Zuständigkeitsaufteilung die Zuständigkeiten
         der Gemeinschaft nicht verfälsche und daher mit dem EG‑Vertrag vereinbar sei.
         
         
         
         462
            
          Daraus folge, dass die Kommission mit ihrem Beschluss vom 25. November 1994, mit dem sie dem im Namen der EFTA‑Überwachungsbehörde
         an sie gerichteten Ersuchen um Amtshilfe auf dem Gebiet der Gemeinschaft nachgekommen sei, notwendig anerkannt habe, dass
         diese seinerzeit für die Untersuchung der Sache ausschließlich zuständig gewesen sei. Nach Artikel 56 EWR fielen Zuwiderhandlungen,
         die den Handel zwischen Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft beeinträchtigten und daher gegen Artikel 81 EG verstießen,
         in die ausschließliche Zuständigkeit der Kommission. Wenn die Kommission damals, als sie ihren Beschluss vom 25. November
         1994 gefasst habe, der Meinung gewesen wäre, dass sie selbst nach Artikel 81 EG für die Untersuchung zuständig gewesen sei,
         hätte sie das Amtshilfeersuchen der EFTA‑Überwachungsbehörde ablehnen, diese um Schließung ihrer Akten bitten und eine eigene
         Untersuchung einleiten müssen. Nippon weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Entscheidung der EFTA‑Überwachungsbehörde
         vom 17. November 1994 sowohl in ihrer Begründung als auch in ihrem verfügenden Teil bestätige, dass die Behörde lediglich
         mit Praktiken auf dem norwegischen Offshore‑Markt befasst gewesen sei. Damit sei klar, dass zu diesem Zeitpunkt sowohl die
         EFTA‑Überwachungsbehörde als auch die Kommission davon ausgegangen seien, dass die zuständige Behörde für die Untersuchung
         der fraglichen Praktiken die EFTA‑Überwachungsbehörde gewesen sei.
         
         
         
         463
            
          Mit ihrem Beschluss vom 25. November 1994, zugleich ihre eigene Untersuchung wegen einer möglichen Verletzung des Artikels
         81 EG und/oder des Artikels 53 EWR einzuleiten, obwohl die EFTA‑Überwachungsbehörde zu diesem Zeitpunkt für die Untersuchung
         der Angelegenheit zuständig gewesen sei, habe die Kommission mithin gegen Artikel 56 Absatz 1 EWR verstoßen. Erst am 6. Dezember
         1995 habe die EFTA‑Überwachungsbehörde, wie die Kommission in der Mitteilung der Beschwerdepunkte mitgeteilt habe, ihre Akten
         mit der Begründung, die Umstände, die sie untersuche, beeinträchtigten den innergemeinschaftlichen Handel, der Kommission
         übersandt, was keinerlei Sinn gemacht hätte, wenn die Kommission zur Durchführung einer Untersuchung bereits befugt gewesen
         wäre. Die Kommission habe vielmehr im Anschluss an diese Übermittlung ein neues Untersuchungsverfahren eingeleitet.
         
         
         
         464
            
          Das Argument der Kommission, dass Artikel 56 EWR ausschließlich die Zuständigkeit zum Erlass von Entscheidungen betreffe,
         mit denen das Vorliegen einer Zuwiderhandlung festgestellt werde, werde durch Artikel 55 EWR widerlegt, wonach „[d]as gemäß
         Artikel 56 zuständige Überwachungsorgan ... die Fälle [untersucht], in denen Zuwiderhandlungen ... vermutet werden“. Ebenso
         bestätige Artikel 109 EWR, den der Gerichtshof in seinem Gutachten 1/92 (zitiert oben in Randnr. 461) bei der Würdigung der
         Vereinbarkeit des Artikels 56 EWR mit dem EG‑Vertrag für einschlägig gehalten habe, dass sich die ausschließliche Zuständigkeit
         auch auf das Stadium der Untersuchung selbst erstrecke. Gemäß Artikel 109 Absatz 4 EWR prüften nämlich die Kommission und
         die EFTA‑Überwachungsbehörde die unter ihre Zuständigkeit fallenden Beschwerden und übermittelten dem anderen Organ die Beschwerden,
         die unter dessen Zuständigkeit fielen. Nach Artikel 109 Absatz 5 EWR könne jede dieser Behörden, wenn Meinungsverschiedenheiten
         über das Vorgehen in einem Beschwerdefall oder über das Ergebnis der Prüfung aufträten, die Sache an den gemeinsamen EWR‑Ausschuss
         überweisen. Es sei eine absurde Annahme, dass die strenge Aufteilung der Zuständigkeiten für Untersuchungen nach Einreichung
         einer Beschwerde gelte, nicht aber für Untersuchungen von Amts wegen.
         
         
         
         465
            
          Demgemäß müssten das Protokoll Nr. 23 und sein von der Kommission angeführter Artikel 10 Absatz 3 im Licht des Artikels 109
         EWR ausgelegt werden. Folglich dürften Informationen, die im Rahmen einer von der oder für die EFTA‑Überwachungsbehörde durchgeführten
         Untersuchung erlangt worden seien und in einer der Kommission von dieser Behörde gemäß Artikel 10 Absatz 3 des Protokolls
         Nr. 23 überwiesenen Akte enthalten seien, von der Kommission nur im Rahmen der Anwendung der Vorschriften des EWR‑Abkommens
         herangezogen werden. Diese Auslegung nehme Artikel 10 Absatz 3 nicht, wie die Kommission meine, jede praktische Wirkung. Auf
         jeden Fall bestätigten Wortlaut und Aufbau des Artikels 10 des Protokolls Nr. 23, dass zu einem gegebenen Zeitpunkt für die
         Durchführung einer Untersuchung nur eine einzige Behörde zuständig sein könne.
         
         
         
         466
            
          Da der Beschluss vom 25. November 1994, auf dessen Grundlage die Kommission die Nachprüfungen vor Ort am 1. und 2. Dezember
         1994 durchgeführt habe, rechtswidrig sei, müssten zumindest sämtliche Beweisurkunden, die bei diesen Nachprüfungen erlangt
         worden seien, nach der Rechtsprechung des Gerichtshofes und des Gerichts (Beschluss des Präsidenten des Gerichtshofes vom
         26. März 1987 in der Rechtssache 46/87 R, Hoechst/Kommission, Slg. 1987, 1549, Randnr. 34, und Urteil PVC II, zitiert oben
         in Randnr. 61, 395) aus den Akten entfernt werden. Die Kommission hätte von den betroffenen Unternehmen wie in der Rechtssache
         PVC II (zitiert oben in Randnr. 61, Randnrn. 474 bis 476) erneut Auskunft verlangen müssen.
         
         
         
         467
            
          Die von der Kommission für die EFTA‑Überwachungsbehörde sichergestellten Beweisstücke müssten aus den Akten des vorliegenden
         Verfahrens nicht nur deshalb entfernt werden, weil der Beschluss der Kommission vom 25. November 1994 rechtswidrig gewesen
         sei, sondern auch aus dem weiteren Grund, dass der Zweck dieses Verfahrens nicht derselbe sei wie der einer Untersuchung der
         EFTA‑Überwachungsbehörde.
         
         
         
         468
            
          Artikel 9 Absatz 1 des Protokolls Nr. 23 bestimme, dass die in Anwendung des Protokolls erlangten Kenntnisse nur zu dem mit
         den Verfahren nach den Artikeln 53 und 54 EWR verfolgten Zweck verwendet werden dürften, so wie auch Artikel 20 der Verordnung
         Nr. 17 die Verwertung von Erkenntnissen auf den mit der jeweiligen Auskunft oder Nachprüfung verfolgten Zweck beschränke.
         Bei der Anwendung der letztgenannten Vorschrift sei es ständige Rechtsprechung, dass das Berufsgeheimnis und die Verteidigungsrechte
         eines Unternehmens verletzt würden, wenn die Kommission oder gegebenenfalls eine nationale Behörde zu Lasten dieses Unternehmens
         Beweise verwende, die bei einer Untersuchung erlangt worden seien, die einem anderen Gegenstand als dem des betreffenden Verfahrens
         gegolten habe (Urteile des Gerichtshofes vom 17. Oktober 1989 in der Rechtssache 85/87, Dow Benelux/Kommission, Slg. 1989,
         3137, Randnr. 18, vom 16. Juli 1992 in der Rechtssache C‑67/91, Asociación Española de Banca Privada u. a., „Spanische Banken“,
         Slg. 1992, I‑4785, Randnrn. 35 ff., und vom 10. November 1993 in der Rechtssache C‑60/92, Otto, Slg. 1993, I‑5683, Randnr.
         20; Urteil des Gerichts PVC II, zitiert oben in Randnr. 61, Randnr. 472).
         
         
         
         469
            
          Der Gerichtshof habe in seinem Urteil Spanische Banken (zitiert oben in Randnr. 468) insbesondere entschieden, dass die von
         der Kommission bei einer Untersuchung gemäß Artikel 81 EG erlangten Informationen nicht von den nationalen Wettbewerbsbehörden
         verwendet werden dürften, und zwar selbst dann nicht, wenn diese zur Anwendung derselben gemeinschaftsrechtlichen Vorschrift
         tätig würden (Randnr. 32 des Urteils). Ebenso sei der Gerichtshof im Urteil Otto (zitiert oben in Randnr. 468) davon ausgegangen,
         dass in einem nationalen Verfahren erlangte Informationen von der Kommission nicht verwendet werden dürften, um einen gemeinschaftsrechtlichen
         Wettbewerbsverstoß zu belegen (Randnr. 20 des Urteils). JFE‑Kawasaki verweist darauf, dass sich das Gericht in seinem Urteil
         PVC II (zitiert oben in Randnr. 61) bei seiner Feststellung, dass die Verteidigungsrechte in dieser Rechtssache gewahrt worden
         seien, darauf gestützt habe, dass die Kommission die Dokumente, die sie im Rahmen einer Untersuchung mit anderem Gegenstand
         bereits sichergestellt hätte, erneut angefordert habe (vgl. oben, Randnr. 466 a. E.).
         
         
         
         470
            
          Aus den gleichen Gründen müssten im vorliegenden Fall die Dokumente, die bei den Nachprüfungen im Rahmen der Untersuchung
         der EFTA‑Überwachungsbehörde sichergestellt worden seien, aus den Akten entfernt werden. Das Ziel dieser ursprünglichen Untersuchung
         sei ein deutlich anderes gewesen als das der später von der Kommission eingeleiteten Untersuchung. Die Kommission habe nämlich
         eine Mitteilung der Beschwerdepunkte erstellt, die ausschließlich eine angebliche Vereinbarung im Sinne von Artikel 81 EG
         zum Gegenstand gehabt habe, während sich der Entscheidung der EFTA‑Überwachungsbehörde vom 17. November 1994 entnehmen lasse,
         dass diese lediglich gemäß Artikel 53 EWR die Praktiken untersucht habe, die den Offshore‑Markt Norwegens betroffen hätten.
         
         
         
         471
            
          Die beiden Untersuchungen gehörten somit zu verschiedenen Rechtsordnungen. Man müsse daher analog zu den Urteilen Spanische
         Banken und Otto (zitiert oben in Randnr. 468) und unter Berücksichtigung der Fassung des Artikels 9 Absatz 1 des Protokolls
         Nr. 23 davon ausgehen, dass der Beweiswert von Beweisstücken, die im Rahmen einer Untersuchung der EFTA‑Überwachungsbehörde
         erlangt würden, ausschließlich vom Recht des EWR‑Abkommens geregelt werde und nur im Rahmen eines von den internen Vorschriften
         dieser Behörde beherrschten Verfahrens geltend gemacht werden könne, etwa dem Protokoll Nr. 4 des Abkommens zwischen den EFTA‑Staaten
         über die Einsetzung einer Überwachungsbehörde und eines Gerichtshofes.
         
         
         
         472
            
          Angesichts des vorstehend aufgezeigten Verfahrensmangels müssten aus den Akten u. a. der Vermerk „Einige Informationen“, der
         einem Schreiben vom 15. Mai 1991 beigeheftete Vermerk „RB an Herrn Patrier“, das Fax „Liste Vancouver“ von Mannesmann vom
         16. Januar 1991 (S. 4782 der Kommissionsakte), das Fax „Preisliste“ („Price List“) von Sumitomo vom 19. Februar 1991 (S. 4789
         der Kommissionsakte), das Arbeitspapier für die Vorstandsvorsitzenden, das Dokument „g) Japaner“, der Sitzungsvermerk vom
         24. Juli 1990, das Dokument „Stahlrohrmarkt 1970–1985“ von Mannesmann vom 27. Januar 1986 (S. 2128 der Kommissionsakte) und
         das Dokument „Stahlrohrsystem“ entfernt werden.
         
         
         
         473
            
          Das Gericht dürfe ferner nicht die Erklärungen berücksichtigen, mit denen die von der Untersuchung betroffenen Unternehmen
         auf solche Auskunftsersuchen oder Fragen der Kommission geantwortet hätten, die sich auf Dokumente bezogen oder gestützt hätten,
         die aus den vorgenannten Gründen aus den Akten hätten entfernt werden müssen. Die Heranziehung dieser Erklärungen sei nämlich
         ebenso rechtswidrig wie die Verwendung der Dokumente selbst, weil die Kommission ohne sie nicht in der Lage gewesen wäre,
         die von ihr gestellten konkreten Fragen zu formulieren und damit die zusätzlichen Informationen zu erlangen, die in diesen
         Erklärungen enthalten gewesen seien. Auszuscheiden aus dem vorliegenden Verfahren seien daher die Erklärungen von Herrn Verluca
         vom 17. September und 14. Oktober 1996, die Antwort von Herrn Becher, die Antworten von Corus, die Antworten von Nippon vom
         17. November und 4. Dezember 1997 auf Fragen der Kommission (S. 13544 und 14157 der Kommissionsakte), die Antworten von Sumitomo
         vom 31. Oktober und 16. Dezember 1997 auf Fragen der Kommission (S. 14168 und 14430 der Kommissionsakte), die Antworten von
         JFE‑NKK vom 7. November und 15. Dezember 1997 auf Fragen der Kommission (S. 14451 und 14491 der Kommissionsakte), die Antworten
         von JFE‑Kawasaki vom 3. November und 18. Dezember 1997 (S. 14519 und 14615 der Kommissionsakte) und wahrscheinlich das Dokument
         „Nachprüfung bei Vallourec“.
         
