CELEX: 62010CJ0295
Language: de
Date: 2011-09-22
Title: Urteil des Gerichtshofes (Vierte Kammer) vom 22. September 2011. # Genovaitė Valčiukienė und andere gegen Pakruojo rajono savivaldybė und andere. # Ersuchen um Vorabentscheidung: Vyriausiasis administracinis teismas - Litauen. # Richtlinie 2001/42/EG - Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme - Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen - Art. 3 Abs. 3 - Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen - Nach nationalem Recht ausgeschlossene Prüfung gemäß der Richtlinie 2001/42/EG - Ermessen der Mitgliedstaaten - Art. 3 Abs. 5 - Zusammenhang mit der Richtlinie 85/337/EWG - Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42/EG. # Rechtssache C-295/10.

Rechtssache C‑295/10
      Genovaitė Valčiukienė u. a. 
      gegen
      Pakruojo rajono savivaldybė u. a. 
      (Vorabentscheidungsersuchen des Vyriausiasis administracinis teismas)
      „Richtlinie 2001/42/EG – Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme – Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen – Art. 3 Abs. 3 – Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen – Nach nationalem Recht ausgeschlossene Prüfung gemäß der Richtlinie 2001/42/EG – Ermessen der Mitgliedstaaten – Art. 3 Abs. 5 – Zusammenhang mit der Richtlinie 85/337/EWG – Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42/EG“
      Leitsätze des Urteils
      1.        Umwelt – Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme – Richtlinie 2001/42 – Geltungsbereich – Pläne und Programme, die
            voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben – Ermessen der Mitgliedstaaten – Umfang und Grenzen
      (Richtlinie 2001/42 des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 3 Abs. 2, 3 und 5)
      2.        Umwelt – Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme – Richtlinie 2001/42 – Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung
            unbeschadet der in anderen unionsrechtlichen Vorschriften vorgesehenen Anforderungen – Grenzen
      (Richtlinie 85/337 des Rates; Richtlinie 2001/42 des Europäischen Parlaments und des Rates, Art. 11 Abs. 1 und  2)
      1.        Das den Mitgliedstaaten nach Art. 3 Abs. 5 der Richtlinie 2001/42 über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne
         und Programme eingeräumte Ermessen bei der Beurteilung, ob bestimmte Arten von Plänen voraussichtlich erhebliche Auswirkungen
         auf die Umwelt haben, wird durch die Verpflichtung nach Art. 3 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 dieser Richtlinie eingeschränkt,
         Pläne, bei denen insbesondere aufgrund ihrer Merkmale, ihrer Auswirkungen und der voraussichtlich betroffenen Gebiete mit
         erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen ist, einer Umweltprüfung zu unterziehen.
      
      Wenn daher ein Mitgliedstaat ein Kriterium so festlegte, dass in der Praxis eine ganze Kategorie von Plänen von vornherein
         einer Umweltprüfung entzogen würde, würde er das ihm nach Art. 3 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 und 3 der Richtlinie
         2001/42 eingeräumte Ermessen überschreiten, sofern nicht aufgrund von einschlägigen Kriterien bezüglich aller ausgenommenen
         Pläne – insbesondere z. B. im Hinblick auf deren Gegenstand, den Umfang des Gebiets, auf das sie sich beziehen, oder die Belastbarkeit
         der betroffenen Landschaften – davon auszugehen ist, dass bei ihnen nicht mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen
         ist.
      
      Demzufolge ist Art. 3 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2001/42 dahin auszulegen, dass er einer nationalen
         Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die derart allgemein und ohne Einzelfallprüfung vorsieht,
         dass eine Prüfung nach dieser Richtlinie dann nicht durchgeführt werden muss, wenn sich die Pläne, die die Nutzung kleiner
         Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen. Ein solches Kriterium
         würde es nämlich nicht ermöglichen, zu beurteilen, ob ein Plan erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat.
      
      (vgl. Randnrn. 46-48, 54, Tenor 1)
      2.        Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42 über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme ist dahin
         auszulegen, dass eine nach der Richtlinie 85/337 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten
         Projekten in der durch die Richtlinie 97/11 geänderten Fassung durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung nicht von der Verpflichtung
         entbindet, eine Umweltprüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 durchzuführen.
      
      Es ist jedoch Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob eine nach der Richtlinie 85/337 in ihrer geänderten Fassung durchgeführte
         Prüfung als Ausdruck eines koordinierten oder gemeinsamen Verfahrens aufgefasst werden kann und ob dieses bereits sämtliche
         Anforderungen der Richtlinie 2001/42 umfasst. Sollte das der Fall sein, bestünde keine Verpflichtung zur Durchführung einer
         erneuten Prüfung nach der letztgenannten Richtlinie.
      
      Außerdem verpflichtet Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 die Mitgliedstaaten nicht, in ihrer innerstaatlichen Rechtsordnung
         koordinierte oder gemeinsame Verfahren vorzusehen, die die Anforderungen der Richtlinie 2001/42 und der Richtlinie 85/337
         erfüllen.
      
