CELEX: 31991L0676
Language: de
Date: 1991-12-12 00:00:00
Title: Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991 zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen

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31991L0676

Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991 zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen  

Amtsblatt Nr. L 375 vom 31/12/1991 S. 0001 - 0008 Finnische Sonderausgabe: Kapitel 15 Band 10 S. 0192  Schwedische Sonderausgabe: Kapitel 15 Band 10 S. 0192 

RICHTLINIE DES RATES vom 12.  Dezember 1991 zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen  Quellen (91/676/EWG) DER RAT DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN - gestützt auf den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, insbesondere auf  Artikel 130s, auf Vorschlag der Kommission (1), nach Stellungnahme des Europäischen Parlaments (2), nach Stellungnahme des Wirtschafts- und Sozialausschusses (3), in Erwägung nachstehender Gründe: Der Nitratgehalt der Gewässer nimmt in bestimmten Gebieten der Mitgliedstaaten zu und ist bereits  hoch im Vergleich zu den Normen der Richtlinie 75/440/EWG des Rates vom 16. Juni 1975 über die  Qualitätsanforderungen an Oberflächenwasser für die Trinkwassergewinnung in den Mitgliedstaaten  (4), geändert durch die Richtlinie 79/869/EWG (5), und der Richtlinie 80/778/EWG des Rates vom 15.  Juli 1980 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (6), zuletzt geändert durch  die Beitrittsakte von 1985. Im Vierten Aktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaften für den Umweltschutz (7) heisst es, daß  die Kommission beabsichtigt, einen Vorschlag für eine Richtlinie über die Überwachung und  Verringerung der Gewässerverschmutzung aufgrund des Ausbringens oder Ableitens von  Tierhaltungsabfällen und der übermässigen Verwendung von Düngemitteln vorzulegen. In der im Grünbuch der Kommission der Europäischen Gemeinschaften mit dem Titel "Perspektiven für  die gemeinsame Agrarpolitik" dargelegten Reform der gemeinsamen Agrarpolitik wird festgestellt, daß  die Verwendung von stickstoffhaltigen Düngemitteln und Dung für die Landwirtschaft der Gemeinschaft  zwar erforderlich ist, die übermässige Verwendung von Düngemitteln aber eine Gefahr für die Umwelt  darstellt, so daß gemeinsame Maßnahmen zur Bewältigung der Probleme aufgrund der intensiven  Viehwirtschaft ergriffen werden müssen und daß die Agrarpolitik die Umweltpolitik stärker  berücksichtigen muß. In der Entschließung des Rates vom 28. Juni 1988 über den Schutz der Nordsee und anderer Gewässer  in der Gemeinschaft (8) wird die Kommission aufgefordert, Vorschläge für Maßnahmen auf  Gemeinschaftsebene zu unterbreiten. Die Verschmutzung der Gewässer der Gemeinschaft aus diffusen Quellen wird hauptsächlich durch  Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursacht. Zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der lebenden Ressourcen und Ökosysteme der Gewässer  sowie zur Sicherung sonstiger rechtmässiger Nutzungen der Gewässer ist es deshalb notwendig, die  durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte oder ausgelöste Gewässerverunreinigung zu  reduzieren und einer weiteren Verunreinigung vorzubeugen. Hierzu ist es wichtig, Maßnahmen  betreffend die Lagerung und das Ausbringen sämtlicher Stickstoffverbindungen auf  landwirtschaftlichen Flächen sowie hinsichtlich bestimmter