         
         
         474
            
          Nach Auffassung von Nippon müssen weitere Dokumente unberücksichtigt bleiben, weil sie auf die Zeit vor den Nachprüfungen
         vom 1. und 2. Dezember 1994 zurückgehen, und zwar das Fax von Sumitomo an Vallourec vom 9. Oktober 1987 (S. 4283 der Kommissionsakte),
         das Protokoll der Unterredung mit JF, das Dokument „Schätzung der Marktanteile durch SMI“ vom 19. September 1991 (S. 4848
         der Kommissionsakte), das Dokument „Japanische Ausfuhren nahtloser Rohre (Jan–Sept 95)“ („Japan’s Exports of Seamless Pipe
         [jan–sep 95]“) (S. 8514 der Kommissionsakte), das Dokument „Bericht über Lieferung nahtloser OCTG-Rohre 1993 (Jan–Sept)“ („OCTG
         Seamless pipe supply record 1993 [jan–sept])“ (S. 8692 der Kommissionsakte), die Vermerke „Verlängerung des VAM‑Vertrags mit
         BSC“, „Unterredung mit BSC“, „Strategische Überlegungen“ und „Überlegungen zum VAM-Vertrag“, der Vermerk „Beziehungen zu JFE‑Kawasaki“
         von Vallourec vom 29. August 1991 (S.  15802 der Kommissionsakte) sowie der Vermerk „VAM‑Lizenz für Siderca“ von Vallourec
         vom 20. Juni 1994 (S. 15809 der Kommissionsakte).
         
         
         
         475
            
          Daraus, dass die besagten schriftlichen Beweisstücke und Erklärungen rechtswidrig erlangt seien, folge weiter, dass auch die
         angefochtene Entscheidung selbst rechtswidrig sei, insbesondere soweit die Verteidigungsrechte der betroffenen Unternehmen
         beeinträchtigt worden seien. Für JFE‑Kawasaki ist dies allein ein ausreichender Grund, die angefochtene Entscheidung für nichtig
         zu erklären. Auf jeden Fall sind die japanischen Klägerinnen einvernehmlich der Meinung, dass die Zurücknahme jedes auf der
         Grundlage einer rechtswidrigen Entscheidung erlangten Beweismittels geboten sei; andernfalls müsse die angefochtene Entscheidung
         zum Nachteil der Kommission für nichtig erklärt werden, weil sie auf solche Beweismittel gestützt sei (Beschluss Hoechst/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 466, Randnr. 34).
         
         
         
         476
            
          Die Kommission ist der Auffassung, dass sie, wenn sie ihre Beamten und Bediensteten, insbesondere mit ihrem Beschluss vom
         25. November 1994, ermächtigt habe, Zuwiderhandlungen gegen Artikel 81 EG zu untersuchen und zugleich aufgrund desselben Sachverhalts
         einen möglichen Verstoß gegen Artikel 53 EWR für die EFTA‑Überwachungsbehörde entsprechend deren Ersuchen zu überprüfen, nicht
         gegen Artikel 53 EWR verstoßen habe. Die EFTA‑Überwachungsbehörde sei nämlich zu dem Zeitpunkt, als dieser Beschluss gefasst
         worden sei, für die Durchführung einer Untersuchung nicht ausschließlich zuständig gewesen. Artikel 53 EWR mache Artikel 81
         EG nicht unanwendbar, wenn die Voraussetzungen beider Artikel erfüllt seien. Diese Auslegung von Artikel 53 EWR werde durch
         die Gutachten 1/91 des Gerichtshofes vom 14. Dezember 1991 (Slg. 1991, I‑6079) und 1/92 (zitiert oben in Randnr. 461) bestätigt.
         
         
         
         477
            
          Demnach habe eine solche Untersuchung der EFTA‑Überwachungsbehörde nicht auf die der Gemeinschaft in ihrem Zuständigkeitsbereich
         zustehenden Befugnisse übergreifen können. Der Kommission sei eine Untersuchung von Zuwiderhandlungen gegen Artikel 81 EG
         unbenommen geblieben. Sie sei nämlich insoweit die zuständige Überwachungsbehörde im Sinne des Artikels 55 EWR gewesen.
         
         
         
         478
            
          Die Kommission habe das Recht zur Durchführung einer Untersuchung jedenfalls behalten, um zumindest feststellen zu können,
         ob sie wegen Beeinträchtigung des Handels zwischen Mitgliedstaaten im vorliegenden Fall die zuständige Behörde sei oder nicht.
         
         
         
         479
            
          Zu den Hinweisen der japanischen Klägerinnen auf die Rechtsprechung führt die Kommission aus, dass in dem durch das EWR-Abkommen
         begründeten System ein Mechanismus bestehe, der die Überweisung von einer zu einer anderen Behörde ermögliche. Dies unterscheide
         den vorliegenden Fall vom Entscheidungssachverhalt des Urteils Spanische Banken (zitiert oben in Randnr. 468), da die Gemeinschaftsregelung
         einen analogen Mechanismus der Verweisung von Fällen zwischen der Kommission und den nationalen Wettbewerbsbehörden nicht
         kenne. Auch das Urteil PVC II (zitiert oben in Randnr. 61) sei hier nicht einschlägig, weil die beiden dort fraglichen Verfahren,
         in denen die gleichen Erkenntnisse gesammelt worden seien, einen unterschiedlichen Zweck gehabt hätten.
         
         
         
         480
            
          Außerdem habe die Kommission im vorliegenden Fall ihre Beweise nicht allein für die Zwecke eines anderen Verfahrens als des
         der angefochtenen Entscheidung zugrunde liegenden Verfahrens zusammengetragen, sondern aufgrund von Untersuchungsbeschlüssen,
         die ausdrücklich etwaige Zuwiderhandlungen gegen Artikel 81 EG erwähnt hätten und auf einer doppelten Rechtsgrundlage beruhten.
         Wegen dieser doppelten Rechtsgrundlage sei der Beschluss vom 25. November 1994 jedenfalls rechtmäßig.
         
         
         
         481
            
          In der mündlichen Verhandlung hat sich die EFTA‑Überwachungsbehörde zu dem vorliegenden Klagegrund nicht geäußert. Sie hat
         sich insoweit im Wesentlichen dem Vorbringen der Kommission angeschlossen.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         482
            
          Es ist zunächst daran zu erinnern, dass der Gerichtshof in seinem Gutachten 1/92 (zitiert oben in Randnr. 461) festgestellt
         hat, dass die von ihm in dem Gutachten zu prüfenden Bestimmungen des EWR‑Abkommens, insbesondere dessen Artikel 56 über die
         Aufteilung der Zuständigkeiten in Wettbewerbssachen zwischen der EFTA‑Überwachungsbehörde und der Kommission, mit dem EG‑Vertrag
         vereinbar sind.
         
         
         
         483
            
          Dieses Ergebnis hat der Gerichtshof hinsichtlich des Artikels 56 EWR in den Randnummern 40 und 41 des Gutachtens daraus hergeleitet,
         dass die Zuständigkeit der Gemeinschaft für den Abschluss internationaler Abkommen auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts zwangsläufig
         die Möglichkeit einschließt, vertraglichen Bestimmungen über die Verteilung der jeweiligen Zuständigkeiten der Vertragsparteien
         in Wettbewerbssachen zuzustimmen, sofern diese Bestimmungen die Zuständigkeiten der Gemeinschaft und ihrer Organe, wie sie
         im EG‑Vertrag ausgestaltet sind, nicht verfälschen.
         
         
         
         484
            
          Dem Gutachten 1/92 ist damit zu entnehmen, dass Artikel 56 EWR die vom EG‑Vertrag vorgesehenen Zuständigkeiten der Gemeinschaft
         auf dem Gebiet des Wettbewerbsrechts nicht verfälscht.
         
         
         
         485
            
          Insoweit geht sowohl aus Artikel 56 EWR selbst als auch aus seiner eingehenden Erläuterung im einleitenden Teil des Gutachtens
         1/92, im Abschnitt „Zusammenfassung des Antrags der Kommission“, hervor, dass alle Angelegenheiten, die vor dem Inkrafttreten
         des EWR‑Abkommens in die wettbewerbsrechtliche Zuständigkeit der Gemeinschaft fielen, auch nach dem Inkrafttreten des Abkommens
         in der ausschließlichen Zuständigkeit der Kommission verbleiben. So fallen alle Angelegenheiten, in denen der Handel zwischen
         Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft beeinträchtigt ist, weiterhin in die Zuständigkeit der Kommission, gleichviel
         ob auch der Handel zwischen der Gemeinschaft und den EFTA‑Staaten und/oder nur unter den EFTA‑Staaten beeinträchtigt ist.
         
         
         
         486
            
          Demnach können die Vorschriften des EWR‑Abkommens nicht in einer Weise ausgelegt werden, mit der der Kommission auch nur vorübergehend
         ihre Zuständigkeit genommen würde, Artikel 81 EG auf eine wettbewerbswidrige Vereinbarung anzuwenden, die den Handel zwischen
         Mitgliedstaaten der Gemeinschaft beeinträchtigt.
         
         
         
         487
            
          Im vorliegenden Fall ist jedoch festzustellen, dass sich die Kommission in ihrem Beschluss vom 25. November 1994 über die
         Einleitung einer Untersuchung auf dem Stahlrohrsektor auch auf Artikel 81 EG und die Verordnung Nr. 17 als Rechtsgrundlage
         stützte. Im Rahmen dieser Untersuchung machte sie von den ihr durch die Verordnung Nr. 17 verliehenen Befugnissen Gebrauch,
         um die in der angefochtenen Entscheidung angeführten Beweise zusammenzutragen, und ahndete sie die rechtswidrigen Vereinbarungen
         in den Artikeln 1 und 2 der Entscheidung letztlich allein nach Artikel 81 EG.
         
         
         
         488
            
          Es ist weiterhin explizit auf die Argumentation einzugehen, mit der es die japanischen Klägerinnen als rechtswidrig rügen,
         dass die Kommission in ihrem Beschluss vom 25. November 1994 eine doppelte Rechtsgrundlage heranzog, nämlich nicht nur Artikel
         81 EG und die Verordnung Nr. 17, sondern auch Artikel 53 EWR und die Entscheidung der EFTA‑Überwachungsbehörde vom 17. November
         1994, mit der ein Amtshilfeersuchen an die Kommission genehmigt wurde.
         
         
         
         489
            
          Im vorliegenden Fall ist festzustellen, dass die Kommission, als sie ihren Beschluss vom 25. November 1994 erließ, bei vernünftiger
         Betrachtung nicht wissen konnte, welches die richtige Rechtsgrundlage war, weil dies von der geografischen Reichweite einer
         etwaigen Zuwiderhandlung und besonders davon abhing, ob diese den Handel zwischen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft beeinträchtigte.
         Die japanischen Klägerinnen weisen zutreffend darauf hin, dass das EWR‑Abkommen für die Anwendung der Wettbewerbsregeln in
         u. a. den Artikeln 56 und 109 das System einer „einzigen Anlaufstelle“ schafft, die von der Untersuchung an gilt, so dass
         jede der beiden Behörden, sobald sie feststellt, dass die andere Behörde zuständig ist, verpflichtet ist, die Sache abzugeben
         und ihre Akten der anderen Behörde zuzuleiten.
         
         
         
         490
            
          Jedoch kann der Begriff der „einzigen Anlaufstelle“ nicht vom Beginn einer Untersuchung an eingreifen, wenn zu diesem Zeitpunkt
         noch nicht feststellbar ist, welche Behörde zuständig ist, ohne, falls die EFTA‑Überwachungsbehörde befasst wird, letztlich
         aber die Kommission zuständig ist, den vorstehend genannten Grundsatz zu verletzen, dass die Bestimmungen des EWR‑Abkommens
         der Kommission nicht ihre Zuständigkeit zur Untersuchung von den Handel zwischen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft beeinträchtigenden
         Wettbewerbsverstößen nehmen können.
         
         
         
         491
            
         Überdies kann der bloße Umstand, dass ein Gemeinschaftsorgan in einem Rechtsakt sowohl eine richtige Rechtsgrundlage als auch
         eine oder mehrere weitere Rechtsgrundlagen, die sich letztlich als ungeeignet erweisen, zugrunde legt, allein noch keinen
         rechtlichen Mangel des Rechtsakts begründen (in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 19. März 2003 in der Rechtssache T‑213/00,
         CMA CGM u. a./Kommission, Slg. 2003, II‑913, Randnrn. 79 bis 103, insbesondere Randnr. 94).
         
         
         
         492
            
          Demnach war die Kommission zu jedem Zeitpunkt für die Untersuchung der in der angefochtenen Entscheidung letztlich geahndeten
         wettbewerbswidrigen Vereinbarungen zuständig, obgleich die EFTA‑Überwachungsbehörde bereits eine Untersuchung von etwaigen
         gleichartigen Praktiken auf dem norwegischen Markt eingeleitet hatte. Auf die übrigen Argumente der japanischen Klägerinnen,
         insbesondere auf der Grundlage der sich an das Urteil Spanische Banken anschließenden Rechtsprechung (vgl. oben, Randnrn.
         468 und 469), kommt es daher im vorliegenden Fall nicht an.
         