      (vgl. Randnrn. 63, 66, Tenor 2-3)
URTEIL DES GERICHTSHOFS (Vierte Kammer)
      22. September 2011(*)
      
      „Richtlinie 2001/42/EG – Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme – Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen – Art. 3 Abs. 3 – Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen – Nach nationalem Recht ausgeschlossene Prüfung gemäß der Richtlinie 2001/42/EG – Ermessen der Mitgliedstaaten – Art. 3 Abs. 5 – Zusammenhang mit der Richtlinie 85/337/EWG – Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42/EG“
      In der Rechtssache C‑295/10
      betreffend ein Vorabentscheidungsersuchen nach Art. 267 AEUV, eingereicht vom Vyriausiasis administracinis teismas (Litauen)
         mit Entscheidung vom 13. Mai 2010, beim Gerichtshof eingegangen am 15. Juni 2010, in dem Verfahren 
      
      Genovaitė Valčiukienė,
      Julija Pekelienė,
      Lietuvos žaliųjų judėjimas,
      Petras Girinskis,
      Laurynas Arimantas Lašas 
      gegen
      Pakruojo rajono savivaldybė,
      Šiaulių visuomenės sveikatos centras,
      Šiaulių regiono aplinkos apsaugos departamentas, 
      Beteiligte:
      Sofita UAB,
      Oltas UAB,
      Šiaulių apskrities viršininko administracija,
      Rimvydas Gasparavičius,
      Rimantas Pašakinskas
      erlässt
      DER GERICHTSHOF (Vierte Kammer)
      unter Mitwirkung des Kammerpräsidenten J.‑C. Bonichot, der Richter K. Schiemann und L. Bay Larsen (Berichterstatter) sowie
         der Richterinnen C. Toader und A. Prechal,
      
      Generalanwältin: J. Kokott,
      Kanzler: K. Sztranc-Sławiczek, Verwaltungsrätin,
      aufgrund des schriftlichen Verfahrens und auf die mündliche Verhandlung vom 18. Mai 2011,
      unter Berücksichtigung der Erklärungen
      –        von Frau Valčiukienė, Frau Pekelienė, des Lietuvos žaliųjų judėjimas, Herrn Girinskis und Herrn Arimantas Lašas, vertreten
         durch S. Dambrauskas, advokatas,
      
      –        der litauischen Regierung, vertreten durch D. Kriaučiūnas und J. Balčiūnaitė als Bevollmächtigte,
      –        der Europäischen Kommission, vertreten durch P. Oliver und A. Steiblytė als Bevollmächtigte,
      aufgrund des nach Anhörung der Generalanwältin ergangenen Beschlusses, ohne Schlussanträge über die Rechtssache zu entscheiden,
      folgendes
      Urteil
      1        Das Vorabentscheidungsersuchen betrifft die Auslegung von Art. 3 Abs. 2 Buchst. a, 3 und 5 sowie Art. 11 Abs. 1 und 2 der
         Richtlinie 2001/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. Juni 2001 über die Prüfung der Umweltauswirkungen
         bestimmter Pläne und Programme (ABl. L 197, S. 30).
      
      2        Dieses Ersuchen ergeht im Rahmen eines Rechtsstreits zwischen Frau Valčiukienė, Frau Pekelienė, dem Lietuvos žaliųjų judėjimas
         (Die Bewegung der Grünen in Litauen), Herrn Girinskis und Herrn Arimantas Lašas auf der einen und der Pakruojo rajono savivaldybė
         (Gemeindeverwaltung des Bezirks Pakruojas), dem Šiaulių visuomenės sveikatos centras (Zentrum für öffentliche Gesundheit Šiauliai)
         und der Šiaulių regiono aplinkos apsaugos departamentas (regionale Umweltschutzbehörde Šiauliai) auf der anderen Seite über
         insbesondere zwei Entscheidungen vom 23. März und 20. April 2006, mit denen die Gemeindeverwaltung des Bezirks Pakruojas zwei
         Detailpläne über den Bau eines Gebäudekomplexes zur Intensivhaltung von 4 000 Schweinen und über die Nutzung von zwei für
         diesen Komplex vorgesehenen Flächen genehmigte.
      
       Rechtlicher Rahmen
       Unionsrecht
       Richtlinie 2001/42
      3        Die Erwägungsgründe 10 bis 12 und 19 der Richtlinie 2001/42 lauten:
      
      „(10) Alle Pläne und Programme, die für eine Reihe von Bereichen ausgearbeitet werden und einen Rahmen für die künftige Genehmigung
         von Projekten setzen, die in den Anhängen I und II der Richtlinie 85/337/EWG des Rates vom 27. Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung
         bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten [(ABl. L 175, S. 40) in der durch die Richtlinie 97/11/EG des Rates vom
         3. März 1997 (ABl. L 73, S. 5) geänderten Fassung (im Folgenden: Richtlinie 85/337)] aufgeführt sind, … können erhebliche
         Auswirkungen auf die Umwelt haben und sollten grundsätzlich systematischen Umweltprüfungen unterzogen werden. Wenn sie die
         Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen …, sollten sie nur dann geprüft werden, wenn die Mitgliedstaaten bestimmen,
         dass sie voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben.
      
      (11)      Andere Pläne und Programme, die den Rahmen für die künftige Genehmigung von Projekten setzen, haben möglicherweise nicht in
         allen Fällen erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und sollten nur dann geprüft werden, wenn die Mitgliedstaaten bestimmen,
         dass sie voraussichtlich derartige Auswirkungen haben.
      
      (12)      Bei derartigen Entscheidungen sollten die Mitgliedstaaten die in dieser Richtlinie enthaltenen einschlägigen Kriterien berücksichtigen.
      …
      (19)      Ergibt sich die Verpflichtung, eine Prüfung der Auswirkungen auf die Umwelt durchzuführen, sowohl aus dieser Richtlinie als
         auch aus anderen Rechtsvorschriften der Gemeinschaft, wie etwa der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über
         die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten [ABl. L 103, S. 1], der Richtlinie 92/43/EWG [des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung
         der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (ABl. L 206, S. 7)] oder der Richtlinie 2000/60/EG des
         Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft
         im Bereich der Wasserpolitik [ABl. L 337, S. 1], so können die Mitgliedstaaten zur Vermeidung von Mehrfachprüfungen koordinierte
         oder gemeinsame Verfahren vorsehen, die die Anforderungen der einschlägigen Rechtsvorschriften der Gemeinschaft erfüllen.“
      
      4        Gemäß Art. 1 der Richtlinie 2001/42 hat diese zum Ziel, im Hinblick auf die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung ein hohes
         Umweltschutzniveau sicherzustellen und dazu beizutragen, dass Umwelterwägungen bei der Ausarbeitung und Annahme von Plänen
         und Programmen einbezogen werden, indem dafür gesorgt wird, dass bestimmte Pläne und Programme, die voraussichtlich erhebliche
         Umweltauswirkungen haben, entsprechend dieser Richtlinie einer Umweltprüfung unterzogen werden.
      