Bewirtschaftungsmethoden zu ergreifen. Die Gewässerverunreinigung durch Nitrat in einem Mitgliedstaat kann sich auf die Gewässer in  anderen Mitgliedstaaten auswirken, weshalb gemäß Artikel 130r Maßnahmen auf Gemeinschaftsebene  notwendig sind. Durch die Förderung einer guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft können die Mitgliedstaaten  künftig für alle Gewässer einen allgemeinen Schutz vor Verunreinigung gewährleisten. Bestimmte Einzugsgebiete von Gewässern, die von der Verschmutzung durch Stickstoffverbindungen  bedroht sind, benötigen einen besonderen Schutz. Die Mitgliedstaaten müssen die gefährdeten Gebiete ausweisen und die notwendigen Aktionsprogramme  aufstellen und durchführen, um die Gewässerverunreinigungen durch Stickstoffverbindungen in diesen  gefährdeten Gebieten zu verringern. Solche Aktionsprogramme sollten Maßnahmen umfassen, mit denen das Ausbringen jeglicher Art von  stickstoffhaltigen Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Flächen begrenzt und insbesondere  spezifische Grenzwerte für das Ausbringen von Dung festgelegt werden. Es ist erforderlich, die Gewässer zu überwachen und bestimmte Referenzmethoden zur Messung von  Stickstoffverbindungen anzuwenden, um die Wirksamkeit der Maßnahmen zu gewährleisten. In einigen Mitgliedstaaten sind die hydrogeologischen Verhältnisse so beschaffen, daß es Jahre  dauern kann, bis Schutzmaßnahmen zu einer Verbesserung der Wasserqualität führen. Es sollte ein Ausschuß eingesetzt werden, der die Kommission in Fragen der Durchführung dieser  Richtlinie und ihrer Anpassung an den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt unterstützt. Die Mitgliedstaaten sollten Berichte über die Durchführung dieser Richtlinie erstellen und diese  der Kommission vorlegen. Die Kommission sollte regelmässig über die Durchführung dieser Richtlinie in den Mitgliedstaaten  Bericht erstatten - HAT FOLGENDE RICHTLINIE ERLASSEN: Artikel 1 Diese Richtlinie hat zum Ziel, - die durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verursachte oder ausgelöste  Gewässerverunreinigung zu verringern und - weiterer Gewässerverunreinigung dieser Art vorzubeugen. Artikel 2 Im Sinne dieser Richtlinie bedeutet: a) Grundwasser: alles unterirdische Wasser in der Sättigungszone, das in unmittelbarer Berührung  mit dem Boden oder dem Untergrund steht; b) Süßwasser: natürlich vorkommendes Wasser mit geringer Salzkonzentration, das häufig zur  Gewinnung und Aufbereitung von Trinkwasser geeignet erscheint; c) Stickstoffverbindung: jeder stickstoffhaltige Stoff, ausgenommen gasförmiger  Molekularstickstoff; d) Tiere: alle Tiere, die zu Nutzzwecken oder zu gewerblichen Zwecken gehalten werden; e) Düngemittel: jeder Stoff, der eine oder mehrere Stickstoffverbindungen enthält und auf den Boden  zur Förderung des Pflanzenwachstums ausgebracht wird; hierunter können auch Dung, Abfälle aus  Fischzuchtanlagen und Klärschlamm fallen; f) Mineraldünger: alle industriell hergestellten Düngemittel; g) Dung: tierische Ausscheidungen oder eine Mischung aus Einstreu und tierischen Ausscheidungen,  auch in verarbeiteter Form; h) Ausbringen: Aufbringen von Stoffen auf den Boden, entweder durch Verteilen auf den Boden,  Einspritzen in den Boden, Einbringen unter die Oberfläche oder Vermischen mit dem Oberboden; i) Eutrophierung: Anreicherung des Wassers mit Stickstoffverbindungen, die zu einem vermehrten  Wachstum von Algen und