         
         
         493
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          B – Zu den Anträgen auf Herabsetzung der Geldbußen
          1. Zum ersten und zweiten Klagegrund, wonach die Nichtanwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit zugunsten von JFE‑NKK nicht
               begründet worden sei und fehlerhaft sei
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         494
            
          JFE‑NKK ist der Auffassung, dass die Kommission ihre Weigerung, zu ihren Gunsten die Mitteilung über Zusammenarbeit anzuwenden,
         in Randnummer 175 der angefochtenen Entscheidung nicht ausreichend begründet habe.
         
         
         
         495
            
          Sie habe eingehend auf vier Auskunftsersuchen der Kommission geantwortet, was nach dem Urteil des Gerichtshofes vom 14. Juli
         1972 in der Rechtssache 48/69 (ICI/Kommission, Slg. 1972, 619) eine Herabsetzung der gegen sie verhängten Geldbuße um 10 %
         rechtfertige. Außerdem sei sie der einzige Hersteller gewesen, der der Kommission die Daten, die Namen der Teilnehmer und
         die Orte der Sitzungen der europäischen und japanischen Hersteller mitgeteilt habe, was nach dem genannten Urteil zu einer
         Herabsetzung der ihr auferlegten Geldbuße um 20 % führen müsse.
         
         
         
         496
            
          Für die Kommission ist das Vorbringen von JFE‑NKK zur fehlenden Begründung haltlos, weil in Randnummer 175 der angefochtenen
         Entscheidung dargelegt sei, dass in ihrem Fall „keinerlei echte Zusammenarbeit“ erkennbar gewesen sei. Nach der Mitteilung
         über Zusammenarbeit müsse das Unternehmen gegenüber der Kommission zumindest erklären, dass sie den in der Mitteilung der
         Beschwerdepunkte dargestellten Sachverhalt nicht bestreite, was aber JFE‑NKK nicht getan habe.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         497
            
          Insoweit genügt der Hinweis, dass es in Randnummer 175 der angefochtenen Entscheidung heißt, es habe in der Untersuchung „keinerlei
         echte Zusammenarbeit“ von JFE‑NKK gegeben. Diese Feststellung ist unabhängig von ihrer sachlichen Richtigkeit eine hinreichende
         Begründung für die Weigerung der Kommission, die gegen JFE‑NKK verhängte Geldbuße wegen Zusammenarbeit herabzusetzen.
         
         
         
         498
            
          Selbst wenn die vorliegenden Klagegründe dahin aufzufassen sein sollten, dass mit ihnen eine fehlerhafte Anwendung der Mitteilung
         über Zusammenarbeit geltend gemacht wird, sind sie zurückzuweisen.
         
         
         
         499
            
          Die Herabsetzung einer Geldbuße wegen Kooperation ist nämlich nur gerechtfertigt, wenn das Verhalten eines Unternehmens der
         Kommission die Wahrnehmung ihrer Aufgabe erleichtert hat, Zuwiderhandlungen gegen die gemeinschaftlichen Wettbewerbsregeln
         festzustellen und zu verfolgen (Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑347/94, Mayr‑Melnhof/Kommission,
         Slg. 1998, II‑1751, Randnr. 309, und die dort zitierte Rechtsprechung).
         
         
         
         500
            
          Im vorliegenden Fall waren die Antworten von JFE‑NKK auf die ihr gestellten Fragen, besonders die Angaben in ihrer Antwort
         vom 7. November 1997 über die Daten und Orte verschiedener Sitzungen des Europäisch‑Japanischen Clubs, für die Kommission
         zwar von gewissem Nutzen, bestätigten aber nur bestimmte Angaben in den Erklärungen von Herrn Verluca aus dem Jahr 1996. Es
         ist daher nicht zutreffend, dass JFE‑NKK das einzige Unternehmen war, das diese Informationen offenbarte.
         
         
         
         501
            
          Zwar ist, soweit Unternehmen der Kommission im selben Stadium des Verwaltungsverfahrens und unter gleichgelagerten Umständen
         vergleichbare Informationen über den ihnen angelasteten Sachverhalt mitteilen, auch der Grad ihrer Zusammenarbeit als vergleichbar
         anzusehen (vgl. analog Urteil Krupp Thyssen Stainless und Acciai speciali Terni/Kommission, zitiert oben in Randnr. 50, Randnrn.
         243 bis 245).
         
         
         
         502
            
          Hier war es jedoch Vallourec, die durch die Erklärungen von Herrn Verluca ausdrücklich einräumte, dass die fraglichen Sitzungen
         im Rahmen einer Vereinbarung zur Marktaufteilung, besonders zur Aufteilung der Heimatmärkte der vier europäischen Hersteller,
         abgehalten wurden. Herr Verluca führte nämlich aus, dass jedes Mitglied des Europäisch‑Japanischen Clubs den Heimatmarkt der
         anderen Clubmitglieder zu respektieren hatte, wobei der Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs einen besonderen Status
         im Sinne eines „Teilschutzes“ innegehabt habe. Er machte auch Angaben über die Dauer und die Funktionsweise der Marktaufteilungsabsprache.
         Dagegen erklärte JFE‑NKK in ihrer Antwort vom 7. November 1997, dass sie, soweit die europäischen Hersteller sie zur Respektierung
         ihrer Heimatmärkte aufgefordert hätten, hierauf niemals positiv reagiert habe
         
         
         
         503
            
          Herr Verluca beschränkte sich somit nicht darauf, nur die Fragen der Kommission anlässlich der ersten Nachprüfung bei Vallourec
         im September 1996 zu beantworten. Aus seinen Erklärungen insgesamt wird vielmehr ein echter Wille erkennbar, das Vorliegen
         einer Zuwiderhandlung einzuräumen und im Rahmen der von der Kommission geführten Untersuchung wirkliche Zusammenarbeit zu
         zeigen. JFE‑NKK machte der Kommission dagegen nur die von dieser angeforderten Angaben zum Sachverhalt und lehnte jede Bewertung
         dieser Angaben ab, aus der sich eine von ihr begangene Zuwiderhandlung hätte ergeben können.
         
         
         
         504
            
          Es ist festzustellen, dass der Nutzen der von JFE‑NKK beigebrachten Informationen ausschließlich darin liegt, dass sie in
         gewissem Umfang die der Kommission bereits vorliegenden Erklärungen von Herrn Verluca erhärten. Die Offenbarung dieser Informationen
         erleichterte daher der Kommission ihre Aufgabe nicht nennenswert und genügt darum nicht, eine Herabsetzung der Geldbuße wegen
         Zusammenarbeit zu rechtfertigen.
         
         
         
         505
            
          Die Kommission hat überdies zutreffend darauf hingewiesen, dass JFE‑NKK ihr gegenüber zu keinem Zeitpunkt des Verwaltungsverfahrens
         erklärt habe, dass sie die Richtigkeit des Sachverhalts einräume. Sie hat diesen im Übrigen vor dem Gericht weiterhin bestritten.
         
         
         
         506
            
          Nach alledem rechtfertigt das Vorbringen von JFE‑NKK nicht die Anwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit, um die gegen
         sie verhängte Geldbuße herabzusetzen.
         
         
          2. Zum dritten Klagegrund, wonach die Berechnungsweise der Geldbußen nicht hinreichend begründet worden sei
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         507
            
          JFE‑NKK rügt, dass die Kommission die Berechnungsweise der Geldbußen nach den Anforderungen der Rechtsprechung (Urteil des
         Gerichts vom 6. April 1995 in der Rechtssache T‑148/89, Tréfilunion/Kommission, Slg. 1995, II‑1063, Randnr. 142) nicht eingehend
         genug dargelegt habe. Sie habe für die Bemessung der Geldbußen insbesondere nicht die Umsatzzahlen und die tatsächliche Beteiligung
         jedes Adressaten der angefochtenen Entscheidung an der Zuwiderhandlung geprüft. Dieses Versäumnis führe zu einem Begründungsmangel.
         
         
         
         508
            
          Die Kommission verweist darauf, dass sie die Berechnungsweise der Geldbußen in der angefochtenen Entscheidung, insbesondere
         in ihrer Randnummer 162, angemessen dargelegt habe.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         509
            
          Hierzu genügt der Hinweis, dass die Kommission in den Randnummern 156 bis 175 der angefochtenen Entscheidung klar und in sich
         stimmig die Gesichtspunkte dargelegt hat, die sie für die Bemessung der Geldbußen berücksichtigte. Aus dem Urteil Tréfilunion/Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 507) kann JFE‑NKK insoweit nichts herleiten, weil die Kommission danach lediglich die Berechnungsweise
         der Geldbußen anzugeben hat. Die gesonderte Frage, ob der Kommission bei der Berechnung der Geldbußen Beurteilungsfehler unterliefen,
         wird nachstehend unter den Randnummern 515 ff. geprüft.
         
         
         
         510
            
          Der vorliegende Klagegrund ist daher zurückzuweisen.
         
         
          3. Zum vierten Klagegrund einer fehlerhaften Beurteilung der Zuwiderhandlungsdauer
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         511
            
          Das Vorbringen der japanischen Klägerinnen, wonach die Kommission allenfalls eine nur kürzere Zuwiderhandlung als laut Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung hätte feststellen dürfen, wurde oben in den Randnummern 136 ff. zusammengefasst.
         
         
         
         512
            
          Nachdem die Kommission eine Erhöhung von 10 % jährlich des wegen der Schwere festgesetzten Bußgeldes vorgenommen habe und
         die Zuwiderhandlung allerhöchstens vier volle Jahre (1991–1994), nicht aber fünf Jahre gedauert habe, müsse die Erhöhung von
         insgesamt 50 %, die in der angefochtenen Entscheidung im Hinblick auf die Dauer hinsichtlich aller japanischen Klägerinnen
         vorgenommen worden sei, auf höchstens 40 % festgesetzt werden. Das Vorbringen der Kommission, dass die Selbstbeschränkungsabkommen
         die japanischen Klägerinnen nicht daran gehindert hätten, nahtlose Rohre in der Gemeinschaft abzusetzen, weist Nippon in ihrer
         Erwiderung als unvereinbar mit dem Standpunkt zurück, den die Kommission in der angefochtenen Entscheidung für den Zeitraum
         1977 bis 1989 eingenommen habe. Sumitomo weist darauf hin, dass sich die Bediensteten der Kommission nicht an die Stelle der
         Mitglieder dieses Organs setzen dürften, indem sie einfach erklärten, die Verhängung einer Geldbuße für das Jahr 1990 sei
         gerechtfertigt gewesen, selbst wenn man annehme, dass die Selbstbeschränkungsabkommen in diesem Jahr noch in Kraft gewesen
         seien.
         
         
         
         513
            
          Das Vorbringen der Kommission zur Dauer der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung wurde
         oben in den Randnummern 157 ff. zusammengefasst. Die Kommission macht im Wesentlichen geltend, die Geldbußen seien nicht herabzusetzen,
         weil die Dauer der Zuwiderhandlung rechtlich hinreichend bewiesen sei.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         514
            
          Nachdem das Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Dauer der Zuwiderhandlung oben in den Randnummern 338 bis 352 geprüft
         worden ist, genügt im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes der Hinweis, dass die Dauer für jede der japanischen Klägerinnen
         von fünf Jahren auf drei Jahre und sechs Monate, d. h. die Zeit vom 1. Januar 1991 bis 1. Juli 1994, zu reduzieren ist. Diese
         neue Dauer wird nachstehend in den Randnummern 588 und 590 für die Bemessung der den japanischen Klägerinnen aufzuerlegenden
         Geldbußen zu berücksichtigen sein.
         
         
          4. Zum fünften Klagegrund einer fehlerhaften Beurteilung der Dokumente, die für das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen
               Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung herangezogen worden seien
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         515
            
          Die japanischen Klägerinnen rufen ihr Vorbringen in Erinnerung, wonach Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung deshalb für
         nichtig zu erklären sei, weil die Produkte, die in verschiedenen von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung herangezogenen
         Beweisurkunden genannt seien, nicht mit den Produkten übereinstimmten, für die letztlich eine Zuwiderhandlung festgestellt
         worden sei (vgl. oben, Randnrn. 105 ff.). Sollte das Gericht einige der von der Kommission vorgebrachten schriftlichen Beweismittel
         zurückweisen, die angefochtene Entscheidung aber aufrechterhalten, so müssten die Geldbußen so herabgesetzt werden, dass sie
         der Produktpalette und der Dauer angepasst seien, wie sie sich aus den nicht zurückgewiesenen Beweisstücken ergäben. Ebenso
         müsse berücksichtigt werden, dass sich einige Beweismittel, insbesondere das Verteilerschlüssel-Papier, auf einen engeren
         Produktmarkt bezögen.
         
         
         
         516
            
          JFE‑Kawasaki und Sumitomo meinen weiter, die Kommission hätte zumindest für die Beurteilung der Schwere der Zuwiderhandlung
         einen engeren Markt zugrunde legen und demgemäß die Geldbußen gegen die Adressaten der angefochtenen Entscheidung niedriger
         festsetzen müssen. In räumlicher Hinsicht habe die Kommission insbesondere nicht ordnungsgemäß nachgewiesen, dass die Zuwiderhandlung
         den britischen Offshore‑Markt beeinträchtigt habe.
         