      5        Art. 2 der Richtlinie 2001/42 bestimmt:
      
      „Im Sinne dieser Richtlinie bezeichnet der Ausdruck
      „a)      ‚Pläne und Programme‘ Pläne und Programme … sowie deren Änderungen,
      –      die von einer Behörde auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene ausgearbeitet und/oder angenommen werden oder die von
         einer Behörde für die Annahme durch das Parlament oder die Regierung im Wege eines Gesetzgebungsverfahrens ausgearbeitet werden
         und
      
      –      die aufgrund von Rechts- oder Verwaltungsvorschriften erstellt werden müssen;
      b)      ‚Umweltprüfung‘ die Ausarbeitung eines Umweltberichts, die Durchführung von Konsultationen, die Berücksichtigung des Umweltberichts
         und der Ergebnisse der Konsultationen bei der Entscheidungsfindung und die Unterrichtung über die Entscheidung gemäß den Artikeln
         4 bis 9;
      
      …“
      6        Art. 3 der Richtlinie 2001/42 lautet:
      
      „(1)      Die unter die Absätze 2 bis 4 fallenden Pläne und Programme, die voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben, werden
         einer Umweltprüfung nach den Artikeln 4 bis 9 unterzogen.
      
      (2)      Vorbehaltlich des Absatzes 3 wird eine Umweltprüfung bei allen Plänen und Programmen vorgenommen,
      a)      die in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, Energie, Industrie, Verkehr, Abfallwirtschaft, Wasserwirtschaft,
         Telekommunikation, Fremdenverkehr, Raumordnung oder Bodennutzung ausgearbeitet werden und durch die der Rahmen für die künftige
         Genehmigung der in den Anhängen I und II der Richtlinie 85/337/EWG aufgeführten Projekte gesetzt wird …
      
      …
      (3)      Die unter Absatz 2 fallenden Pläne und Programme, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, … bedürfen
         nur dann einer Umweltprüfung, wenn die Mitgliedstaaten bestimmen, dass sie voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben.
      
      …
      (5)      Die Mitgliedstaaten bestimmen entweder durch Einzelfallprüfung oder durch Festlegung von Arten von Plänen und Programmen oder
         durch eine Kombination dieser beiden Ansätze, ob die in den Absätzen 3 und 4 genannten Pläne oder Programme voraussichtlich
         erhebliche Umweltauswirkungen haben. Zu diesem Zweck berücksichtigen die Mitgliedstaaten in jedem Fall die einschlägigen Kriterien
         des Anhangs II, um sicherzustellen, dass Pläne und Programme, die voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben, von
         dieser Richtlinie erfasst werden.
      
      …“
      7        Art. 11 („Verhältnis zu anderen Gemeinschaftsvorschriften“) Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42 bestimmt:
      
      „(1)      Die Umweltprüfungen gemäß dieser Richtlinie lassen die Anforderungen der Richtlinie 85/337/EWG sowie anderer Rechtsvorschriften
         der Gemeinschaft unberührt.
      
      (2)      Bei Plänen und Programmen, bei denen sich die Verpflichtung, eine Prüfung der Umweltauswirkungen durchzuführen, sowohl aus
         dieser Richtlinie als auch aus anderen Rechtsvorschriften der Gemeinschaft ergibt, können die Mitgliedstaaten koordinierte
         oder gemeinsame Verfahren, die die Anforderungen der einschlägigen Rechtsvorschriften der Gemeinschaft erfüllen, vorsehen,
         unter anderem, um Mehrfachprüfungen zu vermeiden.“
      
      8        Anhang II der Richtlinie 2001/42 nennt Kriterien für die Bestimmung der voraussichtlichen Erheblichkeit von Umweltauswirkungen
         im Sinne des Art. 3 Abs. 5 dieser Richtlinie.
      
       Richtlinie 85/337
      9        Nach Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 85/337 werden die Projekte ihres Anhangs I vorbehaltlich der Ausnahmefälle gemäß Art. 2
         Abs. 3 der Richtlinie einer Prüfung unterzogen.
      
      10      Anhang I Nr. 17 der Richtlinie 85/337 betrifft Anlagen zur Intensivhaltung oder ‑aufzucht von Schweinen mit mehr als 3 000
         Plätzen für Mastschweine.
      
      11      Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 85/337 lautet:
      
      „Bei Projekten des Anhangs II bestimmen die Mitgliedstaaten vorbehaltlich des Artikels 2 Absatz 3 anhand
      a)      einer Einzelfalluntersuchung
      oder
      b)      der von den Mitgliedstaaten festgelegten Schwellenwerte bzw. Kriterien,
      ob das Projekt einer Prüfung gemäß den Artikeln 5 bis 10 unterzogen werden muss.
      Die Mitgliedstaaten können entscheiden, beide unter den Buchstaben a) und b) genannten Verfahren anzuwenden.“
       Nationales Recht
       Umweltschutzgesetz
      12      Nach Art. 1 Abs. 10, 17 und 18 des litauischen Gesetzes über den Umweltschutz (Aplinkos apsaugos įstatymas) in der durch das
         Gesetz vom 19. Februar 2004 (Žin., 2004, Nr. 36-1179) geänderten Fassung (im Folgenden: Umweltschutzgesetz) gelten im Rahmen
         dieses Gesetzes folgende Definitionen:
      
      „(10) [E]ine Umweltverträglichkeitsprüfung [ist] ein Verfahren, mit dem die möglichen Auswirkungen einer geplanten wirtschaftlichen Betätigung auf die Umwelt festgestellt,
         definiert und bewertet werden;
      