höheren Formen des pflanzlichen Lebens und damit zu einer unerwünschten  Beeinträchtigung des biologischen Gleichgewichts und der Qualität des betroffenen Gewässers führt; j) Verunreinigung: direkte oder indirekte Ableitung von Stickstoffverbindungen aus  landwirtschaftlichen Quellen in Gewässer, wenn dadurch die menschliche Gesundheit gefährdet, die  lebenden Bestände und das Ökosystem der Gewässer geschädigt, Erholungsmöglichkeiten beeinträchtigt  oder die sonstige rechtmässige Nutzung der Gewässer behindert werden; k) gefährdete Gebiete: gemäß Artikel 3 Absatz 2 ausgewiesene Flächen. Artikel 3 (1)  Gewässer, die von Verunreinigung betroffen sind, und Gewässer, die von  Verunreinigung betroffen werden könnten, falls keine Maßnahmen nach Artikel 5 ergriffen werden,  werden von den Mitgliedstaaten nach den Kriterien des Anhangs I bestimmt. (2)  Die Mitgliedstaaten weisen innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe dieser Richtlinie alle  in ihrem Gebiet bekannten Flächen, die in nach Absatz 1 bestimmte Gewässer entwässern und die zur  Verunreinigung beitragen, als gefährdete Gebiete aus. Sie unterrichten die Kommission hiervon  innerhalb von sechs Monaten nach erster Ausweisung. (3)  Werden Gewässer, die ein Mitgliedstaat gemäß Artikel 1 bestimmt hat, durch direkte oder  indirekte Zufluesse aus einem anderen Mitgliedstaat beeinträchtigt, so kann der Mitgliedstaat,  dessen Gewässer beeinträchtigt werden, den anderen Mitgliedstaat und die Kommission entsprechend  unterrichten. Die beteiligten Mitgliedstaaten veranlassen gegebenenfalls gemeinsam mit der Kommission die  notwendige Abstimmung zur Ermittlung der Ursachen der Verunreinigung und zur Festlegung der  Maßnahmen, die zum Schutz der beeinträchtigten Gewässer zu treffen sind, um die Übereinstimmung mit  dieser Richtlinie sicherzustellen. (4)  Die Mitgliedstaaten sind gehalten, ihr Verzeichnis der gefährdeten Gebiete wenn notwendig,  jedoch mindestens alle vier Jahre zu prüfen und gegebenenfalls zu ändern oder zu ergänzen, um  Veränderungen und zum Zeitpunkt der vorherigen Einstufung unvorhergesehene Faktoren zu  berücksichtigen. Sie unterrichten die Kommission innerhalb von sechs Monaten von jeder Änderung  oder Ergänzung dieses Verzeichnisses. (5)  Die Mitgliedstaaten sind von der Verpflichtung, bestimmte gefährdete Gebiete auszuweisen,  befreit, wenn sie die in Artikel 5 genannten Aktionsprogramme nach den Vorgaben dieser Richtlinie  in ihrem gesamten Gebiet durchführen. Artikel 4 (1)  Um für alle Gewässer einen allgemeinen Schutz vor Verunreinigung zu gewährleisten,  treffen die Mitgliedstaaten binnen zwei Jahren nach Bekanntgabe dieser Richtlinie folgende  Maßnahmen: a) Sie stellen Regeln der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft auf, die von den Landwirten  auf freiwilliger Basis anzuwenden sind und Bestimmungen enthalten sollten, welche mindestens die in  Anhang II Punkt A enthaltenen Punkte umfassen; b) sie erarbeiten, falls notwendig, ein Programm, das auch Schulungs- und Informationsmaßnahmen für  Landwirte vorsieht und das die Anwendung der Regeln der guten fachlichen Praxis in der  Landwirtschaft fördert. (2)  Die Mitgliedstaaten übermitteln der Kommission die Einzelheiten ihrer Regeln der guten  fachlichen Praxis in der Landwirtschaft; die Kommission nimmt die Angaben über diese Regeln in den  in Artikel 11 genannten Bericht auf. Anhand der erhaltenen Informationen