         
         
         517
            
          Die Kommission entgegnet, dass die Urkundenbeweise, wenn und soweit sie eine Abweichung des Anwendungsbereichs der Übereinkunft
         erkennen ließen, eher in Richtung eines größeren Anwendungsbereichs wiesen, als in der angefochtenen Entscheidung festgestellt.
         Auf die Behauptung, sie habe den räumlich relevanten Markt falsch ermittelt, erwidert sie, sie habe die Schwere der Zuwiderhandlung
         unter Berücksichtigung des Marktes ermittelt, wie er in den Randnummern 160 und 161 der angefochtenen Entscheidung aufgrund
         der von ihr bei ihrer Untersuchung zusammengetragenen Beweisstücke ordnungsgemäß bestimmt worden sei (vgl. auch oben, Randnrn.
         144 ff.).
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         518
            
          Für die Zurückweisung des vorliegenden Klagegrundes genügt der Hinweis, dass die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannte Zuwiderhandlung, wie oben in Randnummer 352 entschieden, rechtlich hinreichend bewiesen ist, und zwar in jeder Hinsicht
         außer ihrer Dauer, deren Auswirkung auf die Höhe der Geldbußen bereits oben in Randnummer 514 angesprochen wurde.
         
         
          5. Zum fünften und sechsten Klagegrund, wonach bei der Berechnung der Geldbußen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und die
               Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen verletzt worden seien und ein Begründungsmangel vorliege
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         519
            
          Nach Meinung der japanischen Klägerinnen hätte bei der Berechnung der ihnen auferlegten Geldbußen das Fehlen von Auswirkungen
         der Zuwiderhandlung auf den europäischen Markt berücksichtigt werden müssen (Urteil des Gerichtshofes vom 6. März 1974 in
         den Rechtssachen 6/73 und 7/73, Istituto chemioterapico italiano und Commercial Solvents/Kommission, Slg. 1974, 223, Randnrn.
         51 ff., und Urteile Suiker Unie u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 614 ff., und Thyssen Stahl/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 74, Randnr. 672). Nippon und Sumitomo verweisen zu diesem Punkt auf ihre Ausführungen zu den Handelshindernissen,
         deren Vorliegen die japanischen Hersteller ohnehin daran gehindert hätte, ihre Produkte auf den Gemeinschaftsmärkten zu verkaufen,
         so dass sich die Zuwiderhandlung auf den Gemeinschaftsmarkt jedenfalls praktisch so gut wie nicht ausgewirkt habe. JFE‑NKK
         beruft sich in diesem Zusammenhang auf Abschnitt 3 der Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen, die gemäß
         Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 und gemäß Artikel 65 Absatz 5 EGKS-Vertrag festgesetzt werden (ABl. 1998, C 9, S. 3,
         im Folgenden: Leitlinien), wonach die tatsächliche Nichtanwendung von Vereinbarungen über Verstöße einen mildernden Umstand
         darstelle. JFE‑Kawasaki macht insoweit geltend, dass die Geldbußen einschließlich der gegen die japanischen Klägerinnen verhängten
         Bußen anscheinend auch die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung umfassten, was aber rechtswidrig
         sei, weil diese zweite Zuwiderhandlung lediglich die Gemeinschaftshersteller betreffe.
         
         
         
         520
            
          Ferner seien in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung weniger Produkte zugrunde gelegt als in der Mitteilung der Beschwerdepunkte.
         Dies seien so wenige Produkte, dass die Geldbußen von insgesamt 99 Millionen Euro außer Verhältnis zu dem durchschnittlichen
         Gesamtumsatz der Produkte durch alle Adressaten der angefochtenen Entscheidung stünden, der sich auf 73 Millionen Euro jährlich
         belaufe (Randnr. 162 der angefochtenen Entscheidung). Sumitomo beruft sich hierfür auf die Urteile des Gerichts vom 14. Juli
         1994 in der Rechtssache T‑77/92 (Parker Pen/Kommission, Slg. 1994, II‑549, Randnr. 580) und vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache
         T‑319/94 (Fiskeby Board/Kommission, Slg. 1998, II‑1331, Randnr. 40). In ihrer früheren Entscheidungspraxis habe die Kommission
         nie eine Geldbuße verhängt, die sich dem Jahresumsatz auf dem betreffenden Markt nähere. JFE‑Kawasaki weist ferner darauf
         hin, dass dieser Betrag von 73 Millionen Euro die Umsätze auf den Offshore‑Märkten der Gemeinschaft zu umfassen scheine, obwohl
         diese entsprechend ihrem oben in Randnummer 405 zusammengefassten Vorbringen nicht zu berücksichtigen seien.
         
         
         
         521
            
          Nippon betont, dass die Kommission nach dem Urteil PVC II (zitiert oben in Randnr. 61) bei der Ermittlung der Angemessenheit
         der Geldbuße sämtliche Umstände der Zuwiderhandlung berücksichtigen müsse. Hierzu gehörten insbesondere die Menge und der
         Wert der von der Zuwiderhandlung erfassten Waren (Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr.
         56, Randnr. 120). Außerdem müsse nach den Leitlinien die konkrete Auswirkung einer Zuwiderhandlung auf den Markt berücksichtigt
         werden und in bestimmten Fällen der Betrag der Geldbuße nach dem spezifischen Gewicht, also der wirklichen Auswirkung und
         damit der Schwere des geahndeten Verhaltens jedes Unternehmens, abgewogen werden (vgl. auch Urteil des Gerichtshofes vom 8.
         Juli 1999 in der Rechtssache C‑51/92 P, Hercules Chemicals/Kommission, Slg. 1999, I‑4235, Randnr. 110, und Urteil Zement,
         zitiert oben in Randnr. 66, Randnr. 4949). JFE‑Kawasaki ergänzt hierzu, dass sie vom Gesamtumsatz her gesehen der kleinste
         der vier japanischen Hersteller sei, denen in der angefochtenen Entscheidung eine Sanktion auferlegt worden sei. JFE‑NKK macht
         geltend, dass ihre Umsätze an OCTG‑Rohren und projektbezogenen Leitungsrohren geringer seien als die der vier übrigen japanischen
         Hersteller. Ferner hätte die Kommission berücksichtigen müssen, dass die japanischen Klägerinnen die rechtswidrige Übereinkunft
         nicht eingehalten hätten, weil sie weiterhin ihre Produkte auf dem einzigen sie interessierenden Markt, dem Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs, abgesetzt hätten (Urteil Buchmann/Kommission, zitiert oben in Randnr. 58, Randnr. 121). Insoweit
         sei die Feststellung der Kommission in Randnummer 161 der angefochtenen Entscheidung, wonach die vier Herkunftsstaaten der
         von der angefochtenen Entscheidung betroffenen europäischen Erzeuger einen räumlich ausgedehnten Markt darstellten, unvereinbar
         mit den Erwägungen in den Randnummern 106 und 145 der angefochtenen Entscheidung, wo die Kommission von vier nationalen Märkten
         ausgehe.
         
         
         
         522
            
          Die Berufung der Kommission auf die Rechtsprechung, die bei der Bemessung der Geldbuße ein Ermessen bejahe, gehe fehl, weil
         sich die Kommission dennoch an Artikel 15 der Verordnung Nr. 17 zu halten habe. Im Übrigen könne ihr Vorbringen, dass die
         Leitlinien dem Grundsatz nach einen Basisbetrag von 20 Millionen Euro bei als „besonders schwer“ eingestuften Zuwiderhandlungen
         vorsähen, bei der Berechnung des Betrages der Geldbuße keinen Vorrang gegenüber dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beanspruchen.
         
         
         
         523
            
          Sumitomo ist der Auffassung, dass die Geltung der Selbstbeschränkungsabkommen bis 1991 ein mildernder Umstand sei, den die
         Kommission für den späteren Zeitraum hätte berücksichtigen müssen, auch wenn die Anwendung von Artikel 81 EG für die Zeit
         nach Außerkraftreten der Abkommen nicht länger unzulässig gewesen sei. Im vorliegenden Fall sei das Urteil Suiker Unie u. a./Kommission
         (zitiert oben in Randnr. 56, Randnrn. 619 und 620) analog anzuwenden. Soweit die Kommission in ihrer Klagebeantwortung in
         der Rechtssache T-78/00 vorgebe, dass die Geltung dieses Abkommens bis 1991 eher ein erschwerender als ein mildernder Umstand
         sei, sei ihr Vorbringen unvereinbar mit der in der angefochtenen Entscheidung enthaltenen Grundbewertung und verstoße daher
         gegen die Begründungspflicht des Artikels 253 EG.
         
         
         
         524
            
          Die Kommission stellt in Abrede, dass die Geldbuße unverhältnismäßig sei, und macht geltend, der Standpunkt der japanischen
         Klägerinnen beruhe auf der irrigen Annahme, dass die Geldbuße anhand des Zuschnitts des Marktes bemessen werden müsse. Die
         Geldbuße müsse aber richtigerweise der in ihrer Gesamtheit betrachteten Zuwiderhandlung angepasst werden, nicht allein dem
         Umsatz der Adressaten der angefochtenen Entscheidung. In Randnummer 162 der angefochtenen Entscheidung habe sie die Martktaufteilungsabsprache
         als „äußerst schweren“ Verstoß gegen Artikel 81 EG eingestuft, weil diese bezweckt habe, die nationalen Märkte abzuschotten,
         die den größten Teil des Verbrauchs der Gemeinschaft an den von der angefochtenen Entscheidung betroffenen Produkten darstellten.
         Es liege daher auf der Hand, dass diese Zuwiderhandlung das Funktionieren des Gemeinsamen Marktes sowie den Wettbewerb auf
         diesem Markt beeinträchtigt habe.
         
         
         
         525
            
          Der in Randnummer 162 der angefochtenen Entscheidung gewählte Ansatz entspreche den Leitlinien, nach denen die Geldbußen zunächst
         in einem Rahmen von höchstens 10 % des Umsatzes je nach der Schwere des Verstoßes festzusetzen seien. Der Umsatz der Adressaten
         einer Bußgeldentscheidung sei also nur für diese Obergrenze von 10 % maßgebend (Urteil Zement, zitiert oben in Randnr. 66,
         Randnrn. 5005 bis 5025). Die Leitlinien sähen bei besonders schweren Verstößen einen Ausgangsbetrag von 20 Millionen Euro
         vor, und da sie diesen Betrag wegen der Marktgröße auf 10 Millionen Euro herabgesetzt habe (Randnr. 163 der angefochtenen
         Entscheidung), könne eine weitere Herabsetzung nicht in Betracht kommen. Außerdem sei nach den Leitlinien die Auswirkung einer
         Zuwiderhandlung auf den Markt nur dann ein zu berücksichtigender Faktor, wenn er messbar sei, und sei der Umsatz jedes Unternehmens
         nur zu berücksichtigen, wenn sich Unternehmen von deutlich unterschiedlicher Größe einer gleichartigen Zuwiderhandlung schuldig
         gemacht hätten, was im vorliegenden Fall nicht zutreffe.
         
         
         
         526
            
          Der in der angefochtenen Entscheidung gewählte Ansatz entspreche auch der Rechtsprechung, die der Kommission bei der Festsetzung
         der Höhe einer Geldbuße ein Ermessen zugestehe (Urteil Mo och Domsjö/Kommission, zitiert oben in Randnr. 425, Randnr. 268).
         In Randnummer 358 des Urteils Mo och Domsjö/Kommission, das der Gerichtshof im Rechtsmittelverfahren mit Urteil vom 16. November
         2000 in der Rechtssache C-283/98 P (Mo och Domsjö/Kommission, Slg. 2000, I‑9855, Randnr. 62) bestätigt habe, habe das Gericht
         ausgeführt, dass bei besonders schweren Zuwiderhandlungen die Auswirkung auf den Markt zu vermuten oder jedenfalls für die
         Würdigung ihrer Schwere unbeachtlich sei.
         
         
         
         527
            
          Die Argumentation von JFE‑Kawasaki, dass die Geldbuße gegen die japanischen Hersteller auch das Bußgeld umfasse, das wegen
         der in Artikel 2 festgestellten Zuwiderhandlung zu verhängen gewesen wäre, hält die Kommission für verfehlt, weil wegen dieser
         Zuwiderhandlung gerade keinerlei Geldbuße oder Erhöhung festgesetzt worden sei.
         
         
         
         528
            
          Die Kommission führt weiter aus, dass es bereits ein Entgegenkommen gegenüber den japanischen Herstellern gewesen sei, wenn
         sie beschlossen habe, für die Geltungsdauer der Selbstbeschränkungsabkommen keine Geldbuße zu verhängen; sie habe damit vor
         allem ihre Bekanntmachung betreffend die Einfuhr japanischer Erzeugnisse in die Gemeinschaft, auf die der Vertrag von Rom
         anwendbar ist (ABl. 1972, C 111, S. 13; nachstehend: Bekanntmachung), berücksichtigt, der man entnehmen könne, dass die Selbstbeschränkungsabkommen
         den japanischen Herstellern für die Handhabung des Wettbewerbsrechts nicht von Hilfe gewesen seien. Daher sei die Geltung
         der Selbstbeschränkungsabkommen vor 1990 für die Bußgeldzumessung für die Zeit nach 1990, anders als Sumitomo meine, keineswegs
         ein mildernder Umstand.
         
         
         
         529
            
          Zu dem Vorbringen von Sumitomo, dass die Kommission nicht berechtigt sei, die Geltung der Selbstbeschränkungsabkommen vor
         1990 erstmals vor dem Gericht als erschwerenden Umstand anzuführen, stellt die Kommission klar, dass es Sumitomo sei, die
         das Gericht ersuche, im Rahmen der unbeschränkten Ermessensnachprüfung den Betrag der Geldbuße herabzusetzen. Vor diesem Hintergrund
         halte sie es für angebracht, das Gericht auf sämtliche Aspekte ihrer Ermessensausübung aufmerksam zu machen.
         