      …
      (17)      [E]ine strategische Umweltprüfung [ist] ein Verfahren, mit dem mögliche, sich aus der Durchführung bestimmter Pläne und Programme ergebende Folgen für die
         Umwelt festgestellt, definiert und bewertet werden, in dessen Verlauf die strategische Umweltprüfung dokumentiert wird, Beratungen
         durchgeführt werden, die Ergebnisse der Prüfungen und Beratungen vor dem Erlass und/oder der Bestätigung von Plänen und Programmen
         zu berücksichtigen sind und über Entscheidungen betreffend den Erlass und/oder die Bestätigung von Plänen oder Programmen
         unterrichtet wird;
      
      (18)      Pläne und Programme sind Planungsdokumente mit Bezug zur Planung auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene (… Raumplanungsdokumente, …),
         die nach geltenden Gesetzen oder aufgrund der Durchführungsbefugnisse der öffentlichen Verwaltung aufgestellt, bestätigt bzw.
         erlassen werden und aus deren Durchführung sich erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt ergeben können, einschließlich an solchen
         Plänen oder Programmen im Ganzen oder teilweise vorgenommene Änderungen.“
      
      13      Art. 27 Abs. 1 dieses Gesetzes sieht vor, dass Pläne und Programme, deren Durchführung erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt
         haben kann, nach diesem und anderen Gesetzen und Rechtsvorschriften über strategische Umweltprüfungen, Raumplanung und Umweltüberwachung
         aufzustellen sind.
      
       Raumplanungsgesetz
      14      Bei Detailplänen wie den im Ausgangsverfahren in Rede stehenden handelt es sich gemäß Art. 4 Abs. 3 Nr. 4 des Raumplanungsgesetzes
         (Teritorijų planavimo įst atymas) in der durch das Gesetz vom 15. Januar 2004 (Žin., 2004, Nr. 21-617) geänderten Fassung
         (im Folgenden: Raumplanungsgesetz) um Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene.
      
      15      Nach Art. 25 Abs. 4 dieses Gesetzes ist im Fall der Aufstellung eines Detailplans eine strategische Umweltprüfung zu den mit
         dem Planungsdokument verbundenen Entscheidungen nur dann durchzuführen, wenn dies gesetzlich oder durch andere Rechtsvorschriften
         vorgeschrieben ist.
      
       Verordnung Nr. 967 vom 18. August 2004
      16      Die Richtlinie 2001/42 wurde insbesondere durch die Verordnung Nr. 967 der Regierung der Republik Litauen vom 18. August 2004
         zur Festlegung des Rahmens strategischer Umweltprüfungen für Pläne und Programme (Nutarimas dėl planų ir programų strateginio
         pasekmių aplinkai vertinimo tvarkos aprašo patvirtinimo, Žin., 2004, Nr. 130-4650) (im Folgenden: durch die Verordnung Nr. 967
         festgelegter Rahmen) in litauisches Recht umgesetzt.
      
      17      Nach Ziff. 7.1 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens muss eine strategische Umweltprüfung dann durchgeführt
         werden, wenn Pläne und Programme für eine Flächennutzung oder für die Raumplanung aufgestellt werden und die Grundlage für
         die Durchführung von Projekten festlegen, die bestimmte wirtschaftliche Tätigkeiten betreffen, die in den Anhängen 1 und 2
         des Gesetzes der Republik Litauen über Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante wirtschaftliche Betätigungen (Planuojamos
         ūkinės veiklos poveikio aplinkai vertinimo įstatymas) in der durch das Gesetz vom 21. Juni 2005 (Žin., 2005, Nr. 84-3105)
         geänderten Fassung (im Folgenden: Gesetz über Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante wirtschaftliche Betätigungen) aufgeführt
         sind.
      
      18      Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens sieht jedoch vor, dass dieser auf die Erstellung und Genehmigung
         von „Raumplanungsdokumenten, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen“, keine Anwendung findet.
      
      19      Die Verordnung Nr. 967 vom 18. August 2004 wurde durch die Verordnung Nr. 467 der Regierung der Republik Litauen vom 27. April
         2011 (Žin., 2011, Nr. 50) aufgehoben, die Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens mit Wirkung ab 1.
         Mai 2011 aufhob.
      
       Gesetz über Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante wirtschaftliche Betätigungen
      20      Das Gesetz über Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante wirtschaftliche Betätigungen dient insbesondere zur Umsetzung
         der Richtlinie 85/337.
      
      21      In Ziff. 1.1 des Anhangs 1 dieses Gesetzes werden u. a. „Schweinezuchtbetriebe (ab 900 Sauen; ab 3 000 Schweine ohne Sauen)“
         genannt.
      
       Ausgangsverfahren und Vorlagefragen
      22      Mit Entscheidung vom 24. März 2005 genehmigte die Gemeindeverwaltung des Bezirks Pakruojas den vom Unternehmen Saerimner UAB
         beantragten Bau von bis zu elf Gebäudekomplexen für Schweinezuchtbetriebe im Bezirk Pakruojas.
      
      23      Am 23. Februar 2006 erteilte die Gemeindeverwaltung des Bezirks Pakruojas den Unternehmen Sofita UAB und Oltas UAB, Tochtergesellschaften
         von Saerimner UAB, die Genehmigung, die Erstellung von Detailplänen für den Bau von zwei Gebäudekomplexen zur Intensivhaltung
         von 4 000 Schweinen an zwei Orten in der Nähe der im Bezirk Pakruojas liegenden Gemeinde Klovainiai in Auftrag zu geben.
      
      24      Mit Entscheidungen vom 23. März und 20. April 2006 genehmigte die Gemeindeverwaltung des Bezirks Pakruojas diese Detailpläne,
         in denen die Errichtung dieser Gebäudekomplexe mit einer Kapazität für 4 000 Schweine und einem Güllespeicher mit einem Fassungsvermögen
         von 10 000 m3 sowie die Flächennutzung der beiden für die Gebäudekomplexe vorgesehenen Grundstücke auf die gleiche Weise geregelt sind.
      