kann die Kommission dem  Rat geeignete Vorschläge unterbreiten, wenn sie dies für erforderlich hält. Artikel 5 (1)  Zur Verwirklichung der in Artikel 1 genannten Ziele legen die Mitgliedstaaten  innerhalb von zwei Jahren nach der ersten Ausweisung der gefährdeten Gebiete nach Artikel 3 Absatz  2 oder innerhalb eines Jahres nach jeder ergänzenden Ausweisung nach Artikel 3 Absatz 4  Aktionsprogramme für die als gefährdet ausgewiesenen Gebiete fest. (2)  Ein Aktionsprogramm kann sich auf alle gefährdeten Gebiete im Gebiet eines Mitgliedstaates  erstrecken, oder es können verschiedene Programme für verschiedene gefährdete Gebiete oder  Teilgebiete festgelegt werden, wenn der Mitgliedstaat dies für angebracht hält. (3)  In den Aktionsprogrammen werden berücksichtigt: a) die verfügbaren wissenschaftlichen und technischen Daten, insbesondere über die jeweiligen  Stickstoffeinträge aus landwirtschaftlichen und anderen Quellen; b) die Umweltbedingungen in den jeweiligen Regionen des Mitgliedstaates. (4)  Die Aktionsprogramme werden innerhalb von vier Jahren nach Aufstellung durchgeführt und  enthalten folgende verbindlich vorgeschriebene Maßnahmen: a) die Maßnahmen nach Anhang III; b) Maßnahmen, die die Mitgliedstaaten in den Regeln der guten fachlichen Praxis in der  Landwirtschaft nach Maßgabe von Artikel 4 vorgeschrieben haben, ausgenommen diejenigen, die durch  die Maßnahmen nach Anhang III ersetzt wurden. (5)  Die Mitgliedstaaten treffen darüber hinaus im Rahmen der Aktionsprogramme die zusätzlichen  Maßnahmen oder verstärkten Aktionen, die sie für erforderlich halten, wenn von Anfang an oder  anhand der Erfahrungen bei der Durchführung der Aktionsprogramme deutlich wird, daß die Maßnahmen  nach Absatz 4 zur Verwirklichung der in Artikel 1 genannten Ziele nicht ausreichen. Bei der Wahl  dieser Maßnahmen oder Aktionen tragen die Mitgliedstaaten deren Wirksamkeit und den damit  verbundenen Kosten im Vergleich zu anderen möglichen Vorbeugungsmaßnahmen Rechnung. (6)  Die Mitgliedstaaten sorgen für die Aufstellung und Durchführung geeigneter  Überwachungsprogramme, damit die Wirksamkeit der in diesem Artikel vorgesehenen Aktionsprogramme  beurteilt werden kann. Die Mitgliedstaaten, die Artikel 5 in ihrem gesamten Gebiet anwenden, überwachen den Nitratgehalt  der Gewässer (Oberflächengewässer und Grundwasser) an ausgewählten Meßstellen, an denen der Grad  der Nitratverunreinigung der Gewässer aus landwirtschaftlichen Quellen festgestellt werden kann. (7)  Mindestens alle vier Jahre überprüfen die Mitgliedstaaten ihre Aktionsprogramme und schreiben  sie, falls erforderlich, einschließlich zusätzlicher Maßnahmen nach Artikel 5 fort. Sie  unterrichten die Kommission von allen Änderungen der Aktionsprogramme. Artikel 6 (1)  Zur Ausweisung gefährdeter Gebiete und zur Fortschreibung der Ausweisung treffen  die Mitgliedstaaten folgende Maßnahmen: a) Innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe dieser Richtlinie messen sie die Nitratkonzentration  im Süßwasser über einen Zeitraum von einem Jahr, und zwar: i) an Meßstellen von Oberflächengewässern nach Artikel 5 Absatz 4 der Richtlinie 75/440/EWG  und/oder anderen Meßstellen, die für die Oberflächengewässer der Mitgliedstaaten repräsentativ  sind, mindestens einmal monatlich und häufiger bei Hochwasser; ii) an Grundwassermeßstellen, die für die Grundwasservorkommen der Mitgliedstaaten repräsentativ  