         
         
         530
            
          Insoweit sei auch darauf hinzuweisen, dass Sumitomo im Rahmen ihres Antrags auf Herabsetzung der Geldbuße einen neuen Klagegrund
         einzuführen versuche, indem sie die Frage der Begründung erst in ihrer Erwiderung aufwerfe, während ihre Klageschrift noch
         keinen Klagegrund eines Begründungsmangels hinsichtlich der Bemessung der Geldbuße enthalten habe. Dieser Klagegrund sei gemäß
         Artikel 48 § 2 der Verfahrensordnung unzulässig.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         531
            
          Nach Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 kann die Kommission Geldbußen in Höhe von 1 000 bis einer Million Euro oder
         über diesen Betrag hinaus bis zu 10 % des von dem einzelnen an der Zuwiderhandlung beteiligten Unternehmen im letzten Geschäftsjahr
         erzielten Umsatzes festsetzen. Bei der Festsetzung der Höhe der Geldbuße ist neben der Schwere des Verstoßes auch die Dauer
         der Zuwiderhandlung zu berücksichtigen.
         
         
         
         532
            
          Dagegen ist die Höhe der Geldbuße weder nach der Verordnung Nr. 17 noch nach der Rechtsprechung, noch nach den Leitlinien
         unmittelbar nach der Größe des betroffenen Marktes festzusetzen, die vielmehr nur einen Gesichtspunkt unter anderen bildet.
         So ist der Bußgeldbetrag, der einem Unternehmen wegen einer wettbewerblichen Zuwiderhandlung auferlegt wird, nach der Verordnung
         Nr. 17 in ihrer Auslegung durch die Rechtsprechung so zu bemessen, dass er zu der Zuwiderhandlung bei deren Gesamtwürdigung
         und unter besonderer Berücksichtigung ihrer Schwere im Verhältnis steht (in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 6. Oktober
         1994 in der Rechtssache T‑83/91, Tetra Pak/Kommission, Slg. 1994, II‑755, Randnr. 240, und analog Urteil des Gerichts vom
         21. Oktober 1997 in der Rechtssache T‑229/94, Deutsche Bahn/Kommission, Slg. 1997, II‑1689, Randnr. 127). Wie der Gerichtshof
         in Randnummer 120 des Urteils Musique diffusion française u. a./Kommission (zitiert oben in Randnr. 56) entschieden hat, sind
         für die Beurteilung der Schwere einer Zuwiderhandlung sehr viele Faktoren zu berücksichtigen, die je nach Art der fraglichen
         Zuwiderhandlung und nach den Umständen des Einzelfalls von unterschiedlicher Art und Bedeutung sind (vgl. analog auch Urteil
         Deutsche Bahn/Kommission, Randnr. 127).
         
         
         
         533
            
          Insoweit ist weiter darauf hinzuweisen, dass der einzige ausdrückliche Hinweis auf den Umsatz des in Frage stehenden Unternehmens,
         nämlich die in Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 für die Bemessung von Geldbußen festgelegte Obergrenze von 10 % des
         Umsatzes, den weltweiten Gesamtumsatz des Unternehmens betrifft (in diesem Sinne Urteil Musique diffusion française u. a./Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 56, Randnr. 119) und nicht seinen Umsatz auf dem Markt, der von dem geahndeten Wettbewerbsverstoß
         betroffen ist. Wie derselben Randnummer dieses Urteils entnommen werden kann, sollen mit dieser Obergrenze Geldbußen vermieden
         werden, die außer Verhältnis zur Größe des Unternehmens stehen.
         
         
         
         534
            
          Allerdings ist diese Bezugnahme auf den weltweiten Umsatz nur für die Berechnung des Höchstbetrags der Geldbuße maßgebend,
         den die Kommission verhängen darf (vgl. Abschnitt 1 der Leitlinien), und bedeutet keineswegs, dass zwischen der Größe eines
         Unternehmens und der Höhe der ihm auferlegten Geldbuße eine strenge Verhältnismäßigkeit zu wahren wäre.
         
         
         
         535
            
          Da im vorliegenden Fall nicht geltend gemacht wird, dass der Betrag der Geldbußen 10 % des Gesamtumsatzes der japanischen
         Klägerinnen überschreite, lassen sich die Geldbußen nicht allein deshalb beanstanden, weil sie zusammen mit den Geldbußen
         gegen die europäischen Hersteller den auf dem betroffenen Markt erzielten Umsatz von 73 Millionen Euro überschreiten. Der
         Gerichtshof hat zwar im Urteil vom 16. November 2000 in der Rechtssache C‑248/98 P (KNP BT/Kommission, Slg. 2000, I‑9641,
         Randnr. 61) beiläufig darauf hingewiesen, dass „Artikel 15 Absatz 2 der Verordnung Nr. 17 … gewährleisten [soll], dass die
         Sanktion in angemessenem Verhältnis zur Bedeutung des Unternehmens auf dem Markt der Erzeugnisse steht, die Gegenstand der
         Zuwiderhandlung sind“. Abgesehen davon, dass sich der Gerichtshof dabei ausdrücklich auf Randnummer 119 des Urteils Musique
         diffusion française u. a./Kommission (zitiert oben in Randnr. 56) bezog, ist jedoch hervorzuheben, dass sich diese in der
         späteren Rechtsprechung nicht mehr aufgegriffene Formulierung in den besonderen Kontext des dem Urteil KNP BT/Kommission zugrunde
         liegenden Sachverhalts einfügt. Dort hatte die Klägerin der Kommission nämlich vorgeworfen, dass sie für die Bestimmung ihres
         Marktanteils den Wert von konzerninternen Verkäufen berücksichtigt hätte, was der Gerichtshof jedoch aus dem im Zitat genannten
         Grund für rechtmäßig hielt. Daraus lässt sich also nicht herleiten, dass die im vorliegenden Fall gegen die japanischen Klägerinnen
         verhängten Sanktionen unverhältnismäßig wären.
         
         
         
         536
            
          Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Kommission die Leitlinien zwar in der angefochtenen Entscheidung für die Berechnung
         der Geldbußen nicht ausdrücklich anführte, die den japanischen Klägerinnen auferlegten Geldbußen jedoch gleichwohl nach der
         in den Leitlinien festgelegten Berechnungsweise bemaß.
         
         
         
         537
            
          Auch wenn die Kommission für die Festsetzung der Höhe einer Geldbuße über ein Ermessen verfügt (Urteile des Gerichts vom 6.
         April 1995 in der Rechtssache T‑150/89, Martinelli/Kommission, Slg. 1995, II‑1165, Randnr. 59, und analog Deutsche Bahn/Kommission,
         zitiert oben in Randnr. 532, Randnr. 127), darf sie nicht von den Regeln abweichen, die sie sich selbst auferlegt hat (Urteil
         Hercules Chemicals/Kommission, zitiert oben in Randnr. 327, Randnr. 53, im Rechtsmittelverfahren bestätigt durch Urteil vom
         8. Juli 1999 in der Rechtssache Hercules Chemicals/Kommission, zitiert oben in Randnr. 521, und die dort zitierte Rechtsprechung).
         Folglich hat die Kommission den Wortlaut der Leitlinien für die Bemessung von Geldbußen tatsächlich zu berücksichtigen, und
         zwar besonders die dort zwingend festgelegten Gesichtspunkte.
         
         
         
         538
            
          Indessen greifen das Ermessen der Kommission und die ihm von ihr selbst gezogenen Grenzen nicht der Ausübung der dem Gemeinschaftsrichter
         zustehenden Befugnis zur unbeschränkten Ermessensnachprüfung vor.
         
         
         
         539
            
          Nach Abschnitt 1 Buchstabe A der Leitlinien sind „[b]ei der Ermittlung der Schwere des Verstoßes … seine Art und die konkreten
         Auswirkungen auf den Markt, sofern diese messbar sind, sowie der Umfang des betreffenden räumlichen Marktes zu berücksichtigen“.
         In Randnummer 159 der angefochtenen Entscheidung hat die Kommission darauf hingewiesen, dass sie diese drei Kriterien für
         die Bestimmung der Schwere der Zuwiderhandlung berücksichtigt habe.
         
         
         
         540
            
          Allerdings stützte sich die Kommission in Randnummer 161 der angefochtenen Entscheidung für die Einstufung der in Artikel
         1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung als „äußerst schwer“ im Wesentlichen auf die Art des rechtswidrigen
         Verhaltens aller betroffenen Unternehmen. Zur Begründung verwies sie darauf, dass die Vereinbarung über den Schutz von Heimatmärkten
         ihrer Art nach in erheblichem Maße wettbewerbswidrig sei und das reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes beeinträchtigt
         habe und dass es sich um ein geheimes und institutionalisiertes System zur Beschränkung des Wettbewerbs gehandelt habe. In
         Randnummer 161 erwähnte die Kommission weiter, dass „der überwiegende Teil des Verbrauchs an nahtlosen OCTG[‑Rohren] und [Leitungsrohren]
         in der Gemeinschaft auf die vier von der Übereinkunft betroffenen Mitgliedstaaten [entfalle], die somit einen räumlich ausgedehnten
         Markt [darstellten]“.
         
         
         
         541
            
          In Randnummer 160 der angefochtenen Entscheidung stellte die Kommission hingegen fest, dass „[d]ie konkreten Auswirkungen
         des Verstoßes auf den Markt … begrenzt“ seien, weil die beiden von dem Verstoß betroffenen Produktarten, nämlich OCTG‑Standardrohre
         und projektbezogene Leitungsrohre, nur 19 % des gesamten Gemeinschaftsverbrauchs an nahtlosen OCTG‑Rohren und Leitungsrohren
         ausmachten und weil wegen des technischen Fortschritts ein Teil der Nachfrage nach nahtlosen Rohren inzwischen durch geschweißte
         Rohre gedeckt werden könne.
         
         
         
         542
            
          So berücksichtigte die Kommission dann in Randnummer 162 der angefochtenen Entscheidung, nachdem sie die Zuwiderhandlung in
         Randnummer 161 auf der Grundlage der genannten Faktoren als „äußerst schwer“ eingestuft hatte, den relativ begrenzten Umfang
         der Verkäufe der fraglichen Produkte durch die Adressaten der angefochtenen Entscheidung in den vier betroffenen Mitgliedstaaten
         (73 Millionen Euro jährlich). Diese Bezugnahme auf die Größe des Marktes entspricht der in Randnummer 160 der angefochtenen
         Entscheidung enthaltenen Beurteilung, dass die Zuwiderhandlung nur begrenzte Auswirkungen auf den Markt gehabt habe. Demgemäß
         setzte die Kommission den Betrag wegen der Schwere der Zuwiderhandlung auf 10 Millionen Euro fest. Nach den Leitlinien ist
         indessen für eine Zuwiderhandlung, die zur Kategorie der besonders schweren Verstöße gehört, grundsätzlich eine Geldbuße von
         „oberhalb von 20 Mio. [Euro]“ zu verhängen.
         
         
         
         543
            
          Es ist festzustellen, dass diese Herabsetzung des üblichen Mindestbetrags der für einen „besonders schweren“ Verstoß verwirkten
         Geldbuße um 50 % der begrenzten Auswirkung des Verstoßes auf den Markt im vorliegenden Fall angemessen Rechnung trägt. Insoweit
         ist auch daran zu erinnern, dass Geldbußen im Wettbewerb eine abschreckende Wirkung entfalten sollen (vgl. Abschnitt 1 Buchstabe
         A vierter Absatz der Leitlinien). Da es sich bei den Adressaten der angefochtenen Entscheidung, wie in deren Randnummer 165
         erwähnt (vgl. auch unten, Randnr. 552), um Großunternehmen handelt, hätte eine deutlich stärkere Herabsetzung des wegen der
         Schwere festgesetzten Betrages den Geldbußen ihre abschreckende Wirkung nehmen können.
         
         
         
         544
            
          Soweit die Klägerinnen mit dem Bestehen von Handelshindernissen für Ausfuhren nach den Onshore‑Märkten der Gemeinschaft argumentieren,
         ist festzustellen, dass die Kommission diesen Gesichtspunkt in der angefochtenen Entscheidung für die Bemessung der Geldbußen
         deshalb nicht berücksichtigte, weil sie dieses Vorbringen für sachlich unzutreffend hielt. Da die Einstufung der Zuwiderhandlung
         als „äußerst schwer“ auf deren Art und Zielsetzung, nicht aber auf ihren Auswirkungen beruht, wird diese Bewertung als solche
         durch das Vorbringen zu den Handelshindernissen nicht berührt.
         
         
         
         545
            
          Im Übrigen ist ein weiteres Mal darauf hinzuweisen, dass die Kommission den für eine Zuwiderhandlung dieser Schwere gewöhnlich
         angesetzten Betrag bereits erheblich reduzierte, eben um der begrenzten wirtschaftlichen Auswirkung der Übereinkunft Rechnung
         zu tragen.
         
         
         
         546
            
          Da überdies das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung genannten Zuwiderhandlung durch Urkundenbeweise
         nachgewiesen ist, bildete die in diesem Artikel festgestellte Beteiligung der japanischen Klägerinnen an einer Übereinkunft
         mit wettbewerbswidrigem Ziel einen der Hauptgründe dafür, warum die Kommission jedenfalls nicht zu prüfen brauchte, ob die
         von den japanischen Klägerinnen geltend gemachten Handelshindernisse tatsächlich bestanden und welche Bedeutung sie hatten.
         Denn ein Unternehmen, das sich im Rahmen einer umfassenderen Übereinkunft bereit erklärt, ein bestimmtes Produkt auf einem
         bestimmten Markt nicht zu verkaufen, obwohl es dies ohnehin nicht vorhatte, macht es durch seine eigene Haltung praktisch
         unmöglich, festzustellen, wie es sich hinsichtlich des Verkaufs dieses Produkts auf dem fraglichen Markt ohne diese Übereinkunft
         verhalten hätte.
         