      25      Mit den genannten Detailplänen wurde die Flächennutzung der Grundstücke auf lokaler Ebene festgelegt. Gemäß Art. 4 Abs. 3
         Nr. 4 des Raumplanungsgesetzes handelt es sich bei derartigen Detailplänen um Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene.
      
      26      Die Kläger des Ausgangsverfahrens stellten beim Šiaulių apygardos administracinis teismas (regionales Verwaltungsgericht Šiauliai)
         die Rechtmäßigkeit dieser beiden Genehmigungen in Frage, indem sie geltend machten, dass die zuständigen Behörden eine strategische
         Umweltprüfung im Sinne von Art. 1 Abs. 17 des Umweltschutzgesetzes hätten durchführen müssen.
      
      27      Mit Urteil vom 21. Februar 2009 wies das genannte Gericht die Klage als unbegründet ab.
      
      28      Es stellte fest, dass die strategische Umweltprüfung nach dem nationalen Recht, insbesondere nach Ziff. 3.4 des durch die
         Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens, nicht für Raumplanungsdokumente durchzuführen sei, die sich – wie die beiden fraglichen
         Detailpläne – auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung bezögen.
      
      29      Im vorliegenden Fall sei, wie geschehen, allein das Gesetz über Umweltverträglichkeitsprüfungen für geplante wirtschaftliche
         Betätigungen anzuwenden. Deshalb sei für die von den betreffenden Unternehmen vorgesehene wirtschaftliche Tätigkeit lediglich
         eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach Art. 1 Abs. 10 des Umweltschutzgesetzes durchgeführt worden.
      
      30      Das genannte Gericht wies daher das Vorbringen der Kläger des Ausgangsverfahrens zurück, wonach auch eine strategische Umweltprüfung
         hätte durchgeführt werden müssen.
      
      31      Mit ihrem beim vorlegenden Gericht eingelegten Rechtsmittel machen die Kläger des Ausgangsverfahrens geltend, dass nach Art. 16
         des Raumplanungsgesetzes die für die Raumplanung verantwortlichen Entscheidungsträger in dem Fall, dass keine Planungsdokumente
         zur allgemeinen Raumplanung vorlägen, vor dem Bau eines Projekts verpflichtet seien, einen Plan zu erstellen und für dieses
         Projekt eine strategische Umweltprüfung durchzuführen.
      
      32      Hinsichtlich Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens sind sie der Auffassung, dass die durch die Entscheidungen
         vom 23. März und 20. April 2006 genehmigten Pläne nicht als Pläne anzusehen seien, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher
         Betätigung im Sinne des nationalen Rechts bezögen. Dies entspreche nicht den Tatsachen, und demzufolge hätte eine strategische
         Umweltprüfung durchgeführt werden müssen.
      
      33      Nach Ansicht des vorlegenden Gerichts war nach der zum maßgeblichen Zeitpunkt geltenden nationalen Regelung die Durchführung
         einer strategischen Umweltprüfung für die beiden in Rede stehenden Pläne nicht geboten. Das Gericht ist sich jedoch nicht
         sicher, ob diese Regelung, die zur Umsetzung der Richtlinie 2001/42 dient, mit dieser Richtlinie vereinbar ist.
      
      34      Vor diesem Hintergrund hat das Vyriausiasis administracinis teismas (Oberstes Verwaltungsgericht) das Verfahren ausgesetzt
         und dem Gerichtshof folgende Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt:
      
      1.      Kann die Bestimmung, wonach eine strategische Umweltprüfung für Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene, in deren detaillierten
         Schlussfolgerungen nur ein Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung erwähnt wird, nicht durchgeführt werden muss, wie sie in
         den Rechtsvorschriften der Republik Litauen, u. a. in Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens enthalten
         ist, als eine Festlegung von Arten von Plänen und Programmen im Sinne von Art. 3 Abs. 5 der Richtlinie 2001/42 angesehen werden?
      
      2.      Sind die im vorliegenden Fall anwendbaren Vorschriften des nationalen Rechts, wonach – ohne dass in jedem Einzelfall feststeht,
         ob es potenziell erhebliche Umweltfolgen gibt – eine strategische Umweltprüfung für auf kleine Grundflächen bezogene Raumplanungsdokumente
         auf lokaler Ebene bereits dann nicht durchgeführt werden muss, wenn sich diese Planungsdokumente auf nur einen Gegenstand
         wirtschaftlicher Betätigung beziehen, mit den Anforderungen gemäß Art. 3 Abs. 2 Buchst. a, 3 und 5 der Richtlinie 2001/42
         vereinbar?
      
      3.      Sind die Bestimmungen der Richtlinie 2001/42 einschließlich ihres Art. 11 Abs. 1 dahin auszulegen, dass die Richtlinie 2001/42
         unter bestimmten Umständen wie den im vorliegenden Fall gegebenen, in dem eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach der Richtlinie
         85/337 durchgeführt wurde, nicht anwendbar ist?
      
      4.      Umfasst der Anwendungsbereich von Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 die Richtlinie 85/377?
      5.      Wenn Frage 4 zu bejahen ist: Folgt aus der vorherigen Durchführung einer Prüfung nach der Richtlinie 85/337, dass die Verpflichtung
         zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung nach der Richtlinie 2001/42 in einer Situation wie der im vorliegenden
         Fall gegebenen zu einer Mehrfachprüfung im Sinne von Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 führt?
      
      6.      Wenn Frage 5 zu bejahen ist: Ergibt sich aus der Richtlinie 2001/42 einschließlich ihres Art. 11 Abs. 2 eine Verpflichtung
         der Mitgliedstaaten, im nationalen Recht kombinierte oder koordinierte Verfahren gemäß den Richtlinien 2001/42 und 85/337
         vorzusehen, um Mehrfachprüfungen zu vermeiden?
      