sind, in regelmässigen Abständen und unter Berücksichtigung der Richtlinie 80/778/EWG; b) mindestens alle vier Jahre wiederholen sie die in Buchstabe a) beschriebenen Messungen, ausser im  Falle der Meßstellen, bei denen die Nitratkonzentration bei allen früheren Proben unter 25 mg/l lag  und keine neuen Faktoren aufgetreten sind, die zu einer Zunahme des Nitratgehalts führen könnten;  in diesem Fall muß die Messung nur alle acht Jahre wiederholt werden; c) alle vier Jahre überprüfen sie den Zustand ihrer Binnen-, Mündungs- und Küstengewässer unter dem  Gesichtspunkt der Eutrophierung. (2)  Messungen werden nach den Referenzmethoden des Anhangs IV durchgeführt. Artikel 7 Leitlinien für die in den Artikeln 5 und 6 genannte Überwachung können nach dem  Verfahren des Artikels 9 ausgearbeitet werden. Artikel 8 Die Anhänge dieser Richtlinie können entsprechend dem wissenschaftlichen und  technischen Fortschritt nach dem Verfahren des Artikels 9 angepasst werden. Artikel 9 (1)  Die Kommission wird von einem Ausschuß unterstützt, der sich aus Vertretern der  Mitgliedstaaten zusammensetzt und in dem ein Vertreter der Kommission den Vorsitz führt. (2)  Der Vertreter der Kommission unterbreitet dem Ausschuß einen Entwurf der zu treffenden  Maßnahmen. Der Ausschuß gibt seine Stellungnahme zu diesem Entwurf innerhalb einer Frist ab, die  der Vorsitzende unter Berücksichtigung der Dringlichkeit der betreffenden Frage festsetzen kann.  Die Stellungnahme wird mit der Mehrheit abgegeben, die in Artikel 148 Absatz 2 des Vertrages für  die Annahme der vom Rat auf Vorschlag der Kommission zu fassenden Beschlüsse vorgesehen ist. Bei  der Abstimmung im Ausschuß werden die Stimmen der Vertreter der Mitgliedstaaten gemäß dem  vorgenannten Artikel gewogen. Der Vorsitzende nimmt an der Abstimmung nicht teil. (3) a) Die Kommission erlässt die beabsichtigten Maßnahmen, wenn sie mit der Stellungnahme des  Ausschusses übereinstimmen. b) Stimmen die beabsichtigten Maßnahmen mit der Stellungnahme des Ausschusses nicht überein oder  liegt keine Stellungnahme vor, so unterbreitet die Kommission dem Rat unverzueglich einen Vorschlag  für die zu treffenden Maßnahmen. Der Rat beschließt mit qualifizierter Mehrheit. c) Hat der Rat drei Monate nach seiner Befassung keinen Beschluß gefasst, so werden die  vorgeschlagenen Maßnahmen von der Kommission erlassen, es sei denn, der Rat hat sich mit einfacher  Mehrheit gegen die genannten Maßnahmen ausgesprochen. Artikel 10 (1)  Die Mitgliedstaaten legen der Kommission für den Vierjahreszeitraum nach  Bekanntgabe dieser Richtlinie und für jeden darauffolgenden Vierjahreszeitraum einen Bericht mit  den in Anhang V beschriebenen Informationen vor. (2)  Ein Bericht nach diesem Artikel wird der Kommission binnen sechs Monaten nach Ende des  Zeitraums vorgelegt, auf den er sich bezieht. Artikel 11 Auf der Grundlage der gemäß Artikel 10 erhaltenen Informationen veröffentlicht die  Kommission binnen sechs Monaten nach Erhalt der Berichte der Mitgliedstaaten einen  zusammenfassenden Bericht und übermittelt ihn dem Europäischen Parlament und dem Rat. Anhand der  Durchführung der Richtlinie und insbesondere des Anhangs III unterbreitet die Kommission dem Rat  bis zum 1. Januar 1998 einen Bericht, dem sie gegebenenfalls Vorschläge für die Überprüfung dieser  Richtlinie beifügt. Artikel 12 (1)  Die Mitgliedstaaten erlassen die erforderlichen Rechts- und  