         
         
         547
            
          Nach Abschnitt 1 der Leitlinien ist die Auswirkung einer Zuwiderhandlung auf den Markt indessen zu berücksichtigen, „sofern
         [sie] messbar“ ist (vgl. oben, Randnr. 539). Nach den Umständen des vorliegenden Falles ist es aber gerade das rechtswidrige
         Verhalten der japanischen Klägerinnen selbst, das es nahezu unmöglich gemacht hat, die Bedeutung der angeblichen Handelshindernisse
         abzuschätzen und diese damit für die Beurteilung zu berücksichtigen, wie sich die Zuwiderhandlung auf den Markt auswirkte.
         
         
         
         548
            
          Daher ist das Gericht im Rahmen seiner unbeschränkten Ermessensnachprüfung der Auffassung, dass die Kommission im vorliegenden
         Fall, selbst wenn die Ausführungen der Klägerinnen zur Existenz und Tragweite der Handelshindernisse als wahr unterstellt
         werden, bei der Bemessung des wegen der Schwere anzusetzenden Bußgeldbetrags keineswegs den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
         verletzte und dass daher eine weitere Herabsetzung dieses Betrages unter diesem Gesichtspunkt nicht gerechtfertigt wäre. Über
         die sachliche Richtigkeit dieser Ausführungen braucht daher nicht entschieden zu werden.
         
         
         
         549
            
          Ebenso ist das Vorbringen der japanischen Klägerinnen zurückzuweisen, dass sie die geahndete Übereinkunft für den Offshore‑Markt
         des Vereinigten Königreichs nicht respektiert hätten, sondern dort große Mengen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannten Produkte abgesetzt hätten. Wie die in den vorstehenden Randnummern geprüfte Argumentation dient dieses Vorbringen,
         selbst wenn es als wahr unterstellt wird, nur einer Relativierung der praktischen Auswirkungen der in Artikel 1 der angefochtenen
         Entscheidung geahndeten Übereinkunft. Dass die Zuwiderhandlung eine nur begrenzte Auswirkung auf den betroffenen Märkten hatte,
         ist jedoch von der Kommission bereits festgestellt und ordnungsgemäß berücksichtigt worden (vgl. oben, Randnrn. 542 und 543).
         
         
         
         550
            
          Jedenfalls wird der Einfluss dieser „Nichteinhaltung“ der Übereinkunft für den Offshore‑Markt des Vereinigten Königreichs
         dadurch eingeschränkt, dass dieser Markt nach dem Wortlaut der angefochtenen Entscheidung ohnehin nur „Teilschutz“ genoss,
         so dass sich die Kommission dieses Faktors bei ihrer Bemessung der Geldbußen bereits bewusst war (vgl. Randnr. 62 der angefochtenen
         Entscheidung).
         
         
         
         551
            
          Die japanischen Klägerinnen weisen ferner darauf hin, dass nach Abschnitt 1 Buchstabe A sechster Absatz der Leitlinien „in
         bestimmten Fällen die innerhalb der einzelnen … Gruppen [von Zuwiderhandlungen] festgesetzten Beträge gewichtet werden [sollten],
         um das jeweilige Gewicht und damit die tatsächliche Auswirkung des Verstoßes jedes einzelnen Unternehmens auf den Wettbewerb
         zu berücksichtigen, vor allem wenn an einem Verstoß derselben Art Unternehmen von sehr unterschiedlicher Größe beteiligt waren“.
         
         
         
         552
            
          Im vorliegenden Fall stellte die Kommission in Randnummer 165 der angefochtenen Entscheidung fest, dass alle Adressaten der
         angefochtenen Entscheidung Großunternehmen seien, so dass eine Abstufung der Geldbußen nach der Unternehmensgröße nicht nötig
         sei. Keine der japanischen Klägerinnen hat bestritten, dass sie ein Großunternehmen ist, sondern sie argumentieren in dieser
         Hinsicht lediglich mit bestimmten Vergleichen.
         
         
         
         553
            
         Überdies ist den Ausdrücken „in bestimmten Fällen“ und „vor allem“ in den Leitlinien zu entnehmen, dass eine Gewichtung nach
         der individuellen Unternehmensgröße kein durchgehend zu vollziehender Berechnungsschritt ist, zu dem sich die Kommission verpflichtet
         hat, sondern eine mögliche Flexibilität, die sie sich in den Sachen, die dies erfordern, vorbehält. In diesem Zusammenhang
         ist an die Rechtsprechung zu erinnern, nach der die Kommission über ein Ermessen verfügt, das es ihr erlaubt, für die Bemessung
         der von ihr zu verhängenden Geldbußen insbesondere nach Maßgabe der Umstände des Einzelfalls bestimmte Gesichtspunkte zu berücksichtigen
         oder nicht (in diesem Sinne Beschluss des Gerichtshofes vom 25. März 1996 in der Rechtssache C‑137/95 P, SPO u. a./Kommission,
         Slg. 1996, I‑1611, Randnr. 54, und Urteile des Gerichtshofes vom 17. Juli 1997 in der Rechtssache C‑219/95 P, Ferriere Nord/Kommission,
         Slg. 1997, I‑4411, Randnrn. 32 und 33, und Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 180, Randnr.
         465; vgl. auch Urteil des Gerichtshofes vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑309/94, KNP BT/Kommission, Slg. 1998, II‑1007,
         Randnr. 68). Unter Berücksichtigung von Abschnitt 1 Buchstabe A sechster Absatz der Leitlinien ist davon auszugehen, dass
         der Kommission hinsichtlich der Frage, ob eine Gewichtung der Geldbußen nach der Größe des einzelnen Unternehmens angezeigt
         ist, ein gewisses Ermessen verbleibt.
         
         
         
         554
            
          Da die Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgestellt hat, dass alle japanischen Klägerinnen Großunternehmen waren
         (vgl. oben, Randnr. 552), und die nur begrenzten Auswirkungen der Zuwiderhandlung auf den Märkten insgesamt berücksichtigt
         hat (vgl. oben, Randnrn. 542 und 543), genügt das Vorbringen der japanischen Klägerinnen nicht für den Nachweis, dass die
         Kommission die Grenzen ihres Ermessens hier deshalb überschritt, weil sie Abschnitt 1 Buchstabe A sechster Absatz der Leitlinien
         nicht anwandte.
         
         
         
         555
            
          Sumitomo macht weiterhin geltend, dass das Bestehen der Selbstbeschränkungsabkommen vor 1991 ein mildernder Umstand sei, den
         die Kommission für die Zeit nach Auslaufen dieser Abkommen hätte berücksichtigen müssen. Dazu genügt indessen der Hinweis,
         dass die Selbstbeschränkungsabkommen ungeachtet der Meinungsverschiedenheit, die es über ihren Status im vorliegenden Verfahren
         zwischen den japanischen Klägerinnen und der Kommission gab, unstreitig vom 1. Januar 1991 weder auf nationaler noch auf internationaler
         Ebene länger in Kraft waren. Von dem Datum an, zu dem die Selbstbeschränkungsabkommen nicht länger galten, konnten sie aber
         auch das geschäftliche Verhalten der japanischen Klägerinnen nicht mehr beeinflussen und können daher von ihnen insoweit nicht
         als mildernder Umstand geltend gemacht werden.
         
         
         
         556
            
          Da die Selbstbeschränkungsabkommen in der angefochtenen Entscheidung nicht als erschwerender Umstand gewertet wurden, kann
         hinsichtlich einer solchen Wertung auch kein Begründungsmangel vorliegen.
         
         
         
         557
            
          Soweit JFE‑Kawasaki schließlich eine Einbeziehung der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung
         rügt, ist Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung und den fehlenden Hinweisen auf die der zweiten Zuwiderhandlung zugrunde
         liegenden Lieferverträge in den Randnummern 159 bis 163 und 165 bis 175 zu entnehmen, dass die Kommission diese Zuwiderhandlung
         für die Bemessung der Geldbußen nicht berücksichtigte. Dieser Umstand genügt, um das Vorbringen von JFE‑Kawasaki zu dieser
         Frage im Rahmen des vorliegenden Klagegrundes als unbeachtlich anzusehen.
         
         
         
         558
            
          Der vorliegende Klagegrund ist damit insgesamt zurückzuweisen.
         
         
          6. Zum sechsten Klagegrund einer Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes
          a) Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
         
         
         559
            
          Nach Auffassung von Nippon, JFE‑Kawasaki und Sumitomo steht die Höhe der gegen die japanischen Hersteller mit der Begründung
         verhängten Geldbuße, sie seien angeblich damit einverstanden gewesen, den Absatz der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannten Produkte in Europa zu unterlassen, außer Verhältnis zur Höhe der gegen die europäischen Hersteller verhängten Geldbuße.
         Diese hätten nämlich angeblich zwei Zuwiderhandlungen begangen, die eine Abschottung des Gemeinsamen Marktes bezweckt hätten,
         während dieser innergemeinschaftliche Aspekt bei der angeblichen Zuwiderhandlung der japanischen Hersteller fehle. Die Kommission
         habe damit das Diskriminierungsverbot verletzt, wonach unterschiedliche Sachverhalte ohne objektive Rechtfertigung nicht gleich
         behandelt werden dürften (Urteil des Gerichtshofes vom 13. Februar 1996 in der Rechtssache C‑342/93, Gillespie/Kommission,
         Slg. 1996, I‑475, Randnr. 16, sowie die Leitlinien). Sumitomo hält es für ungerechtfertigt, Konsequenzen daran zu knüpfen,
         dass die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung angeblich in den Rahmen der in Artikel
         1 festgestellten Zuwiderhandlung falle, da die Kommission nicht behauptet habe, dass es nach der Übereinkunft zwischen den
         europäischen und den japanischen Herstellern erforderlich gewesen wäre, dass die europäischen Hersteller diese zusätzliche
         Zuwiderhandlung begingen. Daraus folge weiterhin, dass die japanischen Klägerinnen sehr wohl ein rechtliches Interesse daran
         gehabt hätten, die Argumentation der Kommission in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung anzugreifen, wonach gegen
         die europäischen Hersteller keine zusätzliche Geldbuße zu verhängen sei.
         
         
         
         560
            
          JFE‑Kawasaki wiederholt insoweit ihren Vortrag, dass die Beziehungen zwischen den europäischen und den japanischen Herstellern
         und die Beziehungen nur unter den europäischen Herstellern als zwei selbständige Zuwiderhandlungen zu behandeln seien. Sumitomo
         meint, dass selbst dann, wenn eine Zuwiderhandlung, die eine Aufteilung der Gemeinschaftsmärkte unter den europäischen Herstellern
         bezwecke, wegen der möglichen Abschottung der Märkte der Mitgliedstaaten als besonders schwer einzustufen wäre, dies nicht
         für eine von Herstellern eines Drittlands eingegangene Verpflichtung gelte, ihre Produkte nicht auf dem Gemeinschaftsmarkt
         abzusetzen.
         
         
         
         561
            
          Laut Sumitomo hat die Kommission auch dadurch gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen, dass sie die längere Dauer der in
         Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung bei der Festsetzung der gegen die europäischen Hersteller
         verhängten Geldbußen nicht berücksichtigt habe. Außerdem betreffe die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte
         Zuwiderhandlung nicht die gleichen Produkte wie die in Artikel 1 festgestellte, sondern nur Glattendrohre.
         
         
         
         562
            
          Nippon macht ferner geltend, dass die Selbstbeschränkungsabkommen bei der Berechnung der gegen die europäischen Hersteller
         verhängten Geldbußen nicht hätten berücksichtigt werden dürfen, weil sie keinerlei Auswirkung auf diesen innergemeinschaftlichen
         Aspekt der Zuwiderhandlungen gehabt hätten. Außerdem schließe die Geldbuße wegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         festgestellten Zuwiderhandlung diejenige ein, die wegen der in Artikel 2 festgestellten Zuwiderhandlung zu verhängen gewesen
         wäre, mit der aber die japanischen Hersteller überhaupt nichts zu tun hätten. Bei Berücksichtigung aller dieser Argumente
         müsse die gegen die japanischen Hersteller verhängte Geldbuße herabgesetzt werden, um das Gleichgewicht zwischen ihnen und
         den europäischen Herstellern wieder herzustellen.
         
         
         
         563
            
          JFE‑NKK meint, dass die Kommission mit ihrer Auffassung, wonach jeder Hersteller für die Durchführung der gesamten angeblichen
         Übereinkunft hafte, den Grundsatz der Kollektivhaftung angewandt und damit gegen den allgemeinen Grundsatz verstoßen habe,
         dass Sanktionen stets auf individueller Verantwortlichkeit beruhen müssten.
         
         
         
         564
            
          Nach Auffassung der Kommission liegt eine Diskriminierung der japanischen Klägerinnen nicht vor, da gegen jeden der europäischen
         und japanischen Beteiligten an der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung die gleiche
         Geldbuße wegen der Schwere des Verstoßes festgesetzt worden sei.
         