       Zu den Vorlagefragen 
       Zur den Fragen 1 und 2 
      35      Zunächst ist der Vorlageentscheidung zu entnehmen, dass es sich bei den im Ausgangsverfahren in Rede stehenden „Detailplänen“
         um „Raumplanungsdokumente auf lokaler Ebene“ im Sinne der Ziff. 3.4 und 7.1 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten
         Rahmens handelt. Diese Dokumente stellen „Pläne und Programme“ im Sinne von Art. 1 Abs. 18 des Umweltschutzgesetzes dar. Die
         im Ausgangsverfahren beanstandeten Pläne wurden vor Erstellung der Planungsdokumente zur allgemeinen Raumplanung genehmigt.
      
      36      Angesichts dieser Vorbemerkungen ist festzustellen, dass das vorlegende Gericht mit seinen ersten beiden Fragen, die zusammen
         zu prüfen sind, wissen möchte, ob Art. 3 Abs. 2 Buchst. a, 3 und 5 der Richtlinie 2001/42 dahin auszulegen ist, dass er einer
         nationalen Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, wonach eine Prüfung nach der genannten Richtlinie
         dann nicht durchgeführt werden muss, wenn sich die Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, auf
         nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen.
      
      37      Das Hauptziel der Richtlinie 2001/42 besteht gemäß ihrem Art. 1 darin, dass Pläne und Programme, die voraussichtlich erhebliche
         Umweltauswirkungen haben, bei ihrer Ausarbeitung und vor ihrer Annahme einer Umweltprüfung unterzogen werden.
      
      38      Zunächst ist festzustellen, dass Pläne wie die im Ausgangsverfahren beanstandeten solche im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Buchst. a
         der Richtlinie 2001/42 sind, für die vorbehaltlich des Abs. 3 dieser Vorschrift eine Umweltprüfung durchgeführt werden muss,
         und dass sie, wie der Vorlageentscheidung zu entnehmen ist, konkret den Rahmen für die künftige Genehmigung von Projekten
         festlegen, wie sie in Anhang I Nr. 17 der Richtlinie 85/337 genannt sind.
      
      39      Art. 3 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 2001/42 ist in diesem Zusammenhang dahin auszulegen, dass er auch einen Plan erfasst,
         der innerhalb eines einzelnen Bereichs den Rahmen für ein Projekt festlegt, das sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher
         Betätigung bezieht.
      
      40      Der Wortlaut von Art. 3 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 2001/42 lässt in Anbetracht des zehnten Erwägungsgrundes dieser Richtlinie
         nicht darauf schließen, dass sich sein Anwendungsbereich auf Pläne und Programme beschränkt, die den Rahmen für Projekte festlegen,
         die sich auf mehrere Gegenstände in einem oder mehreren in dieser Vorschrift aufgeführten Bereichen beziehen.
      
      41      Im Übrigen bestätigt die in dem genannten Erwägungsgrund enthaltene Wendung „[a]lle Pläne und Programme, die für eine Reihe
         von Bereichen ausgearbeitet werden“, dass sich Art. 3 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie auf alle Pläne und Programme bezieht,
         die für die in ihm erwähnten einzelnen Bereiche – einschließlich des Bereichs der landwirtschaftlichen Raumordnung allein
         – erstellt werden, und nicht nur auf Pläne und Programme, die gleichzeitig für mehrere dieser Bereiche erstellt werden.
      
      42      Da die betreffenden Bereiche sehr weit sind, hätte jede andere Auslegung zur Folge, dass der Anwendungsbereich der genannten
         Vorschrift stark eingeschränkt würde, so dass das Hauptziel der Richtlinie 2001/42 in Frage gestellt würde. Eine derartige
         Auslegung würde dazu führen, dass Großprojekte, die sich auf nur eine einzige wirtschaftliche Betätigung beziehen, möglicherweise
         nicht mehr unter diese Richtlinie fallen.
      
      43      Außerdem könnten die im Ausgangsverfahren in Rede stehenden Pläne unter Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2001/42 fallen, wonach
         Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, nur dann einer Umweltprüfung bedürfen, wenn die Mitgliedstaaten
         „bestimmen, dass sie voraussichtlich erhebliche Umweltauswirkungen haben“.
      
      44      Die Mitgliedstaaten bestimmen gemäß Art. 3 Abs. 5 der Richtlinie 2001/42 in Bezug auf Pläne wie die im Ausgangsverfahren fraglichen
         entweder durch Einzelfallprüfung oder durch Festlegung von Arten von Plänen und Programmen, ob die genannten Pläne voraussichtlich
         erhebliche Umweltauswirkungen haben, die eine Umweltprüfung nach dieser Richtlinie erfordern. Nach dieser Vorschrift können
         die Mitgliedstaaten auch entscheiden, die beiden Ansätze zu kombinieren.
      
      45      Dazu ist zu bemerken, dass die Mechanismen für eine Überprüfung der in Art. 3 Abs. 5 der Richtlinie 2001/42 genannten Pläne
         dazu dienen, die Pläne zu bestimmen, die geprüft werden müssen, weil sie voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt
         haben.
      
      46      Das den Mitgliedstaaten nach Art. 3 Abs. 5 der Richtlinie 2001/42 eingeräumte Ermessen bei der Beurteilung, ob bestimmte Arten
         von Plänen voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt haben, wird durch die Verpflichtung nach Art. 3 Abs. 3 in
         Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 dieser Richtlinie eingeschränkt, Pläne, bei denen insbesondere aufgrund ihrer Merkmale, ihrer
         Auswirkungen und der voraussichtlich betroffenen Gebiete mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen ist, einer
         Umweltprüfung zu unterziehen.
      