Verwaltungsvorschriften, um dieser Richtlinie binnen zwei Jahren nach ihrer Bekanntgabe (1)  nachzukommen. Sie setzen die Kommission unverzueglich davon in Kenntnis. (2)  Wenn die Mitgliedstaaten diese Vorschriften erlassen, nehmen sie in den Vorschriften selbst  oder durch einen Hinweis bei der amtlichen Veröffentlichung auf diese Richtlinie Bezug. Die  Mitgliedstaaten regeln die Einzelheiten der Bezugnahme. (3)  Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission den Wortlaut der innerstaatlichen Rechtsvorschriften  mit, die sie auf dem unter diese Richtlinie fallenden Gebiet erlassen. Artikel 13 Diese Richtlinie ist an die Mitgliedstaaten gerichtet. Geschehen zu Brüssel am 12. Dezember 1991. Im Namen des RatesDer PräsidentJ.G.M. ALDERS     (1)ABl. Nr. C 54 vom 3. 3. 1989, S. 4, und ABl. Nr. C 51 vom 2. 3. 1990, S.  12.  (2)ABl. Nr. C 158 vom 26. 6. 1989, S. 487.  (3)ABl. Nr. C 159 vom 26. 6. 1989, S. 1.  (4)ABl. Nr. L 194 vom 25. 7. 1975, S. 26.  (5)ABl. Nr. L 271 vom 29. 10. 1979, S. 44.  (6)ABl. Nr. L 229 vom 30. 8. 1980, S. 11.  (7)ABl. Nr. C 328 vom 7. 12. 1987, S. 1.  (8)ABl. Nr. C 209 vom 9. 8. 1988, S. 3.  (1)Diese Richtlinie wurde den Mitgliedstaaten am 19. Dezember 1991 bekanntgegeben.   ANHANG I KRITERIEN FÜR DIE BESTIMMUNG DER GEWÄSSER NACH ARTIKEL 3 ABSATZ 1 A. Gewässer  nach Artikel 3 Absatz 1 werden unter anderem nach folgenden Kriterien bestimmt: 1. wenn Binnengewässer, insbesondere solche, die zur Trinkwassergewinnung genutzt werden oder  bestimmt sind, eine höhere Nitratkonzentration als die nach der Richtlinie 75/440/EWG festgesetzte  Konzentration enthalten oder enthalten können und keine Maßnahmen im Sinne des Artikels 5 getroffen  werden; 2. wenn Grundwasser mehr als 50 mg/l Nitrat enthält oder enthalten könnte und keine Maßnahmen im  Sinne des Artikels 5 getroffen werden; 3. wenn in Binnengewässern, Mündungsgewässern, Küstengewässern und in Meeren eine Eutrophierung  festgestellt wurde oder in naher Zukunft zu befürchten ist und keine Maßnahmen im Sinne des  Artikels 5 getroffen werden. B. Bei Anwendung dieser Kriterien berücksichtigen die Mitgliedstaaten ferner  1. die physikalischen und ökologischen Eigenarten von Boden und Gewässern; 2. den Stand der Erkenntnisse über das Verhalten von Stickstoffverbindungen in der Umwelt (Boden  und Gewässer); 3. den Stand der Erkenntnisse über die Auswirkungen der Maßnahmen im Sinne des Artikels 5.     ANHANG II REGELN DER GUTEN FACHLICHEN PRAXIS IN DER LANDWIRTSCHAFT A. Die Regeln der  guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft, mit denen die Verringerung der Nitratverunreinigung  erreicht werden soll und die die Verhältnisse in den verschiedenen Regionen der Gemeinschaft  berücksichtigen, sollten Bestimmungen zu folgenden Punkten enthalten, soweit diese von Belang  sind:  1. Zeiträume, in denen Düngemittel nicht auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden  sollten;  2. Ausbringen von Düngemitteln auf stark geneigten landwirtschaftlichen Flächen;  3. Ausbringen von Düngemitteln auf wassergesättigten, überschwemmten, gefrorenen oder  schneebedeckten Böden;  4. Bedingungen für das Ausbringen von Düngemitteln auf landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe  von Wasserläufen;  5. Fassungsvermögen und Bauweise von Behältern zur Lagerung von Dung, einschließlich Maßnahmen zur  Verhinderung von Gewässerverunreinigungen durch Einleiten und Versickern