         
         
         565
            
          Die japanischen Klägerinnen hätten kein rechtliches Interesse daran, die Schlussfolgerung in Randnummer 164 der angefochtenen
         Entscheidung anzugreifen, weil der Entschluss der Kommission, wegen der zweiten Zuwiderhandlung keine zusätzliche Geldbuße
         zu verhängen, sie nicht beschwere. Dass die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung länger
         gedauert habe als die Hauptzuwiderhandlung, deren Durchführung sie gedient habe, und dass sie den Glattendrohrmarkt betroffen
         habe, sei für die Höhe der wegen Artikel 1 der Entscheidung verhängten Geldbuße ohne Bedeutung.
         
         
          b) Würdigung durch das Gericht
         
         
         566
            
          Zu dem Vorbringen, die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung bestehe in Wirklichkeit aus
         zwei Zuwiderhandlungen, einer innergemeinschaftlichen und einer interkontinentalen, genügt der Hinweis, dass es sich aus den
         oben in den Randnummern 370 bis 374 dargelegten Gründen um nur eine einzige Zuwiderhandlung handelt. Die Feststellung, dass
         alle Teilnehmer daran in gleichem Maße beteiligt waren, verstößt daher weder gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung noch
         gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.
         
         
         
         567
            
          Zu der Rüge, die sich auf die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung der europäischen Hersteller
         bezieht, ist bereits oben in Randnummer 557 festgestellt worden, dass die Kommission diese Zuwiderhandlung für die Berechnung
         der Bußgeldbeträge in der angefochtenen Entscheidung nicht berücksichtigte.
         
         
         
         568
            
          Allerdings ist oben in Randnummer 451 auch festgestellt worden, dass die japanischen Klägerinnen entgegen der Ansicht der
         Kommission durchaus ein rechtliches Interesse an einer Rüge der in Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung enthaltenen
         Beurteilung des zwischen den beiden Zuwiderhandlungen bestehenden Verhältnisses haben.
         
         
         
         569
            
          Es ist daran zu erinnern, dass die Kommission selbst in Randnummer 111 der angefochtenen Entscheidung nach ihrer Prüfung der
         besonderen Merkmale der Lieferverträge zu dem Ergebnis gelangte, dass diese als solche eine Zuwiderhandlung gegen Artikel
         81 Absatz 1 EG bildeten und dass ihre wettbewerbswidrige Zielsetzung und Wirkung über einen bloßen Beitrag zur Fortführung
         der europäisch‑japanischen Übereinkunft hinausgingen (vgl. oben, Randnrn. 362 bis 364). Insbesondere nahm die Kommission an,
         dass sich diese Zuwiderhandlung nicht nur auf dem den OCTG‑Standardrohren vorgelagerten Markt ausgewirkt habe, sondern – direkter
         und offensichtlicher – auch auf dem Markt, der dem Glattendrohrmarkt nachgelagert ist.
         
         
         
         570
            
          Es ist festzustellen, dass die Kommission aus diesen Feststellungen zum Sachverhalt und rechtlichen Bewertungen Konsequenzen
         für die Bemessung der Geldbußen hätte ziehen müssen, dies aber nicht getan hat.
         
         
         
         571
            
          Denn wie oben in Randnummer 364 dargelegt, enthält der erste Satz von Randnummer 164 der angefochtenen Entscheidung die fehlerhafte
         Beurteilung, dass die die zweite Zuwiderhandlung bildenden Verträge nur „Mittel zur Durchführung“ der ersten Zuwiderhandlung
         gewesen seien. Damit wird aber dem zweiten Satz dieser Randnummer, in dem die Kommission ihrer Absicht Ausdruck gibt, wegen
         der zweiten Zuwiderhandlung keine zusätzliche Geldbuße zu verhängen, seine logische Basis entzogen.
         
         
         
         572
            
          Die Kommission verfügt für die Bemessung von Geldbußen über ein gewisses Ermessen und darf, soweit ihre Leitlinien sie nicht
         zur durchgehenden Berücksichtigung eines bestimmten Umstands verpflichten (vgl. oben, Randnrn. 537 bis 553, und die dort zitierte
         Rechtsprechung), auswählen, welche Gesichtspunkte dafür heranzuziehen sind; sie kann so ihre Beurteilung dem Einzelfall anpassen.
         Jedoch muss diese Beurteilung das Gemeinschaftsrecht wahren, zu dem nicht nur die Vorschriften des Vertrages gehören, sondern
         auch die allgemeinen Rechtsgrundsätze (vgl. analog Urteil des Gerichtshofes vom 25. Juli 2002 in der Rechtssache C‑50/00 P,
         Unión de Pequeños Agricultores/Rat, Slg. 2002, I‑6677, Randnr. 38).
         
         
         
         573
            
          Indem die Kommission die in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellte Zuwiderhandlung für die Bemessung der gegen
         die europäischen Hersteller verhängten Geldbuße unberücksichtigt ließ, hat sie unterschiedliche Sachverhalte gleich behandelt,
         ohne indessen objektive Gründe anzuführen, die dies rechtfertigen können. Sie hat damit den allgemeinen gemeinschaftsrechtlichen
         Grundsatz der Gleichbehandlung verkannt (in diesem Sinne Urteil des Gerichts vom 14. Mai 1998 in der Rechtssache T‑311/94,
         BPB de Eendracht/Kommission, Slg. 1998, II‑1129, Randnr. 309, und die dort zitierte Rechtsprechung).
         
         
         
         574
            
          Der vorliegende Klagegrund eines Verstoßes gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz greift daher durch. Das Gericht hat demgemäß
         von seiner Befugnis zur unbeschränkten Ermessensnachprüfung aus Artikel 229 EG und Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 Gebrauch
         zu machen, um die Höhe der in Artikel 4 der angefochtenen Entscheidung verhängten Geldbußen zu ändern.
         
         
         
         575
            
          Dazu hat die Kommission in der mündlichen Verhandlung ausgeführt, dass das etwaige Bestehen der vorgenannten Ungleichbehandlung
         logisch zu einer Erhöhung der Geldbußen gegen die europäischen Hersteller, nicht aber zu einer Herabsetzung der gegen die
         japanischen Hersteller verhängten Geldbußen führen müsste. Wie in diesem Zusammenhang anzumerken ist, unterliegt es entgegen
         den Ausführungen von JFE‑Kawasaki im Rahmen eines anderen Klagegrundes (vgl. oben, Randnr. 512) keinen rechtlichen Bedenken,
         dass die Bevollmächtigten der Kommission – vorbehaltlich etwaiger ausdrücklicher Anweisungen ihrer Vorgesetzten im gegenteiligen
         Sinne – bei den Gemeinschaftsgerichten den Antrag stellen, die von den Mitgliedern der Kommission festgesetzten Geldbußen
         im Wege der unbeschränkten richterlichen Ermessensnachprüfung zu erhöhen. Denn ein Bevollmächtigter der Kommission setzt sich
         damit, dass er den Gemeinschaftsrichter um die Ausübung einer diesem zustehenden Befugnis ersucht und Argumente vorbringt,
         die dies rechtfertigen könnten, nicht an die Stelle eines Kommissionsmitglieds.
         
         
         
         576
            
          Um unter den Adressaten der angefochtenen Entscheidung ein gerechtes Gleichgewicht wieder herzustellen, bestünde die angemessenste
         Lösung nach den Umständen des vorliegenden Falles darin, anstelle einer Herabsetzung der Geldbußen, die gegen die japanischen
         Klägerinnen verhängt wurden, die Geldbußen für alle europäischen Hersteller zu erhöhen, die beim Gericht eine Änderung der
         gegen sie festgesetzten Geldbußen und damit deren Neubemessung beantragt haben. Denn die genannte Ungleichbehandlung resultiert
         nicht aus einer unverhältnismäßig strengen Ahndung der japanischen Hersteller, da die für die Festsetzung ihrer Geldbußen
         von der Kommission verwendete Berechnungsmethode, wie oben festgestellt (vgl. Randnrn. 531 bis 558), in jeder Hinsicht rechtmäßig
         war, sondern daraus, dass die Schwere des rechtswidrigen Verhaltens der europäischen Hersteller bei seiner Gesamtwürdigung
         im Vergleich zu der Schwere des rechtswidrigen Verhaltens der japanischen Hersteller unterbewertet wurde.
         
         
         
         577
            
         Überdies haben alle Klägerinnen in den Rechtssachen T‑44/00, T‑48/00 und T‑50/00, also Mannesmann, Corus und Dalmine, im Rahmen
         ihrer Klagen beantragt, im Wege der unbeschränkten Ermessensnachprüfung die Höhe der gegen sie verhängten Geldbuße neu festzusetzen.
         Begehrt ein Kläger die Ausübung der unbeschränkten Nachprüfungsbefugnis, und sei es durch einen Antrag auf Herabsetzung einer
         Geldbuße, so ist das Gericht jedoch ermächtigt, den angefochtenen Rechtsakt, auch ohne ihn für nichtig zu erklären, unter
         Berücksichtigung aller tatsächlichen Umstände abzuändern, um die Höhe der verhängten Geldbuße anders festzusetzen (in diesem
         Sinne Urteil Limburgse Vinyl Maatschappij u. a./Kommission, zitiert oben in Randnr. 180, Randnr. 692). Überdies schließt die
         dem Gemeinschaftsrichter in Artikel 17 der Verordnung Nr. 17 im Einklang mit Artikel 229 EG verliehene Befugnis zur unbeschränkten
         Ermessensnachprüfung ausdrücklich die Befugnis ein, die verhängte Geldbuße gegebenenfalls zu erhöhen.
         
         
         
         578
            
          Die Kommission hat indessen weder in ihren Klagebeantwortungen in den Rechtssachen T‑44/00, T‑48/00 und T‑50/00, die mit den
         vorliegenden Rechtssachen zu gemeinsamer mündlicher Verhandlung verbunden worden sind (vgl. die Urteile vom heutigen Tage
         in den Rechtssachen Mannesmannröhren‑Werke/Kommission, Randnr. 38, Corus/Kommission, Randnr. 38, und Dalmine/Kommission, Randnrn.
         38, 245 bis 247), noch in der mündlichen Verhandlung – auch wenn sie diese Möglichkeit erwähnt hat – den Antrag gestellt,
         die den Klägerinnen in diesen Rechtssachen auferlegten Geldbußen zu erhöhen. Das Gericht hat die Klägerinnen demgemäß nicht
         ersucht, hierzu Stellung zu nehmen. Sie hatten daher in den drei vorgenannten Rechtssachen nicht Gelegenheit, sich zur Berechtigung
         einer Erhöhung ihrer Geldbußen und zu den für deren Bezifferung maßgebenden Faktoren zu äußern. Deshalb sind die den Klägerinnen
         in den Rechtssachen T‑44/00, T‑48/00 und T‑50/00 auferlegten Geldbußen nicht erhöht worden (vgl. den Tenor der Urteile Mannesmannröhren‑Werke/Kommission,
         Corus/Kommission und Dalmine/Kommission).
         
         
         
         579
            
          Demnach besteht das geeignetste Mittel zur Behebung der vorstehend festgestellten Ungleichbehandlung darin, zur Bezifferung
         der den japanischen Klägerinnen aufzuerlegenden Geldbußen den Betrag zu mindern, den die Kommission in Randnummer 163 der
         angefochtenen Entscheidung für die Schwere der Zuwiderhandlung angesetzt hat. In Ausübung seiner Befugnis zur unbeschränkten
         Ermessensnachprüfung hält es das Gericht unter Berücksichtigung aller Umstände des vorliegenden Falles für angezeigt, diesen
         Betrag für jede der japanischen Klägerinnen von 10 Millionen Euro auf 9 Millionen Euro herabzusetzen.
         
         
         
         580
            
          Dieser Betrag wird nachstehend in den Randnummern 588 und 590 zur Festsetzung der den japanischen Klägerinnen aufzuerlegenden
         Geldbußen zugrunde gelegt.
         
         
         
         581
            
          Soweit Nippon geltend macht, die Selbstbeschränkungsabkommen dürften für die Berechnung der Geldbußen gegen die europäischen
         Hersteller nicht berücksichtigt werden, weil sie ohne Auswirkung auf den innergemeinschaftlichen Aspekt der Zuwiderhandlungen
         geblieben seien, ist zunächst darauf hinzuweisen, dass, wie oben entschieden, die in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung
         genannte Zuwiderhandlung nicht als zwei selbständige Zuwiderhandlungen zum einen im Verhältnis zwischen den europäischen und
         den japanischen Herstellern und zum anderen auf innergemeinschaftlicher Ebene zu behandeln ist (vgl. unten, Randnr. 584).
         
         
         
         582
            
          Weiterhin liegt darin, dass sich die Kommission dafür entschied, für die Zeit vor 1990 wegen der Selbstbeschränkungsabkommen
         keine Zuwiderhandlung festzustellen, zwangsläufig ein Zugeständnis, das die Kommission aus Gründen der Handelspolitik in der
         Stahlbranche sowohl den japanischen Herstellern als auch den europäischen Herstellern machte. Denn nach dem Standpunkt der
         Kommission zur Einfuhr von japanischen Produkten in die Gemeinschaft war das Bestehen der Selbstbeschränkungsabkommen, was
         die Anwendung des Wettbewerbsrechts angeht, für die japanischen Hersteller nicht von Hilfe.
         
         
         
         583
            
          Dazu heißt es in Randnummer 27 der angefochtenen Entscheidung, dass die Selbstbeschränkungsabkommen seit den siebziger Jahren
         im Rahmen der „handelspolitischen Maßnahmen, die die Kommission zur Bewältigung der Krise unternommen hat“, geschlossen wurden,
         um der schwierigen Lage der Stahlindustrie der Gemeinschaft zu begegnen. Die japanischen Klägerinnen haben diese Feststellung
         im vorliegenden Verfahren nicht bestritten, und es ist daran zu erinnern, dass die Kommission allen Adressaten der angefochtenen
         Entscheidung eine Herabsetzung der Geldbußen wegen der mildernden Umstände gewährte, die darin lagen, „dass sich die Stahlrohrproduktion
         … in einer langjährigen Krisensituation befand“ (Randnr. 168 der angefochtenen Entscheidung).
         