      47      Wenn daher ein Mitgliedstaat ein Kriterium so festlegte, dass in der Praxis eine ganze Kategorie von Plänen von vornherein
         einer Umweltprüfung entzogen würde, würde er das ihm nach Art. 3 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 2 und 3 der Richtlinie
         2001/42 eingeräumte Ermessen überschreiten, sofern nicht aufgrund von einschlägigen Kriterien bezüglich aller ausgenommenen
         Pläne – insbesondere z. B. im Hinblick auf deren Gegenstand, den Umfang des Gebiets, auf das sie sich beziehen, oder die Belastbarkeit
         der betroffenen Landschaften – davon auszugehen ist, dass bei ihnen nicht mit erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt zu rechnen
         ist (vgl. in diesem Sinne zu dem Ermessen, das den Mitgliedstaaten nach Art. 4 Abs. 2 der Richtlinie 85/337 eingeräumt ist,
         Urteil vom 16. Juli 1999, Kommission/Irland, C‑427/07, Slg. 1999, I‑6277, Randnr. 42 und die dort angeführte Rechtsprechung).
      
      48      Bei dem Kriterium, nach dem sich das fragliche Raumplanungsdokument auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung bezieht,
         ist das nicht der Fall. Abgesehen davon, dass ein solches Kriterium gegen Art. 3 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 2001/42 verstoßen
         würde, würde es auch nicht ermöglichen, zu beurteilen, ob ein Plan „erhebliche Auswirkungen“ auf die Umwelt hat.
      
      49      Der wenig präzise Wortlaut von Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens könnte darüber hinaus zu Problemen
         führen, den Umfang der Kategorie von Plänen klar zu bestimmen, die von den zuständigen Behörden als Pläne angesehen werden
         könnten, die „sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen“.
      
      50      Eine nationale Vorschrift wie diese Ziff. 3.4 führt jedoch dazu, dass alle Pläne, die sich auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher
         Betätigung beziehen, wie die Gebäudekomplexe für Schweinemast nach Anhang I Nr. 17 der Richtlinie 85/337, von einer Umweltprüfung
         nach Art. 1 Abs. 17 des Umweltschutzgesetzes ausgenommen sind, obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich bei einer
         Prüfung von Plänen, die unter eine derartige Vorschrift fallen, herausstellen würde, dass sie erhebliche Auswirkungen auf
         die Umwelt haben.
      
      51      Man kann daher nicht aufgrund einer Gesamtbeurteilung davon ausgehen, dass bei keinem der Pläne, die nach einer nationalen
         Vorschrift wie Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens ausgenommen sind, mit erheblichen Auswirkungen
         auf die Umwelt zu rechnen ist.
      
      52      Selbst wenn mehrere Pläne in den Anwendungsbereich einer derartigen Vorschrift fallen sollten, ohne erhebliche Auswirkungen
         auf die Umwelt zu haben, kann im Übrigen ohne eine Gesamtbeurteilung nicht davon ausgegangen werden, dass das Gleiche auch
         für die kumulativen Auswirkungen dieser Pläne gilt.
      
      53      Schließlich ist festzustellen, dass Regeln wie die in Ziff. 3.4 des durch die Verordnung Nr. 967 festgelegten Rahmens nicht
         nur das Ziel der Richtlinie 2001/42 und insbesondere deren Art. 3 Abs. 2, 3 und 5, der bezweckt, dass kein Plan, der voraussichtlich
         erhebliche Umweltauswirkungen hat, der Umweltprüfung entzogen wird, in Frage stellen, sondern nicht einmal gewährleisten,
         dass die zuständigen Behörden die in Anhang II der Richtlinie 2001/42 festgelegten Kriterien berücksichtigen, wie Art. 3 Abs. 5
         Satz 2 der Richtlinie 2001/42 ausdrücklich vorschreibt, um sicherzustellen, dass alle Pläne, die voraussichtlich erhebliche
         Umweltauswirkungen haben, von der Richtlinie erfasst werden.
      
      54      Demzufolge ist auf die Fragen 1 und 2 zu antworten, dass Art. 3 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2001/42
         dahin auszulegen ist, dass er einer nationalen Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die derart
         allgemein und ohne Einzelfallprüfung vorsieht, dass eine Prüfung nach dieser Richtlinie dann nicht durchgeführt werden muss,
         wenn sich die Pläne, die die Nutzung kleiner Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher
         Betätigung beziehen.
      
       Zu den Fragen 3 bis 5
      55      Das vorlegende Gericht möchte mit diesen Fragen, die zusammen zu prüfen sind, wissen, ob Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie
         2001/42 dahin auszulegen ist, dass eine nach der Richtlinie 85/337 durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung von der Verpflichtung
         entbindet, eine Umweltprüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 durchzuführen.
      
      56      Zur Beantwortung dieser Frage ist daran zu erinnern, dass der Vorlageentscheidung zufolge bei der Erstellung der im Ausgangsverfahren
         beanstandeten Detailpläne keine Prüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 durchgeführt wurde.
      
      57      Nach dem Wortlaut von Art. 11 Abs. 1 der Richtlinie 2001/42 lassen Umweltprüfungen gemäß dieser Richtlinie die Anforderungen
         der Richtlinie 85/337 unberührt.
      
      58      Demzufolge ist zusätzlich zu einer Umweltprüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 eine Prüfung nach der Richtlinie 85/337 vorzunehmen,
         wenn dies nach deren Vorschriften geboten ist.
      
      59      Ebenso hat eine nach der Richtlinie 85/337 durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung keinen Einfluss auf die nach der Richtlinie
         2001/42 geltenden Anforderungen und entbindet nicht von der Pflicht zur Durchführung der Umweltprüfung, die nach der letztgenannten
         Richtlinie vorgeschrieben ist, um ihren spezifischen Umweltaspekten Rechnung zu tragen.
      