von dunghaltigen  Flüssigkeiten und von gelagertem Pflanzenmaterial wie z.B. Silagesickersäften in das Grundwasser  und in Oberflächengewässer;  6. Verfahren für das Ausbringen auf landwirtschaftlichen Flächen - einschließlich der Häufigkeit  und Gleichmässigkeit des Ausbringens - von sowohl Mineraldünger als auch Dung, bei denen die  Nährstoffverluste in die Gewässer auf ein annehmbares Maß beschränkt bleiben. B. Die Mitgliedstaaten können in ihre Regeln der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft auch  folgende Punkte aufnehmen:  7. Bodenbewirtschaftung, einschließlich Fruchtfolgegestaltung und der Anbauverhältnisse  (Grünland/Ackerland);  8. Beibehaltung einer Mindestpflanzenbedeckung während bestimmter (Regen-)Zeiten zur Aufnahme des  Stickstoffs, der sonst eine Nitratbelastung im Gewässer verursachen könnte;  9. Aufstellung von Düngeplänen für die einzelnen landwirtschaftlichen Betriebe und Führen von  Aufzeichnungen über die Verwendung von Düngemitteln; 10. Verhinderung von Gewässerverunreinigungen durch Abfließen und Versickern von Wasser in  Bewässerungssystemen über die Reichweite der Pflanzenwurzeln hinaus.     ANHANG III MASSNAHMEN, DIE IN DIE AKTIONSPROGRAMME NACH ARTIKEL 5 ABSATZ 4 BUCHSTABE a)  AUFZUNEHMEN SIND  1. Diese Maßnahmen umfassen Vorschriften betreffend: 1. die Zeiträume, in denen das Ausbringen bestimmter Arten von Düngemitteln auf  landwirtschaftlichen Flächen verboten ist; 2. das Fassungsvermögen von Behältern zur Lagerung von Dung; dieses muß grösser sein als die  erforderliche Kapazität für die Lagerung von Dung während des längsten Zeitraums, in dem das  Ausbringen von Dung auf landwirtschaftlichen Flächen in den gefährdeten Gebieten verboten ist, es  sei denn, der zuständigen Behörde gegenüber kann nachgewiesen werden, daß die das gegebene  Fassungsvermögen übersteigende Menge umweltgerecht entsorgt wird; 3. Begrenzung des Ausbringens von Düngemitteln auf landwirtschaftliche Flächen entsprechend den  Regeln der guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft unter Berücksichtigung der besonderen  Merkmale des betroffenen gefährdeten Gebiets, insbesondere von a) Bodenbeschaffenheit, Bodenart und Bodenneigung; b) klimatischen Verhältnissen, Niederschlägen und Bewässerung; c) Bodennutzung und Bewirtschaftungspraxis, einschließlich Fruchtfolgen, ausgerichtet auf ein Gleichgewicht zwischen i) dem voraussichtlichen Stickstoffbedarf der Pflanzen und ii) der Stickstoffversorgung der Pflanzen aus dem Boden und aus der Düngung, und zwar aus - der im Boden vorhandenen Stickstoffmenge zu dem Zeitpunkt, zu dem die Pflanzen anfangen, den  Stickstoff in signifikantem Umfang aufzunehmen (Reste am Ende des Winters); - der Stickstoffnachlieferung aus der Nettomineralisation der organisch gebundenen  Stickstoffvorräte im Boden; - den Einträgen von Stickstoffverbindungen aus Dung; - den Einträgen von Stickstoffverbindungen aus Mineraldünger und anderen Düngemitteln. 