         
         
         584
            
          Die handelspolitischen Gründe, die dem in Randnummer 108 der angefochtenen Entscheidung formulierten Zugeständnis für den
         Zeitraum des Bestehens der Selbstbeschränkungsabkommen zugrunde lagen, hängen demnach nicht nur mit den Beziehungen zwischen
         den Gemeinschaftsbehörden und den japanischen Stellen zusammen, sondern auch mit der Krise, die die japanischen Stahlrohrhersteller
         in dieser Zeit ebenso betraf wie die Stahlrohrproduzenten der Gemeinschaft.
         
         
         
         585
            
          Die Kommission hat im Übrigen in Randnummer 27 der angefochtenen Entscheidung und vor dem Gericht – unwidersprochen seitens
         der japanischen Klägerinnen – hervorgehoben, dass es sich bei den Selbstbeschränkungsabkommen lediglich um Quotenvereinbarungen
         handelte, die die Vermarktung japanischer Stahlrohre in der Europäischen Gemeinschaft nur begrenzten und nicht verboten. Die
         Unterschiedlichkeit der Sachverhalte, auf die sich Nippon beruft, ist daher nur relativer und nicht absoluter Art. Die Abkommen
         genügen daher nicht, um die Passivität der japanischen Klägerinnen auf den Gemeinschaftsmärkten zu erklären.
         
         
         
         586
            
          Das Gericht ist deshalb der Auffassung, dass die von Nippon behauptete Ungleichbehandlung nicht gegeben ist.
         
         
         
         587
            
          Außerdem bestünde angesichts des oben in den Randnummern 583 bis 585 dargelegten Kontextes, besonders angesichts des politischen
         Charakters des in seiner Rechtmäßigkeit unbestrittenen Zugeständnisses der Kommission, jedenfalls für den Gemeinschaftsrichter
         kein Anlass zu einer Abänderung der gegen die japanischen Klägerinnen verhängten Geldbußen, nachdem dieses Zugeständnis der
         Kommission, wie aus der angefochtenen Entscheidung hervorgeht, aus politischen Gründen gerechtfertigt erschien.
         
         
          7. Zur Berechnung der Geldbußen
         
         588
            
          Demnach sind die Geldbußen gegen alle japanischen Klägerinnen so herabzusetzen, dass erstens die Minderung des wegen der Schwere
         angesetzten Betrages von 10 auf 9 Millionen Euro und zweitens die Zuwiderhandlungsdauer von dreieinhalb statt fünf Jahren
         berücksichtigt werden.
         
         
         
         589
            
          Da die Methode zur Berechnung der Geldbußen, die in den Leitlinien festgelegt ist und von der Kommission im vorliegenden Fall
         angewandt wurde, als solche nicht beanstandet worden ist, ist diese Methode auch vom Gericht im Rahmen seiner Befugnis zur
         unbeschränkten Ermessensnachprüfung anzuwenden, um die in der vorstehenden Randnummer genannte Herabsetzung zu vollziehen.
         
         
         
         590
            
          Demnach ist der Grundbetrag für jeden japanischen Hersteller auf 9 Millionen Euro festzusetzen. Dieser Betrag ist für jedes
         Jahr der Zuwiderhandlung um 10 %, also um insgesamt 35 %, zu erhöhen, womit sich ein Betrag von 12,15 Millionen Euro ergibt.
         Dieser Betrag ist sodann wegen der in den Randnummern 168 und 169 der angefochtenen Entscheidung dargelegten mildernden Umstände
         um 10 % zu verringern, woraus für jede der japanischen Klägerinnen ein Endbetrag von 10,935 Millionen Euro statt 13,5 Millionen
         Euro folgt.
         
         
         Kosten
         591
            
          Nach Artikel 87 § 3 der Verfahrensordnung kann das Gericht die Kosten teilen oder beschließen, dass jede Partei ihre eigenen
         Kosten trägt, wenn jede Partei teils obsiegt und teils unterliegt. Da im vorliegenden Fall jede Partei teils obsiegt und teils
         unterliegt, sind jeder der japanischen Klägerinnen und der Kommission ihre eigenen Kosten aufzuerlegen.
         
         
         
         592
            
          Nach Artikel 87 § 4 Absatz 2 der Verfahrensordnung trägt die EFTA-Überwachungsbehörde, die dem Rechtsstreit als Streithelferin
         beigetreten ist, ihre eigenen Kosten.
         
         
         Aus diesen Gründen
         
         
         
            
            DAS GERICHT (Zweite Kammer)
         
         
          für Recht erkannt und entschieden:
         
            
            
             
               1.
                  Artikel 1 Absatz 2 der Entscheidung 2003/382/EG der Kommission vom 8. Dezember 1999 in einem Verfahren nach Artikel 81 EG‑Vertrag
                     (Sache IV/E‑1/35.860‑B – Nahtlose Stahlrohre) wird für nichtig erklärt, soweit darin die den vier Klägerinnen in den Rechtssachen
                     T‑67/00, T‑68/00, T‑71/00 und T‑78/00 in diesem Artikel angelastete Zuwiderhandlung für die Zeit vor dem 1. Januar 1991 und
                     nach dem 30. Juni 1994 festgestellt wird.
                  
               
            
            
            
             
               2.
                  Die gegen jede der vier Klägerinnen in Artikel 4 der Entscheidung 2003/382 verhängte Geldbuße wird auf 10 935 000 Euro festgesetzt.
               
            
            
            
             
               3.
                  Im Übrigen werden die vier Klagen abgewiesen.
               
            
            
            
             
               4.
                  Die vier Klägerinnen und die Kommission tragen ihre eigenen Kosten.
               
            
            
            
             
               5.
                  Die EFTA‑Überwachungsbehörde trägt ihre eigenen Kosten. 
               
            
            
                  Forwood
               
               
                  Pirrung 
               
               
                  Meij 
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
                  
               
               
                  
               
               
                  
               
            
            
            
            
            
            
            
            
         
         
          Verkündet in öffentlicher Sitzung in Luxemburg am 8. Juli 2004.
         
         
         
         
                  Der Kanzler
               
               
                  Der Präsident
               
            
         
         
         
                  H. Jung
               
               
                  J. Pirrung
               
            
         
            Inhaltsverzeichnis
         
         
                  Sachverhalt und Verfahren
                     
               
            
                      
                        A –  Das Verwaltungsverfahren
                     
               
            
                      
                        B –  Die betroffenen Produkte
                     
               
            
                      
                        C –  Die von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlungen
                     
               
            
                      
                        D –  Der von der Kommission in der angefochtenen Entscheidung festgestellte wesentliche Sachverhalt
                     
               
            
                      
                        E –  Der Tenor der angefochtenen Entscheidung
                     
               
            
                      
                        F –  Verfahren vor dem Gericht
                     
               
            
                  Anträge der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                  Zu den Auswirkungen des Zusammenschlusses zwischen der Kawasaki Steel Corp. und der NKK Corp.
                     
               
            
                  Begründetheit
                     
               
            
                      
                        A –  Zu den Anträgen auf Nichtigerklärung der angefochtenen Entscheidung, insbesondere ihres Artikels 1
                     
               
            
                          
                        1.  Zum ersten Klagegrund, wonach die Kommission das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
                           Zuwiderhandlung nicht rechtlich hinreichend bewiesen habe
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                                      
                        –  Vorbemerkungen
                     
               
            
                                  
                        Zum ersten Teil des Klagegrundes, wonach das Bestehen der behaupteten Übereinkunft mit der vorhandenen Lage auf dem britischen
                           Offshore‑Markt und den übrigen europäischen Märkten unvereinbar gewesen wäre
                        
                     
               
            
                                  
                        Zum zweiten Teil des ersten Klagegrundes, wonach die vorgebrachten Beweismittel nicht beweiskräftig seien
                     
               
            
                                  
                        Zum dritten Teil des ersten Klagegrundes, wonach die Reichweite der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
                           Zuwiderhandlung fehlerhaft beurteilt worden sei
                        
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                                  
                        Vorbemerkungen
                     
               
            
                                  
                        Zum zweiten Teil des Klagegrundes, wonach die Beweismittel nicht beweiskräftig seien, und subsidiär zum ersten Teil des Klagegrundes,
                           wonach das Vorliegen der behaupteten Übereinkunft mit der Situation auf dem britischen Offshore‑Markt und auf den übrigen
                           Märkten unvereinbar gewesen sei
                        
                     
               
            
                                      
                        –  Erklärungen von Herrn Verluca
                     
               
            
                                      
                        –  Vermerke von Vallourec
                     
               
            
                                      
                        –  Englische Dokumente aus dem Jahr 1993
                     
               
            
                                      
                        –  Dokument „Stahlrohrsystem“
                     
               
            
                                      
                        –  Verteilerschlüssel‑Papier („sharing key“)
                     
               
            
                                      
                        –  Antworten der europäischen Hersteller
                     
               
            
                                      
                        –  Aussage von Herrn Biasizzo
                     
               
            
                                      
                        –  Dauer der Zuwiderhandlung
                     
               
            
                                  
                        Zum dritten Teil des Klagegrundes, wonach die Kommission die Bedeutung der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung festgestellten
                           Zuwiderhandlung verkannt habe
                        
                     
               
            
                          
                        2.  Zum zweiten Klagegrund, wonach in der Zuwiderhandlung gemäß Artikel 1 in Wirklichkeit zwei eigenständige Zuwiderhandlungen
                           zu sehen seien
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        3.  Zum dritten Klagegrund, wonach die Übereinkunft keine spürbaren Auswirkungen auf den Wettbewerb gehabt habe
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        4.  Zum vierten Klagegrund, wonach sich die Übereinkunft nicht auf den Handel zwischen Mitgliedstaaten ausgewirkt habe
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        5.  Zum fünften Klagegrund, wonach die Kommission ihre Beurteilung der Bedeutung, die der in Artikel 2 der angefochtenen Entscheidung
                           festgestellten Zuwiderhandlung zukomme, nicht begründet habe
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        6.  Zum sechsten Klagegrund, wonach die angefochtene Entscheidung zum Status der Offshore‑Märkte der Gemeinschaft, insbesondere
                           des Vereinigten Königreichs, keine Begründung enthalte
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        7.  Zum siebten und achten Klagegrund, wonach die Entscheidung der Kommission, zwar Geldbußen gegen die japanischen Hersteller,
                           nicht aber gegen die lateinamerikanischen Hersteller zu verhängen, nicht begründet worden sei und hierin eine Ungleichbehandlung
                           liege
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        8.  Zum neunten Klagegrund, wonach die Argumentation der Kommission zum Verkauf  zu Preisen über den Grenzkosten fehlerhaft
                           sei
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        9.  Zum zehnten Klagegrund, wonach durch Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung
                           hinsichtlich des in Artikel 1 der Entscheidung genannten räumlichen Marktes die Rechte der Verteidigung verletzt worden seien
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        10.  Zum elften Klagegrund, wonach durch Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung
                           hinsichtlich der betroffenen Produkte die Rechte der Verteidigung verletzt worden seien
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        11.  Zum zwölften Klagegrund, wonach die Rechte der Verteidigung dadurch verletzt worden seien, dass die Auswirkungen der
                           Selbstbeschränkungsabkommen in der Mitteilung der Beschwerdepunkte nicht hinreichend analysiert worden seien und dass hinsichtlich
                           der Reichweite dieser Abkommen Abweichungen zwischen der Mitteilung der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung
                           bestünden
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        12.  Zum dreizehnten Klagegrund, wonach die Rechte der Verteidigung dadurch verletzt worden seien, dass zwischen der Mitteilung
                           der Beschwerdepunkte und der angefochtenen Entscheidung Abweichungen hinsichtlich der Tragweite der in Artikel 2 der Entscheidung
                           festgestellten Zuwiderhandlung bestünden
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        13.  Zum vierzehnten Klagegrund, wonach der Beschluss der Kommission vom 25. November 1994, mit dem die Nachprüfungen am 1.
                           und 2. Dezember 1994 genehmigt wurden, rechtswidrig sei
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                      
                        B –  Zu den Anträgen auf Herabsetzung der Geldbußen
                     
               
            
                          
                        1.  Zum ersten und zweiten Klagegrund, wonach die Nichtanwendung der Mitteilung über Zusammenarbeit zugunsten von JFE‑NKK
                           nicht begründet worden sei und fehlerhaft sei
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        2.  Zum dritten Klagegrund, wonach die Berechnungsweise der Geldbußen nicht hinreichend begründet worden sei
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        3.  Zum vierten Klagegrund einer fehlerhaften Beurteilung der Zuwiderhandlungsdauer
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        4.  Zum fünften Klagegrund einer fehlerhaften Beurteilung der Dokumente, die für das Vorliegen der in Artikel 1 der angefochtenen
                           Entscheidung festgestellten Zuwiderhandlung herangezogen worden seien
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        5.  Zum fünften und sechsten Klagegrund, wonach bei der Berechnung der Geldbußen der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit und
                           die Leitlinien für das Verfahren zur Festsetzung von Geldbußen verletzt worden seien und ein Begründungsmangel vorliege
                        
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        6.  Zum sechsten Klagegrund einer Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes
                     
               
            
                              
                        a)  Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
                     
               
            
                              
                        b)  Würdigung durch das Gericht
                     
               
            
                          
                        7.  Zur Berechnung der Geldbußen
                     
               
            
                  Kosten
                     
               
            
      
          1 –
            
            Verfahrenssprache: Englisch.