      60      Da sich die nach den Richtlinien 2001/42 und 85/337 durchgeführten Prüfungen in verschiedener Hinsicht unterscheiden, müssen
         die Anforderungen der beiden Richtlinien kumulativ angewandt werden.
      
      61      Dazu ist zu bemerken, dass sich in dem Fall, dass der betroffene Mitgliedstaat ein koordiniertes oder gemeinsames Verfahren
         vorgesehen hat, aus Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 ergibt, dass im Rahmen eines solchen Verfahrens sicherzustellen
         ist, dass die Umweltprüfung im Einklang mit sämtlichen in den einschlägigen Richtlinien vorgesehenen Vorschriften durchgeführt
         wurde.
      
      62      Es ist unter diesen Umständen Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob die im Ausgangsverfahren nach der Richtlinie 85/337
         durchgeführte Prüfung als Ausdruck eines koordinierten oder gemeinsamen Verfahrens aufgefasst werden kann und ob dieses bereits
         sämtliche Anforderungen der Richtlinie 2001/42 umfasst. Sollte das der Fall sein, bestünde keine Verpflichtung zur Durchführung
         einer erneuten Prüfung nach der letztgenannten Richtlinie.
      
      63      Nach alledem ist auf die Fragen 3 bis 5 zu antworten, dass Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42 dahin auszulegen ist,
         dass eine nach der Richtlinie 85/337 durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung nicht von der Verpflichtung entbindet, eine
         Umweltprüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 durchzuführen. Es ist jedoch Sache des vorlegenden Gerichts, zu prüfen, ob eine
         nach der Richtlinie 85/337 durchgeführte Prüfung als Ausdruck eines koordinierten oder gemeinsamen Verfahrens aufgefasst werden
         kann und ob dieses bereits sämtliche Anforderungen der Richtlinie 2001/42 umfasst. Sollte das der Fall sein, bestünde keine
         Verpflichtung zur Durchführung einer erneuten Prüfung nach der letztgenannten Richtlinie.
      
       Zu Frage 6
      64      Das vorlegende Gericht möchte mit dieser Frage wissen, ob Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 dahin auszulegen ist, dass
         er die Mitgliedstaaten verpflichtet, in ihrer innerstaatlichen Rechtsordnung koordinierte oder gemeinsame Verfahren vorzusehen,
         die die Anforderungen der Richtlinien 2001/42 und 85/337 erfüllen.
      
      65      Die Mitgliedstaaten sind bereits nach dem Wortlaut von Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 und ihrem 19. Erwägungsgrund
         keineswegs verpflichtet, für Pläne und Programme, für die sich sowohl aus der Richtlinie 2001/42 als auch aus anderen Richtlinien
         die Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung ergibt, koordinierte oder gemeinsame Verfahren vorzusehen.
      
      66      Daher ist auf die sechste Frage zu antworten, dass Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 dahin auszulegen ist, dass er die
         Mitgliedstaaten nicht verpflichtet, in ihrer innerstaatlichen Rechtsordnung koordinierte oder gemeinsame Verfahren vorzusehen,
         die die Anforderungen der Richtlinien 2001/42 und 85/337 erfüllen.
      
       Kosten
      67      Für die Parteien des Ausgangsverfahrens ist das Verfahren ein Zwischenstreit in dem bei dem vorlegenden Gericht anhängigen
         Rechtsstreit; die Kostenentscheidung ist daher Sache dieses Gerichts. Die Auslagen anderer Beteiligter für die Abgabe von
         Erklärungen vor dem Gerichtshof sind nicht erstattungsfähig.
      
      Aus diesen Gründen hat der Gerichtshof (Vierte Kammer) für Recht erkannt:
      1.      Art. 3 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2001/42/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27.
            Juni 2001 über die Prüfung der Umweltauswirkungen bestimmter Pläne und Programme ist dahin auszulegen, dass er einer nationalen
            Regelung wie der im Ausgangsverfahren fraglichen entgegensteht, die derart allgemein und ohne Einzelfallprüfung vorsieht,
            dass eine Prüfung nach dieser Richtlinie dann nicht durchgeführt werden muss, wenn sich die Pläne, die die Nutzung kleiner
            Gebiete auf lokaler Ebene festlegen, auf nur einen Gegenstand wirtschaftlicher Betätigung beziehen.
      2.      Art. 11 Abs. 1 und 2 der Richtlinie 2001/42 ist dahin auszulegen, dass eine nach der Richtlinie 85/337/EWG des Rates vom 27.
            Juni 1985 über die Umweltverträglichkeitsprüfung bei bestimmten öffentlichen und privaten Projekten in der durch die Richtlinie
            97/11/EG des Rates vom 3. März 1997 geänderten Fassung durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung nicht von der Verpflichtung
            entbindet, eine Umweltprüfung gemäß der Richtlinie 2001/42 durchzuführen. Es ist jedoch Sache des vorlegenden Gerichts, zu
            prüfen, ob eine nach der Richtlinie 85/337 in ihrer geänderten Fassung durchgeführte Prüfung als Ausdruck eines koordinierten
            oder gemeinsamen Verfahrens aufgefasst werden kann und ob dieses bereits sämtliche Anforderungen der Richtlinie 2001/42 umfasst.
            Sollte das der Fall sein, bestünde keine Verpflichtung zur Durchführung einer erneuten Prüfung nach der letztgenannten Richtlinie.
      3.      Art. 11 Abs. 2 der Richtlinie 2001/42 ist dahin auszulegen, dass er die Mitgliedstaaten nicht verpflichtet, in ihrer innerstaatlichen
            Rechtsordnung koordinierte oder gemeinsame Verfahren vorzusehen, die die Anforderungen der Richtlinie 2001/42 und der Richtlinie
            85/337 in deren geänderter Fassung erfüllen.
      Unterschriften
      * Verfahrenssprache: Litauisch.