2. Mit diesen Maßnahmen wird sichergestellt, daß bei jedem Ackerbau- oder Tierhaltungsbetrieb die  auf den Boden ausgebrachte Dungmenge, einschließlich des von den Tieren selbst ausgebrachten Dungs,  eine bestimmte Menge pro Jahr und Hektar nicht überschreitet. Als Hoechstmenge pro Hektar gilt die Menge Dung, die 170 kg Stickstoff enthält. Jedoch a) können die Mitgliedstaaten für das erste Vierjahresprogramm eine Dungmenge zulassen, die bis zu  210 kg Stickstoff enthält; b) können die Mitgliedstaaten während und nach dem ersten Vierjahresprogramm andere als die  obengenannten Mengen zulassen. Diese Mengen müssen so festgelegt werden, daß sie die Erreichung der  in Artikel 1 genannten Ziele nicht beeinträchtigen; sie sind anhand objektiver Kriterien zu  begründen, wie z.B.: - lange Wachstumsphasen; - Pflanzen mit hohem Stickstoffbedarf; - hoher Nettoniederschlag in dem gefährdeten Gebiet; - Böden mit einem aussergewöhnlich hohen Denitrifikationsvermögen. Lässt ein Mitgliedstaat nach Maßgabe des vorliegenden Buchstabens b) eine andere Menge zu, so  unterrichtet er davon die Kommission, die die Begründung nach dem in Artikel 9 festgelegten  Verfahren prüft. 3. Die Mitgliedstaaten können die Mengen gemäß Nummer 2 auf der Grundlage von Tierzahlen  berechnen. 4. Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission mit, in welcher Weise sie die Bestimmungen nach Nummer  2 anwenden. Anhand der erhaltenen Informationen kann die Kommission, wenn sie dies für erforderlich  hält, dem Rat gemäß Artikel 11 geeignete Vorschläge unterbreiten.       ANHANG IV REFERENZMESSMETHODEN Mineraldünger Stickstoffverbindungen werden  gemessen nach dem Verfahren der Richtlinie 77/535/EWG der Kommission vom 22. Juni 1977 zur  Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Probenahme und Analysemethoden für  Düngemittel (1), zuletzt geändert durch die Richtlinie 89/519/EWG (2). Binnengewässer, Küstengewässer und Meere Die Nitratkonzentration wird gemessen  in Übereinstimmung mit Artikel 4a Absatz 3 der Entscheidung 77/795/EWG des Rates vom 12. Dezember  1977 zur Einführung eines gemeinsamen Verfahrens zum Informationsaustausch über die Qualität des  Oberflächensüßwassers in der Gemeinschaft (3), geändert durch die Entscheidung 86/574/EWG (4).   (1)ABl. Nr. L 213 vom 22. 8. 1977, S. 1.  (2)ABl. Nr. L 265 vom 12. 9. 1989, S. 30.  (3)ABl. Nr. L 334 vom 24. 12. 1977, S. 29.  (4)ABl. Nr. L 335 vom 28. 11. 1986, S. 44.   ANHANG V INFORMATIONEN FÜR DIE BERICHTE NACH ARTIKEL 10 1. Darlegung der vorbeugenden  Maßnahmen nach Artikel 4. 2. Karte, aus der folgendes hervorgeht: a) die nach Artikel 3 Absatz 1 und Anhang I bestimmten Gewässer, wobei für jedes Gewässer anzugeben  ist, welches der Kriterien in Anhang I zu seiner Bestimmung herangezogen wurde; b) die Lage der ausgewiesenen gefährdeten Gebiete, wobei zwischen bereits bestehenden und seit dem  vorangegangenen Bericht neu ausgewiesenen Gebieten zu unterscheiden ist. 3. Übersicht über die Ergebnisse der nach Artikel 6 durchgeführten Überwachung sowie Angaben der  Gründe, die jeweils zu der Ausweisung eines gefährdeten Gebiets und zu einer Änderung dieser  Ausweisung oder einer zusätzlichen Ausweisung von gefährdeten Gebieten geführt haben. 4. Übersicht über die Aktionsprogramme nach Artikel 5, insbesondere über a) die nach Artikel 5 Absatz 4 Buchstaben a) und b) vorgeschriebenen Maßnahmen; b) die nach Anhang III Nummer 4 erforderlichen Informationen; c) etwaige zusätzliche Maßnahmen oder verstärkte Aktionen nach Artikel 5 Absatz 5; d) die Ergebnisse der nach Artikel 5 Absatz 6 durchgeführten Überwachungsprogramme; e) die Prognosen der Mitgliedstaaten über den Zeitraum, in dem die nach Artikel 3 Absatz 1  bestimmten Gewässer voraussichtlich auf die Maßnahmen des Aktionsprogramms reagieren, und zwar  unter Angabe der Unsicherheitsfaktoren, mit denen diese Prognosen behaftet sind.